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-The Project Gutenberg EBook of Körperpflege durch Gymnastik, by Paul Jaerschky
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Körperpflege durch Gymnastik
-
-Author: Paul Jaerschky
-
-Release Date: July 24, 2017 [EBook #55187]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KÖRPERPFLEGE DURCH GYMNASTIK ***
-
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-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
-
- Kursiver Text im Originalwerke wird hier durch _Text_ dargestellt,
- Antiqua Text durch ^Text^, gesperrter Text durch ~Text~,
- unterstrichener Text durch #Text# und fett gedruckter Text durch
- =Text=.
-
- Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende dieses Textes.
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-
- Verlagsbuchhandlung
-
- Ernst Heinrich Moritz in Stuttgart.
-
- #Wie urteilt die medizinische Presse über die Bibliothek der
- Gesundheitspflege?#
-
- =Deutsche Ärztezeitung:= Es gibt wohl so manchen Arzt, der von seinen
- Klienten um Angabe eines derartigen gedruckten Ratgebers angegangen
- wird. Wir möchten unsere Leser in diesem Falle auf das vorliegende
- Unternehmen aufmerksam machen.
-
- Es sind prächtige Büchlein, die ihren Zweck, hygienische Lehren und
- hygienisches Leben ins Volk hineinzutragen in ganz ausgezeichneter
- Weise erfüllen. ~Die Klarheit und Uebersichtlichkeit der Anordnung des
- Stoffes, die Einfachheit und Verständlichkeit der Sprache, die
- vorzüglichen Abbildungen, der~ =geradezu lächerlich billige Preis= und
- =^last not least^ auch die Namen der Herren Autoren= ~bürgen dafür~.
- -- Diese Bücher sind unsere besten Adjutanten im Kampfe gegen
- Aberglauben und Kurpfuscherei aller Art!
-
- =Wiener medizinische Presse:= Autoren und Verleger der Bibliothek der
- Gesundheitspflege verdienen uneingeschränktes Lob!
-
- =Der ärztliche Mitarbeiter der „Zeit”=, Herr ^Dr.^ =Steiner-Wien=:
- „Ich halte es für eine Pflicht der Journalistik, das Publikum auf Ihr
- gediegenes Unternehmen hinzuweisen”.
-
- =Bayer. ärztl. Korrespondenzblatt:= ... Die Empfehlung derartig guter
- Bücher an weitere Kreise ist Pflicht des Arztes.
-
- =Württembergisches medizinisches Korrespondenzblatt:= Wir halten es
- für eine Pflicht der medizinischen Presse, auf das Unternehmen
- hinzuweisen, da gerade die Aerzte viel dazu beitragen können,
- diejenigen Personen, für die die Bücher bestimmt sind, auf diese
- Erscheinungen hinzuweisen.
-
- =Münchner medizinische Wochenschrift:= Die Bücher sind mit
- ~wissenschaftlichem Ernst, allgemein verständlich~ und sehr
- ansprechend geschrieben. Sie erfüllen ihren Zweck ganz vorzüglich,
- unserem Volke die wichtigen Lehren der persönlichen Hygiene zugängig
- zu machen und dasselbe dadurch vor Störungen der Gesundheit und des
- Erwerbes zu bewahren.
-
-
- Bibliothek der Gesundheitspflege
-
- herausgegeben von † Prof. Dr. =Hans Buchner=, Geheimrat Prof. Dr. =Max
- Rubner=, Obermedizinalrat Dr. =F. Gussmann=.
-
- [Abbildung]
-
- 1. =Aufgaben, Zweck und Ziel der Gesundheitspflege= von =Geh.
- Medizinalrat Prof. Dr. Orth=. Brosch. 80 Pfg. Eleg. geb. M. 1.--.
-
- 2. =Bakterien, Infektionskrankheiten und deren Bekämpfung= von =Hofrat
- Prof. Dr. Schottelius=. 237 Seiten, 33 Abb., darunter 24 teils farbige
- Kunstdrucke auf Tafeln. Brosch. M. 2.50. Eleg. geb. M. 3.--.
-
- 3. =Gesundheitspflege im täglichen Leben= von =Prof. Dr. Grawitz=. 154
- Seiten. Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--.
-
- 4. =Hygiene des Auges im gesunden und kranken Zustande= von =Dozent
- Dr. v. Sicherer=. 130 Seiten mit vielen Abbildungen. Brosch. M. 1.20.
- Geb. M. 1.50.
-
- 5. =Hygiene des Ohres im gesunden und kranken Zustande= von =Prof. Dr.
- Haug=. 104 Seiten mit 3 Tafeln. Brosch. 80 Pfg. Eleg. geb. M. 1.--.
-
- 6. =Hygiene der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes im gesunden und
- kranken Zustande= von =Dozent Dr. Neumayer=. 160 Seiten mit 3 Tafeln.
- Brosch. M. 1.20. Geb. M. 1.50.
-
- 7. =Hygiene der Zähne und des Mundes im gesunden und kranken Zustande=
- von =Prof. Dr. Port=. 94 Seiten mit 2 Tafeln und 6 Abbildungen.
- Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--.
-
- 8. =Hygiene der Lunge im gesunden und kranken Zustande= von =Hofrat
- Prof. Dr. v. Schrötter=. 140 Seiten mit 17 Originalabbildungen.
- Brosch. M. 1.60. Geb. M. 2.--.
-
- 9. =Hygiene der Nerven und des Geistes im gesunden und kranken
- Zustande= von =Prof. Dr. Forel=. 282 Seiten mit 6 Tafeln und 8
- Textabbild. Brosch. M. 2.50. Geb. M. 3.--.
-
- 10. =Hygiene des Magens, des Darms, der Leber und der Niere im
- gesunden und kranken Zustande= von =Geh. Medizinalrat Prof. Dr.
- Ewald=. 136 Seiten mit 6 Illustrationen. Brosch. M. 1.20. Geb. M.
- 1.50.
-
- 10^a^. =Hygiene des Stoffwechsels im gesunden und kranken Zustande=
- von =Prof. Dr. Dennig=. 90 Seiten. Brosch. M. 1.20. Geb. M. 1.50. --
- Das Buch behandelt: ~Fettsucht~, ~Gicht~, ~Zuckerkrankheit~,
- ~Rachitis~, ~Knochenerweichung~ etc.
-
- 10^b^. =Hygiene des Blutes und der Blutgefässe im gesunden und kranken
- Zustande= von =Medizinalrat Dr. Walz=. Erscheint 1905.
-
- 11. =Hygiene des Herzens im gesunden und kranken Zustande= von =Prof.
- Dr. Eichhorst=. 94 Seiten mit Abbildungen. Brosch. M. 1.20. Geh. M.
- 1.50.
-
- 12. =Hygiene der Haut, Haare und Nägel im gesunden und kranken
- Zustande= von =Dozent Dr. Riecke=. 200 Seiten. Mit 17 Originalabbild.
- Brosch. M. 1.60. Geb. M. 2.--.
-
- 13. =Hygiene des Geschlechtslebens= von =Hofrat Prof. Dr. Gruber=. Mit
- 2 farbigen Tafeln. Brosch. M. 1.20. Geb. M. 1.50.
-
- 14. =Entstehung und Verhütung der menschlichen Missgestalt= von =Prof.
- Dr. Lange= und =Dozent Dr. Trumpp=. 120 Seiten mit 125 Abbildungen.
- Brosch. M. 1.60. Geb. M. 2.--.
-
- 15. =Säuglingspflege und allgem. Kinderpflege= v. =Dozent Dr. Trumpp=.
- 119 S. mit 5 Abb. Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--.
-
- 15^a^. =Körper- u. Geistespflege im schulpflichtigen Alter= von
- =Dozent Dr. Trumpp=. 149 S. Brosch. 80 Pfg. Geb. M. 1.--.
-
- 16. =Entstehung u. Verhütung von Krankheiten vor, während u. nach dem
- Wochenbett= von =Dozent Dr. Schaeffer=. 122 S. mit 8 Abb. Brosch. 80
- Pfg. Geb. M. 1.--.
-
- 16^a^. =Ursachen u. Verhütung von Frauenkrankheiten= von =Dozent Dr.
- Schaeffer=. 94 Seiten mit 21 Abbildungen. Brosch. M. 1.20. Eleg. geb.
- M. 1.50.
-
- 17. =Körperpflege durch Gymnastik, Licht u. Luft= von =Dr. Jaerschky=.
- 138 S. m. 42 Ill., darunt. 16 ganzseit. farb. Kunstdr. Brosch. M.
- 1.60. El. geb. M. 2.--, mit Übungstaf. (80 Pf. apart).
-
- 18. =Körperpflege durch Wasseranwendung= von =Prof. Dr. Rieder=. 202
- Seiten mit 8 Tafeln und 20 Textabbildungen. Brosch. M. 1.60. Eleg.
- geb. M. 2.--.
-
- 19. =Hygiene der Kleidung= von =Generaloberarzt Prof. Dr. Jaeger=. Mit
- vielen Abbildungen. Erscheint 1905.
-
- 20. =Unsere Nahrungsmittel und die Ernährung= von =Geh. Medizinalrat
- Prof. Dr. Rubner=. 116 Seiten mit vielen Tabellen. Brosch. M. 1.20.
- Eleg. geb. M. 1.50.
-
-
-
-
- Körperpflege
- durch
- Gymnastik, Licht und Luft
-
- von
-
- Dr. med. Paul Jaerschky
- Berlin.
-
- Mit 42 Abbildungen.
-
- [Abbildung]
-
- Stuttgart
- Ernst Heinrich Moritz.
- 1905.
-
-
-Alle Rechte, einschließlich des Uebersetzungsrechts vorbehalten.
-
-Druck von Carl Schnabel in Ludwigsburg.
-
-
-[Abbildung: IL DORIFORO DI POLICLESO
-
-~Motto~: Als vollkommenster Mann der Schöpfung gilt mir einer, der mit
-derselben Hand die Iphigenie schreibt und bei den olympischen Spielen
-sich die Siegerkrone aufs Haupt setzt.
-
- ~Euripides~.]
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichnis.
-
-
- Seite
-
- Einleitung. 7
-
-
- I. Teil: Wert der Leibesübung für die einzelnen Körperorgane und
- für den gesamten Organismus:
- 1. Wirkung der Leibesübung auf die ~Muskeln~ 9
- 2. Wirkung der Leibesübung auf die ~Knochen~ 14
- 3. Wirkung der Leibesübung auf ~Blut~- und ~Lymphgefäßsystem~ 20
- 4. Wirkung der Leibesübung auf die ~Atmungsorgane~ 30
- 5. Wirkung der Leibesübung auf das ~Nervensystem~ 45
- 6. Wirkung der Leibesübung auf den ~Verdauungsapparat~ 52
- 7. Wirkung der Leibesübung auf den den ~Geschlechtsapparat~ 52
- 8. Wirkung der Leibesübung auf den ~Stoffwechsel~ und die ~
- Wärmeregulation~ 53
- 9. Wirkung der Leibesübung auf die ~Sinnesorgane~ 56
-
- II. Teil: Wert einiger besonderer Arten der Bewegung:
- (Passiv-, Aktiv-, Widerstands-, Selbsthemmungs- und
- Förderungs-Bewegung) 61
-
- III. Teil: Wert der Sportübungen, des Turnens, von Spiel und Tanz:
- 1. ~Der Sport~ 66
- ^a^) Das ~Reiten~ 68
- ^b^) Das ~Radfahren~ 69
- ^c^) Das ~Rudern~ und ~Segeln~ 72
- ^d^) Das ~Schwimmen~ 73
- ^e^) Das ~Gehen in der Ebene~ und das ~Bergsteigen~ 73
- ^f^) Das ~Schlittschuh~- und ~Schneeschuh-Laufen~ 74
- ^g^) Das ~Fechten~, ~Boxen~ und ~Ringen~ 75
- 2. ~Turnen~ und ~Turnspiele~ 76
- 3. ~Der Tanz~ 80
-
- IV. Teil: Körperpflege in den verschiedenen Altersstufen 82
-
- V. Teil: Körperpflege durch Licht und Luft:
- 1. ~Physikalische Eigenschaften des Lichtes~; ~Einfluß auf
- Pflanzen~, ~Bakterien~ und den ~tierischen Organismus~ 84
- 2. ~Einfluß des Lichtes auf den gesunden Menschen~ 87
- 3. ~Einfluß des Lichtes auf den kranken Menschen~ 90
- ^a^) Das Sonnenbad 91
- ^b^) Das elektrische Lichtbad 92
- ^c^) Das konzentrierte Sonnen- und elektrische Licht 98
- ^d^) Das farbige Licht 102
- ^e^) Röntgen- und Becquerelstrahlen 102
- ^f^) Blondlot-Strahlen 104
- 4. ~Die Luft in Beziehung zum menschlichen Körper~ 105
- 5. ~Die Arbeitsleistung der menschlichen Haut~ 109
- 6. ~Beeinträchtigung der Arbeitsleistung des Hautorgans
- durch die Kleidung~ 111
- 7. ~Welchen Nutzen hat der kranke Mensch vom Luftbade~? 116
- 8. ~Das Licht-Luftbad, eine hygienische, soziale und
- ästhetische Forderung~ 121
- 9. ~Die Praxis des Nacktturnens~ 125
- ^a^) Die Notwendigkeit des Nacktturnens 125
- ^b^) Die Hilfsmittel des Nacktturnens: Massage,
- Wasseranwendungen 126
- ^c^) Die hygienische Regelung des ganzen Lebenshaushaltes 127
- ^d^) Lichtluftbadregeln 129
- ^e^) Die Aufstellung eines individuellen Bewegungssystems 131
-
- Anhang:
-
- 1 ~Uebungstafel und Ausführungsanweisung~
-
- 3 ~Uebungstabellen~ für ~Kinder~, ~Frauen~ und ~Mädchen~,
- ~Jünglinge~ und ~Männer~.
-
- =Diese Uebungstafel mit 24 Figuren und dem dazu gehörigen Texte ist
- incl. der drei Uebungstabellen für Kinder, Mädchen und Frauen,
- Jünglinge und Männer= für 80 Pfg. zu beziehen. Dieselben sind vom
- Buchbinder aufzuziehen und an die Wand zu hängen.
-
-
-
-
-Einleitung.
-
-
-Körperpflege wird heutzutage in verschiedenster Weise betrieben, da man
-zur Erkenntnis gekommen ist, daß in unserer schnell lebenden Zeit bei
-dem gesteigerten Verbrauch an Körper- und Geisteskräften dieselbe
-dringend benötigt wird. Als Hauptmittel wird dazu das ~Wasser~ in seinen
-verschiedensten Formen gebraucht. Ohne den Nutzen des Wassermittels zu
-verkennen und ohne seinen hohen Wert schmälern zu wollen, glaube ich
-doch, daß man demselben häufig einen zu weiten Raum einräumt. Daß dies
-so ist, kommt jedoch nur daher, daß man die ursprünglichen und
-natürlichen Pflegemittel des Körpers zu wenig kennt und deshalb zu wenig
-bewertet.
-
-~Wir Menschen sind Geschöpfe, die nicht wie die Fische und andere
-Wassertiere im Wasser, sondern vielmehr in ihrem natürlichen Element, in
-dem Licht-Luftmeer schwimmen und sich bewegen sollen~. Wir haben jedoch
-den richtigen Gebrauch des Lichtluftmittels verlernt. Durch unsere
-Kultur sind wir mehr und mehr dazu gekommen, daß wir den ganzen Körper
-und jeden Teil desselben noch im besonderen möglichst schützen vor der
-Luft durch Kleidung, Schuhe, Schirme, Tücher u. s. w.
-
-Ist es da zu verwundern, daß dasselbe Luftmittel, das unseren Körper so
-unendlich viel Segen bei richtiger Ausnützung bringen könnte, uns
-verderblich wird, sobald wir mit demselben unfreiwillig und überraschend
-in Verbindung gebracht werden?
-
-Es ist für den Menschen gut, daß er nicht nur die Vorteile, welche die
-Kultur bringt, sondern auch deren Nachteile kennen und dadurch dieselben
-vermeiden lernt.
-
-Deshalb muß die heutige Menschheit, um nicht durch die Bekleidungskultur
-zu sehr zu leiden, lernen, wie sie sich ~im Rahmen der heutigen Kultur~
-den Nutzen der Bewegung im großen Licht-Luftmeer zu eigen machen kann.
-
-Die natürlichsten Mittel zur Körperpflege sind erstens die ~Bewegung,
-welche dem individuellen Kraftzustand des Menschen entspricht,
-und zweitens das Licht und die Luft in den verschiedensten
-Wetterkombinationen~.
-
-Bewegung im nackten Zustand, oder mit dem Worte griechischen Ursprungs
-„~Gymnastik~” (von γυμνος = nackt) bezeichnet, ist das beste Zuchtmittel
-des Körpers.
-
-Die alten Griechen haben ihren Körper und Geist nicht zufällig, sondern
-ganz bewußt nackt geschult; nicht anders liegen die Verhältnisse bei
-unseren germanischen Vorfahren.
-
-Den Beweis zu erbringen, daß das ~Nacktturnen~ die ~beste Körperpflege~
-ist, und das System des Nacktturnens so zu erläutern, daß es jeder
-Mensch, ob Männlein ob Weiblein, ob Kind oder Erwachsener, richtig und
-bequem zu gebrauchen weiß, ist der Zweck aller folgenden
-Auseinandersetzungen.
-
-Wenn mein Schriftlein dies erreicht und die Menschen zur persönlichen
-Kultur anregt, so wird der Wunsch, den Se. Majestät der deutsche Kaiser
-auf der Schulkonferenz 1890 aussprach: „~Wir wollen eine kräftige
-Generation~”, erfüllt und das deutsche Volk durch vernünftige
-Selbstzucht von einem Kultursieg zum anderen schreiten.
-
-
-
-
-I. Teil.
-
-Wert der Leibesübung für die einzelnen Körper-Organe und für den
-gesamten Organismus.
-
-
-Wer den Körper bewegen will, um denselben zu pflegen, muß den Wert
-dieser Uebungsbewegungen kennen; nur dann wird er die Leibesübung
-~individuell~ verstehen und gebrauchen.
-
-
-1. Wirkung der Leibesübung auf die Muskeln.
-
-Wir wissen, daß ein Muskel, den wir durch einen Verband bewegungslos
-machen, an Muskelfleisch verliert; wir wissen ferner, daß, wenn wir eine
-Muskelgruppe besonders stark gebrauchen, dieselbe an Muskelsubstanz
-zunimmt z. B. die Wadenmuskulatur des Bergsteigers, die Oberarme der
-Schmiede, die Vorderarmmuskulatur der Klavierspieler.
-
-~Dieser Dickenzunahme entspricht die höchste Einzelleistung der
-Muskeln~, die durch ~Uebung~ erreicht wird. Gleichzeitig wird aber durch
-Uebung eine gewisse Unermüdlichkeit der Muskeln erzielt. Fixiert man z.
-B. den Oberarm und läßt nun den Vorderarm Gewichte heben und notiert die
-Hubhöhen auf einem rotierenden Zylinder, so findet man, daß die
-Höchstleistung nur kurze Zeit geleistet werden kann; damit nun die
-Hubhöhe gleich groß bleibt, muß die Belastung stetig vermindert werden,
-bis schließlich die kleinste Belastung erreicht wird, bei welcher die
-Muskeln stundenlang in demselben Tempo fortarbeiten können. Dieser
-~Unermüdbarkeitswert~ wächst durch Uebung ebenso stark wie der Wert der
-höchsten Einzelleistung. Und zwar steigt die Tagesleistung (in
-Kilogrammeter[1]) ausgedrückt auf das 2½fache. Muskelreize bringen den
-Muskel in Tätigkeit; sie wirken wie der Funke, der die im Schießpulver
-enthaltenen Spannkräfte zur Explosion frei macht. Oder wie der
-Lichtreiz, der unter Explosion, Chlor und Wasserstoff zu Chlorknallgas
-vereinigt. Der ~normale physiologische Reiz~, der im täglichen Leben
-unsere Bewegungen veranlaßt, ist der ~Willensreiz~. Auch dieser wird
-durch Uebung größer, deshalb muß auch die Aeußerung des geübten Willens
-eine mächtigere und ausdauerndere sein. In gleicher Weise erzeugen
-mechanische, chemische, thermische, elektrische und physiologische Reize
-aus den chemischen Spannkräften des Muskels ~Wärme und Arbeit~, d. h. er
-verwandelt chemische in physikalische Kräfte. Dabei verändert der Muskel
-seine Gestalt, er wird ~kürzer~ und ~dicker~ und zwar desto mehr, je
-stärker der wirkende Reiz ist. Entsprechend dem lebhafteren Stoffwechsel
-sind die ~Blutgefäße etwas erweitert~. Man darf sich das Festerwerden
-des Muskels nicht etwa so vorstellen, als ob er durch Zusammenziehung
-den Inhalt seiner Blutgefäße wie einen Schwamm auspreßt. Denn der Muskel
-besteht ja zu ¾ aus Wasser, einer Flüssigkeit, die fast gar nicht
-zusammengedrückt werden kann. ~Die Gestaltsveränderung der Muskeln ist
-aber nicht nur eine augenblickliche, sondern zeigt sich bei dauernder
-Uebung in der Muskelmodellierung~, d. h. in der dauernden Dickenzunahme
-des Muskelfleisches und in dem Sichtbarwerden der einzelnen
-Muskelabschnitte, ihrer Ursprungs- und Ansatzpunkte.
-
- [1] Kilogrammeter ist dasjenige Maß der Arbeit, welches angibt, daß
- ein Kilogramm ein Meter hoch gehoben wird.
-
-Wichtig ist auch die ~Elastizitätseigenschaft~ der Muskeln; denn da
-dieselben in etwas gedehntem Zustande am Skelett befestigt sind, so
-suchen sie vermöge ihrer Elastizität zum natürlichen Zustande
-zurückzukehren, pressen also die Gelenkenden mit einer gewissen Kraft
-zusammen, ~verleihen demnach den Gelenken ihre Festigkeit~ und haben
-dadurch die Fähigkeit einander entgegenzuwirken.
-
-~Je stärker ein Muskel vor seiner Tätigkeit gedehnt wird, um so mehr
-Kraft entwickelt er~.
-
-Wollen wir demnach kräftige Bewegungen ausführen, so müssen wir zu
-denselben ausholen. Wir dehnen zuvor den großen Brustmuskel, indem wir
-den Arm etwas nach hinten nehmen, wenn wir den ~Wurf~ mächtig gestalten
-wollen. Soll die Wurfbewegung zart und abgemessen sein, so brauchen wir
-die der Zusammenziehung vorangehende Vorbereitung der Muskeldehnung
-nicht.
-
-Ein ~Springer~ kann, sofern er wirksam springen soll, nicht aus dem
-Stande springen, denn der das Körpergewicht emporfedernde große
-Streckmuskel des Oberschenkels ist bei gestreckter Haltung des
-Standsprunges zusammengezogen. Um ihn zu dehnen, macht man zuvor die
-Kniebeuge.
-
-Je härter die Speise ist, die man zu ~beißen~ hat, desto weiter schiebt
-man sie nach hinten zwischen die Backenzähne um die Kaumuskeln zu dehnen
-und ihre Tätigkeit wirksamer zu gestalten. Um eine weiche Nahrung zu
-bearbeiten braucht man die Schneidezähne, so daß man den Mund kaum
-öffnen und die Kaumuskeln nur wenig zu dehnen braucht.
-
-Daraus folgt, daß man bei vernünftiger Leibesschulung die Muskeln zur
-Erzielung von Höchst-Leistungen so erziehen muß, daß sie mit
-Leichtigkeit die volle Dehnungsweite ausnutzen können, man aber auch da,
-wo es auf die größte Entfaltung von Kraft nicht ankommt, vielleicht zum
-Zwecke einer Dauer- oder Schnelligkeitsleistung sich durch Einschränkung
-der Dehnungsweite Reservekraft erhält. Auch das „Federn” des Körpers,
-das er beim Sprung aus größerer Höhe gebraucht, ist nur bei einer
-bestimmten Muskelelastizität denkbar.
-
-Alle Bewegungen, die wir für gewöhnlich ausführen, sind ~anhaltende
-Zusammenziehungen~.
-
-Eine ununterbrochene Arbeit können die Muskeln indeß nicht leisten, weil
-sie ~ermüden~. Diese Ermüdung äußert sich zunächst in einem Gefühl der
-Schwäche, welches sich allmählig zum Schmerzgefühl steigert; das Gesicht
-wird rot, Schweiß bricht aus und es treten Mitbewegungen auf, bis
-schließlich trotz größter Willensanstrengung die Muskeln vollkommen
-arbeitsunfähig werden und den Dienst versagen. Noch mehrere Tage nach
-einer derartigen Muskelleistung kann der Muskel schmerzhafte
-Nachempfindungen äußern, wie wir sie bei dem sogenannten „~Turnfieber~”
-beobachten. Ein durchgeübter, d. h. trainierter Muskel dagegen zeigt
-solche Uebermüdungserscheinungen nicht mehr.
-
-Bekanntlich ist auch der ruhende Muskel im steten ~Stoffwechsel~
-begriffen. Er entnimmt dem Nahrungssafte des zuströmenden Blutes, um dem
-Körper die nötige Wärme und Kraft zu übermitteln, Nährsubstanzen und
-Sauerstoff und gibt Kohlensäure ab. Und zwar nimmt er mehr Sauerstoff
-auf, als er Kohlensäure abgibt; ~wir haben also im Muskel einen
-Sauerstoffspeicher~. Aber dieser Sauerstoffumsatz ist beim ~tätigen~
-Muskel ein wesentlich höherer; denn der Sauerstoffverbrauch und die
-Kohlensäureabgabe sind bis zum fünffachen gesteigert. Dabei ist, wie
-bekannte Forscher gezeigt haben, der Sauerstoffgehalt des Körperblutes
-der Schlagadern noch größer und der Kohlensäuregehalt desselben noch
-kleiner als beim ~untätigen~ Muskel.
-
-Der Muskel hat also trotz des erhöhten Sauerstoffverbrauches durch
-seine Tätigkeit noch mehr Sauerstoff aufgespeichert als im Ruhezustande.
-Diese Vergrößerung des Sauerstoffspeichers erreicht der Muskel dadurch,
-daß er durch Erweiterung seiner Blutgefäße das Blutreservoir so stark
-vergrößert, daß eine 3-5mal so große Blutmenge den Muskel durchströmt,
-ferner dadurch, daß mit zunehmender Muskeltätigkeit auch die Atmung
-vertieft und beschleunigt wird, so daß durch die Lungen während der
-Arbeit bis zum 4-5fachen mehr Sauerstoff aufgenommen wird als in der
-Ruhe.
-
-~Aber nicht nur die Aufnahme und Verarbeitung der wichtigsten
-Lebensspeise, nämlich des Sauerstoffs werden durch die Muskeltätigkeit
-erhöht, sondern auch alle übrigen Muskelbestandteile~.
-
-So nimmt die Menge der im Wasser löslichen Muskelstoffe durch Tätigkeit
-ab, während die Menge der im Alkohol löslichen zunimmt; ferner ändert
-der Muskel durch Tätigkeit seine chemische Reaktion, denn die neutrale
-Reaktion des ruhenden Muskels wird beim tätigen durch Bildung ~von
-Fleischmilchsäure sauer~.
-
-Durch Muskeltätigkeit wird nämlich der Körper- und Muskel-Süßstoff
-verbraucht, indem derselbe erst in Zucker und dann in Milchsäure
-verbrannt wird. Als stoffliche Ursachen der Ermüdung des Muskels haben
-wir bisher folgende Endprodukte des chemischen Umsatzes kennen gelernt:
-
-1. Die Vermehrung der Kohlensäure, von der wir wissen, daß sie, wenn sie
-sich im Blute übermäßig anhäuft, zum giftigen Gase wird;
-
-2. Die Fleischmilchsäure.
-
-Es sprechen jedoch für den Akt der Ermüdung resp. Erschöpfung der
-Muskeln noch andere Dinge mit, die Alex. Haig zuerst wissenschaftlich
-nachgewiesen hat.
-
-Dieser Forscher wies nach, daß, wenn die dem Körper mit der Nahrung
-zugeführten Eiweißstoffe ungenügend im Körper verbrannt werden, das Blut
-und Gewebe des Körpers mit Harnsäure belastet werden. Harnsäure ist aber
-ebenso wie Xanthin, Kreatinin etc. ein nur teilweise verbrannter
-Eiweißstoff.
-
-Diese Harnsäure verstopft, wahrscheinlich wie ein Klebestoff, die
-Blutgefäße kleinsten Kalibers, und verhindert dadurch erstens das
-schnelle Heranbringen des im Blute zirkulierenden Eiweißes an die
-Gewebe, zweitens die Auslaugung der Stoffwechselprodukte aus denselben.
-
-Zur Erzeugung von Kraft und Ausdauer ist es daher notwendig, das Blut
-freizuhalten von Harnsäure und den ihr physiologisch gleichwertigen
-Xanthinkörpern. Denn ihre Anwesenheit bedingt, wie wir gesehen haben,
-eine Behinderung des Blut-Kreislaufs und eine Anhäufung von
-Stoffwechselprodukten in den Geweben.
-
-Demnach sind als bisherige Ursachen mangelnder Leistungsfähigkeit
-nachgewiesen:
-
-1. Die Anhäufung von Kohlensäure,
-
-2. die Anhäufung von Fleischmilchsäure,
-
-3. die Anhäufung von Harnsäure und physiologisch gleichgearteten
-Xanthinkörpern im Blute,
-
-4. Mangel an Eiweiß im Blute.
-
-Ein gesundheitlicher Training wird daher die genannten
-Erschöpfungsstoffe möglichst schnell entfernen müssen. In welcher Weise
-er dies am besten erreicht, werden wir später sehen.
-
-
-2. Wirkung der Leibesübung auf die Knochen.
-
-In der Jugend sind bekanntlich die Gelenkbänder weich, dehnbar und
-elastisch, eine Eigenschaft, die sie mit zunehmendem Alter mehr und mehr
-verlieren. Durch fortgesetzte Uebungen behalten sie jedoch in mehr oder
-weniger hohem Grade ihre ~jugendlichen Eigenschaften~, ja ihre
-Elastizität wächst, so daß sie eine große Widerstandskraft gegen Zug
-erhalten. Die Produktionen der sogenannten ~Schlangenmenschen~ beweisen,
-eine wie hohe Geschmeidigkeit und Dehnbarkeit die Bandmassen bei einem
-frühzeitig begonnenen Training bekommen können. Ein unbewegtes Gelenk
-dagegen wird steif, die Gelenkkapsel schrumpft.
-
-Aber auch die ~Architektur des Knochens~ selbst wird nicht unwesentlich
-beeinflußt.
-
-~Julius Wolf~ hat durch seine Untersuchungen nachgewiesen, daß die
-Knochen ein ~Anpassungsvermögen~ gegenüber den Zug- und Druckkräften der
-Muskeln besitzen, welches dem Gesetz unterworfen ist, ~mit möglichst
-wenig Knochenmaterial eine möglichst große Festigkeit gegenüber den
-einwirkenden Kräften zu erreichen~.
-
-Daher werden die Knochen muskelstarker Menschen nicht nur dicker und
-fester, sondern werden besser entwickelt an den Befestigungsorten der
-Muskeln. Man vergleiche nur die glatten Knochen der Kinder und Frauen
-mit den starken Rauhigkeiten und Knochenleisten kräftiger Männer.
-
-Sehr deutlich ist der Einfluß vernünftiger Leibesübung auf das
-~Rumpfskelett~.
-
-Ich erinnere an den sogenannten ~flachen Rücken~, (Fig. 1), wie wir ihn
-bei kleinen Kindern finden, die zu früh sitzen, bevor noch die
-Wirbelsäule die nötige Festigkeit erreicht hat, oder an die flachen
-Rücken der Schneider, als Berufsschädlichkeit, oder an diejenigen
-flachen Rücken, welche nach ~Hoffa~ dadurch entstehen, daß die
-Muskelenergie zu minimal ist, so daß das Becken in aufrechter Stellung
-nicht aufgerichtet werden kann. Wie augenscheinlich ist hierbei die
-Wirkung eines vernünftigen Trainings in Form der Hang-, Gleichgewichts-,
-Geh- und Laufübungen.
-
-Wie zauberhaft wirken ferner beim sogenannten ~hohlrunden Rücken~ (Fig.
-2), bei welchem der etwas vorgewölbte Bauch und die starke
-Lendeneinsattlung sofort ins Auge springen, die tiefen Rumpfbeugen nach
-vorn!
-
-Betrachten wir ferner ~den runden Rücken~ (Fig. 3) ~der Jugend~, wie er
-sich ausbildet, nicht nur infolge von Muskelschwäche der
-Rückenmuskulatur, sondern noch vielmehr durch Willensschwäche, wie er
-weiter ausgebildet wird durch vieles Sitzen über den kleingedruckten
-Schulbüchern, namentlich bei Kurzsichtigen.
-
-[Abbildung: Fig. 1. Flacher Rücken (schematisch).
-
-Fig. 2. Hohlrunder Rücken (schematisch).
-
-Fig. 3. Runder Rücken (schematisch).]
-
-Auch hier sehen wir wiederum die wirksame Bekämpfung durch
-~Gleichgewichtsübungen~, durch Uebungen auf der Schwebekante,
-Balanzieren von Gegenständen auf dem Kopfe, durch Straffgang, durch den
-langsamen Schritt in militärischer Haltung, durch Rumpfdrehen,
-Rumpfstrecken, durch Hang- und Schwimmübungen. Nicht wenig trägt zur
-Erreichung einer normalen Haltung die moralische Uebung der
-Leibesübungen bei, denn mit steigendem Kraftgefühl wächst auch die
-Freude an straffem Wesen und das Schönheitsgefühl, das nur eine gerade
-Haltung als schicklich und schön anerkennt (Fig. 4).
-
-[Abbildung: Tafel I.
-
-Fig. 4. Balancieren auf dem Schwebebaum. (Gleichgewichtsübung)]
-
-Nicht wesentlich anders liegen die Verhältnisse beim ~runden
-Arbeitsrücken~, oder beim runden Rücken schnell fahrender Radler oder
-beim runden Greisenrücken.
-
-Und was ich von dem flachen und runden Rücken gesagt habe, gilt
-ebenfalls für die ~seitlichen~ Verkrümmungen, auf deren mannigfache
-Ursachen ich nicht weiter eingehen will (Fig. 5). Auch hier bewähren
-sich die Leibesübungen, jedoch muß dabei bemerkt werden, daß beim
-sportlichen Training leider allzusehr die gesundheitliche Forderung
-einer guten Haltung, wie wir sie beim militärischen Training finden,
-vernachlässigt wird.
-
-[Abbildung: Fig. 5. Seitliche Verkrümmung der kindlichen Wirbelsäule
-durch fehlerhaftes Tragen desselben.]
-
-Nicht minder sichtbar ist der gesundheitliche Einfluß der Leibesübung
-bei den verschiedenen krankhaften Brustkorbveränderungen. Die ~schmale~
-Brust, der ~faßförmige~ Brustkorb, der gleichsam in der tiefen
-Einatmungsstellung erstarrt ist, der ~lahme Brustkorb~ Schwindsüchtiger,
-der in tiefster Ausatmungsstellung verharrt, weil die Muskulatur zu
-schwach zur Rippenhebung ist, die rhachitische[2] Hühnerbrust, die
-Trichter-, oder Schuster-, oder Töpferbrust und die Schnürbrust sind
-sämtlich Abweichungen, die durch Leibesübungen zu bessern sind.
-
- [2] Rhachitische Verkrümmungen der Knochen sind die durch englische
- Krankheit (Rhachitis) entstandenen.
-
-[Abbildung: Fig. 6. Faßförmiger Brustkorb (schematisch.)]
-
-Vielfache Untersuchungen, die an Soldaten vorgenommen wurden, beweisen
-übereinstimmend, daß durch die ~militärische Ausbildung~ der Brustumfang
-von 2-5 ^cm^ zunahm. Der Brustspielraum hatte also bedeutend
-zugenommen, ebenso seine Beweglichkeit, ein Beweis des gesundheitlichen
-militärischen, gegenüber dem einseitigen und dadurch nicht
-gesundheitlichen Training von Berufsathleten, bei welchen man mehrfach
-einen durch die Pressung bei schwerer Gewichtsathletik hervorgerufene
-Beeinträchtigung des Brustspielraums fand, z. B. bei dem berühmten ~Karl
-Abs~ von 2,50 ^cm^, beim Athleten ~Sutz~ nur 1,75 ^cm^.
-
-[Abbildung: Fig. 7. Der langausgezogene schmale Brustkorb
-eines Schwindsüchtigen mit den tiefen Nischen der Ober- und
-Unterschlüsselbeingrube und den eingezogenen Zwischenrippenräumen
-(schematisch.)]
-
-Daraus folgt die gesundheitliche Ueberlegenheit des militärischen und
-turnerischen Training durch Dauer- und Schnelligkeitsübungen, wie
-Marschieren, Laufen, Schwimmen gegenüber den forcierten Kraftübungen der
-Berufsathleten.
-
-Der Training zeigt seine gesundheitliche Wirkung aber nicht nur auf die
-direkt tätigen, sondern auch auf die übrigen Organe.
