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-The Project Gutenberg EBook of Führer durch das böhmische Erzgebirge,
-das Mittelgebirge und die angrenzenden G, by August Weymann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
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-
-Title: Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete
-
-Author: August Weymann
-
-Release Date: July 2, 2017 [EBook #55027]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FÜHRER DURCH DAS BÖHMISCHE ***
-
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-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
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-
- Im Original hervorgehobener (gesperrter oder kursiver) Text ist _so
- ausgezeichnet_.
-
- Im Original fetter Text ist =so markiert=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
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-Verlag von Hans Feller in Karlsbad.
-
-
-Karlsbad
-
-in
-
-geschichtlicher, medicinischer und topografischer Beziehung
-
-von
-
-=Med. Dr. Eduard Hlawacek=,
-
-Ehrenbürger von Karlsbad.
-
-=Dreizehnte verbesserte und sehr vermehrte Auflage=
-
-31 Bgn. kl. 8°
-
-mit einem Situationsplan und zwei Ansichten von Karlsbad, sowie einer
-grossen Eisenbahnkarte von Mittel-Europa.
-
-Eleg. geb. (Bädekerband) fl. 3. österr. W. = M. 6.
-
-Dieses Buch enthält nebst einer vollständigen Orts- und medicinischen
-Geschichte von Karlsbad, einer mineralogisch-geologischen und
-physikalisch-chemischen Beschreibung seiner Mineralquellen,
-vorzugsweise eine möglichst vollständige Darstellung ihrer Heilkräfte,
-Heilanzeige und Gegenanzeige, wie auch ihrer verschiedenen innerlichen
-und äusserlichen Anwendungsformen vom ärztlichen Standpunkte; jedoch in
-einer im Wesentlichen jedem gebildeten Leser verständlichen Sprache und
-Darstellungsweise, indem die fremden medicinischen Ausdrücke so viel
-als möglich vermieden wurden.
-
-Der Kurgast insbesondere findet darin eine besondere Angabe der bei
-der Trink- oder Badekur zu beobachtenden diätetischen Vorschriften;
-überdies die nöthigen Aufschlüsse in geselliger und ökonomischer
-Beziehung, und eine vollständige Beschreibung der Promenaden
-und Fahrpartien, in welch' letzterer Beziehung der beigegebene
-Situationsplan einen bequemen und verlässlichen Wegweiser bildet.
-
-
-=Der Wegweiser für Karlsbad und die Umgebung.= Von Med. Dr. _Eduard
-Hlawacek_. Mit Situationsplan. Eleg. geb. M. 2, = österr. W. fl. 1.
-
-Diese kurze, doch umfassende Beschreibung bietet dem Kurgaste ausser
-einem _geschichtlichen_ Ueberblicke die nöthige Belehrung über die
-_Mineralquellen_ und das _diätetisch_e Verhalten während der Kur; sie
-ist ihm ein verlässlicher Wegweiser in der _Stadt_, bei den _Spazier-_
-und _Fahrpartien_, und unterrichtet ihn über die _ökonomischen_ und
-_geselligen_ Verhältnisse.
-
-
-=Aerztlicher Rathgeber für den Kurgebrauch in Karlsbad= von Med. Dr.
-_J. Kraus_. 8. Aufl. Mk. 2. = österr. W. fl. 1.
-
-Der »ärztliche Rathgeber«, der jetzt in 8. Auflage erscheint -- die
-erste wurde im Jahr 1872 ausgegeben -- ist, wie schon der Titel besagt,
-blos für das hiesige Badepublicum geschrieben und zwar in so populärer
-Weise, wie ärztliche Rathschläge überhaupt ertheilt werden müssen.
-
-
-=Ueber die wichtigsten Punkte der Diätetik während einer Karlsbader
-Kur= von Med. Dr. _Franz Sorger_. 8. Aufl. M. 1.20. = österr. W.
-fl. --.60.
-
-
-=Karlsbad, Heilmittel in einigen Arten von Magen- und Leberkrankheiten=
-von Med. Dr. _Franz Sorger_. 4. Aufl. M. 1.20. = österr. W. fl. --.60.
-
-Die hier ausgesprochenen Anschauungen sind das Ergebniss einer
-ziemlichen Anzahl von Beobachtungen und versuchen es, genauer zu
-bestimmen, in welchen Magen- und Leberkrankheiten von Karlsbad Heilung
-oder Linderung zu erwarten sei.
-
-
-Tisch für Magenkranke
-
-von
-
-Med. Dr. =Josef Wiel= in Zürich.
-
-=5. verb. und verm. Aufl.=
-
-Preis broch. M. 4. = 2 fl. ö. W. -- Eleg. geb. M. 5 = fl. 2.50 ö. W.
-
-Erschien bereits in französischer, holländischer u. schwedischer
-Uebersetzung.
-
-=Urtheile der Presse=:
-
-=Basler Nachrichten.= Wiel ist eine Autorität auf dem Gebiete der
-Diätetik, und als solche auch schon durch die »Gartenlaube« bekannt.
-Der Magen ist wohl das wichtigste Ding im menschlichen Körper; von der
-Gesundheit des Magens hängt nicht blos das körperliche Wohlbefinden des
-Menschen, sondern auch sein seelischer Zustand ab. Es kann Einer mit
-einem schlechten Magen kein guter Christ sein, hat einmal ein Pfarrer
-gesagt, und er hat wohl recht. Dass der Magen aber gut sei und, ohne
-den Menschen zu stören, seine Functionen verrichte, hängt allein von
-der richtigen Art und Weise ab, wie und welche Nahrungsmittel man zu
-sich nimmt. »Sage mir, was er isst, und ich sage dir, was er ist.«
-Wiel gibt nun in leichter, verständlicher Sprache an, was und wie der
-Gesunde und der Kranke essen soll, was er vermeiden muss, damit jener
-gesund bleibe, dieser geheilt werde. Den Magenkranken, deren Zahl
-grösser ist, als man denkt, kann Wiel's Buch auf's Beste empfohlen
-werden. _Es gilt auch in der gesammten Literatur für Gesundheitspflege
-als eines der vorzüglichsten Werke._ Es wird zwar dem Buche (auch
-schon Wiel's Artikeln in der »Gartenlaube«) vorgeworfen, seine Diät
-sei nur für reiche Leute berechnet. Indessen ist der Vorwurf nur zum
-Theil begründet. Der Mittelstand, der glücklicherweise bei uns immer
-noch gross ist und bleiben wird, findet in dem Buche ebenfalls eine
-zweckmässige Diät und selbst der Unbemittelte erfährt doch, in welcher
-Weise und in welcher Reihenfolge seine einfachen Nahrungsmittel
-zu nehmen sind, und welchen Einfluss diese letzteren auf seinen
-Gesundheitszustand haben.
-
-=Ueber Land und Meer.= Unter den vielen populär-medicinischen Büchern,
-mit denen das Publicum überschüttet wird, kennen wir wenige, die so
-warme Empfehlung verdienen, als =Dr. Josef Wiels Tisch für Magenkranke=.
-
-Der Autor, ein Züricher Arzt, schreibt vortrefflich, eindringlich,
-klar, anschaulich und ist sicher kein Buchfabrikant. Sein »Tisch für
-Magenkranke« ist hervorgegangen aus der Praxis. Der Verkehr des Arztes
-mit seinen Patienten hat dies Buch geboren und deshalb ist es auch
-keine Zusammenstellung von allen möglichen Bücherauszügen, sondern ein
-Stück Leben aus der Wirksamkeit eines scharfblickenden, gewissenhaften
-Arztes, das fast wie der persönliche Verkehr mit dem Arzt selbst wirkt.
-Ganz besonders nützlich scheint uns der Speisezettel, das Capitel
-von den Getränken und die Speisevorschriften bei Magenerkrankungen.
-Magenleidende möchten wir auf dies Buch aufmerksam machen.
-
-=Bohemia.= Wir möchten nicht nur jedem wirklichen _Magenkranken_,
-sondern der grossen Zahl jener Personen, welche stets über einen
-»_schwachen Magen_« klagen, sich bei der geringsten Veranlassung
-leicht »_den Magen verderben_«, dabei aber nicht daran denken, sich
-im Essen und Trinken irgend Schranken zu setzen, _die aufmerksame
-Lecture dieses Buches empfehlen_. Dasselbe enthält so viele wichtige
-und bedeutungsvolle Winke für die Art und Weise, wie die _richtige
-Diät_ beobachtet werden soll, dass auch die sorgsame Hausfrau, der
-es darum zu thun ist, dass ihre Tischgäste eine gute und nahrhafte
-Kost erhalten, davon profitiren wird. Der allgemeine Theil enthält
-eine übersichtliche Darstellung der Speisen und Getränke, welche als
-Magenheilmittel verwendet werden können, während der specielle Theil
-genaue _Speisezettel_ bei den einzelnen Symptomen der Magenkrankheiten
-gibt und eine vollständige diätetische Behandlung derselben bietet.
-Der Verfasser bekundet hiebei eben so sehr den kundigen Arzt wie den
-erfahrenen Gastronomen.
-
-=Deutsches Montagsblatt.= Magenkrank ist heute eigentlich die
-ganze Welt, denn Jedem liegt »irgend etwas« im Magen. Angesichts
-dieser allgemeinen Calamität ist es ein wahrer Trost, dass zu dem
-»Diätetischen Kochbuch« von Dr. Josef Wiel ein ergänzendes Werk, der
-»_Tisch für Magenkranke_« von demselben Verfasser, (bereits in vierter
-Auflage) erschienen ist. Da notorisch Kopf und Magen im intimsten
-Wechselverkehr stehen, so liegt es auf der Hand, wie erfreulich es
-für Herz und Gemüth sein muss, wenn man sich an der Hand eines so
-erfahrenen Esskünstlers wie Joseph Wiel durch das Leben isst.
-
-
-Diätetisches Kochbuch
-
-für Gesunde und Kranke
-
-von
-
-Med. Dr. Josef Wiel.
-
-(=Zürich.=)
-
-=Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage.=
-
-Preis broch. Mk. 4.80.
-
-Urtheile der Presse:
-
-=Ueber Land und Meer.= Die Zahl der Kochbücher ist Legion -- aber
-eine Legion von Kochbüchern wiegt das »Diätetische Kochbuch« von Dr.
-Joseph _Wiel_ auf, das von den ersten ärztlichen Autoritäten als ein
-Meisterwerk anerkannt worden und nun in neuer Auflage erscheint. Es
-sollte die Grundlage jedes künftigen Kochbuchs bilden. Der Verfasser
-gibt zum Unterschiede von den übrigen Kochbüchern nicht in erster Linie
-Recepte, sondern die Grundsätze, wie und was gekocht werden soll, und
-zwar keineswegs in trocken wissenschaftlicher Form, sondern in einer
-so ansprechenden, geistvollen und häufig köstlich humoristischen, wohl
-auch, wo es noth thut, sarkastischen Weise, dass man das Buch mit
-wirklichem Genusse liest und gerne in gesunden, wie in kranken Tagen
-immer wieder darin nachschlägt. _Wenn es ein »gutes Hausbuch« gibt,
-hier haben wir's im vollsten Sinne des Wortes._
-
-=Correspondenzblatt für Schweizer Aerzte.= _Dass das Kochbuch Wiel's
-seit 1871 vier neue Auflagen erlebte, spricht laut genug für seinen
-Werth_, aber auch für die immer noch zunehmende Wichtigkeit, welche
-auch die Aerzte der passenden Ernährung geben, d. h. der Wichtigkeit,
-welche die Aerzte darauf legen und legen müssen, selbst exacte
-Vorschriften über die Zubereitungsweise der Nahrung und deren Anpassung
-an einzelne Krankheitsfälle geben zu können. Die neue Auflage hat
-namentlich auch die Lebensmittelfälschungen berücksichtigt und die
-neueren Errungenschaften der Ernährungsphysiologie verwerthet. Wir
-wünschen dem Buche viele und aufmerksame Leser, namentlich auch in den
-Kreisen der Aerzte.
-
-
-Handbuch der Hygieine
-
-=hauptsächlich für Mitglieder von Gesundheits-Ämtern=
-
-von
-
-Med. Dr. =Josef Wiel= und Prof. Dr. =Rob. Gnehm.=
-
-(Zürich.)
-
-8° eleg. brosch. fl. 10 = Mk. 20, eleg. geb. fl. 11 = Mk. 22.
-
-Während eine ganze Anzahl der neuerdings so zahlreich erschienenen
-Lehrbücher über Gesundheitspflege einen theoretischen, allgemein
-belehrenden Charakter haben und mehr oder weniger selbstverständliche
-Grundwahrheiten in umständlicher Gründlichkeit behandeln, enthält sich
-das vorliegende aller weitläufigen Auseinandersetzungen und gibt in
-klarer prägnanter Zusammenstellung praktische Anhaltspunkte für alle
-diejenigen, welche in Berufs- oder Privatverhältnissen wissen wollen,
-was denn eigentlich gesundheitschädlich oder -fördernd ist.
-
-
-Goethe in Karlsbad.
-
-Von Med. Dr. Eduard _Hlawacek_.
-
-Elegant broschirt M. 2. -- fl. 1. österr. W.
-
-Die kleine Monographie fasst Alles, was in des Dichters Leben und
-Werken sich auf den berühmten böhmischen Badeort bezieht, zu einem
-übersichtlichen Ganzen zusammen und enthält manche fesselnde und
-instructive Einzelnheit, welche in grösseren Kreisen nicht bekannt sein
-dürfte.
-
-
-
-
- FÜHRER
-
- DURCH DAS
-
- BÖHMISCHE ERZGEBIRGE,
-
- DAS MITTELGEBIRGE
-
- UND
-
- DIE ANGRENZENDEN GEBIETE.
-
- Bearbeitet
-
- von
-
- PROF. AUGUST WEYMANN,
-
- k. k. Schulinspector der Bezirke Brüx und Komotau, d. Z. Obmann des
- Erzgebirgsvereines in Oberleutensdorf, Ehrenmitglied des
- Erzgebirgsvereins in Joachimsthal, Mitglied des deutschen und
- österreichischen Alpenvereins.
-
- KARLSBAD.
-
- VERLAG VON HANS FELLER.
-
-
-
-
-Alle Rechte vorbehalten.
-
-
-K. k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag.
-
-
-
-
-Sr. Hochwohlgeboren
-
-Herrn
-
-RICHARD RITTER VON DOTZAUER,
-
-Comthur des Franz Josef-Ordens, Ritter des Ordens der eisernen
-Krone III. Classe, Inhaber der Prager Bürger-Ehren-Medaille,
-Kaufmann, Präsidenten der Prager Handels- und Gewerbekammer, Obmann
-des Central-Comités zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der
-böhm. Erz- und Riesengebirgsbewohner, des deutschen Vereins zur
-Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, des Gebirgs-Vereines für
-Böhmen, Directionsrathe der böhm. Sparcassa, Präsidenten der böhm.
-Unionbank, der Prager Dampf- und Segelschifffahrts-Gesellschaft, der
-Prager Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, der Actien-Gesellschaft
-der Prager Civilschwimmschule, Verwaltungsrathe der böhm.
-Escompte-Bank, Ehrenbürger der Städte Abertham, Bärringen, Bleistadt,
-Böhm. Wiesenthal, Falkenau an der Eger, Gossengrün, Gottesgab,
-Graslitz, Joachimsthal, Königswart, Maria-Kulm, Neudek, Platten,
-Schönbach, Sebastiansberg, Sonnenberg, Weipert und der Gemeinden
-Neudorf u. Kallich, Major u. Corps-Commandanten des k. k. priv.
-bürgerlichen Scharfschützen-Corps in Graslitz, Ehren-Major der
-Scharfschützen-Gesellschaft in Frühbuss, Ehrenhauptmann der k. k.
-priv. bürg. Scharfschützen-Corps in Prag, Pressnitz, Schönbach,
-Ehrenmitgliede der wissenschaftlichen Lese- und Redehalle deutscher
-Studenten in Prag, der Fortbildungs-Vereine in Teplitz, Schönau und
-Pürstein, des christl. Handlungs-Commis-Unterstützungs-Vereines in
-Pressburg, Ehrenmitgliede mehrerer Spar- und Vorschuss-Cassen-Vereine,
-Gesang-, Turn-, Feuerwehr- und Anpflanzungs-Vereine, und vieler
-Militär-Veteranen-Vereine etc. etc.,
-
-gewidmet
-
-in aller Ehrfurcht und Dankbarkeit
-
- vom
-
- Verfasser.
-
-
-
-
-Einleitung.
-
-
-Sie wollen das böhmische Erzgebirge besuchen? Sie werden dort von den
-hochgebornen Bewohnern gastfreundlich empfangen werden und manches
-finden, was einen Besuch dieser merkwürdigen Gebirgskette lohnt, und
-wenn Sie uns als Reisebegleiter annehmen, so können wir Sie auf viel
-Anziehendes in der Natur, dem Leben und der Geschichte seiner Bewohner
-aufmerksam machen, was der eilige Reisende leicht übersieht und
-überhört.
-
-Wir schliessen uns Ihnen gerne an, denn wir kennen diese herrlichen
-Berge, wir lieben ihre Naturreize, wir sind vertraut mit den Bewohnern,
-wir schätzen ihren verständigen Kunstfleiss, wir fühlen uns heimisch
-in ihrem stillen Haushalt und theilen ihre Freude an den besonderen
-landschaftlichen Reizen und den eigenthümlichen Naturschätzen, welche
-die ersten Ansiedler anzog und die dichte Bevölkerung trotz vieler
-Widerwärtigkeiten dennoch festhält, auch wenn sie Mangel und Armuth
-drückt.
-
-Warum laden wir Sie zum Besuche ein?
-
-Das Erzgebirge ist von allen Seiten leicht zugänglich und in allen
-Theilen bis auf den Gipfel bequem zu besteigen. Da der über 20 Meilen
-sich erstreckende, zusammenhängende Gebirgszug gegen Süden mässig
-steil abfällt und sich gegen Norden ganz sanft abdacht, so ist seine
-Besteigung nur auf der böhmischen Seite aus dem Thale der Eger und
-Biela anstrengend, aber höchst interessant und auch in 2 bis 3 Stunden
-vom Fusse bis zum Rücken auszuführen. Ueberdiess erleichtern viele
-Verkehrsmittel den Besuch dieses Gebirges.
-
-Aus dem Bielathale von Teplitz führt die Dux-Bodenbacher Bahn über die
-Erzgebirgshöhe von Zuckmantel und Königswald.
-
-Aus dem Egerthale bei Franzensbad führt eine Eisenbahn über das Gebirge
-nach Adorf, Oelsnitz, Plauen und eine zweite über Graslitz auf die
-Höhe des Erzgebirges. Von Komotau auf der Wasserscheide zwischen dem
-Egerthale und Bielathale führt eine vierte Eisenbahn auf den Kamm des
-Erzgebirges empor und über Sonnenberg, Kupferberg, Schmiedeberg und
-Weipert nach Annaberg ganz in der Nähe der höchsten Gebirgskuppen
-des Hassberges, Keilberges und Fichtelberges vorbei. In naher Zukunft
-wird eine fünfte Schienenverbindung aus Böhmen nach Sachsen über den
-Erzgebirgsrücken führen und zwar aus dem Bielathale über Klostergrab in
-das Muldethal als Fortsetzung der Prag-Duxer Bahn im Anschlusse an die
-sächsischen Gebirgsbahnen.
-
-Mit der Dampfkraft wird der Reisende auf der Eisenbahn von dem
-südlichen Fusse des Gebirges in weniger als einer Stunde auf den
-Kamm emporgehoben und kann den Rücken entlang das Gebirge bequem
-durchwandern.
-
-Noch zahlreicher sind die Fahrstrassen, welche von der Südseite auf
-die Höhe des Gebirges führen in einer Steigung, welche im Wagen
-die Höhe des Gebirges vom Fusse an auch in einer bis zwei Stunden
-erreichen lässt. Sogar jedes der Querthäler ist von einer guten Strasse
-durchzogen. Nahezu von Meile zu Meile führen längs des ganzen südlichen
-Randes des Gebirges bequeme Strassen auf das Gebirge hinauf und von
-Böhmen hinüber nach Sachsen.
-
-Auf dem Rücken des Gebirges selbst, der gegen Sachsen sanft und breit
-gestreckt niedersinkt, in seiner Längenrichtung aber in ziemlich
-gerader Linie sich hinzieht, führen zwischen den Städten und grösseren
-Ortschaften Dammstrassen, gute Wege und bequeme Steige.
-
-Die Ausgangsorte für einen Besuch unserer Gebirge liegen zahlreich auf
-den meist besuchten Verkehrslinien.
-
-Von _Sachsen_ aus sind es _Dresden_, _Leipzig_ und näher _Zwickau_,
-_Chemnitz_ und _Freiberg_, von _Baiern_ aus _Baireuth_ und _Hof_.
-Im Süden aber liegen die viel besuchten Badeorte _Franzensbad_,
-_Marienbad_, _Karlsbad_, _Teplitz_, dann die Städte _Eger_, _Falkenau_,
-_Kaaden_, _Komotau_, _Görkau_, _Brüx_, _Dux_, _Oberleutensdorf_,
-_Bilin_, _Leitmeritz_, _Lobositz_, _Aussig_, _Tetschen_, wo jeder
-Spaziergang die Berge in einer solchen Nähe zeigt, dass sie in wenig
-Stunden nicht nur erreicht sondern selbst auch erstiegen werden können.
-Der Zugang bietet nirgends Gefahren und besondere Beschwerden. Die
-genannten Ausgangsorte unserer Heimat sind mit der Landeshauptstadt
-durch drei Hauptbahnen verbunden, was die Bereisung der Gebirge dem
-Touristen aus dem Innern des Landes ungemein erleichtert. Im Waggon
-wird er rasch emporgezogen, und jede Wendung auf den zahlreichen
-Krümmungen der Bahn bietet dem Auge eine neue überraschende Aussicht
-nach den sich erweiternden Gegenden. Auch im Wagen auf den gut
-gepflegten Strassen, welche hier in einem Thale neben dem rauschenden
-Forellenbach, dort an einem Thalgelände in Schlangenwindungen sich
-hinzieht, kann sich der Besucher dem rasch wechselnden Ausblick über
-ferne Gegenden, dort über nahe grüne Wälder, üppige Blumenwiesen und
-freundliche Ortschaften hingeben. Der Fusswanderer braucht vom Fusse
-des Gebirges bis zum Kamme nirgends mehr als zwei oder drei Stunden
-und wird dabei immer mehrere Ortschaften, Dörfer oder Städtchen
-finden, wo er rasten kann. Auf der Höhe des Gebirges angekommen,
-wandelt er meistens zwischen den wohlriechenden Kräutern und Blumen
-der Grasfluren. Ueberall erquickt ihn das dem Auge wohlthuende Grün
-in der Abwechslung der helleren Farbe der Haferäcker und Grasfelder
-und der dunkleren Farbe der Gebüsche und der Fichtenwälder. Von allen
-Seiten kommt ihm entgegen der Wohlgeruch von duftenden Kräutern, wie
-Quendl und Thymian, von wohlriechenden Blumen, wie Maiglöckchen, und
-von harztriefenden Fichten und Tannen, welche die reine Gebirgsluft so
-stark würzen, dass wir tief athmend die Lungen wie durstige Trinker
-anfüllen, von der Natur getrieben, die uns anreizt, hier unser Blut zu
-erfrischen. Auf den Bergen oben athmet es sich leicht und athmet es
-sich wohl!
-
-Wenn wir noch erwägen, dass das böhmische Erz- und Mittelgebirge
-hunderte der schönsten Aussichtspunkte besitzt, wie sie kein zweites
-Gebirge von gleicher Höhe und Dimension aufzuweisen vermag; wenn wir
-erwägen, dass es auch reich an Naturerscheinungen ist, dass es von der
-Sage geheiligt, von der Geschichte verherrlicht und von der Dichtung
-verklärt ist: so erscheint unsere Einladung zum Besuche unserer schönen
-und anziehenden Gebirge vollkommen begründet, und wir geben der
-Hoffnung Raum, dass sie bald ebenso beliebt sein und in jedem Sommer
-ebenso viele Besucher anziehen werden, wie beispielsweise der Harz und
-der Schwarzwald.
-
-Um diesen hochwichtigen und patriotischen Zweck zu erreichen, stellte
-der grosse, hochansehnliche Erzgebirgsfreund Herr _Richard Ritter von
-Dotzauer_ in der am 4. Juli 1880 in der Sitzung _des Central-Comités
-zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und
-Riesengebirgsbewohner in Prag_ folgenden, auf die Belebung des
-Touristenverkehrs im böhmischen Erzgebirge bezüglichen Antrag:
-
-»Wenn man das Wesen unserer verschiedenen _Alpen-Vereine_ betrachtet,
-so muss wohl die oberflächliche, vulgäre Anschauung -- und ich muss
-gestehen, dass ich mich derselben in diesem Punkte früher ebenfalls
-zuneigte -- dahin gehen, dass diesen Vereinen in praktischer Hinsicht
-keine allzugrosse Bedeutung beizumessen sei. Als ich indessen in den
-letzten Jahren unsere österreichischen Alpenländer besuchte, da kam
-ich zu einer anderen Ueberzeugung. Ich fand, dass diese Vereine in
-ihrem Wirken sehr bemerkenswerthe praktische Erfolge erzielen; mit
-ihren Unternehmungen und ihren Publikationen tragen sie bei, die
-Alpengebiete immer weiter und weiter zu erschliessen, sie ziehen
-die Reisenden heran, sie beleben die Eisenbahnen, sie beleben die
-Gasthäuser, sie beleben selbst kleine Industrien. Speciell die _prager
-Section_ des deutschen und österreichischen _Alpen-Vereins_ hat in
-dieser Richtung sehr erspriesslich gewirkt. Herr _Stüdl_ geniesst in
-diesen Gegenden, ich habe mich davon überzeugt, ein hohes Ansehen, eine
-seltene Verehrung, und wenn man als Mitglied des hiesigen Alpenvereins
-in eine solche Gegend kommt, wird man mit besonderer Aufmerksamkeit und
-Rücksicht behandelt; ebenso gewähren die Eisenbahnen den Mitgliedern
-des Vereins ansehnliche Fahrpreis-Ermässigungen. Unser Erzgebirge
-hat nun wahrlich auch seine Naturschönheiten; aber das Bild, das man
-in weiteren Kreisen vom Erzgebirge erhält, ist kein rosiges, kein
-anziehendes -- es ist erfüllt von Elend, von Sorge und Noth, es wird
-daher selten aufgesucht und insbesondere von Wohlhabenden gemieden
--- und so erklärt es sich, dass man unser Erzgebirge und die guten
-Eigenschaften seiner Bevölkerung nicht kennt. Es drängt sich mir da die
-Frage auf, ob wir nicht an den Alpenverein herantreten sollen, mit der
-Bitte, es möge das Erzgebirge in den Rahmen seines Wirkens einbeziehen
-und in geeigneter Weise _durch Anlage neuer Wege, Förderung des Führer-
-und Fahrtax-Wesens, Erhaltung und Errichtung von Denkmälern und
-Aussichtspunkten etc._ dazu beitragen, dass das düstere Bild, das in
-der allgemeinen Vorstellung vom Erzgebirge besteht, sich in schönerer,
-wahrerer Beleuchtung zeige. Ein Strom von Tausenden Touristen
-könnte hiedurch belebend und befruchtend in diese Gebiete geleitet
-werden, zumal die Kurorte -- _Franzensbad_, _Marienbad_, _Karlsbad_
-und _Teplitz_ -- ganz entsprechende Ausgangspunkte hiefür bieten.
-Mancher von den Fremden könnte da wohl auch aus der Berührung mit
-den ehrlichen, guten Leuten im Gebirge die Anregung zu industriellen
-Niederlassungen etc. empfangen. Und von den Einheimischen dürfte
-Vielen -- auch mit Rücksicht auf die Fahrpreis-Ermässigungen, um die
-das Central-Comité und der Alpenverein für die betreffenden Touristen
-bei der Buschtěhrader Bahn ansuchen würden, die Gelegenheit, in kurzer
-Zeit und mit geringen Auslagen einen lohnenden Ausflug auf interessante
-Höhen, in schöne Waldungen zu unternehmen, sehr willkommen sein.«
-
-Dieser Antrag, welcher noch dahin ergänzt wurde, dass auch das
-Riesengebirge in's Auge gefasst werden möge, fand lebhaften Anklang
-und einmüthige Zustimmung. Die Folge davon war der Beschluss, einen
-_Wegweiser_ durch das böhmische Erzgebirge herauszugeben. Mit dieser
-Aufgabe wurde der Unterzeichnete betraut; derselbe entschloss sich
-aber, auch das höchst interessante Mittelgebirge und die angrenzenden
-Gebiete, insbesondere unter Hinweisung auf die Anschlüsse nach Sachsen
-in den Kreis der Bearbeitung zu ziehen.
-
-Die Aufgabe war sehr schwierig; allein guter Wille und ausdauernder
-Fleiss halfen über alle Schwierigkeiten hinweg. Nach halbjähriger
-Arbeit war das schon in früheren Jahren gesammelte Material unter
-Mithilfe tüchtiger Mitarbeiter geordnet. Als solche werden genannt: die
-Herren Gust. _Schwab_, Bergwerksbesitzer, _Kaeller_, Schuldirektor,
-beide in Falkenau; Ed. _Wenisch_, Bürgerschullehrer in Joachimsthal;
-Oberlehrer _Strohschneider_ in Sonnenberg; Oberlehrer W. _Grossmann_ in
-Krima; Oberlehrer J. _Hofmann_ in Katharinaberg; P. _Forst_, Kaplan,
-Gymnasial-Professor _Rebhann_, beide in Brüx; A. _Weitzdörfer_,
-Schuldirektor in Oberleutensdorf; E. _Hochreiter_, Gym.-Direktor in
-Teplitz; Jul. _Gierschick_, Redakteur in Leitmeritz und Jos. _Werner_,
-Fachlehrer in Komotau.
-
-Allen diesen Herren statten wir für die mannhafte Unterstützung den
-besten, den innigsten Dank ab.
-
-An einem vollständigen Führer durch das böhmische Erz- und
-Mittelgebirge hat es bis jetzt ganz gefehlt; deshalb treten wir
-mit einem solchen vertrauensvoll und in der Hoffnung vor die
-Oeffentlichkeit, dass er sich bei allen Freunden und Freundinnen
-unserer Gebirge guter Aufnahme und wohlwollender Beurtheilung
-erfreuen möge. _Gleichzeitig richten wir an alle P. T. Leser und
-Leserinnen desselben die Bitte, uns auf etwaige Unrichtigkeiten und
-Lücken aufmerksam zu machen, damit wir sie in einer zweiten Auflage
-verbessern, beziehungsweise ausfüllen._
-
- BRÜX.
-
- August Weymann.
-
-
-
-
-I. Allgemeiner Theil.
-
-
-
-
-A. Reise-Regeln.
-
-
-Es ist sehr schwer, bestimmte Reiseregeln zu geben, weil sich diese
-nur auf Grund gemachter Wahrnehmungen zusammenstellen lassen und
-diese nicht immer dieselben sind. Wir haben hier vorzugsweise solche
-Touristen im Auge, welche die Touren meist zu Fuss zurücklegen und die
-Fusspartien mit Fahrten im Post- oder Eisenbahnwagen weise zu verbinden
-verstehen. Wenn wir nun etwas dem Touristen empfehlen, so geschieht es
-deshalb, weil wir es als das Beste und Zweckmässigste erkannt haben; es
-wird in Folge dessen jede Begründung entfallen.
-
-Die Kleidung sei nicht zu leicht, aber auch nicht zu warm. Feste
-und bequeme Schuhe, ein Wollenhemd und Plaid sind für Fussgänger
-unentbehrlich. Die Mitnahme von Regenschirmen empfiehlt sich nicht.
-
-Von Gepäck ist nur das Nothwendigste mitzunehmen, dass man es in einem
-Tornister auf dem Rücken ohne Beschwerde tragen kann. Bequeme Touristen
-brauchen mehr und schicken es mit der Post dorthin voraus, wo sie sich
-einige Zeit aufhalten wollen. Um die Wäsche vor Nässe zu schützen,
-wickelt man sie in Wachsleinwand ein.
-
-Die beste Zeit zur Bereisung des Erz- und böhmischen Mittelgebirges,
-sowie der, an dieselben grenzenden Gebiete ist die vom 1. Juni bis 30.
-September, event. 15. Oktober; im August bis Ende September ist die
-Witterung gewöhnlich ganz beständig, die Luft rein, die Aussicht von
-den Bergspitzen am schönsten und genussreichsten.
-
-Auf eine praktische Zeiteintheilung muss jeder Tourist Bedacht nehmen.
-Die Entwerfung eines Reiseplanes ist unbedingt nothwendig. Wenn man
-eine 2- bis 3-wöchentliche Fusstour antreten will, so reise man
-anfänglich langsam, und erst nach gehöriger Erprobung seiner Kräfte
-kann man weitere Fusspartien unternehmen. Einen Taschen-Compass und
-eine gute Karte muss jeder Fussreisende mitnehmen.
-
-Bei grosser Hitze muss gegen Mittag Rast gemacht werden; auch gönne
-man sich nach grösseren Märschen einen Ruhetag und wähle hiezu solche
-Orte, von wo aus man kleinere Ausflüge unternehmen kann. Man merke
-sich gut die Regel, früh in's Bett und früh wieder auf. Unternimmt man
-grössere Waldpartien und Wanderungen durch langgedehnte Grundthäler,
-wie beispielsweise durch den Komotauer Grund, das Teltschthal bei
-Görkau, den Hammergrund bei Johnsdorf u. s. w., so empfiehlt sich
-das Mitnehmen eines verlässlichen Führers, dass man nicht auf Abwege
-geräth, nutzlose Umwege macht und wichtige Punkte unbeachtet lässt. Für
-grössere Fusspartien versehe man sich mit einigen belegten Semmeln oder
-einigen harten Eiern und einem Fläschchen Wein.
-
-Im ganzen Nordwesten Böhmens reist ein bescheidener Tourist nicht
-theuer; wenn er sich gar nichts abgehen lässt, so wird er mit 3
-bis 4 fl. sehr gut auskommen, ja da kann er sich zeitweilig eine
-Forelle, die auf dem Plateau leicht zu bekommen ist, schmecken
-lassen. Gutes ausgegorenes Bier bekommt man in unserem böhmischen
-Erz- und Mittelgebirge überall, selbst in kleinen Ortschaften.
-Gute, preiswürdige inländische Weine findet man auch fast in allen
-Gasthäusern der grösseren Orte, sowie man auch fast überall eine
-gute Küche antrifft. Die Wirte geben sich viel Mühe, allen billigen
-Anforderungen zu entsprechen; hauptstädtischen Comfort darf man
-natürlich im Gebirge nicht suchen.
-
-
-
-
-B. Verkehrs- und Transportwesen.
-
-
-Von Prag aus führen folgende Eisenbahnen ins böhmische Erz- und
-Mittelgebirge:
-
-1. Die nördliche Staatsbahn, Linie Prag-Aussig-Bodenbach.
-
-2. Die Prag-Duxer Bahn, Linie Prag-Obernitz-Brüx-Dux.
-
-3. Die Buschtiehrader Bahn, Linie Prag-Komotau-Karlsbad-Eger.
-
-Das nordwestliche Böhmen mit dem Erz- und Mittelgebirge, also unser
-Reisegebiet, wird von nachfolgenden Eisenbahnen theils berührt, theils
-durchschnitten, ja Ausläufer gehen sogar über den Kamm oder nehmen
-einen grossen Theil der Abdachung ein. Diese Bahnen sind:
-
-1. Aussig-Teplitzer, Linie: Aussig-Teplitz-Dux-Brüx-Komotau mit
-Anschluss an die nördliche Staatsbahn und die Buschtiehrader. Zweige
-derselben: _a_) Dux-Ossegg; _b_) Aussig-Bilin.
-
-2. Dux-Bodenbacher, Linie:
-Bodenbach-Teplitz-Ossegg-Oberleutensdorf-Görkau-Komotau mit denselben
-Anschlüssen wie ad 1.
-
-3. Buschtiehrader, Linie:
-Komotau-Klösterle-Hauenstein-Warta-Schlackenwerth-Karlsbad-Falkenau-
-Tirschnitz-Eger mit den Abzweigungen _a_) Tirschnitz-Franzensbad, _b_)
-Falkenau-Graslitz, _c_) Komotau-Weipert, _d_) Komotau-Reitzenhain.
-
-4. Prag-Duxer, Linie: _a_) Obernitz-Sauerbrunn-Bilin-Dux, _b_)
-Obernitz-Brüx-Oberleutensdorf-Ossegg-Klostergrab.
-
-5. Pilsen-Priesner, Linie: Brüx-Obernitz-Postelberg-Saaz mit Anschluss
-an die Buschtiehrader gegen Prag-Priesen-Komotau.
-
-6. Eger-Voitersreuth-Elster.
-
-7. Eger-Waldsassen.
-
-8. Eger-Sandau-Königswart-Marienbad.
-
-_Anmerkung_: Retourbillete mit 1- bis 3-tägiger Giltigkeit geben alle
-voranstehenden Bahnen aus.
-
-_Dampfschifffahrt_ findet man auf der Elbe; hier vermitteln mit allem
-Comfort eingerichtete Dampfschiffe im Sommer den Verkehr zwischen
-Leitmeritz und Herrnskretschen und retour regelmässig zweimal des Tages.
-
-_Postverbindungen_:
-Brüx-Ober-Georgenthal-Gebirgsneudorf-Katharinaberg-Brandau.
-(Botenfahrt.)
-
-Aussig-Schönpriesen. (Botenfahrt.)
-
-Bilin-Kosel-Laun und retour. (Botenfahrt.)
-
-Bilin-Teplitz und retour. (Botenfahrt.)
-
-Bodenbach-Böhmisch-Kamnitz-Reichenberg u. retour. (Eilfahrt.)
-
-Breitenbach-Platten-Bärringen-Salmthal-Lichtenstadt-Karlsbad und
-retour. (Botenfahrt.)
-
-Brüx-Hawran und retour. (Botenfahrt.)
-
-Buchau-Solmus-Karlsbad und retour. (Botenfahrt.)
-
-Buchau-Luditz und retour. (Botenfahrt.)
-
-Duppau-Saaz-Radonitz-Kaaden und retour. (Botenfahrt.)
-
-Eichwald-Teplitz und retour. (Botenfahrt und Omnibus.)
-
-Elbogen-Schlaggenwald-Schönfeld und retour. (Eilfahrt.) --
-Schönfeld-Petschau und retour. (Botenfahrt.)
-
-Fleissen-Wildstein und retour. (Cariolpost.)
-
-Görkau-Kallich und retour. (Botenfahrt.)
-
-Gossengrün-Hartenberg und retour. (Botenfahrt.)
-
-Gossengrün-Schönbach und retour. (Botenfahrt.)
-
-Heinrichsgrün-Neudeck und retour. (Botenfahrt.)
-
-Heinrichsgrün-Frühbuss und retour. (Botenfahrt.)
-
-Joachimsthal-Schlackenwerth und retour. (Botenfahrt.)
-
-Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten u. retour. (Botenf.)
-
-Joachimsthal-Gottesgab-Weipert. (Botenfahrt.)
-
-Kaaden-Podersam. (Botenfahrt.)
-
-Kaaden-Brunnersdorf. (Botenfahrt.)
-
-Kaaden-Pressnitz. (Botenfahrt.)
-
-Kallich-Görkau. (Botenfahrt.)
-
-Kallich-Brandau. (Botenfahrt.)
-
-Karbitz-Kulm-Schönwald. (Botenfahrt.)
-
-Karlsbad-Neudeck. (Botenfahrt.)
-
-Karlsbad-Petschau-Einsiedl-Marienbad u. retour. (Botenfahrt.)
-
-Karlsbad-Giesshübel-Puchstein und retour. (Omnibus.)
-
-Karlsbad-Petschau-Theusing-Pilsen. (Botenfahrt.)
-
-Karlsbad-Fischern-Altrohlau-Neudeck. (Botenfahrt.)
-
-Königswart-Sangerberg. (Botenfahrt.)
-
-Komotau-Eidlitz. (Botenfahrt.)
-
-Kosel-Bilin. (Botenfahrt.)
-
-Krima-Neudorf-Sebastiansberg. (Botenfahrt.)
-
-Lobositz-Raudnitz. (Botenfahrt.)
-
-Lobositz-Libochowitz. (Botenfahrt.)
-
-Lobositz-Trebnitz-Liebshausen-Laun. (Eilfahrt.)
-
-Lubenz-Rudig. (Botenfahrt.)
-
-Lubenz-Luditz. (Botenfahrt.)
-
-Lubenz-Waltsch. (Botenfahrt.)
-
-Mies-Stab. (Botenfahrt.)
-
-Mies-Weseritz. (Botenfahrt.)
-
-Mies-Haid. (Botenfahrt.)
-
-Neudeck-Neuhammer-Platten. (Botenfahrt.)
-
-Neudeck-Neuhammer-Hirschenstand-Eibenstock. (Botenfahrt.)
-
-Postelberg-Leneschitz. (Botenfahrt.)
-
-Rudig-Waltsch. (Botenfahrt.)
-
-Saaz-Podersam. (Botenfahrt.)
-
-Saaz-Postelberg-Laun. (Botenfahrt.)
-
-Schönbach-Neukirchen-Wildstein. (Botenfahrt.)
-
-Tepl-Weseritz-Leskau. (Botenfahrt.)
-
-Tepl-Marienbad. (Botenfahrt.)
-
-Teplitz-Bilin. (Botenfahrt.)
-
-Teplitz-Schallan. (Botenfahrt.)
-
-Teplitz-Eichwald. (Botenfahrt.)
-
-Teplitz-Waldthor. (Omnibusfahrt.)
-
-_Anmerkung_: Die Botenfahrten sind ziemlich bequem, haben aber
-eine beschränkte Aufnahme. Fast bei allen Eisenbahnstationen sind
-comfortable Omnibusfahrten eingerichtet.
-
-_Post-Eilwägen_ sind immer sehr bequem, fahren gut, müssen die Fahrzeit
-genau einhalten und sind immer von einem Conducteur begleitet. Die
-Fahrkarten sind rechtzeitig an den Poststationen zu lösen. Extraposten
-sind in den Hauptstationen zu bekommen. Lohnfuhrwerke befinden sich in
-allen grösseren Orten. Empfehlenswerth ist es, sich vorher genau über
-den Fahrpreis und das übliche Trinkgeld zu verständigen, dass nicht
-nach der Fahrt Missverständnisse zum Nachtheile des Reisenden entstehen.
-
-_Gasthöfe._ In allen grösseren Orten, selbst in Dörfern findet man
-jetzt recht gute Gasthäuser. Man wird gut und aufmerksam bedient und
-lebt billig. Wenn die Gesellschaft grösser ist, so empfiehlt es sich,
-die Ankunft brieflich oder telegrafisch anzuzeigen. In ganz kleinen
-Ortschaften und in wenig besuchten Gebieten lassen die Gasthäuser
-freilich noch einiges zu wünschen übrig und genügen nur bescheidenen
-Ansprüchen; doch findet man überall freundliches Entgegenkommen.
-
-_Führer_: Das Führerwesen wird jetzt durch die Gebirgsvereine
-organisirt werden. Für grössere Partien ist die Mitnahme eines Führers
-häufig nothwendig, obwohl in neuester Zeit seitens der Gemeinden und
-Gebirgsvereine viele Wegweiser aufgestellt wurden; allein in den
-ausgedehnten Waldungen ist ein Verirren leicht möglich, was häufig
-einen grossen Zeitverlust und Störung der ganzen Partie zur Folge hat.
-Bei der Wahl der Führer ist Vorsicht zu gebrauchen und empfiehlt es
-sich, die Obmänner oder andere Mitglieder der Gebirgsvereine, die fast
-in allen Orten zu treffen sind, um Auskunft anzugehen.
-
-
-
-
-C. Geographisches.
-
-
-Das Erzgebirge.
-
-_Name_: Das Erzgebirge hat seinen uralten Namen von dem
-ausserordentlichen Reichthum an sehr verschiedenen Erzen, und es hat
-ihn auch durch den ergiebigen Bergbau gerechtfertigt, der hier durch
-viele Jahrhunderte auf Silber, Zinn, Kupfer, Blei und Eisen getrieben
-wurde.
-
-_Eintheilung des Erzgebirges nach der Ausdehnung, Höhe, Form._ Das
-Erzgebirge erhebt sich aus der Ebene des Teplitzer Thales, durch
-welche es vom Mittelgebirge getrennt wird, mit grosser Steilheit
-gleich einem Walle, welcher, in südwestlicher Richtung fortlaufend,
-das nordwestliche Böhmen vom angrenzenden Königreiche Sachsen trennt,
-d. h. die politische Grenze dieser beiden Länder wird durch den Rücken
-dieses Gebirgszuges bestimmt, jedoch nicht durch den Kamm desselben und
-die Wasserscheide; vielmehr gehört nicht nur der ganze steile Südabhang
-des Gebirges, sondern auch noch ein Theil des sanften, sich nach
-Sachsen abdachenden Gehänges zu Böhmen, und die Grenze findet sich fast
-durchaus erst jenseits der Wasserscheide. Das nordöstliche Ende dieses
-Gebirges ist durch den Nollendorfer Pass bestimmt; es wird jedoch von
-vielen Geographen auch das Elbthal dafür angenommen.
-
-Seiner Ausdehnung nach gehört das Erzgebirge unter die Hauptgebirge,
-denn seine Länge beträgt über 20 Meilen.
-
-Nach seiner Höhe ist es ein Mittelgebirge. Die höchsten Punkte
-desselben befinden sich im südwestlichen Theile; im Nordosten gegen
-die Elbe zu übersteigt dessen Höhe wohl nicht 756 m; die Höhe des
-Nollendorfer Passes beträgt 675 m.
-
-Der Form nach ist das Erzgebirge ein Kettengebirge; es setzt sich ohne
-Unterbrechung seines Zusammenhanges auf seiner ganzen Längenerstreckung
-fort, so dass sein Kamm eine fast wellenförmige Linie darstellt, und
-die beiden Abhänge unterscheiden sich, wie bei allen Gebirgen dieser
-Art, durch ihre Steilheit; der südliche, zu Böhmen gehörige, ist, wie
-schon erwähnt, der steilere, und längs desselben befinden sich viele
-Einschnitte, Schluchten und Thäler, hervorgebracht durch die einzelnen
-Berge, welche, sich durch grössere oder geringere Steilheit von der
-Hauptkette trennend, kurze Nebenjoche bilden.
-
-_Geognostische Beschaffenheit._ In geognostischer Hinsicht gehört
-das Erzgebirge unter die sogenannten Urgebirge, d. h. die Felsarten
-desselben gehören zu denjenigen, welche der Geognost ihrer Struktur,
-ihrer Lagerungsverhältnisse und des Mangels an Versteinerungen wegen
-unter die ältesten Bildungen unserer Erdrinde zählt. Die Felsarten
-dieses Gebirgszuges im nordöstlichen Theile sind Gneis, Porphyr und
-Granit; sehr eingeschränkt kommt Greisen und Urkalkstein vor, Basalt
-nur an einzelnen Stellen und von Flötzfelsarten der Quaderstein am
-Fusse des Gebirges. Im westlichen Theile des Erzgebirges ist der
-Gneis das überwiegend vorherrschende Gestein, andere Schiefer- und
-Eruptivgesteine treten dagegen zurück.
-
-_Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe, ausgezeichnete Höhenpunkte
-des Erzgebirges._ Das Erzgebirge gestaltet sich gleich einem hohen,
-in terrassenförmigen Absätzen erhebenden steilen Walle, nach oben
-zu einem fast gleichförmig fortlaufenden Kamme oder ausgedehnten
-Rücken, welcher sich sehr sanft, ja fast unmerklich nach Norden in
-das Nachbarland abdacht. Die südliche, steile Abdachung ist von
-zahlreichen Schluchten und Thälern eingeschnitten, zwischen welchen
-kurze Gebirgsjoche aus Kuppen von verschiedener Höhe und meistens
-abgerundeter Gestalt zusammengesetzt hervorragen und diesem Abfalle
-ein ausgezeichnetes Gebirgsansehen ertheilen. Auf dem Rücken verlieren
-sich die ausgezeichneten Formen eines höheren Gebirges; nur einzelne
-Kuppen und Höhen von verschiedener Gestaltung, jedoch ohne kühne oder
-stark hervortretende Umrisse erheben sich auf der ausgebreiteten
-Platte, welche sonst durch ihre gross und sanft wellenförmige, auf
-weite Strecken sogar fast ebene Oberfläche und durch die seichten
-Thäler, welche erst in ihrem weiteren Verlaufe im Nachbarlande tiefer
-und enger werden, die Formen eines Flachlandes zeigt. Abtheilungen
-in Gebirgsjoche nach dem Verlaufe der Thäler treten erst weiterhin
-deutlicher hervor. Es beginnt mit unentschiedenem Charakter an den
-Hochflächen, die im Norden an die Waldsteinkette des Fichtelgebirges
-sich schliessen und zwar unweit Asch oder an der Quelle der weissen
-Elster mit dem hohen Kapellenberg als Elstergebirge und ist an seinem
-Ost-, Nordost-Ende von dem Elbsandsteingebirge begrenzt.
-
-Die mittlere Erhöhung des Gebirgsrückens kann zu 756 m über die
-Meeresfläche, über die Ebene am Fusse des Gebirges aber zu 417 m
-angenommen werden; über die tieferen, jedoch entfernteren Punkte des
-Flachlandes oder die eigentliche Thalsohle beträgt sie 512 m.
-
-Wir verfolgen die ausgezeichnetsten Höhepunkte auf dem Kamme und den
-Abhängen des heimatlichen Gebirgszuges von dem Durchbruche der Elbe,
-also einbezüglich der des Elbsandsteingebirges bis zu den Ausläufern
-des Fichtelgebirges. Als solche zeigen sich: Der =Schneeberg= mit
-seinem weitsichtbaren, schlanken Thurme; die berühmten =Tyssaer Wände=
-(615 m); bald darauf erblicken wir =Nollendorf= mit seinen historischen
-Höhen und dem bekannten Passe von Teplitz über Pirna nach Dresden
-(675 m). Von der Bahnstation Rosenthal-Graupen der Dux-Bodenbacher
-Bahn sind die Aussichtspunkte =Wilhelmshöhe= 335 m, die =Rosenburg=
-355 m und das =Mückenthürmchen= 800 m zu besteigen. Schöne Aussicht
-bietet der =Königshügel= 412 m bei Klostergrab, der =Wolfstein= bei
-Niklasberg und bei Ossegg die =Salesiushöhe= und die =Riesenburg=.
-Imposant ist der =Wieselstein= 949 m bei Oberleutensdorf. Weiter
-folgen: Der =Göhrner Hübel=, westlich von Göhren mit 811 m Seehöhe;
-der =Haselstein= und der =Nonnenhübel=, südlich von Böhm.-Einsiedl;
-südlich von Nickelsdorf der =Wachtberg=, auch =Kapuzinerhau= genannt;
-östlich von Gebirgsneudorf der =Wachhübel=; der =Dürnberg= südlich
-von Brandau. Der aus zwei Kuppen bestehende =Adelsberg=, dann der
-=Bernstein=, beide östlich von Ladung, letzterer von 920 m Meereshöhe
-ist der höchste Punkt in der östlichen Gegend des Gebirges und bildet
-einen Knoten, von welchem es mit grösserer Steilheit und mit einem
-stärkeren Vorsprunge nach Süden abfällt. Weiter westlich finden sich
-der grosse =Steinberg=, südlich von Kleinhan, der =Beerhübel= zwischen
-Göttersdorf und Kallich auf dem hier 865 m hohen Gebirgskamme. Eine
-zweite, gleichfalls in westlicher Richtung verlaufende Kuppenreihe
-erhebt sich am Rande des hier über eine Stunde weit ausgebreiteten
-Rückens. Die ansehnlichsten Kuppen sind: Der =Ringelberg=, etwa 10
-Minuten in südlicher Richtung von Reizenhain, und der =Otterstein=,
-etwa ¾ Stunden in nördlicher Richtung von Märzdorf mit schönen Felsen
-und herrlichem Wald. Nordwestlich von Sebastiansberg, angrenzend an das
-Gebiet des Ringelberges und hievon getrennt durch die Kaiserstrasse bei
-Reizenhain, finden sich die Kuppen des =Stockraumwaldes=, von denen die
-ansehnlichste der =Glasberg= nahe an der Landesgrenze ist. Nordöstlich
-von Pressnitz zeigt sich der ausgedehnte und =hohe Hutberg= 991 m,
-einer der höchsten Punkte des Erzgebirges; er verläuft in südlicher
-Richtung in die =Reischhöhe=, an der westlich der =Pöllnerberg=
-855 m hängt. Einer der höchsten Punkte ist noch der =Hohehau= 995 m
-nordwestlich von Weigersdorf. Auf dem nördlichen Abhange des Gebirges
-gehören noch einige ansehnliche Kuppen hieher, nämlich: =Der grosse und
-kleine Wolfsberg=, südlich von Schmiedeberg, der =Spitzberg= zwischen
-Schmiedeberg und Pressnitz, der =Bärenstein= 704 m bei Weipert und der
-=Pleilberg= südlich von Sorgenthal.
-
-Hier sind noch einige hübsche Punkte zu nennen, welche sich an
-dem steilen südlichen Abhange westlich von Oberleutensdorf über
-Kaaden hinaus erheben und an diesem kurze Gebirgsjoche bilden. Die
-hervorragendsten sind: Der =Eisenberg=, auf welchem das gleichnamige
-Schloss 164 m Höhe über der Thalsohle steht; westlich davon ist der
-=Seeberg= und noch weiter bei Stolzenhan der =Tannich=. Sie bilden
-eine ziemlich ansehnliche Gruppe von steilen Bergen, mit welchen der
-Gebirgsabfall als ein kurzes Joch in die Ebene vorspringt, aus welcher
-es jedoch sehr steil aufsteigt. Weiter südwestlich gestaltet sich
-der Gebirgsabfall zu einer Art von Bucht, auf deren Abhange sich nur
-niedrige Kuppen erheben; sie wird westlich von dem =Hammerberge=,
-dem =Hutberge= und dem =Roland= eingefasst, welcher, in einige Hügel
-auslaufend, den Fuss des Gebirges nördlich von Komotau bildet. Westlich
-von dieser Stadt bei dem Dorfe Tschernowitz erhebt sich =der isolirte
-Burberg=. Jenseits des Höllbachthales zeigt sich der ausgedehnte
-=Gliedner Berg=, welcher westlich in den =Schweigerberg= verläuft.
-Westlich von Platz befindet sich der =Hassensteiner Schlossberg=, und
-noch weiter westwärts über Klösterle hinaus bildet der Abhang des
-Gebirges das Gehänge eines mehr eingeengten Thales. Isolirt, im Thale
-sich erhebend, befindet sich südwestlich von Klösterle nahe der Eger
-der 547 m hohe =Schönburger Schlossberg=, und nicht weit von Wotsch
-der =Himmelstein=, welcher von seiner Burgruine eine schöne Aussicht
-nach Westen bietet. An dem nördlichen Abfalle des Gebirges, welches
-sich westwärts von Kaaden ausdehnt, sich dem des Erzgebirges gegenüber
-erhebt, hinsichtlich seiner Zusammensetzung und Gestaltung auffallend
-vom Erzgebirge verschieden ist, keinen so deutlich hervortretenden
-Kamm oder Rücken zeigt, sondern der Hauptmasse nach aus Gruppen von
-mehr oder weniger zusammengedrängten Kuppen besteht und erst in seiner
-weiteren westlichen Verbreitung, die wir dann nach genauer Betrachtung
-des westlichen Erzgebirges in seiner Fortsetzung näher kennen lernen
-werden, sich zu einer mehr zusammenhängenden und ausgebreiteten
-Masse gestaltet -- finden sich als hervorragende Kuppen: Der
-=Herrgottsstuhlberg=, zwischen Krondorf und Ockenau; östlich ist die
-=Spinnelsdorfer Kuppe=, der =Leskauer Schlossberg= und der unmittelbar
-aus dem Thal steil aufsteigende, oben eine abgeflachte Platte bildende
-=Burberg= 583 m südwestlich von Kaaden. Diesem gegenüber an der linken
-Seite des Thales erheben sich einige Gruppen von niedrigen Bergen,
-welche vom Fusse des Erzgebirges durch die sich hier bereits mehr
-ausbreitende Ebene getrennt sind; es sind: der =Seeberg=, zwischen
-Nickelsdorf und Meretitz, der =Spitzberg= südlich von Nickelsdorf, dann
-der =Königsberg= und =Wistritzer Berg= nördlich von Kaaden. Zu diesen
-gehören östlich von dieser Stadt als Ausläufer die an der linken Seite
-des Thales auf der Ebene zerstreut vorkommenden Hügelgruppen zwischen
-Pröhl und Waschitz, der =Tschachwitzer Hübel=, der =Prölberg= 334 m und
-der =Strösauer Hügel=.
-
-Weiter westlich von Pressnitz und Schmiedeberg gelangen wir ins Centrum
-des Erzgebirges, wo es in seinen Kuppen über 1200 m hoch ansteigt. Dort
-ist der =Keilberg= oder =Sonnenwirbel= 1243 m, über den der Pass von
-Gottesgab in der Höhe von 900 m von Karlsbad, Joachimsthal nach Sachsen
-führt.
-
-Dieser Höhepunkt bildet gewissermassen den Hauptstock des ganzen
-Gebirges, einen Gebirgsknoten, von welchem dasselbe in nordöstlicher
-und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich
-zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast das Ansehen eines
-Hochgebirges erhält. Der nordöstliche Gebirgsflügel, welcher durch
-diese aus dem Thale in schroff ansteigenden, auf einander gelagerten
-und zu beträchtlicher Höhe sich erhebenden Gebirgsgruppe vom
-südwestlichen getrennt wird, enthält auf dem 838 m hohen Rücken den
-isolirten, kegelförmigen =Kupferhügel=, 68 m hoch. Von hier verläuft
-der Gebirgsrücken gegen den Keilberg hin fast als Ebene über eine
-Meile weit, wo dann der genannte Gebirgsstock als ein Haufwerk von
-eng vereinigten, zu einer ausgedehnten, sanft zugerundeten Masse
-verbundenen Scheiteln hervorragt. Nach einer seiner westlichen
-Kuppen wird dieser Stock auch der Sonnenwirbel genannt; in seiner
-Nachbarschaft erhebt sich jenseits der Landesgrenze der =Fichtelberg=
-1213 m zu nicht viel geringerer Höhe empor. Östlich vom Keilberg
-ist der =Hauensteinberg= 1080 m und südlich der =Schwarzfelsberg=
-1114 m. Westlich verläuft der Hauptrücken des Gebirges in demselben
-Charakter wie östlich von diesem Hauptstocke, nämlich als eine breite
-Gebirgsfläche mit sanfter Abdachung gegen Norden, auf welcher einzelne
-Kuppen und ausgebreitete Höhen hervorragen und die Gebirgsfläche
-wellenförmig gestalten. Allmählig aber nimmt die Höhe des Hauptrückens
-in seinem Verlaufe nach Südwesten ab und erreicht bei Gottesgab 1016 m,
-bei Platten 885 m, bei Hirschenstand 860 m Meereshöhe, weiterhin wird
-es noch niedriger und sein Zusammenhang tritt weniger deutlich hervor;
-er gestaltet sich in ein aus mehreren kleineren Gruppen von Gipfeln
-zusammengesetztes Gebirge um, welches an seinem westlichen Ende im
-Egerlande mit den Ausläufern des Fichtelgebirges verschmilzt. In
-diesem Theile des Gebirges nennen wir als hervorragende Punkte: den
-=Spitzberg= bei Gottesgab 1118 m, den =Plattenberg= bei Platten 1039 m,
-=den Muckenbühl= 944 m, =den Aschberg= 925 m, den in Sachsen liegenden
-=Auersberg= bei Wildenthal 1021 m, =den »hohen Stein«= bei Schönbach
-767 m und =den Kapellenberg= bei Voitersreuth 764 m hoch.
-
-
-Das Gebirge südlich von der Eger.
-
-Südlich von der Eger haben wir im Westen die letzten Ausläufer des
-Böhmerwaldes. Durch den ziemlich weiten Pass oder tiefen Einschnitt bei
-Sandau, wo sich der Gebirgsrücken nur wenig über die Flächen erhebt,
-welche sich im Westen und Osten an seinem Fusse verbreiten, ist das
-genannte Gebirge vom Kaiserwalde geschieden. Am meisten ragt unter
-den Bergen im Süden des Egerlandes der =Dillenberg= durch Ausdehnung
-und Höhe hervor; es ist die nördlichste und ansehnlichste Kuppe des
-Waldgebirges, welches mit demselben den Zug seiner Verbreitung in
-Böhmen schliesst; er erreicht 963 m Meereshöhe, ragt daher beiläufig
-540 m über die Fläche des Egerlandes hervor. Die Gestalt ist die eines
-steil ansteigenden, sanft gebogenen Rückens mit einigen sattelförmigen
-seichten Einbiegungen.
-
-Der weitere, nordwestlich verlaufende Zug wird gewöhnlich das Tepler
-Gebirge genannt; er bildet einen ausgebreiteten Rücken mit ziemlich
-gleichförmigen Verhältnissen seiner Abdachungen. Der westlich vom
-Teplthale gelegene Theil dieses Gebirges ist durch mehrere kleinere
-Thäler eingeschnitten, ohne dass sich jedoch die Theile als eigene
-Züge besonders hervorheben. Der höchste Theil desselben ist der
-südwestliche unter dem Namen Kaiserwald mit =der hohen Glatze= 973·5 m.
-Von da verläuft mit abnehmender Höhe der westliche Gebirgsabhang als
-natürliche Begrenzung des Egerlandes zwischen dem Roda-Bache und dem
-Liebau-Bache bis Königsberg, wo sein steiler Abfall das nördliche
-Gehänge des engen Thales bildet, welches ihn vom letzten Joche des
-Erzgebirges, dem Leibitsch-Kamme, trennt. Sanfter ist der Abfall des
-zweiten Theiles zwischen dem Liebau-Bache und Lobs-Bache, wo am Fusse
-des Gebirges die Thalfläche von Falkenau, das Falkenauer Land, sich
-ausbreitet und sich bis zum Fusse des Erzgebirges in einer Breite von
-11·3 Kilom. ausdehnt. Den dritten Theil bildet der Abfall des Gebirges
-zwischen dem Lobsbache und dem Zechthale mit dem =Spitzberg= 821 m
-zwischen Lauterbach und Schönfeld und dem =Crudum= 830 m nördlich
-von Kohling, welche beide mächtig hervorragen. Die Gehänge dieses
-Gebirgstheiles fallen steil und stellenweise als schroffe Felswände
-in die beiden genannten Seitenthäler und in das Hauptthal bei Elbogen
-ab. Der vierte Theil verläuft zwischen dem Zechthale und der Tepl und
-wird überragt von der =Buchenhöhe= 728 m nördlich von Poschitzau und
-dem =Aberg= 609 m südöstlich von Aich. Derselbe gewährt eine treffliche
-Aussicht über den Gebirgsrücken und auf das Erzgebirge.
-
-Der östliche Theil des Tepler Gebirges rechts vom Tepelthale ist mehr
-ausgebreitet als der westliche, erreicht aber nicht dessen Höhe; er
-hat mehr das Ansehen eines ausgedehnten Plateaus, auf welchem sich
-einzelne, zum Theile mehr ausgedehnte als hohe Kuppen hervorheben. Der
-südliche Abhang führt zum grossen Theile den Namen Buchauer Gebirge.
-Gegen Osten und Nordosten geht die Platte in ein aus Kuppen und
-höheren Rücken zusammengesetztes Gebirge über und führt zum Theil den
-Namen Duppauer Gebirge. Der Abfall ins Tepelthal ist schroff. Ueber
-das Plateau bei Engelhaus ragt der weitsichtbare und jedem Touristen
-bekannte =Schlossberg= empor. Dieses Gebirge erhebt sich auch steil aus
-dem Haupt-Thale, sowie ihm gegenüber das Erzgebirge.
-
-
-Das Mittelgebirge.
-
-Dieses Gebirge wird von der Elbe durchschnitten und in zwei nahezu
-gleiche Theile, einen westlichen und einen östlichen, geschieden.
-Der westliche Theil wird nördlich von dem Eulauer, nordwestlich von
-dem Teplitzer Thale, westlich von der schönen, fruchtbaren Saazer
-Ebene und südlich von dem Egerthale und der Ebene, in welches
-sich dieses verläuft, begrenzt. An seinem nördlichen Abhange wird
-dieser Gebirgstheil in nordöstlicher Richtung von dem Bielathale
-durchschnitten, und gewöhnlich wird nur der Strich zwischen dem Eger-
-und Bielethale das Mittelgebirge genannt, wiewohl das nordwärts der
-Biela liegende Gebirge bis zu den bezeichneten Grenzen, sowie das
-an der Ostseite der Elbe liegende Gebirgsland mit demselben ein
-geognostisches Ganzes bildet, von welchem das eigentliche sogenannte
-Mittelgebirge einen Haupttheil ausmacht.
-
-Während dem östlichen Theile theilweise ein kettenartiger Zusammenhang
-nicht abgesprochen werden kann, fehlt dieser dem westlichen ganz,
-und besteht aus einer Anhäufung von mehr oder weniger vollkommen
-kegelförmigen, theils spitzigen, theils abgestumpften oder an dem
-Gipfel abgerundeten glockenförmigen Bergen, zwischen welchen hie und
-da kahle, zum Theile mächtige, klippige Felskolosse hervorragen. Die
-Berge stehen, besonders an den Ausläufern oder am Rande des Gebirges,
-wo es sich aus der Ebene hervorhebt, vereinzelt, versammeln sich dann
-weiterhin in kleineren und grösseren Gruppen, welche dann an den
-beiden Gehängen des Gebirgszuges sich sehr gedrängt gehäuft finden und
-in der Mitte desselben als die höchsten Berge hervorragen, worunter
-im eigentlichen Mittelgebirge der =Donnersberg= oder =Milleschauer=
-mit 815 m über der Nordsee den höchsten Punkt dieses ganzen Gebirges
-erreicht. Das ist der König des Mittelgebirges, ein steiler, isolierter
-Bergkegel aus Klingstein.
-
-Im östlichen Mittelgebirge liegen die höchsten Berge nicht in der
-Mitte, sondern zumeist am Rande desselben. Die Grenzen dieses Gebirges
-sind: Südlich die Ebene an der Elbe, über welche sich dasselbe
-theils plötzlich mit grosser Steilheit erhebt, theils allmählich von
-derselben ansteigt und so den Fuss des eigentlichen steileren Gebirges
-bildet. An der Ostseite zerstreuen sich die Gebirgsmassen in einzelne
-Kegelberge, welche sowie nordöstlich, endlich als zusammenhängender
-Gebirgszug gegen das Gebiet von Bunzlau fortlaufen. Nördlich wird das
-Mittelgebirge durch das Granitgebirge begrenzt, und von diesem durch
-das Thal des Grundbaches bei Obergrund und Georgenthal geschieden,
-hängt jedoch damit durch den Gebirgsrücken bei Schönlinde zusammen,
-und seine Felsmassen finden sich auch noch in einzelnen Bergkegeln
-zerstreut auf dem Granitgebirge vor. Die nordwestliche Grenze bildet
-das Sandsteingebirge an der Elbe, wo sich auch die Felsmassen in
-zerstreuten Bergen im Gebiete des Sandsteingebirges vorfinden, sowie
-sich die des letzteren mit denen des Mittelgebirges vermengen und diese
-durchflechten.
-
-Das östliche Mittelgebirge erhält verschiedene Benennungen nach
-einzelnen Gegenden, Ortschaften und Bergen.
-
-In geognostischer Beziehung gehört dieses Gebirge zur vulkanischen
-Trappformation und ist eines der ausgedehntesten und ausgezeichnetsten
-dieser Art in Europa. Basalt und Klingstein bilden die Hauptmassen des
-Gebirges, von denen der erstere die meisten Berge, der letztere die
-höchsten Punkte und mächtigsten Felsmassen zusammensetzt. Der Basalt
-ist meistens dicht, oft auch blasig und mandelsteinartig und zuweilen
-in ein thoniges Gestein oder sogenannte Wakke übergehend; häufig
-trifft man ihn schön säulenförmig an, mit Olivin eingesprengt, oder
-porphyrartig durch eingewachsene Krystalle von Augit, Hornblende oder
-Glimmer. Auch der Klingstein hat mancherlei Abänderungen. Ausser diesen
-beiden eigentlichen vulkanischen Trappfelsarten erscheint auch Porphyr
-in einigen Gegenden und etwas seltener eine Art Grünstein, welche mit
-dem Basalt sehr nahe verwandt ist. Die Felsarten des Urgebirges kommen
-nur in einigen Gegenden in den tieferen Theilen zum Vorscheine, so im
-Bielathale bei Bilin und im Elbthale bei Tschernosek der Gneis.
-
-=Das Elbgebirge=, auch wohl Sandsteingebirge an der Elbe, das
-böhmisch-sächsische Sandsteingebirge, und wegen seiner eigenthümlichen
-schroffen Formen und romantischen Thäler, die böhmisch-sächsische
-Schweiz genannt, erstreckt sich von den oben angegebenen Grenzen
-des Mittelgebirges, nämlich dem Eulauer Thale, dem Losdorfer- und
-Olischbache, dann dem Gebirge zwischen Kamnitz und Kreibitz, bis zum
-nördlichen Granitgebirge jenseits des Körnschtbaches, und über die
-Grenze Böhmens nach Sachsen; es wird von dem Elbthale durchschnitten
-und in zwei Theile getheilt. Der Theil an der linken Seite der Elbe
-wird fast bloss, soweit das Gebirge Böhmen angehört, vom hohen
-=Schneeberge= und dessen Vorbergen gebildet und erhebt sich an
-demselben zu seiner grössten Höhe, von welcher es sich nach dem Rücken
-des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswalde nur wenig, nach seiner
-nördlichen Verflachung sanft abdacht, gegen das Eulauer Thal und das
-Elbthal aber sehr steil abstürzt. Viel niedriger gestaltet sich der
-Theil desselben an der rechten Seite der Elbe, und bildet ein aus dem
-Elbthale sich gleichfalls mit grosser Steilheit bis zu einer Höhe von
-ungefähr 379 m erhebendes Plateau, welches sich nach Osten und Süden
-sanft gegen das sich aus demselben erhebende Mittelgebirge verflacht,
-eine wellenförmige Oberfläche mit einzelnen grössern Erhöhungen
-zeigt, und sich an der nördlichen Landesgrenze, am Winterberge und
-den Thorwänden, abermals plötzlich gleich einem Walle erhebt. Die
-Thäler, welche dieses Plateau durchschneiden und an den Abhängen
-des Schneeberges tiefe Einrisse bilden, haben einen eigenthümlichen
-Charakter; die Gehänge derselben sind steile, oft senkrecht
-aufsteigende zerrissene Felsenwände, welche sich zuweilen gleichsam
-in mehreren Stockwerken über einander erheben und deren einzelne, oft
-von der Hauptmasse losgerissene, sowohl senk- als wagrecht zerklüftete
-Pfeiler sich zu grotesken, oft abenteuerlichen Gebirgsformen gestalten,
-von welchen der böhmische Theil dieses Gebirges ebenso reich, als der
-deshalb von Lustreisenden so häufig besuchte sächsische Theil desselben
-ist.
-
-Die herrschende Felsart dieses Gebirges ist der Quadersandstein, eine
-der jüngsten aus der Reihe der sekundären Flötzformationen. Derselbe
-zeigt sich bei seinem Beginn am Erzgebirge sichtbar auf dem Gneis
-desselben, sowie an seiner Begrenzung am nördlichen Granitgebirge
-auf diese Felsart aufgelagert, und Granit zeigt sich auch unter
-dem Quadersandsteine an einer merkwürdigen Stelle im Elbthale; an
-einer andern kommt auch Thonschiefer als untere Felsart vor. Von den
-Felsarten des angrenzenden vulkanischen Trappgebirges findet sich im
-Bezirke des Sandsteingebirges ein majestätischer einzelner Basaltberg,
-=der Rosenberg=, welcher sich über das Plateau dieses Gebirges am
-rechten Elbufer 299 m und überhaupt bis zu 588 m Meereshöhe erhebt.
-
-
-Flüsse.
-
-Die bedeutendsten Flüsse unseres Reisegebietes sind die =Elbe=, die
-=Eger= und die =Biela=.
-
-Wir betrachten die Elbe von Raudnitz an; hier schlägt sie die nördliche
-Richtung ein und bewegt sich grösstentheils im flachen Lande und an dem
-sanften, hügeligen Gehänge, welches den unteren Fuss des Mittelgebirges
-an der linken Seite bildet; von Krzemusch bis Lobositz läuft sie wieder
-westwärts, wendet sich aber bei letzterem Orte wieder plötzlich nach
-Norden und tritt hier in eine Gebirgsspalte ein. In diesem engen, zu
-beiden Seiten von den Felsmassen des Mittelgebirges eingeschlossenen
-Thale, welches sich bei Libochowan auf eine kurze Strecke kesselförmig
-erweitert, fliesst der Strom, mit einigen Krümmungen in nördlicher
-Richtung bis Aussig, wendet sich daselbst nordöstlich und nimmt bei
-Kleinpriesen allmählig wieder die nördliche Richtung an, welche er bis
-zu seinem Austritte aus unserem Vaterlande beibehält. Das Stromthal
-geht auf dieser ganzen Strecke fortwährend zwischen Gebirgen, welche
-von Rongstock bis Tichlowitz an, besonders an der rechten Seite, etwas
-zurücktreten und so bis Tetschen dasselbe etwas erweitern; unterhalb
-dieser Stadt tritt der Strom in das Gebiet des »Elbsandsteingebirges«
-ein; das Thal wird sehr enge, die Abhänge steil, zum Theil aus
-senkrechten hochaufgethürmten Felsmassen und Wänden bestehend. Die Elbe
-verlässt Böhmen mit ihrem linken Ufer ¼ Stunde oberhalb Herrnskretschen
-und mit ihrem rechten Ufer ¼ Stunde unterhalb dieses Ortes. Das
-Gefälle des Stromes durch diesen Gebirgsweg beträgt von Leitmeritz bis
-Herrnskretschen (8⅜ Meilen oder 6·376 Myriameter) 28 m.
-
-In diesem Hauptstrome Böhmens sammeln sich bei weitem die meisten
-Gewässer des Landes, und so gehören auch die unseres Reisegebietes
-nahezu alle zu dessen Flussgebiete und fliessen grösstentheils
-innerhalb desselben in diesen Strom. Der wichtigste darunter ist die
-=Eger=, welche auf dem Fichtelgebirge in Baiern und zwar am nördlichen
-Abhange des Schneeberges 701 m über der Meeresfläche entspringt. Den
-Namen Eger erhält sie erst bei Weissenstadt in Baiern; sie tritt bei
-dem baierischen Grenzorte Somerau an die Landesgrenze, durchschneidet
-das Egerland in östlicher Richtung in vielen Krümmungen, tritt aus
-dem Gebirge östlich von der Stadt Eger in die Thalfläche, verlässt
-diese bei Königsberg und durchschneidet den Gebirgskamm, welcher das
-Egerland im Osten begrenzt, in einem engen Thale und tritt bei Kloben
-in die weite Thalfläche zwischen dem Erzgebirge und Tepler Gebirge,
-hält sich jedoch mit ihrem Laufe mehr am Fusse des letzteren, welchen
-sie von Altsattel in einem engen felsigen Thale durchschneidet.
-Unterhalb Karlsbad verlässt sie die Thalfläche gänzlich und setzt
-ihren Weg in nordöstlicher Richtung zwischen dem Tepler Gebirge und
-dem Erzgebirge fort. Im weiteren Lauf bei Wartha wird das Rinnsal
-fast zur Schlucht eingeengt und verbleibt so bis Klösterle, wo sich
-das Thal erweitert. Auf dieser ganzen Strecke sind die Gehänge des
-Flussthals grösstentheils felsig und oft fallen die Felsmassen bis in
-das Flussbett steil ab. Unterhalb Kaaden tritt sie in das Flachland;
-die Gehänge des Flussthales werden allmählig niedriger und sanfter
-und das Thal wird weiter und verliert sich unterhalb Saaz ganz in
-die Ebene. Die Eger verfolgt nun ihren Weg in östlicher Richtung in
-kleinen Krümmungen und tritt in ein nicht sehr tiefes, in den Fuss
-des Mittelgebirges eingeschnittenes Thal und kommt aus demselben
-bei =Hostenitz= in die Ebene, um sich nach kurzem, nunmehr nördlich
-gerichtetem Laufe unterhalb Theresienstadt, gegenüber von Leitmeritz,
-mit der Elbe zu vereinigen.
-
-Die Eger ist sehr zu Ueberschwemmungen geneigt und überführt dabei oft
-die Niederungen ihres Ufers mit Schutt und Gerölle.
-
-In die Eger ergiessen sich an der linken Seite: der =Liebensteiner=
-Bach bei Fischern; der =Schladabach= bei Tirschnitz; der =Fleissenbach=
-mit dem =Sirmitzbach= bei Nebanitz; der =Leibitschbach= bei Leibitsch;
-die =Zwodau= bei Falkenau; sie entspringt in Sachsen, betritt
-unterhalb Klingenthal unseren heimatlichen Boden, verstärkt sich
-links in Graslitz durch den =Schwaderbach=, bei Weitzengrün durch den
-=Rothaubach= und fliesst bei Falkenau in die Eger; der =Chodaubach=
-bei Maierhöfen; der =Rohlaubach= bei Fischern; der =Tippelsgrüner
-Bach= bei Dalwitz; die =Wistritz=, verstärkt durch die =Weseritz=,
-bei Wistritz, unterhalb Schlackenwerth; die reissenden Gewässer: der
-=Holzbach= unterhalb Damitz; der =Mühlbach= bei Austein; der =breite
-Bach= bei Klösterle, welche in engen tiefen Thälern am Gehänge des
-Gebirges herabfliessen; der =Wernersdorfer Bach=, an der Reischhöhe
-entspringend, erreicht in Oberwernersdorf die Reischhöhe, fliesst
-durch Nickelsdorf und dann in die Eger; der =Brandbach= bei Kaaden;
-der Saubach, anfangs Höllenbach genannt, entspringt aus kleinen
-Gewässern bei Wisset und Krima, erreicht die Ebene bei Hagensdorf, in
-welcher er durch Deutsch-Kralupp, Priesen, Horatitz und Schisselitz
-und dann unterhalb Saaz in die Eger fliesst; der =Assig-= oder =Sau-=,
-auch =Komotauer Bach=, entsteht aus dem Assigbach und dem Komotauer
-Flössgraben westlich von Sebastiansberg unweit der Landesgrenze und
-nimmt den =Rothenhauser Flössbach= auf. Nach Vereinigung dieser Bäche
-in der Grundmühle bei Dörnthal fliesst dieser schon ansehnliche Bach
-durch den romantischen, ungemein anmuthigen Komotauer Grund nach
-Oberdorf herab, dann durch die Stadt Komotau, wo er in's flache Land
-eintritt, hier seinen Weg in einem seichten Thale in ostsüdlicher
-Richtung durch eine Menge Ortschaften nimmt und unterhalb Postelberg in
-die Eger fällt. Sein reissendes Gewässer führt eine Menge Rollsteine
-vom Gebirge in das Flachland herab, welche sich bis in die Gegend
-zwischen Komotau und Eidlitz verbreiten. Hervorragende und die
-Aufmerksamkeit der Touristen besonders erweckende Zuflüsse am rechten
-Ufer der Eger sind:
-
-=Die Wondreb=, deren Quelle zahlreiche Riesel an dem südlichen Abhange
-des Dillenberges bilden, und welche sich bei Mähring in Baiern zu
-einem kleinen Bache vereinigen. Dieser umfliesst in einem weiten Bogen
-die südwestlichen Ausläufer des Dillenberges und verstärkt sich durch
-die davon abfliessenden Gewässer, sowie durch einige Zuflüsse aus den
-Ausläufern des Fichtelgebirges, tritt unterhalb Waldsassen in Böhmen
-ein, wo ihm an seiner linken Seite der die Landesgrenze bezeichnende
-=Hundsbach= zufliesst.
-
-Der bedeutendste Zufluss links ist die =Tepel=, am Podhornberge
-entspringend; sie wendet sich von der Stadt Tepel nördlich und verfolgt
-diese Richtung in einem allmählig tiefer und enger werdenden Thale
-bis zu ihrem Ausflusse in Karlsbad. Erwähnenswerth sind auch: der
-=Flutbach=, von seinem Ursprunge bei Sangerberg der =Flössgraben=
-genannt, nimmt in Schlaggenwald den =Röthlinger Bach= auf und fliesst
-durch das felsige Zechthal nach Elbogen; der =Lobsbach= entspringt
-nördlich von Sangerberg und mündet bei Falkenau in die Eger; der
-=Aubach= bei Libotschan; der =Goldbach=, in seinem weiteren Verlaufe
-auch =Flöhauerbach=, bei Tyrnowan.
-
-=Die Biela= entspringt auf dem Rücken des Erzgebirges in der Waldgegend
-östlich von Neuhaus. Der kleine Bach verstärkt sich noch auf dem
-Gebirge durch mehrere Bächlein und nimmt auf seinem Wege in einer
-Schlucht an dem Gebirgsgehänge herab den Uris'ner, Göttersdorfer,
-Rodenauer, Quinauer Bach und am Fusse des Gebirges den von Platten
-herabkommenden Pirkner Bach auf, tritt westlich von Görkau in die
-Ebene, durchfliesst diese Stadt und läuft dann in der Niederung in
-östlicher Richtung gegen Neundorf, wendet sich hier nordöstlich gegen
-Seestadtl, durchfliesst die ganze ebene Fläche in dieser Richtung bis
-zum Einflusse des Grundbaches, nimmt dann die südöstliche Richtung
-dieses Baches an und fliesst bei Tschausch und Brüx vorüber, tritt
-hier in das Mittelgebirge ein, durchfliesst dasselbe in nordöstlicher
-Richtung und fällt bei Aussig in die Elbe.
-
-Am linken Ufer nimmt die Elbe noch den =Eulauer Bach= auf. Derselbe
-sammelt sich aus kleinen Gewässern, welche an den Gehängen des
-Schneeberges und im Mittelgebirge entspringen, und scheidet diese
-beiden Gebirge von einander.
-
-Von den Gewässern, welche, zum Flussgebiete der Elbe gehörend, erst im
-Auslande sich mit ihr vereinigen, sind nur wenige, welche in der Folge
-zu bedeutenden Bächen und kleinen Flüssen anwachsen; die meisten sind
-bloss unbedeutende Gebirgsbäche, welche nach kurzem Laufe dem Strome
-zueilen. Unter den ersten sind zu merken: die =Mulde=, welche ihre
-Quelle bei Graupen hat und sich als östliche oder freiberger Mulde mit
-der westlichen oder zwickauer bei Kolditz in Sachsen vereinigt; die
-=Weisseritz= und die =Müglitz=.
-
-Erwähnenswerth sind auf der Nordabdachung noch folgende Gewässer: =Der
-Schweinitzbach=, fliesst zwischen Böhmisch- und Deutsch-Einsiedel,
-zwischen Gebirgs- und Deutsch-Neudorf, wendet sich hier nordwestlich
-bei Katharinaberg vorüber nach Brandau zu. Bei Grünthal vereinigt er
-sich mit dem =Natschungbach=; dieser entspringt südwestlich von dem
-Dorfe Natschung, bildet von da bis Grünthal die Landesgrenze, nimmt den
-Kallich-Töltsch-Brandauer-Bach auf und bildet mit der Schweinitz die
-=Flöhe=.
-
-Der =Schwarzwasser-Bach= entspringt an der Ostseite des Hassberges,
-fliesst in nord-nordöstlicher Richtung längs der Landesgrenze
-durch Ulmbach, Reizenhain, Kühnheyde (Kienhaide) nach Sachsen. Der
-=Pressnitz-Bach= hat seine Quelle an der Nordseite der Reischhöhe,
-fliesst durch Reischdorf, Pressnitz und Christofhammer und bezeichnet
-auf einer kurzen Strecke die Grenze. Bei Pressnitz verstärkt sich das
-Wasser mit dem Dörnsdorfer Bache.
-
-Der =Schwarz-= oder =Pleil-Wasserbach= entspringt unweit des Keilberges
-in der Gemeinde Stolzenhan, erreicht im Südwesten die Gemeinde
-Schmiedeberg, durchfliesst die Schmiedeberger Thalmulde von Südwest
-nach Nordost, tritt dann unter dem Namen Pleilwasserbach in die
-Gemeinde Pleil und dann nach Sachsen über.
-
-Der =Gränzbach=, an der Nordseite des Keilberges entspringend und mit
-seinem Laufe bei Wiesenthal und Weipert auf einer Strecke von mehr
-als zwei Meilen die Landesgrenze bezeichnend, fliesst unter dem Namen
-=Pöhlbach= gegen Wolkenstein in die Zschoppau; das =Schwarz-Wasser=
-entspringt am Fichtelberge, fliesst bei Försterhäuser und Seifen vorbei
-und vereinigt sich bei Johann-Georgenstadt mit einem von Platten
-kommenden Bache und ergiesst sich, ein herrliches Thal bildend, in die
-Zwickauer Mulde. In Böhmen entspringt noch die =weisse Elster=, welche
-in nördlicher Richtung das Land verlässt und erst im Nachbarlande an
-Bedeutung gewinnt.
-
-_Klima._ Das Klima ist feucht, regenreich, mässig kühl und
-gleichmässig. Die Niederschläge und Luftfeuchtigkeit unterliegen
-grösseren Schwankungen als im Böhmerwalde, weil die Massenerhebung der
-Berge nicht bedeutend genug ist, um ein ganz selbstständiges, von den
-wechselnden Einflüssen der baierischen Hochebene im Südwesten und des
-norddeutschen Tieflandes unabhängiges Klima zu erzeugen. Der Winter ist
-sehr lang, sieben bis acht Monate in den oberen Höhen dauernd. Die vier
-bis fünf Sommermonate tragen ganz das Gepräge des Frühlings. Die Luft
-ist -- wenige, besonders schwüle Tage im Juli und August ausgenommen
--- selbst während der Mittagsstunden und bei sonst schönem Wetter
-angenehm kühl. Von allen Seiten strömt uns der Wohlgeruch von duftenden
-Kräutern und von den harztriefenden Fichten und Tannen entgegen,
-welche die reine Gebirgsluft so stark würzen, dass wir tiefathmend die
-Lungen wie durstige Trinker anfüllen, von der Natur getrieben, die uns
-anreizt, hier unser Blut zu erfrischen. Der Boden ist theils wegen
-der Grundfeuchtigkeit vom Winter her, theils wegen seiner schwammigen
-Beschaffenheit, mittelst welcher er die Feuchtigkeit der Atmosphäre
-so leicht an sich saugt, vielfach nass und sumpfig. Die Bergbäche
-sind daher reich und schwellend; dazu der bunte Schmelz der blühenden
-Pflanzen, die in verschiedener Aufeinanderfolge hervorbrechen und
-wieder verschwinden, und die ausserordentlich üppige Vegetation an den
-Abhängen der Berge und in den Thälern: das alles begünstigt die Idee
-eines im Vergleich mit dem Unterlande viel längeren und wonnereicheren
-Frühlings. Während im Monate August im Innern unseres Heimatslandes
-alles grösstentheils vergilbt ist, steht im Erzgebirge alles noch in
-der schönsten und üppigsten Fülle.
-
-Die =Morgen-= und =Abenddämmerung=, eine der herrlichsten Erscheinungen
-während des reizvollen Sommers, gewährt dem Touristen, der um diese
-Zeit die heiteren Höhen und saftig-grünen Thäler durchwandert, den
-Vortheil, seine Tage auf die höchstmögliche Benützung zu bringen. Etwa
-fünf Wochen vor und nach der Sommersonnenwende hat sowohl die Abend-
-als auch die Morgendämmerung eine grosse Dauer, was die Wanderungen
-auf den Höhen des Erzgebirges ungemein erleichtert und angenehm
-macht. Auch die =Morgen-= und =Abendröthe= ist auf den Spitzen immer
-heiterer und schöner als unter gleichen Umständen bei wolkenfreiem
-Horizont im Innern des Landes. An dieser Stelle machen wir auf zwei
-Erscheinungen unseres Gebirges besonders aufmerksam und bezeichnen die
-geeignete Zeit und den besten Ort, wo sie gewöhnlich eintreten. Es ist
-der Kupferhügel bei Kupferberg und der Hochsommer an Tagen, wo über
-dem Flachlande Gewitter hängen. Man darf nicht sorgen, dass sie auf
-das Gebirge heraufsteigen, wenn sie auch der Südwind gegen die Berge
-herantreibt. Die schwarzen Wolkenmassen schwimmen dann bis nach Kaaden
-oder Brunnersdorf heran und dringen auch in das Egerthal bis Klösterle
-oder Pürstein herein; hier aber stauen sie sich an die hohen Berge und
-entladen in stundenlangen Gewittern ihre Blitze mit fern rollendem
-Donner. Der Zuschauer auf dem Kupferhügel steht im Sonnenschein, den
-reinen blauen Himmel über seinem Haupte, und kann mit voller Seelenruhe
-auf die leuchtenden Wolken hinabsehen, deren Oberfläche mit den
-einzelnen Kuppen noch immer tiefer liegt, als der Rand des Gebirges,
-und die tief unter seinen Füssen ihre Blitze von Wolkenballen zu
-Wolkenballen aussenden, bis sich ihre Elektricitäten entladen haben
-und die erschöpften Wolken wieder zerreissen und zerflattern und
-das durchnässte Land im dunklen frischen Blau durchscheinen lassen.
-Dieses Schauspiel wird vielleicht nur noch von einer Naturerscheinung
-überboten, die im Frühlinge, bei lang anhaltenden Märznebeln, oder auch
-im Herbste stattfinden kann, und die öfter schon beobachtet wurde. Wie
-bekannt, sind die Gebirge mehr oder öfter mit Nebeln verschleiert als
-die Niederungen und Thäler. Es kann aber auch geschehen, dass sich
-die Nebel sehr dicht über das Tiefland lagern, und dann reicht die
-Nebelschichte meist nur bis an den Rand des Gebirgskammes und oben ist
-heller Sonnenschein und warmes, trockenes, schönes Wetter. Der Nebel
-selbst liegt weithin über das ganze Tiefland wie eine Meeresfläche
-gebreitet, unter welcher das ganze Land versunken und verschwunden
-scheint. Es ist aber doch nicht ganz versunken; hier rechts ragen
-aus dem glatten Meeresspiegel, über dem das helle, sonnige, blaue
-Himmelsgewölbe gespannt ist, einige Kuppen des Teplergebirges heraus
-wie blaue Inseln, an welchen die dunstig dünnen Wellen des Nebels
-aufschäumen; dort links in der Gegend von Dux und Teplitz tauchen
-wieder Inseln heraus, an welchen wir den =Bořen= und den =Donnersberg=
-zu erkennen glauben. Alles andere wogt langsam in breiten Wellen von
-nur geringer Höhe, ein täuschender Meeresspiegel von 14 Meilen Länge
-und Breite, der ganz an den Anblick über die Adria erinnert, von den
-Höhen des Karstes aus gesehen. Und welches Spiel der Wellen nahe zu
-unseren Füssen! Vom Fusse des Kupferhügels gegen Osten breitet sich
-eine Platte aus, meist Blumenwiesen, die gegen Klösterle mit einem
-steilen Rand abfallen. Die Nebelschichte füllt das Tiefland genau bis
-zu diesem Rande. Da treibt ein leiser Ostwind den oberen Schaum des
-Nebels über den Rand, und eine duftig zarte Woge schlägt über und wälzt
-sich über die grüne Platte. Sie ist aber von der strahlenden Sonne
-beschienen und erwärmt, und die Schaumwelle des Nebels zerfliesst
-und zerflattert. In kurzer Zeit kommt eine zweite brandende Welle
-und wiederholt das anziehende Spiel. Wir erfreuen uns längere Zeit
-an dem Spiele eines brandenden Nebelmeeres, da streift unser Blick
-wieder das Tepler Inselland. Die blauen Inseln sind grösser, breiter
-geworden, das Meer sinkt, es trocknet ein, und das feste Land steigt
-aus den Fluten im Zauber einer neuen Schöpfung. Auch wurde schon
-wiederholt eine Art =Alpenglühen= beobachtet: Man sah am frühen Morgen
-schneereicher Wintertage die rothglühenden Gipfel des Gebirges aus
-der nebeligen Dämmerung des Morgens aufleuchten. Auch hat man auf
-mehreren Gipfeln unseres Gebirges das berühmte »=Brockengespenst=«
-gesehen. Es wird auf dem Brocken beobachtet, wenn an einem Sommertage
-rings um das Brockenhaus schwerer, feuchter Nebel liegt, oder wenn an
-den Flanken des Berges sausende Wolkengeschwader ziehen und sich zu
-seltsamen Gestalten ballen, worauf sich bei besonderem Stande der Sonne
-der vergrösserte Schatten des Wanderers auf einer gegenüberliegenden
-Wolkenwand zeigt. Der Uebergang aus dem ungefähr 4½ Monate langen Lenz
-in den Winter ist indess auch wieder viel schneller als im tiefen
-Lande. Nach einigen wolken- und schneefreien und andauernd schönen
-Octobertagen, deren sich die Erzgebirgsbewohner gewöhnlich zu erfreuen
-haben, tritt der Winter mit allen seinen Unannehmlichkeiten und
-Schrecken sofort ein.
-
-Im allgemeinen muss das Klima wegen der Leichtigkeit und Reinheit
-der Luft als ein ganz gesundes bezeichnet werden. Brustkrankheiten
-kommen hier trotz der oft dürftigen Verhältnisse der Bewohner
-äusserst selten vor, daher werden viele Orte als Schwindsuchtsasyle
-ganz besonders empfohlen, wie Eichwald, Ossegg, Hammer, Rothenhaus,
-Einsiedl, Reizenhain u. s. w. Als Merkmal der günstigen klimatischen
-Verhältnisse gilt der Umstand, dass man bis zu einer Höhe von 650 m
-Roggen und Weizen erntet; auf dem rauhen Gebirgskamme bei Gottesgab
-müssen sich die Bewohner mit Hafer und Kartoffeln zufriedenstellen,
-und auch dieser Anbau sollte unterbleiben. Der Graswuchs ist hier
-sehr üppig, und die Natur zeichnet den Bewohnern den Weg, den sie
-gehen sollen, deutlich vor. Sie sollen sich ganz der Viehzucht widmen,
-und die daraus resultirende Erwerbsthätigkeit durch Gründung von
-Milch- und Käserei-Genossenschaften heben. Erwähnenswerth ist noch,
-dass das prächtige Edelweis in Krima ganz gut gedeiht, daher von den
-Gebirgsvereinen auf dem Sonnenwirbel, wo sich Vorboten der subalpinen
-und selbst der alpinen Flora vorfinden, in grösserem Masse angepflanzt
-und dann verwerthet werden sollte.
-
-
-Einwohnerzahl, Character der Bewohner.
-
-Die Ansiedelung auf dem Erzgebirge weist die Merkwürdigkeit auf, dass
-sie zu den höchst gelegenen auf der ganzen Erde und insbesondere von
-Europa gehört. Es gibt wohl höher gelegene Orte; sie sind aber nur
-Herbergen für die Reisenden oder Heilanstalten, oder es sind Gasthäuser
-für Touristen. Nur einzelne Ansiedelungen, wie Le Locle 996 m und La
-Chaux de Fonds 976 m hoch, jenes mit 9000, dieses mit 17.000 Einwohnern
-(Uhrmacherfamilien), bilden eine Ausnahme und zeigen von einer dichten,
-sesshaften Bevölkerung in ungewöhnlicher Gebirgshöhe. In den Alpen
-steigen die Bewohner gegen den Winter zu in die Thäler hinab. Im
-Böhmerwalde gibt es nur zwei Ortschaften: Aussengefield und Eisenstrass
-mit 2000 Einwohnern, dieses 850, jenes 1077 m hoch. Auf allen Gebirgen
-Deutschlands, wie auf dem Harz, dem Schwarzwalde, im Thüringerwalde u.
-s. w. nimmt die Dichtigkeit der Bevölkerung auf der Höhenlage rasch
-ab. Allein auf dem Erzgebirge nimmt die Dichte der Bevölkerung mit
-der Höhe zu, und auf der böhmischen Seite des Kammes wohnen nach der
-Zählung von 1857 auf 20·7 Quadrat-Myriametern (36 Quad.-Meilen) 111.180
-Menschen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung übersteigt daher 5370 Seelen
-auf ein Quad.-Myriameter (über 3000 auf eine Quad.-Meile). Auf der
-sächsischen, weniger steil abfallenden Seite erreicht sie sogar die
-Zahl von 17.000 Seelen auf ein Quadrat-Myriameter. Diese Dichtigkeit
-der Bevölkerung und die Gründung der Städte in der Höhe von 440 bis
-632 m: Wolkenstein, Thum, Zschoppau, Geyer, Zöblitz, Marienberg,
-Buchholz, Elster, Schwarzenberg, Marienkirchen, Adorf, Falkenstein,
-Schneeberg, Auerbach, Oelsnitz, Zwönitz und Schellenberg; zwischen
-532--790 m: Altenberg, Frauenstein, Seyda, Annaberg, Scheibenberg,
-Elterlein, Grünhain, Johann-Georgenstadt, Eibenstock, Schöneck,
-Heinrichsgrün, Katharinaberg, Bärringen, Hengstererben, Hirschenstand,
-Frühbuss, Platten, Abertham, Sächsisch- und Böhm.-Wiesenthal; über
-948 m ausser mehreren kleineren Ortschaften das Städtchen Gottesgab
-1172 m, noch 72 m über der höchsten Spitze des Harzes, über dem Brocken
-und 224 m über dem Beerberg, der grössten Höhe im Thüringerwalde,
--- diese zwei Umstände lassen sich nur unter Zuhilfenahme eines
-geschichtlichen Ereignisses erklären. Es ist diess die Entdeckung
-der Silbergruben bei Freiberg (1163) und bei Konradsgrün, wo jetzt
-Joachimsthal steht, im J. 1471. In einem Zeitraum von ungefähr 55
-Jahren wurden 11 neue Bergstädte gegründet, nämlich: Schneeberg 1477,
-Annaberg 1496, Buchholz 1504, Joachimsthal 1516, Gottesgab, Eibenstock
-und Hochstadt 1517, Marienberg 1521, Scheibenberg 1522, Wiesenthal 1526
-und Platten 1532. Bergbauunternehmer und Arbeiter strömten herbei;
-denn sie konnten nicht nur reiche Ausbeute und guten Lohn finden, die
-erlassene Bergordnung machte auch die Leibeigenen =frei=, sobald sie
-als Knappen aufgenommen wurden. Auf den Höhen des Erzgebirges wohnte
-die Freiheit. Noch nicht genug daran wurden die Bürger der Bergstädte
-von den Kaisern mit ausgedehnten Privilegien begnadigt. Diese Umstände
-genügen wohl, die rasche Ansiedelung auf einem rauhen Gebirge mitten
-im Urwalde zu erklären. Der Bergbau hat abgenommen, der Werth des
-Silbers ist sehr gesunken, und die Bevölkerung blieb aber doch auf
-den Bergen zurück. Das kann überraschen, denn es bildet eine Ausnahme
-von der Regel, welche wir aus den Beobachtungen ähnlicher Vorgänge
-an anderen Orten ableiten können. In Nordamerika verlief sich die
-Bevölkerung nach Ausbeute der Naphtaquellen und liess Dörfer und Städte
-leer stehen und die Häuser verfallen. In Peru und Chili beobachtete
-man eine ähnliche Erscheinung. Aus noch früherer Zeit lässt sich
-der ähnliche Vorgang in Spanien nachweisen. Auf den unwirthbaren
-Höhen des Erzgebirges blieb aber die dichte Ansiedelung zurück. Sie
-überdauerte alle Wechselfälle und ertrug schwere Zeiten der Noth.
