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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-06 22:18:10 -0800 |
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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: William Wilberforce, der Sklavenfreund - Ein Lebensbild, für die deutsche Jugend und das deutsche Volk gezeichnet - -Author: Hugo Oertel - -Release Date: February 19, 2017 [EBook #54201] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WILLIAM WILBERFORCE *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. - - Im Original gesperrter Text ist hier +so dargestellt+. - - Im Original fetter Text ist hier =so ausgezeichnet=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - -[Illustration: Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst-Anstalt in Nürnberg. - -William Wilberforce. - -Verlag von Julius Niedner in Wiesbaden.] - - - - - William Wilberforce, - der Sklavenfreund. - - Ein Lebensbild, - - für die deutsche Jugend und das deutsche Volk - gezeichnet - - von - - Hugo Oertel. - - Mit vier Abbildungen. - - Wiesbaden. - =Julius Niedner=, Verlagshandlung. - 1885. - - Philadelphia - bei Schäfer & Koradi. - - - - -Alle Rechte vorbehalten. - - - - -I. - - -Wir haben für den Mann, dessen Lebensbild wir auf den nachfolgenden -Blättern zeichnen wollen, da vorne auf dem Titelblatte die nähere -Bezeichnung »Der Sklavenfreund« gewählt, und gewiß mit gutem Grunde, -wie jeder, der den Mann erst aus diesem Büchlein kennen lernt, nach -Durchlesung desselben wird zugestehen müssen. - -Aber ob auch jeder unserer lieben Leser weiß, was es mit dieser -Bezeichnung auf sich hat, und wie sehr dieselbe berechtigt, denjenigen, -welchem sie mit voller Wahrheit zukommt, unter die bedeutenden Menschen -zu zählen, denen in diesem Büchlein ein ehrendes Gedächtnis gestiftet -werden soll? - -Was man unter +Sklaven+ versteht, brauchen wir ja wohl niemandem -erst weitläufig zu erklären. Jedermann hat ohne Zweifel von jenen -unglückseligen Menschen gehört, die von anderen Menschen, ihren -Brüdern, in der entsetzlichsten Knechtschaft gehalten werden; über die -von diesen, ihren sogenannten Herren, das vollste unbeschränkteste -Eigentumsrecht in Anspruch genommen wird; die wie das Vieh oder eine -tote Ware gekauft oder verkauft werden und meistenteils auch kaum eine -bessere Behandlung wie das Vieh erfahren. - -Und wer etwa schon solch ein Buch gelesen hat, wie das wohlbekannte -auch ins Deutsche übersetzte der Amerikanerin H. Beecher-Stowe, welches -den Titel führt: »Onkel Toms Hütte«, der hat auch schon einen Einblick -bekommen in das herzzerreißende Elend, welches die Sklaverei im -Gefolge hat. Und wenn er nur ein menschlich fühlendes Herz in der Brust -trägt, das sich von Jammer und Elend, wo und wie sie ihm begegnen, -rühren läßt, geschweige denn, wenn sein Herz ein christliches ist, in -welchem das Gebot lebt: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! so kann -er nicht anders, als seine höchste Achtung Solchen zollen, die ihre -ganze Kraft einsetzen, um das Elend der Sklaverei lindern zu helfen, ja -die auf die gänzliche Abschaffung der Sklaverei hinwirken, welche ohne -Zweifel der größte Schandfleck für die Menschheit ist, der nur gedacht -werden kann. - -Aber, so fragt man unwillkürlich, wie war es überhaupt möglich, daß -etwas so Entsetzliches und Schändliches wie die Sklaverei in der -Welt aufkam? Wie war es möglich, daß sich Menschen dazu herbeilassen -konnten, andere Menschen in eine Lage zu setzen, in welcher die -Menschenwürde geradezu mit Füßen getreten ist? - -Auf diese Frage kann man denn aber nur die rechte Antwort finden, -wenn man erwägt, daß von Uranfang her das Psalmwort (Psalm 10, -10) seine Wahrheit hatte: »Der Gottlose zerschlägt und drückt -nieder und stößt zu Boden den Armen mit Gewalt«; daß von jeher der -Stärkere, weil er dazu befähigt war, sich auch berechtigt hielt, den -Schwächeren zu unterdrücken und sich dienstbar zu machen. So war es -ja, wie gesagt, von Uranfang her, seitdem durch das Eindringen der -Sünde in die Welt und durch den dadurch hervorgerufenen Abfall der -Menschenherzen von Gott, in diesen an die Stelle der Liebe, dieses -Abglanzes des göttlichen Wesens, die Selbstsucht getreten ist; so -ist es noch heute, wo das Recht des Stärkeren ohne Scheu als ein -natürliches, unangreifbares Menschenrecht hingestellt, und auch in den -Schranken, die das Gesetz nur irgendwie zuläßt, mit der furchtbarsten -Rücksichtslosigkeit geübt wird; so wird es auch bleiben, solange nicht -das Grundgesetz des Christentums, das Gesetz der selbstverleugnenden -Liebe allenthalben zur vollen Geltung gekommen ist, wonach der Starke -seine Stärke nicht zur Unterdrückung, sondern zum Schutze des Schwachen -verwenden soll. - -Die Sklaverei an und für sich ist deshalb auch fast so alt wie das -Menschengeschlecht, und jedenfalls so alt als die Kriege in der Welt -sind. Denn die ersten Sklaven waren ohne Zweifel Kriegsgefangene, die -man zum Knechtsdienste zwang und gegen die man, weil sie Volks- oder -Stammesfeinde waren, an deren Hände das Blut der eigenen Landsleute -und Stammesgenossen klebte, ungescheut jede Grausamkeit und Gewaltthat -glaubte üben zu dürfen. Erst allmählig mag sich dann die Sklaverei -als ein dauernder, sogar gesetzlicher Zustand herausgebildet haben, -bei welchem die Sklaven als lebende Ware betrachtet und mit voller -Rechtsgiltigkeit gekauft und verkauft wurden. - -Die alten Denkmäler Ägyptens mit ihren Inschriften und Bildwerken -erheben es zur unbestreitbaren Gewißheit, daß dort im Nillande schon -etwa 1600 Jahre vor Christo die Sklaverei bestand, daß vollständige -Sklavenmärkte abgehalten wurden, ja daß schon damals Negersklaven -vorkamen, jedoch wohl nur als Kriegsgefangene, nicht aber als Glieder -der Menschenrasse, die vorzugsweise zur Sklaverei bestimmt sei und bei -der schon ihre Hautfarbe den Bann und den Fluch der Sklaverei bedingte. -Der traurige Ruhm, diese letztere Anschauung von der Bestimmung der -schwarzen Menschenrasse zur Sklaverei aufgebracht und diese Rasse als -eine niedrige Menschenart hingestellt zu haben, die sich vom Tiere kaum -anders als durch die äußere Gestalt unterscheide, fällt leider auf die -christlichen Nationen der Neuzeit. Und, um dies hier schon einzufügen, -leider wurde sogar aus dem Worte Gottes zu beweisen gesucht, daß die -Sklaverei der Schwarzen ein gottgewollter Zustand sei. Man mißbrauchte -nämlich jenen schweren Fluch, den Noah über die Nachkommen seines -Sohnes Ham, den man als den Stammvater der schwarzen Rasse ansieht, -aussprach, wie 1 Mos. 9, 25. 27 zu lesen steht, als Beweisstelle dafür; -man nahm also einen menschlichen Vaterfluch, der durch eine schwere -Sünde des Sohnes hervorgerufen war, als Ausdruck eines göttlichen -Willens und begründete dadurch jene heillose Verwirrung der Gewissen, -aus der, als aus einer trüben Quelle, all das entsetzliche Elend der -Negersklaverei, all die grauenhaften Grausamkeiten des Handels mit -Schwarzen hervorfloß. - -Auch unter den +Juden+ findet sich schon in frühester Zeit Sklaverei -und Sklavenhandel. Abraham besaß eine Menge von »Knechten«, die wohl -nichts anderes, als leibeigene Sklaven gewesen sind. Denn 1 Mos. 17, -23 werden ausdrücklich unter diesen Knechten solche unterschieden, die -daheim im Hause geboren, und solche, die erkauft waren. Wir haben also -da schon eine durch Geburt vererbte und ebensowohl eine durch Kauf zu -stande gekommenene Knechtschaft, und zwar in sehr ausgedehntem Maße. -Denn 1 Mos. 14, 9 werden allein 318 waffenfähige Knechte erwähnt, die -im Besitze des Erzvaters waren. - -Und weist nicht der Umstand, daß Jakobs Söhne ihren Bruder Joseph -an israelitische Händler verkauften, ebenfalls darauf hin, daß der -Sklavenhandel damals schon etwas ganz Gewöhnliches und Herkömmliches -war? - -Allerdings scheinen die Knechte oder Sklaven damals völlig zur -Familie gehört zu haben und keineswegs als völlig rechtlos geachtet -worden zu sein. Denn sie wurden ebenso wie die eignen Kinder und -Hausgenossen durch die Beschneidung in den Bund aufgenommen, den Gott -der Herr mit Abraham gemacht hatte (1 Mos. 14, 9) und bei Elieser, -dem treuen Knechte Abrahams, wurde sogar das Knechtsverhältnis ein so -verschwindendes, daß Abraham, als ihm noch der eigene Sohn mangelte, -Eliesers Sohn zu seinem Erben zu machen gedachte. (1 Mos. 15, 4.) - -Als Israel Gottes Volk geworden war und jedes Glied ein Knecht Gottes, -durfte kein Israelit »auf leibeigene Weise« (3 Mos. 25, 42) verkauft -werden, während die Leibeigenschaft von Nichtjuden nach wie vor -bestehen blieb. - -Allerdings konnte ein Israelit nach dem Gesetze in die Dienste -eines anderen kommen, entweder wenn er selbst sich und die Seinigen -freiwillig demselben in die Dienstbarkeit verkaufte, weil er wegen -Armut seine Familie nicht mehr durchbringen konnte, oder wenn er -durch gerichtlichen Zwangsverkauf ihm zufiel, weil er z. B. für einen -begangenen Diebstahl nicht den genügenden Ersatz leisten konnte. Aber -es waren im Gesetze Anordnungen getroffen, welche dem in solcher Weise -unfrei gewordenen die Rückkehr in die Freiheit und Selbstständigkeit -ermöglichten; und vor allem durfte ein solcher Unfreier an Auswärtige -nicht wieder verkauft werden. - -Jedoch auch die heidnischen Sklaven hatten sich nach dem mosaischen -Gesetze einer im Ganzen menschlichen Behandlung zu erfreuen. Wer einen -seiner heidnischen Sklaven bei etwaiger Züchtigung oder im Zorne -tötete, wurde bestraft, wenn der Tod unmittelbar erfolgte; überlebte -dagegen der Sklave die Mißhandlung um einige Tage, sodaß sein Tod nicht -als unmittelbare Folge derselben angesehen werden konnte, so wurde -angenommen, daß der Tod nicht absichtlich herbeigeführt worden sei, -und der Herr wurde als durch den Verlust des Sklaven genug bestraft -angesehen. - -Auch bei den alten +Griechen+ stand die Sklaverei in voller Blüte -trotz des starken Freiheitssinnes, der in diesem Volke lebte; ja die -ganze gesellschaftliche Ordnung der Griechen forderte gewissermaßen -die Unfreiheit anderer, die Sklaverei, als notwendige Unterlage. Damit -sich die freien Staatsbürger ganz und ausschließlich dem öffentlichen -Leben und den Staatsgeschäften widmen könnten, wie es in einer Republik -nötig erschien, durfte es nicht an Solchen fehlen, die sich lediglich -den kleinlichen Geschäften des täglichen Lebens und der Besorgung des -Hauswesens widmeten. Zu den schwereren und gröberen Arbeiten verwendete -man die Kriegsgefangenen, während die auf den Märkten gekauften Sklaven -vorzugsweise zu Hausdienern genommen wurden. Berühmte Sklavenmärkte -wurden auf den Inseln Delos und Chios abgehalten, wohin aus Ägypten -auch Negersklaven geschickt wurden, die als Luxus-Sklaven sehr beliebt -waren und von besonderem Reichtum des Besitzers Zeugnis gaben. - -Ehe der berühmte Solon seine Gesetze gab, durfte der Gläubiger auch -zahlungsunfähige Schuldner in die Sklaverei verkaufen, und selbst -Eltern war dies mit ihren Kindern gestattet. - -Jedoch war bei den Griechen die Behandlung der Sklaven im Großen und -Ganzen nichts weniger als unmenschlich. Der Herr konnte genötigt -werden, einen Sklaven, den er aus Bosheit grausam behandelte, zu -verkaufen, ja er konnte selbst alle seine Rechte auf ihn verlieren. In -Athen wurde der Herr, welcher einen seiner Sklaven getötet hatte, in -die Verbannung geschickt, und die Tötung eines fremden Sklaven wurde -ebenso bestraft wie die eines freien Mannes. Überhaupt war der Sklave -bei den Griechen nicht völlig rechtlos, konnte sogar bis zu einem -gewissen Grade eigenes Vermögen erwerben. - -Anders war es bei den alten +Römern+, deren ganzes Staatswesen -auf Gewaltsamkeit aufgebaut war und denen die beständig geführten -Kriege zahllose Gefangene als Sklaven zuführten. Bei ihnen galt der -kriegsgefangene Sklave nicht mehr als jede andere tote Kriegsbeute; -er war nur eine Sache, über die dem Herrn das unbeschränkteste -Eigentumsrecht zustand. Er konnte und durfte seine Sklaven ganz -willkürlich verheiraten und dann wieder von Weib und Kind weg -verkaufen, sie wegen Krankheit aussetzen, zum Kampfe mit wilden Tieren -bestimmen oder auch selbst ungestraft töten. - -Rom wurde bald der bedeutendste Sklavenmarkt der Welt, und reiche -Römer hatten die Sklaven zu vielen Hunderten. Allein dieselben wurden -keineswegs blos zu den niedersten Knechtsdiensten verwendet, sondern es -gab unter ihnen Ärzte, Schreiber, Dichter, Schriftsteller, Lehrer und -Erzieher. - -Erst unter den Kaisern wurde die völlige Rechtlosigkeit der Sklaven -einigermaßen beschränkt. Sie konnten jetzt Testamentserben werden und -Verträge selbständig und rechtskräftig schließen; sie standen unter den -Gesetzen des natürlichen Rechtes, durften z. B. nicht in bestimmten -Verwandtschaftsgraden heiraten; sie konnten, wenn sie ihre Freilassung -erlangt hatten, ihre früheren Herren wegen erlittener Mißhandlungen -gesetzlich belangen. Gegen das Ende der Kaiserzeit war es für die -vornehmen Römer ein Ehrenpunkt, recht viele Freigelassene zu haben, die -zu dem Hause des Befreiers in einer gewissen Beziehung blieben. - -So blühte in der ganzen alten Welt die Sklaverei, allerdings zum -größten Nachteile der Sklavenbesitzer selbst, die sich durch die -Sklaverei der freien Arbeit entwöhnten und diese als eine Schande für -den Freigeborenen ansehen lernten, ja der Staaten selber. Man kann wohl -sagen, die alte Welt ging an der Sklaverei zu Grunde, weil sie durch -dieselbe den arbeitenden Mittelstand verlor, ohne den kein Staatswesen -auf die Dauer bestehen kann. - -Im Mittelalter nahm die Sklaverei die mildere Form der »Hörigkeit« -an, welche die Freiheit und das Recht der Selbstbestimmung für die -Hörigen keineswegs ganz aufhob. Nur wo das römische Recht volle Geltung -erlangte, fand sich noch wirkliche Sklaverei der Kriegsgefangenen. -Sonst wurden die Bewohner eines eroberten Landes nur gezwungen, -den Grund und Boden zu bearbeiten und dann an die Sieger neben -persönlichen Dienstleistungen, die bestimmt festgesetzt waren, gewisse -Natural-Abgaben von dem Ertrag des ihnen überlassenen Landes zu -entrichten. - -Wir haben schon oben erwähnt, daß erst die neuere Zeit sich den -traurigen Ruhm erwarb, die Negersklaverei eingeführt und die Ansicht -in Gang gebracht zu haben, daß die Neger eigentlich gar keine rechte -Menschen seien, und daß es für die Weißen nichts Unmenschliches, -sondern etwas völlig Berechtigtes sei, sie in die Sklaverei zu -schleppen und sich ihre rohe Kraft dienstbar zu machen. - -Schon um's Jahr 1440 brachten die Portugiesen Negersklaven in den -Handel und im Jahre 1460 bestand in der portugiesischen Hauptstadt -Lissabon ein öffentlicher Markt, auf welchem Neger zum Kaufe gestellt -wurden. - -Wie man dieselben erhielt? -- Durch Raubzüge, die man auf den Küsten -Afrikas veranstaltete und auf denen man alle Neger, deren man -habhaft werden konnte, einfing und sie in möglichst großer Zahl enge -zusammengepfercht in kleine, schnellsegelnde Schiffe packte. Ging -dabei auch ein großer Teil der Eingefangenen und vielleicht schwer -Verwundeten zu Grunde, so wurde doch noch immer an den Überlebenden ein -so großer Gewinn gemacht, daß die Habsucht reiche Befriedigung fand -und die auf solche Raubzüge verwendeten Kosten hohe Zinsen trugen. Als -diese Raubzüge sich nicht mehr lohnten, weil die Neger, durch Schaden -klug gemacht, auf ihrer Hut waren und sich in das Innere des Landes -und seine unzugänglichen Schlupfwinkel zurückgezogen, sobald sich ein -Schiff an der Küste blicken ließ, auch den räuberischen Weißen blutigen -Widerstand leisteten und den Tod der Gefangenschaft vorzogen, da suchte -man mit den Negerhäuptlingen Verträge abzuschließen, welche diese -verpflichteten, gegen nichtigen Tand und geringwertige Zeuge und Geräte -ihre Untergebenen an die Weißen zu verkaufen. Wo die Überredung dabei -nicht zum Ziele führte, mußte der Branntwein helfen, den halb oder ganz -Trunkenen die Einwilligung abzupressen. - -Einen besonderen Aufschwung nahm die Negersklaverei und der grausame -Handel mit den armen Schwarzen nach der Entdeckung Amerikas zu Ende des -15. Jahrhunderts, denn die Spanier und Portugiesen erkannten bald, daß -die eingeborenen Indianer der neuentdeckten Länder viel zu schwächlich -seien, um die reichen Schätze, welche dort der üppige Boden und der -Reichtum des Erdinnern an edlen Metallen in Aussicht stellten, in -dem Maße zu heben, wie es die Habsucht und die entflammte Geldgierde -begehrten. Für Europäer aber erwies sich das Klima als ein zu -mörderisches, als daß man hätte daran denken dürfen, solche zu schwerer -Arbeit zu verwenden. Überdies wollten diejenigen Europäer, welche nach -dem neuentdeckten Weltteile hinüberzogen, nichts weniger als schwer -arbeiten, sondern waren nur von der Sucht getrieben, drüben, wo man das -Gold auf der Straße zu finden hoffte, recht schnell reich zu werden und -dann mit Gold beladen wieder heimzukehren. - -So schien es als das beste, ja als das allein mögliche, um die -kostbaren Entdeckungen recht auszubeuten, daß man die kräftigen, an das -heißeste Klima gewöhnten Neger nach Amerika verpflanzte. Und je mehr es -sich bewährte, daß dieselben das für die Europäer so verderbliche Klima -auch bei der schwersten Arbeit prächtig ertrugen, desto mehr befestigte -sich die Meinung und gestaltete sich allmählig zu einem unbestreitbaren -Grundsatze, an dem niemand zu rütteln wagen durfte, daß die Neger für -die westindischen Pflanzer ganz und gar unentbehrlich seien. - -Über die Frage, ob es recht sei, sie gewaltsam zu rauben und in -die Ferne zu schleppen, setzte sich die gewissenlose Habsucht und -Goldgierde leicht hinweg, oder, wo noch ein Gewissen sich regte, sie -zu erheben, da mußte jene Stelle der heiligen Schrift (1. Mos. 9, 25, -27) über alle Bedenken hinweghelfen, durch die man den Beweis erbracht -sah, daß die Nachkommen Kanaans, als die man die Schwarzen betrachtete, -nach göttlicher Ordnung für alle Zeiten bestimmt seien, den Fluch der -Knechtschaft zu tragen. - -Die Wildheit der eingeführten Neger, die nur mit Zähneknirschen das -aufgelegte Joch trugen, ihre für die Bewohner gebildeter Länder -abschreckende Rohheit, ihre von derjenigen der Weißen so sehr -abweichende Gesichtsbildung, alles dies brachte nun weiter leicht die -Behauptung zur allgemeinen Geltung, die Schwarzen seien eigentlich -nur Halbmenschen, welche nicht viel über dem Tiere ständen, und in -bezug auf welche deshalb auch die wirklichen Menschen, die Weißen, -das Gottesgebot für sich in Anspruch nehmen dürften, daß sie sich die -Erde unterthan machen und über alle ihre Geschöpfe herrschen sollten. -Das allein reichte freilich schon hin, für die Negersklaven von seiten -ihrer Herren eine Behandlung herbeizuführen, die bei ihnen durchaus -keine Menschenwürde mehr gelten ließ. Aber diese üble Behandlung mußte -sich notwendigerweise noch steigern, wenn es galt, die Neger zur Arbeit -anzuhalten, und das Kapital, welches man auf ihren Ankauf verwandt -hatte, und welches noch fort und fort ihre Unterhaltung erforderte, mit -möglichst hohem Gewinn aus ihrer Arbeit herauszupressen. Denn da konnte -nur der härteste Zwang die angeborene Trägheit der Neger überwinden, -und nur der furchtbaren Peitsche aus Nashornhaut, die schonungslos -die nackten Schultern zerfleischte, konnte es gelingen, jede leiseste -Regung der Wut und des Widerstandes gegen die unbarmherzigen Peiniger -im Keime schon zu ersticken. - -Daß solche Wut dennoch bei den leidenschaftlichen, heißblütigen -Schwarzen gelegentlich zum Ausbruche kam und sich dann in Grausamkeiten -gegen die verhaßten Peiniger entlud, welche jeder Beschreibung spotten, -konnte natürlich die Behandlung der Neger nicht besser machen und -wurde nur als Beweis dafür geltend gemacht, daß ihnen gegenüber nur -die furchtbarste Härte am Platze und im stande sei, die Weißen davor -zu schützen, daß sie nicht von der überlegenen Körperkraft der Neger -zermalmt würden, zumal da, wo, wie auf einsam gelegenen Pflanzungen, -die Weißen in einer ganz verschwindenden Minderzahl ständen. - -Wie allgemein verbreitet und wie fest gegründet die Ansicht von -der Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit der Negersklaverei und des -Negerhandels im Anfange des 16. Jahrhunderts war, beweist wohl nichts -besser als der Umstand, daß selbst der edle Las Casas, der treue -Freund und unermüdliche Schützer der amerikanischen Indianer, die -Negersklaverei nicht für unchristlich ansah, wenn es auch durchaus -falsch ist, daß er seinen Indianern zu Liebe selbst die Negersklaverei -eingeführt oder doch wesentlich gefördert habe. Erst gegen Ende -seines Lebens ging ihm in betreff der Negersklaverei eine richtigere -Erkenntnis auf und eine tiefe Reue darüber, daß er die Negereinfuhr -gebilligt habe. - -Wir haben schon erwähnt, daß bereits ums Jahr 1460 in der -portugiesischen Hauptstadt Lissabon ein förmlicher Markt für -Negersklaven bestand. Die Portugiesen blieben auch fortan die -Hauptsklavenhändler, während die Spanier für sich selbst bald den -Sklavenhandel einstellten und sich durch Verträge mit anderen Nationen -die für ihre westindischen Besitzungen nötigen Sklaven verschafften. -So übernahm es im Jahre 1715 England vertragsmäßig, den Spaniern ihre -Sklaven zu liefern und bedingte sich sogar das Recht aus, ihnen 144000 -Neger in die Sklaverei zu verkaufen. - -Denn nachdem im Jahre 1525 die ersten Negersklaven in England -gelandet und verkauft waren, blühte dort der Sklavenhandel, an dem -die öffentliche Meinung nicht den geringsten Anstoß nahm, rasch auf, -begünstigt selbst von den Königen, die von den Sklavenhändlern hohe -Abgaben erhoben. - -Von 1750 bis 1783 wurden etwa 30000 Neger jährlich unter englischer -Flagge in die Sklaverei geführt, besonders von Liverpool aus, das zum -Hauptstapelplatze des Negerhandels wurde. Im Jahre 1771 hatte diese -Stadt 105 Schiffe, die sich lediglich mit dem Sklavenhandel befaßten -und eigens dafür eingerichtet waren, während London nur 85, Bristol -nur 25 solcher Schiffe hatte. Während man den Menschenverlust, den -Afrika durch den Negerhandel erlitt, auf 40 Millionen Menschen schätzt, -berechnet man den Gewinn, welchen England aus diesem Handel zog, auf -400 Millionen Dollars, also über 1600 Millionen Mark! - -Indessen gaben sich auch noch andere Nationen, wenn auch in geringerem -Maße, mit dem Negerhandel ab. Denn es war ein holländisches Schiff, -welches im Jahre 1620 die ersten Sklaven in Nordamerika landete, -und zwar zu Jamestown in Virginien und so den Grund legte zu der -bedeutenden Negereinfuhr, die nun auch dort, besonders in den südlichen -Staaten, in den Gang kam und nachweisbar von 1620 bis 1740 etwa 130000, -von da bis 1776 etwa 300000 Neger in die nordamerikanischen Staaten -brachte. - -Die Ansichten über die Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit des -Sklavenhandels, die sich in Europa gebildet hatten, verpflanzten sich, -von Eigennutz und Gewinnsucht getragen, rasch dorthin und gewannen -so festen Grund in der öffentlichen Meinung, daß selbst die strenge -Sekte der Quäker in Pennsylvanien die Sklaverei an sich nicht, sondern -nur die dabei vorkommenden Gräuel mißbilligte. Allein die in diesen -Staat eingewanderten Deutschen protestierten von vornherein gegen die -Sklaverei als gegen etwas unsittliches und besonders unchristliches -und verlangten schon im Jahre 1688 bei der Volksvertretung die -unbedingte Abschaffung derselben. Sie verschafften dadurch dem -deutschen Namen den unvergänglichen Ruhm, zuerst gegen die grauenhaften -Zustände der Negersklaverei öffentlich aufgetreten zu sein. Ehre -jenen unerschrockenen Männern, die es wagten, gegen die gegenteilige -öffentliche Meinung ihre bessere Überzeugung tapfer zu vertreten! - -Allerdings fehlte es auch schon früher nicht an Einzelnen, welche -sich wider die Sklaverei erhoben; aber es handelte sich dann stets -um weiße Sklaven. So kaufte schon im 6. Jahrhundert der Bischof von -Rom, Gregor der Große, britannische Jünglinge, welche in römische -Kriegsgefangenschaft geraten und in Rom zum Verkaufe gestellt waren, -los, unterwies sie sorgfältig im Christentum und ließ sie dann als -Freie in ihre ferne Heimat zurückbringen, daß sie dort das Christentum -ausbreiteten. - -Im Jahre 1270 schlossen England und Frankreich einen heiligen Bund, -der zum Zwecke hatte, die Raubstaaten an der nordafrikanischen Küste, -die sogenannten Barbareskenstaaten Algier, Tunis und Tripolis, -zu züchtigen, welche die durch Seeraub erlangten Schiffer oder -Küstenbewohner des mittelländischen Meeres als Sklaven zu verkaufen -pflegten, und setzten ihre Bemühungen auch später noch fort, ohne -jedoch den Sklavenhandel dieser Raubstaaten ganz unterdrücken zu -können. Erst in den dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts wurde diesem -schmählichen Handel durch die Eroberung und Kolonisation Algiers von -seiten der Franzosen ein Ende gemacht. - -Gegen den Negerhandel jedoch erhob sich die öffentliche Meinung erst -zu Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts, und zwar besonders -infolge der eifrigen Bemühungen der englischen Quäkersekte und ihrer -Führer G. Fox und W. Penn. Als es ihnen gelungen war, durch Wort und -Schrift die Gewissen aufzuwecken, begann in England der Kampf gegen die -Sklaverei und nahm nun von Jahr zu Jahr größeren Umfang an, wie sehr -auch die westindischen Sklavenhalter und die englischen Sklavenhändler -alles aufboten, denselben lahm zu legen. Und man muß es den Engländern -lassen, daß sie die schwere Schuld, die sie den armen Schwarzen -gegenüber auf sich geladen hatten durch den von ihnen getriebenen und -geduldeten Negerhandel, redlich abzuzahlen bemüht gewesen sind und -noch immer sich bemühen. Denn sie sind es, die mit schweren Kosten für -den Staat an den afrikanischen Küsten beständig Wachtschiffe kreuzen -lassen, um den Sklavenhändlern ihre Beute abzujagen, und wenn der -Kommandant des englischen Geschwaders, welches diesen edlen Zweck zur -Ausführung bringen soll, noch im Jahre 1880 an der Ostküste Afrikas 60 -Sklavenschiffe weggenommen und 855 Negern wieder zur Freiheit verholfen -hat, so beweist das ebensowohl, daß der Sklavenhandel noch heute -keineswegs völlig unterdrückt ist, wie auch das, daß England nach wie -vor beharrlich und redlich bemüht ist, den Schandfleck abzuwaschen, den -der Sklavenhandel auf den englischen Namen gebracht hat. - -Auch die nachfolgenden Blätter sollen den lieben Lesern einen -englischen Mann vorführen, der zu seiner Zeit ein Hauptförderer -dieser Bemühungen gewesen ist, und der deshalb nicht blos den Namen -des »Sklavenfreundes« mit vollem Fug und Rechte verdient, sondern -ebensosehr es verdient, daß sein Andenken von jedermann in hohen Ehren -gehalten wird. - - - - -II. - - -+William Wilberforce+ -- so heißt der Ehrenmann, um den es sich -handelt -- wurde geboren am 24. August des Jahres 1759 zu Hull in der -Grafschaft York, und zwar als der einzige Sohn unter vier Kindern, -von denen zwei Schwestern schon in früher Kindheit wieder verstarben. -Sein Vater Robert Wilberforce leitete seine Abkunft von einer alten, -vornehmen Familie her, die lange Zeit hindurch im östlichen Teile -der Grafschaft York ein ausgedehntes Stammgut besessen habe, war -aber jedenfalls ein nach unseren Begriffen reicher, nach englischen -Begriffen wohlhabender Mann. In Gemeinschaft mit seinem Vater, der bis -in sein Alter hinein das entscheidende Familienhaupt geblieben zu sein -scheint, betrieb er ein ausgedehntes Handelsgeschäft und verwaltete den -großen Landbesitz, den die Familie hatte. - -Der kleine William kam als feines, krausgliedriges Kind zur Welt -und hat die Körperschwachheit, mit welcher er ins Leben eintrat, -bis zu seinem Lebensende nicht völlig zu überwinden vermocht. Aber -wer ihm in die hellen, geistvollen Augen sah, konnte ihm schon an -der Wiege prophezeien, daß einmal etwas Rechtes aus ihm werden -würde. Zum Knabenalter herangewachsen, entwickelte er trotz seines -schwächlichen Körpers eine ungemeine Lebhaftigkeit und ein reiches, -tiefes Gemütsleben, das ihn schnell zum Liebling aller machte. -Außergewöhnlich frühe entfaltete er eine große Redefertigkeit, wie sie -Kindern seines Alters in der Regel nicht eigen ist und erinnert damit -an das allbekannte Sprüchlein: Was ein Dörnchen werden will, spitzt -sich bei Zeiten. - -Noch ehe er das zehnte Lebensjahr erreicht hatte, verlor er seinen -Vater, und da die Mutter sich wohl selbst nicht für fähig hielt, -den lebhaften Knaben richtig zu erziehen, wurde er zu einem Oheim -von väterlicher Seite gebracht, der mit ihm denselben Namen hatte, -vielleicht also sein Pate war. - -Hier im Hause des Oheims fand er denn, was ihm weder die Schule zu -Hull, die er bis jetzt besucht hatte, noch auch das Elternhaus gegeben: -einen echt christlichen, frommen Geist. Die Tante gehörte der Sekte -der Methodisten an, und wie sie selbst eine warme, aufrichtige Liebe -zu Gottes Wort und eine tiefe Erkenntnis seiner heiligen Wahrheiten -besaß, so suchte sie beides auch dem jungen Neffen einzupflanzen. -Schien doch dessen reiches, tiefes Gemüt so recht dazu geeignet, die -göttliche Wahrheit freudig in sich aufzunehmen und nachhaltig in sich -wirken zu lassen. Was die eigne Mutter, die erst spät zum lebendigen -Christentum kam, an dem sinnigen Knaben versäumt hatte, suchte die -Tante desto eifriger nachzuholen und gewann durch die liebreiche Art -ihrer erziehlichen Einwirkung einen nachhaltigen Einfluß auf Williams -Gemüt. - -Allein das still ernste, fromme Wesen, welches dadurch bei dem Knaben -einkehrte und sich bei seinen gelegentlichen Besuchen im Elternhause -deutlich genug kundgab, war keineswegs weder nach dem Sinn der Mutter -noch des Großvaters, der ebensowenig wie diese für ein ernstes -Christentum viel übrig hatte. Man befürchtete, die fromme Tante werde -den Jungen ganz zu ihrem Methodismus und zu dessen Weltflüchtigkeit -herüberziehen, und ihn dadurch zu der hohen, glänzenden Lebensstellung -untüchtig machen, zu der ihn seine reichen Geistesgaben einmal führen -zu müssen schienen. - -William wurde deshalb schon wieder 1771 nach Hull ins Elternhaus -zurückgerufen und sowohl die Mutter wie der Großvater boten alles -auf, die frommen Eindrücke wieder zu verwischen, die er bei der Tante -empfangen hatte. Der Großvater drohte ihm sogar damit, ihn enterben -zu wollen, wenn er das häßliche methodistische Wesen nicht ablege. Da -die Mutter ein reiches geselliges Leben liebte und das Haus selten -von Gästen leer war, so konnte es kaum ausbleiben, daß der lebhafte -zwölfjährige Knabe seine bisherigen Lebensgewohnheiten bald vergaß -und mehr und mehr an den Zerstreuungen und Genüssen eines weltlichen -geselligen Lebens Geschmack gewann. Die eifrige Beschäftigung mit -dem Worte Gottes, die ihm die Tante beim Abschied noch besonders auf -das Gewissen gebunden hatte, nahm von Tag zu Tag mehr bei ihm ab, -und bald ergötzten ihn die weltlichen Dichter Englands, die man ihm -geflissentlich in die Hände spielte, mehr als die einfachen kunstlosen -Worte des heiligen Buches. - -Aber trotzdem konnte der gute Same, den die fromme Tante in das -kindliche Herz ausgestreut hatte, nicht ganz erstickt werden. Ein -ernster Sinn, der durch das zerstreuende gesellschaftliche Leben wohl -für Tage und Wochen in den Hintergrund geschoben werden konnte, aber -dennoch sich immer wieder geltend machte, wenn in der häuslichen -Geselligkeit größere Ruhepausen eintraten, blieb der unverlierbare -Gewinn des Aufenthalts im Hause des Oheims. Und wenn derselbe auch an -der Beschäftigung mit den weltlichen Dichtern, die für den Knaben -einen hohen Reiz besaß, einen gefährlichen Feind hatte, so gewann -doch William durch diese Beschäftigung die außergewöhnlich große -Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Ausdrucke, welche ihm in -seinem späteren Leben so sehr zu statten kam. Durfte er es doch wagen, -schon als 15jähriger Knabe einen Aufsatz gegen den Sklavenhandel, -dessen Gräuel schon jetzt sein mitleidiges Herz schaudern machten, an -den Herausgeber einer öffentlichen Zeitschrift einzusenden, ohne daß -derselbe als ein knabenhaftes Machwerk eine Zurückweisung erfahren -hätte! - -Schon mit 17 Jahren war der reichbegabte William in seinen Kenntnissen -so weit gefördert, daß er für den Besuch des St. Johns College auf der -Universität Cambridge für reif erachtet werden konnte und dasselbe auch -wirklich bezog, um den Kreis seiner Kenntnisse noch mehr zu erweitern -und sich jene allgemeine Geistesbildung zu erwerben, die zur Erlangung -einer geachteten Lebensstellung unerläßlich war. Denn von einem -besonderen Lebensberuf, zu dem er sich hätte vorbereiten müssen, war -einstweilen keine Rede bei ihm. - -Allein es sollte mit seinem Studieren vorläufig nicht viel werden. Denn -kaum hatte er die Universität bezogen, so starben rasch hinter einander -sowohl sein Großvater als auch sein Oheim. Als der einzige männliche -Sproß der Familie erbte William nach dem englischen Gesetze das ganze -väterliche und großväterliche Vermögen, und da der Oheim keine Kinder -hatte, so fiel ihm auch dessen bedeutendes Vermögen zu. So saß denn -der Jüngling plötzlich dem Überflusse im Schoß und sah sich all den -mannigfaltigen Versuchungen ausgesetzt, welche derselbe im Gefolge hat. - -Bald sammelten sich um den reichen Erben eine Schar leichtfertiger -Gesellen, die ihm helfen wollten, seine Schätze in einem -ausschweifenden Leben zu vergeuden und die sich so diese Schätze selbst -zu nutze zu machen suchten. Allein wie sie sich auch an ihn drängten, -es gelang ihnen nicht, ihn in den Kot ihrer gemeinen niedrigen Genüsse -hineinzuziehen; der gute Geist, den ihm die fromme Tante eingeprägt -hatte, verleugnete sich nicht, sondern wurde ihm Schirm und Schild, -sodaß er sich schon nach kurzer Zeit mit Ekel von der schlechten -Gesellschaft abwandte. - -Er suchte besseren Umgang und fand ihn auch. Denn seine vortreffliche -Unterhaltungsgabe, sein schlagfertiger, treffender Witz, sein schöner -Gesang, seine allerdings nicht unbedenkliche Kunst, andere Menschen -in ihrem Gebahren täuschend nachzuahmen, vor allen Dingen aber sein -liebenswürdiges, gemütvolles Wesen: das waren lauter Vorzüge, die -schnell einen weiten Kreis von Freunden um ihn sammelten und ihn zum -geschätzten und geliebten Mittelpunkte desselben machten. Mit ernstem -Studieren wurde es da freilich nicht viel, da William bei allen -Vergnügungen seiner jugendlichen Freunde zugegen sein mußte und von -ihnen, wenn er sich auch einmal zurückhalten wollte, mit freundlicher -Gewaltsamkeit zur Teilnahme genötigt wurde. - -Wenn er auch in seinem späteren Leben es oft bedauern mußte, seine -Lernzeit mehr den Vergnügungen als den Studien gewidmet zu haben, und -den eifrigsten Fleiß aufzuwenden genötigt war, um das in der Jugend -Versäumte wieder nachzuholen, so fand er doch auch in dem Strudel der -Geselligkeit, dem er sich überließ, manche wertvolle Bekanntschaft, die -ihm sonst vielleicht entgangen wäre. So schloß er mit dem nachmals so -berühmt gewordene Staatsmann Pitt schon hier auf der Universität einen -Freundschaftsbund, der nachher für das ganze Leben vorhielt und ihm -nicht blos für das studentische Leben einen gewissen Halt gab und ihn -den Ernst des Lebens nicht ganz vergessen ließ, sondern ihm auch für -die Folgezeit von großem Vorteile war. - -Wie wenig das freie lustige Studentenleben vermocht hatte, ihn -völlig um den Lebensernst zu bringen, zu welchem durch den Einfluß -der Tante ein so guter Grund gelegt worden war, zeigte sich auch bei -seinem Abgange von der Universität. Da sollte er, um den Grad und -Titel zu erlangen, der in der Regel den Abgehenden beigelegt wurde, -die Glaubensartikel der englischen Staatskirche unterschreiben und -sich durch seine Unterschrift zur Annahme derselben verpflichten. -Aber weil es um seine genaue Bekanntschaft mit diesen Artikeln etwas -bedenklich aussehen mochte, verbot es ihm seine Gewissenhaftigkeit -und Ehrlichkeit, dieselben so leichtfertig und gedankenlos zu -unterschreiben. Er verweigerte deshalb seine Unterschrift und mußte -sichs gefallen lassen, ohne einen Grad und Titel die Universität zu -verlassen. - -Am nächsten hätte es wohl jetzt für unsren Wilberforce gelegen, in das -von seinem Vater und Großvater geführte Handelsgeschäft einzutreten, -welches nach deren Tode ein Verwandter für seine Rechnung weiter -geführt hatte. Nicht blos, daß ihm dadurch eine ruhige, bequeme -Lebensaufgabe zu teil geworden wäre, nein es winkte ihm auch dabei eine -behagliche und doch ehrenvolle Lebensstellung. - -Aber sein lebhafter, strebsamer Geist konnte sich an einer solchen -Aufgabe und Stellung nicht genügen lassen; es lockte ihn vielmehr, -statt in die ruhige Stille des Privatlebens in die geräuschvolle Unruhe -des öffentlichen Lebens einzutreten. An diesem Entschlusse war ohne -Zweifel der nahe Umgang mit seinem Universitätsfreund Pitt wesentlich -schuld, der schon von Haus aus für den Staatsdienst und die Geschäfte -des öffentlichen Lebens bestimmt gewesen war und dem es dann auch -offenbar gelungen war, dafür dem Freunde Geschmack beizubringen. - -Wilberforce löste das großväterliche Handelsgeschäft, das er nicht -in seinem Namen fortführen lassen mochte, ganz auf und bewarb sich -in seiner Vaterstadt Hull um die Ehre, deren Vertreter in dem Hause -der Abgeordneten des Volkes, in dem sogenannten Parlamente zu werden. -Um sich dazu tüchtig zu machen, nahm er, nachdem er sich zur Wahl -angemeldet hatte, seinen Wohnsitz in London, und wohnte regelmäßig -den Sitzungen des Parlaments bei, dessen Verhandlungen er mit der -gespanntesten Aufmerksamkeit folgte. Daß er durch seinen Freund Pitt, -mit welchem er dort wieder zusammentraf, nur noch in seinem Vorsatze -befestigt wurde, die öffentliche Laufbahn eines Parlamentsmitgliedes zu -betreten, ist leicht zu denken. - -Aber hieß es nicht zuviel erwarten, wenn Wilberforce annahm, seine -Mitbürger würden ihn, der jetzt erst 21 Jahre zählte, wirklich zu ihrem -Vertreter im Parlament wählen? Das mochte er sich wohl manchmal selber -fragen und konnte dann gewiß diese Frage im Blicke auf seine Jugend und -Unerfahrenheit nicht anders als bejahen. Allein gleichwohl ging sein -sehnlicher Wunsch in Erfüllung und im Jahre 1780 wurde er wirklich zum -Parlamentsmitgliede für Hull erwählt. - -Zeugt dies laut für die großen Hoffnungen, die seine Landsleute auf -den jungen Mann setzten, so zeugt es hinwiederum auch dafür, wie wenig -er sich der hohen, kaum erwarteten Ehre, die ihm durch seine Wahl -zu teil geworden war, überhob und sich dadurch stolz und hochmütig -machen ließ, daß er trotz seiner großen Redefertigkeit in der ersten -Parlamentssitzung, die er mitmachte, seinen Mund nicht aufthat, -sondern nur in aller Demut und Bescheidenheit auf die Reden anderer -lauschte und außer den Sitzungen den größten Fleiß aufwandte, sich -über jede Sache, die zur Verhandlung kam, vorher auf das genaueste und -sorgfältigste zu unterrichten. Dabei kam ihm denn sein heller, klarer -Geist trefflich zu statten und befähigte ihn, über jede vorkommende -Sache eine feste durch keinen fremden Einfluß bestimmte Meinung zu -gewinnen, und sich so die Selbstständigkeit in seinen Urteilen zu -retten, die ihn sein ganzes Leben hindurch nicht verließ und die ihn, -wenn sie ihn auch oft genug mit seinen besten Freunden in Widerspruch -brachte, doch in keinen Widerstreit mit seinem eigenen Gewissen kommen -ließ. - -Und nur von seinem Gewissen sich leiten zu lassen, wurde jetzt, wo -er unter dem Ernste des Lebens den leichten Jugendsinn mehr und mehr -ablegen lernte, sein fester, unumstößlicher Grundsatz, von dem er sich -gelobte, niemals auch nur einen Fingerbreit abzuweichen. - -So war es denn auch vorzugsweise die Stimme seines Gewissens, welche -ihn trieb, sofort, nachdem die Parlamentssitzung geendigt war, London -zu verlassen und sich in die ländliche Stille zurückzuziehen. Denn -je sorgfältiger er auf diese Stimme achtete, desto lauter rief ihm -dieselbe zu, daß das geräuschvolle öffentliche Leben in der großen -Stadt tausendfältige Versuchungen bereite, das innere geistliche -Leben zu vernachlässigen und unter den unaufhörlichen Zerstreuungen -des gesellschaftlichen Lebens einer unwürdigen, verderblichen inneren -Zerfahrenheit zu verfallen. Und doch fing er jetzt, wie ein Brief an -seine Schwester deutlich zeigt, an, einzusehen, daß das innere Leben -nicht vernachlässigt werden dürfe, wenn man an wahrem Werte täglich -zunehmen wolle, daß dasselbe aber nicht wachsen und gedeihen könne ohne -ernste Sammlung des Herzens zu gewissenhafter Selbstbetrachtung. - -So lockend es auch für Wilberforce sein mochte, mit seinem Freunde Pitt -und den vielen anderen Männern des Parlaments, deren Wohlwollen er -sich bereits durch seine liebenswürdige Persönlichkeit gewonnen hatte, -zusammenzubleiben und in ihrem Kreise die Parlamentsferien angenehm -zu verleben, er folgte doch der mahnenden Stimme seines Gewissens und -entfloh den Zerstreuungen und Genüssen des Londoner Lebens. - -An den Ufern des Winandersees in der Grafschaft Westmoreland mietete er -sich einen schönen Landsitz und brachte dort in ungestörter Stille den -Sommer zu, sich nur an den harmlosen Genüssen des Landlebens genügen -lassend, für deren erfrischende Wirkung er einen starken Sinn und eine -besondere Vorliebe hatte. - -Äußerlich und innerlich gestärkt kehrte er zu Anfang des Winters -nach London zurück, wohin ihn die beginnende Parlamentssitzung rief. -In dieser seiner zweiten Sitzung überwand er aber die jugendliche -Scheu, die ihn während der ersten hatte schweigen lassen, und trat -zum erstenmale als öffentlicher Redner auf. Aber wie staunte alles -den jungen Mann an, der so glänzend und schlagfertig zu reden wußte! -Von allen Seiten wurde er nach seiner ersten Rede beglückwünscht und -es fehlte nicht an solchen, die es als ganz zweifellos hinstellten, -daß ein solcher Redner mit der Zeit zu der Würde eines Mitgliedes des -Oberhauses erhoben werden müsse. - -Allein der bescheidene Wilberforce geizte durchaus nicht nach solcher -Ehre und Würde und wies lachend die Propheten zurück, die ihm eine -so glänzende Zukunft verhießen. Er begehrte nichts weiter, als ein -tüchtiger Vertreter seiner Wähler im Parlamente zu werden und verband -sich sogar mit mehreren seiner Freunde im Unterhause dazu, niemals -die Würde eines Mitglieds des Oberhauses, niemals auch eine Stelle -oder ein Gehalt anzunehmen, um nicht die edle Unabhängigkeit und -Selbständigkeit, die sie jetzt besaßen, zu verlieren. Er ist auch -zeitlebens diesem Entschlusse treu geblieben. - -Als sein Freund Pitt im Jahre 1782 ins Ministerium kam, wahrte er -selbst diesem gegenüber seine volle Unabhängigkeit, die sich durch -keine Rücksichten beirren ließ. Er unterstützte ihn mit seinen -Reden nur insoweit, als dessen Ansichten mit seinen eigenen völlig -übereinstimmten; wo dies nicht der Fall war, wurde er ihm ein -entschiedener Gegner trotz aller Freundschaft, die ihn mit ihm verband. -Und für Pitt war dies kein Grund, den Freund fallen zu lassen. Im -Gegenteile, er achtete Wilberforce deshalb um so höher und schloß sich -ihm immer enger an. Fast täglich sahen sich die beiden Freunde und -wurden sich nachgerade fast unentbehrlich, da sie beide in der von Witz -und Laune gewürzten Unterhaltung, die sie mit einander führten, nach -den anstrengenden Berufsarbeiten des Tages die beste Erfrischung fanden. - -Auch wenn die Sitzungen des Parlaments zu Ende waren, trennten sie -sich nicht immer, sondern vereinigten sich zu gemeinschaftlichen -Reisen, oder Pitt überraschte den Freund auf seinem stillen Landsitz -am Winandersee und blieb dort längere oder kürzere Zeit, einmal sogar -ganze 4 Monate lang. - -Da kamen denn auch wohl ernstere Unterhaltungen auf die Bahn, zu -denen besonders Wilberforce jetzt mehr und mehr hinzuneigen begann, -und infolge deren sich dann Pitt, der dem Christentum und der Religion -überhaupt sehr kühl gegenüberstand, wohl überreden ließ, mit dem -Freunde die Kirche zu besuchen. - -Im Herbste des Jahres 1783 machten die beiden Freunde eine gemeinsame -Reise nach Frankreich und suchten und fanden dort nicht blos -Gelegenheit, mit den bedeutendsten Männern Frankreichs bekannt zu -werden, sondern fanden auch Zutritt an den königlichen Hof. Ihr -Aufenthalt dauerte jedoch nur 6 Wochen, weil sich für Pitt die Aussicht -eröffnete, daheim das Haupt eines neuen Ministeriums zu werden, und -er deshalb seine Rückkehr beschleunigen mußte. Wirklich wurde er auch -gegen Ende des Jahres von dem Könige zu diesem hohen Posten berufen -und hatte es seinem Freunde Wilberforce zu danken, daß die zahlreichen -Gegner, die seine Wahl zu hintertreiben suchten, nichts ausrichten -konnten. - -Die meisten dieser Gegner gehörten nämlich der Grafschaft York an und -waren Wilberforce zum größten Teile bekannt, sodaß er hoffen konnte, -eine Einwirkung auf sie ausüben zu können. Er eilte deshalb sogleich in -seine heimische Grafschaft und kam gerade zurecht, um einer Versammlung -beiwohnen zu können, worin eine Bittschrift an den König gegen Pitt -beschlossen werden sollte. Er ergriff darin das Wort und trat so feurig -und kräftig für seinen Freund ein, daß alles dem gewaltigen Redner -zujauchzte und selbst die erbittertsten Gegner Pitts nicht mehr wagten, -gegen diesen den Mund aufzuthun. - -Und was war der weitere Erfolg dieser Rede? Der einmütige Beschluß -der Versammlung, den Redner als Vertreter der ganzen Grafschaft ins -Parlament zu schicken, ein Beschluß, der denn auch trotz aller -Anstrengungen einer Gegenpartei bei den nächsten Wahlen zur Ausführung -gebracht wurde. - -Damit hatte Wilberforce, der ja, um selbständig zu zu bleiben, -weder ein Amt noch einen Sitz im Oberhause jemals annehmen wollte, -die höchste Ehrenstufe erreicht, die bei solchem Vorsatze für ihn -zugänglich war und war nun als Vertreter der größten Grafschaft -Englands noch weit mehr als bisher im stande, seinem Freunde Pitt eine -kräftige Unterstützung angedeihen zu lassen, wo er derselben benötigt -war und wo es Wilberforce mit seiner gewissenhaften Überzeugung -vereinigen konnte. - -Im Herbste des Jahres 1784 machte Wilberforce in Gemeinschaft mit -seiner Mutter und seiner Schwester eine Reise nach Nizza und Italien, -die nach Gottes Rat für die Gestaltung seines inneren Lebens eine sehr -bedeutungsvolle Wendung herbeiführen sollte. - -Bisher hatte es nämlich Wilberforce trotz der Mahnungen seines -Gewissens, trotz des je und dann mit Macht bei ihm hervorbrechenden -Gefühles, daß es um sein inneres Leben nicht so stehe, wie es sollte, -noch nicht über sich gewinnen können, mit seinem Christentum rechten -vollen Ernst zu machen und ungescheut den Weg zu betreten, den ihn -seine fromme Tante als den alleinigen Weg des Heils hatte kennen -lehren. Das öffentliche Leben mit den großen Anforderungen, die es -an sein Sinnen und Denken stellte, die Zerstreuungen des geselligen -Lebens, denen er sich in London nicht entziehen konnte und mochte, -hatten immer wieder die ernsten Vorsätze zu Schanden gemacht, die er -wohl in seiner ländlichen Einsamkeit gefaßt hatte. Damit sollte es -jetzt anders werden. - -Mutter und Schwester brachten zwar in dieser Hinsicht keine Änderung -zuwege, da beide selber noch nicht weit mit ihrem Christentum -vorangekommen waren und deshalb keinen anregenden Einfluß auf ihn -ausüben konnten. Wohl aber geschah dies durch den Begleiter, den -sich Wilberforce auf die italienische Reise mitnahm. Das war der -nachmalige Professor an der Universität zu Cambridge Isaak Milner, -ein wahrhaft frommer Mann, der freilich sein von jeder Einseitigkeit -und Engherzigkeit freies Christentum nicht äußerlich zur Schau trug, -sondern im Äußeren eher das Gepräge eines Weltmannes an sich hatte, -aber doch von der Wahrheit und Göttlichkeit des Christentums nicht -allein auf das Innigste überzeugt war, sondern auch schon etwas an -seinem Herzen erfahren hatte. Ihn, der ein alter Freund seines Hauses -war, hatte Wilberforce gebeten, die Reise nach Italien mitzumachen, und -sollte nun die Gewährung dieser Bitte zu einer Quelle reichen Segens -für sich werden sehen. - -Schon vor der Abreise war es zwischen ihm und Milner zu einer sehr -ernsten Unterredung gekommen, die für Wilberforce einen kräftigen -Stachel in seinem Herzen zurückließ. Milner hatte nämlich einen Mann, -von dem Wilberforce behauptete, daß er die Anforderungen an ein -echt christliches Leben zu hoch spanne, mit großer Kraft und Wärme -verteidigt und dadurch bewiesen, daß er dieselben Anforderungen an -einen rechten Christen stelle. Da war denn in Wilberforce das Gewissen -mit aller Macht rege geworden und hatte ihm bezeugt, daß er selbst -noch weit davon entfernt sei, diesen Anforderungen zu genügen, und daß -deshalb sein Christentum noch kein rechtes sei. Den Stachel, den dieses -Zeugnis seines Gewissens bei ihm zurückließ, konnte er nicht wieder -los werden und brachte sowohl auf der Reise selbst, wie auch während -des mehrwöchentlichen Aufenthaltes in Nizza, in allen Gesprächen mit -Milner die christlichen Wahrheiten und die christlichen Pflichten immer -wieder zur Besprechung. Was die Belehrungen des frommen Milner dann -bei ihm angeregt hatten, ein ernstes Verlangen, mit seinem Christentum -endlich einmal wirklichen vollen Ernst zu machen, das wurde noch durch -ein gutes Buch bestärkt, welches Wilberforce zu Nizza in die Hände fiel -und welches den »Anfang und Fortgang der wahren Gottseligkeit« zum -Gegenstande hatte. - -Dieses Buch machte auf den angeregten Mann einen solchen Eindruck, -daß er es fast nicht aus den Händen legte und als er anfangs des -Jahres 1785 mit Milner nach England zurückreiste, während seine Mutter -und seine Schwester noch in Nizza blieben, selbst während der Reise -darin studierte und mit Milner das Gelesene besprach. Wie dieser -ihm ernstlich anriet, machte er es sich nun zum heiligen Vorsatze, -die Wahrheit des Gelesenen und Besprochenen selbst an der heiligen -Schrift und ihren Aussprüchen zu prüfen und dem bisher nur zu sehr -vernachlässigten heiligen Buche wieder die gebührende Aufmerksamkeit -zuzuwenden. - -Über diesen Vorsatz kam er freilich vor der Hand noch nicht hinaus, -denn bald hatten wieder die Parlamentsgeschäfte, sowie das zerstreuende -Londoner Leben sein ganzes Sinnen und Denken, sowie seine ganze Zeit so -in Anspruch genommen, daß es mit dem eifrigen Forschen im Worte Gottes -nicht viel wurde. - -Erst auf der zweiten Reise nach Italien, die er nach Beendigung der -Parlamentssitzungen mit Milner antrat, um Mutter und Schwester von -Genua abzuholen, wohin dieselben inzwischen übergesiedelt waren, -kam es wirklich zu einem solchen ernsten, eifrigen Suchen in der -Schrift. Wilberforce hatte ein neues Testament in der griechischen -Grundsprache mitgenommen und las dasselbe unterwegs gemeinschaftlich -mit seinem Begleiter. Und diesem wurde es nun gegeben, die Tiefen des -Schriftwortes für Wilberforce so zu erschließen, daß die göttliche -Wahrheit diesem zur festesten, innigsten Überzeugung wurde. - -Die Rückreise von Genua wurde durch die Schweiz gemacht, und -Wilberforce lernte bei einem längeren Aufenthalte in Zürich den frommen -Lavater kennen, dessen tief und fest gegründeter Schriftglaube, -dessen durch die innigste Frömmigkeit geweihte Persönlichkeit einen -unverwischbaren mächtigen Eindruck auf ihn machten und ihm recht -lebendig unter die Augen stellten, wieviel ihm selber noch zu einem -rechten Christen fehle. - -Nichtsdestoweniger kam es aber bei Wilberforce noch nicht sogleich zu -einem ernsten Versuche, solchem Vorbilde nachzueifern. Vielmehr ließ -der sechswöchentliche Aufenthalt in dem Badeorte Spaa, welcher auf -der Heimreise den Rhein hinab besucht wurde, noch nicht die mindeste -Spur davon sehen, daß Wilberforce auch nur daran denke, den weltlichen -Genüssen und Vergnügungen zu entsagen und den Weg eines ernsten, im -Lichte des Wortes Gottes geführten Lebens zu betreten. Gleichwohl -begann hier aber in ihm der innere Kampf zwischen seinem laut und -immer lauter mahnenden christlichen Gewissen und den Neigungen seines -natürlichen Menschen. - -[Illustration] - -Der Gedanke, daß er plötzlich von der Welt abgerufen werden könne, -ohne in rechter Weise für das Heil seiner Seele gesorgt zu haben, -ergriff ihn mit Macht, das Bewußtsein, bisher von seinen Gaben und -von seiner Zeit nicht den rechten gottgewollten Gebrauch gemacht zu -haben, legte sich wie ein Zentnerstein auf seine Seele, und unter -solchen beängstigenden Gedanken lernte er fühlen und ahnen, welch einen -festen, starken Trost es gewähren müsse, wenn man die Verheißungen des -Evangelii so recht voll und ganz mit dem Glauben ergriffen habe. Das -trieb ihn denn zum Suchen in der Schrift und zum herzlichen Gebete um -den wahren Glauben. - -Vor seiner Reisegesellschaft verschloß er jedoch noch ganz den schweren -Kampf, der in seinem Herzen begonnen hatte; er wollte ihn in der Kraft -seines Gottes und Heilandes allein durchkämpfen, und sein demütiger, -keuscher Sinn hielt ihn ab, davon den andern gegenüber etwas merken zu -lassen. Nur dem Tagebuche, das er jetzt regelmäßig zu führen anfing und -das für uns die reichste und klarste Quelle ist, die rechte Erkenntnis -und das volle Verständnis seiner inneren, geistlichen Entwickelung -daraus zu schöpfen, vertraute er an, was außer ihm und seinem Gotte -niemand wissen sollte. Wir sehen daraus, welch eifriges Ringen seiner -Seele er sichs kosten ließ, in Christo, dem Heilande, Friede zu finden, -und wie er auch allmählich durch Gottes Gnade fand, was er suchte. - -Besonders gesegnet wurde für ihn die freie Zeit, welche er nach seiner -Heimkehr im November noch hatte, bis die neue Parlamentssitzung -begann, die in den Februar des nächsten Jahres fiel und ihn natürlich -wieder nötigte, in das unruhige öffentliche Leben zurückzukehren. -Er brachte diese Zeit zu Wimbledon in der Nähe von London zu, wo er -sich eine Wohnung mietete, die es ihm möglich machte, ohne allzugroße -Unbequemlichkeit zu den Parlamentssitzungen zu fahren, und doch auch -die Stille der Einsamkeit zu haben, so oft er sich deren bedürftig -fühlte. Hier widmete er sich ganz dem Nachdenken über sich selbst -und der ernstesten, eifrigsten Beschäftigung mit dem Worte Gottes und -anderen religiösen Büchern. - -Jetzt schwand auch allmählich die Scheu bei ihm, mit dem, was sein -Herz erfüllte, an die Öffentlichkeit zu treten; er wurde ein eifriger -Besucher der Kirche und richtete in seinem eigenen Hause einen -regelmäßigen, täglichen Hausgottesdienst ein, dem alle seine Diener -anwohnten und den er selbst leitete. Nur zum Tische des Herrn wagte er -noch nicht zu gehen, weil er dazu noch zu unwürdig zu sein glaubte, und -es noch nicht gelernt hatte, sich ganz und ohne Rückhalt der Gnade des -Heilandes zu übergeben. Die Briefe an seine Schwester aus dieser Zeit -sind voll von den herzlichsten Bitten, sich ernstlich der Beschäftigung -mit dem Worte Gottes hinzugeben; es drängte ihn nun, wo er für sich -selbst die Quelle des Heils und des Friedens gefunden hatte, zu -derselben auch diejenigen hinzuweisen, die seinem Herzen nahestanden. - -Große Überwindung kostete es ihn allerdings noch, auch seinen -bisherigen Freunden kund werden zu lassen, welche innerliche -Veränderung mit ihm vorgegangen war. Denn von den wenigsten derselben -konnte er ein rechtes Verständnis für das, was sein Herz bewegte, -erwarten, wohl aber desto mehr Spott und höhnisches Achselzucken. -Allein die Erwägung, daß er ungestörter seinen Grundsätzen nach würde -leben können, wenn er dieselben frei und rückhaltlos habe kund werden -lassen, öffnete ihm den widerstrebenden Mund zum frischen, fröhlichen -Bekenntnisse. Der gefürchtete Spott blieb nun freilich wohl aus, weil -Wilberforce sich in zu hohem Maße die Achtung seiner Freunde erworben -hatte, als daß man ihn hätte verspotten können; aber niemand begriff -die mit dem Freunde vorgegangene Umwandlung. Man begriff am wenigsten -bei ihm, der bisher als ein Muster von Sittenreinheit gegolten hatte, -die demütigen Selbstanklagen wegen seiner Sünden; man schüttelte wohl -im stillen den Kopf über ihn, ließ ihn aber sonst ruhig gehen und nahm -am wenigsten von seiner Sinnesänderung Veranlassung, sich einmal auf -den Zustand des eigenen Herzens zu besinnen. - -Dies war auch bei seinem Freunde Pitt der Fall, der natürlich -zu den Ersten gehörte, dem er sein Inneres erschloß. Stand auch -der große Staatsmann dem wahren Christentum keineswegs feindlich -gegenüber, sondern schätzte es hoch, wo es ihm als ein aufrichtiges, -lebenskräftiges entgegentrat, er war doch von seinen staatsmännischen -Geschäften und Sorgen zu sehr erfüllt, von seinen Arbeiten zu sehr in -Anspruch genommen, als daß er sich durch die inständigen Bitten, womit -ihn Wilberforce bestürmte, hätte bewegen lassen, auch für die Sorge um -sein Seelenheil Zeit und Kraft zu erübrigen. - -Je weniger Verständnis und Entgegenkommen aber Wilberforce bei seinen -bisherigen Parlamentsfreunden fand, desto mehr neigten sich ihm die -Herzen aller derer zu, die selber schon ernste Christen geworden waren, -oder es doch werden wollten, und die natürlich den reich begabten, -schon so angesehenen jungen Mann mit Freuden als einen der ihrigen -begrüßten. Sie nahmen sich seiner in Liebe an, teilten ihm mit, was -sie selbst schon an inneren geistlichen Erfahrungen gesammelt hatten, -und bewahrten ihn dadurch vor den Verirrungen, in welche Neubekehrte -so leicht geraten, wenn ihnen brüderliche Leitung und Handreichung -mangelt. Besonders waren es ein hochgeachteter Geistlicher Namens -Newton und ein alter Verwandter, John Thornton, deren herzlicher -Teilnahme und liebevoller Leitung er sich zu erfreuen hatte und die -ihm vor allen Dingen den guten Rat erteilten, vorsichtig zu sein im -Anknüpfen neuer Bekanntschaften und Freundschaften und sich nicht zu -leicht von den alten Freunden abzuwenden, sondern sich nur im Verkehre -mit ihnen der sorgfältigsten Wachsamkeit zu befleißigen. - -Das Letztere wurde Wilberforce nun freilich schwer genug, und er -mußte sich oft von seinem Gewissen anklagen lassen; aber er kannte -ja nun die Quelle, aus welcher er immer wieder Beruhigung und Trost -schöpfen konnte, sowie auch immer neue und wachsende Kraft zum Wachen -und Beten, und die immer reichlicher für ihn zu fließen begann, als -er erst gelernt hatte, das Vertrauen auf eigenes Verdienst und eigene -Würdigkeit aufzugeben, das ihn bisher von dem Genusse des heiligen -Abendmahls ferne gehalten hatte. - -Wir glaubten, ehe wir zur Schilderung der eigentlichen Lebensarbeit -unseres Helden übergingen, zuerst, wie es im Vorstehenden versucht -ist, seiner inneren Entwickelung etwas genauer nachgehen zu müssen. -Denn wenn er nicht durch Gottes Gnade das geworden wäre, was wir -bisher ihn haben werden sehen, ein entschiedener, glaubensfester und -liebeseifriger Christ, so würde er sicher nicht der edle, mutige, -aufopfernde Menschenfreund geworden sein, dessen Name nie vergessen -werden wird und darf, wo diejenigen aufgezählt werden, die sich in -besonderem Maße um die Menschheit verdient gemacht haben. - - - - -III. - - -Das wahre, lebendige Christentum, dem sich Wilberforce zugewandt hatte, -hinderte ihn nicht, die Pflichten eines Parlamentsmitgliedes mit -voller Treue und Hingebung zu erfüllen. Das wäre ja auch gewiß kein -wahres Christentum, welches zur Erfüllung des irdischen Lebensberufs, -darein man von Gott gesetzt ist, untüchtig machte. Und Wilberforce sah -seine Wirksamkeit im Parlamente in der That als den Beruf an, den ihm -Gott der Herr angewiesen habe, und hat sich dabei auch sicherlich nicht -getäuscht. - -An den Sitzungen des Parlamentes im Jahre 1786 konnte er allerdings nur -wenig Anteil nehmen wegen eines bösen Augenleidens, das ihn befiel. -Er hatte sich durch eifriges Studieren, womit er die Lücken in seiner -Universitätsbildung auszufüllen suchte, welche er jetzt oft empfindlich -fühlte, die ohnehin schwachen Augen gründlich verdorben und mußte -es sich auf den Rat eines ihm befreundeten Arztes zu Leeds gefallen -lassen, den Spätherbst und einen Teil des Winters in dem Badeorte Bath -zuzubringen. - -Ehe er sich dorthin begab, brachte er 14 Tage bei seiner Mutter und -Schwester in Hull zu, welche er beide seit der italienischen Reise -nicht mehr gesehen hatte. Hier gelang es ihm denn, die Besorgnisse -der Mutter völlig zu beschwichtigen, denen sie sich hingegeben -hatte, als das Gerücht zu ihr drang, ihr Sohn habe sich der Sekte -der Methodisten angeschlossen. Wilberforce hatte sie freilich schon -brieflich einigermaßen beruhigt und ihr versichert, daß er nach -keiner menschlichen Lehre frage, sondern nur die heilige Schrift zur -Richtschnur seiner Gedanken und Handlungen nehmen und sich nur von -deren Vorschriften bei der Erfüllung der ihm obliegenden Pflichten -auf dem Platze, den ihm die Vorsehung angewiesen habe, leiten lassen -wolle. Allein die mütterliche Befürchtung, der Sohn möge gleichwohl -auf allerlei Thorheiten und Ueberspanntheiten verfallen sein, schwand -erst gänzlich, als sie ihn persönlich wieder sah. Denn nun erkannte -die Mutter, daß die ganze Veränderung, die mit dem Sohne vorgegangen -war, nur in einer größeren Freundlichkeit und inneren Ruhe bestand, -als er früher gehabt hatte, und in einem noch viel liebevolleren, -bescheideneren und achtungsreicheren Benehmen gegen sie selbst, als er -es schon früher bewiesen. - -Solch eine Veränderung konnte ihr natürlich nur wohlgefallen und sie -veranlassen, das eigene Herz mehr aufzuschließen für eine Religion, -welche im stande war, wenn es ernst mit ihr genommen wurde, solch -gesegnete Veränderung hervorzubringen. Die ernsten religiösen -Gespräche, welche der Sohn jetzt mit besonderer Vorliebe in Gang zu -bringen suchte, ließ sie sich willig gefallen und gewann dadurch -allmählig selbst einen tieferen Einblick in die tröstlichen Wahrheiten -des Christentums, als sie ihn bisher gehabt hatte. Sie stimmte jetzt -völlig in das Wort einer Freundin ein, der sie ihre Besorgnisse wegen -der mit William vorgegangenen Sinnesänderung vertraut haben mochte, -und die, nachdem sie diesen persönlich kennen gelernt und in bezug auf -die ihm schuld gegebene Thorheit beobachtet hatte, voll Begeisterung -ausrief: »Wenn das Thorheit ist, so möchte ich wünschen, daß wir alle -so thöricht würden!