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-Project Gutenberg's Der Hodscha Nasreddin I. Band, by Albert Wesselski
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
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-
-Title: Der Hodscha Nasreddin I. Band
- Türkische, arabische, berberische, maltesische,
- sizilianische, kalabrische, kroatische, serbische und
- griechische Märlein und
-
-Author: Albert Wesselski
-
-Release Date: May 10, 2017 [EBook #54690]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER HODSCHA NASREDDIN I. BAND ***
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-
-Produced by Turgut Dincer and The Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was
-produced from images generously made available by The
-Internet Archive/Canadian Libraries)
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- Transcriber’s note:
- Gesperrt text is surrounded by tilde (~) signs
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- NARREN, GAUKLER UND VOLKSLIEBLINGE
- HERAUSGEGEBEN VON ALBERT WESSELSKI
- DRITTER BAND: DER HODSCHA NASREDDIN I
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-[Illustration]
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-
- DER HODSCHA
- NASREDDIN
-
- Türkische, arabische, berberische,
- maltesische, sizilianische, kalabrische,
- kroatische, serbische und griechische
- Märlein und Schwänke
-
- Gesammelt und herausgegeben von
-
- Albert Wesselski
-
- I. Band
-
- Alexander Duncker Verlag
- Weimar MCMXI
-
-Alle Rechte vorbehalten.
-
- DIESES BUCH WURDE IM AUFTRAGE VON
- ALEXANDER DUNCKER VERLAG
-
- IN WEIMAR IN DER OFFIZIN VON
-
- OTTO WIGAND M. B. H.
-
- IN LEIPZIG IN EINER AUFLAGE VON 1000
- NUMERIERTEN EXEMPLAREN GEDRUCKT;
- AUSSERDEM WURDEN 50 EXEMPLARE AUF
- BÜTTENPAPIER ABGEZOGEN. DER EINBAND
-
- WURDE VON DER
-
- LEIPZIGER BUCHBINDEREI A.-G.
-
- VORM. GUSTAV FRITZSCHE ANGEFERTIGT.
-
- DIESES EXEMPLAR TRÄGT DIE
- NUMMER
-
- 1007
-
-
- Herrn Professor
- Dr. theol. et phil.
- AUGUST WÜNSCHE
- in Verehrung
- und Dankbarkeit
- gewidmet.
-
-
-
-
-_Einleitung des Herausgebers._
-
-
-Die Motive der Märchen sind der Ausdruck gewisser Vorstellungen,
-denen die Menschen irgendwo und irgendwann angehangen haben müssen.
-Es müssen wohl einmal, vielleicht auf der ganzen bewohnten Erde, wenn
-auch nicht zu derselben Zeit, das Tier, die Sonne, der Stein, die
-Wolke für den Menschen Dinge gewesen sein, deren Wesenheit er nicht
-von der seinigen unterschied, und sicherlich hat er sich von diesen
-Vorstellungen seines Kindheitsalters nur sehr langsam emanzipiert.
-Unbestreitbar ist es wohl auch, daß solche, gewissermaßen religiöse
-Anschauungen, die viele Generationen überdauert haben mögen, nicht von
-allen Angehörigen eines Rudels oder Stammes gleichzeitig aufgegeben
-worden sind, und ebenso darf man annehmen, daß sich ganze Völker von
-manchen Anschauungen früher losgesagt haben als andere. Es ist nun nur
-natürlich, daß bei denen, die irgendeinen Standpunkt längst überwunden
-hatten, Verwunderung und ein Überlegenheitsgefühl rege wurden, wenn sie
-auf andere stießen, die noch in dem alten Wahne befangen waren, und
-diese Empfindungen haben sich bei ihnen auch einstellen müssen, wenn
-sie auf naive Vorstellungen, die für sie etwa schon äußerer Umstände
-wegen unmöglich gewesen wären — zum Beispiele für Binnenvölker, daß
-die untergehende Sonne im Meere ertrinke — bei andern gestoßen sind.
-Nichts liegt nun näher, als daß diese Empfindungen der Höherstehenden
-ihren vorläufigen Ausdruck in einem Verlachen oder Belächeln der
-rückständigen Vorstellung gefunden haben. Während wir bei jedem der an
-der Zahl immer geringer werdenden Naturvölker ganze Gruppen von ihm
-eigenen und ursprünglichen Vorstellungen noch unmittelbar vorfinden,
-sind uns diese bei den alten Kulturvölkern nur in ihren Überlieferungen
-erhalten und zwar, primär, im Märchen, dann aber auch, mit einer Kritik
-verbunden, im Schwanke: das Märchen kennt keine oder nur eine falsche
-Logik; im Schwanke wird der Mangel der Kausalität belacht.
-
-Die Entstehung des Schwankes, der nur ein einziges Märchenmotiv
-braucht, das eben belacht wird, ist also zum Unterschiede von dem
-Märchen, das dasselbe Motiv verarbeitet, an eine Kulturstufe gebunden,
-die schon einzelne früher im Schwange gewesene oder anderswo noch
-geltende Meinungen als widersinnig, als falsch erkennt. Der Vater, der,
-als ihm ein Kind stirbt, ein zweites tötet, damit das erste nicht den
-langen Weg allein zu gehn brauche[1], kann erst dann verlacht werden,
-wann die Vorstellung, daß der Tote noch die Bedürfnisse des Lebenden
-hat, im allgemeinen überwunden ist, oder nur dort, wo sie nie existiert
-hat; der Haß gegen ein Bild[2] kann erst dann ein Gegenstand des
-Spottes werden, wann der Glaube, daß dem Bilde die Eigenschaften des
-Originals innewohnen, seine Lebenskraft so ziemlich verloren hat, oder
-nur dort, wo er nie vorhanden war.
-
-Wenn diese Theorie richtig ist, dann ist die älteste Gattung des
-Schwankes die Erzählung von der Dummheit des andern oder der andern,
-und mit jeder menschlichen Anschauung, die, ob sie nun der einfachen
-Naturbetrachtung oder einer höhern Geistestätigkeit entsprungen ist,
-im Laufe der Jahrtausende ihre Berechtigung verliert, wächst ein neues
-Schwankmotiv zu; von dem Lachen über den, der ein Tier durch Strafen
-witzigen will wie ein ungehorsames Kind, bis zu dem Lachen über das
-Weib, das einem Vaganten glaubt, er komme schnurstracks aus dem Himmel,
-liegt eine Reihe von unendlich vielen Gliedern. Der Schlauheitsschwank,
-der schon eine weitere Person einführt, die sich die Dummheit der
-ersten zunutze macht, darf keinen Anspruch auf das Alter des reinen
-Dummheitsschwankes erheben.
-
-Der Dummheitsschwank trägt aber schon, und sei er noch so primitiv,
-den Charakter einer bewußten Verarbeitung eines freilich noch nicht
-als solches erkannten Märchenmotivs an sich, das er uns oft, indem er
-die Kuriosität der kindlichen Vorstellung demonstrieren will, in einer
-reinern Form als das Märchen überliefert; er ist gewissermaßen schon,
-wenn der Ausdruck gestattet ist, eine Art literarisches Erzeugnis, und
-diese Eigenschaft muß ihn befähigen, auch dort, wo für seine Grundlage,
-nämlich das betreffende Märchenmotiv, als eine für die Ortsverhältnisse
-ungereimte Vorstellung eine Neuverbreitung oder als eine in grauer
-Vorzeit überholte Vorstellung eine Wiederverbreitung ausgeschlossen
-gewesen wäre, durch seinen absoluten Wert als Unterhaltungsstoff im
-weitesten Maße vorzudringen. Gar viele Märchenmotive, und gerade die
-ursprünglichsten, mögen erst durch den sie parodierenden Schwank auf
-fremden Boden verpflanzt oder auf dem eigenen zu neuem Leben erweckt
-worden sein.
-
-Von den außerordentlich zahlreichen Dummheitsschwänken, die in der
-vorliegenden Sammlung — vorläufig sei nur von ihrem ersten Teile die
-Rede — an einen einzigen Namen geknüpft erscheinen, beruhen sehr viele
-auf so primitiven Vorstellungen, daß schon daraus erhellt, daß sie dem
-Manne, von dem sie erzählt werden, nur beigelegt worden sind. Wenn
-auch bei dem Mangel an alten Aufzeichnungen derartiger leichter und so
-lange mit Unrecht verachteter Geschichtchen viele Typen nicht sehr weit
-zurückverfolgt werden können, so müssen doch die obigen Erwägungen zu
-der Annahme eines ehrwürdigen Alters genügen, umsomehr als es klar ist,
-daß von dem Auftauchen eines Dummheitsschwankes bis zu seiner ersten
-Niederschrift eine geraume Zeit verflossen sein muß, in der er sich
-so wie das in ihm behandelte Märchenmotiv und oft mit diesem mündlich
-fortgepflanzt hat. Deswegen aber die Existenz des nunmehrigen Trägers
-dieser Überlieferungen zu leugnen, hätte wohl keine Berechtigung;
-es wird ja auch niemand einfallen zu behaupten, König Franz I. von
-Frankreich habe nie gelebt, weil von ihm eine Schnurre erzählt wird,
-die schon im Conde Lucanor steht.
-
-Von dem Hodscha Nasreddin wird uns als von einem Zeitgenossen dreier
-wohlbekannter Fürsten gesprochen. Zuerst des Sultans Alaeddin III.
-(II.), des letzten Herrschers der Seldschukendynastie in Karamanien,
-der im Jahre 1392 Konia, das alte Iconium, und Akschehir, das
-alte Philomelion, an Bajazet I. verloren hat, dann eben dieses
-Osmanensultans und endlich des tatarischen Eroberers Timur, der am 20.
-Juli 1402 Bajazet in der Schlacht von Angora aufs Haupt geschlagen
-und gefangen genommen hat; dort, wo der betreffende Gewalthaber
-einfach Bei genannt wird, hat man die Wahl zwischen den drei genannten
-Fürsten und dem von Timur eingesetzten Bei von Karamanien, nämlich
-Mohammed, dem ältesten Sohne Alaeddins III., doch dürfte wohl meistens
-Timur gemeint sein, bei dem Nasreddin die Stelle eines lustigen
-Rates eingenommen haben soll. In dieselbe Verbindung wird Nasreddin
-allerdings auch mit Bajazet gebracht, einmal von dem Historiker De la
-Croix[3] und dann noch von Karl Friedrich Flögel[4]; beide vermeiden
-es aber, ihre Quellen anzugeben. Von seinem Freundschaftsverhältnisse
-zu Timur berichtet hingegen schon Demetrius Cantimir oder Kantemyr,
-der 1723 verstorbene ehemalige Fürst der Moldau, das Mitglied der
-Berliner Akademie der Wissenschaften[5], und dieser schickt nicht
-nur seinen Erzählungen von Timur und Nasreddin die Bemerkung voraus,
-daß sich Timur nach den Historikern drei Tage lang bei Jenischehir
-aufgehalten habe, um den Erzählungen des türkischen Äsops zu lauschen,
-der ihm so lieb geworden sei, daß er ihm zuliebe auf die Plünderung
-dieser Stadt verzichtet habe, sondern sagt auch weiter, er entnehme
-die folgenden Schnurren einem türkischen Buche. Dem Alter, das dieses
-Buch gehabt haben muß, entspricht das von mehrern Manuskripten, die
-Decourdemanche für seine große Ausgabe von Nasreddins Schwänken[6]
-benutzt hat, und deren eines schon um 1600 niedergeschrieben worden
-ist; daher müßte sich wohl die Annahme, daß Nasreddin eine mythische
-Person sei, auf andere Prämissen stützen als auf die Tatsache, daß mit
-seinem Namen uralte Schwankmotive verknüpft worden sind. Daran ändert
-es auch nichts, daß eine Sage wissen will, er habe schon zu der Zeit
-Harun al Raschids gelebt: Mohammed Nasreddin, der damals einer der
-weisesten Männer gewesen sei, habe sich mit seinen Lehren in einen
-Widerspruch zur Religion gesetzt und sei deshalb zum Tode verurteilt
-worden; um sein Leben zu retten, habe er sich wahnsinnig gestellt. Der
-ungarische Gelehrte Kúnos, der sie erzählt, hat sicherlich recht, wenn
-er die Entstehung dieser Sage darauf zurückführt, daß man versuchen
-wollte, manche Späße des Hodschas zu rechtfertigen[7]. Nicht mehr
-Bedeutung darf einer persischen Überlieferung beigemessen werden, die
-Nasreddin als einen Zeitgenossen und Untertanen des Schahs Takasch
-(um das Jahr 1200 unserer Zeitrechnung) nennt[8]; hier war wohl der
-Wunsch maßgebend, den berühmten Nasreddin als persischen Landsmann
-beanspruchen zu können. In beiden Fällen handelt es sich überdies um
-ganz vereinzelte, von dem Massiv der übrigen Überlieferungen abseits
-stehende Anekdoten.
-
-Weniger als das hohe Alter der von den Historikern übernommenen
-Traditionen fällt bei der Frage, ob Nasreddin der Mythe angehört, der
-Umstand ins Gewicht, daß der Hodscha Nasreddin im letzten Viertel des
-16. Jahrhunderts eine solche Berühmtheit genossen haben soll, daß
-einer seiner Nachkommen eben dieser Abstammung wegen ein kaiserliches
-Geschenk erhalten hätte. Wäre diese Geschichte tatsächlich, wenn
-auch nur in ihren Grundzügen und ohne das lustige Moment, von einem
-Historiker dieser Zeit bezeugt[9], dann wäre sie eine glückliche
-Illustration zu der Tatsache, daß damals schon Nasreddin als derselbe
-galt, als der er heute gilt, einer Tatsache, die aber schon aus dem
-Alter des ältesten der von Decourdemanche benützten Manuskripte
-hervorgeht.
-
-Von nicht viel größerer Bedeutung für die Lösung jener Frage ist es
-wohl auch, daß noch heute in Akschehir das Grab des Hodschas Nasreddin
-gezeigt wird, wenn dieses auch schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts
-von dem berühmten osmanischen Reisenden Evlija Tschelebi besucht
-worden ist[10], und obwohl ihm, wie von mehrern Geschichtsschreibern
-bewährt wird, der Sultan Murad IV. (1623-40), der sich dort auf einem
-Feldzuge längere Zeit aufgehalten hat, die Anregung zu einem Gedichte
-verdankte[11].
-
-Dieses Grab beschreibt der Grieche Walawani in einer dem Hodscha
-Nasreddin gewidmeten Monographie folgendermaßen[12]:
-
-»Gleich beim Eintritte in den Friedhof von Akschehir zieht den
-Blick des Besuchers ein sonderbares Bauwerk auf sich. Vier in die
-Erde eingerammte hölzerne Säulen tragen ein viereckiges, einem
-rechtwinkeligen Vierflächner ähnelndes baufälliges hölzernes
-Dach, das ein Grab schützt; über diesem Grabe befindet sich ein
-außerordentlich großer Turban, der keineswegs aus Stein ist, sondern
-aus Leinwandbändern, die um das Grabsäulchen gewickelt sind. Drei
-Seiten des Grabes sind offen, und nur die dem Beschauer zugewandte,
-die nördliche, ist mit einer zweiflügeligen hölzernen Tür geschlossen,
-an der zwei ebenfalls hölzerne Schlüssel hangen. Das Bild des Grabes
-berührt wunderlich; der Beschauer wird nämlich gleich beim ersten
-Anblicke unwillkürlich von einem unbezähmbaren Gelächter befallen, weil
-er nicht sofort begreifen kann, warum das allen Winden preisgegebene
-Grab so sorgfältig verschlossen wird. Indessen dauert es nicht
-lange, so kommt er darauf, daß es sicherlich die Absicht des oder
-besser der geistigen Schöpfer gewesen sei, den Witz jenes Mannes zu
-versinnbildlichen, der auch noch im Tode Heiterkeit um sich ausgießt
-und ein Lächeln auf die Lippen zwingt; diese geistreiche Darstellung zu
-ersinnen war ein einziger, und noch dazu ein Asiate nicht imstande.«
-
-Trotz Walawani kam man aber mit der Behauptung, es sei ein einziger
-Mann und wirklich ein Asiate gewesen, der die Idee zu diesem Grabmale
-gefaßt und auch ausgeführt habe; und dieser eine sollte niemand anders
-als Nasreddin selber gewesen sein. Kúnos erzählt nämlich, leider wieder
-ohne Quellenangabe[13]:
-
-»Nasreddin verlangte einmal von Timur zehn Goldstücke, um sich ein
-Denkmal errichten zu lassen. In seiner gewohnten Freigebigkeit, aber
-auch aus Neugier erfüllte ihm Timur diesen eigentümlichen Wunsch. Der
-Hodscha ließ sich für die zehn Goldstücke ein Türbeh, ein Grabmal,
-bauen, das an drei Seiten offen und nur an der vierten durch eine
-Mauer geschützt war. In diese Mauer ließ er eine Tür machen, und an
-dieser ließ er ein Vorhängschloß anbringen. Das Türbeh trugen vier
-Holzsäulen, und er ließ es mit einem viereckigen Holzdache versehn, um
-darunter seinen Grabstein zu stellen. Den sonderbaren Bau, den er in
-dem Friedhofe von Akschehir aufstellen ließ, erklärte er, wie folgt:
-›Den Nachkommen werden die großartigen Steinbauten Timurs nur Anlaß
-zu Tränen geben; Nasreddins Grab aber wird die Leute zur Heiterkeit
-stimmen und ein fröhliches Lachen auf ihre Lippen locken.‹ Und so
-geschah es auch. Der Hodscha wurde dort begraben« usw. usw.
-
-Einzelnes aus dieser Geschichte stimmt mit dem überein, was Cantimir
-aus seinem livre turc über Nasreddin mitgeteilt hat[14]; aber Cantimir
-spricht von dem Bau einer einfachen Tür auf freiem Felde, und mit
-keinem Worte ist davon die Rede, daß sie dem Hodscha hätte als Grabmal
-dienen sollen. Diese Tür spukt auch in manchen Überlieferungen:
-die Serben erzählen von ihr, versuchen jedoch für die unklare
-Reminiszenz eine befriedigende Erklärung zu finden[15], und dasselbe
-tut der rumänische Dichter, der ja auch nur Volksüberlieferungen
-wiedergibt[16]. Aber mit Nasreddins Grab hat das Türmotiv nichts zu
-tun, und die sich so hübsch lesende Beschreibung Walawanis entspricht
-samt ihrer erweiterten Bearbeitung durch Kúnos keineswegs der Wahrheit.
-
-Die Fabel von der Tür hat schon der erste Engländer, der sich mit
-Nasreddin befaßt hat, William Burckhardt Barker, dem sie freilich in
-einer andern, immerhin aber den Kern bringenden Form erzählt worden
-sein muß, mit der Autorität, die der Augenschein verleiht, klar und
-deutlich abgelehnt[17]: »Among other contradictions related of
-Nasr-il-deen Khoja, the Turks say that ›such were the contradictions
-in his character and throughout his whole life—sometimes appearing
-so learned, sometimes so stupid, etc.—that even after death these
-contradictions were kept up‹: and that ›his tomb has now an iron
-grate, with a large gate and lock, but no railing round it.‹ The author
-has, however, visited his tomb at Ackshahír, and can attest that it is
-›a vulgar error,‹ and that it is a simple unassuming monument, with an
-iron railing round it, and a small gate and lock like the rest of the
-tombs of the Mosolmen near it.«
-
-Und ganz gegenstandslos wird die Fabel, wenn man die auch auf eigenen
-Wahrnehmungen fußende Beschreibung liest, die der letzte Türke, der
-über Nasreddin geschrieben hat, von dem Grabmal gibt[18]: »Das Grabmal
-trägt eine Kuppel, die auf vier glatten, hübschen Säulen ruht. In
-der Mitte steht der Sarg mit dem gestreiften Turban, wie ihn die
-Hodscha zu tragen pflegen. Die Wände des Sarges sind auf den den
-Besuchern zugewandten Seiten voll einer großen Zahl von Aufschriften
-in Versen und Prosa.« Das ist alles; keine Spur von einer Tür, einem
-Vorhängschlosse oder einem Schlüssel. Im übrigen sei auf die in der
-Ausgabe Behaïs enthaltenen Lichtbilder verwiesen, die das Grabmal von
-innen und von außen und vor und nach seiner in den letzten Jahren der
-Regierung Abdul Hamids erfolgten Restaurierung wiedergeben.
-
-Ob das Grab überhaupt als das Nasreddins betrachtet werden darf, ist
-eine andere Sache. Zu Häupten des Sarges findet sich nämlich folgende
-Inschrift:
-
- Dies ist das Grab des Verewigten,
- dem Verzeihung gewährt worden ist, der bedarf
- des Erbarmens seines Herrn, des Verzeihenden,
- des hochehrwürdigen Nasreddin.
- Für seine Seele
- (bete) eine Fatiha. 386.
-
-Diese Jahreszahl macht Behaï viel Kopfzerbrechens[19]; denn auch wenn
-man sie verkehrt liest, erhält man als Todesjahr Nasreddins — und das
-soll sie ja wohl bedeuten — spätestens 1285 unserer Zeitrechnung,
-und Timur ist 1405 gestorben, Bajazet 1403. Aber weder von dem einen
-Herrscher, noch von dem andern wird ein Grab gezeigt; zu dem ihres
-Spaßmachers pilgern noch heute Tausende gläubiger Menschen. Was tut es
-diesen, wenn die Jahreszahl falsch ist? oder wenn das Grab wirklich
-nichts andres ist als die Frucht einer glücklichen Laune eines oder
-mehrerer Asiaten? Andächtig hängen die Wallfahrer ihre Zeugfetzchen,
-die das Fieber abwehren sollen, an die Gitterfenster des Grabmals; und
-die Einwohner von Akschehir bringen dem Hodscha sogar Speiseopfer,
-und werden die verschmäht, so glauben sie, eine Hungersnot werde
-hereinbrechen[20].
-
-Die von Akschehir haben ja Nasreddins Macht, Wunder zu wirken, schon zu
-seinen Lebzeiten verspüren müssen. Als sie ihn einmal erzürnt hatten,
-ging Nasreddin auf den Akschehir beherrschenden Berg, der, etwa durch
-ein Erdbeben vergangener Zeiten, gespalten ist; vor diesen Spalt hing
-er einen kleinen Teppich, und damit machte er es den Winden unmöglich,
-über die Stadt hinzustreichen und die Wolken über sie zu schicken. Als
-der Regenmangel empfindlich zu werden begann, schickten seine Mitbürger
-eine Abordnung zu ihm mit der Bitte, er möge den verwunschenen
-Teppich von dem Spalte wegnehmen und seiner Vaterstadt einen Regen
-vergönnen. Der Hodscha ließ sich erweichen; und kaum hatte er den Rand
-des Teppichs ein klein wenig gehoben, so erquickte schon ein kühles
-Lüftchen die unter der Hitze schmachtende Stadt, und der Himmel säumte
-nicht lange, seine wohltätigen Schleusen zu öffnen[21].
-
-Der Hodscha ist aber noch immer ein leicht reizbarer Herr; wenn einer,
-der an seinem Grabe vorbeikommt, so verstockt ist, daß er durchaus
-nicht lachen will, so straft er ihn schier augenblicklich mit seinem
-Zorne. Davon weiß der Verfasser der letzten türkischen Ausgabe ein
-Liedchen zu singen[22]; geben wir ihm das Wort: »Als wir, nämlich ich,
-die arme Schreiberseele, die dieses Buch verfaßt hat, mein Vater und
-der Gatte meiner Schwester, auf einer Reise die Straße nächst dem
-Mausoleum Nasreddins fuhren, ja dicht an diesem vorüberkamen, sagte
-mein Schwager: ›Wenn ich jetzt nicht über den Mann lache, wer weiß,
-was mir da schlimmes zustoßen wird.‹ So sprach er und hörte nicht
-auf uns, obwohl wir ihn inständigst baten. Als wir nun unter einem
-herabhängenden Aste einer alten Platane dahinfuhren, verfing sich
-dieser in dem Sommerdache des Bauernwagens und riß es in Fetzen; die
-Pferde wurden scheu, und auf ein Haar wäre der Wagen umgestürzt. Das
-Weinen war uns näher als das Lachen.«
-
-Glücklicherweise können derartige Unfälle nicht oft vorkommen; denn es
-wird einem Türken recht schwer, bei dem Anblicke des Grabes, der die
-Erinnerung an Hunderte von Schwänken erweckt, ernsthaft zu bleiben,
-und ein drastischer Beleg ist dafür eine Geschichte, die Kúnos in
-Aidin aus dem Munde eines Augenzeugen gehört hat[23]: »Nach euerer
-Zeitrechnung war es im Jahre 1832, daß wir, als wir unter der Führung
-Ibrahim Paschas in Kleinasien waren, um den Aufruhr in der Gegend von
-Konia zu ersticken, auch bei Akschehir vorübermarschierten. Unser
-Weg führte an dem Friedhofe vorbei, und da entging es dem Blicke des
-Paschas nicht, daß keiner von den Soldaten, wenn ihre Blicke auf den
-Turban des Hodschas[24] fielen, ein Lächeln verhalten konnte. Der
-Pascha ließ halten; als er nun erfuhr, warum die Soldaten lachten,
-ließ er unter ihnen verlautbaren, wer an dem Grabe vorbeigehn könne,
-ohne zu lachen, den werde er beschenken. Manchen gelang es auch, das
-Lachen zurückzuhalten; endlich ging aber ein Albanese vorüber, der
-seinen Ernst um jeden Preis bewahren wollte. Kaum hatte er jedoch den
-sonderbaren Turban erblickt, so platzte er auch schon los, obwohl er
-seine Lippen und Zähne zusammengepreßt und die Augen fest geschlossen
-hatte, und schrie: ›So ein Mensch ist dieser Hodscha, daß er die Leute,
-wenn er es schon von oben nicht kann, so doch von unten zum Lachen
-bringt!‹«
-
-Bei solchen Zeugnissen ist es denn nicht zu verwundern, daß sich eine
-Legende gebildet hat, die eine Begründung zu geben versucht, daß das
-Lachen über den Hodscha die Jahrhunderte überdauert hat und daß schon
-die Nennung seines Namens genügt, um es stets wieder hervorzurufen.
-Diese Legende, oder besser, dieses ätiologische Märchen, das ich
-allerdings nur in einer einzigen, serbischen Fassung[25] nachweisen
-kann, erzählt:
-
-Es lebte einmal ein Evlija, ein Heiliger; er hatte drei Söhne, die alle
-drei Imame waren. Sein ganzer Besitz bestand in einem Widder. Eines
-Tages fragten ihn die Söhne: »Was werden wir heute essen?« Der Evlija
-zeigte auf den Widder. Alsbald sprangen die Söhne auf, schlachteten
-den Widder und zogen ihm das Fell ab; dann brieten sie ihn und
-verzehrten ihn. Sie sammelten hierauf alle Knochen, der Evlija stand
-auf, nahm den Koran in die Hand und betete über den Knochen, und die
-Söhne sagten Amen. Er betete, sie sagten Amen, er betete und sie sagten
-Amen, bis zuletzt der Widder wieder lebendig wurde. »Führt ihn in den
-Garten,« sagte der Evlija, und die Söhne führten den Widder in den
-Garten.
-
-Am nächsten Tage fragten wieder die Söhne: »Was werden wir heute zu
-Mittag essen?« und der Evlija deutete mit dem Finger in den Garten und
-sagte: »Den Widder.« Die Söhne schlachteten ihn wieder, brieten ihn und
-aßen ihn. Sie sammelten wieder die Knochen und der Evlija nahm wieder
-den Koran und betete; die Söhne sagten Amen. Er betete und die Söhne
-sagten Amen, und der Widder wurde wieder lebendig.
-
-Eines Tages ging der Evlija zu einem Grabe. Die Söhne ergriffen wie
-gewöhnlich den Widder, schlachteten ihn, brieten ihn und aßen ihn; auch
-die Knochen sammelten sie wieder. Einer von ihnen nahm den Koran und
-betete, und die andern zwei sagten Amen. Der eine betete und die andern
-sagten Amen, aber siehe da — der Widder wurde nicht lebendig.
-
-Unterdessen kam der Evlija heim, und er fragte seine Söhne: »Wo ist der
-Widder? was habt ihr mit ihm gemacht?« Sie zuckten die Achseln: »Du
-siehst ja selber, was wir mit ihm gemacht haben.« Der Evlija besann
-sich, wie eben ein Evlija, sofort; er wußte alles, und darum wollte
-er sie nicht erst schelten, sondern fragte sie nur: »Wer hat ihn denn
-getötet?« »Der da,« antwortete Nasreddin. Und der Evlija sagte: »Auch
-er soll getötet werden!« Und er fragte wieder: »Wer hat ihm denn das
-Fell abgezogen?« »Der da,« antwortete Nasreddin. »Amen auch ihm! Und
-was hast du gemacht?« »He, he,« antwortete Nasreddin, »ich habe nur
-gelacht!« Nun sagte der Evlija: »Drum soll es geschehn, daß auch die
-Leute über dich lachen, und Gott gebe, daß alle Völker, weß Glaubens
-immer, über dich lachen, solange die Welt besteht!«[26]
-
-Das Volk hat den Hodscha Nasreddin nicht nur unter die Märchenhelden,
-sondern auch unter die Heiligen versetzt; er hat ja auch kurz nach
-seinem Hinscheiden die Gläubigen, die in einer nahe bei seinem Grabe
-gelegenen Moschee versammelt waren, vor dem ihnen durch den Einsturz
-der Kuppel drohenden Tode errettet[27]. Und dort, wo sein Grab ist, in
-Akschehir, gibt es kaum eine Gasse, einen Brunnen oder eine Dschami,
-woran sich nicht Überlieferungen von Nasreddin knüpften, und von jeder
-Moschee wird behauptet, Nasreddin habe in ihr gepredigt: man zeigt dem
-Fremden, wo er über die Allgegenwart Gottes die Worte gesprochen hat:
-»Wenn Gottes Hand nicht alles lenkte, dann müßte wenigstens einmal
-etwas geschehn, wie ich es wollte!« und mit besonderm Stolze führt
-man den Besucher zu der Kanzel, auf der der Hodscha die berühmte
-dreigeteilte Predigt gehalten hat, die unsere Sammlung eröffnet[28].
-
-Mag immerhin einer oder der andere, weil die Kette der Beweise nicht
-lückenlos ist, behaupten: Nasreddin hat nicht gelebt; das eine wird
-niemand leugnen wollen: Nasreddin lebt.
-
-Über seinen Geburtsort gehn die Überlieferungen auseinander. Kúnos läßt
-die Entscheidung offen zwischen Siwri-Hissar und Akschehir, Behaï gibt
-Siwri-Hissar an, und Ali Nouri[29], der pseudonyme Verfasser einer
-deutschen Ausgabe von Nasreddins Schwänken, sagt kurzer Hand, daß er in
-Akschehir geboren sei. Flögel nennt Jenischehir als Geburtsort; aber
-die von Akschehir, die förmlich mit Eifersucht alles hüten, was an den
-Hodscha erinnert, weisen es entschieden zurück, daß er in Jenischehir
-jemals auch nur gewesen sei[30]. Wohl nur auf dem Schlusse aus seiner
-Zeitgenossenschaft mit Timur und Bajazet beruhen die Angaben, daß
-er, wie Behaï sagt, in der Regierungszeit Sultan Orchans (1326-1359)
-oder, nach andern, um 1360 geboren sei. Kombination ist natürlich auch
-alles übrige, was über seine Lebensumstände erzählt wird, obwohl es
-im allgemeinen herzlich wenig ist; andere Quellen als die Schwänke
-gibt es ja nicht. Und bei dem jüngsten Biographen Nasreddins fühlt man
-leicht, daß der Wortschwall als Mittel verwandt wird, um die peinlich
-empfundene Unwissenheit zu verdecken; immerhin sei mitgeteilt, was
-dieser zu berichten weiß[31]:
-
-»Nach der herrschenden Meinung hat sich der verewigte Hodscha in
-Akschehir und wohl auch in Konia dem Studium und der Vervollkommnung
-in den Wissenschaften hingegeben. Dann war er in einigen Städten
-und Bezirken in der Nähe von Akschehir Kadi. In seiner Vaterstadt
-Siwri-Hissar war er Prediger. In einigen andern Orten war er Lehrer
-an geistlichen Seminaren und Vorbeter. Auch hat er Amtsreisen
-unternommen in die Wilajete Konia, Angora und Brussa, sowie in einige
-andere angrenzende Provinzen. ... Er gehörte zu den Juristen aus der
-Rechtsschule Abu Hanifas[32] ... Als er einmal von der Regierung in
-Staatsgeschäften nach Kurdistan geschickt wurde, sagte dort einer,
-der ihn erkannte: ›Unser Hodscha versteht sich sogar auf Politik und
-Regierungskunst und ist darum ein ganzer Mann.‹ Ein andermal wurde
-er in Akschehir mitten aus einer Versammlung herausgeholt; für die
-Regierung hatte sich nämlich die Notwendigkeit ergeben, sofort Eilboten
-dorthin zu schicken und ihn aufzufordern, so schnell wie möglich
-in die Hauptstadt zu kommen. Meistens beschäftigte er sich mit der
-mohammedanischen, auf Koran und Überlieferung gegründeten Rechtskunde.«
-
-Die Naivetät, die aus diesen Erzählungen spricht, wird noch übertroffen
-durch die groteske Art der Lobsprüche, die Behaï dem Hodscha
-angedeihen läßt. Mit Entrüstung erfüllt es ihn, daß man versucht hat,
-unwahre Behauptungen über Nasreddin durch erfundene Geschichten zu
-stützen, und daß in einem von ihm nicht näher bezeichneten Buche der
-Ausspruch getan wird: »Der Hodscha zeigt manchmal den höchsten Grad
-von Freigeisterei; auch ist er nicht Wandermönch geworden. Es ist
-dem Gedächtnis überliefert, daß seine durch anderweitige Beispiele
-erwiesene fluchwürdige Gottlosigkeit gewiß der als göttliche Strafe
-zu gewärtigenden Vernichtung würdig ist, und daß er Fragen der
-Jurisprudenz und der Theologie im Verkehre mit den verschiedensten
-Klassen der Muselmanen unter der Verhüllung durch Schwänke behandelt
-hat. Möge ihm Gottes Barmherzigkeit noch zu teil werden!« Dagegen
-donnert Behaï in folgender Philippika: »Nirgends ist bei Sr.
-Hochehrwürden und Sr. Heiligkeit — nämlich Nasreddin — irgendein
-der Welt schmeichelnder Unglaube festzustellen. Seine Gerechtigkeit
-steht außer Zweifel, gemeine und niedrige Handlungen finden sich bei
-ihm nicht; ja nicht einmal in Gedanken hat er gesündigt. Freilich gibt
-es — das sei in aller Ehrerbietung gesagt — auch für den Hodscha
-eine Grenze, über die hinaus seine sittliche Kraft nicht reicht: da
-auch er nur ein Mensch war, da auch ein Muselman nicht ohne Sünde ist,
-hat wohl auch er in Sünde fallen können, und es ist möglich, daß er
-in seiner Kindheitszeit und seinem Jünglingsalter unpassendes getan,
-ja eine Sünde begangen hat; nur allmählich vervollkommnete er sich,
-machte er Fortschritte in der Wissenschaft, in den Kenntnissen, in der
-sittlichen Vervollkommnung und in der Weisheit und bildete Körper und
-Charakter aus, bis er schließlich zu dem höchsten Grade der Vereinigung
-mit Gottes Heiligkeit und seinem heiligen Geiste gelangt ist.« Und
-an einer andern Stelle heißt es: »Staunenswert war seine asketische
-Frömmigkeit; selbst im Schlafe hat er sich nie durch unreine Gedanken
-befleckt.« Und weiter: »Er zog es vor, sich betrügen zu lassen,
-ja sogar einen empfindlichen Schaden zu erleiden, als irgendeinem
-Menschen eine schändliche Lüge oder einen Betrug zuzutrauen ... Se.
-Hochehrwürden, der verewigte Nasreddin war ein tiefgründiger Gelehrter,
-der der Weltlust und den weltlichen Dingen entsagt hat; er war eine
-durchaus reine und lautere Natur in des Wortes tiefster Bedeutung, er
-war geradezu eine Engelsnatur.«
-
-Der Leser soll nicht weiter gelangweilt werden; hoffentlich begleitet
-ihn aber die Erinnerung an diese Panegyriken bis zu der Lektüre der
-Schwänke.
-
-Ebenso schmerzlich wie den dem Hodscha gemachten Vorwurf der
-Gottlosigkeit empfindet es Behaï auch, daß dieser manchen nur als
-einfacher Spaßmacher gilt: »Wir zählen den verewigten Hodscha zu einer
-Art von Persönlichkeiten, die nur auf ein einziges Volk — nämlich
-das türkische — beschränkt geblieben ist; weder Behlewal Dana in der
-Anfangszeit des Islams, noch der sprichwörtlich gewordene Mudschadib,
-noch Dschoha, noch Männer wie Abdal, die sich ihn zum Vorbilde nahmen,
-noch Abu Dulama von den Arabern, noch Talhak von den Persern, diese
-Schmarotzerseelen, noch irgendein anderer von den übrigen Völkern kann
-mit unserm Hodscha verglichen werden.«[33]
-
-Dieser Ausspruch ist nicht unwichtig; er beweist, daß man auch in dem
-Volke, dem Nasreddin angehört, schon die Verwandtschaft erkennt, die
-ihn mit andern Gestalten verbindet, die, ob historisch oder nicht, als
-wenig verschiedene Typen die Helden des Dummheitsschwankes und oft
-zugleich des Schlauheitsschwankes darstellen. Von diesen haben wir uns
-hier noch mit Dschoha zu beschäftigen.
-
-Der Umstand, daß Dschoha viele sonst mit Nasreddin verbundene
-Schwanküberlieferungen auf sich vereinigt, hat einzelnen Gelehrten
-den Anlaß zu der Behauptung gegeben, Nasreddin und Dschoha seien
-einunddieselbe Person, und man hat sogar versucht, das arabische Wort
-Dschoha als eine Ableitung des türkischen Hodscha zu erklären[34].
-Diese Meinungen sind aber unhaltbar, da Dschoha als ein dem Hodscha
-Nasreddin ähnlicher Typus lange vor diesem belegt ist.
-
-Schon der _Fihrist_ des 995 gestorbenen ibn Ishak an Nadim, eine
-Bibliographie der damals vorhandenen arabischen Literatur, nennt
-unter den Schwankbüchern unbekannter Verfasser ein von Dschoha
-handelndes[35]; dieses ist ebenso wie die andern dieser Gruppe
-angehörenden Schriften verloren. Die nächste Erwähnung Dschohas findet
-sich in dem _Kitab madschma al amthal_ des 1124 verstorbenen al
-Maidani, einer großen arabischen Sprichwörtersammlung[36]; Maidani
-belegt einzelne Sprichwörter, die mit dem Namen eines Einfaltspinsels
-verknüpft sind, mit kleinen Erzählungen von dem betreffenden, und
-so hat er auch drei Geschichten von Dschoha[37]. Dieser führt aber
-auch noch zugleich mit Nasreddin ein von ihm unabhängiges Dasein; der
-_Thamarat al aurak_ von ibn Hidschdscha al Hamawi (1366-1434) bringt
-von ihm einige Schwänke und sagt über ihn: »Manche behaupten, daß
-er der unterhaltendste Mensch von der Welt gewesen sei, daß es aber
-zwischen ihm und den Leuten Zwistigkeiten gegeben habe, und daß man ihm
-alle möglichen Geschichten beigelegt habe; andere sagen, er sei der
-leichtfertigste Taugenichts gewesen.«[38]
-
-Bis zum fünfzehnten Jahrhunderte, oder wenn man auf die Tatsache,
-daß keine ältere Aufzeichnung Nasreddinscher Schwänke erhalten ist,
-pochen will, bis zum Ende des sechzehnten Jahrhunderts können also die
-Überlieferungen des Dschohakreises als die ältern nicht von solchen
-der Nasreddingruppe beeinflußt worden sein; daß aber später Dschoha
-und Nasreddin, die ja, der eine für die Araber, der andere für die
-Türken, gleichartige Typen des Narren und Volkslieblings darstellen,
-ineinander übergeflossen sind, ist leicht verständlich. Dem tragen
-die heute im arabischen Oriente außerordentlich verbreiteten Drucke
-Rechnung, die schon im Titel die beiden Personen identifizieren:
-_Nawadir el chodscha nasr ed-din effendi dschoha_. Freilich läßt der
-Umstand, daß Nasreddin oft auch als Dschoha er-rumi, als rumelischer
-oder türkischer Dschoha bezeichnet wird[39], den Schluß zu, daß der
-Araber noch immer zwischen den beiden unterscheide und durch diese
-Bezeichnung nur die Ähnlichkeit, die auch er zwischen ihnen erkennt,
-ausdrücken wolle; dies erscheint aber als nebensächlich, weil zur
-Ausstattung beider Volkslieblinge der Schatz der alten Überlieferungen
-gleichmäßig geplündert worden ist und noch weiter geplündert wird. Was
-man heute vorläufig nur von Nasreddin erzählt — abgesehn natürlich
-von dem genannten oder ungenannten Schwankhelden, von dem es zuerst
-berichtet worden ist — wird morgen auch von Dschoha erzählt, und
-ebenso umgekehrt; klar ist es dabei, daß die Araber bei ihrer reichen
-Schwankliteratur meist die gebenden, die Türken die empfangenden sind.
-
-Die verschiedenen Ausgaben des _Nawadir el chodscha nasr ed-din effendi
-dschoha_, deren Inhalt so ziemlich identisch zu sein scheint, enthalten
-fast alle Geschichten des noch zu besprechenden, zum ersten Male 1837
-erschienenen türkischen Volksbuches von Nasreddin und in derselben
-Anordnung. Wenn der Schluß, den Basset aus dem das Jahr der Hidschra
-1041 zeigenden Chronogramme einer ihm vorliegenden Bulaker Ausgabe
-zieht, richtig ist[40], wenn also der Nawadir in seiner heutigen Form
-schon im 17. Jahrhunderte — das Jahr 1041 der Hidschra entspricht dem
-Jahr 1631 n. Chr. — abgefaßt worden ist, dann haben das türkische
-Volksbuch und der arabische Nawadir dieselbe Vorlage gehabt, die
-allerdings im Nawadir fast auf das Doppelte erweitert worden ist;
-jedenfalls hat der Verfasser des Nawadirs neben der türkischen Quelle
-auch arabische und vielleicht andere bereits niedergeschriebene
-Schnurren vor sich gehabt: aus dem _Mustatraf_ von al Abschihi († 1446)
-sind zum Beispiele in den Nawadir ganze Seiten aufgenommen worden[41].
-
-Durch die Araber ist Dschoha, und zwar dieser Dschoha des Nawadirs,
-die allbeliebte Schwankfigur auch im nördlichen Afrika geworden,
-und so wie die dem türkischen Volksbuche noch nicht angehörenden
-Dschohageschichten in die türkische Überlieferung übergegangen
-sind, so haben auch Erzählungen des Nasreddinkreises zugleich mit
-Dschohageschichten oder als solche in dem Volksmunde des Maghribs
-Aufnahme gefunden. Natürlich haben die Araber ihr sowieso beschränktes
-Eigentumsrecht an Nasreddin-Dschoha nicht behaupten können, sondern
-haben ihn mit den Berbern teilen müssen. Die Kabylen der Küste Algiers
-haben ihren Dscheha, die Beni Msab der Sahara ihren Dschoha, die
-Berbern von Tamazratt ihren Dschuha, die in der Oase Ghat ihren Schaha;
-und wie der tunisische und der tripolitanische Araber von Dschuha
-erzählt, so hat sich der Nubier einen Dschauha geschaffen. Der Schwank
-von der Schüssel, die zuerst gebiert und dann stirbt, begegnet mit dem
-türkischen Nasreddin, mit dem türkisch-arabischen Nasreddin-Dschoha,
-mit dem arabischen Dschoha und mit dem berberischen Dscheha als Helden;
-schließlich kehrt er auch auf Malta wieder, und dort ist aus dem
-Dschoha ein Dschahan geworden[42].
-
-Gemeiniglich wird auch angenommen, daß der sizilianische Volksnarr
-Giufà oder Giucà, der in Piana de’ Greci, in Palazzo Adriano und in
-andern albanesischen Ansiedelungen Siziliens Giuχà heißt[43], der
-nationalisierte arabische Dschoha sei; dem steht entgegen, daß auch
-in Toskana der bevorzugte Träger von Dummheitsschwänken Giucca,
-Giucco, Ciocco heißt. In jedem italiänischen Wörterbuche findet man
-neben sciocco auch giucco = Dummkopf, neben scioccaggine, scioccheria
-usw. auch giuccaggine, giuccheria usw. = Dummheit, und in Pitrès
-Sammlung toskanischer Volkserzählungen kommt eine moglie giucca, eine
-dumme Frau, vor, die ihrer Dummheit halber Giucca gerufen wird[44].
-Wahrscheinlich ist ja eine oder die andere von den Giufàgeschichten
-arabischen Ursprungs; ob man aber deswegen und wegen des flüchtigen
-Gleichklanges eines aus der italiänischen Sprache ebenso gut
-erklärbaren Wortes mit einem arabischen Namen so weittragende Schlüsse
-ziehen darf, bleibe dahingestellt.
-
-Eher könnte man wohl eine Namensentlehnung bei dem entsprechenden
-kalabrischen Typus annehmen, dessen einer Name Hiohà — der andere
-lautet Juvadi oder Juva’, was wieder zu Giufà stimmt — sicherlich
-mehr als Giufà an Dschoha erinnert; was die innerliche Verwandtschaft
-betrifft, so findet man, auf diesen übertragen, sogar eine als reine
-Dschohageschichte nicht belegte Erzählung des Nasreddinkreises vor.
-
-Für das Verhältnis Nasreddins zu Dschoha ist die Feststellung wichtig,
-daß aus der Zeit vor Nasreddins angeblichem oder wirklichem Leben noch
-keine einzige Dschohageschichte bezeugt ist, die als Quelle eines
-Nasreddinschen Schwankes angenommen werden müßte[45], während das
-sonst Nasreddin zugeschlagene Gut wahrlich nicht gering ist. Eine
-ganze Reihe von Schnurren — es ist hier wieder nur von dem ersten
-Teile unserer Ausgabe die Rede, genauer ausgedrückt von den Nummern
-1 bis 331 — findet sich schon bei dem Perser Ubeid Zakani († 1370
-oder 1371), nicht so viele bei dem syrischen Bischofe Bar-Hebraeus
-(1226-1286), und einige stehn schon in dem _Kitab al ikd al farid_ von
-ibn Abdirabbihi (860-940); daß äsopische Fabeln Verwendung gefunden
-haben ist weniger verwunderlich, als daß auch die unter dem Namen
-der Facetien von Hierokles bekannte, vielleicht schon im fünften
-Jahrhunderte verfaßte Sammlung ausgebeutet worden ist. Auf vereinzelte
-Parallelen, wie sie sich zum Beispiele bei az Zamachschari (1074
-bis 1143) und al Habbarija († 1100) finden, sei hier nicht näher
-eingegangen. Daß von Nasreddin Geschichten erzählt werden, die auch
-Karakusch, dem Wesir Saladins, beigelegt worden sind, kann, da sie noch
-in keinem sicher dem ursprünglichen Verfasser der Karakuschanekdoten
-al Mammati († 1209) zugehörigen arabischen Texte, sondern nur in einer
-viel spätern türkischen Bearbeitung nachgewiesen sind[46], nicht in
-Betracht kommen, und dasselbe gilt von den Erzählungen, zu denen
-sich Gegenstücke auch in den türkischen _Vierzig Wesiren_ finden,
-deren arabisches Original noch nicht bekannt ist[47]. Mehrere Stoffe
-Nasreddins sind vor diesem von abendländischen Erzählern behandelt
-worden; hier darf wohl manchmal eine europäische Quelle angenommen
-werden, zum Beispiele bei dem in den europäischen Überlieferungen so
-oft wiederkehrenden und im Oriente nur mit Nasreddin belegten, schon
-von Boccaccio zu einer Novelle gestalteten Schwanke von den angeblich
-einbeinigen Gänsen oder Kranichen, die sich, als man sie erschreckt,
-auf beiden Beinen davonmachen. Mit jeder Spanne Zeit, um die man
-überdies das erste Auftauchen eines Schwankes bei Nasreddin hinaufrückt
-— der Spielraum ist auch bei den schon in den ältesten Manuskripten
-enthaltenen immerhin fast zweihundert Jahre — wird eine Übertragung
-durch die Vermittlung der Literatur wahrscheinlicher; und daß die heute
-noch nicht abgeschlossene Übertragung der mündlichen Überlieferungen
-schon sehr zeitlich begonnen hat, ist bei Gestalten wie Nasreddin
-selbstverständlich.
-
-Die erste gedruckte Ausgabe der Schwänke Nasreddins ist 1837 in
-Konstantinopel erschienen und drei Jahre vorher hat J. Dumoret im
-_Journal asiatique_ nach einem Pariser Manuskripte drei Erzählungen
-veröffentlicht, für deren Verfasser er Nasreddin hielt[48]; vorher
-wußte man von diesem in Europa nicht mehr, als was Flögel und die
-genannten Historiker berichteten und was Goethe im _West-östlichen
-Diwan_ mitgeteilt hat[49].
-
-Goethe verdankt seine Kenntnis Nasreddins dem Berliner Orientalisten
-Prälaten von Diez, der für ihn fünf Schwänke übersetzt hat[50]. Diez,
-der »würdige Mann« mit der »strengen und eigenen Gemütsart« hatte an
-Nasreddin kein sonderliches Gefallen; in einem vom 24. April 1816
-datierten Briefe an Goethe schreibt er: »Fürs Weitere möchte ich Ihnen
-gern ein Paar Erzählungen von Nusreddin Chodscha mitsenden, der nicht
-sowohl ein witziger Kopf als ein ziemlich platter und unsauberer
-Schwänkemacher gewesen.« Und am 11. Oktober 1816: »Nussreddin
-Chodscha war nur ein ziemlich gemeiner Spaßmacher und Zotenreißer.
-Die Erzählungen die man von ihm hat, sind daher noch jetzt nur der
-Gegenstand der Unterhaltung gemeiner Leute in den langen Winterabenden.
-Er lebte im vierzehnten Jahrhundert als Lehrer (Chodscha) auf einem
-Dorfe in Kleinasien, um die Zeit, als Timur oder Timurlenk, der lahme
-Timur (woraus man in Europa Tamerlan gemacht) in Asien auf Eroberungen
-ausging. Timur fand Vergnügen an den Schwänken und Einfällen des
-Mannes und führte ihn auch eine Zeitlang als Gesellschafter mit sich
-herum. Man hat mehrere kleine Sammlungen seiner Einfälle. Mir ist aber
-niemals bekannt geworden, daß man in Europa etwas davon übersetzt habe.
-Ich habe daher einige der züchtigsten und besten Erzählungen in der
-Beilage wörtlich übersetzt, damit Ew. Hochwohlgeb. daraus den Geist
-des Mannes näher kennen lernen mögen. Wenn Timur ihn als Spielzeug
-gebrauchte, so mußte er sich auch manche Grobheiten von ihm gefallen
-lassen.«
-
-Goethens Gesichtskreis war etwas weiter als der des Prälaten; in
-seiner Antwort an ihn, datiert vom 23. Oktober 1816, heißt es: »Die
-Stellung solcher Lustigmacher an Höfen bleibt immer dieselbe, nur das
-Jahrhundert und die Landschaft machen Abstufungen und Schattierungen,
-und so ist denn dieser sehr merkwürdig, weil er den ungeheuren Mann
-begleitet, der in der Welt so viel Unheil angerichtet hat und den
-man hier in seinem engsten und vertrautsten Zirkel sieht.« Und in
-den _Noten und Abhandlungen_ zum Diwan hat Goethe aus den fünf ihm
-von Diez übersandten Erzählungen[51] von dem »lustigen Reise- und
-Zeltgefährten des Welteroberers« den Schluß gezogen, »daß gar manche
-verfängliche Märchen, welche die Westländer nach ihrer Weise behandelt,
-sich vom Orient herschreiben, jedoch die eigentliche Farbe, den wahren,
-angemessenen Ton bei der Umbildung meistens verloren«; und er fährt
-fort: »Da von diesem Buche das Manuskript sich nun auf der königlichen
-Bibliothek zu Berlin befindet, wäre es sehr zu wünschen, daß ein
-Meister dieses Faches uns eine Übersetzung gäbe. Vielleicht wäre sie
-in lateinischer Sprache am füglichsten zu unternehmen, damit der
-Gelehrte vorerst vollständige Kenntnis davon erhielte. Für das deutsche
-Publikum ließe sich alsdann recht wohl eine anständige Übersetzung im
-Auszug veranstalten.« Vorher hat er schon eine von den fünf Erzählungen
-abgedruckt und ihr die Bemerkung vorausgeschickt, wie er sich die
-Ausgestaltung des im Diwan nur zwei Gedichte umfassenden _Buch des
-Timur_ gedacht hätte.
-
-Der Anregung Goethes ist, wohl unbewußterweise, der erste Übersetzer
-der türkischen gedruckten Sammlung, Camerloher, zum Teile nachgekommen,
-indem er einige Stellen, die ihm für den deutschen Leser zu frei
-schienen, lateinisch übertragen hat[52]. Eine französische Ausgabe des
-inzwischen in Konstantinopel oft aufgelegten Volksbuches ist 1876
-von Decourdemanche besorgt worden[52], der später auch den schon
-erwähnten, auf einer Reihe von Handschriften beruhenden _Sottisier
-de Nasr-Eddin-Hodja_ herausgegeben hat. Eine reiche Auswahl aus dem
-Volksbuche in türkischer Sprache mit einer interlinearen englischen
-Übertragung hat W. B. Barker seinem ebenfalls schon genannten
-türkischen Lesebuche beigegeben; er folgte damit dem Beispiele
-Dietericis, der sieben Nasreddingeschichten aus zwei Manuskripten
-Diezens in seine 1854 erschienene _Chrestomathie ottomane_ aufgenommen
-hatte, und Malloufs, in dessen _Dialogues turcs-français_, Smyrna, 1854
-(2. Auflage Konstantinopel, 1856) sich sieben Erzählungen von Nasreddin
-finden. Sechs davon hat Mallouf in der _Revue de l’Orient, de l’Algerie
-et des Colonies_ von 1853 ins Französische übersetzt; die von Dieterici
-veröffentlichten hat H. Ethé in seinen _Essays und Studien_, Berlin,
-1872 zur Unterlage eines Aufsatzes über Nasreddin benutzt.
-
-Im Jahre 1299 der Hidschra (1883) hat Mehmed Tewfik in Stambul eine
-Sammlung von 71 Schwänken Nasreddins herausgegeben; wenige Monate
-später ließ er ihr 130 Schwänke von Buadem folgen. Buadem, zu
-deutsch: dieser Mann, ist eine von Tewfik erfundene Gestalt, zu deren
-Ausstattung er vorläufig viele Schnurren des Nasreddin-Dschohakreises
-verwandt hat. In geringerm Maße ist dies bei den 96 Schwänken
-festzustellen, die er seinem Buademwerke in der Ausgabe von 1302
-beigegeben hat[53].
-
-Nur zwei anscheinend neue Erzählungen, darunter eine von Timur,
-bringen die ihrer Einleitung halber schon oft zitierten _Naszreddin
-hodsa tréfái_, die Kúnos in Kleinasien aus dem Munde eines Aidiners
-aufgezeichnet hat; die Nummern 1 bis 123 finden sich, eine ausgenommen,
-schon in dem 125 Geschichten enthaltenden Volksbuche, und auch die
-Reihenfolge ist bis auf zwei Ausnahmen beibehalten worden[54].
-
-Schon 1872 ist in Athen eine griechische Ausgabe der Schwänke
-Nasreddins erschienen mit dem Titel Ὁ Ναστραδὶν Χώντζας. Διηγήματα
-αὐτοῦ ἀστεῖα καὶ περίεργα[55]. Sie ist mir trotz allen Bemühungen
-unzugänglich geblieben, enthält aber angeblich denselben Text wie das
-bei Saliber in Athen erschienene Groschenbändchen Ὁ Νάσρ-ἐδδὶν-Χότζας
-καὶ τὰ ἀστεῖα ἀνέκδοτα αὐτοῦ. Dieses bringt, augenscheinlich in
-Übersetzung, viele Stücke aus dem Volksbuche, daneben solche, die bei
-Tewfik wiederkehren, aber auch eine Reihe von Erzählungen, die sich
-weder im Volksbuche, noch bei Tewfik finden[56]. Daß übrigens Nasreddin
-bei den Griechen eine selbständige Existenz führt, zeigt auch das im
-II. Bande S. 250 besprochene Märchen von Naxos[57].
-
-Die serbische Ausgabe, aus deren Einleitung oben das Märchen von dem
-Evlija und seinen drei Söhnen mitgeteilt worden ist, nennt Mehmed
-Tewfik als Verfasser und trägt auf dem Titel den Vermerk _Prevod
-s nemackog_, Übersetzung aus dem Deutschen; dies ist aber nur zum
-Teile richtig. Die Seiten 9 bis 48 enthalten zwar Übertragungen
-aus Tewfiks Nasreddinausgabe, aber dazwischen sind einige aus dem
-Volksbuche entnommene Erzählungen eingeschoben, und manche beruhen
-überhaupt auf einer andern Quelle; der darauf folgende Abschnitt mit
-dem Titel _Buadam_ bringt die 130 Buademschwänke in ungeänderter
-Anordnung, fügt aber noch vier mit Buadam beginnende Schwänke hinzu,
-die bei Tewfik kein Gegenstück haben, und das letzte Drittel des
-Buches, bezeichnet mit _Dodatak_ oder Anhang erzählt neben einigen
-nach Camerloher übersetzten Geschichten eine lange Reihe von solchen,
-die dem serbischen Volksmunde entnommen sind, wenn sich auch etliche
-schon im _Sottisier_ finden. In Serbien und in Bosnien laufen ja noch
-zahllose Überlieferungen von Nasreddin um: einige wenige sind wohl in
-südslawischen Zeitschriften und in der _Anthropophyteia_ aufgezeichnet,
-andere werden nach einer gütigen Mitteilung von Hrn. Dr. Friedrich S.
-Krauss alljährlich in Volkskalendern erzählt; die meisten aber harren
-noch immer einer Niederschrift, wie dies auch in den andern früher
-unter türkischer Herrschaft gewesenen Balkanländern der Fall sein
-dürfte[58].
-
-In kroatischer Sprache ist 1857 in Zara ein Buch erschienen mit dem
-Titel _Nasradin iliti Bertoldo i njegova pritanka domisljatost,
-himbenost i lukavstina_; mir liegt es in einem um Rätsel, Sprichwörter
-und Gedichte vermehrten Neudrucke vor: _Nasradin k staroj matici
-povracen i Nasradinic_, U Zadru (Zara), 1903. Wie schon der
-ursprüngliche Titel andeutet, ist es nichts als eine kroatische
-Bearbeitung des italiänischen Volksbuches von Bertoldo und Bertoldino,
-dessen Helden durch Nasradin und Nasradinic ersetzt sind. Aber auch
-eine Ausgabe von Schwänken Nasreddins gibt es in der kroatischen
-Sprache; ich kenne nur die keine Jahreszahl tragende zweite Auflage
-_Posurice i sale Nasredina_, Zagreb (Agram). Sie bietet eine nicht
-ganz vollständige Übersetzung des Tewfikschen Nasreddin und der
-130 Buademschwänke — statt Buadem steht überall Nasredin —, aber
-anscheinend nicht nach der deutschen Ausgabe[59]; die Reihenfolge wird
-im allgemeinen beibehalten und nur gelegentlich, der beigegebenen
-Illustrationen halber, geändert. Dann und wann sind andere Erzählungen
-eingestreut, und von S. 64 an wechseln Schwänke aus dem Volksbuche mit
-andern, von denen ein Teil mit solchen aus der oben, S. XXVII zitierten
-deutschen Ausgabe von Ali Nouri übereinstimmt. Die Illustrationen sind
-dieselben wie bei Ali Nouri[60].
-
-Verhältnismäßig wenig aus dem Volksbuche, sondern meistens selbständige
-Schnurren, von denen gleichwohl einige mit griechischen und serbischen
-Hodschageschichten übereinstimmen, enthält die schon einmal erwähnte
-Gedichtesammlung _Nazdravaniile lui Nastratin Hogea_ von Anton Pann,
-die zum ersten Male 1853 erschienen und oft nachgedruckt worden ist;
-in deutscher Sprache hat sich in einer poetischen Bearbeitung einiger,
-nur zum Teile dem Volksbuche angehöriger Schwänke Nasreddins der in
-Kroatien geborene Franz von Werner, der schon in jungen Jahren in
-türkische Dienste getreten ist, unter dem Namen Murad Efendi versucht;
-sein _Nassreddin Chodja_ ist 1878 in Oldenburg erschienen.
-
-Auch ins Armenische sind die Schwänke Nasreddins übersetzt worden,
-und sie haben ihren Weg weiter genommen über Gebirge und Steppen;
-besonders sollen sie die Bewohner des Berglandes von Dagestan lieben,
-und nicht nur in Tiflis, sondern auch in Kasan erscheinen immer neue
-Ausgaben, die sich dem türkischen Volksbuche anlehnen. Nach Nikolaj
-Katanoff in Kasan ist Nasreddin sogar bei den Tarandschi an der
-sibirisch-chinesischen Grenze bekannt[61], und daß ihn auch die Perser
-kennen, haben wir schon gesehn. Freilich wechselt er dabei seine
-Volkszugehörigkeit: im Kaukasus ist er ein Tscherkesse, in Kasan ist
-er ein Tatare, in Persien ist er ein Perser, so wie er in Serbien
-ein Serbe geworden ist. Darum spiegeln die Schwänke, die in den
-verschiedenen Ländern an ihm haften geblieben sind, den Humor dieser
-Völker ab; am deutlichsten ist das Bild natürlich bei den Türken, wo er
-den Nationalheros des Witzes darstellt: dort bilden die Nasreddinschen
-Schnurren nicht nur einen Unterhaltungsstoff in den Kaffeehäusern und
-bei den Abendgesellschaften, sondern sie dienen auch in den Pausen der
-Gerichtsverhandlungen zu willkommenem Zeitvertreib; die Kinder erzählen
-sie schon einander, und die Erinnerung an sie wird durch zahlreiche
-Sprichwörter[62] lebendig erhalten.
-
-Mehrmals ist der Versuch gemacht worden, Nasreddins Wesen durch einen
-Vergleich mit einem bekanntem, abendländischen Vertreter seiner
-Gattung zu deuten; am nächsten liegt in solchen Fällen stets unser
-Eulenspiegel, und so ist denn Nasreddin schon von Hammer und später von
-Ethé, Barker, Wilhelm Schott und andern als der türkische Eulenspiegel
-bezeichnet worden. Dagegen hat sich Köhler gewandt: »Eulenspiegel ist
-stets ein durchtriebener Schalk, der nie etwas einfältiges oder dummes
-sagt oder tut, sondern stets wohl berechnete Streiche und Possen mit
-vollem Bewußtsein ausführt, um andere zu necken und zu verspotten;
-Nasreddin dagegen ist ein echter Narr, d. h. ein Gemisch von
-grenzenloser Einfalt und Dummheit und von Geist und Witz, etwa — wenn
-man einen Deutschen vergleichen will — wie Klaus Narr.« Aber auch
-dieser Vergleich beruht nur auf dem wenigen gemeinsamen, läßt jedoch
-das viele ungleichartige unberücksichtigt; und dasselbe ist es mit dem
-Vergleiche, den Cantimir anstellt, indem er Nasreddin einen türkischen
-Äsop nennt[63]. Klaus Narr war kein Äsop, und Äsop war kein Abderit;
-Nasreddin ist aber Äsop und Abderit zugleich.
-
-Der erste, der sich mit den Schwänken Nasreddins wissenschaftlich
-befaßt hat, war der ausgezeichnete Gelehrte Reinhold Köhler; er
-hat 1862 im _Orient und Occident_ das Camerlohersche Büchlein zum
-Gegenstande einer Abhandlung gemacht[64]. Ihm folgte, nachdem
-Decourdemanche die Forschung nach Quellen und Parallelen Nasreddins als
-unnütz bezeichnet hatte[65], der Professor und derzeitige Dekan an der
-Universität Algier, René Basset, der den von A. Mouliéras gesammelten
-und ins Französische übertragenen kabylischen Dschehageschichten
-eine groß angelegte kritische Studie gewidmet und diese durch viele
-gelegentliche Nachträge in der _Revue des traditions populaires_ und
-durch einen Aufsatz im _Keleti szemle_ ergänzt hat. Die Abhandlung
-Horns in eben dieser Zeitschrift und besonders die umfassende Studie
-Hartmanns in der _Zeitschrift des Vereins für Volkskunde_ sind schon
-öfters erwähnt worden.
-
-In dem vorliegenden Buche hat der Herausgeber versucht, sich die
-Resultate der von diesen Gelehrten geleisteten Arbeit zunutze zu
-machen und auf ihnen weiterzubauen. Die dazu notwendige Grundlage,
-die Schwänke, sind im ersten Bande dem alten türkischen Volksbuche,
-wie es in den Übertragungen von Camerloher, Barker und Decourdemanche
-vorliegt, dem _Sottisier_ von Decourdemanche, den Historikern und den
-von Kúnos gesammelten Texten entnommen; der zweite Band bringt die von
-Basset in der _Revue des traditions populaires_ übersetzten Geschichten
-des _Nawadir el chodscha nasr ed-din_, die von Mardrus veröffentlichten
-Dschohageschichten, die arabischen und berberischen, hauptsächlich
-von Stumme und Mouliéras gesammelten Schwänke derselben Gattung,
-die maltesischen Dschahanschwänke, die Giufàgeschichten Siziliens
-mit Ausnahme der in der leicht zugänglichen Sammlung von Gonzenbach
-erschienenen, die kalabrischen Juvadigeschichten und die kroatischen,
-serbischen und griechischen Nasreddinschnurren. Im allgemeinen ist
-es vermieden worden, gleichartige Behandlungen desselben Motivs
-aufzunehmen; die Bibliographie jedes Schwankes bildet, soweit sie
-in den Kreis der zu Nasreddin, Dschoha, Dschahan usw. gehörigen
-Überlieferungen fällt, den ersten Absatz der zu dem Schwanke gehörigen
-Anmerkung, die im übrigen die etwa vorhandene Literatur bringt und
-manchmal auch auf eine vergleichende Darstellung anderer Versionen des
-betreffenden Motivs eingeht. Recht getan glaubt der Herausgeber zu
-haben, daß er die hin und wieder im _Sottisier_ vorkommenden Schwänke,
-die nicht von Nasreddin handeln, nicht von der Aufnahme ausgeschlossen
-hat; einmal werden viele von ihnen auch von Nasreddin oder Dschoha
-erzählt, und dann bieten sie auch an und für sich schon einen Beitrag
-zur Geschichte und zum Verständnis der türkischen Schwankliteratur,
-der wohl, wenn er so nahe liegt, nicht zurückgewiesen werden soll. Ein
-Anhang bringt Mitteilungen über Schwänke, die aus mehrfachen Gründen in
-dem Texte keinen Platz finden konnten.
-
-Eine angenehme Pflicht ist es dem Herausgeber, Herrn Professor Dr. Hans
-Stumme und Frl. Berta Ilg seinen besten Dank auszusprechen für die
-Liebenswürdigkeit, womit sie ihm den Abdruck einzelner Stücke aus ihren
-Büchern gestattet haben.
-
- ~Tetschen a. E.~, im Juli 1911.
-
- Albert Wesselski.
-
-
-
-
-I.
-
-Türkische Überlieferungen
-
-
-
-
-1. Die hundertfünfundzwanzig Schwänke des Volksbuchs
-
-
-1.
-
-Der Hodscha Nasreddin stieg eines Tages auf die Kanzel, um zu predigen,
-und sagte: »Muselmanen, kennt ihr den Gegenstand, wovon ich mit euch
-sprechen will?«
-
-»Wir kennen ihn nicht,« antwortete man aus der Zuhörerschaft.
-
-Da schrie der Hodscha: »Ja, wie sollte ich denn mit euch von etwas
-sprechen, das ihr nicht kennt?«
-
-Er stieg ein andermal auf die Kanzel und sagte: »Wißt ihr, meine
-Gläubigen, was ich euch sagen will?«
-
-»Ja, wir wissen es,« war die Antwort.
-
-»Was brauche ich euch dann davon zu sprechen, wenn ihr es sowieso schon
-wißt?« Mit diesen Worten stieg der Hodscha von der Kanzel.
-
-Die Gemeinde war betreten über sein Weggehn. Nun schlug ein Mann vor,
-daß, wenn der Hodscha wiederkomme, die einen sagen sollten: »Wir wissen
-es«, und die andern: »Wir wissen es nicht«; und dieser Ratschluß drang
-durch.
-
-Wieder kam der Hodscha und er schrie, wie früher: »Wißt ihr, Brüder,
-was ich euch sagen will?«
-
-Sie sagten: »Einige von uns wissen es, die andern aber wissen es nicht.«
-
-»Gut also,« antwortete der Hodscha; »da mögen es die, die es wissen,
-den andern mitteilen.«
-
-
-2.
-
-»Muselmanen,« rief Nasreddin, der Hodscha eines Tages, »dankt dem
-Allerhöchsten recht von Herzen, daß er dem Kamel keine Flügel gegeben
-hat; denn dann käme es von oben auf unsere Häuser und in unsere Gärten
-herab und fiele uns vielleicht noch auf die Köpfe.«
-
-
-3.
-
-Der Hodscha stieg eines Tages in einer gewissen Stadt auf die Kanzel;
-und er sagte: »Muselmanen, die Luft in euerer Stadt ist dieselbe wie in
-der meinigen.«
-
-»Wieso, Hodscha?« sagte einer in der Versammlung.
-
-»Das ist sehr einfach,« antwortete der Hodscha; »zu Hause habe ich mich
-umgesehn, wie viel Sterne man sieht, und gerade so viel sind ihrer auch
-hier.«
-
-
-4.
-
-Eines Tages ging der Hodscha ins Bad. Dort war er allein, und voller
-Freude darüber begann er ein paar Lieder zu singen. In dem engen Raume
-erschien ihm seine Stimme hübsch und angenehm, und er sagte: »Sie ist
-eigentlich ganz lieblich; warum sollen sich ihrer nicht auch die andern
-freuen?« Damit verließ er das Bad und entfernte sich. Es waren aber
-schon einige Stunden des Vormittags vorbei.
-
-Ohne irgendwie zu verziehen, stieg der Hodscha auf das Minaret und rief
-zum Morgengebete.
-
-Da schrie unten einer: »Was ist denn das für ein Narr, der jetzt mit
-seiner garstigen Stimme unser Viertel zum Morgengebete ruft?«
-
-Und der Hodscha rief von der Höhe herab: »Ja warum findet sich denn
-kein gütiger Wohltäter, der hier oben auf dem Minaret ein Bad baut, um
-diese Stimme, über die man sich beklagt, zu ändern?«
-
-
-5.
-
-Eines Nachts träumte der Hodscha, als er im Bette lag und schlief, es
-gebe ihm einer neun Asper; und damit war er nicht zufrieden, sondern
-sagte: »Gib mir zehn.« Unterdessen wurde er wach, und da fand er seine
-Hände leer.
-
-Das war ihm sehr leid; er schloß alsbald die Augen, streckte die Hand
-aus und sagte: »Ich habe mich anders besonnen; gib die neune her.«
-
-
-6.
-
-Eines Tages ging der Hodscha in einer einsamen Gegend, als er von der
-andern Seite her etliche Reiter kommen sah; es mochten Diebe sein. In
-der Nähe war ein Grab; er kleidete sich hastig aus und eilte in die
-Grabeshöhlung. Aber die Reiter hatten ihn schon bemerkt und näherten
-sich ihm. »He Freund,« riefen sie, »was machst du da drinnen?«
-
-Der Hodscha, der nicht recht wußte, was sagen, antwortete: »Das ist
-mein Grab; ich bin nur für einen Augenblick herausgegangen, um Luft zu
-schnappen.«
-
-
-7.
-
-Der Hodscha trat einmal in einen Garten. Dort steckte er Möhren, Rüben
-und alles, was ihm unterkam, in seinen Sack oder in seinen Busen. Es
-kam der Gärtner, und der sagte, als er ihn dabei ertappte: »Was machst
-du da?«
-
-Erschrocken fand der Hodscha keine andere Antwort, als daß sich ein
-mächtiger Wind erhoben und ihn dorthin geschleudert habe.
-
-»Aber,« sagte der Gärtner, »wer hat denn das alles ausgerissen?«
-
-»Wenn der Wind«, sagte der Hodscha, »stark genug war, mich von
-draußen da herein zu bringen, war er wohl auch imstande, dein Gemüse
-auszureißen.«
-
-Nun sagte der Gärtner: »Wer hat denn dann das ganze Zeug da in den Sack
-gesteckt?«
-
-»Das war es gerade,« sagte der Hodscha, »worüber ich nachgedacht habe,
-als du dahergekommen bist.«
-
-
-8.
-
-Als der Hodscha-Effendi — Gottes Gnade sei mit ihm — in Konia war,
-trat er in den Laden eines Halwaverkäufers[66]; und schon sagte er: »Im
-Namen Gottes« und begann von den Kuchen zu essen. Der Verkäufer aber
-schlug mit den Worten: »Was tust du da?« auf ihn los.
-
-Doch der Hodscha sagte: »Was für eine herrliche Stadt ist doch dieses
-Konia! Mit Schlägen zwingen sie einen, daß man Halwa ißt!«
-
-
-9.
-
-Im Monate Ramasan verfiel der Hodscha auf den Gedanken, sich, um das
-den Gläubigen auferlegte Fasten beobachten zu können, einen Topf
-anzuschaffen, worin er jeden Tag ein Steinchen tun wollte. Eines Tages
-warf aber sein Töchterchen eine Hand voll Steine in den Topf. Kurz
-darauf wurde der Hodscha gefragt, der wievielte sei.
-
-»Wartet einen Augenblick,« sagte er; »ich will nachsehn.«
-
-Er ging ins Haus, schüttete den Topf aus und zählte die Steine; da fand
-er, daß es hundertzwanzig waren. »Sage ich eine derartige Ziffer,«
-dachte er, »so werden sie mich für verrückt halten.« Und so antwortete
-er den Fragenden: »Heute ist der fünfundvierzigste.«
-
-»Aber, Hodscha, ein ganzer Monat hat doch nur dreißig Tage, und du
-sprichst uns vom fünfundvierzigsten.«
-
-Der Hodscha sagte: »Ich habe euch nicht vielleicht leichtfertig
-geantwortet; wenn ihr euch an die Zeitrechnung des Topfes hieltet, so
-hätten wir heute den hundertundfünfundzwanzigsten.«
-
-
-10.
-
-Der Hodscha wurde gefragt: »Von den zwei Monden, dem neuen und dem
-alten, was geschieht mit dem, der sein letztes Viertel hinter sich hat?«
-
-Er antwortete: »Man zerbricht ihn, um Sterne daraus zu machen.«
-
-
-11.
-
-Eines Morgens beschloß der Hodscha, die Stadt zu verlassen; da er ein
-Kamel besaß, sagte er sich: »Ich nehme es als Reittier; auf diese Weise
-werde ich angenehmer reisen.«
-
-So ritt er denn mit der Karawane dahin, als eines Tages das Kamel
-strauchelte, den Hodscha abwarf und auf ihn trat. Auf seine
-Schmerzensschreie kamen die Leute von der Karawane herbei und hoben ihn
-auf.
-
-Kaum war er wieder zum Bewußtsein gekommen, als er schrie: »Seht nur,
-Muselmanen, was mir dieses Kamel böses angetan hat. Seid doch so gut
-und bindet mir es fest; ich muß mich an ihm rächen.«[67]
-
-»Aber Hodscha,« schrien die Leute; »fürchtest du denn nicht Gott, daß
-du dich an dem Tier da rächen willst?«
-
-Der Hodscha antwortete jedoch: »Was soll das heißen? an einem Menschen
-kann man sich rächen, und an einem Kamel sollte mans nicht können?«
-
-
-12.
-
-Eines Tages kaufte Nasreddin Eier, und zwar neun um einen Asper; dann
-ging er an einen andern Ort und verkaufte zehn um einen Asper. Da wurde
-er gefragt: »Warum gibst du zehn um den Preis, den du für neun gezahlt
-hast?«
-
-Er antwortete: »Es ist zu meinem Nutzen, wenn man sieht, wie mein
-Geschäft vorwärts geht.«
-
-
-13.
-
-Eines Tages kleidete sich der Hodscha in seinen neuen Kaftan und ging
-in die Moschee. Es kam der Augenblick, wo man sich mit dem Gesichte zu
-Boden neigen muß. Als nun der Hodscha also gebückt dastand, packte ihn
-der, der hinter ihm war, an den Hoden. Ohne sich zu besinnen, tat der
-Hodscha dasselbe mit dem Imam, der sein Vordermann war.
-
-Der fragte ihn: »Was tust du da?«
-
-»Nichts,« antwortet der Hodscha; »darf ich denn nicht nehmen, was man
-mir nimmt?«
-
-
-14.
-
-Der Hodscha saß einmal am Ufer eines Flusses, als er einen Trupp von
-zehn Blinden auf ihn zukommen sah. Die trafen mit ihm die Abmachung,
-daß er sie, den Mann für einen Para, hinübertragen solle.
-
-Beim Hinübertragen fiel nun einer von den Blinden ins Wasser und wurde
-fortgerissen. Augenblicklich begannen die Blinden zu schreien.
-
-Aber der Hodscha sagte: »Warum schreit ihr? ihr zahlt mir einfach für
-einen weniger, und die Sache ist in Ordnung.«
-
-
-15.
-
-Einer, der ein Ei versteckt in der Hand hielt, sagte zum Hodscha: »Wenn
-du errätst, was ich in der Hand habe, so gebe ich dirs, damit du dir
-einen Eierkuchen machen kannst.«
-
-Darauf sagte der Hodscha: »Sag mir, wie es aussieht, und ich werde dir
-antworten.«
-
-»Außen ist es weiß und innen gelb.«
-
-»O, ich weiß schon, was es ist,« rief der Hodscha; »es ist eine
-ausgehöhlte Rübe, in die man Stückchen von einer Möhre gesteckt hat.«
-
-
-16.
-
-Eines Tages stahl der Hodscha ein Kalb, ohne daß es der Eigentümer
-bemerkt hätte. Der Hodscha tötete das Kalb und versteckte das Fell.
-Bald darauf ward der Bestohlene inne, daß sein Kalb verloren war;
-er lief durchs Viertel und schrie: »Muselmanen, mir ist mein Ochs
-gestohlen worden; was für ein Schaden!«
-
-So klagte er, als plötzlich der Hodscha das Kalbfell hervorzog: »Jetzt
-schäme dich aber, du Dieb; wie kannst du einen Ochsen für ein Kalb
-verlangen?«
-
-
-17.
-
-Als der Hodscha auf dem Markte herumstrich, kam einer auf ihn zu und
-fragte ihn: »Wie steht denn der Mond? Drei viertel oder voll?«
-
-»Ich weiß es nicht,« sagte der Hodscha; »ich habe weder einen gekauft,
-noch einen verkauft.«
-
-
-18.
-
-Der Hodscha nahm eine Leiter auf seine Schultern und ging, lehnte sie
-an eine Gartenmauer, stieg hinauf, legte sie an der andern Seite an und
-stieg hinunter. Der Gärtner, der ihn sah, rief ihn an: »Was machst du
-da, was suchst du?«
-
-Der Hodscha packte rasch die Leiter und antwortete: »Ich verkaufe
-Leitern.«
-
-»Hier also ist der Markt für Leitern?« versetzte der Gärtner.
-
-Aber der Hodscha sagte: »Was für ein Dummkopf du bist! kann man denn
-nicht überall Leitern verkaufen?«
-
-
-19.
-
-Eines Tages nahm der Hodscha seine Hühnchen eins nach dem andern her
-und legte ihnen jedem ein schwarzes Badetuch um den Hals. Dann ließ
-er sie laufen. Das Volk sammelte sich an und fragte ihn, warum er die
-Hühnchen also herrichte.
-
-Er antwortete: »Sie tragen Trauer um ihre Mutter.«
-
-
-20.
-
-Ein Ochse war auf das Feld des Hodschas gelaufen; als ihn der bemerkte,
-packte er einen Stock und rannte auf ihn los, aber der Ochs entwich.
-Eine Woche war vergangen, als ihn der Hodscha wieder sah; diesmal war
-der Ochs an einen Bauernkarren gespannt. Augenblicklich erwischte der
-Hodscha einen Knüttel und versetzte dem Tiere eine tüchtige Tracht
-Prügel. Der Bauer aber schrie, als er das sah: »Aber Freund, was hast
-du denn gegen meinen Ochsen?«
-
-»Laß mich machen, du Dummkopf; er weiß schon, was er angestellt hat.«
-
-
-21.
-
-Eines Tages verrichtete der Hodscha seine Waschungen an dem Ufer
-eines Flusses; dabei fiel ihm einer von seinen Pantoffeln ins Wasser,
-und er sah, wie ihn der Fluß mit sich fortführte. Da kehrte er dem
-Flusse seinen Rücken zu, ließ einen Wind[68] und sagte: »Da nimm deine
-Waschung zurück und gib mir meinen Pantoffel wieder.«
-
-
-22.
-
-Der Hodscha traf einmal seine letztwilligen Verfügungen: »Wenn ich
-sterbe, so legt mich in ein altes Grab.«
-
-Die Anwesenden sagten: »Warum denn?«
-
-»Wenn dann die Engel[69] kommen, um mich zu fragen, werde ich ihnen
-antworten: ›Ich bin schon befragt worden; seht ihr denn nicht, daß mein
-Grab schon alt ist?‹«
-
-
-23.
