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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - - -Title: Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Physiologie und Pathologie - - -Author: Justus, Freiherr von Liebig - - - -Release Date: August 30, 2017 [eBook #55462] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - - -***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE ORGANISCHE CHEMIE IN IHRER -ANWENDUNG AUF PHYSIOLOGIE UND PATHOLOGIE*** - - -E-text prepared by Peter Becker, Harry Lamé, and the Online Distributed -Proofreading Team (http://www.pgdp.net) from page images generously made -available by Internet Archive (https://archive.org) - - - -Note: Images of the original pages are available through - Internet Archive. See - https://archive.org/details/dieorganischeche1842lieb - - Some characters might not display properly in this UTF-8 - text file (e.g., empty squares). If so, the reader should - consult the html version - (http://www.gutenberg.org/files/55462/55462-h/55462-h.htm) - or - (http://www.gutenberg.org/files/55462/55462-h.zip) - or the original page images noted above. - - -Anmerkungen zur Transkription - - =Text= und _Text_ repräsentieren fett gedruckten bzw. - gesperrten Text. - - Das Originalwerk wurde in Fraktur gedruckt, außer den - hier als ~Text~ markierten Texten. - - Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende dieses Textes. - - - - - -Die -=organische Chemie= -in -ihrer Anwendung -auf -=Physiologie und Pathologie.= - - -Druck und Papier -von Fr. Vieweg und Sohn -in Braunschweig - - -Die -=organische Chemie= -in -ihrer Anwendung -auf -=Physiologie und Pathologie.= - -Von - -Justus Liebig, -~Dr.~ der Medizin und Philosophie, -Professor der Chemie an der Ludwigs-Universität zu Gießen, -Ritter des Großherzogl. Hessischen Ludwigsordens und des Kaiserl. -Russischen St. Annenordens 3ter Klasse, auswärtiges Mitglied der -Königl. Akademie der Wissenschaften zu Stockholm, der ~Royal -Society~ zu London, Ehrenmitglied der ~British association for the -advancement of Science~, Ehrenmitglied der Königlichen Akademie zu -Dublin, correspondirendes Mitglied der Königlichen Akademieen der -Wissenschaften zu Berlin, München und St. Petersburg, des Königlichen -Institutes zu Amsterdam, der Königlichen Societät der Wissenschaften -zu Göttingen, der naturforschenden Gesellschaft zu Heidelberg -&c. &c. &c. - - - - - - -Braunschweig, -Verlag von Friedrich Vieweg und Sohn. -1842. - - - - -Vorwort. - - -Durch die Uebertragung der Methoden, welche die Physiker seit -Jahrhunderten in der Ermittelung der Ursachen der Naturerscheinungen -befolgen, auf die Chemie, durch Beachtung von Maß und Gewicht, ist von -_Lavoisier_ der Grundstein einer neuen Wissenschaft gelegt worden, -welche durch die Pflege ausgezeichneter Männer in außerordentlich kurzer -Zeit einen hohen Grad von Vollendung erhalten hat. - -Es war die Aufsuchung und das Festhalten aller Bedingungen, die sich zu -einer Beobachtung vereinigen müssen, es war die Erkenntniß der -richtigeren Grundsätze zu Forschungen, welche die Chemiker vor -Irrthümern schützten und sie auf einem ebenso einfachen als sicheren -Wege zu Entdeckungen führten, welche in die früher dunkelsten und -unbegreiflichsten Naturerscheinungen Licht und Klarheit brachten. - -Die nützlichsten Anwendungen auf Künste und Industrie und alle der -Chemie verwandten Zweige des Wissens, ergaben sich aus den von ihnen -erforschten Gesetzen und dieser Einfluß zeigte sich nicht erst, nachdem -die Chemie den erreichbaren Grad von Vollendung erhalten hatte, sondern -er machte sich mit jeder einzelnen neuen Erfahrung geltend. - -Alle in den anderen Fächern bereits vorhandenen Erfahrungen und -Beobachtungen wirkten in ganz gleicher Weise fördernd, auf die -Ausbildung und Entwicklung der Chemie zurück, so daß sie eben so viel -von der Metallurgie und Industrie empfing, als sie gegeben hatte; indem -sie zusammen an Reichthum zunahmen, bildeten sie sich mit und neben -einander aus. - -Nach der allmäligen Vervollkommnung der Mineralchemie wandten sich die -Arbeiten der Chemiker einer andern Richtung zu; aus der Untersuchung der -Bestandtheile der Pflanzen und Thiere sind neue und veränderte Ansichten -hervorgegangen; das vorliegende Werk ist ein Versuch zu ihrer Anwendung -in der Physiologie und Pathologie. - -In früheren Zeiten hat man, in vielen Fällen mit großem Erfolg, die aus -der Bekanntschaft mit den chemischen Erfahrungen erworbenen Ansichten -auf die Zwecke der Heilwissenschaft anzuwenden versucht; ja, die großen -Aerzte, welche zu Ende des siebenzehnten Jahrhunderts lebten, waren die -ausschließlichen Kenner und Begründer der Chemie; das phlogistische -System der Chemie, mit allen seinen Unvollkommenheiten, erschien als die -Morgenröthe eines neuen Tages, es war der Sieg der Philosophie über die -roheste Experimentirkunst. - -Die neuere Chemie hat mit allen ihren Entdeckungen der Physiologie und -Pathologie nur unbedeutende Dienste geleistet, und Niemand kann sich -über die Ursache dieser Theilnahmlosigkeit täuschen, wer in Erwägung -zieht, daß alle in dem Gebiete der anorganischen Chemie erworbenen -Erfahrungen, die Kenntniß des Verhaltens der einfachen Körper und ihrer -in Laboratorien darstellbaren Verbindungen mit dem lebendigen -Thierkörper und dem Verhalten seiner Bestandtheile in keine Art von -Beziehung gebracht werden konnten. - -Die Physiologie nahm keinen Theil an den Fortschritten der Chemie, weil -sie lange Zeit hindurch, zu ihrer eigenen Förderung, nichts von dieser -Wissenschaft zu empfangen hatte. Dieser Zustand hat sich seit -fünfundzwanzig Jahren geändert; allein auch in der Physiologie sind in -dieser Zeit neue Wege und Mittel zu Forschungen in ihrem eigenen Gebiete -gewonnen worden, und erst mit der Erschöpfung dieser Quellen von -Entdeckungen ließ sich einer neuen Richtung in den Arbeiten der -Physiologen entgegensehen. Auch diese Zeit liegt uns nahe, und ein -Weiterschreiten auf dem eingeschlagenen Wege würde jetzt das Gebiet der -Physiologie, aus dem sich sehr bald fühlbar machenden Mangel an frischen -Anhaltspunkten zu Forschungen, nur breiter, aber weder tiefer noch -gründlicher machen. - -Niemand wird den Muth haben zu behaupten, daß die Ermittelung der Formen -und der Bewegungserscheinungen nicht nothwendig oder nützlich wäre, sie -muß im Gegentheil als durchaus unentbehrlich zur Erkenntniß der -Lebensprocesse angesehen werden; allein sie umfaßt nur eine einzige -Klasse von Bedingungen zur Erkenntniß, und diese reichen für sich allein -nicht dazu hin. - -Die Erforschung der Zwecke und Functionen der einzelnen Organe und ihres -gegenseitigen Verbandes im Thierkörper, war in früherer Zeit der -Hauptgegenstand der physiologischen Untersuchungen; er ist in der neuern -Zeit in den Hintergrund getreten. Die größte Masse aller neueren -Entdeckungen hat die vergleichende Anatomie weit mehr als die -Physiologie bereichert. - -Für die Erkennung der ungleichen Formen und Zustände im gesunden und -kranken Organismus geben diese Arbeiten ohne Zweifel die werthvollsten -Resultate, allein für eine tiefere Einsicht in das Wesen der vitalen -Acte bieten sie keine Aufschlüsse dar. - -Durch die genaueste, anatomische Kenntniß der Gebilde kann man zuletzt -nicht erfahren, zu welchem Zwecke sie dienen, und mit der -mikroskopischen Untersuchung der feinsten Verzweigungen der Gefäßnetze -wird man nicht mehr von ihren Verrichtungen wissen, als man über den -Gesichtssinn durch das Zählen der Flächen auf dem Auge einer -Stubenfliege erfahren hat. Die schönste und erhabenste Aufgabe des -menschlichen Geistes, die Erforschung der Gesetze des Lebens, kann nicht -gelös’t, sie kann nicht gedacht werden, ohne eine genaue Kenntniß der -chemischen Kräfte, der Kräfte nämlich, die nicht in Entfernungen wirken, -die in einer ähnlichen Weise zur Aeußerung gelangen, wie die letzten -Ursachen, von welchen die Lebenserscheinungen bedingt werden, die sich -überall thätig zeigen, wo sich differente Materien berühren. - -Die Pathologie versucht noch heutzutage, wiewohl ganz nach dem Muster -der phlogistischen Chemiker (der qualitativen Methode), Anwendung von -chemischen Erfahrungen zur Beseitigung von Krankheitszuständen zu -machen, allein den Ursachen und dem Wesen der Krankheit ist man mit -allen diesen zahllosen Versuchen um keinen Schritt näher gekommen. - -Ohne bestimmte Fragen zu stellen, hat man Blut, Harn und alle -Bestandtheile des gesunden und kranken Organismus mit Alkalien und -Säuren und allen Arten von chemischen Reagentien in Berührung gebracht -und aus der Kenntniß der vorgegangenen Aenderungen Rückschlüsse auf ihr -Verhalten im Körper gemacht. - -Auf diesem Wege konnte der Zufall vielleicht zu nützlichen Heilmitteln -führen, allein eine rationelle Pathologie kann auf Reactionen nicht -begründet, der lebendige Thierkörper kann nicht für ein chemisches -Laboratorium angesehen werden. - -Bei krankhaften Zuständen, in dessen Folge das Blut eine dickflüssige -Beschaffenheit erhält, kann diese nicht durch eine chemische Wirkung auf -die in den Blutkanälen circulirende Flüssigkeit dauernd gehoben werden; -die Abscheidung von Sedimenten im Harn läßt sich vielleicht durch -Alkalien verhindern, ohne daß damit nur entfernt die Krankheitsursache -beseitigt sein kann; und wenn man im Typhus unlösliche Ammoniaksalze in -den Faeces und eine ähnliche Aenderung der Beschaffenheit der -Blutkörperchen beobachtet, so wie sie durch Ammoniakflüssigkeit -künstlich im Blute hervorgebracht werden kann, so darf deshalb das im -Körper vorhandene Ammoniak nicht als die Ursache, sondern stets nur als -der Effect einer Ursache angesehen werden. - -So hat die Medizin, nach dem Vorbilde der aristotelischen Philosophie, -sich Vorstellungen geschaffen über Ernährung und Blutbildung, man hat -die Speisen classificirt in nahrhafte und nichtnahrhafte; aber auf -Beobachtungen gestützt, denen die wesentlichsten Erfordernisse zu -richtigen Schlüssen mangelten, konnten diese Theorien nicht als -Ausdrücke der Wahrheit gelten. - -In welcher Klarheit erscheinen uns jetzt die Beziehungen der Speisen zu -den Zwecken, zu welchen sie im Thierkörper dienen, seitdem die -organische Chemie ihre quantitative Untersuchungsmethode auf ihre -Ermittelung in Anwendung brachte! - -Wenn eine magere 4 Pfund wiegende Gans in 36 Tagen, während welchen sie -mit 24 Pfund Welschkorn (Mays) gemästet worden ist, 5 Pfund über ihr -ursprüngliches Gewicht zunimmt und man 3¹/₂ Pfund reines Fett aus ihr -gewinnt, so kann dieses Fett nicht fertig gebildet in der Nahrung -gewesen sein, da diese noch nicht den tausendsten Theil an Fett oder -fettähnlichen Materien enthält. Und wenn eine gewisse Anzahl Bienen, -deren Gewicht man genau kennt, mit reinem, wachsfreiem Honig gefüttert, -für je 20 Theile verbrauchten Honigs einen Theil Wachs liefern, ohne daß -sich sonst in ihrem Gesundheitszustande oder in ihrem Gewichte etwas -ändert, so kann man über die Erzeugung von Fett in dem Thierkörper aus -Zucker nicht im Zweifel sein. - -Ganz ähnlich wie bei der Entscheidung der Frage über die Fettbildung, -verhält es sich mit der Erforschung des Ursprungs und der Veränderung -der Secrete und anderer Erscheinungen im Thierkörper. Von dem -Augenblick, wo man anfängt die Antworten auf Fragen, mit Ernst und -Gewissenhaftigkeit zu suchen, wo man sich die Mühe nimmt, durch Maß und -Gewicht die Beobachtungen festzuhalten und in Gleichungen auszudrücken, -ergeben sich die Antworten von selbst. - -Durch eine noch so große Anzahl von Beobachtungen, welche nur die eine -Seite der Frage erläutern, wird man niemals im Stande sein, das Wesen -einer Naturerscheinung in seiner ganzen Bedeutung zu erforschen; sie -müssen nothwendig, wenn sie Nutzen schaffen sollen, nach einem ganz -bestimmten Zweck und Ziel gerichtet sein, sie müssen einen organischen -Zusammenhang besitzen. - -Mit Recht schreiben die Physiker und Chemiker ihren Forschungsmethoden -den größten Theil des Erfolgs in ihren Arbeiten zu. Jede chemische oder -physikalische Arbeit, welche einigermaßen den Stempel der Vollendung an -sich trägt, läßt sich im Resultate in wenigen Worten wiedergeben. Allein -diese wenigen Worte sind unvergängliche Wahrheiten, zu deren Auffindung -zahllose Versuche und Fragen erforderlich waren; die Arbeiten selbst, -die mühsamen Versuche und verwickelten Apparate fallen der Vergessenheit -anheim, sobald die Wahrheit ermittelt ist; es sind die Leitern, die -Schachte und Werkzeuge, welche nicht entbehrt werden konnten, um zu dem -reichen Erzgang zu gelangen; es sind die Stollen und Luftzüge, welche -die Gruben von Wasser und bösen Wettern frei hielten. - -Eine jede, auch die kleinste chemische oder physikalische Arbeit, wenn -sie auf Beachtung Ansprüche macht, muß heutzutage diesen Character an -sich tragen; aus einer gewissen Anzahl von Beobachtungen muß ein Schluß, -gleichgültig ob er viel oder wenig umfaßt, gezogen werden können. - -Es kann nur in der Methode, nur in ihrer Untersuchungsweise liegen, daß -seit einem halben Jahrhundert in Beziehung auf eine tiefere Einsicht in -die Functionen der wichtigsten Organe, der Milz, der Leber und -zahlreichen Drüsen, von den Physiologen so wenig neue feststehende -Wahrheiten gewonnen worden sind, und sicher wird die unvollkommene -Bekanntschaft mit den Forschungsmethoden der Chemie das Haupthinderniß -bleiben, was den Fortschritten der Physiologie entgegensteht, der -Hauptvorwurf, den sie nicht zu beseitigen vermag. - -Die Chemie stand der Physik vor _Lavoisier_, _Scheele_ und _Priestley_ -nicht näher, als heutzutage der Physiologie; sie ist jetzt mit der -Physik so innig verschmolzen, daß es schwer halten dürfte, zwischen -beiden eine scharfe Grenzlinie zu ziehen; ganz dasselbe Band vereinigt -die Chemie mit der Physiologie, und in einem halben Jahrhundert wird man -ihre Trennung für ebenso unmöglich halten. - -Unsere Fragen und Versuche durchschneiden in unzähligen krummen Linien -die grade Linie, die zur Wahrheit führt, es sind die Kreuzungspunkte, -die uns die wahre Richtung erkennen lassen; es liegt in der -Unvollkommenheit des menschlichen Geistes, daß die krummen Linien -gemacht werden müssen. Die Chemiker und Physiker behalten stets ihr -Ziel im Auge, dem einen gelingt es, streckenweise den geraden Weg zu -verfolgen, allein alle sind auf die Umwege vorbereitet; des Erfolgs -ihrer Anstrengungen bei Beharrlichkeit und Ausdauer gewiß, wächst die -Begierde und ihr Muth mit den Schwierigkeiten. - -Einzelne Beobachtungen ohne Zusammenhang sind auf einer Ebene zerstreute -Punkte, die uns nicht gestatten, einen bestimmten Weg zu wählen. In der -Chemie hatte man Jahrhunderte lang nichts als diese Punkte, deren -Zwischenräume auszufüllen Mittel genug in Anwendung kamen; allein -bleibende Entdeckungen, wahre Fortschritte wurden erst dann gemacht, als -man ihre Verknüpfung nicht mehr der Phantasie überließ. - -Ich habe den Zweck gehabt, die Kreuzungspunkte der Physiologie und -Chemie in diesem Buche hervorzuheben und die Stellen anzudeuten, wo -beide Wissenschaften gegenseitig in einander greifen. Es enthält eine -Sammlung von Aufgaben, so wie sie gegenwärtig von der Chemie gestellt -werden, und eine Anzahl von Schlüssen, die nach ihren Regeln aus den -vorhandenen Erfahrungen sich ergeben. - -Diese Fragen und Aufgaben werden ihre Lösung erhalten, und kein Zweifel -kann darüber sein, daß wir alsdann eine neue Physiologie und eine -rationelle Pathologie haben werden. Gewiß ist unser Senkblei nicht lang -genug, um die Tiefe des Meeres zu messen, allein es verliert deshalb -seinen Werth für uns nicht; wenn es uns vorläufig nur hilft, um die -Klippen und Sandbänke zu vermeiden, so ist dieser Nutzen groß genug. In -der Hand des Physiologen muß die organische Chemie zu einem geistigen -Hilfsmittel werden, mit dem er im Stande sein wird, die Ursachen von -Erscheinungen zu erforschen, die das leibliche Auge nicht mehr erkennt; -und wenn von den Resultaten, die ich in diesem Buche entwickelt oder -angedeutet habe, nur ein Einziges eine nützliche Anwendung zuläßt, so -halte ich den Zweck, für den es geschrieben ist, für vollkommen -erreicht. Der Weg, der dazu geführt hat, wird andere Wege bahnen, und -dies betrachte ich als den höchsten Gewinn. - - _Gießen_, im April 1842. - - ~Dr.~ _Justus Liebig_. - - - - -_Erster Theil_. - - _Der chemische Proceß_ - der - =_Respiration und Ernährung_.= - - -~I.~ - -In dem Thierei, in dem Samen einer Pflanze erkennen wir eine merkwürdige -Thätigkeit, eine Ursache der Zunahme an Masse, des Ersatzes an -verbrauchtem Stoff, eine Kraft in dem Zustande der Ruhe. Durch äußere -Bedingungen, durch die Begattung, durch Gegenwart von Feuchtigkeit und -Luft wird der Zustand des statischen Gleichgewichtes dieser Thätigkeit -aufgehoben; die in Bewegung übergehende Kraft äußert sich in einer Reihe -von Formbildungen, welche, wenn auch zuweilen durch grade Linien -eingeschlossen, doch weit entfernt von geometrischen Gestalten sind, so -wie wir sie beim krystallisirenden Minerale beobachten. Diese Kraft -heißt _Lebenskraft_. - -Die Zunahme an Masse in einer Pflanze wird durch den Akt einer -Zersetzung bedingt, die in gewissen Pflanzentheilen durch die Einwirkung -des Lichts und der Wärme vor sich geht. - -Dieser Zersetzung unterliegen in dem Lebensproceß der Pflanze -ausschließlich nur anorganische Materien, und wenn man mit -ausgezeichneten Mineralogen die Luft und gewisse andere Gase als -Mineralien gelten läßt, so kann man sagen, daß die vegetative -Lebensthätigkeit die Verwandlung des Minerals in einen mit Leben -begabten Organismus bewirkt, das Mineral wird Theil eines Trägers der -Lebenskraft. - -Die Zunahme an Masse in einer lebenden Pflanze setzt voraus, daß gewisse -Bestandtheile der Nahrung zu Bestandtheilen des Pflanzenkörpers werden, -und eine Vergleichung der chemischen Zusammensetzung von beiden, zeigt -mit unzweifelhafter Gewißheit, welche von den Bestandtheilen der Nahrung -ausgetreten, welche assimilirt worden sind. - -Die Beobachtungen der Pflanzenphysiologen und die Untersuchungen der -Chemiker, sie haben gegenseitig dazu gedient, um den Beweis zu führen, -daß das Wachsthum und die Entwickelung der Pflanze abhängig sind von -einer Ausscheidung von Sauerstoff, der sich von den Bestandtheilen ihrer -Nahrungsmittel trennt. - -Im geraden Gegensatz zu dem Pflanzenleben äußert sich das Thierleben in -einer nie aufhörenden Einsaugung und Verbindung des Sauerstoffs der Luft -mit gewissen Bestandtheilen des Thierkörpers. - -Während kein Theil eines organischen Wesens zur Nahrung einer Pflanze -dienen kann, wenn er nicht vorher, in Folge von Fäulniß und -Verwesungsprocessen, die Form eines anorganischen Körpers angenommen -hat, bedarf der thierische Organismus zu seiner Erhaltung und -Entwickelung höher organisirter Atome. Die Nahrungsmittel aller Thiere -sind unter allen Umständen Theile von Organismen. - -Durch ihre Fähigkeit, den Ort zu wechseln, und im Allgemeinen durch die -Sinne unterscheidet sich das Thier von der Pflanze. - -Alle diese Thätigkeiten gehen von gewissen Werkzeugen aus, die in der -Pflanze fehlen. Die vergleichende Anatomie zeigt, daß die Bewegungs- und -Gefühlsäußerungen von gewissen Apparaten abhängig sind, die mit einander -in keinem andern Zusammenhange stehen, als daß sie sich in einem -gemeinschaftlichen Centrum vereinigen. Die Substanz des Rückenmarks, der -Nerven, der Gehirnmaterie sind in ihrer Zusammensetzung und ihrem -chemischen Verhalten wesentlich von der Substanz der Zellen, Membranen, -Muskeln und der Haut verschieden. - -Alles, was im Thierorganismus _Bewegung_ genannt werden kann, geht von -den Nervenapparaten aus. Die Bewegungserscheinungen in den Pflanzen, die -Saftcirculation, die man in manchen Charen beobachtet hat, das Schließen -der Blüthen und Blätter hängt von physikalischen und mechanischen -Ursachen ab. Eine Pflanze enthält keine Nerven. Wärme und Licht sind die -entfernteren Ursachen der Bewegungen in Pflanzen, in den Thieren -erkennen wir in den Nervenapparaten eine Quelle von Kraft, die sich in -jedem Zeitmomente ihres Lebens wieder zu erneuern vermag. - -Aehnlich wie die Assimilation der Nahrungsmittel in den Pflanzen, ihr -ganzer Bildungsproceß, abhängig ist von gewissen äußeren Ursachen, -welche die Bewegungen vermitteln, ist die Entwickelung des -Thierorganismus bis zu einem gewissen Grade unabhängig von diesen -äußeren Ursachen, eben weil er in sich selbst durch ein besonderes -System von Apparaten die zu dem Lebensproceß unentbehrliche Kraft der -Bewegung erzeugt. - -Der Bildungsproceß, die Assimilation, der Uebergang des in Bewegung -befindlichen Stoffs in den Zustand der Ruhe geht bei Pflanzen und -Thieren in einerlei Weise vor sich, es ist die nämliche Ursache, die in -beiden die Zunahme an Masse bedingt, es ist dies das eigentliche -vegetative Leben, es äußert sich ohne Bewußtsein. - -In der Pflanze giebt sich die vegetative Lebensthätigkeit unter -Mitwirkung von äußeren Kräften, in Thieren durch Thätigkeiten kund, die -sich in ihrem Organismus erzeugen. Die Verdauung, der Blutumlauf, die -Absonderung der Säfte, sie stehen jedenfalls unter der Herrschaft des -Nervensystems, allein es ist ein und dieselbe Kraft, welche dem Keim, -dem Blatt, der Wurzelfaser die nämlichen wunderbaren Eigenschaften -giebt, welche die secernirende Haut, die Drüse besitzen, welche jedes -Organ im Thier befähigt, seinen eigenen Funktionen vorzustehen; nur die -Ursachen der Bewegungen sind in beiden verschieden. - -Während wir in den niedrigsten Thierklassen die Apparate der Bewegung, -wie im befruchteten Keim des Thierei’s, in dem sie sich zu allererst -entwickeln, nie vermissen, finden wir in höheren Thierklassen besondere -Apparate des Gefühls und Empfindens, des Bewußtseins und des höheren -geistigen Lebens. - -Der Patholog zeigt uns, daß das eigentlich vegetative Leben keineswegs -an das Vorhandensein dieser Apparate geknüpft ist, daß der -Nutritionsproceß in den Theilen des Körpers, wo diejenigen Nerven -gelähmt sind, welche das Gefühl oder die willkürlichen Bewegungen -vermitteln, in der nämlichen Form vor sich geht, wie in anderen, in -denen sie sich in normalem Zustande befinden, so wie auf der andern -Seite die kräftigste Energie des Willens auf die Zusammenziehung des -Herzens, auf die Bewegung der Eingeweide und die Secretionsprocesse -keinen Einfluß auszuüben vermag. - -Die Erscheinungen des höheren geistigen Lebens, sie können auf dem -gegenwärtigen Standpunkt der Wissenschaft nicht auf ihre nächsten, viel -weniger auf ihre letzten Ursachen zurückgeführt werden, wir wissen -weiter nichts davon, als daß sie vorhanden sind; wir schreiben sie einer -immateriellen Thätigkeit zu, und zwar insofern ihre Aeußerungen an die -Materie sich gebunden finden, einer Kraft, welche durchaus verschieden -ist und nichts gemein hat mit der Lebenskraft. - -Diese eigenthümliche Kraft übt, wie nicht geleugnet werden kann, einen -gewissen Einfluß auf die vegetative Lebensthätigkeit aus, ähnlich wie -dies von anderen immateriellen Potenzen, von Licht, Elektricität, Wärme -und Magnetismus geschieht, allein dieser Einfluß ist nicht bedingender -Art, sondern er äußert sich nur als eine Beschleunigung, Störung oder -Verlangsamung der vegetativen Lebensprocesse; auf eine ganz ähnliche -Weise übt die vegetative Lebensthätigkeit rückwärts gewisse Wirkungen -auf das bewußte geistige Leben aus. - -Es sind zwei Kräfte, die sich neben einander in Aktion befinden, allein -Bewußtsein und Geist, sie fehlen im Thiere und der lebendigen Pflanze, -ohne daß wir in diesen etwas Anderes vermissen, als den Mangel einer -besondern Ursache der Steigerung oder Störung; abgesehen davon, gehen -alle vitalchemischen Processe im Menschen und Thiere auf einerlei Weise -vor sich. - -Das unaufhörlich sich erneuernde Streben, die Beziehungen der Psyche zu -dem animalischen Leben ermitteln zu wollen, hat von jeher die -Fortschritte der Physiologie aufgehalten, es war ein beständiges -Heraustreten aus dem Gebiete der Naturforschung in das Reich der -phantastischen Gebilde; denn die begeisterten Physiologen, sie waren -weit davon entfernt, die Gesetze des rein thierischen Lebens zu kennen. -Keiner von ihnen hatte eine klare Vorstellung über den Entwickelungs- -und Ernährungsproceß, keiner von der wahren Ursache des Todes. Sie -erklärten die verborgensten psychischen Erscheinungen und waren nicht im -Stande zu sagen, was Fieber ist und in welcher Weise das Chinin bei -seiner Heilung wirkt! - -Um die Gesetze der Bewegungen im Thierkörper zu ermitteln, war nur die -eine Bedingung, die Kenntniß der Apparate erforscht, welche die -Bewegungen vermitteln, aber die Substanz der Organe, die Veränderungen, -welche die Nahrungsmittel im lebenden Körper erfahren, ihr Uebergang zu -Bestandtheilen der Organe und rückwärts wieder in leblose Verbindungen, -der Antheil, den die Atmosphäre an den Lebensprocessen nimmt, alle diese -Grundlagen zu weiteren Schlüssen waren noch nicht gegeben. - -Was hat die Psyche, was hat Bewußtsein und Geist mit der Entwickelung -des menschlichen Fötus, mit der des Fötus im Hühnerei zu schaffen? gewiß -nicht mehr als sie Antheil nimmt an der Entwickelung des Samens einer -Pflanze! Suchen wir vor der Hand die nicht psychischen Erscheinungen auf -ihre letzten Ursachen zurückzuführen, und hüten wir uns vor Schlüssen, -ehe wir eine Grundlage haben. Wir kennen genau den Mechanismus des -Auges, allein weder die Anatomie, noch Chemie wird uns jemals Aufschluß -geben, wie der Lichtstrahl zum Bewußtsein gelangt. Die Naturforschung -hat eine bestimmte Grenze, die sie nicht überschreiten darf, sie muß -sich stets daran erinnern, daß mit allen Entdeckungen nicht in Erfahrung -gebracht werden kann, was Licht, Elektricität und Magnetismus für Dinge -sind, eben weil der menschliche Geist nur Vorstellungen hat für Dinge, -welche Materialität besitzen. Wir können aber die Gesetze ihres Zustands -der Ruhe und der Bewegung erforschen, eben weil sie sich in -Erscheinungen äußern. So können zweifellos die Gesetze des Lebens und -Alles, was sie stört, befördert oder ändert, erforscht werden, ohne daß -man jemals wissen wird, was das Leben ist; so führte die Erforschung der -Gesetze des Falles und der Bewegung der Himmelskörper auf eine vorher -nie gedachte Vorstellung über ihre Ursache. Diese Vorstellung konnte in -ihrer Klarheit nicht entstehen ohne die Kenntniß der Erscheinungen, aus -denen sie sich entwickelte: an und für sich ist ja die Schwerkraft, wie -das Licht für einen Blindgebornen, ein bloßes Wort. - -Die neue Wissenschaft der Physiologie hat die Methode des Aristoteles -verlassen, sie erfindet keinen ~horror vacui~, keine ~Quinta essentia~ -mehr, um den gläubigen Zuhörern Aufschlüsse und Erklärungen von -Erscheinungen zu geben, deren eigentlicher Verband mit anderen, deren -letzte Ursache nicht ermittelt ist, zum Heil der Wissenschaft, muß man -hinzusetzen, und zum Segen für die Menschheit. - -Wenn wir festhalten, daß alle Erscheinungen in dem Organismus der -Pflanzen und des Thieres einer ganz eigenthümlichen Ursache -zugeschrieben werden müssen, welche in ihren Aeußerungen durchaus -verschieden ist von allen anderen Ursachen, die Zustandsänderungen oder -Bewegungen bedingen, wenn wir die Lebenskraft also gelten lassen für -eine für sich bestehende Kraft, so haben wir in den Erscheinungen des -organischen Lebens, wie in allen anderen Erscheinungen, welche Kräften -zugeschrieben werden müssen, eine _Statik_ (Zustand des Gleichgewichtes, -bedingt durch einen Widerstand) und eine _Dynamik_ der Lebenskraft. - -Alle Theile des Thierkörpers bilden sich aus einer eigenthümlichen, in -seinem Organismus circulirenden Flüssigkeit, in Folge einer, jeder -Zelle, jedem Organe oder Theile eines Organs inwohnenden Thätigkeit. Die -Physiologie lehrt, daß alle Bestandtheile des Körpers ursprünglich Blut -waren, oder daß sie wenigstens den entstehenden Organen durch diese -Flüssigkeit zugeführt worden sind. - -Die gewöhnlichsten Erfahrungen geben ferner zu erkennen, daß in jedem -Momente des Lebens in dem Thierorganismus ein fortdauernder, mehr oder -minder beschleunigter Stoffwechsel vor sich geht, daß ein Theil der -Gebilde sich zu formlosen Stoffen umsetzt, daß sie ihren Zustand des -Lebens verlieren und wieder erneuert werden müssen. Die Physiologie hat -entscheidende Gründe genug für die Meinung, daß jede Bewegung, jede -Kraftäußerung die Folge einer Umsetzung der Gebilde oder der Substanz -derselben ist, daß jede Vorstellung, jeder Affekt Veränderungen in der -chemischen Beschaffenheit der abgesonderten Säfte zur Folge hat, daß -jeder Gedanke, jede Empfindung von einer Aenderung in der -Zusammensetzung der Gehirnsubstanz begleitet ist. - -Zur Unterhaltung der Lebenserscheinungen im Thiere gehören gewisse -Stoffe, Theile von Organismen, die man _Nahrungsmittel_ nennt; in Folge -einer Reihe von Veränderungen dienen sie entweder zur Vermehrung seiner -Masse (zur Ernährung), oder zum Ersatze an verbrauchtem Stoff -(Reproduktion), oder sie dienen zur Hervorbringung von Kraft. - - -~II.~ - -Wenn wir die Aufnahme von Nahrungsmitteln als die eine Bedingung des -Lebens bezeichnen, so ist die zweite eine fortdauernde Einsaugung von -Sauerstoff aus der atmosphärischen Luft. - -Von dem Standpunkte des Naturforschers aus zeigt sich das Thierleben in -einer Reihe von Erscheinungen, deren Zusammenhang und Wiederkehr -vermittelt wird durch eine in dem Organismus vorgehende Veränderung, -welche die Nahrungsmittel und der eingesaugte atmosphärische Sauerstoff -unter der Mitwirkung der Lebenskraft erleiden. - -Alle vitalen Thätigkeiten entspringen aus der Wechselwirkung des -Sauerstoffs der Luft und der Bestandtheile der Nahrungsmittel. - -In der Ernährung und Reproduktion erkennen wir den Uebergang des Stoffs -aus dem Zustande der Bewegung in den Zustand der Ruhe (des statischen -Gleichgewichts); durch den Einfluß des Nervensystems gelangt dieser -Stoff in den Zustand der Bewegung. Die letzten Ursachen dieser Zustände -der Lebenskraft sind die chemischen Kräfte. - -Die Ursache des Zustandes der Ruhe ist ein Widerstand, welcher bedingt -wird durch eine Kraft der Anziehung (Verbindung), welche zwischen den -kleinsten Theilchen der Materie wirkt und nur bei unmittelbarer -Berührung, oder in unmeßbar kleinen Entfernungen sich thätig zeigt. - -Diese besondere Art der Anziehung, man kann ihr natürlich die -verschiedensten Namen geben, der Chemiker nennt sie aber _Affinität_. - -Die Bedingung des Zustandes der Bewegung liegt in einer Reihe von -Veränderungen, welche die Nahrungsmittel in dem Organismus erleiden, in -Folge also von Zersetzungsprocessen, welche die Nahrungsmittel an und -für sich, oder die daraus entsprungenen Gebilde, oder Bestandtheile der -Organe erleiden. - -Der Hauptcharacter des vegetativen Lebens ist ein steter Uebergang des -in Bewegung gesetzten Stoffs in den Zustand des statischen -Gleichgewichtes. So lange die Pflanze lebt, ist kein Stillstand in der -Zunahme bemerklich, kein Theil eines Organs der Pflanze nimmt an Masse -ab. Wenn eine Zersetzung erfolgt, so ist sie eine Folge der -Assimilation. Eine Pflanze erzeugt in sich selbst keine Kraft der -Bewegung, kein Theil ihrer Gebilde verliert, durch eine in ihrem -Organismus vorhandene Ursache, den Zustand des Lebens und geht in -formlose Verbindungen über, in ihr findet kein Verbrauch statt. Der -Verbrauch im Thier ist eine Aenderung des Zustandes und der -Zusammensetzung gewisser Bestandtheile des Thierkörpers, er geht mithin -vor sich in Folge chemischer Actionen. Der Einfluß der Gifte, der -Arzneimittel auf den lebenden thierischen Körper zeigt auf eine evidente -Weise, daß der Act der chemischen Zersetzung und Verbindung im -Thierkörper, die sich uns in der Form von Lebenserscheinungen zu -erkennen geben, daß sie durch _ähnlich_ wirkende chemische Kräfte -gesteigert, durch _entgegengesetzt_ wirkende verlangsamt und aufgehoben -werden können, daß wir auf jeden Theil eines Organs durch Stoffe, die -eine bestimmte chemische Action besitzen, eine Wirkung auszuüben -vermögen. - -Aehnlich also wie in der geschlossenen galvanischen Säule durch gewisse -Veränderungen, welche ein anorganischer Körper, ein Metall, bei seiner -Berührung mit einer Säure, erleidet, ein gewisses Etwas für unsere Sinne -wahrnehmbar wird, was wir mit einem Strome electrischer Materie -bezeichnen, entstehen in Folge von Umsetzungen und Veränderungen von -Materien, die früher Theile von Organismen waren, gewisse Bewegungs- und -Thätigkeitsäußerungen, die wir Leben nennen. - -Der electrische Strom giebt sich uns zu erkennen durch gewisse -Erscheinungen der Anziehung und Abstoßung, welche andere, an und für -sich bewegungslose, Materien durch ihn empfangen, durch Erscheinungen -der Bildung und Zersetzung chemischer Verbindungen, die sich überall -äußern, wo der Widerstand die Bewegung nicht aufhebt. - -Von diesem Standpunkte allein und von keinem andern aus darf die Chemie -die Lebenserscheinungen studiren. Wunder finden wir überall; die Bildung -eines Krystalls, eines Octaeders ist nicht minder unbegreiflich, wie die -Entstehung eines Blatts oder einer Muskelfaser, und die Entstehung des -Zinnobers aus Quecksilber und Schwefel ist ein ebenso großes Räthsel, -wie die Bildung eines Auges aus der Substanz des Blutes. - -Aufnahme von Nahrungsmitteln und Sauerstoff sind die ersten Bedingungen -des thierischen Lebens. - -In jedem Zeittheilchen seines Lebens nimmt der Mensch durch die Organe -der Respiration Sauerstoff auf; nie ist, so lange das Thier lebt, ein -Stillstand bemerklich. - -Die Beobachtungen der Physiologen zeigen, daß der Körper eines -erwachsenen Menschen, nach 24 Stunden, bei hinlänglicher Nahrung, am -Gewicht weder zu- noch abgenommen hat, dennoch ist die Menge von -Sauerstoff, die in dieser Zeit in seinen Organismus aufgenommen wurde, -höchst beträchtlich. - -Nach _Lavoisier’s_ Versuchen werden von einem erwachsenen Manne in einem -Jahre 746 Pfd., nach _Menzies_ 837 Pfd. Sauerstoffgas aus der Atmosphäre -in seinen Körper aufgenommen, und dennoch finden wir sein Gewicht zu -Anfang und Ende des Jahres entweder ganz unverändert, oder die Ab- und -Zunahme bewegt sich um wenige Pfunde[E1]. - -Wo ist, kann man fragen, dieses enorme Gewicht an Sauerstoff -hingekommen, was ein Individuum im Verlaufe eines Jahres in sich -aufnimmt? - -Diese Frage ist mit befriedigender Sicherheit gelös’t; kein Theil des -aufgenommenen Sauerstoffs bleibt im Körper, sondern er tritt in der Form -einer Kohlenstoff- oder einer Wasserstoffverbindung wieder aus. - -Der Kohlenstoff und Wasserstoff von gewissen Bestandtheilen des -Thierkörpers haben sich mit dem durch die Haut und Lunge aufgenommenen -Sauerstoff verbunden, sie sind als Kohlensäure und Wasserdampf wieder -ausgetreten. - -Mit jedem Athemzuge, in jedem Lebensmomente trennen sich von dem -Thierorganismus gewisse Mengen seiner Bestandtheile, nachdem sie mit dem -Sauerstoff der atmosphärischen Luft eine Verbindung in dem Körper selbst -eingegangen sind. - -Wenn wir, um einen Anhaltspunkt zu einer Rechnung zu haben, mit -_Lavoisier_ und _Seguin_ annehmen, daß der erwachsene Mensch täglich 65 -Loth Sauerstoff (46037 Cubikzoll = 15661 Gran fr. Gew.) in sich -aufnimmt, und wir seine Blutmasse zu 24 Pfund, bei einem Wassergehalt -von 80 ~pCt.~ annehmen, so ergiebt sich aus der bekannten -Zusammensetzung des Blutes, daß zu einer völligen Verwandlung des -Kohlenstoffs und Wasserstoffs im Blut, in Kohlensäure und Wasser 64103 -Gran Sauerstoff nöthig sind, die in 4 Tagen und 5 Stunden in den Körper -eines erwachsenen Menschen aufgenommen werden[E2]. - -Gleichgültig ob der Sauerstoff an die Bestandtheile des Bluts tritt oder -an andere kohlen- und wasserstoffreiche Materien im Körper, es kann dem -Schlusse nichts entgegengesetzt werden, daß dem menschlichen Körper, -welcher 65 Loth Sauerstoff täglich einathmet, in 4 Tagen und 5 Stunden -so viel an Kohlenstoff und Wasserstoff in seinen Nahrungsmitteln wieder -zugeführt werden muß, als nöthig wäre, 24 Pfund Blut mit diesen -Bestandtheilen zu versehen, vorausgesetzt, daß das Gewicht des Körpers -sich nicht ändere, daß er seine normale Beschaffenheit behaupten soll. - -Diese Zufuhr geschieht durch die _Speisen_. - -Aus der genauen Bestimmung der Kohlenstoffmenge, welche durch die -Speisen in den Körper aufgenommen werden, so wie durch die Ausmittelung -derjenigen Quantität, welche durch die Faeces und den Urin unverbrannt, -oder wenn man will, in einer andern Form, als in der Form einer -Sauerstoffverbindung, wieder austritt, ergiebt sich, daß ein erwachsener -Mann, im Zustande mäßiger Bewegung, täglich 27,8 Loth Kohlenstoff -verzehrt[E3]. - -Diese 27⁸/₁₀ Loth Kohlenstoff entweichen aus Haut und Lunge in der Form -von kohlensaurem Gas. - -Zur Verwandlung in kohlensaures Gas bedürfen diese 27,8 Loth Kohlenstoff -74 Loth Sauerstoff. - -Nach den analytischen Bestimmungen von _Boussingault_ (~Annales de chim. -et de phys. LXX.~ 1. ~S.~ 136) verzehrt ein Pferd in 24 Stunden 158¹/₄ -Loth Kohlenstoff, eine milchgebende Kuh 141¹/₂ Loth[E4]. - -Die hier angeführten Kohlenstoffmengen sind als Kohlensäure aus ihrem -Körper getreten, das Pferd hat in 24 Stunden für die Ueberführung des -Kohlenstoffs in Kohlensäure 13⁷/₃₂ Pfd. und die Kuh 11²/₃ Pfd. -Sauerstoff verbraucht. - -Da kein Theil des aufgenommenen Sauerstoffs in einer andern Form als in -der einer Kohlenstoff- oder Wasserstoffverbindung wieder aus dem Körper -tritt, da ferner bei normalem Gesundheitszustande der ausgetretene -Kohlenstoff und Wasserstoff wieder ersetzt wird durch Kohlenstoff und -Wasserstoff, den wir in den Speisen zuführen, so ist klar, daß die Menge -von Nahrung, welche der thierische Organismus zu seiner Erhaltung -bedarf, in geradem Verhältniß steht zu der Menge des aufgenommenen -Sauerstoffs. - -Zwei Thiere, die in gleichen Zeiten ungleiche Mengen von Sauerstoff -durch Haut und Lunge in sich aufnehmen, verzehren in einem ähnlichen -Verhältniß ein ungleiches Gewicht von der nämlichen Speise. - -In gleichen Zeiten ist der Sauerstoffverbrauch ausdrückbar durch die -Anzahl der Athemzüge; es ist klar, daß bei einem und demselben Thiere -die Menge der zu genießenden Nahrung wechselt, je nach der Stärke und -Anzahl der Athemzüge. - -Ein Kind, dessen Respirationswerkzeuge sich in größerer Thätigkeit -befinden, muß häufiger und verhältnißmäßig mehr Nahrung zu sich nehmen, -als ein Erwachsener, es kann den Hunger weniger leicht ertragen. Ein -Vogel stirbt bei Mangel an Nahrung den dritten Tag; eine Schlange, die -in einer Stunde, unter einer Glasglocke athmend, kaum so viel Sauerstoff -verzehrt, daß die davon erzeugte Kohlensäure wahrnehmbar ist, lebt drei -Monate und länger ohne Nahrung. - -Im Zustand der Ruhe beträgt die Anzahl der Athemzüge weniger als im -Zustand der Bewegung und Arbeit. Die Menge der in beiden Zuständen -nothwendigen Nahrung muß in dem nämlichen Verhältniß stehen. - -Ein Ueberfluß von Nahrung und Mangel an eingeathmetem Sauerstoff (an -Bewegung), so wie starke Bewegung (die zu einem größeren Maaß von -Nahrung zwingt) und schwache Verdauungsorgane sind unverträglich mit -einander. - -Die Menge des Sauerstoffs, welche ein Thier durch die Lunge aufnimmt, -ist aber nicht allein abhängig von der Anzahl der Athemzüge, sondern -auch von der Temperatur und der Dichtigkeit der eingeathmeten Luft. - -Die Brusthöhle eines Thieres hat eine unveränderliche Größe, mit jedem -Athemzuge tritt eine gewisse Menge Luft ein, die in Beziehung auf ihr -Volumen als gleichbleibend angesehen werden kann. Aber ihr Gewicht und -damit das Gewicht des darin enthaltenen Sauerstoffs bleibt sich nicht -gleich. In der Wärme dehnt sich die Luft aus, in der Kälte zieht sie -sich zusammen. In einem gleichen Volum kalter und warmer Luft haben wir -ein ungleiches Gewicht Sauerstoff. Im Sommer enthält die atmosphärische -Luft Wassergas, im Winter ist sie trocken; der Raum, den das Wassergas -in der warmen Luft einnimmt, wird im Winter durch Luft eingenommen, d. -h. sie enthält bei gleichem Volum im Winter mehr Sauerstoff. - -Im Sommer und Winter, am Pole und Aequator athmen wir ein gleiches -Luftvolumen ein. Die kalte Luft erwärmt sich beim Einathmen in der -Luftröhre und den Lungenzellen, und nimmt die Temperatur des Körpers an. -Um ein gewisses Sauerstoffvolumen in die Lunge zu bringen, ist im Winter -ein geringerer Kraftaufwand nöthig, als im Sommer; für denselben -Kraftverbrauch athmet man im Winter mehr Sauerstoff ein. - -Es ist einleuchtend, daß wir bei einer gleichen Anzahl von Athemzügen an -dem Ufer des Meeres eine größere Menge von Sauerstoff verzehren, als auf -Bergen; daß die Menge der austretenden Kohlensäure, so wie das -eingesaugte Sauerstoffgas mit dem Barometerstande sich ändert. - -Das aufgenommene Sauerstoffgas tritt im Sommer und Winter in ähnlicher -Weise verändert wieder aus, wir athmen in niederer Temperatur und -höherem Luftdrucke mehr Kohlenstoff aus wie in höherer, und wir müssen -in dem nämlichen Verhältniß mehr oder weniger Kohlenstoff in den -Speisen genießen, in Schweden mehr wie in Sicilien, in unsern Gegenden -im Winter ein ganzes Achtel mehr wie im Sommer. - -Selbst wenn wir dem Gewicht nach gleiche Quantitäten Speise in kalten -und warmen Gegenden genießen, so hat eine unendliche Weisheit die -Einrichtung getroffen, daß diese Speisen höchst ungleich in ihrem -Kohlenstoffgehalte sind. Die Früchte, welche der Südländer genießt, -enthalten im frischen Zustande nicht über 12 ~pCt.~ Kohlenstoff, während -der Speck und Thran des Polarländers 66 bis 80 ~pCt.~ Kohlenstoff -enthalten. - -Es ist keine schwere Aufgabe, sich in warmen Gegenden der Mäßigkeit zu -befleißigen, oder lange Zeit den Hunger unter dem Aequator zu ertragen, -allein Kälte und Hunger reiben in kurzer Zeit den Körper auf. - -Die Wechselwirkung der Bestandtheile der Speisen und des durch die -Blutcirculation im Körper verbreiteten Sauerstoffs ist _die Quelle der -thierischen Wärme_. - - -~III.~ - -Alle lebenden Wesen, deren Existenz auf einer Einsaugung von Sauerstoff -beruht, besitzen eine von der Umgebung unabhängige Wärmequelle. - -Diese Wahrheit bezieht sich auf alle Thiere, sie erstreckt sich auf den -keimenden Samen, auf die Blüthe der Pflanze und auf die reifende Frucht. - -Nur in den Theilen des Thieres, zu welchen arterielles Blut, und durch -dieses der in dem Athmungsproceß aufgenommene Sauerstoff gelangen kann, -wird Wärme erzeugt. Haare, Wolle, Federn besitzen keine eigenthümliche -Temperatur. - -Diese höhere Temperatur des Thierkörpers oder, wenn man will, -Wärmeausscheidung ist überall und unter allen Umständen die Folge der -Verbindung einer brennbaren Substanz mit Sauerstoff. - -In welcher Form sich auch der Kohlenstoff mit Sauerstoff verbinden mag, -der Akt der Verbindung kann nicht vor sich gehen, ohne von Entwicklung -von Wärme begleitet zu seyn, gleichgültig, ob sie langsam oder rasch -erfolgt, ob sie in höherer oder niederer Temperatur vor sich geht, stets -bleibt die freigewordene Wärmemenge eine unveränderliche Größe. - -Der Kohlenstoff der Speisen, der sich im Thierkörper in Kohlensäure -verwandelt, muß ebenso viel Wärme entwickeln, als wenn er in der Luft -oder im Sauerstoff direct verbrannt worden wäre; der einzige Unterschied -ist der, daß die erzeugte Wärmemenge sich auf ungleiche Zeiten -vertheilt; in reinem Sauerstoffgas geht die Verbrennung schneller vor -sich, die Temperatur ist höher, in der Luft langsamer, die Temperatur -ist niedriger, sie hält aber länger an. - -Es ist klar, daß mit der Menge des in gleichen Zeiten durch den -Athmungsproceß zugeführten Sauerstoffs die Anzahl der freigewordenen -Wärmegrade zu- oder abnehmen muß. Thiere, welche rasch und schnell -athmen und demzufolge viel Sauerstoff verzehren, besitzen eine höhere -Temperatur als andere, die in derselben Zeit, bei gleichem Volum des zu -erwärmenden Körpers, weniger in sich aufnehmen; ein Kind mehr (39°) als -ein erwachsener Mensch (37,5°), ein Vogel mehr (40-41°) wie ein -vierfüßiges Thier (37-38°), wie ein Fisch oder Amphibium, dessen -Eigentemperatur sich 1¹/₂ bis 2° über das umgebende Medium erhebt[E5]. -Alle Thiere sind warmblütig, allein nur bei denen, welche durch Lungen -athmen, ist die Eigenwärme ganz unabhängig von der Temperatur der -Umgebung. - -Die zuverlässigsten Beobachtungen beweisen, daß in allen Klimaten, in -der gemäßigten Zone sowohl wie am Aequator oder an den Polen, die -Temperatur des Menschen, so wie die aller sogenannten warmblütigen -Thiere, niemals wechselt; allein wie verschieden sind die Zustände, in -denen sie leben. - -Der Thierkörper ist ein erwärmter Körper, der sich zu seiner Umgebung -verhält wie alle warmen Körper; er empfängt Wärme, wenn die äußere -Temperatur höher, er giebt Wärme ab, wenn sie niedriger ist, als seine -eigene Temperatur. - -Wir wissen, daß die Schnelligkeit der Abkühlung eines warmen Körpers -wächst mit der Differenz seiner eignen Temperatur und der des Mediums, -worin er sich befindet, d. h. je kälter die Umgebung ist, in desto -kürzerer Zeit kühlt sich der warme Körper ab. - -Wie ungleich ist aber der Wärmeverlust, den ein Mensch in Palermo -erleidet, wo die äußere Temperatur nahe gleich ist der Temperatur des -Körpers, und der eines Menschen, der am Pole lebt, wo die Temperatur -40-50 Grade niedriger ist. - -Trotzt diesem so höchst ungleichen Wärmeverlust, zeigt die Erfahrung, -daß das Blut des Polarländers keine niedrigere Temperatur besitzt, als -das des Südländers, der in einer so verschiedenen Umgebung lebt. - -Diese Thatsache ihrer wahren Bedeutung nach anerkannt, beweis’t, daß die -nach Außen hin abgegebene Wärme in dem Thierkörper mit großer -Schnelligkeit ersetzt wird; im Winter erfolgt diese Erneuerung schneller -wie im Sommer, am Pole rascher wie am Aequator. - -In verschiedenen Klimaten wechselt nun die Menge des durch die -Respiration in den Körper tretenden Sauerstoffs nach der Temperatur der -äußern Luft; mit dem Wärmeverlust durch Abkühlung steigt die Menge des -eingeathmeten Sauerstoffs; die zur Verbindung mit diesem Sauerstoff -nöthige Menge Kohlenstoff oder Wasserstoff, sie muß in einem ähnlichen -Verhältniß zunehmen. - -Es ist klar, daß der Wärmeersatz bewirkt wird durch die Wechselwirkung -der Bestandtheile der Speisen, die sich mit dem eingeathmeten Sauerstoff -verbinden. Um einen trivialen aber deswegen nicht minder richtigen -Vergleich anzuwenden, verhält sich in dieser Beziehung der Thierkörper, -wie ein Ofen, den wir mit Brennmaterial versehen. Gleichgültig, welche -Formen die Speisen nach und nach im Körper annehmen, welche -Veränderungen sie auch erleiden mögen, die letzte Veränderung, die sie -erfahren, ist eine Verwandlung ihres Kohlenstoffs in Kohlensäure, ihres -Wasserstoffs in Wasser; der Stickstoff und der unverbrannte Kohlenstoff, -sie werden in dem Urin und den festen Excrementen abgeschieden. Um eine -constante Temperatur im Ofen zu haben, müssen wir, je nach der äußern -Temperatur wechselnd, eine ungleiche Menge von Brennmaterial -einschieben. - -In Beziehung auf den Thierkörper sind die Speisen das Brennmaterial; bei -gehörigem Sauerstoffzutritt erhalten wir die durch ihre Oxydation -freiwerdende Wärme. Im Winter, bei Bewegung in kalter Luft, wo die Menge -des eingeathmeten Sauerstoffs zunimmt, wächst in dem nämlichen -Verhältniß das Bedürfniß nach kohlen- und wasserstoffreichen -Nahrungsmitteln, und in Befriedigung dieses Bedürfnisses erhalten wir -den wirksamsten Schutz gegen die grimmigste Kälte. Ein Hungernder -friert. Jedermann weiß, daß die Raubthiere der nördlichen Klimate an -Gefräßigkeit weit den in südlichen Gegenden voranstehen. - -In der kalten und temperirten Zone treibt uns die Luft, die ohne -Aufhören den Körper zu verzehren strebt, zur Arbeit und Anstrengung, um -uns die Mittel zum Widerstande gegen diese Einwirkung zu schaffen, -während in heißen Klimaten die Anforderungen zur Herbeischaffung an -Speise bei weitem nicht so dringend sind. - -Unsere Kleider sind nur Aequivalente für die Speisen; je wärmer wir uns -kleiden, desto mehr vermindert sich das Bedürfniß zu essen, eben weil -der Wärmeverlust, die Abkühlung und damit der nöthige Ersatz durch -Speisen kleiner wird. - -Gingen wir nackt wie der Indianer, oder wären wir beim Jagen und Fischen -denselben Kältegraden ausgesetzt wie der Samojede, so würden wir 10 -Pfund Fisch oder Fleisch und noch obendrein ein Dutzend Talglichter -bewältigen können, wie uns warmbekleidete Reisende mit Verwunderung -erzählt haben; wir würden dieselbe Menge Branntwein oder Thran ohne -Nachtheil genießen können, eben weil ihr Kohlenstoff- und -Wasserstoffgehalt dazu dient, um ein Gleichgewicht mit der äußeren -Temperatur hervorzubringen. - -Die Menge der zu genießenden Speisen richtet sich nach den -vorhergehenden Auseinandersetzungen, nach der Anzahl der Athemzüge, nach -der Temperatur der Luft, die wir einathmen und nach dem Wärmequantum, -was wir nach außen hin abgeben. - -Keine isolirte, entgegenstehende Thatsache kann die Wahrheit dieses -Naturgesetzes ändern. Ohne der Gesundheit einen vorübergehenden oder -bleibenden Nachtheil zuzufügen, kann der Neapolitaner nicht mehr -Kohlenstoff und Wasserstoff in den Speisen zu sich nehmen, als er -ausathmet, und kein Nordländer kann mehr Kohlenstoff und Wasserstoff -ausathmen, als er in den Speisen zu sich genommen hat, wenn nicht im -Zustand der Krankheit, oder wenn er hungert, Zustände, die wir näher -beleuchten werden. - -Der Engländer sieht mit Bedauern seinen Appetit, der ihm einen häufig -wiederkehrenden Genuß darbietet, in Jamaica schwinden, und es gelingt -ihm in der That, durch Cayennepfeffer und die kräftigsten Reizmittel die -nämliche Menge von Speisen zu sich zu nehmen wie in seiner Heimath; -allein der in den Körper übergegangene Kohlenstoff dieser Speisen, er -wird nicht verbraucht, die Temperatur der Luft ist zu hoch und eine -erschlaffende Hitze erlaubt nicht die Anzahl der Athemzüge (durch -Bewegung und Anstrengung) zu steigern, den Verbrauch also mit dem, was -er zu sich genommen, in Verhältniß zu setzen. - -Im Gegensatz hierzu sendet England seine Patienten, deren kranken -Verdauungsorganen die Fähigkeit abgeht oder vermindert ist, die Speisen -in den Zustand zu versetzen, in welchem sie sich zur Verbindung mit dem -Sauerstoff eignen, welche also weniger Widerstand produziren, als das -_Klima_, die Temperatur ihrer Heimath verlangt, nach südlichen Gegenden, -wo die Menge des eingeathmeten Sauerstoffs in einem so großen Verhältniß -sich vermindert, und das Resultat, eine Verbesserung des -Gesundheitzustandes, ist sichtbar. Die kranken Verdauungsorgane haben -Kraft genug, um die geringere Menge von Speise in Verhältniß zu setzen -mit dem verbrauchten Sauerstoff; in dem kälteren Klima wurden die -Respirationsorgane selbst zu diesem Widerstande dienen müssen. - -Im Sommer sind bei uns die Leberkrankheiten (Kohlenstoffkrankheiten), im -Winter die Lungenkrankheiten (Sauerstoffkrankheiten) vorherrschend. - -Die Abkühlung des Körpers, durch welche Ursache es auch sei, bedingt -eine größeres Maaß von Speise. Der bloße Aufenthalt in freier Luft, -gleichgültig ob im Reisewagen oder auf dem Verdecke von Schiffen, erhöht -durch Strahlung und gesteigerte Verdunstung den Wärmeverlust, selbst -ohne vermehrte Bewegung; er zwingt uns mehr wie gewöhnlich zu essen. -Dasselbe muß für Personen gelten, welche gewohnt sind große Quantitäten -kaltes Wasser zu trinken, welches auf 37° erwärmt wieder abgeht, es -vermehrt den Appetit, und schwächliche Constitutionen müssen durch -anhaltende Bewegung den zum Ersatz der an das kalte Wasser abgegebenen -Wärme nöthigen Sauerstoff dem Körper hinzuführen. Starkes und -anhaltendes Sprechen und Singen, das Schreien der Kinder, feuchte Luft, -alles dieses übt einen bestimmten nachweisbaren Einfluß auf die zu -genießenden Speisen aus. - - -~IV.~ - -In dem Vorhergehenden ist angenommen worden, daß vorzüglich der -Kohlenstoff und Wasserstoff zur Verbindung mit dem Sauerstoff und zur -Hervorbringung der animalischen Wärme dient; die einfachsten -Beobachtungen zeigen in der That, daß der Wasserstoff der Speisen eine -nicht minder wichtige Rolle wie der Kohlenstoff spielt. - -Der ganze Respirationsproceß erscheint in völliger Klarheit, wenn wir -den Zustand eines Menschen oder Thieres, bei Enthaltung aller Speise, -ins Auge fassen. Die Athembewegungen bleiben ungeändert, es wird nach -wie vor Sauerstoff aus der Atmosphäre aufgenommen und Kohlensäure und -Wasserdampf ausgeathmet. Wir wissen mit unzweifelhafter Bestimmtheit, -woher der Kohlenstoff und Wasserstoff stammt, denn mit der Dauer des -Hungers sehen wir den Kohlenstoff und Wasserstoff des Körpers sich -vermindern. - -Die erste Wirkung des Hungers ist ein Verschwinden des Fettes; dieses -Fett ist weder in den sparsamen Faeces, noch im Urin nachweisbar, sein -Kohlenstoff und Wasserstoff sind durch Haut und Lunge in der Form von -Sauerstoffverbindungen ausgetreten; es ist klar, diese Bestandtheile -haben zur Respiration gedient. - -Jeden Tag treten 65 Loth Sauerstoff ein und nehmen beim Austreten einen -Theil von dem Körper des Hungernden mit. (_Currie_ sah einen Kranken, -der nicht schlingen konnte, während eines Monates über 100 Pfd. an -seinem Gewichte verlieren, und ein fettes Schwein, was durch einen -Bergsturz verschüttet wurde, lebte 160 Tage ohne Nahrung, und hatte über -120 Pfd. am Gewichte verloren.) (_Martell_ in den ~Transactions of the -Linnéan Soc. Vol. XI. p.~ 411.) Das Verhalten der Winterschläfer, so wie -die periodenweise Ansammlung von Fett bei andern Thieren, von Fett, was -in andern Perioden ihres Lebens wieder verschwindet, ohne eine Spur zu -hinterlassen, alle diese wohlbekannten Thatsachen beweisen, daß der -Sauerstoff in dem Respirationsproceß keine Auswahl unter den Stoffen -trifft, die sich zu einer Verbindung mit ihm eignen. Der Sauerstoff -verbindet sich mit allem, was ihm dargeboten wird, und nur Mangel an -Wasserstoff ist der Grund, warum sich überhaupt Kohlensäure bildet, eben -weil bei der Temperatur des Körpers die Verwandtschaft des Wasserstoffs -zum Sauerstoff bei weitem die des Kohlenstoffs übertrifft. - -Wir wissen in der That, daß die grasfressenden Thiere ein dem -eingeathmeten Sauerstoff gleiches Volum Kohlensäure wieder ausathmen, -während bei den Fleischfressern, der einzigen Thierklasse, welche Fett -in ihrer Nahrung genießt, mehr Sauerstoff aufgenommen wird, als dem -ausgeathmeten Kohlensäurevolum entspricht; bestimmte Versuche haben -dargethan, daß in manchen Fällen nur die Hälfte von dem Volumen des -Sauerstoffs an Kohlensäuregas ausgeathmet wird. Diese Beobachtungen sind -keiner Widerlegung fähig, sie sind überzeugender, als alle die künstlich -und willkürlich hervorgerufenen Erscheinungen, die man Versuche nennt, -Versuche, welche, völlig entbehrlich, alles Gegengewichtes ermangeln, -wenn die Gelegenheit zur Beobachtung in der Natur sich darbietet und -diese Gelegenheit verständig benutzt wird. - -Bei Hungernden verschwindet aber nicht allein das Fett, sondern nach und -nach alle der Löslichkeit fähigen, festen Stoffe. In dem völlig -abgezehrten Körper der Verhungerten sind die Muskeln dünn und mürbe, der -Contractibilität beraubt, alle Theile des Körpers, welche fähig waren, -in den Zustand der Bewegung überzugehen, sie haben dazu gedient, um den -Rest der Gebilde vor der alles zerstörenden Wirkung der Atmosphäre zu -schützen; zuletzt nehmen die Bestandtheile des Gehirns Antheil an diesem -Oxydationsproceß, es erfolgt Wahnsinn, Irrereden und der Tod, das heißt, -aller Widerstand hört völlig auf, es tritt der chemische Proceß der -Verwesung ein, alle Theile des Körpers verbinden sich mit dem Sauerstoff -der Luft. - -Die Zeit, in welcher ein Verhungernder stirbt, richtet sich nach dem -Zustand der Fettleibigkeit, nach dem Zustand der Bewegung (Anstrengung -und Arbeit), nach der Temperatur der Luft, und ist zuletzt abhängig von -der Gegenwart oder Abwesenheit des Wassers. Durch die Haut und Lunge -verdunstet eine gewisse Menge Wasser, durch deren Austreten, als die -Bedingung aller Vermittelung von Bewegungen, der Tod beschleunigt wird. -Es giebt Fälle, wo bei ungeschmälertem Wassergenuß der Tod erst nach 20, -in einem Fall erst nach 60 Tagen erfolgte. - -In allen chronischen Krankheiten erfolgt der Tod durch die nämliche -Ursache, durch die Einwirkung der Atmosphäre. Wenn die Stoffe fehlen, -welche in dem Organismus zur Unterhaltung des Respirationsprocesses -bestimmt sind, wenn die Organe des Kranken ihre Funktion versagen, wenn -sie die Fähigkeit verlieren, zu ihrem eignen Schutz die genossenen -Speisen in den Zustand zu versetzen, in dem sich ihre Bestandtheile mit -dem Sauerstoff der Luft zu verbinden vermögen, so wird ihre eigne -Substanz, das Fett, das Gehirn, die Substanz der Muskeln und Nerven dazu -verwendet[F1]. - - [1] In Beziehung auf den wahren Vorgang verweise ich auf die - Betrachtung des Stoffwechsels in dem Körper der Carnivoren (s. im - Folgenden). - -Die eigentliche Ursache des Todes ist in diesen Fällen der -Respirationsproceß, die Einwirkung der Atmosphäre. Mangel an Nahrung, -an Fähigkeit, sie zu Bestandtheilen des Organismus zu machen, ist Mangel -an Widerstand, es ist die negative Ursache des Aufhörens der -Lebensthätigkeit. Die Flamme geht aus, weil das Oel verzehrt ist; es ist -der Sauerstoff der Luft, der es verzehrt hat. - -In manchen Krankheitszuständen erzeugen sich Stoffe, die zur -Assimilation nicht verwendbar sind, durch bloße Enthaltung von Speisen -werden sie aus dem Körper entfernt, sie verschwinden, ohne eine Spur zu -hinterlassen, indem ihre Bestandtheile mit dem Sauerstoff der Luft in -Verbindung treten. - -Von dem Augenblicke an, wo die Funktion der Haut oder Lunge eine Störung -erleidet, erscheinen kohlenstoffreichere Stoffe im Urin, der seine -gewöhnliche Farbe in braun umändert. Von der ganzen Oberfläche des -menschlichen Körpers wird Sauerstoff aus der Luft aufgenommen, der sich -mit allen Materien verbindet, die seiner Action keinen Widerstand -entgegensetzen; an allen Stellen des Körpers, wo der Zutritt des -Sauerstoffs gehemmt ist, unter den Achselhöhlen und an den Füßen z. B., -bemerken wir eine Ausscheidung von Stoffen, die sich durch ihren Zustand -oder durch den Geruch den Sinnen zu erkennen geben. - -Die Respiration ist das fallende Gewicht, die gespannte Feder, welche -das Uhrwerk in Bewegung erhält, die Athemzüge sind die Pendelschläge, -die es reguliren. Wir kennen bei unseren gewöhnlichen Uhren mit -mathematischer Schärfe die Aenderungen, welche durch die Länge des -Pendels oder durch äußere Temperaturen ausgeübt werden, auf ihren -regelmäßigen Gang; allein nur von Wenigen ist in seiner Klarheit der -Einfluß erkannt, den Luft und Temperatur auf den Gesundheitszustand des -menschlichen Körpers ausüben, und doch ist die Ausmittelung der -Bedingungen, um ihn im normalen Zustand zu erhalten, nicht schwieriger, -wie bei einer gewöhnlichen Uhr. - - -~V.