« - -Das gesellige Leben, welches Wilberforce in dem Badeorte Bath in -vollen Strömen umrauschte, konnte ihn jetzt in seinem ernsten Sinnen -und Streben nicht mehr beirren; er schrieb vielmehr als Regel und -Richtschnur für seinen Verkehr mit den Badegästen die schönen Worte in -sein Tagebuch: »Wandle in Liebe! wo du auch bist, sei auf deiner Hut, -eingedenk daß dein Handeln und Reden Einfluß haben kann auf das Gemüt -derer, mit denen du zusammenkommst, indem sie mehr oder weniger geneigt -werden, christliche Grundsätze aufzunehmen und ein christliches Leben -zu führen!« - -An den Parlamentssitzungen des Jahres 1787 konnte Wilberforce wieder -vollen Anteil nehmen und war mit Eröffnung der Sitzungen wieder -pünktlich auf seinem Platze, nach wie vor ein treuer Unterstützer -seines Freundes Pitt, mit dessen staatsmännischem Handeln er sich nur -selten im Widerspruche fand. - -Was ihn aber jetzt, wo ihm die Augen für einen rechten Christenwandel -geöffnet waren, besonders bewegte, war die vollendete Gleichgültigkeit -gegen alles Heilige und Göttliche, die ihm sonst bei seiner Umgebung -begegnete und vor allem die traurige Sittenlosigkeit, die er überall -bei Hoch und Niedrig wahrnahm. Es war ihm unmöglich, dabei gleichgültig -zu bleiben und es drängte ihn, seinerseits etwas zu thun, daß es besser -werde. - -Mit ein paar gleichgesinnten Freunden faßte er den Plan, einen »Verein -zur Schwächung und Entmutigung des Lasters« zu gründen und ging mit -Feuereifer an die Ausführung desselben. Er ließ sich dabei von der -gewiß richtigen Ansicht leiten, daß es der wirksamste Weg sei größere -Verbrechen zu verhindern, wenn man die kleineren mit allem Ernste -strafe und den allgemeinen Geist der Zügellosigkeit, die Quelle aller -Laster, zu unterdrücken suche; denn wenn auch durch die Einwirkung auf -die äußere Handlungsweise die Herzen der Menschen nicht geändert werden -könnten, so würden sie doch dadurch geweckt und aufgeregt. - -Zunächst erwirkte er einen Königlichen Aufruf an die Statthalter der -englischen Grafschaften, worin dieselben angewiesen wurden, die -bestehenden Gesetze gegen Entheiligung des Sonntags, gegen Trunksucht -und gegen die Verbreitung unsittlicher Schriften genau und strenge zu -handhaben. Er mußte sich dabei freilich sagen, daß damit nicht viel -gewonnen würde, wenn nicht überall die einflußreichsten Männer sich -dazu verständen, persönlich gegen die herrschende Sittenlosigkeit -anzugehen und selbst mit ihrem eigenen guten Vorbilde den niederen -Ständen voranzugehen. - -Er machte sich deshalb, sobald die Parlamentssitzungen geschlossen -waren, auf die Reise, um in erster Linie alle Bischöfe, dann aber auch -andere angesehene Männer für die heilige Sache, die ihm auf dem Herzen -lag, zu gewinnen, und seinem heiligen Ernste, seiner liebenswürdigen -Persönlichkeit gelang es auch, nicht nur sämtliche Bischöfe, sondern -auch einen großen Teil der Mitglieder des Ober- wie des Unterhauses zum -Eintritt in seinen Verein zu bewegen, welcher dann während einer ganzen -Reihe von Jahren eine reich gesegnete Thätigkeit entfaltete. - -Aber diese Reise und die rastlose Arbeit, die er sich auf derselben -zumutete, hatte einen überaus ungünstigen Einfluß auf seine Gesundheit -gehabt, und sollte er für die nächste Parlamentssitzung wieder recht -bei Kräften sein, so mußte er wieder die Bäder von Bath gebrauchen, die -ihm schon einmal so sehr wohl gethan hatten. Er gewann denn dort auch -wirklich die gesuchte Kräftigung und überdies eine ihm sehr wichtige -und wertvolle Bekanntschaft, die mit der bekannten Schriftstellerin -und frommen Freundin der Jugend Hannah More, mit welcher er von da ab -zeitlebens in naher Verbindung und noch näherer Geistesgemeinschaft -blieb. - -Um diese Zeit fing aber auch Wilberforce an, +die+ Arbeit ernstlich und -nachhaltig in Angriff zu nehmen, die fortan für ihn die wichtigste, -ja so recht eigentlich seine Lebensarbeit werden sollte, und die ihm -in ganz besonderem Maße die Hochachtung jedes edlen Menschen und -einen unvergänglichen Platz in den Büchern der Geschichte erwarb, -die Arbeit zu der Aufhebung des Sklavenhandels und zu der völligen -Sklavenbefreiung. - -Wir haben bereits gehört, wie Wilberforce schon in seinem 15. -Lebensjahre dem Sklavenhandel seine herzlichste Teilnahme zugewandt -und sogar einen kleinen Aufsatz über denselben geschrieben hatte, -ohne Zweifel dadurch veranlaßt, daß er in seiner Vaterstadt Hull mit -eigenen Augen ein Sklavenschiff gesehen hatte, und durch die grausame -Behandlung der armen Sklaven im tiefsten Herzensgrunde ergriffen worden -war. Was damals seine ungeübte Feder in Bewegung gesetzt hatte, konnte -wohl für eine Zeitlang in den Hintergrund seines Herzens gedrängt, -aber nicht ganz aus demselben verwischt werden. Das beweisen seine uns -aufbewahrt gebliebenen Briefe, aus denen hervorgeht, daß er im Jahre -1781 einem Freunde welcher die westindische Insel Antigua besuchte, den -Auftrag gab, sich über den Zustand der dortigen Sklaven genaue Kunde zu -verschaffen, weil er, Wilberforce, beabsichtige, zu gelegener Zeit auf -die Linderung der Leiden der unglücklichen Schwarzen hinzuarbeiten. - -Diese edle Absicht wurde bei Wilberforce wieder bestärkt und gefördert, -vielleicht auch erst wieder neu angeregt durch eine Preisschrift über -die Sklaverei, die im Jahre 1785 erschien und die einen jungen Mann, -Thomas Clarkson, zum Verfasser hatte, welcher in dem nun beginnenden -Kampfe gegen die Sklaverei ebenfalls einen bedeutenden Namen gewann. -Aber was jetzt Wilberforce seine frühere Absicht wieder aufnehmen -und nicht wieder aufgeben ließ, das war sein durch die christliche -Erkenntnis, welche er gewonnen hatte, geschärftes Gewissen. Der Kampf -gegen die Sklaverei wurde ihm nun in der That Gewissenssache. - -Aber es galt, in diesem Kampfe mit großer Vorsicht vorzugehen, wenn -nicht von vorne herein alles verdorben werden sollte. Denn noch war die -öffentliche Meinung so ziemlich ganz auf seiten des Sklavenhandels, -und die Besitzer der 105 Schiffe, die schon im Jahre 1771 allein von -Liverpool aus diesen schändlichen Handel betrieben hatten, und deren -Zahl bei der Einträglichkeit dieses Handels wohl nicht gefallen, -sondern eher gestiegen war, unterließen gewiß nichts, die ersten Spuren -eines Gegensatzes und eines feindlichen Auftretens gegen ihr Geschäft -sofort mit aller Macht zu unterdrücken. Man mußte jedenfalls gesicherte -und nicht abzuleugnende thatsächliche Beweise für die bei dem -Sklavenhandel vorkommenden Grausamkeiten haben, wenn man mit einiger -Aussicht auf Erfolg es auch nur unternehmen wollte, die öffentliche -Meinung umzustimmen und gegen den Sklavenhandel ins Feld zu führen. -Denn nur gegen diesen, nicht aber gegen die Sklaverei überhaupt durfte -man vorläufig den Kampf eröffnen. - -Nachdem sich Wilberforce der Teilnahme und Unterstützung seines -Freundes Pitt bei dem zu eröffnenden Kampfe versichert hatte, trat -er in eine Gesellschaft ein, welche sich unter dem Vorsitze des -Rechtsgelehrten Granville Sharpe gebildet hatte, zu dem Zwecke, -sichere Erkundigungen einzuziehen, durch welche es möglich wäre, -den öffentlichen Unwillen gegen den Sklavenhandel wachzurufen, -und zu diesem Zwecke die nötigen Kosten aufzubringen. Denn diese -Erkundigungen sollten nicht blos diesseits des Ozeans in England selbst -gesammelt werden, wo sich ja Gelegenheit genug dazu bot, nein auch wie -es drüben in Westindien um die eingeführten Neger stand, sollte in -sichere Erfahrung gebracht werden. - -Wilberforce arbeitete Tag und Nacht an der Sammlung und Sichtung der -bereits eingegangenen Nachrichten und kam dabei zu der Überzeugung, daß -schon diese allein Grund genug gäben, einen Antrag auf Abstellung des -Sklavenhandels im Parlamente zu stellen. Er kündigte in seinem heiligen -Eifer auch wirklich schon für den 2. Februar 1788 einen solchen an. - -Aber die aufreibende, Körper und Geist gleicherweise angreifende -Thätigkeit, die er sich zugemutet hatte, blieb nicht ohne Rückwirkung. -Gegen Ende des Januar verfiel er in eine schwere Krankheit, die sich -rasch so sehr verschlimmerte, daß er nicht mehr im stande war, zu der -ihm verordneten Badekur in Bath abzureisen, und daß die Ärzte ihm -nur noch höchstens 14 Tage zu leben gaben. Aber im Rate des Herrn -war es anders beschlossen. Der bedenkliche Zustand der Krankheit -hob sich wieder so weit, daß er nach Bath geschafft werden konnte, -und die dortigen Heilquellen thaten auch diesmal wieder ihre gute -Wirkung in Verbindung mit reichlichen Gaben von Opium, dessen Gebrauch -von nun an für Wilberforce während seines ganzen ferneren Lebens -eine Notwendigkeit wurde, so oft er eine Unordnung in seinem Körper -verspürte. - -Die Sklavensache war aber inzwischen nicht liegen geblieben. Pitt -selbst hatte sie zu der seinigen gemacht und am 9. Mai 1788 einen -Antrag im Parlamente gestellt, wonach dieses sich verpflichten sollte, -im Beginn der nächsten Sitzung jedenfalls sogleich die Verhältnisse des -Sklavenhandels in Erwägung zu ziehen. Weiter wollte Pitt nicht gehen, -weil der fehlte, welcher das nötige Material von Beweisen in Händen -hatte, auf die ein weitergehender Antrag hätte gegründet werden müssen. - -Aber es geschah doch auch etwas Thatsächliches von Bedeutung. -Auf den Antrag eines Sklavenfreundes, der sich mit eigenen Augen -von der Einrichtung eines neu erbauten Sklavenschiffes überzeugt -hatte und über die Anzahl der Sklaven erschrocken war, die in den -engen Räumen desselben untergebracht werden sollten, wurde trotz -des heftigsten Widerstandes der Vertreter von Liverpool durch -einen Parlamentsbeschluß, dem auch das Oberhaus zustimmte, und -der ebensowohl die königliche Bestätigung erlangt, festgesetzt, -in welchem Verhältnisse zu dem vorhandenen Schiffsraum die Anzahl -der einzuladenden Sklaven stehen müsse, und welche Maßregeln zu -treffen seien, damit Leben und Gesundheit der noch immer enge genug -zusammengepferchten Schwarzen möglichst geschont werde. - -Die herzliche Freude über diesen ersten, wenn auch nur sehr kleinen -Erfolg trug gewiß nicht wenig dazu bei, die Besserung zu beschleunigen, -die im Befinden des Kranken zu Bath wider alles Erwarten eingetreten -war. Bald konnten die Ärzte Wilberforce gestatten, den Gebrauch des -Bades einzustellen, und nach einem kurzen Aufenthalte in Cambridge, wo -er mit Milner zusammensein und von demselben wieder manche Anregung für -sein geistliches Leben empfangen konnte, begab er sich nach Rayrigg, -seinem stillen Landsitze in Westmoreland, um dort seine völlige -Genesung abzuwarten, auf die jetzt mit voller Sicherheit gehofft werden -konnte. - -Und diese völlige Genesung kam mit Gottes Hülfe trotz der beständigen -Aufregung, welche die ununterbrochen kommenden und gehenden Gäste -bereiteten, die sich nach der Gesundheit des verehrten Mannes -erkundigen und ihm seine Einsamkeit zu erleichtern suchen wollten. -Allerdings war und blieb seine Gesundheit eine schwache, welche ihm die -größte Mäßigkeit und die strengste Enthaltsamkeit in seiner Lebensweise -zur Notwendigkeit machte; allein er fand doch wieder die Kraft, nicht -nur an den Parlamentssitzungen teilzunehmen, sondern auch noch nebenher -für seine Sklavensache thätig zu sein. - -Selbst von Rayrigg aus machte er, sobald er es wagen durfte, da und -dort Besuche, bei denen er durch seinen persönlichen Einfluß die -Teilnahme für seine Bestrebungen zu gunsten der Sklaven zu wecken und -zu verbreiten suchte und unterstützte dadurch wesentlich Clarkson, der -beauftragt worden war, zu dem nämlichen Zwecke das Land zu bereisen. - -Für die Parlamentssitzung von 1789 bereitete er sich wieder auf das -Eifrigste vor, um alle schon gesammelten und noch täglich eingehenden -Beweise für die Grausamkeit und Schändlichkeit des Sklavenhandels recht -bei der Hand zu haben und damit alle Einwendungen der Gegner, gründlich -beseitigen zu können. Er ging wieder einen ganzen Monat auf's Land, -um ganz ungestört zu bleiben und arbeitete wohl 8 bis 9 Stunden am -Tage. Selbst die Nachricht von der Erkrankung seines Freundes Milner -konnte ihn nicht bewegen, sich zu einem Besuche desselben von seiner -Arbeit loszureißen, während er doch noch kurz vorher am Kranken- und -Todesbette seiner Tante erfahren hatte, wie gesegnet das Krankenlager -eines frommen Menschen für die Besucher desselben werden könne. - -Was ihn nicht ruhen ließ, war eine Mitteilung Pitts über die gewaltigen -Anstrengungen, welche die Gegner machten, um die öffentliche Meinung -zu ihren gunsten zu stimmen und in Zeitungen und Flugschriften dem -Lande zu beweisen, daß durch eine Aufhebung oder auch nur Beschränkung -des Sklavenhandels nicht allein das Wohl der westindischen Kolonien -aufs Spiel gesetzt würde, die der Sklaven notwendig bedürften, sondern -auch der ganze Handel der englischen Nation Gefahr liefe, geschädigt zu -werden. - -Da galt es denn in der That auch, schlagende und unwiderlegliche -thatsächliche Gegenbeweise in genügender Zahl bei der Hand zu haben. - -Wohlgerüstet mit denselben und voll festen Vertrauens auf die -siegende Macht der Wahrheit trat Wilberforce am 12. Mai 1789 vor das -Parlament und entwickelte mit der vollen Kraft seiner ausgezeichneten -Beredsamkeit alle Gründe, die nur gegen den Sklavenhandel geltend -zu machen waren. Vier ganze Stunden redete er fast bis zur völligen -Erschöpfung seiner Kraft, und ein hochstehender Mann äußerte nachher -über diese Rede: »Das Haus, die Nation, ja Europa sind Wilberforce -auf das Äußerste verpflichtet, daß er diesen Gegenstand in der -meisterhaftesten, eindringlichsten und beredtesten Weise vorgebracht -hat.« - -Von allen Seiten beglückwünschte man Wilberforce, als er von der -Rednerbühne herunterstieg. Und doch was war der thatsächliche Erfolg -seiner Rede? Nur eine kleine Verbesserung des vorjährigen Beschlusses, -daß jedes Sklavenschiff nur eine seinen Räumen entsprechende Anzahl von -Sklaven aufnehmen dürfe. - -Die Sklavenhalter und Sklavenhändler, die »Westindier« wie wir sie -fortan mit einem gemeinschaftlichen Namen nennen wollen, hatten -nämlich aus Furcht vor der offenbar gewaltigen Wirkung der Rede, die -Wilberforce gehalten, eine sofortige Abstimmung und Beschlußfassung -des Parlamentes dadurch zu hintertreiben gewußt, daß sie den Antrag -stellten, der nicht wohl abgelehnt werden konnte, das Parlament -möge selbst ein Zeugenverhör anstellen, um die Richtigkeit oder -Unrichtigkeit der von Wilberforce aufgeführten Beweise zu untersuchen. -Damit war die Entscheidung wieder für ein Jahr verschoben; denn es war -unmöglich, vor Schluß der gegenwärtigen Sitzung noch eine genügende -Anzahl von Zeugen zu vernehmen, wenn auch sofort damit begonnen wurde. - -Schmerzlich bewegt, aber doch nicht entmutigt, eilte Wilberforce nach -Beendigung der Sitzung wieder zu den Heilquellen von Bath, um dort Ruhe -und Stärkung zu suchen, und hatte die Freude, nicht nur seine Mutter -und seine Schwester daselbst vorzufinden, sondern auch den Sohn seines -schon genannten Verwandten John Thornton, Henry Thornton, mit dem er -eine innige und feste Freundschaft schloß. - -Von Bath aus besuchte er auch seine alte Freundin Hannah More, die sich -aus den gelehrten Kreisen Londons, mit welchen sie sonst verkehrte, -völlig zurückgezogen hatte, um ihre reichen Geistesgaben im Dienste -des armen, völlig unwissenden Landvolkes zu verwenden und für dessen -Unterricht zu sorgen. - -Auf einen schönen Punkt in der Nähe aufmerksam gemacht, unternahm der -für Naturschönheiten äußerst empfängliche Wilberforce einen Ausflug -dorthin, vergaß aber bald alle Naturschönheiten, als er die armen, -leiblich und geistig verkommenen Bewohner der schönen Gegend kennen -lernte. - -»Miß Hannah, es muß etwas für Chidder (so hieß die Gegend) geschehen!« -das war der Ausruf, mit dem er bei seiner Rückkehr die Freundin -begrüßte und auf den er immer wieder zurückkam, wenn er erzählen -sollte, wie ihm die besuchte Gegend gefallen habe. - -Die Not des armen Volkes, welche er durch eigene Anschauung kennen -gelernt hatte, bewegte sein mitleidiges Herz so sehr, daß er mit der -Freundin sogleich beschloß, dort in Chidder Schulen anzulegen und sich -bereit erklärte, alle Kosten auf seine Tasche zu übernehmen, wenn Miß -Hannah sich der damit verbundenen Mühewaltung unterziehen wolle. - -»Wozu könnte ich besser meinen Überfluß anwenden?« antwortete er -ablehnend, als ihm die Freundin für sein hochherziges Anerbieten danken -wollte, und freute sich in der Folge jedesmal herzlich, wenn er hörte, -daß das Unternehmen guten Fortgang habe. - -Auch die Parlamentssitzung von 1790 brachte für die Sklavensache keine -wesentliche Förderung. Man fuhr nur fort, Zeugen zu verhören, und zwar -Zeugen für und wider den Sklavenhandel, wenn auch die »Westindier« das -Zeugenverhör ihrerseits gerne geschlossen gesehen hätten, nachdem die -für sie günstigen Zeugen vernommen waren. Das Ende der Sitzung war da, -ehe die Vernehmungen beendigt waren. - -Mit dem Ende dieser Sitzung waren die 7 Jahre abgelaufen, für deren -Dauer die Mitglieder des Parlaments in England gewählt wurden, und -Wilberforce mußte sich deshalb einer Neuwahl unterwerfen. Allein sein -Name war schon so berühmt geworden, daß er sich seinen Wählern in -Yorkshire nur vorzustellen brauchte, um ohne Weiteres eine Erneuerung -seiner Wahl auf weitere 7 Jahre zu erlangen. - -Und doch hatte er etwas gethan, was bei jedem Anderen Anstoß und -Widerwilligkeit erregt haben würde: er hatte die Wahl ausgeschlagen zu -einem Vorsteher bei den großen Pferderennen, die in York abgehalten -wurden, und die bekanntlich noch heute, wo sie auch gehalten werden, -bei den Engländern in hohem Ansehen stehen. Er hatte jedoch den -jährlichen Beitrag, den er für die Beteiligung an den Rennen hätte -entrichten müssen, dem Hospitale der Grafschaft überwiesen, um zu -zeigen, daß ihn nicht der Geiz abhalte, an einer Sache teil zu nehmen, -für die er nach seiner ganzen Anschauungsweise kein besonderes -Interesse haben konnte. - -Daß sich seine Schwester um diese Zeit mit einem frommen Manne, dem -Geistlichen Clarke zu Hull, vermählte, war für Wilberforce eine große -Freude. Denn nun durfte er hoffen -- und diese Hoffnung erfüllte sich -auch -- daß die Bemühungen, die er selbst bisher gebraucht hatte, -seine Schwester auf den Weg eines ernsten, lebendigen Christentums zu -ziehen, und die auch keineswegs ganz vergeblich geblieben waren, von -berufenen und geschickten Händen weiter geführt werden und gewiß zu -einem gesegneten Ziele kommen würden. Auch für das geistliche Leben der -geliebten Mutter durfte er von der Einwirkung des neuen Schwagers die -gedeihliche Förderung erwarten, die sein treues, frommes Sohnesherz so -sehnlich wünschte. - -Nach einer stärkenden Kur in den Bädern von Buxton gab sich Wilberforce -daran, die von dem Unterhause vorgenommenen Zeugenverhöre zu prüfen und -durchzuarbeiten, welche bis jetzt schon 1400 große Bogenseiten füllten. -Galt es doch, die Scheingründe, welche für den Sklavenhandel geltend -gemacht worden waren, zu entkräften und so den Gegnern die Waffen zu -entreißen, mit denen sie ihre schändliche Sache verteidigten. - -Auf dem stillen Landsitze eines Jugendfreundes, wo er vor störenden -Besuchen sicherer war als in seinem eigenen Heim, bewältigte -Wilberforce diese ungeheure Arbeit, ohne danach zu fragen, ob es seine -Gesundheit aushielte. Und Gott der Herr, in dessen Dienste und zu -dessen Ehre zu arbeiten er sich bewußt war, verlieh ihm die dazu nötige -Kraft. Wohl mag es eine Stärkung gewesen sein, die aus derselben Quelle -ihren Ursprung nahm, daß ihm in diesen arbeitsvollen Tagen John Wesley, -der Stifter der Methodistengemeinde, folgenden Brief schrieb: - - »Mein teurer Herr! Wenn es nicht die göttliche Allmacht ist, - welche Sie berufen hat, ein Athanasius im Kampfe mit der - Welt zu sein, so sehe ich nicht ab, wie Sie das glorreiche - Unternehmen zu Ende bringen wollen, gegen eine Schändlichkeit - aufzutreten, welche eine Schmach der Religion Englands und der - menschlichen Natur ist. Wenn es nicht Gott ist, der Sie zu - dieser Sache berufen hat, so werden Sie durch den Widerstand - der Menschen und Teufel besiegt werden. Aber ist Gott für Sie, - wer mag dann wider Sie sein? Sind alle Feinde zusammen stärker - als Gott? O ermüden Sie nicht, gutes zu thun! Schreiten Sie - fort im Namen Gottes und in der Kraft seiner Stärke, bis die - amerikanische Sklaverei für immer von derselben verschwindet! - Sie ist das Schimpflichste, was je unter der Sonne bestand. Daß - Er, der Sie von Ihrer Jugend an geführt hat, fortfahren möge, - Sie hierbei und in allen Stücken zu stärken, das ist das Gebet - Ihres - - John Wesley.« - -Wie erhebend mußten für Wilberforce diese Worte sein aus dem Munde -eines Mannes, der so eifrig war, rechtes Christentum zu fördern, -und dessen Name überall in England einen hellen guten Klang hatte, -selbst bei denjenigen, welche die Wege, die er einschlagen zu müssen -glaubte, nicht billigten! Und doch wie demütig und bescheiden schreibt -Wilberforce in seinem Tagebuch bei dieser Gelegenheit: »Möge Gott mir -verleihen, daß ich fortan mehr zu seiner Ehre lebe und möge er mich -in dem großen Werke segnen, das ich unter den Händen habe. Möchte -ich zu ihm aufblicken nach Weisheit und Kraft und der Gabe, andere -zu überzeugen! Möchte ich mich für den Ausgang ihm mit vollkommener -Ergebung unterwerfen! Möchte ich Ihm ganz die Ehre geben, wenn ich das -Ziel erreiche, und, wo nicht, von Herzen sprechen können: Dein Wille -geschehe!« - -Was den ersten Seufzer angeht, daß ihm gegeben werden möge, mehr -zu Ehren Gottes zu leben, so hat Wilberforce denselben nicht blos -hier, sondern auch an anderen Stellen seines Tagebuches wiederholt -ausgedrückt, ohne Zweifel deshalb, weil er sich innerlich Vorwürfe -darüber machen zu müssen glaubte, daß er dem gesellschaftlichen Leben -zuviel Zeit und Kraft widme. Aber was wollte er machen, wenn sich, wo -er auch sein mochte, die verschiedenartigsten Leute um ihn drängten, -und ihn selbst in die entferntesten Gegenden verfolgten, um Rat und -Beistand bei ihm zu suchen oder sich auch nur seines Umganges zu -erfreuen. - -»Ihr Haus ist ja gerade wie die Arche Noahs,« schrieb ihm einmal seine -mütterliche Freundin Hannah More, »voll reiner und unreiner Tiere.« - -Und das Gleichnis traf in der That zu. Denn außer Missionsfreunden -und befreundeten Parlamentsgenossen, die mit ihm in betreff der -gemeinschaftlichen guten Sache Rat pflegen wollten, sah er sich auch -von solchen angelaufen, die in ganz gewöhnlichen, weltlichen Dingen -Rat und Unterstützung von ihm begehrten und denen er sich, weil sie zu -seinen Wählern gehörten, nicht entziehen konnte. - -Wir verstehen es darum wohl, wenn er in seinem Tagebuche wiederholt -schreibt: »Was für Gründe mich auch bestimmten, ein offenes Haus zu -haben, so ist es doch gewiß, daß Einsamkeit und Ruhe der Betrachtung -und dem Wachen günstiger sind. Ich will streben, mir öfters Zeiten des -ununterbrochenen Umgangs mit Gott zu sichern.« - -Wir verstehen es ebensowohl, daß es ihn nach jeder der arbeitsvollen -und aufregenden Parlamentssitzungen, innerlich drängte, sich irgendwo -solch stille Zeiten zu verschaffen, die er an den Badeorten, die er -seiner Gesundheit wegen besuchen mußte, unmöglich finden konnte. - -Was aber den letzten Seufzer in den oben angeführten Worten seines -Tagebuches angeht, daß es ihm, wenn er in der Sklavensache sein -vorgestecktes Ziel nicht erreichen sollte, gegeben werden möge, von -Herzen zu sprechen: »Dein Wille ist geschehen!«, so scheint ihm diesen -eine Vorahnung dessen, was nun kommen sollte, in das Herz und in die -Feder gedrängt zu haben. - - - - -IV. - - -Am 18. April 1791 kam die Sklavensache im Parlament wieder vor und -Wilberforce ergriff sogleich das Wort, um vorzutragen, was er durch -sein eifriges Studium der Zeugenverhöre gewonnen hatte. Sorgfältig -vermied er jede Bemerkung oder Anspielung, welche die Gegner persönlich -hätte verletzen können, nur die unzweifelhaft bewiesenen Thatsachen -ließ er reden. Aber wie auch nach ihm sein Freund Pitt, ja selbst -dessen entschiedener politischer Gegner Fox für die Abschaffung des -Sklavenhandels die Stimmen zu gewinnen suchten, es half nichts. Mit 163 -gegen 88 Stimmen wurde der dahin zielende Antrag verworfen. - -Denn die »Westindier« hatten große Summen aufgewendet, sich Stimmen -zu ihren Gunsten zu erkaufen und leider auch charakterlose Menschen -genug im Parlamente gefunden, die sich erkaufen ließen. Wo aber -Eigennutz und Geldgierde das große Wort führten, mußten die mächtigsten -Gründe ihre Wirkung versagen, mußten selbst solche gewaltige Worte -vergeblich bleiben, wie die folgenden, mit denen Wilberforce seine Rede -geschlossen hatte: - -»Von welchem Gesichtspunkte aus«, so rief er von Eifer glühend in die -Versammlung hinein, »man auch die Sache betrachten mag, England hat die -Pflicht, dieselbe zu fördern. Die Hälfte des verbrecherischen Handels -wird von seinen Unterthanen geführt, und da demnach unsere Schuld -so groß ist, so laßt uns auch bald anfangen, Buße zu thun. Es kommt -einst ein Tag der Vergeltung, da wir von den Talenten, Fähigkeiten -und Gelegenheiten, die uns gegeben waren, Rechenschaft thun müssen! -Möge es uns dann nicht offenbar werden, daß wir unsere größere Macht -zur Knechtung unserer Nebenmenschen, unsere größere Erkenntnis zur -Schändung der Schöpfung Gottes angewendet haben!!« - -Mit der oben erwähnten Abstimmung war denn für diese Parlamentssitzung -wieder die heilige Sache der Sklavenfreunde beseitigt, aber auch ihr -Mut gebrochen? auch der Eifer eines Wilberforce gelähmt? -- Keineswegs. -Man schlug nur jetzt einen andern Weg ein. - -Von den Vertretern des Volks war, wie sichs eben gezeigt hatte, -nichts zu hoffen und zu erwarten, so beschloß man denn, sich an das -Volk selbst zu wenden und dessen Gerechtigkeit und Menschlichkeit -geradezu anzurufen. Es wurde ein Auszug aus den Parlamentsverhandlungen -angefertigt, worin besonders die von Wilberforce als Waffen gebrauchten -thatsächlichen Beweise für die Schändlichkeit des Sklavenhandels -hervorgehoben waren, und dann dieser Auszug in zahllosen Abdrücken -überallhin und in jeder möglichen Weise unter dem Volke zu verbreiten -gesucht. Die Sklavenfreunde, an ihrer Spitze Wilberforce, ließen sich -dabei weder Mühe noch Kosten verdrießen. - -Aber man kam auch weiter auf den Gedanken, zu versuchen, ob man nicht -in thatsächlicher Weise den Hauptgrund, welchen die Gegner stets -für die Sklaverei vorbrachten, entkräften und in seiner Nichtigkeit -blosstellen könnte. Das war nämlich der Grund: die Neger seien -eigentlich gar keine Menschen, sondern nur menschenähnliche Tiere. Man -berief sich dann dabei stets auf die Zeugnisse der Sklavenbesitzer, -welche durch eigene, reiche Erfahrung hätten zu der Überzeugung kommen -müssen, daß die Neger zu jeder geistigen Bildung völlig unfähig seien. - -Da beschlossen denn die Sklavenfreunde, eine Ansiedelung für freie -Neger zu gründen, worin diese unter der Leitung von wohlwollenden -Menschen gesammelt und sorgfältig unterrichtet werden sollten, um -selbst zu zeigen, daß sie in der That vernunftbegabte, bildungsfähige -Wesen seien. Es bildete sich eine Gesellschaft, welche die nötigen -Mittel für diesen Zweck zusammenschoß, und auf der Westküste Afrikas -von den dortigen Negerfürsten eine Strecke Landes erkaufte, die -sich besonders zum Anbaue zu eignen schien und den Namen »Sierra -Leone« führte. Wilberforce war einer von den ersten Leitern dieses -Unternehmens. - -Und dasselbe schien unter Gottes Segen glücken zu wollen. Es fehlte -nicht an Negern, die den gebotenen Zufluchtsort gern annahmen. Denn in -dem nordamerikanischen Befreiungskriege hatten sich eine ganze Anzahl -entsprungener Sklaven aus den Südstaaten auf die Seite der englischen -Regierung geschlagen und wacker gegen ihre früheren Herren kämpfen -helfen. Sie waren natürlich von den Engländern für frei erklärt und -nach Beendigung des Krieges auf der Halbinsel Neuschottland angesiedelt -worden, um sie der Verfolgung ihrer ehemaligen Herren zu entziehen. -Dort aber war ihnen das Klima zu rauh, und als sie deshalb von der -afrikanischen Ansiedelung in Sierra Leone Kunde erhielten, sandten sie -nach London und ließen die englische Regierung bitten, sie dorthin zu -versetzen. Ihrem Wunsche wurde willfahrt, und in einer Stärke von 700 -Köpfen siedelten sie nach der neuen Kolonie über. - -Allerdings hatte die wohlgemeinte Ansiedelung anfangs nur schlechten -Erfolg, da die Rohheit und geistige wie körperliche Trägheit der Neger -fast aller Versuche spotteten, sie an ein geordnetes, thätiges Leben -zu gewähren. Besser wurde es erst, als man mit Ernst daran ging, ihnen -das Evangelium zu predigen und sie zum Christentume zu bekehren, und -als unter christlichen Einflüssen ein neues Geschlecht herangewachsen -war. Dann aber wurde auch die Kolonie in der That ein leuchtendes -Zeugnis dafür, wie völlig haltlos und ungerechtfertigt die Ansicht sei, -daß die Neger zum wenigsten eine untergeordnete Menschenrasse und zu -jeder Bildung unfähig seien, und ist es bis heute, wo ja Gottlob, diese -Ansicht kaum mehr einen ernsthaften Vertreter findet. - -Die vorhin erwähnte Maßregel, den Auszug aus den -Parlamentsverhandlungen über die Sklaverei und den Sklavenhandel -in Massen unter das Volk zu werfen, trug gute Früchte. Der -Gerechtigkeitssinn und das Menschlichkeitsgefühl fingen unter dem Volke -an sich zu regen und sich gegen die Scheußlichkeiten des Sklavenhandels -zu empören, nachdem dieselben einmal so recht nackt und klar auf -Grund amtlicher Beweise aufgedeckt waren. Durch das ganze Land hin -und her wurden Versammlungen gehalten und von denselben Bittschriften -an das Parlament gerichtet, welche die Abschaffung des Sklavenhandels -verlangten. Viele verbanden sich sogar im heiligen Eifer dazu, sich -aller Erzeugnisse Westindiens zu enthalten, die der Sklavenarbeit ihren -Ursprung verdankten. - -Alles schien im besten Zuge und ließ hoffen, daß in der -Parlamentssitzung von 1792 die Abschaffung des Sklavenhandels -beschlossen werden würde, obwohl die Sklavenhändler von Liverpool 10000 -Pfund Sterling (nach heutigem Gelde etwa 200000 Mark) aufwendeten, um -wieder eine genügende Gegnerschaft im Parlamente zu schaffen. - -Da kamen unglücklicherweise mit einem Male die Nachrichten von dem -furchtbaren Sklavenaufstande auf der westindischen Insel St. Domingo -oder Haïti, die völlig dazu angethan waren, alle wohlwollende Teilnahme -für die