-
-Der Hodscha fühlte einmal das Bedürfnis, sein Wasser abzuschlagen; er
-ging auf den Abtritt und blieb dort einen Tag und eine Nacht. In der
-Nähe lief ohne Unterlaß ein kleiner Brunnen, und das Plätschern dieses
-Brunnens ließ ihn meinen, daß er mit seiner Verrichtung noch nicht zu
-Ende sei.
-
-Da kam einer dazu und rief ihn an: »He Freund, du bleibst aber lange
-da!«
-
-»Ich muß doch zuerst fertig werden,« antwortete der Hodscha, »bevor ich
-weggehe.«
-
-
-24.
-
-Eines Tages wollte der Hodscha ein Pferd besteigen, aber das hielt sich
-so trefflich, daß er nicht hinaufkommen konnte; schließlich fing er zu
-fluchen an.
-
-Dann aber sah er hinter sich; und da er bemerkte, daß er allein war,
-stellte er diese Betrachtung an: »Gestehn wir es uns nur, daß es unter
-uns noch schlechtere Kerle gibt als das Pferd da.«
-
-
-25.
-
-Einmal war der Hodscha im Bade; während ihn der Wärter hinüber und
-herüber abrieb, packte er ihn heftig bei den Hoden.
-
-»Was machst du denn?« fragte ihn der Wärter.
-
-»Ich habe dich nur gehalten,« antwortete der Hodscha, »damit du nicht
-fällst.«
-
-
-26.
-
-Der Hodscha hatte eines Tages die Knaben von Akschehir ins Bad zu
-führen. Die verbargen jeder ein Ei in der Achselhöhle; dann gingen sie
-alle mitsammen ins Bad, kleideten sich aus und setzten sich auf den
-runden Stein mitten im Bade. Und sie sagten: »Kommt alle her; wer jetzt
-kein Ei legt, bezahlt das Bad.«
-
-Die Sache wurde so abgemacht; nun gluckte ein jeder, zerarbeitete sich,
-als ob er kreißte, und legte sein Ei auf den Stein.
-
-Alsbald erhob sich der Hodscha, der ihnen zugesehn hatte, schlug mit
-den Armen wie mit Flügeln und krähte wie ein Hahn; und die Knaben
-sagten: »Was machst du, Meister?«
-
-»Nun, braucht es denn keinen Hahn für so viel Hennen?«
-
-
-27.
-
-Eines Tages verließ der Hodscha sein Haus in schwarzen Kleidern. Den
-Leuten fiel das auf und sie fragten ihn, warum er also gekleidet sei.
-
-Er antwortete: »Der Vater meines Sohnes ist gestorben, und darum trage
-ich Trauer.«
-
-
-28.
-
-Nach einem langen Marsche hatte der Hodscha Durst. Er sah um sich und
-gewahrte einen Brunnen, dessen Öffnung mit einem Pflocke verschlossen
-war. Nach einem Trunke verlangend, zog er den Pflock heraus; da schoß
-auch schon das Wasser in mächtigem Strahle heraus und ihm über den Kopf.
-
-Voller Ärger schrie er: »Da hat mans, wie närrisch du fließt; drum hat
-man dir auch einen Pflock in den Hintern getrieben.«[70]
-
-
-29.
-
-Eines Tages steckte der Hodscha etliche Pastinaken zu sich und ging ins
-Gebirge Holz fällen. Als er durstig ward, schnitt er eine an; er fand
-sie schal und warf sie weg. Er schnitt eine andere an und tat dasselbe,
-kurz, er schnitt alle an, aß von einigen ein wenig und pißte auf die
-Stücke, die übrig blieben.
-
-Dann fuhr er fort, Holz zu fällen, und kurz darauf bekam er von neuem
-Durst. Nun nahm er die Köpfe der zerschnittenen Pastinaken und hierauf
-jedes einzelne Stückchen; und indem er sagte: »Das da ist benetzt, das
-nicht«, aß er sie schließlich alle miteinander auf.
-
-
-30.
-
-Als der Hodscha einmal in die Stadt ging, begegnete er plötzlich zwei
-Männern; die fragte er: »Wohin geht ihr?«
-
-Sie antworteten: »Wir sind erst am Anfang unserer Rute.«
-
-»Na, hoffen wir,« sagte der Hodscha, »daß ihr am Abende bei der Eichel
-anlangt.«
-
-
-31.
-
-Der Hodscha Nasreddin-Effendi hatte ein Lamm. Seine Freunde dachten
-sich einen lustigen Streich aus, um es zu essen. Einer von ihnen kam
-ihm wie zufällig entgegen und sagte im Vorbeigehn zu ihm: »Was willst
-du mit dem Lamme da? morgen ist der Tag des jüngsten Gerichtes; komm,
-schlachten und essen wir es.«
-
-Der Hodscha glaubte es nicht; er hörte auch kaum hin.
-
-Es kam ein zweiter und sagte dasselbe; kurz, sie kamen alle, einer nach
-dem andern oder auch paarweise, und behaupteten, wie es abgemacht war,
-daß am nächsten Tage das Ende der Welt sein werde. Schließlich stellte
-sich der Hodscha, als ob er es glaubte.
-
-»Wenn es so ist, so seid willkommen, Freunde! Nun wollen wir hinaus
-aufs Feld gehn, das Lamm schlachten und uns unsere letzten Augenblicke
-noch recht gut miteinander unterhalten.«
-
-Alle waren dabei; sie nahmen das Lamm und zogen aufs Feld.
-
-Da sagte der Hodscha: »Ihr, meine Freunde, vergnügt euch; ich will mich
-daranmachen, das Lamm zu braten.«
-
-Er war mitten unter ihnen und so legten alle ihre Mützen und Turbane
-bei ihm nieder, um sich zu ergehen. Ohne zu verziehen, zündete der
-Hodscha ein großes Feuer an, warf alle ihre Sachen hinein und begann
-das Lamm zu braten.
-
-Bald darauf sagte einer von der Gesellschaft zu den andern: »Sehn wir
-einmal nach, ob das Lamm des Hodschas schon hübsch braun ist; kommt es
-essen.«
-
-Als sie hinkamen, wurden sie inne, daß der Hodscha alle ihre Kleider
-ins Feuer geworfen hatte. »Bist du ein Narr? warum hast du unsere
-Sachen ins Feuer geworfen?«
-
-»Ja, meine Herren,« erwiderte der Hodscha, »glaubt ihr denn das nicht,
-was ihr mir früher erzählt habt? Wenn morgen das Ende der Welt ist, was
-braucht ihr da Kleider?«
-
-
-32.
-
-Einmal kam ein Dieb in das Haus des Hodschas, packte alles, was ihm
-unter die Hände kam, zusammen, lud es sich auf den Rücken und ging weg.
-Kaum war er draußen, als der Hodscha das übriggebliebene zusammenpackte
-und sich damit belud; dann folgte er den Spuren des Diebes bis zu
-dessen Haustür.
-
-Dort sagte der Dieb: »Was willst du von mir?«
-
-»Wieso?« sagte der Hodscha; »bin ich denn nicht richtig bei dem Hause,
-wohin wir umgezogen sind?«
-
-
-33.
-
-Eines Tages wurde der Hodscha gefragt: »Verstehst du nicht Persisch?
-Sprich ein wenig, damit wir uns überzeugen.«
-
-Er antwortete ihnen in dieser Sprache: »Die Gans, die mein Grab höhlen
-soll, fliegt noch im Gebirge; es haben sich Leute versammelt, aber sie
-haben mich noch nicht in der Todesstarre gefunden.«
-
-Da gingen sie eilfertig weg, ohne noch etwas weiter zu verlangen.
-
-
-34.
-
-Dem Hodscha war einmal Geld gestohlen worden. »O Herr,« rief er aus,
-»bist du denn in Armut gefallen, daß du mir meine Ersparnisse genommen
-hast?« Unter derlei Klagen ging er in die Moschee; dort verharrte er im
-Gebete bis zum Morgen und dann ging er nach Hause.
-
-In derselbigen Nacht war es geschehn, daß ein Schiff auf dem Meere
-Sturmesnot litt, und die Seeleute hatten gelobt, wenn sie entrännen,
-dem Hodscha ein Geschenk zu geben. Der Herr ließ es zu, daß sie heil
-ans Land kamen; ihrem Gelübde treu, brachten sie nun dem Hodscha das
-versprochene Geld.
-
-»O Gott, o Gott,« schrie da Nasreddin, »wozu hast du es mir zu nehmen
-brauchen, wenn du es mir nach einer außer Hause verbrachten Nacht
-zurückgeben wolltest?«
-
-
-35.
-
-Eines Tages entlieh der Hodscha von seinem Nachbar eine große Pfanne.
-Nachdem sie ihm ihren Dienst geleistet hatte, trug er sie zurück und
-brachte zugleich ein kleines Pfännchen.
-
-»Was soll denn das Pfännchen,« sagte der Nachbar, »das jetzt dabei ist?«
-
-»Ach,« antwortete der Hodscha, »die Pfanne war schwanger, und das ist
-das Junge.«
-
-Der Nachbar nahm beides in Empfang. Kurze Zeit nach dieser Begebenheit
-ging der Hodscha die Pfanne noch einmal entleihen. Fünf Tage wartete
-der Nachbar vergebens, daß sie ihm zurückgestellt würde; dann pochte er
-an die Tür des Hodschas. Der öffnete und fragte ihn: »Was willst du?«
-
-»Meine Pfanne.«
-
-»Wohl ergehe es dir, aber deine Pfanne ist gestorben.«
-
-»Ja kann denn eine Pfanne sterben?«
-
-»Natürlich; und warum solltest du es nicht glauben wollen, wo du doch
-geglaubt hast, daß sie ein Junges bekommen hat?«
-
-
-36.
-
-Als der Hodscha einmal auf einem Begräbnisplatze herumging, sah er, wie
-ein riesiger Hund einen Grabstein besudelte. Empört wollte er ihn mit
-einem großen Prügel, den er in der Hand hatte, schlagen, aber der Hund
-machte Miene, ihn anzufallen.
-
-Da also der Hodscha sah, daß die Sache schief ging, rief er dem Hunde
-zu: »Mach nur weiter, Freund, mach nur.«
-
-
-37.
-
-Der Hodscha fing eines Tages einen Storch; er trug ihn nach Hause, nahm
-ein Messer, stutzte ihm den langen Schnabel und die langen Beine und
-setzte ihn auf einen erhöhten Platz.
-
-»So,« sagte er; »jetzt siehst du wenigstens einem Vogel ähnlich.«
-
-
-38.
-
-Eines Tages schluckte der Hodscha heiße Suppe; er stieß einen Schrei
-aus und lief voll Aufregung auf die Straße hinaus: »Platz, Leute,
-Platz! ich brenne im Leibe.«
-
-
-39.
-
-Ein Molla hatte Arabien, Persien, Indien und alle Länder durchwandert,
-ohne daß es ihm gelungen wäre, eine gewisse Frage beantwortet zu
-erhalten. Schließlich wurde ihm der Hodscha genannt; augenblicklich
-machte er sich auf nach Akschehir. Auf dem Wege kaufte er um einen
-Asper Granatäpfel und steckte sie zu sich. Im Gefilde von Akschehir
-angekommen, sah er einen Mann in Sandalen und einem Filzmantel, der
-den Acker bearbeitete, gleichwohl aber das Aussehn eines gebildeten
-Menschen hatte; es war der Hodscha. Er trat auf ihn zu und grüßte ihn.
-
-Der Hodscha erwiderte den Gruß und sagte: »Molla-Effendi, was gibt es
-neues?«
-
-»Ich will dir einige Fragen vorlegen; wirst du sie beantworten können?«
-
-»Sicherlich. Aber es hat einmal einer gesagt: ›Ohne Geld hätte deine
-Mutter deinem Vater nichts bewilligt‹; warum sollte ich dir einen
-Gefallen tun?«
-
-Der Molla nahm die Granatäpfel aus seinem Busen und bot sie dem Hodscha
-an. Nun begann der die Fragen des Mollas zu beantworten, wobei er
-einen Apfel nach dem andern verzehrte. Eben war er mit den Äpfeln
-fertig geworden, als der Molla sagte: »Nun habe ich noch eine Frage.«
-
-»Du täuschest dich, mein Freund; sind denn noch Äpfel da?«
-
-»Ach,« sagte der Molla, »du scheinst mir ein tüchtiger Schelm zu sein;
-an derlei Weisen ist kein Mangel.« Und damit machte er sich davon.
-
-
-40.
-
-Der Hodscha sah einmal eine Menge Enten, die sich in der Quelle eines
-Baches tummelten. Er lief auf sie zu, um einige zu fangen, aber sie
-flogen weg. Da setzte er sich an die Quelle und tauchte das Brot, das
-er mitgebracht hatte, stückchenweise ins Wasser. Während er so das
-feuchte Brot aß, kam ein Fußgänger vorüber, und der fragte ihn: »Was
-ißt du?«
-
-»Ententunke,« antwortete der Hodscha.
-
-
-41.
-
-Der Hodscha wollte einmal eine Leber nach Hause tragen; plötzlich aber
-schoß ein Sperber aus den Lüften auf sie herab und entflog mit ihr.
-Der Hodscha sah ihm nach, merkte aber, daß nichts mehr zu machen war.
-Augenblicklich erstieg er einen erhöhten Ort; als er dann einen Mann
-kommen sah, der auch eine Leber in der Hand hielt, entriß er sie ihm
-und eilte damit auf die Spitze eines Felsens.
-
-Der Mann schrie: »Warum beraubst du mich so, Hodscha?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich habe nur versucht, wie ich es machen
-müßte, wenn ich ein Sperber wäre.«
-
-
-42.
-
-Um Hodscha kam einer, um Stricke zu entleihen. Der Hodscha ging ins
-Haus, kam aber sogleich zurück und sagte, daß sie voll Mehl seien, das
-auf ihnen trocknen solle. Der andere antwortete: »Trocknet man denn
-Mehl auf Stricken?«
-
-Nun sagte der Hodscha: »Je weniger gern man sie herleiht, desto eher
-läßt man darauf Mehl trocknen.«
-
-
-43.
-
-Neben dem Hodscha ging einer; sie sahen sich gegenseitig an und traten
-jeder in demselben Augenblicke ein paar Schritte zurück. »Ist es
-erlaubt, Herr,« sagte der Hodscha, »dich zu fragen, wer du bist? ich
-kenne dich nicht.«
-
-Der andere antwortete: »Wieso bist du denn dann über meinen Anblick so
-erstaunt gewesen?«
-
-Der Hodscha erwiderte: »Ich habe gesehn, daß dein Turban ganz so ist
-wie der meinige und daß dein Mantel derselbe ist wie der meinige; da
-habe ich dich für mich gehalten.«
-
-
-44.
-
-Im Hause des Hodschas war einmal jemand krank, und man kam sich um sein
-Befinden erkundigen.
-
-Er antwortete: »Zuerst war er genesen, aber dann ist er gestorben.«
-
-
-45.
-
-Der Hodscha steckte seine Hühner in einen Käfig und ging damit nach
-Siwri-Hissar. Unterwegs sagte er sich: »Diese armen Tiere sind
-gefangen; ich will sie ein bißchen auslassen, o Herr.« Als sie aber in
-Freiheit waren, liefen sie nach allen Seiten auseinander. Nun trieb der
-Hodscha den Hahn mit einem Stocke in der Hand vor sich her und sagte
-zu ihm: »Was? mitten in der Nacht weißt du, daß es Morgen wird, und am
-hellichten Tag kennst du den Weg nicht?«
-
-
-46.
-
-Als der Hodscha eines Tages auf einem Begräbnisplatze neben dem Wege
-ging, fiel er in ein altes Grab; nun sagte er sich: »Ich will sehn,
-ob Munkar und Nakir kommen,« und legte sich der Länge nach nieder.
-Während er also wartete, hörte er ein Geklingel von Glöckchen, die
-sich näherten. Er dachte, der Tag der Auferstehung und des Gerichtes
-sei gekommen, und stieg aus dem Grabmale. Da sah er, daß eine Karawane
-hervorkam; bei seinem Anblicke wurden die Maultiere scheu und rannten
-nach verschiedenen Seiten davon. Die Treiber liefen auf ihn zu, jeder
-mit seinem Stocke bewaffnet, und fragten ihn, wer er sei.
-
-»Ich bin ein Toter.«
-
-»Und was tust du da?«
-
-»Ich mache einen Spaziergang.«
-
-»Nun, den wollen wir dir recht angenehm machen.« Und damit warfen sie
-sich auf den Hodscha und prügelten ihn tüchtig durch; bald hatte er den
-Kopf zerschlagen und die Augen braun und blau.
-
-Als ihn seine Frau in dieser Verfassung heimkommen sah, fragte sie
-ihn, woher er komme. Er antwortete: »Von den Toten; ich bin im Grabe
-gewesen.«
-
-»Wie geht es denn in der andern Welt zu?«
-
-»Ach, Weib, vor einem hüte dich; mach nur ja die Maultiere nicht scheu,
-die man treibt.«
-
-
-47.
-
-Man hatte den Hodscha als Gesandten zu den Kurden geschickt. Sofort
-nach seiner Ankunft luden sie ihn zu einem Festmahle ein; er zog seinen
-Pelzmantel an und ging hin. Mitten im Gespräch ließ er plötzlich einen
-Furz; da sagten sie zu ihm: »Es ist eine Schande, Molla-Effendi, also
-zu furzen.«
-
-»Was?« schrie er; »wie hätte ich denn denken sollen, daß es die Kurden
-verstehn, wenn man auf türkisch furzt?«
-
-
-48.
-
-Eines Tages ging der Hodscha mit seinem Amad[71] auf die Wolfsjagd.
-Dieser war eben in die Höhle gekrochen, als der Wolf unversehens
-zurückkam. Der Hodscha benutzte den Augenblick, wo der Wolf in dem
-Loche verschwand, und packte ihn beim Schwanze. Daraufhin begann der
-Wolf mit den Beinen zu scharren; der Staub drang dem Amad in die Augen,
-und er schrie: »Hodscha, was ist das für ein Staub?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Wenn sein Schwanz reißt, wirst du noch einen
-ganz andern Staub sehn!«
-
-
-49.
-
-Eines Tages stieg der Hodscha auf einen Baum; dann begann er den Ast,
-auf den er sich gesetzt hatte, abzuhacken. Ein Vorübergehender sah
-dies von unten und rief ihm zu: »He Freund, weißt du denn nicht, daß
-du zugleich mit dem Aste, den du von dem Baume abschneiden willst,
-herunterfallen wirst?«
-
-Der Hodscha antwortete nichts; als er aber mit dem Aste
-heruntergefallen war, begann er dem wohlmeinenden Ratgeber, der
-weiterschritt, nachzueilen. Und er rief ihn an: »He Freund, da du
-es vorausgesehn hast, wann ich herunterfallen werde, so mußt du mir
-zweifellos auch sagen können, wann ich sterben werde.« Und bei diesen
-Worten hielt er den Fremden fest.
-
-Der antwortete, um von ihm loszukommen: »Wann dein Esel, während er
-beim Ersteigen einer Anhöhe brällt, einen Furz läßt, so wird die Hälfte
-deiner Seele entweichen; wann er dann den zweiten läßt, so wird sie
-gänzlich von dir scheiden.«
-
-Der Hodscha setzte seinen Weg fort; und bei der zweiten Mahnung warf er
-sich zu Boden mit den Worten: »Ich bin tot.«
-
-Es versammelten sich Leute um ihn, und die brachten eine Bahre, legten
-ihn darauf und machten sich auf den Weg nach seinem Hause. Da kamen sie
-an eine Pfütze, die es ihnen verwehrte, geradeaus weiterzugehn. Als
-sie nun einander fragten: »Wie sollen wir da hinüberkommen?«, hob der
-Hodscha sein Haupt und sagte: »Als ich noch am Leben war, bin ich immer
-diesen Weg gegangen.«
-
-
-50.
-
-Einmal gedachte der Hodscha einen unterirdischen Stall zu machen[72].
-Nun sah er auf einem Spaziergange in dem Keller eines seiner Nachbarn
-eine Kuh und etliche Ochsen. Hoch erfreut darüber ging er wieder heim
-und sagte zu seiner Frau:
-
-»Was gibst du mir für eine gute Neuigkeit? ich habe einen Stall voll
-Rinder gefunden, der noch so ist, wie er zur Zeit der Ungläubigen war.«
-
-
-51.
-
-Der Hodscha hatte zwei Töchter; die kamen ihn einmal beide besuchen,
-und er fragte sie: »Wovon lebt ihr?«
-
-Die eine sagte: »Mein Mann ist Bauer; er hat viel Korn gesät, und wenn
-es regnet, wird er so viel haben, daß er mich kleiden kann.«
-
-Die andere sagte: »Mein Mann ist Hafner; er hat viele Töpfe gemacht,
-und wenn kein Regen kommt, so wird er so viel haben, daß er mir Kleider
-kaufen kann.«
-
-Nun sagte der Hodscha: »Eine von euch wird ja bekommen, was sie
-wünscht; aber welche, das weiß ich nicht.«
-
-
-52.
-
-Eines Tages kam der Hodscha nach Siwri-Hissar; es war am Ende des
-Ramasans und man wartete, daß es Neumond werde, weil dann das
-Bairamfest beginnen sollte. Er sah eine Menge Leute versammelt, die
-alle den Mond beobachteten, und da sagte er:
-
-»Was ist denn an dem Monde so bemerkenswert? Bei uns zu Hause ist er so
-groß wie ein Wagenrad, und es kümmert sich kein Mensch um ihn; hier, wo
-er so dünn ist wie ein Zahnstocher, versammeln sich alle Leute, um ihn
-zu betrachten!«
-
-
-53.
-
-Der Hodscha kam einmal in eine Stadt und sah dort die großen Röhren
-einer Wasserleitung. Da fragte er einen Vorübergehenden: »Was ist das?«
-
-Der antwortete: »Das ist das, womit wir Städter das Wasser ablassen.«
-
-»Daraus läßt sich schließen,« versetzte der Hodscha, »wie euere Frauen
-gebaut sein müssen.«
-
-
-54.
-
-Eines Tages ging der Hodscha in Akschehir spazieren. »Herr Gott,« rief
-er aus, »gib mir tausend Goldstücke; eines weniger nehme ich nicht.«
-
-Dieses Gebet hörte ein Jude, der in seiner Nähe war; neugierig, was
-geschehn werde, tat er neunhundertneunundneunzig Goldstücke in einen
-Beutel und warf ihn durch das Rauchloch in die Hütte des Hodschas.
-
-Als der Hodscha den Beutel am Boden bemerkte, rief er aus: »O Herr,
-du hast mein Gebet erhört.« Er öffnete den Beutel und zählte die
-Goldstücke; da fand er, daß eines fehlte. Und er sagte: »Der, der mir
-diese gegeben hat, wird mir auch noch das letzte geben; ich nehme sie
-an.«
-
-Bei diesen Worten wurde der Jude unruhig; hastig klopfte er an die
-Tür des Hodschas: »Guten Tag, Hodscha-Effendi! Gib mir, bitte, die
-Goldstücke da; sie gehören mir.«
-
-»Bist du närrisch geworden, Krämer? Ich habe zu Gott, dem
-Untrügerischen — gepriesen sei sein Name — gebetet, und er hat mich
-erhört; wieso sollte dies Geld dir gehören?«
-
-»Bei meiner Seele, es war ein Spaß.«
-
-»Den Spaß verstehe ich nicht.«
-
-»Ich habe es getan, weil ich dich sagen hörte, daß du eines weniger
-nicht nehmen werdest.«
-
-»Aber dann habe ich gesagt, daß ich sie nehme.«
-
-»Gehn wir zu Gericht.«
-
-»Zu Fuße gehe ich nicht hin.«
-
-Nun brachte der Jude dem Hodscha ein Maultier, aber der sagte: »Auch
-einen Pelz brauche ich noch.«
-
-Der Jude brachte ihm noch einen Pelz, und nun gingen sie aufs Gericht
-zum Kadi. Der fragte sie, was sie herführe, und der Jude sagte: »Der
-Mann da hat mein Geld genommen und weigert sich, es zurückzugeben.«
-
-Der Kadi sagte zum Hodscha: »Was hast du darauf zu erwidern?«
-
-»Herr, ich habe Gott, den ewig wahrhaften — gepriesen sei sein Name
-— um tausend Goldstücke gebeten, und er hat mich erhört; als ich dann
-nachgezählt habe, fand ich um eines weniger. Trotzdem bin ich nicht
-davon abgestanden, sie zu nehmen, Herr. Nun fordert sie der Jude da als
-sein Eigentum ein, aber nicht nur sie, sondern auch den Pelz, den ich
-trage, und das Maultier, auf dem ich hiehergekommen bin.«
-
-»Gewiß gehört alles mir, Herr,« erwiderte augenblicklich der Jude.
-
-Aber der Kadi schrie: »Zum Teufel mit dir, Jude!« Und unverzüglich
-wurde der Jude mit Stockprügeln hinausgejagt.
-
-Der Hodscha jedoch kehrte stillvergnügt mit Pelz und Maultier heim.
-
-
-55.
-
-Eines Tages nahm der Hodscha an einem Hochzeitsmahle teil; die Kleider,
-die er anhatte, waren alt. Niemand kümmerte sich um ihn und es wurde
-ihm keine Aufmerksamkeit erzeigt. Daraufhin ging er weg und lief nach
-Hause, um seinen Pelz anzuziehn. Dann kehrte er zurück, und kaum war
-er bei der Tür angelangt, als man ihn auch schon einlud, einzutreten.
-»Setz dich, Hodscha-Effendi, wenn es dir beliebt, oben an die
-Tafel,« sagte man zu ihm und überhäufte ihn mit Ehrenbezeigungen und
-Aufmerksamkeiten.
-
-Da faßte er die Ärmel seines Pelzes und rief: »Gebt, bitte, meinem
-Kleide zu essen.«
-
-Die Tischgenossen sahen ihn an und baten ihn, sich zu erklären. Und er
-sagte: »Mein Kleid ist es, dem die Ehre erwiesen wird; warum soll es
-nicht auch den Genuß haben?«
-
-
-56.
-
-Als der Hodscha einmal eine Stadt betrat, traf er das ganze Volk damit
-beschäftigt, zu essen und zu trinken. Man bemerkte ihn, begrüßte
-ihn artig und brachte ihm Speise und Trank. Das Jahr war aber
-unfruchtbar. Wie nun der Hodscha so aß und trank, fragte er sich, wieso
-die Lebensmittel an diesem Orte so im Überflusse vorhanden seien.
-Schließlich bat er darüber um Auskunft.
-
-»Bist du verrückt?« war die Antwort. »Heute ist doch das Bairamfest,
-wo sich jedermann, je nach seinen Mitteln, mit Mundvorrat versorgt und
-aufkochen läßt; der Überfluß dauert nur eine kleine Weile.«
-
-Nun rief der Hodscha: »Wollte doch Gott, daß alle Tage Bairam wäre!«
-
-
-57.
-
-Eines Tages brachte der Hodscha eine Kuh auf den Markt; aber er mochte
-herumgehn, wie er wollte, er konnte sie nicht verkaufen. Da sagte
-einer, der vorüberging, zu ihm: »Warum führst du die Kuh herum und
-verkaufst sie nicht?«
-
-»Ach,« sagte der Hodscha, »seit aller Früh lasse ich sie ansehn; aber
-wie ich sie auch angepriesen habe, verkaufen habe ich sie doch nicht
-können.«
-
-Nun nahm ihm der Mann die Kuh ab und führte sie selber herum, wobei er
-rief: »Seht, wie jung sie ist, und dabei ist sie im sechsten Monate
-trächtig.«
-
-Im Nu kamen Kauflustige herbei, und bald hatte einer die Kuh um ein
-hübsches Stück Geld erstanden. Der Hodscha nahm das Geld und ging nach
-Hause, ganz verwirrt, als hätte er sich betrunken gehabt.
-
-Unterdessen waren zu ihm einige Frauen auf Brautschau gekommen; er
-hatte nämlich eine mannbare Tochter. Seine Frau sagte es ihm und setzte
-hinzu: »Du bist nicht gerade der gescheiteste, Mann, drum halte dich
-abseits. Ich will die Frauen empfangen und unsere Tochter loben, was
-ich nur kann; vielleicht entschließen sie sich, sie zu nehmen.«
-
-»Gib acht, Weib, was du sagst. Heute habe ich einen neuen Kunstgriff
-gelernt, und da will ich hineingehn; paß nur auf, wie ich es anpacken
-werde, um sie herumzubekommen.« Mit diesen Worten trat er zu den Frauen
-hinein.
-
-»Was willst du da?« schrien sie[73]; »hole uns deine Frau und deine
-Tochter.«
-
-»Meine Frau ist so mit Arbeit überhäuft, daß sie kaum weiß, was für
-Eigenschaften ihre Tochter hat; in unserer Familie sind es übrigens
-wir Männer, die die Gaben und Anlagen eines jeden beobachten und
-beurteilen, und so bin ich bereit, euch über alles genau Auskunft zu
-geben.«
-
-»So zähle uns ein paar Einzelheiten auf, damit wir wissen, woran wir
-sind.«
-
-Der Hodscha sagte: »Sie ist noch sehr jung und seit sechs Monaten
-schwanger; wenn das nicht stimmt, so bringt sie mir zurück.«
-
-Die Frauen sahen eine die andere an und gingen weg.
-
-Nun sagte das Weib des Hodschas: »Warum hast du so einen Unsinn
-gesprochen? damit hast du sie vertrieben.«
-
-»Sei unbesorgt,« antwortete er: »sie können weit und breit herumlaufen,
-ohne daß es ihnen gelänge, ein solches Mädchen zu finden; sie werden
-also wiederkommen. Kein Mensch hätte meine Kuh gekauft, wenn ich sie
-nicht auf diese Weise angepriesen hätte.«
-
-
-58.
-
-Der Hodscha wollte sich seinen Turban umwinden, konnte aber die Enden
-nicht aneinanderbringen; er wickelte ihn auf und wickelte ihn zu, doch
-stets war es umsonst. Voll Ungeduld ging er, um ihn versteigern zu
-lassen.
-
-Als es dazu kam, trat einer näher, der entschlossen schien, ihn zu
-kaufen. Aber der Hodscha machte sich an ihn heran und sagte heimlich zu
-ihm: »Hüte dich wohl, ihn zu kaufen; er ist viel zu kurz.«
-
-
-59.
-
-Dem Hodscha wurde ein Sohn geboren; da kam einer zu ihm, um ihm die
-frohe Nachricht zu überbringen.
-
-Der Hodscha sagte: »Wenn mir ein Sohn geboren worden ist, so muß
-ich sicherlich Gott dafür danken; aber warum sollte ich auch dir
-erkenntlich sein?«
-
-
-60.
-
-Zum Hodscha kam einer, um dessen Esel zu entleihen. »Warte,« sagte der
-Hodscha, »ich will ihn erst einmal befragen; ist es ihm recht, so ist
-die Sache gemacht.«
-
-Er ging ins Haus, blieb einen Augenblick drinnen, kam wieder heraus
-und sagte: »Der Esel ist es nicht zufrieden; er sagt, er würde, wenn
-ich ihn herliehe, über die Ohren geschlagen werden, und mich würde man
-auslachen.«
-
-
-61.
-
-Der Hodscha stieg einmal auf seinen Esel und ritt in seinen Garten.
-Als er nun wegen eines kleinen Bedürfnisses abseits gehn mußte, zog
-er seinen Pelz aus und legte ihn auf den Sattel des Esels. Da kam ein
-Dieb, packte den Pelz und entwich.
-
-Der Hodscha kam zurück und sah, was geschehn war; unverzüglich nahm er
-dem Esel den Sattel ab, um ihn sich selber aufzulegen, gab dem Esel
-einen Peitschenhieb und sagte: »Gib mir meinen Pelz wieder, und ich
-gebe dir deinen Sattel.«
-
-
-62.
-
-Eines Tages ritt er wieder auf seinem Esel aus. Wieder mußte er ein
-Bedürfnis befriedigen und wieder legte er seinen Pelz auf den Esel.
-Ein Mann, der ihn beobachtet hatte, packte den Pelz und wollte damit
-weglaufen. In diesem Augenblicke begann der Esel zu brällen.
-
-»Du magst schreien und brällen,« sagte der Hodscha, »nützen wird es
-nichts.«
-
-Der Dieb aber, der das hörte, legte in der Meinung, der Hodscha habe
-ihn gesehn, eiligst den Pelz wieder hin und entlief.
-
-
-63.
-
-Der Hodscha hatte seinen Esel verloren und er erkundigte sich um ihn.
-Da sagte einer: »Ich habe ihn dort und dort als Kadi gesehn.«
-
-»Das wundert mich gar nicht,« sagte der Hodscha; »denn wann ich
-Unterricht erteilte, spitzte er immer die Ohren dorthin, wo er mich
-sprechen hörte.«
-
-
-64.
-
-Der Hodscha ging ins Gebirge Holz fällen; da begegnete er einem Manne,
-der einen sonderlich lebhaften Esel ritt. Der Mann kam näher und ritt
-an dem Hodscha vorbei. Der rief ihm nach: »Warte ein bißchen; ich muß
-dich um etwas fragen.«
-
-Der Mann hielt an.
-
-Nun sagte der Hodscha: »Wieso läuft denn dein Esel so schnell? Der
-meinige geht nicht vom Flecke. Was wendest du an?«
-
-»Was gibst du mir,« antwortete der andere, »wenn ich dirs mitteile?«
-
-»Einen Bienenstock.«
-
-»In der Stadt gibts jetzt roten Pfeffer. Davon kaufe dir. Hierauf geh
-ins Gebirge, fälle dein Holz, nimm, wann du es dem Esel aufgeladen
-hast, ein wenig von diesem Pfeffer und stecke es ihm in den Hintern.
-Dann paß auf: du wirst sehn, wie schnell er laufen wird.«
-
-Auf der Stelle kehrte der Hodscha um, um unverzüglich in die Stadt zu
-gehn und roten Pfeffer zu kaufen. Dann ging er wieder ins Gebirge,
-fällte Holz, belud den Esel und steckte ihm ein wenig Pfeffer in den
-Hintern. Sofort setzte sich der Esel in Galopp, und zwar so, daß ihm
-der Hodscha nicht folgen konnte.
-
-Er sagte sich: »Das Mittel dieses Menschen ist wahrhaftig gut; wenn ich
-es selber anwendete, sollte ich da nicht auch so feurig werden? Ich
-will es versuchen.«
-
-Mit diesen Worten steckte er sich ein wenig hinein; da verspürte er ein
-derartiges Brennen, daß er zu laufen begann wie das Feuer und den Esel
-überholte. So kam er zu Hause an.
-
-Seine Frau sagte zu ihm: »Was hast du denn?«
-
-»Jetzt ist nicht Zeit zu reden,« antwortete der Hodscha. »Der Esel
-kommt nach; lade ihn ab. Inzwischen will ich noch ein paarmal durchs
-Dorf laufen.«
-
-
-65.
-
-Einmal kam einer zum Hodscha und wollte dessen Esel geliehn haben. Der
-Hodscha antwortete: »Er ist nicht zu Hause.«
-
-Kaum waren diese Worte gesprochen, als man den Esel drinnen brällen
-hörte.
-
-»Aber Effendi,« sagte der Mann, »du sagst, der Esel sei nicht zu Hause,
-und er brällt drinnen.«
-
-»Was?« antwortete der Hodscha, »dem Esel glaubst du, und mir Graubart
-glaubst du nicht? Du bist ein ganz sonderbarer Mensch.«
-
-
-66.
-
-Der Hodscha sagte eines Tages zu seiner Frau: »Woran erkennst du es,
-daß ein Mensch tot ist?«
-
-Sie antwortete: »Daß seine Hände und Füße kalt sind.«
-
-Etliche Tage darauf ging der Hodscha ins Gebirge um Holz; unterm Gehn
-fror ihn an Hand und Fuß. Da schrie er: »Jetzt bin ich tot«; damit
-legte er sich unter einem Baume nieder.
-
-Es kamen Wölfe, und die begannen seinen Esel zu fressen. Nun sagte der
-Hodscha: »Das ist freilich eine hübsche Gelegenheit für euch, wenn der
-Herr des Esels gestorben ist.«
-
-
-67.
-
-Der Hodscha fällte einmal Holz in den Bergen, als sich ein Wolf
-daranmachte, seinen Esel zu zerreißen; und der Hodscha bemerkte das
-nicht eher, als bis der Wolf seine Beute davonschleppte. Nun rief ihm
-einer zu, er solle acht geben, was geschehe.
-
-Aber der Hodscha erwiderte: »Wozu schreist du jetzt? Gefressen hat der
-Wolf, was er wollte; warum soll ich ihn den Berg hinauf abhetzen?«
-
-
-68.
-
-Der Hodscha wollte einmal seinen Esel verkaufen und führte ihn auf den
-Markt; auf dem Wege beschmutzte sich der Esel seinen Schwanz mit Kot.
-Ohne zu zaudern, schnitt er ihm ihn ab und steckte ihn in den Sack. Als
-er dann den Esel zum Kaufe ausbot, kam einer und sagte: »Du, dein Esel
-hat keinen Schwanz, man hat ihn ihm abgeschnitten.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Kauf ihn nur ruhig; der Schwanz ist nicht
-weit.«
-
-
-69.
-
-Der Hodscha kam von einem langen Ritte zurück; sein Esel, der arg
-durstig geworden war, bemerkte ganz in seiner Nähe eine Pfütze, deren
-Ränder aber sehr steil abfielen. Kaum hatte er das Wasser gesehn, so
-sprengte er darauf zu; und er war schon daran, sich hinunterzustürzen,
-als die Frösche, die dort hausten, zu quaken begannen. Erschreckt wich
-der Esel zurück.
-
-Der Hodscha lief hin, packte ihn und schrie: »Schönen Dank, meine
-lieben Sumpfvögel; da habt ihr auch etwas, um euch Kuchen zu kaufen.«
-Und er warf ihnen ein Dreiparastück ins Wasser.
-
-
-70.
-
-Zu der Zeit des Hodschas Nasreddin-Effendi erstanden drei Mönche,
-ausgezeichnet in jeder Wissenschaft, und die reisten durch die Welt.
-Auf dieser Wanderschaft kamen sie auch in das Land des Sultans
-Alaeddin, und der lud sie ein, den Glauben anzunehmen. Sie sagten: »Wir
-haben jeder eine Frage; wenn uns die beantwortet werden, so wollen wir
-euerm Glauben beitreten.« Und darauf einigte man sich.
-
-Sultan Alaeddin versammelte seine Gelehrten und Weisen; aber keiner
-von ihnen war imstande, eine Antwort zu geben. Voll Zorn sagte
-Sultan Alaeddin: »So gibt es denn in meinem Lande keinen Weisen oder
-Gelehrten, der ihnen antworten könnte!«; und er war sehr bekümmert.
-
-Da sagte einer: »Diese Fragen kann niemand sonst beantworten, als der
-Hodscha Nasreddin-Effendi; der kann es vielleicht.«
-
-Alsbald befahl der König, zu Nasreddin-Effendi einen Tataren zu
-schicken. Der beeilte sich, zu dem Hodscha zu gelangen, und meldete
-ihm den Befehl des Padischahs; augenblicklich sattelte Nasreddin
-seinen Esel, nahm seinen Stock als Stütze, stieg auf den Esel, sagte
-dem Tataren: »Reite vor mir«, und eilte geradewegs zum Serail Sultan
-Alaeddins.
-
-Als er vor das Angesicht des Padischahs trat, gab er ihm den Salam und
-empfing ihn wieder, und es wurde ihm ein Platz zum Sitzen gewiesen.
-Nachdem er sich gesetzt hatte, flehte er den Segen auf den Padischah
-herab; dann sagte er: »Was ist dein Wunsch, daß du mich gerufen hast?«
-
-Nun erzählte Sultan Alaeddin, worum es sich handelte, und der Hodscha
-sagte: »Was sind euere Fragen?«
-
-Da trat einer von den Mönchen vor und sagte: »Meine Frage, ehrwürdiger
-Effendi, ist: ›Wo ist der Mittelpunkt der Welt?‹«
-
-Sofort zeigte der Hodscha mit seinem Stocke auf den vordern Huf
-des Esels und sagte: »Hier, wo der Fuß meines Esels steht, ist der
-Mittelpunkt der Welt.«
-
-Der Mönch sagte: »Woher ist das bekannt?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Wenn du es nicht glaubst, so miß es aus;
-sollte es sich anders ergeben, so sprich demgemäß.«
-
-Darauf trat wieder ein Mönch vor und sagte: »Wie viel Sterne sind an
-dem Antlitze des Himmels?«
-
-Der Hodscha antwortete: »So viel, wie Haare auf meinem Esel.«
-
-Der Mönch sagte: »Woraus erhellt das?«
-
-»Wenn du es nicht glaubst, so zähle nach; kommen weniger heraus, dann
-sprich.«
-
-Der Mönch sagte: »Kann man denn die Haare des Esels zählen?«
-
-Der Hodscha sagte: »Kann man denn so viel Sterne zählen?«
-
-Der dritte Mönch trat vor und sagte: »Wenn du mir meine Frage zu
-beantworten verstehst, so wollen wir alle drei gläubig werden.«
-
-Der Hodscha sagte: »Sprich; wir wollen sehn.«
-
-Der Mönch sagte: »Wie viel Haare sind in meinem Barte?«
-
-Der Hodscha antwortete: »So viele wie in dem Schwanze meines Esels.«
-
-Der Mönch erwiderte: »Woher ist das bekannt?«
-
-Der Hodscha sagte: »Wenn du es nicht glaubst, Freund, so zähle nach.«
-
-Der Mönch sagte, mit diesem Vorschlage sei er nicht einverstanden.
-
-Nun sagte der Hodscha: »Wenn du es nicht zufrieden bist, so laß uns
-je ein Haar aus deinem Barte und je eins aus dem Schwanze des Esels
-ausreißen, und wir wollen sehn, was sich ergibt.«
-
-Der Mönch sah, daß das nicht recht anging. Und von Gott, dem
-Allmächtigen, kam ihm die Eingebung und er sagte zu seinen
-Reisegefährten: »Ich bin gläubig geworden.« Und er verkündete die
-Einheit, und auch die andern zwei wurden mit Herz und Seele gläubig.
-Und fortan waren alle dem Hodscha ergeben.
-
-
-71.
-
-Eines Tages wollte der Hodscha dem Bei Tamerlan einen Besuch abstatten.
-Er ging in den Garten und pflückte einen Korb Quitten; damit machte er
-sich auf den Weg. Er begegnete einem Bekannten, und der sagte zu ihm:
-»Wohin gehst du, Hodscha?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Es ist schon lange her, daß ich nicht bei Bei
-Tamerlan war; ich will ihn jetzt besuchen.«
-
-»Und was ist das?«
-
-»Ein Geschenk für den Bei,« sagte der Hodscha.
-
-»Aber Quitten«, fuhr der Mann fort, »sind jetzt nicht das richtige;
-jetzt ist die Zeit der Feigen: bring ihm doch einige recht frische.«
-
-Ohne weitere Worte ging der Hodscha wieder heim, warf die Quitten
-weg und nahm Feigen; freilich merkte er, daß sie noch grün und sauer
-waren. Er ging damit zum Bei und bot sie ihm nach dem Gruße auf einer
-Holzschüssel dar.
-
-Der Bei griff sofort um eine Feige, die ihm gut zu sein schien, und
-führte sie zum Munde; er geriet in Zorn und befahl, die übrigen dem
-Hodscha an den Kopf zu werfen. Eine nach der andern traf den Hodscha
-ins Gesicht, aber er rief bei einer jeden: »Gelobt sei Gott!«
-
-»Hodscha,« sagte der Bei, ihn unterbrechend, »warum diese Danksagungen?
-soll ich sie als eine Verhöhnung auffassen?«
-
-»Meinen Dank sage ich deswegen, weil ich dir habe Quitten bringen
-wollen und mir einer, Gott sei gelobt, den Rat gegeben hat, lieber
-Feigen zu nehmen. Wenn es Quitten gewesen wären, wo wäre ich jetzt?«
-
-
-72.
-
-Ein andres Mal ging der Hodscha wieder zum Bei. Der war eben daran,
-auf die Jagd zu reiten; er nahm den Hodscha mit, ließ ihn aber auf
-eine elende Mähre steigen. Es fiel ein Platzregen, und jeder machte
-sich mit seinem Pferde im Galopp davon; der Hodscha jedoch konnte das
-seinige nicht von der Stelle bringen und mußte zurückbleiben. Ohne zu
-zaudern, zog er seine Kleider aus, brachte sie am Bauche des Pferdes
-ins Trockene und saß wieder auf. Als dann der Regen aufhörte, kleidete
-er sich wieder an und ritt zum Bei. Der verwunderte sich höchlich, ihn
-nicht im mindesten naß zu sehn.
-
-Der Hodscha erklärte es ihm: »Dieses Pferd ist gar wacker; es ist so
-schnell gelaufen, daß ich keine Zeit hatte, naß zu werden.«
-
-Der Bei wies nun dem Pferde den ersten Platz in seinem Stalle an.
-Als er dann wieder einmal auf die Jagd reiten wollte, nahm er den
-ausgezeichneten Renner selber und gab dem Hodscha ein andres Pferd. Es
-fing wieder zu regnen an; jeder eilte davon, um sich ins Trockene zu
-bringen, und der Bei, der auf der Mähre zurückblieb, wurde bis auf die
-Haut durchnäßt. Wütend über die Antwort, die ihm der Hodscha gegeben
-hatte, rief er ihn am nächsten Tage vor sich.
-
-»Hältst du mich für deinesgleichen, daß du mich belogen hast?«
-
-»Warum ärgerst du dich, Bei? Weißt du denn nicht, wie man es macht?
-Hättest du dich, wie ich es getan habe, ausgekleidet und wärest auf dem
-Pferde geblieben, so hättest du, als der Regen aufgehört hat, trockene
-Kleider gehabt.«
-
-
-73.
-
-Eines Tages ließ der Bei den Hodscha zum Dscherid[74] einladen. Nun
-besaß der Hodscha einen prächtigen Ochsen; den sattelte und bestieg er
-und kam also auf den Platz, wo der Dscherid stattfinden sollte. Alle
-lachten, als sie ihn sahen.
-
-»Hodscha,« sagte der Bei, »das ist etwas neues, einen Ochsen reiten!
-Aber laufen kann er nicht.«
-
-Der Hodscha erwiderte: »Ich habe ihn schon schneller laufen sehn als
-ein Pferd; und dabei war er damals erst ein Kalb.«
-
-
-74.
-
-Eines Tages lud Tamerlan den Hodscha Nasreddin zu einem Mahle ein; nach
-dem, was man ihm von ihm erzählt hatte, war er begierig geworden, sich
-seinem Gebete zu empfehlen.
-
-»Tamerlan,« ließ er ihm sagen, »der aus seinem Lande gekommen ist, will
-Nutzen ziehn von deinen Gebeten und Segnungen. Komm zu ihm und du wirst
-die Zeichen seiner Hochachtung empfangen.« Und die Boten fügten bei:
-»Tamerlan wird dich mit Ehren überhäufen.«
-
-Der Hodscha sagte: »Sei es, wie immer es will.« Und er stieg auf seinen
-Esel und sagte zu seinem Amad: »Komm mit zu Timur.«
-
-Der folgte der Aufforderung und so begaben sie sich zu dem
-Tatarenherrscher. Sie trafen ihn sitzend, und er war höflich mit dem
-Hodscha und lud ihn ein, neben ihm niederzusitzen. Bald bemerkte
-Nasreddin, daß Timur, wie er so saß, seine Füße unter ein Kissen
-gesteckt hatte; da tat er ebenso die seinigen darunter. Dadurch fühlte
-sich Timur verletzt, und sein Ärger wuchs, je länger der Hodscha
-seine Füße neben den seinigen hatte. Und er sagte bei sich: »Sieh
-einmal, er will es mir gleichtun, mir, dem Padischah, und ohne sich zu
-entschuldigen!« Und er sagte zum Hodscha: »Was für ein Unterschied ist
-zwischen dir und deinem Esel?«
-
-»Was für ein Unterschied,« erwiderte der Hodscha, »ist zwischen deiner
-Majestät und dem Kissen da?«
-
-Der Zorn Timurs wuchs immerzu; und er hätte vielleicht den Hodscha
-mißhandelt, wenn nicht aufgetragen worden wäre.
-
-Plötzlich nieste Timur mitten unter dem Mahle neben dem Hodscha oder
-besser auf ihn; da sagte der zu ihm: »Das ist unschicklich, Padischah.«
-
-»Bei uns nicht,« antwortete Timur.
-
-Gegen Ende des Mahles ließ der Hodscha einen lauten Furz. »Was du da
-machst,« sagte Timur, »ist das vielleicht nicht unschicklich?«
-
-»Bei uns nicht,« sagte der Hodscha.
-
-Als dann die Speisen weggenommen waren und man den Scherbet getrunken
-hatte, stand der Hodscha auf, um heimzukehren. Und auf dem Wege sagte
-sein Amad zu ihm: »Aber Hodscha, warum hast du dich in der erhabenen
-Gegenwart des fremden Padischahs auf diese Weise betragen und sogar
-einen Furz gelassen?«
-
-»Mach dir keine Sorgen,« antwortete der Hodscha. »Türkisch nennt man es
-ja so; aber in seiner Sprache bedeutet es gar nichts.«
-
-
-75.
-
-Der Hodscha ließ einmal eine Gans braten und brachte sie dem Sultan; da
-er aber auf dem Wege Hunger bekam, riß er ihr einen Fuß aus und aß ihn.
-Dann trat er vor den Padischah und bot ihm die Gans dar.
-
-Timurlenk merkte die Sache und sagte voller Zorn zu sich: »Der Hodscha
-macht sich lustig über mich.« Und er sagte zu ihm: »Wo ist denn der
-andere Fuß?«
-
-»Hierzulande«, antwortete der Hodscha, »haben die Gänse nur ein Bein;
-wenn du mir nicht glaubst, so sieh dort bei dem Brunnen eine ganze
-Herde Gänse.«
-
-Die standen nun wirklich alle nur auf einem Beine. Unverzüglich befahl
-Timur einem Paukenschläger, einen Wirbel zu schlagen. Der nahm die
-Klöppel und schlug zu, und die Gänse stellten sich auf ihre beiden
-Beine. »Schau,« sagte Timur, »jetzt haben sie zwei.«
-
-»Mit den Klöppeln da«, antwortete der Hodscha, »könnte man sogar dich
-dazu bringen, auf allen vieren zu laufen.«
-
-
-76.
-
-Als der Hodscha Kadi war, kamen zwei Leute zu ihm, und der eine sagte:
-»Der da hat mich ins Ohr gebissen.«
-
-»Ich war es nicht,« sagte der andere; »er hat sich selber ins Ohr
-gebissen.«
-
-Der Hodscha sagte: »Entfernt euch auf eine Weile; dann werde ich euch
-meine Entscheidung mitteilen.«
-
-Sie gingen weg und er schloß sich augenblicklich ein und stellte
-allerhand Bemühungen an, sein Ohr zu erreichen und sich zu beißen.
-Seine Versuche endigten damit, daß er auf den Rücken fiel und sich den
-Kopf ein wenig verletzte. Er umwickelte ihn mit einem Stück Tuch und
-setzte sich wieder auf seinen Platz; die beiden Gegner kamen wieder vor
-ihn und nahmen ihren Streit von neuem auf.
-
-Nun sagte der Hodscha: »Wisset, man kann sich nicht nur selber ins Ohr
-beißen, sondern sogar dabei fallen und sich den Kopf verletzen.«
-
-
-77.
-
-Eines Nachts hörte der Hodscha, der im Bette lag, einen Streit vor
-seiner Tür. »Steh auf, Weib,« sagte er, »und mach Licht; ich will
-nachsehn, was es gibt.«
-
-Sie sagte: »Bleib doch.«
-
-Aber ohne auf sie zu hören, nahm er die Bettdecke um und trat hinaus.
-Augenblicklich riß ihm einer von den Streitenden die Decke weg und
-machte sich damit davon. Vor Kälte zitternd kam der Hodscha wieder ins
-Haus und seine Frau sagte: »Worum ging denn der Streit?«
-
-»Um die Bettdecke; als sie sie hatten, war der Zank zu Ende.«
-
-
-78.
-
-Eines Tages sagte die Frau des Hodschas zu ihm: »Trag das Kind ein
-bißchen herum; ich habe zu tun.«
-
-Der Hodscha nahm das Kind auf den Arm, aber es dauerte nicht lange, so
-bepißte es ihn. Augenblicklich tat ihm der Hodscha dasselbe, so daß es
-durch und durch naß wurde. Als dann die Frau zurückkam, fragte sie ihn:
-»Warum hast du das getan?«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Hätte mich ein Fremder bepißt, so hätte
-ich ihm noch etwas ganz andres getan.«
-
-
-79.
-
-Eines Abends hatte die Frau des Hodschas seinen Kaftan gewaschen und
-ihn im Garten aufgehängt. In der Nacht glaubte nun der Hodscha, einen
-Mann zu sehn, der die Arme ausgebreitet habe; da sagte er zu seiner
-Frau: »Bring mir meinen Bogen und meine Pfeile.«
-
-Die Frau brachte ihm das verlangte. Er nahm einen Pfeil und schoß ihn
-durch den Kaftan; dann schloß er die Tür und ging schlafen.
-
-Am Morgen sah er, daß er seinen eigenen Kaftan durchbohrt hatte; »Gott
-sei Dank,« rief er aus, »daß ich nicht drinnen gesteckt habe; da wäre
-ich nun schon lange tot.«
-
-
-80.
-
-Der Hodscha begab sich einmal, von seinen Molla begleitet, in seine
-Schule; da kam ihm der Einfall, sich auf seinen Esel verkehrt zu
-setzen und ihnen also voranzureiten. Und sie sagten: »Warum reitest du
-verkehrt, Hodscha?«
-
-Er antwortete: »Wäre ich wie gewöhnlich aufgesessen, hätte ich euch den
-Rücken gezeigt; hätte ich euch vorangehn lassen, hätte ich euere Rücken
-gesehn: das beste ist wohl so, wie ich es gemacht habe.«
-
-
-81.
-
-Der Hodscha lag einmal in der Nacht im Bette, als er auf dem Dache
-einen Dieb gehn hörte. Da wandte er sich zu seiner Frau und sagte zu
-ihr: »Als ich an einem der letzten Tage ins Haus wollte, habe ich
-ein Gebet gesprochen, die Mondstrahlen gefaßt und mich daran sanft
-heruntergelassen.«
-
-Der Dieb auf dem Dache hörte diese Rede. Alsbald sprach er, wie der
-Hodscha gesagt hatte, ein Gebet und faßte die Mondstrahlen; und er fiel
-in die Hütte hinunter. Der Hodscha stand auf, packte ihn am Kragen und
-rief seiner Frau zu, sie solle ein Licht anzünden.
-
-Nun sagte der Dieb: »Gemach, Effendi; dank deinem Gebete und meinem
-Witze werde ich dir wohl nicht so bald entlaufen können.«
-
-
-82.
-
-Der Hodscha hatte einen alten Ochsen, dessen Hörner so weit voneinander
-abstanden, daß man hätte zwischen ihnen sitzen können; und so oft er
-ihn in der Herde sah, dachte er sich: »Wenn ich nur einmal zwischen
-seinen Hörnern sitzen könnte!«
-
-Eines Tages legte sich nun der Ochs vor dem Hause nieder. Da sagte der
-Hodscha: »Die Gelegenheit ist da«, stieg ihm zwischen die Hörner und
-setzte sich nieder; aber der Ochs sprang auf und warf den Hodscha ab,
-und der blieb bewußtlos liegen. Sein Weib kam und er war noch immer
-bewußtlos; endlich kam er zu sich und er sah, wie sie weinte. Da sagte
-er: »Weine nicht, Weib; ich habe ja viel gelitten, aber ich habe mein
-Begehren gestillt.«
-
-
-83.
-
-Einmal schlich sich ein Dieb in das Haus; augenblicklich machte die
-Frau den Hodscha darauf aufmerksam. Aber der sagte: »Sei still;
-vielleicht läßt ihn Gott etwas finden, und das kann ich ihm dann
-nehmen.«
-
-
-84.
-
-Seine Frau sagte eines Tages zum Hodscha: »Du könntest ein wenig
-weggehn.«
-
-Darauf ging er in die Stadt und kam nicht mehr heim. Es waren schon
-einige Tage vergangen, als er einem seiner Freunde begegnete, und zu
-dem sagte er: »Sei so gut und geh meine Frau fragen, ob das schon genug
-ist, oder ob ich noch weiter weg gehn soll.«
-
-
-85.
-
-Er lag eines Nachts neben seiner Frau, als er plötzlich rief: »Steh
-auf, Weib, und mach Licht; ich will einen Vers niederschreiben, der mir
-eingefallen ist.«
-
-Die Frau stand auf, zündete Licht an und brachte ihm Tintenfaß und
-Kalam. Nachdem er den Vers niedergeschrieben hatte, bat sie ihn, ihn
-ihr vorzulesen.
-
-»Paß auf,« sagte der Hodscha und las: »Zwischen einem grünen Blatte und
-einem schwarzen Huhn ist meine rote Nase.«
-
-
-86.
-
-Der Hodscha war krank und einige Frauen kamen ihn besuchen; eine von
-ihnen sagte zu ihm: »Wenn du sterben solltest, wie möchtest du beweint
-werden?«
-
-»So weit sind wir noch nicht,« antwortete er.
-
-»Aber schließlich,« sagte eine andere, »wenn das Unglück doch einträfe,
-wie wäre es dir denn am liebsten, daß du beklagt würdest?«
-
-Nun antwortete er: »Man soll mich also beklagen als einen Mann, der von
-den Weibern nie um etwas andres, als um albernes Zeug, gefragt worden
-ist.«
-
-
-87.
-
-Sooft der Hodscha eine Leber nach Hause brachte, zeigte sich seine Frau
-damit sehr zufrieden; wann es aber dann zum Nachtessen ging, setzte
-sie ihm eine Schüssel gekneteten Teigs vor. Da sagte er einmal zu ihr:
-»Sag, Weib, ich bringe dir alltäglich eine Leber; wohin kommt die?«
-
-Sie antwortete: »Die Katze stiehlt alles.«
-
-Kurz darauf wollte der Hodscha weggehn, und da verschloß er seine Axt
-in einer Truhe. Seine Frau sagte: »Was soll das?«
-
-Er antwortete: »Ich tue es wegen der Katze.«
-
-»Was hat die Katze mit der Axt zu schaffen?«
-
-»Ja, wenn schon um zwei Asper Leber vor ihr nicht sicher ist, wie dann
-erst eine Axt um vierzig Asper?«
-
-
-88.
-
-Die Frau des Hodscha wollte eines Tages ins Bad gehn. Nun besaß er
-nicht mehr als einen einzigen Asper, den er vor seiner Frau versteckt
-hatte. Und da sagte er zu ihr: »Warte doch noch eine Weile; ich fühle
-mich gar nicht wohl und werde bald sterben.« Und mit einem Blicke in
-den Winkel, wo der Asper lag: »Dort liegt dann mein ganzes Geld.«
-
-
-89.
-
-Der Hodscha und seine Frau wollten einmal in einem Teiche ihre Wäsche
-waschen; sie waren gerade dabei, sie zu befeuchten und einzuseifen,
-als ein Rabe dahergeflogen kam, die Seife packte und wegflog. Die Frau
-rief: »Mann, komm, ein Rabe hat uns die Seife genommen.«
-
-Aber der Hodscha sagte: »Schweig, Weib, das macht nichts, laß ihn sich
-doch waschen; er hat die Seife wahrlich nötiger als wir.«
-
-
-90.
-
-Der Hodscha und seine Frau machten einmal miteinander aus, daß sie ihre
-eheliche Pflicht alle Freitage erfüllen wollten; als sie nun darüber
-einig waren, sagte der Hodscha: »Aber wie werde ich mich denn bei
-meinen Geschäften daran erinnern?«
-
-Die Frau antwortete: »Ich werde dir allwöchentlich deinen Turban auf
-den großen Schrank legen; dann weißt du, daß es Freitag ist.«
-
-Eines Tages, es war aber kein Freitag, gelüstete es die Frau;
-augenblicklich legte sie den Turban auf den Schrank. »Aber,« schrie der
-Hodscha, »heute ist doch nicht Freitag!«
-
-»Freilich ist heute Freitag,« antwortete die Frau.
-
-Da sagte der Hodscha: »Das geht nicht so weiter; entweder wartet der
-Freitag auf mich, oder ich auf den Freitag.«
-
-
-91.
-
-Eines Tages ging die Frau des Hodschas mit der eines Nachbars zum
-Bache, um Unterkleider zu waschen, und dorthin kam auch der Ajan[75],
-der eben spazieren ging. Er trat näher zu den Frauen heran und sah sie
-an. Da sagte die Frau des Hodschas: »Was schaust du?«
-
-Der Ajan antwortete: »Nach der Frau dessen, den man den Hodscha nennt.«
-
-Am nächsten Tage ging er zu Nasreddin und fragte ihn: »Ist dieunddie
-Frau bei dir?«
-
-»Ja.«
-
-»Bringe sie mir her.«
-
-»Wozu?«
-
-»Ich habe eine Bitte, die ich besser ihr sage als dir.«
-
-»Bitte nur einmal mich,« versetzte der Hodscha; »dann werde ich sie
-bitten.«
-
-
-92.
-
-Man zeigte einmal dem Sohne des Hodschas einen Eierapfel und fragte
-ihn: »Was ist das?«
-
-Der Knabe antwortete: »Das ist ein Kalb, das die Augen noch nicht offen
-hat.«
-
-»Seht nur,« schrie der Hodscha, »das hat er von sich selber; ich habe
-es ihn nicht gelehrt.«
-
-
-93.
-
-Eines Tages kam ein Wagen, der nach Siwri-Hissar fuhr, beim Hause des
-Hodschas vorüber; sofort entschlossen, mitzufahren, lief er nackt
-heraus und dem Wagen nach, stieg auf und fuhr mit. Als sie in die Nähe
-Siwri-Hissars kamen, ließen die Mitfahrenden der ganzen Stadt die
-Ankunft des Hodschas verkünden. Die Einwohner kamen ihm entgegen; und
-als sie ihn nackt sahen, fragten sie ihn um den Grund.
-
-Er sagte: »Ich liebe euch so, daß ich vor lauter Sehnsucht, euch zu
-sehn, vergessen habe, mich anzukleiden.«
-
-94.
-
-Dem Hodscha stieß es zu, daß er grindig wurde. Er ließ sich scheren und
-gab dem Barbier einen Asper.
-
-In der nächsten Woche ließ er sich wieder scheren; als ihm dann der
-Barbier einen Spiegel reichte, sagte er: »Mein Kopf ist doch zur Hälfte
-grindig; könntest du dich nicht mit einem Asper für zweimal scheren
-begnügen?«
-
-
-95.
-
-Eines Tages ging der Hodscha mit einigen Leuten fischen; sie warfen das
-Netz aus, und augenblicklich sprang der Hodscha hinein. Da sagten sie:
-»Hodscha-Effendi, was hast du getan?«
-
-Der Hodscha sagte: »Ich dachte, ich müsse den Fisch machen.«
-
-
-96.
-
-Die Knaben in der Nachbarschaft sagten eines Tages untereinander:
-»Kommt, wir wollen machen, daß der Hodscha auf einen Baum steigt, und
-dann stehlen wir ihm die Schuhe.« Sie stellten sich also unter einen
-Baum und schrien: »Auf diesen Baum kann niemand steigen.«
-
-Der Hodscha kam dazu und sagte: »Ich steige hinauf.«
-
-Sie antworteten: »Du kannst es nicht.«
-
-Der Hodscha steckte die Zipfel seines Gewandes in den Gürtel und seine
-Schuhe in den Sack und begann hinaufzuklettern.
-
-Da sagten die Kinder: »Wozu nimmst du denn die Schuhe mit?«
-
-Und er antwortete: »Vielleicht zweigt weiter oben ein Weg ab, der näher
-zu mir nach Hause ist; da will ich sie dann bei der Hand haben.«
-
-
-97.
-
-Eines Tages kam ein Bauer zum Hodscha und brachte ihm einen Hasen; der
-Hodscha behielt ihn über Nacht bei sich. Etwa vierzehn Tage später
-kamen mehrere Leute und baten den Hodscha um Gastfreundschaft; sie
-sagten: »Wir sind die Nachbarn des Mannes, der dir vorige Woche einen
-Hasen gebracht hat.«
-
-Der Hodscha beherbergte sie gleichfalls, aber nicht ohne Widerstreben.
-Kaum waren einige Tage vergangen, als wieder Leute kamen und sich als
-Gäste anmeldeten; sie sagten: »Wir sind die Nachbarn der Nachbarn des
-Mannes, der dir einen Hasen gebracht hat.«
-
-Der Hodscha nahm sie auf. Am Abende goß er ein wenig Wasser in eine
-Schüssel und setzte es ihnen vor; und mit den Worten: »Laßt es euch
-belieben« lud er sie ein, mit dem Mahle zu beginnen.
-
-Sie aber sagten: »Was ist das, Hodscha? Das ist ja nichts zu essen; das
-ist doch klares Wasser.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Das ist die Tunke der Tunke des Hasen.«
-
-
-98.
-
-Der Hodscha sah einmal eine Schildkröte. Er sagte sich: »Das Tier gäbe
-einen guten Träger«; damit packte er sie und hing sich an ihren Rücken.
-Die Schildkröte bemühte sich, ihn von ihrem Rücken herunterzubekommen.
-
-Er aber sagte: »Rühre dich, rühre dich nur; so wirst du dich daran
-gewöhnen, deine Last zu tragen.«
-
-Das ist ein Sprichwort geworden und ist weit und breit bekannt.
-
-
-99.
-
-Der Hodscha machte einmal Hochzeit und ließ dazu Einladungen ergehn.
-Seine Nachbarn kamen und setzten sich zu Tisch, vergaßen aber, auch den
-Hodscha zu rufen. Geärgert darüber, schrie er sie an: »Nun, seid ihr
-noch nicht bald fertig?«
-
-Als sie weggingen, suchten sie ihn lange vergeblich; sie folgten seiner
-Fußspur und fanden ihn endlich. Da sagten sie zu ihm: »Wo bleibst du?
-Komm doch endlich!«
-
-Aber der Hodscha sagte: »Wer gegessen hat, mag auch mit der Braut zu
-Bette gehn.«
-
-
-100.
-
-Der Hodscha unternahm einmal mit einer Karawane eine Reise in die
-Stadt; als halt gemacht wurde, banden alle ihre Pferde an. Am nächsten
-Morgen war nun der Hodscha außerstande, sein Pferd unter den andern
-herauszufinden. Alsbald nahm er Bogen und Pfeil und schrie: »Leute, ich
-habe mein Pferd verloren.«
-
-Alle lachten und jeder nahm sein Pferd, und das eine, das so übrig
-blieb, erkannte der Hodscha leicht als das seinige. Er nahm den Bügel,
-setzte den rechten Fuß hinein und schwang sich in den Sattel; da saß
-er nun verkehrt, mit dem Gesichte zum Hinterteil des Pferdes. Und die
-andern schrien: »Aber Hodscha, warum steigst du verkehrt auf?«
-
-Er antwortete: »Ich bin nicht verkehrt aufgestiegen; aber das Pferd
-scheint linkshändig zu sein.«
-
-
-101.
-
-Der Hodscha hatte unter seinen Schülern einen Neger. Eines Tages goß
-nun der Hodscha das Tintenfaß über seine Kleider und ging so zur
-Schule; dort fragte man ihn: »Was hast du denn gemacht?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich habe mich verspätet, und da haben wir uns
-sehr beeilt, der arme Teufel von Neger und ich; er hat geschwitzt, und
-was ihr hier seht, ist sein Schweiß.«
-
-
-102.
-
-Eines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel und sagte: »Höret,
-Muselmanen, ich will euch einen Rat geben; wenn ihr Kinder bekommt, so
-gebt ihnen ja nicht den Namen Ejub[76].«
-
-Man fragte ihn, warum, und er sagte: »Weil die Leute immer Ejb[77]
-sagen.«
-
-
-103.
-
-Als der Hodscha einmal seine Waschung vornahm, reichte das Wasser nicht
-aus. Er fing zu beten an, stand aber dabei nur auf einem Beine, wie
-es die Gänse tun. Man fragte ihn: »Was tust du?« und er antwortete:
-»Dieses Bein hat keine Waschung bekommen.«
-
-
-104.
-
-Eines Tages kam einer zum Hodscha, um bei ihm zu übernachten. Als es
-dunkel wurde, legte sich der Hodscha nieder, und einen Augenblick
-später löschte er das Licht aus. Da sagte der Fremde: »Das erloschene
-Licht steht rechts von dir; gib es mir her, damit ich es anzünde.«
-
-»Bist du verrückt?« antwortete der Hodscha; »wie soll ich denn in der
-Finsternis wissen, wo rechts ist?«
-
-
-105.
-
-Der Hodscha wurde einmal gefragt: »Unter welchem Sternbild bist du denn
-geboren?«
-
-»Unter den Böcken.«
-
-»Aber Hodscha, das gibt es ja gar nicht.«
-
-»Als ich noch klein war, hat mir meine Mutter gesagt, ich sei unter den
-Zicklein geboren.«
-
-»Nun, Zicklein sind doch keine Böcke.«
-
-»Dummköpfe, die ihr seid! Seither sind doch wohl vierzig oder fünfzig
-Jahre vergangen; sind da die Zicklein vielleicht nicht zu Böcken
-geworden?«
-
-
-106.
-
-In der Zeit, wo der Hodscha Hatib[78] war, hatte er einen Streit mit
-dem Unterbaschi[79], und der starb, bevor sie sich versöhnt gehabt
-hätten. Als er nun begraben werden sollte, gingen die Leute zum Hodscha
-und sagten zu ihm: »Komm ihm, Effendi, die Anweisung erteilen[80].«
-
-Aber der Hodscha antwortete: »Das hat wenig Sinn; wer auf mich böse
-ist, achtet nicht auf meine Reden.«
-
-
-107.
-
-Es saßen zweie ihren Häusern gegenüber in einer Bude und plauderten
-miteinander; ihre Häuser stießen aneinander. Da kam ein Hund und machte
-seinen Kot mitten in die Straße vor ihren Häusern. Der eine sagte: »Das
-ist auf deiner Seite.« Der andere sagte: »Es ist näher bei dir; du
-mußt es wegputzen.«
-
-Der Streit wurde hitzig und sie gingen aufs Gericht; kaum waren sie
-dort, so kam auch der Hodscha hin, der den Kadi besuchen wollte. Und
-der Kadi sagte spöttisch zu ihm: »Hodscha, beschäftige du dich mit dem
-Streitfalle dieser Leute.«
-
-Der Hodscha fragte sie: »Ist euere Straße eine Heerstraße?«
-
-Der eine antwortete: »Freilich ja.«
-
-»Dann«, sagte der Hodscha, »lautet mein Spruch, daß es weder an dir,
-noch an dir ist, den Kot wegzuputzen; das ist Sache des Kadis.«
-
-
-108.
-
-Eines Tages lief das Kalb des Hodschas brüllend bald hierhin, bald
-dorthin. Alsbald packte der Hodscha seinen Stock und schlug auf die Kuh
-los. Da sagten die Leute zu ihm: »Was hat denn die Kuh angestellt, daß
-du sie schlägst?«
-
-»An allem ist sie schuld,« antwortete der Hodscha; »wüßte denn das
-Kalb, das erst jüngst zur Welt gekommen ist, überhaupt etwas, wenn sie
-es nicht unterwiesen hätte?«
-
-
-109.
-
-Der Hodscha traf einmal, als er nach Derbend[81] ging, einen Schäfer;
-der fragte ihn: »Bist du ein Gesetzeskundiger?«
-
-»Jawohl.«
-
-»Nun denn, paß auf: allen deinesgleichen habe ich eine Frage
-vorgelegt; aber warte einen Augenblick, damit wir einig werden: wenn
-du mir antworten kannst, so rede ich, wenn nicht, so sprechen wir gar
-nicht davon.«
-
-Der Hodscha sagte: »Was ist deine Frage?«
-
-»Also: anfangs ist der Mond klein; vierzehn Tage später wird er so groß
-wie ein Wagenrad, dann stirbt und verschwindet er. Hierauf kommt ein
-neuer und mit dem geht es ebenso. Was geschieht denn nun eigentlich mit
-den alten?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Das ist freilich eine schwierige Sache. Die
-alten Monde werden zerbrochen und man macht Blitze daraus: hast du noch
-nicht gesehn, wie sie, wann es donnert, zucken, ähnlich wie Schwerter?«
-
-Der Schäfer anwortete: »Ausgezeichnet; du bist ein wahrer Weiser. Ich
-bin ganz und gar deiner Meinung.«
-
-
-110.
-
-Als er einmal allein zu Hause war, grub der Hodscha ein Loch und
-verscharrte dort die kleine Summe Geldes, die sein Vermögen ausmachte.
-Dann ging er zur Tür, und dort sagte er sich: »Ich kenne den Platz;
-ich könnte mich daher selber bestehlen.« Er nahm also sein Geld wieder
-heraus und vergrub es an einer andern Stelle. Aber auch damit beruhigte
-er sich nicht; er kam und ging und sagte immerfort: »Das ist auch noch
-nicht das richtige.«
-
-Nun war gegenüber von seinem Hause ein Hügel. Er ging in seinen Garten,
-schnitt sich dort eine Stange, tat sein Geld in ein Säckchen, band das
-oben an die Stange und pflanzte sie auf den Hügel. Dann stellte er sich
-unten hin, sah hinauf und sagte: »Die Menschen sind keine Vögel; dort
-oben kann es niemand erreichen: ich habe einen guten Ort gefunden.«
-
-Aber ein schlechter Kerl hatte ihn beobachtet. Kaum hatte sich der
-Hodscha entfernt, so stieg der Kerl auf den Hügel, nahm das Säckchen
-von der Stange, beschmierte sie mit Kuhmist, pflanzte sie wieder auf
-und suchte das Weite.
-
-Bald darauf brauchte der Hodscha Geld und lief zu seiner Stange; da sah
-er, daß das Geld weg war, während Spuren von Kuhmist über die Stange
-liefen. Und er schrie: »Ich habe gesagt, kein Mensch könne es dort oben
-erreichen, und jetzt ist eine Kuh hinaufgestiegen! Es ist wahrhaftig
-ein Wunder!« Und er sprach seinem Gelde das Totengebet: »Gottes
-Barmherzigkeit sei mit dir!«
-
-
-111.
-
-Der Hodscha begegnete eines Tages auf seinem Heimwege einigen
-Taleb[82], und zu denen sagte er: »Meine Herren, kommt zu mir essen,
-was es gerade gibt.«
-
-Die Taleb sagten: »Recht gern,« und gingen mit dem Hodscha. Bei seinem
-Hause angelangt, lud er sie höflich ein, einzutreten; er ging in seinen
-Harem und sagte zu seiner Frau: »Weib, ich habe Gäste mitgebracht; gib
-uns Suppe.«
-
-Sie antwortete: »Hast du etwas eingekauft und mitgebracht, daß du Suppe
-verlangst?«
-
-Nun sagte er: »Gib mir also wenigstens die Suppenschüssel.«
-
-Er nahm sie, ging damit zu seinen Gästen und sagte zu ihnen:
-»Entschuldigt mich, meine Herren, aber wenn wir Butter und Reis gehabt
-hätten, so hätte ich euch eine solche Schüssel voll Suppe vorgesetzt.«
-
-
-112.
-
-Der Hodscha hatte einmal mit seiner Frau einen Streit; er ließ sie
-stehn und ging sich im Keller verstecken. Ein paar Tage später kam eine
-Sklavin des Hauses in den Keller und fand dort ihren Herrn.
-
-Sie fragte ihn: »Was machst du da, Effendi?«
-
-Und der Hodscha antwortete traurig: »Ich bin in die Verbannung gegangen
-und habe mich, um nicht mehr gequält zu werden, entschlossen, nie mehr
-in die Heimat zurückzukehren.«
-
-
-113.
-
-Eines Tages saß der Hodscha ruhig zu Hause; da hörte er einen an die
-Tür pochen. Er rief: »Was willst du?«
-
-Der an der Tür, ein Bettler, sagte: »Komm herunter.«
-
-Alsbald stieg der Hodscha herab und fragte ihn, was er wolle.
-
-Der Bettler antwortete: »Ich bitte dich um ein Almosen.«
-
-Der Hodscha sagte: »Komm mit mir herauf.« Und als der Bettler mit ihm
-hinaufgestiegen war, sagte er zu ihm: »Ich habe kein Geld.«
-
-Da sagte der Bettler: »Aber Effendi, warum hast du mir den Bescheid
-nicht unten gegeben?«
-
-»Und du,« versetzte der Hodscha, »warum hast du durchaus haben wollen,
-daß ich herunterkomme?«
-
-
-114.
-
-Die Frau des Hodschas war in den Wehen; schon saß sie seit einem oder
-zwei Tagen auf dem Gebärstuhl, ohne entbinden zu können. Da riefen die
-Weiber zum Hodscha hinaus: »Effendi, weißt du kein Gebet, damit das
-Kind herauskommt?«
-
-Eiligst lief der Hodscha zum Krämer und kaufte Nüsse; damit ging er
-heim und sagte: »Laßt mich hinein.« Und er schüttete die Nüsse vor dem
-Stuhle aus und sagte: »So; das Kind wird sie sehn und herauskommen, um
-damit zu spielen.«
-
-
-115.
-
-Dem Hodscha wollte einmal seine Frau einen Possen spielen und brachte
-die Suppe zu heiß auf den Tisch. Zufällig vergaß sie es aber und nahm
-selber einen Löffel davon und verbrannte sich den Schlund, so daß ihr
-die Tränen in die Augen kamen.
-
-Der Hodscha sagte: »Was hast du Weib? ist die Suppe vielleicht zu heiß?«
-
-»Ach nein, Effendi,« erwiderte sie, »aber mein verstorbener Vater hat
-so gern Suppe gegessen, und das ist mir eben eingefallen; und da habe
-ich weinen müssen.«
-
-Der Hodscha, der ihr glaubte, nahm einen Löffel Suppe; er verbrannte
-sich den Schlund und begann zu weinen. Und seine Frau sagte: »Was hast
-du denn?«
-
-Er antwortete: »Ich bin bekümmert, daß deine verfluchte Mutter dich
-nicht mitgenommen hat, als sie gestorben ist.«
-
-
-116.
-
-Die Frau des Hodschas ging einmal eine Predigt hören. Als sie nach
-Hause kam, fragte er sie, was der Prediger gesagt habe, und sie
-antwortete: »Wenn einer seine eheliche Pflicht mit der Gattin erfüllt,
-so baut ihm der Allerhöchste einen Kiosk im Paradiese; und das tut er
-allen.«
-
-Augenblicklich sagte der Hodscha: »Komm, wir wollen uns einen Kiosk im
-Paradiese bauen.«
-
-Sie taten sich zusammen; aber einen Augenblick später sagte die Frau
-zu ihm: »Für dich hast du jetzt einen Kiosk gebaut; jetzt bau auch mir
-einen.«
-
-Der Hodscha sagte: »Dir ist das freilich leicht; aber sei nur ruhig.
-Du möchtest dann nacheinander Kioske für jedes einzelne aus deiner
-Familie, und schließlich müßte das den Baumeister verdrießen; laß es
-gehn: für uns beide tut es auch einer.«
-
-
-117.
-
-Der Hodscha begegnete eines Tages etlichen Softa und sagte zu ihnen:
-»Wenn es euch beliebt, so kommt zu mir.« Bei seinem Hause angekommen,
-bat er sie, einen Augenblick zu warten, während er hineingehe. Drinnen
-sagte er zu seinem Weibe: »Ich bitte dich, schaffe mir diese Leute vom
-Halse.«
-
-Sie ging hinaus und sagte: »Der Hodscha ist noch nicht heimgekommen.«
-
-Die Softa antworteten: »Er ist heimgekommen.«
-
-Daraus entspann sich ein Streit. Endlich steckte der Hodscha, der von
-oben zuhörte, den Kopf zum Fenster hinaus und sagte: »Wie könnt ihr
-denn streiten? Vielleicht hat das Haus zwei Türen, so daß er wieder
-weggegangen ist.«
-
-
-118.
-
-Dem Hodscha wurde ein Sohn geboren und man sagte ihm: »Zerschneide du
-selber die Nabelschnur; deine Hand bringt Glück.«
-
-Der Hodscha sagte: »Gern«; er zog an der Nabelschnur und riß alles aus,
-so daß ein Loch blieb.
-
-Die Leute schrien: »Aber Effendi, was tust du?«
-
-Er antwortete: »Wenn er anderswo kein Loch hat, so hat er jetzt
-wenigstens das da!«
-
-
-119.
-
-Sein Sohn sagte einmal zum Hodscha: »Ich weiß noch, Vater, wie du auf
-die Welt gekommen bist.«
-
-Geärgert sagte die Mutter: »Was redest du da zusammen?«
-
-Aber der Hodscha sagte: »Du bist nicht recht bei Trost, Frau; warum
-soll denn das der Knabe, der doch so gescheit ist, nicht wissen?«
-
-
-120.
-
-Einmal hatte sich der Kadi von Siwri-Hissar in der Trunkenheit in einem
-Weingarten schlafen gelegt. An demselben Tage ging der Hodscha mit
-seinem Amad spazieren und sie kamen auch zu diesem Weingarten. Als der
-Hodscha den betrunkenen Kadi sah, nahm er ihm den Mantel und zog ihn
-selber an; dann ging er.
-
-Bei seinem Erwachen sah der Kadi, daß sein Mantel verschwunden war.
-Er ging zurück und übergab die Sache den Schergen des Gerichtes. Die
-bemerkten den Mantel auf dem Rücken des Hodschas; sofort griffen sie
-den Hodscha und führten ihn vor den Kadi.