-Sie musste wiederholt von einer Beschäftigung zur anderen übergehen.
-Nach Erschöpfung der Silbergruben warfen sich die Unternehmer und
-Arbeiter auf den Eisensteinbergbau und das Eisenhüttenwesen. Sie bauten
-Drahtmühlen, Blechhämmer, machten verzinnte Eisenlöffel, Nägel und
-Stifte. Als auch diese Gewerbe die Arbeit nicht mehr lohnten, wurde
-das Spitzenklöppeln eingeführt, und als alle Gewerbe stockten, zogen
-die musikkundigen Erzgebirgsbewohner aus und stellten Musikbanden
-für die Badeorte zusammen. Und so hausen sie auf den rauhen Höhen
-und bauen zu den alten Häusern aus Riegelwänden noch neue, festere
-Häuser aus Stein und Werkstätten und Fabriken und lassen sich von den
-rauhen Stürmen nicht fortwehen und von der Noth nicht wegdrängen.
-Was sie nur so festhält? =Der Zug der Natur=, welcher die Forelle in
-dem kristallhellen Gebirgsbache zurückhält und nicht in das trübe
-Flusswasser der Ebene herabschwimmen lässt. Das Heimweh allein ist's
-nicht. Die gesammte Bevölkerung zeichnet sich durch eine besondere
-Beweglichkeit des Geistes und eine vortreffliche Flinkheit und
-Eilfertigkeit des Leibes aus, was sie zu allen Künsten, zu allen
-Handwerken und Gewerben geschickt macht. In Folge dessen sind auf
-dem Erzgebirge eine ganze Reihe von Industrien im Schwunge: Bergbau,
-Eisengewerke, Gewehrfabrication, Löffel- und Messerschmiederei,
-Stahlwaarenerzeugung, Nadlerei, Porzellanfabrication, Spitzenklöppelei,
-Weiss- und Buntstickerei, Posamentierarbeiten, Handschuhmacherei,
-Strohflechterei, Musikinstrumentenfabrication, Spielwaarenerzeugung,
-Arbeiten in Papiermaché, Cartonerie, Chamotwaarenerzeugung u. s. w.
-Kaum eine zweite Gebirgsbevölkerung wechselt so leicht und anstellig
-die Arbeit und eignet sich das neue so leicht an, wie auf diesen
-Bergen, und dieser Anbequemung an die geänderten Verhältnisse haben
-sie es zu danken, dass sie die vielen Wechselfälle ihrer Geschichte in
-ungeschwächter Kraft auf den Bergen aushielten, an denen sie festhängen
-als ihrer geliebten Heimat, und zu welchen sie von ihren oft sehr
-weiten Flügen in die Fremde immer wieder sehnsüchtig zurückkehren.
-
- »Bi weit rim kumma schie mei Labestoch,
- Ich wor in Dorf und Stoodt, wass moncha Gegend za hassen,
- ho viel gesah, wos 's Harz erfraia moch,
- Mei Arzgebirg, mei Hamet ho ich net vergassen!«
-
-Die Geschichte hat uns an diesen Bewohnern gezeigt, wie die Menschen
-zwölfhundert Meter über dem Meeresniveau wachsen und gedeihen.
-Allgemein bekannt ist es auch, dass der Erzgebirger höflich, gefällig
-und sehr genügsam ist. Seine Wohnung ist einfach und noch einfacher
-die Kost. Frohsinn, Verträglichkeit und grosse Liebe zur Reinlichkeit
-finden wir überall, was den Touristen ungemein anmuthet.
-
-
-Das Mineralreich.
-
-_Das Mineralreich_ bietet auf dem Erzgebirge eine grössere
-Mannigfaltigkeit von Vorkommnissen als in den meisten anderen Gegenden
-Böhmens und Deutschlands. Wenn auch der Reichthum dieser Producte gegen
-den, welchen sie in vergangenen Jahrhunderten durch den Betrieb eines
-grossartig ausgedehnten Bergbaues spendeten, fast unbedeutend geworden
-ist, gegenwärtig grossentheils nur die historischen Erinnerungen und
-zahlreiche Halden, Pingen und andere verfallene Grubengebäude übrig
-sind: so ist doch das Vorhandene immer noch von hohem Interesse für die
-Wissenschaft.
-
-Der ältere Bergbau war hauptsächlich auf Gewinnung von Silber und
-dann zunächst auf Kupfer, Zinn, Eisen und Blei gerichtet; erst später
-lernte man auch Kobalt und Wismuth kennen und benützen; die Verwendung
-des Braunsteines, des Nickels und des Urans gehört erst der neuesten
-Zeit an, welcher wahrscheinlich bei dem raschen Fortschritte der
-Naturwissenschaft und der Technik noch die Nutzbarmachung manches
-anderen Minerals vorbehalten ist, das jetzt unbeachtet auf den Halden
-liegt.
-
-Von grösserer Wichtigkeit als der Gewinn an den genannten Metallen
-ist gegenwärtig der Kohlenbergbau, die Zugutemachung der Eisenkiese
-auf Schwefel, Vitriol und Schwefelsäure, und von besonderer Bedeutung
-auch die Benützung der Porzellanerde und des Feldspathes, welche hier
-mehrere der wichtigsten Industrie-Anstalten des Landes in's Leben
-gerufen haben.
-
-Silberzechen finden sich zu Joachimsthal, Abertham, Holzbach,
-Arletzgrün, Breitenbach, Pechöfen, Streitseifen, Brettmühl,
-Zwittermühl, Gottesgab, Seifen und Weipert, dann bei Sangerberg am
-Tepler Gebirge.
-
-Kupferbau wird am Eibenberge auf der Herrschaft Graslitz betrieben.
-
-Bleierzzechen bestanden bei Brünles, Liebenau, Horn, Hartenberg,
-Schlesnitz, Grün, Bleistadt, Reichenbach, Pichlberg, Silberbach,
-Silbergrün und Weipert.
-
-Zinnerzzechen zu Abertham, Streitseifen, Goldenhöhe, Hirschenstand,
-Schönfeld, Schlaggenwald, Silberbach und Königswarth.
-
-Eisenerzzechen zu Maria-Sorg, Pfaffengrün, Hauenstein, Schönwald,
-Lessau, Irrgang, Neu-Hammer, Littmitz, Kodau (Chodau), Unterkodau,
-Putschirn, Wintersgrün, Berghaus, Neusattel, Holzbach, Ullersgrün,
-Granesau, Poschitzau, Grossschad, Sangerberg, Weipert, Ziditz, Thein,
-Unterneugrün und Graset.
-
-Braunstein wurde am Hirschberge bei Platten und bei Frühbuss gewonnen.
-
-Eisenkiese (Vitriol und Alaunerze) werden zum Theile noch bei
-Habersbirk, Char, Sorg, Mühlbach, Münchhof, Littmitz, Theim, Altsattel,
-Zwodau und Maierhöfen gegraben.
-
-Braunkohlenzechen finden sich bei Janesen, Putschirn, Münchhof,
-Grünlas, Chodau, Unterkodau, Taschwitz, Neusattel, Zettlitz, Granesau,
-Littmitz, Hanschgrün, Berghaus, Grün, Russ, Graset, Wintersgrün,
-Motschidl, Bruckhof, Doglasgrün, Aich, Steinhof, Habersbirk, Char,
-Davidsthal, Lauterbach, Robertsgrün, Boden, Neukirchen, Falkenau,
-Zwodau, Unterreichenau, Bukwa, Theisau, Maierhöfen, Kittlitz, Lang,
-Haselbach, dann bei Lessau, Sodau, Premlowitz, Ottowitz, Schenkau,
-Rosnitz, Drahowitz, Stolzengrün, Dalwitz.
-
-Die Gruben auf Porzellanerde, sowie die auf Feldspath bieten
-treffliches Material für den Betrieb der Fabriken in Massen, welche
-keine Erschöpfung besorgen lassen.
-
-An trefflichen Bausteinen und Material für Steinmetzarbeiten hat
-das Gebiet einen Ueberfluss in der weitverbreiteten Granitbildung
-und den Sandsteinablagerungen; bei Graslitz wird auch etwas
-Dachschiefer gebrochen, ebenso fehlt es nicht an Thon für Töpfereien
-und Lehm für Ziegelbrennereien. Im Egerischen Gebiete werden
-nebst gewöhnlichem Töpfergeschirr auch das sogenannte Steinzeug,
-hauptsächlich Mineralwasserflaschen, dann besonders gute Ziegel
-erzeugt. In geringerer Menge findet sich Kalkstein. Die grosse
-Mannigfaltigkeit der Mineralgattungen, welche theils einen Gegenstand
-des Bergbaues ausmachen, theils bloss den Mineralogen interessiren,
-zeigt folgendes Verzeichnis mit Angabe der vorzüglichsten Fundorte;
-die mit »ausschliesslich« bezeichneten Gattungen sind bisher von
-andern Orten noch gar nicht bekannt; die als stetige Gemengtheile der
-Gebirgsgesteine vorkommenden Gattungen sind dabei übergangen.
-
-Arseniksäure, zu Joachimsthal.
-
-Glaubersalz, im Moor bei Franzensbad und in der Soos.
-
-Melanterit, oder Eisenvitriol, im Moor bei Franzensbad.
-
-Johannit, ausschliesslich zu Joachimsthal, höchst selten.
-
-Gyps, krystallisirt zu Schlaggenwald.
-
-Pharmakolith, zu Joachimsthal.
-
-Haidingerit, zu Joachimsthal, höchst selten.
-
-Erythrin oder Kobaltblüte, zu Joachimsthal, Platten.
-
-Vivianit oder blaue Eisenerde, im Moor bei Franzensbad.
-
-Skorodit, zu Schlaggenwald, sehr selten.
-
-Flussspath, zu Schlaggenwald, ausgezeichnete Krystalle dunkelviolblau,
-dann zu Weipert gelb und grün.
-
-Apatit, ausgezeichnet in sehr mannigfaltigen Krystall- und
-Farbenvarietäten zu Schlaggenwald, Schönfeld, ferner zu Neudeck, jedoch
-sehr selten.
-
-Aragonit zu Waltsch, Nester im Basalt; die sogenannte Eisenblüte
-als Seltenheit zu Bleistadt; dann die zu dieser Spezies gehörigen
-mannigfaltigen Abänderungen der Producte der Karlsbader Thermen, als
-Kalksinter und Erbsenstein.
-
-Kalkspath, schöne Krystallvarietäten, vorzüglich der sogenannte
-Papierspath zu Joachimsthal.
-
-Braunspath, sehr ausgezeichnet zu Joachimsthal, dann zu Schlaggenwald.
-
-Spatheisenstein, zu Schlaggenwald, als Seltenheit; thoniger
-Sphärosiderit zu Konradsgrün, bei Lessau und an mehren Orten im
-Braunkohlengebirge.
-
-Scheelit oder Schwerstein, zu Schlaggenwald, höchst ausgezeichnet.
-
-Cerussit oder Weissbleierz, zu Bleistadt, ebendort auch die sogenannte
-Bleierde.
-
-Pyromorphit oder Braunbleierz, ausgezeichnet zu Bleistadt.
-
-Olivenit (Olivenerz), zu Schlaggenwald.
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-Lasur (Kupferlasur), zu Schlaggenwald, Seltenheit.
-
-Uranit, oder Uranglimmer, zu Schlaggenwald, sehr ausgezeichnet; zu
-Schönficht.
-
-Urangrün, ausschliesslich zu Joachimsthal.
-
-Uranblüte desgleichen.
-
-Nickelocher, zu Joachimsthal.
-
-Ganomatit oder Gänseköthigerz, zu Joachimsthal.
-
-Eisensinter, sehr ausgezeichnet zu Platten und Bleistadt.
-
-Kupfermangan, ausschliesslich zu Schlaggenwald, sehr selten.
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-Speckstein, zu Schlaggenwald, Schönfeld.
-
-Chlorit, nierenförmig zu Schlaggenwald.
-
-Kyanyt, breitschalig, ausgezeichnet am Gangerhäusel bei Petschau.
-
-Phillipsit, am Hauensteiner Schlossberge im Klingstein, bei Unterlamitz
-im Basalt.
-
-Mesolith, Comptonit, sehr ausgezeichnet am Hauensteiner Schlossberge.
-
-Feldspath, orthotomer, Gegend von Elbogen, Karlsbad.
-
-Periklin, bei Haslau.
-
-Albit, zu Schlaggenwald, selten.
-
-Augit, kleine Krystalle im Basalt an mehren Orten; Sahlit bei Haslau.
-
-Amphibol im Basalttuff bei Rodisfort.
-
-Tremolit, bei Haslau im Kalkstein.
-
-Epidot, am Kupferhügel bei Kupferberg.
-
-Karpholit, ausschliesslich zu Schlaggenwald.
-
-Andalusit im Glimmerschiefer bei Alt-Albenreut, ausgezeichnet.
-
-Korund, am Gängerhäusel bei Petschau, selten.
-
-Topas, nette Krystallabänderungen, zu Schlaggenwald, dann Geschiebe von
-meergrüner Farbe in den Seifenhalden bei Frühbuss.
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-Berill, zu Schlaggenwald und als Seltenheit im Granit bei Neuhammer.
-
-Quarz, schöne krystallisirte Varietäten, durchsichtig, weiss und braun,
-hauptsächlich zu Schlaggenwald, sogenannter Milchquarz und Rosenquarz
-zu Schlaggenwald und Königswarth.
-
-Amethyst am Crudum bei Elbogen, bei Hartmannsgrün.
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-Opal, zu Bleistadt im Bleiglanz, zu Heinrichsgrün, Frühbuss, bei
-Haslau; der sogenannte Hyalith höchst ausgezeichnet bei Waltsch auf
-Basalt.
-
-Kieselsinter oder schaliger Opal bei Grottensee.
-
-Chrysolith (Olivin), im Basalt bei Duppau und an mehren Orten.
-
-Turmalin, schwarz bei Schlaggenwald, Karlsbad, Zettlitz und an mehren
-Orten.
-
-Idokras (Egeran), bei Haslau, sehr ausgezeichnet.
-
-Granat, kleine nette Krystalle am Dillenberge, dann undurchsichtige
-Körner und Krystalle bei Hartenberg; im Kalkstein und Quarz bei Haslau,
-am Kupferhügel, bei Neudeck.
-
-Rutil, am Gängerhäusel.
-
-Zinnerz, höchst ausgezeichnet zu Schlaggenwald, Schönfeld; derb und
-eingesprengt bei Abertham und andern Orten.
-
-Wolfram, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.
-
-Uranerz, Eliaszeche bei Joachimsthal, dort auch der Uranocher.
-
-Magneteisenstein, bei Platten, Neudeck.
-
-Rotheisenstein, rother Glaskopf, höchst ausgezeichnet auf dem Irrgange;
-Thoneisenstein bei Lessau, Fuchsloch und an mehren Orten.
-
-Philomelan, oder dichtes Manganerz, dann
-
-Pyrolusit, sehr ausgezeichnet, und
-
-Polianit oder Hartmanganerz, bei Platten.
-
-Arsenik, zu Joachimsthal.
-
-Wismuth, zu Joachimsthal und als Seltenheit in Schlaggenwald.
-
-Silber, zu Joachimsthal, Weipert.
-
-Kupfer, als Seltenheit zu Schlaggenwald.
-
-Nickelkies, Kupfernickel, zu Joachimsthal.
-
-Arsenikkies, zu Schlaggenwald.
-
-Weisser Speiskobalt, krystallisirt und gestrickt zu Joachimsthal;
-grauer Speiskobalt zu Joachimsthal.
-
-Eisenkies, hexaedrischer, bei Littmitz, Joachimsthal.
-
-Eisenkies, prismatischer, sogenannter Speerkies, höchst ausgezeichnet
-bei Littmitz, Altsattel, sogenannter Leberkies zu Joachimsthal.
-
-Merkwürdig ist die Bildung von Eisenkies in den Moorlagern bei
-Franzensbrunn; er entsteht aus den Vitriol haltenden Gewässern
-durch einen Reductionsprocess, welcher durch die Vegetation
-herbeigeführt wird, zeigt die Gestalten von verflochtenen Wurzeln und
-Pflanzenstengeln, auf welchen der Kies sich niedergeschlagen hat,
-während die Pflanzensubstanz zerstört wurde, so dass an ihrer Stelle
-eine Höhlung zurückgeblieben ist.
-
-Millerit (Haarkies), zu Joachimsthal, ausgezeichnet.
-
-Kupferkies, ausgezeichnet zu Schlaggenwald, dann bei Graslitz.
-
-Bornit (Buntkupfererz), als Seltenheit zu Schlaggenwald.
-
-Silberglanz, oder Glaserz, Joachimsthal, Weipert.
-
-Bleiglanz, bei Bleistadt, Reichenberg, Schossenreut, Frohnau; selten zu
-Joachimsthal.
-
-Molybdänglanz, ausgezeichnet zu Schlaggenwald.
-
-Sternbergit, Joachimsthal, ausschliesslich, sehr selten.
-
-Polybasit, zu Joachimsthal.
-
-Stefanit, zu Joachimsthal.
-
-Blende, ausgezeichnet in Schlaggenwald, dann in Bleistadt.
-
-Rothgiltigerz, dunkles und lichtes, höchst ausgezeichnet, vorzüglich
-das letztere zu Joachimsthal.
-
-Zinnober, bei Schönbach.
-
-Realgar, zu Joachimsthal.
-
-Retinit, bei Habersbirk.
-
-Steinkohle, Braunkohle, an sehr vielen Orten.
-
-
-
-
-Specieller Theil.
-
-
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-
-A. Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von
-Franzensbad aus.
-
-
-
-
-Franzensbad.
-
-
- =Gasthöfe=: Post in der Kaiserstrasse; Hôtel Hübner,
- Kaiserstrasse; Kaiser von Oesterreich, Ferdinandsstrasse;
- Britisch Hôtel, Parkstrasse; Brandenburger Thor, Karlsstrasse;
- Goldenes Kreuz, Hôtel Holzer, Stadt Leipzig, Kulmerstrasse;
- Müllers Hôtel, Salzquellstrasse; Gisela, Bahnhofstrasse.
- Preise: 1 fl. -- 1 fl. 50 kr.; Licht und Service 40 kr.; Suppe
- 12 kr., Braten 40 bis 80 kr., Kaffee im Geschirr 24 kr., --
- gutes Bier und vortreffliche Weine zu mässigen Preisen.
-
- Privatlogis sind in etwa 150 meist neu und elegant
- eingerichteten Wohnhäusern jederzeit zu bekommen; nur zur
- Hochsaison d. i. vom 20. Juni bis Ende Juli tritt wegen
- grossen Andranges Wohnungsmangel ein und empfiehlt es sich,
- sich die Wohnung im voraus zu bestellen. Für Salons zahlt man
- wöchentlich in der Hochsaison 20 bis 40 fl., doch kann man
- auch gut eingerichtete Zimmer mit prächtigen Betten um 5 bis
- 8 fl. bekommen. Das Bürgermeisteramt und die Brunnenärzte
- sind jederzeit zu Auskünften bereit. Die an den Häusern
- angebrachten Tafeln mit dem Worte »Logis« zeigen jedermann an,
- wo Wohnungen zu vermiethen sind; man kann daher zudringliche
- Wohnungsanbieter jederzeit zurückweisen.
-
- Im =Cursaal=, nächst der Franzensquelle, sowie in den
- obgenannten Hôtels speist man vortrefflich entweder à la carte
- oder Table d'hôte -- das Couvert 1 fl. 30 kr. Curgästen werden
- auch Speisen in die Wohnhäuser verabreicht.
-
- Kaffee: Im =Curpark= (20 kr. ohne Gebäck), in allen Hôtels und
- Privathäusern.
-
- Mehrere ausgezeichnete Conditoreien in der Kaiserstrasse. --
-
- Kaffee in der nächsten Umgebung: =Ludwigshöhe=, =Antonienhöhe=,
- Miramonte, Stöckermühle, Schlada, Bahnhofrestauration u. s. w.
-
- =Lesecabinet= im Franzensbader Curhause, von 8 Uhr Morgens bis
- 7 Uhr Abends geöffnet; es sind über 60 Zeitschriften in den
- Hauptsprachen und Curlisten aller bedeutenden Curorte vorhanden.
-
- =Post- und Telegrafenamt.= (Neugasse.)
-
- =Gewöhnliche, Dampf-, russisch-, türkische Bäder.=
-
- =Photographische Ansichten in den Buchhandlungen.=
-
- =Musik und Theater=:
-
- Die rühmlichst bekannte Badecapelle unter Leitung des
- Capellmeisters Tomaschek spielt an jedem Morgen:
-
- 1) an der Salzquelle von 6--7 Uhr;
-
- 2) in der Franzensquelle von 7--8 Uhr, und
-
- 3) im Park von ½5 bis ½7 Uhr Nachmittag.
-
- Im Theater wird nur im Sommer von einer reisenden Truppe
- gespielt.
-
-=Franzensbad= ist einer der berühmtesten Badeorte in
-Oesterreich-Ungarn, liegt in einem Thalkessel 493 m über dem Meere und
-wurde 1793 zum Badeorte erhoben und nach Kaiser Franz I., dem in den
-Parkanlagen eine Erzstatue errichtet worden, benannt. Der Ort wird im
-Norden vom Park, im Westen von Loimanns Anlagen, im Süden u. Osten von
-den neuen Anlagen umgeben. Touristen, welche binnen wenigen Stunden die
-interessantesten Puncte des Curortes kennen lernen wollen, ist =ein
-Rundgang= durch die Stadt zu empfehlen. Sie gehen vom Bahnhofe durch
-die Parkstrasse und Karlsstrasse in den Park zum Franzens-Monument und
-von da in die Kaiserstrasse, wo sie Dr. Loimanns bekanntes und elegant
-eingerichtetes Badehaus mit der Louisenquelle, dem kalten Sprudel,
-dem Moorlager und den herrlichen Anlagen besichtigen. Zu diesem
-grossartigen Badeetablissement legte im Jahre 1827 der Hausbesitzer und
-Burgverwalter Loimann, der Vater des gegenwärtigen Besitzers Med. Dr.
-Loimann, den Grund, indem er auf eigene Kosten ein allgemeines Badehaus
-erbaute. Die Louisenquelle wurde 1807 gefasst, 1808 zum Gebrauche
-eingerichtet und der damaligen dritten Gemahlin Sr. Majestät des
-Kaisers Franz, Maria Ludowika, zu Ehren =die Louisenquelle= genannt.
-Nur wenige Schritte davon bricht mit Heftigkeit der sogenannte =kalte
-Sprudel= hervor. Von da begeben sie sich zur Franzensquelle, sehen
-hier das Stadt-Egerer Badehaus, und dann weiter in einer herrlichen
-Allee zur Neu-, Salz- und Wiesenquelle und nehmen auf diesem Wege die
-grossartigen Badehäuser von Hofrath Dr. Cartellieri und von Singer
-wahr. Durch die Salzquelle, welche schon 1817 entdeckt war, erhielt
-Franzensbad seit 1819 einen ganz neuen Aufschwung. Seit dem J. 1837 ist
-die nahe liegende Wiesenquelle als heilkräftig erprobt und 1840 mit der
-Salzquelle unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht worden.
-
-Nun wird der Rückweg durch die herrliche Morgenzeile zur Kirche und
-zum Parke angetreten. Der aufmerksam beobachtende und in seinem
-Urtheile unparteiische Tourist wird finden, dass es Architect und
-Gärtner verstanden haben, Franzensbad und die nächste Umgebung
-zu einem eleganten Curorte zu erheben. Die 10 Mineralquellen,
-alkalisch-salinische Eisensäuerlinge mit bedeutendem Gehalt an
-Glaubersalz und freier Kohlensäure, denen _eminente_ Heilwirkungen
-zugeschrieben werden, eine Kohlensäuregasquelle (schon seit 1545
-bekannt, aber erst seit 1810 als Heilmittel gebührend anerkannt) und
-ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor, das auf Sand ruht,
-namentlich aber die vorzüglichen Anlagen mit reizenden Promenadenwegen,
-die grossstädtischen Strassen, Hôtels und Villen, die prächtigen
-Kirchen und Denkmäler, vor allen Dingen aber die höchst elegant und
-luxuriös ausgestatteten Wohnungs- und Vergnügungsräume, die mancherlei
-Einrichtungen für Unterhaltung, Genuss und allerlei kostspielige
-Vergnügungen und Liebhabereien, das Zusammenströmen der feinen Welt,
-die während des Aufenthaltes in der »_europäischen Sommerresidenz_«
-(den nordböhmischen Bädern) gewöhnlich die Nachcur hier geniesst, alle
-diese Umstände erheben Franzensbad zu einem Bad I. Ranges.
-
-=Sehenswürdigkeit=: Ausser den im Rundgange angeführten: Die Rotunde
-bei der Franzensquelle mit der Inschrift: »1793 unter Franz I.
-gegründet zum Wohle der Menschheit«; die Colonade mit zahlreichen
-Kaufläden, das Monument der Sachsenstiftung unweit der Rotunde mit der
-Aufschrift:
-
- Herrlicher Quell,
- Göttliche Gabe,
- Bleibe kräftig und hell,
- Stärke, labe
- Durch verminderten Körperschmerz
- Auch das ermattete kranke Herz,
- Bis die letzten Frommen
- Zum Urquell ewiger Genesung kommen.
-
-Die katholische Kirche mit einigen werthvollen Gemälden, die im
-romanischen Styl erbaute protestantische Kirche, die Synagoge im
-orientalischen Styl und vor allem der Cursaal, das stattlichste
-öffentliche Gebäude, ein geschmackvoller, brillant ausgestatteter
-Renaissancebau. Unter den Privathäusern erweckt die Villa Imperial
-durch ihre freie herrliche Lage inmitten des herrlichsten Parks und
-nahe der Salzquellpromenade, sowie durch die Pracht der Ausschmückung
-von Aussen und im Innern die Aufmerksamkeit jedes Besuchers.
-
-
-Spaziergänge:
-
-Sehr beliebter Spaziergang zur _Antonienhöhe_ in nordöstlicher Richtung
-(¾ St.), Weg gut, aber nicht schattig. Aufenthalt im Wald sehr angenehm
--- prächtiger Rundblick über das Egerland.
-
-Nach _Miramonte_ südlich auf der Strasse nach Eger, dann in einer
-viertel Stunde rechts in einen Promenadenweg abzweigend. Beliebte
-Restauration, wo man in einem Spiegel die ganze umliegende Landschaft
-erblickt.
-
-Von Miramonte führt der Weg in westlicher Richtung zum _*Kammerbühl_,
-einem erloschenen Vulcan (¼ Stunde). Er gehört unstreitig zu den
-interessantesten geologischen Erscheinungen und ist vorzugsweise aus
-vulcanischen Tufen aufgebaut. Die Lagerung dieser Eruptionsproducte
-lässt sich in ausgezeichneter Weise in dem grossen Bruche hinter der
-Restauration zum »Kammerbühl« beobachten. In Folge der isolirten Lage
-bietet der Kammerbühl eine vorzügliche Rundsicht über das Egerland mit
-seinen zahlreichen Städten und Dörfern, Schlössern und Ruinen, Kirchen
-und Kapellen, die von den dunkelbewaldeten Bergen des westlichen
-Erzgebirges oder Kaiserwaldes und des Fichtelgebirges umsäumt werden.
-
-_*Siechenhaus._ Dieser Spaziergang kann vom Kammerbühl fortgesetzt
-werden. Gut gepflegte Wege führen von demselben ab nach dem Dorfe
-_Stein_ und zum Egerfluss, den man an einer romantischen Stelle des
-Thales mittelst eines Holzsteges überschreitet. (Der am Flussufer
-hinlaufende Fusspfad führt direct nach Eger.) Der ansteigende,
-schattige Weg leitet zur Chaussée von Eger nach Wunsiedel und
-zum _Siechenhaus_ (¾ St.), dem beliebtesten Vergnügungsort der
-Franzensbader Curgäste und der Bewohner von Eger. Es besteht aus
-einer Oberförsterei, einem Armenhaus (Versorgungsanstalt) und einer
-guten Restauration. Schöner Garten inmitten eines herrlichen Waldes,
-angenehmer Aufenthalt, malerische Aussicht auf Eger und Umgebung.
-
-Empfehlenswerth ist auch der Besuch der eine halbe Stunde weiter
-entfernten _St. Annakirche_ (608 m), ehemals Franziskanerkloster,
-theils wegen der Kirche selbst, die colossale Schnitzwerke eines
-unbekannten, altdeutschen Meisters enthält, und in welcher Friedrich
-Barbarossa 1149 mit Adelhaid von Vohburg getraut worden sein soll
-(nach andern in der Kapelle des Rathhauses), theils wegen der
-vorzüglichen Aussicht (namentlich vom _Grünberg_ 656 m) auf das
-Egerland, besonders auf die Gegend von Franzensbad, Maria-Kulm und in
-fast entgegengesetzter Richtung auf die wichtigsten Berggipfel des
-Fichtelgebirges.
-
-Auf dem Weiterwege nach _*Eger_ vermeiden wir die Landstrasse und
-benützen den schönen, nicht zu fehlenden _*Promenadenweg_ durch
-schattigen Wald und durch das herrliche Egerthal.
-
-
-
-
-Eger.
-
-
- =Gasthäuser=: Zwei Erzherzoge am Stadtplatz, Erzherzog
- Stefan mit schönem Garten an der Eger, Kronprinz Rudolf
- (Göthe-Denkmal), Bahnhofstrasse. Wetzel oder Kaiser Wilhelm,
- beim Bahnhofe.
-
- =Restaurationen=: Karg's Bastei, Krämlings Bastei, unweit der
- Burg, schönste Aussicht in's Egerthal, Adlers Restauration,
- Schustersprung im Egerthale, vorzügliche Fische, namentlich
- Karpfen.
-
- =Café=: Pistorius am Ringplatz.
-
- K. k. Post-, Telegrafen-, Hauptzollamt, Kreisgericht,
- Bezirkshauptmannschaft.
-
- =Eisenbahn= nach Baiern, Sachsen, gegen Carlsbad und Marienbad.
-
- Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen.
-
- =Volksfest=: Vinzenzifest.
-
- =Dienstmanninstitut.=
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-Eger ist die Hauptstadt des »gesegneten« Egerlandes, wie das Gebiet an
-der oberen Eger in Böhmen genannt wird, und war auch der Hauptort des
-ehemaligen Egerer Kreises. Die Stadt liegt 413 m über der See, hat über
-16.000 Einwohner und liegt zumeist auf dem rechten, etwas ansteigenden
-Ufer des gleichnamigen Flusses.
-
-Die Lage an einem uralten Strassenzug und unmittelbar vor dem
-Eingange zum Norden Deutschlands erhob Eger schon in alter Zeit zu
-einem wichtigen Handelsplatz, namentlich aber zu einer militärisch
-wichtigen Position, zu einem Mittel- und Ausgangspunct kriegerischer
-Unternehmungen, in neuester Zeit aber zu einem Centralpunct von
-5 Schienenwegen. Hauptbeschäftigung der Bewohner: Gerberei,
-Schuhmacherei, Bierbrauerei.
-
-Die altehrwürdige Stadt Eger, die sich in jüngster Zeit in der Richtung
-nach dem Bahnhof und auf dem sogenannten Rahmberg, sowie durch
-Auflassung des Friedhofes und Verlegung desselben ausser der Stadt sehr
-erweitert und verschönert hat, bietet =Sehenswürdigkeiten= aus alter
-und neuerer Zeit.
-
-1. Die _*Burg_ -- Kaiserburg -- (Eintrittsgeld nach Belieben). Diese
-imposanten, am nordwestlichen Ende der Stadt emporragenden Ruinen
-auf felsigem Grunde bestehen ausser den Resten der Festungswerke aus
-mehreren beachtenswerthen Bauten, welche sind:
-
-_a_) Die 4 Umfassungsmauern mit zum Theil eingestürzten
-Fensterwölbungen; das Gemäuer aus Thonschiefer, die Säulen aus
-fränkischem Marmor.
-
-_b_) Der schwarze Thurm -- 23 m hoch -- ist aus Lavastücken vom
-Kammerbühl erbaut und stammt aus dem 10. Jahrh. (nach andern aus der
-Römerzeit, daher »Heidenthurm«).
-
-_c_) Die Doppelkapelle steht im Burghof und ist aus dunkelgrünem
-Schieferbruchstein erbaut. Sie besteht aus der unteren oder
-Erhardskapelle und der oberen oder Martinskapelle. Das Ganze stammt
-aus der Blüthezeit des Rundbogenstyls. Das Innere der ersteren liegt
-mehrere Fuss tiefer als der Burghof und wird von 4 Fenstern erleuchtet;
-das feste Gewölbe tragen 4 Granitsäulen. In der letzteren, zu der
-eine neue Treppe führt, wird das Gewölbe von vielen geschmackvollen
-Marmorsäulen getragen. Ein Gang verband die Kapelle mit dem Palast.
-
-_d_) Der ehemalige Rittersaal ist noch an den vorhandenen Bogenfenstern
-zu erkennen. Dieser war Zeuge von der Schreckensscene am 25. Februar
-1634; den Getreuen Wallensteins, Illo, Terzky, Kinsky und Neumann,
-wurde hier durch Verrath ein blutiges Ende bereitet.
-
-Die Veranlassung dieses blutigen Auftrittes müssen wir als bekannt
-voraussetzen. (Siehe übrigens unter Stadthaus!) Die Vertrauten
-Wallensteins waren von dem durch die Kaiserlichen gewonnenen
-Commandanten Gordon zum Abendessen in die Citadelle geladen worden.
-Kurz nach ihrer Ankunft und nachdem die Bedienten entfernt und
-eingeschlossen waren, trat der Hauptmann Geraldin mit Dragonern in den
-Saal, welche auf die vier Gäste einhieben und sie niedermetzelten.
-
-Auf dem gegenüberliegenden Egerufer stand die 1295 erbaute
-_Wenzelsburg_, die mit der Kaiserburg durch eine hölzerne Brücke
-verbunden war. Im Hofe der Burg befinden sich gegenwärtig schöne
-Anlagen; der Staat sorgt für Erhaltung dieser interessanten Ueberreste.
-Sehr schön ist der Ausblick auf das Egerthal, namentlich auch auf
-Siechenhaus und St. Anna.
-
-Die ehedem sehr starken Festungswerke stammen jedenfalls aus dem 10.
-Jahrhundert, als die Grafen von Vohburg zu Markgrafen über die Umgegend
-bestellt wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa, der in Eger viele
-Hoflager abhielt, und 1149 Adelheid von Vohburg heiratete (Trauung in
-der Kapelle des Rathhauses, nach anderen in der Kirche auf St. Anna)
-legte die neue, schöne Kaiserburg an; am 2. Dezember 1805 wurde sie von
-den Franzosen bis auf die noch jetzt vorhandenen Ueberreste zerstört.
-
-2. =Das Stadthaus= (hier löst man sich eine Eintrittskarte für 20 kr.)
-am Ring d. i. Marktplatz. Kein Tourist verlässt Eger, ohne dieses
-denkwürdige Haus besucht zu haben, in dem der mächtige Wallenstein am
-25. Februar 1634 sein blutiges Ende fand.
-
-Die vom Herzog von Friedland bewohnt gewesenen Räume befinden sich
-noch in ihrem ursprünglichen Zustande und enthalten ein Album mit
-interessanten Autographien, Wallensteins Bildnis und zwei auf
-seine Ermordung bezügliche Gemälde, zwei Schränke mit zahlreichen
-Gegenständen, die auf das blutige Ereignis Bezug haben, so die
-Hellebarde, mit der Wallenstein (hinten im Schlafzimmer) den Todesstoss
-empfing u. a.
-
-Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges findet der mächtige
-und gefürchtete kaiserliche Generalissimus sein tragisches Ende.
-Buttler, der Obrist eines irischen Reiterregiments, hatte den
-Auftrag übernommen, den Herzog von Friedland lebendig zu fangen
-oder zu ermorden. Während des Blutbades auf der Burg hatte sich
-Wallenstein ermüdet zu Bette begeben. Abends 10 Uhr begaben sich die
-Verschworenen Leslie, Geraldin, Buttler und Deveroux mit 30 Dragonern
-von der Burg in die Stadt. Während Leslie die Hauptwache, Buttler
-die Hauptthür, Geraldin die Hinterthür des von Wallenstein bewohnten
-Palastes besetzten, stürmten Deveroux und mehrere Dragoner die Treppe
-hinauf, metzelten 2 Kammerdiener nieder, sprengten die Thür und
-fanden Wallenstein, am Fenster stehend. »Du bist der Schelm«, rief
-Deveroux, »der das kaiserliche Volk zum Feinde überführen und Sr.
-kaiserl. Majestät die Krone vom Haupte reissen will! Du musst sterben!«
-Wallenstein warf ihm einen ernsten, kalten Blick zu und sprach kein
-Wort. »Du musst sterben!«, rief Deveroux abermals, und mit diesen
-Worten stiess er dem Herzog die Hellebarde mit solcher Gewalt in die
-Brust, dass sie durch und durch ging. Lautlos stürzte der mächtige
-Friedländer zu Boden. -- Albrecht von Waldstein oder Wallenstein war
-1583 zu Hermanic in Böhmen geboren; er zählte somit kaum 52 Jahre. »Der
-Act der Gerechtigkeit, welcher Wallenstein im Grund verfallen war,
-bekam durch die Art der Vollziehung derselben die Form eines feigen
-Justizmordes.«
-
-In den daran stossenden Räumen befindet sich das interessante und
-sehenswerthe »_Egerländer Museum_.«
-
-3. =Die Stadtkirche St. Niclas=; sie zeigt romanische und gothische
-Bauform und enthält sehenswerthe Malereien und Sculpturarbeiten.
-(Sehenswerth ist auch die im J. 1872 im gothischen Styl erbaute
-evangelische Kirche.)
-
-4. Ausserdem sind noch besuchenswerth: _Das Rathhaus_ mit schönem
-Treppenhaus, die Turnhalle, das »_Rudolphinum_«, Centralschulgebäude,
-das »Schillerhaus« Nr. 17 am Marktplatz mit der Gedenktafel: »In
-diesem Hause wohnte im J. 1791 Friedrich von Schiller behufs
-seiner Studien zur Wallensteintrilogie«, das »Göthehaus« Nr. 38,
-die _Franciskanerkirche_, mit der ein Kloster verbunden ist! Die
-dreischiffige Kirche ist im reinsten gothischen Styl erbaut und macht
-einen herrlichen Eindruck. Am Ring fällt dem Touristen das Riedel'sche
-Haus, ein ehemaliges Patricierhaus, mit seinem schön durchbrochenen
-Giebel auf.
-
-Die Gründung der Stadt Eger (Cheb) wird in das 10. Jahrhundert verlegt
-und den Grafen von Vohburg zugeschrieben, die damals von den deutschen
-Kaisern als Markgrafen über die Umgegend bestellt worden waren. Eger
-war Hauptort der Markgrafschaft Eger und Eigenthum der Markgrafen von
-Vohburg. Durch Heirath (1149) kam Eger an Friedrich Barbarossa, der
-es vor nun 700 Jahren, nämlich 1149, zur deutschen Reichsstadt erhob.
-Später war Eger lange Zeit der Zankapfel zwischen Böhmen und Bayern;
-nachdem es aber Kaiser Ludwig der Bayer 1315 an Böhmen verpfändet,
-blieb es bis heute bei Böhmen. Grosse Drangsale im Hussiten- und
-30jährigen Kriege hatte die Stadt zu bestehen; die ganze Gegend glich
-zu wiederholten Malen einem einzigen grossen Kriegslager.
-
-=Anmerkung=: Wer über längere Zeit verfügt, dem ist von Eger aus ein
-Ausflug (per Bahn 20 Minuten, zu Fuss 2 Stunden) nach dem baierischen
-Markt _Waldsassen_ anzuempfehlen. (Wohlrabs Restauration.) Dieser
-Ort ist bekannt und berühmt durch seine 1133 gestiftete, 1803
-säcularisirte, ehemals sehr reiche Cistercienserabtei. In dem
-Conventgebäude ein Mädchenpensionat der Cistercienserinnen. Die im
-17. Jahrhundert erbaute Klosterkirche ist ein prächtiger Bau im
-italienischen Prunkstyl -- überladen -- und bewirkt einen grossartigen
-Totaleindruck.
-
-=Franzensbad-Seeberg.= (1 Stunde.) Spaziergang über Unterlohma, von
-da westwärts nach _Höflas_ und Schloss _Seeberg_, Eigenthum der Stadt
-Eger. Wilde Klippen und Buschwerk bilden die nächste Umgebung des
-Schlosses. Dazwischen bricht sich der in die Eger mündende Seebach
-Bahn und bildet ein wildromantisches Thal. Vom Schlosse aus lohnende
-Aussicht auf die Umgegend von Franzensbad. Nach genommener Erfrischung
-in der Seeberger Restauration wird der Rückweg angetreten.
-
-=Franzensbad-*Kapellenberg= über Schönberg (mit der Bahn nach
-Voitersreuth und von da zu Fuss noch 1 Stunde.) Ueber dem sächsischen
-Dorfe Schönberg erhebt sich der waldreiche »Kapellenberg«, der 764 m
-hoch ist. Er besteht aus Granit, wird zwar von zahlreichen Bergen
-unserer heimatlichen Landschaft an Höhe übertroffen; aber die Lage am
-Südfusse des Gebirgskammes, das unmittelbare Aufsteigen aus dem breiten
-Egerthal, der Mangel an ebenbürtigen Nachbarn erheben ihn nicht nur
-zu einem ansehnlichen Grenzpfeiler Sachsens und des deutschen Reiches
-gegen Böhmen, sondern auch zu dem vorzüglichsten Aussichtspunkt des
-Vogtlandes. -- Es ist nicht nöthig, das Holzgerüste zu besteigen; die
-niedrigen Holzbestände hindern die Rundsicht keineswegs. Das malerische
-Landschaftsgemälde entzückt das Auge nicht blos durch die schönen
-Formen und durch die Ferne, bis wohin der Blick reicht, auch nicht blos
-durch den Vorzug, dass das Hauptpanorama dem Beschauer unmittelbar
-zu Füssen liegt, wodurch ein Verlieren des Blickes in verschwommene
-Fernen verhütet wird, sondern vor allen Dingen durch die zahlreichen
-Wasserspiegel, die als lichte Punkte oder Silberstreifen aus dem
-reichgesegneten Egerland hervortreten und das Ganze ausserordentlich
-beleben.
-
-Der Blick haftet zunächst an dem freundlichen, fast genau in südlicher
-Richtung liegenden Dorfe Schönberg, dem südlichsten des Sachsenlandes,
-und an der schnurgeraden Strasse, die die Lage von Ober-Lohma,
-Franzensbad und Eger trifft. Wenig rechts davon erhebt sich der
-erloschene Vulcan Kammerbühl und in grösserer Ferne die jenseits der
-Stadt Eger aufsteigende Höhe mit der St. Anna-Kapelle. Nun folgt nach
-rechts eine grosse Zahl von grösseren und kleineren Ortschaften --
-Haslau, Liebenstein, Selb u. a. --, hinter denen sich das Massengebirge
-des Fichtelgebirges mit Kösseine, Schneeberg, Waldstein vor allem
-imposant darstellt; daran reihen sich der grosse Kornberg, der
-Döbraberg im Frankenwald und der Hainberg bei Asch. Weniger wechselvoll
-ist die Landschaft im Norden, wo ein weites Waldrevier die Höhen des
-Elstergebirges bedeckt. Wenig rechts davon, fast genau im Norden,
-erscheint nun das weitschauende Schöneck am Horizont, desgleichen
-der unverkennbare Kirchthurm von Landwüst, der hohe Stein mit seinen
-scharf-zackigen Thonschiefergebilden und fast in derselben Richtung
-der finstere Bergrücken des »Kiel.« Gegen Nordosten im Vordergrund
-liegen die Orte Steingrub, Klinghard, Frauenreuth, Neukirchen, und
-in den dahinter aufragenden Bergen wollen manche die Bergriesen des
-Erzgebirges, den Auersberg, Fichtel- und Keilberg erkennen. Aus der
-weithin vor unseren Blicken sich ausbreitenden Fruchtebene, die von
-2 sehr naheliegenden Kegelbergen, dem Hirsch- und Scheibenberg,
-unterbrochen wird, treten hinter und zwischen den glitzernden
-Wasserspiegeln freundliche Städtchen und Dörfer hervor, wie Maria-Kulm
-mit der imposanten Wallfahrtskirche, Königsberg, Wildstein, Altenteich
-und wie sie alle heissen, zu denen die Berge des sogen. Kaiserwaldes
--- Steinbock, Glatze, Bärenbrand -- einen vortheilhaften Hintergrund
-bilden. Mit dem nahen Voitersreuth schliesst das Rundgemälde, das jeder
-Besucher mit hoher Befriedigung betrachtet.
-
-Nach genossener Aussicht ist die Rückkehr in die Voitersreuther
-Bahnhofrestauration zu empfehlen.
-
-=Franzensbad-Wildstein.= Von Franzensbad aus in nördlicher Richtung
-über Lohma (1 Stunde); diese Partie lässt sich auch mit der
-vorangehenden verbinden, indem man von dem Orte Voitersreuth links nach
-_Altentrich_ und dann in nordöstlicher Richtung weiter geht. Auf dem
-_*Störlberge_ anmuthige Waldpartien, hübsche Aussicht, Kaffeehaus.
-
-
-Touren.
-
-=Franzensbad-*Wies= -- über Eger auf der Strasse in südlicher Richtung.
-Der Ort liegt inmitten eines prächtigen Waldes, unmittelbar an der
-Grenze, hat eine freundliche Kirche, ein Nebenzollamt und eine
-Restauration zum »grünen Baum«. Der Aufenthalt in der würzigen Waldluft
-und den reizenden Baumgruppen sehr angenehm.
-
-=Franzensbad-Schloss Liebenstein.= Weg dahin auf der Franzensbad-Hofer
-Strasse in westlicher Richtung (2½ St.) Das Schloss ist Eigenthum des
-Grafen von Zedwitz. Der Ausflug ist wegen der schönen Waldpartien sehr
-lohnend.
-
-=Franzensbad-*Elster= (mit der sächsischen Staatsbahn über Voitersreuth
-1 St. 11 Min.) (Gasthöfe: Wettiner Hof, Hôtel de Saxe, Hôtel Bauer,
-Reichsverweser, Daheim.) Besuchtester Kurort Sachsens, 496 M.,
-hat gute Badeeinrichtungen und schöne Anlagen. Am Brunnenplatze
-befindet sich das königliche Badegebäude mit dem Maria-, Königs- und
-Alberts-Parke. Die Salz- und Johannissquelle befinden sich unter einem
-tempelartigen Überbau. Die Quellen gehören zu den alkalisch-salinischen
-Eisenwässern und sind ihrer Wirkung nach den Franzensbadern ähnlich.
-
-=Franzensbad-*Maria-Kulm= (mit der Bahn-Station: Königsberg-Maria-Kulm
-der Buschtiehrader Eisenbahn).
-
-
-
-
-Maria-Kulm.
-
-
- =Gasthäuser=: Goldener Engel, schwarzer Adler, goldener Stern,
- goldener Adler, deutsche Eiche, rother Ochs.
-
- =Restaurationen.=
-
- =K. k. Postamt.=
-
-=Maria-Kulm= liegt am linken Ufer der Eger, auf einem der südlichsten
-Ausläufer des Erzgebirges. Nur 3 Weges-Stunden von Eger entfernt,
-erhebt sich der Berg wie zu einer natürlichen Veste, welche schirmend
-über den grössten Theil des lieblichen Egerlandes hinwegschaut.
-Maria Kulm ist ein Marktflecken mit über hundert Häusern, welcher
-als Wallfahrtsort mit seiner imposanten, weithin sichtbaren Kirche
-alljährlich zur Sommerszeit von Tausenden von Andächtigen besucht wird.
-Aus allen Gegenden, aus Böhmen und aus Baiern, strömen Processionen
-herbei, und die weiten Räume der Kirche und der für das Gnadenbild
-Mariens eigens erbauten, an die Kirche anstossenden Kapelle vermögen
-oft, namentlich zur Pfingstzeit, die ungeheuren Massen kaum zu fassen.
-Die Kirche, von einem grossen Kreuzgange umgeben, ist ein Meisterwerk
-bizantinischer Baukunst. Zahlreiche Thürme, welche gigantisch zum
-Himmel streben, zieren den colossalen Bau und das harmonische
-Geläute[1] ihrer Glocken dringt volltönend, wehmüthig und selig
-erhebend zugleich fernhin und hinab in's herrliche Thal, das im reichen
-Segensgewande an den Fuss des Berges sich anschmiegt.
-
- [1] Als Ferdinand II. am Fusse des Kulmer Berges sein Heer
- ordnete und von der Höhe herab den Klang der Glocken
- vernahm, soll er ausgerufen haben: »Jede freie deutsche
- Reichsstadt könnte stolz sein, ein solches Geläute zu
- besitzen.« -- In die Glocken sind zahlreiche Namen von
- Wallfahrern und Reisenden eingegraben.
-
-Mehrere Sagen gehen über den Ort. Abgesehen von der Sage (zu haben bei
-dem dortigen Messner Ferd. Ehmer) über das wunderthätige Gnadenbild
-Mariens erzählt man sich auch noch von Räubern, die in grauen Zeiten
-in der Umgebung gehaust. (Gleichfalls bei Ferd. Ehmer zu haben.) Die
-Sage von den »Räubern auf Maria Kulm« ist ja übrigens auch dramatisirt
-worden als »vaterländisches Ritterschauspiel«. Dasselbe, ehedem
-auch auf grösseren Bühnen aufgeführt, wird gegenwärtig nur noch von
-herumziehenden Schauspieltruppen in jener Gegend zur Belustigung der
-»Räuber-Epigonen« aufgeführt. Eine Scene aus diesem vaterländischen
-Ritterschauspiel ist auch aufgenommen in das Decorationsspiel »Tausend
-und eine Nacht«! Der »Kulmer Berg« war der Zufluchtsort dieser
-höllischen Brüder. Von der »grossen Glocke« mit den reinen Tönen
-erzählt man, dass sie, so wie sie ist, auf einer nahen Hutweide von --
-Schweinen ausgewühlt worden sei.
-
-Herrlich ist die Aussicht, welche man vom Kulmer Berge und namentlich
-vom Thurme aus geniesst, der nach allen vier Weltgegenden den
-Ausblick ermöglicht. Auf der einen Seite erscheint dem nach Westen
-gewandten Blicke, über das schöne Egerthal hinweg, mit dem schwarzen
-Fichtelgebirge im Hintergrunde (von den Egerländern kurzweg »d'Stod«
-d. i. die Stadt genannt), die Stadt Eger, welche mit ihren finsteren,
-altersgrauen Thürmen den Mittelpunkt des Egerlandes bildet, während
-zur Rechten der schwarze Wall des Erzgebirges als Grenzdamm Böhmens
-gegen Sachsen hin nebelfarbig sich hinzieht, und zur Linken das reich
-bewaldete Tepler Gebirge und die hohen Rücken des Kaiser-Waldes
-romantisch sich abheben. Auf der anderen Seite reicht des Beschauers
-nach Osten gewandter Blick weithin durch das gleichfalls von Bergen
-umschlossene, sogenannte »Unterland«, das Falkenau zum Mittelpunkte
-hat. Und in dunkler Ferne erscheinen im Hintergrunde, den Abschluss
-des Gesichtskreises bildend, die hohen Kämme, aus deren Schoosse die
-weltberühmten Thermen Karls IV. hervorquellen. (An klaren Tagen kann
-man auch von dem als Ausflugsort Karlsbads bekannten »Aberge« die
-Thürme der Maria Kulmer Kirche noch genau unterscheiden.)
-
-Am Südfusse des Berges führt zum grossen Theile dem linken Egerufer
-entlang die Buštěhrader Eisenbahn aus der Richtung von Karlsbad nach
-Eger. Von zwei Stationen aus kann man Maria Kulm erreichen, beide
-Stationen sind ungefähr ½ Stunde von der Höhe entfernt. Der für
-Fussgänger bequemere Weg führt von der Station Dassnitz aus den Berg
-hinauf, beschwerlicher hingegen ist der Aufstieg von der Station
-Königsberg-Maria Kulm. (Name der am rechten Egerufer, Maria Kulm
-gegenüberliegenden Stadt. Diese Station enthält auch eine grössere
-Restauration, die wir auf der ersteren Station ganz vermissen). Will
-man von letzterer Station mittelst Fahrgelegenheit den Berg erreichen,
-muss man einen kleinen Umweg auf der längs des Westfusses des Berges
-nach Katzengrün (Dorf mit einem prächtigen Schlosse, das in der Sage
-von den »Kulmer Räubern« vielfach genannt wird; auch befindet sich hier
-ein zum Schlosse gehöriges grösseres Bräuhaus) hinführenden Chaussee
-machen, von welchem Orte aus eine breit angelegte, überdiess von einer
-für Fussgänger bestimmten Allee begleitete Strasse nach Maria Kulm
-hinauf führt. Ausserdem führen noch auf der dem Erzgebirge zugewendeten
-Seite mehrere Strassen den Berg hinauf, unter welchen diejenige die
-bedeutendste ist, welche Maria Kulm mit Falkenau verbindet. Hier
-vereint sich alles, um dem Besucher des Ortes den Aufenthalt so
-angenehm als nur möglich zu machen. Und wer immer, auch nur einmal,
-selbst wenige Stunden auf des Kulmer Berges luftiger Höhe verlebt,
-der wird die verbrachten Stunden sicherlich nicht zu den verlorenen
-seines Lebens zählen, er wird immer wieder sich zurücksehnen oder
-wenigstens in froher Erinnerung und voll innerer Befriedigung denken
-der segensvollen, von alten Sagen geheimnisvoll umrauschten Stätte.
-(Entweder retour mit der Bahn nach Franzensbad oder Fortsetzung der
-Tour mit der Bahn oder zu Fuss (herrliche Wanderung auf der durch
-Waldungen führenden Kaiserstrasse) nach Falkenau -- siehe dieses).
-
-
-
-
-Franzensbad-Schönbach.
-
-
-=Schönbach= nord-nordöstlich von Franzensbad gelegen.
-
- =Gasthof=: Meyer's, Sander's Gasthof, Herrenhaus.
-
- =Postverbindung= über Gossengrün mit Bahnstation Hartenberg und
- über Wildstein mit Bahnhof Voitersreuth.
-
- =Musikschule=, die Vorzügliches leistet und auf die Hebung der
- Musikinstrumentenfabrikation von grösstem Einflusse ist.
-
-=Schönbach= verdankt seine Entstehung dem Bergbau und wurde die erste
-Besiedelung des Sconenbaches, eines klaren Trinkwassers, mit Erbauung
-eines Wartthurmes ausgeführt. Dieser Wartthurm, gebaut (ein Lug in's
-Land) an der Grenze Böhmens, welcher durch Anbau der Kirche im J. 1188
-zum Kirchthurm umgeschaffen wurde, zeigt noch heute im Innern den
-Charakter deutscher Wartburgen. Beachtenswerth ist das gute Altarblatt,
-den gekreuzigten Erlöser darstellend.
-
-Die Stadt ist heute einer der gewerbthätigsten Orte des böhmischen
-Nordwestens, Haupterzeugungsplatz für Saitenmusikinstrumente, besonders
-Violinen. Dieser Industriezweig, welcher heute mehr als dreiviertel der
-Bevölkerung beschäftigt, gelangte die letzten 25 Jahre hier zu früher
-nie geahnter Entwicklung, und es dürfte diese Hausindustrie jeden
-Fremden lebhaft interessiren.
-
-Schönbach ist im streng geografischen Sinne der Scheidepunkt zwischen
-dem Erz- und Fichtelgebirge; denn westlich sehen wir die als
-Elstergebirge benannten letzten Ausläufer des Fichtelgebirges, während
-im Osten das Erzgebirge aufzusteigen beginnt; es ist auch zugleich
-die Scheidegrenze des egerländer und des sächsischen Dialekts. Die
-Stadt zeigt noch vielfach ihren alterthümlichen Charakter und hatte
-früher Mauern, von denen heute jedoch wenige Spuren mehr aufzudecken
-sind. Als Merkwürdigkeit aus alter Zeit gelten die Mauerreste der
-gräflich Schlick'schen Schlossgebäude, heute nur noch im Hause NC. 140
-vorhanden, während dieselben den Raum umfassten, wo jetzt die Häuser
-NC. 139, 140, 141 stehen; Nr. 139 soll die Münzstätte gewesen sein.
-Bei der Pfarrkirche ist ein in Stein gehauenes Schlick'sches Wappen
-eingemauert.
-
-=Ausflüge=: Zum »_*hohen Stein_«. Derselbe hat eine Höhe von 767 m
-über der See, liegt noch auf böhmischer Seite und gehört zu den
-wunderlichsten Felsbildungen nicht bloss des Vogtlandes, sondern
-des gesammten Erzgebirges. Während diese Thonschiefergebilde auf
-dem bewaldeten Höhenrücken von der Ferne den Ruinen einer mächtigen
-Burg oder Bergfeste gleichen, nehmen die einzelnen Theile in der
-Nähe bestimmte Gestalten an, und die Phantasie hat leichtes Spiel,
-diesen passende Namen zu geben: das Schiff, das Gesicht (eine höchst
-charakteristische Figur), der Schnabel, das Thor (zwei sehr nahe
-stehende Felsen, die das Ansehen zweier Thorpfeiler haben). Der höchste
-Punkt des Felsens ist durch eine Stange bezeichnet; nach dem alten
-Markstein zu urtheilen, der auf der einen Seite die Inschrift trägt:
-»Regn. Imp. Franc. Pr.«, auf der anderen: »Oper. Astr. Trigo. 1808«
-muss der hohe Stein Vermessungsstation gewesen sein.
-
-Die Aussicht ist eine vortreffliche, nur wird sie durch den Umstand
-beeinträchtigt, dass der hohe Stein nicht unmittelbar zum Egerthale
-abfällt, wie diess beispielsweise bei dem Kapellenberg der Fall ist.
-Hinter den nahen böhmischen Dörfern _Ursprung_, _Stein_ und _Kirchberg_
-erheben sich die steilen Höhen der böhmischen Terrasse und weiter nach
-Süden zu öffnet sich das gesegnete Egerland mit seinen zahlreichen
-Ortschaften, Kirchen und Kapellen. Gegen Südwesten und Westen
-schliessen die Berge des Fichtelgebirges den Horizont ab; vorzüglich
-präsentirt sich der Kapellenberg. Nach Nordwesten zu sehen wir einen
-grossen Theil des Vogtlandes, in geringer Entfernung _Landwüst_ und
-_Wernitzgrün_, in nächster Nähe aber _Cubabrunn_ mit Rittergut, tief
-unten _Markneukirchen_, _Siebenbrunn_ und _Adorf_ und zu unseren Füssen
-_Erlbach_.
-
-An der Ostseite des Felsens, wo Steine gebrochen werden, ist eine
-»fliegende Restauration.«
-
-Werfen wir vor unserem Abstieg nach Erlbach nochmals einen Blick
-auf die interessante Landschaft, die lebhaft an das Hochgebirge
-erinnert, namentlich auf die interessanten Felszacken und auf die in
-einsam stiller Höhe errichtete Gebetsstätte (Kapelle), so kann sich
-das empfängliche Gemüth eines tiefen Eindruckes nicht erwehren, und
-wir finden es begreiflich, dass die Phantasie des Volkes mächtig
-angeregt wurde und verschiedene Sagen der wunderlichsten Art bildete.
-Neben den Sagen von einer verwünschten und versunkenen Ritterburg,
-von Gespenster- und Spukgestalten sind es namentlich solche von
-unterirdischen Schätzen, mit denen das arme Volk sich über die Mühsale
-des Lebens hinwegträumt. Von Erlbach gehen wir nach _Markneukirchen_ (1
-St. siehe Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus), fahren dann mit der
-Bahn nach Adorf und zurück über Elster, Voitersreuth nach Franzensbad.
-
-Nennenswerth ist eine zweite Tour in das _romantische_ Leibitschthal,
-von Schönbach nach Leibitschgrund (1 St.), wo sich eine aufstrebende
-Spinnfabrik in schöner Waldgegend befindet. Weiter im Leibitschthale
-kommt _Glashütte_ mit Hohlglaserzeugung und Leopoldshammer. Von dort
-rechts ab, die Strasse meidend, gelangen wir längs des Leibitschbaches
-in ein schönes Waldthal, dessen südlicher Punkt Nonnengrün ist. Die
-Waldthalschänken bieten frisches Bier. (Retour-Weg nach Schönbach.)
-
-
-
-
-Franzensbad-Asch
-
-(mit der Bahn).
-
-
- =Asch=: =Gasthöfe=: zur Post, zum goldenen Adler; als
- Belustigungsort gilt das =Schiesshaus=.
-
- =Post-Telegrafenamt=; =k. k. Bezirkshauptmannschaft=;
- =Eisenbahnverbindung= nach Franzensbad und über Oberkotzau: 1.
- nach Hof, Plauen; 2. nach Neuenmarkt, Bamberg; 3. Neuenmarkt,
- Baireuth.
-
-Die Stadt liegt 637 m über dem Meeresspiegel und hat über 10.000
-Einwohner. Asch ist zu beiden Seiten des Aschbaches gebaut und
-Hauptort des 2·5 Quad.-Meil. oder 3·16 Quad.-Myriameter grossen
-Bezirkes mit 27.911 (1870 Volkszählung) meist protestantischen
-Einwohnern. Hauptbeschäftigung ist die Weberei. Im ganzen Bezirke mit
-dem Mittelpunkte Asch herrscht ein reges, industrielles Leben. Die
-protestantische und katholische Kirche sehenswerth.
-
-»Alle urkundlichen Nachweise über Geschichte und frühere Zustände des
-Ortes Asch und Umgebung sind zufolge der Brände 1683 und 1814 verloren
-gegangen.«
-
-Die bis in die neueste Zeit erhalten gewesene Sonderstellung des
-Bezirkes, der übrigens zu wiederholten Malen Bestandtheil des
-Vogtlandes war, datirt vom J. 1331, als nämlich der damalige Besitzer
-Albert von Neydberg sein Besitzthum dem Könige Johann von Böhmen
-zu Lehen antrug; der Lehensherr bestimmte, dass Asch für immer der
-Entrichtung von Steuern entbunden sein solle und somit auch durch kein
-Majestätsgebot zur Steuerzahlung verhalten werden könne.
-
-Auffallend ist es jedenfalls, dass die Bewohner dieses nordwestlichen
-Theiles von Böhmen bei dem protestantischen Glauben belassen wurden.
-Mit der Einführung der Reformation in Sachsen fand nämlich diese auch
-im Gebiete von Asch Eingang. Wohl wurden die Bewohner bei Durchführung
-der Gegenreformation in Böhmen durch Ferdinand den II. bedrängt,
-aber zufolge des kräftigen Schutzes, den der Markgraf Albrecht von
-Brandenburg-Bayreuth, sowie auch der Kurfürst Johann Georg von Sachsen,
-der damals noch das jus circa sacra des Gebietes ausübte, weil die
-sächsischen Kurfürsten das Vogtland und die Rechte der Vögte desselben
-erworben hatten, dem Gebiete angedeihen liessen, wie auch ferner
-zufolge des zähen Widerstandes der Bevölkerung gegen das Aufdringen des
-Katholicismus wurde eine Gegenreformation des Gebietes unmöglich. Im
-J. 1771 wurden durch Cabinetsordre von der Kaiserin Maria Theresia die
-Rechte und Freiheiten des Gebietes bestätigt.
-
-
-
-
-Franzensbad-*Königswart-Sangerberg-*Marienbad.
-
-(Von Franzensbad mit der Bahn über Eger nach Königswart Stationen:
-Sandau-Königswart.)
-
-
-Vom Bahnhofe aus statten wir dem in der Nähe gelegenen _*Schlosse_
-und _Parke_ des Fürsten Metternich einen Besuch ab. Die Parkanlagen
-sind schön, die Museen des Schlosses reichhaltig. Im Parke erblicken
-wir auf der Strasse gegen Sandau einen schönen Obelisk mit einem
-ruhenden Löwen. Etwa 20 Minuten vom Schlosse befindet sich auf dem
-Mailberge gegen Altwasser zu die Wallfahrtskirche zum hl. Kreuz. Wir
-verweilen mit Vergnügen bei der interessanten _Münz-_, _Waffen-_,
-_Gemälde-_, _Mineralien-_ und _Geweih-Sammlung_, _Bibliothek_. Wir
-finden hier historische Raritäten, wie einen _Degen_ Ludwig's XVI.,
-ein _Waschbecken_ Napoleons I., einen _Schreibtisch_ des berühmten
-österreichischen Staatskanzlers Metternich, einen Ring der Agnes
-Sorel, das Portrait des Herzogs von Reichsstadt, Locken Lamartine's
-und Duma's, ein Autograf des dritten Napoleon, eine von diesem selbst
-verfasste Uebersetzung der Verse Göthe's: »Meine Ruh' ist hin, mein
-Herz ist schwer, ich finde sie nimmer, ach nimmermehr«, u. s. w. Es
-ist ein Genuss, die Sammlungen zu besichtigen. Die Fauna und Flora der
-nächsten Umgebung sind da ebenso vollzählig vertreten, wie die Münzen
-und Banknoten aus aller Herren Ländern. Das Prachtstück der Bibliothek
-ist ein in rothen Sammt gebundener, 1542 in Venedig auf Pergament
-gedruckter, reich mit Prachtfarbenbildern ausgestatteter, auf 16.000
-Francs geschätzter »_Rasender Roland_.« Ein Curiosum von noch grösserem
-Werthe ist der erste Chronometer, für welchen Ludwig XVI. 24.000 Francs
-bezahlt hat.
-
-Als Custos fungirte hier zuerst ein gewisser Huss. Diesen Namen führte
-eine weitverzweigte Scharfrichter-Familie in Eger und Brüx. Der Brüxer
-Huss liess seinen Sohn Carl studiren; doch die Söhne der Brüxer Bürger
-wollten nicht mit ihm auf einer Bank sitzen und wurden sogar von ihrem
-Lehrer unterstützt. Carl Huss konnte die ihm angethanen Unbilden
-nicht länger ertragen und sah sich genöthigt, in die Fussstapfen
-seines Vaters zu treten. Er assistirte im J. 1776 zum ersten Male bei
-einer Hinrichtung und fungirte bei einer solchen zwei Jahre später
-in Teplitz, worauf er behufs weiterer Vervollkommnung nach Dresden
-ging und nach seiner Rückkehr sein Meisterstück in Eger ablegte. Er
-übernahm daselbst den Posten nach seinem Oheim, betrieb daneben die
-Quacksalberei und erwarb sich so viel Vertrauen, dass er oft nach
-Sachsen und Bayern gerufen wurde. Bis zum J. 1788, wo Kaiser Josef II.
-die Todesstrafe aufhob, und worauf Huss als Scharfrichter entbehrlich
-wurde, fing man an, ihn zu verfolgen. Man confiscirte einmal alles, was
-man bei ihm an Utensilien für die Quacksalberei vorfand, und verbot ihm
-die Praxis. Er half sich aus der Klemme, indem er die Kranken scheinbar
-unentgeltlich zu behandeln begann. Huss liess sich als Honorar alte
-Münzen verabreichen und brachte in einigen Jahren eine Sammlung
-zusammen, die einen Werth von mehr als zwölftausend Gulden hatte. Dann
-sammelte er alles, was ihm unter die Hände kam, stopfte Vögel aus und
-brandmarkte verurtheilte Uebelthäter auf der sogenannten Schandbühne,
-da er indessen vom Magistrat mit diesem Geschäfte betraut wurde. Jetzt
-kam er in den Ruf eines wohlhabenden Mannes und practicirte fort.
-Fremde traten bei ihm zur Besichtigung seiner reichhaltigen Sammlung
-ein, Gelehrte correspondirten mit ihm und besuchten ihn. Als sogar
-Göthe einst zu ihm gekommen, stieg sein Ansehen und verbreitete sich
-dessen Ruf immer mehr. Fürst Metternich leitete eine Unterhandlung
-durch den Egerer Magistratsrath Grüner wegen Verkaufes der Sammlung
-mit ihm ein, erwarb sie auch und liess sie im Schlosse Königswart
-aufstellen. Huss erhielt eine Leibrente von 300 fl. und wurde Custos
-derselben. Auf diese Weise wurde der Grund zu der reichhaltigen und
-werthvollen Sammlung im Königswarter Schlosse gelegt. Erwähnung
-verdient auch die *Schlosskapelle mit ihrem schönen Marmoraltar. Der
-hiezu verwendete Marmor entstammt der durch den Brand vernichteten
-Pauluskirche zu Rom und wurde vom Papste Gregor XVI. dem Fürsten
-Metternich geschenkt. Von da begeben wir uns zu dem etwa 20 Minuten
-nordöstlich gelegenen Städtchen _Königswart_ am Fusse des Glatzberges.
-
- =Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«, »schwarzer Bär«. _Casino_
- Fremden zugänglich.
-
-Der junge, aufstrebende Curort
-
-
-
-
-*Königswart
-
-
-liegt auf der Südwestseite eines weitgestreckten, über 948 m hohen, mit
-Nadel- und Laubholz leicht bewaldeten Gebirgszuges, des sogenannten
-Königswarter Gebirges, das sich halbmondförmig fünf Stunden lang von
-Südost gegen Norden und Nordwest ausdehnt.
-
- =Gasthöfe=: »Hôtel Buberl«, »Hôtel Ott«. Während der Saison:
- Brunnen-Musik.
-
- =Post- und Telegrafen-Amt.=
-
- =Eisenbahn.=
-
-Um den Curort ziehen sich, zum grossen Theile in schattige
-Waldpromenaden auslaufende Anlagen; sie sind durchaus mit Geschmack
-und Geschick arrangirt. Der Ort liegt in einer Höhe, in der
-Lungenschwindsucht zu den Seltenheiten gehört, ist also auch als
-klimatischer Curort zu empfehlen. Die 6 Quellen gehören mit Ausnahme
-der metallfreien _Richards-Quelle_ zur Gruppe der eisenhaltigen
-Natronsäuerlinge, beziehungsweise zur Unterabtheilung der sog.
-Stahlquellen, unter welchen sie unmittelbar neben Schwalbach und
-Pyrmont zu setzen sind. Die Königswarter Quellen liegen 680 m über
-dem Meeresspiegel der Nordsee, sie sind demnach die höchst gelegenen
-Stahlquellen nicht bloss in Böhmen, sondern auch in Deutschland,
-indem sie die von Steben in Oberfranken, welche bisher bei ihrer Höhe
-von 633 m als die höchsten daselbst angesehen wurden, noch um ein
-Bedeutendes überragen.
-
-Das Firmament ist in den Sommer- und Herbstmonaten gewöhnlich heiter,
-Gewitter kommen verhältnissmässig selten und Nebel nur im Spätherbste
-vor.
-
-_Stahl-_, _Moor-_, _Fichtennadel-_, _Douche-_ und _Dampfbäder_,
-Eigenthum des Fürsten Metternich. _Curhaus_, von dem aus man die
-herrlichste Fernsicht geniesst. Man sieht links den Arber und den
-Osser, rechts bis Eger. Der etwa 3 Stunden entfernte Dillenberg,
-äusserster Ausläufer des Böhmerwaldes, sei hier wegen seiner Granaten
-und Egerane erwähnt. Das Curhaus bildet den Ausgangspunct mehrerer,
-sehr schöner und gut erhaltener, mit Ruhebänken und Wegweisern
-versehener Spaziergänge, die nach den verschiedensten Richtungen
-hinführen und allenthalben die schönste Aussicht gewähren. Etwa eine
-viertel Stunde davon liegt die Ruine _Würschengrün_.
-
-=Königswart-*Sangerberg= (1½ Stunde). In nordöstlicher Richtung von
-Königswart gelangen wir auf einer guten Strasse nach Bad Sangerberg,
-das, nur einige hundert Schritte von dem gleichnamigen, durch seinen
-Hopfenhandel bekannten Städtchen gelegen, sich als das jüngste aller
-nordwestböhmischen Bäder zu entwickeln beginnt. Dasselbe liegt auf dem
-Plateau des »_Kaiserwaldes_«, eines von Marienbad bis Schlaggenwald
-sich erstreckenden, reich bewaldeten Höhenzuges. Ausgiebige
-Eisensäuerlinge -- salinische Moorlager. -- Elegantes Curhaus mit
-hübschen Veranden. -- Das Klima des Kurortes ist besonders in den
-Sommermonaten ein verwaltend mildes und angenehmes, da der Curort in
-einem von Nord und Ost durch sanft aufsteigende Berge vollkommen gegen
-rauhere Luftströmungen geschützten Thalkessel liegt. Wegen seiner
-Gebirgslage, seiner gesunden, reinen, von harziger Waldluft gewürzten
-Atmosphäre hat Sangerberg auch den Charakter eines klimatischen
-Gebirgscurortes.
-
-Sangerberg liegt im Gerichtsbezirke Petschau, in der
-Bezirkshauptmannschaft Karlsbad, und ist Sitz eines Telegrafen- und
-Postamtes, welch letzteres täglich eine zweimalige Verbindung mit der
-zwei Stunden entfernten Eisenbahnstation Königswart unterhält.
-
-=Königswart-*Marienbad.= Von Königswart gehen wir dem Thiergarten zu
-und erreichen vom Parkgitter an nach einem einstündigen Spaziergange
-auf der sich durch den Thiergarten hinziehenden Hauptstrasse den Curort
-Marienbad, »das Schmuckkästchen unter den böhmischen Badeorten.«
-
-Marienbad liegt 605 m über der Nordsee in einer von herrlichen
-Wäldern eingeschlossenen Thalmulde. Die Luft ist hier immer frisch,
-sauerstoffreich, würzig, daher der Gesundheitszustand im ganzen Orte
-immer ungemein günstig.
-
- =Gasthöfe=: Hôtel Klinger. -- Englischer Hof. -- Neptun. --
- Stadt Hamburg. -- Stadt Weimar. -- Stadt Leipzig. -- Stadt
- Warschau. -- Hôtel Stern.
-
- Ausser der Stadt: Pensionat »Casino«, herrliche Lage. Für
- israelitische Badegäste sind die Koscher-Restaurationen: Hôtel
- Newyork, Delphin, Erhart's Restauration, Blauer Schlüssel.
-
- =Restaurationen und Café's= in der Stadt: Kursaal, Schloss
- Windsor, Tepler Haus, Stadt München, Café zur Waldschlucht.
-
- =Post- und Telegrafenamt= -- Eisenbahnstation 20 Minuten
- entfernt. --
-
- =Theater.= Brunnenmusik (Morgens 6 Uhr und Abends 6 Uhr beim
- Kreuzbrunnen, Mittags 11½ Uhr bei der Waldquelle, Concerte
- und Tanzreunionen im Cursaal; Zeitungslesecabinet, offener
- Eintritt gegen Erlag von fl. 2.80 kr. für die Saison. -- 2
- Buchhandlungen mit Leihbibliotheken. -- 2 Wochenblätter.
-
-=Quellen=: Kreuzbrunnen und noch intensiver wirkend Ferdinandsbrunnen
--- beide sind reich an Natronsalzen (an schwefelsaurem Natron,
-Chlornatrium und doppelkohlensaurem Natron), dazu Eisengehalt als
-blutbildender Faktor. Ihnen zunächst steht die Waldquelle. Bei der
-Rudolphs- und der Wiesenquelle treten kohlensaurer Kalk und kohlensaure
-Magnesia in den Vordergrund; der Ambrosius- und Carolinenbrunnen
-zeichnen sich dagegen durch ihren Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul
-aus. Die _Marienquelle_ ist ein Säuerling. Ausser diesen Quellen gibt
-es noch mehr als hundert in der Umgegend Marienbads.
-
-_Bäder_, _Gasbäder_, _Moorbäder_. Die bedeutungsvollste Quelle ist
-der Kreuzbrunnen mit einer Kuppelrotunde und daran sich schliessenden
-Säulenhallen und mit dem Denkmal Dr. Nehr's, durch dessen eifrige und
-unablässige Bemühungen Anstalten zur Austrocknung der sumpfigen Gegend
-um diesen Brunnen und zum Schutze dieser Quelle vor wilden Wässern
-getroffen, 1807 ein zur Aufnahme von Curgästen eingerichtetes Haus und
-das Jahr darauf ein Badehaus gebaut und das ärztliche Publikum auf
-Marienbad aufmerksam gemacht wurde. Seitdem ist der Ort in Folge der
-starken Frequenz und durch die liberale Unterstützung, mit welcher
-das Stift Tepl für denselben eintrat, von Jahr zu Jahr vergrössert
-und verschönert worden. Vom Kreuzbrunnen gehen wir an reichhaltigen
-Läden vorüber und gelangen durch die Allee nach rechts zur Colonade
-des Karolinenbrunnens, wo auch die Röhrenleitung einmündet, welche
-das Mineralwasser des eine viertel Stunde weiter südlich am Abhange
-des Hamelikaberges gelegenen Ferdinandsbrunnens zur Stadt leitet. Der
-Weg zu dem bereits am Ausgange der Marienbader Thalmulde mit schönen
-Pavillons und Säulengängen sich erhebenden Ferdinandsbrunnens selbst
-zählt zu den anmuthigsten Partien. Wir können dahin entweder auf dem
-Pfade über die Höhen des Kreuzberges und des Hamelika am _Göthesitze_,
-an dem durch seine herrliche Aussicht bemerkenswerthen Kaffee-Panorama
-und am _Schweizerhofe_ (Restauration) vorbei gelangen, oder wir wählen
-den bequemeren Weg längs der Thalsohle durch die Ferdinandsstrasse
-über das _Bellevue_ (Restauration). Wenige Schritte von der
-Karolinenquelle entfernt erblicken wir den kleinen gothischen Tempel
-des _Ambrosiusbrunnens_, links davon das _alte Badehaus_ (Mariaquell-,
-Moor- und Gasbäder) und rechts das imposante neue Badehaus (Stahlbäder
-aus dem Ambrosiusbrunnen und der Carolinenquelle, Bäder aus der
-Ferdinandsquelle). Die _*Waldquelle_, der beliebteste Sammelplatz der
-Curgäste um die Mittagsstunden, liegt nordwestlich vom Kreuzbrunnen in
-stiller, lauschiger Waldschlucht, am linken Ufer des Schneidbaches, und
-ist sowohl durch die Waldbrunnstrasse als auch auf dem noch kürzeren,
-unmittelbar vom Kreuzbrunnen durch die Alleestrasse und weiter
-durch eine herrliche Laubholzallee in wenigen Minuten zu erreichen.
-In der entgegengesetzten Richtung wird der Rayon der zur Zeit in
-Verwendung stehenden Quellen durch die in den Wiesgründen unweit
-der Ferdinandsquelle entspringenden _Rudolfs-_ und _Wiesenquelle_
-abgeschlossen.
-
-Dem Tepler Abte Reitenberger, der sich um die Versendung der
-Marienbader Wässer hochverdient gemacht, wurde in jüngster Zeit ein
-Denkmal gesetzt.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Die _Kirche_, 8eckiger Bau, reich geschmücktes
-Innere, Totaleindruck sehr günstig. In der Promenade vor der Front des
-neuen Badehauses mit dem Conversationssaal das _Heidlerdenkmal_, ein
-Obelisk mit lateinischer Inschrift.
-
-
-Spaziergänge:
-
-1. Vom Ferdinandsbrunnen aus zur _*Ferdinandsmühle_ (Café Kroha). Hier
-bietet sich dem Besucher ein herrliches Bild.
-
-2. Zurück zum Ferdinandsbrunnen und von da auf dem Pfade durch die
-üppigen Wiesengelände, welche die Abhänge des Hamelika von jenen des
-Darnberges trennen, in gerader westlicher Richtung auf _Schönau_ zu,
-um von da an der Restauration zur »_Stadt Versailles_«, am »_deutschen
-Kaiser_« und an den schönen Anlagen und Villen des Casinoparkes vorbei
-den Rückweg durch die Kaiserstrasse einzuschlagen.
-
-3. _*Höhendorfer Höhe_ (1 St.). Auf dem Pfade oberhalb des Panoramas in
-östlicher Richtung. Ein herrliches Panorama! Von der Café-Restauration
-auf der Höhe übersehen wir die reizende Umgebung Marienbads und lassen
-unsere Blicke bis zu den im blauen Nebel verschwimmenden höchsten
-Kuppen des Böhmerwaldes und des Erzgebirges schweifen. Rückkehr nach
-Marienbad entweder auf dem über die Waldschlucht thaleinwärts führenden
-Promenadenwege oder auf der Karlsbader Strasse.
-
-4. Zur »_König Otto's Höhe_« im Südosten des Darnberges, welcher von
-dem Hamelika durch die Mühlgasse und die Wiesengründe des Schneidbaches
-getrennt und von zahlreichen Spaziergängen durchschnitten ist, gelegen.
-Von der »_Königin Carola's Ruhe_« am Nordostabhange des Darnberges
-haben wir einen schönen Ueberblick über Marienbad. Von da in einigen
-Minuten über den sogenannten Schneiderrang zum _Försterhause_ am Fürst
-Metternich'schen Tiergarten (Restauration). Wir steigen nun auf dem
-an dem Försterhause nach Osten führenden Fusswege herab, um an die
-oberhalb Marienbads nur eine schmale Thalspalte füllenden Wiesgelände
-des Schneidbaches zu gelangen, an welchen, wenige Schritte abwärts,
-die Restauration »zur _Waldmühle_« ein trauliches Plätzchen zum Ruhen
-bietet.
-
-
-Touren:
-
-1. _Marienbad-*Podhorn-*Tepl_ (2½ St.) Wir gelangen auf den östlich
-von Marienbad gelegenen _Podhornberg_ (838 m ü. d. M.) über die
-Hohendorfer Höhe (1½ St.) oder durch das Dorf Abaschin. Der Berg zeigt
-in seiner Kegelform und in seiner basaltischen, von lavaähnlichen
-Bildungen umlagerten Gesteinsmasse das Gepräge seines vulkanischen
-Ursprungs. Er ist in zwei Gipfel gespalten, deren einer die mächtig
-aufstrebende, spitz zulaufende Phonolitmasse trägt, während der andere
-terrassenförmig mit einem Haine besetzt ist. Im Schatten dieser Bäume
-gibt es tempelförmige Pavillons und Ruheplätze. Prachtvolle Aussicht
-über die Höhen des Böhmerwaldes, Erz- und Fichtelgebirges. Restauration
-im Sommer. Von hier über Ober-Gramling nach Stift _Tepl_, 20 Minuten
-von der gleichnamigen Stadt entfernt. Das weitläufige Kloster mit
-hübscher Kirche, grosser Orgel, sehenswerther Bibliothek, Brauerei
-und grossen Wirthschaftsgebäuden, ist eines der reichsten Klöster
-der Monarchie. Unter den daselbst aufbewahrten Raritäten finden
-der Becher, woraus Göthe stets den Kreuzbrunnen trank, die von ihm
-angelegte und zusammengestellte interessante Mineraliensammlung und
-die Originalbriefe Göthes an den trefflichen Uebersetzer der Iliade,
-Gymn.-Prof. Zauper, rege Beachtung. Neben dem Kloster ein Gasthof mit
-Veranda. Wagen zur Rückfahrt nach Marienbad.
-
-2. _Marienbad-Petschau._ (4 St. zu Fuss.) Ueber Einsiedl (Kloster
-und Mädchenpensionat) durch ein herrliches Waldthal mit zahlreichen,
-höchst interessanten Felspartien auf der windungsreichen Kaiserstrasse
-zur Restauration _Grünberg_, mitten im Walde und an der Tepl reizend
-gelegen, und von da in einer halben Stunde nach Petschau.
-
- =Gasthöfe=: Zur Krone, zur Post.
-
- =Post- und Telegrafenamt.= =Postverbindung= mit Karlsbad,
- Marienbad, Pilsen, Elbogen.
-
-Die Stadt liegt an der Tepl in einem herrlichen Thale; die Strassen
-von Marienbad, Karlsbad und Pilsen laufen hier zusammen. Auf einem
-mächtigen, gegen die Tepel zu steil abfallenden Felsen liegt reizend
-das Schloss des Herzogs Beaufort. Oberhalb desselben erhebt sich
-malerisch das alte Schloss, welches ursprünglich Slawko von Riesenberg
-gegründet, später aber Johann Pflug von Rabenstein, wie sein Wappen
-und eine Inschrift zeigt, überbaut und Kaspar Pflug noch bewohnt hat.
-Von den angeblich sonst bestandenen vier Stockwerken sind nur zwei
-vorhanden. Gegenwärtig ist es von den herzogl. Beaufort'schen Beamten
-bewohnt. Es enthält eine ziemlich erhaltene Kapelle mit prachtvollen
-Gemälden. Die Stadt wurde während der Hussitenkriege fast ganz
-verwüstet und durch Joh. Pflug von Rabenstein unterstützt und wieder
-emporgebracht. Am 2. Februar 1621 und 17. Juli 1760 legten grosse
-Feuersbrünste die Stadt in Asche. Der in Schönfeld, zwischen Petschau
-und Schlaggenwald gelegen, im J. 1802 gebürtige namhafte Violinist
-und fruchtbare Komponist Josef Labitzki bildete sich unter Karl Veit
-in Petschau im Klavier- und Violinspiel und in der Harmonielehre aus.
-Die Umgebung der Stadt ist höchst interessant. Südwestlich vom Orte
-_Neudorf_ (1¼ St. von Petschau) sind _Sauerbrunnen_, von welchen
-der eine fast alle Eigenschaften des Marienbader Kreuzbrunnens hat.
-Bemerkenswerthe Berge sind der _Koppenstein_, der _Galgenberg_ und der
-_Huritzberg_. Die Felsarten sind an den beiden Gehängen des Tepelthales
-und an den Bergen östlich bis Gängerhäusel, nördlich bis gegen
-Millersgrün und westlich bis Tiefenbach _Granit_. Bei diesen Orten wird
-der Granit von _Gneis_ begrenzt, welcher sich über das weite Gebiet
-des Dominiums erstreckt. Im nördlichen Theile, von Gabhorn, Drosau und
-Tepeles anfangend, herrscht wieder _Granit_.
-
-
-
-
-B. Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus.
-
-
-
-
-Falkenau.
-
-
- =Gasthöfe=: Anker, Stadt Prag, Stadt Karlsbad, Herrenhaus,
- Krone, 3 Staffeln, Hufeisen, Restauration am Schiesshause.
-
- =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht.
-
- =Eisenbahn=: Knotenpunkt gegen Eger, Karlsbad, Graslitz. Der
- Ort kann also von Eger oder Karlsbad aus leicht erreicht und
- zum Standorte für Touren in's Erzgebirge gewählt werden.
-
-Wenn der Tourist mit der Bahn von Eger kommt und die Thalenge zwischen
-Königsberg und Dassnitz passirt hat, so eröffnet sich nach letzterer
-Station seinen Blicken allmählig eine anmuthige, kleine Ebene, umsäumt
-von Bergrücken in einer Höhe von nahezu 948 m. Inmitten dieser Ebene,
-»das _Falkenauer Land_« genannt, liegt:
-
-_Falkenau_ -- Stadt mit 6000 Einwohnern, an der Mündung des
-Zwodaubaches in die Eger gelegen und von der Karlsbad-Egerer Strasse
-durchschnitten; der Ort besteht aus der eigentlichen Stadt und einer
-Vorstadt. Das Schloss ist ein ansehnliches, schon vom Grafen Nikolaus
-Schlick im Jahre 1480 gegründetes, aber erst von seinen Nachfolgern
-vollendetes, ein regelmässiges Viereck bildendes Gebäude, mit einem
-geräumigen Hofe und einer Kapelle. An jeder der vier Ecken des Gebäudes
-erhebt sich ein Thurm. Bei dem Schlosse befindet sich ein schöner Park.
-Am 23. Juni 1874 wurde die Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst
-heimgesucht, Welche von den vorhandenen 280 Häusern über die Hälfte
-in Asche legte. Heute steht die Stadt freundlicher als je da; breite,
-gepflasterte, mit Trottoir versehene Strassen und neue schöne Häuser
-entstanden an Stelle der alten, winkligen, engen Gässchen und der
-unansehnlichen Häuser mit den russgeschwärzten Schindeldächern. Alles
-wird überragt von dem neuen, schlanken Thurme. Am östlichen Ende
-der Stadt führt eine neue 132·3 m lange Eisenbrücke auf das linke
-Ufer der Eger zum Bahnhofe und Vororte Schönwerth. Das Lobs- und
-Zwodauthal sind romantische Gebirgsthäler mit malerischen Fels- und
-Waldpartien und laden den Touristen zu lohnenden Streifzügen durch
-dieselben ein. Die dichtbevölkerte Umgebung Falkenau's mit den vielen
-Dörfern, Kohlenwerken, Glashütten, Spinnereien usw. bietet jedermann
-sehr viel Interessantes und Lehrreiches. Aus allem geht hervor,
-dass das Gebiet ein lebhafter Industriebezirk, und dass die Stadt
-mit ihrer Umgebung in entschiedenem Aufschwung begriffen ist. Der
-landschaftliche Reiz hat aber dadurch keine Einbusse erlitten, und es
-erscheint Falkenau als Centralpunkt eines bedeutenden Strassennetzes
-mit drei Bahnlinien nach westlicher, östlicher und nördlicher Richtung
-dem Touristen als ein vortrefflicher Ausgangspunkt für sehr viele
-lohnende Spaziergänge und Ausflüge. Eine besondere Zierde der Umgebung
-der Stadt ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der
-Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der
-Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne. Diesen Hopfenbau
-besang der Naturdichter _Anton Fürnstein_, welcher ein Krüppel war
-und hier lebte, über Veranlassung unseres Dichterfürsten Wolfgang von
-Göthe. Als dieser im Jahre 1822 über Eibenstock und Falkenau nach
-Karlsbad fuhr, traf er mit Fürnstein zusammen und gab ihm den Stoff
-zur Bearbeitung. Göthe schreibt über diese Zusammenkunft: »Ich fand
-ihn in seinem Sesselwägelchen zusammengekrümmt, ein herzergreifender
-Anblick; denn gekauzt, wie er war, hätte man ihn mit einem mässigen
-Cubus bedecken können. Er begrüsste mich freundlich, deutete auf sein
-Elend und bezeugte guten Muth, indessen ich ihn kaum anzusehen wagte.
-Bei flüchtigem Blick musst' ich gar bald erkennen, wie auf diesem
-entstellten Körper sich ein Cerebralsystem ausgebildet hatte, womit
-eine regelmässige Gestalt gar wohl hätte zufrieden sein können.«
-Ueber die Naturdichter überhaupt sagt Göthe: »Unsere Naturpoeten
-sind gewöhnlich mehr mit rhythmischen als dichterischen Fähigkeiten
-geboren; man gesteht ihnen zu, dass sie die nächste Umgebung treulich
-auffassen, landesübliche Charaktere, Gewohnheiten und Sitten mit
-grosser Heiterkeit genau zu schildern verstehen, wobei sich denn
-ihre Produktion, wie alle poetischen Anfänge, gegen das Didaktische,
-Belehrende, Sittenverbessernde gar löblich hinneigt.« Von Fürnstein
-fügt er noch hinzu: »Alle seine Produktionen schmückt eine gewisse
-Anmuth, die das unternommene Ganze zu beleben weiss; da ist Gegenwart
-der offenen Natur, Behagen sich beschränkender Geselligkeit, Genuss und
-Hoffnung, und bei allem ein menschlicher, edler Ernst, dem eine reine
-Gottesverehrung gar wohl ansteht.« Das Gedicht »Der Hopfenbau« ist
-Fürnstein ganz gelungen. Göthe schreibt darüber: »Wie er die Aufgabe
-gelöst, wie er thätig beginnt und alles, was zu thun ist, eins nach
-dem andern einschärft, dabei ein sittliches Wort mit einschlingt und
-immer so fortfährt und diese Reben den Weinreben anzunähern versteht,
-bedarf keiner Auslegung; das Ganze liegt hellheiter und unter sonnigem,
-günstigem Himmel und wird von einem jeden an Ort und Stelle, besonders
-zu recht thätiger Arbeitszeit, gewiss mit dem grössten Interesse
-empfunden werden. Ich möchte diese Gedichte die aufsteigenden nennen;
-sie schweben noch am Boden, verlassen ihn nicht, gleiten aber sanft
-darüber hin.« Wenn man diese günstigen Urtheile Göthes und die
-Schwierigkeiten, unter welchen sich Fürnstein die Mittel zu seiner
-Fortbildung verschafft, in's Auge fasst, so muss man zu dem Urtheile
-kommen, dass er eine nicht unbedeutende Persönlichkeit und einer
-Erinnerung werth ist.
-
-
-Spaziergänge:
-
-_Falkenau-*Hartenberg._ Wir gehen von Falkenau auf der
-Heinrichsgrün-Graslitzer Strasse in das 20 Min. entfernte Dorf Zwodau.
-Von hier aus können wir verschiedene Wege nach Hartenberg einschlagen.
-Zunächst führt die Gossengrüner Bezirksstrasse dahin. Fünf Minuten
-hinter Zwodau liegt das zu diesem Orte gehörende _Davidsthal_ mit den
-Kohlenwerken und der Glashütte des Barons David von Starck. In etwa
-20 Minuten gelangen wir auf der Strasse, welche fortwährend sanft
-ansteigt, nach _Josefsdorf_, oberhalb welches Dorfes eine Seitenstrasse
-rechts zum Schlosse und Dorfe _Hartenberg_ abbiegt.
-
-Ein viel angenehmerer Weg ist der durch den _Theinwald_. Wir gehen
-von Zwodau in der Richtung gegen Lanz an dem Peter'schen Kohlenwerke
-vorüber zum Walde, durch welchen ein sanft ansteigender Weg führt.
-Hierauf schreiten wir über eine weite, zum Dorfe Thein gelegene
-Lichtung (einen sandigen Feldcomplex) in den Theinwald und gelangen,
-dem breiten Waldwege folgend, zu einer im Querthale gelegenen Mühle,
-von welcher aus links ein Fussweg durch dasselbe an die Zwodau führt,
-welche wir bei der _Herrenmühle_ auf einem Stege übersetzen. In fünf
-Minuten gelangen wir in der Richtung nach Falkenau -- also zurückgehend
--- auf den Bahnhof _Hartenberg_.
-
-Ein dritter Weg führt an der Schmieger'schen Schafwollspinnerei in
-Zwodau vorüber über den Steinberg durch die kleinen, aber schön
-gelegenen Orte _Sandhäuser_ und _Wörth_, wo die Zwodau überschritten
-wird, und schliesslich an der Bahnstrecke bis Hartenberg. Die Eisenbahn
-kann auch zu diesem Ausfluge benützt werden. Selbe überschreitet die
-Zwodau gleich hinter dem Falkenauer Stationsplatze, hat bei Zwodau die
-Station Zwodau-Davidsthal, tritt unweit des Stationsplatzes wieder
-an das linke Zwodauufer, bald hierauf an das rechte und fährt fast
-unmittelbar am Zwodauflusse in dem schönen Zwodauthale an dem Orte
-Wörth vorüber nach Hartenberg.
-
-Vom Hartenberger Bahnhofe führt eine Strasse an dem unteren Gasthause
-»zum Schlossberge« in einem Seitenthale aufwärts. Am rechten
-Bergrücken kommen wir zur _Götheruhe_, wo der grosse Dichter seinen
-siebzigsten Geburtstag feierte; von dieser präsentirt sich das gräflich
-Auersperg'sche Schloss am schönsten. Die romantische Lage dieses auf
-einem Felskegel stehenden alten Schlosses mit einem zwar kleinen, aber
-reizenden Schlossgarten, die prächtigen, sorgfältig gepflegten Laub-
-und Nadelholzwaldungen, die herrliche, reine Gebirgsluft, der tiefe
-Friede in den Seitenthälern und die historischen Erinnerungen, die
-sich an diesen schönen Erdenwinkel knüpfen, machen Hartenberg zu dem
-beliebtesten und besuchtesten Ausflugsorte der Umgebung. An einer Birke
-ist die Aufschrift zu lesen: »Unter dieser Birke pflegte der grosse
-Dichter Joh. Wolfgang von Göthe während seines Aufenthaltes im Schlosse
-Hartenberg öfters zu ruhen.« Von da führt die Strasse nun am Bräuhause
-vorüber in einer scharfen Biegung auf den Schlossberg mit dem Dorfe
-Hartenberg und dem Schlosse, dessen Theile aus verschiedenen Zeiten
-zu stammen scheinen. Sehenswerth ist die Schlosskapelle, der kleine,
-terrassenförmig angelegte Garten und der unweit des Schlosses angelegte
-Gemüsegarten als schöner Aussichtspunkt.
