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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Körperpflege durch Gymnastik - -Author: Paul Jaerschky - -Release Date: July 24, 2017 [EBook #55187] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KÖRPERPFLEGE DURCH GYMNASTIK *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - Kursiver Text im Originalwerke wird hier durch _Text_ dargestellt, - Antiqua Text durch ^Text^, gesperrter Text durch ~Text~, - unterstrichener Text durch #Text# und fett gedruckter Text durch - =Text=. - - Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende dieses Textes. - - - - - Verlagsbuchhandlung - - Ernst Heinrich Moritz in Stuttgart. - - #Wie urteilt die medizinische Presse über die Bibliothek der - Gesundheitspflege?# - - =Deutsche Ärztezeitung:= Es gibt wohl so manchen Arzt, der von seinen - Klienten um Angabe eines derartigen gedruckten Ratgebers angegangen - wird. Wir möchten unsere Leser in diesem Falle auf das vorliegende - Unternehmen aufmerksam machen. - - Es sind prächtige Büchlein, die ihren Zweck, hygienische Lehren und - hygienisches Leben ins Volk hineinzutragen in ganz ausgezeichneter - Weise erfüllen. ~Die Klarheit und Uebersichtlichkeit der Anordnung des - Stoffes, die Einfachheit und Verständlichkeit der Sprache, die - vorzüglichen Abbildungen, der~ =geradezu lächerlich billige Preis= und - =^last not least^ auch die Namen der Herren Autoren= ~bürgen dafür~. - -- Diese Bücher sind unsere besten Adjutanten im Kampfe gegen - Aberglauben und Kurpfuscherei aller Art! - - =Wiener medizinische Presse:= Autoren und Verleger der Bibliothek der - Gesundheitspflege verdienen uneingeschränktes Lob! - - =Der ärztliche Mitarbeiter der „Zeit”=, Herr ^Dr.^ =Steiner-Wien=: - „Ich halte es für eine Pflicht der Journalistik, das Publikum auf Ihr - gediegenes Unternehmen hinzuweisen”. - - =Bayer. ärztl. Korrespondenzblatt:= ... Die Empfehlung derartig guter - Bücher an weitere Kreise ist Pflicht des Arztes. - - =Württembergisches medizinisches Korrespondenzblatt:= Wir halten es - für eine Pflicht der medizinischen Presse, auf das Unternehmen - hinzuweisen, da gerade die Aerzte viel dazu beitragen können, - diejenigen Personen, für die die Bücher bestimmt sind, auf diese - Erscheinungen hinzuweisen. - - =Münchner medizinische Wochenschrift:= Die Bücher sind mit - ~wissenschaftlichem Ernst, allgemein verständlich~ und sehr - ansprechend geschrieben. Sie erfüllen ihren Zweck ganz vorzüglich, - unserem Volke die wichtigen Lehren der persönlichen Hygiene zugängig - zu machen und dasselbe dadurch vor Störungen der Gesundheit und des - Erwerbes zu bewahren. - - - Bibliothek der Gesundheitspflege - - herausgegeben von † Prof. Dr. =Hans Buchner=, Geheimrat Prof. Dr. =Max - Rubner=, Obermedizinalrat Dr. =F. Gussmann=. - - [Abbildung] - - 1. =Aufgaben, Zweck und Ziel der Gesundheitspflege= von =Geh. - Medizinalrat Prof. Dr. Orth=. Brosch. 80 Pfg. Eleg. geb. M. 1.--. - - 2. =Bakterien, Infektionskrankheiten und deren Bekämpfung= von =Hofrat - Prof. Dr. Schottelius=. 237 Seiten, 33 Abb., darunter 24 teils farbige - Kunstdrucke auf Tafeln. Brosch. M. 2.50. Eleg. geb. M. 3.--. - - 3. =Gesundheitspflege im täglichen Leben= von =Prof. Dr. Grawitz=. 154 - Seiten. Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--. - - 4. =Hygiene des Auges im gesunden und kranken Zustande= von =Dozent - Dr. v. Sicherer=. 130 Seiten mit vielen Abbildungen. Brosch. M. 1.20. - Geb. M. 1.50. - - 5. =Hygiene des Ohres im gesunden und kranken Zustande= von =Prof. Dr. - Haug=. 104 Seiten mit 3 Tafeln. Brosch. 80 Pfg. Eleg. geb. M. 1.--. - - 6. =Hygiene der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes im gesunden und - kranken Zustande= von =Dozent Dr. Neumayer=. 160 Seiten mit 3 Tafeln. - Brosch. M. 1.20. Geb. M. 1.50. - - 7. =Hygiene der Zähne und des Mundes im gesunden und kranken Zustande= - von =Prof. Dr. Port=. 94 Seiten mit 2 Tafeln und 6 Abbildungen. - Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--. - - 8. =Hygiene der Lunge im gesunden und kranken Zustande= von =Hofrat - Prof. Dr. v. Schrötter=. 140 Seiten mit 17 Originalabbildungen. - Brosch. M. 1.60. Geb. M. 2.--. - - 9. =Hygiene der Nerven und des Geistes im gesunden und kranken - Zustande= von =Prof. Dr. Forel=. 282 Seiten mit 6 Tafeln und 8 - Textabbild. Brosch. M. 2.50. Geb. M. 3.--. - - 10. =Hygiene des Magens, des Darms, der Leber und der Niere im - gesunden und kranken Zustande= von =Geh. Medizinalrat Prof. Dr. - Ewald=. 136 Seiten mit 6 Illustrationen. Brosch. M. 1.20. Geb. M. - 1.50. - - 10^a^. =Hygiene des Stoffwechsels im gesunden und kranken Zustande= - von =Prof. Dr. Dennig=. 90 Seiten. Brosch. M. 1.20. Geb. M. 1.50. -- - Das Buch behandelt: ~Fettsucht~, ~Gicht~, ~Zuckerkrankheit~, - ~Rachitis~, ~Knochenerweichung~ etc. - - 10^b^. =Hygiene des Blutes und der Blutgefässe im gesunden und kranken - Zustande= von =Medizinalrat Dr. Walz=. Erscheint 1905. - - 11. =Hygiene des Herzens im gesunden und kranken Zustande= von =Prof. - Dr. Eichhorst=. 94 Seiten mit Abbildungen. Brosch. M. 1.20. Geh. M. - 1.50. - - 12. =Hygiene der Haut, Haare und Nägel im gesunden und kranken - Zustande= von =Dozent Dr. Riecke=. 200 Seiten. Mit 17 Originalabbild. - Brosch. M. 1.60. Geb. M. 2.--. - - 13. =Hygiene des Geschlechtslebens= von =Hofrat Prof. Dr. Gruber=. Mit - 2 farbigen Tafeln. Brosch. M. 1.20. Geb. M. 1.50. - - 14. =Entstehung und Verhütung der menschlichen Missgestalt= von =Prof. - Dr. Lange= und =Dozent Dr. Trumpp=. 120 Seiten mit 125 Abbildungen. - Brosch. M. 1.60. Geb. M. 2.--. - - 15. =Säuglingspflege und allgem. Kinderpflege= v. =Dozent Dr. Trumpp=. - 119 S. mit 5 Abb. Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--. - - 15^a^. =Körper- u. Geistespflege im schulpflichtigen Alter= von - =Dozent Dr. Trumpp=. 149 S. Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--. - - 16. =Entstehung u. Verhütung von Krankheiten vor, während u. nach dem - Wochenbett= von =Dozent Dr. Schaeffer=. 122 S. mit 8 Abb. Brosch. 80 - Pfg. Geb. M. 1.--. - - 16^a^. =Ursachen u. Verhütung von Frauenkrankheiten= von =Dozent Dr. - Schaeffer=. 94 Seiten mit 21 Abbildungen. Brosch. M. 1.20. Eleg. geb. - M. 1.50. - - 17. =Körperpflege durch Gymnastik, Licht u. Luft= von =Dr. Jaerschky=. - 138 S. m. 42 Ill., darunt. 16 ganzseit. farb. Kunstdr. Brosch. M. - 1.60. El. geb. M. 2.--, mit Übungstaf. (80 Pf. apart). - - 18. =Körperpflege durch Wasseranwendung= von =Prof. Dr. Rieder=. 202 - Seiten mit 8 Tafeln und 20 Textabbildungen. Brosch. M. 1.60. Eleg. - geb. M. 2.--. - - 19. =Hygiene der Kleidung= von =Generaloberarzt Prof. Dr. Jaeger=. Mit - vielen Abbildungen. Erscheint 1905. - - 20. =Unsere Nahrungsmittel und die Ernährung= von =Geh. Medizinalrat - Prof. Dr. Rubner=. 116 Seiten mit vielen Tabellen. Brosch. M. 1.20. - Eleg. geb. M. 1.50. - - - - - Körperpflege - durch - Gymnastik, Licht und Luft - - von - - Dr. med. Paul Jaerschky - Berlin. - - Mit 42 Abbildungen. - - [Abbildung] - - Stuttgart - Ernst Heinrich Moritz. - 1905. - - -Alle Rechte, einschließlich des Uebersetzungsrechts vorbehalten. - -Druck von Carl Schnabel in Ludwigsburg. - - -[Abbildung: IL DORIFORO DI POLICLESO - -~Motto~: Als vollkommenster Mann der Schöpfung gilt mir einer, der mit -derselben Hand die Iphigenie schreibt und bei den olympischen Spielen -sich die Siegerkrone aufs Haupt setzt. - - ~Euripides~.] - - - - -Inhalts-Verzeichnis. - - - Seite - - Einleitung. 7 - - - I. Teil: Wert der Leibesübung für die einzelnen Körperorgane und - für den gesamten Organismus: - 1. Wirkung der Leibesübung auf die ~Muskeln~ 9 - 2. Wirkung der Leibesübung auf die ~Knochen~ 14 - 3. Wirkung der Leibesübung auf ~Blut~- und ~Lymphgefäßsystem~ 20 - 4. Wirkung der Leibesübung auf die ~Atmungsorgane~ 30 - 5. Wirkung der Leibesübung auf das ~Nervensystem~ 45 - 6. Wirkung der Leibesübung auf den ~Verdauungsapparat~ 52 - 7. Wirkung der Leibesübung auf den den ~Geschlechtsapparat~ 52 - 8. Wirkung der Leibesübung auf den ~Stoffwechsel~ und die ~ - Wärmeregulation~ 53 - 9. Wirkung der Leibesübung auf die ~Sinnesorgane~ 56 - - II. Teil: Wert einiger besonderer Arten der Bewegung: - (Passiv-, Aktiv-, Widerstands-, Selbsthemmungs- und - Förderungs-Bewegung) 61 - - III. Teil: Wert der Sportübungen, des Turnens, von Spiel und Tanz: - 1. ~Der Sport~ 66 - ^a^) Das ~Reiten~ 68 - ^b^) Das ~Radfahren~ 69 - ^c^) Das ~Rudern~ und ~Segeln~ 72 - ^d^) Das ~Schwimmen~ 73 - ^e^) Das ~Gehen in der Ebene~ und das ~Bergsteigen~ 73 - ^f^) Das ~Schlittschuh~- und ~Schneeschuh-Laufen~ 74 - ^g^) Das ~Fechten~, ~Boxen~ und ~Ringen~ 75 - 2. ~Turnen~ und ~Turnspiele~ 76 - 3. ~Der Tanz~ 80 - - IV. Teil: Körperpflege in den verschiedenen Altersstufen 82 - - V. Teil: Körperpflege durch Licht und Luft: - 1. ~Physikalische Eigenschaften des Lichtes~; ~Einfluß auf - Pflanzen~, ~Bakterien~ und den ~tierischen Organismus~ 84 - 2. ~Einfluß des Lichtes auf den gesunden Menschen~ 87 - 3. ~Einfluß des Lichtes auf den kranken Menschen~ 90 - ^a^) Das Sonnenbad 91 - ^b^) Das elektrische Lichtbad 92 - ^c^) Das konzentrierte Sonnen- und elektrische Licht 98 - ^d^) Das farbige Licht 102 - ^e^) Röntgen- und Becquerelstrahlen 102 - ^f^) Blondlot-Strahlen 104 - 4. ~Die Luft in Beziehung zum menschlichen Körper~ 105 - 5. ~Die Arbeitsleistung der menschlichen Haut~ 109 - 6. ~Beeinträchtigung der Arbeitsleistung des Hautorgans - durch die Kleidung~ 111 - 7. ~Welchen Nutzen hat der kranke Mensch vom Luftbade~? 116 - 8. ~Das Licht-Luftbad, eine hygienische, soziale und - ästhetische Forderung~ 121 - 9. ~Die Praxis des Nacktturnens~ 125 - ^a^) Die Notwendigkeit des Nacktturnens 125 - ^b^) Die Hilfsmittel des Nacktturnens: Massage, - Wasseranwendungen 126 - ^c^) Die hygienische Regelung des ganzen Lebenshaushaltes 127 - ^d^) Lichtluftbadregeln 129 - ^e^) Die Aufstellung eines individuellen Bewegungssystems 131 - - Anhang: - - 1 ~Uebungstafel und Ausführungsanweisung~ - - 3 ~Uebungstabellen~ für ~Kinder~, ~Frauen~ und ~Mädchen~, - ~Jünglinge~ und ~Männer~. - - =Diese Uebungstafel mit 24 Figuren und dem dazu gehörigen Texte ist - incl. der drei Uebungstabellen für Kinder, Mädchen und Frauen, - Jünglinge und Männer= für 80 Pfg. zu beziehen. Dieselben sind vom - Buchbinder aufzuziehen und an die Wand zu hängen. - - - - -Einleitung. - - -Körperpflege wird heutzutage in verschiedenster Weise betrieben, da man -zur Erkenntnis gekommen ist, daß in unserer schnell lebenden Zeit bei -dem gesteigerten Verbrauch an Körper- und Geisteskräften dieselbe -dringend benötigt wird. Als Hauptmittel wird dazu das ~Wasser~ in seinen -verschiedensten Formen gebraucht. Ohne den Nutzen des Wassermittels zu -verkennen und ohne seinen hohen Wert schmälern zu wollen, glaube ich -doch, daß man demselben häufig einen zu weiten Raum einräumt. Daß dies -so ist, kommt jedoch nur daher, daß man die ursprünglichen und -natürlichen Pflegemittel des Körpers zu wenig kennt und deshalb zu wenig -bewertet. - -~Wir Menschen sind Geschöpfe, die nicht wie die Fische und andere -Wassertiere im Wasser, sondern vielmehr in ihrem natürlichen Element, in -dem Licht-Luftmeer schwimmen und sich bewegen sollen~. Wir haben jedoch -den richtigen Gebrauch des Lichtluftmittels verlernt. Durch unsere -Kultur sind wir mehr und mehr dazu gekommen, daß wir den ganzen Körper -und jeden Teil desselben noch im besonderen möglichst schützen vor der -Luft durch Kleidung, Schuhe, Schirme, Tücher u. s. w. - -Ist es da zu verwundern, daß dasselbe Luftmittel, das unseren Körper so -unendlich viel Segen bei richtiger Ausnützung bringen könnte, uns -verderblich wird, sobald wir mit demselben unfreiwillig und überraschend -in Verbindung gebracht werden? - -Es ist für den Menschen gut, daß er nicht nur die Vorteile, welche die -Kultur bringt, sondern auch deren Nachteile kennen und dadurch dieselben -vermeiden lernt. - -Deshalb muß die heutige Menschheit, um nicht durch die Bekleidungskultur -zu sehr zu leiden, lernen, wie sie sich ~im Rahmen der heutigen Kultur~ -den Nutzen der Bewegung im großen Licht-Luftmeer zu eigen machen kann. - -Die natürlichsten Mittel zur Körperpflege sind erstens die ~Bewegung, -welche dem individuellen Kraftzustand des Menschen entspricht, -und zweitens das Licht und die Luft in den verschiedensten -Wetterkombinationen~. - -Bewegung im nackten Zustand, oder mit dem Worte griechischen Ursprungs -„~Gymnastik~” (von γυμνος = nackt) bezeichnet, ist das beste Zuchtmittel -des Körpers. - -Die alten Griechen haben ihren Körper und Geist nicht zufällig, sondern -ganz bewußt nackt geschult; nicht anders liegen die Verhältnisse bei -unseren germanischen Vorfahren. - -Den Beweis zu erbringen, daß das ~Nacktturnen~ die ~beste Körperpflege~ -ist, und das System des Nacktturnens so zu erläutern, daß es jeder -Mensch, ob Männlein ob Weiblein, ob Kind oder Erwachsener, richtig und -bequem zu gebrauchen weiß, ist der Zweck aller folgenden -Auseinandersetzungen. - -Wenn mein Schriftlein dies erreicht und die Menschen zur persönlichen -Kultur anregt, so wird der Wunsch, den Se. Majestät der deutsche Kaiser -auf der Schulkonferenz 1890 aussprach: „~Wir wollen eine kräftige -Generation~”, erfüllt und das deutsche Volk durch vernünftige -Selbstzucht von einem Kultursieg zum anderen schreiten. - - - - -I. Teil. - -Wert der Leibesübung für die einzelnen Körper-Organe und für den -gesamten Organismus. - - -Wer den Körper bewegen will, um denselben zu pflegen, muß den Wert -dieser Uebungsbewegungen kennen; nur dann wird er die Leibesübung -~individuell~ verstehen und gebrauchen. - - -1. Wirkung der Leibesübung auf die Muskeln. - -Wir wissen, daß ein Muskel, den wir durch einen Verband bewegungslos -machen, an Muskelfleisch verliert; wir wissen ferner, daß, wenn wir eine -Muskelgruppe besonders stark gebrauchen, dieselbe an Muskelsubstanz -zunimmt z. B. die Wadenmuskulatur des Bergsteigers, die Oberarme der -Schmiede, die Vorderarmmuskulatur der Klavierspieler. - -~Dieser Dickenzunahme entspricht die höchste Einzelleistung der -Muskeln~, die durch ~Uebung~ erreicht wird. Gleichzeitig wird aber durch -Uebung eine gewisse Unermüdlichkeit der Muskeln erzielt. Fixiert man z. -B. den Oberarm und läßt nun den Vorderarm Gewichte heben und notiert die -Hubhöhen auf einem rotierenden Zylinder, so findet man, daß die -Höchstleistung nur kurze Zeit geleistet werden kann; damit nun die -Hubhöhe gleich groß bleibt, muß die Belastung stetig vermindert werden, -bis schließlich die kleinste Belastung erreicht wird, bei welcher die -Muskeln stundenlang in demselben Tempo fortarbeiten können. Dieser -~Unermüdbarkeitswert~ wächst durch Uebung ebenso stark wie der Wert der -höchsten Einzelleistung. Und zwar steigt die Tagesleistung (in -Kilogrammeter[1]) ausgedrückt auf das 2½fache. Muskelreize bringen den -Muskel in Tätigkeit; sie wirken wie der Funke, der die im Schießpulver -enthaltenen Spannkräfte zur Explosion frei macht. Oder wie der -Lichtreiz, der unter Explosion, Chlor und Wasserstoff zu Chlorknallgas -vereinigt. Der ~normale physiologische Reiz~, der im täglichen Leben -unsere Bewegungen veranlaßt, ist der ~Willensreiz~. Auch dieser wird -durch Uebung größer, deshalb muß auch die Aeußerung des geübten Willens -eine mächtigere und ausdauerndere sein. In gleicher Weise erzeugen -mechanische, chemische, thermische, elektrische und physiologische Reize -aus den chemischen Spannkräften des Muskels ~Wärme und Arbeit~, d. h. er -verwandelt chemische in physikalische Kräfte. Dabei verändert der Muskel -seine Gestalt, er wird ~kürzer~ und ~dicker~ und zwar desto mehr, je -stärker der wirkende Reiz ist. Entsprechend dem lebhafteren Stoffwechsel -sind die ~Blutgefäße etwas erweitert~. Man darf sich das Festerwerden -des Muskels nicht etwa so vorstellen, als ob er durch Zusammenziehung -den Inhalt seiner Blutgefäße wie einen Schwamm auspreßt. Denn der Muskel -besteht ja zu ¾ aus Wasser, einer Flüssigkeit, die fast gar nicht -zusammengedrückt werden kann. ~Die Gestaltsveränderung der Muskeln ist -aber nicht nur eine augenblickliche, sondern zeigt sich bei dauernder -Uebung in der Muskelmodellierung~, d. h. in der dauernden Dickenzunahme -des Muskelfleisches und in dem Sichtbarwerden der einzelnen -Muskelabschnitte, ihrer Ursprungs- und Ansatzpunkte. - - [1] Kilogrammeter ist dasjenige Maß der Arbeit, welches angibt, daß - ein Kilogramm ein Meter hoch gehoben wird. - -Wichtig ist auch die ~Elastizitätseigenschaft~ der Muskeln; denn da -dieselben in etwas gedehntem Zustande am Skelett befestigt sind, so -suchen sie vermöge ihrer Elastizität zum natürlichen Zustande -zurückzukehren, pressen also die Gelenkenden mit einer gewissen Kraft -zusammen, ~verleihen demnach den Gelenken ihre Festigkeit~ und haben -dadurch die Fähigkeit einander entgegenzuwirken. - -~Je stärker ein Muskel vor seiner Tätigkeit gedehnt wird, um so mehr -Kraft entwickelt er~. - -Wollen wir demnach kräftige Bewegungen ausführen, so müssen wir zu -denselben ausholen. Wir dehnen zuvor den großen Brustmuskel, indem wir -den Arm etwas nach hinten nehmen, wenn wir den ~Wurf~ mächtig gestalten -wollen. Soll die Wurfbewegung zart und abgemessen sein, so brauchen wir -die der Zusammenziehung vorangehende Vorbereitung der Muskeldehnung -nicht. - -Ein ~Springer~ kann, sofern er wirksam springen soll, nicht aus dem -Stande springen, denn der das Körpergewicht emporfedernde große -Streckmuskel des Oberschenkels ist bei gestreckter Haltung des -Standsprunges zusammengezogen. Um ihn zu dehnen, macht man zuvor die -Kniebeuge. - -Je härter die Speise ist, die man zu ~beißen~ hat, desto weiter schiebt -man sie nach hinten zwischen die Backenzähne um die Kaumuskeln zu dehnen -und ihre Tätigkeit wirksamer zu gestalten. Um eine weiche Nahrung zu -bearbeiten braucht man die Schneidezähne, so daß man den Mund kaum -öffnen und die Kaumuskeln nur wenig zu dehnen braucht. - -Daraus folgt, daß man bei vernünftiger Leibesschulung die Muskeln zur -Erzielung von Höchst-Leistungen so erziehen muß, daß sie mit -Leichtigkeit die volle Dehnungsweite ausnutzen können, man aber auch da, -wo es auf die größte Entfaltung von Kraft nicht ankommt, vielleicht zum -Zwecke einer Dauer- oder Schnelligkeitsleistung sich durch Einschränkung -der Dehnungsweite Reservekraft erhält. Auch das „Federn” des Körpers, -das er beim Sprung aus größerer Höhe gebraucht, ist nur bei einer -bestimmten Muskelelastizität denkbar. - -Alle Bewegungen, die wir für gewöhnlich ausführen, sind ~anhaltende -Zusammenziehungen~. - -Eine ununterbrochene Arbeit können die Muskeln indeß nicht leisten, weil -sie ~ermüden~. Diese Ermüdung äußert sich zunächst in einem Gefühl der -Schwäche, welches sich allmählig zum Schmerzgefühl steigert; das Gesicht -wird rot, Schweiß bricht aus und es treten Mitbewegungen auf, bis -schließlich trotz größter Willensanstrengung die Muskeln vollkommen -arbeitsunfähig werden und den Dienst versagen. Noch mehrere Tage nach -einer derartigen Muskelleistung kann der Muskel schmerzhafte -Nachempfindungen äußern, wie wir sie bei dem sogenannten „~Turnfieber~” -beobachten. Ein durchgeübter, d. h. trainierter Muskel dagegen zeigt -solche Uebermüdungserscheinungen nicht mehr. - -Bekanntlich ist auch der ruhende Muskel im steten ~Stoffwechsel~ -begriffen. Er entnimmt dem Nahrungssafte des zuströmenden Blutes, um dem -Körper die nötige Wärme und Kraft zu übermitteln, Nährsubstanzen und -Sauerstoff und gibt Kohlensäure ab. Und zwar nimmt er mehr Sauerstoff -auf, als er Kohlensäure abgibt; ~wir haben also im Muskel einen -Sauerstoffspeicher~. Aber dieser Sauerstoffumsatz ist beim ~tätigen~ -Muskel ein wesentlich höherer; denn der Sauerstoffverbrauch und die -Kohlensäureabgabe sind bis zum fünffachen gesteigert. Dabei ist, wie -bekannte Forscher gezeigt haben, der Sauerstoffgehalt des Körperblutes -der Schlagadern noch größer und der Kohlensäuregehalt desselben noch -kleiner als beim ~untätigen~ Muskel. - -Der Muskel hat also trotz des erhöhten Sauerstoffverbrauches durch -seine Tätigkeit noch mehr Sauerstoff aufgespeichert als im Ruhezustande. -Diese Vergrößerung des Sauerstoffspeichers erreicht der Muskel dadurch, -daß er durch Erweiterung seiner Blutgefäße das Blutreservoir so stark -vergrößert, daß eine 3-5mal so große Blutmenge den Muskel durchströmt, -ferner dadurch, daß mit zunehmender Muskeltätigkeit auch die Atmung -vertieft und beschleunigt wird, so daß durch die Lungen während der -Arbeit bis zum 4-5fachen mehr Sauerstoff aufgenommen wird als in der -Ruhe. - -~Aber nicht nur die Aufnahme und Verarbeitung der wichtigsten -Lebensspeise, nämlich des Sauerstoffs werden durch die Muskeltätigkeit -erhöht, sondern auch alle übrigen Muskelbestandteile~. - -So nimmt die Menge der im Wasser löslichen Muskelstoffe durch Tätigkeit -ab, während die Menge der im Alkohol löslichen zunimmt; ferner ändert -der Muskel durch Tätigkeit seine chemische Reaktion, denn die neutrale -Reaktion des ruhenden Muskels wird beim tätigen durch Bildung ~von -Fleischmilchsäure sauer~. - -Durch Muskeltätigkeit wird nämlich der Körper- und Muskel-Süßstoff -verbraucht, indem derselbe erst in Zucker und dann in Milchsäure -verbrannt wird. Als stoffliche Ursachen der Ermüdung des Muskels haben -wir bisher folgende Endprodukte des chemischen Umsatzes kennen gelernt: - -1. Die Vermehrung der Kohlensäure, von der wir wissen, daß sie, wenn sie -sich im Blute übermäßig anhäuft, zum giftigen Gase wird; - -2. Die Fleischmilchsäure. - -Es sprechen jedoch für den Akt der Ermüdung resp. Erschöpfung der -Muskeln noch andere Dinge mit, die Alex. Haig zuerst wissenschaftlich -nachgewiesen hat. - -Dieser Forscher wies nach, daß, wenn die dem Körper mit der Nahrung -zugeführten Eiweißstoffe ungenügend im Körper verbrannt werden, das Blut -und Gewebe des Körpers mit Harnsäure belastet werden. Harnsäure ist aber -ebenso wie Xanthin, Kreatinin etc. ein nur teilweise verbrannter -Eiweißstoff. - -Diese Harnsäure verstopft, wahrscheinlich wie ein Klebestoff, die -Blutgefäße kleinsten Kalibers, und verhindert dadurch erstens das -schnelle Heranbringen des im Blute zirkulierenden Eiweißes an die -Gewebe, zweitens die Auslaugung der Stoffwechselprodukte aus denselben. - -Zur Erzeugung von Kraft und Ausdauer ist es daher notwendig, das Blut -freizuhalten von Harnsäure und den ihr physiologisch gleichwertigen -Xanthinkörpern. Denn ihre Anwesenheit bedingt, wie wir gesehen haben, -eine Behinderung des Blut-Kreislaufs und eine Anhäufung von -Stoffwechselprodukten in den Geweben. - -Demnach sind als bisherige Ursachen mangelnder Leistungsfähigkeit -nachgewiesen: - -1. Die Anhäufung von Kohlensäure, - -2. die Anhäufung von Fleischmilchsäure, - -3. die Anhäufung von Harnsäure und physiologisch gleichgearteten -Xanthinkörpern im Blute, - -4. Mangel an Eiweiß im Blute. - -Ein gesundheitlicher Training wird daher die genannten -Erschöpfungsstoffe möglichst schnell entfernen müssen. In welcher Weise -er dies am besten erreicht, werden wir später sehen. - - -2. Wirkung der Leibesübung auf die Knochen. - -In der Jugend sind bekanntlich die Gelenkbänder weich, dehnbar und -elastisch, eine Eigenschaft, die sie mit zunehmendem Alter mehr und mehr -verlieren. Durch fortgesetzte Uebungen behalten sie jedoch in mehr oder -weniger hohem Grade ihre ~jugendlichen Eigenschaften~, ja ihre -Elastizität wächst, so daß sie eine große Widerstandskraft gegen Zug -erhalten. Die Produktionen der sogenannten ~Schlangenmenschen~ beweisen, -eine wie hohe Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit die Bandmassen bei einem -frühzeitig begonnenen Training bekommen können. Ein unbewegtes Gelenk -dagegen wird steif, die Gelenkkapsel schrumpft. - -Aber auch die ~Architektur des Knochens~ selbst wird nicht unwesentlich -beeinflußt. - -~Julius Wolf~ hat durch seine Untersuchungen nachgewiesen, daß die -Knochen ein ~Anpassungsvermögen~ gegenüber den Zug- und Druckkräften der -Muskeln besitzen, welches dem Gesetz unterworfen ist, ~mit möglichst -wenig Knochenmaterial eine möglichst große Festigkeit gegenüber den -einwirkenden Kräften zu erreichen~. - -Daher werden die Knochen muskelstarker Menschen nicht nur dicker und -fester, sondern werden besser entwickelt an den Befestigungsorten der -Muskeln. Man vergleiche nur die glatten Knochen der Kinder und Frauen -mit den starken Rauhigkeiten und Knochenleisten kräftiger Männer. - -Sehr deutlich ist der Einfluß vernünftiger Leibesübung auf das -~Rumpfskelett~. - -Ich erinnere an den sogenannten ~flachen Rücken~, (Fig. 1), wie wir ihn -bei kleinen Kindern finden, die zu früh sitzen, bevor noch die -Wirbelsäule die nötige Festigkeit erreicht hat, oder an die flachen -Rücken der Schneider, als Berufsschädlichkeit, oder an diejenigen -flachen Rücken, welche nach ~Hoffa~ dadurch entstehen, daß die -Muskelenergie zu minimal ist, so daß das Becken in aufrechter Stellung -nicht aufgerichtet werden kann. Wie augenscheinlich ist hierbei die -Wirkung eines vernünftigen Trainings in Form der Hang-, Gleichgewichts-, -Geh- und Laufübungen. - -Wie zauberhaft wirken ferner beim sogenannten ~hohlrunden Rücken~ (Fig. -2), bei welchem der etwas vorgewölbte Bauch und die starke -Lendeneinsattlung sofort ins Auge springen, die tiefen Rumpfbeugen nach -vorn! - -Betrachten wir ferner ~den runden Rücken~ (Fig. 3) ~der Jugend~, wie er -sich ausbildet, nicht nur infolge von Muskelschwäche der -Rückenmuskulatur, sondern noch vielmehr durch Willensschwäche, wie er -weiter ausgebildet wird durch vieles Sitzen über den kleingedruckten -Schulbüchern, namentlich bei Kurzsichtigen. - -[Abbildung: Fig. 1. Flacher Rücken (schematisch). - -Fig. 2. Hohlrunder Rücken (schematisch). - -Fig. 3. Runder Rücken (schematisch).] - -Auch hier sehen wir wiederum die wirksame Bekämpfung durch -~Gleichgewichtsübungen~, durch Uebungen auf der Schwebekante, -Balanzieren von Gegenständen auf dem Kopfe, durch Straffgang, durch den -langsamen Schritt in militärischer Haltung, durch Rumpfdrehen, -Rumpfstrecken, durch Hang- und Schwimmübungen. Nicht wenig trägt zur -Erreichung einer normalen Haltung die moralische Uebung der -Leibesübungen bei, denn mit steigendem Kraftgefühl wächst auch die -Freude an straffem Wesen und das Schönheitsgefühl, das nur eine gerade -Haltung als schicklich und schön anerkennt (Fig. 4). - -[Abbildung: Tafel I. - -Fig. 4. Balancieren auf dem Schwebebaum. (Gleichgewichtsübung)] - -Nicht wesentlich anders liegen die Verhältnisse beim ~runden -Arbeitsrücken~, oder beim runden Rücken schnell fahrender Radler oder -beim runden Greisenrücken. - -Und was ich von dem flachen und runden Rücken gesagt habe, gilt -ebenfalls für die ~seitlichen~ Verkrümmungen, auf deren mannigfache -Ursachen ich nicht weiter eingehen will (Fig. 5). Auch hier bewähren -sich die Leibesübungen, jedoch muß dabei bemerkt werden, daß beim -sportlichen Training leider allzusehr die gesundheitliche Forderung -einer guten Haltung, wie wir sie beim militärischen Training finden, -vernachlässigt wird. - -[Abbildung: Fig. 5. Seitliche Verkrümmung der kindlichen Wirbelsäule -durch fehlerhaftes Tragen desselben.] - -Nicht minder sichtbar ist der gesundheitliche Einfluß der Leibesübung -bei den verschiedenen krankhaften Brustkorbveränderungen. Die ~schmale~ -Brust, der ~faßförmige~ Brustkorb, der gleichsam in der tiefen -Einatmungsstellung erstarrt ist, der ~lahme Brustkorb~ Schwindsüchtiger, -der in tiefster Ausatmungsstellung verharrt, weil die Muskulatur zu -schwach zur Rippenhebung ist, die rhachitische[2] Hühnerbrust, die -Trichter-, oder Schuster-, oder Töpferbrust und die Schnürbrust sind -sämtlich Abweichungen, die durch Leibesübungen zu bessern sind. - - [2] Rhachitische Verkrümmungen der Knochen sind die durch englische - Krankheit (Rhachitis) entstandenen. - -[Abbildung: Fig. 6. Faßförmiger Brustkorb (schematisch.)] - -Vielfache Untersuchungen, die an Soldaten vorgenommen wurden, beweisen -übereinstimmend, daß durch die ~militärische Ausbildung~ der Brustumfang -von 2-5 ^cm^ zunahm. Der Brustspielraum hatte also bedeutend -zugenommen, ebenso seine Beweglichkeit, ein Beweis des gesundheitlichen -militärischen, gegenüber dem einseitigen und dadurch nicht -gesundheitlichen Training von Berufsathleten, bei welchen man mehrfach -einen durch die Pressung bei schwerer Gewichtsathletik hervorgerufene -Beeinträchtigung des Brustspielraums fand, z. B. bei dem berühmten ~Karl -Abs~ von 2,50 ^cm^, beim Athleten ~Sutz~ nur 1,75 ^cm^. - -[Abbildung: Fig. 7. Der langausgezogene schmale Brustkorb -eines Schwindsüchtigen mit den tiefen Nischen der Ober- und -Unterschlüsselbeingrube und den eingezogenen Zwischenrippenräumen -(schematisch.)] - -Daraus folgt die gesundheitliche Ueberlegenheit des militärischen und -turnerischen Training durch Dauer- und Schnelligkeitsübungen, wie -Marschieren, Laufen, Schwimmen gegenüber den forcierten Kraftübungen der -Berufsathleten. - -Der Training zeigt seine gesundheitliche Wirkung aber nicht nur auf die -direkt tätigen, sondern auch auf die übrigen Organe. - - -3. Wirkung der Leibesübung auf Blut- und Lymphgefäßsystem. - -Von immenser Bedeutung ist die Beeinflussung des Blut- und -Lymphgefäßsystems durch das Training. - -Das ~Herz~ zieht sich bekanntlich in einer Minute 72mal zusammen und -leistet damit eine Arbeit von 52½ ^kgm^. Beim ~ruhigen Gehen~ steigt -die Pulszahl auf 80, die Arbeitsleistung wird damit erhöht auf 58,3 -^kgm^. - -Beim ~schnellen Gehen~ ist die Pulszahl 100, was einer Arbeitsleistung -von ca. 73 ^kgm^ entspricht. Bei größten Muskelanstrengungen steigt die -Pulszahl auf 200 bis 