Sklaven in unbefestigten Herzen zu ersticken. - -Auf jener Insel, die im Ryswyker Frieden 1697 von Spanien, das sie -seit der Entdeckung durch Kolumbus besessen hatte, an die Franzosen -abgetreten worden war, lebten nämlich außer einer großen Masse -eingeführter Negersklaven, die die Zahl der Weißen weit überwog, -viele sogenannte »Mulatten«, welche Weiße zu Vätern hatten, und -zum großen Teile freigelassen worden waren, oder doch den Negern -gegenüber große Vorzüge genossen. Unter diesen »Farbigen«, wie sie -hießen, hatten schnell die durch die französische Revolution in Gang -gebrachten freiheitlichen Grundsätze Eingang gefunden und »Freiheit, -Gleichheit, Brüderlichkeit« war auch bei ihnen die feurig verfochtene -Losung geworden. Aber es ist ja nur zu wohl bekannt, wie die Männer -der Revolution die »Brüderlichkeit« nur für Diejenigen wollten gelten -lassen, die in allen Stücken mit ihnen in das nämliche Horn bliesen, -und ebensowohl die »Freiheit und Gleichheit« nur soweit gelten ließen, -als es ihnen paßte. So war man denn auch in der Nationalversammlung zu -Paris durchaus nicht gewillt, den Farbigen ganz gleiche Rechte mit den -Weißen einzuräumen und brachte dadurch bei dieser Mischlings-Rasse, -die durch ihr schnell aufloderndes, feuriges Wesen bekannt ist, eine -furchtbare Gährung hervor. Es kam zu einer Vereinigung der Farbigen mit -den sonst von ihnen tief verachteten und gehaßten Negern, und am 23. -August 1791 brach ein furchtbarer Aufstand beider gegen die Weißen los, -der zur schonungslosen Niedermetzelung dieser fast auf der ganzen Insel -führte. - -Diese bösen Nachrichten aus Westindien waren natürlich den -Sklavenfeinden Wasser auf ihre Mühle und gaben ihnen willkommenen -Grund, die Befürchtung auszustreuen, nach solchem Vorgange würden es -auch die Neger auf den englischen Besitzungen in Westindien ihren -Brüdern auf St. Domingo nachmachen und am Ende die ganze englische -Herrschaft dort vernichten, wenn man sie nicht mit aller Strenge im -Zaume halte und einen noch stärkeren Druck auf sie übe als bisher. -- -Dazu kam, daß auch unter den englischen Sklavenfreunden nicht wenige -waren, die den Grundsätzen der französischen Revolution huldigten und -denselben auch in England Eingang zu verschaffen suchten. - -Wilberforce, dessen heller, klarer Blick die Hohlheit der französischen -Redensarten von den allgemeinen Menschenrechten von vorne herein -durchschaute, bemühte sich vergebens, den unvorsichtigen Reden -und Handlungen dieser seiner Kampfesgenossen zu wehren und mußte -es erleben, daß man sein auf die Abschaffung des Sklavenhandels -gerichtetes Streben mit den revolutionären Grundsätzen aus Frankreich -in Verbindung brachte und ihn auf das schmählichste verleumdete. Er -mußte es sogar erleben, daß König Georg III. wurde, was die Prinzen -des königlichen Hauses zum Teil schon längst waren, ein entschiedener -Gegner der Abschaffung des Sklavenhandels, während er sonst wohl, -wenn er an Hoftagen mit Wilberforce zusammen traf, sich bei diesem -freundlich nach seinen schwarzen Schützlingen erkundigt hatte. Wie weit -dabei die Abneigung gegen die revolutionären Grundsätze mitspielte, -oder aber die Rücksicht auf die königlichen Interessen, die geschädigt -wurden, wenn die vom Sklavenhandel erhobenen Abgaben ausfielen, muß -dahingestellt bleiben. - -Nichts destoweniger trat Wilberforce am 2. April 1792 mit dem Antrage -auf sofortige Abschaffung des Sklavenhandels vor das Parlament, -ermutigt durch sein gutes Gewissen, welches ihn von einer Hinneigung zu -den Grundsätzen der Revolution völlig freisprach und angefeuert durch -seinen heiligen Eifer, der die gute Sache auch jetzt nicht ruhen lassen -konnte. - -Wiederum sprach er mit dem ganzen Feuer seiner hinreißenden -Beredsamkeit; wiederum unterstützten ihn die beiden sonstigen Gegner, -Pitt und Fox mit gleicher Kraft und Entschiedenheit, aber sein Antrag -fiel dennoch durch. Doch hatten die gehaltenen Reden wenigstens den -bei den gegenwärtigen Zeitläufen immerhin nicht unbedeutenden Erfolg, -daß man sich mit 238 gegen 45 Stimmen für den Vorschlag erklärte, auf -allmähliche Abschaffung des Sklavenhandels Bedacht zu nehmen. Es mußte -jedoch dafür erst in einer neuen Parlamentssitzung ein besonderer -Antrag eingebracht werden. - -Wilberforce konnte sich zu solch einem Antrage nicht entschließen, -weil dadurch das einstweilige Fortbestehen des Sklavenhandels als -gesetzmäßig hingestellt worden wäre. An seiner statt übernahm es -einer der Minister ihn zu stellen und wollte den 1. Januar 1795 als -den Tag angenommen haben, von welchem ab der Sklavenhandel aufhören -müsse. Das war aber den meisten ein zu naher Termin und nach langen, -heißen Verhandlungen wurde endlich auf den Antrag von Wilberforce -mit 151 gegen 132 Stimmen der 1. Januar 1796 als Endtermin für den -Sklavenhandel angenommen. - -Hätte nur auch das Oberhaus, das diesen Beschluß ebenfalls annehmen -mußte, wenn er Gesetzeskraft erlangen sollte, in denselben eingestimmt! -Allein dies war nicht der Fall, sondern es verschob seine Entscheidung -bis zur nächsten Sitzung. - -Obwohl so noch durchaus nichts Festes und Bestimmtes erreicht war, -ergossen doch die »Westindier« die ganze Schale ihres Zornes über -Wilberforce, als den Mann, der im Kampfe gegen sie sich nicht zur Ruhe -bringen ließ. Nicht blos, daß die schändlichsten Verleumdungen wider -ihn ausgestreut wurden, nein selbst mörderische Pläne wurden gegen ihn -geschmiedet, sodaß ihn seine Freunde nicht ohne bewaffnete Begleitung -wollten auf die Reise gehen lassen. Möglich, daß auch seine Ernennung -zum französischen Bürger, welche ihm in dieser Zeit zukam, nur eine -böswillige Anzettelung seiner Feinde war, die ihn dadurch als einen -unzweifelhaften Anhänger der französischen Revolution verdächtigen -wollten. Freilich wurde ihm diese zweifelhafte Ehre sogleich wieder -entzogen und sein Name aus den Listen der französischen Bürger -gestrichen, als er in den Vorstand einer Gesellschaft trat, die sich -die Unterstützung der durch die Revolution aus Frankreich vertriebenen -Geistlichen zum Zwecke gesetzt hatte. - -Der Krieg mit Frankreich, welcher ausbrach, nachdem die Franzosen -ihre gerühmte »Brüderlichkeit« soweit getrieben hatten, daß sie am -21. Januar 1793 ihren König hinrichteten, brachte notwendig einen -Stillstand in die Verhandlungen über die Sklavensache. Nun, wo man -gesehen hatte, wie die Grundsätze der Revolution in Frankreich zum -Umsturz aller bestehenden Ordnung führen konnten, schrack man vor allem -zurück, was nur den mindesten Zusammenhang mit diesen Grundsätzen zu -haben schien, wie man das ja bereits den Bemühungen der Sklavenfreunde -und unseres Wilberforce insonderheit zum Vorwurfe gemacht hatte. -Das Parlament weigerte sich in seiner großen Mehrzahl, auch nur die -Entscheidung vom vorigen Jahre zu erneuern. - -Dem Kriege mit Frankreich war Wilberforce entgegen gewesen. Als -derselbe unvermeidlich wurde, weil die französische Nationalversammlung -auf die Rückberufung des englischen Gesandten nach der Hinrichtung -Ludwigs XVI. damit antwortete, daß sie an England den Krieg erklärte, -drang Wilberforce bei seinem Freunde Pitt darauf, daß England sich nur -verteidigen solle, wenn es von Frankreich wirklich angegriffen würde. -Allein da Pitt ein erbitterter Gegner des revolutionären Nachbars war, -so ging er darauf nicht ein, und zum erstenmale fanden sich die beiden -Freunde in entschiedenem Gegensatze. - -Wenn er aber auch so für den äußeren Frieden nichts durchsetzen -konnte, so beteiligte sich Wilberforce desto eifriger an einem anderen -Friedenswerke, zu dem sich jetzt Gelegenheit bot, und das ihm schon -längere Zeit am Herzen gelegen hatte. - -Es lag nämlich die Notwendigkeit vor, die Karte der englischen Kolonien -in Asien zu erneuern, und es kam im Parlament zu Verhandlungen über -die sittlichen und religiösen Zustände der Eingeborenen in jenen -Kolonien, bei denen der Regierung zum Vorwurfe gemacht werden mußte, -daß sie diesen Zuständen bisher gar keine Aufmerksamkeit zugewendet -habe. Da verlangte denn Wilberforce, daß Geistliche und Lehrer nach -Ostindien geschickt würden, welche den Eingeborenen das Christentum -brächten, wie dies von seiten der Sekten der Methodisten und Baptisten -bereits geschehen sei. Er bekämpfte dabei mit aller Entschiedenheit -den Grundsatz, dem die englische Regierung bisher gefolgt war, und der -dahin ging, daß es am besten sei, die Eingeborenen bei ihrem Heidentum -zu lassen. Es war ein tiefer Schmerz für ihn, zu sehen, wie sein -Vorschlag mit allgemeiner Gleichgültigkeit aufgenommen wurde und sogar -nur bei einzelnen der Bischöfe Unterstützung fand. Vergebens machte -er geltend, daß eine Ablehnung seiner Forderung gleichbedeutend sei -mit der öffentlichen amtlichen Erklärung, man achte das Christentum -nur deshalb, weil es die im Lande bestehende Religion sei, nicht aber -deshalb, weil es allein den rechten Heilsweg zeige und eine göttliche -Offenbarung sei. -- Seine Anträge wurden nicht angenommen. - -Als mit der Hinrichtung Robespierres am 27. Juli 1794 die -Schreckensherrschaft in Frankreich ihr Ende erreicht hatte, hielt -Wilberforce die Zeit für gekommen, den Frieden mit Frankreich wieder -herzustellen und England wieder die Segnungen des Friedens zuzuwenden. -Trotz der entgegenstehenden Ansicht der meisten seiner Freunde, -trotzdem, daß er dadurch wieder mit Pitt in offenen Widerspruch treten -mußte, brachte er, lediglich den Mahnungen seines Gewissens folgend, -im Dezember 1794 seine Friedensanträge im Parlamente ein. Er zog -sich dadurch nicht blos die Unzufriedenheit des Königs, sondern auch -seiner Wähler zu, achtete aber dessen nicht, sondern unterstützte nach -Ablehnung seiner eigenen Anträge schon im Februar des folgenden Jahres -wieder den Antrag auf Wiederherstellung des Friedens, welchen ein -anderes Parlamentsglied eingebracht hatte, sowie jeden anderen dahin -zielenden Antrag, der im Laufe dieser Parlamentssitzung gestellt wurde. --- So heilig war ihm eine einmal gewonnene gewissenhafte Überzeugung. - -Zu einer inneren Entfremdung zwischen Wilberforce und Pitt kam es -indessen durch diese Gegnerschaft in Sachen des Krieges keineswegs. -Pitt wußte zu gut, daß der Freund lediglich aus der Gewissenhaftigkeit -seiner Überzeugung heraus diese Gegnerschaft aufrecht erhielt und alles -war zwischen beiden vergessen, als sich auch die Minister dem Frieden -mit Frankreich glaubten zuneigen zu müssen. - -Sie gingen wieder einträchtig zusammen, als die Regierung vom -Parlamente die Berechtigung zu außerordentlichen Maßregeln forderte, -um den Revolutionsgeist unterdrücken zu können, der sich immer weiter -im Lande auszubreiten schien und immer kecker und unverhohlener -hervortrat. Schon predigte man offen in eigens dazu berufenen -Versammlungen den Aufruhr gegen die Regierung, verbreitete ungescheut -Bilder, durch welche der König auf dem Gange zum Schaffot dargestellt -wurde, ja wagte es sogar, den König persönlich zu beunruhigen und -zu beschimpfen, als er zur Eröffnung des Parlamentes fuhr. -- Da -unterstützte denn Wilberforce furchtlos und kräftig, wenn auch ungern, -die Forderung der Regierung und half dazu, daß sie, wenn schon auch -erst nach langem und heißem Redekampfe bewilligt wurde. - -Er hatte aber damit nicht allein die Feindschaft der Freiheitspartei -auf sich geladen, die sich auch im Parlamente gebildet hatte, sondern -auch die ganze Masse seiner Wähler in der Grafschaft York wider sich -erbittert, die sich von dem Revolutionsgeiste hatten bestricken lassen. -Als er nun hörte, daß diese eine große öffentliche Versammlung abhalten -wollten, um ihrem Unwillen gegen das Ministerium und seine Absichten -Ausdruck zu geben, beeilte er sich, zu dieser Versammlung noch zurecht -zu kommen und benutzte dazu sogar, ohne irgend welches Bedenken, weil -sein eigener Wagen für eine so weite eilige Reise nicht gehörig in -Ordnung war, den Wagen, den ihm der so verhaßte Minister zur Verfügung -stellte. - -Allein als Wilberforce am Orte der Versammlung ankam, stellte es sich -heraus, daß die sogenannte Freiheitspartei doch noch nicht so groß -war, als man befürchtet hatte, und bei Eröffnung der Versammlung waren -die Freunde und Anhänger des Ministeriums entschieden in der Überzahl. -Ohne Furcht vor etwaigen Feindseligkeiten gegen seine Person trat -Wilberforce in die stürmisch tobende Versammlung hinein, verschaffte -sich Gehör und hielt eine glänzende Rede, die den Erfolg hatte, daß -eine ganz gegenteilige Kundgebung als die beabsichtigte zu stande kam, -nämlich eine Schrift, die bald mit zahlreichen Unterschriften bedeckt -war, und worin man die entschiedenen und kräftigen Maßregeln des -Ministeriums gegen die revolutionäre Partei vollständig billigte, und -dieser Vorgang fand bald auch in anderen Grafschaften Nachahmung. - -So hatte Wilberforce den deutlichsten Beweis geliefert, wie falsch -die ihm gemachten Vorwürfe wegen Hinneigung zu den Grundsätzen der -Revolution gewesen seien, und glaubte denn nun, ohne aufs neue solche -Vorwürfe erleiden zu müssen, seine Sklavensache wieder in Angriff -nehmen zu können. Denn entmutigt war er durch die bisher nur errungenen -geringen Erfolge keineswegs, und es lag gerade jetzt wieder ein -besonderer Grund vor, in seiner Sache ernstlich vorzugehen. - -Frankreich hatte nämlich, um den verhaßten englischen Nachbarn -einen empfindlichen Schaden zuzufügen und wo möglich die ganze -Negerbevölkerung auf seinen westindischen Besitzungen in Aufruhr zu -bringen, auf seinen eigenen Besitzungen drüben alle Neger für frei -erklärt, und es dadurch auch wirklich dahin gebracht, daß auf den -englischen Inseln Granada, St. Vincent und Dominica Empörungen der -Neger stattfanden. Da hatten denn die Freunde des Sklavenhandels -wieder Oberwasser und wußten den Mund nicht voll genug zu nehmen, um -auszuschreien, daß man hier sehen könne, wozu die Freundschaft gegen -die Neger führe. - -[Illustration] - -Sofort war Wilberforce auf dem Kampfplatze und brachte am 18. Februar -1796 wieder seine alten Anträge auf Aufhebung des Sklavenhandels und -wo möglich der Sklaverei selbst das Parlament, entwickelte auch -wieder die alte, feurige Beredsamkeit für seine Herzenssache und -wußte das thörichte Geschrei der Gegner mit der Wucht seiner Gründe -zu übertäuben. Allein wiewohl er auch jetzt wieder von Pitt kräftig -unterstützt wurde, konnte er doch seine Anträge nicht durchbringen, -weil seine Freunde bei der schließlichen Abstimmung nicht in der -nötigen Zahl auf dem Platze waren, und selbst der von ihm gestellte -Antrag fiel durch, daß durch das Gesetz eine bessere Behandlung der -Sklaven auf den Sklavenschiffen erzwungen werden möchte. - -Tiefbetrübt über diesen neuen Mißerfolg würde Wilberforce wohl nicht -daran gedacht haben, sich um seine Wiederwahl ins Parlament zu -bewerben, wie es jetzt nötig wurde, wenn er nicht zweifellos an den -endlichen Sieg seiner guten Sache geglaubt und es deshalb für eine -heilige Pflicht angesehen hätte, seine Wirksamkeit im Parlamente -unbeirrt und mit aller Kraft fortzusetzen. Seine Wiederwahl hatte denn -auch nicht die geringste Schwierigkeit. - -Bei einem Besuche seiner Mutter in Hull, den er bei Gelegenheit dieser -Wiederwahl machte, durfte er mit inniger Freude wahrnehmen, wie die -betagte Frau, die er so sehr liebte, jetzt durch Gottes Gnade innerlich -eine ganz andere geworden und auf dem besten Wege war, sich mit ganzem, -vollem Ernste dem wahren Christentum zuzuwenden. Ihre Bitte beim -Abschiede, daß der Sohn ihrer fleißig in seinem Gebete gedenken möge, -hat dieser gewiß von nun an mit doppelter Freudigkeit erfüllt. - -Wer nach dem bisher Erzählten denken wollte, Wilberforce habe für -nichts anderes Interesse gehabt, als für seine Sklavensache und -höchstens für das, was derselben irgendwie dienen konnte, der würde -ihn durchaus falsch beurteilen. Sein Herz, das von der Liebe Christi -durchdrungen war, trieb ihn vielmehr, wo und wie er nur konnte, das -leibliche und geistliche Wohl aller seiner Mitmenschen zu fördern. - -Nicht blos, daß er bei jeder sich bietenden Gelegenheit für die heilige -Sache der Mission eintrat und für ihre Ausbreitung und Förderung -kämpfte, auch das leibliche Elend seiner Mitmenschen fand in ihm einen -stets willigen und bereiten Helfer. So besuchte er, wenn er in London -war, häufig die dortigen Krankenhäuser und brachte den Elenden neben -geistlichem Zuspruche auch leibliche Erquickungen, ja hielt es nicht -unter seiner Würde, ihnen auch selbst hülfreiche Handreichung zu thun. -Auch unterstützte er nach wie vor seine Freundin Hannah More bei ihren -Bemühungen, dem unwissenden Volke die Segnungen eines regelmäßigen -Schulunterrichtes zuzuwenden und hatte dafür eine allezeit offene Hand. - -Besonders aber beschäftigte ihn schon seit Jahren eine Schrift, an der -er ununterbrochen während seiner Mußezeiten arbeitete und welche den -Titel führen sollte: »Eine praktische Übersicht des vorherrschenden -religiösen Lehrbegriffs der Bekenner des Christentums in den höheren -und mittleren Ständen dieses Landes, verglichen mit dem wahren -Christentum«, also eine Schrift, die mit der Sklavensache zunächst gar -nichts zu thun hatte. - -Es war nämlich für Wilberforce ein fortgesetzter tiefer Schmerz, zu -sehen, wie wenig wahres, aufrichtiges und thatkräftiges Christentum in -den Gesellschaftskreisen herrschte, darin er sich bewegte. Entweder -trat ihm da eine vollständige Gleichgiltigkeit gegen das Christentum -entgegen, die von diesem nicht einmal reden hören mochte, oder jene -unerträgliche Schwatzhaftigkeit über das Christentum, der man es doch -sofort abmerkte, daß sie ebensowenig aus aufrichtiger Hochachtung -und Liebe für dasselbe hervorging, als ihr eine rechte christliche -Erkenntnis oder gar eine wahrhaftige christliche Erfahrung zu Grunde -lag. Diese betrübende Wahrnehmung ließ dem für das Christentum, -dessen segensreiche Wirkung er täglich mehr an sich selbst erfuhr, -begeisterten Manne keine Ruhe. Er betrachtete es als eine heilige -Pflicht, mit der Gabe, die er empfangen hatte, auch anderen zu dienen, -die derselben noch ermangelten, und möglichst viele von ihren falschen, -verkehrten Wegen zu dem einzigen Wege zu rufen, der zum Frieden auf -Erden und zur Seligkeit im Himmel führt. - -Bei denjenigen, welche ihm persönlich näher standen, that er dies -mündlich mit rückhaltsloser Offenheit, aber auch mit so liebenswürdiger -Milde und mit so teilnahmvoller Eindringlichkeit, daß ihm niemand -zürnen konnte, auch wenn er sich vielleicht durch ein ernstes, -strafendes Wort verletzt gefühlt hätte. - -Um aber auch auf weitere Kreise zu wirken, mit denen er keine -persönliche Berührung hatte, schrieb er das erwähnte Buch. In der -Einleitung zu demselben hob er besonders hervor, daß er, obgleich ein -Nichtgeistlicher, sich doch verpflichtet gefühlt habe, solch ein Buch -zu schreiben, weil er dafür halte, daß jeder Christ dazu berufen sei, -das Heil seiner Nächsten nach Kräften zu fördern, und weil er denke, -daß man einen Nichtgeistlichen für unparteiischer halten werde; er habe -nicht für entschiedene Gegner des Christentums geschrieben, sondern für -solche, die sich wohl Christen nennten, aber deren Leben durchaus nicht -mit ihren Bekenntnissen übereinstimme. - -Nachdem er nun zuerst die Haupt- und Grundlehren des Evangeliums: -von der Sünde, von der Erlösung durch den Herrn Jesum Christum, von -der Heiligung durch den heiligen Geist in tiefer, schriftgemäßer -Weise besprochen und mit hoher Glaubensfreudigkeit als die rechte -seligmachende Weisheit und Wahrheit bezeugt hatte, welche niemand -ungestraft und ohne Schaden verachten könne, ging er besonders darauf -aus, zu beweisen, wie eine Sittlichkeit ohne Glauben nur hohles, -kraftloses, hinfälliges Wesen sei, wie aber der Glaube nicht etwa -blos in dem Fürwahrhalten der christlichen Lehre bestehe, sondern -vielmehr ein Sauerteig sei, der das ganze Wesen durchdringen und zu -einer vollen, rückhaltlosen Hingabe des Herzens und Lebens an Gott und -den Heiland treiben müsse. An dieser Beweisführung, bei welcher er -besonders die Redensarten näher beleuchtete, mit denen die Weltmenschen -in der Regel jede Zumutung mit ihrem Christentum Ernst zu machen, von -sich abwiesen, schloß sich dann der Nachweis, wie wahres Christentum -mit allen Lebensverhältnissen und mit jeder Lebensstellung wohl -verträglich sei und durchaus nichts Unmögliches von seinen Jüngern -fordere. - -Sieben Jahre lang schon hatte Wilberforce an diesem Buche gearbeitet -und, was er darin niederlegen wollte, nicht nur aufs Reiflichste -erwogen, sondern auch an seinem eigenen Herzen und an seiner eigenen -Lebenserfahrung soviel als möglich erprobt. Jetzt erst entschloß er -sich, das Buch in Druck zu geben. Der Buchhändler, an welchen er sich -deshalb wandte, hielt, nachdem er einen Blick in dasselbe gethan hatte, -den Verfasser für einen liebenswürdigen Schwärmer, der aber mit dem -Geschriebenen keinen großen Erfolg erzielen, sondern nur viel Spott -und Hohn einernten werde. Dem Namen »Wilberforce« zu liebe, meinte er -lächelnd, wolle er es wagen, 500 Exemplare zu drucken, aber es sei sehr -fraglich, ob auch nur diese Absatz finden würden. - -Wie hatte sich aber der gute Mann verrechnet! Kaum war im April 1797 -der Druck vollendet, und das Buch ausgegeben, als auch bereits nach -wenigen Tagen die 500 Exemplare vollständig vergriffen waren. Und -damit war es nicht am Ende, nein, die Nachfrage nach dem Buche wurde -so stark, daß im Laufe des nächsten halben Jahres 5 Auflagen in einer -Stärke von im ganzen 7500 Exemplaren nachgedruckt werden mußten. Ja -bis zum Jahre 1826 erlebte das Buch noch weitere 10 Auflagen und -wurde ins Deutsche, Holländische, Französische, Italienische und -Spanische übersetzt: jedenfalls ein unwiderlegliches Zeugnis von der -Vortrefflichkeit und durchschlagenden Wirkung des Buches! - -»Ich preise Gott,« so schrieb der fromme Bischof von London über -dasselbe, »daß in diesen schrecklichen Zeiten solch ein Werk erschienen -ist, und ich will ihn inbrünstig bitten, daß es weiterhin einen -mächtigen Einfluß gewinnen möge, vor allem aber auf mein eigenes Herz, -welches dadurch zur Demut und hoffentlich bald auch zur Wirksamkeit -angeregt wird.« - -Von allen Seiten kamen Wilberforce die ehrenvollsten Dankbezeugungen -wegen seines Buches zu. Ja es zeigte ihm sogar jemand in einem -namenlosen Schreiben an, er habe sich ein kleines Gut in der Grafschaft -York gekauft, eigens zu dem Zwecke, bei der nächsten Wahl ins Parlament -Wilberforce seine Stimme geben und ihm dadurch einen geringen Teil -seiner Dankesschuld abtragen zu können. - -Aber eitel konnte Wilberforce nicht werden, wenn er auch die Anlage -dazu in eben dem Maße besessen hätte, als er sie nicht besaß. Seine -Feinde und Gegner sorgten dafür, daß es neben den vielen Anerkennungen -auch nicht an den härtesten, lieblosesten Beurteilungen des Buches -fehlte. War es ihnen doch ein Dorn im Auge, daß der Name des von ihnen -so bitter Gehaßten durch das Buch noch größere Berühmtheit erlangte, -als er sie schon hatte. - - - - -V. - - -Wilberforce war bis jetzt, obwohl nahezu 38 Jahre alt, allein durchs -Leben gegangen, ohne sich noch eine eigene Familie gegründet zu haben. -Seine Besitzungen in Yorkshire ließ er durch seine dortigen Freunde -und Bekannten verwalten, um nicht durch die gewöhnlichen, alltäglichen -Lebenssorgen in seiner öffentlichen Thätigkeit gehindert zu sein. -Obschon es ihm seine Mittel erlaubt hätten, erwarb er sich nicht einmal -eine eigene Wohnung in London, wo er doch einen großen, wenn nicht den -größten Teil seiner Zeit zubrachte. - -»Als einzelner Mann,« sagte er später einmal, »fand ich ein Vergnügen -an dem Gedanken, allein in einem gemieteten Hause zu leben. Denn so -ward ich beständig daran erinnert, daß hienieden noch nicht meine -wahre Wohnung und Heimat sei, und daß ich die Pflicht habe, nach einer -besseren Heimat auszusehen und zu streben.« - -Gleichwohl fühlte er sein Alleinstehen nicht selten als einen Mangel -in seinem Leben, zumal, wenn er bei Besuchen seiner Freunde deren -glückliches Familienleben sah, und die reinen erquickenden Freuden -eines solchen schmecken und fühlen lernte. Denn seit der Verheiratung -seiner Schwester fand er auch bei seiner Mutter, die einsam in Hull -wohnte und sich von diesem Orte nicht trennen wollte, wenn er dieselbe -gelegentlich besuchte, kein eigentliches Familienleben mehr, wie es -sein gefühlvolles Herz begehrte. - -Allein so oft ihm auch schon der Gedanke mochte gekommen sein, sich -einen eigenen Herd zu gründen, er hatte denselben bisher immer -wieder von sich abweisen zu sollen geglaubt, weil er befürchtete, -die Pflichten eines Familienhauptes würden ihn zu sehr in Anspruch -nehmen, als daß er im stande wäre, dem Werke, das ihm ja mehr und mehr -Lebensaufgabe wurde, die gebührende Zeit und Kraft zuzuwenden. Auch -die eigene schwache Gesundheit mochte bei seiner Abneigung, sich zu -vermählen, ein bedeutsames Wort mitsprechen. - -Am allerwenigsten aber glaubte Wilberforce gerade jetzt an die Gründung -einer eigenen Familie denken zu dürfen, wo er es hatte erfahren -müssen, daß seine Gegner selbst vor meuchlerischen Anschlägen auf sein -Leben nicht zurückscheuten, und wo überdies sowohl die immer noch -nicht völlig beigelegten kriegerischen Unruhen, als auch der in immer -höherem Maße um sich greifende Geist der Empörung und des Aufruhrs alle -Verhältnisse im Lande unsicher machten. - -Aber er sollte es erfahren, daß in der That die rechten Ehen »im Himmel -geschlossen werden,« und daß Gottes Gedanken über seine Kinder oft ganz -andere sind als die eigenen Menschengedanken, wenn dieselben auch auf -dem Boden voller pflichtmäßiger Überzeugung erwachsen sind und durchaus -nicht mit Gottes heiligen Geboten in Widerstreit stehen. - -Denn gerade jetzt, wo er in Bath die Osterferien 1797 zubrachte, -führte ihm des Herrn Hand Diejenige zu, welche bestimmt war, ihm ein -reiches häusliches Glück zu bereiten, und so den Mangel auszufüllen, -den er sich bisher in opferwilliger Selbstverleugnung geglaubt hatte -auferlegen zu müssen. - -Es war Barbara Ann, die älteste Tochter eines adeligen Herrn aus der -Grafschaft Warwickshire, des Esquire Isaak Spooner zu Elmdon Hall. -Schon die erste Begegnung dieser Dame hatte auf Wilberforce einen -tiefen Eindruck gemacht und den Gedanken in ihm erweckt, daß eine -Lebensgefährtin, die er sich erwählen sollte, gerade so und nicht -anders sein müsse. Daß es aber nicht bestechende äußere Vorzüge waren, -die diesen Eindruck auf ihn machten und ihm solche Gedanken erweckten, -sondern vielmehr die inneren Eigenschaften, die er bei der neuen -Bekannten wahrnahm und die sich ihm bei fortgesetzter Bekanntschaft -immer deutlicher erschlossen, zeigt eine Stelle in seinem Tagebuche, -welche er nach seiner Verlobung niederschrieb. - -»Der Würfel ist gefallen,« heißt es da. »Ich glaube, sie eignet sich -ganz besonders für mich, und manche Umstände schienen mir diesen -Schritt anzuraten. Ich hoffe, Gott wird mich dabei segnen; ich will -darum zu ihm beten. Ich halte sie für eine ächte Christin, liebevoll, -gefühlvoll, verständig in ihrem ganzen Wesen, mäßig in ihren Wünschen -und Bestrebungen, fähig, Glück und Unglück zu ertragen, ohne davon -beherrscht zu werden. Wenn ich voreilig gewesen bin, so vergieb mir, o -Gott! Aber wenn, wie ich zuversichtlich hoffe, wir beide Dich lieben -und fürchten, und Dir dienen werden, dann wollest Du uns segnen nach -dem untrüglichen Worte Deiner Verheißung.« - -Am 23. April 1797 verlobte sich Wilberforce förmlich mit der Erwählten, -und je näher er dieselbe kennen lernte, desto inniger wurde sein -Dank gegen Gott, der sie ihn hatte finden lassen, desto freudiger und -hoffnungsreicher sein Blick in die Zukunft, die sich bei der vollen -inneren Übereinstimmung der beiden Verlobten zu einer glücklichen und -gesegneten gestalten zu müssen schien. - -Die glücklichen Stunden jedoch, welche Wilberforce jetzt hier in Bath -verleben durfte, konnten sein ernstes Pflichtgefühl auch nicht um einen -Finger breit abschwächen und ihn zurückhalten, wenn die Pflicht zur -Arbeit rief. Und das sollte schon wenige Tage nach der Verlobung der -Fall werden. - -Es waren nämlich dadurch, daß Österreich, Englands bisheriger -Bundesgenosse gegen Frankreich, mit diesem einen besonderen Frieden -geschlossen hatte, ernste Verwickelungen für England entstanden, -die auf den inneren Zustand des Landes einen höchst nachteiligen -Einfluß äußerten. Deshalb lud der Minister Pitt seinen Freund, dessen -Scharfsinn und staatsmännische Klugheit er in hohem Maße schätzte, auf -das dringendste ein, sofort nach London zu kommen. Und Wilberforce -zögerte keinen Augenblick, diesem Rufe zu folgen, so schwer es ihm auch -werden mochte, sich jetzt sogleich wieder von seiner Braut zu trennen. - -Ja, als sich ihm in London die Überzeugung aufdrängte, daß sich -die Verhältnisse des Landes in einem noch viel schlimmeren und -gefährlicheren Zustande befänden, als er bei seiner Abreise befürchtet -hatte, in einem Zustande, der für ihn selber Gefahren herbeiführen -konnte, wenn er sich wieder voll und ganz an dem öffentlichen Leben -beteiligte, entschloß er sich sogar dazu, wenn auch erst nach schwerem -innerem Kampfe, seine Braut ihres Wortes zu entbinden, um sie nicht -in die ihm drohenden Gefahren und Schicksale mit hineinzuziehen. -Indessen nahm er schon nach zwei Tagen diesen ihm durch die erste -augenblickliche Bestürzung eingegebenen Vorschlag wieder zurück im -festen Vertrauen auf die Güte und Fürsorge Gottes, die ihn bisher in -gefährlichen Lagen stets so treu und gnädig bewahrt habe und auch -fernerhin bewahren werde. - -Die ernsten Zeitumstände, welche zu Zornesgerichten Gottes über das -Land zu werden drohten, gaben Wilberforce den Mut, am 15. Mai wiederum -die Sklavensache im Parlamente vorzubringen, weil er hoffen durfte, -die ernste Hinweisung auf die drohenden Gottesgerichte würde auch die -verstocktesten Gegner herumbringen, daß sie nicht länger gegen etwas -widerstrebten, was diese Gerichte geradezu herausfordere. Aber er -erntete nur Spott und Hohn wegen seiner unaufhörlichen Belästigungen -des Parlaments, und mußte den Schmerz erleben, daß man sich mit 82 -gegen 74 Stimmen für die Beibehaltung des Sklavenhandels entschied, -also nicht einmal die früheren Beschlüsse beachtete, worin doch die -Abschaffung dieses Handels als etwas, das kommen werde und müsse, -hingestellt worden war. - -Schmerzlich bewegt kehrte er, als seine Anwesenheit in London nicht -mehr so dringend nötig erschien, nach Bath zurück und feierte erst am -30. Mai in aller Stille seine Hochzeit. Nach einem kurzen Besuche bei -seiner Freundin Hannah More, welcher er seine erwählte Lebensgefährtin -glaubte vorstellen zu müssen, weil sie an seinem Wohl und Wehe so -warmen Anteil nahm, kehrte er dann wieder nach London zurück, um -den Sitzungen des Parlamentes bis zu ihrem Schlusse beizuwohnen, -und es wo möglich durchzusetzen, daß bei den in Aussicht stehenden -Friedensverhandlungen mit Frankreich für die Abschaffung des -Sklavenhandels etwas gewonnen würde. - -Er nahm jedoch seine Frau mit sich und mietete für sie ein Landgut in -der Nähe von London, wo er dann, nachdem die Tagesarbeit im Parlamente -gethan war, im Glücke und Frieden des eigenen Hauses sich erholen -konnte. Was ihm diesen Aufenthalt besonders lieb machte, war das, daß -er ganz nahe bei dem Landsitze seines Freundes Eliot lag, des Schwagers -von Minister Pitt, mit dem er schon seit Jahren auf das Engste -verbunden war. - -Welch köstliche Tage er hier im Genusse der innigsten Freundschaft und -des jungen, ehelichen Glückes verleben durfte, beweisen eine Reihe von -Briefen, die er an auswärtige Freunde schrieb, und worin er die Gnade -Gottes pries, die ihm alles gegeben habe, was der Mensch auf Erden -zum Glücke bedürfe. Allein es sollte auch bei ihm so gehen, wie es ja -der Herr bei den Seinigen so oft fügt, daß auf die Tage des sonnigen -Glückes bald wieder trübe und dunkele Schmerzenstage folgen, und das -prophetische Wort, womit einer seiner Freunde ihm geantwortet hatte: -»ich fürchte, daß es kaum zur menschlichen Natur stimmt, lange so -glücklich zu sein,« sollte nur zu schnell Wahrheit werden. - -Denn nicht allein, daß der von ihm hochgeschätzte Gatte seiner -Schwester, der Prediger Clarke in Hull plötzlich und unerwartet vom -Tode weggerafft wurde; auch sein innig geliebter Freund Eliot mußte -denselben Weg gehen. Und wenn es für Wilberforce ein großer Trost -gewesen war, daß seine alte Mutter und seine verwittwete Schwester an -dem Nachfolger Clarkes, dem Bruder seines langjährigen Freundes Milner -eine kräftige Stütze gefunden hatten, so wurde ihm auch dieser Trost -bald wieder geraubt, da Joseph Milner schon nach ganz kurzer Zeit starb. - -Diese drei rasch aufeinander folgenden Todesfälle beugten Wilberforce -tief nieder. Aber er verstand es auch, dieselben sich zum innerlichen -Segen werden zu lassen. Wie eindringlich schrieb er in sein Tagebuch, -»lehren auch diese Ereignisse, daß die uns zugemessene Zeit kurz ist! O -möchte ich lernen und weise sein!