-
-Von Hartenberg aus führt ein Weg auf den _Pichlberg_, an dessen
-südwestlichem Abhange das Dorf gleichen Namens liegt. Hier haben wir
-eine schöne Fernsicht nach allen Seiten.
-
-_Falkenau-Lobsthal._ Wir gehen von Falkenau entweder auf der am
-Schlosse vorüberführenden Lauterbacher Bezirksstrasse in südöstlicher
-Richtung oder auf dem Fusswege längs des Lobsbaches zum Dorfe
-_Schäferei_, von wo aus die Strasse durch das an beiden Seiten des
-Lobsbaches gelegene Dorf _Wudingrün_, an dessen Ende, aber bereits im
-engen, theilweise schöne Felsenpartien bergenden Thale, das romantisch
-gelegene Gasthaus »zum Eisenhammer« sich befindet.
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-Von _Falkenau nach Königswerth, über Teschwitz, *das Schiesshaus_ und
-zurück (1¼ St.)
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-In nordöstlicher Richtung führt am linken Egerufer ein Weg an dem
-Vororte Schönwerth (mit Obst- und Gemüsebau) vorüber nach dem Orte
-_Königswerth_ (mit Obstbau); von da setzen wir auf einem Kahne
-über die Eger in das gegenüberliegende Teschwitz (mit Obstanlagen),
-spazieren auf einem schönen Feldwege am _Klingerwäldchen_ vorbei
-zum Schiesshause mit schönen Anlagen. Auf einem Felsen oberhalb des
-herrlich gelegenen Schiesshauses finden wir ein _Gloriett_. Prächtige
-Rundsicht!
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-
-Touren:
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-_Falkenau-*Sangerberg._ Diese südliche Tour empfiehlt sich zu Wagen
-durch das _Lobsthal_ nach _Lauterbach_ und von da nach dem neu
-aufstrebenden Curorte _Sangerberg_. (Für Fussgänger ½ Tag.)
-
-_Falkenau-Crudum._ Am besten besteigen wir den sagenhaften Crudum 830 m
-vom Lobsthale aus, indem wir die Strasse nach Lauterbach oberhalb der
-gräflich Nostitz'schen _Brettsäge_ verlassen und links den Weg, der
-zum Dorfe Kohling hinaufführt, einschlagen. In diesem Dorfe führt uns
-jedes Kind zum Triangulirungspunkte (im Volksmunde »zur Lärmstange«).
-Der Ausblick ist um so überraschender, als der Weg fast bis zur Spitze
-durch Wald führt, und die Aussicht erst kurz vor dem Gipfel des Berges
-frei wird.
-
-_Falkenau-Schwanderberg_ (735 m). Der Schwanderberg ist der Nachbar des
-Crudum; wir besteigen ihn auf der anderen Seite des Lobsthales über
-_Wudingrün_, _Grün_ und _Schwand_.
-
-_Falkenau-*Kapellenberg_ rechts und *Rabenstein links von Steinbach.
-Eine noch schönere und umfassendere Aussicht, als die zwei Berge der
-voranstehenden Partien bieten, geniessen wir auf das Fichtelgebirge,
-das Egerland, das Vogtland, das in Terrassen aufsteigende Erzgebirge
-mit dem Sonnenwirbel und die Gebirge hinter Karlsbad von dem
-_Kapellenberge_ rechts von Steinbach und in noch grossartigerer
-Weise vom _Rabenstein_ links von Steinbach. Der Weg nach Steinbach
-führt von Falkenau über _Reichenau_ und _Prösau_, wo es gerathen
-ist, sich den nächsten Weg auf den Kapellenberg zeigen zu lassen. In
-dem Dorfe Steinbach befindet sich ein Jagdschloss des Grafen Nostitz
-mit einer Sammlung von ausgestopften, von dem Grafen oder dessen
-Forstbediensteten geschossenen Thieren. Von hier aus können wir
-auch einen Abstecher in das noch 30 Minuten entfernte _Kirchenbirg_
-machen und daselbst das Schloss des Barons Henneberg mit Orangerie,
-Obstanlagen und Bräuerei besichtigen. Rückweg über _Reichenau_, wo sich
-grossartige Braunkohlenwerke und Tafelglashütten des Barons David von
-Starck, Radler's Kohlenwerke und eine Wachsfabrik des Dr. Pilz befinden.
-
-_Falkenau-Maria-Kulm_ in westlicher Richtung mit der Bahn über
-Dassnitz. Schöner Rückweg zu Fuss über das Dorf _Haselbach_, von wo
-aus wir einen hübschen Blick in's Eger- und Zwodauthal geniessen.
-Maria-Kulm (siehe Franzensbad-Maria-Kulm).
-
-_Falkenau-Mostau_ ist eine Fortsetzung der früheren Tour, wenn wir den
-Rückweg nicht zu Fuss zurücklegen und von Königsberg mit der Bahn nach
-Mostau-Nebanitz fahren. In Mostau empfiehlt sich die Besichtigung der
-Musterwirthschaft des Gutsbesitzers Ritter von Komers. Grosser, schöner
-Park. Rückweg mit der Bahn.
-
-_Falkenau-*Elbogen._ Unterhalb Falkenau nahe dem Dorfe Königswerth
-verengt sich das Egerthal wieder, und Fussgänger lieben es, durch diese
-Thalenge nach Altsattel und Elbogen zu wandern.
-
-=Elbogen=, königliche Stadt, nach der Volkszählung im Jahre 1869 mit
-3257 Einwohnern.
-
- =Gasthäuser=: Rother Hirsch, Weisses Ross, beide am Marktplatz;
- Scherbaums Gasthaus bei der Kettenbrücke.
-
- =Eisenbahn=: Buschtiehrader, verbunden mit der Stadt und der
- Station Neusattel durch die Elbogner Localbahn.
-
- =Postverbindung=: Schlaggenwald, Schönfeld (Eilfahrt) und von
- da nach Petschan (Botenfahrt).
-
- =Aemter=: K. k. Bezirksgericht. -- Revierbergamt.
-
- =Schulen=: Oberrealschule, Volksschule.
-
- =Post- und Telegrafenamt.=
-
-Die Stadt liegt auf einem steil gegen die Eger abfallenden Felsen
-am linken Ufer des Flusses, welcher sie in Gestalt eines Elbogens,
-daher der Name, umfliesst. Sie besteht aus der inneren Stadt und den
-beiden Vorstädten _Rabitsch_ und _Littmitz_. Hier befindet sich die
-zweitälteste Kettenbrücke in Deutschland und Oesterreich (die älteste
-ist die zu Freiburg). Der Grundstein zu derselben wurde am 18. Juli
-1834 gelegt. Ihre Höhe über dem Wasserspiegel beträgt 12·7 m. Das
-Mauerwerk dabei ist von Granit, die Eisenbestandtheile wurden auf
-den Eisenwerken der Herrschaft Rothenhaus erzeugt. Die Localbahn,
-welche durch das reizende Grünlasthal an den reichen Kohlenlagern
-des Vincenzi- und Helenenschachtes, an der Siemen'schen Glasfabrik,
-einer Ziegelei und einer chemisch-technischen Fabrik vorbeifährt, ist
-die erste in Oesterreich. Das Consortium, welches die Bozen-Meraner
-Bahn in Südtirol baute, führte diese Bahn, welche Elbogen dem grossen
-Weltverkehre wieder etwas näher gebracht, auf seine Rechnung aus, und
-der Ingenieur, der den Bau leitete, führt einen berühmten Namen. Er
-heisst _Schwind_ und ist der Sohn des berühmten Malers, dem die »Schöne
-Melusine« und die »Sieben Raben« ihren Ursprung verdanken. Ingenieur
-Schwind hat sich in einer der Villen am Fusse der Stadt und in der Nähe
-der Eger angesiedelt.
-
-Auf dem Rathhause wird eine merkwürdige Masse von _Meteoreisen_
-aufbewahrt, welche seit Jahrhunderten unter dem Namen des »verwünschten
-Burggrafen« bekannt gewesen ist. Der Volkssage nach soll nämlich im
-Mittelalter ein königlicher Burggraf zu Elbogen die Unterthanen mit
-grosser Härte behandelt haben, deshalb öfters von diesen verwünscht
-worden, und diese Verwünschung eines Tages in Erfüllung gegangen
-sein. Als nämlich der Burggraf die Frohnpflichtigen mit der Glocke
-zur Arbeit rufen wollte, sei er plötzlich durch einen vom Himmel
-herabfahrenden Blitz getödtet und in jene Metallmasse verwandelt
-worden. Der Aberglaube schrieb ehemals dieser Masse, die in einem
-Gewölbe des Schlosses lag, sogar Zauberkräfte zu, und man behauptete,
-dass sie zu gewissen Zeiten leichter, zu anderen wieder schwerer würde,
-dass sie, wenn sie in den 41·7 m tiefen Schlossbrunnen geworfen würde,
-immer wieder zum Vorscheine komme u. dgl. m. Der k. k. General Johann
-von Werth liess, um sich davon zu überzeugen, im 30jährigen Kriege den
-Klumpen in den Schlossbrunnen werfen, aus welchem er jedoch später
-wieder herausgezogen und in's Schloss gebracht wurde. Im J. 1742 warfen
-die Franzosen die Masse abermals in den Schlossbrunnen und hier blieb
-sie bis 1776, wo sie wieder heraufgeholt und nunmehr auf dem Rathhause
-aufbewahrt wurde. Im J. 1811 kam der damalige Professor der Chemie am
-ständischen technischen Institute zu Prag, K. A. Neumann, nach Elbogen,
-liess sich ein Stückchen von der Masse zu chemischen Untersuchungen
-mittheilen und erkannte durch dieselbe, dass sie Meteoreisen sei, was
-auch bald darauf durch den Chemiker von Klaproth und den Physiker Dr.
-Chladni bestätigt wurde. Später wurde die Masse in zwei ungleich grosse
-Stücke zertheilt, von welchen das grössere, etwa 150 Pfund schwere, an
-das k. k. Naturalien-Cabinet in Wien abgeliefert wurde, das kleinere
-aber von 40 Pfd. sich noch auf dem Rathhause befindet.
-
-Das _Schloss_, von seiner felsigen Lage ehemals Stein-Elbogen genannt,
-soll ursprünglich schon um das Jahr 870 von den mit den Herzogen von
-Bayern verwandt gewesenen Markgrafen von Vohburg gegründet worden sein,
-denen bis in's XII. Jahrhundert der ganze Egerische und Elbogner Bezirk
-gehörte.
-
-Berchthold, Markgraf von Vohburg, starb in der 1. Hälfte des XII.
-Jahrhunderts ohne männliche Erben, und das Elbogner Gebiet fiel nunmehr
-an den Kaiser Friedrich I., welcher sich 1149 mit Adelheid, einer
-Tochter des Verstorbenen, vermählt hatte. Als er aber 1153 sich von
-dieser seiner Gemahlin durch die Kirchenversammlung zu Kostnitz hatte
-scheiden lassen, nahmen die Verwandten derselben, die Herzoge von
-Bayern, die hinterlassene Herrschaft Berchtholds in Anspruch, und es
-gelang ihnen auch, zum Besitz derselben, namentlich von Elbogen und
-Eger zu gelangen.
-
-Unter Rudolph von Habsburg wurde es an die böhmische Krone verpfändet.
-König Wenzel I. verlieh 1246 die von ihm neuerbaute Pfarrkirche zu
-Elbogen sammt allen Einkünften dem neuen Orden der Kreuzherrn mit
-dem rothen Sterne. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Elbogen ein
-Eigenthum der Könige von Böhmen. König Johann von Luxemburg erhielt
-die Kunde, dass ihm seine Gemahlin Elisabeth die Krone zu entreissen
-trachte, und zog wuthentbrannt gegen das feste Schloss Elbogen, den
-Aufenthalt der Königin, und liess es ohne weiters stürmen. Obgleich
-sich herausgestellt, dass diese Anklage alles Grundes entbehrte und
-nichts als eine schändliche Verleumdung war, wurde sie doch von ihren
-Kindern gewaltsam getrennt und musste ihren Aufenthalt in Melnik
-nehmen. Johanns Nachfolger, Karl IV., zeigte sich der Stadt Elbogen
-stets sehr gewogen. Er erneuerte derselben im J. 1352 alle unter
-seines Vaters Regierung verbrannten Urkunden und verlieh ihr die
-Steuerfreiheit unter der Bedingung, dass ihm bei seiner Anwesenheit in
-Elbogen jährlich einmal 5 Pfund schwäbische Heller in einem hölzernen
-Becher überreicht werden müssen. Becher und Münzen sind heute noch im
-Rathhause aufbewahrt.
-
-Während der Hussitenkriege scheint Elbogen belagert, aber nicht
-eingenommen worden zu sein.
-
-Nach verschiedenen Streitigkeiten gelangte das unter Kaiser Sigmund
-verpfändete Elbogen im J. 1547 wieder an die Krone Böhmens, und der
-damalige Kaiser Ferdinand I. verlieh der Stadt die Erlaubniss, einen
-Jahrmarkt zu halten.
-
-In dem dreissigjährigen und dem österreichischen Erbfolge-Kriege hatte
-Elbogen viele Drangsale zu bestehen.
-
-Im Jahre 1725 legte eine verheerende Feuersbrunst die ganze Stadt bis
-auf einige Häuser in Asche.
-
-Auch die Kirche brannte nieder. Ihr Neubau erfolgte 1728. Das
-prachtvolle Altarblatt, Ermordung des hl. Wenzel, ist vom berühmten
-Maler Brandl gemalt.
-
-Die St. _Johanneskirche_ bestand schon im 14. Jahrhunderte, wurde
-aber baufällig und 1854--1857 neu erbaut. Der angrenzende Friedhof
-wurde aufgelassen und 1877 ein neuer auf dem Goldberge angelegt. Die
-St. _Annakapelle_ wurde 1742 in Folge eines Gelübdes gebaut. Der
-französische General Armentiers belagerte in diesem Jahre die Stadt.
-Die geängstigten Bewohner veranstalteten am 26. Juli eine Procession
-und gelobten zugleich nach Rettung aus dieser Bedrängniss der hl. Anna
-zu Ehren eine Kapelle zu bauen, was auch geschehen ist. Es kam zur
-Capitulation; aber die Stadt wurde in keiner Weise geschädigt.
-
-Wo derzeit die St. _Wolfgangskapelle_ steht, war vor alten Zeiten
-eine Kirche, die von den Hussiten und Schweden zerstört wurde. Die
-Muttergotteskapelle stammt aus neuerer Zeit.
-
-Mitten am Ringplatze steht die schöne _Dreifaltigkeitsstatue_, 1719 vom
-Stadtrathe errichtet.
-
-Elbogen besitzt zwei schöne und geräumige Schulgebäude für eine
-Oberrealschule, im J. 1840, und für eine Volksschule, im J. 1867 erbaut.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: _Das alte Schloss_, bestehend aus dem Wartthurm,
-dem Schlossgebäude und dem Markgrafenhaus. Als es im J. 1792 in
-ein Kriminal-Strafhaus umgewandelt wurde, fielen die hohen Thürme,
-Spitzdächer und der grösste Theil des Mantelgebäudes des Wartthurmes
-diesem Umbaue zum Opfer.
-
-Das _Rathhaus_, 1685 erbaut. In demselben werden, wie aus dem
-Voranstehenden hervorgeht, aufbewahrt:
-
-_a_) Der steinerne Burggraf, ein Meteorstein.
-
-_b_) Ein hölzerner, verzierter Becher und einige Münzen aus dem Jahre
-1352.
-
-Die _Porzellanfabrik_, im J. 1815 von Rudolph und Eugen Haidinger
-gegründet.
-
-Die _Spaziergänge_ um die Stadt an beiden Egerufern sind reizend.
-Auf die bepflanzten und bewaldeten Höhen führen gut angelegte Wege.
-Durch das Geyersbachthal zum neuen Schiesshause, in das felsige Zech-
-und das oberwähnte Grünlasthal sind Spaziergänge wegen der sich hier
-darbietenden Mannigfaltigkeit besonders zu empfehlen. Wenn man auf der
-von Karlsbad steil abfallenden Strasse kommt und plötzlich Elbogen vor
-sich sieht, glaubt man zu träumen. Das ist die reine Romantik, die
-einem ganz unerwartet entgegentritt. Ganz Böhmen hat kein schöneres
-Städtebild aufzuweisen. Der Fluss, die Kettenbrücke, die in fabelhafter
-Höhe über ihn gespannt ist, die alte, schwarze Burg dahinter, die
-Stadt, welche in Gestalt eines regelrechten Halbbogens sich zu Füssen
-dieser Burg ausbreitet, mit ihren Gärten und Villen bis dicht an die
-das ganze Bild in Ellenbogenform umspannende Eger vordringt, während
-sich die waldbedeckten Berge jenseits der Strasse, welche die Stadt
-parallel mit dem Flusse einrahmt, malerisch abheben -- das alles gibt
-ein Bild, wie es nicht schöner gedacht werden kann. Darum wird der
-Spaziergang gegen Horn allen denen, welche nicht von Karlsbad nach
-Elbogen kommen, sich aber den herrlichen Anblick der Stadt von da aus
-nicht versagen wollen, besonders empfohlen. Sehr lohnend ist auch der
-Weg zum _Hansheiling_ am linken Egerufer oder über den Ziegenruck.
-
-Empfehlenswerthe Aussichtspunkte sind:
-
-_a_) Der Mühlacker;
-
-_b_) der spitzige Stein;
-
-_c_) der Robitschberg und
-
-_d_) die Terrasse im Gasthause zum »weissen Ross«, von welcher
-die, Elbogen südwestlich, südlich und südöstlich im engen Gürtel
-umschliessenden Berge ein prachtvolles Panorama geben.
-
-_Falkenau-Gossengrün_ (auf der Strasse in nordwestlicher Richtung gegen
-Schönbach in 2 Stunden). Der Ort Gossengrün zählt etwa 2000 Einwohner,
-welche sich von der Landwirthschaft und der Spitzenklöppelei ernähren.
-
- =Gasthaus=: Philipp Locke's Gasthaus.
-
- =Postverbindung=: Gossengrün-Hartenberg; Gossengrün-Schönbach.
-
-Ausflug von Gossengrün nach Leopoldshammer im Leibitschthale (siehe
-Schönbach-Leibitschthal).
-
-_Falkenau-Bleistadt_ (mit der Bahn -- Entfernung etwas über 1 Meile).
-
- =Gasthäuser=: Zum städtischen Rathhaus. -- Wilh. Gerstners
- Restauration.
-
- =Eisenbahnverbindung= mit Falkenau und Graslitz.
-
-_Bleistadt_ ist eine alte Bergstadt und zählt 1400 Einwohner. Die Stadt
-führt den Namen von dem hier früher betriebenen, nunmehr aufgelassenen
-Blei-Bergbau. Gegenwärtig fristen die Bewohner ihr karges Dasein mit
-Spitzenklöppeln. Auf den zahlreichen Halden findet der kundige Wanderer
-bleihaltige Gesteine und sogar Stücke reinen Erzes.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Nachstehende Privilegien: von den Kaisern
-Rudolph II. 1524, Ferdinand 1558, Mathias 1613, Ferdinand III. 1652
-und Joseph II. 1785. Auch ist in der im Jahre 1524 vom Kaiser Rudolph
-II. gegründeten Kirche Sct. Michael ein Wappen in Farben an dem rechts
-vom Hochaltare befindlichen Fenster von den Geheim-Brüdern Paulus,
-Christof und Friedrich, Bürgern des Rathes der Reichsstadt Nürnberg,
-zum Andenken »ai 1603« zu sehen.
-
-=Aussicht=: Von dem Bergrücken bei Liebenau, Obergrünles und Neuhäuser
-aus lässt sich grosse Umschau halten über das Erzgebirge bis gegen
-Platten, dann gegen Karlsbad, die interessante Burgruine Engelhaus,
-Lauterbach bei Einsiedel und über das Egerland.
-
-_Falkenau-*Heinrichsgrün_ -- Gebirgsstadt, 2250 Einwohner.
-
- =Gasthäuser=: Wilder Mann, grüner Heinrich.
-
- =Post- und Telegrafenamt= -- Domainen- und Forstverwaltung des
- Grafen Erwein Nostitz.
-
-Von Falkenau aus erreichen wir Heinrichsgrün auf der Aerarialstrasse,
-welche durch die Dörfer Lanz, Waldl und Unter-Neugrün sanft ansteigt
-und von Neu-Grün an, auf beiden Seiten von den schönsten Wäldern
-begrenzt, bis zur Stadt führt. Diese liegt auf einer kleinen
-Gebirgsebene an einer Thalschlucht, welche sich in langen Zügen in's
-Zwodauthal erstreckt und das Lochthal genannt wird. Hier blühte in
-früherer Zeit der Bergbau. Der Tourist möge uns nun auf unserem Gange
-begleiten. Wir statten zuerst der im Spitzbogenstyl erbauten Kirche
-St. Martin einen Besuch ab; dann besichtigen wir die im J. 1877 auf
-Veranlassung des hochverdienten Erzgebirgsfreundes Herrn Ritter von
-Dotzauer von dem Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit
-der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner in Prag errichtete
-Spitzenschule, in welcher Idrianer Spitzen kunstgerecht erzeugt
-werden. Nun gehen wir durch die Schlossgasse zu dem nördlich von der
-Stadt gelegenen gräflich Erwein von Nostitz'schen Schlosse. In diesem
-befinden sich zwei alte Bilder, welche Scenen aus dem Graslitzer
-Bergbau darstellen. Auch finden wir hier ein Bild, genannt die grosse
-Dame, von der die Sage erzählt, dass sie in einem der Eckthürme des
-Schlosses lebendig eingemauert wurde. Sämmtliche gräfliche Zimmer
-sind mit prachtvollen Hirschgeweihen ausgeschmückt. Nach einer kurzen
-Wanderung durch den Park, der das Schloss umgibt, kommen wir in eine
-schöne Allee, welche uns zum _gräflichen Thiergarten_ führt.
-
-Kurz vor dem Thiergarten biegt eine Bezirksstrasse nach rechts ab,
-zieht sich durch theilweise schöne Waldungen in auf- und absteigender
-Linie ausserhalb desselben hin und führt bei dem an der Ausgangseite
-des Gartens gelegenen Teiche, von welchem sich ein weiter unten
-bezeichneter Weg nach Schindelwaldel und Rothau abzweigt, vorbei.
-Am Eingange in den Thiergarten (mit Erlaubniss der Forstinspection
-passirbar) stehen zwei Forsthäuser, und von diesen aus ziehen sich
-schöne, wohlerhaltene Wege durch alle Theile des weiten Gartens.
-Hier nehmen wir die herrlichsten und mannigfaltigsten Partien wahr.
-Dichte Fichtenwaldungen wechseln mit den saftigsten Wiesen ab, auf
-denen Heerden von Hochwild weiden. In der Mitte des Thiergartens
-steht malerisch das Jagdschloss, der Sommeraufenthalt der gräflichen
-Familie. Von den Fenstern des Hauptgemaches geniesst man die Aussicht
-auf eine reizende Scenerie des Gartens. Nicht uninteressant ist
-auch die Eremitage, von welcher sich eine schöne Aussicht in das
-Rothauthal eröffnet. Vom Jagdschlosse aus führt eine Strasse nach
-dem nördlichen Ausgange des Thiergartens und schliesst sich da an
-die oberwähnte Bezirksstrasse nach Schindelwaldel und Rothau an. Die
-grossen Eisenwerke daselbst sind sehenswerth. Das erste Werk, zu
-dem wir gelangen, ist die Zinnerei. Im Thale, kurze Strecke weiter
-abwärts, steht der Hochofen mit der Eisengiesserei und unweit davon
-die Dreherei. Nach etwa einer Stunde kommen wir zur Neuhütte. Von
-da aus gelangen wir nach kurzem Gange auf die Kaiserstrasse, die
-von Heinrichsgrün nach Graslitz führt. Beiderseits von hohen Bergen
-eingeschlossen führt uns die bequeme Strasse in das _Annathal_, wo
-der Rothaubach in die aus Sachsen kommende Zwodau mündet. Am rechten
-Ufer der Zwodau liegt der Bahnhof, nach welchem von Heinrichsgrün aus
-zweimal täglich die Post verkehrt. Auf unserer Retour-Wanderung aus
-dem Annathal nach Heinrichsgrün erblicken wir links einen Basaltkegel,
-den _Kernberg_, von dem aus man den grössten Theil der gemachten
-Wanderung übersehen kann. Erwähnenwerth ist noch das Dorf _Altengrün_,
-südlich von Heinrichsgrün gelegen, von welchem aus sich dem Auge eine
-prachtvolle Aussicht in's Egerland darbietet.
-
-4. _Falkenau-*Graslitz_ (mit der Bahn oder zu Fuss über Bleistadt, von
-da über Horn und Heinrichsgrün nach Graslitz).
-
-_Graslitz_, eine freie Bergstadt, in welcher bereits im J. 1370 der
-Bergbau auf Kupfer rege geworden. Im J. 1437 hat Caspar Schlick die
-Herrschaft übernommen. Im J. 1527 ging solche an Hieronymus Grafen
-Schlick durch Kauf über. Im J. 1570 gelangte diese Stadt mit ihren
-bereits bestehenden und durch eine Schlick'sche Bergordnung geregelten
-Bergbauen in den Besitz der gräflich Schönburg'schen Familie.
-August Graf Schönburg erliess eine neue Bergordnung 1601, welche
-grösstentheils der Joachimsthaler nachgebildet ist. Schon damals
-waren 2000 Bergleute, 100 Steiger, beim Baue beschäftigt und eine aus
-zahlreichen Bergbeamten bestehende Berghauptmannschaft aufgestellt. Von
-der damaligen Grossartigkeit der Bergbaue geben die vielen Stollen und
-Halden den besten Beweis. Der Abbau und die Schmelzung der Schliche zu
-Schwarzkupfer geschah durch Gedingarbeit und wurden 3 bis 5% Kupfer aus
-dem Centner Erz herausgebracht.
-
-Graslitz ist jetzt eine bedeutende Industriestadt, zählt nach der
-letzten Volkszählung vom J. 1870 6549 Einwohner. Die verschiedenen
-Industriezweige sind: Musikinstrumenten-, Spitzenerzeugung,
-Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenerzeugung, Bleicherei,
-Färberei, Druckerei. Hervorragende Fabriken: Maschinen-Stickerei,
-Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenfabrik, bedeutende Fabrication für
-Musikblas- und theilweise Streich-Instrumente, Kindermusikinstrumenten,
-Perlmutterknopf-Erzeugung und Fabrication von Mundharmonikas.
-
- =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht,
- k. k. Haupt-Zollamt, k. k. Post- und Telegrafenamt;
- Eisenbahn-Endstation der Buschtiehrader Bahn.
-
- =Gasthäuser=: Kaiser von Oesterreich, Herrenhaus.
- _Restaurationen:_ Räumermühle mit schönem Echo; Kaisergarten
- und zwei an der Bahnhofstrasse.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Die _Pfarrkirche_, in der Kanzel und Taufbecken
-künstlerischen Werth haben. Das Altarbild »Abendmahl Jesu« ist von
-Brandl. Das _Schulgebäude_ der Volks- und Bürgerschule mit dem
-interessanten _*Museum_, Musikschule, welche sich eines bedeutenden
-Rufes erfreut und zur Hebung der Musikinstrumentenfabrication
-wesentlich beiträgt. _Armenhaus_, Spital, Friedhof.
-
-
-Spaziergänge:
-
-Nach dem Hausberg, lohnend wegen der schönen Aussicht. Dort ist die
-_Richardshöhe_ mit einer Gedenktafel, so benannt nach Herrn Ritter von
-Dotzauer, Handelskammerpräsidenten in Prag, einem geborenen Graslitzer,
-der sich um seine Vaterstadt und das ganze Erzgebirge so verdient
-gemacht, dass sein Name in den Blättern der Geschichte dieses Gebirges
-für ewige Zeiten mit goldenen Lettern eingegraben bleiben wird. Gleich
-darüber befindet sich auf der Sängerhöhe ein Obelisk und unweit davon
-ein Gloriett, von dem aus wir einen herrlichen Ausblick über die
-Umgebung geniessen.
-
-Auf dem Hausberg stand einst ein Raubritterschloss, das im J. 1412 von
-Tuchknappen und Metzgern aus Eger zerstört wurde. Ueberreste eines
-Brunnens sind die letzten Spuren dieses Schlosses.
-
-Auf dem Glasberge, welcher dem Hausberge gegenüber liegt, befinden sich
-im »Holzhau« zwei auf einander liegende Granitblöcke, die Quarkquetsche
-genannt, welche sich der Sage nach bei einem heftigen Sturme bewegt
-haben. Nicht weit vom »Holzhau« befinden sich die Katzenfelsen,
-zwei aus Granitsteinen aufgethürmte Hügel, und weiter in gerader
-Linie kommen wir in die Nähe der Stadt und zum »Gesteinlicht«, einem
-spitzigen Felsen, wo sich uns ein herrlicher Blick über die Stadt und
-das Zwodauthal eröffnet.
-
-Die Partie von Graslitz auf den _*Muckenbühl_ (¾ St.) 944 m hoch, ist
-zu empfehlen; man erreicht seine 470 m über dem Zwodauthale liegende,
-mit grossen Granitblöcken übersäete Kuppe ohne alle Anstrengung, da
-seinerzeit der Herr Graf Nostitz von Heinrichsgrün Stufen einhauen
-liess. Dieser interessante Berg gewährt eine hübsche Aussicht, die
-nach Osten bis zum Sonnenwirbel, nach Südost über das nahe Schönlind
-und Kohling hinweg nach Karlsbad reicht und darüber hinaus noch
-den Phonolithberg Engelhaus mit der grossartigen, weit sichtbaren
-Burgruine und das Giesshübler Schloss erkennen lässt.
-
-Südwestlich von Graslitz (1 St.) liegt _Schönau_ mit der
-Wallfahrtskirche zum hl. Jakob dem Grösseren. Ein im J. 1688 gedrucktes
-und hier aufbewahrtes Gebetbuch gibt einen dunklen Aufschluss über
-diesen Gnadenort. Interessant sind die um die Kirche gepflanzten, sehr
-alten Linden.
-
-
-Touren:
-
-_Graslitz-*Klingenthal_, unmittelbar an der Grenze, wird durch das
-Zwodauthal in ¾ St. erreicht.
-
-_Klingenthal_ 576 m Seehöhe, hat 2700 Einwohner.
-
- =Gasthöfe=: Brauner Hirsch, zum alten Schloss, zur Post, zum
- heiteren Blick, vulgo das Lämpl, mit Aussicht, die Hacke
- (originelles und stark besuchtes Local mit vorzüglichem
- böhmischen Bier und Wein in unmittelbarer Nähe des sächsischen
- Zollamts -- gehört zu Markhausen in Böhmen).
-
-Klingenthal liegt am Zusammentreffen des Zwodau- und Brunndöbrathales
-und unmittelbar an der böhmischen Grenze, ist in seinen Haupttheilen
-stadtähnlich gebaut und macht mit seiner romantischen Umgebung einen
-sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher. Es ist hochinteressant
-durch seine eigenartige Industrie: Es fertigt jährlich Millionen von
-Mundharmonikas, Accordions, Concertinos etc. und versendet sie in die
-entferntesten Länder. Hauptfirmen: Dörfel, Steinfelser, C. G. Herold
-und E. Leiterd in Brunndöbra.
-
-Obwohl Klingenthal zweifellos ein Ort jüngeren Ursprungs ist, so lässt
-sich doch die Zeit seiner Entstehung nicht nachweisen. Ursprünglich
-war ein Eisenhammer hier, wegen der Lage in dem von steilen und
-dunkel bewaldeten Bergen umgebenen Thalkessel »Höllenhammer« genannt,
-wie überhaupt die ganze Thalsenke in früheren Zeiten mit dem Namen
-»Hölle« bezeichnet wurde. Der Ort Klingenthal soll durch böhmische
-Exulanten, die nach der Schlacht am Weissen Berge (1620) ihr Vaterland
-verlassen mussten, entstanden und sowohl seinen Namen als auch sein
-rasches Aufblühen einem Einwohner Namens Klinger zu verdanken haben.
-Wahrscheinlich begründeten die Exulanten auch die heimische Industrie.
-
-Von Klingenthal lässt sich bequem der _Aschberg_ besuchen. Der nächste
-Weg ist die Auerbacher Strasse bis zur Postwartehalle in Brunndöbra.
-Bei jeder neuen Biegung müssen wir den hochromantischen Charakter
-der ganzen Landschaft bewundern. Hier zweigt nach rechts der sog.
-Staffelweg ab nach dem Schloss Obersachsenberg im Dorfe gleichen
-Namens. Die Häuser dieses Ortes liegen zerstreut auf sonniger Höhe,
-sind klein und unscheinbar, aber bewohnt von einer arbeitsamen und
-genügsamen Bevölkerung. Nicht selten sieht man an den kleinen Fenstern
-der niedrigen Stübchen -- wie überhaupt im östlichen Vogtland -- den
-Vogelbauer mit dem Hänfling oder Stieglitz oder mit dem unvermeidlichen
-_Grünitz (Kreuzschnabel), der nach dem Glauben der Mütter die »Krämpfe
-der Kinder anzieht.«_ Von Obersachsenberg ab ist der Weg nicht mehr
-zu fehlen; das Ziel ist bereits sichtbar. _Der Aschberg, 925 m, liegt
-hart an der Grenze auf böhmischer Seite und ist Station der königl.
-sächsischen Triangulirung._ Das Steingerölle lässt uns die geologischen
-Bestandtheile des Berges, den Granit erkennen. Die Aussicht ist
-eine sehr umfassende und vorzügliche, nur sind die Hauptobjekte mit
-Ausnahme des tief eingeschnittenen Zwodauthales mehr in die Ferne
-gerückt. Unter den bewaldeten Höhen im Nordwesten ragt der langgezogene
-Rücken des _Kiel_ (861 m) bei Friedrichsgrün hervor; in der im Norden
-ausgebreiteten Waldregion tritt der obere Theil von Schönheida
-deutlich heraus. Im Osten zeigen sich bewaldete Berge, im Süden viele
-hochgelegene böhmische Orte, im Südwesten die vordere Gruppe des
-Fichtelgebirges und ganz nahe das bereits erwähnte Zwodauthal.
-
-Von _Klingenthal_ nach _Markneukirchen_ (mit der Bahn und dann retour).
-
-_Markneukirchen_, Stadt, 504 m Seehöhe, 4600 Einwohner.
-
- =Gasthöfe=: Zum Rathskeller, zur goldenen Krone, Restauration
- von Paulus mit Gartenanlagen, Schützenhaus, Bahnhofrestauration.
-
- =Eisenbahnverbindung=: gegen Klingenthal, Adorf, Elster, Eger
- und nördlich gegen Leipzig.
-
-_Markneukirchen_ ist die südlichste Stadt Sachsens und liegt zu beiden
-Seiten des Schwarzbaches. Die Stadt ist Mittelpunkt der Vogtländischen
-Blas- und Streichinstrumenten- und Darm-Saiten-Fabrication. Die Firmen:
-Michael Schuster jun., Paulus & Schuster u. a. haben überseeische
-Handelsverbindungen und ihre Waaren beherrschen trotz der französischen
-und italienischen Concurrenz den Weltmarkt. Musikschule -- Badeanstalt.
-Die Stadt hat nach dem Brande von 1840 ein ganz anderes schöneres
-Gepräge erhalten. Der Ursprung derselben ist in völliges Dunkel
-gehüllt. Der Ort, der erst aus 17, nach anderen nur aus 3 Häusern
-bestanden haben soll, scheint ursprünglich nicht zum dobenauischen
-Gebiet gehört zu haben, sondern es muss erst im 12. Jahrh. an die Vögte
-gekommen sein. Ursprünglich soll es Nieweekirchen geheissen haben,
-woraus dann Neukirchen und zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten
-Mark- d. h. Grenz-Neukirchen entstanden sei. Eine andere Vermuthung
-leitet den Namen von »Markt« ab.
-
-Markneukirchen kommt zuerst 1357 als ein an die Markgrafen abgetretenes
-Städtlein Neuenkirchen vor. Im Jahre 1360 erhalten die Kaufleute des
-Ortes durch den Landgrafen Balthasar dieselben Rechte, wie die zu Adorf
-und Oelsnitz, der Ort muss also schon von einiger Bedeutung gewesen
-sein.
-
-Das Bässe- und Geigenmachen soll 1580 durch böhmische Exulanten --
-namentlich aus Schönbach und Graslitz -- nach Markneukirchen gebracht
-worden sein.
-
-_Graslitz-Schneckenstein-Schwaderbach_ und über Brunndöbra,
-Sachsenberg, Klingenthal und Markhausen retour. Wer eine mineralogische
-Merkwürdigkeit nicht unberührt lassen will, muss von Graslitz aus
-den Schneckenstein besuchen. Derselbe gehört Sachsen an und liegt
-2½ St. nördlich von Graslitz. Der Fussgänger mag seinen Weg über
-Eibenberg nehmen, wo er die Bergwand mit riesigen Halden, den
-Zeugen eines ehemals schwunghaften Baues auf Kupfererze, bedeckt
-sieht und kann hinter Schwaderbach nebenbei den »_Aschberg_« (siehe
-Klingenthal-Aschberg) besteigen. Von Schwaderbach über Ober-Sachsenberg
-müsste er nach Steindöbra hinab, auf der nach Nord ziehenden Strasse
-weiter, dann links ab in die Wälder, wo er _ohne Compass und Führer_
-den versteckten _Schneckenstein_ gewiss nicht findet. Derselbe ist ein
-Topasfels; in vielen Lehrbüchern der Mineralogie wird seiner gedacht,
-und man soll etwas Aehnliches erst im Ural wiederfinden. Früher hat die
-sächsische Regierung hier Topasse suchen lassen, jetzt kann sich jeder
-nach Belieben ein Andenken aus dem Gestein herausklopfen und mitnehmen.
-Auf dem Rückwege würde der Wanderer die sächsischen industriereichen
-Ortschaften Brunndöbra, Sachsenberg und Klingenthal, auf böhmischer
-Seite Markhausen berühren. Wer eine Fahrgelegenheit benützen will, kann
-den grössten Theil des Weges auf guter Strasse zurücklegen.
-
-_Graslitz-Forsthaus Nancy-Sauersack-*Kranichsee-Hirschenstand_ --
-retour über Schönlind nach Graslitz.
-
-Im Hochsommer bei trockener Zeit ist es eine eigenthümliche Lust, die
-Moorgründe des höheren Gebirges zu besuchen und zwischen Knieholz
-(Sumpfkiefer) über schwankenden Boden zu wandern.
-
-Den Botaniker interessiren da die dem Torfmoore eigenthümlichen
-Pflanzen. Von Graslitz führt eine gute Strasse das Thal des
-Silberbaches aufwärts in einem hübschen Waldthalkessel zu der in
-anmuthender Waldeinsamkeit gelegenen Försterei »Nancy« und von da
-nach _Sauersack_. Von hier aus wäre ein _kundiger_ Führer mitzunehmen
-und der _Kranichsee_ zu besuchen. Es ist kein echter See, sondern
-eine grosse _Hochmoorfläche_, in deren Torf- und Moosboden das
-Knieholz wuchert. Solche Moore sind grosse Wasserbehältnisse, da
-ihr schwammiger Boden begierig die Feuchtigkeit einsaugt und nur
-langsam wieder von sich gibt. Nach Delitsch enthält ein Moor, wie der
-Kranichsee, vollständig mit Wasser gesättigt, so viel Wasser, dass
-es _ein_ ganzes Jahr lang in jeder Secunde 10 Centner Wasser liefern
-könnte, ehe es seinen Wasservorrath erschöpfte. Drei Bäche entfliessen
-ihm.
-
-In die Knieholzregion können wir auch leicht von Sauersack aus auf der
-nach _Hirschenstand_ führenden guten Strasse kommen.
-
-_Hirschenstand_, Dorf, 1200 Einwohner, welche sich mit Spitzenklöppeln
-und der Buntstickerei beschäftigen.
-
-=Ausflug=: Sehr empfehlenswerth ist die Besteigung des 1½ St.
-entfernten, in Sachsen bei Wildenthal gelegenen _Auersberges_, 1021 m,
-des zweithöchsten Berges in Sachsen, der eine majestätische Lage hat
-und eine herrliche Aussicht in's Vogtland, in die Muldengegend, in das
-sächsische Niederland und das Erzgebirge bietet.
-
-Gegen _Frühbuss_ (1 St. südwestlich von Hirschenstand) können wir die
-Torfgewinnung beobachten und, wie Prof. Laube sagt, die Verwandlung
-der lebenden Pflanzen bis zur Bildung des reinen braunglänzenden
-Specktorfes Schritt für Schritt verfolgen.
-
-_Frühbuss_, Stadt, 1400 Einwohner, welche Bobbinet-Stickerei und
-Spitzenklöppelei treiben.
-
- =Gasthäuser=: Städtisches Gasthaus, Franz Baumgartls und
- Leander Baumgartls Gasthaus.
-
-=Aussichtspunct=: Hartenberg (20 Minuten entfernt), bietet eine
-herrliche Aussicht im Osten gegen den Sonnenwirbel, nach Südost bis
-Engelhaus über Falkenau und Karlsbad, nach Südwest über das Egerland
-bis Franzensbad, nach Nordwest bis Bayern und Sachsen, und nach Nord
-erblickt das Auge noch Auersberg in Sachsen.
-
-Wer zu Wagen kommt, wird von Frühbuss aus über Schönlind und Rothau
-nach Graslitz zurückkehren; wer sich aber für Basaltberge interessirt,
-wird in Unter-Rothau halten und den _Flössberg_ und _Illmesberg_
-besuchen, wo der Basalt in schönen Säulen ansteht, beim ersteren Berge
-auch in sphäroidischer Absonderung gefunden wird.
-
-
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-C. Besuch des böhmischen Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von
-Karlsbad aus.
-
-
-
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-Karlsbad.
-
-
- =Gasthöfe.= Karlsbad besitzt zahlreiche, comfortabel
- eingerichtete Hôtels: Hôtel »_goldenes Schild_« mit den dazu
- gehörigen Gebäuden: »_Erzherzog Stephan_«, »_zwei deutsche
- Monarchen_« und »_Gartenhaus_«; »_Hôtel Anger_«, nahe dem
- Theater, Hôtel »_zum österreichischen Hof_« (Neue Wiese);
- »_Hôtel Hannover_« (Markt); »_Hôtel drei Fasanen_« und »_Hôtel
- Erzherzog Karl_« (Kirchengasse); »_Hôtel Hopfenstock_«, »_Hôtel
- Loib_« und »_Rheinischer Hof_« (Geweidiggasse); Gasthof
- »_zum goldenen Schwan_« (Kreuzgasse); »_Hôtel Paradies_«,
- »_Hôtel Morgenstern_« (Kaiserstrasse); Wiesingers »_Hôtel
- National_« (Gartenzeile); »_Hôtel Donau_« (Parkstrasse);
- »_Hôtel baierischer Hof_« (Egerstrasse); »_Hôtel Lyon_«
- (Bahnhofstrasse).
-
- =Restaurationen= u. =Speisehäuser=. »_Curhaus_« (Quai), »_Salle
- de Saxe_« (Alte Wiese), »_Restauration Pupp_« (Pupp'scher
- Park), »_Sanssouci_« (am Kiesweg), »_Blauer Stern_« (Prager
- Gasse), »_Römer_«, »_Stadt Leipzig_« und »_Rother Ochs_«
- (Geweidiggasse), »_am Rhein_« (Andreasgasse), »_Bellona_«
- (Schlossplatz), »_Schützenhaus_«, »_Friedrich-Wilhelmsthal_«
- (hinter der alten Wiese), »_Königshof_« (Wiesenberg),
- »_Liederhalle_« (Schulgasse), »_Elisium_« (Panoramastrasse).
-
- =Caféhäuser= (die beliebtesten): »_Café Elefant_« (auf der
- Alten Wiese), »_Pupp's Café-Salon_«, »_Zur Stadt Hamburg_«
- (Kreuzgasse), im »_Panorama_«.
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- =Postamt= am Markte. =Telegraphenamt= mit Nachtdienst (im
- Postgebäude).
-
- =Haupt-Zollamt= (Egerstrasse).
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- =Photographische Ansichten= von Karlsbad und Umgebung in den
- Buchhandlungen von Hans _Feller_ (Mitte der alten Wiese zur
- »Eiche«, und Mühlbadgasse zu »3 gold. Sterne«).
-
- =Zeitungslese-Salon= im Curhause.
-
- =Directe Eisenbahn-Verbindungen= mit dem ganzen Continente.
-
- Karlsbad ist Station der Buschtiehrader Eisenbahn (Böhmische
- Nordwestbahn). Nach einer Reihe grösserer Städte verkehren ab
- Karlsbad _directe_ Wagen.
-
- =Lohnfuhrwerke.= _Omnibusse_: Vom Bahnhof in die Stadt 40 kr.,
- Handgepäck frei. _Droschken_ (Einspänner): Vom Bahnhof in die
- Stadt 1 fl. 20 kr., (50 Kilo Gepäck frei). Vor 6 Uhr Morgens u.
- nach 9 Uhr Abends sind die Taxen etwas höher. Für Lohnfuhrwerke
- besteht eine besondere behördlich genehmigte Taxordnung.
- Dieselbe ist abgedruckt im »Karlsbad im Portemonnaie.« Pr. 20
- kr.
-
- =Omnibusfahrten= (täglich) nach _Pirkenhammer_, _Aich_,
- _Dallwitz_ u. »Giesshübler Sauerbrunn«.
-
- =Postverbindung= nach Petschau täglich 1mal
- " Buchau " 1 "
- " Bärringen " 1 "
- " Neudek " 2 "
-
- =Privatwohnungen.= Diese sind durchwegs mit Comfort
- eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so
- grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt
- herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel.
-
- =Aemter.= Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II.
- Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock),
- Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus,
- Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro.
- 4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai),
- Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«).
-
-=Beschreibung und Geschichte der Stadt.= Die weltberühmte Curstadt
-_Karlsbad_, oder _Kaiser-Karlsbad_ (Karlovy Vary, Thermae Carolinae),
-in älteren Urkunden auch _Warmbad_, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl.
-Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über
-der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch
-zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen
-am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am
-rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in
-die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener
-Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen
-Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind
-2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern
-versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die
-Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen
-berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz
-für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die
-Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der
-beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen
-umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. -- _Die
-schönsten Stadttheile sind_: Die _alte Wiese_ mit dem daranstossenden
-_Goetheplatze_ und das _Puppsche Etablissement_, die _Marienbader
-Strasse_ mit der damit zusammenhängenden _neuen Wiese_ und dem Dr.
-_Becherplatze_, ferner der _Marktplatz_, der _Schlossberg_, die
-_Parkstrasse_ und die _Gartenzeile_. -- Alle Hauptstrassen haben sehr
-gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von
-welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und
-Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit
-ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick.
--- Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz
-über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht
-mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu
-verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe
-diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich
-als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist
-der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen.
-Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die
-hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung
-dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in
-der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher _heisse_,
-_warme_ und _kühle Quellen_. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne
-charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird
-sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die _Bäder_ werden mit
-oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten
-Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch _Dampfbäder_,
-kalte und warme _Douchen_ (Mineraldouchen), _Süsswasserbäder_, ferner
-_Moorbäder_ (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager
-der Stadt), _Eisenbäder_ aus der Karlsbader Eisenquelle, _kohlensaure
-Wasser- und Gasbäder_ von dem sogenannten Sauerbrunn. _Ziegenmolken_
-werden an den Quellen verabreicht. -- Die _Mineralwässer_ sowie die
-Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können
-bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch
-die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen
-werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen
-der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für
-Karlsbad anzusehen. Krankheiten des _Magens_: Chronischer Magenkatarrh,
-Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung;
-des _Darmes_: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle
-Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der _Milz_:
-Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie
-sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten);
-der _Leber_: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des
-Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine;
-der _Nieren und Harnorgane_: Chronischer Katarrh derselben, Nieren-
-und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach
-Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von
-Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren);
-der _Prostata_: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen
-im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der
-Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; _Gicht_: Skrophulose, Asthma,
-wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im
-Herzen bedingt ist; _Fettleibigkeit_, Unterleibsplethora; _Diabetes
-mellitus_ (Zuckerharnruhr). _Alle jene Krankheiten, welche als Folge
-von Blutstockungen im Unterleibe auftreten_ (wenn diese nicht in
-Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet
-sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für
-Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation
-befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie
-vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend;
-sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und
-Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde.
-
-Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer
-einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten
-Raume entspringen. 1. Der _Sprudel_, am rechten Ufer der Tepel, mitten
-in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die
-älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich
-durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen
-brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5
-Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale
-senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen
-Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in
-ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren
-Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die
-Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende
-Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten
-werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte
-_Colonnade_ und _Quellenhalle_ nach Plänen der Wiener Architekten
-_Fellner_ und _Hellmer_ vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko
-mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade
-repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei
-welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender
-architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur
-Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit
-26 Badelogen an. 2. Die _Hygieensquelle_ (58·2° R.), in der Nähe des
-Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die _Hygea-Statue_, ein Werk
-des berühmten Bildhauers _Fernkorn_. 3. Der Sprudelsäuerling (25°
-R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden
-sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser _Karls_ IV. Quelle
-(34·7° R.); 5. der _Marktbrunn_, beide am Marktplatze; der Reihe nach
-stromabwärts folgen: 6. der _Mühlbrunn_, am Ende der Mühlbadgasse,
-wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof.
-_Zitek_ aus Prag) vollendeten griechischen _Säulenhalle_, der sog.
-_neuen Mühlbrunnencolonnade_ verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler
-Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der _Neubrunn_
-(49·3° R.), 8. Der _Bernardsbrunn_, 9. die _Elisabethquelle_ (35·5°
-R.), 10. die _Felsenquelle_, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6°
-R.), 11. der _Curhausbrunn_ (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die
-Dr. _Hochbergerquelle_ (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der
-_Kaiserbrunn_ (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die _Spitalquelle_
-(28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der _Theresienbrunn_ (48·3° R.)
-oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria
-Theresia; rechts davon das _Körner-Denkmal_; 16. der _Schlossbrunn_
-(44·6° R.) am Schlossberg, 17. die _Quelle zur russischen Krone_ (28°
-R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst.
-
-Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner
-Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer
-Eigenthümlichkeit »_Karlsbader Industrie_« genannt wird. Zu dieser
-gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung
-mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln,
-Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden
-die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet.
-Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus
-Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens
-die Fabrication von Blumenbouquets.
-
-=Sehenswürdigkeiten.= _Kirchen und Andachtsstätten_: Die _St.
-Magdalenenkirche_ oder _Dechanteikirche_ (auf dem Kirchenplatz) wurde
-von dem böhmischen Baumeister _Dienzenhofer_ in den Jahren 1732--1736
-auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser
-Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen
-alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria
-Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern.
--- Die _Kirche zum hl. Andreas_ (in der Andreasgasse) mit einem
-werthvollen, dem berühmten _Leonardo da Vinci_ zugeschriebenen
-_Altarbild_, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche
-befindlichen _Gottesacker_ stehen mehrere denkwürdige _Grabsteine_,
-von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten _Dr. David
-Becher_ (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des _Musikers
-und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart_ (gest. am 30. Juli 1844),
-des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. -- Die
-_Marienkapelle_ (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet
-1700 vom Grafen Sternberg. -- Die _protestantische Kirche_ und das
-_griechische Bethaus_ (in der Marienbader Strasse). Die _anglikanische
-Kirche_ (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue _Synagoge_ (in der
-Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau
-derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe _Wolf_ aus
-Stuttgart gefertigten Plane vollendet.
-
-=Oeffentliche Gebäude=: _Stadthaus_, bis vor kurzem Mühlbadgebäude
-genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl
-der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende _Stadtthurm_,
-welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV.
-erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das _Bezirksamtsgebäude_,
-das _Post-_ und _Telegraphenamt_, das _Hauptzollamtsgebäude_ (wurden
-schon an anderen Stellen erwähnt). Das _Theater_ (an der neuen Wiese).
-Die _Volksschule_ (in der Schulgasse). Die _zweite Volksschule_
-(an der Egerstrasse). Die _Bürgerschule_ (am Schillerplatze). Die
-_Sprudelcolonnade_ und die _Mühlbrunnencolonnade_ (wurden bereits
-an anderer Stelle erwähnt). Die _Marktbrunnhalle_. Die _Trinkhalle_
-am Schlossbrunnen. Das grossartige _Curhaus_ mit 75 Badelogen, 8
-Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem
-Curhause gegenüber erbaute _Neubad_. Das _Militär-Badehaus_ (am Quai)
-mit sehenswerther _Kapelle_ und sehenswerthem _Speisesaale_. Erstere
-enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler
-_Kandler_ und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem
-Marmor von dem Bildhauer _Wenzel Lewy_ in Rom; im Speisesaal ziehen
-das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein
-grosses Oelgemälde von _Kandler_, die Entdeckung Karlsbads vorstellend,
-dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere
-Aufmerksamkeit auf sich. Das _Fremden-Hospital_ (am Quai).
-
-»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im
-Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen
-selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den
-sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog.
-Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden
-ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses
-steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der
-Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger,
-in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.«
-
-Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer
-Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem
-Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen
-Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen
-»Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal
-hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im
-heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger
-herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben
-soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines
-Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und
-1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des
-Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad
-herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen
-und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse
-dafür, _dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand_ und
-wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts
-durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet
-worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt,
-und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte
-Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei
-kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals
-bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von
-dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen
-findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort _Wary_
-vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter
-welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich
-genannt wird.
-
-Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert
-vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben
-muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum
-vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV.,
-Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl
-IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der
-_Mäcenas_ von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob
-mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt,
-verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte
-wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen
-grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh
-König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde
-durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen
-Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren
-das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in
-Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky
-sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf
-Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I.
-zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone
-Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet.
-
-Das _erste_ schriftliche Zeugnis über die grosse Heilkraft dieser
-Thermen liefert der Dichter _Bohuslav von Lobkowitz_ in seiner schönen
-lateinischen Ode: In thermas Caroli IV., die er vor dem Jahre 1510
-verfasste. Bis zum Jahre 1520 hat man die Karlsbader Quellen nur zu
-Bädern benützt. Um diese Zeit führte man auf Anrathen des Dr. _Payer_,
-der i. J. 1522 die _erste_ medicinische Abhandlung über Karlsbad
-erscheinen liess, auch die _Trink-Kuren ein_. Die erste richtige
-_physikalisch-chemische_ Untersuchung der Karlsbader Mineral-Quellen
-wurde durch den berühmten Dr. _David Becher_ i. J. 1766 angestellt.
-Obgleich die Stadt von mancherlei Unglücksfällen betroffen wurde -- wir
-nennen blos die grosse Überschwemmung i. J. 1582 und die schreckliche
-Feuersbrunst am 13. August 1604, wodurch die Stadt bis auf drei
-Häuser zerstört wurde -- so steigerte sich ihr Wohlstand derartig,
-dass sie benachbarte Herrschaften kaufen konnte. Im Jahre 1554 wurden
-die Bewohner von Karlsbad lutherisch und blieben es, bis der letzte
-Pastor Johann Rebhun am 24. August 1628 mit allen Einwohnern, welche
-nicht zur katholischen Lehre zurückkehren wollten, die Stadt verlassen
-musste. Der unheilvolle dreissigjährige Krieg verschonte auch Karlsbad
-nicht, das viel durch Einquartierungen, Brandschatzungen u. dgl. zu
-leiden hatte. Erwähnenswerth ist, dass Kaiser Josef I. i. J. 1707
-Karlsbad zu einer königlichen freien Stadt erhob, und dass Kaiser
-Karl VI. bei seinem Aufenthalte in der Stadt 1732 der Bürgerschaft
-15.000 fl. Quartiergeld und 1000 Ducaten zum Baue einer neuen Kirche
-schenkte. Trotz aller Drangsale, die Karlsbad seit der zweiten Hälfte
-des 18. Jahrhunderts theils durch Ueberschwemmungen (1735, 1784,
-1806, 1821, 1867, 1870, 1872 und 1876), theils durch Kriegsereignisse
-(1741 und 1742, 1757 und 1762, 1809 und 1813, 1866), theils durch
-Sprudelausbrüche (1713, 1727, 1824, 1832, 1834, 1835, 1838, 1845, 1855,
-1856 und 1878), theils durch Brände (1759) betroffen, blühte die Stadt
-durch immer grössere Frequenz, sowie durch treffliche Einrichtungen
-und Entdeckungen zu einem weltberühmten Heilbade empor. Karlsbad
-war noch im Jahre 1650 ein kleines Landstädtchen mit Holzhäusern
-und Riegelwandgebäuden; erst seit dem Jahre 1827 zeigte sich das
-Streben, die Stadt zu verschönern. Wahrhaft _Grossartiges_ geschah in
-dieser Beziehung in den letzten Jahren; denn _Karlsbad ist jetzt eine
-Stadt von Palästen_. Es ist, wie Dr. _Eduard Hlawaček_, der überaus
-verdienstvolle Schriftsteller über Karlsbad, ganz zutreffend bemerkt,
-gegenwärtig sowohl in Betreff seiner Trink- und Badeanstalten, als
-auch der Wohngebäude, öffentlichen Promenaden und Belustigungslocale
-unstreitig einer der grössten und comfortabelsten Trink- und Badeorte,
-und sein Ruf als _Heilort_ ist nicht bloss ein europäischer, sondern
-ein fast über die bekannte Erde verbreiteter. Karlsbad wird daher oft
-die _Königin_ der Curorte genannt, eine Benennung, die es nicht bloss
-wegen der Ausdehnung der Stadt, der grossen Frequenz, besonders auch
-wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Umgebungen, vor allem
-aber wegen der unbestrittenen grossen Heilkraft seiner Quellen und des
-imposanten Naturschauspieles seines heissen Sprudels wohl mit Recht
-verdient! -- Es ist das »Nobelbad« par excellence; als solches zählte
-es von jeher unter seinen Curgästen nicht nur _gekrönte_ Häupter,
-sondern auch Minister und Feldherren, Dichter, Künstler und Gelehrte
-oder sonst wie hervorragende Persönlichkeiten. Wir nennen nur: Czar
-Peter den Grossen, Kaiser Karl VI., Kaiser Josef II., Kaiserin Maria
-Ludovika, Kaiser Franz I. von Oesterreich mit seiner Tochter, Königin
-Maria Louise von Frankreich, König Friedrich Wilhelm III., König
-Wilhelm von Preussen, jetzigen Kaiser von Deutschland, das Kaiserpaar
-von Brasilien; Bohuslaw von Lobkowitz, Ferdinand, Erzherzog von
-Oesterreich mit seiner Gemahlin, der »schönen Welserin«; Albrecht von
-Waldstein, Prinz Eugen, Laudon, Fürst Karl Schwarzenberg und Fürst
-Blücher; Gellert, Herder, Goethe, Schiller, Theodor Körner; Beethoven,
-den Violinvirtuosen Polledro; Fürst Metternich. -- (Aus neuer und
-neuester Zeit) Laube, Geibel, Auerbach, Ad. Stifter, K. E. Ebert, Fr.
-Halm, Erzbischof Pyrker, David Strauss; Fürst Bismarck und Moltke.
-Mit Recht sagt der Schriftsteller _Anton August Naaff_: »In und um
-Karlsbad ist fast jedes Fleckchen Erde historisch, und selten hat die
-politische, die Cultur- und Personalgeschichte an einem anderen Orte
-so viele und grosse Merkzeichen ihres Waltens eingeschrieben, wie
-bei Karlsbad. Auf Schritt und Tritt stossen wir auf die Spuren eines
-grossen Namens der berühmtesten Männer ihrer Zeit.«
-
-Karlsbad ist der Geburtsort folgender hervorragender Männer:
-
-_Fabian Summer_, Dr. der Medicin. Dr. _David Becher_, Karlsbader
-Hippokrates genannt. (Schon erwähnt.) _Leopold Stöhr_, geb. den 22.
-Mai 1769, gest. am 26. März 1834 als Dechant zu Karlsbad, verdient mit
-vollem Rechte den Namen des »Historiographen« von Karlsbad. _Franz
-Pittrof_, geb. 1738 und starb als Grossmeister des Kreuzherrenordens
-zu Prag. Der Thiermaler _Peter_, geb. 1745, gest. 1829 zu Rom.
-Der Musikdirector _Josef Labitzky_. Der Orientalist Dr. _August
-Pfitzmeier_, geb. 16. März 1808. Dr. _Eduard Hlawaczek_ (gest. 1880).
-Dr. _Anton Bermann_ (gest. 1878). Dr. _Franz Damm_ (gest. 1870) u. a. m.
-
-
-Spaziergänge:
-
-Die Umgebung von Karlsbad, eine wahrhaft romantische, paradiesische
-Gebirgsgegend, besitzt zahlreiche, vortrefflich angelegte Spaziergänge
-mit schönen abwechslungsvollen Aussichtspunkten, geschmackvollen
-Monumenten, Gedächtniss- und Ruheplätzen und gleicht einem
-prachtvollen, im grossartigen Style angelegten englischen Parke.
-
-1. Die _*alte Wiese_ mit dem Marktplatze. Den Marktplatz zum
-Ausgangspunkte nehmend, gehen wir auf der _alten Wiese_ entweder
-im Schatten der Kastanienbäume auf dem schönen, glasbedeckten
-Steinfusssteige vor den Boutiquen, oder an der Häuserreihe auf
-ebenfalls sehr gutem Steinfusssteige bis zur Allee hinter dem
-böhmischen Saale auf und ab. _Dieser Spaziergang gewährt unstreitig
-die meiste, abwechslungsvollste Unterhaltung._ Zu beiden Seiten _viele_
-Kaufläden mit den _verschiedensten_ Artikeln aus der Heimat und
-fremden, fernen Ländern; weshalb dieser Stadttheil den vollberechtigten
-Namen »_Bazar_ von Karlsbad« verdient. Ueberdies versammelt sich hier
-das Publikum zweimal des Tages (Vormittags nach dem Brunn, Abends
-zwischen 6 und 9 Uhr) und spielt das Labitzky'sche Musikchor öffentlich
-in der Woche: Sonntag, Dienstag und Donnerstag Nachmittags von 4 bis
-6 Uhr auf dem Platze vor dem Pupp'schen (früher _böhmischen_ Saal
-genannt) und Mittwoch und Freitag (im Hochsommer) Abends von ½8 bis
-9 Uhr auf dem Götheplatze vor dem sächsischen Saale die herrlichsten
-Weisen. Die Wiese kann also in dieser Beziehung auch »der _Salon_ von
-Karlsbad« genannt werden.
-
-2. _Zum *Posthof_ (½ St.), _Freundschaftssaal_ (¾ St.) und
-_Kaiserpark_. Dies ist der _angenehmste, daher auch der besuchteste
-Spaziergang_, weil er ohne Steigung auszuführen ist und prachtvolle
-Landschaftsbilder bietet. Am Ende der alten Wiese wandelt man,
-Pupp's grossartiges Etablissement rechts lassend, in die _Pupp'sche
-Allee_, der sich der sehr belebte _Kiesweg_ anschliesst. Dieser
-erstreckt sich bis zur Karlsbrücke und ist rechts von Felswänden,
-die mit Inschriften bedeckt sind, begrenzt. Ueber einer Felsengrotte
-erhebt sich der _Rasumovska-Sitz_, links dicht am jenseitigen Ufer
-bemerkt man einen _Wasserthurm_; eine kurze Strecke weiter gelangt
-man rechts auf einer kleinen Erhöhung zu einem mit einem Eisentisch
-und Eisenbänken ausgestatteten Plätzchen, dem _Fürst Rohan-Sitz_.
-Gleich daneben der _Kaiserin-Sitz_, dem Andenken der Kaiserin Maria
-Ludovika (1810) gewidmet. Nicht weit davon gelangt man zur Restauration
-»_Sanssouci_«. Wir schreiten weiter und sehen auf einem Felsvorsprunge
-den _Paulinen-Sitz_. Von hier Anblick in das enge Teplthal. Die
-_Karlsbrücke_ links lassend, wandeln wir eine kleine Viertelstunde
-weit und langen am _Posthofe_, einer Restauration mit schönen
-Gartenanlagen an, wo Montag und Freitag Nachmittags von 4--6 Uhr das
-Labitzky'sche Orchester spielt. Vom Posthofe aus führt etwas bergan
-eine Obstallee zum Fürst _Schwarzenberg-Denkmal_, einem, dem berühmten
-Sieger bei Leipzig errichteten Obelisk. Weiter die Fahrstrasse
-entlang wandernd, zeigt sich _links_ die sogen. _Plobenbrücke_, nach
-dem _Plobenberg_ führend, _rechts_ die _Antonsruh_ und dann der
-sehr beliebte _Freundschaftssaal_ (Restauration und Café). Davon in
-geringer Entfernung liegt der _Sitz der Freude_. Wir gehen über den
-Steg an das jenseitige Flussufer und gelangen, die Strasse verfolgend,
-nach ¼ Stunde zu der herrlich gelegenen und elegant eingerichteten
-Café-Restauration, welche _Kaiserpark_ heisst.
-
-3. _Nach dem *Hirschensprung._ Vom Markte aus gelangt man einige
-Schritte hinter dem Schlossbrunn links über einige Stufen in die
-Hirschensprunggasse. Am Ende der Häuser führt neben dem Hause »Zur
-Zufriedenheit« der Weg. An der zweiten Krümmung sind drei Wege:
-_rechts_ der _Jubiläumsweg_, der zu dem einsamen Plätzchen: »_Himmel
-auf Erden_« führt, der _mittlere_ leitet uns zur _Gemse_, weiter zu
-_Mayers Gloriett_; _links_ steigen wir in einigen Windungen auf den
-Bergrücken des _Hirschensprunges_, dessen äusserste Spitze mit einem
-Kreuze geziert ist. Hier _wunderschöne Aussicht_ auf den grössten Theil
-der Stadt, den Helenenhof, die Prager Kunststrasse, den Dreikreuzberg,
-sowie auf das Erzgebirge und in's Egerthal. An der Rückseite des
-Felsens ist eine schwarze Marmorplatte eingemauert, auf welcher mit
-goldenen Buchstaben die Namen jener Notabilitäten prangen, die Karlsbad
-besucht haben. Oberhalb der Inschrift _Peters des Grossen_ ist dessen
-Büste aufgestellt, gemeisselt und der Stadt geschenkt von dem Bildhauer
-Prof. Seidan aus Prag. Das Plätzchen vor der Marmortafel heisst auch
-_Petershöhe_. Etwas tiefer gewahren wir eine Steinpyramide mit einem
-Plätzchen, der _Theresienhöhe_.
-
-4. _Zum Findlaters- oder Mylords-Tempel._ Ausgangspunkt wie in Nr.
-3. Von der Hirschensprunggasse aus betreten wir den sog. _neuen Weg_
-hinter den Häusern der alten Wiese und kommen zu einem, mit einem
-_Kreuze_ geschmückten _Felsenvorsprung_, der einen guten Ueberblick
-der alten Wiese bietet. Gleich daneben stehen an einer Felswand die
-Worte: »Plus être que paraître«; das Plätzchen heisst _Mariannen-Ruhe_.
-Der breite Fussweg rechts, der _Buturlin-Weg_ genannt, führt uns im
-Walde bergan zur _Hammerkapelle_. Hier steht ein _Wegweiser_ zur
-Orientirung. Wir betreten den nach dem _Findlaters-Tempel_ zeigenden
-Arm und langen in wenigen Minuten daselbst an, wo wir in das Hammerthal
-auf die Anlagen des Kaiserparkes blicken. Von dem Tempel führt ein Weg
-in Windungen bergab unmittelbar zum Freundschaftssaal; wir können aber
-auch, um zur Stadt zurückzukehren, den geraden Weg fortsetzen und dann
-den _Chotek_schen Weg einschlagen.
-
-5. _Die Vieruhrpromenade._ Am Ende des Kiesweges (siehe 2) wenden
-wir uns _rechts_ und betreten genannte Promenade. Wir gelangen zu
-einem Plätzchen, _dem Fürstinnenstein_, dann nach ¼ Stunde zur sogen.
-_Dichterbank_; in nächster Nähe Theilung des Weges. Der _rechte_ Arm
-leitet nach dem Findlaters-Tempel, der _linke_ bergab zu der schönen,
-nahe an der Strasse gelegenen _Stahls-Buche_. Auf der Fahrstrasse zur
-Stadt zurück.
-
-6. _Zur *Freundschafts-Anhöhe_ und zum Friedrich Wilhelm-Platze. Den
-Schlossberg hinansteigend, verfolgt man die Hauptstrasse bis zum
-_Jägerhause Kaiser Karl's_ IV. _Vor_ dem Hause schlagen wir den _links_
-bergab leitenden Fussweg ein und kommen zur _Findlaters-Pyramide_
-mit schöner Aussicht in's Teplthal und nach dem Erzgebirge.
-Unterhalb dieser Pyramide ist das _Helenen_-Plätzchen. Auf dem
-weiter bergan führenden Weg langen wir in Schlangenwindungen bei der
-_Freundschaftshöhe_ an, wo wir eine _schöne_ Aussicht auf einen Theil
-der Stadt, das Egergebiet und das Erzgebirge geniessen. Weiter bergan
-erreicht man die _Vogelhütte_. Von der Freundschaftshöhe immer _links_
-bergab schreitend, erreichen wir den _Friedrich Wilhelm-Platz_, wo wir
-eine der _schönsten Hauptansichten_ von Karlsbad haben. Abstieg in
-mehreren Wegschlingungen zur _Marienkapelle_.
-
-7. _Zum *Belvedere._ Durch das Marien-Gässchen zum Friedrich
-Wilhelm-Platz steigen wir dann bergan, wenden uns auf dem Wege des
-Bergrückens rechts, gehen bei der _Durchhaubank_ vorbei, nehmen stets
-die _linke_ Wegrichtung und gelangen zum _Katharinen-Plätzchen_. Den
-Weg fortsetzend, schlagen wir bei der Wegkreuzung den Pfad _links_ ein,
-der uns in einigen Minuten zum _Belvedere_ führt, wo wir eine _schöne
-Aussicht_ auf das Teplthal, den Freundschaftssaal und auf die Ruinen
-von Engelhaus geniessen. Ein schöner Waldweg leitet uns in vielen
-Krümmungen in ¼ Stunde zurück auf den _Faulenzerweg_ und dieser führt
-auf die Marienbader Strasse.
-
-8. _Zur *Kaiser Franz-Josefs-Höhe._ Den Weg der vorhergehenden
-Promenade einschlagend, gelangen wir zur _Marienkapelle_; einige
-Schritte weiter geht rechts bergan ein Weg, der sich theilt; wir wählen
-den _linken_ Arm und kommen zu einer merkwürdigen, interessanten
-Vegetationserscheinung, der sog. _Buchen- und Tannenehe_. (Durch den
-Stamm einer Tanne ist der Ast einer nahen Buche gewachsen.) Wir kehren
-zur Marienkapelle zurück, steigen von hier, uns immer links haltend,
-bergan und sehen die Hammerkapelle, wo wir links einem bequemen Weg
-folgen, der uns aufwärts auf den höchsten Punkt des Hammerberges
-führt. Dieser Platz, der zu Ehren des Kaisers von Oesterreich _Franz
-Josefs-Höhe_ genannt wurde, ist mit einem schönen Gloriett geschmückt
-und gewährt unstreitig die _prachtvollste und mannigfaltigste Aussicht
-in der ganzen Karlsbader Umgegend_; denn man blickt in ein nach
-Hammer reichendes, mit bewaldeten Bergen begrenztes Thal, geniesst
-einen Ueberblick über den _grössten_ Theil der Stadt und sieht das
-ferne Erzgebirge. Abstieg auf der anderen Seite des Hammerberges; wir
-verfolgen den Pfad zum Findlaters-Tempel, von wo wir bereits bekannte
-Wege betreten können, oder wenden uns zuerst nach links, dann wieder
-nach rechts und erreichen den _Parnassfels_. Von hier gelangen wir
-rechts zum _Sommertheater_, zur _Wanderersäule_ und zur Restauration
-Sanssouci.
-
-9. _Zum *Aberg_ (1½ St.). Beginn der Promenade über den Schlossberg
-oder durch das Mariengässchen nach dem Friedrich Wilhelm-Platz und
-dem Katharinen-Plätzchen (siehe 7). Wir schlagen bei der Wegkreuzung
-den _rechts_ zum _Bilde_ führenden Weg ein, wandeln geradeaus etwa ¼
-Stunde weiter und erreichen den _Aberg_ mit einem Thurme, der eine
-_der schönsten Rundansichten_ bietet (über die Karlsbader Berge,
-das Erzgebirge mit Sonnenwirbel, Engelhaus, Maria-Kulm und viele
-Ortschaften der Umgebung). Von hier führt ein Fussweg in ¼ St. zur
-_Ziegelhütte_ herab. Wir setzen den Weg fort, bemerken eine Kapelle,
-hinter der sich (etwa 40 Schritte) die Ruinen der Kirche des ehemaligen
-Dorfes _Thiergarten_ befinden, dessen Bewohner wahrscheinlich die
-ersten Ansiedler von Karlsbad waren. Wir kommen dann zu einer Fichte
-(mit »_Echo_« markirt), wo ein 4- bis 5-silbiges Echo zu vernehmen ist,
-endlich zum Jägerhaus Kaiser Karls IV.
-
-10. _Nach dem Russelsitz._ Wir betreten den 9. beschriebenen _Rückweg_
-zur Stadt und wandern an der Kegelbahn beim Kaiser Karl's IV. Jägerhaus
-vorbei in den Wald, oder wir wählen den Weg nach der Restauration
-»_Klein-Versailles_«, gehen auf dem linken Fusswege am Waldessaume,
-betreten dann den links leitenden Waldweg, kommen zu einer Lichtung und
-erreichen von da links aufwärts in circa 18 Minuten den _Russelsitz_
-mit _schöner_ Aussicht auf das Erzgebirge. Von diesem Plätzchen uns
-links wendend, kommen wir in ¼ Stunde auf den schon bekannten Abergweg.
-
-11. Zum _*Maria-Sophienweg_, _weissen Kreuze_ und _Schützenpark_ oder
-zum _Kreuz_ im _Walde_ (_Rohankreuz_). Ueber den Schlossberg oder
-durch die Parkstrasse hinter dem Militärbadehause auf den Weg nach:
-_Klein-Versailles._ Diese Restauration rechts lassend, schreiten wir
-links am Waldsaume fort, gehen durch Wiesengründe, betreten den rechts
-in den Wald biegenden _Maria-Sophienweg_ und kommen in einigen Minuten
-zum sog. _weissen Kreuze_, einer Felsengruppe mit einem Kreuze, von wo
-eine _schöne_ Aussicht sich erschliesst. Den Weg fortsetzend, verfolgen
-wir eine kurze Strecke einen Waldfahrweg, schlagen hierauf zuerst eine
-_linke_, dann eine rechte Richtung ein und bemerken _plötzlich_ eine
-prachtvolle Scenerie: das _schöne, weite Egerthal_. Vom Bergrücken
-absteigend, gelangen wir auf die Bahnhofstrasse und promeniren, diese
-überschreitend, auf dem Allee-Wege, der zum _Schützenparke_ führt.
-Durch die _Gartenzeile_ treten wir den Rückweg zur Stadt an. -- Lenken
-wir auf dem »vom weissen Kreuze« betretenen Fahrweg nach _rechts_ ab,
-so kommen wir, nach kurzer Strecke uns wieder links abwendend, zu _dem
-Kreuz im Walde_ oder zur _Fürst Rohan's Höhe_, wo wir eine _herrliche
-Aussicht_ geniessen. Dieselbe Strecke ist auch rückwärts zurückzulegen.
-
-12. _Zur *Stephanshöhe_, _zum Panorama_, _zur Villa Lützow_, _zur
-Statue Karl's_ IV. und _nach dem Bellevue-Tempel_. Vom Kirchenplatze
-aus durch die Schulgasse erreichen wir nach sanftem Aufstieg bald
-die _Stephanshöhe_, so genannt zu Ehren des Erzherzogs _Stephan_.
-_Schöne_ Aussicht auf den grössten Theil der Stadt. Auf dem Fusswege
-links kommen wir zum _Panorama_, einem sehr besuchten Restaurations-
-und Belustigungsorte mit _prachtvoller_ Aussicht auf die Stadt. Vor
-demselben ist die _Villa Lützow_. Dieser gegenüber erhebt sich im
-_Stadtgarten_ eine Säule mit der _Statue Kaiser Karl's_ IV., errichtet
-zur 500jährigen Feier der Gründung von Karlsbad (Sept. 1858). Vom
-Panorama aus wandern wir eine Strecke auf der Prager Strasse und
-schlagen dann den Weg rechts ein, der zur Restauration »_Waldschloss_«
-führt. Von hier aus gehen wir oberhalb der Strasse im Walde nach dem
-_Bellevue-Tempel_, der einen _wunderschönen_ Anblick namentlich beim
-Sonnenuntergang gewährt.
-
-13. _Zur *Camera obscura, zum Dreikreuzberg und zur König Otto's
-Höhe._ Ausgangspuncte: die Schulgasse über das Panorama, oder die
-Andreasgasse, oder die Eger- und dann Prager Strasse. Der links bergan
-meist durch Buchenwald leitende Weg bringt uns nach etwa ½ Stunde
-zur _Camera obscura_, von wo wir eine _herrliche_ Aussicht auf das
-Egerthal und die Stadt haben. Weiter hinauf führt der Weg in 5 Minuten
-zum _Dreikreuzberg_. Derselbe ist zweifelsohne nebst der Franz Josef's
-Höhe der _herrlichste_ Aussichtspunct von Karlsbad. Vor uns liegt die
-Stadt mit ihren Palästen, zur rechten breitet sich das flurenreiche,
-mit blühenden Ortschaften dicht besäete Egerthal aus, durchzogen von
-dem Silberbande der Eger; im Hintergründe zeigen sich die Anfänge des
-Fichtelgebirges und die schlanken Thürme von Maria Kulm; seitwärts
-ragt der Gebirgswall des waldgekrönten Erzgebirges empor! Fürwahr ein
-zaubervolles Bild, das sich dem Auge hier entrollt! Durch den Wald
-weiter bergan erreichen wir die _König Otto's-Höhe_ mit gleichfalls
-_überaus herrlicher Rundaussicht_.
-
-14. _Zu *dem Dorotheentempel, Böhmischen Sitz, Wiener Sitz, Helenenhof
-und zur Laurenz-Kapelle._ Ausgangspunct: die Marienbader Strasse.
-Unweit der protestantischen Kirche befindet sich eine steile Felswand
-mit Inschriften. Wir schreiten etwa 15 Schritte vorwärts, drehen uns
-um und geniessen den Anblick einer wirklich _malerischen Landschaft_;
-wie denn diese Gegend, die _Dorotheenau_, schöne Landschaftsbilder
-darbietet. Den von der _Karls_brücke aufwärts führenden Weg wählend,
-kommen wir zum _Dorotheentempel_, von da weiter links bergan steigend
-zum _Böhmischen Sitz_. Von hier aus steigt der Weg immer höher am Berge
-hinauf und theilt sich oben; links führt er zur _Laurenzkapelle_,
-_rechts_ bis zur Anhöhe hinauf zum _Wiener Sitz_, wo wir eine
-_wunderschöne Rundansicht_ in's Teplthal und auf's Erzgebirge
-geniessen. Von diesem Aussichtspuncte sehen wir einen spitzigen,
-sesselförmigen Granitblock, _Deutschlandsfels_ genannt. Unterhalb vom
-Wiener Sitz führt eine Allee zum _Helenenhof_ mit Gartenanlagen. Die
-Helenenstrasse führt rechts auf die Prager Kunststrasse, links bei der
-_Laurenzkapelle_ vorbei in die Stadt hinab.
-
-15. _Zu *dem Säuerling, dem Schweizerhofe, nach Schönbrunn und dem
-Schwindelweg._ Dieselbe Strecke wie 14. bis zum Dorotheentempel, von
-hier rechts zu dem _Säuerling_; vor diesem geht ein Weg bergauf zu der
-freundlichen Café-Restauration »_Schweizerhof_«. In linker Richtung vom
-Säuerling bergab kommen wir zu der stark besuchten Café-Restauration
-»Park Schönbrunn«. Von da führt am Bergeshange in den Wald ein Weg,
-_Schwindelweg_ genannt, der treffliche Waldpartien bietet. Rückweg über
-die Plobenbrücke auf die Marienbader Strasse.
-
-16. _Zu *den Friederikenfelsen und zum Bergwirthshaus._ Von Schönbrunn
-(siehe 15.) auf ungebahntem Wege aufwärts kletternd, kommen wir zu
-Granitfelsen, »_Friederikenfelsen_« genannt. Bequemer kommen wir
-zu denselben, wenn wir den nach dem Schweizerhofe leitenden Weg
-betreten, bis in die Nähe der Stadt Lemberg steigen, wo ein gebahnter
-Weg zu den Friederikenfelsen führt. Von da wieder nach demselben Weg
-aufsteigend, gehen wir gerade aus fort bis zur Chaussée, welche bis zum
-_Bergwirthshause_ führt. Diese _Kunststrasse_ ist ein _Meisterstück_
-der Baukunst (der Bau wurde 1809 vollendet) und bietet in Folge der
-schlangenförmigen Windungen die _schönsten_, _überraschendsten_
-Aussichtspuncte. Mit Recht sagt die Schriftstellerin Schopenhauer:
-»Wahrlich, es verlohnt sich der Mühe, alle Jahre nach Karlsbad zu
-reisen, _einzig_, um darin anzukommen!« Vom Bergwirthshause wählt man
-die kürzere alte Prager Strasse, welche rechts von der neuen sich am
-Bergrücken hinzieht. Der höchste Gipfel dieses Bergrückens heisst _das
-ewige Leben_ und gewährt eine _schöne_ Aussicht.
-
-17. _Ueber den Ploben zum Veitsberg._ Wir gehen zum »Schwindelweg«
-(siehe 15.), biegen dann nach der _ersten_ Wegabzweigung links zu
-einem Waldfahrweg ab, der in 1 Stunde bis zu dem höchsten Puncte des
-Bergrückens, dem _Veitsberg_, führt. Derselbe bietet eine _herrliche
-Aussicht_ auf einen Theil der Stadt, den Hammerberg, Hirschensprung und
-Dreikreuzberg, auf Engelhaus, sowie in's Erzgebirge. Den Weg auf dem
-Bergrücken fortsetzend, betreten wir bergab einen Holzfahrweg, der zum
-Schwindelweg leitet.
-
-
-Ausflüge:
-
-_Nach Dallwitz_ (¾ St. n. von Karlsbad). Wir spazieren auf der
-Egerstrasse nach dem Dorfe Drahwitz, wo wir bei der Ueberfuhr auf
-einem Kahne die Eger übersetzen, wandeln rechts den durch Wiesen
-führenden Fussweg fort und langen in einer Viertelstunde beim Dorfe
-_Dallwitz_ an. -- _Sehenswürdigkeiten_: _Schloss_, _Porzellan-_ und
-_Steingutfabrik_ der _Riedl v. Riedenstein_. _Theodor Körner's Eichen_
-(an dem westl. Eingange des Dorfes), deren stärkste 9·4 m. im Umfange
-hat und von 5 erwachsenen Personen kaum umspannt werden kann. Eine
-dieser fünf uralten berühmten Eichen ist vor zwei Jahren abgebrannt.
-Schon im dreissigjährigen Kriege erliess Kaiser _Ferdinand_ III. zur
-Schonung der ehrwürdigen Bäume einen eigenen Befehl an die Soldaten. --
-_Karl Egon Ebert's Linde._
-
-_Nach Zettlitz_ (¾ St.). Von der Schlackenwerther Strasse führt eine
-hinter dem Bahnhofe linksab gehende Strasse über die Zettlitzer Anhöhe,
-von wo sich eine schöne Rundaussicht eröffnet. Empfehlenswerth ist
-das Gasthaus »zum goldenen Engel«. Zettlitz selbst ist ein Dorf mit
-circa 40 Häusern und hat eine geräumige _Pfarrkirche zur hl. Anna_,
-die eine der ältesten Kirchen in der ganzen Gegend ist, denn sie wurde
-schon 1293 geweiht. Ehemals war Karlsbad nach Zettlitz eingepfarrt.
-Auf einem Seitenaltare der Kirche ist ein _Gnadenbild_, _Maria Hilf_,
-sehenswerth. In früheren Zeiten war Zettlitz ein stark besuchter
-Wallfahrtsort, gegenwärtig finden sich nur am Kirchenfeste (26. Juli)
-Processionen ein. In der Nähe des Ortes wird _Porzellanerde_ gegraben.
-Zurück kann man über _Fischern_ und von da an der Eger stromabwärts
-gehen.
-
-_Nach Fischern_ (¾ St. nordwestl. von Karlsbad). Dieses Dorf liegt am
-Rohlaubache, der sich hier in die Eger ergiesst und führt dahin ein
-sehr guter Fussweg über Wiesen hinter der Franz Josefs-Brücke links am
-Egerufer aufwärts. -- _Sehenswürdigkeiten_: Grosse _Porzellanfabrik_
-(Karl Knoll), _Kunstmühle_ und _Dampfbrauerei_.
-
-_Nach *Aich_ (1½ St. südwestl. von Karlsbad) _nebst der Partie zum Hans
-Heiling-Felsen._ Nach Aich verkehrt _täglich_ zweimal ein Omnibus. (1.
-_Abf._ v. Angers Hotel auf der Neuen Wiese in Karlsbad 2 Uhr Nachm.
-Ank. in Aich 2¾ Uhr Nachm. _Rückf._ 5 Uhr Nachm. Ank. in Karlsbad 5¾
-Uhr Nachm. -- 2. _Abf._ v. Karlsbad 3½ Uhr Nachm. Ank. in Aich 4½
-Uhr Nachm. _Rückf._ 7 Uhr Abends.) Dahin führen auch sehr angenehme
-_Fusswege_. _a_) Beim _Jägerhause_ oder bei _Klein-Versailles_
-vorüber, schlagen wir den Fussweg _rechts_ in den Wald ein. _b_)
-_Von der Ziegelhütte aus_: Hinter derselben geht der Weg zuerst im
-Walde, dann zwischen Feldern bergab. _c_) Hinter dem _Mauthschranken_
-auf der Strasse nach Aich biegt _links_ ein gerader Weg ab, der am
-Waldessaume sich bis nach Aich fortzieht. Dieses Dorf zählt 100 Häuser.
-_Sehenswürdigkeiten_: Grossartige _Porzellanfabrik_ des A. C. Anger.
-_Schloss_ mit Restauration und Parkanlagen, auf einem steilen Felsen
-am rechten Egerufer sehr anmuthig gelegen, bietet eine _hübsche_
-Aussicht und zeigt Spuren von alter Bauart und ehemaliger Befestigung;
-es soll gleichzeitig mit dem Schlosse in Elbogen erbaut worden sein.
--- Von Aich eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich in romantischer
-Lage am linken Ufer der Eger eine interessante, groteske Felsengruppe,
-_Hans Heiling-Felsen_ genannt, in welcher die Phantasie des Volkes
-die versteinerten Gestalten eines Hochzeitszuges: das Brautpaar, den
-Mönch, die Gäste und Musikanten erblickt. Die betreffende Sage ist
-von Dichtern und Schriftstellern mehrfach behandelt worden. Dem Hans
-Heiling-Fels gegenüber liegt eine _Sommer-Restauration_.
-
-_Nach Pirkenhammer_, gewöhnlich auch _Hammer_ genannt. Es verkehren
-_täglich mehrmals_ Omnibusse dahin. (_Abf._ vom Theaterplatz in
-Karlsbad um 1½, 2, 3 und 3½ Uhr Nachm. _Abf._ von Pirkenhammer
-von der Kaffee-Restauration des A. Leibold um 5½, 6, 6½ und 7 Uhr
-Abends.) Pirkenhammer liegt an der Karlsbad-Marienbader Strasse und
-rechts an der Tepl. Seine Einwohner sind grösstentheils Gewerbsleute;
-speciell die _Kunsttischlerei_ hat hier einen hohen, vervollkommneten
-Aufschwung aufzuweisen, und verdient die Werkstatt des Kunsttischlers
-_Günther_ mit ihren eleganten und soliden Erzeugnissen eine besondere
-Hervorhebung. _Gasthäuser_: »_Zum Mühlengrunde_« (am Beginn des
-Dorfes) und »_Habsburg_« (im Dorfe). Eine Viertelstunde weiter ist
-die bekannte _Porzellanfabrik_ von _Fischer & Mieg_, in welcher die
-schönsten Fabrikate zum Kaufe anlocken. Unmittelbar hinter der Fabrik
-führt ein guter Fussweg zur _Meczery-Höhe_ mit weiter Rundsicht.
-
-_Nach *Engelhaus, dem Schloss Giesshübel und dem Schömnitzstein._
-Auf der schönen Prager Strasse kommt man in zwei Stunden nach den
-imposanten Ruinen _Engelhaus_ mit dem Marktflecken gleichen Namens. Die
-Trümmer dieser Burg, die man von den höheren Aussichtspunkten Karlsbads
-und des Erzgebirges erblickt, thronen auf einem kegelförmigen,
-aus Klingstein bestehenden 78 Klafter hohen Felsen, der aus dem
-umliegenden Plateau steil sich emporhebt. Mittelst einer hölzernen
-Leitertreppe erreichen wir den alten Fahrweg, der rechts zum _ersten_,
-noch erhaltenen Burgthore, und von da gerade aus zum _zweiten_ Thore
-führt. Südlich vom ersten Thor schliessen sich die halbrunde Bastion
-und starke Ringmauern mit Schiessscharten an. Der ehemalige Zwinger,
-der sich bis zum zweiten thurmartigen Thore zog, ist jetzt offen und
-mit Rasen bewachsen. Dieses selbst war ein viereckiges Gebäude, zwei
-Stockwerke enthaltend, mit regelmässigen Fensteröffnungen und hat dem
-Zahne der Zeit ziemlich Widerstand geleistet. Der Burghof ist uneben
-und wird links von einer Ringmauer umgeben, an die sich östlich ein
-zwei Stockwerke hohes unförmliches Gebäude, die ehemalige Wohnung
-des Burgherrn, anschliesst. In seinem Innern sieht man noch Reste
-von Mauern und verfallene Keller. An der Südseite des Berges steht
-isolirt ein viereckiges, einstöckiges Gebäude mit unregelmässigen
-Fensterreihen, das vom Grafen Hermann Černin nach der Zertrümmerung
-der Burg im 17. Jahrhunderte erbaut worden ist. Aus den Fenstern
-dieses Gebäudes hat man eine _weite, wunderschöne Rundsicht_. Westlich
-schweift das spähende Auge in die Gegend von Falkenau, Elbogen,
-Schlaggenwald bis gegen Graslitz und das Egerland, nördlich auf das
-erzgebirgische Hochplateau mit seinen dichtbewaldeten Häuptern und
-wildromantischen Schluchten; durch das Egerthal den Blick gegen
-Klösterle werfend, sehen wir die Ruine Himmelstein.
-
-_Geschichtliches._ Die Burg Engelhaus, welche zur Herrschaft
-Giesshübel gehört, wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des
-XIII. Jahrhunderts von einem der Herren von Riesenburg erbaut, die ja
-die Orte Schlaggenwald, Schönfeld und Schlackenwerth gründeten und
-Petschau, Hartenstein, Buchau, Luditz und Ossegg besassen. Urkundlich
-erscheint 1326 Boršo von Riesenburg als Herr auf Engelsburg, 1434
-verpfändete Kaiser Sigmund das Schloss Engelhaus nebst anderen
-Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick, der es bald den Herren von
-Plauen verkaufte. Im Jahre 1468 wurde Schloss Engelhaus von König
-Georg von Poděbrad belagert, erobert und zerstört, doch später durch
-die Herren von Plauen wieder aufgebaut. Der letzte dieses Geschlechtes
-war Heinrich von Plauen, nach dessen Tode Engelhaus an den Grafen
-Christof von Schlick kam. Als dessen Tochter Anna Karoline sich mit
-dem Freiherrn Kaspar Colonna von Fels vermählte, ging das Schloss 1575
-in den Besitz dieses Geschlechtes über. Leonhard Colonna, Freiherr
-von Fels, betheiligte sich als Protestant an dem böhmischen Aufstand,
-seine Güter wurden 1621 eingezogen und Engelhaus mit Giesshübel an den
-Feldmarschall Hermann, Freiherrn (später Grafen) Černin von Chudenitz,
-verkauft. Im 30jährigen Kriege wurde das Schloss Engelhaus 1635 von den
-Schweden zerstört. Graf Hermann Černin liess zwar um die Hälfte des 17.
-Jahrhunderts wieder ein neues Gebäude mit einem Tanzsaale aufführen,
-doch brannte es im J. 1718 mit dem Marktflecken ab. Nach 1639 wurde als
-Hauptort der Herrschaft immer nur Giesshübel genannt. Diese kam später
-(1829) an die Ritter von Neuberg und neuestens an den Grafen Hermann
-von Černin.
-
-Kurz vor Engelhaus lenkt von der Prager Strasse links ein Fussweg ab,
-den wir verfolgen; er führt uns zu dem _Schömnitzstein_, der aber ¼
-Stunde jenseits von der Fahrstrasse liegt. Von dieser steilen, aus
-Porphyrschiefer bestehenden Felswand geniesst man eine _wahrhaft
-entzückende Aussicht_ in's Egerthal und auf das Erzgebirge.
-
-_Zum Curort Giesshübel-Puchstein_ (Giesshübler Sauerbrunn), _König
-Ottos Quelle_ genannt. Dahin verkehren _täglich Omnibusse_ (_Abf._
-v. Karlsbad vom Becherplatz 11 Uhr Vorm. und 1½ Uhr Nachm. _Rückf._
-gegen Abend). Die Strasse führt durch die Dörfer: Drahwitz,
-Satteles, Schömnitz und Eichenhof und bietet schöne Waldpartien. Das
-_Curhaus_ liegt anmuthig im Egerthale und ist von schönbewaldeten
-Berghängen eingeschlossen, durch die sich nach den verschiedensten
-Richtungen Spaziergänge mit herrlichen Aussichtspunkten ziehen.
-Die »_Otto-Quelle_«, im Jahre 1862 zu Ehren des Königs Otto von
-Griechenland so benannt, quillt circa 20 Klafter hoch am Rücken
-des Berges aus dem Granitfels hervor und ist von _Parkanlagen_,
-zwischen denen sich das _Badehaus_ befindet, umgeben. Nach Dr.
-Eduard Hlawaček besitzt der Sauerbrunn einen sehr angenehmen,
-prickelnd säuerlichen Geschmack und gehört zu den alkalisch-erdigen
-Säuerlingen. Er besitzt viel Kohlensäure, übrigens nur wenig
-mineralische Bestandtheile und dient theils zu _diätetischem Zwecke_
-als vortreffliches, erfrischendes Getränk, und zwar mit oder ohne
-Zusatz von Zucker, etwas Himbeersaft oder von etwas weissem Wein und
-Zucker, wodurch man ein äusserst angenehmes, moussirendes Getränk
-erhält; -- theils zu _medicinischem Zwecke_; als reizminderndes, den
-Aufsaugungsprocess belebendes, die Blutbereitung gelind verbesserndes
-Mittel, bei chronischen, reizlosen Brustleiden u. dgl. Unter dem Namen
-»Giesshübler« wird er jährlich in einer Anzahl von über drei Millionen
-Flaschen in die verschiedensten Länder der Welt versendet.[2]
-
- [2] Siehe die ausgezeichnete medicinische Monographie über
- den Sauerbrunn von Med. Dr. Freiherr Josef von _Löschner_
- (Preis --.50 kr.) und »Album der König Otto-Quelle«.
-
-Sein rasches Aufblühen verdankt der herrlich gelegene Curort seinem
-gegenwärtigen Besitzer, dem kais. Rath _Heinrich Mattoni_, der ihn zu
-einem Bade- und Molkencurort umgestaltet hat. Giesshübl-Puchstein ist
-mit vollstem Rechte ein sehr beliebter, fesselnder Anziehungspunct für
-Karlsbader Curgäste und Touristen.
-
-Von genanntem Curorte kann man in sieben Viertelstunden eine
-genussreiche Fusspartie zur Station _Welchau-Wickwitz_ machen. Der
-Weg leitet fast immer im Walde der Eger entlang an stattlichen
-Felsengruppen vorbei und berührt _Rodisfort_ und _Welchau_.
-
-
-Touren:
-
-Karlsbad-Neudek.
-
-Von Karlsbad führt die Kaiserstrasse über Fischern, Voigtsgrün, Neudek,
-Neuhammer, Hirschenstand nach Eibenstock in Sachsen und bildet einen
-Pass über das Erzgebirge. Wir machen unsere Tour bloss bis Neudek (3½
-Stunden). Die weltberühmte Curstadt Karlsbad liegt bald im Rücken,
-und wir wandern, noch freudig erregt von den erhaltenen Eindrücken,
-unserem gesetzten Ziele zu. Wir gehen über die gewölbte, steinerne
-Tepl-Brücke der Bahnhofstrasse entlang zur eisernen Egerbrücke gegen
-_Neufischern_ zu. Hier befindet sich der _grossartige Bahnhof_ von
-Karlsbad. Weiter westlich wandernd, kommen wir nach _Fischern_. (Siehe
-Karlsbader Ausflüge 20.) Hier zweigt die eine Strasse westlich nach
-Elbogen-Falkenau-Eger und die andere nördlich nach Neudek ab. Wir
-wählen letztere und erreichen in ½ Stunde _Altrohlau_, welches Dorf
-eine Steingut- und Porzellanfabrik besitzt. In dieser Gegend sehen wir
-riesige Essen rauchen, denn wir schreiten durch das Gebiet reicher
-Kohlenlager und der Thonwaarenindustrie. Von Altrohlau nimmt die
-Gegend allmählig den Gebirgscharakter an; wir gehen auf der Strasse
-zwischen Feldern und Wiesen durch die Einschichte _Taschen_ oder
-_Taschenhäusel_, dann weiter bei _Sittmesgrün_ vorüber, Tüppelsgrün
-rechts liegen lassend, müssen gegen _Voigtsgrün_, das wir in 1
-Stunde erreichen, allmählig bergan steigen und langen auf der Höhe
-beim Gasthause dieses Dorfes an, wo sich vor unseren Blicken eine
-reizende Aussicht eröffnet. Die Ortschaften liegen zu unseren Füssen
-wie hingesäet. Von da schreiten wir auf ebener Strasse dem rechts an
-derselben gelegenen Orte _Giebacht_ zu, erblicken links das Rohlauthal
-mit dem am Bergeshange liegenden Dorfe _Thierbach_ und kurz darauf den
-im Osten der Stadt _Neudek_ sich erhebenden Kreuzberg.
