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-Project Gutenberg's Der Hodscha Nasreddin II. Band, by Albert Wesselski
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-
-Title: Der Hodscha Nasreddin II. Band
- Türkische, arabische, berberische, maltesische,
- sizilianische, kalabrische, kroatische, serbische und
- griechische Märlein und
-
-Author: Albert Wesselski
-
-Release Date: May 10, 2017 [EBook #54691]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HODSCHA NASREDDIN II. BAND ***
-
-
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-
-Produced by Turgut Dincer and The Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was
-produced from images generously made available by The
-Internet Archive/Canadian Libraries)
-
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- —————————————————————————————————————————————
- Transcriber’s note:
- Gesperrt text is surrounded by tilde (~) sign
- —————————————————————————————————————————————
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-
- NARREN, GAUKLER UND VOLKSLIEBLINGE
- HERAUSGEGEBEN VON ALBERT WESSELSKI
- VIERTER BAND: DER HODSCHA NASREDDIN II
-
-[Illustration]
-
-
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-
- DER HODSCHA
- NASREDDIN
-
- Türkische, arabische, berberische,
- maltesische, sizilianische, kalabrische,
- kroatische, serbische und griechische
- Märlein und Schwänke
-
- Gesammelt und herausgegeben von
-
- Albert Wesselski
-
-
- II. Band
-
-
- Alexander Duncker Verlag
- Weimar MCMXI
-
-Alle Rechte vorbehalten.
-
-
-
-
-Inhalt des II. Bandes
-
- Seite
-
- II. Arabische Überlieferungen 1
-
- 1. Aus dem Nawadir el chodscha nasr ed-din
- effendi dschoha 3
-
- 2. Aus der von Mardrus besorgten Ausgabe von
- Tausend und einer Nacht 19
-
- 3. Volkserzählungen aus Tripolis und Tunis 25
-
- III. Berberische Überlieferungen 49
-
- IV. Maltesische Überlieferungen 91
-
- V. Sizilianische Überlieferungen 101
-
- VI. Kalabrische Überlieferungen 115
-
- VII. Kroatische Überlieferungen 131
-
- VIII. Serbische Überlieferungen 139
-
- IX. Griechische Überlieferungen 159
-
- Anmerkungen literatur- und stoffgeschichtlichen Inhalts 179
-
- Tür hüten 182
-
- Verscheuchung von Dieben 183, 211 und 215
-
- Vertauschung eines Toten gegen einen Hammel 183
-
- Regen eßbarer Dinge 184, 195 und 204
-
- Prangerritt der Ehebrecherin 185
-
- Esel (Kalb) an der Stelle des Ehebrechers 187
-
- Nur miteinander verkaufen 188
-
- »Wenn der Berg nicht zum Propheten kommen
- will« usw. 190
-
- Zoll auf verschiedene Gebrechen 194
-
- Die drei Dummen (Braut und ihre Eltern) 194
-
- Heller in fremdes Geld geworfen 197
-
- Unibosmärchen 197, 199 und 201
-
- Brandmarkung 198
-
- Der Schuldner stellt sich tot 199
-
- Goldmistende Tiere 201
-
- Verschleuderung wertvoller Dinge durch einen
- Dummkopf 201
-
- Seltsame Teilung 202
-
- Aristoteles und die Königin 203
-
- Mitbieten eines falschen Käufers 204
-
- Verkauf an einen Vogel (einen Baum, eine
- Statue usw.) 204
-
- Fleischverkauf an Hunde 206 und 211
-
- Die Königstochter lachen gemacht 206
-
- Der Schakal (Fuchs) hat zehn Listen 207
-
- Anbauen von Salz, Geld, Kuhschwänzen usw. 209
-
- Nur an Leute verkaufen, die wenig reden 211
-
- Fleischverkauf an Fliegen 211
-
- Verkehrte Ansprache oder Begrüßung 213
-
- Herauslockung eines Tieres 213
-
- Mehrfache Ausnützung eines Leichnams 214
-
- Heilung durch Lachen 214
-
- Bestreichung der Erde mit Butter 215
-
- Unkenntnis vom Wesen des Kindsschädels 215
-
- Entweder ...., oder ....! 217
-
- Ist das Ernst oder Spaß? 219
-
- Lügenschnurren 219 und 220
-
- Zwecklosigkeit der Strafe nach dem Vergehn 231
-
- Anhang 235
-
- Für die Nachkommen pflanzen 235
-
- Drei Fragen (Kaiser und Abt) 238
-
- Prediger mit der Eselsstimme 243
-
- Traumbrot 243
-
- Asinus vulgi 244
-
- Dit de perdriz 245
-
- Einen Esel reden (lesen) lehren 247
-
- Einem Esel das Essen abgewöhnen 249
-
- Index 255
-
-
-
-
-II.
-
-Arabische Überlieferungen
-
-
-
-
-1. Aus dem Nawadir el chodscha nasr ed-din effendi dschoha
-
-
-339.
-
-Man fragte Nasreddin: »Kannst du rechnen?« »Freilich,« antwortete er;
-»darüber gibts keinen Zweifel.« »Wie würdest du also vier Dirhem unter
-drei Personen gleichmäßig verteilen?« »Zweien von ihnen gäbe ich jedem
-zwei Dirhem, der dritte bekäme nichts und müßte warten, bis noch zwei
-Dirhem dawären; dann nähme er diese und so hätten alle drei gleich
-viel.«
-
-
-340.
-
-Nasreddin, der Pfirsiche in der Tasche hatte, kam bei etlichen Leuten
-vorbei und sagte zu ihnen: »Wer es errät, was ich in der Tasche
-habe, bekommt den größten Pfirsich.« Sie antworteten ihm: »Es sind
-Pfirsiche.« Er sagte: »Ja, wer hat euch denn das gesagt? das muß ein
-rechter Hurensohn sein.«
-
-
-341.
-
-Eines Tages ging Nasreddin mit einer Flasche zum Bache, um Wasser zu
-holen; sie fiel ihm aus der Hand und sank unter. Da setzte er sich am
-Ufer nieder. Ein Freund von ihm kam vorbei und sagte: »Was sitzst du
-da, Dschoha?«
-
-»Eine meinige Flasche ist ertrunken; ich warte, bis sie aufquillt und
-an die Oberfläche kommt.«
-
-
-342.
-
-Eines Tages brachte Nasreddin Korn in die Mühle; dort begann er dann
-das Korn aus den Körben der andern Leute zu nehmen und es in den
-seinigen zu tun. Endlich sagte der Müller zu ihm: »Was machst du da?«
-»Ich bin ein Narr.« »Warum nimmst du dann nicht das Korn aus deinem
-Korbe und tust es in die der andern?« »Ich bin ein einfacher Narr;
-täte ich das, was du sagst, wäre ich ein doppelter Narr.«
-
-Der Müller begann zu lachen und ließ ihn laufen.
-
-
-343.
-
-Das Maultier Nasreddin Dschohas nahm einmal einen andern Weg, als er
-gewollt hätte. Einer seiner Freunde, der ihm begegnete, fragte ihn:
-»Wohin, Dschoha?« »Wohin mein Maultier will.«
-
-
-344.
-
-Dschoha brachte eines Tages einen löcherigen Kessel auf den Markt, um
-ihn zu verkaufen; aber man sagte ihm: »Er hat ein Loch, er ist nichts
-wert.« Er antwortete: »Bei Gott, das ist nicht wahr, er hat kein Loch;
-meine Mutter hatte Baumwolle drinnen, und er hat nicht geronnen.«
-
-
-345.
-
-Einmal ging die Mutter Si Dschohas zu einer Lustbarkeit und sagte zu
-ihm: »Hüte die Tür.« Da setzte er sich nieder, mit dem Rücken an die
-Tür gelehnt. Als es ihm dann langweilig wurde, stand er auf und ging
-weg, trug aber dabei die Tür auf dem Kopfe. Einer seiner Freunde sah
-ihn und sagte: »Was soll das heißen?« Er antwortete: »Meine Mutter hat
-mir gesagt, ich soll die Tür hüten.«
-
-
-346.
-
-Eines Tages knackte Dschoha eine Mandel auf und der Kern entschlüpfte
-ihm; da sagte er: »Wie wunderbar! alles flieht vor dem Tode, sogar die
-unvernünftigen Wesen.«
-
-
-347.
-
-Einmal ging Dschoha in den Vorraum seines Hauses hinaus und fand dort
-einen Ermordeten. Er warf ihn in den Brunnen und sagte es seinem Vater.
-Der nahm den Leichnam wieder heraus und begrub ihn; dann erwürgte er
-einen Hammel und warf ihn in den Brunnen. Die Verwandten des Toten
-durchliefen alle Straßen und fragten um den Leichnam; Dschoha begegnete
-ihnen und sagte zu ihnen: »Bei uns ist ein Ermordeter; kommt nachsehn,
-ob es euer Mann ist.« Sie gingen zu ihm und ließen ihn in den Brunnen
-steigen; als er den Hammel sah, rief er zu ihnen hinauf: »Hat euer Mann
-Hörner gehabt?«
-
-
-348.
-
-Dschoha hatte drei Pfund Fleisch gekauft und sagte zu seiner Frau:
-»Koch uns ein wenig Fleisch.« Sie kochte es, aß es aber mit ihrem
-Geliebten. Dschoha kam heim und fragte: »Wo ist das Fleisch?« Die Frau
-antwortete: »Ich war in der Küche beschäftigt; unterdessen hat es die
-Katze gefressen.«
-
-Dschoha stand auf, nahm die Katze und wog sie; da hatte sie gerade drei
-Pfund. Und er schrie: »Du Metze, wenn das die Katze ist, wo ist das
-Fleisch? und wenn das das Fleisch ist, wo ist die Katze?«
-
-
-349.
-
-Dschoha gab seiner Frau drei Dirhem und sagte zu ihr: »Kauf dafür
-Fleisch, laß es aber nicht wieder die Katze fressen wie neulich.« Sie
-ging es kaufen und traf einen von ihren Liebhabern; den nahm sie mit
-sich nach Hause. Die Nachbarn sahen das und führten beide vor den
-Richter. Der Richter befahl, die Frau auf einen Bullen zu setzen und
-sie also durch die Stadt zu führen. Als Dschoha die Zeit lang wurde,
-ging er sie suchen; da sah er sie in dieser Verfassung und sagte zu
-ihr: »Du Metze, was heißt das?«
-
-Sie antwortete: »Nun, nun, was denn? Geh nur nach Hause; ich habe nur
-noch den Markt der Essenzenverkäufer und der Tuchhändler, dann gehe ich
-das Fleisch kaufen und komme heim.«
-
-
-350.
-
-Die Frau Dschohas pflegte in der Nacht wegzulaufen und sich mit ihrem
-Geliebten zu treffen; deswegen wurde Dschoha von seinen Nachbarn
-gehänselt. Da hielt er sich einmal wach, bis sie wegging; dann stand
-er auf, verschloß die Tür und setzte sich dahinter. Als die Frau
-zurückkam, fand sie die Tür versperrt. Sie begann ihn zu bitten,
-er möge sich ihrer erbarmen, aber er beschimpfte sie. Als sie jede
-Hoffnung auf einen günstigen Ausgang aufgegeben hatte, sagte sie zu
-ihm: »Wenn du mir nicht öffnest, springe ich in den Brunnen.« Dann nahm
-sie einen großen Stein und warf ihn hinein. Voll Reue lief er hinaus,
-um zu sehn, was es gebe. Augenblicklich schlüpfte die Frau ins Haus und
-verschloß die Tür. Er gab sich alle Mühe, sie zur Nachgiebigkeit zu
-bestimmen, aber sie hörte nicht auf, ihn zu beschimpfen und zu ihm zu
-sagen: »Da hat mans, wie du dich aufführst; die ganze Nacht steckst du
-bei den Trunkenbolden.« So gelang es ihr denn, ihn vor den Nachbarn mit
-Schande zu bedecken.
-
-
-351.
-
-Einer, der die Frau Dschohas liebte, sagte eines Tages zu seinem
-Diener, einem bartlosen und wohlgewachsenen Knaben: »Geh zu ihr und sag
-ihr, daß ich sie bald besuchen werde.« Der Knabe ging hin. Sie konnte
-sich nicht enthalten, ihn zu umarmen und ihn an ihre Brust zu drücken,
-bis sie schließlich ihre Gelüste stillte. Der Herr des Knaben fand, daß
-der zu lange ausblieb; er machte sich also selber auf den Weg zum Hause
-Dschohas. Als ihn die Frau kommen hörte, verbarg sie den Knaben unter
-dem Bette, und ihn empfing sie wie gewöhnlich. In diesem Augenblicke
-klopfte Dschoha an die Tür. Da sagte sie zu ihrem Geliebten: »Steh
-auf, lauf mit blankem Schwerte in den Hof und stoße Schmähungen gegen
-mich aus.« Er tat es. Dschoha trat ein und fragte seine Frau: »Was
-will der Mensch?« »Ach, Mann,« sagte sie, »das ist unser Nachbar: sein
-Diener ist ihm entlaufen und hat sich zu uns geflüchtet; er wollte auf
-ihn los, um ihn zu töten, aber ich habe ihn unter das Bett gesteckt.«
-Dschoha sagte zu dem Knaben: »Komm nur hervor, mein Kind, und bete zu
-Gott für diese ehrsame Frau, die dir diesen großen Dienst geleistet
-hat; Gott möge ihn ihr lohnen.«
-
-
-352.
-
-Die Frau Dschohas ging mitten in der Nacht weg. Es begegnete ihr einer
-und der sagte zu ihr: »Du gehst um diese Stunde aus?« »Das kümmert mich
-nichts,« antwortete sie: »treffe ich einen Mann, so ist das das, was
-ich suche; begegnet mir ein Teufel, so werde ich ihm gehorchen.«
-
-
-353.
-
-Man sagte zu Dschoha: »Nun bist du alt geworden und weißt von der
-ganzen Überlieferung nichts auswendig.« Er antwortete: »Niemand von
-euch hat von Ikrimah das sagen hören, was ich von ihm gehört habe.«
-»Sag es uns.« »Ich habe gehört, wie Ikrimah nach ibn Abbas[1], der
-es von dem Propheten hatte, folgendes verkündete: ›Es gibt zwei
-Eigenschaften, die bei niemand sonst als bei den Gläubigen vereint
-sind.‹ Aber Ikrimah hat die eine vergessen gehabt und ich habe die
-andere vergessen.«
-
-
-354.
-
-Dschoha war gerade beim Essen, als ein Bettler vor seiner Tür stehn
-blieb und sagte: »Muselmanen, Brüder!« Dschoha sagte: »Es soll keine
-Verwandtschaft unter ihnen gelten und sie sollen sich nicht aneinander
-mit Bitten wenden.[2]« Der Bettler antwortete: »Hab Mitleid mit mir!«
-Dschoha sagte: »Eher brauchte ich dein Mitleid.« Der Bettler: »Höre
-mich doch an!« Dschoha: »Ich hätte dich angehört, wenn du dich an einen
-Lebenden gewandt hättest.« Der Bettler: »Wie weitschweifig sind deine
-Worte, und wie trügerisch deine Handlungen! Möge Gott deine Hoffnungen
-zu Schanden machen!«
-
-
-355.
-
-Dschoha brachte seiner Frau ein Stück Fleisch und fragte sie: »Was kann
-man daraus machen?« Sie antwortete: »Mit gutem Fleische lassen sich
-alle möglichen guten Sachen kochen.« »Gut,« sagte Dschoha, »koch mir
-alle möglichen guten Sachen.«
-
-
-356.
-
-Dschoha hatte einen Kamelhengst bestiegen; auf dem Wege warf ihn der
-ab und entwich. Dschoha verfolgte ihn, bis er ihn schließlich in einer
-Stadt einholte; und er sagte zu den Einwohnern der Stadt: »Habt ihr den
-Schuft gesehn, der mich hat umbringen wollen? Bringt den Metzger her,
-damit er den Verfluchten schlachte.« Der Metzger schlachtete das Kamel
-und Dschoha verteilte das Fleisch an die Einwohner der Stadt.
-
-
-357.
-
-Einer lud Dschoha zu Tische und sagte zu seiner Sklavin: »Bereite uns
-Feigen.« Aber sie vergaß es und er ebenso. Später sagte er zu Dschoha:
-»Lies uns einen Abschnitt aus dem Koran.« Dschoha willigte ein und
-begann: »Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen! Bei dem
-Ölbaume und dem Berge Sinaï ....«[3] Der Gastgeber sagte: »Wo bleibt
-die Feige?« Dschoha antwortete: »Die habt ihr, du und deine Sklavin,
-seit Anbruch der Nacht vergessen.«
-
-
-358.
-
-Dschoha heiratete eine Frau, die schielte. Um die Essensstunde
-brachte er zwei Brote; sie sah vier. Dann brachte er eine Schüssel
-mit Speise; sie sah zwei und sagte zu ihm: »Was sollen wir mit zwei
-Schüsseln machen? eine ist genug.« Er sagte bei sich: »Was für eine
-ausgezeichnete Frau, die alles doppelt sieht!« Als er sich dann mit
-ihr zu Tische setzte, warf sie ihm die Schüssel an den Kopf und sagte:
-»Bin ich denn eine Dirne, daß du einen andern Mann zu mir führst?«
-»Liebste,« sagte Dschoha, »bitte, sieh alles doppelt, nur deinen Mann
-nicht!«
-
-
-359.
-
-Dschoha war bei einem großen Herrn zu Tische und es gab Nugat. Da
-fragte ihn einer: »Was ist das?« Er antwortete: »Ich weiß es nicht;
-aber ich habe sagen hören, das Bad sei eines der köstlichsten irdischen
-Dinge, und so denke ich, daß das ein Bad ist.«
-
-
-360.
-
-Dschoha sah auf dem Tische eines Geizigen ein Huhn, das niemand
-anrührte; man hatte es zugleich mit dem Kuskussu[4] gebracht und nach
-dem Essen wurde es wieder zurückgetragen. Da sagte er: »Bei Gott,
-dieses Huhn hat nach seinem Tode ein längers Dasein als zu seinen
-Lebzeiten.«
-
-
-361.
-
-Dschoha aß bei einem großen Herrn; es gab eine Fleischpastete und
-die verschlang er mit vollem Munde. Einer sagte zu ihm: »Dschoha, iß
-nicht zu viel; wer sich daran übernimmt, muß sterben.« Er hielt einen
-Augenblick inne, dann klatschte er seine fünf Finger zusammen und
-sagte: »Nehmt euch meiner Familie an; ich befehle sie euch.«
-
-
-362.
-
-Dschoha traf einen Christen, der in der christlichen Fastenzeit
-Fleisch aß; da setzte er sich zu ihm, um an seinem Mahle teilzunehmen.
-Der Christ sagte zu ihm: »Dschoha, das Fleisch von Tieren, die wir
-geschlachtet haben, ist euch Muselmanen nicht erlaubt.« Dschoha
-antwortete: »Ich bin unter den Muselmanen das, was du unter den
-Christen bist.«
-
-
-363.
-
-Die Frau Dschohas erzählt: Mein Geliebter hatte Lust nach einer
-Schüssel gedünstetes Fleisch, und ich verlangte die Sachen dazu von
-meinem Manne. Als alles nötige bereit war, kochte ich das Gericht
-und aß es mit meinem Geliebten und tat eine Gurke in den Topf. Mein
-Mann kam heim und ich setzte ihm diese vor; er kostete sie und sagte:
-»Das schmeckt ja wie eine Gurke.« Ich stellte sie noch einmal zu, bis
-sie eingetrocknet war. Er aß sie und ging weg. Mein Geliebter kam
-zum zweiten Male, aber er war noch kaum recht eingetreten, als ihn
-mein Mann ertappte; er packte ihn und steckte ihn in eine Truhe und
-verschloß sie. Dann ging er meine Verwandten holen. Sofort, als er
-draußen war, machte ich mich an das Schloß, öffnete es und ließ meinen
-Geliebten heraus. Unser Nachbar hatte einen Esel; den nahm ich und
-steckte ihn in die Truhe. Da trat auch schon mein Mann mit meinem Vater
-und meinem Bruder ein. Sie öffneten die Truhe und fanden einen Esel.
-Und sie sagten zu Dschoha: »Bist du närrisch?« Er sah mich an und
-sagte: »Dirne! du hast eine Gurke in Fleisch verwandelt; kein Wunder,
-daß du einen Menschen in einen Esel verwandelst.«
-
-
-364.
-
-Die Frau Dschohas erzählt weiter: Eines Tages kam mein Mann nach
-Hause und mein Geliebter war da; ich versteckte ihn im Keller. Mein
-Mann brachte dreißig Eieräpfel mit und legte sie in den Keller.
-Mein Geliebter aß einen. Dann ging mein Mann die Äpfel zählen; mein
-Geliebter gab sie ihm einzeln, und er bildete sich ein, es sei seine
-eigene Hand, die sie ihm von innen reichte. Als er fand, daß einer
-fehlte, ging er hinein; da traf er meinen Geliebten. Er fragte ihn:
-»Wer bist du?« Und mein Geliebter antwortete: »Ich bin ein Eierapfel.«
-Nun sagte mein Mann zu mir: »Schau, was für ein Spitzbube der Händler
-ist! er hat mir den da für einen Apfel zugezählt, und dabei habe ich
-zu ihm gesagt: ›Welcher ists denn, wenn nicht der da, der den Korb so
-schwer macht?‹« Dann führte er ihn zu dem Apfelhändler und sagte zu
-ihm: »Hast du denn keine Furcht vor Gott? wie kannst du mir den zu den
-Äpfeln zuwägen?« Der Händler, der ein Schalk war, nahm meinen Geliebten
-beim Ohre und sagte zu ihm: »Wie oft habe ich dir schon gesagt: ›Bleib
-bei den Rüben und komme nicht immer unter die Eieräpfel!‹« Dann gab er
-meinem Manne an seiner statt einen Eierapfel.
-
-
-365.
-
-Dschoha erhielt von seinem Vater einen Dirhem, um dafür einen
-Hammelkopf zu kaufen. Er kaufte ihn, aß aber alles Fleisch herunter
-und brachte seinem Vater den nackten Schädel. Der Vater sagte: »Schuft,
-was ist das?« »Ein Hammelkopf.« »Wo sind die Ohren?« »Er war taub.«
-»Und die Zunge?« »Er war stumm.« »Und das Fleisch am Kopfe?« »Er war
-kahl.«
-
-
-366.
-
-Einer lud eines Tages Dschoha ein, um ihn zu hänseln, und als Dschoha
-zu Tische kam, war nur ein Brot da; Dschoha stand auf und lief eiligst
-weg. Der andere sagte: »Wohin denn, Dschoha?« Dschoha antwortete: »Ich
-werde am Opfertage wiederkommen; vielleicht gibts dann bei dir Fleisch.«
-
-
-367.
-
-Dschoha war gerade dabei, ein Huhn mit Brot zu essen, als einer bei
-ihm vorbeikam; der sagte zu ihm: »Gib mir ein Stückchen.« Aber Dschoha
-sagte: »Bei Gott, Bruder, das Huhn gehört nicht mir; es gehört meiner
-Frau und sie hat es mir gegeben, damit ich es esse.«
-
-
-368.
-
-Dschoha fragte einen Geizhals: »Warum lädst du mich nicht ein?« »Weil
-du große Bissen nimmst und sie gierig verschlingst; während du den
-einen ißt, bereitest du dir schon den andern vor.« »Aber Bruder,«
-entgegnete Dschoha, »möchtest du denn, daß ich jedesmal zwischen zwei
-Bissen zwei Kniebeugungen machte?«
-
-
-369.
-
-Eines Tages sagte Dschoha zu seiner Frau, als er mit ihr aß: »Nichts
-könnte lieblicher sein als diese Speise, wenn sie nur nicht so knapp
-wäre.« »Wieso denn knapp?« sagte sie; »wir sind doch allein, du und
-ich.« »Mir wäre es am liebsten,« sagte er, »wenn nur der Topf und ich
-dawären, und sonst niemand.«
-
-
-370.
-
-Dschohas Esel hatte sich verlaufen; da schwur Dschoha, ihn, wenn er ihn
-finden werde, für einen Dinar zu verkaufen. Als er ihn aber gefunden
-hatte, nahm er eine Katze, setzte sie dem Esel auf den Hals und führte
-beide Tiere auf den Markt und schrie: »Wer will einen Esel um einen
-Dinar und eine Katze um hundert Dinar? eines ohne das andere verkaufe
-ich aber nicht.«
-
-
-371.
-
-Eines Tages war Dschoha in dem neugebauten Hause eines Freundes; er
-setzte sich einen Augenblick nieder, bekam aber nichts zu essen. Da
-stand er auf und begann das Haus von einer Ecke zur andern mit seinem
-Fuße auszumessen. Der Eigentümer sagte: »Was machst du da, Dschoha?«
-»Ich will mir ein Haus bauen lassen wie dieses da; ein Haus, wo nichts
-zu trinken und nichts zu essen ist, muß ja leicht zu bauen sein.«
-
-
-372.
-
-Dschoha wollte für heilig gelten. Er wurde gefragt: »Wo sind deine
-Wunder?« und er sagte: »Ich werde einem Baume, gleichgültig welchem,
-befehlen, zu mir zu kommen, und er wird mir gehorchen.« »Sag es dem
-Palmbaum da.« »Komm,« sagte Dschoha; aber der Palmbaum rührte sich
-nicht, auch nicht, als er ihn dreimal angerufen hatte. Nun stand
-Dschoha auf; man fragte ihn: »Wohin, Dschoha?« Er sagte: »Die Propheten
-Gottes und die Heiligen kennen weder Hochmut, noch Verblendung; da der
-Palmbaum nicht zu mir kommt, werde ich zum Palmbaum gehn.«
-
-
-373.
-
-Eines Tages stieg Dschoha auf das Minaret der Moschee und rief zum
-Gebete; und er verwunderte sich über seine Stimme. Alsbald stieg er
-hinunter und begann hastig davonzulaufen. Man fragte ihn: »Wohin,
-Dschoha?« Und er antwortete: »Ich will wissen, bis wohin meine Stimme
-reicht.«
-
-
-374.
-
-Eines Tages ging der Hodscha mit einem seiner Freunde auf die Jagd. Sie
-sahen einen Wolf, und den wollten sie fangen; sie verfolgten ihn, bis
-er sich unter einen Felsen verkroch. Der Gesell Dschohas steckte seinen
-Kopf hinein, um ihn zu packen, aber der Wolf riß ihm ihn ab. Dschoha
-wartete länger als eine Stunde; als er schließlich sah, daß sich sein
-Gesell nicht wieder erhob, zog er ihn heraus, und da sah er, daß er
-keinen Kopf hatte. Er fragte sich, ob er einen gehabt habe oder nicht;
-dann ging er in die Stadt und fragte die Frau seines Freundes: »Hat
-dein Mann, als er heute weggegangen ist, seinen Kopf bei sich gehabt
-oder nicht?«
-
-
-375.
-
-Eines Tages trug Dschoha einen Sack Korn in die Mühle. Auf dem Wege
-dachte er, wie schön es wäre, wenn Gott das Korn in seinem Sacke in
-Gold verwandeln möchte, und schließlich glaubte er, daß sein Wunsch
-erhört sei. Er streckte die Hand aus, um zu sehn, ob es Gold geworden
-sei oder nicht, aber der Sack legte sich um. Da wandte er den Blick
-gen Himmel und sagte: »Herr, du hast mich betrogen.«
-
-
-376.
-
-Einer lud Dschoha ein in der Absicht, ihn zu hänseln; er brachte
-Rosinen in einer zugedeckten Schüssel, worein er auch Mistkäfer getan
-hatte. Als der Deckel abgenommen wurde, liefen die Käfer davon; aber
-Dschoha machte sich daran, sie aufzulesen und zu essen. Der Hausherr
-fragte ihn: »Was tust du denn?« Und Dschoha antwortete: »Ich fange
-vorerst die Ausreißer; die Rosinen rühren sich ja nicht von der
-Stelle.«
-
-
-
-
-2. Aus der von Mardrus besorgten Ausgabe von Tausend und einer Nacht
-
-
-377.
-
-In den Jahrbüchern der alten Weisen, o König der Zeit, und in den
-Schriften der Gelehrten wird erzählt und durch die Überlieferung
-ist auf uns gekommen, daß in der Stadt Kairo, diesem Sitze des
-Frohsinns und des Geistes, ein Mann gewesen ist, der wie ein
-Dummkopf aussah, aber unter dem Äußern eines ungewöhnlichen Narren
-einen unvergleichlichen Kern von Verschlagenheit, Scharfsinn, Witz
-und Weisheit verbarg, ganz zu geschweigen, daß er sicherlich der
-vergnüglichste, unterrichtetste und geistreichste Mensch seiner Zeit
-war; mit seinem Namen hieß er Dschoha, und von Beruf war er nichts,
-gar nichts, wenn er auch gelegentlich in den Moscheen das Predigeramt
-ausübte.
-
-Eines Tages sagten nun seine Freunde zu ihm: »Schämst du dich denn
-nicht, Dschoha, daß du dein Leben im Müßiggange verbringst und deine
-Hände samt den zehn Fingern zu nichts anderm brauchst, als um sie voll
-zum Munde zu führen? Und denkst du nicht, daß es die höchste Zeit wäre,
-dein Luderleben aufzugeben und dich den Sitten aller Welt zu fügen?«
-
-Dschoha antwortete darauf nichts. Aber eines Tages fing er einen
-großen, schönen Storch mit herrlichen Flügeln, die ihn hoch in den
-Himmel trugen, mit einem wunderbaren Schnabel, dem Schrecken der Vögel,
-und mit zwei Lilienstengeln als Beinen. Und nachdem er ihn gefangen
-hatte, stieg er mit denen, die ihm Vorwürfe gemacht hatten, auf das
-Dach seines Hauses, und dort schnitt er dem Storche mit einem Messer
-die herrlichen Federn der Flügel und den wunderbaren langen Schnabel
-und die hübschen, so zierlichen Beine ab, stieß ihn mit dem Fuße
-hinaus und sagte: »Fliege! fliege!«
-
-Entrüstet schrien ihn seine Freunde an: »Daß dich Allah verfluche,
-Dschoha! Warum diese Verrücktheit?«
-
-Und er antwortete ihnen: »Dieser Storch hat mich geärgert und hat meine
-Augen verdrossen, weil er nicht so war wie die andern Vögel; jetzt aber
-habe ich ihn den andern ähnlich gemacht.«
-
-
-378.
-
-Und einmal kam sein Nachbar zu Dschoha, um ihn zu einem Mahle
-einzuladen, und sagte zu ihm: »Komm zu mir essen, Dschoha.« Und Dschoha
-nahm die Einladung an. Und als sie alle beide vor dem Eßbrette saßen,
-wurde ihnen eine Henne aufgetragen. Und Dschoha gab es nach mehrern
-Kauversuchen auf, sich mit dieser Henne zu befassen, die eine alte war
-unter den allerältesten Hennen, und deren Fleisch zäh war wie Leder;
-und er begnügte sich, ein wenig von der Suppe, worin sie gekocht war,
-zu sich zu nehmen. Dann stand er auf, nahm die Henne, stellte sie in
-die Richtung nach Mekka und schickte sich an, sein Gebet über ihr
-zu sprechen. Und sein Wirt sagte betreten zu ihm: »Was willst du,
-Ungläubiger? Seit wann beten die Muselmanen über den Hühnern?«
-
-Und Dschoha antwortete: »Du täuschest dich, Oheim. Diese Henne, über
-der ich beten will, ist keine Henne: sie hat nur die Gestalt einer
-Henne; denn in Wirklichkeit ist sie eine alte heilige Frau, die in
-eine Henne verwandelt worden ist, oder ein verehrungswürdiger frommer
-Mönch! denn sie war im Feuer, und das Feuer hat sie verschont.«
-
-
-379.
-
-Ein andermal war Dschoha mit einer Karawane ausgezogen und der
-Mundvorrat war gar spärlich und der Hunger der Reisenden war
-beträchtlich; und er wurde von seinem Magen so gepeinigt, daß er gern
-das Futter der Kamele verschlungen hätte. Als sie sich nun beim ersten
-Halt alle niedergesetzt hatten, um zu essen, zeigte Dschoha so viel
-Zurückhaltung und Bescheidenheit, daß sich seine Gefährten nicht genug
-wundern konnten. Sie drangen in ihn, das Brot und das harte Ei, das ihm
-zukam, zu nehmen, aber er antwortete: »Nein, bei Allah! eßt nur und
-seid zufrieden; ich wäre nicht imstande, ein ganzes Brot und ein Ei
-aufzuessen. Nehmt nur jeder euer Brot und euer Ei; mir gebt dann, wenn
-es euch beliebt, jeder die Hälfte von seinem Brot und seinem Ei: mehr
-verträgt mein Magen nicht, der ziemlich schwach ist.«
-
-
-380.
-
-Ein andermal, an einem sehr heißen Tage, hatte sich Dschoha in der
-ärgsten Sonnenglut auf den Weg gelegt und hielt seinen Freudenstifter
-entblößt in der Hand. Da kam einer vorbei, und der sagte zu ihm:
-»Schande über dich, Dschoha! was machst du da?«
-
-Und Dschoha antwortete: »Schweige, Mann, und geh mir aus meinem Winde!
-siehst du nicht, daß ich meinen Kleinen Luft schöpfen lasse zu seiner
-Erfrischung?«
-
-
-
-
-3. Volkserzählungen aus Tripolis und Tunis
-
-
-381.
-
-Einmal kam ein Mann zu Dschuha und sprach zu ihm: »Ich habe eine Kuh
-und möchte sie verkaufen, aber niemand will sie mir abkaufen.« Dschuha
-antwortete: »Ich werde den Verkauf besorgen. Bring sie morgen auf den
-Markt; da will ich sie an den Mann bringen.« Dschuha ging zu seiner
-Mutter und erzählte es ihr, und sie sagte zu ihm: »Weißt du auch, mein
-Sohn, wie du die Kuh teuer verkaufen kannst?« »Sag mirs.« »Sag: ›Das
-ist eine sehr schöne Kuh; sie ist noch jung, ist aber schon im sechsten
-Monate trächtig.‹« »Schön,« antwortete Dschuha.
-
-Am nächsten Morgen brachte ihm der Mann die Kuh; Dschuha trieb sie auf
-den Markt und begann sie auszurufen. Man fragte ihn: »Dschuha, ist
-das eine gute Kuh?« Er antwortete: »Eine sehr gute; ich weiß, daß sie
-sehr gut ist.« »Wieso weißt du das?« »Sie ist noch jung und ist schon
-trächtig im sechsten Monate.« »Ja dann ist sie gut.« Dschuha verkaufte
-sie in der Tat sehr teuer. Dann ging er nach Hause.
-
-Nun hatte er eine junge Tochter, und um die warben eben Leute, als er
-nach Hause kam. Und ihre Mutter sagte zu den Leuten: »Da kommt ihr
-Vater. Bittet ihn um sie; er wird sie euch schon geben.« »Was wollt
-ihr?« fragte Dschuha. »Wir wollen deine Tochter haben.« Er sagte: »Ja
-die ist gut: ihr Verstand ist gut entwickelt, ihre Augen sind hübsch,
-ihre Augenbrauen sind zierlich, ihr Haar ist schön genug, und überdies
-ist sie im sechsten Monate schwanger.« Die Leute begannen zu lachen,
-wandten sich zur Tür und gingen weg.
-
-Nun sagte die Frau zu Dschuha: »Schämst du dich nicht?« »Warum denn?«
-»Wie kannst du zu Leuten, die um deine Tochter werben kommen, sagen,
-sie sei im sechsten Monate schwanger?« »Nun, bei der Kuh war es doch
-heute gut, die gar nichts wert war. Niemand hat sie mir abnehmen
-wollen, bis ich den Leuten gesagt habe, sie sei im sechsten Monate
-trächtig; da haben sie sie sofort genommen. Na, und wenn einer etwas
-kaufen will, ists da besser, er erhält ein Ding oder gleich zwei?«
-
-Dschuha ging nun weg von seiner Frau. Auf der Straße kam er wieder mit
-den Leuten zusammen, die bei ihm um seine Tochter geworben hatten, und
-die sagten zu ihm: »Wie hast du uns nur sagen können, deine Tochter
-sei eine Jungfrau, und dann behaupten, sie sei im sechsten Monate
-schwanger?« Dschuha antwortete: »Das will ich euch erklären. Wenn du
-zum Beispiel reisest und irgendwohin willst, ist es da besser, wenn
-du in neun Stunden hinkommst oder in drei?« »Natürlich ist es in drei
-Stunden besser.« »Nun, das trifft auch bei meiner Tochter zu; ist es
-besser, wenn sie ihrem Gatten in drei Monaten ein Kind schenken kann,
-oder wenn das erst in neun Monaten möglich ist?« Da lachten die Leute
-und gingen weg.
-
-
-382.
-
-Dschuha kam einst zu König Jachja; der mochte ihn gut leiden und sagte
-zu ihm: »Verlange, was du willst.« Dschuha antwortete: »Wer Jachja
-heißt, soll mir einen Piaster geben, wer am frühen Morgen ausgeht,
-desgleichen, wer auf seine Frau hört, desgleichen, ebenso wer einen
-langen Bart hat, und schließlich wer grindig ist.« Der König befahl:
-»Fertigt ihm die Gewährung seiner Bitte schriftlich aus.« Dschuha nahm
-den Bescheid und ging.
-
-Eines Tages ging er früh ums Morgengrauen zu einem Stadttore und setzte
-sich dort nieder. Da kam ein Beduine vorbei, der Brennreisig in die
-Stadt bringen wollte. Dschuha hielt ihn an und sagte zu ihm: »Gib
-mir einen Piaster.« Der Beduine fragte: »Warum?« Dschuha antwortete:
-»Weil du am frühen Morgen ausgehst.« Der Beduine blickte auf und
-sagte: »Hätte ich nicht auf meine Frau gehört, wäre ich nicht früh
-aufgestanden.« Da sagte Dschuha: »Jetzt mußt du mir zwei Piaster
-geben.« Der Beduine wurde zornig und sagte: »Weg! laß mich in Ruh;
-sonst kannst du den Stock da von der Hand Hadsch Jachjas zu kosten
-bekommen!« Da sagte Dschuha: »Jetzt machts drei Piaster.« Sie begannen
-zu streiten: der eine sagte: »Gib her,« und der andere: »Ich gebe
-dir nichts,« bis sie sich zu prügeln anfingen. Da wurde der Bart des
-Beduinen sichtbar, und Dschuha sah, daß er lang war; da sagte er: »Vier
-Piaster.« Sie prügelten sich weiter, und da wurde auch der Kopf des
-Beduinen bloß; Dschuha sah, daß er grindig war, und so sagte er sofort:
-»Fünf Piaster.« Der Streit wurde immer heftiger und schließlich wurden
-sie vor den Sultan geführt.
-
-Der Sultan antwortete: »Was soll das heißen, Dschuha?« Dschuha
-antwortete: »Hier ist der treffliche Bescheid, den du mir gegeben hast.
-Bei diesem Manne habe ich die fünf Eigenschaften getroffen, die in dem
-Bescheide verzeichnet sind: er heißt Jachja, geht am frühen Morgen aus,
-hört auf den Rat seiner Frau, hat einen langen Bart und ist grindig.«
-Der Sultan sagte zu dem Beduinen: »Geh nur ruhig nach Hause; du bist
-ein armer Mann und bist hergekommen, um dir etwas zu verdienen, und
-Dschuha hat dich abgehalten.« Und er gab ihm ein Geschenk und sagte:
-»Geh jetzt.« Dschuha sah König Jachja an und sagte: »Es mangelt doch
-einem jeden, der Jachja heißt, am Verstande.« Darüber erboste sich
-König Jachja und ereiferte sich immer mehr; endlich rief er: »Bei Gott,
-wenn du mir niemand ausfindig machst, der Jachja heißt und dem es am
-Verstande mangelt, so lasse ich dir den Kopf abschlagen.« Dschuha
-antwortete: »Gib mir hundert Piaster und gewähre mir neun Tage Frist.«
-Der König ließ ihm das Geld geben und gewährte ihm die gewünschte
-Frist, erklärte aber nochmals: »Wenn du mir nicht binnen neun Tagen
-einen Menschen, wie beschrieben, bringst, so lasse ich dir den Kopf
-abschlagen.«
-
-Dschuha verließ den Palast und ging auf den Schafmarkt; dort kaufte
-er einen hübschen Hammel. Den trieb er in den Basar der Gewürzkrämer.
-Er fragte einen Mann: »Ist vielleicht in dem Basar da ein Mann, der
-Jachja heißt?« Der Mann sagte: »Der in dem Laden dort heißt Jachja.«
-Dschuha ging zu dem ihm bezeichneten und sagte zu ihm: »Friede sei
-über dir!« Der Gewürzkrämer antwortete: »Über dir sei der Friede,«
-und bewillkommnete Dschuha. Der sagte: »Du heißt Jachja?« Der Krämer
-antwortete: »Jawohl.« Dschuha sagte: »Ich habe dir ein Geschenk
-gebracht.« Der Krämer fragte: »Von wem denn?« Dschuha antwortete:
-»Diesen Hammel hat dir der Erzengel Gabriel geschickt.« Der Alte
-freute sich und rief: »Lob sei Gott, der sich meiner erinnert und mir
-durch den Engel Gabriel einen Hammel geschickt hat.[5]« Dschuha sagte
-ihm noch: »Ich warne dich aber vor einem: dieser Hammel erzählt alles
-weiter, was er zu hören und zu sehn bekommt; er ist ein Plauderer.« Der
-alte Jachja nahm den Hammel mit nach Hause und band ihn in der Küche an.
-
-Nun hatte der Alte einen Sohn, der eben geheiratet hatte. Die junge
-Frau mußte auf einmal auf den Abtritt gehn, und dort ließ sie einen
-fahren; ach, da sah sie, daß der Hammel herguckte. Sie schämte sich
-heftig und sprach bei sich: »Der sagt es jetzt meinem Manne und stellt
-mich vor ihm bloß.« Drum sagte sie zu dem Hammel: »Bitte, sag nichts.«
-»Bäh, bäh.« »Versprich mir, daß du nichts sagen wirst.« »Määh.« Da
-zog sie ihr Leibchen aus und bat den Hammel: »Nimm es, aber sage
-meinem Manne nichts.« Und so zog sie sich ein Kleidungsstück nach dem
-andern aus, um es dem Hammel hinzugeben, bis sie splitternackt auf
-dem Abtritte dasaß. Ihre Mutter vermißte sie und fand sie endlich auf
-dem Abtritte; da sie sah, daß sie nackt und bloß war, fragte sie sie:
-»Dir fehlt doch nichts?« »Ach, Mütterchen, ich habe einen streichen
-lassen, und der Hammel hat es gehört, und ich ängstige mich, daß ers
-weitererzählt; und er will mir nichts versprechen.« Da zog sich die
-Alte auch aus und saß schließlich auch nackt auf dem Abtritte. Die
-Mutter des jungen Gatten vermißte die beiden und ging ihnen nach; und
-sie sagte zu ihnen: »Warum sitzt ihr denn nackt und bloß da?« Die
-Mutter der jungen Frau begann: »Mein Töchterchen hat einen streichen
-lassen, und wir haben Angst, der Hammel erzählts ihrem Manne.« Da zog
-sich die Mutter des jungen Gatten auch aus und gab auch alle ihre
-Kleider dem Hammel und sagte zu ihm: »Mein Söhnchen, bitte, sags nicht
-weiter.«
-
-So standen die Dinge, als der alte Jachja sein Haus betrat. Er rief
-hinein: »Chaddidscha! Fatima!«, aber niemand antwortete ihm. Da suchte
-er das ganze Haus ab, bis er auf den Abtritt kam und die drei Frauen
-sah; er fragte sie: »Was ists mit euch?« Sie schwiegen; denn sie
-schämten sich. Er sagte: »Sagt es mir nur.« Nun sagten sie: »Die junge
-Frau hat früher einen streichen lassen, und wir haben uns geängstigt,
-daß es der Hammel ihrem Manne erzählen werde.« Da begann sich der alte
-Jachja auch zu entkleiden: er gab dem Hammel Turban, Rock und Kaftan
-und saß schließlich nackt wie die drei Frauen auf dem Abtritte.
-
-Endlich kam der junge Ehemann, der Sohn des alten Jachja, heim; er
-fand das Haus öde und leer. Er rief: »Mutter! Frau!«, aber niemand
-antwortete ihm. Als er dann vom Abtritte her ein Geräusch hörte, ging
-er hin, und dort fand er die ganze Gesellschaft nackt: Vater, Mutter,
-Frau und Schwiegermutter. »Gottes Wunder!« sagte er; »was ist denn los
-mit euch?« Sie schwiegen und schlugen ihre Augen zu Boden; dann trat
-sein Vater vor und sagte zu ihm: »Deine junge Frau, mein Sohn, hat
-einen fahren lassen, und wir hatten Angst, der Hammel könnte es dir
-erzählen.«
-
-Lassen wir jetzt diese Leute und ihre Sachen und wenden wir uns wieder
-zu Dschuha. Was tat also Dschuha? Dschuha hielt sich eine Woche lang
-fern vom alten Jachja; dann aber ging er wieder in seinen Laden. Der
-Alte bewillkommnete ihn freudig und sagte: »Sei gegrüßt!« Dschuha
-sagte: »Komm her! ich will dir etwas anvertrauen, was ein Geheimnis
-zwischen uns bleiben soll.« Jachja sagte: »Sag es.« Dschuha sagte: »Ich
-bin der Engel Asrael und heute Nacht wird mich Gott zu dir senden,
-um deinen Geist zu holen.« Jachja sagte: »Freund, was habe ich denn
-verbrochen?« Dschuha antwortete: »Du magst etwas verbrochen haben
-oder nicht: wer vor seinem Ende steht, muß den Fuß langstrecken. Geh
-hin und nimm von allen deinen Angehörigen, Verwandten und Bekannten
-Abschied.« Der alte Jachja erwiderte: »Ich will aber nicht sterben.«
-Dschuha sagte: »Was soll das heißen? Das Geschenk ist dir recht, aber
-vom Sterben willst du nichts hören? Nimm nur dein Leichentuch und geh
-nach Hause. Ich werde gegen Abend zu dir kommen und zwar mit zwei
-andern Engeln, nämlich Michael und Gabriel.« Damit verließ er den
-alten Jachja. Der dachte nun: »Heute Nacht muß ich also sterben.« Dann
-nahm er sein Leichentuch und ging nach Hause. Er wusch sich und betete
-zwei Abschnitte; und zu den seinigen sagte er: »Niemand soll das Haus
-verlassen.« Hierauf ging er zu seinen Freunden und Verwandten und sagte
-zu ihnen: »Verzeiht mir alles schlechte.« Sie fragten ihn: »Was ists
-mit dir?« und er antwortete: »Heute Nacht muß ich sterben.« Der eine
-sagte: »Jachja ist verrückt geworden«, der andere: »Vielleicht hat er
-seinen Tod vorausgesehn.« Dann ging Jachja wieder nach Hause. Seine
-Frau und seine Schwiegertochter kamen ihm entgegen und sagten zu ihm:
-»Sei gegrüßt!«; er aber entgegnete: »Weder gegrüßt, noch sonst etwas.
-Verzeihet mir alles; denn heute Nacht muß ich sterben.«
-
-Dschuha ging wieder zum Könige und sagte zu ihm: »Nun habe ich einen
-ausfindig gemacht, der Jachja heißt wie du und dem es am Verstande
-fehlt.« Er brachte zwei Kapuzenmäntel und der König und der Wesir zogen
-sie an; er tat das gleiche. Und um die Zeit des Abendgebetes ging er
-mit ihnen zu dem alten Jachja; sie fanden die Haustür offen. Als sie
-eintraten, flohen die weiblichen Familienmitglieder, indem sie riefen:
-»Das ist der König Tod; er will vielleicht auch uns töten.« Die drei
-traten ein und sagten zum alten Jachja: »Friede sei über dir.« Er
-antwortete ihnen mit matter Stimme: »Über euch sei der Friede.« Nun
-befahl ihm Dschuha: »Lege dich hin und strecke dich lang.« Jachja legte
-sich hin und streckte sich lang. Dschuha befahl ihm weiter: »Sag dein
-Glaubensbekenntnis.« Dann begann er den Alten von unten an zu quetschen
-und zu zwicken: mit dem Beine fing er an und zwar mit der großen Zehe;
-dann kam er ihm an den Bauch, an die Brust und schließlich an den Hals.
-Als er ihm tüchtig an den Hals griff, wurde Jachja ohnmächtig. Drauf
-deckte ihm Dschuha das Gesicht zu und sagte zum Sultan und zum Vesir:
-»Laßt uns wieder gehn.« Und als er das Haus verließ, sagte er zu den
-Angehörigen des alten Jachja: »Wer sich muckst oder gar schreit, dessen
-Geist hole ich.« Zum Sultan aber und zum Wesir sagte er: »Morgen sollt
-ihr mit mir dem Begräbnisse beiwohnen.«
-
-Am nächsten Morgen ging der Sohn des alten Jachja aus und holte die
-Sänger und die Bahre. Man wusch den Alten und hüllte ihn in das
-Leichentuch, legte ihn, ohnmächtig, wie er noch immer war, auf die
-Bahre und zog zum Friedhofe. Unter den Leuten, die dem Begräbnisse
-beiwohnten, waren der Sultan und der Wesir und auch Dschuha. Dem
-begegnete ein altes Weib und er sagte zu ihr: »Komm her; da ist ein
-Goldstück. Geh an die Bahre, tritt zu den Trägern und sage zu ihnen,
-was ich dir sagen werde.« Und er sagte ihr, was sie zu sagen haben
-werde. Sie trat auf die Träger zu und sagte zu ihnen nach dem Wortlaute
-Dschuhas: »Wer ist der Tote?« Man antwortete ihr: »Der alte Jachja vom
-Basar der Gewürzkrämer.« Sie sagte: »Gott sei ihm nicht gnädig! Ich
-habe bei ihm, als ich meine Tochter verheiraten wollte, ein Pfündchen
-Ambra gekauft; da hat er mich um vier Unzen betrogen.« Als das der alte
-Jachja hörte, richtete er sich auf der Bahre auf und rief: »Ich bin ein
-Betrüger, du schlechtes Weib? Mich kennt man als einen Dieb?« Da warfen
-die Träger die Bahre zu Boden und entflohen; alle Leute aber begannen
-zu lachen und der Sultan und der Wesir stimmten mit ein. Nun wandte
-sich Dschuha an den Sultan und sagte zu ihm: »Habe ich dir nicht
-gesagt, daß es jedem, der Jachja heißt, am Verstande fehlt?« Der Sultan
-antwortete: »Ich verzeihe dir; verlange von mir, was du willst.«
-
-
-383.
-
-Dschuha pflegte mit seiner Mutter unter einem Tuche zu schlafen, und
-allmorgendlich, wann der Muezzin auf das Minaret stieg, um zum Gebete
-zu rufen, stand seine Mutter auf und nahm das Tuch um, so daß Dschuha
-in der Kälte bloß liegen mußte. Eines Tages sprach er bei sich: »Dieser
-Muezzin ist doch ein nichtswürdiger Mensch; jede Nacht stört er mich.«
-Er ging zu ihm hinauf aufs Minaret; und während der Muezzin zum Gebete
-rief, erschlug er ihn. Und er schnitt ihm den Kopf ab und warf ihn in
-den Brunnen seines Hauses. Dann ging er zu seiner Mutter und sagte zu
-ihr: »Jetzt habe ich dir glücklich Ruhe vor dem Muezzin verschafft; ich
-habe ihn getötet und ihm den Kopf abgeschnitten.« Die Mutter fragte
-ihn: »Wo ist denn der Kopf?« Dschuha antwortete: »Ich habe ihn in
-unsern Brunnen geworfen.« Nun sagte die Mutter: »Geh jetzt hinein und
-leg dich schlafen; sonst wird man kommen und dich festnehmen.« Dschuha
-ging ins Zimmer und legte sich schlafen und die Mutter deckte ihn zu.
-
-Sie schlachtete ein Hämmelchen, das sie hatte, und warf den Kopf in den
-Brunnen; das Netz und den Magen nahm sie her und machte Würste daraus.
-Die kochte sie, ging damit zu Dschuha und warf sie auf den Boden; dann
-sagte sie zu ihm: »Steh auf, Dschuha, es hat Würste geregnet.« Dschuha
-erhob sich, las die Würste auf und aß sie. Hierauf ging er aus; er
-fand die Moschee voller Menschen und die fragten einander: »Was ist
-das? der Muezzin hat keinen Kopf; wer hat ihn getötet?« Dschuha sagte
-zu ihnen: »Ich habe ihn getötet.« Sie fragten ihn: »Wo ist sein Kopf?«
-Er sagte: »Den habe ich in unsern Brunnen geworfen.« Nun hieß es: »Wir
-müssen zu Dschuha gehn, damit wir sehn, ob das wahr oder gelogen ist.«
-Man ließ Dschuha in den Brunnen hinab, damit er den Kopf des Muezzins
-heraufhole. Als er nun im Wasser herumtastete, kamen ihm die Hörner des
-Hammels in die Hand; da sah er hinauf und rief denen oben zu: »Hat euer
-Muezzin Hörner gehabt oder nicht?« Sie sagten: »Was soll das heißen?
-Wann hast du ihn übrigens getötet?« Dschuha antwortete: »In der Nacht,
-wo es Würste geregnet hat.« Da sahen sich die Leute an und sagten:
-»Ach, das ist ja der verrückte Dschuha!«
-
-
-384.
-
-Dschuha hatte einen Oheim von Vaters Seite, und in dessen Frau war er
-verliebt und sie gewährte ihm auch ihre Gunst; da verstieß sie der
-Oheim und nahm eine andere Frau und die warnte er mit den Worten:
-»Dschuha ist ein Taugenichts; hüte dich ja, daß er dir zu nahe kommt
-und du ihm irgendeine Gunst gewährst.« Dschuha war der Schafhirt seines
-Oheims; und wenn er abends heimkam und die Frau anzureden versuchte,
-so wies sie ihn allemal schnöde ab. Als er aber einmal die Schafe
-weidete, kam er zu einem unterirdischen Gewölbe; dahinein trieb er
-die Schafherde, und den Eingang verrammelte er. Er ging zu seinem
-Onkel und sagte zu ihm: »Die Schafe sind weg.« Sein Oheim, der Ärmste,
-machte sich auf und suchte mit seiner Frau die Schafe; die waren in
-dem Gewölbe. Als die Suchenden dort in die Nähe kamen, begann auf
-einmal Dschuha für sich zu sprechen. Sein Oheim sagte: »Was redest und
-sprichst du da?« Dschuha antwortete: »Die Vögel sprechen mit mir.« Der
-Oheim fragte weiter: »Was sagen sie dir denn?« Dschuha antwortete:
-»Was mir die Vögel sagen, kann ich dir nicht wiedersagen; es schickt
-sich nicht.« Der Oheim dachte eine Weile nach; dann sagte er: »Sag es
-mir; es tut weiter nichts.« Dschuha antwortete: »Die Vögel haben zu
-mir gesagt: ›Wenn du die Frau deines Oheims wirst küssen, wirst du
-die Schafe finden müssen.‹« Da sagte der Oheim: »Also, Dschuha, ich
-soll die Schafe finden, wenn ich dir meine Frau überlasse?« Dschuha
-antwortete: »Ja, bei Gott. Wahrhaftig.« Nun sagte der Oheim: »Wohlan
-denn, nimm sie dort ins Gebüsch und küsse dich satt an ihr.« Dschuha
-nahm sie ins Gebüsch und küßte sich satt an ihr. Dann kam er aus
-dem Gebüsche hervor und begann wieder ein Selbstgespräch. Der Oheim
-fragte ihn: »Was hat dir der Vogel jetzt gesagt?« »Er hat mir gesagt,
-wo die Schafherde ist, nämlich dort in dem unterirdischen Gewölbe.«
-Der Oheim fragte ihn wieder: »Wirklich? oder lügst du mir etwas vor?«
-Bald waren sie bei dem Gewölbe und Dschuha öffnete es und ließ die
-Schafe heraus; und er sagte: »Nun, Oheim, da haben wir also die Schafe
-wiedergefunden.« Als sie dann zu Hause waren, sagte Dschuhas Oheim zu
-seiner Frau: »Dieser Dschuha ist ein Taugenichts; er verspottet uns
-und macht sich über uns lustig.« Und damit jagte er Dschuha weg.
-
-
-385.
-
-Dschuha hatte einen kleinen Esel. Den entdeckten etliche lose Buben und
-nahmen ihn weg; und als sie ihn gestohlen und verkauft hatten, kamen
-sie wieder zu Dschuha und sagten zu ihm: »Dschuha, dein Esel ist Kadi
-geworden.« Dschuha antwortete: »Wahrhaftig?« Sie beteuerten es: »Wir
-haben ein Buch vor uns hingelegt und zu lesen begonnen, und da hat er
-uns zugehört.« Dschuha nahm einen Futtersack und ging damit zum Kadi.
-Der Kadi sprach gerade Recht; da hielt ihm Dschuha den Futtersack hin
-und sagte zu ihm: »Komm, friß Gerste; du bist doch ein Esel.« Der Kadi
-blickte auf und sagte: »Was soll das heißen? du machst mich zu einem
-Esel, verfluchter Junge? Greift ihn und verabreicht ihm zweihundert
-Hiebe.« Dschuha erhielt also von den Dienern die Hiebe; aber er schrie:
-»Ach, ich werde dir keine Gerste und kein Stroh mehr geben; wann ich
-aber wieder frei bin, werde ich dirs schon zeigen.« Der Kadi blickte
-auf und sagte: »Der Mensch ist verrückt; was war dein Esel wert, mein
-Junge?« Dschuha antwortete: »Hundert Piaster.« Der Kadi befahl: »Gebt
-ihm hundert Piaster und jagt ihn weg.« Aber Dschuha begann wieder:
-»Wenn du nun nicht mein Esel bist, wo ist denn dann mein Esel?« Der
-Kadi fragte ihn: »Was war es mit deinem Esel?« Dschuha sagte: »Ich
-suchte ihn, konnte ihn aber nicht finden. Da sind mir etliche Leute
-begegnet und die haben zu mir gesagt: ›Dein Esel ist Kadi geworden.‹
-Da bin ich zu dir gekommen und du hast mir zu dem nötigen verholfen.
-Drum bist du wirklich ein Kadi und kein Esel.« Der Kadi ließ die Leute
-holen, die diese Geschichte angestiftet hatten; man brachte sie und
-der Kadi befahl: »Gebt jedem zweihundert Hiebe.« Und dann sagte er zu
-ihnen: »Ihr müßt Dschuha seinen Esel wieder verschaffen.«
-
-
-386.
-
-Dschuhas Familie hatte als Nachbarn in der Gasse sehr angesehne Leute,
-und in dem Nachbarhause war eine Frau, die einen Einäugigen zum
-Liebhaber hatte; den sah Dschuha täglich das Haus betreten. Was tat nun
-Dschuha? Er kaufte sich eine ganz magere Ziege und die schlachtete er;
-dann versammelte er die Hunde des Stadtviertels um sich und schnitt
-ihnen das Fleisch der Ziege zurecht und gab es ihnen zu fressen. So
-kam auch ein einäugiger Hund dazu. Die andern Hunde hatte er schon
-alle satt gemacht und sie waren wieder weggelaufen; nun nahm er den
-einäugigen Hund her, der darauf wartete, daß er ihm zu fressen gebe:
-er jagte ihn in die enge Gasse hinein und schlug auf ihn los, bis
-schließlich der Hund in das Haus floh, wo die Frau mit ihrem einäugigen
-Liebhaber war. Der Hund lief also in die Tür und verkroch sich im
-Hausflur. Dschuha trat nun auch ins Haus, ging in den Hausflur und
-rief: »Hinaus mit dir, Einäugiger! Du frißt die Sachen der Leute und
-nimmst Reißaus und versteckst dich bei Fremden im Hausflur.« Die Frau
-hörte das, die Ärmste, kam von innen heraus und fragte: »Was gibts mit
-dem Einäugigen?« Dschuha antwortete: »Ich habe ihn mit eigenem Auge
-hineingehn sehn; er ist ein Hund und Hundesohn.« Da sagte die Frau
-bittend: »Da sind hundert Piaster; geh aber weg: du verursachst mir
-einen Lärm vor der Haustür.« Dschuha handelte mit ihr um den Betrag,
-bis sie ihm schließlich fünfhundert gab. Als er dann das Geld in der
-Hand hatte, sagte er zu ihr: »Dort im Hausflur steckt der Hund; jag
-mir ihn heraus.« Da blickte sie hin und sah den Hund, und sie sah,
-daß er einäugig war wie ihr Geliebter; und sie rief: »Ach, dieser
-nichtsnutzige Dschuha hat mich angeführt!« Damit jagte sie den Hund
-hinaus und Dschuha ging mit ihm weg.