« - -Und siehe, kaum hatte er diese Verluste einigermaßen überwunden, da -traf ihn ein neuer Schlag, der sein gefühlvolles Herz tief verwundete. -Nach kurzer Krankheit starb nämlich in Hull auch seine eigene Mutter, -die ihm von Jahr zu Jahr lieber geworden war, je mehr sie sich, durch -das Vorbild des frommen Sohnes angeregt, dem wahren Christentum -zugewandt hatte und je mehr dadurch der innere Einklang zwischen Mutter -und Sohn gewachsen war, der früher gefehlt hatte. Welch ein Trost -war es für Wilberforce, sich an ihrem Sarge der festen Zuversicht -überlassen zu können, daß ihr Ende ein seliges gewesen sei! - -Von ihrem Begräbnisse zurückgekehrt, durfte er es aber auch erfahren, -daß Gottes Liebe in die Schmerzenstage des Lebens immer auch -Freudenstunden einflicht, die das gebeugte Herz stärken und aufrichten -sollen. Seine Gattin schenkte ihm nämlich jetzt im Sommer 1798 den -ersten Sohn. Wie freudig jubelte er dafür in seinem Tagebuche Gott -dem Herrn seinen Dank aus und wie inbrünstig betete er um Kraft und -Beistand von oben, daß es ihm gelingen möge, das Kind zu einem rechten -Christenmenschen zu erziehen! - -Mit der Sklavensache gab es auch in der Parlamentssitzung von 1798 -keinen Fortgang. Wilberforce brachte zwar seinen Antrag auf Verbot -des Sklavenhandels getreulich wieder ein trotz des ärgerlichen -Kopfschüttelns vieler Parlamentsmitglieder, die dieses ewig -wiederkehrenden Antrags überdrüssig waren; aber wiederum fiel derselbe -durch, wenn er auch nur mit der kleinen Mehrheit von 4 Stimmen -abgelehnt wurde. Zwar gelang es den Gegnern nicht, irgend etwas -vorzubringen, was die Beweise entkräften konnte, die Wilberforce -für die beim Sklavenhandel vorkommenden entsetzlichen Grausamkeiten -beibrachte, aber sie warfen ein und fanden für diesen Einwurf viele -gläubige Abnehmer, daß der Sklavenhandel, wenn er gesetzlich verboten -würde, dennoch nicht ganz aufhören, sondern in ungesetzlicher Weise -fortgetrieben werden würde, und daß dann voraussichtlich unter dem -Schleier des Geheimnisses noch viel größere Grausamkeiten vorkommen -würden. - -Wollte es mit der Sklavensache noch immer keinen Fortgang gewinnen, so -suchte Wilberforce dem Drange seiner thätigen Menschenliebe in allerlei -anderer Weise zu genügen und suchte überall die Not auf, um sie nach -Kräften zu lindern. Wir wissen, daß er im Jahre 1789 über 2000 Pfund -Sterling, also über 40,000 Mark zu wohlthätigen Zwecken verwandte, eine -Summe, bei welcher er gewiß nicht ängstlich berechnet hatte, ob sie -nicht seine Vermögensverhältnisse überstiege. Dabei gab Wilberforce -nie blindlings sein Geld weg, sondern prüfte immer erst sorgfältig, -ob seine Unterstützungen auch nicht an Unwürdige weggeworfen seien. -Es war also seine Wohlthätigkeit etwas mehr, als das blos äußerliche -Sichloskaufen von einer Verpflichtung, die er sich durch seinen -Reichtum auferlegt fühlte, sie war ein wirkliches Üben brüderlicher -Liebe mit der Vorsicht und Weisheit, ohne welche die Wohlthätigkeit -zur nutzlosen Verschwendung werden kann, ja zu einem verderblichen -Förderungsmittel der Trägheit und des Lasters. - -Die günstige Aufnahme, welche sein Buch überall gefunden hatte und -die ihm noch fortwährend zukommenden Zeugnisse von den segensreichen -Wirkungen, die dasselbe übte, ließen ihn erkennen, daß ihm auch ein -geistiges Pfund anvertraut sei, welches er ebensowohl wie das äußere -seines Reichtums zum Wohle seiner Nebenmenschen zu verwenden habe. -Da ihm nun zum Schreiben eines weiteren größeren Buches immer mehr -die nötige Ruhe und freie Zeit gebrach, so beschloß er, in Verbindung -mit mehreren gleichgesinnten Freunden eine religiöse Zeitschrift -herauszugeben, welche dem überhandnehmenden Unglauben besonders in den -mittleren Ständen einen Damm entgegensetzen sollte. Die erste Nummer -dieser Zeitschrift, welche den Titel: »Der christliche Beobachter« -führen sollte, erschien jedoch erst im Januar 1801. - -Auch die Ansiedelung auf Sierra Leone machte ihm in dieser Zeit -viel zu schaffen, da dieselbe gerade damals mit besonders großen -Schwierigkeiten zu kämpfen hatte und doch bestehen bleiben und -sich im Segen entwickeln mußte, wenn die Behauptung, daß die Neger -keine bildungsfähigen Menschen seien, auf welche die Freunde -des Sklavenhandels sich besonders stützten, in ihrer völligen -Grundlosigkeit hingestellt, und diesen ihre beste, wirksamste Waffe -entrissen werden sollte. - -Der glorreiche Sieg zur See, in welchem der englische Admiral Nelson am -1. August 1798 bei Abukir fast die ganze französische Flotte vernichtet -hatte und der in ganz England mit unsäglichem Jubel begrüßt worden -war, gab Wilberforce neuen Mut, trotz aller erlittenen Niederlagen, -auch in der Parlamentssitzung von 1799 wieder gegen den Sklavenhandel -aufzutreten. Hatte doch der fromme Seeheld Nelson zur herzlichen Freude -unseres Wilberforce in seinem Berichte ausdrücklich darauf hingewiesen, -wieviel Dank das englische Volk für diesen Sieg seinem Gotte schuldig -sei! Mußte es da nicht von durchschlagender Wirkung sein, wenn nun -Wilberforce seinerseits mit seiner feurigen Beredsamkeit mahnte, diesen -Dank durch Abstellung des Sklavenhandels thatsächlich darzubringen und -nicht durch Verhärtung in einem anerkannten und zweifellosen Unrecht -den Zorn Gottes über das Land zu reizen? -- Aber siehe, auch diesmal -wieder fielen die warmen, begeisterten Worte, womit er seinen Antrag -verfocht, auf unfruchtbaren Boden, sein Antrag fiel durch. - -Die tiefe Niedergeschlagenheit, in welche er wegen dieses neuen -unerwarteten Mißerfolgs verfiel, brachte ihn auch körperlich -sehr herunter. Ein heftiges Fieber befiel ihn und hinderte ihn, -die Parlamentssitzung zu besuchen, welche auf den 24. September -ausgeschrieben war, um die Entsendung eines Heeres nach den -Niederlanden zu beraten, wo dasselbe gemeinschaftlich mit den Russen -die Franzosen bekämpfen sollte. - -Da auch seine Gattin, die am 21. Juni von einem Töchterlein entbunden -worden war, der Ruhe bedurfte, so mietete sich Wilberforce in der Nähe -von Bath, dessen unruhiges Badeleben ihm nicht zusagte, eine Wohnung -auf dem Lande und brachte dort vier Monate im Genusse eines ruhigen, -ungestörten Familienlebens zu. Aber Arbeit machte er sich auch hier, -weil er ohne solche nicht leben konnte. Die stillen Sonntage auf dem -Lande, deren Köstlichkeit und Segen niemand besser zu würdigen wußte, -als er, mahnten ihn, für die Förderung einer rechten Sonntagsheiligung -thätig zu sein. Das war zwar nicht erst eine neue Thätigkeit. Denn -er hatte schon das Parlament aufgefordert, gesetzlich gegen jede -Entheiligung des Sonntages einzuschreiten, und als er das nicht -durchsetzen konnte, wenigstens auf eigene Hand eine ganze Anzahl von -Parlamentsgliedern zusammengebracht, die sich freiwillig verbanden, -für eine rechte Sonntagsheiligung zu wirken und dabei selbst mit gutem -Beispiel voranzugehen. Er hatte auch durch Verwendung seines Einflusses -bei den Ministern eine Verfügung erwirkt, wonach niemand mehr gegen -sein Gewissen durch Geld- und Freiheitsstrafen gezwungen werden durfte, -sich an militärischen Übungen zu beteiligen, welche am Sonntage -stattfanden, wie dies an vielen Orten geschah. - -Aber mußten nicht die stillen gesegneten Sonntage hier auf dem Lande -ihm ein unwiderstehlicher Antrieb werden, in der Nähe und in der Ferne, -durch Wort und Schrift darauf hinzuwirken, daß solch eine gesegnete -Sonntagsfeier allenthalben möglich werde und auch allenthalben zu -stande käme? - -Im Januar 1800 kehrte Wilberforce neu gestärkt nach London zurück -und trat sofort wieder mit frischer Kraft in die parlamentarische -Thätigkeit ein. Es handelte sich jetzt in der That um den Frieden -mit Frankreich, über welchen von seiten Napoleons Unterhandlungen -eingeleitet worden waren. Allein die von demselben vorgeschlagenen -Friedensbedingungen waren der Art, daß selbst der friedliebende -Wilberforce dazu raten mußte, sie zu verwerfen, und das Ministerium, -welches gleicher Ansicht mit ihm war, kräftig unterstützte. »Wer heute -meine Rede hörte,« sagte er selbst, »mußte mich für einen größeren -Freund des Krieges halten, als ich es in Wahrheit bin.« - -Ein sehr erfreuliches Ereignis war es für Wilberforce, daß sein Freund -Stephen, sein treuer Gefährte im Kampfe gegen den Sklavenhandel, dessen -Scheußlichkeiten er bei einem langen Aufenthalte in Westindien durch -eigenen Augenschein kennen gelernt hatte, seiner verwittweten Schwester -die Hand reichte und dadurch eine noch nähere Verbindung mit ihm -schloß, als sie bisher schon durch ihre Kampfgenossenschaft bestanden -hatte. - -Aber bald fiel auch wieder ein düsterer Schatten in sein Leben, der -um ein Haar zu einer völligen Trübsalsfinsternis geworden wäre. Denn -bald nach der Rückkehr aus dem Seebade Bognor, wo er sich eine Zeit -lang nach dem Parlamentsschlusse mit seiner Familie aufgehalten hatte, -verfiel seine geliebte Gattin in eine schwere Krankheit, welche das -Schlimmste befürchten ließ. Wie es dabei in seinem Inneren aussah, mag -ein Brief beweisen, den er am 27. September an Hannah More schrieb. - - »Mein teure Freundin,« heißt es darin, »Sie sollen nicht - durch eine andere Feder erfahren, daß es Gott gefallen, meine - teuerste Frau mit einem gefährlichen Fieber heimzusuchen. Man - sagt mir, daß der endliche Ausgang der Krankheit wahrscheinlich - nicht bald entschieden sein werde, daß ich aber nach der - Heftigkeit des Beginnens Ursache habe, alles zu fürchten, wenn - auch nicht jede Hoffnung aufzugeben. Aber ach, meine teuere - Freundin, was für ein unaussprechlicher Segen ist es für mich, - daß ich in Demut hoffen kann, der Tod werde für meine arme - Gattin die Versetzung sein aus einer Welt der Sünde und der - Sorge in das Land vollkommener Heiligkeit und nie endender - Seligkeit! Wie tröstend ist der Gedanke, daß ihre Leiden ihr - nicht allein zugeteilt, sondern auch zugemessen sind durch ein - Wesen voll unendlicher Weisheit und Güte, welches sie liebt, - wie ich hoffe, mehr als ein teures Kind von einem irdischen - Vater geliebt ist! Ich weiß, Sie alle werden für mich fühlen, - für mich und meine arme Leidende beten. Ich bin noch nicht - genug an das Krankenbett gewöhnt; es ist äußerst angreifend - für mich, ihre Heftigkeit und wirre Unruhe zu bemerken, - ja bisweilen ihr Phantasieren zu hören, während damit ihr - gewöhnlicher freundlicher Blick und ihre sanfte Ruhe verbunden - ist. Möchten wir alle bereit sein und endlich alle in der - Herrlichkeit zusammentreffen, jetzt aber wachen und beten und - nüchtern sein und danach trachten, einzugehen; dann werden wir - gewiß einst nicht ausgeschlossen werden. Ich pflege auch sonst - solche Worte zu reden wie diese, und, wie ich hoffe, aus dem - Herzen. Aber wieviel kräftiger prägen sie sich dem Geiste ein - bei dem Anblick des Todes, wie ich ihn habe! Gott segne Sie - alle! Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes - und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit uns Allen! - Für immer Ihr W. Wilberforce.« - -Und weiter schreibt er in dieser Zeit: »Welch unaussprechliche -Tröstung und Erleichterung ist es, in solch einem Augenblick die volle -Zuversicht zu hegen, daß meine teuerste Gattin ihren Frieden mit Gott -gemacht hat und für die furchtbare Vorladung nicht unvorbereitet ist! -Ich danke Gott, daß ich im stande bin, mich seiner Züchtigung (welche -leider nur zu sehr verdient ist) ohne Murren zu unterwerfen, und, -wie ich demütig hoffe, mit Ergebung, ich möchte sagen: mit frohem, -dankbarem Sinne gegen seinen heiligen Willen. Er weiß am besten, was -uns gut ist, und wenn unsere Leiden hier, indem sie uns aus der -Trägheit erwecken und uns näher zum Himmel drängen, in irgend einem -Grade dazu dienen, das Glück der Ewigkeit zu erhöhen, so mögen wir wohl -in der triumphierenden Sprache des Apostels ausrufen: »Unsere Trübsal, -die zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige über alle Maßen -wichtige Herrlichkeit!« -- Mein teures Weib hat stets phantasiert, seit -wir wußten, daß ihre Krankheit gefährlich sei. Wie wenig hätten wir für -ihren Seelenzustand thun können, wenn er früher vernachlässigt worden -wäre und wir nun erst gewünscht hätten, sie zum Tode vorzubereiten! -Welch praktische Lehre für uns alle!« - -Welch tiefen Blick eröffnen uns diese Worte, die doch gewiß der -unmittelbarste Erguß der Gedanken und Gefühle waren, in ein Herz voll -des lautersten, aufrichtigsten Christentums, in ein Herz, das gelernt -hatte, sich ganz im Glauben dem Herrn anzuvertrauen, in ein Herz, das -für den Menschen nichts Höheres kannte, als den Gewinn des ewigen -Lebens! - -Die züchtigende Hand des Herrn ließ es indessen bei Wilberforce nicht -zum Äußersten kommen. Sein Flehen wurde erhört, die Krankheit wendete -sich zum Besseren. Am 20. Oktober konnte er frohlockend und dankend -melden, daß ihm sein geliebtes Weib erhalten sei und allmählich die -Gesundheit und frühere Kraft wiedererlange. Wenn er sich aber dabei -gleichsam in demselben Atem selbst anklagt, daß die ernsten Gefühle in -den Augenblicken des Leidens hernach, wenn dasselbe durch Gottes Gnade -vorüber sei, so bald wieder sich abschwächten und dahinschwänden, so -beweist dies, wie sehr er gewohnt war, auch auf die leisesten Regungen -seines Herzens zu achten und wie ihm äußere Erlebnisse in Freude und -Leid niemals den heilsamen Blick in das eigene Herz trüben konnten. - -Die Hoffnung, welche Wilberforce gehegt hatte, daß er, wenn der Friede -mit Frankreich, nach welchem jetzt ganz England seufzte, geschlossen -werden würde, es werde durchsetzen können, daß die Abschaffung des -Sklavenhandels unter die Friedensbedingungen aufgenommen würde, erwies -sich als eine trügerische. Wiewohl sich Pitt mit ihm vereinigte, schlug -dieser Plan fehl. Da wegen der wichtigen Arbeiten, die dem Parlamente -vorlagen, auch ein neuer Antrag wegen des Sklavenhandels keine Aussicht -hatte, nur zur Beratung zu kommen, mußte sich Wilberforce darauf -beschränken, durch seinen Schwager Stephen kleinere Flugschriften gegen -den Sklavenhandel abfassen zu lassen, die dann in Massen unter das Volk -geworfen wurden, um bei diesem das Interesse für die Sklavensache, -welches unter den kriegerischen Unruhen und dem Drucke einer großen -Teuerung fast erloschen sein mußte, wieder neu zu beleben. - -Am 25. April 1802 war denn endlich zu Amiens der Friede mit Frankreich -zu stande gekommen, und da Wilberforce wieder aufs neue als Vertreter -für die Grafschaft York ins Parlament gewählt worden war, sprach er -sich voll heiligen Eifers dafür aus, es sei nötig, die goldene Zeit -des Friedens dazu zu verwenden, daß der sittliche Zustand des Landes -gebessert werde, daß die Kinder der geringeren Stände in tugendhafter -Sitte und zur Anhänglichkeit an die bürgerlichen und religiösen -Einrichtungen des Landes erzogen würden, daß für die niedrigen Klassen -der Steuerdruck ermäßigt und an Stelle der aufrührerischen Ansichten -und Neigungen ein rechter Gemeingeist bei dem Volke geweckt und -gepflegt würde. - -Man erklärte freilich solche Reden im Parlamente kurzweg für baren -Unsinn, aber Wilberforce ließ sich durch solche beleidigende Urteile -den Mund nicht zubinden und kam immer wieder von neuem in seinen Reden -auf diese Forderungen zurück. - -Leider schien der Friede, den Wilberforce in solch heilsamer Weise -benutzt haben wollte, nicht von langer Dauer sein zu sollen. -Gegenseitige Beschwerden über Nichterfüllung der Bedingungen des -Friedens von Amiens flogen über den Kanal hinüber, und es wurde bald -klar, daß es zu einem Bruche mit dem französischen Gewalthaber, mit -Napoleon kommen müsse, der auch England gerne unter sein Scepter -gebeugt gesehen hätte. - -Bei dieser unsicheren Lage der äußeren Verhältnisse, welche die ganze -Aufmerksamkeit und Sorge des Parlaments in Anspruch nahmen, hielt es -Wilberforce für völlig aussichtslos, und nur dazu geeignet, den Unmut -der Volksvertreter zu erregen, wenn er auch jetzt wieder seine alten -Anträge erneuert hätte. - -Um aber nicht ganz unthätig in seiner großen Sache zu bleiben, -entschloß er sich, wie es sein Schwager Stephen schon früher gethan -hatte, eine Flugschrift zu schreiben, worin der ganze bisherige -Gang der Verhandlungen über die Sklavensache klar und übersichtlich -dargelegt wäre. Hatte doch seit dem Jahre 1792 eine sorgfältige und -gründliche Verhandlung über diese Sache kaum mehr stattgefunden, -und da fast die Hälfte der Volksvertreter, die damals im Parlamente -gesessen hatten, durch neue ersetzt waren, so gab es unter diesen gewiß -viele, denen jede nähere Bekanntschaft mit den bereits gepflogenen -Verhandlungen und besonders mit den für die Schändlichkeit des -Sklavenhandels beigebrachten Beweisen und Zeugnissen mangelte. - -Wilberforce begab sich nun sogleich an diese Schrift und arbeitete -den ganzen Januar 1803 so angestrengt und anhaltend, daß er sich eine -Krankheit zuzog, die ihn längere Zeit an das Lager fesselte. - -Kaum genesen beteiligte er sich mit feurigem Eifer im April 1803 an der -Gründung der englischen Bibelgesellschaft, die noch heute in reichem -Segen wirkt und schon viele Millionen Bibeln in hunderten von Sprachen -nach allen Weltenden verbreitet hat. - -Nichts desto weniger ließ er über solchen Friedensarbeiten die äußere -Lage des Vaterlandes nicht aus den Augen und half mit aller Macht -darauf dringen, daß das Land in den gehörigen Verteidigungszustand -gesetzt werde. Denn, wenn der Krieg mit Frankreich wirklich wieder -ausbrach, so lag die Befürchtung nahe, Napoleon würde wenigstens -den Versuch machen, mit einem Heere in England zu landen. Indessen, -so lange der Krieg nicht wirklich erklärt sei, riet Wilberforce zum -Frieden, wenn auch für denselben Opfer sollten gebracht werden müssen. -Er glaubte fürchten zu müssen, daß Gott in einem neuen, leichtsinnig -begonnenen Kriege seine Zornesgerichte über England werde kommen lassen. - -Als aber am 15. Mai 1803 der englische Gesandte Paris verlassen -hatte und ihm am 18. die Kriegserklärung Napoleons auf dem Fuße -folgte, forderte Wilberforce zu festen, kräftigen Schritten auf und -sprach dafür trotz seines kränklichen Zustandes mit aller Wärme und -Entschiedenheit, welche ihm die Vaterlandsliebe eingab. - - - - -VI. - - -Ein neues Ministerium, welches Pitt auf Befehl des Königs bildete, -weil das bisherige sich für die bestehenden Verhältnisse zu schwach -gezeigt hatte, zählte zu seinen Mitgliedern mehrere warme Freunde der -Sklavensache, und Wilberforce konnte es deshalb nicht lassen, diesen -günstigen Umstand zu benutzen und seinen Antrag auf Abschaffung des -Sklavenhandels im Parlamente einzubringen, so unruhig auch die Zeiten -waren. - -Er hatte auch die Freude, daß derselbe im Unterhause bei jeder der -drei Beratungen oder »Lesungen« angenommen wurde; allein das Oberhaus, -dem der Antrag jetzt vorgelegt werden mußte, entschied sich dafür, ihn -in Anbetracht der jetzigen Zeitverhältnisse für die nächste Sitzung -zurückzulegen. Es sollte aber ein Erlaß des Ministeriums erscheinen, -durch welchen einstweilen dem Sklavenhandel Einhalt gethan würde. - -Indessen dieser Erlaß ließ ein ganzes Jahr auf sich warten, und als -das Parlament sich wieder versammelte, wurde nicht etwa die günstige -Entscheidung vom vorigen Jahre wiederholt und bestätigt, sondern wider -alles Erwarten umgestoßen. Wilberforce blieb mit seinem Antrage in der -Minderheit. - -So nahe am Ziele gewesen zu sein nach 17jähriger Thätigkeit, und nun -doch wieder eine völlige Vereitelung seiner so gegründeten Hoffnung -erleben zu müssen, war für Wilberforce ein tiefer, brennender Schmerz. -Er schrieb in sein Tagebuch die klagenden Worte: »Nie habe ich bei -irgend einer Gelegenheit im Parlamente soviel empfunden. Als ich in der -Nacht aufgewacht war, konnte ich nicht wieder einschlafen. Die armen -Schwarzen kamen mir nicht aus dem Sinne und die Schuld unseres sündigen -Vaterlandes.« - -Aber nun die Hoffnung auf ein schließliches Gelingen seiner Arbeit ganz -aufzugeben, war nicht die Sache eines Wilberforce. Dazu war seine -Überzeugung, daß sein Werk aus Gott sei und dasselbe durch Menschen -nicht gedämpft werden könne, viel zu tief und fest gegründet. - -»Herr Wilberforce,« sagte ihm jemand, »Sie sollten nicht erwarten, -eine derartige Maßregel durchzusetzen. Sie haben wohl Geschick, eine -Sache zu betreiben, und dies ist eine sehr achtbare Beschäftigung für -Sie; aber wir beide haben genug vom Leben gesehen, um zu wissen, daß -Menschen sich nicht dazu bringen lassen, nach allgemeinen Grundsätzen -zu handeln, wo ihre Interessen im Spiele sind.« - -Und was antwortete Wilberforce? - -»Ich hoffe es dennoch durchzusetzen, und was noch mehr ist: ich hege -die Zuversicht, daß ich es bald durchsetze. Ich habe die allmähliche -Veränderung bemerkt, welche seit einiger Zeit in den Gesinnungen der -Menschen vorgegangen ist, und wenn auch die Maßregel noch ein oder zwei -Jahre hingezogen werden mag, so bin ich doch überzeugt, daß sie binnen -kurzem zu stande kommt.« - -Pitt erließ jetzt endlich die versprochenen Befehle zur Hemmung des -Sklavenhandels, aber sie erwiesen sich als zu unbestimmt abgefaßt, -um irgend welchen Erfolg haben zu können, und Pitt wurde deshalb -angegangen, sie zu ändern. Er that dies auch nach starkem Drängen -und am 13.September 1805 wurde der geänderte Erlaß denn endlich -veröffentlicht. - -Es war einer der letzten, welcher von Pitt ausging. Denn derselbe -wurde bald darauf ernstlich krank, und wenn ihn auch die Freude über -den Seesieg Nelsons bei Trafalgar (21. Oktober 1805), wobei dieser -große Seeheld zwar selber das Leben verlor, aber auch die französische -Seemacht so gut wie völlig vernichtet wurde, wieder ein wenig stärkte -und ausrichtete, so beugte ihn doch die traurige Nachricht von der -Niederlage der englischen Bundesgenossen, der Russen und Österreicher, -bei Austerlitz (2. Dezember) aufs tiefste nieder und übte einen so -nachteiligen Einfluß auf seinen durch heftige Gichtschmerzen und -Verdauungsstörungen geschwächten Körper, daß er am 23. Januar 1806 -starb, wie Wilberforce sagte: »an gebrochenem Herzen, vom Feinde -ebensowohl getötet wie Admiral Nelson.« - -Tief bewegt folgte Wilberforce dem Sarge des Mannes, der 25 Jahre lang -die Angelegenheiten seines Vaterlandes geleitet hatte und ihm, wenn -auch vielleicht wegen des großen Standesunterschiedes nicht gerade -im vollsten und schönsten Sinne des Wortes Freund geworden war, wozu -überdies die volle innere Übereinstimmung fehlte in den höchsten -und wichtigsten Lebensfragen, so doch die vollste Hochachtung und -Anhänglichkeit abgewonnen hatte. - -Dem neuen Ministerium, welches jetzt gebildet wurde, gehörten zum -größten Teile Männer an, die zu den eifrigsten und lebendigsten -Gegnern des Sklavenhandels zählen. Wie hob das wieder den Mut und die -Freudigkeit des edlen Sklavenfreundes, und wie beeilte er sich nun -sogleich wieder, die günstige Wendung der Dinge auszunutzen! - -Ein Vorschlag, den Sklavenhandel nach fremden Kolonieen zu verbieten, -wurde zum Vorläufer des weitergehenden auf völlige Abschaffung und -Unterdrückung dieses Handels gemacht und erhielt im Mai 1806 die -Zustimmung sowohl des Unter- wie des Oberhauses. Auch der weitere -Vorschlag, daß sich das Parlament zu baldiger gänzlicher Abschaffung -des Sklavenhandels verpflichten sollte, wurde im Unterhause mit großer -Mehrheit von 100 gegen 14, im Oberhause mit 42 gegen 21 Stimmen -angenommen. Ebenso wurde eine von Wilberforce beantragte Adresse an -den König beschlossen, worin dieser gebeten wurde dahin zu wirken, daß -auch die übrigen Mächte Europas den Sklavenhandel aufheben möchten. - -Aber würde nicht, so mußte Wilberforce nun rechnen, die Sklavenhalter -und Sklavenhändler jetzt, wo an der völligen Aufhebung des -Sklavenhandels kaum mehr zu zweifeln schien, die ihnen noch gelassene -Frist benutzen, um gerade jetzt diesen Handel in verstärktem Maße zu -betreiben? - -Von diesem Gedanken geleitet, brachte er noch einmal vor Schluß der -Sitzung einen Gesetzesvorschlag ein, welcher verbot, daß Schiffe, die -bis jetzt nicht zum Sklavenhandel gebraucht worden seien, nunmehr -dazu verwendet würden, und siehe auch dieser Vorschlag fand zu seiner -unsäglichen Freude die Zustimmung beider Häuser. - -Allein es war für Wilberforce auf Grund der bisher gemachten -Erfahrungen doch noch keine volle Sicherheit vorhanden, daß der lange -und heiß ersehnte Sieg in seiner heiligen Sache nun endlich errungen -sei, und er bot deshalb gerade jetzt seine ganze Kraft auf, ihr, soviel -an ihm lag, zum völligen Siege zu verhelfen. Mit seinen Freunden -bereitete er sich sorgfältig darauf vor, ein günstiges Zeugenverhör -herbeiführen zu können, wenn allenfalls das Oberhaus noch einmal ein -solches verlangen sollte. Er ging auch mit allem Eifer daran, seine -vorhin erwähnte Flugschrift fertig zu machen, um dieselbe vor dem -Zusammentreten des Oberhauses allen Mitgliedern desselben zusenden zu -können und vollendete dieselbe durch rastloses Arbeiten so frühe, daß -sie am letzten Januar 1807 ausgegeben werden konnte. - -Um ihn zu solchem Eifer aufzustacheln, hätte es indessen so ehrender -Zeugnisse keineswegs bedurft, wie ihm ein solches bereits im Juni 1806 -durch eine Edinburger Zeitung ausgestellt worden war. Dort war nämlich -zu lesen gewesen: »Wir wollen unsere Dankbarkeit dem Manne bezeugen, -der diesen glorreichen Kampf begonnen und durchgeführt hat. Er hat dem -Ausgange desselben alle seine Tage und alle seine Talente geweiht. -Er hat sich jeglicher Belohnung für seine Anstrengungen entzogen, -außer dem zufriedenstellenden Bewußtsein, seinen Mitgeschöpfen gutes -erwiesen zu haben. Er hat der Menschheit gewidmet, was andere den -Parteirücksichten geopfert haben, und den Ruhm, im Gedächtnisse einer -dankbaren Welt fortzuleben den glänzenden Belohnungen des Ehrgeizes -vorgezogen. Wir betrachten mit inniger Freude diesen ausgezeichneten -Mann, wie er nahe vor seinem endlichen Triumphe sich befindet in der -größten Schlacht, in der je menschliche Wesen fochten und in einer -Sache, welche wir für einen Gegenstand des gerechten Neides der -Ehrgeizigsten unter den Sterblichen halten.« - -Der Stachel, den Wilberforce im eigenen Herzen trug, der Stachel -der Liebe zu den armen Schwarzen und die Überzeugung, von Gott zur -Linderung ihrer Leiden berufen zu sein, war mächtiger als alle solche -ehrenden Worte. - -Am 3. Februar 1807 kam die Sklavensache zur Verhandlung im Oberhause -und beschäftigte dasselbe die ganze Nacht hindurch bis Morgens 5 Uhr. -Aber obwohl zwei Minister, ja selbst Prinzen des Königlichen Hauses -dagegen auftraten, erklärten sich doch schließlich 100 Stimmen für die -Abschaffung des Sklavenhandels, und nur 34 dagegen. - -Nun fehlte nur noch eine günstige Entscheidung des Unterhauses, in -welchem die Sache am 23. Februar vorgebracht werden sollte. - -Aber wie bangte nun unserem Wilberforce vor dieser entscheidenden -Sitzung! Hatte er es doch schon einmal erleben müssen, daß es trotz -der günstigsten, fast zweifellosen Aussichten zuletzt doch noch übel -gegangen war! Wie eifrig betete er, daß Gott alles zum Besten wenden -möge und stellte ihm in Demut alles anheim! - -Am 15. Februar schrieb er in sein Tagebuch: »Was für eine schreckliche -Zeit ist das! Die Entscheidung der großen Frage nähert sich. Möge Gott, -der die Herzen aller in seiner Gewalt hat, sie wenden wie im Oberhause! -Möge er mich mit einem einfältigen Auge und Herzen ausrüsten, daß ich -nur wünsche, Ihm zu gefallen, meinen Mitmenschen gutes zu erweisen und -meinem angebeteten Erlöser meine Dankbarkeit zu bezeugen!« - -Und am 22. Februar, am Vorabende des Tages, der die Entscheidung -bringen sollte, schrieb er ebenso demütig: »Gewiß nie hatte ich mehr -Ursache zur Dankbarkeit als jetzt, da ich den großen Gegenstand -meines Lebens zu Ende führe, auf welchen eine gnädige Vorsehung meine -Gedanken vor 26 oder 27 Jahren und meine Thätigkeit seit 1787 oder 1788 -gerichtet hat. O Herr, laß mich dich preisen von ganzem Herzen; denn -nie war jemand so sehr in der Schuld gegen dich. Wohin ich auch blicke, -sehe ich mich mit Segnungen überhäuft. O möge meine Dankbarkeit nur -einigermaßen im Verhältnisse zu denselben stehen!« - -Bei den Verhandlungen des folgenden Tages war es nur ein einziger -westindischer Pflanzer und Sklavenhalter, der gegen das Gesetz sprach, -aber durch eine glänzende Rede, die Wilberforce hielt und in der er -noch einmal die ganze Fülle seiner Beweise für die Schändlichkeit des -Sklavenhandels entwickelte, sofort zum Schweigen gebracht wurde. Von -dieser Rede begeistert rief der Generalprokurator Romilly aus: »Was -ist das Gefühl der Größe, das ein Kaiser der Franzosen, ein Napoleon, -hat gegen das Hochgefühl dieses Privatmannes, der heute sein Haupt aufs -Kissen legen darf mit dem Gedanken: der Sklavenhandel ist nicht mehr!