-
-
-
-
-Neudek.
-
-
- =Gasthöfe=: _Das Rathhaus. Gasthof zum Herrenhaus. Gasthof zur
- Post._
-
- =Post- u. Telegrafenamt.=
-
- =Postverbindung= nach Platten täglich 1mal.
- " Hirschenstand " "
- " Heinrichsgrün " "
-
- =Aemter=: Bezirksgericht, Steuer- und Grundbuchsamt,
- Bürgermeisteramt, Sparkassa, Notariat, Finanzwachekommissariat.
-
-
-Beschreibung und Geschichte der Stadt.
-
-Neudek liegt an dem Flüsschen Rohla (Rohlau), das hier den Rodisbach,
-Schmelzbach und Limnitzbach aufnimmt, in einem Thale, welches im
-Osten von dem Kreuzberge, im Westen vom Hochtannenberge, im Norden
-vom Paulusberge und den Abhängen des Peintlberges und im Süden von
-mehreren Höhen begrenzt wird. Die Lage des Städtchens, das mehrere
-Gassen besitzt, ist sehr schön. Der Marktplatz ist lang und schmal.
-Der grösste Theil der 367 Häuser liegt am rechten Ufer der Rohlau, nur
-die Häuser der Karlsbader Gasse, das gräflich Asseburg'sche Schloss
-mit einigen anderen Gebäuden und noch ein kleiner Stadttheil, den man
-gewöhnlich »Winkel« nennt, erheben sich am linken Ufer dieses Baches.
-
-Durch die Kaiserstrasse steht Neudek mit Karlsbad und durch
-Bezirksstrassen auch mit Elbogen und Heinrichsgrün und von Neuhammer
-aus durch eine solche mit Platten in Verbindung. Nach Karlsbad,
-Elbogen, Graslitz, Joachimsthal und Schlackenwerth rechnet man 4,
-nach Heinrichsgrün und Platten zwei Stunden. In neuester Zeit ist man
-im Baue einer Eisenbahn begriffen, welche Neudek mit der 2 Stunden
-entfernten Station Chodau, beziehungsweise mit der Buschtěhrader
-Eisenbahn verbindet.
-
-Das sehr industrielle Neudek zählt ungefähr 4000 Einwohner, die sich
-hauptsächlich mit Industrie, Handel und Oekonomie beschäftigen.
-Ausser der Spitzen- und Handschuhfabrication wird hier besonders
-die Metallindustrie, und zwar die Eisenblechindustrie und die
-Löffelfabrication betrieben. Die Landwirthschaft erzeugt die
-gewöhnlichen Feldfrüchte, als Roggen, Hafer, Erdäpfel; an den sonnigen
-Abhängen auch etwas Weizen. Die Umgegend ist reichlich mit Waldungen
-versehen, die meist Eigenthum der Gräfin von der Asseburg sind.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: _Wollspinnfabrik_ mit _Wollwäscherei_ des
-_Lahusen_ (beschäftigt gegen 450 Arbeiter). _Spitzenfabrik_
-des _Karl Kunzmann_ (Filiale der Firma _Gottschald u. Comp._).
-_Spitzenfabrik_ des _Adolf Ullmann_. _Stickerei_ des _Franz Reitzner_.
-_Löffelschmiederei_ des _J. F. Schneider_. _Blechlöffelerzeugung_ des
-_Eduard Erhardt_. _Löffelschmiede_ des _Karl Neudert_.
-
-_Das grossartige Blechwalzwerk_ (oberhalb Neudek an der
-Aerarialstrasse) mit der etwas entfernten _Eisengiesserei_,
-_Eisendreherei_ und _Blechverzinnerei_ beschäftigt gegen 500 Arbeiter.
-Dieses Etablissement ist Eigenthum der _Gräfin Anna von der Asseburg_,
-gegenwärtig an _Petzold u. Comp._ verpachtet. _Holzschleiferei_ des
-_Ignaz Fuchs_ (¾ Stunden von Neudek entfernt). Das _Volksschulgebäude_.
-Der sogenannte _Thurmbergfels_. Er besteht aus mehreren über einander
-liegenden Granitblöcken, von denen die zwei obersten über die unten an
-der Rohlau dahinführende Strasse hervorragen. Auf diesem Felsen erhebt
-sich der Glockenthurm; die Mauern desselben bilden ein vierseitiges
-Prisma, dessen vier Kanten von der Südseite aus zugleich bemerkt werden
-können, da der Grundriss die Form eines Trapezes hat.
-
-Ueber die Entstehung Neudeks ist nichts Näheres bekannt, da durch
-den Brand des Rathhauses im Jahre 1731 alle Urkunden ein Raub der
-Flammen geworden sind. Jedenfalls wurde die Stadt schon im Mittelalter
-von Bergleuten gegründet, welche sich des Zinnbergbaues und des
-Zinnseifnens wegen in dieser Gegend zuerst niedergelassen haben.
-Die alte Zinnschmelzhütte, welche noch vor wenigen Jahren am linken
-Ufer der Rohlau im »Winkel« stand, aber wegen Baufälligkeit und aus
-Sanitätsrücksichten demolirt werden musste, soll das erste Gebäude in
-Neudek gewesen sein. Ueber die Entstehung des Namens Neudek erzählt die
-Sage Folgendes: Ein Jäger verirrte sich im Walde und kam auf den sog.
-Hochtannenberg (westl. von Neudek), stieg dort, um sich in der Gegend
-auszukennen, auf einen hohen Baum, nämlich auf eine hohe Tanne (wovon
-der Berg den Namen haben soll) und sah östlich im Thale ein Gebäude
-stehen, welches neu eingedeckt war, ging dann auf dasselbe zu und
-fand daselbst den noch bestehenden alten Thurm, neben dem ein Häuschen
-stand, in welchem ein Schmied wohnte, der den Namen Waldesel führte.
-Dieser Jäger soll nun dem Thurm sammt den anderen Gebäuden den Namen
-_Neudeckt_ (gegenwärtig _Neudek_) deshalb gegeben haben, weil er durch
-die neue Dacheindeckung zur Auffindung dieser Gebäude gelangte.
-
-
-Spaziergänge und Ausflüge:
-
-1. _Zum Kreuzberg._ Derselbe erhebt sich im Osten der Stadt an dem Ufer
-der Rohlau. Auf dem Gipfel dieses Berges erhebt sich ein Kirchlein.
-Der Weg schlingt sich in mehreren Serpentinen um den westlichen und
-theilweise um den östlichen Abhang herum und ist ein sehr beliebter
-Spaziergang der Neudeker. Von hier aus erblickt man die in den
-südöstlich gelegenen Gegenden sich erhebenden Punkte nahe bis an die
-Gegend von Buchau (z. B. den Engelhäuser Berg). In der Nähe des Hauses
-Nr. 318 erblickt man in der Tiefe die Stadt Neudek in _wunderhübscher_
-Lage.
-
-2. _Zum *Peintlberg._ Er erhebt sich nördlich von Neudek und ist
-ungefähr 970 m hoch. Bei Besteigung desselben wird gewöhnlich der
-durch das Dorf Eibenberg (_Sitts_ Gasthaus) führende Weg benützt,
-der ungefähr 1¼ Stunde beträgt. (Oberhalb der Stadt zweigt von der
-Strasse zwischen zwei Bierschänken ein Weg nach genanntem Orte ab.)
-Von diesem Dorfe geht der Weg steil aufwärts bis zu einem Walde, wo er
-dann in mehr ebener Richtung bis zum Berge hinführt, auf dessen Gipfel
-sich einige Felsen erheben, um welche grosse Steinmassen gelagert
-sind. Die Besteigung wird durch die _herrlichste Fernsicht_ belohnt.
-(Triangulirungspyramide.) Nach Norden und Nordosten haben wir wohl
-nur geringe Aussicht, dafür ist sie lohnender in östlicher, südlicher
-und südwestlicher Richtung; denn wir erblicken den Keilberg und
-Spitzberg bei Gottesgab, viele Teiche in der Nähe von Schlackenwerth,
-Lichtenstadt und Chodau, die Curstadt Karlsbad, die Ruine Engelhaus,
-den sagenreichen Crudum, den Kaiserwald, die Städte Schönfeld und
-Schlaggenwald, den Böhmerwald mit dem Dillenberge, den St. Annaberg bei
-Eger. In der Nähe des Peintlberges werden wir auch durch ein schönes
-Echo, entstanden durch einen neuangelegten Holzschlag, überrascht.
-
-3. _Zur *Thierbacher Kapelle_ (½ St.). Gehen wir auf dem Wege gegen
-Thierbach zu, so gelangen wir eine kurze Strecke westlich von diesem
-Dorfe zu dieser Kapelle. Obwohl die Aussicht von hier nicht so
-weit ist als wie die vom Gipfel des Peintlberges, so ist sie doch
-eine herrliche zu nennen. Wir erblicken die Häuser von Giebacht,
-Hohenstollen, Allersloh, Eibenberg, zum Theile von Oberau und Hochofen;
-nach Osten zu sehen wir Fischern und Karlsbad, während in nördlicher
-Richtung der Peintl seine Kuppe mächtig emporhebt. Wunderschön, wie
-eine Krippe im grösseren Massstabe, liegen auf den grünen Wiesen und an
-den Bergabhängen die Häuser der zunächst gelegenen Ortschaften umher.
-
-4. _Zu den sogenannten Felshäusern_ (1½ St.). Wir gehen durch das
-Limnitzthal nach Ullersloh an _Pecher's Restauration_ vorbei, von wo
-wir nach ¾stündiger Wanderung zu den sog. Felshäusern gelangen. Die
-_Fernsicht_ von denselben ist eine _lohnende_, wenn auch nicht so
-grossartige, wie vom Peintlberg aus; doch bemerken wir die meisten
-Puncte, die wir von letztgenanntem Berge aus gewahren können. Die
-Felshäuser selbst sind gleichsam zwischen Felsgruppen eingebaut; ihr
-Aeusseres ist recht reinlich und mit Ranken von wildem Wein und anderen
-Schlingpflanzen geziert. Besonders schön ist von diesen Häusern aus
-die Aussicht auf die unten liegenden Gelände, welche sich gleichsam
-stufenartig gegen das Innere zu erniedrigen.
-
-5. _Zum *Kammersberg oder Hohenau_ (1¾ St.). Wir wandern von Neudek aus
-auf der Aerarialstrasse bis zu jener Stelle, wo sich hinter dem Dorfe
-_Giebacht_ der Weg nach dem Dorfe _Kammersgrün_ abzweigt. Derselbe
-führt in mehrfachen Krümmungen bis nahe zu dem letztgenannten Dorfe,
-das sich am Südabhange des Kammerberges und im Thale ausbreitet. Von
-diesem Berge gewahren wir bei heiterem Himmel Karlsbad und Elbogen,
-die Berge in der Umgegend von Buchau, einzelne Höhen um Duppau und die
-meisten Puncte, die wir vom Gipfel des Peintlberges gesehen. Die Kuppe
-des Kammerberges ist kahl und mit einer Orientirungshöhe versehen, die
-der Besitzer dieser Umgegend, _Karl Stöhr_, errichten liess.
-
-6. _Zum *Hochtannenberg_ oder _Steinberg_ (¾ St. westlich von Neudek)
-_und zum sog. Wächterhau_. Zu demselben gelangen wir am bequemsten,
-wenn wir den nach _Ober-Bernau_ leitenden Weg benutzen. Von der Kuppe
-dieses Berges erblicken wir nach Südost das Rohlauthal, Fischern und
-Karlsbad, weiterhin Engelhaus, Giesshübel, die Kirche von Pergles bei
-Buchau, nach Süden mehrere Dörfer zwischen Karlsbad und Elbogen, die
-Stadt Elbogen mit dem alten Schlosse, auch einzelne Hopfengärten in der
-Nähe von Falkenau. -- Eine halbe Stunde westlich vom Hochtannenberge
-ist der sog. _Wächterhau_, auf welchem sich eine Orientirungshöhe
-befindet, von welcher wir bis in die Gegend um Duppau, Karlsbad,
-Elbogen bis Eger sehen können.
-
-
-Tour Neudek-Neuhammer-Platten.
-
-Dem reinlichen Städtchen Neudek Ade sagend, wandern wir auf der
-Reichsstrasse in mässiger Steigung weiter nördlich durch das reizende,
-sehr anziehende, tiefeingeschnittene Rolauthal. Zu beiden Seiten
-desselben erheben sich theils anmuthig bewaldete, theils waldlose,
-der Landwirthschaft zugängig gemachte Hügel- und Bergreihen mit
-gleichförmig ausgedehnten breiten Rücken und abgerundeten Kuppen.
-Zu unserer Rechten rauscht die Rohla. Dicht an Neudek erblicken
-wir rechts das »_Schiesshaus_«, einen beliebten Sommeraufenthalt
-für Einheimische und Fremde, links das grosse _Eisenwerk_ (Siehe
-Sehenswürdigkeiten Neudek's). Nach kurzer Strecke sehen wir rechts
-ein »_Gusseisenwerk_« (Hochofen) (Siehe Sehenswürdigkeiten Neudek's),
-nach einer Biegung links das »_Feigl'sche Einkehrhaus_«. Gegenüber
-bemerken wir einzelne »_Felsstücke_«, die wie eine kleine Festung aus
-niederem Gebüsch hervorlugen. Beim »_gemüthlichen Bergmann_« (vulgo
-»beim Preussen«) zweigt am Fusse des sog. Preussenwaldes der Weg links
-nach Hochofen und Trinksaifen ab. In der Hauptstrasse weiter wandernd,
-kommen wir zur »_Fuchs'schen Holzschleiferei_« (Siehe Sehensw. N.);
-beim sog. »Hammerl« (Schmiede) überschreiten wir eine Brücke, welche
-die Grenzscheide zwischen Neudek, Hochofen und Neuhammer bildet. Von
-da biegt die Rohlau zu unserer Linken ab. An der herrsch. Bret- und
-Knochenmühle, dem Eiskeller vorbei erreichen wir »Hassmann's Gasthaus
-zur grünen Wiese«. Von da steigen wir westwärts auf den _Fritzenberg_,
-der eine schöne Aussicht über das Weichbild von _Neuhammer_ bietet.
-Von letztgenanntem Gasthause benützen wir die Bezirksstrasse
-Neuhammer-Platten, welche sich durch das ganze Thal von _Neuhammer_,
-durch den sog. »Grund« zuerst am linken, dann am rechten Ufer des
-Weissbaches windet.
-
-Das Dorf _Neuhammer_, 1 Stunde nördl. von Neudek, 1¼ St. südwestl.
-von _Platten_ und 1 St. westl. von Bärringen, liegt auf mässig
-ansteigenden, einander gegenüberliegenden Bergen (Fritzenberg, Hofberg
-oder Eulenhof, Faunzberg, Fladererberg und oberen Neuhammer) und
-in den dazwischen liegenden Thälern (Rohla- und Weissbachthal) und
-zählt 210 Häuser mit 2200 Einwohnern, die sich von Spitzenklöppelei,
-Löffelfabrication, Handschuh-, Tüll- und Mullnähen, Viehzucht ernähren.
-
-=Geschichtliches.= Wahrscheinlich hat Neuhammer mit der Entstehung
-des Bergbaues von Neudek und Umgebung gleichen Ursprung. Dass auch in
-Neuhammer der Bergbau betrieben wurde, beweisen die vielen Zechen- und
-Seifenhalden.
-
-Weitere _schöne Aussichten_ gewähren: der _Hofberg_ (westl. von der
-Kirche), der _Fladererberg_, der _Peintlberg_ (Siehe Ausflüge v. Neudek
-2). (Eine _Fernsicht_ in's flache Land ist uns auf der ganzen Partie
-Neudek-Neuhammer-Platten leider _nicht_ gegönnt.)
-
-Haben wir Altvater Peintl unseren Gruss zugewinkt, und das letzte
-Häuschen von Neuhammer im Rücken, so winken uns höhere Gebirgskuppen,
-und ernster Fichtenwald nimmt uns auf. Die Strasse windet sich in
-vielfach gebogenen Zickzacklinien etwas steiler durch den dunkeln
-_Vierfels_ (rechts), den hochbewaldeten _Kaiserbuchwald_ (links). Die
-Berge treten näher und näher heran, das sanfte Rauschen des zur Linken
-fliessenden, forellenreichen Weissbächleins gewährt eine interessante
-Unterbrechung der Waldeinsamkeit. Dort, wo sich die Strasse stark nach
-Rechts wendet, verlässt uns unser traute Begleiter und versteckt sich
-am Fusse des sich hinter uns erhebenden kahlen Berges »_Kohlhau_«,
-wo er sein Quellchen hat. Die Strasse wird etwas steiler, und die
-Höhe, vom Volksmunde »_das Abg'span_« genannt, ist erreicht, eine
-steinerne Säule markirt dieselbe. (Links zweigt ein Fussweg, der sog.
-Buttersteig, ab und führt nach _Breitenbach_ und _Johanngeorgenstadt_.)
-Den Schlusstheil unserer Wanderung bildet das Zurücktreten des
-Waldes, an dessen Saume wir ein anmuthiges Forsthaus begrüssen; noch
-ein Viertelstündchen, und wir sind in _Platten_, dem Ziele unserer
-Wanderung.
-
-
-
-
-Platten.
-
-
- =Gasthöfe=: _Waldhütter's Gasthaus_ (an der Ecke des
- Marktplatzes). _Rathhaus._
-
- =Post- u. Telegrafenamt= am Marktplatz.
-
- =Postverbindung= nach Joachimsthal täglich 1mal.
- " Neudek " 1 "
- " Karlsbad " 2 "
- " Johanngeorgenstadt " 2 "
-
- =Aemter=: Bezirksgericht. Steueramt. Bürgermeisteramt (im
- städt. Rathhause).
-
-
-Beschreibung und Geschichte der Stadt.
-
-Die k. Bergstadt Platten liegt an der Südwestseite des Plattenberges
-auf dem Kamme des Gebirges, welches dicht nordwestlich an der Stadt
-allmählig nach der sächsischen Seite, im Süden aber mehr steil
-nach Böhmen abfällt. Die Stadt ist sehr regelmässig gebaut und
-zählt 2500 Einwohner, die Viehzucht, Blechlöffel- (aus Eisenblech
-und aus Stabeisen), Blechspiegel- und Blechfeuerzeuge-Fabrication,
-Spitzenklöppelei, Handschuhnäherei und Korkschneiderei betreiben. Nicht
-weniger als eine halbe Million Dutzend Löffel, und zwar beiläufig 30
-verschiedene Sorten, werden von Grosshändlern in Platten und Neudek
-jährlich nach allen Richtungen versendet. Der Gesammtwerth der in
-Platten erzeugten Blechspiegel wird auf ungefähr 40.000 fl. geschätzt.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Grosse _Löffelfabrik_ von Kolb und Kerl. Die
-_Stöpselfabrik_ des Vincenz Gerber. -- Zu erwähnen ist der durch
-die Stadt fliessende sog. _Stadtgraben_, ein Bach, der nördlich von
-Gottesgab entspringt und schon in alter Zeit von der Stadtgemeinde
-durch die Waldungen zum Betrieb der Berg- und Pochwerke, Mühlen und
-Schmelzhütten hieher geleitet worden ist und noch immer erhalten wird.
-
-Die Gegend um Platten gehörte im Mittelalter zu der damals böhmischen
-Herrschaft Schwarzenberg, welche aber König Georg von Poděbrad, als
-seine Tochter sich 1459 mit dem Herzog Albrecht von Sachsen vermählte,
-diesem als Mitgift gab. Herzog Albrecht verkaufte die Herrschaft an die
-Herren von Tessau, und von dieser Familie ging sie 1532 kaufweise an
-den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen über. Ohne Zweifel wurde
-schon vor genanntem Jahre in dieser Gegend an mehreren Puncten, wie
-bei den jetzigen Ortschaften Irrgang, Zwittermühl, Breitenbach u. a.,
-Bergbau auf Eisen und Zinn getrieben. Als 1532 auf dem Plattenberge
-»höfliche« (hoffnungsreiche) Zinngruben aufgefunden wurden, kamen
-immer mehr Bergleute aus der Umgegend, namentlich von Schneeberg,
-herbei, liessen sich hier nieder und gründeten Platten. Gleichzeitig
-fand die Gründung von Gottesgab statt. Der Bergbau machte in Platten
-bedeutende Fortschritte, viele neue Zechen wurden aufgenommen und
-auch einige Silbergänge erschürft: deshalb erliess der Kurfürst eine
-gedruckte Bergordnung und räumte der Bevölkerung die Befugnisse des
-Backens, Bierbräuens etc. ein. Im Jahre 1544 besass Platten bereits 8
-Schmelzhütten und mehrere Eisengruben. Im schmalkaldischen Kriege hatte
-die churfürstliche Bergstadt, überhaupt die ganze Gegend bis an das
-Egerthal herab, viele Bedrängnisse zu erdulden. Christof von Gendorf
-zog im October 1546 mit zwei Fähnlein gegen Platten und erschreckte mit
-fünf grossen Stückbüchsen die dort befindliche sächsische Mannschaft
-so, dass sie die Flucht ergriff und die Stadt von kaiserlichen Truppen
-besetzt wurde. Aber im April 1547 kam die Stadt wieder in den Besitz
-des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. Derselbe wurde bekanntlich
-vom Kaiser Karl V. in die Reichsacht erklärt und verlor sein Land,
-welches sein Vetter Moriz, der sich mit dem Kaiser verbunden hatte,
-erhielt. Am 14. October 1546 schloss König Ferdinand von Böhmen mit dem
-Herzog Moriz von Sachsen einen Vertrag ab, kraft dessen die südliche
-Hälfte der Herrschaft Schwarzenberg mit Platten und Gottesgab sammt
-den Wäldern an Böhmen mit der Bedingung abgetreten wurde, dass dem
-Herzog die freie Jagd und der Genuss des Bergwerks-Zehnten blieb. Ein
-zweiter, im Jahre 1556 zu Schneeberg abgeschlossener Vertrag änderte
-erwähnten Vorbehalt dahin ab, dass der Zehnte zur Hälfte getheilt, aber
-auch der Gehalt der Beamten von jedem Theile zur Hälfte gezahlt werden
-sollte. Im Laufe der Zeit erhielt die Stadt von den Kaisern Ferdinand
-I., Maximilian II., Rudolf II., Mathias und Ferdinand III. mehrere
-Privilegien, hauptsächlich zur Förderung des Bergbaues. So verlieh K.
-Ferdinand I. am 30. Juli 1555 der Stadt neue Bergfreiheiten, gestattete
-den Einwohnern, aus abgetriebenen Waldstrecken Felder anzulegen, und
-ein Stadtwappen zu führen, das ausser dem österreichischen Schild
-und dem halben böhmischen Löwen eine Seifengabel und eine Keilhaue
-darstellte.
-
-Die bis 1617 gemachten neuen Anstrengungen, den Bergbau zu heben,
-wurden durch den dreissigjährigen Krieg, der seine blutigen Wellen
-auch über die Bergrücken des Erzgebirges wälzte, unterbrochen. Und als
-1653 diejenigen protestantischen Bewohner Platten's, welche nicht zum
-katholischen Glauben übertreten wollten, nach Sachsen auswanderten
-und auf dem Fastenberge die Stadt Johanngeorgenstadt gründeten, ging
-der Bergbau dem gänzlichen Verfalle entgegen. Nur 1739 trat eine neue
-günstige Epoche ein. Der Grenzzoll-Einnehmer Hessler machte in diesem
-Jahre auf der Zinngrube St. Conrad einen überaus glücklichen Anbruch.
-Sie lieferte 1740 eine Ausbeute im Werthe von 200.000 fl., die sich
-später auf das Vierfache erhöhte. Ebenso glücklich war Hessler mit zwei
-Silberzechen, dem Gottholds-Stollen und am Rosenhof. Dieser reiche
-Bergsegen bildete leider nur eine Ausnahme.
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-Spaziergänge und Ausflüge.
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-1. _Zum *Plattenberg, nach Auerhahnl_ (Irrgang). Eine gute Strasse
-führt in nordöstlicher Richtung über den _Plattenberg_ (1038 m), von
-dem man eine schöne Aussicht über Platten und Bärringen hat. Bei der
-auf der Höhe steigenden Säule zweigt sich links ein Waldweg ab, auf dem
-man zu einer Triangulirungspyramide kommt, von der man eine _reizende
-Aussicht_ über einen Theil von Sachsen und Böhmen geniesst.
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-Zur Säule zurückkehrend, kommen wir auf schöner Strasse in stiller
-Waldeinsamkeit nach _Irrgang_, wo dem Spaziergänger das kleine, aber
-durch seine reinlichen Gastleute bekannte sog. _Auerhahnl_ zu einem
-frischen Trunk und stärkenden Imbiss einladet. Links von diesem
-Gasthause sehen wir ein _Eisenwerk_ (Hilfgotteseisenzeche). Rechts
-unterhalb dieses Eisenwerkes liegt das sog. _Schneebergl_, ein mit
-Jungholz bewaldeter Scheitel, wo sich mehrere Verritzungen, von altem
-Bergbau herrührend, finden, in deren Tiefe immerwährender Schnee
-sichtbar ist.
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-2. _Zur Wolfs- und Eispinge._ Bei der Kolb und Kerl'schen Löffelfabrik
-theilt sich der Fussweg. In nördlicher Richtung führt er bei dem aus
-den Zeiten des Bergbaues herrührenden _Pulverthurme_ und der ehemaligen
-Papiermühle vorbei. In dem niederen Fichtenstande, in den der Weg
-eintritt, theilt er sich von neuem. Wir halten uns rechts und kommen
-zu der vom Steige rechts sich befindlichen _Wolfspinge_. Dieselbe ist
-ein alter Tagbau, der nun als riesiges Felsennest von der primitiven
-Abbauung der Erze vor dreihundert Jahren Zeugniss gibt; die Annalen
-erzählen, dass man darin centnerschwere Zinngraupen gefunden hat.
-Etwas nördlicher kommen wir, das Augenmerk ängstlich auf unsere Füsse
-richtend, zur sog. _Eispinge_. Risse und Spalten in die Erde, die der
-Fuss zu überschreiten vermag, und die mit Gestrüpp überwachsen sind,
-verhindern den Zutritt des Sonnenlichtes in die gähnende Schlucht, in
-welcher ewiges Eis in mächtigen Stalagmiten, die Wände emporstrebend,
-sich befindet. Bemerkt sei, dass es auf dem Plattenberg ausser den
-beiden genannten Zeugen alten Bergbaues noch andere offene Stollen und
-Höhlen gibt (bei Irrgang die Schneepinge).
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-3. _Nach *Ziegenschacht_ (1 St.). Von der oben genannten Löffelfabrik
-betreten wir links den Wiesensteig. Zur Rechten und Linken breiten
-sich im schönsten Farbenschmucke prangende Wiesen aus. Wir gehen gegen
-Norden und kommen nach kurzer Strecke in eine Fichtenjugend, in welcher
-zwei Waldwege führen, die sich aber wieder vereinigen. Hat man die
-abgeholzte Richtung erreicht, so hält man sich links. Der Weg führt
-wieder in einen Fichtenbestand hinein, aus dem er erst in Ziegenschacht
-heraustritt. Die schöne Waldeinsamkeit, der duftige Harzgeruch und
-brennende Meiler machen diesen Spaziergang zu dem angenehmsten in
-Plattens Umgebung. Gasthaus im Ziegenschacht.
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-Tour Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.
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-Die vom Bahnhofe aus nach Schlackenwerth führende Aerarialstrasse
-verfolgend, betreten wir die auf der sog. _Weheditzer-Zettlitzer_
-Höhe links sich abzweigende und durch den Ort _Ottowitz_ führende
-Bezirksstrasse, die sich zwischen gutbebauten und ergiebigen Fluren
-dahinzieht, deren Inneres auch reiche Kohlenlager birgt. Man geniesst
-eine _hübsche Aussicht_ nach Zettlitz, Altrohlau. An der sog.
-_Widitzmühle_, dem _Widitzhofe_ und einigen Häusern der Gemeinde
-_Halmgrün_ vorbei leitet die Strasse durch einen grossherzoglich
-Toskanischen Fichten- und Föhrenwald und bringt uns nach 1¾stündiger
-Tour in das Dorf _Grossenteich_ (liegt 1 St. sw. von Schlackenwerth)
-mit dem nördlich am Dorfe gelegenen, einem kleinen See gleichenden
-_Grossteich_ von 110⅓ J. Area. Hier bietet sich ein _schöne Rundsicht_;
-man erblickt westlich die Dörfer Ruppelsgrün und Edersgrün, gegen
-Norden und Nordwesten das Erzgebirge mit dem Wölfling, gegen Osten und
-Süden das Duppauer Gebirge. Wir wandern auf der Strasse noch ¼ Stunde
-weiter und erreichen _Lichtenstadt_, wo sich uns gleichfalls eine _gute
-Rundsicht_ erschliesst.
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-Lichtenstadt.
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- =Gasthöfe=: _Zum Rathhaus. Zur Sonne._
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- =Postamt.= Bürgermeisteramt (im städt. Rathhaus).
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-=Sehenswürdigkeiten=: _Eisengiesserei-Fabrik_ des _Heinrich Reichel_ (5
-Minuten oberhalb der Stadt). Lichtenstadt gehörte i. J. 1217 dem Wladik
-Hroznada, welcher es dem von ihm gegründeten Stifte Tepl vermachte.
-Diese Schenkung bestätigte Karl IV. am 3. Mai 1350 und ertheilte
-zugleich die Erlaubniss, in dem an Lichtenstadt anliegenden Walde oder
-auf anderen, dem Stifte gehörigen Gütern Mühlen und Eisenbergwerke
-anzulegen. Die Geistlichen zogen fleissige deutsche Ansiedler in die
-Gegend, welche in den öden Waldstrecken viele Ortschaften anlegten. Zur
-Zeit des Husitenkrieges kam das Gut an die königl. Kammer, bis Kaiser
-Sigmund 1437 es nebst anderen Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick
-zum Geschenk machte. In älterer Zeit wurde hier Bergbau auf Silber
-und Zinn betrieben, der aber im Husitenkrieg einging. Unter Kaiser
-Ferdinand I. erblühte der Bergbau von neuem, allein der 30jährige
-Krieg vernichtete ihn. In den Jahren 1770 und 1785 stellte man neue
-Bergbauversuche an, erzielte aber keine Erfolge.
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-=Besteigung des *Wölfling.= In der unmittelbaren Nähe von der
-Reichel'schen Fabrik erhebt sich rechts der sog. _Hohenberg_, an dessen
-Fusse der israelitische Friedhof gelegen ist; links »der ausgedehnte
-und hohe _Glasberg_, welcher mit seinen Abhängen bis an den Fuss des
-Gebirges (Erzgebirges) abdacht und sich als ausgebreitetes Gebirgsjoch
-von seiner sich steil erhebenden ansehnlichen Kuppe in nordwestlicher
-Richtung bis auf den Hauptkamm des Gebirges hinzieht. Der höchste Punct
-dieses Gebirgsjoches ist der _Trausnitzberg_, westlich von Salmthal.
-Durch die südlichen ausgedehnten Gipfel des Glasberges wird diese
-weiter nordwestlich liegende Kuppe, sowie der höhere Hauptkamm des
-Gebirges, verdeckt.« Einer der südlichen Gipfel heisst _*Wölfling_
-und gewährt wegen seiner frei vorspringenden Lage eine _umfassende,
-prachtvolle Aussicht_, wie sie nur _wenige_ Puncte des Erzgebirges
-gewähren. Fast ausnahmslos in den bezüglichen Reise-Führern ignorirt,
-lässt sich auf dem Wölfling nur hie und da ein Tourist sehen. Wir
-können die Besteigung dieses Berges, obgleich die dahin führenden
-Wege manches zu wünschen übrig lassen, allen Erzgebirgstouristen
-auf das _wärmste_ empfehlen. Wir besteigen in einer Stunde den
-Wölfling von Lichtenstadt aus, passiren den sog. »Kirchsteig«, der
-beim lichtenstädter Schiesshause seinen Anfang nimmt und durch die
-Waldung oberhalb des Dorfes _Edersgrün_ führt. (Mit _Wagen_ kommt
-man auf der Bezirksstrasse über _Merkelsgrün_, _Salmthal_ in 1¼
-St. nach _Bärringen_, von wo südlich der gewöhnliche Weg, das sog.
-»Bärringer Strass'l« durch die grossherzogliche Waldung in 1 Stunde
-nach Wölfling führt, oder man fährt auf der vor der Reichel'schen
-Fabrik abzweigenden, über Edersgrün, Tüppelsgrün bis Neudek leitenden
-Bezirksstrasse bloss bis _Tüppelsgrün_, von wo sich in nordwestlicher
-Richtung ein Waldweg nach _Kammersgrün_ schlängelt; der nicht gar
-gute Verbindungsweg zieht sich in einer sanften Anhöhe nach Wölfling
-und kann ebenfalls in 1 Stunde zurückgelegt werden. Ist man am Gipfel
-des Berges angekommen, so sieht man das _Forsthaus_ und noch ein
-einzelnes Haus. Beide bilden das »_Vorder-Wölfling_«. Von da bietet
-sich dem Beschauer ein _wahrhaft entzückender und seltener Anblick_
-von einem bunten Gemische von Waldungen, Feldern, Wiesen und Teichen,
-Städten und Dörfern, Bergen und Thälern, dass demselben, überwältigt
-von dem herrlichen, farbenprächtigen Bilde, unwillkürlich ein »Ach«
-entfällt. Lässt man das Auge gegen den Fuss des Berges schweifen, so
-erblickt man südlich und südwestlich an dem Abhange kleine Vorberge
-und Thäler, welche reizend aussehen; namentlich nimmt sich das Dorf
-_Tüppelsgrün_, am Tüppelsgrüner Bache gelegen, sehr schön aus.
-Verfolgt man die Ebene südöstlich, so sieht man viele Ortschaften,
-darunter Schlackenwerth, die Gegend von Buchau, Giesshübl, die Ruine
-Engelhaus; südlich die Gebirgskette von Tepl, die Stadt Karlsbad
-mit ihren Ausflugsorten, z. B. Bahnhof, Waldschloss, Dreikreuzberg,
-Hirschensprung und Antonienshöhe, ferner Donitz, Fischern, Dallwitz,
-Aich, Altrohlau, Zettlitz u. a., den Grossteich und mehrere kleinere,
-zu Tüppelsgrün gehörige Teiche (Wiesenteich, Haideteich); südwestlich
-Neurohlau mit seinem grossen Teich, Chodau mit mehreren umliegenden
-Ortschaften, Elbogen, Altsattel, Neusattel, Falkenau und Umgebung,
-Maria-Kulm, die Gegend von Eger und Franzensbad. Ueberdies wird die
-lachende, herrliche Landschaft -- das Egerthal -- von dem Silberbande
-der Eger durchzogen. Einen unvergleichlich schönen, köstlichen Anblick
-geniesst man hier kurz vor Sonnenuntergang durch das Blitzen der
-vielen Teichspiegel, das Brennen der Fabriks-Essen von Dallwitz,
-Aich, Fischern, Altrohlau und Chodau. Von Wölfling gelangt man in
-nordwestlicher Richtung zu dem sog. »_Hohen Hau_« (zu Kammersgrün
-gehörig), woselbst ein _Gloriett_ errichtet ist zur besseren Aussicht
-auf das Egerland. -- Die Strasse, welche sich nördlich am rechten Ufer
-des forellenreichen Wistritzbaches zwischen Wiesen im reizend schönen,
-romantischen Wistritzthale dahinzieht, führt nach ½stündiger Wanderung
-durch das Dorf _Merkelsgrün_, welches am Wistritzbache gelegen, rechts
-von Feldern, links von Wiesen umgeben ist. Beim Wirthshause führt
-rechts von der Bezirksstrasse eine Strasse zur _Porzellanfabrik_. Wir
-schreiten auf der nun am linken Ufer des Wistritzbaches führenden
-Strasse entlang weiter und gelangen nach dem an Merkelsgrün
-unmittelbar sich anschliessenden Orte _Salmthal_, das 1 Stunde nw.
-von Lichtenstadt an den Thalgehängen des Glasberges und Plessberges
-liegt. (_Holzschleifereien_ des Wilhelm _Schreiter_, Heinrich _Kluge
-u. Comp._ und Johann _Geutner_.) (Erwähnenswerth ist, dass hier hinter
-dem Gasthause »zum grünen Thal« durch ein enges Seitenthal, den
-sog. Modersgrund, ein guter Waldweg nach _Abertham_ führt.) Weiter
-thalaufwärts steigend, kommen wir nach ½ Stunde in _Bärringen_ an.
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-Bärringen.
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- =Gasthöfe=: _Rathhaus_ und _Stadt Leipzig_.
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- =Post- u. Telegrafenamt.= Bürgermeisteramt.
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-Die Bergstadt Bärringen mit 2360 Einwohnern liegt hoch im Gebirge an
-der Schwarzen Wistritz. Die Haupterwerbsquellen sind Rindviehzucht,
-Stickerei und Spitzenklöppelei. Erwähnenswerth ist wohl hier die
-_Gimpelzucht_, die den Züchtern jährlich einige hundert Gulden abwirft.
-Die jungen Gimpel werden nämlich aus dem Neste genommen, zu Hause
-erzogen und gelehrt, indem man ihnen das einzuübende Liedchen bloss mit
-dem Munde rein und immer gleichmässig vorpfeift. In jüngster Zeit wurde
-hier durch Vermittelung des Herrn Ritters von Dotzauer auch die Harzer
-Kanarienvogelzucht eingeführt.
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-=Sehenswürdigkeiten=: _Die grossen Stickerei-Etablissements_ von _A.
-Meinls Erben_, _Gebrüder Pfob_ und _J. T. Poppenberger_.
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-Das Städtchen verdankt seinen Ursprung dem Bergbau, welcher hier 1532
-begann. Der Sage nach soll ein Bär durch Scharren seines Lagers in der
-Gegend des sogenannten Schwarzen Teiches das Erz entblösst haben, und
-so die Lagerstätte von Zinnerz erschürft worden sein; darauf soll auch
-das Wappen des Städtchens deuten, welches einen Bären vorstellt, der
-einen Ring in der Pfote hält. In der grössten Blüthe war der Bergbau,
-der schon längst erloschen ist, unter der Regierung Kaiser Ferdinands
-I., denn nicht weniger als 72 Pochwerke waren damals hier in Betrieb.
-Im Jahre 1559 wurde Bärringen zur Stadt erhoben.
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-Tour: Karlsbad-Schlackenwerth-Joachimsthal.
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-Von Karlsbad gelangen wir, wenn wir die Tour auf der schönen
-Reichsstrasse machen, in 2 Stunden (zu Wagen in 1 Stunde) nach
-Schlackenwerth, oder wir fahren zu dieser Stadt pr. Buschtěhrader Bahn
-in ½ Stunde.
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-Wir wählen die Fusstour. Unterhalb des Karlsbader Bahnhofes, wo sich
-die nach Schlackenwerth führende Strasse rechts zweigt, erblicken
-wir sogleich zur Linken das Dorf _Zettlitz_, zur Rechten _Karlsbad_,
-_Drahowitz_, den _Egerfluss_, _Weheditz_. Die Strasse führt durch
-Felder; wir schreiten bei einer grossartigen _Dampfziegelei_ vorüber
-und erreichen die sog. _Weheditzer-Zettlitzer_ Höhe, wo wir eine
-_schöne Aussicht_ geniessen (Siehe Tour Karlsbad-Lichtenstadt). (Auf
-dieser Höhe zweigt linksab die Strasse nach Lichtenstadt, etwas weiter
-entfernt rechtsab die Strasse nach Dallwitz.) Die in nordöstlicher
-Richtung dahinziehende Strasse weiter verfolgend, gelangen wir
-unterhalb _Sodau_ zu einem Theil dieses Dorfes mit 2 Gasthäusern,
-nähern uns dann dem rechts liegenden Dorfe _Lessau_, wandern links
-an dem Orte _Fuchsloch_ (½ St. sw. von Schlackenwerth) und dem
-Dorfe _Grasengrün_ (Teiche; der _Peinteich_ zwischen Grasengrün und
-Hauptstrasse) vorbei und kommen endlich nach _Schlackenwerth_. Links
-von der Strasse sehen wir den _Friedhof_ und den grossherzoglich
-toskanischen _Park_, rechts das _Actienbräuhaus_.
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-Schlackenwerth.
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- =Gasthöfe=: _Zum Renthaus_, am Marktplatze, _Schwarzer Adler_.
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- =Post- und Telegrafenamt= im erstgenannten Gebäude.
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- =Postverbindung= nach dem Bahnhofe »Schlackenwerth«.
- " " Joachimsthal täglich 3mal.
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- =Aemter=: _Bürgermeisteramt_. _Spar-_ und _Vorschusskassa_.
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-Beschreibung und Geschichte der Stadt.
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-Schlackenwerth, der Hauptort der gleichnamigen, dem Grossherzog von
-Toskana gehörigen Herrschaft, liegt am Fusse des Erzgebirges an der
-Wistritz und an der Buschtiehrader Bahn in einer schönen und reizenden
-Ebene, welche nördlich von den gewaltigen, waldbekrönten Bergketten
-des Erzgebirges, westlich von dessen milderen Ausläufern, südlich von
-den Karlsbader Hügelketten und östlich von dem kegelartig gestalteten
-Egergebirge eingeschlossen wird. Dieser sehr fruchtbare, an Aeckern
-und Wiesen reiche Basalt-Kessel wird vom Wistritz- und Weseritz-Bache
-durchfurcht. Ersterer nimmt, bevor er Schlackenwerth erreicht,
-den Weseritzbach auf. Die Stadt zählt 2000 Einwohner, welche sich
-hauptsächlich mit der Landwirthschaft beschäftigen.
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-=Sehenswürdigkeiten.= _Das grossherzoglich Toskanische Schloss_, in
-einfachem Renaissancestyl erbaut, ist in jüngster Zeit durch zwei
-Seitenflügel und einen rückwärtigen Trakt vergrössert worden. Dasselbe
-besitzt einen _grossartigen Rococo-Park_ mit hundertjährigen Eschen
-und Linden, stattlichen Erlen, Ahornen, Weiden, Cirpisbäumen und
-hohen Tannen, sowie mit anmuthig angelegten Spaziergängen. Mitten im
-Parke, der in den Sommermonaten von Karlsbader Curgästen und Touristen
-sehr häufig besucht wird, steht das im Rococostyle erbaute herrliche
-_Gartenhaus_, ein octogones, barockes Gebäude mit _Restauration_.
-(Geschichtliches siehe bei der Geschichte der Stadt.)
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-_Die Pfarrkirche_, im gothischen Styl erbaut und neu renovirt, hat
-ausser dem imposanten Hauptaltar noch 6 Seitenaltäre. Das Altarbild des
-ersteren stellt die Grabbestattung Jesu vor und ist ein Meisterwerk des
-berühmten böhmischen Malers _Karl Skreta_. _Das Piaristen-Collegium_
-mit einem durch den letzten Gymnasialdirector P. Ernst _Miebes_, einen
-geborenen Schlackenwerther, _trefflich angelegten, reichhaltigen
-Lehrmittel-Cabinet_, mit einer werthvollen _Bibliothek_, im grossen,
-schönen Archivsaale, an dessen Wänden nebst den Ahnenbildern der
-_Lauenburger_ auch die Bildnisse der kaiserlichen Hoheiten _Leopold_
-II. und _Maria Antonia_ in Lebensgrösse prangen. Für den Archäologen
-und Bibliographen ein Unicum: Der _Manuskript-Pergamentcodex vom Jahre
-1353_, welcher die Legende der hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, und
-vier Homilien des hl. Bernhard enthält.
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-=Geschichtliches.= Das Piaristen-Collegium wurde von _Anna Magdalena
-Popelia_, der Gemahlin des Herzogs Julius Heinrich von Lauenburg,
-1666 gestiftet; das Gymnasium, 1780 in eine Normalhauptschule
-verwandelt, wurde 1804 abermals eröffnet und bestand bis zum Jahre
-1820, in welchem die beiden Humanitätsklassen aufgehoben wurden,
-so dass nur die 4 Grammatikalklassen blieben, die aber 1852 sammt
-der Hauptschule geschlossen wurden. Durch die wahrhaft fürstliche
-Munificenz der durchlauchtigsten Frau _Grossherzogin Maria Antonia_
-und des edlen _Grossherzogs Leopold_ II. konnte am 1. Okt. 1863 das
-Piaristen-Untergymnasium wieder eröffnet werden, das aber leider
-mit dem Schuljahre aufhörte. -- In der Piaristenkirche, welche
-1674 eingeweiht worden ist, befindet sich auf dem Hochaltare die
-_Muttergottesstatue Maria-Treu_, wohin nicht nur Schlackenwerther,
-sondern auch Katholiken aus der ganzen Umgegend ihre Zuflucht nehmen.
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-_Porzellanfabrik von Pfeiffer und Löwenstein._ (Rechts von der Strasse
-zum Bahnhofe.) -- _Actienbräuhaus._ (Links an der Karlsbader Strasse.)
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-Die Erbauung Schlackenwerths (zuerst Schlawkes Warthe, später Schlawkes
-Werth, zuletzt Schlackenwerth) wird dem Slavek von Riesenburg
-zugeschrieben, welcher die Stadt dem Bürgermeister und Rath überliess,
-so dass dieselbe von König Johann (1310) bis zu Kaiser Sigmunds
-Regierung unter dem Stadtrathe verblieb, bis endlich genannter Kaiser
-dieselbe im J. 1419 an seinen Kanzler Caspar Schlick verpfändete, der,
-aus einer Egerischen Patricierfamilie stammend, bis zum Reichsgrafen
-(1437) emporstieg und mit Elbogen, Falkenau und Schlackenwerth belehnt
-wurde. Graf Caspar Schlick, dreier Kaiser Reichskanzler und »ein Mann
-von grosser Geistesgewandtheit«, wurde der Begründer dreier berühmten,
-reichbegüterten Grafenlinien, von denen die Schlackenwerther Schloss,
-Dominium und Stadt bis zum Jahre 1578 beherrschte. Unter der Regierung
-des Königs Georg von Poděbrad wurde ein Theil des Schlosses und der
-Stadt in Asche gelegt, da Graf Schlick mit den Schlackenwerthern an
-den katholischen Herrenbund gegen den König sich angeschlossen hatte.
-1578 kam die Herrschaft Schlackenwerth an die Schönburge, Stadt und
-Schloss wurden 1621 von den Soldaten Mannfelds geplündert. Die nach
-der Schlacht am Weissen Berge von dem königlichen Fiscus eingezogene
-Herrschaft überliess Kaiser Ferdinand II. im J. 1625 käuflich dem
-Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Derselbe liess 1650
-mit Benützung der Grundmauern des Schlick'schen Schlosses ein neues
-Schloss aufbauen und mit einem Geldaufwande von 60.000 Reichsthalern
-einen grossartigen Park anlegen, der mit seinen Wasserleitungen und
-50 Springbrunnen eine Art Klein-Versailles darstellen sollte und von
-einem Schriftsteller des 18. Jahrhunderts sogar das achte Wunder der
-Welt genannt wurde. Dem verstorbenen Herzog Julius Heinrich folgte
-sein Sohn Julius Franz, dessen Tochter Franziska Sybilla Augusta
-sich 1690 nach dem Tode ihres Vaters (1689) mit dem Markgrafen Ludwig
-Wilhelm von Baden-Baden vermählte. So gelangte der Besitz an das Haus
-Baden-Baden, um bei demselben bis 1782 zu verbleiben. Nach dem Tode des
-Markgrafen August Georg erhielt dessen Nichte, die Prinzessin Elisabeth
-Augusta von Baden, das Nutzungsrecht der Herrschaft Schlackenwerth von
-der Kaiserin Maria Theresia lebenslänglich. Von 1799 fiel auch das
-Nutzungsrecht wieder an die Kammer zurück. Später kam Schlackenwerth
-an Ferdinand II., Grossherzog von Toskana. Als Grossherzog Leopold
-II. von Toskana, der edle, so schwer geprüfte Fürstengreis aus
-Habsburgs Herrscherhause, in dem verhängnissvollen Jahre 1859 mit der
-grossherzoglichen, hochherzigen Familie hier bleibenden Aufenthalt
-genommen, begann für Schlackenwerth eine neue segensreiche Periode.
-In Schlackenwerths Annalen wird für immerwährende Zeiten mit goldenen
-Lettern der denkwürdige 23. Februar 1861 glänzen, wo Leopold II.,
-Grossherzog von Toskana und Erzherzog von Oesterreich, einstimmig zum
-Bürgermeister der Stadt Schlackenwerth gewählt wurde. »Leopold II. nahm
-aber nicht blos die Wahl als Bürgermeister an, sondern unterzog sich
-auch persönlich allen durch die Communalgesetze gebotenen Pflichten,
-ein schönes und seltenes Beispiel in der That, welches hier einerseits
-aus einem Familienzuge der Habsburger, der Achtung vor dem Volke,
-anderseits aus dem in Italiens Boden tiefgewurzelten Bewusstsein,
-bei der Gemeindeautonomie mit der Entgegennahme des Rechtes sich
-auch im strengsten Sinn der Pflicht zu unterziehen, entspringt.
-Diese enge Beziehung zwischen dem Grossherzog und der Bürgerschaft
-Schlackenwerths erneuerte sich bei der Wiederwahl (22. August
-1864), deren Annahme wieder erfolgte und in der Stadt grosse Freude
-hervorrief.« Der durchlauchtigste Grossherzog-Bürgermeister leistete
-für Schlackenwerth wahrhaft Hervorragendes und Unvergängliches! Aber
-auch dessen durchlauchtigste Gemahlin, die Frau Grossherzogin Maria
-Antonia bewährte sich stets als eine hohe Gönnerin und fürstliche
-Wohlthäterin dieser Stadt. »In ganz ähnlicher Weise übertrug sich auch
-dieses Verhältniss auf den dermaligen Besitzer und seine Gemahlin«,
-nämlich auf Sr. kais. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Ferdinand IV.,
-Grossherzog von Toskana, und Ihre kais. Hoheit die durchlauchtigste
-Frau Grossherzogin. Von hohen fürstlichen Besuchen, deren sich
-Schlackenwerth zu erfreuen hatte, heben wir hervor: _Den Besuch Sr.
-kais. u. kön. Majestät des Kaisers Franz Josef_ I. am 23. Juni 1864,
-welchen Tag Grossherzog Leopold II., der damalige Bürgermeister
-Schlackenwerths, durch eine Gedenktafel aus Marmor am Rathhausgebäude
-verewigte. In demselben Jahre (am 30. Juni 1864) stattete auch _König
-Otto von Griechenland_ der grossherzoglichen Familie einen Besuch ab.
-_König Johann von Sachsen_, der gekrönte Dante-Uebersetzer, Vater der
-ersten Gemahlin des Grossherzogs und Grossvater der Erzherzogin Maria
-Antoinette, der fürstlichen Dichterin, verweilte wiederholt bei der
-Grossherzog Toskanischen Familie zum Besuche.
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-Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten Schlackenwerths in Augenschein
-genommen haben, kehren wir der Stadt den Rücken, um unsere Tour
-fortzusetzen. Ein wahrhaft entzückendes Landschaftsbild entrollt sich
-vor unseren trunkenen Blicken! Inmitten einer vegetationsreichen
-Ebene mit wogenden Feldern, beblumten, saftiggrünen Wiesen und
-ergiebigen Obstbäumen sehen wir aus dreiviertelstündiger Entfernung die
-waldesdunklen und mannigfaltig geformten Berge des wie eine Mauer steil
-sich aufthürmenden Erzgebirges, durchbrochen von einem tiefgefurchten,
-romantischen Querthal, dem unsere Tour gilt. Wir wandern, aufjauchzend
-vor Lust, auf der schönen, beiderseits mit Obstbäumen bepflanzten
-Aerarialstrasse in nördlicher Richtung weiter und gelangen in
-einer halben Stunde nach _Unterbrand_, wo wir den grossherzoglich
-Toskanischen Meierhof besichtigen, dessen landwirthschaftliche
-Maschinen, den neuesten Fortschritten auf diesem Gebiete Rechnung
-tragend, besonders den Oekonomen interessiren dürften. Von hier
-erreichen wir nach ¼stündiger Wanderung das freundliche, mit Obstbäumen
-geschmückte Dorf _Oberbrand_, dessen Einwohner noch den lohnendsten
-Feldbau betreiben. Statt der Obstbäume bilden aber bald Vogelbeerbäume
-mit ihren zinnoberfarbenen Beeren Strassenspalier; wir stehen an der
-Eingangspforte des engen, prächtigen _Weseritzthales_. Die Strasse, ein
-schmaler Wiesensaum und die rauschende Weseritz bilden die Thalsohle,
-während zur Rechten und Linken die mit Fichten, Tannen und Buchen reich
-bedeckten Abhänge mit jedem Schritte steiler und majestätischer sich
-gestalten. Bald wird das immer höher aufsteigende Thal etwas weiter,
-wir schreiten an mehreren, schon zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen
-Mühlen vorbei, _Hansgirgs_ Verse reproducirend: »Im Erzgebirge, wie
-klappern die Mühlen so laut; so laut, wie rauschen die Bächlein gar
-frisch im Kühlen so traut, so traut.« Oberhalb der _Herrenmühle_ (die
-dritte Mühle oberhalb der _Trinksmühle mit Restauration_) betreten wir
--- was den Touristen _warm empfohlen_ werden kann -- den links von der
-Strasse abzweigenden, bequemen Fussweg, der in Serpentinen durch den
-schattigen Wald aufwärts führt. Nach kurzer Steigung erreichen wir den
-ebenen _Seilerweg_, der, an der westlichen Berglehne sich dahinziehend,
-eine _wunderschöne Aussicht_ gewährt (siehe Joachimsthaler Spaziergänge
-3). Verfolgt man dagegen die Strasse, so kommt man zum k. k.
-_Hüttenwerke_ (siehe Joachimsthaler Spaziergänge 2), das uns daran
-erinnert, dass wir in der Nähe von Joachimsthal sind, das jedoch --
-wir meinen die eigentliche obere Stadt -- die Krümmung des Thales noch
-verhüllt, links erblickt man die Barbara-Kapelle. Hier sieht man den
-untersten Theil der Stadt, nordwestlich aufsteigend, und hoch auf dem
-Berge nordöstlich die _Prokopi-Kapelle_. Immer mehr sind die Wälder
-gelichtet, und was sich die Natur abzwingen liess, ist zu Feldern und
-Wiesen verwandelt.
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-Joachimsthal.
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- =Gasthöfe=: _Hôtel zur Stadt Dresden_, im oberen Theile der
- Stadt am Marktplatze gelegen. -- _Hôtel zum wilden Mann_, das
- zweite Haus neben genanntem Hôtel.
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- =Photographische Ansichten= von Joachimsthal und hervorragenden
- Gebäuden dieser Stadt bei dem Photographen _Anton Kraus_
- (Marktplatz).
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- =Post- und Telegraphenamt= auf dem Marktplatze.
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- =Postverbindung= nach Schlackenwerth täglich 3mal.
- " " Platten " 1 "
- " " Weipert " 1 "
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- =Privatfuhrwerke= bei Rudolf Günther, Christof Porkert und
- Wilhelm Seidl. Auf besonderes Verlangen besorgt auch der
- Hôtelbesitzer »zur Stadt Dresden« Fahrgelegenheiten.
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- =Aemter.= Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht, Steuer-
- und Grundbuchsamt, Bürgermeisteramt, städt. Forst- und
- Rentamt, Sparkassa (sämmtlich im Stadthause), Berg- und
- Hüttenverwaltung sowie Forstamt (Oberamtsgebäude), Notariat,
- Finanzwachkommissariat.
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-Beschreibung und Geschichte der Stadt.
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-Die k. Bergstadt Joachimsthal, die Metropole des böhmischen Erzgebirges
-genannt, liegt in einem engen und tiefen, nach Südosten und Süden
-geöffneten Querthale, das von dem rasch herabstürzenden Weseritzbache
-durchbraust wird, zwischen hohen Bergen, dem _Galgenberge_ im Osten,
-dem _Pfaffenberge_ im Süden, dem _Schlossberge_ im Westen, dem _Obern_
-und _Untern Türkner-Berge_ im Norden. Sie besteht in ihren eigentlichen
-Grundlinien im Thalgrunde vorzugsweise nur aus zwei Häuserreihen,
-an die sich aber beim Bräuhausplatze, wo das Thal sich erweitert,
-beiderseits terrassenförmig noch je zwei Häuserzeilen, sowie in
-einem westlichen Seitenthale der Stadttheil Pfaffenberg anreihen.
-Die seit dem grossen Brande von 1873 grösstentheils neu aufgebaute,
-sehr freundliche Stadt, die überdies vom hiesigen Anpflanzungsvereine
-an mehreren Plätzen durch Anlagen verschönert wurde, übt sicherlich
-auf jeden Besucher einen _wahrhaft bezaubernden, nachhaltigen_
-Eindruck aus, so dass man kaum fehlgehen wird, Joachimsthal als _die
-schönste und regelmässigste_ Stadt im ganzen böhmischen Erzgebirge
-zu bezeichnen. Sie zählt 612 Häuser und gegen 7000 Einwohner, welche
-sich durch Bergbau, Cigarren-, Handschuh- und Stöpselfabrication,
-Spitzenklöppelei, Spitzenhandel, sowie durch das karge Erträgniss der
-Landwirthschaft ernähren.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: _Decanalkirche_ (auf dem viereckigen, mit einer
-Anlage geschmückten Kirchenplatze gelegen) wurde von der Stadtgemeinde
-in den Jahren 1874--1876 in neugothischem Styl vom Baumeister Friedrich
-Karl _Richter_ aus Breitenbach unter Leitung des Prager Dombaumeisters
-und Architekten Josef _Mocker_ neu hergestellt. Mit Bezug auf die
-inneren Räume dieser Kirche hat _Hansgirg's_ Behauptung: _dass sie
-ein gar seltenes, sowohl im Totaleindruck als auch in der liebevollen
-Durchführung des Details überwältigendes Kunstwerk sei, welchem im
-westlichen Böhmen kaum noch ein Bau ähnlicher Art ebenbürtig an die
-Seite gestellt werden kann_, seine vollste Berechtigung. Architekt
-(_Mocker_), Maler (_Gebrüder Jobst_ aus Wien) und _Bildhauer_ (_Leimer_
-aus Wien) haben sich hier ein unvergängliches Monument einheitlichen
-Strebens gesetzt. Nicht nur die Altäre (3) und die Kanzel, sondern
-alle übrigen Objecte der inneren Kirche entsprechen dem Geiste der
-Gothik. Die Gemälde der Altäre sind _plastisch_. Der _Hauptaltar_ ist
-ein grossartiger, echt gothischer Bau. »Anmuth ist der Grundtypus
-dieses herrlichen Werkes, das durch das echte Naive und Herzinnige der
-Skulpturcompositionen noch potencirt wird, deren Bemalung eine elegante
-ist, dass bei der Empfindung der Frömmigkeit zugleich die des höchsten
-Wohlgefallens erweckt wird.« Die Hauptnische dieses Altars enthält
-die _hl. Familie_ (in der Mitte die hl. _Maria_, etwas rückwärts zur
-Seite St. _Joachim_ und St. _Anna_ -- die Patrone der Kirche). In
-den zwei Nebennischen (links) der hl. Prokopius, Schutzpatron der
-Bergleute, (rechts) der hl. Johannes. Bei sämmtlichen Altären ist
-Plastik, Ornamentik, Farbe und Goldzier gleich rühmenswerth. Den
-Kunstfreunden sei von den Seitenaltären besonders der _Marien-Altar_
-(links) empfohlen (Hauptfigur: _die unbefleckte Maria im Gebet_). Der
-_Josefi-Altar_ (rechts), Hauptfigur: der hl. _Josef_, den Lilienstengel
-in der rechten Hand, das Jesukindlein mit der Erdkugel am linken Arm
-haltend. Die prachtvolle _Kanzel_ mit den Gestalten der Kirchenlehrer;
-das _Baptisterium_ (Taufkapelle), die _Orgel_ (Kegelladensystem,
-_Steinmeier_ in Oettingen).
-
-_Das Stadthaus_ (an der Ecke des Kirchenplatzes), ein alterthümliches,
-ansehnliches Gebäude, das dem letzten gewaltigen Brand Widerstand
-geleistet, enthält _die interessante, sehenswerthe Gemeindebibliothek_,
-welche 1540 begründet worden ist. Sie enthält 190 Werke aus dem XV.
-und XVI. Jahrhundert (in deutscher, lateinischer, griechischer und
-hebräischer Sprache) und zwar dem Inhalte nach: Jurisprudenz 17,
-Theologie 60, Poesie und classische Literatur 51, realistische Fächer
-17, hebräische Sprache 7, linguistische 20, Geschichte, Geographie und
-Statistik 18. -- Eine Biblia hebräica, in Frakturlettern auf Pergament
-sehr schön geschrieben, stammt nach Dr. Oppenheimer's Untersuchung vom
-Jahre 1384.
-
-_Das k. k. Bergoberamtsgebäude_ (neben dem Stadthause) mit
-reichhaltiger _Mineraliensammlung_ des montanistischen Vereines.
-(Daselbst werden auch Mineralien verkauft.) _Das Volks- und
-Bürgerschulgebäude_ (links von der Kirche), ein wahrer Schulpalast,
-mit einer reichlich ausgestatteten Lehrmittelsammlung. -- (Rechts
-von der Kirche): _Die k. k. priv. Handschuhfabrik von Martin Bencker
-u. Sohn_, die grösste in Oesterreich-Ungarn, und _die Stöpselfabrik
-des Anton Schreiber_. _Der k. k. Einigkeitsschacht_ (ober dem
-Schulgebäude) bietet vielfaches Interesse, und ist dessen Befahren
-durch Schalenbeförderung leicht, gefahrlos und lohnend. (Wegen Einfahrt
-wende man sich an den k. k. Bergrath im Oberamtsgebäude.) _Schloss
-Freudenstein, k. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk._ (Siehe
-»Kleine Spaziergänge«.)
-
-Die ganze Gegend, wo jetzt Joachimsthal steht, war bis zum Jahre
-1516, dem eigentlichen Gründungsjahre dieser Stadt, eine nur mit Wald
-bedeckte Gebirgslandschaft, welche zur Herrschaft Schlackenwerth
-gehörte, die nebst Lichtenstadt Kaiser Sigmund 1437 seinem treuen
-Reichskanzler Kaspar Schlick, Grafen von Passaun (Bassano), geschenkt
-hatte. Einzelne Bergleute aus Schlackenwerth (»der alte Oeser«) und
-aus dem Markgrafenthum Meissen (»Kaspar Bach«) betrieben hier ohne
-Zweifel schon gegen Ende des XV. oder in den ersten Jahren des XVI.
-Jahrhunderts Bergbau auf Silber, der aber nicht bedeutend gewesen zu
-sein scheint. Im Jahre 1515 stellte sich Graf Stefan Schlick an die
-Spitze einer Gewerkschaft, welche die alte Fundgrube am Schottenberg
-wieder belegte und 1516 die erste Ausbeute vertheilte. Bis zu diesem
-Jahre sollen etliche verfallene Häuser am untern Türckner, eine Mühle
-am Brotmarkt -- dem heutigen Pfaffenberg -- und ein Hammer in dieser
-Gegend gewesen sein; nach einer Wiese wurde Thal und Weiler Conradsgrün
-(»Cunradisgrün«) genannt. Aber die Kunde von dem überaus ergiebigen
-Bergbau drang mit staunenswerther Raschheit durch das ganze Erzgebirge
-und lockte baulustige deutsche Bergleute und Gewerke in solcher Anzahl
-in's »Thal«, dass die neue Bergcolonie bis December genannten Jahres
-bereits 400 Häuser gezählt haben soll. Der Silberreichthum war hier
-geradezu fabelhaft. Deshalb fand sich Graf Stefan Schlick, der damalige
-Grundherr, bewogen, den Grund zu einer Bergstadt zu legen, welche
-bald gedeihlich aufblühte. Da es auf dem jenseitigen meissnischen
-Gebiete bereits ein Annaberg (1496) und Jöhstadt (Josefsstadt, 1517)
-gab, wurde, um die Glieder der hl. Familie als Schutzpatrone auf
-einem verhältnissmässig kleinen Raume zu ergänzen, das Thal und die
-neu angelegte Stadt nach Christi Grossvater, dem hl. Joachim, St.
-Joachimsthal (»Jochimsthal«) genannt. Aber gar bald erhoben die
-Brüder von Haslau, deren Grundeigenthum an das Schlickische grenzte,
-Ansprüche auf benachbartes Gebiet, bis auf welches sich der Bergbau
-und die Anlage der Stadt auszudehnen begonnen hatten. Der darüber
-mit den Grafen Schlick entstandene Streit wurde jedoch durch einen
-schleunigen Vergleich (1518) beendigt, in Folge dessen die Herren von
-Haslau eine Entschädigung zugesichert erhielten. Ein in demselben
-Jahre ausgebrochener Aufstand der Bergleute veranlasste den Grafen
-Schlick zur Herausgabe der berühmten Bergordnung; er liess ferner eine
-Münze (an dieser Stelle steht das heutige Oberamtshaus) erbauen, »aus
-welcher im nächsten Jahre 1519 die ersten Münzen, Guldengroschen, zu
-24 weissen Groschen, wie sie in Sachsen geprägt wurden, hervorgingen.
-Man nannte sie nach dem Orte ihres Ursprungs _Thalergroschen_, später
-einfach _Thaler_, ein Name, welcher allmählig in ganz Deutschland
-das Bürgerrecht erhalten und selbst in fremden Ländern (als Dollar
-in England und Amerika, als _Talar_, _Talari_ in der Levante etc.)
-Eingang gefunden hat. Sie trugen auf der Vorderseite das Bildniss des
-hl. Joachim, auf der Rückseite das des Königs Ludwig und des Grafen
-Schlick, oder auch den böhmischen Löwen und führten daher auch den
-Namen _Schlickenthaler_ und _Löwenthaler_. Lateinisch nannte man sie,
-weil sie zwei Loth oder eine Unze wogen, _Unciales_, auch _Vallenses_
-(_Joachimicos_) und später, nachdem sie als deutsche Reichsmünze
-Geltung und Umlauf erlangt hatten, _Imperiales_ (Reichsthaler). --
-König Ludwig bestätigte nicht nur im Jahre 1519 die Freiheiten, welche
-Graf Stefan Schlick der Gemeinde und Knappschaft zu Joachimsthal
-verliehen hatte, sondern erhob auch auf Ansuchen des genannten Grund-
-und Burgherrn mittelst Majestätsbriefes vom 6. Jänner 1520 Joachimsthal
-zu einer _freien Bergstadt_ und verlieh ihr alle damit verbundenen
-Rechte und Freiheiten, sowie die Errichtung eines Schöppenstuhls
-zur Schlichtung der zwischen dem Bergpersonale entstehenden
-Rechtsstreitigkeiten. In demselben Jahre bestätigte der König auch
-das Münzprivilegium des Grafen Schlick.« Trotz zweier neuerlicher
-Aufstände (1523 und 1525) blühte die Bergstadt unter der vortrefflichen
-Fürsorge des ritterlichen Grafen Stefan Schlick immer mehr und mehr zu
-einer hochansehnlichen, reichen, dichtbevölkerten Stadt empor, die mit
-tüchtiger Gemeideverwaltung und Schule ausgestattet war. Sie zählte
-zur Zeit ihrer höchsten Blüthe über 1200 Häuser, gegen 12000 Bergleute,
-400 Schichtmeister, 800 Steiger und 800 in Betrieb stehende Zechen.
-Leider fand Graf Stefan Schlick, ein treuer und tapferer Unterthan
-seines Königs, im 39. Lebensjahre seinen Tod in der unglücklichen
-Schlacht bei Mohacz (29. August 1526).
-
-Nun folgten dessen jüngere Brüder Graf Hieronymus und Lorenz, die
-Joachimsthal wechselweise immer zwei Jahre beherrschten; doch kam es zu
-Erbstreitigkeiten. Diese gaben den ersten Anlass, dass König Ferdinand
-I. den Grafen Schlick »ihr ohnehin nicht ganz rechtmässiges Münzregal«
-entzog, das nun an die Regierung kam (1528). Nichtsdestoweniger
-schenkten die Schlicke in den Jahren 1530--1536 der Stadt von neuem
-Grund und Boden und begannen 1534 den Bau der Kirche, »welche ohne
-fremde Hilf erbaut ist« und 1537 zum Gottesdienste benützt wurde. 1545
-mussten die Schlicke das Joachimsthaler Bergwerk dem König unter der
-Bedingung abtreten, »dass sie sich« -- wie Mathesius sagt -- »ihres
-Zehendens Erbkux und Hüttenwerks unverhindert von meniglich gebrauchen
-mögen.« -- Als 1518 die Reformation im benachbarten Sachsen feste
-Wurzeln fasste, fanden Dr. Luthers Lehren auch in Joachimsthal eifrige
-Anhänger, namentlich in den Grafen Schlick. Lange stritten sich hier
-die katholische und protestantische Partei um die Herrschaft, bis
-endlich 1540 der Protestantismus den vollständigen Sieg davontrug.
-In jener Zeit wirkten zu Joachimsthal: Der hervorragende Gelehrte
-M. _Johannes Mathesius_ (geb. am 24. Juni 1504 zu Rochlitz in
-Sachsen, gest. zu Joachimsthal den 8. Okt. 1565) erst als Rector an
-der berühmten Lateinschule, dann als Pfarrer; (die Bürgerschaft hat
-ihm am 24. Juni 1874 an dem Stadthause eine Votivtafel eingesetzt),
-ferner _Nikolaus Hermann_, der »alte Cantor« genannt, einer der
-besten Liederdichter des XVI. Jahrhunderts, als Cantor (gest. am 3.
-Mai 1561 zu Joachimsthal) und endlich _Georg Agricola_, der Begründer
-der Mineralogie (geb. am 24. März 1494 zu Glaucha in Sachsen, gest.
-am 21. Nov. 1555 zu Chemnitz) von 1527--1530 (1533?) als Stadtarzt.
-Durch den schmalkaldischen Krieg, in welchem die Joachimsthaler sich
-den aufständischen böhmischen Ständen anschlossen und die Stadt
-von sächsischen Truppen eingenommen wurde, büsste sie ihre alte
-Blüthe ein und ging, obgleich Kaiser Ferdinand I. und namentlich
-Kaiser Rudolf II. verschiedene Mittel zum Aufschwunge des Bergbaues
-anwandten, immer mehr dem Verfalle entgegen, der mit dem 30jährigen
-Kriege eintrat. Das protestantische Joachimsthal stellte sich bei
-dessen Ausbruche auf die Seite der aufrührerischen Stände Böhmens
-und wurde sammt dem Schlosse Freudenstein von dem utraquistischen
-Feldherrn Mannsfeld besetzt, der aber 1621 abzog. Nach der Schlacht
-am Weissen Berge (1620) trat bekanntlich die Gegenreformation ein,
-und da sich der grösste Theil der Bewohner Joachimsthals zur Annahme
-der katholischen Lehre nicht bequemen wollte, wanderten Tausende über
-die Landesgrenze. Die letzten Auswanderungen der Protestanten fanden
-1653 statt. (Vergl. Bergstadt _Platten_.) 1631 besetzten die Sachsen
-Joachimsthal und die Veste Freudenstein, wohin aber schon 1632 die
-Kaiserlichen eine Besatzung legten. Dieselbe vertheidigte sich 1634
-gegen eine schwedisch-sächsische Heeresabtheilung so tapfer, dass sie
-erst capitulirte, als die Feinde durch ihre Batterie-Kugeln das Schloss
-unhaltbar gemacht hatten. Die Schweden plünderten dasselbe, überliessen
-es den Flammen, wodurch es zur Ruine wurde. Schon vorher hatte sich die
-arg verwüstete Stadt ergeben müssen.
-
-Am 31. März 1873 wurde Joachimsthal durch einen schrecklichen Brand
-schwer heimgesucht, so zu sagen vernichtet, denn das wüthende
-Element verwandelte unaufhaltsam in fliegender Eile 309 Häuser sammt
-Nebengebäuden in Schutt und Trümmerhaufen. Auch die grossartige Kirche,
-»ein kunsthistorisches und archäologisches Unicum,« wurde zerstört.
-Tausende hatten Obdach und Habe verloren! Bei dieser Gelegenheit hat
-sich der deutsch-böhmische Dichter und Menschenfreund _Karl Viktor
-Ritter von Hansgirg_, der damals Bezirkshauptmann war (geb. am 5.
-August 1823 zu Pilsen, gest. den 12. Jänner 1877 zu Joachimsthal), ein
-bleibendes Denkmal durch seine aufopferungsvolle, rastlose Thätigkeit
-zur Milderung der Nothlage gesetzt. Seine an die Mildthätigkeit
-appellirenden Worte wirkten wie ein zündender Funke, und Dank der
-Staatssubvention von 500.000 fl., Dank den grossartigsten Hilfsquellen
-von Seite der vielsprachigen Völker Oesterreichs und der Nachbarländer
-konnte der Wiederaufbau der Stadt in überraschend kurzer Zeit
-stattfinden; leider fiel derselbe aber in eine äusserst kostspielige
-Bauperiode, so dass es niemand Wunder nimmt, wenn der grösste Theil der
-Häuser noch schwer mit Schulden belastet ist.
-
-
-Kleinere Spaziergänge.
-
-Die Umgebung von Joachimsthal bietet eine Menge einladender und
-lohnender Spaziergänge:
-
-1. _Schloss Freudenstein_, auf der westlichen Seite der Stadt, liegt
-auf dem steilen Schlossberg, der nur westwärts in eine Ebene ausläuft.
-Von der einstigen festen, überaus zweckmässig angelegten Veste sind nur
-zwei runde Thürme von bedeutendem Umfange und ein Stück Ringmauer übrig
-geblieben. Von denselben zeichnet sich der vordere, nordöstliche durch
-seine Höhe aus; er besitzt ein Laternenthürmchen mit einer Glocke und
-wird von dem Stadtwächter bewohnt, welcher früh Morgens um 3 Uhr, dann
-um 4 Uhr, Mittags um 11, beziehungsweise 12 Uhr, Abends aber um 7 und
-8 Uhr durch Glockengeläute den Bergknappen zum Ein- und Ausfahren das
-Signal geben, überdies aber bei Tag und Nacht der Stadtuhr nachschlagen
-muss. Den zweiten, kleineren Thurm benützt das k. k. Bergamt als
-Pulvermagazin. -- Vom Bergabhange geniesst man _eine ausgezeichnete
-Uebersicht der ganzen Stadt_. »Wie im Grundrisse sehen wir sie vor
-uns aufgerollt, und einem spähenden Auge entgeht kein Reisender, der
-die Strasse einherwandelt; ja, selbst die von anderen Seiten über das
-Gebirge herführenden Fusssteige können von diesem Punkte aus übersehen
-und bewacht werden, so dass -- wie man sich gewöhnlich ausdrückt --
-nicht eine Maus in die Stadt gelangen kann, ohne dass sie von dem
-lauernden Wächter nicht bemerkt worden wäre.«
-
-=Geschichtliches.= Graf Stefan Schlick legte 1518 den Grundstein zu
-dem Schlosse Freudenstein, dessen Bau 1520 vollendet ward. Es lag vor
-dem 30jährigen Kriege in der Mitte der Stadt, dessen oberer Theil im
-Thale lag, während ein grösserer Theil hinter der Burg auf dem Berge,
-wo jetzt die _Neustadt_ liegt, stand. Von dem ehemaligen Stadttheil,
-hinter dem Freudenstein gegen Westen, sind jetzt nur Spuren von Mauern
-und Kellern vorhanden. Es wurde Anfangs von dem Berghauptmann des
-Burgherrn bewohnt, 1525 von aufständischen Bergleuten geplündert und
-theilweise verwüstet, bald aber wieder hergestellt. Seit 1545 diente
-es dem jeweiligen königl. Berghauptmann zur Wohnung, bis es nebst dem
-oberen Theil der Stadt 1634 von den Schweden zerstört wurde. (Siehe
-Näheres Geschichte der Stadt Joachimsthal.)
-
-2. _*K. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk._ Auf der
-Aerarialstrasse thalabwärts betritt man die _links_ abzweigende
-Gemeindestrasse, die zur Cigarrenfabrik führt. Kürzer und bei
-staubiger Strasse empfehlenswerther ist der Weg längs der sogenannten
-»Ziegengasse«, die von der Hauptstrasse schon beim Kaufmann Siegl
-abbiegt. Die k. k. Cigarrenfabrik, ein imposantes Gebäude, liegt in
-einem _höchst romantischen_ Seitenthal und beschäftigt 700 Personen.
-(Anmeldung behufs innerer Besichtigung hat beim k. k. Fabriksdirektor
-zu geschehen.) -- Auf der Aerarialstrasse etwas weiter abwärts gelangt
-man zur _Barbara-Kapelle_ und dann zum k. k. _Hüttenwerk_, leicht
-erkenntlich durch seine riesenhaften schlanken Essen. Hier werden die
-_berühmten Uranpräparate_ erzeugt, die nicht nur nach den verschiedenen
-Ländern von Oesterreich-Ungarn, sondern auch in's Ausland versendet
-werden. (Man melde sich beim k. k. Hüttenverwalter in dem rechts von
-der Strasse auf einer Anhöhe liegenden Verwaltungsgebäude an.)
-
-3. _Zum Seilerweg._ Die früher genannte Aerarialstrasse benützend,
-lenken wir von dieser beim sogenannten Badhause, jetzt Unger's
-Färberei, ab und schlagen den Weg _rechts_ zu dem durch den
-unvergesslichen Erzgebirgsfreund K. V. Ritter von _Hansgirg_
-verschönerten _Friedhofe_ und zu der _Spital-_ oder _Todtenkirche_
-mit mehreren guten Gemälden aus alter Zeit, ein. Beim Hauptthore
-des Friedhofes eintretend, die _Grabdenktafel des Dechants P. Anton
-Böhm_, des Verfassers einer Joachimsthaler Chronik, (gebor. 29.
-Juni 1785, gestorben 14. Feb. 1862), nahezu in gleicher Richtung an
-der gegenüberstehenden Mauer das einfache _Grabdenkmal des Dichters
-Karl Victor R. von Hansgirg_, gesetzt von den Bezirksgemeinden. Auf
-dem ebenen Seilerwege selbst entrollt sich vor unseren Augen ein
-_prachtvolles, malerisch schönes Bild der Stadt_. Vor uns liegt der
-ganze Marktplatz, durch dessen Mitte längs des Weseritzbaches sich
-eine Allee Kastanienbäumchen windet. Dazu die die Stadt umfriedenden
-Bergeslehnen mit ihren Wiesen, Feldern und Halden, das herrliche
-Seitenthal der Cigarrenfabrik mit den prächtigen, dicht bewaldeten
-Höhenzügen und den darauf idyllisch ruhenden Häuschen -- dies alles
-gewährt wahrlich ein ebenso überwältigendes als seltenes Panorama!
-
-4. _Zur Halde_ bei dem Einigkeitsschacht, oben sehr schöner, ebener Weg
-mit herrlicher Aussicht auf die Stadt und Gebirgslandschaft.
-
-5. _Zum Kaiser Josef-Schacht_ vom Einigkeitsschachte entlang der sog.
-»Eisenbahn« dann den Weg links ab. Ist an heissen Sommernachmittagen
-sehr empfehlenswerth, weil kühl und ebenfalls schöne Aussicht auf die
-Stadt.
-
-6. _Zur Johannis- und Prokopi-Kapelle._ Erstere liegt auf einer Anhöhe
-an der Ostseite der Stadt und führt von ihr ein Weg zu der weiter
-nordöstlich auf einem hohen Berge stehenden, weithin sichtbaren
-_Prokopi-Kapelle_ mit _lohnendster_ Aussicht. Diese Kapelle, von
-Feldern umgeben, ist unausgebaut geblieben und zeigt sich als Ruine.
-
-7 _*Zum Graben und auf den Grauenstein._ Durch das Oberthal auf der
-nach Gottesgab führenden Strasse aufwärts, schlagen wir, zur Rechten
-eine Allee erblickend, den von derselben beschatteten Weg, »_Graben_«
-genannt, ein, der uns eine _schöne_ Aussicht auf den gegenüber an der
-westlichen Berglehne liegenden Einigkeitsschacht und die Halde sowie
-auf die Stadt und die sie umrahmenden Bergeshöhen gewährt. Er zieht
-sich um die sogen. »_Schwedenschanze_« herum. Wir schreiten weiter,
-gelangen zum städt. Forsthaus »_Hut_«, wo _gute_ Aussicht auf Theile
-des Mittelgebirges, betreten links den prächtigen Fichtenwald und
-kommen zur _Reichen-Geschieb-Zeche_ am Widergebirge. Rechts von der
-»_Hut_« über »_Rauschererb_« auf den sagenreichen »_Grauenstein_«, wo
-wir eine _herrliche_ Aussicht auf die umliegende _Gebirgslandschaft_
-geniessen (die schön gelegene Einschicht _Schönerz_, auch _Oelbecken_
-genannt, in ihrer Thalschlucht von Wiesen umgeben, die _Cigarrenfabrik_
-und _Schmelzhütte_, die _Neustadt_, das _Spitzbergel_ bei Pfaffengrün).
-Rückweg durch das Thal der Cigarrenfabrik. (Vom Grauenstein aus kann
-man auch weiter den _Keilberg_ besteigen. Man geht bis zur »_grünen_
-Kohlstätte«, wo sich rechts der Weg nach Oelbecken, _links_ zum Press
-zweigt, von wo man auf die sog. Sonnenwirbler Strasse gelangt.)
-
-
-Ausflüge.
-
-8. _*Mariasorg_ ¾ St. westsüdwestlich von Joachimsthal. Dorf mit einem
-_Kapuzinerkloster_, dessen Kirche mit Gnadenbild ein _vielbesuchter
-Gnadenort_ ist; ein sehr beliebter Ausflugsort der Joachimsthaler.
-_Wagners Gasthaus._ -- Von dem Einigkeitsschachte führt eine steile
-Gemeindestrasse südwestlich zu der Höhe hinan (»_Neustadt_«), links
-liegt _Freudenstein_. Auf dem Wege einen Blick rückwärts werfend,
-liegt in überraschender Tiefe Joachimsthal, während man ganz auf
-der Höhe, der sog. _Mariasorger-Höhe_, eine _bezaubernde Fernsicht_
-auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine
-_Engelhaus_, auf das Mittelgebirge vom Königswarter Kaiserwald bis
-gegen das Duppauer Gebirge, ferner einen Theil des Egergebietes erhält;
-rechts streckt der _Plessberg_, links der _Koboldstein_ sein Haupt
-empor. Ist unstreitig _eine der schönsten und lohnendsten Partien im
-Erzgebirge_.
-
-9. _Koboldstein._ Von der Mariasorger Höhe gelangt man südlich in
-gerader Richtung zum _Koboldstein_ bei Pfaffengrün. Die Aussicht
-ist zwar etwas beschränkter, wie auf der Mariasorger Höhe, aber
-_deutlicher_. (Zettlitz-Karlsbader Bahnhof.)
-
-10. _Ullersgrün_ 1½ St. (über Mariasorg s. 8). Oberhalb von Wagners
-Gasthause wandern wir auf dem angenehmen Wege waldeinwärts südlich
-durch den mit den schönsten Waldungen geschmückten _Wolfsberg_, die
-würzigste Luft einathmend, bis zu dem schön zwischen Feldern und Wiesen
-auf einem Plateau des Hahnberges gelegenen Dörfchen _Ullersgrün_. Vor
-unseren Blicken entrollt sich eine _wahrhaft köstliche Rundschau_. (Von
-Ullersgrün abwärts kommt man in ½ St. nach Lichtenstadt.)
-
-11. _Spitzbergel bei Pfaffengrün_ (1 St.) Wir gehen zum
-Friedhofskirchlein (siehe 3), bei dem nahe liegenden Häuschen biegt
-rechts der Weg ab, von da den steilen Berg hinan, geht man dann -- die
-Hauptrichtung ist südlich -- durch den Wald und sieht aus der Ferne
-das mit einem Kreuze gezierte _Spitzbergel_, wo sich eine _schöne_
-Aussicht bietet. (_Schönwald_, _Permesgrün_, _Ober-_ und _Unterbrand_,
-_Schlackenwerth_, _Lichtenstadt_, _Zettlitz_.)
-
-12. _*Hauenstein_ (2 St.). _a_) _Gebirgstour._ Der Fussweg nach dem
-»wundersam lieblichen Hauenstein«, einem der lohnendsten Ausflugsorte
-der Umgebung, führt über den sog. _Galgenberg_ nach _Arletzgrün_,
-_Honnersgrün_, _Holzbach_ über _Schönwald_ nach _Hauenstein_. _b_)
-_Ueber Oberbrand_, _Weidmesgrün_, _Marletzgrün_, sog. untere Holzbacher
-Mühle, _Schönwald_, _Hauenstein_.
-
-Das Schloss gleichen Namens -- von den Burgen des Egerthales ganz
-allein nur bis heute bewohnbar -- ruht höchst malerisch auf einem fast
-senkrecht abfallenden Basaltfelsen, dem Hauensteiner _Schlossberg_,
-welcher zwischen zwei Bächen, dem Gerinne und dem Zwiesebache, aus
-dem Thale sich emporhebt. »Da liegt es«, sagt _Theodor Reinwald_
-(_Therese v. Hansgirg_) so poetischschön, »in's Grün gebettet, auf
-Skargen und Terrassen aufsteigend, waldumgürtet, buschumweht, aus
-reicher Blättermasse traut herüberwinkend, ein anspruchloses _Schloss_
-im alten Gebirgsstyl, mit Riegelwänden und hohen Giebeln, über denen
-sich trotzig, mit wahrhaft feudaler Grösse der alte steinerne Rundthurm
-erhebt, im Volksmund der »_Bürgermeister_« genannt. Er schaut so
-kühn herunter, als gehöre er einer mittelalterlichen Veste an. --
-Die modernen Wirthschaftsgebäude und Beamtenwohnungen ergänzen das
-Gesammtbild.« Die ganze Umgebung des Schlosses, das in neuester Zeit
-durch einen Neubau vergrössert wurde, hat die frühere Grundherrin,
-_Gabriele Gräfin von Bouquoi_, mit herrlichen, parkartigen Anlagen
-und bequemen Wegen verschönert und in der That zu »einem Eldorado
-des Egerthales« umgeschaffen. Auf dem höher gelegenen Berge thront
-im gothischen Style die _Kapelle_, die der berühmte Architekt und
-Professor B. _Grueber_ gebaut und der heimische Bildhauer _Max_ mit
-künstlicher Steinmetzarbeit ausgestattet hat. Hier entrollt sich
-dem Naturfreunde ein bezauberndes Landschaftsbild. Zu der »_Koppe_«
-des östlich vom Schlossberge aufsteigenden _Eichelberges_, dessen
-Waldung über 50 Baumarten enthält, gelangt man auf sehr bequemen,
-serpentinartig angelegten Pfaden in ½ Stunde. »Es ist geradezu
-ein Tempel voll gigantischer Säulen, unter dessen hochgewölbtem
-Dach man hinanstrebt.« Von der »Koppe« erschliesst sich ein
-_überwältigendes, wahrhaft malerisches Panorama_. Am Fusse des Berges
-weithin das lachende, fruchtbare, mit Ortschaften gezierte, von der
-Eger durchschlängelte Thal, westlich das Fichtelgebirge, östlich
-Komotau, nördlich Schönwald und der Keilberg, der gigantische König
-des Erzgebirges; dazu winken vier alte Ritterburgen; links das
-nahe _Hauenstein_, nordöstlich auf schroffen, zerklüfteten Felsen
-_Himmelstein_, südlich das hochragende, sagenreiche _Engelhaus_ und
-stromabwärts _Schönburg_. Rückwärts kehrt man über den »_Seeteich_«
-oder die »steile Wand« in das »_Fremdenhaus_« zurück. Dasselbe ist
-im Schweizerstyl erbaut, enthält eine Restauration und gewährt vom
-Balkon des Sommersalons eine herrliche Aussicht. Empfehlenswerth ist
-die schattige Promenade am »_Meierrang_«, wohin man auf wohlgepflegten
-Wegen gelangt. Von Hauenstein aus wird ein Abstecher auf der Strasse
-in südöstlicher Richtung, dann weiter nordöstlich längs der Bahn in
-dem herrlichen Egerthale nach dem Orte »*Krondorf« mit dem bekannten
-Sauerbrunn allen Touristen empfohlen. Die Landschaftsbilder sind
-hier sehr mannigfaltig und von überraschender Schönheit. Die hier
-liegende Eisenbahnstation Wickwitz-Welchau, sowie die Station Neudau
-sind Absteigestationen für den Besuch von Giesshübel-Puchstein. Für
-Hauenstein selbst ist Absteigestation Hauenstein-Warta, so dass diese
-Partie in bequemer Weise von Schlackenwerth oder Klösterle mit der
-Bahn zu machen ist. Dann können wir den Weg in bekannter Weise nach
-Joachimsthal fortsetzen.
-
-=Geschichtliches.= Die Burg _Hauenstein_ taucht urkundlich zuerst
-zu König Johanns Zeiten auf, wo sie der Ritter _Nikolaus Winkler_
-lehensweise besass, der sie an das Prämonstratenser-Nonnenkloster zu
-Doxan verkaufte. Dieses vertauschte 1336 die Burg an König Johann,
-der sie wieder verpfändete. Hauenstein, das rasch seine Besitzer aus
-verschiedenen Geschlechtern wechselte, kam endlich 1528 an Heinrich
-II. Schlick von Holicz, Grafen von Passaun, und blieb bei dessen
-Nachkommenschaft bis 1664, in welchem Jahre Franz Ernst Schlick das Gut
-an Heinrich Julius von Sachsen-Lauenburg verkaufte, der dasselbe mit
-der Herrschaft Schlackenwerth vereinigte. Seitdem erfuhr Hauenstein
-mit dieser alle Besitzveränderungen. 1811 wurden die Herrschaften von
-einander getrennt. Hauenstein blieb Eigenthum der k. k. Kammer und
-wurde nebst Kupferberg 1836 an die kunstsinnige Gräfin Gabriele von
-Bouquoi, einer Wohlthäterin des Erzgebirges, verkauft, die es ihrem
-Sohne, dem Grafen Georg von Bouquoi, vererbte.
-
-13. _Zum *Keilberg._ Indem wir auf die Tour _Joachimsthal-Gottesgab_
-verweisen, von wo der Keilberg am _bequemsten_ bestiegen werden kann,
-halten wir es für unsere Pflicht, die Touristen auf zwei _kürzere_,
-freilich etwas steiler führende _Waldwege_ aufmerksam zu machen.
-1. Vom Forsthause _Hut_ (Siehe Joachimsthaler Spaziergänge 7) nach
-der _Pfarrwiese_ unterhalb der _Reichen-Geschieb-Zeche_, über's
-_Pfarrknöchel_ zum _Press_ und von da auf die sog. Sonnenwirbeler
-Strasse. 2. Vom Pfarrknöchel zum ärarischen _Wassergraben_ bis zum
-_Unruhstollen_, von da über die _Maderwiese_ zu den _Unruhhäusern_ und
-weiter zum _Keilberg_. (Man nehme einen _Führer_.)
-
-14. _Zum Spitzberg._ Haben wir denselben erstiegen, so breitet sich
-ringsum ein _reiches_ Panorama aus. Man hat im Osten vor sich das
-Riesenhaupt des Keilberges, der, von unserem Standpunkte betrachtet,
-wegen seiner imposanten, keilförmigen Ausdehnung nach Südost so recht
-seinen Namen rechtfertigt, weiter links den Fichtelberg in Sachsen
-und zwischen den beiden Giganten des Erzgebirges ganz im Vordergrunde
-»auf tiefverlass'ner stiller Bergeshaide« das Städtchen Gottesgab mit
-seinem Territorium. Nach Norden hin sehen wir ausgedehnte, endlose
-Waldungen, nach Nordwest die Gegend bei Johanngeorgenstadt, Eibenstock
-und immer westlicher die deutlichen Conturen des Fichtelgebirges. Die
-_schönste_ Aussicht aber bietet sich dem Beschauer nach Süden und
-Südwesten; denn der Spitzberg beherrscht beinahe die Hälfte des Egerer
-Kreises. Vor uns liegen der kahle Plessberg bei Abertham, die dürre
-Haide bei Wölfling und andere Punkte der Erzgebirgswelt; das Duppauer-
-und Tepler-Gebirge, sowie der Kaiserwald bilden den Hintergrund des
-herrlichen Landschaftsgemäldes, aus dem ein Theil von Schlackenwerth,
-die nächste Umgebung Lichtenstadt's, der Grossteich, der Karlsbader
-Bahnhof, die Ruine Engelhaus, Giesshübel, Tüppelsgrün und in blauer
-Ferne die Gegend bei Maria-Kulm bis in die nächste Umgegend von Eger
-hervortreten; ausserdem gewahrt man die Umgebung von Einsiedl und
-Marienbad.
-
-
-Tour:
-Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten-Breitenbach-Johanngeorgenstadt.
-
-Wir gehen auf derselben Strasse, die wir auf unserer Reise nach
-Gottesgab benützten (siehe Tour Joachimsthal-Gottesgab), bei der
-Dekanalkirche durch das Oberthal, wo die Berge ziemlich nahe
-zusammentreten, stets bergan und treten bald oberhalb des links im
-Thale einsam stehenden _Nadelhäusel's_ bei den _Gneis-Steinbrüchen_
-in den herrlichen Fichtenwald, der zu beiden Seiten der Strasse uns
-begleitet. Dieselbe macht kurz darauf eine Biegung nach Westen,
-und wir kommen dann zu jener Stelle, wo bei einer steinernen, die
-Fahrwege markirenden Säule links von der Reichsstrasse die Strasse
-nach Abertham abbiegt. Wir betreten letztere, die bei allmählicher
-Steigung erst eine nordwestliche, nach einer abermaligen Biegung aber
-eine südwestliche Richtung einschlägt und schreiten nach ¾stündiger
-Wanderung an dem rechts von der Strasse am Fusse des Werlsberges
-liegenden, zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen Orte _Werlsberg_
-vorbei. Schattige Nadelwaldungen erquicken noch immer Auge und
-Herz. Auf der Höhe angekommen, tritt zur Linken der Wald zurück und
-öffnet uns die Aussicht auf die angrenzende Wiesenflur und den etwas
-entfernteren Plessberg, während er zur Rechten längs der immer mehr
-sich senkenden Strasse uns noch kurze Zeit das Geleite gibt, um uns
-bei seinem Scheiden den freien Blick auf das grosse, krippenartig
-zerstreute Dorf _Hengstererben_, das zur Gemeinde Abertham gehört, zu
-gewähren. Wir überschreiten unterhalb Abertham's eine über die rothe
-Wistritz führende Brücke und erblicken links den sog. _Modersgrund_,
-ein Seitenthal, das von genanntem Wässerlein durcheilt wird und sich
-in mehreren Krümmungen südlich gegen Salmthal zieht, wo es in das
-Wistritzthal mündet. Noch einen steilen Abhang empor, und wir sind nach
-1½stündiger Tour in _Abertham_, das uns schon von der Höhe aus durch
-seine Lage erfreut hat. (Wir wollen hier besonders bemerken, dass von
-Joachimsthal nach Abertham ein kürzerer, freilich etwas steiler, sonst
-aber empfehlenswerther Fussweg führt. Man geht zur _Neustadt_ (siehe
-Joachimsthaler Ausflüge 8), schlägt daselbst bei der Kapelle den Weg
-rechts ein, der hinter den Häusern sich in eine Strasse verwandelt, die
-längs den _Schweizerhalden_ über den Kamm nach der _Eliaszeche_ führt;
-von dort leitet ein Weg nach Werlsberg, der in die von Joachimsthal
-nach Abertham führende Strasse mündet.)
-
-
-
-
-Abertham.
-
-
- =Gasthöfe=: »_Hôtel zur Stadt Wien_« und »_Gasthaus zur Stadt
- Berlin_«.
-
- =Postamt.= _Bürgermeisteramt._
-
-Abertham liegt an einem kleinen Bache, der Rothen Wistritz unweit am
-Fusse des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Plessberges auf einem
-rauhen Hochplateau, »auf welchem man an einem Abhange gleich einem
-_Bethlehem_ des alten Bergstädtchens gewahr wird, dessen nette, aber
-meist hölzerne Häuser krippenspielartig gelagert sind und mit dem dazu
-gehörigen Orte _Hengstererben_ sich einigen.« Die Bevölkerung nährt
-sich durch Viehzucht, Spitzenklöppelei und Handschuhfabrication. Auch
-hier werden, wie in Bärringen, junge Gimpel aufgezogen und mit ihnen
-passende Melodien eingeübt, was den Züchtern jährlich ein hübsches
-Geldsümmchen einbringt.
-
-=Sehenswürdigkeiten.= _Handschuhfabrik_ des Alois Chiba. Die St.
-_Mauriz-Zinn-Zeche_ (bei Hengstererben). Abertham, das seine Entstehung
-dem 1529 hier beginnenden Bergbau verdankte, gehörte zu Joachimsthal
-und theilte mit dieser Stadt bis in's XVII. Jahrhundert Gutes und
-Böses. Am ergiebigsten war die Silberausbeute in den Jahren von
-1531--1558. Die St. Lorenz-Fundgrube soll bis 1562 allein für 209.992
-Goldgulden Ausbeute an Silber geliefert haben.
-
-=Besteigung des Plessberges.= Dieser Berg, der wegen seiner
-_herrlichen_ Aussicht des Besuches werth ist, hat eine Höhe von 1025 m.