-
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-387.
-
-Dschuha pflegte die Kühe seiner Verwandten von Mutterseite auf die
-Weide zu treiben; ihm selber gehörte von der Herde nur ein Kalb. Die
-Kühe waren alle mager, Dschuhas Kalb hingegen fett; als er nun einmal
-auf das Kalb nicht achtgab, ersahen seine Verwandten die Gelegenheit
-und schlachteten es. Sie waren gerade dabei, es zu verzehren, als
-Dschuha heimkam; da sagten sie einfach zu ihm: »Dein Kalb hat uns so
-gefallen, daß wir es geschlachtet haben; jetzt essen wir es.« Dschuha
-bat sie und sagte: »Gebt mir wenigstens die Haut.« Sie gaben sie ihm.
-Er ging damit weg und bot sie im Basar zum Verkaufe aus. Den ganzen
-Tag bot er sie aus; schließlich verkaufte er sie um einen Heller. Er
-überlegte und sagte sich: »Was tu ich mit dem Heller?« Dann machte
-er ein Loch in den Heller, zog einen Faden durch und wickelte sich
-den Faden um den Finger und machte sich auf den Weg nach Hause. Da
-sah er vor sich zwei Männer auf der Straße; die hatten einen Kasten
-voll Goldstücke gefunden und waren eben dabei, sie mit einem Maße
-zu messen und sie zu teilen. Dschuha schlich sich von hinten an sie
-heran und warf seinen Heller mitten unter die Goldstücke; und er
-sagte zu ihnen: »Seid gegrüßt!« Sie fragten ihn: »Was ists mit dir?«
-Er antwortete: »Und was ists mit euch? Teilt ihr das Geld anderer
-Leute?« Sie antworteten: »Diesen Schatz hat uns Gott geschenkt; wir
-haben ihn regelrecht durch Zauberei gehoben.« Dschuha aber sagte: »Der
-Schatz gehört mir.« Sie fragten: »Wieso denn?« Dschuha antwortete:
-»Ich habe ihn gekennzeichnet, und zwar mit einem Heller, durch den
-ein roter Faden gezogen ist.« Sie suchten nach und fanden den Heller
-wirklich; nun sagten sie zu Dschuha: »Du hast recht; da müssen wir ihn
-unter uns drei teilen.« Dschuha aber erwiderte: »Nein; nehmt ihr eine
-Hälfte, und ich will die andere nehmen.« Und er nahm die Hälfte von den
-Goldstücken, und die andern nahmen die Hälfte. Er steckte sein Geld in
-den Bausch seines Burnus und ging heim.
-
-
-388.
-
-Dschuha ging zu seinen Verwandten und öffnete seinen Burnus; da
-erstaunten sie und fragten ihn: »Woher hast du das viele Geld?«
-Er antwortete: »Wißt ihr das nicht? das ist ja das Geld für die
-Kalbshaut.« Sie sagten: »Da wollen wir doch auch unsere Kühe schlachten
-und die Häute verkaufen.« Dschuha sagte: »Schlachtet sie nur; ihr
-werdet reich daran werden.« Sie schlachteten also ihre Kühe und zogen
-ihnen die Häute ab. Dschuha hatte ihnen aber noch geraten: »Laßt die
-Häute stinkend werden; salzt sie nicht ein.« Als nun diese Bauern
-ihre Kühe geschlachtet, das Fleisch verzehrt und auch die Hunde damit
-gefüttert hatten, ließen sie die Häute liegen, bis sie zu stinken
-begannen. Nach drei oder vier Tagen sah Dschuha nach, und da fand er,
-daß aus den stinkenden Häuten Würmer herauskrochen; er ging wieder
-zu seinen Verwandten und sagte zu ihnen: »Nehmt jetzt die Häute und
-verkauft sie.« Sie gingen in den Basar und boten die Häute aus. Es
-kamen die Schuster und sahen sich die Häute an, und sie sahen, daß
-Würmer herauskrochen und daß sie entsetzlich stanken. Da sagten sie
-untereinander: »Sie wollen uns zum besten haben!« Damit nahmen sie die
-unglückseligen Verkäufer her und versetzten ihnen Faustschläge; und
-sie schrien: »Nehmt euer Aas wieder und werft es weg!« Die Verwandten
-Dschuhas zogen ab und entwichen; und sie sagten: »Wenn wir Dschuha
-nicht heute Nacht töten, so macht er uns noch ganz arm.«
-
-
-389.
-
-Sie gingen zu Dschuha, nahmen ihn fest und banden ihn und sagten zu
-ihm: »Du hast uns also arm gemacht.« Dschuha sah sie an und sagte zu
-ihnen: »Ihr habt es also geglaubt, daß man stinkende Kuhhäute kauft?
-Ich habe euch ja nur zum besten gehabt.« Sie nahmen ihn also fest,
-fesselten ihn und steckten ihn in einen Sack; den banden sie zu und
-wollten also Dschuha ins Meer werfen. Als sie ans Ufer kamen, sahen
-sie einen Schafhirten auf der Weide; nun sagten sie untereinander:
-»Wir wollen den Sack einstweilen niederlegen und bei dem Hirten Milch
-trinken.« Sie gingen zu dem Hirten und fragten ihn: »Hast du einen
-Trunk Milch?« Er gab ihnen Milch in einem Schlauche und sie tranken
-sie. Dann setzten sie sich zu dem Hirten, den Kopf auf die Ellbogen
-gestützt; sie begannen schläfrig zu werden und schließlich übermannte
-sie der Schlaf. Der Hirt ließ sie ruhig schlafen und ging seine Schafe
-zurücktreiben; dabei sah er den zugebundenen Sack und er stieß mit
-seinem Stabe daran. Dschuha sagte im Sacke: »Laß mich in Frieden.« Der
-Hirt erschrak und sagte: »Ist das ein Mensch oder ein Geist? Was ists
-mit dir in dem Sacke da?« Dschuha antwortete: »Man will mich zu meinem
-Meister bringen, der mich unterrichten soll; und wen mein Meister
-unterrichtet, der sieht das Schicksalsbuch, das Gott verwahrt.« Da
-sagte der Hirt: »Ach, ich möchte gern an deiner statt hingehn.« Dschuha
-sagte: »Nein, damit bin ich nicht einverstanden.« Er stellte sich
-abgeneigt, obwohl er es gar zu gern gehabt hätte, wenn der andere seine
-Stelle eingenommen hätte. Aber der Hirt ließ nicht ab, Dschuha um diese
-Gunst zu bitten, bis Dschuha endlich nachgab und sagte: »Gut denn;
-binde den Sack auf, damit ich heraus kann.« Der Hirt machte den Sack
-auf und Dschuha kroch heraus; dann befahl er dem Hirten: »Zieh deine
-Kleider aus.« Er zog die Kleider des Hirten an und gab ihm die seinigen
-und die zog der Hirt alsbald an; dann steckte er ihn in den Sack und
-band den zu. Dann trieb er die Schafe vor sich her, und kehrte so ins
-Dorf zurück; vorher hatte er aber noch dem Hirten eingeschärft: »Wenn
-man dich fortträgt, so verhalte dich still; denn wenn du sprichst,
-wird man dich in die Tiefe des Meeres werfen.« Dschuhas Verwandte
-standen nach einiger Zeit, als Dschuha schon mit seiner Herde weit
-weg war, vom Schlafe auf, nahmen den Sack und warfen ihn ins Meer;
-dann sagten sie untereinander: »Jetzt sind wir ihn los.« Nun gingen
-sie heim, aber auf einem kürzern Wege als Dschuha, der erst in der
-Nacht ins Dorf kam. Alle Frauen im Dorfe waren frohen Muts und riefen:
-»Dschuha ist tot! wir sind ihn los!« Aber nach Sonnenuntergang, da
-kommt auf einmal Dschuha mit einer Schafherde ins Dorf! und die Frauen
-riefen: »Da ist ja Dschuha wieder! er lebt ja noch und ist gar noch
-nicht tot! und ihr habt gesagt: ›Wir haben Dschuha ins Meer geworfen,
-wir sind ihn los!‹«
-
-
-390.
-
-Nun wurde Dschuha gefragt: »Woher hast du denn die Schafherde?« Und
-Dschuha antwortete: »Die habe ich aus dem Meere heraufgebracht:
-das Meer hängt am Himmel, und unterm Meere weiden die Schafe.« Sie
-sagten: »Rate uns, Dschuha, wie wir es anstellen sollen.« Dschuha
-sagte: »Bindet euere Kinder, fesselt sie, wie ihr mich gefesselt
-habt, steckt sie in Säcke und werft sie ins Meer; dann werden auch
-sie gegen Sonnenuntergang Schafe bringen wie ich.« Da nahm ein jeder
-sein Kind und steckte es in einen Sack; und sie trugen die Kinder zum
-Meere und warfen sie hinein. Nun war in dem Dorfe auch eine Witwe;
-die wandte sich an Dschuha und sagte zu ihm: »Ich habe keine Kinder.«
-Dschuha sagte: »Nimm deinen Hund und wirf ihn den Kindern nach; er
-wird dir schon gegen Sonnenuntergang Schafe bringen.« Die Witwe warf
-den Hund ins Meer; aber er schwamm natürlich wieder heraus. Dschuha
-saß versteckt auf der Spitze eines Hügels, besah sich die Sache und
-lachte für sich und rief dem Hunde zu: »Bring nur deiner Herrin schöne
-Hammel und Lämmer!« Der Hund schwamm aber immer wieder zurück ans
-Ufer zu seiner Herrin, ohne Schafe oder sonst etwas mitzubringen. Da
-rief die Frau Dschuha herbei und sagte: »Mein Hund da hat mir keine
-Schafe gebracht.« Dschuha antwortete: »Weil er nicht untergetaucht ist;
-hätte er getaucht, so hätte er dir welche gebracht. Die andern werden,
-weil sie untergetaucht sind, gegen Abend Schafe bringen; binde ihm
-doch einen Stein an den Hals, damit er ordentlich untertaucht.« Als
-die Sonne unterging und die Kinder noch nicht kamen, sahen sich die
-Leute an und sagten zu ihm: »Dschuha, die Kinder sind nicht gekommen.«
-Dschuha antwortete: »Bis die Dunkelheit einbricht.« Es wurde dunkel,
-aber die Kinder kamen nicht wieder. Die Leute wurden unruhig und sagten
-zu Dschuha: »Die Kinder sind noch immer nicht gekommen.« Dschuha sagte:
-»Ja, habt ihr denn wirklich geglaubt, daß es in der See Schafe gibt? an
-euern Kindern haben sich heute die Fische gütlich getan.« Da begannen
-sie über ihre Kinder zu wehklagen und zu weinen; dann aber nahmen sie
-Dschuha fest, fesselten ihn und sagten: »Für den gibt es nur das eine,
-daß wir ihn in die gefährliche Einöde bringen und an eine Olive binden,
-damit ein Löwe kommt und ihn frißt.«
-
-
-391.
-
-Sie nahmen Dschuha und brachten ihn in die Einöde; sie banden ihn nahe
-der Straße an eine Olive und verließen ihn. So an den Baum gefesselt,
-sah er einen Reiter kommen, einen Kaid, der beim Bei in Tunis gewesen
-war. Der Reiter kam heran und sagte: »Friede sei über dir.« Dschuha
-antwortete, als wäre er gar nicht geneigt gewesen, zu sprechen: »Über
-dir sei der Friede.« Der Reiter fragte ihn: »Warum bist du gefesselt?«
-Dschuha antwortete: »Geh, laß mich in Ruh! was fragst du mich?« Der
-Greis sagte: »Ist denn Fragen ein Verbrechen oder etwas unrechtes?«
-Dschuha antwortete: »Du wirst mich sicher wieder zu dem machen, was
-ich früher war.« Der Greis fragte ihn: »Was warst du denn früher?«
-Dschuha antwortete: »Ich war früher hundert Jahre alt: da man mich aber
-gefesselt und an den Baum Sidi Abd Elkaders gebunden hat, bin ich zu
-einem Dreißigjährigen geworden; denn jeder alte Mann, den man an diesen
-Baum fesselt und der sich still und stumm verhält, wird wieder jung.«
-Da sagte der Greis: »Freund, bei Gott, ist das so?« Dschuha antwortete:
-»Bei Gott.« Nun bat ihn der Greis: »Laß mich an deinen Platz«, und
-schließlich sagte Dschuha: »So binde mich denn los.« Der Greis band
-Dschuha los und der befahl ihm: »Leg deine Kleider ab; denn ich kann
-dir nur das Hemd auf dem Leibe lassen.« Der Greis zog seine Sachen
-aus und legte die Burnusse ab, die Seidenschale und das Turbantuch;
-und Dschuha zog, nachdem er ihn an seiner statt an die Olive gebunden
-hatte, seine Kleider an und bestieg seine Stute und ritt hinein ins
-Dorf. Nichts ahnend saßen die Leute da, als auf einmal Dschuha
-herangesprengt kam auf einer schönen Stute und in kostbaren Kleidern;
-sie fragten ihn: »Dschuha, woher hast du die Stute?« Er antwortete: »In
-der Schlucht dort laufen überall Pferde umher.« Sie sagten zu ihm: »Bei
-Gott, du lügst, du Taugenichts! wen hast du wieder zum besten gehabt?«
-
-
-
-
-III.
-
-Berberische Überlieferungen
-
-
-392.
-
-Dschuha hatte einen Esel; den fütterte er, bis er hübsch dick wurde.
-Seine Stadtviertelsgenossen sagten zu ihm: »Verkauf uns den Esel.«
-»Der ist zu teuer für euch,« antwortete Dschuha. Sie sagten: »Sage uns
-du, wie hoch sein Preis sein soll; wir werden ihn dir schon bezahlen.«
-Dschuha antwortete: »Ich werde es nicht sagen; aber wir wollen ihn auf
-den Eselsmarkt bringen, und für das, was er dort gilt, verkaufe ich ihn
-euch.« »Gut,« sagten sie. Am nächsten Morgen ging er mit dem Esel früh
-auf den Markt, stopfte ihm den Hintern mit Goldstücken voll und übergab
-ihn dem Ausrufer.
-
-Die, die den Esel kaufen wollten, kamen herbei und musterten ihn, ob
-er ihnen wohl gefalle und sie auf ihn bieten sollten. Der Ausrufer
-bestieg ihn und ließ ihn lustig galoppieren, und der Esel lief hurtig
-dahin und blies seinen Wind, während ihm die Goldstücke aus dem Hintern
-fielen. Die Leute, die zusahen, hoben die Goldstücke auf und begannen
-einander zuzuraunen: »Der Esel Dschuhas mistet Gold.« So kam es,
-daß auch die, die ihn eigentlich nicht hatten kaufen wollen, darauf
-loszubieten begannen. Man überbot sich gegenseitig, bis der Esel auf
-zehntausend Franken kam. Da verkaufte ihn Dschuha und nahm das Geld
-in Empfang. Er trat zu dem, der den Esel gekauft hatte, und sagte zu
-ihm: »Ich habe dir etwas verkauft, das der verkörperte Reichtum ist.«
-Der Käufer antwortete: »Sage mir, worin sein Futter besteht.« Dschuha
-antwortete: »Du mußt ihm genügend Gerste und Gras geben und ihn auch
-täglich zweimal tränken; und wenn du ihn in den Stall schließt, so
-laß ihn dort nicht so ohne weiteres: wenn du vielmehr willst, daß er
-gehörig viele Goldstücke zur Welt befördert, so bring ihn auf deinem
-eigenen Lager unter, decke ein Moskitonetz über ihn und feßle ihm die
-Füße, damit ihm bis Tagesanbruch nichts vom Lager heruntergleitet. Mit
-Tagesanbruch aber geh zu seinem Lager; da wirst du zwei Körbe voll
-Goldstücke finden.«
-
-Der Käufer des Esels wachte die ganze Nacht in froher Hoffnung, daß es
-Tag werde. Früh ging er zum Zimmer und öffnete es; und freudig sprach
-er bei sich: »Heute werde ich durch Dschuhas Esel ein reicher Mann.«
-Er hob das Netz auf, und nun fand er, daß der Esel zwei ganze Körbe
-Mist ins Bett gemacht hatte, während sein Urin auf dem Boden unter dem
-Bette eine lustige Pfütze bildet. Er warf den Esel vom Bette herunter
-und begann den Mist zu durchwühlen, fand aber auch nicht ein Goldstück.
-Nun ging er mit dem Esel zu Dschuha und sagte zu ihm: »Ich habe mit
-dem Esel alles so gemacht, wie du mir gesagt hast, habe aber nicht
-entdeckt, daß er mir etwas andres verschafft hätte als zwei Körbe Mist;
-und das Bett hat er mir in einen netten Zustand versetzt. Und nicht ein
-einziges Goldstück habe ich gefunden.« Dschuha antwortete: »Wie? Habe
-ich dir denn gesagt, du solltest ihn in dein Bett legen?« Der Käufer
-antwortete: »In mein Bett habe ich ihn genommen, weil ich Angst hatte,
-die Nachbarn könnten mir die Goldstücke stehlen, die er misten werde;
-deshalb habe ich ihn in das Bett gelegt.« Dschuha antwortete: »Darum
-hat er dir auch keine Goldstücke gemistet. Deine Gesinnung gegen die
-Nachbarn war nicht edel; darum hat dir Gott nichts schenken wollen.«
-Nun sagte der Mann: »Gib mir mein Geld zurück und nimm deinen Esel.«
-Dschuha antwortete: »Nein, ich gebe dir nichts zurück; du hast den Esel
-auf dem Basar gekauft, wo Recht und Gesetz gilt.«
-
-Darauf sagte der Käufer: »Wohlan, wir wollen zum Richter gehn.« Dschuha
-antwortete: »Ich gehe nicht mit dir; verklage nur erst den Esel, und
-ich werde dann schon kommen.« Der Mann ging hin und verklagte Dschuha;
-dann nahm er einen Schergen mit zu Dschuha. Sie kamen zu ihm und
-der Scherge sagte: »Steh auf, der Richter läßt dich rufen.« »Gut,«
-antwortete Dschuha und ging mit ihm. Als er und sein Gegner vor den
-Richter traten, gebot ihnen der, zu sprechen. Der Käufer begann: »Ich
-habe von Dschuha einen Esel gekauft, der Goldstücke misten sollte. Als
-ich ihn kaufte, fragte ich Dschuha: ›Was gibst du ihm zu fressen?‹
-Er antwortete mir: ›Gib ihm genügend Gerste und Gras und tränke ihn
-zweimal des Tages. Laß ihn auch in dein Bett steigen und feßle ihm die
-Füße, damit du am Morgen neben ihm findest, was er setzen soll.‹ Ich
-tat so, wie er mich geheißen hatte. Am Morgen ging ich zum Esel, fand
-aber dort nichts als einen Haufen Mistbatzen.« Da sagte der Richter
-zu ihm: »Du bist verrückt; gibt es denn auf der Welt einen Esel, der
-Goldstücke mistet? Dschuha ist ganz in seinem Rechte; dir jedoch fehlt
-es am Verstande.«
-
-Nun wurde der Mann sehr zornig. Er ging mit seinem Esel heim und
-prügelte ihn zu Tode.
-
-
-393.
-
-Einst sagten Männer zu Schaha, daß er heiraten solle; er antwortete
-ihnen, er werde nicht heiraten, bis der Fluß eine Frau bringe. Sie
-sagten: »Wie wäre es möglich, daß der Fluß eine Frau brächte?« Schaha
-antwortet kurz: »So sage ich euch.«
-
-Als dann eine Zeit verstrichen war, sah Schaha eines Tages am Stadttore
-eine Frau aus der Fremde; er fragte sie: »Wer bist du?« Sie antwortete
-ihm: »Ich bin aus dem und dem Lande.« »Wohin gehst du?« »In diese
-Stadt.« »Was willst du da tun?« »Ich will dableiben.« Er fragte weiter:
-»Hast du Kinder?« Sie antwortete: »Ich habe eines geboren, aber es ist
-gestorben, als es noch ganz klein war.« Er sagte: »Ich fürchte, daß mir
-seine Krankheit Schaden bringen wird.« Sie antwortete: »Aber wie sollte
-dir denn die Krankheit, woran der Knabe gestorben ist, als er noch
-klein war, Schaden bringen können?« Er sagte zu ihr: »Liebst du mich?
-willst du, daß ich dich heirate?« Sie antwortete: »Ich liebe dich.«
-
-Darauf gingen sie in die Stadt, um sich von einem Priester trauen zu
-lassen, und nachdem sie geheiratet hatten, blieb er daheim bis zur
-Regenzeit. Als dann alle Leute hinausgingen, um das Feld zu bestellen,
-ging auch er zur Arbeit; dabei fand er einen Schatz, einen Topf voll
-Gold. Diesen Topf grub er aus; für einen Teil des Goldes kaufte er
-Weizen, Datteln und Butter, und den Rest versteckte er in einem alten
-Wasserschlauche.
-
-Darauf lebte er mit seiner Frau bis zu der Zeit, wo die Pilger kamen.
-Von diesen kam ein armer zu seiner Frau und bat sie um einen alten
-Schlauch, um darin Wasser aufzubewahren. Sie sagte, sie habe keinen,
-aber eine Nachbarin machte sie darauf aufmerksam, daß im obern Teile
-des Hauses ein alter Schlauch sei. Nun stieg sie hinauf, holte ihn und
-gab ihn dem Armen. Der sagte: »Gott möge dich noch in deinen Kindern
-segnen.« Sie antwortete: »Ich habe keine; ich habe nur eines geboren,
-und das ist gestorben, als es noch klein war.« Er sagte: »Möge Gott mit
-ihm Erbarmen haben.«
-
-Eines Tages stieg Schaha, der in der Stadt geblieben war, in den obern
-Teil des Hauses, um den alten Schlauch mit dem Golde zu suchen; der
-war aber nicht da. Er fragte seine Frau, wo der Schlauch sei, der oben
-gewesen sei, und sie sagte: »Ein armer Mann ist zu mir gekommen und hat
-ihn verlangt. Er hat Gott um Barmherzigkeit für mein Kind angefleht,
-und ich bin hinaufgestiegen, habe ihn geholt und habe ihn ihm gegeben.«
-Schaha sagte: »Habe ich es dir nicht gesagt gehabt, daß mir die
-Krankheit deines Kindes, obwohl es tot ist, Schaden bringen werde? Und
-du hast mir erwidert: ›Wie soll dir die Krankheit des verstorbenen
-Kindes Schaden bringen können?‹«
-
-Schaha ging weg und kaufte einen großen schönen Schlauch; damit ging
-er in den Straßen umher und fragte: »Wer tauscht einen neuen Schlauch
-gegen einen alten um?« Da sagte ein Armer zu ihm: »Nimm meinen alten
-Schlauch und gib mir den neuen.« Und er gab ihm den, der das Gold
-enthielt. Schaha nahm den Schlauch, wo das Gold war, von dem der Arme
-nichts wußte.
-
-Dann ging Schaha nach Hause und schied sich von seiner Frau.
-
-
-394.
-
-Eines Tages ging Si Dscheha auf den Markt, um einen Esel zu kaufen. Ihm
-begegnete einer und der sagte zu ihm: »Wohin, Si Dscheha?« »Auf den
-Markt, einen Esel kaufen.« Der Mann erwiderte: »Sag: ›So Gott will‹, Si
-Dscheha.« Dscheha antwortete: »Warum sollte ich sagen: ›So Gott will‹?
-ich habe Geld bei mir und auf dem Markte sind Esel.« Damit ging er
-weiter.
-
-Als er auf dem Markte angelangt war, kam ein Mann daher; der benützte
-einen Augenblick der Unaufmerksamkeit Dschehas und stahl ihm sein Geld.
-Si Dscheha machte sich auf den Heimweg, ohne einen Esel gekauft zu
-haben. Der besagte Freund begegnete ihm wieder und sagte zu ihm: »Was
-hast du gekauft, Si Dscheha?« Dscheha antwortete: »Mein Geld ist mir
-gestohlen worden, so Gott will; dein Vater sei verflucht, so Gott will.«
-
-
-395.
-
-Eines Tages ging Si Dscheha zu einem andern essen, und der setzte ihm
-ein gebratenes Zicklein vor. Dscheha packte das Zicklein und begann es
-zu verschlingen wie ein Wolf. Da sagte sein Wirt: »Weshalb hast du denn
-eine solche Wut auf das Zicklein? seine Mutter hat dich wohl einmal mit
-den Hörnern gestoßen?«
-
-»Und du,« versetzte Dscheha, »du bist so mitleidig mit ihm, als ob
-seine Mutter deine Amme gewesen wäre.«
-
-
-396.
-
-Seine Freunde hatten gehört, daß er krank sei, und kamen ihn besuchen.
-Er lag im Bette. Sie schwatzten alles mögliche und ließen ihn nicht
-schlafen. Da stand er auf, nahm sein Kissen und sagte zu ihnen: »Ihr
-könnt jetzt gehn; ich bin gesund: Gott selber ists, der mich gesund
-gemacht hat.«
-
-
-397.
-
-Eines Tages kam er bei etlichen Leuten vorbei, die gerade beim Essen
-waren. Er sagte zu ihnen: »Das Heil sei mit euch, ihr Geizigen!«
-
-Sie antworteten: »Bei Gott, wir sind nicht geizig.«
-
-»Ach Herrgott,« schrie Dscheha, »gib, daß sie nicht lügen; gib, daß ich
-es bin, der gelogen hat.«
-
-
-398.
-
-Si Dscheha kochte Fleisch und es kamen zwei Freunde zu ihm. Der eine
-nahm ein Stück Fleisch und sagte: »Dieses Fleisch braucht Salz.«
-
-Der andere nahm auch ein Stück und sagte: »Dieses Fleisch braucht
-Essig.«
-
-Si Dscheha packte alles, was noch übrig war, und sagte: »Der Topf da
-braucht Fleisch.«
-
-
-399.
-
-Einmal trieben Dscheha und zwei Freunde von ihm zwei Schafe und einen
-Hammel heim, die sie auf dem Markte gekauft hatten. Als sie zu Hause
-angelangt waren, sagten seine Freunde zu ihm: »Si Dscheha, wie teilen
-wir sie?«
-
-»Ihr zwei«, antwortete Dscheha, »nehmt das eine Schaf; ich und der
-Hammel nehmen das andere.«
-
-400.
-
-Eines Tages verkaufte Dscheha sein Haus, und er sagte zu dem Käufer:
-»Freund, das Haus habe ich dir verkauft; den Nagel aber, der in der
-Wand steckt, habe ich dir nicht verkauft. Daß du mir nicht morgen
-sagst: ›Du hast mir auch den Nagel verkauft.‹ Ich habe ihn dir nicht
-verkauft; ich habe dir nichts verkauft als das Haus.«
-
-»Es ist gut,« antwortete der Käufer. »Ich habe dir das Haus abgekauft;
-den Nagel, der in der Mauer steckt, habe ich dir nicht abgekauft.«
-
-Der Käufer dachte: Der Nagel ist mir gleichgültig. Ich habe das Haus
-gekauft; an dem Nagel liegt wenig.
-
-Si Dscheha suchte seine Mutter auf und sagte zu ihr: »Mutter, wie lange
-leiden wir schon Hunger! Heute habe ich das Haus verkauft.«
-
-»Was?« sagte sie, »du hast das Haus verkauft? wo wollen wir wohnen?
-Außer Hunger zu leiden, werden wir jetzt auch noch unter freiem Himmel
-schlafen müssen.«
-
-»Hab keine Angst, Mutter,« antwortete Dscheha. »Ich habe ihm das Haus
-verkauft, habe mir aber einen Nagel vorbehalten, den ich in die Wand
-geschlagen habe; den habe ich ihm nicht verkauft. Und mit diesem Nagel
-will ich ihm das Haus wieder abnehmen. Wir sterben vor Hunger; darum
-habe ich mir diese List ausgedacht, damit uns der Käufer Geld gibt und
-wir essen können. Was das Haus betrifft, so wird er bald draußen sein.«
-
-»Was?« sagte sie; »du hast ihm das Haus verkauft und sagst, daß er
-wieder herausgehn wird? Wie sollte er denn wieder herausgehn, wo er
-dir doch sicherlich das Geld vor Zeugen gegeben hat?«
-
-»Sei nur ruhig,« antwortete Dscheha. »Ich werde schon einen Plan
-aushecken, damit er herausgehn muß.«
-
-Und sie sagte: »Tu, was du willst.«
-
-Si Dscheha ging Tierhäute kaufen; die trug er hin und hing sie an
-den Nagel. Auch Därme hängte er hin. Und da die Häute und Därme dort
-blieben, begannen sie nach einem oder zwei Tagen zu stinken. Dscheha
-kam hin, ließ sie aber, wie sie waren.
-
-Der, der das Haus gekauft hatte, kam zu ihm und sagte: »Was ist das für
-ein Handel, Si Dscheha? Du hast Häute und Därme gebracht und sie im
-Hause aufgehängt! Sie stinken. Wie kann ich denn da wohnen?«
-
-»Freund,« antwortete Dscheha, »ich habe dir nur das Haus verkauft,
-nicht wahr? Den Nagel habe ich mir behalten, und ich habe dir gesagt,
-daß ich ihn dir nicht verkaufe. Du hast jetzt nichts mehr zu sagen.«
-
-Nun sagte der Käufer zu ihm: »Geh in dein Haus. Ich verlasse es. Ich
-lasse dir das Geld und das Haus. Ich kann nicht länger drinnen wohnen.
-Es ist ein fürchterlicher Gestank, und das Haus selber ist vergiftet.«
-
-»Gut,« sagte Dscheha; »wenn du ausziehen willst, so zieh. Das Geld, das
-habe ich ausgegeben, und du bekommst keinen Heller zurück.«
-
-»Ich schenke dir das Haus und das Geld,« sagte der Käufer.
-
-Si Dscheha verließ ihn und zog wieder in sein Haus; und der andere
-machte sich auf die Suche nach einer neuen Wohnung.
-
-
-401.
-
-Si Dscheha ging im Felde und hatte Hunger. Da sah er einen Araber, der
-aß. In der Meinung, daß ihn der einladen werde, mitzuessen, ging er
-hin; aber er wurde keineswegs eingeladen, sondern der Araber fragte ihn
-nur: »Woher bist du, Bruder?«
-
-»Aus deinem Dorfe,« antwortete Dscheha.
-
-»Dann bringst du uns gute Nachrichten.«
-
-»Ich bringe dir alle guten Nachrichten, die du willst.«
-
-»Hast du Nachrichten von unserm Dorfe?«
-
-»Ja.«
-
-»Hast du Nachrichten von Omm Othman?« — Das war die Frau des Arabers. —
-
-»Oh,« sagte Dscheha, »sie wiegt sich wie ein Pfau.«
-
-»Und wie geht’s meinem Sohne Othman?«
-
-»Gewöhnlich spielt er Ball mit seinen Kameraden.«
-
-»Wie geht es dem Kamel?«
-
-»Das wird bald zerplatzen, so feist ist es.«
-
-»Und was ists mit unserm Hunde Titu?«
-
-»Er ist sehr scharf, und das will etwas heißen. Die Diebe fürchten ihn,
-so daß der Pferch vor ihnen sicher ist.«
-
-»Und unser Haus, wie steht es damit?«
-
-»Es ist wie eine Festung.«
-
-Nun schwieg der Araber. Er aß, ohne Si Dscheha einzuladen, und der
-stand auf, um wegzugehn. Der Araber fragte ihn: »Wohin, Bruder?«
-
-»Ins Dorf,« antwortete Dscheha. »Seid Titus Tod wimmelts dort von
-Dieben.«
-
-»Titu ist tot?«
-
-»Ja.«
-
-»Woran ist er gestorben?«
-
-»Er hat von dem Fleische des Kamels zu viel gefressen, und daran ist er
-gestorben.«
-
-»Das Kamel ist also auch tot?«
-
-»Ja.«
-
-»Woran ist es gestorben?«
-
-»Es ist über das Grab Omm Othmans gestolpert.«
-
-»Omm Othman ist gestorben?«
-
-»Ja.«
-
-»Woran?«
-
-»An dem Kummer über den Tod Othmans.«
-
-»Othman ist gestorben?«
-
-»Ja.«
-
-»Wieso?«
-
-»Das Haus hat ihn erschlagen, als es einstürzte.«
-
-Bei diesen Worten sprang der Araber wie ein Narr auf und lief in der
-Richtung seines Dorfes davon, sein Essen im Stiche lassend. Si Dscheha
-aß alles, was noch da war.
-
-
-402.
-
-Der Kaid von Dschehas Stamm liebte die Frauen leidenschaftlich, und
-Dscheha, der ihn oft besuchte, machte ihm Vorstellungen. »Wie kannst du
-denn,« sagte er zu ihm, »du, ein Kaid, gar so in die Frauen vernarrt
-sein? Nimm doch ein wenig Vernunft an. Fürchte den Herrn. Es ist eine
-Schande für dich.« Diese Worte drangen dem Kaid bis auf den Grund
-seines Herzens.
-
-Nun hatte der Kaid eine Magd, die eine Frau von großer Schönheit war,
-und die sagte zu ihm, als sie seine Niedergeschlagenheit bemerkte: »Was
-drückt dich, Herr?«
-
-Der Kaid antwortete: »Dscheha hat mir dasunddas gesagt.«
-
-»Sonst nichts?« sagte sie. »Nun, gib mir die Erlaubnis zu ihm zu gehn.
-Du bleibst noch eine Weile hier, und kommst dann unversehens zu Dscheha
-nach. Du wirst schauen, was ich tun werde, und wirst dich wundern, in
-was für einer Verfassung du ihn finden wirst.«
-
-»Geh,« sagte der Kaid zu ihr, und sie ging. Sie kam zu Dscheha und
-setzte sich mit ihm in seinem Hause nieder. Als Dscheha sie sah, wurde
-er sterblich verliebt in sie. Er rückte näher zu ihr, aber sie schlug
-ihn zurück; er verfolgte sie, und wohin immer sie sich setzte, er kam
-zu ihr. »Bleib auf deinem Platze, Si Dscheha,« sagte sie zu ihm, »und
-komm mir nicht zu nahe. Wenn du aber herankommen willst, so laß mich
-auf dir reiten; du wirst mit mir auf dem Rücken auf allen vieren gehn.«
-
-»Komm,« sagte Dscheha, und sie legte ihm einen Sattel auf und einen
-Zaum an und setzte sich rittlings auf ihn; er begann auf allen vieren
-zu kriechen.
-
-Unversehens kam der Kaid, und der sagte zu ihm: »Si Dscheha, mir hast
-du verboten, die Frauen zu lieben, und du, sieh nur, in was für einer
-Verfassung du bist!«
-
-»Herr,« antwortete Si Dscheha, »ich hatte Angst, dich zu einem solchen
-Esel werden zu sehn, wie ich einer bin.«
-
-Der Kaid begann zu lachen und machte ihm ein Geschenk.
-
-
-403.
-
-Es war ein Jude, der täglich also zum Herrgott betete: »O mein Gott,
-zeige dich mir«; und er betete unter einem Baume. Eines Tages hörte
-ihn Dscheha, als er lustwandelte. Am nächsten Tage ging er hin und war
-noch vor dem Juden dort; er stieg auf den Baum und verbarg sich im
-Laube. Der Jude kam und betete wie gewöhnlich. Si Dscheha rief ihn an
-und sagte: »O mein Anbeter, nimm hundert Dinar und gib sie der Frau
-Dschehas. Dann komm sofort hieher zurück, und du wirst mich sehn.«
-
-Als der Jude diese Worte hörte, war er auf dem Gipfel der Freude.
-Er ging nach Hause, holte hundert Goldstücke und gab sie der Frau
-Dschehas. Dann kam er zum Baume zurück und sagte: »O mein Gott,
-ich habe getan, was du mir gesagt hast.« Si Dscheha warf ihm einen
-Strick zu, indem er sagte: »Fasse diesen Strick und du wirst zu mir
-emporsteigen.« Der Jude ergriff den Strick und Si Dscheha zog ihn
-herauf; als er ihn aber einigermaßen in der Höhe hatte, ließ er den
-Strick los. Der Jude fiel herunter und schlug sich ein Loch in den
-Kopf. »O mein Gott,« sagte er, »du bist unersättlich! Du nimmst mein
-Geld und schlägst mir überdies ein Loch in den Kopf!«
-
-
-404.
-
-Man wußte sich keinen Rat mehr, um Dscheha sein Schmarotzerhandwerk zu
-legen. Als nun eines Tages die vornehmen Leute zu einem Manne essen
-gingen, der einen Festschmaus vorbereitet hatte, schloß sich ihnen
-Dscheha an; da sagten sie untereinander: »Was machen wir nur mit Si
-Dscheha?« Und einige sagten: »Wann die Schüsseln aufgetragen werden,
-wollen wir zu ihm sagen: ›Si Dscheha, in deinem Dorfe brennt es‹, damit
-er nichts ißt. Unsere Worte werden ihn so beschäftigen, daß er nichts
-ißt.«
-
-Als die Speise kam, sagten sie zu ihm: »Si Dscheha, in deinem Dorfe
-brennt es.«
-
-»Unser Haus ist davor bewahrt geblieben?« fragte Dscheha.
-
-Während sie sich darauf beschränkten, zu sprechen, aß Dscheha. Sie
-sagten: »Das Feuer ist schon bei deinem Hause.«
-
-»Nun, mich hat es noch nicht erreicht.«
-
-»Jetzt hat es deine Kleider erfaßt.«
-
-»Mein Kopf brennt noch nicht, nicht wahr?« antwortete Dscheha. »Meine
-Füße mag es verschlingen, wenn es mir nur den Kopf in Ruhe läßt.«
-
-Und er aß immerzu. Als dann die andern desgleichen tun wollten, stellte
-es sich heraus, daß Dscheha alles aufgegessen hatte; und sie sagten
-untereinander: »Si Dscheha hat uns zum besten gehabt.«
-
-
-405.
-
-Si Dscheha kaufte auf dem Markte eine Ziege um zehn Duro. Er trieb sie
-heim, schlachtete sie und häutete sie. »Diese Ziege kostet uns viel
-Geld,« sagte er zu seiner Mutter, und sie erwiderte: »Was willst du
-tun, mein Sohn?«
-
-»Für den Augenblick das Fleisch kochen; späterhin werden wir sehn, was
-zu tun ist. Am nächsten Markttage werde ich die Haut auf den Markt
-bringen; du wirst hingehn und sie in der Hand halten. Ich werde immer
-um dich herum sein, und du wirst tun, als ob du mich nicht kenntest;
-ebenso werde ich tun, als ob ich dich nicht kennte. Ich werde um die
-Haut handeln, und welchen Preis immer ich dir biete, weigerst du dich,
-sie mir zu verkaufen. Ich werde sie spannenweise messen. Du sagst zu
-mir: ›Ich verkaufe sie nicht.‹ Ich werde dir zwanzig, dreißig, vierzig,
-fünfzig Duro bis zu hundert Duro bieten. Unter den Fremden, die
-dazukommen werden, wird einer sein, der dir mehr bieten wird, und dem
-verkaufst du sie. Gib acht jetzt! Merk dir wohl, wie ich dich empfehlen
-will!«
-
-Sie machten sich auf den Weg und kamen auf den Markt. Si Dscheha ging
-abseits, und seine Mutter hielt die Ziegenhaut. Si Dscheha kam und
-sagte zu ihr: »Wie viel hat man dir für die Haut da geboten?« Und auf
-ihre Antwort: »Zehn Duro« begann er sie spannenweise zu messen. Alle
-Welt sammelte sich um sie. »Die Haut, die du da mißt,« sagte einer zu
-ihm, »wozu kann sie dir dienen?«
-
-»Sie wird gut zu verwenden sein,« antwortete Dscheha; »sie gibt eine
-große Trommel oder eine kleine.«
-
-Er zog sich zurück, kam aber einen Augenblick später wieder, ging
-wieder zu seiner Mutter und sagte zu ihr: »Nun, altes Frauchen, was
-ists mit der Haut?«
-
-»Mein Sohn,« antwortete die Alte, »man hat mir zwanzig Duro gegeben.«
-
-»Verkaufst du sie um fünfzig?«
-
-»Nein.«
-
-Si Dscheha maß die Haut noch einmal und ging weg. Die Leute liefen
-zusammen und sagten einander: »Si Dscheha ist verrückt. Wie geht es zu,
-daß er, der sonst so durchtrieben ist, sich so täuschen läßt?«
-
-Dscheha kam zurück und sagte zu seiner Mutter: »Mutter, wie viel hat
-man dir für die Haut geboten?«
-
-»Sie ist noch auf fünfzig Duro, mein Sohn.«
-
-»Ich will sie messen, ob sie zu meinem Zwecke taugt oder nicht.« Er maß
-sie, und als er damit fertig war, sagte er zu seiner Mutter: »Wenn du
-sie verkaufen willst, so gebe ich dir hundert Duro.«
-
-»Ich verkaufe sie nicht,« antwortete sie, und Dscheha entfernte sich
-und beobachtete sie von weitem.
-
-Ein Mann, der auf den Markt gekommen war, kam und sagte zu der Mutter
-Dschehas: »Altes Frauchen, verkaufe sie mir. Ich gebe dir um zehn Duro
-mehr als der Mann.«
-
-»Gib das Geld her, bevor er kommt; er könnte mir sonst Vorwürfe machen,
-daß ich einem andern den Vorzug gegeben habe.«
-
-Er gab der Alten das Geld, und die machte sich auf den Heimweg und Si
-Dscheha gesellte sich zu ihr; sie gingen, bis sie dorthin kamen, wo sie
-wohnten, und dort blieben sie.
-
-Die Alte hatte aber dem Käufer der Haut gesagt: »Diese Haut ist gar
-kostbar; lege sie in die Sonne: sie wird trocknen, und du wirst sehn,
-was für einen Nutzen du finden wirst.«
-
-Er breitete also die Haut an der Sonne aus. Zwei oder drei Tage darauf
-ging er nachsehn und fand sie vollständig ausgetrocknet. Er nahm sie
-zwischen die Hände und rieb sie; da zerfiel sie. Nun ging er die Frau
-suchen, die sie ihm verkauft hatte. Er traf die Mutter Dschehas und
-sagte zu ihr: »Altes Frauchen, bist du nicht die, die mir die Haut
-verkauft hat?«
-
-»Sag so etwas nicht noch einmal,« sagte die Alte. »Ich, Häute
-verkaufen! ich bin die Mutter Si Dschehas.«
-
-»Schon recht,« sagte der Mann; »sieh nur selber, wer mich betrogen
-haben kann, wenn du es nicht bist.«
-
-»Mein Sohn,« erwiderte die Alte, »das habe ich nie getan.«
-
-Der Mann ging heim, ohne sie erkannt zu haben. Die Ziegenhaut verblieb
-ihm und er warf sie den Hunden hin.
-
-
-406.
-
-Eines Tages sagte die Mutter zu Si Dscheha: »Ich gehe Holz machen.« Er
-bildete sich ein, das sei wahr; sie ging aber irgendwohin, setzte sich
-nieder und legte einen Fuß über den andern. Dscheha kam und sah, daß
-sie die Füße übereinander geschlagen hatte.
-
-Am nächsten Tage sagte sie zu ihm: »Sohn, das Barfußgehn bringt mich
-um; kaufe mir doch Schuhe.«
-
-Dscheha holte Baumwolle und machte ihr daraus Schuhe; »da, Mutter,«
-sagte er, »da sind deine Schuhe.«
-
-»Aber,« sagte sie, »wie lange werden die denn halten?«
-
-»Mutter,« antwortete Dscheha, »wenn du immer so viel gehst wie
-gestern, werden sie halten, bis du stirbst.«
-
-
-407.
-
-Als Si Dscheha noch klein war, war er ein wenig dumm und unwissend;
-erst als er ein wenig größer war, erwachte sein Geist.
-
-Eines Tages, es war der Tag, wo sein Vater starb, war er allein auf der
-Welt; er hatte niemand mehr als seine Mutter. Nun nahm er einmal einen
-Ochsen, um ihn zu verkaufen. Auf dem Wege traf er eine Eule, und er
-sagte zu ihr: »Kaufst du meinen Ochsen?«
-
-Die Eule schrie: »Imiaruf.«
-
-»Gibst du mir fünfzehn Realen?« fuhr Dscheha fort.
-
-»Imiaruf,« wiederholte die Eule.
-
-»Du gibst mir zwanzig?«
-
-»Imiaruf.«
-
-»Du gibst mir fünfundzwanzig?«
-
-»Imiaruf.«
-
-»Da hast du deinen Ochsen.« Und er fügte bei: »Und das Geld?«
-
-»Imiaruf.«
-
-»Beim nächsten Markte?«
-
-»Imiaruf,« sang die Eule.
-
-»Gut; da ist der Ochse. Das Geld werde ich am nächsten Markttage holen.«
-
-»Imiaruf.«
-
-Dscheha ließ den Ochsen dort und ging. Als er daheim angelangt war,
-sagte seine Mutter zu ihm: »Und der Ochse, mein Sohn?«
-
-»Den habe ich verkauft,« antwortete er; »um fünfundzwanzig Realen. Was
-das Geld betrifft, so warte ich darauf bis zum nächsten Markte.«
-
-Als der nächste Markttag gekommen war, ging er an den Ort, wo er den
-Ochsen gelassen hatte; dort traf er die Eule und die sang wie am ersten
-Tage. »Und das Geld?« sagte er.
-
-»Imiaruf.«
-
-»Heute will ich mein Geld haben.«
-
-»Imiaruf.«
-
-Dscheha ging auf sie zu, indem er sagte: »Ich muß heute mein Geld
-haben.« Die Eule flog gegen ein altes Gemäuer hin; Dscheha folgte ihr
-und sagte: »Du mußt mir mein Geld geben.«
-
-»Imiaruf,« schrie die Eule.
-
-Dscheha verfolgte sie immer weiter, bis er sie in dem Gemäuer vor sich
-hatte. Sie entwischte ihm wieder; aber Dscheha fand in dem Gemäuer
-einen Schatz.
-
-»Du glaubst,« sagte er nun zu der Eule, »daß ich ein Dieb bin wie du?
-ich, ich stehle nicht; ich werde nur nehmen, was mir gebührt.« Und er
-zählte seine fünfundzwanzig Realen ab und steckte sie zu sich; dann
-ging er heim.
-
-Als er zu Hause angelangt war, sagte er zu seiner Mutter: »Mutter, das
-ist das Geld von dem, dem ich den Ochsen verkauft habe.« Und er fügte
-bei: »Ich selber habe mit meinen eigenen Händen die fünfundzwanzig
-Realen aus dem Schatze genommen.«
-
-»Mein Sohn,« sagte die Mutter, »gehn wir zu ihm.«
-
-»Mutter, wenn du willst, so gehn wir hin; ich fürchte aber, daß du ihn
-bestehlen wirst.«
-
-»Pfui, mein Sohn! Deinem Freunde, zu dem wir als Gäste kommen, dem
-werde ich etwas stehlen!«
-
-»Also gut; komm, gehn wir.«
-
-In aller Eile kochte sie nun Bohnen und Eier und buk Kuchen. Als sie
-dann das Dörfchen verließen, warf sie die Bohnen über Dscheha; er las
-sie auf und sagte: »Mutter, es regnet Bohnen.«
-
-»Lies sie auf, mein Sohn.« Dscheha las sie auf und aß sie. Seine Mutter
-ging immer weiter; und als sie an dem bewußten Orte angekommen waren,
-sagte sie zu ihm: »Nun, mein Sohn, wo ist das Haus deines Freundes?«
-
-»Da,« antwortete Dscheha.
-
-»Zeig es mir doch.«
-
-»Nun hier.«
-
-»Das da?«
-
-»Komm, ich werde es dir zeigen.«
-
-Als er sie hingeführt hatte und sie den Schatz sah, warf sie Kuchen
-in die Höhe, so daß sie auf Dscheha niederfielen; und er sagte: »Ach,
-Mutter, es regnet Kuchen.« Er begann sie aufzulesen und sie zu essen.
-Seine Mutter bemächtigte sich des Schatzes und er sagte zu ihr: »Hüte
-dich, Mutter, etwas zu nehmen.«
-
-»Ich nehme nichts, mein Sohn.« Aber sie hob den Schatz und wickelte ihn
-in ein großes Baumwolltuch, um ihn wegzutragen; und zu Dscheha sagte
-sie: »Komm, mein Kind, gehn wir.«
-
-Sie gingen. Als sie ins Dörfchen kamen, warf sie die Eier über ihn.
-»Mutter,« sagte er, »es regnet Eier.« Er las sie auf und aß sie, und
-sie kamen nach Hause.
-
-An diesem Abende ging Dscheha dorthin, wo die Leute zusammenkamen,
-und sagte zu ihnen: »Heute haben meine Mutter und ich einen Schatz
-heimgetragen.«
-
-Sie fragten ihn: »Wann?«
-
-»Wir sind weggegangen,« antwortete Dscheha, »als es Bohnen regnete.
-Als dann der Kuchenregen gekommen ist, sind wir bei dem Schatze
-eingetroffen, den meine Mutter weggetragen hat. Ins Dorf sind wir
-zurückgekommen in dem Augenblicke, wo es Eier regnete.«
-
-»Bah,« sagten sie untereinander, »der Junge ist ein Tölpel; nehmt seine
-Worte doch nicht ernst.«
-
-Warum hatte nun die Mutter Dschehas die Bohnen und die Eier gesotten
-und die Kuchen gebacken? Weil sie nicht zweifelte, daß der Dummkopf von
-ihrem Sohne alles ausplaudern werde; darum hat sie ihm die Bohnen und
-die Eier gesotten und die Kuchen gebacken. Sie hatte es sich an den
-Fingern abgezählt, daß Dscheha, wenn er den andern sagen werde: »Wir
-haben einen Schatz heimgebracht«, beifügen werde: »als es Bohnen und
-dann Kuchen und dann Eier regnete«; und sie wußte, daß also niemand
-seine Worte ernst nehmen werde.
-
-
-408.
-
-Si Dscheha konnte kein Pferd besteigen, aber ein guter Fußgänger war
-er. Eines Tages ließ ihn nun der Kaid des Dorfes rufen und sagte zu
-ihm: »Si Dscheha, du mußt mir diesen Brief zum Bei von Algier bringen;
-steig auf mein Pferd und spute dich.«
-
-Das Pferd des Kaids war aber ein hitziges Tier, das niemand besteigen
-konnte außer seinem Herrn. Si Dscheha, der das wußte, zog sich mit
-einem einzigen Worte aus dem Handel; er fragte: »Ist es eilig, Herr
-Kaid?«
-
-»Sehr eilig,« antwortete der Kaid.
-
-»Dann«, sagte Dscheha, »geh ich zu Fuß; ich werde so viel schneller
-dort sein, als wenn ich zu Pferde stiege.«
-
-Alle schüttelten sich vor Lachen, als sie ihn so reden hörten. Der
-Kaid, der Si Dscheha nur einen Streich hatte spielen wollen, sagte:
-»Bleib da; du wirst mit mir essen.«
-
-
-409.
-
-Si Dscheha hatte einen Feind, der ein Eierhändler war. Den traf er
-eines Tages, als er auf den Markt ging; er trat auf ihn zu und sagte:
-»Du hast da wirklich schöne Eier.«
-
-»Laß den Spott,« sagte der Händler. »Willst du welche kaufen, so kauf;
-wenn nicht, so geh deines Weges.«
-
-Dscheha kaufte zwei Eier und steckte geschickt in jedes ein Goldstück.
-Dann sagte er zu seinem Feinde: »Höre; ich will jetzt Frieden machen
-mit dir, und darum will ich dir einen guten Rat geben.«
-
-»Wir werden sehn,« sagte der Händler; »sprich.«
-
-Nun sagte ihm Dscheha ins Ohr: »Verkaufe diese Eier nicht; alle
-enthalten sie Goldstücke!«
-
-»Pack dich,« schrie der Händler; »du lügst.«
-
-»Ich lüge?« sagte Dscheha; »also gut: sieh her.« Und er schlug vor
-ihm die zwei Eier auf, die er gekauft hatte. Der Händler stand ganz
-verdutzt da, als er die zwei Goldstücke sah, die zum Vorscheine kamen.
-Dscheha las sie auf, schob sie in seine Tasche und ging heim.
-
-Alsbald nahm der Händler seine Eier und schlug sie alle ohne Ausnahme
-auf. Goldstücke aber fand er nicht ein einziges, und er schrie: »Gott
-verderbe die Augen Si Dschehas, so wie ich alle meine Eier verdorben
-habe!«
-
-
-410.
-
-Si Dscheha hatte in einem Hause, das auch der Eigentümer bewohnte,
-eine Kammer gemietet. Er bezahlte nie die Miete und lärmte die ganze
-Nacht in seiner Kammer. Der Eigentümer, der dieses Lärms halber
-nicht schlafen konnte, sagte eines Tages zu ihm: »Warum verübst du
-allnächtlich einen solchen Lärm in deiner Kammer?«
-
-»Mein Sohn,« antwortete Dscheha, »ich richte Schlangen ab, um sie den
-Aissawa[6] zu verkaufen.«
-
-»Du züchtest Schlangen in meinem Hause?« schrie der Eigentümer. »Gut
-also; du kannst jetzt ziehen. Die Miete schenke ich dir, aber räume das
-Haus noch heute.«
-
-»Das ists ja, was ich wollte,« dachte Dscheha. »Auf diese Weise brauche
-ich keine Miete zu zahlen.«
-
-
-411.
-
-Eines Tages war Si Dscheha bei seiner Mutter zu Hause geblieben. Da
-sie nichts zu essen hatten, sagte er zu ihr: »Warte, ich hole etwas zu
-essen.«
-
-Er ging zu den Schülern, die er alle beisammen fand, und sagte zu
-ihnen: »Kommt, ihr sollt heute bei mir essen.« Er war nämlich ihr
-Mitschüler, war aber an diesem Morgen nicht zur Schule gegangen. Als
-er ihnen nun sagte: »Kommt heute zu mir essen«, antworteten sie: »Si
-Dscheha, du bist arm.«
-
-Er antwortete: »Das ist Brauch bei uns: wenn ein Schüler den ganzen
-Koran auswendig kann, muß er seinen Mitschülern zu essen geben.«
-
-»Gut ists,« sagten sie. »Geh und richte das Mahl her; wir werden
-kommen.«
-
-»Steht auf und kommt mit,« sagte Dscheha; »das Mahl ist schon kalt.«
-
-Sie standen auf und gingen mit ihm. Als sie in seinem Hause angelangt
-waren, ließ er sie in eine Kammer treten. Dann nahm er ihre Schuhe, die
-sie an der Tür gelassen hatten, und steckte sie in einen Sack; hierauf
-ging er zu den Schülern zurück und sagte zu ihnen: »Wartet ein bißchen;
-ich komme sofort wieder.« Er ging aber weg und nahm den Sack mit ihren
-Schuhen mit; er kam zu einem Garkoch.
-
-»Gib mir etwas um zwei Franken,« sagte er zu ihm, »und nimm dafür dies
-Paar Schuhe.«
-
-Dann ging er zu einem Fleischer und hielt ihm dieselbe Rede, dann zu
-dem Kuskussuverkäufer; und als er so alle Schuhe der Schüler verteilt
-hatte, ging er, mit köstlichen Mundvorräten beladen, nach Hause. Sofort
-nach seiner Heimkehr setzte er alles den Schülern vor, und sie ließen
-es sich trefflich schmecken. Dann erhoben sie sich, um in ihre Schule
-zu gehn. Als sie ihre Schuhe suchten, sagte Dscheha zu ihnen: »Kommt
-mit mir; ich habe sie versteckt.«
-
-Sie gingen mit ihm. Einen führte er zum Garkoch und sagte zu ihm:
-»Gib ihm zwei Franken; er wird dir deine Schuhe geben.« So zeigte er
-schließlich allen, wo er ihre Schuhe verpfändet hatte, und die armen
-Schüler gaben Geld her, um sie wiederzubekommen. Er blieb bei seiner
-Mutter; und von den Speisen hatten sie noch zwei Tage zu essen.
-
-
-412.
-
-Als sein Vater starb, trug ihn Dscheha auf den Markt und beerdigte
-ihn dort; aber einen Fuß des Toten ließ er außerhalb der Erde. Die
-Leute sagten zu ihm: »Was, Si Dscheha? du läßt den Fuß deines Vaters
-außerhalb der Erde? was ist das für ein Begräbnis?«
-
-»Nun,« antwortete er, »jedermann weiß, wie er seinen Vater zu begraben
-hat. Dieser Platz ist das Grab meines Vaters, nicht wahr? Wenn ich also
-auf den Markt komme, werde ich meinen Esel an den Fuß meines Vaters
-binden, und niemand wird mir etwas sagen dürfen.«
-
-Eines Tages ging Dscheha auf den Markt; er band seinen Esel an den Fuß
-seines Vaters und ging dann einen Fleischhandel anfangen. Er kaufte
-einen magern Ochsen, tötete ihn, deckte ihn ab, zerstückelte ihn und
-legte die Fleischstücke auf einen großen Stein. Alle andern Fleischer
-töteten fette Tiere. Sie verkauften und gingen weg; Dscheha blieb
-zurück. Alle, die bei ihm vorbeikamen, spien aus und setzten ihren Weg
-fort.
-
-Als es Abend wurde, war er allein noch da. Die Hunde umgaben ihn und er
-sagte zu ihnen: »Wollt ihr es kaufen?«
-
-Sie begannen alle zu knurren. Dscheha wandte sich zu dem größten im
-Rudel: »Wenn du für sie bürgst, so verkaufe ich ihnen meinen Ochsen.«
-Der Hund knurrte. »Ich weiß,« sagte Dscheha, »daß du mir für mein Geld
-gut bist«, und überließ den Hunden das Feld. Sie fraßen das Fleisch des
-Ochsen und Dscheha ging.
-
-Am nächsten Markttage kam er wieder und ging sofort zum Grabe seines
-Vaters. Er sah, daß dort einer sein Maultier angebunden hatte; er
-fragte: »Wer ist das, der sein Maultier hier angebunden hat?«
-
-Der Herr des Maultiers erhob sich und antwortete: »Ich bins.«
-
-»Was?« sagte Dscheha. »Das ist das Grab meines Vaters. Ich habe seinen
-Fuß heraußen gelassen, damit alle Welt weiß, daß der Platz mein ist;
-denn man sieht sehr wohl, daß das das Grab meines Vaters ist, und alle,
-die herkommen, sollten sich sagen: ›Der Platz gehört Si Dscheha.‹ Hier
-hat niemand etwas zu suchen.«
-
-Der Eigentümer des Maultiers sagte zu ihm: »Ich habe nicht gewußt,
-Freund, daß das der Fuß deines Vaters ist; ich habe ihn für ein Stück
-Holz gehalten.«
-
-Dscheha antwortete: »Von heute an gib acht, nicht wieder hieher zu
-kommen.«
-
-Von diesem Tage an wurde der Platz Eigentum Dschehas.
-
-
-413.
-
-Als der Eigentümer des Maultiers und Dscheha auseinander gegangen
-waren, begann Dscheha den Hund zu suchen, der die Bürgschaft für die
-andern Hunde übernommen hatte. Als er ihn gefunden hatte, sagte er zu
-ihm: »Jetzt will ich mein Geld von dir haben.« Der Hund riß aus, aber
-Dscheha verfolgte ihn, indem er sagte: »Die Flucht wird dir nichts
-nützen.«
-
-Er hatte die Absicht, mit diesen Hunden eine gewisse List ins Werk zu
-setzen; er hatte nämlich sagen hören, die Tochter des Sultans habe seit
-dem Tage ihrer Geburt weder gelacht, noch gesprochen, und hatte sagen
-hören, der Sultan habe gesagt: »Ich werde meine Tochter dem geben, der
-sie zum sprechen bringt.«
-
-Dscheha ging einen Strick kaufen, und den knüpfte er an einen Baum.
