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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Führer durch das böhmische Erzgebirge, das Mittelgebirge und die angrenzenden Gebiete - -Author: August Weymann - -Release Date: July 2, 2017 [EBook #55027] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FÜHRER DURCH DAS BÖHMISCHE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Im Original hervorgehobener (gesperrter oder kursiver) Text ist _so - ausgezeichnet_. - - Im Original fetter Text ist =so markiert=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - -Verlag von Hans Feller in Karlsbad. - - -Karlsbad - -in - -geschichtlicher, medicinischer und topografischer Beziehung - -von - -=Med. Dr. Eduard Hlawacek=, - -Ehrenbürger von Karlsbad. - -=Dreizehnte verbesserte und sehr vermehrte Auflage= - -31 Bgn. kl. 8° - -mit einem Situationsplan und zwei Ansichten von Karlsbad, sowie einer -grossen Eisenbahnkarte von Mittel-Europa. - -Eleg. geb. (Bädekerband) fl. 3. österr. W. = M. 6. - -Dieses Buch enthält nebst einer vollständigen Orts- und medicinischen -Geschichte von Karlsbad, einer mineralogisch-geologischen und -physikalisch-chemischen Beschreibung seiner Mineralquellen, -vorzugsweise eine möglichst vollständige Darstellung ihrer Heilkräfte, -Heilanzeige und Gegenanzeige, wie auch ihrer verschiedenen innerlichen -und äusserlichen Anwendungsformen vom ärztlichen Standpunkte; jedoch in -einer im Wesentlichen jedem gebildeten Leser verständlichen Sprache und -Darstellungsweise, indem die fremden medicinischen Ausdrücke so viel -als möglich vermieden wurden. - -Der Kurgast insbesondere findet darin eine besondere Angabe der bei -der Trink- oder Badekur zu beobachtenden diätetischen Vorschriften; -überdies die nöthigen Aufschlüsse in geselliger und ökonomischer -Beziehung, und eine vollständige Beschreibung der Promenaden -und Fahrpartien, in welch' letzterer Beziehung der beigegebene -Situationsplan einen bequemen und verlässlichen Wegweiser bildet. - - -=Der Wegweiser für Karlsbad und die Umgebung.= Von Med. Dr. _Eduard -Hlawacek_. Mit Situationsplan. Eleg. geb. M. 2, = österr. W. fl. 1. - -Diese kurze, doch umfassende Beschreibung bietet dem Kurgaste ausser -einem _geschichtlichen_ Ueberblicke die nöthige Belehrung über die -_Mineralquellen_ und das _diätetisch_e Verhalten während der Kur; sie -ist ihm ein verlässlicher Wegweiser in der _Stadt_, bei den _Spazier-_ -und _Fahrpartien_, und unterrichtet ihn über die _ökonomischen_ und -_geselligen_ Verhältnisse. - - -=Aerztlicher Rathgeber für den Kurgebrauch in Karlsbad= von Med. Dr. -_J. Kraus_. 8. Aufl. Mk. 2. = österr. W. fl. 1. - -Der »ärztliche Rathgeber«, der jetzt in 8. Auflage erscheint -- die -erste wurde im Jahr 1872 ausgegeben -- ist, wie schon der Titel besagt, -blos für das hiesige Badepublicum geschrieben und zwar in so populärer -Weise, wie ärztliche Rathschläge überhaupt ertheilt werden müssen. - - -=Ueber die wichtigsten Punkte der Diätetik während einer Karlsbader -Kur= von Med. Dr. _Franz Sorger_. 8. Aufl. M. 1.20. = österr. W. -fl. --.60. - - -=Karlsbad, Heilmittel in einigen Arten von Magen- und Leberkrankheiten= -von Med. Dr. _Franz Sorger_. 4. Aufl. M. 1.20. = österr. W. fl. --.60. - -Die hier ausgesprochenen Anschauungen sind das Ergebniss einer -ziemlichen Anzahl von Beobachtungen und versuchen es, genauer zu -bestimmen, in welchen Magen- und Leberkrankheiten von Karlsbad Heilung -oder Linderung zu erwarten sei. - - -Tisch für Magenkranke - -von - -Med. Dr. =Josef Wiel= in Zürich. - -=5. verb. und verm. Aufl.= - -Preis broch. M. 4. = 2 fl. ö. W. -- Eleg. geb. M. 5 = fl. 2.50 ö. W. - -Erschien bereits in französischer, holländischer u. schwedischer -Uebersetzung. - -=Urtheile der Presse=: - -=Basler Nachrichten.= Wiel ist eine Autorität auf dem Gebiete der -Diätetik, und als solche auch schon durch die »Gartenlaube« bekannt. -Der Magen ist wohl das wichtigste Ding im menschlichen Körper; von der -Gesundheit des Magens hängt nicht blos das körperliche Wohlbefinden des -Menschen, sondern auch sein seelischer Zustand ab. Es kann Einer mit -einem schlechten Magen kein guter Christ sein, hat einmal ein Pfarrer -gesagt, und er hat wohl recht. Dass der Magen aber gut sei und, ohne -den Menschen zu stören, seine Functionen verrichte, hängt allein von -der richtigen Art und Weise ab, wie und welche Nahrungsmittel man zu -sich nimmt. »Sage mir, was er isst, und ich sage dir, was er ist.« -Wiel gibt nun in leichter, verständlicher Sprache an, was und wie der -Gesunde und der Kranke essen soll, was er vermeiden muss, damit jener -gesund bleibe, dieser geheilt werde. Den Magenkranken, deren Zahl -grösser ist, als man denkt, kann Wiel's Buch auf's Beste empfohlen -werden. _Es gilt auch in der gesammten Literatur für Gesundheitspflege -als eines der vorzüglichsten Werke._ Es wird zwar dem Buche (auch -schon Wiel's Artikeln in der »Gartenlaube«) vorgeworfen, seine Diät -sei nur für reiche Leute berechnet. Indessen ist der Vorwurf nur zum -Theil begründet. Der Mittelstand, der glücklicherweise bei uns immer -noch gross ist und bleiben wird, findet in dem Buche ebenfalls eine -zweckmässige Diät und selbst der Unbemittelte erfährt doch, in welcher -Weise und in welcher Reihenfolge seine einfachen Nahrungsmittel -zu nehmen sind, und welchen Einfluss diese letzteren auf seinen -Gesundheitszustand haben. - -=Ueber Land und Meer.= Unter den vielen populär-medicinischen Büchern, -mit denen das Publicum überschüttet wird, kennen wir wenige, die so -warme Empfehlung verdienen, als =Dr. Josef Wiels Tisch für Magenkranke=. - -Der Autor, ein Züricher Arzt, schreibt vortrefflich, eindringlich, -klar, anschaulich und ist sicher kein Buchfabrikant. Sein »Tisch für -Magenkranke« ist hervorgegangen aus der Praxis. Der Verkehr des Arztes -mit seinen Patienten hat dies Buch geboren und deshalb ist es auch -keine Zusammenstellung von allen möglichen Bücherauszügen, sondern ein -Stück Leben aus der Wirksamkeit eines scharfblickenden, gewissenhaften -Arztes, das fast wie der persönliche Verkehr mit dem Arzt selbst wirkt. -Ganz besonders nützlich scheint uns der Speisezettel, das Capitel -von den Getränken und die Speisevorschriften bei Magenerkrankungen. -Magenleidende möchten wir auf dies Buch aufmerksam machen. - -=Bohemia.= Wir möchten nicht nur jedem wirklichen _Magenkranken_, -sondern der grossen Zahl jener Personen, welche stets über einen -»_schwachen Magen_« klagen, sich bei der geringsten Veranlassung -leicht »_den Magen verderben_«, dabei aber nicht daran denken, sich -im Essen und Trinken irgend Schranken zu setzen, _die aufmerksame -Lecture dieses Buches empfehlen_. Dasselbe enthält so viele wichtige -und bedeutungsvolle Winke für die Art und Weise, wie die _richtige -Diät_ beobachtet werden soll, dass auch die sorgsame Hausfrau, der -es darum zu thun ist, dass ihre Tischgäste eine gute und nahrhafte -Kost erhalten, davon profitiren wird. Der allgemeine Theil enthält -eine übersichtliche Darstellung der Speisen und Getränke, welche als -Magenheilmittel verwendet werden können, während der specielle Theil -genaue _Speisezettel_ bei den einzelnen Symptomen der Magenkrankheiten -gibt und eine vollständige diätetische Behandlung derselben bietet. -Der Verfasser bekundet hiebei eben so sehr den kundigen Arzt wie den -erfahrenen Gastronomen. - -=Deutsches Montagsblatt.= Magenkrank ist heute eigentlich die -ganze Welt, denn Jedem liegt »irgend etwas« im Magen. Angesichts -dieser allgemeinen Calamität ist es ein wahrer Trost, dass zu dem -»Diätetischen Kochbuch« von Dr. Josef Wiel ein ergänzendes Werk, der -»_Tisch für Magenkranke_« von demselben Verfasser, (bereits in vierter -Auflage) erschienen ist. Da notorisch Kopf und Magen im intimsten -Wechselverkehr stehen, so liegt es auf der Hand, wie erfreulich es -für Herz und Gemüth sein muss, wenn man sich an der Hand eines so -erfahrenen Esskünstlers wie Joseph Wiel durch das Leben isst. - - -Diätetisches Kochbuch - -für Gesunde und Kranke - -von - -Med. Dr. Josef Wiel. - -(=Zürich.=) - -=Fünfte vermehrte und verbesserte Auflage.= - -Preis broch. Mk. 4.80. - -Urtheile der Presse: - -=Ueber Land und Meer.= Die Zahl der Kochbücher ist Legion -- aber -eine Legion von Kochbüchern wiegt das »Diätetische Kochbuch« von Dr. -Joseph _Wiel_ auf, das von den ersten ärztlichen Autoritäten als ein -Meisterwerk anerkannt worden und nun in neuer Auflage erscheint. Es -sollte die Grundlage jedes künftigen Kochbuchs bilden. Der Verfasser -gibt zum Unterschiede von den übrigen Kochbüchern nicht in erster Linie -Recepte, sondern die Grundsätze, wie und was gekocht werden soll, und -zwar keineswegs in trocken wissenschaftlicher Form, sondern in einer -so ansprechenden, geistvollen und häufig köstlich humoristischen, wohl -auch, wo es noth thut, sarkastischen Weise, dass man das Buch mit -wirklichem Genusse liest und gerne in gesunden, wie in kranken Tagen -immer wieder darin nachschlägt. _Wenn es ein »gutes Hausbuch« gibt, -hier haben wir's im vollsten Sinne des Wortes._ - -=Correspondenzblatt für Schweizer Aerzte.= _Dass das Kochbuch Wiel's -seit 1871 vier neue Auflagen erlebte, spricht laut genug für seinen -Werth_, aber auch für die immer noch zunehmende Wichtigkeit, welche -auch die Aerzte der passenden Ernährung geben, d. h. der Wichtigkeit, -welche die Aerzte darauf legen und legen müssen, selbst exacte -Vorschriften über die Zubereitungsweise der Nahrung und deren Anpassung -an einzelne Krankheitsfälle geben zu können. Die neue Auflage hat -namentlich auch die Lebensmittelfälschungen berücksichtigt und die -neueren Errungenschaften der Ernährungsphysiologie verwerthet. Wir -wünschen dem Buche viele und aufmerksame Leser, namentlich auch in den -Kreisen der Aerzte. - - -Handbuch der Hygieine - -=hauptsächlich für Mitglieder von Gesundheits-Ämtern= - -von - -Med. Dr. =Josef Wiel= und Prof. Dr. =Rob. Gnehm.= - -(Zürich.) - -8° eleg. brosch. fl. 10 = Mk. 20, eleg. geb. fl. 11 = Mk. 22. - -Während eine ganze Anzahl der neuerdings so zahlreich erschienenen -Lehrbücher über Gesundheitspflege einen theoretischen, allgemein -belehrenden Charakter haben und mehr oder weniger selbstverständliche -Grundwahrheiten in umständlicher Gründlichkeit behandeln, enthält sich -das vorliegende aller weitläufigen Auseinandersetzungen und gibt in -klarer prägnanter Zusammenstellung praktische Anhaltspunkte für alle -diejenigen, welche in Berufs- oder Privatverhältnissen wissen wollen, -was denn eigentlich gesundheitschädlich oder -fördernd ist. - - -Goethe in Karlsbad. - -Von Med. Dr. Eduard _Hlawacek_. - -Elegant broschirt M. 2. -- fl. 1. österr. W. - -Die kleine Monographie fasst Alles, was in des Dichters Leben und -Werken sich auf den berühmten böhmischen Badeort bezieht, zu einem -übersichtlichen Ganzen zusammen und enthält manche fesselnde und -instructive Einzelnheit, welche in grösseren Kreisen nicht bekannt sein -dürfte. - - - - - FÜHRER - - DURCH DAS - - BÖHMISCHE ERZGEBIRGE, - - DAS MITTELGEBIRGE - - UND - - DIE ANGRENZENDEN GEBIETE. - - Bearbeitet - - von - - PROF. AUGUST WEYMANN, - - k. k. Schulinspector der Bezirke Brüx und Komotau, d. Z. Obmann des - Erzgebirgsvereines in Oberleutensdorf, Ehrenmitglied des - Erzgebirgsvereins in Joachimsthal, Mitglied des deutschen und - österreichischen Alpenvereins. - - KARLSBAD. - - VERLAG VON HANS FELLER. - - - - -Alle Rechte vorbehalten. - - -K. k. Hofbuchdruckerei A. Haase, Prag. - - - - -Sr. Hochwohlgeboren - -Herrn - -RICHARD RITTER VON DOTZAUER, - -Comthur des Franz Josef-Ordens, Ritter des Ordens der eisernen -Krone III. Classe, Inhaber der Prager Bürger-Ehren-Medaille, -Kaufmann, Präsidenten der Prager Handels- und Gewerbekammer, Obmann -des Central-Comités zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der -böhm. Erz- und Riesengebirgsbewohner, des deutschen Vereins zur -Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse, des Gebirgs-Vereines für -Böhmen, Directionsrathe der böhm. Sparcassa, Präsidenten der böhm. -Unionbank, der Prager Dampf- und Segelschifffahrts-Gesellschaft, der -Prager Maschinenbau-Actien-Gesellschaft, der Actien-Gesellschaft -der Prager Civilschwimmschule, Verwaltungsrathe der böhm. -Escompte-Bank, Ehrenbürger der Städte Abertham, Bärringen, Bleistadt, -Böhm. Wiesenthal, Falkenau an der Eger, Gossengrün, Gottesgab, -Graslitz, Joachimsthal, Königswart, Maria-Kulm, Neudek, Platten, -Schönbach, Sebastiansberg, Sonnenberg, Weipert und der Gemeinden -Neudorf u. Kallich, Major u. Corps-Commandanten des k. k. priv. -bürgerlichen Scharfschützen-Corps in Graslitz, Ehren-Major der -Scharfschützen-Gesellschaft in Frühbuss, Ehrenhauptmann der k. k. -priv. bürg. Scharfschützen-Corps in Prag, Pressnitz, Schönbach, -Ehrenmitgliede der wissenschaftlichen Lese- und Redehalle deutscher -Studenten in Prag, der Fortbildungs-Vereine in Teplitz, Schönau und -Pürstein, des christl. Handlungs-Commis-Unterstützungs-Vereines in -Pressburg, Ehrenmitgliede mehrerer Spar- und Vorschuss-Cassen-Vereine, -Gesang-, Turn-, Feuerwehr- und Anpflanzungs-Vereine, und vieler -Militär-Veteranen-Vereine etc. etc., - -gewidmet - -in aller Ehrfurcht und Dankbarkeit - - vom - - Verfasser. - - - - -Einleitung. - - -Sie wollen das böhmische Erzgebirge besuchen? Sie werden dort von den -hochgebornen Bewohnern gastfreundlich empfangen werden und manches -finden, was einen Besuch dieser merkwürdigen Gebirgskette lohnt, und -wenn Sie uns als Reisebegleiter annehmen, so können wir Sie auf viel -Anziehendes in der Natur, dem Leben und der Geschichte seiner Bewohner -aufmerksam machen, was der eilige Reisende leicht übersieht und -überhört. - -Wir schliessen uns Ihnen gerne an, denn wir kennen diese herrlichen -Berge, wir lieben ihre Naturreize, wir sind vertraut mit den Bewohnern, -wir schätzen ihren verständigen Kunstfleiss, wir fühlen uns heimisch -in ihrem stillen Haushalt und theilen ihre Freude an den besonderen -landschaftlichen Reizen und den eigenthümlichen Naturschätzen, welche -die ersten Ansiedler anzog und die dichte Bevölkerung trotz vieler -Widerwärtigkeiten dennoch festhält, auch wenn sie Mangel und Armuth -drückt. - -Warum laden wir Sie zum Besuche ein? - -Das Erzgebirge ist von allen Seiten leicht zugänglich und in allen -Theilen bis auf den Gipfel bequem zu besteigen. Da der über 20 Meilen -sich erstreckende, zusammenhängende Gebirgszug gegen Süden mässig -steil abfällt und sich gegen Norden ganz sanft abdacht, so ist seine -Besteigung nur auf der böhmischen Seite aus dem Thale der Eger und -Biela anstrengend, aber höchst interessant und auch in 2 bis 3 Stunden -vom Fusse bis zum Rücken auszuführen. Ueberdiess erleichtern viele -Verkehrsmittel den Besuch dieses Gebirges. - -Aus dem Bielathale von Teplitz führt die Dux-Bodenbacher Bahn über die -Erzgebirgshöhe von Zuckmantel und Königswald. - -Aus dem Egerthale bei Franzensbad führt eine Eisenbahn über das Gebirge -nach Adorf, Oelsnitz, Plauen und eine zweite über Graslitz auf die -Höhe des Erzgebirges. Von Komotau auf der Wasserscheide zwischen dem -Egerthale und Bielathale führt eine vierte Eisenbahn auf den Kamm des -Erzgebirges empor und über Sonnenberg, Kupferberg, Schmiedeberg und -Weipert nach Annaberg ganz in der Nähe der höchsten Gebirgskuppen -des Hassberges, Keilberges und Fichtelberges vorbei. In naher Zukunft -wird eine fünfte Schienenverbindung aus Böhmen nach Sachsen über den -Erzgebirgsrücken führen und zwar aus dem Bielathale über Klostergrab in -das Muldethal als Fortsetzung der Prag-Duxer Bahn im Anschlusse an die -sächsischen Gebirgsbahnen. - -Mit der Dampfkraft wird der Reisende auf der Eisenbahn von dem -südlichen Fusse des Gebirges in weniger als einer Stunde auf den -Kamm emporgehoben und kann den Rücken entlang das Gebirge bequem -durchwandern. - -Noch zahlreicher sind die Fahrstrassen, welche von der Südseite auf -die Höhe des Gebirges führen in einer Steigung, welche im Wagen -die Höhe des Gebirges vom Fusse an auch in einer bis zwei Stunden -erreichen lässt. Sogar jedes der Querthäler ist von einer guten Strasse -durchzogen. Nahezu von Meile zu Meile führen längs des ganzen südlichen -Randes des Gebirges bequeme Strassen auf das Gebirge hinauf und von -Böhmen hinüber nach Sachsen. - -Auf dem Rücken des Gebirges selbst, der gegen Sachsen sanft und breit -gestreckt niedersinkt, in seiner Längenrichtung aber in ziemlich -gerader Linie sich hinzieht, führen zwischen den Städten und grösseren -Ortschaften Dammstrassen, gute Wege und bequeme Steige. - -Die Ausgangsorte für einen Besuch unserer Gebirge liegen zahlreich auf -den meist besuchten Verkehrslinien. - -Von _Sachsen_ aus sind es _Dresden_, _Leipzig_ und näher _Zwickau_, -_Chemnitz_ und _Freiberg_, von _Baiern_ aus _Baireuth_ und _Hof_. -Im Süden aber liegen die viel besuchten Badeorte _Franzensbad_, -_Marienbad_, _Karlsbad_, _Teplitz_, dann die Städte _Eger_, _Falkenau_, -_Kaaden_, _Komotau_, _Görkau_, _Brüx_, _Dux_, _Oberleutensdorf_, -_Bilin_, _Leitmeritz_, _Lobositz_, _Aussig_, _Tetschen_, wo jeder -Spaziergang die Berge in einer solchen Nähe zeigt, dass sie in wenig -Stunden nicht nur erreicht sondern selbst auch erstiegen werden können. -Der Zugang bietet nirgends Gefahren und besondere Beschwerden. Die -genannten Ausgangsorte unserer Heimat sind mit der Landeshauptstadt -durch drei Hauptbahnen verbunden, was die Bereisung der Gebirge dem -Touristen aus dem Innern des Landes ungemein erleichtert. Im Waggon -wird er rasch emporgezogen, und jede Wendung auf den zahlreichen -Krümmungen der Bahn bietet dem Auge eine neue überraschende Aussicht -nach den sich erweiternden Gegenden. Auch im Wagen auf den gut -gepflegten Strassen, welche hier in einem Thale neben dem rauschenden -Forellenbach, dort an einem Thalgelände in Schlangenwindungen sich -hinzieht, kann sich der Besucher dem rasch wechselnden Ausblick über -ferne Gegenden, dort über nahe grüne Wälder, üppige Blumenwiesen und -freundliche Ortschaften hingeben. Der Fusswanderer braucht vom Fusse -des Gebirges bis zum Kamme nirgends mehr als zwei oder drei Stunden -und wird dabei immer mehrere Ortschaften, Dörfer oder Städtchen -finden, wo er rasten kann. Auf der Höhe des Gebirges angekommen, -wandelt er meistens zwischen den wohlriechenden Kräutern und Blumen -der Grasfluren. Ueberall erquickt ihn das dem Auge wohlthuende Grün -in der Abwechslung der helleren Farbe der Haferäcker und Grasfelder -und der dunkleren Farbe der Gebüsche und der Fichtenwälder. Von allen -Seiten kommt ihm entgegen der Wohlgeruch von duftenden Kräutern, wie -Quendl und Thymian, von wohlriechenden Blumen, wie Maiglöckchen, und -von harztriefenden Fichten und Tannen, welche die reine Gebirgsluft so -stark würzen, dass wir tief athmend die Lungen wie durstige Trinker -anfüllen, von der Natur getrieben, die uns anreizt, hier unser Blut zu -erfrischen. Auf den Bergen oben athmet es sich leicht und athmet es -sich wohl! - -Wenn wir noch erwägen, dass das böhmische Erz- und Mittelgebirge -hunderte der schönsten Aussichtspunkte besitzt, wie sie kein zweites -Gebirge von gleicher Höhe und Dimension aufzuweisen vermag; wenn wir -erwägen, dass es auch reich an Naturerscheinungen ist, dass es von der -Sage geheiligt, von der Geschichte verherrlicht und von der Dichtung -verklärt ist: so erscheint unsere Einladung zum Besuche unserer schönen -und anziehenden Gebirge vollkommen begründet, und wir geben der -Hoffnung Raum, dass sie bald ebenso beliebt sein und in jedem Sommer -ebenso viele Besucher anziehen werden, wie beispielsweise der Harz und -der Schwarzwald. - -Um diesen hochwichtigen und patriotischen Zweck zu erreichen, stellte -der grosse, hochansehnliche Erzgebirgsfreund Herr _Richard Ritter von -Dotzauer_ in der am 4. Juli 1880 in der Sitzung _des Central-Comités -zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhmischen Erz- und -Riesengebirgsbewohner in Prag_ folgenden, auf die Belebung des -Touristenverkehrs im böhmischen Erzgebirge bezüglichen Antrag: - -»Wenn man das Wesen unserer verschiedenen _Alpen-Vereine_ betrachtet, -so muss wohl die oberflächliche, vulgäre Anschauung -- und ich muss -gestehen, dass ich mich derselben in diesem Punkte früher ebenfalls -zuneigte -- dahin gehen, dass diesen Vereinen in praktischer Hinsicht -keine allzugrosse Bedeutung beizumessen sei. Als ich indessen in den -letzten Jahren unsere österreichischen Alpenländer besuchte, da kam -ich zu einer anderen Ueberzeugung. Ich fand, dass diese Vereine in -ihrem Wirken sehr bemerkenswerthe praktische Erfolge erzielen; mit -ihren Unternehmungen und ihren Publikationen tragen sie bei, die -Alpengebiete immer weiter und weiter zu erschliessen, sie ziehen -die Reisenden heran, sie beleben die Eisenbahnen, sie beleben die -Gasthäuser, sie beleben selbst kleine Industrien. Speciell die _prager -Section_ des deutschen und österreichischen _Alpen-Vereins_ hat in -dieser Richtung sehr erspriesslich gewirkt. Herr _Stüdl_ geniesst in -diesen Gegenden, ich habe mich davon überzeugt, ein hohes Ansehen, eine -seltene Verehrung, und wenn man als Mitglied des hiesigen Alpenvereins -in eine solche Gegend kommt, wird man mit besonderer Aufmerksamkeit und -Rücksicht behandelt; ebenso gewähren die Eisenbahnen den Mitgliedern -des Vereins ansehnliche Fahrpreis-Ermässigungen. Unser Erzgebirge -hat nun wahrlich auch seine Naturschönheiten; aber das Bild, das man -in weiteren Kreisen vom Erzgebirge erhält, ist kein rosiges, kein -anziehendes -- es ist erfüllt von Elend, von Sorge und Noth, es wird -daher selten aufgesucht und insbesondere von Wohlhabenden gemieden --- und so erklärt es sich, dass man unser Erzgebirge und die guten -Eigenschaften seiner Bevölkerung nicht kennt. Es drängt sich mir da die -Frage auf, ob wir nicht an den Alpenverein herantreten sollen, mit der -Bitte, es möge das Erzgebirge in den Rahmen seines Wirkens einbeziehen -und in geeigneter Weise _durch Anlage neuer Wege, Förderung des Führer- -und Fahrtax-Wesens, Erhaltung und Errichtung von Denkmälern und -Aussichtspunkten etc._ dazu beitragen, dass das düstere Bild, das in -der allgemeinen Vorstellung vom Erzgebirge besteht, sich in schönerer, -wahrerer Beleuchtung zeige. Ein Strom von Tausenden Touristen -könnte hiedurch belebend und befruchtend in diese Gebiete geleitet -werden, zumal die Kurorte -- _Franzensbad_, _Marienbad_, _Karlsbad_ -und _Teplitz_ -- ganz entsprechende Ausgangspunkte hiefür bieten. -Mancher von den Fremden könnte da wohl auch aus der Berührung mit -den ehrlichen, guten Leuten im Gebirge die Anregung zu industriellen -Niederlassungen etc. empfangen. Und von den Einheimischen dürfte -Vielen -- auch mit Rücksicht auf die Fahrpreis-Ermässigungen, um die -das Central-Comité und der Alpenverein für die betreffenden Touristen -bei der Buschtěhrader Bahn ansuchen würden, die Gelegenheit, in kurzer -Zeit und mit geringen Auslagen einen lohnenden Ausflug auf interessante -Höhen, in schöne Waldungen zu unternehmen, sehr willkommen sein.« - -Dieser Antrag, welcher noch dahin ergänzt wurde, dass auch das -Riesengebirge in's Auge gefasst werden möge, fand lebhaften Anklang -und einmüthige Zustimmung. Die Folge davon war der Beschluss, einen -_Wegweiser_ durch das böhmische Erzgebirge herauszugeben. Mit dieser -Aufgabe wurde der Unterzeichnete betraut; derselbe entschloss sich -aber, auch das höchst interessante Mittelgebirge und die angrenzenden -Gebiete, insbesondere unter Hinweisung auf die Anschlüsse nach Sachsen -in den Kreis der Bearbeitung zu ziehen. - -Die Aufgabe war sehr schwierig; allein guter Wille und ausdauernder -Fleiss halfen über alle Schwierigkeiten hinweg. Nach halbjähriger -Arbeit war das schon in früheren Jahren gesammelte Material unter -Mithilfe tüchtiger Mitarbeiter geordnet. Als solche werden genannt: die -Herren Gust. _Schwab_, Bergwerksbesitzer, _Kaeller_, Schuldirektor, -beide in Falkenau; Ed. _Wenisch_, Bürgerschullehrer in Joachimsthal; -Oberlehrer _Strohschneider_ in Sonnenberg; Oberlehrer W. _Grossmann_ in -Krima; Oberlehrer J. _Hofmann_ in Katharinaberg; P. _Forst_, Kaplan, -Gymnasial-Professor _Rebhann_, beide in Brüx; A. _Weitzdörfer_, -Schuldirektor in Oberleutensdorf; E. _Hochreiter_, Gym.-Direktor in -Teplitz; Jul. _Gierschick_, Redakteur in Leitmeritz und Jos. _Werner_, -Fachlehrer in Komotau. - -Allen diesen Herren statten wir für die mannhafte Unterstützung den -besten, den innigsten Dank ab. - -An einem vollständigen Führer durch das böhmische Erz- und -Mittelgebirge hat es bis jetzt ganz gefehlt; deshalb treten wir -mit einem solchen vertrauensvoll und in der Hoffnung vor die -Oeffentlichkeit, dass er sich bei allen Freunden und Freundinnen -unserer Gebirge guter Aufnahme und wohlwollender Beurtheilung -erfreuen möge. _Gleichzeitig richten wir an alle P. T. Leser und -Leserinnen desselben die Bitte, uns auf etwaige Unrichtigkeiten und -Lücken aufmerksam zu machen, damit wir sie in einer zweiten Auflage -verbessern, beziehungsweise ausfüllen._ - - BRÜX. - - August Weymann. - - - - -I. Allgemeiner Theil. - - - - -A. Reise-Regeln. - - -Es ist sehr schwer, bestimmte Reiseregeln zu geben, weil sich diese -nur auf Grund gemachter Wahrnehmungen zusammenstellen lassen und -diese nicht immer dieselben sind. Wir haben hier vorzugsweise solche -Touristen im Auge, welche die Touren meist zu Fuss zurücklegen und die -Fusspartien mit Fahrten im Post- oder Eisenbahnwagen weise zu verbinden -verstehen. Wenn wir nun etwas dem Touristen empfehlen, so geschieht es -deshalb, weil wir es als das Beste und Zweckmässigste erkannt haben; es -wird in Folge dessen jede Begründung entfallen. - -Die Kleidung sei nicht zu leicht, aber auch nicht zu warm. Feste -und bequeme Schuhe, ein Wollenhemd und Plaid sind für Fussgänger -unentbehrlich. Die Mitnahme von Regenschirmen empfiehlt sich nicht. - -Von Gepäck ist nur das Nothwendigste mitzunehmen, dass man es in einem -Tornister auf dem Rücken ohne Beschwerde tragen kann. Bequeme Touristen -brauchen mehr und schicken es mit der Post dorthin voraus, wo sie sich -einige Zeit aufhalten wollen. Um die Wäsche vor Nässe zu schützen, -wickelt man sie in Wachsleinwand ein. - -Die beste Zeit zur Bereisung des Erz- und böhmischen Mittelgebirges, -sowie der, an dieselben grenzenden Gebiete ist die vom 1. Juni bis 30. -September, event. 15. Oktober; im August bis Ende September ist die -Witterung gewöhnlich ganz beständig, die Luft rein, die Aussicht von -den Bergspitzen am schönsten und genussreichsten. - -Auf eine praktische Zeiteintheilung muss jeder Tourist Bedacht nehmen. -Die Entwerfung eines Reiseplanes ist unbedingt nothwendig. Wenn man -eine 2- bis 3-wöchentliche Fusstour antreten will, so reise man -anfänglich langsam, und erst nach gehöriger Erprobung seiner Kräfte -kann man weitere Fusspartien unternehmen. Einen Taschen-Compass und -eine gute Karte muss jeder Fussreisende mitnehmen. - -Bei grosser Hitze muss gegen Mittag Rast gemacht werden; auch gönne -man sich nach grösseren Märschen einen Ruhetag und wähle hiezu solche -Orte, von wo aus man kleinere Ausflüge unternehmen kann. Man merke -sich gut die Regel, früh in's Bett und früh wieder auf. Unternimmt man -grössere Waldpartien und Wanderungen durch langgedehnte Grundthäler, -wie beispielsweise durch den Komotauer Grund, das Teltschthal bei -Görkau, den Hammergrund bei Johnsdorf u. s. w., so empfiehlt sich -das Mitnehmen eines verlässlichen Führers, dass man nicht auf Abwege -geräth, nutzlose Umwege macht und wichtige Punkte unbeachtet lässt. Für -grössere Fusspartien versehe man sich mit einigen belegten Semmeln oder -einigen harten Eiern und einem Fläschchen Wein. - -Im ganzen Nordwesten Böhmens reist ein bescheidener Tourist nicht -theuer; wenn er sich gar nichts abgehen lässt, so wird er mit 3 -bis 4 fl. sehr gut auskommen, ja da kann er sich zeitweilig eine -Forelle, die auf dem Plateau leicht zu bekommen ist, schmecken -lassen. Gutes ausgegorenes Bier bekommt man in unserem böhmischen -Erz- und Mittelgebirge überall, selbst in kleinen Ortschaften. -Gute, preiswürdige inländische Weine findet man auch fast in allen -Gasthäusern der grösseren Orte, sowie man auch fast überall eine -gute Küche antrifft. Die Wirte geben sich viel Mühe, allen billigen -Anforderungen zu entsprechen; hauptstädtischen Comfort darf man -natürlich im Gebirge nicht suchen. - - - - -B. Verkehrs- und Transportwesen. - - -Von Prag aus führen folgende Eisenbahnen ins böhmische Erz- und -Mittelgebirge: - -1. Die nördliche Staatsbahn, Linie Prag-Aussig-Bodenbach. - -2. Die Prag-Duxer Bahn, Linie Prag-Obernitz-Brüx-Dux. - -3. Die Buschtiehrader Bahn, Linie Prag-Komotau-Karlsbad-Eger. - -Das nordwestliche Böhmen mit dem Erz- und Mittelgebirge, also unser -Reisegebiet, wird von nachfolgenden Eisenbahnen theils berührt, theils -durchschnitten, ja Ausläufer gehen sogar über den Kamm oder nehmen -einen grossen Theil der Abdachung ein. Diese Bahnen sind: - -1. Aussig-Teplitzer, Linie: Aussig-Teplitz-Dux-Brüx-Komotau mit -Anschluss an die nördliche Staatsbahn und die Buschtiehrader. Zweige -derselben: _a_) Dux-Ossegg; _b_) Aussig-Bilin. - -2. Dux-Bodenbacher, Linie: -Bodenbach-Teplitz-Ossegg-Oberleutensdorf-Görkau-Komotau mit denselben -Anschlüssen wie ad 1. - -3. Buschtiehrader, Linie: -Komotau-Klösterle-Hauenstein-Warta-Schlackenwerth-Karlsbad-Falkenau- -Tirschnitz-Eger mit den Abzweigungen _a_) Tirschnitz-Franzensbad, _b_) -Falkenau-Graslitz, _c_) Komotau-Weipert, _d_) Komotau-Reitzenhain. - -4. Prag-Duxer, Linie: _a_) Obernitz-Sauerbrunn-Bilin-Dux, _b_) -Obernitz-Brüx-Oberleutensdorf-Ossegg-Klostergrab. - -5. Pilsen-Priesner, Linie: Brüx-Obernitz-Postelberg-Saaz mit Anschluss -an die Buschtiehrader gegen Prag-Priesen-Komotau. - -6. Eger-Voitersreuth-Elster. - -7. Eger-Waldsassen. - -8. Eger-Sandau-Königswart-Marienbad. - -_Anmerkung_: Retourbillete mit 1- bis 3-tägiger Giltigkeit geben alle -voranstehenden Bahnen aus. - -_Dampfschifffahrt_ findet man auf der Elbe; hier vermitteln mit allem -Comfort eingerichtete Dampfschiffe im Sommer den Verkehr zwischen -Leitmeritz und Herrnskretschen und retour regelmässig zweimal des Tages. - -_Postverbindungen_: -Brüx-Ober-Georgenthal-Gebirgsneudorf-Katharinaberg-Brandau. -(Botenfahrt.) - -Aussig-Schönpriesen. (Botenfahrt.) - -Bilin-Kosel-Laun und retour. (Botenfahrt.) - -Bilin-Teplitz und retour. (Botenfahrt.) - -Bodenbach-Böhmisch-Kamnitz-Reichenberg u. retour. (Eilfahrt.) - -Breitenbach-Platten-Bärringen-Salmthal-Lichtenstadt-Karlsbad und -retour. (Botenfahrt.) - -Brüx-Hawran und retour. (Botenfahrt.) - -Buchau-Solmus-Karlsbad und retour. (Botenfahrt.) - -Buchau-Luditz und retour. (Botenfahrt.) - -Duppau-Saaz-Radonitz-Kaaden und retour. (Botenfahrt.) - -Eichwald-Teplitz und retour. (Botenfahrt und Omnibus.) - -Elbogen-Schlaggenwald-Schönfeld und retour. (Eilfahrt.) -- -Schönfeld-Petschau und retour. (Botenfahrt.) - -Fleissen-Wildstein und retour. (Cariolpost.) - -Görkau-Kallich und retour. (Botenfahrt.) - -Gossengrün-Hartenberg und retour. (Botenfahrt.) - -Gossengrün-Schönbach und retour. (Botenfahrt.) - -Heinrichsgrün-Neudeck und retour. (Botenfahrt.) - -Heinrichsgrün-Frühbuss und retour. (Botenfahrt.) - -Joachimsthal-Schlackenwerth und retour. (Botenfahrt.) - -Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten u. retour. (Botenf.) - -Joachimsthal-Gottesgab-Weipert. (Botenfahrt.) - -Kaaden-Podersam. (Botenfahrt.) - -Kaaden-Brunnersdorf. (Botenfahrt.) - -Kaaden-Pressnitz. (Botenfahrt.) - -Kallich-Görkau. (Botenfahrt.) - -Kallich-Brandau. (Botenfahrt.) - -Karbitz-Kulm-Schönwald. (Botenfahrt.) - -Karlsbad-Neudeck. (Botenfahrt.) - -Karlsbad-Petschau-Einsiedl-Marienbad u. retour. (Botenfahrt.) - -Karlsbad-Giesshübel-Puchstein und retour. (Omnibus.) - -Karlsbad-Petschau-Theusing-Pilsen. (Botenfahrt.) - -Karlsbad-Fischern-Altrohlau-Neudeck. (Botenfahrt.) - -Königswart-Sangerberg. (Botenfahrt.) - -Komotau-Eidlitz. (Botenfahrt.) - -Kosel-Bilin. (Botenfahrt.) - -Krima-Neudorf-Sebastiansberg. (Botenfahrt.) - -Lobositz-Raudnitz. (Botenfahrt.) - -Lobositz-Libochowitz. (Botenfahrt.) - -Lobositz-Trebnitz-Liebshausen-Laun. (Eilfahrt.) - -Lubenz-Rudig. (Botenfahrt.) - -Lubenz-Luditz. (Botenfahrt.) - -Lubenz-Waltsch. (Botenfahrt.) - -Mies-Stab. (Botenfahrt.) - -Mies-Weseritz. (Botenfahrt.) - -Mies-Haid. (Botenfahrt.) - -Neudeck-Neuhammer-Platten. (Botenfahrt.) - -Neudeck-Neuhammer-Hirschenstand-Eibenstock. (Botenfahrt.) - -Postelberg-Leneschitz. (Botenfahrt.) - -Rudig-Waltsch. (Botenfahrt.) - -Saaz-Podersam. (Botenfahrt.) - -Saaz-Postelberg-Laun. (Botenfahrt.) - -Schönbach-Neukirchen-Wildstein. (Botenfahrt.) - -Tepl-Weseritz-Leskau. (Botenfahrt.) - -Tepl-Marienbad. (Botenfahrt.) - -Teplitz-Bilin. (Botenfahrt.) - -Teplitz-Schallan. (Botenfahrt.) - -Teplitz-Eichwald. (Botenfahrt.) - -Teplitz-Waldthor. (Omnibusfahrt.) - -_Anmerkung_: Die Botenfahrten sind ziemlich bequem, haben aber -eine beschränkte Aufnahme. Fast bei allen Eisenbahnstationen sind -comfortable Omnibusfahrten eingerichtet. - -_Post-Eilwägen_ sind immer sehr bequem, fahren gut, müssen die Fahrzeit -genau einhalten und sind immer von einem Conducteur begleitet. Die -Fahrkarten sind rechtzeitig an den Poststationen zu lösen. Extraposten -sind in den Hauptstationen zu bekommen. Lohnfuhrwerke befinden sich in -allen grösseren Orten. Empfehlenswerth ist es, sich vorher genau über -den Fahrpreis und das übliche Trinkgeld zu verständigen, dass nicht -nach der Fahrt Missverständnisse zum Nachtheile des Reisenden entstehen. - -_Gasthöfe._ In allen grösseren Orten, selbst in Dörfern findet man -jetzt recht gute Gasthäuser. Man wird gut und aufmerksam bedient und -lebt billig. Wenn die Gesellschaft grösser ist, so empfiehlt es sich, -die Ankunft brieflich oder telegrafisch anzuzeigen. In ganz kleinen -Ortschaften und in wenig besuchten Gebieten lassen die Gasthäuser -freilich noch einiges zu wünschen übrig und genügen nur bescheidenen -Ansprüchen; doch findet man überall freundliches Entgegenkommen. - -_Führer_: Das Führerwesen wird jetzt durch die Gebirgsvereine -organisirt werden. Für grössere Partien ist die Mitnahme eines Führers -häufig nothwendig, obwohl in neuester Zeit seitens der Gemeinden und -Gebirgsvereine viele Wegweiser aufgestellt wurden; allein in den -ausgedehnten Waldungen ist ein Verirren leicht möglich, was häufig -einen grossen Zeitverlust und Störung der ganzen Partie zur Folge hat. -Bei der Wahl der Führer ist Vorsicht zu gebrauchen und empfiehlt es -sich, die Obmänner oder andere Mitglieder der Gebirgsvereine, die fast -in allen Orten zu treffen sind, um Auskunft anzugehen. - - - - -C. Geographisches. - - -Das Erzgebirge. - -_Name_: Das Erzgebirge hat seinen uralten Namen von dem -ausserordentlichen Reichthum an sehr verschiedenen Erzen, und es hat -ihn auch durch den ergiebigen Bergbau gerechtfertigt, der hier durch -viele Jahrhunderte auf Silber, Zinn, Kupfer, Blei und Eisen getrieben -wurde. - -_Eintheilung des Erzgebirges nach der Ausdehnung, Höhe, Form._ Das -Erzgebirge erhebt sich aus der Ebene des Teplitzer Thales, durch -welche es vom Mittelgebirge getrennt wird, mit grosser Steilheit -gleich einem Walle, welcher, in südwestlicher Richtung fortlaufend, -das nordwestliche Böhmen vom angrenzenden Königreiche Sachsen trennt, -d. h. die politische Grenze dieser beiden Länder wird durch den Rücken -dieses Gebirgszuges bestimmt, jedoch nicht durch den Kamm desselben und -die Wasserscheide; vielmehr gehört nicht nur der ganze steile Südabhang -des Gebirges, sondern auch noch ein Theil des sanften, sich nach -Sachsen abdachenden Gehänges zu Böhmen, und die Grenze findet sich fast -durchaus erst jenseits der Wasserscheide. Das nordöstliche Ende dieses -Gebirges ist durch den Nollendorfer Pass bestimmt; es wird jedoch von -vielen Geographen auch das Elbthal dafür angenommen. - -Seiner Ausdehnung nach gehört das Erzgebirge unter die Hauptgebirge, -denn seine Länge beträgt über 20 Meilen. - -Nach seiner Höhe ist es ein Mittelgebirge. Die höchsten Punkte -desselben befinden sich im südwestlichen Theile; im Nordosten gegen -die Elbe zu übersteigt dessen Höhe wohl nicht 756 m; die Höhe des -Nollendorfer Passes beträgt 675 m. - -Der Form nach ist das Erzgebirge ein Kettengebirge; es setzt sich ohne -Unterbrechung seines Zusammenhanges auf seiner ganzen Längenerstreckung -fort, so dass sein Kamm eine fast wellenförmige Linie darstellt, und -die beiden Abhänge unterscheiden sich, wie bei allen Gebirgen dieser -Art, durch ihre Steilheit; der südliche, zu Böhmen gehörige, ist, wie -schon erwähnt, der steilere, und längs desselben befinden sich viele -Einschnitte, Schluchten und Thäler, hervorgebracht durch die einzelnen -Berge, welche, sich durch grössere oder geringere Steilheit von der -Hauptkette trennend, kurze Nebenjoche bilden. - -_Geognostische Beschaffenheit._ In geognostischer Hinsicht gehört -das Erzgebirge unter die sogenannten Urgebirge, d. h. die Felsarten -desselben gehören zu denjenigen, welche der Geognost ihrer Struktur, -ihrer Lagerungsverhältnisse und des Mangels an Versteinerungen wegen -unter die ältesten Bildungen unserer Erdrinde zählt. Die Felsarten -dieses Gebirgszuges im nordöstlichen Theile sind Gneis, Porphyr und -Granit; sehr eingeschränkt kommt Greisen und Urkalkstein vor, Basalt -nur an einzelnen Stellen und von Flötzfelsarten der Quaderstein am -Fusse des Gebirges. Im westlichen Theile des Erzgebirges ist der -Gneis das überwiegend vorherrschende Gestein, andere Schiefer- und -Eruptivgesteine treten dagegen zurück. - -_Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe, ausgezeichnete Höhenpunkte -des Erzgebirges._ Das Erzgebirge gestaltet sich gleich einem hohen, -in terrassenförmigen Absätzen erhebenden steilen Walle, nach oben -zu einem fast gleichförmig fortlaufenden Kamme oder ausgedehnten -Rücken, welcher sich sehr sanft, ja fast unmerklich nach Norden in -das Nachbarland abdacht. Die südliche, steile Abdachung ist von -zahlreichen Schluchten und Thälern eingeschnitten, zwischen welchen -kurze Gebirgsjoche aus Kuppen von verschiedener Höhe und meistens -abgerundeter Gestalt zusammengesetzt hervorragen und diesem Abfalle -ein ausgezeichnetes Gebirgsansehen ertheilen. Auf dem Rücken verlieren -sich die ausgezeichneten Formen eines höheren Gebirges; nur einzelne -Kuppen und Höhen von verschiedener Gestaltung, jedoch ohne kühne oder -stark hervortretende Umrisse erheben sich auf der ausgebreiteten -Platte, welche sonst durch ihre gross und sanft wellenförmige, auf -weite Strecken sogar fast ebene Oberfläche und durch die seichten -Thäler, welche erst in ihrem weiteren Verlaufe im Nachbarlande tiefer -und enger werden, die Formen eines Flachlandes zeigt. Abtheilungen -in Gebirgsjoche nach dem Verlaufe der Thäler treten erst weiterhin -deutlicher hervor. Es beginnt mit unentschiedenem Charakter an den -Hochflächen, die im Norden an die Waldsteinkette des Fichtelgebirges -sich schliessen und zwar unweit Asch oder an der Quelle der weissen -Elster mit dem hohen Kapellenberg als Elstergebirge und ist an seinem -Ost-, Nordost-Ende von dem Elbsandsteingebirge begrenzt. - -Die mittlere Erhöhung des Gebirgsrückens kann zu 756 m über die -Meeresfläche, über die Ebene am Fusse des Gebirges aber zu 417 m -angenommen werden; über die tieferen, jedoch entfernteren Punkte des -Flachlandes oder die eigentliche Thalsohle beträgt sie 512 m. - -Wir verfolgen die ausgezeichnetsten Höhepunkte auf dem Kamme und den -Abhängen des heimatlichen Gebirgszuges von dem Durchbruche der Elbe, -also einbezüglich der des Elbsandsteingebirges bis zu den Ausläufern -des Fichtelgebirges. Als solche zeigen sich: Der =Schneeberg= mit -seinem weitsichtbaren, schlanken Thurme; die berühmten =Tyssaer Wände= -(615 m); bald darauf erblicken wir =Nollendorf= mit seinen historischen -Höhen und dem bekannten Passe von Teplitz über Pirna nach Dresden -(675 m). Von der Bahnstation Rosenthal-Graupen der Dux-Bodenbacher -Bahn sind die Aussichtspunkte =Wilhelmshöhe= 335 m, die =Rosenburg= -355 m und das =Mückenthürmchen= 800 m zu besteigen. Schöne Aussicht -bietet der =Königshügel= 412 m bei Klostergrab, der =Wolfstein= bei -Niklasberg und bei Ossegg die =Salesiushöhe= und die =Riesenburg=. -Imposant ist der =Wieselstein= 949 m bei Oberleutensdorf. Weiter -folgen: Der =Göhrner Hübel=, westlich von Göhren mit 811 m Seehöhe; -der =Haselstein= und der =Nonnenhübel=, südlich von Böhm.-Einsiedl; -südlich von Nickelsdorf der =Wachtberg=, auch =Kapuzinerhau= genannt; -östlich von Gebirgsneudorf der =Wachhübel=; der =Dürnberg= südlich -von Brandau. Der aus zwei Kuppen bestehende =Adelsberg=, dann der -=Bernstein=, beide östlich von Ladung, letzterer von 920 m Meereshöhe -ist der höchste Punkt in der östlichen Gegend des Gebirges und bildet -einen Knoten, von welchem es mit grösserer Steilheit und mit einem -stärkeren Vorsprunge nach Süden abfällt. Weiter westlich finden sich -der grosse =Steinberg=, südlich von Kleinhan, der =Beerhübel= zwischen -Göttersdorf und Kallich auf dem hier 865 m hohen Gebirgskamme. Eine -zweite, gleichfalls in westlicher Richtung verlaufende Kuppenreihe -erhebt sich am Rande des hier über eine Stunde weit ausgebreiteten -Rückens. Die ansehnlichsten Kuppen sind: Der =Ringelberg=, etwa 10 -Minuten in südlicher Richtung von Reizenhain, und der =Otterstein=, -etwa ¾ Stunden in nördlicher Richtung von Märzdorf mit schönen Felsen -und herrlichem Wald. Nordwestlich von Sebastiansberg, angrenzend an das -Gebiet des Ringelberges und hievon getrennt durch die Kaiserstrasse bei -Reizenhain, finden sich die Kuppen des =Stockraumwaldes=, von denen die -ansehnlichste der =Glasberg= nahe an der Landesgrenze ist. Nordöstlich -von Pressnitz zeigt sich der ausgedehnte und =hohe Hutberg= 991 m, -einer der höchsten Punkte des Erzgebirges; er verläuft in südlicher -Richtung in die =Reischhöhe=, an der westlich der =Pöllnerberg= -855 m hängt. Einer der höchsten Punkte ist noch der =Hohehau= 995 m -nordwestlich von Weigersdorf. Auf dem nördlichen Abhange des Gebirges -gehören noch einige ansehnliche Kuppen hieher, nämlich: =Der grosse und -kleine Wolfsberg=, südlich von Schmiedeberg, der =Spitzberg= zwischen -Schmiedeberg und Pressnitz, der =Bärenstein= 704 m bei Weipert und der -=Pleilberg= südlich von Sorgenthal. - -Hier sind noch einige hübsche Punkte zu nennen, welche sich an -dem steilen südlichen Abhange westlich von Oberleutensdorf über -Kaaden hinaus erheben und an diesem kurze Gebirgsjoche bilden. Die -hervorragendsten sind: Der =Eisenberg=, auf welchem das gleichnamige -Schloss 164 m Höhe über der Thalsohle steht; westlich davon ist der -=Seeberg= und noch weiter bei Stolzenhan der =Tannich=. Sie bilden -eine ziemlich ansehnliche Gruppe von steilen Bergen, mit welchen der -Gebirgsabfall als ein kurzes Joch in die Ebene vorspringt, aus welcher -es jedoch sehr steil aufsteigt. Weiter südwestlich gestaltet sich -der Gebirgsabfall zu einer Art von Bucht, auf deren Abhange sich nur -niedrige Kuppen erheben; sie wird westlich von dem =Hammerberge=, -dem =Hutberge= und dem =Roland= eingefasst, welcher, in einige Hügel -auslaufend, den Fuss des Gebirges nördlich von Komotau bildet. Westlich -von dieser Stadt bei dem Dorfe Tschernowitz erhebt sich =der isolirte -Burberg=. Jenseits des Höllbachthales zeigt sich der ausgedehnte -=Gliedner Berg=, welcher westlich in den =Schweigerberg= verläuft. -Westlich von Platz befindet sich der =Hassensteiner Schlossberg=, und -noch weiter westwärts über Klösterle hinaus bildet der Abhang des -Gebirges das Gehänge eines mehr eingeengten Thales. Isolirt, im Thale -sich erhebend, befindet sich südwestlich von Klösterle nahe der Eger -der 547 m hohe =Schönburger Schlossberg=, und nicht weit von Wotsch -der =Himmelstein=, welcher von seiner Burgruine eine schöne Aussicht -nach Westen bietet. An dem nördlichen Abfalle des Gebirges, welches -sich westwärts von Kaaden ausdehnt, sich dem des Erzgebirges gegenüber -erhebt, hinsichtlich seiner Zusammensetzung und Gestaltung auffallend -vom Erzgebirge verschieden ist, keinen so deutlich hervortretenden -Kamm oder Rücken zeigt, sondern der Hauptmasse nach aus Gruppen von -mehr oder weniger zusammengedrängten Kuppen besteht und erst in seiner -weiteren westlichen Verbreitung, die wir dann nach genauer Betrachtung -des westlichen Erzgebirges in seiner Fortsetzung näher kennen lernen -werden, sich zu einer mehr zusammenhängenden und ausgebreiteten -Masse gestaltet -- finden sich als hervorragende Kuppen: Der -=Herrgottsstuhlberg=, zwischen Krondorf und Ockenau; östlich ist die -=Spinnelsdorfer Kuppe=, der =Leskauer Schlossberg= und der unmittelbar -aus dem Thal steil aufsteigende, oben eine abgeflachte Platte bildende -=Burberg= 583 m südwestlich von Kaaden. Diesem gegenüber an der linken -Seite des Thales erheben sich einige Gruppen von niedrigen Bergen, -welche vom Fusse des Erzgebirges durch die sich hier bereits mehr -ausbreitende Ebene getrennt sind; es sind: der =Seeberg=, zwischen -Nickelsdorf und Meretitz, der =Spitzberg= südlich von Nickelsdorf, dann -der =Königsberg= und =Wistritzer Berg= nördlich von Kaaden. Zu diesen -gehören östlich von dieser Stadt als Ausläufer die an der linken Seite -des Thales auf der Ebene zerstreut vorkommenden Hügelgruppen zwischen -Pröhl und Waschitz, der =Tschachwitzer Hübel=, der =Prölberg= 334 m und -der =Strösauer Hügel=. - -Weiter westlich von Pressnitz und Schmiedeberg gelangen wir ins Centrum -des Erzgebirges, wo es in seinen Kuppen über 1200 m hoch ansteigt. Dort -ist der =Keilberg= oder =Sonnenwirbel= 1243 m, über den der Pass von -Gottesgab in der Höhe von 900 m von Karlsbad, Joachimsthal nach Sachsen -führt. - -Dieser Höhepunkt bildet gewissermassen den Hauptstock des ganzen -Gebirges, einen Gebirgsknoten, von welchem dasselbe in nordöstlicher -und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich -zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast das Ansehen eines -Hochgebirges erhält. Der nordöstliche Gebirgsflügel, welcher durch -diese aus dem Thale in schroff ansteigenden, auf einander gelagerten -und zu beträchtlicher Höhe sich erhebenden Gebirgsgruppe vom -südwestlichen getrennt wird, enthält auf dem 838 m hohen Rücken den -isolirten, kegelförmigen =Kupferhügel=, 68 m hoch. Von hier verläuft -der Gebirgsrücken gegen den Keilberg hin fast als Ebene über eine -Meile weit, wo dann der genannte Gebirgsstock als ein Haufwerk von -eng vereinigten, zu einer ausgedehnten, sanft zugerundeten Masse -verbundenen Scheiteln hervorragt. Nach einer seiner westlichen -Kuppen wird dieser Stock auch der Sonnenwirbel genannt; in seiner -Nachbarschaft erhebt sich jenseits der Landesgrenze der =Fichtelberg= -1213 m zu nicht viel geringerer Höhe empor. Östlich vom Keilberg -ist der =Hauensteinberg= 1080 m und südlich der =Schwarzfelsberg= -1114 m. Westlich verläuft der Hauptrücken des Gebirges in demselben -Charakter wie östlich von diesem Hauptstocke, nämlich als eine breite -Gebirgsfläche mit sanfter Abdachung gegen Norden, auf welcher einzelne -Kuppen und ausgebreitete Höhen hervorragen und die Gebirgsfläche -wellenförmig gestalten. Allmählig aber nimmt die Höhe des Hauptrückens -in seinem Verlaufe nach Südwesten ab und erreicht bei Gottesgab 1016 m, -bei Platten 885 m, bei Hirschenstand 860 m Meereshöhe, weiterhin wird -es noch niedriger und sein Zusammenhang tritt weniger deutlich hervor; -er gestaltet sich in ein aus mehreren kleineren Gruppen von Gipfeln -zusammengesetztes Gebirge um, welches an seinem westlichen Ende im -Egerlande mit den Ausläufern des Fichtelgebirges verschmilzt. In -diesem Theile des Gebirges nennen wir als hervorragende Punkte: den -=Spitzberg= bei Gottesgab 1118 m, den =Plattenberg= bei Platten 1039 m, -=den Muckenbühl= 944 m, =den Aschberg= 925 m, den in Sachsen liegenden -=Auersberg= bei Wildenthal 1021 m, =den »hohen Stein«= bei Schönbach -767 m und =den Kapellenberg= bei Voitersreuth 764 m hoch. - - -Das Gebirge südlich von der Eger. - -Südlich von der Eger haben wir im Westen die letzten Ausläufer des -Böhmerwaldes. Durch den ziemlich weiten Pass oder tiefen Einschnitt bei -Sandau, wo sich der Gebirgsrücken nur wenig über die Flächen erhebt, -welche sich im Westen und Osten an seinem Fusse verbreiten, ist das -genannte Gebirge vom Kaiserwalde geschieden. Am meisten ragt unter -den Bergen im Süden des Egerlandes der =Dillenberg= durch Ausdehnung -und Höhe hervor; es ist die nördlichste und ansehnlichste Kuppe des -Waldgebirges, welches mit demselben den Zug seiner Verbreitung in -Böhmen schliesst; er erreicht 963 m Meereshöhe, ragt daher beiläufig -540 m über die Fläche des Egerlandes hervor. Die Gestalt ist die eines -steil ansteigenden, sanft gebogenen Rückens mit einigen sattelförmigen -seichten Einbiegungen. - -Der weitere, nordwestlich verlaufende Zug wird gewöhnlich das Tepler -Gebirge genannt; er bildet einen ausgebreiteten Rücken mit ziemlich -gleichförmigen Verhältnissen seiner Abdachungen. Der westlich vom -Teplthale gelegene Theil dieses Gebirges ist durch mehrere kleinere -Thäler eingeschnitten, ohne dass sich jedoch die Theile als eigene -Züge besonders hervorheben. Der höchste Theil desselben ist der -südwestliche unter dem Namen Kaiserwald mit =der hohen Glatze= 973·5 m. -Von da verläuft mit abnehmender Höhe der westliche Gebirgsabhang als -natürliche Begrenzung des Egerlandes zwischen dem Roda-Bache und dem -Liebau-Bache bis Königsberg, wo sein steiler Abfall das nördliche -Gehänge des engen Thales bildet, welches ihn vom letzten Joche des -Erzgebirges, dem Leibitsch-Kamme, trennt. Sanfter ist der Abfall des -zweiten Theiles zwischen dem Liebau-Bache und Lobs-Bache, wo am Fusse -des Gebirges die Thalfläche von Falkenau, das Falkenauer Land, sich -ausbreitet und sich bis zum Fusse des Erzgebirges in einer Breite von -11·3 Kilom. ausdehnt. Den dritten Theil bildet der Abfall des Gebirges -zwischen dem Lobsbache und dem Zechthale mit dem =Spitzberg= 821 m -zwischen Lauterbach und Schönfeld und dem =Crudum= 830 m nördlich -von Kohling, welche beide mächtig hervorragen. Die Gehänge dieses -Gebirgstheiles fallen steil und stellenweise als schroffe Felswände -in die beiden genannten Seitenthäler und in das Hauptthal bei Elbogen -ab. Der vierte Theil verläuft zwischen dem Zechthale und der Tepl und -wird überragt von der =Buchenhöhe= 728 m nördlich von Poschitzau und -dem =Aberg= 609 m südöstlich von Aich. Derselbe gewährt eine treffliche -Aussicht über den Gebirgsrücken und auf das Erzgebirge. - -Der östliche Theil des Tepler Gebirges rechts vom Tepelthale ist mehr -ausgebreitet als der westliche, erreicht aber nicht dessen Höhe; er -hat mehr das Ansehen eines ausgedehnten Plateaus, auf welchem sich -einzelne, zum Theile mehr ausgedehnte als hohe Kuppen hervorheben. Der -südliche Abhang führt zum grossen Theile den Namen Buchauer Gebirge. -Gegen Osten und Nordosten geht die Platte in ein aus Kuppen und -höheren Rücken zusammengesetztes Gebirge über und führt zum Theil den -Namen Duppauer Gebirge. Der Abfall ins Tepelthal ist schroff. Ueber -das Plateau bei Engelhaus ragt der weitsichtbare und jedem Touristen -bekannte =Schlossberg= empor. Dieses Gebirge erhebt sich auch steil aus -dem Haupt-Thale, sowie ihm gegenüber das Erzgebirge. - - -Das Mittelgebirge. - -Dieses Gebirge wird von der Elbe durchschnitten und in zwei nahezu -gleiche Theile, einen westlichen und einen östlichen, geschieden. -Der westliche Theil wird nördlich von dem Eulauer, nordwestlich von -dem Teplitzer Thale, westlich von der schönen, fruchtbaren Saazer -Ebene und südlich von dem Egerthale und der Ebene, in welches -sich dieses verläuft, begrenzt. An seinem nördlichen Abhange wird -dieser Gebirgstheil in nordöstlicher Richtung von dem Bielathale -durchschnitten, und gewöhnlich wird nur der Strich zwischen dem Eger- -und Bielethale das Mittelgebirge genannt, wiewohl das nordwärts der -Biela liegende Gebirge bis zu den bezeichneten Grenzen, sowie das -an der Ostseite der Elbe liegende Gebirgsland mit demselben ein -geognostisches Ganzes bildet, von welchem das eigentliche sogenannte -Mittelgebirge einen Haupttheil ausmacht. - -Während dem östlichen Theile theilweise ein kettenartiger Zusammenhang -nicht abgesprochen werden kann, fehlt dieser dem westlichen ganz, -und besteht aus einer Anhäufung von mehr oder weniger vollkommen -kegelförmigen, theils spitzigen, theils abgestumpften oder an dem -Gipfel abgerundeten glockenförmigen Bergen, zwischen welchen hie und -da kahle, zum Theile mächtige, klippige Felskolosse hervorragen. Die -Berge stehen, besonders an den Ausläufern oder am Rande des Gebirges, -wo es sich aus der Ebene hervorhebt, vereinzelt, versammeln sich dann -weiterhin in kleineren und grösseren Gruppen, welche dann an den -beiden Gehängen des Gebirgszuges sich sehr gedrängt gehäuft finden und -in der Mitte desselben als die höchsten Berge hervorragen, worunter -im eigentlichen Mittelgebirge der =Donnersberg= oder =Milleschauer= -mit 815 m über der Nordsee den höchsten Punkt dieses ganzen Gebirges -erreicht. Das ist der König des Mittelgebirges, ein steiler, isolierter -Bergkegel aus Klingstein. - -Im östlichen Mittelgebirge liegen die höchsten Berge nicht in der -Mitte, sondern zumeist am Rande desselben. Die Grenzen dieses Gebirges -sind: Südlich die Ebene an der Elbe, über welche sich dasselbe -theils plötzlich mit grosser Steilheit erhebt, theils allmählich von -derselben ansteigt und so den Fuss des eigentlichen steileren Gebirges -bildet. An der Ostseite zerstreuen sich die Gebirgsmassen in einzelne -Kegelberge, welche sowie nordöstlich, endlich als zusammenhängender -Gebirgszug gegen das Gebiet von Bunzlau fortlaufen. Nördlich wird das -Mittelgebirge durch das Granitgebirge begrenzt, und von diesem durch -das Thal des Grundbaches bei Obergrund und Georgenthal geschieden, -hängt jedoch damit durch den Gebirgsrücken bei Schönlinde zusammen, -und seine Felsmassen finden sich auch noch in einzelnen Bergkegeln -zerstreut auf dem Granitgebirge vor. Die nordwestliche Grenze bildet -das Sandsteingebirge an der Elbe, wo sich auch die Felsmassen in -zerstreuten Bergen im Gebiete des Sandsteingebirges vorfinden, sowie -sich die des letzteren mit denen des Mittelgebirges vermengen und diese -durchflechten. - -Das östliche Mittelgebirge erhält verschiedene Benennungen nach -einzelnen Gegenden, Ortschaften und Bergen. - -In geognostischer Beziehung gehört dieses Gebirge zur vulkanischen -Trappformation und ist eines der ausgedehntesten und ausgezeichnetsten -dieser Art in Europa. Basalt und Klingstein bilden die Hauptmassen des -Gebirges, von denen der erstere die meisten Berge, der letztere die -höchsten Punkte und mächtigsten Felsmassen zusammensetzt. Der Basalt -ist meistens dicht, oft auch blasig und mandelsteinartig und zuweilen -in ein thoniges Gestein oder sogenannte Wakke übergehend; häufig -trifft man ihn schön säulenförmig an, mit Olivin eingesprengt, oder -porphyrartig durch eingewachsene Krystalle von Augit, Hornblende oder -Glimmer. Auch der Klingstein hat mancherlei Abänderungen. Ausser diesen -beiden eigentlichen vulkanischen Trappfelsarten erscheint auch Porphyr -in einigen Gegenden und etwas seltener eine Art Grünstein, welche mit -dem Basalt sehr nahe verwandt ist. Die Felsarten des Urgebirges kommen -nur in einigen Gegenden in den tieferen Theilen zum Vorscheine, so im -Bielathale bei Bilin und im Elbthale bei Tschernosek der Gneis. - -=Das Elbgebirge=, auch wohl Sandsteingebirge an der Elbe, das -böhmisch-sächsische Sandsteingebirge, und wegen seiner eigenthümlichen -schroffen Formen und romantischen Thäler, die böhmisch-sächsische -Schweiz genannt, erstreckt sich von den oben angegebenen Grenzen -des Mittelgebirges, nämlich dem Eulauer Thale, dem Losdorfer- und -Olischbache, dann dem Gebirge zwischen Kamnitz und Kreibitz, bis zum -nördlichen Granitgebirge jenseits des Körnschtbaches, und über die -Grenze Böhmens nach Sachsen; es wird von dem Elbthale durchschnitten -und in zwei Theile getheilt. Der Theil an der linken Seite der Elbe -wird fast bloss, soweit das Gebirge Böhmen angehört, vom hohen -=Schneeberge= und dessen Vorbergen gebildet und erhebt sich an -demselben zu seiner grössten Höhe, von welcher es sich nach dem Rücken -des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswalde nur wenig, nach seiner -nördlichen Verflachung sanft abdacht, gegen das Eulauer Thal und das -Elbthal aber sehr steil abstürzt. Viel niedriger gestaltet sich der -Theil desselben an der rechten Seite der Elbe, und bildet ein aus dem -Elbthale sich gleichfalls mit grosser Steilheit bis zu einer Höhe von -ungefähr 379 m erhebendes Plateau, welches sich nach Osten und Süden -sanft gegen das sich aus demselben erhebende Mittelgebirge verflacht, -eine wellenförmige Oberfläche mit einzelnen grössern Erhöhungen -zeigt, und sich an der nördlichen Landesgrenze, am Winterberge und -den Thorwänden, abermals plötzlich gleich einem Walle erhebt. Die -Thäler, welche dieses Plateau durchschneiden und an den Abhängen -des Schneeberges tiefe Einrisse bilden, haben einen eigenthümlichen -Charakter; die Gehänge derselben sind steile, oft senkrecht -aufsteigende zerrissene Felsenwände, welche sich zuweilen gleichsam -in mehreren Stockwerken über einander erheben und deren einzelne, oft -von der Hauptmasse losgerissene, sowohl senk- als wagrecht zerklüftete -Pfeiler sich zu grotesken, oft abenteuerlichen Gebirgsformen gestalten, -von welchen der böhmische Theil dieses Gebirges ebenso reich, als der -deshalb von Lustreisenden so häufig besuchte sächsische Theil desselben -ist. - -Die herrschende Felsart dieses Gebirges ist der Quadersandstein, eine -der jüngsten aus der Reihe der sekundären Flötzformationen. Derselbe -zeigt sich bei seinem Beginn am Erzgebirge sichtbar auf dem Gneis -desselben, sowie an seiner Begrenzung am nördlichen Granitgebirge -auf diese Felsart aufgelagert, und Granit zeigt sich auch unter -dem Quadersandsteine an einer merkwürdigen Stelle im Elbthale; an -einer andern kommt auch Thonschiefer als untere Felsart vor. Von den -Felsarten des angrenzenden vulkanischen Trappgebirges findet sich im -Bezirke des Sandsteingebirges ein majestätischer einzelner Basaltberg, -=der Rosenberg=, welcher sich über das Plateau dieses Gebirges am -rechten Elbufer 299 m und überhaupt bis zu 588 m Meereshöhe erhebt. - - -Flüsse. - -Die bedeutendsten Flüsse unseres Reisegebietes sind die =Elbe=, die -=Eger= und die =Biela=. - -Wir betrachten die Elbe von Raudnitz an; hier schlägt sie die nördliche -Richtung ein und bewegt sich grösstentheils im flachen Lande und an dem -sanften, hügeligen Gehänge, welches den unteren Fuss des Mittelgebirges -an der linken Seite bildet; von Krzemusch bis Lobositz läuft sie wieder -westwärts, wendet sich aber bei letzterem Orte wieder plötzlich nach -Norden und tritt hier in eine Gebirgsspalte ein. In diesem engen, zu -beiden Seiten von den Felsmassen des Mittelgebirges eingeschlossenen -Thale, welches sich bei Libochowan auf eine kurze Strecke kesselförmig -erweitert, fliesst der Strom, mit einigen Krümmungen in nördlicher -Richtung bis Aussig, wendet sich daselbst nordöstlich und nimmt bei -Kleinpriesen allmählig wieder die nördliche Richtung an, welche er bis -zu seinem Austritte aus unserem Vaterlande beibehält. Das Stromthal -geht auf dieser ganzen Strecke fortwährend zwischen Gebirgen, welche -von Rongstock bis Tichlowitz an, besonders an der rechten Seite, etwas -zurücktreten und so bis Tetschen dasselbe etwas erweitern; unterhalb -dieser Stadt tritt der Strom in das Gebiet des »Elbsandsteingebirges« -ein; das Thal wird sehr enge, die Abhänge steil, zum Theil aus -senkrechten hochaufgethürmten Felsmassen und Wänden bestehend. Die Elbe -verlässt Böhmen mit ihrem linken Ufer ¼ Stunde oberhalb Herrnskretschen -und mit ihrem rechten Ufer ¼ Stunde unterhalb dieses Ortes. Das -Gefälle des Stromes durch diesen Gebirgsweg beträgt von Leitmeritz bis -Herrnskretschen (8⅜ Meilen oder 6·376 Myriameter) 28 m. - -In diesem Hauptstrome Böhmens sammeln sich bei weitem die meisten -Gewässer des Landes, und so gehören auch die unseres Reisegebietes -nahezu alle zu dessen Flussgebiete und fliessen grösstentheils -innerhalb desselben in diesen Strom. Der wichtigste darunter ist die -=Eger=, welche auf dem Fichtelgebirge in Baiern und zwar am nördlichen -Abhange des Schneeberges 701 m über der Meeresfläche entspringt. Den -Namen Eger erhält sie erst bei Weissenstadt in Baiern; sie tritt bei -dem baierischen Grenzorte Somerau an die Landesgrenze, durchschneidet -das Egerland in östlicher Richtung in vielen Krümmungen, tritt aus -dem Gebirge östlich von der Stadt Eger in die Thalfläche, verlässt -diese bei Königsberg und durchschneidet den Gebirgskamm, welcher das -Egerland im Osten begrenzt, in einem engen Thale und tritt bei Kloben -in die weite Thalfläche zwischen dem Erzgebirge und Tepler Gebirge, -hält sich jedoch mit ihrem Laufe mehr am Fusse des letzteren, welchen -sie von Altsattel in einem engen felsigen Thale durchschneidet. -Unterhalb Karlsbad verlässt sie die Thalfläche gänzlich und setzt -ihren Weg in nordöstlicher Richtung zwischen dem Tepler Gebirge und -dem Erzgebirge fort. Im weiteren Lauf bei Wartha wird das Rinnsal -fast zur Schlucht eingeengt und verbleibt so bis Klösterle, wo sich -das Thal erweitert. Auf dieser ganzen Strecke sind die Gehänge des -Flussthals grösstentheils felsig und oft fallen die Felsmassen bis in -das Flussbett steil ab. Unterhalb Kaaden tritt sie in das Flachland; -die Gehänge des Flussthales werden allmählig niedriger und sanfter -und das Thal wird weiter und verliert sich unterhalb Saaz ganz in -die Ebene. Die Eger verfolgt nun ihren Weg in östlicher Richtung in -kleinen Krümmungen und tritt in ein nicht sehr tiefes, in den Fuss -des Mittelgebirges eingeschnittenes Thal und kommt aus demselben -bei =Hostenitz= in die Ebene, um sich nach kurzem, nunmehr nördlich -gerichtetem Laufe unterhalb Theresienstadt, gegenüber von Leitmeritz, -mit der Elbe zu vereinigen. - -Die Eger ist sehr zu Ueberschwemmungen geneigt und überführt dabei oft -die Niederungen ihres Ufers mit Schutt und Gerölle. - -In die Eger ergiessen sich an der linken Seite: der =Liebensteiner= -Bach bei Fischern; der =Schladabach= bei Tirschnitz; der =Fleissenbach= -mit dem =Sirmitzbach= bei Nebanitz; der =Leibitschbach= bei Leibitsch; -die =Zwodau= bei Falkenau; sie entspringt in Sachsen, betritt -unterhalb Klingenthal unseren heimatlichen Boden, verstärkt sich -links in Graslitz durch den =Schwaderbach=, bei Weitzengrün durch den -=Rothaubach= und fliesst bei Falkenau in die Eger; der =Chodaubach= -bei Maierhöfen; der =Rohlaubach= bei Fischern; der =Tippelsgrüner -Bach= bei Dalwitz; die =Wistritz=, verstärkt durch die =Weseritz=, -bei Wistritz, unterhalb Schlackenwerth; die reissenden Gewässer: der -=Holzbach= unterhalb Damitz; der =Mühlbach= bei Austein; der =breite -Bach= bei Klösterle, welche in engen tiefen Thälern am Gehänge des -Gebirges herabfliessen; der =Wernersdorfer Bach=, an der Reischhöhe -entspringend, erreicht in Oberwernersdorf die Reischhöhe, fliesst -durch Nickelsdorf und dann in die Eger; der =Brandbach= bei Kaaden; -der Saubach, anfangs Höllenbach genannt, entspringt aus kleinen -Gewässern bei Wisset und Krima, erreicht die Ebene bei Hagensdorf, in -welcher er durch Deutsch-Kralupp, Priesen, Horatitz und Schisselitz -und dann unterhalb Saaz in die Eger fliesst; der =Assig-= oder =Sau-=, -auch =Komotauer Bach=, entsteht aus dem Assigbach und dem Komotauer -Flössgraben westlich von Sebastiansberg unweit der Landesgrenze und -nimmt den =Rothenhauser Flössbach= auf. Nach Vereinigung dieser Bäche -in der Grundmühle bei Dörnthal fliesst dieser schon ansehnliche Bach -durch den romantischen, ungemein anmuthigen Komotauer Grund nach -Oberdorf herab, dann durch die Stadt Komotau, wo er in's flache Land -eintritt, hier seinen Weg in einem seichten Thale in ostsüdlicher -Richtung durch eine Menge Ortschaften nimmt und unterhalb Postelberg in -die Eger fällt. Sein reissendes Gewässer führt eine Menge Rollsteine -vom Gebirge in das Flachland herab, welche sich bis in die Gegend -zwischen Komotau und Eidlitz verbreiten. Hervorragende und die -Aufmerksamkeit der Touristen besonders erweckende Zuflüsse am rechten -Ufer der Eger sind: - -=Die Wondreb=, deren Quelle zahlreiche Riesel an dem südlichen Abhange -des Dillenberges bilden, und welche sich bei Mähring in Baiern zu -einem kleinen Bache vereinigen. Dieser umfliesst in einem weiten Bogen -die südwestlichen Ausläufer des Dillenberges und verstärkt sich durch -die davon abfliessenden Gewässer, sowie durch einige Zuflüsse aus den -Ausläufern des Fichtelgebirges, tritt unterhalb Waldsassen in Böhmen -ein, wo ihm an seiner linken Seite der die Landesgrenze bezeichnende -=Hundsbach= zufliesst. - -Der bedeutendste Zufluss links ist die =Tepel=, am Podhornberge -entspringend; sie wendet sich von der Stadt Tepel nördlich und verfolgt -diese Richtung in einem allmählig tiefer und enger werdenden Thale -bis zu ihrem Ausflusse in Karlsbad. Erwähnenswerth sind auch: der -=Flutbach=, von seinem Ursprunge bei Sangerberg der =Flössgraben= -genannt, nimmt in Schlaggenwald den =Röthlinger Bach= auf und fliesst -durch das felsige Zechthal nach Elbogen; der =Lobsbach= entspringt -nördlich von Sangerberg und mündet bei Falkenau in die Eger; der -=Aubach= bei Libotschan; der =Goldbach=, in seinem weiteren Verlaufe -auch =Flöhauerbach=, bei Tyrnowan. - -=Die Biela= entspringt auf dem Rücken des Erzgebirges in der Waldgegend -östlich von Neuhaus. Der kleine Bach verstärkt sich noch auf dem -Gebirge durch mehrere Bächlein und nimmt auf seinem Wege in einer -Schlucht an dem Gebirgsgehänge herab den Uris'ner, Göttersdorfer, -Rodenauer, Quinauer Bach und am Fusse des Gebirges den von Platten -herabkommenden Pirkner Bach auf, tritt westlich von Görkau in die -Ebene, durchfliesst diese Stadt und läuft dann in der Niederung in -östlicher Richtung gegen Neundorf, wendet sich hier nordöstlich gegen -Seestadtl, durchfliesst die ganze ebene Fläche in dieser Richtung bis -zum Einflusse des Grundbaches, nimmt dann die südöstliche Richtung -dieses Baches an und fliesst bei Tschausch und Brüx vorüber, tritt -hier in das Mittelgebirge ein, durchfliesst dasselbe in nordöstlicher -Richtung und fällt bei Aussig in die Elbe. - -Am linken Ufer nimmt die Elbe noch den =Eulauer Bach= auf. Derselbe -sammelt sich aus kleinen Gewässern, welche an den Gehängen des -Schneeberges und im Mittelgebirge entspringen, und scheidet diese -beiden Gebirge von einander. - -Von den Gewässern, welche, zum Flussgebiete der Elbe gehörend, erst im -Auslande sich mit ihr vereinigen, sind nur wenige, welche in der Folge -zu bedeutenden Bächen und kleinen Flüssen anwachsen; die meisten sind -bloss unbedeutende Gebirgsbäche, welche nach kurzem Laufe dem Strome -zueilen. Unter den ersten sind zu merken: die =Mulde=, welche ihre -Quelle bei Graupen hat und sich als östliche oder freiberger Mulde mit -der westlichen oder zwickauer bei Kolditz in Sachsen vereinigt; die -=Weisseritz= und die =Müglitz=. - -Erwähnenswerth sind auf der Nordabdachung noch folgende Gewässer: =Der -Schweinitzbach=, fliesst zwischen Böhmisch- und Deutsch-Einsiedel, -zwischen Gebirgs- und Deutsch-Neudorf, wendet sich hier nordwestlich -bei Katharinaberg vorüber nach Brandau zu. Bei Grünthal vereinigt er -sich mit dem =Natschungbach=; dieser entspringt südwestlich von dem -Dorfe Natschung, bildet von da bis Grünthal die Landesgrenze, nimmt den -Kallich-Töltsch-Brandauer-Bach auf und bildet mit der Schweinitz die -=Flöhe=. - -Der =Schwarzwasser-Bach= entspringt an der Ostseite des Hassberges, -fliesst in nord-nordöstlicher Richtung längs der Landesgrenze -durch Ulmbach, Reizenhain, Kühnheyde (Kienhaide) nach Sachsen. Der -=Pressnitz-Bach= hat seine Quelle an der Nordseite der Reischhöhe, -fliesst durch Reischdorf, Pressnitz und Christofhammer und bezeichnet -auf einer kurzen Strecke die Grenze. Bei Pressnitz verstärkt sich das -Wasser mit dem Dörnsdorfer Bache. - -Der =Schwarz-= oder =Pleil-Wasserbach= entspringt unweit des Keilberges -in der Gemeinde Stolzenhan, erreicht im Südwesten die Gemeinde -Schmiedeberg, durchfliesst die Schmiedeberger Thalmulde von Südwest -nach Nordost, tritt dann unter dem Namen Pleilwasserbach in die -Gemeinde Pleil und dann nach Sachsen über. - -Der =Gränzbach=, an der Nordseite des Keilberges entspringend und mit -seinem Laufe bei Wiesenthal und Weipert auf einer Strecke von mehr -als zwei Meilen die Landesgrenze bezeichnend, fliesst unter dem Namen -=Pöhlbach= gegen Wolkenstein in die Zschoppau; das =Schwarz-Wasser= -entspringt am Fichtelberge, fliesst bei Försterhäuser und Seifen vorbei -und vereinigt sich bei Johann-Georgenstadt mit einem von Platten -kommenden Bache und ergiesst sich, ein herrliches Thal bildend, in die -Zwickauer Mulde. In Böhmen entspringt noch die =weisse Elster=, welche -in nördlicher Richtung das Land verlässt und erst im Nachbarlande an -Bedeutung gewinnt. - -_Klima._ Das Klima ist feucht, regenreich, mässig kühl und -gleichmässig. Die Niederschläge und Luftfeuchtigkeit unterliegen -grösseren Schwankungen als im Böhmerwalde, weil die Massenerhebung der -Berge nicht bedeutend genug ist, um ein ganz selbstständiges, von den -wechselnden Einflüssen der baierischen Hochebene im Südwesten und des -norddeutschen Tieflandes unabhängiges Klima zu erzeugen. Der Winter ist -sehr lang, sieben bis acht Monate in den oberen Höhen dauernd. Die vier -bis fünf Sommermonate tragen ganz das Gepräge des Frühlings. Die Luft -ist -- wenige, besonders schwüle Tage im Juli und August ausgenommen --- selbst während der Mittagsstunden und bei sonst schönem Wetter -angenehm kühl. Von allen Seiten strömt uns der Wohlgeruch von duftenden -Kräutern und von den harztriefenden Fichten und Tannen entgegen, -welche die reine Gebirgsluft so stark würzen, dass wir tiefathmend die -Lungen wie durstige Trinker anfüllen, von der Natur getrieben, die uns -anreizt, hier unser Blut zu erfrischen. Der Boden ist theils wegen -der Grundfeuchtigkeit vom Winter her, theils wegen seiner schwammigen -Beschaffenheit, mittelst welcher er die Feuchtigkeit der Atmosphäre -so leicht an sich saugt, vielfach nass und sumpfig. Die Bergbäche -sind daher reich und schwellend; dazu der bunte Schmelz der blühenden -Pflanzen, die in verschiedener Aufeinanderfolge hervorbrechen und -wieder verschwinden, und die ausserordentlich üppige Vegetation an den -Abhängen der Berge und in den Thälern: das alles begünstigt die Idee -eines im Vergleich mit dem Unterlande viel längeren und wonnereicheren -Frühlings. Während im Monate August im Innern unseres Heimatslandes -alles grösstentheils vergilbt ist, steht im Erzgebirge alles noch in -der schönsten und üppigsten Fülle. - -Die =Morgen-= und =Abenddämmerung=, eine der herrlichsten Erscheinungen -während des reizvollen Sommers, gewährt dem Touristen, der um diese -Zeit die heiteren Höhen und saftig-grünen Thäler durchwandert, den -Vortheil, seine Tage auf die höchstmögliche Benützung zu bringen. Etwa -fünf Wochen vor und nach der Sommersonnenwende hat sowohl die Abend- -als auch die Morgendämmerung eine grosse Dauer, was die Wanderungen -auf den Höhen des Erzgebirges ungemein erleichtert und angenehm -macht. Auch die =Morgen-= und =Abendröthe= ist auf den Spitzen immer -heiterer und schöner als unter gleichen Umständen bei wolkenfreiem -Horizont im Innern des Landes. An dieser Stelle machen wir auf zwei -Erscheinungen unseres Gebirges besonders aufmerksam und bezeichnen die -geeignete Zeit und den besten Ort, wo sie gewöhnlich eintreten. Es ist -der Kupferhügel bei Kupferberg und der Hochsommer an Tagen, wo über -dem Flachlande Gewitter hängen. Man darf nicht sorgen, dass sie auf -das Gebirge heraufsteigen, wenn sie auch der Südwind gegen die Berge -herantreibt. Die schwarzen Wolkenmassen schwimmen dann bis nach Kaaden -oder Brunnersdorf heran und dringen auch in das Egerthal bis Klösterle -oder Pürstein herein; hier aber stauen sie sich an die hohen Berge und -entladen in stundenlangen Gewittern ihre Blitze mit fern rollendem -Donner. Der Zuschauer auf dem Kupferhügel steht im Sonnenschein, den -reinen blauen Himmel über seinem Haupte, und kann mit voller Seelenruhe -auf die leuchtenden Wolken hinabsehen, deren Oberfläche mit den -einzelnen Kuppen noch immer tiefer liegt, als der Rand des Gebirges, -und die tief unter seinen Füssen ihre Blitze von Wolkenballen zu -Wolkenballen aussenden, bis sich ihre Elektricitäten entladen haben -und die erschöpften Wolken wieder zerreissen und zerflattern und -das durchnässte Land im dunklen frischen Blau durchscheinen lassen. -Dieses Schauspiel wird vielleicht nur noch von einer Naturerscheinung -überboten, die im Frühlinge, bei lang anhaltenden Märznebeln, oder auch -im Herbste stattfinden kann, und die öfter schon beobachtet wurde. Wie -bekannt, sind die Gebirge mehr oder öfter mit Nebeln verschleiert als -die Niederungen und Thäler. Es kann aber auch geschehen, dass sich -die Nebel sehr dicht über das Tiefland lagern, und dann reicht die -Nebelschichte meist nur bis an den Rand des Gebirgskammes und oben ist -heller Sonnenschein und warmes, trockenes, schönes Wetter. Der Nebel -selbst liegt weithin über das ganze Tiefland wie eine Meeresfläche -gebreitet, unter welcher das ganze Land versunken und verschwunden -scheint. Es ist aber doch nicht ganz versunken; hier rechts ragen -aus dem glatten Meeresspiegel, über dem das helle, sonnige, blaue -Himmelsgewölbe gespannt ist, einige Kuppen des Teplergebirges heraus -wie blaue Inseln, an welchen die dunstig dünnen Wellen des Nebels -aufschäumen; dort links in der Gegend von Dux und Teplitz tauchen -wieder Inseln heraus, an welchen wir den =Bořen= und den =Donnersberg= -zu erkennen glauben. Alles andere wogt langsam in breiten Wellen von -nur geringer Höhe, ein täuschender Meeresspiegel von 14 Meilen Länge -und Breite, der ganz an den Anblick über die Adria erinnert, von den -Höhen des Karstes aus gesehen. Und welches Spiel der Wellen nahe zu -unseren Füssen! Vom Fusse des Kupferhügels gegen Osten breitet sich -eine Platte aus, meist Blumenwiesen, die gegen Klösterle mit einem -steilen Rand abfallen. Die Nebelschichte füllt das Tiefland genau bis -zu diesem Rande. Da treibt ein leiser Ostwind den oberen Schaum des -Nebels über den Rand, und eine duftig zarte Woge schlägt über und wälzt -sich über die grüne Platte. Sie ist aber von der strahlenden Sonne -beschienen und erwärmt, und die Schaumwelle des Nebels zerfliesst -und zerflattert. In kurzer Zeit kommt eine zweite brandende Welle -und wiederholt das anziehende Spiel. Wir erfreuen uns längere Zeit -an dem Spiele eines brandenden Nebelmeeres, da streift unser Blick -wieder das Tepler Inselland. Die blauen Inseln sind grösser, breiter -geworden, das Meer sinkt, es trocknet ein, und das feste Land steigt -aus den Fluten im Zauber einer neuen Schöpfung. Auch wurde schon -wiederholt eine Art =Alpenglühen= beobachtet: Man sah am frühen Morgen -schneereicher Wintertage die rothglühenden Gipfel des Gebirges aus -der nebeligen Dämmerung des Morgens aufleuchten. Auch hat man auf -mehreren Gipfeln unseres Gebirges das berühmte »=Brockengespenst=« -gesehen. Es wird auf dem Brocken beobachtet, wenn an einem Sommertage -rings um das Brockenhaus schwerer, feuchter Nebel liegt, oder wenn an -den Flanken des Berges sausende Wolkengeschwader ziehen und sich zu -seltsamen Gestalten ballen, worauf sich bei besonderem Stande der Sonne -der vergrösserte Schatten des Wanderers auf einer gegenüberliegenden -Wolkenwand zeigt. Der Uebergang aus dem ungefähr 4½ Monate langen Lenz -in den Winter ist indess auch wieder viel schneller als im tiefen -Lande. Nach einigen wolken- und schneefreien und andauernd schönen -Octobertagen, deren sich die Erzgebirgsbewohner gewöhnlich zu erfreuen -haben, tritt der Winter mit allen seinen Unannehmlichkeiten und -Schrecken sofort ein. - -Im allgemeinen muss das Klima wegen der Leichtigkeit und Reinheit -der Luft als ein ganz gesundes bezeichnet werden. Brustkrankheiten -kommen hier trotz der oft dürftigen Verhältnisse der Bewohner -äusserst selten vor, daher werden viele Orte als Schwindsuchtsasyle -ganz besonders empfohlen, wie Eichwald, Ossegg, Hammer, Rothenhaus, -Einsiedl, Reizenhain u. s. w. Als Merkmal der günstigen klimatischen -Verhältnisse gilt der Umstand, dass man bis zu einer Höhe von 650 m -Roggen und Weizen erntet; auf dem rauhen Gebirgskamme bei Gottesgab -müssen sich die Bewohner mit Hafer und Kartoffeln zufriedenstellen, -und auch dieser Anbau sollte unterbleiben. Der Graswuchs ist hier -sehr üppig, und die Natur zeichnet den Bewohnern den Weg, den sie -gehen sollen, deutlich vor. Sie sollen sich ganz der Viehzucht widmen, -und die daraus resultirende Erwerbsthätigkeit durch Gründung von -Milch- und Käserei-Genossenschaften heben. Erwähnenswerth ist noch, -dass das prächtige Edelweis in Krima ganz gut gedeiht, daher von den -Gebirgsvereinen auf dem Sonnenwirbel, wo sich Vorboten der subalpinen -und selbst der alpinen Flora vorfinden, in grösserem Masse angepflanzt -und dann verwerthet werden sollte. - - -Einwohnerzahl, Character der Bewohner. - -Die Ansiedelung auf dem Erzgebirge weist die Merkwürdigkeit auf, dass -sie zu den höchst gelegenen auf der ganzen Erde und insbesondere von -Europa gehört. Es gibt wohl höher gelegene Orte; sie sind aber nur -Herbergen für die Reisenden oder Heilanstalten, oder es sind Gasthäuser -für Touristen. Nur einzelne Ansiedelungen, wie Le Locle 996 m und La -Chaux de Fonds 976 m hoch, jenes mit 9000, dieses mit 17.000 Einwohnern -(Uhrmacherfamilien), bilden eine Ausnahme und zeigen von einer dichten, -sesshaften Bevölkerung in ungewöhnlicher Gebirgshöhe. In den Alpen -steigen die Bewohner gegen den Winter zu in die Thäler hinab. Im -Böhmerwalde gibt es nur zwei Ortschaften: Aussengefield und Eisenstrass -mit 2000 Einwohnern, dieses 850, jenes 1077 m hoch. Auf allen Gebirgen -Deutschlands, wie auf dem Harz, dem Schwarzwalde, im Thüringerwalde u. -s. w. nimmt die Dichtigkeit der Bevölkerung auf der Höhenlage rasch -ab. Allein auf dem Erzgebirge nimmt die Dichte der Bevölkerung mit -der Höhe zu, und auf der böhmischen Seite des Kammes wohnen nach der -Zählung von 1857 auf 20·7 Quadrat-Myriametern (36 Quad.-Meilen) 111.180 -Menschen. Die Dichtigkeit der Bevölkerung übersteigt daher 5370 Seelen -auf ein Quad.-Myriameter (über 3000 auf eine Quad.-Meile). Auf der -sächsischen, weniger steil abfallenden Seite erreicht sie sogar die -Zahl von 17.000 Seelen auf ein Quadrat-Myriameter. Diese Dichtigkeit -der Bevölkerung und die Gründung der Städte in der Höhe von 440 bis -632 m: Wolkenstein, Thum, Zschoppau, Geyer, Zöblitz, Marienberg, -Buchholz, Elster, Schwarzenberg, Marienkirchen, Adorf, Falkenstein, -Schneeberg, Auerbach, Oelsnitz, Zwönitz und Schellenberg; zwischen -532--790 m: Altenberg, Frauenstein, Seyda, Annaberg, Scheibenberg, -Elterlein, Grünhain, Johann-Georgenstadt, Eibenstock, Schöneck, -Heinrichsgrün, Katharinaberg, Bärringen, Hengstererben, Hirschenstand, -Frühbuss, Platten, Abertham, Sächsisch- und Böhm.-Wiesenthal; über -948 m ausser mehreren kleineren Ortschaften das Städtchen Gottesgab -1172 m, noch 72 m über der höchsten Spitze des Harzes, über dem Brocken -und 224 m über dem Beerberg, der grössten Höhe im Thüringerwalde, --- diese zwei Umstände lassen sich nur unter Zuhilfenahme eines -geschichtlichen Ereignisses erklären. Es ist diess die Entdeckung -der Silbergruben bei Freiberg (1163) und bei Konradsgrün, wo jetzt -Joachimsthal steht, im J. 1471. In einem Zeitraum von ungefähr 55 -Jahren wurden 11 neue Bergstädte gegründet, nämlich: Schneeberg 1477, -Annaberg 1496, Buchholz 1504, Joachimsthal 1516, Gottesgab, Eibenstock -und Hochstadt 1517, Marienberg 1521, Scheibenberg 1522, Wiesenthal 1526 -und Platten 1532. Bergbauunternehmer und Arbeiter strömten herbei; -denn sie konnten nicht nur reiche Ausbeute und guten Lohn finden, die -erlassene Bergordnung machte auch die Leibeigenen =frei=, sobald sie -als Knappen aufgenommen wurden. Auf den Höhen des Erzgebirges wohnte -die Freiheit. Noch nicht genug daran wurden die Bürger der Bergstädte -von den Kaisern mit ausgedehnten Privilegien begnadigt. Diese Umstände -genügen wohl, die rasche Ansiedelung auf einem rauhen Gebirge mitten -im Urwalde zu erklären. Der Bergbau hat abgenommen, der Werth des -Silbers ist sehr gesunken, und die Bevölkerung blieb aber doch auf -den Bergen zurück. Das kann überraschen, denn es bildet eine Ausnahme -von der Regel, welche wir aus den Beobachtungen ähnlicher Vorgänge -an anderen Orten ableiten können. In Nordamerika verlief sich die -Bevölkerung nach Ausbeute der Naphtaquellen und liess Dörfer und Städte -leer stehen und die Häuser verfallen. In Peru und Chili beobachtete -man eine ähnliche Erscheinung. Aus noch früherer Zeit lässt sich -der ähnliche Vorgang in Spanien nachweisen. Auf den unwirthbaren -Höhen des Erzgebirges blieb aber die dichte Ansiedelung zurück. Sie -überdauerte alle Wechselfälle und ertrug schwere Zeiten der Noth. -Sie musste wiederholt von einer Beschäftigung zur anderen übergehen. -Nach Erschöpfung der Silbergruben warfen sich die Unternehmer und -Arbeiter auf den Eisensteinbergbau und das Eisenhüttenwesen. Sie bauten -Drahtmühlen, Blechhämmer, machten verzinnte Eisenlöffel, Nägel und -Stifte. Als auch diese Gewerbe die Arbeit nicht mehr lohnten, wurde -das Spitzenklöppeln eingeführt, und als alle Gewerbe stockten, zogen -die musikkundigen Erzgebirgsbewohner aus und stellten Musikbanden -für die Badeorte zusammen. Und so hausen sie auf den rauhen Höhen -und bauen zu den alten Häusern aus Riegelwänden noch neue, festere -Häuser aus Stein und Werkstätten und Fabriken und lassen sich von den -rauhen Stürmen nicht fortwehen und von der Noth nicht wegdrängen. -Was sie nur so festhält? =Der Zug der Natur=, welcher die Forelle in -dem kristallhellen Gebirgsbache zurückhält und nicht in das trübe -Flusswasser der Ebene herabschwimmen lässt. Das Heimweh allein ist's -nicht. Die gesammte Bevölkerung zeichnet sich durch eine besondere -Beweglichkeit des Geistes und eine vortreffliche Flinkheit und -Eilfertigkeit des Leibes aus, was sie zu allen Künsten, zu allen -Handwerken und Gewerben geschickt macht. In Folge dessen sind auf -dem Erzgebirge eine ganze Reihe von Industrien im Schwunge: Bergbau, -Eisengewerke, Gewehrfabrication, Löffel- und Messerschmiederei, -Stahlwaarenerzeugung, Nadlerei, Porzellanfabrication, Spitzenklöppelei, -Weiss- und Buntstickerei, Posamentierarbeiten, Handschuhmacherei, -Strohflechterei, Musikinstrumentenfabrication, Spielwaarenerzeugung, -Arbeiten in Papiermaché, Cartonerie, Chamotwaarenerzeugung u. s. w. -Kaum eine zweite Gebirgsbevölkerung wechselt so leicht und anstellig -die Arbeit und eignet sich das neue so leicht an, wie auf diesen -Bergen, und dieser Anbequemung an die geänderten Verhältnisse haben -sie es zu danken, dass sie die vielen Wechselfälle ihrer Geschichte in -ungeschwächter Kraft auf den Bergen aushielten, an denen sie festhängen -als ihrer geliebten Heimat, und zu welchen sie von ihren oft sehr -weiten Flügen in die Fremde immer wieder sehnsüchtig zurückkehren. - - »Bi weit rim kumma schie mei Labestoch, - Ich wor in Dorf und Stoodt, wass moncha Gegend za hassen, - ho viel gesah, wos 's Harz erfraia moch, - Mei Arzgebirg, mei Hamet ho ich net vergassen!