-
-»He, Hodscha,« sagte der Kadi, »woher hast du denn den Mantel da?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich bin mit meinem Amad spazieren gegangen;
-auf einmal hat er einen betrunkenen Würdenträger der Länge nach
-daliegen sehn mit unbedecktem Hintern. Mein Amad büßte zweimal seine
-Lust an ihm; dann nahm ich ihm den Mantel da und zog ihn an. Ist es der
-deine, so nimm ihn.«
-
-»Geh nur,« schrie der Kadi, »es ist nicht der meinige.«
-
-
-121.
-
-Eines Tages streckte sich der Hodscha an dem Ufer eines Flusses hin, um
-zu schlafen; er tat aber dabei, als ob er tot wäre. Da kam einer vorbei
-und der fragte ihn: »Weißt du vielleicht, wo hier eine Furt ist?«
-
-»Als ich noch lebendig gewesen bin,« antwortete der Hodscha, »bin ich
-immer dort durchgegangen; jetzt brauche ich mich nicht mehr um die
-Gelegenheit zu kümmern.«
-
-
-122.
-
-Der Hodscha ließ sich eines Tages von einem ungeschickten Barbier
-rasieren, der ihn bei jeder Bewegung des Messers in den Kopf schnitt
-und ihm dann immer Baumwolle auflegte.
-
-»Freund,« sagte der Hodscha zu ihm, »wenn du mir auf dem halben Kopfe
-Baumwolle anbaust, so will ich auf der andern Hälfte Flachs säen.«
-
-
-123.
-
-Eines Tages wurde der Hodscha als Zeuge geführt. Als sie ihn zum Kadi
-brachten, richtete der das Wort an den Hodscha und sagte: »Der Streit
-geht um Korn.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Die Sache, die ich bezeugen soll, dreht sich
-um Gerste.«
-
-Seine Gesellen aber sagten: »Es ist aber Korn.«
-
-»Dummköpfe, die ihr seid,« schrie nun der Hodscha; »wenn schon
-gelogen sein muß, was verschlägt es, ob es über Gerste oder über Korn
-geschieht?«
-
-
-124.
-
-Der Hodscha ging eines Tages zum Brunnen, um Wasser zu schöpfen; da sah
-er drinnen das Spiegelbild des Mondes, als ob der hineingefallen wäre,
-und sagte: »Man muß ihn augenblicklich herausziehen.« Er nahm einen
-Strick, woran ein Haken befestigt war, und ließ ihn in den Brunnen
-hinunter.
-
-Der Haken fing sich an einem Steine und der Strick riß, so daß der
-Hodscha auf den Rücken fiel; da sah er nun den Mond am Himmel. »Gott
-sei gelobt und gepriesen,« rief er aus; »ich habe mir ja wehgetan, aber
-wenigstens ist der Mond wieder an Ort und Stelle.«
-
-
-125.
-
-Eines Tages stieg der Hodscha in einem fremden Garten auf einen
-Aprikosenbaum, und der Eigentümer kam dazu; der sagte: »Was machst du
-da?«
-
-»Siehst du denn nicht,« antwortete der Hodscha, »daß ich eine
-Nachtigall bin? Ich singe.«
-
-»Gut,« sagte der andere, »singe also; ich will dir zuhören.«
-
-Der Hodscha begann zu singen, und der Gartenbesitzer sagte unter
-schallendem Gelächter: »Ein nettes Gezwitscher.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Eine ungelernte Nachtigall singt nicht
-anders.«
-
-
-
-
-2. Aus Manuskripten verschiedenen Alters
-
-
-126.
-
-Dem Hodscha entlief einmal ein Sklave; trotz emsigen Nachforschungen
-konnte der Hodscha keine Spur von ihm entdecken und kam heim, ohne daß
-ihm noch eine Hoffnung, ihn zu finden, geblieben wäre. Und seine Frau
-fragte ihn: »Hodscha, wohin ist denn der Sklave gegangen?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Es ist einerlei, wo er ist und wohin
-er fliehen wird: mein Sklave bleibt er doch; wäre er aber nicht
-weggelaufen, so hätte ich ihn freigelassen. Schaden hat er sich nur
-selber getan.«
-
-
-127.
-
-Der Hodscha stand eines Tages an dem Fuße des Minarets einer heiligen
-Moschee, und man fragte ihn: »Was ist das?«
-
-Nun betrachtete der Hodscha das Minaret aufmerksam und sagte: »Früher
-war es ein Brunnen; jetzt hat man ihn geräumt, um ihn auszutrocknen,
-und hat ihn dann aufgestellt.«
-
-So berichten es die Nachbarn.
-
-
-128.
-
-Dem Hodscha wurde einmal ein gesalzener Käse gestohlen; augenblicklich
-lief er zum Quellbrunnen. Man fragte ihn: »Was suchst du denn hier in
-solcher Hast?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Hierher kommt man allemal, sobald man
-gesalzenen Käse gegessen hat; ich tue es selber. So wird auch mein
-Dieb, wann er ihn gegessen hat, nicht verfehlen, ungesäumt herzukommen.«
-
-
-129.
-
-Ein andermal legte man dem Hodscha Nasreddin-Effendi eine Frage über
-den Aprikosenbaum vor; »Was ist das für ein Baum?« fragte man ihn.
-
-»Ursprünglich«, antwortete der Hodscha, »trug er Eier; dann hat ihn der
-Hagel hart getroffen und das weiße heruntergeschlagen, so daß das gelbe
-bloß geblieben ist, wie ihr es jetzt seht.«
-
-
-130.
-
-Der Hodscha Nasreddin spielte gut Schach und gab gelegentlich gern den
-Spielern Ratschläge; einmal aber ärgerte er sich und schwur, seine Frau
-zu verstoßen, wenn er sich wieder mit seinen Ratschlägen einmengen
-werde. Ein paar Tage darauf kam er auf seinem Spaziergange an einen
-Ort, wo gerade ein Spiel im Gange war; er trat näher und sah zu, und
-nun bemerkte er, daß der eine Spieler hätte anders ziehen sollen, als
-er getan hatte. Da riß ihm auch schon die Geduld und er sagte: »Aber
-Mensch, stell doch deine Königin auf das nächste Feld, und du gibst ein
-Matt.«
-
-Da sagten die Leute dort: »Wieso getraust du dich zu reden, Hodscha?
-hast du nicht geschworen, deine Frau zu verstoßen, wenn dir das
-geschehn sollte?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Es war nur im Scherze, daß ich dreingeredet
-habe; geheiratet habe ich übrigens auch nicht anders.«
-
-
-131.
-
-Eines Tages saß der Hodscha unter einer großen Pappel, und man fragte
-ihn: »Was für ein Baum ist das?«
-
-Der Hodscha sah in die Höhe und sagte: »Wie schön der Baum ist!«
-
-In demselben Augenblicke ließ ein Rabe, der oben saß, seinen Kot auf
-den Hodscha fallen; der sah nach und fand, daß es etwas weißes war.
-Nun nahm er das Gespräch wieder auf und sagte: »Ihr wißt also nicht,
-was für ein Baum das ist?«
-
-Die andern sagten: »Nein.«
-
-Und er sagte: »Also seht mich an: es ist ein Quarkbaum.«
-
-
-132.
-
-Dem Hodscha wurde einmal die Frage vorgelegt: »Ist es wahr, daß die
-Weihe ein Jahr ein Männchen und das nächste Jahr ein Weibchen ist?«
-
-»Meine lieben Freunde,« antwortete er, »da müßt ihr einen fragen, der
-zwei Jahre lang eine Weihe gewesen ist.«
-
-
-133.
-
-Der Hodscha wurde gefragt: »Welche Musik ist dir am liebsten?«
-
-Er antwortete: »Die der Teller und Schüsseln.«
-
-
-134.
-
-Die Überlieferung berichtet, daß der Hodscha tief gelehrt war in allen
-Wissenschaften, und daß sich daher viele Leute von ihm unterrichten
-ließen. Allwege aber war seine Gewohnheit, die, die im Koran lesen zu
-lernen verlangten, das zu lehren; aber er weigerte sich, jemand in
-einem andern Buche lesen zu lehren.
-
-Die Schüler richteten sich nach seiner Weise und verlangten nur im
-Koran zu lesen. Wann sie dann einmal wußten, wie man liest, konnten
-sie, wenn sie wollten, gleichgültig in welchem Buche lesen. Diese Art
-der Unterweisung war wahrhaftig die gute.
-
-
-135.
-
-Man erzählt, daß der Hodscha einmal einen Schuldner hatte. Als er ihm
-eines Tages begegnete, hielt er ihn an und packte ihn am Kragen, indem
-er zu ihm sagte: »Gib mir mein Geld.«
-
-In diesem Augenblicke kam einer dazu, und der wollte ihn, um den
-Schuldner zu befreien, übertölpeln und sagte: »Das ist ja gar nicht
-der, der dir schuldig ist; das bin ja ich.«
-
-Aber der Hodscha drehte dieses Bekenntnis sofort zu seinem Vorteile und
-sagte zu dem Ankömmling: »Du bist nicht der einzige, von dem ich etwas
-zu fordern habe; der da ist mir auch schuldig.«
-
-
-136.
-
-Man erzählt, daß eines Tages ein Mann zum Hodscha gekommen ist und zu
-ihm gesagt hat: »Hodscha, mein Auge schmerzt mich fürchterlich; was
-soll ich denn tun?«
-
-»Reiß es dir aus,« antwortete der Hodscha, »und du wirst Ruhe haben.«
-
-»Aber Hodscha, ein Auge nimmt man sich doch nicht heraus.«
-
-»Ich schwöre dir,« antwortete der Hodscha, »neulich hat mir ein Zahn
-wehgetan, und ich habe nicht früher Ruhe gehabt, als bis er ausgerissen
-war.«
-
-
-137.
-
-Der Hodscha hatte einmal eine solche Menge Flöhe im Hause, daß er es
-endlich nicht mehr aushielt und das Feld räumte. Bald darauf sah er
-sein Haus von einem Brande verzehrt und von den Flammen vernichtet;
-darüber freute er sich, klatschte in die Hände und schrie: »Das Haus
-ist verbrannt! Endlich bin ich die Flöhe und die Mäuse los.«
-
-Und bei diesen Worten lachte er aus vollem Halse.
-
-
-138.
-
-Als der Hodscha einmal von Land zu Land reiste, bemerkte er eine große
-Schar von Frauen, die in Reihen hintereinander daherkamen. Er ging
-näher hin und fragte, was es gebe.
-
-Man antwortete ihm: »Sie gehn eine Braut einholen. Das Mädchen und
-der Mann da, die von den Frauen umgeben sind, sollen heute Nacht ihre
-Sehnsucht stillen.«
-
-»Allah, Allah,« rief nun der Hodscha, »ich habe viele Länder
-durchwandert, aber noch nie habe ich eins gefunden, wo es so viel
-Kuppler gäbe wie hier.«
-
-
-139.
-
-Man erzählt, daß der Hodscha am Tage auf seinem Felde Lauch gepflanzt,
-ihn aber bei Anbruch der Nacht wieder herausgezogen hat. Die Leute
-merkten das, und man fragte den Hodscha, warum er so tue.
-
-Er antwortete: »Heißt es denn nicht, daß man seine Schätze unter seinem
-Kissen verwahren soll?«
-
-
-140.
-
-Eines Tages wurde der Hodscha gefragt: »Warum halten sich von den
-Bewohnern dieser Erde die einen an dem einen Orte auf und die andern an
-einem andern, anstatt daß sie alle an demselben Orte verweilten?«
-
-»Was, das versteht ihr nicht?« rief der Hodscha; »wenn sich alle
-Bewohner der Erde an einem Punkte vereinigten, würde die Seite, wohin
-sie gingen, das Übergewicht bekommen und sie würden herunterpurzeln.«
-
-
-141.
-
-Als der Hodscha einmal auf der Wanderschaft war, bemerkte er in der
-Ferne eine Anzahl Leute auf seinem Wege; waren es vielleicht Räuber?
-In seiner Nähe war ein Grab. Hastig entkleidete er sich, steckte seine
-Kleider in die Höhlung des Grabmals und legte sich unten auf den
-Grabstein nieder. Die Reisenden kamen heran und sahen einen nackten
-Mann, ausgestreckt auf dem Steine. Und sie sagten zu ihm:
-
-»Wer bist du, Freund?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich bin ein Toter.«
-
-»Und was machst du da?«
-
-»Aus Angst vor den Frageengeln bin ich geflüchtet.«
-
-
-142.
-
-Der Hodscha hatte ein schwarzes Huhn, und das trug er einmal auf den
-Markt, um es zu verkaufen. Es kam einer und sagte: »Wenn das Huhn da
-weiß wäre, hätte ich es gekauft.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Komme morgen wieder, und ich werde dir ein
-weißes geben.« Der Käufer war damit einverstanden und ging weg.
-
-Auf dem Rückwege kaufte der Hodscha zwei Stück Seife; daheim erhitzte
-er dann Wasser in einem Kessel und begann das Huhn zu waschen. Damit
-plagte er sich, bis die Seife verbraucht war; aber er stellte fest,
-daß die Farbe des Huhns auch nicht ein bißchen heller geworden war.
-Geärgert schrie er: »Nach dem, was ich sehe, hat der Färber wahrlich
-die Farbe nicht gespart! Ein wackerer Mann, der es gefärbt hat!«
-
-
-143.
-
-Nasreddin hatte von einem zehn Gänse übernommen, um sie aufs Feld zu
-treiben; als er sie nun weiden ließ, verlor sich eine davon. Als das
-Ende des Monats gekommen war, ging der Hodscha seinen Lohn fordern.
-Aber der Eigentümer sagte: »Da fehlt ja eine Gans; was ists mit ihr?«
-
-Der Hodscha zählte sie und sagte: »Sieh doch, es sind ja zehn.«
-
-Nun zählte sie der andere und fand, daß es nur neun waren. Es entstand
-ein großer Streit zwischen ihnen und schließlich sagte der Hodscha: »Um
-zu einem Ende zu kommen, wollen wir zehn Leute holen und sie zu den
-Gänsen bringen; jeder nimmt eine, und wenn es sich zeigt, daß jeder
-eine hat, so ist alles in Ordnung.«
-
-Der Eigentümer der Gänse nahm den Vorschlag an: es geschah alles, wie
-es gesagt worden war, und einer blieb ohne Gans. Der wandte sich zum
-Hodscha: »Schau, für mich ist keine geblieben; was sollen wir da tun?«
-
-»Ja, Freund,« antwortete der Hodscha, »du hättest eben eine nehmen
-sollen, solange ihrer da waren.«
-
-
-144.
-
-Eines Tages kam man dem Hodscha sagen, daß ein Schüler ertrinke, und
-fragte ihn: »Wie sollen wir es anstellen, um ihn aus dem Wasser zu
-ziehen?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Einer von euch wird doch einen Geldbeutel
-haben; den zeigt dem Ertrinkenden: er wird glauben, ihr wollt ihm Geld
-geben, und wird herauskommen.«
-
-
-145.
-
-Als der Hodscha einmal über den Markt schlenderte, fand er einen Asper.
-Er hob ihn auf, stellte sich auf einen höhern Ort und sagte: »Warum
-hören die Leute nicht auf, zu kommen und zu gehn? es ist wirklich
-sonderbar; der verlorene Asper ist ja schon wieder gefunden.«
-
-
-146.
-
-Als der Hodscha eines Tages auf den Markt gehn sollte, umringten ihn
-seine Knaben und begannen ihn jeder um eine Flöte zu bitten; »Lieber
-Hodscha,« schrie der eine, »bring mir eine Flöte mit«, und »Bring mir
-eine Flöte mit«, sagte der andere.
-
-»Jawohl, ihr Schlingel,« antwortete er ihnen; »ich werde sie euch
-mitbringen, Kinder.«
-
-Unterdessen hatte ihm einer zugleich mit den Worten: »Bring mir eine
-Flöte mit« einen Asper gegeben; nun schrie der Hodscha: »Du bist es,
-der die Flöte blasen wird.«
-
-
-147.
-
-Einer kam zum Hodscha und sagte zu ihm: »Hodscha, derundder hat in der
-Fastenzeit gegessen.«
-
-»So?« sagte der Hodscha; »und unterm Essen hat ihn wohl jemand
-eingeladen?«
-
-
-148.
-
-Der Hodscha wollte auf seinen Esel steigen; er erhob sich und versuchte
-sich in den Sattel zu schwingen, aber er fiel auf der andern Seite
-herunter. Die Kinder, die um ihn herum waren, begannen zu lachen.
-
-Da sagte der Hodscha: »Warum lacht ihr, Schlingel? früher war ich auf
-dem Boden, jetzt bin ich es wieder: das ist das ganze.«
-
-
-149.
-
-Eines Tages kamen Leute zum Hodscha und erzählten ihm, daß ein Mann auf
-einen Baum geklettert sei und nicht herabsteigen könne; darauf sagte
-er: »Habt ihr einen Strick? bringt ihn her.«
-
-»Freilich haben wir einen,« antworteten sie und brachten ihn. Der
-Hodscha band ein Ende an die Hüften des Mannes; das andere gab er einem
-Kerl in die Hand, der dran ziehen sollte, und schrie: »Jetzt zieh!«
-Der Mann, der oben saß, fiel herunter und starb. Nun schrie das Volk:
-»Hodscha, was hast du getan?« Er antwortete: »Holt einen Richter.« Sie
-gingen weg und brachten einen Richter.
-
-Der Richter sagte: »Hodscha, mit dem hat es ein böses Ende genommen; es
-ist alles aus. Mit einem Wort, er ist tot.«
-
-»Aber Herr,« sagte der Hodscha, »er hat einen dicken Bauch; sieh doch
-nach, ob er nicht etwa schwanger ist.«
-
-
-150.
-
-Eines Tages sprach der Hodscha bei sich: »Wieso kommt es denn, daß alle
-diese Bäume Früchte bringen und ich nicht? Sicherlich würde auch ich,
-wenn man mich einpflanzte, Früchte tragen.« Er sagte zu einigen Bauern:
-»Steckt mich in die Erde.« Und er zwang sie, ihm zu gehorchen.
-
-Sie führten also den Hodscha an eine feuchte Stelle und steckten ihn
-mit den Füßen in die Erde. Als dann die Bauern gegangen waren, hielt
-sich der Hodscha dort eine Weile; bald aber begann ihn zu frieren und
-er sagte: »Das gefällt mir nicht.« Er strengte sich also an, sich
-loszumachen, und mit schwerer Mühe gelang es ihm. Er kam ins Dorf, und
-die Bauern sagten: »Wie schnell du Frucht getragen hast, Hodscha! Aber
-wo ist die Frucht?«
-
-»Gewachsen ist sie ja schnell,« antwortete der Hodscha, »aber sie hat
-so viel Frost gelitten, daß sie abgefallen ist.«
-
-
-151.
-
-Eines Tages stieg der Hodscha im Gebirge auf einen Baum. Während er
-die Äste abhackte, sah er nach allen Seiten herum, und da bemerkte
-er mehrere Züge Kamele, die auf ihn zukamen. Alsbald rief er die
-Kameltreiber von oben an: »Haltet, ich bitte euch; ich muß mit euch
-sprechen.«
-
-Die Kameltreiber hielten und er stieg vom Baume und wandte sich zu
-ihnen: »Ich ersuche euch inständigst, ganz langsam vorbeizuziehn.«
-
-»Wozu sagst du das? Was ist dein Grund?«
-
-»Nun, meine Herren, es ist zu befürchten, daß euere Kamele, die noch
-nie ein Gebirge gesehn haben, erschrecken und an den Baum anlaufen, auf
-dem ich bin, und mich also herunterwerfen.«
-
-
-152.
-
-Man erzählt, daß Tamerlan einmal in die Nähe der Stadt kam, wo der
-Hodscha lebte. Die Einwohner versammelten sich, gingen zum Hodscha und
-baten ihn, Tamerlan davon abzuhalten, daß er durch ihre Stadt ziehe.
-Auf der Stelle machte sich der Hodscha einen Turban von der Größe eines
-Wagenrades, stieg auf seinen Esel und ritt Tamerlan entgegen. Er traf
-ihn, und der wunderte sich sehr über diesen Anblick und sagte: »Was ist
-das für ein Turban, Hodscha?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Das ist meine Nachtmütze. Entschuldige mich,
-daß ich damit gekommen bin; aber der Turban, den ich sonst bei Tage
-trage, kommt hinten auf einem Wagen nach.«
-
-Erschrocken über die seltsame und ungeheuere Kopfbedeckung der Bewohner
-zog Tamerlan nicht durch die Stadt.
-
-
-153.
-
-Eines Tages forderte der Bei Tamerlan den Hodscha dringend auf, etwas
-auf der Baßlaute zu spielen; und er sagte: »Wir wollen dir zuhören.«
-
-Man brachte die Laute. Der Hodscha widerstand nicht mehr dem Drängen
-des Beis und nahm die Laute; aber er kniff nur eine Saite einmal
-und hielt inne. Da sagten sie zu ihm: »Warum spielst du nicht mehr,
-Hodscha?«
-
-»Es summt eine Mücke,« antwortete er, »und der Lärm würde den Klang der
-Laute ersticken.«
-
-
-154.
-
-Auf einer Reise kam der Hodscha in eine Stadt; er war gerade
-außerordentlich hungrig. Kaum hatte er sie betreten, so fragte man ihn
-um seinen Beruf und er sagte: »Ich bin ein Arzt.«
-
-»Da du ein Arzt bist, so komm mit uns; wir führen dich zu dem Sohne des
-Beis, der krank ist.« Der Hodscha erwiderte: »Sehr gut.«
-
-Sie gingen mit ihm zum Bei; der behandelte ihn mit Ehrerbietung und
-fragte ihn: »Was verordnest du meinem Sohne?«
-
-»Gibts hier ein wenig Brot, Butter und Honig?«
-
-»Jawohl.«
-
-»Man bringe es,« sagte der Hodscha; »ich will mit einer ärztlichen
-Beschwörung beginnen und in der Folge ein vortreffliches Heilmittel
-herstellen.«
-
-Alles, was er gesagt hatte, wurde gebracht. Sofort mischte er die
-Butter und den Honig zusammen; um dann die Wirkung dieser kräftigen
-Arznei zu versuchen, begann er davon zu essen. Einen Augenblick darauf
-hörte er innen im Harem sagen: »Arzt, was machst du nur? das Kind ist
-gestorben.«
-
-»Wir wären schon alle zwei tot,« antwortete er, »wenn ich nicht jetzt
-gegessen hätte.«
-
-
-155.
-
-Der Hodscha reiste einmal in der Welt herum und kam so in eine gewisse
-Stadt. Er fiel dort den Leuten auf, und sie fragten ihn um seinen
-Beruf. »Mit der Erlaubnis Gottes«, sagte er, »erwecke ich die Toten.«
-Sie glaubten ihm; sie gaben ihm eine Frau und ließen es ihm nicht an
-Speise und Trank fehlen und so lebte er vergnügt etwa ein Jahr.
-
-Nun geschah es mit Gottes Willen, daß in der Stadt einer starb; es war
-ein Weber. Die Leute liefen zum Hodscha und sagten zu ihm: »Komm ihn
-erwecken.« Er ging hin, stellte sich dem Toten zu Häupten und sagte:
-»Was war dieser Mann?« Die um ihn antworteten: »Ein Weber.«
-
-»O weh,« sagte der Hodscha, »mit dem steht es schlimm.«
-
-»Wieso denn?«
-
-»Ach, die Weber kann man nicht vom Tode erwecken.«
-
-»Warum?«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Solange der da am Leben war, hatte er
-schon die Beine in einer Grube; natürlich war es sein Los, einmal den
-Beinen folgen zu müssen.«
-
-
-156.
-
-In einer Gesellschaft kam einmal ein Hafis an einem geringern Platze
-als der Hodscha zu sitzen und das mißfiel ihm sehr; und er sagte zum
-Hodscha: »Wenn das Buch der Bücher und ein andres Buch an derselben
-Stelle liegen sollen, welches legt man oben, den Koran oder das andere?«
-
-Der Hodscha merkte die Absicht des Hafis und antwortete: »Man legt
-natürlich das heilige Buch über das andere, aber nicht über seine
-eigene Hülle.«
-
-Diese Worte ließen den Hafis verstummen[83].
-
-
-157.
-
-Drei Leute reisten einmal in die ehrwürdige Stadt Mekka; einer
-war aus Siwri-Hissar, der andere aus Mers-Hum und der dritte aus
-Tasch-Gwetscher. Auf dem Heimwege von der ehrwürdigen Stadt Mekka
-sagte nun der aus Siwri-Hissar, um das Verdienst seiner Pilgerfahrt
-zu vergrößern: »Mein Knecht Koch-Kadem, der in meinem Hause und mein
-Eigentum ist, soll frei sein!« Der aus Mers-Hum sagte: »Meine Sklavin
-Benefscheh, die in meinem Hause und mein Eigentum ist, soll frei sein!«
-Nun rief der aus Tasch-Gwetscher, ein tölpischer Bauer, der dümmer als
-die zwei andern war: »Was reden diese Schufte? In meinem Hause gibts
-keinen Knecht Koch-Kadem und keine Sklavin Benefscheh; aber dafür soll
-die Mutter meines Sohnes Jakub von mir geschieden sein: zum ersten, zum
-zweiten und zum dritten Male, sie sei frei!«
-
-Da hat man also eine hübsche Probe, wie sich ein türkischer
-Bauerntölpel bewährt hat, um nicht hinter seinen Freunden
-zurückzubleiben.
-
-
-158.
-
-Eines Tages kochte seine Mutter große und kleine Fische und der Hodscha
-beobachtete alles durch ein Loch in der Tür. Und seine Mutter sagte zu
-seinem Vater: »Jetzt wird bald der Hodscha da sein. Verstecken wir die
-großen Fische unterm Bett, und setzen wir die kleinen zum Essen auf den
-Tisch; wenn er dann fort ist, holen wir die großen hervor und essen
-sie.«
-
-In diesem Augenblicke trat der Hodscha ein und man sagte zu ihm: »Komm,
-Sohn, wir wollen Fische essen.«
-
-Die kleinen Fische wurden aufgetragen; sofort nahm der Hodscha einen
-und hielt ihn an sein Ohr. Da sagte sein Vater: »Aber Sohn, was machst
-du denn da?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich frage den Fisch.«
-
-»Worum?«
-
-»Ich habe von ihm erfahren wollen, was für ein Fisch das war, von dem
-Jonas verschluckt worden ist; aber er hat mir geantwortet: ›Ich weiß
-das nicht; unter dem Bett dort sind größere, die mußt du fragen.‹«
-
-
-159.
-
-Man erzählt, daß einmal der Hodscha mit seinen Freunden Verstecken
-gespielt hat, und alle haben sie sich an verschiedenen Orten versteckt.
-Der Hodscha aber verließ Akschehir, lief bis Konia und versteckte sich
-dort in einem Minaret, und seine Freunde bekamen ihn mehrere Tage nicht
-zu sehn. Seine Gattin und seine Familie schrien allenthalben: »Hodscha,
-wo bist du?« Es verging Tag um Tag und man hatte ihn schon in der
-ganzen Umgebung gesucht, als von ungefähr eine Karawane aus Konia in
-Akschehir eintraf. Man fragte die Leute der Karawane, ob sie etwas vom
-Hodscha wüßten, und die antworteten: »Er ist in Konia; wir haben ihn
-dort gesehn.«
-
-Daraufhin wurden etliche Männer nach Konia geschickt; sie kamen dort an
-und suchten den Hodscha überall. Der aber rief sie vom Minaret herab an
-und schrie: »Her mit dem Geld! ich habe gewonnen!«
-
-Die Männer trauten ihren Ohren nicht, bis er endlich herunterkam.
-
-
-160.
-
-Eines Tages ging der Hodscha aufs Feld, um zu mähen. Als die Nacht
-einfiel, hörte er auf und ging heim. Seine Frau sagte zu ihm: »Hast du
-heute viel gemäht?«
-
-Der Hodscha anwortete: »Ich habe noch bis morgen Mittag zu tun.«
-
-Sie sagte: »Setz doch dazu ›Inscha Allah‹[84].«
-
-Der Hodscha antwortete: »Wenn ich seinen Namen nicht anrufe, werde ich
-auch nicht weniger fertig bringen.«
-
-Am Morgen nahm er seine Sichel und ging aufs Feld. Auf dem Wege traf er
-etliche Reiter, und die zwangen ihn, ihnen vorauszugehn und ihnen den
-Führer zu machen; erst am Abende schickten sie ihn zurück. Der Hodscha
-lief, was er nur konnte, und es war Mitternacht, als er zu Hause ankam
-und an die Tür pochte. Seine Frau ging hin und fragte: »Wer pocht um
-diese Stunde?«
-
-»Ich bins,« antwortete der Hodscha, »ich bins, inscha Allah; mach auf.«
-
-
-161.
-
-Seine Frau sagte einmal zum Hodscha: »Schenk mir ein Kopftuch aus roter
-Seide.« Der Hodscha streckte beide Arme aus und sagte: »Ist es so lang
-genug? reicht diese Länge?«
-
-Er ging also auf den Markt und hielt auf dem Wege immerfort die Arme
-ausgebreitet; und als ihm einer entgegenkam, schrie er ihn an: »Gib
-acht, wo du gehst! Du wirst schuld daran sein, wenn ich mein Maß
-verliere.«
-
-
-162.
-
-Der Hodscha war einmal in Gesellschaft eines andern auf der Reise.
-Von ungefähr kam ihnen ein Reiter entgegen; der wandte sich an den
-Begleiter des Hodschas und sagte zu ihm: »Du mußt mit mir gehn und mir
-den Weg zeigen.«
-
-Der antwortete: »Ich bin der Knecht und Sklave desunddes Herrn.« Und so
-half er sich durch.
-
-Der Reiter sprach nun den Hodscha an und sagte zu ihm: »Dann mußt du
-mit mir gehn und mein Führer sein.«
-
-Aber der Hodscha erwiderte: »Ich bin ein Diener und Sklave des
-Allerhöchsten.« Kaum hatte er jedoch diese Worte herausgebracht, als
-der Fremde mit seiner Peitsche zum Schlage ausholte. Der arme Hodscha
-versuchte nicht weiter, Widerstand zu leisten, sondern begann neben dem
-Pferde herzuschreiten und den Reiter zu führen.
-
-Wie er so dahinschritt, sprach er bei sich selber: »Wie ist denn das
-möglich, daß es der Schöpfer zuläßt, daß sich mein Gesell aus der
-Verlegenheit zieht, indem er angibt, er sei der Knecht eines winzigen
-Sterblichen, während es mir nichts nützt, daß ich sage, ich sei der
-Sklave des Allerhöchsten?«
-
-Solcher Art waren seine Gedanken, als er plötzlich einen Lärm hinter
-sich hörte, dem ein mächtiger Schrei folgte. Erschrocken fragte er
-sich, was das sein könne; da sah er, daß der Reiter, den er führte, von
-dem Pferde gefallen war und tot hingestreckt daneben lag.
-
-So lautet der echte Bericht der Freunde des Hodschas; welche Lehre man
-daraus ziehen kann, ist leicht zu sehn.
-
-
-163.
-
-Als der Hodscha eines Tages ins Gebirge ging, um Holz zu schneiden,
-nahm er eine Melone mit. Wie er nun so dahinging, entwischte ihm die
-Melone aus dem Arme und rollte in ein Tal hinab. Dort schlief ein Hase;
-der erschrak über die Melone und lief davon.
-
-»Da habe ich eine schöne Dummheit gemacht,« sagte der Hodscha, als
-er den Hasen sah; »die Melone war trächtig, und es wäre sicher ein
-Maulesel geworden.«
-
-Damit entfernte er sich und machte sich unverzüglich ans Holzschneiden.
-Als er dann heimkehrte, erzählte er seiner Frau sein Abenteuer.
-
-Sie schrie: »O weh, Mann, du hättest ihn fangen und herbringen sollen,
-um auf ihm in den Garten zu reiten!«
-
-Aber der Hodscha hatte schon einen Stock in der Hand und sagte: »Steig
-herunter; er ist noch zu jung. Du wirst ihm die Rippen brechen.«
-
-
-164.
-
-Man erzählt, daß der Hodscha einmal auf dem Rücken ein Geschwür
-bekommen hat. Er sagte es seiner Tochter und bat sie, es anzusehn.
-»Vater,« sagte sie, »es wird schwarz.«
-
-Am nächsten Tage zeigte er es seiner Frau und die sagte: »Es wird weiß,
-Mann.«
-
-Der Hodscha sagte: »Ich verwundere mich, daß es schon vergehn will. Ich
-weiß nicht, wie es in Wahrheit damit steht.«
-
-Man sagt, daß davon seither das Sprichwort geblieben ist, das die ganze
-Welt kennt.
-
-165.
-
-Eines Tages sagte sein Sohn zum Hodscha: »Bei uns zu Hause ist etwas
-wie ein Mann in dem großen Topf mit Pikmes[85].«
-
-Der Hodscha schüttete den Topf aus und verschmierte mit dem Pikmes alle
-Löcher, die sich im Fußboden des Hauses fanden. Als er dann seinen Mann
-suchte, sah er in jedem Loche sein Bild, als ob überall Leute wären.
-Da nahm er seinen Säbel, stellte sich an der Tür auf und rief: »Wenn
-ihr keine Memmen seid, werdet ihr nur einer nach dem andern auf mich
-losgehn.«
-
-
-166.
-
-Einmal kam ein Mann zum Hodscha und sagte zu ihm: »Hodscha, dein Sohn
-ist vom Esel gefallen; er hat den Geist aufgegeben.« Auf diese Worte
-hin versank Nasreddin für einen Augenblick in tiefes Grübeln, so daß er
-gefragt wurde: »Was macht dich denn so nachdenklich, Hodscha?«
-
-»Ich habe darüber nachgedacht,« antwortete er, »daß ja mein Sohn
-Adschib niemals einen Geist gehabt hat; wie hat er ihn dann aufgeben
-können?«
-
-
-167.
-
-Ebenso erzählt man, daß einmal ein Arzt zu einem Kranken gerufen worden
-ist; er hat ihm den Puls gefühlt und gesagt: »Ich vermute, daß du etwas
-Huhn gegessen hast. Das ist schlecht; nimm dich in acht und iß es nicht
-mehr.«
-
-Der Kranke sagte: »Es ist wahr; ich habe etwas Huhn gegessen.«
-
-Hochverwundert bezeugten die Anwesenden ihre Befriedigung. Als dann der
-Arzt das Haus verlassen hatte, sagte sein Sohn zu ihm: »Vater, macht
-das nur die Wissenschaft, daß du das gewußt hast?«
-
-Der Arzt antwortete: »Ursprünglich habe ich es durch die Wissenschaft
-erkannt, erhärtet durch mehr als eine Beobachtung. Obwohl ich es
-aber ursprünglich nur durch die Wissenschaft erkannt habe, sowohl
-aus dem Klopfen des Pulses, als auch durch andere Anzeichen, die ich
-beobachtete, habe ich überdies, als wir in die Nähe des Hauses kamen,
-Hühnerfedern und Obstschalen bemerkt und habe daraus geschlossen und
-die Diagnose abgeleitet, daß der Mann davon erkrankt ist, daß er das
-alles auf einem Sitz gegessen hat.«
-
-Diese Worte des Vaters gruben sich dem Sohne ins Gedächtnis. Nun
-geschah es, daß man sich einer Krankheit halber, da der Vater nicht zu
-Hause war, an den Sohn wandte; der sah, als er zu dem Kranken ging,
-in der ganzen Umgebung des Hauses herum, bemerkte aber nichts andres
-als einen Eselssattel. Er trat zu dem Kranken, fühlte ihm den Puls und
-sagte, mit dem Kopfe wackelnd: »Oweh oweh, du hast heute Eselsfleisch
-gegessen. Das ist schlecht; iß es nicht mehr, es macht für die
-Krankheit empfänglich.«
-
-»Aber Arzt,« schrie der Kranke, »du redest einen Unsinn. Kein Mensch
-ißt Eselsfleisch; mich ekelts ja davor.«
-
-Nach diesen Worten geleiteten die Anwesenden den Sohn des Arztes
-höflich zur Tür.
-
-
-168.
-
-Als die Frau des Hodschas eines Tages Bulgur[86] gekocht, Tarkhaneh[87]
-bereitet und die Kuh gemolken hatte, kam es zwischen ihr und dem
-Hodscha zu Zärtlichkeiten, so daß sie ins Bad gehn mußte; drum sagte
-sie zum Hodscha: »Hodscha, während ich im Bad bin, gib du acht auf das
-Kind in der Wiege und sieh zu, daß nicht die Vögel den Bulgur fressen;
-schlage Butter und quetsche in der Mühle noch etwas Bulgur, weil wir
-dann Pilaf[88] essen wollen.«
-
-Fürs erste nahm der Hodscha eine Mütze, die mit Schellen behängt war,
-und band sie sich auf den Kopf; dann befestigte er den Butterschlägel
-und die Wiege an seinem Rücken, und vor sich stellte er die Mühle,
-die er drehen sollte. Indem er nun den Kopf vorwärts und rückwärts
-warf, schaukelte er die Wiege und schlug Butter, hielt aber zugleich
-damit durch das Schellengeklingel die Vögel ab, den Bulgur zu
-fressen. Während nun der Hodscha also den Bulgur bewachte, die
-Mühle drehte, Butter schlug und an zwei oder drei Dingen auf einmal
-arbeitete, erwachte das Kind und begann in seiner Wiege zu weinen. Der
-Hodscha sah, daß es sich beim Wiegen nicht beruhigte, und sah sich
-daher gezwungen, es aus der Wiege zu nehmen. Er spreizte die Beine
-auseinander, setzte es dazwischen hinein, nahm ein gewisses Glied
-heraus und gab es ihm als Spielzeug in die Hand. Das Kind spielte auch
-wirklich damit, während der Hodscha fortfuhr, sich völlig seiner Arbeit
-zu widmen.
-
-Unterdessen kamen etliche Frauen auf ihrem Wege durch diese Straße; als
-sie bei dem Hause waren, wo der Hodscha mit seinen Schellen, seiner
-Mühle und seiner Milch arbeitete, sagten sie: »Gehn wir schauen, wie
-sichs der Hodscha eingerichtet hat.« Sie überschritten die Schwelle und
-gingen weiter ins Innere; und sie fragten den Hodscha: »Warum hast du
-Schellen an der Mütze?«
-
-»Damit die Vögel nicht zum Bulgur kommen.«
-
-»Und warum hast du das am Rücken?«
-
-»Seht ihr denn nicht, meine Schönen, daß das der Schlägel ist, womit
-ich Butter schlage?«
-
-»Und was hast du vor dir?«
-
-»Das ist die Mühle, mit der ich den Bulgur quetsche.«
-
-»Und warum liegt das Kind nicht in seiner Wiege?«
-
-»Es weinte, und da habe ich es herausgenommen.«
-
-Nun merkten sie erst, was für ein Spielzeug das Kind in den Händen
-hielt, und da sagten sie: »Aber Hodscha, schämst du dich denn nicht?
-warum gibst du ihm denn den in die Hand?«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Ihr naseweisen Dinger, die ihr seid! kommt
-nur mit mir in einen Winkel; da werden wir schon sehn, welche Hand die
-erste sein wird, die ihn herausnimmt.«
-
-
-169.
-
-Einmal traf der Sultan Alaeddin Vorkehrungen zu einem Feste, das er den
-ausgezeichnetsten Männern geben wollte; selbstverständlich lud er auch
-den Hodscha ein, und dieser erschien in der Begleitung seines Amads.
-Der Sultan empfing ihn mit Höflichkeit und Ehren und bot ihm einen
-Apfel, den er in der Hand hielt. Der Hodscha nahm ihn an und machte
-sich ohne weiters daran, hineinzubeißen. Da nahm der Amad den Hodscha
-beiseite und sagte zu ihm: »Pfui Hodscha, wie kannst du einen solchen
-Verstoß begehn? Wenn einem ein Sultan einen Apfel gibt, so ißt man ihn
-nicht augenblicklich in seiner Gegenwart.«
-
-Der Hodscha fragte noch: »Ist es also nicht anständig, vor ihm zu
-essen?« und der Amad antwortete ihm: »Nein; man muß es in seinen Busen
-stecken.«
-
-Nun wurde der Tisch bestellt und der Sultan ließ den Hodscha an
-seiner Seite sitzen. Als man dann den Gästen einen Hasen vorsetzte,
-der mit Joghurt übergossen war, nahm der Sultan, um dem Hodscha eine
-Höflichkeit zu erzeigen, etwas Joghurt und legte einen Hasenlauf
-darüber und legte das ganze dem Hodscha vor.
-
-Ohne zu zaudern, packte der Hodscha das ihm dargebotene und schüttete
-es in seinen Busen.
-
-Als das der Sultan sah, sagte er: »Aber Hodscha, warum tust du das? das
-ist eine grobe Unschicklichkeit.«
-
-»Sultan,« antwortete der Hodscha, »ich habe mich nach dem gehalten, was
-mir mein Amad gesagt hat, daß man nämlich hier nicht essen soll.«
-
-
-170.
-
-Eines Tages brauchte der Hodscha einen gerichtlichen Bescheid. Er
-füllte einen Krug mit Erde und gab darüber eine dünne Schicht Honig;
-damit ging er zum Gerichte den Kadi aufsuchen und erhielt leicht den
-gewünschten Bescheid. Als der Kadi am Abende heimgekehrt war, schöpfte
-er ein paar Löffel Honig aus dem Kruge; da kam denn die Erde zum
-Vorscheine. Darum schickte er, kaum daß es Morgen geworden war, einen
-Gerichtsdiener zum Hodscha: »Geh schnell zu ihm: wir haben ihm gestern
-einen Bescheid gegeben, bei dem ein Irrtum unterlaufen ist; bring ihn
-zurück und wir werden ihm einen andern schreiben.« Der Diener lief zum
-Hodscha und pochte an die Tür; der Hodscha kam heraus und der Diener
-des Kadis bestellte seine Botschaft.
-
-Und der Hodscha antwortete: »Bei aller schuldigen Ehrfurcht vor dem
-gestrengen Herrn Kadi habe ich doch den Bescheid vollständig in Ordnung
-gefunden; wenn aber schon ein Irrtum unterlaufen ist, so kann das
-nirgends sonst geschehn sein als beim Honig.«
-
-
-171.
-
-Eines Tages hatte der Hodscha einen Streit mit einem andern, und sie
-gingen zum Richter. Dem machte der Hodscha ein Zeichen, indem er
-die Hand in seinen Busen steckte, und so geschahs, daß der Hodscha
-Recht bekam. Als dann sein Gegner weg war, wandte sich der Richter zu
-Nasreddin und sagte zu ihm: »So, jetzt gib her, was du mir versprochen
-hast.«
-
-Aber der Hodscha antwortete: »Ich habe dir kein Zeichen gemacht, daß
-ich dir etwas schenken würde; ich habe dir nur sagen wollen, daß ich
-dir, wenn du mir Unrecht gäbest, den Schädel einschlagen würde mit den
-Steinen, die ich im Busen habe.«
-
-
-172.
-
-Als der Hodscha einmal ins Bad kam, traf er dort einen Bekannten, und
-der hatte nichts eiliger zu tun, als ihm einen Schlag ins Genick zu
-geben. Der Hodscha kehrte sich um und sah niemand sonst als diesen
-Bekannten. Augenblicklich verließ er das Bad und schleppte den Menschen
-vor den Kadi; und zu dem sagte er: »Effendi, ich klage wider den da; er
-hat mir einen groben Schimpf angetan.«
-
-Der Angeklagte war aber ein Freund des Kadis; und er sagte zu ihm:
-»Untersuche, ob der Mann Recht hat; wir wollen hören, was er darlegen
-wird.«
-
-Und der Hodscha fuhr fort: »Dieser schlechte Kerl hat mir einen Schlag
-gegeben.«
-
-Der Kadi sagte: »Für einen Schlag ist die Buße ein Pul[89]. Ich fälle
-gegen diesen Mann das Urteil, daß er dir einen Pul geben soll.«
-
-Der Gegner des Hodschas suchte nach, hatte aber keinen Pul bei sich;
-er ging einen holen, blieb jedoch eine geraume Zeit aus. Der Hodscha
-wartete und wartete, bis er endlich ungeduldig wurde. Da bemerkte er,
-daß der Kadi, der eben mit schreiben beschäftigt war, den Kopf gesenkt
-hielt; unverzüglich versetzte er ihm einen Schlag ins Genick.
-
-»Aber Hodscha,« schrie der Kadi, »was soll das heißen?«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Mir ist nichts andres übrig geblieben;
-der Mensch kommt nicht, und ich habe dringend zu tun. Wann er
-wiederkommt, so laß dir den Pul von ihm geben und behalte ihn für dich.«
-
-Mit diesen Worten ging der Hodscha in aller Unbefangenheit hinweg.
-
-
-173.
-
-Zu der Zeit, wo der Hodscha Kadi war, kamen eines Tages ein Mann und
-eine Frau vor Gericht, und die Frau sagte: »Effendi, dieser Mann ist
-ein Teufel; er hat mich genommen und geküßt. Ich will mein Recht haben,
-mein unverbrüchliches Recht.«
-
-Der Hodscha sagte: »Na, was werden wir denn da tun? Ein Kuß von dir
-wird den andern ausgleichen.«
-
-
-174.
-
-Eines Tages schnitt der Hodscha im Gebirge Holz, und während er
-damit beschäftigt war, fraßen ihm die Wölfe seinen Esel. Als er nun
-ganz bekümmert ins Dorf zurückging, sah er einige Bauernkinder, die
-spielten; und er fragte sie: »Sagt, Kinder, spricht man im Dorfe davon,
-daß der Esel des Hodschas im Gebirge von Wölfen gefressen worden ist?«
-
-»Nein,« sagten die Kinder, »das sagt man nicht.«
-
-Und der Hodscha sagte: »O gäbe doch der Allmächtige, daß euere Worte
-wahr seien, daß euere Rede richtig sei!«
-
-
-175.
-
-Eines Tages ging der Hodscha ins Gebirge um Holz. An einer abschüssigen
-Stelle fiel ihm ein Baum auf und er sagte sich: »Wenn ich den da
-fällen kann, so brauche ich sonst keinen umzuschlagen.« Er begann
-auch sofort damit, nachdem er den Strick seines Esels um den Baum
-geschlungen hatte; als dann der Baum so ziemlich abgeschnitten war,
-ließ er den Esel geradeaus abwärts laufen, aber der Esel fiel und brach
-sich die Knochen. Als das der Hodscha sah, machte er sich voll Ärger
-und Kummer auf den Heimweg. Seine Frau fragte ihn, da sie den Esel
-nicht sah: »Was ist es denn mit dem Esel?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ach, Weib, als ich ihn zuletzt gesehn habe,
-ist er seinen Weg gegangen; seither weiß ich nichts mehr von ihm.«
-
-
-176.
-
-Eines Tages sah der Hodscha Nasreddin eine Windmühle. So etwas hatte er
-noch nie gesehn, und so wandte er sich an einen Bauer mit der Frage:
-»Wie nennt man denn das?«
-
-»Eine Windmühle.«
-
-Und der Hodscha fragte weiter: »Und wo ist denn dann das Wasser?«
-
-»Es ist eine Windmühle.«
-
-Und der Hodscha sagte: »Ich versteh dich schon, ich versteh dich schon;
-du hast recht. Aber wo ist denn das Wasser?«
-
-Auch diese Rede, die Tausenden von Leuten bekannt ist, ist zum
-Sprichworte geworden.
-
-
-177.
-
-Der Hodscha hatte einmal einer Frau ihren Zwirnknäuel genommen, der
-ganz klein war; die sagte jedoch: »Ich hatte sehr viel Zwirn; es war
-beinahe ein Batman[90]. Aber man hat ihn mir gestohlen.«
-
-Der Hodscha, der dabei war, als sie das sagte, konnte nicht an sich
-halten; er zog den Zwirn hervor und sagte, ihn in der Hand haltend, zu
-der Frau: »Nun pack dich aber; geh deine Schande verbergen.«
-
-
-178.
-
-Eines Tages begegnete der Hodscha, als er seine Straße zog, einem
-Turkmanen, und der sagte zu ihm: »Was bist du? bist du ein Faki[91]?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ja.«
-
-»Wir haben jetzt keinen Faki in unsern Zelten; komm mit, und du sollst
-sofort, wann du bei uns bist, unser Faki werden.«
-
-Der Hodscha machte keine Einwendung, und so gingen sie miteinander. Auf
-dem Wege trafen sie einen zweiten Turkmanen und der fragte den ersten:
-»Wer ist das?«
-
-»Das ist ein Faki und ich führe ihn in unsere Zelte.«
-
-Da sagte der andere: »Geh, schenk mir den Faki; wir haben keinen in
-unsern Zelten.«
-
-Nun erhob sich ein Streit zwischen den zweien: der eine packte den
-Hodscha bei der einen Hand, der andere bei der andern, und so zogen sie
-ihn hin und her, bis endlich der später gekommene seine Keule aus dem
-Gürtel riß und schrie: »Jetzt schlage ich den Faki nieder; wann er
-dann tot ist, wirst ihn du ebenso wenig haben wie ich.«
-
-Der Hodscha fiel vor Schrecken um, und wie er so dalag, sagte der
-erste: »Wenn du ihn nicht erschlägst, so bekommst du meinen großen
-schwarzen Hund; erschlägst du ihn, so bekommst du nichts.«
-
-Heutzutage weiß man nicht, was Wissenschaft, Tüchtigkeit und
-Geschicklichkeit in Wahrheit wert sind; man geht mit Leuten um, die
-noch weniger verstehn als man selbst, und weiß nicht mehr, was das
-Wissen wirklich bedeutet. Die Rede des ersten Turkmanen ist übrigens
-zum Sprichworte geworden.
-
-
-179.
-
-Man erzählt, daß der Hodscha eines Tages vom Dache gefallen ist; und
-seine Freunde sind gekommen, um sich um sein Befinden zu erkundigen.
-
-Da fragte sie der Hodscha: »Ist unter euch einer, der auch vom Dache
-gefallen ist?«
-
-»Niemand,« antworteten sie.
-
-Nun sagte der Hodscha: »Ihr betrachtet mich also nicht als euern
-Kameraden.«
-
-
-180.
-
-Um ihn auf seine Frau argwöhnisch zu machen, sagte man eines Tages zum
-Hodscha: »Deine Frau geht viel aus.«
-
-Er antwortete: »Sie kommt stets wieder heim von ihren Ausgängen.«
-
-»Das ist es nicht, Hodscha; sie ist ein wenig zu frei.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Wenn sie zu frei ist, so hat die Schuld daran
-ihr Schleier, der zu klein ist.«
-
-»Das ist es auch nicht, Hodscha,« sagten die andern; »sie geht bald
-hierhin, bald dorthin.«
-
-»Fürwahr,« rief der Hodscha, »das ist mir sehr lieb, daß sie hierhin
-und dorthin geht.«
-
-Sie sagten: »Das ists noch immer nicht; sie geht mit Fremden bald
-hierhin, bald dorthin.«
-
-»Na, und ich,« antwortete der Hodscha, »bin denn ich vielleicht ihr
-Bruder oder ihr Vater?«
-
-
-181.
-
-Als der Hodscha einmal krank war, besuchte ihn ein reicher Mann, um
-sich über sein Befinden zu erkundigen, und der sagte zu ihm: »Hodscha,
-was ist denn dein heimlicher Wunsch?« Der Hodscha antwortete: »Ich
-möchte eine Schüssel Pilaf.«
-
-Augenblicklich ließ der Reiche Pilaf bereiten und brachte dem Hodscha
-eine Schüssel voll; der Hodscha verschlang den Pilaf mit Heißhunger, so
-daß ihn der Geber fragte: »Wird es dir denn nicht schaden, wenn du so
-viel Pilaf ißt?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Je weniger einem etwas schaden kann, desto
-weniger Freude hat man daran.«
-
-
-182.
-
-Eines Tages fiel sein Sohn in einen Brunnen, und die Leute kamen es dem
-Hodscha melden. Unverzüglich lief er zu dem Brunnen und rief hinunter:
-»Sohn, bist du unten?«
-
-»Liebster Vater,« antwortete unten der Sohn, »bring mir Sukkurs, damit
-du mir hilfst, herauszukommen.«
-
-»Es ist ganz überflüssig,« erwiderte der Hodscha, »daß ich erst
-Sukkurs hole; ich werde einfach nach Hause gehn um eine Leiter, und so
-werde ich dich schon herausbringen[92].«
-
-
-183.
-
-Einmal kam der Hodscha nach Malatije. Als er dort durch die Straßen
-ging, sah er einen kleinen Knaben mit einem Dukaten spielen, den er
-gefunden hatte; da sagte er zu dem Knaben: »Komm, mein Sohn, ich gebe
-dir einen Asper; du gibst mir dafür das Stück Kupfer.«
-
-Der Knabe antwortete: »Ich weiß, was ein Asper ist; brälle einmal wie
-ein Esel, und ich gebe dir das Kupferstück.«
-
-Von seiner Habgier gestachelt, begann der Hodscha zu brällen. Als er
-aber innehielt, sagte der Knabe: »Aber Freund, wenn ein Esel wie du
-weiß, was ein Dukaten wert ist, warum sollte es denn ein Knabe wie ich
-nicht wissen?«
-
-
-184.
-
-Einmal verließ der Hodscha sein Haus und begann auf der Straße etwas zu
-suchen. Seine Frau sah das und fragte ihn: »Was suchst du, Hodscha?«
-
-Er antwortete: »Ich habe meinen Ring verloren; jetzt suche ich ihn.«
-
-Sie fragte weiter: »Wo hast du ihn denn verloren?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Drinnen im Hause habe ich ihn fallen lassen.«
-
-»Ja, warum suchst du dann heraußen?«
-
-»Drinnen ists finster und heraußen licht. Wollte nur Gott, daß ich ihn
-schon wieder gefunden hätte!«
-
-
-185.
-
-Der Hodscha sah eines Tages eine Anzahl Bauern herankommen; da streckte
-er sich lang auf der Erde aus und blieb unbeweglich. So lag er noch,
-als einer von den Bauern hinkam; der, der ihn für tot hielt, ging
-zu seinen Gesellen zurück und sagte zu ihnen: »Der arme Hodscha ist
-gestorben; wir müssen unter uns für sein Begräbnis sammeln.«
-
-Sie besteuerten einander und brachten fünfhundert Asper zusammen. Als
-sie dann alle um den Hodscha standen, sagten sie: »Um ein Leichentuch
-zu kaufen, sind hundert Asper genug; wer will es denn übernehmen, die
-vierhundert, die noch übrig bleiben, zu ihm nach Hause zu tragen?«
-
-Alsbald hob der Hodscha den Kopf und rief: »Gebt nur die vierhundert
-Asper her: ich will sie mit Vergnügen nach Hause tragen; so viel habe
-ich ja in meinem ganzen Leben nicht in der Hand, geschweige denn im
-Besitze gehabt.«
-
-
-186.
-
-Nach dem, was man erzählt, war einmal ein Kadi in trunkenem Zustande,
-als der Sultan Mehemed-Chan von ungefähr bei ihm eintrat. Und der
-Sultan sagte zum Kadi: »Fürchtest du nicht Gott und hast du keine Scheu
-vor dem Propheten? Ist es denn möglich, daß ein gelehrter Mann und Kadi
-seinen weißen Bart also mit Wein besudelt?«
-
-»Padischah,« antwortete der Kadi, »wenn meine dürren Hände nicht
-zitterten, hätte mein Bart nicht einen Tropfen von meinem Weine
-bekommen.«
-
-Der Padischah fand an dieser Antwort des Kadis ein solches Vergnügen,
-daß er ihm eine große Gnade erwies.
-
-
-187.
-
-Zu der Zeit, wo Harun al Raschid Chalif war, gab sich einer für einen
-Propheten aus. Harun ließ seine Ärzte rufen und sagte zu ihnen: »Fühlt
-ihm den Puls; wir werden sehn, woher das kommt.«
-
-Die Ärzte fühlten ihm den Puls und untersuchten ihn; dann sagten sie:
-»Er hat Dinge gegessen, die ihm zu Kopf gestiegen sind und ihm den
-Verstand verwirrt haben.«
-
-Harun sagte: »Man bringe ihm vierzig Tage lang leichte Gerichte aus
-meiner Küche; wenn es dem Allmächtigen gefällt, wird das eine Änderung
-und einen Wechsel in seinem Wesen herbeiführen.«
-
-So wurde also der angebliche Prophet vierzig Tage lang genährt; und als
-sie abgelaufen waren, wurde er dem Chalifen von neuem vorgeführt. Der
-Chalif fragte ihn: »Bist du noch immer ein Prophet?«
-
-Er antwortete: »O Harun, nach den Herrlichkeiten, womit du mich
-überhäuft hast, erhebe ich keinen Anspruch mehr, ein Prophet zu sein,
-sondern ein Gott.«
-
-
-188.
-
-Ein Sultan verließ eines Morgens zu guter Stunde seinen Palast; er zog
-in den Krieg. Auf dem Wege sah er, wie ihm ein Musikant entgegenkam,
-der ein Instrument in der Hand hielt; und der hatte einen scheelen und
-halbstarren Blick. Der Sultan versah sich von dieser Begegnung nichts
-guten; drum ließ er dem Musikanten vierzig Stockstreiche geben und
-ihn in den Kerker werfen. Ein Jahr verstrich, und der Sultan kehrte,
-nachdem er sich zahlreiche Länder unterworfen hatte, als Sieger und
-ruhmbedeckt in seine Hauptstadt heim. Nun kam ihm der Musikant wieder
-ins Gedächtnis; er ließ ihn aus dem Kerker holen und sich ihn vorführen.
-
-Der Musikant sagte: »Sieh, Herr, nun bist du als Sieger zurückgekommen.
-Als ich dir begegnet bin, sah ich im Geiste deine Eroberungen voraus.
-›Gott sei gelobt,‹ sagte ich mir, ›daß ich dich sehe,‹ und nahm es als
-ein gutes Vorzeichen. Unterdessen, siehe, ist es jetzt ein Jahr, daß
-ich im Kerker bin; wie viel Ungemach und Kümmernis habe ich gelitten!
-Wer von uns war denn nun eigentlich dem andern ein böser Angang?«
-
-Der Sultan nahm die Rede des Musikanten in gutem auf, überhäufte ihn
-mit Wohltaten und entließ ihn als zufriedenen Mann.
-
-Es ist, wie man sieht, notwendig, daß sich die Sultane und ihre
-Minister derer erinnern, die im Kerker schmachten, und sie sofort, wann
-sie ihnen ins Gedächtnis kommen, vor sich rufen.
-
-
-189.
-
-Man erzählt, daß einmal in Konstantinopel ein Schneider lebte, der eine
-besondere Geschicklichkeit zeigte, beim Zuschneiden Tuch zu stehlen.
-Eines Tages waren etliche Meister seines Handwerks bei ihm, als man ihm
-einen Brokatstoff brachte; um nun zu sehn, wie er es anstelle, etwas
-verschwinden zu lassen, sagten sie zu ihm: »Schneide nur gleich zu.«
-
-Der durchtriebene Geselle merkte ihre Absicht, ihm eine Falle zu legen,
-bemerkte aber auch, daß der Stoff sehr prächtig war; und er sprach bei
-sich selber: »Sollte ich es denn nicht verstehn, mir einen Teil dieses
-herrlichen Brokats anzueignen?« Indem er dieser Betrachtung nachhing,
-überzeugte er sich, daß die andern Meister kein Auge von dem Stoffe
-verwandten. Da ließ er, ohne sich vom Flecke zu rühren, einen Wind. Die
-andern, die auf dem Diwan saßen, begannen so herzlich zu lachen, daß
-sie auf den Rücken fielen; und der Schelm ließ, ohne einen Augenblick
-zu verlieren, ein Stück Stoff verschwinden.
-
-Sie schrien: »Haha, Meister, du bist also nicht nur ein Schneider,
-sondern auch ein Schalk; jetzt aber soll unsere Aufmerksamkeit nur dem
-Schneider gehören.«
-
-Er ließ einen zweiten Wind. Wieder begannen sie zu lachen, und ein
-zweites Stück Stoff ging den Weg des ersten.
-
-Nun sagten sie: »Meister, das Spiel mag noch einmal angehn, dann muß
-aber Schluß sein; sonst platzen wir noch.«
-
-Und der verschmitzte Bursche antwortete: »Ich würde euch ja wirklich
-gern euern Willen tun; sollte ich es aber noch ein drittes Mal machen,
-so würde der Stoff nicht mehr für einen Kaftan reichen.«
-
-
-190.
-
-Einem Schneider träumte, daß der Tag des jüngsten Gerichtes gekommen
-sei; er wurde auf dem Platze herumgeführt, und am Halse hingen ihm
-alle die Tuchstücke, die er gestohlen hatte. Als er erwachte, zitterte
-er vor Furcht. Es wurde Morgen und er ging in seine Werkstatt; dort
-erzählte er seinen Traum den Gesellen und sagte ihnen: »Wenn ich mich
-wieder einmal nicht beherrschen kann, und wenn ihr seht, daß ich ein
-Stück Stoff für mich nehme, so sagt zu mir: ›Meister, denk an den
-Kragen.‹ Mir wird dann die Erinnerung wiederkehren, und ich werde
-nichts unterschlagen.«
-
-Einige Zeit darauf brachten ihm etliche Leute einen herrlichen Stoff;
-er konnte der Versuchung nicht widerstehn und ließ geschickt ein Stück
-unter den Augen der Eigentümer verschwinden. Da schrie auch schon ein
-Geselle: »Meister, denk an den Kragen.«
-
-Aber er erwiderte: »Was habe ich mich daran zu erinnern? ein Stück wie
-das war gar nicht dabei.«
-
-
-191.
-
-Ein Schneider verkaufte die Stücke Tuch, die er stahl, einem alten
-Schuft von einem Juden. Nun kam einmal einer, der sich bei ihm hatte
-einen Kaftan machen lassen, und machte ihm einen Auftritt, weil er ihm
-Stoff gestohlen habe.
-
-Aber der Schneider antwortete: »Ich habe den Stoff nicht; der alte
-jüdische Schuft, der hat ihn.«
-
-
-192.
-
-Eine Kaufmannsfrau benutzte einmal die Zeit, wo ihr Gatte im
-Tidscharet[93] war, um ihre Gebete zu verrichten. Dabei entwischte ihr
-ein Wind, aber sie wußte nicht ganz genau, ob es wirklich ein Wind
-gewesen sei oder ob nicht vielleicht das Geräusch von einem Seufzer
-hergerührt habe, den sie im Gebete ausgestoßen hatte. Darum ging sie
-um Rat zu einem weisen Greise; sie erzählte ihm den Vorfall und bat um
-Auskunft. Der Greis ließ nun auch einen Wind und fragte sie: »War es so
-ein Geräusch?«
-
-»Nein,« antwortete sie, »es war stärker.«
-
-Er ließ einen zweiten; »War es so?«
-
-»Es war noch stärker.«
-
-Da schrie der Greis: »Jetzt geh aber zum Teufel! ich habe mich
-beschissen.«
-
-
-193.
-
-Man erzählt, daß einmal ein Mann in Konstantinopel zum Kadi von
-Jerusalem bestimmt worden ist. Er traf ein Übereinkommen mit einem
-Schiffsherrn und bestieg mit seinem ganzen Gefolge das Schiff. Eben
-wollte man die Anker lichten und in die See stechen, als ein Jude
-daherkam und an Bord ging; er brachte zwei Körbe mit, die dem Anscheine
-nach nichts sonst als Kleider enthielten, und bat den Kadi, sie
-mitzunehmen. Der Kadi hieß den Juden, sie einem aus seinem Gefolge, der
-dabeistand, zu übergeben. Als sich der Jude entfernt hatte, sah der
-andere, daß in den Körben eine Menge Pasterma[94] war, und schnitt sich
-sofort ein Stück ab; da er es nach seinem Geschmacke fand, versäumte
-er nicht, auf der ganzen Reise davon zu essen, so daß schließlich, als
-sie im Hafen von Jaffa ankamen, nicht ein Stückchen davon mehr da war.
-Alle Reisenden stiegen aus und gelangten glücklich nach Jerusalem.
-
-Der Diener des Kadis machte sich zwar Vorwürfe, daß er das Pasterma des
-Juden gegessen hatte, tröstete sich aber damit, daß er sich vornahm,
-ihn auf die eine oder die andere Weise schadlos zu halten. Unterdessen
-kam schon der Jude herbei, und er sagte zu ihm: »Du, ich muß mit dir
-reden; mir ist etwas ärgerliches zugestoßen, das dich gewissermaßen
-angeht: mit einem Wort, ich habe das Pasterma gegessen, das in deinen
-Körben war. Sag mir, welchen Preis du dafür haben willst oder wie wir
-uns sonst auseinandersetzen sollen.«
-
-Bei dieser Rede begann der Jude zu wimmern und sich den Bart zu raufen;
-alsbald versammelte sich eine Menge Leute um sie und man fragte den
-Juden: »Was gibt es denn, Jude?«
-
-Für einen Augenblick hörte der Jude auf zu weinen, sich den Bart zu
-raufen und zu heulen, freilich ohne daß er etwas gesagt hätte; sofort
-aber begann er sich wieder auf den Kopf zu schlagen und den Bart zu
-raufen. Dann stieß er einen Schrei aus, packte den andern beim Kragen
-und schleppte ihn vor den Richter.
-
-Der fragte seinen Diener: »Was hast du dem Menschen da genommen?«
-
-Der Diener antwortete: »Gnädiger Herr, der Jude ist mit uns zu Schiffe
-gestiegen; er hatte eine gewisse Menge Pasterma bei sich. Davon habe
-ich jeden Tag etwas gegessen, so daß bei unserer Ankunft in Jaffa
-nichts mehr da war. Ich habe ihm die Sache erklärt und habe ihm zur
-Entschädigung Geld geboten; aber anstatt meinen Vorschlag anzunehmen,
-rauft er sich Haare und Bart aus und hängt mir einen Rechtshandel an.«
-
-Nun sagte der Richter: »Sprich, Jude, was beanspruchst du?«
-
-»Gnädiger Herr,« sagte der Jude, »der Mann hat mir in dem, was auf dem
-Schiffe war, einen unersetzlichen Schaden zugefügt.«
-
-»Weiter,« sagte der Kadi, »damit wir sehn, worum es sich handelt.«
-
-»Herr,« sagte der Jude, »mein Vater, der ein reicher Kaufmann war,
-war erkrankt; als es nun ans Sterben ging, hat er mir nachdrücklichst
-ans Herz gelegt, ihn in Jerusalem zu begraben. Dazu habe ich kein
-leichteres Mittel gefunden, als sein Fleisch von den Knochen zu lösen,
-Pasterma daraus zu machen und es in Körben zu verpacken. Als ich aber
-das väterliche Pasterma zurückgefordert habe, hat sich herausgestellt,
-daß alles aufgegessen ist, alles sage ich, bis auf den letzten Bissen.«
-
-Der Kadi sah, daß in diesem Falle nichts zu machen war; er schickte den
-Juden weg und sprach seinen Diener ledig.
-
-Das also erzählt man von dem Rechtshandel, in dem ein Mann aufgetreten
-ist, der einen Juden ganz und gar aufgegessen hat.
-
-
-194.
-
-Es war einmal in Konstantinopel beim Iki-Kapu im Viertel Kara-Agadsch
-ein Gassenjunge, Akinedschi-Sadeh mit Namen, der es gar trefflich
-verstand, auf eine bissige Rede schlagfertig zu antworten.
-
-Eines Tages verschloß einer seinen Laden und brachte innen das
-Schlagtürchen an. Akinedschi ging hin und klopfte an das Türchen. Der
-andere sagte: »Was willst du?«
-
-»Komm näher; ich muß dir etwas sagen.«
-
-Daraufhin öffnete der andere das Türchen und sagte: »Was mußt du mir
-sagen?«
-
-Akinedschi antwortete: »Ich habe ein Verhältnis mit deiner Mutter; sag
-es aber niemand.«
-
-»Und du, bist du nicht der Sohn einer Hure, die man ruft, wenn man sie
-braucht?«
-
-»Das ist eine Lüge,« antwortete Akinedschi; »meine Mutter ist ja nicht
-die deinige.«
-
-
-195.
-
-Einmal hörte einer predigen: »Wenn man bei Einbruch der Nacht seine
-eheliche Pflicht erfüllt, so wird das belohnt werden wie die Opferung
-eines Schafes. Geschieht es bei Tage, so wird es so viel gelten wie die
-Freilassung eines Sklaven. Und um Mitternacht wird es belohnt werden
-wie die Opferung eines Kamels.«
-
-Der Zuhörer erzählte diese Rede, als er heimgekommen war, seiner Frau.
-Die Nacht kam und sie legten sich mitsammen nieder, und schon fühlte
-sich die Frau vom Verlangen gepackt. »Komm,« sagte sie zu ihrem Manne,
-»wir wollen den Lohn gewinnen, der für den Beginn der Nacht festgesetzt
-ist.« »Meinetwegen,« sagte der Mann; und er befriedigte sie.
-
-Um Mitternacht fühlte sie sich wieder aufgelegt und sagte zum Manne:
-»Wach auf, Mann, damit wir den Vorteil der Opferung eines Kamels
-erwerben.« Der Mann ermunterte sich und stillte ihr Begehren von neuem.
-
-Als der Morgen anbrach, sagte sie, noch immer stark erregt: »Auf, Mann;
-wir wollen den Preis gewinnen, der für die Freilassung eines Sklaven
-gilt.«
-
-Aber nun sagte der Mann: »Gewinne ihn dadurch, daß du zuerst mich
-freiläßt, der ich ja dein Sklave bin.«
-
-
-196.
-
-Eines Tages pflückte Mewlana Dschami[95] in seinem Garten Pfirsiche,
-als der Sultan Husejn Bähadur zu ihm kam, begleitet von einem
-Kämmerling und seinem jungen Liebling Tschokdar. In diesem Augenblicke
-hatte Mewlana Dschami vier Pfirsiche in der Hand; davon bot er sofort
-einen dem Padischah an, einen dem Kämmerling und zwei Tschokdar.
-
-Nun sagte der Sultan: »Warum hast du uns zweien jedem nur einen
-Pfirsich gegeben, dem Knaben aber zwei?«
-
-»Ich habe ihm nur einen gegeben,« antwortete Mewlana Dschami; »der
-andere ist nur geborgt[96].«
-
-
-197.
-
-Ein Narr gab sich für einen Propheten aus; er wurde festgenommen und
-vor den Sultan geführt. Der Sultan verhörte ihn in Gegenwart des Kadis
-und sagte dann zu diesem: »Der Mensch da ist von einer abgeschmackten
-Anmaßung; was soll mit ihm nach dem Worte Gottes geschehn?«
-
-Der Kadi antwortete: »Wenn er hartnäckig bei seiner Behauptung bleibt
-und sich sie zu widerrufen weigert, soll er zum Tode verurteilt
-werden.«
-
-Nun sagte der Sultan zu dem Angeklagten: »Da du sagst, du seist ein
-Prophet, so laß uns ein Wunder sehn.«
-
-Der angebliche Prophet antwortete: »Man bringe mir einen scharfen
-Säbel.«
-
-»Was willst du damit?«
-
-»Dem Kadi den Kopf abschlagen; dann werde ich ihn vom Tode erwecken.«
-
-Den Kadi erfaßte ein ungeheuerer Schrecken und er begriff die Absicht
-des Propheten; er verlor den Kopf und schrie: »Ach, Freund, ich bekehre
-mich als der erste zu deiner Lehre; nimm mich auf in die Zahl der
-Stifter.«
-
-
-198.
-
-Wieder einmal gab sich einer für einen Propheten aus; er wurde vor den
-Padischah geführt und der fragte ihn: »Ist es wahr, daß du Anspruch auf
-die Würde eines Propheten erhebst?«
-
-»Ja,« antwortete der Narr.
-
-»Gut,« fuhr der Sultan fort; »laß uns ein Wunder sehn.«
-
-»Sag mir, was du wünschest.«
-
-In diesem Augenblicke brachte ein Diener dem Herrscher ein Schloß, daß
-man mit elf Schlüsseln nicht hatte aufsperren können; sofort sagte der
-Sultan zu dem Angeklagten: »Gut; sperre uns dies Schloß ohne Schlüssel
-auf.«
-
-»Habe ich mich«, sagte der Wahnwitzige, »einen Propheten genannt oder
-einen Schlosser?«
-
-
-199.
-
-Man erzählt, daß ein Muselman, der sein ganzes Leben lang die
-Vorschriften Mohammeds beobachtet gehabt hat, auf einmal im Ramasan
-mit den Juden gegessen hat. Er sagte, er habe sich zu ihrem Glauben
-bekehrt; aber im Bairam sagte er zu ihnen, er sei nicht mehr ihr
-Glaubensgenosse. Da schrien die Juden: »Was soll das heißen? bist du
-nicht einer der unsern?«
-
-»Was?« schrie der Bekehrte; »ich war dreißig Jahre im moslimischen
-Glauben, ohne ein richtiger Mohammedaner werden zu können, und ein Jude
-sollte ich werden können in dreißig Tagen? Das ist unmöglich.«
-
-
-200.
-
-Zu Nasreddin, dem Hodscha, kam einmal einer und bat ihn, ihn zu
-beherbergen. Nun herrschte beim Hodscha eine solche Dürftigkeit, daß
-sogar die Mäuse vor Hunger ausgerissen waren. Als die Nacht kam,
-richtete der Reisende an den Hodscha die Frage, wo sie sich nach dem
-Abendessen schlafen legen würden. Der Hodscha antwortete: »Gegessen
-haben wir schon, bevor du gekommen bist; willst du dich jetzt
-niederlegen?«
-
-Der Fremde lag noch nicht lange, als er den Hodscha anrief und sagte:
-»Gib mir eine Decke; mich friert sehr.«
-
-Nasreddin antwortete: »Habe ich denn eine, die ich dir geben könnte? es
-ist übrigens nicht so kalt, daß du zittern könntest.«
-
-»Schon gut,« antwortete der Fremde, nachdem er einen Augenblick
-gezögert hatte.
-
-Aber der Hodscha begann zu überlegen; schließlich sagte er: »Ich habe
-eine Leiter; willst du sie?«
-
-»Bring sie meinetwegen; es liegt ja nichts daran.«
-
-Der Hodscha brachte die Leiter und legte sie auf ihn. Aber bald
-sagte der Gast, dem noch immer nicht recht warm werden wollte: »Denk
-ein wenig nach; vielleicht hast du doch noch etwas, was du mir geben
-könntest.«
-
-Nach einem Augenblicke schrie der Hodscha: »Du hast recht; ich habe
-noch einen Trog: was sagst du dazu?«
-
-»Bring ihn immerhin.«
-
-Nasreddin holte den Trog, der noch ganz voll Wasser war, und setzte ihn
-auf die Leiter. Als sich aber der Gast, den das Gewicht der zwei Dinge
-drückte, umdrehn wollte, kippte der Trog um und goß seinen Inhalt aus.
-Der also überschwemmte rief den Hodscha von neuem an und schrie: »Nimm
-die Decken weg; ich bin schon ganz naß.«
-
-
-201.
-
-Auf einer Reise, die er, um etwas zu lernen, unternommen hatte, kam
-der Hodscha einmal in ein Land, dessen Bewohner den Brauch hatten, auf
-ihren Häusern für jeden Krug voll Gold, den sie besaßen, je eine Fahne
-aufzuziehen; man sah also Häuser mit einer, zwei, drei, vier und fünf
-Fahnen. Nachdem der Hodscha dort ein Jahr lang gelebt hatte, füllte er
-mehrere Töpfe mit Kieseln und pflanzte für jeden eine Fahne auf. Nun
-war es weiter in diesem Lande Sitte, daß im Bairam einer den andern
-einlud, und so kam die Reihe auch an den Hodscha. Nach dem Mahle ging
-man ins Bad; seine Gäste bemerkten die Töpfe, fanden sie aber alle voll
-Kiesel. Und sie sagten zu ihm: »Aber Hodscha, da sind ja nur Steine
-drinnen?«
-
-»Ob es Gold ist,« antwortete der Hodscha, »oder Steine, das läuft auf
-dasselbe hinaus, wenn es nur dazu da ist, um in den Töpfen zu bleiben.«
-
-
-202.
-
-In der Fastenzeit des Bairams wurde ein Kalender gefragt: »An welchen
-Tagen in diesem Monat ißt man und an welchen nicht?«
-
-Scheinheilig antwortete er: »Ich weiß es nicht, an welchem Tage man
-fastet; denn ich esse nur einmal im Monat.«
-
-
-203.
-
-Ein Arzt fühlte einem Kalender den Puls; der Kalender war aber gewohnt,
-dieses einschläfernde Mittel, das Bhang heißt, zu gebrauchen. Der Arzt
-erkannte leicht, daß seine ganze Krankheit nur der Hunger war; drum
-ließ er alsbald eine Schüssel Pilaf bereiten und setzte sie dem armen
-Teufel vor.
-
-Nachdem der alles aufgegessen hatte, schrie er: »O du gütiger Arzt,
-ich kenne noch zwanzig andere Kalender, die an derselben Krankheit
-leiden wie ich; ich will sie dir bringen und du kannst an ihnen die
-Wirksamkeit deiner Arznei versuchen.«
-
-
-204.
-
-Eines Tages kam ein Arzt auf seinem Wege an einer Begräbnisstätte
-vorbei; alsbald schloß er die Augen. Sein Sohn fragte ihn: »Warum tust
-du so?«
-
-Der Arzt antwortete: »Ich will es vermeiden, die zu sehn, die hier
-sind; denn hier sind die begraben, die an meinen Tränkchen gestorben
-sind.«
-
-
-205.
-
-Der Hodscha war zum Lehrer und Hofmeister des Sohnes des Königs
-bestellt worden. Nun empfahl er sich bei dem Prinzen regelmäßig, wann
-zum Mittagsgebete gerufen wurde. Einmal aber fuhr der Hodscha trotz
-diesem Rufe mit der Brille auf der Nase fort zu lesen; da sagte der
-Prinz: »Es ist das Zeichen zum Gebete gegeben worden; wir sind jetzt
-frei.«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich habe es nicht gehört.«
-
-»Wenn das so ist,« sagte der Prinz, »dann hättest du die Brille über
-die Ohren nehmen sollen statt über die Augen.«
-
-
-206.
-
-Eines Tages wurde ein junger Geck, Desdar Oglu mit Namen, von einem
-reichen Manne zu Tische geladen. Es wurde aber weder Pilaf, noch
-Fleisch aufgetragen, sondern nur eine Suppe, bei der man mit dem Reis
-sehr sparsam umgegangen war; und der Geck fragte recht unschicklich:
-»Was für eine Suppe ist das?«
-
-Darauf antwortete ihm einer: »Der Herr pflegt wohl häufig auf die Jagd
-zu gehn? Hunde hat er ja genug.«
-
-»Freilich,« antwortete Desdar Oglu, »ich habe mehr als ich brauchte:
-der eine jagt das Rebhuhn, der andere die Wachtel, ein dritter das
-Haselhuhn.«
-
-Und der Schalk sagte weiter: »Da fehlt dir noch immer einer.«
-»Welcher?« »Einer, der in dieser Suppe Reis aufspüren würde.«
-
-
-207.
-
-Der Hodscha kam heim und sagte zu seiner Frau: »Koch uns heute einen
-Pilaf, damit wir uns wohl gesättigt schlafen legen können; heute fühle
-ich mich einmal frei von aller Traurigkeit.«
-
-Die Frau kochte den Pilaf; sie aßen ihn und gingen zu Bette. Kaum lagen
-sie aber, als an die Tür gepocht wurde. Der Hodscha sagte zu seiner
-Frau: »Geh, sieh nach, wer es ist.«
-
-Die Frau ging zur Tür und sagte: »Wer ist da?«
-
-»Meine Eselin hat geworfen,« sagte ein Nachbar; »aber das Junge hat
-weder Schwanz noch Ohren.«
-
-Nun fragte der Hodscha: »Was gibts denn?« und die Frau antwortete: »Uns
-geht es eigentlich nichts an; der Nachbar ist da: seine Eselin hat ein
-Junges ohne Schwanz und Ohren geworfen.«
-
-Darauf sagte der Hodscha: »Ich kann nicht mehr liegen bleiben; meine
-Ruhe ist weg.«
-
-»Was beschäftigt dich denn so sehr?«
-
-»Wenn dieser Esel«, sagte der Hodscha, »zwei oder drei Jahre alt wird,
-und man führt ihn ins Holz, und wenn dann der Weg kotig ist, wo soll
-denn der Dreck an ihm haften bleiben, ohne Schwanz und Ohren, wie er
-ist? Das bringt mich um meine Ruhe; stehn wir auf, Weib.«
-
-
-208.
-
-Der Hodscha ging einmal an den Rand eines Baches und befriedigte ein
-gewisses Bedürfnis; dann sah er, wie das, dessen er sich entledigt
-hatte, wegschwamm. Da schrie er: »Das Ende der Welt kommt heran und
-darüber kann es keinen Zweifel geben; denn das unreine Ding da lehrt
-uns schwimmen und über das Wasser zu setzen.«
-
-
-209.
-
-Der Hodscha wurde gefragt: »Wann wird denn der Tag des Tumultes, der
-geweissagt ist, kommen?«
-
-»Von welchem Tumult sprecht ihr?« antwortete der Hodscha; »von dem
-großen oder von dem kleinen?«
-
-»Was heißt das, der große und der kleine?«
-
-»Der kleine ist der, den meine Frau macht; der große kommt, wenn ich
-zornig werde.«
-
-
-210.