-
-
-3. Wirkung der Leibesübung auf Blut- und Lymphgefäßsystem.
-
-Von immenser Bedeutung ist die Beeinflussung des Blut- und
-Lymphgefäßsystems durch das Training.
-
-Das ~Herz~ zieht sich bekanntlich in einer Minute 72mal zusammen und
-leistet damit eine Arbeit von 52½ ^kgm^. Beim ~ruhigen Gehen~ steigt
-die Pulszahl auf 80, die Arbeitsleistung wird damit erhöht auf 58,3
-^kgm^.
-
-Beim ~schnellen Gehen~ ist die Pulszahl 100, was einer Arbeitsleistung
-von ca. 73 ^kgm^ entspricht. Bei größten Muskelanstrengungen steigt die
-Pulszahl auf 200 bis 240, beim angestrengten ~Radfahren~ auf
-150-200-250; ähnlich liegen die Verhältnisse beim ~Rudern~.
-
-Mit Aufhören der Muskeltätigkeit kehrt die Herztätigkeit noch nicht zur
-Norm zurück; das Herz wird also länger angestrengt, und dieses Verhalten
-des Herzens ist um so deutlicher, je länger die Muskeltätigkeit dauert.
-Die Beschleunigung der Herztätigkeit ist noch 5-15 Minuten nach getaner
-Arbeit deutlich, ja sie wurde von ~Mosso~ noch 2 Stunden nach einem
-Bergaufstieg nachgewiesen. Dabei bleibt bei einem gesunden Menschen die
-Herzarbeit eine regelmäßige. Nur das kranke Herz beginnt seine Tätigkeit
-auszusetzen. Läßt man das erregte Herz zur Ruhe kommen und nach der
-Erholung weitere Uebungen anstellen, so wird die gleiche
-Pulsbeschleunigung wie beim ersten Arbeitspensum erreicht, jedoch
-dauert die Nacherregung bedeutend länger. Doch nicht nur die Zahl der
-Pulsschläge, sondern auch der ~Blutdruck~ wird beeinflußt, und zwar
-steigert jede Muskeltätigkeit den Blutdruck, diese Steigerung wird
-unterbrochen von geringen Blutdrucksenkungen, dauert im wesentlichen nur
-während der Arbeitszeit, hängt im wesentlichen von dem ~Tempo~ der
-Arbeit, von der ~Größe der Arbeit~ im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit
-der arbeitenden Muskelmotoren, und von derem ~Trainiertsein~ ab. Das
-Herz wird durch Muskelübungen in den Stand gesetzt, sich energischer und
-kraftvoller zusammenzuziehen. Die Blutdruckschwankungen nach der Arbeit
-sind stets wesentlich geringer als während der Arbeit. Die Herzarbeit
-ist also in sehr hohem Maße von Muskeltätigkeit abhängig.
-
-Aehnlich wie Muskelarbeit wirkt auch ~Trinken~. Durch Trinken wird
-nämlich die Blutmenge größer, damit steigt der Blutdruck, der zwar bald
-durch ein vermehrte Harnlassen und Schwitzen ausgeglichen wird, aber
-doch vorübergehend die Herzarbeit vermehrt. Der Einfluß des Trinkens ist
-jedoch weniger groß, als der der Muskelarbeit, weil das Blutgefäßsystem
-sich der stärkeren Füllung durch Erweiterung und Verengerung anpaßt. Am
-meisten wird Pulsfrequenz und Blutdruck durch beide Momente gleichzeitig
-gesteigert. Daraus ergibt sich die praktische Regel, ~daß Trinken
-während der Leibesübung unterbleiben muß~. Der Einfluß eines
-vernünftigen Training auf das Herz geht aus der Tatsache hervor, daß
-unter Beobachtung gewisser Regeln bei einem bestimmten Maß ~täglicher
-Uebung~ in der Ruhezeit die Pulszahl unter die Norm fällt, also im
-~Ganzen ruhiger, aber dabei energischer arbeiten lernt~. Wichtig wird
-die Blutverteilung im Körper für die Auswahl der ~Zeit des Training~.
-
-~Chauveau~ und ~Kaufmann~ wiesen nach, daß der Stoffverbrauch im maximal
-arbeitenden Muskel 20mal und die durchströmende Blutmenge 7-10mal größer
-ist als in der Ruhe. Dieser Vorgang ist nur dadurch möglich, daß die
-kleinsten Zweige der Schlagadern sich erweitern. Und zwar geschieht die
-Erweiterung unter dem Einfluß der Gefäßnerven, denen die Antriebe zur
-Erweiterung gleichzeitig und beigeordnet mit den Bewegungsantrieben für
-die Muskeln vom Zentrum aus zugehen und zweitens durch Reflexwirkung,
-indem durch die Muskeltätigkeit eine örtliche Dyspnoe (Atemnot) und
-damit eine Aufspeicherung von Stoffwechselprodukten erzeugt wird. Die
-örtliche ~Erweiterung der Blutgefäße~ in den tätigen Muskeln wird aber
-durch eine ~Verengerung in anderen Gefäßgebieten abgeglichen~, da ja die
-Blutmenge im wesentlichen die gleiche (4-5 Liter) bleibt. In erster
-Linie nehmen an der Verengerung die großen Bauchgefäße teil, welche für
-gewöhnlich große Blutmengen beherbergen. „Die Bauchgefäße stellen eine
-seenartige Erweiterung des Strombettes dar, dessen Blutvorrat durch
-Kontraktion jederzeit disponibel wird,” sagt ~Zuntz~. Aus diesem Blutsee
-schöpfen die Blutgefäße der Muskeln durch Vermittlung des rechten
-Herzens, wenn sie durch höchste Arbeit sich und damit die ganze
-Muskelbahn erweitern. Eine Verblutung in die Muskelgefäße, wie man sie
-gelegentlich annahm, kann deshalb, solang dieser Blutsee vorhanden ist,
-nicht statthaben. Während der Verdauung ist dieses Gefäßreservoir
-~stark~ angefüllt, Muskel und Gehirn dagegen ~relativ~ blutleer; daher
-bestehen in der Verdauungszeit Muskelmüdigkeit und Unlust zu geistiger
-Tätigkeit. Wird trotzdem in der Verdauungszeit stärkere Muskelarbeit
-geleistet, so wird naturgemäß die Verdauung verzögert, ~deshalb sind
-Muskelübungen während der Verdauung unzuträglich~.
-
-Wie das Herz wird auch das übrige ~Gefäßsystem~ durch Muskelarbeit
-beeinflußt.
-
-Die ~Arterien~wände sind normaler Weise elastisch und können dadurch
-~Blutverteilung~ und ~Blutdruck~ regulieren. Büßen sie aus irgend einem
-Grunde ihre Elastizität mehr oder weniger ein, wie dies bei alten Leuten
-oder bei Arteriosklerotikern (Arteriosklerotiker ist derjenige Mensch,
-dessen Gefäßwände mehr oder weniger verkalkt, deshalb starr und
-unelastisch sind) der Fall ist, so verlieren sie auch ihre
-Regulationsfähigkeit, sie können sich demnach auch nur ungenügend dem
-durch Leibesübungen gesteigerten Drucke anpassen. Deshalb sind für Leute
-mit starrem Arterienrohr die Leibesübungen gefährlich, denselben sind
-Leibesübungen zu verbieten oder wenigstens erst sorgfältig
-vorzubereiten.
-
-Die Blutbewegung und der Blutdruck in den ~Harngefäßen~ hängen von der
-Herzkraft, von der Weite und Regulationsfähigkeit der Schlag- und
-~Blutadern~ (Arterien und Venen) ab. Ist der venöse Abfluß behindert, so
-tritt eine Stauung in den Organen ein.
-
-Wir wissen nun aber, daß jede ~Einatmung~ (Inspiration) das Venenblut
-ansaugt, also auf den Blutumlauf ~begünstigend~ wirkt. ~Muskeltätigkeit~
-vertieft erfahrungsgemäß die Atmung, ist also schon aus diesem Grunde
-ein Förderungsmittel beschleunigten Blutumlaufs, andrerseits dehnt und
-erschlafft der arbeitende Muskel die oberflächlichen Venengefäße. Dehnt
-man aber einen elastischen Schlauch, so kann derselbe mehr Luft oder
-Flüssigkeit aufnehmen als zuvor. Er ist dann wie eine Pumpe, bei welcher
-man den Kolben herausgezogen hat, und der nun die Flüssigkeit aussaugt.
-So saugen die Venen die Blutflüssigkeit an und pressen sie dann wieder
-aus. Diese doppelte Vorwärtsbewegung der Blutsäule durch Ansaugen und
-Auspressen geschieht in der Richtung zum Herzen, denn ein Rückfluß des
-Blutes wird durch die Taschenventile der Venen verhindert. Bei
-oberflächlicher Atmung und fehlender venöser Regulationstätigkeit durch
-Muskelarbeit sahen wir daher Störungen im Organismus wie Stauungen im
-Pfortadersystem, Krampfadern, Haemorrhoiden etc. entstehen. Es ist bei
-der Entstehung genannter Leiden noch die ~Eigenschwere des Blutes~ zu
-würdigen, welche durch Herz und Muskeltätigkeit überwunden werden muß,
-um das Blut zum Herzen hinauf zu heben. Außer den genannten Hilfskräften
-der Zirkulation, dem Tiefatmen und der Muskelbewegung kommt noch
-diejenige Muskeltätigkeit in Frage, welche die großen ~Muskelbinden~
-spannt und entspannt. Letztere wirken nach ~Braune~ als ~Druck- und
-Saugapparat~ auf die in der Tiefe liegenden Venen. So die große
-Halsfaszie und das Poupart’sche Schenkelband. Wird z. B. letzteres durch
-starke Außendrehung und Ueberstreckung des Beines nach hinten stark
-gespannt, darauf durch Innendrehung und Beugung entspannt, so werden die
-daruntergelegenen großen Blutadern gepreßt, darauf stark erweitert, weil
-ja die Faszie (Muskelbinde) mit der Gefäßwand verklebt ist.
-
-~Bewegungen~, welche erfahrungsgemäß speziell ~den Blutumlauf
-befördern~, sind: 1. die Tiefatmungen, 2. die Rumpfübungen, 3. die
-sogenannten Zirkulationsübungen der Schweden, d. h. derjenigen Uebungen,
-welche den zu übenden Körperteil durch Drehung um die eigene Axe
-auswinden, wie man ein nasses Tuch durch Drehung trocken windet. (Siehe
-Uebungstafel).
-
-Vergleicht man die ~Arbeitskraft des Herzmuskels~ mit der Kraft anderer
-Muskeln, so findet man nach ~Schmidt~, daß das Herz in einer Stunde etwa
-ebensoviel leistet, wie die Beinmuskulatur, wenn sie während einer
-Stunde den Körper auf eine Höhe von 500 Metern trägt. Eine gleiche
-Leistungsgröße haben auch andere Muskeln des Körpers. Ein kräftiger
-Bergsteiger kann nun diese Leistung im günstigsten Falle während 8
-Stunden fortsetzen, dann versagen die Kräfte, das Herz aber arbeitet
-ruhig, während der 24 Stunden des Tages weiter. ~Das Herz leistet also
-das 3fache im Verhältnisse zur Muskelsubstanz, was die Muskeln bei
-höchster Arbeit leisten können, sogar im gewohnten Zustande der Ruhe.
-Bei ausgiebiger Muskelbewegung leistet das Herz jedoch das 6-8fache der
-Ruhearbeit~.”
-
-„~Das Herz kann also im Verhältnis zu seinem Gewicht~ (⅓ ^kgm^) das
-~4-5fache an Arbeit leisten als die übrige Körpermuskulatur~.”
-
-Worin ist nun diese hohe Arbeitsfähigkeit des Herzens begründet?
-
-1. Der Herzmuskel hat bessere Blutzirkulationsverhältnisse als die
-übrigen Muskeln; Blutzufuhr und Abfuhr sind besser, daher kann er die
-sogenannten Ermüdungsstoffe leichter fortschwemmen.
-
-2. Die Herzarbeit ist ~nicht dem Willen~ unterworfen, sondern wird
-automatisch und rhytmisch geleistet. Und alle automatisch arbeitenden
-Muskeln und Nervenzentren haben eine ganz minimale Ermüdung, wie wir
-dies auch beim Atmungsorgan beobachten können. Der Herzmuskel ist der
-besttrainierte Muskel, er arbeitet zeitlebens ohne zu ermüden.
-
-Ein dauernd tätiger Muskel wie der Herzmuskel wird selbstverständlich
-auch wesentlich mehr ~Nahrung~ als ein nur zeitweilig arbeitender
-verbrauchen. Das haben auch die Berechnungen von ~Zuntz~ ergeben,
-welcher fand, daß bei Muskelarbeit durchschnittlich 15% des gesamten
-Stoffumsatzes nur für Unterhaltung der Herz- und Atemtätigkeit verwendet
-wird. Aber nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ muß die
-Nahrung für den Herzmuskel die beste sein, um eine dauernde Tätigkeit
-leisten zu können.
-
-Und zwar braucht der Herzmuskel mehr noch als jeder Muskel reichliche
-~Sauerstoffnahrung~, denn er muß den arbeitenden Muskeln mehr Sauerstoff
-zuführen und muß größere Arbeit liefern, um die Endprodukte der erhöhten
-Verbrennungsprozesse zur Ausscheidung bringen zu helfen. Die
-Eliminationstätigkeit unterstützen die Lungen wesentlich, denn sie
-besorgen die Kohlensäureentladung und Entwässerung des Blutes in
-hervorragendem Maße. Nun fand ~Zuntz~ bei einem Versuche am Pferde, daß
-der Sauerstoffverbrauch bei mäßiger Muskeltätigkeit 6mal so groß war,
-wie bei Muskelruhe. Andrerseits gilt als feststehend, daß in der Ruhe
-nur etwa die Hälfte des Sauerstoffs verbraucht wird. Daraus folgt, daß
-~mäßige Arbeit allein durch bessere Ausnutzung des Blutsauerstoffes~
-geleistet werden kann, ohne daß der Herzmuskel mehr zu arbeiten braucht.
-Erst nachdem durch vermehrte Muskeltätigkeit die zweite Hälfte des
-Sauerstoffvorrats verbraucht ist, wird eine größere Herzarbeit nötig und
-zwar „nahezu proportional dem Sauerstoffverbrauch”, der nach ~Zuntz~ um
-das 15-18fache steigen kann.
-
-Diese Mehrarbeit leistet der Herzmuskel durch ~Vermehrung der Zahl der
-Zusammenziehungen~ und durch ~Vergrößerung des Schlagvolumens~.
-
-Da nun aber die ~roten Blutkörperchen~ die ~Sauerstoff-Flotte~
-vorstellen, d. h. der Sauerstoff an die roten Blutkörperchen gebunden
-ist, so wird das Herz um so weniger zu leisten haben, also geschont,
-wenn die Sauerstoff-Flotte recht groß ist. Das an roten Blutkörperchen
-arme, also auch sauerstoffarme Blut Bleichsüchtiger, wird daher
-vorzeitig bei starken Muskelanstrengungen Herzermüdung hervorrufen.
-Ferner ist klar, daß bei einem dünnen wasserreichen Blut wenig rote
-Blutkörperchen, also auch verhältnismäßig wenig Sauerstoff, zum Herzen
-gelangt.
-
-Ein ~gesundheitliches Training muß maximale Leistungen unter Schonung
-der Herzkraft anstreben~.
-
-Es muß also Blut und Gewebe spezifisch schwer zu machen suchen; dies
-wird erreicht durch Genuß einer nicht zu eiweißhaltigen, aber
-nährsalzreichen, dabei wasserarmen und reizlosen Nahrung unter
-gleichzeitiger Trockenlegung der Gewebe durch Schwitzen, Abdampfen und
-Harnlassen, ohne dabei zu übertreiben, denn eine Wasserverarmung des
-Blutes kann durch maximale Arbeit, bei zu großer Hitze zum Hitzschlag
-führen. ~Will man den Herzmuskel durch Leibesübung zu Höchstleistungen
-erziehen, so muß man die Uebungsarbeit jedesmal so bemessen, daß der
-Herzmuskel das allmählich und systematisch aber stetig größer werdende
-Arbeitspensum ohne Ermüdung leisten kann~. Denn bei starker
-Beschleunigung der Herztätigkeit kontrahieren sich die Herzkammern
-bereits, bevor ihre Füllung erreicht ist, daher kann auch nicht alles
-Blut in die Arterien eingetrieben werden, was sich an dem kleinen,
-schwachen und beschleunigten Puls deutlich zeigt. Es kommt zur
-~Rückstauungskongestion im Lungenkreislauf~, zur Lungenschwellung und
-Lungenstarrheit, und zur Behinderung des Atems. Der Blutüberfüllung im
-Lungenkreislauf aber entspricht eine ~Blutarmut im Körperkreislauf~.
-Dadurch entsteht eine ungenügende Speisung aller Organe mit
-sauerstoffreichem, arteriellem Blut insbesondere des Herzens, welches am
-meisten zu leisten hat. Dasselbe versagt zuerst, Herz- und Pulsschlag
-werden unregelmäßig, das Herz hat eine ~akute Funktionsstörung~
-(~Insufficienz~) erlitten, welche sich meist nach Aufhören der
-Anstrengung schnell zurückbildet. Jedoch kann sich aus der akuten
-Insufficienz eine ~Herzerweiterung~ (Dilatation) entwickeln, indem die
-Herzmuskeln dem gesteigerten Blutdruck nicht genügend Widerstand leisten
-können, sie werden gedehnt. Derartige vorübergehende Ermüdungszustände
-des Herzens betreffen mit Vorliebe die linke Herzkammer und finden sich
-bei jeder ~Schnelligkeitsübung~, wie Schnellauf, schnellem Radfahren,
-Schnellrudern, Schnellschwimmen etc. Sie können sich durch
-Herzstillstand bis zum Tod steigern. Ich erinnere an das „klassische
-Beispiel des Siegesläufers von ~Marathon~, der die Siegesnachricht
-überbringt und dann tot auf dem Markte in Athen zusammenbricht.”
-
-Jede Schnelligkeitsbewegung kann nun aber so eingerichtet werden, daß
-Herz- und Lungentätigkeit mäßig ansteigen ohne jene Erschöpfungssymptome
-zu zeigen und dauernd auf dieser mäßigen Höhe erhalten werden,
-d. h. ~man macht die Schnelligkeitsübung zur Dauerübung~. Ihre Grenze
-liegt in der Allgemeinermüdung, sie umfaßt also die Muskel- und
-Nervenermüdung der Kraftübungen und die Herz- und Lungenermüdung der
-Schnelligkeitsübungen. Die Ermüdungsstoffe sind im Blute übermäßig
-angehäuft.
-
-~Gebraucht man jedoch die Schnelligkeits- und Dauerübungen vernünftig,
-d. h. steigert man sie nicht bis zur Atemlosigkeit und bis zum
-Herzklopfen, so können sie die Leistungsfähigkeit des Herzens stetig
-steigern und das normale Wachstum des kindlichen Herzens in einziger Art
-fördern~. Unterbleibt die rechtzeitige Uebung des Herzens in der Jugend,
-so ist ein mangelhaft entwickeltes, ein blutarmes, blasses und
-unterernährtes Herz die Folge, welches wahrscheinlich eine der Ursachen
-späterer Schwindsucht ist.
-
-Ich erinnere auch an den Wert von Dauer- und Schnelligkeitsübungen in
-dem ~Entfettungstraining~ beim fettumwachsenen Herzen und bei
-allgemeiner Fettleibigkeit.
-
-Anders wirken die kurzdauernden ~Kraftübungen~ auf das Herz. Hier ist es
-die sogenannte ~Pressung~ oder ~Anstrengung~, welche gefährlich werden
-kann. Wollen wir mit der Extremitätenmuskulatur eine Kraftleistung
-vollbringen, so müssen wir den Rumpf zum Stützpunkt der Extremitäten
-nehmen, d. h. ihn starr machen. Dies tun wir, wenn wir bei tiefer
-Inspiration die Brustmuskeln zusammenziehen; dadurch pressen wir den
-Inhalt des Brustkorbes und der Bauchhöhle fest zusammen, entleeren das
-Blut der Herzkammern schnell, während wir gleichzeitig den Abfluß des
-venösen Blutes in die Vorhöfe verhindern. Die übermäßige Füllung des
-Venensystems und die Blutleere des ~mehr~ arbeitenden Herzens hören erst
-auf, wenn die in den Lungen zusammen gepreßte Luft entweicht, der Rumpf
-seine Starrheit verliert, die Kraftleistung zu Ende ist, und macht einem
-plötzlichen vehementen Einschießen des venösen Blutes in das geschwächte
-rechte Herz Platz. Eine vorübergehende Erweiterung des rechten Herzens
-ist die Folge und kann zu einer mehrtägigen Reizbarkeit führen, die
-wahrscheinlich durch eine Beleidigung des nervösen Apparates bedingt
-ist. Abgesehen von dieser Reizbarkeit, die auch eine dauernde bleiben
-kann, treten als Schädigung der Kraftübungen höhere Grade von
-Erweiterung des rechten Herzens, Klappenfehler, ja rascher Tod
-ein. In welcher Weise wir unsere Bewegungen in Rücksicht auf
-Zentralnervensystem, auf die nervösen Zentren des Herzens und des
-Gefäßsystems einzurichten haben, werden wir weiter unten sehen.
-(Weiteres s. auch Eichhorst, Hygiene des Herzens).
-
-Der fehlerhaft Uebende preßt nun häufig schon bei Uebungen, die einen
-maximalen Kraftaufwand noch gar nicht erfordern. ~Da sich die Pressung
-durch den Willen unterdrücken läßt, so ist es Pflicht des
-Gymnastiklehrers auf die Atemführung bei Kraft- -- besonders auch bei
-Gerätübungen zu achten~.
-
-Leichtere Kraftübungen können erst bei längerer Dauer Schädigung
-hervorrufen, schwere Kraftübungen jedoch, bei denen der
-Anstrengungsvorgang notwendig ist, führen, wenn sie häufig betrieben
-werden, zur dauernden Beeinträchtigung des Herzens, der Herzmuskel
-entartet (degeneriert) und wird schwach.
-
-~Schaltet man daher die Pressung bei Kraftübungen aus, unterläßt man bei
-Dauerübungen plötzliche Steigerungen zu Kraftleistungen und macht die
-Dauerübung nicht zu abnormen Schnelligkeits- und umgekehrt die
-Schnelligkeitsübung nicht zur maximalen Dauerübung, so kann man
-systematisch und vernünftig vorgehend den Herzmuskel vorzüglich
-trainieren, d. h. den Eintritt seiner Ermüdung weit hinausschieben und
-eine physiologische Zunahme der Muskelsubstanz erreichen~.
-
-Nach ~Leitenstorfer~ ist „eine mäßige Herzhypertrophie
-(Herzvergrößerung), solange sie der Gesamtmuskulatur entspricht, kein
-krankhafter Zustand, kein Herzfehler, sondern ein auf naturgemäßem Wege
-errungener Gewinn.”
-
-
-4. Wirkung der Leibesübungen auf die Atmungsorgane.
-
-Nicht minder groß sind die Wirkungen der Leibesübungen auf die ~Atmung~.
-
-Dieselbe geht bekanntlich in den Lungen vor sich und zwar in der Weise,
-daß durch den Muskelzug der Rippenheber und Zwischenrippenmuskeln die
-Rippen gehoben werden, dadurch der Brustraum von vorn nach hinten und
-von rechts nach links hin erweitert wird; durch die Tätigkeit des
-Zwerchfells wird die Höhe des Brustraums vergrößert. Die Lungen, welche
-den Brustwänden dicht anliegen, müssen dem erweiternden Zuge der
-Brustwände folgen, dadurch wird Luft hineingesogen, und die Lungen
-werden erweitert. Erschlaffen die Einatmungsmuskeln, so wirken die
-Elastizität und Schwere des Brustkorbes auf die Elastizität der Lungen,
-drücken die Lungen damit zusammen und bringen die in denselben
-befindliche Luft zum Entweichen.
-
-~Diese Atmungsmechanik können wir durch unseren Willen verflachen oder
-vertiefen, verlangsamen oder beschleunigen~, jedoch nur innerhalb
-gewisser Grenzen. Gewöhnlich vollzieht sich der Atmungsprozeß
-unwillkürlich wie die Herzarbeit und reguliert sich ~automatisch~ nach
-dem Atmungsbedürfnis des Körpers.
-
-Bei der gewöhnlichen ruhigen Atmung erneuern wir nun bloß etwa ²/₆ bis
-¹/₇ derjenigen Luftmenge, die wir bei tiefster Ein- und Ausatmung
-umsetzen können, nämlich nur 500 ^ccm^ = ½ Liter.
-
-Wir machen bei ruhiger Atmung etwa 15 Atemzüge, setzen also 7½ Liter
-Luft um, bei tiefster Ein- und Ausatmung ist der Umsatz 7mal so groß,
-also 52½ Liter. Wird nun aber, wie dies ja bei Leibesübungen stets der
-Fall ist, die Zahl der Atemzüge vermehrt, sagen wir bis auf 45 in der
-Minute, so erhalten wir einen Luftumsatz in den Lungen von 3 × 52½ =
-157½ Liter. Dieser Luftumsatz in den Lungen besteht nun darin, daß das
-Lungenblut Sauerstoff aus der Luft aufnimmt; ~die Lunge ist also ein
-Magen, bestimmt zur Aufnahme der wichtigsten Lebensnahrung, des
-Sauerstoffs~.
-
-~Ferner erweist sich die Lunge als ein wichtiges Ausscheidungsorgan~,
-denn sie gibt an die Atmosphäre Kohlensäure und Wasserdampf ab. Vermöge
-ihrer Fähigkeit, das Verbrennungsgas der Kohlensäure abzugeben, ~wird
-die Lunge eines der wichtigsten Organe zur Entgiftung des Körpers~, denn
-die Kohlensäure ist ja einer der Ermüdungs- und Schlackenstoffe, der den
-Körper in kurzer Zeit vergiftet.
-
-Durch ihre Fähigkeit ~Wasserdampf~ zu verdunsten aber kann die Lunge die
-Körpergewebe trocken legen, eine Eigenschaft, die von immenser Bedeutung
-ist, wenn man bedenkt, daß damit der größte Bestandteil des Körpers, das
-Körperwasser, welches ca. 65% des Körpergewichts ausmacht, wesentlich
-angegriffen, reduziert werden kann.
-
-~Die Lunge ist demnach ein bedeutender Drainageapparat des Körpers~.
-
-Bedenkt man weiter, daß die Ausatmungsluft wärmer ist als die
-Einatmungsluft, daß Körperwasser nur durch Erhöhung der Temperatur
-verdampfen kann, daß also durch den Verdampfungsprozeß jedesmal eine
-bestimmte ~Wärmemenge~ des Körpers ~verbraucht~ wird, so ist deutlich,
-welchen Wert die ~Lungentätigkeit als Abkühlungsapparat des Körpers
-hat~.
-
-Nun denke man sich, daß die Lungenmaschine als
-Herz-Kreislauf-Regulierapparat, als Sauerstoffmagen, als
-Entgiftungsvorrichtung, als Drainageapparat und schließlich als
-Kühlvorrichtung durch Leibesübung statt ihrer gewohnten Arbeit von 7½
-Liter Luftumsatz in der Minute 157½ Liter stofflich umsetzt, dann kann
-man sich ein ungefähres Bild von dem kolossalen Einfluß eines
-vernünftigen Lungentrainings auf den Körper machen, und wird umsomehr
-einsehen, daß dieser Einfluß durch ein vernünftiges Vorgehen reguliert
-werden muß.
-
-Weiter mache ich aufmerksam auf die Wirkung einer ausgiebigen
-~Tiefatmung~.
-
-Da die Lungen durch den Luftkanal des Nasenrachenraums und der Luftröhre
-mit der Außenluft in Verbindung stehen, so ist der Druck der Binnenluft
-der Lungen, gleich dem Atmosphärendruck, also = 760 ^mm^ ^Hg^ (^Hg^ =
-Quecksilber, als Abkürzung des lateinischen Wortes Hydrargyrum). Wird
-während der Einatmung der Brustraum durch Muskelarbeit weiter, so muß
-die elastische Spannungskraft und die Schwere des Brustkorbes überwunden
-werden. Je größer diese Widerstände sind, d. h. je tiefer eingeatmet
-wird, desto mehr Arbeit wird geleistet, denn die elastische Kraft, die
-bei der Einatmung zu überwinden ist, wächst durch tiefste Inspiration
-von 7 auf 9-30 ^mm^ ^Hg^. Es wird durch Tiefatmung also eine immense
-~Kraft~ ~auf~gespeichert, welche bei der Ausatmung zur Geltung kommt,
-indem sie bei Erschlaffung der Einatmungsmuskeln die Lungen zurückzieht.
-
-Je ~weiter~ die Lungenbläschen geöffnet werden, um so ~geringer~, und je
-~enger~ diese Lufträume werden, desto ~größer~ wird der Druck sein, den
-die Binnenluft ausübt. Die Lungen ziehen nun entsprechend dieser ihrer
-elastischen Kraft an den Brustwandungen und an den im Brustraum
-gelegenen Hohlorganen. ~Diese Kraft nennt man Saug- oder
-Aspirationskraft der Lungen~. Der Gesamtinhalt des Brustraumes, d. i.
-Rippen- und Mittelraum mit Herz- und großen Gefäßen steht demnach,
-abgesehen von den Lungen selbst, unter einem Druck, welcher gleich ist
-dem Atmosphärendruck vermindert um denjenigen Druck, welcher der
-Saugkraft der Lungen entspricht; derselbe ist als der Binnenbrustdruck
-bezeichnet worden. Derselbe wird also normaler Weise von der Saugkraft
-resp. von den elastischen Kräften der Lunge reguliert. ~Je stärker
-dieselbe zur Geltung kommt, wie bei tiefster Inspiration, desto
-geringer ist der Binnenbrustdruck~.
-
-Bei ruhiger Atmung ist der elastische Zug der Lungen bei Atmungsstellung
-9 ^mm^ ^Hg.^, demnach der Binnenbrustdruck = 760 - 9 = 751 ^mm^ ^Hg.^
-
-Bei ruhiger Ausatmung ist der elastische Zug = 7 ^mm^ ^Hg.^, der
-Binnenbrustdruck = 760 - 7 = 753 ^mm^ ^Hg.^
-
-Bei ruhiger Atmung ist daher der auf die im Brustraum gelegenen
-Gefäße lastende Druck kleiner, als der auf die außerhalb desselben
-gelegenen einwirkende. Nach ~Munk~ muß daher eine Aufsaugung des
-Blutes aus den außerhalb des Brustraumes gelegenen Blutgefäßen
-stattfinden und damit die ~Blutbewegung beschleunigt werden~. Und
-diese Blutstrombeschleunigung muß um so ~größer~ sein, je geringer
-der Binnenbrustdruck, d. h. je ~tiefer die Atmung~ ist.
-
-Die Beschleunigung des Blutstroms macht sich zunächst im
-~Pfortaderkreislauf~ bemerkbar. Aus den kleinsten Auflösungen der
-Schlagadern, den sogenannten Haargefäßen (Kapillaren) des Magens, der
-Milz und des Darmrohrs gehen Blutadern (Venen) hervor und sammeln sich
-zum sogenannten Pfortaderstamm, der in der Leber von neuem ein
-Kapillarsystem bildet, aus welchem die Lebervenen entstehen, die in die
-untere Hohlvene einmünden. Letztere führt das verbrauchte Blut dem
-Herzen zur Regeneration zu. Durch die kapillare Strombettbildung in der
-Leber ist die Blutbewegung daselbst eine verlangsamte und erst durch die
-geschilderte Saugkraft wird sie wieder beschleunigt. Dazu kommt die
-unterstützende aktive Kraft der Bauchpresse bei der Tiefatmung, d. i.
-der ~Herabstieg des wichtigsten Atmungsmuskels, des Zwerchfells~,
-welches Brust- und Bauchhöhle voneinander scheidet und die
-~Bauchmuskeltätigkeit~, welche beide zusammengenommen von oben und von
-vorn ebenso wie den gesamten Bauchinhalt auch die Leber zusammenpressen.
-
-~Die Tiefatmung wird also zu einem willkürlich zu gebrauchenden
-Massageapparat der Leber, der Därme, der Nieren und aller übrigen
-Baucheingeweide~.
-
-Die Beförderung der Verdauung, der Harnabsonderung, des Stoffwechsels
-etc. sind unmittelbare und notwendige Folgen.
-
-Derselben Einwirkung aber unterliegt auch der Brustgang des
-Lymphgefäßsystems (^ductus thoracicus^), so daß der ~Lymphstrom vom Darm
-und den Extremitäten her beschleunigt wird~.
-
-In gleicher Weise sucht der negative intrathoracische Druck die
-Wandungen der Herzhöhlen voneinander zu entfernen; er fördert also
-die Füllung derselben während ihrer Erschlaffung (diastolische
-Füllung). Im Röntgenbilde kann man bei starker Herabsetzung des
-Binnenraumbrustdruckes die Vergrößerung des Herzens beobachten.
-
-Ferner begünstigt die Saugkraft der Lungen auch ~den kleinen oder
-Lungen-Kreislauf~. In der lufthaltigen Lunge sind die Blutgefäße weiter
-als in der luftleeren, und wird nun bei der Einatmung der
-Binnenbrustdruck stärker negativ, so äußert er seinen gefäßerweiternden
-Einfluß mehr auf die dünnwandigen Venen als auf die starren Arterien.
-~Auf diese Weise erfährt der Lungenkreislauf eine inspiratorische
-Beschleunigung~; dadurch wird während der Inspiration der linken
-Herzkammer mehr sauerstoffreiches Blut zugeführt als bei der Expiration
-und der ~Herzmuskel~ selbst ~besser ernährt~.
-
-Durch die ~Tiefatmung aber werden alle genannten Wirkungen stärker als
-bei ruhiger Atmung~ und durch systematische vernünftige Atemgymnastik
-resp. Leibeszucht wachsen:
-
-1. die elastischen Spannkräfte der Brustwände,
-
-2. die elastischen Spannkräfte der Lunge,
-
-3. die mechanische Erweiterungsfähigkeit des Brustraums, der
-Brustspielraum wird größer und dadurch
-
-4. die vitale Lungenkapazität (Fassungskraft der Lungen für Luft) und
-werden zu Hilfskräften der Blut- und Lymphzirkulation und sorgen dadurch
-für eine bessere Ernährung aller Organe.
-
-Durch Vertiefung der Atmung kann man aber nicht nur den Blutumlauf
-beschleunigen oder verlangsamen, sondern auch Einfluß auf den
-~Blutdruck~ gewinnen.
-
-Beschleunigt man die Tiefatmung, so ~steigt~ der Blutdruck in den
-Schlagadern während der Ausatmung, ~verlangsamt~ man die vertiefte
-Atmung, so steigt zwar auch der Blutdruck und erreicht seine größte Höhe
-beim Beginn der Ausatmung, sinkt dann aber, bis er beim Beginn der
-Einatmung die größte Tiefe erreicht hat.
-
-Es gibt gewisse Zustände der Lungen, welche mit Lungenblähung und
-Lungenstarrheit einhergehen. Bei diesen Zuständen kann tiefes ~Einatmen~
-~Schaden~ anrichten, weil es in die bereits blutüberfüllten Lungen noch
-mehr Blut ansaugt. Hier ist gerade die Entlastung des Blutkreislaufs
-durch verstärkte und beschleunigte ~Ausatmung~ am Platz.
-
-~Atmung und Pulszahl stehen stets in einem bestimmten Verhältnis~ und
-zwar wie 1 zu 4. Haben wir z. B. 16 Atemzüge in der Minute, so wird die
-Pulszahl gleich 4 × 16 = 64 sein.
-
-Weil dieses Verhältnis nun ein konstantes ist, wir ferner die Atmung
-willkürlich gestalten können, so werden wir durch Verlangsamung unserer
-Atmung auch stets einen beschleunigten Puls verlangsamen und durch
-Beschleunigung der Atmung auch einen verlangsamten Puls beschleunigen
-können. ~Wir haben also in der Lunge ein vorzügliches Regulierorgan der
-Herz- und Kreislauftätigkeit~. Dieses Verhältnis zwischen Puls- und
-Atmungszahl hat zu mannigfachster praktischer ~Ausnutzung~ geführt.
-
-So benutzen es ~Oertel~ und ~Herz~ beim ~stufenweisen~ Ein- und
-besonders Ausatmen (sakkardiertes Atmen), indem sie jeden Atemstoß mit
-einer Zusammenziehung des Herzmuskels zusammenfallen lassen, was man
-leicht erreicht, wenn man sich selbst den Puls fühlt und bei jedem
-Anstieg der Pulswelle einen Atemstoß vollführt. Dieses Stufenatmen
-beansprucht gleichzeitig geistige Arbeit und wird damit zur sogenannten
-~Aufmerksamkeitsübung~.
-
-Der Atmungstraining ist aber auch vorzüglich zu gebrauchen zur
-~Erziehung der Nerven~. Es ist dies die ~Methode des französischen
-Schauspiellehrers François Delsarte~.