~ - -Der Mangel an einer richtigen Ansicht von Kraft und Wirkung und dem -Zusammenhang der Naturerscheinungen hat die Chemiker dahin geführt, -einen Theil der im Thierorganismus sich erzeugenden Wärme den Wirkungen -des Nervensystems zuzuschreiben. Wenn man damit einen Stoffwechsel als -Bedingung der Nervenwirkungen ausschließt, so will dies nichts anders -sagen, als das Vorhandensein einer Bewegung, die Aeußerung einer -Thätigkeit hervorgehen zu machen aus Nichts. Allein aus Nichts kann -keine Kraft, keine Thätigkeit entstehen. - -Niemand wird ernstlich den Antheil läugnen, welchen die Nervenapparate -an dem Respirationsproceß nehmen, keine Art von Zustandsänderung kann im -Thierkörper vor sich gehen, ohne die Nerven, denn sie sind die Bedinger -aller Bewegungen. Durch sie, durch ihre Mitwirkung produciren die -Eingeweide die Stoffe, welche als Mittel zum Widerstande gegen die -Einwirkung des Sauerstoffs zur Hervorbringung der animalischen Wärme -dienen, und mit dem Aufhören ihrer Funktionen muß der ganze Akt der -Sauerstoffaufnahme eine andere Form annehmen. Beim Durchschneiden des -Gehirns von Hunden beim ~Pons varolii~, bei Contusionen gegen Scheitel -und Hinterhaupt fährt das Thier eine Zeitlang zu athmen fort, oft -rascher und lebhafter, wie im gesunden Zustande, die Schnelligkeit des -Blutumlaufs nimmt in der ersten Zeit eher zu als ab, allein das Thier -erkaltet, wie wenn ein plötzlicher Tod eingetreten wäre, der dann auch -unabwendbar erfolgt; ganz ähnliche Erfahrungen hat man bei -Durchschneidung des Rückenmarks, des ~Nervus vagus~ gemacht. Die -Athembewegungen dauern eine Zeitlang fort, allein der Sauerstoff findet -die Stoffe auf seinem Wege nicht vor, mit denen er sich im normalen -Zustande verbunden haben würde, weil sie ihm von den gelähmten -Unterleibsorganen nicht geliefert werden können. Die sonderbare Ansicht -über die Erzeugung der thierischen Wärme durch die Nerven, sie ist, wie -man leicht bemerkt, aus der Vorstellung hervorgegangen, daß das -eingesaugte Sauerstoffgas in dem Blute selbst zu Kohlensäure werde, in -welchem Fall, in obigen Versuchen, freilich die Temperatur des Körpers -nicht abnehmen dürfte, allein es kann, wie später entwickelt werden -soll, keinen größeren Irrthum geben. - -Aehnlich wie bei Durchschneidung der pneumogastrischen Nerven die -Bewegung des Magens und die Secretion des Magensaftes aufgehoben und -damit dem Verdauungsproceß eine unmittelbare Gränze gesetzt wird, ändert -die Lähmung der Bewegungsorgane des Unterleibs den Respirationsproceß; -beide stehen in dem engsten Zusammenhang mit einander; eine jede -Störung des Nervensystems, der Verdauungsnerven übt rückwärts einen -wahrnehmbaren Einfluß auf den Respirationsproceß aus. - -Man hat zuletzt die Beobachtung gemacht, daß durch die Contraction der -Muskeln Wärme erzeugt wird, ähnlich wie in einem Stücke Kautschuck, was -man, rasch aus einander gezogen, sich wieder contrahiren läßt. Man ist -so weit gegangen, einen Theil der thierischen Wärme den mechanischen -Bewegungen im Körper zuzuschreiben, als ob die Bewegungen selbst -entstehen könnten, ohne einen gewissen Aufwand von Kraft, welche durch -diese Bewegungen verzehrt wird. Durch was aber, kann man hier fragen, -wird diese Kraft erzeugt? - -Durch verbrennenden Kohlenstoff, durch Auflösung eines Metalls in einer -Säure, durch die Vereinigung der beiden Elektricitäten, durch Einsaugung -von Licht entsteht Wärme. Gleichermaßen entsteht Wärme, wenn wir zwei -Stücke eines festen Körpers mit einer gewissen Geschwindigkeit auf -einander reiben. - -Durch eine Menge in ihren Aeußerungen höchst verschiedener Ursachen -können wir einerlei Effekt hervorbringen. Wir haben in der Verbrennung -und in der Elektricitätserzeugung einen Stoffwechsel, oder, wie in dem -Licht und der Reibungswärme, die Verwandlung einer vorhandenen Bewegung -in eine neue, die auf eine andere Weise auf unsere Sinne wirkt. Wir -haben ein Substrat, etwas Gegebenes, was die Form eines andern -Substrates annimmt, in allen Fällen eine Kraft und eine Wirkung. Wir -können durch Feuer unter einer Dampfmaschine alle möglichen Arten von -Bewegungen, und durch ein gegebenes Maaß von Bewegung Feuer -hervorbringen. - -Ein Stück Zucker, das wir auf einem Reibeisen reiben, erleidet an den -Berührungsflächen des Eisens die nämliche Veränderung, wie durch eine -hohe Temperatur, und zwei Stücke Eis schmelzen an den Punkten, wo sie -sich reibend berühren. - -Man muß sich nur erinnern, daß die ausgezeichnetsten Physiker die -Erscheinungen der Wärme nur als Bewegungserscheinungen gelten lassen, -eben weil der Begriff der _Erzeugung_ einer Materie, wenn auch einer -gewichtslosen, schlechterdings nicht vereinbar ist mit ihrer Entstehung -durch mechanische Ursachen, wie durch Reibung und Bewegung. - -Alles zugegeben, was von elektrischen und magnetischen Störungen in dem -Thierkörper Antheil nehmen mag an den Funktionen seiner Organe, die -letzte Ursache aller dieser Thätigkeiten ist ein Stoffwechsel, -ausdrückbar durch einen in einer gewissen Zeit stattfindenden Uebergang -der Bestandtheile der Speisen in Sauerstoffverbindungen; diejenigen -unter ihnen, welche diesen allmähligen Verbrennungsproceß nicht -erfahren, sie werden unverbrannt oder unverbrennlich in der Form von -Excrementen ausgestoßen. - -Es ist nun schlechterdings unmöglich, daß eine gegebene Menge -Kohlenstoff oder Wasserstoff, welche verschiedene Formen sie auch im -Laufe der Verbrennung annehmen mögen, mehr Wärme hervorzubringen fähig -ist, als wie sie liefert, wenn sie im Sauerstoffgas oder in der Luft -direkt verbrannt wird. - -Wenn wir Feuer unter eine Dampfmaschine machen und die erhaltene Kraft -benutzen, um durch Reibung Wärme hervorzubringen, so kann diese in -keiner Weise jemals größer sein, als die Wärme, die wir nöthig gehabt -haben, um den Dampfkessel zu heizen, und wenn wir in einer galvanischen -Säule den Strom zur Hervorbringung von Wärme benutzen, so ist diese -unter allen Umständen nicht größer, als wir sie haben können durch die -Verbrennung des Zinks, was sich in der Säure anflös’t. - -Die Contraction der Muskeln erzeugt Wärme, die hierzu nöthige Kraft -äußert sich durch die Organe der Bewegung, die sie durch einen -Stoffwechsel empfangen. Die letzte Ursache der erzeugten Wärme kann -natürlich nur dieser Stoffwechsel sein. - -Durch die Auflösung eines Metalls in einer Säure entsteht ein -elektrischer Strom; durch einen Draht geleitet, wird dieser zu einem -Magneten, durch den wir verschiedene Effekte hervorzubringen vermögen. -Die Ursache aller erzeugten Erscheinungen ist der Magnetismus, die -Ursache der magnetischen Wirkungen suchen wir in dem elektrischen Strom, -und die letzte Ursache des elektrischen Stromes, wir finden sie in einem -Stoffwechsel, in einer chemischen Action. - -Es giebt verschiedene Ursachen der Krafterzeugung; eine gespannte Feder, -ein Luftstrom, eine fallende Wassermasse, Feuer, was unter einem -Dampfkessel brennt, ein Metall, was sich in einer Säure lös’t, durch -alle diese verschiedenen Ursachen der Bewegung läßt sich einerlei Effekt -hervorbringen. In dem thierischen Körper erkennen wir aber als die -letzte Ursache aller Krafterzeugung nur _eine_, und diese ist die -Wechselwirkung, welche die Bestandtheile der Speisen und der Sauerstoff -der Luft auf einander ausüben. Die einzige bekannte und letzte Ursache -der Lebensthätigkeit im Thier sowohl, wie in der Pflanze ist ein -chemischer Proceß; schließen wir ihn aus, so stellen sich die -Lebensäußerungen nicht ein, oder sie hören auf, wahrnehmbar zu sein; -hindern wir die chemische Action, so nehmen die Lebenserscheinungen -andere Formen an. - -Nach den Versuchen von _Despretz_ entwickelt 1 Loth Kohlenstoff bei -seiner Verbrennung so viel Wärme, daß damit 105 Loth Wasser von 0° auf -75° erwärmt werden können, im Ganzen also 105mal 75° = 7875° Wärme. Die -27,8 Loth Kohlenstoff, welche sich in dem Körper eines Soldaten in -Kohlensäure verwandeln, entwickeln mithin 27,8mal 7875° Wärme = 218825° -Wärme. Mit dieser Wärmemenge kann man 1 Loth Wasser auf diese Temperatur -erheben oder 68⁴/₁₀ Pfd. Wasser zum Sieden oder 185 Pfd. auf 37° -erhitzen, oder 12 Pfd. Wasser bei 37° in Dampf verwandeln. - -Wenn wir nun annehmen, daß die Ausdünstung durch Haut und Lunge in 24 -Stunden 48 Unzen (3 Pfd.) betrage, so bleiben, die hierzu nöthige -Wärmemenge abgezogen, 162093 Grad Wärme, welche durch Strahlung, durch -Erwärmung der ausgeathmeten Luft, durch Faeces und Urin aus dem Körper -treten. - -Es ist in dieser Rechnung die durch den verbrennenden Wasserstoff, durch -seinen Uebergang in Wasser, erzeugte Wärmemenge nicht in Anschlag -gebracht. Wenn man sich nun erinnert, daß die specifische Wärme der -Knochen, des Fettes, der Substanz der Organe weit geringer ist, als die -des Wassers, daß sie also, um auf 37° erwärmt zu werden, weit weniger -Wärme bedürfen, als ein gleiches Gewicht Wasser, so kann es keinem -Zweifel unterliegen, daß, alle diese Verhältnisse mit in Rechnung -gezogen, die durch den Verbrennungsproceß erzeugte Wärme vollkommen -hinreicht, um die constante Temperatur des Körpers und die Verdunstung -zu erklären. - - -~VI.~ - -Alle Versuche der Physiker über die Sauerstoffmenge, die ein Thier in -einer gegebenen Zeit verzehrt, so wie die Schlüsse, die man daraus auf -die Entstehung der animalischen Wärme gezogen hat, sind völlig -bedeutungslos, denn diese Sauerstoffmengen wechseln, nach der Temperatur -und der Dichtigkeit der Luft, nach dem Zustand der Bewegung, Arbeit und -Anstrengung, sie ändern sich nach der Menge und Qualität der genossenen -Nahrung, mit der mehr oder weniger warmen Kleidung, nach der Zeit, in -welcher die Speise verzehrt wurde. Die Gefangenen in dem Zuchthaus -(Arbeitshaus) zu Marienschloß verzehren nicht über 21 Loth Kohlenstoff, -die in dem Arresthaus zu Gießen, denen alle Bewegung mangelt, nicht -über 17 Loth[E6] und in einer mir bekannten Haushaltung verzehrten 9 -Personen (4 Kinder, 5 Erwachsene) durchschnittlich nicht über 19 Loth -Kohlenstoff[F2]. Annäherungsweise kann angenommen werden, daß die -aufgenommenen Sauerstoffmengen sich wie diese Zahlen verhalten, allein -durch Fleisch, Wein und Fettgenuß ändern sich diese Verhältnisse in -Folge des ausgetretenen Wasserstoffs dieser Nahrungsmittel, der in -seiner Verwandlung in Wasser bei gleichem Gewichte eine weit größere -Wärmemenge hervorbringt. - - [2] In dieser Haushaltung wurden im Monat verbraucht 151 Pfd. - Schwarzbrod, 70 Pfd. Weißbrod, 132 Pfd. Fleisch, 19 Pfd. Zucker, 15,9 - Pfd. Butter, 57 Maaß Milch, der Kohlenstoff der Gemüse und Kartoffeln, - des Wildbrets, Geflügels und Weins für die Excremente angeschlagen. - -Die Versuche über die Bestimmung der Wärmemenge, die sich für einen -gegebenen Sauerstoffverbrauch aus einem Thier entwickelt, sind nicht -minder bedeutungslos. Man hat Thiere in geschlossenen, mit kaltem Wasser -umgebenen Räumen athmen lassen, die Wärmezunahme der Umgebung durch den -Thermometer gemessen und die Menge des verschwundenen Sauerstoffgases, -so wie die erzeugte Kohlensäure durch die Analyse der ein- und -ausgetretenen Luft bestimmt. In diesen Versuchen hat man gefunden, daß -das Thier mehr Wärme verlor, als dem verzehrten Sauerstoff entsprach, -und zwar ¹/₁₀ mehr, und wenn man dem Thiere die Luftröhre zugebunden -haben würde, so wäre das merkwürdige Verhältniß eingetreten, daß das -umgebende Wasser durch das erkaltende Thier Wärme empfangen hätte, ohne -allen Verbrauch von Sauerstoff. Die Temperatur des Thiers war 38°, die -des umgebenden Wassers in den Versuchen von _Despretz_ 8,5°. Diese -Versuche beweisen also, daß bei einer großen Differenz der Temperatur -des Körpers und der der Umgebung, beim Mangel aller Bewegung, mehr Wärme -entweicht, als dem eingeathmeten Sauerstoff entspricht; in gleichen -Zeiten bei freier ungehinderter Bewegung würde eine weit größere Menge -Sauerstoff aufgenommen worden sein, ohne bemerkbare Erhöhung des -Wärmeverlustes. Dieser Zustand tritt bei Menschen und Thieren zu -gewissen Jahreszeiten ein, und wir sagen in diesem Fall, daß wir -frieren. Es ist klar, daß, wenn wir einen Menschen mit einem -metallischen Kleide umgeben, der Wärmeverlust, wenn wir ihm Hände und -Füße binden, bei gleichem Sauerstoffverbrauch weit größer sein wird, als -wenn wir ihn in Pelz und Wolle stecken, ja wir finden sogar, daß er in -dem letztern Fall anfängt zu schwitzen, daß warmes Wasser quellenweise -aus den feinen Schweißlöchern seiner Haut tritt. - -Wenn man hinzunimmt, daß ganz bestimmte Beobachtungen vorliegen, wo -Thiere, die gebunden in einer unnatürlichen Stellung, z. B. auf dem -Rücken liegend, athmeten, daß die Temperatur ihres Körpers durch den -Thermometer meßbar abnimmt, so kann man wohl schwerlich über die -Schlüsse, die man aus diesen Versuchen gezogen hat, im Zweifel sein. - -Diese Schlüsse haben für die Meinung, daß eine andere unbekannte Quelle -der Wärme in dem thierischen Körper existire, nicht den allergeringsten -Werth. - - -~VII.~ - -Wenn wir die Erzeugung von Kraft, die Bewegungserscheinungen mit -_Nervenleben_, und den Widerstand, den Zustand des statischen -Gleichgewichtes mit _vegetativem Leben_ bezeichnen, so ist klar, daß im -jugendlichen Alter bei allen Thierklassen das letztere, nämlich das -vegetative Leben, das Nervenleben überwiegt. - -Der Uebergang des in Bewegung befindlichen Stoffs in den Zustand der -Ruhe zeigt sich in einer Zunahme an Masse, in einem Ersatz an -verbrauchtem Stoffe; die Bewegung selbst, die Krafterzeugung stellt sich -dar als ein Verbrauch an Stoff. - -In dem jugendlichen Thiere ist der Verbrauch kleiner, als die Zunahme, -und diesen Zustand eines intensiveren vegetativen Lebens behält das -weibliche Thier bis zu einem gewissen Lebensalter unverändert bei, es -erreicht nicht, wie beim männlichen Thiere, mit der Ausbildung aller -Organe eine Gränze. - -Das weibliche Thier ist zu gewissen Perioden des Jahrs der Fortpflanzung -fähig, durch äußere Bedingungen, Temperatur, Nahrung &c. wird das -vegetative Leben in seinem Organismus gesteigert, er producirt mehr als -er verwendet; diese Fähigkeit zeigt sich in der Fortpflanzung. -Unabhängig von äußeren Bedingungen der Steigerung des vegetativen -Lebens ist das Weib des Menschen, mit der Ausbildung aller seiner -Organe, zu jeder Zeit der Fortpflanzung fähig, die Empfängniß ist an -keine Periode gebunden, und eine wunderbare Weisheit hat in seinen -Körper die Fähigkeit gelegt, bis zu einem bestimmten Lebensalter alle -Bestandtheile seiner Organe in größerer Menge zu erzeugen, als sie zur -Reproduktion der umgesetzten Gebilde erforderlich sind. Dieses Erzeugniß -enthält nachweisbar alle Elemente eines ihm gleichen Wesens, es vermehrt -sich in jedem Lebensmomente und wird, bis es Verwendung findet, -periodenweise aus dem Körper abgeschieden. Mit der Befruchtung des Ei’s -hört diese Abscheidung auf, jeder Tropfen des mehrerzeugten Blutes formt -sich zu einem der Mutter ähnlichen Organismus. - -Durch Bewegung und Anstrengung wird die Menge des abgeschiedenen Blutes -geringer, und bei krankhafter Unterdrückung der Menstruation zeigt sich -das vegetative Leben in einer gesteigerten Fettbildung. Wird das -Gleichgewicht des vegetativen und Nervenlebens bei dem Manne gestört, -wird die Intensität des letztern, wie bei den Castraten, verringert, so -zeigt sich das Uebergewicht des erstern in einer gleichen Form, in einer -Steigerung der Fettbildung. - - -~VIII.~ - -Wenn wir festhalten, daß die Zunahme an Masse in dem thierischen Körper, -daß die Ausbildung seiner Organe und ihrer Reproduktion aus dem Blute, -d. h. aus den Bestandtheilen des Blutes, geschieht, so können nur -diejenigen Materien Nahrungsmittel genannt werden, welche fähig sind zu -Blut zu werden. Die Untersuchung der Stoffe, die sich hierzu eignen, -beschränkt sich hiernach auf die Ausmittelung der Zusammensetzung der -Nahrungsmittel und ihrer Vergleichung mit der Zusammensetzung der -Bestandtheile des Blutes. - -Zwei Materien sind als Hauptbestandtheile des Blutes vorzüglich in -Betracht zu ziehen. Die eine davon scheidet sich augenblicklich aus dem -Blute ab, sobald es aus der Circulation genommen wird. Jedermann weiß, -daß das Blut in diesem Fall gerinnt, es trennt sich in eine gelbliche -Flüssigkeit, in _Blutserum_, und eine gallertartige Masse, die sich in -weichen, zähen elastischen Fäden an einen Stab oder eine Ruthe anhängt, -mit denen man das frische Blut während seines Gerinnens peitscht oder -schlägt. Dieser Körper ist das _Fibrin_, Blutfaserstoff, er ist -identisch in seinen Eigenschaften mit der von allen anderen Materien -befreiten Muskelfaser. - -Der zweite Hauptbestandtheil des Blutes ist im Blutserum enthalten, er -ertheilt dieser Flüssigkeit alle Eigenschaften des weißen Theils des -Hühnerei’s, indem er identisch mit diesem Bestandtheil aller Eier ist. -Er gerinnt in der Hitze zu einer weißen elastischen Masse; dieser -gerinnende Bestandtheil hat den Namen _Albumin_ erhalten. - -Fibrin und Albumin, die Hauptbestandtheile des Blutes, enthalten im -Ganzen 7 chemische Elemente, unter welche namentlich Stickstoff, -Phosphor und Schwefel, so wie die Substanz der Knochen gehört. In dem -Serum befinden sich Kochsalz und Salze in Auflösung, welche Kali, Natron -als Basen enthalten, sie sind mit Kohlensäure, Phosphorsäure und -Schwefelsäure verbunden. Die Blutkörperchen enthalten Fibrin und -Albumin, sowie einen rothen Farbstoff, in welchem Eisen einen nie -fehlenden Bestandtheil ausmacht. Außer diesen enthält das Blut noch -einige fette Körper in geringer Menge, die sich von den gewöhnlichen -Fetten durch verschiedene Eigenschaften unterscheiden. - -Die chemische Analyse hat zu dem merkwürdigen Resultate geführt, daß -Fibrin und Albumin einerlei organische Elemente und zwar in dem -nämlichen Gewichtsverhältniß enthalten, in der Art also, daß, wenn man -zwei Analysen, die eine von Fibrin, die andere von Albumin neben -einander stellt, wir keinen größeren Unterschied in der procentischen -Zusammensetzung wahrnehmen, wie in zwei Analysen von Fibrin, oder in -zwei Analysen von Albumin. - -In beiden Blutbestandtheilen sind offenbar, dies zeigt ihr verschiedener -Zustand, die Elemente auf verschiedene Weise geordnet, allein ihrer -Zusammensetzung nach sind sie identisch. - -Dieser Schluß ist neuerdings aufs Schönste dadurch bestätigt worden, daß -es einem ausgezeichneten Physiologen (P. _Denis_) gelang, Fibrin in den -Zustand von Albumin künstlich überzuführen, ihm also die Löslichkeit und -Gerinnbarkeit zu geben, die das Eiweiß charakterisirt. - -Neben der gleichen Zusammensetzung haben sie noch die chemische -Eigenschaft mit einander gemein, daß sie sich beide in starker Salzsäure -zu einer intensiv indigblauen Flüssigkeit lösen, welche gegen alle -Materien, die man damit zusammenbringt, ein ganz gleiches Verhalten -zeigt. - -Albumin und Fibrin können beide in dem Ernährungsprocesse zu Muskelfaser -werden, und Muskelfaser kann rückwärts wieder in Blut übergehen. Dieser -Uebergang ist von den Physiologen längst außer allen Zweifel gestellt, -und die Chemie hat also nur nachgewiesen, daß die Metamorphose rückwärts -und vorwärts erfolgen kann, kraft einer einwirkenden Thätigkeit, ohne -Zuhülfenahme eines dritten Körpers oder seiner Bestandtheile, ohne daß -also ein fremdes Element aufgenommen zu werden oder ein in Verbindung -vorhandenes auszutreten braucht. - -Wenn wir nun die Zusammensetzung aller Gebilde mit der des Fibrins und -Albumins im Blute vergleichen, so ergeben sich folgende Beziehungen. - -Alle Theile des Thierkörpers, die eine bestimmte Form besitzen, welche -Bestandtheile von Organen sind, enthalten Stickstoff. Kein Theil oder -Bestandtheil eines Organs, welches Bewegung und Leben besitzt, ist frei -von Stickstoff, alle enthalten Kohlenstoff und die Elemente des Wassers, -wiewohl diese letzteren _nie_ in dem Verhältniß, wie im Wasser. - -Die Hauptbestandtheile des Blutes enthalten nahe an 17 ~pCt.~ -Stickstoff, kein Theil eines Organs enthält weniger, wie siebzehn -Procent Stickstoff[E7]. - -Die entscheidendsten Versuche und Beobachtungen haben bewiesen, daß der -thierische Organismus durchaus unfähig ist, ein chemisches Element, -Kohlenstoff oder Stickstoff, aus anderen Materien, in denen diese Körper -fehlen, hervorzubringen, und es ist hiernach einleuchtend, daß alle -Nahrungsmittel, die zur Blutbildung oder zur Bildung von Zellen, -Membranen, Haut, Haaren, Muskelfaser dienen sollen, eine gewisse Portion -Stickstoff enthalten müssen, eben weil dieser einen Bestandtheil der -genannten Organe ausmacht, diese aus anderen Elementen, die man ihnen -darbietet, keinen Stickstoff erzeugen können und weil kein Stickstoff -aus der Atmosphäre in dem Lebensproceß verwendet wird. - -Der thierische Körper enthält in der Nerven- und Gehirnsubstanz eine -große Menge Albumin und außer diesem zwei eigenthümliche fette Säuren, -die sich von allen anderen Fetten durch einen Gehalt von -Phosphor(-säure?) unterscheiden (_Frémy_). Eins dieser Fette enthält -Stickstoff. - -Wasser und Fett machen zuletzt die stickstofffreien Bestandtheile des -Thierkörpers aus, beide sind formlos und nehmen nur in sofern Antheil an -dem Lebensproceß, als durch sie die Lebensfunktionen vermittelt werden. -Die nicht-organischen Bestandtheile des Thierkörpers sind Eisen, Kalk, -Bittererde, Kochsalz, sowie die Alkalien. - - -~IX.~ - -Die Ernährung der Fleischfresser nimmt unter allen Thierklassen die -einfachste Form an; sie leben vom Blut und Fleisch der gras- und -körnerfressenden Thiere, allein dieses Blut und Fleisch ist identisch in -allen seinen Eigenschaften mit ihrem eigenen Blut und Fleisch, weder -chemisch, noch physiologisch ist ein Unterschied wahrnehmbar. - -Die Nahrung der fleischfressenden Thiere ist aus Blut entstanden, sie -wird in ihrem Magen flüssig und überführbar in andere Körpertheile, sie -wird in ihrem Leibe wieder zu Blut, und aus diesem Blut erzeugen sich -alle Theile ihres Körpers wieder, die eine Veränderung oder Umsetzung -erlitten haben. - -Bis auf Klauen, Haare, Federn und Knochenerde ist kein Bestandtheil der -Nahrung der Carnivoren unassimilirbar. - -In chemischem Sinne kann man also sagen, daß das fleischfressende Thier -zur Erhaltung seiner Lebensprocesse sich selbst verzehrt. - -Dasjenige, was zu seiner Ernährung dient, ist identisch mit den -Bestandtheilen seiner Organe, welche erneuert werden sollen. - -Ganz anders stellt sich dem Anschein nach der Ernährungsproceß der -pflanzenfressenden Thiere dar; ihre Verdauungsorgane sind minder einfach -und ihre Nahrung besteht aus Vegetabilien, die ihrer Hauptmasse nach nur -sehr wenig Stickstoff enthalten. - -Aus welchen Stoffen, kann man fragen, entsteht bei ihnen das Blut, aus -dem sich ihre Organe entwickeln? - -Diese Frage läßt sich mit genügender Sicherheit beantworten. - -Die chemischen Untersuchungen haben dargethan, daß alle Theile von -Pflanzen, welche Thieren zur Nahrung dienen, gewisse Bestandtheile -enthalten, welche reich sind an Stickstoff, und die gewöhnlichsten -Erfahrungen beweisen, daß die Thiere zu ihrer Erhaltung und Ernährung -der Quantität nach um so weniger von diesen Pflanzentheilen bedürfen, je -reicher sie an diesen stickstoffhaltigen Stoffen sind; sie können nicht -mit Materien ernährt werden, worin sie fehlen. - -In vorzüglicher Menge sind diese Erzeugnisse der Pflanzen in den Samen -der Getreidearten, der Erbsen, Linsen, Bohnen, in Wurzeln und in den -Säften der sogenannten Gemüspflanzen enthalten, sie fehlen übrigens in -keiner einzigen Pflanze, in keinem ihrer Theile. - -Diese stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe lassen sich im Ganzen auf drei -Materien zurückführen, die ihrer äußern Beschaffenheit nach leicht von -einander zu unterscheiden sind. Zwei davon sind im Wasser löslich, der -dritte wird davon nicht aufgenommen. - -Wenn man frisch ausgepreßte Pflanzensäfte sich selbst überläßt, so tritt -nach wenigen Minuten eine Scheidung ein, es sondert sich ein gelatinöser -Niederschlag ab, gewöhnlich von grüner Farbe, welcher, mit Flüssigkeiten -behandelt, die den Farbestoff lösen, eine grauweiße Materie hinterläßt. -Diese Substanz ist unter dem Namen _grünes Satzmehl_ der Pflanzensäfte -den Pharmaceuten wohl bekannt. Dieß ist der eine von den -stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln der Thiere, er hat den Namen -_Pflanzenfibrin_ erhalten. Der Saft der Gräser ist vorzüglich reich an -diesem Bestandtheil, er ist in reichlichster Menge in dem Weizensamen, -so wie überhaupt in den Samen der Cerealien enthalten, und kann aus dem -Weizenmehl durch eine mechanische Operation ziemlich rein erhalten -werden. In diesem Zustande heißt er _Kleber_, allein die klebenden -Eigenschaften gehören ihm nicht an, sondern einer geringen Menge eines -beigemischten fremden Körpers, der in den Samen der übrigen -Getreidearten fehlt. - -Wie sich aus der Art seiner Darstellung ergiebt, ist das Pflanzenfibrin -im Wasser nicht löslich, obwohl man nicht zweifeln kann, daß es in der -lebenden Pflanze im Safte gelös’t vorhanden war, aus dem es sich, -ähnlich wie das Fibrin aus Blut, erst später abschied. - -Der zweite stickstoffhaltige Nahrungsstoff ist in dem Safte der Pflanzen -gelös’t, er scheidet sich daraus bei gewöhnlicher Temperatur nicht ab, -wohl aber, wenn der Pflanzensaft zum Sieden erhitzt wird. - -Bringt man den ausgepreßten klaren Saft, am besten von Gemüspflanzen, -von Blumenkohl, Spargel, Kohlrüben, weißen Rüben u. s. w. zum Sieden, so -entsteht darin ein Coagulum, welches in seiner äußern Beschaffenheit und -seinen Eigenschaften schlechterdings nicht zu unterscheiden ist von dem -Körper, der sich als Gerinnsel abscheidet, wenn man mit Wasser -verdünntes Blutserum oder Eiweiß der Siedhitze aussetzt. Dies ist das -_Pflanzenalbumin_; in vorzüglicher Menge findet sich dieser Körper in -gewissen Samen, in Nüssen, Mandeln und anderen, in denen das Amylon der -Getreidesamen sich vertreten findet durch Oel oder Fett. - -Der dritte stickstoffhaltige Nahrungsstoff, den die Pflanzen produciren, -das _Pflanzencasein_, findet sich hauptsächlich in den Samenlappen der -Erbsen, Linsen und Bohnen, er ist wie das Pflanzenalbumin im Wasser -löslich, unterscheidet sich aber von ihm dadurch, daß seine Auflösung -durch Hitze nicht coagulirt wird; beim Abdampfen und Erhitzen zieht sie -an der Oberfläche eine Haut, und, mit Säuren versetzt, entsteht darin -ein Gerinnsel wie in der Thiermilch. - -Diese drei Stoffe, Pflanzen-Fibrin, -Albumin und -Casein, sind die -eigentlichen stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe der pflanzenfressenden -Thiere, alle anderen in Pflanzen vorkommenden stickstoffhaltigen -Materien werden entweder, wie die Stoffe in den Giftpflanzen und -Medizinalpflanzen, von den Thieren nicht genossen, oder sie sind ihrer -Nahrung in so außerordentlich kleinen Mengen beigemischt, daß sie zur -Vermehrung der Masse ihres Körpers nicht beizutragen vermögen. - -Die chemische Untersuchung der drei genannten Substanzen hat zu dem -interessanten Resultate geführt, daß sie einerlei organische Elemente in -dem nämlichen Gewichts-Verhältnisse enthalten, und was noch weit -merkwürdiger ist, es hat sich ergeben, daß sie identisch sind in ihrer -Zusammensetzung mit den Hauptbestandtheilen des Blutes, mit Fibrin und -Albumin. Sie lösen sich alle drei in concentrirter Salzsäure mit der -nämlichen indigblauen Farbe auf, und auch in ihren physikalischen -Eigenschaften sind Thierfibrin und Thieralbumin von Pflanzenfibrin und -Pflanzenalbumin in keiner Weise verschieden. Es verdient ganz besonders -hervorgehoben zu werden, daß hier unter einer gleichen Zusammensetzung -nicht bloß eine ähnliche gemeint ist, sondern es ist auch in Beziehung -auf ihren Gehalt an Phosphor, Schwefel, Knochenerde und Alkalien kein -Unterschied wahrnehmbar[E8]. - -In welcher bewundernswürdigen Einfachheit erscheint nach diesen -Entdeckungen der Bildungsproceß im Thiere, die Entstehung seiner Organe, -der Hauptträger der Lebensthätigkeit. Die Pflanzenstoffe, welche in den -Thieren zur Blutbildung verwendet werden, enthalten die -Hauptbestandtheile des Blutes, Fibrin und Albumin, fertig gebildet allen -ihren Elementen nach, alle Pflanzen enthalten noch überdies eine gewisse -Menge Eisen, was wir im Blutfarbestoff wiederfinden. Pflanzenfibrin und -Thierfibrin, Pflanzenalbumin und Thieralbumin sind kaum der Form nach -verschieden; wenn diese Stoffe in der Nahrung der Thiere fehlen, so hört -die Ernährung der Thiere auf, und wenn sie darin gegeben werden, so -empfängt das pflanzenfressende Thier die nämlichen Materien, auf welche -die fleischfressenden zu ihrer Erhaltung beschränkt sind. - -Die Pflanzen erzeugen in ihrem Organismus das Blut aller Thiere, denn in -dem Blut und Fleisch der pflanzenfressenden verzehren die -fleischfressenden im eigentlichen Sinne nur die Pflanzenstoffe, von -denen die ersteren sich ernährt haben; Pflanzenfibrin und -Albumin -nehmen in dem Magen des pflanzenfressenden Thiers genau die nämliche -Form an, wie Thierfibrin und Thieralbumin in dem Magen der Carnivoren. - -Aus dem Vorhergehenden ergiebt sich, daß die Entwickelung der Organe -eines Thiers, ihre Vergrößerung und Zunahme an Masse an die Aufnahme -gewisser Stoffe geknüpft ist, die identisch sind mit den -Hauptbestandtheilen ihres Blutes. - -In diesem Sinne kann man sagen, daß der Thierorganismus sein Blut nur -der Form nach schafft, daß ihm die Fähigkeit mangelt, es aus anderen -Stoffen zu erzeugen, die nicht identisch sind mit seinen -Hauptbestandtheilen. Damit kann freilich nicht behauptet werden, daß ihm -die Fähigkeit, andere Verbindungen zu erzeugen, abgehe, wir wissen im -Gegentheil, daß sein Organismus eine große Reihe von seinen -Blutbestandtheilen in ihrer Zusammensetzung abweichender Verbindungen -hervorbringt, aber den Anfangspunkt der Reihe, seine Blutbestandtheile, -diese kann er sich nicht bilden. - -Der Thierorganismus ist eine höhere Pflanze, deren Entwickelung mit -denjenigen Materien beginnt, mit deren Erzeugung das Leben der -gewöhnlichen Pflanze aufhört; sobald diese Samen getragen hat, stirbt -sie ab, oder es hört damit eine Periode ihres Lebens auf. - -In der unendlichen Reihe von Verbindungen, welche mit den -Nahrungsstoffen der Pflanzen, mit Kohlensäure und Ammoniak und Wasser -anfängt, bis zu den zusammengesetztesten Bestandtheilen des Gehirns im -Thierkörper finden wir keine Lücke, keine Unterbrechung. Der erste -Nahrungsstoff des Thieres ist das letzte Produkt der schaffenden -Thätigkeit der Pflanze. - -Die Substanz der Zellen und Membranen, der Nerven und des Gehirns -erzeugt die Pflanze nicht. - -Das Wunderbare in der schaffenden Thätigkeit der Pflanze verliert sich, -wenn man erwägt, daß die Erzeugung der Blutbestandtheile nicht -auffallender erscheinen kann, als wenn wir Ochsentalg und Hammelstalg -(in den Kakaobohnen), oder Menschenschmalz (im Olivenöl), oder die -Hauptbestandtheile der Kuhbutter (Palmbutter) auf Bäumen wachsend -finden, daß wir das Pferdefett und den Fischthran in den ölreichen Samen -entstehen sehen. - - -~X.~ - -So wenig man nun auch, wie sich aus dem Vorhergehenden ergiebt, über die -Art und Weise in Ungewißheit sein kann, wie die Zunahme in der Masse der -Organe eines Thieres vor sich geht, so bleibt immer noch eine überaus -wichtige Frage zu lösen, die Rolle nämlich auszumitteln, welche die -stickstofffreien Substanzen, Zucker, Amylon, Gummi, Pectin u. s. w. in -dem thierischen Körper spielen. - -Die größte aller Thierklassen kann ohne diese Materien nicht leben, ihre -Nahrung muß eine gewisse Menge davon enthalten, und wir sehen ihrem -Leben ein rasches Ziel gesetzt, wenn sie in ihr fehlen. - -Diese wichtige Frage erstreckt sich gleichfalls auf die Bestandtheile -der Nahrung des fleischfressenden Thieres in der frühsten Periode seines -Lebens, denn auch diese Nahrung enthält gewisse Bestandtheile, welche -sein Körper zu seiner Erhaltung im erwachsenen Zustande nicht bedarf. - -In dem jugendlichen Körper der Fleischfresser geschieht offenbar die -Ernährung in einer ähnlichen Weise, wie in dem Körper der -pflanzenfressenden Thiere; seine Entwickelung ist an die Aufnahme einer -Flüssigkeit gebunden, welche der Leib der Mutter in der Form der Milch -absondert. - -Die Milch enthält nur einen stickstoffhaltigen Bestandtheil, den -sogenannten Käsestoff, Casein; außer diesem sind ihre Hauptbestandtheile -Butter (Fett) und Milchzucker. - -Aus dem stickstoffhaltigen Bestandtheil der Milch muß das Blut des -jungen Thieres, seine Muskelfaser, Zellen und Nervensubstanz und seine -Knochen, erzeugt worden sein, denn Butter und Milchzucker enthalten -keinen Stickstoff. - -Die Untersuchung des Caseins hat nun zu dem Resultate geführt, was nach -dem Vorhergehenden kaum mehr überraschen kann, daß auch dieser Stoff -identisch ist in seiner Zusammensetzung mit den Hauptbestandtheilen des -Blutes, mit Fibrin und Albumin, ja was noch mehr ist, die Vergleichung -seiner Eigenschaften mit denen des Pflanzencaseins hat gezeigt, daß er -mit diesem auch identisch ist in allen seinen Eigenschaften, in der Art -also, daß gewisse Pflanzen wie die Erbsen, Bohnen, Linsen, den -nämlichen Körper zu erzeugen vermögen, welcher aus dem Blute der Mutter -entsteht und zur Blutbildung in dem Körper des jungen Thieres verwendet -wird[E9]. - -In dem Casein, das sich durch seine außerordentliche Löslichkeit und -Nichtgerinnbarkeit in der Wärme von dem Fibrin und Albumin -unterscheidet, empfängt demnach das junge Thier, seinem -Hauptbestandtheil nach, das Blut seiner Mutter; zu seinem Uebergang in -Blut gehört kein dritter Stoff, und keiner der Bestandtheile des Blutes -seiner Mutter trennt sich davon bei ihrem Uebergang in Casein. In -chemischer Verbindung enthält das Casein der Milch eine weit größere -Quantität von Knochenerde, als wie das Blut, und zwar in höchst -löslichem Zustande, überführbar also in alle Körpertheile. Auch in der -frühsten Periode ihres Lebens ist die Entwickelung und Ausbildung der -Träger der Lebensthätigkeit im jungen Thiere an die Aufnahme einer -Materie gebunden, welche in Beziehung auf seine organischen -Bestandtheile identisch ist in ihrer Zusammensetzung mit den -Hauptbestandtheilen seines Blutes. - -Wozu dient nun aber das Fett der Butter, der Milchzucker? Was ist der -Grund, warum sie zu dem Leben der jungen Thiere unentbehrlich sind? - -Butter und Milchzucker enthalten keine fixen Basen, keinen Kalk, kein -Natron, kein Kali; der Milchzucker besitzt eine den gewöhnlichen -Zuckerarten, dem Amylon, dem Gummi ähnliche Zusammensetzung, sie -bestehen aus Kohlenstoff und den Elementen des Wassers, und zwar genau -in dem nämlichen Verhältnisse, wie im Wasser. - -Durch diese stickstofffreien Stoffe ist also ihren stickstoffhaltigen -eine gewisse Menge von Kohlenstoff, oder, wie in der Butter, von -Kohlenstoff und Wasserstoff zugesetzt, ein Ueberschuß von Elementen -also, der zur Blutbildung schlechterdings nicht verwendet werden kann, -eben weil ihre stickstoffhaltigen Nahrungsmittel genau die -Kohlenstoffmengen schon enthalten, welche zur Bildung von Fibrin und -Albumin nöthig sind. - -Man kann, wie aus den folgenden Betrachtungen sich ergeben wird, kaum -einen Zweifel hegen, daß dieser Ueberschuß an Kohlenstoff allein, oder -an Kohlen- und Wasserstoff zur Hervorbringung der animalischen Wärme, -daß er zum Widerstand gegen die äußere Einwirkung des Sauerstoffs -verwendet wird. - - -~XI.~ - -Betrachten wir zuförderst, um zu einer klareren Einsicht in das Wesen -des Ernährungsprocesses in den beiden Thierklassen zu gelangen, die -Veränderungen, welche die Nahrung des fleischfressenden Thieres in -seinem Organismus erfährt. - -Wir geben einer erwachsenen Schlange eine Ziege, ein Kaninchen oder -einen Vogel zu verzehren und finden, daß die Haare, Klauen, Federn, -Knochen dieser Thiere scheinbar unverändert ausgeworfen werden, denn sie -haben ihre Form und natürliche Beschaffenheit behalten, sie sind -zerbrechlich, weil sie von allen nur den der Auflösung fähigen -Bestandtheil (Leimsubstanz) verloren haben. Eigentliche Faeces gehen von -der Schlange so wenig, wie von den fleischfressenden Vögeln ab. - -Das Fleisch, das Fett, das Blut, die Gehirn- und Nervensubstanz des -verzehrten Thieres, alles übrige ist, wenn die Schlange ihr -ursprüngliches Gewicht wieder erhalten hat, verschwunden. - -Als das einzige Excrement finden wir eine Materie, welche durch die -Harnwege ausgeleert wird; im trocknen Zustande ist sie blendend weiß wie -Kreide, sie ist sehr reich an Stickstoff, und enthält nur kohlensauren -und phosphorsauren Kalk beigemischt. - -Dieses Excrement ist harnsaures Ammoniak, eine chemische Verbindung, in -welcher sich der Stickstoff zum Kohlenstoff in dem nämlichen Verhältniß -befindet, wie im sauren kohlensauren Ammoniak, sie enthält auf 1 Aeq. -Stickstoff 2 Aeq. Kohlenstoff. - -Die Muskelfaser, das Blut, die Membranen und Häute enthielten aber auf -die nämliche Quantität Stickstoff viermal so viel Kohlenstoff, nämlich 8 -Aequivalente, und wenn man hierzu den Kohlenstoff des genossenen Fettes, -der Nerven- und Gehirnsubstanz hinzurechnet, so ist klar, daß die -Schlange auf 1 Aeq. Stickstoff weit mehr als 8 Aeq. Kohlenstoff verzehrt -hat. - -Wenn wir nun annehmen, daß das harnsaure Ammoniak allen Stickstoff des -verzehrten Thieres enthält, so sind offenbar im geringsten Falle 6 Aeq. -Kohlenstoff, die mit diesem Stickstoff verbunden waren, in einer andern -Form ausgetreten, wie die übrigen zwei Atome, die wir im harnsauren -Ammoniak wiederfinden. - -Wir wissen nun mit zweifelloser Gewißheit, daß dieser Kohlenstoff aus -Haut und Lunge ausgetreten ist, und zwar konnte dies nur geschehen in -der Form einer Sauerstoffverbindung. - -Die Excremente eines Bussards, der mit Rindfleisch gefüttert worden, aus -der Kloake genommen, bestanden der Untersuchung nach (L. _Gmelin_ u. -_Tiedemann_) aus harnsaurem Ammoniak. Ebenso sind die Faeces bei Löwen -und Tiegern sparsam und trocken, sie enthalten der Hauptsache nach -Knochenerde und nur Spuren von kohlenstoffhaltigen Materien, aber ihr -Harn enthält kein harnsaures Ammoniak, sondern Harnstoff, eine -Verbindung, welche Stickstoff und Kohlenstoff im Verhältniß wie im -neutralen kohlensauren Ammoniak enthält. - -Angenommen, daß ihre Nahrung (Fleisch &c.) Stickstoff und Kohlenstoff in -dem Verhältniß wie 1 : 8 enthielt, so finden wir in dem Harn beide nur -in dem Verhältniß wie 1 : 1 wieder, ein kleineres Verhältniß von -Kohlenstoff also, wie bei den Schlangen, in denen der Respirationsakt -bei weitem weniger thätig ist. - -Aller Kohlenstoff und Wasserstoff, den die Nahrung dieser Thiere mehr -enthielt, als wir in ihren Excrementen wieder finden, sie sind, als -Kohlensäure und Wasser, durch den Respirationsproceß verschwunden. - -Hätten wir das verzehrte Thier in einem Ofen verbrannt, so würde die -vorgegangene Veränderung nur der Form der Stickstoffverbindungen nach -eine andere gewesen sein. - -Den Stickstoff würden wir als kohlensaures Ammoniak, den übrigen -Kohlenstoff als Kohlensäure, den übrigen Wasserstoff als Wasser -wiederbekommen haben. Es würden die unverbrennlichen Theile als Asche, -die unverbrannten als Ruß übrig geblieben sein. Die festen Excremente -sind aber nichts anders als die im Thierkörper unverbrennlichen, oder -unvollkommen verbrannten Theile der Nahrung. - -In dem Vorhergehenden ist angenommen worden, daß die Bestandtheile der -von dem Thiere genossenen Nahrungsmittel in seinem Organismus, in Folge -des durch Lunge und Haut aufgenommenen Sauerstoffs, ihr Kohlenstoff in -Kohlensäure, ihr Wasserstoff und ihr Stickstoff in eine chemische -Verbindung, welche die Elemente des kohlensauren Ammoniaks enthält, -übergehen. - -Diese Voraussetzung ist nur der äußeren Erscheinung nach wahr, in der -That erlangt nach einer gewissen Zeit der Thierkörper sein -ursprüngliches Gewicht wieder, sein Gehalt an Kohlenstoff und den andern -Elementen hat in seinem Körper nicht zugenommen, es ist genau so viel -Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff &c. wieder ausgetreten, als ihm -davon in der Speise zugeführt wurde. Aber nichts kann gewisser sein, als -daß der ausgetretene Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff nicht von -der Speise herrührt, wenn sie auch, der Quantität nach, den dadurch -zugeführten gleich waren. - -Es wäre aller Vernunft entgegen, wenn man annehmen wollte, die Stillung -des Hungers, das Bedürfniß nach Speise habe keinen andern Zweck, als die -Erzeugung von Harnstoff, Harnsäure, Kohlensäure und den andern -Excrementen, von Materien, die der Körper ausstößt, in seiner -Haushaltung also zu nichts verwendet. - -Die Speisen dienen in dem erwachsenen Thiere zum Ersatz an verbrauchtem -Stoff, gewisse Theile der Organe haben ihren Zustand des Lebens -verloren, sie sind aus der Substanz der Organe ausgetreten, sie haben -sich zu neuen und zwar formlosen Verbindungen umgesetzt. - -Die Speise des Fleischfressers wurde zur Blutbildung verwendet und aus -dem neuerzeugten Blute haben sich die umgesetzten Organe wieder neu -gebildet. Der Kohlenstoff und Stickstoff der Nahrung sind zu -Bestandtheilen des Organismus geworden. - -Eben so viel Kohlenstoff und Stickstoff als die Organe abgegeben haben, -genau so viel ist ihnen durch das Blut und in letzter Form durch die -Speise wieder ersetzt worden. - -Wo sind denn aber, kann man fragen, die neuen Verbindungen hingekommen, -welche durch die Umsetzung der Bestandtheile der Organe, der -Muskelfaser, der Substanz der Membranen und Zellen, der Nerven- und -Gehirnsubstanz, entstanden sind? - -Diese neuen Verbindungen, sie konnten keinen Moment, insofern sie -löslich waren, an dem Platze beharren, wo sie entstanden sind, denn eine -sehr wohlbekannte Thätigkeit, die Blutcirculation nämlich, widersetzt -sich diesem Beharren. - -Durch die Erweiterung des Herzens, in dem sich zwei Systeme von Kanälen -vereinigen, welche sich in ein unendlich feines Netzwerk von Röhrchen -durch alle Theile des Thierkörpers hin verzweigen, entsteht abwechselnd -ein luftleerer Raum, in dessen unmittelbarer Folge, durch den äußern -atmosphärischen Druck, alle Flüssigkeiten, die in dieses Röhrensystem -gelangen können, nach der einen Seite des Herzens hin mit großer Gewalt -getrieben werden. Diese Bewegung wird bei der Zusammenziehung des -Herzens durch einen von dem Gewichte der Atmosphäre unabhängigen Druck -aufs kräftigste unterstützt. - -Wir haben mit einem Worte in dem Herzen eine Druckpumpe, durch welche -arterielles Blut in alle Theile des Körpers getrieben wird, und eine -Saugpumpe, durch welche alle Flüssigkeiten, von welcher Beschaffenheit -sie auch sein mögen, sobald sie in das Röhrensystem der Saugadern, die -sich mit den Venen vereinigen, gelangen können, nach dem Herzen hin -geführt werden. Diese Aufsaugung, in Folge des im Herzen entstandenen -luftleeren Raums, ist ein rein mechanischer Act, der sich, wie bemerkt, -auf flüssige Stoffe jeder Art, Salzauflösungen, Gifte &c. erstreckt. Es -ist nun einleuchtend, daß durch das Einströmen des arteriellen Blutes in -die Capillargefäße alle dort vorhandenen Flüssigkeiten, sagen wir die -löslichen Verbindungen, die durch die Umsetzung der Gebilde entstanden -sind, eine Bewegung nach dem Herzen hin empfangen müssen. - -Diese Materien können zur Neubildung der nämlichen Organe, aus denen -sie entstanden sind, nicht verwendet werden; sie gelangen durch das -Saug- und Lymphgefäßsystem in die Venen, wo ihre Anhäufung dem -Ernährungsproceß eine sehr rasche Grenze setzen würde, wenn sich dieser -Ansammlung nicht zwei, ganz besonders zu diesem Zwecke eingerichtete, -Filtrirapparate widersetzen würden. - -Das venöse Blut nimmt, ehe es zum Herzen gelangt, seinen Weg durch die -Leber, das arterielle Blut geht durch die Nieren, welche alle für den -Ernährungsproceß untauglichen Stoffe davon scheiden. - -Die neuentstandenen Verbindungen, welche den Stickstoff der umgesetzten -Organe enthalten, sammeln sich in der Harnblase an und treten, indem sie -einer weiteren Verwendung durchaus unfähig sind, aus dem Körper aus. - -Alle anderen, welche den Kohlenstoff der umgesetzten Gebilde enthalten, -sammeln sich in Gestalt einer löslichen, mit Wasser in allen -Verhältnissen mischbaren Natronverbindung in der Gallenblase an, aus der -sie sich im Duodenum mit dem Speisebrei wieder mischen. Alle Theile der -Galle, die ihre Löslichkeit in dem Verdauungsproceß nicht verlieren, -kehren während der Verdauung frisch genossener Nahrung im unendlich fein -zertheilten Zustande wieder in den Körper zurück. Das Natron der Galle, -so wie alle durch schwache Säure nicht fällbaren, kohlenstoffreichen -Bestandtheile (diese betragen ⁹⁹/₁₀₀ aller übrigen), behalten ihre -Fähigkeit, durch die Saugadern des Dünndarms und Dickdarms wieder -resorbirt zu werden, unverändert bei. Ja diese Fähigkeit ist direct -beweisbar durch gallehaltige Klystiere, deren Gallegehalt mit der -Flüssigkeit im Mastdarm verschwindet. - -Die stickstoffhaltigen Verbindungen, welche in Folge der Umsetzung der -Gebilde entstanden, wir wissen genau, daß sie, durch die Nieren von dem -arteriellem Blute geschieden, als einer weiteren Veränderung durchaus -unfähig, aus dem Körper treten, aber die kohlenstoffreichen Produkte, -sie kehren in den Körper des fleischfressenden Thieres zurück. - -Die Nahrung des fleischfressenden Thieres ist identisch mit den -Hauptbestandtheilen seines Körpers; die Metamorphosen, welche seine -Gebilde erfahren, sie müssen identisch sein mit den Veränderungen, -welche in ihren Lebensakten ihre Nahrungsmittel erleiden. - -Das verzehrte Fleisch und Blut giebt seinen Kohlenstoff zur Unterhaltung -des Respirationsprocesses her, seinen Stickstoff erhalten wir als -Harnstoff oder Harnsäure wieder. Ehe aber diese letzte Veränderung -erfolgt, wird das todte Fleisch und Blut zu lebendigem Fleisch und Blut, -und es ist im eigentlichen Sinne der Kohlenstoff der durch Umsetzung der -lebenden Gebilde entstandenen Verbindungen, welcher zur Hervorbringung -der thierischen Wärme dient. - -Die Speise des Fleischfressers verwandelt sich in Blut, das Blut ist -bestimmt zur Reproduktion der Organe, durch die Blutcirculation wird ein -Strom von Sauerstoff allen Theilen des Körpers zugeführt. Die Träger -dieses Sauerstoffs, die Blutkörperchen, welche nachweisbar keinen -Antheil an dem Nutritionsprocesse nehmen, geben ihn beim Durchgang -durch die Capillargefäße wieder ab. Dieser Sauerstoffstrom begegnet auf -diesem Wege den durch die Umsetzung der Gebilde entstandenen -Verbindungen, er verbindet sich mit ihrem Kohlenstoff zu Kohlensäure, -mit ihrem Wasserstoff zu Wasser, und alles, was diesen Oxydationsproceß -nicht erlitten hat, kehrt in der Form von Galle wieder in den Körper -zurück, wo sie nach und nach völlig verschwindet. - -Bei den Fleischfressern enthält die Galle den Kohlenstoff der -umgesetzten Gebilde, dieser Kohlenstoff verschwindet in dem thierischen -Körper, die Galle verschwindet in dem Lebensproceß, ihr Kohlenstoff -tritt als Kohlensäure, ihr Wasserstoff als Wasser durch Haut und Lunge -aus; es ist klar, die Bestandtheile der Galle dienen zur Respiration und -zur Hervorbringung der animalischen Wärme. Alle Theile der Nahrung der -Fleischfresser sind fähig in Blut überzugehen, ihre Excremente enthalten -nur anorganische Substanz (Knochenerde &c.), und was wir an organischen -Stoffen diesen beigemischt finden, sind lediglich Excretionen, welche -den Durchgang durch die Eingeweide vermitteln. Bei den fleischfressenden -Thieren enthalten die Excremente keine Galle, kein Natron; keine Spur -einer der Galle ähnlichen Substanz wird von Wasser daraus aufgenommen, -die Galle ist aber in allen Verhältnissen darin löslich und damit -mischbar. - -Ueber den Ursprung der Bestandtheile des Harns und der Galle können die -Physiologen nicht im Zweifel sein; wenn der Magen bei Enthaltung aller -Speise sich darmartig zusammenzieht, kann sich aus der Gallenblase, da -sie keine Bewegung empfängt, keine Galle ergießen; in dem Körper der -Verhungerten finden wir die Gallenblase straff und voll. Wir beobachten -Galle- und Harnsekretion bei den Winterschläfern, wir wissen, daß der -Harn der Thiere (Hunde), die während 18 bis 20 Tagen keine andere -Nahrung als reinen Zucker bekamen, ebensoviel an dem stickstoffreichsten -Produkt des Thierkörpers, ebensoviel Harnstoff enthielt, als im gesunden -Zustande (_Marchand_, _Erdm_. J. ~XIV.~ ~p.~ 495.). Unterschiede in der -Menge des secernirten Harnstoffs erklären sich in diesen und ähnlichen -Versuchen durch den Mangel oder die Gestattung der natürlichen -Bewegungen. Eine jede Bewegung steigert den Umsatz der Gebilde, nach -einem jeden Spaziergang vermehrt sich beim Menschen die Harnsekretion. - -Der Harn der Säugethiere, Vögel, der Amphibien enthält Harnsäure oder -Harnstoff, der Koth der Weichthiere, der Insecten, der Canthariden, des -Seidenwurm-Schmetterlings enthält harnsaures Ammoniak; die Beständigkeit -des Vorkommens einer oder zweier Stickstoff-Verbindungen in den -Ausleerungen der Thiere, bei einer so großen Verschiedenheit in der -genossenen Nahrung, zeigt mit Bestimmtheit an, daß sie aus einer und -derselben Quelle entspringen. - -Ebensowenig zweifelhaft kann man über die Rolle sein, welche die Galle -in dem Lebensproceß übernimmt. Wenn man sich erinnert, daß essigsaures -Kali, in der Form eines Klystiers oder als Fußbad genommen, den Harn im -hohen Grade alkalisch macht (_Rehberger_ in _Tiedemann’s_ Zeitschrift -für Physiologie ~II.~ 149.), daß die Umwandlung, welche hier die -Essigsäure erfährt, nicht ohne ein Hinzutreten von Sauerstoff gedacht -werden kann, so ist klar, daß die löslichen Bestandtheile der Galle, -veränderlich im hohen Grade, so wie wir sie kennen, _welche_ durch die -Eingeweide in den Organismus wieder zurückkehren, da sie zur Blutbildung -nicht verwendet werden können, der Einwirkung des Sauerstoffs in einer -ganz ähnlichen Weise unterliegen müssen. Die Galle ist eine -Natronverbindung, deren Bestandtheile in dem Körper des -fleischfressenden Thieres bis auf das Natron verschwinden. - -Nach der Ansicht vieler der ausgezeichnetsten Physiologen ist die Galle -zur Ausleerung bestimmt, und nichts kann gewisser sein, als daß eine an -Stickstoff so arme Materie in dem Nutritionsproceß keine Rolle -übernimmt, allein die quantitative Physiologie muß die Ansicht, daß sie -zu keinerlei Zwecken dient, daß sie unfähig zu weiteren Veränderungen -ist, mit Entschiedenheit zurückweisen. - -Kein Bestandtheil eines Organs enthält Natron, nur in dem Blute -(~Serum~), in dem Gehirnfett und in der Galle haben wir -Natronverbindungen. Wenn die Natronverbindungen des Bluts in -Muskelfaser, in Membranen und Zellen übergehen, so muß ihr Natron in -eine neue, in eine andere Verbindung treten; das in Muskelfaser, in -Membranen übergehende Blut giebt sein Natron an Verbindungen ab, welche -durch die Umsetzung der Gebilde entstanden sind. Eine dieser neuen -Natronverbindungen erhalten wir in der Galle wieder. - -Wäre die Galle zur Ausleerung bestimmt, so müßten wir sie verändert -oder unverändert, wir müßten das Natron in den festen Excrementen -wiederfinden. Aber bis auf gewisse Mengen von Kochsalz und -schwefelsauren Salzen, welche Bestandtheile aller thierischen -Flüssigkeiten sind, finden wir in den festen Excrementen nur Spuren von -Natronverbindungen. Das Natron der Galle ist aber jedenfalls aus den -Eingeweiden in den Organismus wieder zurückgekehrt, und das nämliche muß -von den organischen Stoffen gelten, die mit diesem Natron verbunden -bleiben. - -Ein Mensch secernirt nach den Beobachtungen der Physiologen 17-24 Unzen -Galle, ein großer Hund 36 Unzen, ein Ochse 37 Pfd. Galle (_Burdach’s_ -Physiologie 5r Band S. 260.) Die festen Excremente eines Menschen wiegen -aber durchschnittlich nicht über 5¹/₂ Unzen, die eines Pferdes 28¹/₂ -Pfd. _Boussingault_ (7¹/₂ Pfd. trockne Substanz und 21 Pfd. Wasser). Die -letzteren geben mit Alkohol behandelt nur ¹/₇₆ ihres Gewichts lösliche -Theile ab. Dieser sechsundsiebzigste Theil von dem Gewicht der festen -Excremente des Pferdes müßte Galle sein. - -Den Wassergehalt der Galle zu 90 ~pCt.~ angenommen, secernirt ein Pferd -täglich 592 Unzen Galle, welche 59,2 Unzen feste Substanz enthalten, -während aus 120 Unzen trockner Excremente (7¹/₂ Pfd.) nur 6 Unzen einer -Substanz ausziehbar sind, die man für Galle nehmen könnte. Aber das, was -der Alkohol aus den Excrementen auflös’t, ist keine Galle mehr, von dem -Weingeist befreit bleibt ein weicher, ölartiger Rückstand, welcher seine -Löslichkeit im Wasser gänzlich eingebüßt hat, er hinterläßt nach dem -Verbrennen keine alkalische Asche, kein Natron[E10]. - -Während dem Verdauungsproceß ist also das Natron der Galle und mit ihm -alle Bestandtheile derselben, die ihre Löslichkeit nicht verloren haben, -in den Organismus zurückgekehrt; wir finden dieses Natron in dem -neugebildeten Blute wieder, wir finden es zuletzt in der Form von -phosphorsaurem, kohlensaurem und hippursaurem Natron im Urin. In 1000 -Theilen fester, frischer Menschenexcremente fand _Berzelius_ nur 9 -Theile einer der Galle ähnlichen Substanz, fünf Unzen würden hiernach -nur 21 Gran fester Galle enthalten, entsprechend mit ihrem Wassergehalte -200 Gr. Galle im natürlichen Zustande; es werden aber beim Menschen 9640 -bis 11520 Gran Galle täglich secernirt, also 45- bis 56mal mehr als man -in den durch den Darmkanal ausgeleerten Stoffen nachzuweisen vermag. - -Welche Vorstellung man nun auch hegen mag über die Richtigkeit der -physiologischen Versuche in Beziehung auf die Menge der in verschiedenen -Thierklassen secernirten Galle, so viel ist vollkommen gewiß, daß auch -das Maximum derselben noch nicht den Kohlenstoff enthält, den ein Mensch -oder ein Pferd in 24 Stunden ausathmet. Mit allen ihren Gemeng- oder -Bestandtheilen an Fett &c. enthalten 100 Theile fester Galle nicht über -69 ~pCt.~ Kohlenstoff; in 37 Pfd. Galle, die ein Pferd secernirt, sind -demnach nur 80 Loth Kohlenstoff enthalten. Das Pferd athmet aber täglich -nahe doppelt soviel Kohlenstoff in der Form von Kohlensäure aus. Ein -ganz ähnliches Verhältniß findet bei dem Menschen statt. - -Mit dem zur Neubildung und Reproduction bestimmten Stoff wird durch die -Blutcirculation allen Theilen des Körpers Sauerstoff zugeführt. Welche -Verbindung dieser Sauerstoff in dem Blut auch eingegangen sein mag, es -muß als gewiß angenommen werden, daß diejenigen Bestandtheile, welche -zur Reproduktion verwendet werden, keine wesentliche Veränderung durch -ihn erlitten haben, in der Muskelfaser finden wir das Fibrin mit allen -seinen Eigenschaften, die es im venösen Blute besitzt, wieder vor, das -Albumin im Blut nimmt kein Sauerstoffgas auf; der im Blute aufgenommene -Sauerstoff mag dazu gedient haben, um gewisse unbekannte Bestandtheile -des Blutes in Gaszustand zu versetzen, aber die zur Ernährung und -Reproduktion dienenden bekannten Hauptbestandtheile desselben, sie -können von der Natur nicht dazu bestimmt sein, um den Respirationsproceß -zu unterhalten, keine ihre Eigenschaften rechtfertigt eine solche -Vorstellung. - -Ohne die Frage über den Antheil, den die Galle an den Lebensprocessen -nimmt, hier einer erschöpfenden Erörterung zu unterwerfen, geht, wie -bemerkt, aus der einfachen Vergleichung der assimilirbaren Bestandtheile -der Nahrung eines fleischfressenden Thieres mit den letzten Producten, -in die sie verwandelt wird, hervor, daß aller Kohlenstoff derselben, der -sich nicht im Harne befindet, in der Form von Kohlensäure ausgetreten -ist. - -Dieser Kohlenstoff stammte aber von der Substanz der umgesetzten -Gebilde und, dieses festgesetzt, lös’t sich die Frage über die -Nothwendigkeit des Vorhandenseins von kohlenstoffreichen und -stickstofflosen Materien in der Nahrung der jugendlichen Carnivoren und -der pflanzenfressenden Thiere auf eine höchst einfache Weise. - - -~XII.~ - -Es ist eine unbestreitbare Thatsache, daß in einem _erwachsenen_ -fleischfressenden Thiere, was an Gewicht von Tag zu Tag weder merklich -zunimmt, noch abnimmt, Nahrung, Umsetzung der Gebilde und -Sauerstoffverbrauch in einem ganz bestimmten Verhältniß zu einander -stehen. - -Der Kohlenstoff der entwichenen Kohlensäure, der des Harns, der -Stickstoff des Harns und der Wasserstoff, welcher als Ammoniak und -Wasser austritt, diese Elemente zusammengenommen müssen dem Gewicht nach -vollkommen gleich sein dem Kohlenstoff, Wasserstoff und Stickstoff der -umgesetzten Gebilde, und, insofern diese durch die Nahrung genau ersetzt -worden sind, dem Kohlenstoff, Stickstoff und Wasserstoff der Nahrung. -Wäre dies nicht der Fall, so würde das Gewicht des Thieres sich nicht -gleich bleiben können. - -Das Gewicht des sich entwickelnden jungen fleischfressenden Thieres -bleibt sich aber nicht gleich, es nimmt im Gegentheile von Tag zu Tag um -eine bestimmbare Größe zu. - -Diese Thatsache setzt voraus, daß der Assimilationsproceß in dem -jugendlichen Thiere stärker, intensiver ist, als der Proceß der -Umsetzung der vorhandenen Gebilde. Wären beide Thätigkeiten gleich, so -könnte ihr Gewicht nicht zunehmen, wäre der Verbrauch größer, so müßte -sich ihr Gewicht vermindern. - -Der Blutumlauf ist in dem jungen Thiere aber nicht schwächer, er ist im -Gegentheil beschleunigter, die Athembewegungen sind rascher, und bei -gleichem Körper-Volum muß der Sauerstoffverbrauch eher größer als -kleiner sein, wie bei erwachsenen Thieren. Aber da die Umsetzung der -Gebilde langsamer vor sich geht, so würde es an denjenigen Materien -fehlen, deren Kohlenstoff und Wasserstoff sich zur Verbindung mit dem -Sauerstoff eignet, denn es sind ja bei den fleischfressenden Thieren die -neuen Verbindungen, die aus der Umsetzung der Organe entstanden, welche -die Natur zum Widerstande gegen den einwirkenden Sauerstoff und zur -Hervorbringung der animalischen Wärme bestimmt hat. Was also an diesem -Widerstande fehlt, setzt eine bewunderungswürdige Weisheit dem jungen -Thiere in seiner Nahrung zu. - -Der Kohlenstoff und Wasserstoff der Butter, der Kohlenstoff des -Milchzuckers, aus welchen kein Bestandtheil zu Blut, zu Fibrin und -Albumin werden kann, sie sind zur Unterhaltung des Respirationsprocesses -in einem Lebensalter bestimmt, wo ein stärkerer Widerstand sich der -Metamorphose der vorhandenen Gebilde entgegensetzt, der Erzeugung von -Stoffen also, welche im erwachsenen Zustande in völlig zur Respiration -ausreichender Menge produzirt werden. - -Das junge Thier empfängt seine Blutbestandtheile in dem Casein der -Milch, eine Umsetzung der vorhandenen Gebilde geht vor sich, denn -Gallen- und Harnsekretion finden statt, die Substanz der umgesetzten -Gebilde tritt in der Form von Harn und von Kohlensäure und Wasser aus -ihrem Körper, allein die Butter und der Milchzucker der Milch sind -ebenfalls verschwunden, sie lassen sich in den Faeces nicht nachweisen. - -Butter und Milchzucker sind in der Form von Wasser und Kohlensäure -ausgetreten und ihre Verwandlung, in Sauerstoffverbindungen beweist aufs -klarste, daß weit mehr Sauerstoff aufgenommen wurde, als nöthig war, um -mit dem Kohlenstoff und Wasserstoff der umgesetzten Gebilde Kohlensäure -und Wasser zu bilden. - -Die in dem Lebensproceß des jungen Thieres vor sich gehende Veränderung -und Umsetzung der Gebilde liefert demgemäß, in einer gegebenen Zeit, -weit weniger Kohlenstoff und Wasserstoff in der zur Respiration -geeigneten Form, als dem aufgenommenen Sauerstoff entspricht, die -Substanz ihrer Organe würde einen rascheren Stoffwechsel erfahren, sie -würde der Einwirkung des Sauerstoffs unterliegen müssen, wenn der -fehlende Kohlenstoff und Wasserstoff von einer andern Quelle nicht -geliefert werden würde. - -Die fortschreitende Zunahme an Masse, die freie und ungehinderte -Entwickelung der Organe des jungen Thieres, sie wird also durch die -Gegenwart fremder Materien bedingt, die in dem Ernährungsproceß keine -andere Rolle spielen, als daß sie die neu sich bildenden Organe vor der -Einwirkung des Sauerstoffs schützen, ihre Bestandtheile sind es, die -sich mit dem Sauerstoff verbinden; ohne zu unterliegen, würden die -Organe selbst diesen Widerstand nicht übernehmen können, d. h. eine -Zunahme an Masse, bei gleichem Sauerstoffverbrauch, würde -schlechterdings unmöglich seyn. - -Ueber den Zweck, zu welchem die Natur der Nahrung der jungen Säugthiere -stickstofffreie Materien zugesetzt hat, die ihr Organismus zur -eigentlichen Ernährung, zu Blutbildung nicht verwenden kann, Materien, -die zur Unterhaltung ihrer Lebensfunktionen in erwachsenem Zustande -völlig entbehrlich sind, kann man nach dem Vorhergehenden nicht -zweifelhaft seyn. Bei den fleischfressenden Vögeln ist der Mangel aller -Bewegung offenbar ein Grund eines verminderten Stoffwechsels. - -Der Ernährungsproceß der fleischfressenden Thiere stellt sich mithin in -zwei Formen dar, von denen wir die eine Form in den gras- und -körnerfressenden Thieren wiederkehren sehen. - - -~XIII.