-
-Eines Tages gingen der Sultan Murad und Husejn Pascha, der Narr, als
-Derwische verkleidet, den Bosporus entlang. Als sie an einen Ort
-kamen, wo die Leute zu lustwandeln pflegten, bekamen sie Lust auf
-Kaffe. Husejn Pascha sagte: »Da wir kein Feuer haben, will ich Holz
-sammeln gehn.« Als er es gebracht hatte, schichtete es der Sultan auf
-und begann das Feuer anzufachen; da er aber zerstreut war, ließ er
-es zu viel brennen. Husejn Pascha bemerkte das und schrie, wie er es
-mit seinem Knechte getan hätte, um ihn zur Achtsamkeit zu mahnen: »Du
-Sklavenbengel, du Hurensohn!«, ohne zu denken, daß er damit auf die
-Abstammung der Sultane anspielte, die alle Kinder von Sklavinnen waren.
-
-»Dein Glück,« sagte der Padischah, »daß du das im Scherze gesagt hast;
-sonst hätte ich dich getötet.«
-
-
-211.
-
-Ein junger Mann ohne Erfahrung hatte auf einer Reise eine kleine
-Auswahl chinesischen Porzellans gekauft. Im Hafen angelangt und eben
-im Begriffe sich auszuschiffen, faßte er den Plan, sein Porzellan
-wegtragen zu lassen, ohne den Träger für seine Mühe zu bezahlen. Er
-sagte zu einem Träger: »Was für ein Landsmann bist du?«
-
-Der antwortete: »Ich bin ein Anatolier und aus Tasch-Köprü.«
-
-»Aha,« dachte der junge Mann, »ein Dummkopf von einem Türken.« Und er
-sagte zu ihm: »Wenn du mir diesen Pack in mein Karawanserai trägst, so
-werde ich dir drei gute Ratschläge geben.«
-
-»Einverstanden,« antwortete der Türke dem schlauen Gesellen. Er nahm
-die Last auf und trug sie in das Karawanserai; als er dort ein paar
-Stufen emporgestiegen war, sagte er: »Nun höre ich.«
-
-Der andere sagte: »Wenn man dir sagt, daß der Hunger der Sättigung
-vorzuziehen sei, so glaube es nicht.«
-
-»Ich verstehe,« sagte der Träger und ging wieder ein paar Stufen
-weiter; dann sagte er: »Was hast du mir noch zu sagen?«
-
-»Wenn man dir sagt, die Armut sei besser als der Reichtum, so glaube es
-nicht.«
-
-Der Träger ging weiter und bat ihn nach einigen Stufen wieder, zu
-sprechen.
-
-»Zum dritten: wenn man dir sagt, daß es besser ist, zu Fuße zu gehn als
-zu reiten, so glaube es nicht; das sind die Ratschläge, die ich dir zu
-geben habe.«
-
-Der Träger stieg die Treppe vollends hinauf; und als er oben war, warf
-er seine Last hinunter.
-
-Der junge Mann schrie: »Was machst du da?«
-
-Und der Träger sagte: »Wenn man dir sagt, daß in dem Pack da ein
-einziges Stück ganz ist, so glaube es nicht.«
-
-
-212.
-
-Man erzählt, daß Nasreddin-Effendi einen Bruder hatte; sie waren beide
-unbeweibt, verlangten aber zu heiraten. Schließlich fanden sie zwei
-Mädchen nach ihren Wünschen; sie heirateten beide, und jeder gründete
-einen Hausstand. Nun kam einmal der Bruder des Hodschas zu diesem auf
-Besuch; da sah er, daß des Hodschas Frau fröhlich war, lachte und
-scherzte, während die seinige außerordentlich ernst war. Und er sagte
-zu Nasreddin: »Du bist mein Bruder; sei also so gut und sage mir, wie
-du es angestellt hast, daß deine Frau so vergnügter Laune ist: ich will
-es dann mit der meinigen ebenso machen.«
-
-»Umsonst verrate ich es dir nicht,« sagte der Hodscha; »wenn du mir
-aber einen vollständigen Anzug gibst, so will ich es zuwege bringen,
-daß sie lacht.«
-
-Der Bruder sagte: »Das verspreche ich dir.«
-
-Und der Hodscha fuhr fort: »Lade mich also an einem Abende ein. Nachdem
-du ein bißchen verweilt hast, so laß dich wegholen; befiehl aber deiner
-Frau, daß sie sich nicht eher schlafen lege als ich, was immer ich
-sagen würde und wie dringlich auch meine Aufforderungen seien. Wann du
-ihr das gesagt hast, geh weg.«
-
-Der Bruder lud den Hodscha vereinbartermaßen ein; nach dem Rufe zum
-Abendgebete waren sie alle drei beisammen, als der Hausherr, wie
-abgemacht, geholt wurde. Er erteilte seiner Frau die besprochenen
-Anordnungen und ging weg. Von nun an sprach der Hodscha kein Wort
-mehr mit seiner Schwägerin, mit der er ganz allein war; sie wurde es
-bald müde, auf unbestimmte Zeit aufbleiben zu sollen, und verspürte
-die ersten Anzeichen der Schläfrigkeit. Drum sagte sie zum Hodscha:
-»Gestatte, Effendi, daß dir ein Bett bereitet wird; du wirst dich ein
-wenig ausruhen.«
-
-Aber der Hodscha antwortete: »Ich will nicht schlafen.«
-
-»Warum denn nicht?«
-
-»Ich fürchte, daß, wann ich schlafe, die Mäuse kommen und mir den Kopf
-fressen.«
-
-»Und wie weichst du dem aus, wenn du zu Hause bist?«
-
-»Wann ich zu Hause schlafen gehe, lege ich meinen Kopf in die Hände
-meiner Frau und sie läßt das Licht brennen; geht sie dann später selber
-schlafen, so nimmt eine Sklavin ihre Stelle ein.«
-
-Seine Schwägerin sagte: »Wir werden dasselbe tun.« Augenblicklich
-bereiteten die Sklavinnen ein Bett und die Frau setzte sich nieder
-und nahm den Kopf des Hodschas in ihre Hände; da sie dessen bald müde
-wurde, rief sie eine ihrer Sklavinnen und übergab ihr dieses Geschäft.
-Bald darauf schliefen die Herrin und die andern Frauen ein. Nun stand
-der Hodscha leise auf, blies das Licht aus, nahm seinen Sik heraus, gab
-ihn der Sklavin in die Hand, legte sich nieder und begann zu piepen wie
-eine Maus. Auf das Geräusch erwachte seine Schwägerin; da sah sie, daß
-das Licht erloschen und die Sklavin eingeschlafen war. »Nichtsnutziges
-Ding,« schrie sie, »wie kannst du schlafen? Jetzt werden die Mäuse den
-Kopf des Effendis fressen.«
-
-Die Sklavin antwortete: »Ich weiß nicht, ob das nicht schon geschehn
-ist; er ist schon ganz klein.«
-
-Die Herrin begann das junge Mädchen zu beschimpfen; als sie aber
-das Licht anzündete, sah sie, was die Sklavin in der Hand hatte.
-In demselben Augenblicke sprang der Hodscha auf, lief zur Tür und
-ließ seinen Bruder eintreten, und der sah nun, wie seine Frau aus
-vollem Halse lachte und keines Wortes fähig war. Da er aus ihr nichts
-herausbringen konnte, ging er wieder zum Hodscha, der draußen geblieben
-war, und fragte ihn: »Was hast du denn also getan?«
-
-»Ach,« sagte der Hodscha, »wenn du das ganze gesehn hättest, du hättest
-wohl lachen müssen bis zu deinem letzten Stündlein.«
-
-
-213.
-
-Eines Tages versammelten sich die Mäuse, um Rat zu halten, und sie
-sagten: »Was werden wir noch alles von der Katze leiden müssen, wenn
-wir kein Mittel entdecken, um uns vor ihr zu schützen?« Nachdem jede
-gesprochen hatte, überwog der Rat, ein Glöckchen zu verfertigen und
-es der Katze um den Hals zu hängen; »wenn wir das Geklingel hören,«
-dachten sie, »wollen wir Reißaus nehmen.«
-
-»Ich liefere das Stückgut,« sagte die eine. »Ich die Kohle,« sagte die
-andere. »Ich das Kupfer,« sagte die dritte. Nur eine alte Maus verhielt
-sich ganz still, bis die andern sagten: »Rede doch auch du; du hast ja
-in diesem Lande schon so viele Jahre verrinnen sehn.«
-
-Da sagte die alte Maus: »Ihr habt bei euerer Überlegung etwas
-wesentliches vergessen: ich bin bereit, das Glöckchen ganz zu liefern;
-aber wer von euch wird es der Katze an den Hals hängen?«
-
-
-214.
-
-Einst wurde ein bejahrter Christ Muselman. Sechs Monate nach seiner
-Bekehrung führte ihn der Gebetsaufseher vor den Kadi und klagte ihn
-an, er erfülle nicht die verordneten Gebete; der Kadi, der derselbe
-war, in dessen Hände der Greis abgeschworen hatte, fragte ihn: »Warum
-unterziehst du dich nicht den vorgeschriebenen Gebeten?«
-
-»Effendi,« antwortete der Angeklagte, »in deiner Gegenwart war es,
-daß ich meinem alten Glauben entsagt habe, und du hast damals zu mir
-gesagt: ›Nun bist du rein aller Sünden; du bist jetzt so, als ob du ein
-zweites Mal aus dem Mutterleibe gekommen wärest.‹«
-
-Der Kadi antwortete: »Das sind meine Worte.«
-
-Und der Greis fuhr fort: »Freilich, und seither sind nicht mehr als
-sechs Monate verstrichen; betet denn ein Kind in diesem Alter?«
-
-
-215.
-
-Zwei Leute führten eines Rinds halber einen Rechtshandel. Jeder
-ging, ohne daß es der andere gewußt hätte, zum Kadi und drückte ihm
-zweihundert Asper in die Hand, um ihn sich geneigt zu machen. Als
-dann der Spruch gefällt werden sollte, erschienen die Streitenden und
-brachten das Rind mit; und der Kadi fragte den, der es hielt: »Wieviel
-ist das Rind wert?«
-
-»Vierhundert Asper,« war die Antwort.
-
-Da sagte der Kadi: »Wenn dem so ist, was brauchen wir uns weiter damit
-zu beschäftigen? Jeder von euch hat mir zweihundert Asper gegeben;
-damit ist also die Sache erledigt.«
-
-Die beiden Gegner befragten einander, als sie weggingen, und vernahmen
-also, daß sie jeder dem Kadi ein Geschenk von zweihundert Asper gemacht
-hatten; und sie sagten: »Es hat keinen Sinn, den Streit weiterzuführen;
-das Rind hat ja schon der Kadi aufgegessen.«
-
-
-216.
-
-Es war einmal einer, der fühlte, daß er krank war; da sich sein Zustand
-verschlimmerte, ließ er einen Arzt rufen. Der Arzt untersuchte ihn und
-sagte ihm, daß ihm in diesem Falle ein einjähriger Essig gut tun würde.
-Der Kranke ging also, um einen Freund darum zu bitten, und der sagte:
-»Es trifft sich gut, daß ich gerade einen solchen habe.«
-
-Einer, der vorbeiging, hatte ihr Gespräch gehört; deshalb sagte er:
-»Bruder, möchtest du nicht die Güte haben, mir auch etwas von diesem
-Essig zu geben?«
-
-Und der Freund antwortete: »Hätte ich einem jeden gegeben, der Bedarf
-danach gehabt hätte, so wäre er kein Jahr alt geworden.«
-
-
-217.
-
-Ein Sultan und Chalif von Bagdad pflegte die Verse, die ihm gebracht
-wurden, abzuwägen und nach ihrem Gewichte die Dichter zu bezahlen. Nun
-verfaßte ein Dichter, der diese Gewohnheit des Chalifen nicht kannte,
-einen Lobgesang auf ihn in der Absicht, ihn ihm zu überreichen. Da
-sagte ihm einer: »Du machst dir umsonst viel Mühe; weißt du denn
-nicht, wie es unser Padischah zu halten pflegt? Er bezahlt die Dichter
-nach dem Gewichte ihrer Werke.«
-
-»Danke schön,« sagte der Dichter; und er schrieb ein Gedicht auf
-einen großen Marmorblock. Den ließ er von Leuten, die ihn an einem
-Barren aufhängten, zum Palaste bringen und ging selbst mit, um ihn
-dem Padischah darzubringen. Der Padischah, der sofort sah, worum es
-sich handelte, sagte zu seinem Wesir: »Jetzt gilt es, sich auf eine
-anständige Art aus dem Handel zu ziehen.«
-
-»Wie das?« fragte der Wesir.
-
-»Wir werden uns«, antwortete der Chalif, »mit tausend Golddukaten
-ausgleichen.«
-
-
-218.
-
-Einmal sagte ein Kaufmann zu seinem indischen Sklaven: »Vorwärts, wir
-gehn auf den Abtritt.«
-
-Der Sklave füllte die Kanne mit Wasser[97], sah aber sofort, daß sie
-ein Loch hatte, weil alles Wasser auslief; da sagte er zu seinem Herrn:
-»Herr, die Kanne hält kein Wasser; wasch dich also zuerst, und dann geh
-erst dein Bedürfnis verrichten.«
-
-
-219.
-
-Einer begegnete einmal einem Dämon, der auf seinen Schultern einen
-alten jüdischen Rabbi trug; und der Rabbi schlug und mißhandelte den
-Dämon und zwang ihn auszuschreiten. Und der Mann fragte ihn: »Warum
-trägst du einen, der dich schlägt und mißhandelt?«
-
-Darauf antwortete der Teufel — er sei verflucht —: »Er gebraucht
-irgendeine verruchte Tücke, die meinen Verstand übersteigt; durch
-angestrengte Aufmerksamkeit wird es mir vielleicht gelingen,
-dahinterzukommen.«
-
-Der Fluch Gottes sei über ihnen beiden!
-
-
-220.
-
-Einmal hatte ein Schüler des berühmten Mewlana Dschami Gedichte
-verfaßt und sie in einem Diwan vereinigt. Mewlana Dschami sah das Buch
-durch und überzeugte sich, daß es von unzusammenhängenden Worten, von
-Nachlässigkeiten und von Albernheiten strotzte; da er ein solches
-Machwerk nicht loben konnte, sagte er ironisch: »Gott segne dich! du
-hast da einen gewaltigen Diwan verfaßt.«
-
-Der Dummkopf blähte sich über diese Schmeichelei und antwortete: »Es
-ist ein Diwan, den der heutige Dichtertroß gar nicht erfaßt.«
-
-»Das stimmt,« sagte Mewlana Dschami; »ich habe nicht ein Wort
-verstanden.«
-
-
-221.
-
-Als Bani-Tschokar einmal im Bade war, trat ein Badediener, einer von
-denen, die nicht rasieren, zu ihm und wollte ihn mit dem Wollhandschuh
-abreiben; doch Bani sagte: »Ich will nicht geknetet werden; rasiere mir
-aber den Kopf.«
-
-Bald merkte er, daß das Rasiermesser nichts schnitt; da sagte er zu dem
-Bader: »Gib acht! du wirst mich wirklich rasieren, wenn du nicht acht
-gibst.«
-
-222.
-
-Ein Kadi kam auf einer Bereisung in ein Dorf in der Umgebung von Konia.
-Er befragte die Bauern über das Gebet und befahl einem von ihnen, der
-etwas weniger unwissend schien als die andern, ihm zu sagen, wie oft
-man am Morgen beten solle; der antwortete: »Zwanzigmal.«
-
-»Schweig,« sagte der Kadi; »du bist ein Esel.«
-
-Da sagte ein anderer: »Man betet viermal.«
-
-Aber der erste sagte: »Ich habe ja schon zwanzig gesagt! das muß doch
-besser sein.«
-
-
-223.
-
-Eines Tages ging ein Bauer einer gewissen Sache halber zum Kadi; er
-dachte aber, er werde bei diesem besonders gut ankommen, wenn er recht
-verschwenderisch mit den Titeln sei, und so sagte er beim Eintritte:
-»Heil über dich, gnädigster Herr Prophet!«
-
-Aber der Kadi sagte: »Schweig; du bist ein Einfaltspinsel.«
-
-»Habe ich denn in meiner Rede die Gesetze der Sprache verletzt?«
-
-Der Kadi befahl: »Züchtigt mir diesen Dummkopf!« Und die Schergen
-prügelten ihn durch.
-
-Nun sagte der Kadi: »Warum sprichst du mich in dieser Weise an? Das ist
-die Rede eines nichtsnutzigen Menschen.«
-
-Und der Bauer antwortete: »Ich war verwirrt, du Schwein; ich war
-verwirrt.«
-
-
-224.
-
-Eines Tages ging ein Herr ins Bad; dort stahl man ihm sein Tekjeh[98].
-Als er wegging, sagte er zum Bademeister: »Du hast mir mein Tekjeh
-gestohlen.«
-
-Der Bademeister antwortete ihm: »Du bist bloßköpfig ins Bad gekommen.«
-
-Da schrie der Bestohlene, indem er sich an die andern Anwesenden
-wandte: »Hört, Leute, seht euch meinen Kopf an, und dann sagt, ob ich
-bloßköpfig gekommen sein kann.«
-
-Sein Kopf war ganz voll Grind.
-
-
-225.
-
-In Adrianopel, der wohlbehüteten, war einmal ein Dichter, Silani
-mit Namen, und der trug eines Tages dem Volke ein ganz jämmerlich
-schlechtes Gedicht vor. Die Zuhörer begannen zu lachen.
-
-»Da sieht man,« rief Silani, sich selber lobend, »daß meine Werke nicht
-zur weinerlichen Gattung gehören.«
-
-
-226.
-
-Ein Dichter, der einst der Günstling der Wesire gewesen war, erblindete
-am Ende seiner Tage; nun gab er Unterricht und ließ sich von seinem
-Knaben von Tür zu Tür führen. Da träumte einmal einem der Wesire, daß
-er ihn also herabgekommen sehe. Der Wesir rief sich alle Einzelheiten
-der Vergangenheit dieses armen Menschen ins Gedächtnis, und am Morgen
-ging er ihn aufsuchen und sagte zu ihm: »Kennst du mich?«
-
-»Warum sollte ich dich nicht kennen? wenn ich auch das Gesicht verloren
-habe, so ist mir doch das Gehör geblieben. Früher habe ich deine
-gütigen Wohltaten genossen; bist du nicht derundder Pascha?«
-
-Der Wesir fuhr fort: »Und dieser Knabe, ist er dein Sohn?«
-
-»Er ist mein Knabe und dein Diener.«
-
-»Kann er lesen?«
-
-»Freilich.«
-
-»Und was liest er denn?«
-
-»Er sieht die jämmerliche Lage, worin sich sein Vater befindet; drum
-liest er Verwünschungen gegen die, die ihn ohne Unterstützung seinem
-unglücklichen Schicksal überlassen.«
-
-
-227.
-
-Ein Kalender verabsäumte es, im Ramasan die vorgeschriebenen Fasten
-einzuhalten; andererseits aber unterließ er es nicht, allnächtlich kurz
-vor Sonnenaufgang zu essen. Man fragte ihn: »Da du bei Tage keineswegs
-fastest, warum ißt du dann vor Tagesanbruch?«
-
-Und der Kalender antwortete: »Wenn einer nicht nur das Gesetz, sondern
-auch die Überlieferung außer acht ließe, müßte denn der nicht zu den
-Ungläubigen gezählt werden?«
-
-
-228.
-
-Als der Hodscha einmal ackerte, riß ein Riemen. Sofort wickelte er
-seinen Turban ab, band ihn an die Stelle des Riemens an den Ochsen und
-den Pflug, packte den Stachel und trieb den Ochsen an; der nahm einen
-Ruck, so daß der Turban auf Stücke ging, und kehrte sich um. Da schrie
-der Hodscha: »So ein dummes Vieh! zieht es an einem Turban ebenso stark
-wie an einem Riemen!«
-
-
-229.
-
-Der Hodscha erging sich eines Tages mit seinem Sohne, als sie einem
-Leichenzuge begegneten; und hinter dem Zuge kam die junge Gattin des
-Verstorbenen, die ihren Schmerz in bittern Klagen ausströmte: »Noch
-heute hat er gegessen, getrunken und unter der Decke geschlafen; und
-jetzt bringt man ihn an einen Ort, wo es nichts zu essen gibt und
-nichts zu trinken, keine Decke, kein Bett, ja nicht einmal eine Matte.«
-
-»Vater,« sagte der Sohn des Hodschas, »bringt man den Toten zu uns?«
-
-
-230.
-
-In einer fremden Stadt sah der Hodscha einmal einen Nußbaum. Da er
-einen solchen Baum nicht kannte, blieb er voll Verwunderung stehn;
-endlich schlug er einige Nüsse in ihrer grünen Schale herunter und biß
-ohne weiters in eine hinein. Sie schmeckte gar bitter und er gewahrte,
-daß sein Mund anschwoll; da sagte er voller Unruhe: »Farbe und Form
-sind so wie bei den Zwetschen; sollte ich vergiftet sein? Da steckt
-irgendeine Schurkerei dahinter. Ach, ihr Aussehn ist recht trügerisch!«
-
-
-231.
-
-Es war einmal ein Geiziger, der jahraus, jahrein nichts andres aß
-als Hammelkopf; darum wurde er eines Tages gefragt: »Warum ißt du
-eigentlich weder im Sommer, noch im Winter etwas andres?«
-
-Er antwortete: »Siehst du denn nicht, wie billig so ein Hammelkopf ist?
-Wann ihn einmal der Diener vom Fleischer gebracht hat, braucht man
-nichts mehr an ihm herumzuschneiden; Kosten fürs Kochen hat man auch
-nicht, weil er schon gekocht verkauft wird. Und was hat man dann alles:
-die Haut, das Fleisch, die Augen, die Ohren, die Zunge, das Hirn;
-ebenso viel Gerichte! Begreifst du jetzt, was für ein vorteilhaftes
-Essen so ein Hammelkopf ist?«
-
-
-232.
-
-Ein Geizhals kam heim und bat seine Frau, ihm zu essen zu geben; sie
-briet ein Huhn und brachte es ihm. In diesem Augenblicke pochte ein
-Bettler an die Tür und sagte: »Um Gotteswillen, schenkt mir etwas.«
-
-Der Geizige mißachtete diese Bitte und schickte den Armen mit leeren
-Händen weg.
-
-Im Verlaufe der Zeit fiel der Geizhals in Unglück und fand sich bald
-von allen Mitteln entblößt; als er derart herabgekommen war, stritt er
-eines Tages mit seiner Frau und schied sich von ihr. Sie heiratete dann
-einen andern. Nun wollte es Gott, daß sie eines Tages ihrem zweiten
-Gatten ein Huhn kochte und es ihm just in dem Augenblicke vorsetzte, wo
-ein Bettler an die Tür klopfte und sagte: »Um Gotteswillen, schenkt mir
-etwas.«
-
-Auf der Stelle nahm ihr Gatte das ganze Huhn, reichte es ihr und sagte:
-»Gib es dem armen Menschen.«
-
-Die Frau gehorchte und erkannte in dem Bettler, den sie an der Tür
-fand, ihren ersten Mann. Sofort ging sie zu ihrem zweiten hinein und
-erzählte ihm von dieser sonderbaren Begegnung. Und dieser sagte:
-»Liebes Weib, wisse, daß ich einmal betteln gegangen bin; ich war
-damals in der äußersten Not. Aber dein Mann hat mir nichts gegeben und
-ich bin mit leeren Händen weggegangen. Nun hat ihm der Allmächtige all
-sein Gut genommen, sogar so eine Frau, wie du bist, um alles mir zu
-geben; sein Glück ist zu mir gekommen und meine Armut zu ihm. Ich habe
-seiner bedurft; jetzt bedarf er meiner.«
-
-So erzählt man diese Geschichte. Zieht daraus, Freunde, den Nutzen,
-den ihr sollt. Danken wir dem Höchsten, daß er uns die irdischen Güter
-zugesteht, und laßt uns, ob arm oder reich, seinen Namen nie ohne
-Ehrfurcht nennen!
-
-
-233.
-
-Ein Geizhals wiederholte, sooft er sich zu Tische setzte, zweimal den
-Spruch: »Gott, beschütze mich!«
-
-Eines Tages fragte man ihn: »Warum sprichst du diese Bitte Tag für Tag
-doppelt?«
-
-Der Geizige antwortete: »Das erste Mal ist der Teufel — der Fluch sei
-auf ihm — gemeint; das zweite Mal gilt sie den Gästen, damit meine
-Küche von ihrem Besuche verschont bleibe.«
-
-
-234.
-
-Als Tamerlan in Akschehir war, lud er einmal den Hodscha ein, mit
-ihm ins Bad zu gehn, und der Hodscha nahm die Einladung an. Tamerlan
-versah sich mit einem Badetuch, das hundert Goldstücke wert war,
-und sie gingen hinein; dort setzten sie sich neben der Kufe hin und
-unterhielten sich. Und Tamerlan sagte zum Hodscha: »Wenn ich ein Sklave
-wäre und verkäuflich, wie viel gäbest du für mich?«
-
-»Kaum hundert Goldstücke.«
-
-»Aber du Dummkopf, das Badetuch ist ja allein so viel wert.«
-
-»Das habe ich wohl überlegt,« sagte der Hodscha; »sonst gäbe auch
-niemand für dich ein Goldstück[99].«
-
-
-235.
-
-Der Hodscha sagte einmal zu seiner Frau: »Bereite eine hübsche Schüssel
-Joghurt, damit ich sie morgen Tamerlan bringe. Ich will sie aber schon
-zeitlich früh haben.«
-
-Die Frau bereitete den Joghurt und der Hodscha ging mit der Schüssel,
-nachdem er sie in gestickte Handtücher gewickelt hatte, noch vor der
-Dämmerung weg; er kam bei Tamerlan an und überreichte ihm den also
-eingewickelten Joghurt. Timur fragte: »Was ist das?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Diesen frischen Joghurt bringe ich dir, damit
-du ihn essest, und diese Tücher, damit du dich nach der Waschung
-abtrocknest.«
-
-Timur band die Tücher auf und nahm sie, nachdem er den Joghurt
-herausgetan hatte, in die Hand, um die Stickerei zu betrachten; diese
-fand er aber jämmerlich schlecht, und so sagte er: »Ich möchte mich
-lieber an der Hand abtrocknen, die diese Tücher gestickt hat.«
-
-Aber der Hodscha antwortete: »Die Hand, die sie gestickt hat, ist weit;
-aber die Tücher sind da und just zu dem Zwecke, den du sagst.«
-
-
-236.
-
-Eines Tages fand sich der Hodscha so von allem entblößt, daß ihm
-auch nicht ein Körnchen Weizen oder Gerste geblieben war. Da legte
-er seinem Esel einen großen Sack auf, hängte seinem Sohne eine
-Trommel um und ging von Tür zu Tür, um die Barmherzigkeit der Leute
-anzurufen. Kaum hatte er die Trommel geschlagen und sich in dieser
-Verfassung gezeigt, als ihm auch schon Männer und Frauen Gerste oder
-Korn brachten, der eine ein Nösel, der andere zwei; und der Hodscha
-schüttete alles in den Sack. Schließlich kam er zu einem großen Tor,
-dessen einer Flügel offen stand. Der Knabe schlug die Trommel, aber
-niemand trat heraus; er stieß den Esel in den Torweg, und da überzeugte
-er sich, daß auch innen völliges Schweigen herrschte. Nachdem sie den
-Esel im Stalle angebunden hatten, lehnten Vater und Sohn eine Leiter an
-das Haus und stiegen hinauf; sie kamen in einen Vorsaal und dann in ein
-Zimmer, ohne daß sie einen Laut gehört hätten.
-
-Plötzlich traf ein Geräusch das Ohr des Hodschas; eine Frauenstimme
-sagte: »Jetzt wird der Effendi bald dasein.« Das wollte heißen, daß die
-Herrin des Hauses an diesem Tage mit dem Kadi der Stadt ein verliebtes
-Stelldichein hatte. In diesem Augenblicke war sie im Bade, und sie
-sagte zu ihren Sklavinnen, daß sie rasch heraussteigen müsse.
-
-Das hörte der Hodscha alles und er sagte sich: »Da gilt es, einen
-hübschen Spaß anzustellen.« Als er darum unverzüglich ein passendes
-Versteck suchte, sah er ihm gegenüber ein köstliches Zimmer, reich mit
-Gold verziert. Ohne zu zaudern, trat er ein; dort fand er den großen
-Bettschrank schier leer, und er versteckte sich mit seinem Sohne hinter
-den Vorhängen.
-
-Einen Augenblick darauf stieg die junge Dame aus dem Bade; gestützt auf
-die Arme ihrer Sklavinnen kam sie in das Zimmer und setzte sich auf den
-Ehrenplatz, um also die Ankunft des Kadis abzuwarten. Der war auch bald
-zur Stelle; die Sklavinnen führten ihn zu ihrer Herrin, die sich erhob,
-ihm einige Schritte entgegenging, ihn unter dem Arme faßte und ihm den
-Ehrensitz überließ. Es war im Sommer und an einem der heißesten Tage,
-so daß der Kadi etwas schwitzte; drum zogen ihm die Sklavinnen seine
-Kleider aus und er behielt nur die Unterhosen und ein Jäckchen und auf
-dem Kopfe eine Mütze. Die Kleider legten die Sklavinnen in eine Truhe.
-
-Nun mußte sich der Effendi zu seiner Bequemlichkeit auf das Bett setzen
-und die Dame setzte sich, ebenso nur leicht gekleidet, neben seine
-Herrlichkeit. Nachdem sie dann ein leichtes Mahl eingenommen hatten,
-tranken sie einige Becher Wein; die Hitze tat das übrige, und so war
-der Kadi bald berauscht. Als das die Dame sah, gab sie ein Zeichen; der
-Kadi wurde niedergelegt und die Sklavinnen entfernten sich, so daß ihre
-Herrin und der Kadi allein blieben. Der Hodscha verhielt sich immerfort
-still.
-
-Die Dame war gut aufgelegt; sie und der Kadi umarmten sich und begannen
-zu tändeln und Küsse zu tauschen. Der Kadi benutzte den Augenblick und
-entledigte die Dame all ihrer Hüllen. Als das geschehn war, fand sie
-ihre Sprache wieder und sagte: »Weißt du, Effendi, wie die Liebe sein
-soll, die mein Herz begehrt?«
-
-»Nein, Königin meiner Seele; ich kenne auch keine andere als die
-bewegliche.«
-
-»Die, die ich liebe,« sagte die Dame, »ist die Kriegsliebe.«
-
-»Nach meiner Erfahrung«, antwortete der Kadi, »ist es die bewegliche,
-die den Preis verdient.«
-
-Nun sagte die verschmitzte Schöne: »Nennen wir mein Schloß die
-Weiße Burg und deinen Schlüssel den Roten Prinzen. Wann ich mich
-niederlege, so daß die Weiße Burg zu sehn ist, laß du den Roten Prinzen
-hervorkommen; er soll die Weiße Burg angreifen, ohne viel Umschweife
-das Tor stürmen und als Sieger einziehen.«
-
-Bei diesen Worten sagte sich der Hodscha: »Sie beabsichtigen also einen
-Krieg; aber es fehlt ihnen der Spielmann, der zum Sturme das Spiel
-schlüge: wann sie so weit sind, werde ich trommeln.«
-
-Da legte sich auch schon die Dame auf den Rücken und die Weiße Burg
-bot sich den Blicken des Kadis; der holte unverdrossen den Roten
-Prinzen hervor und ließ ihn stürmen. Kaum war dann der Eingang
-erzwungen, machte Nasreddin seinem Sohne ein Zeichen und sagte: »Rühre
-die Trommel; es gibt keinen ordentlichen Sturm, ohne daß das Spiel
-geschlagen würde.«
-
-Der Sohn nahm die Schlägel und begann den anbefohlenen Wirbel. Als der
-Lärm in dem Schranke losging, bekamen der Kadi und die Dame Angst: mit
-den Worten »Das ist kein gutes Zeichen« liefen sie aus dem Zimmer, und
-sie eilten durch den Vorsaal und blieben nicht eher stehn, als bis
-sie unten waren. Dann sahen sie einander ganz betäubt an, und ohne
-ein Wort herausbringen zu können, weil sie vor Bestürzung die Sprache
-verloren hatten.
-
-Der Hodscha aber sah in diesem Abenteuer eine Gelegenheit, Beute zu
-machen. Er verließ den Bettschrank, öffnete die Truhe und bemächtigte
-sich der Kleider des Kadis und dessen Turbans; dann stieg er ohne
-Verzug die Leiter hinunter, ging in den Stall, wo das Maultier
-des Kadis neben seinem Esel stand, legte die Kleider in den Sack,
-übergab den Esel seinem Sohne, band für sich selber das Maultier los,
-verschwand aus dem Hause und eilte heim. Dort stellte er das Maultier
-ein, verschloß den Turban und die Kleider und setzte sich nieder.
-
-Seine Frau fragte ihn: »Woher hast du diese Sachen und das Maultier?«
-
-»Sie gehören mir; sie sind mir als Beute zugefallen.«
-
-Während sich der Hodscha in seinem Herzen freute und der süßen Ruhe
-genoß, sagte die Dame und der Kadi, die, wie wir erzählt haben, voller
-Schrecken hinuntergelaufen waren: »Es muß ein Geist dasein.« Da sie
-sich nicht hinaufzugehn getrauten, rief die Dame eine Sklavin und
-befahl ihr: »Geh hinauf und suche die Kleider des Herrn Kadi.«
-
-Die Sklavin, die sich ebenso fürchtete, ging langsam und mit
-tausendfacher Vorsicht die Treppe hinauf, die zu dem Saale führte: sie
-schaute durch die Tür ins Zimmer hinein und sah niemand drinnen; sie
-öffnete den Bettschrank und die Truhe, ohne etwas zu entdecken, und kam
-wieder herunter. »Es ist niemand oben,« sagte sie zu der Dame und dem
-Effendi, »weder ein Teufel, noch ein Geist.«
-
-Noch immer von tausenderlei Vermutungen beunruhigt, stiegen sie hinauf
-und setzten sich nieder; und der Kadi sagte: »Das war kein gutes
-Zeichen; verschieben wir unser Vergnügen auf ein andermal. Man bringe
-mir ungesäumt meine Kleider, daß ich mich anziehe und weggehe.«
-
-Die Dame befahl den Sklavinnen, die Kleider des Kadis zu bringen;
-aber die, die die Truhe öffnete, fand drinnen weder Kleider, noch
-Turban. Sie meldete es ihrer Herrin, und die sagte es dem Kadi. Der
-Kadi versank in Nachdenken; er war völlig verwirrt und konnte sich
-nicht enträtseln, wie das zugegangen sein mochte: nackt war er ja vom
-Gerichtshause sicherlich nicht weggegangen. Endlich sagte er: »Was
-geschehn sollte, Liebste, ist geschehn; was sich erfüllen sollte, ist
-zur Wirklichkeit geworden.« Dann schrieb er einen Brief an seinen
-Haushofmeister: »Gib dem Überbringer einen vollständigen Anzug, vom
-Kopf bis zum Fuß.« Und indem er das Schreiben faltete, schloß und
-siegelte, bat er die Dame, damit jemand wegzuschicken.
-
-Die Dame ließ den Brief durch ihre Amme befördern. Die ging geradewegs
-ins Gerichtshaus und übergab ihn dem Stellvertreter des Kadis, dem
-Najb-Effendi. Er nahm Kenntnis von dem Inhalte und sah, daß der Kadi
-eine Mütze, einen Turban, Unterhosen und alles übrige haben wollte; er
-rief den Haushofmeister und teilte ihm alles mit. Dieser ließ sich,
-dem Briefe gemäß, im Harem einen vollständigen Anzug ausfolgen und
-übergab den Pack der Amme, und die brachte ihn rasch dem Kadi. Der
-Kadi kleidete sich an, gürtete sich und band sich den Turban um; als
-er dann gehn wollte, erinnerte er sich des Maultiers und befahl es
-ihm vorzuführen. Eine Sklavin lief in den Stall; da sie es aber nicht
-vorfand, schrien sie: »Effendi, das Maultier ist nicht da.«
-
-Der Kadi war zwar verdutzt über dieses neue Ereignis, nahm aber, ohne
-noch weiter zu verziehen, von der Dame Abschied; er war so verstört,
-daß er auf dem ganzen Wege zum Gerichtshause nicht vor und nicht hinter
-sich sah. Als er dann auf seinem Sitze ausruhte, rief er sich alles,
-was er tagsüber erlebt hatte, ins Gedächtnis zurück. Bald darauf ging
-er heim und legte sich, da es Nacht geworden war, schlafen.
-
-Am nächsten Tage verließ er seinen Harem schon in der Morgendämmerung
-und ging sein Amt als Richter versehn. Nachdem sich einige Freunde, die
-ihn zu unterhalten gekommen waren, entfernt hatten, wandten sich seine
-Gedanken, wie er so allein war, wieder den Vorfällen des Abends zu;
-aber je mehr er nachdachte, desto mehr verwundert war er.
-
-Unterdessen zog der Hodscha Nasreddin die Kleider des Kadis an,
-wickelte sich dessen Turban um und hüllte sich in dessen Mantel; und
-in dieser Tracht bestieg er das Maultier des Effendis und begab sich
-aufs Gericht. Den Dienern des Kadis entging es, als sie ihn ansahen,
-keineswegs, daß er all die Kleider ihres Herrn trug und auch dessen
-Maultier ritt; sie liefen auch alsbald zum Kadi, um ihm das zu melden.
-»Herr,« sagten sie, »Nasreddin-Effendi, der jetzt kommt, hat dich
-bestohlen; sieh dir nur die Kleider an, die er am Leibe hat, und das
-Maultier, das er reitet.«
-
-Aber der Kadi sagte: »Gebt acht, was ihr sagt; man darf niemand
-leichtfertig anklagen.«
-
-Inzwischen stieg der Hodscha ab, band das Maultier unten an der Stiege
-an, ging hinauf und begrüßte den Kadi. Der gab ihm den Gruß zurück,
-erhob sich und ließ den Hodscha, um ihm eine Höflichkeit zu erzeigen,
-den Ehrensitz einnehmen; er bot ihm einen vortrefflichen Kaffee an und
-überhäufte ihn mit ehrenvollen Aufmerksamkeiten. Schließlich ließ er
-alle lästigen Zuhörer entfernen und richtete geradeaus an den Hodscha
-die Frage: »Woher hast du diese Kleider, Hodscha-Effendi, und woher
-hast du das Maultier?«
-
-»Sowahr mir Gott helfe,« antwortete Nasreddin, »gestern hat hier ein
-Kampf stattgefunden: der Rote Prinz hat die Weiße Burg gestürmt. Als
-der Kampf am hitzigsten war, bemächtigte sich der Streitenden ein jäher
-Schrecken, und ich raffte die Beute auf, die auf dem Schlachtfelde
-verblieben war.«
-
-Aus diesen Worten begriff der Kadi leicht, worum es sich handelte; er
-änderte seine Haltung und sagte zum Hodscha: »Da es deine Beute ist,
-ist es billig, daß du sie behältst; vielleicht muß sie sogar noch
-vergrößert werden, damit du, wenn man dich fragt: ›Hast du das Kamel
-gesehn?‹, antwortest: ›Es muß samt seinem Füllen verzehrt worden sein;
-ich habe weder das Kamel, noch das Füllen gesehn.‹«
-
-Der Hodscha erwiderte: »Wenn das so sein soll, so gib mir den Preis
-des Kamels, damit sich unser Mund so schließe, daß ihm auch nicht ein
-Wörtchen entfällt.«
-
-Sowohl um den Wunsch des Hodschas zu erfüllen, als auch der eigenen
-Ruhe halber reichte ihm der Kadi zwanzig Goldstücke, indem er ihm noch
-einmal ans Herz legte, ja nichts verlauten zu lassen. Und der Hodscha
-antwortete: »Wie sollte denn etwas bekannt werden? Alles bleibt unter
-uns, besonders wenn du mir statt des Kamelfüllens das Maultier geben
-willst; das ist dann alles, was ich von dir haben will.«
-
-»Einverstanden,« sagte der Kadi, und er erteilte seinen Dienern die
-entsprechenden Aufträge. Die Diener führten dem Hodscha das Maultier
-vor und boten es ihm an; alsbald verabschiedete er sich von dem Kadi,
-stieg in den Sattel und ritt heim.
-
-Von nun an trug er stets die Kleider, den Mantel und den Turban des
-Kadis und ritt stets das Maultier; außerdem hat er, nach dem, was
-erzählt wird, das Geheimnis keinem Menschen mitgeteilt.
-
-
-237.
-
-Man erzählt, daß der Hodscha einmal ein Kalb hatte; einen Tag tränkte
-und fütterte es seine Frau, am andern Tage er, an wen eben die
-Reihe kam. Nun wurde an einem Tage, wo es an der Frau war, diese
-Verrichtungen zu besorgen, ihnen gegenüber eine Hochzeit gefeiert, wozu
-man die Frau eingeladen hatte; da sagte sie zu ihrem Manne: »Wie werden
-wir es diesmal halten?«
-
-Er antwortete: »Wir wollen ein Übereinkommen treffen: wer von uns
-zuerst ein Wort spricht, muß dem Kalbe zu trinken und zu fressen
-geben.«
-
-»Einverstanden,« antwortete sie.
-
-Nach diesem Gespräche ging der Hodscha ins Haus und seine Frau ging zur
-Hochzeit.
-
-Nun hatte sich just an diesem Tage ein Zigeunertrupp vor der Stadt
-gelagert, und die Frauen hatten sich in den Straßen zerstreut und
-sahen rechts und links, ob es etwas zu stehlen gebe. Von ungefähr trat
-eine in das Haus des Hodschas; dort herrschte völliges Schweigen.
-Im Harem angelangt, sah sie den Hodscha, der durchaus stumm blieb.
-Augenblicklich machte sie sich daran, das Haus zu durchstöbern, las
-alles zusammen, was sie fand, und steckte es in ihren Sack; den Hodscha
-hatte sie leicht anschauen: er verharrte in seinem Schweigen. Ohne
-weitere Bedenken nahm sie ihm die Mütze und den Turban vom Kopfe, und
-er verlor darüber kein Wort; »wenn ich spreche,« sagte er sich, »muß
-ich das Kalb tränken.« So schenkte er denn dem Treiben der Zigeunerin
-nicht die geringste Aufmerksamkeit; sie benutzte das und machte sich
-davon.
-
-Inzwischen wurde im Hause des jungen Paares das Mahl aufgetragen, und
-die Frau des Hodschas belud eine Schüssel mit Speisen, um sie dem
-Hodscha zu bringen. Als sie heimkam, sah sie, daß man das Haus so
-gründlich ausgeplündert hatte, daß nicht einmal der Turban oder die
-Mütze auf des Hodschas Kopf verblieben war. Da brach sie das Schweigen
-und sagte: »Hodscha, wohin sind denn alle unsere Sachen gekommen?«
-
-»Du hast gesprochen,« schrie nun Nasreddin; »du mußt also heute unser
-Kalb tränken und füttern!«
-
-
-238.
-
-Man erzählt, daß einmal in der Landschaft Diarbekr ein kleiner Kaufmann
-war, der sein Geschäft betrieb, indem er von Dorf zu Dorf wanderte.
-Eines Tages trug er eine Last Trauben. Die Nacht fiel ein, als er noch
-im Freien war, aber niemand wollte ihm Gastfreundschaft gewähren.
-Schließlich sah er eine Frau, die vom Flusse kam. Er näherte sich ihr,
-als sie eben in ihr Haus treten wollte, und sagte ihr, daß ihm, weil
-er Trauben trage, niemand habe ein Nachtlager geben wollen trotz der
-geheimen und entwickelten Vorteile, womit ihn die Natur ausgestattet
-habe. Die Frau unterließ es keineswegs, diese seine letzten Worte
-zum Gegenstande ihrer Überlegungen zu machen; unverzüglich trat sie
-ins Haus, ging zu ihrem Manne und sagte zu ihm: »Wie ich höre, ist
-gegenwärtig der Sohn meines Oheims im Dorfe; er ist, sagt man mir, ein
-herumziehender Händler. Warum hast du ihn nicht eingeladen?«
-
-Der Mann antwortete: »Aber wieso hätte ich denn von seiner Ankunft
-erfahren sollen?«
-
-Sie erwiderte: »Nicht einmal ein Hund wird sich getrauen, sich irgendwo
-einzufinden, wenn man ihn nicht gerufen hat.«
-
-Nach diesem Gespräche ging der Gatte den Mann mit den Trauben suchen
-und lud ihn ein, zu ihm zu kommen. Die Frau beeilte sich mit dem
-Empfange und sagte zu ihm: »Willkommen, Vetter! Glück zur Ankunft!« und
-überhäufte ihn mit Aufmerksamkeiten. Und als es Nacht wurde, bereitete
-sie ihm ganz nahe dem Schlafzimmer auf einem Sofa ein Bett. Er legte
-sich nieder und die Eheleute taten desgleichen. Einen Augenblick
-später schlief der Gatte, der sehr müde war; alsbald erhob sich die
-Frau geräuschlos und ging zu dem Kaufmanne. Sie unterhielten sich wohl
-miteinander; aber die Frau fand seine Waffen doch nicht so besonders,
-wie er früher gesagt hatte. Und sie sagte zu ihm: »Freund, du hast mir
-deine Vorteile arg übertrieben; es ist nichts da, was etwas wert wäre.«
-
-»Ach, Frau,« antwortete er, »ich habe mehr, als du siehst; aber ich
-war, es ist eine Zeit her, gezwungen, es zu verpfänden.«
-
-Sie sagte voll Lebhaftigkeit: »Wie viel hast du darauf entlehnt?«
-
-Er antwortete: »Zwanzig oder dreißig Toman.«
-
-Die gab sie ihm auf der Stelle und trug ihm auf, sein Pfand holen zu
-gehn und es ohne Fehl in der nächsten Nacht zu bringen.
-
-Am Morgen stand der Kaufmann auf und ging von neuem seine Trauben
-im Dorfe ausbieten. Als es Abend wurde, fragte er sich, wie er es
-anfangen solle, um seine Wirtin zufrieden zu stellen. In diesen
-Gedanken versunken, bemerkte er auf einmal, daß ein Bienenschwarm seine
-Regungslosigkeit benutzt hatte, um sich auf dem Korbe mit den Trauben
-zu versammeln; da schrie er: »Ich habs!« Er nahm eine Biene und drückte
-sie auf das Werkzeug, das als zu geringfügig befunden worden war: die
-Biene versenkte ihren Stachel hinein; es zeigte sich eine Entzündung,
-und das Ding schwoll dermaßen an, daß man schier nicht hätte erraten
-können, was es war. Das getan, ging er die Frau aufsuchen; sie war
-gerade allein zu Hause. Und sie fragte ihn: »Hast du es ausgelöst aus
-den Händen der Wucherer?«
-
-»Jawohl.«
-
-Als es Abend war, ging man zu Tische; dann kam die Zeit, schlafen zu
-gehn. Alle drei legten sich so nieder wie in der Nacht vorher, und man
-hatte keine Acht darauf gehabt, das Bett des Fremden nicht neben dem
-Schlafzimmer zu bereiten.
-
-Kaum war ihr Gatte eingeschlafen, so kam schon die Frau zu dem
-Kaufmanne, den die Schmerzen kein Auge zutun ließen und der sich in
-seinem Bette wand wie auf einem Roste. Bei dem Anblicke, der sich ihr
-bot, glaubte die Frau vor Wonne zu vergehn; dabei kam ihr ein Wind aus.
-»Wie?« schrie der Fremde; und mit einem in Diarbekr üblichen Ausdrucke:
-»Deinem Mann in den Bart?«
-
-»O nein,« sagte die Frau, »den armen trifft kein Vorwurf, aber dich
-desto mehr; hast du dich doch, obwohl du weißt, wie unschätzbar das
-ist, was du hast, nicht gescheut, es zu verpfänden!«
-
-
-239.
-
-Eines Tages sagte der Hodscha zu seinen Freunden: »Ein Sommernachmittag
-ist so viel wert wie drei ganze Tage im Winter.«
-
-Sie fragten ihn: »Wie das?«, und er antwortete: »Ich weiß es aus
-Erfahrung: als ich meinen Kaftan im Winter gewaschen habe, brauchte er
-drei Tage, um zu trocknen; dann habe ich ihn an einem Nachmittag im
-Sommer gewaschen und da war er noch vor Nacht trocken.«
-
-
-240.
-
-Einmal sagte der Hodscha: »Zwischen der Jugend und dem Alter ist kein
-Unterschied.«
-
-Man fragte ihn: »Wieso denn?«, und er antwortete: »Vor unserer Tür
-liegt ein Stein; nur wenige Leute sind imstande, ihn zu heben. In
-meiner Jugend habe ich versucht, ihn zu heben, und es ist mir nicht
-gelungen; später und dann jetzt, wo ich ein Greis bin, ist mir das
-eingefallen, und ich habe es von neuem versucht, aber ich habe ihn
-wieder nicht heben können. Diese Erfahrung ist es, warum ich sage, daß
-zwischen der Jugend und dem Alter kein Unterschied ist.«
-
-
-241.
-
-Der Hodscha Nasreddin — Gottes Barmherzigkeit über ihn — war
-vor kurzem aus diesem vergänglichen Leben in eine bessere Welt
-abgeschieden; sein erlauchtes Grab war neben einer ehrwürdigen Moschee.
-Als nun an einem Freitage das Volk zum Gebete versammelt war, hörte man
-plötzlich eine jauchzende Stimme: »Muselmanen, der Hodscha Nasreddin
-hat sein Grab verlassen; er reitet auf seinem Grabsteine, er schreit
-und ist lustig.«
-
-Auf diese Worte hin liefen die Gläubigen aus der Moschee, und
-augenblicklich stürzte hinter ihnen die Kuppel ein; niemand erlitt auch
-nur die geringste Verletzung.
-
-Ihr erseht, meine Freunde, eine wie hohe Stelle der erlauchte und
-glorreiche Hodscha Nasreddin unter den Heiligen einnimmt, die Gott den
-Allmächtigen umgeben, da ihm erlaubt worden ist, sogar nach seinem Tode
-Wunder zu tun.
-
-Über ihn sind viele glaubwürdige Geschichten aufgezeichnet worden;
-aber noch zahlreichere sind mit Unwahrheiten behaftet. Gott weiß, wie
-es damit steht! Aber erinnern wird man sich seiner bis zu dem Tage des
-jüngsten Gerichtes!
-
-Die Barmherzigkeit Gottes sei mit ihm, die Barmherzigkeit und die
-Verzeihung!
-
-
-242.
-
-Eines Tages predigte der Hodscha Nasreddin in Siwri-Hissar; und er
-sagte, mit dem Kopfe wackelnd: »Muselmanen, das Klima in dieser Stadt
-ist dasselbe wie in Kara-Hissar.«
-
-Man fragte ihn: »Wieso denn?«, und er antwortete: »In Kara-Hissar habe
-ich mich entblößt und mein Glied betrachtet: es hing schlaff über dem
-Beutel; hier habe ich mich entblößt und es betrachtet: es war ebenso.«
-
-
-243.
-
-Eines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel und predigte: »Danken
-wir, Muselmanen, dem wahrhaftigen und allmächtigen Gotte, daß er nicht
-wollte, daß wir den Hintern in der Hand hätten; sonst würden wir uns
-mehr als hundertmal täglich die Nase schmutzig machen.«
-
-
-244.
-
-Wieder stieg der Hodscha auf die Kanzel und begann zu sprechen: »Ewigen
-Dank müssen wir Gott sagen, Muselmanen, daß er das, was er uns für
-vorne gegeben hat, nicht hat hinten anbringen wollen; sonst hätte jeder
-schier unfreiwillig den Gesellen Lots gleich werden müssen, indem er
-das getan hätte, wovor sich nur Lot allein hat bewahren können.«
-
-
-245.
-
-Als sich der Hodscha eines Tages erging, sah er einige Frauen, die
-Kleidungsstücke wuschen. Er trat näher an sie heran, und da entblößten
-sie sich. Und sie fragten ihn: »Wie heißt das?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Auf Türkisch heißt es Am«, ohne irgendeine
-Umschreibung zu gebrauchen.
-
-Sie antworteten: »Jedenfalls ist es das Paradies des Armen.«
-
-Der Hodscha ging weg; er wickelte seinen Sik in ein Stück Leinwand wie
-in ein Leichentuch und legte einen Hobelspan herum, der die Stelle des
-Sarges vertreten sollte, und kam also zurück. Sie sagten zu ihm: »Was
-ist das, Hodscha?«
-
-»Das ist ein Armer, der gestorben ist; jetzt will er ins Paradies.«
-
-Um diesen Wunsch zu erfüllen, nahm ihn eine in die Hand; der Beutel
-aber blieb außerhalb und sie sagte: »Was ist das?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Das sind die Kinder des Armen, die sein Grab
-besuchen gekommen sind.«
-
-
-246.
-
-Zwei Männer erschienen vor dem Hodscha und der eine sagte: »Ich habe
-dem da Geld gegeben, und er gibt es mir nicht zurück.«
-
-Der Hodscha sagte: »Warum bezahlst du ihn nicht?«
-
-Der gefragte antwortete: »Der Grund ist, daß ich kein Geld habe.«
-
-Der Gläubiger sagte: »Soll ich mich mit solchen Gründen bezahlen
-lassen, Effendi? Mach ihm doch ein bißchen Angst, ich bitte dich.«
-
-Sofort hielt der Hodscha je einen Finger an seine Augen und einen an
-den Mund und schrie: »Wau!«, wie man tut, wenn man die kleinen Kinder
-schrecken will; »und jetzt gib ihm sein Geld.«
-
-
-247.
-
-Dem Hodscha wurde ein Mann vorgeführt, um verhört zu werden. Der
-Hodscha ließ ihn auf die Folter spannen und ihn schließlich an den
-Armen aufhängen; dabei sagte er immerfort zu ihm: »Gesteh doch.«
-
-Endlich wurde er der Sache überdrüssig und ließ ihn abnehmen; da schrie
-der gefolterte: »Noch einen Augenblick, und ich hätte alles gesagt.«
-
-Trotzdem ließ ihn der Hodscha ruhig weggehn.
-
-
-248.
-
-Man führte dem Hodscha, der damals Kadi war, einen Mann vor und sagte,
-um ihn zu verklagen: »Er hat eine Katze besprungen.« Da Zeugen dafür
-da waren, war ein Leugnen unmöglich. Der Hodscha aber fragte ihn: »Wie
-hast du sie denn genommen?«
-
-»Ich habe, du weißt schon, was ans Pförtchen gebracht und habe mir,
-indem ich sie bei den Pfoten hielt, den Eintritt erzwungen; es ist so
-gut gegangen, daß ich es zweimal habe wiederholen können.«
-
-»Wahrhaftig,« schrie der Hodscha, indem er ihn voll Bewunderung
-anblickte, »du bist wahrhaftig mein Meister in diesem Spiele; hab ichs
-doch schon mehr als dreißigmal so wie du versucht, ohne daß es mir auch
-nur einmal gelungen wäre.«
-
-
-249.
-
-Man brachte zwei Krüge zum Hodscha, der eine voll Sesamöl, der andere
-voll Urin; zugleich führte ihm die Scharwache zwei Männer vor, deren
-jeder behauptete, das Öl gehöre ihm, und es handelte sich darum, es
-einem von den beiden zuzusprechen.
-
-Der Hodscha befahl: »Sie sollen beide ihr Wasser ablassen und zwar in
-verschiedene Gefäße; den Krug mit Öl soll dann der haben, der Öl pißt.«
-
-
-250.
-
-Der Hodscha schnitt sich die Nägel und man sagte zu ihm: »Die
-Abschnitzel mußt du in einer Fußtapfe vergraben.«
-
-Der Hodscha stand auf, ging sie vergraben, wie man ihm gesagt hatte,
-und verrichtete darüber seine Notdurft. Als man ihn fragte: »Was machst
-du da, Hodscha?«, antwortete er: »Ich will den Ort bezeichnen, damit
-ihr ihn leichter kennt.«
-
-
-251.
-
-Seine Frau sagte zum Hodscha: »Ich gehe ins Bad; gib, solange ich
-abwesend bin, auf das Kind acht.« Kaum war sie gegangen, begann das
-Kind zu schreien. Nun hatte der Hodscha neben sich eine Schüssel
-Joghurt stehn; damit beschmierte er seinen Sik und fand auf diese Weise
-ein Mittel, den Hunger des Säuglings zu stillen.
-
-»Sehr gut, Hodscha,« sagte seine Frau, als sie zurückkam und das Kind
-schlafend fand; »sehr gut.«
-
-»Ach, Liebste,« antwortete der Hodscha, »bis du gekommen bist, habe ich
-ihn neunmal von diesem Sik Joghurt saugen lassen; wenn du das getan
-hättest, schliefest du auch.«
-
-
-252.
-
-»Hodscha,« sagte eines Tages seine Frau zu ihm, »du gehst von mir
-geradeso weg wie vom Abtritt.«
-
-Als er nun einmal vom Abtritte wegging, ließ er wirklich einen Wind.
-Einer, der vorbeiging, sagte zu ihm: »Das ist eine Schande.«
-
-Er antwortete: »Das ist diese Dirne, von der ich gelernt habe,
-aufzumachen, was man nicht soll.«
-
-
-253.
-
-Eines Tages sagte der Hodscha zu seiner Frau: »Koch mir Halwa.« Seine
-Frau bereitete die Kuchen und gab sie ihm; er legte sie in eine
-Schachtel. Als er nun damit auf dem Wege war, lockten ihn die Kuchen;
-er begann ein bißchen zu essen, dann noch ein bißchen, bis schließlich
-alles verzehrt war. So kam er zum Bei, und der schrie, kaum daß er ihn
-erblickt hatte: »Willkommen, Hodscha!«
-
-»Gnädiger Herr,« sagte Nasreddin, »ich habe dir eine Schachtel Halwa
-mitgebracht; wenn du mir nicht glaubst, so schau dir die Schachtel an,
-die ich dahabe.« Und er zeigte ihm die Schachtel.
-
-254.
-
-Man brachte dem Sohne des Hodschas weißen Halwa und fragte ihn: »Was
-ist das?«
-
-Er besah die Kuchen von allen Seiten und sagte: »Das ist ein Topf mit
-weißen Zwiebeln.«
-
-Da schrie der Hodscha: »Gott soll mich strafen, wenn er das von mir
-gelernt hat!«
-
-
-255.
-
-Eines Tages sah der Hodscha einen hübschen Esel; augenblicklich trat
-er an ihn heran und nahm ihn her. Kaum war er fertig, als zwei Männer
-daherkamen, und die fragten ihn: »Was machst du da, Hodscha?«
-
-»Seht ihrs denn nicht?« antwortete er; »ich mache, daß ich von diesem
-Vieh wegkomme.«
-
-
-256.
-
-Eines Tages besprang der Hodscha ganz nahe bei einer Moschee einen
-Esel; ein Mann, der vorbeiging, spuckte aus. Da schrie der Hodscha voll
-Unwillen: »Wenn ich nicht eben beschäftigt wäre, würde ich dich lehren,
-hier ausspucken!«
-
-
-257.
-
-Eines Tages besprang der Hodscha seinen Esel; da er einen Mann
-herankommen sah, bedeckte er sich mit seinem Mantel. Der Mann trat
-näher; er hob einen Zipfel des Mantels und schrie: »Wer ist das?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Sieh nach, bitte, was imstande gewesen ist,
-mich in diese Lage zu bringen; ich wenigstens weiß von gar nichts.«
-
-
-258.
-
-Der Hodscha hatte eines Tages seinen Esel mit Schilf beladen. Da er
-bemerkte, daß die Last auf der einen Seite schwerer war als auf der
-andern, sagte er: »Ich will den schwerern Bund anzünden; so wird sich
-das Gleichgewicht herstellen, und überdies werde ich mich, da mir
-sowieso kalt ist, wärmen können.« Kaum spürte aber der Esel die Wärme,
-als er davonzulaufen begann. Der Hodscha setzte ihm nach und schrie:
-»Hat man dich denn beim Füttern nicht getränkt, daß du es so eilig
-hast, zum Wasser zu kommen?«
-
-
-259.
-
-Als einmal der Hodscha seinen Esel verloren hatte, sagte einer zu ihm:
-»Ich habe ihn dort und dort als Muezzin gesehn.« Der Hodscha ging in
-die ihm genannte Ortschaft, und als er ankam, stieg eben ein Muezzin
-aufs Minaret, um zum Gebete zu rufen; und der Hodscha schrie, als er
-das sah: »Woher kommt denn der Unselige!« Dann nahm er seinen Sack vom
-Rücken, nahm eine Handvoll Gerste und zeigte sie, wie man es macht,
-wenn man einen Esel ruft, dem Muezzin und rief: »Tschosch, Tschosch!«
-
-Der Muezzin sah vom Minaret aus, daß ihm der Hodscha etwas anbot; er
-dachte, der Hodscha wolle ihn herunterlocken, um ihm einen Streich zu
-spielen, und so sagte er: »Du willst mich foppen; aber die Kosten wirst
-du bezahlen.«
-
-Über diese Antwort war der Hodscha ganz verdutzt.
-
-
-260.
-
-Eines Tages besprang der Hodscha seinen Esel und legte sich dann mitten
-auf dem Wege in der Sonne neben ihm nieder, den Sik entblößt. Ein Mann
-kam dazu, und der schrie: »Was machst du da? das ist schändlich!«
-
-»Ah,« sagte der Hodscha, »warum sollte ich ihn nicht trocknen lassen?
-wenn ich ihn bei meiner Frau gebraucht habe, tue ichs ja auch.«
-
-
-261.
-
-Der Hodscha hatte acht Esel; auf einen stieg er. Als er dann seinen
-Ritt gemacht hatte, zählte er sie, brachte aber nur sieben heraus; er
-vergaß nämlich den, auf dem er saß. Nachdem er abgestiegen war, brachte
-er acht heraus; über diese Erscheinung war er ganz verdutzt, so daß
-ihn einer, der vorüberkam, fragte, worüber er sich wundere. Er schrie:
-»Früher waren es nur sieben; jetzt sind es auf einmal acht.«
-
-»Der, auf den du gesessen hast, hat eben die Zahl vollgemacht.«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Ja, wie hätte ich denn sehn sollen, was
-ich am Hintern hatte?«
-
-
-262.
-
-Eines Tages ging der Hodscha mit seinem Amad auf die Jagd. Er hatte
-einen Falken auf der Hand; sie ließen ihn steigen und er setzte sich
-auf einen Ochsen. Alsbald schlang der Hodscha einen Strick um den Kopf
-des Ochsen, zog ihn zu sich nach Hause und band ihn an. Der Eigentümer
-ging seinen Ochsen suchen und fand ihn schließlich beim Hodscha; da
-sagte er zum Hodscha: »Der Ochs ist mein; wieso hast du ihn hier
-angebunden?«
-
-»Potzteufel, Dummkopf,« antwortete der Hodscha, »mein Falke hat ihn
-gebeizt; er ist meine Jagdbeute.«
-
-Sie gingen mitsammen zum Kadi und erklärten ihm den Fall. Der Kadi
-schrie: »Aber Hodscha, seit wann fängt denn ein Falke einen Ochsen?«
-
-»Nun,« antwortete Nasreddin, »auf das Kamel zu beizen, ist gewiß
-nicht verboten; sollte denn zwischen einem Vieh und dem andern mehr
-Unterschied sein als zwischen ihnen und dir?«
-
-
-263.
-
-Der Amad sagte eines Tages zum Hodscha: »Hodscha, du bist nicht
-imstande, dich, wenn man Speisen vor dich hinstellt, so zurückzuhalten,
-wie die gebildeten Fremden tun, die nach ein paar Bissen zu essen
-aufhören.«
-
-»Amad,« antwortete der Hodscha, »ich werde mir einen Faden an die Zehe
-binden; wenn du bemerkst, daß ich zu viel esse, so ziehe daran.«
-
-Dergestalt miteinander einig, wurden einmal der Hodscha und sein Amad
-zu einem Mahle eingeladen. Eben war das Auftragen beendigt, als eine
-Katze ihre Pfote auf den Faden legte, der an dem Fuße des Hodschas
-befestigt war; sofort hörte der Hodscha zu essen auf.
-
-Man fragte ihn: »Warum ißt du nichts, Hodscha?«
-
-»Warum ich nicht esse?« schrie er; »mein Amad zieht ja am Faden!«
-
-
-264.
-
-Eines Tages wollte der Hodscha der Liebe pflegen; aber von ungefähr
-setzte sich eine Biene auf sein männliches Glied. Da schrie er: »Du
-weißt also ganz gut, was gut ist; es ist auch wahrhaftig eine Blume,
-die gewählt zu werden verdient, wenn es gilt, Honig zu bereiten!«
-
-
-265.
-
-Eines Tages legte man dem Hodscha die Frage vor: »Was soll die
-Versammlung tun, wenn der Imam einen Wind läßt?«
-
-»Was sie tun soll,« antwortete der Hodscha; »aber es ist klar, sie muß
-scheißen.«
-
-
-266.
-
-Als der Hodscha eines Tages auf dem Markte war, besahen sich die Leute
-sein Geld besonders aufmerksam; da sagte er zu einem: »Was siehst du
-denn daran außergewöhnliches? ist es vielleicht das, das der Bankhalter
-deiner Mutter versprochen hat, um bei ihr zu schlafen?«
-
-
-267.
-
-Der Hodscha, der schon einen weißen Bart hatte, sah eines Tages eine
-Schar Frauen, die eine Braut dem jungen Gatten zuführten. Da verließ
-ihn seine Kaltblütigkeit und er tat ihnen einen Schimpf an. Sie sagten
-zu ihm: »Schämst du dich denn nicht? wie kannst du dich denn bei deinem
-weißen Barte so wenig zurückhalten?«
-
-»Frißt vielleicht«, antwortete er, »ein weißer Hund weniger Dreck als
-ein anderer?«
-
-
-268.
-
-Eines Tages wollte der Hodscha in der Nachbarschaft einen Becher
-entleihen; da sagte seine Frau zu ihm, indem sie sich entblößte: »Nimm
-den da!«
-
-»Meinetwegen,« antwortete er, indem er sich auch entblößte; »der Klotz
-da wird ihn schon in die richtige Form bringen.«
-
-
-269.
-
-Als der Hodscha eines Tages in den Busch ging, begegnete er einem
-reitenden Boten. Bald darauf sah er, nachdem er auf seinen Esel
-gestiegen war, nach allen Seiten herum, konnte aber den Reiter nicht
-erblicken; dann sah er ihn wieder und da schrie er: »He, Mann! he,
-Mann!«
-
-Der antwortete: »Du sollst nicht Mann sagen; du mußt Bote sagen.«
-
-Nach einer kleinen Weile sagte der Hodscha, sich über seinen Esel
-beklagend: »Da schau einer dieses Füllen an!«
-
-Der andere sagte: »Das ist kein Füllen; das ist ein ausgewachsener
-Eselshengst.«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Ich habe meine Gründe, ihn nicht Esel zu
-nennen; mein Vater hat uns nämlich miteinander aufgezogen.«
-
-
-270.
-
-Der Hodscha nahm eines Tages den Esel seines Nachbars und ging mit
-ihm ins Gebirge. Auf dem Wege kam er an einen Fluß, der über die Ufer
-getreten war; er versuchte ihn auf dem Esel reitend zu übersetzen, aber
-die Strömung packte den Esel und er konnte ihn nicht retten.
-
-Als er betrübt heimkam, fand sich der Eigentümer des Esels bei ihm ein
-und forderte ihn zurück. Und der Hodscha sagte: »Als ich über denundden
-Fluß setzte, hat ihn die Strömung mit sich fortgerissen.«
-
-Der Herr des Esels ging weg, aber bald darauf wurde der Hodscha
-zum Kadi gerufen; und dem antwortete er: »Effendi, um diesen Esel
-wiederzubekommen, heißt es sich an unsere Freunde wenden; der eine hat
-den Kopf, der andere den Schwanz und so weiter.«
-
-
-271.
-
-Eines Tages sah der Hodscha auf dem Markte eine Frau; er trat auf sie
-zu und fragte sie: »Was hast du zu verkaufen?«
-
-»Was ich auf dem Rücken trage.«
-
-»Willst du nicht vielleicht einen tüchtigen Schwanz kaufen?«
-
-Sie schrie: »Du bist wahrhaftig verrückt!«
-
-Aber der Hodscha antwortete, ohne irgendwie ungehalten zu sein: »Glaub
-es mir: wenn du keinen Schwanz kaufen und kein Loch verkaufen willst,
-so hast du auf dem Markte nichts zu tun.«
-
-
-272.
-
-Eines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel und sagte: »Danken wir
-Gott, Muselmanen, daß er sich in seiner Allmacht einen Palast hat
-erbauen können ohne Säulen; denn sonst hätte er Steinbäume gebraucht,
-und deren Früchte hätten uns, je nachdem sie reif geworden wären, beim
-Herunterfallen erschlagen.«
-
-
-273.
-
-Als der Hodscha einmal seine Straße ging, fand er ein totes Huhn auf
-dem Wege liegen. Augenblicklich hob er es auf; er trug es heim, rupfte
-und kochte es und setzte es auf den Tisch. Da schrien die Leute, die
-dabei waren: »Aber Hodscha, das Huhn ist unrein; es hat ja sein Leben
-nicht durch die Hand eines Menschen verloren.«
-
-»Ihr Narren,« schrie der Hodscha, »soll es denn unrein sein, weil es
-Gott getötet hat und nicht ihr?«
-
-
-274.
-
-Einer von den Nachbarn des Hodschas Nasreddin war gestorben, und
-die andern luden den Hodscha ein, die vorgeschriebenen Bräuche zu
-vollziehen. Er sagte bereitwillig zu; er begleitete sie, der Tote
-wurde gewaschen, ins Leichentuch gehüllt und auf den Friedhof getragen
-und nach dem Gebete legte man ihn ins Grab. Als sich dann die Leute
-anschickten, wegzugehn, sagte der Hodscha: »Bezahlt mir, was mir für
-das Begräbnis zukommt.«
-
-»Das ist billig,« sagten sie.
-
-Sie befriedigten ihn und zerstreuten sich. Als aber jeder zu seinem
-Geschäfte zurückgekehrt war, band er den Sarg zusammen und trug ihn
-zu einem Flusse und ließ ihn dort; bald erfaßte ihn die Strömung und
-riß ihn fort. Unterdessen ging der Hodscha im ganzen Viertel herum und
-sagte: »Der Mann war reich an geheimen Verdiensten; er hat, tot, wie er
-war, samt seinem Sarge das Grab verlassen und ist zum Himmel gefahren.«
-
-Jedermann glaubte es und traute seinen Worten, bis eines Tages einer
-von den Dorfleuten von ungefähr einen Sarg sah, der an das Ufer
-getrieben war; andere Leute kamen dazu, und sie nahmen den Sarg aus dem
-Wasser, und bald wußten sie, woran sie waren. Da sagten sie: »Morgen
-verlangen wir vom Hodscha das Geld für das Begräbnis zurück; mindestens
-muß er etwas nachlassen.«
-
-Sie gingen zu ihm und setzten ihm ihre Forderung umständlich
-auseinander; aber der Hodscha antwortete ihnen, ohne sich erst zu
-bedenken: »Gott hat ihn zuerst für einen guten Menschen gehalten, aber
-er hat sich getäuscht; als er dann seinen Irrtum inne geworden ist, hat
-er ihn wieder heruntergeworfen.«
-
-
-275.
-
-Eines Tages kamen etliche Frauen an das Ufer eines Flusses, und sie
-wußten nicht, wie sie auf die andere Seite hinübergelangen sollten. Da
-kam der Hodscha heran, und der fragte sie: »Worauf wartet ihr?«
-
-Sie antworteten: »Wenn du uns hinüberbringst, geben wir dir jede einen
-Asper.«
-
-Augenblicklich legte der Hodscha Kleider und Hosen ab und stieg ins
-Wasser; und er trug eine nach der andern hinüber. Schließlich blieb nur
-noch eine alte Frau; die aber fühlte, wie er sie von dem einen Ufer ans
-andere trug, daß sie ein Gelüst ankam, und so sagte sie zu ihm: »Mir
-sind verliebte Gedanken gekommen, ich muß es schon gestehn; weißt du,
-wer ich bin, Hodscha?«
-
-»Nun wer denn?«
-
-»Ich bin die Mutter der Lust.«
-
-»Und wenn du die Mutter des Imams wärest,« antwortete der Hodscha, »so
-würde mich das nicht abhalten, dich herzunehmen wie einen Mann.«
-
-Er entblößte sie, brachte sie in die richtige Stellung und besprang sie
-verwegen; und mitten darin ließ er einen Wind. Sie sagte: »Was machst
-du da, Hodscha?«
-
-Er antwortete: »Vor eitel Lust an dem, was du mir geöffnet hast, habe
-ich es an mir auch geöffnet.«
-
-
-276.
-
-Als der Hodscha eines Tages mit seiner Frau einen Fluß entlang ging,
-fiel sie ins Wasser, und die Strömung riß sie fort. Augenblicklich
-begann der Hodscha flußaufwärts zu laufen; das fiel den Leuten auf und
-sie fragten ihn: »Was suchst du, Hodscha?«
-
-»Meine Frau; sie ist ins Wasser gefallen.«
-
-»Aber Effendi,« erwiderten sie, »flußaufwärts darfst du sie doch nicht
-suchen; der Fluß fließt ja hinunter und nimmt sie mit.«
-
-»O nein,« schrie der Hodscha; »meine Frau hatte ein so widerspenstiges
-Wesen, daß sie entschieden aufwärts treibt.«
-
-
-277.
-
-Einmal hatte der Hodscha Nasreddin aus Ochsenfleisch Würste gemacht;
-aber es vergingen zwei oder drei Tage, ohne daß er auch nur etliche
-verkauft hätte, und so warf er sie alle den Hunden hin und sagte zu
-diesen: »In einem Monat werdet ihr mich bezahlen.« Als dann der Monat
-um war, fing er die Hunde und sperrte sie in einen Garten, um sie zur
-Zahlung zu zwingen.
-
-Und man fragte den Hodscha: »Was willst du von ihnen? es ist doch
-unerhört, Hunde einzusperren, damit sie zahlen.«
-
-»Sie haben meine Würste gegessen; warum soll ich nicht mit ihnen
-verfahren, wie es mein Recht ist?«
-
-Nach einigen auf diese Weise verbrachten Tagen begannen die Hunde unter
-dem Stachel des Hungers unruhig zu werden; und der Hodscha schrie:
-»Nur Geduld! wir werden schon sehn, wie sie sich aus der Sache ziehen
-werden.«
-
-Nun war in dem Garten ein großer Stein, unter dem irgendjemand einen
-Topf voll Goldstücke verborgen hatte. Diesen Stein schob ein Hund bei
-seinen Bemühungen, etwas für seine Zähne zu finden, weg und warf dabei
-den Topf um, so daß der zerbrach; das Gold ergoß sich auf den Boden.
-
-Der Hodscha las die Münzen auf; dann entließ er die Hunde und schrie:
-»Ach, die armen Kerle: ich hab ihre Ehrlichkeit ungerecht in Verdacht
-gehabt; aber warum haben sie mich nicht zur Frist bezahlt?«
-
-
-278.
-
-Eines Tages sagte sich der Hodscha, als er auf den Markt ging: »Es
-heißt achtgeben, daß ich nicht bestohlen werde«; und er tat seine
-Kürbisse in einen Sack und warf ihn über seine Schultern. Auf dem
-Markte angelangt sah er nun vor ihm einen Mann gehn, der früher hinter
-ihm gegangen war, und der trug auf dem Rücken einen Sack mit Kürbissen,
-der ebenso aussah wie der seinige. Da fragte er sich: »Wenn der, der
-da vorne geht, nicht ich bin, wer kann es dann sein? Wahrhaftig, ich
-verstehe es nicht.«
-
-
-279.
-
-Als der Hodscha eines Tages öffentlich das Morgengebet sprach und zu
-der Lobpreisung Gottes kam, stellte er sich aufrecht hin und verkündete
-zwei- oder dreimal mit geläufiger Zunge die Anrufung: »Allah ist
-groß!« Da er aber auch dann nicht aufhörte, diese Worte immer wieder
-zu wiederholen, schrie endlich einer: »Aber Hodscha, beim Morgengebete
-sollen doch nach der Anrufung, die du sprichst, zwei Verse aus der
-Überlieferung und zwei Gebote hergesagt werden; warum wiederholst du
-immerfort die Anrufung?«
-
-»Tue ich es öfter, als es nötig wäre,« antwortete der Hodscha, »so
-bleibt eben Gott für das übrige mein Schuldner.«
-
-
-280.
-
-Der Hodscha brachte eines Tages eine Schüssel Joghurt auf den Markt, um
-sie zu verkaufen. Nun kamen ganze Wolken von Fliegen und setzten sich
-auf den Joghurt; da es ihm nicht gelang, sie zu verjagen, ging er zum
-Kadi, um gegen sie Klage zu führen, und der Kadi sagte zu ihm: »Nimm
-einen Schlägel und schlag die Fliegen tot, wo immer sie sitzen.«
-
-Der Hodscha holte sich einen Schlägel, ging damit wieder zum Kadi und
-sagte zu ihm: »Effendi, ist das ein richtiger Fliegenschlägel?«
-
-»Freilich,« antwortete der Kadi; »der ist wahrhaftig geeignet, sie
-überall zu vertilgen, wohin sie sich setzen.«
-
-Just in diesem Augenblicke liefen etliche Fliegen über den Kopf des
-Kadis; kaum sah sie der Hodscha, als er sie auch schon mit seinem
-Schlägel auf dem Kopfe des Kadis erschlug, wobei freilich auch der Kadi
-tot auf dem Platze blieb. Alsbald wurde der Hodscha verhaftet, und die
-Leute, die dort waren, fragten ihn: »Warum hast du unsern Kadi getötet?«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Wenn ich das Gesetz auch nur in einem
-Punkte verletzt habe, so lasse man mich die Strafe der Vergeltung
-erleiden.«
-
-Sie führten ihn dem Mufti vor und dem sagte er: »Er hat mir gesagt,
-ich solle mit diesem Schlägel die Fliegen erschlagen, wo immer es sei;
-ich habe ihrer einige auf seinem eigenen Kopfe gesehn und habe sie
-erschlagen: er darf also, wenn er gestorben ist, niemand verantwortlich
-machen, als sich selber. Übrigens geschieht nichts, ohne daß es Gott
-zuließe. Das ist es, was ich vorzubringen habe.«
-
-»Wo hast du denn schon«, fragte ihn der Mufti, »eine solche
-Rechtsprechung gesehn? Weißt du nicht, daß geschrieben steht: ›Wo
-keine böse Absicht ist, kann es keine Züchtigung geben?‹«
-
-»Das ist es ja gerade, was mich rechtfertigt,« antwortete der Hodscha;
-»man hätte wahrhaftig keine Schriftstelle finden können, die mir
-günstiger gewesen wäre!«
-
-
-281.
-
-Der Hodscha ging eines Tages ins Gebirge und belud seinen Esel mit
-Holz; dann sagte er zu ihm: »Nimm du diesen Weg, ich nehme den da.«
-Damit überließ er den Esel sich selber samt der Last, die er trug.
-
-Als er nach einem eilig zurückgelegten Marsche nach Hause kam, fragte
-er seine Frau, ob der Esel schon daheim sei; aber sie sagte: »Ich weiß
-nichts von ihm.«
-
-»Was?« sagte der Hodscha; »ich bin also zuerst gekommen?«
-
-Er ging auf dem nämlichen Wege zurück und fand seinen Esel dort weiden,
-wo er ihn verlassen hatte; weiter mußte er sehn, daß ein Mantel, den er
-ihm auf den Rücken gelegt hatte, fehlte: man hatte ihn gestohlen. Da
-schrie er den Esel an: »He, wo ist mein Mantel? du bists, mit dem ich
-rede!«
-
-Aber der Esel antwortete nichts — noch nie hat ja ein Tier gesprochen.
-Nun nahm ihm der Hodscha den Sattel vom Rücken und sagte: »Wenn du mir
-meinen Mantel zurückgibst, gebe ich dir auch deinen Sattel wieder.«
-
-
-282.
-
-Der Hodscha kaufte einen Neger; dann kaufte er neun Stück Seife, um
-ihn damit weißzuwaschen. Er führte ihn ins Bad und verwusch die neun
-Stück Seife; aber alles war umsonst, weil man eben einen Neger nicht
-weißwaschen kann. Ermüdet schrie der Hodscha endlich: »Da ist mir ja
-ein Meisterstück einer Färberarbeit in die Hände gekommen; es ist
-wirklich überflüssig, an einem fertigen Ding etwas ändern zu wollen.«
-
-
-283.
-
-Eines Tages sah der Hodscha im Bade zwei verzinkte Schalen und die
-gefielen ihm sehr gut; er steckte sie unter sein Badetuch und ging
-damit weg. Zwei Badejungen hatten ihn aber beobachtet und sagten nun zu
-ihm: »Das Bad tut dir wohl, Hodscha-Effendi.«
-
-»Das Bad und die Schalen,« antwortete er.
-
-
-284.
-
-Es kam einer zum Hodscha, um ihn um Gastfreundschaft zu bitten, und
-klopfte an die Tür; der Hodscha kam und fragte ihn: »Wer bist du?«
-
-»Ach, Effendi, kennst du mich nicht? ich bin der Amad Muzir-Effendis.«
-
-»Sehr gut,« antwortete der Hodscha; »warte einen Augenblick, ich will
-dich zu unserm gemeinsamen Vater führen.«
-
-Nasreddin schritt nun seinem Besucher voraus; und als sie zur Moschee
-gekommen waren, öffnete er die Tür, lud ihn mit einer Handbewegung ein,
-einzutreten, und sagte zu ihm: »So; so da sind wir bei dem gemeinsamen
-Vater der Gläubigen.«
-
-
-285.