« - -Ein Sturm des Beifalls brach los, wie ihn die Parlamentsräume noch -nie gehört haben mochten. Alle die ernste würdevolle Zurückhaltung, -die sonst in diesen Räumen üblich war und jede laute Beifallsäußerung -verbot, war völlig vergessen, und als es zur Abstimmung kam, -erklärten sich 283 Stimmen für, und nur 16 gegen die Abschaffung des -Sklavenhandels. - -Wie in einem Triumphzuge wurde Wilberforce von seinen Freunden -nach Hause geleitet, und von allen Seiten regnete es gleichsam -Beglückwünschungen für ihn. Er aber ging in sein Kämmerlein und schrieb -mit betendem Aufblicke nach oben in sein Tagebuch: »O wieviel Dank -bin ich dem Geber alles Guten dafür schuldig, daß er mich in seiner -gnädigen Fürsorge zu der großen Sache geführt hat, welche endlich nach -fast 19jähriger Anstrengung Erfolg gehabt hat!« - -Nachdem das Gesetz wegen einiger Veränderungen, die daran gemacht -worden waren, noch einmal durch das Oberhaus gegangen war und auch -in der geänderten Fassung dessen Zustimmung erhalten hatte, erhielt -es am 25. März 1807 auch die Königliche Bestätigung und damit volle -Gesetzeskraft. - -Das Ministerium, welchem es Wilberforce zu verdanken hatte, daß er -endlich mit seinen unaufhörlichen Anträgen durchgedrungen war, wurde -bald darauf zu seinem großen Leidwesen von dem Könige entlassen; -dadurch wurde aber auch eine Auflösung des Parlaments herbeigeführt, -und es mußte zu neuen Wahlen geschritten werden. - -Hier zeigte es sich nun so recht handgreiflich, mit welcher Liebe -seine Wähler in der Grafschaft York an ihrem bisherigen Vertreter -Wilberforce hingen. Es war nämlich ein angesehener Mann, Lord Milton, -als Mitbewerber um die Vertretung der Grafschaft aufgetreten, dem es -ein Geringes war, die großen Kosten zu bestreiten, welche eine Wahl ins -Parlament für den Gewählten mit sich führte. Es galt nämlich für ihn, -allen Wählern, welche ihm seine Stimme geben sollten, die Kosten der -Reise nach dem Wahlorte zu vergüten und das verursachte besonders in -einer so weitausgedehnten Grafschaft, wie die Grafschaft York, höchst -bedeutende Ausgaben. Traten mehrere Bewerber um die Stimmen der Wähler -auf, so hatte in der Regel, wenn es sich nicht gerade um besondere -Parteiinteressen handelte, derjenige die meiste Aussicht, gewählt zu -werden, welcher sich bei Vergütung der Reisekosten am freigebigsten -zeigte und den Ersatz so bemaß, daß auch wohl nach gemachter Reise noch -etwas Erkleckliches in der Tasche blieb. - -Wilberforce hatte jetzt, wo er für eine Familie zu sorgen hatte, nicht -Lust einen großen Teil seines Vermögens für einen Sitz im Unterhause -zu opfern und ließ dies einmal in einer Versammlung seiner Freunde -zu York so nebenher fallen. Da rief aber sofort jemand: »Wir dürfen -unseren Wilberforce nicht verlassen, daher unterzeichne ich 500 Pfund -zu den Wahlkosten.« -- Und siehe im Handumdrehen gleichsam war die -bedeutende Summe von 18000 Pfund (360000 Mark) durch die Anwesenden -gezeichnet und stieg nachher noch durch weitere Zeichnungen auf 64455 -Pfund, über eine Million Mark. Es wurde als eine Ehrensache für die -Grafschaft angesehen, ihrem langjährigen hochgeschätzten Vertreter -jedes persönliche Opfer an Geld zu ersparen, wo derselbe so treu und -mit so hingebender Selbstverleugnung der Grafschaft seine Kraft und -Zeit widmete. - -Nun erhielt zwar am ersten Wahltage Lord Milton mehr Stimmen als -Wilberforce, allein am folgenden Tage stellten sich die für Wilberforce -Stimmenden in so großer Zahl ein, daß dessen Name mit großer Mehrheit -aus der Wahl hervorging. Es hatte den Gegnern wenig geholfen, daß sie -über Wilberforce die nachteiligsten Gerüchte auszusprengen suchten, -ja ihn sogar schon für tot erklärten, weil er wegen einer leichten -Unpäßlichkeit das Zimmer hüten mußte. - -Aber auch jetzt war es nur Dank gegen Gott, der ihm solche Gunst bei -den Menschen geschenkt habe, was sein Herz erfüllte, aber auch nicht -die leiseste Regung von Hochmut, wie hätte er sonst die folgenden -demütigen Worte in sein Tagebuch schreiben können, worin er sich -gewöhnt hatte, all sein Denken und Fühlen niederzulegen? »Wenn ich -auf meine Thätigkeit im Parlamente zurückblicke,« schreibt er da, -»und sehe, wie wenig ich im ganzen genommen die Lehre Gottes und -meines Heilandes geziert habe, so bin ich beschämt und beuge mich -in den Staub. Möge, o Herr, alle Zeit, welche mir noch übrig ist, -besser angewendet werden! Doch komme ich mit allen meinen Sünden, -Vernachlässigungen und Irrtümern zum Kreuze und vertraue auf die freie -Gnade Gottes in Christo, als auf meine einzige Hoffnung und Zukunft.« - -Überhaupt war er, selbst in den bewegten Tagen der Wahlzeit überaus -ruhig und sorglos wegen der bevorstehenden Entscheidung. Wußte er doch, -daß die Entscheidung fallen werde und fallen müsse, wie es in Gottes -Rat und Willen beschlossen sei, und in den sich ganz zu fügen und immer -völliger sich fügen zu lernen, war für ihn Hauptsache. So berührte er, -als er am Sonntage vor der Wahl den Besuch eines Geistlichen empfing, -diese mit keiner Silbe, sondern unterredete sich zu dessen großer -Bewunderung lediglich über geistliche Dinge, wie es dem Tage des Herrn -angemessen war. - -[Illustration] - -Und in einem Briefe an seine Frau aus diesen Tagen heißt es unter -Anderem: »Wie schön muß Broomfield (der damalige Aufenthaltsort seiner -Familie) in diesem Augenblicke sein! Auch hier ist spanischer Flieder -und Weißdorn an warmen Stellen in Blüte. Ich stelle mir oft vor, wie -ich den Garten mit Dir und den Kleinen durchstreife, und gewiß habe -ich mich im Geiste mehrmals täglich mit Euch vereinigt und gehofft, -wir wendeten uns zugleich an den Thron der Gnade. Wie barmherzig und -gnädig ist Gott gegen mich! Gewiß muß ich die allgemeine Liebe, welche -ich erfahre, als einen besonderen Beweis der Güte des Allmächtigen -ansehen. Wahrlich kein Mensch hat soviel Ursache, den Ausspruch zu dem -seinigen zu machen: »Gutes und Barmherzigkeit sind mir gefolgt mein -Leben lang.« Ich danke Gott, mein Geist ist ruhig und heiter. Ich kann -Ihm ohne Ängstlichkeit den Ausgang überlassen und wünsche nur, daß ich -in der Stellung, in welche ich gesetzt werden mag, die Lehre Gottes -und meines Heilandes und mein christliches Bekenntnis ehren möge. Ich -muß gute Nacht sagen. Möge Gott dich segnen! Küsse die Kleinen und -grüße freundlichst das ganze Haus und andere Freunde! Wenn es bei Euch -so heiß gewesen ist, wie bei uns, (bei Ostwind zeigte das Thermometer -um 12 Uhr im Schatten 77° Fahrenheit!) so müßt Ihr viel ausgestanden -haben. Jeder Segen treffe Dich und die unsrigen in Zeit und -Ewigkeit. Immer Dein anhänglicher W. Wilberforce.« - -Eine leichte Lungenentzündung, die ihn im Dezember 1807 befiel, -hinderte Wilberforce, an der Parlamentssitzung dieses Winters -teilzunehmen. Als aber im März 1808 eine sogenannte »afrikanische -Stiftung« errichtet wurde, welche sichs zur Aufgabe stellte, dahin zu -wirken, daß das Gesetz wegen Aufhebung des Sklavenhandels auch wirklich -zur Ausführung gebracht werde, ließ er sich, obwohl seine Krankheit -noch nicht völlig überwunden war, doch nicht abhalten, sich an dieser -Stiftung mit allem Eifer zu beteiligen. Ohnehin schien es ihm, daß -sich jetzt in Spanien, welches dem französischen Eroberer so kräftigen -Widerstand im Volkskriege entgegensetzte, eine Stimmung bilden müsse, -die der Aufhebung des Sklavenhandels auch in diesem Lande, das ihn -ohnehin nur schwach betrieb, günstig wäre. Wo man Unterdrückung und -Grausamkeit so verabscheuen lerne, meinte er, wie es jetzt die Spanier -durch die Franzosen lernten, da könne man auch die Grausamkeiten des -Sklavenhandels fernerhin nicht mehr ruhig mitansehen und dulden. - -Während er selber sich mit den spanischen Ministern in Verbindung -setzte und von diesen auch die Zusicherung ihrer thätigen Teilnahme -empfing, forderte er seinen Schwager Stephen auf, eine Flugschrift -an das spanische Volk zu richten, um dasselbe über den Sklavenhandel -gründlich zu belehren und ihm die Gräuel dieses Handels recht gründlich -aufzudecken. - -Ebenso schrieb Wilberforce an den Präsidenten der vereinigten Staaten -Nordamerikas, um eine Übereinkunft herbeizuführen, nach welcher -es jedem Staate freistehen sollte, die Sklavenschiffe des andern -wegzunehmen, um so den schändlichen Handel, gegen den sich jetzt -auch die Nordamerikaner auflehnten, völlig lahm zu legen. Denn es war -allerdings so gekommen, wie die »Westindier« im Parlamente vorausgesagt -hatten, der Sklavenhandel, wenn auch gesetzlich verboten, wurde -doch insgeheim und gegen das Gesetz fortgetrieben. Deshalb erwirkte -Wilberforce auch bei dem Ministerium, daß den englischen Beamten -auf den westindischen Inseln die größte Wachsamkeit in betreff des -Sklavenhandels zur Pflicht gemacht wurde, und wandte sich eben deshalb -auch an den englischen Konsul in Brasilien. - -Als er erfuhr, daß auf der ostindischen Insel Ceylon aus Rücksichten -der Sparsamkeit fast alle christlichen Schulen geschlossen worden -seien und dadurch die Verbreitung des Christentums dort aufs tiefste -geschädigt sei, machte er auch diese Sache bei dem Ministerium anhängig -und erwirkte, daß die alten Schulen zum größten Teile wieder eröffnet -und neue gegründet wurden. - -So wirkte Wilberforce auch außerhalb des Parlamentes nach allen -Seiten hin, wo sich nur die geringste Veranlassung bot, zum Segen der -Menschheit und setzte seine schwache Körperkraft unbedenklich ein, wo -es galt, etwas Gutes zu schaffen. - -Um auch während der Parlamentssitzungen bei seiner Familie sein -zu können, bezog er mit derselben, die bisher in dem etwas weiter -von London entlegenen Broomfield gewohnt hatte, jetzt eine dem -Parlamentshause näher gelegene Wohnung in Kensington Gore. Denn er -fühlte es immer mehr als eine heilige Pflicht, die er bisher wegen -seiner ausgebreiteten öffentlichen Thätigkeit viel zu wenig hatte -erfüllen können, sich selbst mit der Erziehung seiner Kinder zu -befassen, deren Zahl im Laufe der Jahre auf 6 herangewachsen war, -darunter 4 Söhne und 2 Töchter. Zwar konnte er sich darauf verlassen, -daß seine Frau den günstigsten Einfluß auf dieselben üben und besonders -auch für ihre christliche Erziehung sorgen werde; aber es drängte -sein Vaterherz, gerade in der letzten Beziehung seinen Kindern auch -selbst etwas zu werden und ihnen aus dem reichen Schatze seines Herzens -mitzuteilen, was ihm selber von Gott gegeben war. - -Wenn er gehofft hatte, dies in der neuen Wohnung besser als bisher thun -zu können, so war das freilich eine Täuschung; denn sein gastfreies -Haus wurde gerade hier mehr denn je von Besuchern heimgesucht, ohne daß -er es hindern konnte und wollte. Nur die frühen Morgenstunden blieben -ihm frei, und diese war er seit langer Zeit gewöhnt, der Beschäftigung -mit Gott vor Allem und dann seinen wichtigsten Arbeiten zu widmen. - -So nahm er denn nicht ungern das Anerbieten eines Freundes an, dessen -leerstehenden Landsitz in Sussexshire mit seiner Familie zu beziehen, -nachdem die Parlamentssitzung des Jahres 1810 beendet war. Und hier -konnte er sich nun ganz seinen Kindern widmen, was ihm bisher nur an -den Sonntagen möglich gewesen war. Dann pflegte er mit ihnen nach der -gemeinsamen Familienandacht regelmäßig zur Kirche zu gehen und den -übrigen Teil des Tages mit ihnen im Garten oder auf Spaziergängen zu -verbringen. - -Hier in der ungestörten Stille des Landlebens konnte er ihre ganze Art -und Weise beobachten und je nach der Verschiedenheit der bei ihnen sich -zeigenden Neigungen und Anlagen seine erziehliche Einwirkung regeln. -Vor Allem suchte er durch Liebe und Freundlichkeit, die er ihnen in -reichster Fülle entgegenbrachte, ihre Herzen auch an sich zu fesseln, -wie sie bereits auf das innigste an das treue Mutterherz gefesselt -waren, und sich so einen wirksamen Einfluß auf ihr Gemüt zu sichern. -Aber er ließ es ihnen gegenüber auch an dem nötigen Ernste nicht fehlen -und strafte sie unnachsichtig, wo es sich nötig erwies. Sie in das -rechte Verhältnis zu Gott, ihrem himmlischen Vater zu bringen, war und -blieb jedoch seine Hauptsorge. Nur wachte er ängstlich darüber, daß -sich in dieses Verhältnis nichts Unächtes und Gemachtes einschleiche, -und daß die Kinder nicht Gefühle erheuchelten, die ihren Herzen fremd -waren. Wenn er in ihnen die Liebe zu Gottes Wort und zur Kirche zu -erwecken und zu nähren bemüht war, so that er das mehr durch sein -eigenes Vorbild als durch Worte der Mahnung. - -Aus diesem für ihn selbst so lieblichen, für seine Kinder aber so -ersprießlichen Stillleben wurde er indes bald durch die Nachricht -aufgeschreckt, daß der König Georg III. ernsthaft erkrankt sei und -deshalb schon am 1. November eine Sitzung des Parlamentes stattfinden -müsse, um wegen einer Stellvertretung in der Regierung des Landes -zu beraten. Da die Ärzte die Krankheit des Königs für hoffnungslos -erklärten, so übernahm der Kronprinz, oder wie er in England stets -heißt: der Prinz von Wales, im Januar 1811 die Regierung. - -Jetzt, wo eine Auflösung des Parlamentes und neue Wahlen zu erwarten -standen, legte sich Wilberforce der Gedanke nahe, die mit so vieler -Mühe und Arbeit verbundene Vertretung der großen Grafschaft York -aufzugeben und sich lieber für einen kleineren Bezirk wählen zu -lassen. Die sorgfältige Beschäftigung mit seinen Kindern hatte ihn die -Notwendigkeit eines solchen Schrittes deutlich einsehen gelehrt. - -Seinen bisherigen Wählern wollte es freilich gar nicht einleuchten, -daß sie den Mann verlieren sollten, der so lange mit hingebender Treue -ihre Interessen im Parlamente vertreten hatte, und dessen Namen im -ganzen Lande einen so hellen, guten Klang besaß; es bedurfte einer -wiederholten bestimmten Erklärung von seiner Seite, daß er die ihm -angetragene Wahl für den Flecken Bramber annehmen wolle, ehe sie an -die Festigkeit seines Entschlusses glaubten. Aber als sie nicht mehr -zweifeln konnten und ihn schweren Herzens aufgeben mußten, ehrten sie -seine Verdienste um sie mit einer warmen anerkennenden Dankadresse. - -Daß Wilberforce dem Parlamente seine Thätigkeit nicht ganz entzog, -wurde selbst von Solchen, die bisher seine Gegner gewesen waren, -anerkannt und mit Freuden begrüßt. - - - - -VII. - - -Die freie Zeit, welche Wilberforce dadurch gewann, daß er nicht mehr -soviel mit der Vertretung seines Wahlbezirks zu thun hatte, verwendete -er außer für die Sklavensache, von welcher er täglich neu die Erfahrung -machte, wieviel dabei noch zu thun sei, in der That jetzt in der -gewissenhaftesten Weise für die Erziehung seiner Kinder. Er ließ sich -dabei von der erfahrenen Kinderfreundin und Jugendlehrerin beraten, mit -der er in so genauer, freundlicher Beziehung stand, von Hannah More. - -Sooft die Kinder, welche schon so weit erwachsen waren, daß sie -auswärtige Schulen besuchten, nach Hause kamen, suchte er sich ihnen -ganz zu widmen und ihnen durch Liebe und Freundlichkeit das Elternhaus -recht teuer zu machen. War er mit ihnen auf dem Lande, so nahm er trotz -seiner 50 Jahre lustig an ihren Spielen teil und entwickelte dabei -einen solchen Eifer, daß er einmal wegen einer Verletzung am Beine, die -er beim Ballspiel davongetragen hatte, mehrere Wochen das Zimmer hüten -mußte. - -Dazwischen las er mit ihnen unterhaltende und belehrende Schriften, -aber nicht ohne dieselben vorher auf ihren Inhalt genau angesehen zu -haben, und würzte oder vervollständigte das Gelesene durch Mitteilungen -aus seiner eigenen reichen Lebenserfahrung. Vornehmlich suchte er bei -ihnen, soweit es ihrem Lebensalter angemessen war, eine rechte Liebe -zu dem Worte Gottes zu erwecken, indem er es nicht allein täglich in -den Familienandachten vorlas, sondern auch Besprechungen daran knüpfte -und es in recht verständlicher, kindlicher Weise auslegte. Dabei war -aber, wie schon bemerkt worden ist, seine ängstlichste Aufmerksamkeit -darauf gerichtet, daß seine Kinder in der Wahrheit blieben und daß kein -gemachtes Wesen bei ihnen aufkam. Mit dem bittersten Ernste strafte er -alles, was nur an das Gebiet des geistlichen Geschwätzes anzustreifen -schien, und mahnte unablässig zur Nüchternheit und Aufrichtigkeit. - -Noch ernster nahm er es damit, als er erfuhr, daß der Sohn eines -Freundes auf böse Wege geriet und ein trauriges Ende nahm, weil er im -elterlichen Hause durch unaufhörliche Beschäftigung mit religiösen -Dingen einen vollständigen Widerwillen gegen alle Religion gefaßt hatte -und sich, sowie er dem elterlichen Hause entwachsen war, ganz und gar -dem Unglauben und der Freigeisterei in die Arme geworfen hatte. - -Gern gestattete er seinen Kindern harmlose Lebensfreuden und -Erheiterungen, ja suchte ihnen selber solche in jeder möglichen Form -zu bereiten. Überhaupt huldigte er bei der religiösen Erziehung seiner -Kinder dem unzweifelhaft richtigen Grundsatze: »Sprich mehr zu Gott -über deine Kinder, als zu deinen Kindern über Gott!« - -Wie treulich er das erstere that, mag eine Stelle aus seinem Tagebuche -zeigen, worin er sich selbst anklagend sagt: »Ich bin mir der -Unzulänglichkeit meiner Kräfte in allem, was die Erziehung meiner -Kinder betrifft, wohl bewußt, hoffe aber in Demut und Zuversicht, -daß ich in Wahrheit sagen kann: die geistlichen Angelegenheiten -meiner Kinder sind das Hauptziel meines Strebens. Es kommt mir mehr -darauf an, sie als wahre Christen, denn als große Gelehrte oder sonst -ausgezeichnete Leute zu sehen. Ich bitte Gott ernstlich um Weisheit -für mich und um reichliche Gnade für meine Kinder, und bin dabei fest -entschlossen, alle meine Maßregeln genau zu überlegen und dann erst -zu handeln. In Beziehung auf den Erfolg bin ich dann auf Grund der -Verheißungen in der Schrift guten Mutes.« - -Um erkennen zu lassen, in welch herzlicher, kindlicher Weise -Wilberforce mit seinen Kindern zu verkehren verstand, lassen wir hier -einen Brief folgen, den er bei einer längeren Abwesenheit von Hause an -einen seiner jüngeren Söhne richtete, und der zugleich darthut, daß er -auch bei den dringendsten Geschäften doch Zeit zu gewinnen wußte, um -sich mit seinen Kindern brieflich zu unterhalten. - - »Mein teuerster Sohn!« schreibt er, »es gefällt mir gar - nicht, daß Du das einzige von meinen Kindern bist, welches - während meiner Abwesenheit nicht an mich geschrieben hat - und daß Du das einzige sein solltest, an welches ich nicht - schriebe. Daher ergreife ich meine Feder, wenn auch nur für - sehr wenige Augenblicke, um Dir zu versichern, daß ich nicht - vermute, Dein Schweigen sei aus einem Mangel an Zuneigung - entsprungen, sowenig als das meinige aus derselben Quelle - herzuleiten ist. Es giebt einen gewissen bösen Geist, genannt - »Aufschub«, welcher ein Schloß in der Luft zu Sandgate (NB. - dem augenblicklichen Aufenthaltsorte der Familie) sowohl, wie - an vielen anderen Plätzen bewohnt. Ich vermute, daß Du eines - Tages, vielleicht an dem Schwanz Deines Drachen, aufgefahren - bist und Dich in diesem Schlosse niedergelassen hast, worin es - sehr große weite Zimmer mit herrlichen Aussichten nach allen - Richtungen giebt. Wahrscheinlich wirst Du diese Wohnung nicht - verlassen wollen, bis Du hörst, daß ich auf dem Wege nach - Sandgate bin. Du könntest dort den »Morgen-Mann« (d. h. der - alles auf morgen verschiebt) treffen, und ich hoffe, Du wirst - von ihm verlangen, den Rest der unterhaltenden Geschichte - zu hören, von welcher Miß Edgeworth einen Teil erzählt hat, - obgleich ich fürchte, er wird zu sehr nach dem Geiste des - Platzes handeln, als daß er nicht einen Teil der Geschichte - noch unerzählt lassen sollte -- bis morgen. Doch ich treibe - Scherze und bin doch diesen Morgen ungewöhnlich in meiner Zeit - beengt. Ich will darum, mein teuerstes Kind, Dich nur noch - ernstlich vor dem Aufschub warnen, als einem der gefährlichsten - Feinde einer nützlichen Wirksamkeit, und Dir versichern, daß - ich bin heute, morgen und immer, solange ich lebe - - Dein Dich liebender Vater W. Wilberforce.« - -Wie er aber mit seinen Kindern zu scherzen verstand, ließ es -Wilberforce im Verkehre mit ihnen auch nicht am heiligsten Ernste -fehlen. Das zeigt der Schluß eines Briefes, den er an seinen ältesten -17jährigen Sohn richtete, und darin es heißt: - - »Da ich alle meine Zeit aufgewendet und auch die Deinige - in Anspruch genommen habe, so muß ich zum Schlusse eilen, - aber nicht ohne in wenigen Worten meinem teuern William zu - versichern, wie oft ich an ihn denke, wie oft ich für ihn - bete. O mein teuerster Sohn, ich beschwöre Dich ernstlich, - Dich nicht verführen zu lassen zur Vernachlässigung, Abkürzung - oder Übereilung Deiner Morgengebete. Vor allen Dingen hüte - Dich, Gott in Deinem Kämmerlein zu vernachlässigen. Nichts ist - gefährlicher für das Leben und die Macht der Religion, nichts - veranlaßt gewisser Gott, seine Gnade zu entziehen. Lebe wohl, - mein geliebter William, mein Erstgeborner, und o mein teuerster - Sohn, halte im Gedächtnis, was für eine Quelle der Freude oder - des Grams Du Deiner Dich liebenden Mutter sein kannst und - Deinem Dich liebenden Vater und Freunde - - W. Wilberforce. - -Derartige Briefe wechselte der Vater wenigstens einmal wöchentlich mit -seinen Kindern, und um nie daran gehindert zu sein, führte er stets -Schreibgeräte bei sich, und schrieb nicht selten aus den Häusern seiner -Freunde, bei denen er eingetreten war. - -Wenn wir bisher nur seiner eigenen Bemühungen um seine Kinder gedacht -haben, so soll damit aber keineswegs angedeutet sein, als ob er dabei -nicht in voller Gemeinschaft und in vollem Einklange mit seiner Gattin -gehandelt habe. Im Gegenteile waren beide Eltern stets vereint in -liebender Fürsorge für die Kinder. Dafür mag nachfolgende Stelle -Zeugnis geben, die einem Briefe entnommen ist, den Wilberforce an seine -Frau schrieb: - -»Möge Gott Dich segnen, und wenn es so sein Wille ist, möchten wir noch -lange einander erhalten werden! Ich hege die lebendige Überzeugung, daß -dies sehr auf dem Verhalten unserer Kinder beruht. Wie ich oft gesagt -habe, laß es für uns ein Grund sein, danach zu trachten, daß wir selbst -in der Gnade wachsen. Denn je mehr wir selbst die Gunst des Himmels zu -erlangen suchen, um mich so auszudrücken, desto sicherer werden wir, -was wir ja inbrünstig erbitten, das Heil unserer Kinder fördern. O daß -ich nur noch sehen könnte, wie sie ihre Herzen Gott darbringen! Ich -denke, dann könnte ich mich freudig zur Ruhe legen.« - -Über solch treuer Fürsorge für seine Kinder vergaß jedoch Wilberforce -seine Sklavensache durchaus nicht, sondern benutzte die größere -Freiheit von eigentlichen Berufsgeschäften, die er jetzt genoß, dazu, -diese Sache auf immer weitere und höhere Bahnen zu bringen. Er wußte ja -freilich wohl, daß ein Werk, das zu seiner Vorbereitung allein soviele -Jahre erfordert hatte, und so schweren, heißen Kampf, nicht in kurzer -Zeit vollendet dastehen könne, und deshalb steuerte er geduldig und -beharrlich, Schritt um Schritt dem Endziele zu, das aber jetzt nicht -mehr blos die Aufhebung des Sklavenhandels für ihn war, sondern die -gänzliche Abschaffung der Sklaverei. - -Einstweilen konnte er sich nicht darüber täuschen, daß der -Sklavenhandel ruhig seinen Gang fortging, daß selbst englische -Schiffe trotz des bestehenden gesetzlichen Verbots ihn fortsetzen. -In Voraussicht dessen hatte er schon sogleich nach seinem Siege im -Parlamente darauf gedrungen, daß englische Kriegsschiffe an die -afrikanischen Küsten beordert würden, um dort zu kreuzen, jedes -englische Sklavenschiff wenigstens wegzunehmen und die darauf -befindlichen Neger wieder in Freiheit zu setzen. - -Jetzt unterstützte er eifrig den Vorschlag, freie Arbeiter in die -westindischen Kolonien überzuführen, welche dort gegen bestimmten Lohn -auf den Plantagen arbeiteten. - -Vor Allem aber kam es darauf an, sorgfältig darüber zu wachen, und -die geeigneten Maßregeln zu treffen, daß nicht, sei es heimlich durch -englische, sei es öffentlich durch spanische, französische oder -portugiesische Schiffe immer neue Neger in jene Kolonien eingeführt -würden. Deshalb sollten die Namen sämtlicher Negersklaven, die sich -dort bereits befänden, in öffentliche Listen eingetragen, und jeder -Pflanzer bestraft werden, der bei einer eintretenden Untersuchung im -Besitze eines nicht eingetragenen Sklaven befunden würde. - -Das wäre denn freilich ein gewaltiger Eingriff gewesen in die Rechte -der einzelnen Kolonien und ihrer Regierungen, welche ziemlich -selbständig wirtschafteten, und es stand zu befürchten, daß eine -gewaltige Aufregung in allen Kolonien die Folge wäre. Daher glaubte -man am besten zu thun, wenn man zuerst auf der Insel Trinidad, der -südlichsten der kleinen Antillen vor dem Meerbusen von Paria, einen -Versuch mit der Einregistrierung der Sklaven machte. Denn diese Insel, -welche die Engländer von den Spaniern erobert hatten und welche 1802 -im Frieden von Amiens förmlich an sie abgetreten worden war, hatte -noch keine so selbständige Regierung, daß man auf dieselbe besondere -Rücksichten hätte nehmen müssen. - -Der Minister Perçeval, welcher seit 1807 das Ministerium leitete -und Wilberforce in seinen Bestrebungen gerne unterstützte, erließ -auch wirklich den Befehl, daß die Registrierung der Negersklaven auf -Trinidad sofort zu geschehen habe, und war auch weiter durchaus nicht -abgeneigt, diese Maßregel, wenn sie sich hier als wirksam zur Hemmung -des Sklavenhandels bewähre, auf die übrigen westindischen Kolonieen -Englands auszudehnen. - -Aber der wohlwollende, christlich gesinnte Mann fiel am 11. Mai 1812 -als das Opfer eines Wahnsinnigen, der ihn erschoß, tief betrauert von -Wilberforce, der an ihm eine kräftige Stütze verlor und nun vorläufig -wenig Aussicht hatte, daß die allgemeine Aufzeichnung der Sklaven in -den Kolonieen zu stande komme. Nur in der »afrikanischen Stiftung« -behielt man die Sache fest im Auge und zog sorgfältige Erkundigungen -ein darüber, welche Wirkung die auf Trinidad ausgeführte Maßregel habe. - -Inzwischen richtete Wilberforce, der nicht ruhen konnte, seine Blicke -von Westindien nach Ostindien hinüber, für das er ja schon einmal -seine Thätigkeit eingesetzt hatte, um dazu zu helfen, daß den dortigen -Eingeborenen in reicherem Maße das Christentum gebracht werde, als es -die sogenannte »ostindische Kompagnie« gethan haben wollte, die dort -drüben fast unabhängig von der Regierung des englischen Mutterlandes -die Kolonieen beherrschte. - -Im Jahre 1813 erlosch nämlich einmal wieder der jener Kompagnie von -England bewilligte Freibrief, laut dessen sie nicht blos den ganzen -Handel mit England und allen anderen Ländern betrieb, sondern auch -so ziemlich nach freiem Ermessen und Gutdünken wirtschaften konnte -und dafür nur eine bestimmte Abgabe an die englische Regierung -entrichtete. Viele Stimmen sprachen sich nun dafür aus, daß der -Freibrief in seiner bisherigen Ausdehnung nicht mehr ausgestellt und -dadurch jene Kompagnie zu einer beherrschenden Macht im Staate gemacht -werden dürfe. Dies glaubte Wilberforce benutzen zu müssen, um einen -Druck auf die ostindische Kompagnie auszuüben, daß sie, wie es auch -sonst mit ihrem Freibriefe ergehen möge, wenigstens genötigt würde, -die Hemmnisse zu beseitigen, welche sie bisher der Ausbreitung des -Christentums in den Weg gelegt hatte. Er brachte die Angelegenheit -im Parlamente zur Sprache, unterstützt von 900 Bittschriften, die er -aus allen Teilen Englands zusammengebracht hatte. Er bot wieder seine -ganze Beredtsamkeit auf und erreichte es zu seiner großen Freude auch -wirklich, daß sich die große Mehrzahl des Parlaments zu Beschlüssen -vereinigte, in Folge deren der Missionsarbeit in Ostindien kein -Hindernis mehr bereitet werden konnte. - -Auch in seiner Sklavensache durfte er einen erfreulichen Fortschritt -verzeichnen. Es war ihm nämlich schon lange ein Dorn im Auge gewesen, -daß auf der einzigen Besitzung Schwedens in Westindien, auf der kleinen -Insel St. Barthelemy, ein bedeutender Sklavenmarkt bestand, auf dem -sich die westindischen Pflanzer trotz der Wachsamkeit der englischen -Kriegsschiffe leicht mit Sklaven versorgen konnten, solange nicht -die oben erwähnte Maßregel, die Sklaven aufzuzeichnen, allgemein -durchgeführt war. - -Als nun Schweden, das auf Napoleons Befehl an England hatte den Krieg -erklären müssen, aber unter diesem Kriegszustande selbst am meisten -litt, nach Napoleons Niederlage in Rußland sich zum Anschlusse an -die gegen Napoleon verbündeten europäischen Mächte entschloß und mit -England seinen Frieden zu machen suchte, drang Wilberforce bei den -Ministern darauf, daß in die Friedensbedingungen, die England stellte, -auch die aufgenommen würde, daß Schweden den Sklavenhandel aufgeben -und aufheben müsse. Es wurde ihm willfahrt, und als erst Schweden sich -in Folge dessen zur Aufhebung des Sklavenhandels herbeigelassen hatte, -folgte ihm auch Dänemark bald freiwillig darin nach. - -Auch vom Festlande herüber kamen verheißungsvolle Nachrichten, welche -ein baldiges Ende von Napoleons Gewaltherrschaft und einen dauernden -Frieden in Aussicht stellten, bei dessen Schließung etwas für die -Sklavensache Ersprießliches durchzusetzen möglich schien. Und als -das Gehoffte geschehen war, als Napoleon entthront und von seinen -Marschällen aufgegeben, auf der Insel Elba saß, wie frohlockend schrieb -da Wilberforce an seine alte Freundin Hannah More! Hatte er doch -allezeit den Corsen für eine Gottesgeißel gehalten, die der Herr, wenn -er sie zur Züchtigung der Völker gebraucht hätte, wieder wegwerfen -würde. »So hat denn,« schrieb er jetzt, »die Dynastie Buonaparte -aufgehört, zu regieren, wie Freund Talleyrand uns benachrichtigt; -das hat Gott gethan! Wie sehr wünschte ich nur, daß mein armer alter -Freund Pitt noch lebte, um Zeuge von dieser Entwickelung des 25 Jahre -dauernden Dramas zu sein!