« - -Die Geschichte hat uns an diesen Bewohnern gezeigt, wie die Menschen -zwölfhundert Meter über dem Meeresniveau wachsen und gedeihen. -Allgemein bekannt ist es auch, dass der Erzgebirger höflich, gefällig -und sehr genügsam ist. Seine Wohnung ist einfach und noch einfacher -die Kost. Frohsinn, Verträglichkeit und grosse Liebe zur Reinlichkeit -finden wir überall, was den Touristen ungemein anmuthet. - - -Das Mineralreich. - -_Das Mineralreich_ bietet auf dem Erzgebirge eine grössere -Mannigfaltigkeit von Vorkommnissen als in den meisten anderen Gegenden -Böhmens und Deutschlands. Wenn auch der Reichthum dieser Producte gegen -den, welchen sie in vergangenen Jahrhunderten durch den Betrieb eines -grossartig ausgedehnten Bergbaues spendeten, fast unbedeutend geworden -ist, gegenwärtig grossentheils nur die historischen Erinnerungen und -zahlreiche Halden, Pingen und andere verfallene Grubengebäude übrig -sind: so ist doch das Vorhandene immer noch von hohem Interesse für die -Wissenschaft. - -Der ältere Bergbau war hauptsächlich auf Gewinnung von Silber und -dann zunächst auf Kupfer, Zinn, Eisen und Blei gerichtet; erst später -lernte man auch Kobalt und Wismuth kennen und benützen; die Verwendung -des Braunsteines, des Nickels und des Urans gehört erst der neuesten -Zeit an, welcher wahrscheinlich bei dem raschen Fortschritte der -Naturwissenschaft und der Technik noch die Nutzbarmachung manches -anderen Minerals vorbehalten ist, das jetzt unbeachtet auf den Halden -liegt. - -Von grösserer Wichtigkeit als der Gewinn an den genannten Metallen -ist gegenwärtig der Kohlenbergbau, die Zugutemachung der Eisenkiese -auf Schwefel, Vitriol und Schwefelsäure, und von besonderer Bedeutung -auch die Benützung der Porzellanerde und des Feldspathes, welche hier -mehrere der wichtigsten Industrie-Anstalten des Landes in's Leben -gerufen haben. - -Silberzechen finden sich zu Joachimsthal, Abertham, Holzbach, -Arletzgrün, Breitenbach, Pechöfen, Streitseifen, Brettmühl, -Zwittermühl, Gottesgab, Seifen und Weipert, dann bei Sangerberg am -Tepler Gebirge. - -Kupferbau wird am Eibenberge auf der Herrschaft Graslitz betrieben. - -Bleierzzechen bestanden bei Brünles, Liebenau, Horn, Hartenberg, -Schlesnitz, Grün, Bleistadt, Reichenbach, Pichlberg, Silberbach, -Silbergrün und Weipert. - -Zinnerzzechen zu Abertham, Streitseifen, Goldenhöhe, Hirschenstand, -Schönfeld, Schlaggenwald, Silberbach und Königswarth. - -Eisenerzzechen zu Maria-Sorg, Pfaffengrün, Hauenstein, Schönwald, -Lessau, Irrgang, Neu-Hammer, Littmitz, Kodau (Chodau), Unterkodau, -Putschirn, Wintersgrün, Berghaus, Neusattel, Holzbach, Ullersgrün, -Granesau, Poschitzau, Grossschad, Sangerberg, Weipert, Ziditz, Thein, -Unterneugrün und Graset. - -Braunstein wurde am Hirschberge bei Platten und bei Frühbuss gewonnen. - -Eisenkiese (Vitriol und Alaunerze) werden zum Theile noch bei -Habersbirk, Char, Sorg, Mühlbach, Münchhof, Littmitz, Theim, Altsattel, -Zwodau und Maierhöfen gegraben. - -Braunkohlenzechen finden sich bei Janesen, Putschirn, Münchhof, -Grünlas, Chodau, Unterkodau, Taschwitz, Neusattel, Zettlitz, Granesau, -Littmitz, Hanschgrün, Berghaus, Grün, Russ, Graset, Wintersgrün, -Motschidl, Bruckhof, Doglasgrün, Aich, Steinhof, Habersbirk, Char, -Davidsthal, Lauterbach, Robertsgrün, Boden, Neukirchen, Falkenau, -Zwodau, Unterreichenau, Bukwa, Theisau, Maierhöfen, Kittlitz, Lang, -Haselbach, dann bei Lessau, Sodau, Premlowitz, Ottowitz, Schenkau, -Rosnitz, Drahowitz, Stolzengrün, Dalwitz. - -Die Gruben auf Porzellanerde, sowie die auf Feldspath bieten -treffliches Material für den Betrieb der Fabriken in Massen, welche -keine Erschöpfung besorgen lassen. - -An trefflichen Bausteinen und Material für Steinmetzarbeiten hat -das Gebiet einen Ueberfluss in der weitverbreiteten Granitbildung -und den Sandsteinablagerungen; bei Graslitz wird auch etwas -Dachschiefer gebrochen, ebenso fehlt es nicht an Thon für Töpfereien -und Lehm für Ziegelbrennereien. Im Egerischen Gebiete werden -nebst gewöhnlichem Töpfergeschirr auch das sogenannte Steinzeug, -hauptsächlich Mineralwasserflaschen, dann besonders gute Ziegel -erzeugt. In geringerer Menge findet sich Kalkstein. Die grosse -Mannigfaltigkeit der Mineralgattungen, welche theils einen Gegenstand -des Bergbaues ausmachen, theils bloss den Mineralogen interessiren, -zeigt folgendes Verzeichnis mit Angabe der vorzüglichsten Fundorte; -die mit »ausschliesslich« bezeichneten Gattungen sind bisher von -andern Orten noch gar nicht bekannt; die als stetige Gemengtheile der -Gebirgsgesteine vorkommenden Gattungen sind dabei übergangen. - -Arseniksäure, zu Joachimsthal. - -Glaubersalz, im Moor bei Franzensbad und in der Soos. - -Melanterit, oder Eisenvitriol, im Moor bei Franzensbad. - -Johannit, ausschliesslich zu Joachimsthal, höchst selten. - -Gyps, krystallisirt zu Schlaggenwald. - -Pharmakolith, zu Joachimsthal. - -Haidingerit, zu Joachimsthal, höchst selten. - -Erythrin oder Kobaltblüte, zu Joachimsthal, Platten. - -Vivianit oder blaue Eisenerde, im Moor bei Franzensbad. - -Skorodit, zu Schlaggenwald, sehr selten. - -Flussspath, zu Schlaggenwald, ausgezeichnete Krystalle dunkelviolblau, -dann zu Weipert gelb und grün. - -Apatit, ausgezeichnet in sehr mannigfaltigen Krystall- und -Farbenvarietäten zu Schlaggenwald, Schönfeld, ferner zu Neudeck, jedoch -sehr selten. - -Aragonit zu Waltsch, Nester im Basalt; die sogenannte Eisenblüte -als Seltenheit zu Bleistadt; dann die zu dieser Spezies gehörigen -mannigfaltigen Abänderungen der Producte der Karlsbader Thermen, als -Kalksinter und Erbsenstein. - -Kalkspath, schöne Krystallvarietäten, vorzüglich der sogenannte -Papierspath zu Joachimsthal. - -Braunspath, sehr ausgezeichnet zu Joachimsthal, dann zu Schlaggenwald. - -Spatheisenstein, zu Schlaggenwald, als Seltenheit; thoniger -Sphärosiderit zu Konradsgrün, bei Lessau und an mehren Orten im -Braunkohlengebirge. - -Scheelit oder Schwerstein, zu Schlaggenwald, höchst ausgezeichnet. - -Cerussit oder Weissbleierz, zu Bleistadt, ebendort auch die sogenannte -Bleierde. - -Pyromorphit oder Braunbleierz, ausgezeichnet zu Bleistadt. - -Olivenit (Olivenerz), zu Schlaggenwald. - -Lasur (Kupferlasur), zu Schlaggenwald, Seltenheit. - -Uranit, oder Uranglimmer, zu Schlaggenwald, sehr ausgezeichnet; zu -Schönficht. - -Urangrün, ausschliesslich zu Joachimsthal. - -Uranblüte desgleichen. - -Nickelocher, zu Joachimsthal. - -Ganomatit oder Gänseköthigerz, zu Joachimsthal. - -Eisensinter, sehr ausgezeichnet zu Platten und Bleistadt. - -Kupfermangan, ausschliesslich zu Schlaggenwald, sehr selten. - -Speckstein, zu Schlaggenwald, Schönfeld. - -Chlorit, nierenförmig zu Schlaggenwald. - -Kyanyt, breitschalig, ausgezeichnet am Gangerhäusel bei Petschau. - -Phillipsit, am Hauensteiner Schlossberge im Klingstein, bei Unterlamitz -im Basalt. - -Mesolith, Comptonit, sehr ausgezeichnet am Hauensteiner Schlossberge. - -Feldspath, orthotomer, Gegend von Elbogen, Karlsbad. - -Periklin, bei Haslau. - -Albit, zu Schlaggenwald, selten. - -Augit, kleine Krystalle im Basalt an mehren Orten; Sahlit bei Haslau. - -Amphibol im Basalttuff bei Rodisfort. - -Tremolit, bei Haslau im Kalkstein. - -Epidot, am Kupferhügel bei Kupferberg. - -Karpholit, ausschliesslich zu Schlaggenwald. - -Andalusit im Glimmerschiefer bei Alt-Albenreut, ausgezeichnet. - -Korund, am Gängerhäusel bei Petschau, selten. - -Topas, nette Krystallabänderungen, zu Schlaggenwald, dann Geschiebe von -meergrüner Farbe in den Seifenhalden bei Frühbuss. - -Berill, zu Schlaggenwald und als Seltenheit im Granit bei Neuhammer. - -Quarz, schöne krystallisirte Varietäten, durchsichtig, weiss und braun, -hauptsächlich zu Schlaggenwald, sogenannter Milchquarz und Rosenquarz -zu Schlaggenwald und Königswarth. - -Amethyst am Crudum bei Elbogen, bei Hartmannsgrün. - -Opal, zu Bleistadt im Bleiglanz, zu Heinrichsgrün, Frühbuss, bei -Haslau; der sogenannte Hyalith höchst ausgezeichnet bei Waltsch auf -Basalt. - -Kieselsinter oder schaliger Opal bei Grottensee. - -Chrysolith (Olivin), im Basalt bei Duppau und an mehren Orten. - -Turmalin, schwarz bei Schlaggenwald, Karlsbad, Zettlitz und an mehren -Orten. - -Idokras (Egeran), bei Haslau, sehr ausgezeichnet. - -Granat, kleine nette Krystalle am Dillenberge, dann undurchsichtige -Körner und Krystalle bei Hartenberg; im Kalkstein und Quarz bei Haslau, -am Kupferhügel, bei Neudeck. - -Rutil, am Gängerhäusel. - -Zinnerz, höchst ausgezeichnet zu Schlaggenwald, Schönfeld; derb und -eingesprengt bei Abertham und andern Orten. - -Wolfram, ausgezeichnet zu Schlaggenwald. - -Uranerz, Eliaszeche bei Joachimsthal, dort auch der Uranocher. - -Magneteisenstein, bei Platten, Neudeck. - -Rotheisenstein, rother Glaskopf, höchst ausgezeichnet auf dem Irrgange; -Thoneisenstein bei Lessau, Fuchsloch und an mehren Orten. - -Philomelan, oder dichtes Manganerz, dann - -Pyrolusit, sehr ausgezeichnet, und - -Polianit oder Hartmanganerz, bei Platten. - -Arsenik, zu Joachimsthal. - -Wismuth, zu Joachimsthal und als Seltenheit in Schlaggenwald. - -Silber, zu Joachimsthal, Weipert. - -Kupfer, als Seltenheit zu Schlaggenwald. - -Nickelkies, Kupfernickel, zu Joachimsthal. - -Arsenikkies, zu Schlaggenwald. - -Weisser Speiskobalt, krystallisirt und gestrickt zu Joachimsthal; -grauer Speiskobalt zu Joachimsthal. - -Eisenkies, hexaedrischer, bei Littmitz, Joachimsthal. - -Eisenkies, prismatischer, sogenannter Speerkies, höchst ausgezeichnet -bei Littmitz, Altsattel, sogenannter Leberkies zu Joachimsthal. - -Merkwürdig ist die Bildung von Eisenkies in den Moorlagern bei -Franzensbrunn; er entsteht aus den Vitriol haltenden Gewässern -durch einen Reductionsprocess, welcher durch die Vegetation -herbeigeführt wird, zeigt die Gestalten von verflochtenen Wurzeln und -Pflanzenstengeln, auf welchen der Kies sich niedergeschlagen hat, -während die Pflanzensubstanz zerstört wurde, so dass an ihrer Stelle -eine Höhlung zurückgeblieben ist. - -Millerit (Haarkies), zu Joachimsthal, ausgezeichnet. - -Kupferkies, ausgezeichnet zu Schlaggenwald, dann bei Graslitz. - -Bornit (Buntkupfererz), als Seltenheit zu Schlaggenwald. - -Silberglanz, oder Glaserz, Joachimsthal, Weipert. - -Bleiglanz, bei Bleistadt, Reichenberg, Schossenreut, Frohnau; selten zu -Joachimsthal. - -Molybdänglanz, ausgezeichnet zu Schlaggenwald. - -Sternbergit, Joachimsthal, ausschliesslich, sehr selten. - -Polybasit, zu Joachimsthal. - -Stefanit, zu Joachimsthal. - -Blende, ausgezeichnet in Schlaggenwald, dann in Bleistadt. - -Rothgiltigerz, dunkles und lichtes, höchst ausgezeichnet, vorzüglich -das letztere zu Joachimsthal. - -Zinnober, bei Schönbach. - -Realgar, zu Joachimsthal. - -Retinit, bei Habersbirk. - -Steinkohle, Braunkohle, an sehr vielen Orten. - - - - -Specieller Theil. - - - - -A. Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von -Franzensbad aus. - - - - -Franzensbad. - - - =Gasthöfe=: Post in der Kaiserstrasse; Hôtel Hübner, - Kaiserstrasse; Kaiser von Oesterreich, Ferdinandsstrasse; - Britisch Hôtel, Parkstrasse; Brandenburger Thor, Karlsstrasse; - Goldenes Kreuz, Hôtel Holzer, Stadt Leipzig, Kulmerstrasse; - Müllers Hôtel, Salzquellstrasse; Gisela, Bahnhofstrasse. - Preise: 1 fl. -- 1 fl. 50 kr.; Licht und Service 40 kr.; Suppe - 12 kr., Braten 40 bis 80 kr., Kaffee im Geschirr 24 kr., -- - gutes Bier und vortreffliche Weine zu mässigen Preisen. - - Privatlogis sind in etwa 150 meist neu und elegant - eingerichteten Wohnhäusern jederzeit zu bekommen; nur zur - Hochsaison d. i. vom 20. Juni bis Ende Juli tritt wegen - grossen Andranges Wohnungsmangel ein und empfiehlt es sich, - sich die Wohnung im voraus zu bestellen. Für Salons zahlt man - wöchentlich in der Hochsaison 20 bis 40 fl., doch kann man - auch gut eingerichtete Zimmer mit prächtigen Betten um 5 bis - 8 fl. bekommen. Das Bürgermeisteramt und die Brunnenärzte - sind jederzeit zu Auskünften bereit. Die an den Häusern - angebrachten Tafeln mit dem Worte »Logis« zeigen jedermann an, - wo Wohnungen zu vermiethen sind; man kann daher zudringliche - Wohnungsanbieter jederzeit zurückweisen. - - Im =Cursaal=, nächst der Franzensquelle, sowie in den - obgenannten Hôtels speist man vortrefflich entweder à la carte - oder Table d'hôte -- das Couvert 1 fl. 30 kr. Curgästen werden - auch Speisen in die Wohnhäuser verabreicht. - - Kaffee: Im =Curpark= (20 kr. ohne Gebäck), in allen Hôtels und - Privathäusern. - - Mehrere ausgezeichnete Conditoreien in der Kaiserstrasse. -- - - Kaffee in der nächsten Umgebung: =Ludwigshöhe=, =Antonienhöhe=, - Miramonte, Stöckermühle, Schlada, Bahnhofrestauration u. s. w. - - =Lesecabinet= im Franzensbader Curhause, von 8 Uhr Morgens bis - 7 Uhr Abends geöffnet; es sind über 60 Zeitschriften in den - Hauptsprachen und Curlisten aller bedeutenden Curorte vorhanden. - - =Post- und Telegrafenamt.= (Neugasse.) - - =Gewöhnliche, Dampf-, russisch-, türkische Bäder.= - - =Photographische Ansichten in den Buchhandlungen.= - - =Musik und Theater=: - - Die rühmlichst bekannte Badecapelle unter Leitung des - Capellmeisters Tomaschek spielt an jedem Morgen: - - 1) an der Salzquelle von 6--7 Uhr; - - 2) in der Franzensquelle von 7--8 Uhr, und - - 3) im Park von ½5 bis ½7 Uhr Nachmittag. - - Im Theater wird nur im Sommer von einer reisenden Truppe - gespielt. - -=Franzensbad= ist einer der berühmtesten Badeorte in -Oesterreich-Ungarn, liegt in einem Thalkessel 493 m über dem Meere und -wurde 1793 zum Badeorte erhoben und nach Kaiser Franz I., dem in den -Parkanlagen eine Erzstatue errichtet worden, benannt. Der Ort wird im -Norden vom Park, im Westen von Loimanns Anlagen, im Süden u. Osten von -den neuen Anlagen umgeben. Touristen, welche binnen wenigen Stunden die -interessantesten Puncte des Curortes kennen lernen wollen, ist =ein -Rundgang= durch die Stadt zu empfehlen. Sie gehen vom Bahnhofe durch -die Parkstrasse und Karlsstrasse in den Park zum Franzens-Monument und -von da in die Kaiserstrasse, wo sie Dr. Loimanns bekanntes und elegant -eingerichtetes Badehaus mit der Louisenquelle, dem kalten Sprudel, -dem Moorlager und den herrlichen Anlagen besichtigen. Zu diesem -grossartigen Badeetablissement legte im Jahre 1827 der Hausbesitzer und -Burgverwalter Loimann, der Vater des gegenwärtigen Besitzers Med. Dr. -Loimann, den Grund, indem er auf eigene Kosten ein allgemeines Badehaus -erbaute. Die Louisenquelle wurde 1807 gefasst, 1808 zum Gebrauche -eingerichtet und der damaligen dritten Gemahlin Sr. Majestät des -Kaisers Franz, Maria Ludowika, zu Ehren =die Louisenquelle= genannt. -Nur wenige Schritte davon bricht mit Heftigkeit der sogenannte =kalte -Sprudel= hervor. Von da begeben sie sich zur Franzensquelle, sehen -hier das Stadt-Egerer Badehaus, und dann weiter in einer herrlichen -Allee zur Neu-, Salz- und Wiesenquelle und nehmen auf diesem Wege die -grossartigen Badehäuser von Hofrath Dr. Cartellieri und von Singer -wahr. Durch die Salzquelle, welche schon 1817 entdeckt war, erhielt -Franzensbad seit 1819 einen ganz neuen Aufschwung. Seit dem J. 1837 ist -die nahe liegende Wiesenquelle als heilkräftig erprobt und 1840 mit der -Salzquelle unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht worden. - -Nun wird der Rückweg durch die herrliche Morgenzeile zur Kirche und -zum Parke angetreten. Der aufmerksam beobachtende und in seinem -Urtheile unparteiische Tourist wird finden, dass es Architect und -Gärtner verstanden haben, Franzensbad und die nächste Umgebung -zu einem eleganten Curorte zu erheben. Die 10 Mineralquellen, -alkalisch-salinische Eisensäuerlinge mit bedeutendem Gehalt an -Glaubersalz und freier Kohlensäure, denen _eminente_ Heilwirkungen -zugeschrieben werden, eine Kohlensäuregasquelle (schon seit 1545 -bekannt, aber erst seit 1810 als Heilmittel gebührend anerkannt) und -ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor, das auf Sand ruht, -namentlich aber die vorzüglichen Anlagen mit reizenden Promenadenwegen, -die grossstädtischen Strassen, Hôtels und Villen, die prächtigen -Kirchen und Denkmäler, vor allen Dingen aber die höchst elegant und -luxuriös ausgestatteten Wohnungs- und Vergnügungsräume, die mancherlei -Einrichtungen für Unterhaltung, Genuss und allerlei kostspielige -Vergnügungen und Liebhabereien, das Zusammenströmen der feinen Welt, -die während des Aufenthaltes in der »_europäischen Sommerresidenz_« -(den nordböhmischen Bädern) gewöhnlich die Nachcur hier geniesst, alle -diese Umstände erheben Franzensbad zu einem Bad I. Ranges. - -=Sehenswürdigkeit=: Ausser den im Rundgange angeführten: Die Rotunde -bei der Franzensquelle mit der Inschrift: »1793 unter Franz I. -gegründet zum Wohle der Menschheit«; die Colonade mit zahlreichen -Kaufläden, das Monument der Sachsenstiftung unweit der Rotunde mit der -Aufschrift: - - Herrlicher Quell, - Göttliche Gabe, - Bleibe kräftig und hell, - Stärke, labe - Durch verminderten Körperschmerz - Auch das ermattete kranke Herz, - Bis die letzten Frommen - Zum Urquell ewiger Genesung kommen. - -Die katholische Kirche mit einigen werthvollen Gemälden, die im -romanischen Styl erbaute protestantische Kirche, die Synagoge im -orientalischen Styl und vor allem der Cursaal, das stattlichste -öffentliche Gebäude, ein geschmackvoller, brillant ausgestatteter -Renaissancebau. Unter den Privathäusern erweckt die Villa Imperial -durch ihre freie herrliche Lage inmitten des herrlichsten Parks und -nahe der Salzquellpromenade, sowie durch die Pracht der Ausschmückung -von Aussen und im Innern die Aufmerksamkeit jedes Besuchers. - - -Spaziergänge: - -Sehr beliebter Spaziergang zur _Antonienhöhe_ in nordöstlicher Richtung -(¾ St.), Weg gut, aber nicht schattig. Aufenthalt im Wald sehr angenehm --- prächtiger Rundblick über das Egerland. - -Nach _Miramonte_ südlich auf der Strasse nach Eger, dann in einer -viertel Stunde rechts in einen Promenadenweg abzweigend. Beliebte -Restauration, wo man in einem Spiegel die ganze umliegende Landschaft -erblickt. - -Von Miramonte führt der Weg in westlicher Richtung zum _*Kammerbühl_, -einem erloschenen Vulcan (¼ Stunde). Er gehört unstreitig zu den -interessantesten geologischen Erscheinungen und ist vorzugsweise aus -vulcanischen Tufen aufgebaut. Die Lagerung dieser Eruptionsproducte -lässt sich in ausgezeichneter Weise in dem grossen Bruche hinter der -Restauration zum »Kammerbühl« beobachten. In Folge der isolirten Lage -bietet der Kammerbühl eine vorzügliche Rundsicht über das Egerland mit -seinen zahlreichen Städten und Dörfern, Schlössern und Ruinen, Kirchen -und Kapellen, die von den dunkelbewaldeten Bergen des westlichen -Erzgebirges oder Kaiserwaldes und des Fichtelgebirges umsäumt werden. - -_*Siechenhaus._ Dieser Spaziergang kann vom Kammerbühl fortgesetzt -werden. Gut gepflegte Wege führen von demselben ab nach dem Dorfe -_Stein_ und zum Egerfluss, den man an einer romantischen Stelle des -Thales mittelst eines Holzsteges überschreitet. (Der am Flussufer -hinlaufende Fusspfad führt direct nach Eger.) Der ansteigende, -schattige Weg leitet zur Chaussée von Eger nach Wunsiedel und -zum _Siechenhaus_ (¾ St.), dem beliebtesten Vergnügungsort der -Franzensbader Curgäste und der Bewohner von Eger. Es besteht aus -einer Oberförsterei, einem Armenhaus (Versorgungsanstalt) und einer -guten Restauration. Schöner Garten inmitten eines herrlichen Waldes, -angenehmer Aufenthalt, malerische Aussicht auf Eger und Umgebung. - -Empfehlenswerth ist auch der Besuch der eine halbe Stunde weiter -entfernten _St. Annakirche_ (608 m), ehemals Franziskanerkloster, -theils wegen der Kirche selbst, die colossale Schnitzwerke eines -unbekannten, altdeutschen Meisters enthält, und in welcher Friedrich -Barbarossa 1149 mit Adelhaid von Vohburg getraut worden sein soll -(nach andern in der Kapelle des Rathhauses), theils wegen der -vorzüglichen Aussicht (namentlich vom _Grünberg_ 656 m) auf das -Egerland, besonders auf die Gegend von Franzensbad, Maria-Kulm und in -fast entgegengesetzter Richtung auf die wichtigsten Berggipfel des -Fichtelgebirges. - -Auf dem Weiterwege nach _*Eger_ vermeiden wir die Landstrasse und -benützen den schönen, nicht zu fehlenden _*Promenadenweg_ durch -schattigen Wald und durch das herrliche Egerthal. - - - - -Eger. - - - =Gasthäuser=: Zwei Erzherzoge am Stadtplatz, Erzherzog - Stefan mit schönem Garten an der Eger, Kronprinz Rudolf - (Göthe-Denkmal), Bahnhofstrasse. Wetzel oder Kaiser Wilhelm, - beim Bahnhofe. - - =Restaurationen=: Karg's Bastei, Krämlings Bastei, unweit der - Burg, schönste Aussicht in's Egerthal, Adlers Restauration, - Schustersprung im Egerthale, vorzügliche Fische, namentlich - Karpfen. - - =Café=: Pistorius am Ringplatz. - - K. k. Post-, Telegrafen-, Hauptzollamt, Kreisgericht, - Bezirkshauptmannschaft. - - =Eisenbahn= nach Baiern, Sachsen, gegen Carlsbad und Marienbad. - - Fahrgelegenheiten nach allen Richtungen. - - =Volksfest=: Vinzenzifest. - - =Dienstmanninstitut.= - -Eger ist die Hauptstadt des »gesegneten« Egerlandes, wie das Gebiet an -der oberen Eger in Böhmen genannt wird, und war auch der Hauptort des -ehemaligen Egerer Kreises. Die Stadt liegt 413 m über der See, hat über -16.000 Einwohner und liegt zumeist auf dem rechten, etwas ansteigenden -Ufer des gleichnamigen Flusses. - -Die Lage an einem uralten Strassenzug und unmittelbar vor dem -Eingange zum Norden Deutschlands erhob Eger schon in alter Zeit zu -einem wichtigen Handelsplatz, namentlich aber zu einer militärisch -wichtigen Position, zu einem Mittel- und Ausgangspunct kriegerischer -Unternehmungen, in neuester Zeit aber zu einem Centralpunct von -5 Schienenwegen. Hauptbeschäftigung der Bewohner: Gerberei, -Schuhmacherei, Bierbrauerei. - -Die altehrwürdige Stadt Eger, die sich in jüngster Zeit in der Richtung -nach dem Bahnhof und auf dem sogenannten Rahmberg, sowie durch -Auflassung des Friedhofes und Verlegung desselben ausser der Stadt sehr -erweitert und verschönert hat, bietet =Sehenswürdigkeiten= aus alter -und neuerer Zeit. - -1. Die _*Burg_ -- Kaiserburg -- (Eintrittsgeld nach Belieben). Diese -imposanten, am nordwestlichen Ende der Stadt emporragenden Ruinen -auf felsigem Grunde bestehen ausser den Resten der Festungswerke aus -mehreren beachtenswerthen Bauten, welche sind: - -_a_) Die 4 Umfassungsmauern mit zum Theil eingestürzten -Fensterwölbungen; das Gemäuer aus Thonschiefer, die Säulen aus -fränkischem Marmor. - -_b_) Der schwarze Thurm -- 23 m hoch -- ist aus Lavastücken vom -Kammerbühl erbaut und stammt aus dem 10. Jahrh. (nach andern aus der -Römerzeit, daher »Heidenthurm«). - -_c_) Die Doppelkapelle steht im Burghof und ist aus dunkelgrünem -Schieferbruchstein erbaut. Sie besteht aus der unteren oder -Erhardskapelle und der oberen oder Martinskapelle. Das Ganze stammt -aus der Blüthezeit des Rundbogenstyls. Das Innere der ersteren liegt -mehrere Fuss tiefer als der Burghof und wird von 4 Fenstern erleuchtet; -das feste Gewölbe tragen 4 Granitsäulen. In der letzteren, zu der -eine neue Treppe führt, wird das Gewölbe von vielen geschmackvollen -Marmorsäulen getragen. Ein Gang verband die Kapelle mit dem Palast. - -_d_) Der ehemalige Rittersaal ist noch an den vorhandenen Bogenfenstern -zu erkennen. Dieser war Zeuge von der Schreckensscene am 25. Februar -1634; den Getreuen Wallensteins, Illo, Terzky, Kinsky und Neumann, -wurde hier durch Verrath ein blutiges Ende bereitet. - -Die Veranlassung dieses blutigen Auftrittes müssen wir als bekannt -voraussetzen. (Siehe übrigens unter Stadthaus!) Die Vertrauten -Wallensteins waren von dem durch die Kaiserlichen gewonnenen -Commandanten Gordon zum Abendessen in die Citadelle geladen worden. -Kurz nach ihrer Ankunft und nachdem die Bedienten entfernt und -eingeschlossen waren, trat der Hauptmann Geraldin mit Dragonern in den -Saal, welche auf die vier Gäste einhieben und sie niedermetzelten. - -Auf dem gegenüberliegenden Egerufer stand die 1295 erbaute -_Wenzelsburg_, die mit der Kaiserburg durch eine hölzerne Brücke -verbunden war. Im Hofe der Burg befinden sich gegenwärtig schöne -Anlagen; der Staat sorgt für Erhaltung dieser interessanten Ueberreste. -Sehr schön ist der Ausblick auf das Egerthal, namentlich auch auf -Siechenhaus und St. Anna. - -Die ehedem sehr starken Festungswerke stammen jedenfalls aus dem 10. -Jahrhundert, als die Grafen von Vohburg zu Markgrafen über die Umgegend -bestellt wurden. Kaiser Friedrich Barbarossa, der in Eger viele -Hoflager abhielt, und 1149 Adelheid von Vohburg heiratete (Trauung in -der Kapelle des Rathhauses, nach anderen in der Kirche auf St. Anna) -legte die neue, schöne Kaiserburg an; am 2. Dezember 1805 wurde sie von -den Franzosen bis auf die noch jetzt vorhandenen Ueberreste zerstört. - -2. =Das Stadthaus= (hier löst man sich eine Eintrittskarte für 20 kr.) -am Ring d. i. Marktplatz. Kein Tourist verlässt Eger, ohne dieses -denkwürdige Haus besucht zu haben, in dem der mächtige Wallenstein am -25. Februar 1634 sein blutiges Ende fand. - -Die vom Herzog von Friedland bewohnt gewesenen Räume befinden sich -noch in ihrem ursprünglichen Zustande und enthalten ein Album mit -interessanten Autographien, Wallensteins Bildnis und zwei auf -seine Ermordung bezügliche Gemälde, zwei Schränke mit zahlreichen -Gegenständen, die auf das blutige Ereignis Bezug haben, so die -Hellebarde, mit der Wallenstein (hinten im Schlafzimmer) den Todesstoss -empfing u. a. - -Mitten in den Wirren des 30jährigen Krieges findet der mächtige -und gefürchtete kaiserliche Generalissimus sein tragisches Ende. -Buttler, der Obrist eines irischen Reiterregiments, hatte den -Auftrag übernommen, den Herzog von Friedland lebendig zu fangen -oder zu ermorden. Während des Blutbades auf der Burg hatte sich -Wallenstein ermüdet zu Bette begeben. Abends 10 Uhr begaben sich die -Verschworenen Leslie, Geraldin, Buttler und Deveroux mit 30 Dragonern -von der Burg in die Stadt. Während Leslie die Hauptwache, Buttler -die Hauptthür, Geraldin die Hinterthür des von Wallenstein bewohnten -Palastes besetzten, stürmten Deveroux und mehrere Dragoner die Treppe -hinauf, metzelten 2 Kammerdiener nieder, sprengten die Thür und -fanden Wallenstein, am Fenster stehend. »Du bist der Schelm«, rief -Deveroux, »der das kaiserliche Volk zum Feinde überführen und Sr. -kaiserl. Majestät die Krone vom Haupte reissen will! Du musst sterben!« -Wallenstein warf ihm einen ernsten, kalten Blick zu und sprach kein -Wort. »Du musst sterben!«, rief Deveroux abermals, und mit diesen -Worten stiess er dem Herzog die Hellebarde mit solcher Gewalt in die -Brust, dass sie durch und durch ging. Lautlos stürzte der mächtige -Friedländer zu Boden. -- Albrecht von Waldstein oder Wallenstein war -1583 zu Hermanic in Böhmen geboren; er zählte somit kaum 52 Jahre. »Der -Act der Gerechtigkeit, welcher Wallenstein im Grund verfallen war, -bekam durch die Art der Vollziehung derselben die Form eines feigen -Justizmordes.« - -In den daran stossenden Räumen befindet sich das interessante und -sehenswerthe »_Egerländer Museum_.« - -3. =Die Stadtkirche St. Niclas=; sie zeigt romanische und gothische -Bauform und enthält sehenswerthe Malereien und Sculpturarbeiten. -(Sehenswerth ist auch die im J. 1872 im gothischen Styl erbaute -evangelische Kirche.) - -4. Ausserdem sind noch besuchenswerth: _Das Rathhaus_ mit schönem -Treppenhaus, die Turnhalle, das »_Rudolphinum_«, Centralschulgebäude, -das »Schillerhaus« Nr. 17 am Marktplatz mit der Gedenktafel: »In -diesem Hause wohnte im J. 1791 Friedrich von Schiller behufs -seiner Studien zur Wallensteintrilogie«, das »Göthehaus« Nr. 38, -die _Franciskanerkirche_, mit der ein Kloster verbunden ist! Die -dreischiffige Kirche ist im reinsten gothischen Styl erbaut und macht -einen herrlichen Eindruck. Am Ring fällt dem Touristen das Riedel'sche -Haus, ein ehemaliges Patricierhaus, mit seinem schön durchbrochenen -Giebel auf. - -Die Gründung der Stadt Eger (Cheb) wird in das 10. Jahrhundert verlegt -und den Grafen von Vohburg zugeschrieben, die damals von den deutschen -Kaisern als Markgrafen über die Umgegend bestellt worden waren. Eger -war Hauptort der Markgrafschaft Eger und Eigenthum der Markgrafen von -Vohburg. Durch Heirath (1149) kam Eger an Friedrich Barbarossa, der -es vor nun 700 Jahren, nämlich 1149, zur deutschen Reichsstadt erhob. -Später war Eger lange Zeit der Zankapfel zwischen Böhmen und Bayern; -nachdem es aber Kaiser Ludwig der Bayer 1315 an Böhmen verpfändet, -blieb es bis heute bei Böhmen. Grosse Drangsale im Hussiten- und -30jährigen Kriege hatte die Stadt zu bestehen; die ganze Gegend glich -zu wiederholten Malen einem einzigen grossen Kriegslager. - -=Anmerkung=: Wer über längere Zeit verfügt, dem ist von Eger aus ein -Ausflug (per Bahn 20 Minuten, zu Fuss 2 Stunden) nach dem baierischen -Markt _Waldsassen_ anzuempfehlen. (Wohlrabs Restauration.) Dieser -Ort ist bekannt und berühmt durch seine 1133 gestiftete, 1803 -säcularisirte, ehemals sehr reiche Cistercienserabtei. In dem -Conventgebäude ein Mädchenpensionat der Cistercienserinnen. Die im -17. Jahrhundert erbaute Klosterkirche ist ein prächtiger Bau im -italienischen Prunkstyl -- überladen -- und bewirkt einen grossartigen -Totaleindruck. - -=Franzensbad-Seeberg.= (1 Stunde.) Spaziergang über Unterlohma, von -da westwärts nach _Höflas_ und Schloss _Seeberg_, Eigenthum der Stadt -Eger. Wilde Klippen und Buschwerk bilden die nächste Umgebung des -Schlosses. Dazwischen bricht sich der in die Eger mündende Seebach -Bahn und bildet ein wildromantisches Thal. Vom Schlosse aus lohnende -Aussicht auf die Umgegend von Franzensbad. Nach genommener Erfrischung -in der Seeberger Restauration wird der Rückweg angetreten. - -=Franzensbad-*Kapellenberg= über Schönberg (mit der Bahn nach -Voitersreuth und von da zu Fuss noch 1 Stunde.) Ueber dem sächsischen -Dorfe Schönberg erhebt sich der waldreiche »Kapellenberg«, der 764 m -hoch ist. Er besteht aus Granit, wird zwar von zahlreichen Bergen -unserer heimatlichen Landschaft an Höhe übertroffen; aber die Lage am -Südfusse des Gebirgskammes, das unmittelbare Aufsteigen aus dem breiten -Egerthal, der Mangel an ebenbürtigen Nachbarn erheben ihn nicht nur -zu einem ansehnlichen Grenzpfeiler Sachsens und des deutschen Reiches -gegen Böhmen, sondern auch zu dem vorzüglichsten Aussichtspunkt des -Vogtlandes. -- Es ist nicht nöthig, das Holzgerüste zu besteigen; die -niedrigen Holzbestände hindern die Rundsicht keineswegs. Das malerische -Landschaftsgemälde entzückt das Auge nicht blos durch die schönen -Formen und durch die Ferne, bis wohin der Blick reicht, auch nicht blos -durch den Vorzug, dass das Hauptpanorama dem Beschauer unmittelbar -zu Füssen liegt, wodurch ein Verlieren des Blickes in verschwommene -Fernen verhütet wird, sondern vor allen Dingen durch die zahlreichen -Wasserspiegel, die als lichte Punkte oder Silberstreifen aus dem -reichgesegneten Egerland hervortreten und das Ganze ausserordentlich -beleben. - -Der Blick haftet zunächst an dem freundlichen, fast genau in südlicher -Richtung liegenden Dorfe Schönberg, dem südlichsten des Sachsenlandes, -und an der schnurgeraden Strasse, die die Lage von Ober-Lohma, -Franzensbad und Eger trifft. Wenig rechts davon erhebt sich der -erloschene Vulcan Kammerbühl und in grösserer Ferne die jenseits der -Stadt Eger aufsteigende Höhe mit der St. Anna-Kapelle. Nun folgt nach -rechts eine grosse Zahl von grösseren und kleineren Ortschaften -- -Haslau, Liebenstein, Selb u. a. --, hinter denen sich das Massengebirge -des Fichtelgebirges mit Kösseine, Schneeberg, Waldstein vor allem -imposant darstellt; daran reihen sich der grosse Kornberg, der -Döbraberg im Frankenwald und der Hainberg bei Asch. Weniger wechselvoll -ist die Landschaft im Norden, wo ein weites Waldrevier die Höhen des -Elstergebirges bedeckt. Wenig rechts davon, fast genau im Norden, -erscheint nun das weitschauende Schöneck am Horizont, desgleichen -der unverkennbare Kirchthurm von Landwüst, der hohe Stein mit seinen -scharf-zackigen Thonschiefergebilden und fast in derselben Richtung -der finstere Bergrücken des »Kiel.« Gegen Nordosten im Vordergrund -liegen die Orte Steingrub, Klinghard, Frauenreuth, Neukirchen, und -in den dahinter aufragenden Bergen wollen manche die Bergriesen des -Erzgebirges, den Auersberg, Fichtel- und Keilberg erkennen. Aus der -weithin vor unseren Blicken sich ausbreitenden Fruchtebene, die von -2 sehr naheliegenden Kegelbergen, dem Hirsch- und Scheibenberg, -unterbrochen wird, treten hinter und zwischen den glitzernden -Wasserspiegeln freundliche Städtchen und Dörfer hervor, wie Maria-Kulm -mit der imposanten Wallfahrtskirche, Königsberg, Wildstein, Altenteich -und wie sie alle heissen, zu denen die Berge des sogen. Kaiserwaldes --- Steinbock, Glatze, Bärenbrand -- einen vortheilhaften Hintergrund -bilden. Mit dem nahen Voitersreuth schliesst das Rundgemälde, das jeder -Besucher mit hoher Befriedigung betrachtet. - -Nach genossener Aussicht ist die Rückkehr in die Voitersreuther -Bahnhofrestauration zu empfehlen. - -=Franzensbad-Wildstein.= Von Franzensbad aus in nördlicher Richtung -über Lohma (1 Stunde); diese Partie lässt sich auch mit der -vorangehenden verbinden, indem man von dem Orte Voitersreuth links nach -_Altentrich_ und dann in nordöstlicher Richtung weiter geht. Auf dem -_*Störlberge_ anmuthige Waldpartien, hübsche Aussicht, Kaffeehaus. - - -Touren. - -=Franzensbad-*Wies= -- über Eger auf der Strasse in südlicher Richtung. -Der Ort liegt inmitten eines prächtigen Waldes, unmittelbar an der -Grenze, hat eine freundliche Kirche, ein Nebenzollamt und eine -Restauration zum »grünen Baum«. Der Aufenthalt in der würzigen Waldluft -und den reizenden Baumgruppen sehr angenehm. - -=Franzensbad-Schloss Liebenstein.= Weg dahin auf der Franzensbad-Hofer -Strasse in westlicher Richtung (2½ St.) Das Schloss ist Eigenthum des -Grafen von Zedwitz. Der Ausflug ist wegen der schönen Waldpartien sehr -lohnend. - -=Franzensbad-*Elster= (mit der sächsischen Staatsbahn über Voitersreuth -1 St. 11 Min.) (Gasthöfe: Wettiner Hof, Hôtel de Saxe, Hôtel Bauer, -Reichsverweser, Daheim.) Besuchtester Kurort Sachsens, 496 M., -hat gute Badeeinrichtungen und schöne Anlagen. Am Brunnenplatze -befindet sich das königliche Badegebäude mit dem Maria-, Königs- und -Alberts-Parke. Die Salz- und Johannissquelle befinden sich unter einem -tempelartigen Überbau. Die Quellen gehören zu den alkalisch-salinischen -Eisenwässern und sind ihrer Wirkung nach den Franzensbadern ähnlich. - -=Franzensbad-*Maria-Kulm= (mit der Bahn-Station: Königsberg-Maria-Kulm -der Buschtiehrader Eisenbahn). - - - - -Maria-Kulm. - - - =Gasthäuser=: Goldener Engel, schwarzer Adler, goldener Stern, - goldener Adler, deutsche Eiche, rother Ochs. - - =Restaurationen.= - - =K. k. Postamt.= - -=Maria-Kulm= liegt am linken Ufer der Eger, auf einem der südlichsten -Ausläufer des Erzgebirges. Nur 3 Weges-Stunden von Eger entfernt, -erhebt sich der Berg wie zu einer natürlichen Veste, welche schirmend -über den grössten Theil des lieblichen Egerlandes hinwegschaut. -Maria Kulm ist ein Marktflecken mit über hundert Häusern, welcher -als Wallfahrtsort mit seiner imposanten, weithin sichtbaren Kirche -alljährlich zur Sommerszeit von Tausenden von Andächtigen besucht wird. -Aus allen Gegenden, aus Böhmen und aus Baiern, strömen Processionen -herbei, und die weiten Räume der Kirche und der für das Gnadenbild -Mariens eigens erbauten, an die Kirche anstossenden Kapelle vermögen -oft, namentlich zur Pfingstzeit, die ungeheuren Massen kaum zu fassen. -Die Kirche, von einem grossen Kreuzgange umgeben, ist ein Meisterwerk -bizantinischer Baukunst. Zahlreiche Thürme, welche gigantisch zum -Himmel streben, zieren den colossalen Bau und das harmonische -Geläute[1] ihrer Glocken dringt volltönend, wehmüthig und selig -erhebend zugleich fernhin und hinab in's herrliche Thal, das im reichen -Segensgewande an den Fuss des Berges sich anschmiegt. - - [1] Als Ferdinand II. am Fusse des Kulmer Berges sein Heer - ordnete und von der Höhe herab den Klang der Glocken - vernahm, soll er ausgerufen haben: »Jede freie deutsche - Reichsstadt könnte stolz sein, ein solches Geläute zu - besitzen.« -- In die Glocken sind zahlreiche Namen von - Wallfahrern und Reisenden eingegraben. - -Mehrere Sagen gehen über den Ort. Abgesehen von der Sage (zu haben bei -dem dortigen Messner Ferd. Ehmer) über das wunderthätige Gnadenbild -Mariens erzählt man sich auch noch von Räubern, die in grauen Zeiten -in der Umgebung gehaust. (Gleichfalls bei Ferd. Ehmer zu haben.) Die -Sage von den »Räubern auf Maria Kulm« ist ja übrigens auch dramatisirt -worden als »vaterländisches Ritterschauspiel«. Dasselbe, ehedem -auch auf grösseren Bühnen aufgeführt, wird gegenwärtig nur noch von -herumziehenden Schauspieltruppen in jener Gegend zur Belustigung der -»Räuber-Epigonen« aufgeführt. Eine Scene aus diesem vaterländischen -Ritterschauspiel ist auch aufgenommen in das Decorationsspiel »Tausend -und eine Nacht«! Der »Kulmer Berg« war der Zufluchtsort dieser -höllischen Brüder. Von der »grossen Glocke« mit den reinen Tönen -erzählt man, dass sie, so wie sie ist, auf einer nahen Hutweide von -- -Schweinen ausgewühlt worden sei. - -Herrlich ist die Aussicht, welche man vom Kulmer Berge und namentlich -vom Thurme aus geniesst, der nach allen vier Weltgegenden den -Ausblick ermöglicht. Auf der einen Seite erscheint dem nach Westen -gewandten Blicke, über das schöne Egerthal hinweg, mit dem schwarzen -Fichtelgebirge im Hintergrunde (von den Egerländern kurzweg »d'Stod« -d. i. die Stadt genannt), die Stadt Eger, welche mit ihren finsteren, -altersgrauen Thürmen den Mittelpunkt des Egerlandes bildet, während -zur Rechten der schwarze Wall des Erzgebirges als Grenzdamm Böhmens -gegen Sachsen hin nebelfarbig sich hinzieht, und zur Linken das reich -bewaldete Tepler Gebirge und die hohen Rücken des Kaiser-Waldes -romantisch sich abheben. Auf der anderen Seite reicht des Beschauers -nach Osten gewandter Blick weithin durch das gleichfalls von Bergen -umschlossene, sogenannte »Unterland«, das Falkenau zum Mittelpunkte -hat. Und in dunkler Ferne erscheinen im Hintergrunde, den Abschluss -des Gesichtskreises bildend, die hohen Kämme, aus deren Schoosse die -weltberühmten Thermen Karls IV. hervorquellen. (An klaren Tagen kann -man auch von dem als Ausflugsort Karlsbads bekannten »Aberge« die -Thürme der Maria Kulmer Kirche noch genau unterscheiden.) - -Am Südfusse des Berges führt zum grossen Theile dem linken Egerufer -entlang die Buštěhrader Eisenbahn aus der Richtung von Karlsbad nach -Eger. Von zwei Stationen aus kann man Maria Kulm erreichen, beide -Stationen sind ungefähr ½ Stunde von der Höhe entfernt. Der für -Fussgänger bequemere Weg führt von der Station Dassnitz aus den Berg -hinauf, beschwerlicher hingegen ist der Aufstieg von der Station -Königsberg-Maria Kulm. (Name der am rechten Egerufer, Maria Kulm -gegenüberliegenden Stadt. Diese Station enthält auch eine grössere -Restauration, die wir auf der ersteren Station ganz vermissen). Will -man von letzterer Station mittelst Fahrgelegenheit den Berg erreichen, -muss man einen kleinen Umweg auf der längs des Westfusses des Berges -nach Katzengrün (Dorf mit einem prächtigen Schlosse, das in der Sage -von den »Kulmer Räubern« vielfach genannt wird; auch befindet sich hier -ein zum Schlosse gehöriges grösseres Bräuhaus) hinführenden Chaussee -machen, von welchem Orte aus eine breit angelegte, überdiess von einer -für Fussgänger bestimmten Allee begleitete Strasse nach Maria Kulm -hinauf führt. Ausserdem führen noch auf der dem Erzgebirge zugewendeten -Seite mehrere Strassen den Berg hinauf, unter welchen diejenige die -bedeutendste ist, welche Maria Kulm mit Falkenau verbindet. Hier -vereint sich alles, um dem Besucher des Ortes den Aufenthalt so -angenehm als nur möglich zu machen. Und wer immer, auch nur einmal, -selbst wenige Stunden auf des Kulmer Berges luftiger Höhe verlebt, -der wird die verbrachten Stunden sicherlich nicht zu den verlorenen -seines Lebens zählen, er wird immer wieder sich zurücksehnen oder -wenigstens in froher Erinnerung und voll innerer Befriedigung denken -der segensvollen, von alten Sagen geheimnisvoll umrauschten Stätte. -(Entweder retour mit der Bahn nach Franzensbad oder Fortsetzung der -Tour mit der Bahn oder zu Fuss (herrliche Wanderung auf der durch -Waldungen führenden Kaiserstrasse) nach Falkenau -- siehe dieses). - - - - -Franzensbad-Schönbach. - - -=Schönbach= nord-nordöstlich von Franzensbad gelegen. - - =Gasthof=: Meyer's, Sander's Gasthof, Herrenhaus. - - =Postverbindung= über Gossengrün mit Bahnstation Hartenberg und - über Wildstein mit Bahnhof Voitersreuth. - - =Musikschule=, die Vorzügliches leistet und auf die Hebung der - Musikinstrumentenfabrikation von grösstem Einflusse ist. - -=Schönbach= verdankt seine Entstehung dem Bergbau und wurde die erste -Besiedelung des Sconenbaches, eines klaren Trinkwassers, mit Erbauung -eines Wartthurmes ausgeführt. Dieser Wartthurm, gebaut (ein Lug in's -Land) an der Grenze Böhmens, welcher durch Anbau der Kirche im J. 1188 -zum Kirchthurm umgeschaffen wurde, zeigt noch heute im Innern den -Charakter deutscher Wartburgen. Beachtenswerth ist das gute Altarblatt, -den gekreuzigten Erlöser darstellend. - -Die Stadt ist heute einer der gewerbthätigsten Orte des böhmischen -Nordwestens, Haupterzeugungsplatz für Saitenmusikinstrumente, besonders -Violinen. Dieser Industriezweig, welcher heute mehr als dreiviertel der -Bevölkerung beschäftigt, gelangte die letzten 25 Jahre hier zu früher -nie geahnter Entwicklung, und es dürfte diese Hausindustrie jeden -Fremden lebhaft interessiren. - -Schönbach ist im streng geografischen Sinne der Scheidepunkt zwischen -dem Erz- und Fichtelgebirge; denn westlich sehen wir die als -Elstergebirge benannten letzten Ausläufer des Fichtelgebirges, während -im Osten das Erzgebirge aufzusteigen beginnt; es ist auch zugleich -die Scheidegrenze des egerländer und des sächsischen Dialekts. Die -Stadt zeigt noch vielfach ihren alterthümlichen Charakter und hatte -früher Mauern, von denen heute jedoch wenige Spuren mehr aufzudecken -sind. Als Merkwürdigkeit aus alter Zeit gelten die Mauerreste der -gräflich Schlick'schen Schlossgebäude, heute nur noch im Hause NC. 140 -vorhanden, während dieselben den Raum umfassten, wo jetzt die Häuser -NC. 139, 140, 141 stehen; Nr. 139 soll die Münzstätte gewesen sein. -Bei der Pfarrkirche ist ein in Stein gehauenes Schlick'sches Wappen -eingemauert. - -=Ausflüge=: Zum »_*hohen Stein_«. Derselbe hat eine Höhe von 767 m -über der See, liegt noch auf böhmischer Seite und gehört zu den -wunderlichsten Felsbildungen nicht bloss des Vogtlandes, sondern -des gesammten Erzgebirges. Während diese Thonschiefergebilde auf -dem bewaldeten Höhenrücken von der Ferne den Ruinen einer mächtigen -Burg oder Bergfeste gleichen, nehmen die einzelnen Theile in der -Nähe bestimmte Gestalten an, und die Phantasie hat leichtes Spiel, -diesen passende Namen zu geben: das Schiff, das Gesicht (eine höchst -charakteristische Figur), der Schnabel, das Thor (zwei sehr nahe -stehende Felsen, die das Ansehen zweier Thorpfeiler haben). Der höchste -Punkt des Felsens ist durch eine Stange bezeichnet; nach dem alten -Markstein zu urtheilen, der auf der einen Seite die Inschrift trägt: -»Regn. Imp. Franc. Pr.«, auf der anderen: »Oper. Astr. Trigo. 1808« -muss der hohe Stein Vermessungsstation gewesen sein. - -Die Aussicht ist eine vortreffliche, nur wird sie durch den Umstand -beeinträchtigt, dass der hohe Stein nicht unmittelbar zum Egerthale -abfällt, wie diess beispielsweise bei dem Kapellenberg der Fall ist. -Hinter den nahen böhmischen Dörfern _Ursprung_, _Stein_ und _Kirchberg_ -erheben sich die steilen Höhen der böhmischen Terrasse und weiter nach -Süden zu öffnet sich das gesegnete Egerland mit seinen zahlreichen -Ortschaften, Kirchen und Kapellen. Gegen Südwesten und Westen -schliessen die Berge des Fichtelgebirges den Horizont ab; vorzüglich -präsentirt sich der Kapellenberg. Nach Nordwesten zu sehen wir einen -grossen Theil des Vogtlandes, in geringer Entfernung _Landwüst_ und -_Wernitzgrün_, in nächster Nähe aber _Cubabrunn_ mit Rittergut, tief -unten _Markneukirchen_, _Siebenbrunn_ und _Adorf_ und zu unseren Füssen -_Erlbach_. - -An der Ostseite des Felsens, wo Steine gebrochen werden, ist eine -»fliegende Restauration.« - -Werfen wir vor unserem Abstieg nach Erlbach nochmals einen Blick -auf die interessante Landschaft, die lebhaft an das Hochgebirge -erinnert, namentlich auf die interessanten Felszacken und auf die in -einsam stiller Höhe errichtete Gebetsstätte (Kapelle), so kann sich -das empfängliche Gemüth eines tiefen Eindruckes nicht erwehren, und -wir finden es begreiflich, dass die Phantasie des Volkes mächtig -angeregt wurde und verschiedene Sagen der wunderlichsten Art bildete. -Neben den Sagen von einer verwünschten und versunkenen Ritterburg, -von Gespenster- und Spukgestalten sind es namentlich solche von -unterirdischen Schätzen, mit denen das arme Volk sich über die Mühsale -des Lebens hinwegträumt. Von Erlbach gehen wir nach _Markneukirchen_ (1 -St. siehe Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus), fahren dann mit der -Bahn nach Adorf und zurück über Elster, Voitersreuth nach Franzensbad. - -Nennenswerth ist eine zweite Tour in das _romantische_ Leibitschthal, -von Schönbach nach Leibitschgrund (1 St.), wo sich eine aufstrebende -Spinnfabrik in schöner Waldgegend befindet. Weiter im Leibitschthale -kommt _Glashütte_ mit Hohlglaserzeugung und Leopoldshammer. Von dort -rechts ab, die Strasse meidend, gelangen wir längs des Leibitschbaches -in ein schönes Waldthal, dessen südlicher Punkt Nonnengrün ist. Die -Waldthalschänken bieten frisches Bier. (Retour-Weg nach Schönbach.) - - - - -Franzensbad-Asch - -(mit der Bahn). - - - =Asch=: =Gasthöfe=: zur Post, zum goldenen Adler; als - Belustigungsort gilt das =Schiesshaus=. - - =Post-Telegrafenamt=; =k. k. Bezirkshauptmannschaft=; - =Eisenbahnverbindung= nach Franzensbad und über Oberkotzau: 1. - nach Hof, Plauen; 2. nach Neuenmarkt, Bamberg; 3. Neuenmarkt, - Baireuth. - -Die Stadt liegt 637 m über dem Meeresspiegel und hat über 10.000 -Einwohner. Asch ist zu beiden Seiten des Aschbaches gebaut und -Hauptort des 2·5 Quad.-Meil. oder 3·16 Quad.-Myriameter grossen -Bezirkes mit 27.911 (1870 Volkszählung) meist protestantischen -Einwohnern. Hauptbeschäftigung ist die Weberei. Im ganzen Bezirke mit -dem Mittelpunkte Asch herrscht ein reges, industrielles Leben. Die -protestantische und katholische Kirche sehenswerth. - -»Alle urkundlichen Nachweise über Geschichte und frühere Zustände des -Ortes Asch und Umgebung sind zufolge der Brände 1683 und 1814 verloren -gegangen.« - -Die bis in die neueste Zeit erhalten gewesene Sonderstellung des -Bezirkes, der übrigens zu wiederholten Malen Bestandtheil des -Vogtlandes war, datirt vom J. 1331, als nämlich der damalige Besitzer -Albert von Neydberg sein Besitzthum dem Könige Johann von Böhmen -zu Lehen antrug; der Lehensherr bestimmte, dass Asch für immer der -Entrichtung von Steuern entbunden sein solle und somit auch durch kein -Majestätsgebot zur Steuerzahlung verhalten werden könne. - -Auffallend ist es jedenfalls, dass die Bewohner dieses nordwestlichen -Theiles von Böhmen bei dem protestantischen Glauben belassen wurden. -Mit der Einführung der Reformation in Sachsen fand nämlich diese auch -im Gebiete von Asch Eingang. Wohl wurden die Bewohner bei Durchführung -der Gegenreformation in Böhmen durch Ferdinand den II. bedrängt, -aber zufolge des kräftigen Schutzes, den der Markgraf Albrecht von -Brandenburg-Bayreuth, sowie auch der Kurfürst Johann Georg von Sachsen, -der damals noch das jus circa sacra des Gebietes ausübte, weil die -sächsischen Kurfürsten das Vogtland und die Rechte der Vögte desselben -erworben hatten, dem Gebiete angedeihen liessen, wie auch ferner -zufolge des zähen Widerstandes der Bevölkerung gegen das Aufdringen des -Katholicismus wurde eine Gegenreformation des Gebietes unmöglich. Im -J. 1771 wurden durch Cabinetsordre von der Kaiserin Maria Theresia die -Rechte und Freiheiten des Gebietes bestätigt. - - - - -Franzensbad-*Königswart-Sangerberg-*Marienbad. - -(Von Franzensbad mit der Bahn über Eger nach Königswart Stationen: -Sandau-Königswart.) - - -Vom Bahnhofe aus statten wir dem in der Nähe gelegenen _*Schlosse_ -und _Parke_ des Fürsten Metternich einen Besuch ab. Die Parkanlagen -sind schön, die Museen des Schlosses reichhaltig. Im Parke erblicken -wir auf der Strasse gegen Sandau einen schönen Obelisk mit einem -ruhenden Löwen. Etwa 20 Minuten vom Schlosse befindet sich auf dem -Mailberge gegen Altwasser zu die Wallfahrtskirche zum hl. Kreuz. Wir -verweilen mit Vergnügen bei der interessanten _Münz-_, _Waffen-_, -_Gemälde-_, _Mineralien-_ und _Geweih-Sammlung_, _Bibliothek_. Wir -finden hier historische Raritäten, wie einen _Degen_ Ludwig's XVI., -ein _Waschbecken_ Napoleons I., einen _Schreibtisch_ des berühmten -österreichischen Staatskanzlers Metternich, einen Ring der Agnes -Sorel, das Portrait des Herzogs von Reichsstadt, Locken Lamartine's -und Duma's, ein Autograf des dritten Napoleon, eine von diesem selbst -verfasste Uebersetzung der Verse Göthe's: »Meine Ruh' ist hin, mein -Herz ist schwer, ich finde sie nimmer, ach nimmermehr«, u. s. w. Es -ist ein Genuss, die Sammlungen zu besichtigen. Die Fauna und Flora der -nächsten Umgebung sind da ebenso vollzählig vertreten, wie die Münzen -und Banknoten aus aller Herren Ländern. Das Prachtstück der Bibliothek -ist ein in rothen Sammt gebundener, 1542 in Venedig auf Pergament -gedruckter, reich mit Prachtfarbenbildern ausgestatteter, auf 16.000 -Francs geschätzter »_Rasender Roland_.« Ein Curiosum von noch grösserem -Werthe ist der erste Chronometer, für welchen Ludwig XVI. 24.000 Francs -bezahlt hat. - -Als Custos fungirte hier zuerst ein gewisser Huss. Diesen Namen führte -eine weitverzweigte Scharfrichter-Familie in Eger und Brüx. Der Brüxer -Huss liess seinen Sohn Carl studiren; doch die Söhne der Brüxer Bürger -wollten nicht mit ihm auf einer Bank sitzen und wurden sogar von ihrem -Lehrer unterstützt. Carl Huss konnte die ihm angethanen Unbilden -nicht länger ertragen und sah sich genöthigt, in die Fussstapfen -seines Vaters zu treten. Er assistirte im J. 1776 zum ersten Male bei -einer Hinrichtung und fungirte bei einer solchen zwei Jahre später -in Teplitz, worauf er behufs weiterer Vervollkommnung nach Dresden -ging und nach seiner Rückkehr sein Meisterstück in Eger ablegte. Er -übernahm daselbst den Posten nach seinem Oheim, betrieb daneben die -Quacksalberei und erwarb sich so viel Vertrauen, dass er oft nach -Sachsen und Bayern gerufen wurde. Bis zum J. 1788, wo Kaiser Josef II. -die Todesstrafe aufhob, und worauf Huss als Scharfrichter entbehrlich -wurde, fing man an, ihn zu verfolgen. Man confiscirte einmal alles, was -man bei ihm an Utensilien für die Quacksalberei vorfand, und verbot ihm -die Praxis. Er half sich aus der Klemme, indem er die Kranken scheinbar -unentgeltlich zu behandeln begann. Huss liess sich als Honorar alte -Münzen verabreichen und brachte in einigen Jahren eine Sammlung -zusammen, die einen Werth von mehr als zwölftausend Gulden hatte. Dann -sammelte er alles, was ihm unter die Hände kam, stopfte Vögel aus und -brandmarkte verurtheilte Uebelthäter auf der sogenannten Schandbühne, -da er indessen vom Magistrat mit diesem Geschäfte betraut wurde. Jetzt -kam er in den Ruf eines wohlhabenden Mannes und practicirte fort. -Fremde traten bei ihm zur Besichtigung seiner reichhaltigen Sammlung -ein, Gelehrte correspondirten mit ihm und besuchten ihn. Als sogar -Göthe einst zu ihm gekommen, stieg sein Ansehen und verbreitete sich -dessen Ruf immer mehr. Fürst Metternich leitete eine Unterhandlung -durch den Egerer Magistratsrath Grüner wegen Verkaufes der Sammlung -mit ihm ein, erwarb sie auch und liess sie im Schlosse Königswart -aufstellen. Huss erhielt eine Leibrente von 300 fl. und wurde Custos -derselben. Auf diese Weise wurde der Grund zu der reichhaltigen und -werthvollen Sammlung im Königswarter Schlosse gelegt. Erwähnung -verdient auch die *Schlosskapelle mit ihrem schönen Marmoraltar. Der -hiezu verwendete Marmor entstammt der durch den Brand vernichteten -Pauluskirche zu Rom und wurde vom Papste Gregor XVI. dem Fürsten -Metternich geschenkt. Von da begeben wir uns zu dem etwa 20 Minuten -nordöstlich gelegenen Städtchen _Königswart_ am Fusse des Glatzberges. - - =Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«, »schwarzer Bär«. _Casino_ - Fremden zugänglich. - -Der junge, aufstrebende Curort - - - - -*Königswart - - -liegt auf der Südwestseite eines weitgestreckten, über 948 m hohen, mit -Nadel- und Laubholz leicht bewaldeten Gebirgszuges, des sogenannten -Königswarter Gebirges, das sich halbmondförmig fünf Stunden lang von -Südost gegen Norden und Nordwest ausdehnt. - - =Gasthöfe=: »Hôtel Buberl«, »Hôtel Ott«. Während der Saison: - Brunnen-Musik. - - =Post- und Telegrafen-Amt.= - - =Eisenbahn.= - -Um den Curort ziehen sich, zum grossen Theile in schattige -Waldpromenaden auslaufende Anlagen; sie sind durchaus mit Geschmack -und Geschick arrangirt. Der Ort liegt in einer Höhe, in der -Lungenschwindsucht zu den Seltenheiten gehört, ist also auch als -klimatischer Curort zu empfehlen. Die 6 Quellen gehören mit Ausnahme -der metallfreien _Richards-Quelle_ zur Gruppe der eisenhaltigen -Natronsäuerlinge, beziehungsweise zur Unterabtheilung der sog. -Stahlquellen, unter welchen sie unmittelbar neben Schwalbach und -Pyrmont zu setzen sind. Die Königswarter Quellen liegen 680 m über -dem Meeresspiegel der Nordsee, sie sind demnach die höchst gelegenen -Stahlquellen nicht bloss in Böhmen, sondern auch in Deutschland, -indem sie die von Steben in Oberfranken, welche bisher bei ihrer Höhe -von 633 m als die höchsten daselbst angesehen wurden, noch um ein -Bedeutendes überragen. - -Das Firmament ist in den Sommer- und Herbstmonaten gewöhnlich heiter, -Gewitter kommen verhältnissmässig selten und Nebel nur im Spätherbste -vor. - -_Stahl-_, _Moor-_, _Fichtennadel-_, _Douche-_ und _Dampfbäder_, -Eigenthum des Fürsten Metternich. _Curhaus_, von dem aus man die -herrlichste Fernsicht geniesst. Man sieht links den Arber und den -Osser, rechts bis Eger. Der etwa 3 Stunden entfernte Dillenberg, -äusserster Ausläufer des Böhmerwaldes, sei hier wegen seiner Granaten -und Egerane erwähnt. Das Curhaus bildet den Ausgangspunct mehrerer, -sehr schöner und gut erhaltener, mit Ruhebänken und Wegweisern -versehener Spaziergänge, die nach den verschiedensten Richtungen -hinführen und allenthalben die schönste Aussicht gewähren. Etwa eine -viertel Stunde davon liegt die Ruine _Würschengrün_. - -=Königswart-*Sangerberg= (1½ Stunde). In nordöstlicher Richtung von -Königswart gelangen wir auf einer guten Strasse nach Bad Sangerberg, -das, nur einige hundert Schritte von dem gleichnamigen, durch seinen -Hopfenhandel bekannten Städtchen gelegen, sich als das jüngste aller -nordwestböhmischen Bäder zu entwickeln beginnt. Dasselbe liegt auf dem -Plateau des »_Kaiserwaldes_«, eines von Marienbad bis Schlaggenwald -sich erstreckenden, reich bewaldeten Höhenzuges. Ausgiebige -Eisensäuerlinge -- salinische Moorlager. -- Elegantes Curhaus mit -hübschen Veranden. -- Das Klima des Kurortes ist besonders in den -Sommermonaten ein verwaltend mildes und angenehmes, da der Curort in -einem von Nord und Ost durch sanft aufsteigende Berge vollkommen gegen -rauhere Luftströmungen geschützten Thalkessel liegt. Wegen seiner -Gebirgslage, seiner gesunden, reinen, von harziger Waldluft gewürzten -Atmosphäre hat Sangerberg auch den Charakter eines klimatischen -Gebirgscurortes. - -Sangerberg liegt im Gerichtsbezirke Petschau, in der -Bezirkshauptmannschaft Karlsbad, und ist Sitz eines Telegrafen- und -Postamtes, welch letzteres täglich eine zweimalige Verbindung mit der -zwei Stunden entfernten Eisenbahnstation Königswart unterhält. - -=Königswart-*Marienbad.= Von Königswart gehen wir dem Thiergarten zu -und erreichen vom Parkgitter an nach einem einstündigen Spaziergange -auf der sich durch den Thiergarten hinziehenden Hauptstrasse den Curort -Marienbad, »das Schmuckkästchen unter den böhmischen Badeorten.« - -Marienbad liegt 605 m über der Nordsee in einer von herrlichen -Wäldern eingeschlossenen Thalmulde. Die Luft ist hier immer frisch, -sauerstoffreich, würzig, daher der Gesundheitszustand im ganzen Orte -immer ungemein günstig. - - =Gasthöfe=: Hôtel Klinger. -- Englischer Hof. -- Neptun. -- - Stadt Hamburg. -- Stadt Weimar. -- Stadt Leipzig. -- Stadt - Warschau. -- Hôtel Stern. - - Ausser der Stadt: Pensionat »Casino«, herrliche Lage. Für - israelitische Badegäste sind die Koscher-Restaurationen: Hôtel - Newyork, Delphin, Erhart's Restauration, Blauer Schlüssel. - - =Restaurationen und Café's= in der Stadt: Kursaal, Schloss - Windsor, Tepler Haus, Stadt München, Café zur Waldschlucht. - - =Post- und Telegrafenamt= -- Eisenbahnstation 20 Minuten - entfernt. -- - - =Theater.= Brunnenmusik (Morgens 6 Uhr und Abends 6 Uhr beim - Kreuzbrunnen, Mittags 11½ Uhr bei der Waldquelle, Concerte - und Tanzreunionen im Cursaal; Zeitungslesecabinet, offener - Eintritt gegen Erlag von fl. 2.80 kr. für die Saison. -- 2 - Buchhandlungen mit Leihbibliotheken. -- 2 Wochenblätter. - -=Quellen=: Kreuzbrunnen und noch intensiver wirkend Ferdinandsbrunnen --- beide sind reich an Natronsalzen (an schwefelsaurem Natron, -Chlornatrium und doppelkohlensaurem Natron), dazu Eisengehalt als -blutbildender Faktor. Ihnen zunächst steht die Waldquelle. Bei der -Rudolphs- und der Wiesenquelle treten kohlensaurer Kalk und kohlensaure -Magnesia in den Vordergrund; der Ambrosius- und Carolinenbrunnen -zeichnen sich dagegen durch ihren Gehalt an kohlensaurem Eisenoxydul -aus. Die _Marienquelle_ ist ein Säuerling. Ausser diesen Quellen gibt -es noch mehr als hundert in der Umgegend Marienbads. - -_Bäder_, _Gasbäder_, _Moorbäder_. Die bedeutungsvollste Quelle ist -der Kreuzbrunnen mit einer Kuppelrotunde und daran sich schliessenden -Säulenhallen und mit dem Denkmal Dr. Nehr's, durch dessen eifrige und -unablässige Bemühungen Anstalten zur Austrocknung der sumpfigen Gegend -um diesen Brunnen und zum Schutze dieser Quelle vor wilden Wässern -getroffen, 1807 ein zur Aufnahme von Curgästen eingerichtetes Haus und -das Jahr darauf ein Badehaus gebaut und das ärztliche Publikum auf -Marienbad aufmerksam gemacht wurde. Seitdem ist der Ort in Folge der -starken Frequenz und durch die liberale Unterstützung, mit welcher -das Stift Tepl für denselben eintrat, von Jahr zu Jahr vergrössert -und verschönert worden. Vom Kreuzbrunnen gehen wir an reichhaltigen -Läden vorüber und gelangen durch die Allee nach rechts zur Colonade -des Karolinenbrunnens, wo auch die Röhrenleitung einmündet, welche -das Mineralwasser des eine viertel Stunde weiter südlich am Abhange -des Hamelikaberges gelegenen Ferdinandsbrunnens zur Stadt leitet. Der -Weg zu dem bereits am Ausgange der Marienbader Thalmulde mit schönen -Pavillons und Säulengängen sich erhebenden Ferdinandsbrunnens selbst -zählt zu den anmuthigsten Partien. Wir können dahin entweder auf dem -Pfade über die Höhen des Kreuzberges und des Hamelika am _Göthesitze_, -an dem durch seine herrliche Aussicht bemerkenswerthen Kaffee-Panorama -und am _Schweizerhofe_ (Restauration) vorbei gelangen, oder wir wählen -den bequemeren Weg längs der Thalsohle durch die Ferdinandsstrasse -über das _Bellevue_ (Restauration). Wenige Schritte von der -Karolinenquelle entfernt erblicken wir den kleinen gothischen Tempel -des _Ambrosiusbrunnens_, links davon das _alte Badehaus_ (Mariaquell-, -Moor- und Gasbäder) und rechts das imposante neue Badehaus (Stahlbäder -aus dem Ambrosiusbrunnen und der Carolinenquelle, Bäder aus der -Ferdinandsquelle). Die _*Waldquelle_, der beliebteste Sammelplatz der -Curgäste um die Mittagsstunden, liegt nordwestlich vom Kreuzbrunnen in -stiller, lauschiger Waldschlucht, am linken Ufer des Schneidbaches, und -ist sowohl durch die Waldbrunnstrasse als auch auf dem noch kürzeren, -unmittelbar vom Kreuzbrunnen durch die Alleestrasse und weiter -durch eine herrliche Laubholzallee in wenigen Minuten zu erreichen. -In der entgegengesetzten Richtung wird der Rayon der zur Zeit in -Verwendung stehenden Quellen durch die in den Wiesgründen unweit -der Ferdinandsquelle entspringenden _Rudolfs-_ und _Wiesenquelle_ -abgeschlossen. - -Dem Tepler Abte Reitenberger, der sich um die Versendung der -Marienbader Wässer hochverdient gemacht, wurde in jüngster Zeit ein -Denkmal gesetzt. - -=Sehenswürdigkeiten=: Die _Kirche_, 8eckiger Bau, reich geschmücktes -Innere, Totaleindruck sehr günstig. In der Promenade vor der Front des -neuen Badehauses mit dem Conversationssaal das _Heidlerdenkmal_, ein -Obelisk mit lateinischer Inschrift. - - -Spaziergänge: - -1. Vom Ferdinandsbrunnen aus zur _*Ferdinandsmühle_ (Café Kroha). Hier -bietet sich dem Besucher ein herrliches Bild. - -2. Zurück zum Ferdinandsbrunnen und von da auf dem Pfade durch die -üppigen Wiesengelände, welche die Abhänge des Hamelika von jenen des -Darnberges trennen, in gerader westlicher Richtung auf _Schönau_ zu, -um von da an der Restauration zur »_Stadt Versailles_«, am »_deutschen -Kaiser_« und an den schönen Anlagen und Villen des Casinoparkes vorbei -den Rückweg durch die Kaiserstrasse einzuschlagen. - -3. _*Höhendorfer Höhe_ (1 St.). Auf dem Pfade oberhalb des Panoramas in -östlicher Richtung. Ein herrliches Panorama! Von der Café-Restauration -auf der Höhe übersehen wir die reizende Umgebung Marienbads und lassen -unsere Blicke bis zu den im blauen Nebel verschwimmenden höchsten -Kuppen des Böhmerwaldes und des Erzgebirges schweifen. Rückkehr nach -Marienbad entweder auf dem über die Waldschlucht thaleinwärts führenden -Promenadenwege oder auf der Karlsbader Strasse. - -4. Zur »_König Otto's Höhe_« im Südosten des Darnberges, welcher von -dem Hamelika durch die Mühlgasse und die Wiesengründe des Schneidbaches -getrennt und von zahlreichen Spaziergängen durchschnitten ist, gelegen. -Von der »_Königin Carola's Ruhe_« am Nordostabhange des Darnberges -haben wir einen schönen Ueberblick über Marienbad. Von da in einigen -Minuten über den sogenannten Schneiderrang zum _Försterhause_ am Fürst -Metternich'schen Tiergarten (Restauration). Wir steigen nun auf dem -an dem Försterhause nach Osten führenden Fusswege herab, um an die -oberhalb Marienbads nur eine schmale Thalspalte füllenden Wiesgelände -des Schneidbaches zu gelangen, an welchen, wenige Schritte abwärts, -die Restauration »zur _Waldmühle_« ein trauliches Plätzchen zum Ruhen -bietet. - - -Touren: - -1. _Marienbad-*Podhorn-*Tepl_ (2½ St.) Wir gelangen auf den östlich -von Marienbad gelegenen _Podhornberg_ (838 m ü. d. M.) über die -Hohendorfer Höhe (1½ St.) oder durch das Dorf Abaschin. Der Berg zeigt -in seiner Kegelform und in seiner basaltischen, von lavaähnlichen -Bildungen umlagerten Gesteinsmasse das Gepräge seines vulkanischen -Ursprungs. Er ist in zwei Gipfel gespalten, deren einer die mächtig -aufstrebende, spitz zulaufende Phonolitmasse trägt, während der andere -terrassenförmig mit einem Haine besetzt ist. Im Schatten dieser Bäume -gibt es tempelförmige Pavillons und Ruheplätze. Prachtvolle Aussicht -über die Höhen des Böhmerwaldes, Erz- und Fichtelgebirges. Restauration -im Sommer. Von hier über Ober-Gramling nach Stift _Tepl_, 20 Minuten -von der gleichnamigen Stadt entfernt. Das weitläufige Kloster mit -hübscher Kirche, grosser Orgel, sehenswerther Bibliothek, Brauerei -und grossen Wirthschaftsgebäuden, ist eines der reichsten Klöster -der Monarchie. Unter den daselbst aufbewahrten Raritäten finden -der Becher, woraus Göthe stets den Kreuzbrunnen trank, die von ihm -angelegte und zusammengestellte interessante Mineraliensammlung und -die Originalbriefe Göthes an den trefflichen Uebersetzer der Iliade, -Gymn.-Prof. Zauper, rege Beachtung. Neben dem Kloster ein Gasthof mit -Veranda. Wagen zur Rückfahrt nach Marienbad. - -2. _Marienbad-Petschau._ (4 St. zu Fuss.) Ueber Einsiedl (Kloster -und Mädchenpensionat) durch ein herrliches Waldthal mit zahlreichen, -höchst interessanten Felspartien auf der windungsreichen Kaiserstrasse -zur Restauration _Grünberg_, mitten im Walde und an der Tepl reizend -gelegen, und von da in einer halben Stunde nach Petschau. - - =Gasthöfe=: Zur Krone, zur Post. - - =Post- und Telegrafenamt.= =Postverbindung= mit Karlsbad, - Marienbad, Pilsen, Elbogen. - -Die Stadt liegt an der Tepl in einem herrlichen Thale; die Strassen -von Marienbad, Karlsbad und Pilsen laufen hier zusammen. Auf einem -mächtigen, gegen die Tepel zu steil abfallenden Felsen liegt reizend -das Schloss des Herzogs Beaufort. Oberhalb desselben erhebt sich -malerisch das alte Schloss, welches ursprünglich Slawko von Riesenberg -gegründet, später aber Johann Pflug von Rabenstein, wie sein Wappen -und eine Inschrift zeigt, überbaut und Kaspar Pflug noch bewohnt hat. -Von den angeblich sonst bestandenen vier Stockwerken sind nur zwei -vorhanden. Gegenwärtig ist es von den herzogl. Beaufort'schen Beamten -bewohnt. Es enthält eine ziemlich erhaltene Kapelle mit prachtvollen -Gemälden. Die Stadt wurde während der Hussitenkriege fast ganz -verwüstet und durch Joh. Pflug von Rabenstein unterstützt und wieder -emporgebracht. Am 2. Februar 1621 und 17. Juli 1760 legten grosse -Feuersbrünste die Stadt in Asche. Der in Schönfeld, zwischen Petschau -und Schlaggenwald gelegen, im J. 1802 gebürtige namhafte Violinist -und fruchtbare Komponist Josef Labitzki bildete sich unter Karl Veit -in Petschau im Klavier- und Violinspiel und in der Harmonielehre aus. -Die Umgebung der Stadt ist höchst interessant. Südwestlich vom Orte -_Neudorf_ (1¼ St. von Petschau) sind _Sauerbrunnen_, von welchen -der eine fast alle Eigenschaften des Marienbader Kreuzbrunnens hat. -Bemerkenswerthe Berge sind der _Koppenstein_, der _Galgenberg_ und der -_Huritzberg_. Die Felsarten sind an den beiden Gehängen des Tepelthales -und an den Bergen östlich bis Gängerhäusel, nördlich bis gegen -Millersgrün und westlich bis Tiefenbach _Granit_. Bei diesen Orten wird -der Granit von _Gneis_ begrenzt, welcher sich über das weite Gebiet -des Dominiums erstreckt. Im nördlichen Theile, von Gabhorn, Drosau und -Tepeles anfangend, herrscht wieder _Granit_. - - - - -B. Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus. - - - - -Falkenau. - - - =Gasthöfe=: Anker, Stadt Prag, Stadt Karlsbad, Herrenhaus, - Krone, 3 Staffeln, Hufeisen, Restauration am Schiesshause. - - =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht. - - =Eisenbahn=: Knotenpunkt gegen Eger, Karlsbad, Graslitz. Der - Ort kann also von Eger oder Karlsbad aus leicht erreicht und - zum Standorte für Touren in's Erzgebirge gewählt werden. - -Wenn der Tourist mit der Bahn von Eger kommt und die Thalenge zwischen -Königsberg und Dassnitz passirt hat, so eröffnet sich nach letzterer -Station seinen Blicken allmählig eine anmuthige, kleine Ebene, umsäumt -von Bergrücken in einer Höhe von nahezu 948 m. Inmitten dieser Ebene, -»das _Falkenauer Land_« genannt, liegt: - -_Falkenau_ -- Stadt mit 6000 Einwohnern, an der Mündung des -Zwodaubaches in die Eger gelegen und von der Karlsbad-Egerer Strasse -durchschnitten; der Ort besteht aus der eigentlichen Stadt und einer -Vorstadt. Das Schloss ist ein ansehnliches, schon vom Grafen Nikolaus -Schlick im Jahre 1480 gegründetes, aber erst von seinen Nachfolgern -vollendetes, ein regelmässiges Viereck bildendes Gebäude, mit einem -geräumigen Hofe und einer Kapelle. An jeder der vier Ecken des Gebäudes -erhebt sich ein Thurm. Bei dem Schlosse befindet sich ein schöner Park. -Am 23. Juni 1874 wurde die Stadt durch eine verheerende Feuersbrunst -heimgesucht, Welche von den vorhandenen 280 Häusern über die Hälfte -in Asche legte. Heute steht die Stadt freundlicher als je da; breite, -gepflasterte, mit Trottoir versehene Strassen und neue schöne Häuser -entstanden an Stelle der alten, winkligen, engen Gässchen und der -unansehnlichen Häuser mit den russgeschwärzten Schindeldächern. Alles -wird überragt von dem neuen, schlanken Thurme. Am östlichen Ende -der Stadt führt eine neue 132·3 m lange Eisenbrücke auf das linke -Ufer der Eger zum Bahnhofe und Vororte Schönwerth. Das Lobs- und -Zwodauthal sind romantische Gebirgsthäler mit malerischen Fels- und -Waldpartien und laden den Touristen zu lohnenden Streifzügen durch -dieselben ein. Die dichtbevölkerte Umgebung Falkenau's mit den vielen -Dörfern, Kohlenwerken, Glashütten, Spinnereien usw. bietet jedermann -sehr viel Interessantes und Lehrreiches. Aus allem geht hervor, -dass das Gebiet ein lebhafter Industriebezirk, und dass die Stadt -mit ihrer Umgebung in entschiedenem Aufschwung begriffen ist. Der -landschaftliche Reiz hat aber dadurch keine Einbusse erlitten, und es -erscheint Falkenau als Centralpunkt eines bedeutenden Strassennetzes -mit drei Bahnlinien nach westlicher, östlicher und nördlicher Richtung -dem Touristen als ein vortrefflicher Ausgangspunkt für sehr viele -lohnende Spaziergänge und Ausflüge. Eine besondere Zierde der Umgebung -der Stadt ist der Hopfenbau, der die gestreckten Hügel hinter der -Stadt in stundenlangen Reihen ziert, ein unübersehbarer Garten in der -Nähe, ein weitverbreitetes Buschwerk in der Ferne. Diesen Hopfenbau -besang der Naturdichter _Anton Fürnstein_, welcher ein Krüppel war -und hier lebte, über Veranlassung unseres Dichterfürsten Wolfgang von -Göthe. Als dieser im Jahre 1822 über Eibenstock und Falkenau nach -Karlsbad fuhr, traf er mit Fürnstein zusammen und gab ihm den Stoff -zur Bearbeitung. Göthe schreibt über diese Zusammenkunft: »Ich fand -ihn in seinem Sesselwägelchen zusammengekrümmt, ein herzergreifender -Anblick; denn gekauzt, wie er war, hätte man ihn mit einem mässigen -Cubus bedecken können. Er begrüsste mich freundlich, deutete auf sein -Elend und bezeugte guten Muth, indessen ich ihn kaum anzusehen wagte. -Bei flüchtigem Blick musst' ich gar bald erkennen, wie auf diesem -entstellten Körper sich ein Cerebralsystem ausgebildet hatte, womit -eine regelmässige Gestalt gar wohl hätte zufrieden sein können.« -Ueber die Naturdichter überhaupt sagt Göthe: »Unsere Naturpoeten -sind gewöhnlich mehr mit rhythmischen als dichterischen Fähigkeiten -geboren; man gesteht ihnen zu, dass sie die nächste Umgebung treulich -auffassen, landesübliche Charaktere, Gewohnheiten und Sitten mit -grosser Heiterkeit genau zu schildern verstehen, wobei sich denn -ihre Produktion, wie alle poetischen Anfänge, gegen das Didaktische, -Belehrende, Sittenverbessernde gar löblich hinneigt.« Von Fürnstein -fügt er noch hinzu: »Alle seine Produktionen schmückt eine gewisse -Anmuth, die das unternommene Ganze zu beleben weiss; da ist Gegenwart -der offenen Natur, Behagen sich beschränkender Geselligkeit, Genuss und -Hoffnung, und bei allem ein menschlicher, edler Ernst, dem eine reine -Gottesverehrung gar wohl ansteht.« Das Gedicht »Der Hopfenbau« ist -Fürnstein ganz gelungen. Göthe schreibt darüber: »Wie er die Aufgabe -gelöst, wie er thätig beginnt und alles, was zu thun ist, eins nach -dem andern einschärft, dabei ein sittliches Wort mit einschlingt und -immer so fortfährt und diese Reben den Weinreben anzunähern versteht, -bedarf keiner Auslegung; das Ganze liegt hellheiter und unter sonnigem, -günstigem Himmel und wird von einem jeden an Ort und Stelle, besonders -zu recht thätiger Arbeitszeit, gewiss mit dem grössten Interesse -empfunden werden. Ich möchte diese Gedichte die aufsteigenden nennen; -sie schweben noch am Boden, verlassen ihn nicht, gleiten aber sanft -darüber hin.« Wenn man diese günstigen Urtheile Göthes und die -Schwierigkeiten, unter welchen sich Fürnstein die Mittel zu seiner -Fortbildung verschafft, in's Auge fasst, so muss man zu dem Urtheile -kommen, dass er eine nicht unbedeutende Persönlichkeit und einer -Erinnerung werth ist. - - -Spaziergänge: - -_Falkenau-*Hartenberg._ Wir gehen von Falkenau auf der -Heinrichsgrün-Graslitzer Strasse in das 20 Min. entfernte Dorf Zwodau. -Von hier aus können wir verschiedene Wege nach Hartenberg einschlagen. -Zunächst führt die Gossengrüner Bezirksstrasse dahin. Fünf Minuten -hinter Zwodau liegt das zu diesem Orte gehörende _Davidsthal_ mit den -Kohlenwerken und der Glashütte des Barons David von Starck. In etwa -20 Minuten gelangen wir auf der Strasse, welche fortwährend sanft -ansteigt, nach _Josefsdorf_, oberhalb welches Dorfes eine Seitenstrasse -rechts zum Schlosse und Dorfe _Hartenberg_ abbiegt. - -Ein viel angenehmerer Weg ist der durch den _Theinwald_. Wir gehen -von Zwodau in der Richtung gegen Lanz an dem Peter'schen Kohlenwerke -vorüber zum Walde, durch welchen ein sanft ansteigender Weg führt. -Hierauf schreiten wir über eine weite, zum Dorfe Thein gelegene -Lichtung (einen sandigen Feldcomplex) in den Theinwald und gelangen, -dem breiten Waldwege folgend, zu einer im Querthale gelegenen Mühle, -von welcher aus links ein Fussweg durch dasselbe an die Zwodau führt, -welche wir bei der _Herrenmühle_ auf einem Stege übersetzen. In fünf -Minuten gelangen wir in der Richtung nach Falkenau -- also zurückgehend --- auf den Bahnhof _Hartenberg_. - -Ein dritter Weg führt an der Schmieger'schen Schafwollspinnerei in -Zwodau vorüber über den Steinberg durch die kleinen, aber schön -gelegenen Orte _Sandhäuser_ und _Wörth_, wo die Zwodau überschritten -wird, und schliesslich an der Bahnstrecke bis Hartenberg. Die Eisenbahn -kann auch zu diesem Ausfluge benützt werden. Selbe überschreitet die -Zwodau gleich hinter dem Falkenauer Stationsplatze, hat bei Zwodau die -Station Zwodau-Davidsthal, tritt unweit des Stationsplatzes wieder -an das linke Zwodauufer, bald hierauf an das rechte und fährt fast -unmittelbar am Zwodauflusse in dem schönen Zwodauthale an dem Orte -Wörth vorüber nach Hartenberg. - -Vom Hartenberger Bahnhofe führt eine Strasse an dem unteren Gasthause -»zum Schlossberge« in einem Seitenthale aufwärts. Am rechten -Bergrücken kommen wir zur _Götheruhe_, wo der grosse Dichter seinen -siebzigsten Geburtstag feierte; von dieser präsentirt sich das gräflich -Auersperg'sche Schloss am schönsten. Die romantische Lage dieses auf -einem Felskegel stehenden alten Schlosses mit einem zwar kleinen, aber -reizenden Schlossgarten, die prächtigen, sorgfältig gepflegten Laub- -und Nadelholzwaldungen, die herrliche, reine Gebirgsluft, der tiefe -Friede in den Seitenthälern und die historischen Erinnerungen, die -sich an diesen schönen Erdenwinkel knüpfen, machen Hartenberg zu dem -beliebtesten und besuchtesten Ausflugsorte der Umgebung. An einer Birke -ist die Aufschrift zu lesen: »Unter dieser Birke pflegte der grosse -Dichter Joh. Wolfgang von Göthe während seines Aufenthaltes im Schlosse -Hartenberg öfters zu ruhen.« Von da führt die Strasse nun am Bräuhause -vorüber in einer scharfen Biegung auf den Schlossberg mit dem Dorfe -Hartenberg und dem Schlosse, dessen Theile aus verschiedenen Zeiten -zu stammen scheinen. Sehenswerth ist die Schlosskapelle, der kleine, -terrassenförmig angelegte Garten und der unweit des Schlosses angelegte -Gemüsegarten als schöner Aussichtspunkt. - -Von Hartenberg aus führt ein Weg auf den _Pichlberg_, an dessen -südwestlichem Abhange das Dorf gleichen Namens liegt. Hier haben wir -eine schöne Fernsicht nach allen Seiten. - -_Falkenau-Lobsthal._ Wir gehen von Falkenau entweder auf der am -Schlosse vorüberführenden Lauterbacher Bezirksstrasse in südöstlicher -Richtung oder auf dem Fusswege längs des Lobsbaches zum Dorfe -_Schäferei_, von wo aus die Strasse durch das an beiden Seiten des -Lobsbaches gelegene Dorf _Wudingrün_, an dessen Ende, aber bereits im -engen, theilweise schöne Felsenpartien bergenden Thale, das romantisch -gelegene Gasthaus »zum Eisenhammer« sich befindet. - -Von _Falkenau nach Königswerth, über Teschwitz, *das Schiesshaus_ und -zurück (1¼ St.) - -In nordöstlicher Richtung führt am linken Egerufer ein Weg an dem -Vororte Schönwerth (mit Obst- und Gemüsebau) vorüber nach dem Orte -_Königswerth_ (mit Obstbau); von da setzen wir auf einem Kahne -über die Eger in das gegenüberliegende Teschwitz (mit Obstanlagen), -spazieren auf einem schönen Feldwege am _Klingerwäldchen_ vorbei -zum Schiesshause mit schönen Anlagen. Auf einem Felsen oberhalb des -herrlich gelegenen Schiesshauses finden wir ein _Gloriett_. Prächtige -Rundsicht! - - -Touren: - -_Falkenau-*Sangerberg._ Diese südliche Tour empfiehlt sich zu Wagen -durch das _Lobsthal_ nach _Lauterbach_ und von da nach dem neu -aufstrebenden Curorte _Sangerberg_. (Für Fussgänger ½ Tag.) - -_Falkenau-Crudum._ Am besten besteigen wir den sagenhaften Crudum 830 m -vom Lobsthale aus, indem wir die Strasse nach Lauterbach oberhalb der -gräflich Nostitz'schen _Brettsäge_ verlassen und links den Weg, der -zum Dorfe Kohling hinaufführt, einschlagen. In diesem Dorfe führt uns -jedes Kind zum Triangulirungspunkte (im Volksmunde »zur Lärmstange«). -Der Ausblick ist um so überraschender, als der Weg fast bis zur Spitze -durch Wald führt, und die Aussicht erst kurz vor dem Gipfel des Berges -frei wird. - -_Falkenau-Schwanderberg_ (735 m). Der Schwanderberg ist der Nachbar des -Crudum; wir besteigen ihn auf der anderen Seite des Lobsthales über -_Wudingrün_, _Grün_ und _Schwand_. - -_Falkenau-*Kapellenberg_ rechts und *Rabenstein links von Steinbach. -Eine noch schönere und umfassendere Aussicht, als die zwei Berge der -voranstehenden Partien bieten, geniessen wir auf das Fichtelgebirge, -das Egerland, das Vogtland, das in Terrassen aufsteigende Erzgebirge -mit dem Sonnenwirbel und die Gebirge hinter Karlsbad von dem -_Kapellenberge_ rechts von Steinbach und in noch grossartigerer -Weise vom _Rabenstein_ links von Steinbach. Der Weg nach Steinbach -führt von Falkenau über _Reichenau_ und _Prösau_, wo es gerathen -ist, sich den nächsten Weg auf den Kapellenberg zeigen zu lassen. In -dem Dorfe Steinbach befindet sich ein Jagdschloss des Grafen Nostitz -mit einer Sammlung von ausgestopften, von dem Grafen oder dessen -Forstbediensteten geschossenen Thieren. Von hier aus können wir -auch einen Abstecher in das noch 30 Minuten entfernte _Kirchenbirg_ -machen und daselbst das Schloss des Barons Henneberg mit Orangerie, -Obstanlagen und Bräuerei besichtigen. Rückweg über _Reichenau_, wo sich -grossartige Braunkohlenwerke und Tafelglashütten des Barons David von -Starck, Radler's Kohlenwerke und eine Wachsfabrik des Dr. Pilz befinden. - -_Falkenau-Maria-Kulm_ in westlicher Richtung mit der Bahn über -Dassnitz. Schöner Rückweg zu Fuss über das Dorf _Haselbach_, von wo -aus wir einen hübschen Blick in's Eger- und Zwodauthal geniessen. -Maria-Kulm (siehe Franzensbad-Maria-Kulm). - -_Falkenau-Mostau_ ist eine Fortsetzung der früheren Tour, wenn wir den -Rückweg nicht zu Fuss zurücklegen und von Königsberg mit der Bahn nach -Mostau-Nebanitz fahren. In Mostau empfiehlt sich die Besichtigung der -Musterwirthschaft des Gutsbesitzers Ritter von Komers. Grosser, schöner -Park. Rückweg mit der Bahn. - -_Falkenau-*Elbogen._ Unterhalb Falkenau nahe dem Dorfe Königswerth -verengt sich das Egerthal wieder, und Fussgänger lieben es, durch diese -Thalenge nach Altsattel und Elbogen zu wandern. - -=Elbogen=, königliche Stadt, nach der Volkszählung im Jahre 1869 mit -3257 Einwohnern. - - =Gasthäuser=: Rother Hirsch, Weisses Ross, beide am Marktplatz; - Scherbaums Gasthaus bei der Kettenbrücke. - - =Eisenbahn=: Buschtiehrader, verbunden mit der Stadt und der - Station Neusattel durch die Elbogner Localbahn. - - =Postverbindung=: Schlaggenwald, Schönfeld (Eilfahrt) und von - da nach Petschan (Botenfahrt). - - =Aemter=: K. k. Bezirksgericht. -- Revierbergamt. - - =Schulen=: Oberrealschule, Volksschule. - - =Post- und Telegrafenamt.= - -Die Stadt liegt auf einem steil gegen die Eger abfallenden Felsen -am linken Ufer des Flusses, welcher sie in Gestalt eines Elbogens, -daher der Name, umfliesst. Sie besteht aus der inneren Stadt und den -beiden Vorstädten _Rabitsch_ und _Littmitz_. Hier befindet sich die -zweitälteste Kettenbrücke in Deutschland und Oesterreich (die älteste -ist die zu Freiburg). Der Grundstein zu derselben wurde am 18. Juli -1834 gelegt. Ihre Höhe über dem Wasserspiegel beträgt 12·7 m. Das -Mauerwerk dabei ist von Granit, die Eisenbestandtheile wurden auf -den Eisenwerken der Herrschaft Rothenhaus erzeugt. Die Localbahn, -welche durch das reizende Grünlasthal an den reichen Kohlenlagern -des Vincenzi- und Helenenschachtes, an der Siemen'schen Glasfabrik, -einer Ziegelei und einer chemisch-technischen Fabrik vorbeifährt, ist -die erste in Oesterreich. Das Consortium, welches die Bozen-Meraner -Bahn in Südtirol baute, führte diese Bahn, welche Elbogen dem grossen -Weltverkehre wieder etwas näher gebracht, auf seine Rechnung aus, und -der Ingenieur, der den Bau leitete, führt einen berühmten Namen. Er -heisst _Schwind_ und ist der Sohn des berühmten Malers, dem die »Schöne -Melusine« und die »Sieben Raben« ihren Ursprung verdanken. Ingenieur -Schwind hat sich in einer der Villen am Fusse der Stadt und in der Nähe -der Eger angesiedelt. - -Auf dem Rathhause wird eine merkwürdige Masse von _Meteoreisen_ -aufbewahrt, welche seit Jahrhunderten unter dem Namen des »verwünschten -Burggrafen« bekannt gewesen ist. Der Volkssage nach soll nämlich im -Mittelalter ein königlicher Burggraf zu Elbogen die Unterthanen mit -grosser Härte behandelt haben, deshalb öfters von diesen verwünscht -worden, und diese Verwünschung eines Tages in Erfüllung gegangen -sein. Als nämlich der Burggraf die Frohnpflichtigen mit der Glocke -zur Arbeit rufen wollte, sei er plötzlich durch einen vom Himmel -herabfahrenden Blitz getödtet und in jene Metallmasse verwandelt -worden. Der Aberglaube schrieb ehemals dieser Masse, die in einem -Gewölbe des Schlosses lag, sogar Zauberkräfte zu, und man behauptete, -dass sie zu gewissen Zeiten leichter, zu anderen wieder schwerer würde, -dass sie, wenn sie in den 41·7 m tiefen Schlossbrunnen geworfen würde, -immer wieder zum Vorscheine komme u. dgl. m. Der k. k. General Johann -von Werth liess, um sich davon zu überzeugen, im 30jährigen Kriege den -Klumpen in den Schlossbrunnen werfen, aus welchem er jedoch später -wieder herausgezogen und in's Schloss gebracht wurde. Im J. 1742 warfen -die Franzosen die Masse abermals in den Schlossbrunnen und hier blieb -sie bis 1776, wo sie wieder heraufgeholt und nunmehr auf dem Rathhause -aufbewahrt wurde. Im J. 1811 kam der damalige Professor der Chemie am -ständischen technischen Institute zu Prag, K. A. Neumann, nach Elbogen, -liess sich ein Stückchen von der Masse zu chemischen Untersuchungen -mittheilen und erkannte durch dieselbe, dass sie Meteoreisen sei, was -auch bald darauf durch den Chemiker von Klaproth und den Physiker Dr. -Chladni bestätigt wurde. Später wurde die Masse in zwei ungleich grosse -Stücke zertheilt, von welchen das grössere, etwa 150 Pfund schwere, an -das k. k. Naturalien-Cabinet in Wien abgeliefert wurde, das kleinere -aber von 40 Pfd. sich noch auf dem Rathhause befindet. - -Das _Schloss_, von seiner felsigen Lage ehemals Stein-Elbogen genannt, -soll ursprünglich schon um das Jahr 870 von den mit den Herzogen von -Bayern verwandt gewesenen Markgrafen von Vohburg gegründet worden sein, -denen bis in's XII. Jahrhundert der ganze Egerische und Elbogner Bezirk -gehörte. - -Berchthold, Markgraf von Vohburg, starb in der 1. Hälfte des XII. -Jahrhunderts ohne männliche Erben, und das Elbogner Gebiet fiel nunmehr -an den Kaiser Friedrich I., welcher sich 1149 mit Adelheid, einer -Tochter des Verstorbenen, vermählt hatte. Als er aber 1153 sich von -dieser seiner Gemahlin durch die Kirchenversammlung zu Kostnitz hatte -scheiden lassen, nahmen die Verwandten derselben, die Herzoge von -Bayern, die hinterlassene Herrschaft Berchtholds in Anspruch, und es -gelang ihnen auch, zum Besitz derselben, namentlich von Elbogen und -Eger zu gelangen. - -Unter Rudolph von Habsburg wurde es an die böhmische Krone verpfändet. -König Wenzel I. verlieh 1246 die von ihm neuerbaute Pfarrkirche zu -Elbogen sammt allen Einkünften dem neuen Orden der Kreuzherrn mit -dem rothen Sterne. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts wurde Elbogen ein -Eigenthum der Könige von Böhmen. König Johann von Luxemburg erhielt -die Kunde, dass ihm seine Gemahlin Elisabeth die Krone zu entreissen -trachte, und zog wuthentbrannt gegen das feste Schloss Elbogen, den -Aufenthalt der Königin, und liess es ohne weiters stürmen. Obgleich -sich herausgestellt, dass diese Anklage alles Grundes entbehrte und -nichts als eine schändliche Verleumdung war, wurde sie doch von ihren -Kindern gewaltsam getrennt und musste ihren Aufenthalt in Melnik -nehmen. Johanns Nachfolger, Karl IV., zeigte sich der Stadt Elbogen -stets sehr gewogen. Er erneuerte derselben im J. 1352 alle unter -seines Vaters Regierung verbrannten Urkunden und verlieh ihr die -Steuerfreiheit unter der Bedingung, dass ihm bei seiner Anwesenheit in -Elbogen jährlich einmal 5 Pfund schwäbische Heller in einem hölzernen -Becher überreicht werden müssen. Becher und Münzen sind heute noch im -Rathhause aufbewahrt. - -Während der Hussitenkriege scheint Elbogen belagert, aber nicht -eingenommen worden zu sein. - -Nach verschiedenen Streitigkeiten gelangte das unter Kaiser Sigmund -verpfändete Elbogen im J. 1547 wieder an die Krone Böhmens, und der -damalige Kaiser Ferdinand I. verlieh der Stadt die Erlaubniss, einen -Jahrmarkt zu halten. - -In dem dreissigjährigen und dem österreichischen Erbfolge-Kriege hatte -Elbogen viele Drangsale zu bestehen. - -Im Jahre 1725 legte eine verheerende Feuersbrunst die ganze Stadt bis -auf einige Häuser in Asche. - -Auch die Kirche brannte nieder. Ihr Neubau erfolgte 1728. Das -prachtvolle Altarblatt, Ermordung des hl. Wenzel, ist vom berühmten -Maler Brandl gemalt. - -Die St. _Johanneskirche_ bestand schon im 14. Jahrhunderte, wurde -aber baufällig und 1854--1857 neu erbaut. Der angrenzende Friedhof -wurde aufgelassen und 1877 ein neuer auf dem Goldberge angelegt. Die -St. _Annakapelle_ wurde 1742 in Folge eines Gelübdes gebaut. Der -französische General Armentiers belagerte in diesem Jahre die Stadt. -Die geängstigten Bewohner veranstalteten am 26. Juli eine Procession -und gelobten zugleich nach Rettung aus dieser Bedrängniss der hl. Anna -zu Ehren eine Kapelle zu bauen, was auch geschehen ist. Es kam zur -Capitulation; aber die Stadt wurde in keiner Weise geschädigt. - -Wo derzeit die St. _Wolfgangskapelle_ steht, war vor alten Zeiten -eine Kirche, die von den Hussiten und Schweden zerstört wurde. Die -Muttergotteskapelle stammt aus neuerer Zeit. - -Mitten am Ringplatze steht die schöne _Dreifaltigkeitsstatue_, 1719 vom -Stadtrathe errichtet. - -Elbogen besitzt zwei schöne und geräumige Schulgebäude für eine -Oberrealschule, im J. 1840, und für eine Volksschule, im J. 1867 erbaut. - -=Sehenswürdigkeiten=: _Das alte Schloss_, bestehend aus dem Wartthurm, -dem Schlossgebäude und dem Markgrafenhaus. Als es im J. 1792 in -ein Kriminal-Strafhaus umgewandelt wurde, fielen die hohen Thürme, -Spitzdächer und der grösste Theil des Mantelgebäudes des Wartthurmes -diesem Umbaue zum Opfer. - -Das _Rathhaus_, 1685 erbaut. In demselben werden, wie aus dem -Voranstehenden hervorgeht, aufbewahrt: - -_a_) Der steinerne Burggraf, ein Meteorstein. - -_b_) Ein hölzerner, verzierter Becher und einige Münzen aus dem Jahre -1352. - -Die _Porzellanfabrik_, im J. 1815 von Rudolph und Eugen Haidinger -gegründet. - -Die _Spaziergänge_ um die Stadt an beiden Egerufern sind reizend. -Auf die bepflanzten und bewaldeten Höhen führen gut angelegte Wege. -Durch das Geyersbachthal zum neuen Schiesshause, in das felsige Zech- -und das oberwähnte Grünlasthal sind Spaziergänge wegen der sich hier -darbietenden Mannigfaltigkeit besonders zu empfehlen. Wenn man auf der -von Karlsbad steil abfallenden Strasse kommt und plötzlich Elbogen vor -sich sieht, glaubt man zu träumen. Das ist die reine Romantik, die -einem ganz unerwartet entgegentritt. Ganz Böhmen hat kein schöneres -Städtebild aufzuweisen. Der Fluss, die Kettenbrücke, die in fabelhafter -Höhe über ihn gespannt ist, die alte, schwarze Burg dahinter, die -Stadt, welche in Gestalt eines regelrechten Halbbogens sich zu Füssen -dieser Burg ausbreitet, mit ihren Gärten und Villen bis dicht an die -das ganze Bild in Ellenbogenform umspannende Eger vordringt, während -sich die waldbedeckten Berge jenseits der Strasse, welche die Stadt -parallel mit dem Flusse einrahmt, malerisch abheben -- das alles gibt -ein Bild, wie es nicht schöner gedacht werden kann. Darum wird der -Spaziergang gegen Horn allen denen, welche nicht von Karlsbad nach -Elbogen kommen, sich aber den herrlichen Anblick der Stadt von da aus -nicht versagen wollen, besonders empfohlen. Sehr lohnend ist auch der -Weg zum _Hansheiling_ am linken Egerufer oder über den Ziegenruck. - -Empfehlenswerthe Aussichtspunkte sind: - -_a_) Der Mühlacker; - -_b_) der spitzige Stein; - -_c_) der Robitschberg und - -_d_) die Terrasse im Gasthause zum »weissen Ross«, von welcher -die, Elbogen südwestlich, südlich und südöstlich im engen Gürtel -umschliessenden Berge ein prachtvolles Panorama geben. - -_Falkenau-Gossengrün_ (auf der Strasse in nordwestlicher Richtung gegen -Schönbach in 2 Stunden). Der Ort Gossengrün zählt etwa 2000 Einwohner, -welche sich von der Landwirthschaft und der Spitzenklöppelei ernähren. - - =Gasthaus=: Philipp Locke's Gasthaus. - - =Postverbindung=: Gossengrün-Hartenberg; Gossengrün-Schönbach. - -Ausflug von Gossengrün nach Leopoldshammer im Leibitschthale (siehe -Schönbach-Leibitschthal). - -_Falkenau-Bleistadt_ (mit der Bahn -- Entfernung etwas über 1 Meile). - - =Gasthäuser=: Zum städtischen Rathhaus. -- Wilh. Gerstners - Restauration. - - =Eisenbahnverbindung= mit Falkenau und Graslitz. - -_Bleistadt_ ist eine alte Bergstadt und zählt 1400 Einwohner. Die Stadt -führt den Namen von dem hier früher betriebenen, nunmehr aufgelassenen -Blei-Bergbau. Gegenwärtig fristen die Bewohner ihr karges Dasein mit -Spitzenklöppeln. Auf den zahlreichen Halden findet der kundige Wanderer -bleihaltige Gesteine und sogar Stücke reinen Erzes. - -=Sehenswürdigkeiten=: Nachstehende Privilegien: von den Kaisern -Rudolph II. 1524, Ferdinand 1558, Mathias 1613, Ferdinand III. 1652 -und Joseph II. 1785. Auch ist in der im Jahre 1524 vom Kaiser Rudolph -II. gegründeten Kirche Sct. Michael ein Wappen in Farben an dem rechts -vom Hochaltare befindlichen Fenster von den Geheim-Brüdern Paulus, -Christof und Friedrich, Bürgern des Rathes der Reichsstadt Nürnberg, -zum Andenken »ai 1603« zu sehen. - -=Aussicht=: Von dem Bergrücken bei Liebenau, Obergrünles und Neuhäuser -aus lässt sich grosse Umschau halten über das Erzgebirge bis gegen -Platten, dann gegen Karlsbad, die interessante Burgruine Engelhaus, -Lauterbach bei Einsiedel und über das Egerland. - -_Falkenau-*Heinrichsgrün_ -- Gebirgsstadt, 2250 Einwohner. - - =Gasthäuser=: Wilder Mann, grüner Heinrich. - - =Post- und Telegrafenamt= -- Domainen- und Forstverwaltung des - Grafen Erwein Nostitz. - -Von Falkenau aus erreichen wir Heinrichsgrün auf der Aerarialstrasse, -welche durch die Dörfer Lanz, Waldl und Unter-Neugrün sanft ansteigt -und von Neu-Grün an, auf beiden Seiten von den schönsten Wäldern -begrenzt, bis zur Stadt führt. Diese liegt auf einer kleinen -Gebirgsebene an einer Thalschlucht, welche sich in langen Zügen in's -Zwodauthal erstreckt und das Lochthal genannt wird. Hier blühte in -früherer Zeit der Bergbau. Der Tourist möge uns nun auf unserem Gange -begleiten. Wir statten zuerst der im Spitzbogenstyl erbauten Kirche -St. Martin einen Besuch ab; dann besichtigen wir die im J. 1877 auf -Veranlassung des hochverdienten Erzgebirgsfreundes Herrn Ritter von -Dotzauer von dem Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit -der böhmischen Erz- und Riesengebirgsbewohner in Prag errichtete -Spitzenschule, in welcher Idrianer Spitzen kunstgerecht erzeugt -werden. Nun gehen wir durch die Schlossgasse zu dem nördlich von der -Stadt gelegenen gräflich Erwein von Nostitz'schen Schlosse. In diesem -befinden sich zwei alte Bilder, welche Scenen aus dem Graslitzer -Bergbau darstellen. Auch finden wir hier ein Bild, genannt die grosse -Dame, von der die Sage erzählt, dass sie in einem der Eckthürme des -Schlosses lebendig eingemauert wurde. Sämmtliche gräfliche Zimmer -sind mit prachtvollen Hirschgeweihen ausgeschmückt. Nach einer kurzen -Wanderung durch den Park, der das Schloss umgibt, kommen wir in eine -schöne Allee, welche uns zum _gräflichen Thiergarten_ führt. - -Kurz vor dem Thiergarten biegt eine Bezirksstrasse nach rechts ab, -zieht sich durch theilweise schöne Waldungen in auf- und absteigender -Linie ausserhalb desselben hin und führt bei dem an der Ausgangseite -des Gartens gelegenen Teiche, von welchem sich ein weiter unten -bezeichneter Weg nach Schindelwaldel und Rothau abzweigt, vorbei. -Am Eingange in den Thiergarten (mit Erlaubniss der Forstinspection -passirbar) stehen zwei Forsthäuser, und von diesen aus ziehen sich -schöne, wohlerhaltene Wege durch alle Theile des weiten Gartens. -Hier nehmen wir die herrlichsten und mannigfaltigsten Partien wahr. -Dichte Fichtenwaldungen wechseln mit den saftigsten Wiesen ab, auf -denen Heerden von Hochwild weiden. In der Mitte des Thiergartens -steht malerisch das Jagdschloss, der Sommeraufenthalt der gräflichen -Familie. Von den Fenstern des Hauptgemaches geniesst man die Aussicht -auf eine reizende Scenerie des Gartens. Nicht uninteressant ist -auch die Eremitage, von welcher sich eine schöne Aussicht in das -Rothauthal eröffnet. Vom Jagdschlosse aus führt eine Strasse nach -dem nördlichen Ausgange des Thiergartens und schliesst sich da an -die oberwähnte Bezirksstrasse nach Schindelwaldel und Rothau an. Die -grossen Eisenwerke daselbst sind sehenswerth. Das erste Werk, zu -dem wir gelangen, ist die Zinnerei. Im Thale, kurze Strecke weiter -abwärts, steht der Hochofen mit der Eisengiesserei und unweit davon -die Dreherei. Nach etwa einer Stunde kommen wir zur Neuhütte. Von -da aus gelangen wir nach kurzem Gange auf die Kaiserstrasse, die -von Heinrichsgrün nach Graslitz führt. Beiderseits von hohen Bergen -eingeschlossen führt uns die bequeme Strasse in das _Annathal_, wo -der Rothaubach in die aus Sachsen kommende Zwodau mündet. Am rechten -Ufer der Zwodau liegt der Bahnhof, nach welchem von Heinrichsgrün aus -zweimal täglich die Post verkehrt. Auf unserer Retour-Wanderung aus -dem Annathal nach Heinrichsgrün erblicken wir links einen Basaltkegel, -den _Kernberg_, von dem aus man den grössten Theil der gemachten -Wanderung übersehen kann. Erwähnenwerth ist noch das Dorf _Altengrün_, -südlich von Heinrichsgrün gelegen, von welchem aus sich dem Auge eine -prachtvolle Aussicht in's Egerland darbietet. - -4. _Falkenau-*Graslitz_ (mit der Bahn oder zu Fuss über Bleistadt, von -da über Horn und Heinrichsgrün nach Graslitz). - -_Graslitz_, eine freie Bergstadt, in welcher bereits im J. 1370 der -Bergbau auf Kupfer rege geworden. Im J. 1437 hat Caspar Schlick die -Herrschaft übernommen. Im J. 1527 ging solche an Hieronymus Grafen -Schlick durch Kauf über. Im J. 1570 gelangte diese Stadt mit ihren -bereits bestehenden und durch eine Schlick'sche Bergordnung geregelten -Bergbauen in den Besitz der gräflich Schönburg'schen Familie. -August Graf Schönburg erliess eine neue Bergordnung 1601, welche -grösstentheils der Joachimsthaler nachgebildet ist. Schon damals -waren 2000 Bergleute, 100 Steiger, beim Baue beschäftigt und eine aus -zahlreichen Bergbeamten bestehende Berghauptmannschaft aufgestellt. Von -der damaligen Grossartigkeit der Bergbaue geben die vielen Stollen und -Halden den besten Beweis. Der Abbau und die Schmelzung der Schliche zu -Schwarzkupfer geschah durch Gedingarbeit und wurden 3 bis 5% Kupfer aus -dem Centner Erz herausgebracht. - -Graslitz ist jetzt eine bedeutende Industriestadt, zählt nach der -letzten Volkszählung vom J. 1870 6549 Einwohner. Die verschiedenen -Industriezweige sind: Musikinstrumenten-, Spitzenerzeugung, -Stickerei, Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenerzeugung, Bleicherei, -Färberei, Druckerei. Hervorragende Fabriken: Maschinen-Stickerei, -Baumwollspinnerei, Schafwollwaarenfabrik, bedeutende Fabrication für -Musikblas- und theilweise Streich-Instrumente, Kindermusikinstrumenten, -Perlmutterknopf-Erzeugung und Fabrication von Mundharmonikas. - - =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Bezirksgericht, - k. k. Haupt-Zollamt, k. k. Post- und Telegrafenamt; - Eisenbahn-Endstation der Buschtiehrader Bahn. - - =Gasthäuser=: Kaiser von Oesterreich, Herrenhaus. - _Restaurationen:_ Räumermühle mit schönem Echo; Kaisergarten - und zwei an der Bahnhofstrasse. - -=Sehenswürdigkeiten=: Die _Pfarrkirche_, in der Kanzel und Taufbecken -künstlerischen Werth haben. Das Altarbild »Abendmahl Jesu« ist von -Brandl. Das _Schulgebäude_ der Volks- und Bürgerschule mit dem -interessanten _*Museum_, Musikschule, welche sich eines bedeutenden -Rufes erfreut und zur Hebung der Musikinstrumentenfabrication -wesentlich beiträgt. _Armenhaus_, Spital, Friedhof. - - -Spaziergänge: - -Nach dem Hausberg, lohnend wegen der schönen Aussicht. Dort ist die -_Richardshöhe_ mit einer Gedenktafel, so benannt nach Herrn Ritter von -Dotzauer, Handelskammerpräsidenten in Prag, einem geborenen Graslitzer, -der sich um seine Vaterstadt und das ganze Erzgebirge so verdient -gemacht, dass sein Name in den Blättern der Geschichte dieses Gebirges -für ewige Zeiten mit goldenen Lettern eingegraben bleiben wird. Gleich -darüber befindet sich auf der Sängerhöhe ein Obelisk und unweit davon -ein Gloriett, von dem aus wir einen herrlichen Ausblick über die -Umgebung geniessen. - -Auf dem Hausberg stand einst ein Raubritterschloss, das im J. 1412 von -Tuchknappen und Metzgern aus Eger zerstört wurde. Ueberreste eines -Brunnens sind die letzten Spuren dieses Schlosses. - -Auf dem Glasberge, welcher dem Hausberge gegenüber liegt, befinden sich -im »Holzhau« zwei auf einander liegende Granitblöcke, die Quarkquetsche -genannt, welche sich der Sage nach bei einem heftigen Sturme bewegt -haben. Nicht weit vom »Holzhau« befinden sich die Katzenfelsen, -zwei aus Granitsteinen aufgethürmte Hügel, und weiter in gerader -Linie kommen wir in die Nähe der Stadt und zum »Gesteinlicht«, einem -spitzigen Felsen, wo sich uns ein herrlicher Blick über die Stadt und -das Zwodauthal eröffnet. - -Die Partie von Graslitz auf den _*Muckenbühl_ (¾ St.) 944 m hoch, ist -zu empfehlen; man erreicht seine 470 m über dem Zwodauthale liegende, -mit grossen Granitblöcken übersäete Kuppe ohne alle Anstrengung, da -seinerzeit der Herr Graf Nostitz von Heinrichsgrün Stufen einhauen -liess. Dieser interessante Berg gewährt eine hübsche Aussicht, die -nach Osten bis zum Sonnenwirbel, nach Südost über das nahe Schönlind -und Kohling hinweg nach Karlsbad reicht und darüber hinaus noch -den Phonolithberg Engelhaus mit der grossartigen, weit sichtbaren -Burgruine und das Giesshübler Schloss erkennen lässt. - -Südwestlich von Graslitz (1 St.) liegt _Schönau_ mit der -Wallfahrtskirche zum hl. Jakob dem Grösseren. Ein im J. 1688 gedrucktes -und hier aufbewahrtes Gebetbuch gibt einen dunklen Aufschluss über -diesen Gnadenort. Interessant sind die um die Kirche gepflanzten, sehr -alten Linden. - - -Touren: - -_Graslitz-*Klingenthal_, unmittelbar an der Grenze, wird durch das -Zwodauthal in ¾ St. erreicht. - -_Klingenthal_ 576 m Seehöhe, hat 2700 Einwohner. - - =Gasthöfe=: Brauner Hirsch, zum alten Schloss, zur Post, zum - heiteren Blick, vulgo das Lämpl, mit Aussicht, die Hacke - (originelles und stark besuchtes Local mit vorzüglichem - böhmischen Bier und Wein in unmittelbarer Nähe des sächsischen - Zollamts -- gehört zu Markhausen in Böhmen). - -Klingenthal liegt am Zusammentreffen des Zwodau- und Brunndöbrathales -und unmittelbar an der böhmischen Grenze, ist in seinen Haupttheilen -stadtähnlich gebaut und macht mit seiner romantischen Umgebung einen -sehr vortheilhaften Eindruck auf den Besucher. Es ist hochinteressant -durch seine eigenartige Industrie: Es fertigt jährlich Millionen von -Mundharmonikas, Accordions, Concertinos etc. und versendet sie in die -entferntesten Länder. Hauptfirmen: Dörfel, Steinfelser, C. G. Herold -und E. Leiterd in Brunndöbra. - -Obwohl Klingenthal zweifellos ein Ort jüngeren Ursprungs ist, so lässt -sich doch die Zeit seiner Entstehung nicht nachweisen. Ursprünglich -war ein Eisenhammer hier, wegen der Lage in dem von steilen und -dunkel bewaldeten Bergen umgebenen Thalkessel »Höllenhammer« genannt, -wie überhaupt die ganze Thalsenke in früheren Zeiten mit dem Namen -»Hölle« bezeichnet wurde. Der Ort Klingenthal soll durch böhmische -Exulanten, die nach der Schlacht am Weissen Berge (1620) ihr Vaterland -verlassen mussten, entstanden und sowohl seinen Namen als auch sein -rasches Aufblühen einem Einwohner Namens Klinger zu verdanken haben. -Wahrscheinlich begründeten die Exulanten auch die heimische Industrie. - -Von Klingenthal lässt sich bequem der _Aschberg_ besuchen. Der nächste -Weg ist die Auerbacher Strasse bis zur Postwartehalle in Brunndöbra. -Bei jeder neuen Biegung müssen wir den hochromantischen Charakter -der ganzen Landschaft bewundern. Hier zweigt nach rechts der sog. -Staffelweg ab nach dem Schloss Obersachsenberg im Dorfe gleichen -Namens. Die Häuser dieses Ortes liegen zerstreut auf sonniger Höhe, -sind klein und unscheinbar, aber bewohnt von einer arbeitsamen und -genügsamen Bevölkerung. Nicht selten sieht man an den kleinen Fenstern -der niedrigen Stübchen -- wie überhaupt im östlichen Vogtland -- den -Vogelbauer mit dem Hänfling oder Stieglitz oder mit dem unvermeidlichen -_Grünitz (Kreuzschnabel), der nach dem Glauben der Mütter die »Krämpfe -der Kinder anzieht.«_ Von Obersachsenberg ab ist der Weg nicht mehr -zu fehlen; das Ziel ist bereits sichtbar. _Der Aschberg, 925 m, liegt -hart an der Grenze auf böhmischer Seite und ist Station der königl. -sächsischen Triangulirung._ Das Steingerölle lässt uns die geologischen -Bestandtheile des Berges, den Granit erkennen. Die Aussicht ist -eine sehr umfassende und vorzügliche, nur sind die Hauptobjekte mit -Ausnahme des tief eingeschnittenen Zwodauthales mehr in die Ferne -gerückt. Unter den bewaldeten Höhen im Nordwesten ragt der langgezogene -Rücken des _Kiel_ (861 m) bei Friedrichsgrün hervor; in der im Norden -ausgebreiteten Waldregion tritt der obere Theil von Schönheida -deutlich heraus. Im Osten zeigen sich bewaldete Berge, im Süden viele -hochgelegene böhmische Orte, im Südwesten die vordere Gruppe des -Fichtelgebirges und ganz nahe das bereits erwähnte Zwodauthal. - -Von _Klingenthal_ nach _Markneukirchen_ (mit der Bahn und dann retour). - -_Markneukirchen_, Stadt, 504 m Seehöhe, 4600 Einwohner. - - =Gasthöfe=: Zum Rathskeller, zur goldenen Krone, Restauration - von Paulus mit Gartenanlagen, Schützenhaus, Bahnhofrestauration. - - =Eisenbahnverbindung=: gegen Klingenthal, Adorf, Elster, Eger - und nördlich gegen Leipzig. - -_Markneukirchen_ ist die südlichste Stadt Sachsens und liegt zu beiden -Seiten des Schwarzbaches. Die Stadt ist Mittelpunkt der Vogtländischen -Blas- und Streichinstrumenten- und Darm-Saiten-Fabrication. Die Firmen: -Michael Schuster jun., Paulus & Schuster u. a. haben überseeische -Handelsverbindungen und ihre Waaren beherrschen trotz der französischen -und italienischen Concurrenz den Weltmarkt. Musikschule -- Badeanstalt. -Die Stadt hat nach dem Brande von 1840 ein ganz anderes schöneres -Gepräge erhalten. Der Ursprung derselben ist in völliges Dunkel -gehüllt. Der Ort, der erst aus 17, nach anderen nur aus 3 Häusern -bestanden haben soll, scheint ursprünglich nicht zum dobenauischen -Gebiet gehört zu haben, sondern es muss erst im 12. Jahrh. an die Vögte -gekommen sein. Ursprünglich soll es Nieweekirchen geheissen haben, -woraus dann Neukirchen und zur Unterscheidung von gleichnamigen Orten -Mark- d. h. Grenz-Neukirchen entstanden sei. Eine andere Vermuthung -leitet den Namen von »Markt« ab. - -Markneukirchen kommt zuerst 1357 als ein an die Markgrafen abgetretenes -Städtlein Neuenkirchen vor. Im Jahre 1360 erhalten die Kaufleute des -Ortes durch den Landgrafen Balthasar dieselben Rechte, wie die zu Adorf -und Oelsnitz, der Ort muss also schon von einiger Bedeutung gewesen -sein. - -Das Bässe- und Geigenmachen soll 1580 durch böhmische Exulanten -- -namentlich aus Schönbach und Graslitz -- nach Markneukirchen gebracht -worden sein. - -_Graslitz-Schneckenstein-Schwaderbach_ und über Brunndöbra, -Sachsenberg, Klingenthal und Markhausen retour. Wer eine mineralogische -Merkwürdigkeit nicht unberührt lassen will, muss von Graslitz aus -den Schneckenstein besuchen. Derselbe gehört Sachsen an und liegt -2½ St. nördlich von Graslitz. Der Fussgänger mag seinen Weg über -Eibenberg nehmen, wo er die Bergwand mit riesigen Halden, den -Zeugen eines ehemals schwunghaften Baues auf Kupfererze, bedeckt -sieht und kann hinter Schwaderbach nebenbei den »_Aschberg_« (siehe -Klingenthal-Aschberg) besteigen. Von Schwaderbach über Ober-Sachsenberg -müsste er nach Steindöbra hinab, auf der nach Nord ziehenden Strasse -weiter, dann links ab in die Wälder, wo er _ohne Compass und Führer_ -den versteckten _Schneckenstein_ gewiss nicht findet. Derselbe ist ein -Topasfels; in vielen Lehrbüchern der Mineralogie wird seiner gedacht, -und man soll etwas Aehnliches erst im Ural wiederfinden. Früher hat die -sächsische Regierung hier Topasse suchen lassen, jetzt kann sich jeder -nach Belieben ein Andenken aus dem Gestein herausklopfen und mitnehmen. -Auf dem Rückwege würde der Wanderer die sächsischen industriereichen -Ortschaften Brunndöbra, Sachsenberg und Klingenthal, auf böhmischer -Seite Markhausen berühren. Wer eine Fahrgelegenheit benützen will, kann -den grössten Theil des Weges auf guter Strasse zurücklegen. - -_Graslitz-Forsthaus Nancy-Sauersack-*Kranichsee-Hirschenstand_ -- -retour über Schönlind nach Graslitz. - -Im Hochsommer bei trockener Zeit ist es eine eigenthümliche Lust, die -Moorgründe des höheren Gebirges zu besuchen und zwischen Knieholz -(Sumpfkiefer) über schwankenden Boden zu wandern. - -Den Botaniker interessiren da die dem Torfmoore eigenthümlichen -Pflanzen. Von Graslitz führt eine gute Strasse das Thal des -Silberbaches aufwärts in einem hübschen Waldthalkessel zu der in -anmuthender Waldeinsamkeit gelegenen Försterei »Nancy« und von da -nach _Sauersack_. Von hier aus wäre ein _kundiger_ Führer mitzunehmen -und der _Kranichsee_ zu besuchen. Es ist kein echter See, sondern -eine grosse _Hochmoorfläche_, in deren Torf- und Moosboden das -Knieholz wuchert. Solche Moore sind grosse Wasserbehältnisse, da -ihr schwammiger Boden begierig die Feuchtigkeit einsaugt und nur -langsam wieder von sich gibt. Nach Delitsch enthält ein Moor, wie der -Kranichsee, vollständig mit Wasser gesättigt, so viel Wasser, dass -es _ein_ ganzes Jahr lang in jeder Secunde 10 Centner Wasser liefern -könnte, ehe es seinen Wasservorrath erschöpfte. Drei Bäche entfliessen -ihm. - -In die Knieholzregion können wir auch leicht von Sauersack aus auf der -nach _Hirschenstand_ führenden guten Strasse kommen. - -_Hirschenstand_, Dorf, 1200 Einwohner, welche sich mit Spitzenklöppeln -und der Buntstickerei beschäftigen. - -=Ausflug=: Sehr empfehlenswerth ist die Besteigung des 1½ St. -entfernten, in Sachsen bei Wildenthal gelegenen _Auersberges_, 1021 m, -des zweithöchsten Berges in Sachsen, der eine majestätische Lage hat -und eine herrliche Aussicht in's Vogtland, in die Muldengegend, in das -sächsische Niederland und das Erzgebirge bietet. - -Gegen _Frühbuss_ (1 St. südwestlich von Hirschenstand) können wir die -Torfgewinnung beobachten und, wie Prof. Laube sagt, die Verwandlung -der lebenden Pflanzen bis zur Bildung des reinen braunglänzenden -Specktorfes Schritt für Schritt verfolgen. - -_Frühbuss_, Stadt, 1400 Einwohner, welche Bobbinet-Stickerei und -Spitzenklöppelei treiben. - - =Gasthäuser=: Städtisches Gasthaus, Franz Baumgartls und - Leander Baumgartls Gasthaus. - -=Aussichtspunct=: Hartenberg (20 Minuten entfernt), bietet eine -herrliche Aussicht im Osten gegen den Sonnenwirbel, nach Südost bis -Engelhaus über Falkenau und Karlsbad, nach Südwest über das Egerland -bis Franzensbad, nach Nordwest bis Bayern und Sachsen, und nach Nord -erblickt das Auge noch Auersberg in Sachsen. - -Wer zu Wagen kommt, wird von Frühbuss aus über Schönlind und Rothau -nach Graslitz zurückkehren; wer sich aber für Basaltberge interessirt, -wird in Unter-Rothau halten und den _Flössberg_ und _Illmesberg_ -besuchen, wo der Basalt in schönen Säulen ansteht, beim ersteren Berge -auch in sphäroidischer Absonderung gefunden wird. - - - - -C. Besuch des böhmischen Erzgebirges und der angrenzenden Gebiete von -Karlsbad aus. - - - - -Karlsbad. - - - =Gasthöfe.= Karlsbad besitzt zahlreiche, comfortabel - eingerichtete Hôtels: Hôtel »_goldenes Schild_« mit den dazu - gehörigen Gebäuden: »_Erzherzog Stephan_«, »_zwei deutsche - Monarchen_« und »_Gartenhaus_«; »_Hôtel Anger_«, nahe dem - Theater, Hôtel »_zum österreichischen Hof_« (Neue Wiese); - »_Hôtel Hannover_« (Markt); »_Hôtel drei Fasanen_« und »_Hôtel - Erzherzog Karl_« (Kirchengasse); »_Hôtel Hopfenstock_«, »_Hôtel - Loib_« und »_Rheinischer Hof_« (Geweidiggasse); Gasthof - »_zum goldenen Schwan_« (Kreuzgasse); »_Hôtel Paradies_«, - »_Hôtel Morgenstern_« (Kaiserstrasse); Wiesingers »_Hôtel - National_« (Gartenzeile); »_Hôtel Donau_« (Parkstrasse); - »_Hôtel baierischer Hof_« (Egerstrasse); »_Hôtel Lyon_« - (Bahnhofstrasse). - - =Restaurationen= u. =Speisehäuser=. »_Curhaus_« (Quai), »_Salle - de Saxe_« (Alte Wiese), »_Restauration Pupp_« (Pupp'scher - Park), »_Sanssouci_« (am Kiesweg), »_Blauer Stern_« (Prager - Gasse), »_Römer_«, »_Stadt Leipzig_« und »_Rother Ochs_« - (Geweidiggasse), »_am Rhein_« (Andreasgasse), »_Bellona_« - (Schlossplatz), »_Schützenhaus_«, »_Friedrich-Wilhelmsthal_« - (hinter der alten Wiese), »_Königshof_« (Wiesenberg), - »_Liederhalle_« (Schulgasse), »_Elisium_« (Panoramastrasse). - - =Caféhäuser= (die beliebtesten): »_Café Elefant_« (auf der - Alten Wiese), »_Pupp's Café-Salon_«, »_Zur Stadt Hamburg_« - (Kreuzgasse), im »_Panorama_«. - - =Postamt= am Markte. =Telegraphenamt= mit Nachtdienst (im - Postgebäude). - - =Haupt-Zollamt= (Egerstrasse). - - =Photographische Ansichten= von Karlsbad und Umgebung in den - Buchhandlungen von Hans _Feller_ (Mitte der alten Wiese zur - »Eiche«, und Mühlbadgasse zu »3 gold. Sterne«). - - =Zeitungslese-Salon= im Curhause. - - =Directe Eisenbahn-Verbindungen= mit dem ganzen Continente. - - Karlsbad ist Station der Buschtiehrader Eisenbahn (Böhmische - Nordwestbahn). Nach einer Reihe grösserer Städte verkehren ab - Karlsbad _directe_ Wagen. - - =Lohnfuhrwerke.= _Omnibusse_: Vom Bahnhof in die Stadt 40 kr., - Handgepäck frei. _Droschken_ (Einspänner): Vom Bahnhof in die - Stadt 1 fl. 20 kr., (50 Kilo Gepäck frei). Vor 6 Uhr Morgens u. - nach 9 Uhr Abends sind die Taxen etwas höher. Für Lohnfuhrwerke - besteht eine besondere behördlich genehmigte Taxordnung. - Dieselbe ist abgedruckt im »Karlsbad im Portemonnaie.« Pr. 20 - kr. - - =Omnibusfahrten= (täglich) nach _Pirkenhammer_, _Aich_, - _Dallwitz_ u. »Giesshübler Sauerbrunn«. - - =Postverbindung= nach Petschau täglich 1mal - " Buchau " 1 " - " Bärringen " 1 " - " Neudek " 2 " - - =Privatwohnungen.= Diese sind durchwegs mit Comfort - eingerichtet. In Folge des in den letzten Jahren so - grossartigen und noch fortschreitenden Ausbaues der Stadt - herrscht in keiner Saison Wohnungsmangel. - - =Aemter.= Bezirkshauptmannschaft (Neue Wiese, Nro. 578, II. - Stock). Bezirksgericht (Neue Wiese, Nro. 578, I. Stock), - Steuer- und Grundbuchs-Amt, Bürgermeisteramt (Stadthaus, - Mühlbadgasse Nro. 20). Polizeiamt (Stadthaus, II. Stock, Nro. - 4), Militär-Badehaus-Commando (Militär-Badehaus am Quai), - Notariat (Mühlbadgasse z. »Samson«). - -=Beschreibung und Geschichte der Stadt.= Die weltberühmte Curstadt -_Karlsbad_, oder _Kaiser-Karlsbad_ (Karlovy Vary, Thermae Carolinae), -in älteren Urkunden auch _Warmbad_, liegt unter 50° 13´ 22´´ nördl. -Breite, 30° 33´ 5´´ östl. Länge (östl. v. Ferro), 374·13 Meter über -der Meeresfläche zu beiden Seiten des engen Tepelthales malerisch -zwischen dem Hammerberge, dem Hirschenstein und dem Bernardsfelsen -am linken, dem Tappen- (oder Laurenz-), Buchen- und Galgenberge, am -rechten Ufer der Tepel, die sich unweit nördlich von der Stadt in -die Eger ergiesst. Die Stadt erstreckt sich in fast ununterbrochener -Häuserreihe von der Franz-Josef-(Eger-)Brücke bis zur protestantischen -Kirche, einer Wegstrecke von etwa 1 Stunde. Die meisten Häuser sind -2, auch 4 Stockwerke hoch und fast durchwegs mit Hausschildern -versehen. An vielen Stellen ist die Thalwand, an welche sich die -Häuser der Hauptstrasse lehnen, so steil, dass die Giebel die Felsen -berühren. Hie und da wurde der Granitfels hinweggesprengt, um Platz -für die Häuser zu gewinnen. Ausserhalb der Hauptstrasse sind die -Wohnungen einzeln oder in Gruppen auf den Absätzen und Terrassen der -beiden Thalwände hingestreut und mit freundlichen Gärten und Anlagen -umgeben; sie scheinen an den Wänden der Berge zu hängen. -- _Die -schönsten Stadttheile sind_: Die _alte Wiese_ mit dem daranstossenden -_Goetheplatze_ und das _Puppsche Etablissement_, die _Marienbader -Strasse_ mit der damit zusammenhängenden _neuen Wiese_ und dem Dr. -_Becherplatze_, ferner der _Marktplatz_, der _Schlossberg_, die -_Parkstrasse_ und die _Gartenzeile_. -- Alle Hauptstrassen haben sehr -gute Trottoirs und ein grosser Theil der Stadt ist gepflastert. Von -welcher Seite man auch die alte stolze Thermenstadt, von Natur und -Kunst reichlich geschmückt, betrachten mag, immer gewährt sie mit -ihren waldesgrünen Bergkuppen einen zaubervollen, köstlichen Anblick. --- Karlsbad zählt bei 12.000 Einwohner mit 900 Häusern, Curfrequenz -über 25.000 Personen im Jahre, wobei Passanten und Touristen nicht -mitgerechnet sind. Da die Stadt ihren Weltruf den Mineralquellen zu -verdanken hat, so wollen wir unsere Aufmerksamkeit in erster Reihe -diesen segenspendenden Heilquellen zuwenden, die sowohl innerlich -als auch äusserlich (als Bäder) angewendet werden. Karlsbad ist -der Hauptrepräsentant der alkalisch-salinischen Mineralquellen. -Das schwefelsaure Natron, kohlensaure Natron, Chlornatron und die -hohe Temperatur sind die Hauptfactoren der therapeutischen Wirkung -dieser Thermen. Die in Gebrauch stehenden Quellen differiren in -der Temperatur von 73·3° C. bis 21·5° C. Es gibt daher _heisse_, -_warme_ und _kühle Quellen_. Ihr Wasser ist klar und farblos, ohne -charakteristischen Geruch, von schwach salzigem Geschmack und wird -sofort ohne Widerwillen oder Ekel getrunken. Die _Bäder_ werden mit -oder ohne Zusatz in den städtischen, mit allem Comfort eingerichteten -Badehäusern verabreicht; daselbst finden sich auch _Dampfbäder_, -kalte und warme _Douchen_ (Mineraldouchen), _Süsswasserbäder_, ferner -_Moorbäder_ (der eisenreiche Franzensbader Moor aus dem eigenen Lager -der Stadt), _Eisenbäder_ aus der Karlsbader Eisenquelle, _kohlensaure -Wasser- und Gasbäder_ von dem sogenannten Sauerbrunn. _Ziegenmolken_ -werden an den Quellen verabreicht. -- Die _Mineralwässer_ sowie die -Quellenproducte (Sprudelsalz, Sprudelpastillen und Sprudelseife) können -bei allen Mineralwasser-Depôts des In- und Auslandes, in Karlsbad durch -die Karlsbader Mineralwasser-Versendung »Löbel Schottländer« bezogen -werden. Nach den Lehren der bedeutendsten Kliniker und den Erfahrungen -der Karlsbader Aerzte sind folgende Krankheiten als Heilobjecte für -Karlsbad anzusehen. Krankheiten des _Magens_: Chronischer Magenkatarrh, -Kardialgie (Magenschmerz), Magengeschwür, Dyspepsie, Magenerweiterung; -des _Darmes_: Chronischer Katarrh, chronische Diarrhöe, habituelle -Stuhlverstopfung, Duodenalgeschwür, Hämorrhoiden; der _Milz_: -Chronische Hyperämie, Milztumoren (nach Wechselfieber u. s. w., wie -sie bei Bewohnern von Sumpfgegenden und der heissen Zone auftreten); -der _Leber_: Hyperämie derselben, Fettleber, die heilbaren Formen des -Icterus (Gelbsucht), Hypertrophie, beginnende Speckleber, Gallensteine; -der _Nieren und Harnorgane_: Chronischer Katarrh derselben, Nieren- -und Harnsand, Nieren- und Blasensteine (sehr gerühmt als Nachcur nach -Blasenstein-Operationen), Albuminurie (wenn sie nicht die Folge von -Krankheiten ist, welche den Gebrauch von Karlsbad contraindiciren); -der _Prostata_: chronische Hyperämie in Folge venöser Stauungen -im Unterleibe, Hypertrophie der Prostata, chronischer Katarrh der -Gebärmutter, chronischer Uterusinfarct; _Gicht_: Skrophulose, Asthma, -wenn es nicht durch organische Veränderungen in der Lunge oder im -Herzen bedingt ist; _Fettleibigkeit_, Unterleibsplethora; _Diabetes -mellitus_ (Zuckerharnruhr). _Alle jene Krankheiten, welche als Folge -von Blutstockungen im Unterleibe auftreten_ (wenn diese nicht in -Aftergebilden, Veränderungen des Gefäss-Apparates u. s. w. begründet -sind), eignen sich in hervorragender Weise als Heilobjecte für -Karlsbads Thermen, welche die Darmthätigkeit anregen und die Defäcation -befördern. Diese Thermen wirken schmerz- und krampfstillend, sie -vermehren die Alkalescenz des Blutes und sind daher säuretilgend; -sie regen die Secretionen an (besonders die Gallensecretion und -Harnausscheidung), sie üben Einfluss auf die Absorption der Fettgebilde. - -Karlsbad hat 17 warme Mineralquellen, welche die Ausflüsse einer -einzigen grossen Wassermasse sind und auf dem von der Stadt bedeckten -Raume entspringen. 1. Der _Sprudel_, am rechten Ufer der Tepel, mitten -in der Stadt, dem Marktplatze gegenüber, ist von allen Quellen die -älteste, berühmteste, wirksamste und ergiebigste und zeichnet sich -durch seine hohe Temperatur (58·2° R.) aus. »Er steigt in kurzen -brausenden Stössen schäumend durch eine zwei Klafter lange und 5 -Zoll breite hölzerne Röhre, welche unmittelbar in die Sprudelschale -senkrecht eingelegt ist, aus dem in der Tiefe befindlichen grossen -Reservoir von Thermalwasser einige Schuh hoch empor und fällt in -ein weites Becken herab, von wo aus sein Wasser durch den unteren -Sprudelraum theils in die Sprudelsalz-Erzeugungs-Anstalt, theils in die -Badehäuser, theils in Rinnen in die Tepl abfliesst. Das abfliessende -Sprudelwasser ist noch so heiss, dass Eier in demselben gesotten -werden können. 1879 wurde eine neue, prachtvolle, in Eisen construirte -_Colonnade_ und _Quellenhalle_ nach Plänen der Wiener Architekten -_Fellner_ und _Hellmer_ vom Fürst Salm'schen Eisenwerke in Blansko -mit einem Kostenaufwande von 240.000 fl. erbaut. Diese Colonnade -repräsentirt einen in seiner Art einzig dastehenden Prachtbau, bei -welchem sowohl geniale Construction, wie Anwendung bedeutender -architektonischer Decoration bei Eisenbauten auf das Sprechendste zur -Geltung kamen.« Diesem Gebäude schliesst sich das Sprudelbadehaus mit -26 Badelogen an. 2. Die _Hygieensquelle_ (58·2° R.), in der Nähe des -Sprudels. Im Pavillon dieser Quelle steht die _Hygea-Statue_, ein Werk -des berühmten Bildhauers _Fernkorn_. 3. Der Sprudelsäuerling (25° -R.) in der Nische der Sprudelhalle; die folgenden Quellen befinden -sich am linken Teplufer, u. zw. 4. die Kaiser _Karls_ IV. Quelle -(34·7° R.); 5. der _Marktbrunn_, beide am Marktplatze; der Reihe nach -stromabwärts folgen: 6. der _Mühlbrunn_, am Ende der Mühlbadgasse, -wurde neu überbaut und mit der im J. 1876 (nach dem Plane von Prof. -_Zitek_ aus Prag) vollendeten griechischen _Säulenhalle_, der sog. -_neuen Mühlbrunnencolonnade_ verbunden. Dieselbe ist ein monumentaler -Prachtbau, aus Stein gehauen, und kostete 680.000 fl. 7. Der _Neubrunn_ -(49·3° R.), 8. Der _Bernardsbrunn_, 9. die _Elisabethquelle_ (35·5° -R.), 10. die _Felsenquelle_, am Fusse des Bernhardsfelsens (47·6° -R.), 11. der _Curhausbrunn_ (52·2° R.), vor dem Curhaus, 12. die -Dr. _Hochbergerquelle_ (32·50° R.) im Militärbadehause, 13. der -_Kaiserbrunn_ (39·3° R.) im Militärbadehause, 14. die _Spitalquelle_ -(28° R.) hinter dem Fremdenspital, 15. der _Theresienbrunn_ (48·3° R.) -oberhalb der Colonnade, hat seinen Namen von der grossen Kaiserin Maria -Theresia; rechts davon das _Körner-Denkmal_; 16. der _Schlossbrunn_ -(44·6° R.) am Schlossberg, 17. die _Quelle zur russischen Krone_ (28° -R.) am Schlossplatz, ist nicht kunstgemäss gefasst. - -Sind auch die Heilquellen die Haupteinnahmsquellen der Bewohner -Karlsbads, so betreiben letztere auch Industrie, die wegen ihrer -Eigenthümlichkeit »_Karlsbader Industrie_« genannt wird. Zu dieser -gehört die Erzeugung mannigfacher Gegenstände aus Stahl in Verbindung -mit Sprudelstein, so namentlich: Federmesser, Vorstecknadeln, -Portmonnais, Cigarrentaschen, Briefbeschwerer u. s. w.; doch werden -die Sprudelsteine auch zu selbstständigen Gegenständen verarbeitet. -Weitere Industriezweige sind: die Nadlerei, die Dosenerzeugung aus -Papiermaché, die Zinngiesserei, die Galanterietischlerei und neuestens -die Fabrication von Blumenbouquets. - -=Sehenswürdigkeiten.= _Kirchen und Andachtsstätten_: Die _St. -Magdalenenkirche_ oder _Dechanteikirche_ (auf dem Kirchenplatz) wurde -von dem böhmischen Baumeister _Dienzenhofer_ in den Jahren 1732--1736 -auf Kosten des Kreuzherren-Ordens und mittelst einer Schenkung Kaiser -Karls VI. von 1000 Ducaten an Stelle der schon seit 1485 bestandenen -alten Kirche erbaut. Sie besitzt zwei schöne Altarbilder (Maria -Magdalena und Christus am Kreuz) und eine Orgel mit 28 Registern. --- Die _Kirche zum hl. Andreas_ (in der Andreasgasse) mit einem -werthvollen, dem berühmten _Leonardo da Vinci_ zugeschriebenen -_Altarbild_, darstellend den hl. Andreas. Auf dem bei dieser Kirche -befindlichen _Gottesacker_ stehen mehrere denkwürdige _Grabsteine_, -von denen wir das Grabmal des um Karlsbad hochverdienten _Dr. David -Becher_ (geb. zu Karlsbad 1705, gest. 1792) und das des _Musikers -und Componisten Wolfgang Amadeus Mozart_ (gest. am 30. Juli 1844), -des zweiten Sohnes unseres unsterblichen Mozart, hervorheben. -- Die -_Marienkapelle_ (hinter der alten Wiese am Waldessaum), errichtet -1700 vom Grafen Sternberg. -- Die _protestantische Kirche_ und das -_griechische Bethaus_ (in der Marienbader Strasse). Die _anglikanische -Kirche_ (am Ende der Schlossbergstrasse). Die neue _Synagoge_ (in der -Parkstrasse) in schönem maurisch-romanischen Style gebaut. Der Bau -derselben begann 1876 und wurde 1878 nach dem vom Baurathe _Wolf_ aus -Stuttgart gefertigten Plane vollendet. - -=Oeffentliche Gebäude=: _Stadthaus_, bis vor kurzem Mühlbadgebäude -genannt (in der Mühlbadgasse). Das älteste städtische Gebäude ist wohl -der hoch über den Häusern des Marktplatzes emporragende _Stadtthurm_, -welcher um 1608 auf den Trümmern des alten, durch Kaiser Karl IV. -erbauten Jagdschlosses errichtet worden ist. Das _Bezirksamtsgebäude_, -das _Post-_ und _Telegraphenamt_, das _Hauptzollamtsgebäude_ (wurden -schon an anderen Stellen erwähnt). Das _Theater_ (an der neuen Wiese). -Die _Volksschule_ (in der Schulgasse). Die _zweite Volksschule_ -(an der Egerstrasse). Die _Bürgerschule_ (am Schillerplatze). Die -_Sprudelcolonnade_ und die _Mühlbrunnencolonnade_ (wurden bereits -an anderer Stelle erwähnt). Die _Marktbrunnhalle_. Die _Trinkhalle_ -am Schlossbrunnen. Das grossartige _Curhaus_ mit 75 Badelogen, 8 -Moor-, 3 Voll-, 2 russischen Dampf- und 2 Douchebädern. Das 1880 dem -Curhause gegenüber erbaute _Neubad_. Das _Militär-Badehaus_ (am Quai) -mit sehenswerther _Kapelle_ und sehenswerthem _Speisesaale_. Erstere -enthält sehr schöne Freskomalereien von dem bekannten Historienmaler -_Kandler_ und ein Crucifix mit zwei betenden Engeln aus carrarischem -Marmor von dem Bildhauer _Wenzel Lewy_ in Rom; im Speisesaal ziehen -das Bildniss Sr. k. k. apostol. Majestät Franz Josef I., ferner ein -grosses Oelgemälde von _Kandler_, die Entdeckung Karlsbads vorstellend, -dann schöne, auf Oesterreichs Heer sich beziehende Fresken unsere -Aufmerksamkeit auf sich. Das _Fremden-Hospital_ (am Quai). - -»Die früheste Geschichte der Stadt Karlsbad liegt grossentheils im -Dunkel. Aelter als alle Geschichte überhaupt sind die heissen Quellen -selbst. Sie haben vor undenklichen Zeiten durch den Kalksinter, den -sie noch jetzt fortwährend absetzen, den Grund und Boden, die sog. -Sprudelschale, gebaut, auf welcher nachmals die Stadt gegründet worden -ist, und über welche zum Theil die Tepel hinfliesst. Ehe dieses -steinerne Gewölbe entstand, vermischte sich das heisse Wasser der -Quellen mit den Fluthen der Tepel und theilte dieser, sowie der Eger, -in die sie ausfliesst, einen hohen Wärmegrad mit.« - -Der uralten Sage nach wurde der Sprudel durch Kaiser Karl IV. auf einer -Hirschjagd entdeckt. Die Sage berichtet, dass der Kaiser mit seinem -Gefolge einst in den damals dicht bewaldeten Bergen gejagt und einen -Hirschen verfolgt habe. Dieser sei von dem später durch den Namen -»Hirschensprung oder Hirschenstein« verewigten Felsen in das Thal -hinabgesprungen, wohin ihm einer der Jagdhunde folgte, der sich im -heissen Quellwasser die Füsse verbrannt, durch sein Geheul die Jäger -herbeigelockt und dadurch die Entdeckung des Sprudels veranlasst haben -soll. Der Kaiser selbst soll dann das Wasser auf Anordnung seines -Leibarztes P. Bayer gegen ein Uebel an seinem Fusse gebraucht und -1364 eine Stadt am Fusse des Berges und ein Schloss am Abhange des -Hirschensteines erbaut und dadurch die Entstehung des Ortes Karlsbad -herbeigeführt haben. Jedoch sprechen ausser allgemeinen Gründen -und Beweisen auch urkundliche und historisch beglaubigte Zeugnisse -dafür, _dass der Curort im XIII. Jahrhundert schon bestand_ und -wahrscheinlich zu Ende des XII. oder zum Beginn des XIII. Jahrhunderts -durch eine Colonie der Bewohner aus der nächsten Umgebung gegründet -worden ist. Schon im IX. Jahrhundert war die Umgegend bewohnt, -und hatten namentlich die Markgrafen von Vohburg das benachbarte -Stein-Elbogen gegründet. Da der Dampf der Quellen, besonders bei -kalter Witterung, weithin sichtbar ist, so mussten diese schon damals -bekannt gewesen sein. Auf einer zu Anfang des XIII. Jahrhunderts von -dem Geschichtsforscher Gelasius Dobner entworfenen Landkarte von Böhmen -findet sich genau an der Stelle des heutigen Karlsbad der Ort _Wary_ -vor, welche czechische Benennung so viel wie »Warmbad« bedeutet, unter -welchem Namen Karlsbad noch im Mittelalter vielfach selbst urkundlich -genannt wird. - -Den schlagendsten Beweis aber, dass Karlsbad mindestens ein Jahrhundert -vor Kaiser Karl IV. in seinen ersten Anfängen schon existiert haben -muss, liefert König Johann's Privilegium oder vielmehr Breve testatum -vom Jahre 1325, mittelst welchem König Johann, der Vater Karl's IV., -Warmbad (Karlsbad) mit dem nahen Dorfe Thiergarten belehnt. Kaiser Karl -IV. ist sonach weder der Entdecker noch der Begründer, sondern der -_Mäcenas_ von Karlsbad, der daselbst wiederholt sich aufhielt. Er erhob -mittelst Privileg vom 14. August 1370 aus Nürnberg Warmbad zur Stadt, -verlieh ihr den Namen Karlsbad und dieselben Freiheiten und Rechte -wie den Bürgern von Elbogen. Karlsbad nahm durch Karl IV., seinen -grössten Wohlthäter, einen höheren Aufschwung als Kurort. 1401 verlieh -König Wenzel IV. der Stadt noch das Asylrecht. Im Jahre 1434 wurde -durch Kaiser Sigmund die Herrschaft Elbogen nebst dem dazu gehörigen -Karlsbad an den Grafen Caspar Schlick und von den Erben des Letzteren -das Schloss »Warry« an den Ritter Polacky verpfändet; doch mussten in -Folge ausgebrochener Streitigkeiten die Schlicke dem Ritter Polacky -sein Pfandrecht auf das Schloss »Warry« wieder ablösen. Als sich Graf -Hieronymus Schlick die verpfändeten Güter 1547 an Kaiser Ferdinand I. -zurückzugeben genöthigt sah, kam auch Karlsbad wieder an die Krone -Böhmens zurück. Später wurde die Stadt wieder verpfändet. - -Das _erste_ schriftliche Zeugnis über die grosse Heilkraft dieser -Thermen liefert der Dichter _Bohuslav von Lobkowitz_ in seiner schönen -lateinischen Ode: In thermas Caroli IV., die er vor dem Jahre 1510 -verfasste. Bis zum Jahre 1520 hat man die Karlsbader Quellen nur zu -Bädern benützt. Um diese Zeit führte man auf Anrathen des Dr. _Payer_, -der i. J. 1522 die _erste_ medicinische Abhandlung über Karlsbad -erscheinen liess, auch die _Trink-Kuren ein_. Die erste richtige -_physikalisch-chemische_ Untersuchung der Karlsbader Mineral-Quellen -wurde durch den berühmten Dr. _David Becher_ i. J. 1766 angestellt. -Obgleich die Stadt von mancherlei Unglücksfällen betroffen wurde -- wir -nennen blos die grosse Überschwemmung i. J. 1582 und die schreckliche -Feuersbrunst am 13. August 1604, wodurch die Stadt bis auf drei -Häuser zerstört wurde -- so steigerte sich ihr Wohlstand derartig, -dass sie benachbarte Herrschaften kaufen konnte. Im Jahre 1554 wurden -die Bewohner von Karlsbad lutherisch und blieben es, bis der letzte -Pastor Johann Rebhun am 24. August 1628 mit allen Einwohnern, welche -nicht zur katholischen Lehre zurückkehren wollten, die Stadt verlassen -musste. Der unheilvolle dreissigjährige Krieg verschonte auch Karlsbad -nicht, das viel durch Einquartierungen, Brandschatzungen u. dgl. zu -leiden hatte. Erwähnenswerth ist, dass Kaiser Josef I. i. J. 1707 -Karlsbad zu einer königlichen freien Stadt erhob, und dass Kaiser -Karl VI. bei seinem Aufenthalte in der Stadt 1732 der Bürgerschaft -15.000 fl. Quartiergeld und 1000 Ducaten zum Baue einer neuen Kirche -schenkte. Trotz aller Drangsale, die Karlsbad seit der zweiten Hälfte -des 18. Jahrhunderts theils durch Ueberschwemmungen (1735, 1784, -1806, 1821, 1867, 1870, 1872 und 1876), theils durch Kriegsereignisse -(1741 und 1742, 1757 und 1762, 1809 und 1813, 1866), theils durch -Sprudelausbrüche (1713, 1727, 1824, 1832, 1834, 1835, 1838, 1845, 1855, -1856 und 1878), theils durch Brände (1759) betroffen, blühte die Stadt -durch immer grössere Frequenz, sowie durch treffliche Einrichtungen -und Entdeckungen zu einem weltberühmten Heilbade empor. Karlsbad -war noch im Jahre 1650 ein kleines Landstädtchen mit Holzhäusern -und Riegelwandgebäuden; erst seit dem Jahre 1827 zeigte sich das -Streben, die Stadt zu verschönern. Wahrhaft _Grossartiges_ geschah in -dieser Beziehung in den letzten Jahren; denn _Karlsbad ist jetzt eine -Stadt von Palästen_. Es ist, wie Dr. _Eduard Hlawaček_, der überaus -verdienstvolle Schriftsteller über Karlsbad, ganz zutreffend bemerkt, -gegenwärtig sowohl in Betreff seiner Trink- und Badeanstalten, als -auch der Wohngebäude, öffentlichen Promenaden und Belustigungslocale -unstreitig einer der grössten und comfortabelsten Trink- und Badeorte, -und sein Ruf als _Heilort_ ist nicht bloss ein europäischer, sondern -ein fast über die bekannte Erde verbreiteter. Karlsbad wird daher oft -die _Königin_ der Curorte genannt, eine Benennung, die es nicht bloss -wegen der Ausdehnung der Stadt, der grossen Frequenz, besonders auch -wegen der Schönheit und Mannigfaltigkeit der Umgebungen, vor allem -aber wegen der unbestrittenen grossen Heilkraft seiner Quellen und des -imposanten Naturschauspieles seines heissen Sprudels wohl mit Recht -verdient! -- Es ist das »Nobelbad« par excellence; als solches zählte -es von jeher unter seinen Curgästen nicht nur _gekrönte_ Häupter, -sondern auch Minister und Feldherren, Dichter, Künstler und Gelehrte -oder sonst wie hervorragende Persönlichkeiten. Wir nennen nur: Czar -Peter den Grossen, Kaiser Karl VI., Kaiser Josef II., Kaiserin Maria -Ludovika, Kaiser Franz I. von Oesterreich mit seiner Tochter, Königin -Maria Louise von Frankreich, König Friedrich Wilhelm III., König -Wilhelm von Preussen, jetzigen Kaiser von Deutschland, das Kaiserpaar -von Brasilien; Bohuslaw von Lobkowitz, Ferdinand, Erzherzog von -Oesterreich mit seiner Gemahlin, der »schönen Welserin«; Albrecht von -Waldstein, Prinz Eugen, Laudon, Fürst Karl Schwarzenberg und Fürst -Blücher; Gellert, Herder, Goethe, Schiller, Theodor Körner; Beethoven, -den Violinvirtuosen Polledro; Fürst Metternich. -- (Aus neuer und -neuester Zeit) Laube, Geibel, Auerbach, Ad. Stifter, K. E. Ebert, Fr. -Halm, Erzbischof Pyrker, David Strauss; Fürst Bismarck und Moltke. -Mit Recht sagt der Schriftsteller _Anton August Naaff_: »In und um -Karlsbad ist fast jedes Fleckchen Erde historisch, und selten hat die -politische, die Cultur- und Personalgeschichte an einem anderen Orte -so viele und grosse Merkzeichen ihres Waltens eingeschrieben, wie -bei Karlsbad. Auf Schritt und Tritt stossen wir auf die Spuren eines -grossen Namens der berühmtesten Männer ihrer Zeit.« - -Karlsbad ist der Geburtsort folgender hervorragender Männer: - -_Fabian Summer_, Dr. der Medicin. Dr. _David Becher_, Karlsbader -Hippokrates genannt. (Schon erwähnt.) _Leopold Stöhr_, geb. den 22. -Mai 1769, gest. am 26. März 1834 als Dechant zu Karlsbad, verdient mit -vollem Rechte den Namen des »Historiographen« von Karlsbad. _Franz -Pittrof_, geb. 1738 und starb als Grossmeister des Kreuzherrenordens -zu Prag. Der Thiermaler _Peter_, geb. 1745, gest. 1829 zu Rom. -Der Musikdirector _Josef Labitzky_. Der Orientalist Dr. _August -Pfitzmeier_, geb. 16. März 1808. Dr. _Eduard Hlawaczek_ (gest. 1880). -Dr. _Anton Bermann_ (gest. 1878). Dr. _Franz Damm_ (gest. 1870) u. a. m. - - -Spaziergänge: - -Die Umgebung von Karlsbad, eine wahrhaft romantische, paradiesische -Gebirgsgegend, besitzt zahlreiche, vortrefflich angelegte Spaziergänge -mit schönen abwechslungsvollen Aussichtspunkten, geschmackvollen -Monumenten, Gedächtniss- und Ruheplätzen und gleicht einem -prachtvollen, im grossartigen Style angelegten englischen Parke. - -1. Die _*alte Wiese_ mit dem Marktplatze. Den Marktplatz zum -Ausgangspunkte nehmend, gehen wir auf der _alten Wiese_ entweder -im Schatten der Kastanienbäume auf dem schönen, glasbedeckten -Steinfusssteige vor den Boutiquen, oder an der Häuserreihe auf -ebenfalls sehr gutem Steinfusssteige bis zur Allee hinter dem -böhmischen Saale auf und ab. _Dieser Spaziergang gewährt unstreitig -die meiste, abwechslungsvollste Unterhaltung._ Zu beiden Seiten _viele_ -Kaufläden mit den _verschiedensten_ Artikeln aus der Heimat und -fremden, fernen Ländern; weshalb dieser Stadttheil den vollberechtigten -Namen »_Bazar_ von Karlsbad« verdient. Ueberdies versammelt sich hier -das Publikum zweimal des Tages (Vormittags nach dem Brunn, Abends -zwischen 6 und 9 Uhr) und spielt das Labitzky'sche Musikchor öffentlich -in der Woche: Sonntag, Dienstag und Donnerstag Nachmittags von 4 bis -6 Uhr auf dem Platze vor dem Pupp'schen (früher _böhmischen_ Saal -genannt) und Mittwoch und Freitag (im Hochsommer) Abends von ½8 bis -9 Uhr auf dem Götheplatze vor dem sächsischen Saale die herrlichsten -Weisen. Die Wiese kann also in dieser Beziehung auch »der _Salon_ von -Karlsbad« genannt werden. - -2. _Zum *Posthof_ (½ St.), _Freundschaftssaal_ (¾ St.) und -_Kaiserpark_. Dies ist der _angenehmste, daher auch der besuchteste -Spaziergang_, weil er ohne Steigung auszuführen ist und prachtvolle -Landschaftsbilder bietet. Am Ende der alten Wiese wandelt man, -Pupp's grossartiges Etablissement rechts lassend, in die _Pupp'sche -Allee_, der sich der sehr belebte _Kiesweg_ anschliesst. Dieser -erstreckt sich bis zur Karlsbrücke und ist rechts von Felswänden, -die mit Inschriften bedeckt sind, begrenzt. Ueber einer Felsengrotte -erhebt sich der _Rasumovska-Sitz_, links dicht am jenseitigen Ufer -bemerkt man einen _Wasserthurm_; eine kurze Strecke weiter gelangt -man rechts auf einer kleinen Erhöhung zu einem mit einem Eisentisch -und Eisenbänken ausgestatteten Plätzchen, dem _Fürst Rohan-Sitz_. -Gleich daneben der _Kaiserin-Sitz_, dem Andenken der Kaiserin Maria -Ludovika (1810) gewidmet. Nicht weit davon gelangt man zur Restauration -»_Sanssouci_«. Wir schreiten weiter und sehen auf einem Felsvorsprunge -den _Paulinen-Sitz_. Von hier Anblick in das enge Teplthal. Die -_Karlsbrücke_ links lassend, wandeln wir eine kleine Viertelstunde -weit und langen am _Posthofe_, einer Restauration mit schönen -Gartenanlagen an, wo Montag und Freitag Nachmittags von 4--6 Uhr das -Labitzky'sche Orchester spielt. Vom Posthofe aus führt etwas bergan -eine Obstallee zum Fürst _Schwarzenberg-Denkmal_, einem, dem berühmten -Sieger bei Leipzig errichteten Obelisk. Weiter die Fahrstrasse -entlang wandernd, zeigt sich _links_ die sogen. _Plobenbrücke_, nach -dem _Plobenberg_ führend, _rechts_ die _Antonsruh_ und dann der -sehr beliebte _Freundschaftssaal_ (Restauration und Café). Davon in -geringer Entfernung liegt der _Sitz der Freude_. Wir gehen über den -Steg an das jenseitige Flussufer und gelangen, die Strasse verfolgend, -nach ¼ Stunde zu der herrlich gelegenen und elegant eingerichteten -Café-Restauration, welche _Kaiserpark_ heisst. - -3. _Nach dem *Hirschensprung._ Vom Markte aus gelangt man einige -Schritte hinter dem Schlossbrunn links über einige Stufen in die -Hirschensprunggasse. Am Ende der Häuser führt neben dem Hause »Zur -Zufriedenheit« der Weg. An der zweiten Krümmung sind drei Wege: -_rechts_ der _Jubiläumsweg_, der zu dem einsamen Plätzchen: »_Himmel -auf Erden_« führt, der _mittlere_ leitet uns zur _Gemse_, weiter zu -_Mayers Gloriett_; _links_ steigen wir in einigen Windungen auf den -Bergrücken des _Hirschensprunges_, dessen äusserste Spitze mit einem -Kreuze geziert ist. Hier _wunderschöne Aussicht_ auf den grössten Theil -der Stadt, den Helenenhof, die Prager Kunststrasse, den Dreikreuzberg, -sowie auf das Erzgebirge und in's Egerthal. An der Rückseite des -Felsens ist eine schwarze Marmorplatte eingemauert, auf welcher mit -goldenen Buchstaben die Namen jener Notabilitäten prangen, die Karlsbad -besucht haben. Oberhalb der Inschrift _Peters des Grossen_ ist dessen -Büste aufgestellt, gemeisselt und der Stadt geschenkt von dem Bildhauer -Prof. Seidan aus Prag. Das Plätzchen vor der Marmortafel heisst auch -_Petershöhe_. Etwas tiefer gewahren wir eine Steinpyramide mit einem -Plätzchen, der _Theresienhöhe_. - -4. _Zum Findlaters- oder Mylords-Tempel._ Ausgangspunkt wie in Nr. -3. Von der Hirschensprunggasse aus betreten wir den sog. _neuen Weg_ -hinter den Häusern der alten Wiese und kommen zu einem, mit einem -_Kreuze_ geschmückten _Felsenvorsprung_, der einen guten Ueberblick -der alten Wiese bietet. Gleich daneben stehen an einer Felswand die -Worte: »Plus être que paraître«; das Plätzchen heisst _Mariannen-Ruhe_. -Der breite Fussweg rechts, der _Buturlin-Weg_ genannt, führt uns im -Walde bergan zur _Hammerkapelle_. Hier steht ein _Wegweiser_ zur -Orientirung. Wir betreten den nach dem _Findlaters-Tempel_ zeigenden -Arm und langen in wenigen Minuten daselbst an, wo wir in das Hammerthal -auf die Anlagen des Kaiserparkes blicken. Von dem Tempel führt ein Weg -in Windungen bergab unmittelbar zum Freundschaftssaal; wir können aber -auch, um zur Stadt zurückzukehren, den geraden Weg fortsetzen und dann -den _Chotek_schen Weg einschlagen. - -5. _Die Vieruhrpromenade._ Am Ende des Kiesweges (siehe 2) wenden -wir uns _rechts_ und betreten genannte Promenade. Wir gelangen zu -einem Plätzchen, _dem Fürstinnenstein_, dann nach ¼ Stunde zur sogen. -_Dichterbank_; in nächster Nähe Theilung des Weges. Der _rechte_ Arm -leitet nach dem Findlaters-Tempel, der _linke_ bergab zu der schönen, -nahe an der Strasse gelegenen _Stahls-Buche_. Auf der Fahrstrasse zur -Stadt zurück. - -6. _Zur *Freundschafts-Anhöhe_ und zum Friedrich Wilhelm-Platze. Den -Schlossberg hinansteigend, verfolgt man die Hauptstrasse bis zum -_Jägerhause Kaiser Karl's_ IV. _Vor_ dem Hause schlagen wir den _links_ -bergab leitenden Fussweg ein und kommen zur _Findlaters-Pyramide_ -mit schöner Aussicht in's Teplthal und nach dem Erzgebirge. -Unterhalb dieser Pyramide ist das _Helenen_-Plätzchen. Auf dem -weiter bergan führenden Weg langen wir in Schlangenwindungen bei der -_Freundschaftshöhe_ an, wo wir eine _schöne_ Aussicht auf einen Theil -der Stadt, das Egergebiet und das Erzgebirge geniessen. Weiter bergan -erreicht man die _Vogelhütte_. Von der Freundschaftshöhe immer _links_ -bergab schreitend, erreichen wir den _Friedrich Wilhelm-Platz_, wo wir -eine der _schönsten Hauptansichten_ von Karlsbad haben. Abstieg in -mehreren Wegschlingungen zur _Marienkapelle_. - -7. _Zum *Belvedere._ Durch das Marien-Gässchen zum Friedrich -Wilhelm-Platz steigen wir dann bergan, wenden uns auf dem Wege des -Bergrückens rechts, gehen bei der _Durchhaubank_ vorbei, nehmen stets -die _linke_ Wegrichtung und gelangen zum _Katharinen-Plätzchen_. Den -Weg fortsetzend, schlagen wir bei der Wegkreuzung den Pfad _links_ ein, -der uns in einigen Minuten zum _Belvedere_ führt, wo wir eine _schöne -Aussicht_ auf das Teplthal, den Freundschaftssaal und auf die Ruinen -von Engelhaus geniessen. Ein schöner Waldweg leitet uns in vielen -Krümmungen in ¼ Stunde zurück auf den _Faulenzerweg_ und dieser führt -auf die Marienbader Strasse. - -8. _Zur *Kaiser Franz-Josefs-Höhe._ Den Weg der vorhergehenden -Promenade einschlagend, gelangen wir zur _Marienkapelle_; einige -Schritte weiter geht rechts bergan ein Weg, der sich theilt; wir wählen -den _linken_ Arm und kommen zu einer merkwürdigen, interessanten -Vegetationserscheinung, der sog. _Buchen- und Tannenehe_. (Durch den -Stamm einer Tanne ist der Ast einer nahen Buche gewachsen.) Wir kehren -zur Marienkapelle zurück, steigen von hier, uns immer links haltend, -bergan und sehen die Hammerkapelle, wo wir links einem bequemen Weg -folgen, der uns aufwärts auf den höchsten Punkt des Hammerberges -führt. Dieser Platz, der zu Ehren des Kaisers von Oesterreich _Franz -Josefs-Höhe_ genannt wurde, ist mit einem schönen Gloriett geschmückt -und gewährt unstreitig die _prachtvollste und mannigfaltigste Aussicht -in der ganzen Karlsbader Umgegend_; denn man blickt in ein nach -Hammer reichendes, mit bewaldeten Bergen begrenztes Thal, geniesst -einen Ueberblick über den _grössten_ Theil der Stadt und sieht das -ferne Erzgebirge. Abstieg auf der anderen Seite des Hammerberges; wir -verfolgen den Pfad zum Findlaters-Tempel, von wo wir bereits bekannte -Wege betreten können, oder wenden uns zuerst nach links, dann wieder -nach rechts und erreichen den _Parnassfels_. Von hier gelangen wir -rechts zum _Sommertheater_, zur _Wanderersäule_ und zur Restauration -Sanssouci. - -9. _Zum *Aberg_ (1½ St.). Beginn der Promenade über den Schlossberg -oder durch das Mariengässchen nach dem Friedrich Wilhelm-Platz und -dem Katharinen-Plätzchen (siehe 7). Wir schlagen bei der Wegkreuzung -den _rechts_ zum _Bilde_ führenden Weg ein, wandeln geradeaus etwa ¼ -Stunde weiter und erreichen den _Aberg_ mit einem Thurme, der eine -_der schönsten Rundansichten_ bietet (über die Karlsbader Berge, -das Erzgebirge mit Sonnenwirbel, Engelhaus, Maria-Kulm und viele -Ortschaften der Umgebung). Von hier führt ein Fussweg in ¼ St. zur -_Ziegelhütte_ herab. Wir setzen den Weg fort, bemerken eine Kapelle, -hinter der sich (etwa 40 Schritte) die Ruinen der Kirche des ehemaligen -Dorfes _Thiergarten_ befinden, dessen Bewohner wahrscheinlich die -ersten Ansiedler von Karlsbad waren. Wir kommen dann zu einer Fichte -(mit »_Echo_« markirt), wo ein 4- bis 5-silbiges Echo zu vernehmen ist, -endlich zum Jägerhaus Kaiser Karls IV. - -10. _Nach dem Russelsitz._ Wir betreten den 9. beschriebenen _Rückweg_ -zur Stadt und wandern an der Kegelbahn beim Kaiser Karl's IV. Jägerhaus -vorbei in den Wald, oder wir wählen den Weg nach der Restauration -»_Klein-Versailles_«, gehen auf dem linken Fusswege am Waldessaume, -betreten dann den links leitenden Waldweg, kommen zu einer Lichtung und -erreichen von da links aufwärts in circa 18 Minuten den _Russelsitz_ -mit _schöner_ Aussicht auf das Erzgebirge. Von diesem Plätzchen uns -links wendend, kommen wir in ¼ Stunde auf den schon bekannten Abergweg. - -11. Zum _*Maria-Sophienweg_, _weissen Kreuze_ und _Schützenpark_ oder -zum _Kreuz_ im _Walde_ (_Rohankreuz_). Ueber den Schlossberg oder -durch die Parkstrasse hinter dem Militärbadehause auf den Weg nach: -_Klein-Versailles._ Diese Restauration rechts lassend, schreiten wir -links am Waldsaume fort, gehen durch Wiesengründe, betreten den rechts -in den Wald biegenden _Maria-Sophienweg_ und kommen in einigen Minuten -zum sog. _weissen Kreuze_, einer Felsengruppe mit einem Kreuze, von wo -eine _schöne_ Aussicht sich erschliesst. Den Weg fortsetzend, verfolgen -wir eine kurze Strecke einen Waldfahrweg, schlagen hierauf zuerst eine -_linke_, dann eine rechte Richtung ein und bemerken _plötzlich_ eine -prachtvolle Scenerie: das _schöne, weite Egerthal_. Vom Bergrücken -absteigend, gelangen wir auf die Bahnhofstrasse und promeniren, diese -überschreitend, auf dem Allee-Wege, der zum _Schützenparke_ führt. -Durch die _Gartenzeile_ treten wir den Rückweg zur Stadt an. -- Lenken -wir auf dem »vom weissen Kreuze« betretenen Fahrweg nach _rechts_ ab, -so kommen wir, nach kurzer Strecke uns wieder links abwendend, zu _dem -Kreuz im Walde_ oder zur _Fürst Rohan's Höhe_, wo wir eine _herrliche -Aussicht_ geniessen. Dieselbe Strecke ist auch rückwärts zurückzulegen. - -12. _Zur *Stephanshöhe_, _zum Panorama_, _zur Villa Lützow_, _zur -Statue Karl's_ IV. und _nach dem Bellevue-Tempel_. Vom Kirchenplatze -aus durch die Schulgasse erreichen wir nach sanftem Aufstieg bald -die _Stephanshöhe_, so genannt zu Ehren des Erzherzogs _Stephan_. -_Schöne_ Aussicht auf den grössten Theil der Stadt. Auf dem Fusswege -links kommen wir zum _Panorama_, einem sehr besuchten Restaurations- -und Belustigungsorte mit _prachtvoller_ Aussicht auf die Stadt. Vor -demselben ist die _Villa Lützow_. Dieser gegenüber erhebt sich im -_Stadtgarten_ eine Säule mit der _Statue Kaiser Karl's_ IV., errichtet -zur 500jährigen Feier der Gründung von Karlsbad (Sept. 1858). Vom -Panorama aus wandern wir eine Strecke auf der Prager Strasse und -schlagen dann den Weg rechts ein, der zur Restauration »_Waldschloss_« -führt. Von hier aus gehen wir oberhalb der Strasse im Walde nach dem -_Bellevue-Tempel_, der einen _wunderschönen_ Anblick namentlich beim -Sonnenuntergang gewährt. - -13. _Zur *Camera obscura, zum Dreikreuzberg und zur König Otto's -Höhe._ Ausgangspuncte: die Schulgasse über das Panorama, oder die -Andreasgasse, oder die Eger- und dann Prager Strasse. Der links bergan -meist durch Buchenwald leitende Weg bringt uns nach etwa ½ Stunde -zur _Camera obscura_, von wo wir eine _herrliche_ Aussicht auf das -Egerthal und die Stadt haben. Weiter hinauf führt der Weg in 5 Minuten -zum _Dreikreuzberg_. Derselbe ist zweifelsohne nebst der Franz Josef's -Höhe der _herrlichste_ Aussichtspunct von Karlsbad. Vor uns liegt die -Stadt mit ihren Palästen, zur rechten breitet sich das flurenreiche, -mit blühenden Ortschaften dicht besäete Egerthal aus, durchzogen von -dem Silberbande der Eger; im Hintergründe zeigen sich die Anfänge des -Fichtelgebirges und die schlanken Thürme von Maria Kulm; seitwärts -ragt der Gebirgswall des waldgekrönten Erzgebirges empor! Fürwahr ein -zaubervolles Bild, das sich dem Auge hier entrollt! Durch den Wald -weiter bergan erreichen wir die _König Otto's-Höhe_ mit gleichfalls -_überaus herrlicher Rundaussicht_. - -14. _Zu *dem Dorotheentempel, Böhmischen Sitz, Wiener Sitz, Helenenhof -und zur Laurenz-Kapelle._ Ausgangspunct: die Marienbader Strasse. -Unweit der protestantischen Kirche befindet sich eine steile Felswand -mit Inschriften. Wir schreiten etwa 15 Schritte vorwärts, drehen uns -um und geniessen den Anblick einer wirklich _malerischen Landschaft_; -wie denn diese Gegend, die _Dorotheenau_, schöne Landschaftsbilder -darbietet. Den von der _Karls_brücke aufwärts führenden Weg wählend, -kommen wir zum _Dorotheentempel_, von da weiter links bergan steigend -zum _Böhmischen Sitz_. Von hier aus steigt der Weg immer höher am Berge -hinauf und theilt sich oben; links führt er zur _Laurenzkapelle_, -_rechts_ bis zur Anhöhe hinauf zum _Wiener Sitz_, wo wir eine -_wunderschöne Rundansicht_ in's Teplthal und auf's Erzgebirge -geniessen. Von diesem Aussichtspuncte sehen wir einen spitzigen, -sesselförmigen Granitblock, _Deutschlandsfels_ genannt. Unterhalb vom -Wiener Sitz führt eine Allee zum _Helenenhof_ mit Gartenanlagen. Die -Helenenstrasse führt rechts auf die Prager Kunststrasse, links bei der -_Laurenzkapelle_ vorbei in die Stadt hinab. - -15. _Zu *dem Säuerling, dem Schweizerhofe, nach Schönbrunn und dem -Schwindelweg._ Dieselbe Strecke wie 14. bis zum Dorotheentempel, von -hier rechts zu dem _Säuerling_; vor diesem geht ein Weg bergauf zu der -freundlichen Café-Restauration »_Schweizerhof_«. In linker Richtung vom -Säuerling bergab kommen wir zu der stark besuchten Café-Restauration -»Park Schönbrunn«. Von da führt am Bergeshange in den Wald ein Weg, -_Schwindelweg_ genannt, der treffliche Waldpartien bietet. Rückweg über -die Plobenbrücke auf die Marienbader Strasse. - -16. _Zu *den Friederikenfelsen und zum Bergwirthshaus._ Von Schönbrunn -(siehe 15.) auf ungebahntem Wege aufwärts kletternd, kommen wir zu -Granitfelsen, »_Friederikenfelsen_« genannt. Bequemer kommen wir -zu denselben, wenn wir den nach dem Schweizerhofe leitenden Weg -betreten, bis in die Nähe der Stadt Lemberg steigen, wo ein gebahnter -Weg zu den Friederikenfelsen führt. Von da wieder nach demselben Weg -aufsteigend, gehen wir gerade aus fort bis zur Chaussée, welche bis zum -_Bergwirthshause_ führt. Diese _Kunststrasse_ ist ein _Meisterstück_ -der Baukunst (der Bau wurde 1809 vollendet) und bietet in Folge der -schlangenförmigen Windungen die _schönsten_, _überraschendsten_ -Aussichtspuncte. Mit Recht sagt die Schriftstellerin Schopenhauer: -»Wahrlich, es verlohnt sich der Mühe, alle Jahre nach Karlsbad zu -reisen, _einzig_, um darin anzukommen!« Vom Bergwirthshause wählt man -die kürzere alte Prager Strasse, welche rechts von der neuen sich am -Bergrücken hinzieht. Der höchste Gipfel dieses Bergrückens heisst _das -ewige Leben_ und gewährt eine _schöne_ Aussicht. - -17. _Ueber den Ploben zum Veitsberg._ Wir gehen zum »Schwindelweg« -(siehe 15.), biegen dann nach der _ersten_ Wegabzweigung links zu -einem Waldfahrweg ab, der in 1 Stunde bis zu dem höchsten Puncte des -Bergrückens, dem _Veitsberg_, führt. Derselbe bietet eine _herrliche -Aussicht_ auf einen Theil der Stadt, den Hammerberg, Hirschensprung und -Dreikreuzberg, auf Engelhaus, sowie in's Erzgebirge. Den Weg auf dem -Bergrücken fortsetzend, betreten wir bergab einen Holzfahrweg, der zum -Schwindelweg leitet. - - -Ausflüge: - -_Nach Dallwitz_ (¾ St. n. von Karlsbad). Wir spazieren auf der -Egerstrasse nach dem Dorfe Drahwitz, wo wir bei der Ueberfuhr auf -einem Kahne die Eger übersetzen, wandeln rechts den durch Wiesen -führenden Fussweg fort und langen in einer Viertelstunde beim Dorfe -_Dallwitz_ an. -- _Sehenswürdigkeiten_: _Schloss_, _Porzellan-_ und -_Steingutfabrik_ der _Riedl v. Riedenstein_. _Theodor Körner's Eichen_ -(an dem westl. Eingange des Dorfes), deren stärkste 9·4 m. im Umfange -hat und von 5 erwachsenen Personen kaum umspannt werden kann. Eine -dieser fünf uralten berühmten Eichen ist vor zwei Jahren abgebrannt. -Schon im dreissigjährigen Kriege erliess Kaiser _Ferdinand_ III. zur -Schonung der ehrwürdigen Bäume einen eigenen Befehl an die Soldaten. -- -_Karl Egon Ebert's Linde._ - -_Nach Zettlitz_ (¾ St.). Von der Schlackenwerther Strasse führt eine -hinter dem Bahnhofe linksab gehende Strasse über die Zettlitzer Anhöhe, -von wo sich eine schöne Rundaussicht eröffnet. Empfehlenswerth ist -das Gasthaus »zum goldenen Engel«. Zettlitz selbst ist ein Dorf mit -circa 40 Häusern und hat eine geräumige _Pfarrkirche zur hl. Anna_, -die eine der ältesten Kirchen in der ganzen Gegend ist, denn sie wurde -schon 1293 geweiht. Ehemals war Karlsbad nach Zettlitz eingepfarrt. -Auf einem Seitenaltare der Kirche ist ein _Gnadenbild_, _Maria Hilf_, -sehenswerth. In früheren Zeiten war Zettlitz ein stark besuchter -Wallfahrtsort, gegenwärtig finden sich nur am Kirchenfeste (26. Juli) -Processionen ein. In der Nähe des Ortes wird _Porzellanerde_ gegraben. -Zurück kann man über _Fischern_ und von da an der Eger stromabwärts -gehen. - -_Nach Fischern_ (¾ St. nordwestl. von Karlsbad). Dieses Dorf liegt am -Rohlaubache, der sich hier in die Eger ergiesst und führt dahin ein -sehr guter Fussweg über Wiesen hinter der Franz Josefs-Brücke links am -Egerufer aufwärts. -- _Sehenswürdigkeiten_: Grosse _Porzellanfabrik_ -(Karl Knoll), _Kunstmühle_ und _Dampfbrauerei_. - -_Nach *Aich_ (1½ St. südwestl. von Karlsbad) _nebst der Partie zum Hans -Heiling-Felsen._ Nach Aich verkehrt _täglich_ zweimal ein Omnibus. (1. -_Abf._ v. Angers Hotel auf der Neuen Wiese in Karlsbad 2 Uhr Nachm. -Ank. in Aich 2¾ Uhr Nachm. _Rückf._ 5 Uhr Nachm. Ank. in Karlsbad 5¾ -Uhr Nachm. -- 2. _Abf._ v. Karlsbad 3½ Uhr Nachm. Ank. in Aich 4½ -Uhr Nachm. _Rückf._ 7 Uhr Abends.) Dahin führen auch sehr angenehme -_Fusswege_. _a_) Beim _Jägerhause_ oder bei _Klein-Versailles_ -vorüber, schlagen wir den Fussweg _rechts_ in den Wald ein. _b_) -_Von der Ziegelhütte aus_: Hinter derselben geht der Weg zuerst im -Walde, dann zwischen Feldern bergab. _c_) Hinter dem _Mauthschranken_ -auf der Strasse nach Aich biegt _links_ ein gerader Weg ab, der am -Waldessaume sich bis nach Aich fortzieht. Dieses Dorf zählt 100 Häuser. -_Sehenswürdigkeiten_: Grossartige _Porzellanfabrik_ des A. C. Anger. -_Schloss_ mit Restauration und Parkanlagen, auf einem steilen Felsen -am rechten Egerufer sehr anmuthig gelegen, bietet eine _hübsche_ -Aussicht und zeigt Spuren von alter Bauart und ehemaliger Befestigung; -es soll gleichzeitig mit dem Schlosse in Elbogen erbaut worden sein. --- Von Aich eine halbe Stunde entfernt, erhebt sich in romantischer -Lage am linken Ufer der Eger eine interessante, groteske Felsengruppe, -_Hans Heiling-Felsen_ genannt, in welcher die Phantasie des Volkes -die versteinerten Gestalten eines Hochzeitszuges: das Brautpaar, den -Mönch, die Gäste und Musikanten erblickt. Die betreffende Sage ist -von Dichtern und Schriftstellern mehrfach behandelt worden. Dem Hans -Heiling-Fels gegenüber liegt eine _Sommer-Restauration_. - -_Nach Pirkenhammer_, gewöhnlich auch _Hammer_ genannt. Es verkehren -_täglich mehrmals_ Omnibusse dahin. (_Abf._ vom Theaterplatz in -Karlsbad um 1½, 2, 3 und 3½ Uhr Nachm. _Abf._ von Pirkenhammer -von der Kaffee-Restauration des A. Leibold um 5½, 6, 6½ und 7 Uhr -Abends.) Pirkenhammer liegt an der Karlsbad-Marienbader Strasse und -rechts an der Tepl. Seine Einwohner sind grösstentheils Gewerbsleute; -speciell die _Kunsttischlerei_ hat hier einen hohen, vervollkommneten -Aufschwung aufzuweisen, und verdient die Werkstatt des Kunsttischlers -_Günther_ mit ihren eleganten und soliden Erzeugnissen eine besondere -Hervorhebung. _Gasthäuser_: »_Zum Mühlengrunde_« (am Beginn des -Dorfes) und »_Habsburg_« (im Dorfe). Eine Viertelstunde weiter ist -die bekannte _Porzellanfabrik_ von _Fischer & Mieg_, in welcher die -schönsten Fabrikate zum Kaufe anlocken. Unmittelbar hinter der Fabrik -führt ein guter Fussweg zur _Meczery-Höhe_ mit weiter Rundsicht. - -_Nach *Engelhaus, dem Schloss Giesshübel und dem Schömnitzstein._ -Auf der schönen Prager Strasse kommt man in zwei Stunden nach den -imposanten Ruinen _Engelhaus_ mit dem Marktflecken gleichen Namens. Die -Trümmer dieser Burg, die man von den höheren Aussichtspunkten Karlsbads -und des Erzgebirges erblickt, thronen auf einem kegelförmigen, -aus Klingstein bestehenden 78 Klafter hohen Felsen, der aus dem -umliegenden Plateau steil sich emporhebt. Mittelst einer hölzernen -Leitertreppe erreichen wir den alten Fahrweg, der rechts zum _ersten_, -noch erhaltenen Burgthore, und von da gerade aus zum _zweiten_ Thore -führt. Südlich vom ersten Thor schliessen sich die halbrunde Bastion -und starke Ringmauern mit Schiessscharten an. Der ehemalige Zwinger, -der sich bis zum zweiten thurmartigen Thore zog, ist jetzt offen und -mit Rasen bewachsen. Dieses selbst war ein viereckiges Gebäude, zwei -Stockwerke enthaltend, mit regelmässigen Fensteröffnungen und hat dem -Zahne der Zeit ziemlich Widerstand geleistet. Der Burghof ist uneben -und wird links von einer Ringmauer umgeben, an die sich östlich ein -zwei Stockwerke hohes unförmliches Gebäude, die ehemalige Wohnung -des Burgherrn, anschliesst. In seinem Innern sieht man noch Reste -von Mauern und verfallene Keller. An der Südseite des Berges steht -isolirt ein viereckiges, einstöckiges Gebäude mit unregelmässigen -Fensterreihen, das vom Grafen Hermann Černin nach der Zertrümmerung -der Burg im 17. Jahrhunderte erbaut worden ist. Aus den Fenstern -dieses Gebäudes hat man eine _weite, wunderschöne Rundsicht_. Westlich -schweift das spähende Auge in die Gegend von Falkenau, Elbogen, -Schlaggenwald bis gegen Graslitz und das Egerland, nördlich auf das -erzgebirgische Hochplateau mit seinen dichtbewaldeten Häuptern und -wildromantischen Schluchten; durch das Egerthal den Blick gegen -Klösterle werfend, sehen wir die Ruine Himmelstein. - -_Geschichtliches._ Die Burg Engelhaus, welche zur Herrschaft -Giesshübel gehört, wurde wahrscheinlich in der ersten Hälfte des -XIII. Jahrhunderts von einem der Herren von Riesenburg erbaut, die ja -die Orte Schlaggenwald, Schönfeld und Schlackenwerth gründeten und -Petschau, Hartenstein, Buchau, Luditz und Ossegg besassen. Urkundlich -erscheint 1326 Boršo von Riesenburg als Herr auf Engelsburg, 1434 -verpfändete Kaiser Sigmund das Schloss Engelhaus nebst anderen -Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick, der es bald den Herren von -Plauen verkaufte. Im Jahre 1468 wurde Schloss Engelhaus von König -Georg von Poděbrad belagert, erobert und zerstört, doch später durch -die Herren von Plauen wieder aufgebaut. Der letzte dieses Geschlechtes -war Heinrich von Plauen, nach dessen Tode Engelhaus an den Grafen -Christof von Schlick kam. Als dessen Tochter Anna Karoline sich mit -dem Freiherrn Kaspar Colonna von Fels vermählte, ging das Schloss 1575 -in den Besitz dieses Geschlechtes über. Leonhard Colonna, Freiherr -von Fels, betheiligte sich als Protestant an dem böhmischen Aufstand, -seine Güter wurden 1621 eingezogen und Engelhaus mit Giesshübel an den -Feldmarschall Hermann, Freiherrn (später Grafen) Černin von Chudenitz, -verkauft. Im 30jährigen Kriege wurde das Schloss Engelhaus 1635 von den -Schweden zerstört. Graf Hermann Černin liess zwar um die Hälfte des 17. -Jahrhunderts wieder ein neues Gebäude mit einem Tanzsaale aufführen, -doch brannte es im J. 1718 mit dem Marktflecken ab. Nach 1639 wurde als -Hauptort der Herrschaft immer nur Giesshübel genannt. Diese kam später -(1829) an die Ritter von Neuberg und neuestens an den Grafen Hermann -von Černin. - -Kurz vor Engelhaus lenkt von der Prager Strasse links ein Fussweg ab, -den wir verfolgen; er führt uns zu dem _Schömnitzstein_, der aber ¼ -Stunde jenseits von der Fahrstrasse liegt. Von dieser steilen, aus -Porphyrschiefer bestehenden Felswand geniesst man eine _wahrhaft -entzückende Aussicht_ in's Egerthal und auf das Erzgebirge. - -_Zum Curort Giesshübel-Puchstein_ (Giesshübler Sauerbrunn), _König -Ottos Quelle_ genannt. Dahin verkehren _täglich Omnibusse_ (_Abf._ -v. Karlsbad vom Becherplatz 11 Uhr Vorm. und 1½ Uhr Nachm. _Rückf._ -gegen Abend). Die Strasse führt durch die Dörfer: Drahwitz, -Satteles, Schömnitz und Eichenhof und bietet schöne Waldpartien. Das -_Curhaus_ liegt anmuthig im Egerthale und ist von schönbewaldeten -Berghängen eingeschlossen, durch die sich nach den verschiedensten -Richtungen Spaziergänge mit herrlichen Aussichtspunkten ziehen. -Die »_Otto-Quelle_«, im Jahre 1862 zu Ehren des Königs Otto von -Griechenland so benannt, quillt circa 20 Klafter hoch am Rücken -des Berges aus dem Granitfels hervor und ist von _Parkanlagen_, -zwischen denen sich das _Badehaus_ befindet, umgeben. Nach Dr. -Eduard Hlawaček besitzt der Sauerbrunn einen sehr angenehmen, -prickelnd säuerlichen Geschmack und gehört zu den alkalisch-erdigen -Säuerlingen. Er besitzt viel Kohlensäure, übrigens nur wenig -mineralische Bestandtheile und dient theils zu _diätetischem Zwecke_ -als vortreffliches, erfrischendes Getränk, und zwar mit oder ohne -Zusatz von Zucker, etwas Himbeersaft oder von etwas weissem Wein und -Zucker, wodurch man ein äusserst angenehmes, moussirendes Getränk -erhält; -- theils zu _medicinischem Zwecke_; als reizminderndes, den -Aufsaugungsprocess belebendes, die Blutbereitung gelind verbesserndes -Mittel, bei chronischen, reizlosen Brustleiden u. dgl. Unter dem Namen -»Giesshübler« wird er jährlich in einer Anzahl von über drei Millionen -Flaschen in die verschiedensten Länder der Welt versendet.[2] - - [2] Siehe die ausgezeichnete medicinische Monographie über - den Sauerbrunn von Med. Dr. Freiherr Josef von _Löschner_ - (Preis --.50 kr.) und »Album der König Otto-Quelle«. - -Sein rasches Aufblühen verdankt der herrlich gelegene Curort seinem -gegenwärtigen Besitzer, dem kais. Rath _Heinrich Mattoni_, der ihn zu -einem Bade- und Molkencurort umgestaltet hat. Giesshübl-Puchstein ist -mit vollstem Rechte ein sehr beliebter, fesselnder Anziehungspunct für -Karlsbader Curgäste und Touristen. - -Von genanntem Curorte kann man in sieben Viertelstunden eine -genussreiche Fusspartie zur Station _Welchau-Wickwitz_ machen. Der -Weg leitet fast immer im Walde der Eger entlang an stattlichen -Felsengruppen vorbei und berührt _Rodisfort_ und _Welchau_. - - -Touren: - -Karlsbad-Neudek. - -Von Karlsbad führt die Kaiserstrasse über Fischern, Voigtsgrün, Neudek, -Neuhammer, Hirschenstand nach Eibenstock in Sachsen und bildet einen -Pass über das Erzgebirge. Wir machen unsere Tour bloss bis Neudek (3½ -Stunden). Die weltberühmte Curstadt Karlsbad liegt bald im Rücken, -und wir wandern, noch freudig erregt von den erhaltenen Eindrücken, -unserem gesetzten Ziele zu. Wir gehen über die gewölbte, steinerne -Tepl-Brücke der Bahnhofstrasse entlang zur eisernen Egerbrücke gegen -_Neufischern_ zu. Hier befindet sich der _grossartige Bahnhof_ von -Karlsbad. Weiter westlich wandernd, kommen wir nach _Fischern_. (Siehe -Karlsbader Ausflüge 20.) Hier zweigt die eine Strasse westlich nach -Elbogen-Falkenau-Eger und die andere nördlich nach Neudek ab. Wir -wählen letztere und erreichen in ½ Stunde _Altrohlau_, welches Dorf -eine Steingut- und Porzellanfabrik besitzt. In dieser Gegend sehen wir -riesige Essen rauchen, denn wir schreiten durch das Gebiet reicher -Kohlenlager und der Thonwaarenindustrie. Von Altrohlau nimmt die -Gegend allmählig den Gebirgscharakter an; wir gehen auf der Strasse -zwischen Feldern und Wiesen durch die Einschichte _Taschen_ oder -_Taschenhäusel_, dann weiter bei _Sittmesgrün_ vorüber, Tüppelsgrün -rechts liegen lassend, müssen gegen _Voigtsgrün_, das wir in 1 -Stunde erreichen, allmählig bergan steigen und langen auf der Höhe -beim Gasthause dieses Dorfes an, wo sich vor unseren Blicken eine -reizende Aussicht eröffnet. Die Ortschaften liegen zu unseren Füssen -wie hingesäet. Von da schreiten wir auf ebener Strasse dem rechts an -derselben gelegenen Orte _Giebacht_ zu, erblicken links das Rohlauthal -mit dem am Bergeshange liegenden Dorfe _Thierbach_ und kurz darauf den -im Osten der Stadt _Neudek_ sich erhebenden Kreuzberg. - - - - -Neudek. - - - =Gasthöfe=: _Das Rathhaus. Gasthof zum Herrenhaus. Gasthof zur - Post._ - - =Post- u. Telegrafenamt.