-Dann lief er, um die Hunde zusammenzufangen. Alle, deren er habhaft
-werden konnte, band er an diesen Strick; und als er sie alle angebunden
-hatte, ging er mit einem Stocke auf sie los, wobei er in einem fort
-sagte: »Gebt mir mein Geld.«
-
-Das Haus des Sultans war gegenüber von dem Baume, woran er die Hunde
-gebunden hatte, und die Tochter des Sultans betrachtete das Schauspiel
-von ihrem Fenster aus. Dscheha verfolgte die Hunde ununterbrochen; wenn
-er von der einen Seite her auf sie eindrang, retteten sie sich auf die
-andere, und wenn er sie verfolgte, liefen sie in einer andern Richtung.
-
-Darob begann die Tochter des Sultans zu lachen. Das hörte die Negerin
-und ging zum Sultan und sagte: »Herr, meine Gebieterin lacht.« Hastig
-lief der Sultan hin, und als er bei seiner Tochter war, fragte er
-sie: »Tochter, warum lachst du? Zeit deines Lebens hast du noch nicht
-gelacht. Heute hat Gott dein Herz erschlossen.«
-
-»Vater,« antwortete sie, »du siehst, was der Mann dort mit den Hunden
-treibt; das ist der einzige Grund, daß ich lache.«
-
-Der Sultan sagte zu seinem Sklaven: »Geh zu dem Manne dort, der die
-Hunde gefangen hat, und sag ihm: ›Wohlan, schenke den Hunden die
-Freiheit; der Sultan sagt dir: komm.‹« Der Neger ging. Als er bei
-Dscheha war, wiederholte er ihm die Worte des Sultans.
-
-»Ich werde sie nicht freilassen,« erklärte Dscheha; »ich habe ihnen
-auf dem letzten Markt einen Ochsen verkauft, und heute haben sie sich
-geweigert, mich zu bezahlen.«
-
-»Komm doch zum Sultan, Narr, der du bist,« sagte wieder der Neger.
-»Er wird dich, so Gott will, reich machen. Er selber hat mir gesagt:
-,Sag ihm, er soll kommen und die Hunde laufen lassen; ich will ihn
-bezahlen.‹«
-
-Dscheha ließ die Hunde laufen, sagte aber zu dem Neger: »Vielleicht
-hast du mich zum besten, und dann habe ichs.«
-
-Dscheha ging also mit ihm, und als er vor dem Sultan stand, sagte
-dieser zu ihm: »Was hast du mit den Hunden gehabt?«
-
-»Am letzten Markte«, antwortete Dscheha, »habe ich ihnen einen ganzen
-Ochsen verkauft, und sie haben ihn gefressen. Heute habe ich zu ihnen
-gesagt: ›Gebt mir mein Geld.‹ Sie haben sich geweigert. Dann habe ich
-sie gefangen.«
-
-»Wie viel forderst du?«
-
-»Zwanzig Duro.«
-
-»Komm,« sagte der Sultan und ließ Dscheha in ein Zimmer treten. Dscheha
-sah, daß es voll Gold war.
-
-»Also,« sagte der Herrscher, »nimm dir, was du willst.«
-
-»Das ist es nicht, was ich will,« sagte Dscheha. »Laß mich nur gehn und
-meine Schuldner wieder fangen.«
-
-Die Tochter des Sultans war dabei; da sie zu lachen begann, sagte
-Dscheha zu ihr: »Du hast recht, dich über mich lustig zu machen; denn
-nachdem ich alle beisammen gehabt habe, die mir Geld schuldig sind,
-bin ich von euch zum Narren gehalten worden. Dein Vater hat den Schwur
-vergessen, den er deinetwegen geschworen hat. Laß mich jetzt wenigstens
-gehn, um meine Widersacher zu verfolgen.«
-
-Da der Sultan gesehn hatte, daß Dscheha ein sehr schmutziger Mensch
-war, hatte er nicht vom Anfang an zu ihm sagen wollen: »Ich gebe dir
-meine Tochter«; indem aber Dscheha das Wort Schwur aussprach, rief er
-dem Sultan die Sache ins Gedächtnis, und nun sagte dieser: »Wohlan, so
-heirate meine Tochter.«
-
-»Ich werde sie nicht heiraten,« antwortete Dscheha, und das zu dem
-Zwecke, für einen gewichtigen Mann angesehn zu werden.
-
-»Warum willst du sie nicht heiraten?«
-
-»Weil ich, wenn ihr mich auch jetzt sehr schmutzig seht, immerhin der
-Sohn eines Sultans bin; gebt acht, daß ihr euch nicht in mir täuscht.«
-
-»Das ist gerade das,« sagte der Sultan, »was auch mein Wunsch war; es
-war mir darum zu tun, daß meine Tochter einen Sultanssohn und nicht
-irgendeinen schmutzigen Bauer heirate.«
-
-Er gab ihm seine Tochter und Dscheha heiratete sie. Und der Sultan
-sagte zu ihm: »Nun, mein Schwiegersohn, wirst du bei mir wohnen oder
-in deinem Hause?«
-
-»Bei dir will ich nicht wohnen,« antwortete Dscheha; »ich habe ein
-Haus.«
-
-»Also, da ist deine Frau, nimm sie; nimm auch alles Geld, alle Kamele,
-alle Pferde und alle Maultiere, die du willst.«
-
-Dscheha führte seine Frau weg und nahm überdies diese unendlichen
-Reichtümer mit.
-
-
-414.
-
-Dscheha führte also seine Frau heim; aber als sie ankam, gefiel ihr das
-Haus gar nicht, weil sie es voller Schmutz fand. »Was?« sagte sie sich;
-»dieser Mensch hat mich zum besten gehabt. Er hat mir gesagt: ›Ich bin
-ein Sultanssohn, ich bin aus einem großen Hause‹; jetzt sieht man, wie
-schlecht es mit seinem Hause bestellt ist.« Aber sie verschloß diese
-Gedanken in ihrem Herzen und wollte sie niemand kundtun.
-
-Es kam das Fest heran, und sie sah Dscheha zur Arbeit gehn, obwohl alle
-Welt dem Feste zu Ehren feierte. »Si Dscheha,« sagte sie zu ihm, »was
-tust du? alle Welt feiert des Festes halber, und du gehst arbeiten!
-Hast du mir nicht seinerzeit gesagt: ›Mein Vater ist Sultan‹, und
-wieder: ›Ich habe ein schönes Haus, ich bin aus einem großen Hause‹?«
-
-»Meine Liebe,« antwortete Dscheha, »es ist wahr, ich habe das gesagt,
-und ich habe nicht gelogen; ich will jetzt nur eine kleine Arbeit
-verrichten.«
-
-»Kein Mensch verrichtet in der Festzeit eine Arbeit, weder eine kleine,
-noch eine große; man arbeitet an den andern Tagen genug.«
-
-»Das ist wahr, meine Liebe. Aber wenn mich die Dorfleute feiern sehn,
-feiern sie; sehn sie mich zur Arbeit gehn, gehn auch sie. Ich, ich bin
-wohl in der Lage, nichts zu tun; mir wird es an nichts mangeln. Daß ich
-öffentlich so tue, geschieht nur, damit nicht die Kinder des Volkes
-unaufhörlich im Hunger leben.«
-
-Ein andermal sagte sie zu ihm: »Si Dscheha, wie ist nur das Kleid,
-das du trägst, zugeschnitten? warum kleidest du dich nicht wie die
-Sultanssöhne?«
-
-»Meine Liebe,« antwortete er, »auf schöne Kleider gebe ich nichts
-der Leute halber; sie machen alles, was ich mache: gehe ich ihnen im
-Müßiggang voran, so arbeiten sie auch nichts mehr; gebe ich ihnen ein
-Beispiel mit schönen Kleidern, so werden auch sie sich, wenn sie ein
-paar Groschen haben, solche kaufen, und die ganze Familie wird Hunger
-leiden.«
-
-»Wieso ist es möglich gewesen, Si Dscheha, daß du mir gesagt hast:
-›Ich bin Sultan‹? Ich sehe dich doch niemals das Herrscheramt ausüben.
-Niemand im Volke nennt dich Sultan oder Sultanssohn. Du hast mich
-belogen; du bist sicherlich nichts sonst als ein Bettler und legst dir
-die Eigenschaft eines Sultans fälschlich bei.«
-
-»Ich frage dich,« antwortete Dscheha, »was deine Absicht ist. Hast
-du die Absicht, hier zu bleiben, so mach nicht die Närrin und bleib
-in deinem Hause. Wenn du merkst, daß du den Verstand verloren hast
-und meiner vielleicht überdrüssig bist, so geh wieder heim zu deinem
-Vater. Ich liebe keine Leute, die sich, obwohl von geringem Stande,
-doch besser dünken als die andern. Ich für meine Person bin der Sultan
-meiner Brüder, und es ist mir unmöglich, jemand unrecht zu tun, wer
-immer es sei.«
-
-»Ich glaube es nicht eher, daß du Sultan bist, als bis du den Muezzin
-getötet hast, der mich jeden Morgen so zeitlich früh weckt.«
-
-»Morgen werde ich ihn töten,« sagte Dscheha. »Ich werde dir seinen
-Kopf bringen, und du wirst so erkennen, ob ich ein Sultan bin oder ein
-Betrüger.«
-
-
-415.
-
-Am nächsten Morgen ließ Dscheha den Muezzin bis auf die Spitze des
-Minarets steigen; dann ging er ihm nach und schlug ihm den Kopf ab. Den
-gab er seiner Frau mit den Worten: »Da hast du den Kopf des Menschen,
-der dich alle Morgen früh geweckt hat.«
-
-Und sie sagte: »Nun sehe ich, daß du Sultan bist.«
-
-Dscheha ging einen Hammel kaufen, und den kehlte er ab. Den Kopf des
-Muezzins warf er in den Brunnen; den Kopf des Hammels, den er getötet
-hatte, versteckte er und legte ihn unter eine große Holzschüssel.
-
-Gegen Mittag begannen die Leute den Muezzin zu suchen, konnten ihn aber
-nicht finden. Endlich stiegen sie aufs Minaret, und dort fanden sie ihn
-tot mit abgeschlagenem Kopfe. Und sie sagten: »Wer hat unsern Muezzin
-getötet?« Einer nahm das Wort und sagte: »Si Dscheha habe ich heute
-zeitlich früh hier heraufsteigen sehn; der hat ihn vielleicht getötet.«
-
-Sie gingen zu Si Dscheha und sagten zu ihm: »Si Dscheha, hast du den
-Muezzin getötet?«
-
-»Nein,« antwortete er. »Was hat er mir getan, daß ich ihn hätte töten
-sollen? Seht nach, wer mit ihm auf schlechtem Fuße gestanden ist; der
-hat ihn auch getötet. Ich war es nicht.«
-
-»Der Mann, der dich hat aufs Minaret steigen sehn, hat gesagt, du hast
-ihn getötet. Du belügst uns. Wir wollen dein Haus durchsuchen, ob wir
-nicht seinen Kopf finden.«
-
-»Kommt und sucht,« sagte Dscheha.
-
-Sie traten ein und begannen zu suchen; sie stöberten das ganze Haus
-durch, fanden aber nichts. Da fiel einem die große Holzschüssel auf,
-die verkehrt dalag, und er ging hin, und hob sie auf; und er fand
-darunter den Hammelkopf. Nun sagte er zu seinen Gesellen: »An dieser
-Stelle, die uns verdächtig war, finde ich einen Hammelkopf. Es ist also
-wahrscheinlich, daß es nicht Dscheha war, der den Muezzin getötet hat.«
-
-Darauf gingen sie alle nach Hause, und Dscheha war gerettet.
-
-
-416.
-
-Dscheha traf im Walde einen Schakal und zu dem sagte er: »Du Schakal,
-wie bist du denn eigentlich geartet? Du tust Tag und Nacht nichts
-andres, als im Walde herumzulaufen. Komm, geh mit mir nach Hause, und
-wir werden miteinander wohnen; was ich esse, wirst du essen, und wenn
-ich nichts tue, wirst du nicht mehr tun.«
-
-»Gott hat mich erschaffen,« antwortete der Schakal, »damit ich im
-Busche herumlaufe, und es ist mir unmöglich, in einem Hause zu
-verweilen.«
-
-»Meine Absicht ist,« erwiderte Dscheha, »dir gutes zu tun.«
-
-»Du bist listig,« sagte der Schakal; »aber wenn du eine List hast, so
-habe ich ihrer zehn. Darum wird es dir nie gelingen, mich zu foppen.«
-
-»Mein lieber Freund, ich habe auch nicht eine einzige List; du bist
-eben mißtrauisch. Ich will nur, daß du mit mir nach Hause essen und
-trinken kommst. Das ist besser, als so durch den Wald zu schweifen,
-ausgesetzt den Dörnern, der Kälte und dem Hunger.«
-
-»Ich wiederhole dir,« sagte der Schakal, »daß du ein großer Schurke
-bist; ich bin es auch. Wir werden also niemals zusammenkommen.«
-
-»Und warum nicht?« sagte Dscheha; »sind wir nicht Brüder? Ich bin von
-Mitleid für dich bewegt gewesen; sonst hätte ich nicht so mit dir
-gesprochen.«
-
-»Ich habe es dir gesagt und ich wiederhole es dir, daß ich nicht
-mitgehn werde; sobald du aber darauf bestehst, gut, so gehe ich mit.«
-
-Der Schakal begleitete also Dscheha. Und als sie dann zu Hause
-angelangt waren, sagte er: »Ins Haus gehe ich nicht; ich werde vor der
-Tür schlafen.«
-
-»Warum willst du nicht im Hause schlafen?« fragte ihn Dscheha; »da
-heraußen ist es ja kalt.«
-
-»Ich will hier bleiben; ich bin an die Kälte gewöhnt. Ins Haus gehe ich
-nicht.«
-
-»Meinetwegen,« sagte Dscheha; »bleib also da.«
-
-Der Schakal hielt sich nun gewöhnlich draußen auf und Dscheha im Hause.
-Zu Mittag brachte ihm Dscheha das Mittagessen, am Abende das Nachtmahl.
-Schließlich mußte aber Dscheha einmal weggehn, und da gab er seiner
-Frau folgende Aufträge und sagte zu ihr: »Gib acht; laß deinen Sohn
-nicht heraus.« Er wußte, daß man vor dem Schakal auf der Hut sein
-mußte. Dann entfernte er sich, und seine Frau ging ihren gewöhnlichen
-Beschäftigungen nach. Der kleine Knabe trat vor die Tür. Als ihn der
-Schakal sah, stürzte er sich auf ihn und fraß ihn. Dann leckte er alles
-Blut auf und ließ nichts übrig, was ihn hätte verraten können.
-
-Die Mutter des Knaben kam heraus, um ihn zu suchen. Als sie ihn nicht
-fand, ging sie zum Schakal und sagte zu ihm: »Hast du vielleicht mein
-Kind gefressen?«
-
-»Das ist sehr gut,« sagte der Schakal; »so also steht es? Warum hat
-mich denn dein Mann hergebracht? Vielleicht deswegen, damit ich mich
-heute über dein Gezeter ärgern soll?«
-
-Dscheha, der in diesem Augenblicke zurückkam, blieb auf der Straße
-stehn; als er seine Frau weinen hörte, lief er herbei und sagte: »Was
-hast du?«
-
-»Der Schakal, den du hergebracht hast, hat deinen Sohn gefressen.«
-
-Der Schakal tat, als ob er zornig wäre, und sagte zu Dscheha: »Ich
-habe es dir am ersten Tage gesagt: laß mich, ich gehe nicht her. Dann
-hast du mich aber gezwungen zu kommen. Jetzt segne dich Gott! So also
-handeln Freunde an ihren Freunden? Laß mich augenblicklich gehn.«
-
-»Bleib nur,« sagte Dscheha, »und mache dir nichts aus den Reden einer
-Frau.«
-
-Er ging zu seiner Frau und sagte zu ihr: »Schweig, sage ich dir, damit
-er bleibt und nicht geht. Daß er meinen Sohn gefressen hat, bezweifle
-ich nicht; vorderhand aber wollen wir ihn dabehalten, damit ich ihn
-töte, ihn, der mein Kind gefressen hat.«
-
-Der Schakal erriet alles. Si Dscheha dachte bei sich, daß er auf den
-Schakal, nachdem er ihn habe einschlafen lassen, losgehn und ihn
-abkehlen werde; aber der Schakal, der voraussah, was ihm geschehn
-sollte, ließ seine Wirte einschlafen, sprang über die Mauer und suchte
-das Weite.
-
-Si Dscheha und seine Frau standen auf und er ging an den Ort des
-Schakals; aber er fand, daß der Schakal nicht mehr da war. Er kehrte
-zu seiner Frau zurück und sagte zu ihr: »Du bist schuld daran, daß er
-gegangen ist. Hättest du nicht mit ihm gesprochen, so hätte er sich
-nicht geflüchtet und wir hätten ihn getötet; nach dem Auftritte aber,
-den du ihm gemacht hast, hat er fortgehn müssen.«
-
-
-417.
-
-Als Dscheha alt wurde, ließ sein Gesicht nach, und er sah nicht mehr
-so gut wie in seinen jungen Jahren: einst hatte er ein Rebhuhn oder
-einen Hasen auf fünfhundert Schritt gesehn und mit jedem Pfeil, den
-er abschoß, sein Ziel getroffen; jetzt aber zitterten seine Hände
-und er sah nicht mehr so gut. Als seine Freunde diese Zeichen des
-Greisenalters bemerkten, machten sie sich lustig über ihn. Um ihnen nun
-den Mund zu stopfen, dachte er sich eine List aus, die wir erzählen
-wollen.
-
-Er kaufte einen jungen Hund, den er Packan nannte, und richtete ihn auf
-jede Jagd ab; und er lehrte ihn alles bringen, was er ihm angab. Oft
-versteckte er am Morgen einen toten Hasen im Gebirge; er zeigte dem
-Hunde den Ort, wo er ihn hinlegte, und ging mit ihm zurück nach Hause.
-Gegen Mittag sagte er dann dem Hunde: »Such.« Packan lief ins Gebirge
-und kam im Nu mit dem Hasen im Maule zurück. Schließlich war der Hund
-ausgezeichnet abgerichtet. Dscheha wartete den Tag des großen Festes
-ab, um die Dorfleute zu verblüffen.
-
-An diesem Tage legte er am Morgen einen toten Hasen neben einen Baum,
-der mehr als fünfhundert Schritt vom Dorfe entfernt war, und zeigte
-ihn seinem Hunde. Zu Mittag lud er seine Nachbarn ein, den Kaffee vor
-seiner Tür zu nehmen. Es kamen Leute von allen Seiten, und es war eine
-große Menge da, als sich Si Dscheha plötzlich erhob und schrie: »He,
-Freunde! seht ihr dort unten den Hasen neben dem Baume?« Alle machte
-große Augen und blickten angestrengt hin; da sie nichts sahen, sagten
-sie zu Dscheha: »Du bist ein Narr; wieso könntest du denn einen Hasen
-auf diese Entfernung sehn?«
-
-»Ich begreife,« antwortete Dscheha, »daß ihr ihn mit euerm schwachen
-Gesichte nicht bemerken könnt; aber ich sehe ihn.« Dann wandte er sich
-an seine Frau: »Bring mir meinen Bogen und meine Pfeile. Ich will
-einmal diesen jungen Leuten zeigen, daß weder mein Auge, noch mein Arm
-schwach geworden ist.« Er nahm einen Pfeil und schoß ihn ins Blaue
-ab. »Ich habe ihn getroffen!« schrie er. Und zu seinem Hunde: »Lauf,
-Packan, und bring den Hasen; heute Abend wollen wir ihn essen.« Der
-Hund sprang auf und lief davon. Einen Augenblick später kam er zurück,
-im Maule einen bluttriefenden Hasen.
-
-Alle Welt war verdutzt. Von nun an machte man sich nicht mehr über Si
-Dscheha lustig, der das Stückchen noch drei- oder viermal aufführte.
-Ausnahmslos waren alle überzeugt, daß Dschehas Schießfertigkeit und
-Sehschärfe verblüffend waren. Und von diesem Tage an ehrte ihn das Volk
-noch mehr als früher.
-
-
-418.
-
-Dscheha hatte einen Freund, und das war der einzige Mensch auf der
-Welt, zu dem er ein volles Vertrauen hatte; er aß und trank sehr häufig
-bei ihm. Allen andern Menschen mißtraute er.
-
-Eines Tages kam nun sein Freund und sagte zu ihm: »Komm mit mir
-spazieren gehn.«
-
-»Mein Freund,« antwortete Dscheha, »ich bin nicht frei. Da du jedoch
-selber gekommen bist, so lasse ich meine Geschäfte und begleite dich.
-Wäre ein anderer zu mir gekommen, und hätte er mir alle Güter der Erde
-gegeben, ich hätte ihn nicht begleitet. Da aber du es bist, so kann ich
-dich nicht also verabschieden.«
-
-Er ging und begleitete seinen Freund, und der sagte, als sie bei seinem
-Hause waren: »Komm mit hinein, Si Dscheha.«
-
-»Mein Freund,« sagte Dscheha, »das sind die Gemächer der Frauen; zu
-den Frauen uns zu setzen, schickt sich nicht. Gehn wir lieber in ein
-Zimmer, wo wir allein sind.«
-
-Nun hatte dieser Freund für Si Dscheha in den Frauengemächern eine
-Grube gegraben; Dscheha wußte davon nichts. Als Dscheha geantwortet
-hatte: »Gehn wir zwei ganz allein ins Zimmer,« sagte der andere zu
-ihm: »Warum sollen wir uns nicht im Hause einrichten? es ist leer.
-Das Zimmer ist klein, und nicht einmal ein einzelner Mann hätte genug
-Platz, sich zu setzen.«
-
-»Gut,« sagte Dscheha, »gehn wir, wohin du willst.«
-
-Dieser Freund, auf den Dscheha so viel Vertrauen setzte, hatte ihn
-verraten und Geld von Leuten genommen, denen Dscheha geschadet hatte.
-
-Er führte also Dscheha ins Haus. Dscheha versah sich keineswegs von
-diesem Manne, daß er ihn töten würde, da er sein vertrauter Freund war;
-darum eben kam ihm der Gedanke nicht, als er ins Haus trat. Der Freund
-hatte über die Grube eine Matte gespannt und darüber noch einen Teppich
-gebreitet.
-
-Als Dscheha beim Eintritte den Teppich sah, dachte er, das sei eine
-Aufmerksamkeit, die ihm sein Freund erweise; er ging vorwärts, um auf
-dem Teppich Platz zu nehmen, und fiel in die Grube.
-
-Augenblicklich lief der Verräter zu denen, die ihm Geld gegeben und
-zu ihm gesagt hatten: »Du wirst Si Dscheha töten; denn er hat uns
-viel geschädigt.« An diesem Tage kam er nun ihnen sagen: »Ich habe Si
-Dscheha getötet.«
-
-»Wir gehn mit dir,« sagten sie, »um zu sehn, wie du ihn getötet hast.«
-Und sie gingen mit ihm.
-
-Im Hause angelangt, beugten sie sich über die Grube und sahen auf ihrem
-Grunde Si Dscheha. »Si Dscheha,« sagten sie zu ihm, »hast du es nun
-satt, alles nur nach deinem Kopfe machen zu wollen? Jetzt, nicht wahr,
-wirst du uns keinen Schaden mehr zufügen.«
-
-»Wahrhaftig,« sagte Dscheha, »ihr seid es nicht, die meinen Untergang
-herbeigeführt haben; mein Freund ist es, mit dem ich oft Brot und Salz
-gegessen habe; sooft er mit mir aß, sooft aß ich mit ihm. Bis jetzt
-habe ich ihm nie etwas böses getan; er hat es mir zuerst getan, Gott
-Lob!«
-
-Die Männer kehrten sich zu dem, der ihn also in die Grube gestürzt
-hatte, und sagten zu ihm: »Er ist nicht tot. Es ist möglich, daß er
-wieder herauskommt. Ist er nicht der schlaueste von allen Menschen?
-Er wird die Wände untergraben, bis so viel Erde herunterfällt, daß er
-heraufkommen kann; dann wird er uns alle töten, dich so wie uns.«
-
-»Da ist eine Flinte,« sagte der Mann; »einer von euch soll auf ihn
-schießen.« Er gab ihnen die Flinte.
-
-Der eine trat vor, um zu schießen, aber Si Dscheha stieß einen
-mächtigen Schrei wider ihn aus. Von Schrecken gepackt, fiel der Mann zu
-Dscheha in die Grube und fiel sich zu Tode. Die Flinte ging von selber
-los und die Kugel durchbohrte Si Dscheha.
-
-Der Freund dessen, der, als er auf Dscheha feuern wollte, in die Grube
-gefallen war, sagte nun zu dem Manne, der Dscheha hinuntergestürzt
-hatte: »Dscheha, ists nicht wahr, hat einen Streich geführt und den
-einen von uns getroffen.«[7]
-
-Der Verräter blieb daheim und der andere ging nach Hause; Si Dscheha
-und sein Gesell lagen beide tot auf dem Grunde der Grube.
-
-
-
-
-IV.
-
-Maltesische Überlieferungen
-
-
-419.
-
-Als die Mutter Dschahans eines Tages krank war, befahl ihm der Arzt,
-etwas Urin von ihr aufzuheben; am nächsten Tage werde er kommen und den
-Urin untersuchen. Der Arzt kam auch, und Dschahan beeilte sich, ihm
-das Gefäß zu zeigen. Der Arzt wunderte sich, es bis zum Rande voll zu
-finden, aber Dschahan erklärte ihm die Sache, indem er sagte: »Meiner
-ist auch dabei; der meinige ist oben.«
-
-
-420.
-
-Dschahan war einmal mit einer Henne in der Hand auf dem Wege zu seinem
-Herrn, um sie ihm zu schenken; aber etliche Räuber rissen sie ihm aus
-der Hand und entflohen. Dschahan nahm sich vor, sich zu rächen. Nachdem
-er den Ort, wo sie wohnten, ausfindig gemacht hatte, ging er, als
-Mädchen verkleidet, hin, und es gelang ihm, in ihrem Hause als Magd
-Aufnahme zu finden.
-
-Als nun die Räuber eines Tages ausgegangen waren, stieg er auf das
-flache Dach, stellte dort eine Strohpuppe auf, die ihm ähnlich war,
-bestrich die Stufen der Stiege, die zum Dache führte, bis hinunter
-mit Seife, belud sich mit einer Menge kostbarer Dinge, die die Räuber
-besaßen, verließ das Haus, schloß die Tür ab und lief heim.
-
-Nachdem die Räuber bei ihrer Rückkehr vergebens gerufen hatten, daß
-ihnen geöffnet werden solle, traten sie die Tür ein und stürzten
-blindlings die Stiege hinauf, entschlossen, sich an der frechen Dirne
-zu rächen, die noch immer auf dem Dache stand, als ob sie sich über sie
-lustig machen wollte; aber sie glitten allesamt aus und fielen einer
-auf den andern, und so war die Rache Dschahans erfüllt.[8]
-
-
-421.
-
-Es war einmal ein Junge, der Dschahan hieß, und der sagte zu seiner
-Mutter: »Gib mir einen Centime.« Sie antwortete: »Wozu?« »Damit ich
-mir Bohnen kaufe.« »Bohnen haben Schalen.« »Dann werde ich mir Nüsse
-kaufen.« »Die haben auch Schalen.« »Dann werde ich mir Erbsen kaufen.«
-»Gut,« sagte die Mutter und gab ihrem Dschahan drei Centimes; und er
-ging hin und kaufte sich Erbsen.
-
-Nun aß er darauf los, bis er nur noch eine Erbse hatte. Diese gab er,
-da er noch keine Messe gehört hatte, einer Frau und bat sie: »Heb sie
-mir auf; ich will zur Messe gehn.« Die Frau antwortete: »Leg sie nur
-auf den Sims.« Aber ein Huhn fraß die Erbse, und als Dschahan zurückkam
-und sagte: »Ich komme um die Erbse«, antwortete die Frau: »Deine Erbse
-hat die Henne gefressen.« Da begann Dschahan zu schreien: »Entweder die
-Erbse oder die Henne!« Und die Frau sagte: »Nimm die Henne«, und gab
-sie ihm.
-
-Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten; er sah eine alte Großmutter,
-die spann, und zu der sagte er: »Großmutter, erlaube, daß ich die Henne
-dalasse; ich werde sie bald wieder abholen.« Als dann die Messe zu Ende
-war, wollte er sie abholen, aber die Frau sagte zu ihm: »Geh dorthin
-zu den Truthühnern; dort ist sie.« Dschahan schrie: »Aber sie ist ja
-tot! Die Truthenne hat sie getötet!« Und weiter schrie er: »Entweder
-die Henne oder die Truthenne!« Da gab ihm die alte Frau die Truthenne.
-
-Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten; er sah unter einer Haustür eine
-Frau, und zu der sagte er: »Darf ich die Truthenne dalassen?« Die Frau
-antwortete: »Geh und laß sie bei den Schweinen.« Als er dann von der
-Messe zurückkam, wollte er die Truthenne wieder haben, aber die Frau
-sagte zu ihm: »Die Sau hat sie dir getötet.« Da begann er zu schreien:
-»Mir ist alles einerlei! entweder die Truthenne oder die Sau!« Und die
-Frau gab ihm die Sau.
-
-Wieder hörte Dschahan zur Messe läuten, und als er eine Frau unter
-ihrer Haustür sah, sagte er zu ihr: »Darf ich die Sau für einen
-Augenblick dalassen?« Die Frau sagte: »Steck sie zur Stute.« Als er
-dann von der Messe zurückkam und zu der Frau sagte: »Gib mir meine
-Sau«, antwortete sie ihm: »Die hat die Stute getötet.« Da sagte
-Dschahan: »Das ist mir einerlei! entweder die Sau oder die Stute!« Und
-die Frau sagte zu ihm: »Nimm dir die Stute.«
-
-Dschahan ging zu einer andern Frau und bat sie: »Laß mich die Stute
-dalassen.« Die Frau sagte: »Ja; laß sie da.« Nun mistete die Stute auf
-den Boden; die Frau hatte aber eine junge Tochter und die sagte zu ihr:
-»Was hast du denn da hereingebracht?«, und begann mit ihr zu zanken,
-weil sie den Boden eben gewaschen hatte. Und da sie ihn so beschmutzt
-sah, nahm sie eine Stange und begann die Stute zu prügeln, bis sie tot
-war. Da kam Dschahan um seine Stute und fragte: »Wo ist sie?« Die Frau
-antwortete: »Das Mädchen hat sie getötet.« Und die Frau schenkte ihm
-die Tochter und Dschahan steckte sie in einen Sack und ging damit weg.
-
-Wieder hörte er zur Messe läuten; er sah eine alte Großmutter und zu
-der sagte er: »Erlaube mir, daß ich den Sack für ein wenig dalasse.«
-Die Alte antwortete: »Leg ihn auf den Sims da«, und Dschahan legte ihn
-hin. Da aber die Alte sah, daß sich der Sack bewegte, öffnete sie ihn;
-und sie fand das Mädchen darinnen. Sie nahm es und versteckte es, und
-den Sack füllte sie mit Scherben. Und damit ist die Geschichte aus.
-
-
-422.
-
-Dschahan wollte einmal Matrose werden; darum ging er auf ein Schiff.
-Der Kapitän sprach zu ihm: »Dschahan, was kannst du leisten?« »Herr
-Kapitän, ich kann von unten nach oben steigen und von oben nach unten.«
-Da sagte der Kapitän: »Gut; klettere den Mastbaum hinauf.« »Nein, Herr
-Kapitän; der ist mir zu hoch. Ich kann nicht hinaufsteigen; aber ich
-werde dir zeigen, wie man etwas im Hinuntersteigen leistet. Laß mir
-einen Kessel Suppe holen.« Man brachte den Kessel, und Dschahan, der
-ein Vielfraß war, aß alles auf. Als der Boden des Kessels sichtbar
-wurde, rief er: »Seht ihrs nun? Auch das Hinuntersteigen — mit dem
-Löffel — ist eine Leistung.«
-
-
-423.
-
-Dschahan hatte schon öfters darüber nachgedacht, wo wohl die Schweine
-wüchsen, und auf welchen Bäumen. Und gar zu gern hätte er so einen
-mit kleinen Schweinchen behangenen Baum gesehn: vielleicht könnte er
-dann auch ein kleines Zweiglein erhaschen, das, in die Erde gesteckt,
-mit der Zeit zu einem großen Schweinchenbaum wachsen würde. Aber nie
-gelang es ihm, einen solchen Baum zu sehn, und darum ersann er ein
-andres Mittel. Er fragte einen alten Mann: »Großvater, was tut ihr
-mit dem geschlachteten Schweine?« »Junge, wir salzen es ein und tun
-das Fleisch in einen Kübel.« »Ach, dann macht ihr es also wie mit den
-Oleanderbäumen?« »Du Lamm, sei so gut und laß mich in Ruhe; ich muß
-arbeiten.« Dschahan entfernte sich und dachte: »Also, wie mit den
-Oleanderbäumen muß es gemacht werden, um die Schweine fortzupflanzen;
-ich werde mir einen solchen Schweinebaumsetzling verschaffen.«
-
-Hierauf lief er heim, und da seine Mutter auf dem Felde arbeitete,
-so war er ganz ungestört: er ging in den Stall, nahm das alte fette
-Schwein heraus, schlachtete es, rieb es mit Salz ein, steckte es
-in einen alten Kübel, tat Erde darüber und stellte ihn in den Hof.
-Dschahans Mutter kam alsbald nach Hause; da sie das Tier vermißte, so
-fragte sie Dschahan nach seinem Verbleibe. Er erwiderte: »Mutter, hab
-keine Sorge; diesmal habe ich sicher nichts unrechtes getan. Für das
-eine Schwein wirst du eine Unmenge von kleinen Schweinchen erhalten.
-Die kannst du dann verkaufen; und einen Teil von ihnen ziehst du auf,
-und wir werden fürderhin keinen Mangel an Schweinefleisch haben.« Da
-gab sich die Mutter zufrieden und forschte nicht weiter nach.
-
-Aber es vergingen Tage, Wochen, Monate, und das Schwein im Kübel
-wollte keine Schößlinge treiben. Es zeigten sich noch immer keine
-grünen Spitzen. Der arme Dschahan wurde immer betrübter, umsomehr
-als die Mutter täglich nach dem alten Schwein und den versprochenen
-Ferkelchen fragte. Als sie endlich die volle Wahrheit darüber
-wissen wollte, was mit dem alten Schweine geschehn sei, da rief
-Dschahan verzweifelt aus: »Das dumme Schwein will keine Schößlinge
-treiben.« »Was? Schößlinge treiben?« »Es will nicht keimen und
-keinen Schweinebaum sprossen lassen, von dem wir Ferkelchen pflücken
-könnten! Mein Gott, schon seit vier Monaten liegt das dumme Tier im
-Oleanderkübel; vielleicht war es nicht genug eingesalzen.« Da begriff
-die Mutter. Tobend und fluchend zerrte sie den armen Dschahan hin,
-wo der Kübel stand, und hieß ihn die Erde herausnehmen. Aber kaum
-entfernte Dschahan die oberen Erdschollen, als sich ein unausstehlicher
-Geruch bemerkbar machte: das Schwein war in Fäulnis übergegangen und
-stank wie Pestilenz. Daß der arme Dschahan diesmal mehr Prügel erhielt
-als gewöhnlich, brauchen wir nicht erst zu sagen.
-
-
-424.
-
-Die Mutter Dschahans hatte ein mageres Schweinchen; Dschahan aber
-hatte großen Appetit auf Schweinfleisch und fragte beständig: »Mutter,
-wann schlachten wir denn eigentlich das Tier, das Borsten hat und
-grunzt?« Da antwortete die Mutter immer: »Sobald ihm das Fett vom
-Hintern tropft.« Da aber Dschahan dies nie sah, ärgerte er sich über
-das faule Tier; er ging hin, kaufte Fett und bestrich das Schwein in
-einer Weise, daß das Fett hinten abtropfen mußte. Als er diese Arbeit
-verrichtet hatte, lief er hin zur Mutter und teilte ihr mit, daß das
-Fett anfange, hinten am Schweinchen abzutropfen. Die Mutter überzeugte
-sich davon und schlachtete das Tier. Dschahan fragte jetzt: »Mutter,
-wie wird das Fleisch nun zubereitet?« Die Mutter antwortete: »Im Acker
-stehen Kohlköpfe: auf jeden Kohlkopf eine Schnitte Fleisch.« Als nun
-Dschahan einmal allein im Hause war, nahm er den Steintopf, in dem das
-Fleisch eingesalzen lag, und trug ihn hinaus auf den Krautacker. Dort
-steckte er in jeden Kohlkopf eine Schnitte Fleisch und sah zu, wie die
-Hunde, Katzen und Feldmäuse davon fraßen. Den nächsten Tag wollte die
-Mutter von dem Schweinefleische kochen, konnte aber den Topf nicht
-finden. Als sie nun Dschahan befragte, antwortete dieser: »Ach, du
-hättest nur sehen sollen, wie sich die Hunde, die Katzen und die Mäuse
-satt gefressen haben! kein Schnittchen ist übrig geblieben; und jeder
-Krautkopf hat seine Fleischschnitte gehabt! Wie sie herumrasten, diese
-Fresser, wenn sie einander herumbissen!« Da rief die Mutter: »Also bist
-du wirklich ein Dschahan! Und darum müssen alle Leute sagen: ›Dumm ist
-Dschahan, ein Esel ist er, Verstand hat er keinen, ein Tropf ist er!‹«
-
-
-425.
-
-Dschahan fuhr einst mit seinem Gemüsekarren zur Stadt. Auf dem Wege sah
-er vor sich einen Herrn, der keine Anstalten machte, ihm auszuweichen.
-Dschahan rief etliche Male laut: »Geh aus dem Wege!«; aber der Herr
-rührte sich nicht, und Dschahan konnte nicht mit seinem Gefährte
-ausweichen, da der Weg abschüssig und schmal war. Drum warf Dschahans
-Karren den Herrn um, und so kam es, daß Dschahan eines Tages zum
-Gerichte vorgeladen wurde. Dort antwortete er nun auf keine Frage der
-Richter, und diese sagten zu dem Kläger: »Der Angeklagte ist ja stumm;
-gegen einen Stummen gehn wir nicht vor.« Doch der Ankläger entgegnete:
-»Das ist doch wohl eine Finte dieses boshaften Menschen, da ich ganz
-genau weiß, daß er sprechen kann. Er rief mir ja damals, bevor er mich
-überfuhr, zu: ›Geh aus dem Wege!‹ und nicht nur einmal, sondern mehrere
-Male.« Aber da stand der Richter auf und schrie den Kläger an: »Was
-suchst du uns dann auf? wir haben andere Sachen zu tun, als Leuten wie
-dir zu helfen! Warum bist du nicht ausgewichen, als er dich angerufen
-hat? Jetzt mußt du die Gerichtskosten bezahlen.« Dschahan aber ging
-straflos heim.
-
-
-
-
-V.
-
-Sizilianische Überlieferungen
-
-
-426.
-
-Es wird erzählt, daß einmal eine Mutter war, die einen Sohn hatte,
-Giufà mit Namen, und sie war sehr arm; dieser Giufà war ein Tölpel und
-ein fauler Lümmel und ein Schelm. Seine Mutter hatte etwas Leinwand und
-da sagte sie zu Giufà: »Wir nehmen etwas Leinwand, und du gehst sie
-in einem weit entfernten Dorfe verkaufen; sie darf aber nur an Leute
-verkauft werden, die wenig reden.« Giufà warf sich die Leinwand über
-die Schulter und ging sie verkaufen.
-
-In einem Dorfe angelangt, begann er zu schreien: »Wer will die
-Leinwand?« Die Leute riefen ihn und fingen viel zu reden an; der eine
-meinte, sie sei zu grob, der andere, zu teuer. Giufà meinte, sie
-redeten zu viel, und wollte sie ihnen nicht geben. Wie er nun dahin
-und dorthin ging, kam er in einen Hof; dort war kein Mensch, aber eine
-gipserne Statue sah er, und zu der sagte er: »Wollt Ihr die Leinwand
-kaufen?« Die Statue sagte kein Wort, und so sah er, daß sie wenig
-redete. »Da muß ich die Leinwand also Euch verkaufen, weil Ihr wenig
-redet.« Er nahm die Leinwand und hängte ihr sie um: »Morgen komme ich
-dann um das Geld.« Und damit ging er.
-
-Als es tagte, ging er um das Geld; die Leinwand war nicht mehr da, und
-er sagte: »Gib mir das Geld für die Leinwand.« Die Statue antwortete
-nichts. »Da du mir das Geld nicht geben willst, werde ich dir zeigen,
-wer ich bin.« Er holte sich ein Beil und schlug auf die Statue los,
-bis sie zusammenstürzte; und in ihrem Bauche fand er einen Krug voll
-Geld. Er steckte das Geld in den Sack und ging heim zu seiner Mutter;
-angekommen, sagte er zu ihr: »Ich habe die Leinwand einem verkauft, der
-nichts redete, und am Abende hat er mir kein Geld gegeben; da bin ich
-am Morgen mit einem Beile hingegangen und habe ihn erschlagen und zur
-Erde geworfen, und da hat er mir dieses Geld gegeben.« Die Mutter, die
-eine kluge Frau war, sagte zu ihm: »Sag niemand etwas; das Geld wollen
-wir langsam verzehren.«
-
-
-427.
-
-Ein andermal sagte die Mutter zu ihm: »Giufà, ich habe da ein Stück
-Leinwand, das muß ich färben lassen; geh damit zum Färber und laß es
-ihm dort, er soll es dunkelgrün färben.« Giufà warf die Leinwand über
-die Schulter und ging. Unterwegs sah er eine schöne, große Eidechse;
-da er sah, daß sie grün war, sagte er: »Meine Mutter schickt mich und
-sie will diese Leinwand gefärbt haben.« Und dabei legte er sie nieder.
-»Morgen komme ich sie holen.«
-
-Als er heimkam und seine Mutter die Geschichte hörte, begann sie sich
-die Haare auszuraufen und zu jammern: »Du elender Kerl! was für einen
-Schaden machst du mir! Lauf, und schau, ob sie noch dort ist!« Giufà
-ging zurück, aber die Leinwand war verschwunden.
-
-
-428.
-
-Man erzählt, daß Giufà eines Morgens Kräuter sammeln gegangen ist, und
-dabei hat ihn die Nacht im Freien überrascht; wie er so dahinschritt,
-war da der Mond, und der war umwölkt und kam zum Vorschein und
-verschwand wieder. Giufà setzte sich auf einen Felsen und schaute zu,
-wie der Mond kam und ging; und wann er kam, sagte er: »Komm! komm!«
-und wann er ging: »Geh! geh!« Und er hörte nicht auf, zu sagen: »Komm!
-komm! Geh! geh!«
-
-Nun waren unten am Wege zwei Diebe, die ein Kalb häuteten, das sie
-gestohlen hatten. Da die sagen hörten: »Komm! Geh!«, befiel sie die
-Angst, daß die Häscher kämen; sie nahmen Reißaus und ließen das Fleisch
-liegen. Als Giufà die zwei Diebe laufen sah, ging er nachsehn, was es
-gebe, und da fand er das gehäutete Kalb; er nahm das Messer, schnitt
-tüchtig Fleisch herunter, füllte damit seinen Sack und ging. Zu Hause
-angekommen, sagte er: »Mutter, macht auf!« Seine Mutter sagte zu
-ihm: »Warum kommst du so spät in der Nacht?« »Ich bin in der Nacht
-gekommen, weil ich Fleisch gebracht habe, und das müßt Ihr morgen alles
-verkaufen; das Geld wird mir trefflich zustatten kommen.« Seine Mutter
-sagte zu ihm: »Morgen gehst du wieder hinaus, und ich verkaufe das
-Fleisch.« Als es Tag geworden war, ging Giufà hinaus, und seine Mutter
-verkaufte das ganze Fleisch.
-
-Am Abende kam Giufà und sagte zu ihr: »Mutter, habt Ihr das Fleisch
-verkauft?« »Ja, ich habe es den Fliegen auf Kredit verkauft.« »Und wann
-sollen sie Euch das Geld geben?« »Wann sie es haben.« Es vergingen
-acht Tage und die Fliegen brachten kein Geld; da machte sich Giufà
-auf und ging zum Richter und sagte zu ihm: »Herr Richter, ich will
-Gerechtigkeit haben; ich habe das Fleisch den Fliegen auf Kredit
-verkauft, und sie sind mich nicht bezahlen gekommen.« Der Richter sagte
-zu ihm: »Ich gebe dir den Spruch, daß du jede, die du nur siehst,
-töten darfst.« Just in diesem Augenblicke setzte sich eine Fliege
-auf des Richters Kopf; Giufà schlug mit der Faust auf sie los und
-zertrümmerte dem Richter den Schädel.
-
-
-429.
-
-Von der Arbeit wollte Giufà nichts wissen, aber essen, trinken und
-nichtstun gefiel ihm. Er aß, und dann ging er weg und trieb sich hier
-und dort herum. Seine Mutter war darüber ärgerlich, und immer sagte
-sie zu ihm: »Giufà, was für ein Lebenswandel ist das? Du machst ja
-keine Anstalt, ein Handwerk zu ergreifen: du ißt, du lebst, und was aus
-dir wird, das ist die Frage.... Jetzt dulde ich das aber nicht mehr:
-entweder du gehst dir dein Brot verdienen, oder ich werfe dich auf die
-Straße.«
-
-Nun ging Giufà einmal in die Cassarustraße[9], um sich Kleider zu
-verschaffen. Bei dem einen Händler nahm er das eine, das andere bei dem
-andern, bis er ganz neu gekleidet war, sogar auch mit einer schönen
-roten Mütze — damals gingen alle mit Mützen; jetzt geht der schäbigste
-Handwerker mit einem Seidenhut oder wenigstens mit einem Filzhut.
-Aber Giufà bezahlte die Sachen nicht, weil er kein Geld hatte; er
-sagte: »Borg mir; dieser Tage komme ich zahlen.« Und so sagte er allen
-Händlern.
-
-Als er sich ordentlich herausstaffiert hatte, sagte er: »Nun also,
-jetzt wären wir so weit; jetzt kann meine Mutter nicht mehr sagen, ich
-sei ein Taugenichts! Aber wie soll ich es mit der Bezahlung der Händler
-machen? .... Ich werde mich tot stellen, und wir werden sehn, wie es
-ausgeht ...« Er warf sich aufs Bett: »Ich sterbe! ich sterbe! .... Ich
-bin gestorben!« Und er kreuzte die Hände und streckte die Beine. »Sohn,
-Sohn! was für ein Unglück!« Seine Mutter raufte sich vor Schmerz die
-Haare aus. »Wie ist denn das Unglück geschehn? O mein Sohn!« Als die
-Leute diesen Lärm hörten, liefen sie herbei, und alle bemitleideten
-die arme Mutter. Die Kunde verbreitete sich, und die Kaufleute kamen
-nachsehn, und die sagten, als sie ihn tot sahen: »Armer Giufà! Er war
-mir — sagen wir — sechs Tari schuldig, weil ich ihm ein Paar Schuhe
-verkauft habe .... Aber ich schenke sie ihm!« Und alle gingen und
-schenkten ihm ihre Guthaben, so daß Giufà aller seiner Schulden ledig
-war. Der von der roten Mütze jedoch hatte, ich weiß nicht, was für
-einen Ärger; er sagte: »Ich aber lasse ihm die Mütze nicht.« Er ging
-hin und fand die Mütze nagelneu auf seinem Kopfe. Und was hat er getan?
-Am Abende, als die Leichenknechte Giufà nahmen und ihn in die Kirche
-trugen, um ihn dann zu begraben, ging er hinterdrein und ging, ohne von
-jemand bemerkt zu werden, in die Kirche. Nach einer Weile, es mochte so
-gegen Mitternacht gewesen sein, schlichen etliche Diebe in die Kirche;
-sie kamen, um einen Sack Geld zu teilen, den sie gestohlen hatten.
-Giufà rührte sich nicht von seiner Bahre, und der von der Mütze verbarg
-sich hinter einer Tür und wagte kaum zu atmen. Die Diebe leerten das
-Geld auf einen Tisch, so daß er ganz voll wurde von Gold und Silber
-— denn zu jener Zeit lief das Silber wie das Wasser — und machten so
-viel Häufchen, wie sie Leute waren. Ein Dutzend Tari blieb über, und
-nun wußten sie nicht, wer es sich nehmen sollte. »Um einen Streit zu
-vermeiden,« sagte einer, »wollen wir es so machen: da ist ein Toter,
-und auf den wollen wir schießen, und wer ihn auf den Mund trifft, soll
-die zwölf Tari haben.« Alle billigten diesen Vorschlag: »Sehr gut! sehr
-gut!«; und schon hatten sie sich vorbereitet, um auf Giufà zu schießen.
-Als das Giufà sah, erhob er sich auf der Bahre und stieß ein Gebrüll
-aus: »Auf, ihr Toten, allesamt!« Was brauchte es bei den Dieben mehr?
-Sie ließen alles im Stich, und hilf mir, heiliger Reißaus, sie laufen
-noch immer. Als sich Giufà allein sah, stand er auf und eilte, um sich
-der Häufchen zu bemächtigen. Da kam aber auch schon der von der Mütze
-hervor, der sich, ohne sich zu mucksen, verkrochen gehabt hatte, und
-lief zu dem Tische hin, um das Geld zu packen. Genug: auf jeden kam die
-Hälfte und sie teilten das Geld. Ein Fünfgranistück blieb übrig; Giufà
-rief: »Das nehme ich mir!« »Nein, der Fünfer gehört mir.« »Mir gehört
-er.« »Pack dich, das ist nichts für dich; die fünf Grani sind mein.«
-Giufà erwischte eine Stange und stellte sich, um sie dem von der Mütze
-um den Schädel zu schlagen; er sagte: »Her mit den fünf Grani! die fünf
-Grani will ich!« In diesem Augenblicke kamen die Räuber zurück, um zu
-sehn, was die Toten machten; denn es däuchte sie allzu schmerzlich, das
-ganze Geld einzubüßen. Sie stellten sich hinter die Kirchentür, und da
-hörten sie diesen Wortwechsel und mächtigen Lärm wegen der fünf Grani.
-Sie sagten: »Dummköpfe! fünf Grani kommen auf einen, und dazu reicht
-das Geld nicht aus. Wer weiß, wie viel Tote aus dem Grabe gekommen
-sind!« Damit nahmen sie die Beine in die Hand und entflohen.
-
-Giufà nahm die fünf Grani, lud sich seinen Geldsack auf und ging nach
-Hause.
-
-
-430.
-
-Giufà hörte einmal am Morgen, als es dämmerte und er im Bette lag,
-die Pfeife blasen, und da fragte er seine Mutter: »Mutter, wer ist
-denn der, der vorbeigeht?« Seine Mutter sagte zu ihm: »Das ist der
-Morgensänger.« Dieser Morgensänger kam allmorgendlich vorbei. Eines
-Morgens stand nun Giufà auf und ging und tötete den Morgensänger, der
-ein Mann war, der die Pfeife blies; dann ging er zu seiner Mutter
-und sagte zu ihr: »Mutter, den Morgensänger habe ich getötet.« Seine
-Mutter, die begriff, daß er den Mann getötet hatte, der die Pfeife
-geblasen hatte, nahm den Toten, trug ihn ins Haus und warf ihn in den
-Brunnen, der gerade ohne Wasser war.
-
-Als Giufà den Mann tötete, war er von einem beobachtet worden, und der
-ging hin und erzählte es dessen Verwandten; alsbald machten sich die
-auf und führten bei Gericht Klage, daß Giufà den Morgensänger getötet
-habe.
-
-Der Mutter Giufàs, die klug war, fiel es ein, daß sie einen Hammel
-hatte; den tötete sie und warf ihn in den Brunnen. Das Gericht kam zu
-Giufà, um den Totschlag zu bewähren, und die Verwandten des Toten kamen
-allesamt mit. Der Richter sagte zu Giufà: »Wohin hast du den Toten
-gebracht?« Giufà antwortete in seiner Dummheit: »In den Brunnen habe
-ich ihn geworfen.« Sie banden Giufà an einen Strick und ließen ihn in
-den Brunnen hinab; auf dem Boden angekommen, machte er sich ans Suchen.
-Er stieß und tappte auf Wolle, und da sagte er zu den Söhnen des Toten:
-»Hatte dein Vater Wolle?« »Mein Vater hatte keine Wolle.« »Der da hat
-Wolle; es ist dein Vater nicht.« Dann traf er auf den Schwanz: »Hatte
-dein Vater einen Schwanz?« »Mein Vater hatte keinen Schwanz.« »Dann
-ist das nicht dein Vater.« Dann fand er, daß der im Brunnen vier Füße
-hatte, und sagte: »Wie viel Füße hatte dein Vater?« »Mein Vater hatte
-zwei Füße.« Giufà antwortete: »Der da hat vier Füße; er ist dein Vater
-nicht.« Dann tastete er an den Kopf: »Hatte dein Vater Hörner?« Die
-Söhne antworteten: »Mein Vater hatte keine Hörner.« Giufà antwortete:
-»Der da hat Hörner; er ist dein Vater nicht.« Der Richter antwortete:
-»Giufà, ob mit den Hörnern, ob mit der Wolle, bring ihn herauf.« Sie
-zogen Giufà herauf und er hatte den Hammel auf der Schulter; das
-Gericht sah, daß es wirklich ein Hammel war, und sprach Giufà frei.
-
-
-431.
-
-Die Mutter Giufàs hatte ein kleines Mädchen, und das hütete sie wie
-ihren Augapfel. Als sie nun eines Tages zur Messe gehn mußte, sagte sie
-zu ihrem Sohne: »Giufà, schau, ich gehe zur Messe: die Kleine schläft;
-koch ihr den Griesbrei und gib ihn ihr zu essen.« Giufà kochte einen
-großen Topf Griesbrei, und als der gekocht war, nahm er einen großen
-Löffel voll und stopfte ihn der Kleinen in den Mund. Das Kind fing
-mächtig zu schreien an, weil es sich arg verbrannt hatte, und nach zwei
-Tagen starb es, da der Mund brandig wurde. Die Mutter wußte sich keinen
-Rat mehr mit diesem Sohne; sie nahm einen Stock und verprügelte ihn
-tüchtig.
-
-
-432.
-
-Da Giufà ein halber Tölpel war, tat ihm niemand etwas zuliebe, wie
-ihn einzuladen oder ihm einen Bissen zukommen zu lassen. Einmal kam
-er in ein Pächterhaus, wo er etwas zu erhalten hoffte. Aber als ihn
-die Pächtersleute so zerlumpt sahen, so fehlte wenig und sie hätten
-die Hunde auf ihn gehetzt; und sie behandelten ihn so, daß er mehr
-krumm als gerade von dannen ging. Seine Mutter begriff die Sache und
-besorgte ihm schöne Hosen, ein Paar Strümpfe und eine Samtweste. Nun
-ging Giufà als Bauer gekleidet in dasselbe Pächterhaus; da hättet ihr
-Ehrenbezeigungen sehn können! Sie luden ihn zu Tische und überhäuften
-ihn alle mit Aufmerksamkeiten. Obwohl aber Giufà sonst nicht bis fünf
-zählen konnte, war er doch schlau genug, sich mit einer Hand den Wanst
-zu füllen und mit der andern das, was übrig blieb, in die Taschen zu
-stecken; und sooft er etwas einsteckte, sagte er: »Eßt nur, meine
-lieben Kleider; ihr seid es ja, die eingeladen worden sind.«
-
-
-433.
-
-Es war einmal ein gewisser Giufà; zu dem sagte seine Mutter, als sie
-zur Messe ging: »Giufà, schau, ich gehe jetzt zur Messe: schau, da ist
-die Henne, die muß die Eier ausbrüten; nimm sie, füttere sie mit dem
-Mansch und setze sie dann wieder auf die Eier, damit sie nicht kalt
-werden.« Giufà bereitete also den Mansch aus Brot und Wein, nahm die
-Henne und fütterte sie, und fütterte sie auf die Weise, daß er ihr
-den Mansch mit dem Finger hineinstopfte; und dabei erstickte er sie
-und sie verendete. Als er sah, daß es mit ihr aus war, sagte er: »Wie
-soll ich es denn nun anstellen, daß die Eier nicht kalt werden? jetzt
-setze ich mich selber drauf.« Er zog sich Hosen und Hemd aus und setzte
-sich auf die Eier. Als dann seine Mutter heimkam, rief sie: »Giufà!
-Giufà!« Giufà antwortete: »Gluck, gluck, ich kann nicht kommen; ich
-bin jetzt die Henne und sitze auf den Eiern.« Seine Mutter schrie: »Du
-Nichtsnutz, du Nichtsnutz! du hast mir ja alle Eier zerdrückt.« Giufà
-stand auf, und die Eier waren ein Brei.
-
-
-434.
-
-Es war einmal ein großer Herr, und der hatte einen seltsamen Einfall.
-Er sagte zur Winterszeit zu einem armen Teufel: »Wenn du dich getraust,
-es eine Nacht lang, so wie du aus dem Leibe deiner Mutter gekommen
-bist, am Ufer des Meeres auszuhalten, so gebe ich dir, wenn du am
-Morgen noch lebst, hundert Unzen; bist du am Morgen tot, so hast du die
-Wette verloren.« Dieserhalb wurden Wachen aufgestellt: »Gebt acht auf
-den da!«
-
-In der Nacht fuhr nun ein Schiff vorüber. Der arme Wicht, der am
-Strande war, streckte die Hände aus, als ob er sich hätte an dem Lichte
-des Schiffes wärmen wollen. Der Morgen brach an, und die Wächter
-meldeten dem Herrn: »Herr, er hat die ganze Nacht nackt verbracht; um
-Mitternacht aber kam in einer Entfernung von hundert Meilen im Meere
-ein Schiff mit dem Lichte vorbei, und daran hat er sich gewärmt.« Da
-sagte der Herr zu dem, mit dem er gewettet hatte: »Ihr habt verloren;
-Ihr habt Euch gewärmt, und damit habt Ihr die Wette verloren.«
-
-Der, der die Wette verloren hatte, ging zu Giucà. Giucà sagte: »Warum
-weinst du denn?« Er antwortete: »Heute Nacht bin ich demunddem auf
-seinen seltsamen Einfall eingegangen; und weil ich, als ein Schiff
-vorübergefahren ist, mit den Händen so gemacht habe, sagte er, ich
-hätte mich gewärmt. Wie wäre das möglich? ... Und jetzt habe ich die
-Wette verloren.« Giucà antwortete: »Hab keine Angst; bin ja ich da!
-Aber sag mir, teilen wir das Geld, wenn ich dir den Sieg verschaffe?«
-»Ja.« Nun versah sich Giucà mit einem Sack Kohlen und einem Hammel und
-zündete die Kohlen an dem einen Ende von Trapani bei den Kapuzinern
-an; dann nahm er einen Rost und stellte ihn in der Richtung über das
-Kloster bei der Loggia auf. Er nahm den Hammel und legte ihn auf den
-Rost, und das Feuer hatte er bei den Kapuzinern; und also begann er den
-Hammel ohne Feuer zu braten. Alle Leute, die dieses törichte Treiben
-sahen, den Hammel bei der Loggia und das Feuer bei den Kapuzinern,
-fragten ihn, was er tue; und Giucà sagte zu ihnen: »Ich brate diesen
-Hammel.«
-
-Da kam auf einmal auch der von der Wette vorbei, und der sagte: »Was
-tust du, Giucà?« »Ich brate diesen Hammel.« »Ja wo ist denn das Feuer?«
-»Bei den Kapuzinern.« »Was soll das heißen? wie dumm!« »Verrückt
-freilich und dumm,« sagte Giucà; »wie hat sich aber dann der da an dem
-Lichte des Schiffes wärmen können, das doch hundert Meilen entfernt
-war? Wie man den Hammel hier nicht braten kann, so hat sich auch der da
-dort nicht wärmen können.«
-
-Und nun erzählte Giucà den Leuten die ganze Geschichte, und der Herr
-mußte die Wette bezahlen.
