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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-07 13:51:28 -0800 |
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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Schneeberger Schützenmittwoch vor fünfizig Jahren - -Author: Guido Meyer - -Release Date: August 13, 2017 [EBook #55352] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHNEEBERGER *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt. -Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>. -Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.</p> - -<p>Weitere Anmerkung zur Transkription finden sich -am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p></div> - -<div class="chapter"> -<h1> -Schneeberger Schützenmittwoch<br /> -vor fünfzig Jahren.</h1> -<p class="center"> -Von <em class="gesperrt">Guido Meyer</em>, Bamberg.</p> -<p class="center p2"> -Verlag: Br. Fr. Goedsche's Buchhandlung<br /> -(Karl Schmeil) Schneeberg i. Erzgebirge.</p> -<p class="center p2"> -1915.</p> -<p class="center smaller"> -Druck: C. M. Gärtner, Schneeberg und Aue.<br /> -Sonderabdruck aus dem Erzgeb. Volksfreund.</p> - -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="center">Nachdruck verboten.</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_3">[3]</a></span></p> - -<p>Nur wenige alte Schneeberger werden sich noch auf die -ehemalige Kommunalgarde entsinnen können. Schreiber -dieser Blätter war zur Zeit ihrer Auflösung, im Jahre 1853, -noch »Einjähriger« beim Regiment Milch und Zwieback und -so kann er nur vom Hörensagen berichten, daß sie aus 700 -Mann bestanden hat, die in neun Kompagnien eingeteilt -waren.</p> -</div> -<p>Der Buchbindermeister Lehmann, Gott hab ihn selig, hat -es mir gesagt und dabei versichert, daß er nie im Leben gelogen -habe, nämlich, daß fünf dieser Kompagnien nicht mit -Gewehren, sondern mit Lanzen, Spießen und Knüppeln, die -Bäcker mit Ofengabeln und die Essenkehrer sogar mit Reisigbesen -bewaffnet gewesen wären. – Bei Fürstenbesuchen hätten -die Letzteren nicht mit ausrücken dürfen, weil sie mit Ofengabeln -und Besen doch nicht gut hätten »präsentieren« -können.</p> - -<p>Aber von den Feuerschützen, war die von der k. privilegierten -Schützengesellschaft gestellte erste Kompagnie in militärischer -Feuerdisciplin ausgebildet – damals bestanden noch -24 Tempo zum laden und feuern – und da die Patronen -mit den Zähnen abgebissen werden mußten, konnten nur -Männer eingestellt werden, die ein gesundes, natürliches Gebiß -besaßen.</p> - -<p>All diesen Vorzügen hatte es diese erste Kompagnie zu -verdanken, daß sie allein, unter Beibehaltung der Gardeuniform, -als die »Schneeberger Schützenkompagnie« fortbestehen durfte -und so konnte man sie noch bis zum Jahre 1888 in ihrer, -wie soll ich sagen – kleidsamen Schneidigkeit oder schneidigen -Kleidsamkeit, bewundern.</p> - -<p>Freilich, so ganz uniform waren diese alten Gardeuniformen -nicht. Da sie in vielen Fällen vom Vater auf den Sohn -vererbt wurden, kam es zuweilen vor, daß, je nach dem Körperumfang -des Vor- – oder Nachbesitzers bei dem Einen recht -gespannte Verhältnisse zutage traten, dort wieder das Bild<span class="pagenum"><a id="Seite_4">[4]</a></span> -einer verschrumpelten »Aeppelspalke« zeigte. Wieder bei einem -Dritten, der von Natur etwas zu kurz weggekommen ist, -peitschten die Rockschößen die Kniekehlen und beim Vierten bedeckten -sie nur das nötigste mit – Nacht und Grauen. Auch das -Dunkelblau der Waffenröcke verriet so manche Mißhelligkeit -und das Rot der Vorstöße hatte wohl neunerlei Variationen. -Daß hie und da einmal zwischen den gelben, blanken Knöpfen -ein weißer glänzte, fiel nicht weiter auf.</p> - -<p>An die bonapartische Zeit erinnerte der »Schützenhut«, -ein, allerdings nicht quer aufgesetzter, Schiffshut, den ein -wehender, weißer, bei der Musik rotweißer Federbusch zierte. -Diese Admiralshüte dünkten uns Jungen für viel vornehmer, -als die schmucklosen Ledertschakos der Neustädtler -Schützen.</p> - -<p>Eine Ausnahme in der Kopfbedeckung machten die -<em class="gesperrt">Schanzer</em>, auch Zimmerlinge genannt: Sie trugen hohe -Bärenmützen aus Pelzwerk, wodurch diese bärtigen Gesellen -ein martialisches Aussehen bekamen. Ein großes ledernes -Schurzfell bedeckte ihre Lenden, aber mit ihrem Schanzzeug -haben sie wohl nie einen Spatenstich getan, nie einen -Baum gefällt.</p> - -<p>Kleinere, zottige Schutzfelle trugen auch die Trommler -am linken Bein, damit die langen, aus der Landsknechtzeit -stammenden Trommeln die Hosen nicht durchwetzen konnten. -Auch rote Epauletts mit roten Franzen, nach französischem -Muster trugen sie. – Ihr Tambourmajor, der Pflastermeister -Thierfelder, bot in seinen blendendweißen Hosen und seinen -weißen Gamaschen, die in Kanonenstiefeln staken, einen ebenso -originellen, wie imposanten Anblick. Meisterlich verstand er -es, seinen goldblitzenden Tambourstab nach dem Takte der -Musik in die Luft zu werfen und nach einer Reihe von -Schritten wieder aufzufangen.</p> - -<p>Die Offiziere trugen als besonderes Abzeichen ein halbmondförmiges -goldenes Brustschild und der Schützenkönig, -meist in Zivil, sein silbernes Schildgehänge, das noch heute -die Brust des Schützenkönigs ziert.</p> - -<p>Die »Volontäre«, das waren die nichtuniformierten -Schützen sind erst <em class="gesperrt">nach</em> meiner Zeit mit ausgerückt. Sie -mögen mit ihren schwarzen Cylinderhüten wohl stark an die<span class="pagenum"><a id="Seite_5">[5]</a></span> -Besengarde der Essenkehrer erinnert haben und ihnen, nicht -zum wenigsten auch ihrer ewigen Hänselei, ist es zu verdanken, -daß all die Herrlichkeit der blitzenden Uniformen der bequemen -Joppe und dem Jägerhute mit Gemsbart und Spielhahnfeder -weichen mußte.</p> - -<p>Aber in diesen Blättern sollen sie wieder aufleben, die -alten biederen Schützen im Königsrock und einer jener feuchtfröhlichen -Schützenmittwoche aus Väterzeiten soll wieder -schimmern in pfingstsonnigem Glanz.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Bumderrrabum! – Durch die altehrwürdigen Gassen -Schneebergs trommelten die Leichsenringe in sonniger Morgenfrühe -den Schützenweckruf:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Kamerad kumm! Kamerad kumm!<br /></span> -<span class="i0">Sollst zu deinem Hauptmann kumm!<br /></span> -<span class="i0">Sollst en Buckel voll Prügel bekumm! …<br /></span> -</div></div> - -<p>Da krochen die Schützen heraus aus den Betten und -hinein in die schwarzen Schützenhosen und als dann die -Glocken von St. Wolfgang die achte Stunde verkündet hatten, -da hörte man bald hier, bald dort eine Haustüre klingeln -und nun: »Kommt der Schütz gezogen, früh im Morgenstrahl.«</p> - -<p>Auch der Falke Gust erschien im Rahmen seiner Haustüre -in voller Schützenuniform, das Kuhbein auf der Schulter. -Aber nicht wie die anderen konnte er spornstreichs dem Stellungsplatze -zu, enteilen, denn seine bessere Ehehälfte, die -Miene, war hinter ihm erschienen und hielt ihn am Kuppel -fest. Sie hatte ihm noch einige gute Ermahnungen mit auf -den Weg zu geben und eindringlich sprach sie auf ihn hinein: -»Doß de mr fei zemittig zun Assn aham kimmst, Gust! ich -soog drsch fei!« Der Gust aber begehrte auf: »Du denkst -wuhl, en Harigschwanz un e paar Aadippeln halber laatsch -ich zemittig vun Schießhaus aham? iech waß noch net emol, -öb ich zun Ohmdsassen aham kumm, do werschte mit 'n Bittlich -schu allaa fartig warn.«</p> - -<p>Da wurde die Miene aber rackerig, sie schrie fast: »Wos, -du Lumig! Mei Assn is dr wuhl net gut soot! – Freilich, -fer miech is alles gut, dei Fraa kah sich drham rimschindn -un ploong, wenn du när draußn bei 'n Schitznbriedern klaam<span class="pagenum"><a id="Seite_6">[6]</a></span> -bleim un aa Dippl Lager noonge annern neischmattern kast -in de Unendlichkeit, de werscht schu drfür sorring, doß de -net ze korz kimmst. – Morring in hallichter Frien kimmste -wiedr esu windschief ahgeland wie vunnegahr, wu de mit'n -Schlissl de ganze Haustir zrkrahlt host, weil de 's Schlisslloch -net drwischn kunntst. – Dos soog iech dr Gust! iech -mach dr fei nimmer auf, meitwaang kaste noochert draußn -bei dr Vuglstang kampirn«. – Da hellte sich plötzlich ihr -Gesicht auf, mit einem Schub gab sie ihren Gust frei und -rief dem Davoneilenden triumpfirend nach: »'s is när gut, -doß wos gut drfir is!