~ - -Bei dieser Thierklasse beobachten wir, daß während ihrer ganzen -Lebensdauer ihre Existenz an die Aufnahme von Stoffen geknüpft ist, -welche eine dem Milchzucker gleiche oder ähnliche Zusammensetzung -besitzen. Allem was sie genießen, ist jederzeit eine gewisse Quantität -von Amylon (Stärke), oder Gummi, oder Zucker beigemischt. - -Die am meisten verbreitete Substanz dieser Klasse ist das Amylon; es -findet sich in Wurzeln, Samen, in den Stengeln, in dem Holzkörper, -abgelagert in der Form von rundlichen oder ovalen Körnchen, welche nur -in der Größe, aber keineswegs in der chemischen Zusammensetzung[E11] von -einander abweichen. Wir finden in einer und derselben Pflanze, in den -Erbsen z. B., Stärkemehl von ungleicher Größe, in dem ausgepreßten Saft -von Erbsenstengeln haben die sich absetzenden Stärkekörnchen einen -Durchmesser von ¹/₂₀₀ bis ¹/₁₅₀ Millimeter, während die Stärkekörnchen -der Samenlappen drei- bis viermal größer sind. Vor allen andern sind die -Stärkekörnchen der Pfeilwurzel und der Kartoffel ausgezeichnet durch -ihre Größe, die des Reises und des Weitzens durch ihre Kleinheit. - -Es ist wohlbekannt, daß durch sehr verschiedene Einwirkungen das -Stärkemehl übergeführt werden kann in Zucker; dies geschieht in dem -Keimungsproceß (in dem Malzproceß), und namentlich durch die Einwirkung -von Säuren. Die Ueberführung des Stärkemehls in Zucker wird, wie sich -durch die Analyse darthun läßt, durch eine einfache Aufnahme der -Bestandtheile des Wassers bewirkt[E12]. - -Allen Kohlenstoff der Stärke, wir bekommen ihn in dem Zucker wieder, es -ist keiner ihrer Bestandtheile ausgetreten, und außer den Elementen des -Wassers ist kein fremdes Element hinzugetreten. - -In sehr vielen, namentlich fleischigen Früchten, die im unreifen -Zustande sauer und herbe, im reifen hingegen süß sind, wie in den -Aepfeln und Birnen, entsteht der Zucker aus dem Amylon, was diese -Früchte enthalten. - -Wenn man unreife Aepfel oder Birnen auf einem Reibeisen in einen Brei -verwandelt und diesen auf einem feinen Sieb mit Wasser auswäscht, so -setzt sich aus der trüben ablaufenden Flüssigkeit ein höchst feines -Stärkmehl ab, von dem man in den sogenannten reifen Früchten keine Spur -mehr wahrnimmt. Manche von diesen Obstsorten werden auf dem Baume süß -(Sommer-Birnen, -Aepfel), andere hingegen erst einige Zeit nachher, wenn -sie, vom Baume genommen, aufbewahrt werden. Dieses sogenannte -Nachreifen, wie man dieses Süßwerden nennt, ist ein rein chemischer -Proceß, der mit dem Pflanzenleben nichts zu thun hat. Mit dem Aufhören -der Vegetation ist die Frucht zur Fortpflanzung geeignet, d. h. der Kern -ist völlig reif, allein die fleischige Hülle unterliegt von diesem -Zeitpunkte an der Einwirkung der Atmosphäre, sie nimmt wie alle -verwesenden Substanzen Sauerstoff auf, und es trennt sich von ihrer -Substanz eine gewisse Menge kohlensaures Gas. - -Aehnlich nun wie die Stärke in faulendem Kleister oder durch verwesenden -Kleber in Zucker übergeführt wird, verwandelt sich das Amylon der -genannten verwesenden Früchte in Traubenzucker, sie werden in dem -Verhältniß süßer, als sie mehr Stärke enthielten. - -Zwischen Amylon und Zucker findet nach dem Vorerwähnten ein ganz -bestimmter Zusammenhang statt; durch eine Menge chemischer Actionen, -welche auf die Elemente des Amylons keine andere Wirkung äußern, als daß -sie die Richtung ihrer gegenseitigen Anziehung ändern, sind wir im -Stande, das Amylon in Zucker und zwar in Traubenzucker überzuführen. - -Der Milchzucker[E13] verhält sich in vielen Beziehungen ähnlich wie das -Amylon, er ist für sich der weingeistigen Gährung nicht fähig, er -erlangt aber die Eigenschaft in Alkohol und Kohlensäure zu zerfallen, -wenn er mit einer gährenden Materie (dem faulenden Käse in der Milch) -bei Gegenwart von Wasser einer höheren Temperatur ausgesetzt wird. In -diesem Fall verwandelt er sich zuerst in Traubenzucker; die nämliche -Verwandlung erfährt der Milchzucker, wenn er mit Säuren, mit -Schwefelsäure z. B., bei gewöhnlicher Temperatur in Berührung gelassen -wird. - -Das Gummi hat eine dem Rohrzucker gleiche procentische -Zusammensetzung[E14], es unterscheidet sich von den Zuckerarten und dem -Amylon, insofern ihm die Fähigkeit abgeht, durch den Proceß der Fäulniß -in Weingeist und Kohlensäure zu zerfallen; gährenden Substanzen -zugesetzt, erleidet es keine merkliche Veränderung, woraus man mit -einiger Wahrscheinlichkeit schließen kann, daß seine Elemente in der -Ordnung, in welcher sie vereinigt sind, mit einer stärkeren Kraft -zusammengehalten sind, wie die Elemente der verschiedenen Zuckerarten. - -Einen gewissen Zusammenhang zeigt das Gummi übrigens mit dem -Milchzucker, beide geben nämlich bei Behandlung mit Salpetersäure -einerlei Oxydationsproducte, nämlich Schleimsäure, die sich unter -denselben Bedingungen aus den Zuckerarten nicht darstellen läßt. - -Wenn wir, um die Aehnlichkeit in der Zusammensetzung dieser -verschiedenen Materien, welche in dem Ernährungsproceß der -pflanzenfressenden Thiere eine so wichtige Rolle übernehmen, noch mehr -hervortreten zu machen, 1 Aequivalent Kohlenstoff mit ~C~ (= 75,8 -Kohlenstoff) und 1 Aequivalent Wasser mit ~aqua~ (= 112,4) bezeichnen, -so erhalten wir für die Zusammensetzung der genannten Substanzen -folgende Ausdrücke: - - Amylon = 12 ~C~ + 10 ~aq.~ - Rohrzucker = 12 ~C~ + 10 ~aq.~ + ~aq.~ - Gummi = 12 ~C~ + 10 ~aq.~ + ~aq.~ - Milchzucker = 12 ~C~ + 10 ~aq.~ + 2 ~aq.~ - Traubenzucker = 12 ~C~ + 10 ~aq.~ + 4 ~aq.~ - -Auf die nämliche Anzahl von Aequivalenten Kohlenstoff enthält also das -Amylon 10 Aeq. Wasser, der Rohrzucker und das Gummi 11 Aequivalente, der -Milchzucker 12 und der krystallisirte Traubenzucker 14 Aequivalente -Wasser, oder der Bestandtheile des Wassers. - - -~XIV.~ - -In diesen verschiedenen Substanzen, welche in der Nahrung -der pflanzenfressenden Thiere niemals fehlen, ist also den -stickstoffhaltigen Bestandtheilen derselben, dem Pflanzen-Albumin, --Fibrin, -Casein, woraus sich ihr Blut bildet, im strengsten Sinne nur -eine gewisse Quantität Kohlenstoff im Ueberschusse zugesetzt, der in -ihrem Organismus zur Erzeugung von Fibrin und Albumin schlechterdings -nicht verwendet werden kann, weil ihre stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe -den zur Blutbildung erforderlichen Kohlenstoff schon enthalten und das -Blut in dem Leibe der fleischfressenden Thiere erzeugt wird, ohne -Mitwirkung dieses Ueberschusses von Kohlenstoff. - -Auf eine klare und überzeugende Weise stellt sich der Antheil heraus, -den diese stickstofffreien Materien an dem Nutritionsproceß der -pflanzenfressenden Thiere nehmen, wenn wir die verhältnißmäßig so -geringe Menge Kohlenstoff in Betrachtung ziehen, die sie in ihren -stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln genießen; sie steht durchaus in -keinem Verhältniß zu dem durch Lunge und Haut aufgenommenen und -verbrauchten Sauerstoff. - -Ein Pferd kann z. B. in vollkommen gutem Zustande erhalten werden, wenn -ihm täglich 15 Pfd. Heu und 4¹/₂ Pfd. Hafer zur Nahrung gegeben werden. -Wenn wir uns nun den ganzen Gehalt dieser Nahrungsstoffe an Stickstoff, -so wie ihn die Elementaranalyse festgesetzt hat (Heu 1,5 ~pCt.~, Hafer -2,2 ~pCt.~)[E15] rückwärts in Blut, nämlich in Fibrin und Albumin, mit -dem ganzen Wassergehalt des Blutes (80 ~pCt.~) verwandelt denken, so -empfängt das Pferd täglich nur 8⁹/₁₀ Loth Stickstoff, welche etwas über -8 Pfd. Blut entsprechen. Mit diesem Stickstoff hat aber das Thier, von -den andern Bestandtheilen, welche damit verbunden waren, nur 28⁹/₁₀ Loth -Kohlenstoff empfangen. Nur 15⁹/₁₀ Loth von diesen 28⁹/₁₀ Loth -Kohlenstoff konnten zur Respiration verwendet worden sein, denn mit dem -Stickstoff, der durch den Harn ausgeleert wird, treten in der Form von -Harnstoff 6 Lothe und in der Form von Hippursäure 7 weitere Lothe wieder -aus. - -Ohne weitere Rechnung anzustellen, wird Jedermann zugeben, daß das -Luftvolum, was ein Pferd ein- und ausathmet, daß die Menge des von ihm -verzehrten Sauerstoffgases und in dessen Folge die Menge des -ausgetretenen Kohlenstoffs, weit größer ist, wie beim Respirationsproceß -des Menschen. Nun verbraucht aber ein erwachsener Mensch täglich nahe an -28 Loth Kohlenstoff, und die Bestimmung von _Boussingault_, wonach ein -Pferd täglich 158 Loth ausathmet, kann von der Wahrheit nicht sehr -entfernt sein. - -In den stickstoffhaltigen Bestandtheilen seiner Nahrung erhält das Pferd -mithin nur etwas mehr, wie den fünften Theil des Kohlenstoffs, den sein -Organismus zur Unterhaltung des Respirationsprocesses bedarf, und wir -sehen, daß die Weisheit des Schöpfers allen seinen Nahrungsmitteln ohne -Ausnahme die übrigen ⁴/₅ Kohlenstoff, welche in den stickstoffhaltigen -Bestandtheilen fehlen, in mannigfaltigen Formen, als Amylon, Zucker u. -s. w. zugesetzt hat, welche das Thier, ohne der Einwirkung des -Sauerstoffs zu unterliegen, nicht entbehren kann. - -Es ist offenbar, daß in dem Organismus des pflanzenfressenden Thieres, -dessen Nahrung eine verhältnißmäßig so kleine Menge seiner -Blutbestandtheile enthält, der Akt der Umsetzung der vorhandenen -Gebilde, daß demzufolge ihre Erneuerung, die Reproduktion derselben, bei -weitem minder rasch vor sich geht, wie bei den fleischfressenden -Thieren, denn wäre dies der Fall, so würde eine tausendmal reichere -Vegetation zu ihrer Ernährung nicht hinreichen; Zucker, Gummi, Amylon -würden keine Bedingungen zur Erhaltung ihres Lebens sein, eben weil die -kohlenstoffhaltigen Produkte der Umsetzung ihrer Organe für den -Respirationsproceß hinreichen würden. - -Der fleischessende Mensch bedarf zu seiner Erhaltung und Ernährung eines -ungeheuren Gebietes, weiter und ausgedehnter noch, wie der Löwe und -Tiger, weil er, wenn die Gelegenheit sich darbietet, tödtet, ohne zu -genießen. - -Eine Nation von Jägern auf einem begrenzten Flächenraum ist der -Vermehrung durchaus unfähig, der zum Athmen unentbehrliche Kohlenstoff -muß von den Thieren genommen werden, von denen auf der gegebenen Fläche -nur eine beschränkte Anzahl leben kann. Diese Thiere sammeln von den -Pflanzen die Bestandtheile ihrer Organe und ihres Blutes, und liefern -sie den von der Jagd lebenden Indianern, die sie unbegleitet von den -stickstofffreien Substanzen genießen, welche während der Lebensdauer des -Thieres seinen Respirationsproceß unterhielten; es ist bei dem -fleischessenden Menschen der Kohlenstoff des Fleisches, welcher das -Amylon, den Zucker ersetzen muß. - -In fünfzehn Pfund Fleisch ist aber nicht mehr Kohlenstoff enthalten, wie -in 4 Pfund Amylon[E16] und während der Indianer mit einem einzigen Thier -und einem ihm gleichen Gewichte Amylon eine gewisse Anzahl von Tagen -hindurch sein Leben und seine Gesundheit würde erhalten können, muß er, -um den für diese Zeit, für seine Respiration unentbehrlichen Kohlenstoff -zu erhalten, 5 Thiere verzehren. - -Man sieht leicht, in welchem engen Verbande die Vermehrung des -Menschengeschlechtes mit dem Ackerbau steht. Der Anbau der -Culturpflanzen hat zuletzt keinen andern Zweck, als die Hervorbringung -eines Maximums der zur Assimilation und Respiration dienenden Stoffe, -auf dem möglichst kleinsten Raume. Die Getreide- und Gemüsepflanzen -liefern uns in dem Amylon, dem Zucker, Gummi, nicht nur den Kohlenstoff, -der unsere Organe vor der Einwirkung des Sauerstoffs schützt, und in dem -Organismus die zum Leben unentbehrliche Wärme erzeugt, sondern in dem -Pflanzenfibrin, -Albumin und -Casein noch überdies unser Blut, aus dem -sich die übrigen Bestandtheile des Körpers entwickeln. - -Der fleischessende Mensch athmet wie das fleischfressende Thier auf -Kosten der Materien, die durch die Umsetzung seiner Organe entstanden -sind, und ähnlich wie der Löwe, der Tiger, die Hyäne in den Kasten -unserer Menagerien durch unaufhörliche Bewegung den Umsatz ihrer Gebilde -beschleunigen müssen, um den zur Respiration nöthigen Stoff zu erzeugen, -muß sich der Indianer, des nämlichen Zweckes wegen, den größten -Anstrengungen und mühevollsten Beschwerden unterziehen; er muß Kraft -verbrauchen, lediglich um Stoff zum Athmen zu schaffen. - -Die Cultur ist die Oekonomie der Kraft; die Wissenschaft lehrt uns die -einfachsten Mittel erkennen, um mit dem geringsten Aufwand von Kraft den -größten Effect zu erzielen, und mit gegebenen Mitteln ein Maximum von -Kraft hervorzubringen. Eine jede unnütze Kraftäußerung, eine jede -Kraftverschwendung in der Agricultur, in der Industrie und der -Wissenschaft, so wie im Staate, characterisirt die Rohheit oder den -Mangel an Cultur. - - -~XV.~ - -Die Vergleichung der Zusammensetzung des Urins der fleisch- und -pflanzenfressenden Thiere zeigt auf eine evidente Weise, daß der Act der -Umsetzung der Gebilde in beiden in der Zeit und Form verschieden ist. - -Der Harn der fleischfressenden Thiere ist sauer, wir haben darin -alkalische Basen mit Harnsäure, mit Phosphorsäure und Schwefelsäure -vereinigt. Wir wissen genau, aus welcher Quelle diese beiden Säuren -stammen. Alle Gebilde, bis auf Zellen und Membranen, enthalten -Phosphorsäure und Schwefel, der durch den Sauerstoff des arteriellen -Blutes in Schwefelsäure verwandelt wird. In den verschiedenen -Flüssigkeiten des Thierkörpers finden wir nur Spuren von phosphorsauren -oder schwefelsauren Salzen, aber in dem Harn finden wir beide in -reichlicher Menge. Es ist klar, sie stammen beide von dem Phosphor und -Schwefel der Gebilde, die sich umgesetzt haben; sie gelangen als -lösliche Salze in das Blut und werden bei ihrem Durchgang durch die -Nieren davon geschieden. - -Der Harn der grasfressenden Thiere ist alkalisch; er enthält -kohlensaures Alkali in überwiegender Menge und eine so geringe Menge von -phosphorsaurem Alkali, daß sie von den meisten Beobachtern übersehen -worden ist. - -Der Mangel, oder, wenn man will, die Abwesenheit der phosphorsauren -Alkalien in dem Harn der grasfressenden Thiere zeigt offenbar, daß diese -löslichen Salze zu bestimmten Zwecken verwendet werden; denn wenn wir -annehmen, ein Pferd verzehre eine dem Gehalte des Stickstoffs (8⁹/₁₀ -Loth) in seinen Nahrungsmitteln entsprechende Menge Pflanzenfibrin oder --Albumin, und wenn wir den umgesetzten Theil der Gebilde gleichsetzen -dem neugebildeten, so ist die Quantität der Phosphorsäure, die wir in -dem Urin (in 3 Pfund, dem täglichen Abgang nach _Boussingault_) finden -müßten, nicht so klein, daß sie nicht mit Leichtigkeit durch die Analyse -nachweisbar wäre (sie betrüge nach dieser Voraussetzung nahe an 0,8 -~pCt.~), allein, wie bemerkt, die meisten Beobachter haben keine -Phosphorsäure darin auffinden können. - -Die Phosphorsäure, welche in Folge der Umsetzung der Gebilde in der Form -von löslichem phosphorsauren Alkali erzeugt wird, kehrt offenbar bei -diesen Thieren in den Organismus zurück, der sie zur Bildung der Gehirn- -und Nervensubstanz nicht entbehren kann. - -Bei den pflanzenfressenden Thieren, die eine verhältnißmäßig so kleine -Quantität von Phosphor oder phosphorsauren Salzen genießen, sammelt der -Organismus offenbar alle durch die Umsetzung der Gebilde erzeugten -löslichen phosphorsauren Salze, und verwendet sie zur Ausbildung der -Knochen und der phosphorhaltigen Bestandtheile des Gehirns; die -Secretionsorgane scheiden sie von dem Blute nicht ab. Die durch -Stoffwechsel in Freiheit gesetzte Phosphorsäure tritt nicht als -phosphorsaures Natron aus; wir finden sie in den festen Excrementen in -der Form von unlöslichen phosphorsauren Erden. - - -~XVI.~ - -Vergleichen wir die Fähigkeit der Zunahme an Masse, die Kraft der -Assimilation in den gras- und fleischfressenden Thieren, so führen die -gewöhnlichsten Beobachtungen auf einen großen Unterschied. - -Eine Spinne, welche mit dem größten Heißhunger das Blut der ersten -Fliege aussaugt, wird durch die zweite und dritte Fliege in ihrer Ruhe -nicht gestört; eine Katze frißt die erste, vielleicht die zweite Maus, -und wenn sie auch die dritte tödtet, sie wird von ihr nicht verzehrt. -Ganz ähnliche Beobachtungen hat man an Löwen und Tigern gemacht; sie -verzehren ihre Beute erst dann, wenn sich in ihnen das Bedürfniß des -Hungers regt. Zur bloßen Erhaltung bedürfen die fleischfressenden Thiere -an sich einer geringeren Menge von Nahrung schon deshalb, weil ihre Haut -keine Schweißporen hat, weil sie also bei gleichem Volum weit weniger -Wärme verlieren, als die Grasfresser, welche die verlorne Wärme durch -die Nahrung ersetzen müssen. - -Wie ganz anders zeigt sich die Stärke und Intensität des vegetativen -Lebens bei den pflanzenfressenden Thieren! Ein Schaf, eine Kuh auf der -Weide, sie fressen mit geringer Unterbrechung so lange die Sonne am -Himmel steht. Ihr Organismus besitzt die Fähigkeit, alle Nahrung, die -sie mehr genießen, als sie zur Reproduction bedürfen, in Bestandtheile -ihres Körpers zu verwandeln. - -Alles Blut, was mehr erzeugt wird, als zum Ersatz an verbrauchtem Stoff -erforderlich ist, wird zur Zelle und Muskelfaser; das pflanzenfressende -Thier wird bei gesteigerter Nahrung fleischig oder feist, während das -Fleisch des fleischfressenden ungenießbar, zähe und sehnenartig bleibt. - -Denken wir uns nur einen Hirsch, ein Reh oder einen Hasen, welche -ähnliche Nahrungsmittel genießen, wie das Rindvieh oder Schaf, so ist es -evident, daß bei Ueberfluß an Nahrung ihre Zunahme an Masse (ihr -Feistwerden) abhängig ist von der Menge des genossenen Pflanzenalbumins, --Fibrins oder -Caseins. Bei einer freien ungehinderten Bewegung nehmen -sie Sauerstoff genug auf, um den Kohlenstoff des genossenen Gummi’s, des -Amylons, des Zuckers und überhaupt aller löslichen stickstofffreien -Nahrungsmittel verschwinden zu machen. - -Ganz anders stellt sich dieses Verhältniß bei unseren Hausthieren, wenn -wir bei reichlicher Nahrung die Abkühlung und Exhalationsprocesse -hindern, wenn wir sie in unseren Ställen füttern, wo die freie Bewegung -unterdrückt ist. - -Das Thier, welches den Stall nicht verläßt, frißt und ruht bloß, um zu -verdauen, es nimmt in der Form von stickstoffhaltigen Stoffen weit mehr -Nahrung auf, als es zur Reproduktion bedarf, und in gleicher Zeit mit -diesen genießt es weit mehr stickstofffreie Substanzen, als zur -Unterhaltung des Reproductionsprocesses und zum Ersatz an verlorner -Wärme nöthig sind. Mangel an Bewegung und Abkühlung ist aber -gleichbedeutend einem Mangel an Zufuhr von Sauerstoff; es nimmt, da -diese vermindert sind, bei weitem weniger Sauerstoff auf, als zur -Verwandlung des in der stickstofffreien Nahrung genossenen Kohlenstoffs -in Kohlensäure erforderlich ist. Nur ein kleiner Theil dieses -Ueberschusses von Kohlenstoff tritt aus dem Körper bei Pferden und dem -Rindvieh in der Form von Hippursäure aus, alles übrige wird zur -Erzeugung einer Materie verwendet, die sich nur in kleinen Quantitäten -als Bestandtheil der Nerven und des Gehirns vorfindet. - -Im normalen Zustand der Bewegung und Arbeit enthält der Urin des -Rindviehs und Pferdes Benzoesäure (mit 14 At. Kohlenstoff), sobald es -ruhig im Stalle steht, hingegen Hippursäure (mit 18 At. Kohlenstoff). - -Das Fleisch der wilden Thiere ist fettlos, die Hausthiere dagegen -bedecken sich bei der Mästung mit Fett. - -Lassen wir das fette Thier in freier Luft sich bewegen oder schwere -Lasten ziehen, so verschwindet wieder das Fett. - -Es ist offenbar, die Fettbildung im Thierkörper wird bedingt durch ein -Mißverhältniß in der Menge der genossenen Nahrungsmittel und des durch -Lunge und Haut aufgenommenen Sauerstoffs. - -Ein Schwein wird bei Mästung mit stickstoffreichen Nahrungsmitteln -feist; bei Kartoffel- (Amylon-) Fütterung erhält es wenig Fleisch, aber -eine Decke von Speck. Die Milch einer Kuh, welche bei Stall-Fütterung -eine reichliche Menge Butter enthält, wird auf freier Weide an Käsestoff -reicher und an Fett und Milchzucker in dem nämlichen Verhältniß ärmer. -Durch Bier und amylonhaltige Nahrung wächst der Buttergehalt der -Frauenmilch; Fleischnahrung giebt weniger, aber an Käsestoff reichere -Milch. - -Wenn man erwägt, daß in der ganzen Thierklasse der Carnivoren, die außer -dem verzehrten Fett kein stickstofffreies Nahrungsmittel genießen, die -Fettbildung im Körper höchst unbedeutend ist, daß sie auch bei diesen -zunimmt (wie bei Katzen und Hunden), wenn sie gemischte Nahrung -genießen, daß wir bei den andern Hausthieren die Fettbildung steigern -können und zwar nur durch stickstofffreie Nahrungsmittel, so kann man -kaum einen Zweifel hegen, daß die letzteren in einer ganz bestimmten -Beziehung stehen müssen zur Fettbildung. - -Dem natürlichen Gange der Naturforschung gemäß erschließen wir rückwärts -aus den genossenen Nahrungsmitteln die entstandenen Gebilde, aus den -stickstoffhaltigen Pflanzenstoffen die stickstoffhaltigen Bestandtheile -des Blutes, und es ist diesem Gange völlig angemessen, die Beziehungen -der stickstofffreien Nahrungsmittel zu den stickstofffreien -Bestandtheilen des Thierkörpers festzustellen; ein enger Zusammenhang -zwischen beiden kann nicht verkannt werden. - -Vergleichen wir die Zusammensetzung des Milchzuckers, des Amylons und -der andern Zuckerarten mit denen des Hammeltalges, Ochsentalges, -Menschenfettes, so finden wir, daß sie einerlei Verhältniß Kohlenstoff -und Wasserstoff enthalten und lediglich in dem Gehalte an Sauerstoff von -einander abweichen. - -Hammeltalg, Menschenfett, Schweineschmalz enthalten nach den Analysen -_Chevreul’s_ 79 ~pCt.~ Kohlenstoff auf 11,1 ~pCt.~, 11,4 ~pCt.~, 11,7 -~pCt.~ Wasserstoff[E17]. - -Das Amylon enthält auf 44,91 Kohlenstoff 6,11 Wasserstoff; der Zucker -und das Gummi 42,58 Kohlenstoff 6,37 Wasserstoff[E18]. - -Nun ist aber aus dem Folgenden einleuchtend, daß diese Zahlen, welche -das relative Gewichtsverhältniß des Kohlenstoffs und Wasserstoffs im -Amylon, im Zucker und im Gummi ausdrücken, zu einander in dem nämlichen -Verhältniß stehen, wie der Kohlenstoff und Wasserstoff in den -verschiedenen Fetten. - - 44,91 : 6,11 = 79 : 10,99 - 42,58 : 6,37 = 79 : 11,8. - -Es ist hieraus klar, daß durch ein einfaches Austreten von Sauerstoff, -Amylon, Zucker und Gummi übergehen können in Fett, oder, wenn man will, -in einen Körper, welcher genau die Zusammensetzung des Fetts besitzt. -Nehmen wir in der That von der Formel des Amylon 9 Atome Sauerstoff -hinweg, so haben wir in 100 Theilen: - - ~C₁₂~ 79,4 - ~H₂₀~ 10,8 - ~O~ 9,8. - -Die nächste empirische Formel des Fetts ist ~C₁₁H₂₀O~; sie giebt in 100 -Theilen: - - ~C₁₁~ 78,9 - ~H₂₀~ 11,6 - ~O~ 9,5. - -Nach dieser Formel würden sich von dem Amylon die Elemente von 1 Atom -Kohlensäure und 7 Atome Sauerstoff getrennt haben. - -Mit diesen beiden Formeln stimmt aber sehr nahe die von allen -verseifbaren fetten Körpern überein. - -Nehmen wir von drei Atomen Milchzucker ~C₅₆H₇₂O₃₆~ die Elemente hinweg -von 4 Atomen Wasser und lassen wir 31 Atome Sauerstoff austreten, so -haben wir ~C₃₆H₆₄O~, eine Formel, welche ein genauer Ausdruck ist für -die Zusammensetzung des Cholsterins[E19]. - -Gleichgültig, welche Ansicht man auch über die Entstehung der fetten -Bestandtheile des Thierkörpers haben mag, soviel ist unläugbar gewiß, -daß die Wurzeln und Kräuter, welche die Kuh verzehrt, keine Butter -enthalten, daß in dem Heu und der Nahrung des Rindviehs kein Ochsentalg, -in der Kartoffelschlempe, welche die Schweine bekommen, kein -Schweineschmalz und in dem Futter der Gänse und des Geflügels kein -Gänsefett oder Kapaunenfett enthalten ist. Die großen Massen von Fett in -dem Körper dieser Thiere erzeugt ihr Organismus, und aus dieser -Thatsache, ihrem wahren Werthe nach anerkannt, muß geschlossen werden, -daß von den Bestandtheilen der genossenen Nahrung eine gewisse Quantität -Sauerstoff in irgend einer Form austritt, denn ohne eine solche -Ausscheidung von Sauerstoff kann kein Fett aus irgend einem Bestandtheil -der Nahrung gebildet werden. - -Die chemische Analyse giebt auf die bestimmteste Weise zu erkennen, daß -in den Nahrungsmitteln, die ein Thier verzehrt, sich eine gewisse Menge -Kohlenstoff und Sauerstoff befinden, die, in Aequivalenten ausgedrückt, -folgende Reihe bilden. - - Im Pflanzenfibrin, -Albumin, -Casein - sind enthalten auf 120 Aeq. Kohlenstoff 36 Aeq. Sauerstoff - Im Amylon „ „ „ 120 „ „ 100 „ „ - Im Rohr- - zucker „ „ „ 120 „ „ 110 „ „ - Im Trauben- - zucker „ „ „ 120 „ „ 140 „ „ - Im Gummi „ „ „ 120 „ „ 110 „ „ - Im Milch- - zucker „ „ „ 120 „ „ 120 „ „ - -Nun sind aber in allen fetten Substanzen im Mittel _auf 120 Aeq. -Kohlenstoff nur 10 Aeq. Sauerstoff enthalten_. - -Da nun der Kohlenstoff der fetten Bestandtheile des Thierkörpers von den -Nahrungsmitteln stammt, indem es keine andere Quelle giebt, die ihn -liefern könnte, so ist klar, in der Voraussetzung, das Fett entstehe aus -Albumin, Fibrin oder Casein, daß für je 120 Aeq. Kohlenstoff, die sich -als Fett abgelagert haben, 26 Aeq. Sauerstoff von den Bestandtheilen -dieser Nahrungsmittel austreten müssen, es ist ferner klar, daß, wenn -wir annehmen, das Fett entstehe aus Amylon, 90 Aeq., aus Zucker 100 und -aus Milchzucker 110 Aeq. Sauerstoff abgeschieden werden müssen. - -Es giebt also nur einen einzigen Weg, auf welchem die Fettbildung im -Thierkörper möglich ist, und dieser ist absolut der nämliche, auf -welchem die Fettbildung in den Pflanzen vor sich geht, es ist eine -Scheidung und Trennung des Sauerstoffs von den Bestandtheilen der -Nahrungsmittel. - -Der Kohlenstoff, den wir in den Samen und Früchten der Pflanzen in der -Form von Oel und Fett abgelagert finden, er war früher ein Bestandtheil -der Atmosphäre, er wurde als Kohlensäure von der Pflanze aufgenommen. -Sein Uebergang in Fett wurde unter Mitwirkung des Lichtes durch die -vegetative Lebensthätigkeit bewirkt, der größte Theil des Sauerstoffs -dieser Kohlensäure kehrte als Sauerstoffgas in die Luft zurück[F3][E20]. - - [3] Ueber die Bildung des Wachses aus Honig bei den Bienen siehe - Anhang. - -Im Gegensatz zu dieser Lebensäußerung in der Pflanze wissen wir, daß der -Thierorganismus Sauerstoff aus der Luft aufsaugt und daß dieser -Sauerstoff in der Form einer Kohlenstoff- oder Wasserstoffverbindung -wieder austritt, wir wissen, daß durch den Akt der Bildung von -Kohlensäure und Wasser die constante Temperatur des Körpers -hervorgebracht wird, daß ein Oxydationsproceß die einzige und -Hauptquelle der animalischen Wärme ist. - -Mag das Fett in Folge einer Zersetzung des Fibrins oder Albumins, der -Hauptbestandtheile des Blutes gebildet werden, mag es aus Amylon, aus -Zucker, aus Gummi oder Milchzucker entstehen, das Resultat der -Zersetzung muß begleitet seyn, von einer Ausscheidung des Sauerstoffs, -von den Bestandtheilen dieser Nahrungsmittel, aber dieser Sauerstoff -tritt nicht als Sauerstoffgas aus dem Thierkörper aus, eben weil er in -dem Organismus selbst, Stoffe vorfindet, welche die Fähigkeit haben, -eine Verbindung mit ihm einzugehen; er tritt in der nämlichen Form aus, -wie der durch Lunge und Haut aus der Luft aufgenommene Sauerstoff. - -Man beobachtet leicht, in welchem merkwürdigen Zusammenhange die -Fettbildung mit dem Respirationsproceß steht. - - -~XVII.~ - -Der abnorme Zustand, durch den Ablagerung von Fett in dem Thierkörper -bewirkt wird, beruht, wie früher erwähnt worden, auf einem Mißverhältniß -in der Menge des genossenen Kohlenstoffs und dem durch Haut und Lunge -aufgenommenen Sauerstoff. Im normalen Zustande wird eben so viel -Kohlenstoff ausgeführt wie eingeführt, der Körper erhält kein -Uebergewicht an kohlenstoffreichen und stickstofflosen Bestandtheilen. - -Steigern wir die Zufuhr der kohlenstoffreichen Nahrungsmittel, so bleibt -nur in dem Fall das normale Verhältniß, wenn durch Bewegung und -Anstrengung der Umsatz befördert, wenn in gleichem Grade die Zufuhr an -Sauerstoff vermehrt wird. - -Jede Art von Fettbildung ist stets die Folge eines Mangels an -Sauerstoff, der zur Vergasung des im Ueberschusse zugeführten -Kohlenstoffs unbedingt erforderlich ist. Dieser als Fett sich ablagernde -Kohlenstoff, er zeigt sich bei dem Beduinen, bei dem Araber der Wüste -nicht, der mit Stolz seine muskelstarken, magern, fettfreien, -sehnenartigen Glieder dem Reisenden zeigt und in Liedern besingt, er -zeigt sich aber bei der kärglichen Nahrung in den Kerkern und -Gefängnissen als Aufgedunsenheit, er zeigt sich in dem Weibe des Orients -und in den wohlbekannten Bedingungen des Mästens bei unseren -Hausthieren. - -Die Erzeugung von Fett beruht auf einem Mangel an Sauerstoff, allein in -ihr, in der Fettbildung selbst, öffnet sich dem Organismus eine Quelle -von Sauerstoff, eine neue Ursache der Wärmeerzeugung. - -Der in Folge der Fettbildung freiwerdende Sauerstoff, er tritt aus dem -Körper als eine Kohlenstoff- oder Wasserstoffverbindung aus, mag nun -dieser Kohlenstoff oder Wasserstoff von der Substanz selbst, die auch -den Sauerstoff zuführte, oder mag er von einer andern Verbindung -genommen worden sein, es muß durch diese Kohlensäure- oder Wasserbildung -ebensoviel Wärme entwickelt werden, wie wenn wir eine gleiche Menge -Kohlenstoff oder Wasserstoff in der Luft oder im Sauerstoffgas verbrannt -hätten. - -Wenn wir uns denken, daß sich von 2 Aeq. Amylon 18 Aeq. Sauerstoff -trennen, daß sich diese 18 Aeq. Sauerstoff mit 9 Aeq. Kohlenstoff aus -der Galle, z. B. zu Kohlensäure, verbunden hätten, so ist niemand -zweifelhaft darüber, daß in diesem Fall gerade so viel Wärme entwickelt -werden muß, wie wenn wir diese 9 Atome Kohlenstoff direct verbrannt -hätten. In dieser Form wäre also die Wärmeentwickelung in Folge der -Fettbildung nicht bestreitbar; sie kann also nur für den Fall -hypothetisch sein, wo sich von einer und derselben Substanz Kohlenstoff -und Sauerstoff in den Verhältnissen, wie in der Kohlensäure, trennen. - -Wenn wir z. B. voraussetzen, daß sich von 2 At. Amylon, ~C₂₄H₄₀O₂₀~ die -Elemente von 9 At. Kohlensäure abscheiden, so würden wir eine Verbindung -übrig behalten, welche auf 15 At. Kohlenstoff, 40 At. Wasserstoff und 2 -At. Sauerstoff enthält: - - ~C₁₅H₄₀O₂~ + ~C₉O₁₈~ = ~C₂₄H₄₀O₂₀~. - -Oder wenn wir annehmen, daß Sauerstoff aus Amylon in der Form von -Kohlensäure und Wasser austritt, so würden wir bei Abscheidung der -Bestandtheile von 6 At. Wasser und 6 At. Kohlensäure die Verbindung -~C₁₈H₂₃O₂~ übrig behalten. - -Diese Form der Ausscheidung des Sauerstoffs festgestellt, bleibt zu -entscheiden übrig, ob die auftretende Kohlensäure und das Wasser in dem -Amylon als solche enthalten waren oder nicht. - -War die Kohlensäure und das Wasser fertig gebildet in dem Amylon, so -konnte die Trennung vor sich gehen, ohne von einer Wärmeentwickelung -begleitet zu sein, war hingegen der Kohlenstoff und Wasserstoff in einer -andern Form in dem Amylon (oder der Verbindung, aus der sich das Fett -gebildet haben mag) zugegen, so ist klar, daß eine Aenderung in der -Anordnung der Atome vor sich gegangen ist, in deren Folge sich die Atome -des Kohlenstoffs und Wasserstoffs mit den Atomen des Sauerstoffs zu -Kohlensäure und Wasser vereinigt haben. - -So weit nun chemische Forschungen reichen, kann aus dem bekannten -Verhalten des Amylons und der Zuckerarten kein anderer Schluß gezogen -werden, als daß sie keine fertig gebildete Kohlensäure enthalten. - -Wir kennen nun eine große Anzahl von Umsetzungsprocessen ähnlicher Art, -wo sich die Elemente der Kohlensäure und des Wassers von gewissen -vorhandenen Verbindungen trennen, und wir wissen mit Bestimmtheit, daß -alle diese Zersetzungsweisen begleitet sind von einer Wärmeentwickelung, -gerade so, wie wenn sich Kohlenstoff und Wasserstoff direct mit -Sauerstoff verbinden. - -Ein solches Austreten von Kohlensäure haben wir in allen Gährungs- und -Fäulnißprocessen, sie sind ohne Ausnahme begleitet von einer -Entwickelung von Wärme. - -In der Gährung einer zuckerhaltigen Flüssigkeit tritt in Folge einer -Umsetzung der Elemente des Zuckers eine gewisse Menge seines -Kohlenstoffs und Sauerstoffs zu Kohlensäure zusammen, welche sich -gasförmig abscheidet, und als Resultat dieser Zersetzung haben wir eine -sauerstoffarme, flüchtige, brennbare Flüssigkeit, nämlich Alkohol. - -Wenn wir zu zwei Atomen Zucker die Elemente treten lassen von 12 At. -Wasser und von der erhaltenen Summe der Atome 24 Atome Sauerstoff -hinwegnehmen, so haben wir 6 At. Alkohol (~C₂₄H₄₈O₂₄~ + ~H₂₄O₁₂~) - -~O₂₄~ = ~C₂₄H₇₂O₁₂~ = 6 At. Alkohol. - -Diese 24 At. Sauerstoff reichen hin, um ein drittes Atom Zucker -vollkommen zu verbrennen, seinen Kohlenstoff in Kohlensäure zu -verwandeln, und wir erhalten durch diese Verbrennung die 12 At. Wasser -wieder, die wir hinzutreten ließen, gerade so, als ob sie keine Rolle -hierbei gespielt hätten. - - ~C₁₂H₂₄O₁₂~ + ~O₂₄~ = 12 ~CO₂~ + 12 ~H₂O~. - -Nach der gewöhnlichen Ansicht trennen sich von 3 At. Zucker 12 Atome -Kohlenstoff in der Form von Kohlensäure: wir bekommen 6 At. Alkohol, in -beiden also dieselben Produkte, wie wenn der eine Theil Zucker an den -andern Theil Sauerstoff abgegeben hätte und dessen Bestandtheile auf -Kosten dieses Sauerstoffs verbrannt worden wären. - - ~C₃₆H₇₂O₃₆~ = ~C₂₄H₇₂O₁₂~ + 12 ~CO₂~[F4]. - - [4] In Beziehung auf das Verständniß der Formeln siehe die Einleitung - zum Anhang. - -Man beobachtet leicht, daß die Spaltung eines Körpers in Kohlensäure und -eine an Sauerstoff arme Verbindung völlig gleichbedeutend ist in ihrem -Resultate einer Ausscheidung von Sauerstoff und einer Verbrennung von -einem Theile der Substanz auf Kosten dieses Sauerstoffs. - -Es ist wohlbekannt, daß sich die Temperatur einer gährenden Flüssigkeit -erhöht, und wenn wir annehmen, daß ein Stückfaß Most = 600 Darmstädter -Maaß = 1200 Litres = 2400 Pfund, 16 ~pCt.~ Zucker, im Ganzen also 384 -Pfund Zucker enthalte, so muß während der Gährung dieses Zuckers eine -Wärmemenge frei werden, welche derjenigen gleich ist, die sich bei der -Verbrennung von 51 Pfund Kohlenstoff entwickelt. - -Dies ist ausdrückbar durch eine Wärmequantität, wodurch jedes Pfund der -Flüssigkeit auf 165¹/₂ Grad erhoben werden kann, vorausgesetzt, daß die -Zersetzung des Zuckers in einem unmeßbaren Zeittheilchen vor sich ginge. -Dies ist bekanntlich nicht der Fall, die Gährung dauert 5-6 Tage und die -165¹/₂ Wärmegrade empfängt jedes Pfund Flüssigkeit während eines -Zeitraums von 120 Stunden. In der Stunde wird also eine Wärmemenge -entwickelt, durch welche jedes Pfund Flüssigkeit um 1⁴/₁₀ Grad an -Temperatur zunimmt, eine Erhöhung, welche durch äußere Abkühlung im -Keller, durch Verdunstung von Wasser und Alkohol beträchtlich -herabgestimmt wird. - - -~XVIII.~ - -Die Fettbildung, mit bekannten analogen Erscheinungen der Trennung von -Sauerstoff verglichen, ist demnach von einer Wärmeentwicklung begleitet; -sie ersetzt dem thierischen Körper eine gewisse Menge des zu den vitalen -Processen unentbehrlichen, atmosphärischen Sauerstoffs, und zwar in -allen denjenigen Fällen, wo der durch Haut und Lunge eingeathmete -Sauerstoff nicht hinreicht, um den vorhandenen und dazu geeigneten -Kohlenstoff in Kohlensäure zu verwandeln. - -Dieser Ueberschuß von Kohlenstoff, welcher in dem Körper zu einem -Bestandtheil der Organe nicht verwendet werden kann, lagert sich in der -Form von Talg oder Oel in Zellen ab. - -In jedem Momente des Lebens eines Thieres tritt Fettbildung ein, wo ein -Mißverhältniß zwischen dem durch die Nahrung zugeführten Kohlenstoff und -dem eingeathmeten Sauerstoff statt hat; es trennt sich Sauerstoff in -Folge einer Umsetzung von vorhandenen Verbindungen, und dieser -Sauerstoff tritt als Kohlensäure oder Wasser aus dem Körper aus. Die -hierbei entwickelte Wärme trägt dazu bei, um die constante Temperatur -des Körpers zu erhalten. Ein jedes Pfund Kohlenstoff, welches seinen -Sauerstoff, mit dem es Kohlensäure bildet, von Materien erhielt, die in -Fett übergingen, muß so viel Wärme entwickeln, daß man damit 200 Pfunde -Wasser auf 39 Grade erheben kann. - -In der Fettbildung schafft die Lebenskraft sich selbst ein Mittel, um -dem Mangel an Sauerstoff und an der zu den vitalen Processen nöthigen -Wärme zu begegnen. - -Die Erfahrung zeigt, daß das Anbinden der Füße bei dem Geflügel und eine -mittlere Temperatur ein Maximum von Fettbildung nach sich zieht. Diese -Thiere sind in diesem Zustande einer Pflanze vergleichbar, die im -eminenten Grade die Fähigkeit besitzt, alle Nahrungsstoffe in Theile -ihrer selbst zu verwandeln. Die im Ueberschuß zugeführten -Blutbestandtheile werden zu Fleisch, zu Bestandtheilen der Gebilde, -Amylon und die stickstofffreien Materien verwandeln sich in Fett. Bei -dem Fettwerden auf Kosten stickstofffreier Nahrungsstoffe nehmen nur -gewisse Theile des Organismus an Volumen zu; so ist die Leber einer -gemästeten Gans 4-5mal größer, wie die einer ungemästeten, ohne daß man -damit sagen kann, daß die Substanz der Leber selbst eine Zunahme -erfahren hat. Während die Leber der ungemästeten Gans fest und elastisch -ist, zeigt die der gemästeten eine weiche schwammige Beschaffenheit; der -Unterschied liegt lediglich in einer mehr oder minderen Erweiterung der -Zellen, ausgefüllt durch Fett. - -In einigen Krankheiten erleiden nachweisbar die amylonreichen -Stoffe diejenigen Veränderungen nicht, die sie befähigen, den -Respirationsproceß zu unterhalten oder in Fett überzugehen. In dem -~diabetes mellitus~ wird das Amylon nicht weiter als in Zucker -verwandelt, der ohne eine Verwendung zu finden aus dem Körper entfernt -wird. - -Wir finden ferner in andern Krankheiten, bei Leberentzündungen z. B., -das Blut reich an Oel und Fett, und mit der Vorstellung, daß unter -gewissen Bedingungen gewisse Bestandtheile der Galle in Fett -metamorphosirt werden, steht die Zusammensetzung der Galle nicht in -Widerspruch. - - -~XIX.~ - -Nach dem Vorgehenden lassen sich die Nahrungsmittel der Menschen -eintheilen in zwei Klassen: in _stickstoffhaltige_ und in -_stickstofffreie_. Die ersteren besitzen die Fähigkeit, in Blut -überzugehen, den andern geht diese Eigenschaft ab. - -Aus den Nahrungsmitteln, welche sich zur Blutbildung eignen, entstehen -die Bestandtheile der Organe, die andern dienen im normalen Zustande der -Gesundheit zur Unterhaltung des Respirationsprocesses. Die -stickstoffhaltigen bezeichnen wir als _plastische Nahrungsmittel_, die -stickstofffreien nennen wir _Respirationsmittel_. - - Plastische Nahrungsmittel sind: Respirationsmittel sind: - - Pflanzenfibrin Fett - Pflanzenalbumin Amylon - Pflanzencasein Gummi - Fleisch und Blut der Thiere die Zuckerarten - Pectin - Bassorin &c. - Wein - Bier - Branntwein. - - -~XX.~ - -Als eine ganz allgemeine Thatsache, welcher bis jetzt keine einzige -Erfahrung entgegensteht, haben die Untersuchungen ergeben, daß alle -stickstoffhaltigen Bestandtheile der Pflanzen eine mit den -Hauptbestandtheilen des Blutes gleiche Zusammensetzung besitzen. - -Kein stickstoffhaltiger Körper, dessen Zusammensetzung abweicht von der -des Fibrins, Albumins und Caseins, ist vermögend, den Lebensproceß im -Thiere zu unterhalten. - -Der Thierorganismus besitzt ohnstreitig die Kraft, aus den -Bestandtheilen seines Blutes die Substanz seiner Membranen und Zellen, -der Nerven und des Gehirns, die organischen Bestandtheile der Rippen, -Knorpel und Knochen zu erzeugen, allein sein Blut muß ihm, bis auf die -Form, fertig gebildet dargeboten werden, und wenn dies nicht geschieht, -so ist damit der Blutbildung und dem Leben eine Grenze gesetzt. - -Von diesem Gesichtspunkte aufgefaßt, ist es leicht erklärlich, woher es -kommt, daß die leimgebenden Gebilde, die Gallerte der Knochen und Häute, -zur Ernährung und zur Unterhaltung des Lebensprocesses sich nicht -eignen, denn ihre Zusammensetzung ist ungleich der des Fibrins und -Albumins im Blute. Dies will natürlich nichts anders sagen, als daß die -Organe in dem Thierkörper, welche die Blutbildung vermitteln, die Kraft -nicht besitzen, um eine Metamorphose in der Anordnung der Elemente der -Gallerte (leim- und chondringebenden Gebilde) zu bewirken. Die -Leimgebilde, die Gallerte der Knochen, Membranen, Zellen und Häute -erleiden in dem Thierkörper durch den Einfluß des Sauerstoffs und der -Feuchtigkeit eine fortdauernde Veränderung, ein Theil davon tritt aus -und muß aus dem Blute wieder erneuert werden, aber diese Verwandlung und -Wiederherstellung ist offenbar in sehr enge Grenzen eingeschlossen. - -Während in dem Körper des Verhungernden und Kranken das Fett -verschwindet und die Muskelsubstanz die Form von Blut wieder annimmt, -sehen wir die Sehnen und Membranen ihren Zustand behaupten, alle Glieder -des Todten behalten ihren Zusammenhang, den sie diesen Gebilden -verdanken. - -Auf der andern Seite sehen wir, daß von einem Knochen, den ein Hund -verschluckt hat, nur die Knochenerde wieder abgeht, daß die Gallerte in -seinem Körper völlig verschwunden ist; die nämliche Beobachtung machen -wir an Menschen, die als Nahrungsmittel verhältnißmäßig mehr Gallerte -(in Fleischbrühe) als andere Stoffe genießen, daß sie weder in dem Urin, -noch in den Faeces austritt; sie hat also offenbar eine Veränderung -erlitten und in dem Körper zu gewissen Zwecken gedient. - -Es ist klar, daß sie in einer andern Form aus dem Körper wieder -austritt, als die ist, in welcher sie genossen worden ist. - -Für den Uebergang des Albumins in Blut, zu einem Bestandtheil eines -fibrinhaltigen Organs, läßt sich in der gleichen Zusammensetzung beider -kein Widerspruch entnehmen. Wir finden im Gegentheile die Verwandlung -eines löslichen und gelös’ten Stoffes in einen nichtlöslichen Träger der -Lebensthätigkeit begreiflich und in chemischer Beziehung erklärt, eben -weil sie in ihrer Zusammensetzung identisch sind. So ist denn die -Meinung einer näheren Begründung nicht unwürdig, daß die in Auflösung -genossene Gallerte in dem Organismus wieder zur Zelle und zu Membranen, -zu einem Bestandtheil der Knochen wird; daß sie dazu dienen kann, um die -leimgebenden Gebilde, welche eine Veränderung erlitten haben, zu -erneuern und ihre Masse zu vermehren. - -Und wenn die Kraft zur Reproduction im ganzen Körper sich mit dem -Zustand der Gesundheit ändert, so muß, wenn auch die Fähigkeit der -Blutbildung die nämliche bliebe, die organische Kraft, durch welche die -Bestandtheile des Bluts zu Membranen und Zellen werden, im Zustand der -Krankheit nothwendig abgenommen haben; die Intensität der Lebenskraft, -ihre Fähigkeit, Metamorphosen überhaupt zu bewirken, sie nimmt im -Kranken, in seinem Magen sowohl, wie in allen Theilen seines Körpers ab. -In diesem Zustande zeigt die practische Medizin, daß die löslich -gemachten leimgebenden Gebilde einen ganz entschiedenen Einfluß auf das -Befinden des Körpers äußern; in einer Form dargeboten, in der sie sich -zur Assimilation eignen, dienen sie zur Ersparung von Kraft, ähnlich so -wie es für den Magen durch zweckmäßig zubereitete Speise geschieht. Die -Knochenbrüchigkeit bei den grasfressenden Thieren ist offenbar die Folge -einer Schwäche in denjenigen Theilen des Organismus, welche bestimmt -sind, die Metamorphosen der Blutbestandtheile in Zellensubstanz zu -bewirken, und wenn die Angaben von Aerzten, die sich im Oriente -aufgehalten haben, Vertrauen verdienen, so haben die türkischen Weiber -in der Reisnahrung und in den häufigen Klystieren von Fleischbrühe die -Bedingungen vereinigt zur Zellen- und Fettbildung. - - - - -Zweiter Theil. - - Die - Metamorphosen der Gebilde. - - -~I.~ - -1. Die absolute Gleichheit in der Zusammensetzung der Hauptbestandtheile -des Bluts und der stickstoffhaltigen Nahrungsmittel der Thiere wäre vor -wenigen Jahren noch ein Argument gewesen, um das Resultat der chemischen -Analyse zu leugnen, zu einer Zeit, wo man noch nicht die Erfahrung -gemacht hatte, daß es eine Menge stickstoffhaltiger und stickstofffreier -Körper giebt, die bei einer großen Verschiedenheit in ihren -physikalischen Eigenschaften eine vollkommen gleiche procentische -Zusammensetzung besitzen, von denen manche sogar die nämliche Anzahl von -Atomen an Elementen enthalten. - -2. Wir kennen z. B. in der _Cyanursäure_ einen stickstoffhaltigen -Körper, welcher in schönen klaren Octaedern krystallisirt, die sich in -Wasser und Säuren mit Leichtigkeit lösen, in dem _Cyamelid_ haben wir -einen zweiten Körper, welcher in Wasser und Säuren absolut -unlöslich, weiß, zusammenhängend und undurchsichtig wie Porzellan oder -locker wie Bittererde ist, eine dritte Substanz kennen wir in dem -_Cyansäurehydrat_, welche flüchtiger wie starke Essigsäure, auf der Haut -Blasen zieht und mit Wasser nicht zusammengebracht werden kann, ohne -augenblicklich in neue Produkte zerlegt zu werden. Diese drei Stoffe -zeigen nicht allein in der Analyse ein absolut gleiches -Gewichtsverhältniß an Elementen, sondern sie können auch der eine in den -andern vorwärts und rückwärts verwandelt werden und zwar in hermetisch -geschlossenen Gefäßen, ohne daß also an dieser Verwandlung ein Stoff von -Außen Antheil nimmt[E21]. Unter den stickstofffreien Substanzen kennen -wir in dem _Aldehyd_ eine mit Wasser mischbare brennbare Flüssigkeit, -welche in der Wärme der Hand schon siedet, mit großer Begierde -Sauerstoff aus der Luft anzieht und sich in Essigsäure verwandelt. -Dieser Aldehyd läßt sich selbst in zugeschmolzenen Gefäßen nicht -aufbewahren, schon nach Stunden oder Tagen ändert sich seine -Beschaffenheit, seine Flüchtigkeit, seine Fähigkeit Sauerstoff -anzuziehen; es setzen sich lange farblose, harte Nadeln darin ab, welche -bei Siedhitze des Wassers noch nicht flüchtig sind, und die Flüssigkeit, -in welcher es geschieht, ist kein Aldehyd mehr, sie siedet erst bei 60°, -mischt sich nicht mehr mit Wasser und krystallisirt in eisähnlichen -Nadeln bei einem geringen Kältegrade. Nichtsdestoweniger hat die Analyse -dargethan, daß diese drei so verschiedenen Substanzen identisch in ihrer -Zusammensetzung sind[E22]. - -3. Einer ähnlichen Dreiheit begegnen wir in dem Albumin, Fibrin und -Casein. Bis auf ihre physikalischen Eigenschaften weichen sie in ihrem -Gehalte an organischen Elementen nicht von einander ab. - -Wenn man Thieralbumin, -Fibrin und -Casein in einer mäßig starken -Kalilauge lös’t und diese Flüssigkeit eine Zeitlang einer höhern -Temperatur aussetzt, so werden diese Materien zerlegt. Durch Zusatz von -Essigsäure scheidet sich aus diesen Auflösungen ein gelatinöser, halb -durchscheinender Niederschlag ab, welcher einerlei Beschaffenheit und -Zusammensetzung zeigt, von welcher der genannten drei Thiersubstanzen -derselbe auch dargestellt werden mag. - -_Mulder_, dem wir die Entdeckung dieses Körpers verdanken, fand durch -genaue und sorgfältig ausgeführte Analysen, daß diese Substanz die -nämlichen organischen Elemente, und zwar in demselben relativen -Verhältnisse enthält, wie die Thierstoffe, aus denen sie erhalten worden -war, in der Art also, daß, wenn man von Albumin, Fibrin und Casein die -Aschenbestandtheile, den Schwefel und Phosphor, den sie enthalten, -abzieht, und den Rest der Bestandtheile auf 100 Theile berechnet, man zu -den nämlichen Zahlenverhältnissen, zu denen die Analyse des durch Kali -erhaltenen Zersetzungsproduktes führt, gelangt[E23]. - -Von diesem Gesichtspunkte aus lassen sich die Hauptbestandtheile des -Blutes und der stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe der Thiermilch als -Verbindungen von phosphorsauren und andern Salzen, von Phosphor und -Schwefel, mit einem aus Stickstoff, Kohlenstoff, Wasserstoff und -Sauerstoff bestehenden Körper betrachten, in welchem das relative -Verhältniß dieser Elemente nicht wechselt, und dieser Körper läßt sich -als Anfangs- und Ausgangspunkt der ganzen Reihe der übrigen Thiergebilde -ansehen, eben weil sie alle aus dem Blute erzeugt werden. - -Diese Betrachtungsweise veranlaßte _Mulder_, dem erwähnten -Zersetzungsprodukt den Namen _Protein_ zu geben, von πρωτευω »ich nehme -den ersten Platz ein,« und das Blut, oder die Bestandtheile des Blutes -sind hiernach Verbindungen dieses Protein’s mit wechselnden Mengen von -andern nicht organischen Substanzen. - -_Mulder_ fand ferner, daß der in Wasser unlösliche stickstoffhaltige -Bestandtheil des Weizenmehls, das Pflanzenfibrin, durch Behandlung mit -Kali dasselbe Zersetzungsprodukt, nämlich Protein, liefert, und es hat -sich zuletzt ergeben, daß Pflanzenalbumin und Pflanzencasein sich gegen -Kali genau so verhalten, wie Thieralbumin und Thiercasein. - -4. Soweit als unsere Forschungen reichen, kann man es demnach als ein -Erfahrungsgesetz betrachten, daß die Pflanzen in ihrem Organismus -Proteinverbindungen erzeugen und daß sich aus diesen Proteinverbindungen -die zahlreichen Gebilde und Bestandtheile des Thierkörpers unter -Mitwirkung des Sauerstoffs der Luft und der Bestandtheile des Wassers -durch die Lebenskraft entwickeln[F5]. - - [5] Die Erfahrung von _Tiedemann_ und L. _Gmelin_, welche Gänse mit - gekochtem Eiweiß nicht am Leben erhalten konnten, erklärt sich leicht, - wenn man erwägt, daß ein körnerfressendes Thier in der Substanz seiner - umgesetzten Organe, wenn ihm überdies Bewegung mangelt, nicht - Kohlenstoff genug zum Respirationsproceß vorfindet. Zwei Pfunde Eiweiß - enthalten nur 7 Loth Kohlenstoff, von denen in dem letzten Produkt des - Stoffwechsels der vierte Theil und zwar in der Form von Harnsäure - wieder abgeht. - -Obwohl es nun nicht bewiesen werden kann, daß das Protein fertig -gebildet in diesen stickstoffhaltigen Pflanzenstoffen und -Thiersubstanzen enthalten ist, indem die Verschiedenheit ihrer -Eigenschaften darauf hinzudeuten scheint, daß ihre Elemente nicht auf -gleiche Weise mit einander vereinigt sind, so gewährt dennoch, als -Ausgangspunkt für die Entwickelung und Vergleichung ihrer Eigenschaften, -die Annahme der Präexistenz des Proteins viele Bequemlichkeit. -Jedenfalls ordnen sich die organischen Elemente der genannten Substanzen -auf einerlei Weise, wenn sie bei einer höhern Temperatur mit kaustischem -Kali in Berührung gebracht werden. - -Alle organischen stickstoffhaltigen Bestandtheile des Thierkörpers, so -verschieden sie auch in ihrer Zusammensetzung sich darstellen mögen, -stammen vom Protein ab; sie sind daraus gebildet worden durch Aus- oder -Hinzutreten der Bestandtheile des Wassers oder des Sauerstoffs und durch -Spaltung in zwei oder mehrere neue Verbindungen. - -5. Dieser Satz muß als eine unleugbare Wahrheit angenommen werden, wenn -man sich an die Entwickelung des jungen Thieres im Hühnerei erinnert. -Nachweisbar enthält das Hühnerei außer dem Albumin keinen anderen -stickstoffhaltigen Bestandtheil, das Albumin des Dotters ist identisch -mit dem Albumin des Weißen im Ei[E24]; der Dotter enthält ein gelb -gefärbtes Fett, in dem sich Cholsterin und Eisen als Bestandtheile -nachweisen lassen. Wir sehen nun, daß in der Bebrütung des Eies, wo bis -auf den Sauerstoff der Luft kein Nahrungsstoff, keine Materie von Außen -Antheil an dem Entwickelungsproceß nehmen kann, daß sich aus dem -Albumin, Federn, Klauen, Blutkörperchen, Fibrin, Membranen und Zellen, -Arterien und Venen erzeugen; an der Bildung der Gehirn- und -Nervensubstanz mag das Fett des Ei’s einen gewissen Antheil genommen -haben, allein zur Erzeugung der stickstoffhaltigen Träger der -Lebensthätigkeit konnte sein Kohlenstoff nicht verwendet werden, eben -weil das Albumin des Weißen und Dotters im Ei auf den gegebenen -Stickstoffgehalt die zur Hervorbringung der Gebilde nöthige -Kohlenstoffmenge schon enthält. - -6. Der eigentliche Ausgangspunkt aller Gebilde im Thierkörper ist -hiernach das Albumin; alle stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe, -gleichgültig, ob sie von Thieren und Pflanzen stammen, verwandeln sich, -ehe sie Theil an dem Nutritionsproceß nehmen, in Albumin. - -Alle Nahrungsstoffe, welche das Thier genießt, werden in seinem Magen -löslich und überführbar in das Blut. An diesem Löslichwerden nimmt außer -dem Sauerstoff der Luft nur eine Flüssigkeit Antheil, welche von den -Wänden des Magens abgesondert wird. - -Die entscheidendsten Versuche der Physiologen haben dargethan, daß der -Verdauungsproceß unabhängig ist von der Lebensthätigkeit, er geht vor -sich in Folge einer rein chemischen Aktion, ganz ähnlich den -Zersetzungs- oder Umsetzungsprocessen, die man mit Fäulniß, Gährung oder -Verwesung bezeichnet. - -7. In der einfachsten Form ausgedrückt ist Gährung und Fäulniß der -Vorgang der Umsetzung (neuen Lagerung) der Elementartheile (Atome) einer -Verbindung, zu einer oder zu mehreren neuen Gruppen (Verbindungen), -welche bewirkt wird durch die Berührung mit andern Körpern, deren -Elementartheile sich selbst im Zustand der Umsetzung (Zersetzung) -befinden. Es ist eine Uebertragung und Mittheilung eines Zustandes der -Bewegung, welche die Atome eines sich in Bewegung befindlichen Körpers -in andern Materien hervorzubringen vermögen, deren Elementartheile nur -mit einer geringen Kraft zusammengehalten sind. - -8. So enthält denn der klare Magensaft eine im Zustand der Umsetzung -befindliche Materie, durch deren Berührung mit den an und für sich im -Wasser unlöslichen Bestandtheilen der Speise, diese die Fähigkeit sich -zu lösen, in Folge einer neuen Gruppirung ihrer Elementartheile, -empfangen. Während der Verdauung enthält der abgesonderte Magensaft eine -freie Mineralsäure, durch deren Gegenwart eine jede weitere Veränderung -aufgehalten wird. - -Daß die Löslichwerdung der Speisen unabhängig von der Lebensthätigkeit -der Verdauungsorgane ist, haben die Physiologen aufs klarste durch eine -Menge der schönsten Versuche dargethan. Speisen, in metallene -durchlöcherte Röhren eingeschlossen, so daß sie mit den Wänden des -Magens nicht in Berührung kommen konnten, verschwinden ebenso leicht und -schnell, sie werden eben so gut verdaut, wie wenn diese Hülle nicht -vorhanden gewesen wäre, und frisch aus dem Körper genommener Magensaft, -in dem man gekochtes Eiweiß, Muskelfleisch bei der Temperatur des -Thierkörpers eine Zeitlang erhält, bewirkt, daß sie ihre feste -Beschaffenheit verlieren; sie lösen sich in der Flüssigkeit auf. - -9. Die in dem Magensaft vorhandene, im Zustand der Veränderung -befindliche Materie ist, wie man kaum bezweifeln kann, ein Produkt der -Umsetzung des Magens selbst. Keine mehr wie die Produkte, welche durch -die fortschreitende Zersetzung der Leim- (Chondrin-?) gebenden Gebilde -erzeugt werden, besitzen in so hohem Grade die Fähigkeit, in andern -Stoffen eine Umsetzung ihrer Bestandtheile hervorzurufen. Wenn man die -Membranen des Magens irgend eines Thieres (den Labmagen des Kalbes z. -B.) durch anhaltendes Waschen mit Wasser reinigt, so zeigt er keine Art -von Wirkung, wenn er mit Zucker, Milch und andern Substanzen -zusammengebracht wird; läßt man dieselben Membranen eine Zeitlang an der -Luft liegen, oder trocknet man sie und bringt sie mit Wasser und den -genannten Substanzen in Berührung, so verwandelt sich der Zucker, je -nach dem Zustand der Zersetzung, in der sich die Thiersubstanz befindet, -in Milchsäure oder in Schleim und Mannit oder in Alkohol und -Kohlensäure; die Milch wird davon augenblicklich zum Gerinnen gebracht. -Eine gewöhnliche Thierblase behauptet in trocknem Zustande ihren Zustand -und alle ihre Eigenschaften unverändert, aber bei Gegenwart von -Feuchtigkeit und Luft geht sie einer Veränderung entgegen, ohne daß man -diese durch besondere äußere Zeichen wahrnimmt; wird sie in diesem -Zustande in eine Auflösung von Milchzucker gelegt, so verwandelt sich -dieser in kurzer Zeit in Milchsäure. - -10. Frischer Labmagen des Kalbes, mit schwacher Salzsäure in Berührung, -ertheilt dieser Flüssigkeit nicht die geringste Fähigkeit, gekochtes -Fleisch oder Eiweiß aufzulösen; war aber der Labmagen vorher getrocknet -worden, oder läßt man ihn eine Zeitlang im Wasser liegen, so lös’t mit -Salzsäure angesäuertes Wasser eine Materie in höchst geringer Menge -daraus auf, deren Zustand der Zersetzung sich in der Auflösung -vollendet; durch die Uebertragung des Aktes der Zersetzung auf das -coagulirte Eiweiß wird es an den Rändern zuerst durchscheinend, dann -schleimig und lös’t sich zuletzt bis auf trübende fette Gemengtheile -völlig auf. Sauerstoff wird durch das arterielle Blut allen Theilen des -Thierkörpers zugeführt, überall befindet sich Feuchtigkeit, in beiden -finden wir die Hauptbedingungen aller Veränderungen im Thierkörper -vereinigt. - -Aehnlich also wie der im Keimungsproceß der Samen in einem Zustande der -Umsetzung seiner Bestandtheile befindliche Körper, dem man den Namen -_Diastase_ gegeben hat, die Löslichwerdung des Amylons (seine -Verwandlung in Zucker) bewirkt, veranlaßt ein Produkt der Metamorphose -der Substanz der Verdauungsorgane, indem sich seine Zersetzung im Magen -vollendet, die Verflüssigung aller der Lösung fähigen Bestandtheile der -Speisen. In gewissen Krankheitszuständen erzeugen sich aus den -stickstofffreien Bestandtheilen der Speisen, aus Amylon und Zucker, -Milchsäure[E25] und Schleim, die nämlichen Produkte, die wir durch -Membranen, welche sich im Zustande der Zersetzung befinden, außerhalb -des Magens hervorbringen können; allein im normalen Zustande der -Gesundheit wird im Magen keine Milchsäure gebildet. - -11. Die Eigenschaft vieler Respirationsmittel, des Amylons und der -Zuckerarten, bei Berührung mit Thiersubstanzen, die sich im Zustande der -Zersetzung befinden, in Milchsäure überzugehen, hat einen Grund bei den -Physiologen abgegeben, um ihre Entstehung während der Verdauung ohne -weiteres anzunehmen, und ihre Fähigkeit, den phosphorsauren Kalk -aufzulösen, veranlaßte sie, der Milchsäure die Rolle eines allgemeinen -Auflösungsmittels zuzuschreiben. Allein es gelang weder _Prout_ noch -_Braconnot_, Milchsäure im Magensafte nachzuweisen, und selbst _Lehmann_ -(s. sein Lehrbuch der physiologischen Chemie I. Bd. S. 285) erhielt aus -dem Magensaft einer Katze nur mikroskopisch erkennbare Krystalle, die er -für milchsaures Zinkoxyd erklärt, obwohl ihr chemischer Charakter nicht -ausgemittelt werden konnte. - -Das Vorhandensein von freier Salzsäure im Magensafte, was _Prout_ zuerst -beobachtete, ist später von allen Chemikern, die sich mit seiner -Untersuchung beschäftigt haben, bestätigt worden. Diese Salzsäure stammt -offenbar von dem Kochsalz her, dessen Natron bei dem Uebergang des -Fibrins und Caseins in Blut eine ganz bestimmte Rolle übernimmt. - -In ihrem Vermögen, Knochenerde aufzulösen, wird die Salzsäure von keiner -organischen Säure übertroffen, und Essigsäure steht in dieser -Eigenschaft der Milchsäure gleich. Von einer Nothwendigkeit der -Gegenwart der Milchsäure während des Verdauungsprocesses kann hiernach -keine Rede sein; mit Bestimmtheit weiß man, daß sie in dem künstlichen -Verdauungsproceß nicht erzeugt wird. _Berzelius_ hat zwar milchsaure -Salze im Blut und Fleisch der Thiere gefunden, allein damals war die -außerordentliche Leichtigkeit und Schnelligkeit noch nicht bekannt, mit -welcher diese Säure bei Gegenwart von Thierstoffen aus einer Menge von -Materien zu entstehen vermag, welche die Elemente der Milchsäure -enthalten. - -In dem Magensafte eines Hundes fand _Braconnot_, neben Salzsäure, -nachweisbare Spuren eines Eisensalzes, was er anfänglich für einen -zufälligen Bestandtheil ansah, dessen Gegenwart sich aber in dem -Magensafte eines zweiten Hundes, den man mit der nöthigen Vorsicht -gewonnen hatte, bestätigte (~Ann. d. chim. et d. phys. T.~ 59. ~S.