-
-
-
-
-VI.
-
-Kalabrische Überlieferungen
-
-
-435.
-
-Es war also einmal ein gewisser Hiohà. Der Vater und die Mutter wollten
-ihm gut: sie hielten ihn für etwas ganz besonders; aber Hiohà war ein
-Dummkopf. Was hat er nicht alles getan, dieser Hiohà!
-
-Einmal schickten ihn der Vater und die Mutter, die sehr arm waren,
-Kutteln waschen. »Gib acht,« sagte die Mutter, als er wegging, »gib
-acht, daß du sie dort wäschst, wo viel Wasser ist.«
-
-Nun begann Hiohà zu wandern. Er wanderte und wanderte, sah einen Bach
-und machte nicht halt. Er wanderte und wanderte, sah einen Fluß und
-machte noch immer nicht halt. Erratet ihr, wo er halt gemacht hat? Er
-ist bis ans Meer gegangen. Dort begann er die Kutteln zu waschen und
-abzureiben. Nachdem er sie eine Stunde abgerieben und gewaschen hatte,
-wußte er nicht, ob sie gut gewaschen seien.
-
-Wen hätte er fragen sollen? Wen hätte er nur fragen sollen? Er sah in
-der Ferne ein Schiff mit Seeleuten drinnen. Da begann er zu pfeifen und
-mit den Händen Zeichen zu machen. Als die Seeleute diese Bewegungen
-sahen, kamen sie, weil sie nicht wußten, was es gebe, mit dem Schiffe
-zum Ufer. »Was willst du?« sagten sie zu ihm, und Hiohà sagte zu ihnen:
-»Sind diese Kutteln gut gewaschen oder nicht?«
-
-»Der Teufel soll dich holen!« begannen die Seeleute; »der und jener
-soll dich holen! Und wegen so etwas hast du uns gerufen? Der Teufel
-soll dich holen!« Und damit gaben sie ihm eine Tracht Prügel, wirklich
-eine ordentliche Tracht.
-
-Nun begann Hiohà zu weinen und sagte: »Was habe ich euch getan, daß
-ihr mich schlagt? Wie hätte ich denn sagen sollen, als ich das Schiff
-gesehn habe?«
-
-»Du hättest sagen sollen,« sagten die Seeleute zu ihm: »Guten Wind!
-Guten Wind!«
-
-Und so machte sich Hiohà davon.
-
-
-436.
-
-Eines Tages sagte Juvadi zur Mutter: »Geh du aufs Feld arbeiten; ich
-bleibe zu Hause.« Und die Mutter antwortete: »Verrichte du alles; ich
-gehe aufs Feld. Laß die Katze nicht zu den Speisen, bring das Bett in
-Ordnung, gib acht auf die Gluckhenne und geh zum Flusse und besorge die
-Wäsche.« Juvadi antwortete: »Ja, ja, Mutter.«
-
-Und so ging sie aufs Feld. Aber anstatt das Bett in Ordnung zu bringen,
-riß es Juvadi auseinander, nahm Polster und Strohsäcke und warf sie
-mitten ins Haus; und er füllte eine Schwinge mit Mist und beutelte ihn
-im Hause aus. Dann sagte er: »Ich bin hungrig.« Und er nahm und aß alle
-Speisen; hierauf nahm er einen Kessel und sott die Gluckhenne samt den
-Küchlein und aß sie. Dann tat er die Wäsche in einen Tragkorb und ging
-damit zum Flusse; er warf sie ins Wasser und ging.
-
-Wie er so dahinging, traf er einen Esel, und den packte er beim
-Schwanz; der Esel schlug aus und verletzte ihn am Bein. Unter
-bitterlichen Tränen ging Juvadi nach Hause; er verschloß die Tür und
-setzte sich auf den Herd.
-
-Am Abende kam die Mutter heim und rief an der Tür: »Juva’, mach mir
-auf.« Er antwortete: »Nein.« »Ist dir etwas geschehn?« »Ja.« »Und
-was ist dir denn geschehn?« »Die Katze hat die Speisen gefressen.«
-»Das macht weiter nichts; wir kaufen andere. Mach mir auf, Juva’.«
-»Nein.« »Warum denn? ist dir noch etwas geschehn?« »Ja.« »Und was
-denn?« »Die Gluckhenne und die Küchlein sind weg.« »Das macht weiter
-nichts; mach mir nur auf.« »Nein.« »Und warum denn nicht? ist dir noch
-etwas geschehn?« »Ja.« »Und was ist dir denn geschehn?« »Ich bin zum
-Flusse waschen gegangen, und das Wasser hat die Wäsche weggeschwemmt.«
-»Ach das macht weiter nichts; öffne mir.« »Nein.« »Was ist dir denn
-geschehn?« »Ein Esel hat mich am Beine verletzt.«
-
-Nun erbrach die Mutter die Tür, und da fand sie das ganze Haus
-verwüstet. Sie wäre bald vor Schreck gestorben; aber dann nahm sie
-einen Stock, prügelte Juvadi tüchtig durch und jagte ihn aus dem Hause.
-
-
-437.
-
-Juvadi sagte zur Mutter: »Ich gehe auf den Markt.« Die Mutter
-antwortete: »Kaufe einen Farren.« Sie gab ihm das Geld und Juvadi ging
-auf den Markt. Er kaufte einen schönen Farren und ging mit ihm nach
-Hause. Er kam bei den Mönchen vorbei und traf sie auf der Straße; kaum
-hatten sie ihn gesehn, so sagten sie: »Juva’, wo bist du gewesen?«
-Und Juvadi antwortete: »Ich bin auf dem Markte gewesen und habe einen
-Farren gekauft.« Die Mönche antworteten einer nach dem andern: »Ist es
-ein Farre oder ein Bock?« »Es ist ein Farre.« Es kam ein anderer Mönch
-dazu: »Juva’, was ist das?« »Es ist ein Farre.« »Ist es ein Farre oder
-ein Bock?« »Es ist ein Farre und kein Bock; ich habe ihn mit zwanzig
-Dukaten bezahlt.« Der Guardian sagte: »Willst du ihn mir verkaufen?
-ich gebe dir zehn Dukaten.« »Wenn es ein Bock ist, so nehmt ihn.« So
-gab ihm der Guardian zehn Dukaten und er ging nach Hause. Die Mutter
-sagte: »Was hast du gemacht?« »Ich habe das gemacht: Ich habe einen
-schönen Farren gekauft, bin bei den Mönchen vorbeigekommen und sie
-haben mir gesagt, es sei ein Bock; sie haben mir ihn abgekauft und mir
-zehn Dukaten gegeben.« Die Mutter nahm einen Stock, prügelte Juvadi
-durch und sagte: »Der Teufel soll dich holen! du hast dich also von den
-Mönchen beschwatzen lassen?«
-
-Nun verkleidete sich Juvadi als Frau, mit einem Rosenkranze in der
-Hand, und ging in die Kapuzinerkirche und blieb dort. Als es Nacht
-geworden war, kam der Sakristan und sagte: »Geh jetzt; ich muß die
-Kirche schließen.« Er antwortete: »Laß mich aus Barmherzigkeit da
-schlafen.« »Ich gehe es dem Guardian sagen.« Er ging und der Guardian
-sagte: »Ja, ja, laß sie da schlafen.« Als es Mitternacht geworden war,
-ging er sachte, sachte in die Zelle des Guardians, stellte sich vor
-das Bett, zog einen Knüttel, den er unter dem Kleide verborgen hatte,
-hervor und begann den Guardian zu verprügeln, indem er sagte: »Ist es
-ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein Farre oder ein Bock? ha?« Und
-dabei schlug er tüchtig zu, bis der Guardian halbtot dalag; dann ging
-er. Am Morgen kamen die Mönche und da fanden sie den Guardian totelend.
-Alsbald liefen sie um Ärzte, um zu sehn, was es sei.
-
-Juvadi ging nach Hause, kleidete sich als Arzt und ging weg, um vor
-den Kapuzinern herumzuschlendern. Ein Laienbruder kam heraus und sagte
-zu ihm: »Wer ist Euere Herrlichkeit?« Juvadi antwortete: »Ich bin ein
-fremder Arzt; ist hier jemand krank?« Der Mönch ging augenblicklich
-hinein, es seinen Brüdern sagen, und die ließen ihn hereinkommen. Als
-er drinnen war und seinen Kranken betrachtet hatte, sagte er: »Der hat
-Schläge bekommen.«
-
-Nun schickte er alle Mönche, die dort waren, hinaus; der eine ging
-Kaffee machen, der andere Heilmittel holen. Als Juvadi ganz allein war,
-zog er den Knüttel unter dem Oberkleide hervor und begann den Guardian
-zu prügeln und sagte: »Ist es ein Farre oder ein Bock? ha? ist es ein
-Farre oder ein Bock? ha?« Und er ließ nicht eher von dem Guardian
-ab, als bis der schier tot war. Dann entwich er. Als die Mönche
-zurückkehrten und den Guardian in diesem Zustande sahen, begannen sie
-zu jammern und fragten ihn: »Wer hat dich geschlagen?« Der Guardian
-antwortete: »Der, der hier war.« Die Mönche sagten: »Wir wollen ihn
-suchen gehn.«
-
-Und so setzten sie den Guardian auf einen Sessel und machten sich an
-die Verfolgung Juvadis. Der sah sie von weitem; da sagte er zu einem
-Manne, der mit dem Karste arbeitete: »Guter Mann, schau wie viel Leute
-dich prügeln kommen.« Der erschrak, warf den Karst weg und entfloh;
-nun nahm Juvadi den Karst und begann zu ackern. Die Mönche holten
-den andern ein und prügelten ihn weidlich durch; und der arme Teufel
-schrie: »Warum schlagt ihr mich? ich habe euch doch nichts getan.«
-Juvadi lachte von weitem, warf den Karst weg und ging nach Hause und
-sagte: »Nun habe ich mich für meinen Farren bezahlt gemacht.«
-
-
-438.
-
-Es war Fastnacht. Juvadis Mutter schlachtete einen Hahn und kochte
-ihn mit Makkaroni; als Juvadi kam, aßen sie ihn. Nach dem Essen sagte
-Juvadi zur Mutter: »Mutter, wie heißt das, was wir gegessen haben?« Die
-Mutter antwortete: »Das war ein Morgensänger.«
-
-Nun hörte Juvadi einen Mann, der auf der Straße sang; er ging hin,
-tötete ihn und brachte ihn der Mutter. Die Mutter begann zu schreien:
-»Du Tölpel, das war ein Mensch und kein Morgensänger.« Juvadi sagte:
-»Macht nichts, Mutter; ich stecke ihn in einen Sack und gehe ihn in
-eine Schlucht werfen.«
-
-Auf dem Wege begegnete er einem Manne, der auch einen Sack trug, und zu
-dem sagte er: »Freund, was trägst du da in dem Sacke?« Der antwortete:
-»Ein Schwein.« Juvadi sagte: »Wollen wir tauschen?« Der Unglückselige
-sagte: »Ja«, und sie tauschten. Juvadi ging zu seiner Mutter nach Hause
-und sagte zu ihr: »Mutter, bring einen Kessel, damit wir das Schwein
-abbrühen. Schließ die Tür; ich muß einen Botengang machen.« Und er ging
-zu dem, dem er den Sack mit dem Toten gegeben hatte, und sagte zu ihm:
-»Was hast du getan? jetzt gehe ich zum Richter und zeige dich an.« Der
-andere sagte unter Tränen: »Sag nichts; ich gebe dir fünfzig Dukaten.«
-So nahm Juvadi den Toten und die fünfzig Dukaten. Dann ging er zu
-der Tür der Mönche, stellte den Toten auf die Füße und läutete an;
-der Sakristan öffnete die Tür von innen und der Tote fiel nieder. Der
-Sakristan sagte: »Steh auf! steh auf! was ist dir geschehn?« Juvadi kam
-hervor und sagte: »So also werden die Leute umgebracht?« Der Sakristan
-sagte: »Sag nichts; ich gebe dir fünfzig Dukaten.« Und Juvadi: »Wenn
-du willst, daß ich nichts sage, mußt du mir fünfzig Dukaten, eine
-Mönchskutte und den Toten geben.« Juvadi nahm den Toten, zog ihm die
-Kutte an, steckte ihm eine Pfeife in den Mund, setzte ihn auf den
-Abtritt der Mönche und kauerte sich nieder. Es kam der Guardian, um
-ein Bedürfnis zu verrichten; da fand er den, der dort saß, und er
-sagte: »Steh auf; ich muß ein Bedürfnis verrichten.« Dann packte er
-ihn und stieß ihn, und der fiel nieder. Der arme Guardian sagte: »Auf!
-auf! was habe ich dir denn getan?« Juvadi kam hervor und sagte: »So
-also werden die Leute umgebracht? jetzt gehe ich zum Richter und sag
-ihms.« Erschrocken sagte der Guardian: »Sei barmherzig und sag nichts;
-ich gebe dir hundert Dukaten, und wir begraben ihn.« Juvadi nahm die
-hundert Dukaten und sie legten den Toten ins Grab. Dann ging Juvadi
-voll Fröhlichkeit mit den zweihundert Dukaten nach Hause und sagte zur
-Mutter: »Mutter, wie viel hat mir der Morgensänger eingebracht! Jetzt
-bin ich reich geworden!«
-
-
-439.
-
-Eines Tages ging Juvadi um Reisig, und da fand er einen Eichenast
-mit Eicheln dran; den nahm er auf die Arme und trug ihn mit viel
-Achtsamkeit weg. Als er nahe beim Orte war, setzte er sich darauf
-wie auf ein Pferd und zog ihn so weiter. An einem Fenster des Königs
-stand die kleine Prinzessin, und die begann aus vollem Halse zu
-lachen. Juvadi sah sie an und sagte: »Du sollst schwanger sein von
-mir.« Alsbald wurde sie schwanger, und nach neun Monaten gebar sie
-ein Mädchen. Der König war darüber so aufgebracht, daß er den Rat
-zusammenrief und sagte: »Ratet mir, was ich mit der machen soll, von
-der diese Schande kommt; ich kann es gar nicht glauben, was sie sagen.«
-Der Rat antwortete: »Lassen wir alle Männer des Reiches kommen, und
-da werden wir sehn, wen es Babba ruft.« Da befahl der König, daß sich
-alle Männer in seinem Hause einfänden. So kamen seine Barone, Fürsten,
-Ritter, Bürger und Bauern; aber das Kind rief niemand Babba. Nur
-Juvadi, der nicht kommen wollte, war übrig geblieben; aber der König
-zwang ihn, zu kommen. Kaum hatte ihn das Kind gesehn, als es sich auch
-schon in seine Arme warf und ihn Babba nannte. Nun rief der König
-den Rat von neuem zusammen und sagte: »Was für eine Strafe soll die
-erhalten, von der diese Schande kommt?« Sie antworteten: »Schließen wir
-sie in ein Faß und rollen wir es einen Abhang hinunter.« So ließen sie
-ein Faß machen und die Königin legte einen Sack mit Feigen und Rosinen
-hinein; und sie schlossen die Prinzessin, ihre Tochter und Juvadi
-hinein und gingen es von einem Abhange hinunterstürzen. Als es rollte,
-sagte Juvadi: »Laß mich heraus, laß mich heraus; ich gebe dir Feigen
-und Rosinen.« Und er warf Händevoll Feigen und Rosinen aus dem Fasse.
-Das blieb in einer Ebene stehn; Juvadi zerbrach es und sie gingen
-heraus.
-
-In der Nähe war eine Hexe, die lachte so heftig, daß ihr eine
-Halsgeschwulst, die sie hatte, verging. Darüber ganz glücklich, sagte
-sie zu Juvadi: »Was willst du? ich kann alles und tue dir gutes.«
-Juvadi antwortete: »Schaff mir ein Haus; denn wir haben keine Wohnung.«
-Die Hexe nahm eine Gerte, machte einen Kreis rundum und sagte:
-»Hier soll ein Palast werden mit aller Bequemlichkeit der Welt.« So
-wurde dort ein schöner Palast und Juvadi ging ganz vergnügt mit der
-Prinzessin und der Tochter hinein. Und die Prinzessin sagte zu Juvadi:
-»Du mußt noch behext werden, damit dir deine Dummheit ausgetrieben
-wird.«
-
-
-440.
-
-Eines Morgens hatte die Prinzessin Juvadi verloren; sie schrie in allen
-Gemächern und fand ihn endlich an einem Fenster. Dort pustete er mit
-dem Munde und machte Bu, bu ... bu, bu ... bu. Sie schrie: »Was machst
-du da?« Juvadi antwortete: »Ich puste auf die Fliegen und Wespen da,
-damit sie nicht hereinkommen; sie könnten uns beißen und wir müßten
-sterben.«
-
-
-441.
-
-Juvadi war wieder einmal verloren und die Prinzessin konnte ihn nicht
-finden. Am Tage darauf fand sie ihn, wie er mit einem Kuhschwanze
-in der Hand in die Luft starrte und Bu, bu ... bu, bu ... bu, bu
-pustete. Sie sagte: »Juva’, was machst du da?« Und Juvadi lachte aus
-vollem Halse: »Ich habe ein Wildschwein getötet, und dann ist ein Wind
-gekommen und hat mich in die Höhe gehoben; ich habe mich aber so
-kräftig gewehrt, daß mir beim Hinundherreißen der Schwanz in der Hand
-geblieben ist.«
-
-
-442.
-
-Ein andermal sagte Juvadi: »Ich gehe in den Hühnerstall, Eier holen.«
-Er ging, nahm ein Messer, tötete alle Hühner und hängte sie ringsum
-an die Wände. Sie gingen ihn suchen, fanden den Schaden und schrien:
-»Warum hast du das getan?« Und Juvadi: »Ich bin ein Metzger geworden.
-Was wollt ihr?«
-
-Die Prinzessin nahm einen Stock und prügelte Juvadi weidlich durch;
-dann jagte sie ihn wegen all dieser dummen Streiche aus dem Hause.
-
-
-443.
-
-Juvadi hatte ein Gärtchen, und dort war ein einzelner Kirschbaum. Er
-pflegte ihn mit aller Sorgfalt, aber der Baum trug nicht eine einzige
-Kirsche. Eines Tages verlor Juvadi die Geduld und sagte: »Jetzt will
-ich diesen vermaledeiten Baum fällen, der nichts trägt.« Er fällte
-den Kirschbaum und machte ein Kreuz daraus; das pflanzte er in das
-Gärtchen. Er glaubte, wenn er zu Jesus Christus beten werde, werde ihm
-der alle Gnaden erweisen; aber er mochte heute beten oder morgen oder
-übermorgen, eine Gnade sah er niemals. Da packte er erbost das Kreuz,
-warf es zur Erde, daß es in tausend Stücke zersprang, und sagte: »Dich
-kenne ich schon, wie du noch ein Kirschbaum warst.«
-
-
-444.
-
-Man erzählt, daß Juvadi eines schönen Tages einen Gevatter besuchen
-gegangen ist. Der Gevatter, dessen Weib gerade Brot bereitete,
-sagte zu ihm: »Willkommen, Juva’; bleib bei uns und hilf uns das
-Brot bereiten.« Während die Frau in der Küche war, um das Essen zu
-kochen, ging Juvadi nachsehn, ob der Teig aufgegangen sei; er kam
-in eine Kammer, deren Wände überall Ritzen hatten, durch die der
-Wind einundausging, und sagte: »Da machen sie Brot und das Haus ist
-voller Löcher; aber ich will das in Ordnung bringen.« Er nahm den
-Teig und besserte alle Wände aus, indem er alle Löcher verschmierte.
-Als die Gevatterin diesen Schaden sah, begann sie zu schreien: »Um
-Gotteswillen, um Gotteswillen! was tust du? wenn mein Mann kommt,
-bringt er mich um.« Juvadi sagte ganz entrüstet: »Statt mir zu danken,
-weil das Haus löchrig war, gibst du mir böse Worte.« Und er entwich.
-
-
-445.
-
-Einmal ging Juvadi eine Gevatterin besuchen. Als sie ihn sah, sagte sie
-vergnügt: »Willkommen, Gevatter; es wird mir eine Freude sein, wenn du
-heute Morgen bei mir bleibst. Gib mir acht auf das Kindchen, das ich
-niedergelegt habe, und ich verrichte indessen die häusliche Arbeit.«
-Juvadi nahm das Kind; da er sah, daß sein Kopf ganz weich war, nahm
-er eine Nadel und stach hinein, so daß das Gehirn heraustrat. Und er
-sagte: »Madonna mia! da hat das Kind ein Geschwür und niemand denkt
-daran.« Als die Mutter das Kind tot sah, war sie ganz weg vor Schmerz
-und schrie: »Mein ... Kind ... mein ... Kind, ich habe dich einem
-Tölpel anvertraut.« Juvadi sagte: »Für mein gutes Werk erhalte ich
-einen schlechten Lohn.« Und er ging.
-
-
-446.
-
-Eines Tages ging Juvadi hinaus, stieg auf einen Felsen, begann zu
-pissen und sagte zu den einzelnen Bächlein: »Du gehst dorthin, du
-dahin, du gehst rechts und du gehst links.« Eine Bande von Räubern,
-die unter dem Felsen waren und viel Silbergeld teilten, hörten ihn so
-reden; sie glaubten, die Häscher seien da, und entflohen. Juvadi stieg
-hinab, nahm alles Silber und kehrte, mit Geld beladen, heim.
-
-
-447.
-
-Eines Tages ging Juvadi mit seinem Esel um Holz. Er saß auf einer
-Eiche und schnitt gerade an einem Aste, als ein Mann vorbeikam und zu
-ihm sagte: »Juva’, paß auf, du fällst herunter, wenn der Ast bricht.«
-Juvadi antwortete: »Kümmere dich nicht darum; ich sterbe noch nicht.«
-Aber als er das sagte, fiel er auch schon herunter, und es fehlte
-wenig, so wäre er tot gewesen. Nun sagte er zu dem Manne: »Guter Mann,
-wann werde ich denn sterben?« »Wann dein Esel drei Fürze tut.« Juvadi
-glaubte es und vergaß es keineswegs. Er mußte eine Anhöhe ersteigen,
-und der Esel, der zu schwer beladen war, ließ einen Furz. »Oh, jetzt
-geht es böse,« sagte Juvadi, »nun muß ich bald sterben.« Er ging weiter
-und hörte wieder, wie der Esel einen Furz ließ, und er zitterte noch
-mehr vor Angst. Als er dann den letzten hörte, wurde er ohnmächtig
-und fiel wie ein Toter zu Boden; und er blieb auf dem Wege liegen.
-Der Esel, der den Weg, wer weiß, wie oft gemacht hatte, ging mit dem
-Holze, aber ohne Juvadi, nach Hause. Als die Mutter den Esel ohne
-den Sohn kommen sah, erschrak sie und ging weg, um zu sehn, was ihm
-geschehn sei; sie fand Juvadi mit dem Gesichte nach oben auf dem Wege
-liegen. Und sie holte den Geistlichen, einen Bruder mit dem Kreuze, den
-Sakristan mit dem Weihwasser und vier Männer mit der Bahre. Sie luden
-ihn auf; aber sie klagten, weil er sehr schwer war, und setzten ihn
-alle zehn Schritte nieder. Als sie an eine Stelle des Weges gekommen
-waren, hob Juvadi den Kopf und schrie: »Dorthin geht.« Die, die ihn
-trugen, warfen ihn vor Angst, weil sie ihn tot glaubten, zu Boden, und
-der arme Juvadi zerschlug sich den Kopf und starb nun wirklich.
-
-
-
-
-VII.
-
-Kroatische Überlieferungen
-
-
-448.
-
-Einmal war Nasreddin schwer krank und lag still und hilflos da. Seine
-Frau, die bei ihm saß, weinte, und das machte ihn unruhig. Da kam ihm
-ein Einfall, und er sagte zu ihr mit schwacher Stimme: »O weh, o weh!
-Hör auf zu weinen; zieh dich schön an, nimm deine besten Sachen und
-deinen ganzen Schmuck und mach dich so hübsch, wie du kannst.«
-
-»Ach Effendi,« sagte sie und begann noch mehr zu weinen, »wie könnte
-ich das, wo du so krank bist?«
-
-»Wenn du mich liebst,« bat der Hodscha, »dann tust du, was ich dir
-gesagt habe.«
-
-Nun wurde in ihr die weibliche Neugier rege. »Nein,« sagte sie
-entschieden; »ich werde es nicht früher tun, als bis du mir gesagt
-hast, warum du es von mir verlangst.«
-
-»Ich möchte es dir ja sagen, aber ich fürchte, du wirst dich dann über
-mich ärgern.«
-
-»Nein, wahrhaftig nein.« Und zum Beweise schwor sie ihm, daß sie alles
-machen werde, wann sie den Grund gehört haben werde.
-
-Und der Hodscha sagte: »Denkst du denn nicht auch, liebes Weib, daß
-Asrael, wenn er um meine Seele kommen und dich so schön gekleidet und
-geschmückt sehn wird, lieber dich mitnehmen wird als mich?«
-
-In diesem Augenblicke hörte die Frau zu weinen auf.
-
-
-449.
-
-Der Hodscha saß vor seinem Hause und rauchte. Da kam sein nächster
-Nachbar und sagte nach dem gewöhnlichen Gruße: »Aber Hodscha, warum
-brällt denn dein Esel schon seit dem frühen Morgen?«
-
-»Warum fragst du mich? frag ihn.«
-
-
-450.
-
-Einmal ging der Hodscha Nasreddin spazieren; ein junger Zigeuner lief
-ihm nach und bettelte, er solle ihm etwas schenken. Dem Hodscha, der
-die Zigeuner haßte, fiels nicht ein, sich umzudrehn, geschweige denn
-ihm etwas zu geben. Plötzlich schrie der Zigeuner aus vollem Halse:
-»Schenk mir etwas, Herr, sonst werde ich etwas tun, was ich noch nie
-getan habe!«
-
-Nasreddin drehte sich um, warf ihm einen Para zu und fragte ihn, was er
-zu tun beabsichtigt hätte. Darauf antwortete der Zigeuner: »Ja, Herr,
-hättest du mir nichts geschenkt, so hätte ich arbeiten müssen, und das
-habe ich noch nie getan.«
-
-
-451.
-
-Einmal kam wieder sein nächster Nachbar zum Hodscha und fragte ihn,
-warum er seinen Hund habe die ganze Nacht bellen lassen, so daß er und
-die Seinigen im Schlafe gestört worden seien.
-
-Nasreddin, der wohl zugehört hatte, lachte und antwortete: »Ich glaube,
-du wirst doch nicht von mir verlangen wollen, daß ich bellen soll.«
-
-
-452.
-
-Als Nasreddin einmal besonders gut aufgelegt war, erzählte er in einer
-Gesellschaft, daß er, als er in Stambul gewesen sei und in dem Garten
-des Sultans, dort Bienen gesehn habe, so groß wie Schafe.
-
-Da fragte ihn einer von den Zuhörern: »Wie groß waren denn dann die
-Bienenstöcke?«
-
-Nasreddin antwortete: »Gerade so groß wie bei uns.«
-
-»Wie konnten denn da die Bienen hinein und heraus?«
-
-»Ich bin gerade dazu gekommen, als sie hinein wollten; als sie mich
-aber bemerkt haben, sind sie erschrocken und weggeflogen. Deshalb kann
-ich euch nicht recht sagen, wie sie es anstellen, um hineinzukommen.«
-
-
-453.
-
-Nasreddin ging einmal in den Garten, legte sich unter einen alten
-Birnbaum und schlief ein. Unterdessen kam ein Freund von ihm mit der
-Nachricht, daß seine Mutter gestorben sei. Nasreddins Sohn führte den
-Freund in den Garten, weckte den Vater und sagte zu ihm: »Vater, steh
-auf; Mujkan[10] Djehaić ist gekommen und hat die Nachricht gebracht,
-daß deine Mutter gestorben ist.«
-
-»O, o,« sagte der Hodscha, »das ist ein bitterer Schmerz; und wie
-bitter wird er erst morgen sein, wenn ich aufwache!«
-
-Damit drehte er sich auf die andere Seite und schlief weiter.
-
-
-454.
-
-Auf einem Spaziergange erzählten einander zwei Schüler Nasreddins
-merkwürdige Geschichten und suchten sich gegenseitig durch Lügen zu
-übertrumpfen. Unter anderm sagte der eine: »Als ich einmal in Stambul
-war, habe ich einen Kohlkopf gesehn, unter dem sich dreihundert Leute
-verstecken konnten.«
-
-Darauf antwortete ihm der andere: »Aber Bruder, das ist gar nichts
-gegen das, was ich in Athen gesehn habe, als ich dort war. Dort habe
-ich nämlich einen großen Kessel gesehn, an dem schmiedeten dreihundert
-Leute, und die standen so weit von einander, daß einer den andern nicht
-hören konnte.«
-
-Nun sagte der erste: »Wozu soll denn so ein großer Kessel dienen?«
-
-»Aber Bruderherz, wie kannst du nur so dumm fragen? um den großen
-Kohlkopf zu kochen, den du gesehn hast.«
-
-
-455.
-
-Eines Abends zankten sich Nasreddin und seine Frau, und er sagte zu
-ihr: »Ich war wahrhaftig blind, als ich dich mit deiner Häßlichkeit
-genommen habe.« Deswegen schimpfte sie ihn zusammen, was sie nur
-konnte, und sagte schließlich zu ihm: »Die Eule hat auch an der Lerche
-etwas auszusetzen gehabt! Wie kannst du mir sagen, daß ich häßlich sei,
-wo du doch weit und breit der häßlichste Kerl bist!«
-
-Das war für den stolzen Nasreddin zu viel, und er beschloß, ein Mittel
-zu suchen, um schöner zu werden. Nachdem er überall herumgefragt hatte,
-wandte er auch einige Salben und Pulver an, aber sein Ziel konnte er
-nicht erreichen.
-
-Nun kamen eines Tages etliche Zigeunerinnen zu ihm, und die sagten ihm,
-sie würden ihn in ein paar Stunden so jung und schön machen, daß ihn
-jedermann bewundern werde. Voller Freude machte er die Sache mit ihnen
-ab.
-
-Am nächsten Morgen stand er früh auf und schickte sein ganzes Gesinde
-aufs Feld und seine Frau zu ihrer Mutter; dann setzte er sich vors
-Haus, um die Zigeunerinnen zu erwarten. Um neun Uhr kamen sie. Sie
-gingen um ihn herum und besprachen ihn und redeten ihm ein, er werde
-noch an diesem Tage schön wie die Sonne werden, nur müsse er ihre
-Anordnungen befolgen. Er ließ sich täuschen und holte ein Faß, das sie
-ihm gezeigt hatten, und stellte es mitten ins Zimmer; sie befahlen ihm,
-unter dieses Faß zu kriechen, worauf sie ihn damit bedecken und dann
-herumgehn und ihn besprechen würden.
-
-Als er ihnen gehorcht hatte und unter dem Fasse war, legten sie noch
-einige schwere Steine darauf; dann begannen sie, herumzugehn und
-dabei zu murmeln. Während aber einige um das Faß herumgingen und ihre
-Besprechungen vornahmen, machten die andern die Kisten und Kasten auf
-und nahmen alles, was sie wollten, im Zimmer sowohl, als auch in der
-Küche; und dann schlichen sie alle leise hinaus und liefen davon.
-
-Als es nun völlig still geworden war, rief Nasreddin, sie sollten das
-Faß aufheben und ihn herauslassen; aber vergebens: es meldete sich
-niemand. Und seine ganze Stärke nutzte ihm nichts; er mußte warten,
-bis jemand nach Hause kommen werde. Erst in der Dämmerung kamen die
-Frau und die andern heim, und sie hatten eine schwere Mühe, daß sie die
-Steine vom Fasse herunterbekamen; und sie erstaunten, wie gründlich das
-Haus durchstöbert und ausgeplündert worden war. Nasreddin war, als er
-aus seinem Kerker befreit wurde, schier ohnmächtig, weil er nicht Luft
-genug gehabt und den ganzen Tag nichts gegessen hatte.
-
-Im Gesichte war er, wie er gewesen war, und die schönsten Sachen waren
-gestohlen und weggetragen, und von den Zigeunerinnen war keine Spur und
-kein Laut. Jetzt sah er ein, daß er samt seiner Schlauheit der Gefoppte
-war.
-
-
-
-
-VIII.
-
-Serbische Überlieferungen
-
-
-456.
-
-Die Frau Nasreddins bekam einmal einen Anfall von Schüttelfrost, und da
-bat sie ihn, einen Arzt zu holen; er sprang sofort auf und ging. Als er
-aber schon im Flur war, rief ihm die Frau aus dem Fenster zu: »Es ist
-nicht mehr notwendig, den Arzt zu rufen; ich bin nicht mehr krank.«
-
-Der Hodscha ging jedoch trotzdem zu dem Arzte und sagte zu ihm: »Meine
-Frau ist krank geworden und hat mich gebeten, einen Arzt zu holen.
-Als ich dann schon im Flur war, hat sie mir zugerufen, daß sie keines
-Arztes mehr bedarf. Ich bin aber trotzdem gekommen, um dir zu sagen,
-daß du nicht mehr zu kommen brauchst.«
-
-
-457.
-
-Als die Frau des Hodschas Nasreddin gestorben war, konnte man ihm keine
-Trauer anmerken. Nach einiger Zeit verendete ihm aber ein Pferd, und
-das machte ihn so traurig, daß er längere Zeit nicht aus dem Hause ging.
-
-Da kamen die Leute zu ihm und fragten ihn, warum ihm um das Pferd
-mehr leid sei, als um die Frau, und er antwortete ihnen: »Als mir die
-Frau gestorben ist, sind die Nachbarn gekommen und haben mir Trost
-zugesprochen: ›Freund, mach dir nichts daraus, daß deine Frau tot ist;
-wir werden dir eine bessere und schönere finden‹, und was weiß ich
-noch. Seit mir aber mein Pferd fehlt, ist noch niemand gekommen, der
-mir gesagt hätte, er werde mir ein bessers Pferd verschaffen. Drum ist
-mir um mein Pferd mehr leid als um meine Frau.«
-
-
-458.
-
-Eines Tages wurde der Hodscha Nasreddin auf dem Wege von Räubern
-angefallen; sie nahmen ihm sein Pferd, seine Kleider und sein Geld und
-dann begannen sie ihn zu schlagen.
-
-»Warum schlagt ihr mich?« fragte sie Nasreddin; »ich habe wohl zu wenig
-Geld bei mir, oder ihr habt etwa zu lange auf mich warten müssen?«
-
-
-459.
-
-Einmal fiel Nasreddin in eine Kotlache und bemühte sich vergebens
-herauszukommen. Schließlich sprach er bei sich: »Ich werde da nie
-herauskommen können, wenn ich mich nicht bei den Haaren packe und mich
-herausziehe.«
-
-
-460.
-
-Eines Nachts wurde Nasreddin von seiner Frau aus dem tiefsten Schlafe
-geweckt, und sie sagte zu ihm: »Das Kind weint schon seit einer Stunde.
-Wiege es ein wenig; eine Hälfte des Kindes gehört doch dir.«
-
-»Meine Hälfte soll weiter weinen,« antwortete Nasreddin; »wiege du nur
-deine Hälfte.« Damit kehrte er sich zur Wand und schlief ein.
-
-
-461.
-
-Nasreddin begegnete einmal einem Freunde, den er schon lange nicht
-gesehn hatte, und der fragte ihn im Gespräche: »Wie gehts dir denn
-jetzt.«
-
-Nasreddin antwortete: »Nun, ganz gut; mein ganzes Geld steckt in
-Getreide, was ich an Getreide habe, steckt in Mehl, was ich an Mehl
-habe, steckt in Brot, und was ich an Brot habe, ist alles in meinem
-Bauche.«
-
-
-462.
-
-Als der Hodscha Nasreddin eines Tages in der Moschee auf die Kanzel
-stieg, richtete einer, in der Meinung, der Hodscha werde antworten
-können, eine Frage an ihn; aber Nasreddin antwortete ihm, daß er es
-nicht wisse. Darauf sagte der Fragesteller: »Wenn du das nicht weißt,
-warum bist du dann so hoch hinaufgestiegen?«
-
-Und Nasreddin gab ihm zur Antwort: »Ich bin so hoch hinaufgestiegen
-nach dem Maße dessen, was ich weiß; sollte ich aber nach dem
-hinaufsteigen, was ich nicht weiß, dann, Bruder, würde ich bis in den
-Himmel kommen.«
-
-
-463.
-
-Eines Nachts hatte der Hodscha einen wunderbaren Traum, und am Morgen
-ging er sofort zum Kadi. Auf dessen Frage, warum er gekommen sei,
-antwortete er: »Ich habe heute Nacht einen wunderbaren Traum gehabt.«
-
-»Ists möglich? ists möglich?« staunte der Kadi; »was hast du denn
-geträumt?«
-
-»Mir hat geträumt, daß du und ich unsere Häuser getauscht haben, und
-ich habe dir hundert Asper aufgezahlt. Da nun heute alles verkehrt zu
-verstehn ist, so bleibt mir mein Haus und dir das deine, und ich bitte
-dich, daß du mir die hundert Asper gibst.«
-
-
-464.
-
-Einmal pflanzte der Hodscha Zwiebeln, und da bespuckte er jede Knolle,
-bevor er sie in die Erde steckte. Als man ihn fragte, warum er das
-mache, antwortete er: »Nun, ich begieße sie, und das bekommen sie von
-mir mit; das übrige sollen sie vom Herrgott verlangen.«
-
-
-465.
-
-Der Hodscha ging einmal ins Dorf zu einem Freunde und saß bei ihm von
-Mittag bis Mitternacht; niemand kümmerte sich dort um ihn, und nicht
-das geringste wurde ihm angeboten. Da fing er zu gähnen an und setzte
-das so lange fort, bis ihn sein Freund fragte: »Hodscha, woher kommt
-das Gähnen?«
-
-»Es sind da zwei Ursachen,« antwortete Nasreddin: »die eine ist der
-Hunger, die andere ist die Schläfrigkeit; aber schläfrig bin ich nicht.«
-
-
-466.
-
-Der Hodscha wurde gefragt: »Was wünschst du deiner Frau?«
-
-»Wenn sie krank werden sollte, so gebe Gott, daß ich statt ihrer
-erkrankte; aber wenn die Zeit kommt, daß ich sterben soll, so gebe
-Gott, daß sie statt meiner sterbe.«
-
-
-467.
-
-Nasreddin hatte eine Tür inmitten des Feldes gebaut, so daß er sie von
-seinem Hause sehn konnte; den Schlüssel verwahrte er zu Hause. Seine
-Frau fragte ihn, was das für ein Schlüssel sei, und er sagte, was
-er gemacht hatte, und fuhr fort: »Ich habe diese Tür gebaut, um die
-ehrlichen Leute von den unehrlichen unterscheiden zu können; die guten
-werden von weitem herumgehn, die schlechten aber werden geradewegs auf
-die Tür zugehn.«
-
-Einige Tage später sah Nasreddin, daß neun Leute feldein auf die Tür
-zuschritten. Er ging sofort zu ihnen und fragte sie: »Wohin, Leute?«
-
-»Wir haben Geschäfte,« antworteten sie; »was gehts dich übrigens an,
-daß du es wissen mußt?«
-
-»Ihr seid Diebe und geht stehlen,« antwortete ihnen Nasreddin. »Nehmt
-mich auf in euere Gesellschaft; sonst werde ich euch als Diebe angeben.«
-
-Nun waren die Leute wirklich Diebe, und sie waren sehr erstaunt,
-daß der Hodscha die Wahrheit erraten hatte; sie sagten zu ihm: »Es
-ist so; wir sehn, du weißt, was die Leute denken und womit sie sich
-beschäftigen. Komm also mit uns, wir wollen unser zehn sein.«
-
-Als sie ins nächste Dorf kamen, sahen sie eine Hirtin mit ihrer
-Schafherde; sie schlichen sich näher heran und Nasreddin sagte zu
-seinen Gesellen: »Geht ihr ein bißchen in den Wald und ich will zu
-diesem Mädchen gehn und ihr einige hübsche Geschichten erzählen; und
-wenn ich ihr mit dem Finger die Sonne zeige, so kommt rasch hervor und
-treibt die Schafe weg.«
-
-Gesagt, getan. Als Nasreddin sah, daß die Diebe zehn Schafe
-weggetrieben hatten, sagte er zu der Hirtin: »Gott befohlen, Kind; ich
-muß zu meinen Gesellen eilen.«
-
-Er holte sie erst in der Nähe seines Hauses ein, und seine erste Frage
-war: »Wie werden wir jetzt diese zehn Schafe verteilen?«
-
-»Herr,« sagten die Diebe, »du bist der älteste von uns und der
-gescheiteste und der gerechteste; und wie du sie verteilst, werden wir
-zufrieden sein.«
-
-»Wenn es so ist,« sagte Nasreddin, »so mag Gott helfen. Wir sind unser
-zehn, und Schafe sind auch zehn; ihr seid euer neun. Nehmt ihr ein
-Schaf, so werdet ihr euer zehn sein; ich werde die andern neun nehmen,
-und so werden wir auch zehn sein.«
-
-Da sagte einer von den Dieben: »Du Kerl von einem Hodscha, das ist
-nicht gerecht.« »Wenn es euch nicht recht ist,« antwortete Nasreddin,
-»so verklagt mich beim Kadi; ich werde ihm den ganzen Hergang erzählen,
-und er soll nach dem kaiserlichen Gesetze und dem göttlichen Rechte
-erkennen.«
-
-
-468.
-
-Einmal machte der Hodscha Nasreddin im Monat Ramasan in einem Dorfe
-den Vorbeter; als der Ramasan zu Ende war, zahlten ihn die Bauern
-gut und er kehrte nach Hause zurück. Unterwegs begegnete er einem
-Räuber zu Pferde und der sagte zu ihm: »Eh, Hodscha, du hast viel Geld
-zusammengebracht. Teil es mit mir; für dich ist es zu viel.«
-
-Nasreddin begann ihn zu bitten, er möge ihn ruhig ziehen lassen, aber
-es half ihm nichts. Während nun der Räuber vom Pferde stieg, bückte
-sich der Hodscha rasch, nahm einen Stein und wickelte ihn in sein Tuch;
-dann sagte er: »Wenn es denn nicht anders geht, da ist das Geld. Aber
-du mußt wissen, daß mir darum so leid ist, daß ich nicht imstande bin,
-dirs mit der eigenen Hand zu geben; ich werde es auf die Wiese dort
-werfen und werde weggehn, und du gehst hin und nimmst es.«
-
-Der Räuber war einverstanden, und Nasreddin warf den eingewickelten
-Stein weit von sich. Voller Habgier lief der Räuber hin, ohne auf
-Nasreddin zu achten; der aber stieg auf das Pferd und ritt davon.
-
-
-469.
-
-Einmal wurde Nasreddin von einem, dem er zweihundert Groschen schuldig
-war, geklagt, weil er nichts zahlte. Als ihn der Kadi fragte, ob er
-ihm das Geld schuldig sei und warum er ihn nicht zahle, antwortete
-Nasreddin: »Es ist wahr, ich bin ihm zweihundert Groschen schuldig;
-aber es sind schon mehr als vier Jahre her, daß ich ihn um drei Monate
-Frist gebeten habe, um das Geld aufzubringen. Er hat mir die Frist
-nicht bewilligt; wenn er mir aber keine Frist geben will, wie soll ich
-das Geld zusammenbringen?«
-
-
-470.
-
-Nasreddin stand einmal um Mitternacht auf, ging vors Haus und begann zu
-krähen. Die Nachbarn, die das hörten, fragten ihn um den Grund, und er
-antwortete ihnen: »Ich habe heute viel Arbeit, und ich möchte gern, daß
-es früher Tag wird.«
-
-
-471.
-
-Der Hodscha wurde einmal gefragt, wie alt er sei, und er sagte:
-»Vierzig.« Als man ihn nach einigen Jahren wieder fragte, wie alt er
-sei, antwortete er wieder: »Vierzig.« Die Leute begannen zu lachen und
-sagten zu ihm: »Hast du uns nicht schon vor ein paar Jahren gesagt, du
-seist vierzig? und jetzt sagst du wieder vierzig.«
-
-»Begreift ihr denn nicht,« antwortete der Hodscha, »daß ein ehrlicher
-Mensch immer bei dem bleiben muß, was er gesagt hat? Wenn ich euch
-jetzt sage, daß ich einen Gott habe, wie kann ich denn dann ein paar
-Jahre später sagen, daß ich mehrere hätte?«
-
-
-472.
-
-Ein Bauer sagte eines Tages zu seinem Sohne, er solle heiraten. »Gut,«
-sagte der Sohn, »die Gelegenheit ist sowieso günstig; in unserm Dorfe
-ist ein Mädchen, ist eine Witwe und ist eine geschiedene Frau. Jetzt
-mußt du mir raten, welche ich nehmen soll.«
-
-»Ich kann dir da nicht raten,« antwortete ihm der Vater; »aber in der
-Stadt habe ich einen Freund, der wird dir raten.«
-
-Der Bursche ging in die Stadt; als er zu dem Freunde gekommen war,
-erzählte er ihm alles. Der jedoch antwortete ihm: »Ich kann dir auch
-nicht raten; aber hier in der Stadt lebt Nasreddin: such ihn auf, er
-wird dir raten.«
-
-Der Bursche suchte Nasreddin überall, ohne daß ihm jemand hätte sagen
-können, wo er ihn finden werde, bis er auf einmal eine Schar Kinder
-traf, die Pferdchen spielten; er fragte eines von den Kindern, wo
-Nasreddin sei, und dieses antwortete: »Ich bin es.« Da der Bursche
-sah, daß ihm nichts andres übrig blieb, erzählte er dem Knaben alles.
-Und dieser sagte zu ihm: »Wenn du das Mädchen nimmst, so weißt es du;
-wenn du die Witwe nimmst, so weiß es sie.« Als aber der Bursche die
-geschiedene Frau erwähnte, da schlug ihn der Knabe mit der Peitsche
-über die Beine und ging wieder Pferdchen spielen.
-
-Ärgerlich kehrte der Bursche zu dem Freunde seines Vaters zurück und
-sagte zu ihm: »Mein Vater hat mich nicht zu dir geschickt, damit du
-mich zu den Kindern schickst, sondern er hat mich zu dir geschickt,
-damit du mir rätst.« Und er erzählte ihm, was ihm Nasreddin gesagt
-hatte.
-
-»Nun, er hat dir gut geraten,« sagte darauf der Freund; »wenn du das
-Mädchen nimmst, wirst du ihr befehlen, und wenn du die Witwe nimmst, so
-wird sie dir befehlen. Und daß er dich mit der Peitsche über die Beine
-geschlagen hat, damit hat er sagen wollen: Vor einer Geschiedenen lauf
-wie vor dem Teufel!«
-
-
-473.
-
-Der Hodscha wollte sich eines Tages rasieren lassen, kam aber an einen
-ungeschickten Barbier, der ihn bei jedem Striche mit dem Messer ein
-wenig verletzte. Nasreddin litt arge Qualen: die Tränen rannen ihm
-übers Gesicht und aus seinen Augen sprühten Funken. Unterdessen hörte
-man draußen einen Lärm, und Nasreddin fragte den Barbier, was das für
-ein Lärm sei.
-
-Der Barbier schaute hinaus und sagte zu ihm: »In der Nähe ist ein
-Schmied und der beschlägt eben ein Pferd.«
-
-»Ach,« antwortete Nasreddin, »ich dachte, es wird einer rasiert.«
-
-
-474.
-
-Nasreddin hatte auf dem Markte einige Sachen gekauft und nahm einen
-Träger, der sie ihm nach Hause tragen sollte. Unterwegs verlor er den
-Träger; er suchte ihn den ganzen Tag, konnte ihn aber nicht finden.
-
-Als er nun nach zehn Tagen mit zwei Freunden über die Straße ging, kam
-ihnen der Träger entgegen. Kaum sah ihn Nasreddin, so lief er in eine
-Nebenstraße; seine Freunde liefen ihm nach und riefen ihm zu: »Warum
-läufst du? Hier kommt doch der Träger, dem du neulich deine Sachen
-übergeben hast; er muß ja vor dir laufen, und nicht du vor ihm.«
-
-Nasreddin antwortete: »Ich laufe vor ihm weg, weil er von mir den Lohn
-verlangen kann, daß er meine Sachen zehn Tage lang herumgetragen hat,
-und das würde mehr ausmachen, als alles zusammen wert ist. Dann wäre ja
-die Suppe teuerer als die Schüssel.«
-
-
-475.
-
-Der Hodscha hatte einen bösen Nachbar, mit dem er Haus an Haus unter
-einunddemselben Dache wohnte. Da er mit ihm immer im Streite lebte,
-gedachte er ihms einmal heimzuzahlen; er zündete sein Haus an, damit so
-auch das des Nachbars verbrenne, und lief aus der Stadt, damit nicht
-der Verdacht auf ihn falle.
-
-Als dann beide Häuser brannten, sammelte sich eine große Volksmenge an;
-aber anstatt das Feuer zu löschen, schleppten sie aus beiden Häusern
-fort, was jeder tragen konnte. Die Leute sagten es Nasreddin, daß sein
-Haus brenne, er jedoch antwortete kaltblütig: »Schade, daß ich nicht zu
-Hause war; ich hätte auch etwas packen können. Weil ich aber nun beim
-Stehlen nicht dabei sein konnte, will ich mich jetzt wenigstens etwas
-wärmen hingehn.«
-
-
-476.
-
-Einmal kam Nasreddin zu einem Freunde auf dem Dorfe, um bei ihm zu
-übernachten, und er war sehr hungrig. Der Freund war sehr arm, und an
-Speisen war nichts vorhanden als ein gesottener Kürbis, der gerade vom
-Feuer weggenommen worden war. Nasreddin sagte: »Gebt her, was da ist;
-ich falle vor Hunger um.«
-
-Man legte den Kürbis auf einen Teller und setzte ihm ihn vor: Nasreddin
-langte zu und steckte eine Handvoll in den Mund; aber der Kürbis war so
-heiß, daß er ihm Zunge und Mund verbrannte, und Nasreddin mußte alles
-ausspucken. Nun fragte er: »Was ist das, um Gotteswillen?« und sie
-antworteten ihm: »Das ist Kürbis, Herr.«
-
-Am nächsten Morgen zog Nasreddin weiter. Unterwegs sah er an einem
-Zaune etliche Kürbisse hängen, und fragte seinen Führer: »Was ist das?«
-»Kürbis, Herr,« antwortete der Führer.
-
-Da hielt Nasreddin sein Pferd an, blies auf die Kürbisse, was er nur
-konnte, und sagte: »Pfui, Gott vernichte dich, du Unglückszeug!«
-
-
-477.
-
-Der Hodscha Nasreddin unterwies stets seine Schüler, wie sie sich gegen
-ältere Leute zu benehmen hätten, und lehrte sie unter anderm, daß sie,
-wenn einer niese, in die Hände klatschen und »Zum Wohlsein« sagen
-sollten. Die Schüler gehorchten ihm und taten immer so, wann er oder
-ein anderer älterer nieste.
-
-Eines Tages fiel nun Nasreddin unglücklicherweise in einen Brunnen und
-begann um Hilfe zu schreien. Die Schüler kamen schnell hinzugelaufen
-und ließen ein Seil hinab; er packte das Seil und sie zogen ihn herauf.
-Schon hätten sie nur noch einen Ruck zu tun gehabt, daß der Hodscha
-seiner schlimmen Lage ledig gewesen wäre, da nieste er, naß und
-erkältet, wie er war. Sie ließen das Seil los, klatschten in die Hände
-und riefen, wie aus einem Munde: »Zum Wohlsein!«
-
-Und der arme Hodscha plumpste wieder in den Brunnen hinunter.
-
-
-478.
-
-Der Hodscha wurde gefragt: »Wann wird das Gebären und Sterben aufhören?«
-
-Er antwortete: »Wenn Paradies und Hölle voll sein werden.«
-
-
-479.
-
-Im Schreiben war der Hodscha nie recht geschickt gewesen. Er las und
-schrieb zwar ein wenig, aber was er wußte, hatte er nicht aus dem
-Buche, sondern das machte seine natürliche Begabung; und es war auch
-eine Zeit, wo er gar nichts geschriebenes lesen konnte, weil er es erst
-lernte. Gerade damals brachten ihm nun die Bauern einen Bescheid des
-Kadis, damit er ihnen vorlese, was drinnen stehe. Er nahm den Bescheid
-und betrachtete ihn lange; da er aber seine Unwissenheit vor den Bauern
-nicht eingestehn wollte, so sagte er: »Also seht einmal, Leute, was
-euch der Kadi schreibt. Diese langen Buchstaben sagen, daß ihr ihm Heu
-bringen sollt, und diese runden sprechen von Eiern. Da ihr demnach
-wißt, was der Kadi schreibt, so bringt ihm Heu und einige Hundert Eier.«
-
-Die Bauern taten dies, und der Kadi nahm alles und schwieg.
-
-Wieder brachten die Bauern dem Hodscha einen Bescheid des Kadis und
-baten ihn, ihn ihnen vorzulesen. Er nahm die Schrift und sagte zu
-ihnen, als er die langen und die runden Buchstaben gesehn hatte:
-»Bringt dem Kadi Holz und viel weiße Zwiebeln.«
-
-Die Bauern brachten auch das, und der Kadi war zufrieden. Er nahm
-alles und fragte sie: »Wer hat euch denn den Bescheid vorgelesen?« Und
-sie sagten, daß es der Hodscha Nasreddin gewesen sei.
-
-Der Kadi ließ den Hodscha rufen und fragte ihn: »Verstehst du denn
-etwas von der Schrift?«
-
-»Nein, ehrenwerter Kadi,« antwortete der Hodscha.
-
-»O ja,« sagte wieder der Kadi, »du verstehst dich besser darauf als ich
-selber, da du so schön lesen kannst.«
-
-
-480.
-
-Einmal hatte der Hodscha sein Haus ausgebessert, und es blieb ihm vor
-dem Hause ein Haufen Erde liegen. Als er nun von den Nachbarn gefragt
-wurde, wohin er diese Erde schaffen werde, antwortete er: »Nichts
-leichter als das; ich werde eine Grube machen und sie hineinwerfen.«
-
-»Und was wirst du denn mit der Erde aus dieser Grube tun?«
-
-»Ach, an eine so ferne Zukunft denke ich überhaupt nicht.«
-
-
-481.
-
-Einmal ging Nasreddin nach Skutari. In der Nähe der Stadt sah er
-etliche Kinder, die miteinander spielten. Er trat zu ihnen und sie
-sammelten sich um ihn und fragten ihn: »Wohin, Herr?«
-
-»In die Stadt da,« antwortete Nasreddin. »Aber wißt ihr, Kinder, sagt
-mir, was ich auf dem Markte kaufen soll, daß ich satt werde und dabei
-mein Geld behalte?«
-
-Die Kinder antworteten ihm: »Da mußt du, Herr, ins Schlachthaus gehn,
-und dort kaufst du Ochsengedärm: das, was drinnen ist, ißt du und dann
-wäschst du die Därme gut aus und verkaufst sie. So kannst du dich
-ordentlich satt essen und bekommst noch Geld heraus.«
-
-Als der Hodscha hörte, was die Kinder sagten, dachte er: Wahrhaftig,
-mir blüht in Skutari kein Weizen; wenn schon die Kinder so sind, wie
-werden erst die Erwachsenen sein! Es ist besser, ich mache mich davon.
-
-Und damit ging er.
-
-
-482.
-
-Einmal kam ein Türke zum Hodscha Nasreddin und bat ihn, ihm einen Brief
-zu schreiben; er wolle ihm gerne zahlen, was man gewöhnlich für einen
-Brief bezahle. Der Hodscha sagte: »Wem willst du den Brief schreiben
-lassen und wohin?«
-
-»Meinem Sohne in Stambul,« antwortete der Türke.
-
-Nasreddin fragte wieder: »Und welchen Preis soll ich dir für den Brief
-machen? ich habe nämlich drei Preise: billig, teuer und noch teuerer.«
-
-»Du weißt, Hodscha, daß ich ein armer Mann bin; ich kann nicht viel
-zahlen: mach mir also den billigsten Preis, der überhaupt möglich ist.«
-
-»Also, Freund,« antwortete Nasreddin, »der billigste ist, wenn ich dir
-den Brief schreibe und du ihn nach Stambul trägst und dann deinem Sohne
-sagst, was du ihm geschrieben hast. Den teuerern Brief, wenn ich den
-geschrieben habe und wenn er trocken ist, den kann ich selber nicht
-lesen. Am teuersten aber ist es, wenn ich den Brief schreibe und ihn
-selbst nach Stambul trage und ihn dort vorlese; denn meine Schrift
-kann außer mir niemand lesen, nicht einmal die Stambuler Gelehrten
-alle miteinander samt dem Scheich ul Islam.«
-
-
-483.
-
-Der Hodscha war mit dem Kadi befreundet und ging ihn öfter besuchen, um
-mit ihm zu plaudern. Eines Tages ritt er wieder ins Gerichtshaus; das
-Pferd band er vor dem Hause an und er ging zum Kadi hinein.
-
-Während er beim Kadi saß und mit ihm sprach, wurde ein Mensch
-vorgeführt, und der wurde überwiesen, daß er ein falsches Zeugnis
-abgelegt hatte. Zu jener Zeit war für solche Verbrecher als Strafe
-festgesetzt, daß sie verkehrt auf einem Pferde sitzend durch die ganze
-Stadt geführt wurden. Da nun gerade das Pferd Nasreddins da war, wurde
-diese Strafe auf seinem Pferde vollzogen.
-
-Ein paar Tage später wurde der Mensch wieder wegen eines falschen
-Zeugnisses ergriffen und mußte wieder zu Pferde durch die Stadt geführt
-werden. Und da sie bei Gericht kein Pferd zur Hand hatten, liefen sie
-zum Hodscha und verlangten sein Pferd.
-
-Aber er antwortete ihnen: »Ich gebe mein Pferd nicht her; sagt lieber
-dem Kerl, er soll entweder dieses Handwerk aufgeben oder sich selber
-ein Pferd kaufen, damit er darauf reiten kann, wenn er etwas anstellt.«
-
-
-484.
-
-Der Hodscha trug einmal Getreide in die Mühle, und seine Frau hatte ihm
-den Sack mit dem Getreide zugebunden. Unterwegs ging der Sack auf, und
-er mußte ihn bis zur Mühle zehnmal neu zubinden.
-
-Als er nach Hause zurückkam, machte er seine Frau tüchtig herunter
-und sagte zu ihr: »Wie hast du denn den Sack zugebunden? ich habe
-vielleicht zehnmal stehn bleiben müssen, um ihn zuzubinden.«
-
-
-485.
-
-Eines Tages pflanzte der Hodscha Weinreben; ein Spaßvogel, der
-vorüberging, grüßte ihn: »Guten Morgen, Hodscha! Bist du schon müde?«
-
-»Gott segne dich!« antwortete der Hodscha; »ich bin noch nicht müde.«
-
-»Was machst du denn da?«
-
-»Weinreben pflanze ich; siehst du das nicht?«
-
-»Aber wann wirst du von ihnen Trauben bekommen?«
-
-»Wenn Gott das Glück gibt, in drei Jahren.«
-
-»Ja, warum pflanzst du sie denn dann jetzt, warum nicht erst im dritten
-Jahre? Bist du denn verrückt?« Mit diesen Worten ging der andere weg
-und Nasreddin setzte sich nieder und begann zu überlegen: Es ist wahr:
-er ist ein gescheiter Mensch; er hat recht mit dem, was er sagt. Damit
-warf er den Karst über die Schulter und machte sich auf den Heimweg.