« – Dann trat sie hinaus auf die -Straße, sah ihm nach, so lange sie ihn sehen konnte und -flüsterte ganz glückselig: »E schiener Karl is 'r doch, mei Gust -in seiner Schützenuniform. Freilich, wenn 'r sist vun Ufenausputzn -aham kimmt, do sieht 'r esu dracket aus, wie e geraachertr, -ins Aschnloch neigeporzelter Schwartnmoong.«</p> - -<p>Inzwischen schritt Gust eilends den Kasernenberg hinauf, -er hatte den Nachruf seiner Miene noch gehört, nun lachte er -stillvergnügt vor sich hin und sagte halblaut: »Gieh när du -alter Geizkroong! mit dan halm Toler, dan de mr mietgaam -host, kah ich mr freilich kan Utan-Urang kaafn, obr de hast -schu racht Alte: 's is när gut, doß wos gut drfir is!« Bei -den letzten Worten hatte er sich umgedreht und als er die -Miene noch drunten stehen sah, schlug er sich an die Schützenbrust, -wo in einer verborgenen Tasche einige größere Geldstücke -klimperten und da er jetzt außer Hörweite war, rief er -laut: »Do sitzn de Mussekantn, Moses un de Profetn!« – -Hohnlachend verabschiedete er sich mit den Worten: »Du -Schoof, du dumms!« Er bemerkte es gar nicht, wie der -Bäckermeister Förster, der hemdärmelich unter seiner Türe -stand, ihm verständnisinnig zunickte.</p> - -<p>Das »dumme Schoof« aber, trat strahlenden Gesichts -den kurzen Heimweg an und die kirschroten Lippen hauchten: -»Ach Gottle! er hoot sich noch emol imgedreht nooch mr, -ahgelacht hoot 'r mich un zugenickt hoot 'r mr, sugar de -Hand hoot 'r ofs Harz gelegt! 'r is mr doch noch racht gut, -mei Gust – – iech ne obr ah! Ich will se 'n när gönne, -Bei Schitzenmietewoch, er is doch sist es ganze Gahr esu -brov.« – –</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_7">[7]</a></span></p> - -<p>Auf ihrem Sammelplatz draußen in der Grießbächer -Gasse standen die Schützen in plaudernden Gruppen beisammen. -Die einen freuten sich in festfroher Stimmung über -das prachtvolle Pfingstwetter, andere sprachen über die neuesten -Kriegsereignisse in Schleswig-Holstein. Wieder andere kritisierten -die vorübergehenden Passanten.</p> - -<p>Der kleine, schmächtige Reichelt Heinrich streckte die -Hand nach der Apotheke zu aus und rief: »Guckt när, guckt, -dort vorne die dicke Pfanneschmidtn, die hoot doch vrdeckis -e Krineline ah wie ene Reitschul! sollt mr dä net maane, de -gruße Glock wacklet dorte rim?« – Da krähte der Klinge -Schneider: »Hatt'rsch dä schu gesah? es Klemperstötzel -schwenkt fei itze sunntigs ah mit ener Krineline rim! Schockweiß -sei de Gunge hintnnoch geloffn un ham geschriern: -Klemperstötzel, trat fei net of deine Faßreifn! – Wos -die danne Gunge wieder ennoochgeschriern hoot, kennt'r -eich denkn.«</p> - -<p>Vorn, am Feineeck standen die Trommler, die Leichsenringe -mit den Zimmerlingen zusammen. Ihr Gespräch -drehte sich um die Person ihres Tambourmajors, der an -einsamer Tête, jeder Zoll ein Feldherr, die Rechte weit abgestreckt -auf dem Knauf seines Tambourstabes gestützt, in unnahbarer -und unnachahmlicher Grandezza stand.</p> - -<p>Der Leichsenring August meinte: »Wie aus Staa gemeislt -stitt'r dorte, mr mecht ball maane, er wär e General un kummedieret's -Ganze.«</p> - -<p>Der Traugott lachte: »Emol is 'r odr doch mit -zamst sen Stolz nei in Drack geflung. Vor e Gahrer -dreie, viere warsch wuhl, ben Schitznauszug do hoot'r -draußn vr dr Hauptwach 's Trompetl vrsaah, grod -wollt'r sen Stackn wiedr auffange, do is 'r iebr en -grußn Pflastrstaa gestolpert un mit zamst sen Stackn, -dan'r gerod noch drwischt hoot, loog'r ofn Bauch. -Fix wie dr Teifl war'r freilich wiedr auf, odr en grußn -blutrutn Flack hatt'r of seiner weißn Huus, dar immer grässer -war. Ben Hieplumpsn hoot sei Flaschl mit Kersch un Rum -drah gelaam missn un war guttegahr ausgeloffn. – Dar luus -sich odr fei net faag findn, sen Stackn hoot'r akkerat esu in -de Luft gefeiert, als wenn gar nischt gepassirt wär.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_8">[8]</a></span></p> - -<p>Wie mr naus kumme sei vr Schießhaus, war de Huus -wiedr treich, odr ahgeklabbt war'sche wie geleimt ofs linke -Baa. Ne annern Toog is'r obr kumme mit seinr Rammel -un hoot dan Pflasterstaa korz und klaa gepucht.« – –</p> - -<p>Bei den Musikern bewegte sich das Gespräch in höheren -Sphären, man sprach vom Schneeberger Theater.</p> - -<p>Die <em class="antiqua">B</em>-Klarinette, der Bretschneider-Fritz, vertrat die -Meinung, daß der Direktor Leichsenring seinen Erfolg nur -dem Umstand zu verdanken habe, daß er ein geborener -Schneeberger sei. Aber die <em class="antiqua">A</em>-Klarinette machte es: -»Papperlapapp! E paar scheene Larven sin's, die's Deater -voll machen. Der schöne Retzlaff, der die Weibsen drei Meiln -im Umkreis verrickt gemacht hat – und die Freilein Wesche, -derzulieb jeder Rotzlaff ins Deater rennt.«</p> - -<p>»Halt eire Klarenettenschnäbel!« warf der Flötist -Schürer ein: »Wie warsch denn neilich in der Regimentstochter, -wo die Wesche die Marie gesunge hat? da hat doch -von eich zween kee Luder mehr uff de Noten geguckt, da hab -ich mit der Fleet egal einspringen missen, sonst wär's zweete -Regiment fei nich 'rangerickt.«</p> - -<p>»Ei ei ei!« heuchelte die <em class="antiqua">C</em>-Trompete, der lange Dörfel: -»Aber Kunst, werkliche Kunst is doch ooch derbei. Der Wurm, -er is freilich kee Adonis, denn en Buckel hat er, wie e -Dromedar, aber singe kann der – singe, mer gloobt ne -Devrient zu heern.«</p> - -<p>»Hostn du schu emol ne Devrient geheert?« höhnte der -Posaunist Greiner. »Du bist doch noch net zum Loch naus -kumme, hechstns emol nieber of'n Auer Garmerich.«</p> - -<p>»Meenste? – Da frag emal ne dicken Bretschneider, -mir warn erscht vor Korzen in Leipzig, im Gewandhauskonzert.« -»Hatt'r ah miet geblosn?« grinste die <em class="antiqua">Es</em>-Trompete, -der Heimtücker Strubelt, aber der dicke Bretschneider schnauzte -ihn an: »Du, herrschte Strubelt, der, der dorte die Tuba -geblasen hat, der konnt's anderscht wie du, da gabs keene -Mißtön, wie du se mannichsmal aus deiner Kanone nausfeierscht«.</p> - -<p>Die Tuba aber gab schlagfertig und bissig zurück: »Esu -natierlich klinge se freilich net wie die, die du ze denn Fagott -nausprasselst«. Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite.<span class="pagenum"><a id="Seite_9">[9]</a></span> -Am lautesten aber lachte der lahme Bretschneider und es war -schon mehr ein Giebsen, als er rief: »Un ah net esu laut, -wie dar Kanuneschuß neilich in dr Prob, aus'n Anton sein -Waldhorn!«</p> - -<p>»Ho ich dich drwischt!« brüllte der Wünsch Anton. »Ka -annerer Mensch is gewasn als du, dar mr salt dan Papierstöppel -in's Mundstick neigedreht hoot.« –</p> - -<p>»Vertragt euch doch, Kinder!« mahnte jetzt der Konzertmeister -Reiser. »Was sollen denn die Leute von euch denken, -wenn sie euren Dischput hören!«</p> - -<p>Und richtig, der Weiß Potscher, der in der Nähe gestanden -hatte, mischte sich ein. »Wissn se, Herr Reiser«, -sagte er, »'s Blosn mit dr Gusch is schwar, iech hoo's ah -schu probiert, ich wollt doch salber e Mussegant warn, odr ich -kunnt noch esu schie neiblosn ins Trumpetl, 's is doch allemol -esu garschtig wiedr rauskumme.«</p> - -<p>Drüben an der Ladentüre der Langapotheke stand, bei -seinem Freund Heyner, der Stadtmusikdirektor Meyer und -erzählte von seinen Monstrekonzerten, die er als hannöverscher -Musikmeister mit acht vereinigten Militärkapellen vor -Sr. Majestät dem König Ernst August veranstaltet hatte. -Da erscholl das Kommando: »Antreten!