-
-Eines Tages bat ein Kurde den Hodscha um Gastfreundschaft; und er
-sagte zu ihm: »Ich habe Hunger; bringe mir etwas zu essen.« Der
-Hodscha ging, bereitete in einem irdenen Napfe ein Gericht Joghurt
-und holte Brot, und das wollte er dem Fremden vorsetzen, als er
-bemerkte, daß sich der niedergelegt hatte und eingeschlafen war; da
-begann er Betrachtungen anzustellen und sprach bei sich: »Wie soll
-ich es anfangen, um ihn im Schlafe essen zu lassen?« Und schon nahm
-er mit einem Stückchen Brot etwas Joghurt und fuhr ihm damit über den
-Schnurbart. Einen Augenblick darauf erwachte der Kurde; und er schrie
-sofort: »Bring mir also etwas zu essen, mein Gastfreund!«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Aber du hast doch schon gegessen, während
-du schliefst! wenn du mir nicht aufs Wort glaubst, so schau dir deinen
-Schnurbart an; er ist noch ganz feucht.«
-
-Der Kurde griff nach seinem Schnurbart und überzeugte sich, daß er noch
-voll Joghurt war; und er schrie spöttisch: »Sehr gut, mein Gastfreund!
-habe ich gegessen und getrunken, so sei Gott gelobt.«
-
-
-286.
-
-Einmal hatte der Hodscha einen Streit mit seiner Frau; plötzlich
-stellte er die Wiege mit dem Kinde zwischen sein Bett und das ihrige
-und schrie: »Trennen wir uns! hiermit verstoße ich dich.«
-
-
-287.
-
-Die Frau des Hodschas war schwanger. Als ihre Zeit gekommen war, fand
-sich die Wehmutter ein; es war Nacht, und niemand war da, um ihr zu
-helfen. Da rief sie den Hodscha: »Bring eine Kerze; es handelt sich um
-dein Werk.« Er beeilte sich, ihr eine Kerze zu bringen und blieb dann
-im Zimmer; als aber die Geburt vorüber war, nahm er die Kerze wieder
-und wollte damit weggehn. Da sagte die Wehmutter: »Bleib doch, Hodscha;
-es kommt noch eins.«
-
-»Was?« sagte der Hodscha, »sie will mir ein zweites schenken?«
-
-Er kam mit der Kerze zurück; wieder wurde ein Kind zur Welt gebracht,
-und wieder wollte sich der Hodscha mit der Kerze entfernen. Aber die
-Wehmutter rief: »Bleib doch; du sollst noch einen dritten Erben haben.«
-
-Bei diesen Worten verlöschte er die Kerze. Und die Wehmutter fragte
-ihn: »Warum läßt du mich im Finstern?«
-
-»Wie sie das Licht sehn,« antwortete er, »kommen diese Kinder
-nacheinander wie die Mücken; jetzt ists wahrhaftig schon genug.«
-
-
-288.
-
-Einmal lud man den Hodscha im Ramasan zu einem Iftar[100], und es
-wurde eine außerordentlich heiße Suppe aufgetragen. Der Hodscha nahm
-einen Löffel voll und führte ihn zum Munde; da er sich ihn nicht
-zurückzugeben getraute, verschluckte er ihn. Dann aber nahm er seine
-Mütze vom Kopf, legte sie auf seinen Sitz und setzte sich darauf; und
-die andern fragten ihn: »Warum setzt du dich auf deine Mütze?«
-
-Er antwortete: »Damit nicht die Kissen Feuer fangen: ich brenne ja
-inwendig; wenn meine Mütze verbrennt, so schadet das wenigstens
-niemand.«
-
-
-289.
-
-Sooft der Hodscha sein Leinenzeug waschen wollte, begann es mit Gottes
-Zulassung zu regnen. Als er nun wieder einmal auf den Markt ging, um
-Seife zu kaufen, fielen wieder Regentropfen; da sagte der Hodscha zu
-dem Seifenhändler: »Gib mir eine Oka von diesem Käse.«
-
-»Das ist doch Seife,« antwortete der Kaufmann, »und kein Käse.«
-
-»Ich weiß es wohl,« versetzte der Hodscha; »ich nenne es aber Käse aus
-Angst, daß der Regen anhalten könnte.«
-
-
-290.
-
-Eines Tages trieb der Hodscha seinen Esel vor sich her; als er dann
-müde wurde, saß er auf. Eine kleine Weile später bemerkte er, daß der
-Esel nicht mehr vor ihm herging. Nun suchte er ihn bergauf und bergab,
-bis ein Wanderer bei ihm vorüberkam; den fragte er, ob er nicht seinen
-Esel gesehn habe, und der Wanderer sagte: »Du sitzt ja darauf.«
-
-Der Hodscha stellte die Tatsache fest und freute sich; aber schon nach
-einem Augenblicke war er von neuem zerstreut und begann wieder zu
-suchen. Da sagte der Wanderer: »So gehn wir doch nach Hause, da du doch
-den Esel gefunden hast.«
-
-»Geh du nur,« antwortete der Hodscha; »ich« — dabei dachte er an
-seinen verlorenen Esel — »muß noch dableiben, weil ich noch etwas zu
-suchen habe.«
-
-
-291.
-
-Etliche Leute fanden im Gebirge einen Igel; sie konnten sich nicht
-enträtseln, was für ein Tier das sein sollte, und brachten ihn dem
-Hodscha. »Was ist das?« fragten sie ihn.
-
-»Ohne Zweifel«, antwortete der Hodscha, »ist das eine alte Nachtigall,
-die von ihren Federn die Fahnen verloren hat.«
-
-
-292.
-
-Der Hodscha hatte einen Dattelgarten, und drinnen war ein Baum, auf
-den er jeden Tag stieg. Weiter hatte er eine Tochter und diese einen
-Geliebten. Eines Tages saß nun Nasreddin auf seinem Baume, als der
-Bursche mit seiner Tochter kam und mit ihr zu tändeln begann; an
-Verwegenheit ließ ers dabei nicht fehlen und schließlich sagte er zu
-ihr: »Stell dich hin; ich will es machen wie ein Hengst.«
-
-»Gut,« sagte sie.
-
-Während er nun das Mädchen besprang, blickte er in die Höhe, und da sah
-er den Hodscha; augenblicklich ließ er sie und nahm Reißaus. Nun nahm
-sie etliche Datteln und lief dem Flüchtling nach; dabei rief sie: »Nimm
-doch!«
-
-Aber der Hodscha schrie vom Baume herunter: »Was fällt dir ein, ihn
-mit so etwas locken zu wollen? Glaubst du, er wird für drei Datteln zu
-einem so schamlosen Ding kommen, die den weißen Fluß hat, wie du? Zeig
-doch wenigstens eine Handvoll!«
-
-
-293.
-
-Als der Hodscha eines Tages aus seiner Tür trat, sah er einen Knaben
-vor dem Hause hocken und seine Notdurft verrichten; da schrie er
-mehrere Male hintereinander: »Was machst du da? Wessen Kind bist du?«
-
-Endlich antwortete der Bengel: »Ich bin der Sohn der Schwester des
-Stadtverwesers.«
-
-Augenblicklich nahm ihn der Hodscha bei der Hand und führte ihn vor
-das Haus des Stadtverwesers; und dort sagte er: »Da ist der Ort, wo du
-deine Notdurft verrichten sollst.«
-
-
-294.
-
-Eines Tages sagte der Hodscha zu seinem Bruder: »Tu mir etwas zuliebe.«
-
-»Was denn?«
-
-»Erlaube mir, dich herzunehmen wie einen Knaben.«
-
-»Kannst du mich nicht um etwas andres bitten?«
-
-»Was?« schrie der Hodscha, »du bist doch mein Bruder; von wem soll ich
-es denn verlangen, wenn nicht von dir?«
-
-
-295.
-
-Eines Tages erging sich der Hodscha mit seinem Amad; sie kamen aber am
-Abende nicht nach Hause, sondern verbrachten die Nacht unter freiem
-Himmel. Der Hodscha fragte den Amad: »Wem hast du deine Frau für die
-heutige Nacht zu hüten gegeben?«
-
-Der Amad antwortete: »Dem Softa, Alter.«
-
-Der Hodscha fuhr fort: »Und wem hast du die Tugend des Softas zu hüten
-gegeben?«
-
-
-296.
-
-Der Hodscha wanderte einmal mit einem großen Sacke voll Joghurt auf dem
-Rücken, und der Joghurt wiegte sich in dem Sacke von der einen Seite
-auf die andere; endlich schrie der Hodscha: »Bleib du ruhig dahinten;
-sonst sollst du mit meinem Menschenpflanzer Bekanntschaft machen.«
-
-Der Joghurt antwortete nichts, hörte aber auch nicht auf, sich zu
-wiegen. Unverzüglich warf sich der Hodscha auf den Sack, machte ein
-Loch hinein und versenkte darein den besagten Menschenpflanzer. Als er
-ihn dann wieder herauszog, sah er, daß er voller Joghurt war, und da
-schrie er: »Wahrhaftig, du warst schon in Löchern genug; aber mit einem
-weißen Kopfe bist du noch nie herausgekommen!«
-
-
-297.
-
-Zufällig kam einmal der Hodscha vorbei, als ein Jude mit erhobenen
-Händen Gott um einen Regen anflehte; es regnete aber keineswegs. Da
-wandte sich der Jude zum Hodscha und sagte zu ihm: »Bete auch du; nach
-dem, wessen Gebet einen Erfolg haben wird, werden wir sehn, wer der
-wirkliche allmächtige Gott ist, der deinige oder der meinige.«
-
-Der Hodscha hob die Hände zum Himmel und betete. Und alsbald grollte
-der Donner, zuckten Blitze hernieder und begann ein starker Regen zu
-fallen. Der Hodscha entfloh und trachtete sich eiligst unter einem
-Felsen zu verbergen; aber das Wetter schlug auch dort hinein und ging
-über den Hodscha nieder.
-
-Da schrie er: »Herr Gott, du hast mein Gebet schlecht verstanden; warum
-nähmest du dir sonst die Mühe, das Gewitter bis unter diesen Stein zu
-schicken, wo doch der Jude draußen steht?«
-
-
-298.
-
-Eines Tages ging der Hodscha weg, und nachdem er eine Zeitlang
-gewandert war, fand er nicht mehr nach Hause; da begegnete er einem
-Manne und den fragte er: »Bruder, hast du mein Haus gesehn?«
-
-Der Mann antwortete: »Ich habe einen grobknochigen Derwisch gesehn,
-der es wegtrug; wenn du mit mir gehn willst, so wollen wir ihn
-aufsuchen.«
-
-Der Hodscha glaubte es und kam sogar auf den Verdacht, es handle sich
-um einen Greis, der Baba-Sultan genannt wurde. Er machte sich alsbald
-auf den Weg zu diesem Biedermanne; als er ankam, fand er ihn im Hofe
-seines Klosters. Er fragte ihn: »Hast du mein Haus gesehn?«
-
-Der Alte antwortete: »Man hat es hiehergebracht; dann ist es aber
-wieder zurückgeschickt worden.«
-
-Der Hodscha wollte unverzüglich aufbrechen, aber die Derwische ließen
-ihn nicht weg: »Bleib bei uns heute Nacht,« sagten sie; »morgen früh
-gehst du dann.«
-
-Während er nun schlief, schnitten sie ihm Haare und Bart. Er stand noch
-in der Dämmerung auf und ging weg, ohne etwas bemerkt zu haben; als
-er aber auf seinem Wege zu einem Brunnen kam, betrachtete er sich im
-Wasser und da erkannte er sich nicht wieder.
-
-»Diese Schufte,« schrie er, »sie haben mich gegen einen Kalender
-vertauscht, den sie an meiner Statt ins Bett gelegt haben!« Und als
-er heimkam, sagte er zu seiner Frau: »Weib, man hat mich mit einem
-Kalender verwechselt; hast du keine Nachrichten von mir? Übrigens haben
-sie mir wenigstens, nach dem, was ich sehe, mein Haus zurückgebracht!«
-
-
-299.
-
-Einmal war der Hodscha Nasreddin in Arabien. Die arabischen Weisen
-gaben ihm ein Fest, und als das mitten im Gange war, legten sie
-ihm eine Streitfrage vor. Aber der Hodscha, der ihnen keine Antwort
-schuldig bleiben wollte, sagte zu ihnen: »Wenn ihr mir die Fragen,
-die ich an euch richten will, beantworten werdet, werde auch ich euch
-Antwort geben; wenn nicht, so gehe ich, wie ich gekommen bin.«
-
-Sie waren damit einverstanden, und nun sagte der Hodscha: »Wißt ihr,
-warum die Fische Reißaus nehmen beim Anblicke des Menschen, und warum
-die Sterne entfliehn, wenn die Sonne erscheint? Das sind meine Fragen.«
-
-Die Araber fanden keine Lösung und erkannten seine Überlegenheit an.
-
-
-300.
-
-Der Hodscha beobachtete eines Tages einen Mann, wie er eine Summe
-Geldes irgendwo versteckte. Als sich der Eigentümer entfernt hatte,
-bemächtigte sich der Hodscha des Geldes; der Eigentümer hatte ihn aber
-bemerkt und verfolgte ihn. Der Hodscha flüchtete sich in eine Moschee,
-aber der andere lief ihm auch dorthin nach. Der Hodscha stieg aufs
-Minaret und der andere stieg auch hinauf. Als schließlich der Hodscha
-sah, daß er ihm nicht entwischen konnte, stürzte er sich von oben herab
-und erwachte augenblicklich; denn er hatte das alles nur geträumt.
-
-
-301.
-
-Ein Baderjunge hatte sein Schermesser verloren; weinend und das
-Gesicht in den Händen verborgen lief er herum und schrie: »Ach, das
-Schermesser! Ach, das Schermesser!«
-
-Der Hodscha, der dabei war und das hörte; sagte sich: »Zweifellos hat
-man diesem Diebe die Nase abgeschnitten!«
-
-
-302.
-
-Der Hodscha war gestorben und man legte ihn in ein altes Grab. Nachdem
-die Leute auseinandergegangen waren, kamen Munkar und Nakir[101],
-um ihn zu befragen, und er sagte zu ihnen: »Wenn ihr wollt, daß ich
-sprechen soll, so gebt mir einen Asper.«
-
-Auf diese Rede versetzten sie ihm einen derben Streich. Nun schrie er:
-»He, Freunde, wenn ihr kein Geld habt, kommt ein andermal wieder.«
-
-Und damit erwachte er; denn alles war nur ein Traum.
-
-
-303.
-
-Der Hodscha kam einmal in ein Dorf; die Einwohner, denen er auffiel,
-sagten zu ihm: »Da du ein Würdenträger bist, so komm über einen Toten
-die Gebete zu sprechen.« Er ging mit ihnen und verrichtete alles, was
-bei einer Leichenfeier geschehn soll; doch begnügte er sich damit, den
-Schlußausruf: ›Gott ist groß‹ nur einmal zu singen. Dessenungeachtet
-bezahlte man ihn und er entfernte sich.
-
-Nun machte ein Städter, der auch anwesend war, die Bauern aufmerksam,
-daß diese Anrufung über einem Toten viermal wiederholt werden soll. Da
-liefen sie dem Hodscha nach und erhoben, als sie ihn eingeholt hatten,
-ihre Einwendungen.
-
-Der Hodscha fragte sie: »Den wievielten haben wir heute?«
-
-»Den fünften.«
-
-Und er sagte, um sie sich vom Halse zu schaffen: »Wenn heute der fünfte
-ist, wird das Totengebet nicht anders gesprochen, als wie ich es getan
-habe.«
-
-
-304.
-
-Eines Tages hatte die Frau des Hodschas den Sik eines Mannes gesehn,
-und sie wurde von einem solchen Verlangen nach ihm erfaßt, daß sie
-krank wurde; und sie sagte: »Wohin ist denn der verschwunden, den ich
-gesehn habe? vielleicht fände er ein Mittel für mein Übel.«
-
-Der Hodscha ging den Mann suchen und brachte ihn ihr.
-
-Der Mann sagte: »Sie ist wahrhaftig krank.«
-
-»Das weiß ich, daß sie krank ist,« antwortete der Hodscha; »aber was
-ist da zu tun?«
-
-»Wenn du etliche Knoblauchzehen hast, so bring sie.«
-
-Der Hodscha hatte just welche zu Hause; er holte sie und gab sie ihm.
-Der Fremde rieb sich nun damit das, was die Aufmerksamkeit der Frau
-angezogen hatte, und steckte es an den Ort, der für dieses Heilmittel
-empfänglich war; sodann zog er es wieder heraus.
-
-Als die Behandlung beendigt war, schrie der Hodscha: »Warum hast
-du mir nicht gesagt, was zu tun war? Das hätte ich ganz allein
-zustandegebracht; es ist ein Verfahren, das mir nicht unbekannt ist.«
-
-
-305.
-
-Als der Hodscha eines Tages trübselig seine Straße zog, begegnete er
-einer Frau und die fragte ihn: »Woher kommst du, Hodscha?«
-
-»Aus der Hölle,« antwortete er.
-
-Und sie fragte weiter: »Hast du vielleicht dort meinen Sohn gesehn?«
-
-»Ja; er ist als Schuldner gestorben und darum ist ihm der Eintritt ins
-Paradies versagt worden.«
-
-»Und auf wieviel beläuft sich seine Schuld?«
-
-»Auf tausend Asper.« Und Nasreddin fügte hinzu: »Seine Frau ist im
-Paradiese; er aber kann nur hinein mit den tausend Asper.«
-
-Die Frau fragte noch: »Und wann gehst du zurück?« und Nasreddin
-antwortete: »Augenblicklich.«
-
-Da gab sie ihm die tausend Asper und bat ihn: »Eile nur, damit du die
-Sache unverzüglich zu einem Ende bringst.«
-
-Als sie heimkam, sagte sie zu ihrem Manne, der zu Hause war: »Ich habe
-Nachrichten von unserm Sohne bekommen; da er nicht anders ins Paradies
-gelangen kann als mit tausend Asper, habe ich sie hergegeben.«
-
-»Wem hast du sie denn gegeben?«
-
-»Dem Hodscha.«
-
-Unverzüglich machte sich der Mann auf die Verfolgung des Hodschas. Der
-flüchtete sich, als er ihn kommen sah, in eine Mühle; und er sagte zu
-dem Müller: »Siehst du den Mann, der heransprengt? es ist ein Scherge,
-der dich greifen will.«
-
-»Was soll ich da tun?« fragte der Müller erschrocken.
-
-»Nimm meine Kleider und ich will die deinigen nehmen; klettere auf den
-Baum und verstecke dich.«
-
-Der Kleidertausch war kaum vollzogen, und der Müller hatte sich kaum
-auf dem Baume versteckt, als der Mann ankam. Er sah niemand als den
-Hodscha in der Tracht des Müllers, und der Hodscha blickte auffällig
-auf den Baum hinauf. Nun bemerkte der Mann den vermeintlichen Hodscha.
-Da er zu Pferde war, stieg er ab und übergab das Pferd dem falschen
-Müller; dann zog er seine Kleider aus, um sie nicht beim Klettern zu
-beschmutzen.
-
-Ungesäumt bemächtigte sich der Hodscha der Kleider und stieg auf das
-Pferd; und indem er davonritt, schrie er dem Gefoppten zu: »Kennst du
-mich jetzt, Gesell?«
-
-Nun ließ der arme Mann von dem Müller ab, stieg vom Baume herunter und
-machte sich nackt und ohne Pferd auf den Heimweg. Und seine Frau fragte
-ihn, als er so ankam: »Was hast du gemacht?«
-
-»Ich habe den Hodscha eingeholt,« sagte er und fuhr, um Scheltworten
-auszuweichen, fort: »Das, was er dir gesagt hat, war wahr; darum habe
-ich ihm auch zur Belohnung für seine guten Dienste mein Pferd und meine
-Kleider geschenkt.«
-
-
-306.
-
-Eines Tages fragte man den Hodscha, um ihn zu hänseln: »Wohin ist denn
-dein Grind gekommen?«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Von euch habe ich ihn bekommen, und euch
-habe ich ihn zurückgegeben.«
-
-
-307.
-
-Als der Hodscha eines Tages von der Mühle heimkam, bemerkte er, daß
-kein Brennreisig da war; drum nahm er die Axt und ging in den Busch,
-um welches zu holen. Es war schon finstere Nacht, als ihm auf einmal
-die Axt entfiel; er suchte sie umsonst. Endlich schrie er: »Herr, wenn
-du mich die Axt wiederfinden läßt, so verspreche ich dir ein Achtel
-Gerste.«
-
-Kaum hatte er ausgesprochen, als er auch schon die Axt fand; nun schrie
-er: »Dank, Herr! Da es dir aber so leicht fällt, Bitten zu erhören,
-so laß mich auch ein Achtel Gerste finden; dann werde ich mich meiner
-Verpflichtung gegen dich entledigen!«
-
-
-308.
-
-Als der Hodscha einmal in eine Moschee trat, sah er hinter der Tür
-einen Hund sitzen; er gab ihm einen Stockhieb und das erschrockene Tier
-flüchtete sich auf die Kanzel. Da sagte der Hodscha zu ihm: »Bitte
-tausendmal um Verzeihung; ich kenne noch nicht alle Prediger, die zu
-dieser Moschee gehören.«
-
-
-309.
-
-Der Hodscha Nasreddin hatte eine Kuh, die keinen Tropf Milch gab; da
-wollte er sie durch den öffentlichen Ausrufer verkaufen lassen, und
-der führte sie herum und pries sie schreiend an: »Wer will eine gute
-Milchkuh, eine Kuh, deren Milch ist wie Sahne?«
-
-»Wahrhaftig,« schrie der Hodscha, als er sie also loben hörte, »da
-hätte ich mich schön über ihren Wert getäuscht!«
-
-Und damit nahm er sie dem Ausrufer aus der Hand und führte sie wieder
-heim.
-
-
-310.
-
-Der Hodscha hatte einmal die Pilgerreise nach Mekka gemacht, und an der
-Tür der Kaaba drängte sich das Volk. Auch ein Neger war darunter und
-die Leute schrien: »Herr, duldest du denn hier die schwarze Fratze
-dieses Ungläubigen?«
-
-Da sagte der Hodscha: »Warum beschimpft ihr ihn wegen seiner Farbe? Er
-ist wenigstens imstande, seine Sünden auf sein Äußeres zu schieben;
-wenn wir das täten, so wären wir, ihr und ich, schwärzer als er.«
-
-
-311.
-
-Eines Tages schrie der Sohn des Hodschas: »Komm, Vater! in dem Topfe da
-ist ein Mann und ich fürchte mich.«
-
-Nachdem der Hodscha hingetreten war und im Topfe sein eigenes Bild
-gesehn hatte, sagte er zu dem Knaben: »Sei nur ruhig; das ist nur ein
-alter Mann, der die kleinen Kinder schrecken will.«
-
-
-312.
-
-Der Sohn des Hodschas sprach eines Tages bei sich: »Wenn die Dichter
-Verse machen, warum sollte ich nicht auch welche machen?«
-
-Ganz voll von dem Gedanken ging er weg, und er kam zu einer Quelle in
-der Nachbarschaft; nachdem er dort lange gesonnen hatte, gelang ihm
-endlich der Vers:
-
- Ein Baum, ein Baum steht am Rande einer Quelle.
-
-Ganz zufrieden mit diesem hübschen Gedichte trug er es seiner Mutter
-vor, und die wiederholte es dem Vater. Der sagte: »Wir müssen alle
-unsere Nachbarn versammeln und sie zu einem Festmahle einladen, damit
-wir Freude haben an unserm verständigen Sohne.«
-
-Man lud alle Bewohner des Viertels ein und las ihnen nach dem Mahle den
-ausgezeichneten Vers vor; da wollten alle vor Lachen bersten. Und voll
-Begeisterung über dieses Ergebnis schrie die Mutter: »Des Todes will
-ich sein, wenn mein Sohn nicht die Sprache der Nachtigall hat!«
-
-Der Hodscha aber sagte: »Hüte dich, Frau, vor derlei Beteuerungen; du
-wirst den Knaben noch verschreien.«
-
-
-313.
-
-Eines Tages gingen der Hodscha und seine Frau zum Flusse, um
-Leinensachen zu waschen. Als nun die Frau unversehens ihren Fuß ins
-Wasser steckte, packte ihn ein Krebs. »Zu Hilfe, Hodscha,« schrie sie,
-»zu Hilfe!«
-
-Er sagte: »Setz dich, damit ich sehe, was es ist.«
-
-Er bückte sich, und da sah er, was für ein Tier es war; aber er beugte
-sich dabei, um besser zu sehn, so weit nieder, daß der Krebs mit der
-andern Schere seine Nase faßte. In diesem Augenblicke ließ die Frau,
-deren Schrecken noch mehr gewachsen war, einen Wind; der Hodscha jedoch
-schrie: »Das brauchst du nicht aufzumachen, wohl aber die Pfoten dieses
-Viehs.«
-
-
-314.
-
-Eines Nachts träumte dem Hodscha, daß er auf einer Reise einen
-Schatz gefunden habe, und um den Ort zu bezeichnen, habe er dort ein
-natürliches Bedürfnis befriedigt. Als er dann erwachte, fand er, daß
-nur das Ende des Traumes keine Einbildung gewesen war.
-
-Da schrie er: »Ach, Herr, warum hast du mir das da gelassen und das
-Gold genommen? dir hätte doch das eine auch nicht mehr genützt als das
-andere!«
-
-
-315.
-
-Der Hodscha ging sich einmal ein Paar Hosen kaufen; für den Heimweg zog
-er sie schon an. Einige Freunde, die ihn damit sahen, setzten es sich
-in den Kopf, ihm einen Streich zu spielen; zu diesem Zwecke verteilten
-sie sich auf dem Wege, und der, der ihm als erster begegnete, sagte zu
-ihm nach Gruß und Gegengruß: »Was machst du mit den Hosen? du brauchst
-sie doch nicht; gib sie mir.«
-
-»Geh heim,« antwortete der Hodscha, »und laß mich in Ruh.«
-
-Fünfmal hatte sich dieses Gespräch zwischen dem Hodscha und je einem
-von den Gesellen wiederholt, bis sich der Hodscha endlich stellte, als
-hätte er sich überreden lassen; er sagte zu dem, mit dem er sprach,
-indem er ihm das Bein hinhielt: »So nimm sie denn meinetwegen.«
-
-Als sich der Mann bückte, um ihm die Hosen abzuziehen, gab ihm der
-Hodscha einen Tritt, daß er sich auf dem Boden wälzte, und schrie:
-»Merk dirs doch einmal: Um Streiche zu spielen, bin ich da!«
-
-
-316.
-
-Auf einem Spaziergange kam der Hodscha zu einem großen Baume; er
-betrachtete ihn und fragte sich, was für ein Baum das sei. Schließlich
-warf er, um sich darüber zu vergewissern, einen Stein in die Äste, und
-der fiel alsbald wieder herunter.
-
-»Jetzt weiß ichs,« schrie er, »was du bist! ich kenne dich leicht an
-der Frucht.«
-
-
-317.
-
-Die Frau des Hodschas Nasreddin wusch das Haus; in dieser gebückten
-Stellung betrachtete er sie, und da sah er deutlich, daß sie zwei
-Löcher hatte. »Weib,« schrie er, »du hast also zwei! das habe ich gar
-nicht gewußt; aber heute Nacht will ich sie alle beide hernehmen, und
-um es ja nicht zu vergessen, will ich den ganzen Tag kein Wort sagen,
-ohne hinzuzusetzen: ›Ich werde mich an beiden ergötzen.‹«
-
-Kaum hatte er ausgeredet, als zwei Schüler kamen, und die fragten ihn:
-»Hodscha, willst du uns Gastfreundschaft gewähren?«
-
-Er antwortete: »Meinetwegen; tretet ein, bitte.« Und er setzte hinzu:
-»Ich werde mich an beiden ergötzen.«
-
-»Wahrhaftig,« sagten die zwei jungen Leute, »der Hodscha macht einen
-Spaß.«
-
-»Weib,« sagte er, »bereite das Mahl und dreh der Gans da den Kragen
-ab.« Und wieder setzte er hinzu: »Ich werde mich an beiden ergötzen.«
-Die Gans legten sie aber beiseite, um sie am nächsten Tage zu essen.
-
-»Weib,« sagte wieder der Hodscha, »mache die Betten.« Und wieder setzte
-er hinzu: »Ich will mich an beiden ergötzen.« Dann legte er sich nieder.
-
-Nun sagten die beiden Schüler zueinander: »Der Hodscha macht keineswegs
-einen Spaß; er will uns jedenfalls so behandeln, wie er sagt. Wir
-müssen abwechselnd wachen, damit, was immer auch geschieht, der, der
-wach ist, den andern wecken kann.« Sie lösten sich also pünktlich ab
-und schliefen und wachten, wie jeden die Reihe traf.
-
-Auf einmal begann nun der Hodscha, der an nichts sonst dachte, als daß
-er sein Vorhaben ins Werk setzen werde, zu schreien: »Wahrhaftig,
-zuerst will ich mich an dem einen ergötzen, und dann will ichs mit dem
-andern versuchen.«
-
-»Da wir zwei sind,« sagte sich erschrocken der Wachende, »weiß ich
-nicht, bei welchem er anfangen wird.« Durch diesen Gedanken erregt,
-weckte er seinen Gesellen, und der stand alsbald auf. Nun sagten sie:
-»Sputen wir uns; wir dürfen nicht mehr dasein, wann er uns überfallen
-will.«
-
-Sie schnürten augenblicklich ihre Bündel, hakten die Gans los, die am
-Fenster hing, und liefen, was sie ihre Beine trugen; und vielleicht
-laufen sie noch immer.
-
-
-318.
-
-Eines Tages saß der Hodscha daheim bei seiner Frau; traurig betrachtete
-er ihre geheimen Reize, und endlich sagte er: »Frau, was ist das? ich
-sage ihms zum ersten, zum zweiten und zum dritten Male: ich verstoße
-dich.«
-
-»Was sagst du da?«
-
-»Geht es denn nicht an, daß ich mich auf diese Weise dessen, was mir an
-dir am meisten mißfällt, entledige?«
-
-
-319.
-
-Die Frau des Hodschas Nasreddin war krank; nach drei oder vier Tagen
-der Pflege fühlte er, daß ihn seine Kräfte verließen, und er sagte zu
-ihr: »Steh auf, meine Liebe, oder laß mich etwas essen gehn.«
-
-Sie begann zu weinen und der Hodscha ging weg. Sie benutzte seine
-Abwesenheit und stand hastig auf; als er vom Bade zurückkam, fand er
-das Haus gekehrt, das Mahl bereitet und die Betten aufgeschüttelt.
-Seine Frau, die alles in Ordnung gebracht hatte, ruhte aus. Als er
-sie sah, lehnte er sich an die Tür, die Hände schlaff und den Kopf
-schwankend, und schrie: »Ach, jetzt ist sie tot! O meine lieben
-Knäblein, o meine lieben kleinen Mädchen, jetzt könnt ihr nicht mehr
-geboren werden!«
-
-
-320.
-
-Als die Frau des Hodschas einmal allein war, entblößte sie sich,
-betrachtete sich und sagte: »Ach, du mein teuerer Schatz, warum habe
-ich nicht drei solche wie du! was für eine herrliche Sache wäre das!«
-
-Von ungefähr kam in diesem Augenblicke der Hodscha heim; er hörte alles
-und sah, an wen sie ihre Rede richtete. Er blieb draußen, entblößte
-sich gleicherweise und sagte weinend: »Was für Unheil hast du mir schon
-auf den Hals geladen! wieviel Mißgeschick habe ich schon deinethalben
-erleiden müssen!«
-
-Als die Frau draußen seufzen hörte, sah sie nach und fand, daß es der
-Hodscha war; und sie sagte: »Worüber jammerst du denn?«
-
-»Ich habe«, antwortete er, »darüber geklagt, daß wir Männer dort, wo
-ihr Frauen einen Schatz habt, eine Quelle unzähliger Übel und Qualen
-haben.«
-
-
-321.
-
-Eines Tages schlich sich der Meister in einen Weingarten und begann
-Trauben zu essen; der Eigentümer kam dazu und fragte ihn: »Was machst
-du da?«
-
-»Ich bin hergekommen, um mir hier meinen Bauch zu erleichtern.«
-
-»So; und wo ist dann das, was du gemacht hast?«
-
-Nasreddin blickte umsonst nach allen Seiten umher; er sah nichts, was
-ihn hätte rechtfertigen können. »Da ist es,« schrie er endlich, als er
-einen Eselsdreck sah.
-
-Aber der Eigentümer sagte: »Das ist ja von einem Esel.«
-
-Und der Hodscha antwortete: »Wenn es nicht von mir ist und nicht von
-dir, dann weiß ich wahrhaftig nicht, von wem es stammen kann.«
-
-
-322.
-
-Etliche Christen sagten zum Sohne des Hodschas: »Bete den Messias an
-oder geh aus der Stadt.«
-
-Er antwortete: »Wann der Messias kommt, werde ich gehn.«
-
-
-323.
-
-Der Hodscha zog einmal den Imam, während der im Gebete auf dem Boden
-lag, beim Ohrläppchen; gleich darauf sagte der Imam das feierlichste
-Gebet, nämlich den Absatz vom Throne.
-
-Da sagte der Hodscha: »Wenn du den Absatz vom Throne schon sprichst,
-wann man dich beim Ohrläppchen zieht, was wirst du denn sprechen, wann
-man dir die Hoden drückt?«
-
-
-324.
-
-Eines Tages berieten der Hodscha und seine Nachbarn miteinander, wohin
-sie lustwandeln gehn sollten; endlich sagte der Hodscha: »Gehn wir zum
-Flusse und schauen wir den Frauen baden zu.«
-
-Sie waren einverstanden und gingen mit ihm: Als sie zu den Frauen
-gekommen waren, entblößte sich eine von ihnen, die sah, daß sie
-beobachtet wurden; daraufhin sagte einer zum Hodscha, um ihn zu
-hänseln: »Wirst du diese Gelegenheit nicht benutzen?«
-
-Ohne zu zaudern, schob der Hodscha seine Kleider weg, reckte den
-bewußten in die Luft und schrie: »Seht, meine Freunde, mich findet man
-niemals unvorbereitet; wie ein Baum habe ich immer, meinen Nachbarn zu
-gefallen, einen strammen Ast bereit, auf dem man klettern kann!«
-
-So sahen die, die sich auf seine Kosten lustig zu machen gedacht
-hatten, ihren Scherz zu ihrer Beschämung ausschlagen.
-
-
-325.
-
-An einem Tage, wo der Hodscha Nasreddin predigen sollte, sagten die
-Gläubigen untereinander: »Wann er kommt und uns begrüßt, geben wir ihm
-den Gruß nicht zurück; wir wollen sehn, was er tun wird.«
-
-Der Hodscha kam und grüßte die Gemeinde; aber niemand antwortete
-ihm. Da sagte er, nachdem er nach allen Seiten umhergeblickt hatte:
-»Wahrhaftig, ich bin ganz allein; kein Mensch ist gekommen.« Mit diesen
-Worten ging er weg und überließ die Versammelten ihrem Unmut über den
-Ausgang ihres Streiches.
-
-
-326.
-
-Als der Hodscha Nasreddin das erste Mal vor Tamerlan erschien, sprach
-dieser Eroberer bei sich: »Ich muß ihn verderben; ich will ihm Fragen
-stellen, und wenn er auch nur eine nicht beantwortet, lasse ich ihn
-töten.« Und er fragte den Hodscha: »Wer bist du?«
-
-Der Hodscha antwortete: »Ich bin der Gott der Erde.«
-
-Nun war Tamerlan, der ein Tatare war, von den schönsten jungen Leuten
-seines Volkes umgeben, die, wie es bei ihnen zutrifft, sehr kleine
-Augen hatten.
-
-Tamerlan fuhr fort: »Gut also, Gott der Erde, hast du dir diese
-hübschen Knaben betrachtet? was sagst du zu ihnen?«
-
-»Ich habe sie betrachtet; aber ihre kleinen Augen sind nicht hübsch.«
-
-»Da du Gott bist,« erwiderte Timur, »so tu mir den Gefallen und mach
-sie größer.«
-
-»Padischah, ich bin nur Gott der Erde, und darum kann ich nur die Augen
-größer machen, die sie unter dem Gürtel haben; die, die sie oben haben,
-die gehn den Gott des Himmels an.«
-
-Timur freute sich herzlich über diese Antwort und erkannte, mit was für
-einem Schalke er es zu tun hatte: »Da du so ein lustiger Gesell bist,
-so schwöre ich, daß ich mich nicht mehr von dir trennen werde.«
-
-»So sei es,« antwortete der Hodscha; »du bist der Herr.«
-
-
-327.
-
-Tamerlan war sehr häßlich; er hatte nur ein Auge und einen eisernen
-Fuß. Als er nun einmal mit dem Hodscha saß und sich mit ihm unterhielt,
-fuhr er mit der Hand an den Kopf und ließ den Barbier rufen. Der kam
-augenblicklich; nachdem er ihm den Kopf geschoren hatte, reichte er
-ihm einen Spiegel. Timur betrachtete sich, und da er sah, wie häßlich
-er war, begann er zu weinen. Seinem Beispiele folgend, zerflossen auch
-der Hodscha und der ganze Hof in Tränen und Seufzern, und das dauerte
-eine oder zwei Stunden. Endlich gelang es den Hofleuten, indem sie
-einige hübsche Geschichten erzählten, Timur zu zerstreuen und ihn
-seinen Kummer vergessen zu machen, und er hörte zu weinen auf; aber der
-Hodscha weinte nur umso stärker. Und Timur sagte zu ihm: »Ich habe mich
-im Spiegel betrachtet, und da habe ich mich so abscheulich gefunden,
-daß ich einen schweren Kummer litt, weil ich, der Padischah, der Herr
-so vieler Sklaven, so häßlich sein muß; ich habe also mit vollem Rechte
-geweint. Aber warum weinst denn du noch zu dieser Stunde, und warum
-hörst du nicht auf, zu klagen?«
-
-Der Hodscha antwortete sofort: »Du hast dich nur einmal im Spiegel
-gesehn, und dieser kurze Augenblick hat genügt, dich zwei Stunden lang
-weinen zu machen; was ist denn wunderbares dabei, wenn ich, der ich
-dich den ganzen Tag sehe, länger weine als du?«
-
-Über diese Rede fiel Timur in ein unauslöschliches Gelächter.
-
-
-
-
-3. Angeblich historisches
-
-
-328.
-
-Da Nasreddin durch diese Geschichte[102] mit Tamerlan besser bekannt
-geworden war, nahm er sich bald darauf die Freiheit, ihm ein andres
-Geschenk zu machen, nämlich zehn zarte, frischgepflückte Gurken;
-dafür erhielt er von ihm zehn Goldstücke. Als dann die Gurken nicht
-mehr so selten waren, lud er ihrer einen Wagen voll, um sie Tamerlan
-zu bringen. Der Türhüter aber, der sich der großen Belohnung für die
-ersten zehn erinnerte, weigerte sich ihn einzulassen, wenn er nicht
-verspreche, die neue Gegengabe mit ihm zu teilen. Der Handel wurde
-so abgeschlossen, und Nasreddin wurde vorgelassen. Auf die Frage
-Tamerlans, was ihn herführe, antwortete er, er bringe ihm viel mehr
-Gurken als das andere Mal; als aber Tamerlan diese außerordentlich
-große Menge sah, befahl er ihm ebenso viel Stockstreiche zu geben, wie
-es Gurken seien. Und es waren fünfhundert Stück. Nasreddin mußte sich
-fügen und erlitt geduldig zweihundertfünfzig Hiebe; dann aber begann
-er zu schreien, er habe nun seinen Teil, und er hoffe, der König werde
-auch dem Türhüter sein Recht widerfahren lassen. Der König fragte ihn,
-was das heißen solle, und Nasreddin antwortete ihm: »Ich habe mich mit
-dem Türhüter verglichen, daß er die Hälfte von dem haben solle, was ich
-als Geschenk bekäme, und dafür hat er mich vorgelassen.« Der Türhüter
-wurde gerufen; da er sich gezwungen sah, den Handel anzuerkennen,
-mußte er auch seinen Teil auf sich nehmen und empfing die andern
-zweihundertfünfzig Stockstreiche.
-
-
-329.
-
-Tamerlan begann nun so viel Gefallen an Nasreddin zu finden, daß er ihn
-mit dem Versprechen, ihm nichts zu verweigern, ermutigte, zu verlangen,
-was er wolle. Nasreddin verlangte nichts weiter als den mäßigen Betrag
-von zehn Goldstücken, um davon ein Denkmal für die Nachwelt zu erbauen.
-Als ihm das Geld ausgezahlt worden war, errichtete er mitten auf
-freiem Felde ein großes Tor mit Schloß und Riegel. Darüber gabs denn
-ein allgemeines Staunen und man fragte ihn um den Grund; da antwortete
-er: »Die allerspäteste Zukunft wird die Erinnerung an diese Tür ebenso
-getreu bewahren wie die an die Siege Tamerlans; während aber die
-Welt bei diesem Denkmal, das die Streiche Nasreddins ins Gedächtnis
-zurückruft, lachen wird, wird das Andenken der Taten Tamerlans Tränen
-hervorrufen von einem Ende der Erde zum andern.«
-
-
-330.
-
-Bajazet war einmal gegen seine vornehmsten Offiziere sehr aufgebracht
-und hatte schon den Rat versammelt, der ihnen das Urteil sprechen
-sollte; da nun die Herren vom Rate in ihrem Schrecken und ihrer
-Bestürzung nicht wußten, wie sie den Unglücklichen das Leben retten
-könnten, bot sich ihnen Nasreddin an, um ihnen zu helfen. Und er sagte
-zu Bajazet: »Sultan, laß die Leute nur henken; sie sind alle Verräter.«
-Bajazet war damit einverstanden und Nasreddin fuhr fort: »Wozu sind sie
-uns auch nütze? wenn jetzt Timur mit seiner Armee kommt, so nimm du
-die Standarte und ich werde die Trommel schlagen; wir wollen ihm ein
-Treffen liefern, und wahrhaftig, wir zwei werden den Tataren genug zu
-schaffen machen.« Bajazet antwortete nichts; wenige Augenblicke darauf
-gewährte er aber den Schuldigen seine Gnade.
-
-
-331.
-
-Nasreddin hatte den Zorn Bajazets erregt und Bajazet befahl, ihn
-hinzurichten; er mußte auf einen sehr hohen Baum auf freiem Felde
-steigen, und den sollten die Soldaten umhauen, damit Bajazet sehe, was
-für Luftsprünge Nasreddin machen werde. Trotz dem inständigen Flehen
-Nasreddins getraute sich niemand, Bajazet für ihn um Gnade zu bitten,
-so daß er sich selber zu helfen versuchte; er ließ oben auf dem Baume
-die Hosen herunter und verunreinigte die Soldaten. Darüber mußte
-Bajazet herzlich lachen, und er erlaubte ihm, herabzusteigen.
-
-
-
-
-4. Moderne Volkserzählungen aus Nasreddins Heimat
-
-
-332.
-
-Eine Frau kam einmal zum Hodscha, gab ihm einen Brief und bat ihn,
-ihn ihr vorzulesen. Nun konnte der Hodscha gar nicht lesen; da er
-sich aber schämte, dies einzugestehn, nahm er den Brief und las:
-»Hochwohlgeborener, ehrenwerter Herr« usw., wie ein Freund einem andern
-zu schreiben pflegt.
-
-Die Frau sagte darauf, daß das kein Brief eines Bekannten, sondern der
-Steuerzettel ihres Hauses sei. Und der Hodscha antwortete: »Warum hast
-du mir das nicht früher gesagt? dann hätte ich ihn anders gelesen.«
-
-
-333.
-
-Eines Nachts schlich der Hodscha zu der Sklavin seines Vaters. Die
-Sklavin wachte auf und fragte: »Wer ist da?«
-
-»Pst,« antwortete der Hodscha, »ich bin mein Vater.«
-
-
-334.
-
-Der Sohn des Hodschas hatte ein Haus gebaut und lud seinen Vater ein,
-es zu besichtigen. Der Hodscha sah sich alles gut an, sowohl unten,
-als auch oben; und als ihn der Sohn fragte, ob das Haus schön sei,
-antwortete er: »Alle Räumlichkeiten sind schön; nur in dem kleinen
-Zimmer zu ebener Erde ist die Tür so eng, daß kein Eßtisch hineingeht.«
-
-Er hatte den Abtritt für ein Zimmer angesehn.
-
-
-335.
-
-Der Hodscha kaufte einmal eine Oka Datteln und aß dann die Datteln
-mit den Kernen. Als man ihn fragte, warum er sie mit den Kernen
-verschlucke, antwortete er: »Ich habe sie mit den Kernen gekauft, und
-so hat man mir sie zugewogen.«
-
-
-336.
-
-Der Hodscha hatte ein Haus gemeinsam mit einem andern, und mit diesem
-hatte er immerfort Streit. Darum ging er einmal auf den Markt und
-wollte seine Hälfte verkaufen. Man fragte ihn um den Grund und er
-antwortete, daß er mit seinem Hausgesellschafter zu viel Streit habe,
-und daß er mit dem Gelde, das er für seine Hälfte bekommen werde, die
-andere dazukaufen wolle.
-
-
-337.
-
-Man fragte einmal den Hodscha, wer älter sei, er oder sein Bruder. Der
-Hodscha antwortete, daß zwar er um ein Jahr älter sei, daß aber im
-nächsten Jahre sein Bruder das Jahr abgelebt haben werde und daß sie
-dann gleich alt sein würden.
-
-
-338.
-
-Der Hodscha kam einmal zu Timur. Der Khan, der ihn sehr gern hatte,
-fragte ihn, wie groß seine Familie sei. Der Hodscha antwortete:
-»Zehn Köpfe.« Timur befahl, ihm für jeden einzelnen hundert Akscha
-auszuzahlen. Der Hodscha nahm die tausend Akscha in Empfang, ging zu
-Timur zurück und sagte ihm, daß er einen zu wenig angesagt habe. Timur
-fragte um den Namen des Ausgelassenen.
-
-Der Hodscha antwortete: »Nasreddin-Effendi.«
-
-
-
-
-Anmerkungen
-
-literatur- und stoffgeschichtlichen Inhalts
-
-
-
-
-Verzeichnis der im folgenden häufiger zitierten Bücher, Aufsätze und
-Zeitschriften
-
-
- ~Anthropophyteia~ = Ἀνθρωποφυτεία. Jahrbücher für
- Folkloristische Erhebungen und Forschungen zur
- Entwicklungsgeschichte der geschlechtlichen Moral,
- herausgegeben von Dr. Friedrich S. Krauss. I-VII.
- Leipzig, 1904 ff.
-
- ~Archivio~ = Archivio per lo studio delle tradizioni
- popolari, ed. Pitrè, Palermo, 1882 ff.
-
- ~Barker~ = A Reading Book of Turkish Language, by William
- Burckhardt Barker, London, 1854 (_enthält von S. 27
- bis 106 der türkischen Paginierung_ Pleasing Tales of
- Khoja Nasr-il-Deen Effendi _in türkischer Sprache mit
- englischer Übersetzung_).
-
- ~Basset, _RTP_~ = _die von Basset in der_ Revue des
- traditions populaires, XVI ff., _aus dem_ Nawadir (_s.
- d._) _übersetzten Stücke_.
-
- ~Bonelli~ = Luigi Bonelli, Saggi del Folklore dell’isola
- di Malta, V: Voci infantili. Facezie di Gahan _im_
- Archivio, XIV, _S. 457 ff_.
-
- ~Buadem~ = Buadem. Hundertunddreißig Anekdoten aus seinem
- Leben von Mehemed Tewfik _in Nr. 2735 der Reclamschen_
- Universal-Bibliothek, _S. 39-93_. _Die Kenntnis der Nr.
- 131-226 der Buademschwänke Tewfiks, die bisher noch in
- keiner europäischen Sprache erschienen sind, verdanke
- ich der Liebenswürdigkeit des Herrn Dr. Theodor Menzel,
- der mir das Manuskript seiner deutschen Übertragung zur
- Durchsicht überlassen hat._
-
- ~Cantimir~ = Cantimir, Histoire de l’empire othoman,
- traduit par De Joncquieres, Paris, 1743 ff.
-
- ~Clouston, _Flowers_~ = Flowers from a Persian Garden,
- and other Papers by W. A. Clouston, London, 1890.
-
- ~Clouston, _Noodles_~ = The Book of Noodles by W. A.
- Clouston, London, 1888.
-
- ~Crane~ = Italian Popular Tales by Thomas Frederick
- Crane, London, 1885.
-
-
- ~De la Croix~ = De la Croix, Geschichte des osmanischen
- Reiches, deutsch von Schulz, Frankfurt, 1769 ff.
-
- ~Doran~ = The History of Court Fools by Dr. Doran,
- London, 1858.
-
- ~Ethé~ = Essays und Studien von Dr. Hermann Ethé, Berlin,
- 1872; _darin S. 233-254_: Ein türkischer Eulenspiegel.
-
- ~Flögel~ = Geschichte der Hofnarren von Karl Friedrich
- Flögel, Liegnitz und Leipzig, 1789.
-
- ~_Fourberies_~ = Les Fourberies de Si Djeh’a, contes
- kabyles, recueillis et traduits par Auguste Mouliéras.
- Traduction française et notes avec une étude sur Si
- Djeh’a et les anecdotes qui lui sont attribuées, par M.
- René Basset, Paris, 1892.
-
- ~Galland~ = Les paroles remarquables, les bons mots, et
- les maximes des Orientaux (_par Ant. Galland_), A la
- Haye, 1694.
-
- ~Gazeau~ = Les Bouffons par M. A. Gazeau, Paris, 1882.
-
- ~Gonzenbach~ = Sicilianische Märchen. Aus dem Volksmunde
- gesammelt von Laura Gonzenbach. Mit Anmerkungen Reinhold
- Köhler’s und einer Einleitung herausgegeben von Otto
- Hartwig. Leipzig, 1870. _2 Bände._
-
- ~Griechisch~ = Ὁ Νὰσρ-ἐδδὶν-Χότζας καὶ τὰ ἀστεῖα ἀνέκδοτα
- αὐτοῦ. Ἐν Ἀθήναις, Βιβλιοπωλεῖον Μιχαὴλ Σαλιβέρου.
-
- ~Hammer~ = Hammer, Geschichte des osmanischen Reiches,
- Pest, 1827 ff.
-
- ~Hartmann~ = M. Hartmann, Schwänke und Schnurren im
- islamischen Orient _in der_ Zeitschrift des Vereins für
- Volkskunde, V, _S. 40 ff_.
-
- ~Ilg~ = Maltesische Märchen und Schwänke. Aus dem
- Volksmunde gesammelt von B. Ilg. Leipzig, 1906. _2 Bände._
-
- ~Köhler~ = Kleinere Schriften von Reinhold Köhler,
- herausgegeben von Johannes Bolte, Weimar (Berlin), 1898
- ff. _3 Bände; darin I, S. 481-509_: Nasreddins Schwänke.
-
- ~Kroatisch~ = Posurice i sale Nasredina. Drugo izdanjf.
- Zagreb, L. Hartman.
-
- ~Kuka~ = The Wit and Humour of the Persians by
- Meherjibhai Nosherwanji Kuka, Bombay, 1894.
-
-
- ~Mango~ = F. Mango, La leggenda dello sciocco nelle
- novelline calabre _im_ Archivio X, _S. 45 ff_.
-
- ~Mardrus~ = Le livre des Mille nuits et une nuit,
- traduction littérale et complète du texte arabe par
- le Dr. J. C. Mardrus. Tome XV, Paris, 1904; _darin S.
- 93-118_: Quelques sottises et théories du maître des
- devises et des ris.
-
- ~Monnier~ = Les contes populaires en Italie par Marc
- Monnier, Paris, 1880.
-
- ~Murad~ = Nassreddin Chodja. Ein osmanischer Eulenspiegel
- von Murad Efendi (_d. i. Fr. v. Werner_), Vierte Auflage,
- Oldenburg (_Die erste Ausgabe ist 1878 erschienen_).
-
- ~_Nawadir_~ = Nawadir el chodscha nasr ed-din effendi
- dschoha, Kairo, o. J.
-
- ~Nick~ = Fr. Nick, Die Hof~ und Volks-Narren, Stuttgart,
- 1861. _2 Bände._
-
- ~Nouri~ = Nasreddin Khodjas Schwänke und Streiche.
- Türkische Geschichten aus Timurlenks Tagen erzählt von
- Ali Nouri, Breslau, 1904.
-
- ~Pann~ = Anton Pann, Opere complete. Editia II-a, Vol. I,
- Bucuresti, 1909; _darin S. 327-356_: Nazdravaniile lui
- Nastratin Hogea (_ist zuerst 1853 erschienen_).
-
- ~Pharaon~ = Spahis, Turcos et Goumiers par Florian
- Pharaon, Paris, 1864; _das 9. Kapitel_, Les réunions de
- Turcos, _enthält eine Anzahl Dschehageschichten_.
-
- ~Pitrè~ = Fiabe, novelle e racconti popolari siciliani,
- raccolti ed illustrati da Giuseppe Pitrè, Palermo, 1875.
- _4 Bände; darin III, S. 353-379_: Giufà.
-
- ~Roda Roda~ = Roda Roda, Der Pascha lacht.
- Morgenländische Schwänke, Berlin und Leipzig, 1909;
- _darin S. 121-125_: Von Nassr’eddin.
-
- ~_RTP_~ = Revue des traditions populaires, Paris, 1885 ff.
-
- ~Serbisch~ = Nasradin-hodza, njegove sale, dosetke i
- lakrdje u pripodjetkama od Mehemeda Tevfika. Prevod s
- nemackog. U Nuvom Sadu, 1903.
-
- ~Sottisier~[103] = Sottisier de Nasr-Eddin-Hodja, Bouffon
- de Tamerlan, suivi d’autres facéties turques, traduits
- sur des manuscrits inédits par J. A. Decourdemanche,
- Bruxelles, 1878.
-
- ~Stumme, _Malta_~ = Stumme, Maltesische Märchen, Gedichte
- und Rätsel, Leipzig, 1904.
-
- ~Stumme, _Studien_~ = Stumme, Maltesische Studien,
- Leipzig, 1904.
-
- ~Stumme, _Tamazratt_~ = Stumme, Märchen der Berbern von
- Tamazratt in Südtunisien, Leipzig, 1900.
-
- ~Stumme, _Tripolis_~ = Stumme, Märchen und Gedichte aus
- der Stadt Tripolis in Nordafrika, Leipzig, 1898.
-
- ~Stumme, _Tunis_~ = Stumme, Tunisische Märchen und
- Gedichte, Leipzig, 1893.
-
- ~Tewfik~ = Die Schwänke des Naßr-ed-din. Ausgewählt und
- ergänzt von Mehemed Tewfik _in Nr. 2735 der Reclamschen_
- Universal-Bibliothek, _S. 5-38_.
-
- ~_Tréfái_~ = Naszreddin hodsa tréfái. Török (kisásziai)
- szöveget gyüjtötte, forditással es jegyzetekkel ellátta
- Dr. Kúnos Ignácz. Budapest, 1899 (_Die Schwänke 1-136
- auch bei_ Radloff, Die Sprachen der türkischen Stämme,
- Petersburg 1866 ff., I. Abteilung, VIII, _S. 408-436_).
-
- ~_Volksbuch_~ = 1. Les Plaisanteries de Nasr-Eddin Hodja,
- traduites du Turc par J.-A. Decourdemanche. Seconde
- édition, augmentée de Naivetés de Karacouch. Paris, 1908
- (_Die erste Ausgabe ohne die Karakuschanekdoten ist
- 1876 erschienen_). 2. Meister Nasr-eddin’s Schwänke und
- Räuber und Richter. Aus dem türkischen Urtext wortgetreu
- übersetzt von Wilh. von Camerloher, und resp. Dr. W.
- Prelog in Konstantinopel, Triest, 1857 (_Das Vorwort
- Camerlohers ist von 1855 datiert_).
-
-
- ~Walawani~ = Ἰωακεὶμ Βαλαβάνη, Μικρασιατικά, Ἀθήνησι,
- 1891; _darin S. 140-159_: Ὁ Νασρεδδὶν Χώτζας (_dieser
- Aufsatz ist schon 1888 im_ Βυζαντινὸν Ἡμερολόγιον, _S.
- 297-310 erschienen_).
-
- ~_ZVV_~ = Zeitschrift des Vereins für Volkskunde, Berlin,
- 1890 ff.
-
-
-
-
-I. Türkische Überlieferungen
-
-
-1. Die hundertfünfundzwanzig Schwänke des Volksbuchs
-
-1. _Volksbuch_, Nr. 1[104]; Barker, S. 27 ff.; _Sottisier_, Nr. 1
-(erster Teil); Tewfik, Nr. 30; Nouri, S. 19 ff.; _Tréfái_, Nr. 1;
-_Nawadir_, S. 2 (Basset _RTP_, XVII, S. 93); Meißner, _Neuarabische
-Geschichten aus dem Iraq_, Leipzig 1903, S. 56 und 57, Nr. 3: _Eine
-Schnurre vom Chawadja Nasreddin_; Kuka, S. 222; Griechisch, Nr. 11;
-Serbisch, S. 11 ff.; Kroatisch, S. 10 ff.; Murad, Nr. 3.
-
-Nick, I, S. 151; Köhler, I, S. 484[105]; Clouston, _Flowers_, S. 66;
-Gazeau, S. 193; _Fourberies_, S. 19; Hartmann, S. 65 ff.
-
-In der _RTP_, XVII, S. 94 zitiert Basset eine ukrainische Version aus
-der _Kryptadia_, VIII, Paris, 1902, S. 391: _Pourquoi les raskolniks
-ont la tonsure_; eine rumänische steht bei Ispirescu, _Snóve sau
-Povesti Populare_, ed. 2-a, Bukarest, 1875 (M. Gaster im _Magazin für
-die Literatur des Auslandes_, XCVI, S. 564). Vgl. auch eine Schnurre in
-dem aus dem 16. Jahrhunderte stammenden _Liber facetiarum_ oder _Libro
-de chistes_ von Luis de Pinedo (A. Paz y Mélia, _Sales españolas_, I,
-Madrid, 1890, S. 266 ff.), die nur eine Parallele zu Nasreddins dritter
-Predigt bietet, und den Schluß der 8. Facetie Arlottos in meiner
-Ausgabe (= Bd. I und II der _Narren, Gaukler und Volkslieblinge_), I,
-S. 28 und 188.
-
-
-2. _Volksbuch_, Nr. 2; Barker, S. 30; _Sottisier_, Nr. 1 (zweiter
-Teil); Tewfik, Nr. 66; Nouri, S. 21; _Tréfái_, Nr. 3; Mardrus, S.
-94; _Nawadir_, S. 2 (Basset _RTP_, XVI, S. 463); Griechisch, Nr. 12;
-Serbisch, S. 33; Kroatisch, S. 27.
-
-_Fourberies_, S. 17; _Tréfái_, S. 21.
-
-Vgl. auch unten die Nrn. 243 und 244.
-
-3. _Volksbuch_, Nr. 3; Barker, S. 30 ff.; Tewfik, Nr. 67; _Tréfái_, Nr.
-2; _Nawadir_, S. 2 (Basset _RTP_, XVI, S. 464); Griechisch, Nr. 13;
-Kroatisch, S. 27.
-
-Gazeau, S. 193; _Tréfái_, S. 21.
-
-Vgl. auch unten Nr. 242.
-
-
-4. _Sottisier_, Nr. 81; _Volksbuch_, Nr. 4; Barker, S. 31 ff.; Tewfik,
-Nr. 53; _Tréfái_, Nr. 4; _Nawadir_, S. 3 (Basset _RTP_, XVII, S. 34);
-Griechisch, Nr. 14; Serbisch, S. 27; Kroatisch, S. 23.
-
-_Fourberies_, S. 41.
-
-
-5. _Sottisier_, Nr. 10; _Volksbuch_, Nr. 5; Barker, S. 32 ff.; Nouri,
-S. 216 ff.; _Tréfái_, Nr. 5; _Nawadir_, S. 4; Kuka, S. 214; Griechisch,
-Nr. 6; Serbisch, S. 108; Kroatisch, S. 85.
-
-_Fourberies_, S. 30.
-
-Der Schwank findet sich mutatis mutandis in der _Disciplina clericalis_
-von Petrus Alphonsi (hg. v. Fr. W. V. Schmidt, Berlin, 1827, S. 82);
-der Verfasser scheint aus dem _Kitab al ikd al farid_ von Achmed
-ibn Abdirabbihi († 940)[106] oder aus dessen Quellen geschöpft zu
-haben. Die Erzählung Abdirabbihis hat Basset in der _RTP_, XVII, S.
-95 übersetzt. Näher den obigen Versionen steht aber der folgende,
-wahrscheinlich noch um 500 Jahre ältere Abderitenschwank (_Philogelos.
-Hieroclis et Philagrii Facetiae_, ed. Eberhard, Berlin, 1869, S. 30,
-Nr. 124):
-
-Ἀβδηρίτης κατ’ ὄναρ χοιρίδιον ἐπώλει καὶ εζήτει δηνάρια ἑκατόν.
-διδόντος δέ τινος πεντήκοντα, μὴ βουλόμενος λαβεῖν, διύπνισε. καμμύσας
-οὖν καὶ τὴν χεῖρα προτείνας, εἶπε· δὸς κἂν τὰ πεντήκοντα.
-
-Vgl. auch die von St. Julien im _Journal asiatique_, IV, 1824, S. 100
-aus dem chinesischen Buche _Siao li Siao_ übersetzte Erzählung.
-
-
-6. _Volksbuch_, Nr. 6; Barker, S. 33 ff.; _Tréfái_, Nr. 6; _Nawadir_,
-S. 5 (Basset _RTP_, XVII, S. 94); Basset, _Étude sur la Zenatia du Mzab
-de Ouargla et de l’Oued-Rir’_, Paris, 1893, S. 102 ff., Nr. 2: _Les
-excuses de Djoh’a_; Griechisch, Nr. 15.
-
-Gazeau, S. 194.
-
-7. _Volksbuch_, Nr. 7; Barker, S. 34 ff.; _Sottisier_, Nr. 38; Tewfik,
-Nr. 21; Nouri, S. 193 ff.; _Tréfái_, Nr. 8; _Nawadir_, S. 5 (Basset
-_RTP_, XVII, S. 35); Basset, _Zenatia_, S. 109, Nr. 7: _Djoh’a et
-le maître d’un jardin_; Griechisch, Nr. 103; Serbisch, S. 24 ff.;
-Kroatisch, S. 80 ff. und 9.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 11 ff.; Gazeau, S. 194; _Fourberies_, S. 35;
-Hartmann, S. 63; Tréfái, S. 19.
-
-Horn bringt (S. 69) eine jedenfalls ältere Version aus der
-_Herzerfreuenden Schrift_ des Persers Ubeid Zakani († 1370/71) bei,
-die wohl identisch ist mit Kuka, S. 189, Nr. 202; als Parallele sei
-noch Krauss, _Zigeunerhumor_, Leipzig, 1907, S. 87 ff.: _Der Knoblauch_
-genannt. Vgl. auch die unten (II, S. 125 ff.) als Nr. 441 mitgeteilte
-Juvadigeschichte.
-
-
-8. Barker, S. 35 ff.; _Volksbuch_, Nr. 8; _Sottisier_, Nr. 6; Tewfik,
-Nr. 22; Nouri, S. 140 ff.; _Tréfái_, Nr. 9; _Nawadir_, S. 5 (Basset
-_RTP_, XVII, S. 96 ff. und XIX, S. 20); Griechisch, Nr. 82; Serbisch,
-S. 29; Kroatisch, S. 82 ff. und 9.
-
-_Fourberies_, S. 29.
-
-
-9. _Volksbuch_, Nr. 9; Barker, S. 36 ff.; _Sottisier_, Nr. 41; Tewfik,
-Nr. 68; _Tréfái_, Nr. 10; _Nawadir_, S. 5 (Basset _RTP_, XVII, S. 97);
-Griechisch, Nr. 38; Kroatisch, S. 26 ff.; Murad, Nr. 16.
-
-Köhler, I, S. 484; Gazeau, S. 195; _Fourberies_, S. 35.
-
-Etwas ähnliches erzählen G. Finamore im _Archivio_, IX, S. 157 ff.
-von dem Pfarrer Zi’Tanghe in Gamberale (um 1700) und Ispirescu, S. 86
-(_Magazin_, XCVI, S. 595); derlei ~sonderbare Zeitrechnungen~ kehren
-auch wieder in Wickrams _Rollwagenbüchlein_, Nr. 47 (Boltes Nachweise
-S. 375), im _Sackful of News_ (Hazlitt, _Shakespeare Jest-Books_,
-II, London, 1864, S. 186), bei Monnier, S. 216 ff. und in der
-_Anthropophyteia_, I, S. 81 ff. Bei Galland, S. 54 zählt ein Schneider
-in Samarkand die Toten, die auf den Friedhof geschafft werden, indem
-er bei jedem ein Steinchen in einen Topf wirft; als er dann selber
-stirbt, sagt ein Nachbar: »Nun ist auch er in den Topf gefallen wie
-die andern.« Vgl. auch die 117. Facetie Arlottos, II, S. 98 und E. J.
-Bronner, _Bayerisches Schelmen-Büchlein_, Diessen, 1911, S. 61 ff.
-
-Dem Schlusse der Facetie Nasreddins steht sehr nahe die folgende
-Schnurre aus Campbell, _Popular Tales of the West-Highlands_, New Ed.,
-London, 1890, II, S. 399.
-
-The Assynt man once went to Tain to buy meal. Outside the town, a man
-asked him if he knew what o’clock it was. »Last time it was 12. If it
-is striking still, it must be at 50.«
-
-
-10. _Volksbuch_, Nr. 10; Barker, S. 38; _Sottisier_, Nr. 20; Tewfik,
-Nr. 59; _Tréfái_, Nr. 11; Mardrus, S. 98; _Nawadir_, S. 9 (Basset
-_RTP_, XVII, S. 481); Griechisch, Nr. 39; Walawani, S. 67 und 155;
-Serbisch, S. 32; Kroatisch. S. 36; Murad, Nr. 4. Vgl. auch Nr. 109.
-
-Ethé, S. 239; Köhler, I, S. 484 ff. und 505; Gazeau, S. 194;
-_Fourberies_, S. 31.
-
-Zu der von Köhler angezogenen Stelle aus Heines _Reisebildern_ (_Die
-Bäder von Lucca_, Kap. 13) vgl. die Verwendung, die sie im _Gendre de
-M. Poirier_ von E. Augier und J. Sandeau, 2. Akt, 1. Szene, gefunden
-hat. Mit der Nasreddinschen Version stimmt vollständig eine von
-Strafforello in der _Sapienza del mondo_, Torino, 1878 ff., II, S. 462
-mitgeteilte.
-
-
-11. _Sottisier_, Nr. 240; _Volksbuch_, Nr. 11; Barker, S. 38 ff.;
-_Tréfái_, Nr. 12; Griechisch, Nr. 83; Serbisch, S. 161.
-
-Gazeau, S. 195.
-
-Wie sich hier Nasreddin an dem Kamel rächen will, so strafen im
-_Philogelos_, Nr. 111 die Abderiten einen Esel, lassen aber bei der
-Exekution alle Esel der Stadt anwesend sein, damit sie sich ein
-Beispiel nähmen; ähnlich machen es bei Zincgref-Weidner, _Teutsche
-Apophtegmata_, Amsterdam, 1653 ff., IV, S. 280 deutsche Städter und
-bei Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, Paris, 1886, III, S.
-359 ff.: _La truie pendue_ die Einwohner von Marsolan mit einem bösen
-Schweine und der Sieur Gaulard in Tabourots _Contes facecieux du Sieur
-Gaulard_ (Ausgabe Paris, 1662, S. 191) mit einem schlimmen Pferde.
-Wohl nach Tabourot erzählen Zincgref-Weidner, V, S. 114 ff. und Chr.
-Lehmann, _Florilegium politicum_, 1630, S. 731 ff.; s. auch Albrecht
-Keller, _Die Schwaben in der Geschichte des Volkshumors_, Freiburg,
-1907, S. 267 ff., wo allerdings die Hinrichtung des Farren aus einem
-andern Grunde erfolgt, wo aber auch alle Rinder Exekutionszeugen sein
-müssen. Wir werden dem Motive der ~Strafe von Tieren~, das sich auch
-in der Rechtsgeschichte verfolgen läßt, noch öfter begegnen; vgl.
-besonders Nr. 356.
-
-
-12. _Volksbuch_, Nr. 12; Barker, S. 39; _Sottisier_, Nr. 13; Tewfik,
-Nr. 17; Nouri, S. 221; _Tréfái_, Nr. 13; _Nawadir_, S. 9; Griechisch,
-Nr. 84; Serbisch, S. 28; Kroatisch, S. 8.
-
-Gazeau, S. 195 ff.
-
-
-13. _Sottisier_, Nr. 241; _Volksbuch_, Nr. 13; _Tréfái_, Nr. 14;
-_Nawadir_, S. 9; Serbisch, S. 165 ff. (nicht obszön).
-
-Gazeau, S. 196; _Fourberies_, S. 60.
-
-
-14. _Volksbuch_, Nr. 14; Barker, S. 39 ff.; _Sottisier_, Nr. 54;
-Tewfik, Nr. 54; Nouri, S. 186 ff.; _Tréfái_, Nr. 15; _Nawadir_, S. 10
-(Basset _RTP_, XVII, S. 482); _Fourberies_, Nr. 11; Griechisch, Nr. 28;
-Serbisch, S. 22; Kroatisch, S. 23.
-
-Gazeau, S. 196.
-
-
-15. _Volksbuch_, Nr. 15; _Sottisier_, Nr. 27; Tewfik, Nr. 48; _Tréfái_,
-Nr. 17; _Nawadir_, S. 10 (Basset _RTP_, XVII, S. 483); Griechisch, Nr.
-29; Serbisch, S. 44 (anders S. 109); Kroatisch, S. 17.
-
-Gazeau, S. 196.
-
-Eine hübsche persische Variante steht bei Kuka, S. 186, Nr. 96.
-
-
-16. _Sottisier_, Nr. 247; _Volksbuch_, Nr. 16; Barker, S. 40 ff.;
-Nouri, S. 190; _Tréfái_, Nr. 16; Griechisch, Nr. 25; Serbisch, S. 39
-und 168.
-
-Von diesem Schwanke bringt beinahe jeder Herausgeber einen andern Text
-und der des serbischen Volksbuchs zweie; der hier mitgeteilte ist wohl
-die beste Fassung. Vgl. auch Nr. 177.
-
-
-17. _Volksbuch_, Nr. 17; Barker, S. 41; _Sottisier_, Nr. 39; Tewfik,
-Nr. 46; _Tréfái_, Nr. 18; _Nawadir_, S. 10 (Basset _RTP_, XVII, S.
-484); Griechisch, Nr. 26; Serbisch, S. 129 und 42; Kroatisch, S. 17.
-
-18. _Volksbuch_, Nr. 18; Barker, S. 41 ff.; _Sottisier_, Nr. 40;
-Tewfik, Nr. 47; Nouri, S. 206; _Tréfái_, Nr. 19; _Nawadir_, S. 14;
-Griechisch, Nr. 27; Serbisch. S. 166 ff. und 27; Kroatisch, S. 17.
-
-Gazeau, S. 196 ff.; Hartmann, S. 163; Basset in der _RTP_, XI, S. 496
-ff.; Horn, S. 69 (eine ältere Version steht bei Zakani).
-
-
-19. _Volksbuch_, Nr. 19; Barker, S. 42; _Sottisier_, Nr. 35; Tewfik,
-Nr. 23; _Tréfái_, Nr. 20; _Nawadir_, S. 14; Griechisch Nr. 153;
-Serbisch, S. 35; Kroatisch S. 9.
-
-Vgl. dazu die 39. Facetie im _Philogelos_, besonders mit der dort, S.
-14, unter dem Striche gegebenen Lesart:
-
-Σχολαστικοὶ δύο ὁμοῦ ἐβάδιζον. ἰδὼν δὲ αὐτῶν ὁ εἶς μέλαινα ὄρνιν,
-εἶπεν· ἀδελφὲ, ἴσως ταύτης ὁ ἀλέκτωρ ἀπέθανε· καὶ διὰ τοῦτο μέλαινα
-ἐνεδύσατο.
-
-
-20. _Volksbuch_, Nr. 20; Barker, S. 42 ff.; _Sottisier_, Nr. 55;
-Tewfik, Nr. 33; _Tréfái_, Nr. 21; _Nawadir_, S. 14; Griechisch, Nr.
-137; Serbisch, S. 14; Kroatisch S. 13. S. oben Nr. 11.
-
-
-21. _Volksbuch_, Nr. 21; _Sottisier_, Nr. 29; Tewfik, Nr. 49; _Tréfái_,
-Nr. 22; Griechisch, Nr. 141; Serbisch, S. 27; Kroatisch, S. 17.
-
-
-22. _Volksbuch_, Nr. 22; Barker, S. 43 ff.; _Sottisier_, Nr. 227;
-Ethé, S. 241; _Tréfái_, Nr. 23; _Nawadir_, S. 14; Griechisch, Nr. 136;
-Serbisch, S. 168 ff.
-
-Gazeau, S. 197; _Fourberies_, S. 59; Horn, S. 70 (Zakani).
-
-Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 7: _Wie ein Zigeuner die »Teufel« um seine
-Seele geprellt_.
-
-
-23. _Volksbuch_, Nr. 23; _Sottisier_, Nr. 57; _Tréfái_, Nr. 24;
-_Nawadir_, S. 14; Griechisch, Nr. 138; Serbisch, S. 162.
-
-Köhler, I., S. 485; _Fourberies_, S. 37; _Tréfái_, S. 12.
-
-Vgl. weiter meine Ausgabe von Heinrich Bebels _Schwänken_, München,
-1907, II, S. 150 ff.; zu den dortigen Nachweisen kommen noch Merkens,
-_Was sich das Volk erzählt_, Jena, 1892, S. 162, Nr. 193 g und J.
-Fleury, _Littérature orale de la Basse-Normandie_, Paris, 1883, S. 204.
-
-
-24. _Volksbuch_, Nr. 24; _Sottisier_, Nr. 251; _Tréfái_, Nr. 25.
-
-
-25. _Volksbuch_, Nr. 25; _Sottisier_, Nr. 252; _Tréfái_, Nr. 26;
-_Nawadir_, S. 14; Griechisch, Nr. 139.
-
-Prym und Socin, _Der neu-aramaeische Dialekt von Tûr ’Abdîn_,
-Göttingen, 1881, II, S. 288.
-
-
-26. _Volksbuch_, Nr. 26; _Sottisier_, Nr. 171 (hier wird der Schwank
-von Timur angestiftet); Tewfik, Nr. 50; Nouri, S. 24 ff.; Tréfái,
-Nr. 27; Mardrus, S. 101; _Nawadir_, S. 14; _Fourberies_, Nr. 13;
-Griechisch, Nr. 17; Serbisch, S. 22 ff.; Kroatisch, S. 103 und 18.
-
-_Fourberies_, S. 52; Hartmann, S. 64.
-
-Von Harun al Raschid und dem bekannten Schalke Abu Nuwas erzählen die
-Geschichten asch Schirwani im _Nafhat al jaman_[107] (Basset in der
-_RTP_, XIV, S. 441 ff. und den _Fourberies_, S. 186), Velten, _Märchen
-und Erzählungen der Suaheli_, Stuttgart, 1898, S. 17 ff. und Rückert,
-_Erbauliches und Beschauliches aus dem Morgenland_ (_Werke_, Hesse, IV,
-S. 340 ff.): _Der Hofpoet_; von Kaiser Akbar dem Großen von Hindustan
-(1542-1605) und seinen beiden Günstlingen berichtet sie Kuka, S. 254 ff.
-
-Eine merkwürdige Parallele steht in Aurbachers _Volksbüchlein_ (II, S.
-138 ff. der Reclamschen Ausgabe): _Der Hahn im Korb_.
-
-
-27. _Volksbuch_, Nr. 27; Barker, S. 44; _Sottisier_, Nr. 255; Tewfik,
-Nr. 24; _Tréfái_, Nr. 28; _Nawadir_, S. 14; Griechisch, Nr. 81;
-Serbisch, S. 36; Kroatisch, S. 9.
-
-
-28. _Volksbuch_, Nr. 28; Barker, S. 44 ff.; _Sottisier_, Nr. 106;
-Tewfik, Nr. 71; _Tréfái_, Nr. 29; _Nawadir_, S. 14; Griechisch, Nr.
-158; Serbisch, S. 20; Kroatisch, S. 29.
-
-Die Strafe, die hier als an der Quelle vollzogen gedacht wird (vgl.
-auch Nr. 296), entspricht dem griechischen ~Rhaphanizein~, wozu man
-außer Juvenals 10. Satire, v. 317 ff. noch die folgenden Verse in
-Catulls 15. Epigramm vergleiche:
-
- Ah tum te miserum, malique fati,
- Quem, attractis pedibus, patente porta,
- Percurrent raphanique mugilesque.
-
-S. auch die zu Nr. 71 angezogene serbische Erzählung.
-
-
-29. _Volksbuch_, Nr. 29; _Sottisier_, Nr. 296; _Tréfái_, Nr. 30;
-_Nawadir_, S. 15; Griechisch, Nr. 36.
-
-
-30. _Volksbuch_, Nr. 30; _Sottisier_, Nr. 297; _Tréfái_, Nr. 31.
-
-
-31. _Sottisier_, Nr. 18; _Volksbuch_, Nr. 31; Barker, S. 45 ff.; Nouri,
-S. 101 ff.; _Tréfái_, Nr. 32; _Nawadir_, S. 15; _Fourberies_, Nr. 32
-(hier verkauft Dscheha die Kleider seiner Freunde); Griechisch, Nr. 16;
-Serbisch. S. 133 ff. und 170 ff.; Kroatisch, S. 83 ff.; Murad, Nr. 21.
-
-Köhler, I, S. 485; Gazeau, S. 197 ff.; Clouston, _Popular Tales and
-Fictions_, Edinburgh, 1887, II, S. 35 ff.; _Fourberies_, S. 31.
-
-
-32. _Volksbuch_, Nr. 32; Barker, S. 47 ff.; _Sottisier_, Nr. 3; Ethé,
-S. 241 ff.; Nouri, S. 202 ff.; _Tréfái_, Nr. 33; _Nawadir_, S. 18
-(Basset _RTP_, XVII, S. 349); _Fourberies_, Nr. 31; Griechisch, Nr.
-165; Walawani, S. 157; Serbisch, S. 121, Kroatisch, S. 94 ff.; Murad,
-Nr. 14.
-
-Gazeau, S. 198; _Fourberies_, S. 29; _Tréfái_, S. 20.
-
-Eine sicherlich ältere Fassung dieser Schnurre bildet die 665. der
-_Lustigen Geschichten_ des syrischen Mönches Bar-Hebraeus († 1289); s.
-_The Laughable Stories collected by Mâr Gregory John Bar-Hebraeus_, ed.
-by E. W. Budge, London, 1897, S. 167 ff.
-
-Cristoforo Zabata, _Diporto de’ viandanti_ (1. Ausg. 1589), Venetia,
-1610, S. 66:
-
-Vn ladro, rubando in Toledo la bottega di vno che si chiamaua Pietro il
-negro, huomo piaceuole e faceto, s’abbatte incontrarlo, che gli portaua
-via una caßa piena di merci, ilquale andando in compagnia del ladro, fu
-dal detto domandato, perche gli andaua dietro, alquale esso rispose: io
-vengo per vedere, doue mi tramutate.
-
-Vgl. auch Kuka, S. 185, Nr. 94 und Pitrè, _Novelle popolari toscane_,
-Firenze, 1885, S. 311, Nr. 74: _Il Fagioli e i ladri_.
-
-
-33. _Sottisier_, Nr. 258; _Volksbuch_, Nr. 33; _Tréfái_, Nr. 34;
-Griechisch, Nr. 164.
-
-
-34. _Sottisier_, Nr. 262; _Volksbuch_, Nr. 34; _Tréfái_, Nr. 35;
-Griechisch, Nr. 155; Serbisch, S. 132 ff.
-
-
-35. _Volksbuch_, Nr. 35; Barker, S. 48 ff.; _Sottisier_, Nr. 111;
-Ethé, S. 246 ff.; Nouri, S. 177 ff.; _Tréfái_, Nr. 36; Mardrus, S.
-98 ff.; _Nawadir_, S. 18; Stumme, _Tunis_, I, S. 78 und II, S. 130
-ff.; Pharaon, S. 179 ff.; _Fourberies_, Nr. 16; B. IIg, _Maltesische
-Legenden und Schwänke_, Nr. 8: _Dschahan und das Kesselchen_ in
-der _ZVV_, XIX, S. 312; Griechisch, Nr. 156; Walawani, S. 155 ff.;
-Serbisch, S. 150 ff.; Kroatisch, S. 73 ff.; Murad, Nr. 1.
-
-Köhler, I, S. 485 ff.; Clouston, _Flowers_, S. 67; Gazeau, S. 198;
-_Fourberies_, S. 45; Hartmann, S. 56; _Tréfái_, S. 16.
-
-Büttner, _Anthologie aus der Suaheli-Literatur_, Berlin, 1894, I, S. 88
-ff. und II, S. 88 ff.; Roda Roda, S. 148 (von einem Zigeuner).
-
-
-36. _Volksbuch_, Nr. 36; Barker, S. 50 ff.; _Tréfái_, Nr. 37;
-_Nawadir_, S. 19; _Fourberies_, Nr. 30; Griechisch, Nr. 112; Serbisch,
-S. 178.
-
-Vgl. unten Nr. 308.
-
-
-37. _Volksbuch_, Nr. 37; Barker, S. 51; _Sottisier_, Nr. 14; Tewfik,
-Nr. 60; _Tréfái_, Nr. 38; _Nawadir_, S. 19; Mardrus, S. 93 ff. (= unten
-Nr. 377); Griechisch, Nr. 37; Serbisch, S. 43; Kroatisch, S. 25.
-
-_Fourberies_, S. 30 und 79.