-
-Als seine Frau sah, daß der Hodscha so rasch wieder nach Hause kam,
-fragte sie ihn: »Was gibts denn? warum kommst du so bald schon zurück?«
-
-Und er erzählte ihr, wie es war, und fuhr fort: »Segen über ihn, über
-diesen klugen Mann! ich hätte mich meiner Seele nicht darauf besonnen,
-daß es eine richtige Dummheit ist, heuer Weinstöcke zu pflanzen und
-erst nach drei Jahren Trauben zu verkosten!«
-
-
-486.
-
-Der Hodscha war bei regnerischem Wetter über Land gewesen. Als er
-heimkam, zog ihm seine Frau die Schuhe aus und hängte sie zum Feuer,
-damit sie trocken würden; er aber stand auf und sagte: »Bist du dumm!
-Warum tust du die Schuhe zum Feuer, damit sie verbrennen? Trag sie
-lieber vors Haus in den Mondschein; es ist ja draußen wie bei Tage.«
-
-Die Frau gehorchte ihm und hängte die Schuhe vors Haus. Als sie sie
-dann am Morgen hereinholte, und als er bemerkte, daß sie von der
-Winterkälte und dem Winde steif geworden waren, sagte er: »Siehst
-du jetzt, um wie viel der Mond besser trocknet als das Feuer? ich
-verwundere mich auch gar nicht, daß er sie getrocknet, ja sogar
-geradezu ausgedörrt hat!«
-
-
-
-
-IX.
-
-Griechische Überlieferungen
-
-
-487.
-
-Eines Tages nahm der Hodscha Nasreddin seinen Esel beim Zaume und
-zog ihn so hinter sich her. Einige Gassenjungen, die das sahen,
-beschlossen, den Esel zu stehlen, ohne daß der Hodscha etwas davon
-merkte, und einer von ihnen sagte zu seinen Kameraden: »Ich will die
-Sache durchführen; ihr müßt aber mit dem Esel sofort, wann ihr ihn
-habt, auf den Markt gehn und ihn verkaufen.« Und so liefen sie dem
-Hodscha nach.
-
-Nach einem kleinen Stück Weges nahm der Knabe dem Esel den Zaum ab,
-legte sich ihn selber um und lief so, mit dem Zaume um den Kopf, hinter
-dem Hodscha her; unterdessen nahmen die andern den Esel und brachten
-ihn auf den Markt, um ihn zu verkaufen.
-
-Nach einer Weile sah sich der Hodscha um, und da sah er, daß er anstatt
-eines Esels einen Menschen angehalftert führte. »Wer bist du?« fragte
-er ihn. »Ich bin dein Esel,« sagte der Gassenjunge, »und bevor ich ein
-Esel geworden bin, war ich ein Mensch; weil ich aber eines Tages meinen
-Eltern Kummer bereitet habe, haben sie mich verflucht und ich bin ein
-Esel geworden. Zuerst hat man mich an einen Bäcker verkauft, dann an
-einen Gärtner, und zum Schlusse habt Ihr mich gekauft. Eben jetzt, als
-Ihr mich hinter Euch herzogt, haben mich meine Eltern auf der Straße
-gesehn; sie hatten Mitleid mit mir und baten Gott und, siehe da, auf
-einmal bin ich wieder ein Mensch geworden!«
-
-Verdutzt griff der Hodscha in seinen Bart und sagte nach einer kurzen
-Überlegung: »Was du da sagst, ist ja nicht unglaublich, wenn es auch
-nicht gerade mich hätte treffen müssen. Geh also, mein Kind, und
-betrübe deine Eltern künftighin nicht mehr.« Und damit entließ er ihn.
-
-Da er aber ohne Esel nicht sein konnte, ging er auf den Markt, um einen
-zu kaufen. Dort sah er nun den seinigen, wie er von dem Ausrufer zum
-Verkaufe herumgeführt wurde; er trat leise an ihn heran und sagte ihm
-ins Ohr: »Du bist wieder ein Esel geworden, hast also deine Eltern
-wieder erzürnt. Vorwärts also, komm wieder in meinen Stall; du bist
-nicht danach, daß du wieder ein Mensch würdest.« Und völlig überzeugt,
-daß der Esel der seinige sei, nahm er ihn wieder zurück.
-
-
-488.
-
-Der Hodscha wollte seinen Esel verkaufen; er führte ihn hinaus und
-übergab ihn dem Ausrufer. Der beschrieb, indem er ihn herumführte,
-seine Vorzüge, daß er brav, jung, kräftig, schnell usw. sei. Die
-Käufer, die das hörten, überboten einander; da nun aber auch der
-Hodscha glaubte, sein Esel habe diese Vorzüge tatsächlich, wollte
-er nicht, daß er in fremde Hände komme, und begann auch selber
-mitzubieten. Und so blieb ihm schließlich der Esel; er nahm ihn also
-und führte ihn wieder nach Hause und erzählte die ganze Geschichte
-seiner Frau.
-
-Die hatte an eben diesem Tage Lust nach Schlagsahne gehabt und hatte,
-während ihr der Milchhändler die Sahne zuwog, verstohlen und ohne daß
-er es bemerkt hätte, ihre goldenen Armbänder von den Händen gezogen und
-sie in die Wagschale zu den Gewichten geworfen, um den Milchhändler
-zu betrügen und mehr Sahne zu erhalten. Das mußte sie dem Hodscha
-erzählen und der sagte nun zu ihr: »Sehr gut, Frau; so wollen wir denn
-fortan alle beide unser Hauswesen fördern: ich draußen und du daheim.«
-
-
-489.
-
-Der Hodscha ging einmal in ein Bad. Die Wärter gaben ihm ein altes
-Badetuch[11] und ein beschmutztes baumwollenes Reibzeug[12] und
-behandelten ihn nicht so, wie es sich gehört hätte. Der Hodscha sagte
-nichts, hinterließ aber, als er aus dem Bade wegging, auf dem Spiegel
-zehn Asper, einen Betrag, den damals nur sehr reiche Leute geben
-konnten, und darüber waren die Wärter sehr erstaunt.
-
-Nach einer Woche ging er wieder in dasselbe Bad, und nun setzten die
-Wärter eine Ehre darein, ihm alle Aufmerksamkeit und Hochachtung zu
-erzeigen. Der Hodscha sagte wieder nichts, hinterließ aber beim Weggehn
-nur einen Asper auf dem Spiegel. Wieder wunderten sich die Wärter, und
-sie sagten zu ihm: »Was ist das?«
-
-Er antwortete ihnen: »Dieser eine Asper ist die Bezahlung für das
-Bad in der vergangenen Woche; die zehn Asper, die ich euch in der
-vergangenen Woche gegeben habe, sind die Bezahlung für das heutige.«
-
-
-490.
-
-Der Hodscha kaufte einmal auf dem Markte Gemüse und warf es in seinen
-Sack; dann bestieg er seinen Esel, um heimzukehren, und nahm den Sack
-auf seine Schultern. Unterwegs begegnete ihm einer und der fragte ihn,
-warum er den Sack nicht dem Esel auflege, sondern ihn selber trage.
-
-Er antwortete: »Damit das arme Tier nicht gar zu müde wird.«
-
-
-491.
-
-Einer gab dem Hodscha ein Hemd, damit er es auf dem Markte verkaufe.
-Das Hemd war aber gestohlen, und das wußte der Hodscha. Auf dem Markte
-wurde nun in der großen Menge dem Hodscha das Hemd gestohlen.
-
-Als er zurückkam fragte ihn der, der ihm das Hemd gegeben hatte, um wie
-viel er es verkauft habe, und der Hodscha antwortete: »Der Markt war
-heute sehr flau, und darum habe ich es um deinen Preis verkauft, um so
-viel nämlich, wie du dafür gezahlt hast.«
-
-
-492.
-
-Der Hodscha brachte seinen Esel auf den Markt und übergab ihn dem
-Ausrufer. Es kam ein Käufer, und der wollte die Zähne des Esels
-betrachten, um sich über sein Alter zu unterrichten; aber der Esel biß
-ihn. Es kam ein anderer Käufer, und der hob ihm den Schwanz auf; aber
-der Esel schlug aus. Nun sagte der Ausrufer zum Hodscha: »Deinen Esel
-da kauft niemand; denn wer von vorn an ihn herantritt, den beißt er,
-und wer von hinten kommt, den schlägt er.«
-
-»Das ist es ja,« antwortete der Hodscha; »ich habe ihn auch nicht
-hergebracht, um ihn zu verkaufen, sondern damit die Welt sieht, was ich
-die Zeit her von ihm zu leiden gehabt habe.«
-
-
-493.
-
-Einmal zankte sich der Hodscha in der Nacht mit seiner Frau,
-und die gab ihm in ihrer Wut einen Fußtritt, daß er die Treppe
-hinunterkollerte. Als es Tag geworden war, fragten die Nachbarn, die
-diesen Lärm gehört hatten, den Hodscha, was geschehn sei, und er
-antwortete, daß er mit seiner Frau einen Streit gehabt habe.
-
-»Sehr gut,« antworteten sie, »aber was war das für ein Lärm?«
-
-»Bei dem Streite«, sagte er, »ist meine Frau sehr zornig geworden,
-und da hat sie meinen Kaftan mit einem Fußtritte über die Treppe
-hinabgestoßen.«
-
-Als sie ihm aber vorhielten, daß ein Kaftan, wenn er hinuntergestoßen
-werde, nicht imstande sei, einen solchen Lärm zu verursachen, sagte er:
-»Ach, warum nötigt ihr mich so? begreift ihr denn nicht, daß in dem
-Kaftan ich gesteckt habe?«
-
-
-494.
-
-Ein Freund ersuchte den Hodscha um ein wenig Geld und um etwas Frist.
-Der Hodscha antwortete: »Geld kann ich dir nicht geben, aber Frist gebe
-ich dir, weil du mein Freund bist, soviel du willst.«
-
-
-495.
-
-Eines Tages hatte der Hodscha seinen Esel verloren; als er ihn suchen
-lief, fragte er die Leute, ob sie ihn gesehn hätten, sagte aber dabei
-gleichzeitig: »Preis sei dem Herrn!«
-
-Man fragte ihn, warum er Gott preise, und er antwortete: »Ich preise
-den Herrn, weil ich nicht oben gesessen habe; denn hätte ich oben
-gesessen, so wären wir unfehlbar alle beide in Verlust geraten.«
-
-
-496.
-
-Der Hodscha hatte wieder einmal seinen Esel verloren; da ließ er den
-Ausrufer verkündigen: »Wer denundden Esel findet, der mag ihn als
-Finderlohn behalten samt Halfter und Sattel.«
-
-
-497.
-
-Einer sagte zum Hodscha: »Dort tragen sie eine Gans.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Was geht das mich an?«
-
-»Sie tragen sie zu dir ins Haus.«
-
-»Was geht das dich an?«
-
-
-498.
-
-Eines Tages kaufte der Hodscha eine Leber; als er sie nach Hause trug,
-begegnete ihm ein Freund, und der fragte ihn, wie er sie zubereiten
-werde. Der Hodscha antwortete, er werde sie so zubereiten, wie man das
-allgemein gewöhnlich tue. »Ach nein,« sagte der Freund, »es gibt eine
-andere Zubereitungsart, die werde ich dich lehren, und wenn du die
-Leber auf diese Weise zubereitest, so wirst du sehn, was das für ein
-Wohlgeschmack werden wird.«
-
-Darauf sagte der Hodscha: »Im Gedächtnis kann ich das nicht behalten;
-schreib mir deine Anweisung auf einen Zettel, und ich schaue dann auf
-das Geschriebene und koche danach.«
-
-Wie nun der Hodscha mit neugieriger Lüsternheit heimging, riß ihm
-ein Falke die Leber aus der Hand und stieg damit in die Höhe. Ohne
-irgendwie ärgerlich zu werden, zeigte ihm der Hodscha das Rezept
-seines Freundes und rief ihm zu: »Du bemühst dich umsonst, die Speise
-bringst du ja doch nicht fertig; die Leber hast du mir wohl genommen,
-den Zettel aber nicht.«
-
-
-499.
-
-Der Hodscha Nasreddin hatte, wenn er einen Schüler wegschicken wollte,
-damit er den Krug beim Brunnen fülle, die Gewohnheit, den Schüler
-zuerst zu prügeln und ihm erst dann den Krug einzuhändigen. Da fragte
-ihn einmal einer seiner Freunde: »Warum prügelst du eigentlich den
-Schüler, wann du ihm den Krug gibst?«
-
-Nasreddin antwortete ihm: »Damit er achtgibt, daß er ihn nicht
-zerbricht; denn wann er einmal zerbrochen ist, dann ist es unnütz, ihn
-zu prügeln.«
-
-
-500.
-
-In der Zeit, wo der Hodscha Nasreddin sein Feld bearbeitete, ging er
-jeden Morgen hin, zeigte es dem Himmel und sagte: »Herr, dies ist das
-Feld deines Dieners; ich bitte dich, begieße es ordentlich, damit es
-Frucht trage.« Damit fuhr er eine lange Zeit fort, bis eines Nachts ein
-Platzregen fiel; und da sagte er: »Auf meinem Felde werden jetzt Ähren
-wachsen, so groß wie ich.«
-
-Nachdem er am Morgen in heller Freude aufgestanden war, ging er sein
-Feld besuchen; als er aber hinkam, erkannte er nicht einmal den Ort
-mehr. Sein Feld war nämlich an einem Gießbache gelegen, und den hatten
-die von oben kommenden Wassermassen so überschwemmt und so anschwellen
-lassen, daß Nasreddin nicht mehr wußte, wo sein Feld war. Als er sah,
-in was für einem Zustande es war, erhob er Augen und Hände zum Himmel
-und sagte: »Du bist nicht daran schuld, Herr; schuld daran bin ich
-Dummkopf, weil ich dir mein Feld gezeigt habe.«
-
-
-501.
-
-Eines Nachts beklettelte sich der Hodscha Nasreddin im Schlafe; als
-er dann am Morgen beim Erwachen sah, in was für einer Verfassung er
-war, sagte er zu seiner Frau, weil er sich vor ihr schämte: »Ach Weib,
-heute Nacht habe ich einen entsetzlichen Traum gehabt, so daß ich noch
-immer zittere. Da waren drei Minarete, eines auf dem andern, und in der
-Spitze des dritten steckte eine Nadel, und auf der Nadel war ein Tisch,
-und auf dem Tische saß ich, und ich habe wohl geschrien, weil sich der
-Tisch so bewegte, daß, wenn er gefallen wäre, auch ich mit ihm gefallen
-wäre, und ich hätte mich zum mindesten in tausend Stücke zerschlagen.«
-
-Seine Frau sagte: »Wenn ich einen solchen Traum gehabt hätte, ich hätte
-mich sicher vor Angst beklettelt.«
-
-Nun sagte Nasreddin: »Auch mir ist es so ergangen; aber behalte es bei
-dir und sag niemand etwas.«
-
-
-502.
-
-Ein Bauer, der seinen Esel verloren hatte, bat den Hodscha Nasreddin,
-in der Moschee zu verkündigen, daß ihn der Finder seinem Herrn
-zurückgeben solle. Als das allgemeine Gebet vorüber war, sagte
-Nasreddin: »Muselmanen, wer von euch sein ganzes Leben lang keinen
-Kaffee und keinen Schnaps getrunken hat, wer nie geraucht hat, wer nie
-Karten, Brett oder Dame gespielt hat, wer nie die Geselligkeit gesucht
-hat, der trete vor, damit ich ihn sehe.«
-
-Alle, die in der Moschee anwesend waren, dachten, daß keiner
-dasei, wie ihn der Hodscha beschrieben habe, und daß sich niemand
-unterstehn werde, vorzutreten; aber es trat doch einer vor, und der
-sagte zum Hodscha: »Ich habe Zeit meines Lebens weder Wein, noch
-Kaffee getrunken, habe keinerlei Spiel gespielt und war nie in einer
-Gesellschaft.«
-
-Da drehte sich der Hodscha um und rief: »Wo ist denn der, der den Esel
-verloren hat? Schau, da ist einer, den nimm; einen größern Esel als den
-wirst du nie finden.«
-
-
-503.
-
-Einmal kam ein Woiwode bei dem Dorfe des Hodschas Nasreddin vorbei; und
-die Einwohner schickten Nasreddin als ihren Gesandten zu ihm, damit er
-ihm die Huldigung aller Bauern darbringe. Als der Woiwode Wuchs und
-Gestalt Nasreddins sah, sagte er zu ihm: »Hat sich denn kein Mensch
-gefunden, den die Bauern hätten zu mir schicken können, daß sie mir
-dich geschickt haben?«
-
-Unverzüglich antwortete Nasreddin: »Die Menschen, Herr, schicken sie zu
-den Menschen; mich haben sie zu dir geschickt.«
-
-
-504.
-
-Einer von seinen Freunden fragte den Hodscha Nasreddin: »Wie gehts dir
-mit deiner Armut?«
-
-»Sehr gut,« antwortete der Hodscha.
-
-Und der Freund fragte weiter: »Wie kann es denn einem Armen gut gehn?«
-
-Nasreddin antwortete: »Ich habe mich daran gewöhnt, mein Freund; darum
-gehts mir gut.«
-
-
-505.
-
-Einmal baute der Hodscha einen Backofen. Als den seine Nachbarn
-besichtigten, sagte der eine, die Tür hätte nach Osten gehört, der
-andere nach Westen, wieder einer nach Süden, und kein einziger war mit
-dem Erzeugnis Nasreddins einverstanden.
-
-Geärgert darüber riß Nasreddin den Ofen nieder und baute ihn nun auf
-einen Wagen. Die Nachbarn kamen wieder zur Besichtigung und begannen
-auch wieder zu tadeln, daß die Tür nicht die richtige Lage habe; aber
-als der erste sagte: »Die Tür sollte hier sein«, antwortete Nasreddin:
-»Wartet«, und drehte den Wagen, bis die Tür dort war, wo dieser Nachbar
-gesagt hatte. Und als ein anderer sagte: »Die Tür müßte dort sein«,
-drehte er sofort wieder den Wagen, und so tat er allen seinen Nachbarn
-Genüge.
-
-Und er sagte: »Einen bessern Weg, so vielen Leuten und mir selber den
-Willen zu tun, habe ich nicht gefunden.«
-
-
-506.
-
-Der Hodscha kaute Mastix[13]. Als er dann zu Tische ging, nahm er das
-Stück Mastix aus dem Munde und klebte es auf die Nasenspitze. Einer von
-seinen Freunden fragte ihn: »Warum tust du das?«
-
-Er antwortete: »Es ist ganz gut, wenn man das, was einem gehört, vor
-Augen hat.«
-
-
-507.
-
-Etliche Leute fragten den Hodscha Nasreddin: »Hast du deine Schuld
-bezahlt?«
-
-Er antwortete: »Bezahlt nicht, aber leichter gemacht habe ich sie mir.«
-
-»Und wie«, sagten sie, »hast du sie dir leichter gemacht, ohne sie zu
-bezahlen?«
-
-Nasreddin antwortete: »Ich habe sie verjähren lassen.«
-
-
-508.
-
-Der Hodscha Nasreddin war einigen Freunden Geld schuldig, und denen
-sagte er immer, daß er sie am Sonntage bezahlen werde; auf diese
-Weise drückte er sich um die Bezahlung. Eines Tages kamen nun mehrere
-Gläubiger zu ihm und fragten seine Frau, wie er sie bezahlen wolle.
-Sie antwortete ihnen, der Hodscha habe am Tage vorher genügend viel
-Distelsamen gekauft, den werde er auf dem Felde aussäen, die Disteln,
-die davon wüchsen, die würden sie auf die Straße streuen, wo die
-Tiere mit den Baumwollelasten vorüberkämen, und aus dem Erlöse für
-die Baumwolle, die an den Disteln hängen bleiben werde, würden alle
-Gläubiger bezahlt werden.
-
-Über diese Antwort der Frau lachten alle übermäßig, aber sie entgegnete
-darauf und sagte zu ihnen: »Jetzt lacht ihr freilich, weil ihr die
-Sicherheit habt, bezahlt zu werden.«
-
-
-509.
-
-Drei Männer, die ein Säckchen mit Nüssen gefunden hatten, kamen zu
-Nasreddin und baten ihn, die Nüsse nach Gottes Weise unter sie zu
-teilen. Nasreddin öffnete den Sack und gab dem einen ein paar Nüsse,
-dem andern etliche mehr und dem dritten alles, was der Sack noch
-enthielt.
-
-Daraufhin sagten die drei zu ihm: »Du hast nicht ordentlich geteilt,
-Hodscha.«
-
-Aber der Hodscha antwortete ihnen: »So teilt Gott, ihr Dummköpfe! dem
-einen gibt er viel, dem andern gar nichts; hättet ihr mir gesagt, ich
-solle sie unter euch nach Menschenweise verteilen, so hätte ich die
-drei Teile gleich groß gemacht.«
-
-
-510.
-
-In der Absicht, bei seinem Nachbar etliche Zwiebeln zu stehlen, stieg
-Nasreddin auf das Dach und versuchte, durch das Rauchloch in das Haus
-des Nachbars hinabzusteigen. Nun hielt er einen Schatten, den das
-Mondlicht machte, für einen Balken und setzte unvorsichtigerweise den
-Fuß darauf; so stürzte er vom Rauchloche hinunter und fiel in den
-Herdwinkel des Nachbars, wobei er sich den Fuß garstig brach. Auf
-diesen Lärm erwachte der Nachbar und er rief seinem Weibe zu, sie solle
-rasch Licht machen, damit er den Dieb greife.
-
-Aber der Hodscha sagte zu ihm: »Beeile dich nicht, Nachbar; nach dem
-Sturze, den ich getan habe, wirst du mich nicht nur heute, sondern auch
-morgen hier haben.«
-
-
-511.
-
-Der Hodscha Nasreddin verkaufte die Gurken seines Gartens, und von dem
-dafür gelösten Gelde kaufte er einen Esel. Als er den nun einmal mit
-Holz beladen nach Hause trieb, glitt der Esel in einem Flusse, über
-den sie zu setzen hatten, aus, fiel nieder und ertrank. Ohne darüber
-auch nur im geringsten zornig zu werden, sagte der Hodscha: »Der aus
-dem Gurkengelde gekaufte Esel stirbt eben durchs Wasser.«
-
-
-512.
-
-Der Hodscha Nasreddin fragte seinen Sohn, ob er schon in seinem Leben
-eine süße Speise gegessen habe, und der Sohn antwortete mit Nein. Nun
-fragte ihn der Hodscha von neuem: »Was ist denn dann das, was du alle
-Tage ißt?« Der Junge antwortete: »Trockenes Brot.« Und Nasreddin sagte
-zu ihm: »Und glaubst du denn, daß es auf der Welt noch eine süßere
-Speise gibt als das trockene Brot?«
-
-
-513.
-
-Der Hodscha Nasreddin saß einmal in einem Garten, und da betrachtete
-er, wie schwach die Wurzeln der Kürbisse und Melonen seien im
-Gegensatze zu der Größe der Kürbisse und Melonen; und da er im Schatten
-eines Nußbaumes saß, fiel es ihm auf, daß umgekehrt der Nußbaum so groß
-und die Nüsse so klein seien. Und er sagte zu sich: »Eine merkwürdige
-Sache! Gott hat sich doch bei seiner Schöpfung wenig Mühe gemacht;
-sonst hätte er nicht die Kürbisse und Melonen, die nach ihrer Größe
-an großen Bäumen wachsen sollten, an kleinen Pflanzen geschaffen, die
-Nüsse aber, die ganz klein sind, umgekehrt an großen Bäumen.«
-
-Während er noch diesen Gedanken und Zweifeln nachhing, fiel plötzlich
-durch einen starken Windstoß eine Nuß mit Heftigkeit vom Baume und traf
-ihn an der Stirn; das verursachte ihm einen außerordentlichen Schmerz,
-und nun sagte er: »Ach, Gott hat schon gewußt, was er tat, und ich habe
-es schlecht bedacht; denn wäre die Nuß, die heruntergefallen ist und
-mich getroffen hat, ein Kürbis oder eine Melone gewesen, dann weh mir!
-sie hätte mir wahrhaftig den Kopf zertrümmert.«
-
-
-514.
-
-Eines Nachts ging der Hodscha Nasreddin aus, um in einem Laden zu
-stehlen, und nahm eine Feile mit. Er feilte gerade an dem Schlosse der
-Ladentür, als zufällig einer seiner Freunde daherkam; und der fragte
-ihn: »Was machst du da?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich spiele Geige.«
-
-Nun fragte ihn sein Freund: »Aber man hört ja keinen Klang von deiner
-Geige?«
-
-Nasreddin antwortete ihm: »Morgen wirst du schon den Klang hören.«
-
-Am Morgen hörte er dann, daß der Laden von demunddem in dieser Nacht
-ausgeraubt worden war.
-
-
-515.
-
-In dem Viertel, wo der Hodscha Nasreddin wohnte, war ein Backofen, und
-den besuchte der Hodscha manchmal gegen Mittag und zog den Wohlgeruch
-der verschiedenen Braten ein.
-
-Eines Morgens brachte nun der Mulazim[14] eine Gans und übergab sie dem
-Garkoch, damit sie zu Mittag fertig sei. Als sie gebraten war, nahm sie
-der Garkoch aus dem Ofen und legte sie zusammen mit den andern Speisen
-auf die
-
-Bank; und er wartete auf den Mulazim, um sie ihm zu übergeben. Um diese
-Stunde kam dort Nasreddin vorbei, der damals der Kadi des Dorfes war,
-und er blieb vor dem Backofen stehn, um die Speisen zu bewundern; aber
-mehr als alles andere schien die Gans seine Lust zu reizen, und er
-fragte den Garkoch, wem sie gehöre.
-
-»Dem Mulazim, Effendi,« antwortete der Garkoch.
-
-»Schick sie sofort zu mir,« befahl der Hodscha.
-
-»Aber was mach ich dann mit dem Mulazim? Was gebe ich ihm, wann er
-kommt?«
-
-»Schick sie augenblicklich zu mir, sage ich dir,« sagte der Hodscha
-beharrlich und fuhr fort: »Es ist besser für dich, du hast den Kadi zum
-Freunde als den Mulazim. Schick sie und du wirst es nicht bereuen.«
-
-»Aber was sage ich dem Mulazim, wann er kommt?«
-
-»Dem sagst du,« antwortete der Hodscha, »daß sie inwendig aus dem Ofen
-weggeflogen ist, und kümmere dich weiter um nichts.«
-
-Als der Garkoch die Beharrlichkeit des Kadis sah, schickte er ihm die
-Gans ins Haus, weil er ihn nicht verdrießlich machen wollte.
-
-Nach fünf Minuten erschien der Mulazim und verlangte seine Gans.
-
-Mit der unschuldigsten Miene nahm der Garkoch die Schaufel und fuhr
-damit in den Ofen, um scheinbar die Gans zu suchen; er drehte sie
-hieher, er drehte sie dorthin, aber umsonst.
-
-»Merkwürdig,« sagte er, immer herumstöbernd, »sie muß weggeflogen sein.«
-
-»Vorwärts, mach schnell,« entgegnete der Mulazim; »es ist meine
-Essenszeit und ich habe einen teuflischen Hunger.«
-
-Aber die Gans kam nicht zum Vorschein.
-
-Der Mulazim hatte unterdessen zu schreien angefangen, der Garkoch
-stocherte fortwährend weiter, wobei er immer wiederholte, die Gans
-scheine davongeflogen zu sein, und vor der Bank sammelte sich eine
-Menge Leute an. Schließlich verlor der Mulazim die Geduld und er
-stürzte sich auf den Garkoch; der riß die Schaufel aus dem Ofen, um
-sich damit zu verteidigen, aber dabei flog der Schaufelgriff einem
-Juden, der dabeistand, ins Gesicht und schlug ihm ein Auge aus.
-
-Als der Garkoch sah, in welch schlimmer Lage er war, sprang er über die
-Bank und lief, um sich zu retten; aber ihm setzte nicht nur der Mulazim
-nach, sondern auch der Jude und die Freunde des Juden.
-
-Auf dem Wege war eine Haustür offen und dort lief er hinein, um sich zu
-verbergen. In dem Hofe saß aber eine schwangere Frau, und als die sah,
-wie er plötzlich hereinstürzte und was für eine Menge ihn verfolgte,
-erschrak sie und tat eine Fehlgeburt.
-
-Der Garkoch versteckte sich in einen Winkel, um nicht gefangen zu
-werden; aber zu denen, die ihn schon gejagt hatten, gesellten sich
-nun noch die Verwandten der Frau. Das Haus hatte zum Glücke auch eine
-Hintertür; durch die lief der Garkoch hinaus, die ganze Menge hinter
-ihm, und er rannte in eine Moschee, um sich zu retten, und stieg auf
-das Minaret. Da sie ihm aber auch dorthin nachkamen, warf er einen
-Blick hinunter; und weil er bedachte, daß sie, wenn er dort bliebe,
-heraufkommen und ihn niedermachen würden, stürzte er sich vom Minaret
-hinunter auf das Pflaster, just auf einen jüdischen Geldwechsler, der
-dort gebückt auf seiner Bank saß, und der war auf der Stelle tot.
-
-Nun erreichten ihn seine Verfolger, und sie schleppten ihn vor den
-Kadi. Der hatte sich eben zu Tische gesetzt, um die Gans zu verzehren.
-
-Sie fingen alle miteinander zu schreien an, was jeder von dem Garkoch
-erlitten hatte. »Still, der Reihe nach,« sagte streng der Hodscha, der
-augenblicklich den Tisch verließ und in sein Amtszimmer ging, wo das
-große heilige Buch war, nach dem er Recht sprach; und er sagte zu dem
-Mulazim: »Was willst du von dem Manne da?«
-
-»Effendi, am Morgen habe ich ihm eine Gans gebracht, damit er sie
-brate, und jetzt sagte er mir, sie sei weggeflogen. Ich verlange, daß
-er mir meine Gans wiedergibt.«
-
-Der Hodscha öffnete sofort das Buch, wandte einige Blätter um und las
-vor, daß alle hundert Jahre einmal ein solches Wunder geschehe, und
-es seien gerade hundert Jahre, seitdem das letzte geschehn sei; und
-glückselig sei der zu preisen, der dabei die Gans verloren habe, weil
-die ins Paradies geflogen sei und ihn dort erwarte.
-
-Freudestrahlend entfernte sich der Mulazim. Als zweiter kam der Jude
-mit dem ausgeschlagenen Auge.
-
-»Effendi, der Garkoch hat mir mit der Schaufel das Auge ausgeschlagen.«
-
-Der Hodscha blätterte wieder in dem Buche und las, es sei natürlich
-recht und billig, daß sich nun der Garkoch hinstelle, damit ihm
-der Jude ein Auge ausschlage; weil aber nach dem Buche ein Auge
-eines Osmanen so viel wert sei, wie zwei eines Juden, müsse sich der
-Jude zuerst hinstellen, damit ihm der Garkoch auch noch das andere
-ausschlage, und dann dürfe er dem Garkoch eines ausschlagen. Der
-Hodscha hatte seinen Spruch noch nicht beendigt, so war der Jude schon
-unsichtbar geworden.
-
-Als dritter kam der Gatte der Frau, die die Fehlgeburt getan hatte.
-Über diesen Fall schrieb das Buch, daß der Garkoch mit der Frau ein
-andres Kind machen solle. Es ist begreiflich, daß es auch der dritte
-Kläger vorzog, sich davonzumachen.
-
-Zum Schlusse kam der Bruder des erschlagenen Geldwechslers.
-
-Wieder wandte der Hodscha die Blätter um, und er fand, daß der Kläger
-den Garkoch auf dieselbe Weise töten solle: der Garkoch müsse sich
-nämlich unter das Minaret setzen, und er solle sich von oben auf ihn
-fallen lassen und ihn also töten.
-
-Nachdem daher auch der letzte Reißaus genommen hatte, dankte der
-Garkoch dem Hodscha; und jetzt erinnerte er sich der Worte des
-Hodschas, daß es für ihn besser sei, den Kadi als den Mulazim zum
-Freunde zu haben.
-
-
-
-
-Anmerkungen
-
-literatur- und stoffgeschichtlichen Inhalts
-
-
-
-
-II. Arabische Überlieferungen
-
-1. Aus dem Nawadir el chodscha nasr ed-din effendi dschoha
-
-
-339. _Nawadir_, S. 2 (Basset _RTP_, XVI, S. 458); Buadem, Nr. 84;
-_Tréfái_, Nr. 124; Serbisch, S. 80 ff.; Kroatisch, S. 51.
-
-Als älteste Version nennt Basset am angegebenen Orte eine Erzählung al
-Masudis[15] in den _Prairies d’or_, Paris, 1861 ff., V (Basset schreibt
-VII), S. 390 ff. von einem Araber der Wüste und von Haddschadsch, dem
-Feldherrn Abdulmeliks (685-705); vgl. aber auch Bar-Hebraeus, S. 151,
-Nr. 602.
-
-
-340. _Nawadir_, S. 2 (_RTP_, XVI, S. 459).
-
-
-341. _Nawadir_, S. 2 (_RTP_, XVI, S. 459); Buadem, Nr. 85; _Tréfái_,
-Nr. 125; Serbisch, S. 81; Kroatisch, S. 48.
-
-_Fourberies_, S. 17.
-
-
-342. _Nawadir_, S. 2 (_RTP_, XVI, S. 460); Buadem, Nr. 92; _Tréfái_,
-Nr. 126; _Fourberies_, Nr. 1; Serbisch, S. 84; Kroatisch, S. 59 ff.
-
-_Fourberies_, S. 17; _Tréfái_, S. 13.
-
-Roda Roda, S. 154.
-
-
-343. _Nawadir_, S. 2 (_RTP_, XVI, S. 460); Buadem, Nr. 93 und 132;
-Serbisch, S. 84; Kroatisch, S. 40.
-
-Die Schnurre kehrt im _Nuzhat al udaba_, in zwei Fassungen wieder, von
-denen eine auf Dschoha bezogen ist (Basset in der _RTP_, XV, S. 673 und
-im _Keleti Szemle_, I, S. 222).
-
-Vgl. dazu folgende Stelle im _Roger Bontemps en Belle humeur_, Cologne,
-1670, S. 357:
-
-Or un certain Seigneur du pays de Bretagne en avoit un (bouffon) le
-plus plaisant qui se pouvoit rencontrer, non seulement en ses actions,
-mais aussi en reparties: un jour l’ayant envoyé de Paris à Lion pour
-aller resiouir un sien Cousin qui estoit malade, passa par une ville où
-l’on faisoit garder les portes à raison de la contagion. Le Capitaíne
-le voyant asses bien montré, se voulut informer qu’il estoit, et d’où
-il venoit; c’est pourquoy il luy demanda: Monsieur où allés vous
-maintenant? Monsieur, respondit le bouffon, il le faut demander à ma
-beste, c’est elle qui me meine.
-
-
-344. _Nawadir_, S. 2 (_RTP_, XVI, S. 461); _Tréfái_, Nr. 127;
-_Fourberies_, Nr. 8.
-
-
-345. _Nawadir_, S. 3; _Tréfái_, Nr. 128. Von Giufà: Gonzenbach, I, S.
-51 ff.; Pitrè, III, S. 366, Nr. 9 und 378; Crane, S. 297. Von Dschahan:
-Ilg, II, S. 44, Nr. 93.
-
-Gonzenbach, II, S. 228; Pitrè, III, S. 376; Crane, S. 380;
-_Fourberies_, S. 18; Köhler-Bolte in der ZVV, VI, S. 73; Köhler, I, S.
-99 und 341.
-
-Merkwürdigerweise nirgends erwähnt finde ich die Fassung des _Kathá
-Sarit Ságara_, II, S. 77; weiter seien genannt die letzte Erzählung des
-_Sackful of News_‚ (Hazlitt, II, S. 187; dazu Clouston, _Noodles_, S.
-97 ff.), Merkens, III, S. 142, Nr. 140, Böhm, _Lettische Schwänke_, S.
-44 (dazu S. 117) und Frison, _Contes et légendes de Basse-Bretagne_,
-Nr. 66 in der _RTP_, XXII, S. 404 ff.
-
-In vielen Überlieferungen klettert der oder die Dumme, oft auch ein
-Mann mit seiner dummen Frau, auf einen Baum; es kommen Diebe, die dort
-ihre Beute teilen wollen, und die suchen, als schließlich die Tür von
-oben auf sie herunterfällt, das Weite, indem sie alles zurücklassen.
-Zu dieser Art Erzählungen gehören auch die meisten der an den oben
-angeführten Stellen beigebrachten Varianten, wozu noch kommen F. M.
-Luzel, _Contes populaires de Basse-Bretagne_, Paris, 1887, III, S.
-396 ff., P. Sébillot, _Contes et légendes de la Haute-Bretagne_, Nr.
-96 in der _RTP_, XXIV, S. 142 ff., Pitrè, _Novelle popolari toscane_,
-S. 186 ff. (von Giucca matto) und S. 193, R. Forster, _Fiabe popolari
-dalmate_, Nr. 13 im _Archivio_, X, S. 313 ff., Ilg, II, S. 37 ff. und
-Merkens, I, S. 204 ff., Nr. 247; vergl. auch _Archiv für slavische
-Philologie_, XXII, S. 309. In dem Märchen, wozu Cosquin, I, S. 241
-ff. die in Rede stehenden Züge bespricht, ist das Mitnehmen der Tür
-anders motiviert; ebenso bei J. Fleury, _Litterature orale de la
-Basse-Normandie_, S. 161 ff., bei Jacobs, _English Fairy_‚ _Tales_,
-S. 28 ff. (s. auch S. 231) und bei demselben, _More English Fairy
-Tales_, S. 10 ff. (s. auch S. 220 ff.). Eine Kuhhaut fällt auf die
-teilenden Diebe bei Luzel, III, S. 414 ff. und 427 ff. und bei Carnoy,
-_Littérature orale de la Picardie_, S. 192 ff. (s. Cosquin, II, S. 225
-ff.); in den _Folk Tales from Tibet_‚ von W. F. O’Connor, S. 35 ff.
-genügt es, daß der auf dem Baume sitzende einen Anteil an der Beute
-verlangt, um die Diebe zur Flucht zu veranlassen. Ähnliche Geschichten
-bringen Cosquin, II, S. 108 ff., 112 ff. und 115, ferner Andrews,
-_Contes ligures_, S. 90 ff., Monnier, S. 238 ff. und Ilg, II, S. 5 ff.
-Zu ~dem Motive von der Verscheuchung der Diebe~ vgl. weiter die Nrn.
-428 und 446.
-
-
-346. _Nawadir_, S. 3 (_RTP_, XVII, S. 36).
-
-Die Geschichte stammt aus Bar-Hebraeus, dessen 615. Facetie (S. 154)
-lautet:
-
-When another silly man was cracking an almond the kernel slipped away
-out his hands, and he said, »Glory be to Thee, O God, for even the
-kernel of the almond trieth to escape death.«
-
-
-347. _Nawadir_, S. 4 (_RTP_, XVII, S. 92 ff.).
-
-_Fourberies_, S. 18 ff.; Hartmann, S. 50.
-
-Diese Fassung des weitverbreiteten Motives von der ~Vertauschung
-eines Toten gegen einen Hammel~ stimmt so ziemlich mit _Fourberies_,
-Nr. 21 überein. Seine anscheinend älteste Form steht in der
-Sprichwörtersammlung Maidanis (_Arabum proverbia_, I, S. 403) und
-ist in al Kaljubis _Nawadir_‚ übergegangen; sie lautet nach Bassets
-Übertragung in der _RTP_, XV, S. 41:
-
-Man erzählt, daß Dschoha bei Tagesanbruch aus dem Vorraum seines Hauses
-gekommen und über einen Leichnam gestolpert ist, der dort lag; er warf
-ihn in einen Brunnen. Sein Vater zog den Toten, als er davon erfuhr,
-heraus und begrub ihn; dann erwürgte er einen Hammel und warf ihn in
-den Brunnen. Die Verwandten des Toten begannen die Straßen Kufas zu
-durchstreifen und nachzuforschen. Dschoha sah sie und sagte zu ihnen:
-»Der Leichnam ist in unserm Brunnen.« Sie gingen hin und ließen ihn
-hinabsteigen, damit er den Leichnam heraufbringe. Als er unten war,
-rief er: »Hatte der Tote Hörner?« Alle lachten und gingen weg.
-
-Zu der arabischen Variante aus Tunis, die als Nr. 383 wiedergegeben
-ist, und zu ihrem augenscheinlich verdorbenen berberischen Gegenstücke,
-der Nr. 415, gibt es zahlreiche Parallelen, darunter, wie Basset
-bemerkt, noch eine Dschohageschichte bei Mornand, _La vie arabe_,
-Paris, 1856, S. 117, in die ebenso wie in die tunisische Erzählung
-das noch zu besprechende Motiv des ~Wurstregens~ verwoben ist, und
-eine von Abu Nuwas bei Pharaon, S. 182 ff.; von einem Ungenannten
-erzählt Rivière in dem _Recueil de contes populaires de la Kabylie du
-Djurdjura_, Paris, 1882 ff.: _La tête d’un cheik_‚[16].
-
-Das Motiv ist wie so viele andere mit Dschoha verknüpfte nach Sizilien
-übergegangen; man vergleiche die als Nr. 430 mitgeteilte Giufàerzählung
-samt ihren Varianten. Sicherlich auch dem Volksmunde nacherzählt ist
-die 21. Novelle Morlinis (meine Ausgabe S. 82 ff.), die bei Straparola
-die 4. Novelle der 8. Nacht bildet.
-
-Um den Leichnam eines jungen Mädchens, der mit einer Ziege vertauscht
-wird, handelt es sich in zwei Versionen, die Cosquin, II, S. 182
-ff. zitiert, einer afghanischen bei Thorburn, _Bannú or Our Afghan
-Frontier_, London, 1876, S. 207 ff. und einer indischen bei Minaef,
-_Indeiskija skasky_, St. Petersburg, 1877, Nr. 15; hierher gehören noch
-Swynnerton, S. 178 ff. und P. Sébillot, _Contes de la Haute-Bretagne_,
-Nr. 45 in der _RTP_, XII, S. 51 ff. Vgl. noch Clouston, _Noodles_, S.
-152 ff., Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 44 ff. und 117, Sébillot in der
-_RTP_, VII, S. 704 und Chauvin, VI, S. 126.
-
-In einem Märchen bei Cosquin, II, S. 317 ff. erzählt ein Mann seiner
-Frau, um sich zu vergewissern, ob sie ihn an den Galgen bringen würde,
-er habe seinen Gesellen getötet und ihn im Walde verscharrt; die
-Frau plaudert, und die Obrigkeit erfährt von der Sache, und als an
-dem Platze im Walde nachgegraben wird, findet man den Kadaver eines
-Schweines. Unter den vielen Varianten, die Cosquin anführt, sind
-mehrere, wo der Mann mit dieser Täuschung der Frau den Zweck verfolgt,
-die Richtigkeit der einen der ihm von seinem Vater erteilten drei
-Lehren zu erproben; dazu vgl. Mussafia, _Über eine altfranzösische
-Handschrift der k. Universitätsbibliothek zu Pavia_, Wien, 1870, S. 68
-und Köhler, II, S. 402 ff. Dieser Zug, in dem ich eine Reminiszenz an
-das Dschohamotiv Maidanis usw. sehn möchte, findet sich auch in den
-zahllosen Bearbeitungen des Motivs von dem besten Freunde, dem Hunde,
-und dem ärgsten Feinde, der Gattin, wovon hier nur das 124. Kapitel der
-_Gesta Romanorum_‚ (in Österleys Ausgabe) und das 423. Stück von Paulis
-_Schimpf und Ernst_‚ genannt seien, und schließlich rudimentär auch in
-den Geschichten von der Freundesprobe, wozu Chauvin, IX, S. 15 ff. zu
-vergleichen ist.
-
-
-348. _Nawadir_, S. 6 (_RTP_, XVII, S. 94 ff.); Mardrus, S. 96 ff.;
-_Fourberies_, Nr. 4; Buadem, Nr. 100; _Tréfái_, Nr. 132; Serbisch, S.
-87; Kroatisch, S. 58.
-
-Vgl. Horn, S. 71, wo die Schnurre bei Zakani und in dem _Mesnewi_‚ von
-Dschelaleddin Rumi nachgewiesen wird; nach Dschami erzählt Clouston,
-_Flowers_, S. 80, nach dem _Mesnewi_‚ (zit. Ausg. S. 364 ff.) Kuka, S.
-97 ff.
-
-
-349. _Nawadir_, S. 6 (_RTP_, XVII, S. 96); Buadem, Nr. 101; Serbisch,
-S. 87; Kroatisch, S. 56.
-
-Über den ~Prangerritt der Ehebrecherin~ usw. vgl. man die 2. der
-pseudoplutarchischen _Quaestiones graecae_‚ (über die Ὀνοβάτις von
-Cumae), eine Stelle bei Stobaeus über die Pisidier, zitiert bei
-Alexander ab Alexandro, _Geniales dies_, Lugduni Batavorum, 1673, II,
-S. 862, Österley, _Baitál Pachisi_, Leipzig, 1873, S. 66 und Liebrecht,
-_Zur Volkskunde_, Heilbronn, 1879, S. 386 ff., 429 und 509.
-
-
-350. _Nawadir_, S. 6 (_RTP_, XVII, S. 148).
-
-Seine Nachweisungen in den _Fourberies_, S. 21 hat Basset anläßlich der
-Übertragung dieser Erzählung ergänzt.
-
-Vgl. auch mein _Mönchslatein_, S. 223 ff., Lee, _The Decameron_, S. 191
-ff. und Ispirescu, S. 37 (_Magazin_, XCVI, S. 580).
-
-
-351. _Nawadir_, S. 7 (_RTP_, XVII, S. 480).
-
-_Fourberies_, S. 22; Basset in der _RTP_, XVII, S. 480.
-
-Siehe weiter Bolte, _Die Singspiele der englischen Komoedianten_,
-Hamburg und Leipzig, 1893, S. 18, _Euphorion_, XV, S. 12, Lee, _The
-Decameron_, S. 203 ff. und Chauvin, VIII, S. 39.
-
-
-352. _Nawadir_, S. 8 (_RTP_, XVII, S. 149).
-
-
-353. _Nawadir_, S. 8 (_RTP_, XVII, S. 149).
-
-Vgl. folgende persische Erzählung bei Kuka, S. 210:
-
-A man who was given to jesting, and who would not give up his habits
-even when he became old, was one day admonished by his neighbours and
-acquaintances, who said to him: »You had better turn your thoughts
-towards prayers and repentance; now is not the time for you to joke
-and jest. Devote your leisure hours to hearing the Hadees read.« He
-replied: »Rest assured, gentlemen, I have not neglected the traditions.
-I have heard many.« »Well, narrate to us one of them,« said they. He
-rejoined: »I have heard from Náfa’a, son of Yareed, that our Prophet
-used to say that there are two qualifications which every one ought to
-acquire if he wants to obtain happiness both in this world and in the
-next.«
-
-Here our wag paused for a very long time.
-
-»Aye, but tell us what are those two qualifications?« asked the men.
-»Oh, the narrator, my friend Náfa’a, had forgotten one of them,«
-replied the wag, »and I have forgotten the other!«
-
-
-354. _Nawadir_, S. 9 (_RTP_, XVII, S. 152).
-
-
-355. _Nawadir_, S. 9 (_RTP_, XVII, S. 151).
-
-
-356. _Nawadir_, S. 9 (_RTP_, XVII, S. 153); siehe oben Nr. 11.
-
-
-357. _Nawadir_, S. 11 (_RTP_, XVII, S. 485).
-
-
-358. _Nawadir_, S. 12 (_RTP_, XVIII, S. 138).
-
-Vgl. eine Erzählung im _Fakihat al hulafa_‚ von ibn Arabschah bei
-Chauvin, II, S. 196, Nr. 22 (dazu S. 213, Nr. IV) und Lidzbarski,
-_Geschichten und Lieder_, S. 158 ff.; nicht ohne Bezug ist wohl auch
-Pauli, Nr. 140.
-
-
-359. _Nawadir_, S. 12 (_RTP_, XVIII, S. 213).
-
-
-360. _Nawadir_, S. 12 (_RTP_, XVIII, S. 213).
-
-
-361. _Nawadir_, S. 12 (_RTP_, XVIII, S. 214).
-
-Kuka, S. 164:
-
-A desert Arab was present at the dinner table of one of the Caliphs.
-The dish of »Faloodeh« pleased him so much that he began to stuff
-himself with it, not caring to taste any of the other viands. One
-of those who were present said to him: »Don’t eat too much of this
-Faloodeh, or it will be the death of you.« The Arab withdrew his hand
-from the dish, remained thoughtful for a while, and then saying to the
-men present, »I bequeath to you the care of my family,« again fell to
-the dish with renewed vigour.
-
-
-362. _Nawadir_, S. 13 (_RTP_, XVIII, S. 216 ff.); _Fourberies_, Nr. 15.
-
-
-363. _Nawadir_, S. 16 (_RTP_, XVIII, S. 218 ff.).
-
-~Esel (Kalb etc.) an der Stelle des Ehebrechers~: _Cent nouvelles
-nouvelles_, n. 61 mit ihren Ableitungen _Recueil_, 1555, S. 221 ff.,
-n. 72 = _Aventures_, 1556, S. 251 ff., n. 75 (statt 74) und Malespini,
-_Ducento novelle_, Venetia, 1609, II, Bl. 220^a ff., n. 61; A. v.
-Keller, _Erzählungen aus altdeutschen Handschriften_, Stuttgart, 1855,
-S. 306 ff.; Gastius, _Convivales sermones_, II, S. 99 ff. = Melander,
-_Jocoseria_, I, S. 41 ff., Nr. 35 = deutsch, I, S. 23 ff., Nr. 20[17];
-Domenichi, 1562, S. 53 ff. = 1581, S. 64 ff.; Chauvin, VII, S. 171;
-_Die Çukasaptati_‚ (_Textus simplicior)_, übers. v. R. Schmidt, Kiel,
-1894, S. 47 und dazu Benfey, _Pantschatantra_, Leipzig, 1859, I, S. 144.
-
-Kombiniert mit andern Zügen findet sich das Motiv in den Fabliaux _Des
-tresces_‚ und _De la dame qui fist entendant son mari qu’il sonjoit_‚
-bei Montaiglon-Raynaud, _Recueil des Fabliaux_, Paris, 1872 ff., IV, S.
-67 ff. und V, S. 132 ff. (dazu Bédier, _Les Fabliaux_, 2^e éd., Paris,
-1895, S. 193 ff.), in Kellers _Erzählungen_‚ S. 310 ff.: _Der pfaff
-mit der snuer_‚ und S. 324 ff.: _Ain spruch von ainer frawen, die ain
-pfaffen bulett, und wie vil sy irnn man unglicks anlegett_, in einem
-Gedichte Herrants von Wildonie, _Der verkerte wirt_‚ in v. d. Hagens
-_Gesammtabenteuern_, II, S. 333 ff. (dazu S. XLII ff.) und bei Lambel,
-_Erzählungen und Schwänke_, Leipzig, 1872, S. 191 ff. und in dem
-Spruchgedichte Hans Sachsens _Der pawer mit dem zopff_, I, S. 480 ff.
-(dazu L. A. Stiefel in den _Hans Sachs-Forschungen_, Nürnberg, 1894, S.
-124 ff.).
-
-
-364. _Nawadir_, S. 16 (_RTP_, XVIII, S. 219); Buadem, Nr. 107;
-Serbisch, S. 90; Kroatisch, S. 59.
-
-
-365. _Nawadir_, S. 17 (_RTP_, XVIII, S. 351); _Fourberies_, Nr. 27;
-Buadem, Nr. 108; Serbisch, S. 90; Kroatisch, S. 51 ff.
-
-_Fourberies_, S. 28; Basset im _Keleti Szemle_, I, S. 223, Nr.
-27 (_Nuzhat al udaba_‚). Zu Hammers Übertragung der betreffenden
-Geschichte des _Nuzhat al udaba im Rosenöl_, II, S. 308 vgl. Bassets
-Bemerkung in der _RTP_‚.
-
-
-366. _Nawadir_, S. 17 (_RTP_, XVIII, S. 347).
-
-
-367. _Nawadir_, S. 17 (_RTP_, XVIII, S. 347); Buadem, Nr. 109;
-Serbisch, S. 91.
-
-
-368. _Nawadir_, S. 18 (_RTP_, XVIII, S. 348).
-
-Dieselbe Geschichte steht schon bei Bar-Hebraeus, S. 111, Nr. 49, wo
-ein Poet zu einem Geizhals sagt: »Wouldst thou have me whilst I am
-eating one morsel to stand up and bow the knee, and then take another?«
-
-
-369. _Nawadir_, S. 18 (_RTP_, XVIII, S. 348 ff.).
-
-
-370. _Nawadir_, S. 40 (_RTP_‚ XIX, S. 312); Serbisch, S. 98.
-
-Die Schnurre ist viel älter als Nasreddin; sie steht schon bei Maidani
-(Freytag, II, S. 603) und, nicht unwitzig erweitert, in dem _Kitab al
-askija_‚ des 1200 verstorbenen al Dschausi, wo sie nach Basset, _RTP_,
-XVII, S. 158 lautet:
-
-In Kufa war eine Frau, deren Mann mittellos war; und sie sagte zu ihm:
-»Mach dich doch auf und reise durch die Länder; vielleicht hilft dir
-Gott.« Er nahm den Weg nach Syrien, und dort verdiente er dreihundert
-Dirhem; dafür kaufte er sich eine Kamelstute. Die war aber hitzig
-und bereitete ihm viel Verdruß. In seinem Ärger darüber und über
-seine Frau, daß sie ihn weggeschickt hatte, schwur er, entweder die
-Kamelstute an dem Tage, wo er nach Kufa heimkommen werde, um einen
-Dirhem zu verkaufen oder sich von seiner Frau zu scheiden. Dann reute
-es ihn und er sagte alles seiner Frau. Sie nahm eine Katze, setzte sie
-der Kamelstute auf den Hals und sagte zu ihrem Manne: »Geh auf den
-Markt und rufe aus: ›Wer will diese Katze um dreihundert Dirhem kaufen
-und diese Kamelstute um einen? ich verkaufe sie aber nur miteinander.‹«
-Das tat er. Ein Araber kam, betrachtete die Kamelstute von allen Seiten
-und sagte: »Wie schön sie ist! wie lebhaft! Wenn sie nur nicht die
-Katze auf dem Halse hätte!«
-
-Ähnlich ist eine Fassung im _Bäharistan_‚ Dschamis, S. 86 (Clouston,
-_Flowers_, S. 82), zu der Schlechta-Wssehrd, S. 147 ff. bemerkt,
-daß die Anekdote im Oriente sehr bekannt ist, und daß an sie viele
-Sprichwörter erinnern wie: »Wäre nicht die Verfluchte an seinem Halse!«
-
-Als Predigtmärlein bearbeitet ist die Geschichte bei Bromyard, _Summa
-praedicantium_, E, 8, 17 (in der Ausg. Basel, Joh. de Amerbach, ca.
-1479):
-
-Sicut patet de illo qui moriens, vxore executrice facta, bouem pro
-anima sua legauit vt fertur. Vxor vero bouem et gallum simul ad forum
-ducens, vtrumque simul vendidit hac conuentione, quod emptor pro gallo
-marcam anglicanam et pro boue obolum daret; quod cum factum fuisset,
-obolum pro anima dedit mariti.
-
-Auf einer ähnlichen Erzählung beruhen Pauli, _Schimpf und Ernst_, Nr.
-462 (die Nachweisungen Österleys, S. 526 ff.), und Zincgref-Weidner,
-IV, S. 199 (Ochs und Hahn)[18]. In der 55. Novelle der _Heptamérons_‚
-sind es wieder, wohl mit Anlehnung an eine etwa über Spanien
-herübergekommene Tradition ein Pferd und eine Katze; ebenso erzählt G.
-F. Giuliano, _Dialogo d’un medico con un secretario et un palafreniere
-di un principe romano del modo et utilità di far quadragesima_, Roma,
-1651. S. 41, während die kurze Darstellung in Costos _Fuggilozio_,
-S. 38 ff.: _Astuzia d’una contadina in satisfare un legato del morto
-marito_‚ von einem Ochsen und einer Katze, die 31. Erzählung bei M.
-Somma, _Cento racconti_, 3^a ed., Napoli, 1822, S. 79 ff. von einem
-Pferde und einem Hammel (kombiniert mit dem Stoffe der 71. Facetie
-Poggios, wozu man Arlotto, I, S. 191 vergleiche) und P. Sébillot,
-_Contes de la Haute-Bretagne_, Nr. 28: _Le fermier rusé_‚ in der _RTP_,
-XI, S. 509 von einer Kuh und einer Katze berichten.
-
-
-371. _Nawadir_, S. 43 (_RTP_, XIX, S. 311 ff.).
-
-
-372. _Nawadir_, S. 43 (_RTP_, XIX, S. 311).
-
-In den _Fourberies_, S. 72 bemerkt Basset zu diesem Schwanke: »Sans
-doute l’origine du dicton: Si la montagne ne va pas à Mahomet, c’est
-Mahomet qui ira à la montagne« und wiederholt dies in der _RTP_‚ a.
-a. O. Diese Behauptung hat dann der Fortsetzer der Arbeit Büchmanns
-in die letzten Auflagen der _Geflügelten Worte_‚ aufgenommen. Hätte
-er in Wanders _Sprichwörter-Lexikon_‚ nachgesehn, so hätte er auf S.
-958 des V. Bandes als Quelle des Sprichworts: »Wenn der Berg nicht
-zum Propheten kommen will, so muß der Prophet wohl zum Berge gehn«
-das Gedicht Hagedorns »_Mahomet und der Hügel_‚« angegeben gefunden;
-aber auch dieses ist nicht die unmittelbare Quelle, weil es wohl sonst
-statt »Berg« »Hügel« heißen müßte[19]. Die Quelle scheint vielmehr
-die _Mohammed_‚ betitelte Erzählung in Hebels _Schatzkästlein des
-Rheinischen Hausfreundes_‚ (zit. Ausg. IV, S. 263 ff.) zu sein, deren
-Anfang lautet:
-
-Dem Mohammed wollten es anfänglich nicht alle von seinen Landsleuten
-glauben, daß er ein Prophet sei, weil er noch kein Wunder getan hatte
-wie Elias. Dazu sagte Mohammed, ganz gleichgültig, wie einer, der
-eine Pfeife Tabak raucht und etwas dazu redet, »das Wunder,« sagte
-er, »macht den Propheten noch nicht aus. Wenn ihrs aber verlangt, so
-werden ich und jener Berg dort geschwind beieinander sein.« Nämlich, er
-deutete auf einen Berg, der eine Stunde weit oder etwas entfernt war,
-und rief ihm mit gebietender Stimme, daß der Berg sich soll von seiner
-Stätte erheben und zu ihm kommen. Als aber dieser keine Bewegung machen
-und keine Antwort geben wollte, wiewohl keine Antwort ist auch eine, so
-ergriff Mohammed sanftmütig seinen Stab und ging zum Berg, womit er ein
-merkwürdiges und nachahmenswertes Beispiel gab .....
-
-Woher Hagedorn und Hebel geschöpft haben, kann ich nun allerdings nicht
-sagen, sicher scheint hingegen zu sein, daß die Dschohageschichte
-von dem Palmbaum (ebenso auch wahrscheinlich die beiden deutschen
-Erzählungen) auf einer Mohammedlegende fußt. Bayle zitiert in dem
-Artikel _Mahomet_‚ (_Dictionaire historique et critique_, 3^e éd.,
-Rotterdam, 1720, S. 1852) eine Stelle aus der das erste Mal 1686
-erschienenen _Histoire du monde_‚ von Urb. Chevreau, die folgendermaßen
-beginnt:
-
-Quand les Coreïschites de la Mecque l’eurent prié (sc. Mahomet) de
-faire une miracle pour faire connoître ce qu’il étoit, il divisa la
-Lune en deux pieces entre lesquelles ils aperceurent une montagne.
-Ayant apelé deux arbres, ils se joignirent pour aller à lui, et se
-separérent en se retirant, par le commandement qu’il leur fit.
-
-
-373. _Nawadir_, S. 43 (_RTP_, XIX, S. 312); Buadem, Nr. 23; Serbisch,
-S. 59; Kroatisch, S. 36.