«</p> - -<p>Meyer reichte Heynern die Hand zum Abschied, mit den -Worten: »Siehste Heyner, <em class="gesperrt">so</em> hat mir Majestät die Hand -gedrückt und dabei gesagt: »Meyer, das war eine Glanzleistung -von Ihnen.««</p> - -<p>Heyner zog bei dem Händedruck erst das eine, dann das -andere Bein in die Höhe, jetzt fing er an zu tanzen und -schrie: »Autsch! Dunnerwetter! Hol der Teufel Deine -Glanzleistung!« – Da legte Meyer seine weißbehandschuhte -Rechte salutierend an den goldverbrämten Dreimaster und mit -einem Lächeln der Befriedigung auf den Lippen, schritt er zu -seinen Leuten hinüber.</p> - -<p>Inzwischen waren die Schützen in vier Gliedern angetreten. -Feldwebel Schmidt entnahm seiner dicken Brieftasche -eine Liste und verlas aus derselben die Namen der Gardisten. -In allen Tönen, aus der hellsten Schneiderkehle, bis -zum dröhnenden Böttcherbaß, erklang das »Hier!« Nur einmal<span class="pagenum"><a id="Seite_10">[10]</a></span> -blieb es aus, als der Laternenwärter Leichsenring, vulgo -Hosenbummel, aufgerufen wurde.</p> - -<p>»Auf den wird nicht gewartet, der ist sowieso schon zu -alt für den Dienst«, entschied der Hauptmann Röder. Er -wollte das Schwert ziehen, aber das ging nicht so leicht. -Korporal Günther (der Planitzer) half ihm ziehen, da gab es -einen Ruck, der Säbel flog heraus und der Hauptmann in -die große Trommel, die wohl einen dumpfen Ton von sich -gab, aber Stand hielt. Günther hatte sich an den dicken -Höfer angeklammert, der ebenfalls einen knurrenden Ton von -sich gab, aber auch Stand hielt.</p> - -<p>Als sich der Hauptmann von seinem Schreck erholt hatte, -trat er an die Front und wollte »Achtung« kommandieren, -da rief der Vizekorporal Kleinert: »Herr Hauptmann! dorte -kommt der Bummel aus'n Apothekergässel raus!«</p> - -<p>»Der hat ja hellgraue Hosen an!« riefen gleich drei -auf einmal. – Des Hauptmanns Blicke verfinsterten sich -und er knurrte dem Spätling entgegen: »Zu spät kommen -Sie und auch noch in einem solchen Aufzug? Sie treten -nicht ein!«</p> - -<p>»Ich waß schu Herr Hauptmah, ich wollt mich ah när -zer Schtell maldn. Odr ich kah wassettersch nischt drfier, -mei Schitznhus war untnrim ausgetriefelt un do ho ich se -heit frieh nauf zun Heisler Schneider geschickt, dar soll se -frisch eiseime, dar hoot mrsche odr net wiedrgebracht. Grod -kumm ich vunne har, net emal drham war'r.« – In diesem -Augenblick flog ein Freudenschimmer über das Heldengesicht -Leichsenrings. »Herr Hauptmah« rief er aus; »Wartn se när -noch fimf Minutn; dorte kimmt dar Heislerschneider mit -dr Hus iebern Arm im's Richtereck rim.« Ohne eine -Antwort abzuwarten, stürmte er davon, packte den Häusler -beim Kragen und schob ihn vor sich her in die Hausflur der -Garküche hinein.</p> - -<p>Der Häusler Schneider hatte, während Leichsenring zu -ihm gegangen war, die fertige Hose zu diesem getragen. Da -aber jeder einen anderen Weg einschlug, hatten sie sich umgangen. -Nun war der Häusler mit der Hose nach dem -Topfmarkt getrippelt, wo gewöhnlich die Aufstellung stattfand. -Hier war aber infolge eines Rohrbruches das Pflaster<span class="pagenum"><a id="Seite_11">[11]</a></span> -aufgerissen und da er sich wegen seiner Stocktaubheit mit -niemandem verständigen konnte, war er aufs geradewohl -hinüber nach der Ziegengasse getrippelt. Als er da auch -keine Schützen sah, nach der Griesbächer Gasse. Schon von -weitem hatte man ihn rufen hören: »Bebebummel! Bebebummel!«</p> - -<p>Der Hauptmann hatte fünf Minuten gewartet, es wurden -sechs, sieben Minuten, Leichsenring kam nicht wieder. -Da wurden zwei Schützen zur Nachforschung abkommandiert, -die alsbald in der Garküche verschwanden. In der Hausflur -hörten sie schon einen Mordsspektakel aus einem sonst -verschwiegenen Ort und als sie dort hineintraten, fanden -sie den Leichsenring in Socken und Unterhosen, wie er den -Häusler Schneider an die Wand gekreuzigt hielt und -ihm eine Standrede hielt, über die Dummheit: »Wie se -in hunnerttausend Gahrn noch net dogewasn is un ah net -wiederkimmt.«</p> - -<p>Als er der beiden Schützen ansichtig wurde, ließ er sein -Opfer los. »Gott sei getrummelt un gepfiffn!« rief er aus: -»hot dä kaner vun Eich e scharfs Masser eistackn?«</p> - -<p>»De wärschtn doch net epper ohmorksn wolln?« fragte -der Wittig Franz entsetzt.</p> - -<p>»Schoden kennts dan nischt, wenn'r emol ohgemorkst -wür!« <span id="corr011">polterte</span> Leichsenring. »Do guckt när emol har, wos -dos Kamel do fartig gebracht hoot: meine Schitznhus hoot'r -mr untn frisch eiseime solln un doderbei hoot'r sche mr -guttegar untn zugeneeht. Itze halft mr när aufschlitzn, mit -dan Brummochs – wu is'r dä hie? – war doch nischt -ahzefange: Kah Scheer, kah Messr drbei, blus de Schnupptewaksduhs -hatt'r eistackn.«</p> - -<p>Na, die Hose war schnell wieder aufgeschlitzt, sie triefelte -zwar wieder, wie zuvor, aber in kurzer Zeit stand Leichsenring -in Reih und Glied.</p> - -<p>Nun erfolgten die Kommandos: »Achtung! Augen – -rechts! Richtung! Höfer – 'n Bauch nein! Augen – -geradaus! Schulterts – Kepp! Iebersch – Kepp! Rechts -– um! Vorwärts – marrrsch!«</p> - -<p>Unter Trommelschlag schwenkte alsbald die Kompagnie -um den goldenen Ring herum. Am Rathaus wurde Halt<span class="pagenum"><a id="Seite_12">[12]</a></span> -gemacht, um die Fahne abzuholen. Unter den Klängen des -Norma-Marsches trat die Fahnensektion ein, der Hauptmann -kommandierte: »Links – um! Vorwärts – marrrsch!« -Thierfelder hob den Tambourstab, der Radetzkymarsch setzte -ein und der Tambourstab flitzte und blitzte durch die pfingstsonnige -Luft im Takte auf und nieder.</p> - -<p>Als die Schützen an der Hauptwache vorbeizogen, stand -dort die Wachmannschaft des achten Bataillons mit präsentiertem -Gewehr und die Schützen erwiderten diese Ehrenbezeigung -durch Schultern des Gewehres, während der -Fahnenträger Burkhardt in verwegenster Weise die Fahne -schwenkte.</p> - -<p>Als der Zug an der Hauptwache vorbei war, ließ der -Wachoffizier Graf Kameke abtreten, er selbst aber stellte sich -an die Barriere, sein Gesicht verzog sich zu einem grinsenden -Lachen: im letzten Glied der Schützen marschierte ein Mann, -dessen Federstutz bei Schritt und Tritt einen Bogen von neunzig -Grad beschrieb und dessen Bajonett bald mit dem des linken -bald mit dem des rechten Nebenmannes zusammenklirrte.</p> - -<p>Der Wackelfritze, über den er sich so belustigte, war der -Schulhausmann Wetzel.</p> - -<p>Der Schützenzug war von einer Schar jugendlicher Trabanten -dicht umschwärmt. Zumeist waren es Schützensprößlinge, -die ihres Vaters Schützenmütze in der Hand trugen. -Ein barhäupt- und barfüßiger Junge trug sogar deren -zwei.</p> - -<p>Als nun die Musik schwieg, und nur die Trommeln -rasselten, frug ein anderer, behäupteter und gestiefelter Junge -den Barfüßler: »Wäm geheeren denn die zwee Mitzen eegentlich, -die du nausträgst?«</p> - -<p>»Die Aane gehärt men Voter« entgegnete der Barfüßler, -»un die annere men Vetter Henner. Vun en Gedn« setzte er -geschwätzig hinzu: »krieg ich en Dreier fersch Naustroong.«</p> - -<p>»So? was koofst du dir denn draußen für deinen -Sechser?«</p> - -<p>»Dos waas ich salberscht noch net. Vielleicht, – vielleicht -ene Brootworschtbriehsammel und e sauere Gork, oder -e Ei un en Bittlich. – Kriegst du ah ewos fersch Naustroong?«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_13">[13]</a></span></p> - -<p>»Versteht sich! – ne halbe Bratwurscht,« bestätigte der -Gestiefelte.</p> - -<p>Da blitzte es neidisch und feindselig in den Augen des -Barfüßlers auf. Rückwärts tretend verkrümelte er sich in -die Menge und ehe er in derselben verschwand, rief er giftig: -»Wenn dr när dr Hund de Brootworscht aus dr Pfut ruppet, -du Aff du grußfrasseter!«</p> - -<p>Es wäre vielleicht zu einer Verfolgung und zu einer -Prügelei gekommen, hätte nicht die Musik wieder eingesetzt, -zum zweiten, zum Lieblingsmarsch der Jugend und hundert -helle Kehlen fielen mit ein in die Melodie: »Koch, koch -Lindenthee, denn mir tut der Bauch so weh.