-
-Wer hätte nicht am eignen Leibe die Wirkung der Gemütsbewegung bei
-besonderen Gelegenheiten und Krisen im Leben kennen gelernt!
-
-Ich erinnere nur an die Beispiele des Examenskandidaten, oder des
-Soldaten beim Beginn der Schlacht, des Bräutigams, der seiner Erwählten
-sich erklärt, des jungen Theologen, der seine erste Predigt hält etc.
-Tief atmet der Geängstigte einmal, dann aber ist ihm der Atem wie
-vergangen, und schließlich jagt die ganz verflachte Atmung, das Herz
-pocht, der Puls ist beschleunigt, die Gedanken sind verwirrt, er
-empfindet den Drang zum Harnen oder zur Kotentleerung.
-
-Was ist geschehen? Durch die abnorme Erregung der Nerven ist die Atmung
-gestört, damit wird aber gleichzeitig durch das bestehende Verhältnis
-von Atmungs- und Pulszahl entsprechend die Kreislauftätigkeit abnorm.
-Alle Reize, welche die sogenannte unwillkürliche oder glatte Muskulatur
-des Gefäßsystems zur Zusammenziehung bringen, wird auch in der glatten
-Muskulatur aller derjenigen Körperorgane wirksam, die demselben
-Nerveneinfluß unterstehen. Deswegen zieht sich auch die Blase zusammen
-und preßt gegen unseren Willen den Urin aus derselben, obwohl ihre
-geringe Füllung gar keinen Grund zur Entleerung bietet. In gleicher
-Weise ergeht es dem Darm, welcher durch Knurren und Plätschern und Drang
-zum Kotlassen die Zusammenziehung seiner Muskelwände und die vermehrte
-peristaltische Unruhe offenbart.
-
-~Gelingt es dem Betroffenen aber, Herr über seine Atmung zu werden~,
-seine Atmung wieder regelmäßig zu gestalten, zu vertiefen und den Atem
-nach Belieben zu halten, ~so fallen auch alle genannten Folgezustände
-der gestörten Atmung fort~.
-
-~Das Herz in seiner Abhängigkeit von der Atmung, muß die Pulse wieder
-regelmäßig gestalten und verlangsamen, im Leibe wird die Spannung
-herabgesetzt, Blase und Darm wieder ausgedehnt~.
-
-Nun wissen wir aber, daß nicht nur die Affekte körperliche Veränderungen
-hervorrufen, sondern auch umgekehrt.
-
-Zum Beweis dafür dient die tägliche Beobachtung. Wie viele Lehrer gibt
-es nicht, die sich mehr und mehr in Wut reden! Wie viel Leidtragende
-gibt es doch, die nichts von Trauer über den Hingang irgend einer
-fremden Person empfinden, die aber ihr Gesicht in Trauerfalten legen und
-schließlich bis zur wahren Empfindung tiefster Trauer durch die rein
-äußere Mimik gelangen! So im Leben, so auf der Bühne. Man erinnere sich
-nur der klassischen Beschreibung dieses psychologischen Vorganges, die
-Lessing in der Hamburgischen Dramaturgie vom mittelmäßigen Schauspieler
-gibt, der sich eine Anzahl mimischer Regeln von einem ursprünglich
-Empfindenden abstrahiert, um seiner Seele das Gefühl des dargestellten
-Affektes aufzuzwingen.
-
-Haben wir es daher gelernt, unsere Atmung ~willkürlich zu gestalten, so
-sind wir auch Herr unserer Affekte~.
-
-Nicht zu unterschätzen ist ferner die von den Physiologen bewiesene
-Tatsache, daß jede ausgiebige Einatmung eine vermehrte Blutansammlung im
-Brustkorb und gleichzeitig eine ~relative Blutleere im Gehirn~ erzeugt.
-Dadurch tritt eine Verminderung der geistigen Aktivität, eine Abnahme
-des Bewußtseins, und damit ein ~psychischer Ruhestand~ ein. Eine Reihe
-von forcierten tiefen Einatmungen können sogar, wofern sie ~sehr rasch
-hintereinander~ ausgeführt werden, eine kurze Bewußtlosigkeit
-hervorrufen, deren man sich zur Ausführung von kleinen chirurgischen
-Operationen, sowie zur Hypnose bedienen kann. Diese Methode durch
-beschleunigte Tiefatmung das Gehirn blutleer zu machen, erinnert an die
-Methode der Javaner durch Fingerdruck auf die großen Halsschlagadern
-eine ~künstliche Narkose~ hervorzurufen.
-
-Um ein ~System einer guten Atemschule~ zu gewinnen, ist es notwendig,
-die ~einzelnen Faktoren~, die die Mechanik des Atmens bedingen, genau zu
-studieren und sich zu vergegenwärtigen.
-
-Betrachten wir zunächst die ~Einatmung~ (Inspiration). Durch die
-Zusammenziehung des ~Zwerchfells~ wird der Brustkorb dadurch erweitert,
-daß die ~Rippen gehoben~ und zwar nach ~auswärts~ gehoben werden, jedoch
-nur solange, als die Baucheingeweide den Bauch füllen. ~Fehlt der
-Widerstand der Baucheingeweide, so werden die Rippen nach einwärts
-gezogen~. Daraus folgt, daß bei der normalen Atmung der Widerstand der
-Baucheingeweide überwunden werden muß, der um so größer ist, je stärker
-die Därme mit Verdauungsmassen gefüllt sind. Die Baucheingeweide
-versuchen nun diesem von oben her wirkenden Druck auszuweichen, werden
-nach hinten aber durch die Wirbelsäule, nach unten durch den Knochenring
-des Beckens verhindert; so bleibt ihnen nur das Entweichen nach den
-Seiten und nach vorn, wo die Weichheit der ~Bauchdecken~ zur
-Nachgiebigkeit disponiert. Sind nun die Bauchdecken schlaff und welk, so
-werden sie durch den Druck mehr und mehr nachgiebig und gedehnt, und es
-kommt zu der häßlichen Form des runden Dickbauches oder des
-Spitzbauches, zum Verlust der sogenannten Taille, zur Wampenbildung
-etc., der häufigsten Degenerationsform des Menschen; andererseits kommt
-es zu der veränderten ~unvollkommenen~ Atmung, als ob die Eingeweide
-herausgenommen wären, die Rippen werden nicht gehoben und der Rippenrand
-nach einwärts gezogen. Es fehlt dem Zwerchfell eben der Stützpunkt der
-Eingeweide, um die Rippen nach oben und auswärts zu heben. Sind dagegen
-gekräftigte Bauchmuskeln vorhanden, so spannen sich dieselben an, ohne
-sich zusammenzuziehen und geben für den Bauchhöhlenkasten auch von den
-Seiten und von vorn her unnachgiebige und feste Wände ab. Können somit
-die Baucheingeweide nicht entweichen, so müssen sie selbst den Druck
-aushalten, werden etwas zusammengedrückt und bieten nun ihrerseits einen
-festen ~Stützpunkt zur Hebung und Auswärtsrollung der Rippen~. Eine
-dementsprechende Entfaltung des Lungengewebes und ihre ausgiebige
-Lüftung sind die notwendigen Folgen.
-
-Ebenso wie der Widerstand der Baucheingeweide, so wirken auch die
-~Zwischenrippenmuskeln~ als Heber und Auswärtsdreher der unteren Rippen
-des Brustkorbes. Bei der Verflachung der Atmung, wie wir sie heutzutage
-bei der Mehrzahl der Menschen finden, werden sie bei sogenannter ruhiger
-Atmung gar nicht gebraucht, sondern erst bei angestrengtem Atmen und
-dienen nur dazu, den Brustkorb in mittlerer Weite in Spannung zu
-erhalten, den Atmungskorb vor Erschlaffung, die Rippen durch
-Auspolsterung vor gegenseitiger Reibung zu bewahren.
-
-Schließlich gebrauchen wir noch eine Anzahl von sogenannten
-~Hilfsmuskeln~, welche bei forcierter Einatmung, bei Atemnot etc. in
-Aktion treten. Diese Reservemuskeln haben sämtlich die Eigentümlichkeit
-sich mit dem Schultergürtel in Verbindung zu setzen, sei es, daß sie von
-demselben entspringen oder an demselben endigen. Sie gehen hin oder
-kommen her vom Halse, von den Armen, von der Brust oder vom Rücken. Sie
-spielen aber auch für die ruhige, nicht forcierte Atmung eine nicht
-unbedeutende Rolle, denn wir sehen bei denjenigen Menschen, bei welchen
-durch Anlage oder Krankheit diese Muskeln verkümmern und schwinden,
-nicht nur ein Einfallen des oberen Teiles des Brustkorbes und sonstige
-Gestaltsveränderungen desselben, sondern auch Verkümmern der darunter
-gelegenen Lungenabschnitte und mehr oder weniger deutliche Behinderung
-der Atmung.
-
-Als wichtige Faktoren der ~Einatmung~ haben wir demnach kennen gelernt:
-
-1. Das Zwerchfell,
-
-2. den Widerstand der Baucheingeweide,
-
-3. die Spannung der Bauch- und Zwischenrippenmuskeln,
-
-4. die inspiratorischen Hilfsmuskeln.
-
-Bei der ~Ausatmung~ (Exspiration) sind im wesentlichen diejenigen
-Spannkräfte wirksam, welche während der Einatmung aufgespeichert worden
-sind. Erschlaffen die Einatmungsmuskeln, so wirken einerseits die
-Elastizität und die Eigenschwere des Brustkorbes und die Elastizität
-der Lungen, andererseits die aktive Zusammenziehung der
-Luftröhrenmuskulatur, welche nach ~Duchenne~ allein imstande ist, die
-sauerstoffverbrauchte Luft aus den Enden des Luftröhrenbaumes
-herauszupressen. Vergegenwärtigt man sich ferner, daß der Leibinhalt
-durch die Darmgase einerseits und durch den Druck des herabgestiegenen
-zusammengezogenen Zwerchfells und der gespannten Bauchmuskeln
-andrerseits komprimiert ist, dadurch elastische Spannkräfte während der
-Einatmung auch in der Bauchhöhle aufgespeichert werden, so ist es klar,
-daß diese Spannkräfte während der Ausatmung frei werden müssen, um die
-Schwerkraft des Zwerchfells zu überwinden. Die Erschlaffung der
-Einatmungsmuskeln ist aber ebenso wie ihre Inanspruchnahme nicht nur
-eine automatische unwillkürliche, sondern auch eine willkürliche. Wir
-können die Bewegung der Ein- und Ausatmung fördern und hemmen, wir
-können mehr oder weniger Willens- und Nervenkräfte für sie aufwenden,
-das Atmungstraining demnach sowohl als Schule für die Lungen, als auch
-der Baucheingeweide, als auch für das Herz- und Gefäßsystem, als auch
-schließlich für die Nerven gebrauchen.
-
-Auch die Ausatmung hat wie die Einatmung Reservemuskeln zur Verfügung,
-die sie bei lautem Sprechen, beim Singen oder bei Atemnot während der
-Ausatmung gebraucht, und zwar sind dies wiederum die ~Bauchmuskeln~, die
-bei ruhiger Atmung wenig zur Geltung kommen. Fehlen dieselben jedoch
-oder sind dieselben verkümmert, so kann ein einziger Hustenstoß bereits
-Gefahr bringen. Es ist also die Bauchpresse, welche sowohl bei der
-Einatmung wie bei der Ausatmung die aktive Rolle der Hilfsaktion
-übernimmt, und zwar nehmen ihre einzelnen Muskeln in der Weise teil, daß
-der breite Muskelgurt des queren Bauchmuskels während der Einatmung nur
-dann aktiv wird, wenn sämtliche inspiratorische Hilfsmuskeln in Arbeit
-sind und das Zwerchfell aufs äußerste zusammengezogen ist, um den Ball
-der Baucheingeweide gegen die an der Kuppe bereits abgeflachte Wölbung
-des erstarrten Zwerchfells anzupressen und die Rippen gewaltsam nach
-außen zu heben, während der Ausatmung dagegen nur, wenn das Zwerchfell
-bereits völlig erschlafft ist. Während für die forcierte Einatmung die
-übrigen Bauchmuskeln nicht in Frage kommen, helfen bei der angestrebten
-Ausatmung noch der innere und äußere schräge Bauchmuskel mit, welche die
-Rippen nach abwärts ziehen.
-
-Die ~Armbewegungen~, soweit sie den Arm vom Rumpf entfernen, dienen im
-wesentlichen der ~Inspiration~, doch muß man dabei Acht haben, daß das
-Zwerchfell nicht durch Aktivität der Bauchpresse in seiner Tätigkeit
-eingeschränkt wird.
-
-Die ~Beinbewegungen~, sofern sie mit aktivem Eingreifen der Bauchpresse
-geschehen, dienen der ~Expiration~.
-
-Für die mechanische tiefste Erweiterung des ~oberen
-Brustkorbabschnittes~ mit Hebung des Brustbeins, wie wir sie beim Wogen
-des weiblichen Busens durch Unterdrückung der Atmung in den unteren
-Abschnitten wegen Korsettgebrauches finden, ist es gut die ~Exkursionen
-im unteren Abschnitt~ durch Aufpressen der Hände zu beschränken, durch
-welche Stellung der Arme gleichzeitig der Schultergürtel gehoben wird.
-Dies kann einseitig und doppelseitig geschehen. (Einseitiges und
-doppelseitiges Tiefatmen siehe Uebungstafel). Empfindet Jemand beim
-forcierten Tief-, Ein- und Ausatmen ~Schwindel~, so darf nicht zu stark
-forciert werden.
-
-~Passiverweiterungen~ der Brusthöhle erreicht man durch ~Heben des
-Schultergürtels~ und durch ~kräftiges Rückwärtsführen der
-horizontalgestreckten Arme~. Dies kann durch Beihülfe eines Gymnasten
-oder aber durch Hängen in Ringen, am Reck, an der Leiter etc. oder durch
-~Biegungen der Wirbelsäule~ resp. des Rumpfes nach ~hinten und nach den
-Seiten~, schließlich auch nach vorn geschehen.
-
-~Die Uebung der exspiratorischen Hilfsmuskeln~ muß während der Einatmung
-geschehen. Denn eine energische Zusammenziehung der Ausatmungsmuskeln
-ist unmöglich, wenn die Baucheingeweide nicht energischen Widerstand
-leisten. Das Zwerchfell darf also nicht nachgeben, dies erreicht man
-leicht durch ~Kehlkopfverschluß~. Dies gilt jedoch nur für die spezielle
-Schulung der exspir. Hilfsmuskeln.
-
-Bei anderen Uebungen jeder Art soll nur die unregelmäßige und
-oberflächliche Atmung bekämpft werden.
-
-Dies erreicht man am sichersten, wenn man die Atmung ~rhythmisch~ und
-~tief gestaltet~, und man diesen Atemtypus durch ~Kommando~ einübt.
-
-Läßt man Beugen und Strecken als ~Selbsthemmungsbewegung~ ausführen, so
-läßt man während des ~Beugens~ sowohl tief ein-, als auch tief ausatmen,
-ebenso während der Streckung.
-
-Bei einer ~Widerstandsbewegung~ dagegen läßt man während der ~Beugung~
-tief einatmen, während der ~Streckung ausatmen~.
-
-Die Einatmung erfolgt im allgemeinen am besten dann, wenn der Muskel
-positive Arbeit leistet.
-
-Bei allen Bewegungen, welche mit ~Erweiterung des Brustkorbes~
-einhergehen, läßt man gleichzeitig ~ein~- nicht ausatmen.
-
-Will man allein und einseitig die Hilfsmuskeln der Ausatmung üben, so
-muß man ebenfalls die ~Einatmungsphase~ benutzen.
-
-So ergeben sich die Regeln für die Atemschule von selbst.
-
-~Jeder einzelne Akt der Atmung muß für sich methodisch geübt werden~,
-die Einatmung, das Atemhalten, das Ausatmen und das Stufenatmen.
-
-Derjenige Teil der Atmung, der dem Uebenden am schwersten ausführbar
-ist, muß am meisten geübt werden. Nur so kommt man zu einer
-vollständigen Beherrschung der Atemmuskeln.
-
-~Dieser Atemgymnastik müssen Muskelübungen folgen~, welche Hals-,
-Brust-, Schulter-, Bauch- und Rückenmuskeln kräftigen und ausdauernd
-machen und schließlich durch Kräftigung aller Muskeln das Atembedürfnis
-steigern. Denn eine zeitlang je nach dem Grade der Herrschaft, die wir
-über unsere Lungen erlangt haben, können wir zwar den Atmungsprozeß
-durch unsern Willen regulieren, dann aber tritt die ~Selbstregulation~
-durch das Sauerstoffbedürfnis in Kraft. Letzteres aber können wir durch
-Muskeltätigkeit erhöhen. ~Empfehlenswertes Training der Atemgymnastik
-sind die Dauer- und Schnelligkeitsübungen~.
-
-Ball- und andere Bewegungsspiele, Gehen, Marschieren, Laufen,
-Bergsteigen, mäßiges Radfahren, Schlittschuhlaufen, Schwimmen und
-Rudern. Jedoch darf keine der genannten Uebungen zur Kraftübung werden,
-die ja durch die notwendige Pressung das Atmungsgeschäft hemmt.
-
-
-5. Wirkung der Leibesübung auf das Nervensystem.
-
-Fragen wir uns weiter, ~wie wirken Leibesübungen auf das Nervensystem~?
-
-Die Leibesübungen sind im Gegensatz zu den Reflexbewegungen (das sind
-diejenigen Bewegungen, die selbsttätig durch Erregung von den
-Empfindungsnerven hervorgerufen werden) gewollte, also dem Einfluß des
-~Willens~ unterworfen. Der Willenreiz kommt im ~Gehirn~ zur Geltung.
-Das Gehirn schickt den Reiz durch die ~periphere Nervenleitung~ zum
-Endorgan, also zum Muskel, der durch Zusammenziehung seinen Gehorsam
-beweist. Das ~Gehirn~ hat demnach bei Leibesübungen ~Arbeit~ zu leisten,
-die mit der Zahl der Erregungen wächst. Alle Bewegungen, die wir
-ausführen, sind ~(tetanische) anhaltende Bewegungen~, die eine Reihe von
-Reizen in schneller Aufeinanderfolge und zwar, wie ~Helmholtz~ gezeigt
-hat, ca. 20 in 1 Sekunde erfordern. Mit der Zahl der Reize steigert sich
-auch die Kraft der Einzelkontraktion. Je stärker der Reiz, desto
-schneller zieht sich der Muskel zusammen. Ein ermüdeter Muskel ist nur
-durch starke Reize noch zur Arbeit zu bewegen.
-
-„~Die vom Gehirn geleistete Arbeit ist daher um so größer, je länger die
-Kontraktion dauert, je größer die Kraftleistung des Muskels ist und je
-schneller die Bewegungen ausgeführt werden~.” Bei allen Bewegungen, die
-wir ausführen, ist nicht ein Muskel, sondern sind ~Muskelgruppen~ zu
-bewegen. Das Gehirn muß zu allen Muskeln nicht nur Bewegungsreize
-schicken, sondern sie auch in ~richtiger Reihenfolge~ und in bestimmter
-~Abstufung~ wirken lassen. Diese ordnende Tätigkeit des Gehirns
-bezeichnet man als ~Koordination~. Man unterscheidet bei der
-Koordination einer Bewegung dreierlei Arten von Muskeltätigkeit.
-
-1. Die ~eigentliche kraftleistende~ Bewegung („Impulsive
-Muskel-Association” Duchenne),
-
-2. Die ~mäßigende~ Bewegung („Moderatorische Muskel-Association”
-Duchenne),
-
-3. die ~statische oder haltende~ Tätigkeit („Kollaterale Association”
-Duchenne.)
-
-Jede dieser Arten kann in den Vordergrund treten, z. B. bei den
-~Gleichgewichtsübungen~ die haltende oder die mäßigende bei den
-~Handfertigkeiten~, ebenso wie bei der Tätigkeit, der an der
-Stimmbildung oder bei der Mimik beteiligten Muskeln, kurzum bei der
-Tätigkeit aller nahe zusammengelegener und zusammengehörender Muskeln.
-
-Müssen Muskeltätigkeiten koordiniert werden, welche größere Teile des
-Skeletts bewegen, so daß ~große, weit entlegene Muskelbezirke
-gleichzeitig in Anspruch~ genommen werden, so spricht man von
-~Geschicklichkeitsübungen~, wie wir sie beim Frei- und besonders beim
-deutschen Gerätturnen haben.
-
-Je verwickelter eine Bewegung, desto schwieriger ist auch die
-Koordination und desto größer die vom Gehirn zu leistende Arbeit.
-Letztere kann jedoch durch Uebung auf ein Minimum herabgesetzt werden,
-wenn die Bewegung „~mechanisiert~” worden ist, d. h. wenn im
-Zentralorgan von der auszuführenden Bewegung ein ~deutliches
-Erinnerungsbild~ entstanden ist. Bei der ~Erlernung~ einer jeden neuen
-Bewegung wird nun unnötig viel ~Kraft verschwendet~. Steifheit der
-Bewegung und Mitbewegungen offenbaren das Ungeübtsein. Ist dagegen die
-Bewegung ~mechanisiert~, so geschieht sie leicht und zweckentsprechend,
-damit wird sie aber ~kraftsparend und schön~.
-
-Unser ~deutsches Turnen~ schult aber vorzugsweise die Geschicklichkeit,
-ist also eine Schule der Koordination; es ist in der Hauptsache eine
-~Nerven- und dann erst eine Muskelgymnastik~. Die Koordinationsaufgaben
-müssen eine systematische Uebungsfolge haben, so daß jede des
-Kraftaufwandes eine Steigerung erfährt, sobald die vorangehende erlernt
-ist. Je größer im Zentralnervensystem die Zahl der Erinnerungsbilder
-vielfacher Bewegungen ist, desto besser wird die Koordinationsfähigkeit
-auch für bisher unbekannte Bewegungen, desto sicherer wird die
-Beherrschung des Körpers in allen Lagen.
-
-Unser deutsches Turnen genügt aber nicht für alle Seiten der
-Nervengymnastik. Eine wohlkoordinierte Bewegung erfordert
-Ueberlegungszeit wie jeder andere Denkakt. Die vorhergehende
-Koordination wird bei den sogenannten ~Aufmerksamkeitsübungen~ geschult,
-zu welchen wir die Ordnungsübungen und den Reigen rechnen. Ihr
-Uebungswert für die Muskeln, für Stoffwechsel, Atmung und Kreislauf ist
-ein minimaler, dagegen ein maximaler für das Gehirn. Deshalb soll man
-Menschen, deren geistige Tätigkeit sowieso hohe Ansprüche an die
-Aufmerksamkeit stellt, mit diesen Uebungen verschonen, um ihr Gehirn
-nicht zu überlasten. Die Gerätübungen genügen zur Schulung der
-Aufmerksamkeit allermeist.
-
-Anders liegen die Verhältnisse für die Ausbildung der ~plötzlichen
-Koordination~.
-
-Im Leben geschehen oft genug Ereignisse, wo man auch schnellste
-Bewegungen ausführen muß, bei denen man zuvor nicht überlegen kann. Es
-kommt nicht darauf an, ~wie~ die Bewegung ausgeführt, ob ordentlich oder
-unordentlich, sondern nur, daß ~aufs schnellste~ der tatsächliche Zweck
-erreicht ist. Ich erinnere nur an die Wichtigkeit, welche das schnellste
-und sicherste Ueberwinden von Hindernissen in der heutigen Kriegführung
-hat. Die Schnelligkeit der Ausführung der Bewegung ist abhängig von der
-Schnelligkeit der Innervation und ihre Uebung ein wesentlicher Teil der
-Nervengymnastik, die in einer harmonischen Leibeserziehung nicht
-vernachlässigt werden darf.
-
-Diese Art der Nervenübung erzeugt Geistesgegenwart und Schlagfertigkeit
-und heißt ~Schlagfertigkeitsübung~. Solche Schlagfertigkeitsübungen sind
-die Lauf- und Ballspiele sowie Kampfspiele, das Fechten, Boxen und
-besonders auch das Ringen. Die Schlagfertigkeitsübungen stellen hohe
-Anforderungen an die Gehirntätigkeit und die übrige Nervenkraft, sie
-dürfen daher nur von Nervenstarken, nicht von Neurasthenikern oder
-sonstigen Nervenkranken ausgeübt werden. Für die letzteren sind die
-~automatischen oder halbautomatisch~ ausgeführten Bewegungen ~Erholung~.
-
-Von hohem Einfluß ist die ~Psyche~ bei der Nervengymnastik.
-
-Nacktsein während der Uebung, freundliches Wetter, muntere Gesellschaft,
-ein lustiges Lied etc. sind Unterstützungsmittel des Nerventraining.
-
-Die Nerventätigkeit geht natürlich mit dem Stoffverbrauch Hand in Hand.
-Da derselbe während der Tätigkeit nicht schnell genug gedeckt werden
-kann, so erschöpft sich der Energievorrat. Das Nervensystem bedarf, um
-Ersatz zu schaffen, Ruhe. ~Ist bei regelmäßiger Wiederkehr der
-Ermüdungstätigkeit die Erholung stets eine vollkommene, so wächst die
-Leistungsfähigkeit, es lernt, weniger schnell zu ermüden~.
-
-Besteht jedoch ein ~Mißverhältnis von Nervenanspannung und Erholung~, so
-entstehen vorzeitige Ermüdung, Nervosität, Neurasthenie und andere
-Nervenkrankheiten. Daran wird auch nichts durch den Gebrauch von
-künstlichen Anregungsmitteln des Arzneischatzes oder der Genußmittel
-geändert. Vorübergehend wird zwar eine erhöhte Nerventätigkeit erzielt,
-aber nur, damit nachher die Erschlaffung um so größer wird.
-
-Daß ~Leibesübungen tatsächlich die Geistesermüdung beseitigen~, dafür
-spricht die tägliche Erfahrung, ~von Ziemßen~ äußert sich darüber
-folgendermaßen: „Die Erfrischung und Erholung des angestrengten
-Nervensystems wird am besten durch körperliche Arbeit bewirkt; die
-körperliche Arbeit muß an Stelle der geistigen treten, die Glieder
-müssen sich rühren, während der Kopf ausruht.”[3] Leibesübungen
-verlangen zwar von dem ermüdeten Gehirn eine neue Arbeitstätigkeit, aber
-sie nehmen andre Gehirnteile in Anspruch, wofern es nicht
-Aufmerksamkeitsübungen sind. Sie wirken trotzdem erholend, weil
-Muskeltätigkeit, wie wir gesehen haben, die Blutzirkulation beschleunigt
-und dadurch die Ermüdungsstoffe fortschwemmt und die ermüdeten Hirnteile
-häufiger mit sauerstoffreichem Blute durchspült.
-
- [3] Siehe auch Forel, Prof. Dr. Hygiene der Nerven und des Geistes im
- gesunden und kranken Zustande. Brosch. 2.50. Verlag von Ernst Heinrich
- Moritz, Stuttgart.
-
-Nun hat ~Mosso~ auf Grund seiner mit dem Ergographen gemessenen
-Leistungsfähigkeit der Muskeln, welche er nach intensiver Geistesarbeit
-erheblich herabgesetzt fand, behauptet, daß es physiologisch falsch
-wäre, Geisteserholung durch körperliche Uebungen schaffen zu
-wollen, weil die Muskelanstrengung nach Geistesanstrengung den
-Erschöpfungszustand des Gehirns nur steigere. Aber ~Mossos~ eigene
-Versuche widerlegen diese Behauptung. Denn nur ~nach mehrstündiger,
-übermäßiger Geistesanstrengung~ war die körperliche Leistungsfähigkeit
-~herabgesetzt~, dagegen nach ~mäßiger~ Geistestätigkeit ~erhöht~. Mäßige
-körperliche Anstrengung erholt, übermäßige erschöpft das Gehirn.
-
-Daß der ~Wechsel von körperlicher und geistiger Arbeit erholend~ wirkt,
-wird leicht verständlich, wenn wir die Erfahrungen des täglichen Lebens
-uns zu Nutze machen. Sehen wir nicht angestrengt geistig Tätige sich
-Erholung verschaffen durch andere geistige Arbeit, z. B. Musik-,
-Schach-, Karten- und andere Erholungsspiele? In jedem Fall wird der
-psychische Apparat gebraucht, aber stets ein anderer Abschnitt
-desselben, so daß der zuvor tätige sich erholt, wenn der nächstfolgende
-arbeitet. Um wie viel größer muß die Erholung des Gehirns sein, wenn man
-nicht nur einzelne Teile desselben, sondern deren Summe untätig sein
-läßt durch körperliche Uebungen. ~Zuntz~ urteilt darüber: „~Die
-Muskeltätigkeit richtig dosiert, liefert dem Zentralnervensystem durch
-ihre Stoffwechselprodukte die wirksamsten Narkotika, die einzigen,
-welchen man auch bei dauerndem Gebrauche eine schädliche Wirkung nicht
-nachsagen kann~.”
-
-Man kann sowohl für die Nerven, als auch für die Muskeln ~zwei Arten der
-Ermüdung~ unterscheiden, die normale (physiologische) und die krankhafte
-(pathologische). Erstere tritt nach ~mäßigen~ geistigen oder
-körperlichen Anstrengungen auf und kann durch Willensenergie und starke
-äußere Eindrücke überwunden werden, um noch eine erhebliche
-Leistungsfähigkeit zu dokumentieren, dann aber folgt die zweite, für
-welche eine weitere Kraftreserve nicht mehr vorhanden ist. Die
-physiologische Ermüdung des Gehirns wird durch maßvolle
-individualisierte Leibesübung am besten beseitigt. Die Ermüdungsstoffe,
-die durch körperliche Tätigkeit erzeugt werden, wirken betäubend
-(narkotisch), wie ~Mosso~ nachgewiesen hat, indem er das Blut eines
-durch Arbeit erschöpften Hundes auf einen gesunden übertrug.
-
-~Die physiologische Ermüdung muß nach dem Angeführten für das Training
-benutzt werden. Je weiter man durch Uebung dieselbe hinausschieben
-lernt, desto später wird die pathologische Ermüdung eintreten, d. h.
-desto größer wird die absolute Leistungsfähigkeit~.
-
-
-6. Wirkung der Leibesübung auf den Verdauungs-Apparat.
-
-~Auch der Verdauungsapparat kann durch~ vernünftiges Training Vorteile
-haben.
-
-Die Wechselbeziehung von Verdauungs- und Muskelarbeit habe ich ja
-bereits dargetan. Der gefüllte Verdauungsapparat setzt die
-Leistungsfähigkeit der Muskeln herab, umgekehrt vermindert die durch
-Muskelarbeit erzeugte starke Durchblutung des Bewegungsapparats die
-Absonderung der Verdauungssäfte, und damit die Aufsaugung (Resorption).
-Da die Bauchmuskeln bei den meisten körperlichen Uebungen aber mittätig
-sind, werden dieselben andererseits mechanisch befördernd auf die
-Darmtätigkeit einwirken. Wird also durch Leibesübung die absondernde
-(sekretorische) Tätigkeit der Verdauungsorgane herabgesetzt, so wird die
-Bewegungstätigkeit der Darmmuskeln (Peristaltik) verstärkt. Zwar findet
-man nach plötzlichen sehr ausgiebigen Leibesübungen eine etwas
-herabgesetzte Arbeit des Verdauungsapparates bei regelmäßigem Betrieb
-desselben, aber als Endeffekt des Training schließlich eine wesentliche
-Erhöhung seiner Leistungsfähigkeit. Dieselbe erklärt sich aus der
-Steigerung des Stoffverbrauchs, welchem sich der Verdauungsapparat
-anpaßt (akkomodiert). Jedoch gibt es selbstverständlich eine Grenze der
-Anpassung, die nicht überschritten werden darf. ~Vernünftig betriebene
-Leibesübungen werden dieser Anpassungsgrenze unter allmählicher
-Steigerung der Leibesübungen nahe zu kommen suchen~.
-
-
-7. Wirkung der Leibesübung auf den Geschlechts-Apparat.
-
-Ferner darf die Wirkung gesundheitlich betriebener Leibesübungen auf den
-~Geschlechtsapparat~ nicht unerörtert bleiben.
-
-Das durch Leibesübung betäubte (narkotisierte) Zentralnervensystem
-beruhigt auch die Geschlechtssphäre. Dazu kommen die durch
-Körpertätigkeit hervorgebrachten Veränderungen im Zirkulationsapparat.
-Die häufigen und reichlichen Monatsblutungen (Menstruationen) der Frauen
-werden meist am besten durch geeignete Leibesübungen reguliert, die
-unfreiwilligen Samenergüsse (Pollutionen) eines abnorm reizbaren
-Genitalapparates verlieren sich durch richtig dosierte Körperbewegungen.
-Dem vorzeitigen Eintritt der Geschlechtsreife, dem geschlechtlichen
-Ausschweifen der Phantasie in der Reifungszeit (Pubertätsperiode) wird
-am besten durch systematisch betriebene Leibesübungen vorgebeugt.
-
-So sehen wir denn, daß alle Teile des Körpers und des Geistes
-wesentliche Vorteile von einer vernünftig und individuell betriebenen
-Körperübung haben können.
-
-Wichtig ist eine richtige Ernährung des Körpers, damit derselbe den
-erhöhten körperlichen Anforderungen gewachsen bleibt. Zur Bewertung
-derselben muß man den Einfluß der Leibesübung auf den Stoffwechsel und
-die Wärmeregulation kennen.
-
-
-8. Wirkung der Leibesübungen auf den Stoffwechsel und die
-Wärmeregulation.
-
-Daß der Gaswechsel von Sauerstoff und Kohlensäure (^CO^₂) durch
-Muskeltätigkeit gesteigert wird, habe ich bereits besprochen. Nun haben
-die Wärmemessungs- (kalorimetrischen) Versuche von ~Atwater~ und
-~Benedict~ ergeben, daß die Wärmeerzeugung sowohl in der Ruhe, als
-auch bei Muskeltätigkeit dem Gaswechsel und dem Verbrennungswerte,
-der nach den Ausscheidungen bemessenen Verbrauchsnährstoffe entspricht.
-Die zum Stoffwechsel verwendeten Nährstoffe werden also unter
-normalen Verhältnissen ~vollständig~ zu Wasser, Kohlensäure und
-Harnbestandteilen verbrannt. Nur bei Sauerstoffmangel in den
-arbeitenden Muskeln steigt der respiratorische Quotient (Verhältnis von
-Sauerstoff zu Kohlensäure = ^CO^₂). Man kann demnach aus der
-Verbrauchsmenge der durch Harn und Schweiß ausgeschiedenen
-Stickstoffsubstanzen und dem gleichzeitigen Gaswechsel die Höhe des
-Nährstoffumsatzes während der Muskeltätigkeit berechnen. Da uns nun die
-Verbrennungswärmen der Nährstoffe bekannt sind, so ergibt sich mit
-Leichtigkeit die bei der Arbeit aufgewandte Energie. Die Arbeit ist nach
-Meterkilogrammen meßbar. So fand man, daß für gewöhnlich bei
-Muskeltätigkeit ⅓ (ca. 35%) der erzeugten Energie mechanische Arbeit, ⅔
-Wärme werden. Bei starker Muskelermüdung, sowie bei Arbeiten, für welche
-wir nicht trainiert sind, verringert sich der mechanische Nutzeffekt.
-Uebung und guter Ernährungszustand setzen den Stoffverbrauch erheblich
-herab. ~Der vernünftig Trainierte wird also den relativ geringsten
-Stoffverbrauch haben~. Nun hat sich durch ~Zuntz’s~ Versuche
-herausgestellt, daß Eiweiß, Fette und Kohlehydrate ~gleichwertig~[4] für
-die Erzeugung der Muskelleistungen sind, jedoch kann nach ~Pflueger~ das
-Eiweiß für sich allein zu hohen Muskelleistungen befähigen, während die
-stickstoffreien Fette und Kohlehydrate gleichzeitig noch einen
-bestimmten Eiweißumsatz nötig machen. Dagegen hat sich gezeigt, daß
-durch körperliche Uebungen der Eiweißzerfall nicht entsprechend
-(proportional) der geleisteten Arbeit gesteigert wird, wie dies beim
-Umsatz der stickstoffreien Nährstoffe der Fall ist. Das stimmt auch
-genau mit den Resultaten von ~Pettenkofer~ und ~Voit~ überein.
-
- [4] Chauveau und Seegen nahmen den Zucker als ~einzige~
- Muskelkraftquelle an und glaubten, daß Eiweiß und Fett nur insofern
- zur Bildung mechanischer Leistungen zu gebrauchen wären, als aus ihnen
- erst Zucker gebildet werden müßte. Diese Annahme ist aber deswegen
- eine irrige, als durch diese Umbildung ja große Wärmemengen für die
- Muskelarbeit verloren gehen müßten. Die aus Fett und Eiweiß gebildeten
- Kalorien müßten also einen geringeren Nutzeffekt haben. Das stimmt mit
- den physiologischen Tatsachen jedoch nicht überein.
-
-~Der Stoffverbrauch während der Leibesübung betrifft also in erster
-Linie die Kohlehydrate und Fette~.