240, beim angestrengten ~Radfahren~ auf -150-200-250; ähnlich liegen die Verhältnisse beim ~Rudern~. - -Mit Aufhören der Muskeltätigkeit kehrt die Herztätigkeit noch nicht zur -Norm zurück; das Herz wird also länger angestrengt, und dieses Verhalten -des Herzens ist um so deutlicher, je länger die Muskeltätigkeit dauert. -Die Beschleunigung der Herztätigkeit ist noch 5-15 Minuten nach getaner -Arbeit deutlich, ja sie wurde von ~Mosso~ noch 2 Stunden nach einem -Bergaufstieg nachgewiesen. Dabei bleibt bei einem gesunden Menschen die -Herzarbeit eine regelmäßige. Nur das kranke Herz beginnt seine Tätigkeit -auszusetzen. Läßt man das erregte Herz zur Ruhe kommen und nach der -Erholung weitere Uebungen anstellen, so wird die gleiche -Pulsbeschleunigung wie beim ersten Arbeitspensum erreicht, jedoch -dauert die Nacherregung bedeutend länger. Doch nicht nur die Zahl der -Pulsschläge, sondern auch der ~Blutdruck~ wird beeinflußt, und zwar -steigert jede Muskeltätigkeit den Blutdruck, diese Steigerung wird -unterbrochen von geringen Blutdrucksenkungen, dauert im wesentlichen nur -während der Arbeitszeit, hängt im wesentlichen von dem ~Tempo~ der -Arbeit, von der ~Größe der Arbeit~ im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit -der arbeitenden Muskelmotoren, und von derem ~Trainiertsein~ ab. Das -Herz wird durch Muskelübungen in den Stand gesetzt, sich energischer und -kraftvoller zusammenzuziehen. Die Blutdruckschwankungen nach der Arbeit -sind stets wesentlich geringer als während der Arbeit. Die Herzarbeit -ist also in sehr hohem Maße von Muskeltätigkeit abhängig. - -Aehnlich wie Muskelarbeit wirkt auch ~Trinken~. Durch Trinken wird -nämlich die Blutmenge größer, damit steigt der Blutdruck, der zwar bald -durch ein vermehrte Harnlassen und Schwitzen ausgeglichen wird, aber -doch vorübergehend die Herzarbeit vermehrt. Der Einfluß des Trinkens ist -jedoch weniger groß, als der der Muskelarbeit, weil das Blutgefäßsystem -sich der stärkeren Füllung durch Erweiterung und Verengerung anpaßt. Am -meisten wird Pulsfrequenz und Blutdruck durch beide Momente gleichzeitig -gesteigert. Daraus ergibt sich die praktische Regel, ~daß Trinken -während der Leibesübung unterbleiben muß~. Der Einfluß eines -vernünftigen Training auf das Herz geht aus der Tatsache hervor, daß -unter Beobachtung gewisser Regeln bei einem bestimmten Maß ~täglicher -Uebung~ in der Ruhezeit die Pulszahl unter die Norm fällt, also im -~Ganzen ruhiger, aber dabei energischer arbeiten lernt~. Wichtig wird -die Blutverteilung im Körper für die Auswahl der ~Zeit des Training~. - -~Chauveau~ und ~Kaufmann~ wiesen nach, daß der Stoffverbrauch im maximal -arbeitenden Muskel 20mal und die durchströmende Blutmenge 7-10mal größer -ist als in der Ruhe. Dieser Vorgang ist nur dadurch möglich, daß die -kleinsten Zweige der Schlagadern sich erweitern. Und zwar geschieht die -Erweiterung unter dem Einfluß der Gefäßnerven, denen die Antriebe zur -Erweiterung gleichzeitig und beigeordnet mit den Bewegungsantrieben für -die Muskeln vom Zentrum aus zugehen und zweitens durch Reflexwirkung, -indem durch die Muskeltätigkeit eine örtliche Dyspnoe (Atemnot) und -damit eine Aufspeicherung von Stoffwechselprodukten erzeugt wird. Die -örtliche ~Erweiterung der Blutgefäße~ in den tätigen Muskeln wird aber -durch eine ~Verengerung in anderen Gefäßgebieten abgeglichen~, da ja die -Blutmenge im wesentlichen die gleiche (4-5 Liter) bleibt. In erster -Linie nehmen an der Verengerung die großen Bauchgefäße teil, welche für -gewöhnlich große Blutmengen beherbergen. „Die Bauchgefäße stellen eine -seenartige Erweiterung des Strombettes dar, dessen Blutvorrat durch -Kontraktion jederzeit disponibel wird,” sagt ~Zuntz~. Aus diesem Blutsee -schöpfen die Blutgefäße der Muskeln durch Vermittlung des rechten -Herzens, wenn sie durch höchste Arbeit sich und damit die ganze -Muskelbahn erweitern. Eine Verblutung in die Muskelgefäße, wie man sie -gelegentlich annahm, kann deshalb, solang dieser Blutsee vorhanden ist, -nicht statthaben. Während der Verdauung ist dieses Gefäßreservoir -~stark~ angefüllt, Muskel und Gehirn dagegen ~relativ~ blutleer; daher -bestehen in der Verdauungszeit Muskelmüdigkeit und Unlust zu geistiger -Tätigkeit. Wird trotzdem in der Verdauungszeit stärkere Muskelarbeit -geleistet, so wird naturgemäß die Verdauung verzögert, ~deshalb sind -Muskelübungen während der Verdauung unzuträglich~. - -Wie das Herz wird auch das übrige ~Gefäßsystem~ durch Muskelarbeit -beeinflußt. - -Die ~Arterien~wände sind normaler Weise elastisch und können dadurch -~Blutverteilung~ und ~Blutdruck~ regulieren. Büßen sie aus irgend einem -Grunde ihre Elastizität mehr oder weniger ein, wie dies bei alten Leuten -oder bei Arteriosklerotikern (Arteriosklerotiker ist derjenige Mensch, -dessen Gefäßwände mehr oder weniger verkalkt, deshalb starr und -unelastisch sind) der Fall ist, so verlieren sie auch ihre -Regulationsfähigkeit, sie können sich demnach auch nur ungenügend dem -durch Leibesübungen gesteigerten Drucke anpassen. Deshalb sind für Leute -mit starrem Arterienrohr die Leibesübungen gefährlich, denselben sind -Leibesübungen zu verbieten oder wenigstens erst sorgfältig -vorzubereiten. - -Die Blutbewegung und der Blutdruck in den ~Harngefäßen~ hängen von der -Herzkraft, von der Weite und Regulationsfähigkeit der Schlag- und -~Blutadern~ (Arterien und Venen) ab. Ist der venöse Abfluß behindert, so -tritt eine Stauung in den Organen ein. - -Wir wissen nun aber, daß jede ~Einatmung~ (Inspiration) das Venenblut -ansaugt, also auf den Blutumlauf ~begünstigend~ wirkt. ~Muskeltätigkeit~ -vertieft erfahrungsgemäß die Atmung, ist also schon aus diesem Grunde -ein Förderungsmittel beschleunigten Blutumlaufs, andrerseits dehnt und -erschlafft der arbeitende Muskel die oberflächlichen Venengefäße. Dehnt -man aber einen elastischen Schlauch, so kann derselbe mehr Luft oder -Flüssigkeit aufnehmen als zuvor. Er ist dann wie eine Pumpe, bei welcher -man den Kolben herausgezogen hat, und der nun die Flüssigkeit aussaugt. -So saugen die Venen die Blutflüssigkeit an und pressen sie dann wieder -aus. Diese doppelte Vorwärtsbewegung der Blutsäule durch Ansaugen und -Auspressen geschieht in der Richtung zum Herzen, denn ein Rückfluß des -Blutes wird durch die Taschenventile der Venen verhindert. Bei -oberflächlicher Atmung und fehlender venöser Regulationstätigkeit durch -Muskelarbeit sahen wir daher Störungen im Organismus wie Stauungen im -Pfortadersystem, Krampfadern, Haemorrhoiden etc. entstehen. Es ist bei -der Entstehung genannter Leiden noch die ~Eigenschwere des Blutes~ zu -würdigen, welche durch Herz und Muskeltätigkeit überwunden werden muß, -um das Blut zum Herzen hinauf zu heben. Außer den genannten Hilfskräften -der Zirkulation, dem Tiefatmen und der Muskelbewegung kommt noch -diejenige Muskeltätigkeit in Frage, welche die großen ~Muskelbinden~ -spannt und entspannt. Letztere wirken nach ~Braune~ als ~Druck- und -Saugapparat~ auf die in der Tiefe liegenden Venen. So die große -Halsfaszie und das Poupart’sche Schenkelband. Wird z. B. letzteres durch -starke Außendrehung und Ueberstreckung des Beines nach hinten stark -gespannt, darauf durch Innendrehung und Beugung entspannt, so werden die -daruntergelegenen großen Blutadern gepreßt, darauf stark erweitert, weil -ja die Faszie (Muskelbinde) mit der Gefäßwand verklebt ist. - -~Bewegungen~, welche erfahrungsgemäß speziell ~den Blutumlauf -befördern~, sind: 1. die Tiefatmungen, 2. die Rumpfübungen, 3. die -sogenannten Zirkulationsübungen der Schweden, d. h. derjenigen Uebungen, -welche den zu übenden Körperteil durch Drehung um die eigene Axe -auswinden, wie man ein nasses Tuch durch Drehung trocken windet. (Siehe -Uebungstafel). - -Vergleicht man die ~Arbeitskraft des Herzmuskels~ mit der Kraft anderer -Muskeln, so findet man nach ~Schmidt~, daß das Herz in einer Stunde etwa -ebensoviel leistet, wie die Beinmuskulatur, wenn sie während einer -Stunde den Körper auf eine Höhe von 500 Metern trägt. Eine gleiche -Leistungsgröße haben auch andere Muskeln des Körpers. Ein kräftiger -Bergsteiger kann nun diese Leistung im günstigsten Falle während 8 -Stunden fortsetzen, dann versagen die Kräfte, das Herz aber arbeitet -ruhig, während der 24 Stunden des Tages weiter. ~Das Herz leistet also -das 3fache im Verhältnisse zur Muskelsubstanz, was die Muskeln bei -höchster Arbeit leisten können, sogar im gewohnten Zustande der Ruhe. -Bei ausgiebiger Muskelbewegung leistet das Herz jedoch das 6-8fache der -Ruhearbeit~.” - -„~Das Herz kann also im Verhältnis zu seinem Gewicht~ (⅓ ^kgm^) das -~4-5fache an Arbeit leisten als die übrige Körpermuskulatur~.” - -Worin ist nun diese hohe Arbeitsfähigkeit des Herzens begründet? - -1. Der Herzmuskel hat bessere Blutzirkulationsverhältnisse als die -übrigen Muskeln; Blutzufuhr und Abfuhr sind besser, daher kann er die -sogenannten Ermüdungsstoffe leichter fortschwemmen. - -2. Die Herzarbeit ist ~nicht dem Willen~ unterworfen, sondern wird -automatisch und rhytmisch geleistet. Und alle automatisch arbeitenden -Muskeln und Nervenzentren haben eine ganz minimale Ermüdung, wie wir -dies auch beim Atmungsorgan beobachten können. Der Herzmuskel ist der -besttrainierte Muskel, er arbeitet zeitlebens ohne zu ermüden. - -Ein dauernd tätiger Muskel wie der Herzmuskel wird selbstverständlich -auch wesentlich mehr ~Nahrung~ als ein nur zeitweilig arbeitender -verbrauchen. Das haben auch die Berechnungen von ~Zuntz~ ergeben, -welcher fand, daß bei Muskelarbeit durchschnittlich 15% des gesamten -Stoffumsatzes nur für Unterhaltung der Herz- und Atemtätigkeit verwendet -wird. Aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ muß die -Nahrung für den Herzmuskel die beste sein, um eine dauernde Tätigkeit -leisten zu können. - -Und zwar braucht der Herzmuskel mehr noch als jeder Muskel reichliche -~Sauerstoffnahrung~, denn er muß den arbeitenden Muskeln mehr Sauerstoff -zuführen und muß größere Arbeit liefern, um die Endprodukte der erhöhten -Verbrennungsprozesse zur Ausscheidung bringen zu helfen. Die -Eliminationstätigkeit unterstützen die Lungen wesentlich, denn sie -besorgen die Kohlensäureentladung und Entwässerung des Blutes in -hervorragendem Maße. Nun fand ~Zuntz~ bei einem Versuche am Pferde, daß -der Sauerstoffverbrauch bei mäßiger Muskeltätigkeit 6mal so groß war, -wie bei Muskelruhe. Andrerseits gilt als feststehend, daß in der Ruhe -nur etwa die Hälfte des Sauerstoffs verbraucht wird. Daraus folgt, daß -~mäßige Arbeit allein durch bessere Ausnutzung des Blutsauerstoffes~ -geleistet werden kann, ohne daß der Herzmuskel mehr zu arbeiten braucht. -Erst nachdem durch vermehrte Muskeltätigkeit die zweite Hälfte des -Sauerstoffvorrats verbraucht ist, wird eine größere Herzarbeit nötig und -zwar „nahezu proportional dem Sauerstoffverbrauch”, der nach ~Zuntz~ um -das 15-18fache steigen kann. - -Diese Mehrarbeit leistet der Herzmuskel durch ~Vermehrung der Zahl der -Zusammenziehungen~ und durch ~Vergrößerung des Schlagvolumens~. - -Da nun aber die ~roten Blutkörperchen~ die ~Sauerstoff-Flotte~ -vorstellen, d. h. der Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden -ist, so wird das Herz um so weniger zu leisten haben, also geschont, -wenn die Sauerstoff-Flotte recht groß ist. Das an roten Blutkörperchen -arme, also auch sauerstoffarme Blut Bleichsüchtiger, wird daher -vorzeitig bei starken Muskelanstrengungen Herzermüdung hervorrufen. -Ferner ist klar, daß bei einem dünnen wasserreichen Blut wenig rote -Blutkörperchen, also auch verhältnismäßig wenig Sauerstoff, zum Herzen -gelangt. - -Ein ~gesundheitliches Training muß maximale Leistungen unter Schonung -der Herzkraft anstreben~. - -Es muß also Blut und Gewebe spezifisch schwer zu machen suchen; dies -wird erreicht durch Genuß einer nicht zu eiweißhaltigen, aber -nährsalzreichen, dabei wasserarmen und reizlosen Nahrung unter -gleichzeitiger Trockenlegung der Gewebe durch Schwitzen, Abdampfen und -Harnlassen, ohne dabei zu übertreiben, denn eine Wasserverarmung des -Blutes kann durch maximale Arbeit, bei zu großer Hitze zum Hitzschlag -führen. ~Will man den Herzmuskel durch Leibesübung zu Höchstleistungen -erziehen, so muß man die Uebungsarbeit jedesmal so bemessen, daß der -Herzmuskel das allmählich und systematisch aber stetig größer werdende -Arbeitspensum ohne Ermüdung leisten kann~. Denn bei starker -Beschleunigung der Herztätigkeit kontrahieren sich die Herzkammern -bereits, bevor ihre Füllung erreicht ist, daher kann auch nicht alles -Blut in die Arterien eingetrieben werden, was sich an dem kleinen, -schwachen und beschleunigten Puls deutlich zeigt. Es kommt zur -~Rückstauungskongestion im Lungenkreislauf~, zur Lungenschwellung und -Lungenstarrheit, und zur Behinderung des Atems. Der Blutüberfüllung im -Lungenkreislauf aber entspricht eine ~Blutarmut im Körperkreislauf~. -Dadurch entsteht eine ungenügende Speisung aller Organe mit -sauerstoffreichem, arteriellem Blut insbesondere des Herzens, welches am -meisten zu leisten hat. Dasselbe versagt zuerst, Herz- und Pulsschlag -werden unregelmäßig, das Herz hat eine ~akute Funktionsstörung~ -(~Insufficienz~) erlitten, welche sich meist nach Aufhören der -Anstrengung schnell zurückbildet. Jedoch kann sich aus der akuten -Insufficienz eine ~Herzerweiterung~ (Dilatation) entwickeln, indem die -Herzmuskeln dem gesteigerten Blutdruck nicht genügend Widerstand leisten -können, sie werden gedehnt. Derartige vorübergehende Ermüdungszustände -des Herzens betreffen mit Vorliebe die linke Herzkammer und finden sich -bei jeder ~Schnelligkeitsübung~, wie Schnellauf, schnellem Radfahren, -Schnellrudern, Schnellschwimmen etc. Sie können sich durch -Herzstillstand bis zum Tod steigern. Ich erinnere an das „klassische -Beispiel des Siegesläufers von ~Marathon~, der die Siegesnachricht -überbringt und dann tot auf dem Markte in Athen zusammenbricht.” - -Jede Schnelligkeitsbewegung kann nun aber so eingerichtet werden, daß -Herz- und Lungentätigkeit mäßig ansteigen ohne jene Erschöpfungssymptome -zu zeigen und dauernd auf dieser mäßigen Höhe erhalten werden, -d. h. ~man macht die Schnelligkeitsübung zur Dauerübung~. Ihre Grenze -liegt in der Allgemeinermüdung, sie umfaßt also die Muskel- und -Nervenermüdung der Kraftübungen und die Herz- und Lungenermüdung der -Schnelligkeitsübungen. Die Ermüdungsstoffe sind im Blute übermäßig -angehäuft. - -~Gebraucht man jedoch die Schnelligkeits- und Dauerübungen vernünftig, -d. h. steigert man sie nicht bis zur Atemlosigkeit und bis zum -Herzklopfen, so können sie die Leistungsfähigkeit des Herzens stetig -steigern und das normale Wachstum des kindlichen Herzens in einziger Art -fördern~. Unterbleibt die rechtzeitige Uebung des Herzens in der Jugend, -so ist ein mangelhaft entwickeltes, ein blutarmes, blasses und -unterernährtes Herz die Folge, welches wahrscheinlich eine der Ursachen -späterer Schwindsucht ist. - -Ich erinnere auch an den Wert von Dauer- und Schnelligkeitsübungen in -dem ~Entfettungstraining~ beim fettumwachsenen Herzen und bei -allgemeiner Fettleibigkeit. - -Anders wirken die kurzdauernden ~Kraftübungen~ auf das Herz. Hier ist es -die sogenannte ~Pressung~ oder ~Anstrengung~, welche gefährlich werden -kann. Wollen wir mit der Extremitätenmuskulatur eine Kraftleistung -vollbringen, so müssen wir den Rumpf zum Stützpunkt der Extremitäten -nehmen, d. h. ihn starr machen. Dies tun wir, wenn wir bei tiefer -Inspiration die Brustmuskeln zusammenziehen; dadurch pressen wir den -Inhalt des Brustkorbes und der Bauchhöhle fest zusammen, entleeren das -Blut der Herzkammern schnell, während wir gleichzeitig den Abfluß des -venösen Blutes in die Vorhöfe verhindern. Die übermäßige Füllung des -Venensystems und die Blutleere des ~mehr~ arbeitenden Herzens hören erst -auf, wenn die in den Lungen zusammen gepreßte Luft entweicht, der Rumpf -seine Starrheit verliert, die Kraftleistung zu Ende ist, und macht einem -plötzlichen vehementen Einschießen des venösen Blutes in das geschwächte -rechte Herz Platz. Eine vorübergehende Erweiterung des rechten Herzens -ist die Folge und kann zu einer mehrtägigen Reizbarkeit führen, die -wahrscheinlich durch eine Beleidigung des nervösen Apparates bedingt -ist. Abgesehen von dieser Reizbarkeit, die auch eine dauernde bleiben -kann, treten als Schädigung der Kraftübungen höhere Grade von -Erweiterung des rechten Herzens, Klappenfehler, ja rascher Tod -ein. In welcher Weise wir unsere Bewegungen in Rücksicht auf -Zentralnervensystem, auf die nervösen Zentren des Herzens und des -Gefäßsystems einzurichten haben, werden wir weiter unten sehen. -(Weiteres s. auch Eichhorst, Hygiene des Herzens). - -Der fehlerhaft Uebende preßt nun häufig schon bei Uebungen, die einen -maximalen Kraftaufwand noch gar nicht erfordern. ~Da sich die Pressung -durch den Willen unterdrücken läßt, so ist es Pflicht des -Gymnastiklehrers auf die Atemführung bei Kraft- -- besonders auch bei -Gerätübungen zu achten~. - -Leichtere Kraftübungen können erst bei längerer Dauer Schädigung -hervorrufen, schwere Kraftübungen jedoch, bei denen der -Anstrengungsvorgang notwendig ist, führen, wenn sie häufig betrieben -werden, zur dauernden Beeinträchtigung des Herzens, der Herzmuskel -entartet (degeneriert) und wird schwach. - -~Schaltet man daher die Pressung bei Kraftübungen aus, unterläßt man bei -Dauerübungen plötzliche Steigerungen zu Kraftleistungen und macht die -Dauerübung nicht zu abnormen Schnelligkeits- und umgekehrt die -Schnelligkeitsübung nicht zur maximalen Dauerübung, so kann man -systematisch und vernünftig vorgehend den Herzmuskel vorzüglich -trainieren, d. h. den Eintritt seiner Ermüdung weit hinausschieben und -eine physiologische Zunahme der Muskelsubstanz erreichen~. - -Nach ~Leitenstorfer~ ist „eine mäßige Herzhypertrophie -(Herzvergrößerung), solange sie der Gesamtmuskulatur entspricht, kein -krankhafter Zustand, kein Herzfehler, sondern ein auf naturgemäßem Wege -errungener Gewinn.” - - -4. Wirkung der Leibesübungen auf die Atmungsorgane. - -Nicht minder groß sind die Wirkungen der Leibesübungen auf die ~Atmung~. - -Dieselbe geht bekanntlich in den Lungen vor sich und zwar in der Weise, -daß durch den Muskelzug der Rippenheber und Zwischenrippenmuskeln die -Rippen gehoben werden, dadurch der Brustraum von vorn nach hinten und -von rechts nach links hin erweitert wird; durch die Tätigkeit des -Zwerchfells wird die Höhe des Brustraums vergrößert. Die Lungen, welche -den Brustwänden dicht anliegen, müssen dem erweiternden Zuge der -Brustwände folgen, dadurch wird Luft hineingesogen, und die Lungen -werden erweitert. Erschlaffen die Einatmungsmuskeln, so wirken die -Elastizität und Schwere des Brustkorbes auf die Elastizität der Lungen, -drücken die Lungen damit zusammen und bringen die in denselben -befindliche Luft zum Entweichen. - -~Diese Atmungsmechanik können wir durch unseren Willen verflachen oder -vertiefen, verlangsamen oder beschleunigen~, jedoch nur innerhalb -gewisser Grenzen. Gewöhnlich vollzieht sich der Atmungsprozeß -unwillkürlich wie die Herzarbeit und reguliert sich ~automatisch~ nach -dem Atmungsbedürfnis des Körpers. - -Bei der gewöhnlichen ruhigen Atmung erneuern wir nun bloß etwa ²/₆ bis -¹/₇ derjenigen Luftmenge, die wir bei tiefster Ein- und Ausatmung -umsetzen können, nämlich nur 500 ^ccm^ = ½ Liter. - -Wir machen bei ruhiger Atmung etwa 15 Atemzüge, setzen also 7½ Liter -Luft um, bei tiefster Ein- und Ausatmung ist der Umsatz 7mal so groß, -also 52½ Liter. Wird nun aber, wie dies ja bei Leibesübungen stets der -Fall ist, die Zahl der Atemzüge vermehrt, sagen wir bis auf 45 in der -Minute, so erhalten wir einen Luftumsatz in den Lungen von 3 × 52½ = -157½ Liter. Dieser Luftumsatz in den Lungen besteht nun darin, daß das -Lungenblut Sauerstoff aus der Luft aufnimmt; ~die Lunge ist also ein -Magen, bestimmt zur Aufnahme der wichtigsten Lebensnahrung, des -Sauerstoffs~. - -~Ferner erweist sich die Lunge als ein wichtiges Ausscheidungsorgan~, -denn sie gibt an die Atmosphäre Kohlensäure und Wasserdampf ab. Vermöge -ihrer Fähigkeit, das Verbrennungsgas der Kohlensäure abzugeben, ~wird -die Lunge eines der wichtigsten Organe zur Entgiftung des Körpers~, denn -die Kohlensäure ist ja einer der Ermüdungs- und Schlackenstoffe, der den -Körper in kurzer Zeit vergiftet. - -Durch ihre Fähigkeit ~Wasserdampf~ zu verdunsten aber kann die Lunge die -Körpergewebe trocken legen, eine Eigenschaft, die von immenser Bedeutung -ist, wenn man bedenkt, daß damit der größte Bestandteil des Körpers, das -Körperwasser, welches ca. 65% des Körpergewichts ausmacht, wesentlich -angegriffen, reduziert werden kann. - -~Die Lunge ist demnach ein bedeutender Drainageapparat des Körpers~. - -Bedenkt man weiter, daß die Ausatmungsluft wärmer ist als die -Einatmungsluft, daß Körperwasser nur durch Erhöhung der Temperatur -verdampfen kann, daß also durch den Verdampfungsprozeß jedesmal eine -bestimmte ~Wärmemenge~ des Körpers ~verbraucht~ wird, so ist deutlich, -welchen Wert die ~Lungentätigkeit als Abkühlungsapparat des Körpers -hat~. - -Nun denke man sich, daß die Lungenmaschine als -Herz-Kreislauf-Regulierapparat, als Sauerstoffmagen, als -Entgiftungsvorrichtung, als Drainageapparat und schließlich als -Kühlvorrichtung durch Leibesübung statt ihrer gewohnten Arbeit von 7½ -Liter Luftumsatz in der Minute 157½ Liter stofflich umsetzt, dann kann -man sich ein ungefähres Bild von dem kolossalen Einfluß eines -vernünftigen Lungentrainings auf den Körper machen, und wird umsomehr -einsehen, daß dieser Einfluß durch ein vernünftiges Vorgehen reguliert -werden muß. - -Weiter mache ich aufmerksam auf die Wirkung einer ausgiebigen -~Tiefatmung~. - -Da die Lungen durch den Luftkanal des Nasenrachenraums und der Luftröhre -mit der Außenluft in Verbindung stehen, so ist der Druck der Binnenluft -der Lungen, gleich dem Atmosphärendruck, also = 760 ^mm^ ^Hg^ (^Hg^ = -Quecksilber, als Abkürzung des lateinischen Wortes Hydrargyrum). Wird -während der Einatmung der Brustraum durch Muskelarbeit weiter, so muß -die elastische Spannungskraft und die Schwere des Brustkorbes überwunden -werden. Je größer diese Widerstände sind, d. h. je tiefer eingeatmet -wird, desto mehr Arbeit wird geleistet, denn die elastische Kraft, die -bei der Einatmung zu überwinden ist, wächst durch tiefste Inspiration -von 7 auf 9-30 ^mm^ ^Hg^. Es wird durch Tiefatmung also eine immense -~Kraft~ ~auf~gespeichert, welche bei der Ausatmung zur Geltung kommt, -indem sie bei Erschlaffung der Einatmungsmuskeln die Lungen zurückzieht. - -Je ~weiter~ die Lungenbläschen geöffnet werden, um so ~geringer~, und je -~enger~ diese Lufträume werden, desto ~größer~ wird der Druck sein, den -die Binnenluft ausübt. Die Lungen ziehen nun entsprechend dieser ihrer -elastischen Kraft an den Brustwandungen und an den im Brustraum -gelegenen Hohlorganen. ~Diese Kraft nennt man Saug- oder -Aspirationskraft der Lungen~. Der Gesamtinhalt des Brustraumes, d. i. -Rippen- und Mittelraum mit Herz- und großen Gefäßen steht demnach, -abgesehen von den Lungen selbst, unter einem Druck, welcher gleich ist -dem Atmosphärendruck vermindert um denjenigen Druck, welcher der -Saugkraft der Lungen entspricht; derselbe ist als der Binnenbrustdruck -bezeichnet worden. Derselbe wird also normaler Weise von der Saugkraft -resp. von den elastischen Kräften der Lunge reguliert. ~Je stärker -dieselbe zur Geltung kommt, wie bei tiefster Inspiration, desto -geringer ist der Binnenbrustdruck~. - -Bei ruhiger Atmung ist der elastische Zug der Lungen bei Atmungsstellung -9 ^mm^ ^Hg.^, demnach der Binnenbrustdruck = 760 - 9 = 751 ^mm^ ^Hg.^ - -Bei ruhiger Ausatmung ist der elastische Zug = 7 ^mm^ ^Hg.^, der -Binnenbrustdruck = 760 - 7 = 753 ^mm^ ^Hg.^ - -Bei ruhiger Atmung ist daher der auf die im Brustraum gelegenen -Gefäße lastende Druck kleiner, als der auf die außerhalb desselben -gelegenen einwirkende. Nach ~Munk~ muß daher eine Aufsaugung des -Blutes aus den außerhalb des Brustraumes gelegenen Blutgefäßen -stattfinden und damit die ~Blutbewegung beschleunigt werden~. Und -diese Blutstrombeschleunigung muß um so ~größer~ sein, je geringer -der Binnenbrustdruck, d. h. je ~tiefer die Atmung~ ist. - -Die Beschleunigung des Blutstroms macht sich zunächst im -~Pfortaderkreislauf~ bemerkbar. Aus den kleinsten Auflösungen der -Schlagadern, den sogenannten Haargefäßen (Kapillaren) des Magens, der -Milz und des Darmrohrs gehen Blutadern (Venen) hervor und sammeln sich -zum sogenannten Pfortaderstamm, der in der Leber von neuem ein -Kapillarsystem bildet, aus welchem die Lebervenen entstehen, die in die -untere Hohlvene einmünden. Letztere führt das verbrauchte Blut dem -Herzen zur Regeneration zu. Durch die kapillare Strombettbildung in der -Leber ist die Blutbewegung daselbst eine verlangsamte und erst durch die -geschilderte Saugkraft wird sie wieder beschleunigt. Dazu kommt die -unterstützende aktive Kraft der Bauchpresse bei der Tiefatmung, d. i. -der ~Herabstieg des wichtigsten Atmungsmuskels, des Zwerchfells~, -welches Brust- und Bauchhöhle voneinander scheidet und die -~Bauchmuskeltätigkeit~, welche beide zusammengenommen von oben und von -vorn ebenso wie den gesamten Bauchinhalt auch die Leber zusammenpressen. - -~Die Tiefatmung wird also zu einem willkürlich zu gebrauchenden -Massageapparat der Leber, der Därme, der Nieren und aller übrigen -Baucheingeweide~. - -Die Beförderung der Verdauung, der Harnabsonderung, des Stoffwechsels -etc. sind unmittelbare und notwendige Folgen. - -Derselben Einwirkung aber unterliegt auch der Brustgang des -Lymphgefäßsystems (^ductus thoracicus^), so daß der ~Lymphstrom vom Darm -und den Extremitäten her beschleunigt wird~. - -In gleicher Weise sucht der negative intrathoracische Druck die -Wandungen der Herzhöhlen voneinander zu entfernen; er fördert also -die Füllung derselben während ihrer Erschlaffung (diastolische -Füllung). Im Röntgenbilde kann man bei starker Herabsetzung des -Binnenraumbrustdruckes die Vergrößerung des Herzens beobachten. - -Ferner begünstigt die Saugkraft der Lungen auch ~den kleinen oder -Lungen-Kreislauf~. In der lufthaltigen Lunge sind die Blutgefäße weiter -als in der luftleeren, und wird nun bei der Einatmung der -Binnenbrustdruck stärker negativ, so äußert er seinen gefäßerweiternden -Einfluß mehr auf die dünnwandigen Venen als auf die starren Arterien. -~Auf diese Weise erfährt der Lungenkreislauf eine inspiratorische -Beschleunigung~; dadurch wird während der Inspiration der linken -Herzkammer mehr sauerstoffreiches Blut zugeführt als bei der Expiration -und der ~Herzmuskel~ selbst ~besser ernährt~. - -Durch die ~Tiefatmung aber werden alle genannten Wirkungen stärker als -bei ruhiger Atmung~ und durch systematische vernünftige Atemgymnastik -resp. Leibeszucht wachsen: - -1. die elastischen Spannkräfte der Brustwände, - -2. die elastischen Spannkräfte der Lunge, - -3. die mechanische Erweiterungsfähigkeit des Brustraums, der -Brustspielraum wird größer und dadurch - -4. die vitale Lungenkapazität (Fassungskraft der Lungen für Luft) und -werden zu Hilfskräften der Blut- und Lymphzirkulation und sorgen dadurch -für eine bessere Ernährung aller Organe. - -Durch Vertiefung der Atmung kann man aber nicht nur den Blutumlauf -beschleunigen oder verlangsamen, sondern auch Einfluß auf den -~Blutdruck~ gewinnen. - -Beschleunigt man die Tiefatmung, so ~steigt~ der Blutdruck in den -Schlagadern während der Ausatmung, ~verlangsamt~ man die vertiefte -Atmung, so steigt zwar auch der Blutdruck und erreicht seine größte Höhe -beim Beginn der Ausatmung, sinkt dann aber, bis er beim Beginn der -Einatmung die größte Tiefe erreicht hat. - -Es gibt gewisse Zustände der Lungen, welche mit Lungenblähung und -Lungenstarrheit einhergehen. Bei diesen Zuständen kann tiefes ~Einatmen~ -~Schaden~ anrichten, weil es in die bereits blutüberfüllten Lungen noch -mehr Blut ansaugt. Hier ist gerade die Entlastung des Blutkreislaufs -durch verstärkte und beschleunigte ~Ausatmung~ am Platz. - -~Atmung und Pulszahl stehen stets in einem bestimmten Verhältnis~ und -zwar wie 1 zu 4. Haben wir z. B. 16 Atemzüge in der Minute, so wird die -Pulszahl gleich 4 × 16 = 64 sein. - -Weil dieses Verhältnis nun ein konstantes ist, wir ferner die Atmung -willkürlich gestalten können, so werden wir durch Verlangsamung unserer -Atmung auch stets einen beschleunigten Puls verlangsamen und durch -Beschleunigung der Atmung auch einen verlangsamten Puls beschleunigen -können. ~Wir haben also in der Lunge ein vorzügliches Regulierorgan der -Herz- und Kreislauftätigkeit~. Dieses Verhältnis zwischen Puls- und -Atmungszahl hat zu mannigfachster praktischer ~Ausnutzung~ geführt. - -So benutzen es ~Oertel~ und ~Herz~ beim ~stufenweisen~ Ein- und -besonders Ausatmen (sakkardiertes Atmen), indem sie jeden Atemstoß mit -einer Zusammenziehung des Herzmuskels zusammenfallen lassen, was man -leicht erreicht, wenn man sich selbst den Puls fühlt und bei jedem -Anstieg der Pulswelle einen Atemstoß vollführt. Dieses Stufenatmen -beansprucht gleichzeitig geistige Arbeit und wird damit zur sogenannten -~Aufmerksamkeitsübung~. - -Der Atmungstraining ist aber auch vorzüglich zu gebrauchen zur -~Erziehung der Nerven~. Es ist dies die ~Methode des französischen -Schauspiellehrers François Delsarte~. - -Wer hätte nicht am eignen Leibe die Wirkung der Gemütsbewegung bei -besonderen Gelegenheiten und Krisen im Leben kennen gelernt! - -Ich erinnere nur an die Beispiele des Examenskandidaten, oder