-
-
-38. _Volksbuch_, Nr. 38; _Sottisier_, Nr. 298; Tewfik, Nr. 58;
-_Tréfái_, Nr. 39; _Nawadir_, S. 19; Griechisch, Nr. 157; Serbisch, S.
-42; Kroatisch, S. 24.
-
-_Fourberies_, S. 67.
-
-Ähnlich ist folgender Schwank bei (Wolfgang Bütner) _Von Claus Narren_
-(1. Ausg. 1572), Franckfort, 1602, S. 7:
-
-Als er (Clauß) von einem sawren Merrettich aß, vnd im starck in
-der Nase roch, schrey er abermal: O Fewr, Fewr ist in meiner Nasen
-auffgangen, wer wird mirs dämpffen vnnd leschen, daß mir der Kopff
-nicht verbrennet.
-
-Genauer stimmt zu der Nasreddinschen Fassung eine im _Democritus
-ridens_, Amstelodami, 1649, S. 127:
-
-Bonus quidam postquam cibos multo sale et pipere conditos sumsisset,
-media nocte lecto exsurgens, et capite e fenestra prospiciens, quanta
-maxima potuit voce exclamavit: Ad ignem, ad ignem. Territi hac voce
-vicini accurrunt; ac quaerentibus, ubinam ardaret, In mea gula,
-respondit, in mea gula.
-
-
-39. _Volksbuch_, Nr. 39; Sottisier, Nr. 299; Nouri, S. 218 ff.;
-_Tréfái_, Nr. 40; _Nawadir_, S. 19; Griechisch, Nr. 73; Kroatisch, S.
-85 ff.
-
-Gazeau, S. 198 ff.
-
-
-40. _Volksbuch_, Nr. 40; Barker, S. 51 ff.; _Sottisier_, Nr. 33; Nouri,
-S. 204 ff.; _Tréfái_, Nr. 41; _Nawadir_, S. 19; Griechisch, Nr. 61;
-Serbisch, S. 187 ff.
-
-
-41. _Volksbuch_, Nr. 41; _Sottisier_, Nr. 9; _Tréfái_, Nr. 42;
-_Nawadir_, S. 19 ff. (Basset _RTP_, XIX, S. 250); Griechisch, Nr. 74;
-Serbisch, S. 132 (anders).
-
-Gazeau, S. 200.
-
-Die älteste Fassung ist wohl die 257. Facetie im _Philogelos_, zit.
-Ausg. S. 55:
-
-Σχολαστικὸς ἀγοράσας κρέας, βαστάζων αὐτὸ ἀπήρχετο εἰς τὸν οἶκον αὐτοῦ.
-λούπης δὲ ῥήξας ἥρπασεν αὐτὸ ἐκ τῆς χειρὸς αὐτοῦ. ὁ δὲ ἔφη· ὡς σὺ
-γένωμαι, ἂν μὴ κἀγὼ ποιήσω αὐτὸ ἄλλῳ.
-
-
-42. _Volksbuch_, Nr. 42; _Sottisier_, Nr. 237; _Tewfik_, Nr. 44;
-Nouri, S. 225; _Tréfái_, Nr. 43; _Nawadir_, S. 20; Pharaon, S. 194;
-_Fourberies_, Nr. 58; Griechisch, Nr. 77; Serbisch, S. 23; Kroatisch,
-S. 16 ff.; Pann, S. 331.
-
-Gazeau, S. 200; _Fourberies_, S. 60; Horn, S. 69 (Zakani).
-
-
-43. _Volksbuch_, Nr. 43; _Sottisier_, Nr. 260; Buadem, Nr. 112;
-_Tréfái_, Nr. 44; _Nawadir_, S. 20; Griechisch, Nr. 78; Serbisch, S. 91
-ff.; Kroatisch, S. 60; unten Nr. 278.
-
-~Sich selber nicht kennen~: In einer Novelle Sercambis (_Novelle
-inedite_, ed. Renier, Torino, 1889, Nr. 2, S. 17 ff.) hat der
-Einfaltspinsel Ganfo im Bade Angst, er könnte sich unter den vielen
-nackten Menschen nicht erkennen, und legt sich daher auf die rechte
-Schulter ein Kreuz aus Stroh. Als dieses wegschwimmt und an der
-Schulter eines andern haftet, hält er diesen für sich selber: Tu sei io
-et io son tu.
-
-Hierzu vergleiche den Schwank von dem arabischen Narren Habannaka, den
-Hartmann, S. 49 nach Maidani (_Arabum proverbia_, ed. Freytag, Bonn,
-1838 ff., I, S. 392 ff.) erzählt und schon bei dem im Jahre 719 oder
-728 verstorbenen Dichter al Farazdak[108] nachweist. Ähnlich glaubt
-in der 68. Facetie Poggios ein Dummkopf, daß einer, der seine Stimme
-nachahmt, er selber sei.
-
-Eine hübsche Variante bietet eine Erzählung bei Domenichi, _Facetie_,
-1562, S. 169 ff., deren gekürzte lateinische Übersetzung im _Democritus
-ridens_, S. 235 ff. mitgeteilt sei:
-
-Eques quidam Montricensis[109], haud magna cum re, ut ille ait,
-ambitiosus tamen et conservandi sui cupidus, famulum conduxerat,
-Martinum nomine, hominem mirifice somnolentum. Habebat ille amicum,
-non procul ab urbe rusticantem; quem invisere volens, ante villae
-portam ex equo descendit et Martino equum custodiendum tradit. Is,
-manui implicitis habenis, mox in gramen se prosternit, et profundo
-somno occupatur. Praeteribat forte lavernio quidam, et ab occasione
-invitatus, ubi hominem altum stertere animadvertit, et abscissis
-habenis, quas Martinus brachio circumplicatas tenebat, ac novis e
-cingulo suo factis, equum conscendit, cumque eo sese subducit. Non
-multo post Martinus evigilans, ac semisomnis adhuc circumspiciens, Ego,
-inquit, aut Martinus sum, aut non sum. Si Martinus sum, heri mei equum
-amisi; si non sum, habenas has lucrifeci. Quod postea in proverbium
-abiit. Huic mandes, si quid recte curatum velis.
-
-Hierzu vergleiche man die Erzählung _Verloren oder gefunden_ in Hebels
-_Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes_ (_Werke_, Hesse, IV,
-S. 177 ff.) und folgende englische Version aus _Delight and Pastime
-or Pleasant Diversion for both sexes ...._, London, 1697 bei Ashton,
-_Humour, Wit, and Satire of the Seventeenth Century_, New York, 1884,
-S. 72:
-
-A pleasant Fancy of an Italian by name Trivelino, who falling asleep
-one Day, with his Horse’s Bridle twisted in his Arm, another came who
-unbridled his Horse and got away. Trivelino being awaked, and missing
-his Horse began to feel himself about, saying: Either I am Trivelino,
-or not: If I am Trivelino my Horse is lost; If not, I have got a
-Bridle, but know not how.
-
-Diese Schnurre, zu der eine sehr nahestehende Parallele in — Timbuktu
-erzählt wird (Basset, _Contes populaires d’Afrique_, Paris, 1903, S.
-163 ff.), vermittelt den Übergang zu der als Nr. 298 mitgeteilten und
-ihren in den Noten beigebrachten Varianten.
-
-
-44. _Sottisier_, Nr. 259; _Volksbuch_, Nr. 44; Barker, S. 52; _Tréfái_,
-Nr. 45; Griechisch, Nr. 79; Serbisch, S. 153.
-
-
-45. Barker, S. 53; _Volksbuch_, Nr. 45; _Sottisier_, Nr. 53; _Tréfái_,
-Nr. 46; _Nawadir_, S. 20; Griechisch, Nr. 80; Serbisch, S. 159.
-
-
-46. _Volksbuch_, Nr. 46; _Sottisier_, Nr. 75 (Schluß); Nouri, S. 167
-ff.; _Tréfái_, Nr. 47; _Nawadir_, S. 20; Griechisch, Nr. 48; Serbisch,
-S. 36 ff. und 111 ff.; _Kroatisch_, S. 75 ff.; Murad, Nr. 29 (Schluß).
-
-A. C. Lee, _The Decameron. Its Sources and Analogues_, London, 1909, S.
-97.
-
-Zu dem Motive vom ~eingebildeten Toten~ vgl. unten die Nrn. 49, 66,
-121, 141 und 382.
-
-
-47. _Volksbuch_, Nr. 47; _Sottisier_, Nr. 92 (nicht von Kurden, sondern
-von Arabern); Nouri, S. 146; _Tréfái_, Nr. 48; _Nawadir_, S. 21;
-Griechisch, Nr. 93; Serbisch, S. 153 ff.
-
-Köhler, I, S. 485.
-
-_Anthropophyteia_, III, S. 79 ff. und 380 ff.
-
-
-48. _Volksbuch_, Nr. 48; _Sottisier_, Nr. 90; _Tréfái_, Nr. 49;
-Griechisch, Nr. 91; Serbisch, S. 174 ff.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 91.
-
-
-49. _Volksbuch_, Nr. 49 und Barker, S. 53 ff.; _Sottisier_, Nr. 175;
-Nouri, S. 195 ff.; _Tréfái_, Nr. 50; _Nawadir_, S. 21; Griechisch, Nr.
-92; Serbisch, S. 143 ff. und eine Variante S. 163 ff.; Kroatisch, S. 88
-ff.; Pann, S. 343 ff.
-
-Köhler, I, S. 486 ff. und 505 ff.; Gazeau, S. 200 ff.; _Fourberies_, S.
-53; _Tréfái_, S. 12; _Archiv für slavische Philologie_, XXIX, S. 452;
-Lee, _The Decameron_, S. 96 ff.
-
-Das Schema dieser Geschichte läßt sich folgendermaßen darstellen:
-1. ~das Abhacken des Astes, auf dem man sitzt~, 2. der ~dritte~
-(zweite, achte) ~Wind des Esels~, Pferdes oder Maultiers oder des
-Gefoppten selber als Todeszeichen für diesen und 3. das Sprechen des
-weggetragenen ~vermeintlichen Toten~.
-
-Zu 1 vgl. das sechste Abenteuer des Guru Paramártan, kombiniert mit
-dem bei Nr. 66 angegebenen Zuge (Österley in der _Zeitschrift für
-vergleichende Literaturgeschichte_, I, S. 53 ff. und 67 ff.) und eine
-Anekdote, die Zachariae in der _ZVV_, XIII, S. 218 aus Târanâthas
-_Geschichte des Buddhismus_ mitteilt; ferner: _Grillenvertreiber_,
-Franckfurt am Mayn, 1603 (v. d. Hagen, _Narrenbuch_, Halle, 1811, S.
-477); P. Senéquier, _Blason populaire provençal_ in der _RTP_, XII, S.
-75; endlich eine Erzählung bei ibn Arabschah, _Fakihat al hulafa_[110]
-(Chauvin, _Bibliographie des ouvrages arabes_, Liége, 1892 ff., II, S.
-201, Nr. 47).
-
-Zu 1 und 2: Schleicher, _Litauische Märchen, Sprichworte, Rätsel und
-Lieder_, Weimar, 1857, S. 41 ff.; Bladé, _Contes populaires de la
-Gascogne_, III, S. 128 ff. (hier verstopft Jean l’Imbecile dem Esel
-nach dem zweiten Winde den Hintern mit einem Pflocke; der Esel läßt
-den dritten, der Pflock durchbohrt den Dummkopf, und er stirbt. Vgl.
-Köhler, III, S. 50 ff.); Ch. Swynnerton, _Romantic Tales from the
-Panjâb with Indian Nights’ Entertainment_, London 1908, S. 272: _Of a
-credulous weaver_ (hier soll der Weber an dem Tage sterben, wo sein
-Mund bluten wird).
-
-Zu 3: unten Nr. 121.
-
-Zu 1 und 3: Eine indische Erzählung des _Bharataka Dvâtrinçikâ_,
-übersetzt von A. Weber in den _Monatsberichten der Berl. Akademie_,
-1860, S. 71 ff. (Österley in der _Z. f. vgl. Litg._, I, S. 53;
-Clouston, _Noodles_, S. 158 ff.); Pitrè, III, S. 144 ff., Nr. 150: _Lu
-Partannisi_.
-
-Zu 2 und 3: Prym-Socin, _Tûr ’Abdîn_, II, S. 249 ff.; P. Sébillot,
-_Contes de la Haute-Bretagne_, Nr. 14 und 15 in der _RTP_, S. 442 ff.
-und 443 ff.; _Anthropophyteia_, III, S. 400 ff.
-
-Zu 1, 2 und 3: Haltrich, _Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande
-in Siebenbürgen_, 4. Aufl., Wien, 1885, S. 250 ff.; J. Vinson, _Le
-Folklore du Pays Basque_, Paris, 1883, S. 93 ff.; O. Knoop, _Schnurren
-und Schnaken aus Rügen_, Nr. 1 in _Am Ur-Quell_, IV, S. 72 ff. =
-Merkens, II, S. 148 ff., Nr. 177. Weiter sei verwiesen auf die letzte
-der unten (II, S. 128 ff.) mitgeteilten Geschichten von Juvadi (Nr.
-447), die wieder so ziemlich mit Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S.
-182 ff. (Nachweise S. 196) von Giucca übereinstimmt.
-
-
-50. _Volksbuch_, Nr. 50; _Sottisier_, Nr. 300; Tewfik, Nr. 43; Nouri,
-S. 213; _Tréfái_, Nr. 51; _Nawadir_, S. 21; Griechisch, Nr. 94;
-Serbisch, S. 45; Kroatisch, S. 16.
-
-
-51. _Volksbuch_, Nr. 51; _Sottisier_, Nr. 301; _Tréfái_, Nr. 52;
-_Nawadir_, S. 22; Griechisch, Nr. 40; Murad, Nr. 20.
-
-Köhler, I, S. 490 (die Geschichte ist identisch mit der 166. Äsopischen
-Fabel in Halms Ausgabe: Πατὴρ καὶ θυγατέρες); vgl. auch die 377.
-Erzählung im 1. Buche von Kirchhofs _Wendunmuth_ (hg. v. Österley, I,
-S. 412 ff.).
-
-
-52. _Volksbuch_, Nr. 52; Barker, S. 56; _Sottisier_, Nr. 48; Nouri, S.
-147; Tréfái, Nr. 53; _Nawadir_, S. 22; Griechisch, Nr. 41; Serbisch, S.
-189; Kroatisch, S. 64.
-
-~Memminger Mond~: In einem außerordentlich interessanten Exkurse, den
-Seb. Pauli in den _Modi di dire toscani_ (1. Ausg. 1740), Venezia,
-1761, S. 212 ff. der Redensart _Non conosce la luna di Bologna_ widmet,
-heißt es:
-
-Roberto Tizio nel lib. 8. de’ _Luogi controversi_ al capitolo 9[111],
-riferito dal Menagio[112]: »Neminem ignorare arbitror, jocoso dicterio
-quosdam illudendi morem esse, quod faciles pacatosque se praestent
-ad quodvis credendum. Iis enim occinere consuevimus, non vero ipsos
-lunam, quae Bononiae lucet, cognitam habere: quasi vero luna, quam hic
-Florentiae spectamus, alia sit atque diversa ab ea, quam Bononienses,
-atque adeo omnes ubique populi, intuentur. Manavit autem hic sermo
-a veteribus, ne quis domi nostrae nuper natum existimet. Reperi
-namque apud Plutarcum in commentario _De exilio_ eundem irridendi
-modum usurpatum, ubi cum plura adduxisset, quae exilii incommodum
-extenuarent, nisi etiam tollere possent, demum subdit: _Atqui
-stultitiam ejus irridemus, qui lunam Athenis meliorem nitidioremque
-esse dicat, quam quae Corinthi[113]._ Et tamen in idem quodammodo
-vitium mentis incidimus, cum peregrinantes terram, mare, aer, coelum
-ut diversa aliaque a consuetis esse contendimus.« Il volgo conta aver
-avuto origine questo dettato da un scolare gaglioffo, che dallo studio
-di Bologna, ove erasi trattenuto più anni, riduttosi in patria con fama
-di savio, domandò, se quella luna, che ivi luceva, fosse la stessa
-solita vedersi a Bologna. Il Monosini[114] dà a questa maniera di dire
-un’ altra spiegazione: _Accedente aliquo ad aliquorum commercium, qui
-diutius ab illis visus non sit, tunc dicere solet aliquis: Ecco la luna
-da Bologna._
-
-Titius und Ménage hätten noch eine andere altgriechische Belegstelle
-heranziehen können, und zwar die 49. Facetie von Hierokles
-(_Philogelos_, S. 16):
-
-Σχολαστικὸς τὴν σελήνην ἰδών, ἐπυνθάνετο τοῦ πατρὸς εἰ καί ταῖς ἄλλαις
-πόλεσι τοιαῦται σελῆναί εἰσι.
-
-Auch Bar-Hebraeus hat eine ähnliche Schnurre (ed. Budge, S. 142, Nr.
-549):
-
-A certain simpleton looked at the moon when it was fourteen days old,
-and said, »Blessed month.« And when it was said to him, »How is it thou
-didst not see the moon before?« he answered, »I was not in the city
-having only just come.«
-
-Kuka bringt zwei hiehergehörige Geschichten (S. 166, Nr. 38 und S. 182,
-Nr. 84), von denen die erstgenannte folgen möge:
-
-A person from Hajáz had come to Shiraz. On the eve of the first day of
-the month of Ramazán he saw the new moon which ushers in every month.
-The sight of it aggravated our sage, who said angrily to the moon, —
-»Hast thou come back to torment and annoy mankind by obliging them to
-keep fasts? May God kill me, if I do not avoid thy malign influence by
-departing immediately from this city!«
-
-Vom Sieur Gaulard erzählt Tabourot S. 258 ff.:
-
-Se promenant sur le pont de Dole, et voyant la lune pleine, apparente
-proche l’horison, qui se monstroit fort grande, Je vous asseure,
-dit-il, que nous sommes bien-heureux en ce païs; car nostre lune est
-plus grande que celle de Paris. Il pensoit qu’il y en auoit vne pour
-chaque ville.
-
-Ähnliche Geschichten finden sich sehr häufig, z. B. L. Aurbacher, _Ein
-Volksbüchlein_, I, S. 152, Merkens, I, S. 14, Nr. 17, II, S. 17 ff.,
-Nr. 22 und III, S. 10, Nr. 10, Keller, _Schwaben_, S. 139 (wo auf
-Boners _Edelstein_, Nr. 99 hingewiesen wird), Bronner, _Bayerisches
-Schelmen-Büchlein_, S. 115 ff., L. F. Sauvé, _Le Folk-lore des
-Hautes-Vosges_, Paris, 1889, S. 74, G. Calvia, _Facezie sopra gli
-abitanti di Sorso in Sardegna_, Nr. 4 im _Archivio_, XXI, S. 378,
-Strafforello, II, S. 460 usw. Vgl. auch den Schluß der zu Nr. 110
-mitgeteilten Stelle aus Eyerings _Proverbiorum copia_.
-
-
-53. _Volksbuch_, Nr. 53; _Sottisier_, Nr. 245 (anders); _Tréfái_, Nr.
-54; _Nawadir_, S. 22; Griechisch, Nr. 42 (ohne Obszönität).
-
-
-54. _Volksbuch_, Nr. 54; Barker, S. 56 ff.; _Sottisier_, Nr. 19; Nouri,
-S. 67 ff.; _Tréfái_, Nr. 55; _Nawadir_, S. 22; Kuka, S. 215 ff.;
-Stumme, _Tripolis_, S. 176 ff.; _Fourberies_, Nr. 20; Griechisch, Nr.
-43; Serbisch, S. 121 ff.; Kroatisch, S. 68 ff.; Murad, Nr. 27.
-
-Köhler, I, S. 490 ff.; _Fourberies_, S. 31 und Bassets Nachtrag in der
-_RTP_, XI, S. 496; _Tréfái_, S. 12 und 20 ff.
-
-Vgl. die altfranzösische _Farce des deux savetiers_, über die P.
-Toldo in den _Studj di filologia romanza_, IX, S. 199 und in der
-_ZVV_, XIII, S. 420 ff. handelt; weiter Arienti, _Porretane_ (1.
-Ausg. 1483), Venetia, 1531, Bl. 45^a ff., Nov. 20: _Messere Lorenzo
-Spazza, caualiero araldo, se fa conuenire denanti al pretore da uno
-notaro, ilqual e dimostrato non esser in bono sentimento, et messer
-Lorenzo libero se parte lasciando il notaro schernito e desperato; Le
-piacevoli e ridiculose facetie di M. Poncino della Torre, Cremonese_
-(1. Ausg. 1581), Brescia, 1599, Bl. 17^b ff. = Zabata, _Diporto_, S.
-90 ff.; (G. Sagredo), _L’Arcadia in Brenta_ (1. Ausg. 1667), Bologna,
-1693, S. 168 ff.; Juan de Timoneda, _El Patrañuelo_ (1. Ausg. 1576),
-patr. 18 in der _Biblioteca des autores españoles_, 3.^a ed., Madrid,
-1850, S. 158 ff. (Dunlop-Liebrecht, S. 271 und D. M. Menéndez y
-Pelayo, _Origenes de la Novela_, II, Madrid, 1907, S. LII); J. P. de
-Memel, _Neuvermehrt und augirte Anmuthige lustige Gesellschafft_,
-Zippel-Zerbst, 1701, S. 91, Nr. 208; C. A. M. v. W., _Neuaußgebutzter,
-kurtzweiliger Zeitvertreiber_, 1685, S. 244 ff.; G. Georgeakis et L.
-Pineau, _Le Folk-lore de Lesbos_, Paris, 1894, S. 111 ff.: _Le juif
-et le chretien_; Ilg, II, S. 70 ff., Nr. 113: _Die Geschichte von den
-neunundneunzig Goldstücken_. Mit Ausnahme der zwei zuletzt genannten
-Fassungen kommt die Schuld des Schalkes an den Gläubiger auf eine
-andere Weise zustande.
-
-Unter den Dschohageschichten bei Mardrus ist eine (S. 101 ff.), die
-der unsern, aber nur in ihrem ersten Teile entspricht, während diesem
-in der Nasreddinerzählung bei Walawani, S. 156 ff. ein anderer Schluß
-beigefügt ist[115]; ein interessantes Gegenstück hat dieser erste Teil
-in den _Facetie et motti arguti_, Fiorenza, 1548, die von L. Domenichi
-herausgegeben sind, und zwar in dem Abschnitte (Bl. F_{4}^b), der, wie
-ich bei Arlotto, II, S. 308 ff. nachgewiesen habe, auf einem im Jahre
-1479 niedergeschriebenen Manuskripte beruht:
-
-Vn pouero huomo s’inginocchiaua ogni mattina à un Crocifisso,
-pregandolo, che gli facesse trouare cento ducati, e dicendo: se io
-trouaßi un meno, non gli torrei. Vno che lo senti, ne uolle fare la
-pruoua, e gettogli quiui di nascosa una borsa con nouanta noue ducati;
-colui presala, gli annouero, e disse: a Dio, Christo; hamene a dare uno.
-
-Diese Geschichte, die auch in den spätern Ausgaben der Domenichischen
-Facetien (1562, S. 257, 1581, S. 317 usw.) wiederkehrt, hat Parallelen
-in den wahrscheinlich vor der Mitte des 16. Jahrhunderts zum ersten
-Male erschienenen _Jests of Scogin_, und zwar in dem Schwanke _How
-Scogin prayed to a Roode for an Hundred French Crownes_ (Hazlitt, II,
-S. 128 ff.) und bei Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 12 ff.; _Der Zigeuner
-spaßt nicht mit Gott_. Zu dem zweiten Teile unserer Erzählung stimmt
-wieder der Schluß des 7. Märchens der Grimmschen _KHM_: _Der gute
-Handel_ und seiner kroatischen Variante bei Krauss, _Sagen und Märchen
-der Südslaven_, Leipzig, S. 244 ff., Nr. 52: _Bauer und Jude_.
-
-
-55. _Volksbuch_, Nr. 55; Barker, S. 60 ff.; _Sottisier_, Nr. 21; Ethé,
-S. 242; Tewfik, Nr. 52; Nouri, S. 200 ff.; _Tréfái_, Nr. 56; _Nawadir_,
-S. 23; Bonelli, S. 458 ff.; Ilg, II, Nr. 92; Griechisch, Nr. 75;
-Serbisch, S. 29 ff.; Kroatisch, S. 86 ff. und 22 ff.; Gonzenbach, I,
-S. 258 ff.; Papanti, _Dante secondo la tradizione e i novellatori_,
-Livorno, 1873, S. 73 ff.; Pitrè, III, S. 365 ff. (= unten Nr. 432);
-Murad, Nr. 17; Pann, S. 335.
-
-Köhler, I, S. 491; Crane, S. 296 und 380; Gazeau, S. 201; St. Prato,
-_RTP_, IV, S. 167 ff.; _Fourberies_, S. 31 ff.; Köhler-Bolte, _ZVV_,
-VI, S. 74; _Tréfái_, S. 18; Wesselski, _Mönchslatein_, Leipzig, 1909,
-S. 226 ff.; Papini, _La leggenda di Dante_, Lanciano, 1911, S. 74 ff.
-
-Vgl. ferner zu dem Zuge des ~Dankes an die Kleider~: Bandello,
-_Novelle_, III, Nr. 38, Widmungsbrief (Firenze, 1832, S. 612); Schupp,
-_Salomo oder Regenten-Spiegel_, Cap. 10 (_Schrifften_, Hanau, 1663, S.
-108 ff.); _Zeitvertreiber_, S. 65 ff.; Memel, S. 104 ff., Nr. 238 (nach
-Melander, _Jocoseria_, I, Nr. 264, Lichae, 1604, S. 207); Harsdörfer,
-_Ars apophtegmatica_, Nürnberg, 1655, S. 420, Nr. 1975; Gladwin, _The
-Persian Moonshee_, 2. ed., Calcutta, 1799, II, S. 24, Nr. 63; Pharaon,
-S. 208 ff.; A. Lecoy de la Marche, _L’esprit de nos aïeux_, Paris, o.
-J., S. 56 ff., Nr. 32; Biegleisen, _Jüdisch-deutsche Erzählungen aus
-Lemberg_, Nr. 2 in der _ZVV_, IV, S. 209 ff.
-
-
-56. _Volksbuch_, Nr. 56; Barker, S. 61 ff.; _Sottisier_, Nr. 302;
-_Tréfái_, Nr. 57; _Nawadir_, S. 23; Griechisch, Nr. 44; Serbisch, S.
-170.
-
-_Fourberies_, S. 184 ff.
-
-Vgl. weiter die 72. Facetie im _Philogelos_:
-
-Σχολαστικὸς ἐν γάμοις ἑστιαθείς, εἶτα ἀναχωρῶν, εὔχομαι, εἶπεν,
-εὐτυχῶς καὶ ἀεὶ ταῦτα ὑμᾶς ποιεῖν.
-
-
-57. _Volksbuch_, Nr. 57; _Sottisier_, Nr. 266; _Tréfái_, Nr. 58;
-_Nawadir_, S. 23; Stumme, _Tripolis_, S. 178 ff. = unten Nr. 381;
-Griechisch, Nr. 85 + 169; Serbisch, S. 139 ff.
-
-_Fourberies_, S. 62.
-
-Vgl. Reinisch, _Die Nuba-Sprache_, Wien, 1879, I, S. 183 ff.
-
-
-58. _Volksbuch_, Nr. 58; Barker, S. 62 ff.; _Sottisier_, Nr. 31;
-_Tréfái_, Nr. 59; _Nawadir_, S. 24; Griechisch, Nr. 161.
-
-Gazeau, S. 201.
-
-
-59. _Volksbuch_, Nr. 59; _Sottisier_, Nr. 303; _Tréfái_, Nr. 60;
-Griechisch, Nr. 162.
-
-
-60. Volksbuch, Nr. 60; Barker, S. 63 ff.; _Sottisier_, Nr. 100;
-Buadem, Nr. 113; Nouri, S. 62; _Tréfái_, Nr. 61; _Nawadir_, S. 24;
-_Fourberies_, Nr. 34; Griechisch, Nr. 163; Serbisch, S. 92; Kroatisch,
-S. 60.
-
-_Fourberies_, S. 44.
-
-
-61. Barker, S. 64 ff.; Volksbuch, Nr. 61; _Sottisier_, Nr. 223 = unten
-Nr. 281 (nur der Schluß); Tewfik, Nr. 18; _Tréfái_, Nr. 62; _Nawadir_,
-S. 24; Griechisch, Nr. 102; Serbisch, S. 25; Kroatisch, S. 8.
-
-_Tréfái_, S. 16.
-
-Ähnlich straft Klaus Narr sein Pferdchen, das sich unanständig betragen
-hat, indem er ihm den Sattel abnimmt und es »zu Fuß laufen läßt«; vgl.
-Pauli, _Schimpf und Ernst_, hg. v. Österley, Stuttgart, 1866, Anhang,
-Nr. 2, Hans Sachs, _Sämtliche Fabeln und Schwänke_, hg. v. Goetze und
-Drescher, IV, Halle, 1903, S. 246 ff. mit den Noten der Herausgeber
-und Bütner, _Von Claus Narren_, S. 201. Dasselbe tut Triboulet, der
-Hofnarr König Franz I. von Frankreich, in der Nov. 68 des _Recueil des
-plaisantes et facetieuses nouvelles_, Lyon, 1555, S. 212 ff. = _Les
-joyeuses aventures et facetieuses narrations_, Lyon, 1556, S. 242 ff.,
-nov. 71.[116], die dann von 1568 an als 98. Stück in die _Nouvelles
-récréations et joyeux devis_ von Bonav. Des Periers aufgenommen worden
-ist (éd. par P. L. Jacob [Paul Lacroix], Paris, 1858, S. 333 ff.);
-vgl. weiter P. L. Jacob [Paul Lacroix], _Curiosités de l’histoire de
-France_, Paris, 1858, S. 116 ff. und A. Canel, _Recherches historiques
-sur les fous des rois de France_, Paris, 1873, S. 107 ff.
-
-
-62. Barker, S. 65; _Volksbuch_, Nr. 62; _Sottisier_, Nr. 304;
-Griechisch, S. 119.
-
-
-63. _Volksbuch_, Nr. 63; Barker, S. 65 ff.; _Sottisier_, Nr. 243;
-Nouri, S. 53 ff. (hier ist der Esel ein »Despot«, d. h. ein Bischof
-geworden); _Tréfái_, Nr. 63; _Nawadir_, S. 24; Stumme, _Tunis_, I,
-S. 79 ff. und II, S. 133 ff. = unten Nr. 385; Griechisch, Nr. 101;
-Serbisch, S. 131; Kroatisch, S. 67 ff. (Despot); Murad, Nr. 28; Pann,
-S. 341. Vgl. auch unten Nr. 259.
-
-Köhler, I, S. 491; Bolte in der _ZVV_, VII, S. 93 ff.; _Fourberies_, S.
-61; Chauvin, VII, S. 170 ff.; Basset in der _RTP_, XIX, S. 56; _Archiv
-für slavische Philologie_, XIX, S. 267, XXII, S. 305 und XXIX, S. 453.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 104; Swynnerton, S. 43 ff.; Yakoub Artin
-Pacha, _Contes populaires de la vallée du Nil_, Paris, 1895, S. 51 ff.
-(verquickt mit dem Motive von Nr. 487); Veckenstedt, _Sztukoris, der
-Till Eulenspiegel der Litauer und Zamaiten_, Leipzig, 1885, S. 32 ff.;
-_Anthropophyteia_, I, S. 25 ff.
-
-
-64. _Volksbuch_, Nr. 64; _Sottisier_, Nr. 99; Buadem, Nr. 87; _Tréfái_,
-Nr. 64; _Nawadir_, S. 25; Griechisch, Nr. 32; Serbisch, S. 123 ff. und
-81 ff.
-
-Vgl. P. Sébillot, _Contes et légendes de la Haute-Bretagne_, Nr. 100:
-_L’âne du Jaguen_ in der _RTP_, XXIV, S. 202 ff.
-
-
-65. _Volksbuch_, Nr. 65; Barker, S. 66; _Sottisier_, Nr. 235; Ethé,
-S. 243; Tewfik, Nr. 12; Nouri, S. 55 ff.; _Tréfái_, Nr. 65; Mardrus,
-S. 94 ff.; _Nawadir_, S. 25; Kuka, S. 216 ff.; _Fourberies_, Nr. 29;
-Griechisch, Nr. 120; Walawani, S. 156; Serbisch, S. 24; Kroatisch, S.
-100 und 6 ff.; Murad, Nr. 5; Pann, S. 331.
-
-Köhler, I, S. 491; Gazeau, S. 201 ff.; _Fourberies_, S. 60; _Tréfái_,
-S. 12 und 16; Basset im _Keleti Szemle_, I, S. 221 ff.
-
-Die Schnurre ist nichts als eine glückliche Steigerung der Anekdote von
-Scipio Nasica und dem Dichter Ennius, die bei Cicero, _De oratore_,
-II, 68, 276 erzählt wird und ohne Namen im _Philogelos_ als Nr. 193
-wiederkehrt. Vgl. zu dieser Fassung, wo der Besucher zwar der Magd oder
-dem Diener, aber nicht dem Herrn selber glaubt, daß dieser nicht zu
-Hause sei, die Nachweise Österleys zu Kirchhofs _Wendunmuth_, III, Nr.
-139, ferner Castiglione, _Il Cortegiano_, II, c. 75 (hg. v. Wesselski,
-I, S. 207 und 321), Lodovico Carbone, _Facezie_, ed. da Abd-el-Kader
-Salza, Livorno, 1900, S. 34, Nr. 29, Guicciardini, _Detti, et fatti
-piacevoli et gravi_ (1. Ausg. 1565), Venezia, 1581, S. 153 ff., _Tales
-and Quicke Answeres_ (ca. 1535), Nr. 112 (Hazlitt, I, S. 126 ff.), _The
-Jests of Scogin_, S. 140 ff., _The Pleasant Conceites of Old Hobson
-the Merry Londoner_ (1. Ausg. 1607), Nr. 35 (Hazlitt, III, S. 51),
-_Oxford Jests Refined and Enlarged_, London, 1684 bei Ashton, _Humour,
-Wit and Satire_, S. 235, Gaspar Lucas Hidalgo, _Diálogos de apacible
-entreteniemento_ (1. Ausg. 1605), diál. I, cap. 2 in _Extravagantes_,
-Barcelona, 1884, S. 31 usw.
-
-Parallelen zu unserer Version stehen bei Juan de Timoneda, _Sobremesa y
-alivio de caminantes_ (1. Ausg. 1563), p. II, c. 62 in der _Biblioteca
-des autores españoles_, III, S. 182, nach diesem bei Zabata, _Diporto
-de’ viandanti_, S. 80, in der _Arcadia in Brenta_ S. 397 ff., bei
-Casalicchio, _L’utile col dolce_ (1. Ausg. 1671), c. I, d. 8, a. 4,
-Venezia, 1708, S. 144, bei Baraton, _Poesies diverses_, Paris, 1705, S.
-189, in den _Pantagruéliques_ (1. Ausgabe 1854), Turin, 1870, S. 58,
-bei Büttner, _Suaheli-Literatur_, I, S. 88 und II, S. 87 ff. und bei
-Roda Roda, S. 222 ff.
-
-
-66. _Volksbuch_, Nr. 66; Barker, S. 66 ff.; _Sottisier_, Nr. 75 (1.
-Teil); _Tréfái_, Nr. 66; _Nawadir_, S. 25; Griechisch, Nr. 95.
-
-Köhler, I, S. 488 ff.; Gazeau, S. 202; _Fourberies_, S. 41.
-
-Vgl. das 6. Abenteuer Guru Paramártans, wo einem Schüler Gurus
-mitgeteilt wird, daß sich Gurus Tod durch das Erkalten seiner Lenden
-anzeigen werde (Österley in der _Z. f. vgl. Litg._, I, S. 67 ff.). Bei
-W. F. O’Connor, _Folk Tales from Tibet_, 2. ed., London, 1907, S. 30
-ff.: _The story of the foolish young mussulman_ werden gelbe Fußsohlen
-als ~Todeszeichen~ angegeben.
-
-Zu dem Zuge vom ~eingebildeten Toten~ vgl. die Nrn. 46, 49, 121, 141
-und 382.
-
-
-67. _Volksbuch_, Nr. 67; _Sottisier_, Nr. 305; Tewfik, Nr. 35;
-_Tréfái_, Nr. 67; Griechisch, Nr. 96; Serbisch, S. 109 und 35;
-Kroatisch, S. 13.
-
-
-68. _Volksbuch_, Nr. 68; Barker, S. 67 ff.; _Sottisier_, Nr. 102;
-Tewfik, Nr. 34; _Tréfái_, Nr. 68; _Nawadir_, S. 26; Griechisch, Nr. 97;
-Serbisch, S. 14 ff.; Kroatisch, S. 13.
-
-_Tréfái_, S. 16.
-
-
-69. _Volksbuch_, Nr. 69; Barker, S. 68 ff.; _Tréfái_, Nr. 69; Nawadir,
-S. 26; Griechisch, Nr. 99; Serbisch, S. 189.
-
-Köhler, I, S. 492 ff.; Tréfái, S. 12.
-
-~Fröschen Geld gegeben~: Dazu vgl. außer der bei Köhler, III, S. 14 und
-im _Archiv für slavische Philologie_, XXII, S. 304 und 309 angegebenen
-Literatur noch Krauss, _Sagen und Märchen der Südslaven_, S. 244 ff.,
-Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S. 180 (Giucca), Landes, _Contes
-et légendes annamites_, Saigon, 1886, S. 320, Merkens, I, Nr. 39, und
-Keller, _Schwaben_, S. 98 ff.
-
-
-70. Barker, S. 69 ff.; _Volksbuch_, Nr. 70; _Sottisier_, Nr. 68;
-Nouri, S. 123 ff.; _Tréfái_, Nr. 70; _Nawadir_, S. 26; Kuka, S. 217;
-Griechisch, Nr. 98; Kroatisch, S. 18 ff.; Murad, Nr. 22. Die erste
-Frage allein als Inhalt einer selbständigen Erzählung: Tewfik, Nr. 51;
-Serbisch, S. 31.
-
-Köhler, I, S. 492 ff.; Gazeau, S. 202 ff.; _Fourberies_, S. 39;
-Hartmann, S. 64 ff.
-
-Die außerordentlich reiche Literatur über das Motiv der ~drei Fragen~
-hat A. L. Jellinek im _Euphorion_, IX, S. 159 zusammengestellt; dazu
-kommen noch: De Puymaigre im _Archivio_, III, S. 98 ff.; Basset,
-_Loqmân berbère_, Paris, 1890, S. LXI ff.; Ad. Rittershaus, _Die
-neuisländischen Volksmärchen_, Halle a. S., 1902, S. 404 ff.; Letterio
-di Francia, _Franco Sacchetti novellatore_, Pisa, 1902 (= vol. 16
-der _Annali della R. scuola normale superiore di Pisa, Filologia e
-filosofia_), S. 112 ff.; Meißner, _Neuarabische Geschichten aus dem
-Iraq_, S. 89 ff.; Menéndez y Pelayo, _Origenes de la Novela_, II, S.
-LVIII ff.
-
-
-71. _Sottisier_, Nr. 61; Cantimir[117], I, S. 164; De la Croix, I, S.
-153 ff.; Flögel, S. 176 ff.; Hammer, I, S. 629 ff.; Doran, S. 73 ff.;
-Nick, I, S. 147 ff.; Murad, Nr. 24. An allen diesen Stellen handelt es
-sich um Feigen, die der Hodscha statt der zuerst in Aussicht genommenen
-Quitten dem Sultan Timur überbringt. In den folgenden Fassungen
-variieren die als Geschenk gebrachten Früchte und statt Timurs ist es
-der Bei, Hegemon, Beg, Pascha oder Kaid, der sie erhält: _Volksbuch_,
-Nr. 71; Barker, S. 77 ff.; Nouri, S. 151 ff.; _Tréfái_, Nr. 71;
-_Nawadir_, S. 26; _Fourberies_, Nr. 25; Griechisch, Nr. 100; Serbisch,
-S. 141 ff. und 186 ff.; Kroatisch, S. 77 ff.; Pann, S. 333 ff.
-
-Köhler, I, S. 494 ff.; Gazeau, S. 203 ff.; _Fourberies_, S. 37 ff.;
-_Tréfái_, S. 6 ff.; vgl. ferner Cloustons Abhandlung »_Luckily, they
-are not peaches_« in den _Popular Tales und Fictions_, II, S. 467 ff.
-
-In der Anmerkung zur 68. Facetie Arlottos (I, S. 226 ff.) ist der
-Anfang einer Erzählung des Midrasch _Wajikra rabba_ mitgeteilt worden,
-die eine Parallele zu diesem Schwanke Nasreddins darstellt; hier folge
-nunmehr der Schluß:
-
-Der König befahl, daß man ihn vor das Tor des Palastes setze und jeder
-Aus- und Eingehende ihn mit seinen Feigen ins Gesicht werfen solle.
-Am Abende wandte er sich von da weg und ging nach Hause und erzählte
-seinem Weibe: »Alles, was mir begegnet ist, habe ich dir zu danken.«
-»Geh,« sprach sie zu ihm, »schwatze es deiner Mutter vor; gut, daß es
-nur Feigen und nicht Ethroge und daß sie reif und nicht unreif waren.«
-
-Die älteste abendländische Version dieser Schnurre, die auch bei Kuka,
-S. 217 ff. wiederkehrt, scheint eine der _Cento novelle antiche_
-zu sein; in Gualteruzzis Texte ist sie die 74., in dem Borghinis
-die 73. (Ausgabe Milano, 1804 = vol. I der _Raccolta di Novelle_,
-S. 193 ff., wo nach D. M. Manni eine Parallele gegeben und auf das
-Sprichwort _Manco male, ch’elle non furon pesche_ verwiesen wird; ed.
-Biagi, Firenze, 1880, S. 107 ff.; ed. Sicardi, Straßburg, o. J., S. 95
-ff.) Eben diese Novelle, zu der man D’Ancona, _Romania_, III, S. 180
-vergleiche, wird von Seb. Pauli in der _Modi di dire toscani_, zit.
-Ausg., S. 259 ff. nach Ménage zur Erklärung des Sprichwortes _Fortuna
-che non furon pesche_ herangezogen und mit der auch von Clouston,
-a. a. O. zitierten Geschichte von dem Feigentribute von Poggibonsi
-zusammengestellt. Denselben Stoff behandeln Tomaso Costo in einer
-Novelle des 5. Tages seines zuerst 1596 erschienenen _Fuggilozio_,
-deren Argument lautet: _Il re Francesco donando a molti gli vien
-portata una soma di zucche da un malizioso contadino, a cui son tratte
-per la testa_ (Venetia, 1604, S. 331 ff.) und die _Arcadia in Brenta_,
-S. 36 ff.; mit einem andern Motive ist er verquickt bei D’Ouville,
-_L’Elite des contes_ (1. Ausg. 1641), Paris, 1873, S. 48 ff.: _Autre
-naïveté_.
-
-Eine serbische Variante in der _Anthropophyteia_, III, S. 363 ist
-deshalb bemerkenswert, weil sie an die oben, S. 211 erwähnte Strafe des
-Rhaphanizein erinnert.
-
-Zweifellos scheint es mir zu sein, daß dieser Schwank und die bekannte
-Fabel von der Eichel und dem Kürbis (s. unten Nr. 513) in einem
-Zusammenhange stehn.
-
-
-72. Volksbuch, Nr. 72; Barker, S. 78 ff.; _Sottisier_, Nr. 65 (hier
-wieder von Timur); _Tréfái_, Nr. 72; Griechisch, Nr. 104; Serbisch, S.
-175 ff.
-
-_Tréfái_, S. 8.
-
-Köhler, I, 416 ff.
-
-
-73. Volksbuch, Nr. 73; _Sottisier_, Nr. 64 (von Timur); _Tréfái_, Nr.
-73; Griechisch, Nr. 105; Serbisch, S. 110. Anders E. Sachau, _Skizze
-des Fellichi-Dialekts von Mosul_, Berlin, 1895, S. 70, wo dem Molla
-Nasreddin eingeredet wird, sein junger Stier sei ein Pferd.
-
-
-74. _Sottisier_, Nr. 224; _Volksbuch_, Nr. 74[118]; _Tréfái_, Nr. 74;
-Mardrus, S. 110; Griechisch, Nr. 106; Kroatisch, S. 90 ff. Die Frage,
-wodurch sich Nasreddin von einem Esel unterscheide, die bei Mardrus
-fehlt, als Nr. 25 bei Murad.
-
-Köhler, I, S. 496.
-
-
-75. _Volksbuch_, Nr. 75; Barker, S. 80 ff.; _Sottisier_, Nr. 62;
-Tewfik, Nr. 39; Nouri, S. 114 ff.; _Tréfái_, Nr. 75; Griechisch, Nr.
-107 und 154; Τὰ 52 Παραμύθια, Athen, o. J., S. 81 ff., Nr. 33: Ὁ
-Βοεβόδας καὶ ὁ Ναστραδὶν Χόντζας Serbisch, S. 16; Kroatisch, S. 15;
-Murad, Nr. 15; Pann, S. 334 ff.
-
-Köhler, I, S. 496; _Fourberies_, S. 38; Hartmann, S. 63; _Tréfái_, S. 12
-
-Die ausgiebigsten Nachweise zu dieser oft behandelten Geschichte, die
-der Hauptsache nach mit der 4. Novelle des 6. Tages im _Dekameron_
-(übersetzt von Wesselski, Leipzig, 1909, II, S. 228 ff.) übereinstimmt,
-gibt Bolte in seiner Ausgabe der _Schwankbücher_ von Montanus,
-Tübingen, 1899, S. 613 ff. und abgedruckt sind sie bei Lee, _The
-Decameron_, S. 177 ff.; einige Nachträge bei Hans Sachs, _Sämtliche
-Fabeln und Schwänke_, III, S. 255. Es sei noch auf folgende Parallelen
-verwiesen: _Le Parangon des Nouvelles honnestes et delectables_ (1.
-Ausg. 1531), Paris, 1865, S. 36 ff.: _De la grue qui n’avoit qu’une
-cuisse_; Garibay, _Cuentos_ (Mitte des 16. Jahrhunderts) bei Paz y
-Melia, _Sales españolas_, II, S. 61; Melchor de Santa Cruz, _Floresta
-española_ (1. Ausg. 1574), Bruxellas, 1598, p. II, c. 2, Nr. 62 (vgl.
-Menéndez y Pelayo, _Origenes de la Novela_, II, S. XLIII), schlecht ins
-Deutsche übersetzt bei Chr. Lehmann, _Exilium melancholiae_ (1. Ausg.
-1643), Straßburg, 1669, E, Nr. 75, S. 122 ff.; _England’s Jests Refin’d
-and Improv’d_, 3^{rd} Edition, London, 1693 bei Ashton, S. 291 ff.;
-Zincgref-Weidner, IV, S. 184; Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 198,
-Nr. 918; Merkens, I, S. 65 ff., Nr. 77.
-
-Die Antwort Nasreddins: »Hierzulande haben die Gänse nur ein Bein«
-entspricht der Antwort, die in der 75. Novelle der Gualteruzzischen
-Ausgabe der _Cento novelle antiche_ (ed. Biagi, Firenze, 1880, S.
-108 ff., ed. Sicardi, Straßburg, o. J., S. 96 ff.) der Spielmann dem
-Herrgott gibt: »E non ànno ernioni quelli (chavretti) di questo paese«.
-Zu dieser Erzählung vgl. Bolte bei Montanus, S. 562 ff.
-
-
-76. Barker, S. 82 ff.; _Volksbuch_, Nr. 76; _Sottisier_, Nr. 97;
-_Tréfái_, Nr. 76; Griechisch, Nr. 108; Serbisch, S. 167 ff.
-
-Basset in der _RTP_, XI, S. 498; _Tréfái_, S. 20; Horn, S. 71
-(Karakusch); _Volksbuch_ (Decourdemanche), S. 126 ff. (Karakusch).
-
-Clouston, _Noodles_, S. 86 ff.
-
-
-77. _Volksbuch_, Nr. 77; Barker, S. 83 ff.; _Sottisier_, Nr. 73; Ethé,
-S. 247 ff.; Tewfik, Nr. 38; Nouri, S. 159 ff.; _Tréfái_, Nr. 77;
-_Nawadir_, S. 26; Griechisch, Nr. 47; Walawani, S. 154; Serbisch, S.
-126 ff. und 15; Kroatisch, S. 14 ff.; Pann, S. 341.
-
-Köhler, I, 496; Clouston, _Flowers_, S. 69; _Fourberies_, S. 40 ff.;
-_Tréfái_, S. 27.
-
-
-78. _Volksbuch_, Nr. 78; _Sottisier_, Nr. 191; Tewfik, Nr. 6; _Tréfái_,
-Nr. 78; Mardrus, S. 97 ff.; _Nawadir_, S. 27; _Fourberies_, Nr. 6;
-Griechisch, Nr. 140; Serbisch, S. 34.
-
-
-79. _Volksbuch_, Nr. 79; Barker, S. 84 ff.; _Sottisier_, Nr. 229;
-Tewfik, Nr. 65; Nouri, S. 172 ff.; _Tréfái_, Nr. 79; _Nawadir_, S. 27;
-Kuka, S. 218; _Fourberies_, Nr. 57; Griechisch, Nr. 21; Serbisch, S. 20
-ff.; Kroatisch, S. 25 ff.; Murad, Nr. 26. Vgl. auch unten Nr. 495.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 90; Gazeau, S. 204; _Fourberies_, S. 59; Basset
-in der _RTP_, XI, S. 498; Hartmann, S. 52.
-
-Vgl. die 1. Karakuschgeschichte im _Volksbuch_ (Decourdemanche), S.
-116, die wieder mit einer Dschohageschichte im _Nuzhat al udaba_
-(Basset im _Keleti Szemle_, I, S. 221, Nr. 1; Basset in der _RTP_,
-XI, S. 498) übereinstimmt. Als älteste Version darf aber wohl die 28.
-Facetie im _Philogelos_ gelten:
-
-Σχολαστικοῦ τὸν ἀντίχειρα κύων ἔδακεν. ὁ δὲ εἶπεν εἰ τὸ ἱμάτιον
-ἐπίασεν, ἐσχισμένον ἂν ἦν.
-
-80. _Volksbuch_, Nr. 80; Barker, S. 85 ff.; _Sottisier_, Nr. 50; Nouri,
-S. 22 ff.; _Tréfái_, Nr. 80; _Nawadir_, S. 27; Griechisch, Nr. 51;
-Serbisch, S. 181 ff.
-
-Hartmann, _Der islamische Orient_, I, Berlin, 1905, S. 182 aus dem
-zentralasiatischen Volksbuche von Meschreb, dem weisen Narren.
-
-
-81. Volksbuch, Nr. 81; _Sottisier_, Nr. 32; Ethé, S. 243; Nouri, S. 222
-ff.; _Tréfái_, Nr. 81; _Nawadir_, S. 27; Griechisch, Nr. 52; Kroatisch,
-S. 79 ff. Vgl. auch unten Nr. 510.
-
-Köhler, I, 496 ff.; _Fourberies_, S. 33 ff.; _Tréfái_, S. 12.
-
-Die Literatur über den ~Dieb auf dem Mondstrahle~ ist zusammengestellt
-bei Chauvin, II, S. 84 und IX, S. 31; dazu Kuka, S. 238 ff.
-
-
-82. Barker, S. 86 ff.; _Volksbuch_, Nr. 82; _Sottisier_, Nr. 104;
-Nouri, S. 170 ff.; _Tréfái_, Nr. 82; _Nawadir_, S. 28; Griechisch, Nr.
-53; Serbisch, S. 173 ff.; Kroatisch, S. 99 ff.
-
-
-83. _Sottisier_, Nr. 7; _Volksbuch_, Nr. 83; _Tréfái_, Nr. 83;
-Griechisch, Nr. 54.
-
-_Tréfái_, S. 19 ff.
-
-Vgl. die allerdings von unserer Fassung etwas abweichende, aber mit
-Buadem, Nr. 133 übereinstimmende 658. Erzählung bei Bar-Hebraeus, S.
-166, die mit Wesselski, _Mönchslatein_, Nr. 134 zusammenzustellen
-ist; zu den dort, S. 247 und bei Bebel, I, S. 132 ff. gegebenen
-Nachweisen kommen noch: Kuka, S. 161, _Tales and Quicke Answeres_,
-Nr. 83 (Hazlitt, I, S. 101), Domenichi, _Facetie_, 1548, Bl K_{4}^b
-(nach Gastius), Doni, _I Marmi_, Vinegia, 1552, II, S. 49 ff., _Archie
-Armstrong’s Banquet of Jests_ (1. Ausg. einfach als _Banquet of Jeasts_
-1630), Edinburgh, 1872, S. 218 ff., _Certayne Conceyts und Jests_,
-Nr. 23 (1. Ausg. 1609), bei Hazlitt III, S. 11, Lehmann, _Exilium
-melancholiae_, D, Nr. 14, S. 85, Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S.
-94, Nr. 416, Schupp, _Schriften_, S. 372, _Joe Miller’s Jests_, London,
-o. J. (ca. 1750), S. 96, Nr. 547 und Swynnerton, S. 300 ff.
-
-Eine Geschichte der kroatischen Ausgabe, S. 102 erzählt folgendes:
-
-Als Nasreddin einmal mit seinem Sohne in einem Bette schlief, hörten
-sie mitten in der Nacht, wie sich zwei Diebe ins Zimmer schlichen, und
-der eine ging auf die eine Seite, der andere auf die andere. Nasreddin
-stieß seinen Sohn und sagte ihm ins Ohr: »Das sind Dummköpfe; sie
-werden gar nichts finden.«
-
-»Ich werde sie erschrecken,« sagte der Sohn.
-
-»Nein, du mußt schweigen; ich habe eine stärkere Stimme und werde so
-schreien, daß sie erschrecken, und vielleicht verliert dann einer
-etwas, was er anderswo gestohlen hat und was wir brauchen können.«
-
-Ähnlich ist folgende Facetie bei Domenichi, 1562, S. 55 (1581, S. 66):
-
-Ghino pouero inuitò vna notte Spachino a dormire seco, et la notte
-mentre dormiuano, entrò vn ladro in casa, e andaua ruspando per rubare
-qualche cosa. Il che sentendo Spachino toccò Ghino (dicendo): e vn
-ladro? Disse allhora Spachino: Io vuò gridare, che forse gli caderà
-qualche cosa.
-
-Mit dieser Schnurre stimmt der Zigeunerschwank bei Roda Roda, S. 156
-überein.
-
-
-84. _Sottisier_, Nr. 79; _Volksbuch_, Nr. 84; Nouri, S. 93; _Tréfái_,
-Nr. 84; Griechisch, Nr. 55.
-
-Vgl. Pauli, _Schimpf und Ernst_, Anhang, Nr. 35, S. 413 ff.;
-Hans Sachs, _Schwänke_, IV, Nr. 302, S. 100 ff.; Wickram,
-_Rollwagenbüchlein_, Nr. 91, S. 118 ff.; Kirchhof, _Wendunmuth_, I, Nr.
-373, S. 410; Aurbacher, _Volksbüchlein_, I, S. 125 ff.
-
-
-85. _Volksbuch_, Nr. 85; _Sottisier_, Nr. 267; _Tréfái_, Nr. 85;
-Griechisch Nr. 56.
-
-
-86. _Sottisier_, Nr. 268; _Volksbuch_, Nr. 86; _Tréfái_, Nr. 86;
-Griechisch, Nr. 57.
-
-
-87. _Volksbuch_, Nr. 87; Barker, S. 87 ff.; _Sottisier_, Nr. 279;
-Nouri, S. 92; _Tréfái_, Nr. 87; _Nawadir_, S. 28 (Basset _RTP_, VI, S.
-304); Griechisch, Nr. 45; Serbisch, S. 118 ff.
-
-Galland, S. 17; _Fourberies_, S. 64.
-
-
-88. _Volksbuch_, Nr. 88; _Tréfái_, Nr. 88; _Nawadir_, S. 28;
-Griechisch, Nr. 46.
-
-
-89. _Volksbuch_, Nr. 89; Barker, S. 88 ff.; _Sottisier_, Nr. 80;
-Ethé, S. 242 ff.; Nouri, S. 96; _Tréfái_, Nr. 89; _Nawadir_, S.
-28; _Fourberies_, Nr. 26; Griechisch, Nr. 49; Serbisch, S. 38 ff.;
-Kroatisch, S. 87.
-
-Gazeau, S. 204; _Fourberies_, S. 41; _Tréfái_, S. 22.
-
-90. _Volksbuch_, Nr. 90; _Sottisier_, Nr. 163; _Tréfái_, Nr. 90;
-_Nawadir_, S. 28; Griechisch, Nr. 50; Murad, Nr. 6.
-
-Vgl. _Recueil_, 1555, S. 83 ff., nouv. 14: _D’un superstitieux medecin,
-qui ne vouloit rire avec sa femme, si non quand il plouvoit, et de la
-bonne fortune de ladicte femme apres son trespas_ (deutsch bearbeitet
-von Kirchhof, _Wendunmuth_, B. III, Nr. 241) = _Aventures_, 1556, S.
-108 ff., nov. 18 = _Les joyeuses Aventures et nouvelles Recreations_,
-Paris, 1577, Bl. 46^a ff., devis 13 = Des Periers, S. 289 ff., nouv. 95.
-
-
-91. _Volksbuch_, Nr. 91; _Sottisier_, Nr. 306; _Tréfái_, Nr. 91;
-Griechisch, Nr. 121.
-
-
-92. _Volksbuch_, Nr. 92; _Sottisier_, Nr. 196; _Tréfái_, Nr. 92;
-Mardrus, S. 116 ff.; _Nawadir_, S. 29; Griechisch, Nr. 122.
-
-Gazeau, S. 204 ff.
-
-
-93. _Volksbuch_, Nr. 93; _Sottisier_, Nr. 307; _Tréfái_, Nr. 93;
-_Nawadir_, S. 29; Griechisch, Nr. 133; Serbisch, S. 187.
-
-
-94. _Volksbuch_, Nr. 94; Barker, S. 89; _Sottisier_, Nr. 308; _Tréfái_,
-Nr. 94; _Nawadir_, S. 29; _Fourberies_, Nr. 28; Griechisch, Nr. 123;
-Serbisch, S. 179.
-
-
-95. _Volksbuch_, Nr. 95; Barker, S. 90; _Sottisier_, Nr. 309; _Tréfái_,
-Nr. 95; _Nawadir_, S. 29; Griechisch, Nr. 132; Serbisch, S. 112.
-
-
-96. Barker, S. 90 ff.; _Volksbuch_, Nr. 96; _Sottisier_, Nr. 17; Nouri,
-S. 26 ff.; _Tréfái_, Nr. 96; _Nawadir_, S. 29; _Fourberies_, Nr. 44;
-Reinisch, _Nuba-Sprache_, I, S. 162 (= Basset, _Contes populaires
-d’Afrique_, S. 137: _Joha et les souliers_); Griechisch, Nr. 134;
-Serbisch, S. 171 ff.; Kroatisch, S. 65 ff.
-
-_Fourberies_, S. 31 und 79; _Tréfái_, S. 27.
-
-Vgl. folgende Schnurre bei Doni, _Rime del Burchiello_, Vinegia, 1553,
-S. 148:
-
-Batista de Peruzzi fu un ceruello ombroso, onde la state quando
-s’andaua a bagnare, come s’era spogliato nudo, si cigneua un pugnale
-sfoderato dietro alle reni, et entraua sotto acqua. Vna volta gli fu
-domandato, per che portaua l’arme sotto l’acqua. O, disse egli, tu sei
-sciocco, a colui che gne ne dimandò; che diauol so io, chi ci sia qua
-sotto.
-
-
-97. _Sottisier_, Nr. 47; _Volksbuch_, Nr. 97; Barker, S. 91 ff.;
-Nouri, S. 214 ff.; _Tréfái_, Nr. 97; Mardrus, S. 100 ff.; _Nawadir_,
-S. 29; Pharaon, S. 204 ff.; _Fourberies_, Nr. 18; Griechisch, Nr. 135;
-Serbisch, S. 140 ff.
-
-Köhler, I, S. 497; St. Prato in der _RTP_, II, S. 503 ff.; Gazeau, S.
-205; _Fourberies_, S. 36; _Tréfái_, S. 17.
-
-Ispirescu, S. 3 (Gaster im _Magazin_, XCVI, S. 564). Chauvin (VIII,
-S. 158) stellt diesen Schwank mit der großen Reihe von Erzählungen
-zusammen, wo es sich um eine ~Scheinzahlung für eine Scheinleistung~
-handelt.
-
-Eine ähnliche Ableitung des Anspruchs, als nahestehender zu gelten,
-findet sich im _Nuzhat al udaba_ (Basset in der _RTP_, XIII, S. 667):
-
-Man erzählt, daß ein Parasit zu einer Hochzeit gekommen, aber weggejagt
-worden ist. Da schrie er: »Unglück über euch, einen Menschen, wie ich
-bin, wegzujagen!« »Und wer bist du denn?« »Ich bin der Nachbar des
-Tischlers, der den Leisten für den Schuster gemacht hat, der den Schuh
-der Braut genäht hat!«
-
-
-98. _Sottisier_, Nr. 112; _Volksbuch_, Nr. 98; Barker, S. 93; _Tréfái_,
-Nr. 98; Griechisch, Nr. 111; Serbisch, S. 174.
-
-
-99. _Volksbuch_, Nr. 99; Barker, S. 93 ff.; _Sottisier_, Nr. 310;
-_Tréfái_, Nr. 99; _Nawadir_, S. 30; Griechisch Nr. 126.
-
-_Tréfái_, S. 23.
-
-
-100. Barker, S. 94 ff.; _Volksbuch_, Nr. 100; _Tréfái_, Nr. 100;
-Griechisch, Nr. 127.
-
-Der zweite Teil für sich allein: Buadem, Nr. 8; Serbisch, S. 54;
-Kroatisch, S. 31.
-
-Der ~Reiter, der sein Pferd nicht kennt~ usw. kehrt in der 90.
-Facetie Poggios wieder: _Jocatio cuiusdam Veneti qui equum suum non
-cognoverat_; auf dieser beruhen die Nr. 72 der _Tales and Quicke
-Answeres_ (Hazlitt, I, S. 91 ff.), die Nr. 19 der _Pleasant Conceites
-of old Hobson the Merry Londoner_ (Hazlitt, III, S. 33 ff.) und
-der erste Teil des 40. Kapitels des _Lalenbuchs_ (v. d. Hagen,
-_Narrenbuch_, S. 197 ff.; _Das Lalenbuch_, Stuttgart, 1839, S. 142).
-Vgl. auch die 24. Novelle bei Des Periers, zit. Ausg. S. 112 ff.
-
-Der zweite Teil des Schwankes (~Verkehrt aufsitzen~) hat zwei
-Parallelen in Costos _Fuggilozio_, zit. Ausg. S. 118: _Gofferia d’un
-Veneziano caualcando, e sua accorta risposta_ und S. 163 ff.: _Risposta
-mordace d’un Buffone_, deren zweite eine obszöne Begründung bringt.
-
-
-101. _Sottisier_, Nr. 82; _Volksbuch_, Nr. 101; Barker, S. 95 ff.;
-Nouri, S. 38; _Tréfái_, Nr. 101; Griechisch, Nr. 128.
-
-Gazeau, S. 205.
-
-
-102. _Volksbuch_, Nr. 102; _Barker_, S. 96; _Tréfái_, Nr. 102;
-Griechisch, Nr. 129.
-
-
-103. _Volksbuch_, Nr. 103; Barker, S. 97; _Sottisier_, Nr. 311;
-_Tréfái_, Nr. 103; _Nawadir_, S. 30; Griechisch, Nr. 130; Serbisch, S.
-112.
-
-
-104. _Volksbuch_, Nr. 104; Barker, S. 97 ff. (anders); _Sottisier_, Nr.
-312; Tewfik, Nr. 27; Nouri, S. 97; _Tréfái_, Nr. 104; _Nawadir_, S. 30;
-Griechisch, Nr. 131 und 21; Serbisch, S. 23; Kroatisch, S. 10.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 91; Gazeau, S. 205 ff.; _Fourberies_, S. 68;
-_Hartmann_, S. 65.
-
-
-105. _Volksbuch_, Nr. 105; _Sottisier_, Nr. 313; _Tréfái_, Nr. 105;
-_Nawadir_, S. 30; Griechisch, Nr. 86.
-
-Köhler, I, S. 497; _Fourberies_, S. 68 (die Schnurre findet sich schon
-in dem _Rabi al abrar_ des 1143 verstorbenen Zamachschari).
-
-Vgl. die von Bolte zu Wickram, Nr. 39, S. 372 zusammengestellte
-Literatur.
-
-
-106. _Volksbuch_, Nr. 106; _Sottisier_, Nr. 314; Tewfik, Nr. 26;
-_Tréfái_, Nr. 106; _Nawadir_, S. 30; Griechisch, Nr. 64; Serbisch, S.
-29; Kroatisch, S. 10.
-
-Horn, S. 69 (eine ältere Version bei Zakani).
-
-
-107. _Volksbuch_, Nr. 107; _Sottisier_, Nr. 190; Nouri, S. 144 ff.;
-_Tréfái_, Nr. 107; Mardrus, S. 116; _Nawadir_, S. 30; Griechisch, Nr.
-65; Serbisch, S. 41 ff.
-
-
-108. _Volksbuch_, Nr. 108; _Sottisier_, Nr. 108; Buadem, Nr. 26;
-_Tréfái_, Nr. 106; _Nawadir_, S. 30; Griechisch, Nr. 64; Serbisch, S.
-29; Kroatisch, S. 10.
-
-
-109. _Volksbuch_, Nr. 109; _Sottisier_, Nr. 315; _Tréfái_, Nr. 108;
-Griechisch, Nr. 67; Serbisch, S. 185; Vgl. auch oben Nr. 10.
-
-_Tréfái_, S. 18.
-
-Vgl. weiter Reinisch, _Die Nuba-Sprache_, I, S. 179 ff. und A. de
-Motylinski, _Dialogue et textes en dialecte de Djerba_, Paris, 1898, S.
-24 ff. = Basset, _Contes populaires d’Afrique_, S. 23 ff.
-
-
-110. _Volksbuch_, Nr. 110; _Sottisier_, Nr. 264 + 290; _Tréfái_, Nr.
-110; Griechisch, Nr. 62; Serbisch, S. 115 ff.
-
-Gazeau, S. 206.
-
-Am nächsten den occidentalen Varianten der im zweiten Teile des
-Schwankes erzählten Geschichte steht Panns Gedicht, S. 351 ff., dessen
-Inhalt kurz ist, wie folgt: Da der Hodscha Nastratin Geld hat, schickt
-er seinen Sohn in die Fremde studieren, und der kommt zur Freude seiner
-Eltern mit den besten Zeugnissen heim. Als er nun die erste Nacht im
-väterlichen Hause verbringt, sieht er auf der Decke Kuhmist kleben. Es
-ist ihm unerklärlich, wie es die Kuh angestellt haben müsse, um dort
-oben ihren Mist abzulagern; er sieht in der Mechanik, in der Mathematik
-und in andern Büchern nach, kann aber die Lösung nicht finden. Am
-Morgen kommt sich seine Mutter erkundigen, wie er geschlafen habe, und
-da erzählt er ihr, welche Überlegungen ihn um seinen Schlaf gebracht
-hätten. Auf die Antwort der Mutter, daß das Brett früher im Hofe
-gelegen habe, wo es wahrscheinlich von irgendeinem Rinde beschmutzt
-worden sei usw. meint er, daß man ihm auf den fremden Schulen die Dinge
-nie so gut erklärt habe wie seine Mutter, die den besten Professor
-für ihn abgegeben hätte. Sie ist nunmehr überzeugt, daß ihr Sohn ein
-ebensolcher Dummkopf bleiben werde wie sein Vater Nastratin.
-
-Zu dieser Form des Schwankes haben Köhler, I, S. 497 ff., Bolte in der
-_ZVV_, VII, S. 465 ff. und XI, S. 76, Basset in den _Fourberies_, S.
-65 und Waas in den _Quellen der Beispiele Boners_, Dortmund, 1897,
-S. 71 Parallelen beigebracht. Ich nenne dazu noch die folgenden: _The
-Jests of Scogin_ bei Hazlitt, II, S. 71; _Archie Armstrongs Banquet of
-Jests_, S. 359; Lehmann, _Florilegium politicum_, S. 738; V. Brunet,
-_Facéties normandes_, Nr. 5 in der _RTP_, II, S. 108 ff.; A. Harou,
-_Facéties des copères de Dinant_, Nr. 2 in der _RTP_, IV, S. 482 ff.;
-Ch. Beauquier, _Blason populaire de la Franche-Comté_ in der _RTP_, XI,
-S. 646; G. Calvia, _Facezie sopra gli abitanti di Sorso in Sardegna_,
-Nr. 6 im _Archivio_, XXI, S. 380, und _Anthropophyteia_, V, S. 338
-ff. Weiter folge hier die oben bei Nr. 52 angezogene Stelle aus Euch.
-Eyering, _Proverbiorum copia_, Eißleben, 1601, S. 591 ff.:
-
- Hernach bald an dem dritten tag
- Der Doctor biß vmb neune lag,
- Vnd lag verjrt in seinem bett,
- Sich eins Kuhdrecks verwundern thet,
- Des er gewar wurd an der deck,
- Klebt oben an der dil der dreck,
- Wist nicht, wie die Kuh kommen nauff.
- Vnd als er jetzt gstanden auff,
- Fragt er den Vater vmb bericht.
- Der ward traurig vnd zu jm spricht:
- Du geck, wie magstu darnach fragen;
- Do solche dil im hoff noch lagen,
- Die Kuh drüb ging vnd darauff schiß,
- Vnd also nauff genagelt iß.
- Eins mals trat er für seine Thür,
- Hengt aus vnd zinselt von Natur,
- Vergaß des Cuius vnuerwart,
- Sah an die Sonn vnd dran vernart,
- Gieng nein vnd thet zum Vater jehen,
- Wie er die Sonn jtzt drauß gesehen;
- Sprach: Vater, wie ich drauß thet stan,
- Die Sonn eben gesehen an,
- Bedüncket mich in alle meim Sinne,
- Sie gleich der zu Venedig drinnen.
- Der Vater schrack des noch viel mehr,
- Sprach: Wo ist deine Kunst und lehr?
- Ach weh meins Gelts, du nerrisch Kind,
- Meinstu, das auch zwo Sonnen sind?
- Von dir wird man diß sprichwort sagen,
- Ein Ganß sey vbers Meer geflogen,
- Ein Ganß auch wider kommen dar,
- Die singt jtzt Gack Gack gleich wie vor.
-
-Endlich sei noch auf Lehmanns _Exilium melancholiae_, R, Nr. 99, S.
-377 verwiesen, das analog wie Bütner, _Von Claus Narren_, S. 154 ff.
-(Zincgref-Weidner, V, S. 151 ff.) folgendermaßen erzählt:
-
-Ein Pennal, als ihm einer Roßfeigen in die Schuch gelegt, verwundert er
-sich darüber, wie nur das Pferd muß in die Schuch kommen seyn.
-
-
-111. Barker, S. 98 ff.; _Volksbuch_, Nr. 111; _Sottisier_, Nr. 58;
-_Tréfái_, Nr. 110; _Nawadir_, S. 31; Griechisch, Nr. 63; Serbisch, S.
-119 ff.
-
-
-112. _Sottisier_, Nr. 230; _Volksbuch_, Nr. 112; Tewfik, Nr. 14 =
-_Tréfái_, Nr. 146; _Nawadir_, S. 31; Griechisch, Nr. 125; Serbisch, S.
-39 ff.; Kroatisch, S. 7.
-
-
-113. _Volksbuch_, Nr. 113; Barker, S. 99 ff.; _Sottisier_, Nr. 295;
-Ethé, S. 249 ff.; Nouri, S. 211 ff.; _Tréfái_, Nr. 111; _Nawadir_,
-S. 31; Kuka, S. 218 ff.; _Fourberies_, Nr. 45; Griechisch, Nr. 58;
-Serbisch, S. 38; Kroatisch, S. 81.
-
-Gazeau, S. 206; Clouston, _Flowers_, S. 68; _Fourberies_, S. 66;
-_Tréfái_, S. 22.
-
-Der Schwank ist nur eine Variante einer Erzählung aus _Tausend und
-einer Nacht_ (übertragen von Henning, Leipzig, 1895 ff., II, S. 77
-ff.); vgl. dazu Chauvin, V, S. 159.
-
-
-114. _Volksbuch_, Nr. 114; _Sottisier_, Nr. 59; _Tréfái_, Nr. 112;
-_Nawadir_, S. 31; Griechisch, Nr. 59; Serbisch, S. 120.
-
-
-115. _Volksbuch_, Nr. 115; Nouri, S. 83 ff.; _Tréfái_, Nr. 113;
-_Nawadir_, S. 32; Griechisch, Nr. 60; Serbisch, S. 154.
-
-Köhler, I, S. 498; Clouston, _Flowers_, S. 69 ff.; _Tréfái_, S. 83 ff.
-
-Vgl. A. L. Stiefels Abhandlung _Der Schwank von den drei Mönchen, die
-sich den Mund verbrannten_ in der _ZVV_, XIII, S. 88 ff. (Arienti,
-nov. 46; Pauli, Nr. 672; Agricola, Nr. 505; Waldis, _Esopus_, III, Nr.
-90 und _A Hundred Mery Talys_, Nr. 97). Arienti bietet aber nicht die
-älteste Darstellung; vielmehr zitiert S. v. Arx, _Giovanni Sabadino
-degli Arienti und seine Porretane_, Erlangen, 1909, S. 85 zwei ungefähr
-dasselbe wie Arientis Novelle erzählende Oktaven aus Luigi Pulcis
-_Morgante_, c. 16 (zuerst gedruckt 1482, aber zwischen 1460 und 1470
-verfaßt).
-
-
-116. _Volksbuch_, Nr. 116; _Sottisier_, Nr. 129; _Tréfái_, Nr. 114;
-Mardrus, S. 106 ff.; _Nawadir_, S. 32.
-
-
-117. _Volksbuch_, Nr. 117; Barker, S. 100 ff.; _Sottisier_, Nr. 316;
-Nouri, S. 33 ff.; _Tréfái_, Nr. 115; _Nawadir_, S. 32; Kuka, S. 219;
-Griechisch, Nr. 87; Serbisch, S. 130 ff.; Kroatisch, S. 66 ff.
-
-_Tréfái_, S. 22.
-
-
-118. _Volksbuch_, Nr. 118; _Sottisier_, Nr. 317; _Tréfái_, Nr. 116;
-_Nawadir_, S. 33; Griechisch, Nr. 88.
-
-
-119. _Volksbuch_, Nr. 119; _Sottisier_, Nr. 318; _Tréfái_, Nr. 117;
-_Nawadir_, S. 33; Griechisch, Nr. 89; Serbisch, S. 118.
-
-
-120. _Volksbuch_, Nr. 120; Barker, S. 101 ff.; Nouri, S. 137 ff.;
-_Tréfái_, Nr. 118; _Nawadir_, S. 33; _Fourberies_, Nr. 17; Griechisch,
-Nr. 90.
-
-Clouston, _Flowers_, S. 68 ff.; Basset, _Zenatia_, S. 172; Hartmann, S.
-64.
-
-
-121. _Volksbuch_, Nr. 121; _Sottisier_, Nr. 75 (Schluß); Tewfik, Nr.
-45; _Tréfái_, Nr. 119; Griechisch, Nr. 68; Serbisch, S. 26; Kroatisch,
-S. 17.
-
-Vgl. oben die Nrn. 49, 46 und 66, ferner unten Nr. 141 und 382.
-
-Eine serbische Erzählung (S. 137 ff.) lautet:
-
-Eines Morgens stand der Hodscha Nasreddin sehr früh auf und wollte in
-Geschäften ins Dorf gehn. Die Nachbarn hatten sich aber besprochen,
-sich mit ihm einen kleinen Spaß zu machen. Als er sein Haus verließ,
-fragten sie ihn: »Wohin gehst du, Hodscha?«
-
-»Ins Dorf.«
-
-»Wie kannst du denn ins Dorf gehn, wo du doch gestern Abend gestorben
-bist? Wir sind gekommen, um dich wegzutragen und zu begraben, wie es
-unsere Pflicht als Nachbarn ist, und du willst ins Dorf!«
-
-»Laßt mich nur gehn,« sagte Nasreddin; »wenn ich zurückkomme, dann
-meinetwegen.«
-
-»O nein,« schrien alle; »wie könnten wir das zugeben? Geh sofort wieder
-heim, damit wir dich für das Begräbnis herrichten.«
-
-Nasreddin konnte sich nicht von ihnen losmachen. Die Nachbarn
-wuschen ihn tüchtig, wie man einen Leichnam wäscht, legten ihn in
-einen Sarg und trugen ihn zur Moschee. Unterwegs begegnete ihnen ein
-Bekannter, ein gesetzter Mann; er hatte wenig Zeit und eilte in seinen
-Geschäften. Die Nachbarn wollten ihn zwingen, mit ihnen zu gehn, er
-aber entschuldigte sich, daß er eine notwendige Verrichtung habe, und
-Gott werde es ihm nicht verübeln, daß er an dem Leichenbegängnis nicht
-teilnehmen könne.
-
-Aber das half ihm nichts, und als er sich durchaus losmachen wollte,
-hob der Hodscha den Kopf aus dem Sarge und sagte zu ihm: »Du versuchst
-vergebens, Freund, dich ihrer zu erwehren; das gelingt niemand. Ich
-habe wirklich eine wichtigere Arbeit gehabt als du; aber was tut das,
-wenn mich diese Horde nicht einmal reden läßt!«
-
-Zu dem Motive vom ~eingebildeten Toten~ siehe weiter außer Bebel,
-I, S. 169 ff. (dazu hauptsächlich Clauvin, VIII, S. 98, ferner
-Rittershaus, S. 359 ff.) die Noten auf S. 265 ff. meiner Ausgabe von
-Morlinis _Novellen_, München, 1908 und die 149. Facetie Arlottos (II,
-S. 151 ff.); eine eigentümliche Variante bietet die 10. Adventure bei
-Mackenzie, _The Marvellous Adventures and Rare Conceits of Master Tyll
-Owlglass_, London, 1890, S. 50 ff.
-
-
-122. _Volksbuch_, Nr. 122; Barker, S. 103; _Sottisier_, S. 319;
-_Tréfái_, Nr. 120; _Nawadir_, S. 33; Griechisch, Nr. 69; Serbisch, S.
-42 ff.
-
-Vgl. Buadem, Nr. 140.
-
-
-123. _Volksbuch_, Nr. 123; _Sottisier_, Nr. 320; Buadem, Nr. 115;
-Nouri, S. 188 ff.; _Tréfái_, Nr. 121; _Nawadir_, S. 33; Griechisch, Nr.
-70; Serbisch, S. 92 ff.; Kroatisch, S. 63.
-
-124. _Volksbuch_, Nr. 124; _Sottisier_, Nr. 28; Nouri, S. 226 ff.;
-_Tréfái_, Nr. 122; _Nawadir_, S. 34; Kuka, S. 219 (zwar nicht von
-Nasreddin, aber mitten unter den auf ihn bezüglichen Anekdoten);
-Griechisch, Nr. 71; Serbisch, S. 172 ff.
-
-Köhler, I, S. 498; Gazeau, S. 207; Clouston, _Noodles_, S. 92;
-_Fourberies_, S. 33; Basset in der _RTP_, XI, S. 496; _Tréfái_, S. 11
-ff.
-
-Zu der ~Rettung des Mondes~ vgl. weiter: Müllenhoff, _Sagen, Märchen
-und Lieder der Herzogthümer Schleswig Holstein und Lauenburg_, 4.
-Aufl., Kiel, 1845, Nr. 111, S. 95 (nur erwähnt); E. Meier, _Deutsche
-Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben_, Stuttgart, 1852, II,
-Nr. 402, S. 361 = Merkens, I, S. 16, Nr. 21; Bronner, _Bayerisches
-Schelmen-Büchlein_, S. 105 ff., 189 ff. und 190; _Am Ur-Quell_, III,
-S. 29 (jüdisch aus Chelm); V. Brunet, _Facéties normandes_, Nr. 11:
-_La lune prise au piège_ in der _RTP_, II, S. 211 ff.; J. de Chesnaye,
-_Blasons populaires de la Vendée_, Nr. 1 in der _RTP_, XXII, S. 88; G.
-Amalfi, _J. Chiochiari nel mandamento di Tegiano_ im _Archivio_, VII,
-S. 132; Ispirescu, S. 103 (Gaster im _Magazin_, XCVI, S. 613 ff.);
-Veckenstedt, _Zamaiten_, I, S. 235 ff.; Jacobs, _English Fairy Tales_,
-3^{rd} Ed., London, 1907, S. 13 ff.
-
-In andern Versionen wird ein Esel getötet, weil man meint, er habe
-den Mond, der sich im Wasser gespiegelt hat, ertränkt: Ortoli, _Les
-contes populaires de l’île de Corse_, Paris, 1883, S. 252 ff.: _U
-Bastelicacciu et son âne_; Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_,
-III, S. 142 ff.: _L’âne de Montastruc_; vgl. hierzu Köhler, I, S. 498
-und 90 und Clouston, _Noodles_, S. 45. Hierher gehört auch folgende
-Historia von Klaus Narr, S. 478 ff. (gekürzt bei Zincgref-Weidner, V,
-S. 171):
-
-Clauß stund in einem Fenster im Saale, am abend da der Mond schiene
-vnnd der Himmel voll Sternen stund, die sahe er klar vnd hell in dem
-Wasser herwider leuchten, vnd dachte, der Himmel mit den Sternen würde
-ersauffen, gieng von demselben Fenster hinweg, an ein anders, vnd sahe
-die Sternen im Wasser wie vor, doch nicht alle, vnd sprach: Es wird der
-gantze Himmel, als ich sehe, nicht ersauffen. Zu letzt kam er an ein
-Fenster, von dem er nicht in das Wasser sehen kondte, vnnd sahe auch
-keinen Sternen mehr, da rieff er: Zu Beth, lieben Brüder, zu Beth, die
-Liechter am Himmel sind alle verbronnen, aber die Sternen sind alle
-wider auß dem Wasser, vnnd ist nicht einer verbronnen.