-
-Damit ist bewiesen, daß der Muskel imstande ist, für die Arbeitsleistung
-die benötigte Spannkraft aus Fett oder Kohlehydraten zu entnehmen, es
-ist aber damit nicht gesagt, daß die Muskeln etwa gar kein Eiweiß
-gebrauchen und verbrauchen können. Es wird im Gegenteil nach den
-übereinstimmenden Resultaten aller Physiologen eine gewisse Menge der
-Eiweißzufuhr gefordert zur Erhaltung der Kraft und zur Wärmebildung
-besonders bei gesteigertem Stoffwechsel, wie er bei Leibesübungen
-auftritt.
-
-Da nun Eiweiß eine höhere Verdauungsarbeit als die stickstoffreien
-Körper beansprucht, den arbeitenden Muskeln also mehr Blut entzieht, als
-sie zu ausgiebiger Arbeit gebrauchen, da sie ferner die durch die
-Leibesübung an sich gesteigerte Wärmebildung noch erhöhen, so ist es
-nicht ratsam, während der Leibesübungen eine eiweißreiche Kost zu
-genießen. ~Casparis~ Versuche haben ferner gelehrt, daß bei längere Zeit
-betriebenem Training der Eiweißzerfall stetig geringer wird, ein Umstand
-mehr, der dem Trainierenden zu gute kommt und ihn heißt, ~die
-Eiweißzufuhr auf ein physiologisches Minimum herabzusetzen~.
-
-Für die ~schnelle Beseitigung~ einer bereits eingetretenen ~Ermüdung~
-während der Dauer einer Leibesübung eignet sich am besten der ~Zucker~,
-wahrscheinlich deswegen, weil er am schnellsten verdaut wird.
-
-Leibesübungen ~steigern~ in jedem Falle ~die Körpertemperatur~ und zwar
-erheblich stärker in der Peripherie, als im Körperinnern. Die periphere
-Erwärmung der Extremitätenmuskeln befördert den Stoffwechselumsatz und
-damit die Arbeitsleistung. Die Muskeln leisten daher zu Anfang weniger,
-als wenn sie 10-15 Minuten gearbeitet, und damit einen Kalorienzuwachs
-von ca. 50 Kalorien erfahren haben.
-
-Auf die näheren Wärmeverhältnisse während des Trainings komme ich später
-erst zurück, hier sei nur die Tatsache der Erhöhung der Arbeitsleistung
-durch Erhöhung der Wärmeproduktion bei den Uebungen festgelegt.
-
-Bezüglich der Trainingdiät sei weiter gesagt, daß es nun nicht allein
-auf den genügenden Stoffersatz ankommt, sondern auch darauf, ~daß
-möglichst wenig Ermüdungstoffe entstehen~, und wofern sie entstanden
-sind, ~leicht zum Export gelangen~. Nach den praktischen Erfahrungen hat
-sich eine harnsäurefreie, reizlose und mehr feste Ernährung
-herausgestellt als diejenige, die am wenigsten zur Ermüdung disponiert,
-und bei der die Ermüdung am schnellsten überwunden wird. Die Nahrung
-darf ~nicht heiß~ genossen werden, und nicht in größerer Menge, als vom
-Körper ~mit Leichtigkeit~ vollständig verbrannt werden kann.
-
-
-9. Wirkung der Leibesübungen auf die Sinnesorgane.
-
-Durch die Sinne tritt der einzelne Mensch in Verbindung zur Außenwelt
-und zu seinen Mitmenschen. Er empfängt die ersten Eindrücke durch
-dieselben. Er riecht die Blumen vermöge des Geruchsinnes, er schmeckt
-den Honig durch den Geschmacksinn, er sieht die Farben und Formen
-mittels des Lichtsinnes, er hört Geräusche und Töne mittels des
-Gehörsinnes, er tastet und orientiert sich im Raum mittels des
-Hautsinnes. Das, was der einzelne Sinn beobachtet und erfahren hat, das
-setzt er sich im Gehirn wieder zusammen und schafft sich vom Gesehenen,
-Gehörten, Geschmeckten etc. geistige Bilder, die um so ausgeprägter im
-Gedächtnis bleiben, je präziser und je feiner die Sinne beobachtet
-haben. Hat das Gehirn einen gewissen Vorrat von Sinnesbildern
-aufgespeichert, so kann es auch ohne Hilfe der Sinne sich Dinge
-vorstellen, welche ihm nur geistig z. B. durch Erzählen vorgeführt
-werden. Diese geistige Hervorbringung der Gedächtnisbilder ist aber nur
-eine Reproduktion und Kombination der vorhandenen Sinnesbilder. ~Ohne
-Sinnesbild kein geistiges Anschauungsbild~, kein Erinnerungsbild, kein
-Urteilbild, kein Vergleichsfeld, kein Phantasiebild, kein Begriffsbild.
-Umgekehrt, je feiner und sorgfältiger, je detaillierter und nüanzierter
-das Sinnesbild, um so besser und ausgeprägter auch alle Arten der
-geistigen Bilder. Zunächst muß man daher ~selbständig beobachten~
-lernen, dann lernt man auch ~selbständig denken~ und wird ~geistig
-stark~, im anderen Fall aber geistig schwach und nervös.
-
-Außer dem Denkvermögen besitzt nun das Gehirn noch ein ~Gefühls~- und
-ein ~Triebleben~. Denken, Fühlen und Wollen sind die drei
-Haupteigenschaften desjenigen, was wir als Seele bezeichnen.
-
-Die Gefühle benennen wir nach den Quellen, aus denen sie entspringen,
-als Schönheits-, Wahrheits-, moralische und religiöse Gefühle.
-
-Das ~Schönheitsgefühl~ entspringt der Wahrnehmung der Sinne. Die
-feinsinnige Nase riecht Dinge, welche der stumpfsinnigen verborgen
-bleiben; jene kann auch größere Geruchsmengen genauer beurteilen als
-diese, kurzum, sie hat höhere Kraft und größere Leistungsfähigkeit, und
-wird dementsprechend die Grenzen für Wohlgeruch und Ekel anders ziehen.
-Ein gleiches Verhältnis hat für den Geschmacks-, den Haut-, den Gehör-,
-den Augensinn statt.
-
-Das ungebildete, stumpfe Ohr kann Unreinheit und Reinheit der Töne
-weniger unterscheiden und beurteilen als das feinhörige, das stumpfe
-Auge sieht weniger weit und detailliert inbezug auf Form und Farbe als
-das feinsinnige, und kann weniger Licht verarbeiten.
-
-~Je geübter die Sinnesorgane sind, desto mehr Kraft können sie in jeder
-Beziehung entwickeln, und desto mehr wird das Schönheitsgefühl
-vertieft~. Je vertiefter aber dasselbe ist, um so mehr schöne Handlungen
-werden demselben entspringen. Ebenso wie die Sinne kann aber auch der
-Geist das Schönheitsgefühl hervorrufen. Durch den Reichtum der
-Darstellung und der Formen wird er uns für Schönheit begeistern.
-
-~Die Kraft der Sinnesorgane und die Größe der Denkkraft bedingt demnach
-die Vertiefung des Schönheitsgefühls~.
-
-Dem Schönheitsgefühl ist das Gefühl für ~Wahrheit~ verwandt. Je genauer
-eine malerische, architektonische, musikalische, rednerische etc.
-Komposition die Haupt- und Nebenmomente trifft, um so lebenswahrer ist
-sie, und desto lebhafter empfinden wir das Gefühl der Wahrheit. Dasselbe
-kann aber auch rein geistiger Natur sein. Je eingehender wir einen
-Gegenstand geistig durchdringen, je genauer wir Licht und Schattenseiten
-erkennen, um so näher kommen wir der Wahrheit, um so mächtiger wird das
-Lustgefühl für die Wahrheit in uns lebendig. ~Je größer also die
-Denkkraft, um so intensiver das Gefühl für Wahrheit~. Je tiefer das
-Wahrheitsgefühl ist, um so mehr wahre Handlungen entspringen demselben.
-
-Aehnliches gilt auch für die sogenannten ~moralischen Gefühle~.
-
-Betrachtet man das Aeußere des Tieres, der Pflanze oder schließlich des
-Menschen, so kann im Menschen das ~Gefühl der Schönheit~ entstehen,
-ergründet man die Lebensbedingungen der Wesen, so kann in uns das
-~Gefühl der Wahrheit~ hervorgerufen werden, bringt man die
-Lebensbedingungen der Wesen mit der Außenwelt der organischen und
-unorganischen Natur in ordnende Verbindung, gibt man denselben
-entsprechend ihrer erkannten Natur und Zweckmäßigkeit den richtigen
-Platz, die gebührende Rücksicht und Pflege, so entsteht in uns das
-~moralische Gefühl~; wir fühlen, daß wir unsere Pflicht tun möchten.
-~Jede~ Tätigkeit unseres Organismus, jede beabsichtigte oder
-unbeabsichtigte Handlung des Menschen steht aber entweder in Harmonie
-oder Disharmonie mit den natürlichen Lebensbedingungen unserer selbst,
-sowie aller anderen Organismen, ist also schon aus sich entweder
-moralisch oder unmoralisch. Wir haben also die Pflicht, die Erkenntnis
-dieser Lebensbedingungen in uns zu fördern, damit wir ihre
-Zweckmäßigkeit erfahren. Diese Erkenntnis wird uns aber, wie wir gesehen
-haben, in erster Linie durch unsere Sinne.
-
-Die Schulung, resp. ~Veredelung der Sinne~ ist daher für die Erzeugung
-einer gesunden Moral Voraussetzung. Pervers gerichtete Sinne bringen
-auch eine perverse Moral hervor. Unser jetziges Kulturleben mit seinen
-Perversitäten bezeugt dies.
-
-In abnormer und übertriebener Weise wird das Sinnesleben der modernen
-Menschen beansprucht, daher vorzeitig verbraucht und falsch gerichtet.
-Was Wunder, daß Irrenhaus und Zuchthaus so bevölkerte Sammelplätze aller
-derjenigen Personen geworden sind, deren Denk- und Handlungsweise so
-sehr vom normalen abweicht, daß sie zur Gefahr für ihre Umgebung werden!
-~Nur auf dem Wege der Gesundung und Gesunderhaltung der Sinne wird man
-auch einen Gesundheitszustand der Moral erhalten~.
-
-Dasselbe, was ich vom Schönheits-, Wahrheits- und moralischen Gefühl
-gesagt habe, gilt von jeder Art des Gefühls, z. B. auch von dem
-religiösen Gefühl, d. h. demjenigen Gefühl, welches uns in ein
-bestimmtes ~persönliches~ Verhältnis zur Gottheit bringt.
-
-Wie das Gefühl auch immer heißen mag, in jedem Fall wird dasselbe durch
-die Kraft des Geistes vertieft.
-
-~Nicht minder abhängig, als die Denk- und Fühlkraft der Seele von den
-Sinnen ist, ist auch das Triebleben oder die Willenskraft von
-denselben~.
-
-Die geschulten Sinne melden früher und intensiver die Verunreinigung von
-Wasser, Luft, Speisen etc. an als stumpfe Sinne, erzeugen demnach ein
-viel lebhafteres ~Empfinden der energischen Abwehr~. Ebenso steigert
-eine vertiefte Erkenntnis die Energie des Willens.
-
-~Die Kraft der Sinnesorgane kann aber durch Leibesübungen erheblich
-gesteigert werden~, wofern man nur jegliche ~einseitige~ Uebung eines
-Sinnes ~vermeidet~, wofern man den richtigen ~Wechsel~ von Ruhe und
-Arbeit der Sinnesorgane berücksichtigt und schließlich jegliche
-~Uebermüdung~ der Organe ~ausschaltet~.
-
-Die Sinnesorgane haben im wesentlichen ihren Sitz im Kopf und in der
-Haut. ~Alle diejenigen Uebungen, welche eine Erholung des Kopfes und des
-Hautorgans bewirken, werden auch die Sinnesorgane erfrischen~.
-
-[Abbildung: Tafel II.
-
-Fig. 8. Passive Kopfdrehung.
-
-Fig. 9. Passives Auseinander- und Zusammenführen der Arme. (Künstliche
-Atmung.)]
-
-Ein wichtiges Moment, das bei der Uebung der Sinnesorgane beachtet
-werden muß, ist, daß man den betreffenden Sinn nicht nur vielseitig
-methodisch übt, sondern auch stets rechtzeitig ~ruhen~ läßt. Will man z.
-B. das Fernsehen des Auges üben, so tut man gut, daß man den in der
-Ferne zu schauenden Gegenstand zunächst nach Form, Farbe etc. ganz genau
-aussieht, die Augen darauf schließt, und geistig sich das Gesehene
-veranschaulicht. Hat man diese geistige Photographie in allen Nuancen
-dem Gedächtnis einverleibt, so erweitert man die Entfernung.
-Nachdem man durch Schließen der Augen denselben die nötige Ruhe
-verschafft hat, besieht man mit dem erholten gekräftigten Sehorgan aus
-weiterer Entfernung, sucht alle Details des Erinnerungsbildes unter
-abwechselndem Schließen und Oeffnen der Augen wiederholt zu schauen. So
-lernt das Auge methodisch das Fernsehen, auf ähnliche Weise trainiert
-man dasselbe im Farben- und Perspektivsehen etc.
-
-[Abbildung: Tafel III.
-
-Fig. 10. Oeffnen und Schließen der Beine als Widerstandsbewegung.
-
-Fig. 11. Armsenken als Selbsthemmungsübung.]
-
-In gleicher Weise lernt das Ohr hören, die Haut tasten, die Nase
-riechen, die Zunge schmecken.
-
-
-
-
-II. Teil.
-
-Wert einiger besonderer Arten der Bewegung.
-
-
-Haben wir nun erfahren, wie Leibesübungen auf alle Teile des Körpers und
-Geistes wirken, so müssen wir uns einige Sonderheiten derselben
-vergegenwärtigen, um sie individuell und zu bestimmten Zwecken erweitern
-zu können.
-
-Denn Bewegungen dienen nicht allein dem Zwecke des Gesundwerdens und
-Gesundbleibens, sondern können zur ~Selbstzucht~ benutzt werden, wie
-dies in der sogenannten ~pädagogischen~ Gymnastik geschieht, wo man
-bestrebt ist, den Körper dem eigenen Willen zu unterwerfen. Oder man
-kann die Bewegungen benutzen, um einen fremden Willen unter den eigenen
-zu beugen, wie dies z. B. beim Schießen, Fechten etc. in der
-~militärischen Gymnastik~ statt hat. Schließlich kann man Bewegungen
-~ästhetisch~ benutzen, um sein Denken und Fühlen körperlich zu
-veranschaulichen.
-
-Wir können nun unsere Bewegungen so einrichten, daß wir uns dabei ganz
-gleichgültig (passiv) verhalten und unsere Glieder von einem zweiten
-Menschen oder einer Maschine bewegen lassen. Dann spricht man von einer
-~Passivbewegung~. (Fig. 8 und 9.)
-
-Oder wir können unsere Glieder selbsttätig bewegen, dann spricht man von
-einer ~Aktivbewegung~.
-
-Diese Aktivbewegungen kann man sehr verschiedenartig gestalten. Man kann
-z. B. einen Widerstand einschieben. Beugt man den Arm im
-Ellenbogengelenk, während ein anderer Mensch diese Beugung zu verhindern
-sucht, so muß man dessen Kraft beim Widerstand überwinden. Hält man den
-Arm in der Beuge, ein zweiter Mensch streckt mit stärkerer Kraft
-denselben, so daß man nun entsprechend der eigenen Kraft nachgeben muß,
-so fügt man sich dem Widerstand. In dem ersten Falle spricht man von
-einer aktiv duplizierten, im zweiten von einer passiv duplizierten
-~Widerstandsbewegung~. (Fig. 10, 14, 14^a^, 15.)
-
-Der Widerstand kann in der verschiedensten Weise gegeben sein,
-z. B. durch menschliche Gegenkraft beim Ringen, durch maschinelle
-in der Heilgymnastik, durch Gewichte beim Hanteln oder in der
-Schwergewichtsathletik etc.
-
-Wenn man den Widerstand aus dem eigenen Ich, dem eigenen Willen heraus
-schafft, so spricht man von einer ~Selbsthemmungsbewegung~. (Fig. 11.)
-Geht man z. B. denselben Weg, den man gewöhnt ist in fünf Minuten
-zurückzulegen, ~absichtlich~ unter Beanspruchung der völligen
-~Aufmerksamkeit~ in zwanzig Minuten, so ist man genötigt, den Schritt um
-das vierfache zu verlangsamen. Man wird seine ganze Willenskraft und
-Aufmerksamkeit darauf richten müssen, die Schritte so zu hemmen, daß man
-nicht ungleichmäßig ausschreitet oder stehen bleibt oder schneller wird,
-als man sich vorgesetzt hat.
-
-Geht man diesen Weg bergan oder mit einem Menschen am Arm, welcher
-gewohnheitsgemäß langsam ausschreitet, so wird einem die ~Bremsarbeit~
-leichter fallen als unbelastet und ungehindert. Die langsamste und am
-wenigst belastete Selbsthemmungsbewegung erfordert die höchste Arbeit.
-
-[Abbildung: Fig. 13. Keulenschwingen, eine Förderungsbewegung.]
-
-In gewissem Gegensatz zur Selbsthemmungsbewegung steht die sogenannte
-~Förderungsbewegung~. (Fig. 12, 13, 14^a^.) Diese Bewegung hat keinen
-Widerstand zu überwinden und geschieht ~rhythmisch~ und ~automatisch~
-ohne jede Anstrengung körperlicher oder geistiger Art. Sitzt man z. B.
-im Schaukelstuhl und wiegt sich in demselben hin und her, so bedarf es
-nur des ersten Anstoßes, dann schwingt der Körper im Stuhle hin und her,
-ohne daß man die Muskeln in Bewegung setzen oder das Gehirn durch den
-Aufmerksamkeitsakt in Anspruch zu nehmen braucht. Eine derartige
-Bewegung ist auch das ~Gehen in der Ebene~, denn das Körpergewicht
-stellt hier die Schwungmasse vor, welche den Körper rhytmisch und
-automatisch fortbewegt. Und gerade der ~Rhythmus der Bewegung~ ist dabei
-das fördernde Moment, man denke nur, wie leicht man beim Marsche
-ausschreitet, den man nach dem Rhythmus einer Musikkapelle etc.
-ausführt, wie leicht man nach den Klängen der Musik tanzt.
-
-[Abbildung: Fig. 14 ^a^. Widerstands- und Förderungsbewegung des
-Holzsägens.]
-
-Diese ~reine~ Förderungsbewegung kann man zu einer sogenannten
-~belasteten~ Förderungsbewegung machen, wenn man ihr einen ~Widerstand~
-entgegensetzt.
-
-[Abbildung: Tafel IV.
-
-Fig. 12. Vorderarm-Beugen und Strecken als Förderungsbewegung.
-
-Fig. 14. Widerstandsübung mit Largiadère’s Bruststärker.]
-
-Läßt man z. B. die rhythmische und automatische Bewegung des Gehens
-statt in der Ebene als Bergsteigen ausführen, so stellt die Steigung
-der Berge einen Widerstand, eine Belastung vor.
-
-Die reine Förderungsbewegung wirkt auf die Nerven ~beruhigend~ und bahnt
-dem Willensantrieb den Nervenweg vom Gehirn zum Muskel. Dann spricht man
-von der sogenannten „~bahnenden~” Bewegung, einer Form der sogenannten
-~Koordinationsübungen~.
-
-Die Koordinationsübungen sind Uebungen, welche die ~Ordnung~ der
-Bewegungen erzielen will. Sie reguliert diese Art der Bewegung durch den
-Gesichts- und Muskelsinn, sowie den übrigen Empfindungsapparat.
-
-Aus dem Charakter der geschilderten Bewegungen folgt von selbst die
-verschiedene ~individuelle~ Ausnutzbarkeit. Je nach der körperlichen und
-geistigen Anlage kann sich das Individuum die für ihn passende Bewegung
-heraussuchen. Denn es ist durchaus nicht notwendig, daß z. B. der
-kreislaufkranke Mensch wegen dieses seines körperlichen Fehlers auf jede
-Bewegung verzichtet, ja in vielen Fällen begeht er eine
-Unterlassungssünde. Wenn er Vorteil und Nachteil der Bewegungen kennt,
-wird er jenen sich zu eigen machen, diesen zu vermeiden wissen.
-
-~Muskelarbeit~ ist z. B. für ~Herzkranke~, welche einen sogenannten
-kompensierten Herzfehler haben, ein sehr richtiges ~Diätikum~, damit
-Stoffwechsel und Herzernährung nicht leiden. Aber diese Muskelarbeit muß
-so bemessen sein, daß sie keinerlei Beschwerden verursacht.
-
-
-
-
-III. Teil.
-
-Wert der Sportübungen, des Turnens, von Spiel und Tanz.
-
-
-1. Der Sport.
-
-Alle ~Sportübungen~ haben ein ~gemeinsames Charakteristikum~, nämlich
-das, daß sie ziemlich erhebliche ~Anforderungen an die Kraft und
-Gewandtheit der Sinne und des Geistes stellen~. Dem Reiter, wie dem
-Radfahrer, Schwimmer, Ruderer etc. begegnen bei der Ausübung des Sportes
-ungezählte, unvorhergesehene Dinge, die, wenn sie seiner Aufmerksamkeit
-entgehen, ihm Gefahr bringen können. Der Reiter muß nicht nur auf den
-Reitweg, sondern auch auf die Individualität seines Pferdes acht haben;
-für den Radfahrer, Segler etc. gilt ähnliches. Er muß, wenn er mit
-Vorteil seinen Sport ausüben will, eine gewisse innere Ruhe besitzen und
-in der Handhabung des Sportinstrumentes geübt sein.
-
-~Der Sport setzt~ demnach, soll er mit Vorteil ausgeübt werden, ~eine
-turnerische Ausbildung und geschulte Sinne voraus~. Meist wird der Sport
-leider einseitig und unvernünftig betrieben, und übt häufig nur einzelne
-Muskelgruppen und wird dadurch zum Schädigungsmittel des Körpers.
-Betreibt man denselben jedoch mit genügender Rücksicht auf die Hygiene
-und die Aesthetik, so kann dies angewandte Turnen nicht nur zu einer
-vorzüglichen Schulung der Sinne und des Geistes, sondern auch der
-Gelenkigkeit des Körpers werden.
-
-Welche Uebungen wir auch immer treiben, wir müssen dieselben stets
-sowohl zur Entwicklung unserer Körperkräfte, als auch der Gelenkigkeit
-betreiben. Denn gerade ~Gewandtheit gebrauchen wir im gewöhnlichen Leben
-mehr als Kraft~. Meistens gebrauchen wir in der Praxis des Lebens nur
-leichte Gegenstände, diese aber im schnellen Wechsel und in schneller
-Aufeinanderfolge. Genau so wie dem Muskelapparat ergeht es unseren
-Sinnen und unserem Denkvermögen. Die Gewandtheit der Sinne, schnell die
-Gegenstände wahrzunehmen, wird im praktischen Leben mehr Erfordernis,
-als schwer wahrnehmbare durch die Kraft der Sinne zu eruieren, und die
-Lösung schwieriger Probleme wird von uns für gewöhnlich nicht gefordert,
-als vielmehr nur leichte Denkübungen zu treiben, um den schnellen
-Wechsel einfacher Lebensverhältnisse auch schnell zu erfassen.
-
-~Kraft und Gelenkigkeit stehen nun aber in einem gewissen gegenseitigen
-Verhältnis~.
-
-Treibt z. B. der berufs- und gewohnheitsmäßig viel Sitzende täglich
-körperliche Uebungen um den hygienischen Ausgleich gegen die
-aufgezwungene Ruhe und die Einseitigkeit der Denkarbeit zu schaffen, und
-verwendet auf diese Uebungen seine volle Kraft, so wird er in Wochen,
-Monaten und Jahren zu einer bestimmten Höhe der Kraftentwicklung
-gelangen. Schränkt der Uebende nun im täglichen Uebungspensum die Zahl
-der Kraftübungen ein und veranstaltet an deren Stelle eine Zahl
-Gelenkigkeitsübungen, so wird er zu seiner Freude bemerken, daß der
-Fortschritt in dieser Uebungsperiode mindestens der gleiche, wenn nicht
-sogar ein größerer ist.
-
-~Daraus folgt, daß die Kraftentfaltung eine schnellere und größere ist,
-je mehr die Kraftübungen mit Gelenkigkeitsübungen abwechseln~.
-
-Diejenige Uebung, welche ~gleichmäßig~ Kraft und Gelenkigkeit ausbildet,
-ist deswegen auch als die naturgemäße zu bezeichnen und deswegen auch
-die schöne und zweckmäßige.
-
-Ein Körper, welcher ~nur~ Kraftübungen treibt, wird plump und
-vierschrötig und bleibt frühzeitig in der Entwicklung stehen. Ein Körper
-hingegen, welcher ~nur~ Gewandtheitsübungen macht, entbehrt bald der
-schönheitlichen, kraftstrotzenden Abrundung. Ausdauer, Schnelligkeit und
-Sicherheit der Gewandtheit wachsen rasch bei gleichzeitigen
-Kraftübungen. Nur durch die innige Durchdringung beider Uebungsarten
-wird die ~architektonische Schönheit~ und gleichzeitig die Schönheit der
-Bewegung, die sog. ~Anmut~, erworben, und nur so wird die ~Würde~ der
-Bewegung erreicht. Deswegen gebührt z. B. auch den bei uns so sehr
-vernachläßigten und mißverstandenen Uebungen des ~Tanzens~ und ~Ringens~
-eine hervorragende Stelle in der körperlichen Erziehung.
-
-In der Schule der Kraft- und Gelenkigkeitsentfaltung unseres Körpers,
-unserer Sinne und unseres Geistes steht aus denselben Gründen aber auch
-ein vernünftig betriebener Sport obenan. Nur darf nicht eine Sportart
-allein, sondern müssen mehrere Sportarten die sich gegenseitig ergänzen,
-zur vernünftigen Leibeserziehung herangezogen und diese wiederum
-hygienisch und ästhetisch betrieben werden.
-
-
-^a^) ~Das Reiten~.
-
-Das Reiten, soweit es nur der Fortbewegung dient, beansprucht relativ
-geringe Kraft. Die Allgemeinermüdung ist eine relativ geringe, weil der
-Reiter „sich nur in einer gewissen Haltung heben läßt”, also zunächst
-mehr passiv tätig ist. Herz und Lunge werden nur wenig beansprucht.
-Dagegen ist die örtliche Ermüdung der Adduktoren des Oberschenkels
-(Anzieher des Oberschenkels) eine erhebliche. Günstig wirkt das dauernde
-Erschüttern des Körpers auf die Verdauung und die stetige Aufmerksamkeit
-auf den Weg und das Pferd vorzüglich geistig ableitend, besonders bei
-denjenigen Menschen, welche sich gewohnheitsgemäß und krankhaft viel mit
-sich selbst beschäftigen, also auf Hysterische, Hypochonder und
-Neurastheniker. Anders liegen natürlich die Verhältnisse bei demjenigen
-Reiter, welcher liebevoll die Individualität resp. die Rasse seines
-Pferdes erfaßt, und nur so kann er das Reiten zu einer Reitkunst
-erheben. Wer die Leistungfähigkeit seines Pferdes entwickeln will, muß
-die Eigentümlichkeit seines Pferdes berücksichtigen, sonst wird er eben
-aus demselben nichts zu machen wissen und dasselbe verderben,
-andernfalls jedoch dasselbe voll und ganz beherrschen. Die
-Kraftanstrengung ist dementsprechend eine höhere, namentlich beim
-Dressieren oder Zureiten eines unbändigen Pferdes, wo der Reiter bald,
-wie man sagt, bis aufs Hemd naß ist. Hierbei gebraucht der Reiter nicht
-nur die Bein-, sondern vor allem auch die Armmuskulatur.
-
-
-^b^) ~Das Radfahren~.
-
-Billiger als das Reiten ist bekanntlich das Radfahren, das, wie das
-Reiten eine Bewegung in frischer Luft ist. Die Reinheit der Luft läßt
-allerdings häufig viel zu wünschen übrig, weil ja der Radfahrer die
-staubigen Chausseen benutzen muß. Der Stoffverbrauch ist beim Radfahren
-ein sehr bedeutender, während das Ermüdungsgefühl ein sehr geringes ist.
-Der Körper verbrennt erhebliche Mengen Eiweiß und Fett und verliert
-große Mengen Körperwassers; deshalb wirkt dieser Sport so vorzüglich bei
-fettsüchtigen Menschen und durch die Erhöhung des Stoffwechsels bei
-gleichzeitiger Erschütterung des Körpers auch befördernd auf schlechte
-Verdauung. Der Radfahrer hat ein hohes Sauerstoffbedürfnis und vertieft
-deswegen ausgiebig seine Atmung, während die Zahl der Atmungszüge bei
-vernünftigem Training nicht vermehrt wird. Wer daher die ruhige
-vertiefte Atmung beim Radfahren übt, der übt in hervorragender Weise
-seine Lungen und kann aus seinem schwachen Atmungsapparat einen
-äußerst kräftigen entwickeln. Trotzdem ist dem beginnenden
-Lungenschwindsüchtigen wegen der Gefahr der Blutung und des vielen
-Staubschluckens vom Radfahren abzuraten. Die Gefahr des Staubatmens wird
-durch eine reine Nasenatmung vorgebeugt.
-
-Ein großer Vorteil des Radfahrens ist auch das geringe Ermüdungsgefühl.
-Deshalb wirkt dieser Sport so hervorragend gut bei leichteren Graden der
-Nervenschwäche und sonstigen nervösen Zuständen. Abgesehen davon, daß
-der Nervenschwache sich in frischer Luft bewegt und damit der
-gleichzeitigen günstigen Einwirkung des Lichtes auf Körper und Geist
-ausgesetzt ist, daß die Abwechselung in der Natur nie Langeweile oder
-nervöse Verstimmungen aufkommen läßt, macht er sich die Vorteile der
-sogenannten Förderungsbewegung zu nutze. Und das Radfahren ist eine noch
-viel bessere Förderungsbewegung als das Gehen. Ein Radfahrer gebraucht,
-wenn er einen Weg von 7 Kilometern noch einmal so schnell zurücklegt,
-als ein gemütlich ausschreitender Wanderer, nur die Hälfte der von
-diesem aufgewendeten Energie und diese Ersparnis wächst entsprechend dem
-schnelleren Tempo beider für den Radfahrer. Dies Verhältnis besteht
-natürlich nur so lange zu Recht, als das Radfahren eine ~automatische~
-Bewegung ist. Das Radfahren ist nur für den Geübten eine
-Förderungsbewegung; ~wer es erst erlernen muß, für den ist es eine
-Anstrengung, der er in Krankheitsfällen~ eventuell nicht gewachsen ist,
-und er muß auf das gesundmachende Mittel verzichten, weil er in gesunden
-Tagen diese Kunst nicht erlernt hat.
-
-Kann das geringe Ermüdungsgefühl des Radfahrens daher von großem Vorteil
-sein, so kann es auch bedeutende ~Nachteile~ mit sich bringen. Denn der
-Fahrer täuscht sich leicht über die Erschöpfung seines Herz- und
-Gefäßapparates hinweg, wie die Erfahrung gezeigt hat, weil er sie nicht
-rechtzeitig fühlt und erwirbt sich Zustände der akuten Herzerweiterung,
-der Verletzung des Herznervenapparates und der Herzmuskelverdickung mit
-ihren Folgezuständen. Deswegen ist dem Herzleidenden im Allgemeinen der
-Radfahrsport gefährlich. Ganz verwerflich ist es ferner, wenn Radfahrer
-Mittel gebrauchen, welche sie scheinbar erfrischen aber im Grunde nur
-über das Ermüdungsgefühl hinwegtäuschen, wie dies durch den Kokagenuß
-geschieht. Im Gegenteil, jeder Radfahrer muß sorgfältig auf den Beginn
-der Herzermüdung achten. Gewisse Sportregeln sollte ferner der Fahrer
-nie außer Acht lassen.
-
-Die Fahrgeschwindigkeit auf ebenem Terrain soll die von 15 Kilometern in
-der Stunde nicht übersteigen, sie soll eine geringere sein auf
-gepflasterter Straße, bei Gegenwind und bei Steigungen. Diese
-Sportregeln müssen um so mehr beachtet werden, je größer die
-Uebersetzung des Rades ist, weil sich die Muskelarbeit auf weniger
-Umdrehungen konzentriert.
-
-Wichtig ist ferner Sitz und Haltung des Radfahrens für die Gesundheit.
-Der Sattel, auf welchem der Fahrer sitzt, darf nicht nach vorn zu schmal
-werden und keine nach oben gewendete Spitze haben, weil er sonst das
-Dammfleisch und die benachbarten Organe beleidigt, sondern muß so
-eingerichtet sein, daß der Fahrer bequem auf den beiden Sitzknorren
-sitzt.
-
-Damit die Lungen ausgiebig atmen und das Zwerchfell bequem nach abwärts
-steigen kann, muß das Rad so gebaut sein, daß der Fahrer aufrecht sitzen
-kann. Der Sattel muß so hoch über den Pedalen liegen, daß beim
-Durchtreten der Fuß und das Knie nur mäßig nach abwärts gebeugt werden
-brauchen. Unter den genannten Voraussetzungen ist das Fahrrad dann auch
-für Kinder und Frauen zu empfehlen. Letztere dürfen natürlich nicht
-durch den Panzer des Korsetts die vorteilhaften Wirkungen auf Atmung
-und Herz illusorisch machen.
-
-
-^c^) ~Das Rudern und Segeln~.
-
-Im Gegensatz zu der Gelenkigkeitsübung des Radfahrens ist das Rudern
-eine Kraftübung, welche in staubfreier und meist etwas kühlerer Luft auf
-dem Wasser statt hat. Die Gefahren der Staubeinatmung und der
-Ueberhitzung werden damit beseitigt. Vorwiegend werden beim Rudersport
-die Muskeln des Rumpfes und der Arme geübt. Wenn die Arme die Ruder an
-den Körper heranziehen, so werden dabei nicht nur die Armmuskeln
-gebraucht, sondern auch die vom Brustkorb zu den Armen verlaufenden
-Muskeln, die wir als Hilfsmuskeln der Atmung kennen gelernt haben; aber
-auch die Brust-, Leib- und Rückenmuskeln werden gleichzeitig gebraucht,
-um den Rumpf als Stützpunkt fest zu machen. Dazu kommt das Vorwärts- und
-Rückwärtsneigen des Rumpfes, welches Bauch- und Rückenmuskulatur
-kräftigt und die normale Bewegung der Verdauungsorgane steigert, und,
-sofern der Ruderer das Tempo der Ruderführung nach der Atmung einstellt,
-resp. auf ruhige Atemführung achtet, der Atemschulung förderlich wird.
-Aber auch die Beine nehmen schließlich an der Körperarbeit teil,
-wenigstens, wenn die Ruderschläge weit ausholen; denn gegen das
-Stemmbrett gestützt, müssen sie durch Beugen und Strecken die
-Körperbewegungen begleiten. In den Sportsbooten mit ihren Gleitsitzen
-wird den Beinen die Hauptarbeit übertragen, dadurch aber der Oberkörper
-weniger geschult. Diese Art der Sportsübung ist daher wie jede andere
-Höchstleistung in der sportlichen Konkurrenz eine vorzügliche Schulung
-des Willens, aber sie bringt körperliche Schädigungen mit sich, die nur
-ein völlig gesunder und ausgewachsener Körper gelegentlich sich zumuten
-darf.
-
-Als körperliche Uebung kommt der ~Segelsport~ wenig in Frage. Abgesehen
-davon, daß er dem Segler einen Einblick und Urteil in marinetechnischen
-und Weltverkehrsfragen verschafft, erzieht er denselben zur
-Kaltblütigkeit.
-
-
-^d^) ~Das Schwimmen~.
-
-Wichtiger für die Körperpflege ist der Schwimmsport. Derselbe bietet wie
-der Rudersport die Staubfreiheit der Wasserfläche; die Abhärtung und
-Reinlichkeitspflege der Körperoberfläche sind weitere Vorteile. Eine
-Ueberhitzung durch forcierte Bewegung ist durch die gleichzeitige
-Wasserabkühlung ausgeschlossen. Letztere setzt aber auch soviel Blut und
-Wärme voraus, daß der Schwimmende sich durch die Bewegung die nötige
-Reaktion verschaffen kann. Die Schwimmbewegung nimmt besonders die
-Extremitätenmuskulatur in Anspruch, aber auch Herz- und Lungenkraft,
-besonders beim Schwimmen gegen den Strom und beim Schnellschwimmen.
-Schwimmt man jedoch in ruhigem Tempo, so kann man die Schwimmübung zur
-Dauerübung erheben, der erst die je nach der Temperatur des Wassers mehr
-oder weniger schnell eintretende starke Abkühlung, Einhalt gebietet.
-Menschen mit Fehlern im Kreislaufsystem kann Schwimmen gefährlich
-werden.
-
-
-^e^) ~Das Gehen in der Ebene und das Bergsteigen~.