des -Soldaten beim Beginn der Schlacht, des Bräutigams, der seiner Erwählten -sich erklärt, des jungen Theologen, der seine erste Predigt hält etc. -Tief atmet der Geängstigte einmal, dann aber ist ihm der Atem wie -vergangen, und schließlich jagt die ganz verflachte Atmung, das Herz -pocht, der Puls ist beschleunigt, die Gedanken sind verwirrt, er -empfindet den Drang zum Harnen oder zur Kotentleerung. - -Was ist geschehen? Durch die abnorme Erregung der Nerven ist die Atmung -gestört, damit wird aber gleichzeitig durch das bestehende Verhältnis -von Atmungs- und Pulszahl entsprechend die Kreislauftätigkeit abnorm. -Alle Reize, welche die sogenannte unwillkürliche oder glatte Muskulatur -des Gefäßsystems zur Zusammenziehung bringen, wird auch in der glatten -Muskulatur aller derjenigen Körperorgane wirksam, die demselben -Nerveneinfluß unterstehen. Deswegen zieht sich auch die Blase zusammen -und preßt gegen unseren Willen den Urin aus derselben, obwohl ihre -geringe Füllung gar keinen Grund zur Entleerung bietet. In gleicher -Weise ergeht es dem Darm, welcher durch Knurren und Plätschern und Drang -zum Kotlassen die Zusammenziehung seiner Muskelwände und die vermehrte -peristaltische Unruhe offenbart. - -~Gelingt es dem Betroffenen aber, Herr über seine Atmung zu werden~, -seine Atmung wieder regelmäßig zu gestalten, zu vertiefen und den Atem -nach Belieben zu halten, ~so fallen auch alle genannten Folgezustände -der gestörten Atmung fort~. - -~Das Herz in seiner Abhängigkeit von der Atmung, muß die Pulse wieder -regelmäßig gestalten und verlangsamen, im Leibe wird die Spannung -herabgesetzt, Blase und Darm wieder ausgedehnt~. - -Nun wissen wir aber, daß nicht nur die Affekte körperliche Veränderungen -hervorrufen, sondern auch umgekehrt. - -Zum Beweis dafür dient die tägliche Beobachtung. Wie viele Lehrer gibt -es nicht, die sich mehr und mehr in Wut reden! Wie viel Leidtragende -gibt es doch, die nichts von Trauer über den Hingang irgend einer -fremden Person empfinden, die aber ihr Gesicht in Trauerfalten legen und -schließlich bis zur wahren Empfindung tiefster Trauer durch die rein -äußere Mimik gelangen! So im Leben, so auf der Bühne. Man erinnere sich -nur der klassischen Beschreibung dieses psychologischen Vorganges, die -Lessing in der Hamburgischen Dramaturgie vom mittelmäßigen Schauspieler -gibt, der sich eine Anzahl mimischer Regeln von einem ursprünglich -Empfindenden abstrahiert, um seiner Seele das Gefühl des dargestellten -Affektes aufzuzwingen. - -Haben wir es daher gelernt, unsere Atmung ~willkürlich zu gestalten, so -sind wir auch Herr unserer Affekte~. - -Nicht zu unterschätzen ist ferner die von den Physiologen bewiesene -Tatsache, daß jede ausgiebige Einatmung eine vermehrte Blutansammlung im -Brustkorb und gleichzeitig eine ~relative Blutleere im Gehirn~ erzeugt. -Dadurch tritt eine Verminderung der geistigen Aktivität, eine Abnahme -des Bewußtseins, und damit ein ~psychischer Ruhestand~ ein. Eine Reihe -von forcierten tiefen Einatmungen können sogar, wofern sie ~sehr rasch -hintereinander~ ausgeführt werden, eine kurze Bewußtlosigkeit -hervorrufen, deren man sich zur Ausführung von kleinen chirurgischen -Operationen, sowie zur Hypnose bedienen kann. Diese Methode durch -beschleunigte Tiefatmung das Gehirn blutleer zu machen, erinnert an die -Methode der Javaner durch Fingerdruck auf die großen Halsschlagadern -eine ~künstliche Narkose~ hervorzurufen. - -Um ein ~System einer guten Atemschule~ zu gewinnen, ist es notwendig, -die ~einzelnen Faktoren~, die die Mechanik des Atmens bedingen, genau zu -studieren und sich zu vergegenwärtigen. - -Betrachten wir zunächst die ~Einatmung~ (Inspiration). Durch die -Zusammenziehung des ~Zwerchfells~ wird der Brustkorb dadurch erweitert, -daß die ~Rippen gehoben~ und zwar nach ~auswärts~ gehoben werden, jedoch -nur solange, als die Baucheingeweide den Bauch füllen. ~Fehlt der -Widerstand der Baucheingeweide, so werden die Rippen nach einwärts -gezogen~. Daraus folgt, daß bei der normalen Atmung der Widerstand der -Baucheingeweide überwunden werden muß, der um so größer ist, je stärker -die Därme mit Verdauungsmassen gefüllt sind. Die Baucheingeweide -versuchen nun diesem von oben her wirkenden Druck auszuweichen, werden -nach hinten aber durch die Wirbelsäule, nach unten durch den Knochenring -des Beckens verhindert; so bleibt ihnen nur das Entweichen nach den -Seiten und nach vorn, wo die Weichheit der ~Bauchdecken~ zur -Nachgiebigkeit disponiert. Sind nun die Bauchdecken schlaff und welk, so -werden sie durch den Druck mehr und mehr nachgiebig und gedehnt, und es -kommt zu der häßlichen Form des runden Dickbauches oder des -Spitzbauches, zum Verlust der sogenannten Taille, zur Wampenbildung -etc., der häufigsten Degenerationsform des Menschen; andererseits kommt -es zu der veränderten ~unvollkommenen~ Atmung, als ob die Eingeweide -herausgenommen wären, die Rippen werden nicht gehoben und der Rippenrand -nach einwärts gezogen. Es fehlt dem Zwerchfell eben der Stützpunkt der -Eingeweide, um die Rippen nach oben und auswärts zu heben. Sind dagegen -gekräftigte Bauchmuskeln vorhanden, so spannen sich dieselben an, ohne -sich zusammenzuziehen und geben für den Bauchhöhlenkasten auch von den -Seiten und von vorn her unnachgiebige und feste Wände ab. Können somit -die Baucheingeweide nicht entweichen, so müssen sie selbst den Druck -aushalten, werden etwas zusammengedrückt und bieten nun ihrerseits einen -festen ~Stützpunkt zur Hebung und Auswärtsrollung der Rippen~. Eine -dementsprechende Entfaltung des Lungengewebes und ihre ausgiebige -Lüftung sind die notwendigen Folgen. - -Ebenso wie der Widerstand der Baucheingeweide, so wirken auch die -~Zwischenrippenmuskeln~ als Heber und Auswärtsdreher der unteren Rippen -des Brustkorbes. Bei der Verflachung der Atmung, wie wir sie heutzutage -bei der Mehrzahl der Menschen finden, werden sie bei sogenannter ruhiger -Atmung gar nicht gebraucht, sondern erst bei angestrengtem Atmen und -dienen nur dazu, den Brustkorb in mittlerer Weite in Spannung zu -erhalten, den Atmungskorb vor Erschlaffung, die Rippen durch -Auspolsterung vor gegenseitiger Reibung zu bewahren. - -Schließlich gebrauchen wir noch eine Anzahl von sogenannten -~Hilfsmuskeln~, welche bei forcierter Einatmung, bei Atemnot etc. in -Aktion treten. Diese Reservemuskeln haben sämtlich die Eigentümlichkeit -sich mit dem Schultergürtel in Verbindung zu setzen, sei es, daß sie von -demselben entspringen oder an demselben endigen. Sie gehen hin oder -kommen her vom Halse, von den Armen, von der Brust oder vom Rücken. Sie -spielen aber auch für die ruhige, nicht forcierte Atmung eine nicht -unbedeutende Rolle, denn wir sehen bei denjenigen Menschen, bei welchen -durch Anlage oder Krankheit diese Muskeln verkümmern und schwinden, -nicht nur ein Einfallen des oberen Teiles des Brustkorbes und sonstige -Gestaltsveränderungen desselben, sondern auch Verkümmern der darunter -gelegenen Lungenabschnitte und mehr oder weniger deutliche Behinderung -der Atmung. - -Als wichtige Faktoren der ~Einatmung~ haben wir demnach kennen gelernt: - -1. Das Zwerchfell, - -2. den Widerstand der Baucheingeweide, - -3. die Spannung der Bauch- und Zwischenrippenmuskeln, - -4. die inspiratorischen Hilfsmuskeln. - -Bei der ~Ausatmung~ (Exspiration) sind im wesentlichen diejenigen -Spannkräfte wirksam, welche während der Einatmung aufgespeichert worden -sind. Erschlaffen die Einatmungsmuskeln, so wirken einerseits die -Elastizität und die Eigenschwere des Brustkorbes und die Elastizität -der Lungen, andererseits die aktive Zusammenziehung der -Luftröhrenmuskulatur, welche nach ~Duchenne~ allein imstande ist, die -sauerstoffverbrauchte Luft aus den Enden des Luftröhrenbaumes -herauszupressen. Vergegenwärtigt man sich ferner, daß der Leibinhalt -durch die Darmgase einerseits und durch den Druck des herabgestiegenen -zusammengezogenen Zwerchfells und der gespannten Bauchmuskeln -andrerseits komprimiert ist, dadurch elastische Spannkräfte während der -Einatmung auch in der Bauchhöhle aufgespeichert werden, so ist es klar, -daß diese Spannkräfte während der Ausatmung frei werden müssen, um die -Schwerkraft des Zwerchfells zu überwinden. Die Erschlaffung der -Einatmungsmuskeln ist aber ebenso wie ihre Inanspruchnahme nicht nur -eine automatische unwillkürliche, sondern auch eine willkürliche. Wir -können die Bewegung der Ein- und Ausatmung fördern und hemmen, wir -können mehr oder weniger Willens- und Nervenkräfte für sie aufwenden, -das Atmungstraining demnach sowohl als Schule für die Lungen, als auch -der Baucheingeweide, als auch für das Herz- und Gefäßsystem, als auch -schließlich für die Nerven gebrauchen. - -Auch die Ausatmung hat wie die Einatmung Reservemuskeln zur Verfügung, -die sie bei lautem Sprechen, beim Singen oder bei Atemnot während der -Ausatmung gebraucht, und zwar sind dies wiederum die ~Bauchmuskeln~, die -bei ruhiger Atmung wenig zur Geltung kommen. Fehlen dieselben jedoch -oder sind dieselben verkümmert, so kann ein einziger Hustenstoß bereits -Gefahr bringen. Es ist also die Bauchpresse, welche sowohl bei der -Einatmung wie bei der Ausatmung die aktive Rolle der Hilfsaktion -übernimmt, und zwar nehmen ihre einzelnen Muskeln in der Weise teil, daß -der breite Muskelgurt des queren Bauchmuskels während der Einatmung nur -dann aktiv wird, wenn sämtliche inspiratorische Hilfsmuskeln in Arbeit -sind und das Zwerchfell aufs äußerste zusammengezogen ist, um den Ball -der Baucheingeweide gegen die an der Kuppe bereits abgeflachte Wölbung -des erstarrten Zwerchfells anzupressen und die Rippen gewaltsam nach -außen zu heben, während der Ausatmung dagegen nur, wenn das Zwerchfell -bereits völlig erschlafft ist. Während für die forcierte Einatmung die -übrigen Bauchmuskeln nicht in Frage kommen, helfen bei der angestrebten -Ausatmung noch der innere und äußere schräge Bauchmuskel mit, welche die -Rippen nach abwärts ziehen. - -Die ~Armbewegungen~, soweit sie den Arm vom Rumpf entfernen, dienen im -wesentlichen der ~Inspiration~, doch muß man dabei Acht haben, daß das -Zwerchfell nicht durch Aktivität der Bauchpresse in seiner Tätigkeit -eingeschränkt wird. - -Die ~Beinbewegungen~, sofern sie mit aktivem Eingreifen der Bauchpresse -geschehen, dienen der ~Expiration~. - -Für die mechanische tiefste Erweiterung des ~oberen -Brustkorbabschnittes~ mit Hebung des Brustbeins, wie wir sie beim Wogen -des weiblichen Busens durch Unterdrückung der Atmung in den unteren -Abschnitten wegen Korsettgebrauches finden, ist es gut die ~Exkursionen -im unteren Abschnitt~ durch Aufpressen der Hände zu beschränken, durch -welche Stellung der Arme gleichzeitig der Schultergürtel gehoben wird. -Dies kann einseitig und doppelseitig geschehen. (Einseitiges und -doppelseitiges Tiefatmen siehe Uebungstafel). Empfindet Jemand beim -forcierten Tief-, Ein- und Ausatmen ~Schwindel~, so darf nicht zu stark -forciert werden. - -~Passiverweiterungen~ der Brusthöhle erreicht man durch ~Heben des -Schultergürtels~ und durch ~kräftiges Rückwärtsführen der -horizontalgestreckten Arme~. Dies kann durch Beihülfe eines Gymnasten -oder aber durch Hängen in Ringen, am Reck, an der Leiter etc. oder durch -~Biegungen der Wirbelsäule~ resp. des Rumpfes nach ~hinten und nach den -Seiten~, schließlich auch nach vorn geschehen. - -~Die Uebung der exspiratorischen Hilfsmuskeln~ muß während der Einatmung -geschehen. Denn eine energische Zusammenziehung der Ausatmungsmuskeln -ist unmöglich, wenn die Baucheingeweide nicht energischen Widerstand -leisten. Das Zwerchfell darf also nicht nachgeben, dies erreicht man -leicht durch ~Kehlkopfverschluß~. Dies gilt jedoch nur für die spezielle -Schulung der exspir. Hilfsmuskeln. - -Bei anderen Uebungen jeder Art soll nur die unregelmäßige und -oberflächliche Atmung bekämpft werden. - -Dies erreicht man am sichersten, wenn man die Atmung ~rhythmisch~ und -~tief gestaltet~, und man diesen Atemtypus durch ~Kommando~ einübt. - -Läßt man Beugen und Strecken als ~Selbsthemmungsbewegung~ ausführen, so -läßt man während des ~Beugens~ sowohl tief ein-, als auch tief ausatmen, -ebenso während der Streckung. - -Bei einer ~Widerstandsbewegung~ dagegen läßt man während der ~Beugung~ -tief einatmen, während der ~Streckung ausatmen~. - -Die Einatmung erfolgt im allgemeinen am besten dann, wenn der Muskel -positive Arbeit leistet. - -Bei allen Bewegungen, welche mit ~Erweiterung des Brustkorbes~ -einhergehen, läßt man gleichzeitig ~ein~- nicht ausatmen. - -Will man allein und einseitig die Hilfsmuskeln der Ausatmung üben, so -muß man ebenfalls die ~Einatmungsphase~ benutzen. - -So ergeben sich die Regeln für die Atemschule von selbst. - -~Jeder einzelne Akt der Atmung muß für sich methodisch geübt werden~, -die Einatmung, das Atemhalten, das Ausatmen und das Stufenatmen. - -Derjenige Teil der Atmung, der dem Uebenden am schwersten ausführbar -ist, muß am meisten geübt werden. Nur so kommt man zu einer -vollständigen Beherrschung der Atemmuskeln. - -~Dieser Atemgymnastik müssen Muskelübungen folgen~, welche Hals-, -Brust-, Schulter-, Bauch- und Rückenmuskeln kräftigen und ausdauernd -machen und schließlich durch Kräftigung aller Muskeln das Atembedürfnis -steigern. Denn eine zeitlang je nach dem Grade der Herrschaft, die wir -über unsere Lungen erlangt haben, können wir zwar den Atmungsprozeß -durch unsern Willen regulieren, dann aber tritt die ~Selbstregulation~ -durch das Sauerstoffbedürfnis in Kraft. Letzteres aber können wir durch -Muskeltätigkeit erhöhen. ~Empfehlenswertes Training der Atemgymnastik -sind die Dauer- und Schnelligkeitsübungen~. - -Ball- und andere Bewegungsspiele, Gehen, Marschieren, Laufen, -Bergsteigen, mäßiges Radfahren, Schlittschuhlaufen, Schwimmen und -Rudern. Jedoch darf keine der genannten Uebungen zur Kraftübung werden, -die ja durch die notwendige Pressung das Atmungsgeschäft hemmt. - - -5. Wirkung der Leibesübung auf das Nervensystem. - -Fragen wir uns weiter, ~wie wirken Leibesübungen auf das Nervensystem~? - -Die Leibesübungen sind im Gegensatz zu den Reflexbewegungen (das sind -diejenigen Bewegungen, die selbsttätig durch Erregung von den -Empfindungsnerven hervorgerufen werden) gewollte, also dem Einfluß des -~Willens~ unterworfen. Der Willenreiz kommt im ~Gehirn~ zur Geltung. -Das Gehirn schickt den Reiz durch die ~periphere Nervenleitung~ zum -Endorgan, also zum Muskel, der durch Zusammenziehung seinen Gehorsam -beweist. Das ~Gehirn~ hat demnach bei Leibesübungen ~Arbeit~ zu leisten, -die mit der Zahl der Erregungen wächst. Alle Bewegungen, die wir -ausführen, sind ~(tetanische) anhaltende Bewegungen~, die eine Reihe von -Reizen in schneller Aufeinanderfolge und zwar, wie ~Helmholtz~ gezeigt -hat, ca. 20 in 1 Sekunde erfordern. Mit der Zahl der Reize steigert sich -auch die Kraft der Einzelkontraktion. Je stärker der Reiz, desto -schneller zieht sich der Muskel zusammen. Ein ermüdeter Muskel ist nur -durch starke Reize noch zur Arbeit zu bewegen. - -„~Die vom Gehirn geleistete Arbeit ist daher um so größer, je länger die -Kontraktion dauert, je größer die Kraftleistung des Muskels ist und je -schneller die Bewegungen ausgeführt werden~.” Bei allen Bewegungen, die -wir ausführen, ist nicht ein Muskel, sondern sind ~Muskelgruppen~ zu -bewegen. Das Gehirn muß zu allen Muskeln nicht nur Bewegungsreize -schicken, sondern sie auch in ~richtiger Reihenfolge~ und in bestimmter -~Abstufung~ wirken lassen. Diese ordnende Tätigkeit des Gehirns -bezeichnet man als ~Koordination~. Man unterscheidet bei der -Koordination einer Bewegung dreierlei Arten von Muskeltätigkeit. - -1. Die ~eigentliche kraftleistende~ Bewegung („Impulsive -Muskel-Association” Duchenne), - -2. Die ~mäßigende~ Bewegung („Moderatorische Muskel-Association” -Duchenne), - -3. die ~statische oder haltende~ Tätigkeit („Kollaterale Association” -Duchenne.) - -Jede dieser Arten kann in den Vordergrund treten, z. B. bei den -~Gleichgewichtsübungen~ die haltende oder die mäßigende bei den -~Handfertigkeiten~, ebenso wie bei der Tätigkeit, der an der -Stimmbildung oder bei der Mimik beteiligten Muskeln, kurzum bei der -Tätigkeit aller nahe zusammengelegener und zusammengehörender Muskeln. - -Müssen Muskeltätigkeiten koordiniert werden, welche größere Teile des -Skeletts bewegen, so daß ~große, weit entlegene Muskelbezirke -gleichzeitig in Anspruch~ genommen werden, so spricht man von -~Geschicklichkeitsübungen~, wie wir sie beim Frei- und besonders beim -deutschen Gerätturnen haben. - -Je verwickelter eine Bewegung, desto schwieriger ist auch die -Koordination und desto größer die vom Gehirn zu leistende Arbeit. -Letztere kann jedoch durch Uebung auf ein Minimum herabgesetzt werden, -wenn die Bewegung „~mechanisiert~” worden ist, d. h. wenn im -Zentralorgan von der auszuführenden Bewegung ein ~deutliches -Erinnerungsbild~ entstanden ist. Bei der ~Erlernung~ einer jeden neuen -Bewegung wird nun unnötig viel ~Kraft verschwendet~. Steifheit der -Bewegung und Mitbewegungen offenbaren das Ungeübtsein. Ist dagegen die -Bewegung ~mechanisiert~, so geschieht sie leicht und zweckentsprechend, -damit wird sie aber ~kraftsparend und schön~. - -Unser ~deutsches Turnen~ schult aber vorzugsweise die Geschicklichkeit, -ist also eine Schule der Koordination; es ist in der Hauptsache eine -~Nerven- und dann erst eine Muskelgymnastik~. Die Koordinationsaufgaben -müssen eine systematische Uebungsfolge haben, so daß jede des -Kraftaufwandes eine Steigerung erfährt, sobald die vorangehende erlernt -ist. Je größer im Zentralnervensystem die Zahl der Erinnerungsbilder -vielfacher Bewegungen ist, desto besser wird die Koordinationsfähigkeit -auch für bisher unbekannte Bewegungen, desto sicherer wird die -Beherrschung des Körpers in allen Lagen. - -Unser deutsches Turnen genügt aber nicht für alle Seiten der -Nervengymnastik. Eine wohlkoordinierte Bewegung erfordert -Ueberlegungszeit wie jeder andere Denkakt. Die vorhergehende -Koordination wird bei den sogenannten ~Aufmerksamkeitsübungen~ geschult, -zu welchen wir die Ordnungsübungen und den Reigen rechnen. Ihr -Uebungswert für die Muskeln, für Stoffwechsel, Atmung und Kreislauf ist -ein minimaler, dagegen ein maximaler für das Gehirn. Deshalb soll man -Menschen, deren geistige Tätigkeit sowieso hohe Ansprüche an die -Aufmerksamkeit stellt, mit diesen Uebungen verschonen, um ihr Gehirn -nicht zu überlasten. Die Gerätübungen genügen zur Schulung der -Aufmerksamkeit allermeist. - -Anders liegen die Verhältnisse für die Ausbildung der ~plötzlichen -Koordination~. - -Im Leben geschehen oft genug Ereignisse, wo man auch schnellste -Bewegungen ausführen muß, bei denen man zuvor nicht überlegen kann. Es -kommt nicht darauf an, ~wie~ die Bewegung ausgeführt, ob ordentlich oder -unordentlich, sondern nur, daß ~aufs schnellste~ der tatsächliche Zweck -erreicht ist. Ich erinnere nur an die Wichtigkeit, welche das schnellste -und sicherste Ueberwinden von Hindernissen in der heutigen Kriegführung -hat. Die Schnelligkeit der Ausführung der Bewegung ist abhängig von der -Schnelligkeit der Innervation und ihre Uebung ein wesentlicher Teil der -Nervengymnastik, die in einer harmonischen Leibeserziehung nicht -vernachlässigt werden darf. - -Diese Art der Nervenübung erzeugt Geistesgegenwart und Schlagfertigkeit -und heißt ~Schlagfertigkeitsübung~. Solche Schlagfertigkeitsübungen sind -die Lauf- und Ballspiele sowie Kampfspiele, das Fechten, Boxen und -besonders auch das Ringen. Die Schlagfertigkeitsübungen stellen hohe -Anforderungen an die Gehirntätigkeit und die übrige Nervenkraft, sie -dürfen daher nur von Nervenstarken, nicht von Neurasthenikern oder -sonstigen Nervenkranken ausgeübt werden. Für die letzteren sind die -~automatischen oder halbautomatisch~ ausgeführten Bewegungen ~Erholung~. - -Von hohem Einfluß ist die ~Psyche~ bei der Nervengymnastik. - -Nacktsein während der Uebung, freundliches Wetter, muntere Gesellschaft, -ein lustiges Lied etc. sind Unterstützungsmittel des Nerventraining. - -Die Nerventätigkeit geht natürlich mit dem Stoffverbrauch Hand in Hand. -Da derselbe während der Tätigkeit nicht schnell genug gedeckt werden -kann, so erschöpft sich der Energievorrat. Das Nervensystem bedarf, um -Ersatz zu schaffen, Ruhe. ~Ist bei regelmäßiger Wiederkehr der -Ermüdungstätigkeit die Erholung stets eine vollkommene, so wächst die -Leistungsfähigkeit, es lernt, weniger schnell zu ermüden~. - -Besteht jedoch ein ~Mißverhältnis von Nervenanspannung und Erholung~, so -entstehen vorzeitige Ermüdung, Nervosität, Neurasthenie und andere -Nervenkrankheiten. Daran wird auch nichts durch den Gebrauch von -künstlichen Anregungsmitteln des Arzneischatzes oder der Genußmittel -geändert. Vorübergehend wird zwar eine erhöhte Nerventätigkeit erzielt, -aber nur, damit nachher die Erschlaffung um so größer wird. - -Daß ~Leibesübungen tatsächlich die Geistesermüdung beseitigen~, dafür -spricht die tägliche Erfahrung, ~von Ziemßen~ äußert sich darüber -folgendermaßen: „Die Erfrischung und Erholung des angestrengten -Nervensystems wird am besten durch körperliche Arbeit bewirkt; die -körperliche Arbeit muß an Stelle der geistigen treten, die Glieder -müssen sich rühren, während der Kopf ausruht.”[3] Leibesübungen -verlangen zwar von dem ermüdeten Gehirn eine neue Arbeitstätigkeit, aber -sie nehmen andre Gehirnteile in Anspruch, wofern es nicht -Aufmerksamkeitsübungen sind. Sie wirken trotzdem erholend, weil -Muskeltätigkeit, wie wir gesehen haben, die Blutzirkulation beschleunigt -und dadurch die Ermüdungsstoffe fortschwemmt und die ermüdeten Hirnteile -häufiger mit sauerstoffreichem Blute durchspült. - - [3] Siehe auch Forel, Prof. Dr. Hygiene der Nerven und des Geistes im - gesunden und kranken Zustande. Brosch. 2.50. Verlag von Ernst Heinrich - Moritz, Stuttgart. - -Nun hat ~Mosso~ auf Grund seiner mit dem Ergographen gemessenen -Leistungsfähigkeit der Muskeln, welche er nach intensiver Geistesarbeit -erheblich herabgesetzt fand, behauptet, daß es physiologisch falsch -wäre, Geisteserholung durch körperliche Uebungen schaffen zu -wollen, weil die Muskelanstrengung nach Geistesanstrengung den -Erschöpfungszustand des Gehirns nur steigere. Aber ~Mossos~ eigene -Versuche widerlegen diese Behauptung. Denn nur ~nach mehrstündiger, -übermäßiger Geistesanstrengung~ war die körperliche Leistungsfähigkeit -~herabgesetzt~, dagegen nach ~mäßiger~ Geistestätigkeit ~erhöht~. Mäßige -körperliche Anstrengung erholt, übermäßige erschöpft das Gehirn. - -Daß der ~Wechsel von körperlicher und geistiger Arbeit erholend~ wirkt, -wird leicht verständlich, wenn wir die Erfahrungen des täglichen Lebens -uns zu Nutze machen. Sehen wir nicht angestrengt geistig Tätige sich -Erholung verschaffen durch andere geistige Arbeit, z. B. Musik-, -Schach-, Karten- und andere Erholungsspiele? In jedem Fall wird der -psychische Apparat gebraucht, aber stets ein anderer Abschnitt -desselben, so daß der zuvor tätige sich erholt, wenn der nächstfolgende -arbeitet. Um wie viel größer muß die Erholung des Gehirns sein, wenn man -nicht nur einzelne Teile desselben, sondern deren Summe untätig sein -läßt durch körperliche Uebungen. ~Zuntz~ urteilt darüber: „~Die -Muskeltätigkeit richtig dosiert, liefert dem Zentralnervensystem durch -ihre Stoffwechselprodukte die wirksamsten Narkotika, die einzigen, -welchen man auch bei dauerndem Gebrauche eine schädliche Wirkung nicht -nachsagen kann~.” - -Man kann sowohl für die Nerven, als auch für die Muskeln ~zwei Arten der -Ermüdung~ unterscheiden, die normale (physiologische) und die krankhafte -(pathologische). Erstere tritt nach ~mäßigen~ geistigen oder -körperlichen Anstrengungen auf und kann durch Willensenergie und starke -äußere Eindrücke überwunden werden, um noch eine erhebliche -Leistungsfähigkeit zu dokumentieren, dann aber folgt die zweite, für -welche eine weitere Kraftreserve nicht mehr vorhanden ist. Die -physiologische Ermüdung des Gehirns wird durch maßvolle -individualisierte Leibesübung am besten beseitigt. Die Ermüdungsstoffe, -die durch körperliche Tätigkeit erzeugt werden, wirken betäubend -(narkotisch), wie ~Mosso~ nachgewiesen hat, indem er das Blut eines -durch Arbeit erschöpften Hundes auf einen gesunden übertrug. - -~Die physiologische Ermüdung muß nach dem Angeführten für das Training -benutzt werden. Je weiter man durch Uebung dieselbe hinausschieben -lernt, desto später wird die pathologische Ermüdung eintreten, d. h. -desto größer wird die absolute Leistungsfähigkeit~. - - -6. Wirkung der Leibesübung auf den Verdauungs-Apparat. - -~Auch der Verdauungsapparat kann durch~ vernünftiges Training Vorteile -haben. - -Die Wechselbeziehung von Verdauungs- und Muskelarbeit habe ich ja -bereits dargetan. Der gefüllte Verdauungsapparat setzt die -Leistungsfähigkeit der Muskeln herab, umgekehrt vermindert die durch -Muskelarbeit erzeugte starke Durchblutung des Bewegungsapparats die -Absonderung der Verdauungssäfte, und damit die Aufsaugung (Resorption). -Da die Bauchmuskeln bei den meisten körperlichen Uebungen aber mittätig -sind, werden dieselben andererseits mechanisch befördernd auf die -Darmtätigkeit einwirken. Wird also durch Leibesübung die absondernde -(sekretorische) Tätigkeit der Verdauungsorgane herabgesetzt, so wird die -Bewegungstätigkeit der Darmmuskeln (Peristaltik) verstärkt. Zwar findet -man nach plötzlichen sehr ausgiebigen Leibesübungen eine etwas -herabgesetzte Arbeit des Verdauungsapparates bei regelmäßigem Betrieb -desselben, aber als Endeffekt des Training schließlich eine wesentliche -Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit. Dieselbe erklärt sich aus der -Steigerung des Stoffverbrauchs, welchem sich der Verdauungsapparat -anpaßt (akkomodiert). Jedoch gibt es selbstverständlich eine Grenze der -Anpassung, die nicht überschritten werden darf. ~Vernünftig betriebene -Leibesübungen werden dieser Anpassungsgrenze unter allmählicher -Steigerung der Leibesübungen nahe zu kommen suchen~. - - -7. Wirkung der Leibesübung auf den Geschlechts-Apparat. - -Ferner darf die Wirkung gesundheitlich betriebener Leibesübungen auf den -~Geschlechtsapparat~ nicht unerörtert bleiben. - -Das durch Leibesübung betäubte (narkotisierte) Zentralnervensystem -beruhigt auch die Geschlechtssphäre. Dazu kommen die durch -Körpertätigkeit hervorgebrachten Veränderungen im Zirkulationsapparat. -Die häufigen und reichlichen Monatsblutungen (Menstruationen) der Frauen -werden meist am besten durch geeignete Leibesübungen reguliert, die -unfreiwilligen Samenergüsse (Pollutionen) eines abnorm reizbaren -Genitalapparates verlieren sich durch richtig dosierte Körperbewegungen. -Dem vorzeitigen Eintritt der Geschlechtsreife, dem geschlechtlichen -Ausschweifen der Phantasie in der Reifungszeit (Pubertätsperiode) wird -am besten durch systematisch betriebene Leibesübungen vorgebeugt. - -So sehen wir denn, daß alle Teile des Körpers und des Geistes -wesentliche Vorteile von einer vernünftig und individuell betriebenen -Körperübung haben können. - -Wichtig ist eine richtige Ernährung des Körpers, damit derselbe den -erhöhten körperlichen Anforderungen gewachsen bleibt. Zur Bewertung -derselben muß man den Einfluß der Leibesübung auf den Stoffwechsel und -die Wärmeregulation kennen. - - -8. Wirkung der Leibesübungen auf den Stoffwechsel und die -Wärmeregulation. - -Daß der Gaswechsel von Sauerstoff und Kohlensäure (^CO^₂) durch -Muskeltätigkeit gesteigert wird, habe ich bereits besprochen. Nun haben -die Wärmemessungs- (kalorimetrischen) Versuche von ~Atwater~ und -~Benedict~ ergeben, daß die Wärmeerzeugung sowohl in der Ruhe, als -auch bei Muskeltätigkeit dem Gaswechsel und dem Verbrennungswerte, -der nach den Ausscheidungen bemessenen Verbrauchsnährstoffe entspricht. -Die zum Stoffwechsel verwendeten Nährstoffe werden also unter -normalen Verhältnissen ~vollständig~ zu Wasser, Kohlensäure und -Harnbestandteilen verbrannt. Nur bei Sauerstoffmangel in den -arbeitenden Muskeln steigt der respiratorische Quotient (Verhältnis von -Sauerstoff zu Kohlensäure = ^CO^₂). Man kann demnach aus der -Verbrauchsmenge der durch Harn und Schweiß ausgeschiedenen -Stickstoffsubstanzen und dem gleichzeitigen Gaswechsel die Höhe des -Nährstoffumsatzes während der Muskeltätigkeit berechnen. Da uns nun die -Verbrennungswärmen der Nährstoffe bekannt sind, so ergibt sich mit -Leichtigkeit die bei der Arbeit aufgewandte Energie. Die Arbeit ist nach -Meterkilogrammen meßbar. So fand man, daß für gewöhnlich bei -Muskeltätigkeit ⅓ (ca. 35%) der erzeugten Energie mechanische Arbeit, ⅔ -Wärme werden. Bei starker Muskelermüdung, sowie bei Arbeiten, für welche -wir nicht trainiert sind, verringert sich der mechanische Nutzeffekt. -Uebung und guter Ernährungszustand setzen den Stoffverbrauch erheblich -herab. ~Der vernünftig Trainierte wird also den relativ geringsten -Stoffverbrauch haben~. Nun hat sich durch ~Zuntz’s~ Versuche -herausgestellt, daß Eiweiß, Fette und Kohlehydrate ~gleichwertig~[4] für -die Erzeugung der Muskelleistungen sind, jedoch kann nach ~Pflueger~ das -Eiweiß für sich allein zu hohen Muskelleistungen befähigen, während die -stickstoffreien Fette und Kohlehydrate gleichzeitig noch einen -bestimmten Eiweißumsatz nötig machen. Dagegen hat sich gezeigt, daß -durch körperliche Uebungen der Eiweißzerfall nicht entsprechend -(proportional) der geleisteten Arbeit gesteigert wird, wie dies beim -Umsatz der stickstoffreien Nährstoffe der Fall ist. Das stimmt auch -genau mit den Resultaten von ~Pettenkofer~ und ~Voit~ überein. - - [4] Chauveau und Seegen nahmen den Zucker als ~einzige~ - Muskelkraftquelle an und glaubten, daß Eiweiß und Fett nur insofern - zur Bildung mechanischer Leistungen zu gebrauchen wären, als aus ihnen - erst Zucker gebildet werden müßte. Diese Annahme ist aber deswegen - eine irrige, als durch diese Umbildung ja große Wärmemengen für die - Muskelarbeit verloren gehen müßten. Die aus Fett und Eiweiß gebildeten - Kalorien müßten also einen geringeren Nutzeffekt haben. Das stimmt mit - den physiologischen Tatsachen jedoch nicht überein. - -~Der Stoffverbrauch während der Leibesübung betrifft also in erster -Linie die Kohlehydrate und Fette~. - -Damit ist bewiesen, daß der Muskel imstande ist, für die Arbeitsleistung -die benötigte Spannkraft aus Fett oder Kohlehydraten zu entnehmen, es -ist aber damit nicht gesagt, daß die Muskeln etwa gar kein Eiweiß -gebrauchen und verbrauchen können. Es wird im Gegenteil nach den -übereinstimmenden Resultaten aller Physiologen eine gewisse Menge der -Eiweißzufuhr gefordert zur Erhaltung der Kraft und zur Wärmebildung -besonders bei gesteigertem Stoffwechsel, wie er bei Leibesübungen -auftritt. - -Da nun Eiweiß eine höhere Verdauungsarbeit als die stickstoffreien -Körper beansprucht, den arbeitenden Muskeln also mehr Blut entzieht, als -sie zu ausgiebiger Arbeit gebrauchen, da sie ferner die durch die -Leibesübung an sich gesteigerte Wärmebildung noch erhöhen, so ist es -nicht ratsam, während der Leibesübungen eine eiweißreiche Kost zu -genießen. ~Casparis~ Versuche haben ferner gelehrt, daß bei längere Zeit -betriebenem Training der Eiweißzerfall stetig geringer wird, ein Umstand -mehr, der dem Trainierenden zu gute kommt und ihn heißt, ~die -Eiweißzufuhr auf ein physiologisches Minimum herabzusetzen~. - -Für die ~schnelle Beseitigung~ einer bereits eingetretenen ~Ermüdung~ -während der Dauer einer Leibesübung eignet sich am besten der ~Zucker~, -wahrscheinlich deswegen, weil er am schnellsten verdaut wird. - -Leibesübungen ~steigern~ in jedem Falle ~die Körpertemperatur~ und zwar -erheblich stärker in der Peripherie, als im Körperinnern. Die periphere -Erwärmung der Extremitätenmuskeln befördert den Stoffwechselumsatz und -damit die Arbeitsleistung. Die Muskeln leisten daher zu Anfang weniger, -als wenn sie 10-15 Minuten gearbeitet, und damit einen Kalorienzuwachs -von ca. 50 Kalorien erfahren haben. - -Auf die näheren Wärmeverhältnisse während des Trainings komme ich später -erst zurück, hier sei nur die Tatsache der Erhöhung der Arbeitsleistung -durch Erhöhung der Wärmeproduktion bei den Uebungen festgelegt. - -Bezüglich der Trainingdiät sei weiter gesagt, daß es nun nicht allein -auf den genügenden Stoffersatz ankommt, sondern auch darauf, ~daß -möglichst wenig Ermüdungstoffe entstehen~, und wofern sie entstanden -sind, ~leicht zum Export gelangen~. Nach den praktischen Erfahrungen hat -sich eine harnsäurefreie, reizlose und mehr feste Ernährung -herausgestellt als diejenige, die am wenigsten zur Ermüdung disponiert, -und bei der die Ermüdung am schnellsten überwunden wird. Die Nahrung -darf ~nicht heiß~ genossen werden, und nicht in größerer Menge, als vom -Körper ~mit Leichtigkeit~ vollständig verbrannt werden kann. - - -9. Wirkung der Leibesübungen auf die Sinnesorgane. - -Durch die Sinne tritt der einzelne Mensch in Verbindung zur Außenwelt -und zu seinen Mitmenschen. Er empfängt die ersten Eindrücke durch -dieselben. Er riecht die Blumen vermöge des Geruchsinnes, er schmeckt -den Honig durch den Geschmacksinn, er sieht die Farben und Formen -mittels des Lichtsinnes, er hört Geräusche und Töne mittels des -Gehörsinnes, er tastet und orientiert sich im Raum mittels des -Hautsinnes. Das, was der einzelne Sinn beobachtet und erfahren hat, das -setzt er sich im Gehirn wieder zusammen und schafft sich vom Gesehenen, -Gehörten, Geschmeckten etc. geistige Bilder, die um so ausgeprägter im -Gedächtnis bleiben, je präziser und je feiner die Sinne beobachtet -haben. Hat das Gehirn einen gewissen Vorrat von Sinnesbildern -aufgespeichert, so kann es auch ohne Hilfe der Sinne sich Dinge -vorstellen, welche ihm nur geistig z. B. durch Erzählen vorgeführt -werden. Diese geistige Hervorbringung der Gedächtnisbilder ist aber nur -eine Reproduktion und Kombination der vorhandenen Sinnesbilder. ~Ohne -Sinnesbild kein geistiges Anschauungsbild~, kein Erinnerungsbild, kein -Urteilbild, kein Vergleichsfeld, kein Phantasiebild, kein Begriffsbild. -Umgekehrt, je feiner und sorgfältiger, je detaillierter und nüanzierter -das Sinnesbild, um so besser und ausgeprägter auch alle Arten der -geistigen Bilder. Zunächst muß man daher ~selbständig beobachten~ -lernen, dann lernt man auch ~selbständig denken~ und wird ~geistig -stark~, im anderen Fall aber geistig schwach und nervös. - -Außer dem Denkvermögen besitzt nun das Gehirn noch ein ~Gefühls~- und -ein ~Triebleben~. Denken, Fühlen und Wollen sind die drei -Haupteigenschaften desjenigen, was wir als Seele bezeichnen. - -Die Gefühle benennen wir nach den Quellen, aus denen sie entspringen, -als Schönheits-, Wahrheits-, moralische und religiöse Gefühle. - -Das ~Schönheitsgefühl~ entspringt der Wahrnehmung der Sinne. Die -feinsinnige Nase riecht Dinge, welche der stumpfsinnigen verborgen -bleiben; jene kann auch größere Geruchsmengen genauer beurteilen als -diese, kurzum, sie hat höhere Kraft und größere Leistungsfähigkeit, und -wird dementsprechend die Grenzen für Wohlgeruch und Ekel anders ziehen. -Ein gleiches Verhältnis hat für den Geschmacks-, den Haut-, den Gehör-, -den Augensinn statt. - -Das ungebildete, stumpfe Ohr kann Unreinheit und Reinheit der Töne -weniger unterscheiden und beurteilen als das feinhörige, das stumpfe -Auge sieht weniger weit und detailliert inbezug auf Form und Farbe als -das feinsinnige, und kann weniger Licht verarbeiten. - -~Je geübter die Sinnesorgane sind, desto mehr Kraft können sie in jeder -Beziehung entwickeln, und desto mehr wird das Schönheitsgefühl -vertieft~. Je vertiefter aber dasselbe ist, um so mehr schöne Handlungen -werden demselben entspringen. Ebenso wie die Sinne kann aber auch der -Geist das Schönheitsgefühl hervorrufen. Durch den Reichtum der -Darstellung und der Formen wird er uns für Schönheit begeistern. - -~Die Kraft der Sinnesorgane und die Größe der Denkkraft bedingt demnach -die Vertiefung des Schönheitsgefühls~. - -Dem Schönheitsgefühl ist das Gefühl für ~Wahrheit~ verwandt. Je genauer -eine malerische, architektonische, musikalische, rednerische etc. -Komposition die Haupt- und Nebenmomente trifft, um so lebenswahrer ist -sie, und desto lebhafter empfinden wir das Gefühl der Wahrheit. Dasselbe -kann aber auch rein geistiger Natur sein. Je eingehender wir einen -Gegenstand geistig durchdringen, je genauer wir Licht und Schattenseiten -erkennen, um so näher kommen wir der Wahrheit, um so mächtiger wird das -Lustgefühl für die Wahrheit in uns lebendig. ~Je größer also die -Denkkraft, um so intensiver das Gefühl für Wahrheit~. Je tiefer das -Wahrheitsgefühl ist, um so mehr wahre Handlungen entspringen demselben. - -Aehnliches gilt auch für die sogenannten ~moralischen Gefühle~. - -Betrachtet man das Aeußere des Tieres, der Pflanze oder schließlich des -Menschen, so kann im Menschen das ~Gefühl der Schönheit~ entstehen, -ergründet man die Lebensbedingungen der Wesen, so kann in uns das -~Gefühl der Wahrheit~ hervorgerufen werden, bringt man die -Lebensbedingungen der Wesen mit der Außenwelt der organischen und -unorganischen Natur in ordnende Verbindung, gibt man denselben -entsprechend ihrer erkannten Natur und Zweckmäßigkeit den richtigen -Platz, die gebührende Rücksicht und Pflege, so entsteht in uns das -~moralische Gefühl~; wir fühlen, daß wir unsere Pflicht tun möchten. -~Jede~ Tätigkeit unseres Organismus, jede beabsichtigte oder -unbeabsichtigte Handlung des Menschen steht aber entweder in Harmonie -oder Disharmonie mit den natürlichen Lebensbedingungen unserer selbst, -sowie aller anderen Organismen, ist also schon aus sich entweder -moralisch oder unmoralisch. Wir haben also die Pflicht, die Erkenntnis -dieser Lebensbedingungen in uns zu fördern, damit wir ihre -Zweckmäßigkeit erfahren. Diese Erkenntnis wird uns aber, wie wir gesehen -haben, in erster Linie durch unsere Sinne. - -Die Schulung, resp. ~Veredelung der Sinne~ ist daher für die Erzeugung -einer gesunden Moral Voraussetzung. Pervers gerichtete Sinne bringen -auch eine perverse Moral hervor. Unser jetziges Kulturleben mit seinen -Perversitäten bezeugt dies. - -In abnormer und übertriebener Weise wird das Sinnesleben der modernen -Menschen beansprucht, daher vorzeitig verbraucht und falsch gerichtet. -Was Wunder, daß Irrenhaus und Zuchthaus so bevölkerte Sammelplätze aller -derjenigen Personen geworden sind, deren Denk- und Handlungsweise so -sehr vom normalen abweicht, daß sie zur Gefahr für ihre Umgebung werden! -~Nur auf dem Wege der Gesundung und Gesunderhaltung der Sinne wird man -auch einen Gesundheitszustand der Moral erhalten~. - -Dasselbe, was ich vom Schönheits-, Wahrheits- und moralischen Gefühl -gesagt habe, gilt von jeder Art des Gefühls, z. B. auch von dem -religiösen Gefühl, d. h. demjenigen Gefühl, welches uns in ein -bestimmtes ~persönliches~ Verhältnis zur Gottheit bringt. - -Wie das Gefühl auch immer heißen mag, in jedem Fall wird dasselbe durch -die Kraft des Geistes vertieft. - -~Nicht minder abhängig, als die Denk- und Fühlkraft der Seele von den -Sinnen ist, ist auch das Triebleben oder die Willenskraft von -denselben~. - -Die geschulten Sinne melden früher und intensiver die Verunreinigung von -Wasser, Luft, Speisen etc. an als stumpfe Sinne, erzeugen demnach ein -viel lebhafteres ~Empfinden der energischen Abwehr~. Ebenso steigert -eine vertiefte Erkenntnis die Energie des Willens. - -~Die Kraft der Sinnesorgane kann aber durch Leibesübungen erheblich -gesteigert werden~, wofern man nur jegliche ~einseitige~ Uebung eines -Sinnes ~vermeidet~, wofern man den richtigen ~Wechsel~ von Ruhe und -Arbeit der Sinnesorgane berücksichtigt und schließlich jegliche -~Uebermüdung~ der Organe ~ausschaltet~. - -Die Sinnesorgane haben im wesentlichen ihren Sitz im Kopf und in der -Haut. ~Alle diejenigen Uebungen, welche eine Erholung des Kopfes und des -Hautorgans bewirken, werden auch die Sinnesorgane erfrischen~. - -[Abbildung: Tafel II. - -Fig. 8. Passive Kopfdrehung. - -Fig. 9. Passives Auseinander- und Zusammenführen der Arme. (Künstliche -Atmung.)] - -Ein wichtiges Moment, das bei der Uebung der Sinnesorgane beachtet -werden muß, ist, daß man den betreffenden Sinn nicht nur vielseitig -methodisch übt, sondern auch stets rechtzeitig ~ruhen~ läßt. Will man z. -B. das Fernsehen des Auges üben, so tut man gut, daß man den in der -Ferne zu schauenden Gegenstand zunächst nach Form, Farbe etc. ganz genau -aussieht, die Augen darauf schließt, und geistig sich das Gesehene -veranschaulicht. Hat man diese geistige Photographie in allen Nuancen -dem Gedächtnis einverleibt, so erweitert man die Entfernung. -Nachdem man durch Schließen der Augen denselben die nötige Ruhe -verschafft hat, besieht man mit dem erholten gekräftigten Sehorgan aus -weiterer Entfernung, sucht alle Details des Erinnerungsbildes unter -abwechselndem Schließen und Oeffnen der Augen wiederholt zu schauen. So -lernt das Auge methodisch das Fernsehen, auf ähnliche Weise trainiert -man dasselbe im Farben- und Perspektivsehen etc. - -[Abbildung: Tafel III. - -Fig. 10. Oeffnen und Schließen der Beine als Widerstandsbewegung. - -Fig. 11. Armsenken als Selbsthemmungsübung.] - -In gleicher Weise lernt das Ohr hören, die Haut tasten, die Nase -riechen, die Zunge schmecken. - - - - -II. Teil. - -Wert einiger besonderer Arten der Bewegung. - - -Haben wir nun erfahren, wie Leibesübungen auf alle Teile des Körpers und -Geistes wirken, so müssen wir uns einige Sonderheiten derselben -vergegenwärtigen, um sie individuell und zu bestimmten Zwecken erweitern -zu können. - -Denn Bewegungen dienen nicht allein dem Zwecke des Gesundwerdens und -Gesundbleibens, sondern können zur ~Selbstzucht~ benutzt werden, wie -dies in der sogenannten ~pädagogischen~ Gymnastik geschieht, wo man -bestrebt ist, den Körper dem eigenen Willen zu unterwerfen. Oder man -kann die Bewegungen benutzen, um einen fremden Willen unter den eigenen -zu beugen, wie dies z. B. beim Schießen, Fechten etc. in der -~militärischen Gymnastik~ statt hat. Schließlich kann man Bewegungen -~ästhetisch~ benutzen, um sein Denken und Fühlen körperlich zu -veranschaulichen. - -Wir können nun unsere Bewegungen so einrichten, daß wir uns dabei ganz -gleichgültig (passiv) verhalten und unsere Glieder von einem zweiten -Menschen oder einer Maschine bewegen lassen. Dann spricht man von einer -~Passivbewegung~. (Fig. 8 und 9.) - -Oder wir können unsere Glieder selbsttätig bewegen, dann spricht man von -einer ~Aktivbewegung~. - -Diese Aktivbewegungen kann man sehr verschiedenartig gestalten. Man kann -z. B. einen Widerstand einschieben. Beugt man den Arm im -Ellenbogengelenk, während ein anderer Mensch diese Beugung zu verhindern -sucht, so muß man dessen Kraft beim Widerstand überwinden. Hält man den -Arm in der Beuge, ein zweiter Mensch streckt mit stärkerer Kraft -denselben, so daß man nun entsprechend der eigenen Kraft nachgeben muß, -so fügt man sich dem Widerstand. In dem ersten Falle spricht man von -einer aktiv duplizierten, im zweiten von einer passiv duplizierten -~Widerstandsbewegung~. (Fig. 10, 14, 14^a^, 15.) - -Der Widerstand kann in der verschiedensten Weise gegeben sein, -z. B. durch menschliche Gegenkraft beim Ringen, durch maschinelle -in der Heilgymnastik, durch Gewichte beim Hanteln oder in der -Schwergewichtsathletik etc. - -Wenn man den Widerstand aus dem eigenen Ich, dem eigenen Willen heraus -schafft, so spricht man von einer ~Selbsthemmungsbewegung~. (Fig. 11.) -Geht man z. B. denselben Weg, den man gewöhnt ist in fünf Minuten -zurückzulegen, ~absichtlich~ unter Beanspruchung der völligen -~Aufmerksamkeit~ in zwanzig Minuten, so ist man genötigt, den Schritt um -das vierfache zu verlangsamen. Man wird seine ganze Willenskraft und -Aufmerksamkeit darauf richten müssen, die Schritte so zu hemmen, daß man -nicht ungleichmäßig ausschreitet oder stehen bleibt oder schneller wird, -als man sich vorgesetzt hat. - -Geht man diesen Weg bergan oder mit einem Menschen am Arm, welcher -gewohnheitsgemäß langsam ausschreitet, so wird einem die ~Bremsarbeit~ -leichter fallen als unbelastet und ungehindert. Die langsamste und am -wenigst belastete Selbsthemmungsbewegung erfordert die höchste Arbeit. - -[Abbildung: Fig. 13. Keulenschwingen, eine Förderungsbewegung.] - -In gewissem Gegensatz zur Selbsthemmungsbewegung steht die sogenannte -~Förderungsbewegung~. (Fig. 12, 13, 14^a^.) Diese Bewegung hat keinen -Widerstand zu überwinden und geschieht ~rhythmisch~ und ~automatisch~ -ohne jede Anstrengung körperlicher oder geistiger Art. Sitzt man z. B. -im Schaukelstuhl und wiegt sich in demselben hin und her, so bedarf es -nur des ersten Anstoßes, dann schwingt der Körper im Stuhle hin und her, -ohne daß man die Muskeln in Bewegung setzen oder das Gehirn durch den -Aufmerksamkeitsakt in Anspruch zu nehmen braucht. Eine derartige -Bewegung ist auch das ~Gehen in der Ebene~, denn das Körpergewicht -stellt hier die Schwungmasse vor, welche den Körper rhytmisch und -automatisch fortbewegt. Und gerade der ~Rhythmus der Bewegung~ ist dabei -das fördernde Moment, man denke nur, wie leicht man beim Marsche -ausschreitet, den man nach dem Rhythmus einer Musikkapelle etc. -ausführt, wie leicht man nach den Klängen der Musik tanzt. - -[Abbildung: Fig. 14 ^a^. Widerstands- und Förderungsbewegung des -Holzsägens.] - -Diese ~reine~ Förderungsbewegung kann man zu einer sogenannten -~belasteten~ Förderungsbewegung machen, wenn man ihr einen ~Widerstand~ -entgegensetzt. - -[Abbildung: Tafel IV. - -Fig. 12. Vorderarm-Beugen und Strecken als Förderungsbewegung. - -Fig. 14. Widerstandsübung mit Largiadère’s Bruststärker.] - -Läßt man z. B. die rhythmische und automatische Bewegung des Gehens -statt in der Ebene als Bergsteigen ausführen, so stellt die Steigung -der Berge einen Widerstand, eine Belastung vor. - -Die reine Förderungsbewegung wirkt auf die Nerven ~beruhigend~ und bahnt -dem Willensantrieb den Nervenweg vom Gehirn zum Muskel. Dann spricht man -von der sogenannten „~bahnenden~” Bewegung, einer Form der sogenannten -~Koordinationsübungen~. - -Die Koordinationsübungen sind Uebungen, welche die ~Ordnung~ der -Bewegungen erzielen will. Sie reguliert diese Art der Bewegung durch den -Gesichts- und Muskelsinn, sowie den übrigen Empfindungsapparat. - -Aus dem Charakter der geschilderten Bewegungen folgt von selbst die -verschiedene ~individuelle~ Ausnutzbarkeit. Je nach der körperlichen und -geistigen Anlage kann sich das Individuum die für ihn passende Bewegung -heraussuchen. Denn es ist durchaus nicht notwendig, daß z. B. der -kreislaufkranke Mensch wegen dieses seines körperlichen Fehlers auf jede -Bewegung verzichtet, ja in vielen Fällen begeht er eine -Unterlassungssünde. Wenn er Vorteil und Nachteil der Bewegungen kennt, -wird er jenen sich zu eigen machen, diesen zu vermeiden wissen. - -~Muskelarbeit~ ist z. B. für ~Herzkranke~, welche einen sogenannten -kompensierten Herzfehler haben, ein sehr richtiges ~Diätikum~, damit -Stoffwechsel und Herzernährung nicht leiden. Aber diese Muskelarbeit muß -so bemessen sein, daß sie keinerlei Beschwerden verursacht. - - - - -III. Teil. - -Wert der Sportübungen, des Turnens, von Spiel und Tanz. - - -1. Der Sport. - -Alle ~Sportübungen~ haben ein ~gemeinsames Charakteristikum~, nämlich -das, daß sie ziemlich erhebliche ~Anforderungen an die Kraft und -Gewandtheit der Sinne und des Geistes stellen~. Dem Reiter, wie dem -Radfahrer, Schwimmer, Ruderer etc. begegnen bei der Ausübung des Sportes -ungezählte, unvorhergesehene Dinge, die, wenn sie seiner Aufmerksamkeit -entgehen, ihm Gefahr bringen können. Der Reiter muß nicht nur auf den -Reitweg, sondern auch auf die Individualität seines Pferdes acht haben; -für den Radfahrer, Segler etc. gilt ähnliches. Er muß, wenn er mit -Vorteil seinen Sport ausüben will, eine gewisse innere Ruhe besitzen und -in der Handhabung des Sportinstrumentes geübt sein. - -~Der Sport setzt~ demnach, soll er mit Vorteil ausgeübt werden, ~eine -turnerische Ausbildung und geschulte Sinne voraus~. Meist wird der Sport -leider einseitig und unvernünftig betrieben, und übt häufig nur einzelne -Muskelgruppen und wird dadurch zum Schädigungsmittel des Körpers. -Betreibt man denselben jedoch mit genügender Rücksicht auf die Hygiene -und die Aesthetik, so kann dies angewandte Turnen nicht nur zu einer -vorzüglichen Schulung der Sinne und des Geistes, sondern auch der -Gelenkigkeit des Körpers werden. - -Welche Uebungen wir auch immer treiben, wir müssen dieselben stets -sowohl zur Entwicklung unserer Körperkräfte, als auch der Gelenkigkeit -betreiben. Denn gerade ~Gewandtheit gebrauchen wir im gewöhnlichen Leben -mehr als Kraft~. Meistens gebrauchen wir in der Praxis des Lebens nur -leichte Gegenstände, diese aber im schnellen Wechsel und in schneller -Aufeinanderfolge. Genau so wie dem Muskelapparat ergeht es unseren -Sinnen und unserem Denkvermögen. Die Gewandtheit der Sinne, schnell die -Gegenstände wahrzunehmen, wird im praktischen Leben mehr Erfordernis, -als schwer wahrnehmbare durch die Kraft der Sinne zu eruieren, und die -Lösung schwieriger Probleme wird von uns für gewöhnlich nicht gefordert, -als vielmehr nur leichte Denkübungen zu treiben, um den schnellen -Wechsel einfacher Lebensverhältnisse auch schnell zu erfassen. - -~Kraft und Gelenkigkeit stehen nun aber in einem gewissen gegenseitigen -Verhältnis~. - -Treibt z. B. der berufs- und gewohnheitsmäßig viel Sitzende täglich -körperliche Uebungen um den hygienischen Ausgleich gegen die -aufgezwungene Ruhe und die Einseitigkeit der Denkarbeit zu schaffen, und -verwendet auf diese Uebungen seine volle Kraft, so wird er in Wochen, -Monaten und Jahren zu einer bestimmten Höhe der Kraftentwicklung -gelangen. Schränkt der Uebende nun im täglichen Uebungspensum die Zahl -der Kraftübungen ein und veranstaltet an deren Stelle eine Zahl -Gelenkigkeitsübungen, so wird er zu seiner Freude bemerken, daß der -Fortschritt in dieser Uebungsperiode mindestens der gleiche, wenn nicht -sogar ein größerer ist. - -~Daraus folgt, daß die Kraftentfaltung eine schnellere und größere ist, -je mehr die Kraftübungen mit Gelenkigkeitsübungen abwechseln~. - -Diejenige Uebung, welche ~gleichmäßig~ Kraft und Gelenkigkeit ausbildet, -ist deswegen auch als die naturgemäße zu bezeichnen und deswegen auch -die schöne und zweckmäßige. - -Ein Körper, welcher ~nur~ Kraftübungen treibt, wird plump und -vierschrötig und bleibt frühzeitig in der Entwicklung stehen. Ein Körper -hingegen, welcher ~nur~ Gewandtheitsübungen macht, entbehrt bald der -schönheitlichen, kraftstrotzenden Abrundung. Ausdauer, Schnelligkeit und -Sicherheit der Gewandtheit wachsen rasch bei gleichzeitigen -Kraftübungen. Nur durch die innige Durchdringung beider Uebungsarten -wird die ~architektonische Schönheit~ und gleichzeitig die Schönheit der -Bewegung, die sog. ~Anmut~, erworben, und nur so wird die ~Würde~ der -Bewegung erreicht. Deswegen gebührt z. B. auch den bei uns so sehr -vernachläßigten und mißverstandenen Uebungen des ~Tanzens~ und ~Ringens~ -eine hervorragende Stelle in der körperlichen Erziehung. - -In der Schule der Kraft- und Gelenkigkeitsentfaltung unseres Körpers, -unserer Sinne und unseres Geistes steht aus denselben Gründen aber auch -ein vernünftig betriebener Sport obenan. Nur darf nicht eine Sportart -allein, sondern müssen mehrere Sportarten die sich gegenseitig ergänzen, -zur vernünftigen Leibeserziehung herangezogen und diese wiederum -hygienisch und ästhetisch betrieben werden. - - -^a^) ~Das Reiten~. - -Das Reiten, soweit es nur der Fortbewegung dient, beansprucht relativ -geringe Kraft. Die Allgemeinermüdung ist eine relativ geringe, weil der -Reiter „sich nur in einer gewissen Haltung heben läßt”, also zunächst -mehr passiv tätig ist. Herz und Lunge werden nur wenig beansprucht. -Dagegen ist die örtliche Ermüdung der Adduktoren des Oberschenkels -(Anzieher des Oberschenkels) eine erhebliche. Günstig wirkt das dauernde -Erschüttern des Körpers auf die Verdauung und die stetige Aufmerksamkeit -auf den Weg und das Pferd vorzüglich geistig ableitend, besonders bei -denjenigen Menschen, welche sich gewohnheitsgemäß und krankhaft viel mit -sich selbst beschäftigen, also auf Hysterische, Hypochonder und -Neurastheniker. Anders liegen natürlich die Verhältnisse bei demjenigen -Reiter, welcher liebevoll die Individualität resp. die Rasse seines -Pferdes erfaßt, und nur so kann er das Reiten zu einer Reitkunst -erheben. Wer die Leistungfähigkeit seines Pferdes entwickeln will, muß -die Eigentümlichkeit seines Pferdes berücksichtigen, sonst wird er eben -aus demselben nichts zu machen wissen und dasselbe verderben, -andernfalls jedoch dasselbe voll und ganz beherrschen. Die -Kraftanstrengung ist dementsprechend eine höhere, namentlich beim -Dressieren oder Zureiten eines unbändigen Pferdes, wo der Reiter bald, -wie man sagt, bis aufs Hemd naß ist. Hierbei gebraucht der Reiter nicht -nur die Bein-, sondern vor allem auch die Armmuskulatur. - - -^b^) ~Das Radfahren~. - -Billiger als das Reiten ist bekanntlich das Radfahren, das, wie das -Reiten eine Bewegung in frischer Luft ist. Die Reinheit der Luft läßt -allerdings häufig viel zu wünschen übrig, weil ja der Radfahrer die -staubigen Chausseen benutzen muß. Der Stoffverbrauch ist beim Radfahren -ein sehr bedeutender, während das Ermüdungsgefühl ein sehr geringes ist. -Der Körper verbrennt erhebliche Mengen Eiweiß und Fett und verliert -große Mengen Körperwassers; deshalb wirkt dieser Sport so vorzüglich bei -fettsüchtigen Menschen und durch die Erhöhung des Stoffwechsels bei -gleichzeitiger Erschütterung des Körpers auch befördernd auf schlechte -Verdauung. Der Radfahrer hat ein hohes Sauerstoffbedürfnis und vertieft -deswegen ausgiebig seine Atmung, während die Zahl der Atmungszüge bei -vernünftigem Training nicht vermehrt wird. Wer daher die ruhige -vertiefte Atmung beim Radfahren übt, der übt in hervorragender Weise -seine Lungen und kann aus seinem schwachen Atmungsapparat einen -äußerst kräftigen entwickeln. Trotzdem ist dem beginnenden -Lungenschwindsüchtigen wegen der Gefahr der Blutung und des vielen -Staubschluckens vom Radfahren abzuraten. Die Gefahr des Staubatmens wird -durch eine reine Nasenatmung vorgebeugt. - -Ein großer Vorteil des Radfahrens ist auch das geringe Ermüdungsgefühl. -Deshalb wirkt dieser Sport so hervorragend gut bei leichteren Graden der -Nervenschwäche und sonstigen nervösen Zuständen. Abgesehen davon, daß -der Nervenschwache sich in frischer Luft bewegt und damit der -gleichzeitigen günstigen Einwirkung des Lichtes auf Körper und Geist -ausgesetzt ist, daß die Abwechselung in der Natur nie Langeweile oder -nervöse Verstimmungen aufkommen läßt, macht er sich die Vorteile der -sogenannten Förderungsbewegung zu nutze. Und das Radfahren ist eine noch -viel bessere Förderungsbewegung als das Gehen. Ein Radfahrer gebraucht, -wenn er einen Weg von 7 Kilometern noch einmal so schnell zurücklegt, -als ein gemütlich ausschreitender Wanderer, nur die Hälfte der von -diesem aufgewendeten Energie und diese Ersparnis wächst entsprechend dem -schnelleren Tempo beider für den Radfahrer. Dies Verhältnis besteht -natürlich nur so lange zu Recht, als das Radfahren eine ~automatische~ -Bewegung ist. Das Radfahren ist nur für den Geübten eine -Förderungsbewegung; ~wer es erst erlernen muß, für den ist es eine -Anstrengung, der er in Krankheitsfällen~ eventuell nicht gewachsen ist, -und er muß auf das gesundmachende Mittel verzichten, weil er in gesunden -Tagen diese Kunst nicht erlernt hat. - -Kann das geringe Ermüdungsgefühl des Radfahrens daher von großem Vorteil -sein, so kann es auch bedeutende ~Nachteile~ mit sich bringen. Denn der -Fahrer täuscht sich leicht über die Erschöpfung seines Herz- und -Gefäßapparates hinweg, wie die Erfahrung gezeigt hat, weil er sie nicht -rechtzeitig fühlt und erwirbt sich Zustände der akuten Herzerweiterung, -der Verletzung des Herznervenapparates und der Herzmuskelverdickung mit -ihren Folgezuständen. Deswegen ist dem Herzleidenden im Allgemeinen der -Radfahrsport gefährlich. Ganz verwerflich ist es ferner, wenn Radfahrer -Mittel gebrauchen, welche sie scheinbar erfrischen aber im Grunde nur -über das Ermüdungsgefühl hinwegtäuschen, wie dies durch den Kokagenuß -geschieht. Im Gegenteil, jeder Radfahrer muß sorgfältig auf den Beginn -der Herzermüdung achten. Gewisse Sportregeln sollte ferner der Fahrer -nie außer Acht lassen. - -Die Fahrgeschwindigkeit auf ebenem Terrain soll die von 15 Kilometern in -der Stunde nicht übersteigen, sie soll eine geringere sein auf -gepflasterter Straße, bei Gegenwind und bei Steigungen. Diese -Sportregeln müssen um so mehr beachtet werden, je größer die -Uebersetzung des Rades ist, weil sich die Muskelarbeit auf weniger -Umdrehungen konzentriert. - -Wichtig ist ferner Sitz und Haltung des Radfahrens für die Gesundheit. -Der Sattel, auf welchem der Fahrer sitzt, darf nicht nach vorn zu schmal -werden und keine nach oben gewendete Spitze haben, weil er sonst das -Dammfleisch und die benachbarten Organe beleidigt, sondern muß so -eingerichtet sein, daß der Fahrer bequem auf den beiden Sitzknorren -sitzt. - -Damit die Lungen ausgiebig atmen und das Zwerchfell bequem nach abwärts -steigen kann, muß das Rad so gebaut sein, daß der Fahrer aufrecht sitzen -kann. Der Sattel muß so hoch über den Pedalen liegen, daß beim -Durchtreten der Fuß und das Knie nur mäßig nach abwärts gebeugt werden -brauchen. Unter den genannten Voraussetzungen ist das Fahrrad dann auch -für Kinder und Frauen zu empfehlen. Letztere dürfen natürlich nicht -durch den Panzer des Korsetts die vorteilhaften Wirkungen auf Atmung -und Herz illusorisch machen. - - -^c^) ~Das Rudern und Segeln~. - -Im Gegensatz zu der Gelenkigkeitsübung des Radfahrens ist das Rudern -eine Kraftübung, welche in staubfreier und meist etwas kühlerer Luft auf -dem Wasser statt hat. Die Gefahren der Staubeinatmung und der -Ueberhitzung werden damit beseitigt. Vorwiegend werden beim Rudersport -die Muskeln des Rumpfes und der Arme geübt. Wenn die Arme die Ruder an -den Körper heranziehen, so werden dabei nicht nur die Armmuskeln -gebraucht, sondern auch die vom Brustkorb zu den Armen verlaufenden -Muskeln, die wir als Hilfsmuskeln der Atmung kennen gelernt haben; aber -auch die Brust-, Leib- und Rückenmuskeln werden gleichzeitig gebraucht, -um den Rumpf als Stützpunkt fest zu machen. Dazu kommt das Vorwärts- und -Rückwärtsneigen des Rumpfes, welches Bauch- und Rückenmuskulatur -kräftigt und die normale Bewegung der Verdauungsorgane steigert, und, -sofern der Ruderer das Tempo der Ruderführung nach der Atmung einstellt, -resp. auf ruhige Atemführung achtet, der Atemschulung förderlich wird. -Aber auch die Beine nehmen schließlich an der Körperarbeit teil, -wenigstens, wenn die Ruderschläge weit ausholen; denn gegen das -Stemmbrett gestützt, müssen sie durch Beugen und Strecken die -Körperbewegungen begleiten. In den Sportsbooten mit ihren Gleitsitzen -wird den Beinen die Hauptarbeit übertragen, dadurch aber der Oberkörper -weniger geschult. Diese Art der Sportsübung