« – –</p> - -<p>Während sich nun der Zug allmählich dem Schießhause -näherte, gingen draußen »unter den Linden« zwei würdige -alte Herren auf und ab spazieren. Der eine davon war der -Kauf- und Handelsherr Rupprecht, (infolge seines Spielwarenhandels -unser Weihnachtsrupperich) der andere war dessen -Hausgenoß der schwerhörige Tuchhändler Günther.</p> - -<p>Als diese beiden Herren, abwärts schreitend in die Nähe der -Reitbahn kamen, da hielt grade der Müller Heinrich die Lunte -auf das Zündloch eines Böllers und »<em class="gesperrt">bauz</em>« krachte es, daß es -in den Bergen widerhallte. Rupprecht fuhr erschrocken in sich -zusammen und blieb stehen. Günther aber drehte ihm mit -freundlichem Lächeln das Gesicht zu und frug: »Was haste -gesagt, Rupprecht?« Auf die abwehrende Geste Rupprechts -setzte Günther hinzu: »De weest doch Rupprecht, ich häre e -bischen schwer – da mußte schon e bissl lauter sprechen.« -Da krachte ein zweiter Schuß, Günther schüttelte den Kopf -und sagte: »Ich kann dich immer noch nich recht verstehen, -Rupprecht, ich habe blos Bach verstanden. Meenst du den -Bäcker Bach?«</p> - -<p>Das Eintreffen der Schützen drunten am Schießhaus -war jetzt Rupprecht ein willkommener Anlaß, aus der -Nähe der Böller und über weitere Fragen Günthers hinwegzukommen. -Er deutete mit der Hand hinunter, Günther -nickte verständnisvoll mit dem Kopf und beide Herren -gingen hinab, um sich das kriegerische Schauspiel anzusehen.</p> - -<p>Hier erschollen wieder die Kommandos: »Halt! Rechts -– um! Schulterts – Kepp! Präsentierts – Kepp!«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_14">[14]</a></span></p> - -<p>Unter den Klängen des Marsches aus Norma wurde -die Fahne auf ihrem Ständer gehißt, die Wache zog auf -und als dann endlich die Schlußkommandos: »Los! Tret' -– ab!« erfolgten, dann gab es stöhnen, blasen und fauchen, -die Mützenjungen traten in Funktion und nahmen die schweißtriefenden -Schützenhüte, Gewehr und die Koppel mit dem -Seitengewehr und der Patronentasche in Verwahrung.</p> - -<p>Die Schützen aber rissen die Knöpfe des Waffenrockes -auf, holten das blaurotgewürfelte Taschentuch mitsamt der -Pfeife und dem Tabaksbeutel aus der Schößentasche und -nachdem die Schweißperlen auf den Glatzen trocken gefummelt -waren, wurde die schon zuhause gestopfte Pfeife in -Brand gesetzt.</p> - -<p>»Gott sei Dank, daß mr da sin!« stöhnte der eine und -der Falke Gust jammerte: »Dan Dorscht, dan Dorscht!«</p> - -<p>Bald füllte sich der geräumige Saal im »Alten Verein« -wie auch das Schenkzimmer im alten Schießhaus und bald -auch knallten die Büchsen im Scheibenstand.</p> - -<p>Der Saalbau, mit seiner langen Front hoher Bogenfenster, -ist in den achtziger Jahren abgebrochen worden. Er stand an -Stelle des jetzigen Gartens und barg neben dem großen Saal -noch ein geräumiges Vorzimmer und an der Rückseite eine -Kegelbahn. Hier überall herrschte nun ein buntes, feuchtfröhliches -Treiben beim althergebrachten Schützenmittwochs-Frühschoppen. -Im Saale saßen an langen Tafeln, in bunter -Reihe uniformierte und nichtuniformierte Schützen und erfüllten -den Raum mit Lachen und Johlen, mit Bier-, Bratwurst- und -Knasterdüften. Gute Witze wurden mit einem Tusch belohnt, -schlechte aber charakterisierte, je nach dem Grad der Brenzlichkeit -derselben, das Klappenhorn Meyers mit: Du bist der -beste Bruder ah net, – oder – Schmeiß'n naus den -Judenitzig.</p> - -<p>Nun muß der Verfasser, wohl oder übel, seine eigene, -damals noch recht unscheinbare, aber »nissige« Person ins Treffen -führen, da sich jetzt Handlungen einschieben, in denen sie eine -wenn auch nicht immer einwandfreie Rolle gespielt hat.</p> - -<p>Nachdem ich meines Vaters Hut und Degen drüben in -der Schenke der Frau Hirsch besorgt und aufgehoben hatte, -pflanzte ich mich drinnen im Saal gegenüber von Vaters<span class="pagenum"><a id="Seite_15">[15]</a></span> -Klappenhorn, wie ein mahnendes Fragezeichen auf. Ich -hatte meinen Opulus zu einer halben Bratwurst noch -nicht bekommen und wußte recht gut, daß ich hier -als lästiger Ohrenzeuge prompt abgefertigt werden -würde. Aber, war es meines Vaters Kurzsichtigkeit, war -es der fast schneidbare Tabaksqualm, mein Bratwurstappetit -wurde auf eine harte Probe gestellt. Dabei hörte ich denn, -wie mein Hoflieferant, der Reuther Bäck, lachend erzählte, -wie er sich auf dem ganzen Marsch darüber geammesiert habe, -daß dem Wenzel Schmied der Nasenputzer wie ein Fuchsschwanz -hintenunter gehangen habe.</p> - -<p>»Das hast du mir doch jedenfalls selber hinten rausgezong, -denn du warst doch mei Hintermann!« schimpfte -Wenzel, aber der Neumerkel beruhigte ihn mit den Worten: -»Gab dich när zefriedn. Ich ho's gesah, wie'r drsch nooch -un nooch rausgezerrt hoot. Ich ho's ah gesah, wie'r egal in -sen Bort neigekichert hoot. Ich gelaab odr, er hätt net esu -gelacht, wenn'r gewußt hätt, doß'n salber sei Schnupptichel un -ah de Quastn vun sen Tobaksbeutel hintnnausgebaumelt sei.«</p> - -<p>In das allgemeine Gelächter stimmte ich kräftig mit -ein, nicht ohne Erfolg hatte ich mich dadurch meinem Vater -bemerkbar gemacht und nun trug ich fröhlichen Sinnes meine -zwölf Pfennige zur Frau Hirsch an den Schenktisch.</p> - -<p>Eine Minute später konnte ich liebäugelnd meine, in ein -»Pfengbrot« eingeklemmte halbe Bratwurst betrachten; doch – -zwischen Lipp und Bratwurstzipfel – in dem Augenblick, wo -ich den ersten ersehnten Biß tun wollte, da – pflanzte sich -Bluth Antons Bluthund Pluto breitbeinig und zähneflätschend -vor mir auf. Wie diese Bestie vor meiner Bratwurst, so -standen die Worte des Barfüßlers plötzlich vor meiner Seele. -Schnell ließ ich die Hand mit der Wurst hinter meinem -Rücken verschwinden und wie sich nun der Bluthund mit der -Zunge die Schnauze leckte, streckte auch ich ihm die Zunge -heraus, fühlte aber zugleich, wie eine warme, feuchte Zunge -hinten über meine Bratwurstfinger strich und wie denselben -Wurst und Semmel entglitt. – Ein anderer Köter hatte mir -sie aus der Pfut geruppt. – Ich sah nur noch die lebendige -Illustration zu dem Liede: »Wenn der Hund mit der -Wurst übern Eckstein springt«, draußen vor der Türe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_16">[16]</a></span></p> - -<p>Ein freundlicher, mitleidiger Herr, den die Schießhauswirtin -mit: »Herr Pursch« anredete und der den Vorgang -lachend mit angesehen hatte, kaufte mir eine <em class="gesperrt">ganze</em> Bratwurst -und so war ich bald, dem gesättigten Löwen gleich, mit Hund -und Barfüßler versöhnt. – Der Letztere hat übrigens seinen -Beruf als Profet verfehlt, er ist Prolet geworden und da ihm -schon lange kein Zahn mehr weh tut, kann er auch keine -»saure Gork« mehr essen.</p> - -<p>Als ich hinaus trat, in den sonnigen Vormittag, fiel mein -erster Blick auf den Wachtposten, der vor dem Fahnenständer, -dem Trommelbock und den Gewehren auf- und abschritt und -dabei mit seinem Federbusch derartige Schwenkungen machte, -daß ich sofort in ihm den Schulhausmann Wetzel erkannte. -Ich grüßte ihn pflichtschuldigst. Freundlich grüßte er wieder: -»Morring Klaaner. Du bist doch dr klaane Meyer – Du -kast mr en Gefalln tu. Gieh emol nieber in de Wach un -soog, ne Posten dohausn tät de Zung ene halbe Ehl zun -Hals raushänge.«</p> - -<p>Ich sprang hinüber und richtete es wortgetreu aus, aber -der Korporal Richter meinte: »Ach wos! dar soll wartn bis -'r ohgelöst werd.« Der Schneider Windsheimer, der mein -Leibschneider war, winkte mich zu sich heran und gab mir -ein leeres Glas in die Hand. »Das läßte« sagte er »dortn -an Bottich vollloofn, da kann er seinen Dorscht dran -löschen.«</p> - -<p>Da wo jetzt der Eingang zum Keglerheim ist, da war der -Wasserbottich, an dem ich das Glas mit perlfrischem Wasser -füllte.</p> - -<p>Hätte ich nun einem wütenden Stier ein blutrotes Tuch -vorgehalten, zornigere Augen hätten mich nicht anfunkeln können, -als die des Wetzel, als ich mit dem Glase Wasser -daherkam.</p> - -<p>»Hullunk, elendiger!