-
-In dem 26. Stücke der von E. Chavanne übersetzten _Fables et contes
-de l’Inde, extraits du Tripitaka chinois_ (_Actes du XIV^e congrès
-international des orientalistes_, Paris, 1906, Sect. V, S. 138 ff.) und
-bei Schiefner, _Tibetan Tales_, translated by W. R. S. Ralston, London,
-1906, S. 353: _The monkeys und the moon_ bilden Affen, um den Mond aus
-einem Brunnen zu ziehen, eine Kette, indem sich einer an den andern
-hängt; als dann der Ast bricht, woran sich der oberste hält, fallen
-alle ins Wasser. In ähnlichen Erzählungen, wo, um den Mond zu fangen,
-eine solche Kette[119] gebildet wird, geschieht die Katastrophe,
-weil sich der oberste in die Hände spucken will: _Am Ur-Quell_, II,
-S. 192 (von den Büsumern); Ch. Beauquier, _Blason populaire de la
-Franche-Comté_ in der _RTP_, XI, S. 649: _Les fous de Tschervâ_.
-
-Schließlich sei noch eine Anspielung auf eine Ortsneckerei erwähnt,
-die sich in dem Widmungsbriefe der 26. des III. Teils von Bandellos
-_Novelle_ findet (zit. Ausg., S. 584): Signori miei, voi cercate, come
-fanno i Modonesi, la luna nel pozzo ....
-
-
-125. _Volksbuch_, Nr. 125; Barker, S. 104 ff.; _Sottisier_, Nr. 321;
-Tewfik, Nr. 57; Nouri, S. 185; _Tréfái_, Nr. 123; Griechisch, Nr. 72;
-Serbisch, S. 31 ff.; Kroatisch, S. 24. Vgl. Murad, Nr. 13.
-
-Hartmann, S. 63.
-
-
-
-
-2. Aus Manuskripten verschiedenen Alters.
-
-
-126. _Sottisier_, Nr. 2.
-
-
-127. _Sottisier_, Nr. 4; vgl. Buadem, Nr. 36 (Serbisch, S. 63;
-Kroatisch, S. 38).
-
-Eine ähnliche Geschichte steht im _Nafhat al jaman_ von asch Schirwani
-(Basset, _RTP_, II, S. 502); der Gedanke findet sich aber schon bei
-Bar-Hebraeus, S. 152, Nr. 605:
-
-Another fool seeing an Arab minaret from which men were calling to
-prayer, said to his companion, »How very tall the men who built this
-minaret must have been!« His friend replied, »O silly man, how could
-any man be as tall as this? They built it first of all on the ground,
-and then set it up.«
-
-Dem entspricht eine persische Erzählung (Kuka, S. 175, Nr. 65), wo das
-Minaret durch ›a very high tower‹ ersetzt ist.
-
-
-128. _Sottisier_, Nr. 5; Serbisch, S. 47.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 91 ff.
-
-Der Schwank liest sich wie eine Parodie auf die folgende Erzählung, die
-in Gladwins _Persian Moonshee_, II, S. 15, Nr. 34 steht:
-
-Somebody seized a Dirveish’s turband, and ran away with it. The
-Dirveish repaired to the churchyard, and there seated himself. The
-people said to him, »the man who took your turband went towards the
-orchard; why are you sitting in the churchyard, what are you about?« He
-answered, »he too must come here at last, and therefore I have seated
-myself in this place.«
-
-Tatsächlich wird auch diese Geschichte von Nasreddin erzählt (Serbisch,
-S. 169).
-
-
-129. _Sottisier_, Nr. 8.
-
-
-130. _Sottisier_, Nr. 11.
-
-
-131. _Sottisier_, Nr. 12.
-
-
-132. _Sottisier_, Nr. 15.
-
-
-133. _Sottisier_, Nr. 16; Ethé, S. 253 ff.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 93; _Fourberies_, S. 30.
-
-Sehr ähnlich ist die 192. Facetie Poggios _De sono_ (der angenehmste
-Klang ist der der Tischglocke); zu den zwei Bearbeitungen bei Noël, II,
-S. 187 noch _Der edle Fincken-Ritter_, o. O. u. J. (»Gedruckt in der
-jetzigen Welt«), S. 62, Nr. 365.
-
-
-134. _Sottisier_, Nr. 22; _Volksbuch_, (nur bei Camerloher), Schluß;
-Barker, S. 104; Tewfik, Nr. 30; Serbisch, S. 11 ff.; Kroatisch, S. 10
-ff.
-
-
-135. _Sottisier_, Nr. 23.
-
-Eine ähnliche Erzählung steht in _Tausend und einer Nacht_, XIX, S. 15
-ff.; vgl. Chauvin, VIII, S. 108.
-
-
-136. _Sottisier_, Nr. 25; Galland, S. 16 ff. (Un bon homme de
-Sivri-Hissar ....).
-
-Horn, S. 69 ff. (Zakani).
-
-
-137. _Sottisier_, Nr. 26. Ein Schwank in der serbischen Ausgabe (S.
-181) lautet:
-
-Der Hodscha Nasreddin hatte für sich und seine Freunde, wenn ihn
-die besuchen kämen, einige Wintervorräte aufbewahrt, aber die Mäuse
-machten sich darüber und fraßen allmählich alles auf. Als er das gewahr
-wurde, wußte er in seinem Zorne nicht, wie er die Mäuse fangen sollte,
-und noch weniger, wie er sie aus dem Hause treiben könnte. Und also
-zornig schrie er: »Wartet, wartet, ihr Abscheulichen und Söhne von
-Abscheulichen! ich werde es euch schon zeigen!« Er schaffte ein Bündel
-Stroh ins Haus, zündete es an und schloß die Tür. Als das Haus brannte,
-fingen die Mäuse zu schreien an, und Nasreddin rief fröhlich: »Aha!
-aha! so ists recht, daß ihr einmal merkt, wem ihr Schaden machen dürft!«
-
-Eine Variante steht ebendort, S. 186.
-
-Zu der ~Verbrennung eines Hauses des Ungeziefers halber~ siehe die
-Noten Österleys zu Pauli, Nr. 37, S. 477 und Boltes zu Schumanns
-_Nachtbüchlein_, Nr. 1 (Tübingen, 1893, S. 384 und hinter Freys
-_Gartengesellschaft_, S. 276), ferner Hans Sachs, _Schwänke_, V, S.
-229; weiter vgl. die 6. Erzählung in den _Merry Tales of the Mad Men
-of Gotham_ (Hazlitt, III, S. 9), die bei Clouston, _Noodles_, S. 41 aus
-der _Tale of Beryn_ abgedruckten Verse, und das folgende Stück (Nr.
-306) der _Exempla_ of Jacques de Vitry, ed. by Crane, London, 1890, S.
-128:
-
-Quidam ita pusillanimes sunt quod ictibus inimici statim cedunt
-malentes peccatis consentire et vastari quam tentationibus molestari,
-similis cuidam fatuo qui, cum muscis valde infestaretur, domum propriam
-combuscit ut muscas pariter combureret. Ita multi dum muscas sustinere
-nolunt igne luxurie se vastari et incendi permittunt.
-
-
-138. _Sottisier_, Nr. 30.
-
-
-139. _Sottisier_, Nr. 34. In einer entsprechenden serbischen Erzählung
-(S. 110) sagt Nasreddin: »Es ist genug, daß sie (die Zwiebeln) tagsüber
-wachsen; was einer hat, soll er bewahren, und was mir gehört, soll bei
-mir bleiben.«
-
-
-140. _Sottisier_, Nr. 36.
-
-D’Herbelot (_Orientalische Bibliothek_, Halle, 1785 ff., I, S. 524)
-erzählt ähnliches von Bahlul, dem Hofnarren Harun al Raschids; nach
-D’Herbelot steht die sicherlich verdorbene Schnurre bei Flögel, S. 172.
-
-Eine hübsche Variante bringt Kuka, S. 192:
-
-In Ispahan there was a madman who, standing in the bazár, used to beat
-the passers-by, saying »Why don’t you all take one side of the road?«
-As he would not listen to reason, and as using force against him was
-out of the question, owing to the Persians regarding a madman as one
-rapt in Divine ecstasy, a wise man advised the men to bring forward
-another madman to argue with this one. This was done; and when the
-first madman asked the above question to the passers-by, the other
-replied, »You know, the earth is like a shield floating on water. If
-all the people were to go on one side, that part would become too
-heavy, and the earth would be overturned.«
-
-Strange to say, this reply satisfied the first madman, and he gave up
-annoying the passers-by.
-
-
-141. _Sottisier_, Nr. 37.
-
-Vgl. oben die Nrn. 49, 46, 66, 121 und 382.
-
-
-142. _Sottisier_, Nr. 42; Serbisch, S. 37.
-
-Vgl. Nr. 282.
-
-Eine hübsche Analogie bietet ein Schwank in Bronners _Bayerischem
-Schelmen-Büchlein_, S. 79 ff.: _Die Stierwascher_, der aber auch als
-Neckgeschichte für eine Reihe salzburgischer Orte erzählt wird.
-
-
-143. _Sottisier_, Nr. 43; Serbisch, S. 162 ff.
-
-
-144. _Sottisier_, Nr. 44; Nouri, S. 77 ff.; Kroatisch, S. 76 ff.
-
-
-145. _Sottisier_, Nr. 45.
-
-
-146. _Sottisier_, Nr. 46; Tewfik, Nr. 32 = _Tréfái_, Nr. 141 =
-Serbisch, S. 29 (an allen drei Stellen ist der Text verdorben);
-Griechisch, Nr. 23; Kroatisch, S. 12 ff.; Pann, S. 346 ff.
-
-Dieselbe Geschichte wird bei Gonzenbach, I, Nr. 37, S. 260 von Giufà
-erzählt; vgl. die Nachweise dazu von Köhler und Bolte in der _ZVV_, VI,
-S. 74.
-
-Vgl. weiter die 122. Facetie Arlottos und meine Noten dazu (II, S. 105
-ff. und 234 ff.).
-
-
-147. _Sottisier_, Nr. 49.
-
-
-148. _Sottisier_, Nr. 51.
-
-
-149. _Sottisier_, Nr. 52.
-
-
-150. _Sottisier_, Nr. 56.
-
-
-151. _Sottisier_, Nr. 60.
-
-
-152. _Sottisier_, Nr. 63. Für sich allein kommt der Schwank nur hier
-vor; in allen andern Darstellungen ist er mit Nr. 326 zusammengezogen:
-Dieterici, _Chrestomathie Ottomane_, Berlin, 1854, S. 31 ff.
-(_Fourberies_, S. 38 und 65); Ethé, S. 244; _Tréfái_, Nr. 137; Kunos
-bei Radloff, _Die Sprachen der türkischen Stämme_, Petersburg, 1866
-ff., VIII, S. XIX ff.; Mardrus, S. 107 ff.; Sachau, _Skizze des
-Fellichi-Dialekts_ von Mosul, S. 71 ff. (ebenfalls von Nasreddin).
-
-
-153. _Sottisier_, Nr. 66.
-
-
-154. _Sottisier_, Nr. 67; Buadem, Nr. 31; Serbisch S. 62; Kroatisch, S.
-37.
-
-
-155. _Sottisier_, Nr. 69.
-
-
-156. _Sottisier_, Nr. 70.
-
-Galland, S. 21.
-
-
-157. _Sottisier_, Nr. 71; Serbisch, S. 157 ff. (wirklich von Nasreddin).
-
-_Fourberies_, S. 3 und 39 ff. die Geschichte steht auch in dem
-_Thamarat al aurak_ von ibn Hidschdscha († 1434)[120].
-
-
-158. _Sottisier_, Nr. 72; Buadem, Nr. 17; Serbisch, S. 57; Kroatisch,
-S. 33 ff.
-
-Köhler, I, S. 506; _Fourberies_, S. 40.
-
-Vgl. weiter Köhler, II, S. 633 ff., Bebel, I, S. 177 und Papini, _La
-leggenda di Dante_, S. 84 ff. Zu den an diesen Stellen gegebenen
-Parallelen kommen noch: Kuka, S. 179; _Facetie, motti, buffonerie, et
-burle del Piovano Arlotto, del Gonnella et del Barlacchia_, Firenze,
-1565, S. 129 ff. (von Barlacchia); danach französisch G. Chappuis,
-_Les Facétieuses Iournées_, Paris, 1584, i. V, n. 9, Bl. 154^a ff.;
-Garzoni, _La piazza universale di tutte le professioni del mondo_ (1.
-Ausg. 1579), Venezia, 1616, S. 331; Sagredo, _L’Arcadia in Brenta_,
-S. 383 ff.; Garibay, _Cuentos_ in den _Sales españolas_, II, S. 52;
-Seb. Mey, _Fábulario_, Fáb. 56 (Menéndez y Pelayo, II, S. CIX ff.);
-Eyering, I, S. 85 ff.; Melander, _Joco-Seria_, deutsch, Lich, 1605, II,
-S. 423, Nr. 377 (nicht in den lateinischen Ausgaben); Lehmann, _Exilium
-melancholiae_, F, Nr. 31; Gerlach, _Eutrapeliae_, Leipzig, 1656, I, Nr.
-952; Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 626, Nr. 2982; _Jacke of
-Dovers Quest of Inquirie_ bei Hazlitt, II, S. 322 ff.; _Joe Miller’s
-Jests_, S. 17, Nr. 97.
-
-
-159. _Sottisier_, Nr. 74.
-
-
-160. _Sottisier_, Nr. 76; _Nawadir_, S. 46; Griechisch, S. 110;
-Serbisch, S. 125; Pann, S. 336 ff. Vgl. unten Nr. 394.
-
-_Fourberies_, S. 41; Horn, S. 70 (Zakani; die Erzählung aus dem
-_Mesnewi_ von Dschelaleddin Rumi [transl. by E. H. Whinfield, 2. ed.,
-London, 1898, S. 130], auf die Horn verweist, hat nur ganz allgemeine
-Beziehungen).
-
-Eine entfernte Ähnlichkeit hat eine Schnurre im _Nuzhat al udaba_, die
-bei Hammer, _Rosenöl_, II, Stuttgart, 1813, S. 302, Nr. 177 übersetzt
-ist; zu ihr stimmt einigermaßen die Geschichte von dem Pfarrer von
-Mößkirch, die nach der _Zimmerischen Chronik_, 2. Aufl., Freiburg i.
-B., 1881, II, S. 439 zu dem Sprichworte Anlaß gegeben hat: »Das walt
-Gott! sprach pfaff Petter, do stig er uf die magt.«
-
-
-161. _Sottisier_, Nr. 78; Buadem, Nr. 88; Serbisch, S. 82; Kroatisch,
-S. 51.
-
-Clouston, _Noodles_, S. 90.
-
-Gesteigert ist die Komik in folgender persischer Schnurre bei Kuka, S.
-157:
-
-A Syrian went to a carpenter’s workshop, and asked him to make a door
-for him. The carpenter wanted to know the length and breadth of the
-door, whereupon the Syrian went home, measured the breadth of his
-doorway with his extended arms, and, keeping the arms so outstretched,
-began to return to the carpenter. But on his way back he encountered
-a wag, who, by way of a practical joke, tripped him up, and laid him
-flat on his back, on the ground. Even then, the Syrian would not make
-use of his arms, but kept them extended, and being unable to rise in
-this position, went on abusing the man and requesting the passers-by to
-pick him up. When some one offered to raise him, he shouted out, »Don’t
-take hold of my arms or you would destroy the measurement of my door.
-Take me up by the beard.« So he was picked up in the way suggested by
-himself; and he went away quite a happy man at the thought, that in
-spite of all difficulties he had preserved the measurement of his door.
-
-Merkens, II, S. 13 ff., Nr. 14.
-
-
-162. _Sottisier_, Nr. 83.
-
-Merkwürdige Parallelen zu diesem Schwanke bieten im _Jacke of Dover_
-die Erzählung von dem _Foole of Nottingham_ (Hazlitt, II, S. 326 ff.)
-und die folgende aus _Archie Armstrong’s Banquet of Jests_, S. 184 ff.:
-
-A Gentleman walking somewhat late in the night, was taken by the Watch,
-and had before the Lanthorne; where they very strictly demanded who hee
-was, and whom hee served: he answered, that hee was, as they say, a
-man, and that hee served God. I, say you so, quoth the Constable, then
-carry him to the Counter, if hee serve no body else: yes sir: replied
-the Gentleman, I serve my Lord Chamberlaine. My Lord Chamberlaine?
-(saith the Constable) why did you not tell me so before? Marry, quoth
-the Gentleman, because I had thought, thou loved God better than my
-Lord Chamberlaine.
-
-
-163. _Sottisier_, Nr. 84; _Fourberies_, Nr. 39; vgl. auch Serbisch, S.
-110 ff.
-
-_Fourberies_, S. 42 ff.; Basset in der _RTP_, XI, S. 497 ff.
-
-Die Literatur über das Motiv von dem ~Kürbis~ etc. ~als Pferdeei~
-(Eselsei etc.) findet man zusammengestellt in Boltes Noten zu Freys
-_Gartengesellschaft_, S. 214 ff., im _Archiv für slavische Philologie_,
-XXII, S. 301 und 309 und XXIX, S. 452 und bei M. Böhm, _Lettische
-Schwänke_, Reval, 1911, S. 111; dazu noch Keller, _Schwaben_, S. 136
-ff. und Bronner, _Schelmen-Büchlein_, S. 113 ff. Über das Motiv von den
-~Luftschlössern~, das in der Erzählung des _Sottisier_ (nicht in der
-der _Fourberies_) den Schluß bildet, vgl. die von mir im _Euphorion_,
-XV, S. 7 ff. verzeichnete Literatur, hauptsächlich Bolte zu Wickram, S.
-391 und zu Montanus, S. 603 ff., ferner J. Hertel, _Tantrâkhyâyika_,
-Leipzig, 1909, II, S. 148 ff. und I, S. 140. Es kommt aber auch
-in einer Erzählung von Nasreddin selbständig vor, und zwar in der
-serbischen Ausgabe, S. 48, in einer eigentümlichen Variante:
-
-Eines Tages fand der Hodscha Nasreddin auf der Straße ein Hufeisen.
-Außer sich vor Freude, lief er nach Hause und sagte zu seiner Frau:
-»Schau nur, was ich gefunden habe! Dieses Hufeisen mußt du gut
-aufheben; bis ich noch dreie gefunden habe, dann kaufe ich ein Pferd
-und dann reisen wir miteinander nach Mekka.«
-
-»Ja,« antwortete die Frau, »und auf der Rückreise besuchen wir meine
-Eltern.«
-
-»Du hast wirklich kein Herz,« fiel ihr Nasreddin ins Wort; »du willst
-wohl das Pferd nicht ein bißchen verschnaufen lassen!«
-
-
-164. _Sottisier_, Nr. 85.
-
-Vgl. Behrnauer, _Die vierzig Veziere_, Leipzig, 1851, S. 233 ff.
-
-
-165. _Sottisier_, Nr. 86.
-
-~Löcher mit Speise verschmieren~: s. unten Nr. 444.
-
-~Spiegelbild verkannt~: s. unten Nr. 311.
-
-
-166. _Sottisier_, Nr. 87.
-
-Vgl. Domenichi, _Facetie_, 1548, Bl. C_{4}^b (1562, S. 138, 1581, S.
-171):
-
-Dicendosi da alcuni Sanesi, che in vn certo caso occorso i Fiorentini
-haueuano perduto il ceruello, disse Cosmo: E’ non lo possono già
-perdere eßi. Forse voleua tassargli di non hauerlo mai hauuto.
-
-Ähnlich ist Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_, S. 35, Nr. 159.
-
-
-167. _Sottisier_, Nr. 88.
-
-Köhler, I, S. 506.
-
-Vgl. meine Nachweise zu Morlinis Nov. 32, S. 287 ff. und zu
-_Mönchslatein_, Nr. 13, S. 204; dazu noch: Carbone, _Facezie_, S. 59
-ff., Nr. 84; Casalicchio, C. I, d. 4, a. 5, S. 252 ff.; Pitrè, III, S.
-324 ff., Nr. 180; Crane, S. 287 ff.; G. Amalfi, _XII facezie e motti
-raccolti in Piano di Sorrento_, Nr. 9 im _Archivio_, XXI, S. 366 ff.;
-_Il medico e l’amalato_; Eyering, _Proverbiorum copia_, I, S. 42 ff.;
-Lehmann, _Exilium melancholiae_, S, Nr. 84, S. 398; Harsdörfer, _Ars
-apophtegmatica_, S. 99, Nr. 442; Merkens, III, S. 127 ff., Nr. 103;
-_Tales und Quicke Answeres_, Nr. 50 (Hazlitt, I, S. 65 ff.); _Archie
-Armstrong’s Banquet of Jests_, S. 95 (ebenso wie _Mönchslatein_, Nr.
-13 kombiniert mit dem unten Nr. 439 erwähnten Motive von der Heilung
-durch Lachen); Clouston, _Noodles_, S. 168 ff.; G. Georgeakis et Léon
-Pineau, _Le Folk-lore de Lesbos_, S. 131 ff.: _Les deux amis_.
-
-
-168. _Sottisier_, Nr. 89.
-
-
-169. _Sottisier_, Nr. 91.
-
-Der Schwank von dem ~Einfältigen, der den für einen gewissen Fall
-erhaltenen Befehl bei einem andern Anlaß, der ein andres Benehmen
-erfordern würde, buchstäblich befolgt~, existiert, auch auf Nasreddin
-übertragen, noch in einer deutlichern Form; wie Kúnos in der Einleitung
-zu _Naszreddin hodsa tréfái_ S. 26 bemerkt, hat nach tatarischen
-Quellen Iwanitzky ein »Reiseerlebnis« des Hodschas ins Russische
-übersetzt, und dieses folge hier nach dem ungarischen Texte:
-
-Es geschah einmal, daß Nasreddin auf seinen Wegen Totengräbern
-begegnete, und die begrüßte er mit dem Gruße: »Friede sei mit euch!«
-Die Totengräber prügelten ihn weidlich durch, weil er nicht so hätte
-grüßen sollen, sondern beide Hände erheben und für den Frieden der
-Toten bitten. Der Hodscha merkte sich das und ging weiter.
-
-Er traf eine Menge Leute, die singend und tanzend an ihm
-vorüberzogen. Kaum hatte er die bemerkt, so erhob er beide Hände
-und begann das Totengebet. Sie prügelten ihn ebenso, weil man eine
-Hochzeitsgesellschaft nicht mit diesem Gebete empfangen, sondern mit
-ihnen springen und tanzen solle. Auch das merkte sich der Hodscha.
-
-Auf seinen weitern Wegen begegnete er einem Jäger, der gerade einem
-Hasen auf der Spur war. Er begann zu springen und zu tanzen, und
-verscheuchte mit diesem Lärme den Hasen. Der Jäger fiel über ihn her
-und prügelte ihn mit dem Gewehrkolben durch, weil er nicht auf den
-Fußspitzen gegangen sei, bald geduckt und bald aufrecht. Auch das
-merkte er sich.
-
-Sein Weg führte ihn bei Hirten vorüber, die eine zahlreiche Schafherde
-vor sich hertrieben. Da duckte er sich bald, bald ging er aufrecht;
-darob erschraken die Schafe so, daß sie nach hundert Richtungen
-auseinanderliefen, und auch dafür mußte er büßen.
-
-Vgl. dazu Bebel, I. Buch, Nr. 26 und 27 samt den I, S. 128 gegebenen
-Nachweisungen, hauptsächlich Boltes Noten zu Frey, Nr. 1, a, S. 212
-ff., ferner _Archiv für slavische Philologie_, XXII, S. 309. Ähnliche
-Darstellungen, die wohl zu unterscheiden sind von denen, wo es sich
-einfach um dumme Streiche eines Sohnes oder Ehemannes handelt, sind
-noch: P. Sébillot, _Littérature orale de la Haute-Bretagne_, Paris,
-1881, S. 92 ff. und 102 ff., derselbe, _Littérature orale d’Auvergne_,
-Paris, 1898, S. 84 ff., Clouston, _Noodles_, S. 123 ff. (auch zum
-folgenden), Jacobs, _English Fairy Tales_, S. 152 ff.: _Lazy Jack_, und
-S. 249 und Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 52 ff., Nr. 32 und teilweise
-S. 54 ff., Nr. 33.
-
-Oft bezieht sich der mißverstandene Befehl auf die Worte der ~Ansprache
-oder die Begrüßung~, wie z. B. in dem von Pitrè III, S. 362 ff. als Nr.
-7 seiner Giufàgeschichten mitgeteilten Schwänke (Monnier, S. 13 ff.),
-zu dessen Anfange die unten als Nr. 435 gebrachte Hiohàerzählung eine
-Parallele bildet; dazu vergleiche Köhler, I, S. 87 ff. und 50, Boltes
-Noten zu Montanus, _Gartengesellschaft_, Nr. 50, S. 602, Rittershaus,
-S. 429 ff. und _Archiv für slavische Philologie_, XXII, S. 304 und
-309. An weitern Versionen seien angegeben Merkens, I, S. 124 ff., Nr.
-131, Wilhelm Busch, _Ut ôler Welt_, München, 1910, S. 35 ff., Nr. 16,
-L. Léger, _Recueil de contes populaires slaves_, Paris, 1882, S. 231
-ff., H. Carnoy, _Littérature orale de la Picardie_, Paris, 1883, S. 186
-ff., Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, III, S. 137 ff., Louis
-Dart, _De mal en pis »Comme Tribuet«, Conte Champenois_ in der _RTP_,
-XI, S. 321 ff., eine nordfranzösische Erzählung, _Jean l’innocent_,
-mitgeteilt von Ed. Edmond ebendort, XX, S. 94 ff., Denis Bressan,
-_Contes populaires de La Bresse_, Nr. 3, ebendort, XXIII, S. 350 ff.,
-Jacobs, _More English Fairy Tales_, London, 1894, S. 195 ff. und 242,
-ein japanischer Schwank, _Der dumme Tempo_, erzählt von Iguchi im
-_Globus_, 69, Nr. 3, abgedruckt bei Aug. Seidel, _Anthologie aus der
-asiatischen Volkslitteratur_, Weimar, 1898, S. 44 ff. und J. Hinton
-Knowles, _Folk-Tales of Kashmir_, London, 1888, S. 189 ff.
-
-
-170. _Sottisier_, Nr. 93.
-
-Ein ähnlicher Schwank aus Bosnien, ebenfalls von Nasreddin, wird in
-der _Anthropophyteia_, IV, S. 385 ff. erzählt; eine Parallele dazu,
-aber nicht von Nasreddin, steht bei Roda Roda, S. 40 ff. Eine andere
-Version, deren Anfang an den von Nr. 262 erinnert, steht in der
-serbischen Ausgabe, S. 182 ff.:
-
-Einmal ging der Hodscha Nasreddin mit dem Sultan auf die Jagd; alle
-hatten Falken mit, nur Nasreddin eine Krähe. Im Felde angelangt, ließen
-alle ihre Falken steigen, und auch Nasreddin ließ seine Krähe aus.
-Die ging auf einen Stier nieder, und den band Nasreddin sofort an den
-Hörnern an und führte ihn mit sich, als ob der Stier jetzt ihm gehören
-würde, weil ihn seine Krähe erjagt habe. Aber der Besitzer wollte ihm
-den Stier nicht lassen; obwohl ihm der Sultan selber sagte, daß er ihn
-ihm lassen solle, ging er zum Kadi und klagte wider Nasreddin.
-
-Als Nasreddin davon hörte, lief er schnell zum Kadi und versprach ihm
-ein Geschenk, wenn ihm der Stier nach seinem Spruche zufalle. Der Kadi
-sagte es zu, und als beide Streitteile vor Gericht kamen, der Besitzer
-sowohl, als auch der Hodscha Nasreddin, sagte er: »Die Krähe des
-Hodschas hat den Stier erjagt, und was einer erjagt, das ist sein«; und
-damit ließ er den Besitzer des Stiers hinauswerfen.
-
-Am nächsten Tage nahm der Hodscha einen Topf und füllte ihn fast bis
-zum Rande mit Stiermist, darüber legte er ein Kohlblatt und auf dieses
-gab er ein wenig Butter; und diesen Topf schickte er dem Kadi als
-Geschenk. Der Kadi kam des Nachts nach Hause und sagte, weil er gerade
-Lust auf Butter hatte, seiner Frau, sie solle ihm den Topf bringen.
-Die Frau brachte ihn und er nahm einen Löffel, fuhr damit in die Mitte
-hinein und kostete. Aber er riß den Löffel sofort wieder aus dem Munde
-und rief: »Pfui Teufel!« Dann sah er nach, was es sei. Er ärgerte sich
-grimmig und ließ Nasreddin rufen; und er sagte voller Zorn zu ihm:
-»Womit hast du mich gefüttert, du niederträchtiger Kerl?« »Du hast dich
-selber gefüttert, erhabener Kadi,« antwortete der Hodscha; »aus dem
-Topfe hast du schon gegessen, als du das Urteil gesprochen hast. Wie
-könnte denn eine Krähe einen Stier erjagen?« Und damit ging er.
-
-
-171. _Sottisier_, Nr. 94; Serbisch, S. 25 ff.; Pann, S. 332.
-
-Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 47 ff.
-
-
-172. _Sottisier_, Nr. 95; Serbisch, S. 149 ff.
-
-Ebenso Gladwin, _Persian Moonshee_, II, S. 19 ff., Nr. 50 und Krauss,
-_Zigeunerhumor_, S. 48 ff.; sehr nahe stehn auch die Novellen 3 und 4
-in Arientis _Porrettane_, zit. Ausg., Bl. 8^b ff. und 10^a ff. und der
-auf der einen beruhende Schwank in der _Arcadia in Brenta_, S. 170 ff.
-Vgl. auch Montanus, _Gartengesellschaft_, Nr. 19 (die Nachweise Boltes
-S. 597).
-
-
-173. _Sottisier_, Nr. 96; Serbisch, S. 40 (»Küß ihn zweimal; ich werde
-ihn halten, damit er nicht ausreißen kann«).
-
-Vgl. eine Stelle im _Kitab al ikd al farid_ von Abdirabbihi, die Basset
-in der _RTP_, XVII, S. 94 übersetzt hat; dort ist die Anspielung auf
-den 49. Vers der 5. Sure des Korans deutlicher ausgedrückt.
-
-
-174. _Sottisier_, Nr. 98.
-
-
-175. _Sottisier_, Nr. 101; Serbisch, S. 180 ff. (Schluß geändert).
-
-
-176. _Sottisier_, Nr. 103.
-
-
-177. _Sottisier_, Nr. 105; vgl. oben Nr. 16.
-
-
-178. _Sottisier_, Nr. 107.
-
-
-179. _Sottisier_, Nr. 109.
-
-Es gibt eine große Zahl Geschichten von Nasreddin, die alle denselben
-Eingang, aber eine verschiedene Pointe haben: Tewfik, Nr. 56 (=
-_Tréfái_, Nr. 165 [statt 166] und Serbisch, S. 21), Nouri, S. 163 ff.
-(= Kroatisch, S. 74 ff.) und Serbisch, S. 45; die beste ist jedoch die
-folgende (Serbisch, S. 127):
-
-Eines Tages hatte der Hodscha Nasreddin so viel getrunken, daß er sich
-nicht mehr auf den Beinen halten konnte, und er schlief ein. Als er
-ganz matt erwachte, wollte er vors Haus gehn, konnte aber die Treppe
-nicht finden und fiel in ein Loch; dort blieb er liegen. Sein Weib kam
-gelaufen und fragte ihn, ob er noch lebe; er antwortete: »Laß mir die
-Popin rufen.«
-
-Sie meinte, er sei nicht recht bei Sinnen, und lief um einen Arzt. Als
-der Arzt kam, ließ ihn sich der Hodscha gar nicht nahe kommen, sondern
-fragte ihn, kaum daß er ihn sah: »Bist du schon jemals über eine Treppe
-gefallen?«
-
-»Noch nie,« antwortete der Arzt.
-
-»Dann kannst du mir auch nicht helfen,« sagte Nasreddin; »geh zum
-Teufel! Und du, Weib, laß mir sofort die Popin rufen; die hat ihren
-Popen schon öfter von dieser Krankheit geheilt.«
-
-
-180. _Sottisier_, Nr. 110; anders Tewfik, Nr. 29, _Tréfái_, Nr. 153
-(statt 154) und Serbisch, S. 35.
-
-
-181. _Sottisier_, Nr. 113.
-
-
-182. _Sottisier_, Nr. 114.
-
-_Fourberies_, S. 46.
-
-
-183. _Sottisier_, Nr. 115.
-
-
-184. _Sottisier_, Nr. 116.
-
-
-185. _Sottisier_, Nr. 117.
-
-
-186. _Sottisier_, Nr. 119.
-
-
-187. _Sottisier_, Nr. 120.
-Galland, S. 15 ff.
-
-
-188. _Sottisier_, Nr. 121.
-
-_Fourberies_, S. 46 und 186.
-
-Ähnliche Geschichten stehn bei Sachau, _Fellichi-Dialekt von Mosul_,
-S. 67 und bei Lidzbarski, _Neu-aramäische Handschriften_, S. 152 ff.
-Lidzbarski weist u. a. eine Parallele bei ibn Arabschah, _Fakihat al
-hulafa_ nach; vgl. dazu Chauvin, II, S. 204 ff. und 214. Eine Version
-aus al Abschihi, _Mustatraf_[121] hat Basset in der _RTP_, XIII, S. 483
-übersetzt. Siehe ferner Chauvin, V, S. 160, Note und Kuka, S. 162, Nr.
-31.
-
-
-189. _Sottisier_, Nr. 122.
-
-
-190. _Sottisier_, Nr. 123.
-
-Köhler, I, S. 506 ff.; _Fourberies_, S. 47.
-
-Eine ältere[122] Version dieser Erzählung steht in dem _Latifeh nameh_
-des 1531 verstorbenen Türken Lamii; sie ist bei Cardonne, _Melanges de
-Littérature Orientale_, Paris, 1770, II, S. 82 übersetzt (_Versuche
-der Orientalischen Litteratur_, Breslau, 1771, S. 222 ff.). Eine noch
-ältere ist uns in der 65. Facetie Arlottos (I, S. 151 ff. und 221 ff.)
-bekannt. Hans Sachs hat den Stoff zweimal behandelt: am 5. Mai 1550 als
-Meistergesang _Der schneider mit dem paner_, dann am 21. Juli 1563, mit
-einer andern Erzählung verbunden, als Spruchgedicht Der _schneider mit
-dem panier_ (Schwänke, V, S. 74 ff. und II, S. 472 ff.); die jüngere
-Fassung ist breiter ausgeführt als die ältere.
-
-A. L. Stiefel hat in den _Hans Sachs-Forschungen_, Nürnberg, 1894, S.
-80 ff. als Quelle Hans Sachsens die Facetie Arlottos bezeichnet; dies
-wohl nur in Unkenntnis der Abhandlung Cloustons _The Tailor’s Dream_
-in den _Popular Tales and Fictions_, II, S. 79 ff. Dort wird nämlich
-unter anderm die humoristische Schilderung eines Turniers zwischen
-einem Schneider und einem Schuster angeführt, die den 1520 verstorbenen
-schottischen Dichter William Dunbar zum Verfasser hat; und das Banner
-des Schneiders wird also beschrieben:
-
- His banner borne was him before,
- Wherein were clouts a hunder score,
- Ilk ane of divers hue;
- And all stolen out of sundry webs; —
- For while the sea flood fills and ebbs,
- Tailyors will never be true.
-
-Wenn nun auch Clouston von der falschen Annahme ausgeht, die Facetien
-Arlottos seien erst 1520 zum ersten Male in Druck erschienen, so
-scheint mir doch das Resultat seines Schlusses richtig, daß nämlich
-die Verse Dunbars auf ein altes Mönchsexempel zurückgehn, und dies um
-so mehr, als wir bei der Untersuchung von Arlottos Quellen gesehn
-haben, daß bei Arlotto eine ganze Reihe von Predigtmärlein bearbeitet
-ist. Dieses Märlein kann dann auch in letzter Instanz die Quelle Hans
-Sachsens gewesen sein, und diese Lösung ist sicherlich befriedigender
-als die Annahme Stiefels, wonach Hans Sachs an der Facetie Arlottos
-ziemlich viel geändert haben müßte.
-
-Ein Gedicht von John Harrington († 1612), _Of a Precise Tailor_ ist aus
-_The most Elegant and Wittie Epigrams_, London, 1633 bei Ashton, S. 32
-ff. und Clouston, a. a. O., S. 80 ff. abgedruckt. Weitere Nachweise
-geben Bolte bei Frey, S. 256, Note und Chauvin, III, S. 38; einige
-stehn auch bei Hans Sachs, V, S. 74. Eine moderne italiänische Version
-findet sich bei J. Nieri, _Racconti popolari lucchesi_, Castelnuovo di
-Garfagnana, 1891, S. 157 ff., Nr. 43; _Patron Bandiera_.
-
-
-191. _Sottisier_, Nr. 124.
-
-
-192. _Sottisier_, Nr. 125; Mardrus, S. 107.
-
-
-193. _Sottisier_, Nr. 126.
-
-Köhler, I, S. 506; _Fourberies_, S. 47.
-
-Die Geschichte ist so ziemlich identisch mit der 132. Facetie Poggios:
-_De Judaeo mortuo assumpto ignoranter in cibum per Florentinum_,
-die Seb. Brant in _Esopi appologi_, Basileae, 1501, Bl. D_{6}^b ff.
-bearbeitet hat; vgl. dazu Hans Sachs, _Schwänke_, II, S. 540 ff. (auch
-S. XXIII und IV, S. 493 ff.) Fast ebenso wie im _Sottisier_ wird im
-_Nuzhat al udaba_ (Basset in der _RTP_, XV, S. 671) erzählt.
-
-
-194. _Sottisier_, Nr. 127.
-
-
-195. _Sottisier_, Nr. 128; Mardrus, S. 104 ff.
-
-
-196. _Sottisier_, Nr. 130.
-
-
-197. _Sottisier_, Nr. 131.
-
-Im _Nuzhat al udaba_ findet sich folgende Schnurre (Basset in der
-_RTP_, XV, S. 286):
-
-Man erzählt von einem Manne, der sich für einen Propheten ausgab;
-zu dem sagte einer seiner Freunde, der einäugig war: »Was ist das
-Zeichen deines Prophetentums? was sind deine Wunder?« »Mein Wunder
-ist dieses: du bist einäugig; ich will dir auf der Stelle das gesunde
-Auge herausnehmen und den Herrn bitten, auf daß du sehest.« Der andere
-antwortete: »Ich glaube, daß du ein Prophet bist.«
-
-Al Abschihi erzählt im _Mustatraf_ (Basset in der _RTP_, XIII, S. 490
-ff.):
-
-Zur Zeit al Mamuns[123] gab sich ein Mann für einen Propheten aus,
-und zwar wollte er Abraham sein, der Freund Gottes. Der Chalif sagte
-zu ihm: »Abraham hat Wunder und Zeichen getan.« »Was für Zeichen?«
-»Man zündete ein Feuer an für ihn, und sie warfen ihn hinein; aber die
-Flamme ward ihm eine Kühlung und eine Segnung[124]: wir wollen für
-dich einen Scheiterhaufen anzünden und dich hineinstürzen; wenn es
-dir so geht wie ihm, werden wir an dich glauben.« »Ich möchte lieber
-etwas leichteres.« »Die Zeichen von Moses?« »Was sind das für Zeichen?«
-»Er warf seinen Stab hin, und der wurde zur Schlange[125], er schlug
-das Meer, und es teilte sich[126], und er steckte seine Hand in den
-Busen, und sie war weiß[127].« »Das ist noch schwerer für mich als das
-erste Zeichen.« »Die Zeichen von Jesus?« »Was sind die?« »Die Toten zu
-erwecken[128].« »Du sagst das richtige: ich will dem Kadi Jachja ibn
-Aktani den Kopf abschlagen und werde ihn dir im Augenblicke wieder zum
-Leben erwecken.« Da schrie der Kadi: »Ich bin der erste, der an dich
-glaubt.«
-
-Als älteste Version zitiert aber Basset an der zuletzt genannten Stelle
-das _Kitab al ikd al farid_ von Abdirabbihi. Andere Parallelen stehn
-bei Clouston, _Flowers_, S. 35 ff. (Saadi), Gladwin, _The Persian
-Moonshee_, II, S. 16, Nr. 37 und Galland, S. 20; vgl. auch zu der
-Erzählung Abschihis Roda Roda, S. 40.
-
-
-198. _Sottisier_, Nr. 132.
-
-
-199. _Sottisier_, Nr. 133.
-
-
-200. _Sottisier_, Nr. 134.
-
-Vgl. die 51. Facetie Arlottos (I, S. 130 ff.).
-
-
-201. _Sottisier_, Nr. 135.
-
-Von dieser Geschichte gilt wohl dasselbe, was Bolte bei Hans Sachs,
-III, S. XI von dem Meistergesange _Die leren geltseck_ (ebendort, S.
-369 ff.) sagt, daß sie nämlich in letzter Instanz auf die 412. Fabel
-Aesops: Φιλάργυρος zurückgeht; vgl. dazu noch _Aesopi Phrygis et aliorum
-fabulae_, Venetiis, 1539, Bl. 97^a: _Auarus_, Camerarius, _Fabulae
-aesopicae_, Lipsiae, 1570, S. 106: _Avarus_, schließlich auch die 194.
-Novelle Sacchettis und weiter Clouston, _Popular Tales und Fictions_,
-I, S. 61 ff.
-
-
-202. _Sottisier_, Nr. 136.
-
-
-203. _Sottisier_, Nr. 137. Anders: Buadem, Nr. 44; Serbisch, S. 65 ff.;
-Kroatisch, S. 40.
-
-Galland, S. 24 ff.
-
-
-204. _Sottisier_, Nr. 138; Buadem, Nr. 74; Serbisch, S. 77; Kroatisch,
-S. 48.
-
-Die Geschichte findet sich schon in Dschamis _Bäharistan_ (_Der
-Frühlingsgarten_ von Mewlana Abdurrhaman Dschami. Aus dem Persischen
-übertragen von O. M. Frh. v. Schlechta-Wssehrd, Wien, 1846, S. 86
-ff.); danach steht sie bei Cardonne, I, S. 119 (deutsch, S. 69). Auf
-derselben Quelle beruht wohl auch Gladwin, _The Persian Moonshee_, S.
-18, Nr. 40.
-
-
-205. _Sottisier_, Nr. 139.
-
-
-206. _Sottisier_, Nr. 140.
-
-Vgl. die 105. Facetie Arlottos (II, S. 75).
-
-
-207. _Sottisier_, Nr. 141.
-
-
-208. _Sottisier_, Nr. 142.
-
-
-209. _Sottisier_, Nr. 143. Vgl. dazu Tewfik, Nr. 2; _Tréfái_, Nr. 147;
-Griechisch, Nr. 159; Serbisch, S. 46.
-
-210. _Sottisier_, Nr. 144.
-
-
-211. _Sottisier_, Nr. 146. Mit Nasreddin als traurigem Helden: Nouri,
-S. 181 ff.; Serbisch, S. 147 ff.; Kroatisch, S. 181 ff.
-
-Zu der Version des _Sottisier_ stimmt die dritte der drei Geschichten,
-die Julien Dumoret aus einem türkischen Buche: »_Nasser eddin
-khodjah_«, für dessen Verfasser er Nasreddin hält, im _Journal
-asiatique_, XIII, S. 488 übersetzt hat[129]; während der Eingang
-verschieden ist, sind die drei Ratschläge des Geistlichen und der des
-Trägers so wie im _Sottisier_. Anders ist der dritte Rat des Geizhalses
-(»Wenn dir einer sagt, es gebe noch einen Lastträger, der dümmer wäre
-als du, so glaube es nicht«) in einer Erzählung des _Hadikat al afrah_
-von asch Schirwani, die Basset in der _RTP_, XIV, S. 216 übersetzt
-hat; diese wieder ist fast identisch mit der 485. der _Laughable
-Stories_ von Bar-Hebraeus (Budge, S. 126 ff.), die die älteste Fassung
-darstellen dürfte. Ihr stehn die drei obengenannten Versionen, deren
-Held Nasreddin ist, und eine persische Geschichte bei Kuka, S. 167 ff.
-sehr nahe. Deutsch ist der Schwank bearbeitet von Roda Roda, S. 212 ff.
-
-Entfernter stehn ein Schwank bei Clouston, _Flowers_, S. 105 ff. und
-das 43. Kapitel im _Wegkürzer_ von Montanus; vgl. Boltes Nachweisungen
-S. 581 und Chauvin, VIII, S. 139 (Parodien zu Nr. 136).
-
-
-212. _Sottisier_, Nr. 147.
-
-
-213. _Sottisier_, Nr. 148.
-
-Köhler, I, S. 507; _Fourberies_, S. 49.
-
-S. Arlotto, II, S. 64 ff. und 226 ff.
-
-214. _Sottisier_, Nr. 149.
-
-Galland, S. 22.
-
-
-215. _Sottisier_, Nr. 150.
-
-
-216. _Sottisier_, Nr. 151; Tewfik, Nr. 16; Kroatisch, S. 7 ff.
-
-Horn, S. 69 (Zakani); _Tréfái_, S. 19.
-
-
-217. _Sottisier_, Nr. 152.
-
-Galland, S. 26 ff.; Hammer, _Rosenöl_, II, S. 78 ff., Nr. 44; Clouston,
-_Flowers_, S. 109 ff.; Roda Roda, S. 214 ff.
-
-
-218. _Sottisier_, Nr. 153; Tewfik, Nr. 20; _Tréfái_, Nr. 151; Serbisch,
-S. 35.
-
-
-219. _Sottisier_, Nr. 154.
-
-_Fourberies_, S. 50; zu den dortigen Nachweisungen zu dem Motive von
-dem ~Dämon (Menschen) als Reittier~ noch Chauvin, VII, S. 23 ff.
-
-
-220. _Sottisier_, Nr. 155.
-
-
-221. _Sottisier_, Nr. 156.
-
-
-222. _Sottisier_, Nr. 157.
-
-Vgl. zu diesem Schwanke den folgenden, den J. F. Campbell in den
-_Popular Tales of the West Highlands_, II, S. 398 erzählt:
-
-He (the Assynt man) once took his child to be baptized; the minister
-said he doubted if he were fit to hold the child for baptism.
-
-»Oh, to be sure I am, thought it was as heavy as a stirk.«
-
-This answer shewing little wit, the minister asked him how many
-commandments there were.
-
-»Twenty,« he said boldly.
-
-»Oh, that will never do; go back and learn your questions« (Shorter
-Catechism).
-
-Half way home he met a man.
-
-»How many commandments will there be? There must be thirty, for the
-minister was not content with twenty.«
-
-He was set to rights on this point, and turning back (it was winter),
-he thought the clergyman would not refuse him this time etc. etc.
-
-Eine weitere Parallele steht bei Ilg, II, S. 91 ff., Nr. 131.
-
-
-223. _Sottisier_, Nr. 158.
-
-
-224. _Sottisier_, Nr. 159.
-
-
-225. _Sottisier_, Nr. 160.
-
-
-226. _Sottisier_, Nr. 161.
-
-
-227. _Sottisier_, Nr. 162.
-
-Galland, S. 14.
-
-
-228. _Sottisier_, Nr. 164.
-
-
-229. _Sottisier_, Nr. 165; Buadem, Nr. 5; Serbisch, S. 53; Kroatisch,
-S. 31.
-
-Eine hübsche Parallele zu dieser Schnurre steht in Mendozas _Lazarillo
-de Tormes_, trat. III (_Biblioteca des autores españoles_, III, S. 86
-ff.):
-
-O señor, dije yo, acuda aquí, que nos traen un muerto. ¿Cómo asi?
-respondió él. Aqui arriba le encontré, y venia diciendo su mujer:
-marido y señor mio, ¿adónde os llevan? ¿A la casa lóbrega y oscura? á
-la casa triste y desdichada? á la casa donde nunca comen ni beben? Acá,
-señor nos le traen.
-
-Auf dem _Lazarillo_ beruht Casalicchio, c. I, d. 9, a. 2, S. 161 ff.
-und vielleicht auch in letzter Instanz die sizilianische Volkserzählung
-_Lu Cavaleri Assicca-frittuli_ im _Archivio_, III, S. 93 ff. Näher der
-Fassung im _Sottisier_ steht der 49. Schwank bei Swynnerton, S. 300.
-
-Eine entferntere Variante bieten Zincgref-Weidner, II, S. 53 und das
-_Exilium melancholiae_, A, Nr. 48, S. 15:
-
-Ein armer Bürger zu Elverfeld, mit Kindern beladen, ward gefragt,
-wie es in seinem Hauß stünde? gab seine Armuth durch diese höffliche
-Antwort verblümter weise zu verstehen: Es gienge wie im Himmel.
-Gefragt: Wie so? Antwortet er: Im Himmel isset und trinckt man nicht.
-
-230. _Sottisier_, Nr. 166.
-
-
-231. _Sottisier_, Nr. 167.
-
-Ein Gegenstück dazu stellt die 105. Facetie im _Philogelos_, S. 26 dar:
-
-Φιλάργυρος ἐρωτώμενος διὰ τί ἄλλο οὐδὲν εἰ μὴ μόνον ἐλαίας ἐσθίει, ἔπη·
-ἵνα τὸ μὲν ἔξωθεν ἀντὶ ὄψου ἔχω, τὸ δὲ ὀστοῦν ἀντὶ ξύλου· φαγὼν δέ, εἰς
-τὴν ἑαυτοῦ κεφαλὴν σπογγισάμενος, λουτροῦ οὐκ ἐπιδέομαι.
-
-
-232. _Sottisier_, Nr. 168.
-
-Zu dem Motive von dem ~Bettler bei dem Gatten seiner ehemaligen Frau~
-ist die Literatur zusammengestellt von Basset, _Zenatia_, S. 107 ff.
-und _RTP_, XXII, S. 221 ff. und von Chauvin, II, S. 174, Nr. 16 und
-VIII, S. 180, Nr. 212.
-
-
-233. _Sottisier_, Nr. 169.
-
-Galland, S. 29 ff.
-
-
-234. _Sottisier_, Nr. 170.
-
-Galland, S. 191; _Fourberies_, S. 52.
-
-Nick, I, S. 152; Roda Roda, S. 70 (verdorben).
-
-
-235. _Sottisier_, Nr. 172.
-
-
-236. _Sottisier_, Nr. 173; Pharaon, S. 177 ff.
-
-Eine ausführliche Studie hat dem Stoffe Köhler (II, S. 594 ff.)
-gewidmet; dazu vgl. meine Nachträge bei Morlini, S. 309 und
-Rittershaus, S. 366 ff.
-
-
-237. _Sottisier_, Nr. 174; Tewfik, Nr. 61; Nouri, S. 85 ff.;
-Griechisch, Nr. 2; Serbisch, S. 117 ff. und 16 ff.; Kroatisch, S. 19 ff.
-
-Köhler, I, S. 507; _Fourberies_, S. 52 ff.
-
-Über das Motiv der ~Schweigwette~ handelt ein Aufsatz von Clouston,
-_The silent couple_, in den _Popular Tales und Fictions_, II, S. 15
-ff.; Clouston betrachtet als Quelle der unzähligen, diesen Stoff
-behandelnden Geschichten eine tamulische Erzählung, die französisch bei
-J. A. Dubois, _La Pantcha-tantra_ etc., Paris, 1826, S. 363 ff. steht
-und von der er im _Book of Noodles_, S. 171 ff. eine Übertragung gibt.
-Der Inhalt ist, soweit er uns hier angeht, kurz der: ~Vier~ Brahmanen
-werden auf der Landstraße von einem Soldaten gegrüßt. Es entspinnt sich
-ein Streit unter ihnen, wem von ihnen eigentlich der Gruß gegolten
-habe, und schließlich laufen sie dem Soldaten nach, um ihn darüber zu
-befragen; der Soldat antwortet ihnen, sein Gruß gehöre dem größten
-Narren unter ihnen. Nun beschließen sie, diese neuerliche Frage, wer
-nämlich von ihnen der größte Narr sei, dem Gerichte von Dharmapuri
-vorzulegen, und dieses trägt ihnen zur leichtern Entscheidung auf, daß
-jeder ein bemerkenswertes Erlebnis erzähle, um seinen Anspruch auf die
-Würde des größten Narren zu rechtfertigen. Der dritte Brahmane erzählt
-dann die Geschichte, wie er mit seinem Weibe gewettet habe, wer es am
-längsten aushalten werde, zu schweigen usw.
-
-Eine merkwürdige Übereinstimmung mit der Geschichte der vier Brahmanen
-bieten zwei süditaliänische Überlieferungen, wo sich ~drei~ Dummköpfe
-streiten, wem von ihnen ein Gruß zukomme: die eine stammt aus
-Neapel und ist von V. della Scala im I. Jahrgange des _Giambattista
-Basile_ unter dem Titel _’O cunto d’ ’o soluto d’ ’e tre cafune_
-veröffentlicht, die andere steht als Nr. 6 unter den von G. Amalfi
-gesammelten _XII facezie e motti raccolti in Piano di Sorrento_ im
-_Archivio_, XXI, S. 360 ff.[130]; in beiden Fällen entspricht die
-Erzählung des dritten Bewerbers um den Dummheitspreis der des dritten
-Brahmanen[131]. An die Stelle des fiktiven Gutes, des Grußes, tritt
-in der 1. Novelle der 8. Nacht in Straparolas _Piacevoli notti_ ein
-wirkliches und zwar ein Kleinod, das von drei Findern dem gehören
-soll, der der faulste ist; die Erzählung des dritten bringt dann die
-Schweigwette.
-
-Obwohl das Motiv von dem ~Wettstreite der drei Faulen~ ungeheuer
-verbreitet ist[132], kommt doch die Schweigwette in den bekannten
-Versionen nirgends sonst vor als bei Straparola; in der Form einer
-selbständigen Erzählung begegnet sie jedoch außerordentlich häufig.
-Siehe darüber Pitrè, III, S. 326 ff. und IV, S. 443, Crane, S. 284 ff.
-und 378, Clouston, _Noodles_, S. 107 ff., Landes, _Contes et légendes
-annamites_, S. 317, Rua a. a. O., Basset in der _RTP_, XII, S. 412 und
-XV, S. 283 ff., Amalfi a. a. O., Bolte, _Das Danziger Theater im 16.
-und 17. Jahrhundert_, Hamburg, 1895, S. 226 ff., Köhler, II, S. 576
-ff., Lidzbarski, S. 179 und 184, dazu Bolte in der _Z. f. vgl. Littg._,
-N. F., XIII, S. 234, Brie, _Eulenspiegel in England_, Berlin, 1903, S.
-118, Chauvin, VIII, S. 132 und Dähnhardt, _Natursagen_, Leipzig, 1907
-ff., I, S. 233 ff.
-
-
-238. _Sottisier_, Nr. 176.
-
-Vgl. die bei Bolte zu Montanus, S. 578 ff. und bei G. Rua, _Novelle del
-»Mambriano« del Cieco da Ferrara_, Torino, 1888, S. 56 ff. angegebenen
-Schwänke, die ein deutliches Bild geben, wie beliebt derartige
-Erzählungen bei unsern Altvordern waren. Zu der 39. Novelle im _Grand
-parangon des nouvelles nouvelles_ von Nicolas de Troyes, Paris,
-1869, S. 148 ff.: _D’une fille qui ne vouloit point avoir de mary
-qui eust genitoires_, die Rua zitiert, wäre auf das Gedicht _Von dem
-striegelein_ in den von A. v. Keller herausgegebenen _Erzählungen aus
-altdeutschen Handschriften_, Stuttgart, 1855, S. 412 ff. zu verweisen
-gewesen.
-
-Zu der in Diarbekr üblichen Redewendung vgl. folgende Stelle in der
-103. Facetie Poggios, zu der die harmlose Erklärung des Sprichworts
-_Alla barba_ bei Seb. Pauli, S. 268 ff. nicht recht stimmen will:
-Est communis loquendi modus, cum quis ventris crepitum edidit, ut
-circumstantes: _Ad barbam ejus, qui nihil cuiquam debet_, dicant.
-
-
-239. _Sottisier_, Nr. 177.
-
-
-240. _Sottisier_, Nr. 178; Buadem, Nr. 94; Kuka, S. 213 ff.; Serbisch,
-S. 84 ff.; Kroatisch, S. 57.
-
-Eine Variante steht in der serbischen Ausgabe S. 47 ff.:
-
-Einmal wollte der Hodscha Nasreddin einen kleinen Tümpel überspringen.
-Er nahm einen Anlauf und sprang, kam aber nicht hinüber, sondern fiel
-mitten in den Tümpel. »O Jugend, schon bist du vorüber!« seufzte er und
-sah sich um. Und als er bemerkte, daß niemand in der Nähe war, fuhr
-er fort: Ȇbrigens habe ich auch in meiner Jugend nie besonders gut
-springen können.«
-
-
-241. _Sottisier_, Nr. 179.
-
-
-242. _Sottisier_, Nr. 180; Mardrus, S. 110. Vgl. auch oben Nr. 3.
-
-
-243. _Sottisier_, Nr. 181; Mardrus, S. 110 ff.
-
-
-244. _Sottisier_, Nr. 182; Mardrus, S. 111 (bei der Übertragung
-benutzt).
-
-
-245. _Sottisier_, Nr. 183; Mardrus, S. 112 ff.
-
-
-246. _Sottisier_, Nr. 185.
-
-Dasselbe Motiv kehrt wieder bei Domenichi, 1562, S. 11 ff. (1581, S.
-14), im _Democritus ridens_, S. 220 ff. (Übersetzung nach Domenichi),
-in der _Arcadia in Brenta_, S. 114 ff. (wieder nach Domenichi) und in
-_Jacke of Dovers Quest of Inquirie_, bei Hazlitt, II, S. 342: _The
-Foole of Winchester_ (eine Bearbeitung des ersten Teils der Facetie
-Domenichis).
-
-
-247. _Sottisier_, Nr. 186.
-
-
-248. _Sottisier_, Nr. 187; Mardrus, S. 115 ff.
-
-
-249. _Sottisier_, Nr. 188.
-
-
-250. _Sottisier_, Nr. 189.
-
-_Fourberies_, S. 54.
-
-
-251. _Sottisier_, Nr. 192; Mardrus, S. 113 ff.
-
-
-252. _Sottisier_, Nr. 193.
-
-253. _Sottisier_, Nr. 194.
-
-
-254. _Sottisier_, Nr. 195.
-
-
-255. _Sottisier_, Nr. 197.
-
-
-256. _Sottisier_, Nr. 198; Mardrus, S. 114.
-
-
-257. _Sottisier_, Nr. 199.
-
-
-258. _Sottisier_, Nr. 200.
-
-
-259. _Sottisier_, Nr. 201. Vgl. oben Nr. 63.
-
-
-260. _Sottisier_, Nr. 202.
-
-
-261. _Sottisier_, Nr. 203; Pann, S. 339 ff. Vgl. auch Nr. 290.
-
-Köhler, I, S. 506; Gazeau, S. 199 ff.; _Fourberies_, S. 55.
-
-Die älteste Darstellung der Geschichte von dem ~vermeintlich verlorenen
-Esel~ bietet wohl Bar-Hebraeus, der (Budge, S. 145 ff., Nr. 569)
-folgendermaßen erzählt:
-
-Another simpleton, who was a servant, had ten asses which he hired to
-certain people, and when they came back to their places he took his
-asses and counted them, (and found them to be) ten. Then he mounted one
-of them and rode some distance and came back, and as he was going away
-he counted those that were before him, and found them (to be) nine; and
-he was angry, an alighted and counted them over again, and found them
-(to be) ten. And he mounted an ass again, and counted the others and
-found them (to be) nine; thereupon he dismounted and counted (them),
-and found them (to be) ten. Then he said, »Verily there is a devil with
-me, for whenever I mount an ass I lose one of them; therefore I must
-not ride lest I lose one altogether.«
-
-Die älteste abendländische Bearbeitung ist die 55. Facetie Poggios:
-_Fabula Mancini_, auf der wieder eine türkische des 16. Jahrhunderts
-beruht, nämlich die 97. der _Fables turques_, trad. p. J. A.
-Decourdemanche, Paris, 1882, S. 199 ff.: _Le muletier et sa femme_.
-Weiter gehören in diese Verzweigung: Brant, _Esopi appologi_, Bl.
-D_{2}^a ff.; Hans Sachs, IV, S. 70 ff.; Schumann, _Nachtbüchlein_, Nr.
-24 (mit Boltes Nachweisungen ebendort, S. 402 ff. und hinter _Freys
-Gartengesellschaft_, S. 282); Montanus, _Gartengesellschaft_, Nr. 70
-(Boltes Nachweise, S. 610 ff.); _Tales and Quicke Answeres_, Nr. 60
-bei Hazlitt, I, S. 80 ff.; Lehmann, _Exilium melancholiae_, E, Nr. 91,
-S. 127; _Das kurtzweilige Leben von Clement Marott_ (1. Ausg. 1660),
-o. O., 1663, S. 55 ff.; Prym und Socin, _Tûr ’Abdîn_, II, S. 183 ff.;
-Krauss, _Zigeunerhumor_, S. 202; Roda Roda, S. 209. Eine Anspielung
-auf die Geschichte bringt der Schluß des 5. Kap. im 11. Buche des _Don
-Quixote_.
-
-Nahe verwandt mit dieser Schnurre ist die, wo sich eine Gesellschaft
-von Einfaltspinseln, oft nachdem sie ein meistens wirkliches, manchmal
-auch nur eingebildetes Wasser durchwatet hat, zählt, ob noch alle da
-sind, und wo der ~Zählende stets sich selber mitzuzählen vergißt~; dazu
-vgl. das erste Abenteuer Guru Paramártans (Österley in der _Z. f. vgl.
-Littg._, I, S. 50 ff. und 55 ff.), das 10. Kapitel der _Mery Tales
-of the Mad Men of Gotham_ (Hazlitt, III, S. 12 ff. und Jacobs, _More
-English Fairy Tales_, S. 209 ff.), ferner Campbell, II, S. 391 ff., v.
-d. Hagen, _Narrenbuch_, S. 478 ff., Clouston, _Noodles_, S. 28 ff. und
-32 ff. und Swynnerton, S. 436 ff.
-
-Bisweilen wird die Zahl dadurch festgestellt, daß die Dummköpfe ihre
-Nasen in einen Sandhaufen stecken und dann diese Löcher zählen:
-Müllenhoff, S. 94 ff., Nr. 111 = Merkens, I, S. 54 ff., Nr. 70;
-Kopisch, _Histörchen von den Büsumern_ in den _Gesammelten Werken_,
-Berlin, 1856, I, S. 280; _Am Ur-Quell_, II, S. 192; Köhler, I, S.
-112 ff.; Böhm, _Lettische Schwänke_, Nr. 35, S. 58 ff., dazu S. 119.
-An die Stelle des Sandhaufens tritt ein Kuhfladen oder etwas noch
-unappetitlicheres bei Birlinger, _Volksthümliches aus Schwaben_,
-Freiburg, 1861 ff., I, S. 437 und 461 = Merkens, I, Nr. 7 und 16; De
-Colleville et de Zeppelin, _Légendes danoises_, Nr. 44 in der _RTP_,
-VIII, S. 388 ff.; L. Brueyre in einer Erzählung aus Languedoc in der
-_RTP_, I, S. 335; Ispirescu, S. 105 (_Magazin_, XCVI, S. 613); Ch.
-Beauquier, _Blason populaire de la Franche-Comté_ in der _RTP_, XI, S.
-650. Durch die Weglegung der Mützen geschieht die Zählung bei J. H.
-Knowles, _Folk-Tales of Kashmir_, S. 322 ff.
-
-Sehr nahe verwandt ist das Motiv von den ~verwechselten Füßen~,
-manchmal auch Armen: Waldis, _Esopus_, IV, Nr. 90, v. 50 ff.;
-_Zimmerische Chronik_, I, S. 315; _Lalenbuch_, Kap. 29, S. 118 ff.
-(v. d. Hagen, _Narrenbuch_, S. 163 ff.); Jacobs, _More Celtic Fairy
-Tales_, London, 1894, S. 104 ff.; Campbell, II, S. 391 ff. und 401 ff.;
-Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_, III, S. 136; Georgeakis et
-Pineau, _Le Folk-lore de Lesbos_, S. 116. Das aus den _Nugae doctae
-Gaudentii Jocosi_, Solisbaci, 1713, S. 66 in _Am Ur-Quell_, IV, S.
-181 abgedruckte Stück _Pedes baculo percussi_ ist wörtlich exzerpiert
-aus Melanders _Jocoseria_, I, Nr. 75: _De Fatuis quibusdam_ (Lichae,
-1604, S. 71; deutsche Ausgabe Lich, 1605, S. 48, Nr. 50), wo als
-Quelle angegeben wird: Musculus in _Explicatione Psalmi 9_, pag. 92;
-gemeint sind damit jedenfalls die _Enarrationes in totum Psalterium et
-in Esaiam_, die zuerst 1551 in Basel erschienen sind. Hieher gehört
-schließlich auch Rückerts Gedicht _Die Tanzfuhre_ (_Werke_, II, S.
-57). Vgl. weiter Boltes Nachweisungen zu Schumann, Nr. 8, S. 391
-und bei Frey, S. 279, ferner Keller, _Schwaben_, S. 144. Bei Knoop,
-_Volkssagen, Erzählungen_ usw. _aus dem östlichen Hinterpommern_,
-Posen, 1885, S. 47, Nr. 90 = Merkens, III, S. 33 ff., Nr. 49 ist in den
-Schwank auch das Motiv von der ~lebenden Kette~ verwoben; s. dazu oben
-S. 242.
-
-
-262. _Sottisier_, Nr. 204.
-
-Eine serbische Variante haben wir oben zu Nr. 170 mitgeteilt; eine
-andere, die weniger Interesse bietet, steht in der serbischen Ausgabe
-S. 156 ff.
-
-
-263. _Sottisier_, Nr. 205.
-
-Vgl. U. Jahn, _Schwänke und Schnurren aus Bauern Mund_, Berlin, 1890,
-S. 106 ff.
-
-
-264. _Sottisier_, Nr. 206; Mardrus, S. 117.
-
-_Anthropophyteia_, I, S. 94 ff.
-
-
-265. _Sottisier_, Nr. 207; Mardrus, S. 114. Außerdem steht die
-Schnurre zum Schlusse der Nr. 74 des Volksbuches, anstatt deren oben
-_Sottisier_, Nr. 244 wiedergegeben ist; ebenso _Tréfái_, Nr. 74 (und S.
-27 ff.) und Griechisch, Nr. 106.
-
-266. _Sottisier_, Nr. 208.
-
-
-267. _Sottisier_, Nr. 209.
-
-
-268. _Sottisier_, Nr. 210.
-
-
-269. _Sottisier_, Nr. 211.
-
-
-270. _Sottisier_, Nr. 212.
-
-
-271. _Sottisier_, Nr. 213.
-
-
-272. _Sottisier_, Nr. 214.
-
-
-273. _Sottisier_, Nr. 215.
-
-
-274. _Sottisier_, Nr. 216; Ethé, S. 250 ff.; Nouri, S. 29 ff.
-
-
-275. _Sottisier_, Nr. 217.
-
-
-276. _Sottisier_, Nr. 218; Mardrus, S. 115.
-
-Köhler, I, S. 506; _Fourberies_, S. 56 ff.
-
-Die Verbreitung dieses Schwankes ist so oft behandelt worden, daß es
-wohl überflüssig ist, hier noch einmal darauf einzugehn; bemerkt sei
-nur, daß er auch in Indien im Volksmunde lebt (Swynnerton, S. 273).
-
-
-277. _Sottisier_, Nr. 219; _Anthropophytheia_, V, S. 327 ff.[133]
-
-Dem Motive von dem ~Fleischverkaufe an die Hunde~ werden wir unten bei
-Nr. 412 noch einmal begegnen; festgestellt sei hier nur, daß es in der
-Form, die in diesem Schwanke vorliegt, eigentlich nur eine Variante
-zu dem unten zur Nr. 407 behandelten Motive ist. Ähnliches wird bei
-Haltrich, S. 226 ff. erzählt.
-
-Eigentümlich ist eine arabische Überlieferung aus Algier, die bei
-Pharaon, S. 174 ff. erzählt wird: ~Si Dscheha~ wird von seiner Mutter
-auf den Markt geschickt, um einen Hammel zu kaufen; er soll aber einen
-wählen, der nicht mehr gehn kann. Anstatt nun einen zu kaufen, bei
-dem das wegen seines Fetts zutrifft, bringt er einen heim, der vor
-Schwäche nicht mehr gehn kann. Dscheha schlachtet ihn und breitet die
-Fleischstücke auf einem Brette aus. Als es Nacht wird, ohne daß sich
-jemand um ihn und seine Ware gekümmert hätte, verkauft er sie an eine
-schwarze Hündin, der er sagt, er werde wegen der Bezahlung mit ihr zu
-ihrem Herrn gehn. Er verfolgt auch die Hündin und stürzt hinter ihr in
-ein Haus mit dem Rufe: »Gebt mir mein Geld!« Die Herrin dieses Hauses
-ist eben mit einem Nachbar mitten in einer galanten Unterhaltung, und
-dieser Nachbar wirft Si Dscheha, den er für einen Gläubiger der Dame
-hält, seine Börse zu. Kaum hat Dscheha das Geld genommen, als die
-schwarze Sklavin der Dame meldet, daß ihr Gatte heimkommt. Nun muß
-sich der Geliebte unten, Si Dscheha oben in dem Bette verstecken. Der
-Gatte teilt seiner Frau mit, daß er verreisen müsse, und sagt, die
-Hände zum Himmel erhebend: »Ich empfehle dich dem da oben.« Da hebt Si
-Dscheha den Vorhang und ruft: »Herr, ich habe mit deiner Frau nichts
-zu schaffen; empfiehl sie lieber dem unten: ich bin nur um mein Geld
-hergekommen.« Damit entflieht er in der allgemeinen Verwirrung.[134]
-
-Ganz auffallend stimmt mit dieser Geschichte die 30. Novelle Morlinis
-überein; ja sogar der Zug von dem Fleischverkaufe an einen Hund ist
-rudimentär erhalten. Den Übergang zu einer Erzählung in _Tausend und
-einer Nacht_ (übertragen von Henning, XXIII, S. 222 ff.) stellt die
-unten als Nr. 386 wiedergegebene Geschichte aus Tunis dar.
-
-
-278. _Sottisier_, Nr. 220; sehr ähnlich Serbisch, S. 108.
-
-Vgl. Nr. 43 und Nr. 299.
-
-
-279. _Sottisier_, Nr. 221.
-
-
-280. _Sottisier_, Nr. 222; vgl. die als Nr. 428 mitgeteilte
-Giufágeschichte samt den Anmerkungen dazu.
-
-Köhler, I, S. 507; _Fourberies_, S. 57 ff.
-
-Weitere Nachweise findet man bei Chauvin, II, S. 118, Nr. 99 und 100,
-bei Rittershaus, S. 349 ff. (dazu S. 357), im _Archiv für slavische
-Philologie_, XXIX, S. 451 und bei Wesselski, _Die Novellen Morlinis_,
-S. 278 ff. Dazu sind noch zu nennen Dschelaleddin Rumi, _Mesnewi_, zit.
-Ausg. S. 85 ff.; E. B. Cowell, _The Jâtaka or stories of the Buddha’s
-former births_, Cambridge, 1895 ff., I, S. 116 ff.: _Makasa-Jâtaka_ und
-S. 117 ff.; _Rohinî-Jâtaka_; Chavanne, _Fables et contes de l’Inde_,
-S. 91, Nr. 4 und S. 92 ff., Nr. 5; Swynnerton, S. 437; Aurbacher,
-_Volksbüchlein_, II, S. 141 ff.; Roda Roda, S. 158 ff.
-
-
-281. _Sottisier_, Nr. 223.
-
-Das ~Heimschicken von Tieren oder Dingen~ ist ein in den
-Volksüberlieferungen außerordentlich häufiger Zug: Um einen Dreifuß
-handelt es sich in den folgenden Versionen: _Mery Tales of the Mad Men
-of Gotham_, Nr. 5 (Hazlitt, III, S. 8; Clouston, _Noodles_, S. 36 ff.);
-Montanus, _Gartengesellschaft_, Nr. 4 (Noten, S. 591); Cosquin, _Contes
-populaires de Lorraine_, Paris, 1886, II, S. 178 und 179 ff.; Sébillot,
-_Littérature orale de la Haute-Bretagne_, Paris, 1881, S. 98; Derselbe,
-_Contes de la Haute-Bretagne_, Nr. 13; _Jean le Fou_ in der _RTP_, XI,
-S. 439 ff.; L. Morin, _Contes Troyens_, Nr. 2; _Jean-Bête_, ebendort,
-S. 460 ff.; Carnoy, _Littérature orale de la Picardie_, S. 179 ff. Um
-Käse: _Mad Men of Gotham_, Nr. 4 (Hazlitt, III, S. 6 ff.; Jacobs, _More
-English Fairy Tales_, S. 206 ff.; Clouston, _Noodles_, S. 34 ff.);
-Campbell, II, S. 399, Nr. 8; Grimm, _KHM_, Nr. 59. Um ein Spinnrad:
-Campbell, II, S. 398 ff. Um ein Schwein: Sébillot, _Littérature orale
-de la Haute-Bretagne_, S. 92 und 98. Um ein Kalb: Grimm, _KHM_, Nr. 61.
-Bei Pitrè, _Novelle popolari toscane_, S. 188 schickt Giucca Mehl mit
-dem Winde heim. Verwandt ist auch eine Schnurre der _Contes du Sieur
-Gaulard_, S. 223 ff., wo ein Diener ein Pferd als Wegweiser erhält.
-
-Ein Gegenstück zu dem Schlusse dieser Facetie, der identisch ist mit
-der Nr. 61, bietet der als Nr. 490 mitgeteilte Schwank, wo Nasreddin
-dem Esel, auf dem er reitet, eine Last abnimmt und sich selber auflädt,
-damit sie der Esel nicht zu tragen brauche.
-
-
-282. _Sottisier_, Nr. 224.
-
-Vgl. Nr. 142; Basset, _Loqmân berbère_, S. 80 ff.; Chauvin, III, S. 31,
-Nr. 17.
-
-Bronner, _Schelmen-Büchlein_, S. 29 ff.
-
-
-283. _Sottisier_, Nr. 225.
-
-
-284. _Sottisier_, Nr. 226.
-
-
-285. _Sottisier_, Nr. 228; _Nawadir_, S. 15 (hier ist Dschoha der
-leidende Teil).
-
-_Fourberies_, S. 59; den dort zitierten Schwank aus dem _Mustatraf_ von
-al Abschihi hat Basset in der _RTP_, XIII, S. 478 übertragen.
-
-
-286. _Sottisier_, Nr. 231.
-
-
-287. _Sottisier_, Nr. 232.
-
-
-288. _Sottisier_, Nr. 233.
-
-Vgl. Nr. 38.
-
-
-289. _Sottisier_, Nr. 234.
-
-
-290. _Sottisier_, Nr. 236.
-
-Vgl. Nr. 261.
-
-
-291. _Sottisier_, Nr. 238.
-
-
-292. _Sottisier_, Nr. 239.
-
-_Anthropophytheia_, I, S. 179 ff.
-
-
-293. _Sottisier_, Nr. 242.
-
-_Fourberies_, S. 60 ff.
-
-
-294. _Sottisier_, Nr. 246.
-
-
-295. _Sottisier_, Nr. 248.
-
-
-296. _Sottisier_, Nr. 249.
-
-
-297. _Sottisier_, Nr. 250.
-
-298. _Sottisier_, Nr. 253; vgl. Buadem, Nr. 167.
-
-~Das sich nicht erkennen wegen einer äußerlichen Veränderung~, ein Zug,
-auf den schon oben in der Anmerkung zu Nr. 43 einigermaßen eingegangen
-worden ist, findet sich schon im _Philogelos_, S. 17 ff., Nr. 56 in
-einer Darstellung, die dem in Rede stehenden Schwanke auffallend ähnelt:
-
-Σχολαστικὸς καὶ φαλακρὸς καὶ κουρεὺς συνοδεύοντες καὶ ἔν τινι ἐρημιᾳ
-μείναντες, συνέθεντο πρὸς τέσσαρας ὥρας ἀγρυπνῆσαι καὶ τὰ σκεύη ἕκαστος
-τηρῆσαι. ὡς δὲ ἔλαχε τῷ κουρεῖ πρώτῳ φυλάξαι, μετεωρισθῆναι θέλων τὸν
-σχολαστικὸν καθεύδοντα ἔξυρε καὶ τῶν ὡρῶν πληρωθεισῶν διύπνισεν. ὁ δὲ
-σχολαστικὸς ψήχων ὡς ἀπὸ ὕπνου τὴν κεφαλὴν καὶ εὑρὼν ἑαυτὸν ψιλόν,
-μέγα κάθαρμα, φησίν, ὁ κουρεύς· πλανηθεὶς γὰρ ἀντ’ ἐμοῦ τὸν φαλακρὸν
-ἐξύπνισεν
-
-Eine moderne Variante dieser Facetie steht bei Merkens, S. 129 ff., Nr.
-138.
-
-Eine Schnurre von dem Narren Lobelin, der sich im neuen Kleide nicht
-kennt, habe ich im _Mönchslatein_, S. 193, Nr. 152 nach der _Mensa
-philosophica_ übersetzt.
-
-Wichtig ist ein englisches Kinderlied von einer Frau, die sich nicht
-mehr kennt, als ihr im Schlafe die Röcke abgeschnitten worden sind
-(Jacobs, _More English Fairy Tales_, S. 59 ff.; _Lawkamercyme_ und die
-Noten auf S. 226; Campbell, II, S. 397; _Archivio_, IX, S. 437 ff.);
-hierzu vergleiche man den Schluß der Nr. 34 und 59 der Grimmschen
-_KHM_, Haltrich, S. 252 ff., Asbjörnsen, _Fairy Tales from the Far
-North_, transl. by H. L. Braekstad, London, 1897, S. 69 ff., Franco,
-_Rose e spine_, Monteleone, 1889, S. VIII (zit. im _Archivio_, IX, S.
-118 ff.), Rittershaus, S. 354, _Archiv für slavische Philologie_, XIX,
-S. 256 und XXI, S. 283 ff. und Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 14 ff.,
-Nr. 15 mit den Nachweisungen auf S. 112. Interessant ist noch eine
-Notiz von Loys Brueyre in der _RTP_, II, S. 297, die den Zusammenhang
-einer Farce des Palais Royal mit der 14. der _Facéties normandes_ von
-V. Brunet: _Le Sourdin et le nègre_ (_RTP_, II, S. 213) und damit auch
-mit unserm Stoffe überhaupt feststellt.
-
-Verwandt ist das in Rede stehende Motiv mit dem Zuge, daß einem
-Einfaltspinsel eingeredet wird, er sei ein anderer, das wieder dem
-Motiv von dem Dummkopf nahe steht, der zu dem Glauben, er sei tot,
-gebracht wird, worüber schon zur Genüge gehandelt worden ist.
-Potenziert ist der erstgenannte Zug, dessen bekannteste Bearbeitung die
-_Novella del Grasso legnajuolo_ ist, in der _Trinuzia_ Firenzuolas, wo
-der »dottore sciocco« Messer Rovina am Schlusse der 1. Szene des 5.
-Aktes seine Erlebnisse also zusammenfaßt (_Opere_, Milano, 1802, V, S.
-92):
-
-I’ vo’ veder, se da me a me i’ mi sapessi ritrovare: i’ ero Messer
-Rovina, e fu’ per diventar un altro: poi mi vestì a uso di donna, e non
-diventai donna; ch’ i’ pisciai pur come gli uomini: poi fu’ preso co’
-panni del Golpe, e non diventai Golpe; che s’ i’ fussi diventato, i
-birri m’ arebbon ritenuto: andai dipoi in piazza e trovai il Dormi, e
-non fu più Messer Rovina: e’ bisogno adunque ch’ i’ mi perdessi per la
-via.
-
-
-299. _Sottisier_, Nr. 254.
-
-Vgl. Pauli, _Schimpf und Ernst_, Nr. 97, S. 74 und 484; Arlotto, Fac.
-54, I, S. 133 und 213 ff.
-
-
-300. _Sottisier_, Nr. 256; vgl. Nr. 302.
-
-
-301. _Sottisier_, Nr. 257.
-
-
-302. _Sottisier_, Nr. 261; vgl. Nr. 300.
-
-
-303. _Sottisier_, Nr. 263.
-
-
-304. _Sottisier_, Nr. 265.
-
-
-305. _Sottisier_, Nr. 269.
-
-Köhler, I, S. 507; _Fourberies_, S. 63.
-
-~Der Schüler aus dem Paradies~: Zu diesem Schwanke vgl. die von mir
-zu Bebel, II, Nr. 50, Bd. I, S. 189 angegebene Literatur und davon
-hauptsächlich Boltes Noten zu Frey, Nr. 61 und Wickram, Nr. 107,
-ferner Köhler, I, S. 383 ff. Zu den an diesen Orten beigebrachten
-Nachweisungen kommen noch: _Pasquil’s Jests with the Merriments of
-Mother Bunch_, London, o. J., bei Ashton, S. 168 ff. (nicht in Hazlitts
-Neudruck); Filleul Pétigny, _Contes de la Beauce et du Perche_, Nr. 16
-in der _RTP_, XIII, S. 634 ff.; Kerbeuzec, _Contes et légendes de la
-HauteBretagne_, Nr. 92, ebendort, XXIII, S. 341; Ilg, II, S. 30 ff.,
-Nr. 88; Rittershaus, S. 352 ff.; Busch, _Ut ôler Welt_, S. 82 ff., Nr.