= - - =Postverbindung= nach Platten täglich 1mal. - " Hirschenstand " " - " Heinrichsgrün " " - - =Aemter=: Bezirksgericht, Steuer- und Grundbuchsamt, - Bürgermeisteramt, Sparkassa, Notariat, Finanzwachekommissariat. - - -Beschreibung und Geschichte der Stadt. - -Neudek liegt an dem Flüsschen Rohla (Rohlau), das hier den Rodisbach, -Schmelzbach und Limnitzbach aufnimmt, in einem Thale, welches im -Osten von dem Kreuzberge, im Westen vom Hochtannenberge, im Norden -vom Paulusberge und den Abhängen des Peintlberges und im Süden von -mehreren Höhen begrenzt wird. Die Lage des Städtchens, das mehrere -Gassen besitzt, ist sehr schön. Der Marktplatz ist lang und schmal. -Der grösste Theil der 367 Häuser liegt am rechten Ufer der Rohlau, nur -die Häuser der Karlsbader Gasse, das gräflich Asseburg'sche Schloss -mit einigen anderen Gebäuden und noch ein kleiner Stadttheil, den man -gewöhnlich »Winkel« nennt, erheben sich am linken Ufer dieses Baches. - -Durch die Kaiserstrasse steht Neudek mit Karlsbad und durch -Bezirksstrassen auch mit Elbogen und Heinrichsgrün und von Neuhammer -aus durch eine solche mit Platten in Verbindung. Nach Karlsbad, -Elbogen, Graslitz, Joachimsthal und Schlackenwerth rechnet man 4, -nach Heinrichsgrün und Platten zwei Stunden. In neuester Zeit ist man -im Baue einer Eisenbahn begriffen, welche Neudek mit der 2 Stunden -entfernten Station Chodau, beziehungsweise mit der Buschtěhrader -Eisenbahn verbindet. - -Das sehr industrielle Neudek zählt ungefähr 4000 Einwohner, die sich -hauptsächlich mit Industrie, Handel und Oekonomie beschäftigen. -Ausser der Spitzen- und Handschuhfabrication wird hier besonders -die Metallindustrie, und zwar die Eisenblechindustrie und die -Löffelfabrication betrieben. Die Landwirthschaft erzeugt die -gewöhnlichen Feldfrüchte, als Roggen, Hafer, Erdäpfel; an den sonnigen -Abhängen auch etwas Weizen. Die Umgegend ist reichlich mit Waldungen -versehen, die meist Eigenthum der Gräfin von der Asseburg sind. - -=Sehenswürdigkeiten=: _Wollspinnfabrik_ mit _Wollwäscherei_ des -_Lahusen_ (beschäftigt gegen 450 Arbeiter). _Spitzenfabrik_ -des _Karl Kunzmann_ (Filiale der Firma _Gottschald u. Comp._). -_Spitzenfabrik_ des _Adolf Ullmann_. _Stickerei_ des _Franz Reitzner_. -_Löffelschmiederei_ des _J. F. Schneider_. _Blechlöffelerzeugung_ des -_Eduard Erhardt_. _Löffelschmiede_ des _Karl Neudert_. - -_Das grossartige Blechwalzwerk_ (oberhalb Neudek an der -Aerarialstrasse) mit der etwas entfernten _Eisengiesserei_, -_Eisendreherei_ und _Blechverzinnerei_ beschäftigt gegen 500 Arbeiter. -Dieses Etablissement ist Eigenthum der _Gräfin Anna von der Asseburg_, -gegenwärtig an _Petzold u. Comp._ verpachtet. _Holzschleiferei_ des -_Ignaz Fuchs_ (¾ Stunden von Neudek entfernt). Das _Volksschulgebäude_. -Der sogenannte _Thurmbergfels_. Er besteht aus mehreren über einander -liegenden Granitblöcken, von denen die zwei obersten über die unten an -der Rohlau dahinführende Strasse hervorragen. Auf diesem Felsen erhebt -sich der Glockenthurm; die Mauern desselben bilden ein vierseitiges -Prisma, dessen vier Kanten von der Südseite aus zugleich bemerkt werden -können, da der Grundriss die Form eines Trapezes hat. - -Ueber die Entstehung Neudeks ist nichts Näheres bekannt, da durch -den Brand des Rathhauses im Jahre 1731 alle Urkunden ein Raub der -Flammen geworden sind. Jedenfalls wurde die Stadt schon im Mittelalter -von Bergleuten gegründet, welche sich des Zinnbergbaues und des -Zinnseifnens wegen in dieser Gegend zuerst niedergelassen haben. -Die alte Zinnschmelzhütte, welche noch vor wenigen Jahren am linken -Ufer der Rohlau im »Winkel« stand, aber wegen Baufälligkeit und aus -Sanitätsrücksichten demolirt werden musste, soll das erste Gebäude in -Neudek gewesen sein. Ueber die Entstehung des Namens Neudek erzählt die -Sage Folgendes: Ein Jäger verirrte sich im Walde und kam auf den sog. -Hochtannenberg (westl. von Neudek), stieg dort, um sich in der Gegend -auszukennen, auf einen hohen Baum, nämlich auf eine hohe Tanne (wovon -der Berg den Namen haben soll) und sah östlich im Thale ein Gebäude -stehen, welches neu eingedeckt war, ging dann auf dasselbe zu und -fand daselbst den noch bestehenden alten Thurm, neben dem ein Häuschen -stand, in welchem ein Schmied wohnte, der den Namen Waldesel führte. -Dieser Jäger soll nun dem Thurm sammt den anderen Gebäuden den Namen -_Neudeckt_ (gegenwärtig _Neudek_) deshalb gegeben haben, weil er durch -die neue Dacheindeckung zur Auffindung dieser Gebäude gelangte. - - -Spaziergänge und Ausflüge: - -1. _Zum Kreuzberg._ Derselbe erhebt sich im Osten der Stadt an dem Ufer -der Rohlau. Auf dem Gipfel dieses Berges erhebt sich ein Kirchlein. -Der Weg schlingt sich in mehreren Serpentinen um den westlichen und -theilweise um den östlichen Abhang herum und ist ein sehr beliebter -Spaziergang der Neudeker. Von hier aus erblickt man die in den -südöstlich gelegenen Gegenden sich erhebenden Punkte nahe bis an die -Gegend von Buchau (z. B. den Engelhäuser Berg). In der Nähe des Hauses -Nr. 318 erblickt man in der Tiefe die Stadt Neudek in _wunderhübscher_ -Lage. - -2. _Zum *Peintlberg._ Er erhebt sich nördlich von Neudek und ist -ungefähr 970 m hoch. Bei Besteigung desselben wird gewöhnlich der -durch das Dorf Eibenberg (_Sitts_ Gasthaus) führende Weg benützt, -der ungefähr 1¼ Stunde beträgt. (Oberhalb der Stadt zweigt von der -Strasse zwischen zwei Bierschänken ein Weg nach genanntem Orte ab.) -Von diesem Dorfe geht der Weg steil aufwärts bis zu einem Walde, wo er -dann in mehr ebener Richtung bis zum Berge hinführt, auf dessen Gipfel -sich einige Felsen erheben, um welche grosse Steinmassen gelagert -sind. Die Besteigung wird durch die _herrlichste Fernsicht_ belohnt. -(Triangulirungspyramide.) Nach Norden und Nordosten haben wir wohl -nur geringe Aussicht, dafür ist sie lohnender in östlicher, südlicher -und südwestlicher Richtung; denn wir erblicken den Keilberg und -Spitzberg bei Gottesgab, viele Teiche in der Nähe von Schlackenwerth, -Lichtenstadt und Chodau, die Curstadt Karlsbad, die Ruine Engelhaus, -den sagenreichen Crudum, den Kaiserwald, die Städte Schönfeld und -Schlaggenwald, den Böhmerwald mit dem Dillenberge, den St. Annaberg bei -Eger. In der Nähe des Peintlberges werden wir auch durch ein schönes -Echo, entstanden durch einen neuangelegten Holzschlag, überrascht. - -3. _Zur *Thierbacher Kapelle_ (½ St.). Gehen wir auf dem Wege gegen -Thierbach zu, so gelangen wir eine kurze Strecke westlich von diesem -Dorfe zu dieser Kapelle. Obwohl die Aussicht von hier nicht so -weit ist als wie die vom Gipfel des Peintlberges, so ist sie doch -eine herrliche zu nennen. Wir erblicken die Häuser von Giebacht, -Hohenstollen, Allersloh, Eibenberg, zum Theile von Oberau und Hochofen; -nach Osten zu sehen wir Fischern und Karlsbad, während in nördlicher -Richtung der Peintl seine Kuppe mächtig emporhebt. Wunderschön, wie -eine Krippe im grösseren Massstabe, liegen auf den grünen Wiesen und an -den Bergabhängen die Häuser der zunächst gelegenen Ortschaften umher. - -4. _Zu den sogenannten Felshäusern_ (1½ St.). Wir gehen durch das -Limnitzthal nach Ullersloh an _Pecher's Restauration_ vorbei, von wo -wir nach ¾stündiger Wanderung zu den sog. Felshäusern gelangen. Die -_Fernsicht_ von denselben ist eine _lohnende_, wenn auch nicht so -grossartige, wie vom Peintlberg aus; doch bemerken wir die meisten -Puncte, die wir von letztgenanntem Berge aus gewahren können. Die -Felshäuser selbst sind gleichsam zwischen Felsgruppen eingebaut; ihr -Aeusseres ist recht reinlich und mit Ranken von wildem Wein und anderen -Schlingpflanzen geziert. Besonders schön ist von diesen Häusern aus -die Aussicht auf die unten liegenden Gelände, welche sich gleichsam -stufenartig gegen das Innere zu erniedrigen. - -5. _Zum *Kammersberg oder Hohenau_ (1¾ St.). Wir wandern von Neudek aus -auf der Aerarialstrasse bis zu jener Stelle, wo sich hinter dem Dorfe -_Giebacht_ der Weg nach dem Dorfe _Kammersgrün_ abzweigt. Derselbe -führt in mehrfachen Krümmungen bis nahe zu dem letztgenannten Dorfe, -das sich am Südabhange des Kammerberges und im Thale ausbreitet. Von -diesem Berge gewahren wir bei heiterem Himmel Karlsbad und Elbogen, -die Berge in der Umgegend von Buchau, einzelne Höhen um Duppau und die -meisten Puncte, die wir vom Gipfel des Peintlberges gesehen. Die Kuppe -des Kammerberges ist kahl und mit einer Orientirungshöhe versehen, die -der Besitzer dieser Umgegend, _Karl Stöhr_, errichten liess. - -6. _Zum *Hochtannenberg_ oder _Steinberg_ (¾ St. westlich von Neudek) -_und zum sog. Wächterhau_. Zu demselben gelangen wir am bequemsten, -wenn wir den nach _Ober-Bernau_ leitenden Weg benutzen. Von der Kuppe -dieses Berges erblicken wir nach Südost das Rohlauthal, Fischern und -Karlsbad, weiterhin Engelhaus, Giesshübel, die Kirche von Pergles bei -Buchau, nach Süden mehrere Dörfer zwischen Karlsbad und Elbogen, die -Stadt Elbogen mit dem alten Schlosse, auch einzelne Hopfengärten in der -Nähe von Falkenau. -- Eine halbe Stunde westlich vom Hochtannenberge -ist der sog. _Wächterhau_, auf welchem sich eine Orientirungshöhe -befindet, von welcher wir bis in die Gegend um Duppau, Karlsbad, -Elbogen bis Eger sehen können. - - -Tour Neudek-Neuhammer-Platten. - -Dem reinlichen Städtchen Neudek Ade sagend, wandern wir auf der -Reichsstrasse in mässiger Steigung weiter nördlich durch das reizende, -sehr anziehende, tiefeingeschnittene Rolauthal. Zu beiden Seiten -desselben erheben sich theils anmuthig bewaldete, theils waldlose, -der Landwirthschaft zugängig gemachte Hügel- und Bergreihen mit -gleichförmig ausgedehnten breiten Rücken und abgerundeten Kuppen. -Zu unserer Rechten rauscht die Rohla. Dicht an Neudek erblicken -wir rechts das »_Schiesshaus_«, einen beliebten Sommeraufenthalt -für Einheimische und Fremde, links das grosse _Eisenwerk_ (Siehe -Sehenswürdigkeiten Neudek's). Nach kurzer Strecke sehen wir rechts -ein »_Gusseisenwerk_« (Hochofen) (Siehe Sehenswürdigkeiten Neudek's), -nach einer Biegung links das »_Feigl'sche Einkehrhaus_«. Gegenüber -bemerken wir einzelne »_Felsstücke_«, die wie eine kleine Festung aus -niederem Gebüsch hervorlugen. Beim »_gemüthlichen Bergmann_« (vulgo -»beim Preussen«) zweigt am Fusse des sog. Preussenwaldes der Weg links -nach Hochofen und Trinksaifen ab. In der Hauptstrasse weiter wandernd, -kommen wir zur »_Fuchs'schen Holzschleiferei_« (Siehe Sehensw. N.); -beim sog. »Hammerl« (Schmiede) überschreiten wir eine Brücke, welche -die Grenzscheide zwischen Neudek, Hochofen und Neuhammer bildet. Von -da biegt die Rohlau zu unserer Linken ab. An der herrsch. Bret- und -Knochenmühle, dem Eiskeller vorbei erreichen wir »Hassmann's Gasthaus -zur grünen Wiese«. Von da steigen wir westwärts auf den _Fritzenberg_, -der eine schöne Aussicht über das Weichbild von _Neuhammer_ bietet. -Von letztgenanntem Gasthause benützen wir die Bezirksstrasse -Neuhammer-Platten, welche sich durch das ganze Thal von _Neuhammer_, -durch den sog. »Grund« zuerst am linken, dann am rechten Ufer des -Weissbaches windet. - -Das Dorf _Neuhammer_, 1 Stunde nördl. von Neudek, 1¼ St. südwestl. -von _Platten_ und 1 St. westl. von Bärringen, liegt auf mässig -ansteigenden, einander gegenüberliegenden Bergen (Fritzenberg, Hofberg -oder Eulenhof, Faunzberg, Fladererberg und oberen Neuhammer) und -in den dazwischen liegenden Thälern (Rohla- und Weissbachthal) und -zählt 210 Häuser mit 2200 Einwohnern, die sich von Spitzenklöppelei, -Löffelfabrication, Handschuh-, Tüll- und Mullnähen, Viehzucht ernähren. - -=Geschichtliches.= Wahrscheinlich hat Neuhammer mit der Entstehung -des Bergbaues von Neudek und Umgebung gleichen Ursprung. Dass auch in -Neuhammer der Bergbau betrieben wurde, beweisen die vielen Zechen- und -Seifenhalden. - -Weitere _schöne Aussichten_ gewähren: der _Hofberg_ (westl. von der -Kirche), der _Fladererberg_, der _Peintlberg_ (Siehe Ausflüge v. Neudek -2). (Eine _Fernsicht_ in's flache Land ist uns auf der ganzen Partie -Neudek-Neuhammer-Platten leider _nicht_ gegönnt.) - -Haben wir Altvater Peintl unseren Gruss zugewinkt, und das letzte -Häuschen von Neuhammer im Rücken, so winken uns höhere Gebirgskuppen, -und ernster Fichtenwald nimmt uns auf. Die Strasse windet sich in -vielfach gebogenen Zickzacklinien etwas steiler durch den dunkeln -_Vierfels_ (rechts), den hochbewaldeten _Kaiserbuchwald_ (links). Die -Berge treten näher und näher heran, das sanfte Rauschen des zur Linken -fliessenden, forellenreichen Weissbächleins gewährt eine interessante -Unterbrechung der Waldeinsamkeit. Dort, wo sich die Strasse stark nach -Rechts wendet, verlässt uns unser traute Begleiter und versteckt sich -am Fusse des sich hinter uns erhebenden kahlen Berges »_Kohlhau_«, -wo er sein Quellchen hat. Die Strasse wird etwas steiler, und die -Höhe, vom Volksmunde »_das Abg'span_« genannt, ist erreicht, eine -steinerne Säule markirt dieselbe. (Links zweigt ein Fussweg, der sog. -Buttersteig, ab und führt nach _Breitenbach_ und _Johanngeorgenstadt_.) -Den Schlusstheil unserer Wanderung bildet das Zurücktreten des -Waldes, an dessen Saume wir ein anmuthiges Forsthaus begrüssen; noch -ein Viertelstündchen, und wir sind in _Platten_, dem Ziele unserer -Wanderung. - - - - -Platten. - - - =Gasthöfe=: _Waldhütter's Gasthaus_ (an der Ecke des - Marktplatzes). _Rathhaus._ - - =Post- u. Telegrafenamt= am Marktplatz. - - =Postverbindung= nach Joachimsthal täglich 1mal. - " Neudek " 1 " - " Karlsbad " 2 " - " Johanngeorgenstadt " 2 " - - =Aemter=: Bezirksgericht. Steueramt. Bürgermeisteramt (im - städt. Rathhause). - - -Beschreibung und Geschichte der Stadt. - -Die k. Bergstadt Platten liegt an der Südwestseite des Plattenberges -auf dem Kamme des Gebirges, welches dicht nordwestlich an der Stadt -allmählig nach der sächsischen Seite, im Süden aber mehr steil -nach Böhmen abfällt. Die Stadt ist sehr regelmässig gebaut und -zählt 2500 Einwohner, die Viehzucht, Blechlöffel- (aus Eisenblech -und aus Stabeisen), Blechspiegel- und Blechfeuerzeuge-Fabrication, -Spitzenklöppelei, Handschuhnäherei und Korkschneiderei betreiben. Nicht -weniger als eine halbe Million Dutzend Löffel, und zwar beiläufig 30 -verschiedene Sorten, werden von Grosshändlern in Platten und Neudek -jährlich nach allen Richtungen versendet. Der Gesammtwerth der in -Platten erzeugten Blechspiegel wird auf ungefähr 40.000 fl. geschätzt. - -=Sehenswürdigkeiten=: Grosse _Löffelfabrik_ von Kolb und Kerl. Die -_Stöpselfabrik_ des Vincenz Gerber. -- Zu erwähnen ist der durch -die Stadt fliessende sog. _Stadtgraben_, ein Bach, der nördlich von -Gottesgab entspringt und schon in alter Zeit von der Stadtgemeinde -durch die Waldungen zum Betrieb der Berg- und Pochwerke, Mühlen und -Schmelzhütten hieher geleitet worden ist und noch immer erhalten wird. - -Die Gegend um Platten gehörte im Mittelalter zu der damals böhmischen -Herrschaft Schwarzenberg, welche aber König Georg von Poděbrad, als -seine Tochter sich 1459 mit dem Herzog Albrecht von Sachsen vermählte, -diesem als Mitgift gab. Herzog Albrecht verkaufte die Herrschaft an die -Herren von Tessau, und von dieser Familie ging sie 1532 kaufweise an -den Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen über. Ohne Zweifel wurde -schon vor genanntem Jahre in dieser Gegend an mehreren Puncten, wie -bei den jetzigen Ortschaften Irrgang, Zwittermühl, Breitenbach u. a., -Bergbau auf Eisen und Zinn getrieben. Als 1532 auf dem Plattenberge -»höfliche« (hoffnungsreiche) Zinngruben aufgefunden wurden, kamen -immer mehr Bergleute aus der Umgegend, namentlich von Schneeberg, -herbei, liessen sich hier nieder und gründeten Platten. Gleichzeitig -fand die Gründung von Gottesgab statt. Der Bergbau machte in Platten -bedeutende Fortschritte, viele neue Zechen wurden aufgenommen und -auch einige Silbergänge erschürft: deshalb erliess der Kurfürst eine -gedruckte Bergordnung und räumte der Bevölkerung die Befugnisse des -Backens, Bierbräuens etc. ein. Im Jahre 1544 besass Platten bereits 8 -Schmelzhütten und mehrere Eisengruben. Im schmalkaldischen Kriege hatte -die churfürstliche Bergstadt, überhaupt die ganze Gegend bis an das -Egerthal herab, viele Bedrängnisse zu erdulden. Christof von Gendorf -zog im October 1546 mit zwei Fähnlein gegen Platten und erschreckte mit -fünf grossen Stückbüchsen die dort befindliche sächsische Mannschaft -so, dass sie die Flucht ergriff und die Stadt von kaiserlichen Truppen -besetzt wurde. Aber im April 1547 kam die Stadt wieder in den Besitz -des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen. Derselbe wurde bekanntlich -vom Kaiser Karl V. in die Reichsacht erklärt und verlor sein Land, -welches sein Vetter Moriz, der sich mit dem Kaiser verbunden hatte, -erhielt. Am 14. October 1546 schloss König Ferdinand von Böhmen mit dem -Herzog Moriz von Sachsen einen Vertrag ab, kraft dessen die südliche -Hälfte der Herrschaft Schwarzenberg mit Platten und Gottesgab sammt -den Wäldern an Böhmen mit der Bedingung abgetreten wurde, dass dem -Herzog die freie Jagd und der Genuss des Bergwerks-Zehnten blieb. Ein -zweiter, im Jahre 1556 zu Schneeberg abgeschlossener Vertrag änderte -erwähnten Vorbehalt dahin ab, dass der Zehnte zur Hälfte getheilt, aber -auch der Gehalt der Beamten von jedem Theile zur Hälfte gezahlt werden -sollte. Im Laufe der Zeit erhielt die Stadt von den Kaisern Ferdinand -I., Maximilian II., Rudolf II., Mathias und Ferdinand III. mehrere -Privilegien, hauptsächlich zur Förderung des Bergbaues. So verlieh K. -Ferdinand I. am 30. Juli 1555 der Stadt neue Bergfreiheiten, gestattete -den Einwohnern, aus abgetriebenen Waldstrecken Felder anzulegen, und -ein Stadtwappen zu führen, das ausser dem österreichischen Schild -und dem halben böhmischen Löwen eine Seifengabel und eine Keilhaue -darstellte. - -Die bis 1617 gemachten neuen Anstrengungen, den Bergbau zu heben, -wurden durch den dreissigjährigen Krieg, der seine blutigen Wellen -auch über die Bergrücken des Erzgebirges wälzte, unterbrochen. Und als -1653 diejenigen protestantischen Bewohner Platten's, welche nicht zum -katholischen Glauben übertreten wollten, nach Sachsen auswanderten -und auf dem Fastenberge die Stadt Johanngeorgenstadt gründeten, ging -der Bergbau dem gänzlichen Verfalle entgegen. Nur 1739 trat eine neue -günstige Epoche ein. Der Grenzzoll-Einnehmer Hessler machte in diesem -Jahre auf der Zinngrube St. Conrad einen überaus glücklichen Anbruch. -Sie lieferte 1740 eine Ausbeute im Werthe von 200.000 fl., die sich -später auf das Vierfache erhöhte. Ebenso glücklich war Hessler mit zwei -Silberzechen, dem Gottholds-Stollen und am Rosenhof. Dieser reiche -Bergsegen bildete leider nur eine Ausnahme. - - -Spaziergänge und Ausflüge. - -1. _Zum *Plattenberg, nach Auerhahnl_ (Irrgang). Eine gute Strasse -führt in nordöstlicher Richtung über den _Plattenberg_ (1038 m), von -dem man eine schöne Aussicht über Platten und Bärringen hat. Bei der -auf der Höhe steigenden Säule zweigt sich links ein Waldweg ab, auf dem -man zu einer Triangulirungspyramide kommt, von der man eine _reizende -Aussicht_ über einen Theil von Sachsen und Böhmen geniesst. - -Zur Säule zurückkehrend, kommen wir auf schöner Strasse in stiller -Waldeinsamkeit nach _Irrgang_, wo dem Spaziergänger das kleine, aber -durch seine reinlichen Gastleute bekannte sog. _Auerhahnl_ zu einem -frischen Trunk und stärkenden Imbiss einladet. Links von diesem -Gasthause sehen wir ein _Eisenwerk_ (Hilfgotteseisenzeche). Rechts -unterhalb dieses Eisenwerkes liegt das sog. _Schneebergl_, ein mit -Jungholz bewaldeter Scheitel, wo sich mehrere Verritzungen, von altem -Bergbau herrührend, finden, in deren Tiefe immerwährender Schnee -sichtbar ist. - -2. _Zur Wolfs- und Eispinge._ Bei der Kolb und Kerl'schen Löffelfabrik -theilt sich der Fussweg. In nördlicher Richtung führt er bei dem aus -den Zeiten des Bergbaues herrührenden _Pulverthurme_ und der ehemaligen -Papiermühle vorbei. In dem niederen Fichtenstande, in den der Weg -eintritt, theilt er sich von neuem. Wir halten uns rechts und kommen -zu der vom Steige rechts sich befindlichen _Wolfspinge_. Dieselbe ist -ein alter Tagbau, der nun als riesiges Felsennest von der primitiven -Abbauung der Erze vor dreihundert Jahren Zeugniss gibt; die Annalen -erzählen, dass man darin centnerschwere Zinngraupen gefunden hat. -Etwas nördlicher kommen wir, das Augenmerk ängstlich auf unsere Füsse -richtend, zur sog. _Eispinge_. Risse und Spalten in die Erde, die der -Fuss zu überschreiten vermag, und die mit Gestrüpp überwachsen sind, -verhindern den Zutritt des Sonnenlichtes in die gähnende Schlucht, in -welcher ewiges Eis in mächtigen Stalagmiten, die Wände emporstrebend, -sich befindet. Bemerkt sei, dass es auf dem Plattenberg ausser den -beiden genannten Zeugen alten Bergbaues noch andere offene Stollen und -Höhlen gibt (bei Irrgang die Schneepinge). - -3. _Nach *Ziegenschacht_ (1 St.). Von der oben genannten Löffelfabrik -betreten wir links den Wiesensteig. Zur Rechten und Linken breiten -sich im schönsten Farbenschmucke prangende Wiesen aus. Wir gehen gegen -Norden und kommen nach kurzer Strecke in eine Fichtenjugend, in welcher -zwei Waldwege führen, die sich aber wieder vereinigen. Hat man die -abgeholzte Richtung erreicht, so hält man sich links. Der Weg führt -wieder in einen Fichtenbestand hinein, aus dem er erst in Ziegenschacht -heraustritt. Die schöne Waldeinsamkeit, der duftige Harzgeruch und -brennende Meiler machen diesen Spaziergang zu dem angenehmsten in -Plattens Umgebung. Gasthaus im Ziegenschacht. - - -Tour Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen. - -Die vom Bahnhofe aus nach Schlackenwerth führende Aerarialstrasse -verfolgend, betreten wir die auf der sog. _Weheditzer-Zettlitzer_ -Höhe links sich abzweigende und durch den Ort _Ottowitz_ führende -Bezirksstrasse, die sich zwischen gutbebauten und ergiebigen Fluren -dahinzieht, deren Inneres auch reiche Kohlenlager birgt. Man geniesst -eine _hübsche Aussicht_ nach Zettlitz, Altrohlau. An der sog. -_Widitzmühle_, dem _Widitzhofe_ und einigen Häusern der Gemeinde -_Halmgrün_ vorbei leitet die Strasse durch einen grossherzoglich -Toskanischen Fichten- und Föhrenwald und bringt uns nach 1¾stündiger -Tour in das Dorf _Grossenteich_ (liegt 1 St. sw. von Schlackenwerth) -mit dem nördlich am Dorfe gelegenen, einem kleinen See gleichenden -_Grossteich_ von 110⅓ J. Area. Hier bietet sich ein _schöne Rundsicht_; -man erblickt westlich die Dörfer Ruppelsgrün und Edersgrün, gegen -Norden und Nordwesten das Erzgebirge mit dem Wölfling, gegen Osten und -Süden das Duppauer Gebirge. Wir wandern auf der Strasse noch ¼ Stunde -weiter und erreichen _Lichtenstadt_, wo sich uns gleichfalls eine _gute -Rundsicht_ erschliesst. - - - - -Lichtenstadt. - - - =Gasthöfe=: _Zum Rathhaus. Zur Sonne._ - - =Postamt.= Bürgermeisteramt (im städt. Rathhaus). - -=Sehenswürdigkeiten=: _Eisengiesserei-Fabrik_ des _Heinrich Reichel_ (5 -Minuten oberhalb der Stadt). Lichtenstadt gehörte i. J. 1217 dem Wladik -Hroznada, welcher es dem von ihm gegründeten Stifte Tepl vermachte. -Diese Schenkung bestätigte Karl IV. am 3. Mai 1350 und ertheilte -zugleich die Erlaubniss, in dem an Lichtenstadt anliegenden Walde oder -auf anderen, dem Stifte gehörigen Gütern Mühlen und Eisenbergwerke -anzulegen. Die Geistlichen zogen fleissige deutsche Ansiedler in die -Gegend, welche in den öden Waldstrecken viele Ortschaften anlegten. Zur -Zeit des Husitenkrieges kam das Gut an die königl. Kammer, bis Kaiser -Sigmund 1437 es nebst anderen Besitzungen seinem Kanzler Kaspar Schlick -zum Geschenk machte. In älterer Zeit wurde hier Bergbau auf Silber -und Zinn betrieben, der aber im Husitenkrieg einging. Unter Kaiser -Ferdinand I. erblühte der Bergbau von neuem, allein der 30jährige -Krieg vernichtete ihn. In den Jahren 1770 und 1785 stellte man neue -Bergbauversuche an, erzielte aber keine Erfolge. - -=Besteigung des *Wölfling.= In der unmittelbaren Nähe von der -Reichel'schen Fabrik erhebt sich rechts der sog. _Hohenberg_, an dessen -Fusse der israelitische Friedhof gelegen ist; links »der ausgedehnte -und hohe _Glasberg_, welcher mit seinen Abhängen bis an den Fuss des -Gebirges (Erzgebirges) abdacht und sich als ausgebreitetes Gebirgsjoch -von seiner sich steil erhebenden ansehnlichen Kuppe in nordwestlicher -Richtung bis auf den Hauptkamm des Gebirges hinzieht. Der höchste Punct -dieses Gebirgsjoches ist der _Trausnitzberg_, westlich von Salmthal. -Durch die südlichen ausgedehnten Gipfel des Glasberges wird diese -weiter nordwestlich liegende Kuppe, sowie der höhere Hauptkamm des -Gebirges, verdeckt.« Einer der südlichen Gipfel heisst _*Wölfling_ -und gewährt wegen seiner frei vorspringenden Lage eine _umfassende, -prachtvolle Aussicht_, wie sie nur _wenige_ Puncte des Erzgebirges -gewähren. Fast ausnahmslos in den bezüglichen Reise-Führern ignorirt, -lässt sich auf dem Wölfling nur hie und da ein Tourist sehen. Wir -können die Besteigung dieses Berges, obgleich die dahin führenden -Wege manches zu wünschen übrig lassen, allen Erzgebirgstouristen -auf das _wärmste_ empfehlen. Wir besteigen in einer Stunde den -Wölfling von Lichtenstadt aus, passiren den sog. »Kirchsteig«, der -beim lichtenstädter Schiesshause seinen Anfang nimmt und durch die -Waldung oberhalb des Dorfes _Edersgrün_ führt. (Mit _Wagen_ kommt -man auf der Bezirksstrasse über _Merkelsgrün_, _Salmthal_ in 1¼ -St. nach _Bärringen_, von wo südlich der gewöhnliche Weg, das sog. -»Bärringer Strass'l« durch die grossherzogliche Waldung in 1 Stunde -nach Wölfling führt, oder man fährt auf der vor der Reichel'schen -Fabrik abzweigenden, über Edersgrün, Tüppelsgrün bis Neudek leitenden -Bezirksstrasse bloss bis _Tüppelsgrün_, von wo sich in nordwestlicher -Richtung ein Waldweg nach _Kammersgrün_ schlängelt; der nicht gar -gute Verbindungsweg zieht sich in einer sanften Anhöhe nach Wölfling -und kann ebenfalls in 1 Stunde zurückgelegt werden. Ist man am Gipfel -des Berges angekommen, so sieht man das _Forsthaus_ und noch ein -einzelnes Haus. Beide bilden das »_Vorder-Wölfling_«. Von da bietet -sich dem Beschauer ein _wahrhaft entzückender und seltener Anblick_ -von einem bunten Gemische von Waldungen, Feldern, Wiesen und Teichen, -Städten und Dörfern, Bergen und Thälern, dass demselben, überwältigt -von dem herrlichen, farbenprächtigen Bilde, unwillkürlich ein »Ach« -entfällt. Lässt man das Auge gegen den Fuss des Berges schweifen, so -erblickt man südlich und südwestlich an dem Abhange kleine Vorberge -und Thäler, welche reizend aussehen; namentlich nimmt sich das Dorf -_Tüppelsgrün_, am Tüppelsgrüner Bache gelegen, sehr schön aus. -Verfolgt man die Ebene südöstlich, so sieht man viele Ortschaften, -darunter Schlackenwerth, die Gegend von Buchau, Giesshübl, die Ruine -Engelhaus; südlich die Gebirgskette von Tepl, die Stadt Karlsbad -mit ihren Ausflugsorten, z. B. Bahnhof, Waldschloss, Dreikreuzberg, -Hirschensprung und Antonienshöhe, ferner Donitz, Fischern, Dallwitz, -Aich, Altrohlau, Zettlitz u. a., den Grossteich und mehrere kleinere, -zu Tüppelsgrün gehörige Teiche (Wiesenteich, Haideteich); südwestlich -Neurohlau mit seinem grossen Teich, Chodau mit mehreren umliegenden -Ortschaften, Elbogen, Altsattel, Neusattel, Falkenau und Umgebung, -Maria-Kulm, die Gegend von Eger und Franzensbad. Ueberdies wird die -lachende, herrliche Landschaft -- das Egerthal -- von dem Silberbande -der Eger durchzogen. Einen unvergleichlich schönen, köstlichen Anblick -geniesst man hier kurz vor Sonnenuntergang durch das Blitzen der -vielen Teichspiegel, das Brennen der Fabriks-Essen von Dallwitz, -Aich, Fischern, Altrohlau und Chodau. Von Wölfling gelangt man in -nordwestlicher Richtung zu dem sog. »_Hohen Hau_« (zu Kammersgrün -gehörig), woselbst ein _Gloriett_ errichtet ist zur besseren Aussicht -auf das Egerland. -- Die Strasse, welche sich nördlich am rechten Ufer -des forellenreichen Wistritzbaches zwischen Wiesen im reizend schönen, -romantischen Wistritzthale dahinzieht, führt nach ½stündiger Wanderung -durch das Dorf _Merkelsgrün_, welches am Wistritzbache gelegen, rechts -von Feldern, links von Wiesen umgeben ist. Beim Wirthshause führt -rechts von der Bezirksstrasse eine Strasse zur _Porzellanfabrik_. Wir -schreiten auf der nun am linken Ufer des Wistritzbaches führenden -Strasse entlang weiter und gelangen nach dem an Merkelsgrün -unmittelbar sich anschliessenden Orte _Salmthal_, das 1 Stunde nw. -von Lichtenstadt an den Thalgehängen des Glasberges und Plessberges -liegt. (_Holzschleifereien_ des Wilhelm _Schreiter_, Heinrich _Kluge -u. Comp._ und Johann _Geutner_.) (Erwähnenswerth ist, dass hier hinter -dem Gasthause »zum grünen Thal« durch ein enges Seitenthal, den -sog. Modersgrund, ein guter Waldweg nach _Abertham_ führt.) Weiter -thalaufwärts steigend, kommen wir nach ½ Stunde in _Bärringen_ an. - - - - -Bärringen. - - - =Gasthöfe=: _Rathhaus_ und _Stadt Leipzig_. - - =Post- u. Telegrafenamt.= Bürgermeisteramt. - -Die Bergstadt Bärringen mit 2360 Einwohnern liegt hoch im Gebirge an -der Schwarzen Wistritz. Die Haupterwerbsquellen sind Rindviehzucht, -Stickerei und Spitzenklöppelei. Erwähnenswerth ist wohl hier die -_Gimpelzucht_, die den Züchtern jährlich einige hundert Gulden abwirft. -Die jungen Gimpel werden nämlich aus dem Neste genommen, zu Hause -erzogen und gelehrt, indem man ihnen das einzuübende Liedchen bloss mit -dem Munde rein und immer gleichmässig vorpfeift. In jüngster Zeit wurde -hier durch Vermittelung des Herrn Ritters von Dotzauer auch die Harzer -Kanarienvogelzucht eingeführt. - -=Sehenswürdigkeiten=: _Die grossen Stickerei-Etablissements_ von _A. -Meinls Erben_, _Gebrüder Pfob_ und _J. T. Poppenberger_. - -Das Städtchen verdankt seinen Ursprung dem Bergbau, welcher hier 1532 -begann. Der Sage nach soll ein Bär durch Scharren seines Lagers in der -Gegend des sogenannten Schwarzen Teiches das Erz entblösst haben, und -so die Lagerstätte von Zinnerz erschürft worden sein; darauf soll auch -das Wappen des Städtchens deuten, welches einen Bären vorstellt, der -einen Ring in der Pfote hält. In der grössten Blüthe war der Bergbau, -der schon längst erloschen ist, unter der Regierung Kaiser Ferdinands -I., denn nicht weniger als 72 Pochwerke waren damals hier in Betrieb. -Im Jahre 1559 wurde Bärringen zur Stadt erhoben. - - -Tour: Karlsbad-Schlackenwerth-Joachimsthal. - -Von Karlsbad gelangen wir, wenn wir die Tour auf der schönen -Reichsstrasse machen, in 2 Stunden (zu Wagen in 1 Stunde) nach -Schlackenwerth, oder wir fahren zu dieser Stadt pr. Buschtěhrader Bahn -in ½ Stunde. - -Wir wählen die Fusstour. Unterhalb des Karlsbader Bahnhofes, wo sich -die nach Schlackenwerth führende Strasse rechts zweigt, erblicken -wir sogleich zur Linken das Dorf _Zettlitz_, zur Rechten _Karlsbad_, -_Drahowitz_, den _Egerfluss_, _Weheditz_. Die Strasse führt durch -Felder; wir schreiten bei einer grossartigen _Dampfziegelei_ vorüber -und erreichen die sog. _Weheditzer-Zettlitzer_ Höhe, wo wir eine -_schöne Aussicht_ geniessen (Siehe Tour Karlsbad-Lichtenstadt). (Auf -dieser Höhe zweigt linksab die Strasse nach Lichtenstadt, etwas weiter -entfernt rechtsab die Strasse nach Dallwitz.) Die in nordöstlicher -Richtung dahinziehende Strasse weiter verfolgend, gelangen wir -unterhalb _Sodau_ zu einem Theil dieses Dorfes mit 2 Gasthäusern, -nähern uns dann dem rechts liegenden Dorfe _Lessau_, wandern links -an dem Orte _Fuchsloch_ (½ St. sw. von Schlackenwerth) und dem -Dorfe _Grasengrün_ (Teiche; der _Peinteich_ zwischen Grasengrün und -Hauptstrasse) vorbei und kommen endlich nach _Schlackenwerth_. Links -von der Strasse sehen wir den _Friedhof_ und den grossherzoglich -toskanischen _Park_, rechts das _Actienbräuhaus_. - - - - -Schlackenwerth. - - - =Gasthöfe=: _Zum Renthaus_, am Marktplatze, _Schwarzer Adler_. - - =Post- und Telegrafenamt= im erstgenannten Gebäude. - - =Postverbindung= nach dem Bahnhofe »Schlackenwerth«. - " " Joachimsthal täglich 3mal. - - =Aemter=: _Bürgermeisteramt_. _Spar-_ und _Vorschusskassa_. - - -Beschreibung und Geschichte der Stadt. - -Schlackenwerth, der Hauptort der gleichnamigen, dem Grossherzog von -Toskana gehörigen Herrschaft, liegt am Fusse des Erzgebirges an der -Wistritz und an der Buschtiehrader Bahn in einer schönen und reizenden -Ebene, welche nördlich von den gewaltigen, waldbekrönten Bergketten -des Erzgebirges, westlich von dessen milderen Ausläufern, südlich von -den Karlsbader Hügelketten und östlich von dem kegelartig gestalteten -Egergebirge eingeschlossen wird. Dieser sehr fruchtbare, an Aeckern -und Wiesen reiche Basalt-Kessel wird vom Wistritz- und Weseritz-Bache -durchfurcht. Ersterer nimmt, bevor er Schlackenwerth erreicht, -den Weseritzbach auf. Die Stadt zählt 2000 Einwohner, welche sich -hauptsächlich mit der Landwirthschaft beschäftigen. - -=Sehenswürdigkeiten.= _Das grossherzoglich Toskanische Schloss_, in -einfachem Renaissancestyl erbaut, ist in jüngster Zeit durch zwei -Seitenflügel und einen rückwärtigen Trakt vergrössert worden. Dasselbe -besitzt einen _grossartigen Rococo-Park_ mit hundertjährigen Eschen -und Linden, stattlichen Erlen, Ahornen, Weiden, Cirpisbäumen und -hohen Tannen, sowie mit anmuthig angelegten Spaziergängen. Mitten im -Parke, der in den Sommermonaten von Karlsbader Curgästen und Touristen -sehr häufig besucht wird, steht das im Rococostyle erbaute herrliche -_Gartenhaus_, ein octogones, barockes Gebäude mit _Restauration_. -(Geschichtliches siehe bei der Geschichte der Stadt.) - -_Die Pfarrkirche_, im gothischen Styl erbaut und neu renovirt, hat -ausser dem imposanten Hauptaltar noch 6 Seitenaltäre. Das Altarbild des -ersteren stellt die Grabbestattung Jesu vor und ist ein Meisterwerk des -berühmten böhmischen Malers _Karl Skreta_. _Das Piaristen-Collegium_ -mit einem durch den letzten Gymnasialdirector P. Ernst _Miebes_, einen -geborenen Schlackenwerther, _trefflich angelegten, reichhaltigen -Lehrmittel-Cabinet_, mit einer werthvollen _Bibliothek_, im grossen, -schönen Archivsaale, an dessen Wänden nebst den Ahnenbildern der -_Lauenburger_ auch die Bildnisse der kaiserlichen Hoheiten _Leopold_ -II. und _Maria Antonia_ in Lebensgrösse prangen. Für den Archäologen -und Bibliographen ein Unicum: Der _Manuskript-Pergamentcodex vom Jahre -1353_, welcher die Legende der hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, und -vier Homilien des hl. Bernhard enthält. - -=Geschichtliches.= Das Piaristen-Collegium wurde von _Anna Magdalena -Popelia_, der Gemahlin des Herzogs Julius Heinrich von Lauenburg, -1666 gestiftet; das Gymnasium, 1780 in eine Normalhauptschule -verwandelt, wurde 1804 abermals eröffnet und bestand bis zum Jahre -1820, in welchem die beiden Humanitätsklassen aufgehoben wurden, -so dass nur die 4 Grammatikalklassen blieben, die aber 1852 sammt -der Hauptschule geschlossen wurden. Durch die wahrhaft fürstliche -Munificenz der durchlauchtigsten Frau _Grossherzogin Maria Antonia_ -und des edlen _Grossherzogs Leopold_ II. konnte am 1. Okt. 1863 das -Piaristen-Untergymnasium wieder eröffnet werden, das aber leider -mit dem Schuljahre aufhörte. -- In der Piaristenkirche, welche -1674 eingeweiht worden ist, befindet sich auf dem Hochaltare die -_Muttergottesstatue Maria-Treu_, wohin nicht nur Schlackenwerther, -sondern auch Katholiken aus der ganzen Umgegend ihre Zuflucht nehmen. - -_Porzellanfabrik von Pfeiffer und Löwenstein._ (Rechts von der Strasse -zum Bahnhofe.) -- _Actienbräuhaus._ (Links an der Karlsbader Strasse.) - -Die Erbauung Schlackenwerths (zuerst Schlawkes Warthe, später Schlawkes -Werth, zuletzt Schlackenwerth) wird dem Slavek von Riesenburg -zugeschrieben, welcher die Stadt dem Bürgermeister und Rath überliess, -so dass dieselbe von König Johann (1310) bis zu Kaiser Sigmunds -Regierung unter dem Stadtrathe verblieb, bis endlich genannter Kaiser -dieselbe im J. 1419 an seinen Kanzler Caspar Schlick verpfändete, der, -aus einer Egerischen Patricierfamilie stammend, bis zum Reichsgrafen -(1437) emporstieg und mit Elbogen, Falkenau und Schlackenwerth belehnt -wurde. Graf Caspar Schlick, dreier Kaiser Reichskanzler und »ein Mann -von grosser Geistesgewandtheit«, wurde der Begründer dreier berühmten, -reichbegüterten Grafenlinien, von denen die Schlackenwerther Schloss, -Dominium und Stadt bis zum Jahre 1578 beherrschte. Unter der Regierung -des Königs Georg von Poděbrad wurde ein Theil des Schlosses und der -Stadt in Asche gelegt, da Graf Schlick mit den Schlackenwerthern an -den katholischen Herrenbund gegen den König sich angeschlossen hatte. -1578 kam die Herrschaft Schlackenwerth an die Schönburge, Stadt und -Schloss wurden 1621 von den Soldaten Mannfelds geplündert. Die nach -der Schlacht am Weissen Berge von dem königlichen Fiscus eingezogene -Herrschaft überliess Kaiser Ferdinand II. im J. 1625 käuflich dem -Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg. Derselbe liess 1650 -mit Benützung der Grundmauern des Schlick'schen Schlosses ein neues -Schloss aufbauen und mit einem Geldaufwande von 60.000 Reichsthalern -einen grossartigen Park anlegen, der mit seinen Wasserleitungen und -50 Springbrunnen eine Art Klein-Versailles darstellen sollte und von -einem Schriftsteller des 18. Jahrhunderts sogar das achte Wunder der -Welt genannt wurde. Dem verstorbenen Herzog Julius Heinrich folgte -sein Sohn Julius Franz, dessen Tochter Franziska Sybilla Augusta -sich 1690 nach dem Tode ihres Vaters (1689) mit dem Markgrafen Ludwig -Wilhelm von Baden-Baden vermählte. So gelangte der Besitz an das Haus -Baden-Baden, um bei demselben bis 1782 zu verbleiben. Nach dem Tode des -Markgrafen August Georg erhielt dessen Nichte, die Prinzessin Elisabeth -Augusta von Baden, das Nutzungsrecht der Herrschaft Schlackenwerth von -der Kaiserin Maria Theresia lebenslänglich. Von 1799 fiel auch das -Nutzungsrecht wieder an die Kammer zurück. Später kam Schlackenwerth -an Ferdinand II., Grossherzog von Toskana. Als Grossherzog Leopold -II. von Toskana, der edle, so schwer geprüfte Fürstengreis aus -Habsburgs Herrscherhause, in dem verhängnissvollen Jahre 1859 mit der -grossherzoglichen, hochherzigen Familie hier bleibenden Aufenthalt -genommen, begann für Schlackenwerth eine neue segensreiche Periode. -In Schlackenwerths Annalen wird für immerwährende Zeiten mit goldenen -Lettern der denkwürdige 23. Februar 1861 glänzen, wo Leopold II., -Grossherzog von Toskana und Erzherzog von Oesterreich, einstimmig zum -Bürgermeister der Stadt Schlackenwerth gewählt wurde. »Leopold II. nahm -aber nicht blos die Wahl als Bürgermeister an, sondern unterzog sich -auch persönlich allen durch die Communalgesetze gebotenen Pflichten, -ein schönes und seltenes Beispiel in der That, welches hier einerseits -aus einem Familienzuge der Habsburger, der Achtung vor dem Volke, -anderseits aus dem in Italiens Boden tiefgewurzelten Bewusstsein, -bei der Gemeindeautonomie mit der Entgegennahme des Rechtes sich -auch im strengsten Sinn der Pflicht zu unterziehen, entspringt. -Diese enge Beziehung zwischen dem Grossherzog und der Bürgerschaft -Schlackenwerths erneuerte sich bei der Wiederwahl (22. August -1864), deren Annahme wieder erfolgte und in der Stadt grosse Freude -hervorrief.« Der durchlauchtigste Grossherzog-Bürgermeister leistete -für Schlackenwerth wahrhaft Hervorragendes und Unvergängliches! Aber -auch dessen durchlauchtigste Gemahlin, die Frau Grossherzogin Maria -Antonia bewährte sich stets als eine hohe Gönnerin und fürstliche -Wohlthäterin dieser Stadt. »In ganz ähnlicher Weise übertrug sich auch -dieses Verhältniss auf den dermaligen Besitzer und seine Gemahlin«, -nämlich auf Sr. kais. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn Ferdinand IV., -Grossherzog von Toskana, und Ihre kais. Hoheit die durchlauchtigste -Frau Grossherzogin. Von hohen fürstlichen Besuchen, deren sich -Schlackenwerth zu erfreuen hatte, heben wir hervor: _Den Besuch Sr. -kais. u. kön. Majestät des Kaisers Franz Josef_ I. am 23. Juni 1864, -welchen Tag Grossherzog Leopold II., der damalige Bürgermeister -Schlackenwerths, durch eine Gedenktafel aus Marmor am Rathhausgebäude -verewigte. In demselben Jahre (am 30. Juni 1864) stattete auch _König -Otto von Griechenland_ der grossherzoglichen Familie einen Besuch ab. -_König Johann von Sachsen_, der gekrönte Dante-Uebersetzer, Vater der -ersten Gemahlin des Grossherzogs und Grossvater der Erzherzogin Maria -Antoinette, der fürstlichen Dichterin, verweilte wiederholt bei der -Grossherzog Toskanischen Familie zum Besuche. - -Nachdem wir die Sehenswürdigkeiten Schlackenwerths in Augenschein -genommen haben, kehren wir der Stadt den Rücken, um unsere Tour -fortzusetzen. Ein wahrhaft entzückendes Landschaftsbild entrollt sich -vor unseren trunkenen Blicken! Inmitten einer vegetationsreichen -Ebene mit wogenden Feldern, beblumten, saftiggrünen Wiesen und -ergiebigen Obstbäumen sehen wir aus dreiviertelstündiger Entfernung die -waldesdunklen und mannigfaltig geformten Berge des wie eine Mauer steil -sich aufthürmenden Erzgebirges, durchbrochen von einem tiefgefurchten, -romantischen Querthal, dem unsere Tour gilt. Wir wandern, aufjauchzend -vor Lust, auf der schönen, beiderseits mit Obstbäumen bepflanzten -Aerarialstrasse in nördlicher Richtung weiter und gelangen in -einer halben Stunde nach _Unterbrand_, wo wir den grossherzoglich -Toskanischen Meierhof besichtigen, dessen landwirthschaftliche -Maschinen, den neuesten Fortschritten auf diesem Gebiete Rechnung -tragend, besonders den Oekonomen interessiren dürften. Von hier -erreichen wir nach ¼stündiger Wanderung das freundliche, mit Obstbäumen -geschmückte Dorf _Oberbrand_, dessen Einwohner noch den lohnendsten -Feldbau betreiben. Statt der Obstbäume bilden aber bald Vogelbeerbäume -mit ihren zinnoberfarbenen Beeren Strassenspalier; wir stehen an der -Eingangspforte des engen, prächtigen _Weseritzthales_. Die Strasse, ein -schmaler Wiesensaum und die rauschende Weseritz bilden die Thalsohle, -während zur Rechten und Linken die mit Fichten, Tannen und Buchen reich -bedeckten Abhänge mit jedem Schritte steiler und majestätischer sich -gestalten. Bald wird das immer höher aufsteigende Thal etwas weiter, -wir schreiten an mehreren, schon zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen -Mühlen vorbei, _Hansgirgs_ Verse reproducirend: »Im Erzgebirge, wie -klappern die Mühlen so laut; so laut, wie rauschen die Bächlein gar -frisch im Kühlen so traut, so traut.« Oberhalb der _Herrenmühle_ (die -dritte Mühle oberhalb der _Trinksmühle mit Restauration_) betreten wir --- was den Touristen _warm empfohlen_ werden kann -- den links von der -Strasse abzweigenden, bequemen Fussweg, der in Serpentinen durch den -schattigen Wald aufwärts führt. Nach kurzer Steigung erreichen wir den -ebenen _Seilerweg_, der, an der westlichen Berglehne sich dahinziehend, -eine _wunderschöne Aussicht_ gewährt (siehe Joachimsthaler Spaziergänge -3). Verfolgt man dagegen die Strasse, so kommt man zum k. k. -_Hüttenwerke_ (siehe Joachimsthaler Spaziergänge 2), das uns daran -erinnert, dass wir in der Nähe von Joachimsthal sind, das jedoch -- -wir meinen die eigentliche obere Stadt -- die Krümmung des Thales noch -verhüllt, links erblickt man die Barbara-Kapelle. Hier sieht man den -untersten Theil der Stadt, nordwestlich aufsteigend, und hoch auf dem -Berge nordöstlich die _Prokopi-Kapelle_. Immer mehr sind die Wälder -gelichtet, und was sich die Natur abzwingen liess, ist zu Feldern und -Wiesen verwandelt. - - - - -Joachimsthal. - - - =Gasthöfe=: _Hôtel zur Stadt Dresden_, im oberen Theile der - Stadt am Marktplatze gelegen. -- _Hôtel zum wilden Mann_, das - zweite Haus neben genanntem Hôtel. - - =Photographische Ansichten= von Joachimsthal und hervorragenden - Gebäuden dieser Stadt bei dem Photographen _Anton Kraus_ - (Marktplatz). - - =Post- und Telegraphenamt= auf dem Marktplatze. - - =Postverbindung= nach Schlackenwerth täglich 3mal. - " " Platten " 1 " - " " Weipert " 1 " - - =Privatfuhrwerke= bei Rudolf Günther, Christof Porkert und - Wilhelm Seidl. Auf besonderes Verlangen besorgt auch der - Hôtelbesitzer »zur Stadt Dresden« Fahrgelegenheiten. - - =Aemter.= Bezirkshauptmannschaft, Bezirksgericht, Steuer- - und Grundbuchsamt, Bürgermeisteramt, städt. Forst- und - Rentamt, Sparkassa (sämmtlich im Stadthause), Berg- und - Hüttenverwaltung sowie Forstamt (Oberamtsgebäude), Notariat, - Finanzwachkommissariat. - - -Beschreibung und Geschichte der Stadt. - -Die k. Bergstadt Joachimsthal, die Metropole des böhmischen Erzgebirges -genannt, liegt in einem engen und tiefen, nach Südosten und Süden -geöffneten Querthale, das von dem rasch herabstürzenden Weseritzbache -durchbraust wird, zwischen hohen Bergen, dem _Galgenberge_ im Osten, -dem _Pfaffenberge_ im Süden, dem _Schlossberge_ im Westen, dem _Obern_ -und _Untern Türkner-Berge_ im Norden. Sie besteht in ihren eigentlichen -Grundlinien im Thalgrunde vorzugsweise nur aus zwei Häuserreihen, -an die sich aber beim Bräuhausplatze, wo das Thal sich erweitert, -beiderseits terrassenförmig noch je zwei Häuserzeilen, sowie in -einem westlichen Seitenthale der Stadttheil Pfaffenberg anreihen. -Die seit dem grossen Brande von 1873 grösstentheils neu aufgebaute, -sehr freundliche Stadt, die überdies vom hiesigen Anpflanzungsvereine -an mehreren Plätzen durch Anlagen verschönert wurde, übt sicherlich -auf jeden Besucher einen _wahrhaft bezaubernden, nachhaltigen_ -Eindruck aus, so dass man kaum fehlgehen wird, Joachimsthal als _die -schönste und regelmässigste_ Stadt im ganzen böhmischen Erzgebirge -zu bezeichnen. Sie zählt 612 Häuser und gegen 7000 Einwohner, welche -sich durch Bergbau, Cigarren-, Handschuh- und Stöpselfabrication, -Spitzenklöppelei, Spitzenhandel, sowie durch das karge Erträgniss der -Landwirthschaft ernähren. - -=Sehenswürdigkeiten=: _Decanalkirche_ (auf dem viereckigen, mit einer -Anlage geschmückten Kirchenplatze gelegen) wurde von der Stadtgemeinde -in den Jahren 1874--1876 in neugothischem Styl vom Baumeister Friedrich -Karl _Richter_ aus Breitenbach unter Leitung des Prager Dombaumeisters -und Architekten Josef _Mocker_ neu hergestellt. Mit Bezug auf die -inneren Räume dieser Kirche hat _Hansgirg's_ Behauptung: _dass sie -ein gar seltenes, sowohl im Totaleindruck als auch in der liebevollen -Durchführung des Details überwältigendes Kunstwerk sei, welchem im -westlichen Böhmen kaum noch ein Bau ähnlicher Art ebenbürtig an die -Seite gestellt werden kann_, seine vollste Berechtigung. Architekt -(_Mocker_), Maler (_Gebrüder Jobst_ aus Wien) und _Bildhauer_ (_Leimer_ -aus Wien) haben sich hier ein unvergängliches Monument einheitlichen -Strebens gesetzt. Nicht nur die Altäre (3) und die Kanzel, sondern -alle übrigen Objecte der inneren Kirche entsprechen dem Geiste der -Gothik. Die Gemälde der Altäre sind _plastisch_. Der _Hauptaltar_ ist -ein grossartiger, echt gothischer Bau. »Anmuth ist der Grundtypus -dieses herrlichen Werkes, das durch das echte Naive und Herzinnige der -Skulpturcompositionen noch potencirt wird, deren Bemalung eine elegante -ist, dass bei der Empfindung der Frömmigkeit zugleich die des höchsten -Wohlgefallens erweckt wird.« Die Hauptnische dieses Altars enthält -die _hl. Familie_ (in der Mitte die hl. _Maria_, etwas rückwärts zur -Seite St. _Joachim_ und St. _Anna_ -- die Patrone der Kirche). In -den zwei Nebennischen (links) der hl. Prokopius, Schutzpatron der -Bergleute, (rechts) der hl. Johannes. Bei sämmtlichen Altären ist -Plastik, Ornamentik, Farbe und Goldzier gleich rühmenswerth. Den -Kunstfreunden sei von den Seitenaltären besonders der _Marien-Altar_ -(links) empfohlen (Hauptfigur: _die unbefleckte Maria im Gebet_). Der -_Josefi-Altar_ (rechts), Hauptfigur: der hl. _Josef_, den Lilienstengel -in der rechten Hand, das Jesukindlein mit der Erdkugel am linken Arm -haltend. Die prachtvolle _Kanzel_ mit den Gestalten der Kirchenlehrer; -das _Baptisterium_ (Taufkapelle), die _Orgel_ (Kegelladensystem, -_Steinmeier_ in Oettingen). - -_Das Stadthaus_ (an der Ecke des Kirchenplatzes), ein alterthümliches, -ansehnliches Gebäude, das dem letzten gewaltigen Brand Widerstand -geleistet, enthält _die interessante, sehenswerthe Gemeindebibliothek_, -welche 1540 begründet worden ist. Sie enthält 190 Werke aus dem XV. -und XVI. Jahrhundert (in deutscher, lateinischer, griechischer und -hebräischer Sprache) und zwar dem Inhalte nach: Jurisprudenz 17, -Theologie 60, Poesie und classische Literatur 51, realistische Fächer -17, hebräische Sprache 7, linguistische 20, Geschichte, Geographie und -Statistik 18. -- Eine Biblia hebräica, in Frakturlettern auf Pergament -sehr schön geschrieben, stammt nach Dr. Oppenheimer's Untersuchung vom -Jahre 1384. - -_Das k. k. Bergoberamtsgebäude_ (neben dem Stadthause) mit -reichhaltiger _Mineraliensammlung_ des montanistischen Vereines. -(Daselbst werden auch Mineralien verkauft.) _Das Volks- und -Bürgerschulgebäude_ (links von der Kirche), ein wahrer Schulpalast, -mit einer reichlich ausgestatteten Lehrmittelsammlung. -- (Rechts -von der Kirche): _Die k. k. priv. Handschuhfabrik von Martin Bencker -u. Sohn_, die grösste in Oesterreich-Ungarn, und _die Stöpselfabrik -des Anton Schreiber_. _Der k. k. Einigkeitsschacht_ (ober dem -Schulgebäude) bietet vielfaches Interesse, und ist dessen Befahren -durch Schalenbeförderung leicht, gefahrlos und lohnend. (Wegen Einfahrt -wende man sich an den k. k. Bergrath im Oberamtsgebäude.) _Schloss -Freudenstein, k. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk._ (Siehe -»Kleine Spaziergänge«.) - -Die ganze Gegend, wo jetzt Joachimsthal steht, war bis zum Jahre -1516, dem eigentlichen Gründungsjahre dieser Stadt, eine nur mit Wald -bedeckte Gebirgslandschaft, welche zur Herrschaft Schlackenwerth -gehörte, die nebst Lichtenstadt Kaiser Sigmund 1437 seinem treuen -Reichskanzler Kaspar Schlick, Grafen von Passaun (Bassano), geschenkt -hatte. Einzelne Bergleute aus Schlackenwerth (»der alte Oeser«) und -aus dem Markgrafenthum Meissen (»Kaspar Bach«) betrieben hier ohne -Zweifel schon gegen Ende des XV. oder in den ersten Jahren des XVI. -Jahrhunderts Bergbau auf Silber, der aber nicht bedeutend gewesen zu -sein scheint. Im Jahre 1515 stellte sich Graf Stefan Schlick an die -Spitze einer Gewerkschaft, welche die alte Fundgrube am Schottenberg -wieder belegte und 1516 die erste Ausbeute vertheilte. Bis zu diesem -Jahre sollen etliche verfallene Häuser am untern Türckner, eine Mühle -am Brotmarkt -- dem heutigen Pfaffenberg -- und ein Hammer in dieser -Gegend gewesen sein; nach einer Wiese wurde Thal und Weiler Conradsgrün -(»Cunradisgrün«) genannt. Aber die Kunde von dem überaus ergiebigen -Bergbau drang mit staunenswerther Raschheit durch das ganze Erzgebirge -und lockte baulustige deutsche Bergleute und Gewerke in solcher Anzahl -in's »Thal«, dass die neue Bergcolonie bis December genannten Jahres -bereits 400 Häuser gezählt haben soll. Der Silberreichthum war hier -geradezu fabelhaft. Deshalb fand sich Graf Stefan Schlick, der damalige -Grundherr, bewogen, den Grund zu einer Bergstadt zu legen, welche -bald gedeihlich aufblühte. Da es auf dem jenseitigen meissnischen -Gebiete bereits ein Annaberg (1496) und Jöhstadt (Josefsstadt, 1517) -gab, wurde, um die Glieder der hl. Familie als Schutzpatrone auf -einem verhältnissmässig kleinen Raume zu ergänzen, das Thal und die -neu angelegte Stadt nach Christi Grossvater, dem hl. Joachim, St. -Joachimsthal (»Jochimsthal«) genannt. Aber gar bald erhoben die -Brüder von Haslau, deren Grundeigenthum an das Schlickische grenzte, -Ansprüche auf benachbartes Gebiet, bis auf welches sich der Bergbau -und die Anlage der Stadt auszudehnen begonnen hatten. Der darüber -mit den Grafen Schlick entstandene Streit wurde jedoch durch einen -schleunigen Vergleich (1518) beendigt, in Folge dessen die Herren von -Haslau eine Entschädigung zugesichert erhielten. Ein in demselben -Jahre ausgebrochener Aufstand der Bergleute veranlasste den Grafen -Schlick zur Herausgabe der berühmten Bergordnung; er liess ferner eine -Münze (an dieser Stelle steht das heutige Oberamtshaus) erbauen, »aus -welcher im nächsten Jahre 1519 die ersten Münzen, Guldengroschen, zu -24 weissen Groschen, wie sie in Sachsen geprägt wurden, hervorgingen. -Man nannte sie nach dem Orte ihres Ursprungs _Thalergroschen_, später -einfach _Thaler_, ein Name, welcher allmählig in ganz Deutschland -das Bürgerrecht erhalten und selbst in fremden Ländern (als Dollar -in England und Amerika, als _Talar_, _Talari_ in der Levante etc.) -Eingang gefunden hat. Sie trugen auf der Vorderseite das Bildniss des -hl. Joachim, auf der Rückseite das des Königs Ludwig und des Grafen -Schlick, oder auch den böhmischen Löwen und führten daher auch den -Namen _Schlickenthaler_ und _Löwenthaler_. Lateinisch nannte man sie, -weil sie zwei Loth oder eine Unze wogen, _Unciales_, auch _Vallenses_ -(_Joachimicos_) und später, nachdem sie als deutsche Reichsmünze -Geltung und Umlauf erlangt hatten, _Imperiales_ (Reichsthaler). -- -König Ludwig bestätigte nicht nur im Jahre 1519 die Freiheiten, welche -Graf Stefan Schlick der Gemeinde und Knappschaft zu Joachimsthal -verliehen hatte, sondern erhob auch auf Ansuchen des genannten Grund- -und Burgherrn mittelst Majestätsbriefes vom 6. Jänner 1520 Joachimsthal -zu einer _freien Bergstadt_ und verlieh ihr alle damit verbundenen -Rechte und Freiheiten, sowie die Errichtung eines Schöppenstuhls -zur Schlichtung der zwischen dem Bergpersonale entstehenden -Rechtsstreitigkeiten. In demselben Jahre bestätigte der König auch -das Münzprivilegium des Grafen Schlick.« Trotz zweier neuerlicher -Aufstände (1523 und 1525) blühte die Bergstadt unter der vortrefflichen -Fürsorge des ritterlichen Grafen Stefan Schlick immer mehr und mehr zu -einer hochansehnlichen, reichen, dichtbevölkerten Stadt empor, die mit -tüchtiger Gemeideverwaltung und Schule ausgestattet war. Sie zählte -zur Zeit ihrer höchsten Blüthe über 1200 Häuser, gegen 12000 Bergleute, -400 Schichtmeister, 800 Steiger und 800 in Betrieb stehende Zechen. -Leider fand Graf Stefan Schlick, ein treuer und tapferer Unterthan -seines Königs, im 39. Lebensjahre seinen Tod in der unglücklichen -Schlacht bei Mohacz (29. August 1526). - -Nun folgten dessen jüngere Brüder Graf Hieronymus und Lorenz, die -Joachimsthal wechselweise immer zwei Jahre beherrschten; doch kam es zu -Erbstreitigkeiten. Diese gaben den ersten Anlass, dass König Ferdinand -I. den Grafen Schlick »ihr ohnehin nicht ganz rechtmässiges Münzregal« -entzog, das nun an die Regierung kam (1528). Nichtsdestoweniger -schenkten die Schlicke in den Jahren 1530--1536 der Stadt von neuem -Grund und Boden und begannen 1534 den Bau der Kirche, »welche ohne -fremde Hilf erbaut ist« und 1537 zum Gottesdienste benützt wurde. 1545 -mussten die Schlicke das Joachimsthaler Bergwerk dem König unter der -Bedingung abtreten, »dass sie sich« -- wie Mathesius sagt -- »ihres -Zehendens Erbkux und Hüttenwerks unverhindert von meniglich gebrauchen -mögen.« -- Als 1518 die Reformation im benachbarten Sachsen feste -Wurzeln fasste, fanden Dr. Luthers Lehren auch in Joachimsthal eifrige -Anhänger, namentlich in den Grafen Schlick. Lange stritten sich hier -die katholische und protestantische Partei um die Herrschaft, bis -endlich 1540 der Protestantismus den vollständigen Sieg davontrug. -In jener Zeit wirkten zu Joachimsthal: Der hervorragende Gelehrte -M. _Johannes Mathesius_ (geb. am 24. Juni 1504 zu Rochlitz in -Sachsen, gest. zu Joachimsthal den 8. Okt. 1565) erst als Rector an -der berühmten Lateinschule, dann als Pfarrer; (die Bürgerschaft hat -ihm am 24. Juni 1874 an dem Stadthause eine Votivtafel eingesetzt), -ferner _Nikolaus Hermann_, der »alte Cantor« genannt, einer der -besten Liederdichter des XVI. Jahrhunderts, als Cantor (gest. am 3. -Mai 1561 zu Joachimsthal) und endlich _Georg Agricola_, der Begründer -der Mineralogie (geb. am 24. März 1494 zu Glaucha in Sachsen, gest. -am 21. Nov. 1555 zu Chemnitz) von 1527--1530 (1533?) als Stadtarzt. -Durch den schmalkaldischen Krieg, in welchem die Joachimsthaler sich -den aufständischen böhmischen Ständen anschlossen und die Stadt -von sächsischen Truppen eingenommen wurde, büsste sie ihre alte -Blüthe ein und ging, obgleich Kaiser Ferdinand I. und namentlich -Kaiser Rudolf II. verschiedene Mittel zum Aufschwunge des Bergbaues -anwandten, immer mehr dem Verfalle entgegen, der mit dem 30jährigen -Kriege eintrat. Das protestantische Joachimsthal stellte sich bei -dessen Ausbruche auf die Seite der aufrührerischen Stände Böhmens -und wurde sammt dem Schlosse Freudenstein von dem utraquistischen -Feldherrn Mannsfeld besetzt, der aber 1621 abzog. Nach der Schlacht -am Weissen Berge (1620) trat bekanntlich die Gegenreformation ein, -und da sich der grösste Theil der Bewohner Joachimsthals zur Annahme -der katholischen Lehre nicht bequemen wollte, wanderten Tausende über -die Landesgrenze. Die letzten Auswanderungen der Protestanten fanden -1653 statt. (Vergl. Bergstadt _Platten_.) 1631 besetzten die Sachsen -Joachimsthal und die Veste Freudenstein, wohin aber schon 1632 die -Kaiserlichen eine Besatzung legten. Dieselbe vertheidigte sich 1634 -gegen eine schwedisch-sächsische Heeresabtheilung so tapfer, dass sie -erst capitulirte, als die Feinde durch ihre Batterie-Kugeln das Schloss -unhaltbar gemacht hatten. Die Schweden plünderten dasselbe, überliessen -es den Flammen, wodurch es zur Ruine wurde. Schon vorher hatte sich die -arg verwüstete Stadt ergeben müssen. - -Am 31. März 1873 wurde Joachimsthal durch einen schrecklichen Brand -schwer heimgesucht, so zu sagen vernichtet, denn das wüthende -Element verwandelte unaufhaltsam in fliegender Eile 309 Häuser sammt -Nebengebäuden in Schutt und Trümmerhaufen. Auch die grossartige Kirche, -»ein kunsthistorisches und archäologisches Unicum,« wurde zerstört. -Tausende hatten Obdach und Habe verloren! Bei dieser Gelegenheit hat -sich der deutsch-böhmische Dichter und Menschenfreund _Karl Viktor -Ritter von Hansgirg_, der damals Bezirkshauptmann war (geb. am 5. -August 1823 zu Pilsen, gest. den 12. Jänner 1877 zu Joachimsthal), ein -bleibendes Denkmal durch seine aufopferungsvolle, rastlose Thätigkeit -zur Milderung der Nothlage gesetzt. Seine an die Mildthätigkeit -appellirenden Worte wirkten wie ein zündender Funke, und Dank der -Staatssubvention von 500.000 fl., Dank den grossartigsten Hilfsquellen -von Seite der vielsprachigen Völker Oesterreichs und der Nachbarländer -konnte der Wiederaufbau der Stadt in überraschend kurzer Zeit -stattfinden; leider fiel derselbe aber in eine äusserst kostspielige -Bauperiode, so dass es niemand Wunder nimmt, wenn der grösste Theil der -Häuser noch schwer mit Schulden belastet ist. - - -Kleinere Spaziergänge. - -Die Umgebung von Joachimsthal bietet eine Menge einladender und -lohnender Spaziergänge: - -1. _Schloss Freudenstein_, auf der westlichen Seite der Stadt, liegt -auf dem steilen Schlossberg, der nur westwärts in eine Ebene ausläuft. -Von der einstigen festen, überaus zweckmässig angelegten Veste sind nur -zwei runde Thürme von bedeutendem Umfange und ein Stück Ringmauer übrig -geblieben. Von denselben zeichnet sich der vordere, nordöstliche durch -seine Höhe aus; er besitzt ein Laternenthürmchen mit einer Glocke und -wird von dem Stadtwächter bewohnt, welcher früh Morgens um 3 Uhr, dann -um 4 Uhr, Mittags um 11, beziehungsweise 12 Uhr, Abends aber um 7 und -8 Uhr durch Glockengeläute den Bergknappen zum Ein- und Ausfahren das -Signal geben, überdies aber bei Tag und Nacht der Stadtuhr nachschlagen -muss. Den zweiten, kleineren Thurm benützt das k. k. Bergamt als -Pulvermagazin. -- Vom Bergabhange geniesst man _eine ausgezeichnete -Uebersicht der ganzen Stadt_. »Wie im Grundrisse sehen wir sie vor -uns aufgerollt, und einem spähenden Auge entgeht kein Reisender, der -die Strasse einherwandelt; ja, selbst die von anderen Seiten über das -Gebirge herführenden Fusssteige können von diesem Punkte aus übersehen -und bewacht werden, so dass -- wie man sich gewöhnlich ausdrückt -- -nicht eine Maus in die Stadt gelangen kann, ohne dass sie von dem -lauernden Wächter nicht bemerkt worden wäre.« - -=Geschichtliches.= Graf Stefan Schlick legte 1518 den Grundstein zu -dem Schlosse Freudenstein, dessen Bau 1520 vollendet ward. Es lag vor -dem 30jährigen Kriege in der Mitte der Stadt, dessen oberer Theil im -Thale lag, während ein grösserer Theil hinter der Burg auf dem Berge, -wo jetzt die _Neustadt_ liegt, stand. Von dem ehemaligen Stadttheil, -hinter dem Freudenstein gegen Westen, sind jetzt nur Spuren von Mauern -und Kellern vorhanden. Es wurde Anfangs von dem Berghauptmann des -Burgherrn bewohnt, 1525 von aufständischen Bergleuten geplündert und -theilweise verwüstet, bald aber wieder hergestellt. Seit 1545 diente -es dem jeweiligen königl. Berghauptmann zur Wohnung, bis es nebst dem -oberen Theil der Stadt 1634 von den Schweden zerstört wurde. (Siehe -Näheres Geschichte der Stadt Joachimsthal.) - -2. _*K. k. Cigarrenfabrik und k. k. Hüttenwerk._ Auf der -Aerarialstrasse thalabwärts betritt man die _links_ abzweigende -Gemeindestrasse, die zur Cigarrenfabrik führt. Kürzer und bei -staubiger Strasse empfehlenswerther ist der Weg längs der sogenannten -»Ziegengasse«, die von der Hauptstrasse schon beim Kaufmann Siegl -abbiegt. Die k. k. Cigarrenfabrik, ein imposantes Gebäude, liegt in -einem _höchst romantischen_ Seitenthal und beschäftigt 700 Personen. -(Anmeldung behufs innerer Besichtigung hat beim k. k. Fabriksdirektor -zu geschehen.) -- Auf der Aerarialstrasse etwas weiter abwärts gelangt -man zur _Barbara-Kapelle_ und dann zum k. k. _Hüttenwerk_, leicht -erkenntlich durch seine riesenhaften schlanken Essen. Hier werden die -_berühmten Uranpräparate_ erzeugt, die nicht nur nach den verschiedenen -Ländern von Oesterreich-Ungarn, sondern auch in's Ausland versendet -werden. (Man melde sich beim k. k. Hüttenverwalter in dem rechts von -der Strasse auf einer Anhöhe liegenden Verwaltungsgebäude an.) - -3. _Zum Seilerweg._ Die früher genannte Aerarialstrasse benützend, -lenken wir von dieser beim sogenannten Badhause, jetzt Unger's -Färberei, ab und schlagen den Weg _rechts_ zu dem durch den -unvergesslichen Erzgebirgsfreund K. V. Ritter von _Hansgirg_ -verschönerten _Friedhofe_ und zu der _Spital-_ oder _Todtenkirche_ -mit mehreren guten Gemälden aus alter Zeit, ein. Beim Hauptthore -des Friedhofes eintretend, die _Grabdenktafel des Dechants P. Anton -Böhm_, des Verfassers einer Joachimsthaler Chronik, (gebor. 29. -Juni 1785, gestorben 14. Feb. 1862), nahezu in gleicher Richtung an -der gegenüberstehenden Mauer das einfache _Grabdenkmal des Dichters -Karl Victor R. von Hansgirg_, gesetzt von den Bezirksgemeinden. Auf -dem ebenen Seilerwege selbst entrollt sich vor unseren Augen ein -_prachtvolles, malerisch schönes Bild der Stadt_. Vor uns liegt der -ganze Marktplatz, durch dessen Mitte längs des Weseritzbaches sich -eine Allee Kastanienbäumchen windet. Dazu die die Stadt umfriedenden -Bergeslehnen mit ihren Wiesen, Feldern und Halden, das herrliche -Seitenthal der Cigarrenfabrik mit den prächtigen, dicht bewaldeten -Höhenzügen und den darauf idyllisch ruhenden Häuschen -- dies alles -gewährt wahrlich ein ebenso überwältigendes als seltenes Panorama! - -4. _Zur Halde_ bei dem Einigkeitsschacht, oben sehr schöner, ebener Weg -mit herrlicher Aussicht auf die Stadt und Gebirgslandschaft. - -5. _Zum Kaiser Josef-Schacht_ vom Einigkeitsschachte entlang der sog. -»Eisenbahn« dann den Weg links ab. Ist an heissen Sommernachmittagen -sehr empfehlenswerth, weil kühl und ebenfalls schöne Aussicht auf die -Stadt. - -6. _Zur Johannis- und Prokopi-Kapelle._ Erstere liegt auf einer Anhöhe -an der Ostseite der Stadt und führt von ihr ein Weg zu der weiter -nordöstlich auf einem hohen Berge stehenden, weithin sichtbaren -_Prokopi-Kapelle_ mit _lohnendster_ Aussicht. Diese Kapelle, von -Feldern umgeben, ist unausgebaut geblieben und zeigt sich als Ruine. - -7 _*Zum Graben und auf den Grauenstein._ Durch das Oberthal auf der -nach Gottesgab führenden Strasse aufwärts, schlagen wir, zur Rechten -eine Allee erblickend, den von derselben beschatteten Weg, »_Graben_« -genannt, ein, der uns eine _schöne_ Aussicht auf den gegenüber an der -westlichen Berglehne liegenden Einigkeitsschacht und die Halde sowie -auf die Stadt und die sie umrahmenden Bergeshöhen gewährt. Er zieht -sich um die sogen. »_Schwedenschanze_« herum. Wir schreiten weiter, -gelangen zum städt. Forsthaus »_Hut_«, wo _gute_ Aussicht auf Theile -des Mittelgebirges, betreten links den prächtigen Fichtenwald und -kommen zur _Reichen-Geschieb-Zeche_ am Widergebirge. Rechts von der -»_Hut_« über »_Rauschererb_« auf den sagenreichen »_Grauenstein_«, wo -wir eine _herrliche_ Aussicht auf die umliegende _Gebirgslandschaft_ -geniessen (die schön gelegene Einschicht _Schönerz_, auch _Oelbecken_ -genannt, in ihrer Thalschlucht von Wiesen umgeben, die _Cigarrenfabrik_ -und _Schmelzhütte_, die _Neustadt_, das _Spitzbergel_ bei Pfaffengrün). -Rückweg durch das Thal der Cigarrenfabrik. (Vom Grauenstein aus kann -man auch weiter den _Keilberg_ besteigen. Man geht bis zur »_grünen_ -Kohlstätte«, wo sich rechts der Weg nach Oelbecken, _links_ zum Press -zweigt, von wo man auf die sog. Sonnenwirbler Strasse gelangt.) - - -Ausflüge. - -8. _*Mariasorg_ ¾ St. westsüdwestlich von Joachimsthal. Dorf mit einem -_Kapuzinerkloster_, dessen Kirche mit Gnadenbild ein _vielbesuchter -Gnadenort_ ist; ein sehr beliebter Ausflugsort der Joachimsthaler. -_Wagners Gasthaus._ -- Von dem Einigkeitsschachte führt eine steile -Gemeindestrasse südwestlich zu der Höhe hinan (»_Neustadt_«), links -liegt _Freudenstein_. Auf dem Wege einen Blick rückwärts werfend, -liegt in überraschender Tiefe Joachimsthal, während man ganz auf -der Höhe, der sog. _Mariasorger-Höhe_, eine _bezaubernde Fernsicht_ -auf das gesegnete Schlackenwerther-Lichtenstädter Becken, die Ruine -_Engelhaus_, auf das Mittelgebirge vom Königswarter Kaiserwald bis -gegen das Duppauer Gebirge, ferner einen Theil des Egergebietes erhält; -rechts streckt der _Plessberg_, links der _Koboldstein_ sein Haupt -empor. Ist unstreitig _eine der schönsten und lohnendsten Partien im -Erzgebirge_. - -9. _Koboldstein._ Von der Mariasorger Höhe gelangt man südlich in -gerader Richtung zum _Koboldstein_ bei Pfaffengrün. Die Aussicht -ist zwar etwas beschränkter, wie auf der Mariasorger Höhe, aber -_deutlicher_. (Zettlitz-Karlsbader Bahnhof.) - -10. _Ullersgrün_ 1½ St. (über Mariasorg s. 8). Oberhalb von Wagners -Gasthause wandern wir auf dem angenehmen Wege waldeinwärts südlich -durch den mit den schönsten Waldungen geschmückten _Wolfsberg_, die -würzigste Luft einathmend, bis zu dem schön zwischen Feldern und Wiesen -auf einem Plateau des Hahnberges gelegenen Dörfchen _Ullersgrün_. Vor -unseren Blicken entrollt sich eine _wahrhaft köstliche Rundschau_. (Von -Ullersgrün abwärts kommt man in ½ St. nach Lichtenstadt.) - -11. _Spitzbergel bei Pfaffengrün_ (1 St.) Wir gehen zum -Friedhofskirchlein (siehe 3), bei dem nahe liegenden Häuschen biegt -rechts der Weg ab, von da den steilen Berg hinan, geht man dann -- die -Hauptrichtung ist südlich -- durch den Wald und sieht aus der Ferne -das mit einem Kreuze gezierte _Spitzbergel_, wo sich eine _schöne_ -Aussicht bietet. (_Schönwald_, _Permesgrün_, _Ober-_ und _Unterbrand_, -_Schlackenwerth_, _Lichtenstadt_, _Zettlitz_.) - -12. _*Hauenstein_ (2 St.). _a_) _Gebirgstour._ Der Fussweg nach dem -»wundersam lieblichen Hauenstein«, einem der lohnendsten Ausflugsorte -der Umgebung, führt über den sog. _Galgenberg_ nach _Arletzgrün_, -_Honnersgrün_, _Holzbach_ über _Schönwald_ nach _Hauenstein_. _b_) -_Ueber Oberbrand_, _Weidmesgrün_, _Marletzgrün_, sog. untere Holzbacher -Mühle, _Schönwald_, _Hauenstein_. - -Das Schloss gleichen Namens -- von den Burgen des Egerthales ganz -allein nur bis heute bewohnbar -- ruht höchst malerisch auf einem fast -senkrecht abfallenden Basaltfelsen, dem Hauensteiner _Schlossberg_, -welcher zwischen zwei Bächen, dem Gerinne und dem Zwiesebache, aus -dem Thale sich emporhebt. »Da liegt es«, sagt _Theodor Reinwald_ -(_Therese v. Hansgirg_) so poetischschön, »in's Grün gebettet, auf -Skargen und Terrassen aufsteigend, waldumgürtet, buschumweht, aus -reicher Blättermasse traut herüberwinkend, ein anspruchloses _Schloss_ -im alten Gebirgsstyl, mit Riegelwänden und hohen Giebeln, über denen -sich trotzig, mit wahrhaft feudaler Grösse der alte steinerne Rundthurm -erhebt, im Volksmund der »_Bürgermeister_« genannt. Er schaut so -kühn herunter, als gehöre er einer mittelalterlichen Veste an. -- -Die modernen Wirthschaftsgebäude und Beamtenwohnungen ergänzen das -Gesammtbild.« Die ganze Umgebung des Schlosses, das in neuester Zeit -durch einen Neubau vergrössert wurde, hat die frühere Grundherrin, -_Gabriele Gräfin von Bouquoi_, mit herrlichen, parkartigen Anlagen -und bequemen Wegen verschönert und in der That zu »einem Eldorado -des Egerthales« umgeschaffen. Auf dem höher gelegenen Berge thront -im gothischen Style die _Kapelle_, die der berühmte Architekt und -Professor B. _Grueber_ gebaut und der heimische Bildhauer _Max_ mit -künstlicher Steinmetzarbeit ausgestattet hat. Hier entrollt sich -dem Naturfreunde ein bezauberndes Landschaftsbild. Zu der »_Koppe_« -des östlich vom Schlossberge aufsteigenden _Eichelberges_, dessen -Waldung über 50 Baumarten enthält, gelangt man auf sehr bequemen, -serpentinartig angelegten Pfaden in ½ Stunde. »Es ist geradezu -ein Tempel voll gigantischer Säulen, unter dessen hochgewölbtem -Dach man hinanstrebt.« Von der »Koppe« erschliesst sich ein -_überwältigendes, wahrhaft malerisches Panorama_. Am Fusse des Berges -weithin das lachende, fruchtbare, mit Ortschaften gezierte, von der -Eger durchschlängelte Thal, westlich das Fichtelgebirge, östlich -Komotau, nördlich Schönwald und der Keilberg, der gigantische König -des Erzgebirges; dazu winken vier alte Ritterburgen; links das -nahe _Hauenstein_, nordöstlich auf schroffen, zerklüfteten Felsen -_Himmelstein_, südlich das hochragende, sagenreiche _Engelhaus_ und -stromabwärts _Schönburg_. Rückwärts kehrt man über den »_Seeteich_« -oder die »steile Wand« in das »_Fremdenhaus_« zurück. Dasselbe ist -im Schweizerstyl erbaut, enthält eine Restauration und gewährt vom -Balkon des Sommersalons eine herrliche Aussicht. Empfehlenswerth ist -die schattige Promenade am »_Meierrang_«, wohin man auf wohlgepflegten -Wegen gelangt. Von Hauenstein aus wird ein Abstecher auf der Strasse -in südöstlicher Richtung, dann weiter nordöstlich längs der Bahn in -dem herrlichen Egerthale nach dem Orte »*Krondorf« mit dem bekannten -Sauerbrunn allen Touristen empfohlen. Die Landschaftsbilder sind -hier sehr mannigfaltig und von überraschender Schönheit. Die hier -liegende Eisenbahnstation Wickwitz-Welchau, sowie die Station Neudau -sind Absteigestationen für den Besuch von Giesshübel-Puchstein. Für -Hauenstein selbst ist Absteigestation Hauenstein-Warta, so dass diese -Partie in bequemer Weise von Schlackenwerth oder Klösterle mit der -Bahn zu machen ist. Dann können wir den Weg in bekannter Weise nach -Joachimsthal fortsetzen. - -=Geschichtliches.= Die Burg _Hauenstein_ taucht urkundlich zuerst -zu König Johanns Zeiten auf, wo sie der Ritter _Nikolaus Winkler_ -lehensweise besass, der sie an das Prämonstratenser-Nonnenkloster zu -Doxan verkaufte. Dieses vertauschte 1336 die Burg an König Johann, -der sie wieder verpfändete. Hauenstein, das rasch seine Besitzer aus -verschiedenen Geschlechtern wechselte, kam endlich 1528 an Heinrich -II. Schlick von Holicz, Grafen von Passaun, und blieb bei dessen -Nachkommenschaft bis 1664, in welchem Jahre Franz Ernst Schlick das Gut -an Heinrich Julius von Sachsen-Lauenburg verkaufte, der dasselbe mit -der Herrschaft Schlackenwerth vereinigte. Seitdem erfuhr Hauenstein -mit dieser alle Besitzveränderungen. 1811 wurden die Herrschaften von -einander getrennt. Hauenstein blieb Eigenthum der k. k. Kammer und -wurde nebst Kupferberg 1836 an die kunstsinnige Gräfin Gabriele von -Bouquoi, einer Wohlthäterin des Erzgebirges, verkauft, die es ihrem -Sohne, dem Grafen Georg von Bouquoi, vererbte. - -13. _Zum *Keilberg._ Indem wir auf die Tour _Joachimsthal-Gottesgab_ -verweisen, von wo der Keilberg am _bequemsten_ bestiegen werden kann, -halten wir es für unsere Pflicht, die Touristen auf zwei _kürzere_, -freilich etwas steiler führende _Waldwege_ aufmerksam zu machen. -1. Vom Forsthause _Hut_ (Siehe Joachimsthaler Spaziergänge 7) nach -der _Pfarrwiese_ unterhalb der _Reichen-Geschieb-Zeche_, über's -_Pfarrknöchel_ zum _Press_ und von da auf die sog. Sonnenwirbeler -Strasse. 2. Vom Pfarrknöchel zum ärarischen _Wassergraben_ bis zum -_Unruhstollen_, von da über die _Maderwiese_ zu den _Unruhhäusern_ und -weiter zum _Keilberg_. (Man nehme einen _Führer_.) - -14. _Zum Spitzberg._ Haben wir denselben erstiegen, so breitet sich -ringsum ein _reiches_ Panorama aus. Man hat im Osten vor sich das -Riesenhaupt des Keilberges, der, von unserem Standpunkte betrachtet, -wegen seiner imposanten, keilförmigen Ausdehnung nach Südost so recht -seinen Namen rechtfertigt, weiter links den Fichtelberg in Sachsen -und zwischen den beiden Giganten des Erzgebirges ganz im Vordergrunde -»auf tiefverlass'ner stiller Bergeshaide« das Städtchen Gottesgab mit -seinem Territorium. Nach Norden hin sehen wir ausgedehnte, endlose -Waldungen, nach Nordwest die Gegend bei Johanngeorgenstadt, Eibenstock -und immer westlicher die deutlichen Conturen des Fichtelgebirges. Die -_schönste_ Aussicht aber bietet sich dem Beschauer nach Süden und -Südwesten; denn der Spitzberg beherrscht beinahe die Hälfte des Egerer -Kreises. Vor uns liegen der kahle Plessberg bei Abertham, die dürre -Haide bei Wölfling und andere Punkte der Erzgebirgswelt; das Duppauer- -und Tepler-Gebirge, sowie der Kaiserwald bilden den Hintergrund des -herrlichen Landschaftsgemäldes, aus dem ein Theil von Schlackenwerth, -die nächste Umgebung Lichtenstadt's, der Grossteich, der Karlsbader -Bahnhof, die Ruine Engelhaus, Giesshübel, Tüppelsgrün und in blauer -Ferne die Gegend bei Maria-Kulm bis in die nächste Umgegend von Eger -hervortreten; ausserdem gewahrt man die Umgebung von Einsiedl und -Marienbad. - - -Tour: -Joachimsthal-Abertham-Bärringen-Platten-Breitenbach-Johanngeorgenstadt. - -Wir gehen auf derselben Strasse, die wir auf unserer Reise nach -Gottesgab benützten (siehe Tour Joachimsthal-Gottesgab), bei der -Dekanalkirche durch das Oberthal, wo die Berge ziemlich nahe -zusammentreten, stets bergan und treten bald oberhalb des links im -Thale einsam stehenden _Nadelhäusel's_ bei den _Gneis-Steinbrüchen_ -in den herrlichen Fichtenwald, der zu beiden Seiten der Strasse uns -begleitet. Dieselbe macht kurz darauf eine Biegung nach Westen, -und wir kommen dann zu jener Stelle, wo bei einer steinernen, die -Fahrwege markirenden Säule links von der Reichsstrasse die Strasse -nach Abertham abbiegt. Wir betreten letztere, die bei allmählicher -Steigung erst eine nordwestliche, nach einer abermaligen Biegung aber -eine südwestliche Richtung einschlägt und schreiten nach ¾stündiger -Wanderung an dem rechts von der Strasse am Fusse des Werlsberges -liegenden, zur Gemeinde Joachimsthal gehörigen Orte _Werlsberg_ -vorbei. Schattige Nadelwaldungen erquicken noch immer Auge und -Herz. Auf der Höhe angekommen, tritt zur Linken der Wald zurück und -öffnet uns die Aussicht auf die angrenzende Wiesenflur und den etwas -entfernteren Plessberg, während er zur Rechten längs der immer mehr -sich senkenden Strasse uns noch kurze Zeit das Geleite gibt, um uns -bei seinem Scheiden den freien Blick auf das grosse, krippenartig -zerstreute Dorf _Hengstererben_, das zur Gemeinde Abertham gehört, zu -gewähren. Wir überschreiten unterhalb Abertham's eine über die rothe -Wistritz führende Brücke und erblicken links den sog. _Modersgrund_, -ein Seitenthal, das von genanntem Wässerlein durcheilt wird und sich -in mehreren Krümmungen südlich gegen Salmthal zieht, wo es in das -Wistritzthal mündet. Noch einen steilen Abhang empor, und wir sind nach -1½stündiger Tour in _Abertham_, das uns schon von der Höhe aus durch -seine Lage erfreut hat. (Wir wollen hier besonders bemerken, dass von -Joachimsthal nach Abertham ein kürzerer, freilich etwas steiler, sonst -aber empfehlenswerther Fussweg führt. Man geht zur _Neustadt_ (siehe -Joachimsthaler Ausflüge 8), schlägt daselbst bei der Kapelle den Weg -rechts ein, der hinter den Häusern sich in eine Strasse verwandelt, die -längs den _Schweizerhalden_ über den Kamm nach der _Eliaszeche_ führt; -von dort leitet ein Weg nach Werlsberg, der in die von Joachimsthal -nach Abertham führende Strasse mündet.) - - - - -Abertham. - - - =Gasthöfe=: »_Hôtel zur Stadt Wien_« und »_Gasthaus zur Stadt - Berlin_«. - - =Postamt.= _Bürgermeisteramt._ - -Abertham liegt an einem kleinen Bache, der Rothen Wistritz unweit am -Fusse des waldlosen, gras- und moosbewachsenen Plessberges auf einem -rauhen Hochplateau, »auf welchem man an einem Abhange gleich einem -_Bethlehem_ des alten Bergstädtchens gewahr wird, dessen nette, aber -meist hölzerne Häuser krippenspielartig gelagert sind und mit dem dazu -gehörigen Orte _Hengstererben_ sich einigen.« Die Bevölkerung nährt -sich durch Viehzucht, Spitzenklöppelei und Handschuhfabrication. Auch -hier werden, wie in Bärringen, junge Gimpel aufgezogen und mit ihnen -passende Melodien eingeübt, was den Züchtern jährlich ein hübsches -Geldsümmchen einbringt. - -=Sehenswürdigkeiten.= _Handschuhfabrik_ des Alois Chiba. Die St. -_Mauriz-Zinn-Zeche_ (bei Hengstererben). Abertham, das seine Entstehung -dem 1529 hier beginnenden Bergbau verdankte, gehörte zu Joachimsthal -und theilte mit dieser Stadt bis in's XVII. Jahrhundert Gutes und -Böses. Am ergiebigsten war die Silberausbeute in den Jahren von -1531--1558. Die St. Lorenz-Fundgrube soll bis 1562 allein für 209.992 -Goldgulden Ausbeute an Silber geliefert haben. - -=Besteigung des Plessberges.= Dieser Berg, der wegen seiner -_herrlichen_ Aussicht des Besuches werth ist, hat eine Höhe von 1025 m. -Er liegt südöstlich von Abertham und kann von einem rüstigen Fussgänger -in ¾ Stunden erreicht werden. Sein Plateau ist ziemlich eben, mit einer -_Triangulirungspyramide_ versehen und von drei Seiten zugänglich, -und zwar: von Seite des sog. _Mühlberges bei Abertham_ (dies ist der -_kürzeste_ Weg, doch _verweichlichten_ Touristen wegen vieler nassen -Wiesen nicht zu empfehlen), _durch den Modersgrund über Oberkaff_ (Kaff -liegt am Gehänge des Plessberges, gegen das Wistritzthal) (dies ist -der beste Weg) und über die sogenannte _weite Wiese_ (diese liegt in -joachimsthaler städt. Waldungen und befindet sich unweit Werlsberg ein -Hegerhaus.) - -Wir erblicken gegen Norden und Nordwesten: Abertham mit Hengstererben, -die Kirchthürme und einige höher gelegene Häuser von Bärringen -und Platten. (Die Aussicht in weitere Ferne wird durch bewaldete -Berge gehemmt); gegen Nordosten und Osten bietet sich dem Auge ein -coupirtes, mit Waldungen bedecktes Terrain dar, aus dem einzelne -Häuser von Werlsberg, Werlsgrün und Mariasorg wunderschön hervorlugen; -der Spitzberg (rechts davon der Kirchthurm von Gottesgab) und der -Keilberg schliessen die weitere Aussicht ab. Die reichste und -lohnendste Fernsicht ist gegen Südost und Süden, denn in diesen -Richtungen erschliesst sich ein prachtvolles Landschaftsbild bis auf -5 Meilen Entfernung. Deutlich sichtbar ist: Kaff, Lindig, Ullersgrün, -Pfaffengrün, Schlackenwerth mit den umliegenden Dörfern (Liditzau, -Müritschau, Permesgrün, Neudau, Elm, Haid, Langgrün und Gfell), -weiterhin Karlsbad mit den Dörfern (Zettlitz, Dallwitz, Hohenhof), -dann die reichbewaldete Berglehne zwischen Karlsbad und Puchstein -(Giesshübler Sauerbrunn) mit der Ruine Engelhaus. Bei reinem Wetter -oder nach einem Gewitterregen kann man mit einem halbwegs bewaffneten -Auge die Fenster des Schlosses zu Giesshübel zählen und sieht in -weitester Ferne Gabhorn (bei Petschau) und eine Menge umliegender -Dörfer, darüber hinaus das Tepler Gebirge mit dem branischauer Berge -bei Theusing, dem prohomuter Berge, der wie eine Brille sieht, der -Stenzka zwischen Neumarkt und Tepel und dem Podhorn bei Marienbad, -ferner viele zerstreut liegende Ortschaften gegen Duppau. Die Fernsicht -gegen Prag zu hemmt der Oedschlossberg bei Duppau, die _höchste Kuppe -des Buchwaldes_, und der Gross(Heu)berg bei Jokes. Leider beschränkt -der Glasberg mit den wöflinger Waldungen die Aussicht gegen Westen und -Südwesten gänzlich, bei hellem Horizonte aber sind bewaldete Kuppen -bemerkbar, die wohl höher gelegene Berge bei Königsberg oder auch -Theile des Fichtelgebirges sein mögen. - -Oberhalb der Stadt Abertham, der sich fast unmittelbar der Ort -_Ober-Fischbach_ anreiht, führt die Strasse auf dem öden, rauhen -Plateau zwischen Wiesen, Hutweiden und Mooslagern, senkt sich -dann, und wir gelangen in ½ Stunde nach _Bärringen_. (Siehe Tour -Karlsbad-Lichtenstadt-Bärringen.) - -Von Bärringen nimmt die Strasse bei mässiger Steigung eine nördliche -Richtung, wir durchschreiten bald einen Wald, an dessen Saume wir bei -der sog. Plattner Säule die Anhöhe erreichen. Von hier erblicken wir -die Stadt _Platten_, die wir bei allmählicher Senkung der Strasse nach -½stündiger Tour betreten. (Denjenigen Touristen, die Bärringen bereits -kennen, sei der von Abertham direct nach Platten zwischen Wiesen und -Feldern führende Fussweg der Kürze wegen besonders empfohlen; er -zweigt in Abertham rechts von der Strasse ab und mündet unterhalb der -Plattersäule wieder in die Strasse. Siehe Tour Neudek-Platten.) - -Durch die Kaisergasse in Platten geht die Strasse westlich, wendet -sich bald mehr nordwestlich und führt in mehreren Windungen durch ein -schönes, anmuthendes Waldthal, das der Breitenbach durchfliesst, nach -dem Dorfe _Breitenbach_ (¾ St.). Auf dem Wege dahin sehen wir die sog. -_Heinrichssteinfelsen_, 3 Mühlen und 2 Holzschleifereien des Friedrich -Karl _Richter_ und _Weizmann_ (Hahns Gasthaus zur Sonne). - - -Seiten-Tour Joachimsthal-Spitzberg-Seifen-Irrgang-Zwittermühl- -Jungenhengst-Wittigsthal. - -Man geht auf der Strasse nach Abertham bis zum Wegweiser, der uns die -_rechts_ zum _Spitzberge_ (1½ St.) und von da nach _Försterhäuser_ (¼ -St.) und nach _Seifen_ (¼ St.) führende Strasse angibt. Letzterer Ort -liegt am Wassergraben (siehe Platten). Nun geht man entweder direct -nach _Zwittermühl_ (½ St.), das am Schwarzwasser liegt, oder betritt -die über _Irrgang_ (Eisenwerk) dorthin leitende Bezirksstrasse. Von -Zwittermühl führt die Strasse durch das *_reizende Schwarzwasserthal_ -nach _Jungenhengst_, _Brettmühl_ und Wittigsthal (Sachsen). - - -Tour Joachimsthal-Gottesgab-Weipert. - -Von Joachimsthal führt über Gottesgab nach Weipert eine gute Strasse. -(4 St.) Wir schlagen entweder die rechts bei der Dekanalkirche -vorüberleitende Strasse ein, oder gehen an der links davon befindlichen -Häuserreihe den Weg durch das Oberthal aufwärts, der sich bei den -letzten Häusern mit der Strasse vereinigt. Diese geht nur noch eine -kleine Strecke thalauf (der Fussgänger verfolge den Thalweg bis -zur Strasse weiter), erklimmt in zwei Windungen die Berglehne und -führt durch prächtige Waldungen auf den rauhen, moorreichen Kamm -des Gebirges; wir schneiden aber kurz nach Eintritt in den Wald -die vielfachen Krümmungen der Strasse ab, indem wir den rechts -abzweigenden, stark betretenen, aber etwas steil ansteigenden Fussweg -wählen, der auf dem Plateau am Ende des Waldes in die Strasse mündet, -die uns endlich nach einstündiger Tour nach Gottesgab bringt. - - - - -Gottesgab. - - - =Gasthöfe=: »_Zum grünen Haus_« und »_Zur Stadt Berlin_«. - (Beide an der Strasse, ersterer zur Linken, letzterer zur - Rechten). - - =Postamt= (an der Strasse). - - =Aemter=: _Bürgermeisteramt_ (am Marktplatze). _Zollamt._ - - -Beschreibung und Geschichte der Stadt. - -Die kön. Bergstadt Gottesgab liegt auf einem überaus stiefmütterlich -ausgestatteten, unwirthbaren und frostig-rauhen Moor-Plateau hart an -der sächsischen Grenze, 1015 Meter ü. M., und ist die höchstgelegene -Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie. Auf dieser baumlosen, -öden Hochfläche, auf welcher nur ein dürftiger, doch sicherer Graswuchs -fortkommt, wird der Hafer selten reif, und der Kartoffelbau, der in -manchen Jahren ganz misslungen ist, lohnt kaum die Saat und Pflege; -daher beschränkt sich die Landwirthschaft fast ausnahmslos auf die -_Viehzucht_. Das Städtchen, welches sehr regelmässig angelegt ist und -einen grossen, quadratischen Marktplatz besitzt, zählt 1600 Einwohner, -die grösstentheils auf Hausindustrie angewiesen sind. Die weibliche -Bevölkerung beschäftigt sich hauptsächlich mit Spitzenklöppeln, -Weissnäherei u. dgl., auf die männliche aber, von der ein Theil -Weissstickerei betreibt, lässt sich Schiller's Wort: »Der Mann muss -hinaus in's feindliche Leben« im weitesten Sinne anwenden; sie zieht -hinaus in die Welt, um durch Musik und Handel das Brot zu verdienen. -»Fahrende« Musikkünstler aus Gottesgab sind in aller Herren Ländern -zu finden. Ursprünglich hiess das Städtchen _Wintersgrün_, erhielt -aber seiner reichlichen Silbererze wegen von frommen und dankbaren -Bergleuten den bedeutungsvollen Namen Gottes Gabe. Der Sage nach soll -dieser Namen von Johann Friedrich, Churfürsten von Sachsen, herrühren, -dem man bei einem Besuche einen aus einer Silberstufe ausgehauenen -Sessel zum Niedersetzen vorgesetzt habe. Der fromme Churfürst habe -aber dieses Anerbieten mit den Worten abgewiesen: »Das sei Gottes -Gabe, und so soll die Stadt hinfüro genannt werden.