~ -349). Dieser Eisengehalt ist für die Blutbildung bedeutungsvoll. - -12. An der Wirkung des Magensaftes auf die Speisen nimmt, außer Wasser, -kein anderes Element als der Sauerstoff nachweisbaren Antheil. Dieser -Sauerstoff wird aus der atmosphärischen Luft dem Magen zugeführt. -Während des Kauens der Speisen wird im Munde, durch besonders dazu -bestimmte Organe, eine Flüssigkeit abgesondert, welche die -ausgezeichnete Fähigkeit, Luft schaumartig einzuschließen, in weit -höherem Grade noch wie Seifenwasser besitzt. Diese Luft gelangt durch -den Speichel mit den Speisen in den Magen, wo ihr Sauerstoff eine -Verbindung eingeht; der Stickstoff dieser Luft wird durch Haut und Lunge -ausgeathmet. Je länger die Verdauung dauert, je größeren Widerstand die -Speisen der auflösenden Aktion entgegensetzen, desto mehr Speichel, und -mit ihm desto mehr Luft gelangt in den Magen. Das Wiederkäuen bei -gewissen grasfressenden Thieren hat offenbar noch den Zweck einer neuen -und wiederholten Hinzuführung von Sauerstoff, denn eine vollkommnere -mechanische Zertheilung verkürzt nur die Zeit, in welcher die Auflösung -vor sich geht. - -Aus der ungleichen Menge von Luft, welche bei verschiedenen Thierklassen -bei dem Kauen der Speisen mit dem Speichel in den Magen gelangt, -erklären sich die wohlbegründeten Beobachtungen der Physiologen, welche -die Thatsache außer Zweifel gestellt haben, daß die Thiere durch Haut -und Lunge reines Stickgas ausathmen, eine Erfahrung, die um so wichtiger -ist, da sie in sich selbst den entscheidendsten Beweis trägt, daß der -Stickstoff der Luft in der thierischen Oekonomie keine Verwendung -findet. - -Das Austreten von Stickgas aus Haut und Lunge erklärt sich durch das -Vermögen der Thiergewebe Gase aller Art durchzulassen, was sich durch -die einfachsten Versuche darthun läßt. Eine Blase, die man, mit -kohlensaurem Gas, Stickgas oder Wasserstoffgas gefüllt, wohlverschlossen -in die Luft hängt, verliert in 24 Stunden ihren ganzen Gehalt an diesen -Gasen; durch eine Art von Austausch sind sie nach Außen hin in die -Atmosphäre entwichen, ihren Platz finden wir von atmosphärischer Luft -eingenommen. Ein Darm, ein Magen oder eine Haut, die wir mit diesen -Gasen füllen, verhält sich ganz ähnlich wie die Blase; dieses -Durchlassen der Gase ist eine physikalische Eigenschaft, die allen -thierischen Geweben angehört; wir beobachten sie in dem lebenden Körper -in gleichem Grade wie an den todten Substanzen. - -Man weiß, daß bei Lungenverletzungen nicht selten ein eigenthümlicher -Zustand entsteht, wo beim Athmen die atmosphärische Luft von den -Luftwegen aus in das angränzende Zellgewebe eindringt. Diese Luft wird -durch die Respirationsbewegungen von der Wundstelle aus in dem -Zellgewebe immer weiter fortgetrieben und bildet so den unter dem Namen -Emphysem bekannten Krankheitszustand. Sobald das fernere Eindringen der -atmosphärischen Luft in das Zellgewebe frühzeitig genug verhindert wird, -verliert sich dieser Zustand allmälig von selbst wieder, der Sauerstoff -dieser Luft ist, wie man nicht zweifeln kann, in Verbindung getreten, -das Stickstoffgas ist durch Haut und Lunge ausgeathmet worden. - -Es ist ferner bekannt, daß bei vielen grasfressenden Thieren, wenn sie -sich im Genuße frischer saftiger Pflanzen die Verdauungswerkzeuge -überladen haben, diese Stoffe in dem Magen selbst der nämlichen -Zersetzung unterliegen, die sie außerhalb des Körpers in gleicher -Temperatur erfahren; sie gehen in Gährung und Fäulniß über, wobei sich -eine so große Menge kohlensaures und entzündliches Gas entwickelt, daß -diese Organe auf eine ungewöhnliche Weise (zuweilen bis zum Zersprengen) -aufgetrieben werden. Nach der Einrichtung ihres Magens oder ihrer Mägen, -können diese Gase durch den Schlund nicht entweichen, man sieht aber -nach einigen Stunden schon den aufgetriebenen Leib kleiner werden, und -nach 24 Stunden ist von allem Gase keine Spur mehr vorhanden[E26]. - -Erinnert man sich zuletzt an die tödtlichen Zufälle, die in Weinländern -so häufig durch den Genuß von sogenanntem federweißen Wein veranlaßt -werden, so kann man nicht den geringsten Zweifel hegen, daß Gase jeder -Art, im Wasser lösliche oder unlösliche, das Vermögen besitzen, die -thierischen Gewebe zu durchdringen, ähnlich wie Wasser von ungeleimtem -Papier durchgelassen wird. Der federweiße Wein ist in Gährung -begriffener Wein, welche durch die Temperatur des Magens gesteigert -wird; das entwickelte kohlensaure Gas dringt durch die Wände des Magens, -des Zwerchfelles, durch alle Häute in die Lungenzellen, und verdrängt -aus diesen die atmosphärische Luft. Der Mensch stirbt mit allen Zeichen -der Erstickung in einem irrespirablen Gase, und der sicherste Beweis für -ihr Vorhandensein in der Lunge ist unstreitig der Umstand, daß das -Einathmen von Ammoniakgas als das beste Gegenmittel gegen diesen -Krankheitszustand anerkannt ist. - -Die Kohlensäure der moussirenden Weine, welche in den Magen gelangt, die -Kohlensäure, die man im Wasser, was damit gesättigt ist, in der Form -eines Klystiers zu sich nimmt, sie treten durch Haut und Lunge wieder -aus, und in gleichem Grade muß dies von dem Stickgas gelten, was durch -den Speichel in den Magen gelangt. - -Gewiß mag ein Theil dieser Gase durch das Saug- und Lymphgefäßsystem in -das venöse Blut und von da in die Lunge gelangen, wo sie abdunsten, -allein ihrem directen Eindringen in die Brusthöhle und Lunge steht in -den Membranen selbst, nicht das geringste Hinderniß im Wege. Es ist in -der That schwer zu glauben, daß die Saug- und Lymphgefäße ein besonderes -Bestreben haben, Luft, Stickgas, Wasserstoffgas &c. aufzusaugen und dem -Blute zuzuführen, da die Eingeweide, der Magen, alle Räume, die nicht -mit festen oder flüssigen Stoffen ausgefüllt sind, Gase enthalten, die -nur bei einer gewissen Volumsvergrößerung ihren Platz verlassen, die -also nicht aufgesaugt werden. Von dem Stickgas im besondern, mit dem -sich das Blut bei seinem Durchgange durch die Lunge, wie eine jede -andere Flüssigkeit sättigt, d. h. von dem es so viel aufnimmt, als -seinem Auflösungsvermögen entspricht, muß angenommen werden, daß es -nicht durch den Kreislauf des Blutes, sondern auf einem directeren Wege -wieder aus dem Magen tritt. Durch die Athembewegungen werden alle Gase, -welche die leeren Räume ausfüllen, nach der Brusthöhle hingetrieben, -indem durch die Bewegung des Zwergfelles und die Erweiterung der -Brusthöhle ein luftverdünnter Raum entsteht, in dessen Folge, durch den -atmosphärischen Luftdruck, Luft von allen Seiten her in die Lungen -eingetrieben wird; es findet freilich das Maximum der Ausgleichung durch -die Luftröhre statt, aber auch von Innen her müssen alle Gase eine -Bewegung nach der Brusthöhle und Lunge hin empfangen. Bei den Vögeln und -Schildkröten ist dieses Verhältniß umgekehrt. Wenn wir annehmen, daß ein -Mensch in einer Minute nur ¹/₈ Kubikzoll Luft mit dem Speichel seinem -Magen zuführt, so macht dies in 18 Stunden 135 Kubikzoll aus, wenn wir -den fünften Theil davon als Sauerstoff abrechnen, so bleiben immer noch -108 Kubikzoll Stickgas, welche den Raum von drei Pfund (hessische) -Wasser einnehmen. So wenig oder so viel die verschluckte Stickstoffmenge -nun auch betragen mag, gewiß ist, daß dieses Gas durch den Mund, Nase -oder Haut wieder austritt, und wenn wir die große Menge Stickgas in -Betrachtung ziehen, welche von _Magendie_ in den Eingeweiden -Hingerichteter nachgewiesen worden ist, so wie die Abwesenheit von allem -Sauerstoffgas in den nämlichen Organen[E27], so muß angenommen werden, -daß auch in Folge der Resorbtion durch die Haut Luft, d. h. Stickgas, -eintritt, welches durch die Lunge wieder ausgeathmet wird. - -Bei dem Athmen der Thiere in Gasen, die keinen Stickstoff enthalten, -wird mehr Stickgas ausgeathmet, eben weil sich in diesem Falle das -Stickgas im Körper gegen den Raum außerhalb verhält, wie wenn dieser -Raum luftleer wäre. (S. _Graham_ über die Diffusion der Gase.) - -Die Unterschiede in der Menge des ausgeathmeten Stickgases von -verschiedenen Thierklassen erklären sich hiernach leicht; die Herbivoren -verschlucken mit dem Speichel mehr Luft wie die Carnivoren; sie athmen -mehr Stickgas aus, beim Fasten weniger wie nach frisch genossener -Nahrung. - -13. Aehnlich wie die aus dem Leibe genommene Muskelfaser den Zustand der -Zersetzung und Umsetzung, in welchem sich ihre Bestandtheile befinden, -dem Wasserstoffhyperoxyde überträgt, wirkt ein durch den organischen -Proceß, in Folge der Umsetzung der Bestandtheile des Magens und der -Verdauungsorgane, entstehendes Product, indem sich seine Metamorphose im -Magen vollendet, auf die Bestandtheile der genossenen Speisen. Die -unlöslichen erhalten die Fähigkeit sich zu lösen, sie werden verdaut. - -Es ist gewiß bemerkenswerth, daß gekochtes Eiweiß oder Fibrin, wenn sie -durch gewisse Flüssigkeiten, durch organische Säuren oder schwache -alkalische Laugen, löslich gemacht werden, daß alle ihre übrigen -Eigenschaften bis auf die Form (den Cohäsionszustand) nicht die -geringste Aenderung erfahren, ihre Elementartheile ordnen sich sicher -auf eine andere Art, allein sie theilen sich nicht in zwei oder mehre -Gruppen, in zwei oder mehre neue Verbindungen, sondern sie bleiben -zusammen vereinigt. - -Ganz dasselbe findet in dem Verdauungsprocesse statt; im -gesunden Zustande erleiden die Speisen nur eine Aufhebung ihres -Cohäsionszustandes. - -Das größte Hinderniß, was sich der klaren Auffassung des -Verdauungsprocesses, der in dem Vorhergehenden zu den chemischen -Metamorphosen gerechnet worden ist, die man Gährung und Fäulniß nennt, -entgegenstellt, beruht auf der unwillkührlichen Erinnerung und in der -Festhaltung der Erscheinungen, welche die Gährung des Zuckers und der -Thiersubstanzen (Fäulniß) begleiten, allein es giebt zahllose Fälle, wo -eine Umsetzung der Bestandtheile einer Verbindung vor sich geht, ohne -die geringste Gasentwickelung, und es sind hauptsächlich diese, welche -man ins Auge zu fassen hat, wenn man den chemischen Begriff der -Verdauung frei von Irrthum in sich aufnehmen will. - -Alle Materien, welche die Erscheinungen der Gährung und Fäulniß in -Flüssigkeiten aufzuheben vermögen, stören, in den verdauenden Magen -gebracht, die Verdauung. Die Wirkung der brenzlichen, empyreumatischen -Stoffe von Caffee, Tabacksdampf, Kreosot, Quecksilbermittel u. s. w. -verdienen in dieser Beziehung für Dietätik eine besondere Beachtung. - -Durch die Gleichheit in der Zusammensetzung der Bestandtheile des Bluts -mit den stickstoffhaltigen, vegetabilischen Nahrungsstoffen haben wir, -gewiß auf eine sehr unerwartete Weise, erfahren, warum faulendes Blut, -Eiweiß, Fleisch, Käse in Zuckerwasser die nämliche Veränderung -hervorbringen, wie Hefe, warum Zucker damit in Berührung je nach dem -Zustande der Zersetzung, in welchem sich die faulenden Materien -befinden, bald in Alkohol und Kohlensäure, bald in Milchsäure und -Schleim sich zerlegt. Die Ursache liegt einfach darin, daß die Materie, -welche man Hefe (Ferment) genannt hat, im Zustande der Zersetzung -begriffenes Pflanzenalbumin, -Fibrin oder -Casein ist, Substanzen, -welche identisch sind mit den Bestandtheilen des Fleisches oder des -Blutes. Die Fäulniß der genannten Thiersubstanzen ist in ihrem Vorgang -identisch mit dem Proceß der Metamorphose der ihnen identischen -Pflanzenstoffe, es ist ein Zerfallen in minder complexe neue -Verbindungen. Und wenn man die Umsetzung der Bestandtheile des -Thierkörpers (den Verbrauch an Stoff vom Thiere) als einen chemischen -Proceß betrachtet, welcher unter dem Einflusse der Lebensthätigkeit vor -sich geht, so ist die Fäulniß derselben außerhalb des Thierkörpers ein -Zerfallen in einfachere Verbindungen, an welchen die Lebenskraft keinen -Antheil nimmt. Die Action ist in beiden Fällen die nämliche, nur die -Producte sind verschieden. Die practische Medicin hat über die Wirkung -empyreumatischer Stoffe (Holzessig und anderer) auf bösartige Wunden und -Geschwüre die schönsten und interessantesten Beobachtungen gemacht. In -diesen Krankheitserscheinungen gehen zwei Actionen neben einander vor -sich, eine Metamorphose, welche unter dem Einfluß der Lebensthätigkeit -sich zu vollenden strebt, und eine zweite, welche unabhängig von ihr -ist. Die letztere ist ein chemischer Proceß, welcher durch -empyreumatische Substanzen gänzlich unterdrückt und aufgehoben wird; es -ist der reine Gegensatz von der schädlichen Einwirkung, welche faulendes -Blut, auf frische Wunden gelegt, in dem Organismus hervorbringt. - - -~II.~ - -14. Den nächsten Ausdruck für die Zusammensetzung des Proteins oder die -relativen Verhältnisse der organischen Bestandtheile des Bluts, so wie -sie durch die Analyse festgestellt worden sind, giebt die Formel -~C₄₈H₇₂N₁₂O₁₄~[F6]. Albumin, Fibrin, Casein enthalten Protein; das -Casein enthält Schwefel, keinen Phosphor; Albumin und Fibrin enthalten -beide Substanzen in chemischer Verbindung, das erstere mehr Schwefel als -wie das Fibrin. In welcher Form der Phosphor in diesen Materien -vorhanden ist, kann direct nicht entschieden werden, aber man hat -bestimmte Beweise dafür, daß der Schwefel nicht im oxydirten Zustande -darin enthalten sein kann. Alle diese Materien geben nämlich mit einer -mäßig starken Kalilauge erhitzt den Schwefel ab, den man in der -Flüssigkeit als Schwefelkalium wiederfindet; mit einer Säure versetzt -entwickelt er sich daraus als Schwefelwasserstoff. Lös’t man reines -Fibrin oder gewöhnliches Eiweiß in schwacher Kalilauge auf, setzt -essigsaures Bleioxyd mit der Vorsicht hinzu, daß alles Bleioxyd in der -alkalischen Lauge gelös’t bleibt, und erhitzt nun zum Sieden, so wird -die Flüssigkeit schwarz wie Dinte und es schlägt sich Schwefelblei als -feines Pulver nieder. - - [6] Ueber die Verwandlung dieser und der folgenden Formeln in Procente - siehe Anhang. - -Es ist außerordentlich wahrscheinlich, daß durch die Einwirkung des -Alkali’s der Schwefel als Schwefelwasserstoff, der Phosphor als -Phosphorsäure hinweggenommen wird. Da nun in diesem Falle Schwefel und -Phosphor auf der einen Seite, Wasserstoff und Sauerstoff auf der andern -austreten, so sollte man denken, daß Fibrin und Albumin mit ihrem -Schwefel und Phosphor mehr Wasserstoff und Sauerstoff in der Analyse -geben müßten, als das Protein. Allein dies läßt sich thatsächlich durch -die Analyse nicht darthun. Man hat z. B. in dem Fibrin 0,36 ~pCt.~ -Schwefel gefunden. Angenommen nun, der Schwefel trete mit Wasserstoff -aus, so würde das Protein 0,0225 ~pCt.~ Wasserstoff weniger enthalten, -wie das Fibrin, anstatt den mittleren Gehalt von 7,062 ~pCt.~ -Wasserstoff würde man im Protein also 7,04 ~pCt.~ bekommen müssen. In -einer ähnlichen Weise würde durch das Austreten vom Sauerstoff mit dem -Phosphor der Sauerstoffgehalt des Fibrins von 22,715 ~pCt.~ oder 22,00 -auf 22,5 oder 21,8 ~pCt.~ in dem Protein zurückgeführt werden. Die -Fehlergrenzen unserer Analysen sind aber im Durchschnitt größer als ein -Zehntel Procent in der Wasserstoffbestimmung, und über ⁴/₁₀ ~pCt.~ in -der Sauerstoffbestimmung; in den angegebenen Fällen würde der -Unterschied in dem Wasserstoffgehalte nur ¹/₄₈ ~pCt.~ betragen. - -Wenn man zuletzt bedenkt, daß das Austreten von Sauerstoff und -Wasserstoff mit dem Phosphor und Schwefel ein Hinzutreten der -Bestandtheile des Wassers nicht ausschließt, wenn wir annehmen, daß mit -den organischen Bestandtheilen des Albumins und Fibrins eine gewisse -Menge Wasser in Verbindung tritt, um Protein zu bilden, so hört alle -Wahrscheinlichkeit völlig auf, durch die chemische Analyse darüber zu -einer bestimmten Ansicht zu gelangen. - -Man hat von der Bildung des Schwefelkaliums rückwärts Schlüsse auf das -Vorhandensein von nicht oxydirtem Phosphor in dem Fibrin und Albumin -gezogen, indem man annahm, daß der Sauerstoff des Kalis dazu gedient -habe, um mit dem Phosphor Phosphorsäure zu bilden; allein das Casein, in -welchem kein Phosphor zugegen ist, verhält sich gegen Kali ganz den -anderen gleich; es entsteht nämlich Schwefelkalium, dessen Bildung ohne -ein Austreten von Schwefelwasserstoff nicht erklärbar ist. Beim bloßen -Kochen von Fleisch, bei der Bereitung von Fleischbrühe, entwickelt sich, -wie _Chevreul_ gefunden hat, Schwefelwasserstoff. - -Zuletzt sind die Schwefelmengen im Fibrin und Albumin auf dieselbe -Phosphormenge nicht gleich, woraus man keinen andern Schluß ziehen kann, -als daß die Bildung des Schwefelkaliums zu diesem Phosphorgehalt in -keiner Beziehung steht; es bildet sich Schwefelkalium aus Casein, in -welchem man keinen freien (als Säure ungebundenen?) Phosphor voraussetzt -und ebenso aus Albumin, was nur halb so viel Phosphor enthält wie das -Fibrin. - -Eine jede Bemühung, die wahre Anzahl der Atome des Fibrins und Albumins -in einer rationellen Formel festzusetzen, in welcher Schwefel und -Phosphor zu ganzen Atomzahlen aufgenommen sind, wird immer unfruchtbar -bleiben, weil uns schlechterdings alle Mittel fehlen, um mit absoluter -Genauigkeit die so äußerst geringen Mengen von Schwefel und Phosphor in -den Thiersubstanzen bestimmen zu können, und eine Abweichung, welche -kleiner ist als die gewöhnlichen Grenzen der Beobachtungsfehler, um 10 -und mehr Atome, die Anzahl der Atome des Kohlenstoffs, Wasserstoffs und -Sauerstoffs in der Formel ändert. - -Man muß sich in dieser Hinsicht über das, was die chemische Analyse zu -leisten vermögend ist, keiner Täuschung hingeben, mit Gewißheit wissen -wir, daß die Zahlenverhältnisse der Analysen vom Fibrin und Albumin -nicht von einander abweichen, und wir erschließen hieraus die gleiche -Zusammensetzung. Dieser Schluß verliert von seiner Wahrheit nichts, -obwohl wir die Anzahl der Atome ihrer Elemente nicht kennen, welche zu -dem zusammengesetzten Atome sich vereinigt haben. - -15. Eine Formel für Protein ist für uns nichts weiter wie der genaueste -und nächste Ausdruck der Analyse, einer Erfahrung, über die wir alle -Zweifel als beseitigt betrachten. Dies allein hat vorläufig Werth für -uns. - -Wenn wir uns nun denken, daß aus dem Albumin und Fibrin im Blute alle -andern Gebilde entsprungen sind, so ist vollkommen sicher, daß dies nur -auf zwei Weisen geschehen kann. Es sind nämlich entweder gewisse -Elemente hinzu-, oder es sind von ihren Bestandtheilen gewisse Mengen -ausgetreten. - -Suchen wir nun z. B. für die Zellen und leimgebenden Gebilde, Sehnen, -Haare, Horn und die übrigen, einen analytischen Ausdruck auf, in welchem -die Anzahl der Atome des Kohlenstoffs als eine unveränderliche Größe -festgesetzt wird, so giebt sich auf den ersten Blick zu erkennen, in -welcher Art und Weise sich das Verhältniß der andern Elemente geändert -hat; dies umfaßt aber alles, was die Physiologie bedarf, um Einsicht in -das Wesen des Bildungs- und Ernährungsprocesses im Thierkörper zu -erlangen. - -16. Aus den Untersuchungen von _Mulder_ und _Scherer_[E28] ergeben sich -folgende empirische Formeln: - - Bestandtheile der organischen Gebilde. - - Albumin ~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~ + ~P~ + ~S~[F7] - Fibrin ~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~ + ~P~ + 2 ~S~ - Casein ~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~ + ~S~ - Leimgebilde, Sehnen ~C₄₈N₁₅H₈₂O₁₈~ - Chondrin &c. ~C₄₈N₁₂H₈₀O₂₀~ - Arterienhaut ~C₄₈N₁₂H₇₆O₁₆~ - Haare, Horn ~C₄₈N₁₄H₇₈O₁₅~. - - [7] Die hier als ~P~ und ~S~ angeführten Phosphor- und Schwefelmengen - drücken nicht Atomgewichte aus, sondern bezeichnen nur die relativen - durch die Analyse gefundenen Verhältnisse. - -Die Vergleichung dieser Formeln zeigt, daß bei dem Uebergang des -Proteins in Chondrin (Substanz der Rippenknorpeln) die Bestandtheile von -Wasser und Sauerstoff, bei der Bildung der serösen Membranen, Zellen und -Sehnen außer diesen Elementen noch Stickstoff hinzugetreten ist. - -Bezeichnen wir die Formel des Proteins ~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~ mit ~Pr~, so sind -Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff, in der Form von bekannten -Verbindungen geordnet, bei der Bildung der Leimsubstanzen, Haare, Horn, -Arterienhaut hinzugetreten. - - Protein. Ammoniak. Wasser. Sauerstoff. - Fibrin } ~Pr~ - Albumin } - Arterienhaut ~Pr~ + 2 ~H₂O~ - Chondrin ~Pr~ + 4 ~H₂O~ + 2 ~O~ - Haare, Horn ~Pr~ + ~N₂H₆~ + 3 ~O~ - Membranen, Zellen 2 ~Pr~ + 3 ~N₂H₆~ + ~H₂O~ + 7 ~O~. - -17. Aus dieser Uebersicht geht hervor, daß alle Gebilde des Thierkörpers -auf eine gleiche Anzahl von Kohlenstoffatomen mehr Sauerstoff enthalten -als die Bestandtheile des Bluts; bei ihrer Entstehung ist ohne Zweifel -Sauerstoff aus der Atmosphäre oder durch die Elemente des Wassers zu den -Bestandtheilen des Proteins hinzugetreten; wir finden in den Haaren und -Membranen mehr Stickstoff und Wasserstoff, und zwar beide im Verhältniß -wie im Ammoniak. - -Die Chemiker sind bekanntlich heute noch nicht einig über die Art und -Weise, wie die Bestandtheile des schwefelsauren Kali’s geordnet sind, es -wäre deshalb dem Chemismus zu viel eingeräumt, wenn man die Arterienhaut -für ein Hydrat, das Chondrin für das Oxyd des Proteinhydrats, wenn wir -Haare und Membranen für Oxyde des Proteins in Verbindung mit Ammoniak -ansehen wollten. - -Diese Formeln drücken mit Bestimmtheit die Verschiedenheit in der -Zusammensetzung der Hauptbestandtheile der Thiere aus, sie zeigen, daß -auf einen gleichen Kohlenstoffgehalt das relative Verhältniß ihrer -Elemente abweicht, wieviel der eine Stoff mehr Sauerstoff oder -Stickstoff enthält wie der andere. - -18. Es kann daraus gefolgert werden, wie sie aus den Bestandtheilen des -Bluts entstehen; aber die Erklärung ihrer Entstehung nimmt zwei Formen -an, von denen zu entscheiden ist, welche der Wahrheit am nächsten -kommt. - -Auf einen gleichen Kohlenstoffgehalt enthalten die Membranen und die -leimgebenden Gebilde mehr Stickstoff, Sauerstoff und Wasserstoff wie das -Protein; es ist denkbar, daß sie aus Albumin entstanden sind durch -Hinzutreten von Sauerstoff, der Bestandtheile des Wassers und des -Ammoniaks und durch Austreten von Phosphor und Schwefel; jedenfalls ist -ihre Zusammensetzung von der der Hauptbestandtheile des Bluts durchaus -verschieden. - -Das Verhalten der Leimgebilde gegen ätzende Alkalien zeigt mit -Bestimmtheit, daß sie kein Protein mehr enthalten, auf keine Weise kann -Protein daraus erhalten werden, alle durch die Einwirkung des Alkali’s -erzeugten Producte weichen von den Producten, welche die -Protein-Verbindungen unter den nämlichen Bedingungen liefern, durchaus -ab; mag fertig gebildetes Protein in dem Fibrin, Casein und Albumin -enthalten sein oder nicht, gewiß ist, daß sich ihre Elemente durch die -Einwirkung des Alkali’s zu Protein ordnen; diese Fähigkeit geht den -Elementen der Leimsubstanz ab. - -Zur zweiten Form der Bildung der Leimsubstanz und zwar zur -wahrscheinlicheren gelangt man, wenn seine Bildung abhängig gedacht wird -von einem Austreten von Kohlenstoff. - -Angenommen, der Stickstoffgehalt des Proteins bleibe in der -Leimsubstanz, so würde die Zusammensetzung der letztern (auf 12 At. -Stickstoff berechnet) durch die Formel ~C₃₈N₁₂H₆₄O₁₄~ ausgedrückt werden -müssen. Diese Formel stimmt am nächsten mit der Analyse von _Scherer_, -wiewohl sie kein genauer Ausdruck dafür ist. Eine den Analysen -entsprechendere Formel ist ~C₃₂H₅₄N₁₀O₁₂~ oder, nach _Mulder’s_ Analyse -berechnet, die Formel ~C₅₄H₈₄N₁₈O₂₀~[F8]. - - [8] Die Formel, welche _Mulder_ angenommen hat, ~C₅₂H₈₀N₁₆O₂₀~ giebt - in der berechneten procentischen Zusammensetzung zu wenig Stickstoff. - -Nach der ersten Formel wäre Kohlenstoff und Wasserstoff, nach den beiden -andern wäre ein gewisses Verhältniß aller Elemente ausgetreten. - -19. Als das für uns wichtigste Resultat in der Betrachtung der -Zusammensetzung der Leimsubstanz muß als eine unleugbare Wahrheit -angenommen werden, daß sie, obwohl aus Protein-Verbindungen entstanden, -aus der Reihe der Protein-Verbindungen herausgetreten ist. Ihr -chemisches Verhalten und ihre Zusammensetzung rechtfertigt diesen -Schluß. - -Keine Beobachtung steht dem Erfahrungsgesetz entgegen, wonach die Natur -ausschließlich nur Protein-Verbindungen zur Blutbildung bestimmt. In den -Vegetabilien existirt kein der Leimsubstanz ähnlicher Körper, sie ist -keine Protein-Verbindung, sie enthält keinen Phosphor, keinen Schwefel, -sie enthält mehr Stickstoff oder weniger Kohlenstoff wie das Protein. -Durch die Lebensthätigkeit der zur Blutbildung bestimmten Organe -nehmen die Protein-Verbindungen eine neue Form an, aber in ihrer -Zusammensetzung erleiden sie keine Veränderung; diese Organe -besitzen, soweit unsere Erfahrungen reichen, das Vermögen nicht, -Protein-Verbindungen kraft einer einwirkenden Thätigkeit zu erzeugen -aus Stoffen, die kein Protein enthalten. Thiere mit Leimsubstanz, mit -dem stickstoffreichsten Bestandtheil der Nahrung der Carnivoren -ausschließlich ernährt, starben den Hungerstod; die Leimsubstanzen sind -unfähig zu Blut zu werden. - -Aber es unterliegt keinem Zweifel, sie wird aus den Bestandtheilen des -Bluts erzeugt und kaum läßt sich die Vorstellung zurückweisen, daß das -Fibrin des venösen Bluts, indem es zu arteriösem Fibrin wird, sich auf -der ersten Stufe der Umbildung zur Leimsubstanz befindet. Mit einiger -Wahrscheinlichkeit kann man kaum den Membranen und Sehnen die Fähigkeit -zuschreiben, sich selbst aus Stoffen zu bilden, die ihnen durch das Blut -zugeführt werden; wie könnte in der That ein Stoff zur Zelle werden, -kraft einer einwirkenden Thätigkeit, welche noch keinen Träger hat; eine -schon bestehende Zelle mag die Fähigkeit besitzen, sich zu erhalten oder -zu vervielfältigen, allein zu beidem gehören Stoffe, welche identisch in -ihrer Zusammensetzung mit der Substanz der Zellen sind. Diese Stoffe -werden in dem Organismus erzeugt, und keiner kann sich mehr zu ihrer -Bildung eignen als die Zellen und Membranen selbst, die in dem Magen des -Thiers in dem Proceß der Verdauung löslich geworden sind, oder welche -der Mensch im löslichen Zustande genießt. - -20. Ich gebe in dem Folgenden einen Versuch zur analytischen Entwicklung -der in dem thierischen Körper vorgehenden Haupt-Metamorphosen, und zwar, -um allen und jeden Mißverständnissen vorzubeugen, mit der ausdrücklichen -Verwahrung gegen alle Schlüsse und Folgerungen, die man jetzt oder zu -irgend einer Zeit gegen die Ansichten daraus ziehen könnte, welche ich -in dem Vorhergehenden, mit dem sie in keinerlei Verbindung stehen, -entwickelt habe. Die Resultate, zu denen ich gelangt bin, befremden mich -nicht minder und flößten mir die nämlichen Zweifel ein, die sie in -Andern erwecken werden, allein sie sind keine Schöpfungen der Phantasie, -und ich gebe sie, weil ich die Ueberzeugung hege, daß der Weg, der zu -ihrer Ermittelung geführt hat, der einzige ist, auf welchem wir hoffen -können, Einsicht in die organischen Processe zu erlangen. - -Alle die zahllosen qualitativen Untersuchungen thierischer Substanzen -sind absolut werthlos für die Physiologie sowohl, wie für die Chemie, so -lange ihnen nicht ein ganz bestimmter Zweck, eine deutlich ausgedrückte -Frage unterlegt wird. - -Wenn wir in einem Satze, den wir entziffern wollen, die Buchstaben -auseinander nehmen und in eine Reihe stellen, so sind wir dem Sinne um -keinen Schritt näher gekommen. Um ein Räthsel zu lösen, müssen wir -völlig klar über die Aufgabe sein. Es giebt freilich viele Wege, um die -höchste Kuppe eines Berges zu erklimmen, allein nur diejenigen haben -Hoffnung, dem Ziele sich zu nähern, welche die Spitze im Auge behalten. -Mit aller Arbeit und Anstrengung in einem Sumpfe erreicht man nichts -weiter, als daß man sich immer mehr mit Schlamm und Koth beladet, das -Höhersteigen wird durch selbstgeschaffene Schwierigkeiten immer -mühevoller und auch die größte Kraft muß zuletzt unter diesem Unrath -erliegen. - -21. Wenn es wahr ist, daß aus dem Blute oder den Bestandtheilen des -Bluts alle Theile des Thierkörpers entwickelt und gebildet werden, daß -die vorhandenen Organe in jedem Zeitmomente des Lebens sich durch den -Einfluß des zugeführten Sauerstoffs in neue Verbindungen umsetzen, so -müssen die Secrete des Thierkörpers nothwendig die Producte der -umgesetzten Gebilde enthalten. - -22. Wenn der Schluß ferner wahr ist, daß der Harn die stickstoffhaltigen -und die Galle die kohlenstoffreichen Producte aller Gebilde enthält, die -in dem Lebensproceß sich in anorganische Verbindungen umgesetzt haben, -so ist klar, daß die Bestandtheile der Galle und des Harns -zusammengenommen gleich sein müssen, in ihrem relativen Verhältnisse, -der Zusammensetzung des Bluts. - -23. Aus dem Blute sind die Organe entstanden, die Organe enthalten die -Bestandtheile des Bluts; sie haben sich in neue Verbindungen umgesetzt, -zu diesen neuen Verbindungen ist außer Sauerstoff und Wasser kein -anderer Körper hinzugekommen, das relative Verhältniß ihres Kohlenstoffs -und Stickstoffs muß gleich sein dem relativen Verhältniß des -Kohlenstoffs und Stickstoffs im Blute. - -Wenn wir also von der Zusammensetzung des Bluts die Bestandtheile des -Harns abziehen, so müssen wir, den hinzugekommenen Sauerstoff und das -Wasser abgerechnet, die Zusammensetzung der Galle bekommen. - -Oder wenn wir von den Bestandtheilen des Bluts abziehen die -Bestandtheile der Galle, so müssen wir harnsaures Ammoniak oder -Harnstoff und Kohlensäure übrig behalten. - -Man wird es vielleicht bemerkenswerth finden, daß diese -Betrachtungsweise auf die wahre Formel der Galle, oder richtiger, auf -den empirischen Ausdruck für ihre Zusammensetzung geführt hat, auf den -Schlüssel zur Erklärung ihrer Metamorphosen durch Säuren und Alkalien, -den man bis jetzt ohne Erfolg zu suchen bemüht war. - -24. Wenn man frisches Blut über eine 60° heiße Silberplatte fließen -läßt, so trocknet es zu einem rothen firnißartigen Ueberzug ein, der -sich leicht pulverisiren läßt; anfänglich in gelinder Wärme, zuletzt bei -100°, trocknet frisches fettfreies Muskelfleisch zu einer braunen -pulverisirbaren Masse ein. - -Die Analysen von _Playfair_ und _Boeckmann_[E29] führen als den nächsten -Ausdruck der erhaltenen Gewichtsverhältnisse ihrer Elemente für das -Muskelfleisch (Fibrin, Albumin, Zellen und Nerven) und für das Blut zu -einer und derselben empirischen Formel, sie ist: - - ~C₄₈N₁₂H₇₈O₁₅~ (empirische Formel des Bluts). - -25. Der Hauptbestandtheil der Galle ist nach den Untersuchungen von -_Demarçay_ eine den Seifen ähnliche Verbindung von Natron mit einer -eigenthümlichen Materie, welche den Namen _Choleinsäure_ erhalten hat; -sie wird in Verbindung mit Bleioxyd gefällt, wenn man eine durch Alkohol -von allen darin unlöslichen Stoffen befreite Galle, mit essigsaurem -Bleioxyd vermischt. - -Diese Choleinsäure wird durch Salzsäure zerlegt in _Taurin_, _Salmiak_ -und in eine neue stickstofffreie Säure, in _Choloidinsäure_. - -Durch Kochen mit ätzendem Kali zerfällt sie in Kohlensäure, Ammoniak und -in _Cholinsäure_ (verschieden von _Gmelin’s_ Cholsäure). - -Es ist nun klar, daß die wahre Formel der Choleinsäure den analytischen -Ausdruck für diese Zersetzungsweisen in sich schließen, daß sie erlauben -muß, die Zusammensetzung der entstandenen Producte in eine ganz -bestimmte und einfache Beziehung zu der Zusammensetzung der Choleinsäure -zu bringen. Dieser Ausdruck verliert an seiner Wahrheit nichts, wenn -sich auch ergeben sollte, daß die Choleinsäure und Choloidinsäure, wie -aus den Untersuchungen von _Berzelius_ hervorzugehen scheint, Gemenge -von mehreren verschiedenartigen Verbindungen sind, die relative Anzahl -der Atome kann hierdurch in keiner Weise geändert werden. - -26. Zur Entwickelung der Metamorphosen, welche die Choleinsäure durch -Säuren und Alkalien erleidet, kann als empirischer Ausdruck ihrer -Zusammensetzung nur die folgende Formel angenommen werden: - - Formel der Choleinsäure: ~C₇₅H₁₃₂N₄O₂₂~[E30]. - -Ich wiederhole es, diese Formel kann der Ausdruck sein für die -Zusammensetzung von zwei oder mehreren Verbindungen, gleichgültig, wie -viel es auch sein mögen, sie enthält die relative Anzahl aller ihrer -Elemente zusammengenommen. - -Nehmen wir von den Elementen der Choleinsäure die durch Einwirkung der -Salzsäure entstehenden Producte, Ammoniak und Taurin, hinweg, so -gelangen wir zur empirischen Formel der Choloidinsäure. - - Formel der Choleinsäure ~C₇₆H₁₃₂N₄O₂₂~ - ab - 1 At. Taurin ~C₄H₁₄N₂O₁₀~ } - } - ~C₄ H₂₀ N₄O₁₀~ - 1 Aeq. Ammoniak ~H₆N₂~ } - -------------- - Bleibt die Formel der Choloidinsäure ~C₇₂H₁₁₂ O₁₂~ [E31]. - -27. Werden ferner von den Elementen der Choleinsäure die Bestandtheile -von Harnstoff und 2 At. Wasser (2 At. Kohlensäure und 2 Aeq. Ammoniak) -hinweggenommen, so haben wir die Formel und Zusammensetzung der -Cholinsäure. - - Formel der Choleinsäure ~C₇₆H₁₃₂N₄O₂₂~ - ab - 2 At. Kohlensäure ~C₂~ ~O₄~ } - } - ~C₂ H₁₂ N₄O₄~ - 2 Aeq. Ammoniak ~N₄~ ~H₁₂~ } - -------------- - Formel der Cholinsäure ~C₇₄H₁₂₀ O₁₈~ [E32]. - -Wenn man die so große Uebereinstimmung der Zahlenresultate der Analysen -[E30][E31][E32] mit den obigen Formeln ins Auge faßt, so wird man kaum -zweifeln können, daß die aufgefundene Formel der Choleinsäure so nahe, -wie man bei Analysen dieser Art Substanzen nur erwarten kann, die -relative Anzahl der Atome ihrer Elemente ausdrückt, gleichgültig, in -wieviel verschiedenen Formen sie auch darin vereinigt sein mögen. - -28. Addiren wir nun die Hälfte der Zahlen, welche die relativen -Verhältnisse der Elemente der Choleinsäure ausdrücken, zu den -Bestandtheilen des Harns der Schlangen, zu den Elementen des neutralen -harnsauren Ammoniaks, so erhalten wir: - - Formel der Choleinsäure ~C₃₈H₆₆N₂ O₁₁~ - hierzu - 1 Aeq. Harnsäure ~C₁₀H₈N₈O₆~ } - } + ~C₁₀H₁₄N₁₀O₆~ - 1 „ Ammoniak ~H₆N₂~ } - -------------- - ~in Summa~ ~C₄₈H₈₀N₁₂O₁₇~. - -29. Diese Formel drückt aber aus die Zusammensetzung des Bluts, zu -welchem die Elemente von 1 At. Wasser und 1 At. Sauerstoff getreten -sind. - - Formel des Bluts ~C₄₈H₇₈N₁₂O₁₅~ - hierzu - 1 At. Wasser ~H₂O~ } - } + ~H₂ O₂~ - 1 „ Sauerstoff ~O~ } - -------------- - ~in Summa~ ~C₄₈H₈₀N₁₂O₁₇~. - -30. Wenn wir ferner zu den Elementen des Proteins die Elemente treten -lassen von 3 At. Wasser, so haben wir, bis auf 2 At. Wasserstoff, genau -die Elemente der Choleinsäure und des harnsauren Ammoniaks. - - 1 At. Protein ~C₄₈H₇₂N₁₂O₁₄~ - 3 „ Wasser ~H₆ O₃~ - -------------- - ~C₄₈H₇₈N₁₂O₁₇~. - -31. Betrachten wir also die Choleinsäure und das harnsaure Ammoniak als -die Producte der Umsetzung der Muskelfaser, indem es keine andern -Gebilde im Thierkörper giebt, welche Protein enthalten (Albumin geht in -Gebilde über, ohne daß man sagen kann, daß es im Lebensproceß direct -eine Umsetzung in Harnsäure und Choleinsäure erfährt), so haben wir -darin mit Zuziehung der Bestandtheile des Wassers alle zu der -Metamorphose nöthigen Elemente; bis auf den Schwefel und Phosphor, die -sich beide oxydirt haben mögen, ist kein anderes Element ausgetreten. - -Diese Art der Metamorphose bezieht sich auf die Umsetzung in den -niedrigen Thierklassen der Amphibien und vielleicht der Würmer und -Insecten. In den höhern Thierklassen verschwindet in dem Harn die -Harnsäure, an ihrer Stelle finden wir Harnstoff. - -Das Verschwinden der Harnsäure und die Erzeugung von Harnstoff steht -offenbar in sehr enger Beziehung zu dem durch den Respirationsproceß -aufgenommenen Sauerstoff und zu der Menge von Wasser, welche -verschiedene Thiere in einer gegebenen Zeit genießen. - -Wenn wir der Harnsäure Sauerstoff zuführen, so zerlegt sie sich, wie man -weiß, zuerst in Alloxan[E33] und Harnstoff, eine neue Quantität -Sauerstoff dem Alloxan zugeführt, macht, daß es entweder in Oxalsäure -und Harnstoff, Oxalursäure und Parabansäure[E34] oder in Kohlensäure und -Harnstoff zerfällt. - -32. Wir finden in den sogenannten Maulbeersteinen oxalsauren Kalk, in -den andern Harnsteinen harnsaures Ammoniak und zwar stets bei Personen, -in denen durch Mangel an Bewegung und Anstrengung, oder durch andere -Ursachen die Sauerstoffzuführung gemindert ist. Nie finden sich -Harnsteine, welche Harnsäure oder Oxalsäure enthalten, bei -Schwindsüchtigen (siehe S. 24); und es ist eine gewöhnliche Erfahrung in -Frankreich bei Personen, welche an Steinbeschwerden leiden, sobald sie -sich auf das Land begeben, wo sie sich mehr Bewegung machen, daß die in -der Blase während ihres Aufenthaltes in der Stadt sich absetzenden -harnsauren Verbindungen (durch die vergrößerte Sauerstoffaufnahme) in -oxalsaure Salze (in Maulbeersteine) übergehen; bei noch mehr Sauerstoff -würde sich wie bei gesunden Menschen nur das letzte Oxydationsprodukt -des Kohlenstoffs, nämlich nur Kohlensäure, haben bilden können. - -Die falsche Interpretation der unleugbaren Beobachtungen, daß durch die -Nieren alle von dem Organismus nicht verwendbaren Substanzen verändert -oder unverändert abgeschieden und in dem Harn ausgeleert werden, hat die -praktische Medizin zu der Ansicht geführt, daß die Nahrung und -namentlich stickstoffhaltige Nahrungsstoffe einen directen Einfluß haben -können auf die Erzeugung der Harnsteine. Es giebt keine Gründe, diese -Meinung zu stützen, es giebt unzählige, die sie widerlegen. Möglich ist -es, daß in den Speisen eine Menge durch die Kochkunst umgewandelter -Stoffe genossen werden, welche, als für Blutbildung nicht mehr tauglich, -durch den Respirationsproceß mehr oder weniger verändert, aus dem Harn -ausgestoßen werden, allein Braten und Kochen ändern in keiner Weise die -Zusammensetzung der Fleischspeisen[E35]. - -Das gekochte und gebratene Fleisch wird zu Blut, die Harnsäure und der -Harnstoff stammen von den umgesetzten Gebilden. Die Menge dieser -Produkte steigt mit der Schnelligkeit der Umsetzung in der gegebenen -Zeit, sie steht in keiner Beziehung zu der in dem nämlichen Zeitraume -genossenen Nahrung. Bei einem Hungernden, welcher sich einer starken und -anhaltenden Bewegung hingeben muß, wird mehr Harnstoff secernirt, als -bei dem wohlgenährtesten Menschen im Zustande der Ruhe; in Fiebern bei -rascher Abmagerung ist der Harn harnstoffreicher als im Zustande der -Gesundheit (_Prout_). - -33. Aehnlich also wie die in dem Urin des ruhenden Pferdes vorhandene -Hippursäure in benzoesaures Ammoniak und Kohlensäure verwandelt wird, -sobald es sich in Arbeit und Bewegung befindet, verschwindet die -Harnsäure in dem Harn des Menschen, der durch Haut und Lunge eine zur -Oxydation der Produkte der umgesetzten Gebilde hinreichende Menge -Sauerstoff in sich aufnimmt; der Genuß von Wein und Fett, die in dem -Organismus nur insofern sich weiter verändern als sie Sauerstoff -aufnehmen, hat einen entschiedenen Einfluß auf die Bildung von -Harnsäure. Nach dem Genuß von fetten Speisen ist der Harn trübe und -setzt beim Erkalten kleine Krystalle von Harnsäure ab (_Prout_). -Dasselbe beobachtet man nach dem Genuß von Weinen (nie bei -Rheinweinen), in denen das zur Löslicherhaltung der Harnsäure -nothwendige Alkali fehlt. - -Bei Thieren, welche größere Mengen Wasser genießen, wodurch die -schwerlösliche Harnsäure in Auflösung erhalten wird, so daß der -eingeathmete Sauerstoff darauf wirken kann, finden wir im Harn keine -Harnsäure, sondern Harnstoff. Bei Vögeln ist als Secretionsproduct die -Harnsäure vorherrschend. - -Wenn wir zu 1 Atom Harnsäure 6 Atome Sauerstoff und 4 Atome Wasser -hinzutreten lassen, so zerlegt sie sich in Harnstoff und Kohlensäure - - 1 At. Harnsäure ~C₁₀N₈H₈ O₆~ } { 2 At. Harnstoff ~C₄ N₈H₁₆O₄~ - 4 „ Wasser } ~H₈ O₁₀~ } = { 6 „ Kohlensäure ~C₆ O₁₂~ - 6 „ Sauerstoff } } { - ------------- ------------- - ~C₁₀N₈H₁₆O₁₆~ ~C₁₀N₈H₁₆O₁₆~ - -34. Der Harn der Gras fressenden Thiere enthält keine Harnsäure, wohl -aber Ammoniak, Harnstoff und Hippursäure, oder Benzoesäure. Bei einem -Hinzutreten von 9 Atomen Sauerstoff zu der empirischen Formel ihres -Blutes, fünf mal genommen, haben wir darin die Elemente von 6 Atomen -Hippursäure, 9 At. Harnstoff, 3 At. Choleinsäure, 3 At. Wasser und 3 At. -Ammoniak; oder wenn wir uns denken, daß während der Metamorphose dieses -Blutes 45 Atome Sauerstoff hinzutreten, so haben wir 6 At. Benzoesäure, -13¹/₂ At. Harnstoff, 3 At. Choleinsäure, 15 At. Kohlensäure und 12 At. -Wasser. - - 5 (~C₄₈N₁₂H₇₈O₁₅~) + 9 ~O~ = ~C₂₄₀N₆₀H₃₉₀O₈₄~ = - - { 6 At. Hippursäure 6 (~C₁₈N₂H₁₆O₅~ ) = ~C₁₀₈N₁₂H₉₆ O₃₀~ - { 9 „ Harnstoff 9 (~C₂ N₄H₈ O₂~ ) = ~C₁₈ N₃₆H₇₂ O₁₈~ - ={ 3 „ Choleinsäure 3 (~C₃₈N₂H₆₆O₁₁~) = ~C₁₁₄N₆ H₁₉₈O₃₃~ - { 3 „ Ammoniak ( ~N₂H₆~ ) = ~N₆ H₁₈~ - { 3 „ Wasser 3 ( ~H₂ O~ ) = ~H₆ O₃~ - ---------------- - ~C₂₄₀N₆₀H₃₉₀O₈₄~ - -oder - - 5 (~C₄₈N₁₂H₇₈O₁₅~) + ~O₄₅~ = ~C₂₄₀N₆₀H₃₉₀O₁₂₀~ = - - { 6 At. Benzoesäure 6 (~C₁₄ H₁₀O₃~ ) = ~C₈₄ H₆₀ O₁₈~ - { ²⁷/₂ „ Harnstoff 27 (~C N₂H₄ O~ ) = ~C₂₇ N₅₄H₁₀₈O₂₇~ - ={ 3 „ Choleinsäure 3 (~C₃₈N₂H₆₆O₁₁~) = ~C₁₁₄N₆ H₁₉₈O₃₃~ - { 15 „ Kohlensäure 15 (~C O₂~ ) = ~C₁₅ O₃₀~ - { 12 „ Wasser 12 ( ~H₂ O~ ) = ~H₂₄ O₁₂~ - ----------------- - ~Summa~ ~C₂₄₀N₆₀H₃₉₀O₁₂₀~ - -35. Verfolgen wir zuletzt die Metamorphose der Gebilde in dem Foetus der -Kuh und betrachten wir das im Blute der Mutter zugeführte Protein als -den Stoff, welcher eine Umsetzung erleidet oder erlitten hat, so ergiebt -sich, daß 2 At. Protein ohne Hinzutreten von Sauerstoff oder einer -fremden Substanz die Elemente enthalten von 3 At. Allantoin, 4 At. -Wasser und 1 At. Choloidinsäure, (Kindspech, Meconium??). - - 2 At. Protein = 2 (~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~) + 2 At. Wasser = - ~C₉₆N₂₄H₁₄₈O₃₀~ = - - = { 3 At. Allantoin 3 (~C₈N₈H₁₂O₆~) = ~C₂₄N₂₄H₃₆ O₁₈~ - { 1 „ Choloidinsäure ~C₇₂ H₁₁₂O₁₂~ - --------------- - ~C₉₆N₂₄H₁₄₈O₃₀~ - -36. Die Elemente von drei Atomen Allantoin, die in obiger Formel -aufgeführt sind, entsprechen aber genau der Anzahl der Elemente von 2 -At. Harnsäure, 2 At. Harnstoff und 2 Atomen Wasser. - - - 3 At. Allantoin = ~C₂₄N₂₄H₃₆O₁₈~ = - - { 2 At. Harnsäure ~C₂₀N₁₆H₁₆O₁₂~ - = { 2 „ Harnstoff ~C₄ N₈ H₁₆O₄~ - { 2 „ Wasser ~H₄ O₂~ - -------------- - ~C₂₄N₂₄H₃₆O₁₈~ - -Die Beziehungen des Allantoins, in dem Harn des Foetus der Kuh, zu den -stickstoffhaltigen Bestandtheilen des Harns bei athmenden Thieren sind, -wie aus der Nebeneinanderstellung beider Formeln hervorgeht, -unverkennbar. In dem Allantoin befinden sich die Elemente der Harnsäure -und des Harnstoffs, das heißt der stickstoffhaltigen Umsetzungsproducte -der Proteinverbindungen. - -37. Wenn wir ferner zu der Formel des Proteins, dreimal genommen, -hinzutreten lassen die Elemente von 4 Atomen Wasser und von der ganzen -Anzahl aller Bestandtheile die Hälfte der Elemente der Choloidinsäure -hinwegnehmen, so bleibt eine Formel, welche außerordentlich nahe die -Zusammensetzung des Leims ausdrückt. - - 3 (~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~) + 4 ~H₂O~ = ~C₁₄₄N₃₆H₂₂₄O₄₆~ = - ab ¹/₂At. Choloidinsäure = ~C₃₆ H₅₆ O₆~ - ---------------- - bleibt = ~C₁₀₈N₃₆H₁₆₈O₄₀~ - - oder 4 (~C₂₇N₉H₄₂O₁₀~)[E36]. - -38. Nehmen wir von dieser Formel des Leims die Bestandtheile von 2 At. -Protein hinweg, so bleiben uns die Elemente des Harnstoffs, der -Harnsäure und des Wassers, oder 3 At. Allantoin und 3 At. Wasser. - - Formel des Leims nach _Mulder_ ~C₁₀₈H₁₆₈N₃₆O₄₀~ - ab 2 Protein ~C₉₆ H₁₄₄N₂₄O₂₈~ - ------------------- - bleiben ~C₁₂ H₂₄ N₁₂O₁₂~ = - - 1 At. Harnsäure ~C₁₀H₈ N₈ O₆~ } { - 1 „ Harnstoff ~C₂ H₈ N₄ O₂~ } = { 3 At. Allantoin ~C₁₂H₁₈N₁₂O₉~ - 4 „ Wasser ~H₈ O₄~ } { 3 „ Wasser ~H₆ O₃~ - -------------- -------------- - ~C₁₂H₂₄N₁₂O₁₂~ ~C₁₂H₂₄N₁₂O₁₂~ - -39. Abgesehen von dem größeren Stickstoffgehalt, in welchem diese -Zahlenverhältnisse von _Mulder’s_ und _Scherer’s_ Analysen abweichen, -geht aus der gegebenen Auseinandersetzung hervor, daß, wenn wir zu den -Elementen von 2 At. Protein hinzutreten lassen die Bestandtheile der -stickstoffhaltigen Umsetzungsproducte von einem dritten Atom Protein, -von Harnstoff, Harnsäure und Wasser, oder wenn wir von drei Atomen -Protein hinwegnehmen die Bestandtheile eines stickstofffreien Körpers, -den wir als Zersetzungsproduct der Choleinsäure ebenfalls erhalten -können, daß wir in beiden Fällen eine der Zusammensetzung der -Leimsubstanz nahe kommende Formel erhalten. Man darf diesen Formeln, wie -ich wiederholt in Erinnerung bringe, keinen höheren Werth beilegen als -sie verdienen; sie sollen zu weiter nichts als zu Anknüpfungspunkten -dienen, um zu richtigeren Vorstellungen über das Entstehen und Zerfallen -der Substanzen zu gelangen, woraus die thierischen Gebilde bestehen. Es -sind die ersten Versuche zur Auffindung des Weges, den wir einzuschlagen -haben, um das vorgesteckte Ziel zu erreichen, und dieses Ziel, nach dem -wir streben, es kann und muß erreichbar sein. - -Die Erfahrungen von Allen, die sich mit der Erforschung der -Naturerscheinungen beschäftigt haben, kommen zuletzt darin überein, daß -diese durch weit einfachere Mittel und Ursachen bedingt und -hervorgebracht werden, als man sich gedacht hat oder als wir uns denken, -und gerade ihre Einfachheit müssen wir als das größte Wunder betrachten. - -Die Leimsubstanz entsteht aus Blut, aus Proteinverbindungen, sie kann -durch Hinzutreten von Ammoniak und Sauerstoff oder von Wasser, Harnstoff -und Harnsäure zu den Elementen des Proteins, oder durch Austreten einer -stickstofffreien Materie gebildet worden sein. Die Lösung aller dieser -Aufgaben wird minder schwierig, wenn die Fragen zur Beantwortung reif -und klar gestellt sind. Eine jede Verneinung derselben ist der -Anfangspunkt einer neuen Frage, deren Ermittelung zuletzt die -nothwendige Folge der ersten Fragestellung ist. - -40. In dem Vorhergehenden ist außer der Choleinsäure keiner der andern -Bestandtheile der Galle in Rechnung gezogen worden, und zwar deswegen, -weil man nur bei dieser Säure mit Bestimmtheit weiß, daß sie Stickstoff -enthält. Wenn nun vorausgesetzt wird, daß ihr Stickstoffgehalt von den -Gebilden herrührt, die sich umgesetzt haben, so ist es nicht -unwahrscheinlich, daß der Kohlenstoff und die übrigen Bestandtheile, die -wir damit vereinigt finden, aus der nämlichen Quelle entsprungen sind. - -Bei den fleischfressenden Thieren ist es nicht dem geringsten Zweifel -unterworfen, daß die Bestandtheile ihres Harns und ihrer Galle Produkte -der Umsetzung von Proteinverbindungen sind, denn außer Fett genießen sie -nur Stoffe, welche Protein enthalten oder welche aus Protein entstanden -sind; ihre Nahrung ist identisch mit ihrem Blute, und es ist vollkommen -gleichgültig, welche von beiden als Ausgangspunkt der chemischen -Entwickelung ihrer Metamorphosen gewählt werden. - -Für den Proceß der Ernährung kann es keinen größern Widerspruch geben, -als wenn vorausgesetzt wird, daß der Stickstoff der Nahrungsmittel fähig -wäre, in den Harn als Harnstoff überzugehen, ohne vorher zu einem -Bestandtheil der Gebilde geworden zu sein, denn Albumin, der einzige -Bestandtheil des Bluts, der seinem Gewichte nach in Betracht kommen -kann, kann bei seinem Durchgange durch die Leber nicht die geringste -Veränderung erlitten haben, da wir es in allen Theilen des Körpers von -gleicher Beschaffenheit und Eigenschaften wieder finden. Diese Organe -können zu einer Metamorphose, zu einer Veränderung oder Zersetzung des -Stoffes nicht geeignet sein, aus dem sich alle übrigen entwickeln. - -41. Aus dem Verhalten des Chylus und der Lymphe geht mit Zuverlässigkeit -hervor, daß die löslichen Bestandtheile der Speisen oder des Chymus die -Form von Albumin erhalten. Das gekochte Eiweiß, der gekochte oder -geronnene Faserstoff, welche in dem Magen wieder löslich geworden, ihre -Gerinnbarkeit an der Luft oder durch die Hitze aber verloren hatten, -erhalten diese Eigenschaften nach und nach wieder. In den Chylusgefäßen -ist die saure Reaction des Chymus bereits in die schwach alkalische des -Blutes übergegangen, nach seinem Durchgange durch die Drüsen des -Mesenteriums, in dem Ductus thoracicus angelangt, enthält er in der -Hitze gerinnendes Albumin und scheidet, sich selbst überlassen, Fibrin -ab. Alle Proteinverbindungen, welche beim Durchgange des Chymus durch -die Eingeweide aufgesaugt wurden, werden zu Albumin, welches, wie die -Erfahrung beim Bebrüten des Hühnerei’s ergiebt, bis auf den Eisengehalt, -der von andern Seiten her geliefert wird, die Grundbestandtheile aller -übrigen Organe enthält. - -Die Frage, was beim Menschen aus den im Ueberschuß zugeführten -Proteinverbindungen wird, welche Verwandlung die überreichliche -stickstoffhaltige Speise erfährt, hat die practische Medicin längst -entschieden. Die Blutgefäße zeigen sich mit Blut, die übrigen mit Säften -überfüllt, und wenn die Zufuhr an Speisen fortdauert und das Blut oder -die Säfte, die sich zur Blutbildung eignen, keine Verwendung finden, -wenn die löslichen Materien von den dazu bestimmten Organen nicht -aufgenommen werden, so entwickeln sich in den Eingeweiden, wie bei -Fäulnißprocessen, Gase mannigfaltiger Art, die festen Ausleerungen -nehmen in Farbe, Geruch u. s. w. eine veränderte Beschaffenheit an, und -wenn die Säfte in dem Saug- und Lymphgefäßsystem eine ähnliche Umsetzung -erfahren, so ist dies sogleich in der Blutmischung sichtbar, und durch -dieses nimmt alsdann der Ernährungsproceß andere Formen an. - -42. Keine von allen diesen Erscheinungen dürfte sich zeigen, wenn Nieren -und Leber fähig wären, eine Zersetzung der löslich gewordenen, im -Ueberschuß zugeführten, Proteinverbindungen in Harnstoff, Harnsäure und -Galle zu bewirken. Durch alle Beobachtungen, die man hinsichtlich des -Einflusses der stickstoffhaltigen Nahrung auf die Bestandtheile des -Harns gemacht hat, ist diese Voraussetzung nicht im entferntesten -bewiesen, denn dieser Einfluß ist einer andern und weit einfacheren -Interpretation fähig, wenn man mit der Nahrung die Lebensweise und -Gewohnheiten der Personen in Betracht zieht, welche zu Gegenständen der -Beobachtung gedient haben. Harngries und Harnsteine finden sich bei -Personen, welche sehr wenig animalische Kost genießen. Nie sind bis -jetzt Harnsäure-haltige Concretionen bei Fleisch-fressenden -Säugethieren, welche im freien, wilden Zustande leben, beobachtet -worden[F9], und bei Nationen, welche keine andere Nahrung als -Fleischspeisen genießen, sind Ablagerungen von Harnsäure-haltigen -Concretionen an den Gliedern oder in der Harnblase völlig unbekannt. - - [9] Das Vorkommen des harnsauren Ammoniaks in dem Harnstein von einem - Hunde, der von _Lassaigne_ untersucht wurde, muß bezweifelt werden, - wenn er ihn nicht eigenhändig aus der Blase des Hundes genommen hat. - -43. Was in Beziehung auf den Ursprung der Galle, oder richtiger -vielleicht, der Choleinsäure bei den Fleisch-fressenden Thieren als eine -unleugbare Wahrheit angesehen werden muß, kann in keiner Weise für alle -Bestandtheile der Galle gelten, welche von der Leber der Gras- und -Körner-fressenden Thiere secernirt werden, denn es ist bei der so großen -Menge Galle, die von der Leber eines Ochsen secernirt wird, -schlechterdings unmöglich anzunehmen, daß aller Kohlenstoff derselben -von der Substanz der umgesetzten Gebilde stammt. - -Nehmen wir an, daß die 59 Unzen trockner Galle (von 37 Pfunden -secernirter Galle) den nämlichen Stickstoffgehalt enthielten, wie die -Choleinsäure (3,86 ~p. c.~), so würden wir darin nahe an 4¹/₂ Loth -Stickstoff haben, und wenn dieser Stickstoff von der Substanz der -umgesetzten Gebilde stammt, so könnte sich im höchsten Fall, wenn aller -Kohlenstoff derselben in die Galle übergehen würde, nur eine dem Gewicht -von 14³/₁₀ Loth Kohlenstoff entsprechende Menge Galle bilden, dies ist -aber weit unter derjenigen Quantität, welche den Beobachtungen nach, -secernirt wird. - -44. Es müssen nothwendiger Weise, außer den Protein-Verbindungen, noch -Materien anderer Art, an der Bildung der Galle in dem Organismus des -Gras- und Körner-fressenden Thieres Antheil nehmen, und diese können nur -die stickstofffreien Nahrungsmittel sein. - -45. Der Gallenzucker _Gmelin’s_ (_Picromel_, _Bilin_ nach _Berzelius_), -welchen _Berzelius_ als den Hauptbestandtheil der Galle betrachtet, -während ihn _Demarçay_ im Wesentlichen für Choleinsäure hält, brennt an -der Luft erhitzt wie Harz, liefert ammoniakalische Produkte und giebt, -mit Säuren behandelt, Taurin und die Zersetzungsproducte der -Choleinsäure, mit Alkalien liefert er Ammoniak und Cholinsäure. -Jedenfalls enthält diese Substanz Stickstoff als Bestandtheil, ein weit -kleineres Verhältniß von Sauerstoff wie Amylon oder Zucker und eine -größere Menge wie die fetten Säuren. Wenn wir in der Metamorphose des -Gallenzuckers oder der Choleinsäure durch ätzende Alkalien den -Stickstoff austreten machen, so erhalten wir eine krystallisirte, den -fetten Säuren außerordentlich ähnliche Säure (Cholinsäure), fähig mit -den Basen Salze zu bilden, welche die Haupteigenschaften mit den Seifen -gemein haben. Ja wir können sogar diese Hauptbestandtheile der Galle als -Verbindungen von fetten Säuren mit organischen Oxyden betrachten, -ähnlich den gewöhnlichen Fetten, und nur in sofern von ihnen -verschieden, als sich kein Glyceryloxyd darin befindet. Die Choleinsäure -z. B. läßt sich betrachten als eine Verbindung von Choloidinsäure mit -den Elementen des Allantoins und des Wassers. - - _Choloidinsäure_. _Allantoin_. _Wasser_. _Choleinsäure_. - ~C₇₂H₁₁₂O₁₂~ + ~C₄N₄H₆O₃~ + ~H₁₄O₇~ = ~C₇₆N₄H₁₃₂O₂₂~ - -oder von Cholinsäure, Harnstoff und Wasser: - - _Cholinsäure_. _Harnstoff_. _Wasser_. - ~C₇₄H₁₂₀O₁₈~ + ~C₂N₄H₈O₂~ + ~H₄O₂~ = Choleinsäure. - -46. Wenn nun in der That, woran man kaum zweifeln kann, die -Bestandtheile der stickstofffreien Nahrungsmittel an der Bildung der -Galle in dem Körper der Gras-fressenden Thiere Antheil nehmen, so steht -dieser Ansicht, in der Zusammensetzung der Hauptbestandtheile der Galle, -nach dem gegenwärtigen Zustande unserer Kenntnisse, kein Hinderniß -entgegen. - -Wenn das Amylon hierbei die Hauptrolle übernimmt, so kann dies in keiner -andern Weise geschehen, als daß sich, ganz ähnlich wie bei seinem -Uebergang in Fett, von seinen Elementen eine gewisse Quantität -Sauerstoff trennt, denn es enthält auf die gleiche Anzahl an -Kohlenstoffatomen (auf 72 At.) fünfmal so viel Sauerstoff wie die -Choloidinsäure. - -Ohne ein Austreten von Sauerstoff, von den Elementen des Amylon’s, ist -hiernach sein Uebergang in Galle nicht denkbar und, dies vorausgesetzt, -ist die chemische Entwickelung seiner Verwandlung in eine zwischen -seiner eignen und der Zusammensetzung der fetten Säuren stehenden -Verbindung keinerlei Schwierigkeit unterworfen. - -47. Um diese Auseinandersetzung nicht zu einem müssigen Spiele mit -Formeln zu machen und um den Hauptzweck nicht aus den Augen zu -verlieren, führt also die Betrachtung des quantitativen Verhältnisses -der in dem Körper der Gras-fressenden Thiere abgesonderten Galle zu -folgenden Schlüssen: - -Die Hauptbestandtheile der Galle der Gras-fressenden Thiere enthalten -Stickstoff; dieser Stickstoff stammt von Protein-Verbindungen. - -Sie enthält eine größere Menge Kohlenstoff als der genossenen -stickstoffhaltigen Nahrung, oder der Substanz ihrer Gebilde entspricht, -die in ihrem Lebensprocesse eine Veränderung erlitten haben. - -Ein Theil dieses Kohlenstoffs _muß_ demnach von den stickstofffreien -Nahrungsmitteln geliefert werden und, um in einen _stickstoffhaltigen_ -Bestandtheil der Galle überzugehen, _müssen_ sich nothwendig eine -gewisse Anzahl ihrer Elemente verbunden haben _mit einem -stickstoffhaltigen Körper, der aus einer Proteinverbindung entstanden -ist_. - -Für diesen Schluß ist es ganz gleichgültig, ob man annimmt, daß die -Protein-Verbindung von der Nahrung oder den Gebilden stammt. - -48. Es ist neuerlichst von _Ure_ angegeben worden, daß Benzoesäure -innerlich gegeben, in dem Harn als Hippursäure wieder erscheint. - -Wenn sich diese Beobachtung bestätigen sollte[F10], so erlangt sie eine -große physiologische Bedeutung, weil sie offenbar beweisen würde, daß -der Akt der Umsetzung der Gebilde im Thierkörper, durch gewisse, in den -Speisen genossene Materien, eine andere Form in Beziehung auf die -neugebildeten Verbindungen annimmt, denn die Hippursäure enthält die -Elemente des milchsauren Harnstoffs, in dessen Zusammensetzung die -Elemente der Benzoesäure eingetreten sind. - - 1 At. Harnstoff ~C₂ N₄H₈ O₂~ } { - 1 „ Milchsäure ~C₆ H₈ O₄~ } { = 2 At. kryst. Hippursäure. - 2 „ Benzoesäure ~C₂₈ H₂₀O₆~ } { = 2 (~C₁₈N₂H₁₈O₆~) - ------------- - ~C₃₆N₄H₃₆O₁₂~. - - [10] Die Analyse der aus dem Harn beim Zusatz von Salzsäure sich - abscheidenden Krystalle ist nicht gemacht worden. Ure’s Angabe, daß in - Salpetersäure aufgelös’te Hippursäure beim Zusatz von Ammoniak sich - röthet, ist übrigens falsch, sie beweis’t, daß die von ihm erhaltenen - Krystalle Harnsäure enthielten. - -49. Wenn wir uns den Akt der Umsetzung der Gebilde in dem Körper der -Gras-fressenden Thiere, auf eine ähnliche Weise denken, wie bei den -Fleisch-fressenden, so wird ihr Blut, in den letzten Produkten der -Umsetzung, von allen Organen zusammengenommen, Choleinsäure, Harnsäure -und Ammoniak (S. 138) liefern müssen, und wenn wir der Harnsäure eine -ähnliche Wirkung zuschreiben wie der Benzoesäure in _Ure’s_ Beobachtung, -daß nämlich durch ihre Gegenwart die weitere Umsetzung eine andere Form -annimmt, insofern ihre Elemente in die neuentstehenden Produkte mit -aufgenommen werden, so ergiebt sich z. B., daß 2 At. Protein, zu welchen -die Elemente von 3 At. Harnsäure und zwei Atome Sauerstoff treten, zur -Bildung von Hippursäure und Harnstoff Veranlassung geben können. - - 2 At. Protein 2 (~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~) = ~C₉₆ N₂₄H₁₄₄O₂₈~ - 3 „ Harnsäure 3 (~C₁₀N₈ H₈ O₆~) = ~C₃₀ N₂₄H₂₄ O₁₈~ - 2 „ Sauerstoff ~O₂~ - ---------------- - ~in Summa~ ~C₁₂₆N₄₈H₁₆₈O₄₈~ = - - = { 6 At. Hippursäure 6 (~C₁₈N₂H₁₆O₅~) = ~C₁₀₈N₁₂H₉₆ O₃₀~ - { 9 „ Harnstoff 9 (~C₂ N₄H₈ O₂~) = ~C₁₈ N₃₆H₇₂ O₁₈~ - ---------------- - ~C₁₂₆N₄₈H₁₆₈O₄₈~. - -50. Wenn wir zuletzt festhalten, daß bei den Gras-fressenden Thieren, -die stickstofffreien Nahrungsmittel (Amylon u. s. w.) eine bestimmte -Rolle in der Bildung der Galle spielen müssen, daß zu ihren Elementen -ein stickstoffhaltiger Körper nothwendig treten muß, um die -stickstoffhaltigen Bestandtheile der Galle hervorzubringen, so ergiebt -sich als das bemerkenswertheste Resultat dieser Combinationen, daß die -Elemente des Amylons und die der Hippursäure, gleich sind, den Elementen -der Choleinsäure, plus einer gewissen Menge Kohlensäure. - - 2 At. Hippursäure 2 (~C₁₈N₂H₁₆O₅~) = ~C₃₆N₄H₃₂ O₁₀~ - 5 „ Amylon 5 (~C₁₂ H₂₀O₁₀~) = ~C₆₀ H₁₀₀O₅₀~ - 2 „ Sauerstoff ~O₂~ - -------------- - ~C₉₆N₄H₁₃₂O₆₂~ - - = { 2 At. Choleinsäure ~C₇₆N₄H₁₃₂O₂₂~ - { 20 „ Kohlensäure ~C₂₀ O₄₀~ - -------------- - ~C₉₆N₄H₁₃₂O₆₂~. - -51. Da nun die Hippursäure neben Harnstoff aus den Proteinverbindungen -entstehen kann, wenn in die Zusammensetzung derselben die Elemente der -Harnsäure aufgenommen werden (S. 154), da ferner Harnsäure, Ammoniak und -Choleinsäure (S. 138) die Elemente des Proteins in einer nahe gleichen -Anzahl von Elementen enthalten, so ist klar, daß, wenn beim Hinzutritt -von Sauerstoff und den Elementen des Wassers, von 5 At. Protein die -Bestandtheile der Choleinsäure und Ammoniak austreten, wir die Elemente -der Hippursäure und des Harnstoffs übrig behalten, und wenn ferner bei -diesem Austreten und der weiter vorgehenden Umsetzung die Elemente von -Amylon sich gegenwärtig befinden und in die neu entstehenden -Verbindungen eintreten, so erhalten wir eine neue Menge Choleinsäure, -sowie eine gewisse Quantität gasförmige Kohlensäure. - -_Dies will also sagen, daß, wenn die Elemente von Protein und Amylon -sich bei Gegenwart von Sauerstoff und Wasser neben und mit einander -umsetzen, wir als Produkte dieser Umsetzung Harnstoff, Choleinsäure, -Ammoniak und Kohlensäure und außer diesen kein anderes Produkt -erhalten_. - - Die Elemente von - - 5 At. Protein } { 9 At. Choleinsäure. - 15 „ Amylon } = { 9 „ Harnstoff. - 12 „ Wasser } { 60 „ Kohlensäure. - 5 „ Sauerstoff } { 6 „ Ammoniak. - - Es sind nemlich: - - 5 At. Protein = 5 (~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~) = ~C₂₄₀N₆₀H₃₆₀O₇₀~ - 15 „ Amylon = 15 (~C₁₂ H₂₀O₁₀~) = ~C₁₈₀ H₃₀₀O₁₅₀~ - 12 „ Wasser = 12 ( ~H₂ O~ ) = ~H₂₄ O₁₂~ - 5 „ Sauerstoff = 5 ( ~O~ ) = ~O₅~ - ----------------- - ~in Summa~ = ~C₄₂₀N₆₀H₆₈₄O₂₃₇~ - - { 9 At. Choleinsäure = 9 (~C₃₈N₂H₆₆O₁₁~) = ~C₃₄₂N₁₈H₅₉₄O₉₉~ - = { 9 „ Harnstoff = 9 (~C₂ N₄H₈ O₂~ ) = ~C₁₈ N₃₆H₇₂ O₁₈~ - { 60 „ Kohlensäure = 60 (~C O₂~ ) = ~C₆₀ O₁₂₀~ - { 6 „ Ammoniak = 6 ( ~N H₃~ ) = ~N₆ H₁₈~ - ----------------- - ~in Summa~ = ~C₄₂₀N₆₀H₆₈₄O₂₃₇~. - -Die Umsetzung der in dem Thierkörper vorhandenen Protein-Verbindungen -wird bewirkt durch den im arteriellen Blut zugeführten Sauerstoff, und -wenn die Bestandtheile des in dem Magen des Thieres löslich gewordenen -und in allen Theilen des Körpers verbreiteten Amylons in die neu -entstandenen Verbindungen mit aufgenommen werden, so erhalten wir die -Hauptbestandtheile der Se- und Excretionen des Thierkörpers; Kohlensäure -als Excretion der Lunge, Harnstoff und kohlensaures Ammoniak als -Excretion der Nieren, Choleinsäure als Secret der Leber. - -Der Ansicht, daß ein Theil des Kohlenstoffs der stickstofffreien -Nahrungsmittel in die Galle übergehen kann, steht mithin in der -chemischen Zusammensetzung der Stoffe, welche denkbarer Weise an dem -Stoffwechsel im Thier Antheil nehmen können, kein Hinderniß entgegen. - -52. Das Fett verschwindet in dem Thierkörper bei gehöriger Zufuhr von -Sauerstoff, beim Mangel an Sauerstoff kann die Choleinsäure übergehen in -Hippursäure, Lithofellinsäure und Wasser. Die Lithofellinsäure[E37] ist -bekanntlich der Hauptbestandtheil der in gewissen Gras-fressenden -Thieren vorkommenden Bezoare. - - 2 At. Choleinsäure ~C₇₆N₄H₁₃₂O₂₂~ } - 10 „ Sauerstoff ~O₁₀~ } - -------------- - ~C₇₆N₄H₁₃₂O₃₂~ - - { 2 At. Hippursäure ~C₃₆N₄H₃₂ O₁₀~ - { 1 „ Lithofellinsäure ~C₄₀ H₇₂ O₈~ - { 14 „ Wasser ~H₂₈ O₁₄~ - -------------- - ~C₇₆N₄H₁₃₂O₃₂~ - - -53. Zur Erzeugung von Galle im Thierkörper gehört unter allen Umständen -eine gewisse Quantität Natron, ohne die Gegenwart einer Natronverbindung -kann sich keine Galle bilden. Bei Abwesenheit von Natron kann sich durch -Umsetzung der Proteingebilde nur Fett und Harnstoff bilden. Denken wir -uns das Fett nach der empirischen Formel ~C₁₁ H₂₀ O~ zusammengesetzt, so -haben wir beim Hinzutreten von Wasser und Sauerstoff zu den Elementen -des Proteins die Bestandtheile des Fettes, der Kohlensäure und des -Harnstoffs. - - Protein. Wasser. Sauerstoff. - 2 (~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~) + 12 ~H₂O~ + 14 ~O~ = ~C₉₆N₂₄H₁₆₈O₅₄~ = - - { 6 At. Harnstoff = ~C₁₂N₂₄H₄₈ O₁₂~ - = { Fett = ~C₆₆ H₁₂₀O₆~ - { 18 Kohlensäure = ~C₁₈ O₃₆~ - --------------- - ~C₉₆N₂₄H₁₆₈O₅₄~. - -Die Zusammensetzung aller Fette liegt zwischen den empirischen Formeln -~C₁₁H₂₀O~ oder ~C₁₂H₂₀O~. Gehen wir von der letzteren aus, so geben die -Elemente von Protein (2 ~Pr.