« schrie er mich an: und packte sein -Gewehr mit beiden Fäusten am Ende des Laufes. »Kumm -mr net ze nah, odr ich schloog dich ze Brei!« – Da erscholl -drüben vom Wachhause her infernalisches Gelächter. Die -gesamte Wachmannschaft stand vor der Tür; ein Jeder hielt -in der einen Hand eine volle Stange Bier und mit der -anderen hielt er sich den Bauch.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_17">[17]</a></span></p> - -<p>Sofort entlud sich Wetzels Zorn nach dieser Seite: -»Inu ihr Lumpn! ihr Sauhind! – ihr zutscht do driem de -ganze Sprengstütz Bier aus un iech soll Wasser saufn? – -Pfoi Teifl! schamt eich!« Als nun auch noch von drüben -prost! prost! prost! gerufen wurde, da verließ Wetzel vorschriftswidrig -seinen Posten und das Gewehr hinter sich herschleifend -und lästerlich schimpfend trieb er die Schützen in -das Wachtlokal hinein.</p> - -<p>Es dauerte eine geraume Zeit bis Wetzel wieder zum -Vorschein kam. Seine Rechte umklammerte ein schon zur -Hälfte geleertes Stangenglas, das er nun in aller Gemütsruhe -vollends leerte und dann ins Gras warf.</p> - -<p>Als er auf Posten zurückgekehrt war, strich der Fischer -Heinrich vorbei und zog den Hut. »Morring Herr Wetzel! -Heite weeß mr doch gar nich wie der Wind weht? – Ihr -habt wohl eire Fahne in der Wäsche, oder amende gar versetzt?«</p> - -<p>»Unnere Fahn? – do … – stitt se doch« wollte -Wetzel sagen, aber der Mund blieb ihm sperrangelweit offen -und erst nach einer Weile klappte er ihn hörbar wieder zu, -dann kam ein Bumben un Granatndunnerwetter zum Ausbruch -und endlich rief er die Wache heraus: »De Fahn is gemaust«!</p> - -<p>Wer nun glaubte die Mannschaft käme über Kopf und -Hals gestürzt, der irrte gewaltig. Die trank zunächst sämtliche -Gläser leer und bis die Röcke zugeknöpft und das Seitengewehr -umgeschnallt war, verging eine geraume Zeit, in der -Wetzel den Fischer Heinrich ausfragte und als nun drei Mann -zur Stelle kamen, konnte er berichten, daß der oder die Diebe -hinauf nach den Scheunen zu geflüchtet seien. Wer der Fahnendieb -war, konnte nicht ermittelt werden. Ich aber hatte den -Vorgang aus nächster Nähe mit angesehen und während die -Schützen den Berg hinauf eilten, sprang ich auf der anderen -Seite den Berg hinunter und drüben wieder hinauf, zum -– Gerichtswäldchen. Dort angekommen, sah ich die Fahne, -an der ein langes Seil befestigt war, im Moose liegen, -während der Fahnendieb sich vergeblich bemühte, am Stamm -einer Fichte empor zu klettern.</p> - -<p>»Lassen Sie mich nauf Herr Rusrat« rief ich: »ich kann -besser klettern als Sie!«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_18">[18]</a></span></p> - -<p>»Rusrat?? – wie kaste denn Rusrat zu mir saang -– weeste nich wie ich hees? Kannste denn danauf klettern? -die Ficht is hoch!«</p> - -<p>»Mir is kee Boom ze hoch un auf der Ficht bin ich -schon öfters gewesen.«</p> - -<p>»Nu da strampel emal los, nimm das Strickend mit -nauf, da ziehste dann de Fahne drmit nauf un bindst se -drohm fest.«</p> - -<p>Nach wenigen Minuten flatterte die altehrwürdige Fahne, -die vielleicht schon hunderte mal »gemaust« worden ist, über -allen Gipfeln, lustig hoch im Winde.</p> - -<p>Als ich wieder Boden unter den Füßen hatte, meinte -der »Rusrat«: »Itze heests aber auskratzen!«</p> - -<p>»Sie haben schon noch Zeit Herr Ru… Herr Claus; -der Fischer Heinrich hat die Wache nauf nach »vor Scheunen« -geschickt.«</p> - -<p>»Ich wees schon,« blinzelte der Rusrat, »das war schon -so ausgemacht, der verrät mich nich.«</p> - -<p>»Wenn ich fimf Neugroschen krieg,« sagte ich keck, »dann -halt ich mei Maul ooch!«</p> - -<p>Lachend zog der Fahnendieb den Beutel, warf ein Fünfgroschenstück -ins Moos und entfernte sich mit den Worten: -»So ein ruppiger Lausgung! Denhalber brauchts wahrhaftig -nimmer ze reenge, aus den werd emal entweder e großes -Tier oder e großer Lump.«</p> - -<p>Das war wieder eine Prophezeiung, die freilich bis jetzt -nach keiner Seite hin eingetroffen ist, denn ich habe vorgezogen, -im Leben den goldenen Mittelweg einzuschlagen. Damals -aber schlug ich mit meinem Fünfgroschenstück, singend -und springend den kürzesten Weg ein, zum Pfingstmarkt.</p> - -<p><em class="gesperrt">Pfingstmarkt!</em> Welche Fülle genußreicher Erinnerungen -weckst du in mir! – Welch buntes, pfingstfröhliches -Treiben flutete über deinen grünen Rasen, auf dem -die Kinder jauchzend ihre Purzelbäume schossen und auf dem -in Buden, auf Tischen, Bänken und Karren alle, einem -Kinderherzen begehrlichen Herrlichkeiten ausgebreitet waren.</p> - -<p>Dieser terrassenförmig gestaffelte, mit Queckengras bestandene -Wiesenplan ist fürwahr eine glückliche Wahl unserer -Väter gewesen, hier ihre Schießstätten zu errichten. Liebevoll<span class="pagenum"><a id="Seite_19">[19]</a></span> -umsäumten sie ihn mit schattigen Lindenalleen, die schon -vor fünfzig Jahren sich zu mächtigen Baumkronen entwickelt -hatten. Nicht unerwähnt möchte ich hierbei lassen, -daß mein Großvater, der damalige Ratssenator Bauer, sich -um die Anpflanzung dieser Anlagen wesentliche <span id="corr019">Verdienste</span> erworben -hat.</p> - -<p>Dahin führte mich nun mein Weg, an wogenden -Feldern vorbei, durch üppigen Wiesenflor, über dem die -Schmetterlinge gaukelten und geschäftige Bienen summten.</p> - -<p>Ein sonniger, wonniger Pfingstzauber war über die -lachenden Gefilde gebreitet und vom klaren Himmelsblau, -das sich hinüber spannte, bis zu den fernen Riesen des Erzgebirges, -schmetterten die Lerchen ihr Jubellied hernieder. -Auch in den alten Lindenkronen frohlockten die Vögel -und die Reitzugfinken hielten, von Baum zu Baum, ihre -Zwiegespräche.</p> - -<p>Als ich aber aus der Doppelallee herauskam, wars mit -dem Zauber vorbei, denn Arnolds Reitschule setzte sich eben -in Drehung und August drehte, den kalten Kalkstummel im -Munde, mit beständigem Kopfnicken, den alten, verstimmten -Leierkasten, dem er, soweit es die alten Blasbälge zuließen, -das Neueste auf dem Gebiet der Gassenhauer entlockte: »Ach -ich bin so müde.« –</p> - -<p>August war bei der spottlustigen Jugend dadurch zur -Zielscheibe geworden, daß er mit den meisten Consonanten in -Erbfehde lag. Einem kleinen Fahrgast, dem die Nase blutete, -hatte er einmal zugerufen: »Tlaaner, dei Noot lutt!« Und -diese Worte blieben an ihm haften; jeder Bengel riefs ihm -nach – so auch ich jetzt: »Autut, dei Noot lutt!« Prompt -und kopfnickend kam die Antwort zurück: »Ette lotte luten!«</p> - -<p>Gleich darauf flötete mich aus dem Stern und Thonpfeifen -geschmückten Hintergrund einer Schießbude eine liebliche -jungfräuliche Stimme an: »Schießen se mal, junger -Herr! Zwee Schisse fimf Fenge.«</p> - -<p>Donnerwetter! das imponierte mir. Erstens »Sie« und -dann auch noch »junger Herr!« – Solch gute Meinung von -mir durfte nicht unbeachtet, nicht unbelohnt bleiben, stand ich -doch in absehbarer Zeit schon vor dem Uebergang vom Flegel<span class="pagenum"><a id="Seite_20">[20]</a></span> -zum Herrn Flegel und so schoß ich denn im Vollgefühl meiner -Herrlichkeit vier Löcher in die Luft. – Mit ebensoviel -Groschen meiner erleichterten Barschaft ging ich, etwas enttäuscht -davon.</p> - -<p>Wiederum klangen die Worte: »Junger Herr!« an mein -Ohr, diesmal aus dem Munde des Horndrechslermeisters -Röder, der vor seiner Bude stand und mir ein niedliches -Liliputpfeifchen mit den Worten entgegenhielt: »Nur fimf -Neigroschen, junger Herr.«</p> - -<p>Fast bereute ich jetzt die vier Luftlöcher, als ich aber -entgegnete: »Ich darf doch noch gar nich roochen!« da ließ -Röder den jungen Herrn fallen und er sagte, mit dem Finger -drohend: »Dich Schlingel hab ich doch schon roochen sehn, -daneilich am Bach of der Stangebergwiese, dort, wo die -vielen Vergißmeinnicht stehn, da bist du im Gras gelegen -und hast Ringeln in die Luft geblasen wie e Alter.