« _Sehenswerth_ -sind: »_Die Klöppelschule_«, gegründet von dem thatkräftigen -»Central-Comité zur Beförderung der Erwerbsthätigkeit der böhm. Erz- -und Riesengebirgsbewohner«, und _zwei Maschinenstickerei-Fabriken_ des -_Karl Günther_ und _Günther und Schönfelder_. Seine Entstehung verdankt -Gottesgab dem Silberbergbau; ein Herr von Tetau soll es im Anfange des -XVI. Jahrhunderts angelegt haben. Im Jahre 1532 begann der Bergbau auf -Silber. Der Churfürst Johann Friedrich von Sachsen gab der Stadt 1534 -eine Bergfreiheit und 1546 das Privilegium als eine freie Bergstadt. -Kraft eines im Jahre 1556 mit Moriz von Sachsen abgeschlossenen -Vertrages kam Gottesgab an Böhmen. - -Wie an vielen anderen Orten des Erzgebirges ist auch hier der ehemals -blühende Bergbau ganz eingestellt; nur Halden, Pingen, Stollen zeugen -von einstigen unterirdischen Metallschätzen. Die am 4. Mai 1808 -ausgebrochene Feuersbrunst legte 142 Häuser sammt dem Rathhause, der -Pfarrei und Schule in Asche. Dadurch verarmten viele Bewohner, die -überdies durch die grosse Theuerung i. J. 1817 viel Ungemach zu leiden -hatten. Nur die wohlthätige Unterstützung Böhmens rettete die Stadt vor -Hungersnoth. Bei dieser Gelegenheit erwarb sich der damalige Pfarrer -von Gottesgab, _Franz Wilhelm Tippmann_, später Weihbischof des Prager -Domcapitels, bedeutende, unvergessliche Verdienste. Derselbe stiftete -auch, durchdrungen von wahrer christlicher Nächstenliebe, ein Spital. --- Gottesgab ist die Geburtsstätte mehrerer verdienter Deutschböhmen: -_Thaddäus Peithner_ war k. k. Hofrath, _Johann Theodor Anton Peithner -Ritter von Lichtenfels_ war Bergrath und Bergwerkshistoriker -(gest. 1792) und _Josef Köhler_ starb als General-Grossmeister des -Kreuzherrenordens zu Prag. - -=*Besteigung des Keilberges.= (¾ St.) Etwa 300 Schritte oberhalb -des Zollschrankens zweigt von der Kaiserstrasse zu unserer Linken -eine Strasse über Sächs. Wiesenthal nach Annaberg in Sachsen ab. -Auf ersterer in südöstlicher Richtung weiterschreitend (falls man -nicht schon früher einen rechts von der Strasse führenden, sehr -empfehlenswerten _Wiesenweg_, der bis zu den Sonnenwirbelhäusern -leitet, gewählt hat), erblicken wir geradeaus die drei -Sonnenwirbelhäuser, die höchsten Wohnungen des Erzgebirges. Immer -bedeutender wird die Steigung der Strasse; nach ¼stündiger Wanderung -nähern wir uns dem Sonnenwirbel (so wird gewöhnlich die westliche -Kuppe des Keilberges genannt), dessen nördliche Abdachung nur mit -spärlichem Fichtenbestand bedeckt ist; nach unten zieht sich der -sog. _Kaltewintergrund_ hin, der wohl die traurigste Gegend des -Erzgebirges ist; denn auf der Mitternachtseite, wo selten oder nie -ein Sonnenstrahl in diese beinahe unheimliche Schlucht dringt, -liegt selbst im Juni noch Schnee. Und doch findet sich daselbst -eine Ansiedlung, der »_Kalte Winter_«, im Volksmunde »_Böhmisch -Sibirien_« genannt. Die Bewohner dieser Einschichte können bei -schrecklichen Schneestürmen oft acht Tage lang nicht aus dem Hause, -und es wäre fürwahr tollkühn, wenn sie sich aufs Geradewohl durch -die klafterhohen Schneemassen einen Weg bahnen wollten. Noch eine -kurze Strecke aufwärts und es entrollt sich vor unseren Blicken ein -überraschendes Panorama. Südlich vor uns breitet sich ein imposantes -Seitenthal aus, dessen schützende Lehnen mit stattlichen Wäldern -bedeckt sind. Hier in nächster Nähe fristet die verkrümmte Fichte, ja -sogar die sonst zähe Eberesche ein kümmerliches Dasein und dort unten -im Thale strecken Tannen, Lärchen, Birken und Buchen ihre Häupter -stolz empor. Welch ein Contrast! Den Hintergrund der herrlichen -Scenerie bildet das grossartige Gebäude der Joachimsthaler k. k. -Zigarrenfabrik. Nach einigen Minuten zeigt uns ein _Wegweiser_ mit -der Aufschrift »Zum Keilberg« an, dass wir die Strasse verlassen und -einen gut erhaltenen _Fahrweg_ betreten müssen, der uns bis _auf die -höchste Kuppe des Keilberges_ führt. »Dieser Höhenpunkt, der _höchste -im Erzgebirge_, bildet gewissermassen den _Hauptstock_ des ganzen -Gebirges; einen _Gebirgsknoten_, von welchem dasselbe in nordöstlicher -und südwestlicher Richtung verläuft, dessen höchste Punkte sich -zunächst um ihn gruppiren, so dass es hier fast _das Ansehen eines -Hochgebirges_ erhält.« Diese Bezeichnung kommt vorzugsweise dem steilen -südlichen Abfalle oder Joche des Keilberges zu, auf welchem sich -mehre Kuppen mit abfallender Höhe, am bedeutendsten der _Leerberg_, -die Kuppen bei Dornberg und bei Marletzgrün, dann die Berge bei -Hauenstein (der Hauensteiner _Schlossberg_, westlich von ihm der -_Maierrang_ und östlich der _Eichelberg_) hervorheben. Der Fuss dieses -Gebirgsjoches wird unmittelbar von der Thalebene (Egerthal) begrenzt, -aus welcher es plötzlich sehr schroff emporsteigt. Westlich ist es -durch das tief eingeschnittene _Weseritzthal_ begrenzt, in welches -einige enge, von hohen, steilen Gehängen eingefasste Seitenthäler -einmünden. Diese steilen Abhänge und hohen Gehänge der engen Thäler, -die Gruppirung ansehnlicher Kuppen, welche in ihrer Zusammensetzung -einander überragen, geben ihm hier mehr als an einer anderen Stelle -seiner Verbreitung das Ansehen eines »Hochgebirges.« Die bedeutendsten -Höhenpunkte, welche sich um den Keilberg gruppiren, sind: (im Norden) -der _Fichtelberg_ (jenseits der Landesgrenze), der _Gattersberg_ -(zwischen Stolzenhahn und Wiesenthal), der _Hofberg_, der _Riegelberg_, -der _Grosse_ und _Kleine Wolfsberg_ (nordöstl. von Stolzenhahn) und der -_Blaselsberg_ (zwischen Stolzenhahn und Kupferberg); (im Osten) der -_Wirbelstein_ (nördlich vom Hauensteiner Forsthause), der _Eisenkopf_ -und der _Buchberg_; (im Süden) die _hohe Wiese_, weiter abwärts der -_Schobert-_ oder _Schubertberg_ und westlich von diesen der _Hohe -Berg_ und der sagenreiche _Graue Stein_, von welchen beiden dann die -Gehänge dieser Bergmasse in Absätzen in das Thal abfallen; (im Westen) -der _Spitzberg_ (bei Gottesgab), der _Steinhübel_ (bei Irrgang), der -_Plattenberg_ (östl. von Platten), der _Buchberg_ (westl. von Platten); -(im Nordwesten) der _Kaffberg_ und der _Mückenberg_ (bei Goldenhöhe). - -Den höchsten Punkt des Keilberges krönt ein 21 Fuss hohes, einfaches, -_aber sehr fest_ und _praktisch gebautes Aussichtsobject_, das der -Erzgebirgsverein in Joachimsthal im Jahre 1880 errichtet hat. Haben wir -die zweite Terrasse dieses Objectes bestiegen, so eröffnet sich uns -eine _umfassende, wahrhaft grossartige, überwältigende Rundsicht_, die -uns unwillkürlich an die vortrefflichen Worte _Karl Egon_ von _Eberts_, -des hochgefeierten Altmeisters der deutsch-böhmischen Dichter, erinnert: - - »Ihr Berge, stolze Berge, du schwarze Wäldernacht, - Ihr golderfüllten Ströme, ihr Au'n in grüner Pracht, - Ihr sanft gewölbten Hügel im blumigen Gewand, - Euch nenn' ich freudig rufend, mein _schönes_ Vaterland!« - -In nächster Nähe streben dicht an einander gereiht, wie Mastbäume die -schlank gewachsenen Fichten und Tannen des prächtigen _Schwarzwaldes_ -(die ausgedehnten, herrlichen Waldungen, am Südabhange des Keilberges -führen diesen Namen) empor, an den sich weithin nach den verschiedenen -Richtungen die gewaltige Waldregion, ein förmliches Forstmeer, der -mannigfaltigen Höhenzüge mit ihren Kuppen anreiht; denn der Blick -schweift bei heiterem Himmel über das ganze (besonders das böhmische) -Erzgebirge vom Böhmerwalde und Fichtelgebirge bis an das Riesengebirge, -eine wundervolle Aussicht, wie sie in solchem Masse _kein_ zweiter -Punkt im ganzen Erzgebirge bietet. In südöstlicher Richtung sehen wir -die Städte: Saaz, Kaaden, Klösterle und viele grössere und kleinere -Ortschaften (mit einem guten Fernglase sieht man bei heiterem Himmel -sogar den historischen weissen Berg bei Prag); östlich gewahren wir -zunächst Kupferberg mit dem kegelförmigen Kupferhügel (letzterer -ist gegen unseren Standpunkt verschwindend klein) und in weiterer -Entfernung links Dörnsdorf, Reischdorf, die Kirchthurmspitze von -Pressnitz. Ganz im Hintergrunde erblicken wir die Kuppen des herrlichen -böhmischen Mittelgebirges mit dem Milleschauer. Gegen Norden verdecken -die beiden Fichtelberge die Aussicht nach Sachsen, doch ist diese -nach Nordost lohnend. (Schmiedeberg, Jöhstadt, Weipert, Annaberg); -der Bahnhof von Weipert, die Kirche von Annaberg und die imposante -Volksschule in Schmiedeberg sind mit freiem Auge sichtbar. Gegen Süden -bemerken wir das Duppauer Gebirge mit der Ruine Engelhaus, den Bahnhof -von Karlsbad, ferner Schlackenwerth und das liebliche, reizvolle -Egerthal, im Südwesten im Hintergrunde den Dillenberg bei Eger, den -Kaiserwald, im Westen das Fichtelgebirge mit dem Hainberge bei Asch. -Bei dieser Darlegung wurde nur das Wichtigste hervorgehoben, denn alle -einzelnen Punkte dieses _farbenprächtigen Panoramas_ zu schildern, -lässt der Raum des Buches nicht zu, zudem wir in anderer Beziehung des -Keilberges gedenken mussten. Erhaben und schön ist auf diesem Berge -die Beobachtung des _Sonnenaufganges_. (Der Botaniker findet Moose und -Vorboten subalpiner und selbst alpiner Pflanzen). - -Um unsere beabsichtigte Tour zu vollenden, kehren wir wieder bis zum -bekannten Wegweiser zurück, wo wir die nach Weipert führende Strasse -weiter verfolgen; dieselbe zieht sich anfangs einige hundert Schritte -auf der Ebene dahin, senkt sich dann allmählig, und wir sehen plötzlich -bei einer Biegung ein malerisches Bild. Wie hingegossen liegt das -sächsische Städtchen _Oberwiesenthal_ vor uns, das bloss durch die Pöhl -von _Böhmisch-Wiesenthal_ getrennt ist. Man wird nicht satt, dieses -Bild zu betrachten, immer wieder zieht es das Auge des Touristen auf -sich. Wir steigen indess tiefer und gelangen zu den _Hofberghäusern_ -mit dem anständigen Gasthof »_Hofberg_« (Hier biegt, rechts die Strasse -nach Kupferberg, links nach Böhmisch-Wiesenthal ab). Nachdem wir durch -eine kleine Erfrischung uns erquickt haben, schreiten wir auf der -Strasse bei kaum wahrnehmbarer Senkung zur rechten Seite des grossen -Dorfes _Stolzenhahn_ hin und erreichen nach einer ½stündigen Wanderung -durch eine zu beiden Seiten der Strasse liegende liebliche Waldung -_Böhmisch-Hammer_, wo sich _rechts_ die Strasse nach _Schmiedeberg_ -abzweigt. (Gleich oberhalb des Dörfchens ist ein ansehnlicher _Viaduct_ -der Buschtěhrader Zweigbahn Komotau-Weipert bemerkenswerth.) An der -Strasse selbst liegt der ansehnliche _Gasthof_ »_zum Schlössl_.« Immer -näher zieht sich dieselbe an der Landesgrenze auf der Ebene dahin -und wir erblicken bald auf böhmischem, bald auf sächsischem Boden -ein Gehöfte, eine Mahl- oder Papiermühle, ein Gasthaus u. dgl., was -uns eine annehmbare Abwechslung gewährt. Wir merken kaum, dass wir -uns schon _Weipert-Neugeschrei_, der Vorstadt Weiperts, nähern. Hier -liegen die Häuser einzeln gebaut, zu beiden Seiten der Strasse. Von -_Gottesgab_, noch besser von _Försterhäuser_ (siehe oben), können wir, -in Försterhäuser unweit des Forsthauses abbiegend, eine prächtige -Seitentour ausführen. Wir gehen auf einer guten, durch herrliche -Wälder führenden Strasse oder auf einem Fusswege am Goldenhöher -Forsthause vorüber in das idyllisch gelegene Dorf _*Goldenhöhe_, -dann nach der sogenannten _böhmischen Mühle_ und von da weiter nach -Sachsen. Dieser, zwei Stunden bis zur Grenze in Anspruch nehmende -Weg ist herrlich. Die schönen, wohlgepflegten Waldbestände erwecken -die Bewunderung jedes Touristen. Es ist eine ächte Gebirgswanderung. -Bei der genannten Mühle öffnet sich das Thal, vom reissenden -Pöhlbach durchbraust; wir überschreiten die Grenze, durchwandern das -industriereiche, an beiden Abhängen des erweiterten Thales romantisch -gelegene Dorf _Rittersgrün_ und kommen in ¾ Stunden in _*Globenstein_ -an, wo die höchstinteressanten Felsgebilde unsere Aufmerksamkeit -erwecken. Fortsetzung der Tour über _Crandorf_ oder _Raschau_ nach -_*Schwarzenberg_. Herrliche Partie! - - - - -D. Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus. - - - - -Komotau. - - - =Gasthöfe=: Scherbers Hôtel (Nr. 98 in der Frohngasse). - - Hôtel Reiter (Nr. 14, 15, Ringplatz). - - Städtisches Schiesshaus inmitten des neuen, sehenswerthen - Stadtparkes (nördlich der Stadt) gelegen, sehr beliebter, - besonders im Sommer reich besuchter Ausflugsort der - Stadtbewohner. - - Hôtel Adler Nr. 16 am Marktplatze, Eck der Steingasse. - - Gasthof zum grünen Baum in der Bahnhofstrasse. - - Städtischer Lagerkeller (Nr. 1 Weinberggasse), schön gelegen, - mit einem grossen Garten und herrlichen Blick auf die Stadt und - das Gebirge. - - Güttler's Restauration (Schäfergasse Nr. 7) schöner Garten mit - Gartenhaus und gedeckter Kegelbahn. - - =Restauration= am Bahnhofe. - - Weiter sind noch erwähnenswerth: Gasthof zum Bahnhof in der - Bahnhofstrasse, »Gasthaus zum Schiefer« in der Prager-Strasse, - »Austria« in der Weinberggasse (Lokal des Lesekasinos), - Städtische Restauration (genannt »Criminelle«), »Binders - Weinhandlung« in der Herrengasse. - - =Aemter=: 1. Die k. k. Bezirkshauptmannschaft; 2. das k. - k. Bezirksgericht; 3. das k. k. Revier-Bergamt; 4. das - k. k. Steueramt; 5. das k. k. Grenz-Inspektorat mit der - k. k. Finanz-Wachkontrolsbezirksleitung und dem k. k. - Hauptzollamte; 6. das k. k. Postamt am Schulplatz; 7. das k. - k. Telegraphenamt in der k. k. Bezirkshauptmannschaft; 8. - das k. k. Aichamt; 9. das k. k. Gendarmeriepostenkommando; - 10. die Komotau-Sebastiansberger Bezirksvertretung; 11. das - Bürgermeisteramt. - - =Lehranstalten=: 1. das Communal-Obergymnasium; 2. die k. - k. Lehrerbildungsanstalt; 3. die mechanisch-technische - Lehrwerkstätte des k. k. Handelsministeriums; 4. die - Bürgerschule und 5. die Privatvolksschule der Schwestern vom - hl. Kreuz mit Pensionat. - - =Verkehrsanstalten.= 1. die k. k. priv. Aussig-Teplitzer - Eisenbahn; 2. die ausschl. priv. Buštěhrader Eisenbahn; 3. die - k. k. priv. Dux-Bodenbacher Eisenbahn; 4. die Pilsner-Priesner - Eisenbahn. - - Zwei Lesezimmer a) das der Gesellschaft »=Casino=« b) das der - =Ressource=. Eingeführte Fremde haben Zutritt. Die Buchhandlung - von A. _Stumpf_ am Marktplatz ertheilt allen Touristen über - den Gebirgsverein, Führer in's Gebirge u. s. w. Auskünfte; 2. - Buchhandlung von _Mändl_. - -=Sehenswürdigkeiten.= 1. Die Stadtkirche. Der gothische Hauptbau -stammt aus dem Jahre 1542; in früheren Jahren, etwa 400 Jahre zuvor, -stand an diesem Orte eine kleine Kirche; der jetzige Hauptaltar -wurde 1723 erbaut; sehenswerthe, kunstvolle Bilder am Kreuzaltare -sind die der hl. Bonaventura und des hl. Franz von Assisi. In der -Taufkapelle dieser Kirche erweckt besonders Interesse das merkwürdige, -künstlerisch-werthlose Žižka-Bild, welches die Verheerung der Stadt -durch die Hussiten darstellt. 2. Die *St. _Ignaziuskirche_ oder -Jesuitenkirche genannt an der Südseite des Marktplatzes, die grösste -und schönste Kirche Komotaus und im italienischen Baustyl des 17. -Jahrh. erbaut; die Kirche und die jetzt als Kaserne dienenden -Nebengebäude bildeten einst das Jesuitencollegium, das 1773 aufgehoben -wurde. Den Hochaltar dieser Kirche schmückt in seinem oberen Theile ein -Kunstgemälde, darstellend Gott-Vater im Kreise seiner Engelschaaren. -Lanfranco, ein Schüler der florentinischen Schule, malte es. Das -Hauptbild des Hochaltars, gemalt vom Meister Kandler in Prag, stellt -den hl. Ignatius vor; unter dem Presbyterium ist die Jesuitengruft. Die -zweite Seitenkapelle rechts birgt die irdischen Ueberreste des 1681 -verstorbenen Johann Grafen von Hrzan, k. k. Statthalters von Böhmen. -Auf dem Seitenaltare des hl. Viktor befinden sich die Reliquien dieses -Heiligen, mit welchen und zu deren Verehrung die Jesuiten ehemals -jährlich eine Procession durch die ganze Stadt hielten. 3. Das Schloss, -jetzt städt. Rathhaus, auf der Westseite des Marktplatzes, einst der -Wohnsitz von Komotaus Oberherrn, dürfte in seinem noch bestehenden -Bau 1520 errichtet worden sein. Gegenwärtig befindet sich darin das -Bürgermeisteramt, die Sparkasse, das städtische Forstamt, ein Turnsaal -u. s. w. 4. Die Katharinenkirche, dem Schlosse angebaut, darum auch -Schlosskirche genannt, ist das älteste Baudenkmal Komotaus. Schon 1383 -wird bei derselben unter anderen einer Frühmessstiftung Erwähnung -gethan. Unter Kaiser Josef II. wurde die Kirche Eigenthum der Stadt; -jetzt dienen ihre Räumlichkeiten verschiedenen privaten Zwecken. -Die Bauart spricht für das 14. Jahrhundert. 5. Die Spittelkirche -oder Kirche vom hl. Geist in der Gerstnergasse; sehenswerth ist ein -kunstvolles Bild, darstellend den hl. Josef. 6. Gleich darunter -steht die in den fünfziger Jahren erbaute protestantische Kirche. -Die Juden-Synagoge, erbaut 1876, befindet sich in der Weinberggasse. -7. Das Gymnasium, ein schöner Bau mit einem Thurme (ehem. Sternwarte -der Jesuiten), am linken Ufer des Assigbaches gelegen, angrenzend an -die Jesuitenkirche. 8. Das Pädagogium, südlich ausserhalb der Stadt -gelegen, früher das städtische Spital; die technische Lehrwerkstätte -im unteren Ende der langen Gasse; die Eröffnung der Anstalt fällt in -das Jahr 1874 und ist in ihrer Art die einzige in ganz Oesterreich -und Deutschland. 9. Die Bürgerschule für Knaben und Mädchen unweit -der Stadtkirche gelegen mit 19 Classen. 10. Die umfangreichen Gebäude -der Schwestern vom hl. Kreuz mit einer 7classigen Privatvolksschule -mit Oeffentlichkeitsrecht in der unteren langen Gasse. 11. Der nach -englischem Muster angelegte Stadtpark, nördlich der Stadt, gehört zu -den beliebtesten Spaziergängen der Komotauer. - -=Kurze Beschreibung der Stadt.= Die königliche (1605) Stadt Komotau -zählt über 700 Häuser mit einer Bevölkerung von 10100. Sie liegt am -Fusse des Erzgebirges, zu beiden Seiten des Assigbaches, inmitten von -Obst- und Gemüsegärten. Die Stadt hat 5 Jahrmärkte und wöchentlich 3 -Märkte, betreibt lebhaft Obst- Getreide- und Gemüsehandel; merkwürdig -ist das Gedeihen der edlen Kastanien in der Nähe von Komotau. -Von Komotau führen mehrere Strassen auswärts: Die Leipziger oder -Kaiserstrasse durch die Bahnhofstrasse in nordwestlicher Richtung -nach Sachsen; die Prager Strasse durch die lange Gasse in südlicher -Richtung über Postelberg, Laun nach Prag. Eine andere Strasse führt -durch die Weinberggasse nach Görkau; die Kaadner Strasse durch die -Bahnhofstrasse, beim Gasthause zum grünen Baum von der Leipziger -Strasse abzweigend, führt beim Bahnhofe vorüber in westlicher Richtung -nach Kaaden. Auch führt eine Bezirksstrasse in südlicher Richtung -nach Eidlitz, eine in nördlicher Richtung übers Gebirge nach Platten, -Kallich gegen die sächsische Grenze. - -=Geschichtliches.= 1252 tritt der Name Comotov in den Urkunden auf; -jedenfalls war da Komotau ein Dorf, das sich um eine Veste gruppirte; -dieselbe stand an dem Orte, wo jetzt das Rathhaus und das Bräuhaus -steht; im selben Jahre wird der deutsche Ritterorden als Herr des -Marktes Komotau genannt. Von 1353 an erscheint Komotau als Stadt. Diese -litt 1418 durch eine Feuersbrunst grossen Schaden. Ein Schreckenstag -für Komotau war der 14. März 1421, an welchem die Stadt durch die -Hussiten erstürmt wurde; die gesammte katholische Bevölkerung wurde -grässlich hingemordet; nur 30 Einwohner wurden verschont, um ihre -todten Mitbürger zu begraben. Kaiser Sigismund belohnte später die -Lobkowitze mit Komotau. Bereits im Jahre 1456 wird Johann Czalta von -Steinsberg als Herr von Komotau genannt. Durch Erbrecht ging die Stadt -in den Besitz der Herren von Weitmühl über, wurde im Jahre 1560 an -Erzherzog Ferdinand, Gemahl der Philippine Welser, und von diesem im -Jahre 1571 an die Familie der Lobkowitze von Hassenstein verkauft. Zur -Zeit der Reformation fand die neue Lehre hier Eingang. Georg Popel von -Lobkowitz berief aber die Jesuiten zur Vertreibung des Protestantismus, -der auch schliesslich wieder unterging. Derselbe Herr von Komotau trug -sich auch mit dem Plane um, in Komotau eine Universität zu errichten; -er fiel aber beim Kaiser in Ungnade und endete als Gefangener 1606 -durch das Henkerbeil sein Leben in Elbogen. Die Güter Georgs von -Lobkowitz gingen nun an den Staat über; dieser verkaufte ein Dritttheil -dieser Güter an die Komotauer Bürgerschaft, welche dadurch von aller -Oberherrschaft frei wurde. Der dreissigjährige Krieg machte sich in -seinen traurigen Folgen auch in Komotau und Umgebung bemerkbar; am -ärgsten hausten die Truppen des schwedischen Generals Pfühl in Komotau. -Es wird erzählt, dass viele angesehene Komotauer Bürger der Tortour -(Schwedentränkel) unterworfen wurden, um Geld von ihnen zu erpressen. -Es sollen 160 Wagenladungen geraubter Gegenstände von den Schweden -fortgeführt worden sein. Schon 1651 hatte sich der Wohlstand Komotaus -so weit gehoben, dass es seinen Grundbesitz vergrössern konnte. Unter -den höchsten gekrönten Häuptern, die Komotau im Laufe der Jahre mit -einem Besuche beehrten, seien genannt: 1703 der König Karl von Spanien; -derselbe übernachtete im Rathhause; 1771 der unvergessliche Josef II.; -1813 begaben sich die drei verbündeten Monarchen über Komotau nach -Leipzig, um die Völkerschlacht zu schlagen. In demselben Jahre wurde -in Komotau ein Haupt-Lazareth errichtet. In neuerer Zeit hat sich -Komotau dadurch, dass es Knotenpunkt von vier Eisenbahnlinien wurde, -sehr gehoben. Der vielen Schulanstalten wegen wird Komotau »Schulstadt« -Westböhmens genannt. Komotau ist der Geburtsort von bemerkenswerthen -Gelehrten und zwar: von Mathäus Goldhahn, einem berühmten Philologen, -bekannt unter dem latinisirten Namen Aurogallus, gestorben 1543; von -dem Historiker Franz Pubitschka, geboren 1722 und gestorben 1809; von -Franz Josef Ritter von Gerstner, geboren 1754 und gestorben 1832 als -k. k. Gubernialrath, Wasserbaudirector und Director der technischen -Lehranstalt zu Prag, von ganz Europa als einer der ersten Mathematiker -anerkannt. - - -Spaziergänge: - -1. _Von Komotau auf die *Alaunhütte, auch Schweizerhütte genannt._ -Wir gehen vom Ringplatze durch die Weinberggasse. Am Ende dieser -Gasse erhebt sich eine kleine Anhöhe, »Weinberg« genannt. Links -der Strasse zieht sich ein schmaler Fusssteig zum Endziele unseres -Spazierganges. Eine Tafel mit der Aufschrift: »Weg zur Alaunhütte« -macht den Touristen auf den Weg aufmerksam. In etwa ¼ Stunde sind wir -am Ziele. Die Alaunhütte, eine Restauration in romantischer Lage, ist -einer der beliebtesten Ausflugsorte für Komotau und Umgebung. Nächst -der Alaunhütte befindet sich der Alaunsee. Wer des Ruderns kundig ist, -miethet sich einen Kahn und befährt den See. Zur Winterszeit bietet der -Alaunsee mit seiner schönen Eisbahn einen mächtigen Anziehungspunkt -für Schlittschuhläufer. Ehemals war hier, wo sich jetzt der Alaunsee -ausbreitet, ein grosses Alaunbergwerk. Die rothe alaunhältige Erde, -welche rings um die Alaunhütte massenhaft zu sehen ist, erinnert an -den einstigen Bestand des Bergwerkes. In der Nähe der Alaunhütte -gedeihet die edle Kastanie in einer seltenen Grösse und Schönheit der -Frucht. Die mächtigen Stämme und Kronen dieses Baumes gewähren einen -herrlichen Anblick. Neben den Gastlocalitäten der »Hütte« ist auch -eine Badeanstalt mit warmen Bädern. Den Sonntag nach Anton im Juni -jedes Jahres begeht die Hüttenrestauration im Blätterschmucke mächtiger -Eichen im schönsten Frühlingskleide der Natur ihr Fest mit Concert und -Tanz. - -2. _Nach dem Komotauer *Stadtpark und dem städtischen Schiesshause._ -Wir gehen vom Marktplatze durch die Schiesshausgasse und kommen in ca. -10 Minuten bei der Komotauer Dampfmühle vorüber in den Park, der nach -englischer Art angelegt ist. Naturfreunden bereiten hier die schönen -Baumgruppirungen und Blumenpflanzungen einen wahren Genuss. Im Parke -befindet sich das im Jahre 1833 erbaute städtische Schiesshaus und in -dessen Nähe das aus Holz errichtete Sommertheater. - -3. _Von Komotau auf den *Hutberg._ Durch die Schiesshausgasse gehend, -gelangen wir, von den Parkanlagen links ab, in einen Fahrweg, der uns -durch schöne Obstgärten in ca. ¾ Stunden auf den Hutberg führt. Die -Aussicht von demselben ist bezaubernd schön. Am Fusse des Hutberges -liegt in romantischer Lage das Dörfchen Pirken. - -4. _Von Komotau nach dem *»Ruland«._ Die Plattner Strasse führt uns -direct auf eine Anhöhe, wo mitten von Obstgärten, Feldern und Wiesen -das schöne Wohn- und Wirthschaftsgebäude, genannt »Ruland«, malerisch -gelegen ist. Eine schöne Aussicht über Komotau und in's Gebirge lohnt -die Mühe des Touristen, welcher von den freundlichen Bewohnern des -Gehöftes »Ruland« mit Milch, Obst u. s. w. bewirthet wird. Die Anhöhe -»Ruland« wird häufig auch Galgenberg genannt, weil hier ehemals -Verbrecher gerichtet wurden. - -5. _Von Komotau nach Eidlitz._ Wir wenden uns durch die Gerstnergasse -in die Prager Vorstadt und kommen bald auf die Komotau-Eidlitzer -Bezirksstrasse. Der Weg ist ungemein angenehm. In ¾ Stunden sind wir in -Eidlitz. Sehenswerth ist das Schloss und eine Zuckerfabrik. - -6. _Von Komotau nach *Görkau_ (1 Stunde). _a_) Auf der Strasse. Von -Komotau durch die Weinberggasse führt die Strasse über den Weinberg -durch schöne Obstgärten und Felder nach dem Kirchdorfe Udwitz mit -seinen Kohlenbrüchen. Von hier kommen wir in ½ Stunde nach Görkau. -(Siehe Görkau.) _b_) Auf dem Fusssteige. Von Komotau gehen wir durch -die Weinberggasse nach der Alaunhütte. Von hier führt ein Fusssteig -nach den sogenannten Kohlenhäuseln. Wir gelangen auf demselben zur -»Tempis-Kapelle«, welche ein Schlosskaplan von Rothenhaus, Hans -von Tempis, vor vielen Jahren wegen seiner glücklichen Rettung aus -Räubershänden an dieser Stelle erbauen liess. Der Fusssteig führt uns -jetzt direct in ca. ¼ Stunde nach Görkau. - -7. _Von Komotau nach dem Gebirgsdorfe *Platten._ Auf der Plattner -Strasse, ziemlich steil ansteigend, kommen wir in ca. 1½ Stunde nach -Platten mit seiner zu Ende des 14. Jahrhundertes bereits bestehenden -Kirche und seinem Schlosse, das als Jagdschloss des Besitzers von -Rothenhaus einst bessere Zeiten gesehen hat. Unweit Platten ist der -viel besuchte Wallfahrtsort Quinau. Die Aussicht beim Schulhause in's -Böhmerland ist prachtvoll! (Siehe Bereisung von Görkau aus.) - - -Touren. - -1. _Von Komotau bis zur *Grundmühle, nach Domina, Troschig und -Tschernowitz._ Von Komotau gehen wir an dem Assigbache hinauf -nach Oberdorf. Oberhalb der Oberdorfer Hammermühle beginnt das -überaus freundliche Assigbachthal mit üppigen Wiesen und bewaldeten -Thalgehängen. Wir wandern hier ohne alle Anstrengung und erreichen in -1 Stunde die erste Grundmühle, auch »Kleinmühle« genannt. Hier können -wir einen kleinen Imbiss nehmen und uns an einem Trunke Bier oder Milch -erquicken. Von hier nehmen wir den Weg rechts an der Thalwand hinauf -gegen Domina. Der Weg ist ziemlich gut. Der Ort lässt sich von der -Grundmühle aus in 1 Stunde bequem erreichen. Doch ist es nicht nöthig, -bis in das genannte Dorf zu gehen; wir verlassen deshalb denselben, -wenden uns rechts dem Dörnthaler Weg zu. Nördlich von Dörnthal sehen -wir schon den Troschiger- oder Klingerberg ansteigen, das vorläufige -Ziel unserer Reise. In 1½ Stunde ist die erste Höhe erreicht. Die -Aussicht ist hier lohnend; am westlichen Gehänge schlängelt sich die -Strasse über Sebastiansberg zur Landesgrenze, dort unten östlich -bricht die Bahnlinie aus Felsen hervor. Oestlich und südlich haben -wir die Gegenden von Brüx und Saaz und östlich verfolgen wir den -Erzgebirgszug bis Eisenberg und noch weiter, und westlich hebt -sich Terrasse um Terrasse im schönen Wechsel von Wald und Flur zum -Horizonte. Wir steigen den westlichen Abhang hinunter, treffen hier das -an der Komotau-Sebastiansberger Strasse liegende Gasthaus »g. Hübel.« -In 5 Minuten haben wir auch das südlich gelegene Dörfchen Troschig -erreicht. Auf einem kleinen Plateau gebaut, ist es das kleinste -unter den 4 Strassendörfern: Schönlind, Domina, Krima und Neudorf. -Die Bevölkerung treibt Oekonomie und besorgte früher den Vorspann -über die Berge. Weiter südlich wandernd, treffen wir einen schönen -Wald; es ist dies das Troschiger Revier, der Komotauer Stadtgemeinde -gehörig, die hier einen Förster angestellt hat. Der links des Weges -sich erhebende »Tennich« ist der höchste Berg dieser Kette. Er ist -prächtig bewaldet und daher als Aussichtspunct weniger zu empfehlen. -Wir empfehlen daher den Weg, der von Troschig dem südlich laufenden -Gebirgszuge folgt, behalten rechts das Höllenthal und sehen nach einer -Stunde gemüthlichen Wanderns, die Buschtěhrader Bahn überschreitend, -den _kl. Purberg_. Weit in's Land vorgeschoben und sich langsam -erhebend, ist dies ein mächtiger Stock von Steinmassen, gleichsam ein -Knoten, mit dem der Gebirgszug abhebt. Bald haben wir denselben ohne -Anstrengung bestiegen. Die Aussicht nach 3 Seiten ist herrlich: Die -Gegend von Komotau, theilweise auch die Stadt, speciell der Bahnhof, -die Dörfer Tschernowitz, Sporitz, Körbitz, Malkau, Sosau, Grün und -das Städtchen Kralupp liegen zu unseren Füssen. Dort westlich, wo die -Eger in die Ebene bricht, liegt Kaaden, von Bergen umstellt, östlich -sind die Brüxer Berge. Ringsum siehst du Strassenzüge, Eisenbahnen, -Felder, Fluren, Teiche und Obstgärten. Der Berg selbst bildet oben -ein Plateau, das so wie sein Abhang mit Eichen- und Birkengestrüpp -bewachsen ist. Auch erfrischendes Wasser befindet sich oben. Von allen -Seiten fallen seine Granitmassen steil ab mit oft wunderlichen Klüften, -worin heute noch der immer seltener werdende Dachs zu Hause ist. Von -unten gesehen gleicht der Berg einer Ruine, so täuschend thürmen sich -hier die Steinmassen. Die Gemeinde Tschernowitz, welcher der Berg -mit den Abhängen gehört, nimmt von ihm das Material zu gewöhnlichen -Steinmetzarbeiten. Die siebenziger Jahre haben den Berg in Fesseln -gelegt, weil seit jener Zeit die Buschtěhrader Gebirgsbahn ihren -Weg rings um denselben genommen. Merkwürdig ist der Fall, dass hier -Sporitzer Felder 6mal von der Bahn durchschnitten werden. Der Purberg -hat seine Geschichte, und das deutsche Volk ringsum bis weit in's Land -kennt ihn und umwebt denselben mit dem Gewande der Sage. So erzählt -man, dass alte Jungfrauen berufen seien, den Berg abzutragen. Es sollen -ferner schlechte Zeiten hereinbrechen, wenn der Berg mit Eisen belegt -sein wird. Auf der östlich angrenzenden Tschernowitzer Haide soll einst -der Schlussact eines grossen Völkerkampfes stattfinden, worauf erst -wieder bessere Zeiten zu erwarten seien u. s. w. Den östlichen Abhang -hinab führt ein Fahrweg und dieser bringt uns bald nach dem nahen -Tschernowitz. Schon der kurze Weg dahin zeigt Halden, Steinbrüche, -gearbeitete und rohe Steine, den Gewerbefleiss der Ortsbevölkerung -deutend. Strauss, Dietz und Bertl sind bekannte Steinmetzer und die -Güte des hier gefundenen Materials macht ihre Arbeit gesucht. Der Ort -selbst mit 54 Häusern und 440 Einwohnern hat vorzügliches Trinkwasser -und viel Obstbau. Gasthäuser sind da. Die Strasse führt in ¾ Stunden -nach Komotau zurück. - -2. _*Von Komotau über Domina nach Glieden, *Wisset, Schweiger, -Hohentann, *Hassenstein, *Platzer Grund, Zollhaus, Neudorf und retour._ -Dies ist eine starke Tour und erheischt ein zeitliches Verlassen -der Lagerstätte. Unser Weg führt vorerst auf der Kaiserstrasse -nach Oberdorf. Hier sehen wir im Vorbeigehen das grosse Bräuhaus -von Philipp. Die alterthümliche unvollendete Kirche stammt von dem -unglücklichen Labketz, der unter dem Henkerbeile verblutete. Hier -haben wir zwei Wege vor uns. Den ersten, die Strasse, vermeiden -wir, denn sie führt steil über das Gebirge. Der grosse Kaiser Josef -liess sie anlegen und das Volk erzählt sich, dass, als er später die -Gegend bereiste, die steile Anlage sah und den Bauleiter zur strengen -Rechenschaft zog. Wir wenden uns dem Landwege zu, an dem Oberdorfer -Friedhofe vorbei. Bald haben wir die Vorberge erreicht. Diese tragen -Obstgärten. In kurzer Zeit haben wir das kleine, mit Erlengebüsch -besäumte Hatschkabächlein erreicht, das die Sporitzer Wiesen bewässert -und auf den Troschiger und Schönlindner Wiesen entspringt. Dem -steigen wir nach und kommen in die sogenannte »Ranz.« Später theilt -sich der Weg, der rechts führt nach Schönlind, der links durch das -Troschiger Revier nach dem Dörfchen Troschig. Von hier wenden wir -uns nach Glieden. Dazu stehen uns zwei Wege offen. Der eine führt -über Nokowitz und ist ein Fahrweg, geht anfangs nördlich der Strasse -zu, wendet sich alsdann westlich und in ½ Stunde haben wir Nokowitz -erreicht, das an der linken Lehne des Höllenthales ½ Stunde südlich -von Krima liegt. Der Ort hat nur Getreidebau und Holzhandel, 23 -Häuser und 152 Einwohner. Der zweite Weg ist ein Fusssteig und führt -von Troschig westlich auf der linken Lehne des Höllenthales hinunter -durch einen Eichenbusch. Unten angekommen, finden wir die schönsten -Wiesen und ein kleines Bächlein, den Höllenbach, der auf der Krimaer -und Wisseter Heide sich sammelt und mit dem Thale einem südöstlichen -Laufe folgt, sich später westlich wendet, eingeschlossen und beengt von -dichtbewaldeten Thallehnen. Bei Malkau tritt er in die Ebene und bildet -mit dem Grüner und Plassdorfer Bächlein den sogenannten Saubach. Der -Weg durch's Höllenthal ist oft beschwerlich. Bei einer Einschichte, -links vorbei, gelangen wir an der Berglehne hinauf nach Glieden. Die -Ortschaft hat 16 Häuser mit 117 Einwohnern, die Oekonomie treiben. Die -Lage des Oertchens ist überaus freundlich. Vom Nordsturme durch den -Gliednerberg geschützt, ist das Klima schon so mild, dass hier Obst -gedeiht. Die nach allen Richtungen hin sehr beschwerliche Communication -ist freilich den Einheimischen nicht auffällig. Südlich von Glieden, -½ St., finden wir den _*Höllenstein_, der eine Wand des Höllenthals -bildet. Pittoresk geformt, mit einer schönen Aussicht auf demselben und -schauerlicher Tiefe zu den Füssen, ist es für den Touristen lohnend, -ihn zu besuchen. Wir gehen von Glieden auf einem Fusssteige nach -Wisset. Der Ort hat 29 Häuser mit 232 Einwohnern. Wisset liegt auf der -ersten Terrasse des hier aufsteigenden Gebirges, der Wisseter Platte. -Die Lage der Ortschaft ist freundlich, die Communication per Wagen -überaus beschwerlich. Der nördlich und nordöstlich sich hinziehende -Höhenzug hat den Namen »Ziegenrück.« Er ist theilweise urbar, doch -reift hier das Getreide 2 bis 3 Wochen später. Wisset selbst hat zwei -Wirthshäuser. Jedem Touristen gewährt die Aussicht vom »Obern Berg« -aus in's Saazer Land einen grossen Genuss. Wir verfolgen jetzt den -Weg nach _Hohentann_, der westwärts durch die Wisseter Flur führt. -Kurz vor dem Walde (ein Kreuz in der Nähe) theilt sich der Weg. Der -rechts führt uns zur »Schweiger-Höhe«, der links abbiegende an der -südlichen Schweigerlehne durch dichten Nadelwald nach *Hohentann. Wir -verfolgen den erstgenannten und haben in ca. ½ Stunde den Höhepunkt -»_*Schweiger_« erreicht. Nördlich und nordöstlich ansteigend und fast -bis zu seinem Scheitel urbar, fällt er südlich, westlich und östlich -gäh ab, nach allen Seiten hin die schönste Fernsicht bereitend. Das -Biela- und Egergebiet, die Höhen des Duppauer Gebirges und fast der -ganze Erzgebirgszug repräsentiren sich in ihrer Schönheit. Dort die -alte Ruine Hassenstein, die Stadt Sonnenberg zu unseren Füssen, -nördlich Sebastiansberg und die vielen Ortschaften bis gegen Eisenberg. -Der Name Schweiger soll daher kommen, dass der Sage nach hier einst -ein Sprosse der Hassensteine als Einsiedler seine Zelle hatte und -schweigend seine Lebtage zubrachte. Südöstlich, den ersten besten Weg -abwärts, kommen wir nach Hohentann. Dieses Dorf hat 29 Häuser und 180 -Einwohner, die Oekonomie und Holzhandel treiben. Im Winter halten -sich Weib und Kinder an die Spitzenklöppelei. Dort bei der kleinen -Ortskapelle vorbei führt der Weg westwärts. Nicht weit vom Dorfe -theilt er sich. Wir verfolgen den Weg links, lassen die Hohentanner -Hügel zwischen Hohentann und Platz ebenfalls links, kommen zu einem -Holzkreuze (am Kreuzwege), finden auf einer Wiesentrift den Fusssteig -zum Platzer Forsthause und können hier den Fahrweg verfolgen zur Ruine -Hassenstein. Der Tourist wendet sich auf dem Rückwege beim Forsthause -nordwestlich, behält den mit Kiefern bewachsenen Lerchenberg seitwärts -des Forsthauses rechts, die »Kalkofenhöhe« links und sieht bald in -das tiefe »Grundthal«. Hier wendet er sich dem Wistritzbach, der -dieses Waldthal durchfliesst, entgegen. Dort, wo der Weg die Thalsohle -erreicht, liegt rechts das Grundwirthshaus. Hier ist jederzeit frisches -Bier und ein Imbiss zu haben. Wir erreichen jetzt das schattige -- -oft wildromantische Grundmühlthal oder Wistritzbachthal, das sich -aufwärts immer mehr verengt und später zur Schlucht wird, kaum einen -Fuhrweg lassend. Das Wasser des Baches ist hier spiegelhell; es würde -bei normaler Körpertemperatur ein wohlthuendes Bad geben. Jetzt müssen -wir darauf verzichten. Von dem Forellenreichthume früherer Zeit ist -jetzt bei dem herrschenden Raubsystem wenig zu merken. Nach 1½stündiger -Wanderung erweitert sich oben genanntes Thal, wir sehen die Holzmühle -an der Komotau-Pressnitzer Strasse, gehen rechts die Strasse hinauf -über's Zollhaus zum Bahnhofgebäude Krima-Neudorf. Hier pflegen wir -unsere Glieder, stärken uns mit Speise und Trank und erwarten in Geduld -den um 9 Uhr Abends nach Komotau abgehenden Zug, der uns um 10 Uhr nach -Komotau bringt. - -3. _*Von Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, Plassdorf, *Platz, -*Hassenstein und Brunnersdorf. (Bahnstation.)_ Wir verfolgen die -Bahnhofstrasse, lassen den Bahnhof links, treffen hier die sogenannte -Kaadner Kapelle (ehemals Wallfahrtsort mit Kreuzweg) und gehen auf -der Kaadner Strasse bis unweit Tschernowitz. Hier biegen wir bei -einer kleinen Restauration rechts in einen Fusssteig ab, gehen durch -die Tschernowitzer Steinbrüche am Fusse des südlichen Abhanges des -Purberges. Unser Fussweg führt uns in ca. ½ Stunde nach dem Dörfchen -Malkau mit 22 Häusern und 143 Einwohnern. Die Bewohner von Malkau -sind durchgehends Oekonomen und verwenden einen regen Fleiss auf die -Obstbaumzucht. Das Dörfchen Malkau hatte sich im Anfang der 70er Jahre -der Naturforscher Dr. Martius zu seinem Domicil erwählt. In jener Zeit -hat es wohl mehr Fremde gesehen, als gegenwärtig. Doch wir verfolgen -nach dieser Abschweifung unseren Wegweiser. Dort, wo am nördlichen Ende -des Dörfchens die »Höllenmühle« steht, führt der Weg nach dem ¼ Stunde -entfernten Nachbardorfe Grün. (27 Häuser mit 168 Einwohnern.) Zwischen -Grün und Malkau befindet sich eine kahle Anhöhe der »Lerchenberg«. -Der bequeme Aufstieg ist der Fernsicht halber lohnend. Der Fusssteig -nach Grün ist, um Irrungen zu vermeiden, wohl zu beachten. Wir -betreten bei der kleinen Ortskapelle das freundliche Dörfchen. Grün -ist unter den »Birndörfern« (von den nahen Gebirgsbewohnern der -reichen Obstkultur halber so genannt) das grösste. In Grün befinden -sich 2 Einkehrhäuser. Am Fusse des aufsteigenden Gebirges führt uns -der Fusssteig westwärts in ½ Stunde nach Plassdorf (25 Häuser, 134 -Einw.), welches an der Südlehne des Schweigers wie angeklebt ist. Die -Bewohner von Plassdorf sind grosse Freunde des Obstbaues, vorzüglich -aber verwenden sie auf die Cultur der Kirschen grosse Mühe. Das einzige -Wirthshaus schliesst das Dorf südlich ab. Weiter südlich erhebt sich -eine Anhöhe, genannt »Kralupper Berg«, mit Eichen und Birken besetzt. -Von Plassdorf führt uns der Weg ½ Stunde durch eine Thalschlucht -aufwärts an den Südabhang des Salberges dem Städtchen Platz (mit 400 -Einw.) zu. Dieses Städtchen verdankt seine Entstehung den Burgherren -des nahen Hassenstein. Die Einwohner beschäftigen sich theilweise mit -Oekonomie, theilweise sind es Handwerker, vornehmlich Maurer. Die -Spitzenklöppelei wird von dem weiblichen Theil der Bevölkerung ziemlich -stark betrieben. Zwei Gasthäuser bieten dem Touristen die nöthige -Unterkunft und Erfrischung. Zur Zeit des Zunftwesens war Platz das -»Mekka« der Handwerker von den nahen Dörfern, selbst vom Flachlande; -hier wurde der Lehrling zum Gesellen, der Gesell zum Meister befördert. -Das Städtchen Platz bietet vom Kirchenplatze aus eine prächtige -Fernsicht in die Saazer Gegend. Die meiste Anziehungskraft für die -Touristen aber hat die ca. 10 Minuten westlich von Platz gelegene -Ruine _Hassenstein_, welche noch heute in ihren Trümmern auf ihre -vormalige Grossartigkeit schliessen lässt. Die Stätte selbst ist, wie -die Nachgrabungen zu Anfang der dreissiger Jahre vermuthen lassen, -schon in heidnischer Vorzeit bewohnt gewesen und zu gottesdienstlichen -Zwecken oder als Begräbniss- auch Opfer-Platz benutzt worden. Man -hat nämlich mehrmals Asche, Kohlen, Knochen und Urnenreste gefunden. -Wann und von wem die Burg Hassenstein erbaut wurde, ist unbekannt. Zu -Ende des 13. Jahrhunderts erscheinen die Brüder Friedrich und Theodor -von Schönburg als Herren von Hassenstein, das damals ein Kronlehen -war. Im Jahre 1418 war der damalige Besitzer in eine Verschwörung -gegen König Wenzel IV. verwickelt, und der Monarch übertrug die -Bestrafung dem Oberst-Landschreiber Niklas von Lobkowitz, welcher -das Schloss Hassenstein eroberte und dasselbe als Eigenthum erhielt. -Diese Schenkung wurde ihm 1421 von Sigmund und seinem Sohne Niklas -von Lobkowitz 1457 vom König Ladislaw auf immerwährende Zeiten -bestätigt. In Bohuslav Lobkowitz von Hassenstein feiert das Haus -seinen glänzendsten Namen, die klassisch-humanistische Bildung des -16. Jahrhunderts eine ihrer ersten Grössen. Unter ihm glich die Burg -Hassenstein einem kleinen Musenhof. Er war durch Gelehrsamkeit, -Dichtergenie und Erhabenheit des Charakters ausgezeichnet. Zwei -andere Lobkowitze auf Hassenstein, die Herren Sebastian und Bohuslav -Felix, erwarben sich grosse Verdienste um den erzgebirgischen Bergbau -damaliger Zeit. Gegen das Ende des 16. Jahrh. kam Popel von Lobkowitz -in den Besitz von Hassenstein. Der letzte Lobkowitz auf Hassenstein -war Christof. Im Jahre 1606 ging die Burg Hassenstein in den Besitz -des Herrn Leonhard von Stampach über. Unter demselben, der seine -lutherische Gesinnung mit 2 Dritttheilen seines Vermögens büssen -musste, ging Hassenstein seinem Verfalle entgegen. Herr Jaroslav -Bořita von Martinitz erwarb die halbverfallene Burg sodann für ein -Billiges. Später bekam die Ruine mit dem dazu gehörigen Grundbesitz die -Nebenlinie Martinitz-Hagensdorf. Durch die erbliche Nachfolge dieser -Linie kam Hassenstein in den Besitz der Grafen Wolkenstein-Trostburg. -1880 verkaufte Engelhardt von Wolkenstein sein Erbe und mit ihm -Hassenstein an den Grossindustriellen Preidl. - -Nur noch Einiges über den jetzigen Zustand der Burgruine im -Allgemeinen. Der Schlossberg mit der alten Ruine Hassenstein fällt -nach 3 Seiten, besonders gegen den Brunnersdorfer Bach zu, steil ab. -Die Wallgräben sind grösstentheils verfallen, die 4 Burghöfe kaum mehr -erkennbar. Stolz aber schaut noch in's Thal der mächtige Wartthurm -mit seinen massiven Mauern. Viele Gewölbe sind noch ziemlich gut -erhalten und Alterthumsfreunde, wie Dr. Martius, meldeten öfters -von interessanten Funden. Dass auch Schatzgräber, mit geweihter -Kreide und Schildwachbüchlein ausgerüstet, hier ihre Rechnung zu -finden vermeinten, darüber kann man in Platz und Umgebung manche -tragi-komische Geschichte erfahren. - -Wir steigen den steilen und fast ungangbaren Fusssteig durch Hochwald -hinab und kommen an den Brunnersdorfer Bach. Hier finden wir am Ufer -dieses Baches einen Eisenhammer und weiter unten am Ausgange des -Thales den Anfang des lang gestreckten, zu beiden Seiten des Baches -liegenden Dorfes Brunnersdorf, das hier in seinem oberen Theile den -Namen »Rossstall« führt. (165 Häuser, 1295 Einwohner.) Die Bewohner -von Brunnersdorf treiben Oekonomie und haben grossen Obstbau. Zu den -Sehenswürdigkeiten zähle ich im unteren Theile das Schloss und die -Zuckerfabrik an der Kaadner Strasse. Das Gasthaus im oberen Theile des -Dorfes (Rossstall) und Fischers Gasthaus am Schulplatz sind Touristen -zu empfehlen. Der Tourist, der wieder zurück nach Komotau oder weiter -westwärts nach Kaaden will, kann dies einerseits durch die Bahn, -andererseits durch Kaadner Omnibusse bewerkstelligen. - -4. _Von *Komotau nach Deutsch-Kralupp-»*Keller«, Neudörfel, durch das -*Grundbachthal über Zieberle nach Sonnenberg._ Wir beeilen uns zum -1. Karlsbader Zug und lösen eine Fahrkarte bis Deutsch-Kralupp. Das -Städtchen liegt 10 Minuten von der Station. Die Kirche, welche schon -im J. 1360 als Pfarrkirche vorhanden war, besteht in ihrer jetzigen -Gestalt erst seit 1796, wo sie nach dem Brande neu gebaut worden ist. -Sie hat ein gutes Hochaltarblatt von Kindermann in Wien, den hl. -Jakob darstellend. Auch enthält sie die Familiengruft der Grafen von -Martinitz. Die Stadt wird durch den Saubach, welcher im Höllthale -entspringt und durch die Dörfer Malkau, Sosau und Hagensdorf fliesst, -in zwei ungleiche, durch eine steinerne Brücke verbundene Theile -gesondert, von welchen der am südlichen Ufer liegende, kleinere, wo -die Kirche steht, die Kunewitz heisst. Wir wenden uns nördlich von der -Station Deutsch-Kralupp dem ¼ Stunde entfernten Dörfchen Hagensdorf -zu. Die Einwohner treiben Oekonomie und Obstbau. Sehenswerth ist -das im Rococostyl erbaute herrschaftliche Schloss Hagensdorf mit -einer ansehnlichen Baum- und Blumengärtnerei. Dieses Schloss war in -den Robotzeiten in der Hagensdorfer Umgebung bis in's nahe Gebirge -hinauf nichts weniger als beliebt, denn hier hauste der gestrenge -Herr Amtmann mit seinem Beamtenstabe. Durch den Schlosshof führt ein -ganz angenehmer Weg durch eine Baum-Allee nach der nahe gelegenen -Restauration »Am Keller«. Hier bieten sich im Sommer unter schönen -Linden und mächtigen Eichen bei einem frischen Trunke vorzüglichen -Brunnersdorfer Biers stille und angenehme Ruheplätzchen. Für Kralupp -und die weitere Umgebung ist der »Keller« der besuchteste Ausflugsort -und er wäre es sicherlich in noch ausgedehnterem Masse, wenn der -Besitzer für eine comfortablere Einrichtung der Restauration, sowie -für bessere Instandhaltung und Erweiterung der Anlagen Sorge trüge. -An der Stelle des Kellerwirthshauses soll in alter Zeit ein Kloster -gestanden sein; wenigstens wird die dortige Feldflur noch heute von -den älteren Bewohnern das »wüste Kloster« genannt, und von den alten -Kellerruinen, auf denen das Wirthshaus erbaut wurde, erhielt dasselbe -den Namen. Gegen Kralupp zu finden wir mehrere grosse Fischteiche, -der Gutsherrschaft gehörig. -- Wir wenden uns nun westwärts dem -Dörfchen Neudörfel am Abhange des Kralupper Berges zu. Auf unserem -Wege dahin rechts und links treffen wir kleine Teiche, sie sind die -Ueberbleibsel eines vormals sich hier ausbreitenden grossen Sees, der -im J. 1829 das letztemal gefischt, im nächstfolgenden Jahre entwässert -wurde und an den noch jetzt das sogenannte »Seehäusel« (gegenwärtig -ein herrschaftliches Hegerhaus) erinnert. In den Robotzeiten hatten -die Einwohner von Platz und Neudörfel die Fischerei als Robotarbeit -zu besorgen. Dafür bekam der Mann per Tag einen Fisch. Neudörfel -bietet für den Touristen ausser seinen Kirschenpflanzungen nichts -Sehenswerthes, dagegen wird es sich für denjenigen empfehlen, der -es nicht scheut, den nördlich gelegenen _Saustein_ zu besteigen. An -schönen Tagen lohnt ein Einblick in die Saazer und Kaadner Gegend -vollkommen die Mühe der Besteigung. Von hier steigen wir in westlicher -Richtung das Berggelände hinab in das Thal des Brunnersdorfer Baches. -Wir gehen durch dieses, sich immer wildromantischer gestaltende Thal -den Brunnersdorfer Bach aufwärts, haben rechts die Schnabelmühl-Lehne, -links den Gigerich-Berg und sehen, wie die Trümmer der Burg Hassenstein -melancholisch in's Thal schauen. Unser Weg durch das Thal, genannt -Brunnersdorfer Grund, wendet sich am Fusse des Schlossberges plötzlich -westlich. Die Brunnersdorfer Gutsverwaltung hält hier eine Holzschwemme -in Stand. In neuerer Zeit wurde auch die Communication durch Anlegung -eines strassenähnlichen Weges bedeutend verbessert. Mächtige Felswände -heben sich zu beiden Seiten des Thales. Das Gehänge von der Burg -Hassenstein herab führt den Namen Kalkofenlehne und soll früher ein -Thiergarten gewesen sein, von dessen Umfangsmauern noch Ueberreste zu -sehen sind. Die linke Berglehne (rechtes Bachufer), die sogenannte -Gigerich-Lehne, zeigt pittoreske Felsengruppen, würdige Seitenstücke -zu den in fast gleicher Höhe gegenüberliegenden Burgtrümmern von -Hassenstein. Von nun an verengt sich das Thal zusehends, statt durch -Laubholz schlängelt sich der Thalweg knapp am linken Bachufer durch -finstere Fichten, so recht an Tiek'sche »Waldeinsamkeit« erinnernd. Am -rechten Bachufer erhebt sich der Hutberg, und die durch ein kleines -Querthal davon getrennte Hundskoppe. Hier, wo sich das Thal nördlich -wendet, liegt so recht einsam die »Hasenmühle«, eine Einschicht, von -dem weiter westwärts gelegenen Gebirgsdorfe Wohlau. Der freundliche -Müller bietet dem müden Wanderer Brod, Bier und Milch zur Labe. - -Werfen wir einen Blick auf unsere bisherige Wanderung im Thale des -Brunnersdorfer Baches (unrichtig Brandbach, welchen Namen nur das durch -Sonnenberg geleitete Bächlein führt) zurück, so finden wir, dass dieses -Thal an Naturschönheiten mit den schönsten Gebirgspartien Oesterreichs -wetteifert. Man glaubt sich in ein herrliches Hochgebirgsthal versetzt. -Es ist zu wundern, dass Touristen, wenigstens der nahen Städte, dies -nicht schon längst gefunden und touristisch ausgebeutet haben. Nach der -Ansicht eines unserer besten Geologen wäre dieses Thal in alten Zeiten -die einzige Communication aus dem Saazer Lande über das Gebirge »in's -Reich« gewesen. Dies wird auch die ersten Dynastien auf Hassenstein zur -Gründung dieser Burg in herrschender Stellung dieses Verbindungsweges -bewogen haben. Vielleicht genügt eine Hindeutung auf das Gesagte, um -die Jetztzeit zur Anlage einer Strasse in diesem Thale zu bewegen. --- Von der Hasenmühle aus wandern wir am rechten Bachufer über das -Gelände nach Zieberle. Der Fusssteig durch ein Gewirr von Wald- -und Feldwegen, ¼ Stunde lang, dürfte für das erstemal einen Führer -nothwendig machen, wozu der »Hasenmüller« gerne jemanden zur Verfügung -stellt. Das Oertchen Zieberle hat 11 Häuser mit 81 Einwohnern. Es -liegt am Abhange der »Zieberle Kappe«, von welcher man eine lohnende -Aussicht hat. Nördlich von Zieberle, in 15 Minuten erreichbar, liegt -auf dem Sonnenberge die königliche Bergstadt _Sonnenberg_. Gneis und -Urthonschiefer bilden seine Unterlage. Die Stadt mit 2600 Einwohnern -zählt 212 Häuser. Die Einwohner beschäftigen sich vorzüglich mit -Spitzenklöppelei; Jung und Alt sind Alliirte des Klöppelsackes. -Ausserdem wird hier Handweberei betrieben. Das Centralcomité zur Hebung -der Erwerbsthätigkeit im Erz- und Riesengebirge besitzt hier eine -Sammtfabrik im eigenen Gebäude und überdies ist die Anfertigung von -Schuh- und Handschuhwaaren nicht unbedeutend. Dass die edle Musikkunst -sich hier einer besonderen Pflege erfreut, bezeugen ungefähr 200 -Sonnenberger, welche »mit Musik« alljährlich und in fast alle Länder -Europas bis nach Asien reisen und Tüchtiges leisten. Der Hausierhandel -mit Manufactur- und Galanteriewaaren hat in Sonnenberg viele Vertreter. - -Die Stadt zeichnet sich vor vielen anderen Landstädten durch ihre -regelmässige Anlage und Bauart aus. Von dem ein Viereck bildenden Ringe -laufen die Gassen in schnurgerader Richtung aus, so dass man hier nach -allen vier Seiten in's Freie hinausblicken kann. - - =Gast-= und =Einkehrhäuser= sind: Gasthaus zur »Sonne« - am Ringplatze, an der Strasse gelegen; Franz Reichmann's - Gasthaus bei der Kirche; Leopold Hütters Einkehrhaus in - der Kirchengasse; Gasthaus zum Kronprinzen Rudolf an der - Pressnitzer Strasse am Ringplatze u. s. w. Lohnfuhren und - Fiakergeschäfte übernimmt Herrmann _Stocklöw_ und Josef - _Puschack_. - - =K. k. Postamt.= - -Sehenswerth ist die im J. 1857 vollendete Pfarrkirche. Das -Kirchenschiff hat eine Länge von 35 m und eine Breite von 20 m. Das -Presbyterium ist 10 m lang und eben so breit. Im Schiffe stehen 36 in -6 Abtheilungen aufgestellte Betstühle, fünf Altäre mit sehenswerthen -Altarbildern von Lhota (St. Wenzel Hauptaltar), Weidlich (St. Josef und -Maria Heimsuchung), Josef Hellich (St. Michael und Maria Empfängniss). -Die Kirche besitzt auch kostbare Kirchenornate und Paramente; die -achtzehnstimmige, mit 2 Koppeln ausgestattete Orgel, Predigers -Meisterwerk, wurde von Prediger aus Lichtenberg bei Hohenstadt um -den Preis von 4230 fl. gebaut. Die Glocken, von denen die grösste -29 Ctr., die zweite 14 Ctr. und die dritte 7 Ctr. wiegt, goss der -Prager Hofglockengiesser Karl Bellmann. Sehenswerth ist auch die -hübsche Johannisstatue am Ringplatze und das von dem gelehrten Pfarrer -Schwarz in Sonnenberg im J. 1750 angelegte Kirchengedenkbuch, welches -interessante und wichtige Aufzeichnungen enthält. Die weit in's Land -schauende Kirche und die sehr hübsche Lage des Städtchens führt -jährlich viele hunderte von Touristen hieher um -- wie die Sachsen -sagen -- »das schöne Böhmen« zu sehen. Ganz in der Nähe des Städtchens -finden sich recht schöne Aussichtspunkte, wie der Galgenberg, die -Zieberle Kappe bei Zieberle, der Hutberg, der Hassberg u. s. w. Der zur -Sonnenberger Bahnstation täglich viermal verkehrende Postwagen führt -den Touristen wieder zurück in seine Heimath. - -5. _*Von Komotau durch das *Assigbachthal nach Sebastiansberg._ -Wir gehen von Komotau über Oberdorf den Assigbach aufwärts. Nach -ungefähr einer einstündigen Wanderung durch ein schönes *Wiesenthal, -dessen Gehänge mit Nadel- und Laubholz bewaldet, kommen wir zur -ersten Grundmühle, genannt auch »Kleinmühle.« Erfrischungen hält der -betreffende Müller stets bereit. Von hier führt ein Weg rechts nach -Petsch und links nach Domina. Im Thale weiter aufwärts treffen wir die -zweite Grundmühle, nach ihrem Besitzer (Zein) »Zeinmühle« genannt. -Diese Mühle ist so ziemlich die ansehnlichste der »Grundmühlen«. Von -hier kann man rechts, das kleine Querthal verfolgend, das ca. ½ Stunde -entfernte Dorf Dörnthal mit 17 Häusern und 107 Einwohnern erreichen. -Sehenswerth ist hier der das Querthal überbrückende Bahndamm. Rechts -von der Zeinmühle führt eine sogenannte Halbstrasse nach Petsch, einem -freundlich gelegenen Oertchen, zum Pfarrdorfe Platten gehörig. Von -der »Zeinmühle« nicht weit thalaufwärts entfernt, liegt die Dörnthal- -oder Dreiwassermühle. Hier vereinigt sich mit dem Assigbache der -mit dem Märzdorfer Bache bereits vereinigte Tschoschelmühlbach und -der Rothenhäuser Flössbach. Wir verfolgen durch das mittlere Thal, -Assigbachthal, unsere Tour weiter. Der bereits isolirt liegende, mit -schönen Buchenstämmen bewachsene Berg ist der Ahrenberg, das Kleinod -unter den Komotauer Wäldern. Circa ½ Stunde von der Dreiwässermühle -in einer Thalenge befindet sich das sogenannte »böse Loch«, eine -wildromantische Thalschlucht. Weiter den Lauf des Assigbaches aufwärts -verfolgend, kommen wir zu den Felsen: Ringelstein und Otterstein. Links -aufsteigend erreichen wir nach ziemlich anstrengendem Marsche die -Bergstadt Sebastiansberg mit 2200 Einwohnern und ungefähr 200 Häusern. -Die Partie ist sehr interessant und lohnt die Anstrengung in hohem -Grade. Sebastiansberg soll seinen Namen von seinem Gründer Sebastian -von Weitmühl erhalten haben. Man betrieb hier früher Bergbau auf Kupfer -und Silber. Kaiser Rudolf II. erhob den Ort zu einer freien Bergstadt. -Jetzt ist von dem früheren Bergbau keine Spur mehr. Die Bewohner -beschäftigen sich mit Gänse- und Schweinehandel und Spitzenklöppelei. - - =Gasthäuser=: »Strubels Gasthof« am Ring, »Heineich's Gasthaus« - in der Schmiedgasse, »Lang's Gasthof« am Ring, Gasthof »zum - schwarzen Adler« am Ring. - - Die königliche Bergstadt Sebastiansberg hat ein k. k. - Bezirksgericht, Notariatsamt, ein k. k. Postamt, ein Lese-, - Gesang-, land- und forstwirthschaftliches Casino. Eingeführte - Gäste haben Zutritt. Sehenswerth ist die im J. 1877 erbaute - _Stadtkirche_ und das im J. 1879 errichtete _Kriegerdenkmal_ am - Marktplätze. - -Ein schöner Spaziergang in nordwestlicher Richtung auf der -Kaiserstrasse ist der nach _*Reitzenhain_ (Eisenbahnstation) dem -beliebtesten Ausflugsorte der Sebastiansberger. Der Weg führt durch -ausgedehnte, herrliche Waldungen. Der Ort selbst liegt inmitten -derselben und bietet im Sommer einen sehr angenehmen Aufenthalt. -Gesunde finden hier nach angestrengter Arbeit Erholung und Kränkliche -Kräftigung. Hier athmet es sich leicht und wohl. Ueberall, wohin man -blickt, ist das dem Auge wohlthuende Grün, von allen Seiten kommt uns -der Wohlgeruch von duftenden Kräutern und Blumen, von harztriefenden -Fichten und Tannen entgegen, was zur Erfrischung des Blutes nicht -wenig beiträgt; darum mehrt sich die Zahl der Fremden, welche in dem -Gasthause »zum Malzhaus« eine ausgezeichnete Verpflegung und Unterkunft -finden, in auffallender Weise. Böhmisch-Reitzenhain ist ein beliebter -und gesuchter klimatischer Curort. Die Umgebung des Ortes ist herrlich, -die Waldpartie nach _*Marienberg_ in Sachsen, (2 Stunden), nach -_*Ulmbach_, _*Kienhaide_ und _*Natschung-Kallich_ auf guten Wegen sind -von seltener Schönheit. - -6. _Von Sebastiansberg nach Komotau zurück._ Der müde Tourist kann dies -erstens mit der Bahn thun und zwar von der Station Krima-Neudorf aus, -wohin er mittelst Postwagen in ca. ½ Stunde gelangt. Sollte er aber in -Sebastiansberg übernachtet haben, so ist ihm mehr zur Fusspartie nach -Komotau zu rathen; man rechnet auf diese Fusstour 3 Stunden. Immer auf -der Strasse abwärts schreitend, berühren wir in ca. 20 Min. Neudorf. -In weiteren 20 Min. führt die Strasse beim Bahnhofe Krima-Neudorf, -dem grössten zwischen Komotau und Weipert, vorüber. Hier zweigt auch -die Bahnlinie »Krima-Reitzenhain« ab. Gleich unterhalb des Bahnhofes -treffen wir, wo sich von der Kaiserstrasse eine Bezirksstrasse über -Sonnenberg nach Pressnitz abzweigt, das Gasthaus zur »Spitz«. Wir -lassen es rechts und gelangen nach abermals einer viertelstündigen -Wanderung in das alte Pfarrdorf »Krima«, welches 460 Einwohner in 63 -Häusern zählt und zu welchem 9 Ortschaften eingepfarrt sind. Zur Zeit, -als noch der Waarentransport per Achse besorgt wurde, herrschte hier -reges Leben. Die zwei grossen Gasthäuser mit geeigneten Stallungen und -grossen Hofräumlichkeiten sahen wohl damals bessere Tage. Dem Touristen -können sie aber auch jetzt noch empfohlen werden, und zwar Bernhard -Pilz's Gasthaus, beim Eintritte in's Dorf gelegen, bietet vorzügliche -Speisen und Getränke und bequemes Nachtquartier. Dasselbe kann man -auch vom zweiten Gasthause in Krima, an der Strasse gelegen, sagen. -Krima hat ein k. k. Postamt und mehrere Vereine. Die Erwerbsquelle der -Einwohner ist Oekonomie. In ca. ¼ Stunde in südwestlicher Richtung -führt uns die Strasse am Gasthofe zum »Hübel« und am Fusse des links -sich erhebenden Klingerberges vorüber; von hier an bekommt die Strasse -ein immer grösseres terrassenförmiges Gefälle, führt durch die Dörfer -Domina und Schönlind und endigt nach einem sehr starken Abfalle -unterhalb Schönlind, von hier aus _*prächtige Ausblicke_ in's Land -gewährend -- durch Oberdorf nach Komotau. - -7. _Von Komotau nach *Kaaden._ Die Tour wird mit der Buschtěhrader -Eisenbahn in 28 Minuten zurückgelegt und bietet der Blick auf das -Erzgebirge während der Fahrt sehr viel Angenehmes. Absteigestation ist -Kaaden-Brunnersdorf, wo Omnibusse der Reisenden harren und dieselben in -einer halben Stunde in die Stadt befördern. - - - - -Kaaden. - - -Die Stadt zählt 5052 Einwohner und liegt an der Eger. - - =Gasthöfe=: »Zur Sonne« am Marktplatz; »zum grünen Baum«; »zum - goldenen Hirschen«. - - =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft; k. k. Bezirksgericht; - k. k. Post- und Telegraphenamt. - - =Verkehrsanstalten=: Buschtěhrader Eisenbahn westwärts gegen - Karlsbad-Eger und ostwärts gegen Komotau und von da einerseits - nach Aussig-Bodenbach, andererseits nach Prag. - - =Schulanstalten=: Ober-Gymnasium, Ackerbauschule, Bürgerschule. - -=Sehenswürdigkeiten=: _Die Dreifaltigkeitssäule_ auf dem Ring; dieselbe -wurde im J. 1761 errichtet. _Das Rathhaus_; es bestand schon zu Anfang -des 15. Jahrh. und ist nach dem Brande 1811 neu wieder hergestellt -worden. An der Vorderseite des Gebäudes sieht man die Wappen des Hauses -Oesterreich, der Königreiche Ungarn und Böhmen und der Stadt Kaaden. -Das Kloster der Elisabethinerinnen in der unteren Vorstadt am Einflusse -des Brunnersdorfer Baches in die Eger, gestiftet im J. 1748. Die Kirche -zu _Mariä-Verkündigung_ nebst der darin befindlichen _Kapelle_ zu den -heil. 14 Nothhelfern und einem Franziskanerkloster ausserhalb der -Stadt, ¼ St. nordwestlich am linken Ufer der Eger. Die Kapelle bestand -als Wallfahrtsort schon im 14. und 15. Jahrh. und 1473 stiftete auf -Anregung des Herrn Niklas von Lobkowitz die Stadtgemeinde das Kloster, -dessen, sowie der Kirche vollständiger Ausbau aber erst 1662 zu Stande -kam. - -=Geschichtliches=. Der Name der Stadt rührt von einer Burg her, welche -der böhmische Feldherr _Kadan_ angeblich auf dem Felsen, wo jetzt die -Kaserne steht, schon im J. 821 errichtete und nach sich benannte. -Unter seinem Schutze entstanden allmählig Ansiedelungen und eine -Stadt, welche im J. 1128 durch Herzog Sobieslaw mit Mauern umgeben -wurde. Sonach zählt der Ort zu den ältesten Städten des Egerthales. -König Přemysl Ottokar II. erhob sie zu einer königlichen Stadt. Kaiser -Karl IV. verlieh ihr verschiedene Privilegien. Im J. 1421 wurde -sie von den Taboriten überfallen und furchtbar verheert. Weil die -Stadt im Schmalkaldischen Kriege 1547 an der Widersetzlichkeit gegen -Ferdinand mit theilgenommen, wurden ihr alle Privilegien und Freiheiten -bestätigt, welche ihr früher verliehen worden. Während des 30jährigen -Krieges wurde Kaaden zweimal von den Schweden und zwar 1642 unter -General Torstensohn und 1648 unter General Königsmark eingenommen. -Grosses Unglück traf sie am 1. October 1811, an welchem Tage sie -von einem furchtbaren Brande heimgesucht wurde. Das Rathhaus, die -Dechantei, die Schulgebäude und 243 Häuser sammt Nebengebäuden wurden -von dem entfesselten Elemente eingeäschert. - -Die Umgebung der Stadt ist reizend und besuchenswerth. Die Abhänge -des Egerthales sind von Warta aus bis Klösterle, ja selbst bis Kaaden -grösstentheils felsig, und oft fallen die Felsmassen bis in das -Flussbett steil ab und erfreuen den Touristen durch ihre mannigfaltige -Gestaltung und dadurch bedingten häufigen, sehr angenehmen Wechsel der -Landschaftsbilder. - - -Touren: - -Wir können uns hier nur auf die in's Erzgebirge beschränken und -weisen auf eine grosse, interessante Tour in's Duppauer Gebirge bloss -hin. Es ist: _Kaaden-Radonitz-Duppau-Rodisfurt mit dem Abstecher zum -Giesshübler Sauerbrunn und von da über Welchau in die Bahnstation -Wickwitz-Welchau und retour mit der Buschtiehrader Bahn nach Kaaden -über Hauenstein-Warta-Klösterle_ (sehr interessante Fahrt). Von Kaaden -südlich nach Fünfhunden, von da südwestlich nach Radonitz und in -derselben Richtung nach Duppau. Die Oberfläche bei Radonitz und Duppau -ist gebirgig. An der südwestlichen Seite erstreckt sich ein Bergrücken, -aus welchem sich die Bergspitze _Burgstadel_ 925 m erhebt, welche -einst eine Burgruine unbekannten Ursprunges trug und von welcher nur -noch ein zugeschütteter Brunnen übrig ist. Von der Spitze des Berges -sieht man deutlich nicht nur das ganze Erzgebirge, sondern auch bei -reinem Horizonte den Milleschauer Berg und andere Kuppen des böhmischen -Mittelgebirges, den Georgsberg bei Raudnitz, den Bösig zwischen -Weisswasser und Hirschberg, den Frauenberg und mehrere Punkte des -Fichtelgebirges. Vor mehreren Jahren stand hier eine hölzerne Pyramide, -welche leider in Trümmer ging und gegenwärtig durch eine Stange mit -zwei Tafeln ersetzt ist. Etwas niedriger ist der _*Oedschlossberg_ -917 m, südwestlich von Duppau, an dessen westlichem Abhange sich in der -Basaltmasse mehrere natürliche Löcher von der Grösse eines menschlichen -Kopfes befinden, welche vom Volke _die Zwerglöcher_ genannt werden, -weil der Sage nach in uralter Zeit Zwerge darin gewohnt haben sollen. - -Die Stadt Duppau hat ein Schloss, welches schon im J. 1119 von -Doupowetz errichtet worden sein soll, im J. 1500 von Anna Maria -Margaretha Daupowetz erneuert und im J. 1723 vom Grafen Gottfried von -Lützow überbaut wurde. Die Pfarrkirche zu Mariä Himmelfahrt wurde von -demselben Grafen im J. 1745 vollständig renovirt. Die Elisabeth-Kirche -wurde nebst dem dazu gehörigen Klostergebäude für die Jesuiten -gegründet und denselben im J. 1770 übergeben. Nach Aufhebung dieses -Ordens im J. 1773 erhielten die Piaristen das Collegium sammt dem -Gymnasium, welches gegenwärtig geschlossen ist. Die Kirche gehört durch -ihre Grösse, geschmackvolle Bauart und innere Ausschmückung unter die -bemerkenswerthesten Landkirchen Böhmens. - -Von Duppau in westlicher Richtung nach Rodisfort (Rodisfurt), rechts an -der Eger, über welche eine Brücke führt, und an der Landstrasse nach -Schlackenwerth, und dann ½ Stunde südlich zum Sauerbrunn. - -=Giesshübler Sauerbrunn= (siehe Bereisung von Karlsbad aus). Von da in -nördlicher Richtung nach _Welchau_ am rechten Ufer der Eger in einem -von mehreren Bergen eingeschlossenen herrlichen Thale. Eigenthümer -des Gutes _Welchau_ ist gegenwärtig Herr Hofrath Dr. von Löschner, -welcher in diesem schönen Thale seinen Ruhesitz nach vieljähriger -ausgezeichneter Wirksamkeit als Professor und Arzt aufgeschlagen und -sehr viel für die Verschönerung der Gegend gethan hat. Die auf einem -Hügel ausserhalb des Dorfes liegende Kirche hatte schon 1384 einen -eigenen Pfarrer. Im Pfarrhause befindet sich das Bildnis des Pfarrers -_Anton Hasch_ zu Lioch (? in dioecesi Liochensi), welcher 125 Jahre alt -geworden und 100 Jahre sein Amt als Pfarrer verwaltet hat. Das Schloss -ist im 16. Jahrh. vom Grafen Schlick gebaut, und, nachdem es 1621 am -21. April mit dem ganzen Orte abgebrannt war, vom Freiherrn von Hessler -wieder hergestellt und später wieder erneuert worden. Von der Station -»Wickwitz-Welchau« wieder retour nach Kaaden. - -2. =Kaaden-*Leskau-*Schönburg=. In westlicher Richtung gehen wir von -Kaaden aus über Roschwitz zu dem nordwestlich von dem Dorfe _Leskau_ -sich erhebenden _Leskauer Schlossberg_ mit der malerischen Ruine der -Burg Egerberg, auch Egerwerk und Egerburg genannt, über deren Erbauer -und früheren Besitzer nichts bekannt ist. Von da wandern wir in -westlicher Richtung gegen Kettwa fort, wo sich eine Ueberfuhr befindet, -und setzen auf das jenseitige Egerufer über, um in nördlicher Richtung -dem, aus dem Egerthale steil aufsteigenden Berge _Schönburg_ zuzueilen. -Auf dem Gipfel des mit Wald bedeckten Berges sind die ansehnlichen -Ruinen des Schlosses _Alt-Schönburg_. Wir geniessen von hier aus eine -herrliche Aussicht in die Saazer Ebene und das ferne Mittelgebirge. Die -Burg soll von den Eigenthümern ihrer Baufälligkeit wegen (sie ist von -Basaltblöcken erbaut) verlassen worden sein; sie erbauten am Fusse des -Berges ein neues Schloss und benannten sich auch nach diesem, Herren -auf _Neuschönburg_; von diesem sind sehr wenige Spuren noch vorhanden. -Retour nach Kaaden. - -3. =Kaaden-Klösterle-Kupferberg-= (=*Sphinx= und =*Kupferhügel=) -=Schmiedeberg-Weipert-Pressnitz=. (Herrliche Partie für drei Tage.) -Wir treten unseren Weg an und kommen in westlicher Richtung nach dem -1¾ St. entfernten _Klösterle_. Wir haben eine Gebirgslandschaft vor -uns, welche durch das Thal der Eger in zwei Theile getrennt ist. An der -linken Seite ist es die steile Abdachung des Erzgebirges, welche das -Thalgehänge bildet, an der rechten Seite das Duppauer-Gebirge, hier -das Liesengebirge genannt, welches sich hier aus dem Thale erhebt. Das -Thal selbst ist fast durchaus enge, die Abhänge am Fusse fast überall -felsig; sie lassen nur stellenweise eine schmale Thalsohle übrig und -häufig steigen sie fast unmittelbar bald an der rechten, bald an der -linken, bald auch an beiden Seiten in schroffen Felswänden aus dem -Flusse auf. Ueber diesen Felsgehängen dachen sich die Gebirgsabhänge -bald mit grösserer, bald mit geringerer Steilheit ab. - -=Klösterle=, Stadt, auf einer geneigten Anhöhe am linken Ufer der Eger. - - =Gasthäuser=: Rathhaus am Markte, Restauration zum Bräuhaus, - herrliche Aussicht. - - =Eisenbahnverbindung= einerseits gegen Eger, andererseits gegen - Komotau-Prag-Aussig-Bodenbach. - - =Post- und Telegrafenamt.= - -=Sehenswürdigkeiten=: Die Dreifaltigkeitskirche, ein schönes, -geräumiges Gebäude in neu-italienischem Styl im J. 1670 vom Grafen -Michel Oswald von Thun erbaut. Das schöne, herrschaftliche _Schloss_, -auf einem Felsen am Ufer der Eger, welche hier durch einen weiten Busen -das Ansehen eines beträchtlichen Stromes zeigt. Der Schlossgarten zeigt -herrliche Baumgruppen. (Von Klösterle aus kann man auch Leskau und -Schönburg besuchen, siehe Kaaden.) - -Jetzt treten wir eine echte Gebirgspartie an. Wir kommen der höchsten -Masse des Erzgebirges immer näher. Von Klösterle gehen wir in -westlicher und nordwestlicher Richtung nach dem ¾ St. entfernten, -an einem Berge gelegenen _Haadorf_ und erreichen in einer halben -Stunde _Steingrün_, ein Dorf an der Hauptstrasse, grösstentheils -aber zerstreut an den Abhängen eines inneren Thales, in welchem ein -kleiner Bach nach Pürstein fliesst, gelegen. Von hier aus erreichen -wir, nördlich wandernd, wieder in einer halben Stunde _*Kupferberg_. -Diese Partie lässt sich noch über _Wenkau_, ein Dorf am südlichen -Gebirgsabhange in einem Thale zwischen Waldungen, zurücklegen. Beide -Partien zeichnen sich durch grossartigen Gebirgscharakter aus. -Ausdauernden Touristen empfehlen wir die _Fusstour_ von Klösterle aus -durch das wiederholt berührte, herrliche Egerthal auf der Kaiserstrasse -nach _Pürstein_ über Aubach nach _Wotsch_, von da nach _Warta_ und -endlich nordwestlich abbiegend, nach Hauenstein (siehe Bereisung von -Johannisthal aus). -- Retour nach Pürstein (zu Fuss und per Bahn), das -am Zusammenflusse von drei Bächen, im Ausgange eines engen Thales, -am Fusse des Erzgebirges in malerischer Gebirgsgegend gelegen ist. -Wir gehen nun nördlich und kommen zu dem Schlossberge mit einigen -Ueberresten der Burg Pürstenstein, auch Finkelstein, und setzen unseren -Weg steil aufwärts nach _Kleinthal_, dann nach Steingrün fort und -erreichen endlich _Kupferberg_. Dieser Aufstieg wird den Touristen -wegen der reichen Abwechslung der wildromantischen Gegend besonders -empfohlen. Zuvor statten wir der, an der Strasse gelegenen herrlichen -Felspartie einen Besuch ab und erfreuen uns über den prachtvollen -Einblick in das Egerthal. Der berühmte Landschaftsmaler Slowikowski, -der gegenwärtig mit der Aufnahme von Bildern im Erzgebirge beschäftigt -ist, entdeckte hier im J. 1880 eine schöne Sphinx und entwarf eine -correcte Zeichnung davon, deren Abdruck sammt dem von ihm verfassten -Gedichte nächstens in der Erzgebirgszeitung erscheinen wird. - -=Kupferberg=, eine Bergstadt, auf dem Rücken des Erzgebirges 834 m -über dem Meere gelegen. Die Kirche wurde in den Jahren 1803 bis 1814 -neuerbaut und die alte, ganz baufällige abgetragen; sie hat einen Thurm -mit einem harmonischen Geläute von 5 Glocken, welche noch von der alten -Kirche herrühren. Das Städtchen ist regelmässig angelegt, die Häuser -fassen einen grossen, quadratischen Platz ein. - - =Gasthäuser=: Rathhaus, Deutsches Haus, Post. - - =Eisenbahnstation= (20 Minuten von der Stadt, Verbindung mit - Komotau-Weipert). - - =Postamt=. - -Der an der Nordseite der Stadt sich erhebende _*Kupferhügel_ (in 12 -Min. ohne Anstrengung zu erreichen) ist vom Bergbau ganz unterwühlt, -eine Menge Halden an seinem Abhange und in seiner Umgebung sind die -Reste der seit vielen Jahren erloschenen unterirdischen Thätigkeit. Auf -dem Gipfel steht eine Kapelle, welche von Einheimischen und Fremden -häufig der Andacht und auch der herrlichen Aussicht wegen besucht -wird. Diese ist eine der merkwürdigsten und schönsten in Böhmen; gegen -Nordwest, Nord und Nordost ist sie zwar durch die höheren bewaldeten -Rücken und Kuppen des Gebirges beschränkt, aber in anderen Richtungen -erstreckt sie sich in unbegrenzte Ferne, besonders gegen Süd und -Südosten. Wir sehen bis in die Gegend von Prag, wo dann die Hochebene -des mittleren Böhmen den Horizont bildet, und dann weit in die Gegend -von Elbogen und Pilsen. Unterhalb der Kapelle befindet sich das -bekannte »Gasthaus am Kupferhügel.« (Erscheinungen siehe _Klima_.) - -Von Kupferberg aus gehen wir (auf dem Plateau wird doch niemand die -Bahn benützen wollen) in der herrlichen Waldluft auf der Strasse in -westlicher Richtung nach Oberhals (¾ St.), einem zerstreut am südlichen -schroffen Rande des Gebirgsrückens in ebener Gegend liegenden Dorfe, -biegen hinter demselben rechts ab und kommen in dem langgestreckten -Orte _Schmiedeberg_ an. Das Dorf hat eine Eisenbahnstation der -Buschtiehrader Eisenbahn von Komotau nach Weipert her und ist -Absteigestation für die herrlichen _Aussichtspunkte_: _Keilberg_, -_Fichtelberg_, _Spitzberg_ bei Gottesgab, _Halsberg_ bei Pressnitz, -_Kupferhügel_ und _Bärenstein_ bei Weipert (siehe oben Bereis. des -Erzgebirges von Joachimsthal und Kaaden aus!). Hervorragende Gebäude -sind die Kirche und das Schulhaus. - - =Gasthöfe=: Schneeberg, Ross. - -Von Schmiedeberg gelangen wir in je 1¼ St. in nordöstlicher Richtung -nach Pressnitz, in südöstlicher nach Kupferberg, in nordwestlicher nach -Weipert und in südwestlicher nach Böhmisch-Wiesenthal (siehe Bereisung -von Joachimsthal aus!). Nach Pressnitz führt von Schmiedeberg die -Pressnitz-Schmiedeberger Bezirksstrasse. Der Weg ist sehr angenehm. - -=Pressnitz=, Bergstadt, mit 3000 Einwohnern, auf der nördlichen sanften -Abdachung. - - =Gasthäuser=: »Herrenhaus«, »Rössel«. - - =Aemter=: K. k. _Bezirksgericht_, _Post-_ und _Telegrafenamt_. - - =Eisenbahnstation= der Buschtiehrader Bahn einerseits gegen - Weipert, andererseits gegen Komotau. - -=Geschichtliches=: Die Stadt verdankt ihre Entstehung dem -Silberbergbau. Hier ist bereits zur Zeit der Regierung des Königs Georg -von Poděbrad Silber gegraben und dem Herrn Niklas von Lobkowitz auf -Hassenstein eine unbeschränkte Bergfreiheit zum Abbau aller Metalle -drei Meilen rings um sein Stammschloss Hassenstein verliehen worden. -Diese wurde vom Könige Wladislaw den Gliedern dieses Adelsstammes im J. -1473, 1490, 1500 und 1514 fortwährend weiter zugestanden. Unter König -Mathias wurde, um den Bergbau zu heben, ein Vertrag geschlossen, der -aber leider kein Heil mehr brachte, weil gleich darnach der 30jährige -Krieg ausbrach. Er wurde zwar auch von allen späteren Monarchen gleich -den anderen Privilegien bestätigt, ohne aber den erwarteten Erfolg zu -haben. - -Seit dem grossen Brande am 1. August 1811 sind die Pressnitzer mehr -in der Welt bekannt geworden. Seitdem gehen junge Mädchen, mit der -Harfe die entferntesten Gegenden besuchend, zum Theile von den Vätern, -welche die Geige oder Flöte spielen, begleitet, einem oft nicht -unbeträchtlichen Erwerbe nach, mit dem sie zur Unterstützung ihrer -Eltern und Geschwister zeitweilig nach Hause kehren. Von Pressnitz -aus gelangen wir auf einer guten Strasse durch das weitläufige Dorf -_Reischdorf_ über den _Reischberg_ 457 m nach Sonnenberg (1¾ St. -- -siehe Bereisung von Komotau aus). - - - - -E. Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus. - - - - -Görkau. - - -=Görkau=, eine Stadt mit mehr als 4000 Einwohnern, 15 Minuten südlich -vom Fusse des Erzgebirges gelegen, von der Biela und dem Aubach -durchflossen. Die Umgebung der Stadt bilden zahlreiche geschlossene -Obstgärten, worin Birnen, Aepfel, Nüsse, Kirschen und Zwetschken -gezogen werden. Die Stadt hat schöne Waldungen (über 2000 Joch), welche -hoch im Gebirge zwischen den Waldungen der Herrschaft Rothenhaus, den -fürstlich Lobkowitz'schen von Eisenberg-Neudorf und den Katharinaberger -liegen. In jüngster Zeit hat die Stadtgemeinde auch die schöne Graf -Wolkenstein'sche Waldherrschaft Göttersdorf angekauft. - - =Gasthöfe=: Hôtel »_Schorsch_« -- Garten, eigene Gelegenheit - zur Bahn und zu anderweitigen Fahrten, zu Gebirgstouren; - - »_Weisses Ross_« -- Garten und Gelegenheit mit der Post zur - Bahn; beide in der Kaiserstrasse gelegen; - - »_Zum rothen Hirschen_« und »_Zum Stern_« am Ring gelegen; - dann »_Zum Nussbaum_« ausserhalb der Bahnhofstrasse; grosse - Gartenrestaurants: »_Am Büschel_« mit grossem Saale und Veranda - -- nebenan die Schiessstätte; »_Zur Hütte_« mit Billard; - »_Zum goldenen Kreuz_« und »_Am Rothenhäuser Keller_«; ferner - ein Mineralbad mit Restauration. Führer zu Gebirgstouren und - Auskünfte in den 2 erstgenannten Gasthäusern. - - =Eisenbahn-Stationen=: »_Udwitz-Görkau_« der Aussig-Teplitzer - Bahn; »_Görkau_« der Dux-Bodenbacher Bahn; diese 10 Minuten, - jene 25 Minuten vom der Stadt entfernt; zu jedem Zuge - Gelegenheiten nach Udwitz. - - In die Stadt führende Strassen: - - a) von Teplitz über Dux, Brüx, Seestadtl; - b) von Teplitz über Ossegg, Oberleutensdorf, Obergeorgenthal, - Eisenberg; - c) von Karlsbad über Schlackenwerth, Klösterle, Kaaden, Kralupp, - Komotau; - d) von Saaz über Eidlitz oder Komotau; - e) von Postelberg über Komotau oder Eidlitz; - f) von der sächsischen Grenze über Kallich, Göttersdorf, Rothenhaus; - g) von der sächsischen Grenze über Grünthal, Brandau, Gabrielahütte, - Göttersdorf, Rothenhaus; - h) von der sächsischen Grenze über Katharinaberg, Neuhaus, - Göttersdorf, Rothenhaus; - i) von der sächsischen Grenze über Kallich, Bernau, Gersdorf, - Platten, Pirken. - - =Gebäude und Institute=: 2 katholische Kirchen mit Dechantei, - 1 protestantische Kirche mit Pfarrei, 1 jüdischer Tempel, - 1 fünfklassige Volksschule für Knaben und Mädchen mit 10 - Lehrsälen, 1 Kindergarten, 1 städtisches Krankenhaus, 1 - städtische Sparkasse, 1 Bürgerversorgungshaus, 1 Apotheke. -- - (3 Doktoren der Medizin, 2 Thierärzte.) - - =Aemter und Behörden=: ein k. k. Notariat, ein Stadthaus mit - den Gemeindeämtern, ein k. k. Bezirksgericht, ein k. k. Steuer- - und Grundbuchsamt, ein k. k. Post- u. Telegraphenamt, ein - Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung. - - =Industrielle Etablissements= in der Stadt und deren nächster - Nähe: 7 Baumwollspinnereien und Zwirnfabriken, 1 Papierfabrik, - 4 Dampfmühlen, 9 Getreide- und Brettmühlen mit Wasserbetrieb, - 2 Bierbrauereien, 2 Eisenhämmer, 1 Metallfabrik mit Dampf, 1 - Holzdreherei mit Wasserkraft, 3 Färbereien, 1 photographisches - Atelier, 1 Wechselstube, viele solide Handlungen. - -Eine grosse Merkwürdigkeit Görkaus ist ein in weichen Sandstein -gehauener Keller, der sich weit unter der Stadt hinzieht und -ursprünglich 150 Abtheilungen hatte, wovon jetzt noch ca. 100 erhalten -sind, da eine Anzahl durch Bauten kassiert worden ist und mehrere -verfielen. Diese Kellerabtheilungen gehören zu den brauberechtigten -Bürgerhäusern, wurden zur Zeit, als noch die Reihenbrauerei ausgeübt -wurde, als Gährkeller benützt und danken diesem Umstande ihre -Entstehung. - -=Geschichtliches.= Die Dekanalkirche war schon 1384 als Pfarrkirche -vorhanden. Ueber ihr Schicksal fehlt es an Nachrichten. Sie enthält das -Grabmal des am 5. Jänner 1578 verstorbenen Besitzers von Rothenhaus, -Christof von Karlowitz. Auf dem Rathhause bewahrt man mehrere -Privilegien von den Monarchen Ladislaus, Ferdinand III., Maximilian -II. und Rudolf II., welch letzterer der Stadt ein Wappen im Jahre -1588 verlieh, bestehend aus einem in zwei Hälften quer getheilten -Schild. Die untere Hälfte zeigt eine Stadtmauer mit halboffenem Thore -und Fallgatter, die obere drei rothe Herzen im goldenen Felde. Ueber -dem Schilde ist ein Stechhelm und ein silberner Flügel mit drei -Kleeblättern. - - -Kleine Spaziergänge. - -1. Zum »_*Buschel_«, Restauration mit Saal und Veranda; der Anstieg -auf der mit Obstbäumen bepflanzten Strasse ist kaum merkbar; ¼ Stunde. -2. Zum _Weingarten_ in nordwestlicher Richtung, 25 Minuten; sanfter -Anstieg zwischen Obstbaumpflanzungen; Gasthaus des Anton Proksch. 3. -Die innerhalb 1 Stunde und ohne grosse Mühe zu erreichenden Berge: -_Ziegenberg_ bei Görkau, _Breitenstein_, _Galgenberg_, _Wachhübel_, -_Spitzberg_ bei Hannersdorf, _Georgshöhe_, _Hänselberg_, _Katzenhübel_, -_*Hutberg_ bei Pirken. Diese Berge bieten insgesammt eine schöne -Aussicht auf die mit Städten und Dörfern übersäete Fläche von Komotau -bis in die Gegend von Bilin mit den als südöstliche Begrenzung -aufsteigenden Kegeln des Mittelgebirges. 