~) beim Hinzutreten von 2 At. Sauerstoff und -12 At. Wasser, 6 At. Harnstoff, Fett (~C₇₂H₁₂₀O₆~) und 12 At. -Kohlensäure. - -Bemerkenswerth in Beziehung auf die Bildung des Fettes bleibt es immer, -daß die Abwesenheit des Kochsalzes (eine Natrium-Verbindung, welche dem -Organismus das Natron liefert) die Fettbildung begünstigt, daß das -Mästen eines Thieres unmöglich gemacht wird, wenn wir seiner Nahrung -einen Ueberfluß von Kochsalz, wiewohl weniger als nöthig wäre, um -Purgiren zu bewirken, zusetzen. - -54. Als eine Art von Ueberblick über die Metamorphosen der -stickstoffhaltigen Secrete des Thierkörpers, ist es hier ganz an seinem -Orte, die Aufmerksamkeit darauf hinzulenken, daß die stickstoffhaltigen -Producte der Metamorphose der Galle, identisch sind mit den -Bestandtheilen des Harns, mit welchen die Elemente des Wassers in -Verbindung getreten sind. - - 1 At. Harnsäure ~C₁₀N₈H₈ O₆~ } { 3 At. Taurin ~C₁₂N₆ H₄₂O₃₀~ - 1 „ Harnstoff ~C₂ N₄H₈ O₂~ } = { 3 „ Ammoniak ~N₆ H₁₈~ - 22 „ Wasser ~H₄₄O₂₂~ } { - -------------- -------------- - ~C₁₂N₁₂H₆₀O₃₀~ ~C₁₂N₁₂H₆₀O₃₀~. - - 1 At. Allantoin ~C₄N₄H₆ O₃~ } = { 1 At. Taurin ~C₄N₂H₁₄O₁₀~ - 7 „ Wasser ~H₁₄O₇~ } { 1 Aeq. Ammoniak ~N₂H₆~ - ------------ ------------ - ~C₄N₄H₂₀O₁₀~ ~C₄N₄H₂₀O₁₀~. - -55. Für die Metamorphosen der Harnsäure und der stickstoffhaltigen -Umsetzungsproducte der Galle, ist es nicht minder bedeutungsvoll, daß -beim Hinzutreten von Sauerstoff und Wasser zu den Bestandtheilen der -Harnsäure, Taurin und Harnstoff, oder Taurin, Kohlensäure und Ammoniak -entstehen kann. - - 1 At. Harnsäure ~C₁₀N₈H₈ O₆~ } { 2 At. Taurin ~C₈N₄H₂₈O₂₀~ - 14 „ Wasser ~H₂₈O₁₄~ } = { 1 „ Harnstoff ~C₂N₄H₈ O₂~ - 2 „ Sauerstoff ~O₂~ } ------------- - -------------- ~C₁₀N₈H₃₆O₂₂~ - Hierzu ~C₁₀N₈H₃₆O₂₂~ } = { 2 At. Taurin ~C₈ N₄H₂₈O₂₀~ - 2 At. Wasser ~H₄ O₂~ } { 2 „ Kohlensäure ~C₂ O₄~ - ------------- { 2 „ Ammoniak ~N₄H₁₂~ - ~C₁₀N₈H₄₀O₂₄~ ------------- - ~C₁₀N₈H₄₀O₂₄~. - -56. Alloxan plus einer gewissen Menge Wasser, ist in seiner -Zusammensetzung gleich der des Taurin, das letztere enthält zuletzt die -Elemente des sauren oxalsauren Ammoniaks. - - _Taurin_. - 1 At. Alloxan[F11] ~C₈N₄H₈ O₁₀~ } = 2 (~C₄N₂H₁₄O₁₀~) - 10 „ Wasser ~H₂₀O₁₀~ } - - { 2 At. Oxalsäure ~C₄ O₆~ - 1 At. Taurin ~C₄N₂H₁₄O₁₀~ = { 1 „ Ammoniak ~N₂H₆~ - { 4 „ Wasser ~H₈ O₄~ - ------------ - ~C₄N₂H₁₄O₁₀~ - - [11] Es wäre von großem Interesse, die Wirkung des Alloxans auf den - menschlichen Körper zu untersuchen; zwei bis drei Drachmen im - krystallisirten Zustande Kaninchen gegeben, gaben keine schädlichen - Wirkungen zu erkennen. Beim Menschen schien eine starke Dosis nur auf - die Urinsecretion von Einfluß zu sein. Bei gewissen Krankheiten der - Leber dürfte das Alloxan eins der wichtigsten Arzneimittel abgeben. - -57. Die Vergleichung des Kohlenstoffgehaltes der in dem Körper eines -Gras-fressenden Thieres secernirten Galle, mit der Kohlenstoffmenge -seiner Gebilde oder seiner stickstoffhaltigen Nahrungsmittel, welche in -Folge des Stoffwechsels in Galle übergehen können, führt, wie sich aus -dem Vorhergehenden ergiebt, auf einen großen Unterschied. - -Die Kohlenstoffmenge der secernirten Galle beträgt im geringsten Falle -mehr wie das 5fache, von dem was durch den Stoffwechsel ihrer Gebilde -oder die stickstoffhaltigen Bestandtheile ihrer Nahrung der Leber -zugeführt werden kann, und der Schluß, daß an der Bildung der Galle bei -diesen Thieren, die stickstofffreien Bestandtheile ihrer Nahrung einen -ganz bestimmten Antheil nehmen, darf als wohlbegründet angesehen werden, -denn es giebt keine Erfahrung oder Beobachtung, die seiner Richtigkeit -entgegenstände. - -58. Es ist in dem Obigen der analytische Beweis niedergelegt, daß aus -allen Bestandtheilen des Harns, aus Hippursäure, Harnsäure und -Allantoin, die stickstoffhaltigen Producte der Umsetzung der Galle, -nämlich Ammoniak und Taurin entstehen können, und wenn wir uns daran -erinnern, daß durch ein bloßes Austreten von Sauerstoff und Wasser, aus -den Bestandtheilen des Amylon, Choloidinsäure gebildet werden kann, - - 6 At. Amylon = 6 (~C₁₂H₂₀O₁₀~) = ~C₇₂H₁₂₀O₆₀~ - hiervon ab - 44 At. Sauerstoff } ~H₈ O₄₈~ - 4 „ Wasser } - ------------ - bleibt Choloidinsäure = ~C₇₂H₁₁₂O₁₂~ - -daß zuletzt die Choloidinsäure, das Ammoniak und Taurin die Elemente der -Choleinsäure in sich schließen, - - 1 At. Choloidinsäure ~C₇₂ H₁₁₂O₁₂~ - 1 „ Taurin ~C₄ N₂H₁₄ O₁₀~ - 2 „ Ammoniak ~N₂H₆~ - -------------- - Choleinsäure = ~C₇₆N₄H₁₃₂O₂₂~ - -so wird durch die Kenntniß dieser Thatsachen, ein jeder Widerspruch -gegen die Möglichkeit dieser Vorgänge entfernt. - -59. Die chemische Analyse sowohl wie die Beobachtung des lebenden -Thierkörpers unterstützen sich alle gegenseitig; sie führen beide zu dem -Schlusse, daß eine gewisse Quantität des Kohlenstoffs der -stickstofffreien Nahrungsstoffe (Respirationsstoffe) von der Leber in -der Form von Galle secernirt wird, daß ferner die stickstoffhaltigen -Producte der Umsetzung der Gebilde der Gras-fressenden Thiere nicht -direct und unmittelbar wie bei den Fleischfressern zu den Nieren -gelangen, sondern daß sie vor ihrem Austreten durch die Harnblase, in -gewissen anderen Processen, und namentlich in der Bildung der Galle eine -Rolle übernehmen. - -Mit den Elementen der stickstofffreien Nahrungsstoffe werden sie der -Leber zugeführt, sie kehren in der Form von Galle wieder in den Körper -zurück und werden erst zuletzt, wenn sie zur Bildung des allgemeinsten -Respirationsmittels gedient haben, durch die Nieren aus dem Körper -entfernt. - -60. Wenn wir den Harn sich selbst überlassen, so verwandelt sich der -darin enthaltene Harnstoff in kohlensaures Ammoniak; seine Elemente sind -genau in dem Verhältniß zugegen, daß mit dem Hinzutreten der Elemente -des Wassers aller Kohlenstoff in Kohlensäure, aller Wasserstoff in -Ammoniak übergehen kann. - - 1 At. Harnstoff ~C₂N₄H₈O₂~ } = { 2 At. Kohlensäure ~C₂ O₄~ - 2 „ Wasser ~H₄O₂~ } { 2 Aeq. Ammonia ~N₄H₁₂~ - -61. Wären wir im Stande, aus Harnsäure oder Allantoin geradezu Taurin -und Ammoniak darzustellen, so möchte dies wohl als ein weiterer Beweis -für den Antheil angesehen werden dürfen, welcher diesen Materien an der -Bildung der Galle zugeschrieben worden ist, allein es darf nicht als -Einwurf betrachtet werden, wenn diese Verwandlung mit den Mitteln, die -uns zu Gebote stehen, nicht bewirkt werden kann. Ein solcher Einwurf -verliert seine Bedeutung, wenn man berücksichtigt, daß das Vorhandensein -von Taurin und Ammoniak in der Galle schlechterdings nicht vorausgesetzt -werden kann, ja daß es sogar nicht einmal wahrscheinlich ist, daß sie in -der Form, wie wir sie als Zersetzungsproducte der Galle bekommen, -wirkliche Bestandtheile davon ausmachen. - -Durch die Einwirkung der Salzsäure auf Galle zwingen wir gewissermaßen -ihre Elemente in solchen Formen zusammenzutreten, welche durch den -nämlichen einwirkenden Körper keiner weiteren Veränderung mehr fähig -sind, und wenn wir uns anstatt der Salzsäure des Kali’s bedienen, so -erhalten wir die nämlichen Elemente, wiewohl in einer andern und ganz -verschiedenen Weise geordnet. Wäre Taurin als solches in der Galle -vorhanden, so müßte man durch Alkalien die nämlichen Producte erhalten, -wie durch Säuren. Alles dies ist gegen die Erfahrung. - -Wenn wir also auch im Stande wären, das Allantoin oder Harnsäure und -Harnstoff, in Taurin und Ammoniak überzuführen, so würden wir an -Einsicht in den wahren Vorgang nicht reicher sein, eben weil die -Präexistenz von Ammoniak und Taurin in der Galle bezweifelt werden muß, -und weil wir keinen Grund haben zu glauben, daß Harnstoff als Harnstoff, -Allantoin als Allantoin zur Bildung der Galle vom Organismus verwendet -wird; wir können darthun, daß ihre Elemente zu diesem Zwecke dienen, -allein es ist uns gänzlich unbekannt, in welcher Weise diese Elemente -eingetreten sind, welchen chemischen Charakter die stickstoffhaltige -Verbindung besitzt, die sich mit den Elementen des Amylons zu Galle oder -vielmehr zu Choleinsäure vereinigt. - -62. Choleinsäure kann entstehen aus den Elementen des Amylons, der -Harnsäure und des Harnstoffs, oder des Allantoins, oder der Harnsäure, -oder des Alloxan’s, oder der Oxalsäure und des Ammoniaks, oder der -Hippursäure; diese verschiedenen Formen von Stickstoffverbindungen -zeigen an und für sich schon, daß sich alle stickstoffhaltigen Producte -des Stoffwechsels im Thierkörper zur Bildung von Galle eignen, ohne daß -wir damit wissen, in welcher Weise sie dazu verwendet werden. - -Wir können durch Behandlung mit kaustischen Alkalien das Allantoin -zerlegen in Oxalsäure und Ammoniak; die nämlichen Producte erhalten wir -aus dem Oxamid, ohne daß wir aus der Gleichheit derselben einen Schluß -rückwärts auf ihre Identität, auf eine gleiche Constitution dieser -Verbindungen machen können. So gestatten uns denn die Producte, die wir -aus Choleinsäure durch die Einwirkung von Säuren erhalten, in keiner -Weise einen Schluß über die Art und Weise, wie ihre Elemente sich darin -geordnet befinden. - -63. Wenn die Aufgabe der organischen Chemie in der Untersuchung der -Veränderungen besteht, welche die Nahrungsmittel im Thierkörper -erfahren, so hat sie darzuthun, welche Elemente hinzu-, welche -ausgetreten sind, um die Verwandlung einer gegebenen Verbindung in eine -zweite und dritte zu bewirken oder überhaupt möglich zu machen, allein -synthetische Beweise können von ihr nicht erwartet werden, weil alle -Vorgänge im Organismus unter dem Einfluß einer immateriellen Thätigkeit -stehen, über welche der Chemiker nicht nach Willkühr verfügen kann. - -Die Beobachtung der Erscheinungen, welche die Metamorphosen der -Nahrungsmittel im Organismus begleiten, die Ermittelung des Antheils, -den die Atmosphäre oder die Bestandtheile des Wassers an diesen -Veränderungen nehmen, führen von selbst auf die Bedingungen, welche sich -zur Entstehung eines Secretes oder eines Theiles oder Bestandtheiles -eines Organs vereinigen müssen. - -64. Das Vorhandensein von freier Salzsäure im Magen, sowie der -Natrongehalt des Blutes setzen die Nothwendigkeit des Kochsalzes für -den organischen Proceß außer allen Zweifel, allein die Quantität von -Natron, welche verschiedene Thierklassen zur Unterhaltung der vitalen -Processe bedürfen, ist außerordentlich ungleich. - -Wenn wir uns denken, daß eine gegebene Menge Blut als Natronverbindung -betrachtet, in dem Körper eines Fleisch-fressenden Thieres in Folge des -Stoffwechsels in eine neue Natronverbindung, in Galle nämlich, übergeht, -so muß vorausgesetzt werden, daß im normalen Zustande der Gesundheit der -Natrongehalt des Blutes vollkommen hinreicht, um mit den entstandenen -Producten der Umsetzung Galle zu bilden. Das zu den vitalen Processen -verbrauchte oder überflüssige Natron wird, durch die Nieren von dem -Blute geschieden, in der Form eines Salzes austreten müssen. - -Wenn es nun wahr ist, daß in dem Körper eines Gras-fressenden Thieres -eine weit größere Menge Galle gebildet wird, als der Quantität des -erzeugten oder umgesetzten Blutes entspricht, daß der größte Theil ihrer -Galle von gewissen Bestandtheilen ihrer Nahrung stammt, so kann das -Natron des zu Gebilden gewordenen (assimilirten, umgesetzten) Blutes bei -weitem nicht hinreichen, um den zur Bildung von Galle täglich nöthigen -Bedarf an Natron zu liefern. Das Natron der Galle der Gras-fressenden -Thiere muß demzufolge direct von den Nahrungsmitteln geliefert werden; -ihr Organismus muß die Fähigkeit haben, alle in den Speisen vorhandenen -und von dem Organismus zerlegbaren Natronverbindungen unmittelbar zur -Bildung von Galle zu verwenden. Alles Natron im Thierkörper stammt, wie -sich von selbst versteht, von den Speisen, allein die Speise des -Fleisch-fressenden Thieres enthält im Maximo nur die zur Blutbildung -erforderliche Menge Natron; in den meisten Fällen kann man bei dieser -Thierklasse voraussetzen, daß nur eine der Menge des zur Blutbildung -verwendeten Natrons entsprechende Quantität durch ihren Harn wieder -austritt. - -Wenn sie eine zur Blutbildung hinreichende Quantität Natron zu sich -nehmen, so wird eine dieser gleiche Menge durch den Harn ausgeleert, -genießen sie weniger, so behält ihr Organismus einen Theil des zur -Ausleerung bestimmten Natronsalzes zurück. - -Ueber alle diese Verhältnisse giebt die Zusammensetzung des Harns der -verschiedenen Thierklassen die unzweideutigsten Belege. - -65. Als letztes Product der Veränderung aller Natronverbindungen im -Thierkörper erhalten wir im Harn, das Natron in der Form eines Salzes, -den Stickstoff als Ammoniak oder Harnstoff. - -Das Natron in dem Harn der Fleisch-fressenden Thiere finden wir an -Schwefelsäure und Phosphorsäure gebunden, nie fehlt neben diesen -Natronsalzen eine gewisse Menge eines Ammoniaksalzes, Salmiak oder -phosphorsaures Ammoniak. Es kann keinen entscheidenderen Beweis für die -Meinung abgeben, daß das Natron ihrer Galle oder ihrer umgesetzten -Blutbestandtheile bei weitem nicht hinreicht, um die austretenden Säuren -zu neutralisiren, als wie die Gegenwart dieser Ammoniaksalze im Harn; -dieser Harn reagirt sauer. - -Im graden Gegensatz hierzu finden wir in dem Harn der Gras-fressenden -Thiere eine überwiegende Menge von Natron und zwar nicht an -Schwefelsäure oder Phosphorsäure gebunden, sondern an Kohlensäure, -Benzoesäure oder Hippursäure. - -66. Diese wohlbegründeten Erfahrungen beweisen, daß die Gras-fressenden -Thiere eine weit größere Menge Natron genießen als zur Neubildung ihres -täglichen Bedarfes an Blut erforderlich ist. In ihrer Nahrung finden wir -alle Bedingungen vereinigt zur Erzeugung einer zweiten Natronverbindung, -welche zum Respirationsmittel bestimmt ist, und nur eine geringe -Erfahrung in dem Wesen der mit so großer Weisheit geordneten -Natureinrichtungen dürfte den Natrongehalt der Speise und des Harns der -Gras-fressenden Thiere für zufällig erklären. - -Es kann kein Zufall sein, daß das Leben, die Entwickelung einer Pflanze -abhängig ist von der Gegenwart der Alkalien, die sie dem Boden entzieht; -diese Pflanze dient zur Nahrung einer großen Thierklasse, deren vitale -Processe aufs engste an die Gegenwart dieser Alkalien geknüpft ist. Wir -finden diese Alkalien in der Galle, ihre Gegenwart im Thierkörper ist -die unerläßliche Bedingung zur Erzeugung des ersten Nahrungsstoffs des -jungen Thieres, ohne eine reichliche Menge Kali kann die Bildung der -Milch nicht gedacht werden. - -67. Alle Beobachtungen führen, wie sich aus dem Vorhergehenden ergiebt, -zu der Ansicht, daß gewisse stickstofffreie Bestandtheile der Nahrung -der Gras-fressenden Thiere (Amylon, Zucker, Gummi &c.) die Form einer -Natronverbindung erhalten, welche in ihrem Körper zu den nämlichen -Zwecken dient, wozu, wie wir mit Bestimmtheit wissen, die Galle (das -kohlenstoffreichste Product der Umsetzung ihrer Gebilde) in dem Körper -des Fleisch-fressenden Thieres verwendet wird. Sie dienen zur -Unterhaltung gewisser vitalen Processe, und werden zuletzt zur -Hervorbringung der animalischen Wärme, zum Widerstand gegen die -Einwirkung der Atmosphäre verbraucht; bei den Fleischfressern ist der -rasche Umsatz ihrer Gebilde eine Bedingung ihres Bestehens, eben weil -erst in Folge des Stoffwechsels die Materien gebildet werden müssen, -welche zur Verbindung mit dem Sauerstoff der Luft bestimmt sind; in -diesem Sinne kann man sagen, daß die stickstofffreien Nahrungsmittel den -Stoffwechsel hindern, daß sie ihn verlangsamen und eine ebenso rasche -Beschleunigung wie bei den Fleischfressern jedenfalls unnöthig machen. - -68. Mit dieser Fähigkeit der stickstofffreien Nahrungsstoffe, -als Respirationsmaterie zu dienen, steht die verhältnißmäßig so -geringe Menge von stickstoffhaltiger Nahrung, die sie zur -Unterhaltung ihrer Lebensfunctionen bedürfen, in dem engsten -Zusammenhang, und es dürfte vielleicht sich herausstellen, daß die -Nothwendigkeit zusammengesetzterer Verdauungsorgane in dem Körper der -Pflanzen-fressenden Thiere weit mehr durch die Schwierigkeit bedingt -ist, gewisse stickstofffreie Nahrungsmittel (Gummi? stärkemehlartige -Faser?) löslich und geschickt zu machen, an den vitalen Processen -Antheil zu nehmen, als die Ueberführung und Verwandlung des -Pflanzen-Fibrins, -Albumins und -Caseins in Blut zu bewirken, denn für -diesen Zweck finden wir die minder zusammengesetzten Apparate der -Carnivoren vollkommen ausreichend. - -69. Wenn in dem Körper des Menschen, der an gemischte Nahrung gewöhnt -ist, das Amylon eine ähnliche Rolle übernimmt, wie in dem Körper der -Gras- und Körner-fressenden Thiere, wenn also vorausgesetzt wird, daß -ihre Elemente an der Bildung ihrer Galle einen ebenso bestimmten -Antheil nehmen, so folgt hieraus von selbst, daß ein Theil der -stickstoffhaltigen Producte der Umsetzung ihrer Organe, ehe sie durch -die Harnblase austreten, von der Leber aus, in der Form von Galle, in -den Kreislauf zurückkehren und erst als letztes Product des -Respirationsprocesses durch die Nieren von dem Blute geschieden werden. - -70. Beim Mangel an stickstofffreien Substanzen in der Nahrung des -Menschen wird diese Form der Gallenbildung nicht stattfinden können, die -Secrete müssen in diesem Fall eine andere Beschaffenheit besitzen, und -das Erscheinen von Harnsäure im Harn in gewissen Krankheiten, die -Ablagerung von Harnsäure in den Gliedern und in der Harnblase, sowie der -Einfluß, den ein Ueberfluß von Fleischnahrung, der als gleichbedeutend -angesehen werden muß einem Mangel an Amylon, auf die Absonderung der -Harnsäure bei gewissen Individuen ausübt, dürfte hierin seine Erklärung -finden. Fehlt es an Amylon, an Zucker &c., so wird ein Theil der durch -den Stoffwechsel gebildeten oder sich bildenden Stickstoffverbindungen -entweder an dem Orte beharren, wo sie erzeugt worden sind, sie werden -nicht von der Leber aus als Respirationsmittel in den Organismus -zurückkehren, und durch die Einwirkung des Sauerstoffs die letzten -Veränderungen erfahren, die sie überhaupt zu erleiden fähig sind, -sondern von den Nieren in irgend einer andern Form abgeschieden werden -müssen. - -71. In dem Vorhergehenden ist der Beweis zu führen versucht worden, daß -die stickstofffreien Nahrungsmittel einen ganz bestimmten Einfluß auf -die Natur und Beschaffenheit der Secrete des Thierkörpers ausüben; ob -dies direct geschieht, ob ihre Elemente nämlich unmittelbar an dem Acte -der Umsetzung der Gebilde Antheil nehmen, oder indirect, möchte durch -sorgfältige und umsichtige Versuche und Beobachtungen entschieden werden -können. Möglich ist es, daß die stickstofffreien Nahrungsmittel, in -irgend einer Weise verändert, von den Eingeweiden aus gradezu der Leber -zugeführt werden, daß sie in diesem Organ, wo sie mit den Producten der -umgesetzten Gebilde zusammentreten, die Verwandlung in Galle erfahren -und dann erst ihren Kreislauf im Körper vollenden. - -Diese Meinung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in Betracht zieht, -daß in dem arteriellen Blute bis jetzt noch niemals weder eine Spur -Amylon noch Zucker aufgefunden worden ist, selbst nicht bei Thieren, die -man ausschließlich mit diesen Materien zu ernähren versuchte. Diesen -Materien kann man demnach, da sie in dem arteriellen Blute fehlen, -keinen Antheil an dem Ernährungsprocesse zuschreiben, und das Erscheinen -von Zucker im Harne Diabetischer, von Zucker, welcher, nach allen -Beobachtungen, von der Nahrung stammt, sowie die völlige Abwesenheit -dieses Zuckers in dem Blute der an dieser Krankheit Leidenden, beweis’t -offenbar, daß Amylon und Zucker als solche in die Blutcirculation nicht -aufgenommen werden. - -72. Ueber die Anwesenheit gewisser Bestandtheile der Galle im Blute des -gesunden Menschen findet man in den Schriften der Physiologen viele -Belege, wiewohl sie quantitativ schwerlich bestimmbar darin ist; denken -wir uns in der That, daß in einer Minute zehn Pfund Blut (120 Unzen) -durch die Leber gehen und von diesem Blute 2 Tropfen Galle (zu drei Gran -den Tropfen) abgesondert wurden, so macht dies ¹/₉₆₀₀ von dem Gewichte -der Blutmasse aus, ein Gehalt, der durch die Analyse nicht mehr -festgestellt werden kann. - -73. Der größte Theil der Galle entsteht nach dem Vorhergehenden in dem -Körper der Gras- und Körner-fressenden Thiere, sowie in dem des -Menschen, der an gemischte Nahrung gewöhnt ist, aus den Bestandtheilen -seiner stickstofffreien Nahrungsmittel; ihre Bildung kann aber nicht -gedacht werden, ohne ein Hinzutreten eines stickstoffhaltigen Körpers, -denn die Galle ist eine Stickstoffverbindung. Alle bis jetzt -untersuchten Gallen geben bei der trocknen Destillation Ammoniak und -stickstoffhaltige Producte; aus der Ochsengalle hat man Taurin und -Ammoniak dargestellt; der Beweis, daß diese beiden Producte aus allen -anderen Gallen darstellbar sind, ist nur deshalb nicht geführt worden, -weil es schwer hält, sich von anderen Thieren hinlängliche Mengen von -Galle zu verschaffen. - -Mag nun die stickstoffhaltige Verbindung, die sich mit den -Bestandtheilen des Amylons zu Galle vereinigt, von den Speisen oder von -der Substanz der umgesetzten Gebilde stammen, der Schluß, daß die -Gegenwart derselben als eine Bedingung der Gallensecretion anzusehen -ist, kann nicht in Zweifel gezogen werden. - -Da nun die Gras- und Körner-fressenden Thiere in ihren Nahrungsmitteln -nur solche stickstoffhaltige Materien genießen, welche identisch sind -mit ihren Blutbestandtheilen, so stammt der stickstoffhaltige -Bestandtheil, den wir in der Galle finden, jedenfalls von einer -Proteinverbindung ab, er ist entweder durch eine Veränderung entstanden, -welche die Proteinverbindungen der Speise erlitten haben, oder er ist -aus dem Blute oder aus der Substanz der Gebilde in Folge des -Stoffwechsels erzeugt worden. - -74. Wenn nun der Schluß wahr ist, daß stickstoffhaltige Verbindungen, -gleichgültig, ob sie von der Substanz des Blutes oder den -stickstoffhaltigen Nahrungsmitteln stammen, an der Bildung der Secrete -und namentlich an der Bildung der Galle einen bestimmten Antheil zu -nehmen vermögen, so ist klar, daß der Organismus die Fähigkeit besitzen -muß, fremde Materien, welche weder Theile, noch Bestandtheile der Träger -der Lebensthätigkeit ausmachen, zu gewissen vitalen Zwecken dienen zu -machen; alle stickstoffhaltigen, der Auflösung fähigen Substanzen ohne -Unterschied dem Blute oder den Verdauungsorganen zugeführt, wenn sie -sich durch ihre Zusammensetzung zu diesen Zwecken eignen, werden von dem -Organismus in ähnlicher Weise dazu verwendet werden müssen, wie die -stickstoffhaltigen Producte, die sich durch den Stoffwechsel gebildet -haben. - -Wir kennen eine Menge Materien, welche auf den Akt der Umsetzung der -Gebilde, sowie auf den Ernährungsproceß einen ganz bestimmten Einfluß -ausüben, ohne daß ihre Elemente an den vor sich gehenden Veränderungen -Antheil nehmen, es sind dies lauter solche Substanzen, deren Theile sich -in einem gewissen Zustand der Zersetzung befinden, der sich allen -Theilen des Organismus überträgt, welche fähig sind, eine ähnliche -Umsetzung zu erfahren. - -75. Die Arzneistoffe und Gifte umfassen eine zweite außerordentlich -zahlreiche Klasse von Verbindungen, welche die Fähigkeit haben, durch -ihre Elemente direct oder indirect Antheil an den Secretionsprocessen -oder dem Stoffwechsel zu nehmen. Sie lassen sich in drei große Klassen -eintheilen, von denen die eine (wozu die metallischen Gifte gerechnet -werden müssen) eine chemische Verbindung mit gewissen Theilen oder -Bestandtheilen des animalischen Körpers eingeht, welche durch die -Lebensthätigkeit nicht aufgehoben wird. Die zweite Klasse (ätherische -Oele, Camphor, empyreumatische Materien, Antiseptica &c.) besitzt die -Eigenschaft, den Zustand der Umsetzung ihrer Elementartheile, welchen -gewisse sehr zusammengesetzte, organische Atome zu erleiden vermögen -(Umsetzungsprocesse, die man, wenn sie außerhalb des Thierkörpers vor -sich gehen, gewöhnlich mit Gährung und Fäulniß bezeichnet) zu hindern -oder zu verlangsamen. - -Die dritte Klasse von Arzneistoffen nimmt durch ihre Elemente an den im -Thierkörper vor sich gehenden Veränderungen einen directen Antheil; dem -Organismus zugeführt, steigern und erhöhen sie die vitale Thätigkeit -einzelner oder mehrerer Organe, sie bringen im gesunden Körper -Krankheitserscheinungen hervor; alle üben schon in verhältnißmäßig sehr -kleinen Gaben eine bemerkbare Wirkung aus, viele wirken in größeren -Massen als Gifte. Von keinem dieser Körper läßt sich behaupten, daß er -in dem Ernährungsprocesse eine entschiedene Rolle spiele, daß er von dem -Organismus zur Blutbildung verwendet werden könne, theils, weil ihre -Zusammensetzung von der der Blutbestandtheile abweicht, theils, weil die -Masse, in der sie die Wirkung äußern, gegen die Blutmasse verschwindend -klein ist. - -In die Blutcirculation aufgenommen, ändern sie, wie man gewöhnlich sagt, -die Qualität des Bluts, und um durch den Magen in die Blutgefäße mit -ihrer ganzen Wirksamkeit überzugehen, muß vorausgesetzt werden, daß sie -durch die organische Thätigkeit, welche dieses Organ besitzt, keine -Veränderung in ihrer Zusammensetzung erfahren, sie werden im -unlöslichen Zustande darin löslich gemacht (verdaut), aber nicht -zerstört, denn in letzterem Fall würden sie keine Wirkung ausüben -können. - -76. Das Blut besitzt im normalen Zustande der Gesundheit zwei -Qualitäten, welche mit einander in engem Zusammenhange stehen, obwohl -eine von der andern als ganz unabhängig gedacht werden kann. - -In den Blutkörperchen enthält das Blut die Träger des zur Neubildung -gewisser Theile des Thierkörpers, sowie zur Hervorbringung der -animalischen Wärme dienenden Sauerstoffs; durch die Fähigkeit dieser -Blutkörperchen, den in der Lunge aufgenommenen Sauerstoff wieder -abzugeben, ohne daß sie damit ihren Character verlieren, bedingen sie im -Allgemeinen den Stoffwechsel. - -Die zweite Qualität des Blutes, seine Fähigkeit, zu Bestandtheilen von -Organen zu werden, sich für die Zunahme an Masse und Neubildung der -Organe, sowie zum Ersatz von verbrauchtem Stoff zu eignen, verdankt es -vorzugsweise dem in Auflösung vorhandenen Fibrin und Albumin. Diese -beiden Hauptbestandtheile, welche zur Nutrition und Reproduction dienen, -sättigen sich bei ihrem Durchgang durch die Lunge mit Sauerstoff, sie -nehmen jedenfalls soviel davon aus der Atmosphäre auf, daß sie die -Fähigkeit völlig verlieren, den anderen Materien, die sich im Blute -befinden, Sauerstoff zu entziehen. - -Mit Bestimmtheit wissen wir, daß die Blutkörperchen des venösen Blutes -in der Lunge, bei ihrer Berührung mit der Atmosphäre, ihre Farbe -ändern, daß dieser Farbenwechsel begleitet ist von einer Absorbtion von -Sauerstoff; alle Bestandtheile des Blutes, welche die Fähigkeit -überhaupt besitzen, sich mit Sauerstoff zu verbinden, nehmen in der -Lunge Sauerstoff auf und sättigen sich damit. Neben diesen anderen -Materien behalten die Blutkörperchen ihre hochrothe Farbe bis in die -feinsten Verzweigungen der Arterien, erst bei ihrem Durchgange durch die -Capillargefäße beobachten wir, daß sie dieselbe wechseln und die -dunkelrothe Farbe annehmen, welche die Blutkörperchen des venösen Blutes -characterisirt. Aus diesen Thatsachen muß gefolgert werden, daß den -Bestandtheilen des arteriellen Blutes die Fähigkeit völlig abgeht, den -Sauerstoff der im arteriellen Blute circulirenden Blutkörperchen, -welchen sie aus der Luft aufgenommen haben, zu entziehen, und aus der in -den Capillargefäßen stattfindenden Farbenveränderung läßt sich kein -anderer Schluß ziehen, als daß sie (die Blutkörperchen des arteriellen -Blutes) während diesem Durchgang, in den Zustand zurückkehren, den sie -im venösen Blut besitzen, daß sie also den in der Lunge aufgenommenen -Sauerstoff abgegeben und damit das Vermögen wieder erlangt haben, sich -mit Sauerstoff aufs Neue zu verbinden. - -78. Wir finden demnach in dem arteriellen Blut Albumin, was sich, wie -alle anderen Bestandtheile, bei seinem Durchgange durch die Lunge mit -Sauerstoff gesättigt hat, und Sauerstoffgas, was jedem Körpertheilchen -durch die Blutkörperchen in chemischer Verbindung zugeführt wird. So -weit unsere Beobachtungen (bei der Bebrütung des Ei’s) reichen, -vereinigen sich darin die Bedingungen zur Erzeugung aller Gebilde; der -zur Neubildung oder in dem Proceß der Reproduction nicht verbrauchte -Sauerstoff vereinigt sich mit der Substanz der belebten Körpertheilchen, -er bedingt, indem er in ihre Elemente aufgenommen wird, den Act der -Umsetzung, den wir mit Stoffwechsel bezeichnet haben. - -79. Es ist klar, daß alle in den Capillargefäßen vorhandenen oder -abgeschiedenen oder durch Endosmose oder Imbibition zugeführten Stoffe, -welcher Art sie auch sein mögen, wenn ihnen die Fähigkeit nicht völlig -abgeht, sich mit Sauerstoff zu vereinigen, daß sie, bei Berührung mit -den Trägern des Sauerstoffs, sich ähnlich verhalten müssen, wie die -lebendigen Körpertheilchen selbst, sie werden, oder ihre Elemente werden -mit diesem Sauerstoff in Verbindung treten, es wird in diesem Fall -entweder kein Stoffwechsel stattfinden, oder er wird sich in einer -andern Form, in der Bildung von Producten anderer Art, zu erkennen -geben. - -80. Der Begriff einer Aenderung der beiden in dem Vorhergehenden -berührten Qualitäten des Blutes durch einen in dem Blute enthaltenen -oder aufgenommenen fremden Stoff (Arzneistoff) setzt demnach zweierlei -Wirkungsweisen voraus. - -Angenommen, daß der Arzneistoff keine, der Lebensthätigkeit eine Grenze -setzende, chemische Verbindung mit den Bestandtheilen des Blutes -einzugehen vermag, daß er ferner sich nicht im Zustande einer Umsetzung -befindet, die sich auf die Bestandtheile des Blutes oder der Organe -fortpflanzen und übertragen kann, daß ihm die Fähigkeit abgeht, durch -seinen Contact mit den lebenden Körpertheilchen ihren Stoffwechsel, die -Umsetzung ihrer Elemente, zu hindern, so bleibt für diese Art von -Stoffen, um ihre Wirkungsweise erklärlich zu finden, nichts anders -übrig, als anzunehmen, daß ihre Elemente an der Erzeugung gewisser -Bestandtheile des lebenden Thierkörpers oder an der Bildung gewisser -Secrete Antheil nehmen. - -81. Insoweit der vitale Act der Secretion mit dem Chemismus in Beziehung -steht, ist er in dem Vorhergehenden einer Untersuchung unterworfen -worden; bei den Fleisch-fressenden Thieren haben wir Grund zu glauben, -daß ohne Hinzutreten eines fremden Stoffes von Außen, die Galle und die -Bestandtheile des Harns an dem Orte gebildet werden, wo der Stoffwechsel -vor sich geht; bei den anderen Thierclassen hingegen kann angenommen -werden, daß in dem Secretionsorgan selbst, aus gewissen zugeführten -Stoffen (bei den Gras-fressenden Thieren aus den Bestandtheilen des -Amylons und einem stickstoffhaltigen Product der umgesetzten Organe) die -Erzeugung der Secrete vermittelt wird. Diese Vorstellung schließt die -Meinung übrigens nicht aus, daß bei den Fleisch-fressenden Thieren die -Producte der umgesetzten Organe, eine Spaltung in Galle, Harnsäure oder -Harnstoff, erst in den Secretionsorganen erleiden, oder daß die -Bestandtheile der stickstofffreien Nahrungsstoffe, direct den -Körpertheilen zugeführt, wo Stoffwechsel stattfindet, mit den Elementen -der umgesetzten Gebilde zu den Bestandtheilen des Harns und der Galle -zusammentreten. - -82. Wenn nun vorausgesetzt wird, daß gewisse Arzneimittel zu -Bestandtheilen von Secreten werden können, so kann dies nur auf -zweierlei Weise geschehen; entweder gelangen sie in die Blutcirculation -und nehmen an dem Stoffwechsel directen Antheil, insofern ihre Elemente -in die Zusammensetzung der neuen Producte eintreten, oder sie werden den -Secretionsorganen zugeführt, wo sie auf die Bildung oder auf die -Beschaffenheit des Secretes einen Einfluß durch Hinzutreten ihrer -Elemente äußern. - -In beiden Fällen müssen sie in dem Organismus ihren chemischen Character -verlieren, und wir wissen mit genügender Sicherheit, daß diese Classe -von Arzneistoffen spurlos im Körper verschwindet. Schreibt man ihnen in -der That eine Wirkung zu, so können sie durch den Magen ihre -Eigenthümlichkeit nicht verlieren, sie können durch den Verdauungsproceß -nicht zerstört worden sein; ihr Verschwinden setzt also voraus, daß sie -zu gewissen Zwecken verwendet worden sind, was ohne Aenderung ihrer -Zusammensetzung nicht denkbar ist. - -83. So wenig man nun auch, bis auf die Galle, mit der Zusammensetzung -der übrigen Secrete bekannt sein mag, mit Bestimmtheit weiß man, daß -alle Secrete Stickstoff in chemischer Verbindung enthalten; sie gehen in -stinkende Fäulniß über und liefern entweder in diesem Zersetzungsproceß -oder bei der trocknen Destillation ammoniakhaltige Producte; selbst der -Speichel, mit Kalihydrat zusammengebracht, entwickelt reichlich -Ammoniak. - -84. Durch ihre Zusammensetzung theilen sich die Arzneimittel in zwei -Klassen, in stickstoffhaltige und in stickstofffreie. Vor allen -ausgezeichnet durch ihre medizinischen Wirkungen auf den Organismus sind -die stickstoffhaltigen Pflanzenstoffe, deren Zusammensetzung von den -eigentlichen, stickstoffhaltigen Nahrungsstoffen, welche der Organismus -der Pflanze ebenfalls erzeugt, abweicht. - -Die Arzneiwirkungen dieser Materien sind außerordentlich verschieden; -von der mildesten Form der Wirkung der Aloe bis zum furchtbarsten Gifte, -dem Strychnin, beobachten wir Unterschiede der mannigfaltigsten Art. - -Bis auf drei Verbindungen, bringen alle diese Materien im gesunden -Organismus Krankheitszustände hervor und wirken in gewissen Gaben -giftig, die meisten besitzen den chemischen Character der Basen. - -Kein stickstofffreies Arzneimittel übt in gleichen Gaben eine giftige -Wirkung aus[F12]. - - [12] Diese Betrachtung oder Vergleichung hat zu einer neuen und - genaueren Untersuchung des Picrotoxins geführt und Herr _Francis_ hat - einen bis jetzt übersehenen Stickstoffgehalt darin unzweifelhaft - dargethan und seine Menge bestimmt. - -85. Die arzneiliche oder giftige Wirkung der stickstoffhaltigen -Pflanzenstoffe steht mit ihrer Zusammensetzung in einer bestimmten -Beziehung, sie kann nicht unabhängig von ihrem Stickstoffgehalte gedacht -werden, allein sie steht keineswegs in directem Zusammenhang mit diesem -Stickstoffgehalte. - -Das Solanin[E38], das Picrotoxin[E39], welche die geringste -Stickstoffmenge enthalten, sind starke Gifte, Chinin[E40] enthält mehr -Stickstoff wie Morphin[E41]; Caffein[E42] und Theobromin[E43], die -stickstoffreichsten Pflanzenstoffe, die man kennt, sind nicht giftig. - -86. Ein stickstoffhaltiger Körper, der durch seine Elemente auf die -Bildung oder die Qualität eines Secretes eine Wirkung äußert, muß in -Beziehung auf seinen chemischen Character die Rolle übernehmen können, -welche die stickstoffhaltigen Producte des Thierkörpers in der Bildung -der Galle spielen, die Rolle also eines Productes des Lebensprocesses. -Ein stickstofffreies Arzneimittel, insofern seine Wirkung sich in den -Secreten äußert, muß in dem Thierkörper dieselbe Rolle spielen können, -die wir den stickstofffreien Nahrungsstoffen zugeschrieben haben. - -Wenn wir uns also denken, daß die Elemente der Hippur- oder Harnsäure -von den Trägern der Lebensthätigkeit stammen, daß sie als Producte ihrer -Umsetzung den Character des Lebens, aber keineswegs die Fähigkeit -verlieren, Veränderungen durch den eingeathmeten Sauerstoff oder durch -die Einwirkung der Secretionsapparate zu erleiden, so läßt sich kaum ein -Zweifel hegen, daß Stickstoffverbindungen ähnlicher Art, Producte des -Lebensprocesses der Pflanzen, in den Thierkörper gebracht, wenn sie sich -zu gleichen Zwecken eignen, ganz auf die nämliche Weise von dem -Thierorganismus verwendet werden können, wie die stickstoffhaltigen -Producte der Metamorphosen der Thiergebilde selbst; und wenn Hippur- -oder Harnsäure oder eins ihrer Elemente Antheil z. B. zu nehmen -vermögen an der Bildung und Erzeugung von Galle, so muß anderen -stickstoffhaltigen Substanzen ein ähnliches Vermögen zugeschrieben -werden. - -Unerforschlich wird es immer bleiben, wie die Menschen auf den Genuß -eines heißen Aufgusses von Blättern gewisser Stauden oder der Abkochung -gerösteter Samen gekommen sind; es muß eine Ursache geben, welche -erklärt, wie er ganzen Nationen zu einem Lebensbedürfniß geworden ist. -Noch weit merkwürdiger ist es gewiß, daß die wohlthätigen Wirkungen auf -die Gesundheit, in beiden Pflanzenstoffen, einer und derselben Materie -zugeschrieben werden müssen, deren Vorhandensein in zwei Pflanzen, -welche verschiedenen Pflanzenfamilien und Welttheilen angehören, die -kühnste Phantasie nicht voraussetzen konnte. - -Nicht minder bemerkenswerth ist es gewiß, daß der Fleisch-essende -Indianer in dem Tabacksrauchen ein Mittel entdeckte, welches den Umsatz -seiner Gebilde verlangsamt und damit den Hunger erträglicher macht, daß -er dem Genusse des Branntweins nicht zu widerstehen vermag, der in -seinem Körper als Respirationsmittel dient und die Function seiner -umgesetzten Gebilde übernimmt. Thee und Caffee treffen wir ursprünglich -bei Nationen an, welche vorzugsweise vegetabilische Nahrung genießen. - -87. Ohne auf die medicinischen Wirkungen des Caffeins und Theins -einzugehen, wird man es jedenfalls, selbst wenn man sich darin gefallen -sollte, ihren Einfluß auf den Secretionsproceß zu leugnen, höchst -auffallend finden, daß Caffein und Thein, durch ein Hinzutreten von -Wasser und Sauerstoff in Taurin, in den der Galle eigenthümlichen -stickstoffhaltigen Bestandtheil übergehen können. - - 1 At. Caffein, Thein ~C₈N₄H₁₀O₂~ - 9 „ Wasser ~H₁₈O₉~ - 9 „ Sauerstoff ~O₉~ - ------------ - 2 „ Taurin 2 (~C₄N₂H₁₄O₁₀~) - -Eine ganz ähnliche Beziehung beobachten wir in dem Hauptbestandtheil der -Spargeln, dem Althäin oder Asparagin; beim Hinzutreten von Sauerstoff -und Wasser bekommen wir ebenfalls die Elemente des Taurin’s. - - 1 At. Asparagin ~C₈N₄H₁₆O₆~ - 6 „ Wasser ~H₁₂O₆~ - 8 „ Sauerstoff ~O₈~ - ------------ - 2 „ Taurin 2 (~C₄N₂H₁₄O₁₀~) - -Beim Hinzutreten der Elemente des Wassers und einer gewissen Menge -Sauerstoff zu den Elementen des Theobromins, des Hauptbestandtheils der -Cacaobohnen, haben wir Harnstoff und Taurin oder Harnsäure, Taurin und -Wasser. - - 1 At. Theobromin ~C₁₈N₁₂H₂₀O₄~ } { 4 At. Taurin ~C₁₆N₈ H₅₆O₄₀~ - 22 „ Wasser ~H₄₄O₂₂~ } = { 1 „ Harnstoff ~C₂ N₄ H₈ O₂~ - 16 „ Sauerstoff ~O₁₆~ } - ----------------- -------------- - ~C₁₈N₁₂H₆₄O₄₂~ ~C₁₈N₁₂H₆₄O₄₂~ - -oder: - - 1 At. Theobromin ~C₁₈N₁₂H₂₀O₄~ } {4 At. Taurin ~C₁₆N₈ H₅₆O₄₀~ - 24 „ Wasser ~H₄₈O₂₄~} = {2 „ Kohlensäure ~C₂ O₄~ - 16 „ Sauerstoff ~O₁₆~} {2 „ Ammoniak ~N₄ H₁₂~ - -------------- -------------- - ~C₁₈N₁₂H₆₈O₄₄~ ~C₁₈N₁₂H₆₈O₄₄~ - -oder: - - 1 At. Theobromin ~C₁₈N₁₂H₂₀O₄~ } { 2 At. Taurin ~C₈ N₄ H₂₈O₂₀~ - 8 „ Wasser ~H₁₆O₈~ } = { 1 „ Harnsäure ~C₁₀N₈ H₈ O₆~ - 14 „ Sauerstoff ~O₁₄~ } { - -------------- -------------- - ~C₁₈N₁₂H₃₆O₂₆~ ~C₁₈N₁₂H₃₆O₂₆~ - -88. Um die Wirkung des Caffeins, Asparagins &c. auf den Organismus -erklärlich zu finden, muß man sich erinnern, daß der Hauptbestandtheil -der Galle nur 3,8 ~pCt.~ Stickstoff enthält, von dem nur die Hälfte dem -Taurin angehört (1,9 ~pCt.~). - -Die Galle enthält im natürlichen Zustande 80 Theile Wasser und 10 Theile -feste Substanz. Nehmen wir nun an, diese 10 Theile seien Choleinsäure -mit 3,87 ~pCt.~ Stickstoff, so enthalten 100 Gewichtstheile Galle im -natürlichen Zustande in der Form von Taurin 0,171 Gewichtstheile -Stickstoff. Diese Quantität Stickstoff ist aber in 0,6 Caffein enthalten -oder 2⁸/₁₀ Gran Caffein können in der Form von Taurin, einer Unze Galle -den Stickstoff liefern, und wenn ein Theeaufguß auch nur den zehnten -Theil eines Grans Thein enthält, so kann, wenn es überhaupt zur -Gallenbildung beiträgt, seine Wirkung nicht gleich Null gesetzt werden. -Man wird eben so wenig leugnen können, daß bei einem Ueberfluß von -stickstofffreien Nahrungsmitteln und bei Mangel an Bewegung, welche den -Umsatz der Gebilde bedingt und die zur Gallenbildung nöthige -Stickstoffverbindung liefert, daß in diesem Zustande der Genuß von -Stoffen der Gesundheit zuträglich sein mag, welche die Rolle der zur -Respirationsmaterie unentbehrlichen Stickstoffverbindung, die der -Körper erzeugt, zu übernehmen vermögen. In chemischer Beziehung und dies -allein soll mit Obigem dargethan werden, eignen sich Thein, Caffein, -Theobromin, Asparagin mehr, wie alle anderen stickstoffhaltigen -Pflanzenstoffe, ihrer Zusammensetzung nach, zu dieser Verwendungsweise. -Ihre Wirkungen sind für die gewöhnlichen Zustände nicht in die Augen -fallend, wiewohl unleugbar vorhanden. - -89. Was die Wirkung der andern stickstoffhaltigen Pflanzenstoffe -betrifft, des Chinins, der Bestandtheile des Opiums &c. &c., die sich -nicht in den Secretionsprocessen, sondern in anderen Erscheinungen -äußert, so sind die Physiologen und Pathologen nicht zweifelhaft, daß -sie vorzugsweise auf die Nerven und das Gehirn gerichtet ist; sie ist, -wie man gewöhnlich sagt, dynamischer Art, was ausdrücken will, daß sie -die Bewegungserscheinungen des Thierlebens entweder beschleunigt oder -verlangsamt, oder in irgend einer Form ändert. Beachtet man nun, daß die -Wirkung materiellen, mit der Hand greifbaren und wägbaren Stoffen -angehört, daß sie in dem Organismus verschwinden, daß eine doppelte -Portion stärker wirkt, wie eine einfache, daß nach einiger Zeit eine -neue Dosis gegeben werden muß, wenn man die Wirkung zum zweitenmal -hervorbringen will, so läßt dies Verhalten, in chemischer Beziehung, nur -eine einzige Form von Erklärung, die Vorstellung nämlich zu, daß sie -durch ihre Elemente Theil an der Bildung oder Umsetzung der Gehirn- und -Nervensubstanz nehmen. - -So sonderbar nun auch der Gedanke auf den ersten Blick zu sein scheint, -daß die Bestandtheile des Opiums, oder der Chinarinde, die Elemente des -Codeins, Morphins, Chinins &c. in Bestandtheile der Gehirn- und -Nervensubstanz, zu Trägern der Thätigkeit übergehen, von denen aus die -Bewegungen der Organe im Thierkörper vermittelt werden, daß sie zu einem -Bestandtheil der Substanz werden, mit deren Hinwegnahme der Sitz des -geistigen Lebens, des Gefühls und des Bewußtseins vernichtet wird, so -bleibt nicht minder gewiß, daß alle diese Fähigkeiten und Thätigkeiten -auf’s engste mit der Existenz und einer gewissen Beschaffenheit der -Gehirn-, Rückenmark- und Nervensubstanz im Zusammenhange stehen, in der -Art, daß alle Aeußerungen des Lebens dieser Stoffe, die in der -Erscheinung sich als Bewegung, Empfindung, Gefühl zu erkennen geben, -eine andere Form annehmen, so wie ihre Zusammensetzung sich ändert. Die -Gehirn- und Nervensubstanz erzeugte der Organismus des Thieres aus -Materien, die ihm von den Pflanzen geliefert wurden; es sind die -Bestandtheile ihrer Nahrung, welche in Folge einer Reihe von -Veränderungen die Eigenschaften und die Beschaffenheit annehmen, die wir -an ihnen kennen. - -90. Wenn nun als eine unbestreitbare Wahrheit angesehen werden muß, daß -aus den Bestandtheilen des Pflanzen-Fibrins, -Caseins, -Albumins allein, -oder mit Zuhülfenahme der Bestandtheile der stickstofffreien -Nahrungsmittel, oder des daraus gebildeten Fettes die Gehirn- und -Nervensubstanz erzeugt wird, so hat die Meinung nichts Absurdes, daß -andere Bestandtheile der Vegetabilien, die in ihrer Zusammensetzung -zwischen beiden (den Fetten nämlich und den Proteinverbindungen) stehen, -daß diese in dem Organismus zu gleichem Zwecke verwendet werden können. - -91. Nach _Frémy’s_ Untersuchung ist der Hauptbestandtheil des -Gehirnfettes die Natronverbindung von einer eigenthümlichen Säure, der -Cerebrinsäure, welche in 100 Th. enthält: - - Kohlenstoff 66,7 - Wasserstoff 10,6 - Stickstoff 2,3 - Phosphor 0,9 - Sauerstoff 19,5 - -Wie man leicht bemerkt, weicht die Zusammensetzung der Cerebrinsäure von -der der fetten Körper und der stickstoffhaltigen Bestandtheile des -Blutes gänzlich ab; die Fette sind frei von Stickstoff, die -Proteinverbindungen enthalten nahe an 17 ~pCt.~ Stickstoff. Bis auf den -Phosphor(säure?)gehalt kann die Zusammensetzung der Gehirnsubstanz am -nächsten nur mit der Zusammensetzung der Choleinsäure verglichen werden, -obwohl beide mit einander nicht verwechselt werden können. - -92. Die Gehirn- und Nervensubstanz sind jedenfalls auf eine ähnliche -Weise entstanden wie die Galle, entweder durch Austreten einer -stickstoffreichen Materie aus den Bestandtheilen des Blutes, oder durch -Zusammentreten eines stickstoffhaltigen Productes des Lebensprocesses -mit einem stickstofffreien (einem fetten!) Körper. Alles was in dem -Vorhergehenden über die verschiedene Art und Weise der Entstehung der -Galle gesagt worden ist, alle Schlüsse, zu denen wir über die Mitwirkung -stickstoffhaltiger oder stickstofffreier Nahrungsstoffe gelangt sind, -lassen sich mit gleichem Rechte oder mit gleicher Wahrscheinlichkeit auf -die Bildung und Erzeugung der Gehirn- und Nervensubstanz anwenden. - -Man darf nicht aus den Augen verlieren, daß, wie man auch die vitalen -Vorgänge betrachten mag, die Entstehung der Gehirnsubstanz aus Blut eine -Aenderung in der Zusammensetzung und den Qualitäten der -Blutbestandtheile voraussetzt; diese Aenderung findet eben so gewiß -statt, als die Existenz der Gehirnsubstanz nicht geleugnet werden kann. -In diesem Sinne muß angenommen werden, daß aus einer Proteinverbindung -ein erstes, zweites, drittes &c. Product hervorgeht, ehe eine gewisse -Anzahl ihrer Elemente zu Bestandtheilen der Gehirnsubstanz werden -können, und es muß als vollkommen gewiß angesehen werden, daß ein -Product des Lebensprocesses einer Pflanze, dem Blute zugeführt, die -Rolle der ersten, zweiten, dritten Producte der Veränderung der -Proteinverbindung übernehmen wird, wenn ihre Zusammensetzung sich zu -diesem Zwecke eignet. Es kann in der That nicht als zufällig angesehen -werden, daß die Zusammensetzung der wirksamsten Arzneistoffe, der -organischen Basen, mit keinem Bestandtheil des Thierkörpers außer mit -der Gehirnsubstanz in Beziehung gebracht werden kann; alle enthalten -eine gewisse Menge Stickstoff; sie stehen, in Beziehung auf ihre -Elemente, in der Mitte zwischen den Proteinverbindungen und den Fetten. - -93. Im Gegensatz zu ihrem chemischen Charakter finden wir in der -Gehirnsubstanz die Eigenschaft einer Säure; sie enthält eine weit -größere Menge von Sauerstoff wie die organischen Basen. Wir beobachten, -daß Chinin und Cinchonin, Morphin und Codein, Strychnin und Brucin, die -sich in ihrer Zusammensetzung so nahe stehen, wenn nicht eine gleiche -Wirkung äußern, doch darin sich näher stehen, als den anderen, welche -größere Unterschiede in ihrer Zusammensetzung zeigen. Wir finden, daß -mit ihrem Sauerstoffgehalte (wie beim Narcotin) ihre energische Wirkung -abnimmt, daß im strengsten Sinne keine durch die andere vollkommen -ersetzt werden kann. Es giebt aber keinen entscheidenderen Beweis für -die Art und Weise ihrer Wirkung, als das letztere Verhalten, sie muß in -der engsten Beziehung zu ihrer Zusammensetzung stehen. Wenn diese Stoffe -in der That eine Rolle in Beziehung auf die Bildung oder Aenderung der -Qualitäten der Gehirn- und Nervensubstanz ausüben, so erklären sich ihre -Wirkungen auf den gesunden so wie auf den kranken Organismus auf eine -überraschend einfache Weise, und wenn man nicht versucht ist zu leugnen, -daß der Hauptbestandtheil der Fleischbrühe in dem Körper des Menschen -oder der organische Bestandtheil der Knochen in dem Leibe eines Hundes, -obwohl sie zur Blutbildung schlechterdings nicht geeignet sind, daß also -Stickstoffverbindungen, welche den Proteinverbindungen durchaus -unähnlich sind, eine ihrer Zusammensetzung entsprechende Verwendung -finden, so werden wir daraus schließen dürfen, daß ein anderes, dem -Protein ebenfalls unähnliches, aber einem Bestandtheil des Thierkörpers -ähnliches Product des Pflanzenlebens in dem Organismus des Thieres eine -ähnliche Verwendung findet, wie das Product, welches durch die vitale -Thätigkeit seiner Organe ursprünglich ebenfalls aus einer -Pflanzensubstanz erzeugt worden ist. - -Die Zeit ist noch nicht lange vorübergegangen, wo man über die Ursache -der verschiedenartigen Wirkungen des Opiums nicht die allergeringste -Vorstellung hatte, wo die Wirkung der Chinarinde in ein unbegreifliches -Dunkel gehüllt schien. Jetzt, wo man weiß, daß sie kristallisirbaren, -chemischen Verbindungen angehört, welche in ihrer Zusammensetzung ebenso -verschieden sind, wie sie in ihrer Wirkung auf den Organismus von -einander abweichen, jetzt also, wo man die Stoffe kennt, denen die -arzneiliche oder giftige Wirkung zukommt, kann nur der Unverstand ihren -Antheil an dem Lebensproceß für unerforschbar halten; sie deshalb, wie -Manche gethan haben, für unerforschbar erklären, weil sie in kleinen -Gaben wirken, ist eben so ungereimt, wie wenn man die Schärfe eines -Rasirmessers beurtheilen wollte nach seinem Gewichte. - -94. Es wäre völlig zwecklos, diesen Schlüssen eine größere Ausdehnung zu -geben, sie verdienen, so hypothetisch sie sich auch darstellen mögen, -nur in so fern Beachtung, als sie den Weg andeuten, den die Chemie -verfolgt, oder den sie nicht verlassen darf, wenn sie in der That der -Physiologie und Pathologie Dienste leisten soll. Die Combinationen des -Chemikers beziehen sich stets auf den Stoffwechsel vorwärts und -rückwärts, auf den Uebergang der Nahrung in die mannigfaltigen Gebilde -und Secrete und ihrer Umsetzung in leblose Verbindungen; seine -Untersuchungen sollen zeigen, was im Körper vor sich gegangen ist, und -was vor sich gehen kann. Sonderbarer Weise sehen wir die Arzneiwirkungen -alle abhängig von gewissen Stoffen, die sich in ihrer Zusammensetzung -nicht ähnlich sind, und wenn durch die Hinzuführung eines Stoffes -gewisse abnormale Zustände zu normalen werden, so wird man die Ansicht -nicht zurückweisen können, daß diese Erscheinung in einer Aenderung der -Zusammensetzung der Bestandtheile des kranken Organismus beruht, an -welcher die Elemente des Arzneimittels einen bestimmten Antheil haben, -einen ähnlichen Antheil, wie der ist, den die Bestandtheile der Pflanzen -an der Bildung des Fettes und der Membranen, des Speichels, der -spermatischen Materie &c. genommen haben; ihr Kohlenstoff, ihr -Wasserstoff, Stickstoff, oder was sonst zu ihrer Zusammensetzung gehört, -sie stammen ja von dem Organismus der Pflanze ab; die Wirkungen des -Chinins, des Morphins, der vegetabilischen Gifte sind zuletzt keine -Hypothesen. - -95. Aehnlich also wie man in gewissem Sinne von Caffein, Thein, -Asparagin, so wie von den stickstofffreien Nahrungsstoffen sagen kann, -daß sie Nahrungsstoffe für die Leber sind, indem sie die Elemente -enthalten, durch deren Gegenwart dieses Organ befähigt wird, seinen -Functionen vorzustehen, lassen sich die stickstoffhaltigen, durch ihre -Wirkung auf das Gehirn und die Substanz der Bewegungsapparate so -merkwürdigen Arzneistoffe als Nahrungsstoffe für die unbekannten Organe -betrachten, welche zur Metamorphose der Blutbestandtheile in Gehirn- und -Nervensubstanz bestimmt sind, Organe, die in dem Thierkörper nicht -fehlen können, und wenn im Zustande der Krankheit ein abnormaler Proceß -der Bildung oder Umsetzung der Bestandtheile der Nerven- und -Gehirnsubstanz sich eingestellt hat, wenn in den dazu bestimmten Organen -die Fähigkeit vermindert ist, aus den Blutbestandtheilen Nerven- und -Gehirnsubstanz zu erzeugen, oder einer abnormalen Umsetzung Widerstand -zu leisten, so steht der Ansicht in chemischer Beziehung kein Hinderniß -entgegen, daß Materien von einer der Gehirn- und Nervensubstanz -ähnlichen Zusammensetzung, die sich für die Bildung derselben eignen, -statt der aus dem Blute erzeugten zum Widerstand oder zur Herstellung -des normalen Zustandes verwendet werden können. Beide sind Producte des -Lebensprocesses; die Blutbestandtheile sowohl, wie die Körper, welche -wir Arzneimittel nennen, stammen von den Pflanzen, nur in ihrer Form -zeigen sie Verschiedenheiten. - -96. Einige Physiologen und Chemiker haben die Eigenthümlichkeit der -Cerebrinsäure, welche ihrem Kohlenstoff- und Wasserstoffgehalte und -ihren physikalischen Eigenschaften nach einer stickstoffhaltigen fetten -Säure gleicht, in Zweifel gezogen; ein stickstoffhaltiges Fett, was -einen sauren Charakter besitzt, ist aber in der That keine Anomalie. Die -Hippursäure ist in manchen ihrer Eigenschaften den fetten Säuren sehr -ähnlich, sie ist aber durch ihren Stickstoffgehalt wesentlich davon -unterschieden; die organischen Bestandtheile der Galle, sie gleichen in -ihren physikalischen Eigenschaften den sauren Harzen und sind ebenfalls -stickstoffhaltig; die organischen Basen stehen in ihren physikalischen -Eigenschaften zwischen den fetten Körpern und den Harzen, alle sind -stickstoffhaltig; eine stickstoffhaltige fette Säure ist eben so wenig -unwahrscheinlich, wie die Existenz eines stickstoffhaltigen Harzes, was -die Eigenschaften einer Salzbase besitzt. - -97. Ein genaues Studium möchte wahrscheinlich in der Substanz des -Gehirns, des Rückenmarks und der Nerven Verschiedenheiten darthun. Nach -den Beobachtungen von _Valentin_ ändert sich die Beschaffenheit der -Gehirn- und Nervensubstanz von dem Tode an, mit großer Schnelligkeit, -und ganz besondere Sorgfalt müßte auf die Sonderung fremder, der Mark- -und Gehirnsubstanz nicht angehörender Materien zu verwenden sein. So -groß nun auch die Schwierigkeiten sich darstellen mögen, so scheint die -Untersuchung dennoch ausführbar. Vorläufig wissen wir, daß gegen einen -großen Kohlenstoff- und Wasserstoffgehalt in der Gehirnsubstanz alle -Erfahrungen sprechen; die _Abwesenheit_ von Stickstoff als Bestandtheil -der Nerven- und Gehirnsubstanz erscheint jedenfalls unwahrscheinlich. -Sie darf ferner nicht zu den Fetten gerechnet werden, denn wir finden -sie mit Natron vereinigt; alle Fette sind aber Glycerylverbindungen. -Was den Phosphorgehalt der Gehirnsubstanz betrifft, so haben wir über -den Zustand, in welchem der Phosphor darin enthalten ist, nur -Vermuthungen. _Walchner_ beobachtete vor Kurzem, daß sich aus einem -Brunnentroge in Carlsruhe, auf dessen Boden Fische faulten, -selbstentzündliches Phosphorwasserstoffgas in Blasen entwickelte, und -auch in der Fäulniß der Gehirnsubstanz sind phosphorreiche Gase -beobachtet worden[F13]. - - [13] Das Museum zu Genf übergab eine große Portion Weingeist, der zur - Aufbewahrung von Thieren (Fischen) gedient hatte, an Herrn Leroyer, - Apotheker, der seine Reinigung übernahm. Er destillirte denselben über - ein Gemenge von Chlorcalcium mit gebranntem Kalk und dampfte den - Rückstand an der Luft über Feuer ab. Sobald die Masse eine gewisse - Consistenz und eine höhere Temperatur angenommen hatte, entwickelte - sich eine außerordentliche Menge entzündliches Phosphorwasserstoffgas - (_Dumas_ ~V.~ 267.) - - - - -Dritter Theil. - - Die - Bewegungserscheinungen - im - Thierorganismus. - - -~I.~ - -Die zahllosen Bilder, welche sich der menschliche Geist über die Natur -und das Wesen der eigenthümlichen Ursache geschaffen hat, welche als der -letzte Grund der Erscheinungen angesehen werden muß, die das Thier- und -Pflanzenleben characterisiren, mit einem neuen zu vermehren, dürfte -nicht der Beachtung werth gehalten werden, wenn sich nicht aus den -Vorstellungen über diese Ursache, welche im Eingang zum ersten Theil -dieser Schrift entwickelt worden sind, gewisse Begriffe als nothwendige -Folgerungen ergäben, deren nähere Erörterung in dem Folgenden versucht -werden soll. - -Von vorne herein muß zugegeben werden, daß alle diese Folgerungen ihre -Bedeutung verlieren, wenn der Beweis geführt werden kann, daß die -Ursache der Lebensthätigkeit mit anderen bekannten Ursachen, welche -Bewegung oder Form- und Beschaffenheitsänderungen der Materie bewirken, -in ihren Aeußerungen nichts gemein hat. - -Eine Vergleichung ihrer Eigenthümlichkeiten mit der Wirkungsweise dieser -anderen Ursachen, kann übrigens schon deshalb keinen Nachtheil bringen, -weil die Natur und das Wesen einer Naturerscheinung nicht durch -Abstraction, sondern nur durch vergleichende Beobachtungen erkennbar -sind. - -Wenn die Lebenserscheinungen nämlich als Aeußerungen einer -eigenthümlichen Kraft angesehen werden, so müssen die Wirkungen dieser -Kraft an gewisse erforschbare Gesetze gebunden sein, die mit den -allgemeinsten Gesetzen des Widerstandes und der Bewegung im Einklange -sind, welche die Weltkörper und Weltkörpersysteme in ihren Bahnen -erhalten, wodurch Form- und Beschaffenheitsänderungen in den Körpern -bedingt werden, ganz abgesehen von dem Stoff, welcher als Träger der -Lebenskraft sich darstellt, oder der Form, in der sich die Lebenskraft -äußert. - -Die Lebenskraft giebt sich in einem belebten Körpertheil als eine -Ursache der Zunahme an Masse, sowie des Widerstandes gegen äußere -Thätigkeiten zu erkennen, welche die Form, Beschaffenheit und -Zusammensetzung der Elementartheilchen ihres Trägers zu ändern streben. - -Als eine Kraft der Bewegung, Form- und Beschaffenheitsänderung der -Materie zeigt sie sich durch Störung und Aufhebung des Zustandes der -Ruhe, in dem sich die chemischen Kräfte befinden, durch welche die -Bestandtheile der ihren Trägern zugeführten Verbindungen, die wir als -Nahrungsstoffe kennen, zusammengehalten werden. - -Die Lebenskraft bewirkt eine Zersetzung dieser Nahrungsstoffe, sie hebt -die Kraft der Anziehung auf, die zwischen ihren kleinsten Theilchen -unausgesetzt thätig ist, sie ändert die Richtung der chemischen Kräfte -in der Art, daß die Elemente der Nahrungsstoffe sich in einer andern -Weise ordnen, daß sie zu neuen, den Trägern der Lebenskraft gleichen -oder unähnlichen Verbindungen zusammentreten; sie ändert die Richtung -und Stärke der Cohäsionskraft, sie hebt den Cohäsionszustand der -Nahrungsmittel auf und zwingt die neuen Verbindungen, zu Formen -zusammenzutreten, welche keine Aehnlichkeit mit den Formen haben, welche -durch die frei (ohne Widerstand) wirkende Cohäsionskraft gebildet -werden. - -Die Lebenskraft äußert sich als eine Kraft der Anziehung, insofern die -durch die Form- und Beschaffenheitsänderung des Nahrungsstoffes neu -gebildete Verbindung, bei gleicher Zusammensetzung mit ihrem Träger, zu -einem Bestandtheil dieses Trägers wird. - -Die dem Träger der Lebenskraft unähnlichen, neuerzeugten Verbindungen -treten aus dem Körpertheile aus, sie erleiden in der Form gewisser -Secretionen, anderen Körpertheilen zugeführt, bei ihrer Berührung damit, -eine Reihe ähnlicher Veränderungen. - -Als Widerstand giebt sich die Lebenskraft in belebten Körpertheilen zu -erkennen, insofern durch sie, durch ihr Vorhandensein in ihren Trägern, -die Elemente derselben das Vermögen erlangen, Störungen und Aenderungen -in ihrer Form und Zusammensetzung durch äußere Thätigkeiten zu -widerstehen, eine Fähigkeit, die sie für sich als chemische Verbindungen -nicht besitzen. - -Wie bei anderen Kräften umfaßt der Begriff einer ungleichen Intensität -der Lebenskraft in einem belebten Körpertheil nicht nur die ungleiche -Fähigkeit der Zunahme an Masse und der Ueberwindung von (chemischen) -Widerständen, sondern man bezeichnet damit auch gradezu die -Verschiedenheit in der Größe des Widerstandes selbst, den die Theile -oder Bestandtheile eines belebten Körpertheils einer Aenderung in der -Form und Zusammensetzung durch neue äußere einwirkende Ursachen -entgegensetzen; ganz ähnlich wie die Stärke der Cohäsionskraft oder der -Affinität in gradem Verhältniß steht zu dem Widerstande, den diese -Kräfte einer äußern mechanischen oder chemischen Ursache entgegensetzen, -welche die Theile einer Verbindung von einander zu trennen strebt. - -Die Aeußerungen der Lebenskraft sind abhängig von einer gewissen Form -ihrer Träger und einer bestimmten Zusammensetzung der Substanz des -lebendigen Körpertheils. - -Die Fähigkeit der Zunahme an Masse in einem belebten Körpertheil wird -bedingt durch die unmittelbare Berührung mit Stoffen, die sich zu einer -Zersetzung eignen, oder deren Elementartheile zu Bestandtheilen des -Trägers der Lebensthätigkeit übergehen können. - -Die Aeußerung der Zunahme setzt voraus, daß die einwirkende Lebenskraft -mächtiger ist, als der Widerstand, den die chemische Kraft einer -Zersetzung oder Umsetzung der Elementartheile der Nahrungsstoffe ihr -entgegensetzt. - -Die Aeußerungen der Lebenskraft sind abhängig von einer gewissen -Temperatur; weder in einer Pflanze, noch in einem Thiere zeigen sich -Lebenserscheinungen, wenn die Temperatur in gewissen Verhältnissen -abnimmt. - -Die Lebenserscheinungen eines belebten Organismus nehmen an Stärke und -Intensität durch Wärmeentziehung ab, wenn die Temperatur, welche er -besitzt, nicht durch andere Ursachen wieder erneuert wird. - -Entziehung von Nahrungsstoff setzt allen Lebensäußerungen eine bestimmte -Grenze. - -Der Contact der belebten Körpertheile mit Nahrungsstoff wird in dem -Thierorganismus bedingt durch eine mechanische Kraft, welche in ihm -selbst erzeugt wird und gewissen Organen die Fähigkeit giebt, -Ortsveränderungen zu bewirken, eine mechanische Bewegung -hervorzubringen, mechanische Widerstände aufzuheben. - -Man kann einem ruhenden Körper eine gewisse Bewegung ertheilen durch -eine Menge in ihren Aeußerungen höchst verschiedener Kräfte; wir setzen -ein Uhrwerk in Bewegung durch ein fallendes Gewicht (durch die Schwere), -durch eine gespannte Feder (durch Elasticität). Wir bringen jede Art von -Bewegungen hervor durch die elektrische oder magnetische Kraft, sowie -durch die chemischen Kräfte, ohne daß wir im Stande sind zu sagen, wenn -wir die Aeußerung dieser Thätigkeiten nur in ihrer Erscheinung ins Auge -fassen, durch welche von diesen verschiedenen Ursachen des Ortswechsels -der ruhende Körper die Bewegung oder Geschwindigkeit empfangen hat. - -In dem Organismus des Thieres kennen wir nur eine Quelle der bewegenden -Kraft, und diese Quelle ist die nämliche Ursache, welche die Zunahme -belebter Körpertheile an Masse bedingt, welche ihnen das Vermögen -giebt, äußeren Actionen Widerstand zu leisten, es ist die _Lebenskraft_. - -Um zu einer klaren Einsicht dieser in ihrer Form so verschiedenen -Aeußerungen der Lebenskraft zu gelangen, muß man sich erinnern, daß eine -jede Kraft sich in einer Materie durch zwei für die Beobachtung durchaus -verschiedene Zustände der Thätigkeit zu erkennen giebt. - -Die in den Theilchen eines Steins vorhandene Kraft der Schwere ertheilt -ihnen ein unausgesetztes Streben, sich nach dem Mittelpunkte der Erde -hinzubewegen. - -Für die Wahrnehmung verschwindet diese Thätigkeit, wenn der Stein z. B. -auf einem Tische liegt, dessen Theile der Aeußerung seiner Schwere einen -Widerstand entgegensetzen. Die auf ihn wirkende Kraft ist stets -vorhanden, sie äußert sich als Druck auf die Unterlage, allein er bleibt -auf seinem Platze, er besitzt keine Bewegung. Mit Gewicht bezeichnen wir -die Aeußerung seiner Schwere im Zustande der Ruhe. - -Was den Stein am Fallen hindert, ist ein Widerstand, welcher bewirkt -wird durch eine Kraft der Anziehung, mit welcher die Theilchen des -Holzes zusammenhängen; eine Wassermasse würde ihn am Fallen nicht -gehindert haben. - -Wenn die Kraft, welche die Theilchen des Steins nach dem Mittelpunkte -der Erde hintreibt, größer wäre als die Kraft, womit die Holztheilchen -zusammenhängen, so würde die Cohäsionskraft überwunden werden, sie würde -den Stein am Fallen nicht hindern können. - -Nehmen wir den Tisch und damit die Kraft hinweg, welche die Aeußerung -der Schwere aufgehoben hatte, so zeigt sich die letztere als die Ursache -der Ortsveränderung des Steins, er kommt in Bewegung, d. h. er fällt: -Widerstand ist stets eine Kraft. - -Je nachdem wir ihn kürzere oder längere Zeit fallen lassen, erlangt er -Fähigkeiten, die er im ruhenden Zustande nicht besaß, er erhält nämlich -das Vermögen, schwächere oder stärkere Widerstände (Kräfte) aufzuheben, -oder ruhenden Körpern Bewegung mitzutheilen. - -Von einer gewissen Höhe herabfallend macht er einen bleibenden Eindruck -an dem Orte, den er berührt, von einer noch größern Höhe (längere Zeit) -fallend, macht er ein Loch in die Tischplatte; seine eigene Bewegung -theilt sich einer gewissen Anzahl Holztheilchen mit, die nun mit dem -Steine selbst fallen. Keine dieser Eigenschaften besaß der ruhende -Stein. - -Die erlangte Geschwindigkeit ist stets die Wirkung der bewegenden Kraft. -Sie ist unter sonst gleichen Umständen dem Druck proportional. - -Ein frei fallender Körper gewinnt nach