-
-Die Geschichte steht schon bei Bar-Hebraeus, S. 149, Nr. 587 (»I wish
-to know how far my voice will reach.«) und ähnlich erzählt Kuka, S. 173.
-
-Eine hübsche Parallele bieten die _Contes du Sieur Gaulard_, S. 200 ff.:
-
-Or il (le Sieur Gaulard) vid plusieurs personnages à la Cour, mesmement
-de ceux de longue robbe, qui auoient en leurs chambres de petites
-cloches, lesquelles ils sonnoient pour appeller leurs seruiteurs, quand
-ils en auoient affaire: et s’estant apperceu qu’au son de cette cloche,
-aussitost ils ne failloient de venir vers leurs maistres, il luy prit
-fantaisie d’en avoir une. Et si tost qu’il fut en sa chambre, où il
-luy tardoit jà qu’il n’estoit arriué pour en faire l’experience, il se
-mit à sonner certe cloche: mais voyant que pas vn de ses seruiteurs
-n’approchoit, il se persuada que ses gens ne pouvaient entendre le son.
-Et pour l’experimenter il sonna sa cloche prés sa table, puis estant
-couru à sa porte (car nottez qu’il pensoit courir aussi viste que le
-son de sa cloche) et n’entendant rien prés d’icelle, il dit que ses
-gens auoient raison de ne pas estre venus vers luy, et qu’il failloit
-bien que ceux qui auoient des cloches, eussent quelque recepte pour
-faire deualler le son en bas.
-
-
-374. _Nawadir_, S. 43 (_RTP_, XIX, S. 313 ff.).
-
-Der analoge Schwank des 36. Kapitels der _Schildbürger_‚ (v. d. Hagen,
-_Narrenbuch_, S. 188 ff.; Das _Lalenbuch_, S. 135 ff.) steht schon
-bei Hans Sachs, IV, S. 73 ff., ferner als 12. Erzählung von Freys
-_Gartengesellschaft_‚; vgl. dazu die Noten Boltes, S. 220 und _Archiv
-für slavische Philologie_, XXII, S. 309.
-
-
-375. _Nawadir_, S. 43 (_RTP_, XIX, S. 252 ff.).
-
-
-376. _Nawadir_, S. 46 (_RTP_, XIX, S. 251).
-
-2. Aus der von Mardrus besorgten Ausgabe von Tausend und einer Nacht
-
-
-377. Mardrus, S. 93 ff.; s. oben Nr. 37.
-
-
-378. Mardrus, S. 95 ff.; _Nawadir_, S. 8; _Fourberies_, Nr. 3.
-
-Bei Kuka steht (S. 214) eine persische Variante:
-
-On one occasion Mulla Nasruddin was invited to a dinner at a friend’s
-house. A dish of boiled fowl was placed before him. As the fowl was not
-thoroughly cooked, he partook of gravy only, and said to his friend:
-»Please have this fowl well cooked for to-morrow, when I shall again
-be your guest.« On the next day the same dish was placed before him,
-and he found that again the fowl was not well cooked. He, therefore,
-partook of the gravy, and then placing the fowl in front of himself,
-began his prostrations and genuflexions as in prayers. »What are
-you doing?« asked the host. The Mulla replied: »I am going to ask a
-blessing on this flesh, for the flesh that is placed twice over the
-fire and is not cooked, cannot be the flesh of an ordinary fowl, but
-that of some prophet or saint amongst them.«
-
-
-379. Mardrus, S. 96; _Nawadir_, S. 16; _Fourberies_, Nr. 14.
-
-Hartmann, S. 57.
-
-
-380. Mardrus, S. 114.
-
-3. Volkserzählungen aus Tripolis und Tunis
-
-
-381. Stumme, _Tripolis_, S. 178 ff.; vgl. oben Nr. 57.
-
-
-382. Stumme, _Tunis_, I, S. 75 ff. und II, S. 126 ff.
-
-Zu dem Motive von dem ~Zolle auf verschiedene Gebrechen~ vgl. Österleys
-Nachweisungen zu der Nr. 157 der _Gesta Romanorum_, S. 738 und zu der
-Nr. 285 von Paulis _Schimpf und Ernst_, S. 506, ferner Waas, _Die
-Quellen der Beispiele Boners_, S. 56 ff. und Chauvin, IX, S. 18 ff.
-Eine interessante Parallele bietet das _Nuzhat al udaba_‚ (Basset in
-der _RTP_, XV, S. 672 ff.), weil auch hier der Zoll auch auf den Namen
-gesetzt ist:
-
-Man erzählt, daß einer einen König um die Erlaubnis gebeten hat,
-einen Dirhem von jedem Buckligen, ebenso einen Dirhem von jedem, der
-Suleiman heiße, und einen Dirhem von jedem, der aus Mosul sei, einheben
-zu dürfen. Der König legte diese Steuer auf, und der Mann nahm den
-Bescheid und ging. Er sah einen Buckligen, der drei Hühner hatte, jedes
-einen Dirhem wert; da streckte er die Hand aus und nahm eines und
-sagte: »Auf Befehl des Sultans.« Der Bucklige begann zu schreien und um
-Hilfe zu rufen. Einer, der ihn kannte, sagte zu ihm: »Gib acht, Scheik
-Suleiman!« Da verlangte der, der den Bescheid hatte, zwei Dirhem und
-streckte die Hand nach dem zweiten Huhne aus. Der Bucklige schrie: »Ich
-beschwöre dich, tu mir nicht unrecht; ich bin ein Fremder, aus Mosul.«
-»Jetzt sind es drei Dirhem,« sagte der andere; er streckte die Hand aus
-und nahm auch das dritte Huhn und ging weg.
-
-Diese Fassung, wo das Gebrechen, der Name und die Heimat die Anlässe
-zu der Entrichtung eines Zolles geben, ist ein Gegenstück zu dem 611.
-Stücke bei Pauli: dort bittet ein armer Student vergebens um ein
-Almosen, weil er aus Bremen ist, Nikolaus heißt und nur ein Auge hat.
-
-Die Episode von den ~drei Dummen~ hat eine bis in Einzelheiten
-übereinstimmende Parallele bei Radloff, _Proben der Volkslitteratur der
-türkischen Stämme Südsibiriens_, Petersburg, 1866 ff., VI, S. 257: In
-einer Stadt, die sonst nur von Narren bewohnt wird, nimmt der einzige
-nicht närrische eine Frau. Die geht nach drei Tagen die Kuh melken,
-und bei dieser Beschäftigung läßt sie einen Wind; sie bittet die Kuh,
-nichts davon zu sagen. Dann kommt ihre Schwiegermutter ebenfalls bitten
-und bringt der Kuh eine Schüssel Kleie, damit sie nichts sage. Endlich
-kommt auch der Schwiegervater, bringt der Kuh auch eine Schüssel Kleie
-und bittet sie wie die beiden andern, so daß sie alle drei beisammen
-sitzen. Als der junge Gatte nach Hause kommt, wird er zornig und geht
-aus, um drei ebenso törichte Leute zu finden: findet er sie, soll seine
-Familie verschont bleiben; findet er sie nicht, will er seine Familie
-töten usw. usw.
-
-In dieser Kombination, wo es sich allerdings meist um die junge
-Frau oder Braut und ihre Eltern — nicht wie bei Radloff und in
-unserm Schwanke um ihre Schwiegereltern — handelt, ist das Motiv
-außerordentlich verbreitet. Clouston hat ihm in dem _Book of Noodles_,
-S. 191 ff. eine längere Studie gewidmet, und reichliche Nachweise
-finden sich bei Köhler, I, S. 81 ff., 217 ff. und 266; dazu kommen noch
-Pitrè, III, S. 137 ff., Crane, S. 279 ff. und 378, Jacobs, _English
-Fairy Tales_, S. 9 ff. und 231 ff. und Aug. Dozon, _Trois contes
-bulgares_, Nr. 3: _Le cochon a la noce_‚ in der _RTP_, III, S. 381.
-
-Der Schluß unserer Geschichte bringt wieder den Zug vom ~eingebildeten
-Toten~, der uns schon oft genug begegnet ist.
-
-
-383. Stumme, _Tunis_, I, S. 78 ff. und II, S. 131 ff.; _Fourberies_,
-Nr. 55 = unten Nr. 415; Pitrè, IV, S. 444 (Giufà). Siehe weiter Nr. 347
-und Nr. 430.
-
-Das Motiv von dem ~Regen eßbarer Dinge~, der einer dummen Person
-vorgetäuscht wird, um ihrer Erzählung die Glaubwürdigkeit zu nehmen,
-wird uns noch unten bei Nr. 407 beschäftigen; abgesehn von derartigen
-Kombinationen erscheint es noch mit Giufà verknüpft bei Pitrè, III,
-S. 378. Nachweisungen geben Köhler-Bolte in der _ZVV_, VI, S. 73,
-Clouston, _Noodles_, S. 154, Cosquin, II, S. 182, Note, Köhler, I,
-S. 340 und 342 und Chauvin, VI, S. 126; dazu wären noch zu nennen U.
-Jahn, _Schwänke und Schnurren_, S. 48 ff., Swynnerton, S. 180 (s.
-oben die Note zu Nr. 347), O’Connor, _Folk Tales from Tibet_, S. 33
-ff., Ilg, II, S. 38 ff., James Bruyn Andrews, _Contes ligures_, S. 92
-ff., eine brasilianische Erzählung, die Basset in der _RTP_, X, S.
-499 mitteilt, Hazelius, _Ur de nordiska folkens_‚ _lif_, S. 101 ff.,
-zitiert im _Archivio_, II, S. 477 ff. usw. usw. Hierher gehört auch die
-bei Chauvin, VIII, S. 69 besprochene Novelle des _Syntipas_, wozu eine
-im _Archivio_, II, S. 479 aus dem Finnischen übersetzte Erzählung zu
-vergleichen ist. Alle diese Mittel, um ein Ausplaudern ungefährlich zu
-machen — an den zwei letztgenannten Stellen handelt es sich allerdings
-um einen andern Zweck — gemahnen an die List, die die ungetreue Frau
-anwendet, um den wachsamen Vogel, Papagei oder Elster, zu täuschen
-(vgl. darüber die Literaturnachweise bei Chauvin, VIII, S. 35 ff.);
-als eine Art Bindeglied könnte eine Erzählung bei Bütner, _Von Claus
-Narren_, S. 119 (aus derselben Quelle bei Zincgref-Weidner V, S. 174)
-gelten, wo der Vogel durch einen Narren ersetzt ist:
-
-Ein Weib machte kundschafft mit eim andern Mann. Der Narr sahe es;
-die Fraw forchte, der Narr mochte sie verrathen, vnnd warff ein
-Säugfercklin auff jhn hinab in den Hofe. Der Narr meinet, es regnet
-Schweinlein, da ließ die fraw eins vmb das ander auff den Narren
-fallen. Vber eine zeit fraget der Ehemann: Sage mir, Heine, wie hat
-meine Fraw haußgehalten? Heine sprach: Sie lag bey einem andern Mann.
-Der Ehemann sprach: Fraw, du must sterben. Ach nein, sprach die Fraw,
-eilet nicht, Herr, fraget den Narren besser. Also fraget der Mann:
-Heine, wenn schlieff die Fraw bey einem andern? Heine antwortet:
-»Nechst war es, da sahe ichs, vnd am selben Tage regnet es viel junge
-Schweinlein.« Der Herr sprach: Hilff Gott, wie ist es ein ding, wenn
-mann einem Narren glaubet, vnnd den Rechten grund nit erfehret.
-
-
-384. Stumme, _Tunis_, I, S. 79 und II, S. 132 ff.
-
-Hammer, _Rosenöl_, II, S. 305 ff. nach dem _Nuzhat al udaba_, und dazu
-Basset im _Keleti Szemle_‚ I, S. 222, Nr. 8; s. weiter Chauvin, VIII,
-S. 49 ff.
-
-
-385. Stumme, _Tunis_, I, S. 79 ff. und II, S. 133 ff.; vgl. oben Nr. 63.
-
-
-386. Stumme, _Tunis_, I, S. 80 und II, S. 135.
-
-S. die Anmerkung zu Nr. 277.
-
-
-387. Stumme, _Tunis_, I, S. 81 und II, S. 136.
-
-Hartmann, S. 59.
-
-~Heller in fremdes Geld geworfen~: Hartmann in der _ZVV_, VI, S. 268;
-Pauli, Nr. 566; Montanus, S. 25 und 562; Chauvin, VII, S. 153.
-
-
-388. Stumme, _Tunis_, I, S. 81 und II, S. 136 ff.
-
-
-389. Stumme, _Tunis_, I, S. 81 und II, S. 137 ff.
-
-
-390. Stumme, _Tunis_, I, S. 82 und II, S. 139 ff.
-
-
-391. Stumme, _Tunis_, I, S. 82 ff. und II, S. 140.
-
-Die letzten vier Stücke, zu denen eigentlich auch schon Nr. 387
-gehört, sind Teile eines ~Unibosmärchens~, übertragen auf Dschuha;
-dasselbe gilt von den Nummern 46 bis 50 der _Fourberies_, die deshalb
-weggeblieben sind, und von der Dschochigeschichte bei Lidzbarski,
-_Geschichten und Lieder_, S. 249 ff. Teilweise rudimentär begegnen
-uns einzelne Unibosmotive auch bei T. J. Bezemer, _Volksdichtung
-aus Indonesien_, Haag, 1904, S. 196 ff.: _Streiche des Djonaha,
-des Batakschen Eulenspiegels_‚; wie Basset in der _RTP_, XX, S. 3
-wohl richtigerweise annimmt, ist dieser Djonaha (sprich: Dschonaha)
-niemand anders als der arabische Dschoha, der dem Namen nach auch mit
-dem syrischen Dschochi identisch ist. Die türkische Überlieferung
-scheint das Unibosmärchen nicht zu kennen, und so dürfte auch die
-auf Nasreddin übertragene serbische Variante aus Bosnien, die in der
-_Anthropophyteia_, III, S. 366 ff. steht, auf europäische Einflüsse
-zurückzuführen sein.
-
-Eine ausführliche Studie der in diesen Erzählungen zusammengefaßten
-Motivenreihen gibt Zenatti in der Einleitung zu seiner Ausgabe
-der _Storia di Campriano contadino_, Bologna, 1884 und reichliche
-Literaturnachweise bringen Lidzbarski, S. 249 und Köhler-Bolte in der
-_ZVV_, VI, S. 167; vgl. noch Köhler, I, S. 230 ff., III, S. 13 ff. u.
-ö., Rittershaus, S. 436 ff., Böhm, _Lettische Schwänke_, Nr. 19, 30 und
-49 und S. 113, 118 und 121 ff. und Busch, _Ut ôler Welt_, S. 28 ff.
-
-Interessant ist das letzte der oben genannten Stücke in den
-_Fourberies_‚: Dscheha legt sich in ein Grab; als seine Gegner bei
-ihrer Ankunft hören, daß er tot sei, wollen sie ihm durch ein Loch
-im Grabe einen argen Schimpf antun, aber er brandmarkt sie auf ihre
-Hinterbacken. Durch diese Brandmale beweist er dann, daß sie seine
-Leibeigenen sind, und sie müssen sein Lebelang für ihn arbeiten.
-Diese Erzählung, die mit dem Schlusse der _Geschichte des zweiten
-Strolchs_‚ bei Henning, _Tausend und eine Nacht_, XXIII, S. 219 ff.
-(Chauvin, VII, S. 151 ff.) übereinstimmt, hat mit Ausnahme des zuletzt
-genannten Zuges, daß nämlich ~aus der Brandmarkung die Leibeigenschaft
-abgeleitet~ wird, wozu man Boltes Nachweise bei Armeno-Wetzel,
-_Die Reise der Söhne Giaffers_, Tübingen, 1895, S. 215 vergleiche,
-eine interessante Parallele in einer litauischen Überlieferung bei
-Veckenstedt, _Sztukoris_, S. 28 ff. In zwei andern litauischen Märchen
-(Schleicher, S. 44 ff. und 86) verstümmelt der vermeintliche Tote seine
-Widersacher, als sie ihn verunreinigen wollen, mit einem Messer und
-einer Schere; eine sehr große Ähnlichkeit hat damit eine Erzählung
-bei Socin und Stumme, ~Der arabische Dialekt der Houwara des Wad Sus
-in Marokko~, Leipzig, 1894, S. 34 und 98, wo der Tote einem seiner
-Nachsteller, der riechen will, ob er schon stinke, mit einer Schere
-die Nase abschneidet. Vgl. dazu Köhler, I, S. 324. Zu dem ~sich tot
-stellenden Schuldner~ usw. vgl. Hartmann, S. 56, Bolte bei Wickram, S.
-368 und unten die Noten zu Nr. 429.
-
-
-
-
-III. Berberische Überlieferungen
-
-
-392. Stumme, _Tamazratt_, S. 39 und 70, Nr. 24; Stumme, _Tunis_, I, S.
-80 und II, S. 134 (hier wird der Esel, so wie in vielen Unibosmärchen
-von drei Leuten gemeinsam gekauft); _Fourberies_, Nr. 46 (ebenso und
-wirklich ein Teil eines Unibosmärchens); ebendort, Nr. 36 (an die
-Stelle des Esels treten hintereinander zwei Rinder); _Anthropophyteia_,
-V, S. 328 und 329 ff. (aus Bosnien und von Nasreddin; wegen des
-Anfanges dieser Erzählung s. oben die Anmerkung zu Nr. 277).
-
-Eine besonders ihres Schlusses wegen merkwürdige Variante bringt die
-serbische Ausgabe, S. 113 ff.:
-
-Eines Tages wollte der Hodscha Nasreddin einen Esel kaufen gehn. Als
-er auf den Markt kam, traf er dort einen Kerl, der aus seinem Esel
-möglichst viel Geld herausschlagen wollte. Nasreddin fragte ihn, was
-der Esel kosten solle, und der Mann nannte einen hohen Preis, fügte
-aber hinzu, daß sein Esel nicht so sei wie die andern, sondern jeden
-Tag Geld scheiße, einmal lauter Taler, am andern Tage lauter Dukaten;
-und um Nasreddin davon zu überzeugen, hob er dem Esel den Schwanz, nahm
-einen Dukaten heraus und steckte ihn in den Gürtel.
-
-Als das Nasreddin sah, brannte er nur darauf, den Esel zu kaufen, und
-zahlte schließlich eine große Summe für ihn. Beim Abschiede sagte
-ihm noch der Kerl, wie er ihn zu füttern habe, und dann gingen sie
-auseinander.
-
-Voller Freude ging Nasreddin mit dem Esel heim und fütterte ihn
-tüchtig, ohne sich an die Vorschrift zu halten.
-
-Am nächsten Morgen eilte er in den Stall, einen Sack in der Hand,
-den er mit den Dukaten füllen wollte. Aber er fand die Stalltür von
-innen verrammelt, und konnte nicht eintreten. »Schau ihn an,« sagte
-er bei sich, »da hat er die ganze Nacht geschissen, und der Stall ist
-jetzt so voll Gold, daß ich die Tür nicht öffnen kann.« Nach diesem
-Selbstgespräche guckte er durch einen Spalt hinein, und nun sah er
-etwas wie Silber glänzen; er war davon nicht gerade entzückt und sagte
-sich: »Schau dir nur diesen Dreckkerl an! Dukaten hat er nicht scheißen
-wollen, sondern nur Taler.« Er ging um eine Axt und schlug die Tür ein.
-
-Als er dann in den Stall trat, bekam er etwas zu sehn. Der viele
-Hafer hatte den Esel aufgetrieben und der Esel hatte alle viere von
-sich gestreckt; und was Nasreddin für Taler gehalten hatte, waren die
-Hufeisen des verreckten Esels.
-
-Nun wurde ihm noch weher ums Herz; er warf den Sack weg und begann zu
-jammern. Daraufhin kam ein Nachbar gelaufen, und der fragte ihn, was
-ihm fehle. »Was mir fehlt? na, sieh dir die Geschichte an; ich habe
-ein schönes Stück Geld verloren.« Und er erzählte dem Nachbar, wie er
-betrogen worden sei.
-
-Der Nachbar beriet ihn, was er tun solle: »Hacke dem Esel den Kopf
-ab, nimm eine oder zwei Oka Seide und wickle sie auf den Kopf; dann
-nimm ihn auf den Markt und biete ihn zum Verkaufe aus. Wenn dich einer
-fragt, was du zu verkaufen hast, so sagst du: ›Einen Eselskopf.‹«
-
-Nasreddin folgte diesem Rate und ging mit dem Eselskopfe auf den Markt.
-Es kam einer und fragte ihn, was er zu verkaufen habe, und Nasreddin
-sagte: »Einen Eselskopf.« Der Kunde lachte und sagte: »Aber Hodscha, du
-bist doch dumm! das soll ein Eselskopf sein? das ist ja Seide.« »Und
-ich sage dir, du kaufst nur einen Eselskopf.« Doch der Kunde lachte,
-weil er meinte, das sei nichts als eine von des Hodschas gewöhnlichen
-Dummheiten. Sie handelten den Preis für die Oka Seide aus und wogen den
-Klumpen ab, und der Kunde bezahlte das ganze Gewicht für Seide. Dann
-verabschiedeten sie sich, und jeder ging seines Weges.
-
-Als der Käufer den Klumpen abwickelte, fand er, daß die Seide nur
-oberflächlich war und daß das andere wirklich ein Eselskopf war; sofort
-lief er zum Richter und verklagte Nasreddin, daß ihn der betrogen
-habe. Der Richter ließ den Hodscha rufen, und der sagte, als er vor
-Gericht erschienen war: »Erhabener Kadi, frage ihn, was ich ihm
-gesagt habe, das ich zu verkaufen habe, und du wirst sehn, ob ich ihn
-betrogen habe.« Der Kadi befragte den Kläger und der erzählte genau
-den Sachverhalt. Erstaunt fragte ihn nun der Kadi: »Ja, warum klagst
-du denn, wo du doch gewußt hast, was du kaufst?« und damit ließ er ihn
-hinauswerfen.
-
-Auf diese Weise hatte der Hodscha Nasreddin den erlittenen Schaden
-wieder eingebracht.
-
-Der Schluß dieser Erzählung steht als selbständiger Schwank in der
-griechischen Ausgabe Nr. 145 und bei Pann, S. 331 ff.
-
-_Fourberies_, S. 74 ff.
-
-~Goldmistende Tiere~ (ohne Rücksicht auf die Unibosmärchen): Grimm,
-_KHM_, III, S. 65 ff.; Benfey, _Pantschatantra_, I, S. 378 ff.; _Kathá
-Sarit Ságara_, II, S. 8; Clouston, _Popular Tales and Fictions_, I,
-S. 123 ff.; Forke, _Die indischen Märchen und ihre Bedeutung für die
-vergleichende Märchenforschung_, Berlin, 1911, S. 52.
-
-
-393. G. A. Krause, _Proben der Sprache von Ghat in der Sáhara_‚ in den
-_Mittheilungen der Riebeck’schen Niger-Expedition_, Leipzig, 1884, II,
-S. 31 ff. = Basset, _Contes populaires d’Afrique_, S. 12 ff.
-
-Basset, _Zenatia_, S. 134; Basset, _Nouveaux contes berbères_, Paris,
-1897, S. 349.
-
-Ähnlich wie hier Schahas Frau den Wasserschlauch hergibt, verkauft bei
-Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S. 187 Giucca Quattrini für Töpfe.
-Über dieses Motiv, das ~Verschleudern wertvoller Dinge durch einen
-Dummkopf~, vgl. Köhler, I, S. 66, 71, 342 und 391; zu den an diesen
-Stellen und im _Archiv für slavische Philologie_, XXI, S. 285 gegebenen
-Nachweisen kommen noch E. Sklarek, _Ungarische Volksmärchen_, Leipzig,
-1901, S. 251 ff. und 298, M. Preindlsberger-Mrazović, _Bosnische
-Volksmärchen_, Innsbruck, 1905, S. 95 ff. und Chauvin, VI, S. 31 ff.
-
-Zu der Wiedergewinnung vgl. Chauvin, V, S. 64, Note.
-
-
-394. _Fourberies_, Nr. 2; _Nawadir_, S. 6; vgl. oben Nr. 160.
-
-Hartmann, S. 53 ff.
-
-Ungefähr dasselbe erzählen das _Hadikat al afrah_‚ von asch Schirwani
-(Basset in der _RTP_, XIV, S. 290) und Roda Roda, S. 75.
-
-
-395. _Fourberies_, Nr. 5; _Nawadir_, S. 13.
-
-_Fourberies_, S. 26.
-
-Die an dieser Stelle zitierte älteste Version der Geschichte aus
-Abdirabbihis _Kitab al ikd al farid_‚ hat Basset in der _RTP_, XV, S.
-282 übersetzt; ebendort zitiert Basset noch eine Parallele aus dem
-_Mustatraf_‚ von al Abschihi; vgl. weiter Dschami, _Bäharistan_, S. 73
-ff., Kuka, S. 205, Nr. 133 und Galland, S. 33.
-
-
-396. _Fourberies_, Nr. 7; Buadem, Nr. 98; _Tréfái_, Nr. 131; Serbisch,
-S. 86; Kroatisch, S. 52.
-
-
-397. _Fourberies_, Nr. 9; _Nawadir_, S. 12.
-
-_Fourberies_, S. 25; Basset in der _RTP_, XVIII, S. 138 (eine ähnliche
-Erzählung steht schon in dem _Kitab al ikd al farid_‚ von Abdirabbihi).
-
-
-398. _Fourberies_, Nr. 10; _Nawadir_, S. 11; Buadem, Nr. 104; Serbisch,
-S. 88 ff.; Kroatisch, S. 58 ff.
-
-_Fourberies_, S. 25; Basset in der _RTP_, XVII, S. 606.
-
-
-399. _Fourberies_, Nr. 12.
-
-Köhler, I, S. 500; Hartmann, S. 57.
-
-In einer Erzählung des im siebenten Jahrhundert n. Chr. verfaßten
-Midrasch _Echa rabbathi_‚ verteilt ein Mann aus Jerusalem als Gast
-fünf Hühner auf folgende Weise: der Hausherr und sein Weib erhalten
-ein Huhn, die zwei Söhne eines, die zwei Töchter eines und er selber
-zwei, so daß überall die Zahl drei resultiert. A. Wünsche, der diese
-Erzählung in der _Z. f. vgl. Littg._, N. F., IV, S. 40 ff. mitteilt
-(andere Parallelen bei Armeno-Wetzel, _Die Reise der Söhne Giaffers_,
-hg. v. Fischer u. Bolte, Tübingen, 1895, S. 207), bringt ebendort, S.
-43 ff. eine völlig entsprechende Variante aus Johannes Juniors _Scala
-coeli_, Ulm, 1480, Bl. 37^b bei:
-
-Cum in prandio quinque haberet perdices, voluit, ut secundum scientiam
-divinam eas divideret. Tunc clericus: In divinitate trinitas est
-principium, et ideo vobis et dominae do unam et sic estis tres, duabus
-filiabus unam et sic sunt tres, duobus filiis unam et sic estis tres;
-mihi soli duas et sic sumus tres.
-
-Vereinfacht ist dieses Beispiel in der türkischen Volkserzählung _Vom
-Räuber und vom Richter_, die wie Prelog bemerkt, der Steindruckausgabe
-von Nasreddins Schwänken als Saum für jede Seite beigeschrieben wurde
-(vgl. Chauvin, V, S. 187). Dort heißt es (Camerloher, S. 69 ff.):
-
-Der Richter ..... hieß ihn auch die drei Hennen austeilen. Der Räuber
-schaute sich um, sah, daß die Kinder und die Diener weggegangen waren,
-gab eine Henne der Richterin und die zwei andern sich selbst.
-
-Richter: »Was ist dies für eine Verteilung?«
-
-Räuber: »Die Henne ist eins, und ihr beide dazu macht drei; ich bin
-eins, und die zwei Hennen dazu macht drei.«
-
-Man sieht, daß die Schnurre Dschehas nur eine nicht unwitzige
-Steigerung dieser Geschichte darstellt. Vgl. auch unten Nr. 467.
-
-
-400. _Fourberies_, Nr. 19; Pharaon, S. 185 ff.; Pann, S. 353 ff.
-
-_Fourberies_, S. 74.
-
-
-401. _Fourberies_, Nr. 22; _Nawadir_, S. 10.
-
-_Fourberies_, S. 24 und 79.
-
-Hammer, _Rosenöl_, II, S. 274 ff.; Gladwin, II, S. 25, Nr. 66;
-Clouston, _Flowers_, S. 95 ff.; Kuka, S. 83 ff.; Basset in der _RTP_,
-XIII, S. 617 (aus dem _Mustatraf_‚ von al Abschihi). Vgl. auch
-Wesselski, _Mönchslatein_, Nr. 20 und die Noten auf S. 206.
-
-
-402. _Fourberies_, Nr. 23; Buadem, Nr. 99; _Nawadir_, S. 5; Serbisch,
-S. 86.
-
-_Fourberies_, S. 19 ff.
-
-~Aristoteles und die Königin~: Wesselski, _Mönchslatein_, S. 244
-ff.; dort wären noch anzuziehen gewesen Bolte, _Die Singspiele der
-englischen Komoedianten_, S. 21, Gaudefroy-Demonbynes in der _RTP_, XI,
-S. 530, Basset ebendort, XV, S. 109 ff. und A. Borgeld, _Aristoteles en
-Phyllis_, Groningen, 1902.
-
-
-403. _Fourberies_, Nr. 24; _Nawadir_, S. 44.
-
-_Fourberies_, S. 73.
-
-Vgl. Arlotto, I, S. 193 ff., wo noch auf Boltes Anmerkung zu Schumanns
-_Nachtbüchlein_, Nr. 42, S. 409 und hinter Freys _Gartengesellschaft_,
-S. 284, auf Bolte in der _ZVV_, XIII, S. 422 und auf Cosquin, II, S.
-209 zu verweisen gewesen wäre.
-
-
-404. _Fourberies_, Nr. 33.
-
-
-405. _Fourberies_, Nr. 35; vgl. auch dort Nr. 36.
-
-_Fourberies_, S. 74.
-
-Der Betrug mit dem Ziegenfelle, auf das der Sohn als ~angeblicher
-Käufer mitbietet~, kehrt wieder zu Beginn der 6. Erzählung bei Socin
-und Stumme, _Der arabische Dialekt der Houwara_, S. 35 und 98 (=
-Basset, _Contes populaires d’Afrique_, S. 121), die uns noch unten bei
-Nr. 407 begegnen wird; vgl. auch Henning, _Tausend und eine Nacht_,
-XIX, S. 13 ff. und Chauvin, VIII, S. 107.
-
-
-406. _Fourberies_, Nr. 37.
-
-Vgl. die 66. Facetie Poggios: _Dictum Perusini ad uxorem_‚ und die 93.
-der _Cent nouvelles nouvelles_‚. Ausführliche Nachweisungen gibt Bolte
-zu Frey, Nr. 21, S. 223 ff.; dazu kommen noch Domenichi, _Facetie_,
-1562, S. 25 ff. und 282 (= Ausgabe von 1581, S. 30 und 349) und
-Sagredo, _L’Arcadia in Brenta_, S. 386 ff.
-
-Anders Serbisch, S. 128:
-
-Der Hodscha Nasreddin hatte seiner Frau neue Pantoffel gekauft, aber
-mit Papiersohlen. Als das die Frau sah, begann sie mit dem Hodscha
-zu zanken, aber er sagte zu ihr: »Du nichtsnutziges Ding, kümmere
-dich um deine Arbeit; wollte Gott, du könntest mit dem Fuß nicht mehr
-auftreten; dann könntest du sie hundert Jahre tragen.«
-
-
-407. _Fourberies_, Nr. 38; siehe Nr. 426 und 427, ferner die
-Dschahangeschichte bei Stumme, _Malta_, S. 50 ff. (= Stumme, _Studien_,
-S. 37), den Schluß des 91. Stückes: _Dschahans Abenteuer_‚ bei Ilg,
-II, S. 43 ff. und Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S. 184 ff. (von
-Giucca). Vgl. auch oben Nr. 277 und die Noten dazu.
-
-_Fourberies_, S. 75; Basset in der _RTP_, XI, S. 498 ff.
-
-Über den ~Verkauf an einen Vogel, einen Baum, eine Statue~ usw. handeln
-Köhler, I, S. 51, 65, 98 und 99 ff., Basset im _Loqmân berbère_, S.
-77 ff., Köhler-Bolte in der _ZVV_, VI, S. 73, Clouston, _Noodles_,
-S. 143 ff., Cosquin, II, S. 179 ff. und Chauvin, VI, S. 125 ff. Ohne
-Rücksicht, ob schon zitiert oder nicht, gebe ich hier alle Versionen,
-die ich einsehn konnte, indem ich auch auf das oben bei Nr. 383
-angezogene Motiv von dem ~Regen eßbarer Dinge~ Rücksicht nehme:
-
-Stumme, _Elf Stücke im Silha-Dialekt von Tázerwalt_, Nr. 7 in der
-_Zeitschr. d. Deutschen Morgenl. Ges._, XLVIII, S. 403 ff. (an eine
-Eule; Regen von Bohnen und Erbsen); Stumme, _Der arabische Dialekt der
-Houwara_, S. 35 und 98 ff. (= Basset, _Contes populaires d’Afrique_,
-S. 121 ff.): (Eule; gewöhnlicher Regen. Scheint verderbt zu sein);
-Rivière, _Recueil de contes populaires de la Kabylie du Djurdjura_,
-S. 179 ff. (Kuckuck, Kuchenregen); Ilg, II, S. 51 ff. (Holzbildsäule;
-Weinbeerenregen); Giamb. Basile, _Lo Cunto de li Cunti_, j. I, t.
-4 (1. Ausg. 1634), Napoli, 1891, I, S. 63 ff. = _Der Pentamerone_,
-übertragen von F. Liebrecht, Breslau, 1846, I, S. 61 ff. (Bildsäule;
-Regen von Rosinen und Feigen); R. Forster, _Fiabe popolari dalmate_,
-Nr. 13 im _Archivio_, X, S. 313 ff. (Mehl an Bäume; ohne Schatz) und
-314 (Statue); Schott, _Walachische Märchen_, Stuttgart, 1845, zitiert
-bei Mackenzie, _The Marvellous Adventures and Rare Conceits of Master
-Tyll Owlglass_, New Ed., London, 1890, S. 313 (Baum); Haltrich, S. 232
-ff. (Eiche); Krauss, _Sagen und Märchen der Südslaven_, I, S. 249 ff.
-(Buche); Sklarek, S. 204 ff. (Weidenbaum); Böhm, _Lettische Schwänke_,
-S. 42 ff. (Kiefern); Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, III,
-S. 127 ff. (Statue); Sébillot, _Contes de la Haute-Bretagne_‚ in der
-_RTP_, XI, S. 504 ff. und 505 (Heiliger); derselbe, _Contes et légendes
-de la Haute-Bretagne_‚ in der _RTP_, XXIV, S. 140 ff. (Heiliger; kein
-Schatz gefunden); J. Frison, _Contes et légendes de la Basse-Bretagne_‚
-in der _RTP_, XXII, S. 404 ff. (Heiliger); Sébillot, _Littérature
-orale de la Auvergne_, S. 81 (Heiliger; kein Schatz gefunden); Carnoy,
-_Littérature orale de la Picardie_, S. 190 und 196 (Christusbild);
-Cosquin, II, S. 177 ff. (Ohne Schatz finden; Jean Bête nimmt dem
-Heiligen einfach die Leinwand wieder ab).
-
-
-408. _Fourberies_, Nr. 40.
-
-
-409. _Fourberies_, Nr. 41.
-
-
-410. _Fourberies_, Nr. 42.
-
-
-411. _Fourberies_, Nr. 43.
-
-
-412. _Fourberies_, Nr. 52 und
-
-
-413. _Fourberies_, Nr. 53.
-
-Diese Erzählung hat eine merkwürdige Übereinstimmung mit dem 7. der
-_KHM_‚ der Brüder Grimm: _Der gute Handel_‚ und mit dem 52. Stücke
-der Krausschen _Sagen und Märchen der Südslaven_‚; in diesen beiden
-Märchen macht ein Bauer eine Königstochter durch die Erzählung von dem
-~Fleischverkaufe an Hunde~ (s. oben die Anmerkung zu Nr. 277, wo auch
-auf Jahn, _Schwänke und Schnurren_, S. 103 ff. zu verweisen gewesen
-wäre) lachen und soll sie deshalb zur Gattin erhalten.
-
-~Königstochter lachen machen~: Grimm, _KHM_, III, S. 115; Benfey,
-_Pantschatantra_, I, S. 518; Köhler, I, S. 93 ff. und 348; Bolte bei
-Montanus, S. 569; _Archiv für slavische Philologie_, XXI, S. 295, XXII,
-S. 301 und 307. Vgl. weiter Monnier, S. 325 ff. und 329; Sklarek, S.
-206 ff. und 295; Wlislocki, _Märchen und Sagen der transsilvanischen
-Zigeuner_, Berlin, 1886, S. 119 ff.; Haltrich, S. 175 ff.; Wenzig,
-_Westslawischer Märchenschatz_, Leipzig, 1857, S. 312 ff.; Bladé,
-_Contes populaires de la Gascogne_, III, S. 23 ff.; Jacobs, _English
-Fairy Tales_, S. 154 und 249 (Motiv mißverstanden); Reinisch, _Die
-Nuba-Sprache_, I, S. 224 ff. Eine diesen Zug behandelnde Abhandlung von
-J. Polivka in der _Pohadkoslovne studie_, Prag, 1904 ist mir unbekannt
-geblieben.
-
-
-414. _Fourberies_, Nr. 54 und
-
-
-415. _Fourberies_, Nr. 55.
-
-S. die Nrn. 347, 383 und 430.
-
-
-416. _Fourberies_, Nr. 56.
-
-Für diese Erzählung gilt das, was Benfey, _Pantschatantra_, I, S.
-360 von ihrer Parallele, der äsopischen Fabel Von dem Bauern und der
-Schlange (Halm, Nr. 96) sagt, nämlich daß sie wie ein Fragment aussieht
-und nur den Eindruck von gehörtem und nicht völlig verstandenem, darum
-unzusammenhängendem macht; vor allem fehlt jeder Grund, daß Dscheha
-den Schakal in sein Haus aufnimmt. Vgl. Österleys Anmerkungen zu
-_Gesta Romanorum_, Nr. 141 und zu Kirchhof, _Wendunmuth_, VII, Nr. 91,
-die Anmerkungen Kurzens zu Waldis, I, Nr. 26, Chauvin, II, S. 94 und
-Nopcsa, _Aus Sala und Klementi_, Sarajevo, 1910, S. 63 ff.
-
-~Schakal~ (Fuchs) ~hat zehn~ (hundert etc.) ~Listen~: Benfey, I, S.
-316; Köhler, I, S. 408, 534 und 560; Chauvin, III, S. 54.
-
-
-417. _Fourberies_, Nr. 59.
-
-Zu der Probe der Scharfsichtigkeit vgl. Busch, _Ut ôler Welt_, S. 12 ff.
-
-
-418. _Fourberies_, Nr. 60.
-
-
-
-
-IV. Maltesische Überlieferungen
-
-
-419. _Bonelli_, S. 459; Buadem, Nr. 30; Serbisch, S. 61 ff.
-
-
-420. _Bonelli_, S. 459.
-
-
-421. Stumme, _Studien_, S. 49 ff. = Stumme, _Malta_, S. 79 ff.; Stumme,
-_Studien_, S. 61 ff. = Stumme, _Malta_, S. 91 ff.; Bonelli, S. 459 ff.;
-Ilg, II, S. 41 ff., Nr. 91.
-
-Reichliche Varianten geben Cosquin, II, S. 202 ff. und 363 ff. und
-Chauvin in der _ZVV_, XV, S. 462; dazu vgl. noch Luzel, _Contes
-populaires de Basse-Bretagne_, III, S. 400 ff., P. Sébillot, _Contes
-de la Haute-Bretagne_, Nr. 22 in der _RTP_, XI, S. 453 ff.; Wlislocki,
-_Märchen und Sagen der transsilvanischen Zigeuner_, S. 73 ff.; Ilg, II,
-Nr. 98, S. 50 ff.; Bolte in der _ZVV_, XVII, S. 339.
-
-
-422. Ilg, II, Nr. 94.
-
-
-423. Ilg, II, Nr. 95.
-
-Der Schwank erinnert an das Salzsäen im 14. Kapitel des _Lalenbuchs_‚
-(Stuttgart, 1839, S. 61 ff.; v. d. Hagen, S. 83 ff.), wo es überdies
-heißt: »Demnach auch kund und offenbar, daß andere Sachen wachsen,
-als Kälber, so man Käse setzet, und Hühner, wenn man Eier in Boden
-stecket ...«; vgl. dazu Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 119. Ähnlich
-ist das Anbauen von Kuhschwänzen, um Kühe zu erhalten; s. Keller, _Die
-Schwaben_, S. 137 ff. und Bronner, _Schelmen-Büchlein_, S. 107 ff.
-Klaus Narr, der Pfennige aussät, um Geld zu ernten (S. 85), will auch
-Schafe und Geflügel anbauen (S. 203 ff.):
-
-Clauß strawte Schaaflorbern auß vnd meinet, es würden Schaaf dauon
-außgehen; da sprach einer: Lieber Clauß, es werden keine Schaaf auß
-diesem Samen. Clauß sprach: Werdens nit Schaafe, so werdens Lämmer, die
-dienen auch in der Küchen an die Bratspiesse.
-
-
-Also satzte er auch Kötlein von Hünern vnd Gänsen vnd versahe sich, es
-würden Hüner vnd Gänse drauß wachsen; da sprache einer zu jm: Es ist
-vmb sonst, Clauß, was du thust; wenn du aber Eyer einscharretest, so
-würden junge Hüner drauß. Clauß antwortet: Was taug vnd kan ein ding
-vnversuchet? Ich wils hiemit versuchen, wil es denn nicht gerahten, so
-wil ich Eyer eynscharren.
-
-Vgl. auch die 11. und die 12. der von Decourdemanche hinter den
-_Plaisanteries de Nasr-Eddin Hodja_, S. 123 ff. mitgeteilten
-Karakuschgeschichten.
-
-
-424. Ilg, II, Nr. 96.
-
-Eine maltesische Parallele steht bei Ilg, II, S. 39; vgl. weiter Grimm,
-III, S. 101.
-
-
-425. Ilg, II, Nr. 97.
-
-Der Schwank ist mir außer bei Costo, _Il Fuggilozio_, S. 91 und
-bei Sagredo, _L’Arcadia in Brenta_, S. 165 ff. auch schon in einer
-ältern italiänischen Facetien- oder Novellensammlung begegnet; leider
-ist mir nicht erinnerlich, in welcher. Auf einer italiänischen
-Quelle beruht auch das dasselbe erzählende 35. Stück von Wickrams
-_Rollwagenbüchlein_‚; vgl. Boltes Noten dazu S. 370 ff.
-
-
-
-
-V. Sizilianische Überlieferungen
-
-
-426. Pitrè, III, S. 353 ff.; Crane, S. 291 ff.; Gonzenbach, I, S. 249
-ff. (der Anfang ist identisch mit der Nr. 427); vgl. oben die Nr. 277
-und 407.
-
-Pitrè, III, S. 371; Crane, S. 379; Gonzenbach, II, S. 228.
-
-Der ~Befehl, nur an Leute zu verkaufen, die wenig reden~ begegnet nicht
-nur in der Fassung bei Pitrè, sondern auch bei Basile, Cosquin und
-Frison an den zu Nr. 407 genannten Stellen.
-
-
-427. Pitrè, III, S. 354 ff.; Crane, S. 292; Gonzenbach, I, S. 249 ff.
-
-Crane, S. 379; Cosquin, II, S. 180 ff.
-
-Bei Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S. 188 deckt Giucca mit der
-schon gefärbten Leinwand einen Dornbusch zu, der ihm vor Kälte zu
-zittern scheint.
-
-
-428. Pitrè, III, S. 355 ff.; Crane, S. 293.
-
-Crane, S. 293 ff. und 380.
-
-Bei Pitrè, III, S. 372 (Monnier, S. 59) steht eine Variante, wo sich
-Giufà über die Fliegen nur deshalb beklagt, weil sie ihn belästigen;
-der Ausgang ist ebenso wie in der in Rede stehenden Erzählung.
-Diese Variante, die mit einer Juvadigeschichte bei Mango, S. 54
-übereinstimmt, ist eine Parallele zu unserer Nr. 280. Vgl. dazu noch
-die Nachweisungen Pitrès im _Archivio_, V, S. 140.
-
-Von den in unsere Erzählung verwobenen Motiven erinnert der
-~Fleischverkauf an die Fliegen~ an den oben bei Nr. 277 und 412
-besprochenen ~Fleischverkauf an die Hunde~, während wir der
-~Verscheuchung von Dieben durch ein harmloses Selbstgespräch~ (zu der
-hier besprochenen Fassung vgl. noch die Giufàgeschichte bei Gonzenbach,
-I, S. 260 ff.) unten bei Nr. 446 begegnen werden.
-
-
-429. Pitrè, III, S. 356 ff.; Gonzenbach, I, S. 255 ff.; Crane, S. 298
-ff.; Monnier, S. 12 ff.
-
-Köhler-Bolte in der _ZVV_, VI, S. 74.
-
-Meist bis in die Einzelheiten übereinstimmende Varianten geben
-Lidzbarski, _Geschichten und Lieder_, II, S. 175 ff., Ilg, II, S. 20
-ff., M. Preindlsberger-Mrazović, _Bosnische Volksmärchen_, S. 47
-ff., Finamore im _Archivio_, V, S. 219 ff. und P. Sébillot in der
-_RTP_, XI, S. 391 ff.; vgl. auch _Archiv für slavische Philologie_,
-XXII, S. 305 (kleinrussisch).
-
-
-430. Pitrè, III, S. 360 ff.; Crane, S. 294 ff.; Gonzenbach, I, S. 252
-ff.; Pitrè, IV, S. 291.
-
-Pitrè, III, 373 ff. und IV, 444 ff.; Crane, S. 295 ff. und S. 380;
-Köhler-Bolte in der _ZVV_, VI, S. 74.
-
-Vgl. die Nrn. 347, 383 und 415.
-
-
-431. Pitrè, III, S. 361 ff.; Crane, S. 296; Gonzenbach, I, S. 253. Vgl.
-die als Nr. 445 mitgeteilte Juvadigeschichte.
-
-In einer Erzählung bei Stumme, _Malta_, S. 55 ff. (_Studien_, S. 40)
-wirft Dschahan das kleine Mädchen, das er waschen soll, in einen Kessel
-siedenden Wassers.
-
-Köhler-Bolte in der _ZVV_, VI, S. 74; weitere Nachweise gibt Bolte bei
-Frey, S. 223.
-
-
-432. Pitrè, III, S. 365 ff. Siehe oben Nr. 55.
-
-
-433. Pitrè, III, S. 366 ff.; Crane, S. 296 ff.; Gonzenbach, I, S. 252;
-eine ähnliche Geschichte von Juvadi bei Mango, S. 47 ff.: _Juvadi et la
-jocca_‚.
-
-Bei Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S. 180 ff. und 195 setzt sich
-Giucca erst auf die Eier, nachdem er sich mit Honig bestrichen und in
-Federn gewälzt hat.
-
-Pitrè, III, S. 376; Crane, S. 380; Gonzenbach, II, S. 228; Köhler-Bolte
-in der _ZVV_, VI, S. 74.
-
-Vgl. weiter meine Anmerkungen zu Bebel, I, Nr. 26 und III, Nr. 148 und
-zu Morlinis 49. Novelle, Lidzbarski, _Geschichten und Lieder_, S. 128
-ff. (Bolte in der _Z. f. vgl. Littg_‚., XIII, S. 233), Böhm, _Lettische
-Schwänke_, S. 118 zu Nr. 33 und endlich Busch, _Ut ôler Welt_, S. 35
-ff., Nr. 16.
-
-
-434. Pitrè, III, S. 369 ff.
-
-Abu Nuwas ist der Held dieser Geschichte bei Velten, _Märchen und
-Erzählungen der Suaheli_, S. 25 ff., bei Büttner, _Anthologie aus der
-Suahelilitteratur_, I, S. 90 ff. und II, S. 90 ff. und bei Reinisch,
-_Die ’Afar-Sprache_, I, S. 15 ff. (in die letztgenannte Erzählung ist
-der gewöhnliche Schluß der Unibosmärchen verwoben); von Bahlul wird sie
-berichtet bei Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem Iraq_, Nr. 44,
-S. 76 und 77 ff.; siehe ebendort, S. V.
-
-VI. Kalabrische Überlieferungen
-
-
-435. F. Romano, _Calabresismi_, Teramo, 1891, S. 109, abgedruckt im
-_Archivio_, XI, S. 112.
-
-Das Motiv von der ~verkehrten Ansprache oder Begrüßung~ (siehe oben die
-Anmerkung zu Nr. 169), das hier nur am Schlusse leichthin angedeutet
-ist, ist vollkommen durchgeführt in der Giufàerzählung bei Pitrè, III,
-S. 362 ff.; vollständig fehlt es hingegen bei den sonst als Parallelen
-zu bezeichnenden Erzählungen von Juvadi bei Mango, S. 48 und von
-Dschahan bei Bonelli, S. 458 und Stumme, _Malta_, S. 52 (_Studien_, S.
-38).
-
-Vgl. weiter Ilg, II, S. 48: _Die Taten des Buassu_‚.
-
-
-436. Mango, S. 48 ff.
-
-
-437. Mango, S. 49 ff.
-
-Vgl. Henning, _Tausend und eine Nacht_, XXIII, S. 213 ff. (Chauvin,
-VII, S. 150 ff.); Gonzenbach, II, S. 138 ff.; Pitrè, III, S. 223 ff.
-und 236 ff.; Cosquin, II, S. 338 ff.; Köhler-Bolte in der _ZVV_, VI, S.
-171; Wesselski bei Morlini, S. 320 ff.; Clouston, _Popular Tales and
-Fictions_, II, S. 36 ff. und 473 ff.
-
-An Märchen, die dem unsrigen nahe stehn, seien noch genannt: _Amalfi,
-Novelluzze raccolte in Tegiano (Prov. di Salerno)_, Nr. 1: _Lo cunto
-re lu puorcu_‚ im _Archivio_, XIX, S. 497 ff.; G. Crocioni, _Novelle
-popolari in dialetto di Canistro (Aquila)_, Nr. 4: _La vaccarella_‚ im
-_Archivio_, XX, S. 190 ff.; Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S. 277
-ff., Nr. 59: _Il porco e il castrato_‚; P. Sébillot, _Contes de prêtres
-et de moines, recueillis en Haute-Bretagne_, Nr. 1: _Les moines et le
-bonhomme_‚ im _Archivio_, XIII, S. 274 ff.; Radloff, III, S. 336 ff.:
-_Eshigäldi_‚; vgl. auch Jacob, _Türkische Volkslitteratur_, Berlin,
-1901, S. 7 ff. und _Archiv für slavische Philologie_, XXVI, S. 465.
-
-Zu dem einleitenden Zuge, der ~Herauslockung des Tieres~, vgl.
-Wesselski, _Mönchslatein_, S. 209 zu Nr. 29, wo noch auf Bromyard,
-S. 8, 9, _Kátha Sarit Ságara_, II, S. 68 ff. und 636 und Lecoy de la
-Marche, _L’esprit de nos aïeux_, S. 196 ff. zu verweisen gewesen wäre,
-und Hertel, _Tantrâkhyâyika_, Leipzig und Berlin, 1909, I, S. 137.
-
-Zu der Verkleidung als Arzt vgl. noch Tallemant des Réaux, _Les
-Historiettes_, 3^e ed. par P. Paris et De Monmerqué, Paris, 1865, VI,
-S. 220, Nr. 472: _Vengeance raffinée_‚.
-
-
-438. Mango, S. 51 ff.
-
-Der Eingang, nämlich die Tötung des Morgensängers, kehrt wieder in
-der bei Pitrè, III, S. 375 ff. als Variante zu der oben als Nr. 430
-gebrachten Giufàgeschichte mitgeteilten Erzählung.
-
-Der Rest ist eine Bearbeitung des Motivs von der ~mehrfachen Ausnutzung
-eines Leichnams~, worüber man — ohne Rücksicht auf die in den
-Unibosmärchen oft vorkommende Nutznießung aus der Leiche der Mutter
-— v. d. Hagen, _Gesammtabenteuer_, III, S. LII ff., Cosquin, II, S.
-333 ff., Bédier, S. 469, Köhler, I, S. 65, W. C. Hazlitt, _Tales and
-Legends of National Origin or widely current in England from early
-times_, London, 1892, S. 480 ff.: _The Monk of Leicester who was four
-times slaine und once hanged_, Rittershaus, S. 396 ff. und 399 ff.,
-Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 119 ff. vergleiche; verwandt damit ist
-auch Stumme, _Malta_, S. 61 ff. (= _Studien_, S. 44 ff.).
-
-
-439. Mango, S. 52 ff.
-
-Wie man sieht, ist diese Geschichte nichts als eine Variante des 3.
-Märchens des 1. Tages bei Basile; ausführliche Nachweisungen geben
-Köhler-Bolte in der _ZVV_, VI, S. 174 ff. und Köhler, I, S. 405 und
-588. Vgl. auch _Archiv für slavische Philologie_, XXVI, S. 463.
-
-Zu der ~Heilung durch Lachen~ vgl. oben die Anmerkung zu Nr. 167
-und meine Nachweise in Bebels _Schwänken_, II, S. 110 ff.; ferner
-_Studien z. vgl. Litg._, VII, S. 236; J. Meder, _Quadragesimale de
-filio prodigo_, 1494, sermo 20, zitiert bei Cruel, _Geschichte der
-deutschen Predigt im Mittelalter_, 1879, S. 568 ff.; Celtes, _Fünf
-Bücher Epigramme_, hg. v. Hartfelder, Berlin, 1881, S. 57; Passano, _I
-novellieri italiani in prosa_, 2^a ed., Torino, 1878, II, S. 104.
-
-
-440. Mango, S. 53.
-
-
-441. Mango, S. 53 ff.
-
-
-442. Mango, S. 54.
-
-
-443. Mango, S. 54.
-
-Vgl. Merkens, I, S. 168 ff., Nr. 196 und Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 34
-ff.; ich glaube aber die Schnurre auch schon als Predigtmärlein gelesen
-zu haben.
-
-
-444. Mango, S. 55.
-
-Das ~Verschmieren der Wandritzen mit Teig~ erinnert an das ~Bestreichen
-der Erde mit Butter~‚: Grimm, _KHM_, Nr. 59; Haltrich, S. 245, Nr. 67;
-Rittershaus, S. 357; E. H. Carnoy, _Littérature orale de la Picardie_,
-S. 189 ff.; Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 118 zu Nr. 31; _Archiv für
-slavische Philologie_, XXII, S. 309; Reinisch, _Die Saho-Sprache_,
-I, S. 242; derselbe, _Die Bedauye-Sprache_, Wien, 1893, I, S. 58 ff.
-Getränkt wird die durstige Erde bei L. Morin, _Contes Troyens_, Nr. 8
-in der _RTP_, XI, 460 ff., und ihre Risse werden mit Geld verstopft bei
-P. Sébillot, _Littérature orale de la Haute-Bretagne_, S. 98. Siehe
-auch oben die Anmerkung zu Nr. 427.
-
-
-445. Mango, S. 55.
-
-Die ~Unkenntnis vom Wesen des Kindsschädels~ als Ursache der Tötung des
-Kindes begegnet konform wie hier bei Haltrich, S. 243 (... da merkte
-Hans, daß dem Kinde der Scheitel zuckte, das waren aber die Weichen,
-die bei der Aufregung des Kindes erzitterten. Hans aber dachte, das
-sei eine bösartige Blase, nahm eine große Nadel, stach sie durch, und
-das Kind zuckte nur einigemal und war tot ...) und bei G. Amalfi, _I
-chiochiari nel mandamento di Tegiano_‚ im _Archivio_, VII, S. 132 ff.;
-eine augenscheinlich verdorbene Version erzählt Alice Fermé, _Contes
-recueillis en Tunis_, Nr. 1: _La bonne femme_‚ in der _RTP_, VIII, S.
-28 ff.
-
-
-446. Mango, S. 55 ff.; ebenso von Giufà: Pitrè, III, Nr. 367 ff.
-
-In derselben Weise, nur daß es sich um das einem zerbrochenen Kruge
-entströmende Wasser handelt, geschieht die ~Verscheuchung der Diebe~ im
-57. Märchen bei Gonzenbach, II, S. 3 ff.
-
-Auf die durch den Schwank Bebels, II, Nr. 112 und durch die 6. Novelle
-der 13. Nacht bei Straparola charakterisierten Erzählungsreihen, die ja
-auch hieher gehören, näher einzugehn, würde wohl zu weit führen.
-
-
-447. Mango, S. 56. Vgl. oben Nr. 49.
-
-VII. Kroatische Überlieferungen
-
-
-448. Kroatisch, S. 91 ff.; Nouri, S. 94 ff.
-
-
-449. Kroatisch, S. 95.
-
-
-450. Kroatisch, S. 101; eine Variante, wo Nasreddin nicht der Gefoppte,
-sondern der Foppende ist, bieten Tewfik, Nr. 40, _Tréfái_, Nr. 138,
-Griechisch, Nr. 18, Serbisch, S. 26 und Kroatisch, S. 16. Vgl. weiter
-Buadem, Nr. 38, Serbisch, S. 63 und Kroatisch, S. 38 ff.
-
-Horn zitiert im _Keleti szemle_, I, S. 69 eine Version aus der
-_Herzerfreuenden Schrift_‚ von Zakani, und Basset hat in der _RTP_, XV,
-S. 461 eine damit ziemlich übereinstimmende aus dem _Nuzhat al udaba_‚
-übersetzt. Zeitlich in der Mitte liegt die Nr. 1 der von Papanti
-herausgegebenen _Facezie e motti dei secoli XV e XVI_‚ (Bologna, 1874),
-die etwa zwischen 1490 und 1500 niedergeschrieben worden ist[20].
-Danach hat der spanische Gesandte bei Innocenz VIII. im Jahre 1486,
-als der König von Frankreich die Florentiner durch Drohungen dem König
-Ferrante II. abspenstig zu machen versuchte, einem Sekretär Lorenzos de
-Medici und einem Beamten der Signoria von Florenz folgende Geschichte
-erzählt:
-
-Che in Hispagna a casa sua era stato uno povero, che andava mendicando
-con un bordone, a capo del quale era un ferro acuto et lungho; e quando
-chiedeva la limosina ad alcuno, gli voltava la punta di decto bordone,
-come se gli volessi dare con epso, dicendo: Tale, dammi qualche cosa
-per l’amore di Dio, se no .... Di che seguiva, che molti, cognoscendolo
-matto et importuno, vedendosi vòlta la punta, et interpretando quello
-se no: io ti darò con questo bordone; per non havere a chonbatter con
-lui, gli davano la limosina. Seguì un giorno, che, faccendo il decto
-povero questo acto a un cavaliere, huomo giovane et animoso; trovandosi
-la spada allato, come costumano in quel paese ciascun portarla;
-sdegnandosi questo cavaliere, messo mano alla spada, et voltàtosi
-al povero con epsa: Che se no, o non se no? Il povero incontinenti
-rispose: Se non, me n’andrò con Dio sanza danari. Et così per la più
-corta si partì.
-
-Es gibt aber noch eine viel ältere abendländische Bearbeitung, und
-die steht in dem 3. Buche der _Carmina_‚ des von Karl dem Großen 794
-zum Bischof von Orléans ernannten und von Ludwig dem Frommen vier
-Jahre lang (817-821) in Angers gefangen gehaltenen Italiäners oder
-Südfranzosen Theodulphus; sie folge hier nach dem Abdrucke bei Migne,
-CV, S. 330:
-
- Saepe dat ingenium quod vis conferre negabat,
- Compos et arte est qui viribus impos erat.
- Ereptum furto castrensi in turbine quidam
- Accipe qua miles arte recepit equum.
- Orbus equo fit praeco, cietque ad compita voce,
- Quisquis habet nostrum reddere certet equum.
- Sin alias, tanta faciam ratione coactus,
- Quod noster Roma fecit in urbe pater.