-
-Eine der vorzüglichsten ~Förderungs~bewegungen ist das ~Gehen in der
-Ebene~, das automatisch wie die Atmungstätigkeit geschieht, weil es sich
-ohne Aufmerksamkeit und rhytmisch vollzieht. Der Kraftverbrauch ist ein
-relativ geringer. Die Muskelarbeit wird von den besttrainierten Muskeln
-des Körpers, den Beinmuskeln geleistet, die 56% der Gesamtmuskulatur
-ausmachen. Die Ermüdung tritt daher nicht durch die Beinmuskulatur,
-sondern durch die Erschöpfung von Lungen und Herz ein, denn der Gehsport
-regt ungemein stark die Atmungs- und Kreislauftätigkeit an. Da aber die
-Steigerung der Ermüdung eine allmähliche ist, so kann nur durch starke
-Uebertreibung der Organismus geschädigt werden. Aus demselben Grunde ist
-der Gehsport der heranwachsenden Jugend und alten Leuten ohne Bedenken
-zu empfehlen.
-
-Das Gehen gegen einen gewissen Widerstand ist der ~Bergsport~. Er bietet
-zunächst die Vorteile der Höhenluft, die im wesentlichen in einer
-Anregung auf die Tätigkeit unserer Organe besteht und damit dieselben
-zur körperlichen Uebung zwingt. Da heißt es Ausdauer beweisen, bald
-bergauf bald bergab zu steigen. Beim Anstieg werden Herz- und
-Lungenkraft stärker beansprucht, und kann man gerade deswegen, wenn man
-systematisch vorgeht die Herzkraft steigern. Beim Absteigen hat der
-Körper je nach dem Grade der Neigung eine verschieden große Bremsarbeit
-zu leisten. Ist man zum Klettern gezwungen, so schafft der Vorteil der
-Abwechslung Anregung, andererseits wird der Bergsteiger zur sachgemäßen
-Handhabung des Bergstocks oder des Eispickels gezwungen, dazu kommt die
-Anstrengung des Seilhaltens. Die Arme sind also nunmehr in ähnlicher
-Weise wie die Beine zur Arbeit gezwungen. Je schwieriger die Bergpartien
-werden, um so mehr wird das Nervensystem beansprucht. Denn Auge und Ohr
-werden intensiv gebraucht, die äußerste Aufmerksamkeit, Kaltblütigkeit
-und Schwindelfreiheit sind erforderlich, will man nicht einen Unfall
-erleiden. Deshalb ist der Bergsport nur für den absolut gesunden
-Menschen brauchbar und jede Uebertreibung desselben aufs sorgfältigste
-zu meiden.
-
-
-^f^) ~Das Schlittschuh- und Schneeschuh-Laufen~.
-
-Zum Wintersport gehören das Schlittschuh- und das Schneeschuh-Laufen.
-Beide sind in sofern sehr schätzenswert, als sie uns aus der durch
-mangelnde Lüftung, durch Beleuchtung und Heizung verdorbenen
-Stubenluft ins Freie locken. Die Kräfte, die wir beim Eislauf
-gebrauchen, sind nicht erhebliche, wenigstens nicht für den geübten
-Läufer, und solange das Laufen nicht zum Kunstlauf erhoben wird, ist der
-Eislauf eine gute Förderungsbewegung. Einer Ueberhitzungsgefahr ist der
-Läufer wegen der Kälte des Luftmediums nicht ausgesetzt. Gegen Erfrieren
-einzelner Körperteile kann er sich durch verstärkte Eigenbewegung und
-Bekleidung schützen. Der Kunstlauf ist abgesehen von der stärkeren
-örtlichen Muskelermüdung eine vorzügliche Uebung der Geschicklichkeit.
-
-[Abbildung: Tafel V.
-
-Fig. 15. Die Meisterschaftsringer Jakob Koch und Saurer im Bodenkampf.
-
-(Beispiel der Widerstandsbewegung.)]
-
-Wesentlich größeren Kraftaufwand erfordert der Schneeschuhlauf, weil der
-Schnee eine stärkere Reibung als das Eis und damit einen größeren
-Widerstand bedingt. Dies gilt wenigstens für die Aufwärtsbewegung, die
-bei schwierigem Terrain sogar zu Erschöpfungszuständen, besonders des
-Herzens führen kann. Dagegen ist beim windschnellen Abflug die Arbeit
-eine minimale und wird nur zum Balanzieren des Körpers und zum Bremsen
-gebraucht.
-
-
-^g^) ~Fechten, Boxen und Ringen~.
-
-Hohe Anforderungen an die ~Sinnes- und Nervenkraft~ stellen die Uebungen
-des Fechtens, Boxens und Ringens. Die Aufmerksamkeit ist aufs höchste
-gespannt, um die Blöße des Gegners schnell zu erkennen und auszunutzen.
-Die Muskelarbeit beim Fechten und Boxen ist eine geringere als beim
-Ringen, bei welchem der Widerstand des Gegners gleichzeitig zu
-überwinden ist. ~Das Ringen ist eine Widerstandsgymnastik ^par
-excellence^, die ebenso Gewandtheit als Kraft und Ausdauer von allen
-Teilen des Körpers, von den Sinnen, Organen und Muskeln~ erfordert.
-(Fig. 15.) Voraussetzung ist eine allseitige Ausbildung des Körpers. Die
-Kraftübung ist hier zur Dauerübung gemacht und stellt die höchsten
-Anforderungen an Atmung und Herztätigkeit. Zustände von Herzdehnung und
-Herzübung findet man bei Ringern sehr häufig und die meisten
-Berufsringer sterben relativ frühzeitig an Herzleiden, zumal wenn sie
-die Herzarbeit durch Flüssigkeitszufuhr noch erhöhen, wie dies durch
-Trinken besonders alkoholischer Getränke geschieht. Die wenigsten
-Berufsringer haben ihre Atmung gut geschult und glauben eine gute
-Atemschule nicht notwendig zu haben, weil sie während des Ringens nur
-sparsam und oberflächlich atmen. Hat der Ringer jedoch gelernt, die
-Pressung während der größten Kraftanstrengung auf ein Mindestmaß zu
-beschränken und die Atmung unabhängig von der Muskelarbeit zu gestalten,
-so würde sein Herz langsamer ermüden, ebenso wie der ganze Körper und
-müßte er gegen einen gleich starken und gleich gewandten Gegner
-notwendig durch seine Ausdauer siegen.
-
-~Der Ringkampf ist so recht eigentlich das Examen für die leibliche
-Tüchtigkeit und die stetige Repetition des einmal Erlernten und müßte in
-erster Linie zur Erziehung leiblicher Gesundheit auf unseren Schulen
-gepflegt werden~. Er ist vor allem geeignet, echte ~Ritterlichkeit~ in
-unserer Jugend heranzubilden, wofern die Ringenden angehalten würden,
-ihre Ueberlegenheit dadurch zu beweisen, daß sie den Gegner nicht roh zu
-Falle bringen, sondern gleitend und schonend.
-
-
-2. Turnen und Turnspiele.
-
-Das ~deutsche Turnen~ hat ~drei Arten~ der Körperausbildung, ~die
-Gerät-, die Ordnungs- und die Freiübungen~.
-
-[Abbildung: Fig. 16. Turnen am Barren.]
-
-Beim ~Gerätturnen~ werden alle Muskeln ausgebildet und die Koordination
-geschult. Bock, Pferd und Springschnur dienen der Ausbildung der Beine,
-Reck, Ringe und Barren (Fig. 16 u. 16^a^) der der Arme. Die Ausbildung
-der Beine durch die verschiedene Art des Sprunges (Fig. 17) sollte man
-nicht durch Benutzung von Sprungbrettern gefährden, weil durch
-ungeschickten Absprung von denselben leicht Verstauchungen der Füße
-vorkommen. Verletzungen des Fersenbeins und Gehirnerschütterungen beim
-Niedersprung können durch „Federn” in den Zehengelenken und durch
-Weichheit der Niedersprungsstelle vermieden werden. Zur Stählung des
-Mutes ist der Sprung über ~feste~ Sprunggeräte wie Pferd, Sprungkästen
-geeigneter. Eine aufmerksame und geschulte Hilfe sollte nie fehlen. Bei
-den Stütz-Uebungen am Barren, am Reck und an den Schaukelringen besteht
-die Gefahr der Pressung, die sorgfältigst ausgeschaltet werden muß.
-
-[Abbildung: Fig. 16 ^a^. Hochsprung.]
-
-Der Vorwurf, der dem deutschen Gerätturnen öfters gemacht wird, daß er
-die obere Extremität einseitig auf Kosten der unteren ausgebildet,
-existiert für den ~vernünftigen~ Turner nicht. Auch hat man behauptet,
-daß das Geräteturnen langweilig sei, weil nur einer jedesmal am Gerät
-beschäftigt sei und die übrigen gelangweilt umherstehen. Dieser Nachteil
-besteht jedoch nur da, wo die Anregung und das Vorbild des Lehrers oder
-Vorturners fehlt. Der Nachturner nimmt sinnlich das Bild der ein- oder
-mehrfach vorgeführten Uebung auf, schafft sich ein geistiges Bild von
-derselben und wird so leichter die Uebung nachbilden können, er hat Muße
-bis zur nächsten Uebung auszuruhen und Kräfte zu sammeln. Die
-Koordinationstätigkeit ist dadurch eine wesentlich leichtere, weil sie
-vorbereitet ist, und der richtige Wechsel von Anstrengung und Erholung,
-von körperlicher und geistiger Arbeit gegeben.
-
-[Abbildung: Tafel VI.
-
-Fig. 17. Der Diskuswurf.]
-
-Die ~Ordnungsübungen~ imponieren zwar dem Auge, sind aber zeitraubend
-und belasten als Gedächtnisübung zu sehr das Gehirn, welches ohnehin bei
-den heutigen Ansprüchen an unserem Schul- und Berufsleben schon stark
-beansprucht wird. Die notwendige stärkere Ausarbeitung des Körpers aber
-fällt bei den Ordnungsübungen fast ganz fort. Sie sind also nur für die
-noch durch keine geistige Arbeit in Anspruch genommenen Kinder und den
-Spielschulen zu empfehlen, oder da, wo ein sogenannter Drill
-wünschenswert ist.
-
-Bei den ~Freiübungen~ unterscheidet man solche mit und ohne Fortbewegung
-des Körpers und solche, welche unbewaffnet oder bewaffnet mit Keulen,
-Hanteln oder Stäben ausgeführt werden. Die Bewaffnung hat den Zweck, die
-Uebung schwerer, schwungreicher und energischer zu machen, sie als eine
-Widerstands- oder Förderungsbewegung zu charakterisieren. Die
-Freiübungen sind für das Atmungs- und Herztraining, für die Schulung des
-Willens, für den Ausgleich fehlerhafter Körperhaltungen, für den
-individuellen und systematischen Aufbau von Körperkraft, für Erzielung
-von Anmut und architektonischer Schönheit und in der Schulung der
-Gelenkigkeit von ungeheurem Wert, zumal sie wenig Platz und wenig
-Handhaben benötigen und deshalb für die Hausgymnastik unersetzbar. Eine
-vorzügliche Schule für Lunge und Herz sind die Freiübungen mit
-Ortsbewegung, das Gehen und Laufen. Der ~militärische Marsch~ kräftigt
-die Muskeln der Beine und des Rückens, vergrößert die Schrittweite und
-erhöht die Ausdauer namentlich wenn er im sogenannten ~Beugegang~
-ausgeführt wird, d. h. wenn mit der ganzen Fußsohle aufgetreten, mit
-gebeugten Knieen und mit nach vorn geneigtem Oberkörper marschiert
-wird. Der ~Parademarsch~ hat weniger Wert für die Gesundheit, als für
-den Drill. Der ~Kunstgang~ ist hygienisch wenig ausnutzbar.
-
-Der ~Lauf~ bringt je nach der Art der Ausführung einen verschiedenen
-Nutzen. Der ~Schnellauf~ stellt hohe Anforderungen an die Herzkraft und
-sollte entsprechend dem großen Bewegungsbedürfnis der wachsenden Jugend
-derselben überlassen bleiben. Bei dem noch im Wachstum begriffenen
-Körper entwickelt sich das Herz relativ stärker als die übrigen Organe,
-es gebraucht also auch einen größeren Wachstumsreiz durch die Bewegung,
-das Gefäßrohr ist vermöge seiner Jugendlichkeit elastischer, kann sich
-deshalb besser den gesteigerten Anforderungen anpassen. Für den
-erwachsenen Körper hat der ~Dauerlauf~ größeren hygienischen Wert, zumal
-wenn die Dauer der Leistung nur eine allmähliche und systematische
-Steigerung erfährt und mit gebeugten Knieen gelaufen wird.
-
-Die ~Turnspiele~ teilt man ein in ~Ball~- und ~Laufspiele~. Barlauf,
-„Fürchtet euch nicht vor dem schwarzen Mann”, Dritten abschlagen,
-Lawn-Tennis, Vierball, Schleuderball, Fußball, Cricket etc. sind solche
-Spiele, welche mit den hygienischen Vorteilen des Laufens noch die
-Uebung der Geschicklichkeit, der Dispositionsfähigkeit und des
-Charakters verbinden und auch die Ausbildung der oberen Extremität
-befördern. Alle Turnspiele sind besonders für die kalte Jahreszeit
-geeignet und erfahrungsgemäß eine vorzügliche Erholung von geistiger
-Ermattung. So hoch zu schätzen nun aber auch die Turnspiele sind, so
-machen sie Freiübungen und Gerätturnen doch nicht unentbehrlich.
-
-[Abbildung: Tafel VII.
-
-Fig. 18. Der Gerwurf.]
-
-
-3. Der Tanz.
-
-Eine eigene Rolle könnte dem ~Tanz~ für die Körperpflege zukommen,
-namentlich für das weibliche Geschlecht, wofern er nur vernünftig
-ausgenützt würde. Der Tanz ist eine Schnelligkeitsbewegung, die nach
-dem Rhytmus der Musik sich vollzieht, und dadurch zu einer
-~Förderungsbewegung~ erhoben wird. Die Bewegung wird unter dem steten,
-musikalischen Antriebe eine automatische, traumhafte. Nervenarbeit ist
-nicht erforderlich, die Arbeit wird zur Lust. Aber gerade hierin besteht
-auch die Gefahr, denn der Tänzer verliert die Kritik und macht die
-Schnelligkeitsübung zur Dauerübung und schädigt dadurch Herz und Lunge,
-zumal wenn in raucherfüllten, geschlossenen Räumen getanzt und
-gleichzeitig dem Genuße alkoholischer Getränke gefrönt wird. Dazu kommt
-für die Damen die Schädigung des Korsettpanzers, welcher für dieselben
-dasselbe bedeutet, als wenn der Ringer mit festangezogenem Leibriemen
-ringt, oder der Soldat mit festgegürteter Säbelkoppel marschiert. Durch
-die Beeinträchtigung der Zwerchfellatmung, durch die Einschnürung kommt
-es leicht zu hohen Graden der Herzerweiterung. Würden diese
-Schädlichkeiten ausgeschaltet, so könnte der Tanz ein segensreiches
-pädagogisches Bewegungsmittel sein.
-
-Der heutige Tanz ist leider nicht mehr der Ausdruck überquellender
-Lebensfreude, sondern ein Erregungsmittel ekler Lüsternheit, er dient
-nicht mehr der Sittlichkeit, sondern der Unsittlichkeit. Und doch galt
-ursprünglich ~der Tanz als ein souveränes Mittel zur systematischen
-Ausbildung des Körpers, zu Kraft und Schönheit~! Eine vollkommene
-architektonische Schönheit unseres Körpers zu erreichen, sind wir wegen
-der Abhängigkeit von der ererbten Konstitution nicht immer in der Lage,
-wohl aber kann jeder Mensch die ~Schönheit der Bewegung, die Anmut und
-die Würde~, sich erwerben. Die Waffentänze unserer Vorfahren und anderer
-Naturvölker erforderten und erzeugten Kraft, Geschicklichkeit, Anmut und
-edle Selbstbeherrschung. Der Tanz der Frauen muß entsprechend ihrer
-heiligen Mission als Mütter die weiblichen Körper gesund und schön
-entwickeln. Denn aus ihrem Schoße verlangen wir gesunde und schöne
-Nachkommenschaft. Ein edles Vorbild dieser Art der Tanzkunst ist die
-Reformatorin derselben, Miß ~Isidora Duncan~. (Fig. 19, 20, 21.) Ihre
-Schule könnte unserem Geschlechte wieder kraftvolle und schöne
-Frauenindividualitäten, kräftigen und schönen Nachwuchs verschaffen.
-
-
-
-
-IV. Teil.
-
-Körperpflege in den verschiedenen Altersstufen.
-
-
-Das Kind, ~vor dem Eintritt in die Schule~, bedarf der Schulung der
-~Sinneskraft~. Dies geschieht am besten durch Uebung der
-Naturbetrachtung. Es bedarf ferner der Erhaltung und Förderung seiner
-mitgebrachten ~Gelenkigkeit~ durch möglichst geringe, lose und luftige
-Bekleidung und durch möglichst große Freiheit der selbstgewollten
-Bewegungen in gut ventilierten, warmen Zimmern und im Freien bei warmer,
-sonniger Witterung. Vom vierten Lebensjahre können Ordnungsspiele
-günstig einwirken. Atmung und Herztätigkeit, sowie ein stetiges Wachstum
-werden gefördert, die erste Zahnung vollzieht sich ohne Gefahren.
-
-[Abbildung: Tafel VIII.
-
- MISS JSADORA DUNCAN
- STATUETTE: Prof. W. SCHOTT
-
-Fig. 19, 20, 21. Der hygienische und ästhetische Tanz.]
-
-In den ~drei ersten Schuljahren~, in welchem der Zahnwechsel statthat
-und auch sonst das Knochenskelett sich entwickelt, ist das Kind durch
-die verminderte Bewegung und durch das Sitzen in der wenig guten Luft
-der Schulräume gefährdet. Die Atmung ist eine oberflächliche, der
-Stoffwechsel verlangsamt, der Wachstumreiz herabgesetzt.
-~Systematische Marsch- und Schnelligkeitsübungen~ bringen den Ausgleich.
-Letztere sind am besten in Form des Tanzes, der Bewegungsspiele im
-Freien und Gleichgewichtsübungen vorzunehmen.
-
-In den ~nächsten fünf Schuljahren~, in welchen das Längenwachstum
-fortschreitet, die Knochen bereits fester und die Muskeln ausdauernder
-werden, treten zu dem bisherigen Uebungsprogramm der Dauerlauf, das
-Schlittschuhlaufen, der Hoch-, Weit- und Stabsprung, Klettern und
-Schwingübungen, Freiübungen ohne stärkere Bewaffnung, schließlich
-Gerätübungen, bei welchen eine Pressung ausgeschlossen ist. Vom 12.
-Lebensjahre ab können auch Griffkunde, Reiten und mäßiges Schwimmen
-Nutzen stiften. In der ~Zeit der geschlechtlichen Reifung~ und der
-Vollendung des Längenwachstums, also etwa vom 13. bis 22. Lebensjahre
-vollzieht sich auch das Hauptwachstum des Herzens und der Lungen. Um
-diesen Organen die nötige Anregung zur Entwicklung zu geben, bedarf der
-Körper starker Bewegungsreize. Der Schnellauf, der Bergsport,
-Wettspiele, kurzdauernde Ringkämpfe, Wettschwimmen auf kurze Distanzen,
-Gerätübungen aller Art, Fechten, Boxen, Radfahren, Rudern und Skilauf
-sind vorzügliche Uebungen, die möglichst vielseitig betrieben werden
-sollen. Vom 22. bis 30. ~Jahre~ vollzieht der Körper hauptsächlich sein
-Breitenwachstum und festigt sich innerlich. Dies ist die Zeit des
-Uebermutes und der Waghalsigkeit, aber leider auch der Ausschweifung.
-Kraftübungen aller Art sollen hier mit Gewandtheitsübungen in stetem
-Wechsel bleiben, Leichtgewichtsathletik systematisch die
-Schwergewichtsathletik vorbereiten und durch letztere ergänzt werden.
-Ringen soll die allseitige Ausbildung erhalten und fördern und Umsicht,
-Schlagfertigkeit und Willensstärke fördern.
-
-In der ~Vollkraft der Jahre~ vom 30. bis 40. Lebensjahre muß man sich
-die bisher erworbene Schnelligkeit und Gewandtheit zu erhalten und die
-höchste Ausbildung der Kraft und Ausdauer zu erwerben suchen. Kraft- und
-Dauerübungen sind maximal zu steigern.
-
-Schwergewichtsathletik vernünftig und mäßig betrieben, kann durch
-Verarbeitung der Reservestoffe nützlich wirken.
-
-Nach dem 40. Lebensjahre muß man sich die erworbene Kraft, Gelenkigkeit
-und Ausdauer möglichst lange zu erhalten suchen; man gebraucht hiezu
-Frei- und Dauerübungen, sowie Gerätübungen, die bereits in Fleisch und
-Blut übergegangen sind. In vorgerückterem Alter soll man alle Uebungen
-meiden, welche den Kopf längere Zeit nach unten bringen. Für jedes
-Lebensalter aber gilt die goldene Regel zu ~individualisieren~. Die
-schwachen Stellen des Körpers müssen aufgesucht und so lange geübt
-werden, bis sie nach Aussehen und Leistungsfähigkeit in den gesamten
-Körperrahmen hineinpassen.
-
-
-
-
-V. Teil.
-
-Die Körperpflege durch Licht und Luft.
-
-
-Um die Einwirkung von Licht und Luft auf den Körper richtig zu schätzen,
-muß man ihre ~physikalischen Eigenschaften~ kennen.
-
-
-1. Physikalische Eigenschaften des Lichtes; Einfluß auf Pflanzen,
-Bakterien und den tierischen Organismus.
-
-Man nimmt an, daß das Licht aus transversalen Schwingungen des Äthers
-besteht. Die durch die Erschütterung des Lichtäthers entstandenen Wellen
-sind verschieden lang und von verschiedener Dauer. Unser Auge empfindet
-diese Verschiedenheit als ~farbiges~ Licht. Das Sonnenlicht, das uns
-gleichmäßig weiß erscheint, ist ein zusammengesetztes, farbiges Licht,
-welches nur in seiner Gesamtheit auf unser Auge einen weißen Eindruck
-macht. Wir können dasselbe in seine einzelnen Bestandteile zerlegen,
-indem wir das Sonnenlicht durch einen feinen Spalt auf ein Glas- oder
-Quarzprisma auffallen lassen und dann sehen wir die Regenbogenfarben
-rot, orange, gelb, grün, hellblau, dunkelblau, violett. Schließlich gibt
-es noch farbiges Licht, das wir mit unseren Augen nicht erkennen können,
-welches aber wissenschaftlich nachgewiesen ist, das sogenannte
-ultraviolette Licht. Das rote Licht hat vorwiegend wärmebringende, das
-blaue, violette und ultraviolette Licht dagegen mehr chemisch wirksame
-Strahlen, die gelben und grünen Strahlen sind mehr optischer Natur und
-heißen kurzweg Lichtstrahlen. Das Sonnenlicht wechselt seinen Reichtum
-an chemischen Strahlen, es ist reicher an denselben in höheren Regionen
-und im Süden, ärmer in der Niederung und im Norden. Die verschiedenen
-Körper lassen je nach ihrer Eigenart die eine oder andere Lichtart
-oberflächlicher oder tiefer eindringen. Wohin auch immer in der
-organischen Welt das Licht dringt, äußert es seinen Einfluß.
-
-Die ~Pflanzen~ gebrauchen zur Blütenbildung, zum Wachstum, zur
-Assimilation, zur Richtung ihrer Form, zur Entrichtung des Blattgrüns,
-zur Entfaltung ihrer Farben und ihres Duftes nachgewiesenermaßen eine
-bestimmte Stärke der Beleuchtung, und zwar ist für sie das elektrische
-Bogenlicht nicht minder wertvoll als das Sonnenlicht. Ein Zuviel oder
-ein Zuwenig der Lichtmenge bedroht ihre Existenz, ebenso die Permanenz
-der Lichtwirkung. Licht- und Dunkelheitsbedürfnis stehen in einem
-gewissen Verhältnis.
-
-Interessant ist der Kampf des Lichtes gegen die ~Bakterien~, jener
-kleinen Pilze, welche unter geeignete Lebensbedingungen gebracht, trotz
-ihrer Kleinheit durch ihre außerordentlich schnelle und starke
-Vermehrung und durch ihre Virulenz (Giftigkeit) eine fabelhafte
-Wirksamkeit entfalten können. Dieselben sind imstande, durch ihre
-Ansiedlung auf kranken Organen des menschlichen Körpers denselben völlig
-zu zerstören. Eine große Reihe wissenschaftlicher Versuche haben
-gezeigt, daß das Licht und zwar sowohl das Sonnen-, als auch das
-elektrische Licht ~hemmend, ja vernichtend auf die Entwicklung der
-Bakterienzellen wirkt, daß ihre Virulenz gemindert wird~. Diese
-immunisierende, baktericide oder Desinfektionskraft ist weniger dem
-Einfluß der Wärme, als der chemischen Wirksamkeit des Lichtes
-zuzuschreiben. Selbst diejenigen Bakterien, welche der trockenen und
-feuchten heißen Luft und den stärksten chemischen antiseptischen Mitteln
-widerstehen, werden durch Lichtwirkung vernichtet. Dabei ergaben die
-Experimente die wichtige Tatsache, daß nicht nur das direkte
-Sonnenlicht, sondern auch das ~diffuse Tageslicht~ das Wachstum der
-Bakterien hemmte und dieselben tötete, wenn auch die Wirkungszeit
-desselben viermal länger war.
-
-In der Wissenschaft liebt man es, physiologische Erkenntnisse, die für
-den menschlichen Organismus nutzbar gemacht werden sollen, zuvor durch
-Tierexperimente zu erhärten. Deshalb ist die Tatsache, daß auch der
-~tierische Organismus bestimmte Beeinflussung durch Licht zeigt~, von
-großer wissenschaftlicher Bedeutung.
-
-Der Tierkörper zeigt zunächst eine deutliche Beeinflussung seines
-~Nervensystems~, besonders durch die chemischen Strahlen des Lichtes.
-Der normale, elektrische Strom der Nerven wird erhöht, die
-Reflextätigkeit gesteigert. Der ~Stoffwechsel~ wird besonders durch die
-stark brechenden Strahlen angeregt und gesteigert. Sauerstoffaufnahme
-und Kohlensäure und Wasserdampfabgabe sind wesentlich vermehrt, der
-Kohlenstoffumsatz erhöht. Die Stoffwechselerhöhung geschieht nicht nur
-auf dem gewöhnlichen Wege, sondern hauptsächlich von der Haut aus,
-indem das Licht auf die im Hautorgan gelegenen Nervenendigungen erregend
-wirkt. Dieser Antrieb wird nach innen zu den großen Nervencentren im
-Gehirn und Rückenmark fortgeleitet und von dort auf die Muskel- und
-Drüsennerven weitergegeben, welche die erhöhte Zersetzung und Arbeit in
-den zugehörigen Organen veranlassen. Licht erhöht ferner die
-~Wachstumsvorgänge~. Denn läßt man Tiere gleicher Art und Gattung sich
-vergleichsweise im Dunkeln und im Licht entwickeln, so sind die
-belichteten an Länge und Gewicht überlegen. Bei Fischen und Amphibien
-heilen verstümmelte Glieder im Lichte schneller als im Dunkeln. Gewisse
-niedere Tierarten zeigen wie die Pflanzen die Erscheinung des
-Heliotropismus, sich nach der Sonne hinzukehren, um den richtenden
-Einfluß der Sonnenstrahlen sich nutzbar zu machen. Die direkte
-Einwirkung des Lichts auf das ~tierische Eiweiß~ ist ebenfalls
-nachgewiesen, indem durch plötzliche Beleuchtung sich dasselbe
-zusammenzieht, also in Bewegung gebracht wird. Die ~roten
-Blutkörperchen~ verändern unter Belichtung ihre Gestalt, ihre Bildung
-wird durch Lichtmangel verlangsamt. Besonders stark wird unter
-Lichtwirkung der ~Blutfarbstoffgehalt~ vermehrt und derselbe an die
-Peripherie fortbewegt zum Schutz gegen die zu starke Belichtung. Bei zu
-intensiver Belichtung kann Sonnenbrand der Haut entstehen. Nicht
-unerwähnt darf schließlich das ~hohe Lichtbedürfnis~ vieler Tiere
-bleiben und die ~umstimmende~ und lebenerweckende Kraft des Lichtes,
-sowie endlich die Eigenschaft einiger Tierkörper, selbstleuchtend zu
-werden.
-
-
-2. Einfluß des Lichtes auf den gesunden Menschen.
-
-So mannigfach wie das Licht in der unbelebten und belebten Welt sich
-wirksam erweist, so vielfach ist auch sein Einfluß auf den Menschen.
-Durch zwei Pforten tritt das Licht in den Körper ein, durch die Augen-
-und durch die Hautpforte. In der Bahn des Sehnerven werden quantitativ
-und qualitativ verschiedene Sinneseindrücke zum Gehirn geleitet und
-durch Vermittlung der Psyche, der Stoffwechsel, die Atmung, das
-Gefäßsystem beeinflußt, von den Hautnerven aus wird der Lichtreiz zu den
-nervösen Zentralorganen geleitet und von dort den Muskeln und Drüsen
-mitgeteilt. Da aber das Hautorgan für Licht durchgängig ist, so äußert
-es auch direkte Tiefenwirkung. Das Licht ist also einerseits wie die
-Kälte oder Hitze des Wassers ein ~Bewegungsreiz~, der bei dem
-Abhängigkeitsverhältnis der inneren Organe von dem Hautorgan von der
-Oberfläche aus reflektorisch das Innere des Körpers trifft und
-beherrscht, andererseits ein direkter örtlicher Reiz für die getroffenen
-in der Tiefe gelegenen Gewebe. Auf diesem Wege ruft das Licht bestimmte
-Veränderungen in den Organen hervor, wird aber auch selbst verändert.
-
-Die Haut ist bekanntlich mit einem ungemein großen Blutgefäßnetz begabt.
-Dieses wird durch den Lichtreiz stark erweitert und die Haut so
-chronisch gerötet. Mit der starken ~Durchblutung des Hautorgans~
-erfahren nicht nur die inneren Organe eine erhebliche Entlastung,
-sondern das Hautorgan tritt in den Zustand erhöhter Funktionstätigkeit,
-es atmet stärker, scheidet stärker aus etc. Ist die Belichtung eine sehr
-intensive auf längere Zeit, so entzündet sich die Haut leicht und zeigt
-die Erscheinungen des ~Sonnenbrandes~. Die Haut ist stark gerötet,
-schmerzt und zeigt schließlich Blasenbildung, nach drei bis vier Tagen
-beginnt sie sich zu schälen, die rote Farbe wird bräunlich. Die neue
-Haut ist nicht abnorm lichtempfindlich.
-
-Wirkt das Licht allmählicher, so ~bräunt~ sich langsam die Haut entweder
-umschrieben in der Form der Sommersprossen oder allgemein. Der Vorgang
-der Bräunung beruht auf der Wirksamkeit der chemischen Lichtstrahlen und
-ist eine Schutzvorrichtung gegen das Zuviel der Lichtnahrung, denn der
-Hautfarbstoff (Pigment) verschluckt die chemischen Lichtstrahlen. Je
-stärker der Mensch gebräunt ist, um so weniger hat er unter der
-Lichtwirkung zu leiden. Daher finden wir auch die Menschen, je näher sie
-am Aequator wohnen, stärker gebräunt, weil sie des Lichtschutzes
-benötigen. Je länger und je intensiver das Licht auf die Haut wirkt, um
-so dunkler wird das Braun derselben. Die Dunkelfärbung ist aber Ursache,
-daß größere ~Wärmemengen~ in den Körper eintreten können. Die
-Ueberhitzung wird durch stärkere Schweiße ausgeglichen. Die Kleidung
-kann die Hautbräunung nicht ersetzen, denn helle Kleider bieten dem
-~Lichte~ zu wenig Widerstand, dunkle Kleider saugen zu viel ~Wärme~ auf.
-
-Wie das direkte Sonnenlicht, so wirkt auch das elektrische Bogenlicht
-und ferner das reflektierte Licht, wie die Erscheinung des
-Gletscherbrandes beweist.
-
-Auf dem Wege ins Innere des Körpers begegnet das Licht einem Hindernis,
-dem Blutorgan, welches die chemischen Strahlen zum Teil verschluckt.
-Trotzdem dringt noch ein genügend großer Lichtvorrat in den
-Organismus ein, um wirksam zu werden. Der ~Blutfarbstoff der roten
-Blutscheiben~ vermehrt sich unter Lichtwirkung und der Zellen- und
-~Gesamtstoffwechsel~ wird erhöht. Quinckes Versuche bewiesen, daß durch
-Belichtung der Aufbau und der Abbau der Stoffe schneller und ausgiebiger
-erfolgt, als im Dunkel. Ferner wurde nachgewiesen, daß beim nackten,
-belichteten Körper der Stoffwechsel schneller ist, als beim bekleideten
-und zwar um so rascher, je mehr direktes Sonnenlicht den Körper trifft.
-Also auch in dieser Beziehung beweist sich die Bekleidung als ein
-Hindernis für den natürlichen Ablauf der Körperfunktionen auf
-Lichtwirkung.
-
-Eine sehr augenfällige Wirkung des Lichts ist die ~Beeinflussung des
-Wachstums~. Haare und Nägel wachsen im Lichte schneller als im Dunkeln.
-Das Wachstum der Kinder bleibt in sommerarmen Monaten fast gänzlich
-stehen, Bewohner von lichtarmen Kellerwohnungen und von lichtarmen,
-tiefgelegenen Gebirgstälern bleiben in der Entwicklung zurück.
-
-Nicht minder deutlich ist die ~Einwirkung des Lichts~ auf die ~Psyche~.
-Wie gedrückt ist die Stimmung der meisten Menschen bei bewölktem Himmel,
-wie reizvoll und belebt erscheint uns die Natur, und wie kraftvoll
-fühlen wir uns selbst, sobald nur ein heller Sonnenstrahl durch die
-Wolken bricht! Kein Wunder, daß die Mehrzahl der Selbstmorde in den
-lichtarmen Monaten passieren! Nur kranke Menschen sind lichtscheu,
-gesunde Menschen haben ein hohes Lichtbedürfnis.
-
-Die Macht des Lichtes wird uns recht erkennbar, wenn wir die Kraft und
-Schönheit derjenigen Völkerrassen vergleichen, welche unbekleidet dem
-Lichte und der Luft ausgesetzt sind, wie Neger und Indianer, mit dem
-kranken und unschönen Aussehen der Eskimos.
-
-Rechnen wir zu allen angeführten Lichtwirkungen noch die Wärmewirkungen
-des direkten und diffusen Sonnenlichtes, so müssen wir die Sonne als die
-größte Wohltäterin der Menschheit erkennen.
-
-Als solche erweist sich dieselbe nicht nur dem gesunden, sondern ganz
-besonders auch dem ~kranken Menschen~ gegenüber.
-
-
-3. Einfluß des Lichtes auf den kranken Menschen.
-
-Die Geschichte der Medizin lehrt, daß man zu allen Zeiten das Licht zu
-Heilzwecken ausgenutzt hat.
-
-[Abbildung: Tafel IX.
-
-Fig. 22. =Im Sonnenbad.=
-
-1. Im Sitzbade. 2. In der Packung. 3. Leibmassage im Sonnenbad. 4.
-Pulskurvenaufnahme. 5. Herzuntersuchung. 6. Brustspielraummaße
-festgelegt.]
-
-Und zwar verwendet man die ~Wärme des Lichts~, um im Körper eine
-Wärmestauung mit nachfolgendem Schweißausbruch zu erzeugen und dadurch
-den Organismus nicht nur vom überschüssigen Körperwasser, sondern
-auch von den in ihm befindlichen Fremdstoffen und Selbstgiften zu
-befreien. Durch dies künstliche Feuer gelingt es, die belastenden
-Fettmassen des Körpers einzuschmelzen, rheumatische und Giftstoffe zu
-verbrennen, den unverbrannten Körperzucker bei Zuckerkranken zu
-oxydieren, bei allen Stoffwechselkranken mit Verlangsamung der
-Lebensvorgänge fördernd zu wirken, die in Körperhöhlen und in den
-Geweben nicht aufgesaugten, wässrigen Ausscheidungen zur Aufsaugung zu
-bringen, Syphilis, Skrofulose, Haut- und Knochenleiden zu heilen,
-Nerven- und andere Schmerzen zu lindern und Schwächezustände der
-verschiedensten Art und manche andere Krankheit zu beseitigen.
-Unterstützend wirkt überall da, wo man zunächst nur die Wärme
-beansprucht, der spezielle Lichteinfluß mit.
-
-[Abbildung: Tafel X.
-
-Fig. 23. =Im Sonnenbad.=
-
-1. Rumpfpackung. 2. Ganzpackung. 3. Im Sitzbade. 4.
-Thure-Brandt-Gymnastik im Sonnenbade. 5. Knieguß. 7. Organuntersuchung
-im Luftbade. 8. Vermessung der Körpermaße.]
-
-Diese Art der Lichtanwendung geschieht in Form von Sonnen- und
-elektrischen Lichtkastenbädern.
-
-
-^a^) ~Das Sonnenbad~.