«</p> - -<p>Ich machte einige lange Schritte und stand bald vor der -Holzdrechslerbude der höchsten Persönlichkeit Schneebergs, des -Türmers Böhm. Die vielen buntgefiederten Abschießvögel in -allen Größen, erregten meine Aufmerksamkeit nicht, noch -weniger die scheckigen Pferdchen mit und ohne Reiter, auch -nicht die Blasrohre, die Knallbüchsen, die »Schrietzbüchsen«, -die Pfennigpfeifen und Kegelspiele, mich interessierte ein -Raphael Engel, der beide Ellenbogen auf die Verkaufslade -gestützt und an einer großen Süßholzwurzel kauend, seine -Blicke von Gegenstand zu Gegenstand schweifen ließ. Dieser -Engel war jener profetische Barfüßler.</p> - -<p>»Luuz« sagte eben der Türmer zu seinem Sprößling -Louis: »Ich gieh itze en Aangblick fort, paß fei gut auf, doß -nischt gemaust werd.« – Kaum war Luuz drinnen allein, da -nahm der barfüßige Engel einen großen Wulst gekauter -Süßholzwurzel aus dem Mund und frug: »Wos kost dä ene -Schrietzbichs?« Luuz antwortete: »De klenn kostn en Dreier, -die do en Sechser und de grußn en Neigrosch«.</p> - -<p>»Weiß emol aane har, vor en Neigrosch!« – Der Barfüßler -betrachtete sie mit Kennerblicken von außen und innen, -dann blies er einmal hindurch und meinte: »Ich denk mr när, -die hoot ewing zeviel Luft.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_21">[21]</a></span></p> - -<p>»Wos vrstist'n du!« sagte Luuz verächtlich: »Wenn se -nei ins Wasser kimmt un 's Garn drinne naß werd, nochert -zieht se schu.«</p> - -<p>»Derf ich se dä erscht emol probirn, driem an Wasserbottig?«</p> - -<p>»Nu meitwaang – de mußt se odr fei behaltn, wenn -de se eingesaut host!«</p> - -<p>Leichtbesohlt flatterte der Engel davon – er soll heute -noch wiederkommen.</p> - -<p>Ambrosische Düfte zogen mich an der Nase hinüber, zu -den Kindern des Südens, zu den Bergen von Apfelsinen, -Johannesbrot, Datteln und Feigen. Dann trug ich das -schnuppernde Riechorgan weiter, zu den schmalzgebackenen -<span id="corr021">Blätterteig</span>-, Sand- und Spritzkuchen, vorbei an den -Zuckerbuden mit ihren Feuersteinchen, Aniskörnchen und -Zimmtmandeln, vorbei an den bunten Eiern, den sauren -Gurken und den Böklingen. Die »Bittlich Richtern« pries -ihre Ware an: »Lauter dicke Speckbuckel, de kleen en Zweeer, -de grußen 'n Dreier. Solche scheene goldgelbe Fische wern -nich alle Tage gefang!« –</p> - -<p>Nicht einmal die Bratwurstkarline konnte mir einen -Dreier entlocken für ihre duftenden Brühsemmeln, die sie -emsig und unverdrossen mit ihren rusigen fettglänzenden -Fingern aushöhlte und dann von Zeit zu Zeit die Finger -ableckte. Dabei machte sie ihre Witze: Eine Affenschande -wäre es, so eine Gottesgabe für einen lumpigen Dreier zu -verkitschen, ihr seliger Urgroßvater gäbe einen Taler drum, -wenn er nur einmal hineinbeißen könnte. »Ihr hatt doch -alle keene Ahnung« setzte sie hinzu, »was da alles noch so -drum un dra hängt; vier Wochen lang muß ich dernach -meine Finger in griene Seefe stecken, daß se nur wieder -reene wern.«</p> - -<p>»Lecken Sie se ooch öfter emal derbei ab?« frug ein -fürwitziger Bengel, aber schlagfertig kam es zurück: »Ich hätte -bald was gesagt, du Lausewenzel!«</p> - -<p>Wenn sich Mund und Nase laben, wolln die Ohren auch -was haben. Und diese kamen voll und ganz auf ihre Rechnung. -Schon das Geschrill der hunderte von Pfennigpfeifen -hätte genügt, aber dazu kamen noch die Schnarren, die Waldteufel<span class="pagenum"><a id="Seite_22">[22]</a></span> -und die Mundharmonikas. Das gab mit dem Grundmotiv -der Reitschulorgel eine machtvolle Symphonie, zu der -die Scheibenschützen den Takt knallten.</p> - -<p>Strich aber Einer mit einem Brummeisen vorbei, -so konnte man die Wahrnehmung machen, daß die Brummeisen, -so verschrieen sie bei gewissen Ehehälften sein mögen, -ganz gewiß zu den zahmeren und zarteren Gatt–ungen zu -zählen sind.</p> - -<p>Das Elfeglöckel läutete die Mittagsstunde ein, da ging -ich hinüber in den Saalbau, um mich meinem Vater zum -Heimweg anzuschließen. Als wir durch das Vorzimmer kamen, -saß da in einer Ecke der Falke Gust bei einem tellergroßen -»Biffstek« und rief mit schon etwas lallender Stimme: -»Mahlzeit Herr Direkter! Hier sitzn de Mussegantn, Moses -un de Profetn!«</p> - -<p>Um drei Uhr nachmittags war ich wieder zuplatze, da -begann das <em class="gesperrt">Vogelschießen</em>. Dies wurde aber nicht von -der Schützengesellschaft abgehalten, sondern die <em class="gesperrt">Schnepperschützen</em> -hatten die einmalige Erlaubnis bekommen, ihr -Vogelschießen diesmal ausnahmsweise <span id="corr022">vor dem</span> Schießhaus abhalten -zu dürfen. Zu diesem Zwecke hatten sie vor der -Vogelstange, unten beim alten Schießhaus eine geräumige -Bude aufgestellt, aus der sie mit ihren großen Armbrüsten -(Schneppern) dem riesigen Adler auf der Vogelstange zuleibe -gingen.</p> - -<p>Uns Jungen machte es ein besonderes Vergnügen, Jagd -nach den verschossenen Bolzen zu machen, die wir dann, das -halbe Dutzend für einen Dreier, zur Bude zurück brachten. -Ich konnte diesen Erwerb recht gut gebrauchen, denn ich hatte -meine restlichen vier Neugroschen – wie gewonnen, so zerronnen -– in der Würfelbude verknobelt.</p> - -<p>So kam ich auch jetzt wieder mit einer handvoll Bolzen -zur Bude zurück, da lehnte der Horndrechsler Pfeifer am -Eckpfosten und uzte die Schnepperschützen.</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Fffft</em>« machte er es gerade: »Schu wiedr drnahm -wack. Ihr mißt doch nooch'n Vugel zieln, net noch ne -Maandn, dar stieht doch itze gar net an Himmel! Mir ham -doch itze Neimaand.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_23">[23]</a></span></p> - -<p>»Halt de Gusch!« schimpfte der Rohrlapper, »du machst -uns när de Bolzn schei!«</p> - -<p>Beim nächsten Schuß machte es Pfeifer wieder: -»<em class="gesperrt">Fffft!</em> wiedr e Loch in Himmel. Ich gelaab, dr Peterus -is ausgerissn, dar is doch ka Minut sicher vr eiern -Fahlbolzn.«</p> - -<p>Nun wurde es den Geneckten doch zu bunt und sie -schrien durcheinander: »Gieh doch du rei, du Maulaff! – -Zeig erscht du emol, wos de kast, du Grußgusch! – Dar -fällt doch geleich im, wenn dr Schuß lusgitt!«</p> - -<p>Ohne weiteres kroch Pfeifer durch die Absperrleinen -und verlangte einen Schnepper. – Nun hatten aber die -Schützen ein altes abgelegtes Monstrum, ganz extra -für solche Fälle, bei der Hand, an dem der -Bügel nicht mehr fest im Schafte stak, so daß derselbe -ohne Schwierigkeit seitlich verschoben werden konnte und so -rückten sie ihn, bevor sie ihn mit der Drehwinde aufzogen, -ein gutes Stück nach links, so daß die ganze Schleuderkraft -nach dieser Seite verlegt wurde, dann reichten sie den mühsam -gespannten Schnepper mit verhaltenem Lachen, dem ahnungslosen -Pfeifer.</p> - -<p>Dieser stand nun, jeder Zoll ein Tell, im Anschlag und -zielte, lange und genau zielte er, denn unter keinen Umständen -durfte er sich blamieren. – »Sättersch!« stichelte der Leonhardt -Schmied: »Itze getraut'r sich net, ne Finger krumb ze machn.« -– Da drückte Pfeifer ab und – ein zehnstimmiges, schallendes -Gelächter durchbrauste die Bude.</p> - -<p>Der heimtückische, ungleich gespannte Schnepper hatte -Pfeifer eine solch wuchtige »Faunz« versetzt, daß er, den -Schnepper weit von sich schleudernd, einen Luftsprung machte -und dann, mit einem Gesicht wie ein herabgefallenes Mondkalb, -auf seinen geliebten fünf Buchstaben saß. Das alles -dauerte nur Augenblicke, dann nahm er sich zusammen, -krabbelte sich ächzend in die Höhe und wortlos, nur mit -einem grundtiefen Verachtungsblick auf die Schnepperschützen, -hinkte er zur Türe hinaus.</p> - -<p>Diese aber krümmten sich vor Lachen wie die Würmer -und als ihm der Könitzer nachrief: »Der Rumpes is gefalln, -Sie wern fei Keenig!« da drehte sich Pfeifer herum, und<span class="pagenum"><a id="Seite_24">[24]</a></span> -drohend die beiden Fäuste schüttelnd, entrangen sich befreiende -Worte von seinen Lippen. Mit Löwenstimme donnerten sie -zur Bude zurück, die Kraftworte Götz von Berlichingens, in -sechsstelliger Multiplikation. –</p> - -<p>Pfeifer hatte genug Vogelschießen. Hinkend und sich -sämmtliche Backen reibend, stapfte er stadteinwärts.