-Er liegt südöstlich von Abertham und kann von einem rüstigen Fussgänger
-in ¾ Stunden erreicht werden. Sein Plateau ist ziemlich eben, mit einer
-_Triangulirungspyramide_ versehen und von drei Seiten zugänglich,
-und zwar: von Seite des sog. _Mühlberges bei Abertham_ (dies ist der
-_kürzeste_ Weg, doch _verweichlichten_ Touristen wegen vieler nassen
-Wiesen nicht zu empfehlen), _durch den Modersgrund über Oberkaff_ (Kaff
-liegt am Gehänge des Plessberges, gegen das Wistritzthal) (dies ist
-der beste Weg) und über die sogenannte _weite Wiese_ (diese liegt in
-joachimsthaler städt. Waldungen und befindet sich unweit Werlsberg ein
-Hegerhaus.)
-
-Wir erblicken gegen Norden und Nordwesten: Abertham mit Hengstererben,
-die Kirchthürme und einige höher gelegene Häuser von Bärringen
-und Platten. (Die Aussicht in weitere Ferne wird durch bewaldete
-Berge gehemmt); gegen Nordosten und Osten bietet sich dem Auge ein
-coupirtes, mit Waldungen bedecktes Terrain dar, aus dem einzelne
-Häuser von Werlsberg, Werlsgrün und Mariasorg wunderschön hervorlugen;
-der Spitzberg (rechts davon der Kirchthurm von Gottesgab) und der
-Keilberg schliessen die weitere Aussicht ab. Die reichste und
-lohnendste Fernsicht ist gegen Südost und Süden, denn in diesen
-Richtungen erschliesst sich ein prachtvolles Landschaftsbild bis auf
-5 Meilen Entfernung. Deutlich sichtbar ist: Kaff, Lindig, Ullersgrün,
-Pfaffengrün, Schlackenwerth mit den umliegenden Dörfern (Liditzau,
-Müritschau, Permesgrün, Neudau, Elm, Haid, Langgrün und Gfell),
-weiterhin Karlsbad mit den Dörfern (Zettlitz, Dallwitz, Hohenhof),
-dann die reichbewaldete Berglehne zwischen Karlsbad und Puchstein
-(Giesshübler Sauerbrunn) mit der Ruine Engelhaus. Bei reinem Wetter
-oder nach einem Gewitterregen kann man mit einem halbwegs bewaffneten
-Auge die Fenster des Schlosses zu Giesshübel zählen und sieht in
-weitester Ferne Gabhorn (bei Petschau) und eine Menge umliegender
-Dörfer, darüber hinaus das Tepler Gebirge mit dem branischauer Berge
-bei Theusing, dem prohomuter Berge, der wie eine Brille sieht, der
-Stenzka zwischen Neumarkt und Tepel und dem Podhorn bei Marienbad,
-ferner viele zerstreut liegende Ortschaften gegen Duppau. Die Fernsicht
-gegen Prag zu hemmt der Oedschlossberg bei Duppau, die _höchste Kuppe
-des Buchwaldes_, und der Gross(Heu)berg bei Jokes. Leider beschränkt
-der Glasberg mit den wöflinger Waldungen die Aussicht gegen Westen und
-Südwesten gänzlich, bei hellem Horizonte aber sind bewaldete Kuppen
-bemerkbar, die wohl höher gelegene Berge bei Königsberg oder auch
-Theile des Fichtelgebirges sein mögen.
-
-Oberhalb der Stadt Abertham, der sich fast unmittelbar der Ort
-_Ober-Fischbach_ anreiht, führt die Strasse auf dem öden, rauhen
-Plateau zwischen Wiesen, Hutweiden und Mooslagern, senkt sich
-dann, und wir gelangen in ½ Stunde nach _Bärringen_. (Siehe Tour
-Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.)
-
-Von Bärringen nimmt die Strasse bei mässiger Steigung eine nördliche
-Richtung, wir durchschreiten bald einen Wald, an dessen Saume wir bei
-der sog. Plattner Säule die Anhöhe erreichen. Von hier erblicken wir
-die Stadt _Platten_, die wir bei allmählicher Senkung der Strasse nach
-½stündiger Tour betreten. (Denjenigen Touristen, die Bärringen bereits
-kennen, sei der von Abertham direct nach Platten zwischen Wiesen und
-Feldern führende Fussweg der Kürze wegen besonders empfohlen; er
-zweigt in Abertham rechts von der Strasse ab und mündet unterhalb der
-Plattersäule wieder in die Strasse. Siehe Tour Neudek-Platten.)
-
-Durch die Kaisergasse in Platten geht die Strasse westlich, wendet
-sich bald mehr nordwestlich und führt in mehreren Windungen durch ein
-schönes, anmuthendes Waldthal, das der Breitenbach durchfliesst, nach
-dem Dorfe _Breitenbach_ (¾ St.). Auf dem Wege dahin sehen wir die sog.
-_Heinrichssteinfelsen_, 3 Mühlen und 2 Holzschleifereien des Friedrich
-Karl _Richter_ und _Weizmann_ (Hahns Gasthaus zur Sonne).
-
-
-Seiten-Tour Joachimsthal-Spitzberg-Seifen-Irrgang-Zwittermühl-
-Jungenhengst-Wittigsthal.
-
-Man geht auf der Strasse nach Abertham bis zum Wegweiser, der uns die
-_rechts_ zum _Spitzberge_ (1½ St.) und von da nach _Försterhäuser_ (¼
-St.) und nach _Seifen_ (¼ St.) führende Strasse angibt. Letzterer Ort
-liegt am Wassergraben (siehe Platten). Nun geht man entweder direct
-nach _Zwittermühl_ (½ St.), das am Schwarzwasser liegt, oder betritt
-die über _Irrgang_ (Eisenwerk) dorthin leitende Bezirksstrasse. Von
-Zwittermühl führt die Strasse durch das *_reizende Schwarzwasserthal_
-nach _Jungenhengst_, _Brettmühl_ und Wittigsthal (Sachsen).
-
-
-Tour Joachimsthal-Gottesgab-Weipert.
-
-Von Joachimsthal führt über Gottesgab nach Weipert eine gute Strasse.
-(4 St.) Wir schlagen entweder die rechts bei der Dekanalkirche
-vorüberleitende Strasse ein, oder gehen an der links davon befindlichen
-Häuserreihe den Weg durch das Oberthal aufwärts, der sich bei den
-letzten Häusern mit der Strasse vereinigt. Diese geht nur noch eine
-kleine Strecke thalauf (der Fussgänger verfolge den Thalweg bis
-zur Strasse weiter), erklimmt in zwei Windungen die Berglehne und
-führt durch prächtige Waldungen auf den rauhen, moorreichen Kamm
-des Gebirges; wir schneiden aber kurz nach Eintritt in den Wald
-die vielfachen Krümmungen der Strasse ab, indem wir den rechts
-abzweigenden, stark betretenen, aber etwas steil ansteigenden Fussweg
-wählen, der auf dem Plateau am Ende des Waldes in die Strasse mündet,
-die uns endlich nach einstündiger Tour nach Gottesgab bringt.
-
-
-
-
-Gottesgab.
-
-
- =Gasthöfe=: »_Zum grünen Haus_« und »_Zur Stadt Berlin_«.
- (Beide an der Strasse, ersterer zur Linken, letzterer zur
- Rechten).
-
- =Postamt= (an der Strasse).
-
- =Aemter=: _Bürgermeisteramt_ (am Marktplatze). _Zollamt._
-
-
-Beschreibung und Geschichte der Stadt.
-
-Die kön. Bergstadt Gottesgab liegt auf einem überaus stiefmütterlich
-ausgestatteten, unwirthbaren und frostig-rauhen Moor-Plateau hart an
-der sächsischen Grenze, 1015 Meter ü. M., und ist die höchstgelegene
-Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Auf dieser baumlosen,
-öden Hochfläche, auf welcher nur ein dürftiger, doch sicherer Graswuchs
-fortkommt, wird der Hafer selten reif, und der Kartoffelbau, der in
-manchen Jahren ganz misslungen ist, lohnt kaum die Saat und Pflege;
-daher beschränkt sich die Landwirthschaft fast ausnahmslos auf die
-_Viehzucht_. Das Städtchen, welches sehr regelmässig angelegt ist und
-einen grossen, quadratischen Marktplatz besitzt, zählt 1600 Einwohner,
-die grösstentheils auf Hausindustrie angewiesen sind. Die weibliche
-Bevölkerung beschäftigt sich hauptsächlich mit Spitzenklöppeln,
-Weissnäherei u. dgl., auf die männliche aber, von der ein Theil
-Weissstickerei betreibt, lässt sich Schiller's Wort: »Der Mann muss
-hinaus in's feindliche Leben« im weitesten Sinne anwenden; sie zieht
-hinaus in die Welt, um durch Musik und Handel das Brot zu verdienen.
-»Fahrende« Musikkünstler aus Gottesgab sind in aller Herren Ländern
-zu finden. Ursprünglich hiess das Städtchen _Wintersgrün_, erhielt
-aber seiner reichlichen Silbererze wegen von frommen und dankbaren
-Bergleuten den bedeutungsvollen Namen Gottes Gabe. Der Sage nach soll
-dieser Namen von Johann Friedrich, Churfürsten von Sachsen, herrühren,
-dem man bei einem Besuche einen aus einer Silberstufe ausgehauenen
-Sessel zum Niedersetzen vorgesetzt habe. Der fromme Churfürst habe
-aber dieses Anerbieten mit den Worten abgewiesen: »Das sei Gottes
-Gabe, und so soll die Stadt hinfüro genannt werden.« _Sehenswerth_
-sind: »_Die Klöppelschule_«, gegründet von dem thatkräftigen
-»Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhm. Erz-
-und Riesengebirgsbewohner«, und _zwei Maschinenstickerei-Fabriken_ des
-_Karl Günther_ und _Günther und Schönfelder_. Seine Entstehung verdankt
-Gottesgab dem Silberbergbau; ein Herr von Tetau soll es im Anfange des
-XVI. Jahrhunderts angelegt haben. Im Jahre 1532 begann der Bergbau auf
-Silber. Der Churfürst Johann Friedrich von Sachsen gab der Stadt 1534
-eine Bergfreiheit und 1546 das Privilegium als eine freie Bergstadt.
-Kraft eines im Jahre 1556 mit Moriz von Sachsen abgeschlossenen
-Vertrages kam Gottesgab an Böhmen.
-
-Wie an vielen anderen Orten des Erzgebirges ist auch hier der ehemals
-blühende Bergbau ganz eingestellt; nur Halden, Pingen, Stollen zeugen
-von einstigen unterirdischen Metallschätzen. Die am 4. Mai 1808
-ausgebrochene Feuersbrunst legte 142 Häuser sammt dem Rathhause, der
-Pfarrei und Schule in Asche. Dadurch verarmten viele Bewohner, die
-überdies durch die grosse Theuerung i. J. 1817 viel Ungemach zu leiden
-hatten. Nur die wohlthätige Unterstützung Böhmens rettete die Stadt vor
-Hungersnoth. Bei dieser Gelegenheit erwarb sich der damalige Pfarrer
-von Gottesgab, _Franz Wilhelm Tippmann_, später Weihbischof des Prager
-Domcapitels, bedeutende, unvergessliche Verdienste. Derselbe stiftete
-auch, durchdrungen von wahrer christlicher Nächstenliebe, ein Spital.
--- Gottesgab ist die Geburtsstätte mehrerer verdienter Deutschböhmen:
-_Thaddäus Peithner_ war k. k. Hofrath, _Johann Theodor Anton Peithner
-Ritter von Lichtenfels_ war Bergrath und Bergwerkshistoriker
-(gest. 1792) und _Josef Köhler_ starb als General-Grossmeister des
-Kreuzherrenordens zu Prag.
-
-=*Besteigung des Keilberges.= (¾ St.) Etwa 300 Schritte oberhalb
-des Zollschrankens zweigt von der Kaiserstrasse zu unserer Linken
-eine Strasse über Sächs. Wiesenthal nach Annaberg in Sachsen ab.
-Auf ersterer in südöstlicher Richtung weiterschreitend (falls man
-nicht schon früher einen rechts von der Strasse führenden, sehr
-empfehlenswerten _Wiesenweg_, der bis zu den Sonnenwirbelhäusern
-leitet, gewählt hat), erblicken wir geradeaus die drei
-Sonnenwirbelhäuser, die höchsten Wohnungen des Erzgebirges. Immer
-bedeutender wird die Steigung der Strasse; nach ¼stündiger Wanderung
-nähern wir uns dem Sonnenwirbel (so wird gewöhnlich die westliche
-Kuppe des Keilberges genannt), dessen nördliche Abdachung nur mit
-spärlichem Fichtenbestand bedeckt ist; nach unten zieht sich der
-sog. _Kaltewintergrund_ hin, der wohl die traurigste Gegend des
-Erzgebirges ist; denn auf der Mitternachtseite, wo selten oder nie
-ein Sonnenstrahl in diese beinahe unheimliche Schlucht dringt,
-liegt selbst im Juni noch Schnee. Und doch findet sich daselbst
-eine Ansiedlung, der »_Kalte Winter_«, im Volksmunde »_Böhmisch
-Sibirien_« genannt. Die Bewohner dieser Einschichte können bei
-schrecklichen Schneestürmen oft acht Tage lang nicht aus dem Hause,
-und es wäre fürwahr tollkühn, wenn sie sich aufs Geradewohl durch
-die klafterhohen Schneemassen einen Weg bahnen wollten. Noch eine
-kurze Strecke aufwärts und es entrollt sich vor unseren Blicken ein
-überraschendes Panorama. Südlich vor uns breitet sich ein imposantes
-Seitenthal aus, dessen schützende Lehnen mit stattlichen Wäldern
-bedeckt sind. Hier in nächster Nähe fristet die verkrümmte Fichte, ja
-sogar die sonst zähe Eberesche ein kümmerliches Dasein und dort unten
-im Thale strecken Tannen, Lärchen, Birken und Buchen ihre Häupter
-stolz empor. Welch ein Contrast! Den Hintergrund der herrlichen
-Scenerie bildet das grossartige Gebäude der Joachimsthaler k. k.
-Zigarrenfabrik. Nach einigen Minuten zeigt uns ein _Wegweiser_ mit
-der Aufschrift »Zum Keilberg« an, dass wir die Strasse verlassen und
-einen gut erhaltenen _Fahrweg_ betreten müssen, der uns bis _auf die
-höchste Kuppe des Keilberges_ führt. »Dieser Höhenpunkt, der _höchste
-im Erzgebirge_, bildet gewissermassen den _Hauptstock_ des ganzen
-Gebirges; einen _Gebirgsknoten_, von welchem dasselbe in nordöstlicher
-und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich
-zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast _das Ansehen eines
-Hochgebirges_ erhält.« Diese Bezeichnung kommt vorzugsweise dem steilen
-südlichen Abfalle oder Joche des Keilberges zu, auf welchem sich
-mehre Kuppen mit abfallender Höhe, am bedeutendsten der _Leerberg_,
-die Kuppen bei Dornberg und bei Marletzgrün, dann die Berge bei
-Hauenstein (der Hauensteiner _Schlossberg_, westlich von ihm der
-_Maierrang_ und östlich der _Eichelberg_) hervorheben. Der Fuss dieses
-Gebirgsjoches wird unmittelbar von der Thalebene (Egerthal) begrenzt,
-aus welcher es plötzlich sehr schroff emporsteigt. Westlich ist es
-durch das tief eingeschnittene _Weseritzthal_ begrenzt, in welches
-einige enge, von hohen, steilen Gehängen eingefasste Seitenthäler
-einmünden. Diese steilen Abhänge und hohen Gehänge der engen Thäler,
-die Gruppirung ansehnlicher Kuppen, welche in ihrer Zusammensetzung
-einander überragen, geben ihm hier mehr als an einer anderen Stelle
-seiner Verbreitung das Ansehen eines »Hochgebirges.« Die bedeutendsten
-Höhenpunkte, welche sich um den Keilberg gruppiren, sind: (im Norden)
-der _Fichtelberg_ (jenseits der Landesgrenze), der _Gattersberg_
-(zwischen Stolzenhahn und Wiesenthal), der _Hofberg_, der _Riegelberg_,
-der _Grosse_ und _Kleine Wolfsberg_ (nordöstl. von Stolzenhahn) und der
-_Blaselsberg_ (zwischen Stolzenhahn und Kupferberg); (im Osten) der
-_Wirbelstein_ (nördlich vom Hauensteiner Forsthause), der _Eisenkopf_
-und der _Buchberg_; (im Süden) die _hohe Wiese_, weiter abwärts der
-_Schobert-_ oder _Schubertberg_ und westlich von diesen der _Hohe
-Berg_ und der sagenreiche _Graue Stein_, von welchen beiden dann die
-Gehänge dieser Bergmasse in Absätzen in das Thal abfallen; (im Westen)
-der _Spitzberg_ (bei Gottesgab), der _Steinhübel_ (bei Irrgang), der
-_Plattenberg_ (östl. von Platten), der _Buchberg_ (westl. von Platten);
-(im Nordwesten) der _Kaffberg_ und der _Mückenberg_ (bei Goldenhöhe).
-
-Den höchsten Punkt des Keilberges krönt ein 21 Fuss hohes, einfaches,
-_aber sehr fest_ und _praktisch gebautes Aussichtsobject_, das der
-Erzgebirgsverein in Joachimsthal im Jahre 1880 errichtet hat. Haben wir
-die zweite Terrasse dieses Objectes bestiegen, so eröffnet sich uns
-eine _umfassende, wahrhaft grossartige, überwältigende Rundsicht_, die
-uns unwillkürlich an die vortrefflichen Worte _Karl Egon_ von _Eberts_,
-des hochgefeierten Altmeisters der deutsch-böhmischen Dichter, erinnert:
-
- »Ihr Berge, stolze Berge, du schwarze Wäldernacht,
- Ihr golderfüllten Ströme, ihr Au'n in grüner Pracht,
- Ihr sanft gewölbten Hügel im blumigen Gewand,
- Euch nenn' ich freudig rufend, mein _schönes_ Vaterland!«
-
-In nächster Nähe streben dicht an einander gereiht, wie Mastbäume die
-schlank gewachsenen Fichten und Tannen des prächtigen _Schwarzwaldes_
-(die ausgedehnten, herrlichen Waldungen, am Südabhange des Keilberges
-führen diesen Namen) empor, an den sich weithin nach den verschiedenen
-Richtungen die gewaltige Waldregion, ein förmliches Forstmeer, der
-mannigfaltigen Höhenzüge mit ihren Kuppen anreiht; denn der Blick
-schweift bei heiterem Himmel über das ganze (besonders das böhmische)
-Erzgebirge vom Böhmerwalde und Fichtelgebirge bis an das Riesengebirge,
-eine wundervolle Aussicht, wie sie in solchem Masse _kein_ zweiter
-Punkt im ganzen Erzgebirge bietet. In südöstlicher Richtung sehen wir
-die Städte: Saaz, Kaaden, Klösterle und viele grössere und kleinere
-Ortschaften (mit einem guten Fernglase sieht man bei heiterem Himmel
-sogar den historischen weissen Berg bei Prag); östlich gewahren wir
-zunächst Kupferberg mit dem kegelförmigen Kupferhügel (letzterer
-ist gegen unseren Standpunkt verschwindend klein) und in weiterer
-Entfernung links Dörnsdorf, Reischdorf, die Kirchthurmspitze von
-Pressnitz. Ganz im Hintergrunde erblicken wir die Kuppen des herrlichen
-böhmischen Mittelgebirges mit dem Milleschauer. Gegen Norden verdecken
-die beiden Fichtelberge die Aussicht nach Sachsen, doch ist diese
-nach Nordost lohnend. (Schmiedeberg, Jöhstadt, Weipert, Annaberg);
-der Bahnhof von Weipert, die Kirche von Annaberg und die imposante
-Volksschule in Schmiedeberg sind mit freiem Auge sichtbar. Gegen Süden
-bemerken wir das Duppauer Gebirge mit der Ruine Engelhaus, den Bahnhof
-von Karlsbad, ferner Schlackenwerth und das liebliche, reizvolle
-Egerthal, im Südwesten im Hintergrunde den Dillenberg bei Eger, den
-Kaiserwald, im Westen das Fichtelgebirge mit dem Hainberge bei Asch.
-Bei dieser Darlegung wurde nur das Wichtigste hervorgehoben, denn alle
-einzelnen Punkte dieses _farbenprächtigen Panoramas_ zu schildern,
-lässt der Raum des Buches nicht zu, zudem wir in anderer Beziehung des
-Keilberges gedenken mussten. Erhaben und schön ist auf diesem Berge
-die Beobachtung des _Sonnenaufganges_. (Der Botaniker findet Moose und
-Vorboten subalpiner und selbst alpiner Pflanzen).
-
-Um unsere beabsichtigte Tour zu vollenden, kehren wir wieder bis zum
-bekannten Wegweiser zurück, wo wir die nach Weipert führende Strasse
-weiter verfolgen; dieselbe zieht sich anfangs einige hundert Schritte
-auf der Ebene dahin, senkt sich dann allmählig, und wir sehen plötzlich
-bei einer Biegung ein malerisches Bild. Wie hingegossen liegt das
-sächsische Städtchen _Oberwiesenthal_ vor uns, das bloss durch die Pöhl
-von _Böhmisch-Wiesenthal_ getrennt ist. Man wird nicht satt, dieses
-Bild zu betrachten, immer wieder zieht es das Auge des Touristen auf
-sich. Wir steigen indess tiefer und gelangen zu den _Hofberghäusern_
-mit dem anständigen Gasthof »_Hofberg_« (Hier biegt, rechts die Strasse
-nach Kupferberg, links nach Böhmisch-Wiesenthal ab). Nachdem wir durch
-eine kleine Erfrischung uns erquickt haben, schreiten wir auf der
-Strasse bei kaum wahrnehmbarer Senkung zur rechten Seite des grossen
-Dorfes _Stolzenhahn_ hin und erreichen nach einer ½stündigen Wanderung
-durch eine zu beiden Seiten der Strasse liegende liebliche Waldung
-_Böhmisch-Hammer_, wo sich _rechts_ die Strasse nach _Schmiedeberg_
-abzweigt. (Gleich oberhalb des Dörfchens ist ein ansehnlicher _Viaduct_
-der Buschtěhrader Zweigbahn Komotau-Weipert bemerkenswerth.) An der
-Strasse selbst liegt der ansehnliche _Gasthof_ »_zum Schlössl_.« Immer
-näher zieht sich dieselbe an der Landesgrenze auf der Ebene dahin
-und wir erblicken bald auf böhmischem, bald auf sächsischem Boden
-ein Gehöfte, eine Mahl- oder Papiermühle, ein Gasthaus u. dgl., was
-uns eine annehmbare Abwechslung gewährt. Wir merken kaum, dass wir
-uns schon _Weipert-Neugeschrei_, der Vorstadt Weiperts, nähern. Hier
-liegen die Häuser einzeln gebaut, zu beiden Seiten der Strasse. Von
-_Gottesgab_, noch besser von _Försterhäuser_ (siehe oben), können wir,
-in Försterhäuser unweit des Forsthauses abbiegend, eine prächtige
-Seitentour ausführen. Wir gehen auf einer guten, durch herrliche
-Wälder führenden Strasse oder auf einem Fusswege am Goldenhöher
-Forsthause vorüber in das idyllisch gelegene Dorf _*Goldenhöhe_,
-dann nach der sogenannten _böhmischen Mühle_ und von da weiter nach
-Sachsen. Dieser, zwei Stunden bis zur Grenze in Anspruch nehmende
-Weg ist herrlich. Die schönen, wohlgepflegten Waldbestände erwecken
-die Bewunderung jedes Touristen. Es ist eine ächte Gebirgswanderung.
-Bei der genannten Mühle öffnet sich das Thal, vom reissenden
-Pöhlbach durchbraust; wir überschreiten die Grenze, durchwandern das
-industriereiche, an beiden Abhängen des erweiterten Thales romantisch
-gelegene Dorf _Rittersgrün_ und kommen in ¾ Stunden in _*Globenstein_
-an, wo die höchstinteressanten Felsgebilde unsere Aufmerksamkeit
-erwecken. Fortsetzung der Tour über _Crandorf_ oder _Raschau_ nach
-_*Schwarzenberg_. Herrliche Partie!
-
-
-
-
-D. Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus.
-
-
-
-
-Komotau.
-
-
- =Gasthöfe=: Scherbers Hôtel (Nr. 98 in der Frohngasse).
-
- Hôtel Reiter (Nr. 14, 15, Ringplatz).
-
- Städtisches Schiesshaus inmitten des neuen, sehenswerthen
- Stadtparkes (nördlich der Stadt) gelegen, sehr beliebter,
- besonders im Sommer reich besuchter Ausflugsort der
- Stadtbewohner.
-
- Hôtel Adler Nr. 16 am Marktplatze, Eck der Steingasse.
-
- Gasthof zum grünen Baum in der Bahnhofstrasse.
-
- Städtischer Lagerkeller (Nr. 1 Weinberggasse), schön gelegen,
- mit einem grossen Garten und herrlichen Blick auf die Stadt und
- das Gebirge.
-
- Güttler's Restauration (Schäfergasse Nr. 7) schöner Garten mit
- Gartenhaus und gedeckter Kegelbahn.
-
- =Restauration= am Bahnhofe.
-
- Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der
- Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse,
- »Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos),
- Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders
- Weinhandlung« in der Herrengasse.
-
- =Aemter=: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k.
- k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das
- k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der
- k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k.
- Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k.
- k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8.
- das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando;
- 10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das
- Bürgermeisteramt.
-
- =Lehranstalten=: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k.
- k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische
- Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die
- Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom
- hl. Kreuz mit Pensionat.
-
- =Verkehrsanstalten.= 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer
- Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die
- k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner
- Eisenbahn.
-
- Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »=Casino=« b) das der
- =Ressource=. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung
- von A. _Stumpf_ am Marktplatz ertheilt allen Touristen über
- den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2.
- Buchhandlung von _Mändl_.
-
-=Sehenswürdigkeiten.= 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau
-stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor,
-stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar
-wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare
-sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der
-Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige,
-künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt
-durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. _Ignaziuskirche_ oder
-Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste
-und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17.
-Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden
-Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben
-wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein
-Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren.
-Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das
-Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt
-den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die
-zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681
-verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen.
-Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses
-Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals
-jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss,
-jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der
-Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden
-Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das
-Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal
-u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch
-Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383
-wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung
-gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt;
-jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken.
-Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche
-oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein
-kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter
-steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche.
-Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse.
-7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte
-der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an
-die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt
-gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte
-im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in
-das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich
-und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit
-der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude
-der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule
-mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach
-englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu
-den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer.
-
-=Kurze Beschreibung der Stadt.= Die königliche (1605) Stadt Komotau
-zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am
-Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von
-Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3
-Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig
-ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau.
-Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder
-Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung
-nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher
-Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt
-durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die
-Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger
-Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung
-nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung
-nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten,
-Kallich gegen die sächsische Grenze.
-
-=Geschichtliches.= 1252 tritt der Name Comotov in den Urkunden auf;
-jedenfalls war da Komotau ein Dorf, das sich um eine Veste gruppirte;
-dieselbe stand an dem Orte, wo jetzt das Rathhaus und das Bräuhaus
-steht; im selben Jahre wird der deutsche Ritterorden als Herr des
-Marktes Komotau genannt. Von 1353 an erscheint Komotau als Stadt. Diese
-litt 1418 durch eine Feuersbrunst grossen Schaden. Ein Schreckenstag
-für Komotau war der 14. März 1421, an welchem die Stadt durch die
-Hussiten erstürmt wurde; die gesammte katholische Bevölkerung wurde
-grässlich hingemordet; nur 30 Einwohner wurden verschont, um ihre
-todten Mitbürger zu begraben. Kaiser Sigismund belohnte später die
-Lobkowitze mit Komotau. Bereits im Jahre 1456 wird Johann Czalta von
-Steinsberg als Herr von Komotau genannt. Durch Erbrecht ging die Stadt
-in den Besitz der Herren von Weitmühl über, wurde im Jahre 1560 an
-Erzherzog Ferdinand, Gemahl der Philippine Welser, und von diesem im
-Jahre 1571 an die Familie der Lobkowitze von Hassenstein verkauft. Zur
-Zeit der Reformation fand die neue Lehre hier Eingang. Georg Popel von
-Lobkowitz berief aber die Jesuiten zur Vertreibung des Protestantismus,
-der auch schliesslich wieder unterging. Derselbe Herr von Komotau trug
-sich auch mit dem Plane um, in Komotau eine Universität zu errichten;
-er fiel aber beim Kaiser in Ungnade und endete als Gefangener 1606
-durch das Henkerbeil sein Leben in Elbogen. Die Güter Georgs von
-Lobkowitz gingen nun an den Staat über; dieser verkaufte ein Dritttheil
-dieser Güter an die Komotauer Bürgerschaft, welche dadurch von aller
-Oberherrschaft frei wurde. Der dreissigjährige Krieg machte sich in
-seinen traurigen Folgen auch in Komotau und Umgebung bemerkbar; am
-ärgsten hausten die Truppen des schwedischen Generals Pfühl in Komotau.
-Es wird erzählt, dass viele angesehene Komotauer Bürger der Tortour
-(Schwedentränkel) unterworfen wurden, um Geld von ihnen zu erpressen.
-Es sollen 160 Wagenladungen geraubter Gegenstände von den Schweden
-fortgeführt worden sein. Schon 1651 hatte sich der Wohlstand Komotaus
-so weit gehoben, dass es seinen Grundbesitz vergrössern konnte. Unter
-den höchsten gekrönten Häuptern, die Komotau im Laufe der Jahre mit
-einem Besuche beehrten, seien genannt: 1703 der König Karl von Spanien;
-derselbe übernachtete im Rathhause; 1771 der unvergessliche Josef II.;
-1813 begaben sich die drei verbündeten Monarchen über Komotau nach
-Leipzig, um die Völkerschlacht zu schlagen. In demselben Jahre wurde
-in Komotau ein Haupt-Lazareth errichtet. In neuerer Zeit hat sich
-Komotau dadurch, dass es Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien wurde,
-sehr gehoben. Der vielen Schulanstalten wegen wird Komotau »Schulstadt«
-Westböhmens genannt. Komotau ist der Geburtsort von bemerkenswerthen
-Gelehrten und zwar: von Mathäus Goldhahn, einem berühmten Philologen,
-bekannt unter dem latinisirten Namen Aurogallus, gestorben 1543; von
-dem Historiker Franz Pubitschka, geboren 1722 und gestorben 1809; von
-Franz Josef Ritter von Gerstner, geboren 1754 und gestorben 1832 als
-k. k. Gubernialrath, Wasserbaudirector und Director der technischen
-Lehranstalt zu Prag, von ganz Europa als einer der ersten Mathematiker
-anerkannt.
-
-
-Spaziergänge:
-
-1. _Von Komotau auf die *Alaunhütte, auch Schweizerhütte genannt._
-Wir gehen vom Ringplatze durch die Weinberggasse. Am Ende dieser
-Gasse erhebt sich eine kleine Anhöhe, »Weinberg« genannt. Links
-der Strasse zieht sich ein schmaler Fusssteig zum Endziele unseres
-Spazierganges. Eine Tafel mit der Aufschrift: »Weg zur Alaunhütte«
-macht den Touristen auf den Weg aufmerksam. In etwa ¼ Stunde sind wir
-am Ziele. Die Alaunhütte, eine Restauration in romantischer Lage, ist
-einer der beliebtesten Ausflugsorte für Komotau und Umgebung. Nächst
-der Alaunhütte befindet sich der Alaunsee. Wer des Ruderns kundig ist,
-miethet sich einen Kahn und befährt den See. Zur Winterszeit bietet der
-Alaunsee mit seiner schönen Eisbahn einen mächtigen Anziehungspunkt
-für Schlittschuhläufer. Ehemals war hier, wo sich jetzt der Alaunsee
-ausbreitet, ein grosses Alaunbergwerk. Die rothe alaunhältige Erde,
-welche rings um die Alaunhütte massenhaft zu sehen ist, erinnert an
-den einstigen Bestand des Bergwerkes. In der Nähe der Alaunhütte
-gedeihet die edle Kastanie in einer seltenen Grösse und Schönheit der
-Frucht. Die mächtigen Stämme und Kronen dieses Baumes gewähren einen
-herrlichen Anblick. Neben den Gastlocalitäten der »Hütte« ist auch
-eine Badeanstalt mit warmen Bädern. Den Sonntag nach Anton im Juni
-jedes Jahres begeht die Hüttenrestauration im Blätterschmucke mächtiger
-Eichen im schönsten Frühlingskleide der Natur ihr Fest mit Concert und
-Tanz.
-
-2. _Nach dem Komotauer *Stadtpark und dem städtischen Schiesshause._
-Wir gehen vom Marktplatze durch die Schiesshausgasse und kommen in ca.
-10 Minuten bei der Komotauer Dampfmühle vorüber in den Park, der nach
-englischer Art angelegt ist. Naturfreunden bereiten hier die schönen
-Baumgruppirungen und Blumenpflanzungen einen wahren Genuss. Im Parke
-befindet sich das im Jahre 1833 erbaute städtische Schiesshaus und in
-dessen Nähe das aus Holz errichtete Sommertheater.
-
-3. _Von Komotau auf den *Hutberg._ Durch die Schiesshausgasse gehend,
-gelangen wir, von den Parkanlagen links ab, in einen Fahrweg, der uns
-durch schöne Obstgärten in ca. ¾ Stunden auf den Hutberg führt. Die
-Aussicht von demselben ist bezaubernd schön. Am Fusse des Hutberges
-liegt in romantischer Lage das Dörfchen Pirken.
-
-4. _Von Komotau nach dem *»Ruland«._ Die Plattner Strasse führt uns
-direct auf eine Anhöhe, wo mitten von Obstgärten, Feldern und Wiesen
-das schöne Wohn- und Wirthschaftsgebäude, genannt »Ruland«, malerisch
-gelegen ist. Eine schöne Aussicht über Komotau und in's Gebirge lohnt
-die Mühe des Touristen, welcher von den freundlichen Bewohnern des
-Gehöftes »Ruland« mit Milch, Obst u. s. w. bewirthet wird. Die Anhöhe
-»Ruland« wird häufig auch Galgenberg genannt, weil hier ehemals
-Verbrecher gerichtet wurden.
-
-5. _Von Komotau nach Eidlitz._ Wir wenden uns durch die Gerstnergasse
-in die Prager Vorstadt und kommen bald auf die Komotau-Eidlitzer
-Bezirksstrasse. Der Weg ist ungemein angenehm. In ¾ Stunden sind wir in
-Eidlitz. Sehenswerth ist das Schloss und eine Zuckerfabrik.
-
-6. _Von Komotau nach *Görkau_ (1 Stunde). _a_) Auf der Strasse. Von
-Komotau durch die Weinberggasse führt die Strasse über den Weinberg
-durch schöne Obstgärten und Felder nach dem Kirchdorfe Udwitz mit
-seinen Kohlenbrüchen. Von hier kommen wir in ½ Stunde nach Görkau.
-(Siehe Görkau.) _b_) Auf dem Fusssteige. Von Komotau gehen wir durch
-die Weinberggasse nach der Alaunhütte. Von hier führt ein Fusssteig
-nach den sogenannten Kohlenhäuseln. Wir gelangen auf demselben zur
-»Tempis-Kapelle«, welche ein Schlosskaplan von Rothenhaus, Hans
-von Tempis, vor vielen Jahren wegen seiner glücklichen Rettung aus
-Räubershänden an dieser Stelle erbauen liess. Der Fusssteig führt uns
-jetzt direct in ca. ¼ Stunde nach Görkau.
-
-7. _Von Komotau nach dem Gebirgsdorfe *Platten._ Auf der Plattner
-Strasse, ziemlich steil ansteigend, kommen wir in ca. 1½ Stunde nach
-Platten mit seiner zu Ende des 14. Jahrhundertes bereits bestehenden
-Kirche und seinem Schlosse, das als Jagdschloss des Besitzers von
-Rothenhaus einst bessere Zeiten gesehen hat. Unweit Platten ist der
-viel besuchte Wallfahrtsort Quinau. Die Aussicht beim Schulhause in's
-Böhmerland ist prachtvoll! (Siehe Bereisung von Görkau aus.)
-
-
-Touren.
-
-1. _Von Komotau bis zur *Grundmühle, nach Domina, Troschig und
-Tschernowitz._ Von Komotau gehen wir an dem Assigbache hinauf
-nach Oberdorf. Oberhalb der Oberdorfer Hammermühle beginnt das
-überaus freundliche Assigbachthal mit üppigen Wiesen und bewaldeten
-Thalgehängen. Wir wandern hier ohne alle Anstrengung und erreichen in
-1 Stunde die erste Grundmühle, auch »Kleinmühle« genannt. Hier können
-wir einen kleinen Imbiss nehmen und uns an einem Trunke Bier oder Milch
-erquicken. Von hier nehmen wir den Weg rechts an der Thalwand hinauf
-gegen Domina. Der Weg ist ziemlich gut. Der Ort lässt sich von der
-Grundmühle aus in 1 Stunde bequem erreichen. Doch ist es nicht nöthig,
-bis in das genannte Dorf zu gehen; wir verlassen deshalb denselben,
-wenden uns rechts dem Dörnthaler Weg zu. Nördlich von Dörnthal sehen
-wir schon den Troschiger- oder Klingerberg ansteigen, das vorläufige
-Ziel unserer Reise. In 1½ Stunde ist die erste Höhe erreicht. Die
-Aussicht ist hier lohnend; am westlichen Gehänge schlängelt sich die
-Strasse über Sebastiansberg zur Landesgrenze, dort unten östlich
-bricht die Bahnlinie aus Felsen hervor. Oestlich und südlich haben
-wir die Gegenden von Brüx und Saaz und östlich verfolgen wir den
-Erzgebirgszug bis Eisenberg und noch weiter, und westlich hebt
-sich Terrasse um Terrasse im schönen Wechsel von Wald und Flur zum
-Horizonte. Wir steigen den westlichen Abhang hinunter, treffen hier das
-an der Komotau-Sebastiansberger Strasse liegende Gasthaus »g. Hübel.«
-In 5 Minuten haben wir auch das südlich gelegene Dörfchen Troschig
-erreicht. Auf einem kleinen Plateau gebaut, ist es das kleinste
-unter den 4 Strassendörfern: Schönlind, Domina, Krima und Neudorf.
-Die Bevölkerung treibt Oekonomie und besorgte früher den Vorspann
-über die Berge. Weiter südlich wandernd, treffen wir einen schönen
-Wald; es ist dies das Troschiger Revier, der Komotauer Stadtgemeinde
-gehörig, die hier einen Förster angestellt hat. Der links des Weges
-sich erhebende »Tennich« ist der höchste Berg dieser Kette. Er ist
-prächtig bewaldet und daher als Aussichtspunct weniger zu empfehlen.
-Wir empfehlen daher den Weg, der von Troschig dem südlich laufenden
-Gebirgszuge folgt, behalten rechts das Höllenthal und sehen nach einer
-Stunde gemüthlichen Wanderns, die Buschtěhrader Bahn überschreitend,
-den _kl. Purberg_. Weit in's Land vorgeschoben und sich langsam
-erhebend, ist dies ein mächtiger Stock von Steinmassen, gleichsam ein
-Knoten, mit dem der Gebirgszug abhebt. Bald haben wir denselben ohne
-Anstrengung bestiegen. Die Aussicht nach 3 Seiten ist herrlich: Die
-Gegend von Komotau, theilweise auch die Stadt, speciell der Bahnhof,
-die Dörfer Tschernowitz, Sporitz, Körbitz, Malkau, Sosau, Grün und
-das Städtchen Kralupp liegen zu unseren Füssen. Dort westlich, wo die
-Eger in die Ebene bricht, liegt Kaaden, von Bergen umstellt, östlich
-sind die Brüxer Berge. Ringsum siehst du Strassenzüge, Eisenbahnen,
-Felder, Fluren, Teiche und Obstgärten. Der Berg selbst bildet oben
-ein Plateau, das so wie sein Abhang mit Eichen- und Birkengestrüpp
-bewachsen ist. Auch erfrischendes Wasser befindet sich oben. Von allen
-Seiten fallen seine Granitmassen steil ab mit oft wunderlichen Klüften,
-worin heute noch der immer seltener werdende Dachs zu Hause ist. Von
-unten gesehen gleicht der Berg einer Ruine, so täuschend thürmen sich
-hier die Steinmassen. Die Gemeinde Tschernowitz, welcher der Berg
-mit den Abhängen gehört, nimmt von ihm das Material zu gewöhnlichen
-Steinmetzarbeiten. Die siebenziger Jahre haben den Berg in Fesseln
-gelegt, weil seit jener Zeit die Buschtěhrader Gebirgsbahn ihren
-Weg rings um denselben genommen. Merkwürdig ist der Fall, dass hier
-Sporitzer Felder 6mal von der Bahn durchschnitten werden. Der Purberg
-hat seine Geschichte, und das deutsche Volk ringsum bis weit in's Land
-kennt ihn und umwebt denselben mit dem Gewande der Sage. So erzählt
-man, dass alte Jungfrauen berufen seien, den Berg abzutragen. Es sollen
-ferner schlechte Zeiten hereinbrechen, wenn der Berg mit Eisen belegt
-sein wird. Auf der östlich angrenzenden Tschernowitzer Haide soll einst
-der Schlussact eines grossen Völkerkampfes stattfinden, worauf erst
-wieder bessere Zeiten zu erwarten seien u. s. w. Den östlichen Abhang
-hinab führt ein Fahrweg und dieser bringt uns bald nach dem nahen
-Tschernowitz. Schon der kurze Weg dahin zeigt Halden, Steinbrüche,
-gearbeitete und rohe Steine, den Gewerbefleiss der Ortsbevölkerung
-deutend. Strauss, Dietz und Bertl sind bekannte Steinmetzer und die
-Güte des hier gefundenen Materials macht ihre Arbeit gesucht. Der Ort
-selbst mit 54 Häusern und 440 Einwohnern hat vorzügliches Trinkwasser
-und viel Obstbau. Gasthäuser sind da. Die Strasse führt in ¾ Stunden
-nach Komotau zurück.
-
-2. _*Von Komotau über Domina nach Glieden, *Wisset, Schweiger,
-Hohentann, *Hassenstein, *Platzer Grund, Zollhaus, Neudorf und retour._
-Dies ist eine starke Tour und erheischt ein zeitliches Verlassen
-der Lagerstätte. Unser Weg führt vorerst auf der Kaiserstrasse
-nach Oberdorf. Hier sehen wir im Vorbeigehen das grosse Bräuhaus
-von Philipp. Die alterthümliche unvollendete Kirche stammt von dem
-unglücklichen Labketz, der unter dem Henkerbeile verblutete. Hier
-haben wir zwei Wege vor uns. Den ersten, die Strasse, vermeiden
-wir, denn sie führt steil über das Gebirge. Der grosse Kaiser Josef
-liess sie anlegen und das Volk erzählt sich, dass, als er später die
-Gegend bereiste, die steile Anlage sah und den Bauleiter zur strengen
-Rechenschaft zog. Wir wenden uns dem Landwege zu, an dem Oberdorfer
-Friedhofe vorbei. Bald haben wir die Vorberge erreicht. Diese tragen
-Obstgärten. In kurzer Zeit haben wir das kleine, mit Erlengebüsch
-besäumte Hatschkabächlein erreicht, das die Sporitzer Wiesen bewässert
-und auf den Troschiger und Schönlindner Wiesen entspringt. Dem
-steigen wir nach und kommen in die sogenannte »Ranz.« Später theilt
-sich der Weg, der rechts führt nach Schönlind, der links durch das
-Troschiger Revier nach dem Dörfchen Troschig. Von hier wenden wir
-uns nach Glieden. Dazu stehen uns zwei Wege offen. Der eine führt
-über Nokowitz und ist ein Fahrweg, geht anfangs nördlich der Strasse
-zu, wendet sich alsdann westlich und in ½ Stunde haben wir Nokowitz
-erreicht, das an der linken Lehne des Höllenthales ½ Stunde südlich
-von Krima liegt. Der Ort hat nur Getreidebau und Holzhandel, 23
-Häuser und 152 Einwohner. Der zweite Weg ist ein Fusssteig und führt
-von Troschig westlich auf der linken Lehne des Höllenthales hinunter
-durch einen Eichenbusch. Unten angekommen, finden wir die schönsten
-Wiesen und ein kleines Bächlein, den Höllenbach, der auf der Krimaer
-und Wisseter Heide sich sammelt und mit dem Thale einem südöstlichen
-Laufe folgt, sich später westlich wendet, eingeschlossen und beengt von
-dichtbewaldeten Thallehnen. Bei Malkau tritt er in die Ebene und bildet
-mit dem Grüner und Plassdorfer Bächlein den sogenannten Saubach. Der
-Weg durch's Höllenthal ist oft beschwerlich. Bei einer Einschichte,
-links vorbei, gelangen wir an der Berglehne hinauf nach Glieden. Die
-Ortschaft hat 16 Häuser mit 117 Einwohnern, die Oekonomie treiben. Die
-Lage des Oertchens ist überaus freundlich. Vom Nordsturme durch den
-Gliednerberg geschützt, ist das Klima schon so mild, dass hier Obst
-gedeiht. Die nach allen Richtungen hin sehr beschwerliche Communication
-ist freilich den Einheimischen nicht auffällig. Südlich von Glieden,
-½ St., finden wir den _*Höllenstein_, der eine Wand des Höllenthals
-bildet. Pittoresk geformt, mit einer schönen Aussicht auf demselben und
-schauerlicher Tiefe zu den Füssen, ist es für den Touristen lohnend,
-ihn zu besuchen. Wir gehen von Glieden auf einem Fusssteige nach
-Wisset. Der Ort hat 29 Häuser mit 232 Einwohnern. Wisset liegt auf der
-ersten Terrasse des hier aufsteigenden Gebirges, der Wisseter Platte.
-Die Lage der Ortschaft ist freundlich, die Communication per Wagen
-überaus beschwerlich. Der nördlich und nordöstlich sich hinziehende
-Höhenzug hat den Namen »Ziegenrück.« Er ist theilweise urbar, doch
-reift hier das Getreide 2 bis 3 Wochen später. Wisset selbst hat zwei
-Wirthshäuser. Jedem Touristen gewährt die Aussicht vom »Obern Berg«
-aus in's Saazer Land einen grossen Genuss. Wir verfolgen jetzt den
-Weg nach _Hohentann_, der westwärts durch die Wisseter Flur führt.
-Kurz vor dem Walde (ein Kreuz in der Nähe) theilt sich der Weg. Der
-rechts führt uns zur »Schweiger-Höhe«, der links abbiegende an der
-südlichen Schweigerlehne durch dichten Nadelwald nach *Hohentann. Wir
-verfolgen den erstgenannten und haben in ca. ½ Stunde den Höhepunkt
-»_*Schweiger_« erreicht. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast
-bis zu seinem Scheitel urbar, fällt er südlich, westlich und östlich
-gäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht bereitend. Das
-Biela- und Egergebiet, die Höhen des Duppauer Gebirges und fast der
-ganze Erzgebirgszug repräsentiren sich in ihrer Schönheit. Dort die
-alte Ruine Hassenstein, die Stadt Sonnenberg zu unseren Füssen,
-nördlich Sebastiansberg und die vielen Ortschaften bis gegen Eisenberg.
-Der Name Schweiger soll daher kommen, dass der Sage nach hier einst
-ein Sprosse der Hassensteine als Einsiedler seine Zelle hatte und
-schweigend seine Lebtage zubrachte. Südöstlich, den ersten besten Weg
-abwärts, kommen wir nach Hohentann. Dieses Dorf hat 29 Häuser und 180
-Einwohner, die Oekonomie und Holzhandel treiben. Im Winter halten
-sich Weib und Kinder an die Spitzenklöppelei. Dort bei der kleinen
-Ortskapelle vorbei führt der Weg westwärts. Nicht weit vom Dorfe
-theilt er sich. Wir verfolgen den Weg links, lassen die Hohentanner
-Hügel zwischen Hohentann und Platz ebenfalls links, kommen zu einem
-Holzkreuze (am Kreuzwege), finden auf einer Wiesentrift den Fusssteig
-zum Platzer Forsthause und können hier den Fahrweg verfolgen zur Ruine
-Hassenstein. Der Tourist wendet sich auf dem Rückwege beim Forsthause
-nordwestlich, behält den mit Kiefern bewachsenen Lerchenberg seitwärts
-des Forsthauses rechts, die »Kalkofenhöhe« links und sieht bald in
-das tiefe »Grundthal«. Hier wendet er sich dem Wistritzbach, der
-dieses Waldthal durchfliesst, entgegen. Dort, wo der Weg die Thalsohle
-erreicht, liegt rechts das Grundwirthshaus. Hier ist jederzeit frisches
-Bier und ein Imbiss zu haben. Wir erreichen jetzt das schattige --
-oft wildromantische Grundmühlthal oder Wistritzbachthal, das sich
-aufwärts immer mehr verengt und später zur Schlucht wird, kaum einen
-Fuhrweg lassend. Das Wasser des Baches ist hier spiegelhell; es würde
-bei normaler Körpertemperatur ein wohlthuendes Bad geben. Jetzt müssen
-wir darauf verzichten. Von dem Forellenreichthume früherer Zeit ist
-jetzt bei dem herrschenden Raubsystem wenig zu merken. Nach 1½stündiger
-Wanderung erweitert sich oben genanntes Thal, wir sehen die Holzmühle
-an der Komotau-Pressnitzer Strasse, gehen rechts die Strasse hinauf
-über's Zollhaus zum Bahnhofgebäude Krima-Neudorf. Hier pflegen wir
-unsere Glieder, stärken uns mit Speise und Trank und erwarten in Geduld
-den um 9 Uhr Abends nach Komotau abgehenden Zug, der uns um 10 Uhr nach
-Komotau bringt.
-
-3. _*Von Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, Plassdorf, *Platz,
-*Hassenstein und Brunnersdorf. (Bahnstation.)_ Wir verfolgen die
-Bahnhofstrasse, lassen den Bahnhof links, treffen hier die sogenannte
-Kaadner Kapelle (ehemals Wallfahrtsort mit Kreuzweg) und gehen auf
-der Kaadner Strasse bis unweit Tschernowitz. Hier biegen wir bei
-einer kleinen Restauration rechts in einen Fusssteig ab, gehen durch
-die Tschernowitzer Steinbrüche am Fusse des südlichen Abhanges des
-Purberges. Unser Fussweg führt uns in ca. ½ Stunde nach dem Dörfchen
-Malkau mit 22 Häusern und 143 Einwohnern. Die Bewohner von Malkau
-sind durchgehends Oekonomen und verwenden einen regen Fleiss auf die
-Obstbaumzucht. Das Dörfchen Malkau hatte sich im Anfang der 70er Jahre
-der Naturforscher Dr. Martius zu seinem Domicil erwählt. In jener Zeit
-hat es wohl mehr Fremde gesehen, als gegenwärtig. Doch wir verfolgen
-nach dieser Abschweifung unseren Wegweiser. Dort, wo am nördlichen Ende
-des Dörfchens die »Höllenmühle« steht, führt der Weg nach dem ¼ Stunde
-entfernten Nachbardorfe Grün. (27 Häuser mit 168 Einwohnern.) Zwischen
-Grün und Malkau befindet sich eine kahle Anhöhe der »Lerchenberg«.
-Der bequeme Aufstieg ist der Fernsicht halber lohnend. Der Fusssteig
-nach Grün ist, um Irrungen zu vermeiden, wohl zu beachten. Wir
-betreten bei der kleinen Ortskapelle das freundliche Dörfchen. Grün
-ist unter den »Birndörfern« (von den nahen Gebirgsbewohnern der
-reichen Obstkultur halber so genannt) das grösste. In Grün befinden
-sich 2 Einkehrhäuser. Am Fusse des aufsteigenden Gebirges führt uns
-der Fusssteig westwärts in ½ Stunde nach Plassdorf (25 Häuser, 134
-Einw.), welches an der Südlehne des Schweigers wie angeklebt ist. Die
-Bewohner von Plassdorf sind grosse Freunde des Obstbaues, vorzüglich
-aber verwenden sie auf die Cultur der Kirschen grosse Mühe. Das einzige
-Wirthshaus schliesst das Dorf südlich ab. Weiter südlich erhebt sich
-eine Anhöhe, genannt »Kralupper Berg«, mit Eichen und Birken besetzt.
-Von Plassdorf führt uns der Weg ½ Stunde durch eine Thalschlucht
-aufwärts an den Südabhang des Salberges dem Städtchen Platz (mit 400
-Einw.) zu. Dieses Städtchen verdankt seine Entstehung den Burgherren
-des nahen Hassenstein. Die Einwohner beschäftigen sich theilweise mit
-Oekonomie, theilweise sind es Handwerker, vornehmlich Maurer. Die
-Spitzenklöppelei wird von dem weiblichen Theil der Bevölkerung ziemlich
-stark betrieben. Zwei Gasthäuser bieten dem Touristen die nöthige
-Unterkunft und Erfrischung. Zur Zeit des Zunftwesens war Platz das
-»Mekka« der Handwerker von den nahen Dörfern, selbst vom Flachlande;
-hier wurde der Lehrling zum Gesellen, der Gesell zum Meister befördert.
-Das Städtchen Platz bietet vom Kirchenplatze aus eine prächtige
-Fernsicht in die Saazer Gegend. Die meiste Anziehungskraft für die
-Touristen aber hat die ca. 10 Minuten westlich von Platz gelegene
-Ruine _Hassenstein_, welche noch heute in ihren Trümmern auf ihre
-vormalige Grossartigkeit schliessen lässt. Die Stätte selbst ist, wie
-die Nachgrabungen zu Anfang der dreissiger Jahre vermuthen lassen,
-schon in heidnischer Vorzeit bewohnt gewesen und zu gottesdienstlichen
-Zwecken oder als Begräbniss- auch Opfer-Platz benutzt worden. Man
-hat nämlich mehrmals Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste gefunden.
-Wann und von wem die Burg Hassenstein erbaut wurde, ist unbekannt. Zu
-Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Brüder Friedrich und Theodor
-von Schönburg als Herren von Hassenstein, das damals ein Kronlehen
-war. Im Jahre 1418 war der damalige Besitzer in eine Verschwörung
-gegen König Wenzel IV. verwickelt, und der Monarch übertrug die
-Bestrafung dem Oberst-Landschreiber Niklas von Lobkowitz, welcher
-das Schloss Hassenstein eroberte und dasselbe als Eigenthum erhielt.
-Diese Schenkung wurde ihm 1421 von Sigmund und seinem Sohne Niklas
-von Lobkowitz 1457 vom König Ladislaw auf immerwährende Zeiten
-bestätigt. In Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein feiert das Haus
-seinen glänzendsten Namen, die klassisch-humanistische Bildung des
-16. Jahrhunderts eine ihrer ersten Grössen. Unter ihm glich die Burg
-Hassenstein einem kleinen Musenhof. Er war durch Gelehrsamkeit,
-Dichtergenie und Erhabenheit des Charakters ausgezeichnet. Zwei
-andere Lobkowitze auf Hassenstein, die Herren Sebastian und Bohuslav
-Felix, erwarben sich grosse Verdienste um den erzgebirgischen Bergbau
-damaliger Zeit. Gegen das Ende des 16. Jahrh. kam Popel von Lobkowitz
-in den Besitz von Hassenstein. Der letzte Lobkowitz auf Hassenstein
-war Christof. Im Jahre 1606 ging die Burg Hassenstein in den Besitz
-des Herrn Leonhard von Stampach über. Unter demselben, der seine
-lutherische Gesinnung mit 2 Dritttheilen seines Vermögens büssen
-musste, ging Hassenstein seinem Verfalle entgegen. Herr Jaroslav
-Bořita von Martinitz erwarb die halbverfallene Burg sodann für ein
-Billiges. Später bekam die Ruine mit dem dazu gehörigen Grundbesitz die
-Nebenlinie Martinitz-Hagensdorf. Durch die erbliche Nachfolge dieser
-Linie kam Hassenstein in den Besitz der Grafen Wolkenstein-Trostburg.
-1880 verkaufte Engelhardt von Wolkenstein sein Erbe und mit ihm
-Hassenstein an den Grossindustriellen Preidl.
-
-Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im
-Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt
-nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab.
-Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr
-erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm
-mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut
-erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters
-von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter
-Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu
-finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche
-tragi-komische Geschichte erfahren.
-
-Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald
-hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer
-dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des
-Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches
-liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den
-Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner
-von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den
-Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die
-Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des
-Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen
-zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter
-westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn,
-andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen.
-
-4. _Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das
-*Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg._ Wir beeilen uns zum
-1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das
-Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon
-im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen
-Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist.
-Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl.
-Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von
-Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale
-entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst,
-in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile
-gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo
-die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der
-Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf
-zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist
-das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit
-einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in
-den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge
-hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge
-Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein
-ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen
-Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen
-Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen
-Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp
-und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort
-und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der
-Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie
-für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge.
-An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster
-gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von
-den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten
-Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe
-den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche,
-der Gutsherrschaft gehörig. -- Wir wenden uns nun westwärts dem
-Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem
-Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die
-Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der
-im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert
-wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig
-ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten
-die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit
-zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel
-bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts
-Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der
-es nicht scheut, den nördlich gelegenen _Saustein_ zu besteigen. An
-schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend
-vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher
-Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches.
-Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal
-den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne,
-links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein
-melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt
-Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich
-westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme
-in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung
-eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände
-heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg
-Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein
-Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu
-sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte
-Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke
-zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von
-Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch
-Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch
-finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am
-rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines
-Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich
-wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von
-dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche
-Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe.
-
-Werfen wir einen Blick auf unsere bisherige Wanderung im Thale des
-Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch
-Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses
-Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs
-wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt.
-Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies
-nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der
-Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten
-die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's
-Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur
-Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges
-bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um
-die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen.
--- Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das
-Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald-
-und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer
-nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung
-stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es
-liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende
-Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt
-auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt _Sonnenberg_. Gneis und
-Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern
-zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit
-Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes.
-Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung
-der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine
-Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von
-Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst
-sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200
-Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder
-Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel
-mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter.
-
-Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre
-regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe
-laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach
-allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann.
-
- =Gast-= und =Einkehrhäuser= sind: Gasthaus zur »Sonne«
- am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's
- Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in
- der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der
- Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und
- Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann _Stocklöw_ und Josef
- _Puschack_.
-
- =K. k. Postamt.=
-
-Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das
-Kirchenschiff hat eine Länge von 35 m und eine Breite von 20 m. Das
-Presbyterium ist 10 m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in
-6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen
-Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und
-Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss).
-Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die
-achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers
-Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um
-den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste
-29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der
-Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die
-hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer
-Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches
-interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land
-schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt
-jährlich viele hunderte von Touristen hieher um -- wie die Sachsen
-sagen -- »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens
-finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die
-Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur
-Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt
-den Touristen wieder zurück in seine Heimath.
-
-5. _*Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg._
-Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach
-ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal,
-dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur
-ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der
-betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach
-Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die
-zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt.
-Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von
-hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde
-entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen.
-Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts
-von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem
-freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von
-der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal-
-oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der
-mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und
-der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal,
-Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit
-schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod
-unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle
-in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine
-wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts
-verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links
-aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die
-Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern.
-Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem
-Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian
-von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer
-und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt.
-Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner
-beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei.
-
- =Gasthäuser=: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus«
- in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum
- schwarzen Adler« am Ring.
-
- Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k.
- Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-,
- Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte
- Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute
- _Stadtkirche_ und das im J. 1879 errichtete _Kriegerdenkmal_ am
- Marktplätze.
-
-Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der
-Kaiserstrasse ist der nach _*Reitzenhain_ (Eisenbahnstation) dem
-beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch
-ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten
-derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt.
-Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche
-Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man
-blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns
-der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden
-Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht
-wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem
-Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft
-finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter
-und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich,
-die Waldpartie nach _*Marienberg_ in Sachsen, (2 Stunden), nach
-_*Ulmbach_, _*Kienhaide_ und _*Natschung-Kallich_ auf guten Wegen sind
-von seltener Schönheit.
-
-6. _Von Sebastiansberg nach Komotau zurück._ Der müde Tourist kann dies
-erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus,
-wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in
-Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach
-Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf
-der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf.
-In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf,
-dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch
-die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes
-treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über
-Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir
-lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen
-Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63
-Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit,
-als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier
-reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und
-grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen
-können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard
-Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche
-Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man
-auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen.
-Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der
-Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung
-führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links
-sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse
-ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer
-Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle
-unterhalb Schönlind, von hier aus _*prächtige Ausblicke_ in's Land
-gewährend -- durch Oberdorf nach Komotau.
-
-7. _Von Komotau nach *Kaaden._ Die Tour wird mit der Buschtěhrader
-Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das
-Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist
-Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in
-einer halben Stunde in die Stadt befördern.
-
-
-
-
-Kaaden.
-
-
-Die Stadt zählt 5052 Einwohner und liegt an der Eger.
-
- =Gasthöfe=: »Zur Sonne« am Marktplatz; »zum grünen Baum«; »zum
- goldenen Hirschen«.
-
- =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft; k. k. Bezirksgericht;
- k. k. Post- und Telegraphenamt.
-
- =Verkehrsanstalten=: Buschtěhrader Eisenbahn westwärts gegen
- Karlsbad-Eger und ostwärts gegen Komotau und von da einerseits
- nach Aussig-Bodenbach, andererseits nach Prag.
-
- =Schulanstalten=: Ober-Gymnasium, Ackerbauschule, Bürgerschule.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: _Die Dreifaltigkeitssäule_ auf dem Ring; dieselbe
-wurde im J. 1761 errichtet. _Das Rathhaus_; es bestand schon zu Anfang
-des 15. Jahrh. und ist nach dem Brande 1811 neu wieder hergestellt
-worden. An der Vorderseite des Gebäudes sieht man die Wappen des Hauses
-Oesterreich, der Königreiche Ungarn und Böhmen und der Stadt Kaaden.
-Das Kloster der Elisabethinerinnen in der unteren Vorstadt am Einflusse
-des Brunnersdorfer Baches in die Eger, gestiftet im J. 1748. Die Kirche
-zu _Mariä-Verkündigung_ nebst der darin befindlichen _Kapelle_ zu den
-heil. 14 Nothhelfern und einem Franziskanerkloster ausserhalb der
-Stadt, ¼ St. nordwestlich am linken Ufer der Eger. Die Kapelle bestand
-als Wallfahrtsort schon im 14. und 15. Jahrh. und 1473 stiftete auf
-Anregung des Herrn Niklas von Lobkowitz die Stadtgemeinde das Kloster,
-dessen, sowie der Kirche vollständiger Ausbau aber erst 1662 zu Stande
-kam.
-
-=Geschichtliches=. Der Name der Stadt rührt von einer Burg her, welche
-der böhmische Feldherr _Kadan_ angeblich auf dem Felsen, wo jetzt die
-Kaserne steht, schon im J. 821 errichtete und nach sich benannte.
-Unter seinem Schutze entstanden allmählig Ansiedelungen und eine
-Stadt, welche im J. 1128 durch Herzog Sobieslaw mit Mauern umgeben
-wurde. Sonach zählt der Ort zu den ältesten Städten des Egerthales.
-König Přemysl Ottokar II. erhob sie zu einer königlichen Stadt. Kaiser
-Karl IV. verlieh ihr verschiedene Privilegien. Im J. 1421 wurde
-sie von den Taboriten überfallen und furchtbar verheert. Weil die
-Stadt im Schmalkaldischen Kriege 1547 an der Widersetzlichkeit gegen
-Ferdinand mit theilgenommen, wurden ihr alle Privilegien und Freiheiten
-bestätigt, welche ihr früher verliehen worden. Während des 30jährigen
-Krieges wurde Kaaden zweimal von den Schweden und zwar 1642 unter
-General Torstensohn und 1648 unter General Königsmark eingenommen.
-Grosses Unglück traf sie am 1. October 1811, an welchem Tage sie
-von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde. Das Rathhaus, die
-Dechantei, die Schulgebäude und 243 Häuser sammt Nebengebäuden wurden
-von dem entfesselten Elemente eingeäschert.
-
-Die Umgebung der Stadt ist reizend und besuchenswerth. Die Abhänge
-des Egerthales sind von Warta aus bis Klösterle, ja selbst bis Kaaden
-grösstentheils felsig, und oft fallen die Felsmassen bis in das
-Flussbett steil ab und erfreuen den Touristen durch ihre mannigfaltige
-Gestaltung und dadurch bedingten häufigen, sehr angenehmen Wechsel der
-Landschaftsbilder.
-
-
-Touren:
-
-Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und
-weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss
-hin. Es ist: _Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum
-Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation
-Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden
-über Hauenstein-Warta-Klösterle_ (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden
-südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in
-derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau
-ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken,
-aus welchem sich die Bergspitze _Burgstadel_ 925 m erhebt, welche
-einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur
-noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges
-sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei
-reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen
-Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen
-Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des
-Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide,
-welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit
-zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der _*Oedschlossberg_
-917 m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der
-Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen
-Kopfes befinden, welche vom Volke _die Zwerglöcher_ genannt werden,
-weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen.
-
-Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von
-Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria
-Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von
-Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von
-demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche
-wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten
-gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses
-Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem
-Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch
-ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die
-bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens.
-
-Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an
-der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach
-Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn.
-
-=Giesshübler Sauerbrunn= (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in
-nördlicher Richtung nach _Welchau_ am rechten Ufer der Eger in einem
-von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer
-des Gutes _Welchau_ ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner,
-welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger
-ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und
-sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem
-Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen
-eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers
-_Anton Hasch_ zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt
-geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss
-ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am
-21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler
-wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station
-»Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden.
-
-2. =Kaaden-*Leskau-*Schönburg=. In westlicher Richtung gehen wir von
-Kaaden aus über Roschwitz zu dem nordwestlich von dem Dorfe _Leskau_
-sich erhebenden _Leskauer Schlossberg_ mit der malerischen Ruine der
-Burg Egerberg, auch Egerwerk und Egerburg genannt, über deren Erbauer
-und früheren Besitzer nichts bekannt ist. Von da wandern wir in
-westlicher Richtung gegen Kettwa fort, wo sich eine Ueberfuhr befindet,
-und setzen auf das jenseitige Egerufer über, um in nördlicher Richtung
-dem, aus dem Egerthale steil aufsteigenden Berge _Schönburg_ zuzueilen.
-Auf dem Gipfel des mit Wald bedeckten Berges sind die ansehnlichen
-Ruinen des Schlosses _Alt-Schönburg_. Wir geniessen von hier aus eine
-herrliche Aussicht in die Saazer Ebene und das ferne Mittelgebirge. Die
-Burg soll von den Eigenthümern ihrer Baufälligkeit wegen (sie ist von
-Basaltblöcken erbaut) verlassen worden sein; sie erbauten am Fusse des
-Berges ein neues Schloss und benannten sich auch nach diesem, Herren
-auf _Neuschönburg_; von diesem sind sehr wenige Spuren noch vorhanden.
-Retour nach Kaaden.
-
-3. =Kaaden-Klösterle-Kupferberg-= (=*Sphinx= und =*Kupferhügel=)
-=Schmiedeberg-Weipert-Pressnitz=. (Herrliche Partie für drei Tage.)
-Wir treten unseren Weg an und kommen in westlicher Richtung nach dem
-1¾ St. entfernten _Klösterle_. Wir haben eine Gebirgslandschaft vor
-uns, welche durch das Thal der Eger in zwei Theile getrennt ist. An der
-linken Seite ist es die steile Abdachung des Erzgebirges, welche das
-Thalgehänge bildet, an der rechten Seite das Duppauer-Gebirge, hier
-das Liesengebirge genannt, welches sich hier aus dem Thale erhebt. Das
-Thal selbst ist fast durchaus enge, die Abhänge am Fusse fast überall
-felsig; sie lassen nur stellenweise eine schmale Thalsohle übrig und
-häufig steigen sie fast unmittelbar bald an der rechten, bald an der
-linken, bald auch an beiden Seiten in schroffen Felswänden aus dem
-Flusse auf. Ueber diesen Felsgehängen dachen sich die Gebirgsabhänge
-bald mit grösserer, bald mit geringerer Steilheit ab.
-
-=Klösterle=, Stadt, auf einer geneigten Anhöhe am linken Ufer der Eger.
-
- =Gasthäuser=: Rathhaus am Markte, Restauration zum Bräuhaus,
- herrliche Aussicht.
-
- =Eisenbahnverbindung= einerseits gegen Eger, andererseits gegen
- Komotau-Prag-Aussig-Bodenbach.
-
- =Post- und Telegrafenamt.=
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Die Dreifaltigkeitskirche, ein schönes,
-geräumiges Gebäude in neu-italienischem Styl im J. 1670 vom Grafen
-Michel Oswald von Thun erbaut. Das schöne, herrschaftliche _Schloss_,
-auf einem Felsen am Ufer der Eger, welche hier durch einen weiten Busen
-das Ansehen eines beträchtlichen Stromes zeigt. Der Schlossgarten zeigt
-herrliche Baumgruppen. (Von Klösterle aus kann man auch Leskau und
-Schönburg besuchen, siehe Kaaden.)
-
-Jetzt treten wir eine echte Gebirgspartie an. Wir kommen der höchsten
-Masse des Erzgebirges immer näher. Von Klösterle gehen wir in
-westlicher und nordwestlicher Richtung nach dem ¾ St. entfernten,
-an einem Berge gelegenen _Haadorf_ und erreichen in einer halben
-Stunde _Steingrün_, ein Dorf an der Hauptstrasse, grösstentheils
-aber zerstreut an den Abhängen eines inneren Thales, in welchem ein
-kleiner Bach nach Pürstein fliesst, gelegen. Von hier aus erreichen
-wir, nördlich wandernd, wieder in einer halben Stunde _*Kupferberg_.
-Diese Partie lässt sich noch über _Wenkau_, ein Dorf am südlichen
-Gebirgsabhange in einem Thale zwischen Waldungen, zurücklegen. Beide
-Partien zeichnen sich durch grossartigen Gebirgscharakter aus.
-Ausdauernden Touristen empfehlen wir die _Fusstour_ von Klösterle aus
-durch das wiederholt berührte, herrliche Egerthal auf der Kaiserstrasse
-nach _Pürstein_ über Aubach nach _Wotsch_, von da nach _Warta_ und
-endlich nordwestlich abbiegend, nach Hauenstein (siehe Bereisung von
-Johannisthal aus). -- Retour nach Pürstein (zu Fuss und per Bahn), das
-am Zusammenflusse von drei Bächen, im Ausgange eines engen Thales,
-am Fusse des Erzgebirges in malerischer Gebirgsgegend gelegen ist.
-Wir gehen nun nördlich und kommen zu dem Schlossberge mit einigen
-Ueberresten der Burg Pürstenstein, auch Finkelstein, und setzen unseren
-Weg steil aufwärts nach _Kleinthal_, dann nach Steingrün fort und
-erreichen endlich _Kupferberg_. Dieser Aufstieg wird den Touristen
-wegen der reichen Abwechslung der wildromantischen Gegend besonders
-empfohlen. Zuvor statten wir der, an der Strasse gelegenen herrlichen
-Felspartie einen Besuch ab und erfreuen uns über den prachtvollen
-Einblick in das Egerthal. Der berühmte Landschaftsmaler Slowikowski,
-der gegenwärtig mit der Aufnahme von Bildern im Erzgebirge beschäftigt
-ist, entdeckte hier im J. 1880 eine schöne Sphinx und entwarf eine
-correcte Zeichnung davon, deren Abdruck sammt dem von ihm verfassten
-Gedichte nächstens in der Erzgebirgszeitung erscheinen wird.
-
-=Kupferberg=, eine Bergstadt, auf dem Rücken des Erzgebirges 834 m
-über dem Meere gelegen. Die Kirche wurde in den Jahren 1803 bis 1814
-neuerbaut und die alte, ganz baufällige abgetragen; sie hat einen Thurm
-mit einem harmonischen Geläute von 5 Glocken, welche noch von der alten
-Kirche herrühren. Das Städtchen ist regelmässig angelegt, die Häuser
-fassen einen grossen, quadratischen Platz ein.
-
- =Gasthäuser=: Rathhaus, Deutsches Haus, Post.
-
- =Eisenbahnstation= (20 Minuten von der Stadt, Verbindung mit
- Komotau-Weipert).
-
- =Postamt=.
-
-Der an der Nordseite der Stadt sich erhebende _*Kupferhügel_ (in 12
-Min. ohne Anstrengung zu erreichen) ist vom Bergbau ganz unterwühlt,
-eine Menge Halden an seinem Abhange und in seiner Umgebung sind die
-Reste der seit vielen Jahren erloschenen unterirdischen Thätigkeit. Auf
-dem Gipfel steht eine Kapelle, welche von Einheimischen und Fremden
-häufig der Andacht und auch der herrlichen Aussicht wegen besucht
-wird. Diese ist eine der merkwürdigsten und schönsten in Böhmen; gegen
-Nordwest, Nord und Nordost ist sie zwar durch die höheren bewaldeten
-Rücken und Kuppen des Gebirges beschränkt, aber in anderen Richtungen
-erstreckt sie sich in unbegrenzte Ferne, besonders gegen Süd und
-Südosten. Wir sehen bis in die Gegend von Prag, wo dann die Hochebene
-des mittleren Böhmen den Horizont bildet, und dann weit in die Gegend
-von Elbogen und Pilsen. Unterhalb der Kapelle befindet sich das
-bekannte »Gasthaus am Kupferhügel.« (Erscheinungen siehe _Klima_.)
-
-Von Kupferberg aus gehen wir (auf dem Plateau wird doch niemand die
-Bahn benützen wollen) in der herrlichen Waldluft auf der Strasse in
-westlicher Richtung nach Oberhals (¾ St.), einem zerstreut am südlichen
-schroffen Rande des Gebirgsrückens in ebener Gegend liegenden Dorfe,
-biegen hinter demselben rechts ab und kommen in dem langgestreckten
-Orte _Schmiedeberg_ an. Das Dorf hat eine Eisenbahnstation der
-Buschtiehrader Eisenbahn von Komotau nach Weipert her und ist
-Absteigestation für die herrlichen _Aussichtspunkte_: _Keilberg_,
-_Fichtelberg_, _Spitzberg_ bei Gottesgab, _Halsberg_ bei Pressnitz,
-_Kupferhügel_ und _Bärenstein_ bei Weipert (siehe oben Bereis. des
-Erzgebirges von Joachimsthal und Kaaden aus!). Hervorragende Gebäude
-sind die Kirche und das Schulhaus.
-
- =Gasthöfe=: Schneeberg, Ross.
-
-Von Schmiedeberg gelangen wir in je 1¼ St. in nordöstlicher Richtung
-nach Pressnitz, in südöstlicher nach Kupferberg, in nordwestlicher nach
-Weipert und in südwestlicher nach Böhmisch-Wiesenthal (siehe Bereisung
-von Joachimsthal aus!). Nach Pressnitz führt von Schmiedeberg die
-Pressnitz-Schmiedeberger Bezirksstrasse. Der Weg ist sehr angenehm.
-
-=Pressnitz=, Bergstadt, mit 3000 Einwohnern, auf der nördlichen sanften
-Abdachung.
-
- =Gasthäuser=: »Herrenhaus«, »Rössel«.
-
- =Aemter=: K. k. _Bezirksgericht_, _Post-_ und _Telegrafenamt_.
-
- =Eisenbahnstation= der Buschtiehrader Bahn einerseits gegen
- Weipert, andererseits gegen Komotau.
-
-=Geschichtliches=: Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem
-Silberbergbau. Hier ist bereits zur Zeit der Regierung des Königs Georg
-von Poděbrad Silber gegraben und dem Herrn Niklas von Lobkowitz auf
-Hassenstein eine unbeschränkte Bergfreiheit zum Abbau aller Metalle
-drei Meilen rings um sein Stammschloss Hassenstein verliehen worden.
-Diese wurde vom Könige Wladislaw den Gliedern dieses Adelsstammes im J.
-1473, 1490, 1500 und 1514 fortwährend weiter zugestanden. Unter König
-Mathias wurde, um den Bergbau zu heben, ein Vertrag geschlossen, der
-aber leider kein Heil mehr brachte, weil gleich darnach der 30jährige
-Krieg ausbrach. Er wurde zwar auch von allen späteren Monarchen gleich
-den anderen Privilegien bestätigt, ohne aber den erwarteten Erfolg zu
-haben.
-
-Seit dem grossen Brande am 1. August 1811 sind die Pressnitzer mehr
-in der Welt bekannt geworden. Seitdem gehen junge Mädchen, mit der
-Harfe die entferntesten Gegenden besuchend, zum Theile von den Vätern,
-welche die Geige oder Flöte spielen, begleitet, einem oft nicht
-unbeträchtlichen Erwerbe nach, mit dem sie zur Unterstützung ihrer
-Eltern und Geschwister zeitweilig nach Hause kehren. Von Pressnitz
-aus gelangen wir auf einer guten Strasse durch das weitläufige Dorf
-_Reischdorf_ über den _Reischberg_ 457 m nach Sonnenberg (1¾ St. --
-siehe Bereisung von Komotau aus).
-
-
-
-
-E. Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus.
-
-
-
-
-Görkau.
-
-
-=Görkau=, eine Stadt mit mehr als 4000 Einwohnern, 15 Minuten südlich
-vom Fusse des Erzgebirges gelegen, von der Biela und dem Aubach
-durchflossen. Die Umgebung der Stadt bilden zahlreiche geschlossene
-Obstgärten, worin Birnen, Aepfel, Nüsse, Kirschen und Zwetschken
-gezogen werden. Die Stadt hat schöne Waldungen (über 2000 Joch), welche
-hoch im Gebirge zwischen den Waldungen der Herrschaft Rothenhaus, den
-fürstlich Lobkowitz'schen von Eisenberg-Neudorf und den Katharinaberger
-liegen. In jüngster Zeit hat die Stadtgemeinde auch die schöne Graf
-Wolkenstein'sche Waldherrschaft Göttersdorf angekauft.
-
- =Gasthöfe=: Hôtel »_Schorsch_« -- Garten, eigene Gelegenheit
- zur Bahn und zu anderweitigen Fahrten, zu Gebirgstouren;
-
- »_Weisses Ross_« -- Garten und Gelegenheit mit der Post zur
- Bahn; beide in der Kaiserstrasse gelegen;
-
- »_Zum rothen Hirschen_« und »_Zum Stern_« am Ring gelegen;
- dann »_Zum Nussbaum_« ausserhalb der Bahnhofstrasse; grosse
- Gartenrestaurants: »_Am Büschel_« mit grossem Saale und Veranda
- -- nebenan die Schiessstätte; »_Zur Hütte_« mit Billard;
- »_Zum goldenen Kreuz_« und »_Am Rothenhäuser Keller_«; ferner
- ein Mineralbad mit Restauration. Führer zu Gebirgstouren und
- Auskünfte in den 2 erstgenannten Gasthäusern.
-
- =Eisenbahn-Stationen=: »_Udwitz-Görkau_« der Aussig-Teplitzer
- Bahn; »_Görkau_« der Dux-Bodenbacher Bahn; diese 10 Minuten,
- jene 25 Minuten vom der Stadt entfernt; zu jedem Zuge
- Gelegenheiten nach Udwitz.
-
- In die Stadt führende Strassen:
-
- a) von Teplitz über Dux, Brüx, Seestadtl;
- b) von Teplitz über Ossegg, Oberleutensdorf, Obergeorgenthal,
- Eisenberg;
- c) von Karlsbad über Schlackenwerth, Klösterle, Kaaden, Kralupp,
- Komotau;
- d) von Saaz über Eidlitz oder Komotau;
- e) von Postelberg über Komotau oder Eidlitz;
- f) von der sächsischen Grenze über Kallich, Göttersdorf, Rothenhaus;
- g) von der sächsischen Grenze über Grünthal, Brandau, Gabrielahütte,
- Göttersdorf, Rothenhaus;
- h) von der sächsischen Grenze über Katharinaberg, Neuhaus,
- Göttersdorf, Rothenhaus;
- i) von der sächsischen Grenze über Kallich, Bernau, Gersdorf,
- Platten, Pirken.
-
- =Gebäude und Institute=: 2 katholische Kirchen mit Dechantei,
- 1 protestantische Kirche mit Pfarrei, 1 jüdischer Tempel,
- 1 fünfklassige Volksschule für Knaben und Mädchen mit 10
- Lehrsälen, 1 Kindergarten, 1 städtisches Krankenhaus, 1
- städtische Sparkasse, 1 Bürgerversorgungshaus, 1 Apotheke. --
- (3 Doktoren der Medizin, 2 Thierärzte.)
-
- =Aemter und Behörden=: ein k. k. Notariat, ein Stadthaus mit
- den Gemeindeämtern, ein k. k. Bezirksgericht, ein k. k. Steuer-
- und Grundbuchsamt, ein k. k. Post- u. Telegraphenamt, ein
- Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
-
- =Industrielle Etablissements= in der Stadt und deren nächster
- Nähe: 7 Baumwollspinnereien und Zwirnfabriken, 1 Papierfabrik,
- 4 Dampfmühlen, 9 Getreide- und Brettmühlen mit Wasserbetrieb,
- 2 Bierbrauereien, 2 Eisenhämmer, 1 Metallfabrik mit Dampf, 1
- Holzdreherei mit Wasserkraft, 3 Färbereien, 1 photographisches
- Atelier, 1 Wechselstube, viele solide Handlungen.
-
-Eine grosse Merkwürdigkeit Görkaus ist ein in weichen Sandstein
-gehauener Keller, der sich weit unter der Stadt hinzieht und
-ursprünglich 150 Abtheilungen hatte, wovon jetzt noch ca. 100 erhalten
-sind, da eine Anzahl durch Bauten kassiert worden ist und mehrere
-verfielen. Diese Kellerabtheilungen gehören zu den brauberechtigten
-Bürgerhäusern, wurden zur Zeit, als noch die Reihenbrauerei ausgeübt
-wurde, als Gährkeller benützt und danken diesem Umstande ihre
-Entstehung.
-
-=Geschichtliches.= Die Dekanalkirche war schon 1384 als Pfarrkirche
-vorhanden. Ueber ihr Schicksal fehlt es an Nachrichten. Sie enthält das
-Grabmal des am 5. Jänner 1578 verstorbenen Besitzers von Rothenhaus,
-Christof von Karlowitz. Auf dem Rathhause bewahrt man mehrere
-Privilegien von den Monarchen Ladislaus, Ferdinand III., Maximilian
-II. und Rudolf II., welch letzterer der Stadt ein Wappen im Jahre
-1588 verlieh, bestehend aus einem in zwei Hälften quer getheilten
-Schild. Die untere Hälfte zeigt eine Stadtmauer mit halboffenem Thore
-und Fallgatter, die obere drei rothe Herzen im goldenen Felde. Ueber
-dem Schilde ist ein Stechhelm und ein silberner Flügel mit drei
-Kleeblättern.
-
-
-Kleine Spaziergänge.
-
-1. Zum »_*Buschel_«, Restauration mit Saal und Veranda; der Anstieg
-auf der mit Obstbäumen bepflanzten Strasse ist kaum merkbar; ¼ Stunde.
-2. Zum _Weingarten_ in nordwestlicher Richtung, 25 Minuten; sanfter
-Anstieg zwischen Obstbaumpflanzungen; Gasthaus des Anton Proksch. 3.
-Die innerhalb 1 Stunde und ohne grosse Mühe zu erreichenden Berge:
-_Ziegenberg_ bei Görkau, _Breitenstein_, _Galgenberg_, _Wachhübel_,
-_Spitzberg_ bei Hannersdorf, _Georgshöhe_, _Hänselberg_, _Katzenhübel_,
-_*Hutberg_ bei Pirken. Diese Berge bieten insgesammt eine schöne
-Aussicht auf die mit Städten und Dörfern übersäete Fläche von Komotau
-bis in die Gegend von Bilin mit den als südöstliche Begrenzung
-aufsteigenden Kegeln des Mittelgebirges. 4. _*Das gräflich Bouquoi'sche
-Schloss Rothenhaus_, 25 Minuten, auf einer mit Kastanienbäumen
-bepflanzten Strasse in nördlicher Richtung erreichbar. Rothenhaus
-liegt am Vorgebirge mit gegen Süden und Westen gewendeter offener
-Front; das grossartige Schloss steht mitten im Parke, umgeben von
-prächtigen Gartenanlagen, Glashäusern mit den seltensten einheimischen
-und exotischen Gewächsen. Es gehört unter die schönsten Gebäude dieser
-Art in ganz Böhmen und gewährt bei seiner hohen und freien Lage eine
-reizende Aussicht auf das innere Land und das Mittelgebirge. Im oberen
-eingefriedeten Parke Hirsch- und Rehstand, im unteren Parke ein
-Pferdegestüt edler Racen; auch Fluss-, Teich- und Forellenfischerei.
-Der Park ist dem Publikum an Sonn- und Feiertagen, sonst aber nach
-erbetener Erlaubniss, zugänglich.
-
-=Lohnende Ausflüge von grösserer Entfernung=: 1. Ueber Pirken, Schergau
-nach dem Pfarrorte _*Platten_, auf guter Strasse in zwei Stunden, mit
-einem überraschend schönen Ueberblicke der Komotauer und Saazer Gegend,
-des Mittelgebirges bis weit in das Innere unseres Heimathslandes, der
-Gebirgsbahnen nach Weipert und Reizenhain. Von Platten 15 Minuten
-entfernt der Wallfahrtsort _Quinau_ mit schöner Wallfahrtskirche.
-Von Platten führt eine Strasse über Rodenau, Gersdorf nach Bernau
-und zum _Gaisberg_, auf welchem die Biela entspringt -- nicht weit
-davon _der Beerhübel_ 889 m über der Ostsee; auf der Strasse weiter
-zu dem Pfarrorte _Kallich_ mit einem Post- und Grenz-Zollamte, einem
-Eisenguss- und Walzwerke und gutem Gasthofe. Bei Kallich finden wir
-Lager von Urkalkstein, während die Felsarten in diesem Reisebezirke im
-Erzgebirge fast durchgängig Gneisabänderungen sind. Bei Rudelsdorf und
-Kleinhan finden sich Granitkuppen und bei Brandau einige Basaltkuppen.
-Hier wird Anthracitkohle gewonnen. Am Fusse des Erzgebirges kommen hie
-und da die sandigen und thonigen Gesteine der Braunkohlenformation
-zum Vorscheine. Von Görkau bis dahin 3 Stunden. _Das ist eine echte
-Gebirgspartie theilweise durch schöne ausgedehnte Wälder._
-
-2. Nach der Ruine _*Neustein_, fortwährend auf schattiger Strasse durch
-das herrliche Teltschthal, der Biela entgegen, an Fabriken, Mühlen,
-Eisenhämmern und einer Holzdreherei vorüber, bis zum Fusse des Berges,
-auf dessen Gipfel die von Bäumen umsäumte Ruine; 1½ Stunde; einige
-Minuten davon eine Rothenhäuser Försterei.
-
-3. Durch das Teltschthal, Uhrissen, Gersdorf nach _*Bernau_, immer an
-der Biela, bis Uhrissen gute Strasse, dann Feldweg; 2 Stunden; von der
-Schule in Gersdorf eine wundervolle Aussicht in das Innere Böhmens.
-
-4. Durch das schattige Tiefenthal nach _Hannersdorf_, stark steigender
-Weg; 1 Stunde.
-
-5. *Durch den Ort Rothenhaus, Göttersdorf mit Pfarrei und guten
-Restaurationen, Forst, Ochsenstall nach _Kallich_, fortwährend Strasse
-durch Hochwald, 3 Stunden, prächtige Waldpartie; schöne Rückblicke,
-namentlich bei Göttersdorf in das Innere Böhmens.
-
-6. Ueber Göttersdorf, Neuhaus mit dem Görkauer Forstamt, nach _Ladung_
-mit einer Eisenberger Försterei, 2½ St., von letzterer eine lohnende
-Fernsicht; unweit der Berg _Hübladung_ 796 m; bis Neuhaus Strasse, dann
-Waldweg.
-
-7. *Ueber Göttersdorf, Kallich, Gabrielahütte durch ein zwei Stunden
-langes, bewässertes, tiefgrünes Thal mit dichtgereihten Hammer-
-und Blechwalzwerken, Mühlen und anderen Industrien nach _*Brandau
-und *Grünthal_, immer Strasse, 5½ St.; hier die nahen Berge:
-_Töltschberg_, _Katzenrücken_ und _Zechenberg_. Diese Partie gehört zu
-den schönsten im Erzgebirge und kann sich in Bezug auf Grossartigkeit
-und Pracht, sowie Mannigfaltigkeit der Scenerie mit den herrlichsten
-Alpenlandschaften messen. Der schönste Theil derselben ist von Kallich
-auf guter Strasse durch ausgedehnte Buchen- und Nadelwälder über
-Gabrielahütten durch das Teltschthal (zu unterscheiden von dem bei
-Görkau) nach Brandau und Grünthal. Der Ort Gabrielahütten wurde im
-Jahre 1778, gleichzeitig mit dem Eisenwerke, vom Grafen Heinrich von
-Rothenhan errichtet und seiner Tochter, der edlen Gabriela Maria,
-verehelichten Gräfin von Bouquoi, Sternkreuzordensdame und Dame du
-Palais, welche die Herrschaft nach dem im Jahre 1809 erfolgten Tode
-ihres Vaters als Erbschaft erhalten hat, zu Ehren benannt. Der Ort hat
-eine Schule und eine im schweizer Styl erbaute Restauration. Das Thal
-wird von dem Teltschbach, der sich in den schäumenden Natschungbach
-ergiesst, durchbraust. Das Thal ist einsam und voll würziger,
-erfrischender Waldluft. Es verengt sich oft, die hohen Thalwände werden
-wiederholt von schroffen Felswänden unterbrochen, und die vielfachen
-Windungen verändern von Strecke zu Strecke das Bild und bewirken eine
-reiche Scenerie der Landschaft. Nach 3½stündiger Wanderung kommen wir
-in eine von herrlichen Waldungen umrahmte Landschaft, in deren Mitte
-sich das Dorf Brandau befindet und treffen nach einer halben Stunde
-in _*Grünthal_ ein, unserer Endstation, einem reizend, unmittelbar an
-der Grenze gelegenen Orte mit grossartigem Hôtel. Fortsetzung der Tour
-längs der Flöha nach Olbernhau in Sachsen.
-
-8. Ueber Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan mit Pfarre nach
-_Katharinaberg_, immer Strasse, 4 St.
-
-9. Ueber Rothenhaus beim Gestüte vorbei nach der Aubachmühle, ferner
-auf stark steigendem Wege über Stolzenhan nach _Ladung_, 2½ St.
-
-10. Durch den unteren Rothenhäuser Park und über Türmaul zum
-_Silberstollen_, durch ein schönes saftig grünes Thal, 1 Stunde lang,
-immer fahrbar; das Silberwerk ist gegenwärtig ausser Betrieb.
-
-11. Auf der Strasse zum Forsthause in Hohenofen, dann im Walde auf
-den _*Tannichberg_ 847 m hoch, mit prachtvoller Rundschau, zum
-Forsthause »Rothe Grube«, 3¼ St.; von hier in 15 Minuten auf den
-_*Bernstein_ mit einem von Oesterreich und Sachsen gemeinschaftlich
-erbauten Aussichtsthurme, 917 m hoch, unstreitig einer der schönsten
-Fernsichtspunkte im ganzen Erzgebirge. Man übersieht von demselben
-einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, von Böhmen gegen
-die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz und das Erz- und
-vorliegende Mittelgebirge.
-
-12. Zum Forsthause Hohenofen, auf der Waldstrasse zum _*Theresiensitz_
-mit einem Tempel und schöner Fernsicht, _auf den *Seeberg_ mit einem
-Felsenlabyrinthe und dem _Johannisfeuerberg_; beide durch eine tiefe
-Schlucht von einander getrennt, mit der gleichen Höhe von 631 m, bieten
-sie eine ausgedehnte Fernsicht bis Prag, auf das Mittelgebirge und in's
-Land; 3 St. Vom Theresiensitz in ¾ St. zum Forsthause »Rothe Grube« und
-in abermals ¾ St. zum Hegerhaus im _Flachsgrund_. Hier ist ein Local,
-dessen sämmtliche Möbel kunstvoll aus Hirschgeweihen zusammengesetzt
-sind, sehenswerth.
-
-13. Durch den unteren Rothenhäuser Park, Türmaul, Forsthaus Hohenofen,
-durch den Thiergarten nach _*Eisenberg_, 1½ St., schattige Strasse.
-Schloss Eisenberg, dem Fürsten Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz gehörig,
-ist ein im jüngsten Renaissancestyl erbauter herrlicher Edelsitz,
-historisch berühmt als einstiger Aufenthalt des Prinzenräubers Kunz von
-Kaufungen, auf einem Bergvorsprunge im Süden des Erzgebirges, mit einem
-wundervollen Panorama. Gegen Nordosten die Abhänge des Erzgebirges,
-gegen Osten und Südosten das böhmische Mittelgebirge, Hügel an Hügel,
-Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene, pittoresk gestaltete Bořen bei
-Bilin mächtig überragt. Gegen Süden breitet sich die Saazer Ebene,
-»der Garten Böhmens«, aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie
-besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Nach Südwesten ist
-der Horizont durch das Karlsbader und Duppauer Gebirge abgegrenzt.
-Die Park- und Garten-Anlagen, sowie die Glashäuser des Schlosses sind
-grossartig. In einer prunklosen, zur Andacht stimmenden Waldkapelle
-befindet sich ein Kreuz von grosser Dimension am Altare, das in einem
-Stücke aus einem Eichbaume geschnitten ist, bei dessen Fällung ein
-Graf Lobkowitz vor 156 Jahren den Tod fand. Er hatte die Warnung der
-Holzschläger, sich zu entfernen, nicht beachtet, der Baum fiel auf
-ihn und erschlug ihn. In der Schlosskapelle ferner ist ein Dorn unter
-Glas und Rahmen aufbewahrt, welchen die Kreuzritter aus Palästina
-mitgebracht und welcher aus der Dornenkrone des Heilandes entnommen
-ist. Diese Reliquie wird jedes Jahr vor Ostern eine Woche in der
-Kirche zu Neundorf und einen Tag in Seestadtl zur Verehrung ausgesetzt
-und zieht viele Wallfahrer an. Die Herren von Lobkowitz legen dem
-»heiligen Dorn« einen hohen Werth bei und soll einmal ein fürstliches
-Familienglied bei der Erbtheilung denselben einer Herrschaft vorgezogen
-haben.
-
-14. Mit der Eisenbahn nach Eisenberg, dann auf der Gebirgsstrasse
-nach _Nikelsdorf_, _Böhmisch-Einsiedel_, _Deutsch-Einsiedel_ und
-_Bad *Einsiedel_, einem reizend gelegenen, von sächsischer Seite mit
-Vorliebe besuchten Luft-Curort mit Naturbädern; 4 St.
-
-15. Mit der Eisenbahn nach _Obergeorgenthal_, über _Marienthal_ (mit
-einer Baumwollspinnerei) auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf und
-Einsiedel; 3½ St. (Siehe Oberleutensdorf.)
-
-16. Mit der Eisenbahn _nach Johnsdorf_; daselbst an der Strasse
-das *Hôtel Weber, das durch sein luxuriöses Ameublement und seine
-kunst- und geschmackvollen Malereien an den Wänden und Decken die
-Beschauer zur Bewunderung hinreisst. Von da erreicht man durch
-Obstgärten in 15 Minuten den Ort _*Hammer_ mit schöner Fernsicht und
-vielbesuchter Restauration »_*Zur deutschen Bruderhalle_«; weiter
-auf stark steigender Gebirgsstrasse nach _Kreuzweg_, in der Nähe
-der _Kampelberg_, und nach Einsiedel, unweit der Göhrenberg. (S.
-Oberleutensdorf.)
-
-Die Stadt _*Katharinaberg_ erreichen wir von Görkau über Göttersdorf,
-Neuhaus, Kleinhan und den Grund auf guten Wegen durch ausgedehnte,
-herrliche Wälder -- eine echte Gebirgspartie, oder wir fahren mit
-der Dux-Bodenbacher Bahn nach Obergeorgenthal und gehen von da über
-Marienthal und Nikelsdorf nach Katharinaberg, ebenfalls eine herrliche
-Gebirgspartie. Katharinaberg, eine Bergstadt mit über 2200 Einwohnern,
-liegt, von Görkau ca. 4 St. entfernt, auf einem schmalen, mässig hohen,
-aber steil abfallenden Bergrücken. Dazu gehört das Pachendörfel, eine
-südöstlich gelegene Gruppe von Häusern, und der Grund, eine in dem vom
-Zobelbach durchflossenen Thale gelegene doppelte Häuserreihe.
-
- =Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«; »Kronprinz Rudolf«; beide
- am Marktplatz gelegen; »Zur Herrenschänke«, hart an der Grenze
- im »Grund« gelegen.
-
- In die Stadt führende =Strassen=:
-
- 1. Von Brüx über Nieder- und Obergeorgenthal, Marienthal,
- Nikelsdorf.
-
- 2. Von Oberleutensdorf über Johnsdorf, Obergeorgenthal,
- Marienthal, Nikelsdorf.
-
- 3. Von Görkau über Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan.
-
- 4. Von Kallich über Gabrielahütten, Brandau.
-
- 5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau.
-
- =Gebäude und Institute=: Eine katholische Kirche mit
- Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke -- (2
- Medizin-Doktoren).
-
- =Aemter und Behörden=: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein
- k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein _Postamt_, ein
- Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
-
- =Industrielle Etablissements=: Wirkwaaren-Industrie,
- Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen,
- Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei.
-
-Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des
-Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die
-Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits
-zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt
-von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu
-siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer
-mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und
-Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals
-alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren
-Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen
-Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor
-namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft.
-
-=Kleiner Spaziergang.= Zum _Gasthaus »zum grünen Baum«_, ¼ St., Fahrweg
-dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen.
-
-
-Ausflüge von grösserer Dauer.
-
-1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach
-_*Brandau_ und _*Grünthal_; gute, zum Theil durch Hochwald führende
-Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am
-Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha
-gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine
-und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus;
-in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal
-sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes
-»Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus
-Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe Seite 150.)
-
-2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach _*Gabrielahütten_ in dem
-prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren
-Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und
-Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke
-in Betrieb setzt. 2½ St. -- (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft
-Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten
-bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit
-Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil
-abfallende _Habichts-_ oder _Stösserfelsen_ mit herrlicher Aussicht.