-
-In einem vor Wind geschützten, umzäunten, nach Süden gelegenen und oben
-offenen Raume, liegen die Patienten auf Matratzen oder Decken, oder auf
-sonnedurchglühtem Sande; der Kopf ruht etwas erhöht auf einem
-Kopfpolster und ist durch ein verstellbares Schattendach geschützt, die
-Augen werden durch einen Hut oder Augenschirm noch besonders bewahrt.
-(Fig. 22, 23.) Der Sonnenbadler wendet den Körper von Zeit zu Zeit, so
-daß alle Teile nacheinander besonnt werden, bis lebhafter
-Schweißausbruch erfolgt. Den Schweißausbruch kann man beschleunigen,
-indem man das Liegen in der Sonne durch Bewegung, wie Turnen (Fig. 24,
-25) oder Turnspiele oder durch nutzbringende Beschäftigung und
-ablenkende Gartenarbeit etc. unterbricht. Will man die Schweißwirkung
-stark ausnutzen, so empfiehlt es sich, das Sonnenbad auf dem von der
-Sonne erhitzten, weißen, feinen Sande zu nehmen, also das Sonnenbad mit
-einem Sandbade zu verbinden, welche Kombination besonders
-~Nierenkranken~ anzuraten ist, oder zum Zwecke des Nachschwitzens sich
-in wollene Decken einpacken zu lassen. Diejenigen Patienten, welche noch
-wenig an Luft und Sonne gewöhnt sind, tun gut, anfangs nicht gleich den
-ganzen Körper, sondern nur Teile desselben der Sonne auszusetzen, also
-zunächst mit Barfußgehen anzufangen (Fig. 25) und dann ein
-Kleidungsstück nach dem andern abzulegen, den lichtempfindlichsten Teil
-des Körpers, den Kopf, durch eine leichte Kopfbedeckung zu schützen und
-öfters den Schatten der Bäume aufzusuchen.
-
-[Abbildung: Tafel XI.
-
-Fig. 24. An den Geräten.]
-
-An den kühleren Tagen des Jahres wird das Sonnenbad mit Vorteil in
-atelierartigen Räumen genommen, mit elektrischer Ventilation und bequem
-zu öffnenden Fenstern. Das Glasdach muß wegen der Gefahr der
-Ueberhitzung durch eine Berieselungsanlage leicht zu kühlen sein. Durch
-rote, blaue und andersfarbige Gardinen muß es möglich gemacht werden,
-Farbenzimmer herzustellen.
-
-[Abbildung: Tafel XII.
-
-Fig. 25. Barfußlaufen im Grase. (Teilluftbad. Beginn der Abhärtung.)]
-
-Mit dem Sonnenbade werden nützlich häufig Massage- und Gymnastikkuren
-verbunden. Den Beschluß des Bades bildet je nach der Krankheit eine
-abkühlende Wasserprozedur, ein Halbbad, Vollbad, Rumpfbad, Kneipp’scher
-Guß oder kühles Regenbad.
-
-[Abbildung: Fig. 26. Geöffnetes Glühlicht-Vollbad zum Sitzen.]
-
-[Abbildung: Fig. 27. Elektrisches Glühlicht-Vollbad mit 36 Glühlampen
-zum Liegen.]
-
-
-^b^) ~Das elektrische Lichtbad~.
-
-Da man nicht immer das Sonnenlicht in genügender Intensität zur
-Verfügung hat, so macht man sich das elektrische Licht zu nutze und baut
-zu diesem Zwecke Lichtkästen, welche man inwendig mit elektrischen Glüh-
-oder Bogenlampen bewaffnet. Diese Lichtkästen (Fig. 26, 27[5]) sind im
-wesentlichen Kästen von verschiedenster Form und Größe, meist zum
-Sitzen des Patienten, seltener zum Liegen eingerichtet. An den mit
-Milchglas ausgelegten Innenwänden befinden sich meist 48 Lampen, in 8
-Reihen gleichmäßig verteilt; jede Lampenreihe ist, zum Schutz gegen
-Verbrennung des Patienten durch Berührung mit senkrecht stehenden
-Metallstäbchen versehen. Oben wird der Kasten durch einen verschiebbaren
-Deckel geschlossen, so daß der Kopf des Patienten außerhalb des Kastens
-ist, vorn befindet sich die verschließbare Tür, durch welche der Patient
-eintritt. In derselben befindet sich eine Oeffnung zur Pulskontrolle,
-zur Darreichung von Herzkühlern und für irgend welche physiologischen
-Experimente. Zur Beruhigung für ängstliche Patienten ist im Kasten
-selbst eine elektrische Klingel angebracht und Tür- und Verschlußdeckel
-so eingerichtet, daß sie mit Leichtigkeit vom Patienten selbst
-geöffnet werden können. Ein im Deckel angebrachtes Thermometer gestattet
-die Kontrolle der Temperatur. Die Lichtreihen sind einzeln oder
-paarweise auszuschalten.
-
- [5] Die Abbildungen der Lichtheilapparate sind uns von der Firma
- Reiniger, Gebbert u. Schall in Erlangen, welche diese Apparate
- fabriziert, freundlichst zur Verfügung gestellt worden.
-
-[Abbildung: Fig. 28. Elektrisches Rumpflichtbad.]
-
-[Abbildung: Fig. 29. Elektrisches Armlichtbad.]
-
-[Abbildung: Fig. 30. Elektrisches Fußlichtbad.]
-
-Die ~Glühlichtkastenbäder~ sind saubere Schwitzbäder feinster Art,
-welche mancherlei Vorzüge vor den Dampfkasten- und Heißtrockenluftbädern
-haben und überall da angezeigt, wo Schwitzbäder überhaupt am Platze
-sind. Sie werden als Voll- und Teilbäder verabreicht. (Fig. 28, 29, 30).
-Gegenüber den anderen schweißerregenden Proceduren, welche den Körper
-durch ~Leitung~ mit Wärme laden, wirkt beim Glühlichtbad die ~strahlende
-Wärme~, welche tiefer in den Körper eindringt und meist angenehmer von
-den Patienten empfunden wird. Schon bei relativ geringen Temperaturen
-von 30 bis 35° ^C^ treten Schweiße auf, die reichlicher bei 40° ^C^ und
-darüber werden. 60° ^C^ sollen möglichst nicht überschritten werden. Der
-frühzeitige Schweißausbruch ermöglicht eine relativ kurze Dauer des
-Bades (15-20 Minuten). Die Wärmezuführung kann durch Ein- und
-Ausschalten gut abgestuft werden. Kongestionen zur Lunge sind nicht zu
-fürchten, weil der Kopf außerhalb des Kastens ist und der Lunge auf
-diese Weise gute, kühle Luft zugeführt werden kann. Das Herz wird bei
-dem Schwitzen mittelst Glühlichts nur wenig angestrengt. Spezifische
-~Lichtwirkung~ kommt den Glühlichtbädern nicht zu. Diese findet man
-vielmehr in den ~Bogenlichtbädern~.
-
-[Abbildung: Fig. 31. Kombiniertes Lichtbad.]
-
-Das Bogenlicht in Kästen nach Art der Glühlichtkästen gebracht, ist
-weniger eingeführt, weil die Kästen zu schnell zu heiß werden, örtliche
-Hautentzündungen entstehen und Gefahr der Verbrennung der Haut durch
-abspritzende, glühende Kohlenbestandteile besteht. Diese Gefahr und
-Unbequemlichkeit sind in dem kombinierten Lichtkasten der Firma
-Reiniger, Gebbert & Schall beseitigt, in welchem Achteckkasten die
-Armatur wie in dem beschriebenen Glühlichtkasten vorgesehen ist,
-außerdem 4 Bogenlampen, die durch blaue Scheiben das Spritzen der Funken
-verhindern. (Fig. 31.) ~Finsen~ hat sich zur Vermeidung der Uebelstände
-einen ~Lichtbaderaum~ eingerichtet, in welchem ein paar Meter über dem
-Fußboden einige Bogenlampen von 80 bis 100 Ampères Stromstärke
-aufgehängt sind. Die Temperatur des Baderaumes ist eine mäßige; in
-demselben bewegen sich die Patienten wie im Sonnenlichtbade nackend, nur
-mit gelben oder rauchgrauen Schutzgläsern bekleidet, zum Schutze der
-Augen. Die Anwendung dieser Art von Bogenlichtbädern ist da geboten, wo
-man spezifische Licht- nicht Wärmewirkung gebraucht.
-
-[Abbildung: Fig. 32. Lichtsammelapparat von Prof. Dr. ~Finsen~.]
-
-
-^c^) ~Das konzentrierte Sonnen- und elektrische Licht~.
-
-Bereits im Altertum bemühte man sich die Wirkung des Sonnenlichtes
-möglichst energisch auszunutzen. So wirkte ~Porta~ mittels eines
-Glashutes bereits örtlich auf die Haut ein, so sammelten die Amerikaner,
-Thayer und Barnes, in den sechziger Jahren das Sonnenlicht mittels
-Brenngläsern, um Warzen, gutartige und bösartige Neubildungen zu
-verbrennen, so benutzte der Laie Mehl den ~Lichtbrand~, um die fressende
-Flechte und andere Hautkrankheiten zu beseitigen. Und ~Strebel~-München
-gelang es, eine Hand- oder Stativlampe zu konstruieren, welche ein
-Linsen- oder Spiegelsystem trägt, welches die Wärmestrahlen eines
-Voltabogens konzentriert. Der Sonnenlichtbrand ist damit durch den
-~jederzeit~ zu gebrauchenden ~elektrischen Lichtbrand~ ersetzt. In
-gleicher Weise, wie die Sammlung der Wärmestrahlen durch Linsen erreicht
-wurde, gelang auch die Sammlung der chemischen Strahlen der Sonne und
-des elektrischen Lichts. Der Kopenhagener Professor ~Finsen~
-konstruierte einen Lichtsammelapparat mit Bergkrystallinsen (Fig. 32),
-die Wärmestrahlen schaltete er durch Abkühlung des Lichtes mittels einer
-30 ^cm^ breiten Schicht destillierten Wassers aus. Um die
-lichtaufsaugende Wirkung des Blutes auszuschalten und somit ein tieferes
-Eindringen in die Haut zu ermöglichen, konstruierte er eine plankonvexe,
-doppelumränderte Linse aus Bergkrystall, in deren Innerem stets kaltes
-Wasser strömt. Diese wird auf den zu behandelnden Hautabschnitt
-aufgedrückt. Dieses Druckglas (Kompressorium) macht den bedrückten
-Hautabschnitt blutleer und gestattet so das Eindringen der gesammelten
-chemischen Lichtstrahlen. Durch diese Art der Lichtbehandlung ist es
-~Finsen~ gelungen, sein Vaterland von der Seuche der fressenden Flechte
-zu befreien, und viele andere Hautkrankheiten bakteriellen und nicht
-bakteriellen Ursprungs erfolgreich zu behandeln.
-
-[Abbildung: Fig. 33.
-
- Schutz-Marke
- REINIGER GEBBERT & SCHMALL
- ERLANGEN.
-
-Blaulichtsammelapparat und Blaulichtbestrahlungskörper.]
-
-Will man größere Hautbezirke örtlich mit Bogenlicht behandeln, so eignet
-sich am besten hierzu ein regulierbarer ~elektrischer Scheinwerfer~.
-(Fig. 33 ^a^, ^b^, ^c^.) Derselbe besteht im wesentlichen aus einer
-Bogenlampe von 20 bis 25 Ampères, deren Kohlenstifte horizontal gestellt
-sind. Der Apparat ist mit einem Metallspiegel (Reflektor) und einer
-Einrichtung zur Verschiebung des Voltabogens vom Spiegel versehen. Zur
-Ausschaltung der Wärmestrahlen benutzt man Glaslinsen, welche mit
-verdünnter, ammoniakalischer Kupfersulfatlösung gefüllt sind. Durch
-diese läßt man das Licht gehen. Der Scheinwerfer hat schwächere Wirkung
-als der Finsen’sche Apparat.
-
-
-^d^) ~Das farbige Licht~.
-
-Auch die einzelnen ~Farben~ des Lichtes hat man sich für die
-Körperpflege nutzbar zu machen gesucht. Dieselben äußern ihre
-Hauptwirkung auf ~Gemüt und Nerven~. Rotes Licht erregt die Nerven, ist
-daher zur Anregung melancholisch und hypochondrisch Verstimmter
-erfolgreich verwendet worden; grünes, blaues und violettes Licht
-beruhigt die Nerven, deshalb eignet es sich zur Behandlung nervöser
-Menschen, die sich in abnormer Erregung befinden. Bei ~Hautentzündungen~
-der verschiedensten Art, bei der ~Rose~, dem ~Exzem~, bei ~Blattern~
-etc. bedient man sich zur Behandlung des roten Lichtes, indem man die
-chemischen Strahlen, welche ja die bereits entzündete Haut noch mehr
-entzünden würden, abfiltriert. Die erfolgreiche Behandlung der Blattern
-mittels roten Lichtes ist deswegen von besonderer Bedeutung, weil sie
-eventuell die Schutzpockenimpfung überflüssig macht.
-
-[Abbildung: Fig. 34. Röntgenstrahlenapparat.]
-
-
-^e^) ~Röntgen- und Becquerelstrahlen~.
-
-Prof. ~Röntgen~ in Würzburg, jetzt München, machte die Entdeckung, als
-er eine Hittorf’sche Röhre (= luftleergemachte Röhre, in welcher die
-Entladung elektrischer Induktionsströme erfolgt) mit schwarzem und
-undurchsichtigem Karton umhüllte, in die Nähe eines mit
-fluoreszierendem Bariumplatincyanür bestrichenen Schirmes brachte, daß
-derselbe aufleuchtete. Es mußte also etwas, obwohl für unser Auge
-unsichtbar, von der Röhre ausstrahlen, welches ungehindert durch den
-Karton hindurch wirkte. Diese Strahlen, die von der Kathode ausgehen,
-aber keine Kathodenstrahlen sind, weil sie vom Magnet nicht abgelenkt
-werden, nannte Röntgen ^X^-Strahlen. (Fig. 34.) Dieselben entladen
-elektrische Körper, interferieren nicht, werden weder regelmäßig
-reflektiert noch gebrochen, durchdringen dagegen fast alle Stoffe. Auf
-die photographische Platte wirken sie ebenso wie die Lichtstrahlen. Sie
-durchdringen die Weichteile des menschlichen Körpers leichter als die
-Muskeln, am schwersten die Knochen, werden also nicht wie die chemischen
-Lichtstrahlen vom Blute verschluckt, und können deshalb Tiefenwirkung
-äußern.
-
-Man verwendet das ~Röntgenlicht~ zur Erkennung der kranken Teile des
-Körpers, aber auch zu deren Heilung. Leider verbrennt dasselbe ungemein
-leicht die Haut und muß deshalb sehr vorsichtig angewendet werden. Bei
-Hautkrankheiten, zur Enthaarung und einigen anderen Erkrankungen leistet
-es gute Dienste, ja es wird immer häufiger von ~Krebsheilungen~ durch
-Röntgenlicht berichtet.
-
-Ob den sogenannten ~Becquerelstrahlen~ nützliche Einwirkungen auf den
-menschlichen Körper zuzuschreiben sind, ist mit Sicherheit bisher noch
-nicht festgestellt. Es sind dies diejenigen Strahlen, welche von dem
-metallischen Uran ausgehen und leuchtfähige Körper zum Leuchten bringen.
-Sie haben im menschlichen Körper keine Tiefenwirkung.[6]
-
- [6] Näheres über die Heilkraft der Röntgen- und Becquerelstrahlen s.
- ~Riecke~, Hygiene der Haut, Haare und Nägel, (Bibliothek der
- Gesundheitspflege Bd. 12.)
-
-
-^f^) ~Blondlot-Strahlen (^N^-Strahlen)~.
-
-Hochinteressant sind schließlich die von dem Nancyer Professor
-~Blondlot~ entdeckten Strahlen, welche er zu Ehren der Stadt Nancy die
-(^N^-) Nancy-Strahlen genannt hat. Er fand nämlich bei der Untersuchung
-der von Röntgen-Röhren abgehenden Strahlen gewisse Strahlen, welche
-einen schwachen elektrischen Funken verstärken. Wie die ^X^-Strahlen
-durchdringen sie undurchsichtige Körper z. B. dünne Metallplatten, Holz,
-Papier, werden aber andererseits durch eine 3 ^mm^ dicke
-Steinsalzschicht oder durch Wasser und andere Substanzen aufgehalten.
-Sie unterscheiden sich ferner von den ^X^-Strahlen dadurch, daß sie den
-Gesetzen der Reflexion gehorchen, polarisierbar und refraktibel sind.
-Diese merkwürdigen Strahlen werden von den meisten Lichtquellen so
-besonders von der ~Sonne~ ausgesandt und von der Mehrzahl der Körper
-aufgenommen. Sie können durch Kompression eines Körpers hervorgerufen
-werden; sie werden von Pflanzen und vom Tierkörper ausgesandt. Der
-menschliche Körper sendet die ^N^-Strahlen in verschiedener Intensität
-aus je nachdem der Muskel ruht oder sich zusammenzieht, je nachdem ein
-Nerv oder Nervenzentrum in stärkerer oder schwächerer Erregung ist.
-Diese Strahlen sind bisher nur zu diagnostischen Zwecken verwendet
-worden; wie weit sie hygienisch oder für Heilzwecke brauchbar sind ist
-bisher noch nicht festgestellt.
-
-
-4. Die Luft in Beziehung zum menschlichen Körper.
-
-Hat sich das Licht in vieler Beziehung als ungemein wertvoll, ja
-unersetzbar für den menschlichen Körper erwiesen, und haben wir das
-Licht als diejenige ~Nahrung~ kennen gelernt, welche unser ~Blutorgan
-fast~ völlig ~verschluckt~, um daraus ungeahnte Energiemengen im Körper
-aufzuspeichern und daraus Kräfte der verschiedensten Mächtigkeit zu
-bilden, so können wir dennoch, wenn auch nur als Sieche, unser Dasein
-ohne dasselbe fristen. ~Ohne Luftnahrung aber können wir nur wenige
-Minuten sein, ohne Luft müssen wir sterben~. Diese unterhält alle unsere
-Lebensprozesse, sie ist also von noch größerer Bedeutung für uns als das
-Licht.
-
-Die Erde ist von einer Lufthülle umgeben, welche im wesentlichen aus
-20,75% Sauerstoff, 78,38% Stickstoff, 0,03% Kohlensäure und 0,84%
-Wasserdampf besteht, dazu kommen Spuren von salpetriger Säure, Ammoniak,
-Grubengas und Sonnenstäubchen. Unter letzteren versteht man Kieselsäure,
-Staub und die mit dem Staub aufgewirbelten Partikeliten der belebten und
-unbelebten Natur. Wie alle auf der Erde befindlichen festen oder
-flüssigen Körper wird auch die Luft von der ~Anziehungskraft~ der Erde
-festgehalten. Die Luft übt demnach einen ~Druck~ auf die Oberfläche der
-Erde und ihre Bewohner aus; dies ist der sogenannte Luftdruck, der mit
-einem Gewicht von 5 Trillionen Kilogramm auf die Erde drückt.
-Dieser Luftdruck zeigt infolge der hohen ~Beweglichkeit~ und
-~Ausdehnungsfähigkeit der Luft unausgesetzt Schwankungen~. Ebenso ist
-der ~Wassergehalt~ und der ~Wärmezustand~ der Luft in stetiger
-Veränderung. Den Einfluß der Sonnenstrahlung haben wir ja bereits kennen
-gelernt.
-
-Aber wir leben ja nicht nur in durchsonnter, sondern auch in
-durchfeuchteter, durchwindeter, heißer, warmer und kalter Luft in ihren
-verschiedenen Kombinationen.
-
-Ihr Verhältnis zum menschlichen Körper verstehen wir am besten, wenn wir
-erstens die verschiedenen atmosphärischen Einflüsse und zweitens die
-Funktionen desjenigen Organs kennen, welches uns von derselben
-abschließt und wiederum mit ihr verbindet, nämlich des Hautorgans.
-
-Die Luft äußert eine mehr oder weniger starke ~Wärme~- resp.
-~Kälte~wirkung.
-
-Diejenige Luft, welche höhere oder niedrigere Temperaturen, als die
-augenblickliche Hauttemperatur hat, wirkt als ein Reiz von der
-Oberfläche aus, ruft die sogenannte Reaktion hervor. Je größer die
-Reizwirkung ist, d. h. je mehr die Lufttemperatur von der Hauttemperatur
-sich entfernt, um so stärker ist auch die Reaktion von seiten des
-Körpers.
-
-Diese Reizwirkung ist für den Kältereiz eine etwas andere als für den
-Wärmereiz. Beide reizen die Empfindungs- und die Gefäßnerven; leiten den
-Reiz zu den nervösen Zentralorganen und wirken von dort aus umstimmend
-und verändern daselbst den Blutumlauf, sie verändern reflektorisch die
-Peristaltik im Verdauungsapparat und die Tätigkeit der Eingeweide, sie
-beeinflussen die Herz- und Gefäßarbeit, sie verändern Atmung und
-Körpertemperatur, kurzum sie wirken von der Oberfläche aus reflektorisch
-in die Tiefe auf ~alle~ Organe. Ist diese Reizwirkung eine
-vorübergehende und der Kraft des Körpers individuell angepaßte, so wird
-die Anregung zu ~erhöhter~ Lebensbetätigung die Folge sein, ist der Reiz
-ein mehr gleichbleibender, nicht wechselnder oder für die Reaktionskraft
-zu starker in seiner Höhe oder seiner Dauer, so wirkt er ~ermüdend~,
-abspannend, erschlaffend und lähmend. Bei ~fortdauernder~ Wärmewirkung
-wird der Körper von der Oberfläche aus mehr und mehr mit ~Wärme geladen~
-bis zur vollkommenen Wärmestauung, auf welche der Körper dann mit
-erhöhter Verdunstung des Körperwassers und mit Schweißausbruch antwortet
-und damit den Ausgleich zur Norm anstrebt.
-
-Bei ~fortdauernder Kälteeinwirkung~ auf den Körper kommt es zur abnormen
-Abkühlung von der Oberfläche aus, die mehr und mehr in die Tiefe
-eindringt. Aber auch gegen die Gefahr der Durchkältung hat der
-trainierte Körper Schutzvorrichtungen.
-
-~Die Wärme~- und ~Kälteeinwirkung der Luft ist jedoch für denjenigen
-Körper der abgehärtet ist, d. h. welcher sich an die verschiedenen
-Temperaturen gewöhnt hat, niemals eine Gefahr und niemals eine
-Verminderung der Lebensenergie, sondern stets eine Mehrung derselben~.
-Denn die Lufttemperatur ist in jeder Sekunde eine etwas andere, stetig
-stuft sie sich nach oben oder unten ab, und jede Veränderung derselben
-bedeutet stets ~einen neuen Lebensreiz~. Denn die Luftkomponenten sind
-vielfache und sich gegenseitig verändernde, so daß auch die von ihnen
-ausgehende Wirkung auf den Körper eine wechselnde, vielseitige und
-anregende sein muß. ~Und gerade in dem steten Wechsel und
-Ineinandergreifen der Luftfaktoren liegt das Charakteristische des
-sogenannten Luftbades~.
-
-Die Wissenschaft hat bisher nur die ~einzelnen~ Faktoren der Luft
-isoliert betrachtet und zu hygienischen und Heilzwecken benutzt, z. B.
-die Sonnenwirkung in ihren Eigenschaften der Wärme und des Lichtes, die
-Luftverdichtung und Luftverdünnung etc., nicht aber in ihrer
-Gesamtwirkung und ist deshalb zu einer Kenntnis und Bewertung des
-~Luftbades~ bisher noch nicht vorgedrungen. Würde dieselbe aber den
-Luftfluß, die Luftelektrizität, die Luftfeuchtigkeit, die Luftgerüche u.
-s. w. berücksichtigt haben, so würde sie zu der Erkenntnis gekommen
-sein, daß die Luft für den menschlichen Körper der mannigfachste aller
-Lebensreize ist, der durch seine Vielseitigkeit stetig die
-Lebensenergien vermehrt. Man gehe nur aus der Sonne in den Schatten und
-bemerke den Gegensatz der Temperaturen, man trete nur auf die
-freiliegende Ebene aus dem Walde heraus, der Schutz vor dem Winde
-bietet, um die bald mildere, bald gewaltigere ~Massagewirkung der
-Luftbewegung~ am Körper zu fühlen, wie sie die heiße, warme oder kalte,
-trockene oder feuchte Luft in den Körper zu pressen sucht, wie sie den
-Körper austrocknet oder die Oberfläche spröde oder feucht oder warm oder
-kalt macht; man bemerke, wie wir die Muskeln anspannen müssen um dem
-mehr oder minder starken Luftdruck zu begegnen. Dieselbe Luftbewegung,
-die wir als Druck der veränderten Temperatur an unserem Körper fühlen,
-sehen wir sie nicht mit unseren Augen und hören dieselben nicht mit
-unseren Ohren deutlich vor uns, wie der Wind heult, wie die Bäume
-rauschen, das Meer braust und wogt, wie die Blumen die Köpfchen neigen,
-wie die Wolken jagen! Riechen wir nicht die uns zugewehten Gerüche!
-Allein dieser Anreiz unserer Sinnesnerven genügt, um schon mehr oder
-minder starke Bewegungen unserer Seele hervorzurufen.
-
-Aber noch vielseitiger ist der Luftreiz. Kombinieren wir die Sonnen-,
-die Temperatur- und Luftflußwirkungen mit denen der ~Luftfeuchtigkeit~
-in ihren verschiedenen Abstufungen. In der feuchten Luft können wir
-sämtliche Bäder nehmen, die wir sonst nur in den Wasser-Badeanstalten zu
-bekommen gewöhnt sind. Kalte und warme Wasser-Bäder von kurzer oder
-langer Dauer, wechselnd in ihrer Temperatur mit stärkerer oder
-schwächerer Wasser-Bewegung, gleichsam ein Wellenbad oder Regendouche
-oder Strahlendouche, mit mehr oder weniger Elektrizität oder chemischer
-Lichtkraft geladen.
-
-Fügen wir schließlich noch den Faktor der ~Luftelektrizität~ zu allen
-bisherigen, von der wir wissen, daß sie bei jeder Temperatur besteht,
-daß sie mit ihrer Erhebung bei nebligem Wetter zunimmt, daß ihre
-Niederschläge bald positiv, bald negativ elektrisch sind, daß sie in
-ihrer Positivität und Negativität wechselt, daß sie eine tägliche
-Periode hat. Da wir ferner wissen, daß auch der menschliche Körper
-elektrische Ströme beherbergt und daß unser Hautorgan in wechselndem
-Grade die Elektrizität zurückhält und aufnimmt, so sind wir auch
-berechtigt anzunehmen, daß unser Körper von der Luftelektrizität
-beeinflußt wird, auch wenn wir die speziellen gesundheitlichen Gesetze
-noch nicht wissenschaftlich erforscht haben.
-
-So sehen wir denn, daß sämtliche Reizarten, die wir zur Unterhaltung des
-Lebens nötig haben, in der Luft enthalten sind, nämlich der thermische,
-chemische, mechanische, elektrische und physiologische Reiz. Haben wir
-den Körper mit sämtlichen gymnastiziert, so ist er an die dieselben
-gewöhnt, d. h. gesund, hat er sich derselben entwöhnt, so ist die
-Reaktion darauf eine quantitativ aber qualitativ veränderte und der
-Körper krank. Wie die Entwöhnung dieser Lebensreize den Körper siech
-macht, so läßt ihn die Gewöhnung an dieselben wieder gesunden.
-
-
-5. Die Arbeitsleistung der menschlichen Haut.
-
-Bekanntlich sondert die Haut, welche beim Erwachsenen eine Größe von
-1½ ^qm^ hat, stetig feste, flüssige und gasförmige Stoffe ab. Die in
-dauernder Abschilferung begriffenen Hornschichtsschüppchen, die
-ausfallenden Haare, der von den Talgdrüsen abgesonderte Hautschmer,
-welcher Haare und Haut einfettet und geschmeidig erhält, der von den ca.
-2 Millionen Schweißdrüsen abgesonderte Schweiß sind solche
-Absonderungsprodukte. Mit dem Schweiß verlassen Farb- und Riechstoffe,
-sowie Selbstgifte den Körper. Die ~Hautatmung~ ist eine nicht
-unerhebliche: Gasförmig entströmen der Hautpforte Kohlensäure und
-Wasserstoff und wird Sauerstoff in geringer Menge vom Körper
-aufgenommen. Die Kohlensäureausscheidung ist zwar für gewöhnlich nur
-gering, nämlich nur ⅓-½% der gesamten Kohlensäure-Elimination; sie kann
-jedoch mit zunehmender Außentemperatur und bei Körperbewegung bis zum
-neunfachen wachsen. Die Wasserdampfabgabe durch die Haut ist dagegen
-eine bedeutende. Während 24 Stunden beträgt sie im Ruhezustand des
-Körpers 7-800 ^gr^, steigt jedoch bei Bewegung leicht auf 1500-2000 ^gr^
-und darüber. Mit dem Körperwasser verlassen Kochsalz, Harnstoff, Fette,
-flüchtige Fettsäuren, Cholesterien, Rodan und andere noch nicht
-studierte, teils spezifisch riechende, teils giftige Stoffe den Körper.
-Die hohe Giftigkeit des Schweißes steht unzweifelhaft fest und wird
-durch Körperarbeit ebenso wesentlich erhöht wie sein Gehalt an
-Bakterienkeimen. Die Haut vollzieht demnach die Funktion der ~Drainage~
-(Trockenlegung) und der ~Entgiftung des Körpers~.
-
-Nun entzieht aber jedes Liter Wasser, das bei 37° ^C^ verdampft wird,
-dem Körper 580 Kalorien Wärme (unter Kalorie versteht man diejenige
-Wärmemenge, welche nötig ist, um 1 Kilogramm Wasser von 0° auf 1°
-Celsius zu erwärmen).
-
-Die Haut wird also durch die Wasserabgabe zu einem vorzüglichen
-~Kühlapparat~ des Körpers. Die Einrichtung zur Wärmeabgabe wird durch
-die Fähigkeit der Haut, direkt Wärme auszustrahlen und auszuleiten
-vervollkommnet. Andererseits ist die Haut die Vermittlerin der
-Wärmezufuhr von außen, die unter Umständen eine größere sein kann als
-die der Wärmeabgabe. Dadurch ferner, daß das Hautorgan ein großes
-Blutgefäßnetz besitzt, das bei maximaler Erweiterung ein Drittel des
-Gesamtblutes aufnehmen kann, und dieses Blutreservoir je nach Bedarf
-weit und eng eingestellt werden kann, ist der Körper im stande an der
-Oberfläche Wärme aufzunehmen oder abzugeben, Kälte, Wind und Nässe von
-sich fern zu halten. Vermittels feinsinniger Nerven vermag der Körper
-diese sogenannte physikalische Wärmeregulation aufs prompteste
-einzustellen; denn sie zeigen feiner als die besten Barometer, Thermo-,
-Anemo- oder Hygrometer, die geringsten Wetterkombinationen und
-Wetternuanzen an, vorausgesetzt, daß man sie geübt hat. Unwillkürlich
-richtet sich der Körper nach dieser Wetteranzeigevorrichtung, indem er
-z. B. bei Kälte oder feuchter, windiger Luft einerseits die Wärmeabgabe
-durch Zusammenziehung der Blutgefäße und der gesamten Haut verhindert
-und andererseits die Muskeln durch Zittern, Frostschauer etc. in
-Bewegung bringt und auch sonst das Gefühl erweckt, durch willkürliche
-Bewegungen Wärme zu erzeugen.
-
-
-6. Beeinträchtigung der Arbeitsleistung des Hautorgans durch die
-Kleidung.
-
-Bedenkt man alle diese wichtigen Lebensfunktionen des Hautorgans, die
-der Atmung, der Trockenlegung der Gewebe, der Entgiftung, der Kühlung
-und der Heizung, sowie schließlich der Wettereinstellung des Körpers, so
-versteht man leicht, daß ein Aufhören ihrer Funktion gleichbedeutend mit
-dem Aufhören des Lebens ist. Ja es braucht nicht einmal die
-Gesamtoberfläche der Haut, sondern nur ein größerer Bezirk derselben
-funktionsunfähig gemacht zu werden, wie dies so häufig bei
-oberflächlichen Verbrennungen statt hat, und der Tod tritt ein.
-
-Jede ~Behinderung der Hautfunktion führt zu Störungen der
-Körperfunktionen~ in mehr oder weniger hohem Grade, so unter andern auch
-durch unsere moderne Bekleidung.
-
-Es ist experimentell von ~Schierbeck~ nachgewiesen worden, daß je mehr
-der Körper bekleidet ist, um so mehr die Wasserdampfabgabe desselben
-eingeschränkt wird. Damit ist aber bewiesen, daß durch die Kleidung die
-Drainage- und Entgiftungsfunktion des Hautorgans, sowie die der
-Wärmeregulation nicht unwesentlich beeinträchtigt wird. Es steht
-wissenschaftlich ferner fest, daß der unbekleidete Körper, weil die Luft
-ein schlechter Wärmeleiter ist, durch Leitung nur ganz geringe Mengen
-Wärme verliert, dagegen durch Strahlung dreimal mehr. Dieser
-Wärmeverlust durch Strahlung ist jedoch nicht so bedeutend, als man von
-vornherein annehmen sollte, weil ja die Luft 20-25mal schlechter Wärme
-leitet als das Wasser.
-
-Erst ~die durchfeuchtete Luft~ leitet besser und steigert den
-Wärmeverlust durch Strahlung, welcher aber nach Prof. ~Rubner~ durch
-Bestrahlung der Sonne selbst bei geringem Hochstand derselben in
-reichlichem Maße kompensiert wird.
-
-~Die durchsonnte Luft~ kompensiert also den eventuellen Nachteil der
-Luftdurchfeuchtung.
-
-Bei feuchter Luft, selbst wenn dieselbe von stärkeren Niederschlägen
-begleitet ist, hat der nackte Körper außer dem Schutz der
-Sonnenbestrahlung noch den der Fettigkeit der Haut. Denn dieselbe sorgt
-dafür, daß z. B. der Regen schnell an ihr abfließt, und der Körper so
-vor zu großen Wärmeverlusten bewahrt bleibt.
-
-~Durchwindete Luft~ schützt bei mittleren und höheren Temperaturen den
-unbekleideten Körper vor zu großen Wasserverlusten und läßt
-Temperaturen, die die Körpertemperatur übersteigen, leichter ertragen.
-
-~Bei warmer aber windiger Luft~ beginnt der Körper frühzeitiger
-unwillkürliche Muskelbewegungen wie Zittern, Zusammenschauern etc.
-auszuüben und ist leichter aufgelegt, auch willkürlich die Muskeln zu
-bewegen als bei windstiller, warmer Luft. Beide Arten der Bewegung
-erzeugen Körperwärme, gleichen also den durch den Wind erzeugten
-Wärmeverlust durch stärkere Wärmeproduktion aus.
-
-Der Körper hat aber, wie wir gesehen haben, in dem großen Blutgefäßnetz
-der Haut eine Kühl- oder Wärmevorrichtung je nach Bedarf.
-
-~Bei windiger kalter, oder windiger nasser Luft~ zieht er die Blutgefäße
-zusammen, drängt das Blut in das Körperinnere und verhindert so eine
-abnorme Abkühlung, bei ~windiger warmer Luft~ läßt er die Blutgefäße
-sich später erweitern als bei windstiller warmer Luft, weil er die
-Blutwärme ja länger festhalten muß und läßt er frühzeitiger
-unwillkürliche und willkürliche Bewegungen ausführen, als bei
-windstiller warmer Luft, weil er ja früher auf die Erzeugung von
-Körperwärme angewiesen ist.
-
-Die Fähigkeit der Haut sich für jede mögliche Lufttemperatur
-einzurichten, bedeutet demnach für den Körper einen Sonnen-, Nässe-,
-Wind-, Kälte- und Wärmeschutz.
-
-~Der unbekleidete Mensch ist, vorausgesetzt, daß er gesund und sein
-Hautorgan ein durch die verschiedenen Wetterkombinationen geschultes
-ist, stets dem Bekleideten gegenüber im Vorteil~. Gegen das etwaige
-Zuviel des Lichtes der Sonne, hat er die Bräunung, gegen Regen die
-Fettigkeit, gegen Wind, Kälte und Wärme die Erweiterung oder Verengerung
-der Hautblutgefäße. So kann z. B. bei hohen Kältegraden der nackte
-Mensch wärmer als der bekleidete sein, denn die Kleidung ist nur solange
-ein Wärmeschutz, als sie selbst noch warm ist. Ist sie erst einmal kalt
-geworden, so muß der Mensch durch Bewegung, Nahrung etc. eine größere
-Wärmemenge erzeugen, einmal um den Körper selbst wieder auf die
-gewünschte Temperaturhöhe zu bringen, zweitens um die kalt gewordene
-Kleidung zu erwärmen. Kalte Kleidung entzieht dem Körper ziemlich
-erheblich Wärme, zumal wenn dieselbe durchfeuchtet ist. Die Kleidung
-tritt also nur da in ihr Recht, wo es gilt, dem Körper den produzierten
-Wärmevorrat zu ~erhalten~.