einer Sekunde eine -Geschwindigkeit von 30 Fuß. Derselbe Körper auf dem Monde fallend, würde -in einer Sekunde nur eine Geschwindigkeit von ³⁰/₃₆₀₀ = 0,1 Zoll -gewinnen, weil dort die Intensität der Schwere (der Druck, welcher auf -den Körper wirkt, die bewegende Kraft) 3600 mal kleiner ist. - -Wenn der Druck gleichförmig fortwirkt, so steht die Geschwindigkeit -genau im Verhältniß zum Druck, dergestalt, daß z. B. der 3600mal -langsamer fallende Körper nach 3600 Sekunden dieselbe Geschwindigkeit -annimmt, wie der andere nach einer Sekunde. - -Die Wirkung ist folglich nicht der bewegenden Kraft allein, noch der -Zeit allein, sondern dem Druck, multiplicirt mit der Zeit = -_Kraftmoment_, proportional. - -In zwei gleichen Körpermassen bezeichnet die Geschwindigkeit das -Kraftmoment. Unter dem Einfluß desselben Drucks bewegt sich aber ein -Körper um so langsamer, je größer seine Masse; die doppelte Masse -braucht, um in gleicher Zeit eine gleiche Geschwindigkeit zu erlangen, -einen doppelten Druck, oder sie muß unter dem einfachen Drucke eine -doppelt so lange Zeit in Bewegung bleiben. - -Um einen Ausdruck für die ganze eingetretene Wirkung zu haben, muß man -daher, die Masse mit ihrer Geschwindigkeit multipliciren. - -Dieses Product heißt _Bewegungsgröße_. - -Die Größe der Bewegung eines Körpers muß in allen Fällen dem Kraftmoment -genau entsprechen. - -Größe der Bewegung und Kraftmoment wird auch schlechtweg mit _Kraft_ -bezeichnet, weil man sich vorstellt, daß ein kleiner Druck, der z. B. 10 -Sekunden gewirkt hat, ebensoviel werth ist, als ein zehnmal größerer -Druck, der nur eine Sekunde thätig war. - -_Bewegungsmoment_ heißt in der Mechanik die Wirkung einer Kraft ohne -Rücksicht auf die Zeit (Geschwindigkeit), in welcher sie zur Aeußerung -kam. -- Wenn ein Mann z. B. dreißig Pfunde 100 Fuß hoch hebt, ein -zweiter dreißig Pfund auf 200 Fuß Höhe, so hat der zweite doppelt so -viel Kraft wie der erste verwendet; ein dritter welcher 60 Pfund auf 50 -Fuß Höhe gehoben hat, verbraucht dazu nicht mehr Kraft wie der erste, um -30 Pfund 100 Fuß hoch zu heben. Die Bewegungsmomente des ersten (30 × -100) und des dritten (60 × 50) sind sich gleich, das Bewegungsmoment des -zweiten (30 × 200) ist doppelt so groß. - -_Kraftmomente_ und _Bewegungsmomente_ sind demnach in der Mechanik -Ausdrücke oder Maßstäbe für Kraftwirkungen, die sich auf eine in -gegebener Zeit erlangte Geschwindigkeit oder auf einen gegebenen Raum -beziehen; in diesem Sinne lassen sie sich auf die Wirkungen aller -anderen Ursachen der Bewegung, Form- und Beschaffenheitsveränderung -übertragen, wie groß oder wie klein auch der Raum oder die Zeit sein -mag, in der sich ihre Wirkung für die Sinne offenbart. - -Eine jede Kraft äußert sich demnach in der Materie als Widerstand gegen -äußere Ursachen der Orts- (Form- und Beschaffenheits-) Veränderung; als -Bewegung-erzeugende Kraft zeigt sie sich, wenn ihr keine Widerstände -entgegenstehen oder in der Ueberwindung von Widerständen. - -Eine und dieselbe Kraft wirkt Bewegung mittheilend und Bewegungen -vernichtend; in dem einen Falle, wenn ihrer Thätigkeitsäußerung keine -Widerstände entgegenstehen; in dem andern, wenn sie selbst die Aeußerung -einer andern Ursache der Bewegung (Form- und Beschaffenheits-Aenderung) -aufhebt. Gleichgewicht (oder Ruhe) heißt der Zustand der Thätigkeit, wo -ein Kraft- oder Bewegungsmoment, durch ein entgegengesetztes Kraft- oder -Bewegungsmoment aufgehoben ist. - -Beide Thätigkeitsäußerungen beobachten wir an der Kraft, welche den -belebten Körpertheilen ihre eigenthümlichen Eigenschaften giebt. - -Durch Aufhebung der zwischen den Bestandtheilen der Nahrungsstoffe -wirkenden chemischen Kräfte (der Cohäsion und Affinität), durch -Aenderung der Lage oder des Ortes, in welchem sich ihre -Elementartheilchen befinden, giebt sich die Lebenskraft als bewegende -Kraft zu erkennen; sie äußert sich als Bewegung erzeugende Kraft durch -Ueberwindung der chemischen Anziehung der Bestandtheile der -Nahrungsstoffe und als die Ursache, die sie zwingt, sich in einer neuen -Ordnung mit einander zu vereinigen. - -Es ist klar, daß einem belebten Körpertheil, welcher also die Fähigkeit -besitzt, Widerstände aufzuheben und den Elementartheilchen der -Nahrungsstoffe eine Bewegung mitzutheilen durch die in ihm frei sich -äußernde Lebenskraft, ein Bewegungsmoment zukommen muß, was ja nichts -anderes ist, als das Maß der eingetretenen Bewegung, Form- und -Beschaffenheits-Aenderung. - -Wir wissen, daß dieses Bewegungsmoment der Lebenskraft in einem belebten -Körpertheil verwendbar ist, um ruhenden Materien Bewegung zu ertheilen -(Zersetzung zu bewirken, Widerstände aufzuheben), und wenn die -Lebenskraft in ihren Aeußerungen sich ähnlich verhält wie andere -Kräfte, so muß dieses Bewegungsmoment mitgetheilt oder fortgepflanzt -werden können durch Materien, die in sich selbst durch eine -entgegenwirkende Thätigkeit seine freie Aeußerung nicht aufheben. - -Die durch irgend eine Ursache gewonnene Bewegung eines Stoffes oder -einer Materie kann in sich selbst nicht vernichtet werden, sie kann zwar -für die Wahrnehmung verschwinden, allein auch aufgehoben durch -Widerstände (durch entgegengesetzte Kraftwirkungen) wird ihr Effect -nicht vernichtet. Der fallende Stein übt durch seine im Fallen gewonnene -Bewegungsgröße, auf dem Tische angelangt, eine Wirkung aus; der -hervorgebrachte Eindruck auf das Holz, die Geschwindigkeit, welche von -der seinigen sich auf die Holztheile überträgt, ist sein Effect. - -Uebertragen wir die Begriffe von Bewegung, Gleichgewicht und Widerstand -auf die chemischen Kräfte, die in ihrer Wirkungsweise der Lebenskraft -unendlich näher stehen, als die Schwere, so wissen wir mit der größten -Bestimmtheit, daß sie nur bei unmittelbarer Berührung sich thätig -zeigen; wir wissen, daß die ungleiche Fähigkeit chemischer Verbindungen, -Widerstand gegen äußere Störungen zu leisten, gegen die Einwirkung der -Wärme, der elektrischen Kraft, die ihre Theilchen zu trennen streben, so -wie ihr Vermögen Widerstände in anderen Verbindungen aufzuheben -(Zersetzung zu bewirken), daß mit einem Worte die in einer Verbindung -thätige Kraft, abhängig ist von einer gewissen Ordnung, in welcher sich -ihre Elementartheilchen berühren. - -Die nämlichen Elemente in einer andern Ordnung mit einander vereinigt, -äußern mit anderen Verbindungen in Berührung eine höchst ungleiche -Fähigkeit Widerstand zu leisten oder Widerstände aufzuheben, in der -einen Form ist die zur Aeußerung gelangte Kraft verwendbar (der Körper -ist activ, eine Säure z. B.), in der andern nicht (er ist indifferent), -in einer dritten Form ist sein Kraftmoment der ersten entgegengesetzt -(er ist activ, aber eine Basis). - -Aendern wir die Ordnung der Elemente, so sind wir im Stande, die -Bestandtheile einer Verbindung durch einen andern activen Körper zu -trennen, die, in einer andern Form vereinigt, seiner Action einen -unüberwindlichen Widerstand entgegensetzten. - -Aehnlich wie zwei gleiche unelastische Massen von gleicher -Geschwindigkeit, die aus entgegengesetzter Richtung getrieben, mit -einander in Berührung kommend, zur Ruhe gelangen, ähnlich also wie zwei -gleiche aber entgegengesetzte Bewegungsmomente sich gegenseitig -aufheben, kann das Kraftmoment einer chemischen Verbindung, durch ein -gleiches aber entgegengesetztes Kraftmoment einer zweiten Verbindung -ganz oder zum Theil aufgehoben, allein es kann nicht vernichtet werden, -so lange die Ordnung nicht gestört wird, durch welche die in ihnen -wohnende Kraft zur Aeußerung gelangt ist. - -Die chemische Kraft der Schwefelsäure ist im Gyps eben so ungeschwächt -vorhanden, als im Vitriolöl, aber für die Wahrnehmung ist sie -verschwunden; nehmen wir die Ursache hinweg, die ihre Aeußerung auf -andere Materien aufhob, so zeigt sie sich in ihrem Träger mit ihrer -ganzen Stärke. - -So kann die Cohäsionskraft eines festen Körpers durch eine chemische -Kraft (in der Auflösung), durch Wärme (beim Schmelzen), für die -Beobachtung völlig verschwinden, ohne daß sie nur entfernt geschwächt -oder vernichtet wäre. Entfernen wir die ihr entgegenwirkende -Kraftäußerung (den Widerstand), so zeigt sie sich in der Krystallisation -unverändert. - -Durch die elektrische Kraft, durch die Wärme, sind wir im Stande, der -chemischen Kraft in ihren Aeußerungen die mannigfaltigsten Richtungen zu -geben; wir stellen damit die Ordnung fest, in welcher sich die -Elementartheilchen vereinigen sollen. Nehmen wir die Ursache hinweg -(Wärme, elektrische Kraft), die ihrer schwächeren Anziehung nach der -einen Richtung hin das Uebergewicht gab, so wird die stärkere Anziehung -nach einer andern Richtung hin sich unausgesetzt thätig zeigen, und wenn -diese stärkere Anziehung das Beharrungsvermögen der Elementartheilchen -überwinden kann, so werden sich die Elementartheile in einer neuen Form -mit einander vereinigen, das ist, es wird eine neue Verbindung von -veränderten Eigenschaften gebildet werden müssen. - -In Verbindungen dieser Art, in welchen also die freie Aeußerung der -chemischen Kraft, durch andere Kräfte gehindert wurde, kann ein Stoß, -eine mechanische Reibung, die Berührung mit einer Materie, deren -Elementartheile sich im Zustande der Bewegung (Umsetzung, Zersetzung) -befinden, irgend eine Ursache von Außen, deren Thätigkeit sich der -stärkeren Anziehung der Elementartheilchen nach einer andern Richtung -hinzufügt, hinreichen, um dieser stärkeren Anziehung das Uebergewicht zu -geben, das Beharrungsvermögen zu überwinden, ihre Form und -Beschaffenheit, welche sie der Mitwirkung fremder Ursachen verdanken, zu -ändern, ein Zerfallen der Verbindung in eine oder mehrere neue Körper -von veränderten Eigenschaften zu bewirken. - -Umsetzungen, oder wenn man will, Bewegungserscheinungen, können in -Verbindungen dieser Classe, bewirkt werden durch die in einer andern -chemischen Verbindung frei und verwendbar wirkende chemische Kraft, und -zwar ohne daß ihre Aeußerung durch Widerstände erschöpft oder aufgehoben -wird. So wird das Gleichgewicht in der Anziehung der Elemente des -Rohrzuckers, durch Berührung mit einer sehr kleinen Menge Schwefelsäure -aufgehoben; er verwandelt sich in Traubenzucker; ganz ähnlich sehen wir -die Elemente des Amylons sich mit den Elementen des Wassers zu einer -neuen Form ordnen, ohne daß die Schwefelsäure, welche gedient hatte, um -diese Umsetzung zu bewirken, ihren chemischen Charakter verliert, sie -bleibt in Bezug auf andere Materien, auf die sie eine Wirkung äußert, -ebenso activ als wie vorher, grade so, als wenn sie keine Art von -Wirkung auf das Amylon ausgeübt hätte. - -Ganz verschieden von der Aeußerung der sogenannten mechanischen -Kräfte haben wir in den chemischen Kräften Ursachen von -Bewegungserscheinungen, von Form- und Beschaffenheitsänderungen, ohne -wahrnehmbare Erschöpfung der Kraft, wodurch sie hervorgerufen werden, -erkannt; allein der Grund der fortdauernden Thätigkeitsäußerung bleibt -stets derselbe, es ist der Mangel einer entgegengesetzten Thätigkeit -(eines Widerstandes), der sie aufzuheben oder ins Gleichgewicht zu -setzen fähig ist. - -Aehnlich wie die Aeußerungen der chemischen Kräfte (das Kraftmoment -einer chemischen Verbindung) abhängig erscheinen von einer bestimmten -Ordnung, in der sich ihre Elementartheilchen berühren, zeigt die -Erfahrung, daß die Lebenserscheinungen unzertrennlich von der Materie -sind, daß die Aeußerungen der Lebenskraft in einem belebten Körpertheil -bedingt werden durch eine gewisse Form des Trägers und durch eine -gewisse Ordnungsweise seiner Elementartheilchen; heben wir die Form oder -Zusammensetzung des Organs auf, so verschwinden alle Lebensäußerungen. - -Nichts hindert uns, die Lebenskraft als eine besondere Eigenschaft zu -betrachten, die gewissen Materien zukommt, und wahrnehmbar wird, wenn -ihre Elementartheilchen zu einer gewissen Form zusammengetreten sind. - -Diese Vorstellung nimmt den Lebenserscheinungen nichts von ihrer -wunderbaren Eigenthümlichkeit, man kann sie als einen Anhaltspunkt -betrachten, von dem aus sich eine Untersuchung derselben, sowie die -Erforschung ihrer Gesetze anknüpfen läßt, ganz so wie man die -Eigenschaften und Gesetze der Bewegungen des Lichts, als abhängig von -einer Lichtmaterie, oder einem Aether betrachtet, der mit den -erforschten Gesetzen nichts weiter zu thun hat. - -In dieser Form gedacht, vereinigt die Lebenskraft in ihren Aeußerungen -alle Eigenthümlichkeiten der chemischen Kräfte und der nicht minder -wunderbaren Ursache, die wir als den letzten Grund der elektrischen -Erscheinungen ansehen. - -Die Lebenskraft äußert sich nicht wie die Schwerkraft oder magnetische -Kraft in unendlichen Entfernungen, sondern sie ist, wie die chemischen -Kräfte, nur bei unmittelbarer Berührung thätig, sie wird durch einen -Complex materieller Theile wahrnehmbar. - -Ein belebter Körpertheil erhält nach obiger Voraussetzung die Fähigkeit, -Widerstand zu leisten und Widerstände aufzuheben, durch das -Zusammentreten seiner Elementartheilchen in einer gewissen Form und er -muß, so lange diese Form und Ordnung durch entgegengesetzte Kräfte nicht -aufgehoben wird, seine Kraft unausgesetzt zu behaupten vermögen. - -Wenn durch den Act der Thätigkeitsäußerung eines belebten Körpertheils -die Elemente der Nahrungsstoffe in der ihm gleichen Form und -Beschaffenheit zusammengetreten sind, so erlangen sie eine ihm gleiche -Fähigkeit; es gelangt durch dieses Zusammentreten die in ihnen wohnende -Lebenskraft zur freien Aeußerung, sie wird in gleicher Weise verwendbar. - -Wenn man sich nun erinnert, daß alle Nahrungsstoffe belebter Organismen -Verbindungen zweier oder mehrerer Elemente sind, welche durch chemische -Kräfte zusammengehalten werden, wenn man erwägt, daß in dem Act der -Thätigkeitsäußerung eines belebten Körpertheils die Elemente der -Nahrungsstoffe in einer andern Ordnung zusammentreten, so ist völlig -gewiß, daß das Kraft- oder Bewegungsmoment der Lebenskraft stärker war, -als die zwischen den Elementen der Nahrung sich äußernde chemische -Anziehung[F14]. - - [14] Die Hände eines Mannes, welcher mit einem Seile 30 Pfund 100 Fuß - hoch hebt, legen einen Weg von 100 Fuß zurück, während seine - Muskelthätigkeit einem Widerstand (Druck) von 30 Pfunden das - Gleichgewicht hält. Wäre die von dem Manne anwendbare Kraft nicht - größer, als um dem Druck von dreißig Pfunden das Gleichgewicht zu - halten, so würde er nicht vermögend sein, das Gewicht zu der - angegebenen Höhe zu heben. - -Die chemische Kraft, welche die Bestandtheile zusammenhielt, wirkte -gleich einem Widerstande, welcher überwunden wurde durch die active -Lebenskraft. - -Wären beide gleich gewesen, so würde keine Art von wahrnehmbarer Wirkung -eingetreten sein; bei überwiegender chemischer Action würde der belebte -Körpertheil eine Veränderung erlitten haben. - -Wenn wir uns nun denken, daß eine gewisse Quantität von Lebenskraft dazu -verwendet werden mußte, um sich mit der chemischen Kraft ins -Gleichgewicht zu setzen, so bleibt immer noch ein Ueberschuß von Kraft, -durch welchen die Zersetzung bewirkt wurde; in diesem Ueberschuß besteht -das Kraftmoment des belebten Körpertheils, durch den die Zersetzung -bewerkstelligt wurde; er erhält durch ihn ein dauerndes Vermögen, -weitere Zersetzungen zu bewirken und seinen Zustand, seine Form und -Beschaffenheit gegen äußere Actionen zu behaupten. - -Wir können uns denken, daß dieser Ueberschuß hinweggenommen und in einer -andern Weise verwendet werden kann; das Bestehen des belebten -Körpertheils würde dadurch nicht gefährdet werden, eben weil in diesem -Falle ein Ruhe- und Gleichgewichtszustand eintreten würde; allein mit -der Hinwegnahme dieses Ueberschusses würde er seine Fähigkeit der -Zunahme an Masse, sein Vermögen weitere Zersetzungen zu bewirken, -äußeren Ursachen von Störungen zu widerstehen, verlieren. Wenn ihm in -diesem Gleichgewichtszustande Sauerstoff (eine chemische Action) -zugeführt werden würde, so würde dessen Streben, sich mit einem Elemente -des belebten Körpertheils zu vereinigen, kein Hinderniß entgegenstehen, -eben weil ihm das Vermögen, Widerstand zu leisten, durch anderweitige -Verwendung von Lebenskraft genommen worden ist. Je nach der Menge des -zugeführten Sauerstoffs würde eine entsprechende Menge des belebten -Körpertheils seinen Zustand des Lebens verlieren und die Form einer -chemischen Verbindung erhalten von einer dem belebten Stoff unähnlichen -Zusammensetzung, es würde mit einem Worte ein Wechsel in den -Eigenschaften der belebten Verbindung, ein Stoffwechsel entstehen. - -Wenn wir erwägen, daß die Fähigkeit der Zunahme an Masse in der Pflanze -beinahe keine Grenze hat, daß hundert Weidenzweige, von einem Baume -genommen, zu hundert Bäumen werden, so kann man kaum einen Zweifel -hegen, daß mit dem Zusammentreten der Elemente des Nahrungsstoffs zu -einem Bestandtheil der Pflanze, zu dem vorhandenen Kraftmoment, in dem -neugebildeten Pflanzentheile ein neues Kraftmoment hinzukommt, in der -Art, daß mit der Zunahme an Masse die Summe von Lebenskraft wächst. - -Je nach der Quantität verwendbarer Lebenskraft ändern sich die Producte, -die durch ihre Thätigkeit aus dem zugeführten Nahrungsstoff gebildet -werden. Die Bestandtheile der Knospe, der Wurzelfaser, des Blattes, der -Blüthe und Frucht sind höchst verschieden; die chemische Kraft, wodurch -ihre Elemente zusammen gehalten werden, ist sehr ungleich. - -Von den stickstofffreien Bestandtheilen der Pflanzen kann man behaupten, -daß kein Theil des Kraftmomentes verwendet wird, um ihre Form und -Beschaffenheit zu behaupten, sobald ihre Elemente einmal in der Ordnung -zusammengetreten sind, in der sie zu Trägern der Lebenskraft werden. - -Ganz verschieden verhalten sich die stickstoffhaltigen Pflanzenstoffe, -denn sie gehen, wie man gewöhnlich sagt, von der Pflanze getrennt, von -selbst in Gährung und Fäulniß über. Die Ursache dieser Zersetzung oder -Umsetzung ihrer Elemente ist die chemische Action, welche der Sauerstoff -auf einen ihrer Bestandtheile ausübt. Wir wissen nun, daß, so lange die -Pflanze Lebenserscheinungen zeigt, Sauerstoffgas von ihrer Oberfläche -abgeschieden wird, daß dieser Sauerstoff ohne alle Wirkung ist auf die -Bestandtheile der lebendigen Pflanze, zu denen er sonst die größte -Anziehung besitzt, und es ist klar, daß eine gewisse Quantität -Lebenskraft verwendet werden muß, theils um die Elemente der complexen -stickstoffhaltigen Bestandtheile, in der Form, Beschaffenheit und -Ordnung zu erhalten, die ihnen zukommt, theils als Widerstand gegen die -unaufhörliche Einwirkung des Sauerstoffs der Luft auf ihre Elemente, so -wie des Sauerstoffs, der in ihrem Organismus durch den Lebensproceß -abgeschieden wird. - -Mit der Zunahme an diesen veränderlichen Bestandtheilen, in der Blüthe -z. B. und in der Frucht, wächst die Summe von chemischer Kraft, deren -freie Aeußerung durch ein entsprechendes Maß von Lebenskraft im -Gleichgewicht gehalten, als Widerstand verbraucht wird. - -Die Pflanze nimmt so lange an Masse zu, bis sich die in ihr wohnende -Lebenskraft mit allen äußeren Ursachen, die ihrer Aeußerung -entgegenwirken, ins Gleichgewicht gesetzt hat, eine jede neue Ursache -von Störung, die sich den vorhandenen hinzufügt (Temperaturwechsel &c.), -nimmt ihr jetzt die Fähigkeit, Widerstand zu leisten, sie stirbt ab. - -In den perennirenden Pflanzen (den Holzpflanzen z. B.) ist die Masse der -veränderlichen Bestandtheile (der stickstoffhaltigen), verglichen mit -den stickstofffreien, so klein, daß von der ganzen Summe von Kraft, als -Widerstand, nur ein verschwindendes Moment verbraucht wird; bei den -jährigen Pflanzen ist dieses Verhältniß umgekehrt. - -In allen Perioden des Lebens einer Pflanze wird die vorhandene active -(durch Widerstände nicht aufgehobene) Lebenskraft nur zu einer Form von -Lebensäußerung verwendet, zur Zunahme an Masse nämlich, zur -Ueberwindung von Widerständen; kein Theil der Kraft wird zu anderen -Zwecken verbraucht. - -In dem Organismus des Thieres zeigt sich die Lebenskraft, wie in der -Pflanze in der Fähigkeit der Zunahme an Masse, als die Ursache des -Widerstandes gegen äußere Einwirkungen, allein die Zunahme so wie der -Widerstand sind in gewisse Grenzen eingeschlossen. - -Wir beobachten nämlich, daß der Uebergang der Nahrungsstoffe in Blut, -die Berührung des Blutes mit den belebten Körpertheilen bedingt wird von -einer mechanischen Kraft, deren Aeußerung von besonderen Organen ausgeht -und vermittelt wird durch ein besonderes System von Apparaten, denen die -Fähigkeit zukommt, die empfangene Bewegung fortzupflanzen und zu -verbreiten; von einem zweiten Systeme ähnlicher Apparate finden wir das -Vermögen des Thieres abhängig, den Ort zu wechseln und durch seine -Glieder mechanische Effecte hervorzubringen. Diese Apparate, so wie die -von ihnen ausgehenden Bewegungserscheinungen, fehlen in der Pflanze. - -Um sich ein klares Bild über den Ursprung und die Quelle der -mechanischen Bewegungen im Thierkörper zu verschaffen, dürfte es eine -Erleichterung sein, sich an die Wirkungsweise anderer Kräfte zu -erinnern, welche der Lebenskraft in ihren Aeußerungen am nächsten -stehen. - -Wenn wir eine Anzahl Zink- und Kupferplatten in einer gewissen Weise -geordnet mit einer Säure in Berührung bringen, so tritt, wenn man die -beiden äußersten Punkte des Apparates mit einem Metalldraht in -Verbindung setzt, eine chemische Action an den Zinkplatten ein, und der -Draht erhält in Folge dieser Action die merkwürdigsten und wunderbarsten -Eigenschaften. - -Dieser Draht zeigt sich nämlich als der Träger einer Kraft, welche durch -ihn mit außerordentlicher Schnelligkeit nach allen Richtungen -hingeleitet und fortgepflanzt werden kann; er ist der Leiter oder -Fortpflanzer einer ununterbrochenen Reihe von Thätigkeits-Aeußerungen. - -Eine solche Fortpflanzung von Bewegung ist nicht denkbar, wenn in dem -Drahte eine Ursache des Widerstandes zu überwinden wäre, jeder -Widerstand würde einen Theil der bewegenden Kraft zur ruhenden machen. - -Wird der Draht in der Mitte zerschnitten, sein Zusammenhang -unterbrochen, so hört damit die Fortpflanzung der Kraft auf, und wir -sehen, daß in diesem Falle die Action der Säure auf das Zink -augenblicklich aufhört. - -Stellen wir die Verbindung wieder her, so tritt die verschwundene Action -mit ihrer ganzen Energie wieder ein. - -Wir können durch die in dem Drahte vorhandene Thätigkeit eine Menge der -verschiedenartigsten Effecte bewirken, Widerstände aller Art -überwältigen, Lasten heben, Schiffe in Bewegung setzen, und, was noch -weit merkwürdiger ist, dieser Draht verhält sich wie eine hohle Röhre, -in welcher ein Strom von chemischer Kraft frei und ohne Hinderniß -circulirt. - -Die Eigenschaften, die wir als festgekettet an gewisse Materien mit dem -Ausdruck der stärksten und energischsten Verwandtschaft bezeichnen, wir -finden sie, dem Anschein nach, frei und ungebunden an diesem Drahte -wieder, wir können sie, von ihm aus, auf andere Materien übertragen und -ihnen damit eine Affinität (die Fähigkeit, Verbindungen einzugehen) -ertheilen, die ihnen für sich nicht zukommt; je nach der Quantität der -Kraft, die in dem Drahte circulirt, können wir damit Verbindungen -zerlegen, deren Elemente die mächtigste Verwandtschaft zu einander -haben, und an allen diesen Thätigkeitsäußerungen nimmt die Substanz des -Drahtes nicht den geringsten Antheil, er ist nur der Leiter der Kraft. - -An diesem Drahte beobachten wir noch überdies Erscheinungen der -Anziehung und Abstoßung, die wir dem aufgehobenen Gleichgewichtszustande -der elektrischen und magnetischen Kraft zuschreiben müssen, und es -stellen sich bei der Wiederherstellung des Gleichgewichts des gestörten -elektrischen Zustandes, Licht und Wärme, als ihre nie fehlenden -Begleiter ein. - -Alle diese merkwürdigen Erscheinungen werden hervorgerufen durch die -chemische Action, welche Säure und Zink auf einander ausüben, sie sind -begleitet von einer Form- und Beschaffenheitsänderung, welche beide -erleiden. - -Die Säure verliert ihren chemischen Character, das Zink geht eine -Verbindung mit ihr ein. Die in dem Metalldrahte hervorgerufenen -Thätigkeitsäußerungen, sie sind eine unmittelbare Folge des Wechsels in -ihren Eigenschaften. - -Ein Theilchen Säure nach dem andern verliert seine, ihm zukommenden, -chemischen Eigenschaften und wir sehen, daß in eben diesem Grade der -Draht eine chemische, mechanische, galvanische oder magnetische Kraft, -oder wie man sie nennen will, empfängt; je nach der Anzahl von Theilchen -der Säure, welche in einer und derselben Zeit diese Veränderung erfahren -(je nach der Oberfläche des Zinks), empfängt der Draht eine größere oder -geringere Quantität von diesen Kräften. - -Die Fortdauer des Stromes von Kraft hängt ab von der Fortdauer der -chemischen Action, die Fortdauer der chemischen Action ist aufs engste -geknüpft, an die Ableitung der Kraft. - -Hindern wir die Fortpflanzung der Kraft, so behält die Säure ihren -chemischen Character; wird sie zur Ueberwindung von chemischen oder -mechanischen Widerständen verbraucht, zur Zersetzung chemischer -Verbindungen oder zur mechanischen Bewegung, so dauert die chemische -Action fort, das heißt, ein Theilchen Säure nach dem andern wechselt -seine Eigenschaften. - -Wir haben in dem Vorhergehenden diese merkwürdigen Erscheinungen in -einer Form aufgefaßt, welche unabhängig von den Erklärungen der Schule -ist. Ist die in dem Drahte circulirende Kraft, die elektrische Kraft? -ist es Affinität? pflanzt sie sich in dem Leiter wie eine in Bewegung -gesetzte Flüssigkeit, oder als eine Reihe von Bewegungsmomenten, wie -der Schall, das Licht, von einem Theilchen des Leiters zu dem andern -fort? Alles dieses weiß man nicht, und wird es nie ermitteln. Auf die -Wahrheit der Erscheinungen haben alle Vorstellungen, die man ihnen als -Erklärungen unterlegt, nicht den geringsten Einfluß, denn sie beziehen -sich lediglich auf die Form, in welcher sie sich äußern. - -Nur darüber ist man nicht im Zweifel, daß nämlich alle Effecte, welche -durch den Draht hervorgebracht werden können, bedingt werden von dem -Wechsel in den Eigenschaften des Zinks und der Säure, denn der -Ausdruck »chemische Action« bezeichnet ja nicht mehr und nicht weniger, -als den Act ihrer Veränderung; daß sie abhängig sind, von dem -Vorhandensein eines Leiters, einer Substanz, welche die eintretende -Thätigkeitsäußerung, das Kraftmoment, fortpflanzt nach allen Richtungen -hin, wo es durch Widerstände nicht aufgehoben wird, daß es also in ein -Bewegungsmoment übergeht, mit dem man mechanische Bewegungen -hervorbringen kann, was, auf andere Körper übertragen, diesen alle -Eigenschaften giebt, deren letzte Ursache die chemische Kraft selbst -ist; sie erhalten das Vermögen, Zersetzungen und Verbindungen zu -bewirken, was ihnen, ohne Zufuhr an Kraft, durch den Leiter, völlig -abgehen würde. - -Wenn wir diese wohlbekannten Erfahrungen als Mittel benutzen, um, durch -sie geführt, die letzte Ursache der mechanischen Effecte im -Thierorganismus zu erforschen, so giebt die Beobachtung zu erkennen, daß -die Bewegung des Blutes und der Säfte von ganz bestimmten Organen -ausgeht, welche, wie das Herz und die Eingeweide, die bewegende Kraft -nicht in sich selbst erzeugen, sondern von anderen Seiten her empfangen. - -Wir kennen mit zweifelloser Gewißheit in den Nerven die Leiter und -Verbreiter mechanischer Effecte, wir wissen, daß durch sie die Bewegung -nach allen Seiten hin fortgepflanzt wird. Für jede Bewegung kennen wir -einen besondern Nerven, einen besondern Leiter, mit dessen -Leitungsvermögen, mit dessen Unterbrechung sich die Fortpflanzung -verändert oder eine Grenze findet. - -Durch die Nerven empfangen alle Theile des Thierkörpers, die Glieder, -die zu ihren Functionen, zum Ortswechsel, zur Hervorbringung -mechanischer Effecte unentbehrliche Kraft der Bewegung, wo die Nerven -fehlen, vermissen wir Bewegung; die an einem Orte im Ueberfluß erzeugte -Kraft wird den anderen durch die Nerven zugeleitet, was das eine Organ -in sich selbst an Kraft nicht zu erzeugen vermag, wird ihm von anderen -Seiten zugeführt, was ihm an Lebenskraft fehlt, um Widerstand zu leisten -gegen äußere Ursachen von Störungen, um Widerstände aufzuheben, empfängt -es als Ueberschuß von einem andern Organe, welches ihn für sich selbst -nicht zu verwenden vermag. - -Wir beobachten ferner, daß die willkührlichen und unwillkührlichen -Bewegungen, daß alle mechanischen Effecte im Thierorganismus begleitet, -daß sie abhängig sind von einer eigenthümlichen Form- und -Beschaffenheitsänderung in der Substanz gewisser belebter Körpertheile, -deren Zu- oder Abnahme im engsten Zusammenhange steht mit dem Maß von -Bewegung oder mit der Quantität von Kraft, welche durch die Bewegungen -verzehrt worden ist. - -Als eine unmittelbare Folge der zur Aeußerung gelangten, mechanischen -Kraft sehen wir, daß ein Theil der Muskelsubstanz ihre vitalen -Eigenschaften, ihren Character des Lebens verliert, daß sie aus dem -belebten Körpertheile austritt, daß dieser Theil seine Fähigkeit der -Zunahme an Masse, sein Vermögen Widerstand zu leisten, einbüßt; wir -finden, daß dieser Wechsel in den Eigenschaften begleitet ist von der -Aufnahme eines fremden Elementes, des Sauerstoffs, in die -Zusammensetzung der belebten Muskelsubstanz (ähnlich wie die Säure ihren -chemischen Character durch Aufnahme von Zink verlor), und alle -Erfahrungen beweisen, daß dieser Uebergang der belebten Muskelsubstanz, -in Verbindungen ohne alle Lebensäußerungen, beschleunigt oder -verlangsamt wird, je nach der Quantität der verbrauchten Kraft zur -Bewegung; ja daß sie sich gegenseitig proportional sind, daß ein rascher -Uebergang der Muskelsubstanz, sagen wir, ein rascher Stoffwechsel, eine -größere Quantität von mechanischer Kraft und ein größeres Maß von -mechanischer Bewegung (verbrauchter, mechanischer Kraft) einen rascheren -Stoffwechsel gegenseitig bedingen. - -Aus diesem ganz bestimmten Zusammenhange des Stoffwechsels im -Thierkörper mit der durch mechanische Bewegungen verzehrten Kraft kann -kein anderer Schluß gezogen werden, als daß die in gewissen, belebten -Körpertheilen active oder verwendbare Lebenskraft die Ursache ist der -mechanischen Effecte des Thierkörpers. - -Die bewegende Kraft stammt zweifellos von belebten Körpertheilen, sie -besaßen ein Kraft- oder Bewegungsmoment, was sie in eben dem Grade -verloren, als andere ein Kraft- oder Bewegungsmoment empfangen haben; -sie verlieren ihre Fähigkeit der Zunahme an Masse, ihr Vermögen, -Widerstand gegen äußere Ursachen von Störungen zu leisten; es ist klar, -die letzte Ursache, die Lebenskraft, von denen sie diese Eigenschaften -erhielten, sie hat zur Hervorbringung der mechanischen Kraft gedient, -sie ist als Bewegung verzehrt worden. - -Wie ließe sich in der That einsehen, daß ein belebter Körpertheil den -Zustand des Lebens verliert, daß er unfähig wird, der Einwirkung des im -arteriellen Blute ihm zugeführten Sauerstoffs zu widerstehen, daß er das -Vermögen einbüßt, chemische Widerstände aufzuheben, wenn das Kraftmoment -der Lebenskraft, was ihm alle diese Eigenschaften gab, nicht zu anderen -Zwecken verwendet worden wäre! - -Durch das Vermögen der Leiter (der Nerven), das Kraftmoment eines -belebten Körpertheils, den Effect, den die in ihm thätige Lebenskraft -auf alle seine Umgebungen äußert, fortzupflanzen nach anderen Orten hin, -wo die Kraft (d. h. ihr Bewegungsmoment) ohne alle Widerstände verzehrt -wird (ohne Bewegung tritt kein Stoffwechsel ein, ist die Bewegung -eingetreten, so steht ihr kein Widerstand entgegen), wird offenbar in -dem belebten Körpertheil ein Gleichgewichtszustand zwischen den -chemischen Kräften und der noch in ihm wohnenden Lebenskraft -herbeigeführt, der ohne diesen Verbrauch an Lebenskraft zur mechanischen -Bewegung nicht eingetreten wäre. - -Eine jede dem Organismus fremde Ursache, welche auf die Form, -Beschaffenheit und Zusammensetzung des Organs eine Wirkung auszuüben -vermag, findet jetzt keinen Widerstand mehr. Ohne die Ableitung der -Kraft und ihre Verwendung zu anderen Zwecken, ohne das Hinzutreten von -Sauerstoff würde das Organ seinen Zustand, aber ohne alle Lebensäußerung -behauptet haben, erst durch die chemische Action des Sauerstoffs findet -der Stoffwechsel, d. h. das Austreten in der Form einer unbelebten -Verbindung statt. - -Stoffwechsel, mechanische Kraftäußerung und Sauerstoffaufnahme, stehen -in dem Thierkörper in so enger Beziehung zu einander, daß man die -Quantität von Bewegung, die Menge des umgesetzten, belebten Stoffes, in -einerlei Verhältniß setzen kann mit einer gewissen Menge, des, von dem -Thiere, in einer gegebenen Zeit aufgenommenen und verbrauchten -Sauerstoffs. Für ein bestimmtes Maß von Bewegung, für eine Proportion -als mechanische Kraft verbrauchter Lebenskraft, gelangt ein Aequivalent -von chemischer Kraft zur Aeußerung, d. h. es wird ein Aequivalent -Sauerstoff zum Bestandtheil des Organs, was die Lebenskraft verlor, und -ein ihm gleiches Verhältniß von der Materie dieses Organs tritt aus dem -Körpertheil, in der Form einer Sauerstoffverbindung aus. - -Alle Theile des Thierkörpers, welche die Natur zum Stoffwechsel (zur -Hervorbringung von mechanischer Kraft) bestimmt hat, sind nach allen -Richtungen hin von den feinsten Kanälen durchzogen, in denen -unausgesetzt ein Strom von Sauerstoff in der Form von arteriellem Blut -circulirt, der zum Austreten ihrer Bestandtheile (zur Störung des -Gleichgewichtes) unumgänglich nöthig ist. - -So lange die Lebenskraft dieser Körpertheile nicht zu anderen Zwecken -verbraucht und abgeleitet wird, äußert der Sauerstoff des arteriellen -Blutes nicht die geringste Wirkung auf ihre Substanz und stets wird nur -eine der Ableitung entsprechende (den hervorgebrachten mechanischen -Effecten correspondirende) Menge davon aufgenommen. - -Der Sauerstoff der Atmosphäre ist die von außen her wirkende Ursache des -Verbrauchs an Stoff im Thierkörper, er wirkt wie eine Kraft, welche die -Aeußerung der Lebenskraft in jedem Zeitmomente stört und aufzuheben -strebt; als chemische Action wird aber seine Einwirkung, die von ihm -ausgehende Störung, im Gleichgewicht gehalten durch die in dem belebten -Körpertheile frei wirkende Lebenskraft, oder sie wird vernichtet durch -eine der seinigen entgegengesetzte, chemische Thätigkeit, deren -Aeußerung immer als abhängig angesehen werden muß von der Lebenskraft. - -Nach chemischen Begriffen heißt die chemische Action des Sauerstoffs -vernichten, ihm Stoffe darbieten, Theile von Materien, die sich mit ihm -zu verbinden vermögen. - -Die Action des Sauerstoffs (Affinität) wird entweder durch die -Bestandtheile des Organs (nach Ableitung der Lebenskraft), die sich mit -ihm zu verbinden vermögen, ausgeglichen, oder das Organ setzt ihr (der -Action des Sauerstoffs) die Producte von anderen Organen, oder gewisse -Stoffe entgegen, welche aus den Bestandtheilen der Nahrung, in Folge der -vitalen Thätigkeit gewisser Apparate entstanden sind. - -Nur das Muskularsystem producirt in diesem Sinne, in sich selbst, einen -Widerstand gegen die chemische Action des Sauerstoffs und gleicht sie -vollständig aus. - -Die Substanz der Zellen, Membranen und Häute, deren kleinste Theilchen -sich nicht im unmittelbaren Contact mit arteriellem Blut (mit -Sauerstoff) befinden, ist nicht zum Stoffwechsel bestimmt. Welche Art -von Veränderungen sie auch im Lebensprocesse erleiden mag, sie treffen -unter allen Umständen nur ihre Oberfläche. - -Die Leimgebilde, Schleimhäute, Sehnen &c. sind nicht zur Hervorbringung -von mechanischer Kraft bestimmt, sie enthalten in ihrer Substanz keine -Leiter der mechanischen Effecte. Das Muskularsystem ist mit zahllosen -Nerven durchwebt. Die Substanz des Uterus ist von der übrigen -Muskelsubstanz chemisch, in keiner Weise verschieden, allein sie ist -nicht zum Stoffwechsel, zur Krafterzeugung bestimmt, sie enthält keine -Ableiter der bewegenden Kraft. - -Den Membranen, Schleimhäuten und Zellen geht das Vermögen, sich bei -Gegenwart von Feuchtigkeit mit Sauerstoff zu verbinden, keineswegs ab, -wir wissen, daß sie im feuchten Zustande mit Sauerstoff nicht in -Berührung gebracht werden können, ohne eine fortschreitende Veränderung -zu erfahren. Die eine Oberfläche der Eingeweide, die Lungenzellen, sind -aber unausgesetzt in Berührung mit Sauerstoff; es ist klar, daß sie eine -eben so rasche Umsetzung, Veränderung durch seine chemische Action -erfahren müßten, wenn in dem Organismus selbst, nicht eine Quelle von -Widerstand existirte, der die Einwirkung des Sauerstoffs völlig -vernichtete. Unter diesem Widerstande lassen sich alle Materien -zusammenfassen, welche die Fähigkeit haben oder unter dem Einfluß der -Lebenskraft erhalten, sich mit Sauerstoff zu verbinden und in ihrem -Vermögen seine chemische Action auszugleichen, die Substanz der -Leimgebilde übertreffen. - -Alle Bestandtheile des Thierkörpers, welche in sich selbst durch die -Lebenskraft, der Einwirkung des Sauerstoffs nicht zu widerstehen -vermögen, müssen sich zu diesem Zwecke weit mehr eignen, wie die unter -dem Einfluß der Lebenskraft, wenn auch nur durch die Nerven, stehenden -Gebilde; die Bedeutung der Galle für die Substanz der Eingeweide, der -Lungenzellen, so wie die des Fettes, Schleimes und der Secretionen -überhaupt, kann nach dieser Betrachtung nicht verkannt werden. - -Wenn die Membranen durch ihre eigne Substanz Widerstand gegen die -Einwirkung des Sauerstoffs produciren müssen, wenn es also an den -Stoffen fehlt, welche die Natur zu ihrem Schutze bestimmt hat, so werden -sie, da ihre Erneuerung in enge Grenzen eingeschlossen ist, der -chemischen Action unterliegen müssen. Eingeweide und Lunge werden immer -gleichzeitig abnormale Veränderungen erfahren. - -In dem Stoffwechsel selbst, in der Umsetzung der belebten Substanz des -Muskularsystems, erhalten diese Organe den zu ihrem Bestehen -unentbehrlichen Widerstand gegen die Einwirkung des Sauerstoffs; je nach -seiner Beschleunigung nimmt die Quantität der secernirten Galle zu, die -Menge des vorhandenen Fettes nimmt in gradem Verhältniß ab. - -Zur Unterhaltung der unwillkürlichen Bewegungen im Thierkörper wird in -jedem Zeitmomente seines Lebens eine gewisse Quantität Lebenskraft -verbraucht und es findet deshalb ein unaufhörlicher Stoffwechsel statt, -allein die Menge der Substanz, welche in Folge der verbrauchten Kraft -ihren Zustand des Lebens, ihre Fähigkeit der Zunahme an Masse verliert, -ist in enge Grenzen eingeschlossen; sie steht in gradem Verhältniß zu -der, zu diesen Bewegungen, nöthigen Kraft. - -Wenn wir uns nun auch denken können, daß die belebte Muskelsubstanz bei -hinreichender Zufuhr an Nahrung ihre Fähigkeit der Zunahme in keinem -Zeitmomente verliert, daß sich diese Form der Lebens-Aeußerung -unausgesetzt geltend macht, so kann dies keineswegs für diejenigen -Körpertheile angenommen werden, deren frei wirkende Lebenskraft zur -mechanischen Bewegung verbraucht worden ist. Der Verbrauch an Stoff -durch Bewegung und Anstrengung ist bei je zwei Individuen höchst -verschieden. - -Wenn man nun erwägt, daß die unmerklichste Bewegung eines Fingers und -der Glieder Kraft verbraucht, daß, in Folge der verzehrten mechanischen -Kraft, ein correspondirender Theil der Muskeln an Volumen abnimmt, so -ist klar, daß _ein Gleichgewicht im Ersatz und Verbrauch_ an Stoff (an -belebten Körpertheilen) nur dann sich herstellen kann, wenn der -ausgetretene Körpertheil in dem nämlichen Augenblicke, wo er seinen -Zustand des Lebens verliert, wieder an einer andern Stelle erneuert -wird. - -Die Fähigkeit der Zunahme an Masse ist abhängig von dem, einem jeden -Körpertheile zukommenden Kraftmomente, sie muß sich unausgesetzt äußern -können, so lange (bei hinlänglicher Zufuhr von Nahrungsstoff) er dieses -Kraftmoment nicht verliert (durch Verwendung z. B. zur mechanischen -Bewegung). - -Unter allen Umständen ist die Zunahme selbst an die Zeit gebunden, d. h. -sie kann für eine begrenzte Zeit nicht unbegrenzt sein. - -In dem nämlichen Augenblick, in welchem ein belebter Körpertheil seinen -Zustand des Lebens verliert und aus dem Organ in der Form einer -unbelebten Verbindung austritt, kann dieser Theil nicht zunehmen, seine -Masse, seine Volumen nehmen ja ab. - -Durch die fortdauernde Verwendung der Kraftmomente belebter Körpertheile -zu mechanischen Effecten, wird demnach ein fortdauerndes Austreten von -Masse bedingt, und erst von dem Augenblicke an, wo die Ursache des -Verbrauchs nicht mehr wirkt, kann sich die Fähigkeit der Zunahme wieder -äußern. - -Da nun verschiedene Individuen in 24 Stunden, je nach der zur -Hervorbringung willkürlicher, mechanischer Effecte verwendeten Kraft, -eine ungleiche Menge von ihren belebten Körpertheilen verbrauchen, so -muß für ein jedes, wenn die Bewegungserscheinungen nicht ihre Grenze -finden sollen, ein Zustand eintreten, in welchem alle willkürlichen -Bewegungen völlig unterdrückt sind, wo also für diese kein Verbrauch -stattfindet. Dieser Zustand heißt _Schlaf_. - -Auf die Fähigkeit der Zunahme an Masse eines Körpertheils, dem sein -Kraftmoment nicht genommen worden ist, kann der Verbrauch desselben zu -mechanischen Effecten in einem andern Körpertheil, nicht den geringsten -Einfluß äußern (der eine kann an Masse zunehmen, während der andere -abnimmt, ohne daß sich beide Actionen stören), der Verbrauch in dem -einen kann den Ersatz in dem andern nicht vermindern und nicht steigern. - -Da nun der Verbrauch an mechanischer Kraft zu den unwillkürlichen -Bewegungen im Schlafe fortdauert, so ist klar, daß auch ein Verbrauch an -Stoff im Schlafe fortdauert, und es muß, wenn das ursprüngliche -Gleichgewicht wieder eintreten soll, vorausgesetzt werden, daß während -des Schlafes eine eben so große Quantität von Kraft (in der Form -belebter Körpertheile) sich wieder sammelt, als in der vorhergegangenen -Zeit des Wachens zu den willkürlichen und unwillkürlichen mechanischen -Effecten verwendet worden ist. - -Wird das Gleichgewicht in Ersatz und Verbrauch von Stoff im mindesten -gestört, so giebt sich dies sogleich in einem Unterschied von -verwendbarer Kraft zu mechanischen Effecten zu erkennen. - -Es ist ferner klar, daß wenn ein Mißverhältniß in der Leitungsfähigkeit -der Nerven der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen stattfindet, -so wird nach dem Grade, in welchem die einen oder die anderen dies -Bewegungsmoment, was sie durch Stoffwechsel empfangen haben, -fortzupflanzen vermögen, der Unterschied in den Bewegungserscheinungen -selbst bemerklich sein. Mit der Zunahme der Blutbewegung und der -Bewegung der Eingeweide wird die Hervorbringung mechanischer Effecte -durch die Glieder in gradem Verhältniß abnehmen müssen (wie bei den -sogenannten Fressern), und wenn in einer gegebenen Zeit für mechanische -Bewegung (durch Anstrengung, Laufen, Tanzen &c.) mehr Lebenskraft -verbraucht wird, als für die willkürlichen und unwillkürlichen -Bewegungen überhaupt verwendbar ist (als sich in der gegebenen Zeit an -Stoff umsetzen kann), so wird zur Ausgleichung der für die willkürlichen -Bewegungen mehrverbrauchten mechanischen Kraft ein Theil der Kraft, die -zu den unwillkürlichen Bewegungen nöthig ist, verwendet werden müssen. -Die Bewegung des Herzens, der Eingeweide muß verlangsamt werden oder sie -hört gänzlich auf. - -Von dem ungleichen Grade der Leitungsfähigkeit der Nerven müssen die -Zustände abgeleitet werden, die man mit _Lähmung_, _Ohnmacht_, _Krampf_ -bezeichnet. Die _Lähmung_ der Nerven der willkürlichen Bewegung kann -für sich keine Abmagerung nach sich ziehen; häufig wiederkehrende -epileptische Anfälle (Verbrauch von Lebenskraft zu mechanischen -Effecten) sind stets von einer außerordentlich raschen Abmagerung -begleitet. - -Es muß die höchste Bewunderung erwecken, wenn man erwägt, mit welcher -unendlichen Weisheit der Schöpfer die Mittel vertheilt hat, die das -Thier, die Pflanze, zu seinen Functionen, zu seinen ihm eigenthümlichen -Lebensäußerungen befähigen. - -Die ganze Richtung, die ganze Stärke der Lebenskraft behält der belebte -Pflanzentheil durch die Abwesenheit aller Leiter der Kraft. Durch sie -wird das Blatt befähigt, die stärksten chemischen Anziehungen zu -überwinden, die Kohlensäure zu zerlegen und sich die Bestandtheile ihrer -Nahrungsstoffe anzueignen. - -Nur in der Blüthe der Pflanze findet ein dem Stoffwechsel im Thierkörper -ähnlicher Proceß statt, es zeigen sich Bewegungserscheinungen, allein -die mechanischen Effecte pflanzen sich nicht fort aus Mangel an Leitern -der Kraft. - -Die nämliche Lebenskraft, die wir in der Pflanze als eine beinahe -unbegrenzte Fähigkeit der Zunahme an Masse kennen, verwandelt sich in -dem Thierkörper in bewegende Kraft (in einen Strom von Lebenskraft), und -eine wunderbare und weise Oekonomie bestimmt zur Ernährung des Thieres -nur solche Stoffe, die eine mit den Organen der Krafterzeugung (dem -Muskularsystem) identische Zusammensetzung besitzen. Der Aufwand von -Kraft, den ihre belebten Theile bedürfen, um aus dem Blute sich selbst -wiederzuerzeugen, der Widerstand der chemischen Kraft, welcher in den -Bestandtheilen der stickstoffhaltigen Nahrungsstoffe durch die -Lebensthätigkeit der Organe überwunden werden muß, welche bestimmt sind, -sie zu Bestandtheilen des Blutes zu machen, ist für nichts zu achten -gegen die Kraft und Energie, mit welcher die Bestandtheile der -Kohlensäure zusammenhängen. Eine gewisse Quantität Kraft könnte nicht in -bewegende Kraft übergehen, wenn sie zur Ueberwindung der chemischen -Kräfte verwendet werden müßte; das Bewegungsmoment der Lebenskraft wird -durch alle Widerstände verringert. Der Uebergang der Bestandtheile des -Blutes in Muskelfaser (in ein Organ der Krafterzeugung) ist nur eine -Formänderung, beide sind gleich zusammengesetzt; das Blut ist flüssig, -die Muskelfaser ist festes Blut; man kann sich denken, daß er vor sich -geht ohne allen Verbrauch von Lebenskraft, denn bei dem Uebergang eines -flüssigen Körpers in einen festen bedarf es keiner Kraftäußerung, -sondern nur der Beseitigung von Hindernissen (Wärme z. B.), die sich der -Kraft, welche der Zustand bedingt (der Cohäsionskraft), in ihren -Aeußerungen entgegensetzen. - -In welcher Form, auf welche Weise die Lebenskraft die mechanischen -Effecte im Thierkörper bewirkt, ist gänzlich unbekannt und wird durch -Versuche so wenig ermittelt werden können, wie der Zusammenhang der -chemischen Action mit den Bewegungserscheinungen, die wir mit der -galvanischen Säule hervorzubringen vermögen; alle Erklärungen, die man -zu geben versucht hat, sind immer nur Bilder der Erscheinung, es sind -mehr oder weniger genaue Beschreibungen und Vergleichungen bekannter -Erscheinungen mit diesen unbekannten; es geht uns in dieser Beziehung -wie dem Unkundigen, dem das Aufundniedersteigen eines eisernen Stempels -in einem Gefäße, worin das Auge nichts Sichtbares erkennen kann, und -sein Zusammenhang mit dem Drehen und Bewegen von Tausenden von Rädern, -die sich in einer gewissen Entfernung von dem Stempel befinden, -unbegreiflich erscheint. - -Wir wissen nicht, wie ein an sich unsichtbares, unwägbares Etwas, die -Wärme, gewissen Materien die Fähigkeit ertheilt, den ungeheuersten Druck -auf ihre Umgebungen zu äußern, wie überhaupt dieses Etwas hervorgebracht -wird, wenn wir Holz oder Kohlen verbrennen. - -So ist es denn auch mit der Lebenskraft und den Erscheinungen, welche -belebte Körper darbieten; ihre Ursache ist nicht chemische Kraft, nicht -Elektricität, nicht Magnetismus, es ist eine Kraft, welche die -allgemeinsten Eigenschaften aller Ursachen der Bewegung, Form- und -Beschaffenheitsänderung der Materie besitzt, und eine eigenthümliche -Kraft, weil ihr Aeußerungen zukommen, welche keine der anderen Kräfte an -sich trägt. - - -~II.~ - -In der belebten Pflanze überwiegt die Intensität der Lebenskraft bei -weitem die chemische Action des Sauerstoffs. - -Wir wissen mit der größten Bestimmtheit, daß der Sauerstoff durch den -Einfluß der Lebenskraft von Elementen abgeschieden wird, zu denen er die -stärkste Affinität besitzt; daß er in Gasform austritt, ohne die -geringste Einwirkung auf die Bestandtheile der Säfte auszuüben. - -Wie groß muß in der That der Widerstand erscheinen, den die Lebenskraft -dem terpentinöl- oder gerbsäurehaltigen Blatte verleiht, wenn wir die -Verwandtschaft in Betracht ziehen, welche der Sauerstoff zu diesen -Bestandtheilen besitzt! - -Diese Intensität der Wirkung oder des Widerstandes erhält das belebte -Blatt durch das Sonnenlicht, dessen Einfluß in chemischen Actionen mit -der eines hohen Wärmegrades (einer schwachen Glühhitze) vergleichbar ist -und verglichen wird. - -In der Nacht zeigt sich in der lebendigen Pflanze ein entgegengesetzter -Proceß, wir sehen, daß sich die Bestandtheile der Blätter und grünen -Theile mit dem Sauerstoff der Luft verbinden, eine Fähigkeit, die ihnen -im Lichte abging. - -Man kann hieraus keinen andern Schluß ziehen, als daß die Intensität der -Lebenskraft mit der Abnahme des Lichts sich vermindert, daß mit der -kommenden Nacht ein Gleichgewichtszustand eintritt und bei völliger -Abwesenheit des Lichts alle Theile der Pflanze, die während des Tages -die Fähigkeit besaßen, den Sauerstoff aus chemischen Verbindungen -auszuscheiden oder seiner Einwirkung Widerstand zu leisten, diese -Fähigkeit völlig verlieren. - -Eine ganz ähnliche Erscheinung beobachten wir bei den Thieren. - -Nur in gewissen Temperaturen zeigt der belebte Thierkörper die ihm -zukommenden Lebensäußerungen. Einem bestimmten Kältegrade ausgesetzt, -hören sie völlig auf. - -Eine Entziehung von Wärme muß deshalb völlig gleichbedeutend angesehen -werden, einer Verminderung der Lebensthätigkeit; der Widerstand, den die -Lebenskraft belebten Körpertheilen gegen äußere Ursachen von Störungen -verleiht, muß in gewissen Temperaturen in dem nämlichen Verhältniß -abnehmen, wie die Fähigkeit ihrer Elementartheile zunimmt, sich mit dem -Sauerstoff der Luft zu verbinden. - -Durch die Verbindung des Sauerstoffs mit den Bestandtheilen der Gebilde, -die sich umgesetzt haben, wird bei den fleischfressenden Thieren die zur -Aeußerung der Lebensthätigkeit nöthige Temperatur erzeugt. Bei den -grasfressenden Thieren wird eine gewisse Menge Wärme durch die -Bestandtheile ihrer stickstofffreien Nahrungsmittel entwickelt, welche -die Fähigkeit haben, eine Verbindung mit dem Sauerstoff einzugehen. - -Es ist klar, daß die Temperatur eines Thierkörpers sich nicht ändern -kann, wenn die Menge des eingeathmeten Sauerstoffs mit dem Wärmeverlust -durch äußere Abkühlung in gradem Verhältniß zunimmt. - -Zwei Individuen von gleichem Gewichte, welche ungleichen Kältegraden -ausgesetzt sind, verlieren in einer gegebenen Zeit, nach Außen hin, eine -ungleiche Menge Wärme. Die Erfahrung lehrt, daß sie, wenn die ihnen -eigenthümliche Temperatur und ihr ursprüngliches Gewicht sich nicht -ändern soll, einer ungleichen Menge Speise bedürfen; in der niedrigern -Temperatur mehr Speise wie in der höhern. - -Das Gleichbleiben des Gewichts bei ungleicher Quantität genossener -Nahrung setzt, wie sich von selbst versteht, voraus, daß in derselben -Zeit eine der Temperatur proportionale Menge Sauerstoff aufgenommen -worden ist, in der niedern Temperatur mehr wie in der höhern. - -Wir finden, daß das Gewicht beider Individuen nach 24 Stunden gleich ist -dem ursprünglichen Gewichte; angenommen, daß die Nahrung zu Blut wird, -daß das Blut zur Ernährung gedient hat, so ist klar, daß mit der -Wiederkehr des ursprünglichen Gewichtes ein den Bestandtheilen der -Speise gleiches Gewicht von den Bestandtheilen des Körpers seinen -Zustand des Lebens verloren und mit dem Sauerstoff verbunden wieder -ausgetreten ist. - -Das eine Individuum, was bei dem höhern Kältegrade mehr Speise zu sich -nahm, hat auch mehr Sauerstoff aufgenommen, es ist eine größere Menge -seiner Körpertheile mit diesem Sauerstoff ausgetreten und in Folge der -Verbindung des Sauerstoffs mit den umgesetzten Bestandtheilen ist ein -größeres Maß von Wärme frei geworden, wodurch die entführte Wärme wieder -ersetzt und die seinem Organismus zukommende Temperatur erhalten wurde. - -Durch die Wärmeentziehung muß demnach, bei hinreichender Nahrung und -ungehindertem Sauerstoffzutritt, der Stoffwechsel beschleunigt werden -und mit der, in einer gegebenen Zeit beschleunigten Umsetzung der -belebten Körpertheile muß gleichzeitig ein größeres Maß von Lebenskraft -zu mechanischen Effecten verwendbar geworden sein. - -Mit der äußern Abkühlung verstärken sich die Athembewegungen, mit der -niedern Temperatur wird ein größeres Gewicht Sauerstoff dem Blute -zugeführt, der Verbrauch an Stoff nimmt zu und wenn der Ersatz mit -diesem Verbrauch nicht im Gleichgewicht (durch Zufuhr an Speise) -erhalten wird, so nimmt die Temperatur des Körpers allmählig ab. - -In einer gegebenen Zeit kann aber keine unbegrenzte Menge Sauerstoff in -den Körper aufgenommen, es kann nur eine gewisse Quantität des belebten -Stoffs seinen Zustand des Lebens verlieren, es kann nur ein begrenztes -Maß von Lebenskraft als mechanische Kraft zur Aeußerung gelangen. Nur in -dem Falle wird also die Temperatur des Thierkörpers sich nicht ändern, -wenn Abkühlung, Krafterzeugung und Sauerstoffaufnahme sich einander im -Gleichgewichte halten. Nimmt die Wärmeentziehung über einen bestimmten -Punkt hinaus zu, so nehmen die Lebenserscheinungen in dem nämlichen -Verhältnisse ab, denn die Temperatur nimmt ab, welche als eine sich -gleichbleibende Bedingung, zu ihrer Aeußerung angesehen werden muß. - -Die Erfahrung zeigt nun, daß bei der Abnahme der Temperatur des Körpers, -das Vermögen der Glieder, mechanische Effecte hervorzubringen (die zu -den willkürlichen Bewegungen nöthige Kraft) ebenfalls abnimmt, es tritt -der Zustand ein, den man Schlaf nennt, zuletzt hören alle -unwillkürlichen Bewegungen (des Herzens, der Eingeweide) auf, es tritt -ein Scheintod ein. - -Es ist klar, daß die Ursache der Krafterzeugung, der Stoffwechsel -nämlich, deshalb abnimmt, weil mit der Entziehung von Wärme, ähnlich wie -durch Abnahme des Lichtes bei der Pflanze, die Intensität der -Lebenskraft sich vermindert; es ist klar, daß das Kraftmoment eines -belebten Körpertheils abhängig ist von der ihm zukommenden Temperatur, -ganz ähnlich, wie der Effect eines fallenden Körpers in einer bestimmten -Beziehung steht zu gewissen andern Bedingungen, die man Masse nennt oder -Geschwindigkeit. - -Nimmt die Temperatur ab, so nimmt die Lebensthätigkeit ab; mit dem -Steigen der Temperatur muß das Kraftmoment belebter Körpertheile in -seiner ganzen Intensität wieder hergestellt werden. - -Krafterzeugung zu mechanischen Effecten und Temperatur müssen deshalb, -in einer ganz bestimmten Beziehung stehen, zu der Menge des in einer -gegebenen Zeit von dem Thierkörper aufnehmbaren Sauerstoffs. - -Die Menge von Sauerstoff, welche ein Wallfisch und ein Fuhrmannspferd -in einer gleichen Zeit einzuathmen vermögen, ist sehr ungleich. Die -Temperatur, sowie die Menge des Sauerstoffs, ist bei dem Pferde weit -größer. - -Die mechanische Kraft, welche ein harpunirter Wallfisch entwickelt, -dessen Körper von dem umgebenden Medium getragen wird, so wie die Kraft -eines Fuhrmannspferdes, was seinen eigenen Körper und eine schwere Last -8-10 Stunden lang fortzubewegen hat, muß mit dem von beiden verzehrten -Sauerstoff in einerlei Verhältniß stehen. Wenn man die Zeit beachtet, in -welcher die Kraft zur Aeußerung gelangt, so ist sie offenbar bei dem -Pferde weit größer. - -Beim Besteigen hoher Berge, wo durch das Einathmen einer sehr verdünnten -Luft, in gleichen Zeiten, weit weniger Sauerstoff dem Blute zugeführt -wird, wie in Thälern oder an dem Ufer des Meeres, nimmt der Stoffwechsel -in dem nämlichen Verhältniß und damit die zu mechanischen Effecten -verwendbare Kraft, ab; Neigung zum Schlaf, Mangel an Kraft für die -willkürlichen Bewegungen stellt sich meistens ein; nach zwanzig oder -dreißig Schritten zwingt die Ermüdung zu neuer Ansammlung von Kraft -durch Ruhe (Einsaugung von Sauerstoff, ohne Verbrauch an Kraft für -willkürliche Bewegungen). - -Durch die Aufnahme von Sauerstoff in die Substanz belebter Körpertheile -verlieren sie ihren Zustand des Lebens und treten als formlose -Verbindungen aus, allein nicht aller eingeathmete Sauerstoff wird zu -dieser Umsetzung verwendet; der größte Theil dient zur Vergasung, zur -Entfernung aller dem Organismus nicht mehr angehörenden Stoffe, und wie -erwähnt, wird in Folge der Verbindung ihrer Elemente mit diesem -Sauerstoff, die dem Organismus zukommende Temperatur erzeugt. - -Wärmeerzeugung und Stoffwechsel stehen in enger Beziehung zu einander, -allein obwohl im Thierkörper Wärme hervorgebracht werden kann ohne allen -Stoffwechsel, so kann der letztere dennoch nicht unabhängig von der -Mitwirkung des Sauerstoffs gedacht werden. - -Nach allen bis jetzt gemachten Beobachtungen enthält nach dem Genuß von -geistigen Getränken, weder die ausgeathmete Luft, noch der Schweiß, noch -der Urin, Spuren von Alkohol, und es kann keinem Zweifel unterliegen, -daß seine Bestandtheile sich im Thierkörper mit Sauerstoff verbinden, -daß sein Kohlenstoff und Wasserstoff als Kohlensäure und Wasser wieder -austreten. - -Der Sauerstoff, welcher diese Verwandlung bewirkt, muß nothwendig von -dem arteriellen Blute genommen worden sein, denn wir kennen keinen -andern Weg als die Blutcirculation, auf welchem Sauerstoff in das Innere -des Körpers gelangen kann. - -Vermöge seiner Flüchtigkeit und der Leichtigkeit, womit der Alkoholdampf -von den Membranen und thierischen Geweben durchgelassen wird, kann er -sich überall nach allen Orten im Körper hin verbreiten. - -Wäre die Fähigkeit der Bestandtheile des Alkohols, sich mit Sauerstoff -zu vereinigen, nicht größer, als die der Verbindungen, welche durch den -Stoffwechsel gebildet werden, oder als die der Substanz der belebten -Körpertheile ist, so würden sie (die Bestandtheile des Alkohols) sich -mit Sauerstoff nicht verbinden können. - -Es ist deßhalb einleuchtend, daß durch den Genuß von Alkohol, dem -Stoffwechsel in gewissen Körpertheilen, eine rasche Grenze gesetzt -werden muß. Der Sauerstoff des arteriellen Blutes, der sich ohne die -Gegenwart des Alkohols mit belebtem Stoff verbunden haben würde, tritt -jetzt an die Bestandtheile des Alkohols, ein Theil des arteriellen -Blutes wird zu venösem Blut, ohne daß die Muskelsubstanz an dieser -Umwandlung Antheil nimmt. - -Wir beobachten nun, daß die Wärmeentwickelung im Organismus nach dem -Genuß von Wein eher zu- als abnimmt, ohne daß damit ein entsprechendes -größeres Maß von mechanischer Kraft zur Aeußerung gelangt. - -Eine mäßige Quantität Wein bedingt bei Frauen und Kindern, welche an -Weingenuß nicht gewöhnt sind, ganz im Gegentheil eine Abnahme der zu den -willkürlichen Bewegungen nöthigen Kraft; Müdigkeit, Abgeschlagenheit der -Glieder, Neigung zum Schlaf geben offenbar zu erkennen, daß die zu -mechanischen Effecten verwendbare Kraft, dies will sagen, daß der -Stoffwechsel abgenommen hat. - -Gewiß kann an diesen Symptomen eine Verminderung der Leitungsfähigkeit -der willkürlichen Bewegungsnerven einen gewissen Antheil haben, allein -dies muß auf die Summe von verwendbarer Kraft ohne allen Einfluß sein. - -Was die Leiter der willkürlichen Bewegungen an Krafteffecten nicht -fortzupflanzen vermögen, wird von den Leitern der unwillkürlichen -Bewegungen aufgenommen und dem Herzen, den Eingeweiden zugeführt werden -müssen. Die Blutbewegung wird in diesem Fall, auf Kosten der zu -willkürlichen Bewegungen durch die Glieder verwendbaren Kraft -beschleunigt erscheinen, ohne daß aber, wie bemerkt, durch den -Oxydationsproceß des Alkohols ein größers Maaß von mechanischer Kraft -erzeugt worden ist. - -Wir beobachten zuletzt bei den Winterschläfern, daß während ihres -Winterschlafs die Fähigkeit der Zunahme an Masse (eine der -Hauptäußerungen der Lebenskraft), durch den Ausschluß aller Speise, -völlig unterdrückt ist; bei manchen tritt in Folge der niedern -Temperatur und der hierdurch herabgestimmten Lebensthätigkeit ein -Scheintod ein, bei anderen dauern die unwillkürlichen Bewegungen fort; -das Thier behält eine von der Umgebung unabhängige Temperatur. Die -Athembewegungen dauern fort, nach wie vor wird Sauerstoff als der -Bedinger der Wärme- und Krafterzeugung aufgenommen; wir finden vor dem -Winterschlaf alle Theile ihres Körpers, die in sich selbst keinen -Widerstand gegen die Einwirkung des Sauerstoffs zu produciren vermögen, -welche wie die Eingeweide und Membranen nicht zum Stoffwechsel bestimmt -sind, mit Fett bedeckt, mit einer Materie umgeben, welche diesen -Widerstand übernimmt. - -Wenn wir uns nun denken, daß der während des Winterschlafs aufgenommene -Sauerstoff nicht in die Zusammensetzung der belebten Körpertheile, -sondern mit den Bestandtheilen des Fettes in Verbindung tritt, so wird -der belebte Körpertheil, obwohl ein gewisses Bewegungsmoment zu der -Unterhaltung des Blutumlaufs verwendet worden ist, nicht austreten. - -Mit der höhern Temperatur wächst in gleichem Grade die Fähigkeit der -Zunahme an Masse, die Blutbewegung nimmt mit der Sauerstoffaufnahme zu. -Manche dieser Thiere magern während dem Winterschlafe, andere erst mit -dem Erwachen aus