--- (Siehe oben Seite 150.)
-
-3. Im Flöhathale der sächsischen Grenze entlang über Ober- und
-Niederlochmühle durch ein herrliches Thal auf schöner Strasse nach
-_Seifen_ und von da nach _Bad *Einsiedel_ (sächsisch), das nicht
-allein durch seine Schwefelbäder, sondern auch durch seine romantische
-Lage den hier weilenden Curgästen Erquickung und Heilung gewährt.
-Restauration mit Garten und herrlichen Spaziergängen. 2½ Stunden.
-(Siehe Görkau Seite 152.)
-
-4. Ueber Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach _Bad Einsiedel_. Bis »zum
-grünen Baum« Fahrweg, dann schöne, von Waldungen beschattete Strasse; 2
-Stunden. In 25 Minuten von da nach Einsiedel (böhmisch) schöne Strasse.
-
-5. Ueber Gebirgs-Neudorf, oder auf sächsischer Seite über
-Deutsch-Neudorf, Brüderwiese _nach Einsiedel_ (_der Haselstein_ mit
-schöner Fernsicht bis in die Aussiger, Schlaner und Komotauer Gegend,
-und der _Käsherdberg_), Göhren (der Farbenhügel, der Göhrenberg, der
-Krummschuss), Zettel (der Falkenberg und der Nitschenberg) _durch
-*Rauschengrund nach *Oberleutensdorf_. In Rauschengrund zwei Fabriken
-der Herren Marbach und Riecken, Baumwollgarn- und Kattunerzeugung;
-Brettsägen und Mühlen. Grösstentheils Waldweg, 4 Stunden. Prächtige
-Gebirgspartie!
-
-6. Ueber Gebirgs-Neudorf. Einsiedel, Kreuzweg (der Flösselberg, der
-Hellwikstein, der Kampfberg und der Pflasterberg) durch den herrlichen
-_*Hammergrund_ nach _*Johnsdorf_; von Einsiedel bis Johnsdorf schöne
-Strasse; 2½ St.
-
-7. Ueber Nikelsdorf (Wachhübel mit schöner Fernsicht) durch ein
-herrliches Thal nach Marienthal mit einer Baumwollspinnfabrik (der
-_Weinberg_ mit einem prächtigen Ueberblick der ganzen Kesselgegend
-gegen Osten, Süden und Westen) und Obergeorgenthal (Dux-Bodenbacher
-Bahnstation); schöne grossentheils schattige Strasse, 2½ Stunden.
-
-8. Ueber Kleinhan, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus nach _Görkau_;
-immer schöne Strasse, 4 Stunden. Vor Göttersdorf öffnet sich der
-Ausblick auf die Komotauer und Brüxer Gegend.
-
-=Bergbesteigungen.= 1. _*Steinl_ mit herrlicher Aussicht bis zum
-Sonnenwirbel bei Gottesgab und in das Flöha- oder Fleythal bis nach
-Augustusburg in Sachsen; an der Herrnschänke vorbei, ein Waldweg, 1
-Stunde, oder besser über Kleinhan, 1½ St.
-
-2. _*Hübladung_ bei Kleinhan, schöne Strasse, 1 St.; herrliche
-Aussicht in das Flöhathal, in die Gegend von Saida und bis nach
-Augustusburg.
-
-3. _Bärenstein_ oder _Bernstein_, entweder direct auf einem Waldwege
-dahin, ¾ Stund.; oder aber besser zum Forsthaus »Rothe Grube« und von
-da der Aufstieg, 1½ St. Prachtvolle Aussicht auf einen grossen Theil
-von Sachsen bis Augustusburg, gegen die Elbe und Eger, nach Prag,
-Teplitz, Brüx, Saaz, das Erz- und vorliegende Mittelgebirge. (Siehe von
-Görkau aus!)
-
-
-
-
-F. Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über Oberleutensdorf.
-
-
-
-
-*Dux.
-
-(Von Eger-Karlsbad und von Aussig mit der Bahn leicht zu erreichen.)
-
-
- =Gasthöfe.= Hôtel »zur Krone«, »Herrschaftlicher Gasthof«,
- Gasthof »zum weissen Ross«, »Zum Tobisch«.
-
- =Post- und Telegrafenamt.=
-
- =Bahnhof= der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Bahn.
-
-=Dux=, Stadt 213 m (4000 E.) mit mehrfachen gewerblichen Anlagen:
-Zuckerfabrik, Glasfabrik, Syderolithwaarenfabrik, Kohlenwerke u. s. w.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Neben der Kirche (kostbares Tabernakel und
-Altarbild) das Schloss, dem Grafen Waldstein, Nachkommen eines
-Nebenzweiges der Familie des berühmten Friedländers, gehörig; es
-enthält 4 Säle, 60 Zimmer und besitzt einen berühmten Garten. Im
-Schlosse ist besonders sehenswerth: 1. Der grosse Familiensaal mit
-Bildnissen aus der Familie Waldstein und dem höchst imposanten
-Deckengemälde von Reiner, welches die Scene darstellt, wie Heinrich
-Waldstein 1254 dem Könige Ottokar seine 24 Söhne nebst 24 Knappen,
-sämmtlich zu Ross, vorführt. 2. Die Bildergallerie, in 8 Zimmern,
-wo sich auch das Portrait des Herzogs von Friedland von van Deyk
-befindet. 3. Der Waffensaal, der unter den verschiedensten Armaturen
-auch Waffenstücke des grossen Friedländers aufzuweisen hat. 4.
-Das Porzellan-Cabinet mit seinen japanesischen und chinesischen
-Vasen, Pyramiden und Figuren. 5. Das Kunst- und Antiken-Cabinet
-mit Antiquitäten aus Herkulanum und Pompeji, Fayence-Malereien,
-Mosaiktafeln, Bronce-Gruppen, Modellen u. s. w. 6. Die Bibliothek
-mit ca. 12.000 Bänden, darunter viele alte Manuscripte, Prachtwerke,
-Kupferstichsammlungen u. s. w. 7. Das Naturaliencabinet enthält eine
-reiche Sammlung von Mineralien, Seegewächsen, Conchilien, Fischen und
-Vögeln.
-
-Im Schloss-Vorhofe ein Wasserbehälter aus Geschützen verfertigt, die
-der Friedländer erobert hatte.
-
-=Geschichtliches.= Stadt und Herrschaft gehörte zu Anfang des 16.
-Jahrhunderts Joh. Kapiřz von Sulewitz, welcher sie 1530 an Dippold v.
-Lobkowitz verkaufte. Bei dieser Familie verblieb sie bis 1618. Bald
-darauf aber gelangte sie durch Kauf an den Grafen von Waldstein; Johann
-Friedrich Graf von Waldstein, Erzbischof zu Prag, erhob 1680 Dux und
-Oberleutensdorf zu einem Fideicommiss und vererbte sie 1694 an Johann
-Grafen von Waldstein-Wartenberg, nachmaligen Landesmarschall von Böhmen.
-
-
-Spaziergänge.
-
-_Zur Riesenquelle, auch Grünze_ genannt, 20 Minuten an der Strasse
-nach Teplitz mit Fremdenzimmern, Gartenanlagen; enthält zugleich
-Gesundheitsbäder durch die in der Nähe befindliche Quelle.
-
-_Nach Ossegg_ ¾ Stunden. Der Weg führt unterhalb der Kirche an der
-Schlossgartenmauer, dann längs des Baches sehr angenehm.
-
-=*Ossegg=, 1100 E., Marktflecken am Fusse des Erzgebirges.
-
- =Gasthöfe=: Hôtel »zum Kaiser von Oesterreich« mit
- Garten-Restauration; Gasthof »zur Weilburg«.
-
- =Bahnhof= der Dux-Bodenbacher und der Dux-Prager Bahn.
-
-Ossegg kommt als Sommeraufenthaltsort immer mehr in Aufnahme.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Die _*Stiftskirche_ des Cistercienserstiftes.
-
-Die Errichtung dieses Stiftes reicht in das Jahr 1196 zurück, in
-welchem Slavko von Riesenberg (od. eigentlich Riesenburg), der damalige
-Besitzer der hiesigen Gegend, die schon im Jahre 1193 durch Johann
-Milgost aus Waldsassen in Baiern nach dessen Besitzung Maschau bei
-Kaaden berufenen Geistlichen des Cistercienser-Ordens, welche daselbst
-durch häufige Ueberfälle von Räubern sehr beunruhigt und zur Verlegung
-ihres Sitzes gezwungen wurden, bei sich aufnahm, ihnen die bereits
-früher hier bestandene Marienkirche abtrat und die neue Niederlassung
-durch mehrere Dörfer und andere Geschenke so reich dotirte, dass sie
-dadurch für den Verlust ihrer früheren Besitzungen zu Maschau, welche
-ihnen Milgost, aus Verdruss darüber, dass sie ohne sein Vorwissen
-ihren Sitz verändert hatten, wieder entzog, schadlos gehalten wurden.
-König Přemysl Ottokar I. bestätigte 1203 die neue Stiftung, nahm
-sie in seinen königl. Schutz und beschenkte sie mit neuen Gütern und
-Vorrechten. Aber schon 1249 überfiel Přemysl Ottokar, Markgraf von
-Mähren, das Kloster, welches sich auf die Seite seines Vaters Wenzel I.
-von Böhmen geschlagen hatte, jagte sämmtliche Geistliche weg und gab
-das Kloster den Soldaten preis. Zwar entschädigte er, nachdem er selbst
-König von Böhmen geworden, dasselbe in reichem Masse für die erlittenen
-Verluste, aber nach seinem Tode (1278) wurde es neuerdings durch die
-Truppen Rudolfs von Habsburg zerstört und ausgeplündert. Kaum wieder
-hergestellt, gerieth es 1341 neuerdings in Brand, bis es 1421 von den
-Pragern und 1429 von den Taboriten dergestalt zerstört und verwüstet
-wurde, dass es lange Zeit ganz verödet blieb. Erst vom Jahre 1626 an
-begann es wieder aufzuleben; es wurden jetzt Kloster und Kirche in
-ihrer gegenwärtigen Pracht erbaut.
-
-
-Spaziergänge:
-
-_*Zur Salesiushöhe_ ¼ St.; auf der Strasse nach Langewiese, von der
-Säule links in den Wald 10 Min. Schönes Panorama über das Bielathal.
-Ihre Entstehung verdankt sie der Verehrung der Stiftsbrüder zu ihrem
-Prälaten Salesius Krügner. Von der Salesiushöhe zurück bis zur
-Strasse; jenseits derselben Fussweg 5 Min. zum _Kroatenloch_; alter
-Bergwerksstollen. Fussweg fortsetzen nach _Riesenberg_.
-
-
-Ausflüge:
-
-1. _*Riesenburg_ ½ Stunde, dem Domainenbesitzer von Dux gehörig, eine
-der ältesten Burgen Böhmens, im 9. Jahrhunderte von dem böhmischen
-Ritter Slawko erbaut, gerieth ebenfalls durch die Husiten in Trümmer.
-Vom Wartthurme aus herrliche Aussicht.
-
-2. _Nach Klostergrab_ 1 St., Bergstadt, 1500 Einw.
-
- =Gasthof=: »Zum Rathhaus«.
-
- =Endstation= der Prag-Duxer Bahn; nord-nordöstlich von Ossegg
- gelegen.
-
-Der Silberbergbau war einst in grösster Blüthe; denn schon im Jahre
-1082 standen 600 Bergleute in Arbeit, die in einem Vierteljahre 13 Ctr.
-(728 Kgr.) geschmolzenes Silber producirten. Diese Bergleute sind durch
-ihre Ansiedelungen in der Nähe der Gruben als die Gründer des Ortes zu
-betrachten.
-
-Klostergrab ist nebst Braunau der geschichtlich merkwürdige Ort, wo die
-ersten Funken der Religionsunruhen hervorbrachen, indem die daselbst
-befindliche protestantische Kirche 1616 auf Befehl des Kaisers Mathias
-zerstört wurde.
-
-
-Merkwürdigkeiten:
-
-Das Schützencorps besitzt einen aus Klostergraber Silber gearbeiteten
-Schmuck für den jeweiligen Schützenkönig.
-
-
-Spaziergänge:
-
-Oberhalb Klostergrab der _*Königshügel_; bietet eine herrliche
-Fernsicht über das Teplitzer Thal und die ganze Umgegend. Im Sommer
-auch Restauration.
-
-3. Von Ossegg über die Riesenburg nach Langewiese (1 St), schöne
-Aussicht, und nach der Porphyrkuppe des _*Wieselstein's_ (1 St.) 944 m
-hoch. Von hier übersieht man das Bielathal, das Mittelgebirge, die
-Gegend bei Saaz und Kaaden.
-
-Weiter nach dem gräfl. Waldstein'schen Jagdschlosse _Lichtenwald_;
-bietet nichts Bemerkenswerthes, wurde im Jahre 1760 erbaut. Dann nach
-_Georgshöhe_, einem einsam gelegenen Forsthause, und dem Höllengrund
-in das schöne Rauschengrunder Thal nach Oberleutensdorf (siehe
-Katharinaberg).
-
-4. Von Ossegg über Ladung nach _Oberleutensdorf_ 1¼ St. Zuerst auf der
-Strasse gegen Langewiese -- schöner Rückblick --; wo die Strasse eine
-scharfe Biegung nach rechts macht, auf den Fussweg links in den Wald.
-Beim Heraustreten aus demselben prachtvolles Bild. Durch Ladung bei der
-Brettsäge rechts Fahrweg -- nicht zu fehlen.
-
-
-
-
-Oberleutensdorf.
-
-
- =Gasthöfe=: »Drei Linden«, »Weisses Ross«, »Rathhaus«, »Kaiser
- von Oesterreich«.
-
- =Post- und Telegraphenamt.=
-
- =Bahnhof= der Dux-Bodenbacher, Prag-Duxer und 1 Stunde
- entfernt: Aussig-Teplitzer Bahn.
-
-=Oberleutensdorf=, Stadt, 3300 E., 320 m; Mittelpunkt der
-Spielwaarenindustrie, hat ferner eine Filztuch-, Garn- und Möbelfabrik,
-ein dem Grafen Waldstein gehöriges Schloss, ein stark eisenhaltiges Bad.
-
-=Geschichtliches.= Oberleutensdorf war vor dem Jahre 1715 ein
-unbedeutendes Dörfchen und wurde in diesem Jahre von Karl VI. zu
-einem »Stadtl« erhoben; der Ort wuchs, besonders seit der 1715
-in's Leben getretenen Tuchfabrication durch die aus Nah und Fern
-herbeiströmenden Arbeiter. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges
-schuf die eingeführte Strumpfwirkerei, noch mehr aber die seit 1822
-für Oberleutensdorf so wichtige Erzeugung von Spielwaaren einen neuen
-Erwerbszweig. (Siehe: Geschichtliches über Dux.)
-
-=Sehenswürdigkeiten=: 1. Das vom Grafen Johann Josef von Waldstein im
-J. 1732 erbaute Schloss mit dem neu angelegten schönen Park;
-
-2. die Pfarrkirche mit einem schönen Altarblatt von _Skreta_;
-
-3. auf dem Friedhofe die gräfliche Todtenkapelle mit der
-Todtengruft, worin der am 23. Mai 1823 verstorbene Franz Adam Graf
-von Waldstein-Wartenberg begraben liegt. Die Kapelle enthält ein
-meisterhaftes Denkmal des Verstorbenen;
-
-4. das prächtige Bürgerschulgebäude, in herrlicher Lage auf einer
-kleinen Anhöhe.
-
-
-Spaziergänge:
-
-1. _Zum *Schiesshaus_; prächtige Lage am Saume des Waldes mit schöner
-Aussicht auf das ganze Mittelgebirge.
-
-2. _Nach *Rauschengrund_ ½ St. Vor dem Eingange in das Thal links von
-der Strasse neue, schön gelegene Restauration; weiter die Villa des
-Fabriksbesitzers Hrn. Riecken, dann die Baumwollspinnerei desselben.
-Einkehrhaus des Prokop Loos (siehe Katharinaberg).
-
-3. _Nach Sandel_ ½ St. durch den Wald sanft ansteigend mit schöner
-Aussicht; Gasthaus.
-
-4. _Nach *Hammer-Johnsdorf_ ¾ St., schön zwischen Obstgärten gelegen,
-als Sommeraufenthaltsort ziemlich besucht, reine, gesunde Waldluft,
-gegen Ost- und Nordstürme ganz geschützt. Weber's Hôtel zunächst
-der Haltestation der Dux-Bodenbacher Bahn, elegante Einrichtung,
-aufmerksame Bedienung. -- Mildner's Gasthaus »zur deutschen
-Bruderhalle« mit einer prachtvollen Aussicht. Oberhalb der Bruderhalle
-am Saume des Waldes das im eleganten Schweizerstyl neuerbaute _Curhaus_
-des Med. Dr. Tschuschner mit entzückender Aussicht über das böhmische
-Erz- und Mittelgebirge. Griessel's Gasthaus. Hammergrundthal (siehe
-Bereisung von Katharinaberg).
-
-5. _Nach dem Gebirgsdorfe Schönbach_ ¾ St.; Gasthaus Fritsch, einfach,
-aber gut.
-
-
-Ausflüge:
-
-1. _Nach dem Wieselstein_ über Schönbach 3 St., nur mit Führer
-(im Gasthause zu drei Linden beigestellt); von hier entweder über
-Langewiese, Riesenberg nach Ossegg (Siehe dieses), oder nach
-Lichtenwald in's Rauschengrunder Thal.
-
-2. _Nach Oberdorf_ ½ St., Göhren 1 St., böhm. Einsiedl ¾ St., Bad
-Einsiedl (sächsisch) 20 Min. (Siehe Seite 154).
-
-3. _Nach Eisenberg_ mit der Dux-Bodenbacher Bahn ½ St., prächtiges
-Schloss, grossartige Gartenanlagen.
-
-4. _Nach Obergeorgenthal_, Nickelsdorf, von da auf den _Bernstein_
--- einem der höchsten und schönsten Aussichtspunkte der hiesigen
-Gegend --; von dort über Ladung nach Katharinaberg. (2, 3, 4 siehe
-Bereisung von Katharinaberg aus.)
-
-
-
-
-G. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Brüx-Bilin aus.
-
-
-
-
-Stadt und Schloss Brüx.
-
-
- =Gasthöfe=: »Hotel Ross«, »Zum Löwen«, »Zum schwarzen Adler«,
- »Zum Hirschen«, alle am 1. Platz; »Zum blauen Stern« am 3. oder
- Gymnasium-Platz, Siegl's Gasthof am Bahnhof.
-
- =Restaurationen=: »Zum Suk«, »Bielarestauration«,
- »Schiesshaus«, »Saras«.
-
- =Caféhaus= Bahnhofstrasse.
-
- =Post- u. Telegrafenamt= Wassergasse in der Nähe des 1. oder
- Marktplatzes.
-
- =Postfahrten= nach Hawran, Nieder- und Ober-Georgenthal.
-
- =Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ gegen Komotau-Karlsbad-Eger
- und Teplitz-Aussig-Bodenbach; _Prag-Duxer_ gegen
- Ossegg-Klostergrab, gegen Obernitz-Prag, Obernitz-Sauerbrunn,
- Bilin; _Pilsen-Priesener_ gegen Pilsen-Eisenstein.
-
- =Omnibusse= (3) zu jedem Zuge; Droschken, Zweispänner nach
- allen Richtungen.
-
- =Zeitungslese-Cabinet= im Casino. Einführung von Gästen durch
- Mitglieder gestattet.
-
- =Photographische Ansichten= von Brüx und Umgebung in den
- Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am
- Marktplatz.
-
- =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht,
- beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela;
- Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse.
-
- =Bank- und Wechselgeschäft=, Wassergasse.
-
- =Zwei Dienstmänner-Institute= (roth und grün).
-
-Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht
-die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang
-durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt
-sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr
-stetig zunimmt.
-
-Die Chronisten setzen sie _unter die ältesten Städte_ Böhmens. Die
-ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung
-ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den
-Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger
-Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das _erstemal Erwähnung_, da
-sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig
-an jenen ergab. -- Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen,
-in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager
-aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3
-Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse
-legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen,
-und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen
-Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die _feste Landeswarta_ zu
-bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden
-mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken,
-die über die zahlreichen Gewässer führten, den _Namen_, den sie
-bislang führt: _Brüx_, _Most_, _Pontum_ oder _Pons_. -- Um 1200
-gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen
-Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte.
-Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender
-gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx
-testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine
-Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb
-1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der
-grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach,
-die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen.
-Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da
-auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des
-päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. -- Im Kriege
-Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss
-Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und
-Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November
-1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen.
-
-Das erste grosse _Privileg_, das _des Meilenrechtes_, erhielt die Stadt
-unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde
-wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. -- Im
-Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft
-über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss
-Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das
-Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die
-genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte
-Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch
-im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem
-Tage ist Brüx _ununterbrochen königliche Stadt_ geblieben, wenn es auch
-in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle
-folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens
-und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus,
-oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte.
-
-Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der
-_Hussitenkriege_. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten
-entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und
-Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt
-nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre
-1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss
-unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte
-Stadt bitten sollte.
-
-Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie
-an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung
-der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die
-Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421
-vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur
-Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses
-begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition
-zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber
-Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5.
-August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche,
-vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher
-Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der
-Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche
-Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet
-mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft
-abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten
-schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des
-Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen
-Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von
-Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht
-beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten
-das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine
-Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die
-Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung
-zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit
-das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen,
-getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit
-seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit,
-den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu
-stärken.
-
-Von jetzt an kamen auf langehin für die Brüxer trübe Tage. Einigemale
-noch waren sie bedroht von den Kelchnern, mehrere furchtbare
-Feuersbrünste, Orkane, andere Elementarereignisse, und endlich die
-Pest (1582 und 1680) verwüsteten die arme Stadt. Dazu kam noch, dass
-die Stadt von Georg von Poděbrad nach einem verheerenden Brande (1455)
-eingenommen und besetzt ward, während die Burg sächsische Besatzung
-hatte, und die fortwährenden Friedensbrüche immer nur der Stadt Schaden
-brachten. -- 1595 _kauften die Brüxer_ von Rudolf II. _die Burg_ sammt
-den zugehörenden Gütern um 81.060 fl. rhein., und übernahmen damit
-die Verpflichtung, die Besatzung des Schlosses zu erhalten. Allein
-die Ehre, Burgherren zu sein, kam den Bürgern theuer zu stehen. Die
-Burg zog stets jeden Feind an, und die Stadt hatte mit zu leiden unter
-den Belagerungen. Dreimal ward die Burg von den Schweden belagert,
-und zwar 1639, 1645 und 1646. Das letztemal mussten die Brüxer wegen
-Wassernoth, wegen der geringen Zahl der Vertheidiger, 200 Bürger
-gegenüber einem Heere von 30.000 Schweden unter General Wrangel, und
-wegen des schlechten Zustandes der Befestigungswerke das Schloss nach
-dreitägiger Belagerung am 16. Jänner übergeben. Solch' schwere Wunden
-hatte der dreissigjährige Krieg der Stadt geschlagen, dass sie, als die
-schwedische Besatzung zu Ende des Krieges 1648 abzog, keinen einzigen
-ansässigen Bürger mehr hatte. So ward es erklärlich, dass Ferdinand
-III., den inständigen Bitten der Bewohner nachgebend, 1651 die
-Demolirung der Burg bewilligte. Wenige in der letzten Zeit blossgelegte
-Mauerreste sind noch die Ueberbleibsel dieser Landesgrenzveste.
-
-Nunmehr genoss die Stadt, abgerechnet einige Ueberfälle seitens der
-Sachsen und Preussen, die wenig Nachtheil brachten, ziemliche Ruhe; ihr
-Wohlstand hob sich, besonders da sie zu Beginn des 18. Jahrhundertes
-viele Güter durch günstige Käufe von den umliegenden Adeligen an sich
-brachte. So ist sie heute unter den reichsten Städten Böhmens in erste
-Reihe mit zu setzen.
-
-Im Jahre 1813 beherbergte Brüx, das eine Zeit der Mittelpunkt des
-Lagers war, die drei alliirten Monarchen. Wenige Jahre darauf
-sollte Brüx fast ganz untergehen. Am 21. April 1820 verzehrte eine
-Feuersbrunst alle öffentlichen Gebäude bis auf die Stadtkirche und das
-Stadthaus. Der Schaden belief sich nach damaligen Werthverhältnissen
-auf 700.000 fl. W. W. Der abgebrannten Stadt ward durch ein
-staatliches Anlehen und die Unterstützung der Umwohner Hilfe. Die Folge
-der vielen Brände und besonders dieses ist, dass die Stadt, regelmässig
-gebaut, ein freundliches Aussehen hat, und mit wenigen Ausnahmen keine
-alten Gebäude besitzt.
-
-Zu diesen gehören _Rathhaus_ und _Stadtkirche_, beide noch
-bemerkenswerth auch durch ihre Bauart. Das Jahr der Entstehung des
-ersteren Gebäudes ist nicht bekannt; es gehört überdies in seiner
-heutigen Gestalt mehreren Perioden an. Der Thurm ist jedenfalls ein
-Baudenkmal des 14. Jahrhundertes, und nicht viel jünger ist der an
-selben anstossende Vorbau, während das übrige Gebäude das Gepräge des
-16. Jahrhundertes trägt. Es war jedenfalls früher zweistöckig, und
-ist nach dem Brande von 1515, der auch das Rathhaus schwer schädigte,
-unausgebaut geblieben. Die Stylrichtung ist die nachgothische. Die
-Vorderfront wird durch mächtige Wölbungen und vorstehende Pfeiler, 7
-an der Zahl, getragen. Der mittlere trägt den kaiserl. Adler, je zwei
-zu beiden Seiten tragen vier, die Elemente symbolisirende Statuen,
-die beiden äussersten aber Wappenträger mit dem böhmischen Löwen
-und dem Stadtwappen. Die Felder zwischen den Fenstern, wie auch die
-Brustwände unter den Fenstern sind bemalt mit allegorischen Figuren,
-das Gesimse mit Schlachtendarstellungen. Dem projectirten Bau eines
-Kreisgerichtsgebäudes wird das Rathhaus zum Opfer fallen. Höchstens der
-Thurm dürfte erhalten bleiben.
-
-Der Bau der _Dekanalkirche_ wurde 1517, nachdem im Jahre 1515 die
-alte Pfarrkirche mit einem grossen Theile der Stadt in Flammen
-aufgegangen war, begonnen, und war in wenigen Jahren vollendet.
-Feierlich eingeweiht wurde sie aber erst am 22. Mai 1594 durch den
-Prager Erzbischof Zbyněk von Duba und Lipa, nachdem sie bereits durch
-den Brand von 1578 grossen Schaden im Innern und auch am äusseren Bau
-erlitten. Der Erbauer der Kirche ist Beneš von Laun, Hofbaumeister
-des Königs Wladislav. Die Brüxer Stadtkirche ist sein letztes und
-Meister-Werk. Der Baustyl ist die spätere, sogenannte Wladislav'sche
-Gothik, wie sie bereits in den romanischen Styl überzugehen beginnt.
-Die innere Länge beträgt 73, die Breite 37 und die Höhe 24 m. Sie
-bildet ein langes Viereck, nur das Presbyterium endet in ein Sechseck.
-Das Aeussere ist mächtig und imposant durch seine ungeheure Breite,
-zu der die zwei Anbauten, die auf beiden Seiten eine Art Kreuzschiff
-oder Kreuzkuppel bilden, und im Innern oben Gallerien, unten Kapellen
-fassen, viel beitragen. Eine Beeinträchtigung erleidet der imposante
-Bau nur durch das unverhältnissmässige, niedere Kirchendach. Das 1578
-abgebrannte, kupfergedeckte Dach hatte sicher diesen Mangel nicht.
-Das Innere der Kirche weist ein Gewölbe mit drei gothischen Kuppeln
-auf, eine Eigenthümlichkeit des Meisters Beneš. Die Gürtel und Rippen
-derselben laufen aus schwachen, schlanken Säulen, 16 an der Zahl,
-aus, und haben eine künstlerische Verwebung. Merkwürdig sind auch
-die Stützen der Kirche, welche kuppelähnliche Räume bilden, in denen
-Kapellräume sich befinden. -- Der Hochaltar, im Style der Renaissance,
-also durchaus der Bauart des Hauses nicht entsprechend, wurde erst
-1773 aufgestellt. Der Altartisch sammt dem auf ihm ruhenden Säulenbau
-ist von natürlichem Marmor, die freistehende Rückwand eine Imitation.
-Rings an den Brüstungen der Gallerie befinden sich in Stein gehauene
-biblische Darstellungen, im Geiste des 13. Jahrhundertes gehalten.
-Gleich hier müssen wir der einfachen und der Doppelwendeltreppe
-erwähnen, die zu den Emporien führend, und ohne alle Stütze gebaut, von
-jedem Sachverständigen als Meisterwerke der Baukunst gerühmt werden.
-
-Von Gemälden nennen wir vor allem die in einer Seitenkapelle nahe dem
-Hochaltar befindlichen, auf Holz gemalten Bilder der hl. Katharina und
-Barbara. Es sind dies zwei Flügel eines leider verloren gegangenen
-Bilderschreines, die unbeachtet im Depositorium der Kirche lagen, bis
-Gubernialrath Janko auf sie aufmerksam machte. Kandler verfertigte
-1837 die erste Zeichnung. Sct. Barbara ist von geringerer Schönheit,
-aber eigenthümlich in der Auffassung und grossartiger im Faltenwurf,
-der an die schönsten Gewandmotive Dürers erinnert; Sct. Katharina
-zeigt die altdeutsche Auffassung jungfräulicher Schönheit, wie sie der
-Kölner Schule eigen ist und in Holbein's hl. Frauen den eigentlichen
-Typus gefunden. Beide Flügel sind Werke deutscher Kunst aus dem 16.
-Jahrhunderte. -- Ausserdem sind noch in den Seitenkapellen eine
-ziemliche Anzahl von Ueberresten solcher Bilderschreine angebracht, die
-nicht ohne Werth sind. Von Altarbildern sind als Meisterwerke bekannt:
-Der hl. Josef, Anbetung der drei Weisen, Tod des hl. Franziskus. Von
-Schnitzwerk bewundern wir die beiden Altäre der Kreuzigung und der
-Auferstehung; erstere besonders entzückt bei eingehender Betrachtung
-durch Plastik und Figurenreichthum. In diesen beiden Kapellen erregen
-noch unsere Aufmerksamkeit die kunstvoll geschnitzten, alterthümlichen
-Bänke. -- Der Thurm soll nach Meinung aller Sachverständigen älter
-als die Kirche sein. Von seiner Gallerie aus geniesst man eine schöne
-Aussicht weit hinaus über die Stadt und ihr Weichbild in's Erzgebirge.
-
-Unweit der Kirche befindet sich der Glockenthurm für die beiden grossen
-Glocken, welche ein harmonisches, wundervolles Geläute geben.
-
-Sonstige Denkwürdigkeiten finden wir noch in der _Piaristenkirche_,
-jetzt der Stadt gehörig. Der Hochaltar enthält ein herrliches Altarbild
-von Raab: eine freie Nachbildung der in der Dresdner Gallerie
-befindlichen hl. Nacht von Corregio. Auch die Bilder der beiden
-vorderen Seitenaltäre, der hl. Johann von Nepomuk, von Amalia Gräfin
-von Waldstein, und der hl. Josef von Calasanz von Vogel sind werthvoll.
-Sehenswerth sind noch: das Gymnasial- und Bürgerschulgebäude, beide mit
-reichhaltigen Lehrmittelsammlungen ausgestattet, ersteres am 3. Platz,
-letzteres in der Schulgasse.
-
-
-Spaziergänge:
-
-Gestatten wir uns noch eine kleine Ausschau in die allernächste
-Umgegend der Stadt, so werden wir auf das südlich etwa 15 Minuten
-entfernte Saras und das dahinter gelegene Resselgebirge aufmerksam
-gemacht. Das Wort »_*Saras_« leitet der Chronist aus dem Böhmischen
-ab und bezeichnet damit einen Ort hinter dem Damme (za hrázem), indem
-nach Balbinus Saras gegen den unweit (jedenfalls östlich) befindlichen
-Teich durch einen Damm geschützt gewesen sei. Die Gründung von Saras
-vollzog sich bereits vor nahezu 600 Jahren, als König Wenzel II.
-unter'm 21. November 1283 das Kloster Saras stiftete und dasselbe reich
-dotirt den Jungfrauen vom Orden der hl. Maria Magdalena verlieh. Wenn
-auch die Ordensfrauen der strengen Disciplin anhingen, so kamen sie
-doch genügsam in Verkehr mit den Stadtbewohnern und wurden hoch in
-Ehren gehalten, denn »die Bürger gaben ihre Töchter dahin, damit sie
-in jungfräulicher Arbeit, Gottesfurcht und guten Sitten unterwiesen
-würden.« 1421 wurde das Kloster von den Husiten niedergebrannt, die
-zurückgebliebenen sieben Nonnen vor dem Altare der Klosterkirche
-niedergemacht. Zwar erstand das Kloster wieder, aber die bewegten
-Zeitläufte und besonders die Bitten der Bürger bewogen die Ordensfrauen
-zur Uebersiedelung in die Stadt im Jahre 1515. Die Saraser Kirche
-selbst blieb geöffnet, da sie lange schon den Ruf einer berühmten
-Wallfahrtskirche genoss. 1782 wurde das Kloster von Kaiser Josef II.
-aufgehoben, 1786 auch die Saraser Kirche geschlossen. Kirche und
-Kloster in der Stadt wurden den Vätern der frommen Schulen eingeräumt,
-die den Ordensfrauen gehörigen Höfe Saras, Oberpriesen und Seidowitz
-kaufte drei Jahre später die Stadt von der königlichen Kammer. -- Die
-dort eingerichtete Restauration mit grossem Garten, die annehmliche
-Lage, gesunde, frische Luft, und der gut gehaltene Promenadenweg machen
-Saras zu einem beliebten Ausflugsorte der Brüxer.
-
-Gleiche Anziehungskraft übt im Sommer »_*der Ressel_« auf Vereine und
-Gesellschaften aus. Seine zwei Thäler, Fuchsgrund und Schiefergrund,
-sind durch ihre einfache Naturschönheit wie geschaffen als Ruhepunkte
-bei kleineren Excursionen. Eine angenehme Fernsicht, besonders nach
-Osten und Süden in's Flachland, und auf die Erzgebirgskette im Norden,
-bietet das Plateau hinter dem Schlosshofe, letzterer so genannt, weil
-er einst zum Schlosse gehörte.
-
-Dem oberwähnten _*Schlossberge_ müssen wir noch an dieser Stelle mehr
-Aufmerksamkeit widmen. Derselbe liegt im Westen der Stadt und kann auf
-zahlreichen, gut erhaltenen Wegen erstiegen werden. Wir empfehlen allen
-Touristen den über Saras und bemerken, dass von da aus die Spitze des
-Berges in 20 Min. ohne Anstrengung erreicht werden kann. Schon während
-der Besteigung geniessen wir herrliche Blicke in das Mittelgebirge
-und in die von dem Erzgebirge umrahmte Saazer Ebene. Die überall
-angelegten Pflanzungen interessiren uns in hohem Grade, da wir uns über
-das Gedeihen und die von Jahr zu Jahr wachsende Ausdehnung derselben
-ungemein freuen. Den unermüdlichen Bemühungen des Stadtrathes und
-Kaufmannes in Brüx, Herrn A. Zein und dem Eingreifen der Stadtgemeinde
-haben wir es zu danken, dass sich auf der Spitze des Berges ein
-Schweizerhaus mit einer gut bestellten Restauration und ein Thurm mit
-einer camera obscura befindet. Der Schlossberg ist ein Aussichtspunkt
-1. Ranges, was malerische Schönheit des Panoramas anbetrifft. Im Norden
-und Westen dehnen sich die Abhänge des herrlichen Erzgebirges hin und
-längs derselben breitet sich die Saazer Ebene »der Garten Böhmens«
-aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen
-grossartigen Eindruck macht. Gegen Süden und Osten lassen wir unsere
-Blicke über das merkwürdige böhmische Mittelgebirge schweifen und sehen
-Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene Bořen bei Bilin
-und der König der Berge, der Milleschauer unweit von Teplitz, überragen.
-
-Der Schlossberg besteht aus Klingstein; an seinem nördlichen
-und nordöstlichen Fusse finden sich die thonigen Gebilde der
-Braunkohlenformation; sonst ist letztere in der Umgebung der Stadt von
-aufgeschwemmtem Lande bedeckt. Die ganze Stadt, sowie die Umgebung
-ruht auf einem einzigen grossen Braunkohlen-Fletz, welches sich in der
-Richtung von Südwesten nach Nordosten bis gegen Aussig erstreckt.
-
-In Brüx und Umgebung wird sehr viel Landwirthschaft betrieben. Sowohl
-das Klima als auch der Boden sind derselben in hohem Grade günstig.
-Das Klima ist in Folge der durch das Gebirge gegen die herrschenden
-Winde geschützten Lage wärmer, als man der geografischen Breite der
-Stadt zufolge erwarten sollte. Der Boden gehört zu dem fruchtbarsten
-im weiten Umkreise; einzelne Strecken sind ungemein humusreich. Die
-Wiesen längs der Biela und des Weissbachs sind mit den herrlichsten
-natürlichen Futterkräutern bewachsen. Obst wird in Menge gewonnen, und
-ist von ausgezeichneter Güte. Der Weinbau erfreut sich in jüngster Zeit
-grösserer Aufmerksamkeit und Pflege. Man will den alten Ruf wieder
-herstellen. In früherer Zeit gab es in der Umgebung der Stadt über 500
-Weiner (Winzer). Sie bildeten eine eigene Zunft, von welcher noch eine
-Fahne und ein Weinerbuch vorhanden ist.
-
-
-Touren.
-
-_Brüx-Brüxer Sprudel-Ober-Georgenthal._ (Von da über Niklasdorf nach
-Katharinaberg-Brandau-Grünthal-Teltschthal-Kallich-Göttersdorf-
-Rothenhaus-Görkau, also in umgekehrter Richtung -- siehe Bereisung von
-Görkau aus.) Wir gehen auf der Kaiserstrasse in westlicher Richtung,
-biegen vor dem Orte Kommern rechts ab und langen nun auf einem Sandwege
-bei dem neuentdeckten Sprudel an, dessen mächtiger Wasserstrahl
-die Verwunderung jedes Touristen erwecken muss. Von da setzen wir
-unseren Weg in nördlicher Richtung fort, wandern durch üppige Wiesen
-und fruchtbare Felder, das herrliche Erzgebirge mit dem malerisch
-gelegenen Schlosse Eisenberg und dem sich in der Ferne prächtig
-erhebenden Rothenhaus vor sich, über Nieder-Georgenthal (vulgo Gärten)
-und Vierzehnhöfen auf einer guten Bezirksstrasse nach dem romantisch
-gelegenen, freundlichen Ober-Georgenthal, welchen Weg man in 2 Stunden
-bequem zurücklegt. Hier ist eine grosse Spinnfabrik, Marienthal
-genannt, herrlich im Walde an der Strasse gelegen und der Firma Gustav
-Tetzner in Görkau gehörig; eine Spielwaarenfabrik der Firma Kaaden
-und Weigel und eine Vereins-Parquetfabrik. Die Kirche, in der Nähe
-der Bahn gelegen, ist ein schönes, majestätisches Gebäude. In den
-Gasthöfen zum »_schwarzen Adler_« und zur »_frohen Aussicht_« findet
-man gute Unterkunft und hier, sowie noch in 8 Restaurationen bekommt
-man vorzügliche Biere und nach vorheriger Bestellung gute Speisen. Nach
-Ober-Georgenthal kommt von Niklasdorf ein Bach, der bis zur Grundmühle
-»_Grundbach_«, von da bis zum Ende des Dorfes »Dorfbach« und dann
-»_Ruttenbach_« heisst.
-
-Von Ober-Georgenthal wird _Eisenberg_ in 25 Minuten und
-_Hammer-Johnsdorf_ in 30 Minuten erreicht -- zu beiden Orten führen
-prachtvolle Waldwege (siehe _für Eisenberg Bereisung_ von Görkau und
-für _Hammer_ von Oberleutensdorf aus).
-
-_Brüx-Kopitz-*Rosenthal-Lindau-Oberleutensdorf._ (1¾ St.) Diese Tour
-hat das Angenehme, dass wir das herrliche Erzgebirge fortwährend
-vor uns liegen haben, durch zahlreiche Ortschaften und fast ohne
-Unterbrechung durch schöne Obstbaumanlagen wandern. Wir erreichen in
-nördlicher Richtung auf guter Strasse zuerst das Dorf Kopitz, dann
-_Rosenthal_, welches wie Kopitz am Goldflusse oder Weissbache gelegen
-ist. Aus einer benachbarten Quelle wird durch hölzerne Röhren auf einer
-Strecke von 5251 m das Wasser nach Brüx in den grossen Behälter auf dem
-Hauptplatze geleitet. Nach kurzer Wanderung erreichen wir, den Goldbach
-aufwärts, die schön gelegenen Orte Lindau und Niederleutensdorf,
-überschreiten die Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn und kommen endlich
-in dem industriereichen, herrlich gelegenen, sich von dem reich
-bewaldeten Erzgebirge malerisch abhebenden Oberleutensdorf an (siehe
-Besuch von Dux-Oberleutensdorf aus).
-
-_Brüx-*Püllna_ in südlicher Richtung auf der prächtigen Saazer Strasse;
-in einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Anhöhe, von welcher
-wir einen köstlichen Rückblick auf Brüx und einen grossen Theil des
-Erzgebirges geniessen. Der Besuch des freundlichen Ortes Püllna
-empfiehlt sich wegen Besichtigung der Quellen, welche das berühmte
-Püllnaer Bitterwasser liefern. Sie befinden sich auf einer etwa 20
-Acker betragenden Flur, die eine ebene Wiesentrift bildet und von
-Fruchtfeldern umgeben ist. Aus diesem Wasser wurden von der Gemeinde
-schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts Massen von Bittersalz gewonnen,
-ohne derselben als Besitzerin der Quellen einen grossen Gewinn
-abzuwerfen. Da lenkte mit dem Beginn unseres Jahrhunderts der Brüxer
-Bürger und Kaufmann _Adalbert Ulbrich_ die Aufmerksamkeit von Männern
-der Wissenschaft auf diese der leidenden Menschheit zum Heile dienenden
-Wässer. Er übernahm den Verschleiss derselben und es gelang seinem
-rastlosen Eifer, dass im J. 1801 von dem Professor der Chemie Dr.
-Gottfried Mikan die erste Untersuchung vorgenommen wurde; dieser folgte
-im J. 1819 eine zweite durch Professor J. B. Tromsdorff in Erfurt und
-Professor J. Steinmann in Prag, worauf die nöthigen Wirthschaftsgebäude
-nebst einem stattlichen Wohnhause errichtet wurden. Mit der Anerkennung
-des Püllnaer Bitterwassers durch medicinische Autoritäten vermehrte
-sich dessen Verbreitung. Adalbert Ulbrich ruhte nicht; er liess als
-Pächter der Quellen das Wasser neuerdings chemisch untersuchen und
-zwar im Jahre 1821 von Professor Pleischl, im Jahre 1826 von Struve
-in Dresden, im Jahre 1829 von dem Chemiker Barruel in Paris und im J.
-1837 von Ficinus in Dresden, was zur Verbreitung des Wassers nicht nur
-in ganz Europa, sondern auch jenseits des Oceans wesentlich beitrug.
-Durch seinen rastlosen Fleiss erwarb er sich Vermögen, vergass aber
-der Gemeinde nicht, in welcher er eine so erspriessliche Thätigkeit
-entwickeln konnte. Er vermachte derselben testamentarisch ein Legat von
-20.000 fl. C.-M. zum Baue einer Kapelle und einer Schule. Nach seinem
-Tode übernahm dessen ältester Sohn _Adalbert_ die Versendung auf eigene
-Rechnung und seit 1863 als Brunnendirector und wirkt in bester Weise
-für die Verbreitung des Wassers, unterstützt von seinem trefflichen,
-mehrere Sprachen sprechenden Sohne _Konstantin_, in erfolgreicher Weise
-fort.
-
-Der Boden des Bitterwassergrundes und die angrenzenden Felder
-zeigen mächtige Lager von vulkanisch-ausgebranntem Thon bis hin zum
-Serpina-Thale und den Nachbarbitterwässern von Sedlitz und Saidschütz
-(östlich von Püllna). Die ganze Gegend ringsherum bis an die Eger ist
-braunkohlenhältig. In geringer Tiefe unterhalb der Bodenfläche ist ein
-reichhaltiges Lager von tertiärem Mergel, der zahlreiche Krystalle
-von schwefligen Gebilden und schwefelsauren Salzen, sowie von Basalt
-enthält. Diese Bildungen sind die Werkstätte des Bitterwassers; aus
-ihnen wird es durch den Zutritt des Wassers von der Oberfläche (des
-atmosphärischen Wassers) erzeugt. Es sind daher die Bitterwässer
-Seihewässer, kommen nicht aus grosser Tiefe, sondern von den Seiten bis
-zu einer gewissen Abtiefung und sind durch das genannte Mergellager
-bedingt. Deshalb dürfen die Brunnen nur bis zu einem gewissen
-bestimmten Masse abgeteuft werden. In Püllna beträgt es 1·8 bis 2·8 m.
-Das Püllnaer Bitterwasser ist ein helles, klares Wasser von etwas
-gelbgrünlicher Farbe, das überhaupt geruchlos ist, jedoch in den
-Frühstunden im Brunnengebäude einen angenehmen, veilchenartigen Geruch
-wahrnehmen lässt, der wohl von einem besonderen Naphtha-Oele herrühren
-mag. Der Geschmack dieses Wassers ist salzig und bitter, ohne dabei
-die Zunge und den Gaumen unangenehm zu berühren. Es ist ein gelinder
-Weise, doch kräftig auflösendes und abführendes Mineralwasser, das,
-abgesehen von den bewirkten Entleerungen, Secretionen, namentlich
-der Verdauungsorgane bethätigt, den Stoffwechsel beschleunigt, die
-organische Säftemasse verdünnt und den gesammten Digestionsprocess
-anregt.
-
-_Brüx-Kollosoruk-Kosel_ (2 Stunden). Durch das Biela- und Serpina-Thal
-kommen wir auf der Launer Strasse nach Kollosoruk mit einem prächtigen
-Schlosse, umgeben von schönen Anlagen und dem Herrn Richter in Prag
-eigenthümlich, erblicken links das sich auf einer Anhöhe malerisch
-abhebende Luschitz und schliessen unsere Tour mit Kosel ab, wo sich der
-Hořenzer Berg mit den hier vorfindlichen Aragoniten erhebt. (Retour
-nach Brüx von Obernitz mit der Bahn.)
-
-_Brüx-*Sauerbrunn-Bilin_ (2 Stunden zu Fuss oder mit der
-Aussig-Teplitzer Bahn nach Preschen und von da nach Bilin und
-Sauerbrunn oder mit der Prag-Duxer Bahn über Obernitz nach
-Sauerbrunn-Bilin). Wir gehen in südöstlicher Richtung durch das
-Bielathal, berühren Rudelsdorf und Kahn und wenden uns hier mit
-der Biela nach Nordosten, kommen nach Obernitz, Böhmisch-Zlatnik,
-betrachten hier die rechts stehenden, äusserst interessanten Kuppeln
-des Böhmisch-Zlatniker 517 m und Sellnitzer Berges, gehen an dem Dorfe
-Sellnitz vorbei, berühren weiter in dem immer schöner und interessanter
-werdenden Thale Liebschitz, sehen nun den imposanten, durch seine
-zerrissene Gestalt eigenthümlichen und 535 m hohen Bořen vor uns, und
-gelangen nach kurzer Wanderung zu unserem Ziele, dem jüngsten Badeorte
-des nordwestlichen Böhmen, zum _Sauerbrunn_.
-
-Dieser aufstrebende Curort (Station der Prag-Duxer Bahn, daher von
-Dux, Teplitz und Brüx leicht erreichbar), hat jetzt ein grossartiges
-Curhaus, welches glänzend eingerichtet ist und allen Comfort bietet.
-Seine Lage ist eine herrliche. Von der Terrasse des Curhauses sehen
-wir den merkwürdig gestalteten Bořen vor uns und lassen unsere Blicke
-über einen grossen Theil des böhmischen Mittelgebirges schweifen.
-Im Souterrain des Curhauses befinden sich allen Anforderungen
-entsprechende gewöhnliche und Dampfbäder, und der im Parterre
-hergestellte geräumige Lese- und Conversationssaal befriedigt alle
-Ansprüche, selbst der verwöhnten Besucher der nordwestböhmischen
-Bäder. Die das Curhaus umgebenden Anlagen sind herrlich und verleihen
-dem Curorte, der sich von Jahr zu Jahr hebt, einen besonderen Reiz.
-Der Aufenthalt daselbst ist nicht kostspielig. Das schönste, mit
-aller Bequemlichkeit ausgestattete Zimmer kostet _nur zwölf_ Gulden
-in der Woche, ein kleineres und ganz entsprechend eingerichtetes 6
-bis 8 fl. Eben so mässig sind die Preise der Speisen in der eigenen
-Restauration, welche vom 1. Jänner dieses Jahres von einem tüchtigen
-Wirthe in Pacht genommen wurde. Der Brunnen liefert aus 4 Quellen
-ein kohlensaures Wasser. Sie liegen am nordöstlichen Abhange des
-Ganghofer Berges. Es ist nicht bekannt, zu welcher Zeit sie entdeckt
-worden sind. Ein bleibendes Augenmerk erhielten sie erst zu Anfang
-des achtzehnten Jahrhunderts, wo die Fürstin Eleonore von Lobkowitz
-Besitzerin der Herrschaft wurde. Die _Josefs-_ und _Caroline-Quellen_
-sind so ergiebig, dass sie allein den ganzen Bedarf decken. Das Wasser
-wird theils an Ort und Stelle, besonders von Touristen, Curgästen
-aus Teplitz und Besuchern aus der nächsten reichen Umgebung, unter
-deren angenehmste Ausflüge eine Fahrt oder ein Spaziergang nach dem
-»Biliner Sauerbrunn« gehört, getrunken, theils und zwar grösstentheils
-so bedeutend versendet, dass heute über _eine_ Million Glasflaschen
-in die Welt geht. Das Wasser ist ein hervorragender Repräsentant
-der alkalischen Säuerlinge, zeichnet sich in der Wirkung als
-säurebindendes, die Alkalessenz des Blutes erhöhendes Mittel vor
-allen anderen aus, leistet daher bei Sodbrennen, Magenkrampf, chron.
-Magenkatarrh, bei sogenannter Harnsäure, Nierensteinen, Gicht, chron.
-Rheumatismus, chron. Blasen- und Lungenkatarrh, bei Gallensteinbildung,
-Fettleber und Scrophulose die erspriesslichsten Dienste. Auch bietet
-der Biliner Sauerbrunn ein vortreffliches, dietätisches -- mit Wein-
-oder Citronensaft und pulverisirtem Zucker versetzt -- vermöge seines
-grossen Kohlensäuregehaltes, hochschäumendes, erfrischendes Getränk und
-ist dann, insbesondere während der heissen Sommermonate zu empfehlen.
-Ueberdies gewinnt man durch Abdampfen des Wassers in einem eigenen
-Laboratorium kohlensaures Natron (Biliner Pastillen).
-
-Grosses Interesse wendet der Tourist dem Bořen, auch Biliner Stein
-genannt, zu. Er ist ein Klingsteinfelsen und wird von den Botanikern
-wegen seines Reichthums an seltenen Pflanzen viel besucht. Aus der
-Ferne betrachtet, präsentirt sich der steile und schroffe Fels, dessen
-Basis von Feldern und Obstgärten umgeben ist, als eine riesige,
-compacte Masse, weist aber in der Nähe eine Menge von Rissen und
-Zerklüftungen auf, so dass er durch sein abenteuerliches Zickzack das
-Staunen des Besuchers erregt und durch diese seine pittoreske Gestalt
-an den Säntis bei St. Gallen in der Schweiz, von Lindau oder Bregenz
-aus betrachtet, erinnert. Der Anstieg ist höchst schwierig und nur
-auf der westlichen Seite möglich. Ein Führer ist nicht nöthig, da
-der Weg durch weisse Striche an Steinen und Bäumen bezeichnet ist.
-Vom »Sauerbrunn« erreichen wir die Spitze in _einer_ Stunde. Wir
-überschreiten bei der Station die Bahn, gehen auf dem Wege einige
-hundert Schritte fort, lenken in den nach links sich abzweigenden Weg
-ein und folgen nun den oberwähnten Strichen. Da das Steingeröll leicht
-nachgibt, so ist beim Anstieg alle Vorsicht zu gebrauchen. Unter den
-Höhlungen ist die _Michelshöhle_ die hervorragendste. An ihrem Eingänge
-ist die gewaltige Basaltsäule beachtenswerth. Diese Felsart finden wir
-längs der östlichen und südlichen Seite des Bořen. Dieser Berg ist
-überhaupt eine der ersten Zierden des an malerischen Schönheiten und
-geognostischen Merkwürdigkeiten so überaus reichen Mittelgebirges, er
-ist der Stolz der Gegend.
-
-Die Aussicht vom Bořen ist überraschend schön; wir übersehen die
-westliche Seite des Teplitzer Thales mit den prächtig bewaldeten,
-schluchtenreichen Abhängen des Erzgebirges. Im Norden sehen wir
-zu unseren Füssen das freundliche Städtchen Bilin und den reizend
-gelegenen »Sauerbrunn«, weiter links Dux mit seinem stattlichen
-Kirchthurme, dem gräflich Waldstein'schen Schlosse sammt Park, dann
-weiter am Fusse des Erzgebirges das romantisch gelegene Stift Ossegg.
-Aus der Teplitzer Ebene ragt der Schlossberg empor und erweckt unsere
-Aufmerksamkeit, rechts davon sehen wir die Ruine Kostenblatt, noch
-weiter rechts, gerade in östlicher Richtung die Klotzberge, den
-Radelstein, der Milleschauer ist verdeckt. Im Süden erblicken wir
-den Millayer Berg 504 m, weiter den Hoblik von derselben Höhe und
-schliesslich die Launer Berge, im Westen den Böhmisch-Zlatniker Berg,
-Brüx mit dem prächtigen Schlossberge, im Nordwesten hebt sich Eisenberg
-aus dem Grün der Tannen und Buchen hervor, und weiterhin verfolgt das
-Auge den Rücken des Erzgebirges.
-
-Eine eben so schöne Aussicht bietet der _Ganghofer Berg_, dessen
-Gesteine deutlich die Verwandtschaft des Klingsteins mit gewissen
-Prophyr-Abänderungen zeigen. Er erhebt sich westlich über dem
-»Sauerbrunn«, ist leicht zu besteigen, da nahezu bis zum Gipfel schön
-angelegte Promenadenwege führen.
-
-Ein bequemer Fahrweg führt in 20 Minuten langsamen Gehens zu dem
-niedlichen Städtchen _Bilin_.
-
-
-
-
-Bilin.
-
-
- =Gasthöfe=: »Hohes Haus,« »Weisser Löwe«, beide am Marktplatz.
-
- =Post- und Telegrafenamt= (ersteres Lange Gasse, letzteres
- Wenzelsplatz). _Aussig-Teplitzer Bahn_ mit dem Bahnhof
- Preschen, 10 Minuten entfernt; _Prag-Duxer Bahn_ mit den
- Stationen Sauerbrunn und Bilin. _Bielathalbahn_, Verbindung mit
- Aussig.
-
- =Fahrgelegenheiten=: _Postomnibus_ zum Bahnhof in Preschen.
-
-Die Stadt zählt beiläufig 5000 Einwohner, liegt an der Biela, welche
-die Stadt selbst von der Brüxer Vorstadt trennt und hier den von
-Südosten kommenden Zischken-Bach aufnimmt. Im Süden erhebt sich der
-Bořen, im Westen der Ganghofer Berg, im Norden, hinter der Teplitzer
-Vorstadt, der grosse Chlum, im Osten der Schlossberg, dessen
-Fortsetzung der Hradischt heisst.
-
-=Geschichtliches.= Die Erzählungen von der »Fürstin Bila«, die schon
-744 hier ein Schloss erbaut und dem Orte, sowie dem Flusse den Namen
-gegeben haben soll, dann von den »Bilinen«, einem čechoslavischen
-Stamme, der sich zu Ende des 5. Jahrhunderts hier an den Gestaden der
-sanft dahingleitenden Biela ansiedelte, dürften in das Bereich der
-Sagen gehören. Indessen sind echte geschichtliche Ueberlieferungen
-von der ehemaligen »Provinz Bilin« vorhanden, welche schon vor dem
-11. Jahrhunderte im Auftrage der böhmischen Herzoge von eigenen
-Grafen verwaltet wurde. Unter König Wenzel II., der von 1223 bis 1253
-regierte, erhielt _Hogerius_, der Truchsess dieses Königs, die Burg
-und die Stadt Bilin für sich und seine Erben als Geschenk. Im J. 1342
-wird in den Urkunden einer Schule erwähnt. Albrecht von Berka verlieh
-der Stadt im J. 1365 gewisse Privilegien und wurde 1381 vom Kaiser
-Karl IV. mit Bilin belehnt. Im Husitenkriege, wo sie dem Albert von
-Kolditz gehörte, wurde sie 1421 erobert und verwüstet. Im J. 1426
-bemächtigte sich der Stadt Jakubko von Wřeschowitz, der sich von ihr
-den Namen Bilinský beilegte. Nach seinem Tode fiel sie wieder an die
-Herren von Kolditz und gelangte dann 1464 an die Herren Popel von
-Lobkowitz. Von dieser Zeit verblieb sie bei dieser Linie, welche mit
-dem Grafen Leopold von Lobkowitz im Jahre 1707 männlicherseits erlosch.
-Die Tochter Eleonora Carolina vermählte sich mit Philipp Fürsten von
-Lobkowitz, Herzog zu Sagan und vermachte ihm die Herrschaft Bilin. Ihm
-folgte 1748 sein Sohn Ferdinand Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Sagan,
-diesem 1796 sein Sohn Franz Josef, Fürst von Lobkowitz, Herzog zu
-Raudnitz, und diesem Moritz Fürst von Lobkowitz, Herzog von Raudnitz,
-der gegenwärtige Besitzer.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Das stattliche Fürst Lobkowitz'sche _Schloss_
-mit seinem schönen Parke. Dasselbe überragt die Stadt, und wurde um
-das J. 1680 von Christof Freiherrn von Lobkowitz erbaut. Es enthält
-eine Menge unterirdischer Gänge, worin man alte Pfeile und andere
-Gegenstände gefunden; die schöne _Pfarrkirche_ ist auch zu beachten.
-Sie wurde schon 1061 gegründet, besteht aber in ihrer jetzigen Gestalt
-erst seit 1573. Bemerkenswert sind noch die _neugebaute Schule_ und das
-_Gerichtsgebäude_.
-
-
-Touren:
-
-_Radek-Werschetiner Berg-Suttomer Berg-Skalken-Kostial-Lobositz_
-oder umgekehrt. (Wir wählen zum Standorte _Bilin_ oder von der
-entgegengesetzten Seite, je nachdem der Tourist kommt, _Lobositz_.)
-
-_Bilin-*Radelstein._ Zum _Radelstein_ entweder über Kutschlin und
-Rasitz (mit Führer) oder über Radowesitz und Stepanow. Dieser Berg
-liegt inmitten des Mittelgebirges und bietet uns von seinem Rücken
-ein interessantes Bild. Er ist nicht, wie die anderen Berge des
-Mittelgebirges, spitzig, sondern zeigt einen breiten, waldigen Rücken,
-dessen höchste Erhebung ein ebenes, rundes, frischgrünes Plateau
-bildet. Dieses ist ringsum von mächtigen Steinwällen eingefasst, hinter
-welchen sich dunkles Nadelholz erhebt; nur ein kleiner Lärchenwald
-macht sich bemerkbar und kennzeichnet den Radelstein schon von der
-Ferne. Die Steinwälle stammen offenbar aus altheidnischer Zeit her.
-Hier bestand gewiss eine heidnische Cultusstätte, wie auf dem Deblik
-bei Leitmeritz, dem Hradek bei Gross-Czernosek, wo sich derartige
-Steinwälle gleichfalls vorfinden. Ueberreste von Burgen sind es, wie
-die Sage berichtet, nicht, da Mauerreste nicht zu entdecken sind, und
-eine gänzliche Beseitigung derselben von so hochgelegenen Punkten nicht
-möglich ist.
-
-In dem hier befindlichen Forsthause wird uns eine Erfrischung
-verabreicht. Die schönste Aussicht geniessen wir von der Hütte auf der
-Südseite des Plateaus. Im _Süden_ erblicken wir zwischen den Launer
-Bergen die Stadt Laun, rechts davon den Hoblik und den Millayer Berg;
-im _Südosten_ präsentirt sich uns die Hasenburg, rechts davon die
-ausgedehnte, fruchtbare, von der Eger durchschnittene Ebene. Links
-von der Hasenburg sehen wir im Hintergründe den prächtigen Georgsberg
-(Říp) bei Raudnitz, im Vordergrunde den Kostial mit seiner Ruine,
-an seinem Fusse links den hohen Thurm von Skalken. Weiter links
-erblicken wir die Elbe mit der Brücke bei Leitmeritz, das sich hinter
-dem Lobosch verbirgt, und weiter links am Horizont den Wilschberg und
-Geltsch, zwischen denselben den Ronberg und in weiter Ferne hinter
-diesem den Jeschken. Auch der Milleschauer und die Berge bei Aussig
-sind sichtbar. Im Norden ist der Horizont durch das Erzgebirge, aus
-dem das Mückenthürmchen und der Schneeberg hervorragen, begrenzt und
-im Westen erscheint der Böhmisch-Zlatniker, der Ganghofer Berg und im
-Vordergrunde die dunkle Masse des Bořen. Die Aussicht ist grossartig
-und es steht zu erwarten, dass die Touristen diesem Punkte künftighin
-eine solche Aufmerksamkeit schenken werden, wie er es verdient.
-
-Östlich vom Radelstein liegen der _Suttomer Berg_ und _Skalken_,
-südlich von diesen der Werschetiner Berg -- auf derselben Strasse wie
-zum Radelstein von Bilin in 2 bis 3 Stunden zu erreichen. Suttom und
-Skalken liegen ¼ Stunde auseinander. Der Suttomer Berg ist leicht zu
-ersteigen und bietet eine schöne Aussicht. Das Dorf hat eine schon im
-J. 1388 bestandene, in ihrer jetzigen Gestalt aber erst 1716--1724
-durch Anna Sigismunda Gräfin von Hřzan, damalige Besitzerin des Gutes
-Skalken, erbaute Pfarrkirche. Südöstlich davon liegt das Dorf Wlatislav
-im Thale des Modelbaches. Es sollte eigentlich Wlatislav heissen,
-da es ehedem eine wohlbefestigte, von dem Saazer Herzog Wlastislav
-erbaute Stadt gewesen, aber schon im J. 936 vom Prager Herzog Boleslaw
-I. zerstört worden sein soll. Die Spuren einer dreifachen Schanze auf
-einer Anhöhe nördlich vom Dorfe hält man für Ueberreste der ehemaligen
-Burg. Am südlichen Flügel des Schlosses im Dorfe Skalken erhebt sich
-auf einem schroffen Felsen ein alterthümlicher, 18·9 m hoher ovaler
-Thurm, mit 3·7 m dicken, sehr festen Mauern, welche aus weissen
-Bausteinen bestehen; in das Innere konnte man früher nur von der
-steilsten Seite des Felsens mittelst einer 3·7 m über dem Boden in der
-Mauer befindlichen viereckigen Oeffnung gelangen. Höchst wahrscheinlich
-ist es ein sogenanntes Burgverliess gewesen. Die Aussicht ist ungemein
-lieblich, da den Felsen ein herrlicher Kranz von vulcanischen Bergen
-umgibt. Auf der Strasse südlich von Watislav kommen wir in einer halben
-Stunde nach _Woborzitz_, in dessen Nähe sich der _Woborzitzer Berg_,
-der _Werschetin_, 426·6 m hoch, befindet und dann nach dem Dorfe
-Podseditz mit den Granatengruben und einer Granatenfabrik.
-
-Südöstlich von Skalken (etwa ¾ St.) liegt der _*Kostial_, ein schön
-geformter Basaltfels, der auf seinem Scheitel die malerischen Trümmer
-einer Burg trägt. Dieser Punkt, sowie die Hasenburg sind von _Lobositz_
-besser und angenehmer zu erreichen, und es empfiehlt sich die Theilung
-der Tour von _Bilin_ nach _Lobositz_ in die Touren: Bilin-Radelstein
-und Lobositz-Hasenburg-Kostial bis einschliesslich Suttomer Berg.
-Auf den Kostial gehen wir von Lobositz südwestlich auf der Strasse
-über Sullowitz (½ St.), Jentschitz (¾ St.) und wenden uns hier rechts
-nach dem ¾ St. südöstlich von Skalken gelegenen Dorfe Kostial, am
-östlichen Abhange des Kostialer Berges. Von da gehen wir in westlicher
-Richtung auf den Berg und erreichen ihn in einer halben Stunde (für den
-ganzen Weg von Lobositz 2 St.) Die Aussicht ist sehr lohnend. Südlich
-begegnen unsere Blicke der herrlichen Hasenburg, im Hintergrunde der
-Stadt Budin, südwestlich und westlich in der Ferne dem Hoblik und
-Millayer Berge und in der Nähe dem Werschetiner Berge, dem Radek,
-weiter nach Nordwesten dem Radelstein, den Klotzbergen und im Norden
-dem Milleschauer, im Hintergrunde dem Erzgebirge mit dem Schneeberg,
-rechts vom Milleschauer dem Kletschen, östlich der Elbe mit den
-Städten Lobositz und Leitmeritz, dem Radobyl und dem hohen Geltsch und
-südöstlich dem Georgsberg mit der Stadt Raudnitz am Fusse desselben und
-weit im Hintergrunde der Stadt Melnik.
-
-Der Abstieg erfolgt nach der Stadt Trebnitz, südlich am Fusse des
-Kostialer Berges und am Modelbache, sowie an der Lobositzer Strasse
-gelegen. In der Pfarrkirche, welche schon seit dem J. 1384 besteht,
-sind 2 kunstreiche Alabasterbilder. Auch befindet sich hier ein in den
-Jahren 1573 bis 1575 geschriebenes Cancionale in böhmischer Sprache
-aus 470 kalbledernen Blättern bestehend und nach damaliger Weise
-mit schönen Malereien, Goldbuchstaben, Initialen u. s. w. verziert.
-Von da gehen wir auf der Strasse südlich nach Chodolitz und biegen
-vor dem Orte Klapay links auf die _*Hasenburg_ ab (2¼ St.). Das ist
-ein steiler, 413 m hoher und aus Basalt bestehender Berg, welcher
-durch seine schönen, zu Tage entblössten Säulengruppirungen dem
-wissenschaftlichen Forscher sowohl als dem Naturfreunde überhaupt
-ein hohes Interesse bietet. Auf der Hasenburg liegen die Ruinen
-der alten Burg Klapay, welche aus zwei hohen, weit in die Ebene
-sichtbaren Thürmen besteht. Der eine dieser Thürme ist viereckig und
-wird gewöhnlich der weisse, der andere runde aber der schwarze Thurm
-genannt. Diese Burg soll schon im J. 874 erbaut worden sein; im J.
-1336 ist sie an die Familie der Hasenburge gekommen und wird auch seit
-dieser Zeit Hasenburg genannt. Im J. 1431 wurde sie von den Taboriten
-erobert und von ihnen gänzlich zerstört; seitdem ist sie nicht mehr
-bewohnt worden.
-
-Die Aussicht ist prachtvoll. Im Norden das Erzgebirge, in derselben
-Richtung, sowie im Nord-Westen, Westen die wiederholt oben (siehe
-Kostial) angegebenen herrlichen Punkte unseres höchstinteressanten
-Mittelgebirges, im Osten der Georgsberg, südöstlich die Stadt
-Libochowitz mit Schloss und Kirche und nach diesen beiden Richtungen
-hin, die herrlichen, fruchtbaren Thäler der Eger und Elbe mit
-zahlreichen Städten, Dörfern und Weilern.
-
-_*Der Milleschauer._ Derselbe ist 834 m hoch und besteht aus
-Klingstein. Unter den einzelnen Bergen des Mittelgebirges nimmt er
-den ersten Platz ein. Die weite und reizende _Aussicht_, welche
-man von hier über einen sehr beträchtlichen Theil unseres schönen
-Heimatslandes, namentlich auf das Erzgebirge, das Teplitzer- und
-Bielathal, weit über das rechte Elbufer, wo das Iser- und Riesengebirge
-den Horizont begrenzen, ferner nach Südosten und Süden über Rakonitz
-bis in die Umgebungen Prags und selbst noch jenseits der Hauptstadt
-über das rechte Moldauufer hinaus geniesst, machen diesen Berg zu
-einem der herrlichsten Standpunkte für den Bewunderer mannigfaltiger
-Naturschönheiten und eines mit den Gaben der Ceres überschütteten,
-durch Gewerbefleiss blühenden, nach allen Richtungen hin mit Städten,
-Flecken und Dörfern bedeckten Landes. Die Zahl der Besucher dieses
-herrlichen, bis zur Spitze reich bewaldeten und höchst interessanten
-Berges ist sehr gross und steigert sich von Jahr zu Jahr. Die oben
-befindliche Restauration entspricht in Bezug auf Qualität der Speisen
-und Getränke und Unterbringung der Gäste in den geräumigen, mit allem
-Comfort ausgestatteten Mooshütten allen Anforderungen. Die Wege nach
-dem Milleschauer sind recht bequem.
-
-
-Touren nach dem Milleschauer:
-
-_Teplitz-Borislau-Pilkau_ (4 St. zu Fuss -- bis Pilkau ein guter
-Fahrweg -- in Pilkau gibt es Esel und Tragsessel für diejenigen, welche
-nicht steigen können oder wollen). Wir gehen auf der Strasse nach
-Lobositz in südöstlicher Richtung nach Auperschin (1 St.), Schallan
-(¾ St.), am Abhange des Mittelgebirges endlich nach Borislau (½
-St.), bereits hoch im Mittelgebirge; dieses Dorf hat eine im J. 1717
-neuerbaute und 1820 auf Kosten des Fürsten Johann von Clary restaurirte
-Kirche mit einem Gemälde von einem unbekannten Meister, den Märtyrertod
-der hl. Katharina darstellend; dasselbe wird von Kennern sehr gelobt.
-Nach einer halben Stunde erreichen wir, rechts von der Strasse
-abbiegend, das am Fusse des Milleschauer liegende Dorf Pilkau, von wo
-aus wir die Spitze des Berges in einer Stunde auf einem gut erhaltenen,
-steilen Wege erreichen.
-
-_Aussig-Türmitz-Kosten-Staditz-Tschochau-Borislau-Pilkau_ (5 St.). In
-einer halben Stunde erreichen wir von unserem Standquartiere Aussig den
-Ort Türmitz, an beiden Ufern der Biela gelegen, setzen unseren Weg im
-Bielathal fort und kommen nach Kosten und Staditz; in letztem Orte, dem
-Geburtsorte Přemysl's, dem Gemahl Libuša's, verweilen wir einige Zeit,
-lassen uns die Haselstaude, in welche sich die von Přemysl in die Erde
-gesteckte Ruthe verwandelt haben soll, zeigen und besichtigen noch das
-sogenannte _Königsfeld_, d. i. das Feld, wo Přemysl pflügte, als ihn
-die Gesandten der Libuša fanden. Nach Passirung der Orte Tschochau und
-Borislau erreichen wir auf der schon berührten Tour über Pilkau unser
-Ziel. (Für diese Tour können wir auch die Bielathalbahn bis zur Station
-Tschochau-Hlinai benützen; siehe überdies Bereisung von Teplitz über
-Tschochau.)
-
-_Lobositz-Billinka-Wellemin-Milleschau-Milleschauer._
-
-
-
-
-Lobositz.
-
-
-=Lobositz= liegt an der Mündung des Modelbaches in die Elbe, Stadt mit
-etwa 4000 Einwohnern.
-
- =Gasthäuser=: »Hôtel Post« am Bahnhof, »schwarzes Ross«,
- »goldener Löwe«; »Dampfschiffrestauration an der Elbe« mit
- prächtiger Aussicht, schöner Garten. -- »Hôtel zur Eisenbahn«.
-
- =Post- und Telegrafenamt.= -- =Eisenbahn- und
- Dampfschifffahrts-Station.=
-
- =Fahrgelegenheiten.= -- =Schwimmanstalt.=
-
-Bei Lobositz verlässt die Elbe die westliche Richtung, schlägt die
-nördliche ein und strömt mit derselben mit einigen kleinen Abweichungen
-bis Zirkwitz. Die mit zahlreichen Ortschaften, Wein- und Obstgärten
-bedeckten Ufer- und Bergabhänge zu beiden Seiten des Stromes gehören
-unter die reizendsten Gegenden nicht bloss von Böhmen, sondern von ganz
-Oesterreich-Ungarn.
-
-In Lobositz sind viele _Fabriken_ und _Industriewerke_ im Betrieb,
-darunter bedeutende Zuckerfabriken, eine Dampfmühle, und die
-grossartige Cichorienfabrik von Tschinkel. _Die Pfarrkirche_ ist
-ein in den Jahren 1733 bis 1743 von Grund aus neu errichtetes
-schönes Gebäude, welches im Presbyterium den aus der vorigen alten
-Kirche aufbewahrten Marmorgrabstein der am 7. März 1702 verstorbenen
-Markgräfin _Maria Franziska_ von _Baden_ und _Hochberg_, geb.
-Landgräfin von Fürstenberg, enthält. Von den Glocken trägt eine die
-Jahreszahl 1532, die andere 1691.
-
-In dem herrschaftlichen _Schlosse_ befinden sich die fürstlich
-Schwarzenberg'schen Wirthschaftsämter und ein Saal für chemische
-Untersuchungen. Bei der Erhebung des Ortes Lobositz zum Range einer
-Stadt unter Kaiser Rudolf II. im J. 1600 (zu deren Erinnerung im J.
-1776 auf Kosten des damaligen Primators Johann Georg Tscherney die St.
-Procopius-Säule auf dem Marktplatze errichtet wurde) erhielt Lobositz
-das Recht, ein eigenes Wappen zu führen und an jedem Freitage einen
-Wochenmarkt zu halten. Das Wappen enthält zwei Thürme im blauen Feld
-und ein offenes Thor mit einem Schutzgitter und einem Löwen darunter.
-Die Stadt ist reich an geschichtlichen Momenten. In den Jahren 1315,
-1648, 1680 und 1742 richteten die Pest und andere Seuchen in der
-Stadt und Umgebung grosse Verheerungen an, woran noch die Namen
-der »Pestkirchhöfe« und einige Merkzeichen in der Gegend erinnern.
-Während der Husitenkriege wurde Lobositz besonders in den J. 1420 und
-1426 sehr hart mitgenommen. Im 30jährigen Kriege hatte es in den J.
-1634, 1635 und 1639 von den Schweden grosse Drangsale zu erdulden.
-Am 1. October 1756 fand hier am Fusse des Lobosch-Berges die erste
-Schlacht im 7jährigen Kriege statt. Nach der Schlacht bei Kolin, dann
-in den J. 1759 und 1773 hatte es abermals viel zu leiden. Wiederholte
-Feuersbrünste verursachten auch vielfachen Schaden. Am 13. Februar 1809
-wurde die Stadt sammt dem Schlosse ganz eingeäschert. Kaum hatte sie
-sich von diesem Unglücke erholt, als 1813 der verhängnissvolle Krieg
-zwischen Frankreich und den verbündeten Mächten ausbrach und die Stadt
-die Nähe des Kriegsschauplatzes mehrere Monate hindurch schmerzlich
-empfinden liess.
-
-Von Lobositz gehen wir auf der Strasse in nordwestlicher Richtung
-nach _Billinka_ (¾ St.) auf einer sanften Anhöhe. Bevor wir die Tour
-auf den Milleschauer fortsetzen, statten wir von hier aus dem rechts
-(östlich) von der Strasse gelegenen _*Lobosch_ 568 m einen Besuch ab.
-Derselbe ist nach Süden und Osten durch keine Vorberge gedeckt und
-gestattet deshalb eine herrliche Uebersicht von einem grossen Theile
-des ehemaligen Leitmeritzer und Rakonitzer Kreises. (Der Besuch dieses
-Berges empfiehlt sich mehr von Lobositz über Welhota.) Von Billinka
-wandern wir auf der Strasse über Wellemin nach _Milleschau_, einem
-Dorfe am südöstlichen Abhange des »_Milleschauer_«. Hier befindet sich
-ein grosses und sehr schönes von Kaspar Zdenko von Kapliř im J. 1682
-auf einem hohen Felsen erbautes Schloss und ein grosser Obst-, Gemüse-
-und Ziergarten. Von Milleschau aus erreichen wir auf einem guten,
-stellenweise sehr steilen Wege die Spitze des Berges.
-
-
-_Bilin-Kostenblatt-Tschentschitz-Milleschauer._ Von Bilin nach
-Kostenblatt 1 Meile, und von da, am besten mit Führer, in östlicher
-Richtung meist durch Wald nach Tschentschitz (¾ St.), hoch im Gebirge,
-am Abhange des »Milleschauer«. Hier kann der Führer entlassen werden.
-
-
-
-
-H. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Teplitz aus.
-
-
-
-
-Teplitz
-
-(221 m. Seehöhe).
-
-
- =Gasthöfe=: »König von Preussen« (Stephansplatz); »Hôtel
- Post«, »Stadt London« (beide Lange Gasse); »Altes Rathhaus«
- (Marktplatz); zur »Riesenburg« (Graupnergasse); »Kronprinz
- Rudolf«, »blauer Stern« (beide Bahnhofstrasse); »Neptun«
- (Mühlstrasse); »Schwarzes Ross« (Kirchengasse); »Preussischer
- Hof« und »Wigand's Hôtel« (Kurpark).
-
- =In Schönau=: »Haus Oesterreich« (Neubadallee), »Hermannsburg«
- (Badegasse von Schönau). Zimmer von ½ bis 3 fl. täglich,
- Bedienung 30 kr., Licht 30 kr., Suppe 12 kr., Braten 40--80
- kr., Kaffee 20--24 kr. Gutes Brod, vorzügliche Biere und Weine.
-
- =Weinstuben=: »Fleck« (Lange Gasse), »Rüdesheim«
- (Lindenstrasse), »3 Aepfel« (Badeplatz). =Restaurants= ausser
- den oben genannten Gasthöfen: »Leitmeritzer Bierhalle«
- (Schulplatz), »zum Erzherzog Stephan« (Königstrasse),
- »Günther's Bierhalle« (Alleegasse), »Kursalon«.
-
- Gartensalon im Schlossgarten, Askonas, isr. Restauration,
- Edmundsstrasse zu drei Rosen, zum Felsenkeller, zum hohen Haus
- (Mühlstrasse), Germania (Steinbadgasse), Glaser, Weilburg
- (Lindenstrasse).
-
- Die Reihenfolge ist durchaus nicht mit Rücksicht auf
- verschiedene Güte zusammengestellt.
-
-
-Stadt Schönau:
-
- Merkur, Stadt Warschau, Rosenlaube, Ordensband.
-
- Das Couvert zumeist à la carte von 1--2 fl. Table d'hôte
- weniger üblich.
-
- =Kaffeehäuser=: Kursalon, Theater, Stadt Dresden. Mehrere
- vorzügliche Konditoreien.
-
- Ausserdem befinden sich auf bedeutenderen Ausflugsorten zumeist
- vortrefflich eingerichtete Sommerrestaurationen, wo neben
- allerlei Erfrischungen, Mineralwässern, auch kalte und warme
- Speisen für civile Preise dargeboten werden.
-
-Kurgäste finden in etwa 230 Häusern in Teplitz und mehr als 80 in
-Schönau Logis. Da dieselben auch in anderen Häusern in der Stadt
-Unterkunft finden, so können zu einer Zeit wohl gegen 3000 derselben
-ihre Kur geniessen. Bei der Ankunft in Teplitz ist es nicht rathsam,
-sich am Bahnhofe von Agenten, Gepäcksträgern und Droschkenkutschern,
-die sich in eigennütziger Weise an den Fremden herandrängen, eine
-Wohnung anempfehlen zu lassen. Man kann da leicht in schlechte oder
-von den Bädern sehr weit entfernte Wohnungen geschickt werden, die
-dann wiederum aufgegeben werden müssen. Man lasse sich durch die
-gewöhnlichen Versicherungen dieser Agenten, es sei alles überfüllt
-etc., ja nicht ängstlich machen. Wer nicht schon vorher eine Wohnung
-bestellt hat oder von verlässlicher Seite in ein gutes Haus empfohlen
-ist, der thut am besten, zunächst in ein Hôtel zu fahren, dann einen
-Arzt bezüglich der Wahl des Bades zu consultiren und dann eine Wohnung
-in der Nähe des verordneten Bades zu suchen. Die Täfelchen »Logis«
-zeigen derlei Häuser an; ein weisser Streifen darüber gibt an, dass das
-Haus momentan keine Wohnung abgeben kann. Die Miethpreise, die sich per
-Woche verstehen, sind je nach der Saison verschieden und variiren im
-Sommer von 5--25 fl., im Winter von 3--12 fl. Das Frühstück wird meist
-im Logis genommen, im Gegensatze zu anderen Kurorten. Doch kann bei der
-grossen Zahl Kurhäuser nie Wohnungsnoth eintreten. Dem stets wachsenden
-Zudrang des Kurpublikums entsprechen grosse und zweckmässige Neubauten
-der letzten Jahre.
-
-Auskünfte über Wohnungen, sowie Kurangelegenheiten jeder Art ertheilen
-die Bürgermeisterämter von Teplitz und Schönau, der städtische
-Badeinspector in Teplitz und in den meisten Fällen auch die Badeärzte.
-
- =Lesekabinet= im Kursalon. Es liegen auf: die Kur- und
- Fremdenlisten der besuchtesten Badeorte, ferner eine bedeutende
- Anzahl Zeitungen politischen und belletristischen Inhaltes in
- 9 europäischen Sprachen. Kurgäste haben freien Zutritt. Im
- Damensalon ein Klavier zu freier Benützung. Billardsaal.
-
- Der Kurort Schönau hat ebenfalls ein reich eingerichtetes
- Lesekabinet.
-
- =Buchhandlungen=: Ernst Pörzler (Seumestrasse) und H. Dominicus
- (Königsstrasse). Beide haben Leihbibliotheken, reichlich
- ausgestattet mit den neuesten Erscheinungen der Literatur, auch
- in fremden Sprachen.
-
- =K. k. Postämter=: Teplitz, Schlossplatz, Schönau, Badeg. 85.
-
- =K. k. Telegrafenamt=: Waisenhausgasse (7 Uhr Früh bis 9 Uhr
- Abends).
-
- =K. k. Hauptzollamt=: Schlossplatz 14.
-
- =K. k. Bezirkshauptmannschaft=: Marktplatz 26.
-
- Die =Communalbehörden= sind: In Teplitz der Magistrat,
- Marktplatz, in Schönau das Bürgermeisteramt, Neubadallee.
-
- In der Königsstrasse und in der Langen Gasse befinden sich
- Banken und Wechselstuben.
-
- =Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ Bahn (Linie: Komotau-Aussig).
- _Dux-Bodenbacher_ (Linie: Komotau-Bodenbach). Der Bahnhof der
- letzteren ist etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt, doch
- fahren zu allen Zügen Omnibusse.
-
- Ein- und zweispännige Wägen mit festgesetztem Tarif nach
- allen Richtungen. Rollwagenführer im Dienstmanninstitut
- (Graupnergasse). An den Bahnhöfen eigene Gepäckträger.
- Omnibusse nach Eichwald und Probstau.
-
- =Stadttheater= im Kurpark, das ganze Jahr hindurch
- Vorstellungen; es werden Operetten, Schau- und Lustspiele
- gegeben. Im Sommer gastiren daselbst oft Künstler der
- bedeutendsten Bühnen. Anfang 7 Uhr.
-
- =Kurmusik=: _Teplitz._ Die Kurkapelle spielt täglich Morgens
- im Kurgarten, Mittags 11--1 Uhr im Schlossgarten; Montag und
- Freitag Nachm. 5--7 im Kurgarten.
-
- Tanzreunionen finden gewöhnlich Samstag Abends im Gartensalon
- statt.
-
- _Schönau._ Militärkapelle jeden Mittwoch und Samstag Nachm.
- 5--7 Uhr; Donnerstag u. Sonntag Vorm. 9--10½ Uhr im Schönauer
- Musikpavillon.
-
- =Zeitungsagentur=: Erwähnenswerth ist die Zeitungsagentur
- (Königsstrasse), welche alle Zeitschriften zu Originalpreisen
- anbietet.
-
- Die Kurtaxe zahlt jeder Fremde, der sich länger als 8 Tage
- aufhält, nach vier Ständeklassen. Gewisse Stände sind davon
- befreit, doch zahlen sie wie alle Fremden, die sich länger als
- drei, aber weniger als 8 Tage aufhalten, die Musiktaxe (50 kr.).
-
- =Kuranstalten=: Bäder sind in _Teplitz_: das Stadt-, Kaiser-,
- Stein- und Stefansbad (Eigenthum der Stadt Teplitz), Fürsten-
- und Herrenhausbad (Eigenthum des Fürsten Clary), Sophienbad,
- (Eigenthum der israel. Kultusgemeinde).
-
- _In Schönau_: Das Schlangenbad (dem Kurort Schönau gehörig),
- das Neubad (fürstlich).
-
-Alle in- und ausländischen Mineralwässer sind in der städt.
-Mineralwasserniederlage (Badeplatz) und im Schlangenbad (Schönau) zu
-haben. Das Wasser der Stadtbadquelle, welches bei gewissen Krankheiten
-ärztlich verwendet wird, ist im Kurgarten und im Stadtbad unentgeltlich
-zu haben. Hier sei auch das 54 m lange und 15 m breite Schwimmbassin,
-mit klarem Gebirgswasser gefüllt, erwähnt. Dasselbe befindet sich im
-westlichen Theile des Turnerparkes, etwa 15--20 Min. vom Centrum der
-Stadt entfernt. Der Bau ist in mancher Beziehung sehenswerth.
-
-Die Balneologen rechnen die Teplitzer Thermen zu den chemisch
-indifferenten, d. h. solchen, die wenig fixe oder gasförmige
-Bestandtheile enthalten. Indessen ist das Teplitzer Thermalwasser
-reicher an fixen Bestandtheilen, als andere indifferente Thermen und
-unterscheidet sich besonders dadurch, dass das kohlensaure Natron
-prävalirt. Ueber ihre oft wunderbare heilende Wirkung zu sprechen,
-dürfte nicht hier der Platz sein. Auch ist sie weithin bekannt. Die
-ebenfalls bekannte Katastrophe, die die Urquelle am 13. Feber 1879
-traf, kann, ihr eigentlicher Abschluss mag sein, wie er will, nur die
-Folge haben, dass das Wasser, welches früher selbst herausfloss, jetzt
-aus der Tiefe künstlich hervorgeholt wird.
-
-Diese Hauptquelle speist das Stadt-, Sophien-, Fürsten-, Herrenhaus-
-und Kaiserbad. Ueberhaupt haben alle Quellen in Bezug auf ihren
-stofflichen Gehalt nur wenig Differenzen; sie unterscheiden sich
-hauptsächlich durch ihre Temperatur; so hat die Neubadquelle und die
-Hauptquelle 35° R., die Schlangenbadquelle 31° R., die Stein- und die
-Stefansbadquelle etwa 30° R., die Wiesenquelle (im Stefansbad) und die
-Sandbadquelle (im Steinbad) haben 26° R.
-
-In einigen Bädern wird eine hinreichende Menge gereinigten Moores mit
-Thermalwasser zu einem mehr oder minder konsistenten Brei gekocht,
-und es werden diese Moorbäder auf verschiedene Weise verwendet. Der
-Moor, welcher in der Umgebung von Teplitz (Dreihunken und im Seegrund)
-gestochen wird, besteht aus einem Gemenge einer eigenthümlichen
-humusartigen Säure und in Zersetzung begriffener Pflanzenreste.
-
-Die Benützung der warmen Quellen muss in eine sehr alte Zeit
-zurückgehen. Vielleicht haben schon römische Mercatores da ihre
-Heilung gefunden und haben aus Dankbarkeit der Quell-Nymphe jene
-Silbermünzen dargebracht, die man 1879 daselbst gefunden hat. Nach
-der Christianisirung des Landes verlegt die Sage die Auffindung
-der Quellen auf den 29. August 762 unter der Regierung des Herzogs
-Nezamysl. Die zwei Spitzthürme in der Kirchengasse beim Eingang in den
-Schlossgarten gelten für die ältesten Gebäude von Teplitz. Die Sage der
-Quellenauffindung erzählt eine lateinische Inschrift auf einem in der
-Nähe der Hauptquelle befindlichen Steine; sie ist bekannt: weidende
-Schweine sollen die Quelle aufgewühlt haben.
-
-Im Jahre 1153 erbaute Judith, Gemahlin des Herzogs Vladislav, hier
-ein Benediktiner-Nonnenkloster, welches aber in den Hussitenkriegen
-spurlos unterging. Nach 1544 wurden die ersten zweckentsprechenden
-Bäder erbaut, das Schloss auf dem Schlossberg restaurirt und die
-Schlosskirche gegründet. 1585 nimmt Janusch von Schönberg den Bürgern
-die Bräugerechtigkeit, die bis auf heute Eigenthum der Besitzer
-geblieben ist.
-
-Seit 1653 ist Teplitz im Besitze der Clary-Aldringen. 1848 hörte für
-die Stadt das Unterthänigkeitsverhältniss auf und der Kurort wurde zur
-selbstständigen Stadt.
-
-Der Besuch von Kurgästen und Passanten ist während der Sommersaison (1.
-Mai bis Ende September) ein sehr starker und nimmt stetig zu. (Im Jahre
-1879 über 32.000.)
-
-Es dürfte aber auch kaum einen zweiten Kurort geben, der eine so
-mannigfaltige, an Naturschönheiten überreiche Umgebung aufzuweisen
-hätte und in dieser herrlichen Umgebung soviel interessante Punkte
-bieten könnte, wie Teplitz-Schönau. Es hat in den letzten zwei
-Decennien sich ungemein ausgedehnt; der Handel und die Industrie haben
-einen grossen Aufschwung genommen, so dass ein grosser Theil der Stadt
-dem Badeleben fast ganz entzogen ist. Die zur Aufnahme der Kurgäste
-bestimmten Häuser liegen in der Nähe der Bäder und sind zum grössten
-Theil bequem und elegant eingerichtet. Das gesunde Klima und die
-schöne Umgebung hat viele Fremde, besonders Pensionisten und Rentiers
-zur dauernden Niederlassung in Teplitz bewogen. Die breiten, gut
-gebahnten Wege, die herrlichen wohlgepflegten Anlagen, die Alleen dicht
-belaubter Bäume, dann die Gelegenheit häufiger Vergnügungen und die
-Möglichkeit, alle Wünsche in Bezug auf Liebhabereien und Luxusartikel
-hier befriedigen zu können, machen den Aufenthalt in Teplitz angenehm,
-so dass der Andrang der Passanten und Touristen, wie schon bemerkt,
-jedes Jahr grössere Dimensionen annimmt. Besonders sehenswerth ist
-der _Kurpark_. In seinem nördl. Theile steht das Theater, ein grosser
-Renaissancebau. Es kann etwa 1000 Personen fassen. Unweit ist eine
-Säule, welche eine Uhr, ein Thermo-, Hygro- und Barometer, die
-Quellenanalyse und die täglichen Daten der metereologischen Station
-enthält. Der Säule gegenüber ist die städtische Trinkanstalt. Einige
-Schritte davon steht ein allegorisches Standbild, im J. 1862 zur
-Feier des 1100jährigen Jubiläums der Quellenauffindung errichtet. Am
-südlichen Theile steht das Herrenhaus und daran anschliessend ein
-grossartiger Neubau, _das Gartengebäude_. Im Osten befindet sich
-das Kaiserbad, ein prachtvolles, im altfranzösischen Mansardenstyl
-aufgeführtes Gebäude. Anstossend daran der Kursalon mit dem
-Lesekabinet. Unweit davon ist der Musikpavillon, auch wird in der Nähe
-das Wasser der Urquelle zum Trinken verabreicht.
-
-Durch die Graupnergasse, den Marktplatz und die lange Gasse, die durch
-eine grosse Zahl eleganter Läden sich auszeichnet, gelangt man auf
-den _Schlossplatz_ mit dem fürstl. Claryschen Schlosse (1751 erbaut),
-der Schlosskirche (1568), der Dekanalkirche (um 1700) mit einigen
-künstlerisch werthvollen Altarbildern. Durch das Schloss kommt man
-in den fürstlichen _*Schlossgarten_, ein bescheidener Name für einen
-herrlichen Park, wie ihn nur wenige Städte aufweisen können. Die
-Baumriesen zeigen, dass er schon vor Jahrhunderten angelegt ist. Die
-schönen, breiten, dicht beschatteten Alleen, die reizenden Wiesen mit
-herrlichen Durchsichten und grossartigen Baumgruppen, zwei grosse
-Wasserbassins, die Bemühungen der modernen Gartenkunst, sowie die mit
-den seltensten exotischen Pflanzen gefüllten Treibhäuser, zahlreiche
-Ruhebänke machen ihn zum beliebtesten Aufenthalt. Während der Mittags
-abgehaltenen Concerte ist er der Sammelpunkt von allem, was der Kurort
-an Geschmack, Schönheit und Eleganz aufweisen kann.
-
-Mit dem Kurpark hängt der _Seumepark_ zusammen, ein umgewandelter
-alter Friedhof, mit dem Grabe Seume's (gest. 16. Juni 1810), das
-wohl bald ein würdiges Denkmal haben wird. Daran schliessen sich
-die neuerrichteten _Payeranlagen_, überragt von dem Mont de Ligné,
-(Restauration und reizender Aussichtspunkt). (Pavillon 1831 erbaut; im
-Volksmunde von der Aehnlichkeit »Pfefferbüchse« genannt.) Durch die
-Lindenstrasse, die diese Anlagen begrenzt und in welcher sich eine
-Reihe Badespitäler, darunter das sächsische und preussische befinden,
-gelangt man in den _Kaiserpark_, eine ebenfalls reizende Anlage der
-Neuzeit mit schöner Rundsicht. Man erblickt hier die neue, im streng
-gothischen Style erbaute _kath. Kirche_ von Schönau, das _Stefans-_
-und _Steinbad_, das grossartige k. k. Militärspital und davor den
-Musikpavillon. Anschliessend befinden sich wieder Parkanlagen, und
-zwar die Neubad-Allee, die Humbolds-Anlagen und die mit schönen Villen
-geschmückte Giselastrasse, welche zum _Teplitzer Bahnhof_ führt, einem
-grossartigen Gebäude mit einem pompösen Wartesaal. Vor demselben
-befinden sich auch Gartenanlagen.
-
-Von Gebäuden wären noch zu erwähnen: _Die evangelische Kirche_
-(Elisabethgasse), eine stylvolle Basilika (1861 gebaut). Auf der
-Freitreppe eine _der *schönsten Aussichten_. In derselben Gasse wird
-sich auch der israel. Tempel befinden, der auch ein Monumentalbau
-werden dürfte. In der Jägerzeile steht die Loretto-Kapelle mit der
-fürstl. Claryschen Familiengruft.
-
-
-Spaziergänge.
-
-1. _Die *Königshöhe_ (3 Wege hinauf). Bei dem Monument des langjährigen
-königlichen Freundes von Teplitz, Friedrich Wilhelm III. schöne
-Aussicht.
-
-Sehenswerth ist die _Schlackenburg_ (Restauration und camera obscura),
-ein eigenthümlicher Bau mit vielen kleinen Zimmern, aufgeführt von
-einem einzigen Mann in mehr als 20 Jahren aus Ziegelschlacken und
-Feldsteinen.
-
-Von der Plattform eine der reizendsten Rundsichten über das Thal
-zwischen dem Erz- und Mittelgebirge. Ebenso bieten die Restaurants
-_*Bella vista_ und _*Belvedère_ prächtige Fernsichten. Hier ist auch
-das Schiesshaus der über 300 Jahre alten Schützengesellschaft mit
-einer interessanten Autographensammlung und dem Memorialbuch. An dem
-Vogel- und Scheibenschiessen können sich auch Fremde betheiligen. Nahe
-an demselben wird in dem Kesselhause der Dampf erzeugt, der die im
-Schachte der Urquelle eingebauten Maschinen treibt.
-
-2. _Die *Stefanshöhe_ in Schönau mit einer lohnenden Aussicht über die
-Stadt.
-
-3. _Der Turnerpark_ bei dem mit Teplitz zusammenhängenden grossen und
-wohlgebauten Dorfe Turn, ¼ St. nordwestl. von Teplitz auch zugleich an
-Schönau anstossend. Er hat mächtige Buchen und Eichen und bietet daher
-angenehmen Schatten, ist sehr anmuthig und im englischen Geschmack
-angelegt. Hinter der auf einer Anhöhe stehenden Restauration ist eine
-sehenswerthe Porphyrgruppirung, anschliessend beginnt die Kalkformation.
-
-4. Von da, an der Schwimmschule vorüber und durch den Ort Turn kommt
-man zu einem Promenadenweg, der nach _*Probstau_ (¾ St. nördlich von
-Teplitz) führt. Er ist reich an landschaftlichen Reizen, besonders
-in der Nähe des Angerteiches. Probstau ist wegen seines grossen,
-schattigen Waldparkes und der guten Restauration (Café) immer sehr
-besucht.