« -- Wie ergriff er aber auch sofort die -Gelegenheit, aus der völlig veränderten Lage Frankreichs für die -Sklavensache Nutzen zu ziehen! - -Kaum hatte Ludwig XVIII. wieder seinen Einzug in Paris gehalten und -den französischen Thron bestiegen, als er seinen Schwager Stephen -veranlaßte, ein Schreiben an denselben zu richten und ihm ehrerbietig -vorzustellen, wie nun, wo England und Amerika, Schweden und Dänemark -den schändlichen Sklavenhandel abgestellt hätten und selbst Portugal -seine Grausamkeit und Ungerechtigkeit nicht mehr in Abrede stellte, ja -sich zu allmählicher Aufhebung desselben verstehen wolle, Frankreich -nicht zurückbleiben dürfe, da ohnehin während der langen Kriegszeit -ihm dieser Handel so gut wie verloren gegangen wäre und eine -gesetzliche Abschaffung desselben keine Interessen seiner Bewohner -schädigen könnte. - -Wilberforce selbst aber entschloß sich, an den Kaiser von Rußland zu -schreiben, als an den mächtigsten unter den verbündeten Monarchen, und -ihn um seine Mitwirkung zur völligen Abschaffung des Sklavenhandels -zu bitten. Dieser Brief war ihm so wichtig, daß er, was er sonst nie -that, selbst einen Sonntag darauf verwendete, freilich nicht ohne sich -nachher ernstlich selbst darüber zu strafen. - -Am Schlusse dieses Briefes hieß es: »Aber obgleich die Schuld und die -Schande dieses schrecklichen Handels Großbritannien nicht mehr trifft, -so besteht er selbst doch noch, und in der Hoffnung, Sire, daß Sie -Ihren mächtigen Einfluß zur Unterdrückung desselben anwenden, rufe ich -Sie im Namen der Religion, der Gerechtigkeit und Menschlichkeit an, -Ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten. Dem göttlichen Segen vertraue -ich diese Zeilen an. Möge das allmächtige Wesen, dem Sie, wie ich die -Zuversicht hege, anhangen und dienen, welches Sie zum Hauptleiter bei -der Befreiung des europäischen Festlandes von den Banden erhoben hat, -in denen es durch eine geheimnißvolle Vorsehung so lange gehalten -war, Sie zu dem geehrten Werkzeuge machen, durch welches es auch an -Afrika seine gnädigen Absichten vollführt! Mögen Sie leben, Sire, -ein Zeuge des gesegneten Erfolgs dieser Ihrer Wohlthaten, durch -welche christliches Licht, sittliche Besserung und gesellschaftliches -Wohlergehen über die in Nacht liegenden Gegenden kommen! Mögen Sie -hören, wie die schwarzen Kinder nach der Schrift ihre Hände erheben -zu dem allein wahren Gotte und nicht zeitlichen allein, sondern auch -ewigen Segen herabrufen auf das Haupt Alexanders, des Kaisers der -Russen, als des größten unter ihren irdischen Wohlthätern!« - -Wilberforce wollte durchaus, daß bei den Verhandlungen wegen des -Pariser Friedens (Mai 1814) von seiten Englands die Forderung erhoben -würde, daß die von ihm eroberten französischen Kolonieen nur unter -der Bedingung zurückgegeben werden könnten, daß Frankreich sich zur -Abschaffung des Sklavenhandels verstünde. Er setzte alles in Bewegung, -um darauf hinzuwirken. Er wollte anfangs sogar selber in eigener -Person nach Paris reisen und dort seinen Einfluß geltend machen, zog -es jedoch endlich vor, zu Hause zu bleiben, weil ihm das Parlament ein -geeigneterer Schauplatz für sein Wirken zu sein schien. - -Aber obwohl der frühere Leiter der Sierra Leone-Gesellschaft, der zu -den eifrigsten Gegnern des Sklavenhandels gehörte, an seiner Stelle -hinüberging und seinen Einfluß auf den englischen Bevollmächtigten -in vollem Maße geltend machte, konnte dieser doch nur erreichen, daß -Frankreich die Wiedererlangung seiner sämtlichen Kolonieen durch -das unbestimmte Versprechen bezahlte, den Sklavenhandel binnen 5 -Jahren aufheben zu wollen. Der französische Hochmut, so tief er auch -gedemütigt worden war, sträubte sich etwas anzunehmen, was von dem -gehaßten England ausging und wie ein Befehl desselben aussehen konnte, -und der englische Bevollmächtigte trug wohl diesem Hochmute zu sehr -Rechnung. - -Wilberforce war auf das bitterste enttäuscht, gab sich aber sofort -daran, zu retten, was noch zu retten war. Er mühte sich ab, recht -viele Bittschriften herbeizuschaffen, in welchen das Volk sein -Bedauern ausspreche über die Wendung, welche die Sklavensache jetzt -genommen habe, und sich sogar zu weiteren Opfern an Kolonieen bereit -erklärte, um Frankreich die ihm bewilligten 5 Jahre Sklavenhandel -damit abzukaufen, aber auch ernstlich darauf dränge, daß, wenn sich -eine Verkürzung dieses Zeitraums nicht erreichen ließe, durch eine -allgemeine Übereinkunft aller europäischen Staaten der Sklavenhandel -nach Ablauf dieser 5 Jahre für Seeraub erklärt und in der Behandlung -diesem gleichgestellt werde. - -Diese Bittschriften, deren wirklich 800 zusammen kamen mit beinahe -einer Million Unterschriften, und deren Übergabe an das Parlament -Wilberforce, als »dem Vater unserer großen Sache« anvertraut -wurden, sollten dazu führen, daß das Parlament eine Adresse an den -Prinz-Regenten richte, worin die Bitte und der Wunsch Ausdruck fänden, -der englische Bevollmächtigte für den bevorstehenden Wiener Kongreß -möge beauftragt werden, fester und entschiedener, als es beim Pariser -Friedensschlusse geschehen sei, in der Sklavenfrage aufzutreten. - -Wirklich gelang es auch der Beredtsamkeit, mit welcher Wilberforce die -Sache im Parlamente vortrug, zu bewirken, daß eine solche Adresse an -den Prinz-Regenten beschlossen wurde. »Wenn alle jetzt Lebenden«, sagte -er unter Anderem, »ihre Häupter zur Ruhe gelegt haben, und die Thaten, -welche jetzt so mächtig alle Gefühle aufregen, durch die Feder des -kalten, unparteiischen Geschichtschreibers berichtet werden; wenn man -sehen wird, daß eine solche Gelegenheit wie die jetzige verloren wurde; -daß die erste Handlung des wieder eingesetzten Königs von Frankreich -die Wiederherstellung eines Handels in Knechtschaft und Blut war: was -für ein Urteil wird sich dann bilden von den Anstrengungen, welche -England gemacht, oder von dem Einflusse, welchen es auf ein Volk unter -so gewichtigen Verpflichtungen geäußert hat? Gewiß, man wird weder vom -britischen Einflusse, noch von französischer Dankbarkeit eine hohe -Meinung gewinnen!« - -Als im Juli 1814 der Kaiser von Rußland und der König von Preußen, -von ihren siegreichen Heerführern begleitet, einen Besuch in London -abstatteten, hatte Wilberforce bei dem Kaiser Alexander mehrmals -Audienz und wurde stets von ihm auf das huldvollste empfangen, ja -erhielt die Erlaubnis, sich noch weiter schriftlich an ihn zu wenden, -wenn er es für gut hielte. - -Auch Friedrich Wilhelm III. wünschte Wilberforce kennen zu lernen und -wurde so von ihm eingenommen, daß er ihm zum Andenken ein kostbares -Porzellan-Service schenkte. - -Der alte Blücher, der einer von Wilberforce geleiteten Versammlung -beiwohnte, worin beraten werden sollte, wie man helfen könne, die -Leiden lindern, welche der Krieg über Deutschland gebracht, erhielt -von dem heiligen Eifer, mit welchem Wilberforce für die Notleidenden -redete, einen so tiefen lebhaften Eindruck, daß er sich nachher -demselben vorstellen ließ und sich in sehr herzlicher Weise mit ihm -unterhielt, allerdings vermittels eines Dolmetschers, da er der -englischen Sprache ebensowenig mächtig war, wie Wilberforce der -deutschen. - -Selbst von den Kosaken, die in Begleitung der Monarchen mit nach -England gekommen waren, erzählt Wilberforce, daß sie obwohl sonst scheu -gegen Jedermann, sich doch gegen ihn stets freundlich bewiesen hätten. -Vielleicht hatten sie mitangesehen oder erfahren, daß nicht blos ihr -Kaiser mit ihm freundlich gewesen, sondern auch der von ihnen so hoch -geehrte »Marschall Vorwärts.« - -Aber was half es viel, daß Wilberforce bei all' diesen Gelegenheiten, -den Mächtigen der Erde nahezukommen, darauf bedacht nahm, wo es nur -irgend anging, ein gutes Wort für seine Herzenssache einzulegen? Was -half's, daß er sich wegen derselben mit den angesehensten Männern -Frankreichs in Briefwechsel einließ? Was half's, daß der englische -Bevollmächtigte beim Wiener Kongreß die bündigsten Anweisungen erhalten -hatte von seiten des Prinz-Regenten, die Sklavensache mit aller -Entschiedenheit so wie es Wilberforce wünschte, zu betreiben? -- Der -Erfolg all dieser Bemühungen war nur ein sehr geringer. Es wurde nur -erreicht, daß der Sklavenhandel auf einen ganz bestimmten Teil der -afrikanischen Küste beschränkt werden sollte. Denn außer dem Könige -Ludwig XVIII. waren unter den höher gestellten Männern Frankreichs nur -sehr wenige, die sich für die völlige Aufhebung des Sklavenhandels -hatten gewinnen lassen. Daß diese Angelegenheit gerade von England so -nachdrücklich betont, so kräftig betrieben wurde, gereichte ihr am -allerwenigsten zur Empfehlung bei den Franzosen. Wie freudig man auch -in Frankreich aufatmete, daß nun der Druck, welchen der Mann von Elba -geübt hatte, aufhörte, es verdroß dennoch den französischen Hochmut im -stillen, daß sich England allein unter den von ihm bekämpften Mächten -unter diesen Druck nicht hatte beugen lassen. - -Wer hätte aber denken sollen, daß das, was auf dem Wege friedlicher -Unterhandlungen nicht hatte erreicht werden können, mit einem Male -durch einen Machtspruch dessen hinausgeführt werden würde, der so lange -nicht nur seinem eigenen, sondern auch fremden Völkern das Joch der -Knechtschaft aufgedrückt hatte? - -Am 1. März 1815 kehrte Napoleon von Elba zurück nach Frankreich, -und wenn auch er sogleich von allen Monarchen Europas in die Acht -erklärt wurde, war doch der Glanz seines Namens für die Eitelkeit der -Franzosen so berückend, daß alle gegen ihn gesendeten Truppen des -Königs dem gefeierten Feldherrn zufielen, und daß er ohne Widerstand -den von dem geflüchteten Ludwig XVIII. verlassenen Thron Frankreichs -wieder einnehmen konnte. Und -- wer hätte sich nicht darüber wundern -sollen? -- eine seiner ersten Regierungshandlungen war die, daß er die -gänzliche Aufhebung des Sklavenhandels verordnete, und zwar für sofort, -ohne daß er sich an die im Pariser Frieden festgesetzte fünfzehnjährige -Frist kehrte. - -Allerdings dauerte ja die ganze wiederhergestellte Kaiserliche -Herrlichkeit nicht länger als 100 Tage und wurde bei Waterloo und bei -Belle-Alliance durch die Anstrengungen Blüchers und Wellingtons ohne -jegliche Hoffnung auf Wiederauferstehung begraben; aber als Ludwig -XVIII. wieder auf den Thron Frankreichs zurückgekehrt war, mußte es als -eine Unmöglichkeit erscheinen, jenen Machtspruch Napoleons gegen den -Sklavenhandel wieder aufzuheben. - -Wilberforce freute sich selbstredend dieses erfolgreichen Machtspruchs -von Herzen, wenn er auch deshalb von dem gefallenen Tyrannen keine -bessere Meinung bekam. Er urteilte nach wie vor über ihn als eine -Zuchtrute Gottes für die Völker Europas und drückte sich dahin aus, -als er von seiner Wiederkunft von der Insel Elba hörte: »Er führt -unbewußt den göttlichen Willen aus, und es ist wahrscheinlich, daß -die Leiden, welche er früher über die Nationen Europas gebracht -hat, die beabsichtigte Wirkung der Demütigung und Besserung nicht -hervorbrachten; deshalb ist es ihm erlaubt worden, noch einmal -aufzutreten und die Summe des menschlichen Elends zu mehren.« - -Es war gleichsam eine prophetische Anwandelung, die Wilberforce am -18. Juni, dem Tage der Schlacht bei Belle-Alliance zu seinen Kindern -sprechen ließ, als er sie bei dem Kirchgange auf dem stillen Dorfe, wo -er sich gerade mit ihnen befand, auf die Schönheit der Natur aufmerksam -machte: »Vielleicht bestehen in diesem Augenblicke, da wir so in -Frieden zum Hause Gottes gehen, unsere braven Soldaten einen heftigen -Kampf in Belgien. O wie dankbar sollten wir für alle Güte Gottes gegen -uns sein!« - -Nach London zurückgekehrt, erfuhr er, daß sein »vielleicht« zur -Wahrheit geworden war, und zwar aus sicherster Quelle. Denn ein -Adjutant, den Blücher eigens herübergesandt hatte, brachte dem -Prinz-Regenten die Freudenkunde von dem großen Siege, den die Engländer -und Preußen nach heißem Kampfe erfochten hätten. - -»Hat Ihnen der Marschall Blücher noch einen anderen Auftrag gegeben?« -fragte der Prinz-Regent den willkommenen Boten. - -»Ja,« antwortete dieser, »er hat mir aufgetragen, Herrn Wilberforce von -allem, was vorgegangen ist, zu benachrichtigen.« - -»So gehen Sie auf alle Fälle selbst zu ihm,« antwortete der -Prinz-Regent, »Sie werden sich über ihn freuen.« - - - - -VIII. - - -Wilberforce durfte jetzt, wo nur noch Spanien und Portugal an dem -Sklavenhandel festhielten, ohne sich aber voraussichtlich noch lange -dem Drucke der öffentlichen Meinung entziehen zu können, in bezug auf -seine große, heilige Sache hell und freudig in die Zukunft blicken. -Aber um so trüber und trauriger gestaltete sich für ihn persönlich die -Gegenwart. - -Schon am 15. Januar 1815 nämlich war sein treuer Mitarbeiter und Freund -Henry Thornton gestorben, von welchem er selbst bezeugt, daß derselbe -einer seiner ältesten, genauesten, innigsten und wertvollsten Freunde -gewesen sei, und dessen Verlust ihm um so schwerer fiel, weil er in -christlicher Beziehung auf völlig gleichem Boden mit ihm gestanden -hatte und so ein Austausch der Herzen über die höchsten, heiligsten -Dinge und Fragen des Lebens zwischen ihnen möglich gewesen war. - -Bald nach demselben starben ihm noch zwei andere Freunde, die seinem -Herzen ebenfalls nahe gestanden hatten, sodaß er an Hannah More -schrieb: »Wie ergreifend! Wir schauen uns alle unwillkürlich um und -fragen mit forschendem Blicke: Wer ist wohl der nächste, Herr? O -möchten diese Warnungen die gehörigen Folgen haben, daß sie uns für die -Vorladung bereit machen!« - -Und wenn auch nicht +der+ so doch +die+ »nächste« ließ nicht lange -auf sich warten; denn schon am 13. Oktober folgte die Witwe von -Henry Thornton ihrem Gatten nach mit einem Tode, der für den an -ihr Sterbebett berufenen Wilberforce im höchsten Grade erbaulich -wurde. Als er am Morgen ihres Todestages in die Versammlung einer -Hülfs-Bibelgesellschaft ging, konnte er es nicht lassen, dort von dem -tiefen Eindrucke, welchen die Sterbende auf ihn gemacht hatte, beredtes -Zeugnis zu geben. - -»Ich komme jetzt eben,« sagte er, »von einem Auftritte, wo der Wert des -Buches, dessen Verbreitung der Gegenstand Ihrer Thätigkeit ist, sich -klar entfaltet hat. Ich darf das Zeugnis nicht vorenthalten, welches -hier von der heilenden und siegreichen Wirksamkeit der vom Geiste -Gottes eingegebenen Schrift sich zeigte. Ich komme aus einem Zimmer, -in welchem eine Witwe, umgeben von ihren nun bald völlig verwaisten -Kindern, befähigt ist, dem letzten Feinde ruhig ins Auge zu sehen. -Sie selbst besitzt einen Frieden, welchen nichts trüben kann, da er -die Gabe Gottes ist. Ihre Kinder sind in gewissem Grade im stande, -das Vorgefühl der Hoffnung ihrer Verherrlichung zu hegen. Es ist ein -Auftritt, welchem man beigewohnt haben muß, um den vollen Eindruck -im Herzen zu erforschen: ein Bewußtsein der Zufriedenheit und des -Glücks in den Augenblicken des tiefsten äußeren Mangels und Kummers, -eine Erhebung über die Leiden und Anfechtungen dieses vergänglichen -Lebens. -- Laßt mich fragen: ist dieser Trost in Traurigkeit, diese -Hoffnung im Tode etwa ein Familiengeheimnis, von dem die Menschen im -allgemeinen ausgeschlossen sind? Nein, es ist das, was das Wort Gottes -allen bietet, welche es ergreifen wollen. Wie konnte ich daher umhin, -zu kommen und Ihnen Glück zu wünschen, daß es ihnen gestattet ist, -die geehrten Werkzeuge des Allmächtigen zur Verbreitung einer solchen -Herzstärkung in einer sterblichen Welt zu sein? Wie konnte ich umhin, -mich zu freuen, daß es mir vergönnt ist, mich mit Ihnen zu vereinigen -in den Bemühungen, durch welche diese unvergänglichen Segnungen in -Umlauf gesetzt werden?« - -Aber es waren nicht blos diese rasch hinter einander folgenden -Todesfälle, wodurch ein trüber, trauriger Schatten in das Leben unseres -Wilberforce fiel, sondern auch ein recht betrübendes persönliches -Erlebnis. - -Im Parlamente wurde nämlich ein Gesetzesvorschlag eingebracht, wonach -von dem in England eingeführten Getreide ein Zoll erhoben werden -sollte, die sogenannte »Kornbill«. Begreiflicherweise war dies keine -erwünschte Maßregel für alle, die Brot kaufen mußten, weil dasselbe -dadurch notwendig verteuert werden mußte, allein es war eine Maßregel, -die sich zum Schutze der inländischen Ackerbauer als unbedingt nötig -erwies. Wilberforce prüfte gewissenhaft und sorgfältig die Sachlage und -trug, als er sich von der Notwendigkeit des Kornzolles überzeugt hatte, -durchaus kein Bedenken, der Kornbill seine Unterstützung zu teil werden -zu lassen. - -Da wandte sich trotz seiner sonstigen allgemeinen Beliebtheit der -Unwille des Volkes gegen ihn, und zwar in solchem Maße, daß er es für -angezeigt hielt, eine Schutzwache von 6 Mann in sein Haus zu nehmen, -um sich vor einem zu befürchtenden Sturme des Volkes auf dasselbe zu -schützen. Auch er mußte es also erfahren, welch ein wetterwendisches -Ding die Volksgunst sei und wie wenig es dieselbe verdiene, daß man -begehrlich nach ihr hasche, ihr zu liebe vielleicht gar gegen die -Stimme seines Gewissens handele. - -So wenig ihn aber die Gunst oder Ungunst des Volkes in seinem Verhalten -irgendwie beeinflussen konnte, so wenig machte er sich auch aus den -Gunstbezeugungen, die ihm von seiten des Hofes zukamen, als dieser -in Brighton seinen Aufenthalt nahm, wo sich Wilberforce jetzt eben -mit seiner Familie aufhielt. Der Prinz-Regent lud ihn zu wiederholten -Besuchen ein und überhäufte ihn mit Artigkeiten. Er trug sogar selbst -Sorge dafür, daß, wenn Wilberforce die Einladung zu Tische angenommen -hatte, nur solche Personen in seine Nähe gesetzt wurden, von denen -er keine Kränkung in seinen religiösen Anschauungen und Gefühlen zu -befürchten hatte. - -Als ihn sein Schwager Stephen wegen dieser ihm erwiesenen Artigkeiten -neckte und meinte, er würde am Ende doch noch »Peer«, d. h. Mitglied -des Oberhauses, werden, antwortete er, da dürfe man unbesorgt sein, er -werde als William Wilberforce leben und sterben; denn er sehe immer -mehr, daß die Großen in der Welt am meisten zu bemitleiden seien und er -danke deshalb stets seinem Gotte, daß er ihn in eine Stellung geführt -habe, welche für seine Kinder nicht die großen oder wohl noch größere -Versuchungen und Gefahren herbeiführen würde, die er selbst zu bestehen -habe. - -Auch gab es für diese Gunstbezeugungen des Hofes bald wieder ein -heilsames Gegengewicht in seinem Leben, das ihn, wenn er sich ja -hochmütigen Regungen hätte hingeben wollen und können, alsbald wieder -niederziehen und demütig machen mußte. - -Nicht allein, daß er von dem Ministerium im Stiche gelassen wurde, -als er die sogenannte »Registerbill« wieder im Parlamente einbrachte, -wonach die Zählung und namentliche Aufzeichnung der Sklaven, wie -sie für die Insel Trinidad angeordnet worden war, und sich dort -sowohl als ausführbar, als auch segensreich bewiesen hatte, für alle -englischen Kolonieen in Westindien angeordnet werden sollte; nein -auch die Gegner der Sklavensache regten sich wieder mit Macht, als -sie inne wurden, welch' zarte Rücksichten das Ministerium damit auf -die Selbstständigkeit der Regierungen in den Kolonieen nahm. Sie -glaubten jetzt jedes weitere Fortschreiten des Sklavenfreundes in -seinen Bestrebungen wirksam hindern zu können, und wählten dazu das -verwerfliche Mittel, dessen Persönlichkeit anzutasten und nicht nur -im Parlamente, sondern auch in Flugschriften, welche sie unter das -Volk warfen, Wilberforce auf das schnödeste zu verdächtigen und -zu verleumden. Man ging darin so weit, daß Wilberforce einmal mit -bitterem Lächeln im Parlamente sagte: »Wenn alles, was mir meine Gegner -vorwerfen, wahr wäre, so hätte ich schon vor 30 Jahren des Todes -schuldig erklärt werden müssen.« - -Es war jedoch nicht die Furcht vor diesen Verleumdungen, welche ihn -abhielt, in der Sitzung des Parlamentes von 1816 die Registerbill -wiederum einzubringen, sondern der erfreuliche Umstand, daß sich jetzt -Spanien zur völligen Aufgebung seines Sklavenhandels zu entschließen -schien und deshalb in Verhandlungen mit England eintrat, die durch das -Einbringen der Registerbill hätten gestört werden können. Allerdings -zogen sich diese Verhandlungen bis ins folgende Jahr hin, weil Spanien -für die Aufgebung des Sklavenhandels eine hohe Entschädigungssumme -forderte; aber sie kamen doch endlich zum erwünschten Austrage, -nachdem man über eine Entschädigungssumme von 400,000 Pfund Sterling -(= 8 Millionen Mark) übereingekommen war, welche England bezahlen -sollte. Dagegen verpflichtete sich Spanien, bis zum Jahre 1820 den -Sklavenhandel aufzugeben, hielt aber trotzdem nachher diesen Termin -nicht ein, sondern erfüllte erst im Jahre 1822 sein Versprechen. - -Als von der westindischen Insel Barbadoes Nachrichten über heftige -Negeraufstände einliefen, die dort stattgefunden, war dies natürlich -wieder eine willkommene Gelegenheit für die »Westindier,« Wilberforce -wegen seiner Bemühungen für die Sklaven anzugreifen. Man gab die -Grausamkeiten, welche sich die empörten Sklaven erlaubt hatten, diesen -allein schuld, ohne anerkennen zu wollen, daß dieselben von seiten -der Sklavenhalter durch ihre grausame, schonungslose Behandlung der -Neger veranlaßt worden seien; man suchte daraus die Notwendigkeit -zu beweisen, alle Bemühungen zu Gunsten der Neger aufzugeben, weil -diese, wenn sie von solchen Bemühungen wieder hörten, dadurch zu immer -neuen Empörungen und blutigen Befreiungsversuchen gereizt würden, und -ebensowohl auch die andere Notwendigkeit, die widerwilligen Neger durch -strengen und harten Druck niederzuhalten. Wilberforce mußte wieder -seine ganze Beredsamkeit aufwenden, um seine Sache, sowie sich selbst -und seine Grundsätze zu verteidigen. Er unterschrieb jedoch willig -eine Adresse mit, die den Prinz-Regenten bitten sollte, seine ernste -Mißbilligung der Vorgänge auf der westindischen Insel auszusprechen, -aber auch den Regierungen der Kolonieen auf das Ernsteste geeignete -Maßregeln zur Verbesserung der Lage der Neger zu empfehlen. - -Im Oktober 1816 traf unsern Wilberforce der schwere Schlag, daß seine -innig geliebte Schwester, die Gattin seines Freundes Stephen, verstarb, -das letzte Glied seiner Familie, von welcher er nun noch allein übrig -war. Wenn er ihr mit trauerndem Herzen nachrühmen konnte, daß er in ihr -die zärtlichste Schwester verloren habe, von der er in Wahrheit sagen -könne, daß es wohl nie auf Erden eine anhänglichere, edlere und treuere -Freundin ihres Bruders gegeben habe, so konnte er sich ebensowohl zum -Troste sagen, daß sie in wahrem Frieden mit ihrem Gotte und Heilande -heimgegangen sei. - -Wilberforce hatte bisher immer nur auf Aufhebung des Sklavenhandels und -bessere Behandlung der Sklaven, welche einmal das Joch der Knechtschaft -trugen, hingewirkt, ohne noch die gänzliche Aufhebung der Sklaverei -und völlige Freilassung aller Sklaven, die ihm doch als höchstes -Ziel vorschweben mußten, anders als in gelegentlichen Äußerungen -bei Freunden angerührt zu haben. Allein es wurde ihm immer mehr zur -Überzeugung, daß er nun auch thatsächlich auf dieses Ziel lossteuern -müsse, wenn sein Werk kein halbes bleiben sollte. So lange es Sklaven -gab, konnte auch der harte, grausame Geist nicht aussterben, mit dem -man sich gegen ihre Aufstände glaubte wappnen zu müssen, und der jedes -menschliche Mitgefühl mit den armen Schwarzen ersticken mußte. - -Eine große Freude wurde ihm dadurch bereitet, daß sich im Jahre 1817 -der Negerkönig Heinrich I. auf der Insel St. Domingo oder Haïti -geradezu mit einer Bitte an ihn wandte, und es damit bewies, daß die -Schwarzen seinen Eifer für ihr Wohl kannten und zu seiner Menschenliebe -das vollste Zutrauen hatten. - -Mit diesem Negerkönige verhielt es sich aber folgendermaßen. Von dem -großen Sklavenaufstande auf St. Domingo im Jahre 1791, von welchem -bereits Erwähnung gethan wurde, und bei dem sich Neger und Farbige -zur Vertilgung aller Weißen auf der Insel vereinigt hatten, war das -Ende gewesen, daß in der That sämtliche Weiße, soweit ihnen nicht die -rechtzeitige Flucht gelang, schonungslos niedergemetzelt wurden. Der -französische Nationalkonvent hatte darauf am 4. Februar 1794 den Negern -und Farbigen in dem französischen Teile der Insel völlige Freiheit -und völlig gleiche Rechte mit den Weißen bewilligt und sogar einen -der hervorragendsten unter den aufständischen Negern, einen gewissen -Toussaint L'Ouverture, zum Obergeneral aller französischen Truppen auf -der Insel eingesetzt. Als nun die Spanier 1795 im Frieden von Basel -ihre Besitzungen auf der Insel an die Franzosen abgetreten hatten, -nachdem ihr Versuch fehlgeschlagen war, gemeinsam mit den Engländern -die mit den Franzosen verbündeten Neger zu besiegen, und auch die -Engländer im Jahre 1797 die Insel ganz aufgegeben hatten, brachen -die Neger in einem neuen Aufstande unter ihrem Führer Dessalines, -auch die Herrschaft der Franzosen, so daß diese im November 1803 die -Insel räumten. Jetzt warf sich Dessalines zum Herrscher der ganzen -Insel auf, nahm den Titel: »Kaiser Jacob I.« an und führte ein rohes, -grausames Regiment über Neger und Farbige. Aber schon nach einem Jahre -wurde er in einer Empörung gegen ihn ermordet und nun brach die alte -Eifersucht zwischen Negern und Farbigen wieder in hellen Flammen aus. -Die Neger sammelten sich unter ihrem Generale Heinrich Christoph, die -Farbigen unter dem Mulatten Pétion und teilten sich endlich friedlich -in den Besitz der Insel. Die Farbigen gründeten unter Pétion eine -Republik, die Neger unter Heinrich Christoph, welcher jedoch 1811 die -Negerrepublik in eine erbliche Monarchie verwandelte und sich als König -Heinrich I. die Krone aufsetzte. Obwohl als Sklave geboren, hatte er -sich dennoch eine tüchtige geistige Bildung zu verschaffen gewußt und -Erkenntnis genug gewonnen, um einzusehen, daß seine Herrschaft nur -Bestand haben könne, wenn er sich bemühe, seine Schwarzen aus ihrer -Rohheit und Unwissenheit herauszureißen. - -Schon im Jahre 1815 hatte er sich mit Wilberforce in Verbindung zu -setzen gewußt und ihm erklärt, daß er in allen Stücken seinem Rate -folgen wolle. Wilberforce hatte mit Erlaubnis der Regierung diese -Verbindung gerne angenommen und gepflegt, weil der schwarze König -versichert hatte, nicht blos die englische Sprache, sondern auch die -evangelische Religion in seinem Königreiche einführen zu wollen. -Wie ihm der Negerkönig sein Bildnis zugesandt hatte, so schickte -Wilberforce als Gegengabe sein eigenes, sowie das seines ältesten -Sohnes nach Domingo hinüber. - -Jetzt im Jahre 1817 wandte sich König Heinrich I. wiederum an -Wilberforce mit der Bitte, ihm einen englischen Erzieher für seinen -Sohn, sowie 7 Lehrer für das Volk und 7 Professoren für eine zu -errichtende Hochschule zu senden, auch englische Landleute zur -Ansiedelung auf St. Domingo zu bewegen, indem er zugleich 6000 Pfund -Sterling (120,000 M.) zur Bestreitung der Kosten beilegte. - -Niemand wird bezweifeln, daß es für Wilberforce eine Gewissenssache -wurde, dieser Bitte zu entsprechen, und mit der ängstlichsten -Gewissenhaftigkeit die Leute auszuwählen, die er für die Verhältnisse -in St. Domingo als die tüchtigsten und geeignetsten ansah. Allein es -waren fruchtlose Bemühungen; denn im Jahre 1820 erschoß sich König -Heinrich I. bei einem Aufstande, welcher sich gegen ihn wegen allzu -strenge geübter Gerechtigkeit erhob, und die ganze Insel kam nun unter -die Herrschaft eines Mulatten Boyer. - -Wilberforce, der sich bei dem Kongresse zu Aachen im Jahre 1818, -allerdings vergeblich, bemüht hatte, für seinen König Heinrich I. die -Anerkennung der europäischen Mächte zu erlangen, betrauerte es tief, -daß der für die Bildung seiner Schwarzen so eifrige Mann ein solches -Ende nahm und machte sich sogar Vorwürfe darüber, daß er für dessen -christliche Bildung nicht genug gethan und gebetet habe. - -Auf dem Kongresse zu Aachen waren zwar die Bemühungen, die Wilberforce -gemacht hatte, um zu erringen, daß von seiten der dort tagenden -europäischen Mächte der Sklavenhandel, von dem er nur zu gut wußte, -daß derselbe nach wie vor weiter betrieben würde, nun in der That mit -der Seeräuberei auf gleiche Linie gestellt würde, von keinem Erfolge -gekrönt, aber die deshalb geführten Verhandlungen hatten doch das -Gute gehabt, daß den Mächten einmal wieder die Scheußlichkeiten des -Sklavenhandels recht in Erinnerung gebracht wurden. Wilberforce hatte -sich noch einmal schriftlich an den Kaiser von Rußland gewendet, aber -wie sehr auch dieser, wie sehr auch die englischen Bevollmächtigten -bei dem Kongresse sich darum bemühten, es konnte weder hier in Aachen, -noch auch auf dem 4 Jahre später stattfindenden Kongresse zu Verona die -allgemeine Erklärung des Sklavenhandels für Seeraub erlangt werden. - -Auch die »Registerbill«, obschon wiederholt von Wilberforce im -Parlamente eingebracht und warm befürwortet, konnte nicht zur Annahme -gelangen. Sie scheiterte stets an dem hitzigen Widerstande der -»Westindier« und an ihrer steif festgehaltenen und deshalb von Vielen -als richtig angesehenen Behauptung, daß die westindischen Kolonieen -dadurch in ihrem Bestande gefährdet und dadurch auch England selbst -schwer geschädigt werden würde. Die Verhandlungen darüber machten es -aber allen Sklavenfreunden immer mehr zur unbestreitbaren Gewißheit, -daß nur durch völlige Aufhebung der Sklaverei den entsetzlichen -Grausamkeiten gegen die armen Neger ein Ende gemacht werden könne. - -Vorläufig war jedoch für Wilberforce noch nicht daran zu denken, mit -einem bestimmten dahin zielenden Antrage vor das Parlament zu treten. -Die öffentliche Meinung in England war dafür noch nicht reif genug. -Aber seine Papiere aus dieser Zeit geben Zeugnis davon, wie er sich -fortwährend mit dem großen, edlen Gedanken beschäftigte und unablässig -auf Maßregeln sann, wie vorläufig wenigstens das Elend der armen -Schwarzen gelindert werden könne. Er mußte eben in seiner heiligen -Sache wirken, so lange es Tag für ihn war, und die 60 Lebensjahre, -die er nun schon auf dem Nacken trug, mußten ihm von Tag zu Tage mehr -eine Mahnung daran werden, daß es für ihn nicht mehr weit bis zum -Lebensabende und bis zu der Nacht sei, da niemand mehr wirken kann. -Auch fühlte er, der eigentlich niemals recht gesund und kräftig gewesen -war, deutlich, daß seine Lebenskraft sehr in der Abnahme begriffen -sei, und daß er nicht mehr so wie früher in allen Angelegenheiten des -Parlaments die ganze Arbeitskraft einsetzen könne und dürfe, wenn er -für diejenige, welche ihm am meisten am Herzen lag, noch ein wenig -Kraft behalten wolle. - -Nur in Einer Angelegenheit, die mit seiner Sklavensache in keinem -näheren Zusammenhange stand, konnte er es nicht lassen, wieder in die -erste Reihe der Parlamentsredner einzutreten, weil sie ihm überaus -wichtig erschien und im ganzen Lande große Aufregung verursachte. - -Der Prinz-Regent, welcher für seinen dem völligen Wahnsinne -anheimgefallenen und dazu noch erblindeten Vater Georg III. schon -seit 1811 die Regierung führte, lebte mit seiner Gemahlin, einer -braunschweigischen Prinzessin, in einer höchst unglücklichen Ehe, und -es kam so weit, daß die Königin, die schon längst getrennt von ihrem -Gemahle lebte, endlich die gänzliche gesetzliche Scheidung ihrer Ehe -beantragte. - -Wilberforce, dessen sittliches Gefühl sich dagegen sträubte, daß -dem Volke von höchster Stelle aus solch ein böses Beispiel gegeben -werden sollte und der, wenn die Scheidung der königlichen Ehe wirklich -erfolgte, davon einen beklagenswerten Nachteil für die öffentliche -Sittlichkeit befürchtete, bot im Parlamente alles auf, die Scheidung zu -verhindern. Er fragte nichts danach, daß er sich dadurch das Mißfallen -der Königin zuzog. Allein die Hartnäckigkeit dieser ließ jeden -Vergleich zwischen den beiden Gatten vergeblich erscheinen, und es wäre -wohl sicher zum Vollzug der Scheidung gekommen, wenn nicht im August -1821 der Tod der Königin eingetreten wäre. Auch hierbei zeigte es sich -wieder recht klar, wie Wilberforce weder nach rechts noch nach links -sah, wenn ihm sein Weg durch eine klar erkannte Pflicht vorgezeichnet -war. Denn nicht blos, daß er durch sein Auftreten im Parlamente bei -der Ehescheidungs-Verhandlung die Gunst der Königin aufs Spiel setzte, -nein er lief auch dadurch Gefahr, wieder in die Ungunst des Volkes zu -geraten. Denn dieses stand in seiner großen Mehrzahl auf der Seite der -Königin gegen den König, welcher sich durch sein zügelloses Leben, -sowie auch durch seine Regierungsgrundsätze bei dem Volke äußerst -mißliebig gemacht hatte und schon einmal von einem wütenden Volkshaufen -thätlich angegriffen worden war. - -In seinem häuslichen Leben erlitt jetzt Wilberforce einen empfindlichen -Verlust durch den Tod seiner ältesten Tochter Barbara. Dieselbe -war schon im Jahre vorher kurz nach der Verheiratung des ältesten -Bruders und um eben die Zeit, da Isaak Milner starb, schwer erkrankt -gewesen, hatte sich aber unter der sorgfältigen, zärtlichen Pflege, -welche ihr Vater und Mutter bei Tag und Nacht selbst gewidmet -hatten, wieder soweit erholt, daß man sie dem Leben gewonnen glauben -durfte. Doch jetzt im Jahre 1821 trat ein Rückfall ein, welchem -ihre geschwächten Kräfte nicht gewachsen waren. Der Tod knickte die -liebliche Menschenblume, die sich im Lichte des wahren Christentums zu -herrlicher Blüte entfaltet hatte. - -»Ich werde nie«, so schrieb Wilberforce an einen Freund, »die -Zärtlichkeit, den Glauben, die Liebe und die Andacht vergessen, mit -welcher sie, nachdem sich auf ihren Wunsch alle Übrigen entfernt -hatten, ihr letztes hörbares Gebet für sich und für uns sprach. -Gehalten durch eine demütige Hoffnung auf die Gnade Gottes in ihrem -Erlöser und Fürsprecher, war sie fähig, ihre Leiden mit Geduld und -Ergebung zu tragen und eine Fassung zu bewahren, über welche sie sich -selber wunderte. An dem Todestage selbst bat sie, man möge ihren Arzt -fragen, ob noch Hoffnung auf Besserung sei, »aber wenn nicht«, fügte -sie hinzu, »so ist alles gut«. -- Sie starb wie jemand, der einschläft, -kaum ein Laut, nicht der geringste Kampf. Ich bin in der Dankbarkeit -gegen den Geber alles Guten fast verpflichtet, meine Freunde -aufzufordern, daß sie sich mit mir als über ein Zeugnis der göttlichen -Gnade freuen. Das Bewußtsein, daß es unserm Kinde wohl ist, ist für uns -ein Stärkungsmittel von unschätzbarer Wirksamkeit.