dem Winterschlafe ab. - -Bei den Winterschläfern wird die in den belebten Körpertheilen thätige -Kraft ausschließlich nur zur Unterhaltung der _unwillkürlichen_ -Bewegungen verbraucht, alle Kraftverwendung zu willkürlichen Bewegungen -ist völlig unterdrückt. - -Im Gegensatz zu diesen Erscheinungen wissen wir, daß bei Uebermaß von -Bewegung und Anstrengung, die in den belebten Körpertheilen thätige -Kraft ausschließlich und vollständig zur Hervorbringung _willkürlicher_ -mechanischer Effecte verzehrt werden kann, in der Art, daß für die -unwillkürlichen Bewegungen keine Kraft mehr zu verwenden übrig bleibt. -Ein Hirsch kann zu Tode gehetzt werden, aber dies kann nicht geschehen -ohne Umsetzung aller belebten Theile seines Muskularsystems, sein -Fleisch ist nicht genießbar; der Zustand der Umsetzung, in den es durch -einen enormen Kraft- und Sauerstoffverbrauch übergegangen ist, setzt -sich mit dem Aufhören aller Bewegungserscheinungen fort; in seinen -belebten Körpertheilen ist aller Widerstand der Lebenskraft gegen -äußere Ursachen und Störungen völlig aufgehoben. - -So eng mit einander verknüpft nun auch die Bedingungen der Wärme- und -Krafterzeugung zu mechanischen Effecten sich der Beobachtung darstellen -mögen, so kann die Wärmeentwicklung für sich allein in keiner Weise als -die Ursache der mechanischen Effecte angesehen werden. - -Alle Erfahrungen beweisen, daß es im Organismus nur eine Quelle von -mechanischer Kraft giebt und diese Quelle ist der Uebergang belebter -Körpertheile in leblose Verbindungen. - -Von dieser Wahrheit ausgehend, welche unabhängig ist von jeder Theorie, -läßt sich das animalische Leben als bedingt durch die Wechselwirkung -entgegengesetzter Kräfte betrachten, von denen die einen als _Ursachen -der Zunahme_ (des Ersatzes an Stoff), die andern als _Ursachen der -Abnahme_ (des Verbrauchs an Stoff) angesehen werden müssen. - -Die Zunahme an Masse wird in belebten Körpertheilen bewirkt durch die -_Lebenskraft_; ihre Aeußerung ist abhängig von der _Wärme_ (von einer -gewissen einem jeden Organismus eigenthümlichen Temperatur). - -Die Ursache des Verbrauchs ist die _chemische Action des Sauerstoffs_, -ihre Aeußerung ist abhängig von einer Entziehung von Wärme, so wie von -der Verwendung der Lebenskraft zu _mechanischen Effecten_. - -_Der Act des Verbrauchs heißt Stoffwechsel, er tritt ein in Folge der -Aufnahme von Sauerstoff in die Substanz belebter Körpertheile; diese -Aufnahme von Sauerstoff findet nur dann statt, wenn der Widerstand, -welchen die Lebenskraft belebter Körpertheile der chemischen Action des -Sauerstoffs entgegensetzt, kleiner ist als diese chemische Action -selbst, und dieser schwächere Widerstand wird bedingt durch Entziehung -von Wärme oder durch Verwendung der in den Körpertheilen thätigen Kraft -zu mechanischen Bewegungen_. - -In Folge der Verbindung des im arteriellen Blute zugeführten Sauerstoffs -mit allen Bestandtheilen des Thierkörpers, die seiner chemischen Action -keinen Widerstand entgegensetzen, wird die zur Aeußerung der -Lebensthätigkeit nöthige Temperatur erzeugt. - -Aus den Beziehungen des Sauerstoffverbrauches zu dem Stoffwechsel und -zur Wärmeentwickelung im Thierkörper ergeben sich die folgenden -allgemeinen Regeln. - -Für jedes Verhältniß Sauerstoff, was in dem Körper in Verbindung tritt, -muß eine entsprechende Menge Wärme erzeugt werden. - -Die Summe der zu mechanischen Effecten verwendbaren Kraft muß gleich -sein der Summe von Lebenskraft aller zum Stoffwechsel geeigneten -Gebilde. - -Wenn in gleichen Zeiten eine ungleiche Menge von Sauerstoff verzehrt -worden ist, so zeigt sich dies in einem ungleichen Maß von -freigewordener Wärme und mechanischer Kraft. - -Ein ungleiches Maß von verbrauchter mechanischer Kraft oder von Wärme -bedingt die Aufnahme einer entsprechenden Menge Sauerstoff. - -Zum Uebergang belebter Körpertheile in leblose Verbindungen, sowie zur -Verbindung des Sauerstoffs mit den Bestandtheilen des Thierkörpers, -welche Verwandtschaft zu ihm haben, gehört _Zeit_. - -In einer gegebenen Zeit kann nur ein begrenztes Maß von mechanischen -Effecten zur Aeußerung gelangen, es kann nur eine begrenzte Menge von -Wärme in Freiheit gesetzt werden. - -Was in den mechanischen Effecten an Geschwindigkeit verbraucht wird, -geht an Zeit ab, d. h. je rascher die hervorgebrachten Bewegungen sind, -desto schneller wird die Kraft erschöpft. - -Die Summe der im Thierkörper in einer gegebenen Zeit erzeugten -mechanischen Kraft ist gleich der Summe der in der nämlichen Zeit zur -Hervorbringung der willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen nöthigen -Kraft, d. h. alle Kraft, welche das Herz, die Eingeweide &c. zu ihren -Bewegungen bedürfen, geht für die willkürlichen Bewegungen verloren. - -Die Menge der zur Herstellung des Gleichgewichts zwischen Verbrauch und -Ersatz nöthigen, stickstoffhaltigen Speise steht im graden Verhältniß zu -der Menge der umgesetzten Gebilde. - -Die Menge des belebten Stoffs, welcher in dem Thierkörper seinen Zustand -des Lebens verliert, steht bei gleichen Temperaturen in geradem -Verhältniß zu den in der gegebenen Zeit hervorgebrachten mechanischen -Effecten. - -Die Quantität der in einer gegebenen Zeit umgesetzten Gebilde ist meßbar -durch den Stickstoffgehalt des Harns. - -Die Summe der bei gleichen Temperaturen in zwei Individuen -hervorgebrachten mechanischen Effecte ist proportional dem -Stickstoffgehalt ihres Harns, gleichgültig ob die mechanische Kraft zu -den willkürlichen oder unwillkürlichen Bewegungen verwendet, ob sie -durch die Glieder, oder das Herz und die Eingeweide verzehrt worden ist. - -Der Zustand des Thierkörpers, den man mit _Gesundheit_ bezeichnet, -umfaßt den Begriff eines Gleichgewichts zwischen allen Ursachen des -Verbrauchs und den Ursachen des Ersatzes, und das Thierleben giebt sich -hiernach zu erkennen als die Wechselwirkung beider Ursachen, es zeigt -sich als eine sich wiederholende Aufhebung und Wiederherstellung des -Gleichgewichtszustandes. - -Der Masse nach ist in den verschiedenen Lebensaltern der Ersatz und -Verbrauch an Stoff ungleich, allein im Zustand der Gesundheit muß die -verwendbare Lebenskraft stets als eine der Summe der belebten -Körpertheile entsprechende, unveränderliche Größe angesehen werden. - -Die Zunahme an Masse steht in jedem Lebensalter in einem ganz bestimmten -Verhältniß zu der als bewegende Kraft verbrauchten Lebenskraft. - -Die Lebenskraft, welche zu mechanischen Effecten verwendet wird, geht -von der Summe an Kraft ab, welche zur Zunahme verwendbar ist. - -Die thätige Kraft, welche in dem Thierkörper zur Ueberwindung von -Widerständen, sagen wir zu _Bildungseffecten_ (zur Zunahme an Masse), -verwendet wird, ist gleichzeitig _nicht_ zur Hervorbringung mechanischer -Effecte verwendbar. - -Hieraus folgt von selbst, daß wenn der Masse nach, wie in dem -Kindesalter, der Ersatz (die Zunahme an Masse) größer ist, als der -Verbrauch, daß die hervorgebrachten mechanischen Effecte in demselben -Verhältniß kleiner gewesen sein müssen. - -Mit der Steigerung der mechanischen Effecte vermindert sich in dem -nämlichen Verhältniß die Fähigkeit der Zunahme oder des Ersatzes an -belebten Körpertheilen. - -Ein vollkommnes Gleichgewicht in dem Verbrauch der Lebenskraft zu -Bildungseffecten und mechanischen Effecten findet demnach nur in dem -erwachsenen Zustande statt; es zeigt sich unverkennbar an dem -vollkommnen Ersatz von verbrauchtem Stoff. Im Greisenalter wird mehr -verbraucht, im Kindesalter wird mehr ersetzt als verbraucht. - -Die zu mechanischen Effecten von einem erwachsenen Manne verwendbare -Kraft wird in der Mechanik zu einem Fünftel seines eigenen Gewichts -angenommen, was er acht Stunden lang mit einer Geschwindigkeit von 5 Fuß -in zwei Secunden fortbewegen kann. - -Nehmen wir das Gewicht eines Mannes zu 150 Pfund an, so ist seine Kraft -gleich einem Gewicht von 30 Pfunden, die er 72000 Fuß weit trägt. Für -jede Secunde ist sein Kraftmoment 30 × 2,5 = 75 und für die ganze -Tageszeit sein Bewegungsmoment 30 × 72000 = 216000. - -Durch die Wiederherstellung seines Körpergewichts sammelt der Mann nun -eine Summe von Kraft wieder an, die ihm den zweiten Tag gestattet, ohne -Erschöpfung eine gleiche Anzahl von mechanischen Effecten -hervorzubringen. - -_Dieser Ersatz an Kraft geschieht in einem siebenstündigen Schlaf_. - -In den Fabriken von gewalztem Eisen kommt es häufig vor, daß für den -gewöhnlichen Gang der Maschine ihr Druck nicht stark genug ist, um eine -Eisenstange von einer gewissen Dicke durch die Cylinder der Walze -durchgehen zu machen. Man hilft sich in diesem Fall, indem man die ganze -Kraft des Dampfs auf das Schwungrad wirken läßt und alsdann erst, wenn -dieses eine große Geschwindigkeit erlangt hat, die Eisenstange unter die -Walze bringt, wo sie dann (während das Schwungrad seine Geschwindigkeit -verliert) mit großer Leichtigkeit zu einer Tafel zusammengepreßt wird. -Was das Schwungrad an Geschwindigkeit zunahm, gewann die Walze an Kraft; -durch dieses Verfahren ist offenbar in der Geschwindigkeit Kraft -angesammelt worden; allein in diesem Sinne häuft sich im lebendigen -Organismus keine Kraft an. - -Die Wiederherstellung der Kraft geschieht im Thierkörper durch die -Neubildung der ausgetretenen, zur Krafterzeugung bestimmten -Körpertheile, durch die Verwendung der thätigen Lebenskraft zu -_Bildungseffecten_ und mit der Wiederherstellung der ausgetretenen -Körpertheile, erhält der Organismus eine der verwendeten, gleiche Kraft -zurück. - -Es ist einleuchtend, daß die während des Schlafs in Bildungseffecten -sich äußernde Lebenskraft, gleich sein muß, der ganzen Summe der im -wachenden Zustande zu allen mechanischen Effecten zusammengenommenen -verwendeten bewegenden Kraft, plus einer gewissen Quantität von Kraft, -welche zur Unterhaltung der im Schlafe fortdauernden, unwillkürlichen -Bewegungen erforderlich war. - -Von Tag zu Tag erhält der arbeitende Mann bei hinlänglicher Nahrung -durch sieben Stunden Schlaf diese ganze Summe von Kraft zurück, und -abgesehen von der zu den unwillkürlichen Bewegungen nöthigen Kraft, die -in allen Individuen gleich ist, kann man annehmen, daß die zur Arbeit -verwendbare, mechanische Kraft in gradem Verhältniß steht zu der Anzahl -von Stunden Schlaf. - -Der Mann schläft 7 und wacht 17 Stunden; bei _Wiederherstellung des -Gleichgewichtes_ nach 24 Stunden sind demnach die in 17 Stunden -geäußerten mechanischen Effecte gleich den in 7 Schlafstunden -verwendeten Bildungseffecten. - -Wenn ein Greis nur 3¹/₂ Stunden schläft und alles übrige gleich wie bei -dem Manne gesetzt wird, so würde er jedenfalls nur die Hälfte der -mechanischen Effecte hervorzubringen vermögen, wie der Mann von gleichem -Gewicht, er würde nur 15 Pfund die nämliche Strecke weit tragen können. - -Der Säugling schläft 20 Stunden und wacht 4 Stunden; die in ihm thätige -Kraft, welche zu Bildungseffecten verwendet wird, verhält sich zu der, -welche zu mechanischen Effecten (zur Bewegung der Glieder) verwendet -wird, wie 20 : 4; aber seine Glieder besitzen kein Kraftmoment, denn er -kann seinen eigenen Körper noch nicht tragen. Nehmen wir an, der Greis -und Säugling verbrauche zu mechanischen Effecten eine dem Verhältniß, -der von dem Manne verwendbaren, entsprechende Menge Kraft, so stehen die -mechanischen Effecte im Verhältniß zu der Anzahl der Stunden des -Wachens, die Bildungseffecte im Verhältniß zu der Anzahl der Stunden -Schlaf, und wir haben: - - Kraftverbrauch Kraftverbrauch - zu zu - _mechanischen Effecten_ _Bildungseffecten_ - beim Mann 17 7 - beim Säugling 4 20 - beim Greis 20,5 3,5 - -Bei dem Manne findet zwischen Verbrauch und Ersatz ein vollkommnes -Gleichgewicht statt, beim Säugling und Greis weichen Ersatz und -Verbrauch von einander ab. Setzen wir den Kraftverbrauch in den siebzehn -Stunden des Wachens gleich dem Kraftverbrauch zur Wiederherstellung des -Gleichgewichts im Schlaf = 100 = 17 Wachestunden = 7 Schlafstunden, so -ergeben sich folgende Verhältnisse. - -Die mechanischen Effecte verhalten sich zu den Bildungseffecten - - beim Mann = 100 : 100 - beim Säugling = 25 : 250 - beim Greis = 125 : 50 - -oder die Zunahme zur Abnahme - - beim Erwachsenen = 100 : 100 - beim Säugling = 100 : 10 - beim Greis = 100 : 250 - -Es ist hiernach klar, daß wenn der Greis eine den Schlafstunden des -Mannes proportionale Arbeit verrichtet, so wird der Verbrauch größer -sein wie der Ersatz, d. h. sein Körper wird rasch abnehmen, im Fall er -15 Pfund, mit einer Geschwindigkeit von 2¹/₂ Fuß in der Sekunde 72000 -Fuß weit trägt, aber 6 Pfund Last wird er diese Strecke weit fortbewegen -können. - -Beim Kinde verhält sich die Zunahme zur Abnahme wie 10 : 1 und wenn wir -den Verbrauch an mechanischen Effecten bei ihm also um das zehnfache -steigern, so wird erst dann ein Gleichgewicht an Ersatz und Verbrauch -eintreten; das Kind wird in diesem Fall freilich nicht an Masse -zunehmen, allein es wird daran auch nicht abnehmen. - -Wenn bei dem Erwachsenen der Kraftverbrauch zu mechanischen Effecten in -24 Stunden, über die in 7 Schlafstunden ersetzbare Quantität gesteigert -wird, so muß, wenn das Gleichgewicht sich wiederherstellen soll, in den -folgenden 24 Stunden, in dem nämlichen Verhältniß, weniger Kraft zu -mechanischen Effecten verwendet werden, im entgegengesetzten Fall nimmt -die Masse des Körpers ab und es tritt mehr oder weniger schnell der -Zustand ein, welcher das Greisenalter characterisirt. - -Mit jeder Stunde Schlaf mehrt sich beim Greise die Summe der -verwendbaren Krafteffecte, oder nähert sich dem Gleichgewichtsverhältniß -an Ersatz und Verbrauch wie beim erwachsenen Menschen. - -Es ist ferner klar, daß wenn ein Theil der Kraft, welche zu mechanischen -Bewegungen ohne Störung des Gleichgewichtes verwendbar ist, zur Bewegung -der Glieder, Hebung von Lasten, Arbeit &c. nicht verzehrt wird, so wird -sie durch die unwillkürlichen Bewegungen verwendbar sein. Wenn die -Bewegung des Herzens und der Säfte, der Eingeweide (der Blutumlauf und -die Verdauung) sich in dem nämlichen Verhältniß beschleunigt findet, wie -zu mechanischen Effecten durch die Glieder weniger Kraft verbraucht -wird, so wird das Gewicht des Körpers in 24 Stunden weder zu- noch -abnehmen; der Körper nimmt an Masse also nur dann zu, wenn die in den -Schlafstunden gesammelte und zu mechanischen Effecten verwendbare Kraft -weder für die willkürlichen, noch unwillkürlichen Bewegungen verzehrt -wird. - -Die angeführten approximativen Zahlenwerthe für den Kraftverbrauch im -Organismus des Menschen beziehen sich, wie ausdrücklich hervorgehoben -worden, nur auf eine gegebene, unveränderliche Temperatur; in ungleicher -Temperatur und bei Mangel an Nahrung müssen sich alle diese -Verhältnisse ändern. - -Wenn wir einen Körpertheil mit Eis und Schnee umgeben, während die -übrigen in ihrer gewöhnlichen Beschaffenheit bleiben, so tritt mehr oder -weniger schnell in Folge der Entziehung von Wärme, ein rascherer -Stoffwechsel an der abgekühlten Stelle ein. - -Der Widerstand der belebten Körpertheile gegen die Einwirkung des -Sauerstoffs an der abgekühlten Stelle ist kleiner, als an allen übrigen -Orten, was im Resultate ganz gleich ist einer Erhöhung des Widerstandes -an diesen andern Orten. - -Das Kraftmoment der Lebenskraft an den nicht abgekühlten Stellen wird -nach wie vor zur mechanischen Bewegung verbraucht, allein die ganze -Wirkung des eingeathmeten Sauerstoffs wendet sich der abgekühlten Stelle -zu. - -Denken wir uns einen Cylinder von Eisen, in den wir Dampf unter einem -gewissen Drucke einströmen lassen, so wird, wenn die Kraft, mit welcher -die Theile des Eisens zusammenhängen, gleich ist der Kraft, welche sie -zu trennen strebt, ein Gleichgewichtszustand eintreten, d. h. die ganze -Wirkung des Dampfes wird durch den Widerstand aufgehoben. Wenn aber eine -der Wände des Cylinders beweglich ist, ein Stempel z. B., dem Druck des -Dampfes also einen geringeren Widerstand entgegensetzt, als die anderen -Wände, so wird der ganze Druck in der Bewegung dieser einen Wand, in der -Hebung des Stempels, verzehrt. Wenn wir nicht neuen Dampf (neue Kraft) -hinzuströmen lassen, so wird sich bald ein Gleichgewichtszustand -einstellen. Einen gewissen Druck hält die Wand aus ohne sich zu bewegen, -durch einen größeren Druck wird der Stempel gehoben; wenn dieser -Ueberschuß von Kraft verzehrt ist durch die Bewegung, so wird er nicht -weiter gehoben werden; wenn immer neuer Dampf hinzuströmt, so wird seine -Bewegung fortdauern. - -An der abgekühlten Stelle setzen die belebten Körpertheile der -chemischen Action des Sauerstoffs ein kleineres Hinderniß entgegen; -seine Fähigkeit, mit ihren Bestandtheilen eine Verbindung einzugehen, -ist an diesem Orte erhöht; einmal ausgetreten hört aller Widerstand -völlig auf, und in Folge der Verbindung des Sauerstoffs mit den -Bestandtheilen der umgesetzten Gebilde wird ein größeres Maß von Wärme -frei. - -Für eine gegebene Quantität Sauerstoff bleibt sich die erzeugte -Wärmemenge völlig gleich; an der abgekühlten Stelle nimmt der -Stoffwechsel und damit die Wärmeentwicklung zu, an den anderen nimmt der -Stoffwechsel (die Wärmeentwicklung) ab. Hat aber die abgekühlte Stelle, -durch die Verbindung des Sauerstoffs mit den ausgetretenen -Körpertheilen, ihre ursprüngliche Temperatur wiedererhalten, so nimmt -damit der Widerstand ihrer belebten Körpertheile gegen den -nachströmenden Sauerstoff wieder zu, an allen übrigen Orten ist aber nun -der Widerstand kleiner geworden, d. h. es tritt nun auch an diesen ein -rascherer Stoffwechsel, eine Erhöhung der Temperatur ein, und mit dieser -wird, wenn die Ursache des Stoffwechsels fortdauert, ein größeres Maß -von Lebenskraft zu mechanischen Effekten verwendbar. - -Denken wir uns nun, daß der ganzen Oberfläche des Körpers Wärme entzogen -wird, so wird die ganze Wirkung des Sauerstoffs der Haut zugelenkt -werden, in kurzer Zeit muß der Stoffwechsel im ganzen Körper zunehmen; -das Fett, so wie alle Bestandtheile des Thierkörpers, welche die -Fähigkeit haben, mit dem in größerer Quantität zugeführten Sauerstoff -sich zu verbinden, werden in der Form von Sauerstoffverbindungen aus dem -Körper treten. - - -Theorie der Krankheit. - -Ein jeder Stoff oder Materie, eine jede chemische oder mechanische -Thätigkeit, welche die Wiederherstellung des Gleichgewichtes in den -Aeußerungen der Ursachen des Verbrauches und Ersatzes in der Art ändert -oder stört, daß sich ihre Wirkung den Ursachen des Verbrauches -hinzufügt, heißt _Krankheits-Ursache_; es entsteht _Krankheit_, wenn die -Summe von Lebenskraft, welche alle Ursachen von Störungen aufzuheben -strebt (wenn also der Widerstand der Lebenskraft), kleiner ist, als die -einwirkende, störende Thätigkeit. - -_Tod_ heißt der Zustand, wo aller Widerstand der Lebenskraft völlig -aufhört; so lange dieser Zustand nicht eintritt, äußern die belebten -Körpertheile stets noch einen Widerstand. - -In der Beobachtung zeigt sich die Wirkung einer Krankheitsursache in dem -gestörten Verhältnisse zwischen dem, einem jeden Lebensalter -zukommenden, Verbrauch und Ersatz. In der Heilkunde heißt Krankheit -jeder abnorme Zustand des Ersatzes oder Verbrauchs, in allen -Körpertheilen oder in einem einzelnen Körpertheil. - -Es ist klar, daß eine und dieselbe Krankheitsursache auf den Organismus, -je nach dem Lebensalter, eine höchst ungleiche Wirkung äußern muß, daß -ein gewisses Maß von Störung, welche Krankheit in dem erwachsenen -Zustande bewirkt, ohne Einfluß auf die Lebensäußerungen im Kindes- oder -Greisenalter sein kann. Eine Krankheitsursache kann im Greisenalter, -wenn sie sich der Wirkung der Ursache des Verbrauchs hinzufügt, den Tod -bewirken (allen Widerstand der Lebenskraft vernichten), während sie im -reifen Lebensalter nur ein Mißverhältniß im Verbrauch und Ersatz -(Krankheit), und im Kindesalter nur ein Gleichgewichtsverhältniß -zwischen Verbrauch und Ersatz, das ist, den abstracten Zustand von -Gesundheit, hervorbringt. - -Eine Krankheitsursache, welche die Ursache des Ersatzes verstärkt, -entweder direct, oder insofern die Ursache des Verbrauchs in ihrer -Wirkung dadurch geschwächt wird, hebt den relativ normalen -Gesundheitszustand im Kindesalter und im reifen Alter auf, und setzt im -Greisenalter Verbrauch und Ersatz in’s Gleichgewicht. - -Ein Kind erträgt, leicht gekleidet, Abkühlung durch hohe Kältegrade -ohne Störung seiner Gesundheit, seine zu mechanischen Effekten -verwendbare Kraft, so wie seine Temperatur nehmen mit dem durch -Abkühlung sich einstellenden Stoffwechsel zu, während ein hoher -Wärmegrad, welcher den Stoffwechsel hindert, einen krankhaften Zustand -nach sich zieht. - -Wir sehen im Gegensatze hierzu in den Hospitälern und in den -wohlthätigen Anstalten (in Brüssel &c.), in welchen alte Leute ihre -letzten Lebenstage zubringen, daß, wenn die Temperatur des Schlafraums -(im Winter) zwei bis drei Grade unter die erwartete Temperatur fällt, -daß durch diese schwache Abkühlung der Tod von den ältesten und an sich -schwächsten Greisen und Greisinnen herbeigeführt wird; man findet sie in -ihren Betten ruhig liegend ohne die geringsten Symptome von Krankheit -oder anderen erkennbaren Ursachen des Todes. - -Mangel an Widerstand eines belebten Körpertheils gegen die Ursachen des -Verbrauchs ist, wie sich von selbst versteht, Mangel an Widerstand gegen -die Einwirkung des atmosphärischen Sauerstoffs. - -Wenn nun durch irgend eine Ursache der Störung in einem belebten -Körpertheil dieser Widerstand abnimmt, so nimmt in gleichem Grade der -Stoffwechsel zu. - -Da nun die Bewegungserscheinungen in dem Thierkörper abhängig sind von -dem Stoffwechsel, so folgt mit der Steigerung des Stoffwechsels in -irgend einem Körpertheil, von selbst, eine Beschleunigung aller -Bewegungen; je nach der Fortpflanzungsfähigkeit der Nerven vertheilt -sich die verwendbare Kraft auf die Leiter der unwillkürlichen -Bewegungen allein oder auf alle zusammengenommen. - -Wird demnach in Folge einer krankhaften Umsetzung der belebten -Körpertheile ein größeres Maß von Kraft erzeugt, als zur Hervorbringung -der normalen Bewegung erforderlich ist, so zeigt sich dies in einer -Beschleunigung aller oder einzelner, unwillkürlichen Bewegungen, so wie -in einer höheren Temperatur des kranken Körpertheils. - -_Dieser Zustand heißt Fieber_. - -Bei einem Uebermaß von Krafterzeugung durch Stoffwechsel überträgt sich -die Kraft (da sie nur durch Bewegung verzehrt werden kann), auf die -Apparate der willkürlichen Bewegung. - -_Dieser Zustand heißt Fieberparoxysmus_. - -In Folge der durch den Fieberzustand beschleunigten Blutbewegung wird in -einer gegebenen Zeit dem kranken Ort sowohl, wie allen anderen Orten, -ein größeres Maß arterielles Blut und damit Sauerstoff hinzugeführt, und -wenn die thätige Kraft an den gesunden Orten in ihrer Aeußerung sich -gleich bleibt, so muß die ganze Wirkung des mehr hinzugeführten -Sauerstoffs sich auf den kranken Ort allein erstrecken. - -Je nachdem ein einzelnes Organ oder ein System von Organen, krank ist, -erstreckt sich der Stoffwechsel auf einen einzelnen Ort, oder auf das -ganze ergriffene System. - -Entstehen an den kranken Orten in Folge des Stoffwechsels aus den -Bestandtheilen des Gebildes oder Blutes neue Producte, welche die -nächstliegenden Theile zu ihren eigenen vitalen Function nicht verwenden -können, sind ihre Umgebungen unfähig, sie anderen Orten, wo sie eine -Veränderung erfahren können, zuzuführen, so erleiden sie an dem Orte -selbst, wo sie sich gebildet haben, einen der Verwesung, Fäulniß oder -Gährung ähnlichen Umsetzungsproceß. - -In gewissen Fällen beseitigt die Heilkunde diese Krankheitszustände, -indem sie in der Nähe des kranken, oder an irgend einem andern passenden -Ort, einen künstlichen Krankheitszustand (Blasenpflaster, Senfpflaster, -Haarseil &c.) hervorbringt, indem sie an diesen Orten den Widerstand der -Lebensthätigkeit durch künstliche Störungen vermindert; es gelingt dem -Arzte, den ursprünglichen Krankheitszustand zu heben, wenn die -hervorgebrachte Störung (der verringerte Widerstand) die zu besiegende -Krankheitsstörung überwiegt. - -Der raschere Stoffwechsel und die höhere Temperatur an dem kranken Orte -zeigt, daß der Widerstand der Lebensthätigkeit an dem kranken Orte gegen -den Sauerstoff schwächer ist, wie im gesunden Zustande, aber erst mit -dem Tode hört er völlig auf. Durch die künstliche Verminderung des -Widerstandes an einem andern Körpertheil wird der Widerstand des -ursprünglich kranken Theils zwar direct nicht verstärkt, allein die -chemische Action (die Ursache des Stoffwechsels) nimmt an dem kranken -Körpertheil ab, indem sie einem andern Orte zugelenkt wird, wo es der -Kunst des Arztes gelungen ist, einen noch geringern Widerstand gegen -Stoffwechsel (gegen die Einwirkung des Sauerstoffs) hervorzubringen. Es -tritt eine vollkommne Hebung der ursprünglichen Krankheit ein, wenn -Widerstand und Einwirkung an dem kranken Körpertheil ins Gleichgewicht -gebracht sind. Es erfolgt Gesundheit, Wiederherstellung des kranken -Körpertheils in seinem ursprünglichen Zustande, wenn es gelingt, die -störende Action des Sauerstoffs durch irgend ein Mittel so weit zu -schwächen, daß sie kleiner wird, als der Widerstand der unausgesetzt -vorhandenen, wiewohl verminderten Lebensthätigkeit; denn dies ist die -Bedingung der Zunahme an Masse im lebendigen Organismus überhaupt. - -In Fällen anderer Art, wo die äußeren künstlichen Störungen ohne Wirkung -sind, schlägt der praktische Arzt, um den Widerstand der -Lebensthätigkeit zu erhöhen, andere indirecte Wege ein, auf welche die -vollendetste Theorie, weder scharfsichtiger noch richtiger, hätte führen -können; er vermindert nämlich durch Blutentziehung die Anzahl der Träger -des Sauerstoffs und damit die Bedingung des Stoffwechsels; er schließt -in der Speise alle Stoffe aus, welche die Fähigkeit besitzen, zu Blut zu -werden; er giebt ausschließlich oder vorzugsweise nur stickstofffreie -Nahrung, welche den Respirationsproceß unterhält, so wie Obst und Theile -von Vegetabilien, welche die zu den Secreten nöthigen Alkalien -enthalten. - -Gelingt es ihm, die Einwirkung des Sauerstoffs im Blute auf den kranken -Körpertheil so weit zu vermindern, daß die Lebensthätigkeit des -letztern, sein Widerstand, die chemische Action nur etwas überwiegt, und -geschieht dies, ohne den Functionen der anderen Organe eine Grenze zu -setzen, so ist die Wiederherstellung gewiß. - -Zu der in diesen Fällen mit Geschick und Beobachtungsgabe angewendeten -Heilmethode fügt sich, man kann sagen zur Hülfe des kranken -Körpertheils, die Lebenskraft der übrigen, nicht ergriffenen Theile -hinzu, denn durch Blutentziehung, durch Ausschluß der zur Blutbildung -nöthigen Speise, nimmt ja auch auf sie die äußere Ursache der Störung -ab, welche ihre eigne Lebenskraft im Gleichgewicht erhielt; ihre eigne -Thätigkeit erhält ein Uebergewicht; der Stoffwechsel nimmt zwar im -ganzen Körper ab, und damit die Bewegungserscheinungen, allein die Summe -aller Widerstände zusammengenommen nimmt zu in dem Grade, wie der auf -sie in dem Blute einwirkende Sauerstoff sich vermindert. In dem Gefühl -von _Hunger_ gelangt gewissermaßen dieser Widerstand zum Bewußtsein, und -die überwiegende Lebensthätigkeit zeigt sich bei vielen Verhungernden in -einer abnormalen Zunahme oder einer abnormalen Umsetzung gewisser Theile -von Organen. _Mitleidenschaft_ heißt eine Uebertragung des geringern -Widerstandes der Lebensthätigkeit von einem kranken Körpertheil nicht -gerade auf die zunächstliegenden, sondern auf andere Organe, wenn die -Functionen beider sich gegenseitig bedingen. Wenn die Verrichtungen des -kranken Organs mit denen eines andern in Verbindung stehen, wenn das -eine z. B. die Materien nicht mehr producirt, welche zur vitalen -Function des andern gehören, so überträgt sich auf diese, wiewohl nur -scheinbar, der Krankheitszustand. - -Ueber die Natur und das Wesen der Lebenskraft kann man sich wohl keiner -selbstgeschaffenen Täuschung hingeben, wenn man beachtet, daß sie sich -in allen ihren Aeußerungen ganz ähnlich wie andere Naturkräfte verhält, -daß sie ohne Bewußtsein, völlig willenlos, einem Blasenpflaster -untergeordnet ist. - -Die Nerven, welche die willkürlichen und unwillkürlichen Bewegungen im -Thierkörper vermitteln, sind, nach dem Vorhergehenden, nicht die -Erzeuger, sondern nur die Leiter der Lebenskraft; sie pflanzen die -Bewegung fort und verhalten sich gegen andere Ursachen von Bewegungen, -welche in ihren Aeußerungen der Lebenskraft ähnlich sind, gegen einen -elektrischen Strom z. B. auf eine völlig gleiche Weise, sie gestatten -ihm den Durchgang und bieten als Leiter der Elektricität alle -Erscheinungen dar, welche ihnen als Leitern der Lebenskraft -zukommen. Niemandem wird es wohl, nach dem gegenwärtigen Zustande -unserer Kenntnisse, in den Sinn kommen, als die Ursache der -Bewegungserscheinungen in dem Thierkörper die Elektricität anzusehen, -allein die medicinischen Wirkungen der Elektricität, so wie die eines -Magneten, der in Berührung mit dem Körper die Entstehung eines -elektrischen Stromes vermittelt, können nicht geleugnet werden. Denn zu -der vorhandenen Kraft der Bewegung und Störung addirt sich in dem -elektrischen Strome eine neue Ursache von Bewegung, Form- und -Beschaffenheitsänderung, deren Wirkungen nicht gleich Null gesetzt -werden dürfen. - -Auf eine höchst rationelle Weise wendet die praktische Medicin in -manchen Krankheiten die Kälte als Mittel an, um den Stoffwechsel auf -eine ungewöhnliche Weise zu steigern und zu beschleunigen. Dies -geschieht namentlich bei gewissen krankhaften Zuständen der Substanz des -Centrums der Bewegungsapparate, wenn eine glühende Hitze und ein rascher -Strom von Blut nach dem Kopfe, eine abnormale Umsetzung des Gehirns -erkennen lassen. Wenn dieser Zustand über eine gewisse Zeit hindurch -dauert, so giebt die Erfahrung zu erkennen, daß alle Bewegungen im -Thierkörper aufhören; wenn sich der Stoffwechsel auf das Gehirn -vorzugsweise beschränkt, so nimmt der Stoffwechsel, die Krafterzeugung, -in allen anderen Theilen ab; durch Umgebung dieses Körpertheils mit Eis -wird die Temperatur herabgestimmt, allein die Ursache der -Wärmeentwicklung dauert fort; der Widerstand der Lebensthätigkeit wird -vermindert, die Umsetzung, die Entscheidung über den Ausgang der -Krankheit, wird auf eine kürzere Zeitdauer beschränkt. Man darf nicht -vergessen, daß das Eis schmilzt und Wärme aus dem kranken Körpertheil -aufnimmt, daß mit der Entfernung des Eises, vor dem Verlauf der -Umsetzung, die höhere Temperatur wieder sich einstellt, daß man durch -Umgebung mit Eis weit mehr Wärme entzieht, als durch Umhüllung mit einem -schlechten Wärmeleiter; es ist offenbar in der gleichen Zeit eine -größere Menge Wärme frei geworden, was nur durch gesteigerte Zufuhr von -Sauerstoff, der eine raschere Umsetzung bedingen mußte, möglich ist. - -Ein nicht ganz unpassendes Bild für die Vorgänge im Thierkörper geben -die sich selbst regulirenden Dampfmaschinen ab, an denen zur -Hervorbringung einer gleichförmigen Bewegung der menschliche Geist den -bewundernswürdigsten Scharfsinn bethätigt hat. - -Jedermann weiß, daß in dem Rohre, was den Dampf zu dem Cylinder führt, -in welchem ein Stempel in die Höhe gehoben werden soll, ein -durchbrochener Hahn angebracht ist, durch dessen Oeffnung aller Dampf -seinen Weg nehmen muß; durch eine mit dem Schwungrad in Verbindung -stehende Vorrichtung öffnet sich dieser Hahn, wenn das Rad langsamer, es -schließt sich mehr oder weniger, wenn es geschwinder geht, als zur -gleichförmigen Bewegung erforderlich ist. Mit dem Oeffnen des Hahns -strömt mehr Dampf zu (mehr Kraft), die Bewegung der Maschine wird -beschleunigt; mit dem Schließen des Hahns wird der hinzuströmende Dampf -mehr oder weniger abgeschlossen, die Kraft, welche auf den Stempel -wirkt, nimmt ab, die Spannung des Dampfes im Kessel nimmt zu; sie wird -zu einer spätern Verwendung aufgespart. Die Spannung des Dampfes, die -Kraft, wenn man will, wird hervorgebracht durch Stoffwechsel, durch -Verbrennung von Kohlen unter dem Heerde der Maschine. Die Kraft steigt -(die Menge des entwickelten Dampfes und seine Spannung nehmen zu) mit -der Temperatur des Heerdes, welche abhängig ist von Zufuhr an Kohlen und -Luft. Es finden sich an diesen Maschinen andere Vorrichtungen, welche -beide zu reguliren bestimmt sind. Steigt die Spannung des Dampfes im -Kessel, so schließen sich die Luftzüge, die Verbrennung wird -verlangsamt, die Zufuhr an Kraft (an Dampf) vermindert; geht die -Maschine langsamer, so strömt ihr mehr Dampf zu, die Luftzüge öffnen -sich und die Ursache der Wärmeentwicklung (Krafterzeugung) nimmt zu, -eine letzte Vorrichtung wirft dem Heerde ohne Unterlaß _Kohlen_ zu. - -Wenn wir nun an irgend einer Stelle des Dampfkessels die Temperatur -erniedrigen, so nimmt seine Spannung ab; dies giebt sich sogleich an den -Regulatoren der Kraft zu erkennen, die nun ganz die Functionen -verrichten, wie wenn wir eine gewisse Quantität Dampf (Kraft) aus dem -Kessel hätten heraustreten lassen; der Dampfregulator, die Luftzüge -öffnen sich, die Maschine wirft sich selbst eine größere Menge Kohlen -zu. - -Ganz ähnlich wie in diesen Maschinen, verhält es sich im Thierkörper -hinsichtlich der Wärme und Krafterzeugung. Mit der Abnahme der äußern -Temperatur verstärken sich die Athembewegungen, es wird Sauerstoff -häufiger und in verdichteterem Zustande zugeführt, der Stoffwechsel -erhöht sich, es muß mehr Nahrungsstoff zugeführt werden, wenn die -Temperatur nicht wechseln soll. - -Es bedarf wohl keiner Erinnerung, daß ein gespannter Dampf in dem -Thierkörper, so wenig wie ein elektrischer, Strom, als die Ursache der -Krafterzeugung angesehen werden kann. - -Aus der in dem Obigen entwickelten Theorie der Krankheit ergiebt sich -von selbst, daß ein ausgebildeter Krankheitszustand in einem Körpertheil -durch die chemische Action eines Arzneimittels nicht zum Verschwinden -gebracht werden kann. - -Einem abnormalen Umsetzungsproceß kann durch Arzneimittel eine Grenze -gesetzt werden, er kann beschleunigt oder verlangsamt werden, allein -damit ist der Normal- (Gesundheits-) Zustand nicht zurückgekehrt. - -Die Kunst des Arztes besteht in der Kenntniß der Mittel, die ihm -gestatten, einen Einfluß auf den Verlauf der Krankheit auszuüben, und in -der Beseitigung und Entfernung aller störenden Ursachen, deren Wirkung -sich der Wirkung der Krankheitsursache hinzufügt. - -Eine jede Theorie bringt nur durch die richtige Anwendung ihrer -Principien einen wirklichen Nutzen. Eine und dieselbe Heilmethode kann -dem einen Individuum die Gesundheit wiedergeben, während sie, auf ein -anderes angewandt, den sichern Tod nach sich zieht. So hat in gewissen, -entzündlichen Krankheiten, bei muskelreichen Personen, die -antiphlogistische Behandlung ihren entschiedenen Werth, während -Blutentziehung bei anderen von nachtheiligen Folgen begleitet ist. Das -belebende Blut bleibt immer die wichtigste Bedingung zur -Wiederherstellung eines aufgehobenen Gleichgewichts-Zustandes, welche -stets an den Gewinn von Zeit geknüpft ist; es muß als die letzte und -wichtigste Ursache eines dauernden, vitalen Widerstandes der kranken -sowohl, wie der nicht ergriffenen Körpertheile angesehen und im Auge -behalten werden. - -Es ist ferner klar, daß in allen Krankheiten, wo das Fieber die Bildung -von Ansteckungsstoffen und Exenthemen begleitet, zwei Krankheitszustände -sich neben einander vollenden, und daß das Blut (Fieber) als der Träger -des Stoffs (Sauerstoffs), ohne dessen Mitwirkung die krankhaften -Erzeugnisse nicht unschädlich gemacht, zerstört und aus dem Körper -entfernt werden können, reaktionell als Heilmittel auftritt, durch -dessen Mitwirkung zuletzt eine Ausgleichung bewirkt wird. - - -Theorie der Respiration. - -Bei dem Durchgang des venösen Blutes durch die Lunge ändern die -Blutkörperchen ihre Farbe, mit diesem Farbewechsel beobachten wir, daß -Sauerstoff aus der Luft aufgenommen, daß für jedes Volumen Sauerstoff in -den meisten Fällen, ein ihm gleiches Volumen Kohlensäure abgeschieden -wird. - -Die Blutkörperchen enthalten _eine Eisenverbindung_, kein anderer -Bestandtheil der lebendigen Körpertheile enthält Eisen. - -Welche Art von Veränderung auch die übrigen Bestandtheile des Blutes in -der Lunge erleiden mögen, gewiß ist, daß die Blutkörperchen des venösen -Blutes einen Farbewechsel erfahren, welcher abhängig ist von der -Einwirkung des Sauerstoffs. - -Wir sehen nun, daß die Blutkörperchen des arteriellen Blutes in den -weiten Kanälen ihre Farbe bewahren, daß sie sie erst bei dem Durchgange -durch die Capillargefäße verlieren. Alle Bestandtheile des venösen -Blutes, welche die Fähigkeit hatten sich mit Sauerstoff zu verbinden, -nehmen in der Lunge einen entsprechenden Theil davon auf; Versuche mit -Serum zeigen, daß es mit reinem Sauerstoff in Berührung dessen Volumen -nicht merklich ändert. Venöses Blut mit Sauerstoff in Berührung röthet -sich unter Absorption des Sauerstoffs; es wird hierbei eine -entsprechende Menge Kohlensäure gebildet. - -Es ist klar, der Farbewechsel der Blutkörperchen hängt von der -Verbindung von irgend einem ihrer Bestandtheile mit dem Sauerstoff ab, -und mit dieser Sauerstoffaufnahme tritt eine gewisse Quantität -Kohlensäure aus. - -Von dem Serum scheidet sich diese Kohlensäure nicht ab, denn es besitzt -nicht die Fähigkeit, bei Berührung mit Sauerstoff Kohlensäure abzugeben; -das Blut von den Blutkörperchen getrennt (das Serum) absorbirt sein -halbes bis gleiches Volumen Kohlensäure (siehe den Artikel _Blut_ in dem -Handwörterbuche der Chemie von _Poggendorff_, _Wöhler_ und _Liebig_, -Seite 877), es ist bei gewöhnlicher Temperatur nicht mit Kohlensäure -gesättigt. - -Das arterielle Blut geht, von dem Thiere genommen, unausgesetzt einer -Veränderung entgegen, seine hochrothe Farbe wird schwarzroth; das -hochrothe Blut, was seine Farbe den Blutkörperchen verdankt, wird -schwarzroth durch Kohlensäure; diese Farbeänderung trifft die -Blutkörperchen; es absorbirt eine Menge Gase, welche sich in der -Blutflüssigkeit (ohne Blutkörperchen) nicht lösen; _es ist klar, die -Blutkörperchen haben das Vermögen, sich mit Gasen zu verbinden_. - -Die Blutkörperchen ändern ihre Farbe in verschiedenen Gasen; dieser -Wechsel kann von zwei Ursachen, einer Verbindung oder einer Zersetzung -herrühren. - -Durch Schwefelwasserstoff werden sie schwarzgrün und zuletzt schwarz, -die ursprüngliche rothe Farbe kann durch Contact mit Sauerstoffgas nicht -wieder hervorgebracht werden; es ist offenbar hier eine Zersetzung vor -sich gegangen. - -Die durch Kohlensäure schwarzroth gewordenen Blutkörperchen werden beim -Contact mit Sauerstoff unter Abscheidung von Kohlensäure wieder -hochroth, ähnlich verhalten sie sich gegen Stickoxydulgas; es ist klar, -daß sie keine Zersetzung erfahren hatten; sie besitzen also die -Fähigkeit, eine Verbindung mit Gasen einzugehen, _ihre Verbindung mit -Kohlensäure wird durch Sauerstoff wieder aufgehoben_; sich selbst -überlassen, wird außerhalb des Thierkörpers die Sauerstoffverbindung -wieder schwarzroth, ohne durch Sauerstoff wieder hochroth zu werden. - -Die Blutkörperchen enthalten eine Eisenverbindung. - -Aus dem nie fehlenden Eisengehalt des rothen Blutes muß geschlossen -werden, daß er unbedingt für das animalische Leben nothwendig sei, und -seitdem die Physiologie bewiesen hat, daß die Blutkörperchen an dem -Ernährungsprocesse keinen Antheil nehmen, kann es keinem Zweifel -unterliegen, daß sie in dem Respirationsproceß eine Rolle übernehmen. - -Die Eisenverbindung in den Blutkörperchen verhält sich wie eine -Sauerstoffverbindung, denn durch Schwefelwasserstoff wird sie ganz auf -dieselbe Weise zerlegt, wie die Eisenoxyde oder die ihnen ähnlichen -Eisenverbindungen. Durch verdünnte Mineralsäuren läßt sich aus frischem -oder getrocknetem Blutroth Eisenoxyd, bei gewöhnlicher Temperatur -ausziehen. - -Das Verhalten der Eisenverbindungen giebt vielleicht Aufschluß über die -Rolle, welche das Eisen in dem Respirationsprocesse spielt; kein -einziges Metall kann in Beziehung auf merkwürdige Eigenschaften mit den -Eisenverbindungen verglichen werden. - -Die Eisenoxydulverbindungen besitzen das Vermögen anderen -Sauerstoffverbindungen Sauerstoff zu entziehen; die -Eisenoxydverbindungen geben Sauerstoff unter anderen Bedingungen mit der -allergrößten Leichtigkeit wieder ab. - -Eisenoxydhydrat in Berührung mit schwefelfreien organischen Materien -verwandelt sich in kohlensaures Eisenoxydul. - -Kohlensaures Eisenoxydul in Berührung mit Wasser und Sauerstoff wird -zersetzt, alle Kohlensäure, die es enthält, entweicht; durch -Aufnahme von Sauerstoff verwandelt es sich in Eisenoxydhydrat, was -durch reducirende Materien wieder zurückführbar ist in eine -Eisenoxydulverbindung. - -Aber nicht bloß die Sauerstoffverbindungen des Eisens, sondern auch die -Cyanverbindungen zeigen ein ähnliches Verhalten. In dem Berlinerblau -haben wir Eisen in Verbindung mit allen organischen Bestandtheilen des -Thierkörpers: Wasserstoff und Sauerstoff (Wasser), Kohlenstoff und -Stickstoff (Cyan). - -Dem Lichte ausgesetzt, entweicht Cyan, es wird weiß, im Dunkeln zieht es -Sauerstoff an und wird wieder blau. - -Alle diese Beobachtungen zusammengenommen führen zu der Meinung, daß die -Blutkörperchen des arteriellen Blutes eine mit Sauerstoff gesättigte -Eisenverbindung enthalten, welche im lebendigen Blute beim Durchgang -durch die Capillargefäße ihren Sauerstoff verliert; dasselbe geschieht, -wenn das Blut vom Körper genommen sich zu zersetzen anfängt (zu faulen -beginnt); die an Sauerstoff reiche Verbindung geht also durch -Sauerstoffabgabe (Reduction) in eine sauerstoffarme Verbindung über. -Eins der Oxydationsproducte, welches hierbei gebildet wird, ist -Kohlensäure. Die Eisenverbindung des venösen Bluts besitzt die -Fähigkeit, sich mit Kohlensäure zu verbinden; es ist klar, daß die -Blutkörperchen des arteriellen Blutes, wenn sie nach Abgabe von einem -Theile ihres Sauerstoffs Kohlensäure vorfinden, sich mit dieser -Kohlensäure verbinden werden. - -In der Lunge angelangt werden sie den verlornen Sauerstoff wieder -aufnehmen, für jedes Volumen Sauerstoff wird eine entsprechende Menge -Kohlensäure wieder austreten, sie werden in ihren ursprünglichen Zustand -wieder zurückkehren, d. h. das Vermögen wieder erhalten, Sauerstoff -abzugeben. - -Für jedes Volum Sauerstoff, was die Blutkörperchen abzugeben vermögen, -wird (da die Kohlensäure ihr gleiches Volum Sauerstoff ohne Condensation -enthält) nicht mehr und nicht weniger als ein Volumen kohlensaures Gas -gebildet werden können; für jedes Volumen Sauerstoff, was sie -aufzunehmen fähig sind, kann nicht mehr Kohlensäure abgeschieden werden, -als überhaupt aus diesem Volum Sauerstoff erzeugbar ist. - -Wenn ein kohlensaures Eisenoxydul durch Aufnahme von Sauerstoff in -Eisenoxyd übergeht, so werden für jedes Volum Sauerstoff, was zum -Uebergang in Eisenoxyd gehört, vier Volumina Kohlensäure abgeschieden. - -Für ein Volumen Sauerstoff kann sich aber nur ein Volumen Kohlensäure -bilden, es kann also auch nicht mehr abgeschieden werden; die ihres -Sauerstoffs beraubte Verbindung muß aber die Fähigkeit haben, noch -Kohlensäure aufzunehmen, und wir sehen in der That, daß das Blut in -keinem Zustande des Lebens mit Kohlensäure gesättigt ist, daß es zu der -Kohlensäure, die es schon enthält, noch eine Menge Kohlensäure -aufzunehmen vermag, ohne daß damit die Function der Blutkörperchen -gestört erscheint. (Nach dem Trinken von moussirenden Weinen, Bier, -Mineralwasser muß nothwendig mehr Kohlensäure ausgeathmet werden.) In -allen Fällen, wo der Sauerstoff der Blutkörperchen nicht zur Bildung von -Kohlensäure gedient hat, wird stets nur eine der erzeugten Kohlensäure -entsprechende Menge ausgeathmet werden können; bei Genuß von Fett und -Wein jedenfalls weniger, wie nach dem Genuß von Champagner. - -Nach der so eben entwickelten Vorstellung geben die Blutkörperchen des -arteriellen Blutes, bei ihrem Durchgang durch die Capillargefäße, -Sauerstoff an gewisse Bestandtheile des Thierkörpers ab. Ein kleiner -Theil dieses Sauerstoffs dient zur Hervorbringung des Stoffwechsels und -bedingt das Austreten belebter Körpertheile, so wie die Bildung und -Erzeugung der Secrete, der größte Theil dieses Sauerstoffs wird zur -Verwandlung der, den belebten Körpertheilen nicht mehr angehörenden -Substanzen, in Sauerstoffverbindungen verwendet. - -Auf ihrem Wege nach dem Herzen hin, verbinden sich die Blutkörperchen, -welche ihren Sauerstoff abgegeben haben, mit Kohlensäuregas zu venösem -Blut, in der Lunge angelangt, findet ein Austausch statt. - -Die organische Eisenverbindung des venösen Blutes nimmt in der Lunge und -der Luft den verlornen Sauerstoff wieder auf, und in Folge dieser -Sauerstoffaufnahme scheidet sich alle damit verbundene Kohlensäure -wieder ab. - -Alle in dem venösen Blute vorhandenen Materien, welche Verwandtschaft -zum Sauerstoff besitzen, verwandeln sich in der Lunge, ähnlich wie die -Blutkörperchen, in höhere Sauerstoffverbindungen, es entsteht eine -gewisse Quantität Kohlensäure, von der stets ein Theil in der -Blutflüssigkeit gelös’t bleibt. - -Die Quantität der gelös’ten (oder der an Natron gebundenen) Kohlensäure -muß in beiden Blutarten, da sie einerlei Temperatur besitzen, gleich -sein, allein das arterielle Blut muß, sich selbst überlassen, nach -kurzer Zeit eine größere Menge Kohlensäure enthalten, wie das venöse, -weil der aufgenommene Sauerstoff zur Bildung von Kohlensäure verwendet -wird. - -In dem Organismus des Thieres finden mithin zwei Oxydationsprocesse -statt, der eine in der Lunge, der andere in den Capillargefäßen. Durch -den erstern wird, trotz der starken Abkühlung und gesteigerten -Verdunstung, die constante Temperatur der Lunge, durch den andern die -constante Temperatur in den übrigen Körpertheilen hervorgebracht. - -Ein Mensch, welcher täglich 27,8 Loth Kohlenstoff in der Form von -Kohlensäure ausathmet, verzehrt in 24 Stunden 74 Loth Sauerstoff (64 -Loth = 1 Kilogramm), welche den Raum von 807 Litres = 51648 hessische -Kubikzoll (64 = 1 Litre) einnehmen. - -Rechnet man auf die Minute 18 Athemzüge, so haben wir in 24 Stunden -25920 Athemzüge und bei jedem Athemzug werden demnach ⁵¹⁶⁸⁴/₂₅₉₂₀ = 1,99 -Kubikzoll Sauerstoff in das Blut aufgenommen. - -In einer Minute treten 18 × 1,99 = 35,8 Kubikzoll Sauerstoff zu den -Bestandtheilen des Blutes, welche bei gewöhnlicher Temperatur etwas -weniger wie 12 Gran (802,8 Milligramm) wiegen. - -Nehmen wir nun an, daß in einer Minute 10 Pfund Blut (5 Kilogramm) -(Müller, Physiologie Bd ~I.~ S. 345) durch die Lunge gehen und diese den -Raum von 320 Kubikzoll einnehmen, so verbindet sich 1 Kubikzoll -Sauerstoff sehr nahe mit 9 Kubikzoll Blut. - -Nach den Untersuchungen von _Denis_, _Richardson_, _Nasse_ -(Handwörterbuch der Physiologie Bd. I. S. 138) enthalten 10000 Blut 8 -Theile Eisenoxyd. 76800 Gran (10 Pfd.) Blut enthalten demnach 61,54 Gran -Eisen_oxyd_ im arteriellen oder 55,14 Eisen_oxydul_ im venösen Blut. - -Nehmen wir nun an, das Eisen in den Blutkörperchen des venösen Blutes -sei als Eisenoxydul, das im arteriellen Blut als Eisenoxyd enthalten, so -nehmen 55,14 Gran Eisenoxydul bei ihrem Durchgang durch die Lunge in -einer Minute 6,40 Gran Sauerstoff auf; da nun in dieser Zeit im Ganzen -von 10 Pfund Blut 12 Gran Sauerstoff aufgenommen werden, so treten von -diesen 12 Gran, 5,6 Gran an die anderen Bestandtheile des Blutes. - -55,14 Gran Eisenoxydul verbinden sich nun mit 34,8 Gran Kohlensäure, -welche den Raum von 73 Kubikzoll einnehmen. Es ist deshalb klar, daß die -in dem Blute vorhandene Menge Eisen, als Eisenoxydul gedacht, hinreicht, -um den Träger der doppelten Menge Kohlensäure abzugeben, welche -überhaupt auf Kosten alles in der Lunge aufgenommenen Sauerstoffs -erzeugbar ist. - -Die eben entwickelte Hypothese stützt sich auf die bekannten -Beobachtungen und zwar erklärt sie den Respirationsproceß, soweit er von -den Blutkörperchen abhängig ist, vollkommen, sie schließt die Meinung -nicht aus, daß auch auf anderen Wegen Kohlensäure in die Lunge gelangen, -daß gewisse andere Bestandtheile des Bluts zur Bildung von Kohlensäure -in der Lunge Veranlassung geben können; allein alles dies steht in -keiner Beziehung zu dem vitalen Proceß, durch welchen in allen Theilchen -des Körpers die zu seinem Bestehen nöthige Wärme erzeugt wird. Dies -allein kann aber vorläufig nur als ein würdiger Gegenstand der -Untersuchung betrachtet werden; warum dunkelrothes Blut durch Salpeter, -Kochsalz &c. hellroth wird, ist eine nicht uninteressante Frage, die -aber mit dem Athmungsproceß in keinem Zusammenhange steht. - -Die furchtbare Wirkung des Schwefelwasserstoffs; der Blausäure, welche -beim Einathmen in wenigen Secunden allen Bewegungserscheinungen im -Thierkörper eine Grenze setzen, erklären sich aus den bekannten -Veränderungen, welche alle Eisenverbindungen bei Gegenwart von Alkalien, -die im Blute nicht fehlen, durch diese Stoffe erleiden, auf eine -ungezwungene Weise. - -Denken wir uns, daß die Blutkörperchen ihre Fähigkeit verlieren, -Sauerstoff aufzunehmen, diesen Sauerstoff wieder abzugeben und die -gebildete Kohlensäure fortzuführen, so wird ein solcher hypothetischer -Krankheitszustand augenblicklich an der Temperatur und den -Bewegungserscheinungen im Thierkörper erkennbar sein. Es wird nämlich -kein Stoffwechsel stattfinden, ohne daß damit die Bewegungen selbst eine -unmittelbare Grenze finden. - -Die Leiter der Kraft werden den Eingeweiden, dem Herzen, nach wie vor, -die zu ihren Functionen nöthige Kraft zuführen, sie werden sie von dem -Muskularsystem erhalten, ohne aber daß aus diesen ein Bestandtheil -austritt; Galle- und Harnsecretion können nicht stattfinden; die -Temperatur des Körpers muß abnehmen. - -Dem Ernährungsproceß wird durch diesen Zustand eine Grenze gesetzt und -in kürzerer oder längerer Zeit muß der Tod eintreten, ohne, was hier das -Wichtigste ist, von Fiebererscheinungen begleitet zu sein. - -Dieses Beispiel soll dazu dienen, um Veranlassung zu einer Untersuchung -des Bluts in Krankheitszuständen ähnlicher Art, zu geben, denn es kann -nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß die Rolle, welche den -Blutkörperchen zugeschrieben worden ist, als vollkommen ausgemittelt und -aufgeklärt betrachtet werden kann, wenn sich in solchen Zuständen eine -Abweichung in der Form, Beschaffenheit und dem Verhalten der -Blutkörperchen ergiebt, die durch geeignete Reagentien erkennbar sein -muß. - -Wenn die Kraft, welche die Lebenserscheinungen bedingt, als eine -Eigenschaft gewisser Materien angesehen wird, so führt diese Vorstellung -von selbst auf eine neue und schärfere Betrachtungsweise gewisser -räthselhafter Erscheinungen, welche die nämlichen Substanzen in -Zuständen darbieten, wo sie keine Bestandtheile belebter Organismen mehr -ausmachen. - - - - - Analytische Belege - zu - dem chemischen Proceß - der - _=Respiration und Ernährung=_ - so wie - zu dem chemischen Proceß - der - _=Umsetzung der Gebilde=_. - - - Die Noten correspondiren mit den in den Abschnitten im Texte - aufgeführten Nummern. - - Alle mit * bezeichneten Zahlenresultate der Analysen sind in dem - chemischen Laboratorium in Gießen ausgeführt. - - -Anhang. - - -Seite 1. Einleitung zu den Analysen. - - -Erklärung der Formeln. - -Die frühere Darstellung der Verschiedenheit in der Zusammensetzung der -Stoffe, die Angabe des Gehaltes in ihren Bestandtheilen nach Procenten, -ist von den Chemikern längst verlassen, weil sie keine Einsicht in die -Beziehungen gestattet, welche zwischen zwei und mehr Verbindungen -stattfinden. Um hiervon einige Beispiele zu geben, soll die -Zusammensetzung der Essigsäure und des Aldehyds, des Bittermandelöls und -der Benzoesäure hier erwähnt werden. - - Essigsäure Aldehyd* Benzoesäure* Bittermandelöl* - Kohlenstoff 40,00 55,024 69,25 79,56 - Wasserstoff 6,67 8,983 4,86 5,56 - Sauerstoff 53,33 35,993 25,89 14,88 - -Aldehyd verwandelt sich nun in Essigsäure, Bittermandelöl in Benzoesäure -durch Aufnahme von Sauerstoff, ohne daß sich an ihren Elementen sonst -irgend etwas ändert. In den bloßen Zahlenverhältnissen läßt sich diese -Beziehung nicht erkennen, drücken wir aber die Zusammensetzung beider in -einer Formel aus, so fällt der Zusammenhang zwischen diesen Materien -auch demjenigen in die Augen, welcher von der Chemie nichts weiß, als -daß der Buchstabe ~C~ ein Aequivalent Kohlenstoff, ~H~ 1 Aeq. -Wasserstoff, ~N~ 1 Aeq. Stickstoff und ~O~ 1 Aeq. Sauerstoff bedeutet. - - Formel Formel - /--------------------\ /----------------------------\ - der des der des - Essigsäure Aldehyds Benzoesäure Bittermandelöls - ~C₄H₈O₄~ ~C₄H₈O₂~ ~C₁₄H₁₂O₄~ ~C₁₄H₁₂O₂~ - -Diese Formeln sind genaue Ausdrücke der Analysen, die, man kann es sich -so denken, sich auf eine unveränderliche Kohlenstoffquantität beziehen; -sie zeigen, daß Essigsäure und Aldehyd, Benzoesäure und Bittermandelöl -nur in dem Sauerstoffgehalt von einander abweichen, daß sie von den -übrigen Elementen einerlei Verhältnisse enthalten. Das Verständniß der -folgenden Formeln ist nicht minder einfach. - - Cyamelid 1 At. Cyanursäure 3 At. Cyansäurehydrat - ~C₆N₆H₆O₆~ ~Cy₆~(= ~C₆N₆~)~O₃~ + 3~H₂O~ = 3(~Cy₂O~ + ~H₂O~) = - = ~Summa~ ~C₆N₆H₆O₆~ = ~Summa~ ~C₆N₆H₆O₆~ - -Die erste Formel ist eine sogenannte empirische Formel, in der man wohl -das relative Verhältniß der Elemente genau kennt, aber nicht die -Ordnung, in welcher sie zusammengetreten sind. Die zweite Formel drückt -aus, daß 6 At. Cyan oder 6 At. Stickstoff und 6 At. Kohlenstoff zu -_einem_ zusammengesetzten Atom sich vereinigt haben, das mit 3 At. -Sauerstoff und 3 At. Wasser Cyanursäurehydrat gebildet hat; die letzte -drückt aus die Art und Weise der Ordnung der Atome in dem -Cyansäurehydrat, dreimal genommen; dieselbe Anzahl von Elementen, wie -in der Cyanursäure ist zu 3 Atomen Cyansäurehydrat zusammengetreten. Wie -man verfährt, um die procentische Zusammensetzung eines Körpers in einer -Formel auszudrücken, gehört nicht hierher; es soll nur erwähnt werden, -wie man verfahren muß, um aus einer jeden Formel rückwärts die -procentische Zusammensetzung zu finden. Für diesen Zweck muß man -beachten, daß der Buchstabe ~C~ in einer chemischen Formel ein Gewicht -von 76,437 Kohlenstoff (nach den neuesten Bestimmungen 75,8 oder 75, -eine Abweichung, welche auf die angeführten Formeln, da sie alle nach -der Zahl 76,437 berechnet sind, ohne den geringsten Einfluß ist) -bedeutet, der Buchstabe ~H~ ein Gewicht von 6,239 Wasserstoff, der -Buchstabe ~N~ = 88,52 Stickstoff, und zuletzt der Buchstabe ~O~, ein -Gewicht von 100 Sauerstoff. - -Die Formel des Proteins ~C₄₈N₁₂H₇₂O₁₄~ drückt also aus: - - 48 mal 76,437 = 3668,88 Kohlenstoff - 12 „ 88,52 = 1062,24 Stickstoff - 72 „ 6,239 = 449,26 Wasserstoff - 14 „ 100,00 = 1400,00 Sauerstoff - ------- - ~in Summa~ das Gewicht von 6580,38 Protein. - - in 100 - Theilen - In 6580,38 Theilen Protein sind enthalten 3668,88 Kohlenstoff 55,742 - In 6580,38 „ „ „ „ 1062,24 Stickstoff 16,143 - In 6580,38 „ „ „ „ 449,26 Wasserstoff 6,827 - In 6580,38 „ „ „ „ 1400,00 Sauerstoff 21,288 - ------- - 100,000 - - -Note 1. Seite 13. - -_Sauerstoffverbrauch des erwachsenen Mannes_. - - Ein erwachsener Mann - /-----------------------------\ - verbraucht erzeugt im kohlens. - in 24 Stunden in 24 Stunden Gas - an Sauerstoff- an kohlensaurem enthaltener - nach gas Gas Kohlenstoff - /------------\ /-------------\ - W. Zoll Gran W. Zoll Gran Gran - Lavoisier u. Seguin 46037 15661 14930 8584 2820 franz. - Menzies 51480 17625 engl. - Davy 45504 15751 31680 17811 4853 engl. - Allen u. Pepys 39600 13464 39600 18612 5148 engl. - -(Aus L. _Gmelins_ Handbuch der theor. Chemie.) - - -Note 2. Seite 14. - -_Zusammensetzung des Bluts_: (Siehe Note 29.) - - in 100 Theilen in 4,8 Pfd. = 36864 Gran - - Kohlenstoff 51,96 19154,5 - Wasserstoff 7,25 2672,7 - Stickstoff 15,07 5555,4 - Sauerstoff 21,30 7852,0 - Asche 4,42 1629,4 - --------- ------- - 100,000 36864,0 - - Gran Gran - 19154,5 Kohlenstoff bildet mit 50539,5 Sauerstoff Kohlensäure - 2672,7 Wasserstoff „ „ 21415,8 „ Wasser - ---------------- - ~Summa~ = 71955,3 Sauerstoff - Hiervon ab vorhandener Sauerstoff = 7852,0 - -------------------- - bleiben 64103,3 Gran - -Sauerstoff, welche zur vollständigen Verbrennung von 4,8 Pfd. Blut -erforderlich sind. - -In obiger Rechnung ist angenommen worden, daß 24 Pfd. Blut 4,8 Pfd. -trocknen Rückstand (80 ~pCt.~) hinterlassen. - - -Note 3. Seite 14. - -Bestimmung der Menge des ausgeathmeten Kohlenstoffs. - - _Faeces_: - 2,356 trockene Faeces hinterließen 0,320 Asche (13,58 ~pCt.~). - 0,352 Faeces gaben 0,576 Kohlensäure und 0,218 Wasser. - - _Linsen_: - 0,566 bei 100° getrocknete Linsen gaben 0,910 Kohlensäure und 0,336 - Wasser. - - _Erbsen_: - 1,060 hinterließen 0,037 Asche - 0,416 gaben 0,642 Kohlensäure und 0,241 Wasser. - - _Kartoffeln_: - 0,443 trockene Kartoffeln gaben 0,704 Kohlensäure und 0,248 Wasser. - - _Schwarzbrod_: - 0,302 trocknes Schwarzbrod gaben 0,496 Kohlensäure und 0,175 Wasser - 0,241 „ „ „ 0,393 „ „ 0,142 „ - - _Zusammensetzung_ - der des Schwarz- der Kartoffeln (des Fleisches - Faeces brods s. Note 29.) - Playfair* Boeckmann* Boussin- Boeck- - gault mann* - Kohlenstoff 45,24 45,09 45,41 44,1 43,944 - Wasserstoff 6,88 6,54 6,45 5,8 6,222 - Stickstoff } 34,73 35,12 34,89 45,1 44,919 - Sauerstoff } - Asche 13,15 3,25 3,25 5,0 4,915 - -------------------------------------------------------- - 100,00 100,00 100,00 100,0 100,000 - Wasser 300, - ------ - 400,00 - - Erbsen Linsen Bohnen - - Playfair* Playfair* Playfair* - - Kohlenstoff 35,743 37,38 38,24 - Wasserstoff 5,401 5,54 5,84 - Stickstoff } 39,366 37,98 38,10 - Sauerstoff } - Asche 3,490 3,20 3,71 - Wasser 16,000 15,90 14,11 - ------------------------------- - 100,000 100,000 100,000 - - - Frisches Kartoffeln Schwarzbrod, - Fleisch einen Tag alt - Boeck- Boussingault Boeck- Boeck- - mann* mann* mann* - /---------\ /-----------\ /--------------\ - Wasser 75 74,8 72,2 73,2 33 31,418 - Trockne Substanz 25 25,2 27,8 26,8 67 68,582 - ----------------------------------------- - 100 100,0 100,0 100,0 100 100,000 - - -_Berechnung des von einem erwachsenen Menschen ausgeathmeten -Kohlenstoffs_. - -_Fleisch_. Das fettlose Muskelfleisch, zu 74 Wasser und 26 ~pCt.~ fester -Substanz angenommen, enthält in 100 Theilen 13,6 Kohlenstoff. Das -gewöhnliche Fleisch enthält Muskelfleisch, Zellgewebe und Fett. Die -beiden letzteren machen im Durchschnitt ¹/₇ vom Gewicht des im -Fleischladen erkauften Fleisches aus. Die Anzahl der verzehrten Lothe -(64 Loth = 1 Kilogramm) beträgt 8896, welche bestehen aus: - - 7625 Loth fettloses Muskelfleisch enthalten Kohlenstoff 1037 Loth - 1271 „ Zellgewebe mit Fett „ „ 898 „ - ---- - in Summe Kohlenstoff 1935 Loth - -Mit den Knochen enthält das gekaufte Fleisch 29 ~pCt.~ feste Substanz, -und 278 Pfd. Fleisch 28 Pfd. trockne Knochen, sie sind nicht in Rechnung -genommen, obwohl sie beim Kochen 8-10 ~pCt.~ Leimsubstanz verlieren, -welche mit als Nahrung genossen wird. - -_Fett_. Es sind verzehrt worden 112 Loth Fett, welche zu 80 ~pCt.~ -Kohlenstoff in Summa 89,6 Loth Kohlenstoff enthalten. - - -_Kohlenstoffgehalt der verzehrten Linsen, Bohnen und Erbsen._ - -Es sind verzehrt worden 107 Loth Linsen, 436 Loth Bohnen und 371 Loth -Erbsen, im Ganzen 914 Loth; bei einem Gehalte von 37 ~pCt.~ Kohlenstoff -sind verzehrt worden 338,2 Loth Kohlenstoff. - -_Kartoffeln_. 100 Theile frische Kartoffeln enthalten 12,2 Kohlenstoff; -in den verzehrten 31752 Loth sind enthalten 3873,7 Kohlenstoff. - -_Brod_. 855 Mann essen täglich 855 × 64 Loth, dazu noch 36 Pfd. -Suppenbrod macht zusammen 55872 Loth. 100 Loth frisches Brod enthalten -durchschnittlich 30,15 Loth Kohlenstoff, es sind mithin im Brod verzehrt -worden 17543 Loth Kohlenstoff. - -Im Ganzen sind verzehrt worden: - - im Fleisch 1935 Loth Kohlenstoff - Fett 89,6 „ „ - Bohnen, Erbsen, Linsen 338,2 „ „ - Kartoffeln 3873,7 „ „ - Brod 17543,0 „ „ - ------- - von 855 Mann 23779,5 Loth Kohlenstoff - ------- - von 1 Mann 27,8 Loth Kohlenstoff - -Die Faeces eines Soldaten wiegen 11 Loth (5¹/₂ Unze); sie enthalten mit -ihrem ganzen Wassergehalt 11 ~pCt.~ Kohlenstoff; für 86 Kreuzer Gemüse, -Weißkraut, Kohlrabi, Gelberüben &c. erhält man durchschnittlich 172 -Pfd.; 25 Maas Sauerkraut wiegen 100 Pfd. Für 48¹/₂ Kreuzer Zwiebeln, -Lauch, Sellerie erhält man auf dem Markte durchschnittlich 24¹/₄ Pfd. -Dem Gewicht nach haben 855 Mann Soldaten verzehrt: - - an grünem Gemüse 5604 Loth - an Sauerkraut 3200 „ - an Zwiebeln &c. 776 „ - ---- - 9580 Loth - ---- - ein Mann täglich 11,2 Loth - -Der Kohlenstoffgehalt des verzehrten Gemüses ist gleich dem -Kohlenstoffgehalt der Faeces angenommen. Wurst, Branntwein, Bier, -überhaupt was im Wirthshaus verzehrt worden, nicht gerechnet. - -Die Zahlen, welche den vorhergehenden Berechnungen zu Grunde gelegt -wurden, sind durchschnittlich dem Verbrauch von 855 Mann casernirter -Soldaten entnommen, deren Speisen (Brod, Kartoffeln, Fleisch, Linsen, -Erbsen, Bohnen &c.) während eines Monats bis auf Pfeffer, Salz und -Butter, mit der größten Genauigkeit gewogen und jedes einzelne der -Elementaranalyse unterworfen worden war (siehe Tabelle). Eine Ausnahme -hiervon machten drei Gardisten, welche außer dem vorschriftsmäßigen -Brodquantum (2 Pfd. täglich) in jeder Löhnungsperiode ¹/₂ Laib = 2¹/₂ -Pfd. mehr bekamen und ein Tambour, der ¹/₂ Laib übrig behielt. Nach -einem annähernden Ueberschlage des Feldwebels verzehrt jeder Soldat -täglich durchschnittlich 6 Loth Wurst, 1¹/₂ Loth Butter, ¹/₂ Schoppen -(¹/₄ Litr.) Bier und ¹/₁₀ Schoppen Branntwein, deren Kohlenstoffgehalt -mehr als das Doppelte beträgt, von dem Kohlenstoffgehalt der Faeces und -des Urins zusammengenommen. Die Faeces betragen bei einem Soldaten -durchschnittlich 11 Loth, sie enthalten 75 ~pCt.