-
-5. Vom Schlossplatz, durch die Jägerzeile, beim Mauthhaus links
-und den Berg hinan führt der Weg auf die _*Bergschenke_ (½ St.),
-Restauration mit sehr lohnender Aussicht über das Teplitzer Thal. Die
-zahlreich erwähnten Aussichten unterscheiden sich sehr von einander
-durch die Abwechslung, die sie stets bieten. An die Bergschenke stösst
-der wenig gepflegte Galgenbusch. Verfolgt man den Katharinasteg
-und einen durch zahlreich auf einander folgende rothe Punkte, die
-an Bäumen und Steinen angebracht sind, bezeichneten Waldung, so
-erreicht man die _*Helm's Ruhe_ (nach dem Teplitzer Bürger Anton Helm
-benannt). Man wird hier durch ein herrliches Panorama, das von den
-früheren Aussichten wesentlich verschieden ist, angenehm überrascht
-sein. Der etwa 1000 Schritte von der Restauration (Bergschenke oder
-Bergschlösschen) entfernte 379 m hohe _*Wachholder-Berg_ bietet eine
-grossartige Rundschau. Eine Menge Ortschaften werden durch die Höhen
-des Mittelgebirges und den weiten Bogen des Erzgebirges begrenzt.
-
-Eine wiederum schöne Rundsicht bietet _*der Schlossberg_ (½ St.). Man
-erreicht ihn, wenn man durch Schönau, am Neubad vorbei, eine breite
-Strasse geht, die bis an seinen Fuss führt. Man kann entweder auf
-schönen Promenadenwegen oder der neugebauten, an Serpentinen reichen
-Strasse hinauf gelangen.
-
-Auch kann man die bei dem verfallenen Thore am Fusse befindlichen
-Esel benutzen. Der Berg selbst, eine auf Basalt und Porphyr gelagerte
-Phonolythmasse, wird von einer Burg gekrönt. Ihre Gründungszeit
-ist unbekannt, doch ist wahrscheinlich, dass dieser sowohl zur
-Vertheidigung als zur Beherrschung eines grossen Gebietes eminent
-günstige Ort schon in uralter Zeit befestigt gewesen sei. Am Fusse
-desselben stand das ehemalige Kirchdorf Daubrawitz, jetzt nur ein
-Meierhof, von dem die Burg auch in früherer Zeit den Namen hatte.
-Im Jahre 1585 kam sie in den Besitz der Kinsky, welche sie durch
-holländische Baumeister restauriren und einen Thiergarten anlegen
-liessen, von welchem noch die Thormauer am Fusse erhalten ist. 1615
-erbte sie Wilhelm Kinsky, ein Vetter und Schwager Wallenstein's, der
-in Eger am 22. Febr. 1634 ermordet wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh
-sie mit den Herrschaften Teplitz und Pinsdorf an den General Grafen
-Aldringen, nach dessen Ende (bei Landshut im Gefechte am 20. Juli 1634)
-ging sie an seine Schwester Anna über, vermählte Clary; die Clary's
-hatten mit kaiserl. Rescript vom 24. Mai 1653 Namen und Wappen der
-Aldringen zu führen. Während des dreissigjährigen Krieges war die Burg
-mehrmals im Besitze der Schweden gewesen. Im Jahre 1655 liess sie der
-kaiserliche Hof mit Rücksicht darauf, dass sich leicht Raubschaaren
-dort festsetzen könnten, schleifen und seit dieser Zeit liegt sie in
-Trümmern. Die Restauration, die theils kasemattenartig in die Mauern
-eingebaut ist, theils einen modernen Holzbau bildet, ist als sehr gut
-zu bezeichnen. Die Rundsicht ist prachtvoll. Man sieht einen grossen
-Theil des Mittelgebirges, das den Milleschauer überragt, den Biliner
-Felsen, die Gegend bei Brüx, den ganzen Zug des Erzgebirges mit seinen
-zahlreichen Städten, Flecken und Dörfern, das Kulmer Schlachtfeld und
-die Höhen bei Aussig. Geht man auf der Prager Strasse durch Schönau,
-an der Gasanstalt vorbei bis zu einer Gerberei, biegt rechts um, so
-gelangt man auf einem Pfade in einer halben Stunde südöstlich von
-Teplitz zur Fasanerie (zum Dorfe Zwettnitz gehörig), einem waldartigen
-Park mit hübschen Spaziergängen. In der Försterswohnung eine kleine
-Restauration. Die Aussicht erwähnenswerth.
-
-
-=I. Touren= (in das Mittelgebirge und auf den Milleschauer siehe oben
-von Bilin, beziehungsweise Lobositz aus).
-
-Als besonders bemerkenswerthe Touren empfehlen sich von Teplitz
-aus in der Richtung gegen das anmuthige Bielathal folgende: 1. Man
-geht entweder auf der Strasse über Auperschin (Bielathalbahn) nach
-Welboth (durch die Prager Strasse in Schönau), oder man biegt bei der
-Ueberbrückung des Saubaches durch die Strasse links ab, geht auf einem
-Fahrwege nach Wisterschan, dann an der Schule vorbei und gelangt,
-indem man fort dem Bache nahe zu bleiben trachtet, über Neuhof in ein
-hübsches Thal, an dessen Ende das Dörfchen Kozlike sich befindet; von
-hier geht der Weg nach Welboth. Verfolgt man nun die Strasse nach
-Hertine, so bietet dieses Dorf, unweit der Bielabrücke von Welboth, ein
-reizendes Bildchen. Der es überragende Berg heisst nach einem kleinen
-Dörfchen _der Frauschieter Berg_. Von Hertine (Bahnstation) geht man
-längs der Geleise der Bielathalbahn nach Prosanken. Ein sehr hübscher
-Wiesenweg führt uns nach Tschochau (Station), einem grossen Dorfe mit
-einem Bräuhaus und einigen ziemlich guten Wirthshäusern (besonders
-böhmische Krone; bisher etwa 3 Stunden). In kürzerer Zeit erreicht man
-Tschochau auf dem ebenfalls nicht uninteressanten Wege über Drakowa
-auf der am Fusse des Schlossberges vorbeiführenden Strasse, dann über
-Quikau, Suchey, an dem über 360 m hohen Jedowinberg vorbei über
-Habrzie und Hlinai.
-
-Von _Tschochau_ aus lassen sich mehrere hübsche Partien machen, und
-zwar zunächst nach _Staditz_; schon nach einer kleinen halben Stunde
-kommt man zu dem sogenannten Königsfelde, das noch vor dem Dorfe einem
-Försterhause, zugleich Restauration, gegenüber liegt. Es ist dies wohl
-die älteste Stätte Böhmens, die die Sage nennt. Hier soll das weisse
-Pferd, das Libuša, die Tochter des ersten Tschechenherzogs Krok, zum
-Aufsuchen des Bräutigams ausschickte, den vom Pflügen ausruhenden
-Wladyken Přemysl gefunden und durch Stehenbleiben und freudiges Wiehern
-als den erwähnten Bräutigam bezeichnet haben. Er wurde Stammvater des
-Jahrhunderte lange herrschenden Přemyslidengeschlechtes.
-
-Eine andere Version der Sage erzählt, dass Libuša unter der Führung
-des weissen Pferdes Leute ausgeschickt habe, die den als Bräutigam auf
-den Wyschehrad führen sollten, der auf einem eisernen Tische essen
-würde. Und Přemysl ass sein Brod auf der Pflugschar des umgekehrten
-Pfluges. Die Sage hat manchen verwandten Zug mit den Stammsagen der
-indoeuropäischen Völker. Auf dem Königsfelde, das bis jetzt in dieses
-Jahrhundert steuerfrei gewesen ist (?) und von dessen Haselstaude, die
-aus der von Přemysl gesteckten Ruthe abstammen soll, die Früchte zur
-königlichen Tafel nach Prag geliefert wurden, hat Graf Erwin Nostitz,
-der Besitzer von Türmitz, 1841 ein Denkmal errichten lassen. (Siehe
-Seite 178.)
-
-Es ist das ein, auf zwei Terrassen ruhender grosser Steinwürfel mit
-zwei Reliefdarstellungen, von denen die eine das Zusammentreffen der
-Gesandtschaft, die zweite den Einzug Přemysl's in die Burg Wyschehrad
-darstellt. Sie sind ein Werk von Max. Das Ganze krönt ein eiserner
-Pflug von bedeutender Dimension. Von da führt ein Weg durch das
-malerische Bielathal über das Dörfchen Kosten nach _Türmitz_ (Station
-der Aussig-Teplitzer Bahn), einem recht aufstrebenden Orte mit einer
-grossen Zuckerfabrik. Die ganze Partie beansprucht etwa 5 Stunden.
-
-Eine andere Partie von Tschochau aus ist folgende: Auf der Strasse nach
-_Nabrowan bis Razeine_, von da links ab nach _Dubitz_ und dann bis
-zu dem vom Orte etwa 10 Minuten entfernten Kirchlein. Hier geniesst
-man einen Einblick von seltener Schönheit in das prachtvolle Elbthal.
-Gegenüber hat man die pittoreske Gestalt des Deblikberges, an dessen
-Fusse das Dorf Tirkowitz liegt.
-
-Geht man nun von dem Kirchlein, das Gesicht zur Elbe gewendet, rechts
-ab, so gelangt man auf einem mehrfache hübsche Aussichten bietenden
-Wege zur Eisenbahn- (Staatsbahn) und Dampfschifffahrtsstation
-Praskowitz. (Der ganze Weg von Tschochau etwas über 3 Stunden.)
-Freunden romantischer Aussichten, auf allerdings etwas beschwerlichen
-Wegen, seien die Touren empfohlen von Tschochau über _Suchey_ nach
-_Höben_ und von da entweder über _Qualen_ nach _Salesl_ (Station d.
-Staatsb. und des Dampfschiffes) oder auf das gegenüberliegende Ufer,
-eine kleine ¼ Stunde elbeabwärts nach Sebusein (Station der Nordwestb.
-und des Dampfschiffes). (Der ganze Weg bequem 3 Stunden.) Auch führt
-von Stöben ein Weg, der landschaftliche Schönheiten bietet, über den
-Rücken des _Glaberberges_ und dann in einer Thalsenkung über die
-kleinen Ortschaften Elbogen und Augiesel oder auf der Strasse durch
-den Wald nach Türmitz (2 gute Wegstunden). Der erwähnte Glaberberg
-bildet jene steilen, von den Fahrgästen des Dampfschiffes oft
-bewunderten Wände des Elbthales, die bei dem kleinen Oertchen Wannow,
-dem letzten am linken Elbufer vor Aussig, eine besonders interessante
-Form annehmen, ein Werk der sich mühsam durchbrechenden Wässer. Sie
-sind unter dem Namen Wannower Wände oder Felsen bekannt. Den Endpunkt
-dieses mächtigen Bergrückens bildet die Ferdinandshöhe 205 m hoch bei
-Aussig, ¼ St. entfernt, eine der prachtvollsten Aussichten weit über
-das Elbthal bietend; die geringe Mühe des Aufstieges ist durch dieses
-liebliche Panorama wohl belohnt. (Siehe Aussig!) Endlich sei noch einer
-an landschaftlichen Reizen reichen Tour gedacht: _von Tschochau über
-Nabrowan nach Razeine_. Hierauf verfolge man einen in oos. Richtung
-gehenden Pfad, der bei dem letzten Wirthshause rechts von der Strasse
-ablenkt. Man gelangt nach einigem Steigen zu einer coulissenartigen
-Digression des Bergzuges, welche ebenfalls einen herrlichen Ausblick
-über ein anderes Stück des Elbthales bietet, gegen Lobositz,
-Theresienstadt und den lang gedehnten Rücken des Radobil am anderen
-Ufer.
-
-Wer Zeit hat, mache den sehr lohnenden Umweg über das Dörfchen
-Padloschin. Er wird, von hier nach Norden auf dem Fahrwege abbiegend,
-eine lohnende Augenweide finden -- einen Blick in das tiefliegende
-Elbthal. Dann geht es ohne besondere Schwierigkeiten nach Praskowitz
-herab. Bemerkt sei noch, dass es von hier einen an hübschen
-Perspectiven reichen Weg nach Leitmeritz (2½ St.) gibt und zwar über
-das Praskowitz gegenüber liegende Libochowan und Kamaik.
-
-2. _Von Teplitz nach Kostenblatt._ Es sind dahin 2 Wege. Auf dem
-einen gelangt man, wenn man an dem Kesselhause der Stadtbadquelle,
-zwischen der Königshöhe und dem Schlossgarten durchgeht, den Weg bis
-an das Eck des letzten verfolgt und, dann links abbiegend, durch den
-sogenannten Lipnaibusch, wo sich eine Einsiedelei befand, jetzt
-alles verwildert, fortgeht, eine Gruppe alter Eichen bleibt links --
-bis in das Dörfchen Pittling. Darauf steigt man nach Welbine herab,
-und der Weg geht über die nahe an einander liegenden Orte Liessnitz,
-Ratsch, Webeschan und Welhenitz nach Kostenblatt. Hier beim Düwock
-ein Gasthaus. Das Schloss, dem Grafen Czernin gehörig, ist ein Neubau
-aus dem Jahre 1864. ¼ St. vom Dorfe liegt die hochinteressante
-Ruine Kostenblatt, 570 m hoch, wohl eine mit von den schönsten des
-Landes. Aus ihrer reichen Geschichte sei erwähnt, dass sie von einem
-sagenhaften Kostomlat gegründet, im Jahre 1350 einem Ritter Žerotin
-gehörte, dessen Nachkommen noch in Mähren leben. Von 1422 an war die
-Burg Eigenthum des deutschen Ordens, dessen letzter böhmisch-mährischer
-Landcomthur Albrecht von Duba sich hierher zurückzog (1422--30).
-Der hussitischen Berennung widerstand die Burg mit Erfolg. Doch
-eroberte sie 1434 Jakoubek von Wřesowitz und zerstörte grösstentheils
-die Befestigungen. Georg von Podiebrad, dessen Familie -- früher
-von Kunstadt, später von Podiebrad genannt -- sie nachher gehörte,
-verbrachte hier einen Theil seiner Jugend. Nach der Schlacht am weissen
-Berge wurde sie dem letzten Besitzer Ulrich Kostomlacky von Wřesowitz
-confiscirt und gelangte schliesslich in den Besitz der gräfl. Familie
-Ledebour, der sie bis jetzt angehört. Die Aussicht vom Wartthurm, auf
-den eine bequeme Wendeltreppe hinaufführt, ist überaus lohnend. Man
-übersieht den weiten Bogen des Erzgebirges und die dazwischen liegende
-Ebene; die dichtbewaldeten Kuppen des Mittelgebirges in wechselnder
-Form heben sich kräftig von dem in nebelhafter Ferne verschwindenden
-Hintergrunde ab. Nicht vergessen sei die kleine Restauration daselbst.
-3. Ein _anderer_ Weg nach Kostenblatt (etwa 2½ St. lang, reicher an
-Abwechslung, geht von Teplitz auf der Bilinerstrasse bis Kradrob.
-Fussgänger können hier bei der Schmiede links einbiegen und gelangen
-auf einem Wege nach Křemusch (1 St. von Teplitz). Hier ist ein schönes,
-dem Grafen Ledebour gehöriges Schloss mit einem prächtigen Parke.
-Ein angenehmer Fahrweg führt aus dem Parke zur Teufelsmauer, einer
-wildromantischen Partie des Bielathales. Es ist das ein steiler, durch
-Basaltlava gebildeter Abhang. Von hier eine schöne Aussicht über das
-Bielathal.
-
-Von Křemusch hat man nach Kostenblatt zwei Wege, einen näheren
-über Dollanken, Wohontsch (Station der Bielathalbahn, eine kleine
-halbe Stunde von Křemusch), Niemetschen, Poratsch und Aupoř, reich
-an herrlichen Ausblicken über ein stets wechselndes Panorama nach
-Kostenblatt (etwas über 1 Stunde). Der weitere Weg führt von Křemusch
-über Hostomitz nach Schwatz (½ St.) (Station Schwatz-Kuttowitz), dem
-Mensalgute des Prager Erzbisthums. Der einst berühmte Schlossgarten
-ist sehenswerth. Die ganze Gegend wird Geologen und Mineralogen
-viel Interessantes bieten. Eine grossartige Rundschau bietet der
-Basaltkegel hinter dem Dorfe, der sogenannte Paraplüberg. Von Schwatz
-geht der Fahrweg in 1 St. nach Kostenblatt. Von da aus kann man noch
-folgende interessante Touren machen. 1. Durch anmuthige Wälder über
-Milleschau am Fusse des davon benannten Milleschauer nach Wellemin (2
-St.) zu dem reizenden _Wopparna-Thale_. Bei Kleintschernosek kommt
-man heraus und vergesse nicht hier in der ureigentlichen Heimat des
-berühmten Weines eine diesbezügliche Quellenstudie zu machen. Indess
-hat es in der neuesten Zeit damit einige Schwierigkeiten, aber damit
-soll ja jedes Quellenstudium verbunden sein. 2. Nach Radowesitz (¾
-St.), dann weiter auf der über Trebnitz (am Fusse des Kostial) nach
-Lobositz führenden Strasse bis zu einem rechts befindlichen Hegerhause
-(keine Restauration) (etwa 1½ St.). Von hier geht durch eine Rodung
-ein in seinem letzten Drittel etwas steiler Weg auf den altehrwürdigen
-Radelstein. Ich sage altehrwürdig, denn es bestand hier eine uralte
-Culturstätte. (Siehe von Bilin aus! Retour nach Bilin und von da mit
-der Bahn nach Teplitz.)
-
-
-II. Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge.
-
-Hier sei von der im Süden des Erzgebirges gelegenen Ebene nur jener
-Theil in Betracht gezogen, der von Teplitz nördlich liegt. Etwa von
-Kulm schrumpft sie in ein mehr oder minder schmales Thal zusammen,
-in welchem sich bis Bodenbach das Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn
-befindet und soweit erstreckt sich auch dieses Thal. In der Ebene ist
-die Braunkohlenformation vorherrschend, fast ausschliesslich in ihrem
-westlichen Theile. Im östlichen Theile treten allmählich und mit dem
-ansteigenden Terrain desto mehr zusammenhängend Basalt, basaltische
-Tüffe und Conglomerate, Phonolithe und Trachit, aus welchen das
-zwischen dieser Ebene und dem Elbthale sich erhebende Gebirge besteht,
-welches daher auch im Allgemeinen den Charakter des Mittelgebirges
-trägt.
-
-In der Ebene erblickt man daher zahlreiche Kohlenwerke und infolge
-des Reichthums an Kohle sind hier zahlreiche Industrie-Etablissements
-entstanden, so dass diese Gegend zu den bevölkertsten und productivsten
-Gebieten unseres Vaterlandes gehört.
-
-Doch hat sie auch noch ein anderes Interesse. Sie ist »ein Tanzplatz
-des blutigen Ares.« Es sind seit den ältesten Zeiten hier viele blutige
-Schlachten geliefert worden. Schon 1040 besiegte hier der Herzog
-Břetislav die von Meissen kommenden Truppen des deutschen Kaisers
-Heinrich II. Im J. 1126 umzingelte Herzog Soběslav die vereinigten
-Heere des Königs Lothar und des Markgrafen Otto von Meissen. Diese
-erlitten hier eine schwere Niederlage. Nach deutschen Quellen fielen
-hier über 270 Grafen und Edle. Der Grossmuth Soběslav's verdankte
-Lothar den freien Abzug. Das Treffen fand am Sernitzbache statt, der,
-im Erzgebirge entquellend, bei Kulm und Karbitz vorbeifliesst und
-unweit von Aussig in die Biela mündet. Viel blutiger aber war die
-Schlacht am 16. Juni 1426. Die Hussiten hatten unter Prokop auf dem
-niedrigen, zwischen Karbitz und Türmitz sich hinziehenden Bergrücken,
-der Bihana, ihre Wagenburg errichtet. Das Kreuzheer der Deutschen
-rückte durch die Pässe des Erzgebirges herein und griff die Hussiten
-an. Die wehrten den Angriff ab und gingen nun selbst vor. Es entstand
-nun ein furchtbares Gemetzel. Die Hussiten wüthend darüber, dass
-man auf ihr Ansuchen, am Sonntag die Waffen ruhen zu lassen, nicht
-eingegangen war, gaben keinen Pardon. Die Biela soll, wie eine Chronik
-meldet, an diesem Tage roth zur Elbe geflossen sein. 15.000 Theilnehmer
-des Kreuzzuges deckten die Walstatt. Bei einem Baume auf der Bihana
-zeigt man das sogenannte Blutloch, wo 14 sächsische Heerführer den
-Tod fanden. Aussig wurde vernichtet und lag 3 Jahre öde. Eine grosse
-Zahl von Burgen und Schlössern, viele Klöster sanken in Ruinen. Und
-noch einmal sollte dieser Boden mit Blut gedüngt werden. Am 27. Aug.
-1813 hatte Napoleon die Verbündeten bei Dresden geschlagen und diese
-zogen sich zum Theil in die Pässe des Erzgebirges zurück und zwar Fürst
-Schwarzenberg über Dippoldiswalde und Altenburg, Ostermann und Barcley
-auf der über Peterswalde nach Teplitz führenden Strasse. Vandamme
-sollte sie mit 30.000 Mann verfolgen und die Niederlage vollständig
-machen. Am Tage der Dresdner Schlacht war er von Pirna aufgebrochen und
-drängte den russischen General Ostermann-Tolstoi über die Nollendorfer
-Höhe in die Ebene herab. Ostermann, die grosse Gefahr der Verbündeten
-sehend, suchte mit seinem Häuflein Russen, etwa 8000 Mann, die
-Franzosen so lange aufzuhalten, bis sich die Preussen und Oesterreicher
-genähert hatten. Am 29. August hielt er, trotzdem ihm eine Kanonenkugel
-den linken Arm zerschmettert hatte, Stand, bis endlich Abends 6 Uhr
-Schwarzenberg ihm Hilfe schickte. Vandamme besetzte Kulm und erwartete
-Hilfe von Napoleon. Der aber theils im Glauben, dass Vandamme stark
-genug sei, theils mit dem neuen Plane umgehend, die Nordarmee unter
-Bernadotte anzugreifen, schickte sie nicht. Am 30. August stand daher
-die Sache für die Franzosen ungünstig. Die beiden Divisionen des
-Generals Colloredo hatten sich mit den Russen vereinigt und längs
-der ganzen Strasse von Pristen an bis Arbesau wogte die Schlacht.
-Die russische Angrifflinie ging vom Fusse des Gebirges über die
-Kulmerstrasse von Pristen bis gegen Karbitz, die österreichische von
-da bis gegen Deutsch-Neudörfel, Graf Colloredo hatte die Franzosen
-umgangen und durch einen brillanten Angriff von der Střisowitzer Höhe
-herabgedrängt. Die Preussen standen bei Arbesau. Mit welcher Heftigkeit
-gekämpft wurde, konnte man an einem mässig starken Baume bei Kulm
-sehen; er war von 60 Kugeln durchlöchert. Um 11 Uhr erschienen die
-Preussen unter Kleist, besetzten die Peterwalderstrasse und griffen die
-Franzosen an. Alle ihre Versuche, die Nollendorfer Höhe zu stürmen,
-scheiterten. Die Reiterei unter Corbineau entkam allein. Nachdem sie
-mit ausgezeichnetem Muthe gefochten, Vandamme war selbst verwundet,
-mussten sich 10.000 Mann ergeben; 5000 lagen todt oder verwundet auf
-dem Kampfplatze. Die Vernichtung eines ganzen französischen Corps,
-die Gefangennahme eines erfahrenen und tapferen Generals (Vandamme,
-einer der fähigsten und energischesten Generale Napoleons, geb. 5.
-Nov. 1771 in Kassel, war 1799 bereits Divisionsgeneral, wurde nach
-seiner Gefangennahme nach Sibirien verbannt, kehrte 1815 zurück und
-starb, ohne mehr eine Anstellung zu bekleiden, den 15. Juli 1830 in
-Kassel), erfüllte die Verbündeten mit neuen Hoffnungen. Für Napoleon
-war diese Niederlage, sowie fast gleichzeitig verlorene Schlacht
-an der Katzbach der Anfang in der verhängnissvollen Wendung seines
-Schicksals. Der Sieg wurde in Teplitz, von wo am 31. Aug. der Bericht
-in den Zeitungen veröffentlicht wurde, am 1. und 2. Sept. gefeiert.
-Doch war noch nicht hier alle Gefahr beseitigt. Denn auf den Höhen des
-Erzgebirges kam es zu neuen Gefechten. Napoleon zog einen grossen Theil
-der Truppen zusammen und suchte über Nollendorf in Böhmen einzufallen.
-Der wichtigste Tag war der 17. Sept. Die Franzosen waren bis Arbesau
-vorgedrungen, Napoleon war in Nollendorf auf dem Kirchthurme; später
-wurde ein Pferd unter ihm verwundet. Doch wurden seine Truppen
-verdrängt und in grösster Unordnung zurückgeworfen, General Kreutzer
-mit 2000 Mann gefangen. Hiebei zeichneten sich besonders Oesterreicher
-unter Feldzeugmeister Grf. Colloredo-Mansfeld aus. Teplitz war während
-dieser ganzen Zeit das Quartier der alliirten Monarchen. Kaiser Franz
-wohnte im Schlosse, Kaiser Alexander im »goldenen Kreuz«, König
-Friedrich Wilhelm im »Herrenhaus«. General Ostermann, der zuerst am
-Schlachtfeld, ungefähr an der Stelle, wo jetzt das russische Monument
-steht, amputirt wurde, lag im Hause Nr. 181 »Zur goldenen Brücke«,
-wo er nochmals operirt und glücklich hergestellt wurde. Im Teplitzer
-Thale hatte sich nun das ganze Hauptheer der Verbündeten an 200.000
-Mann gesammelt, um Anfangs October gegen Leipzig aufzubrechen. Es sei
-aus dieser Zeit noch zweier Tage erwähnt. Am 9. Sept. 1813 wurden im
-Teplitzer Schlosse die Freundschafts- und Allianz-Tractate zwischen
-Oesterreich, England, Russland und Preussen unterzeichnet und
-ratificirt. Am 27. Sept. wurde der Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser
-Alexanders gefeiert. Die russische Garde hatte in Turn im Hause Nr. 37
-einen Saal für 300 Personen errichtet; an dem Festmahle nahmen die drei
-Monarchen, sowie die Spitzen der Diplomatie und der Heere Theil.
-
-Mehr wie ein halbes Jahrhundert hat die Spuren des Krieges verwischt,
-aber jeder wird der gefallenen Helden gedenken, wenn seine Blicke
-den Denksäulen begegnen, die in dankbarer Verehrung den Kämpfern
-jener Tage errichtet wurden. Sie stehen alle an der Strasse, die von
-Teplitz über Kulm nach Peterswalde führt. Das nächste, etwa 1½ St.
-von Teplitz entfernte ist das russische, unweit von Pristen, welches
-auch in künstlerischer Beziehung das hervorragendste ist. Auf einem
-Granitsockel erhebt sich das Fussgestell, welches die 9 Fuss hohe
-Nachbildung der in Brescia aufgefundenen geflügelten Siegesgöttin
-Victoria trägt. Die Vorderseite hat eine lat. Inschrift, welche das
-Factum vom 28. Sept. 1813 berichtet, die der Rückseite gibt den Tag
-der Grundsteinlegung (am 29. Sept. 1835) und die Namen der Monarchen,
-welche Zeugen dieser Feierlichkeit waren, die zweite und vierte Seite
-enthalten ebenfalls lat. Widmungsinschriften, ohne, wie mehrfach in
-Führern zu lesen ist, die Namen russischer Krieger aufzuführen. Um das
-Monument ist ein kleiner Garten; der in dem dabei befindlichen Häuschen
-wohnende Veteran ist der Custos.
-
-Gleich hinter diesem Monument sieht man ein von der Strasse in einer ¼
-St. erreichbares Wäldchen. Das ist eine sehr denkwürdige Stelle. Denn
-selbst eine geraume Zeit nach der Schlacht stellte es sich heraus,
-dass im Waldgebirge, auf allen Feldern, in Schluchten und Abgründen
-eine Menge Schädel und Gebeine der Gebliebenen fast zu Tage lagen. Da
-liess Josef Graf Westfalen durch hunderte von Arbeitern alle diese
-menschlichen Ueberreste sammeln und in einem grossen gemeinsamen Grabe
-feierlich beerdigen. Es steht dort über Felsenstücken ein Steinkreuz
-und an seinem Fusse liest man die Worte:
-
- Hier ruhen die in den nahen Wäldern in neuerer Zeit noch
- aufgefundenen Schädel und Gebeine von den an den Schlachttagen
- 1813 Gebliebenen.
-
- Sie ruhen im Frieden. 1835.
-
-Die feierliche Einweihung geschah erst am 26. Aug. 1836.
-
-Von hier erreicht man bald Kulm[3] selbst. Hier ist ein Schloss
-der Grafen Westfalen. Das Dorf hat etwa 120 Häuser und gegen
-700 Einwohner. Als Gasthäuser sind die Morgenröthe und Gürtlers
-Gastwirthschaft zu empfehlen. Nachdem in den Schlachttagen der ganze
-Ort fast in Flammen aufgegangen war -- es blieben nur die Kirche,
-das Pfarrgebäude und wenige Häuser verschont -- ist er in seiner
-jetzigen Gestalt grösstentheils neu erbaut. Sonntag am 29. Aug. 1813
-ging es hier gar fröhlich zu. Vandamme hielt offene Tafel, der hier
-vorgefundene Wein floss in Strömen. »Jeudi, messieurs nous dinerons
-à Prague«, rief er seinen Offizieren zu. Es erfüllte sich die
-Prophezeiung, er kam bald nach Prag, aber als Gefangener. Der Hügel
-nördlich von Kulm bietet eine hübsche Aussicht, aber nicht nach allen
-Seiten, und trägt die im J. 1691 errichtete Dreifaltigkeitskapelle.
-
- [3] Station der Dux-Bodenbacher Bahn, etwas über 20 Min. vom
- Bahnhof entfernt, vom Karbitzer Bahnhof 1 Stunde.
-
-Auf derselben Strasse den Weg fortsetzend, gelangt man nach etwa einer
-halben Stunde zu dem links von der Strasse stehenden preussischen
-Monumente. Es ist einfach und anspruchslos, auf einem Piedestal erhebt
-sich eine Spitzsäule,[4] die von einem eisernen Kreuze gekrönt wird.
-Die kurze Inschrift lautet: Die gefallenen Helden ehret dankbar König
-und Vaterland. Sie ruhen im Frieden. Kulm, 30. Aug. 1813. Es wurde vom
-preussischen Könige Friedrich Wilhelm III. errichtet und am 30. Aug.
-1817 feierlich enthüllt. Es ist daher das erste Monument. Rechts von
-der Strasse liegt der Ort Arbesau mit etwa 400 Einwohnern in gegen 70
-grösstentheils neu gebauten Häusern. Einige Schritte auf der Chaussee
-weiter, an dem Invalidenhäuschen und dem Wirthshause zur Post vorüber,
-erblickt man rechts an der Strasse das österreichische Monument. Es
-ist 54 Fuss hoch und stellt eine auf gemauertem Piedestal stehende
-vierseitige Pyramide vor, deren Spitze der österreichische Doppelaar,
-einen Lorbeerkranz haltend, schmückt.
-
- [4] Im Jahre 1857 wurde das Monument erhöht und man sieht nun
- das Brustbild Friedrich Wilhelms III. und den preussischen
- Adler.
-
-Am Fusse der Pyramide liegt der böhmische Löwe. Der unterste Würfel
-trägt folgende Inschriften:
-
- Vorn:
-
- Den Feinden furchtbar,
- den Seinen theuer.
-
- Rechts: Das österreichische Heer einem seiner Führer auf dem
- Felde des Ruhmes.
-
- Hinten: Arbesau, am 17. Sept. 1813.
-
- Links: Dem Vaterlande und seinen Freunden zu früh entrissen.
-
-Weiter befinden sich am untern Theile der Pyramide folgende Basreliefs
-und Inschriften:
-
- Vorn: Das Bildniss des Verewigten mit der Umschrift:
-
- Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld,
- k. k. General-Feldzeugmeister.
-
- Rechts: Geboren den 30. März 1775.
-
- Hinten: das gräfliche Wappen.
-
- Links: Gestorben den 23. Juli 1822.
-
-Eine Balustrade umgibt das Piedestal.[5]
-
- [5] Es sei noch erwähnt, dass Graf Colloredo unweit des
- Denkmals ein Pferd unter dem Leibe verlor.
-
-Es ist das Denkmal vom österr. Heere errichtet und am 17. Sept., dem
-Tage der Schlacht von Arbesau -- nicht zu verwechseln mit der Schlacht
-bei Kulm -- im Jahre 1825 eingeweiht worden.
-
-In einer kleinen Entfernung davon befindet sich noch ein Denkmal, und
-zwar am Bache auf dem freien Felde. Ein grosser unbehauener Felsblock
-trägt ein 5 Fuss hohes eisernes Kreuz. Es ist das ein Andenken an den
-am 30. Aug. 1813 gefallenen preussischen Major von Röder. Das Gitter am
-Eingang trägt das Wappen des Verstorbenen.
-
-Das wären alle Denkwürdigkeiten der Ebene. Die am Fusse des Erzgebirges
-liegenden Orte sind bei diesem erwähnt.
-
-
-III. Das Erzgebirge und das Quadersandsteingebirge.
-
-(Von _Niklasberg_ bis zum _Elbethal_.)
-
-Diese beiden Gebirgssysteme sind geologisch wesentlich verschieden und
-bieten daher landschaftlich ganz andere Bilder. Als Grenze zwischen
-beiden kann man die von Königswalde über Tyssa nach Raitza führende
-Strasse im allgemeinen gelten lassen.
-
-Das Erzgebirge hat hier keine Vorberge gegen die Ebene mehr. Die
-Längenthäler hören ganz auf, die Querthäler werden oft schluchten- oder
-passartig und führen auf das Plateau hinauf. In Beziehung auf die Höhe,
-die am östlichsten Ende des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswald
-bis zu 630 m. herabsinkt, sowie auf die Mannigfaltigkeit der Gliederung
-steht dieser östliche Theil dem westlichen weit nach und je weiter man
-ostwärts schreitet, desto grösser wird die Einförmigkeit, sowohl in
-geologischer als orographischer Beziehung.
-
-Es zerfällt dieser Theil des Erzgebirges in zwei Gebiete. Das
-des Porphyrs (desselben wie in Teplitz) von der Niklasberger bis
-etwa zur Mückenberger Strasse, und das des Gneises, von hier bis
-zum Quadergebirge. Doch findet sich Granit vor im Norden von
-Ebersdorf und bei Sellnitz, der Spitzberg nördlich von Schönwald ist
-merkwürdigerweise ein Basaltkegel.
-
-In touristischer Beziehung gehört dieser Theil zu den dankbarsten
-Gebirgen. Man findet da herrliche Thäler mit schönen Wiesen und
-bewaldeten Abhängen, schattige Wälder, reizend gelegene Ortschaften;
-besonders anziehend sind die häufigen stets wechselnden grossartigen
-Aussichten auf die Ebene mit ihren vielen Städten und Dörfern,
-Feldern und Eichen und immer ist dieses Bild durch den Hintergrund
-des gipfelreichen Mittelgebirges abgeschlossen. Die Wanderung ist
-eine leichte, eine grosse Zahl guter Strassen und Wege bietet sich
-dar. Auch für Unterkunft ist gesorgt, man findet in den weit sich
-hinziehenden Wäldern bald Forsthäuser, die allerlei Erfrischungen im
-Vorrath haben, bald erreicht man grosse Dörfer mit verschiedenartigen
-Industrien. Diese haben Gasthäuser, in denen man das Nothwendige für
-Ruhe und Erquickung vorfindet. Eine besondere Annehmlichkeit bietet
-die längs des ganzen Gebirges sich am südlichen Abhange dahin windende
-Dux-Bodenbacher Eisenbahn, man hat eine leichte Verbindung mit den
-grösseren Städten (Teplitz, Brüx, Aussig, Bodenbach). Aber auch das
-Plateau hat seine Reize, hier seien vorläufig nur erwähnt die weiten
-Ausblicke in das Sachsenland. Und schliesslich hat noch das Erzgebirge
-auch in diesem Theil etwas vor den anderen Gebirgen Deutschlands
-voraus: ein fleissiges Volk wohnt da, jedes Dörfchen, jedes Städtchen
-ist die Stätte ununterbrochenen Gewerbfleisses.
-
-Von Teplitz aus dürften sich folgende Touren am besten empfehlen:
-
-
-I. Nach Kosten und Niklasberg.
-
-Kosten erreicht man am bequemsten, wenn man von Teplitz per Bahn
-(Dux-Bodenbacher Bahnhof eine ¼ St. von der Stadt auf der Eichwalder
-Strasse) dahin fährt, da die hinführenden Wege nur wenig Interessantes
-haben. Die Station Kosten beim Orte selbst. Man gehe durch den Ort zu
-der schon von weitem sichtbaren neuen Kirche zu, der Weg bietet eine
-hübsche Aussicht auf das Gebirge und die Ebene. Unweit der Kirche ist
-der Eintritt in den Park; die gerade ausführende Strasse führt über
-Doppelburg nach Eichwald (1 St.), ein sehr zu empfehlender Weg, der
-eine Fülle von schönen Waldpartien, Durchsichten, Wiesen bietet, und
-speciell sei hier einer altehrwürdigen Eiche mit gewaltigen weithin
-ragenden Aesten gedacht. Das Jagdschloss, dem Fürsten Lobkowitz
-gehörig, hat eine sehr anmuthige Lage. Die an der Wegtheilung links
-abgehende Strasse führt nach Niklasberg (1½ St.). Um nun zu dem
-prachtvollen, aber wenig bekannten Aussichtspunkte _Wolfstein_ zu
-kommen, verfolge man diese Strasse von Kosten aus fort immer gerade
-aus. Nach einer ½ St. erreicht man das in Waldeseinsamkeit versteckte
-Forsthaus Fuchshütte oder Fuchswarte, wo Erfrischungen zu haben sind.
-Bisher können Wägen fahren. Wenn man auf einem ziemlich steilen Wege
-etwa 20--30 Min. aufwärts gestiegen ist, achte man auf einen links
-abgehenden schmalen, aber ausgetretenen Pfad. Schon nach wenigen
-Minuten hat man die merkwürdige Porphyrformation des Wolfssteines vor
-sich.
-
-Eine kleine Holzhütte bietet Ruhe und Erholung.
-
-Die Aussicht von hier wird von Vielen jener vom Mückenthürmchen
-gleichgestellt. Man überblickt ein weites wechselvolles Panorama. Im
-Norden und Osten ein herrlicher Wald, der sich stundenweit an den
-Abhängen des Erzgebirges hinzieht, und den kein anderer Aussichtspunkt
-in solcher Masse überblicken lässt. Gegen Süden und Westen die Ebene
-mit allen ihren oft schon erwähnten Schönheiten, die den Blick auf sie
-immer neu und immer reizend machen.
-
-Darauf geht es zurück auf jenen Weg, der dann nach etwa ¼ Stunde auf
-eine Strasse trifft. Geht man nun nach links, erreicht man in einer
-halben Stunde Niklasberg, nach rechts führt die Waldstrasse in etwa 1
-Stunde nach Eichwald.
-
-Niklasberg ist eine auf einem Abhange gebaute Bergstadt, die ehemals,
-als noch der Silberbergbau sich lohnte, sehr wohlhabend war. Heute
-leben die Einwohner (etwa 600) zumeist von der Oekonomie. Das
-vorzüglichste Gasthaus ist das zum Rathhaus mit guter Unterkunft.
-Empfehlenswerthe weitere Touren von hier sind:
-
-1. Nach _Zaunhaus und Rehefeld_ (königl. sächsisches Jagdschloss). Der
-Weg, reich an landschaftlichen Schönheiten, geht rechts von der aus
-Niklasberg nach Neustadt über die Grenze -- nächster grösserer Ort in
-Sachsen ist Frauenstein (3 St.) -- führenden Strasse. Man steigt unweit
-der Stadt (keine Viertelstunde) rechts auf den Hügel an der Strasse.
-Die Partie über Rehefeld nach Altenberg oder Geising (beides sächsische
-Städte mit guter Unterkunft) beträgt etwa 3 St.
-
-2. Zum _Jagdschloss nach *Eichwald_ (2 St.). Der Weg dahin ist eine
-etwa 20 Min. steil aufsteigende, zerfahrene Waldstrasse. Später bietet
-sie eine grossartige Aussicht über den waldigen Abhang in die Ebene.
-
-3. Nach _Klostergrab und Kosten_ durch den sogenannten _Hüttengrund_.
-Es ist das ein sehr anmuthiger, von einem starken Bache durchrauschter
-Thalweg.
-
-An seinem Ende eine gute Restauration. Von Niklasberg nach Kosten etwa
-1½ St., so dass die ganze Tour über den Wolfsstein sich bequem in 4
-Stunden machen lässt.
-
-
-II. Nach Eichwald-Doppelburg-Zinnwald.
-
-Von Teplitz führt nach Eichwald eine gute Strasse in 1 Stunde an
-Zuckmantel vorbei, dessen Bessemerstahlwerk besichtigenswerth.
-Auch zahlreiche Omnibusse stellen die Verbindung her mit diesem
-aufstrebenden klimatischen Kurorte. Ein anderer, etwas längerer Weg,
-der mehr Abwechslung bietet, führt durch die Orte Weisskirchlitz (auch
-über Turn) und Wistritz an mehreren grossen Industrie-Etablissements
-vorbei.
-
-_Eichwald_ -- der lohnendste und beliebteste Ausflugsort von Teplitz
-aus -- erstreckt sich mit seinem oberen Theile tief in das Erzgebirge
-hinein. Einen besonderen Reiz gewähren die zahlreichen Aussichtspunkte,
-die immer wechselnde Bilder zeigen, sowie die sich weit hinziehenden
-wenig oder nur sanft ansteigenden Spaziergänge durch die schattigen und
-duftenden Waldungen, wo man eine würzige und kräftigende Luft athmet.
-
-Die Zahl der zur Aufnahme von Kurgästen vollkommen eingerichteten
-Kurhäuser und der geschmackvollen Villen im steten Zunehmen begriffen.
-
-Kuranstalten sind die von Dr. Brecher vorzüglich geleitete
-Kaltwasserheilanstalt und das im Jahre 1879 erbaute grossartige,
-musterhaft eingerichtete Theresienbad. Beide bieten verschiedenartige
-Bäder nach medicinischen Vorschriften.
-
- =Restaurationen= und =Gasthöfe=: Das Waldschlösschen,
- Waldesruhe, Dankbarkeit und Theresienbad. Besonders kann das
- letzte eine grosse Zahl Fremder aufnehmen. Die Preise sind im
- Ganzen dieselben, wie in Teplitz. Die Kurtaxe beträgt 2 fl. per
- Person.
-
- Ein =Post- und Telegraphenamt= ist ebenfalls im Orte.
-
- Besuch von Kurgästen (bis über 600 oft aus weiter Ferne) sowie
- der Touristenverkehr sind im steten Aufsteigen begriffen.
-
-Um die Hebung des Ortes hat sich besonders verdient gemacht der
-bekannte Industrielle Anton Tschinkel aus Lobositz, der auch im unteren
-Theile des Ortes eine grosse Siderolithwaarenfabrik besitzt.
-
-Partien von Eichwald aus.
-
-In der unmittelbaren Umgebung, östlich von der Hauptstrasse:
-
-1. _Der Mühlberg_ mit einem »Tempel«, der eine grossartige Fernsicht
-bietet.
-
-2. _Der Vogelherd_ (auch Schlichtelberg), dessen Aussicht deswegen
-interessant ist, weil man keine Häuser, sondern nur weite Bergrücken
-mit prachtvollen Waldungen überblickt.
-
-3. _Der Parapluieberg_ (nur ein kleiner Hügel), ein angenehmer
-Ruhepunkt.
-
-Westlich von der Strasse auf _den Rehberg_.
-
-4. _Die Manfredterrasse_, von der man das ganze Eichwalder Thal mit
-seinen Villen und Wohnhäusern übersieht.
-
-5. Die _Franz Josef-Terrasse_ (Restauration) mit einem weiten Ausblick
-in die Ebene.
-
-Weitere Touren sind:
-
-_a_) _*Doppelburg_ (½ St.), ein 1703 im chinesischem Geschmacke
-erbautes Jagdschloss in der Form eines achteckigen Sternes, dessen
-Spitzen ebensoviel in den Wald gehauenen Alleen entsprechen. Die
-Restauration unter hohen Bäumen vor einer Wiese. In ihrer Nähe immer
-einige Hirsche, die durch Gewohnheit so zahm geworden sind, dass sie
-sich dargereichtes Brod aus der Hand holen.
-
-_b_) _*Schweissjäger_ (20 Min.), ein mitten im Walde gelegenes
-Försterhaus mit prachtvoller Fernsicht (Restauration).
-
-_c_) Das fürstliche _Lobkowitz'sche Jagdschloss_, auch _Jagdhaus_
-genannt (1½ St.). Man geht auf der Strasse von Eichwald gegen Zinnwald
-bis zu der Lobkowitz'schen Brettmühle, von hier geht links eine Strasse
-ab, die hinauf führt. Das Forsthaus liegt sehr hübsch, die Aussicht
-lohnend. Der eigentliche Aussichtspunkt liegt etwa ¼ St. weiter, dürfte
-aber gegenwärtig verwachsen sein.
-
-_d_) _Der *Seegrund_, eine angenehme Waldpartie, die für den Geologen,
-Naturforscher und Forsttechniker manches Interessante haben wird. Man
-geht auf der Zinnwalderstrasse bis zur Försterei Seegrund (auch eine
-Mühle und Restauration) (von Eichwald 1½ St.) hier links ab durch
-einen Durchschlag bis zu dem Moorgrund (gegen 2 St. Umfang), wo die
-Mooskiefer in dem Torf- und Moosboden gedeihlich wächst.
-
-Dass solche Moore kolossale Wasserreservoire sind, sei als bekannt hier
-nur erwähnt.
-
-_e_) _Zinnwald_, ein ausgedehntes Dorf, das in Böhmisch- und
-Sächsisch-Zinnwald zerfällt. Von Eichwald etwa 2 St. entfernt.
-Fussgänger mögen vor der Seegrundmühle oder gleich nach ihr die Strasse
-rechtsab verlassen, um die letzte Serpentine zu vermeiden.
-
-Es liegt auf dem Kamme des Erzgebirges und hat den grössten Theil
-des Jahres ein sehr rauhes Klima, das meist nur die Kartoffel
-aufkommen lässt. Das Getreide wird selten reif, es muss oft noch
-unter Schneewehen gemäht und kann dann nur als Viehfutter verwendet
-werden. Wer da hinaufkommt, staunt über den klimatischen Contrast, den
-schon eine Entfernung von 2 Stunden bewirkt. Wenn unten im Flachlande
-drückende Hitze herrscht, ist hier oben eine kühlende Frische. In den
-Sommermonaten ist daher ein Spaziergang hinauf sehr angenehm.
-
-Von Gasthäusern für längeren Aufenthalt und Nachtherberge sind
-empfehlenswerth: »Zur Saxonia«, »Biliner Bierhalle« und »Der sächsische
-Reiter.«
-
-Sehenswerth sind folgende Punkte:
-
-Auf der Strasse unweit vom österr. Zollamt bei einer alten Eiche ist
-eine hübsche Aussicht auf den Schneeberg, den König- und _Lilienstein_;
-
-dann beim sogenannten »alten Forsthause« oder bei dem »Schupfenhau«;
-und südlicher, mehr landeinwärts bei den »Brücken oder bei dem
-Lugstein«, hier »Lochstein« genannt. Es ist hier der höchste Punkt von
-Zinnwald.
-
-Ein weiterer herrlicher Aussichtspunkt ist der _*Geisinger Berg_ bei
-der Stadt Altenberg und Geising (ersteres ¾ St., letzteres ½ St. von
-Zinnwald) gegen Norden. Er soll einst ein Vulcan gewesen sein. Auf der
-Spitze, zu der ein schöner Fussweg führt, steht ein Ahornbaum, der
-durch eine Wendeltreppe erstiegen werden kann. Die Aussicht wird jeder
-Besucher zu den schönsten zählen.
-
-In Altenberg sind die Pochwerke und Zinnschmelzereien, sowie die
-»grosse Pinge«, eine Erdsenkung, sehenswerth.
-
-Von Zinnwald kann man in 1½ St. gegen Westen das Dorf _Zaunhaus_
-(_schon erwähnt_) auf einem sehr hübschen Fahrwege durch den Wald
-erreichen, daselbst das Jagdschloss des sächs. Königs »_Rehefeld_«.
-
-Nordwestlich von Zinnwald liegt mitten im Walde _der *Kahlenberg_,
-dessen Thurm eine weite Fernsicht bietet. Der Schlüssel ist in dem eine
-¼ St. entfernten Gasthause »Zum Paradies« auf der Zaunhaus-Altenberger
-Strasse zu bekommen.
-
-Der Kahlenberg ist von Hinterzinnwald in 1 St., von Altenberg in ½ St.
-zu erreichen.
-
-Weitere Ausflüge sind nach den sächsischen Städten _Bärenstein_ und
-Lauenstein.
-
-Zu erwähnen ist noch, dass die Gegend bei Zinnwald für Naturforscher,
-besonders Mineralogen, Geologen und Botaniker sehr interessant ist. Die
-Zinnbergwerke sind wegen des billigen Zinnes nicht mehr im Betrieb. Die
-Bewohner leben meist von Bast-, Holz- und Strohflechtereien, sowie von
-Waldarbeiten.
-
-_f_) _Siebengiebel und Vorderzinnwald._ Von Eichwald auf der vom
-Fürsten Clary gebauten Strasse -- an der Claryschen Sägemühle vorbei
--- in 1½ St. erreichbar; der Weg führt durch schönen Wald, die Neigung
-gering. Wo der Wald an der Südseite der Strasse aufhört, fängt eine
-weite Aussicht über das Teplitzer Thal an; der Bergrücken, von dem
-aus man sie geniesst, heisst der »Eisknochen«. Siebengiebel ist ein
-anmuthig gelegenes Försterhaus, Erfrischungen sind daselbst zu haben.
-
-Vorderzinnwald ist von hier kaum eine Viertelstunde, (Hinter-) Zinnwald
-eine halbe Stunde entfernt.
-
-
-III. Mückenberg-Graupen-Mariaschein.
-
-Graupen ist zu erreichen von Teplitz aus entweder auf der Strasse über
-Turn (bei der Mauth links ab), Soborten an der Prokopikirche, auch
-Bettelmannskirche genannt, weil der Sage nach von einem Bettelmann aus
-Almosengeldern erbaut, stand schon im 12. Jahrh., vorbei (hier bei der
-Restauration links ab) rechts geht es nach Mariaschein, in etwa 1½ St.
-
-Angenehmer und kürzer ist folgender Weg; man geht durch den Park von
-Probstau, an der Strasse in nordwestlicher Richtung einige Schritte
-fort bis dorthin, wo sich die Strasse nach Norden (zu dem Orte
-Judendorf) dreht, _hier verlässt man sie, um an einem Kreuze_ über
-einen Bach zu schreiten. Der weitere Weg ist nicht zu verfehlen, da man
-Graupen vor sich sieht.
-
-Man passirt die Bahnstrecke (Dux-Bodenbacher, Station Rosenthal), daher
-auch mit der Bahn zu erreichen.
-
-Setzt man nun den Weg gleich hinter der Station gegen das Gebirge fort,
-so gelangt man an die Eichwald-Graupner Strasse, diese passirt man
-schräg rechts und findet sofort wieder einen Pfad, der dann sowohl auf
-_die Rosenburg_, als auf die _Wilhelmshöhe_ und in den Ort _Graupen_
-führt. Von Eichwald führt die erwähnte Strasse in 1 Stunde über
-Pihanken, Dreihunken, Judendorf hin. Auf ihr schöne Aussicht auf das
-Thal.
-
-_Graupen_, Bergstadt, an 3000 Einw. zählend, die sich von
-Kohlen-Zinnbergbau, der Fabrication von Wirkwaaren, Dachpappe und
-Korbflechtereien nähren, ist ein Specificum in seiner Erscheinung. Es
-ist sehr lang in das mitunter ziemlich steilsteigende schmale Thal
-hineingebaut. Die Bauart oft alterthümlich. (Gasth. Stadt Dresden.) In
-der Kirche ist eine Darstellung des Fegefeuers sehenswerth. Zu erwähnen
-ist die heilige Stiege, die man kniend zu erklimmen pflegt.
-
-Aussichtspunkte sind: _a_) die _*Wilhelmshöhe_, nach König Friedrich
-Wilhelm III. von Preussen benannt, dessen Lieblingsplatz das hier war.
-Die Aussicht prachtvoll, die Restauration sehr gut.
-
-Etwas höher ist _b_) die _*Rosenburg_, die Aussicht daher auch
-weitgreifender, ohne bedeutenden Unterschied. Es ist hier eine Ruine,
-die nach den erhaltenen Resten zu schliessen, eine der schönsten
-und grössten in Böhmen sein musste. Sie wurde um 1330 von Timo von
-Kolditz erbaut, von den Taboriten auf ihrem Zuge gegen Sachsen
-1429 erstürmt, wurde jedoch bald darauf wieder hergestellt, 1584
-kam sie in kaiserlichen Besitz, 1619 kaufte sie die Stadt. Mit dem
-traurigen Verfall der ehemals wohlhabenden Stadt Graupen verfiel sie
-auch selbst. Der mittlere Theil der Ruine ist in einen Rosengarten
-verwandelt und bietet einen herrlichen Anblick. Die Fernsicht von dem
-Pavillon ist eine der reizendsten. (Restauration.)
-
-Eine etwas weitere Partie, aber jedenfalls die lohnendste ist der
-_Mückenberg_ mit dem Aussichtspunkte _*Mückenthürmchen_, das zugleich
-Restauration ist und selbst für die Nacht gute Unterkunft bietet
-
-Es führt eine Chaussée hinauf, die Hauptstrasse aber in Graupen, die
-sich dann nach Sachsen fortsetzt, in das Müglitzthal nach Lauenstein
-und Bärenstein, in etwas mehr als 1½ St. Der Wanderer zu Fuss kann
-oberhalb Graupen, bei einer grossen Biegung der Strasse nach links,
-rechts auf einem etwas steileren, aber kürzeren Weg über die Ortschaft
-Obergraupen entweder wieder die Strasse erreichen, dann beim Mauthaus
-rechts, an der 1700 erbauten Sct. Wolfgangskapelle vorbei, oder direct
-auf leicht auffindbaren Pfaden zu der Restauration gelangen.
-
-Das Mückenthürmchen nimmt eine derartige isolirte Stellung ein, dass
-die Aussicht nach allen Seiten ungehemmt ist. Am grossartigsten ist
-der Blick nach Böhmen. Als Grenzpunkte der Aussicht seien erwähnt:
-nach Süden über den gar merkwürdig klein erscheinenden Schlossberg weg
-sind es die Höhen des Mittelgebirges; im Südosten der Geltsch, der Říp
-bei Raudnitz, die Bösige und der Jeschken bei Reichenberg. Im Osten
-in weiter Ferne der Höhenzug des Riesengebirges, die Lausitzer Berge
-und der Iserkamm. Nach Norden hin ist die Aussicht weniger bedeutend,
-gar auffällig ist der Gegensatz der rauhen, ziemlich unfruchtbaren, an
-Abwechslung armen Gegenden gegen die fruchtbare Ebene im Süden. Man
-sieht die Elbhöhen bei Dresden und bei sehr klarem Wetter durch ein
-gutes Fernglas hat Schreiber dieses die Thürme der kath. Kirche in
-Dresden gesehen. Nach Westen sieht man die Fortsetzung des Erzgebirges;
-über Ossegg, an seinen rothen Thürmen leicht kenntlich, ragt der schon
-erwähnte Wieselstein, in weiter grauer Ferne der Fichtelberg bei
-Joachimsthal und noch das Fichtelgebirge (Ochsenkopf?) hervor. Die
-Rundschau umfasst einen Kreis von 350 km Durchmesser. Die Aussicht wird
-von vielen mit der vom Brocken und der von der Schneekoppe verglichen.
-
-Erwähnt sei noch die uralte Glocke im Thurme, die einst den Bergleuten
-zum »Einfahren« in die Zinnwerke geläutet haben soll, dann weiter der
-grosse Erdsturz unmittelbar bei dem Gebäude.
-
-Von hier gehen Wege ab: über Siebenhügel nach Zinnwald 1½ St. und
-Eichwald (2½ St.), über Voitsdorf in das Müglitzthal (1 St.), über
-Ebersdorf, Streckenwald nach Schönwald (Spitzberg) (2½ St.) oder von
-Streckenwalde zur Nollendorfer Höhe (2½ St.), endlich noch über
-Ebersdorf nach Adolfsgrün und Hintertellnitz, dann durch das Tellnitzer
-Thal zur Station Tellnitz über 3 St.
-
-_*Mariaschein_ (Station der Aussig-Teplitzer E. etwa 20 Min. entfernt)
-ist von Teplitz eine Stunde, von Graupen einige Minuten entfernt. Es
-ist als wunderthätiger Wallfahrtsort weithin bekannt, von Pfingsten
-bis Ende December kommen zahlreiche Processionen von Nah und Fern
-allwöchentlich hier an. Die Kirche, reich ausgestattet -- das
-Gnadenbild in goldener Kapsel am Hochaltar -- ist von einem Kreuzgange
-umgeben, in welchem sich zahlreiche Kapellen der Clary-Waldstein,
-Lobkowitz und mehrerer Städte befinden. Die vielfach beschädigten
-Wandgemälde haben Bezug entweder auf die Gründung des Klosters oder auf
-stattgefundene Wunder.
-
-Ueber die Entstehung des Gnadenortes erzählt die Sage Folgendes:
-Nach der Zerstörung des Nonnenklosters in Schwaz durch die Hussiten
-verbargen die fliehenden Nonnen die Holzfigur »Maria mit dem entseelten
-Körper ihres Sohnes im Schoosse« in das Laubwerk einer Linde. Als nun
-eine Magd in der Nähe dieses Baumes von einer Schlange angegriffen
-wurde, rettete sie ein flehender Blick zu dem plötzlich offen
-erscheinenden Gnadenbilde. Das nun dadurch bald berühmt gewordene Bild
-wurde nach Graupen feierlich abgeholt, verschwand aber mehreremal auf
-den früheren Ort. 1442 wurde daselbst von Albert von Kolowrat eine
-Kapelle erbaut, und der Ruf des Gnadenbildes ging damals schon weit.
-1507 wurde eine Kirche, 1584 von Popel von Lobkowitz ein Kreuzgang
-mit mehreren Kapellen erbaut, seit 1591 hatten Jesuiten hier die
-Aufsicht. 1602 kam das Gut Geiersburg, zu welchem ausser Sobochleben
-das Graupner Vorwerk »die Scheune« (eben der Gnadenort) gehörte, um
-diese Zeit schon ein förmliches Dörfchen, an den Protestanten Kekule
-von Stradonitz; die Kirche war aber von diesem Besitze ausgeschlossen.
-Am 5. Juni 1618 flohen die Jesuiten mit dem Gnadenbilde nach Dux. In
-der Kirche predigten Protestanten. Aber nach der Schlacht am Weissen
-Berge trat ein Umschwung ein; Kekule starb am Schlagfluss, als ihm die
-Confiscirung seiner Güter gemeldet wurde. Der kais. Oberstwachmeister
-Alex. Regnier, Ritter von Bleileben wurde der Besitzer. Da sein
-Sohn, der hierorts berüchtigte Hans von Bleileben, von schwedischen
-Officieren aus unbekannten Gründen nach einem Male getödtet wurde --
-er liegt in der Graupner Kirche begraben -- vermachte seine Mutter,
-geb. von Pichelberg, 1662 das Gut Sobochleben an die Jesuiten. Der Ort
-führte von da an den Namen Mariaschein statt wie bisher Mariascheune.
-1679 Gründung der Lateinschule. 1773 wurde bei der Auflösung des
-Ordens die Herrschaft Sobochleben eingezogen, aber 1806 an die hier
-seit 1779 (eigentlich erst 1798) bestehende Probstei zurückgegeben.
-Seit 5. Dec. 1852 besteht die Verfügung, dass der Ordinarius (Bischof)
-von Leitmeritz unumschränkter Verwalter des Kirchengutes sei. Bald
-darauf zogen die Jesuiten wieder ein. Heute haben sie in dem südlich
-von der Kirche befindlichen Gebäude ein Obergymnasium mit einer
-Pensionsanstalt. Vom 11. bis 28. Sept. 1813 war das Kloster und der
-Kirchgang von Preussen befestigt worden.
-
-Der Besucher vergesse nicht auf den Wunderbrunnen mit erfrischendem
-klaren Wasser im Vorhofe und auf den Fressbrunnen ausserhalb des
-Klosters, eine eisenhaltige kalte Quelle; ihr Genuss soll Appetit
-erregen.
-
-
-IV. *Geiersburg.
-
-Station der Dux-Bodenbacher B. Hohenstein. Von Mariaschein und Graupen
-ist das Thal, in dessen Tiefe sich auf einem Berggipfel diese Ruine
-befindet, auf einem hübschen schattigen Wege, ganz am Abhange der Berge
-zu erreichen. Man geht in diesem Thale an einer Restauration fort,
-sich rechts haltend, bis zu einer Wegtheilung, dann wieder rechts
-und erreicht in ½ St. diese romantisch gelegene Burgruine, in deren
-Inneres einzudringen etwas Uebung im Klettern erfordert. Man thut es
-nur selten, da es wenig Interessantes bietet. Der hohe Thurm und die
-klafterdicken Mauern sprechen für eine grosse Festigkeit dieser Burg.
-Sie wurde als Landesfestung gegen Meissen bereits unter dem Namen
-Chlumec von den böhmischen Herzögen errichtet. Es wurde hier der Zoll
-und die Wegmauth gezahlt für die Saumthiere -- damals die gewöhnliche
-Verkehrsart. Im 12. Jahrhundert gehörte sie den Herren von Riesenburg
-und erhielt ihren jetzigen Namen. Interessant ist, dass der letzte
-ohne Nachkommen war und seine Herrschaften unter seine Edel-Knechte
-vertheilte. Sie fiel einem gewissen Blasius zu. Seit 1329 war sie
-Eigenthum des Bischofs von Prag (daher mons episcopalis), deren einer,
-Erzbischof Johann von Genczstein, hier vor dem Zorne König Wenzels IV.
-seine Zuflucht fand (1393; der Name Johann von Nepomuk spielte dabei
-eine Rolle). Ihre Besitzer wechselten dann, ihr letzter ist Wolfgang
-von Salhausen, der im J. 1526 hier ein Fest feierte. Da gab Glatz
-von Altenhof, ein Gast, unvorsichtig einen Büchsenschuss ab, dieser
-entzündete das Strohdach und die Burg brannte nieder und liegt seither
-in Trümmern. Der Herrschaftssitz wurde nach Sobochleben verlegt, mit
-welchem die Ruine gemeinsame Schicksale hat. Die Aussicht von der
-Ruine auf das Tiefland und das jenseitige Mittelgebirge ist über alle
-Beschreibung entzückend.
-
-Es knüpfen sich viele alte Volksmärchen an dieses Bergschloss, die
-zum Theile Spiess in dem Ritterroman »Hans von Bleileben« oder »der
-irrende Geist bei Teplitz« der Lesewelt seinerzeit zum Besten gegeben
-hat.
-
-
-V. Tellnitz-Schönwald-Nollendorf.
-
-Man fährt bis Tellnitz (Station der Dux-Bodenbacher E.), geht einen
-sehr hübschen Thalweg (Strasse) bis Hintertellnitz bei den letzten
-Häusern auf einem Fusspfade rechts von der Strasse ab, dann wieder auf
-ihr fort -- der Spaziergang ist in der frischen Waldluft sehr angenehm
--- und erreicht dann bald das Dörfchen _Adolfsgrün_ (1¼ St.). Hier
-auf der Höhe ein weiter Blick über das Plateau bis zum Mückenberg
-und zum Geisinger Berg. Von hier nach Streckenwalde und Schönwald
-(¾ St.). Von Schönwald, einem grossen langausgedehnten Gebirgsdorfe
-mit einigen guten Gasthäusern, erreicht man in ¼ St. den Sattel oder
-_*Spitzberg_, einen Basaltkegel mitten aus dem Gneis hervorragend, der
-wegen seiner weit ausgedehnten Aussicht über das Plateau und seinen
-allmähligen Abfall nach Sachsen die leichte Besteigung überaus lohnt
-und dennoch unter den Touristen im Ganzen wenig bekannt ist. Von
-Schönwald ist das industriereiche (Sammet und Knöpfe), über eine Stunde
-sich ausdehnende Peterswald (2600 E., Gasthaus zur Post) in ½ St. zu
-erreichen. Dieses wurde 1813 durch fortwährende Durchmärsche hart
-mitgenommen. Napoleon übernachtete hier 16.--17. Sept. Das Haus, jetzt
-eine Finanzwachkaserne, trägt die Inschrift: »Haec domus auxilio patris
-aeterni exstructa«. Am 17. Sept., während der Schlacht bei Arbesau
-hatte Napoleon den Kirchthurm von Nollendorf bestiegen. Von beiden
-erreicht man in etwa 1 Stunde _Nollendorf_, mit seiner berühmten, weit
-sichtbaren und daher auch eine weite Aussicht bietenden Kirche --
-bekannt als Nollendorfer Kapelle. Schöner ist noch die Aussicht von der
-Nollendorfer Höhe bei Jungferndorf, zwischen Peterswald und Nollendorf
-(von ersterem fast 2, von letzterem ½ St. entfernt). Man erblickt
-von hier die Spitzen des Elbesandsteingebirges, des Lausitzer und
-Isergebirges. Von Nollendorf auf der sanft abfallenden Strasse -- die
-ganze Partie ist der berühmte Nollendorfer Pass -- gelangt man wieder
-nach Tellnitz. Doch versäume man nicht, das einige Minuten rechts von
-der Strasse gelegene, neuerbaute gothische Kirchlein zu besuchen. Es
-ist wegen seiner idyllischen Lage einer kleinen Abbiegung höchst werth.
-
-Diese ganze Tour dürfte ein mässig rasch gehender Fussgänger in einem
-Tage, zum Abendzug der D.-B.-B. nach Teplitz leicht zurücklegen.
-
-
-
-
-Das Quadersandsteingebirge.
-
-
-Seine östliche Begrenzung ist bereits angegeben worden. Sein Charakter
-sind abgeplattete, in ziemlich gleichem Niveau liegende Gipfel, enge
-Spaltenthäler mit steilen, oft senkrechten Wänden, hohe, aus Quadern
-aufgethürmte Felsmauern, einzelne thurmähnliche, mitunter grotesk
-gestaltete Gesteinsmassen, tiefe Spalten und bizarre Höhlungen.
-
-In touristischer Beziehung sind drei Partien bemerkenswerth ausser
-mehreren, an sich interessanten Spaziergängen. Es sind die Tyssaer
-Wände, der Schneeberg und die Partien um Bodenbach.
-
-
-I. Die *Tyssaer Wände.
-
-Zu erreichen: von Peterswalde (unweit der Kirche nach Osten) in ¾ St.
-Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn Station Königswald, 1 St. von
-Tyssa. Von Bodenbach dieselbe Bahn und Station.
-
-In Tyssa ist sehr viel Industrie, besonders werden Knöpfe aus
-verschiedenem Material verfertigt.
-
- =Gasthaus= »Beim Jäger« (Eigenname), »zum Grafen Thun« (nahe am
- Eingange in die Wände). Rest. »beim Sturm«.
-
-Der Weg zu den Felswänden ist wohl nicht zu verfehlen, doch ist nöthig,
-sich den Eingang zeigen zu lassen. Nun hat man zwei Wege vor sich:
-rechts nach oben und schräg rechts im Thale, beide sind zu empfehlen,
-bieten aber verschiedenes.
-
-Der obere führt über das Plateau oder besser den horizontalen Kamm
-dieser Sandsteinwände, die steil, mauerartig, mit tiefen Klüften und
-Spalten, 57 bis 62 m. hoch, emporragen. Die bizarren Formationen
-erinnern an Weckelsdorf und Adersbach oder an die Partien um die
-Louisenburg im Fichtelgebirge und dürften einen Vergleich mit ihnen
-wohl aushalten.
-
-Manche kann man mit wenig Phantasie zu verschiedenen Gestalten leicht
-ergänzen, ein Führer wird daher Namen wie Medusenhaupt, Löwenkopf,
-Bürgermeister, Doctor anführen. Man hat auch eine schöne Aussicht
-auf die tief unten liegende anmuthige Landschaft. Die Lage mancher
-Steinkolosse ist so grotesk, dass man hier Naturscherze und Spielereien
-dahinter vermuthen möchte. Beim Ausgange kommt man auf die Strasse, die
-zu dem Orte Schneeberg führt.
-
-Der innere Weg zeigt die mannigfaltigen, oft untereinander verbundenen
-Höhlungen und Grotten, wie das Schneiderloch, die Raschhöhle u. s. w.
-Auch der malerische Hintergrund, wo ein ganzes Feld kleinerer und
-grösserer Steinmassen sich befindet, wird den Blick des Beschauers
-fesseln.
-
-Jeder Besucher wird sich durch diese hoch interessanten
-Felsenformationen befriedigt fühlen, und es ist wohl nicht Recht, dass
-sich die Touristenliteratur mit ihnen nur wenig beschäftigt oder sie
-gar nicht erwähnt.
-
-Der Schneeberg (auch hoher Schneeberg genannt) ist die höchste
-Erhebung des Elbesandsteingebirges, 725 m, er überragt alle Höhen der
-sogenannten sächsischen Schweiz. Es ist das ein etwa 1 Stunde langer
-und ¼ breiter Bergrücken, der steil nach Süden abfällt. Es dehnen sich
-die Wälder hier nach Norden und Westen viele Stunden weit aus. Unweit
-der guten Restauration hat der Tetschner Graf Thun 1864 einen 104 Fuss
-hohen festen Aussichtsthurm erbauen lassen, der sich bequem ersteigen
-lässt. Die Aussicht von hier ist eine solche, dass sie sich den
-grossartigsten an die Seite stellen kann. Man übersieht im Süden und
-theilweise im Osten die bedeutendsten Höhen des ganzen Mittelgebirges
--- die Hasenburg, den zweispitzigen Lobosch, den Milleschauer, den
-Kletschen (kleinen Milleschauer), den Biliner Stein, den kleinsten
-unter dieser Gesellschaft -- Schlossberg, dann näher die Berge jenseits
-des Eulauthales, den Hut-, Hopfen- (auch Koppen-) und Pfaffenberg.
-Gegen Nordost tritt scharf hervor der Rosenberg, ferner überblickt
-man die Berge bei Kamnitz -- den Tannen- und Kaltenberg, dahinter die
-Tafelfichte bei Friedland. Bei klarer Aussicht in grauer Ferne den
-Jeschken und die Schneekoppe. Gegen Norden alle Höhen der sächsischen
-Schweiz und zwar rechts vom Königstein in folgender Ordnung: den
-Pfaffenstein, den Lilienstein, Gorisch, Papststein, die Kuppelberge und
-endlich den grossen und kleinen Winterberg. Ausserdem die Nollendorfer
-Höhe, den Sattel- oder Spitzberg und den Geisinger Berg. Nicht zu
-vergessen sind die Thürme von Dresden, die sich deutlich erkennen
-lassen. Man übersieht hier ein an sich schon bunt und wundersam
-gestaltetes Stück Erde, wie es sich in diesem weiten Umfange nur selten
-dem Beschauer darbietet. Die Ersteigung ist viel leichter, als man
-erwarten sollte. Man kann ihn von Tyssa (Ort) in 2½ St. auf der Strasse
-über den Ort Schneeberg am besten beim Wirthshause zur Vintzin (Bänke
-vor dem Hause), den man in nordöstlicher Richtung, in den Wald hinein,
-quer passirt -- der eigentliche Ort liegt südlicher -- dann auf dem mit
-Ruhe- und Aussichtsbänken versehenen Promenadenwege erreichen.
-
-Von Bodenbach aus geht man entweder über Peiperz (nördlich von der
-Tetschner Brücke einige Schritte, dann über die Bahn bei dem Badehôtel
-hinauf) und Kalmswiese (eine Wirthschaft an der Strasse), dann
-geradeaus fort, dann bei der Wegtheilung im Walde links ab gegen
-Alt-Biela, aber vor dem Friedhofe wieder links ab, so dass das Dorf
-rechts bleibt, dann passirt man das Dörfchen Tscheche, auf einer
-steilen Berghöhe, links unten sieht man Neudorf und die Dux-Bodenbacher
-Bahnlinien. Nach einigen Minuten betritt man den Hochwald und nun
-heisst es auf die Kalkstriche achten, die an Bäumen und Steinen
-zahlreich angebracht sind und bis hinauf führen.
-
-Ein zweiter Weg führt von Bodenbach aus auf der Teplitzer Strasse,
-rechts geht dann eine Strasse ab vor den ersten Häusern von
-Niederulgersdorf nach Biela (gegenüber einem Speicher), aber er wendet
-sich schon bei den letzten Häusern hier links ab und geht bergauf, um
-durch Tscheche wieder zu den Kalkstrichen in den Wald zu kommen.
-
-Beide Wege führen in 2½ St. hinauf.
-
-Von Eulau (Station der Dux-Bodenbacher B.) führt ebenfalls ein Weg
-hinauf in 1 St. über den Ort Schneeberg auf einer Fahrstrasse, von hier
-sind dann etwa ¾ St. zum Thurme.
-
-Von der Schweizermühle in Sachsen führt auch ein Weg in 2 St. hinauf.
-Und zwar über Rosenthal zur Grenze am Zollhause vorbei geradeaus --
-die links abgehende Waldstrasse führt in 3 St. über Kalmswiese und
-Peiperz nach Bodenbach -- bis zum Gasthaus »zur Vintzin« -- so der
-Localname --; an demselben geht dann ein Fusssteig links ab hinauf.
-
-Alle diese Wege können selbstverständlich als Rückwege benützt werden.
-
-In einem Tage kann man von Teplitz aus die Tyssaer Wände und den
-Schneeberg so besuchen, dass man Früh nach Königswalde fährt -- von
-Eulau Abends Rückfahrt. Von Bodenbach zeitlich aufbrechend, kann man
-mit Musse den Abendzug von Königswald zur Rückfahrt benutzen.
-
-Wer Zeit hat, kann den sehr empfehlenswerthen Abstecher nach Eiland
-machen, dieses Dörfchen liegt in einem Kessel, der rings um -- nur nach
-Norden offen -- von steilen Sandsteinwänden umgeben ist. Man geht dort,
-wo nach Passirung der Tyssaer Wände der Weg in die Strasse einmündet,
-links ab und gelangt in ¾ St. in dieses interessant gelegene Dörfchen.
-Es befindet sich am nordwestlichen Abhange des Schneeberges an der
-sächsischen Grenze.
-
-
-
-
-Bodenbach.
-
-
-=Bodenbach.= Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn in nicht ganz
-2 Stunden zu erreichen. Die ganze Fahrt ist landschaftlich sehr
-interessant. Der Bahnhof 20 Min. ausser der Stadt. Die Stationen sind
-schon fast alle als Ausgangspunkte interessanter Partien genannt
-worden. Man setze sich womöglich rechts. Zwischen Kulm und Tellnitz
-sieht man das österr. und preussische Monument, früher schon hinter
-Hohenstein das russische. Von Kleinkahn suche man die rechte Seite zu
-gewinnen. Hier ein Ausblick auf Nollendorf. Hier hört die Steigung der
-Bahn auf, und es geht abwärts, so dass man keinen Dampf mehr nöthig
-hat, denn die Seehöhe von Kleinkahn beträgt 431 m, die im Bodenbacher
-Bahnhofe 132 m.
-
-In Königswald, sowie in Eulau viel Industrie, im letzteren eine
-Spinnfabrik und Verfertigung von Mühlsteinen. Die letzte Station
-ist Bünaburg (früher nach einem alten Adelsgeschlechte Bünauburg),
-ebenfalls reich an verschiedenen Industrien. Der hohe Berg rechts ist
-der Hutberg, und der letzte rechts, schon gegen das Elbthal abfallend,
-ist der Pfaffenberg. Beide bestehen wesentlich aus Basalt. Hinter
-ihnen ist gegen Süden der Koppenberg (auch Hopfenberg) genannt. In
-geologischer Beziehung ist interessant, dass über dem Alluvium des
-Elbethales sich eine Strecke Braunkohlenformation befindet, über dieser
-ist ein Gürtel Kreide und die Kuppe (des Pfaffenberges) ist Basalt.
-Also vier verschiedene Gebiete auf einer Strecke von wenig mehr als ¼
-St. Länge.
-
-Die Fahrt von Eulau bis Bodenbach ist durch den Blick auf das schöne,
-grüne, steil umrahmte Eulauthal besonders angenehm.
-
-In Bodenbach achte man darauf, nicht auf dem Dux-Bodenbacher Bahnhof
-auszusteigen. Der Zug fährt eben in den Staatsbahnhof, man ist dann
-gleich mitten in dem Industrieorte. Ebenso beim Einsteigen. Man bekommt
-die Karte am südlichen Ende des Staatsbahnhofes, der Zug steht auf
-dem letzten Schienenstrange gegen die an die Häuser von Bodenbach
-angrenzende Mauer. Ausserdem ist Bodenbach von Teplitz zu erreichen auf
-der Aussig-Teplitzer Bahn. Zu achten, dass man in Aussig-Neustadt bei
-der chemischen Fabrik nicht aussteigt, denn von hier fährt über die
-Brücke der Omnibuszug zum Bahnhof der Nordwestbahn nach Schreckenstein
-(früher Aussig -- rechtes Ufer).
-
-Diese Bahn fährt durch das Braunkohlengebiet, daher viele Schächte
-und Fabriken -- bei Mariaschein eine grosse Cementfabrik. Von
-Mariaschein bis Karbitz nördlich das Kulmer Schlachtfeld, von hier
-bis Schönfeld die Bihana, das Locale der Husitenschlacht (16. Juni
-1426). Die alterthümliche Laurentiuskapelle nördlich von Nerbitz
-soll eine Erinnerung an die Schlacht sein. Von hier bis Aussig im
-Norden der Střisowitzer Berg (340 m hoch). In Türmitz Obstbau,
-grosse Zuckerfabrik, Schloss des Grafen Nostitz mit einem Park. Die
-Bielathalbahn -- derselben Actiengesellschaft wie die Aussig-Teplitzer
-gehörig, zumeist Kohlenverkehr -- zweigt sich hier ab. Hübscher
-Ausblick in das Bielathal.
-
-Von Aussig empfiehlt es sich, das Dampfschiff zu benützen. (Die Karten
-sind in Teplitz, Bahnhof, Tabak-Trafik zu bekommen.) Die Fahrt ist eine
-der schönsten, die überhaupt die Flüsse Europas aufweisen können. Die
-Fahrt von Leitmeritz über Aussig, Tetschen, Herrenskretschen bis über
-Pirna zu bis Dresden ist so reich an landschaftlicher Schönheit, dass
-sie mit den schönsten Rheinpartien verglichen, ja selbst von Kennern
-ihnen vorgezogen wird. (Siehe Tetschen!)
-
-Bodenbach hat eine prachtvolle Lage und einen hohen Aufschwung
-genommen, wovon die zahlreichen Villen im Elbthale ein beredtes
-Zeugniss abgeben, ebenso wie die vielen Industrie-Etablissements:
-Cichorien- und Chocoladenfabrik, Siderolithwaaren-Fabrik.
-
- Bodenbach -- von Eulau- oder Bodenbache so benannt, früher
- ein einsamer Meierhof zur Herrschaft Tetschen gehörig --
- hat folgende Gasthöfe: das Posthôtel (beim Bahnhof), Stadt
- Hamburg, Hôtel Frieser, zum Stern, Krone, Engel, Stadt Prag, in
- Obergrund -- nördlich von der Kettenbrücke am linken Elbeufer,
- hier zahlreiche und geschmackvolle Villen -- ist noch das
- Bade-Hôtel zu erwähnen. Restauration Lerchenfeld. Der Ort ist
- von Sommerfrischlern und Kurgästen (Josefsbad) sehr besucht.
-
-=An Spaziergängen und Ausflügen= ist diese Gegend sehr reich. Um nicht
-den Rahmen des Buches zu überschreiten, seien sie nur kurz erwähnt.
-Schöne, mannigfach wechselnde Aussichten und angenehme Spaziergänge in
-den waldigen Höhen sind ihr Hauptreiz.
-
-1. _Die Brücke_ selbst (2 Kr. Brückengeld).
-
-2. _Die Bohemia_ hinter dem Tetschner Schützenhaus und der Nordwestbahn
-(¼ St.) einst hier der Galgenberg.
-
-3. _Der Quaderberg_ auf der hier befindlichen Höhle eine fliegende
-Restauration, rechts von der Bohemia nach dem Promenadenwege bis zur
-Tafel (½ St.), dieser Weg geht nach Laube und in die Schlucht nach
-Loosdorf.
-
-4. _Die Leopoldshöhe_ 10 Min. weiter, fort links durch den Wald.
-
-5. _Die Laubenschlucht_, ein tief eingeschnittenes Felsenthal. Auf der
-Höhe am Rande, von der Leopoldshöhe fort bis zur Tafel, die nach Nr.
-3 weist, dann links auf Serpentinen in's Thal bis zu einem Weg, auf
-diesem dann rechts. Dann am Ende Sandsteintreppen, ein Waldweg, der Ort
-Loosdorf (Gasthaus Blumentritt's). Auch auf der Allee von Tetschen in 1
-St. bergauf zu erreichen.
-
-6. _Die Rosenwände_ (2 St.) oder Rosenkämme. Bei dem Wirthshause in
-Laube fuhrt der Weg hinauf.
-
-7. _Die Schäferwand_ (½ St.) unmittelbar über Bodenbach, über dem
-Tunnel der sächsischen Bahn. Zu ersteigen durch das Thor bei der
-Kettenbrücke oder auf den Stufen beim Posthotel in der Nähe eines
-Muttergottesbildes in der Mauer. Zickzackwege.
-
-8. _Das Spitzhütel_ (1½ St.) Entweder nach 7 oder am Badehotel vorbei,
-dann bei einer Mühle rechts in den Wald, oder von Starks Villa auf
-einem Serpentinweg. Es ist ein Felsenvorsprung, vielleicht die
-lohnendste Aussicht unter diesen Punkten.
-
-9. Im Pulnitz- oder Polzenthale: Liebwerd ½ St., Bensen 2 Stund.
-(Nordbahnstation), ½ Stunde weiter die schöne Ruine _Scharfenstein_.
-
-10. _Herrenskretschen_ (siehe Tetschen).
-
-11. _Der Sperlingstein_, auch _Heidenschloss_. Dampfschiff bis
-Topkowitz, besser Tichlowitz, oder Eisenbahn bis Tichlowitz, dann über
-Nieder-Welhotten und Scheras ½ St. Zu Fuss über Krischwitz, Veschwitz
-(auch Bahnstation) Scheras in 3 St.
-
-12. _Der Zinkenstein._ Am besten über Rongstock, über die Elbe
-nach Pschira, Wittine und (Alt) Hummel zu erreichen. Die Aussicht
-grossartig, in den Basaltspalten eine Eishöhle, Eis nur an heissen
-Sommertagen.
-
-13. _Der hohe Schneeberg._
-
-14. _Die Tyssaer Wände._
-
-Zu erwähnen noch die Johanniskapelle, bei dem Dux-Bodenbacher Bahnhof
-(20 Min.). Die Familiengruft der gräfl. Thun'schen Familie, die hier
-weithin die meisten Besitzungen hat.
-
-
-
-
-I. Der Besuch der Städte *Leitmeritz, *Aussig, *Tetschen bis
-*Herrenskretschen mit dem *Edmundsgrund und *Prebisch-Thor.
-
-
-
-
-Leitmeritz.
-
-
- =Gasthöfe=: Hôtel »Krebs« am Stadtplatz, Gasthof »zum
- Hirschen«, Lange Gasse, Gasthof »zum schwarzen Adler« am
- Stadtplatz, Brosche's Gasthaus, Lange Gasse, »Cocanda« Eck der
- Ferdinandsstrasse und des Rossmarktes, Gasthof »zum Kaiser von
- Oesterreich«, Ferdinandsstrasse.
-
- Von =Restaurationen= wären zu erwähnen: Elbschlossbräuhaus
- an der Tschalolitzer Strasse, Elberestauration am
- Dampfschifflandungsplatze, Restauration zum »Rudolfsgarten« mit
- Sommertheater in der Rudolfsgasse, Schützeninselrestauration,
- Bahnhofrestauration der Nordwestbahn, Eisendörfel am linken
- Elbeufer an der Theresienstädter Strasse; =Café=: Schubert am
- Stadtplatz, oberhalb des »Hôtel Krebs«, zum schwarzen Adler,
- in Verbindung mit dem Gasthause gleichen Namens am Stadtplatz;
- =Conditorei= und Café Bärwinkel am Stadtplatz, Schustermannel
- in der Nähe der bischöfl. Residenz, beste Weinstube.
-
- =Post- und Telegraphenamt=, Jesuitengasse im alten Gymnasium,
- ebenerdig.
-
- =Post- und Eisenbahnverbindungen=: k. k. priv. österr.
- Nordwestbahn. Von Leitmeritz in der Richtung nach Tetschen. In
- der Richtung nach Lissa-Wien.
-
- K. k. priv. österr. Staatsbahn; Station Theresienstadt
- (Bauschowitz): In der Richtung Aussig-Bodenbach und in der
- Richtung Prag-Wien.
-
- =Postverbindung= nach _Auscha_.
-
- =Omnibusfahrten= von den Gasthöfen »Krebs« und »zum Hirschen«
- zu den Bahnen.
-
- Das =Dampfschiff= verkehrt von Leitmeritz um halb 9 Uhr
- Vormittags bis Dresden und um 2 Uhr Nachmittags bis Tetschen.
-
- =Fahrgelegenheiten= sind zu haben im »Hôtel Krebs« (Ferd.
- Krombholz), im Gasthof »zum Hirschen«, sowie Einspänner bei dem
- Lohnfuhrwerker Kühnel in der Langen Gasse.
-
-Die Stadt Leitmeritz, ehemals königliche Stadt, liegt am rechten Ufer
-der Elbe, dort, wo dieser Strom in das deutsche Sprachgebiet tritt und
-sich seinen Lauf durch das böhmische Mittelgebirge zu bahnen sucht.
-
-Leitmeritz zählte am 31. December 1880 in über 900 Häusern ca. 10.900
-anwesende Personen, welche Bevölkerungszahl sich mit den Studenten
-auf rund 12.000 erhöht. 1869 betrug die Einwohnerzahl in 800 Häusern
-10.023. Die geographische Lage ist 50° 31´ 38´´ nördl. Br. und 31° 47´
-50´´ östl. Länge. Sich ansehnlich über das Niveau des Flusses erhebend,
-bietet die Stadt von der Elbe, sowie von der Theresienstädter Strasse
-aus einen ungemein malerischen Anblick. Im Vordergrunde sind die
-hervorragendsten Gebäude der Stadt, nämlich die Elbschlossbräuerei,
-die bischöfliche Residenz, die Villa Georg, das bischöfliche Seminar
-mit der Jesuitenkirche, die Klosterschule u. s. w., dann lehnt sich
-unmittelbar hinter der Stadt gegen Norden eine Hügelkette, die
-Maschkahora (auch mastna hora, eigentlich mostská hora) an, die dann
-an die waldbedeckten Höhen des Mittelgebirges, an den »Kreuzberg« mit
-dem »langen Berge«, den Hradischken und im Westen an die Radebeule
-(fälschlich Radobyl genannt) anschliessen. Die Berge ringsumher gehören
-der Basaltformation an, während im Thale Plänerkalk mit Sandstein und
-dem reinen Angeschwemmten der Elbe wechseln. Nach Süden öffnet sich die
-weite Ebene ins Innere Böhmens, welche bloss den »Říp« (Georgsberg) bei
-Raudnitz als bedeutendere Bodenerhebung aufzuweisen hat.
-
-Leitmeritz, bis vor wenigen Jahren die bedeutendste Stadt des nach ihr
-benannten Kreises, hat sich weit über die Grenzen unseres Vaterlandes
-hinaus einen bedeutenden Ruf als Schulstadt erworben; die Mittelschulen
-erfreuen sich eines sehr zahlreichen Besuches.
-
-_Das k. k. Obergymnasium_ ist seit 1879 in einem palastartigen neuen
-Gebäude untergebracht.
-
-_Die Communal-Oberrealschule_ wurde in ihrer heutigen Gestalt 1864
-eröffnet und befindet sich seit 1865 in einem neuen prachtvollen
-Gebäude.
-
-_Die k. k. Lehrerbildungsanstalt_ ist leider nur nothdürftig
-untergebracht.
-
-_Die theologische Lehranstalt_, in Verbindung mit einem bischöflichen
-Priesterseminar, befindet sich in den Räumen des ehemaligen
-Jesuitencollegiums.
-
-_Das Taubstummen-Institut_ wurde 1858 gegründet und wird vornehmlich
-vom Lande unterstützt.
-
-Ausser der städtischen _Knabenvolks-_ und der städtischen
-_Mädchenvolks-_ und _Bürgerschule_ besteht in Leitmeritz auch noch
-eine _fünfklassige Mädchenschule_ der Schulschwestern vom heil. Karl
-Boromäus mit _Pensionat_.
-
-Von industriellen Unternehmungen sind anzuführen:
-
-1. _Die Actienbrauerei_ zum »Elbschloss«.
-
-2. _Die bürgerliche_ (städtische) Brauerei.
-
-3. _Die Dampf- und Kunstmühle._
-
-4. _Die Malzfabrik_ der Firma Bergwein im ehemaligen Schanzenbräuhause.
-
-5. _Die Actiengesellschaft_ für Kalk- und Ziegelbrennerei.
-
-6. _Die Spinnfadenfabrik._
-
-Ferner bestehen von Gewerbsunternehmen die _Brettsägen_ von Frz.
-Gudera, sowie Ed. Salomon, _die Essigfabrik_ von Herrnheiser, _die
-Metall-_ und _Glockengiesserei_ von F. Herold, _die Eisengiesserei_
-von Mandler, _die Maschinenschlosserei_ von Josef Fiedler, _die
-Lederfabrik_ von Joachim Taussig's Söhnen u. s. w.
-
-_Von Geldinstituten_ wären zu nennen: 1. _Die Communalsparkasse_, 2.
-_der Spar- und Vorschussverein_ für Leitmeritz und Umgebung, sowie 3.
-_die Filiale der böhmischen Eskomptebank_.
-
-Geschichte:
-
-Wie bei so vielen andern Orten verliert sich auch die Gründung der
-Stadt Leitmeritz in das Dunkel der Geschichte Böhmens. Abgesehen von
-zahlreichen Gräberfunden, welche erst vor 2 Jahren wieder auf den
-Lehmfeldern der Lopata'schen Ziegelei erfolgten, die beweisen, dass
-das fruchtbare Elbethal schon in der vorgeschichtlichen Zeit stark
-bewohnt war, wissen wir, dass nach der Einwanderung der Slaven sich ein
-Stamm derselben, die Luthomirici, hier niederliess. Als Mittelpunkt
-des Stammes galt eine Burg, die denselben Namen wie der Stamm,
-nämlich Luthomirici, führte und am jetzigen Domhügel lag. Gegenwärtig
-sind keine Spuren davon mehr wahrnehmbar. Um die Burg herum lagen
-schon in uralter Zeit zahlreiche Dörfchen, die ihren Namen noch bis
-heute erhalten haben. Die Verwaltung der Burg und des dazugehörigen
-Landstriches leiteten Gaugrafen. Schon um das Jahr 1057 wurde auf der
-Leitmeritzer Burg eine Kirche gegründet und dem heil. Stefan geweiht;
-sie stand an der Stelle der jetzigen Domkirche.
-
-In der Nähe der Burg und ihrer Kirche siedelten sich allmählig unter
-den letzten Regenten aus dem Hause der Pržemysliden zahlreiche, aus
-Deutschland hereingekommene Familien an; sie legten so den Grund zu
-der eigentlichen Stadt Leitmeritz, die schon vom König Wenzel I.
-mehrfache Freiheiten und Rechte erhielt, welche seine Nachfolger nicht
-nur bestätigten, sondern auch vermehrten. So wurde das Magdeburger
-Stadtrecht in Leitmeritz eingeführt und zur Handhabung desselben ein
-eigener Gerichtshof daselbst eingesetzt. Neben dem Ackerbau bildeten
-Handel und Gewerbe die vorzüglichste Nahrungsquelle der Bevölkerung;
-besonders blühte der Handel; niemand durfte stromauf- oder abwärts
-Waaren verfrachten, ohne sie vorher in Leitmeritz ausgeladen und zum
-Verkaufe ausgestellt zu haben. Zum Zeichen des letzteren Rechtes, des
-Stapelrechtes, wurde eine aus Stein gehauene Figur in der Nähe des
-Stromes aufgestellt, der sogenannte »Roland«, der gegenwärtig an der
-nördlichen Ecke des alten Rathhauses, in dem sich jetzt das k. k.
-Kreisgericht befindet, auf einem Pfeiler steht.
-
-Einer besonderen Begünstigung erfreute sich Leitmeritz, wie alle
-Städte Böhmens, unter der Regierung des städte- und bürgerfreundlichen
-Karls IV., welcher der Stadt grosse Strecken Wald, Ackerland und
-Weinberge schenkte, die Neuanlage von Weinbergen begünstigte, wodurch
-er den Weinbau im Elbethal ungemein förderte. Zu jener Zeit erfreute
-sich Leitmeritz bereits einer hohen Blüte, und Wohlstand, ja selbst
-Reichthum waren in der trefflich gelegenen Stadt keine Seltenheit.
-
-Aber bald sollte die Stadt von Zeiten des Schreckens heimgesucht
-werden; es kamen die verheerenden Husitenkriege. Am 29. Mai 1421 fiel
-nach langem, energischen Widerstand die Stadt in die Hände der Husiten.
-Die vertriebenen Bürger und Priester zogen theils in die noch deutschen
-Städte des Bielathales, theils nach Meissen. Jahrelang tobte der Kampf
-der Parteien um die Mauern der Stadt. Auch als Leitmeritz unter die
-Botmässigkeit König Sigismunds (1436) zurückgekehrt war, blieb die
-Stadt tschechisch, und die Deutschen, die sich des Handels und der
-Gewerbe wegen in der Stadt eingefunden hatten, waren nach wie vor von
-Aemtern und Würden ausgeschlossen.
-
-Auch die folgende Zeit des Streites zwischen den Städten und dem
-Adel in Böhmen war für die Stadt nicht günstig. Sie konnte in dem
-Streite umsoweniger verschont werden, da rings umher eine gute Anzahl
-adeliger Burgen und Schlösser lag. Diese Streitigkeiten verzehrten
-bedeutende Summen. Zwar wurden die alten Handelsrechte der Stadt,
-auf die in den bewegten Zeiten so oft vergessen worden war, wieder
-hergestellt, aber bald darauf der Handel mit dem Auslande untersagt,
-wodurch eine wichtige Einnahmequelle versiegte. Ueber Leitmeritz erging
-wegen seines Widerstandes gegen Ferdinand I. das Strafgericht, indem
-das alte Magdeburger Stadtrecht abgeschafft und königliche Richter
-eingesetzt, sowie die Güter der Stadt eingezogen wurden. Leitmeritz
-war tiefer gedemüthigt als je. Als kümmerlichen Ersatz erhielt
-Leitmeritz das Collegium im Jahre 1549, aus dem sich das heutige k. k.
-Obergymnasium entwickelte.
-
-Nach einigen Jahrzehnten der Erholung brach der dreissigjährige Krieg
-herein. Der Friede von 1648 brachte auch Leitmeritz Ruhe und Frieden.
-Ausser der Kriegsfurie wüthete 1649 auch noch eine furchtbare Pest und
-im Jahre 1655 eine grosse Ueberschwemmung.
-
-Erwähnt sei die Errichtung des Leitmeritzer Bisthums im Jahre 1655. Der
-erste Bischof war Maximilian Rudolf Freiherr von Schleinitz. Er baute
-die jetzige Domkirche, deren Thurm erst jetzt vollendet werden soll.
-
-Kurz nach dem dreissigjährigen Kriege wurde Leitmeritz wieder eine
-deutsche Stadt.
-
-Auch die Kriege unter Maria Theresia gingen an Leitmeritz nicht
-spurlos vorüber. Im Jahre 1741 hausten polnische und sächsische,
-1742 französische Truppen in der Stadt, und im Jahre 1757 nach der
-Schlacht bei Kolin wohnte Friedrich II. selbst durch eine Woche in
-der bischöflichen Residenz. Am 1. Oktober 1756 tobte der Kampf in der
-unmittelbaren Nähe der Stadt, indem an diesem Tage die Schlacht bei
-Lobositz geschlagen wurde.
-
-Im Jahre 1780 wurde unter Kaiser Josef II., der siebenmal Leitmeritz
-besuchte, die Festung Theresienstadt gegründet. Die Napoleonischen
-Kriege berührten die Stadt nicht unmittelbar, und so konnte sich im
-letzten Jahrhundert die Stadt ruhig entwickeln.
-
-=Sehenswürdigkeiten.= Leitmeritz, welches in die eigentliche Stadt
-und mehrere Vorstädte zerfällt, die freilich mit einander unmittelbar
-zusammenhängen, macht auf den Besucher den Eindruck einer Stadt, die
-schon in früheren Jahrhunderten von einiger Bedeutung gewesen sein
-muss. Der Ringplatz oder der Stadtplatz bildet den Mittelpunkt der
-Stadt und ist von grosser Ausdehnung; seine Länge beträgt 235, die
-Breite 126 Schritte. Die Häuser sind meist neuerer Bauart; doch hie und
-da schaut noch ein Giebel hervor, dem man es ansieht, dass er schon
-manches Menschengeschlecht, manches Jahrhundert an sich vorüberwandeln
-sah. Die Laubengänge sind meist schon verbaut. Wir wollen nun die
-hervorragendsten Bauwerke hier anführen:
-
-1. _Das alte Rathhaus_, an der Ostseite des Stadtplatzes gelegen,
-beherbergt jetzt das k. k. Kreisgericht in seinen Räumen.