ist daher wie jede andere -Höchstleistung in der sportlichen Konkurrenz eine vorzügliche Schulung -des Willens, aber sie bringt körperliche Schädigungen mit sich, die nur -ein völlig gesunder und ausgewachsener Körper gelegentlich sich zumuten -darf. - -Als körperliche Uebung kommt der ~Segelsport~ wenig in Frage. Abgesehen -davon, daß er dem Segler einen Einblick und Urteil in marinetechnischen -und Weltverkehrsfragen verschafft, erzieht er denselben zur -Kaltblütigkeit. - - -^d^) ~Das Schwimmen~. - -Wichtiger für die Körperpflege ist der Schwimmsport. Derselbe bietet wie -der Rudersport die Staubfreiheit der Wasserfläche; die Abhärtung und -Reinlichkeitspflege der Körperoberfläche sind weitere Vorteile. Eine -Ueberhitzung durch forcierte Bewegung ist durch die gleichzeitige -Wasserabkühlung ausgeschlossen. Letztere setzt aber auch soviel Blut und -Wärme voraus, daß der Schwimmende sich durch die Bewegung die nötige -Reaktion verschaffen kann. Die Schwimmbewegung nimmt besonders die -Extremitätenmuskulatur in Anspruch, aber auch Herz- und Lungenkraft, -besonders beim Schwimmen gegen den Strom und beim Schnellschwimmen. -Schwimmt man jedoch in ruhigem Tempo, so kann man die Schwimmübung zur -Dauerübung erheben, der erst die je nach der Temperatur des Wassers mehr -oder weniger schnell eintretende starke Abkühlung, Einhalt gebietet. -Menschen mit Fehlern im Kreislaufsystem kann Schwimmen gefährlich -werden. - - -^e^) ~Das Gehen in der Ebene und das Bergsteigen~. - -Eine der vorzüglichsten ~Förderungs~bewegungen ist das ~Gehen in der -Ebene~, das automatisch wie die Atmungstätigkeit geschieht, weil es sich -ohne Aufmerksamkeit und rhytmisch vollzieht. Der Kraftverbrauch ist ein -relativ geringer. Die Muskelarbeit wird von den besttrainierten Muskeln -des Körpers, den Beinmuskeln geleistet, die 56% der Gesamtmuskulatur -ausmachen. Die Ermüdung tritt daher nicht durch die Beinmuskulatur, -sondern durch die Erschöpfung von Lungen und Herz ein, denn der Gehsport -regt ungemein stark die Atmungs- und Kreislauftätigkeit an. Da aber die -Steigerung der Ermüdung eine allmähliche ist, so kann nur durch starke -Uebertreibung der Organismus geschädigt werden. Aus demselben Grunde ist -der Gehsport der heranwachsenden Jugend und alten Leuten ohne Bedenken -zu empfehlen. - -Das Gehen gegen einen gewissen Widerstand ist der ~Bergsport~. Er bietet -zunächst die Vorteile der Höhenluft, die im wesentlichen in einer -Anregung auf die Tätigkeit unserer Organe besteht und damit dieselben -zur körperlichen Uebung zwingt. Da heißt es Ausdauer beweisen, bald -bergauf bald bergab zu steigen. Beim Anstieg werden Herz- und -Lungenkraft stärker beansprucht, und kann man gerade deswegen, wenn man -systematisch vorgeht die Herzkraft steigern. Beim Absteigen hat der -Körper je nach dem Grade der Neigung eine verschieden große Bremsarbeit -zu leisten. Ist man zum Klettern gezwungen, so schafft der Vorteil der -Abwechslung Anregung, andererseits wird der Bergsteiger zur sachgemäßen -Handhabung des Bergstocks oder des Eispickels gezwungen, dazu kommt die -Anstrengung des Seilhaltens. Die Arme sind also nunmehr in ähnlicher -Weise wie die Beine zur Arbeit gezwungen. Je schwieriger die Bergpartien -werden, um so mehr wird das Nervensystem beansprucht. Denn Auge und Ohr -werden intensiv gebraucht, die äußerste Aufmerksamkeit, Kaltblütigkeit -und Schwindelfreiheit sind erforderlich, will man nicht einen Unfall -erleiden. Deshalb ist der Bergsport nur für den absolut gesunden -Menschen brauchbar und jede Uebertreibung desselben aufs sorgfältigste -zu meiden. - - -^f^) ~Das Schlittschuh- und Schneeschuh-Laufen~. - -Zum Wintersport gehören das Schlittschuh- und das Schneeschuh-Laufen. -Beide sind in sofern sehr schätzenswert, als sie uns aus der durch -mangelnde Lüftung, durch Beleuchtung und Heizung verdorbenen -Stubenluft ins Freie locken. Die Kräfte, die wir beim Eislauf -gebrauchen, sind nicht erhebliche, wenigstens nicht für den geübten -Läufer, und solange das Laufen nicht zum Kunstlauf erhoben wird, ist der -Eislauf eine gute Förderungsbewegung. Einer Ueberhitzungsgefahr ist der -Läufer wegen der Kälte des Luftmediums nicht ausgesetzt. Gegen Erfrieren -einzelner Körperteile kann er sich durch verstärkte Eigenbewegung und -Bekleidung schützen. Der Kunstlauf ist abgesehen von der stärkeren -örtlichen Muskelermüdung eine vorzügliche Uebung der Geschicklichkeit. - -[Abbildung: Tafel V. - -Fig. 15. Die Meisterschaftsringer Jakob Koch und Saurer im Bodenkampf. - -(Beispiel der Widerstandsbewegung.)] - -Wesentlich größeren Kraftaufwand erfordert der Schneeschuhlauf, weil der -Schnee eine stärkere Reibung als das Eis und damit einen größeren -Widerstand bedingt. Dies gilt wenigstens für die Aufwärtsbewegung, die -bei schwierigem Terrain sogar zu Erschöpfungszuständen, besonders des -Herzens führen kann. Dagegen ist beim windschnellen Abflug die Arbeit -eine minimale und wird nur zum Balanzieren des Körpers und zum Bremsen -gebraucht. - - -^g^) ~Fechten, Boxen und Ringen~. - -Hohe Anforderungen an die ~Sinnes- und Nervenkraft~ stellen die Uebungen -des Fechtens, Boxens und Ringens. Die Aufmerksamkeit ist aufs höchste -gespannt, um die Blöße des Gegners schnell zu erkennen und auszunutzen. -Die Muskelarbeit beim Fechten und Boxen ist eine geringere als beim -Ringen, bei welchem der Widerstand des Gegners gleichzeitig zu -überwinden ist. ~Das Ringen ist eine Widerstandsgymnastik ^par -excellence^, die ebenso Gewandtheit als Kraft und Ausdauer von allen -Teilen des Körpers, von den Sinnen, Organen und Muskeln~ erfordert. -(Fig. 15.) Voraussetzung ist eine allseitige Ausbildung des Körpers. Die -Kraftübung ist hier zur Dauerübung gemacht und stellt die höchsten -Anforderungen an Atmung und Herztätigkeit. Zustände von Herzdehnung und -Herzübung findet man bei Ringern sehr häufig und die meisten -Berufsringer sterben relativ frühzeitig an Herzleiden, zumal wenn sie -die Herzarbeit durch Flüssigkeitszufuhr noch erhöhen, wie dies durch -Trinken besonders alkoholischer Getränke geschieht. Die wenigsten -Berufsringer haben ihre Atmung gut geschult und glauben eine gute -Atemschule nicht notwendig zu haben, weil sie während des Ringens nur -sparsam und oberflächlich atmen. Hat der Ringer jedoch gelernt, die -Pressung während der größten Kraftanstrengung auf ein Mindestmaß zu -beschränken und die Atmung unabhängig von der Muskelarbeit zu gestalten, -so würde sein Herz langsamer ermüden, ebenso wie der ganze Körper und -müßte er gegen einen gleich starken und gleich gewandten Gegner -notwendig durch seine Ausdauer siegen. - -~Der Ringkampf ist so recht eigentlich das Examen für die leibliche -Tüchtigkeit und die stetige Repetition des einmal Erlernten und müßte in -erster Linie zur Erziehung leiblicher Gesundheit auf unseren Schulen -gepflegt werden~. Er ist vor allem geeignet, echte ~Ritterlichkeit~ in -unserer Jugend heranzubilden, wofern die Ringenden angehalten würden, -ihre Ueberlegenheit dadurch zu beweisen, daß sie den Gegner nicht roh zu -Falle bringen, sondern gleitend und schonend. - - -2. Turnen und Turnspiele. - -Das ~deutsche Turnen~ hat ~drei Arten~ der Körperausbildung, ~die -Gerät-, die Ordnungs- und die Freiübungen~. - -[Abbildung: Fig. 16. Turnen am Barren.] - -Beim ~Gerätturnen~ werden alle Muskeln ausgebildet und die Koordination -geschult. Bock, Pferd und Springschnur dienen der Ausbildung der Beine, -Reck, Ringe und Barren (Fig. 16 u. 16^a^) der der Arme. Die Ausbildung -der Beine durch die verschiedene Art des Sprunges (Fig. 17) sollte man -nicht durch Benutzung von Sprungbrettern gefährden, weil durch -ungeschickten Absprung von denselben leicht Verstauchungen der Füße -vorkommen. Verletzungen des Fersenbeins und Gehirnerschütterungen beim -Niedersprung können durch „Federn” in den Zehengelenken und durch -Weichheit der Niedersprungsstelle vermieden werden. Zur Stählung des -Mutes ist der Sprung über ~feste~ Sprunggeräte wie Pferd, Sprungkästen -geeigneter. Eine aufmerksame und geschulte Hilfe sollte nie fehlen. Bei -den Stütz-Uebungen am Barren, am Reck und an den Schaukelringen besteht -die Gefahr der Pressung, die sorgfältigst ausgeschaltet werden muß. - -[Abbildung: Fig. 16 ^a^. Hochsprung.] - -Der Vorwurf, der dem deutschen Gerätturnen öfters gemacht wird, daß er -die obere Extremität einseitig auf Kosten der unteren ausgebildet, -existiert für den ~vernünftigen~ Turner nicht. Auch hat man behauptet, -daß das Geräteturnen langweilig sei, weil nur einer jedesmal am Gerät -beschäftigt sei und die übrigen gelangweilt umherstehen. Dieser Nachteil -besteht jedoch nur da, wo die Anregung und das Vorbild des Lehrers oder -Vorturners fehlt. Der Nachturner nimmt sinnlich das Bild der ein- oder -mehrfach vorgeführten Uebung auf, schafft sich ein geistiges Bild von -derselben und wird so leichter die Uebung nachbilden können, er hat Muße -bis zur nächsten Uebung auszuruhen und Kräfte zu sammeln. Die -Koordinationstätigkeit ist dadurch eine wesentlich leichtere, weil sie -vorbereitet ist, und der richtige Wechsel von Anstrengung und Erholung, -von körperlicher und geistiger Arbeit gegeben. - -[Abbildung: Tafel VI. - -Fig. 17. Der Diskuswurf.] - -Die ~Ordnungsübungen~ imponieren zwar dem Auge, sind aber zeitraubend -und belasten als Gedächtnisübung zu sehr das Gehirn, welches ohnehin bei -den heutigen Ansprüchen an unserem Schul- und Berufsleben schon stark -beansprucht wird. Die notwendige stärkere Ausarbeitung des Körpers aber -fällt bei den Ordnungsübungen fast ganz fort. Sie sind also nur für die -noch durch keine geistige Arbeit in Anspruch genommenen Kinder und den -Spielschulen zu empfehlen, oder da, wo ein sogenannter Drill -wünschenswert ist. - -Bei den ~Freiübungen~ unterscheidet man solche mit und ohne Fortbewegung -des Körpers und solche, welche unbewaffnet oder bewaffnet mit Keulen, -Hanteln oder Stäben ausgeführt werden. Die Bewaffnung hat den Zweck, die -Uebung schwerer, schwungreicher und energischer zu machen, sie als eine -Widerstands- oder Förderungsbewegung zu charakterisieren. Die -Freiübungen sind für das Atmungs- und Herztraining, für die Schulung des -Willens, für den Ausgleich fehlerhafter Körperhaltungen, für den -individuellen und systematischen Aufbau von Körperkraft, für Erzielung -von Anmut und architektonischer Schönheit und in der Schulung der -Gelenkigkeit von ungeheurem Wert, zumal sie wenig Platz und wenig -Handhaben benötigen und deshalb für die Hausgymnastik unersetzbar. Eine -vorzügliche Schule für Lunge und Herz sind die Freiübungen mit -Ortsbewegung, das Gehen und Laufen. Der ~militärische Marsch~ kräftigt -die Muskeln der Beine und des Rückens, vergrößert die Schrittweite und -erhöht die Ausdauer namentlich wenn er im sogenannten ~Beugegang~ -ausgeführt wird, d. h. wenn mit der ganzen Fußsohle aufgetreten, mit -gebeugten Knieen und mit nach vorn geneigtem Oberkörper marschiert -wird. Der ~Parademarsch~ hat weniger Wert für die Gesundheit, als für -den Drill. Der ~Kunstgang~ ist hygienisch wenig ausnutzbar. - -Der ~Lauf~ bringt je nach der Art der Ausführung einen verschiedenen -Nutzen. Der ~Schnellauf~ stellt hohe Anforderungen an die Herzkraft und -sollte entsprechend dem großen Bewegungsbedürfnis der wachsenden Jugend -derselben überlassen bleiben. Bei dem noch im Wachstum begriffenen -Körper entwickelt sich das Herz relativ stärker als die übrigen Organe, -es gebraucht also auch einen größeren Wachstumsreiz durch die Bewegung, -das Gefäßrohr ist vermöge seiner Jugendlichkeit elastischer, kann sich -deshalb besser den gesteigerten Anforderungen anpassen. Für den -erwachsenen Körper hat der ~Dauerlauf~ größeren hygienischen Wert, zumal -wenn die Dauer der Leistung nur eine allmähliche und systematische -Steigerung erfährt und mit gebeugten Knieen gelaufen wird. - -Die ~Turnspiele~ teilt man ein in ~Ball~- und ~Laufspiele~. Barlauf, -„Fürchtet euch nicht vor dem schwarzen Mann”, Dritten abschlagen, -Lawn-Tennis, Vierball, Schleuderball, Fußball, Cricket etc. sind solche -Spiele, welche mit den hygienischen Vorteilen des Laufens noch die -Uebung der Geschicklichkeit, der Dispositionsfähigkeit und des -Charakters verbinden und auch die Ausbildung der oberen Extremität -befördern. Alle Turnspiele sind besonders für die kalte Jahreszeit -geeignet und erfahrungsgemäß eine vorzügliche Erholung von geistiger -Ermattung. So hoch zu schätzen nun aber auch die Turnspiele sind, so -machen sie Freiübungen und Gerätturnen doch nicht unentbehrlich. - -[Abbildung: Tafel VII. - -Fig. 18. Der Gerwurf.] - - -3. Der Tanz. - -Eine eigene Rolle könnte dem ~Tanz~ für die Körperpflege zukommen, -namentlich für das weibliche Geschlecht, wofern er nur vernünftig -ausgenützt würde. Der Tanz ist eine Schnelligkeitsbewegung, die nach -dem Rhytmus der Musik sich vollzieht, und dadurch zu einer -~Förderungsbewegung~ erhoben wird. Die Bewegung wird unter dem steten, -musikalischen Antriebe eine automatische, traumhafte. Nervenarbeit ist -nicht erforderlich, die Arbeit wird zur Lust. Aber gerade hierin besteht -auch die Gefahr, denn der Tänzer verliert die Kritik und macht die -Schnelligkeitsübung zur Dauerübung und schädigt dadurch Herz und Lunge, -zumal wenn in raucherfüllten, geschlossenen Räumen getanzt und -gleichzeitig dem Genuße alkoholischer Getränke gefrönt wird. Dazu kommt -für die Damen die Schädigung des Korsettpanzers, welcher für dieselben -dasselbe bedeutet, als wenn der Ringer mit festangezogenem Leibriemen -ringt, oder der Soldat mit festgegürteter Säbelkoppel marschiert. Durch -die Beeinträchtigung der Zwerchfellatmung, durch die Einschnürung kommt -es leicht zu hohen Graden der Herzerweiterung. Würden diese -Schädlichkeiten ausgeschaltet, so könnte der Tanz ein segensreiches -pädagogisches Bewegungsmittel sein. - -Der heutige Tanz ist leider nicht mehr der Ausdruck überquellender -Lebensfreude, sondern ein Erregungsmittel ekler Lüsternheit, er dient -nicht mehr der Sittlichkeit, sondern der Unsittlichkeit. Und doch galt -ursprünglich ~der Tanz als ein souveränes Mittel zur systematischen -Ausbildung des Körpers, zu Kraft und Schönheit~! Eine vollkommene -architektonische Schönheit unseres Körpers zu erreichen, sind wir wegen -der Abhängigkeit von der ererbten Konstitution nicht immer in der Lage, -wohl aber kann jeder Mensch die ~Schönheit der Bewegung, die Anmut und -die Würde~, sich erwerben. Die Waffentänze unserer Vorfahren und anderer -Naturvölker erforderten und erzeugten Kraft, Geschicklichkeit, Anmut und -edle Selbstbeherrschung. Der Tanz der Frauen muß entsprechend ihrer -heiligen Mission als Mütter die weiblichen Körper gesund und schön -entwickeln. Denn aus ihrem Schoße verlangen wir gesunde und schöne -Nachkommenschaft. Ein edles Vorbild dieser Art der Tanzkunst ist die -Reformatorin derselben, Miß ~Isidora Duncan~. (Fig. 19, 20, 21.) Ihre -Schule könnte unserem Geschlechte wieder kraftvolle und schöne -Frauenindividualitäten, kräftigen und schönen Nachwuchs verschaffen. - - - - -IV. Teil. - -Körperpflege in den verschiedenen Altersstufen. - - -Das Kind, ~vor dem Eintritt in die Schule~, bedarf der Schulung der -~Sinneskraft~. Dies geschieht am besten durch Uebung der -Naturbetrachtung. Es bedarf ferner der Erhaltung und Förderung seiner -mitgebrachten ~Gelenkigkeit~ durch möglichst geringe, lose und luftige -Bekleidung und durch möglichst große Freiheit der selbstgewollten -Bewegungen in gut ventilierten, warmen Zimmern und im Freien bei warmer, -sonniger Witterung. Vom vierten Lebensjahre können Ordnungsspiele -günstig einwirken. Atmung und Herztätigkeit, sowie ein stetiges Wachstum -werden gefördert, die erste Zahnung vollzieht sich ohne Gefahren. - -[Abbildung: Tafel VIII. - - MISS JSADORA DUNCAN - STATUETTE: Prof. W. SCHOTT - -Fig. 19, 20, 21. Der hygienische und ästhetische Tanz.] - -In den ~drei ersten Schuljahren~, in welchem der Zahnwechsel statthat -und auch sonst das Knochenskelett sich entwickelt, ist das Kind durch -die verminderte Bewegung und durch das Sitzen in der wenig guten Luft -der Schulräume gefährdet. Die Atmung ist eine oberflächliche, der -Stoffwechsel verlangsamt, der Wachstumreiz herabgesetzt. -~Systematische Marsch- und Schnelligkeitsübungen~ bringen den Ausgleich. -Letztere sind am besten in Form des Tanzes, der Bewegungsspiele im -Freien und Gleichgewichtsübungen vorzunehmen. - -In den ~nächsten fünf Schuljahren~, in welchen das Längenwachstum -fortschreitet, die Knochen bereits fester und die Muskeln ausdauernder -werden, treten zu dem bisherigen Uebungsprogramm der Dauerlauf, das -Schlittschuhlaufen, der Hoch-, Weit- und Stabsprung, Klettern und -Schwingübungen, Freiübungen ohne stärkere Bewaffnung, schließlich -Gerätübungen, bei welchen eine Pressung ausgeschlossen ist. Vom 12. -Lebensjahre ab können auch Griffkunde, Reiten und mäßiges Schwimmen -Nutzen stiften. In der ~Zeit der geschlechtlichen Reifung~ und der -Vollendung des Längenwachstums, also etwa vom 13. bis 22. Lebensjahre -vollzieht sich auch das Hauptwachstum des Herzens und der Lungen. Um -diesen Organen die nötige Anregung zur Entwicklung zu geben, bedarf der -Körper starker Bewegungsreize. Der Schnellauf, der Bergsport, -Wettspiele, kurzdauernde Ringkämpfe, Wettschwimmen auf kurze Distanzen, -Gerätübungen aller Art, Fechten, Boxen, Radfahren, Rudern und Skilauf -sind vorzügliche Uebungen, die möglichst vielseitig betrieben werden -sollen. Vom 22. bis 30. ~Jahre~ vollzieht der Körper hauptsächlich sein -Breitenwachstum und festigt sich innerlich. Dies ist die Zeit des -Uebermutes und der Waghalsigkeit, aber leider auch der Ausschweifung. -Kraftübungen aller Art sollen hier mit Gewandtheitsübungen in stetem -Wechsel bleiben, Leichtgewichtsathletik systematisch die -Schwergewichtsathletik vorbereiten und durch letztere ergänzt werden. -Ringen soll die allseitige Ausbildung erhalten und fördern und Umsicht, -Schlagfertigkeit und Willensstärke fördern. - -In der ~Vollkraft der Jahre~ vom 30. bis 40. Lebensjahre muß man sich -die bisher erworbene Schnelligkeit und Gewandtheit zu erhalten und die -höchste Ausbildung der Kraft und Ausdauer zu erwerben suchen. Kraft- und -Dauerübungen sind maximal zu steigern. - -Schwergewichtsathletik vernünftig und mäßig betrieben, kann durch -Verarbeitung der Reservestoffe nützlich wirken. - -Nach dem 40. Lebensjahre muß man sich die erworbene Kraft, Gelenkigkeit -und Ausdauer möglichst lange zu erhalten suchen; man gebraucht hiezu -Frei- und Dauerübungen, sowie Gerätübungen, die bereits in Fleisch und -Blut übergegangen sind. In vorgerückterem Alter soll man alle Uebungen -meiden, welche den Kopf längere Zeit nach unten bringen. Für jedes -Lebensalter aber gilt die goldene Regel zu ~individualisieren~. Die -schwachen Stellen des Körpers müssen aufgesucht und so lange geübt -werden, bis sie nach Aussehen und Leistungsfähigkeit in den gesamten -Körperrahmen hineinpassen. - - - - -V. Teil. - -Die Körperpflege durch Licht und Luft. - - -Um die Einwirkung von Licht und Luft auf den Körper richtig zu schätzen, -muß man ihre ~physikalischen Eigenschaften~ kennen. - - -1. Physikalische Eigenschaften des Lichtes; Einfluß auf Pflanzen, -Bakterien und den tierischen Organismus. - -Man nimmt an, daß das Licht aus transversalen Schwingungen des Äthers -besteht. Die durch die Erschütterung des Lichtäthers entstandenen Wellen -sind verschieden lang und von verschiedener Dauer. Unser Auge empfindet -diese Verschiedenheit als ~farbiges~ Licht. Das Sonnenlicht, das uns -gleichmäßig weiß erscheint, ist ein zusammengesetztes, farbiges Licht, -welches nur in seiner Gesamtheit auf unser Auge einen weißen Eindruck -macht. Wir können dasselbe in seine einzelnen Bestandteile zerlegen, -indem wir das Sonnenlicht durch einen feinen Spalt auf ein Glas- oder -Quarzprisma auffallen lassen und dann sehen wir die Regenbogenfarben -rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau, violett. Schließlich gibt -es noch farbiges Licht, das wir mit unseren Augen nicht erkennen können, -welches aber wissenschaftlich nachgewiesen ist, das sogenannte -ultraviolette Licht. Das rote Licht hat vorwiegend wärmebringende, das -blaue, violette und ultraviolette Licht dagegen mehr chemisch wirksame -Strahlen, die gelben und grünen Strahlen sind mehr optischer Natur und -heißen kurzweg Lichtstrahlen. Das Sonnenlicht wechselt seinen Reichtum -an chemischen Strahlen, es ist reicher an denselben in höheren Regionen -und im Süden, ärmer in der Niederung und im Norden. Die verschiedenen -Körper lassen je nach ihrer Eigenart die eine oder andere Lichtart -oberflächlicher oder tiefer eindringen. Wohin auch immer in der -organischen Welt das Licht dringt, äußert es seinen Einfluß. - -Die ~Pflanzen~ gebrauchen zur Blütenbildung, zum Wachstum, zur -Assimilation, zur Richtung ihrer Form, zur Entrichtung des Blattgrüns, -zur Entfaltung ihrer Farben und ihres Duftes nachgewiesenermaßen eine -bestimmte Stärke der Beleuchtung, und zwar ist für sie das elektrische -Bogenlicht nicht minder wertvoll als das Sonnenlicht. Ein Zuviel oder -ein Zuwenig der Lichtmenge bedroht ihre Existenz, ebenso die Permanenz -der Lichtwirkung. Licht- und Dunkelheitsbedürfnis stehen in einem -gewissen Verhältnis. - -Interessant ist der Kampf des Lichtes gegen die ~Bakterien~, jener -kleinen Pilze, welche unter geeignete Lebensbedingungen gebracht, trotz -ihrer Kleinheit durch ihre außerordentlich schnelle und starke -Vermehrung und durch ihre Virulenz (Giftigkeit) eine fabelhafte -Wirksamkeit entfalten können. Dieselben sind imstande, durch ihre -Ansiedlung auf kranken Organen des menschlichen Körpers denselben völlig -zu zerstören. Eine große Reihe wissenschaftlicher Versuche haben -gezeigt, daß das Licht und zwar sowohl das Sonnen-, als auch das -elektrische Licht ~hemmend, ja vernichtend auf die Entwicklung der -Bakterienzellen wirkt, daß ihre Virulenz gemindert wird~. Diese -immunisierende, baktericide oder Desinfektionskraft ist weniger dem -Einfluß der Wärme, als der chemischen Wirksamkeit des Lichtes -zuzuschreiben. Selbst diejenigen Bakterien, welche der trockenen und -feuchten heißen Luft und den stärksten chemischen antiseptischen Mitteln -widerstehen, werden durch Lichtwirkung vernichtet. Dabei ergaben die -Experimente die wichtige Tatsache, daß nicht nur das direkte -Sonnenlicht, sondern auch das ~diffuse Tageslicht~ das Wachstum der -Bakterien hemmte und dieselben tötete, wenn auch die Wirkungszeit -desselben viermal länger war. - -In der Wissenschaft liebt man es, physiologische Erkenntnisse, die für -den menschlichen Organismus nutzbar gemacht werden sollen, zuvor durch -Tierexperimente zu erhärten. Deshalb ist die Tatsache, daß auch der -~tierische Organismus bestimmte Beeinflussung durch Licht zeigt~, von -großer wissenschaftlicher Bedeutung. - -Der Tierkörper zeigt zunächst eine deutliche Beeinflussung seines -~Nervensystems~, besonders durch die chemischen Strahlen des Lichtes. -Der normale, elektrische Strom der Nerven wird erhöht, die -Reflextätigkeit gesteigert. Der ~Stoffwechsel~ wird besonders durch die -stark brechenden Strahlen angeregt und gesteigert. Sauerstoffaufnahme -und Kohlensäure und Wasserdampfabgabe sind wesentlich vermehrt, der -Kohlenstoffumsatz erhöht. Die Stoffwechselerhöhung geschieht nicht nur -auf dem gewöhnlichen Wege, sondern hauptsächlich von der Haut aus, -indem das Licht auf die im Hautorgan gelegenen Nervenendigungen erregend -wirkt. Dieser Antrieb wird nach innen zu den großen Nervencentren im -Gehirn und Rückenmark fortgeleitet und von dort auf die Muskel- und -Drüsennerven weitergegeben, welche die erhöhte Zersetzung und Arbeit in -den zugehörigen Organen veranlassen. Licht erhöht ferner die -~Wachstumsvorgänge~. Denn läßt man Tiere gleicher Art und Gattung sich -vergleichsweise im Dunkeln und im Licht entwickeln, so sind die -belichteten an Länge und Gewicht überlegen. Bei Fischen und Amphibien -heilen verstümmelte Glieder im Lichte schneller als im Dunkeln. Gewisse -niedere Tierarten zeigen wie die Pflanzen die Erscheinung des -Heliotropismus, sich nach der Sonne hinzukehren, um den richtenden -Einfluß der Sonnenstrahlen sich nutzbar zu machen. Die direkte -Einwirkung des Lichts auf das ~tierische Eiweiß~ ist ebenfalls -nachgewiesen, indem durch plötzliche Beleuchtung sich dasselbe -zusammenzieht, also in Bewegung gebracht wird. Die ~roten -Blutkörperchen~ verändern unter Belichtung ihre Gestalt, ihre Bildung -wird durch Lichtmangel verlangsamt. Besonders stark wird unter -Lichtwirkung der ~Blutfarbstoffgehalt~ vermehrt und derselbe an die -Peripherie fortbewegt zum Schutz gegen die zu starke Belichtung. Bei zu -intensiver Belichtung kann Sonnenbrand der Haut entstehen. Nicht -unerwähnt darf schließlich das ~hohe Lichtbedürfnis~ vieler Tiere -bleiben und die ~umstimmende~ und lebenerweckende Kraft des Lichtes, -sowie endlich die Eigenschaft einiger Tierkörper, selbstleuchtend zu -werden. - - -2. Einfluß des Lichtes auf den gesunden Menschen. - -So mannigfach wie das Licht in der unbelebten und belebten Welt sich -wirksam erweist, so vielfach ist auch sein Einfluß auf den Menschen. -Durch zwei Pforten tritt das Licht in den Körper ein, durch die Augen- -und durch die Hautpforte. In der Bahn des Sehnerven werden quantitativ -und qualitativ verschiedene Sinneseindrücke zum Gehirn geleitet und -durch Vermittlung der Psyche, der Stoffwechsel, die Atmung, das -Gefäßsystem beeinflußt, von den Hautnerven aus wird der Lichtreiz zu den -nervösen Zentralorganen geleitet und von dort den Muskeln und Drüsen -mitgeteilt. Da aber das Hautorgan für Licht durchgängig ist, so äußert -es auch direkte Tiefenwirkung. Das Licht ist also einerseits wie die -Kälte oder Hitze des Wassers ein ~Bewegungsreiz~, der bei dem -Abhängigkeitsverhältnis der inneren Organe von dem Hautorgan von der -Oberfläche aus reflektorisch das Innere des Körpers trifft und -beherrscht, andererseits ein direkter örtlicher Reiz für die getroffenen -in der Tiefe gelegenen Gewebe. Auf diesem Wege ruft das Licht bestimmte -Veränderungen in den Organen hervor, wird aber auch selbst verändert. - -Die Haut ist bekanntlich mit einem ungemein großen Blutgefäßnetz begabt. -Dieses wird durch den Lichtreiz stark erweitert und die Haut so -chronisch gerötet. Mit der starken ~Durchblutung des Hautorgans~ -erfahren nicht nur die inneren Organe eine erhebliche Entlastung, -sondern das Hautorgan tritt in den Zustand erhöhter Funktionstätigkeit, -es atmet stärker, scheidet stärker aus etc. Ist die Belichtung eine sehr -intensive auf längere Zeit, so entzündet sich die Haut leicht und zeigt -die Erscheinungen des ~Sonnenbrandes~. Die Haut ist stark gerötet, -schmerzt und zeigt schließlich Blasenbildung, nach drei bis vier Tagen -beginnt sie sich zu schälen, die rote Farbe wird bräunlich. Die neue -Haut ist nicht abnorm lichtempfindlich. - -Wirkt das Licht allmählicher, so ~bräunt~ sich langsam die Haut entweder -umschrieben in der Form der Sommersprossen oder allgemein. Der Vorgang -der Bräunung beruht auf der Wirksamkeit der chemischen Lichtstrahlen und -ist eine Schutzvorrichtung gegen das Zuviel der Lichtnahrung, denn der -Hautfarbstoff (Pigment) verschluckt die chemischen Lichtstrahlen. Je -stärker der Mensch gebräunt ist, um so weniger hat er unter der -Lichtwirkung zu leiden. Daher finden wir auch die Menschen, je näher sie -am Aequator wohnen, stärker gebräunt, weil sie des Lichtschutzes -benötigen. Je länger und je intensiver das Licht auf die Haut wirkt, um -so dunkler wird das Braun derselben. Die Dunkelfärbung ist aber Ursache, -daß größere ~Wärmemengen~ in den Körper eintreten können. Die -Ueberhitzung wird durch stärkere Schweiße ausgeglichen. Die Kleidung -kann die Hautbräunung nicht ersetzen, denn helle Kleider bieten dem -~Lichte~ zu wenig Widerstand, dunkle Kleider saugen zu viel ~Wärme~ auf. - -Wie das direkte Sonnenlicht, so wirkt auch das elektrische Bogenlicht -und ferner das reflektierte Licht, wie die Erscheinung des -Gletscherbrandes beweist. - -Auf dem Wege ins Innere des Körpers begegnet das Licht einem Hindernis, -dem Blutorgan, welches die chemischen Strahlen zum Teil verschluckt. -Trotzdem dringt noch ein genügend großer Lichtvorrat in den -Organismus ein, um wirksam zu werden. Der ~Blutfarbstoff der roten -Blutscheiben~ vermehrt sich unter Lichtwirkung und der Zellen- und -~Gesamtstoffwechsel~ wird erhöht. Quinckes Versuche bewiesen, daß durch -Belichtung der Aufbau und der Abbau der Stoffe schneller und ausgiebiger -erfolgt, als im Dunkel. Ferner wurde nachgewiesen, daß beim nackten, -belichteten Körper der Stoffwechsel schneller ist, als beim bekleideten -und zwar um so rascher, je mehr direktes Sonnenlicht den Körper trifft. -Also auch in dieser Beziehung beweist sich die Bekleidung als ein -Hindernis für den natürlichen Ablauf der Körperfunktionen auf -Lichtwirkung. - -Eine sehr augenfällige Wirkung des Lichts ist die ~Beeinflussung des -Wachstums~. Haare und Nägel wachsen im Lichte schneller als im Dunkeln. -Das Wachstum der Kinder bleibt in sommerarmen Monaten fast gänzlich -stehen, Bewohner von lichtarmen Kellerwohnungen und von lichtarmen, -tiefgelegenen Gebirgstälern bleiben in der Entwicklung zurück. - -Nicht minder deutlich ist die ~Einwirkung des Lichts~ auf die ~Psyche~. -Wie gedrückt ist die Stimmung der meisten Menschen bei bewölktem Himmel, -wie reizvoll und belebt erscheint uns die Natur, und wie kraftvoll -fühlen wir uns selbst, sobald nur ein heller Sonnenstrahl durch die -Wolken bricht! Kein Wunder, daß die Mehrzahl der Selbstmorde in den -lichtarmen Monaten passieren! Nur kranke Menschen sind lichtscheu, -gesunde Menschen haben ein hohes Lichtbedürfnis. - -Die Macht des Lichtes wird uns recht erkennbar, wenn wir die Kraft und -Schönheit derjenigen Völkerrassen vergleichen, welche unbekleidet dem -Lichte und der Luft ausgesetzt sind, wie Neger und Indianer, mit dem -kranken und unschönen Aussehen der Eskimos. - -Rechnen wir zu allen angeführten Lichtwirkungen noch die Wärmewirkungen -des direkten und diffusen Sonnenlichtes, so müssen wir die Sonne als die -größte Wohltäterin der Menschheit erkennen. - -Als solche erweist sich dieselbe nicht nur dem gesunden, sondern ganz -besonders auch dem ~kranken Menschen~ gegenüber. - - -3. Einfluß des Lichtes auf den kranken Menschen. - -Die Geschichte der Medizin lehrt, daß man zu allen Zeiten das Licht zu -Heilzwecken ausgenutzt hat. - -[Abbildung: Tafel IX. - -Fig. 22. =Im Sonnenbad.