~ Wasser und der trockne -Rückstand 45,24 ~pCt.~ Kohlenstoff und 13,15 ~pCt.~ Asche. 100 Theile -frische Faeces enthalten hiernach 11,31 Kohlenstoff, sehr nahe so viel -als ein gleiches Gewicht frisches Fleisch. In obiger Rechnung ist der -Kohlenstoff der Faeces und der des Urins gleichgesetzt worden dem -Kohlenstoffgehalt der frischen Gemüse und der anderen Speisen, welche im -Wirthshause verzehrt wurden. - - -Großherzogl. Leib-Compagnie. - -_Uebersicht der im Monate November 1840 für die Menage obiger Compagnie -verbrauchten Victualien_. - - =======+======+=======+=========+======+========+========+========+ - 1840. | | | | | | | | - Novem- | Es |Ochsen-| Schwei- | Kar- | Erbsen | Bohnen | Linsen | - ber. |haben |fleisch| ne- | tof- | | | | - |geges-| | fleisch | feln | | | | - In der | sen | | | | | | | - Periode| | | | | | | | - vom | Mann | ℔ | ℔ |Kümpfe|Gescheid|Gescheid|Gescheid| - -------+------+-------+---------+------+--------+--------+--------+ - 1- 5 | 139 | 36 | 9 |12 | 1¹/₂ | 1 | -- | - 6-10 | 145 | 37 | 9 |13¹/₂ | -- | -- | -- | - 11-15 | 136 | 36 | 9 |12¹/₂ | -- | 1 | -- | - 16-20 | 136 | 37 | 9 |14¹/₂ | 1 | 1 | -- | - | | |Bratwurst| | | | | - 21-25 | 147 | 39 | 7¹/₂ |14 | -- | -- | 1 | - 26-30 | 152 | 30 | 19¹/₂ |14¹/₂ | 1 | 1 | -- | - -------+------+-------+---------+------+--------+--------+--------+ - ~Summa~| 855 | 215 | 63 |81 | 3¹/₂ | 4 | 1 | - -------+------+-------+---------+------+--------+--------+--------+ - | | | | | | | | - Im }monat-| 7³¹/₅₇| 2¹²/₅₇ |2⁴⁸/₅₇| ⁷/₅₇ | ⁸/₅₇ | ²/₅₇ | - Durch- } lich | ℔ | ℔ | | | | | - schnitt}------+-------+---------+------+--------+--------+--------+ - essen } täg- | 8⁸/₁₇₁| 2³⁰⁶/₈₅₅|⁸¹/₈₅₅|⁸⁷/₁₇₁₀ | ⁴/₈₅₅ | ¹/₈₅₅ | - daher } lich | Lth. | Lth. | | | | | - täglich}------+-------+---------+------+--------+--------+--------+ - 28¹/₂ } |10³⁴⁶/₈₅₅ Loth | | \----------------------/ | - Mann } | täglich | - und es } - erhält } - ein } - Mann } - - =======+======+======+======+======+=======+=======+========+====== - 1840. | | | | | | | | - Novem- |Sauer-| Ge- | | | Zwie- | | | - ber. |kraut | müse | Brod | Salz | beln |Pfeffer| Fett |Essig - | | | | | und | | | - In der | | | | |Grünes | | | - Periode| | | | | | | |Schop- - vom | Maaß | kr. | ℔ | ℔ | kr. | kr. | Loth. | pen - -------+------+------+------+------+-------+-------+--------+------ - 1- 5 | 5 | 6 | 5 | 4¹/₂| 8 | 2¹/₂ | 26²/₃ | -- - 6-10 | 4 | 35 | 7¹/₂| 5 | 6¹/₂| 2¹/₂ | 21²/₃ | -- - 11-15 | 4 | 21 | 7¹/₂| 4¹/₂| 7 | 2 | 16 | -- - 16-20 | 4 | 6 | 6 | 4¹/₂| 8¹/₂| 3¹/₂ | 26²/₃ | -- - | | | | | | | | - 21-25 | -- | 18 | 7¹/₂| 5¹/₂| 11 | 2¹/₂ | 10²/₃ | 1¹/₂ - 26-30 | 8 | -- | 2¹/₂| 4 | 7¹/₂| 2¹/₂ | 10²/₃ | -- - -------+------+------+------+------+-------+-------+--------+------ - ~Summa~| 25 | 86 | 36 | 28 | 48¹/₂| 15¹/₂ | 112 | 1¹/₂ - -------+------+------+------+------+-------+-------+--------+------ - | | | | | | | | - Im } ⁵⁰/₅₇| 3¹/₅₇|1¹⁵/₅₇|⁵⁶/₅₇ | 1⁴⁰/₅₇| ³¹/₅₇ |3¹⁵⁹/₁₇₁| ³/₅₇ - Durch- } | | | | | | | - schnitt}------+------+------+------+-------+-------+--------+------ - essen } ⁵/₁₇₁|⁸⁶/₈₅₅|³⁶/₈₅₅|²⁹/₈₅₅|⁹⁷/₁₇₁₀|³¹/₁₇₁₀| ¹¹²/₈₅₅|³/₁₇₁₀ - daher } | | | | | | | - täglich}------+------+------+------+-------+-------+--------+------ - 28¹/₂ } | | | | | | | - Mann } | | | | | | | - und es } - erhält } - ein } - Mann } - - 1 Gescheid Bohnen wiegt 3 ℔ 15 Loth - 1 „ Linsen „ 3 „ 11 „ - 1 „ Erbsen „ 3 „ 10 „ - 1 Kumpf Kartoffeln „ 12 „ 8 „ - - -Note 4. Seite 15. - -_Nahrungsmittel eines Pferdes_, - -in 24 Stunden verzehrt. - - ========+==========+==========+=======+=======+======+======+====== - _Nah- |Gewicht im|Gewicht im| | | | |Salze - rungs- | feuchten |trockenen |Kohlen-|Wasser-|Sauer-|Stick-| und - mittel_.|Zustande. |Zustande. |stoff. |stoff. |stoff.|stoff.|Erden. - --------+----------+----------+-------+-------+------+------+------ - Heu | 7500 | 6465 | 2961,0| 323,2 |2502,0| 97,0|581,8 - Hafer | 2270 | 1927 | 977,0| 123,3 | 707,2| 42,4| 77,1 - Wasser | 16000 | -- | -- | -- | -- | -- | 13,3 - --------+----------+----------+-------+-------+------+------+------ - ~Summa~ | 25770 | 8392 | 3938,0| 446,5 |3209,2| 139,4|672,2 - -_Producte eines Pferdes_ - -in 24 Stunden[F15]. - - ==========+==========+==========+=======+=======+======+======+====== - _Nah- |Gewicht im|Gewicht im| | | | |Salze - rungs- | feuchten |trockenen |Kohlen-|Wasser-|Sauer-|Stick-| und - mittel_. |Zustande. |Zustande. |stoff. |stoff. |stoff.|stoff.|Erden. - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------ - Harn | 1330 | 302 | 108,7| 11,5 | 34,1| 37,8| 109,9 - Excremente| 14250 | 3525 | 1364,4| 179,8 |1328,9| 77,6| 574,6 - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------ - ~Summa~ | 15580 | 3827 | 1472,9| 191,3 |1363,0| 115,4| 684,5 - Totalge- | | | | | | | - wichte des| | | | | | | - ersten | | | | | | | - Theils | | | | | | | - diesser | | | | | | | - Tafel | 25770 | 8392 | 3938,0| 446,5 |3209,2| 139,4| 672,2 - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------ - Differenz | 10190 | 4565 | 2465,1| 255,2 |1846,2| 24,0| 12,3 - Richtung | | | | | | | - der Diffe-| | | | | | | - renz | - | - | - | - | - | - | + - - [15] ~Ann. de Chim. et de phys. T. LXX. p.~ 136. - -_Nahrungsmittel einer Kuh_, - -in 24 Stunden verzehrt. - - ==========+==========+==========+=======+=======+======+======+======= - _Nah- |Gewicht im|Gewicht im| | | | | Salze - rungs- | feuchten |trockenen |Kohlen-|Wasser-|Sauer-|Stick-|und er- - mittel_. |Zustande. |Zustande. |stoff. |stoff. |stoff.|stoff.| dige - | | | | | | | Mate- - | | | | | | | rien. - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------- - Kartoffel | 15000 | 4170 | 1839,0| 241,9 |1830,6| 50,0| 208,5 - Grummet | 7500 | 6315 | 2974,4| 353,6 |2204,0| 151,5| 631,5 - Wasser | 60000 | -- | -- | -- | -- | -- | 50,0 - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------- - ~Summa~ | 82500 | 10485 | 4813,4| 595,5 |4034,6| 201,5| 889,0 - -_Producte einer Kuh_ - -in 24 Stunden[F16]. - - ==========+==========+==========+=======+=======+======+======+======= - _Nah- |Gewicht im|Gewicht im| | | | | Salze - rungs- | feuchten |trockenen |Kohlen-|Wasser-|Sauer-|Stick-|und er- - mittel_. |Zustande. |Zustande. |stoff. |stoff. |stoff.|stoff.| dige - | | | | | | | Mate- - | | | | | | | rien. - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------- - Excremente| 28413 | 4000,0 | 1712,0| 208,0 |1508,0| 92,0| 480,0 - Harn | 8200 | 960,8 | 261,4| 25,0 | 253,7| 36,5| 384,2 - Milch | 8539 | 1150,6 | 628,2| 99,0 | 321,0| 46,0| 56,4 - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------- - ~Summa~ | 45152 | 6111,4 | 2601,6| 332,0 |2082,7| 174,5| 920,6 - Totalge- | | | | | | | - wichte des| | | | | | | - ersten | | | | | | | - Theils | | | | | | | - dieser | | | | | | | - Tafel | 82500 | 10485,0 | 4813,4| 595,5 |4034,6| 201,5| 889,0 - ----------+----------+----------+-------+-------+------+------+------- - Differenz | 37348 | 4374,6 | 2211,8| 263,5 |1951,9| 27,0| 31,6 - Richtung | | | | | | | - der Diffe-| | | | | | | - renz | - | - | - | - | - | - | + - - [16] ~Ann. de Chim. et de phys. T. LXX. p.~ 136. - - -Note 5. Seite 20. - -_Temperatur und Bewegung des Bluts._ - - _Nach Prevost und Dumas_ - die mittlere die Anzahl die Anzahl - ist bei der Temperatur der Pulsschläge der Athemzüge - in der Minute - /---------------------\ - Taube 42° C 136 34 - Huhn 41,5 140 30 - Ente 42,5 170 21 - Rabe 42,5 110 21 - Lerche 44,0 200 22 - Simia Callitriche 35,5 90 30 - Meerschwein 38,0 140 36 - Hund 37,4 90 28 - Katze 38,5 100 24 - Ziege 39,2 84 24 - Hase 38,0 120 36 - Pferd 36,8 56 16 - Mensch 37,0 72 18 - ----- --- -- - Mensch Mann (~J. L.~) 36,5* 65 17 - Mensch Weib (~J. L.~) 36,8* 60 15 - -Temperatur des Kindes 39°. - -Die Wärme des Menschen beträgt in den inneren Theilen, welche zunächst -zugänglich sind, wie Mund, Mastdarm 29,20-29,60° R. = 36,50-37° C. Die -Wärme des Blutes (_Magendie_) 30,5-31° R. = 38,1-38,7° C. Als mittlere -Temperatur ist ~p.~ 20 37,5° C. angenommen. - - -Note 6. Seite 37. - -Die Gefangenen in dem Arresthaus in Gießen erhalten täglich 1¹/₂ Pfd. -Brod (48 Loth), welche 14¹/₂ Loth Kohlenstoff enthalten. Sie erhalten -ferner 1 Pfd. Suppe und in je zwei Tagen 1 Pfd. Kartoffeln. - - 1¹/₂ Pfund Brod enthalten 14,5 Loth Kohlenstoff - 1 „ Suppe „ 1,5 „ „ - ¹/₂ „ Kartoffeln „ 2,00 „ „ - ----- - 17,00 Loth Kohlenstoff - - -Note 7. Seite 43. - -_Zusammensetzung des Blut-Fibrins und -Albumins_[F17]. - - Albumin aus Blutserum Fibrin - Scherer* Scherer* Mulder - /------------------------\ /---------------\ - ~I.~ ~II.~ ~III.~ ~I.~ ~II.~ ~III.~ - - Kohlenstoff 53,850 55,461 55,097 53,671 54,454 54,56 - Wasserstoff 6,983 7,201 6,880 6,878 7,069 6,90 - Stickstoff 15,673 15,673 15,681 15,763 15,762 15,72 - Sauerstoff } - Schwefel } 23,494 21,655 22,342 23,688 22,715 22,82 - Phosphor } - -Die weiteren Analysen des Thier-Albumins und Fibrins siehe in der Note -28 S. 319, so wie auch die Analysen der Organe oder ihrer Theile. - - [17] Annal. der Chemie u. Pharm. Bd. ~XXVIII.~ S. 74 u. Bd. ~XL.~ S. - 33 u. 36. - - -Note 8. Seite 49. - -_Zusammensetzung des Pflanzen-Fibrins, -Albumins, -Caseins und -Leims_. - -_Pflanzenfibrin_ - - Roher - Kleber a. Weizenmehl - Scherer[F18]* Jones Marcet Boussin- - /------------------------\ [F19]* [F20] gault - ~I.~ ~II.~ ~III.~ - Kohlenstoff 53,064 54,603 54,617 53,83 55,7 53,5 - Wasserstoff 7,132 7,302 7,491 7,02 14,5 15,0 - Stickstoff 15,359 15,810 15,809 15,58 7,8 7,0 - Sauerstoff } - Schwefel } 24,445 22,285 22,083 23,56 22,0 24,5 - Phosphor } - - [18] Ann. d. Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 7. - - [19] Ebendaselbst. S. 65. - - [20] L. Gmelin’s th. Chem. Bd. ~II.~ S. 1092. - -_Pflanzenalbumin_[F21] - - a. a. a. a. - Roggen Weizen Pflanzenleim Mandeln - Jones* Varrentrapp Jones* - u. Will* - Kohlenstoff 54,74 55,01 54,85 57,03 - Wasserstoff 7,77 7,23 6,96 7,53 - Stickstoff 15,85 15,92 15,88 13,45 - Sauerstoff } - Schwefel } 21,64 21,84 22,39 21,96 - Phosphor } - - [21] Ann. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 66. u. Bd. ~XXXIX.~ S. 291. - - Boussingault. Varrentrapp - u. Will.* - Kohlenstoff 52,7 -- - Wasserstoff 6,9 -- - Stickstoff 18,4 15,70 - Sauerstoff 22,0 -- - -_Pflanzencasein_[F22] - - schwefelsaures - Caseinkali - Scherer* Jones* Varrentrapp - u. Will* - /--------------\ - Kohlenstoff 54,138 55,05 51,41 51,24 - Wasserstoff 7,156 7,59 7,83 6,77 - Stickstoff 15,672 15,89 14,48 13,23 - Sauerstoff u. s. w. 23,034 21,47 -- -- - - [22] Ann. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XXXIX.~ S. 291 und Bd. ~XL.~ S. 8 - u. 67. - -_Pflanzenleim_ - - Jones Boussingault - [F23]* /------------\ - ~I.~ ~II.~ - Kohlenstoff 55,22 54,2 52,3 - Wasserstoff 7,42 7,5 6,5 - Stickstoff 15,98 13,9 18,9 - Sauerstoff u. s. w. 21,38 24,4 22,3 - - [23] Ann. d. Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 66. - - -Note 9. Seite 53. - -_Zusammensetzung des Thier-Caseins_. - - Scherer[F24]* - /-------------------------------------------\ - a. a. a. - frisch. saur. Milch m. Zieger - Milch Milch Essigs. - /---------------\ - ~I.~ ~II.~ ~III.~ ~IV.~ ~V.~ - Kohlenstoff 54,825 54,721 54,665 54,580 54,507 - Wasserstoff 7,153 7,239 7,465 7,352 6,913 - Stickstoff 15,628 15,724 15,724 15,696 15,670 - Sauerstoff } 22,394 22,316 22,146 22,372 22,910 - Schwefel } - - [24] Annal. d. Chem. n. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 40 u. s. f. - - _Mulder_[F25] - Kohlenstoff 54,96 - Wasserstoff 7,15 - Stickstoff 15,80 - Sauerstoff 21,73 - Schwefel 0,36 - - [25] Die Analyse des Pflanzencaseins siehe in der vorhergehenden Note. - - -Note 10. Seite 66. - -_Gehalt der festen Excremente an in Alkohol löslichen Bestandtheilen_ -(_Will*_). - -18,3 Grm. bei 100° getrocknete Pferdexcremente verloren durch Behandlung -mit Alkohol 0,995 am Gewichte, der trockne Rückstand besaß die -Beschaffenheit von ausgekochten Sägespänen. - -14,98 Grm. trockner Kuhexcremente verloren durch die nämliche Behandlung -0,625 Grm. - - -Note 11. S. 72. - -_Zusammensetzung des Amylons_[F26]. - - Strecker* - /--------------------------------------------------\ - berechnet - ~C₁₂H₂₀O₁₀~ aus Erbsen Linsen Bohnen Heidekorn - Kohlenstoff 44,91 44,33 44,46 44,16 44,23 - Wasserstoff 6,11 6,57 6,54 6,69 6,40 - Sauerstoff 48,98 49,09 49,00 49,15 49,37 - - Strecker* - /-----------------------------------\ - Roß- - aus Mais kastanien Weizen Roggen - Kohlenstoff 44,27 44,44 44,26 44,16 - Wasserstoff 6,67 6,47 6,70 6,64 - Sauerstoff 49,06 49,08 49,04 49,20 - - Strecker* - /-----------------------------------\ - Dahlien- unreif. unreif. - aus Reis wurzel Aepfeln Birnen - Kohlenstoff 44,69 44,13 44,10 44,14 - Wasserstoff 6,36 6,56 6,57 6,75 - Sauerstoff 48,95 49,31 49,33 49,11 - - - aus Kartoffeln a. Pfeil- a. Yams- - wurzeln wurzeln - /-------------------\ - Berze- Gay-Lussac Prout Ortigosa* - lius u. Thénard - Kohlenstoff 44,250 43,55 44,40 44,2 - Wasserstoff 6,674 6,77 6,18 6,5 - Sauerstoff 49,076 49,68 49,42 49,3 - - [26] Die in den Analysen von _Strecker_ und _Ortigosa_ verwendete - Stärke wurde in dem Laboratorium zu Gießen aus den Samen, Knollen und - Früchten dargestellt. - - -Note 12. Seite 72. - -_Zusammensetzung des Trauben- (Stärke-)zuckers_. - - Trauben Stärke Honig - [F27] [F28] [F29] berechn. - Saussure Prout ~C₁₂H₂₈O₁₄~ - /-------------\ - Kohlenstoff 36,71 37,29 36,36 36,80 - Wasserstoff 6,78 6,84 7,09 7,01 - Sauerstoff 56,51 55,87 56,55 56,19 - - [27] ~Ann. de Chim.~ Bd. ~XI.~ S. 381. - - [28] ~Ann. of Philosoph. T. VI. p.~ 426. - - [29] ~Philos. Transact.~ 1827 ~p.~ 373. - - -Note 13. Seite 73. - -_Zusammensetzung des Milchzuckers_. - - Gay-L. Ber- berechnet - u. Thén. Prout Brunn. zelius J. L.* ~C₁₂H₂₄O₁₂~ - Kohlenstoff 38,825 40,00 40,437 39,474 40,00 40,46 - Wasserstoff 7,341 6,66 6,711 7,167 6,73 6,61 - Sauerstoff 53,834 53,34 52,852 53,359 53,27 52,93 - - -Note 14. Seite 74. - -_Zusammensetzung des Gummis_. - - Gay-Luss. Ber- berechnet - u. Thén. Goebel zelius ~C₁₂H₂₂O₁₁~ - Kohlenstoff 42,23 42,2 42,682 42,58 - Wasserstoff 6,93 6,6 6,374 6,37 - Sauerstoff 50,84 15,2 50,944 51,05 - - -Note 15. Seite 76. - -_Analyse des Hafers nach Boussingault_[F30]. - - 100 Theile Hafer enthalten trockne Substanz 84,9 - Wasser 17,1 - ----- - 100,0 - - 100 Theile trockner Hafer = 117,7 lufttrocknem enthalten: - Kohlenstoff 50,7 - Wasserstoff 6,4 - Sauerstoff 36,7 - Stickstoff 2,2 - Asche 4,0 - ------ - 100,0 - 17,7 Wasser - ------ - lufttrockner Hafer 117,7 in 100 Theilen 1,867 Stickstoff. - - [30] ~Ann. de Chim. et de Phys. T. LXXI. p.~ 130. - -_Analyse des Heu’s_[F31]. - - 100 Theile Heu enthalten lufttrocken 86 trockne Substanz - 14 Wasser - --- - 100 - - 100 Th. bei 100° getrocknetes Heu = 116,2 lufttrocknes Heu enthalten: - Kohlenstoff 45,8 - Wasserstoff 5,0 - Sauerstoff 38,7 - Stickstoff 1,5 - Asche 9,0 - -------- - 100,0 - Hierzu 16,2 Wasser - -------- - 116,2 lufttrocknes Heu. - - 100,0 lufttrocknes Heu enthalten 1,29 Stickstoff - - 480 Loth Heu lufttrocken = 15 Pfund enthalten 6,19 Loth Stickstoff - 144 „ Hafer „ = 4¹/₂ „ „ 2,68 „ „ - ----- - Zusammen 8,87 Loth Stickstoff. - - [31] ~Ann. de Chim. et de Phys. T. LXXI. p.~ 129. - - -Note 16. Seite 78. - -_Kohlenstoffgehalt des Fleisches und Amylons_. - - 100 Loth Amylon enthalten 44 Loth Kohlenstoff, 128 Loth (4 Pfund) - enthalten 56,32 Loth Kohlenstoff. - 100 Loth frisches Fleisch enthalten 13,6 Loth Kohlenstoff (siehe - Note 3) - 480 „ „ „ (15 Pfund) mithin 55,28 Loth. - - -Note 17. Seite 85. - - _Zusammensetzung des_ - Schweine- Hammels- Menschen- - schmalzes talges fettes[F32] - Chevreul - /--------------------------\ - Kohlenstoff 79,098 78,996 79,000 - Wasserstoff 11,146 11,700 11,416 - Sauerstoff 9,756 9,304 9,584 - - [32] ~Recherch. chim. sur les corps gras. Paris~ 1823. - - -Note 18. Seite 85. - - _Zusammensetzung_ - des Rohrzuckers nach den Analysen - von - Ber- W. Lie- Gay-L. berechnet - zelius Prout Crum big* u. Thén. ~C₂₀H₂₂O₁₁~ - Kohlenstoff 42,225 42,86 42,14 42,301 42,47 42,58 - Wasserstoff 6,600 6,35 6,42 6,384 6,90 6,37 - Sauerstoff 51,175 50,79 51,44 51,315 50,63 51,05 - -Die Zusammensetzung des Gummis und der Stärke siehe Note 14 u. 11. - - -Note 19. Seite 86. - -_Zusammensetzung des Cholsterins_. - - Chevreul Couerbe Mar- berechnet - [F33] [F34] chand ~C₃₆H₆₄O~ - Kohlenstoff 85,095 84,895 84,90 84,641 - Wasserstoff 11,880 12,099 12,00 12,282 - Sauerstoff 3,025 3,006 3,10 3,077 - - [33] ~Recherch. sur les corps gras. p.~ 185. - - [34] ~Ann. de Chim. et de Phys. T. LVI. p.~ 164. - - -Note 20. Seite 88. - -_Die Entstehung des Wachses aus Zucker_[F35]. - -Sobald die Bienen ihren Magen oder die sogenannte Honigblase mit Honig -angefüllt haben, und diesen nicht ablegen können, geht derselbe in Menge -nach und nach in den Darmkanal, wird hier verdauet, der größte Theil -davon als Excremente ausgeschieden und der andere in die Säfte der -Bienen übergeführt. Durch diesen großen Zufluß von Säften bildet sich -ein Fett, welches auf den vorn erwähnten acht Fleckchen, die sich an den -untern 4 Schuppen der Bauchringel befinden, als eine flüssige Masse -hervorquillt und bald als Wachsblättchen erhärtet; während, wenn die -Biene den Honig ablegen kann, nur so viel in den Darmkanal übergeht, als -zur Ernährung derselben nöthig ist. Die Honigblase der Bienen braucht -kaum 40 Stunden mit Honig angefüllt zu sein, um auf den 8 Fleckchen, 8 -Wachsblättchen vollkommen zur Reife zu bringen, so daß diese abfallen. -Ich machte den Versuch und gab Bienen, die ich am Ende des Monats -September mit ihrer Königin in ein Kästchen setzte, statt Honig -aufgelös’ten Candiszucker. Es bildeten sich auch davon Wachsblättchen; -aber sie wollten nicht recht abspringen, sondern die weiter ausquellende -Masse blieb an den oberen Wachsblättchen bei den meisten Bienen hängen, -so daß die Blättchen so dick wurden, als es sonst viere zusammen sind. -Die Schuppen der Bienen wurden dadurch ganz in die Höhe gehoben, und die -Blättchen ragten hervor. Beim Nachsehen fand ich, daß diese dicken -Blättchen, welche unter der Lupe mehrere Lamellen zeigten, nach dem -Kopfe der Biene hin von oben nach unten, und nach der Schwanzspitze hin -von unten nach oben eine schiefe Fläche hatten. Es war also das sich -zuerst gebildete Blättchen durch das nächstfolgende, und weil da, wo die -Schuppen an der Fugenhaut festsitzen, kein Raum für 2 Blättchen -vorhanden ist, etwas abgeschoben worden, und so war es denn auch mit dem -dritten Blättchen gegangen, wodurch die schiefen Flächen an den Seiten -der Blättchen nach vorn und hinten entstanden waren. Ich habe hieraus -recht deutlich ersehen, daß die Wachsblättchen durch die nächstfolgend -sich bildenden Blättchen abgeschoben werden. Der Zuckersaft war von den -Bienen auch in Wachs zersetzt worden; allein es scheint doch, daß die -Bildung irgend eine Unvollkommenheit erlitten hatte, indem die reifen -Wachsblättchen sich nicht ablös’ten, sondern an den nächstfolgenden -hängen blieben. Zum Wachsausschwitzen bedürfen die Bienen keines -Blumenstaubes, sondern nur Honig. Ich habe schon im October Bienen in -ein leeres Kästchen gebracht und ihnen Honig untergesetzt, und sie -bauten bald Waben, obschon das Wetter so war, daß sie gar nicht fliegen -konnten. Ich kann deßhalb gar nicht glauben, daß der Blumenstaub eine -Nahrung für die Bienen abgebe, sondern ich glaube, daß sie ihn nur -verschlucken, um mit Honig und Wasser vermischt, den Nahrungssaft für -die Maden daraus zu bereiten. Die Bienen verhungern auch oft noch im -April, wenn ihr Honigvorrath aufgezehrt ist, und sie Blumenstaub in -Menge, aber keinen Honig eintragen können. Sie reißen in der Noth die -Nymphen aus den Zellen und zernagen diese, um durch den süßen Saft, den -sie in diesen finden, sich das Leben zu fristen. Werden sie aber in -dieser Lage nicht gefüttert, oder tritt nicht alsbald Nahrung auf dem -Felde ein, so sterben sie in wenigen Tagen. Wäre nun aber der -Blumenstaub eine wirkliche Nahrung für die Bienen, so müßten sie doch -wohl von diesem, mit Wasser vermischt, sich ihr Leben fristen können. - - [35] Aus Ferdinand Wilhelm _Gundlach’s_ Naturgeschichte der Bienen, S. - 15. ff. Cassel 1842 bei Bohne. -- Wir kennen keinen schöneren und - überzeugenderen Beweis der Fettbildung aus Zucker, als den folgenden, - aus der Beobachtung entnommenen, Proceß der Wachsbildung bei den - Bienen. - -Die Bienen bauen nie Waben, wenn sie nicht eine Königin haben, oder -nicht mit Brut versehen sind, aus welcher sie sich eine Königin erziehen -können. Sperrt man aber Bienen ohne Königin in ein Kästchen und füttert -sie mit Honig, so sieht man, daß sie nach 48 Stunden Wachsblättchen auf -den Schuppen haben, und daß deren auch schon einige abgefallen sind. Das -Wabenbauen ist also etwas Willkürliches und an gewisse Bedingungen -geknüpft; das Wachsausschwitzen aber etwas Unwillkürliches. - -Man sollte glauben, daß eine große Menge dieser Wachsblättchen verloren -gingen, da sie ja den Bienen eben so gut außer dem Stocke als in -demselben abfallen könnten; allein der Schöpfer hat weise dafür gesorgt, -daß solche nicht verloren gehen. Stellt man den Bienen, welche im Bauen -begriffen sind, Honig in einem flachen Gefäße unter und bedeckt diesen, -damit die Bienen nicht in den Honig einsinken, mit einem durchlöcherten -Papier, so sieht man am andern Morgen, daß der Honig aufgetragen ist, -und daß auf dem Papier eine große Menge Wachsblättchen liegen. Man -sollte wohl glauben, daß die Bienen, welche den Honig aufgetragen haben, -diese Blättchen hätten fallen lassen; allein es ist nicht so. Legt man -über das Honiggefäß zwei dünne Stäbchen und auf diese ein Brett, welches -das Gefäß von allen Seiten überragt, so also, daß die Bienen unter dem -Brette durchkriechen und den Honig holen können, aber nichts von oben -aus dem Stocke auf den Honig fallen kann, so findet man am andern Morgen -den Honig aufgetragen, aber keine Wachsblättchen auf dem Papier liegen; -wohl aber liegen deren auf dem das Gefäß überragenden Brettchen. Die -Bienen, welche den Honig holen, lassen also keine Blättchen fallen, -sondern es thun dieses nur die Bienen, welche oben im Stocke hängen. -Wiederholte Versuche dieser Art haben mich überzeugt, daß die Bienen, -sobald ihre Wachsblättchen zum Abfallen reif sind, sich in den Stock -zurückziehen und der Ruhe pflegen, eben so wie die Raupen es thun, wenn -sie sich häuten wollen. Bei einem Schwarme, der stark baut, sieht man -Tausende von Bienen, welche ganz unthätig oben im Stocke hängen; es sind -dies lauter Bienen, deren Wachsblättchen zum Abfallen reif sind; haben -sie sich abgelöset, so erwacht wieder die Thätigkeit der Biene, und ihre -Stelle wird nun von einer andern zu gleichem Zwecke eingenommen. - - Seite 28. derselben Schrift. Um zu ermitteln, wie viel Honig die - Bienen zur Erzeugung des Wachses nöthig haben, und wie oft, bei einem - im Bauen begriffenen Schwarme, die Wachsblättchen ihre Reife erhalten - und abfallen, machte ich folgenden, wie ich glaube, nicht - uninteressanten Versuch. - -Am 29sten August d. J., zu einer Zeit, wo hier kein Honig mehr für die -Bienen auf dem Felde zu finden war, trieb ich einen kleinen Bienenstock -ab, that die Bienen in einen kleinen, aus Holz angefertigten, -Bienenkasten, suchte aber vorher die Königin aus und sperrte diese in -eine mit Drahtgitter versehene Büchse, welche ich in das Stopfenloch des -Bienenkastens einfügte, damit keine Brut in die Zellen kommen konnte, -und stellte sodann, um die Bienen genau beobachten zu können, dieses -Stöckchen in ein Fenster auf meinen Boden. Des Nachmittags um 6 Uhr gab -ich den Bienen 12 Loth aus zugespundeten Zellen ausgelaufenen Honig, der -also ganz die Consistenz des fertigen Honigs hatte. Dieser war am -andern Morgen von den Bienen aufgeleckt. Am 30sten August des Abends gab -ich den Bienen wieder 12 Loth, der am andern Morgen ebenfalls aufgeleckt -war; es lagen aber auch schon einige Wachsblättchen auf dem -durchlöcherten Papiere, womit ich den Honig bedeckt hatte. Am 31sten -August und 1sten September erhielten die Bienen des Abends 20 Loth und -am 3ten September des Abends 14 Loth; in Summa also 1 Pfund 26 Loth -Honig, der aus Zellen, welche die Bienen schon zugespundet hatten, kalt -ausgelaufen war. Am 5ten September betäubte ich die Bienen, indem ich -sie durch Bovist herabfallen ließ. Ich zählte solche, und fand 2765 -Bienen; sie wogen 20 Loth. Nun wog ich das Kästchen, dessen darin -befindliche Waben sehr mit Honig angefüllt, jedoch die Zellen noch nicht -bedeckelt waren, bemerkte mir das Gewicht und ließ nun von einem starken -Stocke den Honig auftragen, was in ein Paar Stunden geschehen war. Ich -wog jetzt das Kästchen wieder und fand, daß es 24 Loth leichter geworden -war; folglich hatten die Bienen 24 Loth Honig von dem ihnen gegebenen 1 -Pfund 26 Loth noch im Stocke gehabt. Nun brach ich die kleinen Waben aus -und fand, daß sie 1¹/₄ Loth wogen. Ich ließ die Bienen in einem andern -Kästchen erwachen, welches mit leeren Waben versehen war, und fütterte -sie mit ganz ähnlichem Honig. In den ersten paar Tagen verloren sie -täglich über 2 Loth an Gewicht, nachher aber jeden Tag 1 Loth, was daher -kam, daß der Darmkanal der Bienen in Folge der Verdauung des vielen -Honigs voll von Excrementen war, denn 1170 Bienen wiegen im Herbste, -wenn sie noch nicht lange eingesessen haben, 8 Loth; mithin müßten 2765 -Bienen etwa 18 Loth wiegen. Sie wogen aber 20 Loth und hatten deßhalb 2 -Loth Excremente bei sich, denn ihre Honigblasen waren leer. Des Nachts -verminderte sich das Gewicht des Stöckchens gar nicht, weil der wenige -Honig, den die Bienen im Stöckchen hatten, und weil derselbe schon die -nöthige Consistenz erlangt hatte, keinen merkbaren Verlust des Gewichts -durch das Verdunsten erlitt und die Bienen keine Excremente von sich -geben konnten; daher geschah die Verminderung des Gewichts nur jedesmal -von des Morgens bis zum Abend. Hatten nun die Bienen in den 7 Tagen 7 -Loth Honig zur Ernährung ihres Körpers bedurft, so hatten sie zur -Bildung von 1¹/₄ Loth Wachs 27 Loth Honig verbraucht, und mithin sind -zur Bildung eines Pfundes Wachses an 20 Pfund Honig nöthig. Daher kommt -es auch, daß die stärksten Schwärme bei der ergiebigsten Honigerndte, wo -andere Stöcke, die nicht zu bauen brauchen, oft in einem Tage 3-4 Pfunde -zunehmen, fast gar nicht schwerer werden, obschon ihre Thätigkeit ohne -Grenzen ist; es wird alles Gewonnene zu Wachs verwendet. Es ist dieses -ein Wink für die Bienenhalter, den Wachsbau einzuschränken. _Cnauf_ -empfahl dieses schon, obgleich ihm das eigentliche Verhältniß unbekannt -war. Von einem Loth Wachs können die Bienen so viel Zellen bauen, daß -sie darin 1 Pfund Honig aufbewahren können. - -100 Wachsblättchen wiegen 0,024 Gramm, folglich gehen auf ein Kilogramm -4,166,666 Wachsblättchen, 50 Kilogramm sind gleich 106 Pfund Cöllnisch -Gewicht, 1 Pfund gleich 32 Loth. Es gehen daher auf 1¹/₄ Loth 81,367 -Wachsblättchen. Diese waren von 2765 Bienen in 6 Tagen ausgeschwitzt -worden; es kommen daher auf jede Biene in 24 Stunden 5 Blättchen, und -mithin bedarf die Biene zur Bildung ihrer 8 Blättchen etwa 38 Stunden; -was auch mit meinen Beobachtungen sehr genau übereinstimmt. Die -ausgeschwitzten Wachsblättchen sind vollkommen so weiß, als gut -gebleichtes Wachs. Auch die Waben sind anfänglich ganz weiß, sie werden -aber durch den Honig und besonders durch den Blumenstaub gelb gefärbt. -Sowie es anfängt kalt zu werden, ziehen sich die Bienen in dem Stocke -unter dem Honig zusammen und zehren nun von ihrem Vorrathe. - -S. 54. Viele glauben, die Bienen hätten einen Winterschlaf; allein -dieses ist ganz falsch. Die Bienen sind den ganzen Winter über munter; -es bleibt immer warm in ihrem Stocke, durch die Wärme, welche sie selbst -entwickeln. Je mehr Bienen in einem Stocke sind, desto mehr Wärme wird -entwickelt, und deßhalb können starke Stöcke der heftigsten Kälte -trotzen. Ich hatte den Fall, daß ich vergessen hatte, einem Stocke, -welchem ich im Juli zur Verminderung der Hitze ein durchlöchertes Blech -auf das sehr weite Stopfenloch geheftet hatte, dieses im Herbste -abzunehmen; und obschon der Winter ungemein heftig war, und die Kälte -mehrere Tage über -18° betrug, kam dieser Stock doch sehr gut durch den -Winter; ich hatte aber im Herbste zu diesem Stocke das Volk von 2 -anderen Stöcken gethan! Wird die Kälte sehr heftig, so fangen die Bienen -an zu brausen; dadurch wird der Respirationsproceß erhöht, und die -Wärmeentwicklung vermehrt. Sperrt man im Sommer Bienen ohne Königin in -einen Glaskasten, so werden diese unruhig und fangen an zu brausen; -dadurch entwickelt sich eine solche Hitze, daß die Glasscheiben ganz -heiß werden. Oeffnet man in diesem Falle nicht das Flugloch, oder sucht -den Bienen mehr Luft zu verschaffen, und durch Wasser die Glasscheiben -abzukühlen, so ersticken die Bienen bald. - -_Zusammensetzung des Bienenwachses_. - - Gay-L. Saus- - u. Thén. sure Opperm. Ettl. Heß berechnet - [F36] [F37] [F38]* [F39]* [F40] ~C₂₀H₄₀O~ - Kohlenstoff 81,784 81,607 81,291 81,15 81,52 81,38 - Wasserstoff 12,672 13,859 14,073 13,75 13,23 13,28 - Sauerstoff 5,544 4,534 4,636 5,09 5,25 5,34 - - [36] ~Traité de Chim. par Thénard~, 6^{~me~} ~éd. IV. p.~ 477. - - [37] ~Ann. de Chim. et de Phys. T. XIII. p.~ 310. - - [38] ~Ibid. T. XLIX. p.~ 224. - - [39] Annal. der Pharm. Bd. ~II~. S. 267. - - [40] ~Ibid.~ Bd. ~XXVII.~ S. 6. - - -Note 21. S. 106. - -_Zusammensetzung der Cyanursäure, des Cyamelids und des -Cyansäurehydrats, nach den Analysen von_ - -Wöhler und Liebig[F41]* - - Cyanursäure, Cyamelid, Cyansäurehydrat - \------------------------------------/ - Kohlenstoff 28,19 - Wasserstoff 2,30 - Stickstoff 32,63 - Sauerstoff 36,87 - - [41] Poggend. Annal. Bd. ~XX~. S. 375 u. s. f. - - -Note 22. Seite 106. - -_Zusammensetzung des Aldehyds, Metaldehyds, Elaldehyds_[F42]. - - Met- El- - Aldehyd aldehyd aldehyd berechnet - Liebig* Fehling* ~C₄H₈O₂~ - /------------------------\ - Kohlenstoff 55,024 54,511 54,620 54,467 55,024 - Wasserstoff 8,983 9,054 9,248 9,075 8,983 - Sauerstoff 35,993 36,435 36,132 36,458 35,993 - - [42] Ann. der Pharm. Bd ~XIV~. S. 142 u. Bd. ~XXVII~. S. 319. - - -Note 23. Seite 107. - -_Zusammensetzung des Proteins_ - - aus - Krystal- aus aus - linse Albumin Fibrin - Scherer[F43]* - /----------------------------\ - ~I.~ ~II.~ ~III.~ - Kohlenstoff 55,300 55,160 54,848 - Wasserstoff 6,940 7,055 6,959 - Stickstoff 16,216 15,966 15,847 - Sauerstoff 21,544 21,819 22,346 - - Scherer* - /-----------------------------------------------\ - berechnet - aus Haaren aus Horn ~C₄₈H₇₂N₁₂O₁₄~ - /---------------\ /---------------\ - Kohlenstoff 54,746 55,150 55,408 54,291 55,742 - Wasserstoff 7,129 7,197 7,238 7,082 6,827 - Stickstoff 15,727 15,727 15,593 15,593 16,143 - Sauerstoff 22,398 21,926 21,761 23,034 21,288 - - [43] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL~. S. 43. - - aus - Pflanzen- aus aus aus - eiweiß Fibrin Albumin Käse - Mulder[F44] - /---------------------------------\ - Kohlenstoff 54,99 55,44 55,30 55,159 - Wasserstoff 6,87 6,95 6,94 7,176 - Stickstoff 15,66 16,05 16,02 15,857 - Sauerstoff 22,48 21,56 21,74 21,808 - - [44] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVIII.~ S. 75. - - -Note 24. Seite 109. - -_Zusammensetzung des Albumins aus dem Dotter und Weißen des Ei’s_[F45]. - - aus Eigelb aus Eiweiß - Jones* Scherer* - /--------------\ - ~I.~ ~II.~ - Kohlenstoff 53,72 53,45 55,000 - Wasserstoff 7,55 7,66 7,073 - Stickstoff 13,60 13,34 15,920 - Sauerstoff } - Schwefel } 25,13 25,55 22,007 - Phosphor } - - [45] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 36 u. 67. - - -Note 25. S. 113. - -_Zusammensetzung der Milchsäure._ - - ~C₆H₁₀O₅~ - Kohlenstoff 44,90 - Wasserstoff 6,11 - Sauerstoff 48,99 - - -Note 26. Seite 117. - -_Gas aus dem Unterleib von Kühen, nach dem Genuß von zu vielem Klee -durch Punctur erhalten_: - -~a~) untersucht von _Lameyran_ u. _Frémy_ ~b~) von _Vogel_ ~c~) von -_Pflüger_. - - brenn- Schwefel- - kohlensaures bares wasserstoff- - Luft Gas Gas gas(?) - \------------------/ - - /------------------\ - ~a~) 5 5 -- 15 80 Vol. - ~b~) 25 -- 27 48 -- - ~c~) -- -- 60 40 -- - ~c~) -- -- 20 80 -- - - -Note 27. Seite 120. - -_Magendie fand in dem Magen und den Eingeweiden Hingerichteter_: - -bei einem Individuum ~a~) welches eine Stunde, ~b~) bei einem zweiten -Individuum, welches 2 Stunden und ~c~) bei einem dritten Individuum, -welches 4 Stunden vor der Hinrichtung eine leichte Mahlzeit zu sich -genommen hatte, - - in 100 Volum-Theilen befanden sich: - Sauerstoff- Stick- kohlens. brennb. - gas gas Gas Gas - { im Magen 11,00 Vol. auf 71,45 14,00 3,55 - ~a~ { im Dünndarm 00,00 „ „ 20,03 24,39 55,53 - { im dicken Darm 00,00 „ „ 51,03 43,50 5,47 - {im Magen 00,00 „ „ 00,00 00,00 00,00 - ~b~ {im Dünndarm 00,00 „ „ 8,85 40,00 51,15 - {im Dickdarm 00,00 „ „ 18,4 70,00 11,6 - { im Magen 00,00 „ „ 00,00 00,00 00,00 - ~c~ { im Dünndarm 00,00 „ „ 66,6 25,0 8,4 - { im Mastdarm 00,00 „ „ 45,96 42,86 11,18 - - -Note 28. S. 127. - -_Zusammensetzung des Thieralbumins_. - - aus - aus Blutserum Eiern aus Eigelb - Scherer[F46]* Jones[F47]* - /--------------------------------\ /-------------\ - ~I.~ ~II.~ ~III.~ ~IV.~ ~V.~ ~VI.~ - Kohlenstoff 53,850 55,461 55,097 55,000 53,72 53,45 - Wasserstoff 6,983 7,201 6,880 7,073 7,55 7,66 - Stickstoff 15,673 15,673 15,681 15,920 13,60 13,34 - Sauerstoff } - Schwefel } 23,494 21,655 22,342 22,007 25,13 25,55 - Phosphor } - -In den Analysen ~V.~ u. ~VI.~ ist das Verhältniß des Stickstoffs zum -Kohlenstoff gleich 1 : 8. - - [46] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 36. - - [47] Ebendas. S. 67. - - Jones* Scherer* - /----------------------------------------------\ - Albumin aus - Conges- hydro- - Gehirn- Hydro- tions- Eiter pisch. - albumin cele absceß /---------------\ Flüss. - ~VII.~ ~VIII.~ ~IX.~ ~X.~ ~XI.~ ~XII.~ - Kohlenstoff 55,50 54,921 54,757 54,663 54,101 54,302 - Wasserstoff 7,19 7,077 7,171 7,022 6,947 7,176 - Stickstoff 16,31 15,465 15,848 15,839 15,660 15,717 - Sauerstoff } - Schwefel } 21,00 22,537 22,224 22,476 23,292 22,805 - Phosphor } - - Mulder[F48] - Kohlenstoff 54,84 - Wasserstoff 7,09 - Stickstoff 15,83 - Sauerstoff 21,23 - Schwefel 0,68 - Phosphor 0,33 - - [48] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVIII.~ S. 74. - -_Zusammensetzung des Thierfibrins_. - - Scherer[F49]* - /------------------------------------------------------\ - ~I.~ ~II.~ ~III.~ ~IV.~ ~V.~ ~VI.~ ~VII.~ - Kohlenstoff 53,671 54,454 55,002 54,967 53,471 54,686 54,844 - Wasserstoff 6,878 7,069 7,216 6,867 6,895 6,835 7,219 - Stickstoff 15,763 15,762 15,817 15,913 15,720 15,720 16,065 - Sauerstoff} - Schwefel } 23,688 22,715 21,965 22,244 23,814 22,759 21,872 - Phosphor } - - [49] Annal. der Chemie u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 33. - - Mulder[F50] - Kohlenstoff 54,56 - Wasserstoff 6,90 - Stickstoff 15,72 - Sauerstoff 22,13 - Schwefel 0,33 - Phosphor 0,36 - - [50] Annal. der Pharm. Bd. ~XXIII.~ S. 74. - -Ueber die Zusammensetzung des Thier-Caseins vergl. Note 9. - -_Zusammensetzung der leimgebenden Gewebe_. - - Scherer[F51]* - /------------------------------------------------------\ - Hausen- Scle- berechnet - blase Kalbsfußsehnen rotica ~C₄₈H₈₂N₁₅O₁₈~ - Kohlenstoff 50,557 49,563 50,960 50,774 50,995 50,207 - Wasserstoff 6,903 7,148 7,188 7,152 7,075 7,001 - Stickstoff 18,790 18,470 18,320 18,320 18,723 18,170 - Sauerstoff 23,750 24,819 23,532 23,754 23,207 24,622 - - [51] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 46. - - Mulder - /--------------\ - Kohlenstoff 50,048 50,048 - Wasserstoff 6,477 6,643 - Stickstoff 18,350 18,388 - Sauerstoff 25,125 24,921 - -_Zusammensetzung der Chondrin-gebenden Gewebe_. - - Kalbsrippen- berechnet - knorpel Cornea ~C₄₈H₈₀N₁₂O₂₀~ - /--------------\ - Scherer[F52]* Mulder - /------------------------\ - Kohlenstoff 49,496 50,895 49,522 50,745 50,607 - Wasserstoff 7,133 6,962 7,097 6,904 6,578 - Stickstoff 14,908 14,908 14,399 14,692 14,437 - Sauerstoff 28,463 27,235 28,982 27,659 28,378 - - [52] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 49. - -_Zusammensetzung der mittleren Arterienhaut_. - - Scherer[F53]* - /---------------\ - berechnet - ~I.~ ~II.~ ~C₄₈H₇₆N₁₂O₁₆~ - Kohlenstoff 53,750 53,393 53,91 - Wasserstoff 7,079 6,973 6,96 - Stickstoff 15,360 15,360 15,60 - Sauerstoff 23,811 24,274 23,53 - - [53] Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 51. - -_Zusammensetzung der Horngebilde_. - - Scherer[F54]* - /-------------------------------------------------------\ - Oberhaut d. Bart- Kopf- - Fußsohle haare haare blonde braune schwarze - Kohlenstoff 51,036 50,752 51,529 50,652 49,345 50,622 49,935 - Wasserstoff 6,801 6,761 6,687 6,769 6,576 6,613 6,631 - Stickstoff 17,225 17,225 17,936 17,936 17,936 17,936 17,936 - Sauerstoff } 24,938 25,262 23,848 24,643 26,143 24,829 25,498 - Schwefel } - - berechnet - Büffelhorn Nägel Wolle ~C₄₈H₇₈N₁₄O₁₇~ - /---------------------------\ - Kohlenstoff 51,990 51,162 51,620 51,540 51,089 50,653 51,718 - Wasserstoff 6,717 6,597 6,754 6,779 6,824 7,029 6,860 - Stickstoff 17,284 17,284 17,284 17,284 16,901 17,710 17,469 - Sauerstoff }24,009 24,957 24,342 24,397 25,186 24,608 23,953 - Schwefel } - - [54] Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. ~XL.~ S. 53. - -Hiermit stimmt nahe die Zusammensetzung der die innere Schale des -Hühnerei’s auskleidenden Haut; - - sie enthält nach _Scherer_[F55]* - Kohlenstoff 50,674 - Wasserstoff 6,608 - Stickstoff 16,761 - Sauerstoff } 25,957 - Schwefel } - - [55] Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. ~XL~. S. 60. - -_Zusammensetzung der Federn_. - - Scherer[F56]* - /---------------\ - Feder- Feder- berechnet - fahne spule ~C₄₈H₇₈N₁₄O₁₆~ - Kohlenstoff 50,434 52,427 52,457 - Wasserstoff 7,110 7,213 6,958 - Stickstoff 17,682 17,893 17,719 - Sauerstoff 24,774 22,467 22,866 - - [56] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL~. S. 61. - -_Zusammensetzung des Augenschwarzes_. - - Scherer[F57]* - /--------------------------\ - ~I.~ ~II.~ ~III.~ - Kohlenstoff 58,273 58,672 57,908 - Wasserstoff 5,973 5,962 5,817 - Stickstoff 13,768 13,768 13,768 - Sauerstoff 21,986 21,598 22,507 - - [57] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XL~. S. 63. - - -Note 29. S. 135. - -Nach den Analysen von _Playfair_ und _Boeckmann_* gaben - - 0,452 trocknes Muskelfleisch 0,836 Kohlensäure - 0,407 „ „ 0,279 Wasser - 0,242 „ „ 0,450 Kohlensäure u. 0,164 Wasser - 0,191 „ „ 0,360 „ 0,130 „ - - _Blut_ - - 0,305 Substanz gaben 0,575 Kohlensäure u. 0,202 Wasser - 0,214 „ „ 0,402 „ 0,138 „ - 1,471 Blut hinterließen 0,065 Asche. - - Ochsenfleisch Ochsenblut Mittel - Playfair* Boeckmann* Playfair* Boeckmann* - Kohlenstoff 51,83 51,89 51,95 51,96 51,96 - Wasserstoff 7,57 7,59 7,17 7,33 7,25 - Stickstoff 15,01 15,05 15,07 15,08 15,07 - Sauerstoff 21,37 21,24 21,39 21,21 21,30 - Asche 4,23 4,23 4,42 4,42 4,42 - -Zieht man den Aschengehalt ab, so ist die Zusammensetzung des -organischen Theils des - - Ochsenfleischs Ochsenbluts - Playfair* Boeckmann* Playfair* Boeckmann* - Kohlenstoff 54,12 54,18 54,19 54,20 - Wasserstoff 7,89 7,93 7,48 7,65 - Stickstoff 15,67 15,71 15,72 15,73 - Sauerstoff 22,32 22,18 22,31 22,12 - -Dieser Zusammensetzung entspricht die Formel: - - ~C₄₈~ 54,62 - ~H₇₈~ 7,24 - ~N₁₂~ 15,81 - ~O₁₅~ 22,33 - - -Note 30. S. 137. - -_Zusammensetzung der Choleinsäure_[F58]. - - berechnet - Demarçay Dumas ~C₇₆H₁₃₂N₄O₂₂~ - Kohlenstoff 63,707 63,5 63,24 - Wasserstoff 8,821 9,3 8,97 - Stickstoff 3,255 3,3 3,86 - Sauerstoff 24,217 23,9 23,95 - - [58] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVII~. S. 284 u. 293. - - -Note 31. S. 137. - -_Zusammensetzung des Taurins und der Choloidinsäure_. - -Taurin[F59]. - - berechnet - Demarçay Dumas ~C₄H₁₄N₂O₁₀~ - Kohlenstoff 19,24 19,26 19,48 - Wasserstoff 5,78 5,66 5,57 - Stickstoff 11,29 11,19 11,27 - Sauerstoff 63,69 63,89 63,68 - - [59] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVII~. S. 287 u. 292. - -_Choloidinsäure_[F60]. - - berechnet - Demarçay Dumas ~C₇₂H₁₁₂O₁₂~ - /---------------\ - Kohlenstoff 73,301 73,522 73,3 74,4 - Wasserstoff 9,511 9,577 9,7 9,4 - Sauerstoff 17,188 16,901 17,0 16,2 - - [60] Ebendas. S. 289 u. S. 293. - -Ich habe zu den Untersuchungen von Demarçay Folgendes zu bemerken: - -Der Stoff, den ich als Choleinsäure bezeichnet habe, ist die Galle -selbst, getrennt von den anorganischen Bestandtheilen (Salze u. s. w.), -die sie enthält; durch Bleiessig, bei Gegenwart von Ammoniak, treten -alle ihre organischen Bestandtheile an Bleioxyd, indem sie sich damit zu -einem unlöslichen, harzartigen Niederschlage verbinden; der mit dem -Bleioxyd verbundene Körper enthält allen Kohlenstoff und Stickstoff der -Galle. Was ich mit Choloidinsäure bezeichnet habe, ist die Substanz, -welche man erhält, wenn die durch Alkohol von den darin unlöslichen -Stoffen befreite Galle mit einem Uebermaße von Salzsäure im Sieden -erhalten wird. Diese Substanz enthält allen Kohlenstoff und Wasserstoff -der Galle, bis auf diejenige Mengen dieser Elemente, welche in der Form -von Taurin und Ammoniak ausgetreten sind. Die Cholinsäure enthält die -Bestandtheile der Galle, von denen sich die Elemente des kohlensauren -Ammoniaks getrennt haben. - -Diese drei Stoffe enthalten also die Producte der Metamorphose der -ganzen Galle, ihre Formeln drücken die Anzahl der Elemente ihrer -Bestandtheile aus. Keiner davon ist in der Form, in der wir ihn -gewinnen, fertig gebildet in der Galle enthalten; ihre Elemente sind in -einer andern Weise mit einander verbunden wie in der Galle, allein die -Art, wie sie geordnet sind, hat auf die Festsetzung ihres relativen -Verhältnisses durch die Analyse nicht den geringsten Einfluß. In der -Formel selbst liegt demnach keine Hypothese, sie ist ein reiner Ausdruck -der Analyse. Aus wieviel verschiedenen Substanzen die Choleinsäure, -Choloidinsäure u. s. w. auch bestehen mag, die relative Anzahl ihrer -Elemente zusammengenommen wird durch die aufgefundene Formel -ausgedrückt. - -Die Untersuchung der Producte, welche aus der Galle durch die Einwirkung -der Luft und chemischer Agentien hervorgebracht werden, können für -pathologische Zustände von Wichtigkeit werden, allein bis auf das -allgemeine Verhalten der Galle ist die Kenntniß dieser Producte dem -Physiologen völlig unnütz, es ist eine Last, die ihm das Voranschreiten -erschwert. Von keinem einzigen der 38 oder 40 Stoffe, in die man die -Galle zerlegt hat, läßt sich mit Gewißheit behaupten, daß er fertig -gebildet darin enthalten ist, von den meisten weiß man mit Bestimmtheit, -daß sie Erzeugnisse der Materien sind, die man darauf einwirken ließ. - -Die Galle enthält Natron, allein sie ist eine Natronverbindung der -merkwürdigsten Art; wenn wir ihre in Alkohol löslichen organischen -Bestandtheile an Bleioxyd binden und das Bleioxyd wieder davon scheiden, -so haben wir einen Körper (Choleinsäure), der mit Natron -zusammengebracht eine der Galle dem Geschmacke nach ähnliche Verbindung -wieder bildet, allein es ist keine Galle mehr; die Galle kann mit -Pflanzensäuren, ja mit verdünnten Mineralsäuren, vermischt werden, ohne -Trübung, ohne einen Niederschlag zu bilden, während die ebenerwähnte -Verbindung der Choleinsäure durch die schwächsten Säuren zersetzt und -alle Choleinsäure wieder abgeschieden wird. Die Galle ist demnach -keineswegs als choleinsaures Natron zu betrachten. In welchem Zustande, -kann man weiter fragen, ist das Cholsterin, die Margarin- und Talgsäure, -die man darin nachweis’t, in der Galle enthalten? Das Cholsterin ist in -Wasser nicht löslich, mit Alkalien nicht verseifbar, die Verbindungen -der genannten, fetten Säuren mit Alkalien, wären sie wirklich als Seifen -in der Galle enthalten, sie müßten durch Säuren mit der größten -Leichtigkeit abgeschieden werden. Allein es erfolgt durch verdünnte -Säuren keine Abscheidung von Margarin- oder Talgsäure. - -Es ist möglich, daß in neuen und wiederholten Untersuchungen -Abweichungen in der procentischen Zusammensetzung, von der in den -analytischen Entwicklungen gegebenen sich herausstellen werden, allein -auf die Formel selbst kann dies nur von geringem Einfluß sein; wenn das -relative Verhältniß des Kohlenstoffs zum Stickstoff sich nicht ändert, -so werden sich diese Abweichungen auf den Sauerstoff und -Wasserstoffgehalt beschränken; man wird alsdann für die -Auseinandersetzungen in Formeln annehmen müssen, daß mehr Wasser oder -mehr Sauerstoff, oder weniger Wasser und weniger Sauerstoff an der -Metamorphose der Gebilde Antheil nehmen, allein die Wahrheit der -Entwicklungen selbst wird hierdurch nicht gefährdet. - - -Note 32. Seite 137. - -_Zusammensetzung der Cholinsäure_[F61]. - - berechnet - Dumas ~C₇₄H₁₂₀O₁₈~ - Kohlenstoff 68,5 68,9 - Wasserstoff 9,7 9,2 - Sauerstoff 21,8 21,9 - - [61] Ebendaselbst Bd. ~XXVII.~ S. 295. - - -Note 33. S. 139. - -_Zusammensetzung der Hauptbestandtheile des Harns der Menschen und -Thiere_. - -_Harnsäure_. - - Liebig Mitscher- berechnet - [F62]* lich[F63] ~C₁₀H₈N₈O₆~ - Kohlenstoff 36,083 35,82 36,00 - Wasserstoff 2,441 2,38 2,36 - Stickstoff 33,361 34,60 33,37 - Sauerstoff 28,126 27,20 28,27 - - [62] Annal. der Pharm. Bd. ~X.~ S. 47. - - [63] Poggend. Annal. Bd. ~XXXIII.~ S. 335. - -_Alloxan_[F64]. - -Product der Oxydation der Harnsäure. - - berechnet - Wöhler u. Liebig* ~C₈H₈N₄O₁₀~ - /--------------\ - Kohlenstoff 30,38 30,18 30,34 - Wasserstoff 2,57 2,48 2,47 - Stickstoff 17,96 17,96 17,55 - Sauerstoff 49,09 49,38 49,64 - - [64] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVI.~ S. 260. - -_Harnstoff_. - - Wöhler u. - Prout Liebig berechnet - [F65] [F66] ~C₂N₄H₈O₄~ - Kohlenstoff 19,99 20,02 20,192 - Wasserstoff 6,65 6,71 6,595 - Stickstoff 46,65 46,73 46,782 - Sauerstoff 26,63 26,54 26,425 - - [65] ~Thoms. Ann. T. XI. p.~ 352. - - [66] Poggend. Ann. Bd. ~XX.~ S. 375. - -_Krystallisirte Hippursäure_. - - Mitscher- - Liebig Dumas lich berechnet - [F67]* [F68] [F69] ~C₁₈N₂H₁₆O₅~ - Kohlenstoff 60,742 60,5 60,63 60,76 - Wasserstoff 4,959 4,9 4,98 4,92 - Stickstoff 7,816 7,7 7,90 7,82 - Sauerstoff 26,483 26,9 26,49 26,50 - - [67] Annal. d. Pharm. Bd. ~XII.~ S. 20. - - [68] ~Ann. de Chim. et de Phys. T. LVII. p.~ 327. - - [69] Pogg. Ann. Bd. ~XXXIII.~ S. 335. - -_Allantoin_[F70]. - - Wöhler u. berechnet - Liebig* ~C₈N₈H₁₂O₆~ - Kohlenstoff 30,60 30,66 - Wasserstoff 3,83 3,75 - Stickstoff 35,45 35,50 - Sauerstoff 30,12 30,09 - - [70] Ann. der Pharm. Bd. ~XXVI.~ S. 215. - -_Harnoxyd_[F71]. - - - Wöhler u. berechnet - Liebig* ~C₅H₄N₄O₂~ - Kohlenstoff 39,28 39,86 - Wasserstoff 2,95 2,60 - Stickstoff 36,35 37,72 - Sauerstoff 21,24 20,82 - - [71] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVI.~ S. 344. - -_Cysticoxyd_[F72]. - - berechnet - Thaulow* ~C₆N₂H₁₂O₄S₂~ - Kohlenstoff 30,01 30,31 - Wasserstoff 5,10 4,94 - Stickstoff 11,00 11,70 - Sauerstoff 28,38 46,47 - Schwefel 25,51 26,58 - - [72] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVII.~ S. 200. - -Das Cystic-Oxyd ist durch seinen Schwefelgehalt ganz besonders -ausgezeichnet vor allen anderen in der Harnblase vorkommenden -Concretionen. Es läßt sich mit Bestimmtheit darthun, daß der Schwefel -in diesem Körper weder im oxydirten Zustande noch in der Form einer -Cyanverbindung enthalten ist, und in dieser Beziehung ist die Bemerkung -vielleicht nicht ohne Interesse, daß 4 Atome Cystic-Oxyd die Elemente -von Harnsäure, Benzoesäure, Schwefelwasserstoff und Wasser enthalten, -lauter Substanzen, deren Erzeugbarkeit im Thierorganismus keinem Zweifel -unterliegt. - - 1 At. Harnsäure ~C₁₀N₈H₈ O₆~ - 1 „ Benzoesäure ~C₁₄ H₁₀O₃~ - 8 „ Schwefelwasserstoff ~H₁₆ S₈~ - 7 „ Wasser ~H₁₄O₇~ - --------------- - 1 At. Cysticoxyd = ~C₂₄N₈H₄₈O₁₆S₈~ = 4(~C₆N₂H₁₂O₄S₂~) - -Ein vortreffliches Mittel, um bei Harnsteinen die Gegenwart des -Cysticoxyds darzuthun ist folgendes: - -Man lös’t den fraglichen Harnstein in starker Kalilauge auf und setzt -einige Tropfen essigsaures Bleioxyd hinzu, nicht mehr als Bleioxyd in -Auflösung erhalten werden kann. Beim Kochen dieser Mischung entsteht ein -schwarzer Niederschlag von Schwefelblei, der ihr das Ansehen von Dinte -giebt. Es entwickelt sich hierbei eine reichliche Menge Ammoniak; die -alkalische Flüssigkeit enthält unter anderen Producten Oxalsäure. - - -Note 34. Seite 139. - -_Zusammensetzung der Oxalsäure, Oxalursäure und der Parabansäure_. - -_Oxalsäure_. - - Gay-Luss. berechnet - u. Thénard Bertholl. ~C₂H₂O₄~ - Kohlenstoff 26,566 25,13 26,66 - Wasserstoff 2,745 3,09 2,22 - Sauerstoff 70,689 71,78 71,12 - -_Oxalursäure_[F73]. - - berechnet - Wöhler u. Liebig* ~C₆H₈N₄O₈~ - /-----------------\ - Kohlenstoff 27,600 27,318 27,59 - Wasserstoff 3,122 3,072 3,00 - Stickstoff 21,218 21,218 21,29 - Sauerstoff 48,060 48,392 48,12 - - [73] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVI.~ S. 289. - -_Parabansäure_[F74]. - - berechnet - Wöhler u. Liebig* ~C₆H₄N₄O₆~ - /-----------------\ - Kohlenstoff 31,95 31,940 31,91 - Wasserstoff 2,09 1,876 1,73 - Stickstoff 24,66 24,650 24,62 - Sauerstoff 41,30 41,534 41,74 - - [74] Ebendaselbst S. 286. - - -Note 35. S. 141. - -_Zusammensetzung des gebratenen Fleisch’s_. - - (1) 0,307 Substanz gaben 0,584 Kohlensäure und 0,206 Wasserstoff - (2) 0,255 „ „ 0,485 „ „ 0,181 „ - (3) 0,179 „ „ 0,340 „ „ 0,125 „ - - Reh- Ochsen Kalb- - fleisch (1) fleisch (2) fleisch (3) - Boeckmann* Playfair* - /------------------\ - Kohlenstoff 52,60 52,590 52,52 - Wasserstoff 7,45 7,886 7,87 - Stickstoff 15,23 15,214 14,70 - Sauerstoff } 24,72 24,310 24,91 - Asche } - - -Note 36. S. 144. - -Die Formel ~C₂₇H₄₂N₉O₁₀~ giebt nämlich in 100 Theilen: - - ~C₂₇~ 50,07 - ~H₄₂~ 6,35 - ~N₉~ 19,32 - ~O₁₀~ 24,26 - -Die Zusammensetzung des Leims s. Note 28. - - -Note 37. S. 158. - -_Zusammensetzung der Lithofellinsäure_[F75]. - - berechnet - Ettling u. Will* Wöhler ~C₄₀H₇₂O₈~ - /-----------------------\ - Kohlenstoff 71,19 70,80 70,23 70,83 70,83 - Wasserstoff 10,85 10,78 10,95 10,60 10,48 - Stickstoff 17,96 18,42 18,92 18,57 18,69 - - [75] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XXXIX.~ S. 242. Bd. ~XLI.~ S. - 154. - - -Note 38. Seite 181. - -_Zusammensetzung des Solanins aus Kartoffelkeimen_[F76]. - - Blanchet* - Kohlenstoff 62,11 - Wasserstoff 8,92 - Stickstoff 1,64 - Sauerstoff 27,33 - - [76] Annal. der Pharm. Bd. ~V.~ S. 150. - - -Note 39. Seite 181. - -_Zusammensetzung des Picrotoxins_[F77]. - - Francis* - Kohlenstoff 60,26 - Wasserstoff 5,70 - Stickstoff 1,30 - Sauerstoff 32,74 - - [77] In einer andern Analyse erhielt _Francis_ 0,75 ~pCt.~ Stickstoff. - Das zu den Analysen verwandte Picrotoxin war theilweise aus der Fabrik - des Herrn _Merck_ in Darmstadt, theils von Herrn _Francis_ - dargestellt; es war vollkommen weiß und schon krystallisirt. -- - _Regnault_ fand bekanntlich keinen Stickstoff in dem Picrotoxin. - - -Note 40. Seite 181. - -_Zusammensetzung des Chinins_. - - berechnet - Liebig* ~C₂₀H₂₄N₂O₂~ - Kohlenstoff 75,76 74,39 - Wasserstoff 7,52 7,25 - Stickstoff 8,11 8,62 - Sauerstoff 8,62 9,64 - - -Note 41. Seite 182. - -_Zusammensetzung des Morphins_[F78]. - - berechnet - Liebig* Regnault ~C₃₅H₄₀N₂O₆~ - /--------------\ - Kohlenstoff 72,340 72,87 72,41 72,28 - Wasserstoff 6,366 6,86 6,84 6,74 - Stickstoff 4,995 5,01 5,01 4,80 - Sauerstoff 16,299 15,26 15,74 16,18 - - [78] Annal. der Pharm. Bd. ~XXVI.~ S. 23. - - -Note 42. Seite 182. - -_Zusammensetzung des Caffeins, Theins und Guaranins_[F79]. - - Caffein Thein Guaranin - Pfaff u. berechnet - Liebig* Jobst Martius ~C₈H₁₀N₄O₂~ - Kohlenstoff 49,77 50,101 49,679 49,798 - Wasserstoff 5,33 5,214 5,139 5,082 - Stickstoff 28,78 29,009 29,180 28,832 - Sauerstoff 16,12 15,676 16,002 16,288 - - [79] Annal. d. Pharm. Bd. ~I.~ S. 17, Bd. ~XXV.~ S. 63 u. Bd. ~XXVI.~ - S. 95. - - -Note 43. Seite 182. - -_Zusammensetzung des Theobromins_[F80]. - - berechnet - Woskresensky ~C₉H₁₀N₆O₂~ - /-----------------------\ - Kohlenstoff 47,21 46,97 46,71 46,43 - Wasserstoff 4,53 4,61 4,52 4,21 - Stickstoff 35,38 35,38 35,38 35,85 - Sauerstoff 12,88 13,04 13,39 13,51 - - [80] Annal. der Chem. u. Pharm. Bd. ~XLI.~ S. 125. - -_Zusammensetzung des Asparagins_[F81]. - - berechnet - ~C₈H₁₆N₄O₆~ - Liebig* + 2 ~aq.~ - Kohlenstoff 32,351 32,35 - Wasserstoff 6,844 6,60 - Stickstoff 18,734 18,73 - Sauerstoff 42,021 42,32 - - [81] Annal. der Pharm. Bd. ~VII.~ S. 146. - - - - - Ueber - =Verwandlung der Benzoesäure in Hippursäure[F82].= - - Von - - _Wilhelm Keller_ aus Grosheim. - - (Aus den Annalen der Chemie und Pharmacie.) - - -Schon in der früheren Ausgabe von _Berzelius_’ Lehrbuch der Chemie (1831 -Bd. ~IV.~ S. 376) hatte Herr Professor _Wöhler_ die Vermuthung -ausgesprochen, daß die Benzoesäure bei der Verdauung wahrscheinlich in -Hippursäure umgewandelt werde. Diese Vermuthung gründete sich auf einen -Versuch, den derselbe über den Uebergang der Benzoesäure in den Harn -angestellt hatte. Er fand in dem Harne eines Hundes, der mit dem Futter -¹/₂ Drachme Benzoesäure gefressen hatte, eine in nadelförmigen Prismen -krystallisirende Säure, die im Allgemeinen die Eigenschaften der -Benzoesäure hatte und die er auch für solche hielt (_Tiedemann’s_ -Zeitschrift für Physiologie Bd. ~I.~ S. 142). Indessen waren diese -Krystalle offenbar Hippursäure, wie aus der Angabe, daß sie wie Salpeter -ausgesehen und bei der Sublimation Kohle hinterlassen hätten, deutlich -hervorgeht. Allein die Hippursäure war damals noch nicht entdeckt und es -ist bekannt, daß sie bis 1829, wo sie zuerst von _Liebig_ unterschieden -wurde, allgemein mit der Benzoesäure verwechselt worden ist. - - [82] Zu den Beweisen, welche _Ure_ für die Umwandlung der Benzoesäure - in Hippursäure im menschlichen Körper angegeben hat, sind durch Herrn - _Keller_ einige ganz entscheidende gekommen, die ich ihrer - physiologischen Wichtigkeit wegen diesem Buche beigebe. Die Versuche - des Herrn _Keller_ sind in dem Laboratorium des Herrn Prof. _Wöhler_ - in Göttingen angestellt worden; sie setzen die Thatsache außer allen - Zweifel, daß ein in der Nahrung genossener stickstofffreier Körper an - dem Act der Umsetzung der thierischen Gebilde und an der Bildung eines - Secretes durch seine Bestandtheile Antheil nehmen kann. Diese - Thatsache verbreitet auf die Wirkung der meisten Arzneimittel ein - unzweideutiges Licht, und wenn sich der Einfluß des Caffeins auf die - Bildung des Harnstoffs oder der Harnsäure in einer ähnlichen Weise - nachweisen läßt, so ist damit der Schlüssel zu der Wirkung des Chinins - und der anderen organischen Basen gegeben. - - J. L. - -Die neuerlich publicirte Angabe von _Ure_[F83], daß er in dem Harne -eines Patienten, der Benzoesäure eingenommen hatte, wirklich Hippursäure -gefunden habe, brachte dieses in physiologischer Hinsicht so wichtige -Verhalten wieder in Erinnerung und gab zu den folgenden Versuchen -Veranlassung, die ich auf den Vorschlag des Herrn Professors _Wöhler_ an -mir selbst angestellt habe. Seine Vermuthung ist dadurch unzweideutig -bestätigt worden. - - [83] Pharmac. Centralblatt No. 46, aus ~Prov. med. and surg. Journ.~ - 1841. - -Ich nahm Abends vor dem Schlafengehen mit Zuckersyrup 2 Gramme (ungefähr -32 Gran) reine Benzoesäure. In der Nacht gerieth ich in Schweiß, was -wohl eine Wirkung dieser Säure sein mochte, da ich sonst nur sehr schwer -in stärkere Transpiration komme. Eine andere Wirkung konnte ich nicht -wahrnehmen, selbst als ich auch an den folgenden Tagen dieselbe Dosis -dreimal täglich zu mir nahm, wo auch nicht einmal der Schweiß wieder -eintrat. - -Der am Morgen gelassene Harn reagirte ungewöhnlich stark sauer und zwar -selbst noch, nachdem er abgedampft worden war und 12 Stunden lang -gestanden hatte. Er setzte dabei nur das gewöhnliche Sediment von -Erdsalzen ab. Als er aber mit Salzsäure vermischt und stehen gelassen -wurde, bildeten sich darin lange, prismatische, braungefärbte Krystalle -in großer Menge, die schon dem Ansehen nach nicht für Benzoesäure zu -halten waren. Ein anderer Theil, der durch Abdampfen bis zur Syrupsdicke -concentrirt war, verwandelte sich beim Vermischen mit Salzsäure in ein -Magma von Krystallblättchen. Diese so erhaltene krystallinische Substanz -wurde ausgepreßt, in siedendem Wasser gelös’t, mit Thierkohle behandelt -und umkrystallisirt. Sie wurde dadurch in farblosen, zolllangen Prismen -erhalten. - -Diese Krystalle waren reine _Hippursäure_. Beim Erhitzen schmolzen sie -leicht, bei etwas stärkerer Hitze verkohlte sich die Masse unter -Entwicklung eines Geruchs nach Bittermandelöl und unter Sublimation von -Benzoesäure. Um jeden Zweifel zu beseitigen, bestimmte ich ihren -Kohlenstoffgehalt, 0,3 Grm. gaben 60,4 ~pCt.~ Kohlenstoff. Nach der -Formel ~C₁₈H₁₆N₂O₅~ + ~aq.~ enthält die krystallisirte Hippursäure -60,67 ~pCt.~ Kohlenstoff, die krystallisirte Benzoesäure dagegen enthält -69,10 ~pCt.~ Kohlenstoff. - -So lange ich das Einnehmen der Benzoesäure fortsetzte, konnte ich aus -dem Harne mit Leichtigkeit und in Menge Hippursäure darstellen, und da -die Benzoesäure so ohne allen Nachtheil für die Gesundheit zu sein -scheint, so wäre es leicht, sich auf diese Weise größere Mengen von -Hippursäure zu verschaffen. Man könnte sich dazu eine Person halten, die -Wochen lang diese Fabrication fortsetzen müßte. - -Es war wichtig, den Harn, welcher Hippursäure enthielt, auf seine beiden -normalen Hauptbestandtheile, den Harnstoff und die Harnsäure, zu -untersuchen. Sie waren beide darin enthalten, und, dem Anschein nach, in -keiner andern Quantität, als im normalen Harn. - -Als der durch Abdampfen concentrirte Harn, aus dem durch Salzsäure die -Hippursäure geschieden war, mit Salpetersäure vermischt wurde, setzte er -eine große Menge salpetersauren Harnstoff ab. Schon vorher hatte er ein -pulveriges Sediment fallen lassen, dessen Auflösung in Salpetersäure bei -dem Abdampfen auf Porzellan die bekannte, purpurrothe Reaction der -Harnsäure gab. Diese Beobachtung widerspricht der Angabe von _Ure_, und -es ist daher wohl etwas zu voreilig, wenn er die Benzoesäure als Mittel -gegen die aus Harnsäure bestehenden Gicht- und Harn-Concretionen -empfiehlt; er scheint sich vorzustellen, daß die Harnsäure zur -Umwandlung der Benzoesäure in Hippursäure verwendet werde. Da er seine -Beobachtung an dem Harn einer Arthritischen machte, so ist anzunehmen, -daß dieser Harn auch ohne den innern Gebrauch der Benzoesäure keine -Harnsäure enthalten haben würde. -- Uebrigens ist es klar, daß die -Hippursäure, da sie sich erst nach Zusatz einer Säure abscheidet, an -eine Basis gebunden, im Harne enthalten ist. - - - - -Druckfehler. - - - Seite 61 Zeile 5 v. o. anstatt _venösem_ setze _arteriellem_. - „ 65 „ 12 v. o. anstatt _Pferd_ lese man _Ochse_. - - - - - * * * * * * - - - - -Anmerkungen zur Transkription - -Der gedruckte Text des Originalwerkes ist wörtlich beibehalten, -einschließlich inkonsistenter und ungewöhnlicher Rechtschreibung, -außer wenn unten erwähnt (siehe Änderungen). - -In Abhängigkeit von der verwendeten Hard- und Software und deren -Einstellungen werden möglicherweise nicht alle Elemente des Textes -gezeigt wie beabsichtigt. - -In den Fuß- und Endnoten bedeutet E Endnote (siehe den Anhang am Ende -des Textes) und F Fußnote (siehe direkt unter den Absatz, Tafel, -u.s.w.). - -Nicht alle Resultate der Berechnungen sind recht; sie sind nicht -korrigiert worden. - -S. 301, erste Tafel: die Tabellenüberschrift fehlt im Originalwerke, -möglicherweise ist diese Tabelle eine Vorsetzung der vorherigen. - -S. 343: die Druckfehler sind bereits im Texte korrigiert worden. - -Änderungen - -Einige Interpunktionsfehler sind stillschweigend korrigiert worden. - -Folgende Schreibweisen sind standardisiert worden: ~pCt.~, Frémy, -Gay-Lussac, Thénard. - -Chemische und Zusammensetzungsformeln wurden ohne Leerzeichen -transkribiert, außer wo diese für Tabelle erforderlich waren. - -S. 7: Bewußsein --> Bewußtsein -S. 26: ) eingefügt nach ... am Gewichte verloren. -S. 52: stickhoffhaltigen --> stickstoffhaltigen -S. 83: löschen --> löslichen -S. 118: atmospärische --> atmosphärische -S. 119: Lymphgegefäße --> Lymphgefäße -S. 137: Formel Choleinsäure ~C₇₅~ --> ~C₇₆~ -S. 138: Erste Berechnung: = --> +; zweite Berechnung: + eingefügt -S. 315, Fußnote [36]: ed. --> éd. - - - -***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE ORGANISCHE CHEMIE IN IHRER -ANWENDUNG AUF PHYSIOLOGIE UND PATHOLOGIE*** - - -******* This file should be named 55462-0.txt or 55462-0.zip ******* - - -This and all associated files of various formats will be found in: -http://www.gutenberg.org/dirs/5/5/4/6/55462 - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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