- Res movet haec omnes, et equum fur sivit abire,
- Dum sua vel populi damna pavenda timet.
- Hunc herus ut reperit, gaudet, potiturque reperto,
- Gratanturque illi quis metus ante fuit.
- Inde rogant quid equo fuerat facturus adempto,
- Vel quid in urbe suus egerit ante pater.
- Sellae, ait, adjunctis collo revehendo lupatis
- Sarcinulisque aliis, ibat onustus inops.
- Nil quod pungat habens, calcaria calce reportans,
- Olim eques, inde redit ad sua tecta pedes.
- Hunc imitatus ego fecissem talia tristis,
- Ne foret iste mihi, crede, repertus equus.
-
-Einen der Fassung bei Memel, S. 20, Nr. 27 nahestehenden englischen
-Schwank druckt Ashton, S. 200 aus _England’s Jests Refin’d and
-Improv’d_, 3^{rd} Ed., London, 1693 ab:
-
-A Scholar meeting a Countreyman upon the Road rid up very briskly to
-him; but the Countreyman, out of respect to him was turning off his
-Horse to give him the Road, when the Scholar, laying his Hand upon his
-Sword, said: »’Tis well you gave me the Way, or I’d ....« »What wou’d
-you have done?« said the Countreyman, holding up his Club at him.
-»Given it to you, Sir,« says he, pulling off his Had to him.
-
-Vgl. weiter Lehmann, _Exilium melancholiae_, D, 57, S. 96, Amalfi,
-_XII facezie e motti raccolti in Piano di Sorrente_, Nr. 1: _Fateme
-’a caretà, ca se no!_‚ im _Archivio_, XXI, S. 335 ff. und Krauss,
-_Zigeunerhumor_, S. 143 ff., 169 ff. und 186.
-
-Diese Drohung ~Entweder~ .... ~oder~ ....! erinnert an die im drohenden
-Tone gerichtete Frage: _Ist das Ernst oder Spaß?_, z. B. in _Archie
-Armstrong’s Banquet of Jests_, S. 216:
-
-Two Gentlemen meeting, the one jostled the other from the Wall, and had
-almost made him to measure his length in the channell: who by much adoe
-recovering himselfe came up close to him, and asked him whether he were
-in jest, or in earnest? He told him plainely, that what hee did was in
-earnest. And I am glad, replies the other, that you told me so: for I
-protest, I love no such jesting: by which words he put off the quarell.
-
-Nicht identisch mit dieser Version ist die bei Ashton, S. 335 aus
-_A choice Banquet of Willy Jests, Rare Fancies, and Pleasant Novels
-.... Being an Addition to Archee’s Jests_, London, 1660 abgedruckte,
-die Wort für Wort mit Nr. 44 der _Conceits, Clinches, Flashes, and
-Whimzies_, London, 1639, bei Hazlitt, III, S. 16 übereinstimmt; vgl.
-weiter Merkens, II, S. 89, Nr. 108 und III, S. 16, Nr. 20 und _Joe
-Miller’s Jests_, S. 63, Nr. 367. Hierher gehört auch die 42. Erzählung
-der _Hundred Mery Talys_, ed. by Österley, S. 73 ff. (bei Hazlitt, I,
-S. 65 ff. hat sie die Nr. 41).
-
-
-451. Kroatisch, S. 101.
-
-
-452. Kroatisch, S. 101 ff.
-
-Ähnlich erzählt Melander, _Jocoseria_, I, Nr. 115, S. 93 ff. (deutsche
-Ausgabe I, Nr. 78, S. 67) wahrscheinlich nach Bullinger, _Contra
-Cochlaeum_‚:
-
-Alium quendam (nugonem) non puduit omni asseveratione affirmare, se
-fuisse in regione quadam, ubi apes ovibus magnitudine nihil quicquam
-cederent. Hoc quam mendacissime ab illo dici, cum vel surdus audiret,
-quidam ex auditoribus ita illi respondit: Oportet igitur istic quidam
-alvearia perquam capacia esse. Tum nugo, Non capaciora nostratibus,
-inquit. Respondit alter iste: Non sunt ampliora nostratibus? Deus
-bone, quid ego audio! Ecquomodo igitur ingentes istae apes tuae alveria
-nostratibus haud majora intrare possunt? Cui nugo in mendacio suo
-veluti mus in pice haerens, totusque pudefactus, respondit: Hujus
-equidem rei curam ipsis relinquo. Da laß ich sie vor sorgen.
-
-Reichliche Nachweise zu dieser Lügenschnurre gibt _Müller-Fraureuth_‚
-in den _Deutschen Lügendichtungen bis auf Münchhausen_, Halle, 1881,
-S. 58 ff., 72, 127 und 137. Eine nicht unwitzige Variante in den
-_Additamenta_‚ von Hermotimus (hinter Nicodemi Frischlini Balingensis
-_Facetiae selectiores_‚ in der Ausgabe Amstaelodami, 1660) ist ihm aber
-entgangen; dort wird S. 304 ff. _De Apibus Indicis_‚ folgendes erzählt:
-
-Ein aus Indien nach Zeeland heimgekehrter schneidet auf, die Bienen
-seien in Indien so groß wie in Zeeland die Elstern. »Und die
-Bienenstöcke?« »Nicht größer als die unserigen.« »Und die Löcher
-darin?« »Nicht größer als bei uns.« »Wie können sie dann aus und ein?«
-»Quae ingredi non possunt, illas oportet foras manere.«
-
-
-453. Kroatisch, S. 102.
-
-
-454. Kroatisch, S. 102 ff.
-
-Müller-Fraureuth, der zu dem Schwanke überflüssigerweise auch _KHM_,
-Nr. 146 heranzieht, gibt S. 53, 125 und 78 eine stattliche Reihe
-Varianten; die älteste Fassung ist ihm freilich entgangen. Sie steht
-in den _Facetie et motti arguti_‚ von L. Domenichi, Fiorenza, 1548,
-Bl. B_{5}b, und zwar in dem Teile, der auf dem 1479 verfaßten _bel
-libretto_‚ des Padre Stradino beruht[21]; mit demselben Wortlaute ist
-sie übergegangen in die _Facecies, et motz subtilz_, Lyon, 1559, Bl.
-9^b (Lyon, 1597, S. 29) und in die spätern Ausgaben der Domenichischen
-Facetien (1562, S. 59, 1581, S. 71 usw.). Wortwörtlich identisch steht
-sie auch nach einem alten Manuskripte in der Nr. 2 der Zeitschrift _Il
-Cherico del Piovano Arlatto_‚ (1878), S. 60 ff.
-
-Eine sehr hübsche und sehr frühe Variante, die ich nur aus Dreux du
-Radier, _Récreations historiques_, A la
-
-Haye, 1768, I, S. 96 ff. kenne, steht in den _Volantillae_‚ von
-Hilarius Cortesius (Courtois), Parisiis, 1533:
-
- Interrogabat quispiam Rex Galliae
- In Neustria quidnam referretur novi?
- Tunc Neuster inquit ludibundus, et joco
- (Ne conveniri se putabat a suo
- Principe): Diebus hisce succrevit ibi olus
- Sublimitatis tam arduae, ut sub eo queat
- Exercitus Regis quiescere facile,
- Solis sine offensa. Inde, equitans rex longius,
- Habet Brittonem obvium; rogat et eum obvium,
- Ecquid novi Armorica Brittannia disserat?
- Cui Brito: Struunt circumferentia nova
- Lebetem: ibi cum plurimus sit artifex
- Qui verbere intonet, tamen non liberum est
- Ut verberantes, malleis tonantibus,
- Intelligant alios aliquatenus; scio,
- Quid viderim. Tum Rex joco ait: Id scilicet
- Curatur ut Normanniae coquant olus.
-
-Die Nachweisungen Müller-Fraureuths seien weiter durch folgende
-ergänzt: Doni, _La Zucca_‚ (1. Ausg. 1552), _Venetia_, 1592, Bl.
-209^a; Luis de Pinedo, _Libro de chistes_‚ bei Paz y Mélia, _Sales
-españolas_, I, S. 298 ff.; C. A. M. v. W., _Zeitvertreiber_, S. 159;
-Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 210, Nr. 954; W. Hickes, Oxford
-_Jests Refined and Enlarged_, London, 1684 bei Ashton, S. 347; Krauss,
-_Zigeunerhumor_, S. 159: _Ein großes Krauthäuptel_‚; »Fulano, Zutano,
-Mengano y Perengano«, _Cuentos y chascarrillos andaluces_, Madrid,
-1896, S. 84 ff.: _La col y la caldera_‚. Nicht uninteressant ist auch
-eine Version aus Annam bei A. Landes, _Contes et légendes annamites_,
-Saigon, 1886, S. 319:
-
-Deux menteurs faisaient assaut de mensonges. »J’ai vu, disait l’un,
-un tambour que l’on entendait de cinquante lieues.« — »Et moi, disait
-l’autre, un buffle dont la tête était en France et la queue en Annam.«
-— »Comment cela se pourrait-il? dit le premier.« — »Sans un buffle
-pareil, répondit son camarade, on n’eut pas trouvé une peau pour ton
-tambour?«
-
-
-455. Kroatisch, S. 103 ff.
-
-
-
-
-VIII. Serbische Überlieferungen
-
-
-456. Serbisch, S. 44 ff.
-
-Eine hübsche Parallele bieten die _Contes du Sieur Gaulard_, S. 196 ff.:
-
-Vne autrefois, estant arriué à Grey, son coche se vint à rompre en deux
-ou trois endroits. Dequoy extremement fasché, parce qu’il deuoit aller
-en quelque lieu en diligence: enfin il s’aduisa d’escrire à Monsieur
-de Lampas, son cousin, qui demeuroit à deux lieues de là, et le prioit
-bien fort de l’accomoder de son coche pour deux ou trois iours. Cela
-fait, il cachette sa lettre, et estoit prest à l’enuoyer par son
-laquais, quand son cocher luy vint dire que son coche estoit fort bien
-r’habillé, et qu’il n’en falloit jà emprunter. Alors le sieur Gaulard
-deschira cette lettre, et se fist apporter de nouveau vne plume et de
-l’encre, et escriuit à son cousin vne autre lettre, par laquelle il
-le remercioit bien fort de l’amitié qu’il luy vouloit faire, de luy
-enuoyer son coche, qu’il n’en estoit plus de besoin, et que le sien
-estoit raccomodé: et despescha son laquais qui porta cette derniere
-lettre au sieur de Lampas, qui le vint trouver le lendemain exprès à
-dix lieues de là, pour sçauoir ce qu’il vouloit dire. Lors il lui dit,
-Mon cousin, i’estois en peine, pource que ie vous auois escrit, qu’il
-vous pleust m’accomoder de vostre coche, et sçachant la bonne affection
-que vous me portez, ie me suis bien douté, que dés que i’aurois escrit,
-vous me l’enuoiriez. Et par ainsi ie vous ay escrit la derniere fois,
-afin que vous ne m’enuoyssiez pas vostre coche, puis que le mien estoit
-refait.
-
-Anders ist folgende persische Geschichte (Kuka, S. 157):
-
-An inhabitant of Baghdad went to Kazwin. As his stay at the latter
-place was prolonged beyond what he had originally intended it to be, he
-wrote a letter to his family, mentioning everything about himself and
-his affairs; but, as he could not find any messenger, he determined to
-take the letter himself to Baghdad. Accordingly he took up the letter,
-and arrived with it at his house, but stayed outside the door. The
-members of his family were glad to see him, and asked him, to enter
-the house; but this he would not do, saying, »my object in coming here
-was merely to bring this letter«; and with these words he left again,
-leaving the letter with them.
-
-
-457. Serbisch, S. 45 ff.; Roda Roda, S. 124.
-
-G. Bouchet, _Les Serées_, V, S. 69:
-
-Ce maistre qui estoit de nos Serees, nous conta qu’vn iour il demanda
-à vn sien mestayer, comme il se portoit depuis deux ou trois iours
-que sa femme estoit morte, lequel luy respondit, quand ie reuins de
-l’enterrement de ma femme, m’essuyant les yeux, et trauaillant à
-plorer, chacun me disoit, compere, ne te soucie, ie sçay bien ton
-faict, ie te donneray bien vne autre femme. Helas! me disoit-il, on ne
-me disoit point ainsi, quand i’eu perdu l’vne de mes vasches.
-
-
-458. Serbisch, S. 48. Ähnlich Buadem, Nr. 62; Serbisch, S. 72 ff.;
-Kroatisch, S. 44.
-
-Eine ähnliche Schnurre aus dem _Nuzhat al udaba_‚ hat Basset in der
-_RTP_, XV, S. 363 mitgeteilt:
-
-Einige Räuber hielten auf der Heerstraße mehrere Kaufleute an,
-bemächtigten sich ihrer und verteilten sie durchs Los. Die einen
-fanden bei ihren Gefangenen Stoffe und seidene Mäntel, andere Geld und
-andere Dinge; einer aber schlug seinen Kaufmann jämmerlich mit den
-Worten: »Warum sind deine Waren nicht so wie die deiner Gesellen?« Der
-Kaufmann antwortete: »Verzeih, Herr, ich wußte nicht, daß der Markt so
-gut besucht sein werde; habe Geduld bis zum nächsten Mal.« Der Räuber
-lachte und ließ ihn laufen.
-
-
-459. Serbisch, S. 97.
-
-
-460. Serbisch, S. 97 ff.
-
-
-461. Serbisch, S. 98.
-
-
-462. Serbisch, S. 109.
-
-Eine seltsame Parallele und wohl zugleich die schließliche Quelle des
-serbischen Schwankes bietet eine Geschichte bei Bar-Hebraeus, S. 25,
-Nr. 98, deren Held der weise Günstling des persischen Königs Khosrev
-Anoscharwan (531-579) ist:
-
-Bazarjamhir’s wife asked him a certain question and he replied, »I
-know not the answer.« Thereupon she said unto him, »Dost thou take
-such large wages from the king [for thy wisdom] and yet not know
-the answer to my question?« And he replied, »I receive my wages for
-what I know, and it is not payment for what I know not. If I were to
-receive wages for that which I know not all the king’s treasures would
-be insufficient to reward me, for the things which I know not are
-exceedingly many.«
-
-Ebenso, nur daß es nicht die eigene Frau ist, steht die Geschichte, die
-bei Masudi fehlt, bei Galland, S. 53 ff.; auf einen andern übertragen
-ist sie bei Roda Roda, S. 63.
-
-
-463. Serbisch, S. 117.
-
-
-464. Serbisch, S. 128; Griechisch, Nr. 147; Pann, S. 338.
-
-
-465. Serbisch, S. 131.
-
-
-466. Serbisch, S. 132.
-
-
-467. Serbisch, S. 135 ff.
-
-Zu dem Anfange des Schwankes (Nasreddins Tür) ist auf Pann, S. 342 und
-oben auf unsere Nr. 329 zu verweisen; zu dem Reste, der eine Parallele
-bei Roda Roda, S. 252 hat, vgl. die Anmerkungen zu Nr. 399.
-
-
-468. Serbisch, S. 144 ff.
-
-
-469. Serbisch, S. 147.
-
-
-470. Serbisch, S. 148.
-
-
-471. Serbisch, S. 151 ff.
-
-
-472. Serbisch, S. 152 ff.
-
-
-473. Serbisch, S. 158.
-
-Vgl. dazu die Nr. 92 bei Luscinius, _Joci ac sales_, abgedruckt bei
-Gastius, _Convivales sermones_, I, S. 288 ff. und in der Ausgabe
-Francofurti, 1602 der _Mensa philosophica_, S. 399 ff., Nr. 74:
-
-Pauper quidam in tonstrinam veniens, ob Dei amorem orauit vt
-tonderetur, quod nihil sibi esset pecuniarum, quo operam tonsoris
-conduceret. Cum tonsor arrepta hebete nouacula, tanta inclementia
-miserum radit, vt ad singulos tractus lachrymae ex oculis vbertim
-manarint, interea eanis in culina acerbe verberatus, magno eiulatu in
-officinam tonsoris prosiliit. Quo conspecto, pauper ceu parem sortis
-iniquitatem in animali miseratus, exclamauit: O canis, quid adversi
-accidit tibi? num et tu rasus es ob Dei amorem?
-
-Der Schwank, der aus Gastius in Domenichis _Facetie_, 1562, S.
-229 (1581, S. 282 ff.), in die _Cicalata in lode della Frittura_‚
-von Lorenzo Panciatichi (Biscioni im Kommentar zu Lorenzo Lippis
-_Malmantile racquistato_, Venezia, 1748, S. 47), in die _Cuentos_‚ von
-Juan de Arguijo (Paz y Mélia, _Sales españolas_, II, S. 137 ff.), in
-die _Certayne Conceyts and Jeasts_, Nr. 16 (Hazlitt, III, S. 8 ff.), in
-Zincgref-Weidners _Apophtegmata_, III, S. 256 usw. übergegangen ist,
-ist auch die Quelle der 82. Erzählung in Hebels _Schatzkästlein des
-Rheinischen Hausfreundes_‚ in der zitierten Ausgabe III, S. 204.
-
-Nahe steht aber unserer Geschichte auch folgender Schwank _Von Claus
-Narren_, S. 162:
-
-Als jhm Clauß wolte lassen seinen Bart abnemmen, nam der Balbierer
-einen stumpffen Harsach[22] vnd räuffte den guten Menschen vbel. Clauß
-duldets vnd schweig stille. In dieser weile aber, da Clausen der
-Balbierer beschickte, ließ der Wirth im Hause ein gemestet Schwein
-stechen vnd abschlachten, das schreye sehr, da schrey Clauß auch: Hülff
-Gott, der Schlächter wird stumpff haben, weil das Schwein so schreyet;
-denn mein Balbierer hatt auch nit scharff, noch machte er mir nit so
-wehe, daß ich geschrien oder gezuckt hette.
-
-
-474. Serbisch, S. 158 ff.
-
-Der Schwank steht schon im _Nuzhat al udaba_, woraus ihn Basset im
-_Keleti szemle_, I, S. 221 übertragen hat, ferner bei Kuka, S. 182, Nr.
-85.
-
-
-475. Serbisch, S. 159 ff.
-
-
-476. Serbisch, S. 166.
-
-Tabourot, _Contes du Sieur Gaulard_, S. 209:
-
-Allans par pays, son homme voulant gagner le beau chemin, trauersa vn
-chemin semé de pois. A raison dequoy, le sieur Gaulard se mit à crier
-à gorge desployée contre son homme, et luy disoit: Comment belistre,
-veux-tu brusler les iambes de mes cheuaux? ne sçais-tu pas bien que
-mangcant des poix, il y a six sepmaines, ils estoient si chauds qu’ils
-me bruslerent toute la bouche? Et bien n’auoit-il pas raison?
-
-
-477. Serbisch, S. 169 ff.; Griechisch, Nr. 109; Walawani, S. 153 ff.;
-G. F. Abbott, _Macedonian Folklore_, Cambridge, 1903, S. 114 ff. (von
-»Nasreddin Khodja, the famous fourteenth century wit and sage of
-Persia«; mit einem Exkurs über das Niesen); Murad, Nr. 7; Pann, S. 329.
-
-Die Geschichte ist identisch mit der bei Henning, _Tausend und eine
-Nacht_, XXIII, S. 73 ff. erzählten, wozu man Chauvin, VI, S. 137
-vergleiche.
-
-
-478. Serbisch, S. 173.
-
-
-479. Serbisch, S. 176 ff.
-
-Vgl. die Nrn. 332 und 482.
-
-
-480. Serbisch, S. 177 ff.
-
-Die Schnurre steht, geringfügig abweichend, schon in Castigliones
-_Cortegiano_, I. II, c. 51 (meine Ausgabe I, S. 184 und Nachweisungen
-I, S. 302) und in den _Contes du Sieur Gaulard_, S. 190 ff.
-
-
-481. Serbisch, S. 179 ff.; _Anthropophyteia_, IV, S. 374 ff.
-
-Der Schwank steht schon in der bereits zitierten türkischen
-Fabelsammlung, die Decourdemanche unter dem Titel _Fables turques_,
-Paris, 1882 aus einem von 1758 datierten Manuskripte ins Französische
-übersetzt hat und deren Abfassung er, allerdings ohne zwingenden Grund,
-in die ersten Jahre des 16. Jahrhunderts verlegt; die 19. Fabel,
-_L’avare_, lautet dort, S. 39, folgendermaßen:
-
-C’est vraiment chose étonnante, disait un avare insigne à son ami
-en tirant un aspre de sa poche, de voir que, quand j’achète de la
-nourriture, mes chères espèces reviennent dans ma bourse!
-
-— Cela t’est bien facile, fait l’autre: tu vas à la boucherie, tu y
-fais emplette d’un apre de tripes et tu les emportes chez toi; alors tu
-les nettoies avec soin, puis tu en revends pour un aspre. C’est ainsi
-que ton argent revient dans ta bourse.
-
-L’avarice attire de pareilles répliques.
-
-Der Schluß des vorliegenden Schwankes (nicht auch des aus der
-_Anthropophyteia_‚ angezogenen) erinnert an die 50. Novelle Morlinis,
-wo Gonnella, nachdem er außerhalb Neapels von zwei Frauenzimmern
-abgefertigt worden ist, auf den Besuch Neapels verzichtet, da er sich
-sagt: Si Parthenopeis mulierculis tanta inest argutia, quid de maribus
-cogitandum?
-
-
-482. Serbisch, S. 183 ff.; Roda Roda, S. 107.
-
-Vgl. die Nrn. 332 und 479. Hierher gehört auch die 189. Erzählung von
-Buadem: Buadem assoziiert sich mit einem, um eine Schreibstube zu
-halten. Als sie nun am ersten Abende die Einnahme zählen, ergibt sich,
-daß Buadems Gesellschafter, obwohl sie jeder gleich viel Schriftstücke
-verfaßt haben, das doppelte eingenommen hat. Sein Geschreibsel kann
-nämlich niemand lesen, und so bringen es die Kunden zurück, damit er
-es ihnen lese; dafür läßt er sich nun ebenso viel entrichten wie fürs
-Schreiben. Leider kann das Buadem nicht auch durchführen, weil er das,
-was er geschrieben hat, selber nicht lesen kann.
-
-
-483. Serbisch, S. 188.
-
-Siehe oben Nr. 349.
-
-
-484. Serbisch, S. 190.
-
-Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 34 ff.: _Es kommt auf die Seele der
-Zigeunerin._‚
-
-
-485. Serbisch, S. 190 ff.
-
-Roda Roda, S. 117.
-
-
-486. Serbisch, S. 192.
-
-IX. Griechische Überlieferungen
-
-
-487. Griechisch, Nr. 1; Tewfik, Nr. 3; _Tréfái_, Nr. 164 (statt 165);
-Serbisch, S. 12 ff.; Kroatisch, S. 3; Murad, Nr. 9.
-
-Köhler, I, S. 507 ff.
-
-Zu den dort gegebenen Nachweisungen kommen noch Clouston, _Popular
-Tales and Fictions_, I, S. 458 ff., Clouston, _Noodles_, S. 81 ff.,
-_Joe Miller’s Jests_, S. 18 ff., Nr. 103, Merkens, I, S. 208 ff., Nr.
-250, dazu S. 275, und III, S. 222 ff., Nr. 214, dazu S. 257, Yakoub
-Artin Pacha, _Contes populaires de la vallée du Nil_, S. 51 ff.
-(siehe oben die Anmerkung zu Nr. 63), die 31. Karakuschgeschichte bei
-Decourdemanche, _Plaisanteries_, S. 140 ff. und Chauvin, VII, S. 136 ff.
-
-
-488. Griechisch, Nr. 3; Tewfik, Nr. 55; _Tréfái_, Nr. 162 (statt 163);
-Serbisch, S. 21 ff.; Kroatisch, S. 24. Siehe oben Nr. 309.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 70 ff.
-
-
-489. Griechisch, Nr. 4; Tewfik, Nr. 36; _Tréfái_, Nr. 155 (statt 156);
-Serbisch, S. 15; Kroatisch, S. 13 ff.
-
-
-490. Griechisch, Nr. 5; Tewfik, Nr. 69; _Tréfái_, Nr. 159 (statt 158);
-Serbisch, S. 19 ff.; Kroatisch, S. 29.
-
-An Parallelen seien genannt: Poggio, Fac. 56: _De illo qui aratrum
-super humerum portavit; Facecies, et motz subtilz_, Lyon, 1559, Bl.
-59^a; Costo, _Il Fuggilozio_, S. 107 ff.; _Mery Tales of the Mad Men
-of Gotham_, Nr. 2 (Hazlitt, III, S. 6; Clouston, _Noodles_, S. 19
-und 68); _Contes du Sieur Gaulard_, S. 198 = Zincgref-Weidner, V, S.
-119 und _Exilium melancholiae_, L, Nr. 6, S. 283; unabhängig davon
-ebendort M, Nr. 36, S. 311; Hermotimus, _Additamenta_, S. 294: _De
-Agricola parcente Asino_‚; Merkens, II, S. 17, Nr. 21 und III, S. 27,
-Nr. 36; Jahn, _Schwänke und Schnurren_, S. 67. Vgl. weiter Sébillot,
-_Littérature orale de la Haute-Bretagne_, S. 387 und Ispirescu, S. 97
-(_Magazin_, XCVI, S. 613).
-
-In einem aus den letzten Jahren des zwölften Jahrhunderts stammenden
-Spottgedichte auf die Leute von Norfolk, in der _Descriptio
-Norfolcensium_, lauten die Verse 122 ff. (bei Wright, _Early Mysteries
-und other Latin Poems_, London. 1884, S. 95) folgendermaßen:
-
- Ad forum ambulant (Norfokienses) diebus singulis,
- Saccum de lolio portant in humeris,
- Jumentis ne noceant: bene fatuis,
- Ut praelocutus sum, aequantur bestiis.
-
-
-491. Griechisch, Nr. 7; Tewfik, Nr. 70; Nouri, S. 37; _Tréfái_, Nr. 160
-(statt 161); Serbisch, S. 20; Kroatisch, S. 29.
-
-Um einen gestohlenen Esel, der verkauft werden soll, handelt es sich
-bei Bar-Hebraeus, S. 167, Nr. 664. Eine Variante aus al Abschihis
-_Mustatraf_‚ hat Basset in der _RTP_, XVI, S. 171 übertragen.
-
-
-492. Griechisch, Nr. 9; Tewfik, Nr. 4; Serbisch, S. 24; Kroatisch, S. 4.
-
-
-493. Griechisch, Nr. 10; Tewfik, Nr. 64; Nouri, S. 174; _Tréfái_, Nr.
-139; Kroatisch, S. 26.
-
-
-494. Griechisch, Nr. 24; Tewfik, Nr. 41; _Tréfái_, Nr. 140; Serbisch,
-S. 25; Kroatisch, S. 16.
-
-_Tréfái_, S. 19.
-
-Eine Parallele und wohl die Quelle in Abdirabbihis _Kitab al ikd al
-farid_‚ hat Basset in der _RTP_, XVII, S. 150 übersetzt.
-
-
-495. Griechisch, Nr. 31; Tewfik, Nr. 9; Nouri, S. 64; _Tréfái_, Nr.
-142; Serbisch, S. 34; Kroatisch, S. 7 und 93 ff.
-
-_Tréfái_, S. 16.
-
-Bar-Hebraeus, S. 145, Nr. 566: When another fool was told, »Thy ass is
-stolen,« be said, »Blessed be God that I was not upon him.«
-
-Ebenso sagt Karakusch in der oben zu Nr. 487 zitierten Geschichte zu
-der Frau, die ihm klagt, daß der Esel gestohlen worden sei: »Tu es une
-folle. Louanges à Dieu que l’âne n’ait pas été volé pendant que ton
-mari le chevauchait. Dieu à écarté le mal de l’homme.«
-
-Vgl. oben Nr. 79.
-
-496. Griechisch, Nr. 33. Anders Tewfik, Nr. 11; _Tréfái_, Nr. 144;
-Serbisch, S. 35; Kroatisch, S. 6.
-
-Ebenso verspricht bei Maidani, I, S. 392 der schon oben zu Nr. 43
-erwähnte Habannaka sein verlorenes Kamel dem Finder, und dies, weil
-er nicht um die Freude des Findens kommen will; von einem ungenannten
-erzählt dasselbe ein persischer Schwank bei Kuka, S. 205, Nr. 135.
-
-
-497. Griechisch, Nr. 34; Tewfik, Nr. 25; _Tréfái_, Nr. 152; Serbisch,
-S. 28; Kroatisch, S. 9 ff.
-
-Eine hübsche persische Variante lautet (Kuka, S. 220):
-
-»I hear your neighbour has some festivity at his house to-morrow,« said
-a friend to Mulla Nasruddin.
-
-»It may be so, but I do not see how that concerns me.«
-
-»But he is going to invite you also.«
-
-»And, pray, how does that concern you?«
-
-Der Perser Kuka verweist in einer Fußnote auf die bekannte Anekdote von
-Friedrich dem Großen und dem den Angeber machenden Offizier.
-
-
-498. Griechisch, Nr. 76; Tewfik, Nr. 5; _Tréfái_, Nr. 148; Serbisch, S.
-13 ff.; Kroatisch, S. 5.
-
-In der 6. der von Alfred Harou in der _RTP_, IV mitgeteilten
-_Facéties des compères de Dinant_‚ (S. 484 ff.) stiehlt ein Hund
-ein Stück Fleisch; es nützt ihm aber nichts, weil er das Rezept,
-wie es zubereitet wird, nicht hat; ebenso erzählt eine Schnurre bei
-Zincgref-Weidner, V, S. 119 ff.
-
-
-499. Griechisch, Nr. 113; Serbisch, S. 112 ff.; Pann, S. 330.
-
-Die ~Zwecklosigkeit der Strafe nach dem Vergehn~ bildet den Gegenstand
-einer Anekdote von dem schon erwähnten Triboulet, die hier nach _Dreux
-du Radier_, I, S. 6 mitgeteilt sei:
-
-On dit que ce même Triboulet ayant été menacé par un grand Seigneur, de
-périr sous le bâton, pour avoir parlé de lui avec trop de hardiesse,
-alla s’en plaindre à François, qui lui dit de ne rien craindre: Que si
-quelqu’un étoit assez hardi pour le tuer, il le feroit pendre un quart
-d’heure après. Ah! Sire, dit Triboulet, s’il plaisoit à votre Majesté
-de le faire pendre un quart d’heure avant.
-
-Ebenso steht die Schnurre bei P. L. Jacob, _Curiosités_, S. 115, Canel,
-_Recherches historiques_, S. 110, Gazeau, S. 77, Floegel, S. 344,
-Nick, I, S. 415 und Doran, S. 252; von einem ungenannten erzählen sie
-Sagredo, S. 68 und Casalicchio, c. I, d. 8, a. 5, zit. Ausg. S. 146.
-
-Vgl. schließlich auch die 54. Facetie Poggios: _De quodam qui Redolphum
-sagittando vulneravit_‚ und Lehmann, _Florilegium politicum_, S. 273.
-
-
-500. Griechisch, Nr. 114; Walawani, S. 154 ff. (in Akschehir
-lokalisiert); Pann, S. 337.
-
-Anders und mit einem entfernten Anklange an das Motiv von Nr. 160 und
-394 erzählt die serbische Ausgabe S. 148 ff.:
-
-Eines Tages ging der Hodscha Nasreddin vom Hause weg, und seine Frau
-fragte ihn: »Wohin?«
-
-Nasreddin antwortete: »Ich will ein bißchen im Weingarten und auf dem
-Acker nachsehn.«
-
-»Geh nur,« sagte sie, »so Gott will.«
-
-»Ob Gott will oder nicht,« sagte er, »ich gehe.«
-
-Als er dann den Weingarten verließ, um nach Hause zu gehn, war der
-Himmel ganz umwölkt. Nach kurzer Zeit begann es zu regnen und zu
-hageln, und alles wurde zerschlagen, was ihm gehörte, Weingarten und
-Acker. Als Nasreddin sah, was geschehn war, sagte er: »Du bist nicht
-schuld, o Gott, sondern ich; warum bin ich denn gegangen, um dir zu
-zeigen, was mein ist?«
-
-
-501. Griechisch, Nr. 115; Serbisch, S. 184 ff.
-
-Eine slawonische Variante (nicht von Nasreddin) steht in der
-_Anthropophyteia_, V, S. 293 ff.
-
-
-502. Griechisch, Nr. 116; Serbisch, S. 138 ff.; Pann, S. 336.
-
-Vgl. _Anthropophyteia_, I, S. 181 ff.
-
-
-503. Griechisch, Nr. 117; Pann, S. 332 ff.
-
-Zabata, _Diporto de’ viandant_‚i, S. 40:
-
-Andò vn villano alla città per sollecitare vna lite, et eßendo diuerse
-volte comparso dinanzi al Giudice con suo poco profitto, fu domandato
-dal detto Giudice, perche era venuto lui a sollecitare detta lite,
-et che doueuano mandare persone di più intendimento, et di miglior
-presenza, alquale esso rispose, Signore, nel luogo, dou’io sono ci son
-molti, hanno quelle parti che dite, lequali veramente non sono in me,
-et poteuano mandare: ma hanno fatto giudicio, che se bene io vaglio
-poco, ch’io sia a bastanza sufficiente douendo trattare con vn par
-vostro.
-
-Juan de Arguijo, _Cuentos_‚ in den _Sales españolas_, II, S. 209 ff.;
-Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 222, Nr. 998.
-
-
-504. Griechisch. Nr. 118.
-
-Bei Pann, S. 330 antwortet Nasreddin einem Freunde, der ihn fragt, wie
-es ihm bei seiner Armut gehe: »Du brauchst dich nicht zu wundern; ich
-lebe mit meiner Armut so vergnügt wie der Wurm im Kren, und wenn ich
-kein Geld habe, so merke ich das gar nicht.«
-
-
-505. Griechisch, Nr. 124; Walawani, S. 158 ff. (in Akschehir);
-Serbisch, S. 183 ff. und 127 ff; Pann, S. 335 ff.
-
-
-506. Griechisch, Nr. 142; Serbisch, S. 133; Pann, S. 330.
-
-
-507. Griechisch, Nr. 143.
-
-
-508. Griechisch, Nr. 144; Buadem, Nr. 63; Serbisch, S. 73; Kroatisch,
-S. 44 ff.; Roda Roda, S. 123.
-
-
-509. Griechisch, Nr. 146; Pann, S. 337 ff. Anders Serbisch, S. 129 ff.
-
-Vgl. folgenden Schwank aus der _Mensa philosophica_‚ (1. Ausg. 1475),
-zit. Ausg. S. 229 ff., auf dem das letzte Stück des II. Buches der
-Bebelischen Facetien beruht:
-
-Quidam histrio infirmus, hortante sacerdote vt conderet testamentum,
-ait libenter: Ego nihil habeo nisi duos equos, quos do baronibus
-et militibus terrae. Et cum sacerdos inquireret, quare non daret
-pauperibus, respondit: Vos praedicatis nobis quod debeamus esse
-imitatores Dei. Deus autem bona dedit illis, et non pauperibus, et ideo
-sequor illum, et facio similiter.
-
-Roda Roda, S. 201.
-
-
-510. Griechisch, Nr. 148; Pann, S. 339.
-
-Roda Roda, S. 205.
-
-511. Griechisch. Nr. 149; Serbisch. S. 128 ff.; Pann, S. 345.
-
-
-512. Griechisch, Nr. 150; Pann, S. 330.
-
-
-513. Griechisch, Nr. 152; Serbisch, S. 120 ff.
-
-Köhler, I, S. 508.
-
-S. auch die Anmerkung zu Nr. 71.
-
-
-514. Griechisch, Nr. 160; Serbisch. S. 108.
-
-Vgl. Domenichi, _Facetie_, 1562, S. 157 und Sagredo, _L’Arcadia in
-Brenta_, S. 127 ff.
-
-
-515. Griechisch, Nr. 167.
-
-Dieser Schwank stimmt fast vollständig überein mit dem von Yakoub Artin
-Pacha, S. 231 ff. und nach diesem von Mardrus, XII, S. 241 erzählten,
-nur daß dort die Verwundung des Juden samt dem entsprechenden Urteile
-fehlt; s. Chauvin, VII, S. 172 ff. Die Literatur dazu hat Chauvin,
-VIII, S. 203 (_Jugements insensés_‚) zusammengestellt; man vgl. aber
-auch die bei Köhler, I, S. 578 und II, S. 578 ff. beigebrachten
-Ergänzungen zu den betreffenden von Chauvin zitierten Aufsätzen.
-
-
-
-
-Anhang
-
-
-Der Umstand, daß die Sammlung ~_Tewfiks_~‚ in der Reclamschen
-Universal-Bibliothek erschienen ist, hat es mit sich gebracht, daß die
-darin enthaltenen Stücke in dieser Ausgabe der Schwänke Nasreddins
-ausgeschlossen bleiben mußten. Immerhin ergeben sich zu den einzelnen
-Geschichten nicht uninteressante Parallelen.
-
-
-516.
-
-So wird bei Tewfik, Nr. 37 (Serbisch, S. 44; Kroatisch, S. 15;
-_Tréfái_, Nr. 156 statt 157) dem Hodscha, der ein Reis pflanzt,
-vorgehalten, daß er, wann der Baum Früchte tragen werde, selbst eine
-Speise der Würmer sein werde; Nasreddin antwortet, daß er für die
-Nachkommen pflanze, so wie die, die vor ihm dagewesen seien, für
-ihn gepflanzt hätten. Dazu vgl. die bei Basset, _Contes populaires
-berbères_, S. 216 ff., Lidzbarski, S. 154 und Chauvin, II, S. 208
-angegebene Literatur, ferner Wünsche, _Wajikra rabba_, S. 168 ff.
-
-
-517.
-
-Zu Tewfik, Nr. 42 (Serbisch, S. 30; Kroatisch, S. 16; _Tréfái_, Nr. 157
-statt 158: es ist unmöglich einen Brief an einen Freund in Bagdad zu
-schreiben) ist auf _Philogelos_, Nr. 137 zu verweisen:
-
-Σιδωνίῳ μαγείρῳ λέγει τις· δάνεισόν μοι μάχαιραν ἕως Σμύρνης. ὁ δὲ ἔφη·
-οὐκ ἔχω μάχαιραν ἕως ἐκεῖ φθάζουσαν.
-
-Ähnlich ist auch _Philogelos_, Nr. 99.
-
-
-518.
-
-Buadem, Nr. 14 (Serbisch, S. 56; Kroatisch, S. 33) hat ein merkwürdiges
-Gegenstück in den _Nugae venales_, s. l., 1720, S. 289 ff.
-
- Audierat procul arma, bona de gente Batavus,
- Gestit in hostiles fervidus ire globos.
- At lateri patrium mater dum subligat ensem,
- Haec, inquit, referas, nate fac arma domum.
- Vix propior steterat pugnae, vestigia pressit
- (Mille micant enses, vulnera mille ferunt),
- Numquid, ait, ludi est? oculis non parcitur ipsis;
- Certe oculis ludus non placet ille meis.
- Forte tamen jacuit truncum sine nomine corpus;
- Irruit: Hispanum nam cutis esse docet.
- Saevit atrox, et qua caedendo, qua laniando,
- Absecuit miles strenuus ense femur.
- Facturusque fidem, magni argumenta duelli,
- Et femur, et ferrum sanguinolenta gerit.
- Inde memor moniti, nam pugna cruenta peracta est,
- Arma celer properat salva referre domum.
- Hoc, ait, Hispanum mulctavi verbere mater,
- Maternosque femur projicit ante pedes.
- Horret anus, sed enim potius caput ense tulisses,
- Nate, refert, olim hic forte redibit eques.
- Non faciet certo, o Mater; sed poscis iniquum;
- Unde caput vellem tollere? non habuit.
-
-
-519.
-
-Die 15. Erzählung von Buadem (Serbisch, S. 56; Kroatisch, S. 33)
-scheint auf der folgenden in Abschihis _Mustatraf_‚ (Basset in der
-_RTP_, XIII, S. 552 ff.) zu beruhen:
-
-Ein Bettler blieb vor einer Haustür stehn und sagte zu den Leuten:
-»Gott segne euch! gebt mir ein Stück Brot!« »Das können wir nicht.«
-»Also ein wenig Korn oder Bohnen oder Hirse.« »Wir können es nicht.«
-»Dann ein paar Tropfen Öl oder Milch.« »Haben wir auch nicht.« »Also
-einen Schluck Wasser.« »Bei uns gibts kein Wasser.« »Warum bleibt ihr
-dann da? geht doch auch betteln; ihr habt mehr Recht dazu als ich.«
-
-Eine persische Parallele bei Kuka, S. 161, Nr. 28.
-
-
-520.
-
-Dasselbe wie bei Buadem, Nr. 20 (Serbisch, S. 58; Kroatisch, S. 34:
-Der betrunkene, vor dem sich alles dreht, wartet bis sein Haus kommt)
-erzählt Tewfik auch im _5. Monate_‚ von _Ein Jahr in Konstantinopel_‚
-(deutsch von Th. Menzel, Berlin, 1909 = Bd. 10 der _Türkischen
-Bibliothek_, S. 124); die Geschichte steht aber schon bei Kuka, S. 189,
-Nr. 103.
-
-
-521.
-
-Mit Buadem, Nr. 22 (Serbisch, S. 59, wo der in einen Brunnen gefallene
-um einen Strick laufen will, um sich herauszuziehen) hat viel
-Ähnlichkeit die 52. Facetie im Philogelos:
-
-Σχολαστικὸς εἰς λάκκον πεσών, συνεχῶς ἐβόα ἀνακαλῶν ἑαυτῷ βοηθούς· ὡς
-δ’ οὐδεὶς ὑπήκουε, λέγει πρὸς ἑαυτόν· μωρός εἰμι, ἐὰν μὴ ἀνελθὼν πάντας
-μαστιγώσω, ἵνα οὕτω γοῦν μοι ὑπακούσωσι καὶ κλίμακα κομίσωσιν.
-
-Bei Buadem scheint aber der Text doppelt verdorben zu sein (eine
-Ungereimtheit ist schon stillschweigend korrigiert worden); die
-Geschichte soll wohl ähnlich lauten wie folgende persische bei Kuka, S.
-212:
-
-A Kazwini’s[23] son fell into a well. The Kazwini went to the well and
-said to the son: »Don’t go away till i return with a rope and take you
-out!«
-
-
-522.
-
-Zu der Nr. 25 (Serbisch, S. 59 ff.; Kroatisch, S. 36), wo Buadem
-einen Topf, der angeblich Gift, in Wirklichkeit aber Honig enthält,
-ausißt, vgl. meine Nachweise zu Morlinis 49. Novelle, S. 99 ff. und
-davon hauptsächlich Boltes Angaben bei Frey, S. 214, ferner Clouston,
-_Noodles_, S. 122.
-
-
-523.
-
-Die No. 27 (Serbisch, S. 60 ff.; Kroatisch, S. 37) erzählt: Als Buadem
-vom Sultan entweder mit einem Goldstücke oder mit einem Esel oder
-mit einigen Schafen oder mit einem Weingarten beschenkt werden soll,
-antwortet er, er wolle das Goldstück einstecken, auf den Esel steigen,
-die Schafe vor sich her treiben, in den Weingarten gehn und dort für
-den Sultan beten. Dazu vgl. man eine Erzählung von Abu Dulama, die bei
-Lidzbarski, S. 162, in asch Schirwanis _Nafhat al jaman_‚ (Ph. Wolff,
-_Das Buch des Weisen_, 2. Aufl., Stuttgart, 1839, II, S. 252 ff.) und
-bei Kuka, S. 181, Nr. 81 steht.
-
-
-524.
-
-In Nr. 32 (Serbisch, S. 62; Kroatisch, S. 38) rät Buadem seiner Frau,
-die in der Nacht von einem Insekte in den Fuß gebissen worden ist,
-künftighin in den Schuhen zu schlafen; ähnlich erzählt Philogelos, Nr.
-15:
-
-Σχολαστικὸς καθ’ ὕπνους ἧλον πεπατηκέναι δόξας, τὸν πόδα περιέδησεν.
-ἑταῖρος δὲ αὐτοῦ πυθόμενος τὴν αἰτίαν καὶ γνούς, δικαίως, ἔφη, μωροὶ
-καλούμεθα. διὰ τί γὰρ ἀνυπόδητος κοιμᾶσαι;
-
-Auf Hierokles beruht wohl Lehmann, _Exilium melancholiae_, T, Nr. 55,
-S. 244 und schließlich auch Merkens, I, S. 180 ff., Nr. 210.
-
-
-525.
-
-In Nr. 40 (Serbisch, S. 64; Kroatisch. S. 39; _Nawadir_, S. 43)
-antwortet Buadem, der behauptet hat, er kenne das Verborgene, dem
-ungläubigen Richter, der ihn gefragt hat, was er in diesem Augenblicke
-denke: »Du hältst mich für einen Betrüger.« Ausführlicher erzählt
-Abdirabbihi im _Kitab al ikd al farid_‚ (Basset in der _RTP_, XIX, S.
-311):
-
-Man führte einen Menschen, der sich für einen Propheten ausgab, vor al
-Mamun[24], und der Chalif sagte: »Hast du ein Zeichen?« »Ja; ich weiß,
-was du denkst.« »Und was denke ich?« »Daß ich ein Lügner bin.« »Du hast
-recht,« sagte Mamun und ließ ihn ins Gefängnis werfen.
-
-Nach einigen Tagen ließ er ihn holen und sagte zu ihm: »Hast du eine
-Offenbarung?« »Nein.« »Warum nicht?« »Ins Gefängnis kommen die Engel
-nicht.« Der Chalif begann zu lachen und ließ ihn frei.
-
-Ebenso steht die Geschichte auch in Abschihis _Mustatraf_‚ (Basset in
-der _RTP_, XIII, S. 232); eine der unsern entsprechende Version hat
-Roda Roda, S. 73. Eine sehr hübsche persische Variante bringt Kuka, S.
-174:
-
-A person claimed to be a prophet. He was asked by some persons to give
-some sign of prophetship. He said, »Let every one of you think upon
-something, and I shall be able to tell you your thoughts.« They said,
-»we have each thought of something. Now tell us our thoughts.« He
-replied, »Well, all of you are thinking that I am a fool, and that I am
-telling you a falsehood.« They acknowledged that for once he was right
-in his conjecture.
-
-Ähnlich kehrt Frage und Antwort in dem größten Teile der Erzählungen
-von den ~drei Fragen~ wieder, deren bekanntestes Beispiel Bürgers
-_Kaiser und Abt_‚ ist; vgl. dazu die oben zu Nr. 70 angegebene
-Literatur.
-
-
-526.
-
-Buadem, Nr. 50 (Serbisch, S. 67; Kroatisch, S. 40 und 41), wo der
-Einfaltspinsel, nachdem er gesehn hat, wie die Früchte von einem
-Maulbeerbaume geschüttelt wurden, auch Vögel von einem Baume schütteln
-will, beruht wohl wieder in letzter Instanz auf einer Facetie des
-_Philogelos_, auf der 19., die folgendermaßen lautet:
-
-Σχολαστικὸς ἰδὼν πολλοὺς στρουθοὺς ἐπὶ δένδρου ἑστῶτας, ἁπλώσας τὸν
-κόλπον ἔσειε τὸ δένδρον, ὡς ὑποδεξόμενος τοὺς στρουθούς.
-
-Dasselbe erzählt _Der edle Fincken-Ritter_, S. 57, Nr. 308.
-
-
-527.
-
-Die Nr. 72 bei Buadem (Serbisch, S. 76; Kroatisch, S. 48) wird in
-Gladwins _Persian Moonshee_, II, S. 15, Nr. 31 folgendermaßen erzählt:
-
-One day a King and his son went a hunting. The weather being hot, they
-put their fur cloaks on the back of a jester. The King smiled and said
-to the buffoon, »you have an ass’s load upon you.« He answered, »yes;
-or rather the burdens of two asses.«
-
-
-528.
-
-In der folgenden Geschichte, Nr. 73 (Serbisch, S. 76; Kroatisch, S. 48)
-sagt Buadem seiner Mutter, es sei ein Bettler unten, der um Brot bitte;
-sie antwortet, er solle sagen, sie sei nicht zu Hause. Darauf entgegnet
-Buadem: »Er will nicht dich, er will Brot.« Dasselbe erzählt Gladwin,
-II, S. 20, Nr. 53; die Quelle dürfte Dschamis _Bäharistan_‚ (zit. Ausg.
-S. 83) sein, woraus auch Galland (S. 43 ff.) schöpft.
-
-
-529.
-
-Buadem, Nr. 75 (Serbisch, S. 77; Kroatisch, S. 48) hat im wesentlichen
-denselben Inhalt wie die folgende Schnurre des _Nuzhat al udaba_‚
-(Basset in der _RTP_, XV, S. 355):
-
-Man erzählt, daß ein unwissender, dummer Arzt einem Kranken einen
-tötlichen Trank gegeben hat, so daß der Kranke daran gestorben ist.
-Nach zwei Tagen ging er wieder nach ihm sehn und fand, daß er tot war
-und daß man ihn begraben hatte. Der Vater des Toten trat dem Arzte
-entgegen, und der sagte: »Was für eine Kraft war in dem Tranke! wäre
-dein Sohn am Leben geblieben, so hätte er ein ganzes Jahr keine Arznei
-gebraucht!«
-
-
-530.
-
-Die Nr. 91 (Serbisch, S. 83; Kroatisch, S. 57), in der Buadem einem
-Freunde rät, er solle das Haus, wo seine vier Frauen gestorben sind,
-nur einem Freunde verkaufen, erinnert an die bekannte Anekdote
-aus Cicero, _De oratore_, II, 69, 278, zu der meine Ausgabe von
-Castigliones _Hofmann_, I, S. 323 zu vergleichen ist.
-
-
-531.
-
-Zu der Nr. 103 (Serbisch, S. 88; Kroatisch, S. 58), des Inhalts, daß
-man sich, wenn Käse da ist, an einen den Käse lobenden Spruch halten
-soll, wenn aber keiner da ist, an einen ihn verwerfenden, vgl. Hammer,
-_Rosenöl_, II, S. 72, Nr. 40; von Nasreddin wird die Geschichte erzählt
-bei Roda Roda, S. 121, und bei Kuka, S. 214 ff. steht sie, ohne daß der
-Sprecher der Sentenzen genannt würde, mitten unter den Erzählungen,
-deren Held Nasreddin ist.
-
-
-532.
-
-In Nr. 106 (Serbisch, S. 89; Kroatisch, S. 59) wird erzählt: Buadem,
-der auf »Salz und Brot« eingeladen worden ist, findet, daß sein
-Gastgeber nicht vielleicht aus Bescheidenheit so gesprochen hat:
-es gibt tatsächlich nichts andres; als nun der Gastgeber einem
-zudringlichen Bettler droht, er werde ihm den Schädel einschlagen, rät
-Buadem diesem, sich zu packen, weil der Mann nie lüge. Diese Geschichte
-steht schon bei Abdirabbihi (Basset in der _RTP_, XVIII, S. 217) und
-bei Kuka, S. 172, Nr. 53.
-
-
-533.
-
-Auf dem _Bäharistan_‚ (S. 83 der genannten Ausg.; Galland, S. 44)
-beruht wieder die Nr. 119 (Serbisch, S. 94; Kroatisch, S. 61; etwas
-anders _Nawadir_, S. 41): Buadems Frau (im _Nawadir_‚ Dschohas Sohn)
-ist schwer erkrankt, und Buadem läßt die Leichenwäscherin holen; als
-man ihm vorhält, daß doch die Kranke noch nicht tot sei, meint er,
-das tue nichts: wenn die Waschung beendigt sei, werde es auch mit ihr
-zu Ende sein, und so habe man wenigstens Zeit erspart. Vgl. auch eine
-Erzählung des _Nuzhat al udaba_‚ (Basset, _Keleti szemle_, I, S. 223,
-Nr. 25), wo Dschoha, der um einen Arzt für seinen Vater geschickt
-worden ist, gleich den Leichenwäscher mitbringt, weil usw. usw.
-
-
-534.
-
-Ebenso geht auf das _Bäharistan_‚ (S. 75 ff.; Galland, S. 36) die Nr.
-120 (Kroatisch, S. 61) zurück: Buadem kommt zu einem Lehrer, dem er
-etwas aufzubewahren gegeben hat, und bittet, ihm das auszufolgen; er
-wird ersucht, bis zum Ende des Unterrichts zu warten. Da nun der Lehrer
-beim Unterrichte fortwährend mit dem Barte wackelt, sagt ihm Buadem, er
-solle nur um das Depot gehn; das Bartwackeln werde inzwischen er für
-ihn besorgen[25]. In der Fassung des _Nawadir_‚ (S. 41) ist der Lehrer
-durch einen Kadi ersetzt.
-
-
-535.
-
-Eine ziemliche Verbreitung hat die 121. Geschichte von Buadem
-(Serbisch, S. 94; Kroatisch, S. 61; Nouri S. 117; _Nawadir_, S. 41):
-Auf die Frage, wie viel Dumme es in seiner Heimat gebe, antwortet
-Buadem, das wisse er nicht, die Gescheiten aber könne er sofort
-herzählen. Schon Bar-Hebraeus erzählt sie mit der Lokalisierung in
-Emesa oder Homs, einem der vielen Schilda des Orients (Budge, S. 158,
-Nr. 630; ins Deutsche übersetzt von L. Morales in der _Zeitschr. d.
-D. Morgenl. Ges._, XL, S. 419). Bahlul ist ihr Held im _Bäharistan_‚
-(S. 74; Galland, S. 34); ebenso steht sie bei Cardonne, II, S. 119
-(deutsche Ausg. S. 242) und Herbelot, I, S. 524; nach Herbelot erzählen
-Flögel, S. 172, Nick, I, S. 141 und Doran, S. 68. Vgl. weiter Chauvin,
-VII, S. 126[26].
-
-Von den 29 Stücken, die _Murad Efendi_‚ in Reime gebracht hat, ist uns
-die Mehrzahl schon bei den nach andern Fassungen gebrachten Schwänken
-begegnet; hier mögen noch die Inhaltsangaben der Gedichte, zu denen ich
-Parallelen nachweisen kann, samt diesen folgen.
-
-
-536.
-
-Murad, Nr. 2: Nasreddin, der sich mit einem Nachbar, einem Geizhalse,
-nach einem Zwiste versöhnt hat, übernimmt die Beistellung des
-Friedensmahles, und auf dieses bereitete sich der Geizige durch ein
-längeres Fasten vor. Als er sich dann dazu einfindet, muß er Nasreddin
-erst zu den Einkäufen auf den Markt begleiten. Nasreddin fragt zuerst
-um gutes Weißbrot; da der Händler sein Brot, um es anzupreisen, mit
-Butter vergleicht, meint Nasreddin, es sei besser, sich gleich an die
-Butter zu halten. Die Butter wird nun als süß wie Öl gepriesen, und
-Nasreddin verzichtet auf sie zugunsten des Öls. Da weiter der Händler
-von seinem Öle sagt, es sei klar wie Wasser, sieht Nasreddin von jedem
-Einkaufe ab und bewirtet seinen Gast mit Wasser.
-
-Dieselbe Geschichte, aber von einem Geizigen aus Basra und einem aus
-Kufa, bringt Hammer aus dem, wie er sagt, ursprünglich persischen, aber
-schon unter Murad II. ins Türkische übertragenen »Dschamiol Hikajat ve
-Lamiol-rivajat« im _Rosenöl_, II, S. 267 ff.; ebenso steht sie bei A.
-Certeux, _Kebir-Chahà_‚ in der _RTP_, III, S. 496^b ff. Die anscheinend
-älteste Version, wo in der obigen Reihe Brot und Butter fehlen, steht
-bei Bar-Hebraeus (Budge, S. 113 ff., Nr. 439; Morales in der _Zeitschr.
-d. D. Morgenl. Ges._, XL, S. 416 ff.).
-
-
-537.
-
-Die Nr. 8 bei Murad erzählt: Als der Hodscha mit dem Aga auf die Jagd
-reiten muß, nimmt er sich drei Datteln mit; sooft er aber eine in den
-Mund steckt, richtet der Aga eine Frage an ihn, so daß ihm, weil er die
-Dattel samt dem Kerne nicht verschlucken kann, nichts übrig bleibt, als
-sie auszuspucken. Am Abende will der Aga mit einer Zofe seiner Gattin
-scherzen; aber nun rächt sich Nasreddin an ihm und stört ihn dreimal
-hintereinander just im entscheidenden Momente, indem er an die Tür
-pocht und immer eine seiner bei der Jagd gegebenen Antworten richtig
-stellt.
-
-Von Harun al Raschid und seinem Sklaven Ibad erzählt dasselbe Hammer im
-_Rosenöl_, II, S. 232 ff. nach dem »Mehedschon-nufus«; an die Stelle
-Ibads tritt Abu Nuwas bei Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem
-Iraq_, S. 72 und 73, Nr. 40. Vgl. auch Basset in der _RTP_, XXII, S.
-215 ff.
-
-
-538.
-
-In der 10. Erzählung Murads, die bei Buadem, Nr. 61 (Serbisch, S.
-72; Kroatisch, S. 44) der Schlüpfrigkeit, damit aber auch des Witzes
-entkleidet ist, schleichen sich Strolche in den Stall Nasreddins; er
-und seine Frau hören ihr Gespräch, wonach sie beabsichtigen, die Kuh
-zu stehlen, den Hausherrn umzubringen und an der Frau ihre Lust zu
-büßen. Begreiflicherweise ist Nasreddin sehr entrüstet, als seine Frau
-zuzuwarten rät.
-
-Dieses Exempel weiblicher Begehrlichkeit steht bei Hammer, _Rosenöl_,
-II, S. 293 nach dem »Nozhatol-ebsar«, das wohl mit dem von Basset in
-den _Contes populaires berbères_, S. 201 zu seiner dasselbe erzählenden
-50. Geschichte (_Le vieillard, la femme et les voleurs_‚) als Parallele
-zitierten _Kitab nozhat el absar_‚ identisch ist.
-
-
-539.
-
-Bei Murad, Nr. 19 zeigt sich Nasreddin von dem Vortrage eines
-stumpfsinnigen Dichters sehr gerührt; als ihn dieser voll Stolz fragt,
-was denn auf ihn einen besondern Eindruck gemacht habe, erhält er zur
-Antwort, daß sich Nasreddin beim Anblicke seines wackelnden Bartes[27]
-wehmütig eines alten Ziegenbockes im Vaterhause erinnert habe.
-
-Dieser Schwank ist wohl zusammenzustellen mit dem ~vom Prediger mit
-der Eselsstimme~, den ich im _Mönchslatein_, S. 8 mitgeteilt habe; in
-einer an unsere Version gemahnenden Form (Bart, nicht Stimme, ist das
-erinnernde Merkmal) steht er im _Nuzhat al udaba_‚ (Basset, _RTP_, XV,
-S. 353), bei Gladwin, II, S. 15, Nr. 33 (dazu Clouston, _Flowers_, S.
-71 ff.), bei Swynnerton, S. 157 und in einer bulgarischen Erzählung aus
-Altserbien in der _Anthropophyteia_, II, S. 387 ff.
-
-Zu meinen Nachweisungen im _Mönchslatein_, S. 197 ff. sind noch
-nachzutragen: A. Lecoy de la Marche, _L’esprit de nos aïeux_, S. 20
-ff., Nr. 13 (nach J. de Vitry) und Paul Sébillot, _Contes de prêtres et
-de moines, recueillis en Haute-Bretagne_, Nr. 12 im _Archivio_, XIII,
-S. 567.
-
-
-540.
-
-Die 23. Erzählung Murads bringt die bekannte Geschichte vom
-~Traumbrod~, wozu man Chauvin, IX, S. 28[28] vergleiche, und zwar in
-einer Fassung, die der des _Nuzhat al udaba_‚ (Hammer, _Rosenöl_, II,
-S. 303 ff.; Basset in der _RTP_, XV, S. 668 ff.), aber auch der im
-_Mesnewi_‚ von Dschelaleddin Rumi außerordentlich nahe steht; nicht
-um Brot, sondern wie in der von Clouston in den _Popular Tales and
-Fictions_, II, S. 89 aus der _Historia Jeschuae_‚
-
-_Nazareni_‚ ...., illustrata a Joh. Jac. Huldrico, Leyden, 1705, d. i.