= - -1. Im Sitzbade. 2. In der Packung. 3. Leibmassage im Sonnenbad. 4. -Pulskurvenaufnahme. 5. Herzuntersuchung. 6. Brustspielraummaße -festgelegt.] - -Und zwar verwendet man die ~Wärme des Lichts~, um im Körper eine -Wärmestauung mit nachfolgendem Schweißausbruch zu erzeugen und dadurch -den Organismus nicht nur vom überschüssigen Körperwasser, sondern -auch von den in ihm befindlichen Fremdstoffen und Selbstgiften zu -befreien. Durch dies künstliche Feuer gelingt es, die belastenden -Fettmassen des Körpers einzuschmelzen, rheumatische und Giftstoffe zu -verbrennen, den unverbrannten Körperzucker bei Zuckerkranken zu -oxydieren, bei allen Stoffwechselkranken mit Verlangsamung der -Lebensvorgänge fördernd zu wirken, die in Körperhöhlen und in den -Geweben nicht aufgesaugten, wässrigen Ausscheidungen zur Aufsaugung zu -bringen, Syphilis, Skrofulose, Haut- und Knochenleiden zu heilen, -Nerven- und andere Schmerzen zu lindern und Schwächezustände der -verschiedensten Art und manche andere Krankheit zu beseitigen. -Unterstützend wirkt überall da, wo man zunächst nur die Wärme -beansprucht, der spezielle Lichteinfluß mit. - -[Abbildung: Tafel X. - -Fig. 23. =Im Sonnenbad.= - -1. Rumpfpackung. 2. Ganzpackung. 3. Im Sitzbade. 4. -Thure-Brandt-Gymnastik im Sonnenbade. 5. Knieguß. 7. Organuntersuchung -im Luftbade. 8. Vermessung der Körpermaße.] - -Diese Art der Lichtanwendung geschieht in Form von Sonnen- und -elektrischen Lichtkastenbädern. - - -^a^) ~Das Sonnenbad~. - -In einem vor Wind geschützten, umzäunten, nach Süden gelegenen und oben -offenen Raume, liegen die Patienten auf Matratzen oder Decken, oder auf -sonnedurchglühtem Sande; der Kopf ruht etwas erhöht auf einem -Kopfpolster und ist durch ein verstellbares Schattendach geschützt, die -Augen werden durch einen Hut oder Augenschirm noch besonders bewahrt. -(Fig. 22, 23.) Der Sonnenbadler wendet den Körper von Zeit zu Zeit, so -daß alle Teile nacheinander besonnt werden, bis lebhafter -Schweißausbruch erfolgt. Den Schweißausbruch kann man beschleunigen, -indem man das Liegen in der Sonne durch Bewegung, wie Turnen (Fig. 24, -25) oder Turnspiele oder durch nutzbringende Beschäftigung und -ablenkende Gartenarbeit etc. unterbricht. Will man die Schweißwirkung -stark ausnutzen, so empfiehlt es sich, das Sonnenbad auf dem von der -Sonne erhitzten, weißen, feinen Sande zu nehmen, also das Sonnenbad mit -einem Sandbade zu verbinden, welche Kombination besonders -~Nierenkranken~ anzuraten ist, oder zum Zwecke des Nachschwitzens sich -in wollene Decken einpacken zu lassen. Diejenigen Patienten, welche noch -wenig an Luft und Sonne gewöhnt sind, tun gut, anfangs nicht gleich den -ganzen Körper, sondern nur Teile desselben der Sonne auszusetzen, also -zunächst mit Barfußgehen anzufangen (Fig. 25) und dann ein -Kleidungsstück nach dem andern abzulegen, den lichtempfindlichsten Teil -des Körpers, den Kopf, durch eine leichte Kopfbedeckung zu schützen und -öfters den Schatten der Bäume aufzusuchen. - -[Abbildung: Tafel XI. - -Fig. 24. An den Geräten.] - -An den kühleren Tagen des Jahres wird das Sonnenbad mit Vorteil in -atelierartigen Räumen genommen, mit elektrischer Ventilation und bequem -zu öffnenden Fenstern. Das Glasdach muß wegen der Gefahr der -Ueberhitzung durch eine Berieselungsanlage leicht zu kühlen sein. Durch -rote, blaue und andersfarbige Gardinen muß es möglich gemacht werden, -Farbenzimmer herzustellen. - -[Abbildung: Tafel XII. - -Fig. 25. Barfußlaufen im Grase. (Teilluftbad. Beginn der Abhärtung.)] - -Mit dem Sonnenbade werden nützlich häufig Massage- und Gymnastikkuren -verbunden. Den Beschluß des Bades bildet je nach der Krankheit eine -abkühlende Wasserprozedur, ein Halbbad, Vollbad, Rumpfbad, Kneipp’scher -Guß oder kühles Regenbad. - -[Abbildung: Fig. 26. Geöffnetes Glühlicht-Vollbad zum Sitzen.] - -[Abbildung: Fig. 27. Elektrisches Glühlicht-Vollbad mit 36 Glühlampen -zum Liegen.] - - -^b^) ~Das elektrische Lichtbad~. - -Da man nicht immer das Sonnenlicht in genügender Intensität zur -Verfügung hat, so macht man sich das elektrische Licht zu nutze und baut -zu diesem Zwecke Lichtkästen, welche man inwendig mit elektrischen Glüh- -oder Bogenlampen bewaffnet. Diese Lichtkästen (Fig. 26, 27[5]) sind im -wesentlichen Kästen von verschiedenster Form und Größe, meist zum -Sitzen des Patienten, seltener zum Liegen eingerichtet. An den mit -Milchglas ausgelegten Innenwänden befinden sich meist 48 Lampen, in 8 -Reihen gleichmäßig verteilt; jede Lampenreihe ist, zum Schutz gegen -Verbrennung des Patienten durch Berührung mit senkrecht stehenden -Metallstäbchen versehen. Oben wird der Kasten durch einen verschiebbaren -Deckel geschlossen, so daß der Kopf des Patienten außerhalb des Kastens -ist, vorn befindet sich die verschließbare Tür, durch welche der Patient -eintritt. In derselben befindet sich eine Oeffnung zur Pulskontrolle, -zur Darreichung von Herzkühlern und für irgend welche physiologischen -Experimente. Zur Beruhigung für ängstliche Patienten ist im Kasten -selbst eine elektrische Klingel angebracht und Tür- und Verschlußdeckel -so eingerichtet, daß sie mit Leichtigkeit vom Patienten selbst -geöffnet werden können. Ein im Deckel angebrachtes Thermometer gestattet -die Kontrolle der Temperatur. Die Lichtreihen sind einzeln oder -paarweise auszuschalten. - - [5] Die Abbildungen der Lichtheilapparate sind uns von der Firma - Reiniger, Gebbert u. Schall in Erlangen, welche diese Apparate - fabriziert, freundlichst zur Verfügung gestellt worden. - -[Abbildung: Fig. 28. Elektrisches Rumpflichtbad.] - -[Abbildung: Fig. 29. Elektrisches Armlichtbad.] - -[Abbildung: Fig. 30. Elektrisches Fußlichtbad.] - -Die ~Glühlichtkastenbäder~ sind saubere Schwitzbäder feinster Art, -welche mancherlei Vorzüge vor den Dampfkasten- und Heißtrockenluftbädern -haben und überall da angezeigt, wo Schwitzbäder überhaupt am Platze -sind. Sie werden als Voll- und Teilbäder verabreicht. (Fig. 28, 29, 30). -Gegenüber den anderen schweißerregenden Proceduren, welche den Körper -durch ~Leitung~ mit Wärme laden, wirkt beim Glühlichtbad die ~strahlende -Wärme~, welche tiefer in den Körper eindringt und meist angenehmer von -den Patienten empfunden wird. Schon bei relativ geringen Temperaturen -von 30 bis 35° ^C^ treten Schweiße auf, die reichlicher bei 40° ^C^ und -darüber werden. 60° ^C^ sollen möglichst nicht überschritten werden. Der -frühzeitige Schweißausbruch ermöglicht eine relativ kurze Dauer des -Bades (15-20 Minuten). Die Wärmezuführung kann durch Ein- und -Ausschalten gut abgestuft werden. Kongestionen zur Lunge sind nicht zu -fürchten, weil der Kopf außerhalb des Kastens ist und der Lunge auf -diese Weise gute, kühle Luft zugeführt werden kann. Das Herz wird bei -dem Schwitzen mittelst Glühlichts nur wenig angestrengt. Spezifische -~Lichtwirkung~ kommt den Glühlichtbädern nicht zu. Diese findet man -vielmehr in den ~Bogenlichtbädern~. - -[Abbildung: Fig. 31. Kombiniertes Lichtbad.] - -Das Bogenlicht in Kästen nach Art der Glühlichtkästen gebracht, ist -weniger eingeführt, weil die Kästen zu schnell zu heiß werden, örtliche -Hautentzündungen entstehen und Gefahr der Verbrennung der Haut durch -abspritzende, glühende Kohlenbestandteile besteht. Diese Gefahr und -Unbequemlichkeit sind in dem kombinierten Lichtkasten der Firma -Reiniger, Gebbert & Schall beseitigt, in welchem Achteckkasten die -Armatur wie in dem beschriebenen Glühlichtkasten vorgesehen ist, -außerdem 4 Bogenlampen, die durch blaue Scheiben das Spritzen der Funken -verhindern. (Fig. 31.) ~Finsen~ hat sich zur Vermeidung der Uebelstände -einen ~Lichtbaderaum~ eingerichtet, in welchem ein paar Meter über dem -Fußboden einige Bogenlampen von 80 bis 100 Ampères Stromstärke -aufgehängt sind. Die Temperatur des Baderaumes ist eine mäßige; in -demselben bewegen sich die Patienten wie im Sonnenlichtbade nackend, nur -mit gelben oder rauchgrauen Schutzgläsern bekleidet, zum Schutze der -Augen. Die Anwendung dieser Art von Bogenlichtbädern ist da geboten, wo -man spezifische Licht- nicht Wärmewirkung gebraucht. - -[Abbildung: Fig. 32. Lichtsammelapparat von Prof. Dr. ~Finsen~.] - - -^c^) ~Das konzentrierte Sonnen- und elektrische Licht~. - -Bereits im Altertum bemühte man sich die Wirkung des Sonnenlichtes -möglichst energisch auszunutzen. So wirkte ~Porta~ mittels eines -Glashutes bereits örtlich auf die Haut ein, so sammelten die Amerikaner, -Thayer und Barnes, in den sechziger Jahren das Sonnenlicht mittels -Brenngläsern, um Warzen, gutartige und bösartige Neubildungen zu -verbrennen, so benutzte der Laie Mehl den ~Lichtbrand~, um die fressende -Flechte und andere Hautkrankheiten zu beseitigen. Und ~Strebel~-München -gelang es, eine Hand- oder Stativlampe zu konstruieren, welche ein -Linsen- oder Spiegelsystem trägt, welches die Wärmestrahlen eines -Voltabogens konzentriert. Der Sonnenlichtbrand ist damit durch den -~jederzeit~ zu gebrauchenden ~elektrischen Lichtbrand~ ersetzt. In -gleicher Weise, wie die Sammlung der Wärmestrahlen durch Linsen erreicht -wurde, gelang auch die Sammlung der chemischen Strahlen der Sonne und -des elektrischen Lichts. Der Kopenhagener Professor ~Finsen~ -konstruierte einen Lichtsammelapparat mit Bergkrystallinsen (Fig. 32), -die Wärmestrahlen schaltete er durch Abkühlung des Lichtes mittels einer -30 ^cm^ breiten Schicht destillierten Wassers aus. Um die -lichtaufsaugende Wirkung des Blutes auszuschalten und somit ein tieferes -Eindringen in die Haut zu ermöglichen, konstruierte er eine plankonvexe, -doppelumränderte Linse aus Bergkrystall, in deren Innerem stets kaltes -Wasser strömt. Diese wird auf den zu behandelnden Hautabschnitt -aufgedrückt. Dieses Druckglas (Kompressorium) macht den bedrückten -Hautabschnitt blutleer und gestattet so das Eindringen der gesammelten -chemischen Lichtstrahlen. Durch diese Art der Lichtbehandlung ist es -~Finsen~ gelungen, sein Vaterland von der Seuche der fressenden Flechte -zu befreien, und viele andere Hautkrankheiten bakteriellen und nicht -bakteriellen Ursprungs erfolgreich zu behandeln. - -[Abbildung: Fig. 33. - - Schutz-Marke - REINIGER GEBBERT & SCHMALL - ERLANGEN. - -Blaulichtsammelapparat und Blaulichtbestrahlungskörper.] - -Will man größere Hautbezirke örtlich mit Bogenlicht behandeln, so eignet -sich am besten hierzu ein regulierbarer ~elektrischer Scheinwerfer~. -(Fig. 33 ^a^, ^b^, ^c^.) Derselbe besteht im wesentlichen aus einer -Bogenlampe von 20 bis 25 Ampères, deren Kohlenstifte horizontal gestellt -sind. Der Apparat ist mit einem Metallspiegel (Reflektor) und einer -Einrichtung zur Verschiebung des Voltabogens vom Spiegel versehen. Zur -Ausschaltung der Wärmestrahlen benutzt man Glaslinsen, welche mit -verdünnter, ammoniakalischer Kupfersulfatlösung gefüllt sind. Durch -diese läßt man das Licht gehen. Der Scheinwerfer hat schwächere Wirkung -als der Finsen’sche Apparat. - - -^d^) ~Das farbige Licht~. - -Auch die einzelnen ~Farben~ des Lichtes hat man sich für die -Körperpflege nutzbar zu machen gesucht. Dieselben äußern ihre -Hauptwirkung auf ~Gemüt und Nerven~. Rotes Licht erregt die Nerven, ist -daher zur Anregung melancholisch und hypochondrisch Verstimmter -erfolgreich verwendet worden; grünes, blaues und violettes Licht -beruhigt die Nerven, deshalb eignet es sich zur Behandlung nervöser -Menschen, die sich in abnormer Erregung befinden. Bei ~Hautentzündungen~ -der verschiedensten Art, bei der ~Rose~, dem ~Exzem~, bei ~Blattern~ -etc. bedient man sich zur Behandlung des roten Lichtes, indem man die -chemischen Strahlen, welche ja die bereits entzündete Haut noch mehr -entzünden würden, abfiltriert. Die erfolgreiche Behandlung der Blattern -mittels roten Lichtes ist deswegen von besonderer Bedeutung, weil sie -eventuell die Schutzpockenimpfung überflüssig macht. - -[Abbildung: Fig. 34. Röntgenstrahlenapparat.] - - -^e^) ~Röntgen- und Becquerelstrahlen~. - -Prof. ~Röntgen~ in Würzburg, jetzt München, machte die Entdeckung, als -er eine Hittorf’sche Röhre (= luftleergemachte Röhre, in welcher die -Entladung elektrischer Induktionsströme erfolgt) mit schwarzem und -undurchsichtigem Karton umhüllte, in die Nähe eines mit -fluoreszierendem Bariumplatincyanür bestrichenen Schirmes brachte, daß -derselbe aufleuchtete. Es mußte also etwas, obwohl für unser Auge -unsichtbar, von der Röhre ausstrahlen, welches ungehindert durch den -Karton hindurch wirkte. Diese Strahlen, die von der Kathode ausgehen, -aber keine Kathodenstrahlen sind, weil sie vom Magnet nicht abgelenkt -werden, nannte Röntgen ^X^-Strahlen. (Fig. 34.) Dieselben entladen -elektrische Körper, interferieren nicht, werden weder regelmäßig -reflektiert noch gebrochen, durchdringen dagegen fast alle Stoffe. Auf -die photographische Platte wirken sie ebenso wie die Lichtstrahlen. Sie -durchdringen die Weichteile des menschlichen Körpers leichter als die -Muskeln, am schwersten die Knochen, werden also nicht wie die chemischen -Lichtstrahlen vom Blute verschluckt, und können deshalb Tiefenwirkung -äußern. - -Man verwendet das ~Röntgenlicht~ zur Erkennung der kranken Teile des -Körpers, aber auch zu deren Heilung. Leider verbrennt dasselbe ungemein -leicht die Haut und muß deshalb sehr vorsichtig angewendet werden. Bei -Hautkrankheiten, zur Enthaarung und einigen anderen Erkrankungen leistet -es gute Dienste, ja es wird immer häufiger von ~Krebsheilungen~ durch -Röntgenlicht berichtet. - -Ob den sogenannten ~Becquerelstrahlen~ nützliche Einwirkungen auf den -menschlichen Körper zuzuschreiben sind, ist mit Sicherheit bisher noch -nicht festgestellt. Es sind dies diejenigen Strahlen, welche von dem -metallischen Uran ausgehen und leuchtfähige Körper zum Leuchten bringen. -Sie haben im menschlichen Körper keine Tiefenwirkung.[6] - - [6] Näheres über die Heilkraft der Röntgen- und Becquerelstrahlen s. - ~Riecke~, Hygiene der Haut, Haare und Nägel, (Bibliothek der - Gesundheitspflege Bd. 12.) - - -^f^) ~Blondlot-Strahlen (^N^-Strahlen)~. - -Hochinteressant sind schließlich die von dem Nancyer Professor -~Blondlot~ entdeckten Strahlen, welche er zu Ehren der Stadt Nancy die -(^N^-) Nancy-Strahlen genannt hat. Er fand nämlich bei der Untersuchung -der von Röntgen-Röhren abgehenden Strahlen gewisse Strahlen, welche -einen schwachen elektrischen Funken verstärken. Wie die ^X^-Strahlen -durchdringen sie undurchsichtige Körper z. B. dünne Metallplatten, Holz, -Papier, werden aber andererseits durch eine 3 ^mm^ dicke -Steinsalzschicht oder durch Wasser und andere Substanzen aufgehalten. -Sie unterscheiden sich ferner von den ^X^-Strahlen dadurch, daß sie den -Gesetzen der Reflexion gehorchen, polarisierbar und refraktibel sind. -Diese merkwürdigen Strahlen werden von den meisten Lichtquellen so -besonders von der ~Sonne~ ausgesandt und von der Mehrzahl der Körper -aufgenommen. Sie können durch Kompression eines Körpers hervorgerufen -werden; sie werden von Pflanzen und vom Tierkörper ausgesandt. Der -menschliche Körper sendet die ^N^-Strahlen in verschiedener Intensität -aus je nachdem der Muskel ruht oder sich zusammenzieht, je nachdem ein -Nerv oder Nervenzentrum in stärkerer oder schwächerer Erregung ist. -Diese Strahlen sind bisher nur zu diagnostischen Zwecken verwendet -worden; wie weit sie hygienisch oder für Heilzwecke brauchbar sind ist -bisher noch nicht festgestellt. - - -4. Die Luft in Beziehung zum menschlichen Körper. - -Hat sich das Licht in vieler Beziehung als ungemein wertvoll, ja -unersetzbar für den menschlichen Körper erwiesen, und haben wir das -Licht als diejenige ~Nahrung~ kennen gelernt, welche unser ~Blutorgan -fast~ völlig ~verschluckt~, um daraus ungeahnte Energiemengen im Körper -aufzuspeichern und daraus Kräfte der verschiedensten Mächtigkeit zu -bilden, so können wir dennoch, wenn auch nur als Sieche, unser Dasein -ohne dasselbe fristen. ~Ohne Luftnahrung aber können wir nur wenige -Minuten sein, ohne Luft müssen wir sterben~. Diese unterhält alle unsere -Lebensprozesse, sie ist also von noch größerer Bedeutung für uns als das -Licht. - -Die Erde ist von einer Lufthülle umgeben, welche im wesentlichen aus -20,75% Sauerstoff, 78,38% Stickstoff, 0,03% Kohlensäure und 0,84% -Wasserdampf besteht, dazu kommen Spuren von salpetriger Säure, Ammoniak, -Grubengas und Sonnenstäubchen. Unter letzteren versteht man Kieselsäure, -Staub und die mit dem Staub aufgewirbelten Partikeliten der belebten und -unbelebten Natur. Wie alle auf der Erde befindlichen festen oder -flüssigen Körper wird auch die Luft von der ~Anziehungskraft~ der Erde -festgehalten. Die Luft übt demnach einen ~Druck~ auf die Oberfläche der -Erde und ihre Bewohner aus; dies ist der sogenannte Luftdruck, der mit -einem Gewicht von 5 Trillionen Kilogramm auf die Erde drückt. -Dieser Luftdruck zeigt infolge der hohen ~Beweglichkeit~ und -~Ausdehnungsfähigkeit der Luft unausgesetzt Schwankungen~. Ebenso ist -der ~Wassergehalt~ und der ~Wärmezustand~ der Luft in stetiger -Veränderung. Den Einfluß der Sonnenstrahlung haben wir ja bereits kennen -gelernt. - -Aber wir leben ja nicht nur in durchsonnter, sondern auch in -durchfeuchteter, durchwindeter, heißer, warmer und kalter Luft in ihren -verschiedenen Kombinationen. - -Ihr Verhältnis zum menschlichen Körper verstehen wir am besten, wenn wir -erstens die verschiedenen atmosphärischen Einflüsse und zweitens die -Funktionen desjenigen Organs kennen, welches uns von derselben -abschließt und wiederum mit ihr verbindet, nämlich des Hautorgans. - -Die Luft äußert eine mehr oder weniger starke ~Wärme~- resp. -~Kälte~wirkung. - -Diejenige Luft, welche höhere oder niedrigere Temperaturen, als die -augenblickliche Hauttemperatur hat, wirkt als ein Reiz von der -Oberfläche aus, ruft die sogenannte Reaktion hervor. Je größer die -Reizwirkung ist, d. h. je mehr die Lufttemperatur von der Hauttemperatur -sich entfernt, um so stärker ist auch die Reaktion von seiten des -Körpers. - -Diese Reizwirkung ist für den Kältereiz eine etwas andere als für den -Wärmereiz. Beide reizen die Empfindungs- und die Gefäßnerven; leiten den -Reiz zu den nervösen Zentralorganen und wirken von dort aus umstimmend -und verändern daselbst den Blutumlauf, sie verändern reflektorisch die -Peristaltik im Verdauungsapparat und die Tätigkeit der Eingeweide, sie -beeinflussen die Herz- und Gefäßarbeit, sie verändern Atmung und -Körpertemperatur, kurzum sie wirken von der Oberfläche aus reflektorisch -in die Tiefe auf ~alle~ Organe. Ist diese Reizwirkung eine -vorübergehende und der Kraft des Körpers individuell angepaßte, so wird -die Anregung zu ~erhöhter~ Lebensbetätigung die Folge sein, ist der Reiz -ein mehr gleichbleibender, nicht wechselnder oder für die Reaktionskraft -zu starker in seiner Höhe oder seiner Dauer, so wirkt er ~ermüdend~, -abspannend, erschlaffend und lähmend. Bei ~fortdauernder~ Wärmewirkung -wird der Körper von der Oberfläche aus mehr und mehr mit ~Wärme geladen~ -bis zur vollkommenen Wärmestauung, auf welche der Körper dann mit -erhöhter Verdunstung des Körperwassers und mit Schweißausbruch antwortet -und damit den Ausgleich zur Norm anstrebt. - -Bei ~fortdauernder Kälteeinwirkung~ auf den Körper kommt es zur abnormen -Abkühlung von der Oberfläche aus, die mehr und mehr in die Tiefe -eindringt. Aber auch gegen die Gefahr der Durchkältung hat der -trainierte Körper Schutzvorrichtungen. - -~Die Wärme~- und ~Kälteeinwirkung der Luft ist jedoch für denjenigen -Körper der abgehärtet ist, d. h. welcher sich an die verschiedenen -Temperaturen gewöhnt hat, niemals eine Gefahr und niemals eine -Verminderung der Lebensenergie, sondern stets eine Mehrung derselben~. -Denn die Lufttemperatur ist in jeder Sekunde eine etwas andere, stetig -stuft sie sich nach oben oder unten ab, und jede Veränderung derselben -bedeutet stets ~einen neuen Lebensreiz~. Denn die Luftkomponenten sind -vielfache und sich gegenseitig verändernde, so daß auch die von ihnen -ausgehende Wirkung auf den Körper eine wechselnde, vielseitige und -anregende sein muß. ~Und gerade in dem steten Wechsel und -Ineinandergreifen der Luftfaktoren liegt das Charakteristische des -sogenannten Luftbades~. - -Die Wissenschaft hat bisher nur die ~einzelnen~ Faktoren der Luft -isoliert betrachtet und zu hygienischen und Heilzwecken benutzt, z. B. -die Sonnenwirkung in ihren Eigenschaften der Wärme und des Lichtes, die -Luftverdichtung und Luftverdünnung etc., nicht aber in ihrer -Gesamtwirkung und ist deshalb zu einer Kenntnis und Bewertung des -~Luftbades~ bisher noch nicht vorgedrungen. Würde dieselbe aber den -Luftfluß, die Luftelektrizität, die Luftfeuchtigkeit, die Luftgerüche u. -s. w. berücksichtigt haben, so würde sie zu der Erkenntnis gekommen -sein, daß die Luft für den menschlichen Körper der mannigfachste aller -Lebensreize ist, der durch seine Vielseitigkeit stetig die -Lebensenergien vermehrt. Man gehe nur aus der Sonne in den Schatten und -bemerke den Gegensatz der Temperaturen, man trete nur auf die -freiliegende Ebene aus dem Walde heraus, der Schutz vor dem Winde -bietet, um die bald mildere, bald gewaltigere ~Massagewirkung der -Luftbewegung~ am Körper zu fühlen, wie sie die heiße, warme oder kalte, -trockene oder feuchte Luft in den Körper zu pressen sucht, wie sie den -Körper austrocknet oder die Oberfläche spröde oder feucht oder warm oder -kalt macht; man bemerke, wie wir die Muskeln anspannen müssen um dem -mehr oder minder starken Luftdruck zu begegnen. Dieselbe Luftbewegung, -die wir als Druck der veränderten Temperatur an unserem Körper fühlen, -sehen wir sie nicht mit unseren Augen und hören dieselben nicht mit -unseren Ohren deutlich vor uns, wie der Wind heult, wie die Bäume -rauschen, das Meer braust und wogt, wie die Blumen die Köpfchen neigen, -wie die Wolken jagen! Riechen wir nicht die uns zugewehten Gerüche! -Allein dieser Anreiz unserer Sinnesnerven genügt, um schon mehr oder -minder starke Bewegungen unserer Seele hervorzurufen. - -Aber noch vielseitiger ist der Luftreiz. Kombinieren wir die Sonnen-, -die Temperatur- und Luftflußwirkungen mit denen der ~Luftfeuchtigkeit~ -in ihren verschiedenen Abstufungen. In der feuchten Luft können wir -sämtliche Bäder nehmen, die wir sonst nur in den Wasser-Badeanstalten zu -bekommen gewöhnt sind. Kalte und warme Wasser-Bäder von kurzer oder -langer Dauer, wechselnd in ihrer Temperatur mit stärkerer oder -schwächerer Wasser-Bewegung, gleichsam ein Wellenbad oder Regendouche -oder Strahlendouche, mit mehr oder weniger Elektrizität oder chemischer -Lichtkraft geladen. - -Fügen wir schließlich noch den Faktor der ~Luftelektrizität~ zu allen -bisherigen, von der wir wissen, daß sie bei jeder Temperatur besteht, -daß sie mit ihrer Erhebung bei nebligem Wetter zunimmt, daß ihre -Niederschläge bald positiv, bald negativ elektrisch sind, daß sie in -ihrer Positivität und Negativität wechselt, daß sie eine tägliche -Periode hat. Da wir ferner wissen, daß auch der menschliche Körper -elektrische Ströme beherbergt und daß unser Hautorgan in wechselndem -Grade die Elektrizität zurückhält und aufnimmt, so sind wir auch -berechtigt anzunehmen, daß unser Körper von der Luftelektrizität -beeinflußt wird, auch wenn wir die speziellen gesundheitlichen Gesetze -noch nicht wissenschaftlich erforscht haben. - -So sehen wir denn, daß sämtliche Reizarten, die wir zur Unterhaltung des -Lebens nötig haben, in der Luft enthalten sind, nämlich der thermische, -chemische, mechanische, elektrische und physiologische Reiz. Haben wir -den Körper mit sämtlichen gymnastiziert, so ist er an die dieselben -gewöhnt, d. h. gesund, hat er sich derselben entwöhnt, so ist die -Reaktion darauf eine quantitativ aber qualitativ veränderte und der -Körper krank. Wie die Entwöhnung dieser Lebensreize den Körper siech -macht, so läßt ihn die Gewöhnung an dieselben wieder gesunden. - - -5. Die Arbeitsleistung der menschlichen Haut. - -Bekanntlich sondert die Haut, welche beim Erwachsenen eine Größe von -1½ ^qm^ hat, stetig feste, flüssige und gasförmige Stoffe ab. Die in -dauernder Abschilferung begriffenen Hornschichtsschüppchen, die -ausfallenden Haare, der von den Talgdrüsen abgesonderte Hautschmer, -welcher Haare und Haut einfettet und geschmeidig erhält, der von den ca. -2 Millionen Schweißdrüsen abgesonderte Schweiß sind solche -Absonderungsprodukte. Mit dem Schweiß verlassen Farb- und Riechstoffe, -sowie Selbstgifte den Körper. Die ~Hautatmung~ ist eine nicht -unerhebliche: Gasförmig entströmen der Hautpforte Kohlensäure und -Wasserstoff und wird Sauerstoff in geringer Menge vom Körper -aufgenommen. Die Kohlensäureausscheidung ist zwar für gewöhnlich nur -gering, nämlich nur ⅓-½% der gesamten Kohlensäure-Elimination; sie kann -jedoch mit zunehmender Außentemperatur und bei Körperbewegung bis zum -neunfachen wachsen. Die Wasserdampfabgabe durch die Haut ist dagegen -eine bedeutende. Während 24 Stunden beträgt sie im Ruhezustand des -Körpers 7-800 ^gr^, steigt jedoch bei Bewegung leicht auf 1500-2000 ^gr^ -und darüber. Mit dem Körperwasser verlassen Kochsalz, Harnstoff, Fette, -flüchtige Fettsäuren, Cholesterien, Rodan und andere noch nicht -studierte, teils spezifisch riechende, teils giftige Stoffe den Körper. -Die hohe Giftigkeit des Schweißes steht unzweifelhaft fest und wird -durch Körperarbeit ebenso wesentlich erhöht wie sein Gehalt an -Bakterienkeimen. Die Haut vollzieht demnach die Funktion der ~Drainage~ -(Trockenlegung) und der ~Entgiftung des Körpers~. - -Nun entzieht aber jedes Liter Wasser, das bei 37° ^C^ verdampft wird, -dem Körper 580 Kalorien Wärme (unter Kalorie versteht man diejenige -Wärmemenge, welche nötig ist, um 1 Kilogramm Wasser von 0° auf 1° -Celsius zu erwärmen). - -Die Haut wird also durch die Wasserabgabe zu einem vorzüglichen -~Kühlapparat~ des Körpers. Die Einrichtung zur Wärmeabgabe wird durch -die Fähigkeit der Haut, direkt Wärme auszustrahlen und auszuleiten -vervollkommnet. Andererseits ist die Haut die Vermittlerin der -Wärmezufuhr von außen, die unter Umständen eine größere sein kann als -die der Wärmeabgabe. Dadurch ferner, daß das Hautorgan ein großes -Blutgefäßnetz besitzt, das bei maximaler Erweiterung ein Drittel des -Gesamtblutes aufnehmen kann, und dieses Blutreservoir je nach Bedarf -weit und eng eingestellt werden kann, ist der Körper im stande an der -Oberfläche Wärme aufzunehmen oder abzugeben, Kälte, Wind und Nässe von -sich fern zu halten. Vermittels feinsinniger Nerven vermag der Körper -diese sogenannte physikalische Wärmeregulation aufs prompteste -einzustellen; denn sie zeigen feiner als die besten Barometer, Thermo-, -Anemo- oder Hygrometer, die geringsten Wetterkombinationen und -Wetternuanzen an, vorausgesetzt, daß man sie geübt hat. Unwillkürlich -richtet sich der Körper nach dieser Wetteranzeigevorrichtung, indem er -z. B. bei Kälte oder feuchter, windiger Luft einerseits die Wärmeabgabe -durch Zusammenziehung der Blutgefäße und der gesamten Haut verhindert -und andererseits die Muskeln durch Zittern, Frostschauer etc. in -Bewegung bringt und auch sonst das Gefühl erweckt, durch willkürliche -Bewegungen Wärme zu erzeugen. - - -6. Beeinträchtigung der Arbeitsleistung des Hautorgans durch die -Kleidung. - -Bedenkt man alle diese wichtigen Lebensfunktionen des Hautorgans, die -der Atmung, der Trockenlegung der Gewebe, der Entgiftung, der Kühlung -und der Heizung, sowie schließlich der Wettereinstellung des Körpers, so -versteht man leicht, daß ein Aufhören ihrer Funktion gleichbedeutend mit -dem Aufhören des Lebens ist. Ja es braucht nicht einmal die -Gesamtoberfläche der Haut, sondern nur ein größerer Bezirk derselben -funktionsunfähig gemacht zu werden, wie dies so häufig bei -oberflächlichen Verbrennungen statt hat, und der Tod tritt ein. - -Jede ~Behinderung der Hautfunktion führt zu Störungen der -Körperfunktionen~ in mehr oder weniger hohem Grade, so unter andern auch -durch unsere moderne Bekleidung. - -Es ist experimentell von ~Schierbeck~ nachgewiesen worden, daß je mehr -der Körper bekleidet ist, um so mehr die Wasserdampfabgabe desselben -eingeschränkt wird. Damit ist aber bewiesen, daß durch die Kleidung die -Drainage- und Entgiftungsfunktion des Hautorgans, sowie die der -Wärmeregulation nicht unwesentlich beeinträchtigt wird. Es steht -wissenschaftlich ferner fest, daß der unbekleidete Körper, weil die Luft -ein schlechter Wärmeleiter ist, durch Leitung nur ganz geringe Mengen -Wärme verliert, dagegen durch Strahlung dreimal mehr. Dieser -Wärmeverlust durch Strahlung ist jedoch nicht so bedeutend, als man von -vornherein annehmen sollte, weil ja die Luft 20-25mal schlechter Wärme -leitet als das Wasser. - -Erst ~die durchfeuchtete Luft~ leitet besser und steigert den -Wärmeverlust durch Strahlung, welcher aber nach Prof. ~Rubner~ durch -Bestrahlung der Sonne selbst bei geringem Hochstand derselben in -reichlichem Maße kompensiert wird. - -~Die durchsonnte Luft~ kompensiert also den eventuellen Nachteil der -Luftdurchfeuchtung. - -Bei feuchter Luft, selbst wenn dieselbe von stärkeren Niederschlägen -begleitet ist, hat der nackte Körper außer dem Schutz der -Sonnenbestrahlung noch den der Fettigkeit der Haut. Denn dieselbe sorgt -dafür, daß z. B. der Regen schnell an ihr abfließt, und der Körper so -vor zu großen Wärmeverlusten bewahrt bleibt. - -~Durchwindete Luft~ schützt bei mittleren und höheren Temperaturen den -unbekleideten Körper vor zu großen Wasserverlusten und läßt -Temperaturen, die die Körpertemperatur übersteigen, leichter ertragen. - -~Bei warmer aber windiger Luft~ beginnt der Körper frühzeitiger -unwillkürliche Muskelbewegungen wie Zittern, Zusammenschauern etc. -auszuüben und ist leichter aufgelegt, auch willkürlich die Muskeln zu -bewegen als bei windstiller, warmer Luft. Beide Arten der Bewegung -erzeugen Körperwärme, gleichen also den durch den Wind erzeugten -Wärmeverlust durch stärkere Wärmeproduktion aus. - -Der Körper hat aber, wie wir gesehen haben, in dem großen Blutgefäßnetz -der Haut eine Kühl- oder Wärmevorrichtung je nach Bedarf. - -~Bei windiger kalter, oder windiger nasser Luft~ zieht er die Blutgefäße -zusammen, drängt das Blut in das Körperinnere und verhindert so eine -abnorme Abkühlung, bei ~windiger warmer Luft~ läßt er die Blutgefäße -sich später erweitern als bei windstiller warmer Luft, weil er die -Blutwärme ja länger festhalten muß und läßt er frühzeitiger -unwillkürliche und willkürliche Bewegungen ausführen, als bei -windstiller warmer Luft, weil er ja früher auf die Erzeugung von -Körperwärme angewiesen ist. - -Die Fähigkeit der Haut sich für jede mögliche Lufttemperatur -einzurichten, bedeutet demnach für den Körper einen Sonnen-, Nässe-, -Wind-, Kälte- und Wärmeschutz. - -~Der unbekleidete Mensch ist, vorausgesetzt, daß er gesund und sein -Hautorgan ein durch die verschiedenen Wetterkombinationen geschultes -ist, stets dem Bekleideten gegenüber im Vorteil~. Gegen das etwaige -Zuviel des Lichtes der Sonne, hat er die Bräunung, gegen Regen die -Fettigkeit, gegen Wind, Kälte und Wärme die Erweiterung oder Verengerung -der Hautblutgefäße. So kann z. B. bei hohen Kältegraden der nackte -Mensch wärmer als der bekleidete sein, denn die Kleidung ist nur solange -ein Wärmeschutz, als sie selbst noch warm ist. Ist sie erst einmal kalt -geworden, so muß der Mensch durch Bewegung, Nahrung etc. eine größere -Wärmemenge erzeugen, einmal um den Körper selbst wieder auf die -gewünschte Temperaturhöhe zu bringen, zweitens um die kalt gewordene -Kleidung zu erwärmen. Kalte Kleidung entzieht dem Körper ziemlich -erheblich Wärme, zumal wenn dieselbe durchfeuchtet ist. Die Kleidung -tritt also nur da in ihr Recht, wo es gilt, dem Körper den produzierten -Wärmevorrat zu ~erhalten~. - -Ein ähnliches Verhältnis ist bei hoher Lufttemperatur der Fall; auch -hier muß der Körper eine ~doppelte Leistung~ vollbringen, nicht blos -sich selbst, sondern auch die Kleidung abkühlen. - -~So schnell als der Witterungswechsel in jeder Minute es erfordert, kann -man die Temperatur und den Feuchtigkeitsgehalt nicht abändern; eine gut -trainierte daher wetterfeste und regulationsfähige Haut vermag diese -Leistung aber blitzschnell für jede Wetterkombination zu vollbringen~. - -~Dem Bekleideten kommt der produzierte Schweiß für die Abkühlung nicht -völlig zu gute~. Denn wie gelegentlich anstrengender Uebungen -nachgewiesen worden ist, enthält die Kleidung häufig 6-8000 ^gr^ Wasser, -welches bis in die äußeren Kleiderschichten eindringt. Daselbst erfolgt -die Verdampfung nur zum Teil auf Kosten des Körpers, vielmehr auf Kosten -der umgebenden Luft. Diese vom Körper aufgebrachten Schweißverluste -sind für den bekleideten Körper also ~nutzlos~ und sind bei -wasserdampfreicher Luft sogar zu fürchten, weil dann die Verdampfung in -der den Körper direkt umspielenden Luftschicht gehindert ist. - -~Die mit Schweiß imprägnierte Kleidung ist wegen ihres Reichtums an -Toxinen und Bakterien eine Infektionsgefahr~, sowohl für den Träger -selbst, als auch für seine Mitmenschen, eine Brutstätte aller möglichen -Krankheitskeime. - -~Die durchschweißte oder auch von außen durchnäßte Kleidung bietet die -Gefahr der Erkältung für einen in Bewegung Gewesenen~, wofern dieselbe -nicht rechtzeitig durch trockene ersetzt wird, sobald der Körper in Ruhe -kommt. Denn die nachträgliche Verdampfung entzieht dem Körper, der -während der Ruhe pro Stunde höchstens 80 Kalorien produziert, viele -hundert Kalorien, führt also zur abnormen Abkühlung des Körpers. Die -Durchblutung des Hautorgans während der Bewegung macht einer plötzlichen -Blutleere in der Ruhe Platz, bedingt also eine plötzliche -Blutüberfüllung der Eingeweide und stellt plötzlich und abnorm hohe -Anforderungen an die Regulierfähigkeit des Hautorgans. - -Und so sehen wir denn tatsächlich, daß bei kühler Witterung unsere -unbekleideten Teile häufig wärmer sind als die bekleideten, so wird uns -der Regen und Schnee auf den unbekleideten Körperstellen weniger lästig -als in unserer Kleidung, die wir möglichst bald abzulegen suchen, so -sehnen wir uns bei heißer, sonniger Witterung darnach, den Körper zu -entblößen und alle die Vorteile, ~die Licht und Wärme der Sonne~ -bringen, an unseren Körper heranzulassen. Denn die ~chemische, -bakterientötende, stoffwechselanregende~, die Wärme und lebenerwirkende -~Kraft des Lichtes~ ist ja nicht nur in der Heilwissenschaft, sondern -auch in weiten Laienkreisen bekannt. - -Andrerseits bietet die Kleidung dem Menschen selbstverständlich auch -viele Vorteile, die für unsere heutige Kultur nicht zu unterschätzen -sind. In der Rauhkeit unseres Klimas sind wir auf dieselbe angewiesen. -Denn nur in der warmen Jahreszeit könnten wir dieselbe bei beruflicher -Tätigkeit zur Not auf längere Zeit entbehren. Wir können aber z. B. eine -sitzende Beschäftigung während der kühlen Jahreszeit nicht ohne Schaden -für unseren Körper unbekleidet ausüben. Die Kleidung tritt überall da in -ihr Recht, wo dem Körper durch unsere Lebensgewohnheiten, durch die Art -der Beschäftigung die Gelegenheit genommen wird, genügend Wärme zu -produzieren, wo sie uns hilft, mit dem produzierten Wärmevorrat Haus zu -halten. - -Nun könnte man den Einwurf machen, daß die zeitweilige Lüftung des -nackten Körpers im Luftbade zwar für das sonnige Griechenland, nicht -aber für unsere rauhen klimatischen Verhältnisse geeignet sei. Dieser -Einwurf besteht jedoch nicht zu recht. Denn leben nicht noch heute die -Feuerländer in ihrem bekanntlich sehr rauhen Klima (Jahresmittel der -Temperatur ist 6,2°) dauernd fast nackt? Und hat nicht das -Massenexperiment unserer deutschen Luftbadler den Gegenbeweis bereits -erbracht? - - -7. Welchen Nutzen hat der kranke Mensch vom Luftbade? - -Um die Frage, ob der kranke Mensch Nutzen vom Luftbade hat, korrekt zu -beantworten, müßte ich eigentlich ein Buch für sich schreiben. Der -Rahmen dieser Blätter gestattet nur eine mehr summarische Beantwortung. - -Nur wenige ~Hautkranke~ gibt es, welche bei ~richtiger~ Ausnutzung des -Luftbades von demselben keinen Vorteil haben. Alle diejenigen Patienten, -denen die Haut brennt, schmerzt, juckt und sonstige abnorme Empfindungen -verursacht, finden sehr schnelle Linderung und schließlich Heilung, wenn -sie Schattentemperaturen und die kühleren Temperaturen der Frühjahrs-, -Herbst- und milderen Winterszeit benutzen. Je nach dem Kräftezustand des -Körpers und nach dem Kältegrad und Luftfluß der Atmosphäre sollen sich -die stärkere oder schwächere allgemeine Körperbewegung machen. Das -Hautorgan wird durch den Wetterreiz einerseits und durch die -Muskelbewegung andererseits in Bewegung gebracht, gymnastiziert. Durch -diese direkte und indirekte Hautgymnastik, die gleichzeitig die Vorteile -der Körpergymnastik und der Abhärtung mit sich bringt, wird die Ursache -der abnormen Hautempfindungen beseitigt. Die kühlen Lufttemperaturen -wirken bei denjenigen Kranken, die infolge einer akuten Hautentzündung -ein ausgesprochenes Gefühl der Hitze und der Spannung haben, ebenfalls -ungemein angenehm und heilend. Diese entspannende und kühlende -Luftwirkung kann man durch zuvoriges Einölen mit irgend einem -gereinigten Oel erheblich unterstützen. Auch da wo die Haut rauh und -rissig geworden ist, soll man zuvor tüchtig und wiederholt einölen, -sonst würde sie namentlich bei etwas stärker bewegter Luft noch rissiger -und eventuell blutend. Diese Behandlung empfiehlt sich besonders bei -~Rotlaufkranken~, die jede Temperatur und jede Lichtstärke der Luft -benutzen können, nur die Oelung der Haut vorausgesetzt. Einen auffallend -schnellen und unkomplizierten Verlauf beobachtet man bei allen -denjenigen ~Fieberkranken~, welche gleichzeitig einen ~Ausschlag~ am -Körper zeigen, der im ursächlichen Zusammenhang mit der Fiebererkrankung -steht, z. B. bei Masern-, Scharlach-, Pocken-, Typhuskranken, die -vorwiegend einer Sonnenbehandlung unterworfen werden. Umhüllt man diese -Kranken mit dünnen porösen roten Schleiern, schützt ihre Augen durch -farbige Gläser, läßt sie selbstverständlich in absoluter Ruhelage und -wechselt je nach der Intensität der Körperreaktionen mit -Schattentemperaturen und leichteren Wasserapplikationen, so ist ihre -Genesung eine schnellfortschreitende und vollständige. - -Die Kranken, deren Haut das Symptomenbild des sog. ~Exzems mit oder ohne -bakterielle Komplikation~ zeigt, bedienen sich in allen Stadien der -Erkrankung mit Vorteil des Lichtbrandes, dem sie sich in möglichst -ausgiebiger Weise viele Stunden aussetzen. Nässung, Schuppung etc. -verschwinden, die kranke Haut wird auf dem Wege der Entzündung durch -eine neue gesunde Haut ersetzt. In ähnlicher Weise gesunden Kranke, bei -welchen in das geschwächte Hautorgan von außen Bakterien eingedrungen -sind und dort ihr Parasitenleben auf Kosten des Organismus führen. -Besonders deutlich sichtbar ist die Genesung der Kranken mit -~Schuppenflechte~. Auch bei denjenigen Menschen, deren Haut -wassersüchtige Schwellung zeigt, erweist sich die ausgiebige Belichtung -und die windige heiße trockene Luft als unschätzbares Heilmittel. Die -vorteilhafte Behandlung ~Lupuskranker~ und Patienten mit ~Hautkrebs~ mit -dem Sonnenbrand ist wohl allgemein bekannt.[7] Auch ~Hautwunden~ und -selbst tiefere Wunden, die von der Oberfläche aus zugänglich sind, -heilen unter Besonnung und Eintrocknung ungemein schnell und ergeben -ebenso wie bei Lupus und Hautkrebskranken schöne glatte Narben. Auch die -Wintersonne genügt in ihrer Intensität, wofern man nur ausgiebig die -wenigen Sonnenscheinstunden ausnutzt. - - [7] Vergl. Rieder, Prof. Dr. H., Die bisherigen Erfolge der - Lichttherapie. Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart. Preis 75 - Pfg. - -Von auffallend günstiger Wirkung ist die Luftbadbehandlung bei allen -~Stoffwechselkranken~; sie ist am stärksten an ~lichtvollen, windigen -Tagen~, zumal wenn sie mit ~individueller Körpergymnastik~ und -~individuell angepaßten Wassermaßnahmen~ vereinigt wird. Zuckerkranke, -Fettsüchtige, Rheumatiker, Gichtiker, Blutarme, Bleichsüchtige, -Rhachitische, Skrofulöse etc. verlieren relativ schnell die fehlerhafte -Verarbeitung der Körperstoffe. - -Bei denjenigen Menschen, bei welchen der Stoffwechsel derart -darniederliegt, daß sie schlecht ernährt und siech sind, empfiehlt sich -eine häufige leichte ~Massage~ in der ~Sonne~. - -Bei ~Nervenkranken~ ist vorzüglich das ~farbige~ Licht je nach dem -Erregungszustand der Nerven zu wählen. Diejenigen Centren, welche den -Sitz der Erkrankung darstellen, sind besonders vor den chemisch -wirksamen Strahlen zu schützen und erst allmählich an dieselben zu -gewöhnen. Kühlere Temperaturen, besonders der frühen Morgenstunden -werden von Nervösen im Luftbade im Allgemeinen angenehmer empfunden und -wirken schneller erholend. ~Fernhalten aller Luft- und Licht-Kontraste~, -verbunden mit ~absoluter Ruhe~ und öfteren ~einförmigen~ Reizen im -Anfange, sodann bei fortschreitender Erholung ~Gymnastik der Sinne~ -durch ~Naturbeobachtung~, verbunden mit ~Atemgymnastik~ im ~Liegen~, -sodann mit leichter Streichmassage und Passiv- und Förderungsbewegungen, -sodann Aktiv-Bewegung durch ~Nacktbeschäftigungsbehandlung~ der -Gartenarbeit, dazu milde Wasserbehandlung und schließlich systematisch -aufsteigende aktive Freiluftgymnastik, bis Gewöhnung an sämtliche -Luftfaktoren, so besonders auch an ausgiebige ~Lichtfülle~ und starke -Licht-Luftkontraste eingetreten ist und eine energische Körperbetätigung -spielend geleistet wird, garantieren die Heilung. Neben dieser -Behandlung ist eine seelisch individuell angepaßte Suggestionstherapie -mit eventueller Benutzung der Hypnose anzuraten. ~Lungenschwache~ sollen -vorsichtige Lungengymnastik zunächst unter teilweiser Entblößung treiben -und ~scharfe~ Luftkontraste vermeiden, allmählich dreister werden, bis -das Hautorgan als Hülfslunge genügend erzogen ist. Besonders -~Schwindsüchtige~ mit und ohne Tuberkelbazillencomplikation sollen so -vorsichtig beginnen und anfangs ~warme~, ~trockene~, staubfreie, -womöglich ozonreiche und ~lichtstarke~ Luft bevorzugen. - -Von ~längeren Freiluft-Liege-Kuren~ habe ich weniger Vorteil gesehen. -Ist die Neigung zu reichlichen Schweißen und zu Blutungen vorüber, dann -sollen sie dreist jede Lufttemperatur und jeden Luftwechsel -selbstverständlich staubfreie Luft und stärkere Atemgymnastik und -schließlich Allgemeingymnastik und Dauerlauf zur Genesung benutzen. -Eine vorsichtige örtliche und später allgemeine Wasserbehandlung -begünstigen die Genesung. Patienten mit Lungenerweiterung sollen bei -erschwertem spärlichem Abhusten feuchte Luft bevorzugen und -hauptsächlich forcierte ~Ausatmungsgymnastik~ betreiben im Gegensatz zum -Einatmungs- und Atemhalten-Training Schwindsüchtiger. Die erfolgreiche -Freiluftbehandlung Keuchhustenkranker ist wohl bekannt genug, um hier -noch weiter erörtert zu werden. - -Von geradezu verblüffendem Erfolg ist die Freiluftbehandlung -~Herzkranker~, bei welchen man das Herz durch ~blaue Herzkühler~ -schützt. Auch bei ihnen beginne man mit milderen Temperaturreizen, -obwohl man die Wärme- und Lichtstauung des Körpers nicht sonderlich zu -fürchten braucht. Hat der Herzkranke Gelenkerscheinungen, rheumatische -Schmerzen, Blausucht, Eiweißharnen, wassersüchtige Symptome, so schalte -man ebenso wie bei ~Nierenkranken~ ~feuchte~ und ~kalte Luft~ in der -Behandlung aus, man denke jedoch daran, daß der Kranke nicht eher als -gesundet betrachtet werden kann, als bis er auch an diese Luftfaktoren -wieder gewöhnt ist. Massagebehandlung, individuelle Wasserbehandlung, -Diät, passive und Förderungsgymnastik, später Aktivgymnastik, besonders -der Rotationsbewegungen der ~Extremitäten~ (keine Rumpfgymnastik), -Atmungstraining sind unterstützende Heilfaktoren. - -~Infektions~-, ~Vergiftungs~- und ~Verdauungs-Kranke~ der -verschiedensten Art sind nicht minder erfolgreich bei richtiger -Ausnutzung der Lichtluftfaktoren als ~unterleibskranke Frauen~; bei -jenen sind die örtlichen hydrotherapeutischen und insbesondere die -diätetischen Maßnahmen, bei diesen neben örtlicher Hydrotherapie -(Wasserbehandlung) vor allem die ~Thure Brandt~-Massage und Gymnastik -unterstützende Hilfsmittel. - -Selbstverständlich ist es wohl, daß diejenigen Menschen, deren -Krankheitserscheinungen wir mit dem Namen der ~Erkältungskrankheiten~ -bezeichnen, gerade durch Anwendung der Luftfaktoren am schnellsten -genesen und durch Gewöhnung an die Luftfaktoren einer Wiederkehr der -krankhaften Reaktionen ihres Körpers vorbeugen. - -Nicht unwichtig ist der Umstand, daß diejenigen Menschen, die unter der -Behandlung der Luftfaktoren ihre Gesundheit wiedergewonnen haben, mit -denselben umgehen und ihrer individuellen Körperveranlagung anpassen -lernen, also den guten Zustand ihres Körpers zu erhalten wissen und -diese ~Gesundheitsarbeit spielend~ und frohsinnig in ~bester seelischer -Verfassung~ geleistet wird. - - -8. Das Licht-Luftbad eine soziale Forderung. - -In Rücksicht auf die gesundheitlichen Schädigungen, die die Beschränkung -des Licht-Luftgenusses für das Einzelindividuum und für die Gesamtheit -hat, muß man auf Abhilfe sinnen. Diese Uebelstände zu mildern resp. zu -beseitigen, ist Aufgabe der Licht-Luftsportbäder. - -Die Erfahrung in unseren modernen Sanatorien und in dem einzigen -Krankenhaus des deutschen Reiches, welches vorurteilsfrei das -Lichtluftbad als Heilfaktor benutzt, (es ist dies das Kreiskrankenhaus -Groß-Lichterfelde bei Berlin unter Leitung des Geheimen Medizinalrat -Professor Dr. E. Schweninger) hat gezeigt, daß eine große Zahl kranker -Menschen allein durch den richtigen Gebrauch der Luft in den Luftbädern -gesunden, daß sie aber in vielen Fällen wegen des Mangels bestehender -Luftbäder ihrem Bedürfnis nach Lüftung später nicht mehr genügen können -und von neuem erkranken. Es fehlt ihnen also das ~gesunderhaltende~ -Mittel. - -Für die ~Lösung vieler Gesundheitsfragen~, z. B. der Tuberkulose- oder -der Carcinomfrage, sowie für die Menschen dichtbewohnter Großstädte, ist -die Schaffung derartiger Licht-Luftsportplätze ein dringendes -Erfordernis. - -Die hygienische Forderung der Luftbäder besteht für ~jeden Beruf~ zu -Recht, für Reich und Arm, für Mann und Weib, für Kind, Jüngling und -Greis, für Turner, Soldaten und für alle, welche irgend einem Sport -huldigen. - -So ergeben sich die ~sozialen Vorteile~ von selbst. - -Ein abgehärtetes, seuchenfestes Volk, das seine Freude in natürlichen -Genüssen sucht, den Luft- und Naturgenuß eintauscht gegen die so -zweischneidigen Freuden des Alkohols, Nikotins, der geschlechtlichen -Exzesse und anderer Genüsse, ist der Gefahr der ~Rasseentartung~ -erheblich weniger ausgesetzt als eine immer mehr und mehr -verweichlichende, genußsüchtige Bevölkerung. - -Die ~Wehrfähigkeit des deutschen Volkes~ würde nicht unerheblich durch -die Einrichtung von Luftbädern erhöht werden. - -Die ~praktische Reformierung des Gasthauswesens~ würde durch -Luftbäderanlagen wesentlich gefördert und erleichtert. - -Das ~deutsche Turnwesen, alle Arten des Sports, das Schul-, Sport- und -militärische Training würden gesundheitlich und ästhetisch gestaltet~. - -Die ~sozialen Gegensätze würden gemildert~. Denn dem nackten Körper -fehlen die Insignien von Reich und Arm, und das gemeinsame Ziel, den -Körper im gemeinsamen, wagemütigen Spiel gesund und schön zu gestalten, -wozu der Luftgenuß den unbekleideten Körper einladet, erhöht das Gefühl -der Zusammengehörigkeit aller Volksgenossen. - -Die wenigen Luftbadeanstalten, die bisher im Reiche bestehen, haben -praktisch bewiesen, daß dieselben stark besucht werden, daß die -Besucher, je länger sie den Luftgenuß hatten, desto gesunder wurden, daß -sie mehr und mehr im steigenden Kraftgefühl den frischen Wagemut fanden, -den nur das Vertrauen auf die eigene Kraft und Gesundheit schaffen, daß -sie an Stelle der Genußsucht die Mäßigkeit setzten. - -Die Luftbadeanstalten sind schließlich nicht nur eine hygienische und -soziale Forderung, sondern auch eine ~Forderung der Aesthetik~. - -Der nur an den Hüften bekleidete Mensch, bei welchem etwaige -Unebenheiten des Körpers nicht durch die Kleidung verdeckt werden, der -andere nackte, schönheitliche Körper vorbildlich im Luftbade sieht, -sucht alsbald seiner Eitelkeit folgend seinen Körper schönheitlich zu -gestalten. Er benutzt die körperliche Uebung zur ~Modellierung~ seines -Körpers und übt im Gegensatz zum Gipfelturner oder Radfahrer oder -Berufsathleten nicht nur ~einzelne~ Muskeln, sondern sämtliche -Muskelgruppen in harmonischer Weise. Die Einseitigkeit jener, die sich -in übermäßiger Dicke der Arme bei gleichzeitiger Dünne der Beine oder -umgekehrt, oder in irgend welchem Mißverhältnis der Körperproportionen -zeigt, imponiert dem Nacktübenden nicht, er erkennt das ~Unschöne~ mehr -und mehr und ruht nicht eher, bis er die Schwäche und das Häßliche -seiner Körperformen beseitigt hat. So wird er allmählich, je schöner -seine Körperformen sich modellieren, selbst ein schöner Vorwurf für den -Künstler (s. Titelbild). - -Dabei lernt das Auge des Beschauers, der zuvor das Nackte als anstößig -und unsittlich betrachtete, dieses wieder als sittlich, rein und schön -auffassen. - -Der griechische Künstler, der in den Palaestren den in der Nacktheit -schön gebildeten Körper in Ruhe und Bewegung dauernd vor Augen hatte und -darum vorbildlich Schönes schaffen konnte, hat vor dem deutschen -Künstler dann nichts mehr voraus. Das Auge des Künstlers, sowie jedes -Beschauers, wird schönheitlich erzogen, die Sinne werden veredelt, die -Kunst wird mehr und mehr Allgemeingut. - -Die Einrichtung von Luftbädern ist nun aber tatsächlich ein ~Bedürfnis -weiter Volksschichten~ geworden. - -Das geht vor allem daraus hervor, daß sich zahlreiche Vereine mit -derartigen Bestrebungen in fast allen größeren Städten des deutschen -Reiches gebildet haben, die unter dem Namen des „~Deutschen Vereins für -vernünftige Leibeszucht~” ~bekannt~ sind, daß Privatleute aus eigenen -Mitteln im Kleinen derartige Luftbäder an vielen Orten schufen, daß -Zeitschriften entstanden, welche ähnliche Forderungen aufstellten. Die -beste und bekannteste Zeitschrift dieser Art ist „~Kraft und -Schönheit~”. - -Endlich ist darauf hinzuweisen, daß die Einrichtung von Luftbädern ~dem -Staate keine wesentlichen Kosten verursachen würden~. Turnplätze, -Kasernenhöfe, Spielplätze inmitten und an der Peripherie der Städte sind -zur Genüge vorhanden; eine etwaige Umzäunung der Plätze, Angliederung an -Badeanstalten und Armierung mit Turn- und Sportgeräten erfordern nur -ganz geringe Mittel. Turn- und Schullehrer, welche mit den für den -Licht-Luftgebrauch nötigen Vorsichtsmaßregeln bekannt gemacht werden -müßten, sind in genügender Zahl vorhanden. Eine höhere Belastung des -Etats wäre also unnötig, Ersparnisse an anderen hygienischen Instituten -sehr wahrscheinlich. Als Beispiel und Vorbild ist das städtische -Freilicht-Luftbad Münchens anzuführen, welches diese Stadt an eine -Volksbadeanstalt angliederte. Das Luftbad war bei einem Eintrittspreis -von 10 Pfennig trotz des regnerischen Sommers von einer täglichen -Mindestzahl von 500 Besuchern frequentiert. An den Sonntagen stieg die -Besucherzahl bis auf 900. Das Terrain erwies sich für das ungeheure -Bedürfnis, obwohl es eine Größe von 400 Quadrat-Ruten hatte, als viel zu -klein und soll deswegen um das vierfache vergrößert werden. - - -9. Praxis des Nacktturnens. - -Nachdem wir die Gesetze der Bewegung, des Lichtes und der Luft und ihre -Einwirkung auf den menschlichen Körper kennen gelernt haben, steht es -außer Frage, daß Leibesübungen jeder Art logischer Weise ~nackend~ -betrieben werden müssen. - - -^a^) ~Die Notwendigkeit des Nacktturnens~. - -Durch die Gymnastik wird schneller als durch die Bewegungen des -täglichen Lebens Aufbau und Abbau der Stoffe des Körpers erzielt; -trotzdem lernt derselbe, sich den Uebungen anzupassen, und produziert -weniger Ermüdungsstoffe, je ausdauernder er trainiert wird. Diese sind, -wie Erfahrung und Experiment bewiesen haben, ~Giftstoffe~. Je schneller -dieselben entfernt werden, um so schneller ist die ~Erholung~. Der -menschliche Körper ist vergleichbar dem Ofen. Beschickt man denselben -mit Heizmaterial und schließt frühzeitig die Ofenklappe, so wird das -Feuer nur langsam glimmen und allmählich ausgehen und viel unverbrannte -Schlacken zurücklassen; öffnet man dagegen die Ofenklappe, gewährt also -der Luft ausgiebigsten Zutritt in den Ofen, so wird das Feuer lustig und -hell aufflackern und das Heizmaterial vollkommen und ohne Bildung von -Schlacken verbrennen. Wenn im menschlichen Körper die Millionen -Oeffnungen der Haut zum Eintritt für Licht und Luft offenstehen, so wird -auch das Lebensfeuer hell brennen und alle, auch die schwerverbrennbaren -Heizstoffe des Körpers vollkommen verbrannt werden. ~So wird die Bildung -von Belastungs- und Ermüdungsstoffen hintangehalten, so aber auch für -eine schnelle und ausgiebige Erholung gesorgt~. Denn die Giftstoffe -treten ungehindert an die Oberfläche des Körpers und werden hier durch -die Desinfektionskraft des Lichtes unschädlich gemacht, von der -Feuchtigkeit der Luft, dem Regen etc. abgewaschen, von dem Winde -verweht. Gleichzeitig erfolgt von denselben Naturkräften der ~stete -Antrieb zu erneuter Bewegung~. So sehen wir denn auch in der Praxis die -Nacktgymnastik sich als eine charakteristisch unbelastete vollziehen. -~Geist und Seele sind freudig animiert, der Körper arbeitet spielend~. -(Fig. 35, 36, 37, 38.) Die Krafterzeugung, der schönheitliche Aufbau und -die Erziehung des Körpers zur Ausdauer, geschehen ungehindert und -vollkommener. - - -^b^) ~Die Hilfsmittel des Nacktturnens~. - -Der Nacktturner hat nun zur Erlangung einer gesundheitlichen Entwicklung -seines Körpers zu Kraft und Schönheit mehrfache ~Hilfsmittel~. Sobald er -in irgend einem Teile des Körpers die Ermüdung fühlt, tut er gut, sich -denselben zu streichen und zu reiben, d. h. sich selbst zu ~massieren~. -Er bringt durch die Selbstmassage die Ermüdungsstoffe zur schnellen -Aufsaugung und wird wieder schnell übungsfähig. - -Ein weiteres Hilfsmittel ist die ~richtige Anwendung des Wassers~. Wenn -der Körper durch die Bewegung und unter dem Einfluß des Lichtes und der -Luft in den Zustand ~erhöhter Reaktionsfähigkeit~ gekommen ist, -unterstützt man die Abhärtung, d. h. die Anpassung des Körpers an -sämtliche Licht-Luftfaktoren, die durch das Luftbad an sich schon in -hohem Maße erzielt wird, durch den ~systematischen Gebrauch~ des -Wassers. Man beginne ~nicht gleich mit schroffen~ Temperaturgegensätzen, -sondern mit Temperaturen, welche der Körpertemperatur ziemlich nahe -kommen und gehe erst allmählich entsprechend der Individualität des -Körpers zu extremen Temperaturen über, bis man ~jede beliebige~ -Temperatur ertragen gelernt hat. Man wähle auch nur ~kurzdauernde~ -Wasserprozeduren z. B. milde Douchen auf Brust und Rücken in Dauer von -10-15 Sekunden, Halbbäder in Dauer von 6-8 Sekunden etc. und ähnliche -Prozeduren. Die mit der Wasseranwendung verbundene ~Reinlichkeit~ des -Körpers ist ein weiterer Gewinn desselben. Sehr wichtig ist für die -Benutzung des Wassers, namentlich wenn man dasselbe kalt gewählt hat, -die Sorge für ~schnelle Wiedererwärmung~ des Körpers in der einen oder -anderen Weise, durch Bewegung, Umhüllung, Besonnung etc.[8] - - [8] Siehe Rieder, Prof. Dr., Körperpflege durch Wasseranwendung. Mit - vielen Abbildungen. Eleg. geb. 2 M. -- Verlag von E. H. Moritz, - Stuttgart. - - -^c^) ~Die hygienische Regelung des ganzen Lebenshaushaltes~. - -Schließlich ist die hygienische ~Regelung des gesamten Lebenshaushaltes~ -von ungemeiner Wichtigkeit. Eine ~nüchterne, reizlose und mäßige -Ernährung~, welche der Individualität des Menschen und der Kraft seiner -Verdauungsorgane angepaßt ist, wird einen Kraftaufbau am meisten -begünstigen. ~Alkohol~ in jeder Form, ~Gewürze~, ~Nikotin~, ~Kaffee~, -~schwarzer Tee~ und sonstige empfohlene Anregungsmittel sind -~Genußmittel~, welche zwar im Augenblick der Ermüdung das trügerische -~Gefühl~ der Frische und Anregung geben. Man bedenke aber bei ihrem -Genusse stets, daß sie keine ~Krafterzeuger~ sind, sondern daß sie nur -die Reservekräfte des Körpers anregen und verbrauchen, die ~letzte -Kraftquelle ausschöpfen~ und die Ermüdung, die nach ihrem Gebrauche -nachfolgt, eine ~krankhafte Erschöpfung~ des Organismus bedeutet. Das -~Zuviel~ der Nahrung schafft Faulheit und Ungelenkheit der Glieder und -erzeugt Belastungsstoffe, welche den Körper namentlich bezüglich der -Ausdauer behindern. Die ~Temperatur~ der ~Nahrung~ komme der -Körpertemperatur möglichst nahe; die sehr ~heiße~ oder kalte Nahrung -wirkt wie die gewürzige Nahrung als innerer Reiz, welcher erschöpft. Das -~gute Zerkauen~ der Nahrung schafft eine höhere Ausnutzbarkeit -derselben. ~Gewohntgemäßiger Gebrauch~ von reichlichen ~Flüssigkeiten~, -wie Suppen, Getränken (auch Wasser und Limonaden) sind überflüssig und -eventuell schädlich. Sie verdünnen und spülen die Verdauungssäfte aus, -schwemmen den Körper auf, machen ihn weich und nachgiebig, nutzen die -Nieren, Blutgefäße und das Pumpwerk des Herzens vorzeitig ab, und machen -den Körper wenig ausdauernd. ~Man trinke nie ohne Durst~. Derjenige -Durst, welcher sich durch Gurgeln mit klarem Wasser oder durch den Genuß -fester Nahrung überwinden läßt, ist kein Durst, sondern nur etwas -Angewöhntes. - -Die ~Mäßigkeit im geschlechtlichen Verkehr~ ist für die Erzeugung von -Kraft und Ausdauer ebenfalls von immenser Wichtigkeit. Man bedenke, daß -jeder Beischlaf eine bestimmte Menge Lebenskraft des Körpers verausgabt, -und daß jede Vergeudung dieses Kraftkapitals zu einem frühzeitigen -Bankerott führen muß. Nur der ~Ueberschuß~ an Lebenskraft, die -Kraftzinsen, dürfen ohne Schädigung verbraucht werden. - -Da wir unter den heutigen Kulturverhältnissen nur wenig Gelegenheit zur -ausgiebigen Lüftung des Körpers haben, so müssen wir durch richtige -Bekleidung und Schlafen in ~gut ventilierten Räumen~ einen möglichst -guten Ausgleich zu schaffen suchen. - -[Abbildung: Tafel XII. - -Fig. 35. =Von kleinster zur grössten Arbeit.= - -1. Rückenmärkler machen Gehübungen. 2. Patient die Blumen beschneidend. -3. Bei den Hantelübungen. 