-
-Ein ähnliches Verhältnis ist bei hoher Lufttemperatur der Fall; auch
-hier muß der Körper eine ~doppelte Leistung~ vollbringen, nicht blos
-sich selbst, sondern auch die Kleidung abkühlen.
-
-~So schnell als der Witterungswechsel in jeder Minute es erfordert, kann
-man die Temperatur und den Feuchtigkeitsgehalt nicht abändern; eine gut
-trainierte daher wetterfeste und regulationsfähige Haut vermag diese
-Leistung aber blitzschnell für jede Wetterkombination zu vollbringen~.
-
-~Dem Bekleideten kommt der produzierte Schweiß für die Abkühlung nicht
-völlig zu gute~. Denn wie gelegentlich anstrengender Uebungen
-nachgewiesen worden ist, enthält die Kleidung häufig 6-8000 ^gr^ Wasser,
-welches bis in die äußeren Kleiderschichten eindringt. Daselbst erfolgt
-die Verdampfung nur zum Teil auf Kosten des Körpers, vielmehr auf Kosten
-der umgebenden Luft. Diese vom Körper aufgebrachten Schweißverluste
-sind für den bekleideten Körper also ~nutzlos~ und sind bei
-wasserdampfreicher Luft sogar zu fürchten, weil dann die Verdampfung in
-der den Körper direkt umspielenden Luftschicht gehindert ist.
-
-~Die mit Schweiß imprägnierte Kleidung ist wegen ihres Reichtums an
-Toxinen und Bakterien eine Infektionsgefahr~, sowohl für den Träger
-selbst, als auch für seine Mitmenschen, eine Brutstätte aller möglichen
-Krankheitskeime.
-
-~Die durchschweißte oder auch von außen durchnäßte Kleidung bietet die
-Gefahr der Erkältung für einen in Bewegung Gewesenen~, wofern dieselbe
-nicht rechtzeitig durch trockene ersetzt wird, sobald der Körper in Ruhe
-kommt. Denn die nachträgliche Verdampfung entzieht dem Körper, der
-während der Ruhe pro Stunde höchstens 80 Kalorien produziert, viele
-hundert Kalorien, führt also zur abnormen Abkühlung des Körpers. Die
-Durchblutung des Hautorgans während der Bewegung macht einer plötzlichen
-Blutleere in der Ruhe Platz, bedingt also eine plötzliche
-Blutüberfüllung der Eingeweide und stellt plötzlich und abnorm hohe
-Anforderungen an die Regulierfähigkeit des Hautorgans.
-
-Und so sehen wir denn tatsächlich, daß bei kühler Witterung unsere
-unbekleideten Teile häufig wärmer sind als die bekleideten, so wird uns
-der Regen und Schnee auf den unbekleideten Körperstellen weniger lästig
-als in unserer Kleidung, die wir möglichst bald abzulegen suchen, so
-sehnen wir uns bei heißer, sonniger Witterung darnach, den Körper zu
-entblößen und alle die Vorteile, ~die Licht und Wärme der Sonne~
-bringen, an unseren Körper heranzulassen. Denn die ~chemische,
-bakterientötende, stoffwechselanregende~, die Wärme und lebenerwirkende
-~Kraft des Lichtes~ ist ja nicht nur in der Heilwissenschaft, sondern
-auch in weiten Laienkreisen bekannt.
-
-Andrerseits bietet die Kleidung dem Menschen selbstverständlich auch
-viele Vorteile, die für unsere heutige Kultur nicht zu unterschätzen
-sind. In der Rauhkeit unseres Klimas sind wir auf dieselbe angewiesen.
-Denn nur in der warmen Jahreszeit könnten wir dieselbe bei beruflicher
-Tätigkeit zur Not auf längere Zeit entbehren. Wir können aber z. B. eine
-sitzende Beschäftigung während der kühlen Jahreszeit nicht ohne Schaden
-für unseren Körper unbekleidet ausüben. Die Kleidung tritt überall da in
-ihr Recht, wo dem Körper durch unsere Lebensgewohnheiten, durch die Art
-der Beschäftigung die Gelegenheit genommen wird, genügend Wärme zu
-produzieren, wo sie uns hilft, mit dem produzierten Wärmevorrat Haus zu
-halten.
-
-Nun könnte man den Einwurf machen, daß die zeitweilige Lüftung des
-nackten Körpers im Luftbade zwar für das sonnige Griechenland, nicht
-aber für unsere rauhen klimatischen Verhältnisse geeignet sei. Dieser
-Einwurf besteht jedoch nicht zu recht. Denn leben nicht noch heute die
-Feuerländer in ihrem bekanntlich sehr rauhen Klima (Jahresmittel der
-Temperatur ist 6,2°) dauernd fast nackt? Und hat nicht das
-Massenexperiment unserer deutschen Luftbadler den Gegenbeweis bereits
-erbracht?
-
-
-7. Welchen Nutzen hat der kranke Mensch vom Luftbade?
-
-Um die Frage, ob der kranke Mensch Nutzen vom Luftbade hat, korrekt zu
-beantworten, müßte ich eigentlich ein Buch für sich schreiben. Der
-Rahmen dieser Blätter gestattet nur eine mehr summarische Beantwortung.
-
-Nur wenige ~Hautkranke~ gibt es, welche bei ~richtiger~ Ausnutzung des
-Luftbades von demselben keinen Vorteil haben. Alle diejenigen Patienten,
-denen die Haut brennt, schmerzt, juckt und sonstige abnorme Empfindungen
-verursacht, finden sehr schnelle Linderung und schließlich Heilung, wenn
-sie Schattentemperaturen und die kühleren Temperaturen der Frühjahrs-,
-Herbst- und milderen Winterszeit benutzen. Je nach dem Kräftezustand des
-Körpers und nach dem Kältegrad und Luftfluß der Atmosphäre sollen sich
-die stärkere oder schwächere allgemeine Körperbewegung machen. Das
-Hautorgan wird durch den Wetterreiz einerseits und durch die
-Muskelbewegung andererseits in Bewegung gebracht, gymnastiziert. Durch
-diese direkte und indirekte Hautgymnastik, die gleichzeitig die Vorteile
-der Körpergymnastik und der Abhärtung mit sich bringt, wird die Ursache
-der abnormen Hautempfindungen beseitigt. Die kühlen Lufttemperaturen
-wirken bei denjenigen Kranken, die infolge einer akuten Hautentzündung
-ein ausgesprochenes Gefühl der Hitze und der Spannung haben, ebenfalls
-ungemein angenehm und heilend. Diese entspannende und kühlende
-Luftwirkung kann man durch zuvoriges Einölen mit irgend einem
-gereinigten Oel erheblich unterstützen. Auch da wo die Haut rauh und
-rissig geworden ist, soll man zuvor tüchtig und wiederholt einölen,
-sonst würde sie namentlich bei etwas stärker bewegter Luft noch rissiger
-und eventuell blutend. Diese Behandlung empfiehlt sich besonders bei
-~Rotlaufkranken~, die jede Temperatur und jede Lichtstärke der Luft
-benutzen können, nur die Oelung der Haut vorausgesetzt. Einen auffallend
-schnellen und unkomplizierten Verlauf beobachtet man bei allen
-denjenigen ~Fieberkranken~, welche gleichzeitig einen ~Ausschlag~ am
-Körper zeigen, der im ursächlichen Zusammenhang mit der Fiebererkrankung
-steht, z. B. bei Masern-, Scharlach-, Pocken-, Typhuskranken, die
-vorwiegend einer Sonnenbehandlung unterworfen werden. Umhüllt man diese
-Kranken mit dünnen porösen roten Schleiern, schützt ihre Augen durch
-farbige Gläser, läßt sie selbstverständlich in absoluter Ruhelage und
-wechselt je nach der Intensität der Körperreaktionen mit
-Schattentemperaturen und leichteren Wasserapplikationen, so ist ihre
-Genesung eine schnellfortschreitende und vollständige.
-
-Die Kranken, deren Haut das Symptomenbild des sog. ~Exzems mit oder ohne
-bakterielle Komplikation~ zeigt, bedienen sich in allen Stadien der
-Erkrankung mit Vorteil des Lichtbrandes, dem sie sich in möglichst
-ausgiebiger Weise viele Stunden aussetzen. Nässung, Schuppung etc.
-verschwinden, die kranke Haut wird auf dem Wege der Entzündung durch
-eine neue gesunde Haut ersetzt. In ähnlicher Weise gesunden Kranke, bei
-welchen in das geschwächte Hautorgan von außen Bakterien eingedrungen
-sind und dort ihr Parasitenleben auf Kosten des Organismus führen.
-Besonders deutlich sichtbar ist die Genesung der Kranken mit
-~Schuppenflechte~. Auch bei denjenigen Menschen, deren Haut
-wassersüchtige Schwellung zeigt, erweist sich die ausgiebige Belichtung
-und die windige heiße trockene Luft als unschätzbares Heilmittel. Die
-vorteilhafte Behandlung ~Lupuskranker~ und Patienten mit ~Hautkrebs~ mit
-dem Sonnenbrand ist wohl allgemein bekannt.[7] Auch ~Hautwunden~ und
-selbst tiefere Wunden, die von der Oberfläche aus zugänglich sind,
-heilen unter Besonnung und Eintrocknung ungemein schnell und ergeben
-ebenso wie bei Lupus und Hautkrebskranken schöne glatte Narben. Auch die
-Wintersonne genügt in ihrer Intensität, wofern man nur ausgiebig die
-wenigen Sonnenscheinstunden ausnutzt.
-
- [7] Vergl. Rieder, Prof. Dr. H., Die bisherigen Erfolge der
- Lichttherapie. Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart. Preis 75
- Pfg.
-
-Von auffallend günstiger Wirkung ist die Luftbadbehandlung bei allen
-~Stoffwechselkranken~; sie ist am stärksten an ~lichtvollen, windigen
-Tagen~, zumal wenn sie mit ~individueller Körpergymnastik~ und
-~individuell angepaßten Wassermaßnahmen~ vereinigt wird. Zuckerkranke,
-Fettsüchtige, Rheumatiker, Gichtiker, Blutarme, Bleichsüchtige,
-Rhachitische, Skrofulöse etc. verlieren relativ schnell die fehlerhafte
-Verarbeitung der Körperstoffe.
-
-Bei denjenigen Menschen, bei welchen der Stoffwechsel derart
-darniederliegt, daß sie schlecht ernährt und siech sind, empfiehlt sich
-eine häufige leichte ~Massage~ in der ~Sonne~.
-
-Bei ~Nervenkranken~ ist vorzüglich das ~farbige~ Licht je nach dem
-Erregungszustand der Nerven zu wählen. Diejenigen Centren, welche den
-Sitz der Erkrankung darstellen, sind besonders vor den chemisch
-wirksamen Strahlen zu schützen und erst allmählich an dieselben zu
-gewöhnen. Kühlere Temperaturen, besonders der frühen Morgenstunden
-werden von Nervösen im Luftbade im Allgemeinen angenehmer empfunden und
-wirken schneller erholend. ~Fernhalten aller Luft- und Licht-Kontraste~,
-verbunden mit ~absoluter Ruhe~ und öfteren ~einförmigen~ Reizen im
-Anfange, sodann bei fortschreitender Erholung ~Gymnastik der Sinne~
-durch ~Naturbeobachtung~, verbunden mit ~Atemgymnastik~ im ~Liegen~,
-sodann mit leichter Streichmassage und Passiv- und Förderungsbewegungen,
-sodann Aktiv-Bewegung durch ~Nacktbeschäftigungsbehandlung~ der
-Gartenarbeit, dazu milde Wasserbehandlung und schließlich systematisch
-aufsteigende aktive Freiluftgymnastik, bis Gewöhnung an sämtliche
-Luftfaktoren, so besonders auch an ausgiebige ~Lichtfülle~ und starke
-Licht-Luftkontraste eingetreten ist und eine energische Körperbetätigung
-spielend geleistet wird, garantieren die Heilung. Neben dieser
-Behandlung ist eine seelisch individuell angepaßte Suggestionstherapie
-mit eventueller Benutzung der Hypnose anzuraten. ~Lungenschwache~ sollen
-vorsichtige Lungengymnastik zunächst unter teilweiser Entblößung treiben
-und ~scharfe~ Luftkontraste vermeiden, allmählich dreister werden, bis
-das Hautorgan als Hülfslunge genügend erzogen ist. Besonders
-~Schwindsüchtige~ mit und ohne Tuberkelbazillencomplikation sollen so
-vorsichtig beginnen und anfangs ~warme~, ~trockene~, staubfreie,
-womöglich ozonreiche und ~lichtstarke~ Luft bevorzugen.
-
-Von ~längeren Freiluft-Liege-Kuren~ habe ich weniger Vorteil gesehen.
-Ist die Neigung zu reichlichen Schweißen und zu Blutungen vorüber, dann
-sollen sie dreist jede Lufttemperatur und jeden Luftwechsel
-selbstverständlich staubfreie Luft und stärkere Atemgymnastik und
-schließlich Allgemeingymnastik und Dauerlauf zur Genesung benutzen.
-Eine vorsichtige örtliche und später allgemeine Wasserbehandlung
-begünstigen die Genesung. Patienten mit Lungenerweiterung sollen bei
-erschwertem spärlichem Abhusten feuchte Luft bevorzugen und
-hauptsächlich forcierte ~Ausatmungsgymnastik~ betreiben im Gegensatz zum
-Einatmungs- und Atemhalten-Training Schwindsüchtiger. Die erfolgreiche
-Freiluftbehandlung Keuchhustenkranker ist wohl bekannt genug, um hier
-noch weiter erörtert zu werden.
-
-Von geradezu verblüffendem Erfolg ist die Freiluftbehandlung
-~Herzkranker~, bei welchen man das Herz durch ~blaue Herzkühler~
-schützt. Auch bei ihnen beginne man mit milderen Temperaturreizen,
-obwohl man die Wärme- und Lichtstauung des Körpers nicht sonderlich zu
-fürchten braucht. Hat der Herzkranke Gelenkerscheinungen, rheumatische
-Schmerzen, Blausucht, Eiweißharnen, wassersüchtige Symptome, so schalte
-man ebenso wie bei ~Nierenkranken~ ~feuchte~ und ~kalte Luft~ in der
-Behandlung aus, man denke jedoch daran, daß der Kranke nicht eher als
-gesundet betrachtet werden kann, als bis er auch an diese Luftfaktoren
-wieder gewöhnt ist. Massagebehandlung, individuelle Wasserbehandlung,
-Diät, passive und Förderungsgymnastik, später Aktivgymnastik, besonders
-der Rotationsbewegungen der ~Extremitäten~ (keine Rumpfgymnastik),
-Atmungstraining sind unterstützende Heilfaktoren.
-
-~Infektions~-, ~Vergiftungs~- und ~Verdauungs-Kranke~ der
-verschiedensten Art sind nicht minder erfolgreich bei richtiger
-Ausnutzung der Lichtluftfaktoren als ~unterleibskranke Frauen~; bei
-jenen sind die örtlichen hydrotherapeutischen und insbesondere die
-diätetischen Maßnahmen, bei diesen neben örtlicher Hydrotherapie
-(Wasserbehandlung) vor allem die ~Thure Brandt~-Massage und Gymnastik
-unterstützende Hilfsmittel.
-
-Selbstverständlich ist es wohl, daß diejenigen Menschen, deren
-Krankheitserscheinungen wir mit dem Namen der ~Erkältungskrankheiten~
-bezeichnen, gerade durch Anwendung der Luftfaktoren am schnellsten
-genesen und durch Gewöhnung an die Luftfaktoren einer Wiederkehr der
-krankhaften Reaktionen ihres Körpers vorbeugen.
-
-Nicht unwichtig ist der Umstand, daß diejenigen Menschen, die unter der
-Behandlung der Luftfaktoren ihre Gesundheit wiedergewonnen haben, mit
-denselben umgehen und ihrer individuellen Körperveranlagung anpassen
-lernen, also den guten Zustand ihres Körpers zu erhalten wissen und
-diese ~Gesundheitsarbeit spielend~ und frohsinnig in ~bester seelischer
-Verfassung~ geleistet wird.
-
-
-8. Das Licht-Luftbad eine soziale Forderung.
-
-In Rücksicht auf die gesundheitlichen Schädigungen, die die Beschränkung
-des Licht-Luftgenusses für das Einzelindividuum und für die Gesamtheit
-hat, muß man auf Abhilfe sinnen. Diese Uebelstände zu mildern resp. zu
-beseitigen, ist Aufgabe der Licht-Luftsportbäder.
-
-Die Erfahrung in unseren modernen Sanatorien und in dem einzigen
-Krankenhaus des deutschen Reiches, welches vorurteilsfrei das
-Lichtluftbad als Heilfaktor benutzt, (es ist dies das Kreiskrankenhaus
-Groß-Lichterfelde bei Berlin unter Leitung des Geheimen Medizinalrat
-Professor Dr. E. Schweninger) hat gezeigt, daß eine große Zahl kranker
-Menschen allein durch den richtigen Gebrauch der Luft in den Luftbädern
-gesunden, daß sie aber in vielen Fällen wegen des Mangels bestehender
-Luftbäder ihrem Bedürfnis nach Lüftung später nicht mehr genügen können
-und von neuem erkranken. Es fehlt ihnen also das ~gesunderhaltende~
-Mittel.
-
-Für die ~Lösung vieler Gesundheitsfragen~, z. B. der Tuberkulose- oder
-der Carcinomfrage, sowie für die Menschen dichtbewohnter Großstädte, ist
-die Schaffung derartiger Licht-Luftsportplätze ein dringendes
-Erfordernis.
-
-Die hygienische Forderung der Luftbäder besteht für ~jeden Beruf~ zu
-Recht, für Reich und Arm, für Mann und Weib, für Kind, Jüngling und
-Greis, für Turner, Soldaten und für alle, welche irgend einem Sport
-huldigen.
-
-So ergeben sich die ~sozialen Vorteile~ von selbst.
-
-Ein abgehärtetes, seuchenfestes Volk, das seine Freude in natürlichen
-Genüssen sucht, den Luft- und Naturgenuß eintauscht gegen die so
-zweischneidigen Freuden des Alkohols, Nikotins, der geschlechtlichen
-Exzesse und anderer Genüsse, ist der Gefahr der ~Rasseentartung~
-erheblich weniger ausgesetzt als eine immer mehr und mehr
-verweichlichende, genußsüchtige Bevölkerung.
-
-Die ~Wehrfähigkeit des deutschen Volkes~ würde nicht unerheblich durch
-die Einrichtung von Luftbädern erhöht werden.
-
-Die ~praktische Reformierung des Gasthauswesens~ würde durch
-Luftbäderanlagen wesentlich gefördert und erleichtert.
-
-Das ~deutsche Turnwesen, alle Arten des Sports, das Schul-, Sport- und
-militärische Training würden gesundheitlich und ästhetisch gestaltet~.
-
-Die ~sozialen Gegensätze würden gemildert~. Denn dem nackten Körper
-fehlen die Insignien von Reich und Arm, und das gemeinsame Ziel, den
-Körper im gemeinsamen, wagemütigen Spiel gesund und schön zu gestalten,
-wozu der Luftgenuß den unbekleideten Körper einladet, erhöht das Gefühl
-der Zusammengehörigkeit aller Volksgenossen.
-
-Die wenigen Luftbadeanstalten, die bisher im Reiche bestehen, haben
-praktisch bewiesen, daß dieselben stark besucht werden, daß die
-Besucher, je länger sie den Luftgenuß hatten, desto gesunder wurden, daß
-sie mehr und mehr im steigenden Kraftgefühl den frischen Wagemut fanden,
-den nur das Vertrauen auf die eigene Kraft und Gesundheit schaffen, daß
-sie an Stelle der Genußsucht die Mäßigkeit setzten.
-
-Die Luftbadeanstalten sind schließlich nicht nur eine hygienische und
-soziale Forderung, sondern auch eine ~Forderung der Aesthetik~.
-
-Der nur an den Hüften bekleidete Mensch, bei welchem etwaige
-Unebenheiten des Körpers nicht durch die Kleidung verdeckt werden, der
-andere nackte, schönheitliche Körper vorbildlich im Luftbade sieht,
-sucht alsbald seiner Eitelkeit folgend seinen Körper schönheitlich zu
-gestalten. Er benutzt die körperliche Uebung zur ~Modellierung~ seines
-Körpers und übt im Gegensatz zum Gipfelturner oder Radfahrer oder
-Berufsathleten nicht nur ~einzelne~ Muskeln, sondern sämtliche
-Muskelgruppen in harmonischer Weise. Die Einseitigkeit jener, die sich
-in übermäßiger Dicke der Arme bei gleichzeitiger Dünne der Beine oder
-umgekehrt, oder in irgend welchem Mißverhältnis der Körperproportionen
-zeigt, imponiert dem Nacktübenden nicht, er erkennt das ~Unschöne~ mehr
-und mehr und ruht nicht eher, bis er die Schwäche und das Häßliche
-seiner Körperformen beseitigt hat. So wird er allmählich, je schöner
-seine Körperformen sich modellieren, selbst ein schöner Vorwurf für den
-Künstler (s. Titelbild).
-
-Dabei lernt das Auge des Beschauers, der zuvor das Nackte als anstößig
-und unsittlich betrachtete, dieses wieder als sittlich, rein und schön
-auffassen.
-
-Der griechische Künstler, der in den Palaestren den in der Nacktheit
-schön gebildeten Körper in Ruhe und Bewegung dauernd vor Augen hatte und
-darum vorbildlich Schönes schaffen konnte, hat vor dem deutschen
-Künstler dann nichts mehr voraus. Das Auge des Künstlers, sowie jedes
-Beschauers, wird schönheitlich erzogen, die Sinne werden veredelt, die
-Kunst wird mehr und mehr Allgemeingut.
-
-Die Einrichtung von Luftbädern ist nun aber tatsächlich ein ~Bedürfnis
-weiter Volksschichten~ geworden.
-
-Das geht vor allem daraus hervor, daß sich zahlreiche Vereine mit
-derartigen Bestrebungen in fast allen größeren Städten des deutschen
-Reiches gebildet haben, die unter dem Namen des „~Deutschen Vereins für
-vernünftige Leibeszucht~” ~bekannt~ sind, daß Privatleute aus eigenen
-Mitteln im Kleinen derartige Luftbäder an vielen Orten schufen, daß
-Zeitschriften entstanden, welche ähnliche Forderungen aufstellten. Die
-beste und bekannteste Zeitschrift dieser Art ist „~Kraft und
-Schönheit~”.
-
-Endlich ist darauf hinzuweisen, daß die Einrichtung von Luftbädern ~dem
-Staate keine wesentlichen Kosten verursachen würden~. Turnplätze,
-Kasernenhöfe, Spielplätze inmitten und an der Peripherie der Städte sind
-zur Genüge vorhanden; eine etwaige Umzäunung der Plätze, Angliederung an
-Badeanstalten und Armierung mit Turn- und Sportgeräten erfordern nur
-ganz geringe Mittel. Turn- und Schullehrer, welche mit den für den
-Licht-Luftgebrauch nötigen Vorsichtsmaßregeln bekannt gemacht werden
-müßten, sind in genügender Zahl vorhanden. Eine höhere Belastung des
-Etats wäre also unnötig, Ersparnisse an anderen hygienischen Instituten
-sehr wahrscheinlich. Als Beispiel und Vorbild ist das städtische
-Freilicht-Luftbad Münchens anzuführen, welches diese Stadt an eine
-Volksbadeanstalt angliederte. Das Luftbad war bei einem Eintrittspreis
-von 10 Pfennig trotz des regnerischen Sommers von einer täglichen
-Mindestzahl von 500 Besuchern frequentiert. An den Sonntagen stieg die
-Besucherzahl bis auf 900. Das Terrain erwies sich für das ungeheure
-Bedürfnis, obwohl es eine Größe von 400 Quadrat-Ruten hatte, als viel zu
-klein und soll deswegen um das vierfache vergrößert werden.
-
-
-9. Praxis des Nacktturnens.
-
-Nachdem wir die Gesetze der Bewegung, des Lichtes und der Luft und ihre
-Einwirkung auf den menschlichen Körper kennen gelernt haben, steht es
-außer Frage, daß Leibesübungen jeder Art logischer Weise ~nackend~
-betrieben werden müssen.
-
-
-^a^) ~Die Notwendigkeit des Nacktturnens~.
-
-Durch die Gymnastik wird schneller als durch die Bewegungen des
-täglichen Lebens Aufbau und Abbau der Stoffe des Körpers erzielt;
-trotzdem lernt derselbe, sich den Uebungen anzupassen, und produziert
-weniger Ermüdungsstoffe, je ausdauernder er trainiert wird. Diese sind,
-wie Erfahrung und Experiment bewiesen haben, ~Giftstoffe~. Je schneller
-dieselben entfernt werden, um so schneller ist die ~Erholung~. Der
-menschliche Körper ist vergleichbar dem Ofen. Beschickt man denselben
-mit Heizmaterial und schließt frühzeitig die Ofenklappe, so wird das
-Feuer nur langsam glimmen und allmählich ausgehen und viel unverbrannte
-Schlacken zurücklassen; öffnet man dagegen die Ofenklappe, gewährt also
-der Luft ausgiebigsten Zutritt in den Ofen, so wird das Feuer lustig und
-hell aufflackern und das Heizmaterial vollkommen und ohne Bildung von
-Schlacken verbrennen. Wenn im menschlichen Körper die Millionen
-Oeffnungen der Haut zum Eintritt für Licht und Luft offenstehen, so wird
-auch das Lebensfeuer hell brennen und alle, auch die schwerverbrennbaren
-Heizstoffe des Körpers vollkommen verbrannt werden. ~So wird die Bildung
-von Belastungs- und Ermüdungsstoffen hintangehalten, so aber auch für
-eine schnelle und ausgiebige Erholung gesorgt~. Denn die Giftstoffe
-treten ungehindert an die Oberfläche des Körpers und werden hier durch
-die Desinfektionskraft des Lichtes unschädlich gemacht, von der
-Feuchtigkeit der Luft, dem Regen etc. abgewaschen, von dem Winde
-verweht. Gleichzeitig erfolgt von denselben Naturkräften der ~stete
-Antrieb zu erneuter Bewegung~. So sehen wir denn auch in der Praxis die
-Nacktgymnastik sich als eine charakteristisch unbelastete vollziehen.
-~Geist und Seele sind freudig animiert, der Körper arbeitet spielend~.
-(Fig. 35, 36, 37, 38.) Die Krafterzeugung, der schönheitliche Aufbau und
-die Erziehung des Körpers zur Ausdauer, geschehen ungehindert und
-vollkommener.
-
-
-^b^) ~Die Hilfsmittel des Nacktturnens~.
-
-Der Nacktturner hat nun zur Erlangung einer gesundheitlichen Entwicklung
-seines Körpers zu Kraft und Schönheit mehrfache ~Hilfsmittel~. Sobald er
-in irgend einem Teile des Körpers die Ermüdung fühlt, tut er gut, sich
-denselben zu streichen und zu reiben, d. h. sich selbst zu ~massieren~.
-Er bringt durch die Selbstmassage die Ermüdungsstoffe zur schnellen
-Aufsaugung und wird wieder schnell übungsfähig.
-
-Ein weiteres Hilfsmittel ist die ~richtige Anwendung des Wassers~. Wenn
-der Körper durch die Bewegung und unter dem Einfluß des Lichtes und der
-Luft in den Zustand ~erhöhter Reaktionsfähigkeit~ gekommen ist,
-unterstützt man die Abhärtung, d. h. die Anpassung des Körpers an
-sämtliche Licht-Luftfaktoren, die durch das Luftbad an sich schon in
-hohem Maße erzielt wird, durch den ~systematischen Gebrauch~ des
-Wassers. Man beginne ~nicht gleich mit schroffen~ Temperaturgegensätzen,
-sondern mit Temperaturen, welche der Körpertemperatur ziemlich nahe
-kommen und gehe erst allmählich entsprechend der Individualität des
-Körpers zu extremen Temperaturen über, bis man ~jede beliebige~
-Temperatur ertragen gelernt hat. Man wähle auch nur ~kurzdauernde~
-Wasserprozeduren z. B. milde Douchen auf Brust und Rücken in Dauer von
-10-15 Sekunden, Halbbäder in Dauer von 6-8 Sekunden etc. und ähnliche
-Prozeduren. Die mit der Wasseranwendung verbundene ~Reinlichkeit~ des
-Körpers ist ein weiterer Gewinn desselben. Sehr wichtig ist für die
-Benutzung des Wassers, namentlich wenn man dasselbe kalt gewählt hat,
-die Sorge für ~schnelle Wiedererwärmung~ des Körpers in der einen oder
-anderen Weise, durch Bewegung, Umhüllung, Besonnung etc.[8]
-
- [8] Siehe Rieder, Prof. Dr., Körperpflege durch Wasseranwendung. Mit
- vielen Abbildungen. Eleg. geb. 2 M. -- Verlag von E. H. Moritz,
- Stuttgart.
-
-
-^c^) ~Die hygienische Regelung des ganzen Lebenshaushaltes~.
-
-Schließlich ist die hygienische ~Regelung des gesamten Lebenshaushaltes~
-von ungemeiner Wichtigkeit. Eine ~nüchterne, reizlose und mäßige
-Ernährung~, welche der Individualität des Menschen und der Kraft seiner
-Verdauungsorgane angepaßt ist, wird einen Kraftaufbau am meisten
-begünstigen. ~Alkohol~ in jeder Form, ~Gewürze~, ~Nikotin~, ~Kaffee~,
-~schwarzer Tee~ und sonstige empfohlene Anregungsmittel sind
-~Genußmittel~, welche zwar im Augenblick der Ermüdung das trügerische
-~Gefühl~ der Frische und Anregung geben. Man bedenke aber bei ihrem
-Genusse stets, daß sie keine ~Krafterzeuger~ sind, sondern daß sie nur
-die Reservekräfte des Körpers anregen und verbrauchen, die ~letzte
-Kraftquelle ausschöpfen~ und die Ermüdung, die nach ihrem Gebrauche
-nachfolgt, eine ~krankhafte Erschöpfung~ des Organismus bedeutet. Das
-~Zuviel~ der Nahrung schafft Faulheit und Ungelenkheit der Glieder und
-erzeugt Belastungsstoffe, welche den Körper namentlich bezüglich der
-Ausdauer behindern. Die ~Temperatur~ der ~Nahrung~ komme der
-Körpertemperatur möglichst nahe; die sehr ~heiße~ oder kalte Nahrung
-wirkt wie die gewürzige Nahrung als innerer Reiz, welcher erschöpft. Das
-~gute Zerkauen~ der Nahrung schafft eine höhere Ausnutzbarkeit
-derselben. ~Gewohntgemäßiger Gebrauch~ von reichlichen ~Flüssigkeiten~,
-wie Suppen, Getränken (auch Wasser und Limonaden) sind überflüssig und
-eventuell schädlich. Sie verdünnen und spülen die Verdauungssäfte aus,
-schwemmen den Körper auf, machen ihn weich und nachgiebig, nutzen die
-Nieren, Blutgefäße und das Pumpwerk des Herzens vorzeitig ab, und machen
-den Körper wenig ausdauernd. ~Man trinke nie ohne Durst~. Derjenige
-Durst, welcher sich durch Gurgeln mit klarem Wasser oder durch den Genuß
-fester Nahrung überwinden läßt, ist kein Durst, sondern nur etwas
-Angewöhntes.
-
-Die ~Mäßigkeit im geschlechtlichen Verkehr~ ist für die Erzeugung von
-Kraft und Ausdauer ebenfalls von immenser Wichtigkeit. Man bedenke, daß
-jeder Beischlaf eine bestimmte Menge Lebenskraft des Körpers verausgabt,
-und daß jede Vergeudung dieses Kraftkapitals zu einem frühzeitigen
-Bankerott führen muß. Nur der ~Ueberschuß~ an Lebenskraft, die
-Kraftzinsen, dürfen ohne Schädigung verbraucht werden.
-
-Da wir unter den heutigen Kulturverhältnissen nur wenig Gelegenheit zur
-ausgiebigen Lüftung des Körpers haben, so müssen wir durch richtige
-Bekleidung und Schlafen in ~gut ventilierten Räumen~ einen möglichst
-guten Ausgleich zu schaffen suchen.
-
-[Abbildung: Tafel XII.
-
-Fig. 35. =Von kleinster zur grössten Arbeit.=
-
-1. Rückenmärkler machen Gehübungen. 2. Patient die Blumen beschneidend.
-3. Bei den Hantelübungen. 4. Ringer (Genickfallgriff).]
-
-[Abbildung: Tafel XIII.
-
-Fig. 36. =Vergnügen und Arbeit im Luftbad.=
-
-1. Der Blumengießer. 2.2. Die Schachspieler. 3.3. Die Luftbadkapelle.
-4.4. Ein Spielchen „66”. 5. Massage. 6. Holzsägen. 7. Holzhacken. 8.
-Rückenmarkskranker seine Gehübungen verrichtend. 9. Patient „tritt
-Wasser” im großen Bassin.]
-
-Unsere ~Kleidung~ darf deswegen nicht beengend, sondern muß locker,
-luftig, und dabei porös sein, so daß wir am Körper stets eine
-Luftventilationsschicht behalten. Imprägnierte und gestärkte Bekleidung
-hindert den Luftzutritt. Im übrigen müssen wir Farbe und Gewebsart nach
-der Individualität unseres Körpers, nach der Jahreszeit und dem Grade
-unserer Abhärtung einrichten. Beengendes Schuhzeug verändert
-nicht nur die Form unserer Füße zum Nachteil, sondern behindert auch
-Gelenkigkeit und Kraftentwicklung derselben. Was aber ein festes Stehen
-bedeutet, wenn die Zehen und die Sohle im stande sind, sich gleichsam am
-Erdboden festzukrallen, weiß der Ringer besonders hoch zu schätzen.
-
-[Abbildung: Tafel XIV.
-
-Fig. 37. Turnen und Spielen der Frauen und Kinder.]
-
-[Abbildung: Tafel XV.
-
-Fig. 38. =Gesundheitsarbeit der Frauen und Kinder.=
-
-1. Einseitiges Tiefatmen. 2. Gleichgewichtsübungen am Schwebebaum. 3. Am
-Reck.]
-
-Der ~Schlafraum~ muß stets gut ventiliert und der Luftzutritt am besten
-durch ein geringes Offenstehen der Fenster gewährleistet sein. Es kommt
-nicht auf ein Schlafen in ~kalten~ Räumen an; dieses kalte Schlafen kann
-gelegentlich sogar von Nachteil sein; sondern die ~Lufterneuerung~ ist
-das Wesentliche. Denn der Luftvorrat eines Raumes wird in bestimmter
-Zeit je nach seiner Größe und nach der Zahl der Atmenden mehr oder
-weniger rasch verbraucht. Eine einmal verdaute Speise pflegen wir wegen
-der Unappetitlichkeit und Schädlichkeit nicht zum zweitenmale zu
-genießen; dies gilt auch für den Genuß der Luftspeise. Auch der Luftkot
-sollte nicht wiederum als Atmungsspeise gebraucht werden.
-
-
-^d^) ~Licht-Luftbadregeln~.
-
-Um mit Vorteil in ~Licht~ und ~Luft~ zu ~baden~, muß der Anfänger
-~gewisse Regeln~ beobachten. Am besten ist es für denselben in der
-~warmen~ Jahreszeit bei sonniger Witterung mit dem Licht-Luftbaden zu
-beginnen und zwar den Körper zunächst nur ~teilweise~ den
-Witterungsfaktoren auszusetzen, allmählich ein Kleidungsstück nach dem
-anderen abzulegen und die ~Zeit~ des Badens anfangs nur ~kurz~ zu
-bemessen, bis eine völlige Gewöhnung an die Luftfaktoren eingetreten
-ist. So wird der Badende stärkere Reaktionen des Körpers vermeiden. Bei
-grellem Sonnenlicht ist es gut, den Aufenthalt in der Sonne mit dem im
-Schatten häufig zu wechseln, sowie beim Liegen oder Stillstehen in der
-Sonne die Lage des Körpers öfters zu wechseln, damit nicht ein Teil des
-Körpers einseitig besonnt wird. Sonst entsteht bei den zartbehäuteten
-Menschen sicherlich eine Hautentzündung, welche durch lästiges
-Hautjucken, ja schmerzhaftes Brennen, während mehrerer Tage dem Badenden
-den Licht-Luftgenuß verleidet. Ist der Sonnenbrand jedoch eingetreten,
-so fette man, um die Spannung der Haut zu vermindern, dieselbe mit einem
-reinen Pflanzenfett ein, und lege darüber kühlende Wasserkompressen und
-setze den entzündeten Teil nur mäßig und nur mit Hemd oder einem anderen
-kühlen Leinentuch bedeckt, der Luft in den nächsten Tagen aus; hüte sich
-aber kühles Wasser aufzugießen und den benetzten Körper abermals
-ungeschützt der Sonne anzusetzen; eine stärkere Entzündung wäre die
-Folge. Kaltes Wasser soll selbst der Abgehärtete nicht unmittelbar auf
-die sonnendurchglühte Haut einwirken lassen, sondern der Wasserabkühlung
-stets erst eine gewisse Luftabkühlung vorangehen lassen. Die Haut wird
-sonst zu spröde und die Nerven von der Peripherie aus zu stark gereizt.