4. _*Das gräflich Bouquoi'sche -Schloss Rothenhaus_, 25 Minuten, auf einer mit Kastanienbäumen -bepflanzten Strasse in nördlicher Richtung erreichbar. Rothenhaus -liegt am Vorgebirge mit gegen Süden und Westen gewendeter offener -Front; das grossartige Schloss steht mitten im Parke, umgeben von -prächtigen Gartenanlagen, Glashäusern mit den seltensten einheimischen -und exotischen Gewächsen. Es gehört unter die schönsten Gebäude dieser -Art in ganz Böhmen und gewährt bei seiner hohen und freien Lage eine -reizende Aussicht auf das innere Land und das Mittelgebirge. Im oberen -eingefriedeten Parke Hirsch- und Rehstand, im unteren Parke ein -Pferdegestüt edler Racen; auch Fluss-, Teich- und Forellenfischerei. -Der Park ist dem Publikum an Sonn- und Feiertagen, sonst aber nach -erbetener Erlaubniss, zugänglich. - -=Lohnende Ausflüge von grösserer Entfernung=: 1. Ueber Pirken, Schergau -nach dem Pfarrorte _*Platten_, auf guter Strasse in zwei Stunden, mit -einem überraschend schönen Ueberblicke der Komotauer und Saazer Gegend, -des Mittelgebirges bis weit in das Innere unseres Heimathslandes, der -Gebirgsbahnen nach Weipert und Reizenhain. Von Platten 15 Minuten -entfernt der Wallfahrtsort _Quinau_ mit schöner Wallfahrtskirche. -Von Platten führt eine Strasse über Rodenau, Gersdorf nach Bernau -und zum _Gaisberg_, auf welchem die Biela entspringt -- nicht weit -davon _der Beerhübel_ 889 m über der Ostsee; auf der Strasse weiter -zu dem Pfarrorte _Kallich_ mit einem Post- und Grenz-Zollamte, einem -Eisenguss- und Walzwerke und gutem Gasthofe. Bei Kallich finden wir -Lager von Urkalkstein, während die Felsarten in diesem Reisebezirke im -Erzgebirge fast durchgängig Gneisabänderungen sind. Bei Rudelsdorf und -Kleinhan finden sich Granitkuppen und bei Brandau einige Basaltkuppen. -Hier wird Anthracitkohle gewonnen. Am Fusse des Erzgebirges kommen hie -und da die sandigen und thonigen Gesteine der Braunkohlenformation -zum Vorscheine. Von Görkau bis dahin 3 Stunden. _Das ist eine echte -Gebirgspartie theilweise durch schöne ausgedehnte Wälder._ - -2. Nach der Ruine _*Neustein_, fortwährend auf schattiger Strasse durch -das herrliche Teltschthal, der Biela entgegen, an Fabriken, Mühlen, -Eisenhämmern und einer Holzdreherei vorüber, bis zum Fusse des Berges, -auf dessen Gipfel die von Bäumen umsäumte Ruine; 1½ Stunde; einige -Minuten davon eine Rothenhäuser Försterei. - -3. Durch das Teltschthal, Uhrissen, Gersdorf nach _*Bernau_, immer an -der Biela, bis Uhrissen gute Strasse, dann Feldweg; 2 Stunden; von der -Schule in Gersdorf eine wundervolle Aussicht in das Innere Böhmens. - -4. Durch das schattige Tiefenthal nach _Hannersdorf_, stark steigender -Weg; 1 Stunde. - -5. *Durch den Ort Rothenhaus, Göttersdorf mit Pfarrei und guten -Restaurationen, Forst, Ochsenstall nach _Kallich_, fortwährend Strasse -durch Hochwald, 3 Stunden, prächtige Waldpartie; schöne Rückblicke, -namentlich bei Göttersdorf in das Innere Böhmens. - -6. Ueber Göttersdorf, Neuhaus mit dem Görkauer Forstamt, nach _Ladung_ -mit einer Eisenberger Försterei, 2½ St., von letzterer eine lohnende -Fernsicht; unweit der Berg _Hübladung_ 796 m; bis Neuhaus Strasse, dann -Waldweg. - -7. *Ueber Göttersdorf, Kallich, Gabrielahütte durch ein zwei Stunden -langes, bewässertes, tiefgrünes Thal mit dichtgereihten Hammer- -und Blechwalzwerken, Mühlen und anderen Industrien nach _*Brandau -und *Grünthal_, immer Strasse, 5½ St.; hier die nahen Berge: -_Töltschberg_, _Katzenrücken_ und _Zechenberg_. Diese Partie gehört zu -den schönsten im Erzgebirge und kann sich in Bezug auf Grossartigkeit -und Pracht, sowie Mannigfaltigkeit der Scenerie mit den herrlichsten -Alpenlandschaften messen. Der schönste Theil derselben ist von Kallich -auf guter Strasse durch ausgedehnte Buchen- und Nadelwälder über -Gabrielahütten durch das Teltschthal (zu unterscheiden von dem bei -Görkau) nach Brandau und Grünthal. Der Ort Gabrielahütten wurde im -Jahre 1778, gleichzeitig mit dem Eisenwerke, vom Grafen Heinrich von -Rothenhan errichtet und seiner Tochter, der edlen Gabriela Maria, -verehelichten Gräfin von Bouquoi, Sternkreuzordensdame und Dame du -Palais, welche die Herrschaft nach dem im Jahre 1809 erfolgten Tode -ihres Vaters als Erbschaft erhalten hat, zu Ehren benannt. Der Ort hat -eine Schule und eine im schweizer Styl erbaute Restauration. Das Thal -wird von dem Teltschbach, der sich in den schäumenden Natschungbach -ergiesst, durchbraust. Das Thal ist einsam und voll würziger, -erfrischender Waldluft. Es verengt sich oft, die hohen Thalwände werden -wiederholt von schroffen Felswänden unterbrochen, und die vielfachen -Windungen verändern von Strecke zu Strecke das Bild und bewirken eine -reiche Scenerie der Landschaft. Nach 3½stündiger Wanderung kommen wir -in eine von herrlichen Waldungen umrahmte Landschaft, in deren Mitte -sich das Dorf Brandau befindet und treffen nach einer halben Stunde -in _*Grünthal_ ein, unserer Endstation, einem reizend, unmittelbar an -der Grenze gelegenen Orte mit grossartigem Hôtel. Fortsetzung der Tour -längs der Flöha nach Olbernhau in Sachsen. - -8. Ueber Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan mit Pfarre nach -_Katharinaberg_, immer Strasse, 4 St. - -9. Ueber Rothenhaus beim Gestüte vorbei nach der Aubachmühle, ferner -auf stark steigendem Wege über Stolzenhan nach _Ladung_, 2½ St. - -10. Durch den unteren Rothenhäuser Park und über Türmaul zum -_Silberstollen_, durch ein schönes saftig grünes Thal, 1 Stunde lang, -immer fahrbar; das Silberwerk ist gegenwärtig ausser Betrieb. - -11. Auf der Strasse zum Forsthause in Hohenofen, dann im Walde auf -den _*Tannichberg_ 847 m hoch, mit prachtvoller Rundschau, zum -Forsthause »Rothe Grube«, 3¼ St.; von hier in 15 Minuten auf den -_*Bernstein_ mit einem von Oesterreich und Sachsen gemeinschaftlich -erbauten Aussichtsthurme, 917 m hoch, unstreitig einer der schönsten -Fernsichtspunkte im ganzen Erzgebirge. Man übersieht von demselben -einen grossen Theil von Sachsen bis Augustusburg, von Böhmen gegen -die Elbe und Eger, nach Prag, Teplitz, Brüx, Saaz und das Erz- und -vorliegende Mittelgebirge. - -12. Zum Forsthause Hohenofen, auf der Waldstrasse zum _*Theresiensitz_ -mit einem Tempel und schöner Fernsicht, _auf den *Seeberg_ mit einem -Felsenlabyrinthe und dem _Johannisfeuerberg_; beide durch eine tiefe -Schlucht von einander getrennt, mit der gleichen Höhe von 631 m, bieten -sie eine ausgedehnte Fernsicht bis Prag, auf das Mittelgebirge und in's -Land; 3 St. Vom Theresiensitz in ¾ St. zum Forsthause »Rothe Grube« und -in abermals ¾ St. zum Hegerhaus im _Flachsgrund_. Hier ist ein Local, -dessen sämmtliche Möbel kunstvoll aus Hirschgeweihen zusammengesetzt -sind, sehenswerth. - -13. Durch den unteren Rothenhäuser Park, Türmaul, Forsthaus Hohenofen, -durch den Thiergarten nach _*Eisenberg_, 1½ St., schattige Strasse. -Schloss Eisenberg, dem Fürsten Lobkowitz, Herzog zu Raudnitz gehörig, -ist ein im jüngsten Renaissancestyl erbauter herrlicher Edelsitz, -historisch berühmt als einstiger Aufenthalt des Prinzenräubers Kunz von -Kaufungen, auf einem Bergvorsprunge im Süden des Erzgebirges, mit einem -wundervollen Panorama. Gegen Nordosten die Abhänge des Erzgebirges, -gegen Osten und Südosten das böhmische Mittelgebirge, Hügel an Hügel, -Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene, pittoresk gestaltete Bořen bei -Bilin mächtig überragt. Gegen Süden breitet sich die Saazer Ebene, -»der Garten Böhmens«, aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie -besäet ist und einen grossartigen Eindruck macht. Nach Südwesten ist -der Horizont durch das Karlsbader und Duppauer Gebirge abgegrenzt. -Die Park- und Garten-Anlagen, sowie die Glashäuser des Schlosses sind -grossartig. In einer prunklosen, zur Andacht stimmenden Waldkapelle -befindet sich ein Kreuz von grosser Dimension am Altare, das in einem -Stücke aus einem Eichbaume geschnitten ist, bei dessen Fällung ein -Graf Lobkowitz vor 156 Jahren den Tod fand. Er hatte die Warnung der -Holzschläger, sich zu entfernen, nicht beachtet, der Baum fiel auf -ihn und erschlug ihn. In der Schlosskapelle ferner ist ein Dorn unter -Glas und Rahmen aufbewahrt, welchen die Kreuzritter aus Palästina -mitgebracht und welcher aus der Dornenkrone des Heilandes entnommen -ist. Diese Reliquie wird jedes Jahr vor Ostern eine Woche in der -Kirche zu Neundorf und einen Tag in Seestadtl zur Verehrung ausgesetzt -und zieht viele Wallfahrer an. Die Herren von Lobkowitz legen dem -»heiligen Dorn« einen hohen Werth bei und soll einmal ein fürstliches -Familienglied bei der Erbtheilung denselben einer Herrschaft vorgezogen -haben. - -14. Mit der Eisenbahn nach Eisenberg, dann auf der Gebirgsstrasse -nach _Nikelsdorf_, _Böhmisch-Einsiedel_, _Deutsch-Einsiedel_ und -_Bad *Einsiedel_, einem reizend gelegenen, von sächsischer Seite mit -Vorliebe besuchten Luft-Curort mit Naturbädern; 4 St. - -15. Mit der Eisenbahn nach _Obergeorgenthal_, über _Marienthal_ (mit -einer Baumwollspinnerei) auf der Gebirgsstrasse nach Nikelsdorf und -Einsiedel; 3½ St. (Siehe Oberleutensdorf.) - -16. Mit der Eisenbahn _nach Johnsdorf_; daselbst an der Strasse -das *Hôtel Weber, das durch sein luxuriöses Ameublement und seine -kunst- und geschmackvollen Malereien an den Wänden und Decken die -Beschauer zur Bewunderung hinreisst. Von da erreicht man durch -Obstgärten in 15 Minuten den Ort _*Hammer_ mit schöner Fernsicht und -vielbesuchter Restauration »_*Zur deutschen Bruderhalle_«; weiter -auf stark steigender Gebirgsstrasse nach _Kreuzweg_, in der Nähe -der _Kampelberg_, und nach Einsiedel, unweit der Göhrenberg. (S. -Oberleutensdorf.) - -Die Stadt _*Katharinaberg_ erreichen wir von Görkau über Göttersdorf, -Neuhaus, Kleinhan und den Grund auf guten Wegen durch ausgedehnte, -herrliche Wälder -- eine echte Gebirgspartie, oder wir fahren mit -der Dux-Bodenbacher Bahn nach Obergeorgenthal und gehen von da über -Marienthal und Nikelsdorf nach Katharinaberg, ebenfalls eine herrliche -Gebirgspartie. Katharinaberg, eine Bergstadt mit über 2200 Einwohnern, -liegt, von Görkau ca. 4 St. entfernt, auf einem schmalen, mässig hohen, -aber steil abfallenden Bergrücken. Dazu gehört das Pachendörfel, eine -südöstlich gelegene Gruppe von Häusern, und der Grund, eine in dem vom -Zobelbach durchflossenen Thale gelegene doppelte Häuserreihe. - - =Gasthöfe=: »Kaiser von Oesterreich«; »Kronprinz Rudolf«; beide - am Marktplatz gelegen; »Zur Herrenschänke«, hart an der Grenze - im »Grund« gelegen. - - In die Stadt führende =Strassen=: - - 1. Von Brüx über Nieder- und Obergeorgenthal, Marienthal, - Nikelsdorf. - - 2. Von Oberleutensdorf über Johnsdorf, Obergeorgenthal, - Marienthal, Nikelsdorf. - - 3. Von Görkau über Rothenhaus, Göttersdorf, Neuhaus, Kleinhan. - - 4. Von Kallich über Gabrielahütten, Brandau. - - 5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau. - - =Gebäude und Institute=: Eine katholische Kirche mit - Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke -- (2 - Medizin-Doktoren). - - =Aemter und Behörden=: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein - k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein _Postamt_, ein - Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung. - - =Industrielle Etablissements=: Wirkwaaren-Industrie, - Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen, - Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei. - -Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des -Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die -Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits -zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt -von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu -siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer -mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und -Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals -alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren -Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen -Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor -namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft. - -=Kleiner Spaziergang.= Zum _Gasthaus »zum grünen Baum«_, ¼ St., Fahrweg -dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen. - - -Ausflüge von grösserer Dauer. - -1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach -_*Brandau_ und _*Grünthal_; gute, zum Theil durch Hochwald führende -Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am -Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha -gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine -und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus; -in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal -sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes -»Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus -Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe Seite 150.) - -2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach _*Gabrielahütten_ in dem -prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren -Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und -Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke -in Betrieb setzt. 2½ St. -- (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft -Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten -bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit -Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil -abfallende _Habichts-_ oder _Stösserfelsen_ mit herrlicher Aussicht. --- (Siehe oben Seite 150.) - -3. Im Flöhathale der sächsischen Grenze entlang über Ober- und -Niederlochmühle durch ein herrliches Thal auf schöner Strasse nach -_Seifen_ und von da nach _Bad *Einsiedel_ (sächsisch), das nicht -allein durch seine Schwefelbäder, sondern auch durch seine romantische -Lage den hier weilenden Curgästen Erquickung und Heilung gewährt. -Restauration mit Garten und herrlichen Spaziergängen. 2½ Stunden. -(Siehe Görkau Seite 152.) - -4. Ueber Deutsch-Neudorf, Brüderwiese nach _Bad Einsiedel_. Bis »zum -grünen Baum« Fahrweg, dann schöne, von Waldungen beschattete Strasse; 2 -Stunden. In 25 Minuten von da nach Einsiedel (böhmisch) schöne Strasse. - -5. Ueber Gebirgs-Neudorf, oder auf sächsischer Seite über -Deutsch-Neudorf, Brüderwiese _nach Einsiedel_ (_der Haselstein_ mit -schöner Fernsicht bis in die Aussiger, Schlaner und Komotauer Gegend, -und der _Käsherdberg_), Göhren (der Farbenhügel, der Göhrenberg, der -Krummschuss), Zettel (der Falkenberg und der Nitschenberg) _durch -*Rauschengrund nach *Oberleutensdorf_. In Rauschengrund zwei Fabriken -der Herren Marbach und Riecken, Baumwollgarn- und Kattunerzeugung; -Brettsägen und Mühlen. Grösstentheils Waldweg, 4 Stunden. Prächtige -Gebirgspartie! - -6. Ueber Gebirgs-Neudorf. Einsiedel, Kreuzweg (der Flösselberg, der -Hellwikstein, der Kampfberg und der Pflasterberg) durch den herrlichen -_*Hammergrund_ nach _*Johnsdorf_; von Einsiedel bis Johnsdorf schöne -Strasse; 2½ St. - -7. Ueber Nikelsdorf (Wachhübel mit schöner Fernsicht) durch ein -herrliches Thal nach Marienthal mit einer Baumwollspinnfabrik (der -_Weinberg_ mit einem prächtigen Ueberblick der ganzen Kesselgegend -gegen Osten, Süden und Westen) und Obergeorgenthal (Dux-Bodenbacher -Bahnstation); schöne grossentheils schattige Strasse, 2½ Stunden. - -8. Ueber Kleinhan, Neuhaus, Göttersdorf, Rothenhaus nach _Görkau_; -immer schöne Strasse, 4 Stunden. Vor Göttersdorf öffnet sich der -Ausblick auf die Komotauer und Brüxer Gegend. - -=Bergbesteigungen.= 1. _*Steinl_ mit herrlicher Aussicht bis zum -Sonnenwirbel bei Gottesgab und in das Flöha- oder Fleythal bis nach -Augustusburg in Sachsen; an der Herrnschänke vorbei, ein Waldweg, 1 -Stunde, oder besser über Kleinhan, 1½ St. - -2. _*Hübladung_ bei Kleinhan, schöne Strasse, 1 St.; herrliche -Aussicht in das Flöhathal, in die Gegend von Saida und bis nach -Augustusburg. - -3. _Bärenstein_ oder _Bernstein_, entweder direct auf einem Waldwege -dahin, ¾ Stund.; oder aber besser zum Forsthaus »Rothe Grube« und von -da der Aufstieg, 1½ St. Prachtvolle Aussicht auf einen grossen Theil -von Sachsen bis Augustusburg, gegen die Elbe und Eger, nach Prag, -Teplitz, Brüx, Saaz, das Erz- und vorliegende Mittelgebirge. (Siehe von -Görkau aus!) - - - - -F. Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über Oberleutensdorf. - - - - -*Dux. - -(Von Eger-Karlsbad und von Aussig mit der Bahn leicht zu erreichen.) - - - =Gasthöfe.= Hôtel »zur Krone«, »Herrschaftlicher Gasthof«, - Gasthof »zum weissen Ross«, »Zum Tobisch«. - - =Post- und Telegrafenamt.= - - =Bahnhof= der Aussig-Teplitzer und der Dux-Bodenbacher Bahn. - -=Dux=, Stadt 213 m (4000 E.) mit mehrfachen gewerblichen Anlagen: -Zuckerfabrik, Glasfabrik, Syderolithwaarenfabrik, Kohlenwerke u. s. w. - -=Sehenswürdigkeiten=: Neben der Kirche (kostbares Tabernakel und -Altarbild) das Schloss, dem Grafen Waldstein, Nachkommen eines -Nebenzweiges der Familie des berühmten Friedländers, gehörig; es -enthält 4 Säle, 60 Zimmer und besitzt einen berühmten Garten. Im -Schlosse ist besonders sehenswerth: 1. Der grosse Familiensaal mit -Bildnissen aus der Familie Waldstein und dem höchst imposanten -Deckengemälde von Reiner, welches die Scene darstellt, wie Heinrich -Waldstein 1254 dem Könige Ottokar seine 24 Söhne nebst 24 Knappen, -sämmtlich zu Ross, vorführt. 2. Die Bildergallerie, in 8 Zimmern, -wo sich auch das Portrait des Herzogs von Friedland von van Deyk -befindet. 3. Der Waffensaal, der unter den verschiedensten Armaturen -auch Waffenstücke des grossen Friedländers aufzuweisen hat. 4. -Das Porzellan-Cabinet mit seinen japanesischen und chinesischen -Vasen, Pyramiden und Figuren. 5. Das Kunst- und Antiken-Cabinet -mit Antiquitäten aus Herkulanum und Pompeji, Fayence-Malereien, -Mosaiktafeln, Bronce-Gruppen, Modellen u. s. w. 6. Die Bibliothek -mit ca. 12.000 Bänden, darunter viele alte Manuscripte, Prachtwerke, -Kupferstichsammlungen u. s. w. 7. Das Naturaliencabinet enthält eine -reiche Sammlung von Mineralien, Seegewächsen, Conchilien, Fischen und -Vögeln. - -Im Schloss-Vorhofe ein Wasserbehälter aus Geschützen verfertigt, die -der Friedländer erobert hatte. - -=Geschichtliches.= Stadt und Herrschaft gehörte zu Anfang des 16. -Jahrhunderts Joh. Kapiřz von Sulewitz, welcher sie 1530 an Dippold v. -Lobkowitz verkaufte. Bei dieser Familie verblieb sie bis 1618. Bald -darauf aber gelangte sie durch Kauf an den Grafen von Waldstein; Johann -Friedrich Graf von Waldstein, Erzbischof zu Prag, erhob 1680 Dux und -Oberleutensdorf zu einem Fideicommiss und vererbte sie 1694 an Johann -Grafen von Waldstein-Wartenberg, nachmaligen Landesmarschall von Böhmen. - - -Spaziergänge. - -_Zur Riesenquelle, auch Grünze_ genannt, 20 Minuten an der Strasse -nach Teplitz mit Fremdenzimmern, Gartenanlagen; enthält zugleich -Gesundheitsbäder durch die in der Nähe befindliche Quelle. - -_Nach Ossegg_ ¾ Stunden. Der Weg führt unterhalb der Kirche an der -Schlossgartenmauer, dann längs des Baches sehr angenehm. - -=*Ossegg=, 1100 E., Marktflecken am Fusse des Erzgebirges. - - =Gasthöfe=: Hôtel »zum Kaiser von Oesterreich« mit - Garten-Restauration; Gasthof »zur Weilburg«. - - =Bahnhof= der Dux-Bodenbacher und der Dux-Prager Bahn. - -Ossegg kommt als Sommeraufenthaltsort immer mehr in Aufnahme. - -=Sehenswürdigkeiten=: Die _*Stiftskirche_ des Cistercienserstiftes. - -Die Errichtung dieses Stiftes reicht in das Jahr 1196 zurück, in -welchem Slavko von Riesenberg (od. eigentlich Riesenburg), der damalige -Besitzer der hiesigen Gegend, die schon im Jahre 1193 durch Johann -Milgost aus Waldsassen in Baiern nach dessen Besitzung Maschau bei -Kaaden berufenen Geistlichen des Cistercienser-Ordens, welche daselbst -durch häufige Ueberfälle von Räubern sehr beunruhigt und zur Verlegung -ihres Sitzes gezwungen wurden, bei sich aufnahm, ihnen die bereits -früher hier bestandene Marienkirche abtrat und die neue Niederlassung -durch mehrere Dörfer und andere Geschenke so reich dotirte, dass sie -dadurch für den Verlust ihrer früheren Besitzungen zu Maschau, welche -ihnen Milgost, aus Verdruss darüber, dass sie ohne sein Vorwissen -ihren Sitz verändert hatten, wieder entzog, schadlos gehalten wurden. -König Přemysl Ottokar I. bestätigte 1203 die neue Stiftung, nahm -sie in seinen königl. Schutz und beschenkte sie mit neuen Gütern und -Vorrechten. Aber schon 1249 überfiel Přemysl Ottokar, Markgraf von -Mähren, das Kloster, welches sich auf die Seite seines Vaters Wenzel I. -von Böhmen geschlagen hatte, jagte sämmtliche Geistliche weg und gab -das Kloster den Soldaten preis. Zwar entschädigte er, nachdem er selbst -König von Böhmen geworden, dasselbe in reichem Masse für die erlittenen -Verluste, aber nach seinem Tode (1278) wurde es neuerdings durch die -Truppen Rudolfs von Habsburg zerstört und ausgeplündert. Kaum wieder -hergestellt, gerieth es 1341 neuerdings in Brand, bis es 1421 von den -Pragern und 1429 von den Taboriten dergestalt zerstört und verwüstet -wurde, dass es lange Zeit ganz verödet blieb. Erst vom Jahre 1626 an -begann es wieder aufzuleben; es wurden jetzt Kloster und Kirche in -ihrer gegenwärtigen Pracht erbaut. - - -Spaziergänge: - -_*Zur Salesiushöhe_ ¼ St.; auf der Strasse nach Langewiese, von der -Säule links in den Wald 10 Min. Schönes Panorama über das Bielathal. -Ihre Entstehung verdankt sie der Verehrung der Stiftsbrüder zu ihrem -Prälaten Salesius Krügner. Von der Salesiushöhe zurück bis zur -Strasse; jenseits derselben Fussweg 5 Min. zum _Kroatenloch_; alter -Bergwerksstollen. Fussweg fortsetzen nach _Riesenberg_. - - -Ausflüge: - -1. _*Riesenburg_ ½ Stunde, dem Domainenbesitzer von Dux gehörig, eine -der ältesten Burgen Böhmens, im 9. Jahrhunderte von dem böhmischen -Ritter Slawko erbaut, gerieth ebenfalls durch die Husiten in Trümmer. -Vom Wartthurme aus herrliche Aussicht. - -2. _Nach Klostergrab_ 1 St., Bergstadt, 1500 Einw. - - =Gasthof=: »Zum Rathhaus«. - - =Endstation= der Prag-Duxer Bahn; nord-nordöstlich von Ossegg - gelegen. - -Der Silberbergbau war einst in grösster Blüthe; denn schon im Jahre -1082 standen 600 Bergleute in Arbeit, die in einem Vierteljahre 13 Ctr. -(728 Kgr.) geschmolzenes Silber producirten. Diese Bergleute sind durch -ihre Ansiedelungen in der Nähe der Gruben als die Gründer des Ortes zu -betrachten. - -Klostergrab ist nebst Braunau der geschichtlich merkwürdige Ort, wo die -ersten Funken der Religionsunruhen hervorbrachen, indem die daselbst -befindliche protestantische Kirche 1616 auf Befehl des Kaisers Mathias -zerstört wurde. - - -Merkwürdigkeiten: - -Das Schützencorps besitzt einen aus Klostergraber Silber gearbeiteten -Schmuck für den jeweiligen Schützenkönig. - - -Spaziergänge: - -Oberhalb Klostergrab der _*Königshügel_; bietet eine herrliche -Fernsicht über das Teplitzer Thal und die ganze Umgegend. Im Sommer -auch Restauration. - -3. Von Ossegg über die Riesenburg nach Langewiese (1 St), schöne -Aussicht, und nach der Porphyrkuppe des _*Wieselstein's_ (1 St.) 944 m -hoch. Von hier übersieht man das Bielathal, das Mittelgebirge, die -Gegend bei Saaz und Kaaden. - -Weiter nach dem gräfl. Waldstein'schen Jagdschlosse _Lichtenwald_; -bietet nichts Bemerkenswerthes, wurde im Jahre 1760 erbaut. Dann nach -_Georgshöhe_, einem einsam gelegenen Forsthause, und dem Höllengrund -in das schöne Rauschengrunder Thal nach Oberleutensdorf (siehe -Katharinaberg). - -4. Von Ossegg über Ladung nach _Oberleutensdorf_ 1¼ St. Zuerst auf der -Strasse gegen Langewiese -- schöner Rückblick --; wo die Strasse eine -scharfe Biegung nach rechts macht, auf den Fussweg links in den Wald. -Beim Heraustreten aus demselben prachtvolles Bild. Durch Ladung bei der -Brettsäge rechts Fahrweg -- nicht zu fehlen. - - - - -Oberleutensdorf. - - - =Gasthöfe=: »Drei Linden«, »Weisses Ross«, »Rathhaus«, »Kaiser - von Oesterreich«. - - =Post- und Telegraphenamt.= - - =Bahnhof= der Dux-Bodenbacher, Prag-Duxer und 1 Stunde - entfernt: Aussig-Teplitzer Bahn. - -=Oberleutensdorf=, Stadt, 3300 E., 320 m; Mittelpunkt der -Spielwaarenindustrie, hat ferner eine Filztuch-, Garn- und Möbelfabrik, -ein dem Grafen Waldstein gehöriges Schloss, ein stark eisenhaltiges Bad. - -=Geschichtliches.= Oberleutensdorf war vor dem Jahre 1715 ein -unbedeutendes Dörfchen und wurde in diesem Jahre von Karl VI. zu -einem »Stadtl« erhoben; der Ort wuchs, besonders seit der 1715 -in's Leben getretenen Tuchfabrication durch die aus Nah und Fern -herbeiströmenden Arbeiter. Nach Beendigung des siebenjährigen Krieges -schuf die eingeführte Strumpfwirkerei, noch mehr aber die seit 1822 -für Oberleutensdorf so wichtige Erzeugung von Spielwaaren einen neuen -Erwerbszweig. (Siehe: Geschichtliches über Dux.) - -=Sehenswürdigkeiten=: 1. Das vom Grafen Johann Josef von Waldstein im -J. 1732 erbaute Schloss mit dem neu angelegten schönen Park; - -2. die Pfarrkirche mit einem schönen Altarblatt von _Skreta_; - -3. auf dem Friedhofe die gräfliche Todtenkapelle mit der -Todtengruft, worin der am 23. Mai 1823 verstorbene Franz Adam Graf -von Waldstein-Wartenberg begraben liegt. Die Kapelle enthält ein -meisterhaftes Denkmal des Verstorbenen; - -4. das prächtige Bürgerschulgebäude, in herrlicher Lage auf einer -kleinen Anhöhe. - - -Spaziergänge: - -1. _Zum *Schiesshaus_; prächtige Lage am Saume des Waldes mit schöner -Aussicht auf das ganze Mittelgebirge. - -2. _Nach *Rauschengrund_ ½ St. Vor dem Eingange in das Thal links von -der Strasse neue, schön gelegene Restauration; weiter die Villa des -Fabriksbesitzers Hrn. Riecken, dann die Baumwollspinnerei desselben. -Einkehrhaus des Prokop Loos (siehe Katharinaberg). - -3. _Nach Sandel_ ½ St. durch den Wald sanft ansteigend mit schöner -Aussicht; Gasthaus. - -4. _Nach *Hammer-Johnsdorf_ ¾ St., schön zwischen Obstgärten gelegen, -als Sommeraufenthaltsort ziemlich besucht, reine, gesunde Waldluft, -gegen Ost- und Nordstürme ganz geschützt. Weber's Hôtel zunächst -der Haltestation der Dux-Bodenbacher Bahn, elegante Einrichtung, -aufmerksame Bedienung. -- Mildner's Gasthaus »zur deutschen -Bruderhalle« mit einer prachtvollen Aussicht. Oberhalb der Bruderhalle -am Saume des Waldes das im eleganten Schweizerstyl neuerbaute _Curhaus_ -des Med. Dr. Tschuschner mit entzückender Aussicht über das böhmische -Erz- und Mittelgebirge. Griessel's Gasthaus. Hammergrundthal (siehe -Bereisung von Katharinaberg). - -5. _Nach dem Gebirgsdorfe Schönbach_ ¾ St.; Gasthaus Fritsch, einfach, -aber gut. - - -Ausflüge: - -1. _Nach dem Wieselstein_ über Schönbach 3 St., nur mit Führer -(im Gasthause zu drei Linden beigestellt); von hier entweder über -Langewiese, Riesenberg nach Ossegg (Siehe dieses), oder nach -Lichtenwald in's Rauschengrunder Thal. - -2. _Nach Oberdorf_ ½ St., Göhren 1 St., böhm. Einsiedl ¾ St., Bad -Einsiedl (sächsisch) 20 Min. (Siehe Seite 154). - -3. _Nach Eisenberg_ mit der Dux-Bodenbacher Bahn ½ St., prächtiges -Schloss, grossartige Gartenanlagen. - -4. _Nach Obergeorgenthal_, Nickelsdorf, von da auf den _Bernstein_ --- einem der höchsten und schönsten Aussichtspunkte der hiesigen -Gegend --; von dort über Ladung nach Katharinaberg. (2, 3, 4 siehe -Bereisung von Katharinaberg aus.) - - - - -G. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Brüx-Bilin aus. - - - - -Stadt und Schloss Brüx. - - - =Gasthöfe=: »Hotel Ross«, »Zum Löwen«, »Zum schwarzen Adler«, - »Zum Hirschen«, alle am 1. Platz; »Zum blauen Stern« am 3. oder - Gymnasium-Platz, Siegl's Gasthof am Bahnhof. - - =Restaurationen=: »Zum Suk«, »Bielarestauration«, - »Schiesshaus«, »Saras«. - - =Caféhaus= Bahnhofstrasse. - - =Post- u. Telegrafenamt= Wassergasse in der Nähe des 1. oder - Marktplatzes. - - =Postfahrten= nach Hawran, Nieder- und Ober-Georgenthal. - - =Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ gegen Komotau-Karlsbad-Eger - und Teplitz-Aussig-Bodenbach; _Prag-Duxer_ gegen - Ossegg-Klostergrab, gegen Obernitz-Prag, Obernitz-Sauerbrunn, - Bilin; _Pilsen-Priesener_ gegen Pilsen-Eisenstein. - - =Omnibusse= (3) zu jedem Zuge; Droschken, Zweispänner nach - allen Richtungen. - - =Zeitungslese-Cabinet= im Casino. Einführung von Gästen durch - Mitglieder gestattet. - - =Photographische Ansichten= von Brüx und Umgebung in den - Buchhandlungen von Hanns Eichler und Sommer, beide am - Marktplatz. - - =Aemter=: K. k. Bezirkshauptmannschaft, k. k. Kreisgericht, - beide am Marktplatz; k. k. Bezirksgericht an der Biela; - Bürgermeisteramt im Gemeindehause, Fleischbankgasse. - - =Bank- und Wechselgeschäft=, Wassergasse. - - =Zwei Dienstmänner-Institute= (roth und grün). - -Unter den Städten des gesegneten nördlichen Böhmen ist wahrlich nicht -die geringste die kön. Stadt Brüx; ihr Name hat einen guten Klang -durch ihr Alter, ihre ruhmvolle Vergangenheit, und die Gegenwart kennt -sie als eine wohlhabende, freundliche Stadt, deren Handel und Verkehr -stetig zunimmt. - -Die Chronisten setzen sie _unter die ältesten Städte_ Böhmens. Die -ersten Erbauer von Brüx sind unbekannt, und ihr (der Stadt) Ursprung -ist sehr alt. Sie bediente sich des deutschen Rechtes und von den -Aussprüchen ihrer Gerichte ging der weitere Zug an den Magdeburger -Schöppenstuhl. Im J. 1004 geschieht ihrer das _erstemal Erwähnung_, da -sie sich im Kriege Kaiser Heinrich II. gegen Boleslav III. freiwillig -an jenen ergab. -- Als im Jahre 1040 Helikard, Herzog von Sachsen, -in Böhmen einfiel und bei Gnevin (so hiess damals Brüx) das Lager -aufschlug, liess ihm Herzog Břetislav bedeuten, wofern er binnen 3 -Tagen das Land nicht verlasse, werde er ihm den Kopf vor die Füsse -legen. Eingeschüchtert durch diese Drohung verliess Helikard Böhmen, -und Břetislav begann noch in demselben Jahre auf dem Berge, an dessen -Fusse Brüx liegt, zur Sicherung der Grenze die _feste Landeswarta_ zu -bauen. Ihre Schicksale sind bis zu ihrer Zerstörung innig verbunden -mit denen der Stadt. Im Jahre 1045 erhielt sie ob der vielen Brücken, -die über die zahlreichen Gewässer führten, den _Namen_, den sie -bislang führt: _Brüx_, _Most_, _Pontum_ oder _Pons_. -- Um 1200 -gehörte Brüx dem Oberkämmerer Grabisa, der den 10. Theil von dessen -Wochenmarkt-Einkommen und den Weinzehent dem Stift Ossegg schenkte. -Hier sei gleich bemerkt, dass der Weinbau hierorts ein bedeutender -gewesen sein muss. Gojata, des obgenannten Grabisa Sohn, vermachte Brüx -testamentarisch der Kirche von Zderas in Prag, doch so, dass seine -Gemahlin bei ihren Lebzeiten den Nutzgenuss haben sollte. Gojata starb -1238 und bald vielleicht auch seine Gattin, denn König Wenzel I., der -grosse Vorliebe für Brüx hatte, zog die Stadt an sich und versprach, -die Zderaser Kanoniker anderweitig und entsprechend zu entschädigen. -Diese Entschädigung scheint jedoch nicht gleich erfolgt zu sein, da -auch sein Sohn und Nachfolger Přemysl Ottokar II. auf Andringen des -päpstlichen Stuhles solche neuerdings zu leisten gelobte. -- Im Kriege -Wenzel's I. mit seinem Sohne ward letzterer, da er Stadt und Schloss -Brüx belagerte, von Boreš, dem obersten königlichen Marschall und -Brüxer Schlosshauptmann des Nachts überfallen, geschlagen, (1. November -1248) und war in Folge dessen gezwungen, mit dem Vater sich auszusöhnen. - -Das erste grosse _Privileg_, das _des Meilenrechtes_, erhielt die Stadt -unter'm 26. März 1273 von Přemysl Ottokar. In dieser Privilegienurkunde -wird Brüx auch das erstemal Stadt »civitas nostra« genannt. -- Im -Jahre 1282 hatte Otto, Markgraf von Brandenburg, für die Vormundschaft -über König Wenzel II. ausser 15.000 Mark Silber noch Stadt und Schloss -Brüx, Aussig und etliche Dörfer verpfändet erhalten; aber schon das -Jahr darauf ward er durch den Reichstag zu Freiburg verhalten, die -genannten Orte wieder herauszugeben. (23. August.) Wenzel II. schenkte -Brüx sogleich einem seiner Getreuen Johann von Michelsberg, der es noch -im selben Monate (28. August) seinem Könige wieder abtrat. Seit diesem -Tage ist Brüx _ununterbrochen königliche Stadt_ geblieben, wenn es auch -in der Folgezeit öfter, besonders an Meissen, verpfändet war. Alle -folgenden Könige statteten sie, stets in Ansehung »des getreuen Nutzens -und der unverdrossenen Dienste« entweder mit neuen Privilegien aus, -oder bestätigten ihre alten Freiheiten und Rechte. - -Die ruhmvollste Periode ihrer Geschichte aber ist die der -_Hussitenkriege_. Die umliegenden Städte hatten sich den Taboriten -entweder ergeben und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, wie Saaz und -Laun, oder sie waren, wie Komotau und Bilin, gefallen. Um ihre Stadt -nun vor ähnlichen Geschicken zu bewahren, war bereits im Frühjahre -1421 an König Sigmund eine Gesandtschaft abgegangen, die das Gelöbniss -unverbrüchlicher Treue erneuern, aber auch um Hilfe für die bedrohte -Stadt bitten sollte. - -Sigmund, ausser Stande, ihrer Bitte willfahren zu können, empfiehlt sie -an den Markgrafen Friedrich von Meissen. Dieser hatte die Besatzung -der Stadt und des Schlosses verstärkt, und so erwarteten denn die -Brüxer muthig und vertrauensvoll den Feind, der auch am 24. Juli 1421 -vor Brüx erschien, und nach wiederholter vergeblicher Aufforderung zur -Uebergabe am folgenden Tage die Belagerung der Stadt und des Schlosses -begann. Tapfer wehrten sich die Belagerten, der fortlebenden Tradition -zufolge, besonders angefeuert von ihren Frauen und Jungfrauen. Aber -Tag um Tag schwindet und bald auch die Hoffnung auf Entsatz. Der 5. -August bricht an, das Fest Mariaschnee. Die Bürger strömen zur Kirche, -vertrauensvoll die Mutter Gottes um Hilfe anflehend. Ein festlicher -Gottesdienst wird gefeiert, die ehernen Zungen, die seit Beginn der -Belagerung geschwiegen, hallen hinaus über die Stadt in's feindliche -Lager, wo man der Thörichten spottet; beseelt von neuem Muthe, gerüstet -mit frischer Kraft, eilen die Bedrängten dann an die Mauern, mannhaft -abzuwehren der Feinde Horden. Da siehe! vom Erzgebirge herab leuchten -schon die weissen Rüstungen der Entsatztruppen. Otto Pflug ist's, des -Markgrafen Friedrich getreuer Vasall an der Spitze des Meissnischen -Heeres, verstärkt durch Zuzug der böhmischen Herren Sigmund von -Wartenberg, Hlavač von Duba und Niklas von Lobkowitz. Die Schlacht -beginnt. Total war die Niederlage der Hussiten. 3000 Feinde bedeckten -das Schlachtfeld, das Lager mit seinen geraubten Schätzen ward eine -Beute des Siegers. Die Freude über diesen glänzenden Sieg bewog die -Brüxer Bürger, die im frommen Glauben der Hilfe Mariens ihre Rettung -zuschrieben, zu dem Gelöbnisse, alljährlich mit grösster Feierlichkeit -das Fest Mariaschnee zu begehen, und die Nachkommen sind beflissen, -getreulich zu halten, was die Väter gelobt. Das Mariaschnee-Fest mit -seiner prunkvollen, grossartigen Feierlichkeit gibt ihnen Gelegenheit, -den biederen, frommen Sinn zu erneuern, das patriotische Gefühl zu -stärken. - -Von jetzt an kamen auf langehin für die Brüxer trübe Tage. Einigemale -noch waren sie bedroht von den Kelchnern, mehrere furchtbare -Feuersbrünste, Orkane, andere Elementarereignisse, und endlich die -Pest (1582 und 1680) verwüsteten die arme Stadt. Dazu kam noch, dass -die Stadt von Georg von Poděbrad nach einem verheerenden Brande (1455) -eingenommen und besetzt ward, während die Burg sächsische Besatzung -hatte, und die fortwährenden Friedensbrüche immer nur der Stadt Schaden -brachten. -- 1595 _kauften die Brüxer_ von Rudolf II. _die Burg_ sammt -den zugehörenden Gütern um 81.060 fl. rhein., und übernahmen damit -die Verpflichtung, die Besatzung des Schlosses zu erhalten. Allein -die Ehre, Burgherren zu sein, kam den Bürgern theuer zu stehen. Die -Burg zog stets jeden Feind an, und die Stadt hatte mit zu leiden unter -den Belagerungen. Dreimal ward die Burg von den Schweden belagert, -und zwar 1639, 1645 und 1646. Das letztemal mussten die Brüxer wegen -Wassernoth, wegen der geringen Zahl der Vertheidiger, 200 Bürger -gegenüber einem Heere von 30.000 Schweden unter General Wrangel, und -wegen des schlechten Zustandes der Befestigungswerke das Schloss nach -dreitägiger Belagerung am 16. Jänner übergeben. Solch' schwere Wunden -hatte der dreissigjährige Krieg der Stadt geschlagen, dass sie, als die -schwedische Besatzung zu Ende des Krieges 1648 abzog, keinen einzigen -ansässigen Bürger mehr hatte. So ward es erklärlich, dass Ferdinand -III., den inständigen Bitten der Bewohner nachgebend, 1651 die -Demolirung der Burg bewilligte. Wenige in der letzten Zeit blossgelegte -Mauerreste sind noch die Ueberbleibsel dieser Landesgrenzveste. - -Nunmehr genoss die Stadt, abgerechnet einige Ueberfälle seitens der -Sachsen und Preussen, die wenig Nachtheil brachten, ziemliche Ruhe; ihr -Wohlstand hob sich, besonders da sie zu Beginn des 18. Jahrhundertes -viele Güter durch günstige Käufe von den umliegenden Adeligen an sich -brachte. So ist sie heute unter den reichsten Städten Böhmens in erste -Reihe mit zu setzen. - -Im Jahre 1813 beherbergte Brüx, das eine Zeit der Mittelpunkt des -Lagers war, die drei alliirten Monarchen. Wenige Jahre darauf -sollte Brüx fast ganz untergehen. Am 21. April 1820 verzehrte eine -Feuersbrunst alle öffentlichen Gebäude bis auf die Stadtkirche und das -Stadthaus. Der Schaden belief sich nach damaligen Werthverhältnissen -auf 700.000 fl. W. W. Der abgebrannten Stadt ward durch ein -staatliches Anlehen und die Unterstützung der Umwohner Hilfe. Die Folge -der vielen Brände und besonders dieses ist, dass die Stadt, regelmässig -gebaut, ein freundliches Aussehen hat, und mit wenigen Ausnahmen keine -alten Gebäude besitzt. - -Zu diesen gehören _Rathhaus_ und _Stadtkirche_, beide noch -bemerkenswerth auch durch ihre Bauart. Das Jahr der Entstehung des -ersteren Gebäudes ist nicht bekannt; es gehört überdies in seiner -heutigen Gestalt mehreren Perioden an. Der Thurm ist jedenfalls ein -Baudenkmal des 14. Jahrhundertes, und nicht viel jünger ist der an -selben anstossende Vorbau, während das übrige Gebäude das Gepräge des -16. Jahrhundertes trägt. Es war jedenfalls früher zweistöckig, und -ist nach dem Brande von 1515, der auch das Rathhaus schwer schädigte, -unausgebaut geblieben. Die Stylrichtung ist die nachgothische. Die -Vorderfront wird durch mächtige Wölbungen und vorstehende Pfeiler, 7 -an der Zahl, getragen. Der mittlere trägt den kaiserl. Adler, je zwei -zu beiden Seiten tragen vier, die Elemente symbolisirende Statuen, -die beiden äussersten aber Wappenträger mit dem böhmischen Löwen -und dem Stadtwappen. Die Felder zwischen den Fenstern, wie auch die -Brustwände unter den Fenstern sind bemalt mit allegorischen Figuren, -das Gesimse mit Schlachtendarstellungen. Dem projectirten Bau eines -Kreisgerichtsgebäudes wird das Rathhaus zum Opfer fallen. Höchstens der -Thurm dürfte erhalten bleiben. - -Der Bau der _Dekanalkirche_ wurde 1517, nachdem im Jahre 1515 die -alte Pfarrkirche mit einem grossen Theile der Stadt in Flammen -aufgegangen war, begonnen, und war in wenigen Jahren vollendet. -Feierlich eingeweiht wurde sie aber erst am 22. Mai 1594 durch den -Prager Erzbischof Zbyněk von Duba und Lipa, nachdem sie bereits durch -den Brand von 1578 grossen Schaden im Innern und auch am äusseren Bau -erlitten. Der Erbauer der Kirche ist Beneš von Laun, Hofbaumeister -des Königs Wladislav. Die Brüxer Stadtkirche ist sein letztes und -Meister-Werk. Der Baustyl ist die spätere, sogenannte Wladislav'sche -Gothik, wie sie bereits in den romanischen Styl überzugehen beginnt. -Die innere Länge beträgt 73, die Breite 37 und die Höhe 24 m. Sie -bildet ein langes Viereck, nur das Presbyterium endet in ein Sechseck. -Das Aeussere ist mächtig und imposant durch seine ungeheure Breite, -zu der die zwei Anbauten, die auf beiden Seiten eine Art Kreuzschiff -oder Kreuzkuppel bilden, und im Innern oben Gallerien, unten Kapellen -fassen, viel beitragen. Eine Beeinträchtigung erleidet der imposante -Bau nur durch das unverhältnissmässige, niedere Kirchendach. Das 1578 -abgebrannte, kupfergedeckte Dach hatte sicher diesen Mangel nicht. -Das Innere der Kirche weist ein Gewölbe mit drei gothischen Kuppeln -auf, eine Eigenthümlichkeit des Meisters Beneš. Die Gürtel und Rippen -derselben laufen aus schwachen, schlanken Säulen, 16 an der Zahl, -aus, und haben eine künstlerische Verwebung. Merkwürdig sind auch -die Stützen der Kirche, welche kuppelähnliche Räume bilden, in denen -Kapellräume sich befinden. -- Der Hochaltar, im Style der Renaissance, -also durchaus der Bauart des Hauses nicht entsprechend, wurde erst -1773 aufgestellt. Der Altartisch sammt dem auf ihm ruhenden Säulenbau -ist von natürlichem Marmor, die freistehende Rückwand eine Imitation. -Rings an den Brüstungen der Gallerie befinden sich in Stein gehauene -biblische Darstellungen, im Geiste des 13. Jahrhundertes gehalten. -Gleich hier müssen wir der einfachen und der Doppelwendeltreppe -erwähnen, die zu den Emporien führend, und ohne alle Stütze gebaut, von -jedem Sachverständigen als Meisterwerke der Baukunst gerühmt werden. - -Von Gemälden nennen wir vor allem die in einer Seitenkapelle nahe dem -Hochaltar befindlichen, auf Holz gemalten Bilder der hl. Katharina und -Barbara. Es sind dies zwei Flügel eines leider verloren gegangenen -Bilderschreines, die unbeachtet im Depositorium der Kirche lagen, bis -Gubernialrath Janko auf sie aufmerksam machte. Kandler verfertigte -1837 die erste Zeichnung. Sct. Barbara ist von geringerer Schönheit, -aber eigenthümlich in der Auffassung und grossartiger im Faltenwurf, -der an die schönsten Gewandmotive Dürers erinnert; Sct. Katharina -zeigt die altdeutsche Auffassung jungfräulicher Schönheit, wie sie der -Kölner Schule eigen ist und in Holbein's hl. Frauen den eigentlichen -Typus gefunden. Beide Flügel sind Werke deutscher Kunst aus dem 16. -Jahrhunderte. -- Ausserdem sind noch in den Seitenkapellen eine -ziemliche Anzahl von Ueberresten solcher Bilderschreine angebracht, die -nicht ohne Werth sind. Von Altarbildern sind als Meisterwerke bekannt: -Der hl. Josef, Anbetung der drei Weisen, Tod des hl. Franziskus. Von -Schnitzwerk bewundern wir die beiden Altäre der Kreuzigung und der -Auferstehung; erstere besonders entzückt bei eingehender Betrachtung -durch Plastik und Figurenreichthum. In diesen beiden Kapellen erregen -noch unsere Aufmerksamkeit die kunstvoll geschnitzten, alterthümlichen -Bänke. -- Der Thurm soll nach Meinung aller Sachverständigen älter -als die Kirche sein. Von seiner Gallerie aus geniesst man eine schöne -Aussicht weit hinaus über die Stadt und ihr Weichbild in's Erzgebirge. - -Unweit der Kirche befindet sich der Glockenthurm für die beiden grossen -Glocken, welche ein harmonisches, wundervolles Geläute geben. - -Sonstige Denkwürdigkeiten finden wir noch in der _Piaristenkirche_, -jetzt der Stadt gehörig. Der Hochaltar enthält ein herrliches Altarbild -von Raab: eine freie Nachbildung der in der Dresdner Gallerie -befindlichen hl. Nacht von Corregio. Auch die Bilder der beiden -vorderen Seitenaltäre, der hl. Johann von Nepomuk, von Amalia Gräfin -von Waldstein, und der hl. Josef von Calasanz von Vogel sind werthvoll. -Sehenswerth sind noch: das Gymnasial- und Bürgerschulgebäude, beide mit -reichhaltigen Lehrmittelsammlungen ausgestattet, ersteres am 3. Platz, -letzteres in der Schulgasse. - - -Spaziergänge: - -Gestatten wir uns noch eine kleine Ausschau in die allernächste -Umgegend der Stadt, so werden wir auf das südlich etwa 15 Minuten -entfernte Saras und das dahinter gelegene Resselgebirge aufmerksam -gemacht. Das Wort »_*Saras_« leitet der Chronist aus dem Böhmischen -ab und bezeichnet damit einen Ort hinter dem Damme (za hrázem), indem -nach Balbinus Saras gegen den unweit (jedenfalls östlich) befindlichen -Teich durch einen Damm geschützt gewesen sei. Die Gründung von Saras -vollzog sich bereits vor nahezu 600 Jahren, als König Wenzel II. -unter'm 21. November 1283 das Kloster Saras stiftete und dasselbe reich -dotirt den Jungfrauen vom Orden der hl. Maria Magdalena verlieh. Wenn -auch die Ordensfrauen der strengen Disciplin anhingen, so kamen sie -doch genügsam in Verkehr mit den Stadtbewohnern und wurden hoch in -Ehren gehalten, denn »die Bürger gaben ihre Töchter dahin, damit sie -in jungfräulicher Arbeit, Gottesfurcht und guten Sitten unterwiesen -würden.« 1421 wurde das Kloster von den Husiten niedergebrannt, die -zurückgebliebenen sieben Nonnen vor dem Altare der Klosterkirche -niedergemacht. Zwar erstand das Kloster wieder, aber die bewegten -Zeitläufte und besonders die Bitten der Bürger bewogen die Ordensfrauen -zur Uebersiedelung in die Stadt im Jahre 1515. Die Saraser Kirche -selbst blieb geöffnet, da sie lange schon den Ruf einer berühmten -Wallfahrtskirche genoss. 1782 wurde das Kloster von Kaiser Josef II. -aufgehoben, 1786 auch die Saraser Kirche geschlossen. Kirche und -Kloster in der Stadt wurden den Vätern der frommen Schulen eingeräumt, -die den Ordensfrauen gehörigen Höfe Saras, Oberpriesen und Seidowitz -kaufte drei Jahre später die Stadt von der königlichen Kammer. -- Die -dort eingerichtete Restauration mit grossem Garten, die annehmliche -Lage, gesunde, frische Luft, und der gut gehaltene Promenadenweg machen -Saras zu einem beliebten Ausflugsorte der Brüxer. - -Gleiche Anziehungskraft übt im Sommer »_*der Ressel_« auf Vereine und -Gesellschaften aus. Seine zwei Thäler, Fuchsgrund und Schiefergrund, -sind durch ihre einfache Naturschönheit wie geschaffen als Ruhepunkte -bei kleineren Excursionen. Eine angenehme Fernsicht, besonders nach -Osten und Süden in's Flachland, und auf die Erzgebirgskette im Norden, -bietet das Plateau hinter dem Schlosshofe, letzterer so genannt, weil -er einst zum Schlosse gehörte. - -Dem oberwähnten _*Schlossberge_ müssen wir noch an dieser Stelle mehr -Aufmerksamkeit widmen. Derselbe liegt im Westen der Stadt und kann auf -zahlreichen, gut erhaltenen Wegen erstiegen werden. Wir empfehlen allen -Touristen den über Saras und bemerken, dass von da aus die Spitze des -Berges in 20 Min. ohne Anstrengung erreicht werden kann. Schon während -der Besteigung geniessen wir herrliche Blicke in das Mittelgebirge -und in die von dem Erzgebirge umrahmte Saazer Ebene. Die überall -angelegten Pflanzungen interessiren uns in hohem Grade, da wir uns über -das Gedeihen und die von Jahr zu Jahr wachsende Ausdehnung derselben -ungemein freuen. Den unermüdlichen Bemühungen des Stadtrathes und -Kaufmannes in Brüx, Herrn A. Zein und dem Eingreifen der Stadtgemeinde -haben wir es zu danken, dass sich auf der Spitze des Berges ein -Schweizerhaus mit einer gut bestellten Restauration und ein Thurm mit -einer camera obscura befindet. Der Schlossberg ist ein Aussichtspunkt -1. Ranges, was malerische Schönheit des Panoramas anbetrifft. Im Norden -und Westen dehnen sich die Abhänge des herrlichen Erzgebirges hin und -längs derselben breitet sich die Saazer Ebene »der Garten Böhmens« -aus, welche mit Weilern, Dörfern und Städten wie besäet ist und einen -grossartigen Eindruck macht. Gegen Süden und Osten lassen wir unsere -Blicke über das merkwürdige böhmische Mittelgebirge schweifen und sehen -Hügel an Hügel, Kuppe an Kuppe, welche der zerrissene Bořen bei Bilin -und der König der Berge, der Milleschauer unweit von Teplitz, überragen. - -Der Schlossberg besteht aus Klingstein; an seinem nördlichen -und nordöstlichen Fusse finden sich die thonigen Gebilde der -Braunkohlenformation; sonst ist letztere in der Umgebung der Stadt von -aufgeschwemmtem Lande bedeckt. Die ganze Stadt, sowie die Umgebung -ruht auf einem einzigen grossen Braunkohlen-Fletz, welches sich in der -Richtung von Südwesten nach Nordosten bis gegen Aussig erstreckt. - -In Brüx und Umgebung wird sehr viel Landwirthschaft betrieben. Sowohl -das Klima als auch der Boden sind derselben in hohem Grade günstig. -Das Klima ist in Folge der durch das Gebirge gegen die herrschenden -Winde geschützten Lage wärmer, als man der geografischen Breite der -Stadt zufolge erwarten sollte. Der Boden gehört zu dem fruchtbarsten -im weiten Umkreise; einzelne Strecken sind ungemein humusreich. Die -Wiesen längs der Biela und des Weissbachs sind mit den herrlichsten -natürlichen Futterkräutern bewachsen. Obst wird in Menge gewonnen, und -ist von ausgezeichneter Güte. Der Weinbau erfreut sich in jüngster Zeit -grösserer Aufmerksamkeit und Pflege. Man will den alten Ruf wieder -herstellen. In früherer Zeit gab es in der Umgebung der Stadt über 500 -Weiner (Winzer). Sie bildeten eine eigene Zunft, von welcher noch eine -Fahne und ein Weinerbuch vorhanden ist. - - -Touren. - -_Brüx-Brüxer Sprudel-Ober-Georgenthal._ (Von da über Niklasdorf nach -Katharinaberg-Brandau-Grünthal-Teltschthal-Kallich-Göttersdorf- -Rothenhaus-Görkau, also in umgekehrter Richtung -- siehe Bereisung von -Görkau aus.) Wir gehen auf der Kaiserstrasse in westlicher Richtung, -biegen vor dem Orte Kommern rechts ab und langen nun auf einem Sandwege -bei dem neuentdeckten Sprudel an, dessen mächtiger Wasserstrahl -die Verwunderung jedes Touristen erwecken muss. Von da setzen wir -unseren Weg in nördlicher Richtung fort, wandern durch üppige Wiesen -und fruchtbare Felder, das herrliche Erzgebirge mit dem malerisch -gelegenen Schlosse Eisenberg und dem sich in der Ferne prächtig -erhebenden Rothenhaus vor sich, über Nieder-Georgenthal (vulgo Gärten) -und Vierzehnhöfen auf einer guten Bezirksstrasse nach dem romantisch -gelegenen, freundlichen Ober-Georgenthal, welchen Weg man in 2 Stunden -bequem zurücklegt. Hier ist eine grosse Spinnfabrik, Marienthal -genannt, herrlich im Walde an der Strasse gelegen und der Firma Gustav -Tetzner in Görkau gehörig; eine Spielwaarenfabrik der Firma Kaaden -und Weigel und eine Vereins-Parquetfabrik. Die Kirche, in der Nähe -der Bahn gelegen, ist ein schönes, majestätisches Gebäude. In den -Gasthöfen zum »_schwarzen Adler_« und zur »_frohen Aussicht_« findet -man gute Unterkunft und hier, sowie noch in 8 Restaurationen bekommt -man vorzügliche Biere und nach vorheriger Bestellung gute Speisen. Nach -Ober-Georgenthal kommt von Niklasdorf ein Bach, der bis zur Grundmühle -»_Grundbach_«, von da bis zum Ende des Dorfes »Dorfbach« und dann -»_Ruttenbach_« heisst. - -Von Ober-Georgenthal wird _Eisenberg_ in 25 Minuten und -_Hammer-Johnsdorf_ in 30 Minuten erreicht -- zu beiden Orten führen -prachtvolle Waldwege (siehe _für Eisenberg Bereisung_ von Görkau und -für _Hammer_ von Oberleutensdorf aus). - -_Brüx-Kopitz-*Rosenthal-Lindau-Oberleutensdorf._ (1¾ St.) Diese Tour -hat das Angenehme, dass wir das herrliche Erzgebirge fortwährend -vor uns liegen haben, durch zahlreiche Ortschaften und fast ohne -Unterbrechung durch schöne Obstbaumanlagen wandern. Wir erreichen in -nördlicher Richtung auf guter Strasse zuerst das Dorf Kopitz, dann -_Rosenthal_, welches wie Kopitz am Goldflusse oder Weissbache gelegen -ist. Aus einer benachbarten Quelle wird durch hölzerne Röhren auf einer -Strecke von 5251 m das Wasser nach Brüx in den grossen Behälter auf dem -Hauptplatze geleitet. Nach kurzer Wanderung erreichen wir, den Goldbach -aufwärts, die schön gelegenen Orte Lindau und Niederleutensdorf, -überschreiten die Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn und kommen endlich -in dem industriereichen, herrlich gelegenen, sich von dem reich -bewaldeten Erzgebirge malerisch abhebenden Oberleutensdorf an (siehe -Besuch von Dux-Oberleutensdorf aus). - -_Brüx-*Püllna_ in südlicher Richtung auf der prächtigen Saazer Strasse; -in einer halben Stunde erreichen wir eine kleine Anhöhe, von welcher -wir einen köstlichen Rückblick auf Brüx und einen grossen Theil des -Erzgebirges geniessen. Der Besuch des freundlichen Ortes Püllna -empfiehlt sich wegen Besichtigung der Quellen, welche das berühmte -Püllnaer Bitterwasser liefern. Sie befinden sich auf einer etwa 20 -Acker betragenden Flur, die eine ebene Wiesentrift bildet und von -Fruchtfeldern umgeben ist. Aus diesem Wasser wurden von der Gemeinde -schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts Massen von Bittersalz gewonnen, -ohne derselben als Besitzerin der Quellen einen grossen Gewinn -abzuwerfen. Da lenkte mit dem Beginn unseres Jahrhunderts der Brüxer -Bürger und Kaufmann _Adalbert Ulbrich_ die Aufmerksamkeit von Männern -der Wissenschaft auf diese der leidenden Menschheit zum Heile dienenden -Wässer. Er übernahm den Verschleiss derselben und es gelang seinem -rastlosen Eifer, dass im J. 1801 von dem Professor der Chemie Dr. -Gottfried Mikan die erste Untersuchung vorgenommen wurde; dieser folgte -im J. 1819 eine zweite durch Professor J. B. Tromsdorff in Erfurt und -Professor J. Steinmann in Prag, worauf die nöthigen Wirthschaftsgebäude -nebst einem stattlichen Wohnhause errichtet wurden. Mit der Anerkennung -des Püllnaer Bitterwassers durch medicinische Autoritäten vermehrte -sich dessen Verbreitung. Adalbert Ulbrich ruhte nicht; er liess als -Pächter der Quellen das Wasser neuerdings chemisch untersuchen und -zwar im Jahre 1821 von Professor Pleischl, im Jahre 1826 von Struve -in Dresden, im Jahre 1829 von dem Chemiker Barruel in Paris und im J. -1837 von Ficinus in Dresden, was zur Verbreitung des Wassers nicht nur -in ganz Europa, sondern auch jenseits des Oceans wesentlich beitrug. -Durch seinen rastlosen Fleiss erwarb er sich Vermögen, vergass aber -der Gemeinde nicht, in welcher er eine so erspriessliche Thätigkeit -entwickeln konnte. Er vermachte derselben testamentarisch ein Legat von -20.000 fl. C.-M. zum Baue einer Kapelle und einer Schule. Nach seinem -Tode übernahm dessen ältester Sohn _Adalbert_ die Versendung auf eigene -Rechnung und seit 1863 als Brunnendirector und wirkt in bester Weise -für die Verbreitung des Wassers, unterstützt von seinem trefflichen, -mehrere Sprachen sprechenden Sohne _Konstantin_, in erfolgreicher Weise -fort. - -Der Boden des Bitterwassergrundes und die angrenzenden Felder -zeigen mächtige Lager von vulkanisch-ausgebranntem Thon bis hin zum -Serpina-Thale und den Nachbarbitterwässern von Sedlitz und Saidschütz -(östlich von Püllna). Die ganze Gegend ringsherum bis an die Eger ist -braunkohlenhältig. In geringer Tiefe unterhalb der Bodenfläche ist ein -reichhaltiges Lager von tertiärem Mergel, der zahlreiche Krystalle -von schwefligen Gebilden und schwefelsauren Salzen, sowie von Basalt -enthält. Diese Bildungen sind die Werkstätte des Bitterwassers; aus -ihnen wird es durch den Zutritt des Wassers von der Oberfläche (des -atmosphärischen Wassers) erzeugt. Es sind daher die Bitterwässer -Seihewässer, kommen nicht aus grosser Tiefe, sondern von den Seiten bis -zu einer gewissen Abtiefung und sind durch das genannte Mergellager -bedingt. Deshalb dürfen die Brunnen nur bis zu einem gewissen -bestimmten Masse abgeteuft werden. In Püllna beträgt es 1·8 bis 2·8 m. -Das Püllnaer Bitterwasser ist ein helles, klares Wasser von etwas -gelbgrünlicher Farbe, das überhaupt geruchlos ist, jedoch in den -Frühstunden im Brunnengebäude einen angenehmen, veilchenartigen Geruch -wahrnehmen lässt, der wohl von einem besonderen Naphtha-Oele herrühren -mag. Der Geschmack dieses Wassers ist salzig und bitter, ohne dabei -die Zunge und den Gaumen unangenehm zu berühren. Es ist ein gelinder -Weise, doch kräftig auflösendes und abführendes Mineralwasser, das, -abgesehen von den bewirkten Entleerungen, Secretionen, namentlich -der Verdauungsorgane bethätigt, den Stoffwechsel beschleunigt, die -organische Säftemasse verdünnt und den gesammten Digestionsprocess -anregt. - -_Brüx-Kollosoruk-Kosel_ (2 Stunden). Durch das Biela- und Serpina-Thal -kommen wir auf der Launer Strasse nach Kollosoruk mit einem prächtigen -Schlosse, umgeben von schönen Anlagen und dem Herrn Richter in Prag -eigenthümlich, erblicken links das sich auf einer Anhöhe malerisch -abhebende Luschitz und schliessen unsere Tour mit Kosel ab, wo sich der -Hořenzer Berg mit den hier vorfindlichen Aragoniten erhebt. (Retour -nach Brüx von Obernitz mit der Bahn.) - -_Brüx-*Sauerbrunn-Bilin_ (2 Stunden zu Fuss oder mit der -Aussig-Teplitzer Bahn nach Preschen und von da nach Bilin und -Sauerbrunn oder mit der Prag-Duxer Bahn über Obernitz nach -Sauerbrunn-Bilin). Wir gehen in südöstlicher Richtung durch das -Bielathal, berühren Rudelsdorf und Kahn und wenden uns hier mit -der Biela nach Nordosten, kommen nach Obernitz, Böhmisch-Zlatnik, -betrachten hier die rechts stehenden, äusserst interessanten Kuppeln -des Böhmisch-Zlatniker 517 m und Sellnitzer Berges, gehen an dem Dorfe -Sellnitz vorbei, berühren weiter in dem immer schöner und interessanter -werdenden Thale Liebschitz, sehen nun den imposanten, durch seine -zerrissene Gestalt eigenthümlichen und 535 m hohen Bořen vor uns, und -gelangen nach kurzer Wanderung zu unserem Ziele, dem jüngsten Badeorte -des nordwestlichen Böhmen, zum _Sauerbrunn_. - -Dieser aufstrebende Curort (Station der Prag-Duxer Bahn, daher von -Dux, Teplitz und Brüx leicht erreichbar), hat jetzt ein grossartiges -Curhaus, welches glänzend eingerichtet ist und allen Comfort bietet. -Seine Lage ist eine herrliche. Von der Terrasse des Curhauses sehen -wir den merkwürdig gestalteten Bořen vor uns und lassen unsere Blicke -über einen grossen Theil des böhmischen Mittelgebirges schweifen. -Im Souterrain des Curhauses befinden sich allen Anforderungen -entsprechende gewöhnliche und Dampfbäder, und der im Parterre -hergestellte geräumige Lese- und Conversationssaal befriedigt alle -Ansprüche, selbst der verwöhnten Besucher der nordwestböhmischen -Bäder. Die das Curhaus umgebenden Anlagen sind herrlich und verleihen -dem Curorte, der sich von Jahr zu Jahr hebt, einen besonderen Reiz. -Der Aufenthalt daselbst ist nicht kostspielig. Das schönste, mit -aller Bequemlichkeit ausgestattete Zimmer kostet _nur zwölf_ Gulden -in der Woche, ein kleineres und ganz entsprechend eingerichtetes 6 -bis 8 fl. Eben so mässig sind die Preise der Speisen in der eigenen -Restauration, welche vom 1. Jänner dieses Jahres von einem tüchtigen -Wirthe in Pacht genommen wurde. Der Brunnen liefert aus 4 Quellen -ein kohlensaures Wasser. Sie liegen am nordöstlichen Abhange des -Ganghofer Berges. Es ist nicht bekannt, zu welcher Zeit sie entdeckt -worden sind. Ein bleibendes Augenmerk erhielten sie erst zu Anfang -des achtzehnten Jahrhunderts, wo die Fürstin Eleonore von Lobkowitz -Besitzerin der Herrschaft wurde. Die _Josefs-_ und _Caroline-Quellen_ -sind so ergiebig, dass sie allein den ganzen Bedarf decken. Das Wasser -wird theils an Ort und Stelle, besonders von Touristen, Curgästen -aus Teplitz und Besuchern aus der nächsten reichen Umgebung, unter -deren angenehmste Ausflüge eine Fahrt oder ein Spaziergang nach dem -»Biliner Sauerbrunn« gehört, getrunken, theils und zwar grösstentheils -so bedeutend versendet, dass heute über _eine_ Million Glasflaschen -in die Welt geht. Das Wasser ist ein hervorragender Repräsentant -der alkalischen Säuerlinge, zeichnet sich in der Wirkung als -säurebindendes, die Alkalessenz des Blutes erhöhendes Mittel vor -allen anderen aus, leistet daher bei Sodbrennen, Magenkrampf, chron. -Magenkatarrh, bei sogenannter Harnsäure, Nierensteinen, Gicht, chron. -Rheumatismus, chron. Blasen- und Lungenkatarrh, bei Gallensteinbildung, -Fettleber und Scrophulose die erspriesslichsten Dienste. Auch bietet -der Biliner Sauerbrunn ein vortreffliches, dietätisches -- mit Wein- -oder Citronensaft und pulverisirtem Zucker versetzt -- vermöge seines -grossen Kohlensäuregehaltes, hochschäumendes, erfrischendes Getränk und -ist dann, insbesondere während der heissen Sommermonate zu empfehlen. -Ueberdies gewinnt man durch Abdampfen des Wassers in einem eigenen -Laboratorium kohlensaures Natron (Biliner Pastillen). - -Grosses Interesse wendet der Tourist dem Bořen, auch Biliner Stein -genannt, zu. Er ist ein Klingsteinfelsen und wird von den Botanikern -wegen seines Reichthums an seltenen Pflanzen viel besucht. Aus der -Ferne betrachtet, präsentirt sich der steile und schroffe Fels, dessen -Basis von Feldern und Obstgärten umgeben ist, als eine riesige, -compacte Masse, weist aber in der Nähe eine Menge von Rissen und -Zerklüftungen auf, so dass er durch sein abenteuerliches Zickzack das -Staunen des Besuchers erregt und durch diese seine pittoreske Gestalt -an den Säntis bei St. Gallen in der Schweiz, von Lindau oder Bregenz -aus betrachtet, erinnert. Der Anstieg ist höchst schwierig und nur -auf der westlichen Seite möglich. Ein Führer ist nicht nöthig, da -der Weg durch weisse Striche an Steinen und Bäumen bezeichnet ist. -Vom »Sauerbrunn« erreichen wir die Spitze in _einer_ Stunde. Wir -überschreiten bei der Station die Bahn, gehen auf dem Wege einige -hundert Schritte fort, lenken in den nach links sich abzweigenden Weg -ein und folgen nun den oberwähnten Strichen. Da das Steingeröll leicht -nachgibt, so ist beim Anstieg alle Vorsicht zu gebrauchen. Unter den -Höhlungen ist die _Michelshöhle_ die hervorragendste. An ihrem Eingänge -ist die gewaltige Basaltsäule beachtenswerth. Diese Felsart finden wir -längs der östlichen und südlichen Seite des Bořen. Dieser Berg ist -überhaupt eine der ersten Zierden des an malerischen Schönheiten und -geognostischen Merkwürdigkeiten so überaus reichen Mittelgebirges, er -ist der Stolz der Gegend. - -Die Aussicht vom Bořen ist überraschend schön; wir übersehen die -westliche Seite des Teplitzer Thales mit den prächtig bewaldeten, -schluchtenreichen Abhängen des Erzgebirges. Im Norden sehen wir -zu unseren Füssen das freundliche Städtchen Bilin und den reizend -gelegenen »Sauerbrunn«, weiter links Dux mit seinem stattlichen -Kirchthurme, dem gräflich Waldstein'schen Schlosse sammt Park, dann -weiter am Fusse des Erzgebirges das romantisch gelegene Stift Ossegg. -Aus der Teplitzer Ebene ragt der Schlossberg empor und erweckt unsere -Aufmerksamkeit, rechts davon sehen wir die Ruine Kostenblatt, noch -weiter rechts, gerade in östlicher Richtung die Klotzberge, den -Radelstein, der Milleschauer ist verdeckt. Im Süden erblicken wir -den Millayer Berg 504 m, weiter den Hoblik von derselben Höhe und -schliesslich die Launer Berge, im Westen den Böhmisch-Zlatniker Berg, -Brüx mit dem prächtigen Schlossberge, im Nordwesten hebt sich Eisenberg -aus dem Grün der Tannen und Buchen hervor, und weiterhin verfolgt das -Auge den Rücken des Erzgebirges. - -Eine eben so schöne Aussicht bietet der _Ganghofer Berg_, dessen -Gesteine deutlich die Verwandtschaft des Klingsteins mit gewissen -Prophyr-Abänderungen zeigen. Er erhebt sich westlich über dem -»Sauerbrunn«, ist leicht zu besteigen, da nahezu bis zum Gipfel schön -angelegte Promenadenwege führen. - -Ein bequemer Fahrweg führt in 20 Minuten langsamen Gehens zu dem -niedlichen Städtchen _Bilin_. - - - - -Bilin. - - - =Gasthöfe=: »Hohes Haus,« »Weisser Löwe«, beide am Marktplatz. - - =Post- und Telegrafenamt= (ersteres Lange Gasse, letzteres - Wenzelsplatz). _Aussig-Teplitzer Bahn_ mit dem Bahnhof - Preschen, 10 Minuten entfernt; _Prag-Duxer Bahn_ mit den - Stationen Sauerbrunn und Bilin. _Bielathalbahn_, Verbindung mit - Aussig. - - =Fahrgelegenheiten=: _Postomnibus_ zum Bahnhof in Preschen. - -Die Stadt zählt beiläufig 5000 Einwohner, liegt an der Biela, welche -die Stadt selbst von der Brüxer Vorstadt trennt und hier den von -Südosten kommenden Zischken-Bach aufnimmt. Im Süden erhebt sich der -Bořen, im Westen der Ganghofer Berg, im Norden, hinter der Teplitzer -Vorstadt, der grosse Chlum, im Osten der Schlossberg, dessen -Fortsetzung der Hradischt heisst. - -=Geschichtliches.= Die Erzählungen von der »Fürstin Bila«, die schon -744 hier ein Schloss erbaut und dem Orte, sowie dem Flusse den Namen -gegeben haben soll, dann von den »Bilinen«, einem čechoslavischen -Stamme, der sich zu Ende des 5. Jahrhunderts hier an den Gestaden der -sanft dahingleitenden Biela ansiedelte, dürften in das Bereich der -Sagen gehören. Indessen sind echte geschichtliche Ueberlieferungen -von der ehemaligen »Provinz Bilin« vorhanden, welche schon vor dem -11. Jahrhunderte im Auftrage der böhmischen Herzoge von eigenen -Grafen verwaltet wurde. Unter König Wenzel II., der von 1223 bis 1253 -regierte, erhielt _Hogerius_, der Truchsess dieses Königs, die Burg -und die Stadt Bilin für sich und seine Erben als Geschenk. Im J. 1342 -wird in den Urkunden einer Schule erwähnt. Albrecht von Berka verlieh -der Stadt im J. 1365 gewisse Privilegien und wurde 1381 vom Kaiser -Karl IV. mit Bilin belehnt. Im Husitenkriege, wo sie dem Albert von -Kolditz gehörte, wurde sie 1421 erobert und verwüstet. Im J. 1426 -bemächtigte sich der Stadt Jakubko von Wřeschowitz, der sich von ihr -den Namen Bilinský beilegte. Nach seinem Tode fiel sie wieder an die -Herren von Kolditz und gelangte dann 1464 an die Herren Popel von -Lobkowitz. Von dieser Zeit verblieb sie bei dieser Linie, welche mit -dem Grafen Leopold von Lobkowitz im Jahre 1707 männlicherseits erlosch. -Die Tochter Eleonora Carolina vermählte sich mit Philipp Fürsten von -Lobkowitz, Herzog zu Sagan und vermachte ihm die Herrschaft Bilin. Ihm -folgte 1748 sein Sohn Ferdinand Fürst von Lobkowitz, Herzog zu Sagan, -diesem 1796 sein Sohn Franz Josef, Fürst von Lobkowitz, Herzog zu -Raudnitz, und diesem Moritz Fürst von Lobkowitz, Herzog von Raudnitz, -der gegenwärtige Besitzer. - -=Sehenswürdigkeiten=: Das stattliche Fürst Lobkowitz'sche _Schloss_ -mit seinem schönen Parke. Dasselbe überragt die Stadt, und wurde um -das J. 1680 von Christof Freiherrn von Lobkowitz erbaut. Es enthält -eine Menge unterirdischer Gänge, worin man alte Pfeile und andere -Gegenstände gefunden; die schöne _Pfarrkirche_ ist auch zu beachten. -Sie wurde schon 1061 gegründet, besteht aber in ihrer jetzigen Gestalt -erst seit 1573. Bemerkenswert sind noch die _neugebaute Schule_ und das -_Gerichtsgebäude_. - - -Touren: - -_Radek-Werschetiner Berg-Suttomer Berg-Skalken-Kostial-Lobositz_ -oder umgekehrt. (Wir wählen zum Standorte _Bilin_ oder von der -entgegengesetzten Seite, je nachdem der Tourist kommt, _Lobositz_.) - -_Bilin-*Radelstein._ Zum _Radelstein_ entweder über Kutschlin und -Rasitz (mit Führer) oder über Radowesitz und Stepanow. Dieser Berg -liegt inmitten des Mittelgebirges und bietet uns von seinem Rücken -ein interessantes Bild. Er ist nicht, wie die anderen Berge des -Mittelgebirges, spitzig, sondern zeigt einen breiten, waldigen Rücken, -dessen höchste Erhebung ein ebenes, rundes, frischgrünes Plateau -bildet. Dieses ist ringsum von mächtigen Steinwällen eingefasst, hinter -welchen sich dunkles Nadelholz erhebt; nur ein kleiner Lärchenwald -macht sich bemerkbar und kennzeichnet den Radelstein schon von der -Ferne. Die Steinwälle stammen offenbar aus altheidnischer Zeit her. -Hier bestand gewiss eine heidnische Cultusstätte, wie auf dem Deblik -bei Leitmeritz, dem Hradek bei Gross-Czernosek, wo sich derartige -Steinwälle gleichfalls vorfinden. Ueberreste von Burgen sind es, wie -die Sage berichtet, nicht, da Mauerreste nicht zu entdecken sind, und -eine gänzliche Beseitigung derselben von so hochgelegenen Punkten nicht -möglich ist. - -In dem hier befindlichen Forsthause wird uns eine Erfrischung -verabreicht. Die schönste Aussicht geniessen wir von der Hütte auf der -Südseite des Plateaus. Im _Süden_ erblicken wir zwischen den Launer -Bergen die Stadt Laun, rechts davon den Hoblik und den Millayer Berg; -im _Südosten_ präsentirt sich uns die Hasenburg, rechts davon die -ausgedehnte, fruchtbare, von der Eger durchschnittene Ebene. Links -von der Hasenburg sehen wir im Hintergründe den prächtigen Georgsberg -(Říp) bei Raudnitz, im Vordergrunde den Kostial mit seiner Ruine, -an seinem Fusse links den hohen Thurm von Skalken. Weiter links -erblicken wir die Elbe mit der Brücke bei Leitmeritz, das sich hinter -dem Lobosch verbirgt, und weiter links am Horizont den Wilschberg und -Geltsch, zwischen denselben den Ronberg und in weiter Ferne hinter -diesem den Jeschken. Auch der Milleschauer und die Berge bei Aussig -sind sichtbar. Im Norden ist der Horizont durch das Erzgebirge, aus -dem das Mückenthürmchen und der Schneeberg hervorragen, begrenzt und -im Westen erscheint der Böhmisch-Zlatniker, der Ganghofer Berg und im -Vordergrunde die dunkle Masse des Bořen. Die Aussicht ist grossartig -und es steht zu erwarten, dass die Touristen diesem Punkte künftighin -eine solche Aufmerksamkeit schenken werden, wie er es verdient. - -Östlich vom Radelstein liegen der _Suttomer Berg_ und _Skalken_, -südlich von diesen der Werschetiner Berg -- auf derselben Strasse wie -zum Radelstein von Bilin in 2 bis 3 Stunden zu erreichen. Suttom und -Skalken liegen ¼ Stunde auseinander. Der Suttomer Berg ist leicht zu -ersteigen und bietet eine schöne Aussicht. Das Dorf hat eine schon im -J. 1388 bestandene, in ihrer jetzigen Gestalt aber erst 1716--1724 -durch Anna Sigismunda Gräfin von Hřzan, damalige Besitzerin des Gutes -Skalken, erbaute Pfarrkirche. Südöstlich davon liegt das Dorf Wlatislav -im Thale des Modelbaches. Es sollte eigentlich Wlatislav heissen, -da es ehedem eine wohlbefestigte, von dem Saazer Herzog Wlastislav -erbaute Stadt gewesen, aber schon im J. 936 vom Prager Herzog Boleslaw -I. zerstört worden sein soll. Die Spuren einer dreifachen Schanze auf -einer Anhöhe nördlich vom Dorfe hält man für Ueberreste der ehemaligen -Burg. Am südlichen Flügel des Schlosses im Dorfe Skalken erhebt sich -auf einem schroffen Felsen ein alterthümlicher, 18·9 m hoher ovaler -Thurm, mit 3·7 m dicken, sehr festen Mauern, welche aus weissen -Bausteinen bestehen; in das Innere konnte man früher nur von der -steilsten Seite des Felsens mittelst einer 3·7 m über dem Boden in der -Mauer befindlichen viereckigen Oeffnung gelangen. Höchst wahrscheinlich -ist es ein sogenanntes Burgverliess gewesen. Die Aussicht ist ungemein -lieblich, da den Felsen ein herrlicher Kranz von vulcanischen Bergen -umgibt. Auf der Strasse südlich von Watislav kommen wir in einer halben -Stunde nach _Woborzitz_, in dessen Nähe sich der _Woborzitzer Berg_, -der _Werschetin_, 426·6 m hoch, befindet und dann nach dem Dorfe -Podseditz mit den Granatengruben und einer Granatenfabrik. - -Südöstlich von Skalken (etwa ¾ St.) liegt der _*Kostial_, ein schön -geformter Basaltfels, der auf seinem Scheitel die malerischen Trümmer -einer Burg trägt. Dieser Punkt, sowie die Hasenburg sind von _Lobositz_ -besser und angenehmer zu erreichen, und es empfiehlt sich die Theilung -der Tour von _Bilin_ nach _Lobositz_ in die Touren: Bilin-Radelstein -und Lobositz-Hasenburg-Kostial bis einschliesslich Suttomer Berg. -Auf den Kostial gehen wir von Lobositz südwestlich auf der Strasse -über Sullowitz (½ St.), Jentschitz (¾ St.) und wenden uns hier rechts -nach dem ¾ St. südöstlich von Skalken gelegenen Dorfe Kostial, am -östlichen Abhange des Kostialer Berges. Von da gehen wir in westlicher -Richtung auf den Berg und erreichen ihn in einer halben Stunde (für den -ganzen Weg von Lobositz 2 St.) Die Aussicht ist sehr lohnend. Südlich -begegnen unsere Blicke der herrlichen Hasenburg, im Hintergrunde der -Stadt Budin, südwestlich und westlich in der Ferne dem Hoblik und -Millayer Berge und in der Nähe dem Werschetiner Berge, dem Radek, -weiter nach Nordwesten dem Radelstein, den Klotzbergen und im Norden -dem Milleschauer, im Hintergrunde dem Erzgebirge mit dem Schneeberg, -rechts vom Milleschauer dem Kletschen, östlich der Elbe mit den -Städten Lobositz und Leitmeritz, dem Radobyl und dem hohen Geltsch und -südöstlich dem Georgsberg mit der Stadt Raudnitz am Fusse desselben und -weit im Hintergrunde der Stadt Melnik. - -Der Abstieg erfolgt nach der Stadt Trebnitz, südlich am Fusse des -Kostialer Berges und am Modelbache, sowie an der Lobositzer Strasse -gelegen. In der Pfarrkirche, welche schon seit dem J. 1384 besteht, -sind 2 kunstreiche Alabasterbilder. Auch befindet sich hier ein in den -Jahren 1573 bis 1575 geschriebenes Cancionale in böhmischer Sprache -aus 470 kalbledernen Blättern bestehend und nach damaliger Weise -mit schönen Malereien, Goldbuchstaben, Initialen u. s. w. verziert. -Von da gehen wir auf der Strasse südlich nach Chodolitz und biegen -vor dem Orte Klapay links auf die _*Hasenburg_ ab (2¼ St.). Das ist -ein steiler, 413 m hoher und aus Basalt bestehender Berg, welcher -durch seine schönen, zu Tage entblössten Säulengruppirungen dem -wissenschaftlichen Forscher sowohl als dem Naturfreunde überhaupt -ein hohes Interesse bietet. Auf der Hasenburg liegen die Ruinen -der alten Burg Klapay, welche aus zwei hohen, weit in die Ebene -sichtbaren Thürmen besteht. Der eine dieser Thürme ist viereckig und -wird gewöhnlich der weisse, der andere runde aber der schwarze Thurm -genannt. Diese Burg soll schon im J. 874 erbaut worden sein; im J. -1336 ist sie an die Familie der Hasenburge gekommen und wird auch seit -dieser Zeit Hasenburg genannt. Im J. 1431 wurde sie von den Taboriten -erobert und von ihnen gänzlich zerstört; seitdem ist sie nicht mehr -bewohnt worden. - -Die Aussicht ist prachtvoll. Im Norden das Erzgebirge, in derselben -Richtung, sowie im Nord-Westen, Westen die wiederholt oben (siehe -Kostial) angegebenen herrlichen Punkte unseres höchstinteressanten -Mittelgebirges, im Osten der Georgsberg, südöstlich die Stadt -Libochowitz mit Schloss und Kirche und nach diesen beiden Richtungen -hin, die herrlichen, fruchtbaren Thäler der Eger und Elbe mit -zahlreichen Städten, Dörfern und Weilern. - -_*Der Milleschauer._ Derselbe ist 834 m hoch und besteht aus -Klingstein. Unter den einzelnen Bergen des Mittelgebirges nimmt er -den ersten Platz ein. Die weite und reizende _Aussicht_, welche -man von hier über einen sehr beträchtlichen Theil unseres schönen -Heimatslandes, namentlich auf das Erzgebirge, das Teplitzer- und -Bielathal, weit über das rechte Elbufer, wo das Iser- und Riesengebirge -den Horizont begrenzen, ferner nach Südosten und Süden über Rakonitz -bis in die Umgebungen Prags und selbst noch jenseits der Hauptstadt -über das rechte Moldauufer hinaus geniesst, machen diesen Berg zu -einem der herrlichsten Standpunkte für den Bewunderer mannigfaltiger -Naturschönheiten und eines mit den Gaben der Ceres überschütteten, -durch Gewerbefleiss blühenden, nach allen Richtungen hin mit Städten, -Flecken und Dörfern bedeckten Landes. Die Zahl der Besucher dieses -herrlichen, bis zur Spitze reich bewaldeten und höchst interessanten -Berges ist sehr gross und steigert sich von Jahr zu Jahr. Die oben -befindliche Restauration entspricht in Bezug auf Qualität der Speisen -und Getränke und Unterbringung der Gäste in den geräumigen, mit allem -Comfort ausgestatteten Mooshütten allen Anforderungen. Die Wege nach -dem Milleschauer sind recht bequem. - - -Touren nach dem Milleschauer: - -_Teplitz-Borislau-Pilkau_ (4 St. zu Fuss -- bis Pilkau ein guter -Fahrweg -- in Pilkau gibt es Esel und Tragsessel für diejenigen, welche -nicht steigen können oder wollen). Wir gehen auf der Strasse nach -Lobositz in südöstlicher Richtung nach Auperschin (1 St.), Schallan -(¾ St.), am Abhange des Mittelgebirges endlich nach Borislau (½ -St.), bereits hoch im Mittelgebirge; dieses Dorf hat eine im J. 1717 -neuerbaute und 1820 auf Kosten des Fürsten Johann von Clary restaurirte -Kirche mit einem Gemälde von einem unbekannten Meister, den Märtyrertod -der hl. Katharina darstellend; dasselbe wird von Kennern sehr gelobt. -Nach einer halben Stunde erreichen wir, rechts von der Strasse -abbiegend, das am Fusse des Milleschauer liegende Dorf Pilkau, von wo -aus wir die Spitze des Berges in einer Stunde auf einem gut erhaltenen, -steilen Wege erreichen. - -_Aussig-Türmitz-Kosten-Staditz-Tschochau-Borislau-Pilkau_ (5 St.). In -einer halben Stunde erreichen wir von unserem Standquartiere Aussig den -Ort Türmitz, an beiden Ufern der Biela gelegen, setzen unseren Weg im -Bielathal fort und kommen nach Kosten und Staditz; in letztem Orte, dem -Geburtsorte Přemysl's, dem Gemahl Libuša's, verweilen wir einige Zeit, -lassen uns die Haselstaude, in welche sich die von Přemysl in die Erde -gesteckte Ruthe verwandelt haben soll, zeigen und besichtigen noch das -sogenannte _Königsfeld_, d. i. das Feld, wo Přemysl pflügte, als ihn -die Gesandten der Libuša fanden. Nach Passirung der Orte Tschochau und -Borislau erreichen wir auf der schon berührten Tour über Pilkau unser -Ziel. (Für diese Tour können wir auch die Bielathalbahn bis zur Station -Tschochau-Hlinai benützen; siehe überdies Bereisung von Teplitz über -Tschochau.) - -_Lobositz-Billinka-Wellemin-Milleschau-Milleschauer._ - - - - -Lobositz. - - -=Lobositz= liegt an der Mündung des Modelbaches in die Elbe, Stadt mit -etwa 4000 Einwohnern. - - =Gasthäuser=: »Hôtel Post« am Bahnhof, »schwarzes Ross«, - »goldener Löwe«; »Dampfschiffrestauration an der Elbe« mit - prächtiger Aussicht, schöner Garten. -- »Hôtel zur Eisenbahn«. - - =Post- und Telegrafenamt.= -- =Eisenbahn- und - Dampfschifffahrts-Station.= - - =Fahrgelegenheiten.= -- =Schwimmanstalt.= - -Bei Lobositz verlässt die Elbe die westliche Richtung, schlägt die -nördliche ein und strömt mit derselben mit einigen kleinen Abweichungen -bis Zirkwitz. Die mit zahlreichen Ortschaften, Wein- und Obstgärten -bedeckten Ufer- und Bergabhänge zu beiden Seiten des Stromes gehören -unter die reizendsten Gegenden nicht bloss von Böhmen, sondern von ganz -Oesterreich-Ungarn. - -In Lobositz sind viele _Fabriken_ und _Industriewerke_ im Betrieb, -darunter bedeutende Zuckerfabriken, eine Dampfmühle, und die -grossartige Cichorienfabrik von Tschinkel. _Die Pfarrkirche_ ist -ein in den Jahren 1733 bis 1743 von Grund aus neu errichtetes -schönes Gebäude, welches im Presbyterium den aus der vorigen alten -Kirche aufbewahrten Marmorgrabstein der am 7. März 1702 verstorbenen -Markgräfin _Maria Franziska_ von _Baden_ und _Hochberg_, geb. -Landgräfin von Fürstenberg, enthält. Von den Glocken trägt eine die -Jahreszahl 1532, die andere 1691. - -In dem herrschaftlichen _Schlosse_ befinden sich die fürstlich -Schwarzenberg'schen Wirthschaftsämter und ein Saal für chemische -Untersuchungen. Bei der Erhebung des Ortes Lobositz zum Range einer -Stadt unter Kaiser Rudolf II. im J. 1600 (zu deren Erinnerung im J. -1776 auf Kosten des damaligen Primators Johann Georg Tscherney die St. -Procopius-Säule auf dem Marktplatze errichtet wurde) erhielt Lobositz -das Recht, ein eigenes Wappen zu führen und an jedem Freitage einen -Wochenmarkt zu halten. Das Wappen enthält zwei Thürme im blauen Feld -und ein offenes Thor mit einem Schutzgitter und einem Löwen darunter. -Die Stadt ist reich an geschichtlichen Momenten. In den Jahren 1315, -1648, 1680 und 1742 richteten die Pest und andere Seuchen in der -Stadt und Umgebung grosse Verheerungen an, woran noch die Namen -der »Pestkirchhöfe« und einige Merkzeichen in der Gegend erinnern. -Während der Husitenkriege wurde Lobositz besonders in den J. 1420 und -1426 sehr hart mitgenommen. Im 30jährigen Kriege hatte es in den J. -1634, 1635 und 1639 von den Schweden grosse Drangsale zu erdulden. -Am 1. October 1756 fand hier am Fusse des Lobosch-Berges die erste -Schlacht im 7jährigen Kriege statt. Nach der Schlacht bei Kolin, dann -in den J. 1759 und 1773 hatte es abermals viel zu leiden. Wiederholte -Feuersbrünste verursachten auch vielfachen Schaden. Am 13. Februar 1809 -wurde die Stadt sammt dem Schlosse ganz eingeäschert. Kaum hatte sie -sich von diesem Unglücke erholt, als 1813 der verhängnissvolle Krieg -zwischen Frankreich und den verbündeten Mächten ausbrach und die Stadt -die Nähe des Kriegsschauplatzes mehrere Monate hindurch schmerzlich -empfinden liess. - -Von Lobositz gehen wir auf der Strasse in nordwestlicher Richtung -nach _Billinka_ (¾ St.) auf einer sanften Anhöhe. Bevor wir die Tour -auf den Milleschauer fortsetzen, statten wir von hier aus dem rechts -(östlich) von der Strasse gelegenen _*Lobosch_ 568 m einen Besuch ab. -Derselbe ist nach Süden und Osten durch keine Vorberge gedeckt und -gestattet deshalb eine herrliche Uebersicht von einem grossen Theile -des ehemaligen Leitmeritzer und Rakonitzer Kreises. (Der Besuch dieses -Berges empfiehlt sich mehr von Lobositz über Welhota.) Von Billinka -wandern wir auf der Strasse über Wellemin nach _Milleschau_, einem -Dorfe am südöstlichen Abhange des »_Milleschauer_«. Hier befindet sich -ein grosses und sehr schönes von Kaspar Zdenko von Kapliř im J. 1682 -auf einem hohen Felsen erbautes Schloss und ein grosser Obst-, Gemüse- -und Ziergarten. Von Milleschau aus erreichen wir auf einem guten, -stellenweise sehr steilen Wege die Spitze des Berges. - - -_Bilin-Kostenblatt-Tschentschitz-Milleschauer._ Von Bilin nach -Kostenblatt 1 Meile, und von da, am besten mit Führer, in östlicher -Richtung meist durch Wald nach Tschentschitz (¾ St.), hoch im Gebirge, -am Abhange des »Milleschauer«. Hier kann der Führer entlassen werden. - - - - -H. Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Teplitz aus. - - - - -Teplitz - -(221 m. Seehöhe). - - - =Gasthöfe=: »König von Preussen« (Stephansplatz); »Hôtel - Post«, »Stadt London« (beide Lange Gasse); »Altes Rathhaus« - (Marktplatz); zur »Riesenburg« (Graupnergasse); »Kronprinz - Rudolf«, »blauer Stern« (beide Bahnhofstrasse); »Neptun« - (Mühlstrasse); »Schwarzes Ross« (Kirchengasse); »Preussischer - Hof« und »Wigand's Hôtel« (Kurpark). - - =In Schönau=: »Haus Oesterreich« (Neubadallee), »Hermannsburg« - (Badegasse von Schönau). Zimmer von ½ bis 3 fl. täglich, - Bedienung 30 kr., Licht 30 kr., Suppe 12 kr., Braten 40--80 - kr., Kaffee 20--24 kr. Gutes Brod, vorzügliche Biere und Weine. - - =Weinstuben=: »Fleck« (Lange Gasse), »Rüdesheim« - (Lindenstrasse), »3 Aepfel« (Badeplatz). =Restaurants= ausser - den oben genannten Gasthöfen: »Leitmeritzer Bierhalle« - (Schulplatz), »zum Erzherzog Stephan« (Königstrasse), - »Günther's Bierhalle« (Alleegasse), »Kursalon«. - - Gartensalon im Schlossgarten, Askonas, isr. Restauration, - Edmundsstrasse zu drei Rosen, zum Felsenkeller, zum hohen Haus - (Mühlstrasse), Germania (Steinbadgasse), Glaser, Weilburg - (Lindenstrasse). - - Die Reihenfolge ist durchaus nicht mit Rücksicht auf - verschiedene Güte zusammengestellt. - - -Stadt Schönau: - - Merkur, Stadt Warschau, Rosenlaube, Ordensband. - - Das Couvert zumeist à la carte von 1--2 fl. Table d'hôte - weniger üblich. - - =Kaffeehäuser=: Kursalon, Theater, Stadt Dresden. Mehrere - vorzügliche Konditoreien. - - Ausserdem befinden sich auf bedeutenderen Ausflugsorten zumeist - vortrefflich eingerichtete Sommerrestaurationen, wo neben - allerlei Erfrischungen, Mineralwässern, auch kalte und warme - Speisen für civile Preise dargeboten werden. - -Kurgäste finden in etwa 230 Häusern in Teplitz und mehr als 80 in -Schönau Logis. Da dieselben auch in anderen Häusern in der Stadt -Unterkunft finden, so können zu einer Zeit wohl gegen 3000 derselben -ihre Kur geniessen. Bei der Ankunft in Teplitz ist es nicht rathsam, -sich am Bahnhofe von Agenten, Gepäcksträgern und Droschkenkutschern, -die sich in eigennütziger Weise an den Fremden herandrängen, eine -Wohnung anempfehlen zu lassen. Man kann da leicht in schlechte oder -von den Bädern sehr weit entfernte Wohnungen geschickt werden, die -dann wiederum aufgegeben werden müssen. Man lasse sich durch die -gewöhnlichen Versicherungen dieser Agenten, es sei alles überfüllt -etc., ja nicht ängstlich machen. Wer nicht schon vorher eine Wohnung -bestellt hat oder von verlässlicher Seite in ein gutes Haus empfohlen -ist, der thut am besten, zunächst in ein Hôtel zu fahren, dann einen -Arzt bezüglich der Wahl des Bades zu consultiren und dann eine Wohnung -in der Nähe des verordneten Bades zu suchen. Die Täfelchen »Logis« -zeigen derlei Häuser an; ein weisser Streifen darüber gibt an, dass das -Haus momentan keine Wohnung abgeben kann. Die Miethpreise, die sich per -Woche verstehen, sind je nach der Saison verschieden und variiren im -Sommer von 5--25 fl., im Winter von 3--12 fl. Das Frühstück wird meist -im Logis genommen, im Gegensatze zu anderen Kurorten. Doch kann bei der -grossen Zahl Kurhäuser nie Wohnungsnoth eintreten. Dem stets wachsenden -Zudrang des Kurpublikums entsprechen grosse und zweckmässige Neubauten -der letzten Jahre. - -Auskünfte über Wohnungen, sowie Kurangelegenheiten jeder Art ertheilen -die Bürgermeisterämter von Teplitz und Schönau, der städtische -Badeinspector in Teplitz und in den meisten Fällen auch die Badeärzte. - - =Lesekabinet= im Kursalon. Es liegen auf: die Kur- und - Fremdenlisten der besuchtesten Badeorte, ferner eine bedeutende - Anzahl Zeitungen politischen und belletristischen Inhaltes in - 9 europäischen Sprachen. Kurgäste haben freien Zutritt. Im - Damensalon ein Klavier zu freier Benützung. Billardsaal. - - Der Kurort Schönau hat ebenfalls ein reich eingerichtetes - Lesekabinet. - - =Buchhandlungen=: Ernst Pörzler (Seumestrasse) und H. Dominicus - (Königsstrasse). Beide haben Leihbibliotheken, reichlich - ausgestattet mit den neuesten Erscheinungen der Literatur, auch - in fremden Sprachen. - - =K. k. Postämter=: Teplitz, Schlossplatz, Schönau, Badeg. 