4. Ringer (Genickfallgriff).] - -[Abbildung: Tafel XIII. - -Fig. 36. =Vergnügen und Arbeit im Luftbad.= - -1. Der Blumengießer. 2.2. Die Schachspieler. 3.3. Die Luftbadkapelle. -4.4. Ein Spielchen „66”. 5. Massage. 6. Holzsägen. 7. Holzhacken. 8. -Rückenmarkskranker seine Gehübungen verrichtend. 9. Patient „tritt -Wasser” im großen Bassin.] - -Unsere ~Kleidung~ darf deswegen nicht beengend, sondern muß locker, -luftig, und dabei porös sein, so daß wir am Körper stets eine -Luftventilationsschicht behalten. Imprägnierte und gestärkte Bekleidung -hindert den Luftzutritt. Im übrigen müssen wir Farbe und Gewebsart nach -der Individualität unseres Körpers, nach der Jahreszeit und dem Grade -unserer Abhärtung einrichten. Beengendes Schuhzeug verändert -nicht nur die Form unserer Füße zum Nachteil, sondern behindert auch -Gelenkigkeit und Kraftentwicklung derselben. Was aber ein festes Stehen -bedeutet, wenn die Zehen und die Sohle im stande sind, sich gleichsam am -Erdboden festzukrallen, weiß der Ringer besonders hoch zu schätzen. - -[Abbildung: Tafel XIV. - -Fig. 37. Turnen und Spielen der Frauen und Kinder.] - -[Abbildung: Tafel XV. - -Fig. 38. =Gesundheitsarbeit der Frauen und Kinder.= - -1. Einseitiges Tiefatmen. 2. Gleichgewichtsübungen am Schwebebaum. 3. Am -Reck.] - -Der ~Schlafraum~ muß stets gut ventiliert und der Luftzutritt am besten -durch ein geringes Offenstehen der Fenster gewährleistet sein. Es kommt -nicht auf ein Schlafen in ~kalten~ Räumen an; dieses kalte Schlafen kann -gelegentlich sogar von Nachteil sein; sondern die ~Lufterneuerung~ ist -das Wesentliche. Denn der Luftvorrat eines Raumes wird in bestimmter -Zeit je nach seiner Größe und nach der Zahl der Atmenden mehr oder -weniger rasch verbraucht. Eine einmal verdaute Speise pflegen wir wegen -der Unappetitlichkeit und Schädlichkeit nicht zum zweitenmale zu -genießen; dies gilt auch für den Genuß der Luftspeise. Auch der Luftkot -sollte nicht wiederum als Atmungsspeise gebraucht werden. - - -^d^) ~Licht-Luftbadregeln~. - -Um mit Vorteil in ~Licht~ und ~Luft~ zu ~baden~, muß der Anfänger -~gewisse Regeln~ beobachten. Am besten ist es für denselben in der -~warmen~ Jahreszeit bei sonniger Witterung mit dem Licht-Luftbaden zu -beginnen und zwar den Körper zunächst nur ~teilweise~ den -Witterungsfaktoren auszusetzen, allmählich ein Kleidungsstück nach dem -anderen abzulegen und die ~Zeit~ des Badens anfangs nur ~kurz~ zu -bemessen, bis eine völlige Gewöhnung an die Luftfaktoren eingetreten -ist. So wird der Badende stärkere Reaktionen des Körpers vermeiden. Bei -grellem Sonnenlicht ist es gut, den Aufenthalt in der Sonne mit dem im -Schatten häufig zu wechseln, sowie beim Liegen oder Stillstehen in der -Sonne die Lage des Körpers öfters zu wechseln, damit nicht ein Teil des -Körpers einseitig besonnt wird. Sonst entsteht bei den zartbehäuteten -Menschen sicherlich eine Hautentzündung, welche durch lästiges -Hautjucken, ja schmerzhaftes Brennen, während mehrerer Tage dem Badenden -den Licht-Luftgenuß verleidet. Ist der Sonnenbrand jedoch eingetreten, -so fette man, um die Spannung der Haut zu vermindern, dieselbe mit einem -reinen Pflanzenfett ein, und lege darüber kühlende Wasserkompressen und -setze den entzündeten Teil nur mäßig und nur mit Hemd oder einem anderen -kühlen Leinentuch bedeckt, der Luft in den nächsten Tagen aus; hüte sich -aber kühles Wasser aufzugießen und den benetzten Körper abermals -ungeschützt der Sonne anzusetzen; eine stärkere Entzündung wäre die -Folge. Kaltes Wasser soll selbst der Abgehärtete nicht unmittelbar auf -die sonnendurchglühte Haut einwirken lassen, sondern der Wasserabkühlung -stets erst eine gewisse Luftabkühlung vorangehen lassen. Die Haut wird -sonst zu spröde und die Nerven von der Peripherie aus zu stark gereizt. -Der Kopf sollte anfangs durch eine helle Bedeckung geschützt werden. -Scharlach- und masernähnliche Ausschläge, wie sie häufig im Luftbade -beobachtet werden, sind als Selbstreinigung des Körpers aufzufassen und -dürfen nicht zum Aussetzen des Luftbadens veranlassen. Die licht- und -luftgewöhnte Haut des Europäers tauscht ihre weiße Farbe gegen eine -bronzegefärbte ein. Bei kalter Luft soll man für ausgiebige Bewegung bis -zur Schweißerzeugung sorgen. Der ausgebrochene Schweiß ist abzuwaschen. -Tritt Frösteln oder Gänsehaut auf, so reibe man den Körper trocken bis -zum Ausgleich. Bei Regen soll man das Luftbad nicht unterbrechen, -sondern durch stärkere Bewegung ein etwaiges Kaltwerden des Körpers -ausgleichen. Diese Regeln gelten für den gesunden Menschen, der Kranke -hole sich vor dem Luftbade vom Arzte das Lichtluftrezept. Nierenkranke -müssen besonders naßkalte Luft scheuen, nur sonnendurchglühten, -trockenen, warmen Erdboden mit bloßen Füßen betreten, sonst stets die -Füße mit warmer Fußbekleidung bewaffnen. - - -^e^) ~Die Aufstellung eines individuellen Bewegungssystems~. - -Ebenso wie die Kenntnis und die richtige individuelle Anwendung der -Lichtluftbadregeln ist auch die richtige individuelle Ausnutzung der -Bewegungsgesetze notwendig. Deshalb muß derjenige, der seinen Körper in -das richtige Kraft- und Schönheitsverhältnis bringen will, sich ein -~System der Bewegung~ schaffen, das seiner ~Individualität~ Rechnung -trägt. - -Dazu ist es notwendig, daß er zunächst die ~schwachen Punkte~ seines -Körpers ausfindig macht und dieselben solange übt, bis sie in die Kraft- -und Schönheitsproportionen des Körpers völlig hineinpassen. - -Dies erreicht er auf mehrfache Weise. Die einfachste Methode ist die, -daß er im Zimmerluftbade den nackten Körper ~vor dem Spiegel -durchmustert~. Entdeckt er dabei, daß er z. B. dünne Waden und dicken -Bauch besitzt, so wird er die Waden- und die Bauchmuskulatur solange -üben, bis der Ausgleich erfolgt ist. Ist der Vorderarm im Verhältnis zum -Oberarm dünn, so wird er die Vorderarmmuskeln besonders anstrengen. Eine -zweite Art, die schwachen Körperteile aufzufinden, ist die durch -~Messung~. Dieselbe muß eine doppelte sein, nämlich erstens in Rücksicht -auf die Dicke der Gliedmassen. Und zwar muß das Dickenverhältnis von Arm -und Bein und Hals etc. der einen Körperhälfte und dann das gegenseitige -Verhältnis beider Körperhälften festgestellt werden. Zweitens müssen die -Längenproportionen des Körpers gemessen werden. Nur so wird man die -Disharmonie im Körperaufbau erkennen und ein System des harmonischen -Ausgleichs aufstellen können. - -Zur Anleitung, die ~Dickenverhältnisse~ des Körpers zu messen, diene -nebenstehende Maßfigur und folgende Erläuterungen. - -Wade, Hals und der gespannte Oberarm sollen gleich dick sein; der Umfang -der Faust ergibt die Größe des Herzens. - -[Abbildung: Fig. 39. Die Dickenverhältnisse des Körpers.] - -Der Brustumfang, gemessen in der Höhe der Brustwarzen, soll mindestens -die Hälfte der Körperlänge betragen. Der Unterschied der Brustmaße bei -tiefster Ein- und Ausatmung soll mindestens 8 ^cm^ groß sein. - -Bei ausgewachsenen Männern beträgt der Tiefendurchmesser oben 16,5 -^cm^, unten 19,2 ^cm^; der Breitendurchmesser 26 ^cm^. Beide -Brusthälften sollen gleich groß und gleichmäßig erweiterungsfähig sein. - -Zahl der Atmungen in der Minute 16-20; Zahl der Pulsschläge bei Kindern -100-140, bei Erwachsenen 60-80, bei Greisen 70-90. Die Pulsschläge -müssen regelmäßig sein. - -Zur Bestimmung der ~Längenverhältnisse~ des Körpers diene der -~Proportionsschlüssel~ nach ~C. Schmidt~ und ~G. Fritsch~. - -Bereits im Altertum hat man Proportionslehren aufgestellt. Auf -naturwissenschaftlicher Grundlage entwickelte in neuerer Zeit ~C. Carus~ -eine solche, indem er die „freie” Wirbelsäule (= Hals- + Brust- + -Lendenwirbelsäule) zum Ausgangspunkt der Vergleichung nahm. Der Maler -~X. Schmidt~ nahm die Beckenwirbelsäule als vierten Abschnitt hinzu und -Prof. ~G. Fritsch~ verbesserte diese Methode. Dieselbe hat die Vorzüge -der Einfachheit der Konstruktion, Exaktheit der Messung und leichten -Berechnung. Mit Hilfe dieses Proportionsschlüssels kann man leicht an -der Photographie eines lebenden Körpers die Proportionsfehler ablesen. - -Das bestimmende Grundmaß (= ^modulus^) ist die Länge der Wirbelsäule, -gemessen vom unteren Rand des Nasenstachels bis zum unteren Rande der -Schamfuge beim Mann, bis zum oberen Rande derselben beim Weibe. Dieses -Grundmaß ^WW^₁ wird in vier gleiche Teile ^WB^, ^BM^, ^MN^, ^NW^₁ -geteilt; setzen wir eine ¼ Maßeinheit (Untermodulus) ^KW^ nach oben -hin an, so erhalten wir die Oberhöhe des Körpers ^KW^₁ vom Scheitel bis -zur Schambeinfuge, haben also nun 5 gleiche Maßeinheiten. Errichten wir -auf der Grenze der 2. und 3. Maßeinheit, in ^B^ auf der Oberhöhe ^KW^₁ -nach beiden Seiten eine Senkrechte von der Länge einer Teil-Maßeinheit, -so erhalten wir links den Drehpunkt des linken Schultergelenks ^Sch.l^, -rechts den entsprechenden Drehpunkt ^Sch.r^. Konstruieren wir in -gleicher Weise in ^W^₁ nach links und rechts Senkrechte von der Länge -einer halben Teilmaßeinheit, so bekommen wir links den Drehpunkt des -linken und rechts den Drehpunkt des rechten Hüftgelenks. Verbinden wir -nun die Hüftgelenk- und Schultergelenkpunkte der entgegengesetzten -Seiten, so schneiden sich diese im Nabelpunkte ^N^. Ziehen wir weiter -von den Schulterdrehpunkten Linien durch den Nasenstachelpunkt ^W^ und -von ^K^ aus Parallelen zu diesen, so erhalten wir das Kopfquadrat ^K^, -^Gl^, ^W^, ^Gr^, dessen quere Diagonale der Gesichts- resp. Kopfbreite -entspricht. Konstruieren wir schließlich in der Höhe des oberen -Brustbeinrandes, im Grenzpunkt der 2. und 3. Teilmaßeinheit, in ^B^, -Parallele zu ^Sch.l W^ und ^Sch.r W^, so schneiden diese die -Schulterhüftlinien und wir erhalten den linken und rechten -Brustwarzenpunkt, ^Br Wl^ und ^Br Wr^. - -Für die Länge der Gliedmassen bekommen wir folgende Proportionen: - - ~Obere Extremität~: - - ^Sch.l-BrWr^, linkes Schultergelenk bis rechte Brustwarze = ^Sch E^ = - Oberarmlänge, - - ^Sch.r-N^, rechtes Schultergelenk bis Nabel = ^UE^ = Unterarm, - - ^N-H^, Nabel bis Hüftgelenk = ^UP^ = Hand. - - ~Untere Extremität~: - - ^Br Wl-Hr^, linke Brustwarze bis rechte Hüfte = ^HKn^ = Oberschenkel, - - ^Br Wl-Hl^, Brustwarze bis Hüfte derselben Seite = ^KnF^ = - Unterschenkel. - -Die Fußhöhe ist annähernd gleich einem halben Untermodulus, die Fußlänge -gleich einer reichlichen Unterarmlänge. Die gesamte Körperlänge ^KL^ = -10⅓ Untermoduli. Der Brustwarzenabstand ist gleich einer Kopflänge. Das -Verhältnis von Kopflänge zu Untermodulus ist wie 3 : 4. - -Hiernach ist es leicht, durch Vergleich mit der „normal-idealen” -Gestalt die Abweichungen des eigenen Körpers festzustellen. - -[Abbildung: Fig. 40. Proportionsschlüssel.] - -Die ~dritte Methode~, die schwachen Punkte des Körpers aufzufinden, ist -die ~Durchmusterung des Körpers während der praktischen Uebungen~. Man -muß dieselben nur recht vielseitig gestalten, um zu einem richtigen -Resultat zu kommen. Der Ermüdungsschmerz, die mangelnde Geschicklichkeit -und Ausdauer werden bei einiger Selbstbeobachtung von selbst deutlich. - -In der heutigen Kultur wird durch das Geistestraining während der -Schulzeit und durch die hochgesteigerten Anforderungen des Beruflebens -abnorm viel Zeit verbraucht. Es bleibt uns zur Uebung unserer -Sinnesorgane und unseres Körper keine Zeit übrig. Anregungen zur -körperlichen Betätigung und Oertlichkeiten, die bequem und leicht zu -erreichen und kostenlos zu benutzen sind, mangeln. Ein ein- oder -zweimaliges Ueben in der Woche ist zur Erlangung starker, schöner und -gesunder Körper, zu wenig. Die systematische körperliche Verkrüppelung -durch die Schule wird solange bestehen, als nicht mindestens 1-2 Stunden -~täglicher~ systematischer und individueller Körperpflege getrieben -wird, die genau so streng wie jede geistige Leistung zensiert wird. Das -gesamte Lernpensum der Körperübungen müßte in einzelne Klassenpensen -entsprechend Anlagen und Altersstufen eingeteilt werden, eine Versetzung -in die nächst höhere Turnklasse dürfte nicht früher stattfinden, als das -Pensum der früheren Klasse spielend beherrscht wird, und nicht eher -dürfte der Gymnasiast oder Realschüler das Reifezeugnis erhalten, ehe er -nicht das Pensum der Turn-Prima absolviert und darüber sein Staatsexamen -abgelegt hat. - -Solange nun aber die Einseitigkeit unserer Ausbildung und die -angeführten Kulturmängel weiterbestehen, müssen wir uns mit ~privaten -häuslichen Uebungen~ behelfen. Große Turnapparate im Hause aufzustellen, -verbieten Platz- und Geldmangel. Der Nacktturner wird deshalb für seine -körperliche Ausbildung ein System wählen müssen, das er ohne Apparate -mit Leichtigkeit im eignen Heim gebrauchen kann. - -Vielerlei Systeme und Anweisungen sind für die Zimmergymnastik empfohlen -worden, sie entbehren jedoch in der Mehrzahl trotz vieler Vorzüge nicht -der Nachteile. Am besten erscheint mir noch das sogenannte -Sandow-Hantelsystem. Aber auch dieses ist nicht fehlerfrei, -hauptsächlich aus dem Grunde, weil es nicht genügend die ~Atemschulung~, -das ~Geschmeidigmachen~ des Körpers und seine ~Kraftproportionen~ -berücksichtigt. Das Leben fordert aber gerade von uns ~Geschicklichkeit~ -und ~Ausdauer~ und erst in zweiter Linie Kraft. - -Was die Kraftproportionen des Körpers betrifft, so verweise ich auf die -hervorragenden, wissenschaftlichen Aufschlüsse, die uns Dr. ~Herz~ in -Wien durch seine Untersuchungen brachte. Er bestimmte experimentell die -mittleren Zugkräfte der einzelnen Muskelgruppen und das ~Verhältnis der -Kräfte der verschiedenen Muskelgruppen untereinander~. Dieses -wissenschaftliche Ergebnis habe ich für die Aufstellung des von mir -empfohlenen Systems benutzt. ~Sämtliche Muskeln beider Körperhälften -werden nacheinander in bestimmtem systematischen Aufstieg und bestimmtem -Wechsel geübt. Geschicklichkeits- und Atemübungen wechseln mit -Kraftübungen~. Die Uebungen sind ~regelmäßig~ und ~täglich~ vorzunehmen -und mit Energie, d. h. mit sog. doppelter Muskelspannung zu Ende zu -führen. Für die Zeit der Uebungen ist festzuhalten, daß sie nicht -unmittelbar nach einer größeren Mahlzeit auszuführen sind, sondern erst, -nachdem mindestens 2 Stunden nach derselben vergangen sind. Auf die -Uebungen folgt am besten Ruhe oder eine Mahlzeit, oder beides. Der -siebente Tag ist ein ~Ruhetag~, an dem man ohne Hanteln mehrmals jede -bringt. Diese Energiebetätigung des Gehirns wirkt ~krafterhaltend~. Das -Prinzip der Muskelspannung betätige man auch an allen unfreiwilligen -Ruhetagen z. B. auch auf Reisen. - -Ein- bis zweimal wöchentlich oder noch öfter suche man in Kräfte- und -Gewandtheitskonkurrenz mit anderen zu treten gelegentlich gemeinsamen -Turnens am besten durch ~Ringen~. Was für die Männer die ~Griffkunde~ -ist, bedeutet für die Damen die ~Tanzkunst~. Auch jede sonstige -körperliche Betätigung, die der Beruf oder eine andere Gelegenheit -schaffen, benutze man freudig. Die Uebungen führe man möglichst unter -Kontrolle des Gesichts, d. h. vor dem Spiegel aus. Die stete Beobachtung -der Fortschritte im Kraftaufbau und schönheitlicher Modellierung des -Körpers schaffen Freude am Erreichten und regen zu neuem Streben an. Man -arbeite bei ~gleichzeitiger Kritik des Verstandes unter Beobachtung -aller aufgeführten Gesundheitsregeln und unter Berücksichtigung der als -schwach im Körper erkannten Punkte~. Man steigere Zahl und Schwierigkeit -nicht früher als bis man das alte Pensum wirklich beherrscht. Man bleibe -sich bewußt, ~daß jedes System stets eine Verallgemeinerung ist, das -nicht für alle Verhältnisse paßt, das man stets zum eignen Nutzen -individuell gestalten muß~. Nur so wird das, was man durch systematische -und individuelle Nacktgymnastik erreicht, eine ~Kulturarbeit für die -eigene Person und für die Allgemeinheit~. - - - - - #Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.# - - - Zur Betätigung einer =guten, körperlichen Gesundheitspflege, die auch - in gewissen krankhaften Zuständen in Frage tritt=, hat ^Dr.^ ~Paul - Jaerschky~ ein - - #System der Gymnastik# - - herausgegeben, welches er in einer - - =Uebungs-Wandtafel mit 24 Uebungs-Abbildungen und entsprechendem Text - -- nebst einer Uebungstabelle für Kinder -- einer Uebungstabelle für - Frauen und Mädchen über 15 Jahre -- einer Uebungstabelle für Jünglinge - und Männer= (die auch Schwergewichtsübungen enthält) - - niedergelegt hat. - - Diese sehr schön ausgestattete Uebungstafel nebst Text, sowie die dazu - gehörigen Uebungstabellen sind apart käuflich für - - =#nur 80 Pfg.#= - - =Für ein gesundheitliches Training sind diese Tafeln - für jedermann von größtem Nutzen.= - - * * * * * - - =Preis des Einzelheftes 35 Pfg.= - - [Abbildung: - - Kraft und - Schönheit - - „Wir wollen eine kräftige Generation!” - Kaiser Wilhelm II. - Schulkonferenz 1890 - - Januar 1904. - - 4. Jahrgang = No. 1. - - Zeitschrift für vernünftige - Leibeszucht] - - =Erste Deutsche Monatsschrift= - für - =Körper-Kultur,= - - Künstlerischer Umschlag und - Bildschmuck von Fidus · · - - Behandelt fesselnd die erfolgbewährten Grundsätze - der ~vernünftigen Leibeszucht~, nach - denen die Ausbildung zu =Körperkraft, Formenschönheit, - kernfester Gesundheit und - steter Geistesfrische= allein möglich ist. - - Dieses einzelartiges Blatt lehrt allen Gebildeten - =weise Lebenskunst= und zeigt den naturgemäßen - Weg zum Ideale des =Vollmenschentums=. - - =Vereinigung Höchster Körper- - und Geisteskraft - bei seelicher Gesundheit.= - - =Glänzende Auffäße . Wunderbare Bilder= - - =Probenummern - vom Verlag Berlin ^W^ 9, Linkestr. 13.= - - * * * * * - - #Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.# - - =Körperpflege durch Wasseranwendung= - - von =Prof. ^Dr.^ H. Rieder= in München. - - 202 Seiten mit 8 Tafeln und 20 Text-Abbildungen. - Brosch. =1.60 Mark=. Eleg. geb. =2 Mark=. - - ~Inhalt~: I. Teil: Geschichtliches. II. Teil: Physikalische - Eigenschaften des Wassers. III. Teil: Aeußerliche Wasseranwendung: - Wirkungen des Wassers auf die einzelnen Körperteile. Regeln und - Vorschriften für den äußerlichen Gebrauch des Wassers. Reaktion und - Wiedererwärmung der Haut -- ~Kalte Abwaschungen~ und ~Abreibungen~ der - Haut -- ~Umschläge~, ~Wickelungen~ und ~feuchte Einpackung~ -- - ~Vollbad~ -- ~Halbbad~ -- ~Teilbad~ -- ~Uebergießungen~ und ~Duschen~ - -- ~Schwitz~- und ~Dampfbäder~ -- ~Wasseranwendungen bei Kindern~. IV. - Teil: Innerliche Wasseranwendung. - - Das interessante Buch hat die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder mit - besonderem Dank empfangen und die lehrreiche Schrift unter ihren - Mitgliedern kursieren lassen. Wir werden nicht verfehlen, in unseren - Veröffentlichungen davon gebührend Notiz zu nehmen, und sagen für die - Beachtung unserer Bestrebungen verbindlichsten Dank. - - „Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder, Univ.-Prof. ^Dr.^ - =Lassar=.” - - Das Buch von Prof. Rieder ist bestens willkommen zu heißen.... Es - sollte in keinem Hause fehlen, auch Volks- und Schulbibliotheken darf - es zur Anschaffung warm empfohlen werden. - - „=Ueber Land und Meer.=” - - * * * * * - - Hanteln · Sandowapparate - Arm- und Bruststärker · Keulen - Turngeräte aller Art · Discus. - - Sämtliche Artikel - zur Körper- und Gesundheitspflege - - sowie zur - - Schönheitspflege für Damen - - Gesundheitsmieder - Reformunterkleidung · Luftbadhemden - Luftbadeanzüge - - für Kinder und Erwachsene - - Poröse Ober- und Unterkleidungsstoffe - Alkoholfreie Getränke aller Art. - Gesundheits-Nährmittel. - - =Reform-, Kauf- und Versandhaus - Carl Braun - Berlin 64 S., #Kottbuserdamm 5.#= - - * * * * * - - =Schafft Luft, viel Luft auf die Haut!= - - [Abbildung] - - Im Sommer kühl, im Winter warm! - Geknotete Netz-Unterkleider - Wolle, Seide, Baumwolle! - von =Carl Mez & Söhne, Freiburg= (Baden) - - werden von ärztlichen Autoritäten begutachtigt wie folgt: - - -- sie sind die passendste unmittelbare Bekleidung der Haut. 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Bei Einsendung von M. 1.70 - franco in geschlossenem Couvert - durch die Verlagsbuchhandlung:_ - =Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=] - - Auf der Ausstellung für =Wohlfahrts- und Gesundheitspflege= in - =Berlin= unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin wurde die - - =Bibliothek der - Gesundheitspflege= - - mit der - - == goldenen Medaille == - - =prämiert.= - - =Kataloge der Bibliothek der Gesundheitspflege - gratis und franko.= - - * * * * * - - =Wormser - Weinmost= - - unvergoren, (alkoholfreier), daher vollwertiger Traubensaft, hochedel, - trinkfein, naturrein, unverdünnt, ohne Zusatz von Zucker oder - Conservierungsmittel, unbegrenzt haltbar, wird von ärztlichen - Autoritäten, unter anderem - - #=von Dr. med. Paul Jaerschky=# - - seit Jahren mit grossem Erfolge bei Stärkungskuren verordnet und für - die Tafel verwendet. Näheres durch die - - =Deutsche Weinmost-Kelterei H. Lampe & Co.=, G.m.b.H., - =Worms a. Rh. u. Nierstein-Oppenheim a. 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Ministerium des Innern - in Wien amtlich empfohlen. == - - Verlag von - =Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=] - - * * * * * - - _Die Bände der =Bibliothek der - Gesundheitspflege= sind auf der - Ausstellung für Wohlfahrts- und - Gesundheitspflege in Berlin 1904 - unter dem Protektorate Ihrer Majestät - der Kaiserin mit der =goldenen - Medaille= prämiiert worden._ - - == _Prospekte gratis und franco._ == - - * * * * * - - [Abbildung: Der Hygiene gehört - die Zukunft! - - Broschirt - ℳ 1.20. - - Eleg. geb. - ℳ 1.50. - - =Hygiene= - des - =Magens, Darms= - der =Leber= und =Niere= - im ges. u. kranken Zustande - - von - =Prof. Dr. A. Ewald= - Geh. Med. Rat - =Berlin.= - - Wichtig - für - Jedermann. - - 136 Seit. - mit vielen - Abbildungen. - - Verlag von - =Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=] - - [Abbildung] - - [Abbildung: Der Hygiene gehört - die Zukunft! - - =Hygiene des Herzens= - im gesunden u. kranken Zustande - - von - - =Prof. Dr. H. Eichhorst - Direktor der Univ.-Klinik Zürich. - Wichtig für jeden Herzkranken!= - - _94 Seiten mit 10 Original- - Illustrat. auf 6 Tafeln._ - - Verlag von Ernst - Heinr. Moritz, - Stuttgart. - - =Neu!= - Brosch. - M. =1.20.= - - =Neu!= - Eleg. geb. - M. =1.50.=] - - * * * * * - - =Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.= - - II. Serie: - - Bibliothek der Rechts- u. Staatskunde. - - Bd. 1. =Poellath, Regierungsrat, Arbeiterschutz.= 166 S. in 8º Brosch. - 80 Pfg. auf holzfreiem Papier in Ganzleinwandband 1 Mark. - - Herr Prof. ~E. Franke~ schreibt: Die Schrift Poellaths möge in Staat - und Gemeinde, bei Unternehmern und Arbeitern, bei Politikern aller - Parteien ein ~echtes Hausbuch~ werden, aus dem man sich beständig - Belehrung und Aufmunterung holt. - - Bd. 2. =Sinzheimer, Dozent, Dr., Arbeiterwohnungsfrage.= 190 Seiten in - 8º Brosch. 1.60 Mark auf holzfreiem Papier in Ganzleinwandband 2 Mark. - - Die „Soziale Praxis” schreibt u. A.: #Zur Einführung in die - Arbeiterwohnungsfrage wüßten wir keinen besseren Wegweiser# als diese - vortreffliche Schrift, die alles Wissenswerte erörtert und andeutet. - - Bd. 3. =Harmann, Geheimrat, Prof. Konrad, Unfallverhütung in Technik - u. Landwirtschaft.= 204 S. mit 80 Abbild. In Ganzleinwandband geb. - 2.50 Mark. - - Bd. 4. =Matthiass, Prof. Dr., Die deutsche Rechtsentwickelung= von der - alten Zeit durch das Mittelalter bis auf das B. G. B. und die - Grundprinzipien des B. G. B. Erscheint anfangs 1905. - - Bd. 5/10. =Bernhöft, Prof. Dr., Das neue bürgerl. Recht in - gemeinverständl. Darstellung.= - - I. Teil: =Einleitung und Allgemeiner Teil.= 12½ Bogen in 8º auf - holzfreiem Papier in Ganzleinwandband 1 Mk. 50 Pfg. - - II. Teil: =Recht der Schuldverhältnisse.= 18½ Bogen in 8º auf - holzfreiem Papier in Ganzleinwand 2 Mark. - - III. Teil: =Sachenrecht. 1. Abt.: Rechte an Grundstücken insbes. - Hypothekenrecht.= 11 Bogen in 8º auf holzfreiem Papier in - Ganzleinwandband 1 Mark 50 Pfg. - - III. Teil: =Sachenrecht. 2. Abt.: Rechte an beweglichen Sachen.= 8 - Bogen in 8º auf holzfr. Papier in Ganzlwdb. M. 1.50. - - =Familienrecht und Erbrecht= erscheinen 1905. - - Das Werk ist empfohlen worden von den kgl. bayerischen Ministerien der - Justiz, des Innern und der Finanzen, dem herzogl. Ministerium in - Braunschweig und dem herzogl. sächs. Ministerium in Coburg, ferner vom - Reichspostamt an die Oberpostdirektionen und vielen anderen Behörden. - - III. Serie: - - Bibliothek der Naturkunde u. Technik. - - ^a^) Naturkunde. - - Bd. 1. =Hartwig, Prof., Einführung in die praktische Physik=: ~Physik - der Materie~: Lehre von den Bewegungen (Mechanik) v. Schall (Akustik) - u. v. d. Wärme. Ersch. 1905. - - Bd. 2. =Hartwig, Prof., Einführung in die praktische Physik=: ~Physik - des Äthers~: Lehre von der Elektrizität, des Magnetismus und dem - Lichte. - - Bd. 3. =Ahrens, Prof. Dr., Einführung in die praktische Chemie: - Unorganischer Teil.= 160 Seiten mit 24 Abbildungen. In - Ganzleinwandband geb. 1 Mark. - - Bd. 4. =Ahrens, Prof. Dr., Einführung in die praktische Chemie: - Organischer Teil.= 144 Seiten mit 22 Abbildungen. In Ganzleinwandband - geb. 1 Mark. - - In Vorbereitung befindet sich: - - =Jaekel, Prof. Dr., Entstehung und Entwickelungsgeschichte der Erde.= - Mit vielen Abbildungen. Erscheint anfangs 1905. - - ^b^) Technik. - - Bd. 2. =Kleinstüber, Reg.- u. Schulrat Prof., Die Entwickelung der - Eisenindustrie und des Maschinenbaues im 19. Jahrhundert.= 180 Seiten - in 8º auf holzfreiem Papier. Brosch. 80 Pfg., geb. in Ganzleinwandband - 1 Mark. - - Die Sammlung wird cirka 15 Bändchen enthalten, welche in - systematischem Aufbau die Naturwissenschaft und Technik zur - Darstellung bringen wird. - - Keine Arbeiter-, Schüler- und Volksbibliothek sollte die Anschaffung - dieser anerkannt guten Bücher versäumen; dieselben eignen sich auch in - vortrefflicher Weise zu Schulprämien. - - IV. Serie: - - Illustr. deutsche Handwerkerbibliothek - - Bd. 1. =Güttinger, G., Der praktische Bäcker.= Ein Hilfsbuch und - Leitfaden zur Ausübung des Bäckerhandwerkes. 150 Seiten in 8º mit 15 - Illustrationen. Geb. 1 Mark. - - Bd. 2. =Wenger, G., Der praktische Fleischer.= Ein Hilfsbuch und - Leitfaden zur Ausübung des Fleischergewerbes. 165 Seiten 8º mit 23 - Illustrationen. Geb. 1 Mark. - - Bd. 3/5. =Michel, K., Der praktische Bierbrauer.= Ein Hilfsbuch und - Leitfaden zur Ausübung der Malz- und Bierbereitung. 495 Seiten in 8º - mit 129 Illustr. Geb. 3 Mark. - - Bd. 6/7. =Kallenberg, O., Der praktische Klempner.= Ein Hilfsbuch und - Leitfaden für jeden Blecharbeiter, als Klempner, Flaschner, Spengler, - Blechner, Blechschmied, Schlosser, Kupferschmied u. s. w. 228 Seiten - in 8º mit 108 Illustr. Geb. 2 Mark. - - Bd. 8/9. =Pape, R., Der praktische Schuh- u. Schäftemacher.= Ein - Hilfsbuch und Leitfaden zur Ausübung des Schuhmacherhandwerks. Mit - vielen Illustr. Geb. 2 Mk. - - Die „~Ostpreußische Handwerkszeitung~” schreibt: Leider ist die - Auswahl wirklich guter Lehrbücher im Handwerk bisher recht mangelhaft - gewesen. Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß hier gute und - billige Werke geboten werden, die für Lehrlinge, Gesellen u. Meister - bei Ausübg. ihres Gewerbes unentbehrlich werden. - - Für jeden Gewerbetreibenden sei empfohlen: - - =Zwiesele, Dr., Buchführung, Wechselkunde und Kalkulation des - Handwerkers in Frage und Antw.= gr. 8º. Leinwand geb. 1 Mark 20 Pfg. - - Desgleichen =für Schneider=. gr. 8º. In Leinwand geb. 1 Mk. 50 Pfg. - - Desgleichen =für Schuhmacher=. gr. 8º. In Leinwand geb. 1 Mk. 50 Pfg. - - =Die Bände eignen sich auch zu Prämien für Schüler der Gewerbe- und - Fortbildungsschulen.= - - =Die Sammlung wird fortgesetzt.= - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - - Inkonsistenzen in Rechtschreibung usw. und ungewöhnliche Ausdrücke - sind beibehalten worden, außer wie unten erwähnt. - - S. 6: die Übungstafel und die Übungstabellen fehlen. - - S. 91, Fig. 23: die Nummer 6 (drei Mädchen im Hintergrund) fehlt im - Beischrift. - - Änderungen: - - Fußnoten wurden direkt unter den entsprechenden Absatz verschoben. - - Einige offensichtliche Rechtschreibungs-, Druck- und - Interpunktionsfehler sind stillschweigend korrigiert worden. - - Bibliothek der Gesundheitspflege, 10^a^: Knochenerweichung --> - ~Knochenerweichung~ - - S. 14: Xantinkörpern --> Xanthinkörpern - - S. 25: Das Herz leistet also ... --> „Das Herz leistet also ... - - S. 30: ... ist eine mäßige Herzhypertrophie ... --> ... ist „eine - mäßige Herzhypertrophie ... - - S. 37: Francois Delsarte --> François Delsarte - - S. 44: so muß ebenfalls --> so muß man ebenfalls - - S. 46: Mederatorische --> Moderatorische - - S. 47: so daß jede die Geschicklichkeit, ist also eine Schule der - Koordination; es des Kraftaufwandes --> so daß jede des Kraftaufwandes - (wiederholte Zeile); es fehlt eine Zeile zwischen ... so daß jede ... - und ... des Kraftaufwandes - - S. 56: ” eingefügt nach ... nicht nachsagen kann. - - S. 137: Malzeit --> Mahlzeit; wiederholte Zeile gelöscht (Ruhe oder - ... siebente Tag); zwischen ... mehrmals jede ... und ... bringt fehlt - eine Zeile - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Körperpflege durch Gymnastik, by Paul Jaerschky - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KÖRPERPFLEGE DURCH GYMNASTIK *** - -***** This file should be named 55187-0.txt or 55187-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/5/1/8/55187/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. 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