-Der Kopf sollte anfangs durch eine helle Bedeckung geschützt werden.
-Scharlach- und masernähnliche Ausschläge, wie sie häufig im Luftbade
-beobachtet werden, sind als Selbstreinigung des Körpers aufzufassen und
-dürfen nicht zum Aussetzen des Luftbadens veranlassen. Die licht- und
-luftgewöhnte Haut des Europäers tauscht ihre weiße Farbe gegen eine
-bronzegefärbte ein. Bei kalter Luft soll man für ausgiebige Bewegung bis
-zur Schweißerzeugung sorgen. Der ausgebrochene Schweiß ist abzuwaschen.
-Tritt Frösteln oder Gänsehaut auf, so reibe man den Körper trocken bis
-zum Ausgleich. Bei Regen soll man das Luftbad nicht unterbrechen,
-sondern durch stärkere Bewegung ein etwaiges Kaltwerden des Körpers
-ausgleichen. Diese Regeln gelten für den gesunden Menschen, der Kranke
-hole sich vor dem Luftbade vom Arzte das Lichtluftrezept. Nierenkranke
-müssen besonders naßkalte Luft scheuen, nur sonnendurchglühten,
-trockenen, warmen Erdboden mit bloßen Füßen betreten, sonst stets die
-Füße mit warmer Fußbekleidung bewaffnen.
-
-
-^e^) ~Die Aufstellung eines individuellen Bewegungssystems~.
-
-Ebenso wie die Kenntnis und die richtige individuelle Anwendung der
-Lichtluftbadregeln ist auch die richtige individuelle Ausnutzung der
-Bewegungsgesetze notwendig. Deshalb muß derjenige, der seinen Körper in
-das richtige Kraft- und Schönheitsverhältnis bringen will, sich ein
-~System der Bewegung~ schaffen, das seiner ~Individualität~ Rechnung
-trägt.
-
-Dazu ist es notwendig, daß er zunächst die ~schwachen Punkte~ seines
-Körpers ausfindig macht und dieselben solange übt, bis sie in die Kraft-
-und Schönheitsproportionen des Körpers völlig hineinpassen.
-
-Dies erreicht er auf mehrfache Weise. Die einfachste Methode ist die,
-daß er im Zimmerluftbade den nackten Körper ~vor dem Spiegel
-durchmustert~. Entdeckt er dabei, daß er z. B. dünne Waden und dicken
-Bauch besitzt, so wird er die Waden- und die Bauchmuskulatur solange
-üben, bis der Ausgleich erfolgt ist. Ist der Vorderarm im Verhältnis zum
-Oberarm dünn, so wird er die Vorderarmmuskeln besonders anstrengen. Eine
-zweite Art, die schwachen Körperteile aufzufinden, ist die durch
-~Messung~. Dieselbe muß eine doppelte sein, nämlich erstens in Rücksicht
-auf die Dicke der Gliedmassen. Und zwar muß das Dickenverhältnis von Arm
-und Bein und Hals etc. der einen Körperhälfte und dann das gegenseitige
-Verhältnis beider Körperhälften festgestellt werden. Zweitens müssen die
-Längenproportionen des Körpers gemessen werden. Nur so wird man die
-Disharmonie im Körperaufbau erkennen und ein System des harmonischen
-Ausgleichs aufstellen können.
-
-Zur Anleitung, die ~Dickenverhältnisse~ des Körpers zu messen, diene
-nebenstehende Maßfigur und folgende Erläuterungen.
-
-Wade, Hals und der gespannte Oberarm sollen gleich dick sein; der Umfang
-der Faust ergibt die Größe des Herzens.
-
-[Abbildung: Fig. 39. Die Dickenverhältnisse des Körpers.]
-
-Der Brustumfang, gemessen in der Höhe der Brustwarzen, soll mindestens
-die Hälfte der Körperlänge betragen. Der Unterschied der Brustmaße bei
-tiefster Ein- und Ausatmung soll mindestens 8 ^cm^ groß sein.
-
-Bei ausgewachsenen Männern beträgt der Tiefendurchmesser oben 16,5
-^cm^, unten 19,2 ^cm^; der Breitendurchmesser 26 ^cm^. Beide
-Brusthälften sollen gleich groß und gleichmäßig erweiterungsfähig sein.
-
-Zahl der Atmungen in der Minute 16-20; Zahl der Pulsschläge bei Kindern
-100-140, bei Erwachsenen 60-80, bei Greisen 70-90. Die Pulsschläge
-müssen regelmäßig sein.
-
-Zur Bestimmung der ~Längenverhältnisse~ des Körpers diene der
-~Proportionsschlüssel~ nach ~C. Schmidt~ und ~G. Fritsch~.
-
-Bereits im Altertum hat man Proportionslehren aufgestellt. Auf
-naturwissenschaftlicher Grundlage entwickelte in neuerer Zeit ~C. Carus~
-eine solche, indem er die „freie” Wirbelsäule (= Hals- + Brust- +
-Lendenwirbelsäule) zum Ausgangspunkt der Vergleichung nahm. Der Maler
-~X. Schmidt~ nahm die Beckenwirbelsäule als vierten Abschnitt hinzu und
-Prof. ~G. Fritsch~ verbesserte diese Methode. Dieselbe hat die Vorzüge
-der Einfachheit der Konstruktion, Exaktheit der Messung und leichten
-Berechnung. Mit Hilfe dieses Proportionsschlüssels kann man leicht an
-der Photographie eines lebenden Körpers die Proportionsfehler ablesen.
-
-Das bestimmende Grundmaß (= ^modulus^) ist die Länge der Wirbelsäule,
-gemessen vom unteren Rand des Nasenstachels bis zum unteren Rande der
-Schamfuge beim Mann, bis zum oberen Rande derselben beim Weibe. Dieses
-Grundmaß ^WW^₁ wird in vier gleiche Teile ^WB^, ^BM^, ^MN^, ^NW^₁
-geteilt; setzen wir eine ¼ Maßeinheit (Untermodulus) ^KW^ nach oben
-hin an, so erhalten wir die Oberhöhe des Körpers ^KW^₁ vom Scheitel bis
-zur Schambeinfuge, haben also nun 5 gleiche Maßeinheiten. Errichten wir
-auf der Grenze der 2. und 3. Maßeinheit, in ^B^ auf der Oberhöhe ^KW^₁
-nach beiden Seiten eine Senkrechte von der Länge einer Teil-Maßeinheit,
-so erhalten wir links den Drehpunkt des linken Schultergelenks ^Sch.l^,
-rechts den entsprechenden Drehpunkt ^Sch.r^. Konstruieren wir in
-gleicher Weise in ^W^₁ nach links und rechts Senkrechte von der Länge
-einer halben Teilmaßeinheit, so bekommen wir links den Drehpunkt des
-linken und rechts den Drehpunkt des rechten Hüftgelenks. Verbinden wir
-nun die Hüftgelenk- und Schultergelenkpunkte der entgegengesetzten
-Seiten, so schneiden sich diese im Nabelpunkte ^N^. Ziehen wir weiter
-von den Schulterdrehpunkten Linien durch den Nasenstachelpunkt ^W^ und
-von ^K^ aus Parallelen zu diesen, so erhalten wir das Kopfquadrat ^K^,
-^Gl^, ^W^, ^Gr^, dessen quere Diagonale der Gesichts- resp. Kopfbreite
-entspricht. Konstruieren wir schließlich in der Höhe des oberen
-Brustbeinrandes, im Grenzpunkt der 2. und 3. Teilmaßeinheit, in ^B^,
-Parallele zu ^Sch.l W^ und ^Sch.r W^, so schneiden diese die
-Schulterhüftlinien und wir erhalten den linken und rechten
-Brustwarzenpunkt, ^Br Wl^ und ^Br Wr^.
-
-Für die Länge der Gliedmassen bekommen wir folgende Proportionen:
-
- ~Obere Extremität~:
-
- ^Sch.l-BrWr^, linkes Schultergelenk bis rechte Brustwarze = ^Sch E^ =
- Oberarmlänge,
-
- ^Sch.r-N^, rechtes Schultergelenk bis Nabel = ^UE^ = Unterarm,
-
- ^N-H^, Nabel bis Hüftgelenk = ^UP^ = Hand.
-
- ~Untere Extremität~:
-
- ^Br Wl-Hr^, linke Brustwarze bis rechte Hüfte = ^HKn^ = Oberschenkel,
-
- ^Br Wl-Hl^, Brustwarze bis Hüfte derselben Seite = ^KnF^ =
- Unterschenkel.
-
-Die Fußhöhe ist annähernd gleich einem halben Untermodulus, die Fußlänge
-gleich einer reichlichen Unterarmlänge. Die gesamte Körperlänge ^KL^ =
-10⅓ Untermoduli. Der Brustwarzenabstand ist gleich einer Kopflänge. Das
-Verhältnis von Kopflänge zu Untermodulus ist wie 3 : 4.
-
-Hiernach ist es leicht, durch Vergleich mit der „normal-idealen”
-Gestalt die Abweichungen des eigenen Körpers festzustellen.
-
-[Abbildung: Fig. 40. Proportionsschlüssel.]
-
-Die ~dritte Methode~, die schwachen Punkte des Körpers aufzufinden, ist
-die ~Durchmusterung des Körpers während der praktischen Uebungen~. Man
-muß dieselben nur recht vielseitig gestalten, um zu einem richtigen
-Resultat zu kommen. Der Ermüdungsschmerz, die mangelnde Geschicklichkeit
-und Ausdauer werden bei einiger Selbstbeobachtung von selbst deutlich.
-
-In der heutigen Kultur wird durch das Geistestraining während der
-Schulzeit und durch die hochgesteigerten Anforderungen des Beruflebens
-abnorm viel Zeit verbraucht. Es bleibt uns zur Uebung unserer
-Sinnesorgane und unseres Körper keine Zeit übrig. Anregungen zur
-körperlichen Betätigung und Oertlichkeiten, die bequem und leicht zu
-erreichen und kostenlos zu benutzen sind, mangeln. Ein ein- oder
-zweimaliges Ueben in der Woche ist zur Erlangung starker, schöner und
-gesunder Körper, zu wenig. Die systematische körperliche Verkrüppelung
-durch die Schule wird solange bestehen, als nicht mindestens 1-2 Stunden
-~täglicher~ systematischer und individueller Körperpflege getrieben
-wird, die genau so streng wie jede geistige Leistung zensiert wird. Das
-gesamte Lernpensum der Körperübungen müßte in einzelne Klassenpensen
-entsprechend Anlagen und Altersstufen eingeteilt werden, eine Versetzung
-in die nächst höhere Turnklasse dürfte nicht früher stattfinden, als das
-Pensum der früheren Klasse spielend beherrscht wird, und nicht eher
-dürfte der Gymnasiast oder Realschüler das Reifezeugnis erhalten, ehe er
-nicht das Pensum der Turn-Prima absolviert und darüber sein Staatsexamen
-abgelegt hat.
-
-Solange nun aber die Einseitigkeit unserer Ausbildung und die
-angeführten Kulturmängel weiterbestehen, müssen wir uns mit ~privaten
-häuslichen Uebungen~ behelfen. Große Turnapparate im Hause aufzustellen,
-verbieten Platz- und Geldmangel. Der Nacktturner wird deshalb für seine
-körperliche Ausbildung ein System wählen müssen, das er ohne Apparate
-mit Leichtigkeit im eignen Heim gebrauchen kann.
-
-Vielerlei Systeme und Anweisungen sind für die Zimmergymnastik empfohlen
-worden, sie entbehren jedoch in der Mehrzahl trotz vieler Vorzüge nicht
-der Nachteile. Am besten erscheint mir noch das sogenannte
-Sandow-Hantelsystem. Aber auch dieses ist nicht fehlerfrei,
-hauptsächlich aus dem Grunde, weil es nicht genügend die ~Atemschulung~,
-das ~Geschmeidigmachen~ des Körpers und seine ~Kraftproportionen~
-berücksichtigt. Das Leben fordert aber gerade von uns ~Geschicklichkeit~
-und ~Ausdauer~ und erst in zweiter Linie Kraft.
-
-Was die Kraftproportionen des Körpers betrifft, so verweise ich auf die
-hervorragenden, wissenschaftlichen Aufschlüsse, die uns Dr. ~Herz~ in
-Wien durch seine Untersuchungen brachte. Er bestimmte experimentell die
-mittleren Zugkräfte der einzelnen Muskelgruppen und das ~Verhältnis der
-Kräfte der verschiedenen Muskelgruppen untereinander~. Dieses
-wissenschaftliche Ergebnis habe ich für die Aufstellung des von mir
-empfohlenen Systems benutzt. ~Sämtliche Muskeln beider Körperhälften
-werden nacheinander in bestimmtem systematischen Aufstieg und bestimmtem
-Wechsel geübt. Geschicklichkeits- und Atemübungen wechseln mit
-Kraftübungen~. Die Uebungen sind ~regelmäßig~ und ~täglich~ vorzunehmen
-und mit Energie, d. h. mit sog. doppelter Muskelspannung zu Ende zu
-führen. Für die Zeit der Uebungen ist festzuhalten, daß sie nicht
-unmittelbar nach einer größeren Mahlzeit auszuführen sind, sondern erst,
-nachdem mindestens 2 Stunden nach derselben vergangen sind. Auf die
-Uebungen folgt am besten Ruhe oder eine Mahlzeit, oder beides. Der
-siebente Tag ist ein ~Ruhetag~, an dem man ohne Hanteln mehrmals jede
-bringt. Diese Energiebetätigung des Gehirns wirkt ~krafterhaltend~. Das
-Prinzip der Muskelspannung betätige man auch an allen unfreiwilligen
-Ruhetagen z. B. auch auf Reisen.
-
-Ein- bis zweimal wöchentlich oder noch öfter suche man in Kräfte- und
-Gewandtheitskonkurrenz mit anderen zu treten gelegentlich gemeinsamen
-Turnens am besten durch ~Ringen~. Was für die Männer die ~Griffkunde~
-ist, bedeutet für die Damen die ~Tanzkunst~. Auch jede sonstige
-körperliche Betätigung, die der Beruf oder eine andere Gelegenheit
-schaffen, benutze man freudig. Die Uebungen führe man möglichst unter
-Kontrolle des Gesichts, d. h. vor dem Spiegel aus. Die stete Beobachtung
-der Fortschritte im Kraftaufbau und schönheitlicher Modellierung des
-Körpers schaffen Freude am Erreichten und regen zu neuem Streben an. Man
-arbeite bei ~gleichzeitiger Kritik des Verstandes unter Beobachtung
-aller aufgeführten Gesundheitsregeln und unter Berücksichtigung der als
-schwach im Körper erkannten Punkte~. Man steigere Zahl und Schwierigkeit
-nicht früher als bis man das alte Pensum wirklich beherrscht. Man bleibe
-sich bewußt, ~daß jedes System stets eine Verallgemeinerung ist, das
-nicht für alle Verhältnisse paßt, das man stets zum eignen Nutzen
-individuell gestalten muß~. Nur so wird das, was man durch systematische
-und individuelle Nacktgymnastik erreicht, eine ~Kulturarbeit für die
-eigene Person und für die Allgemeinheit~.
-
-
-
-
- #Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.#
-
-
- Zur Betätigung einer =guten, körperlichen Gesundheitspflege, die auch
- in gewissen krankhaften Zuständen in Frage tritt=, hat ^Dr.^ ~Paul
- Jaerschky~ ein
-
- #System der Gymnastik#
-
- herausgegeben, welches er in einer
-
- =Uebungs-Wandtafel mit 24 Uebungs-Abbildungen und entsprechendem Text
- -- nebst einer Uebungstabelle für Kinder -- einer Uebungstabelle für
- Frauen und Mädchen über 15 Jahre -- einer Uebungstabelle für Jünglinge
- und Männer= (die auch Schwergewichtsübungen enthält)
-
- niedergelegt hat.
-
- Diese sehr schön ausgestattete Uebungstafel nebst Text, sowie die dazu
- gehörigen Uebungstabellen sind apart käuflich für
-
- =#nur 80 Pfg.#=
-
- =Für ein gesundheitliches Training sind diese Tafeln
- für jedermann von größtem Nutzen.=
-
- * * * * *
-
- =Preis des Einzelheftes 35 Pfg.=
-
- [Abbildung:
-
- Kraft und
- Schönheit
-
- „Wir wollen eine kräftige Generation!”
- Kaiser Wilhelm II.
- Schulkonferenz 1890
-
- Januar 1904.
-
- 4. Jahrgang = No. 1.
-
- Zeitschrift für vernünftige
- Leibeszucht]
-
- =Erste Deutsche Monatsschrift=
- für
- =Körper-Kultur,=
-
- Künstlerischer Umschlag und
- Bildschmuck von Fidus · ·
-
- Behandelt fesselnd die erfolgbewährten Grundsätze
- der ~vernünftigen Leibeszucht~, nach
- denen die Ausbildung zu =Körperkraft, Formenschönheit,
- kernfester Gesundheit und
- steter Geistesfrische= allein möglich ist.
-
- Dieses einzelartiges Blatt lehrt allen Gebildeten
- =weise Lebenskunst= und zeigt den naturgemäßen
- Weg zum Ideale des =Vollmenschentums=.
-
- =Vereinigung Höchster Körper-
- und Geisteskraft
- bei seelicher Gesundheit.=
-
- =Glänzende Auffäße . Wunderbare Bilder=
-
- =Probenummern
- vom Verlag Berlin ^W^ 9, Linkestr. 13.=
-
- * * * * *
-
- #Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.#
-
- =Körperpflege durch Wasseranwendung=
-
- von =Prof. ^Dr.^ H. Rieder= in München.
-
- 202 Seiten mit 8 Tafeln und 20 Text-Abbildungen.
- Brosch. =1.60 Mark=. Eleg. geb. =2 Mark=.
-
- ~Inhalt~: I. Teil: Geschichtliches. II. Teil: Physikalische
- Eigenschaften des Wassers. III. Teil: Aeußerliche Wasseranwendung:
- Wirkungen des Wassers auf die einzelnen Körperteile. Regeln und
- Vorschriften für den äußerlichen Gebrauch des Wassers. Reaktion und
- Wiedererwärmung der Haut -- ~Kalte Abwaschungen~ und ~Abreibungen~ der
- Haut -- ~Umschläge~, ~Wickelungen~ und ~feuchte Einpackung~ --
- ~Vollbad~ -- ~Halbbad~ -- ~Teilbad~ -- ~Uebergießungen~ und ~Duschen~
- -- ~Schwitz~- und ~Dampfbäder~ -- ~Wasseranwendungen bei Kindern~. IV.
- Teil: Innerliche Wasseranwendung.
-
- Das interessante Buch hat die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder mit
- besonderem Dank empfangen und die lehrreiche Schrift unter ihren
- Mitgliedern kursieren lassen. Wir werden nicht verfehlen, in unseren
- Veröffentlichungen davon gebührend Notiz zu nehmen, und sagen für die
- Beachtung unserer Bestrebungen verbindlichsten Dank.
-
- „Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder, Univ.-Prof. ^Dr.^
- =Lassar=.”
-
- Das Buch von Prof. Rieder ist bestens willkommen zu heißen.... Es
- sollte in keinem Hause fehlen, auch Volks- und Schulbibliotheken darf
- es zur Anschaffung warm empfohlen werden.
-
- „=Ueber Land und Meer.=”
-
- * * * * *
-
- Hanteln · Sandowapparate
- Arm- und Bruststärker · Keulen
- Turngeräte aller Art · Discus.
-
- Sämtliche Artikel
- zur Körper- und Gesundheitspflege
-
- sowie zur
-
- Schönheitspflege für Damen
-
- Gesundheitsmieder
- Reformunterkleidung · Luftbadhemden
- Luftbadeanzüge
-
- für Kinder und Erwachsene
-
- Poröse Ober- und Unterkleidungsstoffe
- Alkoholfreie Getränke aller Art.
- Gesundheits-Nährmittel.
-
- =Reform-, Kauf- und Versandhaus
- Carl Braun
- Berlin 64 S., #Kottbuserdamm 5.#=
-
- * * * * *
-
- =Schafft Luft, viel Luft auf die Haut!=
-
- [Abbildung]
-
- Im Sommer kühl, im Winter warm!
- Geknotete Netz-Unterkleider
- Wolle, Seide, Baumwolle!
- von =Carl Mez & Söhne, Freiburg= (Baden)
-
- werden von ärztlichen Autoritäten begutachtigt wie folgt:
-
- -- sie sind die passendste unmittelbare Bekleidung der Haut. (Prof.
- Dr. med. =Hecker=, Freiburg), -- sie verhüten Erkältungskrankheiten
- und sind die reinlichsten Unterkleider (Prof. Dr. med. =Eichstadt=,
- Greifswald), -- sie sind besonders jehnen zu empfehlen, die Neigung zu
- Erkältungen haben (Prof. Dr. med. =Bamberger=, Wien) -- sie sind dem
- Flanellunterhemd oder einem sonstigen aus Wollstoff gefertigten
- Unterleibchen vorzuziehen (Prof. Dr. med. =G. Jäger=, Stuttgart).
-
- Personen mit reizbarer Haut empfehlen wir das Tragen unserer
- =knotenlosen Zellenstoff-Unterkleider=. Prospekte und Zeugnisse
- gratis.
-
- Als =Neuheit= empfehlen wir:
-
- =Dr. med. Walser’s 2schichtige Rippenkrep Wäsche.=
-
- [Abbildung]
-
- Sie schützt besser vor Erkältung als Woll-Tricot. Die Rippen aus
- Seide, Wolle, Baumwolle oder Chinagras halten die =poröse= Hemdfläche
- vom Körper ab, so dass das Hemd, wenn von Schweiss durchtränkt, nie
- lästig fällt. Ein Versuch wird lehren, dass das Rippenkrepp-Hemd das
- ~billigste~, zweckmässigste und dauerhafteste ist, was es gibt.
-
- Prospekte versenden die alleinigen Fabrikanten:
-
- =Carl Mez & Söhne=
- ~=Freiburg=~ (Baden).
-
- * * * * *
-
- #=Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=#
-
- [Abbildung: Gesundheit ist Reichtum!
-
- Neu!
-
- _Wichtige Belehrungen über die
- Gesunderhaltung u. die Vermeidung
- von Krankheiten ihres Geschlechts
- findet jede Frau in dem von berufener
- Seite herausgegebenen Buche:_
-
- =Ursachen und Verhütung=
- --von--
- =Frauenkrankheiten=
-
- =von Univ.-Dozent Dr. Schäffer.=
-
- Mit 21 Abbild. Eleg. Geb. nur =M. 1.50.=
-
- _Manches Frauenleben kann erhalten
- bleiben bei rechtzeitiger Kenntnis
- der Krankheitsursachen, selbst
- der gefürchtete Krebs ist sodann
- heilbar! Bei Einsendung von M. 1.70
- franco in geschlossenem Couvert
- durch die Verlagsbuchhandlung:_
- =Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=]
-
- Auf der Ausstellung für =Wohlfahrts- und Gesundheitspflege= in
- =Berlin= unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin wurde die
-
- =Bibliothek der
- Gesundheitspflege=
-
- mit der
-
- == goldenen Medaille ==
-
- =prämiert.=
-
- =Kataloge der Bibliothek der Gesundheitspflege
- gratis und franko.=
-
- * * * * *
-
- =Wormser
- Weinmost=
-
- unvergoren, (alkoholfreier), daher vollwertiger Traubensaft, hochedel,
- trinkfein, naturrein, unverdünnt, ohne Zusatz von Zucker oder
- Conservierungsmittel, unbegrenzt haltbar, wird von ärztlichen
- Autoritäten, unter anderem
-
- #=von Dr. med. Paul Jaerschky=#
-
- seit Jahren mit grossem Erfolge bei Stärkungskuren verordnet und für
- die Tafel verwendet. Näheres durch die
-
- =Deutsche Weinmost-Kelterei H. Lampe & Co.=, G.m.b.H.,
- =Worms a. Rh. u. Nierstein-Oppenheim a. Rh.=
- Grösste Deutsche Traubensaft-Kelterei.
-
- * * * * *
-
- [Abbildung: Gesundheid ist Reichtum!
-
- Neu!
-
- =#Die anerkannt besten Schriften ihrer Art!
- v. Sicherer, Dozent Dr., München.#=
-
- =Hygiene des gesunden und
- kranken Auges.=
-
- 130 Seiten mit 3 col. Taf. u. 12 Textabb.
- Brosch. ℳ 1.20, #eleg. geb. =nur ℳ 1.50.=#
-
- =#Haug, Prof. Dr., München.#=
-
- =Hygiene des gesunden und
- kranken Ohres.=
-
- == 104 Seiten mit 3 Tafeln. ==
-
- Brosch. 80 ₰, #eleg. geb. =nur ℳ 1.--.=#
-
- =#Neumayer, Dozent Dr., München.#=
-
- =Hygiene der Nase, des
- Rachens, des Kehlkopfes
- im gesunden und kranken Zustande.=
-
- == 160 Seiten mit 3 Tafeln. ==
-
- Brosch. ℳ 1.20, #eleg. geb. =nur ℳ 1.50.=#
-
- =#Port, Prof. Dr., Heidelberg.#=
-
- =Hygiene der Zähne und
- des Mundes
- im gesunden und kranken Zustande.=
-
- 94 Seiten mit 2 Tafeln u. 6 Textabb.
-
- Brosch. 80 ₰, #eleg. geb. =nur ℳ 1.--.=#
-
- == Vom k.k. Ministerium des Innern
- in Wien amtlich empfohlen. ==
-
- Verlag von
- =Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=]
-
- * * * * *
-
- _Die Bände der =Bibliothek der
- Gesundheitspflege= sind auf der
- Ausstellung für Wohlfahrts- und
- Gesundheitspflege in Berlin 1904
- unter dem Protektorate Ihrer Majestät
- der Kaiserin mit der =goldenen
- Medaille= prämiiert worden._
-
- == _Prospekte gratis und franco._ ==
-
- * * * * *
-
- [Abbildung: Der Hygiene gehört
- die Zukunft!
-
- Broschirt
- ℳ 1.20.
-
- Eleg. geb.
- ℳ 1.50.
-
- =Hygiene=
- des
- =Magens, Darms=
- der =Leber= und =Niere=
- im ges. u. kranken Zustande
-
- von
- =Prof. Dr. A. Ewald=
- Geh. Med. Rat
- =Berlin.=
-
- Wichtig
- für
- Jedermann.
-
- 136 Seit.
- mit vielen
- Abbildungen.
-
- Verlag von
- =Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=]
-
- [Abbildung]
-
- [Abbildung: Der Hygiene gehört
- die Zukunft!
-
- =Hygiene des Herzens=
- im gesunden u. kranken Zustande
-
- von
-
- =Prof. Dr. H. Eichhorst
- Direktor der Univ.-Klinik Zürich.
- Wichtig für jeden Herzkranken!=
-
- _94 Seiten mit 10 Original-
- Illustrat. auf 6 Tafeln._
-
- Verlag von Ernst
- Heinr. Moritz,
- Stuttgart.
-
- =Neu!=
- Brosch.
- M. =1.20.=
-
- =Neu!=
- Eleg. geb.
- M. =1.50.=]
-
- * * * * *
-
- =Verlag von Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart.=
-
- II. Serie:
-
- Bibliothek der Rechts- u. Staatskunde.
-
- Bd. 1. =Poellath, Regierungsrat, Arbeiterschutz.= 166 S. in 8º Brosch.
- 80 Pfg. auf holzfreiem Papier in Ganzleinwandband 1 Mark.
-
- Herr Prof. ~E. Franke~ schreibt: Die Schrift Poellaths möge in Staat
- und Gemeinde, bei Unternehmern und Arbeitern, bei Politikern aller
- Parteien ein ~echtes Hausbuch~ werden, aus dem man sich beständig
- Belehrung und Aufmunterung holt.
-
- Bd. 2. =Sinzheimer, Dozent, Dr., Arbeiterwohnungsfrage.= 190 Seiten in
- 8º Brosch. 1.60 Mark auf holzfreiem Papier in Ganzleinwandband 2 Mark.
-
- Die „Soziale Praxis” schreibt u. A.: #Zur Einführung in die
- Arbeiterwohnungsfrage wüßten wir keinen besseren Wegweiser# als diese
- vortreffliche Schrift, die alles Wissenswerte erörtert und andeutet.
-
- Bd. 3. =Harmann, Geheimrat, Prof. Konrad, Unfallverhütung in Technik
- u. Landwirtschaft.= 204 S. mit 80 Abbild. In Ganzleinwandband geb.
- 2.50 Mark.
-
- Bd. 4. =Matthiass, Prof. Dr., Die deutsche Rechtsentwickelung= von der
- alten Zeit durch das Mittelalter bis auf das B. G. B. und die
- Grundprinzipien des B. G. B. Erscheint anfangs 1905.
-
- Bd. 5/10. =Bernhöft, Prof. Dr., Das neue bürgerl. Recht in
- gemeinverständl. Darstellung.=
-
- I. Teil: =Einleitung und Allgemeiner Teil.= 12½ Bogen in 8º auf
- holzfreiem Papier in Ganzleinwandband 1 Mk. 50 Pfg.
-
- II. Teil: =Recht der Schuldverhältnisse.= 18½ Bogen in 8º auf
- holzfreiem Papier in Ganzleinwand 2 Mark.
-
- III. Teil: =Sachenrecht. 1. Abt.: Rechte an Grundstücken insbes.
- Hypothekenrecht.= 11 Bogen in 8º auf holzfreiem Papier in
- Ganzleinwandband 1 Mark 50 Pfg.
-
- III. Teil: =Sachenrecht. 2. Abt.: Rechte an beweglichen Sachen.= 8
- Bogen in 8º auf holzfr. Papier in Ganzlwdb. M. 1.50.
-
- =Familienrecht und Erbrecht= erscheinen 1905.
-
- Das Werk ist empfohlen worden von den kgl. bayerischen Ministerien der
- Justiz, des Innern und der Finanzen, dem herzogl. Ministerium in
- Braunschweig und dem herzogl. sächs. Ministerium in Coburg, ferner vom
- Reichspostamt an die Oberpostdirektionen und vielen anderen Behörden.
-
- III. Serie:
-
- Bibliothek der Naturkunde u. Technik.
-
- ^a^) Naturkunde.
-
- Bd. 1. =Hartwig, Prof., Einführung in die praktische Physik=: ~Physik
- der Materie~: Lehre von den Bewegungen (Mechanik) v. Schall (Akustik)
- u. v. d. Wärme. Ersch. 1905.
-
- Bd. 2. =Hartwig, Prof., Einführung in die praktische Physik=: ~Physik
- des Äthers~: Lehre von der Elektrizität, des Magnetismus und dem
- Lichte.
-
- Bd. 3. =Ahrens, Prof. Dr., Einführung in die praktische Chemie:
- Unorganischer Teil.= 160 Seiten mit 24 Abbildungen. In
- Ganzleinwandband geb. 1 Mark.
-
- Bd. 4. =Ahrens, Prof. Dr., Einführung in die praktische Chemie:
- Organischer Teil.= 144 Seiten mit 22 Abbildungen. In Ganzleinwandband
- geb. 1 Mark.
-
- In Vorbereitung befindet sich:
-
- =Jaekel, Prof. Dr., Entstehung und Entwickelungsgeschichte der Erde.=
- Mit vielen Abbildungen. Erscheint anfangs 1905.
-
- ^b^) Technik.
-
- Bd. 2. =Kleinstüber, Reg.- u. Schulrat Prof., Die Entwickelung der
- Eisenindustrie und des Maschinenbaues im 19. Jahrhundert.= 180 Seiten
- in 8º auf holzfreiem Papier. Brosch. 80 Pfg., geb. in Ganzleinwandband
- 1 Mark.
-
- Die Sammlung wird cirka 15 Bändchen enthalten, welche in
- systematischem Aufbau die Naturwissenschaft und Technik zur
- Darstellung bringen wird.
-
- Keine Arbeiter-, Schüler- und Volksbibliothek sollte die Anschaffung
- dieser anerkannt guten Bücher versäumen; dieselben eignen sich auch in
- vortrefflicher Weise zu Schulprämien.
-
- IV. Serie:
-
- Illustr. deutsche Handwerkerbibliothek
-
- Bd. 1. =Güttinger, G., Der praktische Bäcker.= Ein Hilfsbuch und
- Leitfaden zur Ausübung des Bäckerhandwerkes. 150 Seiten in 8º mit 15
- Illustrationen. Geb. 1 Mark.
-
- Bd. 2. =Wenger, G., Der praktische Fleischer.= Ein Hilfsbuch und
- Leitfaden zur Ausübung des Fleischergewerbes. 165 Seiten 8º mit 23
- Illustrationen. Geb. 1 Mark.
-
- Bd. 3/5. =Michel, K., Der praktische Bierbrauer.= Ein Hilfsbuch und
- Leitfaden zur Ausübung der Malz- und Bierbereitung. 495 Seiten in 8º
- mit 129 Illustr. Geb. 3 Mark.
-
- Bd. 6/7. =Kallenberg, O., Der praktische Klempner.= Ein Hilfsbuch und
- Leitfaden für jeden Blecharbeiter, als Klempner, Flaschner, Spengler,
- Blechner, Blechschmied, Schlosser, Kupferschmied u. s. w. 228 Seiten
- in 8º mit 108 Illustr. Geb. 2 Mark.
-
- Bd. 8/9. =Pape, R., Der praktische Schuh- u. Schäftemacher.= Ein
- Hilfsbuch und Leitfaden zur Ausübung des Schuhmacherhandwerks. Mit
- vielen Illustr. Geb. 2 Mk.
-
- Die „~Ostpreußische Handwerkszeitung~” schreibt: Leider ist die
- Auswahl wirklich guter Lehrbücher im Handwerk bisher recht mangelhaft
- gewesen. Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß hier gute und
- billige Werke geboten werden, die für Lehrlinge, Gesellen u. Meister
- bei Ausübg. ihres Gewerbes unentbehrlich werden.
-
- Für jeden Gewerbetreibenden sei empfohlen:
-
- =Zwiesele, Dr., Buchführung, Wechselkunde und Kalkulation des
- Handwerkers in Frage und Antw.= gr. 8º. Leinwand geb. 1 Mark 20 Pfg.
-
- Desgleichen =für Schneider=. gr. 8º. In Leinwand geb. 1 Mk. 50 Pfg.
-
- Desgleichen =für Schuhmacher=. gr. 8º. In Leinwand geb. 1 Mk. 50 Pfg.
-
- =Die Bände eignen sich auch zu Prämien für Schüler der Gewerbe- und
- Fortbildungsschulen.=
-
- =Die Sammlung wird fortgesetzt.=
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Inkonsistenzen in Rechtschreibung usw. und ungewöhnliche Ausdrücke
- sind beibehalten worden, außer wie unten erwähnt.
-
- S. 6: die Übungstafel und die Übungstabellen fehlen.
-
- S. 91, Fig. 23: die Nummer 6 (drei Mädchen im Hintergrund) fehlt im
- Beischrift.
-
- Änderungen:
-
- Fußnoten wurden direkt unter den entsprechenden Absatz verschoben.
-
- Einige offensichtliche Rechtschreibungs-, Druck- und
- Interpunktionsfehler sind stillschweigend korrigiert worden.
-
- Bibliothek der Gesundheitspflege, 10^a^: Knochenerweichung -->
- ~Knochenerweichung~
-
- S. 14: Xantinkörpern --> Xanthinkörpern
-
- S. 25: Das Herz leistet also ... --> „Das Herz leistet also ...
-
- S. 30: ... ist eine mäßige Herzhypertrophie ... --> ... ist „eine
- mäßige Herzhypertrophie ...
-
- S. 37: Francois Delsarte --> François Delsarte
-
- S. 44: so muß ebenfalls --> so muß man ebenfalls
-
- S. 46: Mederatorische --> Moderatorische
-
- S. 47: so daß jede die Geschicklichkeit, ist also eine Schule der
- Koordination; es des Kraftaufwandes --> so daß jede des Kraftaufwandes
- (wiederholte Zeile); es fehlt eine Zeile zwischen ... so daß jede ...
- und ... des Kraftaufwandes
-
- S. 56: ” eingefügt nach ... nicht nachsagen kann.
-
- S. 137: Malzeit --> Mahlzeit; wiederholte Zeile gelöscht (Ruhe oder
- ... siebente Tag); zwischen ... mehrmals jede ... und ... bringt fehlt
- eine Zeile
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Körperpflege durch Gymnastik, by Paul Jaerschky
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KÖRPERPFLEGE DURCH GYMNASTIK ***
-
-***** This file should be named 55187-0.txt or 55187-0.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/5/1/8/55187/
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
-permission and without paying copyright royalties. Special rules,
-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
-copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
-protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
-do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
-research. They may be modified and printed and given away--you may do
-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
-subject to the trademark license, especially commercial
-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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-
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-distribution of electronic works, by using or distributing this work
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-
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-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
-located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
-copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
-freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
-this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
-the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
-keeping this work in the same format with its attached full Project
-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
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-
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-1.E.9.
-
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-permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
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-License terms from this work, or any files containing a part of this
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-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
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-copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
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-License as specified in paragraph 1.E.1.
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-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
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-
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- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
-
-- You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
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