-33; Böhm, _Lettische Schwänke_, S. 25 ff. und 68 ff., Nr. 22 und 41,
-Noten S. 113 und 120.
-
-Zu dem Schlusse vom ~getäuschten Verfolger~ vgl. Schumann,
-_Nachtbüchlein_, S. 288 ff. zu Nr. 46, P. Sébillot, _Contes de la
-Haute-Bretagne_, Nr. 1 in der _RTP_, XI, S. 299 ff. und Krauss, _Sagen
-und Märchen der Südslaven_, II, S. 249.
-
-
-306. _Sottisier_, Nr. 270.
-
-
-307. _Sottisier_, Nr. 271.
-
-
-308. _Sottisier_, Nr. 272.
-
-Vgl. oben Nr. 36.
-
-
-309. _Sottisier_, Nr. 273; Roda Roda, S. 125. Vgl. unten Nr. 488.
-
-Kuka, S. 80; Ispirescu, S. 110 (_Magazin_, XCVI, S. 614).
-
-
-310. _Sottisier_, Nr. 274.
-
-
-311. _Sottisier_, Nr. 275.
-
-_Fourberies_, S. 63 ff.
-
-Zu dieser Fassung des Motives vom ~verkannten Spiegelbilde~, dem wir
-schon oben bei Nr. 165 begegnet sind, bietet Bar-Hebraeus, S. 148, Nr.
-583 eine Parallele:
-
-Another simpleton looked into a vessel of water, and he went and said
-to his mother, »There is a thief in the vessel.« And when his mother
-came and had looked in also she saw her own face in the water by the
-side of that of her son. And she said to her son, »Verily it is a
-thief, and there is, besides, a whore with this cursed fellow; stand
-thou here that they may not come out and escape until I can call the
-neighbours.«
-
-Witziger ist folgende persische Geschichte (Kuka, S. 175):
-
-A boy saw his own image while looking into a well. He immediately ran
-to his mother and said, »Mother, come with me; there is a thief in the
-well.« The mother came to the well, and looking into it observed, »By
-God! thou art right: and look, there is an old hag, too, with him.«
-
-In der 33. Facetie des _Philogelos_ hält der Beschauer sein Bild, das
-sich im Brunnen spiegelt, für den Hausherrn des Brunnens; dazu bietet
-Kuka, S. 187, Nr. 99 eine Parallele. Swynnerton, Nr. 11 (S. 153) ähnelt
-wieder der Version von Bar-Hebraeus, zu der auch noch Alice Fermé,
-_Contes recueillis en Tunis_, Nr. 1: _La bonne femme sotte_ in der
-_RTP_, VIII, S. 28 zu vergleichen ist.
-
-Eine merkwürdige Modernisierung hat die Schnurre in den _Contes du
-Sieur Gaulard_, S. 233 erfahren:
-
-»Or comme il (le Sieur Gaulard) entendit dire qu’on auoit mis
-rafraischir vne bouteille de vin dans vn puits, il fut curieux d’y
-aller regarder: apperceuant son ombre dans l’eau, qui le representoit,
-il appella ses compagnons, et leur dit: Helas, Messieurs, venez viste
-m’aider à retirer nostre vin, car il y a là bas des Antipodes, qui
-boiront tout nostre vin, si nous n’y mettons ordre. Il auoit peur
-que son ombre ne beust son vin sans luy: ou bien il pensoit que les
-Antipodes habitassent dans des puits.
-
-Deutsch steht dieser Schwank im _Exilium melancholiae_, S, Nr. 16,
-S. 383, früher aber schon bei Lundorf, _Wißbadisch Wisenbrünlein_
-(I), Franckfurt, 1610, S. 168 ff. als Historia 79: _Von einem der
-sich vor den Antipodibus förchtete_; Lundorf gibt als Quelle das 1602
-erschienene _Convivium evangelicum_ von Christophorus Marianus an.
-Augenscheinlich nach Tabourot erzählt d’Ouville, II, S. 299 ff. Vgl.
-noch die oben S. 264 in der Fußnote erwähnte Erzählung Abu Madjans.
-
-
-312. _Sottisier_, Nr. 276.
-
-
-313. _Sottisier_, Nr. 277.
-
-Schier dieselbe Geschichte erzählt schon die 208. Novelle Sacchettis,
-deren Argument lautet: _Mauro pescatore da Cività nuova, recando
-granchi marini, gli mette nella rete sul letto; escene uno fuori
-la notte, e piglia la donna nel luogo della vergogna, e Mauro,
-soccorrendo co’ denti, è preso dal granchio per la bocca; e quello,
-che ne seguita._ An französischen Bearbeitungen seien genannt Bouchet,
-_Les Serées_, l. I, s. 6 (éd. C. E. Roybet, Paris, 1873 ff., II, S.
-36 ff.), Beroalde de Verville, _Le Moyen de parvenir_, c. 49 (éd.
-P. L. Jacob, Paris, 1841, S. 169 ff.) und ein Gedicht _Le cancre de
-mer_ von Epiphane Sidredoulx in den _Contes en vers imités du Moyen de
-parvenir_, Paris, 1874, S. 99 ff. Ein lateinisches Gedicht von Bernard
-de La Monnoye und ein französisches des Abbé Bretin zitiert Francia, S.
-281 ff. Eine serbische und eine bosnische Variante, die unserer Fassung
-sehr nahe stehn, bringt die _Anthropophyteia_, I, S. 151 ff. und 152 ff.
-
-
-314. _Sottisier_, Nr. 278; Buadem, Nr. 146.
-
-Vgl. meine Nachweisungen zur 216. Facetie Arlottos, II, S. 267 und Ilg,
-II, S. 99, Nr. 111.
-
-
-315. _Sottisier_, Nr. 280.
-
-
-316. _Sottisier_, Nr. 282.
-
-
-317. _Sottisier_, Nr. 283.
-
-Zu dem ersten Teile vergleiche Poggius, Fac. 5: _De homine insulso
-qui existimavit duos cunnos in uxore_, M. Lindener, _Katzipori_,
-Nr. 31, hg. von Lichtenstein, Tübingen, 1883, S. 91 ff., Costo, _Il
-Fuggilozio_, g. II: _Vn pazzo giouane non vuol moglie, se non troua
-vna donna con due cotali_ etc., zit. Ausg., S. 73 ff., Hermotimus,
-_Additamenta_, S. 280 ff.: _De Rustico existimante Vxorem suam duos
-cunnos habere_ und Reinisch, _Die ’Afar-Sprache_, Wien, 1885, I, S. 41
-ff.
-
-Eine Parallele zum zweiten Teile ist die 34. Novelle im _Heptaméron_,
-bearbeitet bei d’Ouville, I, S. 83 ff.: _De deux cordeliers_ = _Les
-Récréations françoises_, Utopie, 1681, I, S. 58 ff. Weitere Nachweise
-gibt Bolte in seiner Ausgabe von Wickrams _Rollwagenbüchlein_, S. 379,
-wozu noch Monnier, S. 354 ff. und zwei sehr an den von dem Hodscha
-erzählten Schwank gemahnende Stücke in der _Anthropophytheia_, II, S.
-430 ff. und 433 ff. zu nennen sind.
-
-
-318. _Sottisier_, Nr. 284.
-
-
-319. _Sottisier_, Nr. 285.
-
-
-320. _Sottisier_, Nr. 286; Mardrus, S. 111 ff.
-
-321. _Sottisier_, Nr. 287; Mardrus, S. 112 (mit anderm Schlusse).
-
-Außer der modernen serbischen Variante aus Südungarn in der
-_Anthropophyteia_, V, S. 335 ff. ist noch bemerkenswert eine alte
-spanische bei J. de Timoneda, _Sobremesa y alivio de caminantes_, p. I,
-c. 65 (_Biblioteca des autores españoles_, III, S. 174):
-
-Un caminante entró en una viña por comer uvas. Estándolas comiendo
-vino la guarda, y pidióle prenda. Respondió el caminante: »hermano,
-yo no soy entrado aquí para comer, sino para cagar.« Dijo la guarda:
-»pues mostrad dónde habeis cagado.« Cansadas los dos de ir por la viña,
-encontraron con un depósito de buey; dijo el caminante: »heis aquí
-dónde cagué.« Respondió la guarda: »no es verdad, porque esa mierda es
-de buey.« Dijo el caminante: »I fuerte cosa es! Si quiero cagar mierda
-de buey, ¿vedármelo heis?«
-
-
-322. _Sottisier_, Nr. 288.
-
-
-323. _Sottisier_, Nr. 289.
-
-
-324. _Sottisier_, Nr. 291.
-
-
-325. _Sottisier_, Nr. 292.
-
-
-326. _Sottisier_, Nr. 293; _Nawadir_, S. 35; s. oben die Anmerkung zu
-Nr. 152.
-
-Köhler, I, S. 504.
-
-Eine fast identische Geschichte steht in den _Vierzig Vezieren_
-(Behrnauer, S. 150); eine hübsche Variante hat al Abschihis _Mustatraf_
-(Basset in der _RTP_, XIII, S. 492).
-
-
-327. _Sottisier_, Nr. 294; Goethe, _West-östlicher Diwan_ (_Sämtliche
-Werke_, hg. v. L. Geiger, V, S. 171); Ethé, S. 244 ff.; Nouri, S. 112
-ff.; Mardrus, S. 109 ff.
-
-
-
-
-3. Angeblich historisches
-
-
-328. Cantimir, I, 166 ff.; De la Croix, I, S. 154; Flögel, S. 178 ff.;
-Hammer, I, S. 630; Doran, S. 74 ff.; _Tréfái_, S. 7 ff.
-
-Vgl. zu diesem außerordentlich verbreiteten Schwanke meine Noten bei
-Bebel, I, S. 190 ff., ferner Francia, S. 109 ff.; Basset, _Nouveaux
-contes berbères_, Paris, 1897, S. 354 ff.; Basset in der _RTP_, XII,
-S. 675 ff.; Katona, _Temesvári Pelbárt peldái_, Pest, 1902, S. 39;
-Chauvin, V, S. 282; _Archiv für slavische Philologie_, XIX, S. 256,
-XXI, S. 288 und 295. Nachzutragen sind noch: _Histoire littéraire de la
-France_, XXIV, S. 509; Eyering, _Proverbiorum copia_, I, S. 527 ff.;
-Sagredo, _L’Arcadia in Brenta_, S. 383; Baraton, _Poesies_, S. 239 ff.;
-Krauss, _Sagen und Märchen der Südslaven_, I, S. 246 ff.; Monnier, S.
-235 ff.; P. E. Guarnerio im _Archivio_, II, S. 499 ff.; Harsdörfer,
-_Ars apophtegmatica_, S. 625 ff., Nr. 2980; Busch, _Ut ôler Welt_, S.
-36 ff., Nr. 17; Roda Roda, S. 249 ff. (kombiniert mit Buadem, Nr. 2 =
-Serbisch, S. 51 ff. und Kroatisch, S. 29 ff.).
-
-
-329. Cantimir, I, 167 ff.; Hammer, I, S. 625; _Tréfái_, S. 8 ff.
-
-
-330. De la Croix, I, S. 150 ff.; Flögel, S. 177 ff.; Doran S. 74; Nick,
-I, S. 149.
-
-
-331. Flögel, S. 179; Nick, I, S. 151 ff.
-
-Flögel gibt keine Quelle an, und bei den sonst von ihm benützten
-Autoren ist die Geschichte nicht zu finden; wohl aber steht sie,
-allerdings nicht von Nasreddin, schon im _Democritus ridens_, S. 232
-ff.:
-
-Bajasites I. Turcorum tyrannus (et talis proprie fuit) utebatur quodam
-aethiope apud Indos nato familiarissime et suavissime; eumque ob
-facetias et lepores plurimum diligebat. Accidit aliquando ut Bajasites
-castra metatus in planitie tentorium figi juberet ad arborem quamdam
-sublimem. Hanc intuens, »Bre Areb,« inquit (hoc est, »Heus aethiops«)
-»si me amas, in hujus arboris verticem conscende.« Statim aethiops,
-exutis vestibus, paret et scandit. Ad fastigium ubi pervenerat,
-Bajasites mandat Solachiis (satellites sunt, qui circa Sultanum
-equitantem in albis subuculis cursitare solent) ut admotis securibus
-mox arborem continuis ictibus dejiciant et prosternant. Quibus strenue
-heri imperium exsequentibus, aethiops, arbore prope tota jam resecta,
-anxius et praecipitio proximus Sultani Consiliarios infra arborem
-stantes obtestatur, ut apud Bajasitem intercederent et vitae gratiam
-impetrarent. Sed frustra eorum sollicitabat intercessionem, qui nec
-prodire in conspectum Bajasitis, ne dum unico verbulo eum compellare
-audebant. Aethiops itaque consilio ex tempore et re nata capto,
-stratagemate extremum vitae periculum antevertit, et subito solutis
-feminalibus seu subligaculis, ventris sordes, quas ipse timor non parum
-propellebat, excernit in satellites, qui arborem secabant. Hisce vero
-ad tam inopinam sordium grandinem ab opere diffugientibus, aethiops ex
-arbore se dimittit, et appellatis Sultani Consiliariis, qui spectaculo
-praesentes adstabant, »Utinam Consiliariis vestris similibus idem hoc
-usu veniat,« inquit, »ut conspurcentur! quorum verba tantum non valent
-quantum meae sordes.« Proverbio dicuntur, Turdi malum sibi cacare; at
-hic sibi salutem. Tanti est a se ipso et consilium et opem petere.
-
-
-
-
-4. Moderne Volkserzählungen aus Nasreddins Heimat
-
-
-332. _Tréfái_, Nr. 7.
-
-Vgl. unten die zwei serbischen Schwänke, Nr. 479 und 482.
-
-Dasselbe Motiv, ~der Lehrer, der nicht lesen kann~, ist auch in einem
-Schwanke in _Tausend und einer Nacht_ verarbeitet (Hennig, VIII, S. 80
-ff.); vgl. auch Basset im _Keleti szemle_, I, S. 222, Nr. 13.
-
-
-333. _Tréfái_, Nr. 129 (und S. 29); Buadem, Nr. 97; _Nawadir_, S. 3;
-Serbisch, S. 86.
-
-Basset im _Keleti szemle_, I, S. 222, Nr. 10 (aus dem _Nuzhat al
-udaba_).
-
-
-334. _Tréfái_, Nr. 130; _Nawadir_, S. 3.
-
-Die Schnurre steht schon bei Bar-Hebraeus, S. 154 ff., Nr. 619:
-Everything is beautiful in it except the latrine, which had one fault:
-its door is so narrow that a table will not go trough it.
-
-
-335. _Tréfái_, Nr. 133; Buadem, Nr. 110; _Nawadir_, S. 18; Serbisch, S.
-91; Kroatisch, S. 60.
-
-Bar-Hebraeus, S. 162, Nr. 647.
-
-
-336. _Tréfái_, Nr. 134; Buadem, Nr. 117; _Nawadir_, S. 40; Serbisch, S.
-93; Kroatisch, S. 61.
-
-Bar-Hebraeus, S. 150, Nr. 595.
-
-
-337. _Tréfái_, Nr. 135 (und S. 29); Buadem, Nr. 118; _Nawadir_, S. 40;
-Serbisch, S. 93; Kroatisch, S. 61.
-
-_Fourberies_, S. 70.
-
-Dschami, _Bäharistan_, zit. Ausg., S. 83; Galland, S. 44; Kuka, S. 153,
-Nr. 7.
-
-
-338. _Tréfái_, Nr. 136.
-
-
-
-
-FUSSNOTEN:
-
-[1] _Kathá Sarit Ságara_, ed. by Tawney, Calcutta, 1880 ff., II, S. 58:
-There was once a foolish man, who was poor and had many sons. When one
-of his sons died, he killed another, saying, How could this child go
-such a long journey alone? So he was banished by the people, as being a
-fool and a criminal. Thus a fool is as void of sense and discernment as
-an animal.
-
-[2] Wesselski, _Die Schwänke und Schnarren des Pfarrers Arlotto_ (= Bd.
-I und II _der Narren, Gaukler und Volkslieblinge_), II, S. 51 ff. und
-222 ff.
-
-[3] _Geschichte des osmanischen Reiches_, deutsch von Schulz,
-Frankfurt, 1769 ff., I, S. 150 ff.
-
-[4] _Geschichte der Hofnarren_, Liegnitz und Leipzig, 1789, S. 176 ff.
-
-[5] _Histoire de l’empire othoman_, traduit par De Joncquieres, Paris,
-1743 ff., I, S. 164 ff.; die im folgenden angezogene Stelle ist unten
-S. 227 abgedruckt.
-
-[6] _Sottisier de Nasr-Eddin-Hodja_, Bruxelles, 1878; vgl. unten S. 201
-ff. Eine ältere Handschrift, die schon 1625 im Besitze eines Europäers
-war, wird in Leiden aufbewahrt; darüber und über andere Handschriften
-vgl. Horn im _Keleti szemle_, I, S. 67 ff.
-
-[7] _Naszreddin hodsa tréfái_, Budapest, 1899, S. 3; leider nennt Kúnos
-seine Quelle nicht.
-
-[8] Meherjibhai Nosherwanji Kuka, _The Wit and Humour of the Persians_,
-Bombay, 1894, S. 3 ff. Die Erzählung, deren Verfasser usw. Kuka eben
-so wenig wie bei den andern Stücken nennt, die sein Buch bringt,
-lautet: Nasreddin, ein Häuptling des Stammes von Kebud-Dschamah, hatte
-sich den Unwillen des Schahs Takasch zugezogen, und dieser schickte
-einen Mann, um ihn zu töten und ihm sein Haupt zu bringen; Nasreddin
-aber vermochte den Abgesandten, ihn lebendig an den Hof des Schahs zu
-bringen. Als der Schah Nasreddin am Leben vor sich sah, wollte er seine
-Wut an seinem Abgesandten auslassen, aber Nasreddin redete den Schah
-mit den folgenden Versen an, und die gefielen dem Schah so gut, daß er
-ihm nicht nur das Leben schenkte, sondern ihn auch umarmte und zu einem
-hohen Würdenträger machte: »Der Staub deiner Fußtapfen ist eine Salbe
-für die Augen meines Geistes. Mit mir bringe ich unzählige Geschichten
-und Gleichnisse. Den Kopf, den du verlangt hast, konnte ich niemand
-anvertrauen; drum bringe ich ihn selber, freilich auf meinen Schultern.«
-
-[9] Die Geschichte ist bequem nachzulesen bei Mehemed Tewfik, _Die
-Schwänke des Naßr-ed-din und Buadem_, übersetzt von Müllendorff (= Nr.
-2735 der Reclamschen Universal-Bibliothek), S. 7 ff.; nach Tewfik ist
-sie u. a. von Kúnos aufgenommen worden (_Tréfái_, S. 28 ff.), und der
-Verfasser der jüngsten türkischen Ausgabe von Nasreddins Schwänken,
-Behaï, nennt bei der Mitteilung der Geschichte (S. 6 ff.) Tewfik
-geradezu als seinen Gewährsmann. Diese Ausgabe, _Letaïf i hodscha nasr
-ed-din_, Stambul, 1325/27 (1907/1909), die ich leider für den Text
-nicht mehr benutzen konnte (die Kenntnis von ihr verdanke ich Herrn Dr.
-Theodor Menzel), ist im folgenden mit _Letaïf_ zitiert.
-
-[10] Hammer, _Geschichte des osmanischen Reiches_, Pest, 1827 ff., I,
-S. 630.
-
-[11] _Tréfái_, S. 28.
-
-[12] Ἰωακεὶμ Βαλάβανη, Μικρασιατικά, Athen, 1891, S. 150 ff, in dem
-Aufsatze Ὁ Νασρεδδὶν Χώτζας.
-
-[13] _Tréfái_, S. 8 ff.
-
-[14] Siehe unten S. 190, Nr. 329.
-
-[15] Siehe im II. Bande S. 144 ff., Nr. 467.
-
-[16] Anton Pann in dem Gedichte _Cui îi place linistire sa’si faca
-împrejmúîre_ seines _Nazdravaniile lui Nastratin Hogea_ (_Opere
-complete_, ed. II-a, Bukarest, 1909, I, S. 342): Da der Hodscha einmal
-im Winter kein Holz hat, verheizt er nach und nach seinen Zaun, bis
-von diesem nur noch das Tor übrig bleibt. Als nun die Leute zu ihm von
-allen Seiten kommen, verweist er ihnen dies: das Tor sei eben deswegen
-stehn geblieben, damit man es benütze.
-
-[17] _Reading Book of the Turkish Language_, London, 1854 zu Beginn der
-_Pleasing Tales of Khoja Nasr-il-deen Effendi_, S. 27 der türkischen
-Paginierung.
-
-[18] _Letaïf_, S. 9.
-
-[19] _Letaïf_, S. 7.
-
-[20] _Letaïf_, S. 10.
-
-[21] Walawani, der diese Legende berichtet (S. 143 ff.) fügt bei,
-daß in Akschehir noch heute das Wetter aus diesem Spalte erforscht
-wird, indem man ihn unverwandt betrachtet; der Spalt ist denen von
-Akschehir wie ein Fenster, das einen Einblick in die Geheimnisse des
-Himmels zuläßt, oder einfacher, er ist ihr Barometer. Kúnos, der nach
-Walawani erzählt, bemerkt (S. 14), daß er die Überlieferung von diesem
-Wunder Nasreddins sogar in einer Zeichnung einer Stambuler Ausgabe der
-Schwänke erkannt habe.
-
-[22] _Letaïf_, S. 9 ff.
-
-[23] _Tréfái_, S. 9 ff.
-
-[24] Der übergroße Turban — vgl. dazu unten S. 78 ff., Nr. 152 — ist
-demnach wohl das einzige, was an dem Grabe unmittelbar lächerlich wirkt.
-
-[25] _Nasradin-hodza njegove sale, dosetke i lakrdije u pripodjetkama
-od Mehmeda Tevfika_, U Nuvom Sadu (Neusatz), 1903, S. 6 ff.
-
-[26] Zu dem Märchenmotive von dem aus den gesammelten Knochen
-wiederbelebten Tiere oder Menschen vgl. Köhler, _Kleinere Schriften_,
-Weimar (Berlin), 1898 ff., I, S. 273 und 586 ff., v. d. Leyen, _Das
-Märchen in den Göttersagen der Edda_, Berlin, 1899, S. 24, 40 und 81
-und Dähnhardt, _Natursagen_, Leipzig, 1907 ff., III, S. 407 ff.
-
-[27] Siehe unten S. 144 ff., Nr. 241.
-
-[28] _Tréfái_, S. 14 ff.
-
-[29] _Nasreddin Khodjas Schwänke und Streiche_, Breslau, 1904.
-
-[30] _Tréfái_, S. 14.
-
-[31] Bezeichnend ist es, wonach Behaï, der durch das Versprechen, den
-Einsendern von Schwänken Nasreddins einzelne Bogen oder ganze Exemplare
-seines Buches zum Geschenke zu machen (_Letaïf_, S. 13), eine sehr
-zahlreiche Mitarbeiterschaft gewonnen haben dürfte, die Authentizität
-der einzelnen Überlieferungen beurteilt; darüber schreibt er in seinem
-Schlußworte (S. 255 ff.): »Wir haben uns Handschriften aufgehoben; aus
-ihnen geht hervor, daß man uns ziemlich viele Schwänke übersandt hat
-mit dem Bemerken, fünf bis zehn Personen hätten es übereinstimmend
-bezeugt, daß sie wirklich von dem Hodscha stammten. Wenn derartige
-Schwänke Stück für Stück durch die osmanische Welt gehn und von einem
-osmanischen Gelehrten nach dem andern übernommen werden, so ist das ein
-Beweis, daß sie auf den Hodscha zurückzuführen sind. Kamen uns aber
-Schwänke in die Hand, die nicht so wie diese bezeugt waren, bei denen
-uns kein Beweis vorlag, daß sie dem Hodscha zuzusprechen seien, so
-haben wir es vorgezogen, das Zeugnis derer gelten zu lassen, die, auch
-ohne Belege, ihre Authentizität behaupten; hiernach haben wir gemeint,
-in zweifelhaften Fällen sei es besser, die Authentizität auszusprechen.
-Und Allah mache es mit uns ebenso!«
-
-[32] Über Abu Hanifa, den Begründer der nach ihm genannten orthodoxen
-Rechtsschule (680 oder 699-767), vgl. Brockelmann, _Geschichte der
-arabischen Litteratur_, Weimar (Berlin), 1898 ff., I, S. 169 ff.
-
-[33] _Letaïf_, S. 4. Von den hier erwähnten Kameraden Nasreddins
-erwähnt Behaï unmittelbar vorher einen, nämlich Abdal, als einen
-Hofnarren Timurs; vielleicht liegt hier oder an der unten S. 279 zu Nr.
-326 zitierten Stelle aus den _Vierzig Vezieren_, die dann jedenfalls
-älter sein müßte als die Parallele mit Nasreddin als Helden, eine
-Verwechslung vor. Mit Ausnahme des sofort zu besprechenden Dschoha sind
-mir von all diesen Vertretern des Narrentums nur Abu Dulama und Talhak
-bekannt. Abu Dulama, ein Neger, war Hofnarr al Mansurs und ist 777
-gestorben; vgl. über ihn Brockelmann, I, S. 74. Ein Schwank von ihm ist
-unten im II. Bande, S. 237 erwähnt. Über Talhak, den Hofnarren Sultan
-Mahmuds von Ghasni, vgl. Horn im _Keleti szemle_, I, S. 70.
-
-[34] Köhler, I, S. 508 ff.; Hartmann in der _Zeitschrift des Vereins
-für Volkskunde_, V, S. 48.
-
-[35] R. Basset in der Einleitung (S. 4 ff.) zu A. Mouliéras, _Les
-fourberies de Si Djeh’a_, Paris, 1892.
-
-[36] Hartmann a. a. O., S. 49.
-
-[37] Die zweite dieser drei Geschichten ist im II. Bande, S. 183 ff.
-mitgeteilt; die beiden andern erzählen (Freytag, I, S. 403): Es sieht
-einer Dschoha außerhalb der Stadt Kufa graben und fragt ihn, was er
-mache. Dschoha antwortet, er könne eine Summe Geldes, die er dort
-vergraben habe, nicht wiederfinden. Als ihm nun der andere sagt, er
-hätte sich ein Zeichen machen sollen, erwidert er, das habe er sowieso
-getan; jetzt sehe er aber die Wolke, die damals den Ort beschattet
-habe, nicht mehr. (Vgl. zu diesem Schwanke _Kathá Sarit Ságara_, II, S.
-60 ff.; Kuka, S. 175, Nr. 63; Liebrecht, _Zur Volkskunde_, Heilbronn,
-1879, S. 117; Clouston, _The Book of Noodles_, London, 1888, S. 99
-ff.). — Als Abu Muslim als Statthalter nach Kufa kommt, fragt er, wer
-Dschoha kenne, und befiehlt einem, der Jaktin heißt, ihn zu bringen.
-Jaktin führt Dschoha zu Abu Muslim, der gerade ganz allein ist; da
-fragt Dschoha seinen Begleiter: »Wer von euch beiden, Jaktin, ist denn
-nun Abu Muslim?« Alle drei Dschohageschichten Maidanis sind mit Dschoha
-als Helden in den _Nawadir_ von al Kaljubi († 1658) übergegangen;
-danach hat sie Basset in der _Revue des traditions populaires_, XV, S.
-40, 41 und 43 übersetzt.
-
-[38] Basset a. a. O., S. 5 ff.
-
-[39] Basset, S. 3 ff.; Hartmann, S. 48, Note 2; _Letaïf_, S. 12.
-
-[40] Basset, S. 8; Hartmann, S. 46, Note 1.
-
-[41] Basset, S. 7.
-
-[42] Die meist aus den letzten Jahren stammende, aber schon ziemlich
-umfangreiche Literatur über Dschoha (Dscheha usw. und Dschahan) findet
-man, soweit sie vom Herausgeber benutzt werden konnte, rückwärts
-S. 199 ff. und gelegentlich bei den Anmerkungen zitiert; wegen der
-minder wichtigen Lehrbücher des algerischen Volksarabisch, die
-gelegentlich als Lesestücke Dschohaerzählungen bringen, und wegen
-einiger belletristischer Reisewerke sei auf Basset, S. 12 verwiesen.
-Bemerkt sei hier nur noch, daß eine nicht unbedeutende Anzahl von
-anscheinend auf Dschoha übertragenen Nasreddingeschichten von
-Mardrus in seine Ausgabe der _Mille nuits et une nuit_, Paris, 1899
-ff. aufgenommen worden sind. Weiter sei erwähnt, daß die syrischen
-Dschochiüberlieferungen bei M. Lidzbarski, _Geschichten und Lieder
-aus den neuaramäischen Handschriften der königlichen Bibliothek zu
-Berlin_, Weimar, 1896, S. 249 ff. und das, was T. J. Bezemer in
-seiner _Volksdichtung aus Indonesien_, Haag, 1904, S. 196 ff. als
-_Streiche des Djonaha, des Batakschen Eulenspiegels_ erzählt, weder zum
-Nasreddin-, noch zum Dschohakreise gehören; es handelt sich in beiden
-Fällen um Varianten des so außerordentlich verbreiteten Unibosmärchens,
-die an sich allein, ohne weitere übereinstimmende Behandlung
-gleicher Motive, noch nicht genügen können, um ihre Helden trotz
-dem anklingenden und wohl sicher von dem seinigen abhängigen Namen
-innerlich mit Dschoha zu identifizieren. Daran kann nichts ändern, daß
-auch von dem serbischen Nasreddin (Krauss, _Anthropophyteia_, Leipzig,
-1904 ff., III, S. 366 ff.) und von dem nordafrikanischen Dschoha (s.
-im II. Bande S. 41 ff.) Teile des Unibosmärchens erzählt werden; diese
-fügen sich ja dem übrigen keineswegs organisch an.
-
-[43] Daß der Name Giu✗xa auch in Albanien vorkomme (Hartmann, S. 47
-und öfter) ist ein Irrtum; vgl. Pitrè, _Fiabe, novelle e racconti
-popolari siciliani_, Palermo, 1875, III, S. 371, eine Stelle, die bei
-Monnier, _Les contes populaires en Italie_, Paris, 1880, S. 11 ungenau
-wiedergegeben worden ist, woher denn das Mißverständnis rührt.
-
-[44] Pitrè, _Novelle popolari toscane_, Firenze, 1885, nov. 38; vgl.
-ebendort S. 195.
-
-[45] Die anscheinend dagegen sprechende Bemerkung Horns im _Keleti
-szemle_, I, S. 70, Z. 7 ff. beweist nichts; die dort erwähnte Erzählung
-Zakanis gehört wohl zu der Version im _Nawadir_ und nicht zu der im
-_Sottisier_, wie andere Parallelen zu schließen erlauben. Die weiter
-von Horn mit »Basset, Tableau Nr. 120« bezeichnete Erzählung, nämlich
-_Sottisier_, Nr. 120 (unten S. 101, Nr. 187), hat mit Nasreddin gar
-nichts zu tun.
-
-[46] Vgl. Hartmann, S. 50 ff.; P. Casanova in den _Memoires de la
-Mission archéologique française au Caire_, t. VI, fasc. 3, Paris,
-1893, S. 447 ff.; Decourdemanche in der zweiten Auflage seiner noch zu
-nennenden Übersetzung des türkischen Volksbuches von Nasreddin, S. 113
-ff.
-
-[47] Behrnauer, _Die vierzig Veziere oder weisen Meister_, Leipzig,
-1851, S. XIV.
-
-[48] Vgl. unten S. 260 die Note zu Nr. 211.
-
-[49] Freilich hat schon Antoine Galland in den _Paroles remarquables
-... des Orientaux_, Paris, 1694 einzelne Anekdoten ins Französische
-übersetzt, aber der Name Nasreddin kommt bei ihm nicht vor. Unter
-seinen Quellen nennt er »Deux Recueils de bons mots en Turc dont
-j’ai choisi ceux qui meritoient d’être publiez«; aber entweder haben
-diese Manuskripte den Namen Nasreddin nicht enthalten, oder, was
-wahrscheinlicher ist, Galland hat ihn verschwiegen.
-
-[50] Vgl. C. Siegfried, _Briefwechsel zwischen Goethe und v. Diez_ im
-_Goethe-Jahrbuch_, XI, 1890, S. 24 ff.
-
-[51] Heute in den Handschriften des Goethe-Archivs als Bl. 103.
-
-[52] S. unten S. 202.
-
-[53] S. oben S. XVI und unten S. 199.
-
-[54] Im _Keleti szemle_, I, S. 177 bemerkt Karl Foy, daß die Kúnosschen
-Texte den Eindruck machen, als wären sie mindestens teilweise einer
-osmanisch-rumelischen Vorlage nacherzählt.
-
-[55] Köhler, I, S. 483.
-
-[56] Erst Behaï hat einige in seine Ausgabe der _Letaïf_ aufgenommen.
-
-[57] Kúnos zitiert (_Tréfái_, S. 12) eine 1896 in Athen erschienene
-griechische Ausgabe mit einem ausführlichen Vorworte Walawanis. Dieses
-Buch aufzutreiben, war mir unmöglich. Nach den Zitaten von Kúnos
-ist das Vorwort Walawanis wohl identisch mit dem Aufsatze in den
-Μικρασιατικὰ, den Kúnos nie erwähnt. Nebenbei bemerkt war auch alles
-Suchen nach der englischen Ausgabe, die nach Kúnos (ebendort) ein
-gewisser Konstantinidi in Vorbereitung gehabt hätte, erfolglos.
-
-[58] In Albanien, wo bisher noch nichts aufgezeichnet zu sein scheint,
-gilt Nasreddin oder Nasra als der Erfinder der Schneereifen; vgl. Fr.
-Baron Nopcsa, _Aus Sala und Klementi_, Sarajevo, 1910, S. 55.
-
-[59] Wenigstens ist hier der 32. Nasreddinschwank Tewfiks zum
-Unterschiede von Müllendorff richtig wiedergegeben.
-
-[60] »Ali Nouri« schweigt sich über die von ihm benutzte Vorlage
-beharrlich aus; eine Stelle aber (s. unten S. 224), die auch mit dem
-kroatischen Texte übereinstimmt, läßt auf eine griechische Vorlage
-schließen. War das vielleicht die von Kúnos zitierte Athener Ausgabe
-mit dem Vorworte Walawanis?
-
-[61] _Tréfái_, S. 28.
-
-[62] Walawani, S. 151; _Tréfái_, S. 27; Bonnelli im _Keleti szemle_, I,
-S. 317.
-
-[63] S. oben S. XIV und unten S. 227. Auch Walawani nimmt den Vergleich
-mit Äsop auf, geht aber (S. 144 ff.) so weit, daß er Nasreddin geradezu
-für den Sammler der unter seinem Namen umlaufenden Erzählungen hält,
-die vielleicht Unterrichtszwecken hätten dienen sollen:Ὁ Αἴσωπος
-ταύτην (τὴν Φρυγίαν) ἔσχε πατρίδα, καὶ ὁ Νασρεδδὶν δὲ
-ὁμοίως ἐν ταύτῃ ἠτένισε τὸ πρῶτον τὸ φῶς τῆς ἡμέρας, εἰ καὶ
-νομίζομεν ὅτι ὁ Νασρεδδὶν Χώτζας ὑπῆρξε μόνον ἐπιμελὴς
-συλλέκτης πάντων τῶν κατὰ τὴν Μικρὰν Ἀσίαν φερομένων
-μύθων, ὧν πολλοὺς μετὰ παραλλαγῶν ἀπαντῶμεν παρὰ πολλαῖς
-καὶ δυτικωτέραις χώραις. Ἡ Συλλογή, ἣν ἀπήρτισεν -- ἴσως
-πρὸς διδασκαλίαν τῶν μαθητῶν αὐτοῦ -- ὁ Νασρεδδὶν Χώτζας,
-ἐγένετο δημοφιλής usw.
-
-[64] Sie ist, mit wertvollen Zusätzen vermehrt, neu gedruckt in Köhlers
-_Kleinern Schriften_, I, S. 481 ff.
-
-[65] _Sottisier_, S. XI.
-
-[66] Halwa ist eine Gattung Honigkuchen.
-
-[67] Sicherlich obszön zu verstehn.
-
-[68] Um sich in den Zustand der Unreinheit zurückzuversetzen.
-
-[69] Die Frageengel Munkar und Nakir, die die Verstorbenen im Grabe
-zur Rechenschaft über ihr Leben ziehen; von diesen Antworten hängt das
-Schicksal der Gläubigen im Jenseits ab.
-
-[70] Hier ist wieder, wie oben beim Kamele und wie in vielen künftigen
-Fällen, der Mißbrauch als Strafe für einen Fehler gedacht.
-
-[71] Vorzugsschüler.
-
-[72] Wie das früher die Griechen dortzulande getan hatten.
-
-[73] Weil er ins Frauengemach, den Harem, getreten war, obwohl dort
-fremde Frauen anwesend waren.
-
-[74] Lanzenwerfen zu Pferde.
-
-[75] Oberhaupt mehrerer Dörfer.
-
-[76] Hiob.
-
-[77] Strick.
-
-[78] Hatib heißt der, der den Hutbe oder das öffentliche Gebet für den
-Herrscher zu sprechen hat.
-
-[79] Baschi ist eine Art Obrigkeit in kleinen Orten.
-
-[80] Die Ansprache an den Leichnam hat den Zweck, den Toten anzuweisen,
-wie er den Frageengeln Munkar und Nakir (s. S. 13), die sofort, wann er
-begraben ist, zu ihm kommen, zu antworten hat.
-
-[81] Derbend, das persische und dann türkische Wort für Hohlweg, ist
-ein häufig vorkommender Ortsname.
-
-[82] Studenten.
-
-[83] Zum Verständnis der witzigen Antwort Nasreddins sei bemerkt,
-daß Hafis ein Mann genannt wird, der den Koran auswendig weiß, also
-gleichsam eine Hülle des Korans ist.
-
-[84] Vergl. im Koran den 23. Vers der 18. Sure: »Und sprich von keiner
-Sache: ›Siehe, ich will das morgen tun‹, es sei denn, du setzest hinzu:
-›So Allah will.‹«
-
-[85] Dickgekochter Traubensaft; die Oberfläche glänzt.
-
-[86] Ein aus enthülstem und gestoßenem Korn gesottener Teig.
-
-[87] Geronnene Milch, die getrocknet worden ist.
-
-[88] Ein Gericht aus Reis oder zerriebenem Teig, übergossen mit heißer
-Butter.
-
-[89] Eine Münze von ganz geringfügigem Werte.
-
-[90] Der Batman, ursprünglich und auch jetzt noch ein persisches
-Handelsgewicht, hat heute in der Türkei sechs Oka, also etwa
-siebenundeinhalb Kilogramm.
-
-[91] Ein Rechtsgelehrter.
-
-[92] Der Scherz beruht darauf, daß der Sohn kindischerweise ein
-(arabisches) Fremdwort anwendet, das der Vater entweder nicht versteht
-oder nicht verstehn will.
-
-[93] Ein arabisches Wort, das Handel und etwa Börse bezeichnet.
-
-[94] Getrocknetes Fleisch.
-
-[95] Der berühmte persische Dichter (1414 bis 1492).
-
-[96] Im Türkischen wird das Wort Pfirsich als Synonym für Kuß gebraucht.
-
-[97] Die Verrichtung der Bedürfnisse macht unrein, so daß eine Waschung
-vorgenommen werden muß.
-
-[98] Eine kleine baumwollene Mütze.
-
-[99] Tamerlan war nicht nur, wie sein Name besagt (Tamerlan
-ist entstanden aus Timur-lenk, d. i. Timur der Lahme), lahm, sondern
-auch sehr häßlich; über sein Gesicht zog sich eine schreckliche Narbe.
-Vgl. unten Nr. 327.
-
-[100] Ein Fastenmahl.
-
-[101] Siehe die Fußnote auf S. 13.
-
-[102] Nämlich die oben als Nr. 71 mitgeteilte.
-
-[103] Über die Quellen, die Decourdemanche für die einzelnen Stücke
-benutzt hat, sei nach seinen Angaben folgendes mitgeteilt: Die
-Nummern 1-179 beruhen auf einem Manuskripte ägyptischer Herkunft, von
-dem er meint, daß es Cardonne gehört habe, und dessen Papier, ein
-französisches Fabrikat, die Jahreszahl 1757 aufweist, die Nummern
-180-210 auf einem zu Ende des 16. oder zu Anfang des 17. Jahrhunderts
-niedergeschriebenen Manuskripte, die Nummern 211-214 auf einem
-Manuskripte des 19. Jahrhunderts, die Nummern 215-224 auf einem
-Manuskripte mit alter arabischer Schrift, die Nummern 225-238 auf einem
-Manuskripte in ägyptischem Arabisch, die Nummern 239-268 auf einem
-Manuskripte vom Jahre 1089 der Hidschra (= 1678 u. Z.), die Nummern
-269-279 auf einem Manuskripte des 19. Jahrhunderts, die Nummern 280-292
-auf einem Manuskripte, das das Ankaufsdatum von 1614 trägt, die Nummern
-293-295 auf Dietericis _Chrestomathie Ottomane_ und die Nummern 296-321
-auf dem Volksbuche.
-
-[104] Der zuerst genannte Titel ist der der benutzten Fassung. Der
-erste Absatz der Noten gibt die Textstellen, der zweite und dritte
-geben Verweise und Literaturnachweise.
-
-[105] Die an dieser Stelle gebrachten Nachweise gehören fast sämtlich
-zu der 3. Facetie Arlottos (I, S. 7 ff. und 174 ff.).
-
-[106] Vgl. Brockelmann, _Geschichte der arabischen Litteratur_, I,
-Weimar, 1898, S. 154 ff.
-
-[107] Vgl. Brockelmann, II, S. 502.
-
-[108] Brockelmann, I, S. 53 ff.
-
-[109] Soll wohl _Matinensis_ heißen.
-
-[110] Brockelmann, II, S. 29.
-
-[111] D. i. Roberti Titii Burgensis _Locorum controversorum libri X_,
-Florentiae, 1583.
-
-[112] D. i. Ménage, _Origini della lingua italiana_, Geneva, 1685.
-
-[113] Plutarch, De exilio, 6: Καίτοι γελῶμεν τὴν ἀβελτερίαν τοῦ
-φάσκοντος, ἐν Ἀθήναις βελτίονα σελήνην εἶναι τῆς ἐν Κορίνθῳ.
-
-[114] D. s. Angeli Monosinii _Floris italicae linguae libri novem_,
-Venetiis, 1604.
-
-[115]Τὰ ὑπολειπόμενα εἶναι εὐνόητα· προσφυγὴ τοῦ Ἑβραίου
-εἰς τὰ δικαστήρια, δικαίωσις τοῦ Χώτζα, διατεινομένου ὅτι παρὰ
-τοῦ Ἀλλὰχ ἐζήτησε καὶ ἔλαβε τὸ ποσόν, καὶ ὁτι εἶναι
-ἀδύνατον νὰ παραδεχθῇ ὅτι εὑρίσκεται ἄνθρωπος, καὶ μάλιστα Ἑβραῖος,
-δυνάμενος νὰ παίζῃ τοσοῦτον κινδυνῶδες μετὰ τῶν χρημάτων αὐτοῦ, καὶ
-τέλος νόμιμος ἀπώλεια τῶν ῥιφθεισῶν αὐτῷ λιρῶν.
-
-[116] Über diese beiden Sammlungen vgl. Wesselski, _Mönchslatein_, S.
-199 und Firenzuola, _Novellen und Gespräche_, übers. v. Wesselski,
-München 1910, S. 176 ff.
-
-[117] Cantimir schickt der Erzählung folgende Worte voraus: Nos
-Historiens ajoutent encore une circonstance bien capable de convaincre;
-c’est qu’avant l’engagement (gemeint ist die Schlacht von Angora am 20.
-Juli 1402, in der Bajazet von Timur geschlagen und gefangen genommen
-worden ist) Tamerlan qui etoit campé assez près de Jenishehir, c’est
-Neapolis de l’Asie mineure, passa trois jours à écouter Nasruddin
-Hoja: ce bouffon, ou plutôt cet Esope Turc charma si fort le Prince
-avec ses fables, qu’il lui fit oublier de saccager la ville. Je dois
-quelque chose à la curiosité de mon Lecteur, et je vais par maniere de
-digression l’amuser de qelques particularités au sujet de cet homme-là:
-je les prends d’un ~livre Turc~.
-
-[118] S. dazu unten die Anmerkung zu Nr. 265.
-
-[119] Das Motiv von der ~lebenden Kette~ kommt natürlich auch in andern
-Verbindungen vor, worüber man Köhler I, S. 113 vergleiche, ferner
-Hans Sachs, IV, S. 73 ff., M. Lidzbarski, _Geschichten und Lieder
-aus den neuaramäischen Handschriften der Kgl. Bibliothek zu Berlin_,
-Weimar, 1896, S. 71 ff., Bolte in der _Z. f. vgl. Littg._, XI. S. 233
-und _Archiv für slavische Philologie_, XXI, S. 281 und XXVI, S. 462;
-weiter außer den an diesen Stellen gegebenen Verweisen: _The Kathá
-Sarit Ságara_, transl. by C. H. Tawney, Calcutta, 1880 ff., II, S.
-111 ff.; _The Sackful of News_ bei Hazlitt, II, S. 185; P. Sébillot,
-_Littérature orale de la Haute-Bretagne_, Paris, 1881, S. 255; Bronner,
-_Bayerisches Schelmen-Büchlein_, S. 164.
-
-[120] S. Brockelmann, II, S. 15 ff.
-
-[121] S. Brockelmann, II, S. 56.
-
-[122] Vgl. die oben auf Seite 201 ff. gemachten Angaben über das Alter
-der im _Sottisier_ benützten Manuskripte.
-
-[123] 833 gestorben.
-
-[124] _Koran_, 21, v. 68 u. 69.
-
-[125] _Koran_, 20, v. 68-72.
-
-[126] _Koran_, 20, v. 79.
-
-[127] _Koran_, 20, v. 23.
-
-[128] _Koran_, 3, v. 43.
-
-[129] In der Vorbemerkung sagt Durnoret: »Les trois petits contes qu’on
-va lire sont extraits de _Nasser eddin khodjah_ appellé vulgairement
-_Nazérétin khodjah_. Cet écrivain facétieux a composé un livre
-d’histoires écrites en turc, parmi lesquelles on en trouve quelques
-unes d’assez plaisantes et d’assez originales. En général le style de
-Nazérétin est simple et naturel, sans être privé néanmoins de cette
-grâce qui fait le merite du conteur. Son recueil qui est très-répandu
-en Orient, existe à Paris parmi les manuscrits de la Bibliothèque du
-Roi. Nous avons eu pendant longtemps à notre disposition un petit
-manuscrit des oeuvres de cet auteur ...« Bemerkt sei hier noch, daß
-die erste der drei von Dumoret mitgeteilten Erzählungen eine ziemlich
-genaue Parallele zu Arlotto, Nr. 171 (II, S. 179 ff. und 253 ff.)
-bietet.
-
-[130] Die neapolitanische Version kenne ich nur aus den Zitaten Amalfis
-a. a. O. und den G. Ruas im _Giornale storico della letteratura
-italiana_, XVI, S. 257.
-
-[131] Ebenfalls um einen Gruß streiten sich drei dumme Schulmeister in
-einer Geschichte im _Madschmu az zarf_ von Abu Madjan (Ende des 12.
-Jahrhunderts; vgl. Brockelmann, I, S. 438), die Basset in der _RTP_,
-XXI, S. 441 ff. übersetzt hat; der zweite Schulmeister erzählt, wie
-sich seine Schüler und er selbst im Brunnen gesehn haben usw., wozu
-oben Nr. 165 und unten Nr. 311 zu vergleichen sind.
-
-[132] Nachweise geben Grimm in den _KHM_, III, S. 233 ff., Österley
-zu Paulis _Schimpf und Ernst_, Nr. 261 und zu _Gesta Romanorum_, Nr.
-91, Liebrecht in _Zur Volkskunde_, Heilbronn, 1879, S. 119, Bolte
-zu Schumanns _Nachtbüchlein_, Nr. 43 mit den Nachträgen bei Frey,
-S. 285, Goetze-Drescher bei Hans Sachs, V, S. 249 und Rua a. a. O.;
-dazu noch T. Garzoni, _La sinagoga de gl’ignoranti_ (1. Ausg. 1589),
-Venetia, 1605, S. 70 ff. (»appreßo à Filarco«). Um vier Penny, die dem
-närrischesten gehören sollen, streiten ~vier~ Weber bei Swynnerton, S.
-252 ff., No. 37: _Of the four foolish weavers_.
-
-[133] Die darin unserer Erzählung vorangehende hat eine Parallele in
-der serbischen Ausgabe, S. 178 ff.
-
-[134] Zu dem Motive ~Seigneur dessus, seigneur dessous~ vgl. Wesselski
-im _Euphorion_, XV, S. 12, Nr. 42 und Köhler, III, S. 167. Die auf
-der Novelle Morlinis beruhende Novelle Straparolas ist die Quelle für
-das 19. Kapitel des _German Rogue_ (Brie, _Eulenspiegel in England_,
-S. 119); auf die 33. der _Cent nouvelles nouvelles_ gehen _Recueil_,
-1555, S. 131 ff., nouv. 33, _Aventures_, 1556, S. 160 ff., nov. 36 und
-_Aventures_, 1577, Bl. 71b ff., devis 26 zurück.
-
-
-
-
-Inhalt des I. Bandes
-
- Seite
-
- Einleitung IX
-
- I. Türkische Überlieferungen 1
-
- 1. Die hundertfünfundzwanzig Schwänke des
- Volksbuchs 3
-
- 2. Aus Manuskripten verschiedenen Alters 67
-
- 3. Angeblich historisches 187
-
- 4. Moderne Volkserzählungen aus Nasreddins
- Heimat 193
-
- Anmerkungen literatur- und stoffgeschichtlichen
- Inhalts 197
-
- Die seltsame Predigt 205
-
- Der lebendige Traum 206
-
- Sonderbare Zeitrechnungen 207
-
- Was geschieht mit den alten Monden? 208
-
- Strafe von Tieren 208
-
- Rhaphanizein 211
-
- Sich selber nicht kennen 214 und 274
-
- Der vermeintliche Tote 216, 217, 226 und 240
-
- Abhacken des Astes, auf dem man sitzt 216
-
- Memminger Mond 218
-
- Dank an die Kleider 222
-
- Der Esel als Richter 224
-
- Scipio und Ennius 225
-
- Todeszeichen 225
-
- Den Fröschen Geld gegeben 226
-
- Drei Fragen (Kaiser und Abt) 226
-
- Früchte an den Kopf geworfen 227
-
- Eiche und Kürbis (Fabel) 228
-
- Einbeiniges Geflügel 229
-
- Dieb auf dem Mondstrahl 231
-
- Reiter kennt sein Pferd nicht 234
-
- Verkehrt aufsitzen 235
-
- Kuhmist an der Zimmerdecke 236
-
- Die Rettung des Mondes 241
-
- Lebende Kette 242 und 269
-
- Verbrennung eines Hauses des Ungeziefers halber 244
-
- Kürbis als Pferdeei 249
-
- Luftschlösser 249
-
- Spiegelbild verkannt 250 und 276
-
-
- Befehle bei einem verkehrten Anlasse befolgt 251
-
- Verkehrte Ansprache oder Begrüßung 252
-
- Des Schneiders Fahne 256
-
- Der Dämon als Reittier 261
-
- Der Bettler bei dem Gatten seiner ehemaligen
- Frau 263
-
- Schweigwette 263
-
- Streit um einen Gruß 263
-
- Wettstreit der drei Faulen 264
-
- Der vermeintlich verlorene Esel 267
-
- Die verwechselten Füße 269
-
- Fleischverkauf an die Hunde 270
-
- Seigneur dessus, seigneur dessous 271
-
- Heimschicken von Tieren usw. 272
-
- Der Schüler aus dem Paradiese 275
-
- Der getäuschte Verfolger 276
-
- Mit dem Diener teilen 280
-
- Der Lehrer, der nicht lesen kann 282
-
-
-
-
-_Index._‚
-
-
- ibn Abdirabbihi, _Kitab al ikd al farid_‚ I, 206 254 258; II, 201 202
- 230 238 240.
-
- al Abschihi, _Mustatraf_‚ I, 255 257 273 279; II, 202 203 230 236 238.
-
- Abstemius, _Hecatomythia_‚ II, 249.
-
- Agricola, _Sprichwörter_‚ I, 239.
-
- Alexander ab Alexandro, _Dies geniales_‚ II, 185.
-
- _Amans (Les) trompez_‚ II, 250.
-
- Andrews, _Contes ligures_‚ II, 183 195.
-
- _Anthropophyteia_‚ I, 207 216 217 224 228 237 273 278 279; II, 232
- 243.
-
- ibn Arabschah, _Fakihat al hulafa_‚ I, 217 255; II, 186.
-
- _Archie Armstrong’s Banquet of Jests_‚ I, 231 237 249 250; II 219.
-
- Arguijo (Juan de), _Cuentos_‚ II, 226 233.
-
- Arienti, _Porretane_‚ I, 220 239 254.
-
- Arlottos _Schwänke_‚ I, 205 207 227 240 246 256 259 260 275 278;
- II, 203.
-
- Armeno-Wetzel, _Die Reise der Söhne Giaffers_‚ II, 198.
-
- Artin Pascha (Yakoub), _Contes populaires de la vallée du Nil_‚ I 224;
- II, 229 234.
-
- Asbjörnsen, _Fairy Tales from the Far North_‚ I, 274.
-
- Aesop I, 218 259; II, 206.
-
- Augier et Sandeau, _Le gendre de M. Poirier_‚ I, 208.
-
- Aurbacher, _Volksbüchlein_‚ I, 211 220 232 272.
-
- _Aventures (Les joyeuses)_, 1556 I, 223 233 271; II, 187.
-
- _Aventures (Les joyeuses)_, 1577 I, 233 271.
-
-
- _Baitál Pachisi_‚ II, 185.
-
- Bandello, _Novelle_‚ I, 222 242; II, 250.
-
- _Banquet (A choice) of Witty Jests_‚ II, 219.
-
- Baraton, _Poesies_‚ I, 225 280.
-
- Bar-Hebraeus, _The Laughable Stories_‚ I, 212 219 231 243 260 267 276
- 282; II, 181 183 188 191 224 230 241 242.
-
- Basile (Giamb.), _Lo cunto de li cunti_‚ II, 205 211 214.
-
- Basset, _Contes d’Afrique_‚ I, 216 233 236; II, 204 205.
-
- — _Contes berbères_‚ I, 280; II, 201 243.
-
- — _Lôqman berbère_‚ I, 226 273; II, 204.
-
- — _Zenatia_‚ I, 239 263; II, 201.
-
- Bebel, _Schwänke_‚ I, 210 231 240 252 275 280; II, 212 214 216 233.
-
- Behrnauer, _Die vierzig Veziere_‚ I, 250 279.
-
-
- Beroalde de Verville, _Le Moyen de parvenir_‚ I, 277.
-
- Bezemer, _Volksdichtung aus Indonesien_‚ II, 197.
-
- _Bharataka Dvâlrinçikâ_‚ I, 217.
-
- Birlinger, _Volksthümliches aus Schwaben_‚ I, 268.
-
- Bladé, _Contes populaires de la Gascogne_‚ I, 208 217 236 241 252 269;
- II, 205 245.
-
- Boccaccio, _Decameron_‚ I, 216 229; II, 186.
-
- Böhm, _Lettische Schwänke_‚ I, 249 252 268 274 276; II, 182 184 197
- 205 209 212 214.
-
- Boner, _Der Edelstein_‚ I, 220 237; II, 194 244.
-
- Bouchet, _Les Serées_‚ I, 277; II, 224.
-
- Brant (Sebastian), _Esopi appologi_‚ I, 257 268; II, 249.
-
- Bromyard, _Summa praedicantium_‚ II, 189 213.
-
- Bronner, _Bayerisches Schelmen-Büchlein_‚ I, 207 220 242 246 249 273;
- II, 209.
-
- Bullinger, _Contra Cochlaeum_‚ II, 219.
-
- Busch, _Ut ôler Welt_‚ I, 252 276 280; II, 197 207 212.
-
- Bütner (Wolfgang), _Von Claus Narren_‚ I, 213 223 238 241; II, 196
- 209 226.
-
- Büttner, _Suaheli-Litteratur_‚ I, 213 225; II, 212.
-
-
- Camerarius (Joachim), _Arithmologia_‚ II, 187.
-
- — _Fabulae_‚ I, 259; II, 249.
-
- Campbell, _Popular Tales of the West-Highlands_‚ I, 208 261 268 269
- 272 274.
-
- C. A. M. v. W., _Zeitvertreiber_‚ I, 221 222; II, 221.
-
- Carbone (Lodovico), _Facezie_‚ I, 225 250; II, 248.
-
- Cardonne, _Mélanges de littérature Orientale_‚ I, 256 259; II, 241.
-
- Carnoy, _Littérature orale de la Picardie_‚ I, 252 272; II, 183 205.
-
- Casalicchio, _L’utile col dolce_‚ I, 225 250 262; II, 232.
-
- Castiglione, _Il cortegiano_‚ I, 225; II, 227 239.
-
- Catull I, 211.
-
- Celtes, _Epigramme_‚ II, 214.
-
- _Cent nouvelles nouvelles_‚ I, 271; II, 187 204.
-
- Cervantes, _Don Quixote_‚ I, 268.
-
- Chappuis, _Les facétieuses Journées_‚ I, 247.
-
- Chevreau, _Histoire du monde_‚ II, 191.
-
- Cicero, _De oratore_‚ I, 225; II, 239.
-
- Cieco da Ferrara, _Mambriano_‚ I, 265.
-
- _Conceites (The Pleasant) of Old Hobson_‚ I, 225 234.
-
-
- Conceits, _Clinches, Flashes, and Whimzies_‚ II, 219.
-
- _Conceyts (Certayne) and Jests_‚ I, 231; II, 226.
-
- Cortesius, _Volantillae_‚ II, 221.
-
- Cosquin, _Contes populaires de Lorraine_‚ I, 272; II, 182 183 184 195
- 203 204 205 209 211 213 214 245.
-
- Costo, _Il Fuggilozio_‚ I, 228 235 278; II, 190 210 229.
-
- Cowell, _The Jâtaka_‚ I, 272.
-
- Crane, _Italian Popular Tales_‚ I, 265; II, 195 211.
-
- _Cukasaptati_‚ II, 187.
-
-
- Dähnhardt, _Natursagen_‚ I, 265.
-
- Daudiguier (Henry), _Lysandre et Calisto_‚ II, 249.
-
- Delicado, _La Lozana andaluza_‚ II, 249.
-
- _Delight and Pastime_‚ I, 215.
-
- _Democritus ridens_‚ I, 213 215 266 280.
-
- _Descriptio Norfolcensium_‚ II, 230.
-
- Des Periers, _Nouvelles récréations_, I, 223 233 235; II, 248.
-
- Domenichi, _Facetie_‚ I, 215 221 231 232 250 266; II, 187 204 220
- 226 234.
-
- Doni, _I Marmi_‚ I, 231.
-
- — _Rime del Burchiello_‚ I, 233.
-
- — _La Zucca_‚ II, 221.
-
- Dschami, _Bäharistan_‚ I, 259 282; II, 189 202 239 240 241.
-
- al Dschausi, _Kitab al askija_‚ II, 189.
-
- Dschelaleddin Rumi, _Mesnewi_‚ I, 248 272; II, 185 243.
-
- Dunbar (William) I, 256.
-
-
- _Echa rabbathi_‚ II, 202.
-
- _England’s Jests_‚ I, 229; II, 218.
-
- Eyering, _Proverbiorum copia_‚ I, 220 237 247 250 280.
-
-
- _Fables turques_‚ I, 267; II, 227.
-
- _Fabliaux (Deutsche)_‚ s. Hagen, Keller (Ad. v.) und Lambel.
-
- _Fabliaux (Französische)_‚ s. Legrand und Montaiglon-Raynaud.
-
- _Facecies, et motz subtilz_‚ II, 220 229.
-
- _Facetie (Les piacevoli et ridiculose) di M. Poncino della Torre_‚
- I, 220.
-
- _Facetie, motti, buffonerie et burle del Piovano Arlotto_‚ I, 247.
-
- _Facezie e motti dei secoli XV e XVI_‚ II, 217.
-
- al Farazdak I, 215.
-
-
- _Farce des deux savetiers_‚ I, 220.
-
- _Fincken-Ritter (Der edle)_‚ I, 244; II, 239 245.
-
- Firenzuola, _La Trinuzia_‚ I, 275.
-
- Fleury, _Littérature orale de la Basse-Normandie_‚ I, 210; II, 182.
-
- Frey, _Gartengesellschaft_‚ I, 244 249 252 257 275; II, 192 204 212
- 237.
-
-
- Galland, _Les paroles remarquables des Orientaux_‚ I, 207 232 247 258
- 259 261 262 263 282; II, 202 225 239 240 241.
-
- Garibay, _Cuentos_‚ I, 229 247.
-
- Garzoni, _La piazza universale_‚ I, 247.
-
- — _La sinagoga de gl’ignoranti_‚ I, 265.
-
- Gastius, _Convivales sermones_‚ I, 231; II, 187 225.
-
- Georgeakis et Pineau, _Le Folk-lore de Lesbos_‚ I, 221 251 269.
-
- Gerlach, _Eutrapeliae_‚ I, 247.
-
- _German Rogue_‚ I, 271.
-
- _Gesta Romanorum_‚ I, 264; II, 185 194 206.
-
- Giuliano, _Dialogo d’un medico con un secretario et un palafreniere_‚
- II, 190.
-
- Gladwin, _The Persian Moonshee_‚ I, 222 243 254 258 259; II, 203 239
- 243.
-
- Gonzenbach, _Sicilianische Märchen_‚ II, 213 215.
-
- _Gotham (The Mad Men of)_‚ s. _Tales_‚.
-
- _Grillenvertreiber_‚ I, 217.
-
- Grimm, _Kinder- und Hausmärchen_‚ I, 222 264 272; II, 201 206 210 215
- 220.
-
- Grimmelshausen, _Vogelnest_‚ II, 251.
-
- Guicciardini, _Detti et fatti_‚ I, 225; II, 248.
-
- _Guru Paramártan_‚ I, 217 225 268.
-
-
- Hagedorn II, 190.
-
- Hagen, _Gesammtabenteuer_‚ II, 188 214 245.
-
- Haltrich, _Deutsche Volksmärchen aus Siebenbürgen_‚ I, 217 270;
- II, 205 206 215.
-
- Hammer, _Rosenöl_‚ I, 248 261; II, 196 203 240 242 243.
-
- Harrington (John) I, 257.
-
- Harsdörfer, _Ars apophtegmatica_‚ I, 222 229 231 247 250 280;
- II, 221 233.
-
- Hebel, _Schatzkästlein_‚ I, 215; II, 190 226.
-
-
- Heine, _Reisebilder_‚ I, 208.
-
- Herbelot, _Orientalische Bibliothek_‚ I, 245; II, 241.
-
- Hermotimus, _Additamenta_‚ II, 220 229.
-
- Herrant v. Wildonie II, 188.
-
- ibn Hidschdscha, _Thamarat al aurak_‚ I, 247.
-
- Hierokles s. _Philogelos_‚.
-
- _Hundred Mery Talys_‚ I, 239; II, 189 219.
-
-
- Ilg, _Maltesische Märchen_‚ I, 221 262 276 278; II, 183 205 209 210
- 213.
-
- Ispirescu, _Snóve_‚ I, 205 207 234 241 268 276; II, 185 229.
-
-
- _Jacke of Dovers Quest of Inquirie_‚ I, 248 249 266.
-
- Jacob, _Türkische Volkslitteratur_‚ II, 213.
-
- Jacobs, _Celtic Fairy Tales_‚ I, 269.
-
- — _English Fairy Tales_‚ I, 241 252 268 272 274; II, 182 183 195 206.
-
- Jacques de Vitry, _Exempla_‚ I, 245; II, 243.
-
- Jahn, _Schwänke und Schnurren_‚ I, 269; II, 195 206 229.
-
- _Jâtaka_‚ s. Cowell.
-
- _Jests of Scogin_‚ I, 221 225 237.
-
- _Joe Miller’s Jests_‚ I, 231 248; II, 219 229.
-
- Johannes Junior, _Scala coeli_‚ II, 202.
-
- Juvenal I, 211.
-
-
- al Kaljubi, _Nawadir_‚ II, 183.
-
- _Kathá Sarit Ságara_‚ s. Somadeva.
-
- Keller (Ad. v.), _Erzählungen aus altdeutschen Handschriften_‚
- I, 265; II, 188.
-
- Keller (Albr.), _Die Schwaben_‚ I, 208 220 226 249 269; II, 209.
-
- Kirchhof, _Wendunmuth_‚ I, 218 225 233; II, 206.
-
- Knoop, _Volkssagen_‚ I, 269.
-
- Knowles, _Folk-Tales of Kashmir_‚ I, 252 268.
-
- Kopisch I, 268.
-
- Krauss, _Sagen und Märchen der Südslaven_‚ I, 222 226 276 280;
- II, 205 206.
-
- — _Zigeunerhumor_‚ I, 207 210 222 253 254 268; II, 215 219 221 228
- 251.
-
- Kuka, _The Wit and Humour of the Persians_‚ I, 207 209 211 212 219
- 227 231 243 245 248 255 260 276 277 282; II, 185 186 187 202 203
- 223 226 231 236 237 238 240.
-
-
- La Fontaine II, 245 248.
-
- _Lalenbuch_‚ I, 235 269; II, 192 209.
-
- Lambel, _Erzählungen und Schwänke_‚ II, 188.
-
- Lamii, _Latifeh nameh_‚ I, 256.
-
- Landes, _Contes annamites_‚ I, 226 265; II, 221.
-
- _Leben (Das kurtzweilige) von Clement Marott_‚ I, 268; II, 249.
-
- Léger, _Recueil de contes populaires slaves_‚ I, 252.
-
- Legrand, _Fabliaux_‚ II, 245.
-
- Lehmann, _Exilium melancholiae_‚ I, 229 231 238 247 250 262 268 277;
- II, 219 229 237.
-
- —— _Florilegium politicum_‚ I, 208 237.
-
- Lidzbarski, _Geschichten aus neu-aramäischen Handschriften_‚ I, 242
- 255 265; II, 187 197 211 212 235 237.
-
- Lindener, _Katzipori_‚ I, 268.
-
- Lucas, _Diálogos_‚ I, 225.
-
- Lundorf, _Wißbadisch Wisenbrünlein_‚ I, 277.
-
- Luscinius, _Joci ac sales_‚ II, 225.
-
- Luzel, _Contes populaires de Basse-Bretagne_‚ II, 182 183 209.
-
-
- Mackenzie, _Tyll Owlglass_‚ I, 240.
-
- Abu Madjan, _Madschmu az zarf_‚ I, 264 277.
-
- al Maidani, _Madschma al amthal_‚ I, 214; II, 183 188 231.
-
- Marguerite de Navarre, _L’Heptaméron_‚ I, 278; II, 190.
-
- Marianus (Christophorus), _Convivium evangelicum_‚ I, 277.
-
- al Masudi, _Les Prairies d’or_, II, 181 245.
-
- Meder, _Quadragesimale_‚ II, 214.
-
- Meier, _Deutsche Sagen aus Schwaben_‚ I, 241.
-
- Meißner, _Neuarabische Erzählungen aus dem Iraq_‚ I, 227; II, 212 219
- 241 242 244.
-
- Melander, _Jocoseria_‚ I, 222 247 269; II, 187 219.
-
- Memel, _Anmuthige lustige Gesellschaft_‚ I, 221 222; II, 218.
-
- Ménage, _Origini della lingua italiana_‚ I, 218 228.
-
- Mendoza, _Lazarillo de Tormes_‚ I, 262.
-
- _Mensa philosophica_‚ I, 274; II, 233.
-
- Merkens, _Was sich das Volk erzählt_‚ I, 210 217 226 229 241 249 250
- 252 268 269 274; II, 182 215 229 237.
-
- _Meschreb, der weise Narr_‚ I, 230.
-
- Mey, _Fábulario_‚ I, 247 249.
-
- Minaef, _Indeiskija skasky_‚ II, 184.
-
-
- Monnier, _Les contes populaires en Italie_‚ I, 207 280; II, 183 206.
-
- Monosini, _Flores italicae linguae_‚ I, 219.
-
- Montaiglon-Raynaud, _Fabliaux_‚ II, 188 245.
-
- Montanus, _Schwankbücher_‚ I, 229 249 252 254 260 265 268 272;
- II, 197 206 245.
-
- Morlini, _Novellen_‚ I, 240 250 263 271 272; II, 184 212 213 228 237.
-
- Motylinski, _Dialogue en dialecte de Djerba_‚ I, 236.
-
- Müllenhoff, _Märchen und Lieder_‚ I, 241 268.
-
- Musculus, _Enarrationes_‚ I, 269.
-
-
- ~Narren, Gaukler und Volkslieblinge~:
- Arlotto s. _Arlottos Schwänke_‚.
- Armstrong s. _Archie Armstrong’s Banquet of Jests_‚.
- Bahlul II, 212 241.
- Barlacchia s. _Facetie, motti, buffonerie_‚.
- Abu Dulama II, 237.
- Eulenspiegel II, 246 249; s. auch Mackenzie.
- Gonnella II, 228.
- Habannaka I, 214; II, 231.
- Hobson s. _Conceites (The Pleasant)_‚.
- Karakusch I, 230; II, 210 229 230.
- Klaus Narr s. Bütner.
- Abu Nuwas I, 211; II, 184 242.
- Poncino della Torre s. _Facetie (Le piacevoli)_‚.
- Scogin s. _Jests of Scogin_‚.
- Sztukoris s. Veckenstedt, _Sztukoris_‚.
- Triboulet I, 223; II, 231.
-
- Nicolas de Troyes, _Le grand parangon des nouvelles nouvelles_‚
- I, 265.
-
- Nieri, _Racconti popolari lucchesi_‚ I, 257.
-
- Nopcsa, _Aus Sala und Klementi_‚ II, 206.
-
- _Novella dell Grasso legnajuolo_‚ I, 275.
-
- _Novelle antiche_‚ I, 227 229.
-
- _Nugae doctae Gaudentii Jocosi_‚ I, 269.
-
- _Nugae venales_‚ II, 235.
-
- _Nuzhal al udaba_‚ I, 230 234 257 282; II, 181 188 194 196 217 224
- 226 239 240 243.
-
-
- O’Connor, _Folk Tales from Tibet_‚ I, 225; II, 183 195.
-
- Ortoli, _Les contes populaires de l’île de Corse_‚ I, 241.
-
-
- Ouville, _L’Elite des Contes_‚ I, 228 277.
-
- _Oxford Jests_‚ I, 225; II, 221.
-
-
- Panciatichi, _Cicalate_‚ II, 226.
-
- _Pantagruéliques (Les)_‚ I, 225.
-
- _Pantschatantra_‚ (Benfey) II, 187 201 206 207 245.
-
- —— (Dubois) I, 263.
-
- _Parangon (Le) des Nouvelles honnestes_‚ I, 229.
-
- _Pasquil’s Jests_‚ I, 275.
-
- Pauli (Joh.), _Schimpf und Ernst_‚ I, 223 232 239 244 264 275;
- II, 185 189 194 197 245.
-
- Pauli (Seb.), _Modi di dire_‚ I, 228 265.
-
- Petrarca, _Epistolae_‚ II, 244.
-
- Petrus Alphonsi, _Disciplina clericalis_‚ I, 206.
-
- Pharaon, _Spahis, Turcos et Goumiers_‚ I, 222.
-
- Philagrius s. _Philogelos_‚.
-
- _Philogelos_‚ I, 206 208 210 213 219 222 225 230 263 274 277;
- II, 235 236 237 239 249.
-
- Pinedo (Luis de), _Libro de chistes_‚ I, 205; II, 221.
-
- Pitrè, _Fiabe, novelle e racconti popolari siciliani_‚ I, 217 250 265;
- II, 195 213.
-
- —— _Novelle popolari toscane_‚ I, 212 218 226 272; II, 182 201 211 212
- 213.
-
-
- Plutarch, _De exilio_‚ I, 219.
-
- —— _Questiones graecae_‚ II, 185.
-
- Poggio, _Facetiae_‚ I, 234 244 257 265 267 278; II, 190 204 229 232
- 246 249.
-
- Pontanus (Jo. Jov.), _Antonius dialogus_‚ II, 244.
-
- Predigtmärlein I, 222 231, 250, 280; II, 185 203 213 243. S. auch
- Bromyard, Jacques de Vitry, Johannes Junior, _Mensa philosophica_‚
- und Meder.
-
- Preindlsberger-Mrazovic, _Bosnische Volksmärchen_‚ II, 201 211.
-
- Prym und Socin, _Tur ’Abdîn_‚ I, 210 217 268; II, 241 249.
-
- Pulci, _Morgante_‚ I, 239.
-
-
- Radloff, _Volkslitteratur der türkischen Stämme Südsibiriens_‚
- II, 194 213.
-
- _Récréations françoises_‚ I, 278.
-
- _Recueil des plaisantes et facetieuses nouvelles_‚ I, 223 233 271;
- II, 187.
-
- Reinisch, _Die ’Afar-Sprache_‚ I, 278; II, 212.
-
- —— _Die Bedauye-Sprache_‚ II, 215.
-
- —— _Die Nuba-Sprache_‚ I, 223, 235; II, 206.
-
- —— _Die Saho-Sprache_‚ II, 215.
-
- Rittershaus, _Die neuisländischen Volksmärchen_‚ I, 226 240 252 263
- 272 274 276; II, 197 214.
-
- Rivière, _Contes populaires de la Kabylie du Djurdjura_‚ II, 184 205.
-
- Roda Roda, _Der Pascha lacht_‚ I, 213 225 232 258 260 261 263 268 272
- 280; II, 181 201 225 228 233 237.
-
- Roger _Bontemps en Belle Humeur_‚ II, 181 248.
-
- Rückert I, 211 269.
-
-
- _Saadi_‚ I, 258.
-
- Sacchetti, _Novelle_‚ I, 259 277.
-
- Sachau, _Fellichi-Dialekt von Mosul_‚ I, 255.
-
- Sachs (Hans) I, 223 229 232 256 257 259 265 268; II, 188 192 245.
-
- _Sackful of News_‚ I, 207 242; II, 182.
-
- Sagredo, _L’Arcadia in Brenta_‚ I, 220 225 228 247 254 266 280;
- II, 204 210 232 234.
-
- Santa Cruz (Melchor de), _Floresta española_‚ I, 229.
-
- Sauvé, _Le Folk-lore des Hautes-Vosges_‚ I, 220.
-
- Schiefner, _Tibetan Tales_‚ I, 242.
-
- _Schildbürger_‚ s. _Lalenbuch_‚.
-
- asch Schirwani, _Nafhat al jaman_‚ I, 211 243 260; II, 201 237.
-
- Schlegel (August Wilhelm) II, 246.
-
- Schleicher, _Litauische Märchen_‚ I, 217; II, 198.
-
- Schott, _Walachische Märchen_‚ II, 205.
-
- Schumann, _Nachtbüchlein_‚ I, 244 265 268 269 276; II, 203.
-
- Schupp I, 222 231.
-
- Sébillot, _Litteratture orale d’Auvergne_‚ I, 252; II, 205.
-
- —— _Litteratture orale de la Haute-Bretagne_‚ I, 252 272 276;
- II, 215 229 245.
-
- Sercambi, _Novelle_‚ I, 214; II, 246.
-
- _Siao li Siao_‚ I, 206.
-
- Sklarek, _Ungarische Volksmärchen_‚ II, 201 205 206.
-
- Socin und Stumme, _Der arabische Dialekt der Houwara_‚ II, 198 204
- 205.
-
- Somadeva, _Kathá Sarit Ságara_‚ I, 242; II, 182 201 213 247.
-
- Somma, _Cento racconti_‚ II, 190.
-
- Stobaeus II, 185.
-
- _Storia di Campriano contadino_‚ II, 197.
-
- Straparola, _Piacevoli notti_‚ I, 264 265 271; II, 184 216.
-
- Stricker, _Der Pfaff Amis_‚ II, 249.
-
- Stumme, _Maltesische Märchen_‚ II, 214.
-
- —— _Tunisische Märchen_‚ II, 245.
-
- Swynnerton, _Romantic Tales from the Panjâb_‚ I, 217 224 231 262 265
- 268 270 272 277; II, 184 195 243.
-
- _Syntipas_‚ II, 196.
-
-
- Tabourot, _Contes facecieux du Sieur Gaulard_‚ I, 208 219 272 277;
- II, 191 223 227 229.
-
- _Tale of Beryn_‚ I, 245.
-
- _Tales and Quicke Answeres_‚ I, 225 231 234 250 268; II, 249.
-
- _Tales (Mery) of the Mad Men of Gotham_‚ I, 244 268 272; II, 229.
-
- Tallemant des Reaux II, 214.
-
- _Tantrâkhyâyika_‚ I, 249; II, 213.
-
- _Tausend und eine Nacht_‚ I, 238 244 271 282; II, 198 204 213.
-
- Tewfik, _Ein Jahr in Konstantinopel_‚ II, 236.
-
- Theodulphus, _Carmina_‚ II, 218.
-
- _Tholedoth Jesu_‚ II, 244.
-
- Thorburn, _Bannú_‚ II, 184.
-
- Timoneda, _Patrañuelo_‚ I, 220.
-
- —— _Sobremesa_‚ I, 225 279.
-
- Titius, _Loci controversi_‚ I, 218.
-
- _Tombeau (Le) de la melancolie_‚ II, 248.
-
- _Tripitaka_‚ I, 242 272.
-
-
- Veckenstedt, _Sztukoris_‚ I, 224; II, 198.
-
- —— _Zamaiten_‚ I, 241.
-
- Velten, _Märchen der Suaheli_‚ I, 211; II, 212.
-
- Vinson, _Le Folklore du Pays Basque_‚ I, 217.
-
- ~Volkserzählungen~:
- Afghanische s. Thorburn.
- Ägyptische s. Artin.
- Albanische s. Nopcsa.
- Algerische s. Basset, _Contes berbères_‚ (auch von Berbern in
- Marokko usw.), derselbe, _Zenatia_, Pharaon und Rivière.
- Annamitische s. Landes.
- Brasilianische II, 195.
- Corsicanische s. Ortoli.
- Dalmatinische II, 182 205.
- Deutsche I, 217 242 246 268; s. auch Birlinger, Bronner, Busch,
- Grimm, Jahn, Albr. Keller, Knoop, Meier, Merkens und Müllenhoff.
- Englische s. Jacobs.
- Finnische II, 196.
- Französische I, 217 224 237 241 242 252 268 272 274 275; II, 182
- 184 190 195 203 205 209 211 212 213 215 231 243; s. auch Bladé,
- Carnoy, Cosquin, Fleury, Luzel, Sauvé, Sébillot und Vinson.
- Griechische II, 251; s. auch Georgeakis.
- Indische s. _Guru Paramártan_, Knowles, Minaef und Swynnerton.
- Indonesische s. Bezemer.
- aus dem Irak s. Meißner.
- Isländische s. Rittershaus.
- Italiänische I, 207 220 237 241 250 262 264 274; II, 180 212 213
- 215 219; s. auch Andrews, Crane, Gonzenbach, Monnier, Nieri, Seb.
- Pauli, Pitrè und _Storia_‚.
- Japanische I, 252.
- Jüdische I, 222 241.
- Keltische s. Campbell und Jacobs.
- aus dem östlichen Kleinasien s. Lidzbarski, Prym-Socin und Sachau.
- Lettische s. Böhm.
- Litauische s. Schleicher und Veckenstedt.
- Maltesische s. Ilg und Stumme.
- Marokkanische II, 205 247; s. auch Socin-Stumme.
- Nubische s. Reinisch, _Nuba_‚ und _Bedauye_‚.
- aus Ostafrika s. Reinisch, _’Afar_‚ und _Saho_‚.
- Rumänische s. Ispirescu und Schott.
- Russische I, 205.
- Sibirische s. Radloff.
- Siebenbürgische s. Haltrich.
- Skandinavische II, 195; s. auch Asbjörnsen.
- Spanische II, 221.
- Suaheli s. Büttner und Velten.
- Südslavische II, 195; s. auch _Anthropophyteia_, Krauss und
- Preindlsberger-Mrazovic.
- Tibetanische s. O’Connor und Schiefner.
- aus Timbuctu I, 216.
- Tunisische I, 277; II, 215; s. auch Motylinski und Stumme.
- Türkische II, 202; s. auch Jacob.
- Ungarische s. Sklarek.
- Westslavische s. Léger.
- der Zigeuner s. Krauss und Wlislocki.
-
-
- _Wajikra rabba_‚ I, 227; II, 235.
-
- Waldis, _Esopus_‚ I, 239 269; II, 206 249.
-
- Wickram, _Rollwagenbüchlein_‚ I, 207 232 235 249 275 278; II, 198 210.
-
- Wlislocki, _Märchen der transsilvanischen Zigeuner_‚ II, 206 209.
-
-
- Zabata, _Diporto de’ viandanti_‚ I, 212 220 225; II, 232.
-
- Zakani, _Die herzerfreuende Schrift_‚ I, 207 210 214 235 244 248;
- II, 185 217.
-
- az Zamachschari, _Rabi al abrar_‚ I, 235.
-
- _Zimmerische Chronik_‚ I, 248 269.
-
- Zincgref-Weidner, _Teutsche Apophtegmata_‚ I, 208 229 238 241 262;
- II, 189 196 226 229 231.
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