</p> - -<p>Als er an Stahls Schuppen vorbeikam, begegnete ihm -der Härtel Fritz, der ihn schon von Weitem mit staunenden -Blicken betrachtete.</p> - -<p>»Inusse sog mr när,« sprach ihn dieser an: »Du host doch -ene Papp drahsitzen wie ene Backmuldr? host wuhl endlich -emol aane drwischt?« – Pfeifer sah ihn bissig an. »Zähwieting -ho ich!« gab er barsch zurück. – »Zähwieting? ginne dä -dir de Zahnervn esu weit nunner, bis in de Baah, doste drezzeverze -drzu machst?« Pfeifer ließ ihn stehen und hinkte davon. -Erst nach einigen Schritten drehte er sich wütend um und rief -dem noch immer dortstehenden Härtel zu: »Gieh när du nei -in de Schnapperbud, wenn de ka A…ladr drah host!« – –</p> - -<p>Kopfschüttelnd und um Pfeifers Seelenzustand ernstlich -besorgt, ging auch Härtel seines Weges, schießhauswärts.</p> - -<p>Er war zwar nicht Schütze, aber der Schützenmittwoch -galt von jeher als bürgerliches Volksfest, an dem sich Jedermann -nach Herzenslust beteiligen konnte. So strebte nun -Härtel der Schützenkegelbahn zu, als er aber um den Saalbau -herumschwenken wollte, da hörte er lustige Stimmen drüben -im Wachhäusel.</p> - -<p>Wo es lustig zuging, da war Härtel in seinem Element -und so lenkte er die Schritte hinüber und spähte zur halboffenen -Türe hinein.</p> - -<p>In der Wachstube saßen um einen großen Tisch herum -ein Dutzend uniformirte und nicht uniformirte Männer, die -auf sämmtlichen Stockzähnen kauend, sich an einem feisten -Schinken gütlich taten. Härtel wollte schon wieder abschieben, -da rief der Maler Engelbrecht in seinem damals noch unverfälschten -hannöverschen Dialekt: »Sspaziren Sie nur herein, -Herr Härtell, Sie dürfenn auch mal von unseremm delikatenn -Schinkenn kostenn. Es ist ne ganz besonders feine Sochte, die -wie Butter auf der Zunge zergeht. Ich gebe Ihnen mein Wocht, -der Schinkenn stammt von einer Edelsau aus guter Familje.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_25">[25]</a></span></p> - -<p>Härtel ließ sich das nicht zweimal sagen und so saß er -alsbald im Kreise froher Zecher, beim löblichen Tun. Dabei -erfuhr er denn, daß es zwischen den beiden Korporalen Richter -und Piefky zum Streite darüber gekommen sei, daß jeder von -den beiden behauptete, im Besitz der besten Schinken zu sein. -Trotz der Noblesse Piefkys, der einen Schinken von zuhause -geholt und zum Besten gegeben habe, bleibe Richter beharrlich -dabei, sein Schinken wäre noch viel besser, freilich den -Beweis für seine Behauptung bleibt er uns schuldig.</p> - -<p>»Ich kann doch nischt derfür«, entschuldigte sich Richter. -»Ich selber bin doch gar nich eso, aber meine Frau, die hält -alle Händ ieber ihre Schinken.«</p> - -<p>Schallendes Gelächter. Dann ließ sich die sonore Stimme -Piefkys salbungsvoll vernehmen: »Wieviel Schinken hamm -Sie denn eegentlich noch derheeme, Herr Richter?«</p> - -<p>»Blos noch en eenzigen,« war die Antwort.</p> - -<p>»Na da lassen Sie sich'n nur recht gut schmecken,« sagte -Piefky und zwinkerte mit den Augen zu seinem Kollegen -Windsheimer hinüber.</p> - -<p>»Nu ähm!« bestätigte Windsheimer: »Mir wolln uns -den guten Geschmack gar nich mehr drmit verderm.«</p> - -<p>Da Richter, um eine in ihm aufsteigende Regung seines, -in die Enge getriebenen Schützenherzens zu unterdrücken, -schwieg, trat eine Gesprächspause ein, die durch einen allgemeinen -Trunk ausgefüllt wurde. Als dann die Schaumspuren -aus den Schnurrbärten geleckt waren, lenkte der -Klempnermeister Schulz das Gespräch auf einen anderen -Punkt, indem er sich mit den Worten an Leichsenring wandte: -»Saang se emal, Bummelhose, wie war denn eegentlich die -Geschichte damals mit'n Schilbach, wie der nein in de Laterne -gerannt is?«</p> - -<p>Leichsenring warf, ob seines verunglimpften Spitznamens, -dem Sprecher einen scharfen Blick zu, dann holte er -in aller Gemächlichkeit ein altes Schnappmesser aus der -Hosentasche hervor, das zwar keine Klingen mehr hatte, dafür -aber einen breiten Stahlrücken zum Feuerschlagen. Aus der -Westentasche brachte er noch ein Stück Zündschwamm und -einen Feuerstein zum Vorschein und nun pinkte er immer -mit dem Kopfe nickend und jedesmal das rechte Auge zusammenzwickend,<span class="pagenum"><a id="Seite_26">[26]</a></span> -bis der Schwamm an zu glimmen fing. -Diesen legte er auf den Tabak in seiner Pfeife und dann -baffte er mit sichtlichem Behagen mächtige Wolkenschiebel zur -verräucherten Decke empor.</p> - -<p>Nach einer Weile drehte er sich zu seinem Nachbar -Denkert herum und sagte, »dos is mr fei lieber als der -Towak. Wenn ichs machen kännt, ich raachet nischt wie -Feierschwamb.«</p> - -<p>»Der riecht wenigstens besser wie Ihr Tobak,« meinte -Denkert.</p> - -<p>»Nunununuu!« machte es Leichsenring, »ne schlachstn -raach ich fei noch lank net, 's is Feinschnitt, 's Pfund vr -28 Pfeng!«</p> - -<p>»Alle bunähr!« sagte Denkert, »da kann ich freilich nich -antreten mit mein Griensiegel.«</p> - -<p>Als jetzt Schulz mahnte: »Nu was is denn also mit'n -Schilbache«, da gab Leichsenring kleine Grüne bei und -erzählte:</p> - -<p>»Das war esu. Saltmol, wie de Bah fartig war un -dar erschte, bekränzte Zug vun dr Schlähm rauf kumme is, -do soßn doch die ganzn Grußn drinne, in Frack un mit dr -Angsträhr un do war dr Herr Schilbach ah drbei. Nutwennig -hoot dar doch allmeitoog und do is'r ahm in sen -Stormschriet vun Bahhuf rauf ahamgebieslt. – Iech ho ne -net kumme sah; ich stand an Appetekneck un ho an nischt -gedacht, wie ich mei Lamp rogeleiert ho. Zwaa Drehertsn -hätt ich noch ze machn gehatt, do tuts of amol en Klerrerts, -doß michs vr Schrack när esu rim gedreht hoot un wie -ich hieguck, – ich denk dr Schloog trift mich, – mei liebr -Herr Schilbach in vulln Wichs stackt mit'n Kopp in dr -Lartarr. – Sei Ziehlindr war zrkneetscht un sei Gesicht, es -Vürhemmel, dar feine noble Frack, alles voller Riebeehlflackn. -– Mei Ziehlindr mit zamst dr Lamp un drei Scheim warn -natierlich ah hie un 's war när e tausnds Gelick, doß 's ka -Blut gaam hoot.«</p> - -<p>»Wer hat denn ne Schaden rieber un nieber bezahlt?« -frug der Lenk Karl, der damit beschäftigt war, die letzten -Fleischspuren vom Schinkenknochen zu kratzen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_27">[27]</a></span></p> - -<p>»Suviel ich waas, hoot dr Herr Schilbach allesmitenanner -bezohlt«, sagte Leichsenring und mit ehrfurchtvollem Stirnrunzeln -fügte er hinzu: »Mir hoot'r salt sugar noch e Viergutsgroschnstick -– 's war freilich e pulisch – gaam, ich sollt -mich of men Schrack wiedr stärkn. Wu mei letzte Lartarr -hängt draußn ben Haustein, ho ichs besorgt. – Odr ich soog -när: Wos alles vürkumme kah.«</p> - -<p>»Ja ja ja!« bestätigte der Weiß Heinerich mit bedächtigem -Kopfnicken. »Auf dere besch–ummelten Welt passiert -mannigmal Manches, was mer nich begreifen kann und doch -geht alles ganz natierlich zu, grad wie mit den geheimnisvollen -Schuß in Neistädtel, der hat sich itze ooch aufgeklärt.«</p> - -<p>»Wos is dä do gepassiert? do waß ich doch gar nischt -drfu« frug Leichsenring eifrig und neugierig.</p> - -<p>»Nu das is doch scho e Gahrer dreie, viere her, wo -of'n Neistädtler Vogelschießen der Rumpes runtergepfeffert -worden is, ohne daß e Schuß gefalln, ohne daß e Knall -geheert wordn is«, sagte Weiß.</p> - -<p>Leichsenring zog die Schultern hoch, legte die Stirne -in Falten und kam dann zu der Folgerung: »Do is ahm -amende dar Rumpes mit'n Bloosrohr rogeschossn wurn.«</p> - -<p>Soviele Ehrentitel sind noch nie auf einmal über -Leichsenring gehäuft worden, wie jetzt und ärgerlich verteidigte -er sich: »Ach wos! ka Schuß gefalln, ka Schuß -geknallt, dos gelaab ich net, do mißt ich doch gar ka Schitz -net sei!«</p> - -<p>»Wenigstens kee <em class="gesperrt">solcher</em> wie Sie« bemerkte Mattausch.</p> - -<p>»Suuu?« fuhr Leichsenring, nun erst recht beleidigt auf: -»Ich will Sie emol wos soong Herr Mattausch! Meitwaang -kah dr Herr Schilbach noch zahmol in de Lartarr neirenne, -bei Ihne wern de Scheim nimmer eingezuung!