-
-2. _Das Gemeindehaus_, ebenfalls am Stadtplatze, enthält die
-Kanzleien des Bürgermeisteramtes, der Sparkasse und im Parterre die
-Gasthauslocalitäten »zum schwarzen Adler«. Im Hofe befindet sich das
-Stadttheater. Im Bürgermeisteramte wird das hochinteressante und
-historisch äusserst werthvolle _*Cantional_ aufbewahrt, eine Sammlung
-lateinischer Kirchengesänge aus der Zeit der husitischen Herrschaft
-in Leitmeritz und zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimmt. Das
-gewaltige, in Leder gebundene und mit kunstvollen Messingbeschlägen
-gezierte Buch umfasst 465 Pergamentblätter, ist 29 Zoll hoch, 19 Zoll
-breit und wiegt 110 Pfund. Das Buch ist über und über mit herrlichen
-_Initialen_ und prachtvollen _Miniaturen_ bedeckt, viele Buchstaben
-und Noten sind mit reinem Golde auf das Pergament aufgetragen. Dies
-reichgeschmückte Cantional gehört zu dem Bedeutendsten, was die Kunst
-dieser Art in Böhmen geleistet.
-
-3. _Die *Dekanalkirche zu Allerheiligen_ nächst dem Stadtplatz. Eine
-besondere Erwähnung verdient das in der Kirche beim Seitengange
-stehende zinnerne Taufbecken aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, eines
-der schönsten Werke dieser Art in Böhmen. Unmittelbar an der Kirche
-erhebt sich der mächtige _Stadtthurm_, 53 m hoch. Sein Inneres birgt
-ein wahres Meisterwerk der Holzbaukunst, den gewaltigen Glockenstuhl,
-der vom Grund des Bodens ganz frei ohne jede Verbindung mit der Mauer
-aus Eichenholz hergestellt ist. Er trägt 7 Glocken, von denen die
-grösste 81 Centner, die nächste 47 Centner wiegt. Von der Gallerie des
-Thurmes aus bietet sich eine _herrliche *Aussicht_ über die Stadt und
-ihre Umgebung dar.
-
-4. _Das *Kelchhaus am Stadtplatz_, erbaut von dem reichen
-utraquistischen Bürger Johann Mraz von Mileschowka und um 1584
-vollendet. Von dem kelchartigen Thurme, dem utraquistischen Symbole,
-der seitdem ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt geblieben
-ist, geniesst man ebenfalls eine _weite *Rundsicht_. Nach dem
-dreissigjährigen Kriege wurde das Kelchhaus als Proviantmagazin
-benützt, daher noch der heutige Name desselben, Provianthaus.
-Gegenwärtig ist in demselben -- allerdings nicht besonders zweckmässig
--- die städtische Mädchen-Volks- und Bürgerschule untergebracht. In
-einem Parterrelocale befindet sich auch _das *Gewerbemuseum_, das recht
-interessante Gegenstände aufweist.
-
-5. _Die Schulpaläste_, nämlich die Communal-Oberrealschule und das k.
-k. Obergymnasium in den Anlagen, haben wir schon weiter oben besprochen.
-
-6. _Der Dom._ Die Bauten des Domes erheben sich auf einem Hügel,
-zu dem man durch die Domgasse von der Stadt aus gelangt. Nach
-Erhebung zum Bisthume legte der erste Bischof Maximilian Rudolf von
-Schleinitz den Grundstein zur gegenwärtigen _*Cathedrale_, welche
-von dem zweiten Bischof Franz Grafen von Sternberg 1681 eingeweiht
-wurde. Die Domkirche ist im nüchternen Baustyle des 17. Jahrhunderts
-aufgeführt. Mit einem gedeckten Gang ist mit dem Dom _die bischöfliche
-Residenz_ verbunden. Dieselbe enthält ausser einer ziemlich
-umfangreichen Bibliothek auch eine Sammlung _*werthvoller Gemälde_,
-die vom gegenwärtigen hochw. Bischof Dr. Ludwig Anton Frind zum
-Theil restaurirt worden sind. Ferner erheben sich auf dem geräumigen
-Domplatze _das Consistorialgebäude_, kenntlich durch das an demselben
-angebrachte Wappen des Bischofs M. A. von Lachsen usw.; endlich die
-aneinander gereihten Wohnungen der einzelnen Domherren. _Die Lage der
-bischöflichen Residenz_ gewährt eine weite und ungemein _reizende
-*Aussicht_ auf den ganzen Lauf der Elbe von Raudnitz bis Lobositz, wo
-sie sich nordwärts in's Gebirge wendet, sowie auf den grössten Theil
-der Stadt und der jenseits derselben und am linken Ufer der Elbe sich
-ausbreitenden Fluren zwischen dem Mittelgebirge und der Eger.
-
-7. _*Elbschlossbrauerei._ In der That wie ein stolzes Elbschloss
-thront auf einem Plateau an der Elbe die Elbschlossbrauerei, der
-wir schon oben Erwähnung gethan haben. Sehenswerth ist die schöne
-geräumige _*Braustätte_, mit ihrer kühnen Wölbung, ferner die
-grossartigen _Kellerräume_, die mit ihren labyrinthartigen Gängen
-eine kleine unterirdische Stadt bilden. _Die *Gartenrestauration_ mit
-den schattigen Kastanienbäumen, sowie dem amerikanischen _*Pavillon_
-gewährt einen recht angenehmen Aufenthalt während der schönen
-Sommertage. _Herrliche Aussicht!_
-
-8. _Das bischöfliche Seminar_, welches in dem ehemaligen
-Jesuitencollegium untergebracht ist, ist mit der Kirche Maria
-Verkündigung, für gewöhnlich Jesuitenkirche genannt, verbunden.
-In einer Nische unterhalb der Bogenwölbung an der sogenannten
-Jesuitenstiege erhebt sich das Denkmal des vaterländischen Dichters
-Josef Emanuel Hilscher, der am 22. Jänner 1806 in Leitmeritz geboren
-wurde und nach einem unglücklichen Soldatenleben im Mai 1837 als
-Feldwebel starb.
-
-9. _Das Kapuzinerkloster_ mit der Kirche der heil. Ludmilla am
-Kapuzinerplatz.
-
-10. _Das Dominikanerkloster_ mit der Kirche des heil. Jakob in der
-Dominikanergasse.
-
-11. _Die Kirche des heil. Adalbert_ in der Vorstadt Sasada.
-
-12. _Die Kirche des heil. Wenzel_, während der Pest 1713 in Folge eines
-Gelübdes von dem italienischen Baumeister Broggio im italienischen
-Renaissancestyl erbaut, später aufgehoben und als Getreideschüttboden
-benützt, seit 1852 wieder dem Gottesdienste geweiht.
-
-13. _Die Kirche des heil. Johann des Täufers_ unterhalb des Domhofes
-in der Rudolfsgasse an der Nordwestbahn, 1465 gegründet, im
-dreissigjährigen Kriege zerstört und 1682 wieder hergestellt.
-
-14. _Das Marien-Hospital_ an der Schüttenitzer Strasse, im Jahre 1845
-vom Bischof Augustin Bartholomäus Hille erbaut.
-
-15. _Die alte Sct. Georgskirche_ nächst dem Domhofe, oberhalb der
-Vorstadt Fischerei auf einem Hügel gelegen, von Leitmeritzer Fischern
-gegründet und zur Pfarrkirche der Vorstadt Fischerei bestimmt. Auf dem
-Friedhofe rings um die Kirche wurden die Leitmeritzer Fischer beerdigt;
-jetzt erhebt sich dort die dem Leitmeritzer Bürger Baschta gehörige
-Villa Georg.
-
-Wenn wir nun noch
-
-16. _die Elbebrücke_ erwähnen, so haben wir die bedeutendsten
-Bauten und Sehenswürdigkeiten von Leitmeritz angeführt. Der Bau der
-gegenwärtigen ärarischen Eisenbrücke, nach Schiffkorn'schem System
-construirt, wurde 1857 bewilligt und 1858 bis 1859 vollendet.
-
-
-Spaziergänge:
-
-(Bis zu 2 Stunden.)
-
-Ehe wir daran gehen, die Umgebung von Leitmeritz, die an
-Naturschönheiten so reich ist, aufzusuchen, müssen wir vor allem
-dem Lieblingsspaziergange der Leitmeritzer, der lieblichen
-_*Schützeninsel_, in unmittelbarer Nähe der Stadt, einen Besuch
-abstatten. Die Schützeninsel ist zum grössten Theile mit herrlichen
-Bäumen, darunter mehrhundertjährigen majestätischen Eichen bewachsen
-und wurde in den letzten Jahren durch die Fürsorge des im Jahre 1868
-gegründeten Anpflanzungsvereines zu einem Parke umgestaltet, der selbst
-einer Grossstadt zur Zierde gereichen würde. In der Mitte der Insel
-befindet sich das mit einer Restauration verbundene Schützenhaus.
-
-_*Die Radebeule_, auch Radobyl genannt, ist jener mächtige Basaltkegel
-im Westen der Stadt, welcher mit dem ihm gegenüberliegenden Lobosch
-gewissermassen die Wache am Eingange der böhmischen Schweiz hält. Ein
-gewaltiges gusseisernes Kreuz krönt den Berg, von dessen Gipfel man
-eine herrliche Rundsicht über einen grossen Theil des nordwestlichen,
-sowie des mittleren Böhmen geniesst. Ein gut gangbarer Weg führt von
-Leitmeritz aus auf den Berg, dessen Fuss von Reben umrankt wird.
-
-Nördlich von der Radebeule erhebt sich der _*Kamaiker Eisberg_. Von
-Leitmeritz gelangt man in einer Stunde auf der Kamaiker Strasse nach
-dem Orte Kamaik mit der Burgruine gleichen Namens. Oberhalb dieser
-Ruine, die weithin in's Elbethal sichtbar ist, liegt der erwähnte
-Eisberg, merkwürdig dadurch, dass man in heissen Sommertagen, besonders
-nach einem Regen, in den vom Steingerölle umgebenen Gruben Eis findet.
-Am nördlichen Abhange des Eisberges steht, eine anmuthige Idylle
-bildend, die Kapelle des heil. Johannes des Täufers in der Wüste,
-von wo aus, unter den Aesten mächtiger Eichen hinweg, das Auge über
-eine prächtige Elbelandschaft zu schweifen vermag. Die Aussicht ist
-besonders nach Süden und Südosten reizend. Von Kamaik kann man nun
-entweder den Abstieg zur Elbe nach Gross-Tschernosek oder auch nach
-Libochowan nehmen.
-
-_Gross-Tschernosek_ liegt in der Richtung gegen Milleschau und ist
-berühmt wegen des dort gebauten Weines. Unter dem Namen »Tschernoseker«
-kommt eigentlich aller im Leitmeritzer Elbegau producirte Wein in
-den Handel. Eine Sehenswürdigkeit in Tschernosek bildet der _*gräfl.
-Nostiz'sche Weinkeller_, der horizontal in den Berg hineingebaut ist.
-Dieser Keller stammt zum Theil aus dem 13. Jahrhundert und zeichnet
-sich durch seine riesige Ausdehnung aus. 50.000 Eimer Wein vermögen
-darin ganz gut untergebracht zu werden. Durchschnittlich enthält er
-8000 Eimer.
-
-_Nach Libochowan_ führt von Kamaik aus eine Fahrstrasse über das
-obstbaumreiche Dorf Rschepnitz zur Elbe. Bei Libochowan befinden sich
-Wälle aus der Keltenzeit, wie auch in der Nähe des genannten Dorfes vor
-einigen Jahren Heidengräber entdeckt wurden. Zwischen Tschernosek und
-Libochowan erhebt sich an der Elbe _der Dreikreuzberg_.
-
-Sehr beliebte und sehr besuchte Ausflugsorte sind die Einsiedelei
-_*Skalitz_, die _Villa *Mentau_ und _*Kundratitz_. Wir können alle
-drei Punkte in einem auf einen Nachmittag berechneten Spaziergange
-besuchen. Unser erstes und nächstes Ziel sei die Einsiedelei Skalitz,
-welche dort am Bergesabhange zwischen grünen Waldbäumen hervorlugt.
-Wir können entweder den Weg über das nahe Pokratitz in nördlicher
-Richtung einschlagen, um am Bachesrande im schattigen Thale vorwärts
-zu schreiten, oder wir können auch auf der bequemeren, von zwei
-Obstbaumalleen begrenzten Schüttenitzer Strasse über das zwischen
-Obstbäumen gelegene Dorf Schüttenitz, welches das mildeste Klima in
-Böhmen besitzen soll, die Skalitzer Höhe erreichen. Die so anmuthige
-Einsiedelei ist gegenwärtig von einem Förster bewohnt, bei welchem
-man einen ganz guten Kaffee, sowie Bier u. s. w. erhält. Unweit des
-Försterhauses streckt ein kleines Kirchlein seinen Thurm in die Höhe,
-und unterhalb des Hauses zeigt man eine Höhlung in Sandsteinfelsen,
-welche dem Einsiedler als Wohnung diente. Natürlich geniesst man von
-hier eine prachtvolle Fernsicht auf die weite Ebene, durch welche sich
-der Elbstrom schlingt.
-
-Etwas höher und westlich von Skalitz blickt die _Villa Mentau_ vom
-Bergesabhange in's weite Thal hinab. Diese Villa wurde erst im Jahre
-1878 von dem Herrschaftsbesitzer und Grossindustriellen Edlen von
-Schroll in Liebeschitz, dem Besitzer des Waldes, welcher diese Höhen
-schmückt, mit einem Kostenaufwande von 40.000 fl. erbaut und dient
-ebenfalls einem Förster, der gleichzeitig Restaurateur ist, als
-Wohnung. Unten in der Thalschlucht, dem Melbiner Thale, verborgen
-hinter mächtigen Bäumen, klappert die Melbiner Mühle, wo man auch
-leibliche Stärkung erhalten kann, und an unser Ohr dringt das
-einförmige und doch so anheimelnde und wohlthuende Rauschen des klaren
-Gebirgsbaches, der sich durch dichtes Gebüsch über Stock und Stein
-seinen rauhen Weg gebahnt.
-
-Doch wir müssen weiter; noch einen Blick auf das grosse und schöne
-Panorama zu unseren Füssen, und wir setzen unseren Bergstock wieder
-fest auf, um über Wiesen und Fluren und durch den schattigen Wald
-den Bergesrücken zu erklimmen, hinter welchem ein wahres Kleinod des
-böhmischen Mittelgebirges verborgen liegt, wir meinen die Sommerfrische
-_*Kundratitz_. Hier sei erwähnt, dass man von Mentau aus auch auf den
-Berg _Hradisken_ gelangen kann, der sich durch eine schöne Rundsicht
-auszeichnet. Unser Ziel ist jedoch, wie gesagt, Kundratitz. Zwischen
-den Waldbäumen sehen wir nach halbstündiger Wanderung, nördlich von
-Mentau, die Villa »Henriettenruh« hervorschimmern und bald ruhen wir
-im Schatten des Waldes, unmittelbar an der Villa, von unserem immerhin
-etwas anstrengenden Marsche aus. Man kann Kundratitz auch von einer
-anderen Seite von Leitmeritz aus erreichen, indem man auf der Strasse
-über Pokratitz nach Hlinay geht, wobei sowohl Skalitz als Mentau
-rechts liegen bleiben. Nachdem wir uns gestärkt, betreten wir die
-Terrasse der Villa und erquicken unser Herz an der überraschend schönen
-Fernsicht, die man von hier aus geniesst. Ein landschaftliches Bild,
-wie es lieblicher, prächtiger nicht gedacht werden kann, eröffnet sich
-da vor unseren Augen; mehr als dreissig kegelförmige Bergspitzen des
-Mittelgebirges, mit dem Vater »Milleschauer« in der Mitte, erheben sich
-in den duftigen Aether, während im Vordergrunde sich das _Tlutzner_
-Thal, eingeschlossen von grünen Waldesflächen, mit seinen tausenden
-von Obstbäumen, aus denen die Dächer der Orte Kundratitz und Tlutzen
-verführerisch hervorlugen, ausbreitet. Fürwahr, es ist entzückend
-schön, dieses Landschaftsbild und immer und immer wieder schweift der
-Blick wie trunken über diese anmuthigen Scenerien, die ihres Gleichen
-nicht bald wieder haben.
-
-Sind wir einmal 599 m über der Meeresfläche, so können wir auch noch
-etwas weiter steigen und dem in einer guten Viertelstunde erreichbaren
-_Warhorscht_ einen Besuch abstatten. Von diesem ringsherum frei
-dastehenden Berggipfel ist die Rundsicht eine vollständige, aber auch
-eine grossartig schöne. Von hier aus überblickt man das Teplitzer Thal
-und das ganze herrliche Thal von Aussig, Kulm bis Teplitz, weiter
-Dux, Ossegg u. s. w. Der schwarze Maulwurfshügel in der Ebene ist der
-Teplitzer Schlossberg, der uns leider die alte Thermenstadt verdeckt.
-
-Dort oben am Kamme des Erzgebirges winkt das Mückenthürmchen herüber,
-während weiter im Norden die Nollendorfer Kirche sichtbar wird. Recht
-deutlich bemerkt man auch den hohen Schneeberg bei Bodenbach. Mehr im
-Vordergrunde windet sich die Elbe durch die Berge, und soeben sehen
-wir vor uns in der Tiefe den Dampfer in Salesl landen. Nördlich,
-wo die Elbe in den Bergen verschwindet, klebt nett und winzig der
-Schreckenstein, der uns nicht gestattet, mehr als bloss einige Häuser
-der gewerbefleissigen Elbestadt Aussig zu sehen. Gegen Nordosten
-schimmern in blauer Ferne die Berge des Isergebirges und vom Jeschken
-bei Reichenberg ragt der Gipfel, für unser Auge sichtbar, gegen den
-Himmel. Wenden wir uns nunmehr gegen Süden, so ist die Landschaft eine
-ganz veränderte; eine meilenweite Ebene erstreckt sich nach Süden, in
-welcher sich bei Raudnitz der Říp und einige weniger bedeutende Höhen
-erheben. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ausführliche
-Schilderung dieser wundervollen Rundsicht, die in dieser Gegend
-jedenfalls nur von jener des Milleschauer übertroffen wird, wiedergeben.
-
-Kundratitz gewinnt als Sommerfrische von Jahr zu Jahr an Beliebtheit
-und sind es Familien aus Dresden, Berlin, Prag usw., die mehrere Wochen
-des Sommers in stiller Abgeschiedenheit hier zubringen.
-
-Ein von Kundratitz in einer guten halben Stunde zu erreichender
-Aussichtspunkt ist die _*Wache_, ein Gebirgsvorsprung unterhalb
-des Warhorscht, mit einem herrlichen Einblick in's Elbethal. Ein
-weiterer Spaziergang von Kundratitz aus ist _das lange Loch oder der
-Höllengrund_, ein Felsenabsturz rechts von der Strasse nach Tschersing.
-Das Dorf Tschersing ist in ¾ Stunden von Kundratitz zu erreichen. Von
-hier führt eine romantische Thalschlucht zum Elbethal gegen Sebusein.
-
-Eine Reihe prächtiger Waldpartien, die freilich noch weniger bekannt
-sind und von Fremden ohne Führer nicht gemacht werden können, lassen
-sich von Skalic aus unternehmen. Wir nennen hier Neuhof, die Tetschner
-Aussicht und das Dorf Babina.
-
-_Grössere Partien_: Wer einen ganzen Tag aufwenden will, ohne sich
-dabei anzustrengen, dem ist die Partie nach Triebsch zu empfehlen.
-
-Von Leitmeritz aus schlagen wir die Aerarialstrasse nach _Trnowann_
-ein. Hinter diesem Orte führt die Strasse über den _*Weissen Berg_,
-welchen bereits in diesem Jahre ein Standbild Kaiser Josefs II.
-krönen wird, das die Landwirthe des Ploschkowitzer Thales dem grossen
-Volkskaiser zu errichten gedenken. Von der Höhe des Weissen Berges
-bietet sich dem Beschauer ein reizendes landschaftliches Gemälde
-dar. Ueber Leitmeritz hin breitet sich die weite Ebene aus, die von
-den Bergen des Mittelgebirges begrenzt wird, während in der Richtung
-gegen Ploschkowitz, das Ploschkowitzer Thal, mit seinen überaus
-fruchtbaren Fluren, seinen ungezählten Obstbäumen und den Bergeshöhen
-wie ein Schmuckkästchen der Natur daliegt. Wieder am Fusse des
-Hügels angelangt, weichen wir links von der Auschaer Strasse ab und
-schlagen die Bezirksstrasse nach _*Ploschkowitz_ ein, das wir in einer
-Viertelstunde (von Leitmeritz 1½ St.) erreichen. Ploschkowitz besitzt
-ein prächtiges kaiserliches Schloss mit einem Parke im französischen
-Styl.
-
-Wir wenden uns nördlich über Techobusitz gegen Triebsch, das sich
-anmuthig am Fusse des Kelchberges ausbreitet und das zweit grösste
-Dorf des Leitmeritzer Bezirkes ist. (3 Stunden von Leitmeritz.) _Der
-Kelchberg_ steigt in 2 Terrassen auf; er ist bequem zu besteigen und
-bietet eine schöne Aussicht nach allen Richtungen. Im Orte Triebsch
-befindet sich ein Herrenhaus mit einem sehr hübschen Parke.
-
-Den Rückweg nach Leitmeritz schlagen wir über Kudeslawitz ein. Dieses
-Dorf liegt am südlichen Abhange der »Dreiberge« und erfreut sich
-schöner Waldungen, die von Strassen durchschnitten werden, so dass der
-Wald einen parkähnlichen Charakter erhält. Am Bergabhange führt die
-Strasse über Pohorschan nach Schüttenitz und von da nach Leitmeritz.
-Von Pohorschan windet sich die Strasse zwischen dem langen Berge und
-dem Goldberge hindurch.
-
-Wenn man nun die Trnowanner Strasse, statt unterhalb des Weissen Berges
-abzuzweigen, weiter einschlägt, so gelangt man nach dem Marktflecken
-Liebeschitz (2½ St. von Leitmeritz) mit einem herrschaftlichen Schloss
-und Park des Edlen von Schroll. In einer guten halben Stunde erreicht
-man die Stadt _Auscha_, bekannt durch ihren Hopfenhandel.
-
-Nördlich hievon liegt der _*Geltschberg_, der höchste Berg der Gegend.
-Am Fusse desselben befindet sich die Kaltwasseranstalt _*Geltschbad_
-mit schönen Spaziergängen und Waldpartien. (1 Stunde von Auscha.)
-
-Unweit hievon das Städtchen Lewin (1 Stunde von Auscha) auf
-einer Anhöhe gelegen, zeichnet sich durch einen regen Handel und
-Gewerbefleiss aus.
-
-Von Auscha eine Stunde entfernt, ist die Burg _Hradek_; ferner ist zu
-erwähnen das Dorf Konojed (1 Stunde von Auscha), mit Schloss, einem
-ehemaligen Kloster und Garten.
-
-Unweit von Konojed erhebt sich der _Eichberg_, an dessen Ostseite ein
-interessanter Basaltsteinbruch mit schiefliegenden Basaltsäulen sich
-befindet.
-
-In derselben Richtung liegen _Graben_ und _Drum_. Im letzteren Orte ist
-ein bischöfliches Schloss.
-
-Eine Partie, die man per Bahn unternehmen kann, ist die nach _Liboch_
-a. d. Elbe. Liboch zeichnet sich durch hervorragenden Weinbau aus.
-Romantisch ist das östlich gelegene Thal _Kokorschin_.
-
-Eine grössere Partie über das Mittelgebirge bildet die von Leitmeritz
-nach _*Grosspriesen_, und kann man zwei Wege einschlagen. Die erste
-Tour hält sich an die Strasse, welche über Schüttenitz, Pohorschan,
-Stankowitz, Ritschen und Proboscht, wo sich in einer Felsenschlucht
-die romantische Kaisermühle befindet, in das Grosspriesner Thal führt.
-Dieser Weg ist ungemein anziehend, da er lange Strecken durch herrliche
-Forste hinzieht. Im Grosspriesner Thal sind bei Salesl die Kohlenwerke
-bemerkenswerth. Der Bergverwalter Herr Kastelly besitzt eine reiche
-mineralogische Sammlung, die er Besuchern gern zeigt.
-
-Der zweite Weg ist schwer zu finden und kann nur zu Fuss zurückgelegt
-werden; er zieht sich über Skalitz, Neuhof, den Hohenstein und die
-Tetschner Aussicht nach Proboscht.
-
-Es liessen sich noch mancherlei herrliche Partien in der Umgebung von
-Leitmeritz anführen, allein dieselben sind zu wenig bekannt und von
-Fremden nicht so leicht auffindbar. In diesem herrlichen Gau hätte
-ein Gebirgsverein eine grosse und schöne Aufgabe zu erfüllen, und wir
-wollen hoffen, dass es doch noch gelingt, dieses schöne Stück Erde dem
-Touristenstrom zu erschliessen.
-
-
-
-
-Aussig.
-
-
- =Eisenbahnen=: 1. _Oesterreichische Staatsbahn-Linie_:
- Aussig-Bodenbach-Dresden; Aussig-Prag-Wien. 2.
- _Oesterreichische Nordwestbahn_, rechtes Elbeufer --
- nach _Tetschen_ in 50, nach _Leitmeritz_ in 50 Minuten.
- 3. _Aussig-Teplitzer Bahn_ -- nach Teplitz (40 Min.),
- Dux-Bilin-Brüx-Komotau und Anschluss nach Karlsbad-Eger. 4.
- _Bielathal-Bahn_, Bahnhof in der Nähe der chemischen Fabrik,
- nach Bilin-Sauerbrunn in 2 Stunden.
-
- =Dampfschifffahrt= gegen Leitmeritz und gegen Tetschen,
- Herrenskretschen, Schandau, Dresden.
-
- =Gasthöfe=: »Goldene Krone« am Marktplatz, »englischer Hof« in
- der Lindenstrasse, »Goldener Engel«, »Stadt London«, »Stadt
- Prag« am Markt, Hohes Haus« bei der Bahn.
-
- =Restaurationen=: Belvedere- und Dampfschifffahrts-Restauration
- mit schöner Aussicht; Schmidt's Restauration und Garten, grosse
- Wallstrasse, Elisium mit Garten, Ostervorstadt; Ferdinandshöhe
- auf einem Vorsprung des Galgenberges mit prächtiger Aussicht.
-
- =Post- u. Telegrafenamt. -- Buchhandlung.=
-
-_Aussig_ liegt am linken Elbeufer, an der Mündung der Biela in die
-Elbe, sowie am Fusse des Střezowitzer und des Marienberges, welcher
-letztere, aus Klingstein bestehend, wegen der mannigfaltigen Mineralien
-merkwürdig ist. Vom Gipfel desselben geniesst man eine herrliche
-Aussicht in das Elbthal und die Gebirgsketten diesseits und jenseits
-des Stromes, von dessen Ufern sich der Marienberg fast senkrecht
-erhebt. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich _*die Ferdinandshöhe_
-mit prachtvoller Aussicht (früher waren hier die Ruinen der Burg
-Witrusch).
-
-=Geschichtliches=: Die Gründung der Stadt soll schon im J. 827 erfolgt
-sein. Im Jahre 1277 wurde sie der Krone von Böhmen einverleibt, 1282 an
-Otto von Brandenburg abgetreten und vom Kaiser Rudolf von Habsburg der
-böhmischen Krone wieder zurückgegeben.
-
-Während des Husitenkrieges verpfändete Kaiser _Sigmund_ die Stadt an
-die Meissner, was eine grosse Erbitterung in Böhmen hervorrief und
-eine Belagerung der Stadt zur Folge hatte. Ein meissnisches Ersatzheer
-wurde zwar am 16. Juni 1426 vollständig besiegt, allein die Stadt
-dabei so eingeäschert und verwüstet, dass sie drei Jahre lang ganz
-verödet blieb. Ein zweites, trauriges Loos traf die Stadt am 8. Mai
-1538, wo ein grosser Theil derselben sammt der Stadtkirche in Flammen
-aufging. Ferdinand I. gab der Stadt Aussig für die Treue, welche sie
-ihm gelegentlich der Zwistigkeiten zwischen Karl V. und dem Kurfürsten
-_Johann Friedrich_ von Sachsen bewies, nebst vielen anderen Vorrechten
-auch Sitz und Stimme im Landtage. Während des 30jährigen Krieges wurde
-Aussig 1631 von sächsischen Truppen verwüstet und in Brand gesteckt,
-dagegen ist es während des 7jährigen Krieges und bei dem Einfalle der
-Franzosen im J. 1813 von grösseren Unglücksfällen verschont geblieben.
-
-In neuester Zeit ist die Stadt durch ihre äusserst günstige Lage
-an der schiffbaren Elbe, in unmittelbarer Nähe des ausgedehnten,
-reichhaltigen nordwestböhmischen Braunkohlenbeckens, durch die
-zahlreichen Eisenbahnen ein bedeutender Handels- und Industrieplatz
-geworden. Die Einwohnerzahl ist seit 1869 bis zum 31. Dezember
-1880 von 10.000 über 16.000 gestiegen. Die im J. 1857 von einer
-Actiengesellschaft gegründete _chemische Fabrik_ für chemische und
-metallurgische Production ist eine der grössten Europas und beschäftigt
-über 1300 Arbeiter. Sie liefert Schwefelsäure, Sulfate, Salzsäure,
-Superphosphate u. s. w., besitzt eine eigene Gasanstalt, welche
-auch die Stadtbeleuchtung besorgt, eine Dampfziegelei u. s. w. Der
-Flächenraum des Fabriksgebietes beträgt 58 Hekt. An Arbeitslöhnen wird
-wöchentlich die Summe von 12.000 fl. ausgezahlt. Der Kohlenverbrauch
-belief sich im Jahre 1880 auf 12.734 Waggon zu 11 Tonnen.
-
-Weitere industrielle Etablissements befinden sich hier: eine
-Lederfabrik, zwei Siderolithwaarenfabriken, Baumwollspinnerei,
-Glasfabrik, Paraffinfabrik, Webewaarenfabrik, Bandfabrik u. s. w. Viele
-Braunkohlenniederlagen. Die Kohlenverfrachtung auf der Aussig-Teplitzer
-Bahn grossartig.
-
-In Aussig wurde am 12. März 1728 während eines vorübergehenden
-Aufenthaltes seiner in Dresden wohnhaften Eltern _Anton Raphael Mengs_
-geboren.
-
-=Sehenswürdigkeiten=: 1. Die im sogenannten altgothischen Style erbaute
-und mit einer kunstreich gearbeiteten steinernen Kanzel versehene
-Dekanalkirche. Dieselbe besitzt eine kostbare _*Madonna_, die sich
-in einem feuerfesten eingemauerten Schreine befindet und nur bei
-hohen Festen ausgestellt ist. Dieses prachtvolle Bild von bedeutendem
-Kunstwerthe ist nach dem Urtheile gewiegter Kenner (auch Göthe schloss
-sich dieser Ansicht 1813 an) ein Werk Carlo Dolce's. Fälschlich hat
-man es dem obgenannten Anton Raphael Mengs zugeschrieben, welche
-Annahme aus dem Grunde unstatthaft ist, als Raphael Mengs zur Zeit
-der testamentarischen Uebergabe des Bildes an die Decanalkirche
-(1737) 9 Jahre alt war. Das Gerücht mag deshalb entstanden sein,
-dass die Erblasserin Margaretha Fischer geb. Rochus von Lindenfels
-die Besitzerin des Geburtshauses des wiederholt genannten Raph.
-Mengs gewesen und das Bild nach der übereinstimmenden Aussage vom
-Vater Raphaels, dem sächsischen Hofmaler Ismael Mengs, zum Geschenke
-erhielt. 2. Die St. Adalbertskirche bei dem Dominikanerkloster, im
-Renaissancestyl erbaut. 3. Die grossartige _eiserne Elbbrücke_, welche
-die Nordwestbahn mit den Bahnen des linken Elbufers verbindet. 4. Die
-neue Knabenschule und zwei andere grosse Schulgebäude. 5. Die älteste
-Kirche ist die Maternus-Kirche, deren Friedhof seit vielen Jahren
-aufgelassen ist und jetzt in einen Park verwandelt wird. (Die _Touren_
-ins böhmische Erz- und Mittelgebirge siehe »Der Besuch des böhmischen
-Erz- und Mittelgebirges von Teplitz-Bilin, eventuell Lobositz« aus.)
-
-Hier sei Erwähnung gethan der herrlichen Ausflüge zur _*Ruine
-Schreckenstein_ (½ St.) und auf die _*hohe Wostrey_ (2 St.). Wir gehen
-von Aussig süd-südöstlich auf das rechte Elbufer und erreichen in einer
-halben Stunde den Klingsteinfelsen, auf welchem sich die malerischen
-Ruinen der alten _Veste Schreckenstein_ erheben, die im Sommer der
-Gegenstand zahlreicher Besuche von Einheimischen und Fremden sind.
-Der Felsen steht senkrecht 80 m hoch über dem Spiegel der Elbe, ist
-nur von einer Seite zugänglich und macht einen imposanten Eindruck.
-Zwischen dem Burgfelsen und dem grünbewaldeten Schanzenberge liegt die
-sogenannte _Schäferei_. Von hier führt der einzige Zugang zur Burg,
-ein schmaler Gang, auf dessen beiden Seiten niedrige Gebäude stehen,
-darunter das alte Bräuhaus, während der Burgfelsen auf der Ostseite
-auch hier 37·9 m hoch senkrecht wie eine Wand aufsteigt. Wir kommen zu
-dem gut erhaltenen Burgthor, das mittelst einer Treppe passirt wird.
-Durch das Thor treten wir in den Burghof, welcher mit einer starken
-Ringmauer umgeben ist. Hier befindet sich die Restauration, für die es
-seit 1877 ein eigenes Gebäude mit Fremdenzimmern gibt.
-
-Der sogenannte Rittersaal steht mit dem Burghofe durch einen schmalen
-Gang in Verbindung. Durch die nach der Elbe gerichteten sechs Fenster
-hat man einen prächtigen Blick in das Thal. Daneben befindet sich
-ein kleines Gebäude, welches zu Restaurationszwecken verwendet
-wird. Von hier führt links ein Fusspfad nach einem Felsenvorsprung,
-einer ehemaligen Warte, welche mit einem Dache versehen ist und
-einen vorzüglichen Blick auf die eigenthümliche Steinschichtung des
-Felsens gewährt. Von diesem unteren Theile steigen wir auf einer
-Treppe in _die Hauptburg_ und dann in _die Burgkapelle_ mit schönen
-Spitzbogenfenstern; da ist ein Vorsprung mit schöner Aussicht.
-Sehenswerth sind noch die _Burgherrenwohnung_, _die Citadelle_,
-von welcher noch die Reste von zwei halbrunden Bastionen und ihrer
-Verbindungsmauer vorhanden sind, und _der Wartthurm_, welcher mit einem
-Holzdache versehen ist und bis jetzt den Stürmen der Zeit getrotzt hat.
-Von hier können wir die Tour auf _die hohe Wostrey_ fortsetzen (1½ St.)
-oder nach Aussig zurückkehren.
-
-Aussig-_hohe *Wostrey_. Wir gehen von Aussig in südöstlicher Richtung
-nach Ober-Sedlitz, einem Dorfe ¼ St. von der Elbe und am Fusse des
-Gebirges und kommen nach Neudörfel (1 St.), wo bereits der Milleschauer
-(im Südwesten) zum Vorschein kommt, während im Rücken (Norden) des
-Wanderers der Schneeberg mit seinem weitsichtbaren Thurme auftaucht.
-Neben einem grossen Nussbaum theilt sich der Fahrweg; wir benützen
-weiter den Seitenweg rechts und langen bei einer, zwischen zwei
-hohen Eichen angebrachten Ruhebank an, von wo aus wir, auf dem
-windungsreichen Fusswege links fortschreitend, die Spitze dieses 583 m
-hohen Basaltkegels erreichen. Derselbe ist einer der bedeutungsvollsten
-und lohnendsten Aussichtspunkte im Norden unseres Heimathslandes.
-Wir haben eine prachtvolle Waldlandschaft unmittelbar vor uns. Das
-herrliche Elbthal können wir weit verfolgen. Im Norden wird der Thurm
-des Schneeberges sichtbar, der sich als ein langgedehnter, nordöstlich
-laufender Bergrücken über ein hohes, aus dem Elbthale und dem Eulauer
-Thale östlich und südlich steil aufsteigendes, an seinen Rändern durch
-tiefe Thaleinschnitte zerrissenes Plateau erhebt. Vor dem Erzgebirge
-ist die mit allen Reizen einer üppigen Natur geschmückte Thalebene,
-welche ihren Anfang bei Arbesau nimmt, mit dem Eulauer Thale durch
-einen niedrigen Pass zusammenhängt und sich bei Kulm und darüber
-hinaus erweitert, ausgebreitet. Rechts vom Schneeberge sehen wir die
-Ruine des, wahrscheinlich im 30jährigen Kriege zerstörten Schlosses
-Blankenstein, von dem man eine sehr weite und schöne Aussicht,
-namentlich auf den Elbstrom geniesst.
-
-Im Vordergrunde liegt Aussig. Westwärts lassen wir unsere Blicke über
-das herrliche Mittelgebirge schweifen und nehmen den Milleschauer,
-Kletschen, Radelstein, die Klotzberge, den Kostial, den Lobosch und
-ganz im Hintergründe die Hasenburg wahr. Unmittelbar unter uns liegt
-das Dorf Birnay, am rechten Elbufer, am Fusse des Prutschelberges. Im
-Osten sehen wir den Geltsch bei Auscha, nordwestlich den Zinkenstein,
-links davon im Hintergrunde den Rosenberg bei Tetschen.
-
-
-
-
-Tetschen.
-
-
-=Tetschen=, Stadt, an der Elbe, zählt über 5000 Einwohner; sie ist mit
-dem linken Elbufer durch die prächtige Kaiserin Elisabeth-Kettenbrücke
-verbunden. Die Stadt hat viele Neubauten aufzuweisen, was auf einen
-nicht unbedeutenden Aufschwung schliessen lässt. Obst-, Getreide- und
-Holzhandel ist gross. Alle Holzgattungen werden bis Hamburg verschifft
-und verflösst. Bedeutend ist auch der Schiffbau.
-
- =Gasthäuser=: Stadt Prag, Krone, silberner Stern am Ring, Hôtel
- Ullrich an der Elbe, das Schützenhaus in prächtiger Lage mit
- einem schönen Garten; Hôtel zum Dampfschiff, neben der Brücke
- an der Elbe; Restaurationen; Weinstuben.
-
- =Eisenbahnen=: Oesterreichische Staatsbahn, Nordwestbahn,
- böhmische Nordbahn nach Warnsdorf und Böhmisch-Leipa,
- Dux-Bodenbacher Bahn von dem gegenüberliegenden _Bodenbach_ aus.
-
- =Dampfschifffahrtsstation.= -- =K. k. Post- und Telegrafenamt.=
- -- =Badeanstalt.=
-
-=Sehenswürdigkeiten=: Auf einem vom Ufer der Elbe 47·4 m senkrecht
-aufsteigenden, gegen Norden und Osten sich abdachenden Sandsteinfelsen
-steht das _stolze *Schloss_ der Grafen von Thun. Es wurde 1668 vom
-Grafen Maximilian von Thun neu erbaut und vom Grafen Wenzel Thun 1788
-im gegenwärtigen imposanten Zustande vollendet. Das Schloss ist
-eine Zierde des Elbthales und hat fast von allen Seiten herrliche
-Aussichten in die paradiesisch schönen, zum Theile wildromantischen
-Gegenden desselben. Es enthält eine Schlosscapelle zum hl. Georg
-mit einem Altarbilde von Berglen, eine schätzbare Bibliothek, eine
-Gemäldesammlung, ein Münz- und Waffenkabinet. An den Abhängen des
-Schlossberges und am Fusse desselben befinden sich _herrliche
-*Gartenanlagen_ mit Orangerie und Gewächshäusern für seltene exotische
-Pflanzen und einem der grössten Ananashäuser, nach englischer Art
-eingerichtet. Die Auffahrt zum Schlosse von der Stadtseite ist in
-Felsen ausgehauen. Am Ufer der Elbe ist ein Fussweg, theilweise durch
-den Felsen gehauen, und über den Arm der Pulsnitz, welche hart am
-Schlossfelsen in die Elbe mündet, führt ein Kettensteg zur Verbindung
-des nördlichen Theiles der Gartenanlagen mit dem südlichen. Dieses
-Schloss war als ein fester Punkt an der Elbe und Schlüssel dieses
-Stromes von militärischer Wichtigkeit. Wiederholt wurde es besetzt,
-so im J. 1631 von den Sachsen, 1635 und 1638 von dem schwedischen
-Parteigänger Stalhantsch. 1641 von den Kaiserlichen, 1647 von dem
-schwedischen Obersten Kopi (da wurde es mit 700 Kugeln beschossen),
-1741 von den Franzosen, 1744, 1756 und 1778 von den Preussen.
-
-Die _Dekanalkirche_ zum hl. Kreuz, 1687 vom Grafen Max Thun zum Theile
-auf Felsengrund erbaut, auf welchen Umstand die auf dem freistehenden
-natürlichen Grundsteine angebrachte Inschrift deutet. Diese Kirche,
-welche von Cramolin ausgemalt ist, ist eigentlich die Schlosskirche.
-Die _Stadtkirche_ zu Sct. _Wenzel_ und _Blasius_ brannte 1749 ab und
-wurde als Waarenmagazin verwendet; vor zwei Jahren wurde sie wieder
-hergestellt. Weitere nennenswerthe Gebäude sind: Das _Stadthaus_ mit
-der Sparkassa, das k. k. _Bezirksgericht_, das _Bürgerschulgebäude_,
-die _Lorettokapelle_ und der _Bahnhof_ der österreichischen
-Nordwestbahn.
-
-(Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Tetschen und dem
-gegenüberliegenden Bodenbach siehe Besuch von Lobositz, Teplitz und
-Bilin aus.)
-
-Herrliche Spaziergänge und Touren. (Siehe Bodenbach!) Wir wenden uns
-von Tetschen-Bodenbach nach Norden gegen _*Herrenskretschen_. Links
-haben wir das Erzgebirge, welches hier in geographischer Beziehung mit
-dem Elbufer endigt. Gewöhnlich nimmt man als Grenze den Nollendorfer
-Pass an und bezeichnet das Gebirge von da an zu beiden Seiten der Elbe
-als Elbsandsteingebirge oder böhmisch-sächsische Schweiz. Der höchste
-Punkt ist _der hohe Schneeberg_, welcher sich mit seinen Abdachungen
-über ein grosses Gebiet verbreitet, so dass alle, besondere Namen
-führenden Bergmassen als Vorsprünge und Ausläufer zu betrachten sind.
-Der nordöstliche heisst _die Scheibenkoppe_; nördlich verflacht sich
-diess Gebirge nach Sachsen, hat jedoch auch hier felsige Vorsprünge:
-_den Brunnnesselkamm_ und _den Breitenstein_; westlich hängt es
-mit dem in dieser Richtung fortlaufenden Rücken des Erzgebirges
-ununterbrochen zusammen. Unmittelbar an dem linken Elbufer gibt es
-steile Berge, welche zum Theile in senkrechten, gleichsam in mehreren
-Stockwerken über einander gethürmten, mannigfach zerrissenen und
-grotesken Felswänden emporsteigen, wie bei Niedergrund, Mittelgrund.
-Die herrschende Formation in diesem Gebirge ist der Quadersandstein,
-welcher hier alle seine Eigenthümlichkeiten hinsichtlich des Grotesken
-und Malerischen auf die mannigfaltigste Weise entwickelt; besonders
-zeigen sich seine kühnen, oft abenteuerlichen Formen in den engen
-Thälern und Schluchten, welche diess Gebilde durchschneiden, und
-einzelnen, von der Hauptmasse losgerissenen Felspfeilern und Pyramiden,
-sowie auch Grotten und Höhlen, welche sich hier vorfinden. Auch am
-rechten Elbufer, wo der _Quaderberg_, die steilen _Rosenwände_ bei dem
-Dorfe Rasseln und die _*Elbleiten_ bemerkenswerth sind, wird das Thal
-durch die bis fast an die Ufer des Stromes vorspringenden Berggehänge
-so eingeengt, dass nur ein schmaler Streifen Landes am Flusse für den
-Anbau erübrigt. Die Fahrt auf dem Dampfschiff nach Herrenskretschen ist
-eine hochinteressante und sehr lohnende (1 St. -- zu Fuss geht man über
-Ober-, Mittel- und Niedergrund).
-
-
-
-
-Herrenskretschen.
-
-
- =Dampfschifffahrtsstation.= -- Eisenbahnstation in _Schöna_,
- Herrenskretschen gegenüber. -- Postfahrt nach Dittersbach. --
- Lohnfuhrwerke.
-
- =Gasthäuser=: Hôtel Herrenhaus, Hôtel zum grünen Baum.
-
-Der Ort liegt am rechten Elbufer, am Ausflusse der Kamnitz in die
-Elbe, in einem tiefen, zu beiden Seiten von hohen Sandsteinwänden
-eingeschlossenen Thale. In der Nähe des Ortes mündet von Norden her
-in das Kamnitzthal der _*Prebisch-Grund_ mit den _*Prebisch-Wänden_
-und dem _*Prebisch-Thor_, ein hochinteressanter Bestandtheil der
-_böhmisch-sächsischen Schweiz_. Das _Prebisch-Thor_ ist ein viele
-Klafter hoher und weiter, von der Natur selbst über das Thal
-brückenähnlich gespannter Felsenbogen. Man geniesst von seiner Höhe,
-am Rande eines schauerlichen Abgrundes, aber durch feste Brustwehren
-geschützt, die herrlichsten Aussichten auf die benachbarten Gegenden.
-Mit Entzücken verweilt das Auge auf einer Menge von Ortschaften,
-wie Rosendorf, Arnsdorf, Steinschönau u. s. w., auf hohen Bergen,
-wie _Rosenberg_, _Schneeberg_, _Bösig_ u. s. w., auf den schönsten
-Waldungen und den fürchterlichsten Abgründen und Felsenmassen. Es ist
-bereits vieles geschehen, um sowohl den Einheimischen als auch den
-Fremden den Besuch dieser _herrlichen, berühmten, aber noch nicht
-gehörig gewürdigten_ Felspartien zu erleichtern. Ein bequemer Weg, mit
-Ruhebänken versehen, führt bis auf die Höhe des _Prebischthores_ und
-mehrere Brücken, über tiefe Schluchten gespannt, geleiten den Touristen
-auf die zunächst liegenden Höhepunkte dieses Felsenlabyrinths bis nach
-Sachsen hinein.
-
-_Herrenskretschen-*Edmundsgrund_ -- diese herrliche Partie, welche den
-Wettkampf mit den bedeutendsten Hochgebirgspartien aufnehmen kann, ist
-leider auch noch sehr wenig gekannt. Wir folgen von einem der Gasthöfe
-dem Laufe der Kamnitz und treten in den Edmundsgrund ein, welcher mit
-seinen grossartigen, steilen und reich bewaldeten Gebirgsabhängen,
-mit dem klaren und forellenreichen Wasser und durch die reiche
-Scenerie der Landschaften einen imposanten Eindruck hervorbringt.
-Sehr empfehlenswerth ist auch der _Aufstieg_ auf den, dem Herrenhause
-gegenüberliegenden _*Elisalexfelsen_ mit einem herrlichen Blicke auf
-die Elbe und in das Kamnitzthal. Das 1 Stunde entfernte _Belvedere_,
-zwei künstlich bearbeitete und von der Südseite zugänglich gemachte
-Sandsteinfelsen (bei Elbleiten), deren einer die Gestalt einer
-Festung mit Schiessscharte darbietet, der andere aber zu einem Tempel
-ausgehauen ist, von welchem man auf die in der Tiefe vorüberströmende
-Elbe und das jenseitige Ufer bis Niedergrund hin eine reizende Aussicht
-hat, wird wenig mehr besucht. Dieser Theil der böhmischen Schweiz ist
-grossartig, und deshalb geben wir der Hoffnung Raum, dass er seitens
-der Touristen so gewürdigt werden wird, wie er es verdient.
-
- * * * * *
-
-Benutzt wurden: Sommer's Königreich Böhmen; Karlsbad in
-geschichtlicher, medicinischer und topographischer Beziehung von Dr. E.
-Hlawaček, Verlag v. Hans Feller in Karlsbad; der Wegweiser für Karlsbad
-und Umgebung von Dr. Hlawaček, Verlag von Feller in Karlsbad; der
-Führer in Karlsbad und seiner Umgebung (Verlag v. Franiek und Comp. in
-Karlsbad); Führer durch die westböhmischen Kurorte und deren Umgebung,
-Eger, Druck und Verlag von Stadler und Comp.
-
-Bezüglich der Karte unseres Reisegebietes bemerken wir, dass es
-unmöglich war, sämmtliche Aussichtspunkte und Orte, welche der Führer
-enthält, in dieselbe einzuzeichnen; wir mussten uns auf die wichtigsten
-beschränken, da sonst die Karte unleserlich und dadurch unbrauchbar
-geworden wäre. Eisenbahnen, Strassen, Wege und Stege enthält sie
-vollständig, und das ist umsomehr die Hauptsache, als die einzelnen,
-nicht eingezeichneten Objekte im Buche so genau beschrieben sind, dass
-die Bestimmung der Lage derselben gar keiner Schwierigkeit unterliegt.
-
-
-
-
-Register.
-
-
-Orte, welche bei Aussichtspunkten nur erwähnt sind, wurden nicht
-vollständig aufgenommen. Ist ein Ort, Berg u. s. w. speciell behandelt
-oder besonders betont, so ist er mit der Seitenzahl angeführt. Die
-fettgedruckten Zahlen weisen auf die spezielle Behandlung hin.
-
-
- A.
-
- Abenddämmerung =18=.
-
- Abendröthe =18=.
-
- Aberg 11, 38, 78.
-
- Abg'span das 91.
-
- Abertham 21, =115=, =116=, =117=.
-
- Adelsberg 7.
-
- Adorf 21, 40, 41.
-
- Aich 11, =82=.
-
- Alpenglühen =20=.
-
- Altenberg 21.
-
- Altengrün 60.
-
- Altenteich 36.
-
- Altrohlau 85.
-
- Altsattel 15.
-
- Alaunhütte =127=.
-
- Annaberg 21.
-
- Annakirche bei Eger =31=.
-
- Annathal 60.
-
- Antonienhöhe 30.
-
- Assigbach 15, 16.
-
- Assigbachthal 138.
-
- Asch =41=, =42=.
-
- Aschberg 10, =62=, =63=, 64.
-
- Aubach 16.
-
- Auerhahnl 93.
-
- Auersberg 36, 65.
-
- Auperschin 178, 187.
-
- Aussengefield 21.
-
- Aussig 14, 178, 210, 211, =224= bis =228=.
-
- Auscha 223.
-
- Austein 15.
-
-
- B.
-
- Bärenbrand 36.
-
- Bärenstein (Berg) 8, 146.
-
- Bärenstein (Städtchen) 201.
-
- Bärringen 21, 96, =97=, =98=, 117.
-
- Beerberg 21.
-
- Beerhübel 7, 149.
-
- Bellevue-Tempel 79.
-
- Belvedere (Karlsbad) =77=.
-
- Belvedere (böhmische Schweiz) 231.
-
- Bensen 212.
-
- Berg Troschiger 129.
-
- Bernau =149=.
-
- Bergwerkzechen 23, 24.
-
- Bergwirthshaus 80.
-
- Bernstein 7, 151, 155, 160.
-
- Biela 14, 16.
-
- Bielathal 188.
-
- Bihana 210.
-
- Bilin =173= bis =178=.
-
- Billinka 178, 179.
-
- Bleistadt =58=.
-
- Bodenbach 212 bis 219.
-
- Bohemia 211.
-
- Borislau 177, 178.
-
- Bořen 19, =172=, =173=.
-
- Böhmische Schweiz 230.
-
- Böhmischer Sitz 80.
-
- Böhmisch Sibirien 120.
-
- Brandau 150, 153.
-
- Brandbach 15.
-
- Breitenbach 91, 117.
-
- Breitenstein 148, 230.
-
- Brockengespenst 20.
-
- Brunndöbra 62, 64.
-
- Brunndöbrathal 62.
-
- Brunnersdorf 132, =135=.
-
- Brunnnesselkamm 230.
-
- Brüx 16, =160= bis =173=.
-
- Buchenhöhe 11.
-
- Buchholz 21.
-
- Burberg 8, 9.
-
- Bünaburg 210.
-
- Büschel (bei Görkau) =148=.
-
-
- C.
-
- Crandorf 123.
-
- Crudum 10, =53=.
-
- Cubabrunn 40.
-
-
- D.
-
- Dallwitz 15, =81=.
-
- Dassnitz 15, 38, 49.
-
- Davidsthal 51.
-
- Deblikberg 188.
-
- Denkmäler bei Kulm =194=--=196=.
-
- Dillenberg 10, 16.
-
- Domina 129, 130, 140.
-
- Donnersberg 12, 19.
-
- Doppelburg 199, 200.
-
- Dorotheentempel 80.
-
- Dörnsdorfer Bach 17.
-
- Dörnthal 16.
-
- Drahowitz 98.
-
- Dreiberg 223.
-
- Dreikreuzberg 79, 220.
-
- Drosau 49.
-
- Drum 229.
-
- Dubitz 188.
-
- Duppau 142.
-
- Dux =155=, =156=.
-
- Dürnberg 7.
-
-
- E.
-
- Ebene Teplitzer =191=, =192=, =193=.
-
- Ebersdorf 203.
-
- Edelweiss 20.
-
- Edersgrün 96.
-
- Edmundsgrund 231.
-
- Eger (Fluss) 14, 15.
-
- Eger 15, =31=, =32=, =33=, =34=, =35=, 38.
-
- Egerland 40.
-
- Egerthal 38.
-
- Eibenstock 21.
-
- Eidlitz 16, 128.
-
- Eichberg 224.
-
- Eichelberg =112=, =113=.
-
- Eichwald 20, 199, 203.
-
- Eiland 209.
-
- Einsiedel 20, 152, 154.
-
- Einsiedel (Bad) 152.
-
- Einsiedel (Deutsch) 152.
-
- Einwohnerzahl 21.
-
- Eisenberg 8, =151=, =152=, 160, 168.
-
- Eisknochen 201.
-
- Eispinge 94.
-
- Eisenstrass 21.
-
- Elbe 14.
-
- Elbgebirge 13.
-
- Elbleiten 230.
-
- Elbogen 11, 16, =54= bis =58=.
-
- Elbsandsteingebirge 14.
-
- Elisalexfelsen 231.
-
- Elster 21, 36, 37, 41.
-
- Elstergebirge 40.
-
- Elterlein 21.
-
- Engelhaus =83=, =84=.
-
- Erlbach 40, 41.
-
- Erzgebirge 5, 38, 40, =196=, =197=.
-
- Eulau 209, 210.
-
- Eulauthal 210.
-
-
- F.
-
- Falkenau 10, 15, 16, 38, 39, =49= bis =52=, 53, 54, 58, 59.
-
- Falkenauer Land 10, 49.
-
- Falkenstein 21.
-
- Felshäuser (Neudek) 89.
-
- Ferdinandshöhe 47, 225.
-
- Fichtelberg 9, 36, 146.
-
- Fichtelgebirge 16, 38, 40.
-
- Findlaters-Tempel =76=.
-
- Fischern 15, 82, 85.
-
- Fladererberg 91.
-
- Flachsgrund 151.
-
- Fleissenbach 15.
-
- Flöhe 17.
-
- Flöhauerbach 16.
-
- Flössberg 65.
-
- Flössgraben 16.
-
- Fluthbach 16.
-
- Flüsse 14.
-
- Försterhäuser 17, 117.
-
- Försterhaus (Marienbad) 47.
-
- Franzensbad =28=, =29=, =30=, 35, 41.
-
- Frauenreuth 36.
-
- Frauschieterberg 187.
-
- Frauenstein 21.
-
- Freudenstein =108=, =109=.
-
- Freundschaftsanhöhe =77=.
-
- Frühbuss 21, =65=.
-
- Friederikenfels 80.
-
- Freiberg 21.
-
- Fuchsgrund =167=.
-
- Fuchshütte 198.
-
- Fuchsloch 98.
-
- Fuchswarte 198.
-
- Fundorte der Mineralien 24 bis =27=.
-
- Fürnstein Anton =50=, =51=.
-
-
- G.
-
- Gabhorn 49.
-
- Gabrielahütten =150=, =153=.
-
- Gaisberg 149.
-
- Galgenberg bei Görkau 148.
-
- Galgenberg b. Joachimsthal 103.
-
- Ganghofer Berg =173=.
-
- Gängerhäusel 49.
-
- Geiersburg 205, 206.
-
- Geisinger Berg 201.
-
- Geltschbad 223.
-
- Geltschberg 223.
-
- Georgshöhe 148, 158.
-
- Gesteinlicht 61.
-
- Geyer 21.
-
- Giebacht 86.
-
- Giesshübel-Puchstein =84=, =85=, =142=, 143.
-
- Glatze 36.
-
- Glasberg 8, 61, 95, 189.
-
- Glieden 130.
-
- Gliedner Berg 8.
-
- Globenstein 123.
-
- Goldbach 16.
-
- Goldenhöhe =123=.
-
- Gossengrün =58=.
-
- Gottesgab 9, 10, 21, =118=, =119=.
-
- Göhrner Hügel 7.
-
- Görkau 16, 128, =147= bis =152=.
-
- Göthe =50=.
-
- Göttersdorfer Bach 16.
-
- Graben 110, 224.
-
- Grasengrün 98.
-
- Graslitz 15, =60=, =61=, =62=, 63, 64.
-
- Gränzbach 17.
-
- Grauenstein 111.
-
- Graupen 17, 202.
-
- Grossenteich 95.
-
- Grosspriesen 224.
-
- Grundbach 16, 168.
-
- Grundbachthal 135, 136.
-
- Grund Komotauer =138=, =139=.
-
- Grundmühle (Komotau) 128.
-
- Grund Platzer =130=.
-
- Grundthal 132.
-
- Grün 53, 132, 133.
-
- Grünberg 31.
-
- Gründung der Städte im Erzgebirge =21=.
-
- Grünhain 21.
-
- Grünlasthal 54.
-
- Grünthal 150, 153.
-
- Grünze 156.
-
-
- H.
-
- Haardorf 144.
-
- Habichtsfelsen 154.
-
- Hagensdorf 15, 135.
-
- Halde 110.
-
- Halmgrün 95.
-
- Hammer 20, 152, 168.
-
- Hammerberg 8.
-
- Hammer Böhmisch 123.
-
- Hammer (Hammergrund) 154, =159=.
-
- Hannersdorf 149.
-
- Hansheiling 57, =82=.
-
- Hartenberg =51=, =52=, 65.
-
- Haselbach 54.
-
- Haselstein 7, 154.
-
- Hasenburg 176, 177.
-
- Haslau 35.
-
- Hassenstein 130, =132=, =133=, =134=, =135=, 136.
-
- Hassensteiner Schlossberg 8.
-
- Hauenstein =112=.
-
- Hauensteinberg 9.
-
- Hauenstein-Warta 142.
-
- Hausberg 61.
-
- Häuselberg 148.
-
- Heidenschloss 212.
-
- Heinrichsgrün 21, =58=, =59=, =60=.
-
- Heinrichssteinfels 117.
-
- Helenenhof 80.
-
- Helms Ruhe 186.
-
- Hengstererben 21, 115.
-
- Herrenskretschen 14, 212, =230=, =231=.
-
- Herrgottsstuhlberg 9.
-
- Hertine 187.
-
- Himmelstein 8.
-
- Hirschberg 36.
-
- Hirschensprung =76=.
-
- Hirschenstand 21, 64, 65.
-
- Hofberg 90.
-
- Hochtannenberg =89=.
-
- Hohe Glatze 10.
-
- Hohenberg 95.
-
- Hohenstein 210.
-
- Hohentann 130.
-
- Hoher Hau 97.
-
- Hoher Stein =10=, 36, =40=, =41=.
-
- Hochstadt 21.
-
- Holzbach 15.
-
- Holzbau 61.
-
- Horatitz 15.
-
- Hořenzer Berg 170.
-
- Hostenitz 15.
-
- Höben 189.
-
- Höflas 35.
-
- Höhendorfer Höhe 47.
-
- Hölle 62.
-
- Höllenbach 15.
-
- Höllengrund 222.
-
- Höllenhammer 62.
-
- Höllenstein 131.
-
- Hradek 224.
-
- Hradisken 220.
-
- Hundsbach 16.
-
- Huritzberg 49.
-
- Hut (Forsthaus) 114.
-
- Hutberg 8, =127=, =128=, 148.
-
- Hutberg bei Bünaburg 210.
-
- Hübladung 150, 154, 155.
-
- Hüttengrund 198.
-
-
- CH.
-
- Charakter der Erzgebirger 21.
-
- Chodaubach 15.
-
- Chodolitz 176.
-
-
- I.
-
- Illmesberg 65.
-
- Industriezweige 22.
-
- Irrgang 93, 118.
-
-
- J.
-
- Jagdschloss bei Eichwald 198, 200.
-
- Jentschitz 176.
-
- Joachimsthal 21, =103= bis =115=.
-
- Johannisfeuerberg 151.
-
- Johann-Georgenstadt 21, 91.
-
- Johannis-Kapelle 110.
-
- Johnsdorf 152, 154, =159=, 168.
-
- Josefsdorf 51.
-
- Judendorf 202.
-
- Jungenhengst 118.
-
-
- K.
-
- Kaaden 15, =140=, =141= bis =145=.
-
- Kaff (Ober) 116.
-
- Kahlenberg 201.
-
- Kaiserbuchwald 91.
-
- Kaiser Franz Josefs-Höhe =77=.
-
- Kaiser Josefs-Schacht 110.
-
- Kaiserwald 10, 38.
-
- Kalkofenhöhe 132.
-
- Kallich 140, =149=.
-
- Kalter Winter 120.
-
- Kamaiker Eisberg =219=, =220=.
-
- Kammerbühl =30=, =31=.
-
- Kammersberg =89=.
-
- Kammersgrün 96.
-
- Kampelberg 152.
-
- Kapellenberg bei Steinbach =53=.
-
- Kapellenberg bei Voitersreuth 10, =35=, =36=, 40.
-
- Kapuzinerhau 7.
-
- Karlsbad 15, 16, =66= bis =85=, 98.
-
- Karls IV. Statue 79.
-
- Katharinaberg 21, 150, =152= bis =155=.
-
- Katzenfelsen 61.
-
- Katzengrün 39.
-
- Katzenhübel 148.
-
- Katzenrücken 150.
-
- Käsherdberg 154.
-
- Keilberg 9, 36, =113=, =114=, =119=, 146.
-
- Keller (bei Deutsch-Kralupp) 135, 136.
-
- Kelchberg 223.
-
- Kernberg 60.
-
- Kirchberg 40.
-
- Kiel 36, 63.
-
- Kirchenbirg 53.
-
- Kienhaide 139, 140.
-
- Klapay 176, 177.
-
- Kleinkahn 210.
-
- Kleinpriesen 14.
-
- Kleinthal 144.
-
- Klein-Versailles 78.
-
- Klima 18.
-
- Klingenthal 15, =62=, =63=, 64.
-
- Klinghard 36.
-
- Kloben 15.
-
- Klostergrab =157=, =158=, 198.
-
- Klösterle 15, 143, 144.
-
- Koboldstein 111.
-
- Kohlhau 91.
-
- Kohling 10, 53.
-
- Kokorschin 224.
-
- Kolditz 17.
-
- Kollosoruk 170.
-
- Komotau 16, =123= bis =140=.
-
- Komotauer Grund 16.
-
- Konojed 224.
-
- Kopitz 169.
-
- Koppe 112, 113.
-
- Koppenberg 210.
-
- Koppenstein 49.
-
- Kosel 170.
-
- Kosten 178, 179, 198.
-
- Kostenblatt 180, =189=, =190=, =191=.
-
- Kostial 174, 176.
-
- Königsberg a. E. 9, 10, 15, 36, 38, 49.
-
- Königsfeld =188=.
-
- Königshöhe =185=.
-
- Königshügel 7, 158.
-
- König Otto's Höhe 79.
-
- König Otto's Quelle =84=.
-
- Königswald 209, 210.
-
- Königswarth (Schloss, Stadt u. Kurort) =42=, =43=, =44=, =45=.
-
- Königswerth 52.
-
- Kösseine 35.
-
- Kralupp-Deutsch 15, =135=.
-
- Kranichsee =64=, =65=.
-
- Kreuzberg (Neudek) =88=.
-
- Kreuzweg 152.
-
- Krima 15, 140.
-
- Kroatenloch 157.
-
- Kröndorf 113.
-
- Křemusch (Krschemusch) 14, 190.
-
- Kundratitz =220=, =221=.
-
- Kulm 210.
-
- Kulmer Schlachtfeld 210.
-
- Kupferberg =143=, =144=, =145=, 146.
-
- Kupferhügel 9, 143, 144, =145=, 146.
-
-
- L.
-
- Labitzki Josef 49.
-
- Ladung 149.
-
- Landwüst 36, 40.
-
- Lanz 51, 59.
-
- Laubenschlucht =211=.
-
- Lauenstein 201.
-
- Laurenzkapelle 80.
-
- Lauterbach 10, 53.
-
- Leibitsch 15.
-
- Leibitschbach 15.
-
- Leibitschkamm 10.
-
- Leibitschthal =41=.
-
- Leitmeritz 14, 15, =212=--=224=.
-
- Leopoldshammer im Leibitschthal 58.
-
- Leopoldshöhe 211.
-
- Leskau =143=.
-
- Leskauer Schlossberg 9.
-
- Lessau 98.
-
- Liboch 224.
-
- Libochowan 220.
-
- Libotschan 16.
-
- Lichtenstadt =95=, =96=.
-
- Lichtenwald 158.
-
- Liebaubach 10.
-
- Liebenau 58.
-
- Liebeschitz 223.
-
- Liebenstein 35.
-
- Liebenstein Schloss 36.
-
- Liebensteiner Bach 15.
-
- Liebwerd 212.
-
- Lilienstein 201.
-
- Lindau 169.
-
- Littmitz 54.
-
- Lobosch 179.
-
- Lobositz 14, 174, 176, =178=, =179=, =180=.
-
- Lobsbach 10, 16.
-
- Lobsthal 50, 52, 59.
-
- Loch langes 222.
-
- Lochstein 201.
-
- Lohma-Ober 35.
-
-
- M.
-
- Maierhöfen 15.
-
- Malkau 132, 133.
-
- Manfredterrasse 199.
-
- Maria-Kulm 36, =37=, =38=, =39=, 53.
-
- Mariaschein 202, 204.
-
- Maria-Sophienweg =78=, =79=.
-
- Mariasorg =111=.
-
- Marienbad 45, =46=, =47=.
-
- Marienberg 21, 139, 225.
-
- Marienkirchen 21.
-
- Marienthal 152.
-
- Markhausen 64.
-
- Markneukirchen 40, 41, =63=, =64=.
-
- Mähring in Baiern 16.
-
- Meczery-Höhe 83.
-
- Mentau 220, 221.
-
- Merkelsgrün 96, 97.
-
- Michelshöhle 172.
-
- Millersgrün 49.
-
- Milleschau 167, 179.
-
- Milleschauer 12, =177=, =178=, 179, 180.
-
- Mineralreich 23.
-
- Miramonte 30.
-
- Mittelgebirge 11.
-
- Morgendämmerung 18.
-
- Morgenröthe 18.
-
- Mostau 54.
-
- Muckenbühl 10, =61=, =62=.
-
- Mulde 17.
-
- Mückenberg 202, =203=.
-
- Mückenthürmchen 7, 203.
-
- Müglitz 17.
-
- Müglitzthal 203.
-
- Mühlacker der 58.
-
- Mühlbach 15.
-
- Mühlberg 199.
-
-
- N.
-
- Nabrowan 188, 189.
-
- Nancy Forsthaus 64.
-
- Natschung 17, 140.
-
- Nebanitz 15.
-
- Neudek =85=, =91=.
-
- Neudorf 130, 140.
-
- Neudorf bei Petschau 49.
-
- Neudörfel 135.
-
- Neufischern 85.
-
- Neuhammer =90=.
-
- Neuhaus 16.
-
- Neuhäuser 58.
-
- Neukirchen 36.
-
- Neundorf 16.
-
- Neustein =149=.
-
- Niklasberg 197, 198.
-
- Nickelsdorf 15, 152.
-
- Nollendorf 7, 13, 206.
-
- Nollendorfer Höhe 203, 206.
-
- Nollendorfer Pass 206, 207.
-
- Nonnengrün 41.
-
- Nonnenhübel 7.
-
-
- O.
-
- Oberdorf 16, 128, 160.
-
- Obergeorgenthal 152, 154, 160, 168.
-
- Obergrüntes 58.
-
- Oberleutensdorf 154, =158=, =159=, =160=, 169.
-
- Obersachsenberg =62=, =63=, 64.
-
- Oberwernersdorf 15.
-
- Olbernhau 150.
-
- Ossegg 20, =156=, =157=.
-
- Otterstein 7, 139.
-
- Ottowitz 94.
-
-
- P.
-
- Panorama 79.
-
- Parapluieberg 199.
-
- Peintlberg =86=.
-
- Peiperz 209.
-
- Peterswalde 13.
-
- Petschau =48=, =49=.
-
- Pfaffenberg 103, 210.
-
- Pfarrknöchel 114.
-
- Pichlberg 52.
-
- Pilkau 177, 178.
-
- Pirkenhammer =82=, =83=.
-
- Pirkner-Bach 16.
-
- Plassdorf 132, 133.
-
- Platten 9, 10, 16, 17, 21, =91=, =92=, =93=, =94=, =95=, 117, 128.
-
- Platten bei Komotau 149.
-
- Plattenberg 10, =93=.
-
- Platz 132, 133.
-
- Pleilberg 8.
-
- Plessberg 116.
-
- Ploben 81.
-
- Ploschkowitz 223.
-
- Podhorn 48.
-
- Podhornberg 16, 48.
-
- Poschitzau 11.
-
- Postelberg 16.
-
- Posthof 75.
-
- Pöhlbach 17.
-
- Pöllner-Berg 8.
-
- Prebischgrund 230.
-
- Prebischthor 230.
-
- Prebischwände 230.
-
- Press 114.
-
- Pressnitz 143, =146=.
-
- Pressnitz-Bach 17.
-
- Priesen 15.
-
- Prosanken 187.
-
- Probstau 186.
-
- Prölberg 9.
-
- Prösau 53.
-
- Pulsnitzthal 212.
-
- Purberg kleiner 129.
-
- Püllna =169=, =170=.
-
- Pürstein 144.
-
-
- Q.
-
- Quaderberg 211, 230.
-
- Quadersandstein-Gebirge 196, 197, 207.
-
- Quinau 149.
-
- Quinauerbach 16.
-
-
- R.
-
- Rabenstein =53=.
-
- Rabitsch 54.
-
- Radebeule (Radobyl) =219=.
-
- Radelstein =174=, =175=.
-
- Radonitz 142.
-
- Ranz 131.
-
- Raschau 123.
-
- Raudnitz 14.
-
- Rauschengrund 154, 159.
-
- Razeine 188, 189.
-
- Rehefeld 198, 201.
-
- Reichenau 53.
-
- Reichen-Geschieb-Zeche 114.
-
- Reischberg 146.
-
- Reischdorf 146.
-
- Reischhöhe 8, 15.
-
- Reiseregeln 1.
-
- Reitzenhain 20, =139=.
-
- Ressel =166=, =167=.
-
- Richardshöhe 61.
-
- Riesenburg 7, 157.
-
- Riesenquelle 156.
-
- Ringelberg 7.
-
- Ringelstein 139.
-
- Robitschberg 58.
-
- Rodabach 10.
-
- Rodenauer-Bach 16.
-
- Rodisfort 85, 142.
-
- Rohankreuz 78.
-
- Rohlaubach 15.
-
- Roland 8.
-
- Rongstock 14.
-
- Rosenberg 14.
-
- Rosenburg 202.
-
- Rosenthal 169.
-
- Rosenthal bei Bodenbach 209.
-
- Rosenwände 211, 230.
-
- Rothau 60.
-
- Rothenhaus 20, =148=, =149=.
-
- Rothenhauser Flössbach 16.
-
- Röthlinger Bach 16.
-
- Ruland 128.
-
- Russelsitz =78=.
-
- Ruttenbach 168.
-
-
- S.
-
- Saaz 15.
-
- Salesiushöhe 7, =157=.
-
- Salesl 189.
-
- Sandel 159.
-
- Sandhäuser 52.
-
- Salmthal 95, 96, 97.
-
- Sangerberg 16, =45=, 53.
-
- Saras =166=.
-
- Saubach 15.
-
- Sauerbrunn Biliner =170=, =171=, =172=.
-
- Sauersack 64.
-
- Saustein 136.
-
- Sängerhöhe 61.
-
- Säuerling (Karlsbad) 80.
-
- Schäferei (Dorf) 52.
-
- Schäferwand 211.
-
- Schallan 178.
-
- Scharfenstein 212.
-
- Scheibenberg 21, 36.
-
- Scheibenkoppe 230.
-
- Schiefergrund 167.
-
- Schiesshaus bei Oberleutensdorf 159.
-
- Schindelwaldel 60.
-
- Schiselitz 15.
-
- Schlacht bei Kulm =192=, =196=.
-
- Schlackenwerth 15, =98= bis =103=.
-
- Schladabach 15.
-
- Schlaggenwald 16.
-
- Schlossberg (bei Brüx) =167=.
-
- Schlossberg (bei Engelhaus) 11.
-
- Schlossberg (bei Joachimsthal) 103.
-
- Schlossberg (bei Teplitz) =186=, =187=.
-
- Schmiedeberg 143, 145, =146=.
-
- Schneckenstein 64.
-
- Schneeberg 7, 13, 21, 35, 94, =208=, 209, 212.
-
- Schömnitzstein 84.
-
- Schönau (Graslitz) 62.
-
- Schönau (Marienbad) 47.
-
- Schönau (Teplitz) =180=, =181=, =182=.
-
- Schönbach 10, =39=, =41=.
-
- Schönbach (bei Oberleutensdorf) 159.
-
- Schönberg 35.
-
- Schönbrunn 80.
-
- Schönburg =143=.
-
- Schönburger Schlossberg 8.
-
- Schöneck 21, 36.
-
- Schönwerth 50.
-
- Schreckenstein =226=, =227=.
-
- Schützeninsel (bei Leitmeritz) =219=.
-
- Schwaderbach 15, 64.
-
- Schwand 53.
-
- Schwanderberg 53.
-
- Schwarzenberg 21, 123.
-
- Schwarzfelsberg 9.
-
- Schwarzwasser 17.
-
- Schwarzwasserbach 17.
-
- Schwarz- oder Pleilwasserbach 17.
-
- Schwarzwasserthal 118.
-
- Schweiger 130, 132.
-
- Schweiger Berg 8.
-
- Schweinitzbach 17.
-
- Schweissjäger 200.
-
- Schweizerhof 80.
-
- Schweizermühle 200.
-
- Schwindelweg 80.
-
- Sebastiansberg 16, 138, =139=, 140.
-
- Seeberg 8, 9, =35=, 151.
-
- Seegrund 200.
-
- Seestadtl 16.
-
- Seifen 17, 117.
-
- Seifen (Sachsen) 154.
-
- Seilerweg =110=.
-
- Selb 35.
-
- Serpinathal 170.
-
- Seyda 21.
-
- Siebenbrunn 40.
-
- Siebengiebel 201.
-
- Siechenhaus 31.
-
- Silberstollen (bei Rothenhaus) 150.
-
- Sirmitzbach 15.
-
- Sittmesgrün 86.
-
- Skalitz =220=.
-
- Skalken 174, 175.
-
- Sodau 98.
-
- Somerau 14.
-
- Sonnenwirbel oder Keilberg 9, 36, =113=, =114=, =119=, 146.
-
- Sonnenberg 135, =137=, =138=.
-
- Sperlingstein 212.
-
- Sphinx 143, 144.
-
- Spinnelsdorfer Kuppe 9.
-
- Spitzberg bei Gottesgab 10, 114, 117, 146.
-
- Spitzberg bei Hannersdorf 148.
-
- Spitzberg bei Lauterbach 10.
-
- Spitzberg bei Nickelsdorf 9.
-
- Spitzberg bei Pressnitz 8.
-
- Spitzberg bei Schönwald =206=.
-
- Spitzbergel 112.
-
- Spitzhüttel =212=.
-
- Spitziger Stein 58.
-
- Sprudel (Brüxer) 168.
-
- Staditz 178, =188=.
-
- Stefanshöhe =79=, 185.
-
- Stein 31, 40.
-
- Stein Biliner oder Bořen =172=, =173=.
-
- Steinbach 53.
-
- Steinberg 7, =89=.
-
- Steinbock 36.
-
- Steingrub 36.
-
- Steingrün 144.
-
- Steinl 154.
-
- Stockraumwald 7.
-
- Stolzenhahn 122.
-
- Störlberg 36.
-
- Stösserfelsen 154.
-
- Streckenwald 203.
-
- Střezowitzer Berg 225.
-
- Strösauer Hügel 9.
-
- Suchey 189.
-
- Sullowitz 176.
-
- Suttomer Berg 174, 175.
-
-
- T.
-
- Tannich 8.
-
- Tannichberg 150.
-
- Taschenhäusel 86.
-
- Tellnitz 200.
-
- Tepel 11, 16, =48=.
-
- Tepeles 49.
-
- Tepler Gebirge 10, 38.
-
- Teplitz Schönau 177, =180=--=209=.
-
- Teschwitz 52.
-
- Tetschen 14, =228=, =229=, =230=.
-
- Theinwald 51.
-
- Theresienstadt 15.
-
- Theresiensitz 151.
-
- Thierbach 86.
-
- Thierbacher Kapelle =88=, =89=.
-
- Thum 21.
-
- Tichlowitz 14.
-
- Tiefenbach 49.
-
- Tirschnitz 15.
-
- Tlutznerthal 220.
-
- Töltschberg 150.
-
- Trausnitzberg 95.
-
- Trebnitz 176.
-
- Tschausch 16.
-
- Tschenschitz 180.
-
- Tschernosek-Gross 220.
-
- Tschernowitz (Komotau) 128, 129, =130=, 132.
-
- Tschochau 178, 187, 188, 189.
-
- Turner Park =185=, =186=.
-
- Tüppelsgrün 86, 96.
-
- Türkner Berg 103.
-
- Türmitz 178, 188, 210.
-
- Tyrnowan 16.
-
- Tyssa 207, 208.
-
- Tyssaer Wände 7, =207=, 209, 212.
-
-
- U.
-
- Ullersgrün 111.
-
- Ulmbach 139.
-
- Unterland 38.
-
- Untergrün 59.
-
- Urissner Bach 16.
-
- Ursprung 40.
-
-
- V.
-
- Veitsberg 81.
-
- Verkehrswesen 21.
-
- Vierfels 91.
-
- Vieruhrpromenade =76=, =77=.
-
- Villa Lützow 79.
-
- Vogelherd 199.
-
- Voigtsgrün 86.
-
- Voitersreuth 10, 36, 41.
-
- Voitsdorf 203.
-
-
- W.
-
- Wache 222.
-
- Wachhübel 7, 148, 154.
-
- Wachholder Berg 186.
-
- Wachtberg 7.
-
- Waldl 59.
-
- Waldsassen 16, =34=, =35=.
-
- Waldstein 35.
-
- Warhorscht 222.
-
- Wartha 15, 144.
-
- Watislaw 175.
-
- Wächterhau 89.
-
- Weheditz 98.
-
- Weheditzer- (Zettlitzer) Höhe 94.
-
- Weinberg 154.
-
- Weingarten 148.
-
- Weipert =123=, 143, 145.
-
- Weissenstadt 14.
-
- Weisseritz 17.
-
- Weisser Berg (Leitmeritz) 202.
-
- Weisses Kreuz 78.
-
- Weitzengrün 15.
-
- Welboth 187.
-
- Welchau 142.
-
- Welchau-Wickwitz 85.
-
- Wellemin 178.
-
- Wenkau 144.
-
- Werlsberg 115.
-
- Wernersdorfer Bach 15.
-
- Wernitzgrün 40.
-
- Werschetiner Berg 174, 175.
-
- Weseritz 15.
-
- Wiener Sitz 80.
-
- Wies 36.
-
- Wiese =74=, =75=.
-
- Wieselstein 7, =158=, 160.
-
- Wiesenthal (Böhmisch) 21, 122.
-
- Wiesenthal (Sächsisch) 21, 122.
-
- Wildenthal 10, 65.
-
- Wildstein 36.
-
- Wilhelmshöhe 7, 202.
-
- Wisset 15, 120.
-
- Wistritz 15.
-
- Wistritzberg 9.
-
- Wittigsthal 118.
-
- Wolfsberg 8.
-
- Wolfs- (oder Eis-) Pinge 94.
-
- Wolfstein 7, 198.
-
- Wolkenstein 21.
-
- Wondreb 16.
-
- Wostrey (Hohe) =226=, =227=, =228=.
-
- Wotsch 144.
-
- Wölfling =95=, =96=.
-
- Wörth 52.
-
- Wudingrün 52, 53.
-
-
- Z.
-
- Zaunhaus 198, 201.
-
- Zechenberg 150.
-
- Zechenthal 10, 16.
-
- Zettlitz =81=, 98.
-
- Zieberle 135, 136.
-
- Ziegenberg 148.
-
- Ziegenschacht 94.
-
- Zinkenstein 212.
-
- Zinnwald 200, 201, 203.
-
- Zollhaus 130.
-
- Zöblitz 21.
-
- Zschoppau 211.
-
- Zwittermühl 117.
-
- Zwodau 15, 51.
-
- Zwodauthal 50, 59, 62.
-
-[Illustration]
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Im Verlage von HANS FELLER in KARLSBAD erscheint im Herbst 1881:
-
-
-Der Joachimsthaler Bezirk.
-
-Heimatskunde für Schule und Haus.
-
-Bearbeitet von
-
-=Eduard Wenisch=,
-
-Bürgerschullehrer in Joachimsthal.
-
-
-Der Karlsbader Bezirk.
-
-Heimatskunde für Schule und Haus.
-
-Bearbeitet von
-
-=Franz Josef Herrmann=,
-
-k. k. Bezirksschul-Inspector in Karlsbad.
-
-
-Im Verlage von CARL BELLMANN in PRAG erschien:
-
-
-Dichterbuch
-
-zur Pflege der österreichischen Vaterlandsliebe.
-
-Für Schule und Haus.
-
-Gesammelt und zusammengestellt von =Eduard Wenisch=, Bürgerschullehrer
-in Joachimsthal.
-
-Epische und lyrische Poesie.
-
- Erster Theil:
-
- Epische Poesie
-
- Mit den Porträts Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. und
- Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth.
-
-
- Zweiter Theil:
-
- Lyrische Poesie
-
- Mit den Porträts Sr. kais. Hoheit des Kronprinzen Rudolf und
- Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Albrecht.
-
-Preis: =broschirt= à Bd. =fl. 3.--=, in =Pracht-Einband= à Bd.
-=fl. 4.--=.
-
-Die überaus freundliche Aufnahme, welche dem »Dichterbuch« besonders
-von Seite _der Presse_ zu Theil wurde, gründet in uns die Ueberzeugung,
-dass dieses patriotische Werk auch beim _Publikum_ die weiteste
-Verbreitung finden wird, und empfehlen wir dasselbe vorzugsweise als
-_Festgeschenk für die österreichische Jugend sowie allen Schul- und
-Lehrerbibliotheken_.
-
-=Wir richten an alle Patrioten von Oesterreich-Ungarn, insbesondere
-an den varterländischen Lehrerstand, die Bitte, nach Kräften zur
-Verbreitung des österreichischen Dichterbuches gütigst beitragen zu
-wollen.=
-
-[Illustration]
-
-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
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-[Illustration]
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Vorräthig bei =HANS FELLER in Karlsbad=.
-
-Mitte der alten Wiese.
-
-
-Hôtel- und Bahnhofskurskarte von Mittel-Europa
-
-_9 Sectionen._
-
-Preis 10 Mark in Umschlag. Aufgespannt mit Stäben 20 Mk.
-
-
-Speciell für die praktischen Bedürfnisse des reisenden Publikums.
-
-
-W. WILLIAMS'
-
-Original-Kurskarte von Mittel-Europa.
-
-Preis 1 Mark.
-
-Diese Karten sind nach ganz neuem Princip bearbeitet, die Einrichtung
-ist das Resultat eingehender Versuche. Alle Eisenbahnverbindungen
-werden durch rothe, die Postrouten durch gelbe und die Fluss- und
-Seedampfer durch blaue Linien dargestellt und die Hauptverbindungen
-verstärkt hervorgehoben. Die Postlinien stehen erst in zweiter
-Linie der Wichtigkeit und wurden zweckentsprechend mit lichter
-Farbe eingedruckt; ein dunkler Ton würde die Uebersichtlichkeit der
-Eisenbahnverbindungen aufgehoben haben.
-
-So weit die rothen Linien auf den Karten reichen, befördert die
-Eisenbahn den Reisenden; wo dieselben endigen, hört auch diese
-Beförderung auf. Eine gelbe Linie bezeichnet das Vorhandensein von
-Personenposten, ihre Richtung und Ausdehnung. Vom Ausgangspunkte
-regelmässiger Dampfer-Kurse beginnt die blaue Linie und führt von
-Station zu Station zum Endpunkte.
-
-Die Karte ist so gefaltet, dass alle Theile derselben besichtigt werden
-können, ohne dass sie ganz auseinander gelegt zu werden braucht. Diese
-Einrichtung erspart zugleich den theuren Aufzug auf Leinwand.
-
- Geographisches Institut zu Weimar.
-
-[Illustration]
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Grieben's
-
-Reise-Bibliothek.
-
-Sammlung von praktischen Reiseführern
-
-mit Reisekarten und Städteplänen.
-
-
- Nr. M. Pf.
-
- 1. Deutschland und Oesterreich, geb. 5.--
-
- 2. Harz, grosse Ausg. 2.--
-
- 3. Thüringen, grosse Ausg. 2.--
-
- 4. Dresden und Sächsische Schweiz, gr. Ausgabe 2.--
-
- 5. Dresden, kl. Ausgabe 0.80
-
- 6. Berlin und Potsdam, gr. Ausg. 2.--
-
- 7. Hamburg, gr. Ausg. 1.50
-
- 8. Wien, gr. Ausg. 1.20
-
- 10. Potsdam 0.50
-
- 12. Schweden, geb. 4.--
-
- 13. Norwegen 2.50
-
- 14. Fröhlich's Reisebuch für Handwerker 1.50
-
- 14a. do. cartonn. m. Karte 1.80
-
- 16. Sächsische Schweiz 1.--
-
- 17. Brunnen- und Badeorte 2.--
-
- 18. Riesengebirge, gr. Ausg. 2.--
-
- 19. München, gr. Ausgabe 1.--
-
- 20. Salzkammergut und Tirol 2.--
-
- 21. Paris und Umgebungen 1.50
-
- 22. Belgien und Holland 2.--
-
- 23. Die Schweiz, gr. Ausg. 3.--
-
- 24. dto. kl. Ausg. 1.50
-
- 26. Prag 1.50
-
- 27. St. Petersburg 3.--
-
- 28. Die Rheinlande von der Nordsee bis zur
- Schweizer Grenze, geb. 5.--
-
- 29. Der Rhein 2.25
-
- 33. Saint-Pétersbourg (frz.) 1.50
-
- 35. Fichtelgebirge und Fränk. Schweiz 1.50
-
- 36. Schwarzwald 2.50
-
- 39. Warmbrunn, Reinerz, Landeck und weitere
- Schlesische Kurorte 1.--
-
- 41. Franzensbad, Elster 0.75
-
- 42. Marienbad 1.--
-
- 43. Karlsbad 1.50
-
- 44. Teplitz 1.50
-
- 50. Kreuznach 1.50
-
- 50a. Kreuznachs Heilquellen 0.80
-
- 56. Swinemünde, Misdroy, Heringsdorf 1.20
-
- 57. Kopenhagen 2.--
-
- 58. Frankreich und Spanien 1.50
-
- 59. London, kl. Ausg. 1.20
-
- 60. Harz, kl. Ausg. 0.75
-
- 61. Bad Ems 1.--
-
- 62. Nürnberg 1.--
-
- 65. Insel Rügen 1.--
-
- 66a. Potsdam (englisch) 0.75
-
- 67. München (englisch) 1.70
-
- 68. Berlin, kl. Ausg. 0.80
-
- 69. Märkische Schweiz 0.80
-
- 71. Kissingen 1.--
-
- 72. Von München oder Wien nach Ober-Italien 2.--
-
- 73. Hamburg, kl. Ausgabe 0.80
-
- 74. München (franz.) 1.50
-
- 75. Kleiner Führer für die Rheinreise
- (Köln-Heidelberg) 1.20
-
- 77. Strassburg, Metz und die Vogesen 1.50
-
- 80. Italien (in einem Bande) 5.--
-
- 81. Riesengebirge, kl. Ausg. 0.75
-
- 82. Thüringen, kl. Ausg. 0.80
-
-
-Die Führer aus »=Grieben's Reisebibliothek=« sind in allen grösseren
-Buchhandlungen vorräthig, sonst zu beziehen aus der Verlagsbuchhandlung
-von
-
-Albert Goldschmidt
-
-in Berlin W.
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichniss.
-
-
- Seite
-
- Einleitung I bis VII
-
- Reiseregeln 1
-
- Verkehrs- und Transportwesen 2
-
- Geografisches 5
-
- Das Erzgebirge 5
-
- Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe,
- ausgezeichnete Höhepunkte des Erzgebirges 6
-
- Das Gebirge nördlich von der Eger 10
-
- Das Mittelgebirge 11
-
- Flüsse 14
-
- Elbe, Eger 14
-
- Biela 16
-
- Klima 17
-
- Morgen- und Abenddämmerung, Morgen- und Abendröthe 18
-
- Einwohnerzahl, Charakter der Erzgebirgsbewohner 20
-
- Das Mineralreich 23
-
- Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden
- Gebiete von Franzensbad aus 28
-
- Franzensbad 28
-
- Eger 31
-
- Franzensbad -- Seeberg -- Kapellenberg 35
-
- Franzensbad -- Wildstein -- Wies --
- Schloss Liebenstein-Elster -- Maria-Kulm --
- Schönbach -- Asch -- Königswart --
- Sangerberg -- Marienbad 36--47
-
- Marienbad -- Podhorn -- Tepl 48
-
- Marienbad -- Petschau 48
-
- Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus 49
-
- Falkenau -- Hartenberg 51
-
- Falkenau -- Sangerberg -- Crudum --
- Schwanderberg -- Kapellenberg -- Maria-Kulm --
- Mostau 53, 54
-
- Elbogen 54
-
- Falkenau -- Gossengrün -- Bleistadt --
- Heinrichsgrün -- Graslitz -- Klingenthal --
- Markneukirchen -- Schneckenstein --
- Schwaderbach -- Forsthaus Nancy -- Sauersack --
- Kranichsee -- Hirschenstand -- Frühbuss 58--65
-
- Besuch des böhmischen Erzgebirges und der
- angrenzenden Gebiete von Karlsbad aus 66
-
- Karlsbad -- Dallwitz -- Zettlitz -- Fischern --
- Aich -- Pirkenhammer -- Engelhaus -- Schloss
- Giesshübel -- Schömnitzstein -- Kurort
- Giesshübel-Puchstein -- Neudek 81--86
-
- Neudek -- Kreuzberg -- Peintlberg -- Thierbacher
- Kapelle -- Felshäuser -- Kammersberg oder
- Hohenau -- Hochtannenberg -- Wächterhau --
- Neuhammer -- Platten 86--91
-
- Platten -- Plattenberg -- Auerhahnl -- Wolfs-
- oder Eispinge -- Lichtenstadt 91--94
-
- Lichtenstadt -- Wölfling -- Bärringen 95--97
-
- Karlsbad -- Schlackenwerth -- Joachimsthal 98
-
- Schlackenwerth 98
-
- Joachimsthal 103
-
- Joachimsthal -- Mariasorg -- Koboldstein --
- Ullersgrün -- Spitzbergel bei Pfaffengrün --
- Hauenstein 111--113
-
- Keilberg 113
-
- Spitzberg 114
-
- Joachimsthal -- Abertham -- Bärringen --
- Platten -- Breitenbach -- Johanngeorgenstadt 114
-
- Abertham 115
-
- Plessberg 116
-
- Joachimsthal -- Spitzberg -- Seifen -- Irrgang --
- Zwittermühl -- Jungenhengst -- Wittigsthal 117
-
- Joachimsthal -- Gottesgab -- Weipert 118
-
- Gottesgab 118
-
- Besteigung des Keilberges 119
-
- Gottesgab -- Försterhäuser -- Goldenhöhe --
- böhmische Mühle -- Rittersgrün -- Globenstein 123
-
- Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus 123
-
- Komotau 123
-
- Komotau -- Alaunhütte -- Stadtpark -- Hutberg 127
-
- Komotau -- Ruland -- Eidlitz -- Görkau -- Platten 128
-
- Komotau -- Grundmühle -- Domina -- Troschig --
- Tschernowitz 128
-
- Komotau -- über Domina nach Glieden -- Wisset --
- Schweiger -- Hohentann -- Hassenstein -- Platzer
- Grund -- Neudorf -- retour 130
-
- Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün,
- Plassdorf, Platz -- Hassenstein -- Brunnersdorf 132
-
- Komotau -- Deutsch-Kralupp, Keller, Neudörfel,
- durch das Grundbachthal über Zieberle nach
- Sonnenberg 135
-
- Sonnenberg 137
-
- Komotau durch das Assigbachthal nach Sebastiansberg 138
-
- Sebastiansberg 139
-
- Sebastiansberg -- Komotau 140
-
- Komotau -- Kaaden 140
-
- Kaaden 140
-
- Kaaden -- Radonitz -- Duppau -- Rodisfurth zum
- Giesshübler Sauerbrunn über Welchau nach der
- Bahnstation Wickwitz -- Welchau 142
-
- Kaaden -- Leskau -- Schönburg 143
-
- Kaaden -- Klösterle -- Kupferberg (Sphinx und
- Kupferhügel) -- Schmiedeberg -- Weipert --
- Pressnitz 143
-
- Klösterle 144
-
- Kupferberg 145
-
- Pressnitz 146
-
- Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus 147
-
- Görkau 147
-
- Görkau -- Platten -- Neustein -- Bernau --
- Hannersdorf -- Kallich -- Ladung 149
-
- Görkau -- Gabrielahütten -- Brandau --
- Grünthal -- Katharinaberg -- Tannichberg --
- Theresiensitz -- Eisenberg -- Einsiedel --
- Ober-Georgenthal -- Johnsdorf -- Hammer 150--152
-
- Katharinaberg 152
-
- Katharinaberg -- Brandau -- Grünthal --
- Gabrielahütten -- Bad Einsiedel --
- Rauschengrund -- Oberleutensdorf --
- Hammergrund -- Johnsdorf -- Görkau --
- Steinl -- Hübladung -- Bernstein 153--155
-
- Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über
- Oberleutensdorf 155
-
- Dux 155
-
- Ossegg 156
-
- Salesiushöhe -- Riesenburg 157
-
- Klostergrab 157
-
- Oberleutensdorf 158
-
- Oberleutensdorf -- Rauschengrund -- Sandel --
- Hammer-Johnsdorf -- Schönbach -- Wieselstein --
- Oberdorf -- Eisenberg -- Obergeorgenthal --
- Bernstein 159--160
-
- Der Besuch des böhmischen Erz- und
- Mittelgebirges von Brüx -- Bilin aus 160
-
- Brüx 160
-
- Brüx -- Saras -- Schlossberg 167
-
- Brüx -- Brüxer Sprudel -- Ober-Georgenthal --
- Eisenberg -- Hammer -- Johnsdorf 168
-
- Brüx -- Kopitz -- Rosenthal -- Lindau --
- Oberleutensdorf 169
-
- Brüx -- Püllna 169
-
- Brüx -- Kollosoruk -- Kosel 170
-
- Brüx -- Sauerbrunn -- Bilin 170
-
- Bilin 173
-
- Bilin -- Radelstein 174
-
- Suttomer Berg -- Skalken -- Kostial --
- Lobositz 174--176
-
- Hasenburg 176
-
- Milleschauer 177
-
- Teplitz -- Borislau -- Pilkau -- Milleschauer 177
-
- Aussig -- Türmitz -- Kosten -- Staditz --
- Tschochau -- Borislau -- Pilkau -- Milleschauer 178
-
- Lobositz -- Billinka -- Wellemin -- Milleschau --
- Milleschauer 178
-
- Lobositz 178
-
- Bilin -- Kostenblatt -- Tschentschitz --
- Milleschauer 180
-
- Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges
- von Teplitz aus 180
-
- Teplitz -- Schönau 180
-
- Teplitz -- Tschochau 187
-
- Teplitz -- Kostenblatt 189
-
- Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge 191
-
- Das Erz- und Quadersandsteingebirge 196
-
- Teplitz -- Kosten und Niklasberg 197
-
- Eichwald -- Doppelburg -- Zinnwald 199
-
- Mückenberg -- Graupen -- Mariaschein 202
-
- Geiersburg 205
-
- Tellnitz -- Schönwald -- Nollendorf 206
-
- Die Tyssaer Wände 207
-
- Bodenbach 209
-
- Leitmeritz 212
-
- Aussig 224
-
- Tetschen 228
-
- Herrenskretschen 230
-
-
-Correctur: auf der Karte lies bei Brüx statt »Kreidenberg«
-»»Breitenberg.««
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Das Buch ist laut Bibliothekseintrag des Deutschen Alpenvereins
- vermutlich ca. 1880 erschienen.
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
- Unterschiedliche Schreibweisen wurden wie im Original beibehalten.
- Die Zeitangabe »5/4 Stunde« wurde durch »1¼ Stunde« ersetzt.
-
- Korrekturen:
-
- S. 13: Gneuss → Gneis
- Erzgebirge sichtbar auf dem {Gneis} desselben
-
- S. 84: Egelhaus → Engelhaus
- Sigmund das Schloss {Engelhaus} nebst anderen Besitzungen
-
- S. 90: Seifenballen → Seifenhalden
- beweisen die vielen Zechen- und {Seifenhalden}
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Führer durch das böhmische Erzgebirg
-, das Mittelgebirge und die angrenzend, by August Weymann
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FÜHRER DURCH DAS BÖHMISCHE ***
-
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-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
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-Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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-
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-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
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-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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