85. - - =K. k. Telegrafenamt=: Waisenhausgasse (7 Uhr Früh bis 9 Uhr - Abends). - - =K. k. Hauptzollamt=: Schlossplatz 14. - - =K. k. Bezirkshauptmannschaft=: Marktplatz 26. - - Die =Communalbehörden= sind: In Teplitz der Magistrat, - Marktplatz, in Schönau das Bürgermeisteramt, Neubadallee. - - In der Königsstrasse und in der Langen Gasse befinden sich - Banken und Wechselstuben. - - =Eisenbahnen=: _Aussig-Teplitzer_ Bahn (Linie: Komotau-Aussig). - _Dux-Bodenbacher_ (Linie: Komotau-Bodenbach). Der Bahnhof der - letzteren ist etwa 15 Minuten von der Stadt entfernt, doch - fahren zu allen Zügen Omnibusse. - - Ein- und zweispännige Wägen mit festgesetztem Tarif nach - allen Richtungen. Rollwagenführer im Dienstmanninstitut - (Graupnergasse). An den Bahnhöfen eigene Gepäckträger. - Omnibusse nach Eichwald und Probstau. - - =Stadttheater= im Kurpark, das ganze Jahr hindurch - Vorstellungen; es werden Operetten, Schau- und Lustspiele - gegeben. Im Sommer gastiren daselbst oft Künstler der - bedeutendsten Bühnen. Anfang 7 Uhr. - - =Kurmusik=: _Teplitz._ Die Kurkapelle spielt täglich Morgens - im Kurgarten, Mittags 11--1 Uhr im Schlossgarten; Montag und - Freitag Nachm. 5--7 im Kurgarten. - - Tanzreunionen finden gewöhnlich Samstag Abends im Gartensalon - statt. - - _Schönau._ Militärkapelle jeden Mittwoch und Samstag Nachm. - 5--7 Uhr; Donnerstag u. Sonntag Vorm. 9--10½ Uhr im Schönauer - Musikpavillon. - - =Zeitungsagentur=: Erwähnenswerth ist die Zeitungsagentur - (Königsstrasse), welche alle Zeitschriften zu Originalpreisen - anbietet. - - Die Kurtaxe zahlt jeder Fremde, der sich länger als 8 Tage - aufhält, nach vier Ständeklassen. Gewisse Stände sind davon - befreit, doch zahlen sie wie alle Fremden, die sich länger als - drei, aber weniger als 8 Tage aufhalten, die Musiktaxe (50 kr.). - - =Kuranstalten=: Bäder sind in _Teplitz_: das Stadt-, Kaiser-, - Stein- und Stefansbad (Eigenthum der Stadt Teplitz), Fürsten- - und Herrenhausbad (Eigenthum des Fürsten Clary), Sophienbad, - (Eigenthum der israel. Kultusgemeinde). - - _In Schönau_: Das Schlangenbad (dem Kurort Schönau gehörig), - das Neubad (fürstlich). - -Alle in- und ausländischen Mineralwässer sind in der städt. -Mineralwasserniederlage (Badeplatz) und im Schlangenbad (Schönau) zu -haben. Das Wasser der Stadtbadquelle, welches bei gewissen Krankheiten -ärztlich verwendet wird, ist im Kurgarten und im Stadtbad unentgeltlich -zu haben. Hier sei auch das 54 m lange und 15 m breite Schwimmbassin, -mit klarem Gebirgswasser gefüllt, erwähnt. Dasselbe befindet sich im -westlichen Theile des Turnerparkes, etwa 15--20 Min. vom Centrum der -Stadt entfernt. Der Bau ist in mancher Beziehung sehenswerth. - -Die Balneologen rechnen die Teplitzer Thermen zu den chemisch -indifferenten, d. h. solchen, die wenig fixe oder gasförmige -Bestandtheile enthalten. Indessen ist das Teplitzer Thermalwasser -reicher an fixen Bestandtheilen, als andere indifferente Thermen und -unterscheidet sich besonders dadurch, dass das kohlensaure Natron -prävalirt. Ueber ihre oft wunderbare heilende Wirkung zu sprechen, -dürfte nicht hier der Platz sein. Auch ist sie weithin bekannt. Die -ebenfalls bekannte Katastrophe, die die Urquelle am 13. Feber 1879 -traf, kann, ihr eigentlicher Abschluss mag sein, wie er will, nur die -Folge haben, dass das Wasser, welches früher selbst herausfloss, jetzt -aus der Tiefe künstlich hervorgeholt wird. - -Diese Hauptquelle speist das Stadt-, Sophien-, Fürsten-, Herrenhaus- -und Kaiserbad. Ueberhaupt haben alle Quellen in Bezug auf ihren -stofflichen Gehalt nur wenig Differenzen; sie unterscheiden sich -hauptsächlich durch ihre Temperatur; so hat die Neubadquelle und die -Hauptquelle 35° R., die Schlangenbadquelle 31° R., die Stein- und die -Stefansbadquelle etwa 30° R., die Wiesenquelle (im Stefansbad) und die -Sandbadquelle (im Steinbad) haben 26° R. - -In einigen Bädern wird eine hinreichende Menge gereinigten Moores mit -Thermalwasser zu einem mehr oder minder konsistenten Brei gekocht, -und es werden diese Moorbäder auf verschiedene Weise verwendet. Der -Moor, welcher in der Umgebung von Teplitz (Dreihunken und im Seegrund) -gestochen wird, besteht aus einem Gemenge einer eigenthümlichen -humusartigen Säure und in Zersetzung begriffener Pflanzenreste. - -Die Benützung der warmen Quellen muss in eine sehr alte Zeit -zurückgehen. Vielleicht haben schon römische Mercatores da ihre -Heilung gefunden und haben aus Dankbarkeit der Quell-Nymphe jene -Silbermünzen dargebracht, die man 1879 daselbst gefunden hat. Nach -der Christianisirung des Landes verlegt die Sage die Auffindung -der Quellen auf den 29. August 762 unter der Regierung des Herzogs -Nezamysl. Die zwei Spitzthürme in der Kirchengasse beim Eingang in den -Schlossgarten gelten für die ältesten Gebäude von Teplitz. Die Sage der -Quellenauffindung erzählt eine lateinische Inschrift auf einem in der -Nähe der Hauptquelle befindlichen Steine; sie ist bekannt: weidende -Schweine sollen die Quelle aufgewühlt haben. - -Im Jahre 1153 erbaute Judith, Gemahlin des Herzogs Vladislav, hier -ein Benediktiner-Nonnenkloster, welches aber in den Hussitenkriegen -spurlos unterging. Nach 1544 wurden die ersten zweckentsprechenden -Bäder erbaut, das Schloss auf dem Schlossberg restaurirt und die -Schlosskirche gegründet. 1585 nimmt Janusch von Schönberg den Bürgern -die Bräugerechtigkeit, die bis auf heute Eigenthum der Besitzer -geblieben ist. - -Seit 1653 ist Teplitz im Besitze der Clary-Aldringen. 1848 hörte für -die Stadt das Unterthänigkeitsverhältniss auf und der Kurort wurde zur -selbstständigen Stadt. - -Der Besuch von Kurgästen und Passanten ist während der Sommersaison (1. -Mai bis Ende September) ein sehr starker und nimmt stetig zu. (Im Jahre -1879 über 32.000.) - -Es dürfte aber auch kaum einen zweiten Kurort geben, der eine so -mannigfaltige, an Naturschönheiten überreiche Umgebung aufzuweisen -hätte und in dieser herrlichen Umgebung soviel interessante Punkte -bieten könnte, wie Teplitz-Schönau. Es hat in den letzten zwei -Decennien sich ungemein ausgedehnt; der Handel und die Industrie haben -einen grossen Aufschwung genommen, so dass ein grosser Theil der Stadt -dem Badeleben fast ganz entzogen ist. Die zur Aufnahme der Kurgäste -bestimmten Häuser liegen in der Nähe der Bäder und sind zum grössten -Theil bequem und elegant eingerichtet. Das gesunde Klima und die -schöne Umgebung hat viele Fremde, besonders Pensionisten und Rentiers -zur dauernden Niederlassung in Teplitz bewogen. Die breiten, gut -gebahnten Wege, die herrlichen wohlgepflegten Anlagen, die Alleen dicht -belaubter Bäume, dann die Gelegenheit häufiger Vergnügungen und die -Möglichkeit, alle Wünsche in Bezug auf Liebhabereien und Luxusartikel -hier befriedigen zu können, machen den Aufenthalt in Teplitz angenehm, -so dass der Andrang der Passanten und Touristen, wie schon bemerkt, -jedes Jahr grössere Dimensionen annimmt. Besonders sehenswerth ist -der _Kurpark_. In seinem nördl. Theile steht das Theater, ein grosser -Renaissancebau. Es kann etwa 1000 Personen fassen. Unweit ist eine -Säule, welche eine Uhr, ein Thermo-, Hygro- und Barometer, die -Quellenanalyse und die täglichen Daten der metereologischen Station -enthält. Der Säule gegenüber ist die städtische Trinkanstalt. Einige -Schritte davon steht ein allegorisches Standbild, im J. 1862 zur -Feier des 1100jährigen Jubiläums der Quellenauffindung errichtet. Am -südlichen Theile steht das Herrenhaus und daran anschliessend ein -grossartiger Neubau, _das Gartengebäude_. Im Osten befindet sich -das Kaiserbad, ein prachtvolles, im altfranzösischen Mansardenstyl -aufgeführtes Gebäude. Anstossend daran der Kursalon mit dem -Lesekabinet. Unweit davon ist der Musikpavillon, auch wird in der Nähe -das Wasser der Urquelle zum Trinken verabreicht. - -Durch die Graupnergasse, den Marktplatz und die lange Gasse, die durch -eine grosse Zahl eleganter Läden sich auszeichnet, gelangt man auf -den _Schlossplatz_ mit dem fürstl. Claryschen Schlosse (1751 erbaut), -der Schlosskirche (1568), der Dekanalkirche (um 1700) mit einigen -künstlerisch werthvollen Altarbildern. Durch das Schloss kommt man -in den fürstlichen _*Schlossgarten_, ein bescheidener Name für einen -herrlichen Park, wie ihn nur wenige Städte aufweisen können. Die -Baumriesen zeigen, dass er schon vor Jahrhunderten angelegt ist. Die -schönen, breiten, dicht beschatteten Alleen, die reizenden Wiesen mit -herrlichen Durchsichten und grossartigen Baumgruppen, zwei grosse -Wasserbassins, die Bemühungen der modernen Gartenkunst, sowie die mit -den seltensten exotischen Pflanzen gefüllten Treibhäuser, zahlreiche -Ruhebänke machen ihn zum beliebtesten Aufenthalt. Während der Mittags -abgehaltenen Concerte ist er der Sammelpunkt von allem, was der Kurort -an Geschmack, Schönheit und Eleganz aufweisen kann. - -Mit dem Kurpark hängt der _Seumepark_ zusammen, ein umgewandelter -alter Friedhof, mit dem Grabe Seume's (gest. 16. Juni 1810), das -wohl bald ein würdiges Denkmal haben wird. Daran schliessen sich -die neuerrichteten _Payeranlagen_, überragt von dem Mont de Ligné, -(Restauration und reizender Aussichtspunkt). (Pavillon 1831 erbaut; im -Volksmunde von der Aehnlichkeit »Pfefferbüchse« genannt.) Durch die -Lindenstrasse, die diese Anlagen begrenzt und in welcher sich eine -Reihe Badespitäler, darunter das sächsische und preussische befinden, -gelangt man in den _Kaiserpark_, eine ebenfalls reizende Anlage der -Neuzeit mit schöner Rundsicht. Man erblickt hier die neue, im streng -gothischen Style erbaute _kath. Kirche_ von Schönau, das _Stefans-_ -und _Steinbad_, das grossartige k. k. Militärspital und davor den -Musikpavillon. Anschliessend befinden sich wieder Parkanlagen, und -zwar die Neubad-Allee, die Humbolds-Anlagen und die mit schönen Villen -geschmückte Giselastrasse, welche zum _Teplitzer Bahnhof_ führt, einem -grossartigen Gebäude mit einem pompösen Wartesaal. Vor demselben -befinden sich auch Gartenanlagen. - -Von Gebäuden wären noch zu erwähnen: _Die evangelische Kirche_ -(Elisabethgasse), eine stylvolle Basilika (1861 gebaut). Auf der -Freitreppe eine _der *schönsten Aussichten_. In derselben Gasse wird -sich auch der israel. Tempel befinden, der auch ein Monumentalbau -werden dürfte. In der Jägerzeile steht die Loretto-Kapelle mit der -fürstl. Claryschen Familiengruft. - - -Spaziergänge. - -1. _Die *Königshöhe_ (3 Wege hinauf). Bei dem Monument des langjährigen -königlichen Freundes von Teplitz, Friedrich Wilhelm III. schöne -Aussicht. - -Sehenswerth ist die _Schlackenburg_ (Restauration und camera obscura), -ein eigenthümlicher Bau mit vielen kleinen Zimmern, aufgeführt von -einem einzigen Mann in mehr als 20 Jahren aus Ziegelschlacken und -Feldsteinen. - -Von der Plattform eine der reizendsten Rundsichten über das Thal -zwischen dem Erz- und Mittelgebirge. Ebenso bieten die Restaurants -_*Bella vista_ und _*Belvedère_ prächtige Fernsichten. Hier ist auch -das Schiesshaus der über 300 Jahre alten Schützengesellschaft mit -einer interessanten Autographensammlung und dem Memorialbuch. An dem -Vogel- und Scheibenschiessen können sich auch Fremde betheiligen. Nahe -an demselben wird in dem Kesselhause der Dampf erzeugt, der die im -Schachte der Urquelle eingebauten Maschinen treibt. - -2. _Die *Stefanshöhe_ in Schönau mit einer lohnenden Aussicht über die -Stadt. - -3. _Der Turnerpark_ bei dem mit Teplitz zusammenhängenden grossen und -wohlgebauten Dorfe Turn, ¼ St. nordwestl. von Teplitz auch zugleich an -Schönau anstossend. Er hat mächtige Buchen und Eichen und bietet daher -angenehmen Schatten, ist sehr anmuthig und im englischen Geschmack -angelegt. Hinter der auf einer Anhöhe stehenden Restauration ist eine -sehenswerthe Porphyrgruppirung, anschliessend beginnt die Kalkformation. - -4. Von da, an der Schwimmschule vorüber und durch den Ort Turn kommt -man zu einem Promenadenweg, der nach _*Probstau_ (¾ St. nördlich von -Teplitz) führt. Er ist reich an landschaftlichen Reizen, besonders -in der Nähe des Angerteiches. Probstau ist wegen seines grossen, -schattigen Waldparkes und der guten Restauration (Café) immer sehr -besucht. - -5. Vom Schlossplatz, durch die Jägerzeile, beim Mauthhaus links -und den Berg hinan führt der Weg auf die _*Bergschenke_ (½ St.), -Restauration mit sehr lohnender Aussicht über das Teplitzer Thal. Die -zahlreich erwähnten Aussichten unterscheiden sich sehr von einander -durch die Abwechslung, die sie stets bieten. An die Bergschenke stösst -der wenig gepflegte Galgenbusch. Verfolgt man den Katharinasteg -und einen durch zahlreich auf einander folgende rothe Punkte, die -an Bäumen und Steinen angebracht sind, bezeichneten Waldung, so -erreicht man die _*Helm's Ruhe_ (nach dem Teplitzer Bürger Anton Helm -benannt). Man wird hier durch ein herrliches Panorama, das von den -früheren Aussichten wesentlich verschieden ist, angenehm überrascht -sein. Der etwa 1000 Schritte von der Restauration (Bergschenke oder -Bergschlösschen) entfernte 379 m hohe _*Wachholder-Berg_ bietet eine -grossartige Rundschau. Eine Menge Ortschaften werden durch die Höhen -des Mittelgebirges und den weiten Bogen des Erzgebirges begrenzt. - -Eine wiederum schöne Rundsicht bietet _*der Schlossberg_ (½ St.). Man -erreicht ihn, wenn man durch Schönau, am Neubad vorbei, eine breite -Strasse geht, die bis an seinen Fuss führt. Man kann entweder auf -schönen Promenadenwegen oder der neugebauten, an Serpentinen reichen -Strasse hinauf gelangen. - -Auch kann man die bei dem verfallenen Thore am Fusse befindlichen -Esel benutzen. Der Berg selbst, eine auf Basalt und Porphyr gelagerte -Phonolythmasse, wird von einer Burg gekrönt. Ihre Gründungszeit -ist unbekannt, doch ist wahrscheinlich, dass dieser sowohl zur -Vertheidigung als zur Beherrschung eines grossen Gebietes eminent -günstige Ort schon in uralter Zeit befestigt gewesen sei. Am Fusse -desselben stand das ehemalige Kirchdorf Daubrawitz, jetzt nur ein -Meierhof, von dem die Burg auch in früherer Zeit den Namen hatte. -Im Jahre 1585 kam sie in den Besitz der Kinsky, welche sie durch -holländische Baumeister restauriren und einen Thiergarten anlegen -liessen, von welchem noch die Thormauer am Fusse erhalten ist. 1615 -erbte sie Wilhelm Kinsky, ein Vetter und Schwager Wallenstein's, der -in Eger am 22. Febr. 1634 ermordet wurde. Kaiser Ferdinand II. verlieh -sie mit den Herrschaften Teplitz und Pinsdorf an den General Grafen -Aldringen, nach dessen Ende (bei Landshut im Gefechte am 20. Juli 1634) -ging sie an seine Schwester Anna über, vermählte Clary; die Clary's -hatten mit kaiserl. Rescript vom 24. Mai 1653 Namen und Wappen der -Aldringen zu führen. Während des dreissigjährigen Krieges war die Burg -mehrmals im Besitze der Schweden gewesen. Im Jahre 1655 liess sie der -kaiserliche Hof mit Rücksicht darauf, dass sich leicht Raubschaaren -dort festsetzen könnten, schleifen und seit dieser Zeit liegt sie in -Trümmern. Die Restauration, die theils kasemattenartig in die Mauern -eingebaut ist, theils einen modernen Holzbau bildet, ist als sehr gut -zu bezeichnen. Die Rundsicht ist prachtvoll. Man sieht einen grossen -Theil des Mittelgebirges, das den Milleschauer überragt, den Biliner -Felsen, die Gegend bei Brüx, den ganzen Zug des Erzgebirges mit seinen -zahlreichen Städten, Flecken und Dörfern, das Kulmer Schlachtfeld und -die Höhen bei Aussig. Geht man auf der Prager Strasse durch Schönau, -an der Gasanstalt vorbei bis zu einer Gerberei, biegt rechts um, so -gelangt man auf einem Pfade in einer halben Stunde südöstlich von -Teplitz zur Fasanerie (zum Dorfe Zwettnitz gehörig), einem waldartigen -Park mit hübschen Spaziergängen. In der Försterswohnung eine kleine -Restauration. Die Aussicht erwähnenswerth. - - -=I. Touren= (in das Mittelgebirge und auf den Milleschauer siehe oben -von Bilin, beziehungsweise Lobositz aus). - -Als besonders bemerkenswerthe Touren empfehlen sich von Teplitz -aus in der Richtung gegen das anmuthige Bielathal folgende: 1. Man -geht entweder auf der Strasse über Auperschin (Bielathalbahn) nach -Welboth (durch die Prager Strasse in Schönau), oder man biegt bei der -Ueberbrückung des Saubaches durch die Strasse links ab, geht auf einem -Fahrwege nach Wisterschan, dann an der Schule vorbei und gelangt, -indem man fort dem Bache nahe zu bleiben trachtet, über Neuhof in ein -hübsches Thal, an dessen Ende das Dörfchen Kozlike sich befindet; von -hier geht der Weg nach Welboth. Verfolgt man nun die Strasse nach -Hertine, so bietet dieses Dorf, unweit der Bielabrücke von Welboth, ein -reizendes Bildchen. Der es überragende Berg heisst nach einem kleinen -Dörfchen _der Frauschieter Berg_. Von Hertine (Bahnstation) geht man -längs der Geleise der Bielathalbahn nach Prosanken. Ein sehr hübscher -Wiesenweg führt uns nach Tschochau (Station), einem grossen Dorfe mit -einem Bräuhaus und einigen ziemlich guten Wirthshäusern (besonders -böhmische Krone; bisher etwa 3 Stunden). In kürzerer Zeit erreicht man -Tschochau auf dem ebenfalls nicht uninteressanten Wege über Drakowa -auf der am Fusse des Schlossberges vorbeiführenden Strasse, dann über -Quikau, Suchey, an dem über 360 m hohen Jedowinberg vorbei über -Habrzie und Hlinai. - -Von _Tschochau_ aus lassen sich mehrere hübsche Partien machen, und -zwar zunächst nach _Staditz_; schon nach einer kleinen halben Stunde -kommt man zu dem sogenannten Königsfelde, das noch vor dem Dorfe einem -Försterhause, zugleich Restauration, gegenüber liegt. Es ist dies wohl -die älteste Stätte Böhmens, die die Sage nennt. Hier soll das weisse -Pferd, das Libuša, die Tochter des ersten Tschechenherzogs Krok, zum -Aufsuchen des Bräutigams ausschickte, den vom Pflügen ausruhenden -Wladyken Přemysl gefunden und durch Stehenbleiben und freudiges Wiehern -als den erwähnten Bräutigam bezeichnet haben. Er wurde Stammvater des -Jahrhunderte lange herrschenden Přemyslidengeschlechtes. - -Eine andere Version der Sage erzählt, dass Libuša unter der Führung -des weissen Pferdes Leute ausgeschickt habe, die den als Bräutigam auf -den Wyschehrad führen sollten, der auf einem eisernen Tische essen -würde. Und Přemysl ass sein Brod auf der Pflugschar des umgekehrten -Pfluges. Die Sage hat manchen verwandten Zug mit den Stammsagen der -indoeuropäischen Völker. Auf dem Königsfelde, das bis jetzt in dieses -Jahrhundert steuerfrei gewesen ist (?) und von dessen Haselstaude, die -aus der von Přemysl gesteckten Ruthe abstammen soll, die Früchte zur -königlichen Tafel nach Prag geliefert wurden, hat Graf Erwin Nostitz, -der Besitzer von Türmitz, 1841 ein Denkmal errichten lassen. (Siehe -Seite 178.) - -Es ist das ein, auf zwei Terrassen ruhender grosser Steinwürfel mit -zwei Reliefdarstellungen, von denen die eine das Zusammentreffen der -Gesandtschaft, die zweite den Einzug Přemysl's in die Burg Wyschehrad -darstellt. Sie sind ein Werk von Max. Das Ganze krönt ein eiserner -Pflug von bedeutender Dimension. Von da führt ein Weg durch das -malerische Bielathal über das Dörfchen Kosten nach _Türmitz_ (Station -der Aussig-Teplitzer Bahn), einem recht aufstrebenden Orte mit einer -grossen Zuckerfabrik. Die ganze Partie beansprucht etwa 5 Stunden. - -Eine andere Partie von Tschochau aus ist folgende: Auf der Strasse nach -_Nabrowan bis Razeine_, von da links ab nach _Dubitz_ und dann bis -zu dem vom Orte etwa 10 Minuten entfernten Kirchlein. Hier geniesst -man einen Einblick von seltener Schönheit in das prachtvolle Elbthal. -Gegenüber hat man die pittoreske Gestalt des Deblikberges, an dessen -Fusse das Dorf Tirkowitz liegt. - -Geht man nun von dem Kirchlein, das Gesicht zur Elbe gewendet, rechts -ab, so gelangt man auf einem mehrfache hübsche Aussichten bietenden -Wege zur Eisenbahn- (Staatsbahn) und Dampfschifffahrtsstation -Praskowitz. (Der ganze Weg von Tschochau etwas über 3 Stunden.) -Freunden romantischer Aussichten, auf allerdings etwas beschwerlichen -Wegen, seien die Touren empfohlen von Tschochau über _Suchey_ nach -_Höben_ und von da entweder über _Qualen_ nach _Salesl_ (Station d. -Staatsb. und des Dampfschiffes) oder auf das gegenüberliegende Ufer, -eine kleine ¼ Stunde elbeabwärts nach Sebusein (Station der Nordwestb. -und des Dampfschiffes). (Der ganze Weg bequem 3 Stunden.) Auch führt -von Stöben ein Weg, der landschaftliche Schönheiten bietet, über den -Rücken des _Glaberberges_ und dann in einer Thalsenkung über die -kleinen Ortschaften Elbogen und Augiesel oder auf der Strasse durch -den Wald nach Türmitz (2 gute Wegstunden). Der erwähnte Glaberberg -bildet jene steilen, von den Fahrgästen des Dampfschiffes oft -bewunderten Wände des Elbthales, die bei dem kleinen Oertchen Wannow, -dem letzten am linken Elbufer vor Aussig, eine besonders interessante -Form annehmen, ein Werk der sich mühsam durchbrechenden Wässer. Sie -sind unter dem Namen Wannower Wände oder Felsen bekannt. Den Endpunkt -dieses mächtigen Bergrückens bildet die Ferdinandshöhe 205 m hoch bei -Aussig, ¼ St. entfernt, eine der prachtvollsten Aussichten weit über -das Elbthal bietend; die geringe Mühe des Aufstieges ist durch dieses -liebliche Panorama wohl belohnt. (Siehe Aussig!) Endlich sei noch einer -an landschaftlichen Reizen reichen Tour gedacht: _von Tschochau über -Nabrowan nach Razeine_. Hierauf verfolge man einen in oos. Richtung -gehenden Pfad, der bei dem letzten Wirthshause rechts von der Strasse -ablenkt. Man gelangt nach einigem Steigen zu einer coulissenartigen -Digression des Bergzuges, welche ebenfalls einen herrlichen Ausblick -über ein anderes Stück des Elbthales bietet, gegen Lobositz, -Theresienstadt und den lang gedehnten Rücken des Radobil am anderen -Ufer. - -Wer Zeit hat, mache den sehr lohnenden Umweg über das Dörfchen -Padloschin. Er wird, von hier nach Norden auf dem Fahrwege abbiegend, -eine lohnende Augenweide finden -- einen Blick in das tiefliegende -Elbthal. Dann geht es ohne besondere Schwierigkeiten nach Praskowitz -herab. Bemerkt sei noch, dass es von hier einen an hübschen -Perspectiven reichen Weg nach Leitmeritz (2½ St.) gibt und zwar über -das Praskowitz gegenüber liegende Libochowan und Kamaik. - -2. _Von Teplitz nach Kostenblatt._ Es sind dahin 2 Wege. Auf dem -einen gelangt man, wenn man an dem Kesselhause der Stadtbadquelle, -zwischen der Königshöhe und dem Schlossgarten durchgeht, den Weg bis -an das Eck des letzten verfolgt und, dann links abbiegend, durch den -sogenannten Lipnaibusch, wo sich eine Einsiedelei befand, jetzt -alles verwildert, fortgeht, eine Gruppe alter Eichen bleibt links -- -bis in das Dörfchen Pittling. Darauf steigt man nach Welbine herab, -und der Weg geht über die nahe an einander liegenden Orte Liessnitz, -Ratsch, Webeschan und Welhenitz nach Kostenblatt. Hier beim Düwock -ein Gasthaus. Das Schloss, dem Grafen Czernin gehörig, ist ein Neubau -aus dem Jahre 1864. ¼ St. vom Dorfe liegt die hochinteressante -Ruine Kostenblatt, 570 m hoch, wohl eine mit von den schönsten des -Landes. Aus ihrer reichen Geschichte sei erwähnt, dass sie von einem -sagenhaften Kostomlat gegründet, im Jahre 1350 einem Ritter Žerotin -gehörte, dessen Nachkommen noch in Mähren leben. Von 1422 an war die -Burg Eigenthum des deutschen Ordens, dessen letzter böhmisch-mährischer -Landcomthur Albrecht von Duba sich hierher zurückzog (1422--30). -Der hussitischen Berennung widerstand die Burg mit Erfolg. Doch -eroberte sie 1434 Jakoubek von Wřesowitz und zerstörte grösstentheils -die Befestigungen. Georg von Podiebrad, dessen Familie -- früher -von Kunstadt, später von Podiebrad genannt -- sie nachher gehörte, -verbrachte hier einen Theil seiner Jugend. Nach der Schlacht am weissen -Berge wurde sie dem letzten Besitzer Ulrich Kostomlacky von Wřesowitz -confiscirt und gelangte schliesslich in den Besitz der gräfl. Familie -Ledebour, der sie bis jetzt angehört. Die Aussicht vom Wartthurm, auf -den eine bequeme Wendeltreppe hinaufführt, ist überaus lohnend. Man -übersieht den weiten Bogen des Erzgebirges und die dazwischen liegende -Ebene; die dichtbewaldeten Kuppen des Mittelgebirges in wechselnder -Form heben sich kräftig von dem in nebelhafter Ferne verschwindenden -Hintergrunde ab. Nicht vergessen sei die kleine Restauration daselbst. -3. Ein _anderer_ Weg nach Kostenblatt (etwa 2½ St. lang, reicher an -Abwechslung, geht von Teplitz auf der Bilinerstrasse bis Kradrob. -Fussgänger können hier bei der Schmiede links einbiegen und gelangen -auf einem Wege nach Křemusch (1 St. von Teplitz). Hier ist ein schönes, -dem Grafen Ledebour gehöriges Schloss mit einem prächtigen Parke. -Ein angenehmer Fahrweg führt aus dem Parke zur Teufelsmauer, einer -wildromantischen Partie des Bielathales. Es ist das ein steiler, durch -Basaltlava gebildeter Abhang. Von hier eine schöne Aussicht über das -Bielathal. - -Von Křemusch hat man nach Kostenblatt zwei Wege, einen näheren -über Dollanken, Wohontsch (Station der Bielathalbahn, eine kleine -halbe Stunde von Křemusch), Niemetschen, Poratsch und Aupoř, reich -an herrlichen Ausblicken über ein stets wechselndes Panorama nach -Kostenblatt (etwas über 1 Stunde). Der weitere Weg führt von Křemusch -über Hostomitz nach Schwatz (½ St.) (Station Schwatz-Kuttowitz), dem -Mensalgute des Prager Erzbisthums. Der einst berühmte Schlossgarten -ist sehenswerth. Die ganze Gegend wird Geologen und Mineralogen -viel Interessantes bieten. Eine grossartige Rundschau bietet der -Basaltkegel hinter dem Dorfe, der sogenannte Paraplüberg. Von Schwatz -geht der Fahrweg in 1 St. nach Kostenblatt. Von da aus kann man noch -folgende interessante Touren machen. 1. Durch anmuthige Wälder über -Milleschau am Fusse des davon benannten Milleschauer nach Wellemin (2 -St.) zu dem reizenden _Wopparna-Thale_. Bei Kleintschernosek kommt -man heraus und vergesse nicht hier in der ureigentlichen Heimat des -berühmten Weines eine diesbezügliche Quellenstudie zu machen. Indess -hat es in der neuesten Zeit damit einige Schwierigkeiten, aber damit -soll ja jedes Quellenstudium verbunden sein. 2. Nach Radowesitz (¾ -St.), dann weiter auf der über Trebnitz (am Fusse des Kostial) nach -Lobositz führenden Strasse bis zu einem rechts befindlichen Hegerhause -(keine Restauration) (etwa 1½ St.). Von hier geht durch eine Rodung -ein in seinem letzten Drittel etwas steiler Weg auf den altehrwürdigen -Radelstein. Ich sage altehrwürdig, denn es bestand hier eine uralte -Culturstätte. (Siehe von Bilin aus! Retour nach Bilin und von da mit -der Bahn nach Teplitz.) - - -II. Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge. - -Hier sei von der im Süden des Erzgebirges gelegenen Ebene nur jener -Theil in Betracht gezogen, der von Teplitz nördlich liegt. Etwa von -Kulm schrumpft sie in ein mehr oder minder schmales Thal zusammen, -in welchem sich bis Bodenbach das Geleise der Dux-Bodenbacher Bahn -befindet und soweit erstreckt sich auch dieses Thal. In der Ebene ist -die Braunkohlenformation vorherrschend, fast ausschliesslich in ihrem -westlichen Theile. Im östlichen Theile treten allmählich und mit dem -ansteigenden Terrain desto mehr zusammenhängend Basalt, basaltische -Tüffe und Conglomerate, Phonolithe und Trachit, aus welchen das -zwischen dieser Ebene und dem Elbthale sich erhebende Gebirge besteht, -welches daher auch im Allgemeinen den Charakter des Mittelgebirges -trägt. - -In der Ebene erblickt man daher zahlreiche Kohlenwerke und infolge -des Reichthums an Kohle sind hier zahlreiche Industrie-Etablissements -entstanden, so dass diese Gegend zu den bevölkertsten und productivsten -Gebieten unseres Vaterlandes gehört. - -Doch hat sie auch noch ein anderes Interesse. Sie ist »ein Tanzplatz -des blutigen Ares.« Es sind seit den ältesten Zeiten hier viele blutige -Schlachten geliefert worden. Schon 1040 besiegte hier der Herzog -Břetislav die von Meissen kommenden Truppen des deutschen Kaisers -Heinrich II. Im J. 1126 umzingelte Herzog Soběslav die vereinigten -Heere des Königs Lothar und des Markgrafen Otto von Meissen. Diese -erlitten hier eine schwere Niederlage. Nach deutschen Quellen fielen -hier über 270 Grafen und Edle. Der Grossmuth Soběslav's verdankte -Lothar den freien Abzug. Das Treffen fand am Sernitzbache statt, der, -im Erzgebirge entquellend, bei Kulm und Karbitz vorbeifliesst und -unweit von Aussig in die Biela mündet. Viel blutiger aber war die -Schlacht am 16. Juni 1426. Die Hussiten hatten unter Prokop auf dem -niedrigen, zwischen Karbitz und Türmitz sich hinziehenden Bergrücken, -der Bihana, ihre Wagenburg errichtet. Das Kreuzheer der Deutschen -rückte durch die Pässe des Erzgebirges herein und griff die Hussiten -an. Die wehrten den Angriff ab und gingen nun selbst vor. Es entstand -nun ein furchtbares Gemetzel. Die Hussiten wüthend darüber, dass -man auf ihr Ansuchen, am Sonntag die Waffen ruhen zu lassen, nicht -eingegangen war, gaben keinen Pardon. Die Biela soll, wie eine Chronik -meldet, an diesem Tage roth zur Elbe geflossen sein. 15.000 Theilnehmer -des Kreuzzuges deckten die Walstatt. Bei einem Baume auf der Bihana -zeigt man das sogenannte Blutloch, wo 14 sächsische Heerführer den -Tod fanden. Aussig wurde vernichtet und lag 3 Jahre öde. Eine grosse -Zahl von Burgen und Schlössern, viele Klöster sanken in Ruinen. Und -noch einmal sollte dieser Boden mit Blut gedüngt werden. Am 27. Aug. -1813 hatte Napoleon die Verbündeten bei Dresden geschlagen und diese -zogen sich zum Theil in die Pässe des Erzgebirges zurück und zwar Fürst -Schwarzenberg über Dippoldiswalde und Altenburg, Ostermann und Barcley -auf der über Peterswalde nach Teplitz führenden Strasse. Vandamme -sollte sie mit 30.000 Mann verfolgen und die Niederlage vollständig -machen. Am Tage der Dresdner Schlacht war er von Pirna aufgebrochen und -drängte den russischen General Ostermann-Tolstoi über die Nollendorfer -Höhe in die Ebene herab. Ostermann, die grosse Gefahr der Verbündeten -sehend, suchte mit seinem Häuflein Russen, etwa 8000 Mann, die -Franzosen so lange aufzuhalten, bis sich die Preussen und Oesterreicher -genähert hatten. Am 29. August hielt er, trotzdem ihm eine Kanonenkugel -den linken Arm zerschmettert hatte, Stand, bis endlich Abends 6 Uhr -Schwarzenberg ihm Hilfe schickte. Vandamme besetzte Kulm und erwartete -Hilfe von Napoleon. Der aber theils im Glauben, dass Vandamme stark -genug sei, theils mit dem neuen Plane umgehend, die Nordarmee unter -Bernadotte anzugreifen, schickte sie nicht. Am 30. August stand daher -die Sache für die Franzosen ungünstig. Die beiden Divisionen des -Generals Colloredo hatten sich mit den Russen vereinigt und längs -der ganzen Strasse von Pristen an bis Arbesau wogte die Schlacht. -Die russische Angrifflinie ging vom Fusse des Gebirges über die -Kulmerstrasse von Pristen bis gegen Karbitz, die österreichische von -da bis gegen Deutsch-Neudörfel, Graf Colloredo hatte die Franzosen -umgangen und durch einen brillanten Angriff von der Střisowitzer Höhe -herabgedrängt. Die Preussen standen bei Arbesau. Mit welcher Heftigkeit -gekämpft wurde, konnte man an einem mässig starken Baume bei Kulm -sehen; er war von 60 Kugeln durchlöchert. Um 11 Uhr erschienen die -Preussen unter Kleist, besetzten die Peterwalderstrasse und griffen die -Franzosen an. Alle ihre Versuche, die Nollendorfer Höhe zu stürmen, -scheiterten. Die Reiterei unter Corbineau entkam allein. Nachdem sie -mit ausgezeichnetem Muthe gefochten, Vandamme war selbst verwundet, -mussten sich 10.000 Mann ergeben; 5000 lagen todt oder verwundet auf -dem Kampfplatze. Die Vernichtung eines ganzen französischen Corps, -die Gefangennahme eines erfahrenen und tapferen Generals (Vandamme, -einer der fähigsten und energischesten Generale Napoleons, geb. 5. -Nov. 1771 in Kassel, war 1799 bereits Divisionsgeneral, wurde nach -seiner Gefangennahme nach Sibirien verbannt, kehrte 1815 zurück und -starb, ohne mehr eine Anstellung zu bekleiden, den 15. Juli 1830 in -Kassel), erfüllte die Verbündeten mit neuen Hoffnungen. Für Napoleon -war diese Niederlage, sowie fast gleichzeitig verlorene Schlacht -an der Katzbach der Anfang in der verhängnissvollen Wendung seines -Schicksals. Der Sieg wurde in Teplitz, von wo am 31. Aug. der Bericht -in den Zeitungen veröffentlicht wurde, am 1. und 2. Sept. gefeiert. -Doch war noch nicht hier alle Gefahr beseitigt. Denn auf den Höhen des -Erzgebirges kam es zu neuen Gefechten. Napoleon zog einen grossen Theil -der Truppen zusammen und suchte über Nollendorf in Böhmen einzufallen. -Der wichtigste Tag war der 17. Sept. Die Franzosen waren bis Arbesau -vorgedrungen, Napoleon war in Nollendorf auf dem Kirchthurme; später -wurde ein Pferd unter ihm verwundet. Doch wurden seine Truppen -verdrängt und in grösster Unordnung zurückgeworfen, General Kreutzer -mit 2000 Mann gefangen. Hiebei zeichneten sich besonders Oesterreicher -unter Feldzeugmeister Grf. Colloredo-Mansfeld aus. Teplitz war während -dieser ganzen Zeit das Quartier der alliirten Monarchen. Kaiser Franz -wohnte im Schlosse, Kaiser Alexander im »goldenen Kreuz«, König -Friedrich Wilhelm im »Herrenhaus«. General Ostermann, der zuerst am -Schlachtfeld, ungefähr an der Stelle, wo jetzt das russische Monument -steht, amputirt wurde, lag im Hause Nr. 181 »Zur goldenen Brücke«, -wo er nochmals operirt und glücklich hergestellt wurde. Im Teplitzer -Thale hatte sich nun das ganze Hauptheer der Verbündeten an 200.000 -Mann gesammelt, um Anfangs October gegen Leipzig aufzubrechen. Es sei -aus dieser Zeit noch zweier Tage erwähnt. Am 9. Sept. 1813 wurden im -Teplitzer Schlosse die Freundschafts- und Allianz-Tractate zwischen -Oesterreich, England, Russland und Preussen unterzeichnet und -ratificirt. Am 27. Sept. wurde der Jahrestag der Thronbesteigung Kaiser -Alexanders gefeiert. Die russische Garde hatte in Turn im Hause Nr. 37 -einen Saal für 300 Personen errichtet; an dem Festmahle nahmen die drei -Monarchen, sowie die Spitzen der Diplomatie und der Heere Theil. - -Mehr wie ein halbes Jahrhundert hat die Spuren des Krieges verwischt, -aber jeder wird der gefallenen Helden gedenken, wenn seine Blicke -den Denksäulen begegnen, die in dankbarer Verehrung den Kämpfern -jener Tage errichtet wurden. Sie stehen alle an der Strasse, die von -Teplitz über Kulm nach Peterswalde führt. Das nächste, etwa 1½ St. -von Teplitz entfernte ist das russische, unweit von Pristen, welches -auch in künstlerischer Beziehung das hervorragendste ist. Auf einem -Granitsockel erhebt sich das Fussgestell, welches die 9 Fuss hohe -Nachbildung der in Brescia aufgefundenen geflügelten Siegesgöttin -Victoria trägt. Die Vorderseite hat eine lat. Inschrift, welche das -Factum vom 28. Sept. 1813 berichtet, die der Rückseite gibt den Tag -der Grundsteinlegung (am 29. Sept. 1835) und die Namen der Monarchen, -welche Zeugen dieser Feierlichkeit waren, die zweite und vierte Seite -enthalten ebenfalls lat. Widmungsinschriften, ohne, wie mehrfach in -Führern zu lesen ist, die Namen russischer Krieger aufzuführen. Um das -Monument ist ein kleiner Garten; der in dem dabei befindlichen Häuschen -wohnende Veteran ist der Custos. - -Gleich hinter diesem Monument sieht man ein von der Strasse in einer ¼ -St. erreichbares Wäldchen. Das ist eine sehr denkwürdige Stelle. Denn -selbst eine geraume Zeit nach der Schlacht stellte es sich heraus, -dass im Waldgebirge, auf allen Feldern, in Schluchten und Abgründen -eine Menge Schädel und Gebeine der Gebliebenen fast zu Tage lagen. Da -liess Josef Graf Westfalen durch hunderte von Arbeitern alle diese -menschlichen Ueberreste sammeln und in einem grossen gemeinsamen Grabe -feierlich beerdigen. Es steht dort über Felsenstücken ein Steinkreuz -und an seinem Fusse liest man die Worte: - - Hier ruhen die in den nahen Wäldern in neuerer Zeit noch - aufgefundenen Schädel und Gebeine von den an den Schlachttagen - 1813 Gebliebenen. - - Sie ruhen im Frieden. 1835. - -Die feierliche Einweihung geschah erst am 26. Aug. 1836. - -Von hier erreicht man bald Kulm[3] selbst. Hier ist ein Schloss -der Grafen Westfalen. Das Dorf hat etwa 120 Häuser und gegen -700 Einwohner. Als Gasthäuser sind die Morgenröthe und Gürtlers -Gastwirthschaft zu empfehlen. Nachdem in den Schlachttagen der ganze -Ort fast in Flammen aufgegangen war -- es blieben nur die Kirche, -das Pfarrgebäude und wenige Häuser verschont -- ist er in seiner -jetzigen Gestalt grösstentheils neu erbaut. Sonntag am 29. Aug. 1813 -ging es hier gar fröhlich zu. Vandamme hielt offene Tafel, der hier -vorgefundene Wein floss in Strömen. »Jeudi, messieurs nous dinerons -à Prague«, rief er seinen Offizieren zu. Es erfüllte sich die -Prophezeiung, er kam bald nach Prag, aber als Gefangener. Der Hügel -nördlich von Kulm bietet eine hübsche Aussicht, aber nicht nach allen -Seiten, und trägt die im J. 1691 errichtete Dreifaltigkeitskapelle. - - [3] Station der Dux-Bodenbacher Bahn, etwas über 20 Min. vom - Bahnhof entfernt, vom Karbitzer Bahnhof 1 Stunde. - -Auf derselben Strasse den Weg fortsetzend, gelangt man nach etwa einer -halben Stunde zu dem links von der Strasse stehenden preussischen -Monumente. Es ist einfach und anspruchslos, auf einem Piedestal erhebt -sich eine Spitzsäule,[4] die von einem eisernen Kreuze gekrönt wird. -Die kurze Inschrift lautet: Die gefallenen Helden ehret dankbar König -und Vaterland. Sie ruhen im Frieden. Kulm, 30. Aug. 1813. Es wurde vom -preussischen Könige Friedrich Wilhelm III. errichtet und am 30. Aug. -1817 feierlich enthüllt. Es ist daher das erste Monument. Rechts von -der Strasse liegt der Ort Arbesau mit etwa 400 Einwohnern in gegen 70 -grösstentheils neu gebauten Häusern. Einige Schritte auf der Chaussee -weiter, an dem Invalidenhäuschen und dem Wirthshause zur Post vorüber, -erblickt man rechts an der Strasse das österreichische Monument. Es -ist 54 Fuss hoch und stellt eine auf gemauertem Piedestal stehende -vierseitige Pyramide vor, deren Spitze der österreichische Doppelaar, -einen Lorbeerkranz haltend, schmückt. - - [4] Im Jahre 1857 wurde das Monument erhöht und man sieht nun - das Brustbild Friedrich Wilhelms III. und den preussischen - Adler. - -Am Fusse der Pyramide liegt der böhmische Löwe. Der unterste Würfel -trägt folgende Inschriften: - - Vorn: - - Den Feinden furchtbar, - den Seinen theuer. - - Rechts: Das österreichische Heer einem seiner Führer auf dem - Felde des Ruhmes. - - Hinten: Arbesau, am 17. Sept. 1813. - - Links: Dem Vaterlande und seinen Freunden zu früh entrissen. - -Weiter befinden sich am untern Theile der Pyramide folgende Basreliefs -und Inschriften: - - Vorn: Das Bildniss des Verewigten mit der Umschrift: - - Hieronymus Graf Colloredo-Mannsfeld, - k. k. General-Feldzeugmeister. - - Rechts: Geboren den 30. März 1775. - - Hinten: das gräfliche Wappen. - - Links: Gestorben den 23. Juli 1822. - -Eine Balustrade umgibt das Piedestal.[5] - - [5] Es sei noch erwähnt, dass Graf Colloredo unweit des - Denkmals ein Pferd unter dem Leibe verlor. - -Es ist das Denkmal vom österr. Heere errichtet und am 17. Sept., dem -Tage der Schlacht von Arbesau -- nicht zu verwechseln mit der Schlacht -bei Kulm -- im Jahre 1825 eingeweiht worden. - -In einer kleinen Entfernung davon befindet sich noch ein Denkmal, und -zwar am Bache auf dem freien Felde. Ein grosser unbehauener Felsblock -trägt ein 5 Fuss hohes eisernes Kreuz. Es ist das ein Andenken an den -am 30. Aug. 1813 gefallenen preussischen Major von Röder. Das Gitter am -Eingang trägt das Wappen des Verstorbenen. - -Das wären alle Denkwürdigkeiten der Ebene. Die am Fusse des Erzgebirges -liegenden Orte sind bei diesem erwähnt. - - -III. Das Erzgebirge und das Quadersandsteingebirge. - -(Von _Niklasberg_ bis zum _Elbethal_.) - -Diese beiden Gebirgssysteme sind geologisch wesentlich verschieden und -bieten daher landschaftlich ganz andere Bilder. Als Grenze zwischen -beiden kann man die von Königswalde über Tyssa nach Raitza führende -Strasse im allgemeinen gelten lassen. - -Das Erzgebirge hat hier keine Vorberge gegen die Ebene mehr. Die -Längenthäler hören ganz auf, die Querthäler werden oft schluchten- oder -passartig und führen auf das Plateau hinauf. In Beziehung auf die Höhe, -die am östlichsten Ende des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswald -bis zu 630 m. herabsinkt, sowie auf die Mannigfaltigkeit der Gliederung -steht dieser östliche Theil dem westlichen weit nach und je weiter man -ostwärts schreitet, desto grösser wird die Einförmigkeit, sowohl in -geologischer als orographischer Beziehung. - -Es zerfällt dieser Theil des Erzgebirges in zwei Gebiete. Das -des Porphyrs (desselben wie in Teplitz) von der Niklasberger bis -etwa zur Mückenberger Strasse, und das des Gneises, von hier bis -zum Quadergebirge. Doch findet sich Granit vor im Norden von -Ebersdorf und bei Sellnitz, der Spitzberg nördlich von Schönwald ist -merkwürdigerweise ein Basaltkegel. - -In touristischer Beziehung gehört dieser Theil zu den dankbarsten -Gebirgen. Man findet da herrliche Thäler mit schönen Wiesen und -bewaldeten Abhängen, schattige Wälder, reizend gelegene Ortschaften; -besonders anziehend sind die häufigen stets wechselnden grossartigen -Aussichten auf die Ebene mit ihren vielen Städten und Dörfern, -Feldern und Eichen und immer ist dieses Bild durch den Hintergrund -des gipfelreichen Mittelgebirges abgeschlossen. Die Wanderung ist -eine leichte, eine grosse Zahl guter Strassen und Wege bietet sich -dar. Auch für Unterkunft ist gesorgt, man findet in den weit sich -hinziehenden Wäldern bald Forsthäuser, die allerlei Erfrischungen im -Vorrath haben, bald erreicht man grosse Dörfer mit verschiedenartigen -Industrien. Diese haben Gasthäuser, in denen man das Nothwendige für -Ruhe und Erquickung vorfindet. Eine besondere Annehmlichkeit bietet -die längs des ganzen Gebirges sich am südlichen Abhange dahin windende -Dux-Bodenbacher Eisenbahn, man hat eine leichte Verbindung mit den -grösseren Städten (Teplitz, Brüx, Aussig, Bodenbach). Aber auch das -Plateau hat seine Reize, hier seien vorläufig nur erwähnt die weiten -Ausblicke in das Sachsenland. Und schliesslich hat noch das Erzgebirge -auch in diesem Theil etwas vor den anderen Gebirgen Deutschlands -voraus: ein fleissiges Volk wohnt da, jedes Dörfchen, jedes Städtchen -ist die Stätte ununterbrochenen Gewerbfleisses. - -Von Teplitz aus dürften sich folgende Touren am besten empfehlen: - - -I. Nach Kosten und Niklasberg. - -Kosten erreicht man am bequemsten, wenn man von Teplitz per Bahn -(Dux-Bodenbacher Bahnhof eine ¼ St. von der Stadt auf der Eichwalder -Strasse) dahin fährt, da die hinführenden Wege nur wenig Interessantes -haben. Die Station Kosten beim Orte selbst. Man gehe durch den Ort zu -der schon von weitem sichtbaren neuen Kirche zu, der Weg bietet eine -hübsche Aussicht auf das Gebirge und die Ebene. Unweit der Kirche ist -der Eintritt in den Park; die gerade ausführende Strasse führt über -Doppelburg nach Eichwald (1 St.), ein sehr zu empfehlender Weg, der -eine Fülle von schönen Waldpartien, Durchsichten, Wiesen bietet, und -speciell sei hier einer altehrwürdigen Eiche mit gewaltigen weithin -ragenden Aesten gedacht. Das Jagdschloss, dem Fürsten Lobkowitz -gehörig, hat eine sehr anmuthige Lage. Die an der Wegtheilung links -abgehende Strasse führt nach Niklasberg (1½ St.). Um nun zu dem -prachtvollen, aber wenig bekannten Aussichtspunkte _Wolfstein_ zu -kommen, verfolge man diese Strasse von Kosten aus fort immer gerade -aus. Nach einer ½ St. erreicht man das in Waldeseinsamkeit versteckte -Forsthaus Fuchshütte oder Fuchswarte, wo Erfrischungen zu haben sind. -Bisher können Wägen fahren. Wenn man auf einem ziemlich steilen Wege -etwa 20--30 Min. aufwärts gestiegen ist, achte man auf einen links -abgehenden schmalen, aber ausgetretenen Pfad. Schon nach wenigen -Minuten hat man die merkwürdige Porphyrformation des Wolfssteines vor -sich. - -Eine kleine Holzhütte bietet Ruhe und Erholung. - -Die Aussicht von hier wird von Vielen jener vom Mückenthürmchen -gleichgestellt. Man überblickt ein weites wechselvolles Panorama. Im -Norden und Osten ein herrlicher Wald, der sich stundenweit an den -Abhängen des Erzgebirges hinzieht, und den kein anderer Aussichtspunkt -in solcher Masse überblicken lässt. Gegen Süden und Westen die Ebene -mit allen ihren oft schon erwähnten Schönheiten, die den Blick auf sie -immer neu und immer reizend machen. - -Darauf geht es zurück auf jenen Weg, der dann nach etwa ¼ Stunde auf -eine Strasse trifft. Geht man nun nach links, erreicht man in einer -halben Stunde Niklasberg, nach rechts führt die Waldstrasse in etwa 1 -Stunde nach Eichwald. - -Niklasberg ist eine auf einem Abhange gebaute Bergstadt, die ehemals, -als noch der Silberbergbau sich lohnte, sehr wohlhabend war. Heute -leben die Einwohner (etwa 600) zumeist von der Oekonomie. Das -vorzüglichste Gasthaus ist das zum Rathhaus mit guter Unterkunft. -Empfehlenswerthe weitere Touren von hier sind: - -1. Nach _Zaunhaus und Rehefeld_ (königl. sächsisches Jagdschloss). Der -Weg, reich an landschaftlichen Schönheiten, geht rechts von der aus -Niklasberg nach Neustadt über die Grenze -- nächster grösserer Ort in -Sachsen ist Frauenstein (3 St.) -- führenden Strasse. Man steigt unweit -der Stadt (keine Viertelstunde) rechts auf den Hügel an der Strasse. -Die Partie über Rehefeld nach Altenberg oder Geising (beides sächsische -Städte mit guter Unterkunft) beträgt etwa 3 St. - -2. Zum _Jagdschloss nach *Eichwald_ (2 St.). Der Weg dahin ist eine -etwa 20 Min. steil aufsteigende, zerfahrene Waldstrasse. Später bietet -sie eine grossartige Aussicht über den waldigen Abhang in die Ebene. - -3. Nach _Klostergrab und Kosten_ durch den sogenannten _Hüttengrund_. -Es ist das ein sehr anmuthiger, von einem starken Bache durchrauschter -Thalweg. - -An seinem Ende eine gute Restauration. Von Niklasberg nach Kosten etwa -1½ St., so dass die ganze Tour über den Wolfsstein sich bequem in 4 -Stunden machen lässt. - - -II. Nach Eichwald-Doppelburg-Zinnwald. - -Von Teplitz führt nach Eichwald eine gute Strasse in 1 Stunde an -Zuckmantel vorbei, dessen Bessemerstahlwerk besichtigenswerth. -Auch zahlreiche Omnibusse stellen die Verbindung her mit diesem -aufstrebenden klimatischen Kurorte. Ein anderer, etwas längerer Weg, -der mehr Abwechslung bietet, führt durch die Orte Weisskirchlitz (auch -über Turn) und Wistritz an mehreren grossen Industrie-Etablissements -vorbei. - -_Eichwald_ -- der lohnendste und beliebteste Ausflugsort von Teplitz -aus -- erstreckt sich mit seinem oberen Theile tief in das Erzgebirge -hinein. Einen besonderen Reiz gewähren die zahlreichen Aussichtspunkte, -die immer wechselnde Bilder zeigen, sowie die sich weit hinziehenden -wenig oder nur sanft ansteigenden Spaziergänge durch die schattigen und -duftenden Waldungen, wo man eine würzige und kräftigende Luft athmet. - -Die Zahl der zur Aufnahme von Kurgästen vollkommen eingerichteten -Kurhäuser und der geschmackvollen Villen im steten Zunehmen begriffen. - -Kuranstalten sind die von Dr. Brecher vorzüglich geleitete -Kaltwasserheilanstalt und das im Jahre 1879 erbaute grossartige, -musterhaft eingerichtete Theresienbad. Beide bieten verschiedenartige -Bäder nach medicinischen Vorschriften. - - =Restaurationen= und =Gasthöfe=: Das Waldschlösschen, - Waldesruhe, Dankbarkeit und Theresienbad. Besonders kann das - letzte eine grosse Zahl Fremder aufnehmen. Die Preise sind im - Ganzen dieselben, wie in Teplitz. Die Kurtaxe beträgt 2 fl. per - Person. - - Ein =Post- und Telegraphenamt= ist ebenfalls im Orte. - - Besuch von Kurgästen (bis über 600 oft aus weiter Ferne) sowie - der Touristenverkehr sind im steten Aufsteigen begriffen. - -Um die Hebung des Ortes hat sich besonders verdient gemacht der -bekannte Industrielle Anton Tschinkel aus Lobositz, der auch im unteren -Theile des Ortes eine grosse Siderolithwaarenfabrik besitzt. - -Partien von Eichwald aus. - -In der unmittelbaren Umgebung, östlich von der Hauptstrasse: - -1. _Der Mühlberg_ mit einem »Tempel«, der eine grossartige Fernsicht -bietet. - -2. _Der Vogelherd_ (auch Schlichtelberg), dessen Aussicht deswegen -interessant ist, weil man keine Häuser, sondern nur weite Bergrücken -mit prachtvollen Waldungen überblickt. - -3. _Der Parapluieberg_ (nur ein kleiner Hügel), ein angenehmer -Ruhepunkt. - -Westlich von der Strasse auf _den Rehberg_. - -4. _Die Manfredterrasse_, von der man das ganze Eichwalder Thal mit -seinen Villen und Wohnhäusern übersieht. - -5. Die _Franz Josef-Terrasse_ (Restauration) mit einem weiten Ausblick -in die Ebene. - -Weitere Touren sind: - -_a_) _*Doppelburg_ (½ St.), ein 1703 im chinesischem Geschmacke -erbautes Jagdschloss in der Form eines achteckigen Sternes, dessen -Spitzen ebensoviel in den Wald gehauenen Alleen entsprechen. Die -Restauration unter hohen Bäumen vor einer Wiese. In ihrer Nähe immer -einige Hirsche, die durch Gewohnheit so zahm geworden sind, dass sie -sich dargereichtes Brod aus der Hand holen. - -_b_) _*Schweissjäger_ (20 Min.), ein mitten im Walde gelegenes -Försterhaus mit prachtvoller Fernsicht (Restauration). - -_c_) Das fürstliche _Lobkowitz'sche Jagdschloss_, auch _Jagdhaus_ -genannt (1½ St.). Man geht auf der Strasse von Eichwald gegen Zinnwald -bis zu der Lobkowitz'schen Brettmühle, von hier geht links eine Strasse -ab, die hinauf führt. Das Forsthaus liegt sehr hübsch, die Aussicht -lohnend. Der eigentliche Aussichtspunkt liegt etwa ¼ St. weiter, dürfte -aber gegenwärtig verwachsen sein. - -_d_) _Der *Seegrund_, eine angenehme Waldpartie, die für den Geologen, -Naturforscher und Forsttechniker manches Interessante haben wird. Man -geht auf der Zinnwalderstrasse bis zur Försterei Seegrund (auch eine -Mühle und Restauration) (von Eichwald 1½ St.) hier links ab durch -einen Durchschlag bis zu dem Moorgrund (gegen 2 St. Umfang), wo die -Mooskiefer in dem Torf- und Moosboden gedeihlich wächst. - -Dass solche Moore kolossale Wasserreservoire sind, sei als bekannt hier -nur erwähnt. - -_e_) _Zinnwald_, ein ausgedehntes Dorf, das in Böhmisch- und -Sächsisch-Zinnwald zerfällt. Von Eichwald etwa 2 St. entfernt. -Fussgänger mögen vor der Seegrundmühle oder gleich nach ihr die Strasse -rechtsab verlassen, um die letzte Serpentine zu vermeiden. - -Es liegt auf dem Kamme des Erzgebirges und hat den grössten Theil -des Jahres ein sehr rauhes Klima, das meist nur die Kartoffel -aufkommen lässt. Das Getreide wird selten reif, es muss oft noch -unter Schneewehen gemäht und kann dann nur als Viehfutter verwendet -werden. Wer da hinaufkommt, staunt über den klimatischen Contrast, den -schon eine Entfernung von 2 Stunden bewirkt. Wenn unten im Flachlande -drückende Hitze herrscht, ist hier oben eine kühlende Frische. In den -Sommermonaten ist daher ein Spaziergang hinauf sehr angenehm. - -Von Gasthäusern für längeren Aufenthalt und Nachtherberge sind -empfehlenswerth: »Zur Saxonia«, »Biliner Bierhalle« und »Der sächsische -Reiter.« - -Sehenswerth sind folgende Punkte: - -Auf der Strasse unweit vom österr. Zollamt bei einer alten Eiche ist -eine hübsche Aussicht auf den Schneeberg, den König- und _Lilienstein_; - -dann beim sogenannten »alten Forsthause« oder bei dem »Schupfenhau«; -und südlicher, mehr landeinwärts bei den »Brücken oder bei dem -Lugstein«, hier »Lochstein« genannt. Es ist hier der höchste Punkt von -Zinnwald. - -Ein weiterer herrlicher Aussichtspunkt ist der _*Geisinger Berg_ bei -der Stadt Altenberg und Geising (ersteres ¾ St., letzteres ½ St. von -Zinnwald) gegen Norden. Er soll einst ein Vulcan gewesen sein. Auf der -Spitze, zu der ein schöner Fussweg führt, steht ein Ahornbaum, der -durch eine Wendeltreppe erstiegen werden kann. Die Aussicht wird jeder -Besucher zu den schönsten zählen. - -In Altenberg sind die Pochwerke und Zinnschmelzereien, sowie die -»grosse Pinge«, eine Erdsenkung, sehenswerth. - -Von Zinnwald kann man in 1½ St. gegen Westen das Dorf _Zaunhaus_ -(_schon erwähnt_) auf einem sehr hübschen Fahrwege durch den Wald -erreichen, daselbst das Jagdschloss des sächs. Königs »_Rehefeld_«. - -Nordwestlich von Zinnwald liegt mitten im Walde _der *Kahlenberg_, -dessen Thurm eine weite Fernsicht bietet. Der Schlüssel ist in dem eine -¼ St. entfernten Gasthause »Zum Paradies« auf der Zaunhaus-Altenberger -Strasse zu bekommen. - -Der Kahlenberg ist von Hinterzinnwald in 1 St., von Altenberg in ½ St. -zu erreichen. - -Weitere Ausflüge sind nach den sächsischen Städten _Bärenstein_ und -Lauenstein. - -Zu erwähnen ist noch, dass die Gegend bei Zinnwald für Naturforscher, -besonders Mineralogen, Geologen und Botaniker sehr interessant ist. Die -Zinnbergwerke sind wegen des billigen Zinnes nicht mehr im Betrieb. Die -Bewohner leben meist von Bast-, Holz- und Strohflechtereien, sowie von -Waldarbeiten. - -_f_) _Siebengiebel und Vorderzinnwald._ Von Eichwald auf der vom -Fürsten Clary gebauten Strasse -- an der Claryschen Sägemühle vorbei --- in 1½ St. erreichbar; der Weg führt durch schönen Wald, die Neigung -gering. Wo der Wald an der Südseite der Strasse aufhört, fängt eine -weite Aussicht über das Teplitzer Thal an; der Bergrücken, von dem -aus man sie geniesst, heisst der »Eisknochen«. Siebengiebel ist ein -anmuthig gelegenes Försterhaus, Erfrischungen sind daselbst zu haben. - -Vorderzinnwald ist von hier kaum eine Viertelstunde, (Hinter-) Zinnwald -eine halbe Stunde entfernt. - - -III. Mückenberg-Graupen-Mariaschein. - -Graupen ist zu erreichen von Teplitz aus entweder auf der Strasse über -Turn (bei der Mauth links ab), Soborten an der Prokopikirche, auch -Bettelmannskirche genannt, weil der Sage nach von einem Bettelmann aus -Almosengeldern erbaut, stand schon im 12. Jahrh., vorbei (hier bei der -Restauration links ab) rechts geht es nach Mariaschein, in etwa 1½ St. - -Angenehmer und kürzer ist folgender Weg; man geht durch den Park von -Probstau, an der Strasse in nordwestlicher Richtung einige Schritte -fort bis dorthin, wo sich die Strasse nach Norden (zu dem Orte -Judendorf) dreht, _hier verlässt man sie, um an einem Kreuze_ über -einen Bach zu schreiten. Der weitere Weg ist nicht zu verfehlen, da man -Graupen vor sich sieht. - -Man passirt die Bahnstrecke (Dux-Bodenbacher, Station Rosenthal), daher -auch mit der Bahn zu erreichen. - -Setzt man nun den Weg gleich hinter der Station gegen das Gebirge fort, -so gelangt man an die Eichwald-Graupner Strasse, diese passirt man -schräg rechts und findet sofort wieder einen Pfad, der dann sowohl auf -_die Rosenburg_, als auf die _Wilhelmshöhe_ und in den Ort _Graupen_ -führt. Von Eichwald führt die erwähnte Strasse in 1 Stunde über -Pihanken, Dreihunken, Judendorf hin. Auf ihr schöne Aussicht auf das -Thal. - -_Graupen_, Bergstadt, an 3000 Einw. zählend, die sich von -Kohlen-Zinnbergbau, der Fabrication von Wirkwaaren, Dachpappe und -Korbflechtereien nähren, ist ein Specificum in seiner Erscheinung. Es -ist sehr lang in das mitunter ziemlich steilsteigende schmale Thal -hineingebaut. Die Bauart oft alterthümlich. (Gasth. Stadt Dresden.) In -der Kirche ist eine Darstellung des Fegefeuers sehenswerth. Zu erwähnen -ist die heilige Stiege, die man kniend zu erklimmen pflegt. - -Aussichtspunkte sind: _a_) die _*Wilhelmshöhe_, nach König Friedrich -Wilhelm III. von Preussen benannt, dessen Lieblingsplatz das hier war. -Die Aussicht prachtvoll, die Restauration sehr gut. - -Etwas höher ist _b_) die _*Rosenburg_, die Aussicht daher auch -weitgreifender, ohne bedeutenden Unterschied. Es ist hier eine Ruine, -die nach den erhaltenen Resten zu schliessen, eine der schönsten -und grössten in Böhmen sein musste. Sie wurde um 1330 von Timo von -Kolditz erbaut, von den Taboriten auf ihrem Zuge gegen Sachsen -1429 erstürmt, wurde jedoch bald darauf wieder hergestellt, 1584 -kam sie in kaiserlichen Besitz, 1619 kaufte sie die Stadt. Mit dem -traurigen Verfall der ehemals wohlhabenden Stadt Graupen verfiel sie -auch selbst. Der mittlere Theil der Ruine ist in einen Rosengarten -verwandelt und bietet einen herrlichen Anblick. Die Fernsicht von dem -Pavillon ist eine der reizendsten. (Restauration.) - -Eine etwas weitere Partie, aber jedenfalls die lohnendste ist der -_Mückenberg_ mit dem Aussichtspunkte _*Mückenthürmchen_, das zugleich -Restauration ist und selbst für die Nacht gute Unterkunft bietet - -Es führt eine Chaussée hinauf, die Hauptstrasse aber in Graupen, die -sich dann nach Sachsen fortsetzt, in das Müglitzthal nach Lauenstein -und Bärenstein, in etwas mehr als 1½ St. Der Wanderer zu Fuss kann -oberhalb Graupen, bei einer grossen Biegung der Strasse nach links, -rechts auf einem etwas steileren, aber kürzeren Weg über die Ortschaft -Obergraupen entweder wieder die Strasse erreichen, dann beim Mauthaus -rechts, an der 1700 erbauten Sct. Wolfgangskapelle vorbei, oder direct -auf leicht auffindbaren Pfaden zu der Restauration gelangen. - -Das Mückenthürmchen nimmt eine derartige isolirte Stellung ein, dass -die Aussicht nach allen Seiten ungehemmt ist. Am grossartigsten ist -der Blick nach Böhmen. Als Grenzpunkte der Aussicht seien erwähnt: -nach Süden über den gar merkwürdig klein erscheinenden Schlossberg weg -sind es die Höhen des Mittelgebirges; im Südosten der Geltsch, der Říp -bei Raudnitz, die Bösige und der Jeschken bei Reichenberg. Im Osten -in weiter Ferne der Höhenzug des Riesengebirges, die Lausitzer Berge -und der Iserkamm. Nach Norden hin ist die Aussicht weniger bedeutend, -gar auffällig ist der Gegensatz der rauhen, ziemlich unfruchtbaren, an -Abwechslung armen Gegenden gegen die fruchtbare Ebene im Süden. Man -sieht die Elbhöhen bei Dresden und bei sehr klarem Wetter durch ein -gutes Fernglas hat Schreiber dieses die Thürme der kath. Kirche in -Dresden gesehen. Nach Westen sieht man die Fortsetzung des Erzgebirges; -über Ossegg, an seinen rothen Thürmen leicht kenntlich, ragt der schon -erwähnte Wieselstein, in weiter grauer Ferne der Fichtelberg bei -Joachimsthal und noch das Fichtelgebirge (Ochsenkopf?) hervor. Die -Rundschau umfasst einen Kreis von 350 km Durchmesser. Die Aussicht wird -von vielen mit der vom Brocken und der von der Schneekoppe verglichen. - -Erwähnt sei noch die uralte Glocke im Thurme, die einst den Bergleuten -zum »Einfahren« in die Zinnwerke geläutet haben soll, dann weiter der -grosse Erdsturz unmittelbar bei dem Gebäude. - -Von hier gehen Wege ab: über Siebenhügel nach Zinnwald 1½ St. und -Eichwald (2½ St.), über Voitsdorf in das Müglitzthal (1 St.), über -Ebersdorf, Streckenwald nach Schönwald (Spitzberg) (2½ St.) oder von -Streckenwalde zur Nollendorfer Höhe (2½ St.), endlich noch über -Ebersdorf nach Adolfsgrün und Hintertellnitz, dann durch das Tellnitzer -Thal zur Station Tellnitz über 3 St. - -_*Mariaschein_ (Station der Aussig-Teplitzer E. etwa 20 Min. entfernt) -ist von Teplitz eine Stunde, von Graupen einige Minuten entfernt. Es -ist als wunderthätiger Wallfahrtsort weithin bekannt, von Pfingsten -bis Ende December kommen zahlreiche Processionen von Nah und Fern -allwöchentlich hier an. Die Kirche, reich ausgestattet -- das -Gnadenbild in goldener Kapsel am Hochaltar -- ist von einem Kreuzgange -umgeben, in welchem sich zahlreiche Kapellen der Clary-Waldstein, -Lobkowitz und mehrerer Städte befinden. Die vielfach beschädigten -Wandgemälde haben Bezug entweder auf die Gründung des Klosters oder auf -stattgefundene Wunder. - -Ueber die Entstehung des Gnadenortes erzählt die Sage Folgendes: -Nach der Zerstörung des Nonnenklosters in Schwaz durch die Hussiten -verbargen die fliehenden Nonnen die Holzfigur »Maria mit dem entseelten -Körper ihres Sohnes im Schoosse« in das Laubwerk einer Linde. Als nun -eine Magd in der Nähe dieses Baumes von einer Schlange angegriffen -wurde, rettete sie ein flehender Blick zu dem plötzlich offen -erscheinenden Gnadenbilde. Das nun dadurch bald berühmt gewordene Bild -wurde nach Graupen feierlich abgeholt, verschwand aber mehreremal auf -den früheren Ort. 1442 wurde daselbst von Albert von Kolowrat eine -Kapelle erbaut, und der Ruf des Gnadenbildes ging damals schon weit. -1507 wurde eine Kirche, 1584 von Popel von Lobkowitz ein Kreuzgang -mit mehreren Kapellen erbaut, seit 1591 hatten Jesuiten hier die -Aufsicht. 1602 kam das Gut Geiersburg, zu welchem ausser Sobochleben -das Graupner Vorwerk »die Scheune« (eben der Gnadenort) gehörte, um -diese Zeit schon ein förmliches Dörfchen, an den Protestanten Kekule -von Stradonitz; die Kirche war aber von diesem Besitze ausgeschlossen. -Am 5. Juni 1618 flohen die Jesuiten mit dem Gnadenbilde nach Dux. In -der Kirche predigten Protestanten. Aber nach der Schlacht am Weissen -Berge trat ein Umschwung ein; Kekule starb am Schlagfluss, als ihm die -Confiscirung seiner Güter gemeldet wurde. Der kais. Oberstwachmeister -Alex. Regnier, Ritter von Bleileben wurde der Besitzer. Da sein -Sohn, der hierorts berüchtigte Hans von Bleileben, von schwedischen -Officieren aus unbekannten Gründen nach einem Male getödtet wurde -- -er liegt in der Graupner Kirche begraben -- vermachte seine Mutter, -geb. von Pichelberg, 1662 das Gut Sobochleben an die Jesuiten. Der Ort -führte von da an den Namen Mariaschein statt wie bisher Mariascheune. -1679 Gründung der Lateinschule. 1773 wurde bei der Auflösung des -Ordens die Herrschaft Sobochleben eingezogen, aber 1806 an die hier -seit 1779 (eigentlich erst 1798) bestehende Probstei zurückgegeben. -Seit 5. Dec. 1852 besteht die Verfügung, dass der Ordinarius (Bischof) -von Leitmeritz unumschränkter Verwalter des Kirchengutes sei. Bald -darauf zogen die Jesuiten wieder ein. Heute haben sie in dem südlich -von der Kirche befindlichen Gebäude ein Obergymnasium mit einer -Pensionsanstalt. Vom 11. bis 28. Sept. 1813 war das Kloster und der -Kirchgang von Preussen befestigt worden. - -Der Besucher vergesse nicht auf den Wunderbrunnen mit erfrischendem -klaren Wasser im Vorhofe und auf den Fressbrunnen ausserhalb des -Klosters, eine eisenhaltige kalte Quelle; ihr Genuss soll Appetit -erregen. - - -IV. *Geiersburg. - -Station der Dux-Bodenbacher B. Hohenstein. Von Mariaschein und Graupen -ist das Thal, in dessen Tiefe sich auf einem Berggipfel diese Ruine -befindet, auf einem hübschen schattigen Wege, ganz am Abhange der Berge -zu erreichen. Man geht in diesem Thale an einer Restauration fort, -sich rechts haltend, bis zu einer Wegtheilung, dann wieder rechts -und erreicht in ½ St. diese romantisch gelegene Burgruine, in deren -Inneres einzudringen etwas Uebung im Klettern erfordert. Man thut es -nur selten, da es wenig Interessantes bietet. Der hohe Thurm und die -klafterdicken Mauern sprechen für eine grosse Festigkeit dieser Burg. -Sie wurde als Landesfestung gegen Meissen bereits unter dem Namen -Chlumec von den böhmischen Herzögen errichtet. Es wurde hier der Zoll -und die Wegmauth gezahlt für die Saumthiere -- damals die gewöhnliche -Verkehrsart. Im 12. Jahrhundert gehörte sie den Herren von Riesenburg -und erhielt ihren jetzigen Namen. Interessant ist, dass der letzte -ohne Nachkommen war und seine Herrschaften unter seine Edel-Knechte -vertheilte. Sie fiel einem gewissen Blasius zu. Seit 1329 war sie -Eigenthum des Bischofs von Prag (daher mons episcopalis), deren einer, -Erzbischof Johann von Genczstein, hier vor dem Zorne König Wenzels IV. -seine Zuflucht fand (1393; der Name Johann von Nepomuk spielte dabei -eine Rolle). Ihre Besitzer wechselten dann, ihr letzter ist Wolfgang -von Salhausen, der im J. 1526 hier ein Fest feierte. Da gab Glatz -von Altenhof, ein Gast, unvorsichtig einen Büchsenschuss ab, dieser -entzündete das Strohdach und die Burg brannte nieder und liegt seither -in Trümmern. Der Herrschaftssitz wurde nach Sobochleben verlegt, mit -welchem die Ruine gemeinsame Schicksale hat. Die Aussicht von der -Ruine auf das Tiefland und das jenseitige Mittelgebirge ist über alle -Beschreibung entzückend. - -Es knüpfen sich viele alte Volksmärchen an dieses Bergschloss, die -zum Theile Spiess in dem Ritterroman »Hans von Bleileben« oder »der -irrende Geist bei Teplitz« der Lesewelt seinerzeit zum Besten gegeben -hat. - - -V. Tellnitz-Schönwald-Nollendorf. - -Man fährt bis Tellnitz (Station der Dux-Bodenbacher E.), geht einen -sehr hübschen Thalweg (Strasse) bis Hintertellnitz bei den letzten -Häusern auf einem Fusspfade rechts von der Strasse ab, dann wieder auf -ihr fort -- der Spaziergang ist in der frischen Waldluft sehr angenehm --- und erreicht dann bald das Dörfchen _Adolfsgrün_ (1¼ St.). Hier -auf der Höhe ein weiter Blick über das Plateau bis zum Mückenberg -und zum Geisinger Berg. Von hier nach Streckenwalde und Schönwald -(¾ St.). Von Schönwald, einem grossen langausgedehnten Gebirgsdorfe -mit einigen guten Gasthäusern, erreicht man in ¼ St. den Sattel oder -_*Spitzberg_, einen Basaltkegel mitten aus dem Gneis hervorragend, der -wegen seiner weit ausgedehnten Aussicht über das Plateau und seinen -allmähligen Abfall nach Sachsen die leichte Besteigung überaus lohnt -und dennoch unter den Touristen im Ganzen wenig bekannt ist. Von -Schönwald ist das industriereiche (Sammet und Knöpfe), über eine Stunde -sich ausdehnende Peterswald (2600 E., Gasthaus zur Post) in ½ St. zu -erreichen. Dieses wurde 1813 durch fortwährende Durchmärsche hart -mitgenommen. Napoleon übernachtete hier 16.--17. Sept. Das Haus, jetzt -eine Finanzwachkaserne, trägt die Inschrift: »Haec domus auxilio patris -aeterni exstructa«. Am 17. Sept., während der Schlacht bei Arbesau -hatte Napoleon den Kirchthurm von Nollendorf bestiegen. Von beiden -erreicht man in etwa 1 Stunde _Nollendorf_, mit seiner berühmten, weit -sichtbaren und daher auch eine weite Aussicht bietenden Kirche -- -bekannt als Nollendorfer Kapelle. Schöner ist noch die Aussicht von der -Nollendorfer Höhe bei Jungferndorf, zwischen Peterswald und Nollendorf -(von ersterem fast 2, von letzterem ½ St. entfernt). Man erblickt -von hier die Spitzen des Elbesandsteingebirges, des Lausitzer und -Isergebirges. Von Nollendorf auf der sanft abfallenden Strasse -- die -ganze Partie ist der berühmte Nollendorfer Pass -- gelangt man wieder -nach Tellnitz. Doch versäume man nicht, das einige Minuten rechts von -der Strasse gelegene, neuerbaute gothische Kirchlein zu besuchen. Es -ist wegen seiner idyllischen Lage einer kleinen Abbiegung höchst werth. - -Diese ganze Tour dürfte ein mässig rasch gehender Fussgänger in einem -Tage, zum Abendzug der D.-B.-B. nach Teplitz leicht zurücklegen. - - - - -Das Quadersandsteingebirge. - - -Seine östliche Begrenzung ist bereits angegeben worden. Sein Charakter -sind abgeplattete, in ziemlich gleichem Niveau liegende Gipfel, enge -Spaltenthäler mit steilen, oft senkrechten Wänden, hohe, aus Quadern -aufgethürmte Felsmauern, einzelne thurmähnliche, mitunter grotesk -gestaltete Gesteinsmassen, tiefe Spalten und bizarre Höhlungen. - -In touristischer Beziehung sind drei Partien bemerkenswerth ausser -mehreren, an sich interessanten Spaziergängen. Es sind die Tyssaer -Wände, der Schneeberg und die Partien um Bodenbach. - - -I. Die *Tyssaer Wände. - -Zu erreichen: von Peterswalde (unweit der Kirche nach Osten) in ¾ St. -Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn Station Königswald, 1 St. von -Tyssa. Von Bodenbach dieselbe Bahn und Station. - -In Tyssa ist sehr viel Industrie, besonders werden Knöpfe aus -verschiedenem Material verfertigt. - - =Gasthaus= »Beim Jäger« (Eigenname), »zum Grafen Thun« (nahe am - Eingange in die Wände). Rest. »beim Sturm«. - -Der Weg zu den Felswänden ist wohl nicht zu verfehlen, doch ist nöthig, -sich den Eingang zeigen zu lassen. Nun hat man zwei Wege vor sich: -rechts nach oben und schräg rechts im Thale, beide sind zu empfehlen, -bieten aber verschiedenes. - -Der obere führt über das Plateau oder besser den horizontalen Kamm -dieser Sandsteinwände, die steil, mauerartig, mit tiefen Klüften und -Spalten, 57 bis 62 m. hoch, emporragen. Die bizarren Formationen -erinnern an Weckelsdorf und Adersbach oder an die Partien um die -Louisenburg im Fichtelgebirge und dürften einen Vergleich mit ihnen -wohl aushalten. - -Manche kann man mit wenig Phantasie zu verschiedenen Gestalten leicht -ergänzen, ein Führer wird daher Namen wie Medusenhaupt, Löwenkopf, -Bürgermeister, Doctor anführen. Man hat auch eine schöne Aussicht -auf die tief unten liegende anmuthige Landschaft. Die Lage mancher -Steinkolosse ist so grotesk, dass man hier Naturscherze und Spielereien -dahinter vermuthen möchte. Beim Ausgange kommt man auf die Strasse, die -zu dem Orte Schneeberg führt. - -Der innere Weg zeigt die mannigfaltigen, oft untereinander verbundenen -Höhlungen und Grotten, wie das Schneiderloch, die Raschhöhle u. s. w. -Auch der malerische Hintergrund, wo ein ganzes Feld kleinerer und -grösserer Steinmassen sich befindet, wird den Blick des Beschauers -fesseln. - -Jeder Besucher wird sich durch diese hoch interessanten -Felsenformationen befriedigt fühlen, und es ist wohl nicht Recht, dass -sich die Touristenliteratur mit ihnen nur wenig beschäftigt oder sie -gar nicht erwähnt. - -Der Schneeberg (auch hoher Schneeberg genannt) ist die höchste -Erhebung des Elbesandsteingebirges, 725 m, er überragt alle Höhen der -sogenannten sächsischen Schweiz. Es ist das ein etwa 1 Stunde langer -und ¼ breiter Bergrücken, der steil nach Süden abfällt. Es dehnen sich -die Wälder hier nach Norden und Westen viele Stunden weit aus. Unweit -der guten Restauration hat der Tetschner Graf Thun 1864 einen 104 Fuss -hohen festen Aussichtsthurm erbauen lassen, der sich bequem ersteigen -lässt. Die Aussicht von hier ist eine solche, dass sie sich den -grossartigsten an die Seite stellen kann. Man übersieht im Süden und -theilweise im Osten die bedeutendsten Höhen des ganzen Mittelgebirges --- die Hasenburg, den zweispitzigen Lobosch, den Milleschauer, den -Kletschen (kleinen Milleschauer), den Biliner Stein, den kleinsten -unter dieser Gesellschaft -- Schlossberg, dann näher die Berge jenseits -des Eulauthales, den Hut-, Hopfen- (auch Koppen-) und Pfaffenberg. -Gegen Nordost tritt scharf hervor der Rosenberg, ferner überblickt -man die Berge bei Kamnitz -- den Tannen- und Kaltenberg, dahinter die -Tafelfichte bei Friedland. Bei klarer Aussicht in grauer Ferne den -Jeschken und die Schneekoppe. Gegen Norden alle Höhen der sächsischen -Schweiz und zwar rechts vom Königstein in folgender Ordnung: den -Pfaffenstein, den Lilienstein, Gorisch, Papststein, die Kuppelberge und -endlich den grossen und kleinen Winterberg. Ausserdem die Nollendorfer -Höhe, den Sattel- oder Spitzberg und den Geisinger Berg. Nicht zu -vergessen sind die Thürme von Dresden, die sich deutlich erkennen -lassen. Man übersieht hier ein an sich schon bunt und wundersam -gestaltetes Stück Erde, wie es sich in diesem weiten Umfange nur selten -dem Beschauer darbietet. Die Ersteigung ist viel leichter, als man -erwarten sollte. Man kann ihn von Tyssa (Ort) in 2½ St. auf der Strasse -über den Ort Schneeberg am besten beim Wirthshause zur Vintzin (Bänke -vor dem Hause), den man in nordöstlicher Richtung, in den Wald hinein, -quer passirt -- der eigentliche Ort liegt südlicher -- dann auf dem mit -Ruhe- und Aussichtsbänken versehenen Promenadenwege erreichen. - -Von Bodenbach aus geht man entweder über Peiperz (nördlich von der -Tetschner Brücke einige Schritte, dann über die Bahn bei dem Badehôtel -hinauf) und Kalmswiese (eine Wirthschaft an der Strasse), dann -geradeaus fort, dann bei der Wegtheilung im Walde links ab gegen -Alt-Biela, aber vor dem Friedhofe wieder links ab, so dass das Dorf -rechts bleibt, dann passirt man das Dörfchen Tscheche, auf einer -steilen Berghöhe, links unten sieht man Neudorf und die Dux-Bodenbacher -Bahnlinien. Nach einigen Minuten betritt man den Hochwald und nun -heisst es auf die Kalkstriche achten, die an Bäumen und Steinen -zahlreich angebracht sind und bis hinauf führen. - -Ein zweiter Weg führt von Bodenbach aus auf der Teplitzer Strasse, -rechts geht dann eine Strasse ab vor den ersten Häusern von -Niederulgersdorf nach Biela (gegenüber einem Speicher), aber er wendet -sich schon bei den letzten Häusern hier links ab und geht bergauf, um -durch Tscheche wieder zu den Kalkstrichen in den Wald zu kommen. - -Beide Wege führen in 2½ St. hinauf. - -Von Eulau (Station der Dux-Bodenbacher B.) führt ebenfalls ein Weg -hinauf in 1 St. über den Ort Schneeberg auf einer Fahrstrasse, von hier -sind dann etwa ¾ St. zum Thurme. - -Von der Schweizermühle in Sachsen führt auch ein Weg in 2 St. hinauf. -Und zwar über Rosenthal zur Grenze am Zollhause vorbei geradeaus -- -die links abgehende Waldstrasse führt in 3 St. über Kalmswiese und -Peiperz nach Bodenbach -- bis zum Gasthaus »zur Vintzin« -- so der -Localname --; an demselben geht dann ein Fusssteig links ab hinauf. - -Alle diese Wege können selbstverständlich als Rückwege benützt werden. - -In einem Tage kann man von Teplitz aus die Tyssaer Wände und den -Schneeberg so besuchen, dass man Früh nach Königswalde fährt -- von -Eulau Abends Rückfahrt. Von Bodenbach zeitlich aufbrechend, kann man -mit Musse den Abendzug von Königswald zur Rückfahrt benutzen. - -Wer Zeit hat, kann den sehr empfehlenswerthen Abstecher nach Eiland -machen, dieses Dörfchen liegt in einem Kessel, der rings um -- nur nach -Norden offen -- von steilen Sandsteinwänden umgeben ist. Man geht dort, -wo nach Passirung der Tyssaer Wände der Weg in die Strasse einmündet, -links ab und gelangt in ¾ St. in dieses interessant gelegene Dörfchen. -Es befindet sich am nordwestlichen Abhange des Schneeberges an der -sächsischen Grenze. - - - - -Bodenbach. - - -=Bodenbach.= Von Teplitz auf der Dux-Bodenbacher Bahn in nicht ganz -2 Stunden zu erreichen. Die ganze Fahrt ist landschaftlich sehr -interessant. Der Bahnhof 20 Min. ausser der Stadt. Die Stationen sind -schon fast alle als Ausgangspunkte interessanter Partien genannt -worden. Man setze sich womöglich rechts. Zwischen Kulm und Tellnitz -sieht man das österr. und preussische Monument, früher schon hinter -Hohenstein das russische. Von Kleinkahn suche man die rechte Seite zu -gewinnen. Hier ein Ausblick auf Nollendorf. Hier hört die Steigung der -Bahn auf, und es geht abwärts, so dass man keinen Dampf mehr nöthig -hat, denn die Seehöhe von Kleinkahn beträgt 431 m, die im Bodenbacher -Bahnhofe 132 m. - -In Königswald, sowie in Eulau viel Industrie, im letzteren eine -Spinnfabrik und Verfertigung von Mühlsteinen. Die letzte Station -ist Bünaburg (früher nach einem alten Adelsgeschlechte Bünauburg), -ebenfalls reich an verschiedenen Industrien. Der hohe Berg rechts ist -der Hutberg, und der letzte rechts, schon gegen das Elbthal abfallend, -ist der Pfaffenberg. Beide bestehen wesentlich aus Basalt. Hinter -ihnen ist gegen Süden der Koppenberg (auch Hopfenberg) genannt. In -geologischer Beziehung ist interessant, dass über dem Alluvium des -Elbethales sich eine Strecke Braunkohlenformation befindet, über dieser -ist ein Gürtel Kreide und die Kuppe (des Pfaffenberges) ist Basalt. -Also vier verschiedene Gebiete auf einer Strecke von wenig mehr als ¼ -St. Länge. - -Die Fahrt von Eulau bis Bodenbach ist durch den Blick auf das schöne, -grüne, steil umrahmte Eulauthal besonders angenehm. - -In Bodenbach achte man darauf, nicht auf dem Dux-Bodenbacher Bahnhof -auszusteigen. Der Zug fährt eben in den Staatsbahnhof, man ist dann -gleich mitten in dem Industrieorte. Ebenso beim Einsteigen. Man bekommt -die Karte am südlichen Ende des Staatsbahnhofes, der Zug steht auf -dem letzten Schienenstrange gegen die an die Häuser von Bodenbach -angrenzende Mauer. Ausserdem ist Bodenbach von Teplitz zu erreichen auf -der Aussig-Teplitzer Bahn. Zu achten, dass man in Aussig-Neustadt bei -der chemischen Fabrik nicht aussteigt, denn von hier fährt über die -Brücke der Omnibuszug zum Bahnhof der Nordwestbahn nach Schreckenstein -(früher Aussig -- rechtes Ufer). - -Diese Bahn fährt durch das Braunkohlengebiet, daher viele Schächte -und Fabriken -- bei Mariaschein eine grosse Cementfabrik. Von -Mariaschein bis Karbitz nördlich das Kulmer Schlachtfeld, von hier -bis Schönfeld die Bihana, das Locale der Husitenschlacht (16. Juni -1426). Die alterthümliche Laurentiuskapelle nördlich von Nerbitz -soll eine Erinnerung an die Schlacht sein. Von hier bis Aussig im -Norden der Střisowitzer Berg (340 m hoch). In Türmitz Obstbau, -grosse Zuckerfabrik, Schloss des Grafen Nostitz mit einem Park. Die -Bielathalbahn -- derselben Actiengesellschaft wie die Aussig-Teplitzer -gehörig, zumeist Kohlenverkehr -- zweigt sich hier ab. Hübscher -Ausblick in das Bielathal. - -Von Aussig empfiehlt es sich, das Dampfschiff zu benützen. (Die Karten -sind in Teplitz, Bahnhof, Tabak-Trafik zu bekommen.) Die Fahrt ist eine -der schönsten, die überhaupt die Flüsse Europas aufweisen können. Die -Fahrt von Leitmeritz über Aussig, Tetschen, Herrenskretschen bis über -Pirna zu bis Dresden ist so reich an landschaftlicher Schönheit, dass -sie mit den schönsten Rheinpartien verglichen, ja selbst von Kennern -ihnen vorgezogen wird. (Siehe Tetschen!) - -Bodenbach hat eine prachtvolle Lage und einen hohen Aufschwung -genommen, wovon die zahlreichen Villen im Elbthale ein beredtes -Zeugniss abgeben, ebenso wie die vielen Industrie-Etablissements: -Cichorien- und Chocoladenfabrik, Siderolithwaaren-Fabrik. - - Bodenbach -- von Eulau- oder Bodenbache so benannt, früher - ein einsamer Meierhof zur Herrschaft Tetschen gehörig -- - hat folgende Gasthöfe: das Posthôtel (beim Bahnhof), Stadt - Hamburg, Hôtel Frieser, zum Stern, Krone, Engel, Stadt Prag, in - Obergrund -- nördlich von der Kettenbrücke am linken Elbeufer, - hier zahlreiche und geschmackvolle Villen -- ist noch das - Bade-Hôtel zu erwähnen. Restauration Lerchenfeld. Der Ort ist - von Sommerfrischlern und Kurgästen (Josefsbad) sehr besucht. - -=An Spaziergängen und Ausflügen= ist diese Gegend sehr reich. Um nicht -den Rahmen des Buches zu überschreiten, seien sie nur kurz erwähnt. -Schöne, mannigfach wechselnde Aussichten und angenehme Spaziergänge in -den waldigen Höhen sind ihr Hauptreiz. - -1. _Die Brücke_ selbst (2 Kr. Brückengeld). - -2. _Die Bohemia_ hinter dem Tetschner Schützenhaus und der Nordwestbahn -(¼ St.) einst hier der Galgenberg. - -3. _Der Quaderberg_ auf der hier befindlichen Höhle eine fliegende -Restauration, rechts von der Bohemia nach dem Promenadenwege bis zur -Tafel (½ St.), dieser Weg geht nach Laube und in die Schlucht nach -Loosdorf. - -4. _Die Leopoldshöhe_ 10 Min. weiter, fort links durch den Wald. - -5. _Die Laubenschlucht_, ein tief eingeschnittenes Felsenthal. Auf der -Höhe am Rande, von der Leopoldshöhe fort bis zur Tafel, die nach Nr. -3 weist, dann links auf Serpentinen in's Thal bis zu einem Weg, auf -diesem dann rechts. Dann am Ende Sandsteintreppen, ein Waldweg, der Ort -Loosdorf (Gasthaus Blumentritt's). Auch auf der Allee von Tetschen in 1 -St. bergauf zu erreichen. - -6. _Die Rosenwände_ (2 St.) oder Rosenkämme. Bei dem Wirthshause in -Laube fuhrt der Weg hinauf. - -7. _Die Schäferwand_ (½ St.) unmittelbar über Bodenbach, über dem -Tunnel der sächsischen Bahn. Zu ersteigen durch das Thor bei der -Kettenbrücke oder auf den Stufen beim Posthotel in der Nähe eines -Muttergottesbildes in der Mauer. Zickzackwege. - -8. _Das Spitzhütel_ (1½ St.) Entweder nach 7 oder am Badehotel vorbei, -dann bei einer Mühle rechts in den Wald, oder von Starks Villa auf -einem Serpentinweg. Es ist ein Felsenvorsprung, vielleicht die -lohnendste Aussicht unter diesen Punkten. - -9. Im Pulnitz- oder Polzenthale: Liebwerd ½ St., Bensen 2 Stund. -(Nordbahnstation), ½ Stunde weiter die schöne Ruine _Scharfenstein_. - -10. _Herrenskretschen_ (siehe Tetschen). - -11. _Der Sperlingstein_, auch _Heidenschloss_. Dampfschiff bis -Topkowitz, besser Tichlowitz, oder Eisenbahn bis Tichlowitz, dann über -Nieder-Welhotten und Scheras ½ St. Zu Fuss über Krischwitz, Veschwitz -(auch Bahnstation) Scheras in 3 St. - -12. _Der Zinkenstein._ Am besten über Rongstock, über die Elbe -nach Pschira, Wittine und (Alt) Hummel zu erreichen. Die Aussicht -grossartig, in den Basaltspalten eine Eishöhle, Eis nur an heissen -Sommertagen. - -13. _Der hohe Schneeberg._ - -14. _Die Tyssaer Wände._ - -Zu erwähnen noch die Johanniskapelle, bei dem Dux-Bodenbacher Bahnhof -(20 Min.). Die Familiengruft der gräfl. Thun'schen Familie, die hier -weithin die meisten Besitzungen hat. - - - - -I. Der Besuch der Städte *Leitmeritz, *Aussig, *Tetschen bis -*Herrenskretschen mit dem *Edmundsgrund und *Prebisch-Thor. - - - - -Leitmeritz. - - - =Gasthöfe=: Hôtel »Krebs« am Stadtplatz, Gasthof »zum - Hirschen«, Lange Gasse, Gasthof »zum schwarzen Adler« am - Stadtplatz, Brosche's Gasthaus, Lange Gasse, »Cocanda« Eck der - Ferdinandsstrasse und des Rossmarktes, Gasthof »zum Kaiser von - Oesterreich«, Ferdinandsstrasse. - - Von =Restaurationen= wären zu erwähnen: Elbschlossbräuhaus - an der Tschalolitzer Strasse, Elberestauration am - Dampfschifflandungsplatze, Restauration zum »Rudolfsgarten« mit - Sommertheater in der Rudolfsgasse, Schützeninselrestauration, - Bahnhofrestauration der Nordwestbahn, Eisendörfel am linken - Elbeufer an der Theresienstädter Strasse; =Café=: Schubert am - Stadtplatz, oberhalb des »Hôtel Krebs«, zum schwarzen Adler, - in Verbindung mit dem Gasthause gleichen Namens am Stadtplatz; - =Conditorei= und Café Bärwinkel am Stadtplatz, Schustermannel - in der Nähe der bischöfl. Residenz, beste Weinstube. - - =Post- und Telegraphenamt=, Jesuitengasse im alten Gymnasium, - ebenerdig. - - =Post- und Eisenbahnverbindungen=: k. k. priv. österr. - Nordwestbahn. Von Leitmeritz in der Richtung nach Tetschen. In - der Richtung nach Lissa-Wien. - - K. k. priv. österr. Staatsbahn; Station Theresienstadt - (Bauschowitz): In der Richtung Aussig-Bodenbach und in der - Richtung Prag-Wien. - - =Postverbindung= nach _Auscha_. - - =Omnibusfahrten= von den Gasthöfen »Krebs« und »zum Hirschen« - zu den Bahnen. - - Das =Dampfschiff= verkehrt von Leitmeritz um halb 9 Uhr - Vormittags bis Dresden und um 2 Uhr Nachmittags bis Tetschen. - - =Fahrgelegenheiten= sind zu haben im »Hôtel Krebs« (Ferd. - Krombholz), im Gasthof »zum Hirschen«, sowie Einspänner bei dem - Lohnfuhrwerker Kühnel in der Langen Gasse. - -Die Stadt Leitmeritz, ehemals königliche Stadt, liegt am rechten Ufer -der Elbe, dort, wo dieser Strom in das deutsche Sprachgebiet tritt und -sich seinen Lauf durch das böhmische Mittelgebirge zu bahnen sucht. - -Leitmeritz zählte am 31. December 1880 in über 900 Häusern ca. 10.900 -anwesende Personen, welche Bevölkerungszahl sich mit den Studenten -auf rund 12.000 erhöht. 