-Huldreichs Ausgabe der _Tholedoth Jesu_‚ mitgeteilten Version um eine
-Gans handelt es sich in der serbischen Ausgabe, S. 155 ff. (Nasreddin
-foppt zwei Derwische).
-
-
-541.
-
-Die ~kroatische~ Ausgabe enthält zwei außerordentlich verbreitete
-Erzählungsstoffe; der eine (S. 91 ff.; Nouri, S. 57 ff.) stellt die
-unter dem Namen ~Asinus vulgi~ bekannte Geschichte dar, zu der man die
-bei Chauvin, II, S. 148, III, S. 70 und 145 und VIII, S. 140 angegebene
-Literatur, ferner Waas, _Die Quellen der Beispiele Boners_, S. 48,
-Köhler, II, S. 571, Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem Iraq_,
-S. 54 und 55, Nr. 30 und S. 111 vergleiche. Zwei Versionen sind bis
-jetzt unbeachtet geblieben: die eine steht im _Antonius dialogus_‚ von
-Jo. Jov. Pontanus (_Opera_, Basilae, 1538, II, S. 163); die andere, die
-die Fabel damals schon als Altweibermärchen charakterisiert, findet
-sich in einem Briefe Petrarcas (_Epistolae de rebus familiaribus et
-variae_, ed. Fracasetti, Florenz, 1859 ff., II, S. 404):
-
-Unam tibi e fabellis referam vulgo notis, et quibus anus ante focum
-hibernas noctes fallere solitae. Senex cum adolescente filio agebat
-iter. Erat his unus parvus asellus ambobus, quo vicissim laborem viae
-levabant. Hoc dum genitor veheretur, sequente pedibus suis nato,
-irridere obvii. En, aiebant, ut moribundus inutilisque seniculus
-dum sibi obsequitur, formosum perdit adolescentem. Desiluit senex,
-et invitum natum in suum locum sustulit. Murmurare praetereuntium
-turba; en ut segnis et praevalidus adolescens, dum propriae blanditur
-ignaviae, decrepitum patrem mactat. Pudore ille victus, patrem
-coegit ascendere. Ita uno quadrupede simul vecti murmur occurrentium
-indignatioque crebrescere, quod una brevis duabus magnis belluis
-premeretur. Quid te moror? His moti pariter ambo descendunt, et vacuo
-asello pedibus incedunt propriis. Enimvero tunc illusio acrior risusque
-protervior, duos asinos uni ut parcant, sibi non parcere. Hic genitor:
-cernis, inquit, fili, ut nil quod probetur ab omnibus fieri potest;
-repetamus pristinum morem nostrum; hi suum loquendi carpendique omnia
-morem servent. Nil amplius dicam, nec necesse est: rudis fabella, sed
-efficax.
-
-
-542.
-
-Weiter hat eine Geschichte in der kroatischen Ausgabe, S. 95 ff.
-(Nouri, S. 41 ff.) folgenden Inhalt: Der Hodscha erzählt seiner
-schwatzhaften Frau, er habe ein Ei gelegt. Sie erzählt das unter dem
-Siegel der Verschwiegenheit ihrer Nachbarin Ajscha, diese wieder ihrer
-Freundin Fatima; binnen kurzem verbreitet sich die Sache in stets
-gesteigerter Form in der ganzen Stadt und endlich erfährt sie auch der
-Sultan, dem schon von 699 Eiern berichtet wird. Auch er tut so wie die
-andern und fragt Nasreddin, ob es wahr sei, daß er 700 Eier gelegt habe.
-
-Dies ist die Fabel La Fontaines _Les femmes et le secret_‚; vgl. Boltes
-Nachweisungen bei Montanus, S. 592 ff. und Chauvin, VIII, S. 168 und
-197.
-
-
-543.
-
-Unter den _~serbischen~_ Überlieferungen in den _Anthropophyteia_‚
-ist eine (I, S. 465 ff.), die ebenso wie eine Erzählung im _Nawadir_‚
-(S. 16) den Stoff des _Dit de perdriz_‚ (Montaiglon-Raynaud, I, S.
-188 ff.) behandelt; die serbische Variante tut dies in einer Form,
-die sehr an die der _Tausend und einen Nacht_‚ (Chauvin, VI, S. 179
-ff.) erinnert. Man vergleiche Legrand, _Fabliaux ou contes_, Paris,
-1829, IV, S. 38 ff.; Bédier, S. 466; v. d. Hagen, _Gesammtabenteuer_,
-II, S. XV ff.; Pauli, S. 514, Nr. 364; H. Sachs, II, S. 169 und III,
-S. 149; A. L. Stiefel in den _Hans Sachs-Forschungen_, S. 158 ff.;
-Benfey, I, S. 146; Österley in der _Zeitschr. f. vgl. Littgesch_, I,
-S. 54; K. Reinhardstoettner ebendort, VII, S. 474; Cosquin, II, S.
-348 ff.; _Fourberies_, S. 27 ff. Zu den an diesen Stellen genannten
-Nachweisungen kommen noch: _Der edle Fincken-Ritter_, S. 61, Nr. 353;
-Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, III, S. 289 ff.; Sébillot,
-_Littérature orale de la Haute-Bretagne_, S. 137 ff.; Stumme, _Tunis_,
-I, S. 73 und II, S. 122.
-
-
-544.
-
-Die Erzählung in der _Anthropophyteia_, II, S. 412 ff. ist äußerst
-obszön: Nasreddin rächt sich an einem Gläubiger, einem reichen
-Türken, der seine Tochter verführen will, indem er, als seine Tochter
-verkleidet, zuerst die drei Töchter und dann die Frau des Türken
-beschläft und schließlich noch ihn selber schändet. Der hier nur
-zum Schluß vorkommende Zug, daß die dankbaren Mädchen und ebenso
-ihre Mutter auf ihren Kuchenanteil zugunsten der falschen Zuleika
-verzichten, ist besser verarbeitet in Sercambis Novelle _De Malvagio
-famulo_‚ (ed. Renier, S. 335 ff.), zu der die 191. Facetie Poggios:
-_Facetia cuiusdam qui subagitabat omnes de domo_‚ samt den von Noël,
-II, S. 183 ff. beigebrachten Parallelen zu vergleichen ist.
-
-
-545.
-
-In Anton Panns _rumänischer_‚ Gedichtesammlung _Nazdravaniile lui
-Nastratin Hogea_‚ wird S. 331 erzählt, wie der Hodscha ob seiner
-Lustigkeit von einem Freunde gefragt wird, ob er denn seine Schulden
-bezahlt habe. Er antwortet verneinend; aber die Sorge überlasse er den
-Gläubigern.
-
-Das ist eine Variante der oft bearbeiteten 204. Facetie Poggios:
-_Exploratio ad hominem tristem ob pecuniam debitam_‚ (dazu Noël, II, S.
-193 ff.).
-
-
-546.
-
-Pann, S. 338 (Griechisch, Nr. 151): Als der Hodscha Nasreddin Knoblauch
-gegessen hat, weigert sich seine Frau, mit ihm zu schlafen, weil sie
-den Geruch nicht verträgt. Der Hodscha fragt einen Freund, wie er es
-anstellen müsse, um geruchlosen Knoblauch zu bekommen, und erhält den
-Rat, ihn (der Schale) entkleidet zu pflanzen. Der Knoblauch riecht aber
-wieder, und nun meint der Freund, der Hodscha müsse eben auch sich
-selber entkleiden. Der Erfolg bleibt wieder aus, und der Hodscha sagt
-zum Knoblauch: Dich habe ich ausgezogen, mich habe ich ausgezogen, aber
-dein Gestank ist geblieben.
-
-
-547.
-
-Sehr hübsch ist folgende Geschichte bei Pann, S. 340: Als der Hodscha
-einmal sein Hemd flickt, bildet der Zwirn zufällig einen Knoten, und er
-merkt, daß die Näharbeit dadurch leichter von statten geht. Voll Stolz
-erzählt er allen Leuten, was für eine Erfindung er gemacht hat, erntet
-aber nur Spott.
-
-Vgl. _Eulenspiegel_, Hist. 50 (Neudruck, Halle, 1884, S. 78 ff.; _Dr.
-Thomas Murners Ulenspiegel_, hg. v. Lappenberg, Leipzig, 1854, S. 73
-ff. und 257) und Aug. Wilh. Schlegels _Poetische Werke_, Heidelberg,
-1811, II, S. 278 ff.: _Parabel vom Eulenspiegel und den Schneidern_‚.
-
-
-548.
-
-Pann, S. 342 ff.: Im Kaffeehause bitten den Hodscha seine Freunde,
-eine Lüge zu sagen; er entgegnet aber mit trauriger Miene, sie hätten
-freilich leicht lustig sein, ihm sei aber sein Vater gestorben, und er
-habe kein Geld zum Begräbnis. Darauf gibt ihm jeder Geld und er geht
-mit einem hübschen Sümmchen fort. Bald darauf kommt der totgesagte
-Vater ins Kaffeehaus; auf die Vorwürfe seiner Freunde entgegnet
-Nasreddin, sie hätten ihn ja lügen heißen.
-
-
-549.
-
-Pann, S. 344 ff.: Ein Kaufmann gibt dem Hodscha irrtümlich Seife statt
-Käse. Als der Hodscha den vermeintlichen Käse ißt, stellt er fest, daß
-er anders als sonst schmecke; seine Frau, die ihm zusieht, sagt ihm,
-daß er eben Seife esse. Aber Nasreddin ißt ruhig weiter: der Kaufmann
-sei ein Ehrenmann, und was er bezahlt habe, werde er auch essen.
-
-Ebenso essen im 24. Stücke der _Märchen der Schluh von Tazerwalt_‚
-von Stumme, Leipzig, 1895 die Bewohner des Wad Draa Seife für Honig
-(Hartmann in der _ZVV_, VI, S. 269).
-
-
-550.
-
-Ein guter Schwank ist auch folgender (Pann, S. 346): Der Hodscha geht
-mit seiner Ziege auf den Markt, um dort ihre Milch zu verkaufen. Es
-kommt ein Kunde, und der Hodscha melkt die Ziege; da aber dem Kunden
-die Milch zu teuer ist, schüttet er sie der Ziege zurück in den Mund,
-damit sie wieder in die Euter fließe.
-
-Vgl. dazu _Kathá Sarit Ságara_, II, S. 61: _Story of the king who
-replaced the flesh_‚ mit Tawneys Noten.
-
-
-551.
-
-Diese Ziege wird später (Pann, S. 346) von Wölfen gefressen; der
-Hodscha macht sich aber nichts daraus und sagt: Wo Gewinn ist, kann
-auch einmal ein Verlust sein.
-
-
-552.
-
-Altbekannte Motive behandelt die folgende Erzählung (Pann, S. 347
-ff.): Der Hodscha sieht einmal, wie in einem Hofe ein Diener einem
-reich geschmückten Esel die Fliegen abwehrt, während der Eigentümer
-des Esels vergnügt zusieht; er geht hin, umarmt und küßt den Esel und
-sagt: »Schade, daß er nicht reden kann.« Auf die erstaunte Frage des
-Eigentümers antwortet er: »Freilich kann ich ihn reden lehren, noch
-dazu in vier fremden Sprachen.« Daraufhin bekommt er den Esel mit nach
-Hause und dazu ein schönes Stück Geld, damit er das verwöhnte Tier
-ordentlich pflege; in einem Jahre soll der Unterricht beendet sein.
-Nasreddins Frau ist mit dem Geschäfte nicht zufrieden, aber er tröstet
-sie, daß in dem Jahre entweder der Besitzer oder der Esel oder er
-selber sterben könne, und das Geld habe er ja schon. Am nächsten Tage
-beginnt er mit dem Unterrichte, indem er dem Esel mit Stockschlägen
-beibringt, auf einen Wink mit der Hand den Kopf zu heben oder zu
-senken. Als das Jahr um ist, bringt Nasreddin den Esel zu seinem Herrn,
-der eine Menge Gäste eingeladen hat. Auf die Frage Nasreddins, ob er
-wie die andern Esel brällen wolle, hebt der Esel den Kopf zum Zeichen
-der Verneinung, und so beantwortet er noch eine Reihe ähnlicher Fragen.
-Den Einwand des Besitzers, daß der Esel noch immer nicht spreche,
-beantwortet Nasreddin dahin, daß der Esel noch ein kleines Kind sei,
-das schon alles verstehe, aber zu reden erst noch lernen werde. Der
-Herr des Esels gibt mit Freuden wieder Geld her, aber nun ändert
-Nasreddin sein Verfahren; er gibt dem Esel, dem er das Essen abgewöhnen
-will, täglich weniger Futter, bis er endlich verendet. Als er dann
-dem Eigentümer des Esels dessen Tod meldet, veranstaltet ihm der voll
-Trauer ein schönes Begräbnis.
-
-In den Hauptzügen deckt sich diese Geschichte mit La Fontaines Fabel
-_Le charlatan_, zu der man Robert, _Fables inédites des XIIe, XIIIe et
-XIVe siècles_, Paris, 1825, II, S. 54 ff. vergleiche. Um einen Bären
-handelt es sich bei Lodovico Carbone, _Facezie_, ed. Abd-el-Kader
-Salza, Livorno, 1900, S. 58 ff., Nr. 83, um einen Affen in der 88.
-Novelle von Des Periers (zit. Ausg. S. 300 ff.): _D’un singe qu’avoit
-un abbé, qu’un Italien entreprint de faire parler_‚ und um einen
-Elephanten in folgenden Fassungen: Guicciardini, _Detti et fatti_,
-Venetia, 1581, S. 21: _Cosa opportuna, et utile, godere il beneficio
-del’tempo: Le tombeau de la melancholie_‚ (1. Ausg. 1625), Paris,
-1639, S. 214 ff.: _Gentille inuention d’vn Gentilhomme François pour
-sauver sa vie; Democritus ridens_, S. 42; _Roger Bontemps en Belle
-humeur_, S. 369: _Bon tour d’Anthoine Martinus; Das kurtzweilige Leben
-von Clement Marodt_‚ (1. deutsche Ausg. 1660), Gedruckt im Jahre 1663,
-S. 29 ff.; (Henry Daudiguier) _Histoire des amours de Lysandre et
-de Calisto_‚ (1. Ausg. Leyden, 1650), Amsterdam, 1670, S. 433. Die
-Geschichte ist noch heute lebendig, wie Roseggers Bearbeitung zeigt.
-
-Älter scheint die Erzählung von dem ~Esel~ zu sein, der ~lesen lernen
-soll~: Stricker, _Der Pfaffe Amis_, v. 181 ff. (Lambel, _Erzählungen
-und Schwänke_, Leipzig, 1872, S. 25 ff., 13 und 16); Poggio, fac.
-250: _Facetum hominis dictum asinum erudire promittentis_‚ (Noël, II,
-S. 257 ff.); Brant, _Esopi appologi_, Basileae, 1501, Bl. B_{7}^a;
-_Eulenspiegel_, Hist. 29 (Neudruck, S. 44 ff.; Lappenberg, S. 40
-ff. und 246); Camerarius, _Fabellae Aesopicae_, Tubingae, Ex. off.
-Morhardi, 1538, Bl. 86^a: _Rex et subditus_‚: H. Sachs, IV, S. 308; Fr.
-Delicado, _La Lozana Andaluza_, Paris, 1888, II, S. 277 ff.; Seb. Mey,
-_Fabulario_, Valencia, 1613, fáb. 47 (Menéndez y Pelayo, _Origenes_,
-II, S. CX ff.); _Tales and Quicke Answeres_, Nr. 99: _Of hym that
-vndertoke to teache an asse to rede_‚ (Hazlitt, I, S. 115); Prym-Socin,
-_Tûr ’Abdín_, II, S. 291 ff. (hier handelt es sich um ein Kamel).
-Lesen und schreiben soll der Esel lernen bei Abstemius, _Hecatomythium
-secundum_, fab. 33: _De grammatico docente asinum_‚ (_Aesopi Phrygis
-et aliorum Fabulae_, Venetiis, 1539, Bl. 61^b) und Waldis, _Esopus_,
-IV, Nr. 97 (hg. v. Kurz, II, S. 270 ff. und Anm. S. 184). Vgl. weiter
-Levêque, _Les mythes et les légendes de l’Inde et de la Perse_, Paris,
-1880, S. 560 ff., _ZVV_, VII, S. 95 ff. und _Archivio_, XXI, S. 358.
-
-Zu dem Troste, daß in der gestellten Frist der eine oder der andere
-sterben kann, vgl. Chauvin, VIII, S. 117 ff.
-
-Der Zug, daß _einem Esel oder Pferde das Essen abgewöhnt_‚ werden soll,
-kehrt auch heute noch oft in Schwänken wieder; er findet sich aber
-schon im Philogelos, wo die 9. Facetie lautet:
-
-Σχολαστικὸς θέλων τὸν ὄνον αὐτοῦ διδάξαι μὴ τρώγειν, οὐ παρέβαλεν αὐτῷ
-τροφάς. ἀποθανόντος δὲ τοῦ ὄνου ἀπὸ λιμοῦ, ἔλεγε· μεγάλα ἐζημιώθην· ὅτε
-γὰρ ἔμαθε μὴ τρώγειν, τότε ἀπέθανε.
-
-
-553.
-
-Interessant ist ein ~_griechisches_~‚ »Märchen« in den schon zitierten
-52 Παραμύθια; es ist das 23. (S. 54 ff.): Ἡ γυναῖκα τοῦ Ναστραδὶν
-Χότζα, dessen wesentlicher Inhalt in einer breitern Fassung in den
-Νεοελληνικὰ Ἀνάλεκτα, II, Athen, 1874, S. 103 ff. als 33. der Λημώδη
-παραμύθια Νάξου wiederkehrt: Die Frau Nasreddins ist in den Arzt
-des Dorfes verliebt. Da er auf ihre Blicke und sonstigen stummen
-Liebeswerbungen nicht achtet, schickt sie ihm endlich durch ihre Magd
-eine Torte, worein sie einen Zettel gesteckt hat. Der Hodscha begegnet
-der Magd, nimmt ihr die Torte ab, ißt diese mit einem Freunde auf,
-liest den Zettel, übergibt der Magd einen andern, des Inhalts, daß er
-in der Dunkelheit kommen werde, und befiehlt ihr, der Frau zu sagen,
-sie habe ihren Auftrag ausgerichtet und der Arzt sende ihr diese
-Antwort. Ganz glückselig richtet die Frau alles her zum Empfange des
-Geliebten. Inzwischen geht der Hodscha zu dem Arzte und läßt sich von
-ihm ein stark wirkendes Abführmittel geben; in der Dunkelheit geht er
-dann in sein Haus. Seine Frau, die ihn erwartet hat, hält ihn, weil
-beide gleich dick sind, für den Arzt, und sie begeben sich sofort
-ins Bett. Nun beginnt auch schon das Abführmittel zu wirken: der
-angebliche Arzt besudelt nicht nur Bett und Zimmer, sondern auch die
-liebeshungrige Frau und macht sich endlich unter ihren Verwünschungen
-davon. Nach einigen Tagen kommt der Hodscha zurück, und sein erstes
-ist, daß er den Arzt zum Essen einlädt. Seinem der Magd erteilten
-Auftrage gemäß, fehlt auf dem Tische bald ein Löffel, bald eine
-Gabel, bald ein Glas, so daß er mehrmals Gelegenheit hat, das Zimmer
-zu verlassen und die Zornesausbrüche seiner Frau gegen den Arzt zu
-belauschen, dem sie schließlich einen Löffel Reis ins Gesicht wirft.
-Der Arzt entfernt sich, indem er dem Hodscha sein Bedauern ausspricht,
-daß sein Weib nicht recht bei Sinnen sei. Sie ist aber von ihrer
-Leidenschaft geheilt und liebt fortan ihren Hodscha so wie früher den
-Arzt.
-
-Mit geringfügigen Abweichungen wird diese Geschichte in einer Novelle
-Bandellos erzählt, nämlich der 35. des I. Teiles: _Nuovo modo di
-castigar la moglie ritrovato da un Gentiluomo veneziano_‚; die Novelle
-Bandellos ist die Quelle der 1. Histoire in den _Amans trompez_,
-Amsterdam, 1696, S. 3 ff.: _De Camille, et du Docteur du_‚ _Cil_, die
-wieder nach Tittmanns Einleitung zum II. Bande der _Simplicianischen
-Schriften_‚ Grimmelshausens, Leipzig, 1877, S. XIX ff. die Quelle der
-Erzählung im 5. bis 8. Kapitel des II. Teiles des _Vogelnests_, S. 174
-ff. ist.
-
-
-554.
-
-Die griechische Ausgabe der Schwänke Nasreddins schließt mit einer
-Geschichte, in der Nasreddin gar nicht vorkommt; denselben Inhalt hat
-aber Buadem, Nr. 161 und überdies hat sie Renato La Valle 1910 im
-_Giornale d’Italia_, dessen Vertreter er in Konstantinopel ist, von
-Nasreddin mitgeteilt: Einmal erschien Nasreddin vor dem Sultan und
-klagte ihm sein Leid; »Ich habe nicht zu leben,« sagte er, »könnte aber
-mein Leben sehr gut fristen, wenn du mir durch ein Handschreiben die
-Erlaubnis gäbest, von jedem Muselman, der vor seiner Frau Furcht hat,
-fünf Para einzuheben.« Da die Zahl der Muselmanen, die ihre Weiber
-fürchten, sehr groß ist, wird der Hodscha bald ein reicher Mann.
-Da sagt der Sultan zu ihm: »Da du durch meine Gnade reich geworden
-bist, hoffe ich, daß du dich mir durch ein Geschenk erkenntlich
-zeigen wirst.« »Sicherlich, Großherr; ich habe dir auch schon eine
-wunderschöne Sklavin aus Cypern mitgebracht.« »Sprich doch leiser,«
-sagte der Sultan, indem er sich scheu umblickte; »im Nebenzimmer ist
-meine Frau.« Sofort nahm der Hodscha den Erlaß aus der Tasche und
-sagte: »Fünf Para her, Großherr!«
-
-Vgl. Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 208 ff.: _Wer sich da vor seinem Weibe
-fürchtet_‚.
-
-
-555.
-
-Zum Schlusse folge eine Dschohageschichte, die Reinisch in der
-_Nubasprache_, im Idiome von Fadidscha, aufgezeichnet, deren
-Übertragung ins Deutsche er aber aus naheliegenden Gründen unterlassen
-hat (_Nuba-Sprache_, I, S. 236 ff.):
-
-Dschauha quondam gregem prae se agebat ac dum vadit magna voce
-clamavit: »Gregem meum totum is, sive vir erit sive femina, accipiet,
-qui me edocuerit, quo modo coitus instituatur.«
-
-Quam conditionem captiosam audivit homo quidam, qui in loco superiore
-occupatus erat opere in agro. Oculis igitur modo in meridiem, modo in
-septentrionem conversis non conspexit ullum testem molestum.
-
-Tum is homo secum: »Age, inquit, id quod vult edocebo istum ac gregem
-eius accipiam.« Itaque Dschauham is acclamavit verbis: »Heus tu, huc
-veni! nam te edocebo.«
-
-Venit Dschauha et rusticus braccis detractis se obtulit illi apto ad
-eam rem usus corporis statu. Qui mox penem intulit in anum rustici
-semenque emisit.
-
-Iam cum penem eduxisset Dschauha quaesivit ex rustico, quid esset album
-illud, quod de natura ipsius destillaret. Rusticus: »Inde, inquit,
-nascuntur pueri.«
-
-Tum Dschauha rusticum manibus apprehendit et clamavit: »Redde mihi
-liberos meos!« Is autem cum, ne clamore Dschauhae res proderetur,
-metueret, miti ac clara voce dixit: »Ego vero nullo pacto postulo
-gregem tuum; quam ob rem tacitus quaeso abeas.«
-
-Unde profectus cum grege Dschauha cum ad villam venisset, ante aedium
-ianuam mulierem vidit cum puella sedentem. Cum igitur ibi eadem quae
-ante clamando pronuntiasset, mulier ad puellam haec locuta est: »Cum
-non sint nobis armenta, hunc quae vult edocendo faciam, ut gregem eius
-accipiam.«
-
-Advocatus Dschauha, postquam mulier vestibus depositis accubuit, eam
-subagitavit. Coitu perfecto ex muliere quaesivit, quid esset album
-illud, quod de natura ipsius destillaret.
-
-Respondit mulier: »Necdum id tu cognovisti?« »Minime,« ait Dschauha. Et
-mulier: »Inde, inquit, nascuntur pueri.«
-
-Tum Dschauha mulierem manibus apprehendit ac minis usus petiit ab ea,
-ut sibi liberos redderet. Perterrita mulier: »Iam abeas, inquit, cum
-grege.« Itaque profectus est Dschauha.
-
-Cum autem sol ad occasum vergeret, rusticus domum venit ex agro ac cum
-matre, uxore filiaque consedit ad cenandum.
-
-Sedentibus iis, vir cum grave interdiu fecisset opus podice, crepitum
-emisit.
-
-Tum is: »Quid, inquit, id est?« Et uxor: »Id podex tuus fecit.«
-
-Quae cum dixisset mox ipsa crepuit. Ex qua cum quaesivisset vir, cur
-creparet, respondit: »Praeteriit villam nostram homo quidam cum
-aliquot boum capitibus et clamavit: ›Qui me coitum facere didicerit,
-sive vir erit sive femina, gregem meum mercedem accipiet.‹ Ut rem
-familiarem tuam augerem, me ab illo subagitari passa sum, qua re
-defatigata crepitum emisi.«
-
-Tum vir: »Ergone, inquit, iste huc etiam venit? ut ego quoque creparem,
-is effecit.«
-
-Quae cum locuti essent, rem integram reliquerunt.
-
-
-
-
-FUSSNOTEN:
-
-[1] Abdallah ibn Abbas, der Vetter Mohammeds, von dem angeblich ein
-Korankommentar herrühren soll.
-
-[2] Ist der 103. Vers der 23. Sure des Korans, die vom jüngsten
-Gerichte handelt.
-
-[3] Vers 1 und 2 der 95. Sure »Die Feige«; eigentlich sollten sie
-lauten: »Bei der Feige und dem Ölbaume und dem Berge Sinai.«
-
-[4] Ein mit Hammelfett und Weizenmehl hergestellter Brei.
-
-[5] Die folgende Episode ist in der deutschen Übertragung der
-_Tunisischen Märchen_‚ nicht enthalten; Herr Prof. Dr. Stumme war so
-liebenswürdig, meiner Bitte um eine Übersetzung nachzukommen, wofür ihm
-auch an dieser Stelle herzlichst gedankt sei.
-
-[6] Die Aissawa sind nach Basset eine in ganz Nordafrika weit
-verbreitete religiöse Bruderschaft nach Art der Fakire, die sich ebenso
-wie diese durch Tänze und wilde Bewegungen eine gewisse körperliche
-Unempfindlichkeit aneignen; sie essen Glas und Skorpione, lassen sich
-von giftigen Schlangen beißen, lecken glühendes Eisen, verschlucken
-Kiesel usw.
-
-[7] Das heißt, daß der Verräter keinen Anspruch auf den Lohn hat.
-
-[8] Die Übersetzung der Nrn. 419 und 420 ist wortwörtlich; leider
-bringt das Original nur diese Inhaltsangaben.
-
-[9] Gemeint ist der jetzige Corso Vittorio Emanuele in Palermo, der im
-Volksmunde Via Cassaru oder Cassero heißt, und zwar nach dem arabischen
-_al kassar_, d. i. die Burg.
-
-[10] Mustafa.
-
-[11] Im Originale πεστιμάλι.
-
-[12] χαβλί.
-
-[13] Das Pistazienharz, das im Orient zur Zahnpflege und zur
-Zahnreinigung dient.
-
-[14] Etwa Polizeileutnant.
-
-[15] Über Masudi vgl. Brockelmann, I, S. 143 ff.; er ist 956 gestorben.
-
-[16] Der Verweis Bassets in der _RTP_, XVII, S. 93 auf Hammer,
-_Rosenöl_, II, S. 308 ist irrtümlich.
-
-[17] Gastius nennt seine Quelle nur kurz _Cam._, Melander aber
-ausführlich _D. Joachimus Camerarius in Rhetoricis suis_, d. s. die der
-Ἀριθμολογία ἠθική, Lipsiae, 1552 angehängten _Exempla diversa exercitii
-rhetorici_‚.
-
-[18] Nur ein einseitiger Zusammenhang besteht mit der Nr. 22 der
-_Hundred Mery Talys_‚ (ed. by Oesterley, London 1866, S. 42 ff. und bei
-Hazlitt, _Shakespeare Jest-Books_‚ I, S. 40 ff.).
-
-[19] Die Schlußverse lauten:
-
-Will nicht zum Mahomet der träge Hügel kommen, So geht jetzt Mahomet
-zum trägen Hügel hin.
-
-[20] Vgl. meine Ausführungen darüber bei Arlotto, II, S. 328 ff.
-
-[21] Vgl. Wesselski, _Arlotto_, II, S. 308 ff.
-
-[22] Wohl für Scharsach: s. Grimm, VIII, S. 2220 ff.
-
-[23] Kaswin (südlich vom kaspischen Meere) ist eines der vielen Schilda
-des Orients.
-
-[24] 813-833.
-
-[25] Zur Erklärung dieser Schnurre fährt Galland fort: Les Mahometans
-ont cette coutume dans tout le Levant de branler la tête en devant et
-en arrière lors qu’ils lisent: et comme les enfans qui lisoient sous ce
-Maitre d’Ecole branloient la tête, le Maitre d’Ecole branloit aussi sa
-sienne, quoi qu’il eut pu s’en abstenir, mais c’etoit sa coutume. Les
-Juifs branlent aussi la tête dans leur Synagogues en priant Dieu, mais
-d’une épaule à l’autre, et non pas en devant et en arrière comme les
-Mahometans. Les uns et les autres prétendent que cette agitation les
-rend plus attentifs à leurs Prières.
-
-[26] Die Quellen Herbelots bespricht Meißner in den _Neuarabischen
-Geschichten aus dem Iraq_, S. v; über Bahlul überhaupt s. die bei
-Chauvin, VII, S. 127 angegebene Literatur und Prym-Socin, _Tûr ’Abdin_,
-II, S. 387.
-
-[27] S. die Fußnote 1 auf S. 241.
-
-[28] Eine Variante habe ich im _Euphorion_, XV, S. 10 ff. behandelt.
-
-
-
-
-_Index._‚
-
-
- ibn Abdirabbihi, _Kitab al ikd al farid_‚ I, 206 254 258; II, 201 202
- 230 238 240.
-
- al Abschihi, _Mustatraf_‚ I, 255 257 273 279; II, 202 203 230 236 238.
-
- Abstemius, _Hecatomythia_‚ II, 249.
-
- Agricola, _Sprichwörter_‚ I, 239.
-
- Alexander ab Alexandro, _Dies geniales_‚ II, 185.
-
- _Amans (Les) trompez_‚ II, 250.
-
- Andrews, _Contes ligures_‚ II, 183 195.
-
- _Anthropophyteia_‚ I, 207 216 217 224 228 237 273 278 279; II, 232
- 243.
-
- ibn Arabschah, _Fakihat al hulafa_‚ I, 217 255; II, 186.
-
- _Archie Armstrong’s Banquet of Jests_‚ I, 231 237 249 250; II 219.
-
- Arguijo (Juan de), _Cuentos_‚ II, 226 233.
-
- Arienti, _Porretane_‚ I, 220 239 254.
-
- Arlottos _Schwänke_‚ I, 205 207 227 240 246 256 259 260 275 278;
- II, 203.
-
- Armeno-Wetzel, _Die Reise der Söhne Giaffers_‚ II, 198.
-
- Artin Pascha (Yakoub), _Contes populaires de la vallée du Nil_‚ I 224;
- II, 229 234.
-
- Asbjörnsen, _Fairy Tales from the Far North_‚ I, 274.
-
- Aesop I, 218 259; II, 206.
-
- Augier et Sandeau, _Le gendre de M. Poirier_‚ I, 208.
-
- Aurbacher, _Volksbüchlein_‚ I, 211 220 232 272.
-
- _Aventures (Les joyeuses)_, 1556 I, 223 233 271; II, 187.
-
- _Aventures (Les joyeuses)_, 1577 I, 233 271.
-
-
- _Baitál Pachisi_‚ II, 185.
-
- Bandello, _Novelle_‚ I, 222 242; II, 250.
-
- _Banquet (A choice) of Witty Jests_‚ II, 219.
-
- Baraton, _Poesies_‚ I, 225 280.
-
- Bar-Hebraeus, _The Laughable Stories_‚ I, 212 219 231 243 260 267 276
- 282; II, 181 183 188 191 224 230 241 242.
-
- Basile (Giamb.), _Lo cunto de li cunti_‚ II, 205 211 214.
-
- Basset, _Contes d’Afrique_‚ I, 216 233 236; II, 204 205.
-
- —— _Contes berbères_‚ I, 280; II, 201 243.
-
- —— _Lôqman berbère_‚ I, 226 273; II, 204.
-
- —— _Zenatia_‚ I, 239 263; II, 201.
-
- Bebel, _Schwänke_‚ I, 210 231 240 252 275 280; II, 212 214 216 233.
-
- Behrnauer, _Die vierzig Veziere_‚ I, 250 279.
-
-
- Beroalde de Verville, _Le Moyen de parvenir_‚ I, 277.
-
- Bezemer, _Volksdichtung aus Indonesien_‚ II, 197.
-
- _Bharataka Dvâlrinçikâ_‚ I, 217.
-
- Birlinger, _Volksthümliches aus Schwaben_‚ I, 268.
-
- Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_‚ I, 208 217 236 241 252 269;
- II, 205 245.
-
- Boccaccio, _Decameron_‚ I, 216 229; II, 186.
-
- Böhm, _Lettische Schwänke_‚ I, 249 252 268 274 276; II, 182 184 197
- 205 209 212 214.
-
- Boner, _Der Edelstein_‚ I, 220 237; II, 194 244.
-
- Bouchet, _Les Serées_‚ I, 277; II, 224.
-
- Brant (Sebastian), _Esopi appologi_‚ I, 257 268; II, 249.
-
- Bromyard, _Summa praedicantium_‚ II, 189 213.
-
- Bronner, _Bayerisches Schelmen-Büchlein_‚ I, 207 220 242 246 249 273;
- II, 209.
-
- Bullinger, _Contra Cochlaeum_‚ II, 219.
-
- Busch, _Ut ôler Welt_‚ I, 252 276 280; II, 197 207 212.
-
- Bütner (Wolfgang), _Von Claus Narren_‚ I, 213 223 238 241; II, 196
- 209 226.
-
- Büttner, _Suaheli-Litteratur_‚ I, 213 225; II, 212.
-
-
- Camerarius (Joachim), _Arithmologia_‚ II, 187.
-
- —— _Fabulae_‚ I, 259; II, 249.
-
- Campbell, _Popular Tales of the West-Highlands_‚ I, 208 261 268 269
- 272 274.
-
- C. A. M. v. W., _Zeitvertreiber_‚ I, 221 222; II, 221.
-
- Carbone (Lodovico), _Facezie_‚ I, 225 250; II, 248.
-
- Cardonne, _Mélanges de littérature Orientale_‚ I, 256 259; II, 241.
-
- Carnoy, _Littérature orale de la Picardie_‚ I, 252 272; II, 183 205.
-
- Casalicchio, _L’utile col dolce_‚ I, 225 250 262; II, 232.
-
- Castiglione, _Il cortegiano_‚ I, 225; II, 227 239.
-
- Catull I, 211.
-
- Celtes, _Epigramme_‚ II, 214.
-
- _Cent nouvelles nouvelles_‚ I, 271; II, 187 204.
-
- Cervantes, _Don Quixote_‚ I, 268.
-
- Chappuis, _Les facétieuses Journées_‚ I, 247.
-
- Chevreau, _Histoire du monde_‚ II, 191.
-
- Cicero, _De oratore_‚ I, 225; II, 239.
-
- Cieco da Ferrara, _Mambriano_‚ I, 265.
-
- _Conceites (The Pleasant) of Old Hobson_‚ I, 225 234.
-
-
- Conceits, _Clinches, Flashes, and Whimzies_‚ II, 219.
-
- _Conceyts (Certayne) and Jests_‚ I, 231; II, 226.
-
- Cortesius, _Volantillae_‚ II, 221.
-
- Cosquin, _Contes populaires de Lorraine_‚ I, 272; II, 182 183 184 195
- 203 204 205 209 211 213 214 245.
-
- Costo, _Il Fuggilozio_‚ I, 228 235 278; II, 190 210 229.
-
- Cowell, _The Jâtaka_‚ I, 272.
-
- Crane, _Italian Popular Tales_‚ I, 265; II, 195 211.
-
- _Cukasaptati_‚ II, 187.
-
-
- Dähnhardt, _Natursagen_‚ I, 265.
-
- Daudiguier (Henry), _Lysandre et Calisto_‚ II, 249.
-
- Delicado, _La Lozana andaluza_‚ II, 249.
-
- _Delight and Pastime_‚ I, 215.
-
- _Democritus ridens_‚ I, 213 215 266 280.
-
- _Descriptio Norfolcensium_‚ II, 230.
-
- Des Periers, _Nouvelles récréations_, I, 223 233 235; II, 248.
-
- Domenichi, _Facetie_‚ I, 215 221 231 232 250 266; II, 187 204 220
- 226 234.
-
- Doni, _I Marmi_‚ I, 231.
-
- —— _Rime del Burchiello_‚ I, 233.
-
- —— _La Zucca_‚ II, 221.
-
- Dschami, _Bäharistan_‚ I, 259 282; II, 189 202 239 240 241.
-
- al Dschausi, _Kitab al askija_‚ II, 189.
-
- Dschelaleddin Rumi, _Mesnewi_‚ I, 248 272; II, 185 243.
-
- Dunbar (William) I, 256.
-
-
- _Echa rabbathi_‚ II, 202.
-
- _England’s Jests_‚ I, 229; II, 218.
-
- Eyering, _Proverbiorum copia_‚ I, 220 237 247 250 280.
-
-
- _Fables turques_‚ I, 267; II, 227.
-
- _Fabliaux (Deutsche)_‚ s. Hagen, Keller (Ad. v.) und Lambel.
-
- _Fabliaux (Französische)_‚ s. Legrand und Montaiglon-Raynaud.
-
- _Facecies, et motz subtilz_‚ II, 220 229.
-
- _Facetie (Les piacevoli et ridiculose) di M. Poncino della Torre_‚
- I, 220.
-
- _Facetie, motti, buffonerie et burle del Piovano Arlotto_‚ I, 247.
-
- _Facezie e motti dei secoli XV e XVI_‚ II, 217.
-
- al Farazdak I, 215.
-
-
- _Farce des deux savetiers_‚ I, 220.
-
- _Fincken-Ritter (Der edle)_‚ I, 244; II, 239 245.
-
- Firenzuola, _La Trinuzia_‚ I, 275.
-
- Fleury, _Littérature orale de la Basse-Normandie_‚ I, 210; II, 182.
-
- Frey, _Gartengesellschaft_‚ I, 244 249 252 257 275; II, 192 204 212
- 237.
-
-
- Galland, _Les paroles remarquables des Orientaux_‚ I, 207 232 247 258
- 259 261 262 263 282; II, 202 225 239 240 241.
-
- Garibay, _Cuentos_‚ I, 229 247.
-
- Garzoni, _La piazza universale_‚ I, 247.
-
- —— _La sinagoga de gl’ignoranti_‚ I, 265.
-
- Gastius, _Convivales sermones_‚ I, 231; II, 187 225.
-
- Georgeakis et Pineau, _Le Folk-lore de Lesbos_‚ I, 221 251 269.
-
- Gerlach, _Eutrapeliae_‚ I, 247.
-
- _German Rogue_‚ I, 271.
-
- _Gesta Romanorum_‚ I, 264; II, 185 194 206.
-
- Giuliano, _Dialogo d’un medico con un secretario et un palafreniere_‚
- II, 190.
-
- Gladwin, _The Persian Moonshee_‚ I, 222 243 254 258 259; II, 203 239
- 243.
-
- Gonzenbach, _Sicilianische Märchen_‚ II, 213 215.
-
- _Gotham (The Mad Men of)_‚ s. _Tales_‚.
-
- _Grillenvertreiber_‚ I, 217.
-
- Grimm, _Kinder- und Hausmärchen_‚ I, 222 264 272; II, 201 206 210 215
- 220.
-
- Grimmelshausen, _Vogelnest_‚ II, 251.
-
- Guicciardini, _Detti et fatti_‚ I, 225; II, 248.
-
- _Guru Paramártan_‚ I, 217 225 268.
-
-
- Hagedorn II, 190.
-
- Hagen, _Gesammtabenteuer_‚ II, 188 214 245.
-
- Haltrich, _Deutsche Volksmärchen aus Siebenbürgen_‚ I, 217 270;
- II, 205 206 215.
-
- Hammer, _Rosenöl_‚ I, 248 261; II, 196 203 240 242 243.
-
- Harrington (John) I, 257.
-
- Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_‚ I, 222 229 231 247 250 280;
- II, 221 233.
-
- Hebel, _Schatzkästlein_‚ I, 215; II, 190 226.
-
-
- Heine, _Reisebilder_‚ I, 208.
-
- Herbelot, _Orientalische Bibliothek_‚ I, 245; II, 241.
-
- Hermotimus, _Additamenta_‚ II, 220 229.
-
- Herrant v. Wildonie II, 188.
-
- ibn Hidschdscha, _Thamarat al aurak_‚ I, 247.
-
- Hierokles s. _Philogelos_‚.
-
- _Hundred Mery Talys_‚ I, 239; II, 189 219.
-
-
- Ilg, _Maltesische Märchen_‚ I, 221 262 276 278; II, 183 205 209 210
- 213.
-
- Ispirescu, _Snóve_‚ I, 205 207 234 241 268 276; II, 185 229.
-
-
- _Jacke of Dovers Quest of Inquirie_‚ I, 248 249 266.
-
- Jacob, _Türkische Volkslitteratur_‚ II, 213.
-
- Jacobs, _Celtic Fairy Tales_‚ I, 269.
-
- —— _English Fairy Tales_‚ I, 241 252 268 272 274; II, 182 183 195 206.
-
- Jacques de Vitry, _Exempla_‚ I, 245; II, 243.
-
- Jahn, _Schwänke und Schnurren_‚ I, 269; II, 195 206 229.
-
- _Jâtaka_‚ s. Cowell.
-
- _Jests of Scogin_‚ I, 221 225 237.
-
- _Joe Miller’s Jests_‚ I, 231 248; II, 219 229.
-
- Johannes Junior, _Scala coeli_‚ II, 202.
-
- Juvenal I, 211.
-
-
- al Kaljubi, _Nawadir_‚ II, 183.
-
- _Kathá Sarit Ságara_‚ s. Somadeva.
-
- Keller (Ad. v.), _Erzählungen aus altdeutschen Handschriften_‚
- I, 265; II, 188.
-
- Keller (Albr.), _Die Schwaben_‚ I, 208 220 226 249 269; II, 209.
-
- Kirchhof, _Wendunmuth_‚ I, 218 225 233; II, 206.
-
- Knoop, _Volkssagen_‚ I, 269.
-
- Knowles, _Folk-Tales of Kashmir_‚ I, 252 268.
-
- Kopisch I, 268.
-
- Krauss, _Sagen und Märchen der Südslaven_‚ I, 222 226 276 280;
- II, 205 206.
-
- —— _Zigeunerhumor_‚ I, 207 210 222 253 254 268; II, 215 219 221 228
- 251.
-
- Kuka, _The Wit and Humour of the Persians_‚ I, 207 209 211 212 219
- 227 231 243 245 248 255 260 276 277 282; II, 185 186 187 202 203
- 223 226 231 236 237 238 240.
-
-
- La Fontaine II, 245 248.
-
- _Lalenbuch_‚ I, 235 269; II, 192 209.
-
- Lambel, _Erzählungen und Schwänke_‚ II, 188.
-
- Lamii, _Latifeh nameh_‚ I, 256.
-
- Landes, _Contes annamites_‚ I, 226 265; II, 221.
-
- _Leben (Das kurtzweilige) von Clement Marott_‚ I, 268; II, 249.
-
- Léger, _Recueil de contes populaires slaves_‚ I, 252.
-
- Legrand, _Fabliaux_‚ II, 245.
-
- Lehmann, _Exilium melancholiae_‚ I, 229 231 238 247 250 262 268 277;
- II, 219 229 237.
-
- —— _Florilegium politicum_‚ I, 208 237.
-
- Lidzbarski, _Geschichten aus neu-aramäischen Handschriften_‚ I, 242
- 255 265; II, 187 197 211 212 235 237.
-
- Lindener, _Katzipori_‚ I, 268.
-
- Lucas, _Diálogos_‚ I, 225.
-
- Lundorf, _Wißbadisch Wisenbrünlein_‚ I, 277.
-
- Luscinius, _Joci ac sales_‚ II, 225.
-
- Luzel, _Contes populaires de Basse-Bretagne_‚ II, 182 183 209.
-
-
- Mackenzie, _Tyll Owlglass_‚ I, 240.
-
- Abu Madjan, _Madschmu az zarf_‚ I, 264 277.
-
- al Maidani, _Madschma al amthal_‚ I, 214; II, 183 188 231.
-
- Marguerite de Navarre, _L’Heptaméron_‚ I, 278; II, 190.
-
- Marianus (Christophorus), _Convivium evangelicum_‚ I, 277.
-
- al Masudi, _Les Prairies d’or_, II, 181 245.
-
- Meder, _Quadragesimale_‚ II, 214.
-
- Meier, _Deutsche Sagen aus Schwaben_‚ I, 241.
-
- Meißner, _Neuarabische Erzählungen aus dem Iraq_‚ I, 227; II, 212 219
- 241 242 244.
-
- Melander, _Jocoseria_‚ I, 222 247 269; II, 187 219.
-
- Memel, _Anmuthige lustige Gesellschaft_‚ I, 221 222; II, 218.
-
- Ménage, _Origini della lingua italiana_‚ I, 218 228.
-
- Mendoza, _Lazarillo de Tormes_‚ I, 262.
-
- _Mensa philosophica_‚ I, 274; II, 233.
-
- Merkens, _Was sich das Volk erzählt_‚ I, 210 217 226 229 241 249 250
- 252 268 269 274; II, 182 215 229 237.
-
- _Meschreb, der weise Narr_‚ I, 230.
-
- Mey, _Fábulario_‚ I, 247 249.
-
- Minaef, _Indeiskija skasky_‚ II, 184.
-
-
- Monnier, _Les contes populaires en Italie_‚ I, 207 280; II, 183 206.
-
- Monosini, _Flores italicae linguae_‚ I, 219.
-
- Montaiglon-Raynaud, _Fabliaux_‚ II, 188 245.
-
- Montanus, _Schwankbücher_‚ I, 229 249 252 254 260 265 268 272;
- II, 197 206 245.
-
- Morlini, _Novellen_‚ I, 240 250 263 271 272; II, 184 212 213 228 237.
-
- Motylinski, _Dialogue en dialecte de Djerba_‚ I, 236.
-
- Müllenhoff, _Märchen und Lieder_‚ I, 241 268.
-
- Musculus, _Enarrationes_‚ I, 269.
-
-
- ~Narren, Gaukler und Volkslieblinge~:
- Arlotto s. _Arlottos Schwänke_‚.
- Armstrong s. _Archie Armstrong’s Banquet of Jests_‚.
- Bahlul II, 212 241.
- Barlacchia s. _Facetie, motti, buffonerie_‚.
- Abu Dulama II, 237.
- Eulenspiegel II, 246 249; s. auch Mackenzie.
- Gonnella II, 228.
- Habannaka I, 214; II, 231.
- Hobson s. _Conceites (The Pleasant)_‚.
- Karakusch I, 230; II, 210 229 230.
- Klaus Narr s. Bütner.
- Abu Nuwas I, 211; II, 184 242.
- Poncino della Torre s. _Facetie (Le piacevoli)_‚.
- Scogin s. _Jests of Scogin_‚.
- Sztukoris s. Veckenstedt, _Sztukoris_‚.
- Triboulet I, 223; II, 231.
-
- Nicolas de Troyes, _Le grand parangon des nouvelles nouvelles_‚
- I, 265.
-
- Nieri, _Racconti popolari lucchesi_‚ I, 257.
-
- Nopcsa, _Aus Sala und Klementi_‚ II, 206.
-
- _Novella dell Grasso legnajuolo_‚ I, 275.
-
- _Novelle antiche_‚ I, 227 229.
-
- _Nugae doctae Gaudentii Jocosi_‚ I, 269.
-
- _Nugae venales_‚ II, 235.
-
- _Nuzhal al udaba_‚ I, 230 234 257 282; II, 181 188 194 196 217 224
- 226 239 240 243.
-
-
- O’Connor, _Folk Tales from Tibet_‚ I, 225; II, 183 195.
-
- Ortoli, _Les contes populaires de l’île de Corse_‚ I, 241.
-
-
- Ouville, _L’Elite des Contes_‚ I, 228 277.
-
- _Oxford Jests_‚ I, 225; II, 221.
-
-
- Panciatichi, _Cicalate_‚ II, 226.
-
- _Pantagruéliques (Les)_‚ I, 225.
-
- _Pantschatantra_‚ (Benfey) II, 187 201 206 207 245.
-
- —— (Dubois) I, 263.
-
- _Parangon (Le) des Nouvelles honnestes_‚ I, 229.
-
- _Pasquil’s Jests_‚ I, 275.
-
- Pauli (Joh.), _Schimpf und Ernst_‚ I, 223 232 239 244 264 275;
- II, 185 189 194 197 245.
-
- Pauli (Seb.), _Modi di dire_‚ I, 228 265.
-
- Petrarca, _Epistolae_‚ II, 244.
-
- Petrus Alphonsi, _Disciplina clericalis_‚ I, 206.
-
- Pharaon, _Spahis, Turcos et Goumiers_‚ I, 222.
-
- Philagrius s. _Philogelos_‚.
-
- _Philogelos_‚ I, 206 208 210 213 219 222 225 230 263 274 277;
- II, 235 236 237 239 249.
-
- Pinedo (Luis de), _Libro de chistes_‚ I, 205; II, 221.
-
- Pitrè, _Fiabe, novelle e racconti popolari siciliani_‚ I, 217 250 265;
- II, 195 213.
-
- —— _Novelle popolari toscane_‚ I, 212 218 226 272; II, 182 201 211 212
- 213.
-
-
- Plutarch, _De exilio_‚ I, 219.
-
- —— _Questiones graecae_‚ II, 185.
-
- Poggio, _Facetiae_‚ I, 234 244 257 265 267 278; II, 190 204 229 232
- 246 249.
-
- Pontanus (Jo. Jov.), _Antonius dialogus_‚ II, 244.
-
- ~Predigtmärlein~ I, 222 231 250 280; II, 185 203 213 243. S. auch
- Bromyard, Jacques de Vitry, Johannes Junior, _Mensa philosophica_‚
- und Meder.
-
- Preindlsberger-Mrazovic, _Bosnische Volksmärchen_‚ II, 201 211.
-
- Prym und Socin, _Tur ’Abdîn_‚ I, 210 217 268; II, 241 249.
-
- Pulci, _Morgante_‚ I, 239.
-
-
- Radloff, _Volkslitteratur der türkischen Stämme Südsibiriens_‚
- II, 194 213.
-
- _Récréations françoises_‚ I, 278.
-
- _Recueil des plaisantes et facetieuses nouvelles_‚ I, 223 233 271;
- II, 187.
-
- Reinisch, _Die ’Afar-Sprache_‚ I, 278; II, 212.
-
- —— _Die Bedauye-Sprache_‚ II, 215.
-
- —— _Die Nuba-Sprache_‚ I, 223, 235; II, 206.
-
- —— _Die Saho-Sprache_‚ II, 215.
-
- Rittershaus, _Die neuisländischen Volksmärchen_‚ I, 226 240 252 263
- 272 274 276; II, 197 214.
-
- Rivière, _Contes populaires de la Kabylie du Djurdjura_‚ II, 184 205.
-
- Roda Roda, _Der Pascha lacht_‚ I, 213 225 232 258 260 261 263 268 272
- 280; II, 181 201 225 228 233 237.
-
- Roger _Bontemps en Belle Humeur_‚ II, 181 248.
-
- Rückert I, 211 269.
-
-
- _Saadi_‚ I, 258.
-
- Sacchetti, _Novelle_‚ I, 259 277.
-
- Sachau, _Fellichi-Dialekt von Mosul_‚ I, 255.
-
- Sachs (Hans) I, 223 229 232 256 257 259 265 268; II, 188 192 245.
-
- _Sackful of News_‚ I, 207 242; II, 182.
-
- Sagredo, _L’Arcadia in Brenta_‚ I, 220 225 228 247 254 266 280;
- II, 204 210 232 234.
-
- Santa Cruz (Melchor de), _Floresta española_‚ I, 229.
-
- Sauvé, _Le Folk-lore des Hautes-Vosges_‚ I, 220.
-
- Schiefner, _Tibetan Tales_‚ I, 242.
-
- _Schildbürger_‚ s. _Lalenbuch_‚.
-
- asch Schirwani, _Nafhat al jaman_‚ I, 211 243 260; II, 201 237.
-
- Schlegel (August Wilhelm) II, 246.
-
- Schleicher, _Litauische Märchen_‚ I, 217; II, 198.
-
- Schott, _Walachische Märchen_‚ II, 205.
-
- Schumann, _Nachtbüchlein_‚ I, 244 265 268 269 276; II, 203.
-
- Schupp I, 222 231.
-
- Sébillot, _Litteratture orale d’Auvergne_‚ I, 252; II, 205.
-
- —— _Litteratture orale de la Haute-Bretagne_‚ I, 252 272 276;
- II, 215 229 245.
-
- Sercambi, _Novelle_‚ I, 214; II, 246.
-
- _Siao li Siao_‚ I, 206.
-
- Sklarek, _Ungarische Volksmärchen_‚ II, 201 205 206.
-
- Socin und Stumme, _Der arabische Dialekt der Houwara_‚ II, 198 204
- 205.
-
- Somadeva, _Kathá Sarit Ságara_‚ I, 242; II, 182 201 213 247.
-
- Somma, _Cento racconti_‚ II, 190.
-
- Stobaeus II, 185.
-
- _Storia di Campriano contadino_‚ II, 197.
-
- Straparola, _Piacevoli notti_‚ I, 264 265 271; II, 184 216.
-
- Stricker, _Der Pfaff Amis_‚ II, 249.
-
- Stumme, _Maltesische Märchen_‚ II, 214.
-
- —— _Tunisische Märchen_‚ II, 245.
-
- Swynnerton, _Romantic Tales from the Panjâb_‚ I, 217 224 231 262 265
- 268 270 272 277; II, 184 195 243.
-
- _Syntipas_‚ II, 196.
-
-
- Tabourot, _Contes facecieux du Sieur Gaulard_‚ I, 208 219 272 277;
- II, 191 223 227 229.
-
- _Tale of Beryn_‚ I, 245.
-
- _Tales and Quicke Answeres_‚ I, 225 231 234 250 268; II, 249.
-
- _Tales (Mery) of the Mad Men of Gotham_‚ I, 244 268 272; II, 229.
-
- Tallemant des Reaux II, 214.
-
- _Tantrâkhyâyika_‚ I, 249; II, 213.
-
- _Tausend und eine Nacht_‚ I, 238 244 271 282; II, 198 204 213.
-
- Tewfik, _Ein Jahr in Konstantinopel_‚ II, 236.
-
- Theodulphus, _Carmina_‚ II, 218.
-
- _Tholedoth Jesu_‚ II, 244.
-
- Thorburn, _Bannú_‚ II, 184.
-
- Timoneda, _Patrañuelo_‚ I, 220.
-
- —— _Sobremesa_‚ I, 225 279.
-
- Titius, _Loci controversi_‚ I, 218.
-
- _Tombeau (Le) de la melancolie_‚ II, 248.
-
- _Tripitaka_‚ I, 242 272.
-
-
- Veckenstedt, _Sztukoris_‚ I, 224; II, 198.
-
- —— _Zamaiten_‚ I, 241.
-
- Velten, _Märchen der Suaheli_‚ I, 211; II, 212.
-
- Vinson, _Le Folklore du Pays Basque_‚ I, 217.
-
- ~Volkserzählungen~:
-
- Afghanische s. Thorburn.
-
- Ägyptische s. Artin.
-
- Albanische s. Nopcsa.
-
- Algerische s. Basset, _Contes berbères_‚ (auch von Berbern in
- Marokko usw.), derselbe, _Zenatia_, Pharaon und Rivière.
-
- Annamitische s. Landes.
-
- Brasilianische II, 195.
-
- Corsicanische s. Ortoli.
-
- Dalmatinische II, 182 205.
-
- Deutsche I, 217 242 246 268; s. auch Birlinger, Bronner, Busch,
- Grimm, Jahn, Albr. Keller, Knoop, Meier, Merkens und Müllenhoff.
-
- Englische s. Jacobs.
-
- Finnische II, 196.
-
- Französische I, 217 224 237 241 242 252 268 272 274 275; II, 182
- 184 190 195 203 205 209 211 212 213 215 231 243; s. auch Bladé,
- Carnoy, Cosquin, Fleury, Luzel, Sauvé, Sébillot und Vinson.
-
- Griechische II, 251; s. auch Georgeakis.
-
- Indische s. _Guru Paramártan_, Knowles, Minaef und Swynnerton.
-
- Indonesische s. Bezemer.
-
- aus dem Irak s. Meißner.
-
- Isländische s. Rittershaus.
-
- Italiänische I, 207 220 237 241 250 262 264 274; II, 180 212 213
- 215 219; s. auch Andrews, Crane, Gonzenbach, Monnier, Nieri, Seb.
- Pauli, Pitrè und _Storia_.
-
- Japanische I, 252.
-
- Jüdische I, 222 241.
-
- Keltische s. Campbell und Jacobs.
-
- aus dem östlichen Kleinasien s. Lidzbarski, Prym-Socin und Sachau.
-
- Lettische s. Böhm.
-
- Litauische s. Schleicher und Veckenstedt.
-
- Maltesische s. Ilg und Stumme.
-
- Marokkanische II, 205 247; s. auch Socin-Stumme.
-
- Nubische s. Reinisch, _Nuba_‚ und _Bedauye_.
-
- aus Ostafrika s. Reinisch, _’Afar_ und _Saho_.
-
- Rumänische s. Ispirescu und Schott.
-
- Russische I, 205.
-
- Sibirische s. Radloff.
-
- Siebenbürgische s. Haltrich.
-
- Skandinavische II, 195; s. auch Asbjörnsen.
-
- Spanische II, 221.
-
- Suaheli s. Büttner und Velten.
-
- Südslavische II, 195; s. auch _Anthropophyteia_, Krauss und
- Preindlsberger-Mrazovic.
-
- Tibetanische s. O’Connor und Schiefner.
-
- aus Timbuctu I, 216.
-
- Tunisische I, 277; II, 215; s. auch Motylinski und Stumme.
-
- Türkische II, 202; s. auch Jacob.
-
- Ungarische s. Sklarek.
-
- Westslavische s. Léger.
-
- der Zigeuner s. Krauss und Wlislocki.
-
-
- _Wajikra rabba_‚ I, 227; II, 235.
-
- Waldis, _Esopus_‚ I, 239 269; II, 206 249.
-
- Wickram, _Rollwagenbüchlein_‚ I, 207 232 235 249 275 278; II, 198 210.
-
- Wlislocki, _Märchen der transsilvanischen Zigeuner_‚ II, 206 209.
-
-
- Zabata, _Diporto de’ viandanti_‚ I, 212 220 225; II, 232.
-
- Zakani, _Die herzerfreuende Schrift_‚ I, 207 210 214 235 244 248;
- II, 185 217.
-
- az Zamachschari, _Rabi al abrar_‚ I, 235.
-
- _Zimmerische Chronik_‚ I, 248 269.
-
- Zincgref-Weidner, _Teutsche Apophtegmata_‚ I, 208 229 238 241 262;
- II, 189 196 226 229 231.
-
-
-
-
-
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-
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