«</p> - -<p>»Nana, nur friedlich!« mahnte der Leutnant Süß, der -den Namen mit der Tat verband, er war seines Zeichens -Konditor.</p> - -<p>Weiß nahm seine Erzählung wieder auf: »Also, wie -gesagt, Niemand hatte en Schuß da draußen abgegebn und -doch is eener gefalln und geknallt hats ooch«.</p> - -<p>»Nu also!« sagte Leichsenring, aber Süß winkte ihm -Schweigen zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_28">[28]</a></span></p> - -<p>Weiß fuhr fort: »Erscht vor korzen hat mirsch der betreffende -Schitz drunten beim Einenkel in der »Erholung« -selber erzählt, der den Schuß abgeem hat.«</p> - -<p>»Nu also!« sagte Leichsenring und »Ruhig! – Maulhalten!« -rief es durcheinander, da frug Weiß mit erhobener -Stimme: »Wißt ihr wer der Schütze war?«</p> - -<p>»Der Teifel!« schrie Leichsenring, Leutnant Süß aber -warnte ihn streng: »Wenn Sie noch einmal dreinreden, -kriegen Sie kei Bier mehr.« – Das half.</p> - -<p>»Nenenenee!« rief Weiß, »der Teufel – Sie meenen -doch den Schneider Teufel, der warsch nich: Der Fritsche -wars, drüben of'n Fritschegut, der hat mit'n Fernrohr von -sein Fenster aus beobacht', wie se draußn of'n Neistädtler -Schießhaus ene gute halbe Stund nach'n Rumpes gepulvert -ham un da is'n die Geschicht zu langweilig worn, er hat sei -neis Jagdgewehr aus'n Gewehrschrank geholt, mit grobn Rehpostn -geladen un – von sein Fenster aus den Rumpes -draußen runtergewichst.«</p> - -<p>An der Tafelrunde lief ein Ellenbogenstoßen um, nur -der Leichsenring hat nichts davon verspürt und gerade der war -der Einzige, der die Geschichte glaubte.</p> - -<p>»Hei–ner–rich!!!« – Eine weibliche Stimme wars, -die den Ruf ausgestoßen hatte und der Korporal Richter -wars, der dieselbe erkannte, von seinem Sitz aufsprang und -hinauseilte. Draußen aber stand seine Gattin mit strahlendem -Gesicht und noch keuchend vom schnellen Lauf frug sie: »Is -denn wahr, daß du Keenig worden bist?«</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Iiiich?</em> – Keenig –? Ich hab doch gar nich mit -geschossn!«</p> - -<p>Da schlug die freudige Stimmung der Gattin ins Gegenteil -um und etwas spitzig frug sie: »Nu verwas hast'n -nachert den Schinken holn lassn?«</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Iiich?</em> ne Schinken? …?«</p> - -<p>In Richters Hirn begann sich ein Seifensieder zu formen, -der riesige Dimensionen annahm. Bang kam es von seinen -Lippen: »Wer hat ne denn geholt?«</p> - -<p>»Die zwee Schneiderseeln da drinne, itze steckn se ihre -Kepp zesamm un vischpern mitenander, der scheene Piefke un -der Windsheimer.« – Sie fing an zu weinen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_29">[29]</a></span></p> - -<p>»Warum heilst de denn?«</p> - -<p>»Dort of'n Tisch liegt'r unner guter Schinknknochn -rattnkahl abgezaust,« <span id="corr029">schluchzte</span> die untröstliche Gattin.</p> - -<p>»O diese – diese –« knirschte Richter und fand keinen -Ausdruck, der ihm kräftig genug schien. Aber seine Frau -examinierte ihn scharf: »Wieso ham denn die gewußt, daß -mir en Schinkn drheeme ham?« da wurde er kleinlaut und -bekannte, daß er den Schützenbrüdern selbst den Mund -wässerig gemacht habe, indem er den Schinken über den -Schellenkönig gelobt habe.</p> - -<p>Jetzt fand die Gattin das erlösende Wort: »Du Kamel! -Ich hab mirsch doch gedacht, daß du wieder emal der Dumme -warscht. –«</p> - -<p>»Un du de Gescheidte, daß de ne Schinkn hergeem hast. -Ich denk mir ham uns enander nischt vorzewerfn, aber ich -hab schon mein Plan: – – Der Stoff zu en Anzug, den -de mir ze Weihnachtn geem hast, der liegt doch noch in der -Kommod; von den lassn mir beim Piefke en Rock un beim -Windsheimer Hose und Weste machen. Alles übrige werd -sich findn.«</p> - -<p>Siegesbewußt erschien Richter wieder im Wachlokale.</p> - -<p>Schon lange hatte das Elfeglöckel die siebende Abendstunde -eingeläutet, leerer wurde es um die Vogelstange, von -der August Schuhmann in seinen Erinnerungsblättern von -1819 so schön schreibt, sie sei »die Drehspindel des Vergnügens« -und der Grundtext des Vergnügens sei: »Freuet euch -des Lebens«.</p> - -<p>Vor dem Saalbau stellten sich die Schützen zum Einzug -auf, mit der Front nach den Fenstern zu. – In Vertretung -des Hauptmanns kommandierte Leutnant Schreyer. Das -vorletzte Kommando sollte gegeben werden, doch ach, – auch -Schreyer hatte sich ein bischen zuviel des Lebens gefreut -und so geschah es, daß er in der Aufregung »links – um!« -kommandierte und nun waren die Nasen nach der entgegengesetzten -Seite gerichtet. Einige Schützen hatten aber doch -instinktiv die richtigere Rechtswendung gemacht und so standen -sich der dicke Höfer und der Fahnenträger Burkhardt Nase -gegen Nase gegenüber.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_30">[30]</a></span></p> - -<p>»Wu willst denn du hie mit deiner Fahne«, fragte -Höfer. »Ich waaß net, 's scheint nooch Wilbach nauswärts -gieh ze solln. Wu willst dä du hie, mit denn dickn Bauch?« -»Mit dan werd aham gerammelt un wenn ich eich alle iebern -Haufn schmeißn muß. Iech ho Hunger.«</p> - -<p>Da krähte eine helle, aber durchdringende Stimme aus -der Reihe der Schützen: »Rechts – um – kehrt!« und nun erst -konnte das Schlußkommando: »Vorwärts marsch!« erfolgen.</p> - -<p>Als die Schützenbeine den Takt zum Radetzkymarsch -stampften, da gab es außer dem Schulhausmann Wetzel noch -<em class="gesperrt">viele, sehr viele Wackelfritzen</em>.</p> - -<p>Am anderen Morgen stand die Falks Miene droben -beim Försterbeck im Laden und kaufte die gewohnten -»Pfengbrotle« ein. Der Försterbeck wollte eine Unterhaltung -mit ihr anbändeln. »Schies Watter ham se gehatt, de -Schitzn«, sagte er. Aber die sonst so redselige Miene schien -heute wortkarg zu sein, sie verhielt sich stumm. Da frug -Förster: »'s is'n doch gut bekumme, ne Gust?« worauf die -kurzangebundene Antwort kam: »Waaß net, der schleeft noch.«</p> - -<p>»Nu da lossn se ne när ornlich ausruhe vun sen -Strapazn«, meinte Förster und brachte damit die Miene -zum reden.</p> - -<p>»Wos? – Strapazn? – schiene Strapazn!« legte sie -los: »odr mit eich Mannsen kah mr do net drieber redn; -Max oder Alexander –« sie machte wendende Bewegungen -mit den Händen – »sis aaner wie dr Ander! Wenn ihr -ins Kutteln kummt, kennt'r ka Mooß un ka Ziel.«</p> - -<p>»Hahaha!« lachte Förster, »das kimmt ahm of Moses un -de Profetn ah.«</p> - -<p>Die Miene sah ihn verständnislos und mißtrauisch an, -dann spreißelte sie: »Dos mog nu sei wies will, odr dr -Kukuk waaß, wie dos bei dan Schitznbriedrn zugitt; en -halm Toler ho ich men Gust mietgaam, achtzn Neigrosch -hoot'r wiedr miet aham gebracht un en Mords Aff drzu.«</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung -der Ellipsen wurde vereinheitlicht.</p> - -<p>Korrekturen:</p> - -<div class="corr"> -<p> -S. 11: poltrte → polterte<br /> -ohgemorkst wür!« <a href="#corr011">polterte</a> Leichsenring</p> -<p> -S. 19: Dienste → Verdienste<br /> -dieser Anlagen wesentliche <a href="#corr019">Verdienste</a> erworben</p> -<p> -S. 21 Blätterteich → Blätterteig<br /> -schmalzgebackenen <a href="#corr021">Blätterteig</a>-, Sand- und Spritzkuchen</p> -<p> -S. 22: vor → vor dem<br /> -ausnahmsweise <a href="#corr022">vor dem</a> Schießhaus abhalten</p> -<p> -S. 29: schluchtzte → schluchzte<br /> -<a href="#corr029">schluchzte</a> die untröstliche Gattin</p> -</div></div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Schneeberger Schützenmittwoch vo - fünfizig Jahren, by Guido Meyer - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SCHNEEBERGER *** - -***** This file should be named 55352-h.htm or 55352-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/5/3/5/55352/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. 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Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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