1869 betrug die Einwohnerzahl in 800 Häusern -10.023. Die geographische Lage ist 50° 31´ 38´´ nördl. Br. und 31° 47´ -50´´ östl. Länge. Sich ansehnlich über das Niveau des Flusses erhebend, -bietet die Stadt von der Elbe, sowie von der Theresienstädter Strasse -aus einen ungemein malerischen Anblick. Im Vordergrunde sind die -hervorragendsten Gebäude der Stadt, nämlich die Elbschlossbräuerei, -die bischöfliche Residenz, die Villa Georg, das bischöfliche Seminar -mit der Jesuitenkirche, die Klosterschule u. s. w., dann lehnt sich -unmittelbar hinter der Stadt gegen Norden eine Hügelkette, die -Maschkahora (auch mastna hora, eigentlich mostská hora) an, die dann -an die waldbedeckten Höhen des Mittelgebirges, an den »Kreuzberg« mit -dem »langen Berge«, den Hradischken und im Westen an die Radebeule -(fälschlich Radobyl genannt) anschliessen. Die Berge ringsumher gehören -der Basaltformation an, während im Thale Plänerkalk mit Sandstein und -dem reinen Angeschwemmten der Elbe wechseln. Nach Süden öffnet sich die -weite Ebene ins Innere Böhmens, welche bloss den »Říp« (Georgsberg) bei -Raudnitz als bedeutendere Bodenerhebung aufzuweisen hat. - -Leitmeritz, bis vor wenigen Jahren die bedeutendste Stadt des nach ihr -benannten Kreises, hat sich weit über die Grenzen unseres Vaterlandes -hinaus einen bedeutenden Ruf als Schulstadt erworben; die Mittelschulen -erfreuen sich eines sehr zahlreichen Besuches. - -_Das k. k. Obergymnasium_ ist seit 1879 in einem palastartigen neuen -Gebäude untergebracht. - -_Die Communal-Oberrealschule_ wurde in ihrer heutigen Gestalt 1864 -eröffnet und befindet sich seit 1865 in einem neuen prachtvollen -Gebäude. - -_Die k. k. Lehrerbildungsanstalt_ ist leider nur nothdürftig -untergebracht. - -_Die theologische Lehranstalt_, in Verbindung mit einem bischöflichen -Priesterseminar, befindet sich in den Räumen des ehemaligen -Jesuitencollegiums. - -_Das Taubstummen-Institut_ wurde 1858 gegründet und wird vornehmlich -vom Lande unterstützt. - -Ausser der städtischen _Knabenvolks-_ und der städtischen -_Mädchenvolks-_ und _Bürgerschule_ besteht in Leitmeritz auch noch -eine _fünfklassige Mädchenschule_ der Schulschwestern vom heil. Karl -Boromäus mit _Pensionat_. - -Von industriellen Unternehmungen sind anzuführen: - -1. _Die Actienbrauerei_ zum »Elbschloss«. - -2. _Die bürgerliche_ (städtische) Brauerei. - -3. _Die Dampf- und Kunstmühle._ - -4. _Die Malzfabrik_ der Firma Bergwein im ehemaligen Schanzenbräuhause. - -5. _Die Actiengesellschaft_ für Kalk- und Ziegelbrennerei. - -6. _Die Spinnfadenfabrik._ - -Ferner bestehen von Gewerbsunternehmen die _Brettsägen_ von Frz. -Gudera, sowie Ed. Salomon, _die Essigfabrik_ von Herrnheiser, _die -Metall-_ und _Glockengiesserei_ von F. Herold, _die Eisengiesserei_ -von Mandler, _die Maschinenschlosserei_ von Josef Fiedler, _die -Lederfabrik_ von Joachim Taussig's Söhnen u. s. w. - -_Von Geldinstituten_ wären zu nennen: 1. _Die Communalsparkasse_, 2. -_der Spar- und Vorschussverein_ für Leitmeritz und Umgebung, sowie 3. -_die Filiale der böhmischen Eskomptebank_. - -Geschichte: - -Wie bei so vielen andern Orten verliert sich auch die Gründung der -Stadt Leitmeritz in das Dunkel der Geschichte Böhmens. Abgesehen von -zahlreichen Gräberfunden, welche erst vor 2 Jahren wieder auf den -Lehmfeldern der Lopata'schen Ziegelei erfolgten, die beweisen, dass -das fruchtbare Elbethal schon in der vorgeschichtlichen Zeit stark -bewohnt war, wissen wir, dass nach der Einwanderung der Slaven sich ein -Stamm derselben, die Luthomirici, hier niederliess. Als Mittelpunkt -des Stammes galt eine Burg, die denselben Namen wie der Stamm, -nämlich Luthomirici, führte und am jetzigen Domhügel lag. Gegenwärtig -sind keine Spuren davon mehr wahrnehmbar. Um die Burg herum lagen -schon in uralter Zeit zahlreiche Dörfchen, die ihren Namen noch bis -heute erhalten haben. Die Verwaltung der Burg und des dazugehörigen -Landstriches leiteten Gaugrafen. Schon um das Jahr 1057 wurde auf der -Leitmeritzer Burg eine Kirche gegründet und dem heil. Stefan geweiht; -sie stand an der Stelle der jetzigen Domkirche. - -In der Nähe der Burg und ihrer Kirche siedelten sich allmählig unter -den letzten Regenten aus dem Hause der Pržemysliden zahlreiche, aus -Deutschland hereingekommene Familien an; sie legten so den Grund zu -der eigentlichen Stadt Leitmeritz, die schon vom König Wenzel I. -mehrfache Freiheiten und Rechte erhielt, welche seine Nachfolger nicht -nur bestätigten, sondern auch vermehrten. So wurde das Magdeburger -Stadtrecht in Leitmeritz eingeführt und zur Handhabung desselben ein -eigener Gerichtshof daselbst eingesetzt. Neben dem Ackerbau bildeten -Handel und Gewerbe die vorzüglichste Nahrungsquelle der Bevölkerung; -besonders blühte der Handel; niemand durfte stromauf- oder abwärts -Waaren verfrachten, ohne sie vorher in Leitmeritz ausgeladen und zum -Verkaufe ausgestellt zu haben. Zum Zeichen des letzteren Rechtes, des -Stapelrechtes, wurde eine aus Stein gehauene Figur in der Nähe des -Stromes aufgestellt, der sogenannte »Roland«, der gegenwärtig an der -nördlichen Ecke des alten Rathhauses, in dem sich jetzt das k. k. -Kreisgericht befindet, auf einem Pfeiler steht. - -Einer besonderen Begünstigung erfreute sich Leitmeritz, wie alle -Städte Böhmens, unter der Regierung des städte- und bürgerfreundlichen -Karls IV., welcher der Stadt grosse Strecken Wald, Ackerland und -Weinberge schenkte, die Neuanlage von Weinbergen begünstigte, wodurch -er den Weinbau im Elbethal ungemein förderte. Zu jener Zeit erfreute -sich Leitmeritz bereits einer hohen Blüte, und Wohlstand, ja selbst -Reichthum waren in der trefflich gelegenen Stadt keine Seltenheit. - -Aber bald sollte die Stadt von Zeiten des Schreckens heimgesucht -werden; es kamen die verheerenden Husitenkriege. Am 29. Mai 1421 fiel -nach langem, energischen Widerstand die Stadt in die Hände der Husiten. -Die vertriebenen Bürger und Priester zogen theils in die noch deutschen -Städte des Bielathales, theils nach Meissen. Jahrelang tobte der Kampf -der Parteien um die Mauern der Stadt. Auch als Leitmeritz unter die -Botmässigkeit König Sigismunds (1436) zurückgekehrt war, blieb die -Stadt tschechisch, und die Deutschen, die sich des Handels und der -Gewerbe wegen in der Stadt eingefunden hatten, waren nach wie vor von -Aemtern und Würden ausgeschlossen. - -Auch die folgende Zeit des Streites zwischen den Städten und dem -Adel in Böhmen war für die Stadt nicht günstig. Sie konnte in dem -Streite umsoweniger verschont werden, da rings umher eine gute Anzahl -adeliger Burgen und Schlösser lag. Diese Streitigkeiten verzehrten -bedeutende Summen. Zwar wurden die alten Handelsrechte der Stadt, -auf die in den bewegten Zeiten so oft vergessen worden war, wieder -hergestellt, aber bald darauf der Handel mit dem Auslande untersagt, -wodurch eine wichtige Einnahmequelle versiegte. Ueber Leitmeritz erging -wegen seines Widerstandes gegen Ferdinand I. das Strafgericht, indem -das alte Magdeburger Stadtrecht abgeschafft und königliche Richter -eingesetzt, sowie die Güter der Stadt eingezogen wurden. Leitmeritz -war tiefer gedemüthigt als je. Als kümmerlichen Ersatz erhielt -Leitmeritz das Collegium im Jahre 1549, aus dem sich das heutige k. k. -Obergymnasium entwickelte. - -Nach einigen Jahrzehnten der Erholung brach der dreissigjährige Krieg -herein. Der Friede von 1648 brachte auch Leitmeritz Ruhe und Frieden. -Ausser der Kriegsfurie wüthete 1649 auch noch eine furchtbare Pest und -im Jahre 1655 eine grosse Ueberschwemmung. - -Erwähnt sei die Errichtung des Leitmeritzer Bisthums im Jahre 1655. Der -erste Bischof war Maximilian Rudolf Freiherr von Schleinitz. Er baute -die jetzige Domkirche, deren Thurm erst jetzt vollendet werden soll. - -Kurz nach dem dreissigjährigen Kriege wurde Leitmeritz wieder eine -deutsche Stadt. - -Auch die Kriege unter Maria Theresia gingen an Leitmeritz nicht -spurlos vorüber. Im Jahre 1741 hausten polnische und sächsische, -1742 französische Truppen in der Stadt, und im Jahre 1757 nach der -Schlacht bei Kolin wohnte Friedrich II. selbst durch eine Woche in -der bischöflichen Residenz. Am 1. Oktober 1756 tobte der Kampf in der -unmittelbaren Nähe der Stadt, indem an diesem Tage die Schlacht bei -Lobositz geschlagen wurde. - -Im Jahre 1780 wurde unter Kaiser Josef II., der siebenmal Leitmeritz -besuchte, die Festung Theresienstadt gegründet. Die Napoleonischen -Kriege berührten die Stadt nicht unmittelbar, und so konnte sich im -letzten Jahrhundert die Stadt ruhig entwickeln. - -=Sehenswürdigkeiten.= Leitmeritz, welches in die eigentliche Stadt -und mehrere Vorstädte zerfällt, die freilich mit einander unmittelbar -zusammenhängen, macht auf den Besucher den Eindruck einer Stadt, die -schon in früheren Jahrhunderten von einiger Bedeutung gewesen sein -muss. Der Ringplatz oder der Stadtplatz bildet den Mittelpunkt der -Stadt und ist von grosser Ausdehnung; seine Länge beträgt 235, die -Breite 126 Schritte. Die Häuser sind meist neuerer Bauart; doch hie und -da schaut noch ein Giebel hervor, dem man es ansieht, dass er schon -manches Menschengeschlecht, manches Jahrhundert an sich vorüberwandeln -sah. Die Laubengänge sind meist schon verbaut. Wir wollen nun die -hervorragendsten Bauwerke hier anführen: - -1. _Das alte Rathhaus_, an der Ostseite des Stadtplatzes gelegen, -beherbergt jetzt das k. k. Kreisgericht in seinen Räumen. - -2. _Das Gemeindehaus_, ebenfalls am Stadtplatze, enthält die -Kanzleien des Bürgermeisteramtes, der Sparkasse und im Parterre die -Gasthauslocalitäten »zum schwarzen Adler«. Im Hofe befindet sich das -Stadttheater. Im Bürgermeisteramte wird das hochinteressante und -historisch äusserst werthvolle _*Cantional_ aufbewahrt, eine Sammlung -lateinischer Kirchengesänge aus der Zeit der husitischen Herrschaft -in Leitmeritz und zum gottesdienstlichen Gebrauche bestimmt. Das -gewaltige, in Leder gebundene und mit kunstvollen Messingbeschlägen -gezierte Buch umfasst 465 Pergamentblätter, ist 29 Zoll hoch, 19 Zoll -breit und wiegt 110 Pfund. Das Buch ist über und über mit herrlichen -_Initialen_ und prachtvollen _Miniaturen_ bedeckt, viele Buchstaben -und Noten sind mit reinem Golde auf das Pergament aufgetragen. Dies -reichgeschmückte Cantional gehört zu dem Bedeutendsten, was die Kunst -dieser Art in Böhmen geleistet. - -3. _Die *Dekanalkirche zu Allerheiligen_ nächst dem Stadtplatz. Eine -besondere Erwähnung verdient das in der Kirche beim Seitengange -stehende zinnerne Taufbecken aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, eines -der schönsten Werke dieser Art in Böhmen. Unmittelbar an der Kirche -erhebt sich der mächtige _Stadtthurm_, 53 m hoch. Sein Inneres birgt -ein wahres Meisterwerk der Holzbaukunst, den gewaltigen Glockenstuhl, -der vom Grund des Bodens ganz frei ohne jede Verbindung mit der Mauer -aus Eichenholz hergestellt ist. Er trägt 7 Glocken, von denen die -grösste 81 Centner, die nächste 47 Centner wiegt. Von der Gallerie des -Thurmes aus bietet sich eine _herrliche *Aussicht_ über die Stadt und -ihre Umgebung dar. - -4. _Das *Kelchhaus am Stadtplatz_, erbaut von dem reichen -utraquistischen Bürger Johann Mraz von Mileschowka und um 1584 -vollendet. Von dem kelchartigen Thurme, dem utraquistischen Symbole, -der seitdem ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt geblieben -ist, geniesst man ebenfalls eine _weite *Rundsicht_. Nach dem -dreissigjährigen Kriege wurde das Kelchhaus als Proviantmagazin -benützt, daher noch der heutige Name desselben, Provianthaus. -Gegenwärtig ist in demselben -- allerdings nicht besonders zweckmässig --- die städtische Mädchen-Volks- und Bürgerschule untergebracht. In -einem Parterrelocale befindet sich auch _das *Gewerbemuseum_, das recht -interessante Gegenstände aufweist. - -5. _Die Schulpaläste_, nämlich die Communal-Oberrealschule und das k. -k. Obergymnasium in den Anlagen, haben wir schon weiter oben besprochen. - -6. _Der Dom._ Die Bauten des Domes erheben sich auf einem Hügel, -zu dem man durch die Domgasse von der Stadt aus gelangt. Nach -Erhebung zum Bisthume legte der erste Bischof Maximilian Rudolf von -Schleinitz den Grundstein zur gegenwärtigen _*Cathedrale_, welche -von dem zweiten Bischof Franz Grafen von Sternberg 1681 eingeweiht -wurde. Die Domkirche ist im nüchternen Baustyle des 17. Jahrhunderts -aufgeführt. Mit einem gedeckten Gang ist mit dem Dom _die bischöfliche -Residenz_ verbunden. Dieselbe enthält ausser einer ziemlich -umfangreichen Bibliothek auch eine Sammlung _*werthvoller Gemälde_, -die vom gegenwärtigen hochw. Bischof Dr. Ludwig Anton Frind zum -Theil restaurirt worden sind. Ferner erheben sich auf dem geräumigen -Domplatze _das Consistorialgebäude_, kenntlich durch das an demselben -angebrachte Wappen des Bischofs M. A. von Lachsen usw.; endlich die -aneinander gereihten Wohnungen der einzelnen Domherren. _Die Lage der -bischöflichen Residenz_ gewährt eine weite und ungemein _reizende -*Aussicht_ auf den ganzen Lauf der Elbe von Raudnitz bis Lobositz, wo -sie sich nordwärts in's Gebirge wendet, sowie auf den grössten Theil -der Stadt und der jenseits derselben und am linken Ufer der Elbe sich -ausbreitenden Fluren zwischen dem Mittelgebirge und der Eger. - -7. _*Elbschlossbrauerei._ In der That wie ein stolzes Elbschloss -thront auf einem Plateau an der Elbe die Elbschlossbrauerei, der -wir schon oben Erwähnung gethan haben. Sehenswerth ist die schöne -geräumige _*Braustätte_, mit ihrer kühnen Wölbung, ferner die -grossartigen _Kellerräume_, die mit ihren labyrinthartigen Gängen -eine kleine unterirdische Stadt bilden. _Die *Gartenrestauration_ mit -den schattigen Kastanienbäumen, sowie dem amerikanischen _*Pavillon_ -gewährt einen recht angenehmen Aufenthalt während der schönen -Sommertage. _Herrliche Aussicht!_ - -8. _Das bischöfliche Seminar_, welches in dem ehemaligen -Jesuitencollegium untergebracht ist, ist mit der Kirche Maria -Verkündigung, für gewöhnlich Jesuitenkirche genannt, verbunden. -In einer Nische unterhalb der Bogenwölbung an der sogenannten -Jesuitenstiege erhebt sich das Denkmal des vaterländischen Dichters -Josef Emanuel Hilscher, der am 22. Jänner 1806 in Leitmeritz geboren -wurde und nach einem unglücklichen Soldatenleben im Mai 1837 als -Feldwebel starb. - -9. _Das Kapuzinerkloster_ mit der Kirche der heil. Ludmilla am -Kapuzinerplatz. - -10. _Das Dominikanerkloster_ mit der Kirche des heil. Jakob in der -Dominikanergasse. - -11. _Die Kirche des heil. Adalbert_ in der Vorstadt Sasada. - -12. _Die Kirche des heil. Wenzel_, während der Pest 1713 in Folge eines -Gelübdes von dem italienischen Baumeister Broggio im italienischen -Renaissancestyl erbaut, später aufgehoben und als Getreideschüttboden -benützt, seit 1852 wieder dem Gottesdienste geweiht. - -13. _Die Kirche des heil. Johann des Täufers_ unterhalb des Domhofes -in der Rudolfsgasse an der Nordwestbahn, 1465 gegründet, im -dreissigjährigen Kriege zerstört und 1682 wieder hergestellt. - -14. _Das Marien-Hospital_ an der Schüttenitzer Strasse, im Jahre 1845 -vom Bischof Augustin Bartholomäus Hille erbaut. - -15. _Die alte Sct. Georgskirche_ nächst dem Domhofe, oberhalb der -Vorstadt Fischerei auf einem Hügel gelegen, von Leitmeritzer Fischern -gegründet und zur Pfarrkirche der Vorstadt Fischerei bestimmt. Auf dem -Friedhofe rings um die Kirche wurden die Leitmeritzer Fischer beerdigt; -jetzt erhebt sich dort die dem Leitmeritzer Bürger Baschta gehörige -Villa Georg. - -Wenn wir nun noch - -16. _die Elbebrücke_ erwähnen, so haben wir die bedeutendsten -Bauten und Sehenswürdigkeiten von Leitmeritz angeführt. Der Bau der -gegenwärtigen ärarischen Eisenbrücke, nach Schiffkorn'schem System -construirt, wurde 1857 bewilligt und 1858 bis 1859 vollendet. - - -Spaziergänge: - -(Bis zu 2 Stunden.) - -Ehe wir daran gehen, die Umgebung von Leitmeritz, die an -Naturschönheiten so reich ist, aufzusuchen, müssen wir vor allem -dem Lieblingsspaziergange der Leitmeritzer, der lieblichen -_*Schützeninsel_, in unmittelbarer Nähe der Stadt, einen Besuch -abstatten. Die Schützeninsel ist zum grössten Theile mit herrlichen -Bäumen, darunter mehrhundertjährigen majestätischen Eichen bewachsen -und wurde in den letzten Jahren durch die Fürsorge des im Jahre 1868 -gegründeten Anpflanzungsvereines zu einem Parke umgestaltet, der selbst -einer Grossstadt zur Zierde gereichen würde. In der Mitte der Insel -befindet sich das mit einer Restauration verbundene Schützenhaus. - -_*Die Radebeule_, auch Radobyl genannt, ist jener mächtige Basaltkegel -im Westen der Stadt, welcher mit dem ihm gegenüberliegenden Lobosch -gewissermassen die Wache am Eingange der böhmischen Schweiz hält. Ein -gewaltiges gusseisernes Kreuz krönt den Berg, von dessen Gipfel man -eine herrliche Rundsicht über einen grossen Theil des nordwestlichen, -sowie des mittleren Böhmen geniesst. Ein gut gangbarer Weg führt von -Leitmeritz aus auf den Berg, dessen Fuss von Reben umrankt wird. - -Nördlich von der Radebeule erhebt sich der _*Kamaiker Eisberg_. Von -Leitmeritz gelangt man in einer Stunde auf der Kamaiker Strasse nach -dem Orte Kamaik mit der Burgruine gleichen Namens. Oberhalb dieser -Ruine, die weithin in's Elbethal sichtbar ist, liegt der erwähnte -Eisberg, merkwürdig dadurch, dass man in heissen Sommertagen, besonders -nach einem Regen, in den vom Steingerölle umgebenen Gruben Eis findet. -Am nördlichen Abhange des Eisberges steht, eine anmuthige Idylle -bildend, die Kapelle des heil. Johannes des Täufers in der Wüste, -von wo aus, unter den Aesten mächtiger Eichen hinweg, das Auge über -eine prächtige Elbelandschaft zu schweifen vermag. Die Aussicht ist -besonders nach Süden und Südosten reizend. Von Kamaik kann man nun -entweder den Abstieg zur Elbe nach Gross-Tschernosek oder auch nach -Libochowan nehmen. - -_Gross-Tschernosek_ liegt in der Richtung gegen Milleschau und ist -berühmt wegen des dort gebauten Weines. Unter dem Namen »Tschernoseker« -kommt eigentlich aller im Leitmeritzer Elbegau producirte Wein in -den Handel. Eine Sehenswürdigkeit in Tschernosek bildet der _*gräfl. -Nostiz'sche Weinkeller_, der horizontal in den Berg hineingebaut ist. -Dieser Keller stammt zum Theil aus dem 13. Jahrhundert und zeichnet -sich durch seine riesige Ausdehnung aus. 50.000 Eimer Wein vermögen -darin ganz gut untergebracht zu werden. Durchschnittlich enthält er -8000 Eimer. - -_Nach Libochowan_ führt von Kamaik aus eine Fahrstrasse über das -obstbaumreiche Dorf Rschepnitz zur Elbe. Bei Libochowan befinden sich -Wälle aus der Keltenzeit, wie auch in der Nähe des genannten Dorfes vor -einigen Jahren Heidengräber entdeckt wurden. Zwischen Tschernosek und -Libochowan erhebt sich an der Elbe _der Dreikreuzberg_. - -Sehr beliebte und sehr besuchte Ausflugsorte sind die Einsiedelei -_*Skalitz_, die _Villa *Mentau_ und _*Kundratitz_. Wir können alle -drei Punkte in einem auf einen Nachmittag berechneten Spaziergange -besuchen. Unser erstes und nächstes Ziel sei die Einsiedelei Skalitz, -welche dort am Bergesabhange zwischen grünen Waldbäumen hervorlugt. -Wir können entweder den Weg über das nahe Pokratitz in nördlicher -Richtung einschlagen, um am Bachesrande im schattigen Thale vorwärts -zu schreiten, oder wir können auch auf der bequemeren, von zwei -Obstbaumalleen begrenzten Schüttenitzer Strasse über das zwischen -Obstbäumen gelegene Dorf Schüttenitz, welches das mildeste Klima in -Böhmen besitzen soll, die Skalitzer Höhe erreichen. Die so anmuthige -Einsiedelei ist gegenwärtig von einem Förster bewohnt, bei welchem -man einen ganz guten Kaffee, sowie Bier u. s. w. erhält. Unweit des -Försterhauses streckt ein kleines Kirchlein seinen Thurm in die Höhe, -und unterhalb des Hauses zeigt man eine Höhlung in Sandsteinfelsen, -welche dem Einsiedler als Wohnung diente. Natürlich geniesst man von -hier eine prachtvolle Fernsicht auf die weite Ebene, durch welche sich -der Elbstrom schlingt. - -Etwas höher und westlich von Skalitz blickt die _Villa Mentau_ vom -Bergesabhange in's weite Thal hinab. Diese Villa wurde erst im Jahre -1878 von dem Herrschaftsbesitzer und Grossindustriellen Edlen von -Schroll in Liebeschitz, dem Besitzer des Waldes, welcher diese Höhen -schmückt, mit einem Kostenaufwande von 40.000 fl. erbaut und dient -ebenfalls einem Förster, der gleichzeitig Restaurateur ist, als -Wohnung. Unten in der Thalschlucht, dem Melbiner Thale, verborgen -hinter mächtigen Bäumen, klappert die Melbiner Mühle, wo man auch -leibliche Stärkung erhalten kann, und an unser Ohr dringt das -einförmige und doch so anheimelnde und wohlthuende Rauschen des klaren -Gebirgsbaches, der sich durch dichtes Gebüsch über Stock und Stein -seinen rauhen Weg gebahnt. - -Doch wir müssen weiter; noch einen Blick auf das grosse und schöne -Panorama zu unseren Füssen, und wir setzen unseren Bergstock wieder -fest auf, um über Wiesen und Fluren und durch den schattigen Wald -den Bergesrücken zu erklimmen, hinter welchem ein wahres Kleinod des -böhmischen Mittelgebirges verborgen liegt, wir meinen die Sommerfrische -_*Kundratitz_. Hier sei erwähnt, dass man von Mentau aus auch auf den -Berg _Hradisken_ gelangen kann, der sich durch eine schöne Rundsicht -auszeichnet. Unser Ziel ist jedoch, wie gesagt, Kundratitz. Zwischen -den Waldbäumen sehen wir nach halbstündiger Wanderung, nördlich von -Mentau, die Villa »Henriettenruh« hervorschimmern und bald ruhen wir -im Schatten des Waldes, unmittelbar an der Villa, von unserem immerhin -etwas anstrengenden Marsche aus. Man kann Kundratitz auch von einer -anderen Seite von Leitmeritz aus erreichen, indem man auf der Strasse -über Pokratitz nach Hlinay geht, wobei sowohl Skalitz als Mentau -rechts liegen bleiben. Nachdem wir uns gestärkt, betreten wir die -Terrasse der Villa und erquicken unser Herz an der überraschend schönen -Fernsicht, die man von hier aus geniesst. Ein landschaftliches Bild, -wie es lieblicher, prächtiger nicht gedacht werden kann, eröffnet sich -da vor unseren Augen; mehr als dreissig kegelförmige Bergspitzen des -Mittelgebirges, mit dem Vater »Milleschauer« in der Mitte, erheben sich -in den duftigen Aether, während im Vordergrunde sich das _Tlutzner_ -Thal, eingeschlossen von grünen Waldesflächen, mit seinen tausenden -von Obstbäumen, aus denen die Dächer der Orte Kundratitz und Tlutzen -verführerisch hervorlugen, ausbreitet. Fürwahr, es ist entzückend -schön, dieses Landschaftsbild und immer und immer wieder schweift der -Blick wie trunken über diese anmuthigen Scenerien, die ihres Gleichen -nicht bald wieder haben. - -Sind wir einmal 599 m über der Meeresfläche, so können wir auch noch -etwas weiter steigen und dem in einer guten Viertelstunde erreichbaren -_Warhorscht_ einen Besuch abstatten. Von diesem ringsherum frei -dastehenden Berggipfel ist die Rundsicht eine vollständige, aber auch -eine grossartig schöne. Von hier aus überblickt man das Teplitzer Thal -und das ganze herrliche Thal von Aussig, Kulm bis Teplitz, weiter -Dux, Ossegg u. s. w. Der schwarze Maulwurfshügel in der Ebene ist der -Teplitzer Schlossberg, der uns leider die alte Thermenstadt verdeckt. - -Dort oben am Kamme des Erzgebirges winkt das Mückenthürmchen herüber, -während weiter im Norden die Nollendorfer Kirche sichtbar wird. Recht -deutlich bemerkt man auch den hohen Schneeberg bei Bodenbach. Mehr im -Vordergrunde windet sich die Elbe durch die Berge, und soeben sehen -wir vor uns in der Tiefe den Dampfer in Salesl landen. Nördlich, -wo die Elbe in den Bergen verschwindet, klebt nett und winzig der -Schreckenstein, der uns nicht gestattet, mehr als bloss einige Häuser -der gewerbefleissigen Elbestadt Aussig zu sehen. Gegen Nordosten -schimmern in blauer Ferne die Berge des Isergebirges und vom Jeschken -bei Reichenberg ragt der Gipfel, für unser Auge sichtbar, gegen den -Himmel. Wenden wir uns nunmehr gegen Süden, so ist die Landschaft eine -ganz veränderte; eine meilenweite Ebene erstreckt sich nach Süden, in -welcher sich bei Raudnitz der Říp und einige weniger bedeutende Höhen -erheben. Es würde zu weit führen, wollten wir hier eine ausführliche -Schilderung dieser wundervollen Rundsicht, die in dieser Gegend -jedenfalls nur von jener des Milleschauer übertroffen wird, wiedergeben. - -Kundratitz gewinnt als Sommerfrische von Jahr zu Jahr an Beliebtheit -und sind es Familien aus Dresden, Berlin, Prag usw., die mehrere Wochen -des Sommers in stiller Abgeschiedenheit hier zubringen. - -Ein von Kundratitz in einer guten halben Stunde zu erreichender -Aussichtspunkt ist die _*Wache_, ein Gebirgsvorsprung unterhalb -des Warhorscht, mit einem herrlichen Einblick in's Elbethal. Ein -weiterer Spaziergang von Kundratitz aus ist _das lange Loch oder der -Höllengrund_, ein Felsenabsturz rechts von der Strasse nach Tschersing. -Das Dorf Tschersing ist in ¾ Stunden von Kundratitz zu erreichen. Von -hier führt eine romantische Thalschlucht zum Elbethal gegen Sebusein. - -Eine Reihe prächtiger Waldpartien, die freilich noch weniger bekannt -sind und von Fremden ohne Führer nicht gemacht werden können, lassen -sich von Skalic aus unternehmen. Wir nennen hier Neuhof, die Tetschner -Aussicht und das Dorf Babina. - -_Grössere Partien_: Wer einen ganzen Tag aufwenden will, ohne sich -dabei anzustrengen, dem ist die Partie nach Triebsch zu empfehlen. - -Von Leitmeritz aus schlagen wir die Aerarialstrasse nach _Trnowann_ -ein. Hinter diesem Orte führt die Strasse über den _*Weissen Berg_, -welchen bereits in diesem Jahre ein Standbild Kaiser Josefs II. -krönen wird, das die Landwirthe des Ploschkowitzer Thales dem grossen -Volkskaiser zu errichten gedenken. Von der Höhe des Weissen Berges -bietet sich dem Beschauer ein reizendes landschaftliches Gemälde -dar. Ueber Leitmeritz hin breitet sich die weite Ebene aus, die von -den Bergen des Mittelgebirges begrenzt wird, während in der Richtung -gegen Ploschkowitz, das Ploschkowitzer Thal, mit seinen überaus -fruchtbaren Fluren, seinen ungezählten Obstbäumen und den Bergeshöhen -wie ein Schmuckkästchen der Natur daliegt. Wieder am Fusse des -Hügels angelangt, weichen wir links von der Auschaer Strasse ab und -schlagen die Bezirksstrasse nach _*Ploschkowitz_ ein, das wir in einer -Viertelstunde (von Leitmeritz 1½ St.) erreichen. Ploschkowitz besitzt -ein prächtiges kaiserliches Schloss mit einem Parke im französischen -Styl. - -Wir wenden uns nördlich über Techobusitz gegen Triebsch, das sich -anmuthig am Fusse des Kelchberges ausbreitet und das zweit grösste -Dorf des Leitmeritzer Bezirkes ist. (3 Stunden von Leitmeritz.) _Der -Kelchberg_ steigt in 2 Terrassen auf; er ist bequem zu besteigen und -bietet eine schöne Aussicht nach allen Richtungen. Im Orte Triebsch -befindet sich ein Herrenhaus mit einem sehr hübschen Parke. - -Den Rückweg nach Leitmeritz schlagen wir über Kudeslawitz ein. Dieses -Dorf liegt am südlichen Abhange der »Dreiberge« und erfreut sich -schöner Waldungen, die von Strassen durchschnitten werden, so dass der -Wald einen parkähnlichen Charakter erhält. Am Bergabhange führt die -Strasse über Pohorschan nach Schüttenitz und von da nach Leitmeritz. -Von Pohorschan windet sich die Strasse zwischen dem langen Berge und -dem Goldberge hindurch. - -Wenn man nun die Trnowanner Strasse, statt unterhalb des Weissen Berges -abzuzweigen, weiter einschlägt, so gelangt man nach dem Marktflecken -Liebeschitz (2½ St. von Leitmeritz) mit einem herrschaftlichen Schloss -und Park des Edlen von Schroll. In einer guten halben Stunde erreicht -man die Stadt _Auscha_, bekannt durch ihren Hopfenhandel. - -Nördlich hievon liegt der _*Geltschberg_, der höchste Berg der Gegend. -Am Fusse desselben befindet sich die Kaltwasseranstalt _*Geltschbad_ -mit schönen Spaziergängen und Waldpartien. (1 Stunde von Auscha.) - -Unweit hievon das Städtchen Lewin (1 Stunde von Auscha) auf -einer Anhöhe gelegen, zeichnet sich durch einen regen Handel und -Gewerbefleiss aus. - -Von Auscha eine Stunde entfernt, ist die Burg _Hradek_; ferner ist zu -erwähnen das Dorf Konojed (1 Stunde von Auscha), mit Schloss, einem -ehemaligen Kloster und Garten. - -Unweit von Konojed erhebt sich der _Eichberg_, an dessen Ostseite ein -interessanter Basaltsteinbruch mit schiefliegenden Basaltsäulen sich -befindet. - -In derselben Richtung liegen _Graben_ und _Drum_. Im letzteren Orte ist -ein bischöfliches Schloss. - -Eine Partie, die man per Bahn unternehmen kann, ist die nach _Liboch_ -a. d. Elbe. Liboch zeichnet sich durch hervorragenden Weinbau aus. -Romantisch ist das östlich gelegene Thal _Kokorschin_. - -Eine grössere Partie über das Mittelgebirge bildet die von Leitmeritz -nach _*Grosspriesen_, und kann man zwei Wege einschlagen. Die erste -Tour hält sich an die Strasse, welche über Schüttenitz, Pohorschan, -Stankowitz, Ritschen und Proboscht, wo sich in einer Felsenschlucht -die romantische Kaisermühle befindet, in das Grosspriesner Thal führt. -Dieser Weg ist ungemein anziehend, da er lange Strecken durch herrliche -Forste hinzieht. Im Grosspriesner Thal sind bei Salesl die Kohlenwerke -bemerkenswerth. Der Bergverwalter Herr Kastelly besitzt eine reiche -mineralogische Sammlung, die er Besuchern gern zeigt. - -Der zweite Weg ist schwer zu finden und kann nur zu Fuss zurückgelegt -werden; er zieht sich über Skalitz, Neuhof, den Hohenstein und die -Tetschner Aussicht nach Proboscht. - -Es liessen sich noch mancherlei herrliche Partien in der Umgebung von -Leitmeritz anführen, allein dieselben sind zu wenig bekannt und von -Fremden nicht so leicht auffindbar. In diesem herrlichen Gau hätte -ein Gebirgsverein eine grosse und schöne Aufgabe zu erfüllen, und wir -wollen hoffen, dass es doch noch gelingt, dieses schöne Stück Erde dem -Touristenstrom zu erschliessen. - - - - -Aussig. - - - =Eisenbahnen=: 1. _Oesterreichische Staatsbahn-Linie_: - Aussig-Bodenbach-Dresden; Aussig-Prag-Wien. 2. - _Oesterreichische Nordwestbahn_, rechtes Elbeufer -- - nach _Tetschen_ in 50, nach _Leitmeritz_ in 50 Minuten. - 3. _Aussig-Teplitzer Bahn_ -- nach Teplitz (40 Min.), - Dux-Bilin-Brüx-Komotau und Anschluss nach Karlsbad-Eger. 4. - _Bielathal-Bahn_, Bahnhof in der Nähe der chemischen Fabrik, - nach Bilin-Sauerbrunn in 2 Stunden. - - =Dampfschifffahrt= gegen Leitmeritz und gegen Tetschen, - Herrenskretschen, Schandau, Dresden. - - =Gasthöfe=: »Goldene Krone« am Marktplatz, »englischer Hof« in - der Lindenstrasse, »Goldener Engel«, »Stadt London«, »Stadt - Prag« am Markt, Hohes Haus« bei der Bahn. - - =Restaurationen=: Belvedere- und Dampfschifffahrts-Restauration - mit schöner Aussicht; Schmidt's Restauration und Garten, grosse - Wallstrasse, Elisium mit Garten, Ostervorstadt; Ferdinandshöhe - auf einem Vorsprung des Galgenberges mit prächtiger Aussicht. - - =Post- u. Telegrafenamt. -- Buchhandlung.= - -_Aussig_ liegt am linken Elbeufer, an der Mündung der Biela in die -Elbe, sowie am Fusse des Střezowitzer und des Marienberges, welcher -letztere, aus Klingstein bestehend, wegen der mannigfaltigen Mineralien -merkwürdig ist. Vom Gipfel desselben geniesst man eine herrliche -Aussicht in das Elbthal und die Gebirgsketten diesseits und jenseits -des Stromes, von dessen Ufern sich der Marienberg fast senkrecht -erhebt. Unmittelbar über der Stadt erhebt sich _*die Ferdinandshöhe_ -mit prachtvoller Aussicht (früher waren hier die Ruinen der Burg -Witrusch). - -=Geschichtliches=: Die Gründung der Stadt soll schon im J. 827 erfolgt -sein. Im Jahre 1277 wurde sie der Krone von Böhmen einverleibt, 1282 an -Otto von Brandenburg abgetreten und vom Kaiser Rudolf von Habsburg der -böhmischen Krone wieder zurückgegeben. - -Während des Husitenkrieges verpfändete Kaiser _Sigmund_ die Stadt an -die Meissner, was eine grosse Erbitterung in Böhmen hervorrief und -eine Belagerung der Stadt zur Folge hatte. Ein meissnisches Ersatzheer -wurde zwar am 16. Juni 1426 vollständig besiegt, allein die Stadt -dabei so eingeäschert und verwüstet, dass sie drei Jahre lang ganz -verödet blieb. Ein zweites, trauriges Loos traf die Stadt am 8. Mai -1538, wo ein grosser Theil derselben sammt der Stadtkirche in Flammen -aufging. Ferdinand I. gab der Stadt Aussig für die Treue, welche sie -ihm gelegentlich der Zwistigkeiten zwischen Karl V. und dem Kurfürsten -_Johann Friedrich_ von Sachsen bewies, nebst vielen anderen Vorrechten -auch Sitz und Stimme im Landtage. Während des 30jährigen Krieges wurde -Aussig 1631 von sächsischen Truppen verwüstet und in Brand gesteckt, -dagegen ist es während des 7jährigen Krieges und bei dem Einfalle der -Franzosen im J. 1813 von grösseren Unglücksfällen verschont geblieben. - -In neuester Zeit ist die Stadt durch ihre äusserst günstige Lage -an der schiffbaren Elbe, in unmittelbarer Nähe des ausgedehnten, -reichhaltigen nordwestböhmischen Braunkohlenbeckens, durch die -zahlreichen Eisenbahnen ein bedeutender Handels- und Industrieplatz -geworden. Die Einwohnerzahl ist seit 1869 bis zum 31. Dezember -1880 von 10.000 über 16.000 gestiegen. Die im J. 1857 von einer -Actiengesellschaft gegründete _chemische Fabrik_ für chemische und -metallurgische Production ist eine der grössten Europas und beschäftigt -über 1300 Arbeiter. Sie liefert Schwefelsäure, Sulfate, Salzsäure, -Superphosphate u. s. w., besitzt eine eigene Gasanstalt, welche -auch die Stadtbeleuchtung besorgt, eine Dampfziegelei u. s. w. Der -Flächenraum des Fabriksgebietes beträgt 58 Hekt. An Arbeitslöhnen wird -wöchentlich die Summe von 12.000 fl. ausgezahlt. Der Kohlenverbrauch -belief sich im Jahre 1880 auf 12.734 Waggon zu 11 Tonnen. - -Weitere industrielle Etablissements befinden sich hier: eine -Lederfabrik, zwei Siderolithwaarenfabriken, Baumwollspinnerei, -Glasfabrik, Paraffinfabrik, Webewaarenfabrik, Bandfabrik u. s. w. Viele -Braunkohlenniederlagen. Die Kohlenverfrachtung auf der Aussig-Teplitzer -Bahn grossartig. - -In Aussig wurde am 12. März 1728 während eines vorübergehenden -Aufenthaltes seiner in Dresden wohnhaften Eltern _Anton Raphael Mengs_ -geboren. - -=Sehenswürdigkeiten=: 1. Die im sogenannten altgothischen Style erbaute -und mit einer kunstreich gearbeiteten steinernen Kanzel versehene -Dekanalkirche. Dieselbe besitzt eine kostbare _*Madonna_, die sich -in einem feuerfesten eingemauerten Schreine befindet und nur bei -hohen Festen ausgestellt ist. Dieses prachtvolle Bild von bedeutendem -Kunstwerthe ist nach dem Urtheile gewiegter Kenner (auch Göthe schloss -sich dieser Ansicht 1813 an) ein Werk Carlo Dolce's. Fälschlich hat -man es dem obgenannten Anton Raphael Mengs zugeschrieben, welche -Annahme aus dem Grunde unstatthaft ist, als Raphael Mengs zur Zeit -der testamentarischen Uebergabe des Bildes an die Decanalkirche -(1737) 9 Jahre alt war. Das Gerücht mag deshalb entstanden sein, -dass die Erblasserin Margaretha Fischer geb. Rochus von Lindenfels -die Besitzerin des Geburtshauses des wiederholt genannten Raph. -Mengs gewesen und das Bild nach der übereinstimmenden Aussage vom -Vater Raphaels, dem sächsischen Hofmaler Ismael Mengs, zum Geschenke -erhielt. 2. Die St. Adalbertskirche bei dem Dominikanerkloster, im -Renaissancestyl erbaut. 3. Die grossartige _eiserne Elbbrücke_, welche -die Nordwestbahn mit den Bahnen des linken Elbufers verbindet. 4. Die -neue Knabenschule und zwei andere grosse Schulgebäude. 5. Die älteste -Kirche ist die Maternus-Kirche, deren Friedhof seit vielen Jahren -aufgelassen ist und jetzt in einen Park verwandelt wird. (Die _Touren_ -ins böhmische Erz- und Mittelgebirge siehe »Der Besuch des böhmischen -Erz- und Mittelgebirges von Teplitz-Bilin, eventuell Lobositz« aus.) - -Hier sei Erwähnung gethan der herrlichen Ausflüge zur _*Ruine -Schreckenstein_ (½ St.) und auf die _*hohe Wostrey_ (2 St.). Wir gehen -von Aussig süd-südöstlich auf das rechte Elbufer und erreichen in einer -halben Stunde den Klingsteinfelsen, auf welchem sich die malerischen -Ruinen der alten _Veste Schreckenstein_ erheben, die im Sommer der -Gegenstand zahlreicher Besuche von Einheimischen und Fremden sind. -Der Felsen steht senkrecht 80 m hoch über dem Spiegel der Elbe, ist -nur von einer Seite zugänglich und macht einen imposanten Eindruck. -Zwischen dem Burgfelsen und dem grünbewaldeten Schanzenberge liegt die -sogenannte _Schäferei_. Von hier führt der einzige Zugang zur Burg, -ein schmaler Gang, auf dessen beiden Seiten niedrige Gebäude stehen, -darunter das alte Bräuhaus, während der Burgfelsen auf der Ostseite -auch hier 37·9 m hoch senkrecht wie eine Wand aufsteigt. Wir kommen zu -dem gut erhaltenen Burgthor, das mittelst einer Treppe passirt wird. -Durch das Thor treten wir in den Burghof, welcher mit einer starken -Ringmauer umgeben ist. Hier befindet sich die Restauration, für die es -seit 1877 ein eigenes Gebäude mit Fremdenzimmern gibt. - -Der sogenannte Rittersaal steht mit dem Burghofe durch einen schmalen -Gang in Verbindung. Durch die nach der Elbe gerichteten sechs Fenster -hat man einen prächtigen Blick in das Thal. Daneben befindet sich -ein kleines Gebäude, welches zu Restaurationszwecken verwendet -wird. Von hier führt links ein Fusspfad nach einem Felsenvorsprung, -einer ehemaligen Warte, welche mit einem Dache versehen ist und -einen vorzüglichen Blick auf die eigenthümliche Steinschichtung des -Felsens gewährt. Von diesem unteren Theile steigen wir auf einer -Treppe in _die Hauptburg_ und dann in _die Burgkapelle_ mit schönen -Spitzbogenfenstern; da ist ein Vorsprung mit schöner Aussicht. -Sehenswerth sind noch die _Burgherrenwohnung_, _die Citadelle_, -von welcher noch die Reste von zwei halbrunden Bastionen und ihrer -Verbindungsmauer vorhanden sind, und _der Wartthurm_, welcher mit einem -Holzdache versehen ist und bis jetzt den Stürmen der Zeit getrotzt hat. -Von hier können wir die Tour auf _die hohe Wostrey_ fortsetzen (1½ St.) -oder nach Aussig zurückkehren. - -Aussig-_hohe *Wostrey_. Wir gehen von Aussig in südöstlicher Richtung -nach Ober-Sedlitz, einem Dorfe ¼ St. von der Elbe und am Fusse des -Gebirges und kommen nach Neudörfel (1 St.), wo bereits der Milleschauer -(im Südwesten) zum Vorschein kommt, während im Rücken (Norden) des -Wanderers der Schneeberg mit seinem weitsichtbaren Thurme auftaucht. -Neben einem grossen Nussbaum theilt sich der Fahrweg; wir benützen -weiter den Seitenweg rechts und langen bei einer, zwischen zwei -hohen Eichen angebrachten Ruhebank an, von wo aus wir, auf dem -windungsreichen Fusswege links fortschreitend, die Spitze dieses 583 m -hohen Basaltkegels erreichen. Derselbe ist einer der bedeutungsvollsten -und lohnendsten Aussichtspunkte im Norden unseres Heimathslandes. -Wir haben eine prachtvolle Waldlandschaft unmittelbar vor uns. Das -herrliche Elbthal können wir weit verfolgen. Im Norden wird der Thurm -des Schneeberges sichtbar, der sich als ein langgedehnter, nordöstlich -laufender Bergrücken über ein hohes, aus dem Elbthale und dem Eulauer -Thale östlich und südlich steil aufsteigendes, an seinen Rändern durch -tiefe Thaleinschnitte zerrissenes Plateau erhebt. Vor dem Erzgebirge -ist die mit allen Reizen einer üppigen Natur geschmückte Thalebene, -welche ihren Anfang bei Arbesau nimmt, mit dem Eulauer Thale durch -einen niedrigen Pass zusammenhängt und sich bei Kulm und darüber -hinaus erweitert, ausgebreitet. Rechts vom Schneeberge sehen wir die -Ruine des, wahrscheinlich im 30jährigen Kriege zerstörten Schlosses -Blankenstein, von dem man eine sehr weite und schöne Aussicht, -namentlich auf den Elbstrom geniesst. - -Im Vordergrunde liegt Aussig. Westwärts lassen wir unsere Blicke über -das herrliche Mittelgebirge schweifen und nehmen den Milleschauer, -Kletschen, Radelstein, die Klotzberge, den Kostial, den Lobosch und -ganz im Hintergründe die Hasenburg wahr. Unmittelbar unter uns liegt -das Dorf Birnay, am rechten Elbufer, am Fusse des Prutschelberges. Im -Osten sehen wir den Geltsch bei Auscha, nordwestlich den Zinkenstein, -links davon im Hintergrunde den Rosenberg bei Tetschen. - - - - -Tetschen. - - -=Tetschen=, Stadt, an der Elbe, zählt über 5000 Einwohner; sie ist mit -dem linken Elbufer durch die prächtige Kaiserin Elisabeth-Kettenbrücke -verbunden. Die Stadt hat viele Neubauten aufzuweisen, was auf einen -nicht unbedeutenden Aufschwung schliessen lässt. Obst-, Getreide- und -Holzhandel ist gross. Alle Holzgattungen werden bis Hamburg verschifft -und verflösst. Bedeutend ist auch der Schiffbau. - - =Gasthäuser=: Stadt Prag, Krone, silberner Stern am Ring, Hôtel - Ullrich an der Elbe, das Schützenhaus in prächtiger Lage mit - einem schönen Garten; Hôtel zum Dampfschiff, neben der Brücke - an der Elbe; Restaurationen; Weinstuben. - - =Eisenbahnen=: Oesterreichische Staatsbahn, Nordwestbahn, - böhmische Nordbahn nach Warnsdorf und Böhmisch-Leipa, - Dux-Bodenbacher Bahn von dem gegenüberliegenden _Bodenbach_ aus. - - =Dampfschifffahrtsstation.= -- =K. k. Post- und Telegrafenamt.= - -- =Badeanstalt.= - -=Sehenswürdigkeiten=: Auf einem vom Ufer der Elbe 47·4 m senkrecht -aufsteigenden, gegen Norden und Osten sich abdachenden Sandsteinfelsen -steht das _stolze *Schloss_ der Grafen von Thun. Es wurde 1668 vom -Grafen Maximilian von Thun neu erbaut und vom Grafen Wenzel Thun 1788 -im gegenwärtigen imposanten Zustande vollendet. Das Schloss ist -eine Zierde des Elbthales und hat fast von allen Seiten herrliche -Aussichten in die paradiesisch schönen, zum Theile wildromantischen -Gegenden desselben. Es enthält eine Schlosscapelle zum hl. Georg -mit einem Altarbilde von Berglen, eine schätzbare Bibliothek, eine -Gemäldesammlung, ein Münz- und Waffenkabinet. An den Abhängen des -Schlossberges und am Fusse desselben befinden sich _herrliche -*Gartenanlagen_ mit Orangerie und Gewächshäusern für seltene exotische -Pflanzen und einem der grössten Ananashäuser, nach englischer Art -eingerichtet. Die Auffahrt zum Schlosse von der Stadtseite ist in -Felsen ausgehauen. Am Ufer der Elbe ist ein Fussweg, theilweise durch -den Felsen gehauen, und über den Arm der Pulsnitz, welche hart am -Schlossfelsen in die Elbe mündet, führt ein Kettensteg zur Verbindung -des nördlichen Theiles der Gartenanlagen mit dem südlichen. Dieses -Schloss war als ein fester Punkt an der Elbe und Schlüssel dieses -Stromes von militärischer Wichtigkeit. Wiederholt wurde es besetzt, -so im J. 1631 von den Sachsen, 1635 und 1638 von dem schwedischen -Parteigänger Stalhantsch. 1641 von den Kaiserlichen, 1647 von dem -schwedischen Obersten Kopi (da wurde es mit 700 Kugeln beschossen), -1741 von den Franzosen, 1744, 1756 und 1778 von den Preussen. - -Die _Dekanalkirche_ zum hl. Kreuz, 1687 vom Grafen Max Thun zum Theile -auf Felsengrund erbaut, auf welchen Umstand die auf dem freistehenden -natürlichen Grundsteine angebrachte Inschrift deutet. Diese Kirche, -welche von Cramolin ausgemalt ist, ist eigentlich die Schlosskirche. -Die _Stadtkirche_ zu Sct. _Wenzel_ und _Blasius_ brannte 1749 ab und -wurde als Waarenmagazin verwendet; vor zwei Jahren wurde sie wieder -hergestellt. Weitere nennenswerthe Gebäude sind: Das _Stadthaus_ mit -der Sparkassa, das k. k. _Bezirksgericht_, das _Bürgerschulgebäude_, -die _Lorettokapelle_ und der _Bahnhof_ der österreichischen -Nordwestbahn. - -(Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges von Tetschen und dem -gegenüberliegenden Bodenbach siehe Besuch von Lobositz, Teplitz und -Bilin aus.) - -Herrliche Spaziergänge und Touren. (Siehe Bodenbach!) Wir wenden uns -von Tetschen-Bodenbach nach Norden gegen _*Herrenskretschen_. Links -haben wir das Erzgebirge, welches hier in geographischer Beziehung mit -dem Elbufer endigt. Gewöhnlich nimmt man als Grenze den Nollendorfer -Pass an und bezeichnet das Gebirge von da an zu beiden Seiten der Elbe -als Elbsandsteingebirge oder böhmisch-sächsische Schweiz. Der höchste -Punkt ist _der hohe Schneeberg_, welcher sich mit seinen Abdachungen -über ein grosses Gebiet verbreitet, so dass alle, besondere Namen -führenden Bergmassen als Vorsprünge und Ausläufer zu betrachten sind. -Der nordöstliche heisst _die Scheibenkoppe_; nördlich verflacht sich -diess Gebirge nach Sachsen, hat jedoch auch hier felsige Vorsprünge: -_den Brunnnesselkamm_ und _den Breitenstein_; westlich hängt es -mit dem in dieser Richtung fortlaufenden Rücken des Erzgebirges -ununterbrochen zusammen. Unmittelbar an dem linken Elbufer gibt es -steile Berge, welche zum Theile in senkrechten, gleichsam in mehreren -Stockwerken über einander gethürmten, mannigfach zerrissenen und -grotesken Felswänden emporsteigen, wie bei Niedergrund, Mittelgrund. -Die herrschende Formation in diesem Gebirge ist der Quadersandstein, -welcher hier alle seine Eigenthümlichkeiten hinsichtlich des Grotesken -und Malerischen auf die mannigfaltigste Weise entwickelt; besonders -zeigen sich seine kühnen, oft abenteuerlichen Formen in den engen -Thälern und Schluchten, welche diess Gebilde durchschneiden, und -einzelnen, von der Hauptmasse losgerissenen Felspfeilern und Pyramiden, -sowie auch Grotten und Höhlen, welche sich hier vorfinden. Auch am -rechten Elbufer, wo der _Quaderberg_, die steilen _Rosenwände_ bei dem -Dorfe Rasseln und die _*Elbleiten_ bemerkenswerth sind, wird das Thal -durch die bis fast an die Ufer des Stromes vorspringenden Berggehänge -so eingeengt, dass nur ein schmaler Streifen Landes am Flusse für den -Anbau erübrigt. Die Fahrt auf dem Dampfschiff nach Herrenskretschen ist -eine hochinteressante und sehr lohnende (1 St. -- zu Fuss geht man über -Ober-, Mittel- und Niedergrund). - - - - -Herrenskretschen. - - - =Dampfschifffahrtsstation.= -- Eisenbahnstation in _Schöna_, - Herrenskretschen gegenüber. -- Postfahrt nach Dittersbach. -- - Lohnfuhrwerke. - - =Gasthäuser=: Hôtel Herrenhaus, Hôtel zum grünen Baum. - -Der Ort liegt am rechten Elbufer, am Ausflusse der Kamnitz in die -Elbe, in einem tiefen, zu beiden Seiten von hohen Sandsteinwänden -eingeschlossenen Thale. In der Nähe des Ortes mündet von Norden her -in das Kamnitzthal der _*Prebisch-Grund_ mit den _*Prebisch-Wänden_ -und dem _*Prebisch-Thor_, ein hochinteressanter Bestandtheil der -_böhmisch-sächsischen Schweiz_. Das _Prebisch-Thor_ ist ein viele -Klafter hoher und weiter, von der Natur selbst über das Thal -brückenähnlich gespannter Felsenbogen. Man geniesst von seiner Höhe, -am Rande eines schauerlichen Abgrundes, aber durch feste Brustwehren -geschützt, die herrlichsten Aussichten auf die benachbarten Gegenden. -Mit Entzücken verweilt das Auge auf einer Menge von Ortschaften, -wie Rosendorf, Arnsdorf, Steinschönau u. s. w., auf hohen Bergen, -wie _Rosenberg_, _Schneeberg_, _Bösig_ u. s. w., auf den schönsten -Waldungen und den fürchterlichsten Abgründen und Felsenmassen. Es ist -bereits vieles geschehen, um sowohl den Einheimischen als auch den -Fremden den Besuch dieser _herrlichen, berühmten, aber noch nicht -gehörig gewürdigten_ Felspartien zu erleichtern. Ein bequemer Weg, mit -Ruhebänken versehen, führt bis auf die Höhe des _Prebischthores_ und -mehrere Brücken, über tiefe Schluchten gespannt, geleiten den Touristen -auf die zunächst liegenden Höhepunkte dieses Felsenlabyrinths bis nach -Sachsen hinein. - -_Herrenskretschen-*Edmundsgrund_ -- diese herrliche Partie, welche den -Wettkampf mit den bedeutendsten Hochgebirgspartien aufnehmen kann, ist -leider auch noch sehr wenig gekannt. Wir folgen von einem der Gasthöfe -dem Laufe der Kamnitz und treten in den Edmundsgrund ein, welcher mit -seinen grossartigen, steilen und reich bewaldeten Gebirgsabhängen, -mit dem klaren und forellenreichen Wasser und durch die reiche -Scenerie der Landschaften einen imposanten Eindruck hervorbringt. -Sehr empfehlenswerth ist auch der _Aufstieg_ auf den, dem Herrenhause -gegenüberliegenden _*Elisalexfelsen_ mit einem herrlichen Blicke auf -die Elbe und in das Kamnitzthal. Das 1 Stunde entfernte _Belvedere_, -zwei künstlich bearbeitete und von der Südseite zugänglich gemachte -Sandsteinfelsen (bei Elbleiten), deren einer die Gestalt einer -Festung mit Schiessscharte darbietet, der andere aber zu einem Tempel -ausgehauen ist, von welchem man auf die in der Tiefe vorüberströmende -Elbe und das jenseitige Ufer bis Niedergrund hin eine reizende Aussicht -hat, wird wenig mehr besucht. Dieser Theil der böhmischen Schweiz ist -grossartig, und deshalb geben wir der Hoffnung Raum, dass er seitens -der Touristen so gewürdigt werden wird, wie er es verdient. - - * * * * * - -Benutzt wurden: Sommer's Königreich Böhmen; Karlsbad in -geschichtlicher, medicinischer und topographischer Beziehung von Dr. E. -Hlawaček, Verlag v. Hans Feller in Karlsbad; der Wegweiser für Karlsbad -und Umgebung von Dr. Hlawaček, Verlag von Feller in Karlsbad; der -Führer in Karlsbad und seiner Umgebung (Verlag v. Franiek und Comp. in -Karlsbad); Führer durch die westböhmischen Kurorte und deren Umgebung, -Eger, Druck und Verlag von Stadler und Comp. - -Bezüglich der Karte unseres Reisegebietes bemerken wir, dass es -unmöglich war, sämmtliche Aussichtspunkte und Orte, welche der Führer -enthält, in dieselbe einzuzeichnen; wir mussten uns auf die wichtigsten -beschränken, da sonst die Karte unleserlich und dadurch unbrauchbar -geworden wäre. Eisenbahnen, Strassen, Wege und Stege enthält sie -vollständig, und das ist umsomehr die Hauptsache, als die einzelnen, -nicht eingezeichneten Objekte im Buche so genau beschrieben sind, dass -die Bestimmung der Lage derselben gar keiner Schwierigkeit unterliegt. - - - - -Register. - - -Orte, welche bei Aussichtspunkten nur erwähnt sind, wurden nicht -vollständig aufgenommen. Ist ein Ort, Berg u. s. w. speciell behandelt -oder besonders betont, so ist er mit der Seitenzahl angeführt. Die -fettgedruckten Zahlen weisen auf die spezielle Behandlung hin. - - - A. - - Abenddämmerung =18=. - - Abendröthe =18=. - - Aberg 11, 38, 78. - - Abg'span das 91. - - Abertham 21, =115=, =116=, =117=. - - Adelsberg 7. - - Adorf 21, 40, 41. - - Aich 11, =82=. - - Alpenglühen =20=. - - Altenberg 21. - - Altengrün 60. - - Altenteich 36. - - Altrohlau 85. - - Altsattel 15. - - Alaunhütte =127=. - - Annaberg 21. - - Annakirche bei Eger =31=. - - Annathal 60. - - Antonienhöhe 30. - - Assigbach 15, 16. - - Assigbachthal 138. - - Asch =41=, =42=. - - Aschberg 10, =62=, =63=, 64. - - Aubach 16. - - Auerhahnl 93. - - Auersberg 36, 65. - - Auperschin 178, 187. - - Aussengefield 21. - - Aussig 14, 178, 210, 211, =224= bis =228=. - - Auscha 223. - - Austein 15. - - - B. - - Bärenbrand 36. - - Bärenstein (Berg) 8, 146. - - Bärenstein (Städtchen) 201. - - Bärringen 21, 96, =97=, =98=, 117. - - Beerberg 21. - - Beerhübel 7, 149. - - Bellevue-Tempel 79. - - Belvedere (Karlsbad) =77=. - - Belvedere (böhmische Schweiz) 231. - - Bensen 212. - - Berg Troschiger 129. - - Bernau =149=. - - Bergwerkzechen 23, 24. - - Bergwirthshaus 80. - - Bernstein 7, 151, 155, 160. - - Biela 14, 16. - - Bielathal 188. - - Bihana 210. - - Bilin =173= bis =178=. - - Billinka 178, 179. - - Bleistadt =58=. - - Bodenbach 212 bis 219. - - Bohemia 211. - - Borislau 177, 178. - - Bořen 19, =172=, =173=. - - Böhmische Schweiz 230. - - Böhmischer Sitz 80. - - Böhmisch Sibirien 120. - - Brandau 150, 153. - - Brandbach 15. - - Breitenbach 91, 117. - - Breitenstein 148, 230. - - Brockengespenst 20. - - Brunndöbra 62, 64. - - Brunndöbrathal 62. - - Brunnersdorf 132, =135=. - - Brunnnesselkamm 230. - - Brüx 16, =160= bis =173=. - - Buchenhöhe 11. - - Buchholz 21. - - Burberg 8, 9. - - Bünaburg 210. - - Büschel (bei Görkau) =148=. - - - C. - - Crandorf 123. - - Crudum 10, =53=. - - Cubabrunn 40. - - - D. - - Dallwitz 15, =81=. - - Dassnitz 15, 38, 49. - - Davidsthal 51. - - Deblikberg 188. - - Denkmäler bei Kulm =194=--=196=. - - Dillenberg 10, 16. - - Domina 129, 130, 140. - - Donnersberg 12, 19. - - Doppelburg 199, 200. - - Dorotheentempel 80. - - Dörnsdorfer Bach 17. - - Dörnthal 16. - - Drahowitz 98. - - Dreiberg 223. - - Dreikreuzberg 79, 220. - - Drosau 49. - - Drum 229. - - Dubitz 188. - - Duppau 142. - - Dux =155=, =156=. - - Dürnberg 7. - - - E. - - Ebene Teplitzer =191=, =192=, =193=. - - Ebersdorf 203. - - Edelweiss 20. - - Edersgrün 96. - - Edmundsgrund 231. - - Eger (Fluss) 14, 15. - - Eger 15, =31=, =32=, =33=, =34=, =35=, 38. - - Egerland 40. - - Egerthal 38. - - Eibenstock 21. - - Eidlitz 16, 128. - - Eichberg 224. - - Eichelberg =112=, =113=. - - Eichwald 20, 199, 203. - - Eiland 209. - - Einsiedel 20, 152, 154. - - Einsiedel (Bad) 152. - - Einsiedel (Deutsch) 152. - - Einwohnerzahl 21. - - Eisenberg 8, =151=, =152=, 160, 168. - - Eisknochen 201. - - Eispinge 94. - - Eisenstrass 21. - - Elbe 14. - - Elbgebirge 13. - - Elbleiten 230. - - Elbogen 11, 16, =54= bis =58=. - - Elbsandsteingebirge 14. - - Elisalexfelsen 231. - - Elster 21, 36, 37, 41. - - Elstergebirge 40. - - Elterlein 21. - - Engelhaus =83=, =84=. - - Erlbach 40, 41. - - Erzgebirge 5, 38, 40, =196=, =197=. - - Eulau 209, 210. - - Eulauthal 210. - - - F. - - Falkenau 10, 15, 16, 38, 39, =49= bis =52=, 53, 54, 58, 59. - - Falkenauer Land 10, 49. - - Falkenstein 21. - - Felshäuser (Neudek) 89. - - Ferdinandshöhe 47, 225. - - Fichtelberg 9, 36, 146. - - Fichtelgebirge 16, 38, 40. - - Findlaters-Tempel =76=. - - Fischern 15, 82, 85. - - Fladererberg 91. - - Flachsgrund 151. - - Fleissenbach 15. - - Flöhe 17. - - Flöhauerbach 16. - - Flössberg 65. - - Flössgraben 16. - - Fluthbach 16. - - Flüsse 14. - - Försterhäuser 17, 117. - - Försterhaus (Marienbad) 47. - - Franzensbad =28=, =29=, =30=, 35, 41. - - Frauenreuth 36. - - Frauschieterberg 187. - - Frauenstein 21. - - Freudenstein =108=, =109=. - - Freundschaftsanhöhe =77=. - - Frühbuss 21, =65=. - - Friederikenfels 80. - - Freiberg 21. - - Fuchsgrund =167=. - - Fuchshütte 198. - - Fuchsloch 98. - - Fuchswarte 198. - - Fundorte der Mineralien 24 bis =27=. - - Fürnstein Anton =50=, =51=. - - - G. - - Gabhorn 49. - - Gabrielahütten =150=, =153=. - - Gaisberg 149. - - Galgenberg bei Görkau 148. - - Galgenberg b. Joachimsthal 103. - - Ganghofer Berg =173=. - - Gängerhäusel 49. - - Geiersburg 205, 206. - - Geisinger Berg 201. - - Geltschbad 223. - - Geltschberg 223. - - Georgshöhe 148, 158. - - Gesteinlicht 61. - - Geyer 21. - - Giebacht 86. - - Giesshübel-Puchstein =84=, =85=, =142=, 143. - - Glatze 36. - - Glasberg 8, 61, 95, 189. - - Glieden 130. - - Gliedner Berg 8. - - Globenstein 123. - - Goldbach 16. - - Goldenhöhe =123=. - - Gossengrün =58=. - - Gottesgab 9, 10, 21, =118=, =119=. - - Göhrner Hügel 7. - - Görkau 16, 128, =147= bis =152=. - - Göthe =50=. - - Göttersdorfer Bach 16. - - Graben 110, 224. - - Grasengrün 98. - - Graslitz 15, =60=, =61=, =62=, 63, 64. - - Gränzbach 17. - - Grauenstein 111. - - Graupen 17, 202. - - Grossenteich 95. - - Grosspriesen 224. - - Grundbach 16, 168. - - Grundbachthal 135, 136. - - Grund Komotauer =138=, =139=. - - Grundmühle (Komotau) 128. - - Grund Platzer =130=. - - Grundthal 132. - - Grün 53, 132, 133. - - Grünberg 31. - - Gründung der Städte im Erzgebirge =21=. - - Grünhain 21. - - Grünlasthal 54. - - Grünthal 150, 153. - - Grünze 156. - - - H. - - Haardorf 144. - - Habichtsfelsen 154. - - Hagensdorf 15, 135. - - Halde 110. - - Halmgrün 95. - - Hammer 20, 152, 168. - - Hammerberg 8. - - Hammer Böhmisch 123. - - Hammer (Hammergrund) 154, =159=. - - Hannersdorf 149. - - Hansheiling 57, =82=. - - Hartenberg =51=, =52=, 65. - - Haselbach 54. - - Haselstein 7, 154. - - Hasenburg 176, 177. - - Haslau 35. - - Hassenstein 130, =132=, =133=, =134=, =135=, 136. - - Hassensteiner Schlossberg 8. - - Hauenstein =112=. - - Hauensteinberg 9. - - Hauenstein-Warta 142. - - Hausberg 61. - - Häuselberg 148. - - Heidenschloss 212. - - Heinrichsgrün 21, =58=, =59=, =60=. - - Heinrichssteinfels 117. - - Helenenhof 80. - - Helms Ruhe 186. - - Hengstererben 21, 115. - - Herrenskretschen 14, 212, =230=, =231=. - - Herrgottsstuhlberg 9. - - Hertine 187. - - Himmelstein 8. - - Hirschberg 36. - - Hirschensprung =76=. - - Hirschenstand 21, 64, 65. - - Hofberg 90. - - Hochtannenberg =89=. - - Hohe Glatze 10. - - Hohenberg 95. - - Hohenstein 210. - - Hohentann 130. - - Hoher Hau 97. - - Hoher Stein =10=, 36, =40=, =41=. - - Hochstadt 21. - - Holzbach 15. - - Holzbau 61. - - Horatitz 15. - - Hořenzer Berg 170. - - Hostenitz 15. - - Höben 189. - - Höflas 35. - - Höhendorfer Höhe 47. - - Hölle 62. - - Höllenbach 15. - - Höllengrund 222. - - Höllenhammer 62. - - Höllenstein 131. - - Hradek 224. - - Hradisken 220. - - Hundsbach 16. - - Huritzberg 49. - - Hut (Forsthaus) 114. - - Hutberg 8, =127=, =128=, 148. - - Hutberg bei Bünaburg 210. - - Hübladung 150, 154, 155. - - Hüttengrund 198. - - - CH. - - Charakter der Erzgebirger 21. - - Chodaubach 15. - - Chodolitz 176. - - - I. - - Illmesberg 65. - - Industriezweige 22. - - Irrgang 93, 118. - - - J. - - Jagdschloss bei Eichwald 198, 200. - - Jentschitz 176. - - Joachimsthal 21, =103= bis =115=. - - Johannisfeuerberg 151. - - Johann-Georgenstadt 21, 91. - - Johannis-Kapelle 110. - - Johnsdorf 152, 154, =159=, 168. - - Josefsdorf 51. - - Judendorf 202. - - Jungenhengst 118. - - - K. - - Kaaden 15, =140=, =141= bis =145=. - - Kaff (Ober) 116. - - Kahlenberg 201. - - Kaiserbuchwald 91. - - Kaiser Franz Josefs-Höhe =77=. - - Kaiser Josefs-Schacht 110. - - Kaiserwald 10, 38. - - Kalkofenhöhe 132. - - Kallich 140, =149=. - - Kalter Winter 120. - - Kamaiker Eisberg =219=, =220=. - - Kammerbühl =30=, =31=. - - Kammersberg =89=. - - Kammersgrün 96. - - Kampelberg 152. - - Kapellenberg bei Steinbach =53=. - - Kapellenberg bei Voitersreuth 10, =35=, =36=, 40. - - Kapuzinerhau 7. - - Karlsbad 15, 16, =66= bis =85=, 98. - - Karls IV. Statue 79. - - Katharinaberg 21, 150, =152= bis =155=. - - Katzenfelsen 61. - - Katzengrün 39. - - Katzenhübel 148. - - Katzenrücken 150. - - Käsherdberg 154. - - Keilberg 9, 36, =113=, =114=, =119=, 146. - - Keller (bei Deutsch-Kralupp) 135, 136. - - Kelchberg 223. - - Kernberg 60. - - Kirchberg 40. - - Kiel 36, 63. - - Kirchenbirg 53. - - Kienhaide 139, 140. - - Klapay 176, 177. - - Kleinkahn 210. - - Kleinpriesen 14. - - Kleinthal 144. - - Klein-Versailles 78. - - Klima 18. - - Klingenthal 15, =62=, =63=, 64. - - Klinghard 36. - - Kloben 15. - - Klostergrab =157=, =158=, 198. - - Klösterle 15, 143, 144. - - Koboldstein 111. - - Kohlhau 91. - - Kohling 10, 53. - - Kokorschin 224. - - Kolditz 17. - - Kollosoruk 170. - - Komotau 16, =123= bis =140=. - - Komotauer Grund 16. - - Konojed 224. - - Kopitz 169. - - Koppe 112, 113. - - Koppenberg 210. - - Koppenstein 49. - - Kosel 170. - - Kosten 178, 179, 198. - - Kostenblatt 180, =189=, =190=, =191=. - - Kostial 174, 176. - - Königsberg a. E. 9, 10, 15, 36, 38, 49. - - Königsfeld =188=. - - Königshöhe =185=. - - Königshügel 7, 158. - - König Otto's Höhe 79. - - König Otto's Quelle =84=. - - Königswald 209, 210. - - Königswarth (Schloss, Stadt u. Kurort) =42=, =43=, =44=, =45=. - - Königswerth 52. - - Kösseine 35. - - Kralupp-Deutsch 15, =135=. - - Kranichsee =64=, =65=. - - Kreuzberg (Neudek) =88=. - - Kreuzweg 152. - - Krima 15, 140. - - Kroatenloch 157. - - Kröndorf 113. - - Křemusch (Krschemusch) 14, 190. - - Kundratitz =220=, =221=. - - Kulm 210. - - Kulmer Schlachtfeld 210. - - Kupferberg =143=, =144=, =145=, 146. - - Kupferhügel 9, 143, 144, =145=, 146. - - - L. - - Labitzki Josef 49. - - Ladung 149. - - Landwüst 36, 40. - - Lanz 51, 59. - - Laubenschlucht =211=. - - Lauenstein 201. - - Laurenzkapelle 80. - - Lauterbach 10, 53. - - Leibitsch 15. - - Leibitschbach 15. - - Leibitschkamm 10. - - Leibitschthal =41=. - - Leitmeritz 14, 15, =212=--=224=. - - Leopoldshammer im Leibitschthal 58. - - Leopoldshöhe 211. - - Leskau =143=. - - Leskauer Schlossberg 9. - - Lessau 98. - - Liboch 224. - - Libochowan 220. - - Libotschan 16. - - Lichtenstadt =95=, =96=. - - Lichtenwald 158. - - Liebaubach 10. - - Liebenau 58. - - Liebeschitz 223. - - Liebenstein 35. - - Liebenstein Schloss 36. - - Liebensteiner Bach 15. - - Liebwerd 212. - - Lilienstein 201. - - Lindau 169. - - Littmitz 54. - - Lobosch 179. - - Lobositz 14, 174, 176, =178=, =179=, =180=. - - Lobsbach 10, 16. - - Lobsthal 50, 52, 59. - - Loch langes 222. - - Lochstein 201. - - Lohma-Ober 35. - - - M. - - Maierhöfen 15. - - Malkau 132, 133. - - Manfredterrasse 199. - - Maria-Kulm 36, =37=, =38=, =39=, 53. - - Mariaschein 202, 204. - - Maria-Sophienweg =78=, =79=. - - Mariasorg =111=. - - Marienbad 45, =46=, =47=. - - Marienberg 21, 139, 225. - - Marienkirchen 21. - - Marienthal 152. - - Markhausen 64. - - Markneukirchen 40, 41, =63=, =64=. - - Mähring in Baiern 16. - - Meczery-Höhe 83. - - Mentau 220, 221. - - Merkelsgrün 96, 97. - - Michelshöhle 172. - - Millersgrün 49. - - Milleschau 167, 179. - - Milleschauer 12, =177=, =178=, 179, 180. - - Mineralreich 23. - - Miramonte 30. - - Mittelgebirge 11. - - Morgendämmerung 18. - - Morgenröthe 18. - - Mostau 54. - - Muckenbühl 10, =61=, =62=. - - Mulde 17. - - Mückenberg 202, =203=. - - Mückenthürmchen 7, 203. - - Müglitz 17. - - Müglitzthal 203. - - Mühlacker der 58. - - Mühlbach 15. - - Mühlberg 199. - - - N. - - Nabrowan 188, 189. - - Nancy Forsthaus 64. - - Natschung 17, 140. - - Nebanitz 15. - - Neudek =85=, =91=. - - Neudorf 130, 140. - - Neudorf bei Petschau 49. - - Neudörfel 135. - - Neufischern 85. - - Neuhammer =90=. - - Neuhaus 16. - - Neuhäuser 58. - - Neukirchen 36. - - Neundorf 16. - - Neustein =149=. - - Niklasberg 197, 198. - - Nickelsdorf 15, 152. - - Nollendorf 7, 13, 206. - - Nollendorfer Höhe 203, 206. - - Nollendorfer Pass 206, 207. - - Nonnengrün 41. - - Nonnenhübel 7. - - - O. - - Oberdorf 16, 128, 160. - - Obergeorgenthal 152, 154, 160, 168. - - Obergrüntes 58. - - Oberleutensdorf 154, =158=, =159=, =160=, 169. - - Obersachsenberg =62=, =63=, 64. - - Oberwernersdorf 15. - - Olbernhau 150. - - Ossegg 20, =156=, =157=. - - Otterstein 7, 139. - - Ottowitz 94. - - - P. - - Panorama 79. - - Parapluieberg 199. - - Peintlberg =86=. - - Peiperz 209. - - Peterswalde 13. - - Petschau =48=, =49=. - - Pfaffenberg 103, 210. - - Pfarrknöchel 114. - - Pichlberg 52. - - Pilkau 177, 178. - - Pirkenhammer =82=, =83=. - - Pirkner-Bach 16. - - Plassdorf 132, 133. - - Platten 9, 10, 16, 17, 21, =91=, =92=, =93=, =94=, =95=, 117, 128. - - Platten bei Komotau 149. - - Plattenberg 10, =93=. - - Platz 132, 133. - - Pleilberg 8. - - Plessberg 116. - - Ploben 81. - - Ploschkowitz 223. - - Podhorn 48. - - Podhornberg 16, 48. - - Poschitzau 11. - - Postelberg 16. - - Posthof 75. - - Pöhlbach 17. - - Pöllner-Berg 8. - - Prebischgrund 230. - - Prebischthor 230. - - Prebischwände 230. - - Press 114. - - Pressnitz 143, =146=. - - Pressnitz-Bach 17. - - Priesen 15. - - Prosanken 187. - - Probstau 186. - - Prölberg 9. - - Prösau 53. - - Pulsnitzthal 212. - - Purberg kleiner 129. - - Püllna =169=, =170=. - - Pürstein 144. - - - Q. - - Quaderberg 211, 230. - - Quadersandstein-Gebirge 196, 197, 207. - - Quinau 149. - - Quinauerbach 16. - - - R. - - Rabenstein =53=. - - Rabitsch 54. - - Radebeule (Radobyl) =219=. - - Radelstein =174=, =175=. - - Radonitz 142. - - Ranz 131. - - Raschau 123. - - Raudnitz 14. - - Rauschengrund 154, 159. - - Razeine 188, 189. - - Rehefeld 198, 201. - - Reichenau 53. - - Reichen-Geschieb-Zeche 114. - - Reischberg 146. - - Reischdorf 146. - - Reischhöhe 8, 15. - - Reiseregeln 1. - - Reitzenhain 20, =139=. - - Ressel =166=, =167=. - - Richardshöhe 61. - - Riesenburg 7, 157. - - Riesenquelle 156. - - Ringelberg 7. - - Ringelstein 139. - - Robitschberg 58. - - Rodabach 10. - - Rodenauer-Bach 16. - - Rodisfort 85, 142. - - Rohankreuz 78. - - Rohlaubach 15. - - Roland 8. - - Rongstock 14. - - Rosenberg 14. - - Rosenburg 202. - - Rosenthal 169. - - Rosenthal bei Bodenbach 209. - - Rosenwände 211, 230. - - Rothau 60. - - Rothenhaus 20, =148=, =149=. - - Rothenhauser Flössbach 16. - - Röthlinger Bach 16. - - Ruland 128. - - Russelsitz =78=. - - Ruttenbach 168. - - - S. - - Saaz 15. - - Salesiushöhe 7, =157=. - - Salesl 189. - - Sandel 159. - - Sandhäuser 52. - - Salmthal 95, 96, 97. - - Sangerberg 16, =45=, 53. - - Saras =166=. - - Saubach 15. - - Sauerbrunn Biliner =170=, =171=, =172=. - - Sauersack 64. - - Saustein 136. - - Sängerhöhe 61. - - Säuerling (Karlsbad) 80. - - Schäferei (Dorf) 52. - - Schäferwand 211. - - Schallan 178. - - Scharfenstein 212. - - Scheibenberg 21, 36. - - Scheibenkoppe 230. - - Schiefergrund 167. - - Schiesshaus bei Oberleutensdorf 159. - - Schindelwaldel 60. - - Schiselitz 15. - - Schlacht bei Kulm =192=, =196=. - - Schlackenwerth 15, =98= bis =103=. - - Schladabach 15. - - Schlaggenwald 16. - - Schlossberg (bei Brüx) =167=. - - Schlossberg (bei Engelhaus) 11. - - Schlossberg (bei Joachimsthal) 103. - - Schlossberg (bei Teplitz) =186=, =187=. - - Schmiedeberg 143, 145, =146=. - - Schneckenstein 64. - - Schneeberg 7, 13, 21, 35, 94, =208=, 209, 212. - - Schömnitzstein 84. - - Schönau (Graslitz) 62. - - Schönau (Marienbad) 47. - - Schönau (Teplitz) =180=, =181=, =182=. - - Schönbach 10, =39=, =41=. - - Schönbach (bei Oberleutensdorf) 159. - - Schönberg 35. - - Schönbrunn 80. - - Schönburg =143=. - - Schönburger Schlossberg 8. - - Schöneck 21, 36. - - Schönwerth 50. - - Schreckenstein =226=, =227=. - - Schützeninsel (bei Leitmeritz) =219=. - - Schwaderbach 15, 64. - - Schwand 53. - - Schwanderberg 53. - - Schwarzenberg 21, 123. - - Schwarzfelsberg 9. - - Schwarzwasser 17. - - Schwarzwasserbach 17. - - Schwarz- oder Pleilwasserbach 17. - - Schwarzwasserthal 118. - - Schweiger 130, 132. - - Schweiger Berg 8. - - Schweinitzbach 17. - - Schweissjäger 200. - - Schweizerhof 80. - - Schweizermühle 200. - - Schwindelweg 80. - - Sebastiansberg 16, 138, =139=, 140. - - Seeberg 8, 9, =35=, 151. - - Seegrund 200. - - Seestadtl 16. - - Seifen 17, 117. - - Seifen (Sachsen) 154. - - Seilerweg =110=. - - Selb 35. - - Serpinathal 170. - - Seyda 21. - - Siebenbrunn 40. - - Siebengiebel 201. - - Siechenhaus 31. - - Silberstollen (bei Rothenhaus) 150. - - Sirmitzbach 15. - - Sittmesgrün 86. - - Skalitz =220=. - - Skalken 174, 175. - - Sodau 98. - - Somerau 14. - - Sonnenwirbel oder Keilberg 9, 36, =113=, =114=, =119=, 146. - - Sonnenberg 135, =137=, =138=. - - Sperlingstein 212. - - Sphinx 143, 144. - - Spinnelsdorfer Kuppe 9. - - Spitzberg bei Gottesgab 10, 114, 117, 146. - - Spitzberg bei Hannersdorf 148. - - Spitzberg bei Lauterbach 10. - - Spitzberg bei Nickelsdorf 9. - - Spitzberg bei Pressnitz 8. - - Spitzberg bei Schönwald =206=. - - Spitzbergel 112. - - Spitzhüttel =212=. - - Spitziger Stein 58. - - Sprudel (Brüxer) 168. - - Staditz 178, =188=. - - Stefanshöhe =79=, 185. - - Stein 31, 40. - - Stein Biliner oder Bořen =172=, =173=. - - Steinbach 53. - - Steinberg 7, =89=. - - Steinbock 36. - - Steingrub 36. - - Steingrün 144. - - Steinl 154. - - Stockraumwald 7. - - Stolzenhahn 122. - - Störlberg 36. - - Stösserfelsen 154. - - Streckenwald 203. - - Střezowitzer Berg 225. - - Strösauer Hügel 9. - - Suchey 189. - - Sullowitz 176. - - Suttomer Berg 174, 175. - - - T. - - Tannich 8. - - Tannichberg 150. - - Taschenhäusel 86. - - Tellnitz 200. - - Tepel 11, 16, =48=. - - Tepeles 49. - - Tepler Gebirge 10, 38. - - Teplitz Schönau 177, =180=--=209=. - - Teschwitz 52. - - Tetschen 14, =228=, =229=, =230=. - - Theinwald 51. - - Theresienstadt 15. - - Theresiensitz 151. - - Thierbach 86. - - Thierbacher Kapelle =88=, =89=. - - Thum 21. - - Tichlowitz 14. - - Tiefenbach 49. - - Tirschnitz 15. - - Tlutznerthal 220. - - Töltschberg 150. - - Trausnitzberg 95. - - Trebnitz 176. - - Tschausch 16. - - Tschenschitz 180. - - Tschernosek-Gross 220. - - Tschernowitz (Komotau) 128, 129, =130=, 132. - - Tschochau 178, 187, 188, 189. - - Turner Park =185=, =186=. - - Tüppelsgrün 86, 96. - - Türkner Berg 103. - - Türmitz 178, 188, 210. - - Tyrnowan 16. - - Tyssa 207, 208. - - Tyssaer Wände 7, =207=, 209, 212. - - - U. - - Ullersgrün 111. - - Ulmbach 139. - - Unterland 38. - - Untergrün 59. - - Urissner Bach 16. - - Ursprung 40. - - - V. - - Veitsberg 81. - - Verkehrswesen 21. - - Vierfels 91. - - Vieruhrpromenade =76=, =77=. - - Villa Lützow 79. - - Vogelherd 199. - - Voigtsgrün 86. - - Voitersreuth 10, 36, 41. - - Voitsdorf 203. - - - W. - - Wache 222. - - Wachhübel 7, 148, 154. - - Wachholder Berg 186. - - Wachtberg 7. - - Waldl 59. - - Waldsassen 16, =34=, =35=. - - Waldstein 35. - - Warhorscht 222. - - Wartha 15, 144. - - Watislaw 175. - - Wächterhau 89. - - Weheditz 98. - - Weheditzer- (Zettlitzer) Höhe 94. - - Weinberg 154. - - Weingarten 148. - - Weipert =123=, 143, 145. - - Weissenstadt 14. - - Weisseritz 17. - - Weisser Berg (Leitmeritz) 202. - - Weisses Kreuz 78. - - Weitzengrün 15. - - Welboth 187. - - Welchau 142. - - Welchau-Wickwitz 85. - - Wellemin 178. - - Wenkau 144. - - Werlsberg 115. - - Wernersdorfer Bach 15. - - Wernitzgrün 40. - - Werschetiner Berg 174, 175. - - Weseritz 15. - - Wiener Sitz 80. - - Wies 36. - - Wiese =74=, =75=. - - Wieselstein 7, =158=, 160. - - Wiesenthal (Böhmisch) 21, 122. - - Wiesenthal (Sächsisch) 21, 122. - - Wildenthal 10, 65. - - Wildstein 36. - - Wilhelmshöhe 7, 202. - - Wisset 15, 120. - - Wistritz 15. - - Wistritzberg 9. - - Wittigsthal 118. - - Wolfsberg 8. - - Wolfs- (oder Eis-) Pinge 94. - - Wolfstein 7, 198. - - Wolkenstein 21. - - Wondreb 16. - - Wostrey (Hohe) =226=, =227=, =228=. - - Wotsch 144. - - Wölfling =95=, =96=. - - Wörth 52. - - Wudingrün 52, 53. - - - Z. - - Zaunhaus 198, 201. - - Zechenberg 150. - - Zechenthal 10, 16. - - Zettlitz =81=, 98. - - Zieberle 135, 136. - - Ziegenberg 148. - - Ziegenschacht 94. - - Zinkenstein 212. - - Zinnwald 200, 201, 203. - - Zollhaus 130. - - Zöblitz 21. - - Zschoppau 211. - - Zwittermühl 117. - - Zwodau 15, 51. - - Zwodauthal 50, 59, 62. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Im Verlage von HANS FELLER in KARLSBAD erscheint im Herbst 1881: - - -Der Joachimsthaler Bezirk. - -Heimatskunde für Schule und Haus. - -Bearbeitet von - -=Eduard Wenisch=, - -Bürgerschullehrer in Joachimsthal. - - -Der Karlsbader Bezirk. - -Heimatskunde für Schule und Haus. - -Bearbeitet von - -=Franz Josef Herrmann=, - -k. k. Bezirksschul-Inspector in Karlsbad. - - -Im Verlage von CARL BELLMANN in PRAG erschien: - - -Dichterbuch - -zur Pflege der österreichischen Vaterlandsliebe. - -Für Schule und Haus. - -Gesammelt und zusammengestellt von =Eduard Wenisch=, Bürgerschullehrer -in Joachimsthal. - -Epische und lyrische Poesie. - - Erster Theil: - - Epische Poesie - - Mit den Porträts Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef I. und - Ihrer Majestät der Kaiserin Elisabeth. - - - Zweiter Theil: - - Lyrische Poesie - - Mit den Porträts Sr. kais. Hoheit des Kronprinzen Rudolf und - Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Albrecht. - -Preis: =broschirt= à Bd. =fl. 3.--=, in =Pracht-Einband= à Bd. -=fl. 4.--=. - -Die überaus freundliche Aufnahme, welche dem »Dichterbuch« besonders -von Seite _der Presse_ zu Theil wurde, gründet in uns die Ueberzeugung, -dass dieses patriotische Werk auch beim _Publikum_ die weiteste -Verbreitung finden wird, und empfehlen wir dasselbe vorzugsweise als -_Festgeschenk für die österreichische Jugend sowie allen Schul- und -Lehrerbibliotheken_. - -=Wir richten an alle Patrioten von Oesterreich-Ungarn, insbesondere -an den varterländischen Lehrerstand, die Bitte, nach Kräften zur -Verbreitung des österreichischen Dichterbuches gütigst beitragen zu -wollen.= - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Vorräthig bei =HANS FELLER in Karlsbad=. - -Mitte der alten Wiese. - - -Hôtel- und Bahnhofskurskarte von Mittel-Europa - -_9 Sectionen._ - -Preis 10 Mark in Umschlag. Aufgespannt mit Stäben 20 Mk. - - -Speciell für die praktischen Bedürfnisse des reisenden Publikums. - - -W. WILLIAMS' - -Original-Kurskarte von Mittel-Europa. - -Preis 1 Mark. - -Diese Karten sind nach ganz neuem Princip bearbeitet, die Einrichtung -ist das Resultat eingehender Versuche. Alle Eisenbahnverbindungen -werden durch rothe, die Postrouten durch gelbe und die Fluss- und -Seedampfer durch blaue Linien dargestellt und die Hauptverbindungen -verstärkt hervorgehoben. Die Postlinien stehen erst in zweiter -Linie der Wichtigkeit und wurden zweckentsprechend mit lichter -Farbe eingedruckt; ein dunkler Ton würde die Uebersichtlichkeit der -Eisenbahnverbindungen aufgehoben haben. - -So weit die rothen Linien auf den Karten reichen, befördert die -Eisenbahn den Reisenden; wo dieselben endigen, hört auch diese -Beförderung auf. Eine gelbe Linie bezeichnet das Vorhandensein von -Personenposten, ihre Richtung und Ausdehnung. Vom Ausgangspunkte -regelmässiger Dampfer-Kurse beginnt die blaue Linie und führt von -Station zu Station zum Endpunkte. - -Die Karte ist so gefaltet, dass alle Theile derselben besichtigt werden -können, ohne dass sie ganz auseinander gelegt zu werden braucht. Diese -Einrichtung erspart zugleich den theuren Aufzug auf Leinwand. - - Geographisches Institut zu Weimar. - -[Illustration] - -[Illustration] - - - - -Grieben's - -Reise-Bibliothek. - -Sammlung von praktischen Reiseführern - -mit Reisekarten und Städteplänen. - - - Nr. M. Pf. - - 1. Deutschland und Oesterreich, geb. 5.-- - - 2. Harz, grosse Ausg. 2.-- - - 3. Thüringen, grosse Ausg. 2.-- - - 4. Dresden und Sächsische Schweiz, gr. Ausgabe 2.-- - - 5. Dresden, kl. Ausgabe 0.80 - - 6. Berlin und Potsdam, gr. Ausg. 2.-- - - 7. Hamburg, gr. Ausg. 1.50 - - 8. Wien, gr. Ausg. 1.20 - - 10. Potsdam 0.50 - - 12. Schweden, geb. 4.-- - - 13. Norwegen 2.50 - - 14. Fröhlich's Reisebuch für Handwerker 1.50 - - 14a. do. cartonn. m. Karte 1.80 - - 16. Sächsische Schweiz 1.-- - - 17. Brunnen- und Badeorte 2.-- - - 18. Riesengebirge, gr. Ausg. 2.-- - - 19. München, gr. Ausgabe 1.-- - - 20. Salzkammergut und Tirol 2.-- - - 21. Paris und Umgebungen 1.50 - - 22. Belgien und Holland 2.-- - - 23. Die Schweiz, gr. Ausg. 3.-- - - 24. dto. kl. Ausg. 1.50 - - 26. Prag 1.50 - - 27. St. Petersburg 3.-- - - 28. Die Rheinlande von der Nordsee bis zur - Schweizer Grenze, geb. 5.-- - - 29. Der Rhein 2.25 - - 33. Saint-Pétersbourg (frz.) 1.50 - - 35. Fichtelgebirge und Fränk. Schweiz 1.50 - - 36. Schwarzwald 2.50 - - 39. Warmbrunn, Reinerz, Landeck und weitere - Schlesische Kurorte 1.-- - - 41. Franzensbad, Elster 0.75 - - 42. Marienbad 1.-- - - 43. Karlsbad 1.50 - - 44. Teplitz 1.50 - - 50. Kreuznach 1.50 - - 50a. Kreuznachs Heilquellen 0.80 - - 56. Swinemünde, Misdroy, Heringsdorf 1.20 - - 57. Kopenhagen 2.-- - - 58. Frankreich und Spanien 1.50 - - 59. London, kl. Ausg. 1.20 - - 60. Harz, kl. Ausg. 0.75 - - 61. Bad Ems 1.-- - - 62. Nürnberg 1.-- - - 65. Insel Rügen 1.-- - - 66a. Potsdam (englisch) 0.75 - - 67. München (englisch) 1.70 - - 68. Berlin, kl. Ausg. 0.80 - - 69. Märkische Schweiz 0.80 - - 71. Kissingen 1.-- - - 72. Von München oder Wien nach Ober-Italien 2.-- - - 73. Hamburg, kl. Ausgabe 0.80 - - 74. München (franz.) 1.50 - - 75. Kleiner Führer für die Rheinreise - (Köln-Heidelberg) 1.20 - - 77. Strassburg, Metz und die Vogesen 1.50 - - 80. Italien (in einem Bande) 5.-- - - 81. Riesengebirge, kl. Ausg. 0.75 - - 82. Thüringen, kl. Ausg. 0.80 - - -Die Führer aus »=Grieben's Reisebibliothek=« sind in allen grösseren -Buchhandlungen vorräthig, sonst zu beziehen aus der Verlagsbuchhandlung -von - -Albert Goldschmidt - -in Berlin W. - - - - -Inhalts-Verzeichniss. - - - Seite - - Einleitung I bis VII - - Reiseregeln 1 - - Verkehrs- und Transportwesen 2 - - Geografisches 5 - - Das Erzgebirge 5 - - Gestaltung, Begrenzung, mittlere Höhe, - ausgezeichnete Höhepunkte des Erzgebirges 6 - - Das Gebirge nördlich von der Eger 10 - - Das Mittelgebirge 11 - - Flüsse 14 - - Elbe, Eger 14 - - Biela 16 - - Klima 17 - - Morgen- und Abenddämmerung, Morgen- und Abendröthe 18 - - Einwohnerzahl, Charakter der Erzgebirgsbewohner 20 - - Das Mineralreich 23 - - Der Besuch des Erzgebirges und der angrenzenden - Gebiete von Franzensbad aus 28 - - Franzensbad 28 - - Eger 31 - - Franzensbad -- Seeberg -- Kapellenberg 35 - - Franzensbad -- Wildstein -- Wies -- - Schloss Liebenstein-Elster -- Maria-Kulm -- - Schönbach -- Asch -- Königswart -- - Sangerberg -- Marienbad 36--47 - - Marienbad -- Podhorn -- Tepl 48 - - Marienbad -- Petschau 48 - - Der Besuch des Erzgebirges von Falkenau aus 49 - - Falkenau -- Hartenberg 51 - - Falkenau -- Sangerberg -- Crudum -- - Schwanderberg -- Kapellenberg -- Maria-Kulm -- - Mostau 53, 54 - - Elbogen 54 - - Falkenau -- Gossengrün -- Bleistadt -- - Heinrichsgrün -- Graslitz -- Klingenthal -- - Markneukirchen -- Schneckenstein -- - Schwaderbach -- Forsthaus Nancy -- Sauersack -- - Kranichsee -- Hirschenstand -- Frühbuss 58--65 - - Besuch des böhmischen Erzgebirges und der - angrenzenden Gebiete von Karlsbad aus 66 - - Karlsbad -- Dallwitz -- Zettlitz -- Fischern -- - Aich -- Pirkenhammer -- Engelhaus -- Schloss - Giesshübel -- Schömnitzstein -- Kurort - Giesshübel-Puchstein -- Neudek 81--86 - - Neudek -- Kreuzberg -- Peintlberg -- Thierbacher - Kapelle -- Felshäuser -- Kammersberg oder - Hohenau -- Hochtannenberg -- Wächterhau -- - Neuhammer -- Platten 86--91 - - Platten -- Plattenberg -- Auerhahnl -- Wolfs- - oder Eispinge -- Lichtenstadt 91--94 - - Lichtenstadt -- Wölfling -- Bärringen 95--97 - - Karlsbad -- Schlackenwerth -- Joachimsthal 98 - - Schlackenwerth 98 - - Joachimsthal 103 - - Joachimsthal -- Mariasorg -- Koboldstein -- - Ullersgrün -- Spitzbergel bei Pfaffengrün -- - Hauenstein 111--113 - - Keilberg 113 - - Spitzberg 114 - - Joachimsthal -- Abertham -- Bärringen -- - Platten -- Breitenbach -- Johanngeorgenstadt 114 - - Abertham 115 - - Plessberg 116 - - Joachimsthal -- Spitzberg -- Seifen -- Irrgang -- - Zwittermühl -- Jungenhengst -- Wittigsthal 117 - - Joachimsthal -- Gottesgab -- Weipert 118 - - Gottesgab 118 - - Besteigung des Keilberges 119 - - Gottesgab -- Försterhäuser -- Goldenhöhe -- - böhmische Mühle -- Rittersgrün -- Globenstein 123 - - Der Besuch des Erzgebirges von Komotau aus 123 - - Komotau 123 - - Komotau -- Alaunhütte -- Stadtpark -- Hutberg 127 - - Komotau -- Ruland -- Eidlitz -- Görkau -- Platten 128 - - Komotau -- Grundmühle -- Domina -- Troschig -- - Tschernowitz 128 - - Komotau -- über Domina nach Glieden -- Wisset -- - Schweiger -- Hohentann -- Hassenstein -- Platzer - Grund -- Neudorf -- retour 130 - - Komotau nach Tschernowitz, Malkau, Grün, - Plassdorf, Platz -- Hassenstein -- Brunnersdorf 132 - - Komotau -- Deutsch-Kralupp, Keller, Neudörfel, - durch das Grundbachthal über Zieberle nach - Sonnenberg 135 - - Sonnenberg 137 - - Komotau durch das Assigbachthal nach Sebastiansberg 138 - - Sebastiansberg 139 - - Sebastiansberg -- Komotau 140 - - Komotau -- Kaaden 140 - - Kaaden 140 - - Kaaden -- Radonitz -- Duppau -- Rodisfurth zum - Giesshübler Sauerbrunn über Welchau nach der - Bahnstation Wickwitz -- Welchau 142 - - Kaaden -- Leskau -- Schönburg 143 - - Kaaden -- Klösterle -- Kupferberg (Sphinx und - Kupferhügel) -- Schmiedeberg -- Weipert -- - Pressnitz 143 - - Klösterle 144 - - Kupferberg 145 - - Pressnitz 146 - - Der Besuch des Erzgebirges von Görkau aus 147 - - Görkau 147 - - Görkau -- Platten -- Neustein -- Bernau -- - Hannersdorf -- Kallich -- Ladung 149 - - Görkau -- Gabrielahütten -- Brandau -- - Grünthal -- Katharinaberg -- Tannichberg -- - Theresiensitz -- Eisenberg -- Einsiedel -- - Ober-Georgenthal -- Johnsdorf -- Hammer 150--152 - - Katharinaberg 152 - - Katharinaberg -- Brandau -- Grünthal -- - Gabrielahütten -- Bad Einsiedel -- - Rauschengrund -- Oberleutensdorf -- - Hammergrund -- Johnsdorf -- Görkau -- - Steinl -- Hübladung -- Bernstein 153--155 - - Der Besuch des Erzgebirges von Dux aus über - Oberleutensdorf 155 - - Dux 155 - - Ossegg 156 - - Salesiushöhe -- Riesenburg 157 - - Klostergrab 157 - - Oberleutensdorf 158 - - Oberleutensdorf -- Rauschengrund -- Sandel -- - Hammer-Johnsdorf -- Schönbach -- Wieselstein -- - Oberdorf -- Eisenberg -- Obergeorgenthal -- - Bernstein 159--160 - - Der Besuch des böhmischen Erz- und - Mittelgebirges von Brüx -- Bilin aus 160 - - Brüx 160 - - Brüx -- Saras -- Schlossberg 167 - - Brüx -- Brüxer Sprudel -- Ober-Georgenthal -- - Eisenberg -- Hammer -- Johnsdorf 168 - - Brüx -- Kopitz -- Rosenthal -- Lindau -- - Oberleutensdorf 169 - - Brüx -- Püllna 169 - - Brüx -- Kollosoruk -- Kosel 170 - - Brüx -- Sauerbrunn -- Bilin 170 - - Bilin 173 - - Bilin -- Radelstein 174 - - Suttomer Berg -- Skalken -- Kostial -- - Lobositz 174--176 - - Hasenburg 176 - - Milleschauer 177 - - Teplitz -- Borislau -- Pilkau -- Milleschauer 177 - - Aussig -- Türmitz -- Kosten -- Staditz -- - Tschochau -- Borislau -- Pilkau -- Milleschauer 178 - - Lobositz -- Billinka -- Wellemin -- Milleschau -- - Milleschauer 178 - - Lobositz 178 - - Bilin -- Kostenblatt -- Tschentschitz -- - Milleschauer 180 - - Der Besuch des böhmischen Erz- und Mittelgebirges - von Teplitz aus 180 - - Teplitz -- Schönau 180 - - Teplitz -- Tschochau 187 - - Teplitz -- Kostenblatt 189 - - Die Ebene zwischen dem Erz- und Mittelgebirge 191 - - Das Erz- und Quadersandsteingebirge 196 - - Teplitz -- Kosten und Niklasberg 197 - - Eichwald -- Doppelburg -- Zinnwald 199 - - Mückenberg -- Graupen -- Mariaschein 202 - - Geiersburg 205 - - Tellnitz -- Schönwald -- Nollendorf 206 - - Die Tyssaer Wände 207 - - Bodenbach 209 - - Leitmeritz 212 - - Aussig 224 - - Tetschen 228 - - Herrenskretschen 230 - - -Correctur: auf der Karte lies bei Brüx statt »Kreidenberg« -»»Breitenberg.«« - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - Das Buch ist laut Bibliothekseintrag des Deutschen Alpenvereins - vermutlich ca. 1880 erschienen. - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - Unterschiedliche Schreibweisen wurden wie im Original beibehalten. - Die Zeitangabe »5/4 Stunde« wurde durch »1¼ Stunde« ersetzt. - - Korrekturen: - - S. 13: Gneuss → Gneis - Erzgebirge sichtbar auf dem {Gneis} desselben - - S. 84: Egelhaus → Engelhaus - Sigmund das Schloss {Engelhaus} nebst anderen Besitzungen - - S. 90: Seifenballen → Seifenhalden - beweisen die vielen Zechen- und {Seifenhalden} - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Führer durch das böhmische Erzgebirg -, das Mittelgebirge und die angrenzend, by August Weymann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK FÜHRER DURCH DAS BÖHMISCHE *** - -***** This file should be named 55027-0.txt or 55027-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/5/0/2/55027/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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