« - -Die Gedanken und Gefühle, welche Wilberforce am Begräbnistage des -geliebten Kindes seinem Tagebuche anvertraute, sind zu bezeichnend für -sein inneres Leben, zu bezeichnend besonders für die innige Dankbarkeit -gegen Gott, welche sein Herz erfüllte, als daß wir uns enthalten -könnten, sie wenigstens teilweise hier mitzuteilen. Es war ein -ungewöhnlich kalter Wintertag, an welchem das Begräbnis stattfand, und -Wilberforce mußte sich, so schwer es ihm auch wurde, in Rücksicht auf -seine schwache Gesundheit enthalten, den Sarg zum Grabe zu geleiten. -Aber klagte und weinte er nur daheim? Nein, im Gegenteile. - -»Ich sah den Sarg«, schreibt er. »Wie eitel der Zierrat, wenn man -daran denkt, in welchem Zustand der Erniedrigung sich der Körper -befindet, der im Sarge liegt! Bald nachdem der Leichenwagen und unsere -lieben Freunde fort waren, bin ich in mein kleines Zimmer gegangen, und -hier beschäftige ich mich nun mit Schreiben und mit Gebet, indem ich -Gott für seine wunderbare Güte gegen mich preise und meine äußerste -Unwürdigkeit beklage. Denn wahrlich, blicke ich auf mein vergangenes -Leben zurück und übersehe es; vergleiche ich besonders die zahlreichen, -fast unzähligen Beweise von Gottes Freundlichkeit gegen mich damit, wie -ich sie vergolten habe: so bin ich überwältigt und kann mit Wahrheit -dem Zöllner nachsprechen: »Gott sei mir Sünder gnädig!« -- Es ist eine -besondere Güte gegen mich, und die fast einzigartigen Vorzüge, die ich -genossen habe, was mich so mit Demütigung und Scham erfüllt. Meine -Tage erscheinen wenig, wenn ich zurückschaue, aber sie sind eher alles -andere gewesen, als böse. Ich bin in allerlei Weise gesegnet worden, -und zwar auf bleibende Weise, besonders dadurch, daß ich ein heiteres -Gemüt und so reichliche Glücksgüter empfing. -- Ich bin so frühe für -Hull ins Parlament gekommen, dann für Yorkshire sechsmal erwählt worden -und hörte nur auf, für diese Grafschaft Parlamentsglied zu sein, weil -ich selbst diese Stellung aufgab. Ich bin zum Werkzeuge erwählt worden, -die Abschaffung des Sklavenhandels vorzubringen; ich habe mächtig -der Sache des Christentums in Indien helfen können; ich bin nie in -üblen Ruf gebracht, sondern immer bei allen öffentlichen Geschäften -unterstützt worden. Ich entging der Lebensgefahr durch eine plötzliche -Beihülfe der Vorsehung. Man hat mich nie beschimpft, weil ich mich -weigerte, mich zu duellieren. -- Ich habe mich so spät, 37 Jahre alt, -verheiratet und doch eine der liebevollsten Frauen gefunden. Ich habe -6 Kinder gehabt, welche alle auf das äußerste an mir hangen. Obgleich -uns unsere teure Barbara entrissen ist, so haben doch im ganzen wenige -Menschen solchen Grund zur Dankbarkeit wegen der Kinder, die immer -lauter Liebe gegen mich waren. -- Kein Mensch hat wohl je so viele -liebe Freunde gehabt; sie überwältigen mich ganz mit ihrer Güte und -zeigen, daß es weise war, Freundschaften mit Männern meines Ranges zu -pflegen, vor allem religiöse Menschen zu Freunden zu wählen. Die Großen -und Edlen behandeln mich jetzt alle mit Achtung, weil sie sehen, daß -ich unabhängig von ihnen bin, und einige, glaube ich, fühlen eine wahre -Anhänglichkeit an mich. -- Ferner habe ich Gaben genug, um mir Ansehen -zu erwerben, wie durch die natürliche Gabe, öffentlich zu reden, obwohl -mich mein Augenübel leider beim Studieren wie beim Schreiben hindert. --- Ferner bin ich zu einem Werkzeuge gemacht worden, viel geistliches -Gute durch mein Werk über das Christentum zu stiften. Wie viele haben -mir mitgeteilt, es sei für sie das Mittel gewesen, daß sie sich Gott -zugewendet haben!« - -Aber wie weit entfernt ist Wilberforce von Stolz und Selbstüberhebung -bei dieser Aufzählung der ihm verliehenen Gaben und der von ihm -geübten Wirksamkeit! Wie sieht er vielmehr alles als Gnadengaben und -Gnadenwirkungen von oben herab an und gibt in tiefster Demut dem Herrn -allein die Ehre dafür! - -»Und das alles,« so bekennt er, »dauert nun schon so lange, obgleich -ich Gott so viele Ursache gegeben habe, es mir zu nehmen! Diese zu -nennen, gehört nicht hierher, aber mein Herz weiß und fühlt sie und -wird sie hoffentlich immer fühlen. Es ist aber eine große Gnade, daß -Gott mich befähigt hat, einen reinen gleichmäßigen äußeren Wandel zu -führen, sodaß ich meinem christlichen Bekenntnisse niemals Schande -gemacht habe. Lobe den Herrn, meine Seele! Und nun, Herr, will ich mich -noch feierlicher und entschlossener Dir weihen, und wünsche, noch mehr, -als ich es je gethan habe, meine Fähigkeiten zu Deiner Ehre und in -Deinem Dienste anzuwenden.« - -Gewiß eine eigentümliche Totenfeier am Begräbnistage eines lieben -Kindes! Aber wer könnte zweifeln, daß es dadurch dem tiefbetrübten -Vater möglich wurde, seinen großen menschlichen Schmerz unter die Füße -zu treten und sich zu dem Worte Hiobs aufzuschwingen: »Der Herr hat's -gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt!?« - - - - -IX. - - -Wie an dieser Tochter, so durfte Wilberforce aber auch an seinen -übrigen Kindern hohe, heilige Vaterfreude erleben und die -gottgesegneten Früchte einer Erziehung einernten, die von der größten -Weisheit und Liebe geleitet war und besonders bei den höchsten, -heiligsten Herzensangelegenheiten stets aus die größte Aufrichtigkeit -und Wahrhaftigkeit drang. - -Er wollte nicht, daß seine Söhne in seine eigenen Fußstapfen treten -und sich auch zu Männern des Parlaments heranbilden sollten. Er kannte -dazu die Versuchlichkeit der öffentlichen Thätigkeit und die Gefahren, -welche dieselben für das innere Leben hat, viel zu gut aus eigener -Erfahrung. Vielmehr war es sein inniger Wunsch, daß sich seine Söhne, -soweit sie sich dazu eigneten, dem Dienste der Kirche widmeten, und er -durfte auch die große Freude erleben, daß sie diesen heiligen Beruf -mit innerer Zustimmung und voller Herzensfreudigkeit ergriffen. - -Wie sehr er darauf bedacht war, daß ihnen die rechte innere Weihe für -diesen Beruf zu teil werde, daß sie vor allem rechte Männer des Gebets -würden, wie er selbst zu seinem eigenen täglich verspürten Segen durch -Gottes Gnade einer geworden war, mag folgende Stelle aus einem Briefe -an einen seiner Söhne zeigen, der in Cambridge seinen Studien oblag: - -»O mein teuerster Sohn,« schreibt er, »was gäbe ich darum, Dich als -ein Licht in der Welt zu sehen! Der Gedanke daran lockt mir Thränen in -die Augen und macht mich fast unfähig, fortzuschreiben. Mein teuerster -Sohn, stecke dein Ziel hoch, strebe danach, ein Christ zu werden im -vollsten Sinne des Wortes! Wie wenig weißt Du, zu welchem Dienste Dich -Gott berufen kann! Die Jünglinge unserer Tage sind nicht in Gefahr, dem -Feuer und Schwerte ausgesetzt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu -werden; aber die Folge dieser Sicherheit ist, daß sie sich auch nicht -auf die mildere Form der Verfolgung vorbereiten, welche zu erdulden sie -vielleicht berufen werden. Aber alles ist möglich durch's Gebet, möchte -ich sagen, und warum auch nicht? Denn daß es allmächtig ist, liegt in -der gnädigen Ordnung Gottes, des Gottes voll Liebe und Treue. O darum -bete, bete, bete, mein teuerster Sohn. Aber bedenke auch wohl, daß Du -Deinen inneren Zustand nicht nach Deinem Gebete beurteilen darfst, -sondern nach dessen Wirkung auf Deinen Charakter, Dein Gemüt und Deinen -Wandel!« - -Gott schenkte Wilberforce das große Glück und die hohe Freude, daß -sein zweiter und dritter Sohn sich zu ernsten, tüchtigen Geistlichen -entwickelten und es wurde ihm vergönnt, sie beide noch vor seinem -Tode in Amt und Würden zu sehen und mit eigenen Augen wahrzunehmen, -daß sie ihr heiliges Amt ganz in dem Geiste führten, wie er es für -nötig hielt, und mit der Treue und Gewissenhaftigkeit, für die sie in -ihrem Vater das beste, leuchtendste Vorbild hatten. Der eine von ihnen -wurde Vikar in East Forleigh in der Grafschaft Kent, der andere Rektor -in Brighstone auf der Insel Wight. Für diejenigen Leser, welche mit -den kirchlichen Verhältnissen in England weniger vertraut sind, sei -dazu bemerkt, daß das Amt eines Vikars ebenso wie das eines Rektors -ziemlich gleichbedeutend mit dem Amte unserer Pfarrer ist, nur mit dem -Unterschiede, daß der Rektor seine eigene Gemeinde hat, während der -Vikar eine der vielen Pfarreien, die den hohen englischen Geistlichen -übertragen zu werden pflegen, verwaltet, jedoch ebenfalls ganz -selbstständig. - -Seinen ältesten Sohn mußte Wilberforce sich der Landwirtschaft widmen -lassen; denn seine schwächliche Gesundheit, besonders eine schwache -Brust machten ihn für das Pfarramt untüchtig. Dagegen trat der jüngste -wieder in die Fußstapfen seiner beiden vor ihm stehenden Brüder, und -auch ihn durfte Wilberforce, ehedenn er starb, auf dem besten Wege -sehen, ein treuer Diener der Kirche zu werden. - -Je mehr Wilberforce die Schwächen des Alters bei sich eintreten sah --- und sie traten bei seinem schwächlichen Körper ungewöhnlich frühe -ein -- desto mehr enthielt er sich längerer Reden im Parlamente, die -er vielmehr seinen jüngeren Freunden überließ. Allein um so kräftiger -und auf noch weitere Kreise wirkte er dafür durch Schriften, welche er -verfaßte. - -So gab er im Februar 1823 wieder eine Schrift über die Sklavensache -heraus, worin er, gestützt auf die reichen Erfahrungen eines fast -35jährigen Kampfes in dieser Sache, die grausame Behandlungsweise -beleuchtete, welche die Neger noch immer in der Sklaverei zu erdulden -hatten, aber auch zugleich schlagend nachwies, wie nötig es sei, -für den religiösen Unterricht der Sklaven zu sorgen, ihnen zu einem -gesicherten Familienleben zu verhelfen und so ihrer Freilassung -vorzuarbeiten, die ja doch einmal kommen werde und müsse. - -Der Erzbischof von Dublin war von dieser Schrift so begeistert, daß er -ausdrücklich Wilberforce seinen Dank bezeugte und ihm sagte: »Dieser -Zusatz zu den edlen Anstrengungen, welche Sie mit solcher Ausdauer für -jenen so grausam behandelten Teil der gemeinsamen Kinder des Einen -großen Vaters gemacht haben, wird von dem Segen begleitet sein, der -solchen Arbeiten christlicher Liebe niemals ausbleibt.« - -Ja ein westindischer Sklavenhalter fühlte sich beim Durchlesen der -Schrift so ergriffen von ihrem Inhalte, daß er erklärte, wenn es auch -sein ganzes Vermögen kosten sollte, dieses willig hingeben zu wollen, -damit seine armen Neger nicht allein zur Freiheit der Europäer, sondern -auch zur Freiheit der Christen gebracht würden. - -Nachdem Wilberforce am 19. März 1823 eine aus der Sekte der Quäker -hervorgegangene Bittschrift um Aufhebung des Sklavenhandels ins -Parlament eingebracht und warm befürwortet hatte, schlug sein -Freund Buxton, der jetzt die gemeinsame Sache im Parlamente führte, -einen Beschluß vor, die Sklaverei überhaupt für unvereinbar mit dem -Christentum, wie auch mit der englischen Verfassung zu erklären, ohne -daß er jedoch die Annahme dieses Beschlusses durchsetzen konnte. Es war -indessen damit der offene Kampf gegen die Sklaverei überhaupt und für -die völlige Aufhebung derselben im Parlamente begonnen. - -Als im weiteren Verlaufe des Jahres 1823 die Minister, um doch -ihrerseits etwas zu thun und ihren guten Willen zu beweisen, das Los -der Sklaven mildern zu helfen, das Verbot erließen, daß die Aufseher -der Negersklaven in den westindischen Kolonien fortan die gewaltige -Peitsche nicht mehr immer bei sich trügen, von der die Sklavenhalter -behauptet hatten, daß sie nicht sowohl zu grausamen Züchtigungen -gebraucht würde, als vielmehr nur das Zeichen sei, woran die Neger ihre -Aufseher erkannten, war in den Kolonien wieder ein Sklavenaufstand -ausgebrochen. Die Sklaven hatten nämlich von diesem Verbote gehört -und warteten vergeblich darauf, daß es auch beachtet würde; denn die -Regierungen der Kolonien wagten nicht, dasselbe zu veröffentlichen. Die -Sklaven sahen nun natürlich ihre Herren, die Pflanzer als diejenigen -an, welche die wohlmeinenden Absichten des englischen Ministeriums für -sie hintertrieben, hatten auch wohl das Verbot der Peitsche, welche für -sie das große Zeichen der Sklaverei war, irrtümlich so aufgefaßt, als -ob damit die ganze Sklaverei verboten sei, und erhoben sich deshalb -gegen die Pflanzer in einem Aufstande, worin etliche Weiße das Leben -verloren. - -Wilberforce, befürchtend, daß dadurch die Sklavensache wieder in -Nachteil käme, konnte es sich trotz seiner Körperschwachheit nicht -versagen, als Redner aufzutreten und tadelte das Verbot der Peitsche -als eine unvorsichtige Maßregel, wodurch bei den gänzlich daraus -unvorbereiteten Schwarzen unbegründete und zu weit gehende Hoffnungen -erweckt worden seien, die fast mit Notwendigkeit zu dem Aufstande -hätten führen müssen. Er erklärte alle halbe Maßregeln dieser -Art für nutzlos, ja gefährlich und forderte das Parlament in der -eindringlichsten Weise auf, schleunig und fest vorzugehen. - -»Ich fürchte«, sagte er, »wenn die Neger an der Hülfe durch das -englische Parlament verzweifeln, so werden sie ihre Sache in die eigene -Hand nehmen und immer wieder aufs neue versuchen, ihre Befreiung auf -gewaltsamem Wege selber herbeizuführen.« - -Trotzdem, daß er sich durch diese Rede eine heftige Lungenentzündung -zugezogen hatte, trat er doch, kaum genesen, noch einmal im Parlamente -auf, um die Behauptung der Sklavenhalter zu entkräften, daß die -Freilassung der Sklaven, die jetzt gefordert werde, für sie das -unausbleibliche Verderben sein würde, und wiederholte die von ihm -ausgesprochene Befürchtung, die soeben mit seinen eigenen Worten -erwähnt wurde. - -»Möge es Gott gefallen«, so schloß er, »meine Befürchtungen zu schanden -zu machen und den Ausgang günstiger zu gestalten, als ich befürchte!« - -Dies waren die letzten Worte, welche er im Parlamente über seine Sache -redete, denn die eben erst überstandene Krankheit machte es ihm zur -unbestreitbaren Gewißheit, daß er jetzt seine öffentliche Wirksamkeit -als Parlamentsredner gänzlich aufgeben müsse. Als ihn auf einer -kleinen Reise zum Besuche eines Freundes ein wiederholter Anfall der -Lungenentzündung heimsuchte, verließ er London und zog sich auf einen -stillen Landsitz zurück, um fortan seine noch übrige Lebenskraft ganz -der Schriftstellerei und seiner Familie zu widmen. - -Vergebens setzten ihm diejenigen seiner Freunde, welche seine -persönlichen Verhältnisse nicht genug kannten, zu, diesen Schritt -nicht zu thun; vergebens bot man ihm an, ihm zu einem Sitze im -Oberhause zu verhelfen, um nur ihn und seine reiche Erfahrung in den -Dingen des öffentlichen Lebens nicht ganz entbehren zu müssen: wie er -es früher als heilige Pflicht erkannt hatte, seine ganze Kraft an die -übernommene Thätigkeit zu setzen, so erkannte er es jetzt, wo diese -Kraft in sichtlicher Abnahme begriffen war, ebensowohl als heilige -Pflicht, zurückzutreten und jüngeren, rüstigeren Kräften das Feld zu -räumen. - -»Ich habe schon lange beabsichtigt«, schrieb er in sein Tagebuch am 1. -Februar 1825, »mich zurückzuziehen, sobald die Zeit dieses Parlaments -zu Ende wäre; daher ist nur zu überlegen, ob ich es jetzt thun soll, -oder am Schlusse der nächsten Sitzung. Die Frage ist also, ob eine -beschränkte Teilnahme an dieser Sitzung mir soviel Aussicht zur -Wirksamkeit gibt, um mich zu einem Verbleiben im Parlamente bis zu -dessen Ende zu berechtigen. Der Arzt scheint es nicht für notwendig -zu halten, mir die Teilnahme gänzlich zu untersagen, aber er äußerte -die Furcht, daß ich, wenn eine Krankheit eintreten sollte, nicht Kraft -genug haben würde, sie zu überstehen. Hätte ich nun keine andere Bahn -für meine Thätigkeit, so möchte es, oder vielmehr: würde es unrecht -sein, es nicht auf die Gefahr ankommen zu lassen. Aber erstens hoffe -ich, meine Feder mit Vorteil anwenden zu können, wenn ich mich in das -Privatleben zurückgezogen habe, und zweitens ist mein Leben gerade -jetzt von besonderem Werte für meine Familie. Alle meine Kinder stehen -in solchen Lebensabschnitten und Verhältnissen, welche es dem Anscheine -nach äußerst wünschenswert machen, daß ich ihnen noch erhalten werde. -Man entbehrt mich jetzt nicht sehr im Parlamente; unsere Sache hat -mächtige Verteidiger, welche ihre Stellungen eingenommen haben. Das -Beispiel eines Mannes, welcher sich zurückzieht, wenn er fühlt, daß -seine körperlichen und geistigen Kräfte schwächer werden, kann nützlich -erscheinen. Das Publikum ist so sehr daran gewöhnt, Männer einen lang -fortdauernden Sitz im Parlamente zur Erlangung eines höheren Ranges -benützen zu sehen, daß ein entgegengesetztes Beispiel um so nötiger -ist und von einem Solchen gezeigt werden muß, welcher bekennt, nach -christlichen Grundsätzen zu handeln.« - -Wie man über die Wirksamkeit dachte, welche Wilberforce im Parlamente -und auf das Parlament geübt hatte, mag folgende Stelle aus einem -Freundesbriefe zeigen: - -»Mit vielem Bedauern, obgleich, wie ich sagen kann, nicht mit -großer Verwunderung höre ich von Ihrer Absicht, sich vom Parlamente -zurückzuziehen. Es wird ein schmerzlicher Verlust für ihre zahlreichen -Freunde und für den Staat sein, aber es ist wohl ein weiser Entschluß -in Beziehung auf Sie selbst. Es muß Ihnen die Bemerkung sehr zur -Zufriedenheit gereichen, daß der sittliche Ton des Unterhauses sowohl -wie der Nation im allgemeinen viel höher ist, als da Sie zuerst in das -öffentliche Leben eintraten. Es kann kein Zweifel sein, daß Gott Sie zu -dem geehrten Werkzeuge gemacht hat, viel zu dieser großen Verbesserung -beizutragen. Es gibt, hoffe ich, einige viel versprechende junge -Männer, die auftreten werden; aber ach! jetzt keinen, welcher Ihren -Platz einnehmen könnte. Ich wollte es gäbe mehrere Elisas, auf welche -Ihr Mandat fiele (NB. man vergleiche 2. Könige 2, 13--15). Das Gebet -von Tausenden wird Ihnen in das Privatleben folgen, und das meinige -wird fortwährend darauf gerichtet sein, daß Ihr wertvolles Leben bis -zu den spätesten Zeiträumen als ein Segen für Ihre Familie, für die -Kirche Gottes und für die Welt möge erhalten bleiben!« - -Wilberforce beschloß nun, London ganz zu verlassen und kaufte sich ein -Gut, 10 Meilen nördlich von der Stadt, Highwood Hill genannt, um hier -fortan in aller Stille und Ruhe bis an das Ende seiner Tage zu leben. -Er hatte jedoch auch hier nicht in dem Maße, wie er es gehofft hatte, -völlige Freiheit, über seine Zeit zu verfügen. Dazu gab es zu viele -Freunde, von denen er sich nicht nicht ganz zurückziehen wollte, und -die ihn, auch wenn er dies gewollt hätte, ihrerseits nicht losgelassen -hätten, mit denen also ein fortgesetzter Briefwechsel unterhalten -sein wollte; dazu gab es zu viele Gelegenheiten, mit Rat und That -einzutreten, wo es sich um die Förderung des Reiches Gottes handelte, -denen er sich nicht entziehen konnte und wollte. - -So suchte er, als man in London eine Schule für höheren Unterricht -der Handwerker, also etwa eine Schule nach Art unserer heutigen -»Fortbildungsschulen«, einrichten wollte, seinen Einfluß dahin geltend -zu machen, daß ja auch der Unterricht in der Religion in den Lehrplan -aufgenommen würde, weil es unverantwortlich sei, daß man die Jugend in -dieser höchsten und wichtigsten Sache ohne Unterricht lassen wolle. - -Nicht minder bemühte er sich darum, daß an der Universität zu London, -die jetzt neu gegründet werden sollte, ein besonderer Lehrstuhl für -Vorlesungen über die Religion errichtet werde, welche jeder Student -besuchen müsse, zog aber die Unterschrift seines Namens, welche er -unter eine zu diesem Zwecke abgefaßte Bittschrift gesetzt hatte, wieder -zurück, als man den Besuch der fraglichen Vorlesungen in das Belieben -jedes einzelnen Studenten setzen wollte. - -Begreiflicherweise aber war und blieb seine ganze, volle Teilnahme nach -wie vor der Sklavensache zugewendet. Wenn es sich um diese handelte, -ließ er sich sogar bewegen, in öffentlichen Versammlungen den Vorsitz -zu führen, was er sonst überall ablehnte. Nur wollte er nichts von -»Frauen-Vereinen« zur Unterdrückung der Sklaverei hören, wie man sie -jetzt von verschiedenen Seiten her ins Leben zu rufen suchte. Sein -klares, nüchternes Urteil entschied sich dafür, daß es der Frau zwar -wohl anstehe, wenn sie im stillen für die gute Sache wirke, »aber«, -so sagte er, »wenn Frauen öffentliche Versammlungen veranstalten, -Schriften veröffentlichen, von Haus zu Haus gehen, um Bittschriften -zustande zu bringen, so sind das Beschäftigungen, die mir unpassend -erscheinen für den weiblichen Charakter, wie er uns in der heiligen -Schrift gezeichnet worden ist.« - -Trotz seiner 68 Jahre und seiner hinfälligen Gesundheit unternahm -Wilberforce im Jahre 1827 eine längere Reise in das nördliche England, -besonders durch die Grafschaft Yorkshire. Er wollte vor seinem Tode -noch einmal die Gegend besuchen, welcher er seine beste Lebenszeit und --kraft gewidmet hatte und noch einmal den vielen Freunden, die er dort -besaß, die Hand zum Abschiede drücken, auch wohl da und dort noch ein -gutes heilsames Wort anbringen. Aber er fand von vielen seiner dortigen -Freunde nur die Gräber und schrieb deshalb voll Wehmut an seine -langjährige, nun 82 Jahre alte Freundin Hannah More: »Meine Freunde -fallen täglich um mich her, die Begleiter meiner Jugend, damals weit -stärker und weit gesunder als ich, sind fort, während ich noch bleibe. -Was für eine Spanne Zeit uns auch übrig sein mag, möchten wir beide die -noch kommenden Tage zur Vorbereitung auf den letzten verwenden.« - -Und das that er seinerseits treulich während der Jahre, die er nun -in Ruhe und Gleichförmigkeit auf seinem Highwood Hill verlebte. -Nicht als ob er sich jetzt von allem geselligen Leben vollständig -zurückgezogen und jenem trüben, finsteren Geiste gänzlicher Weltflucht -sich überlassen hätte, den so viele fälschlich für die höchste Blüte -des wahren Christentums ansehen, weil sie selber noch nichts wissen -von wahrem Frieden und wahrer Freude im heiligen Geiste, die es -möglich machen, das Apostelwort zu befolgen: seid allezeit fröhlich. -Nein Wilberforce liebte auch jetzt noch ein heiteres, geselliges -Leben und fand seine Freude daran, wußte aber freilich die geselligen -Unterhaltungen auch so zu führen, daß sie für das innere Leben -jedes Teilnehmers daran förderlich werden mußten, indem er aus den -Erfahrungen seines reichen Lebens wie ein guter Haushalter altes und -neues hervorbrachte. Übrigens war seine Zeiteinteilung eine durchaus -geregelte und seine ganze Lebensweise eine durchaus einfache, seinen -Jahren angemessene. - -Bald nach 7 Uhr morgens pflegte er im Sommer wie im Winter aufzustehen, -und dann über eine Stunde auf seinem Zimmer mit Selbstbetrachtung, -Gebet und Lesen des göttlichen Wortes zuzubringen. Während er sich für -den Tag ankleidete, ließ er sich vorlesen, um ja keine Zeit für den -Geist unbenutzt zu lassen. Um halb 10 Uhr traf er mit den seinigen -zur Familienandacht zusammen. Diese selber abzuhalten, ließ er sich -nicht nehmen, auch wenn seine Gesundheit nicht die beste war. Er las -dann einen Abschnitt aus der heiligen Schrift vor, gewöhnlich aus dem -Neuen Testamente, erklärte ihn mit heiligem Ernste und mit Worten, die -vom heiligen Geiste gelehrt waren, und schärfte ihn mit wunderbarer -Beredtsamkeit ein. - -Nach dieser Andacht, die etwa eine halbe Stunde dauerte, ging er, -wenn es das Wetter irgendwie erlaubte, in den Garten, um sich an den -Schönheiten der Natur zu erfreuen und sich die dafür so empfängliche -Seele noch mehr zum Preise des Schöpfers stimmen zu lassen. Das -Frühstück pflegte er auch jetzt spät einzunehmen, wie er sich -schon längst gewöhnt hatte, um eine möglichst lange, ungestörte -Arbeitszeit vor demselben zu haben. Aber desto länger verweilte er -dann am Frühstückstische und ließ hier seine reiche, köstliche Gabe -der Unterhaltung oft so in Fluß kommen, daß es 12 Uhr wurde, ehe er -aufstand, besonders wenn er Besuch von lieben Freunden hatte, mit -welchen er sich innerlich eins wußte und über die höchsten Lebensfragen -frei und offen besprechen konnte. - -Bis 3 Uhr Nachmittags zog er sich wieder zurück, um zu studieren oder -Briefe zu schreiben, und erging sich dann bei gutem Wetter noch ein -Stündchen im Garten, am liebsten in Gesellschaft mit seinen guten -Freunden oder auch nur von seinem Vorleser, und, wenn er alleine war, -gewöhnlich ein Liedchen vor sich hinsingend, das von der freudigen -Stimmung seines Herzens Kunde gab. - -Nach der Hauptmahlzeit, welche nach englischer Sitte erst um 5 Uhr -Nachmittags, aber nie später, stattfand, legte er sich auf anderthalb -Stunden nieder, um für den Abend, welcher in England stets dem -geselligen Leben, wenn auch nur im engen Kreise der Familie gewidmet -wird, neue Kräfte zu sammeln. Zuweilen arbeitete er nach der Ruhe -noch eine Zeit lang bis zur Abendandacht, welche ebenso wie die -Morgenandacht gehalten wurde, häufiger aber begab er sich sogleich -wieder in den Kreis der Familie, wo denn der Abend oft bis nach -Mitternacht mit Vorlesen, Erzählen und Gespräch zugebracht wurde. - -Die schönste Zeit im Jahre war die Weihnachtszeit, welche stets alle -seine Kinder um ihn versammelte, und die er, sich ganz von der Arbeit -losmachend, immer im Schoße seiner Familie verbrachte. Da konnte er -mit seinen Kindern, solange sie noch klein waren, spielen wie ein -Kind; aber er ließ es auch freilich nicht daran fehlen, den schon mehr -erwachsenen Kindern ein Wegweiser zu dem zu werden, der da arm ward um -unseretwillen, auf daß wir durch seine Armut reich würden. - -Waren einmal in späteren Jahren zwischen seinen Kindern, wie das -ja wohl nirgends ganz ausbleibt, Verstimmungen und Entfremdungen -eingetreten, so wußte er dieselben mit lindem Wort und liebreicher -väterlicher Mahnung, oder noch lieber, wenn das hinreichte, mit einem -witzigen Scherze wegzuschaffen, und setzte darein einen hohen Wert -der jährlichen, weihnachtlichen Familienzusammenkünfte, daß sie die -gegenseitige Liebe und Anhänglichkeit zwischen Eltern und Kindern -sowohl, wie zwischen den Geschwistern so lieblich förderten. - -»Unsere lieben Kinder«, schreibt er einmal nach solch einem gesegneten -Familienfeste, »leben in vieler Einigkeit. Was für Grund zur -Dankbarkeit habe ich, wenn ich meine fünf Kinder, meine Schwiegertocher -und meine beiden Enkel um den Tisch versammelt sehe! Lobe den Herrn, o -meine Seele!« - -Indessen blieben diese Jahre der Ruhe und des glücklichen Stilllebens -in Highwood Hill nicht ohne jede Trübung; ja der Feierabend seines -Lebens sollte für Wilberforce nicht ohne schwere Prüfungen verlaufen, -damit er das Sehnen nach der himmlischen Heimat immer völliger in sein -Herz kommen lasse, wo kein Leid, kein Geschrei, keine Schmerzen mehr -sein sollen. - -In Highwood Hill selbst war keine Kirche, deren regelmäßiger Besuch -doch für unsern Wilberforce ein wesentlicher Bestandteil seiner -Sonntagsfeier war. Der Umstand, daß die nächste Kirche 3 Meilen weit -entfernt war, würde ihn sicherlich vom Kaufe des Gutes abgehalten -haben, wenn nicht der Bau einer neuen Kirche bereits so gut wie -beschlossene Sache gewesen wäre. Um den Bau zu beschleunigen, erklärte -sich Wilberforce gegen den Geistlichen des Kirchspiels sofort nach dem -Antritte seines Gutes bereit, die Kosten des Baus teils aus eigenen, -teils aus Mitteln, zu deren Hergabe er Freunde willig machen wolle, zu -bestreiten. Um dem Geistlichen in allen Stücken entgegen zu kommen, -ging er sogar auf dessen Wunsch ein, daß die neue Kirche nicht in -Highwood Hill selbst, sondern eine halbe englische Meile entfernt in -einem kleinen Weiler erbaut werden möge. - -Gleichwohl aber trat der Geistliche aus irgend einem unbekannten Grunde -gegen Wilberforce in Widerstreit und griff ihn öffentlich, sogar in -seinen Predigten, als einen eigennützigen, selbstsüchtigen Menschen -an, der nur seinen eigenen Vorteil, nicht aber das Wohl der Gemeinde -im Auge habe. Und wirklich, der ehrwürdige, selbstverleugnungsvolle -Greis sah sich jetzt in seinem 70ten Lebensjahre genötigt, gegen die -wider ihn geschleuderten gehässigen Verleumdungen öffentlich sich zu -verteidigen, und der Bau der Kirche verzögerte sich von Monat zu Monat. - -Tiefer und einschneidender in sein Schicksal wurde jedoch für -Wilberforce ein anderes Erlebnis. - -Wilberforce hatte sich, wie wir schon erwähnt haben, von jeher -gewöhnt, sich nur als Gottes Haushalter über das ihm anvertraute -irdische Gut zu betrachten und dasselbe deshalb in reichem, manchmal -überreichem Maße zu Werken der Wohlthätigkeit verwandt. Er war der -Ansicht, daß auch seinen Kindern mehr Segen für ihre Zukunft daraus -erwachsen würde, als wenn er bemüht wäre, das Familienvermögen zu -vermehren und tote Schätze zusammenzuhäufen. - -Nun hatte er für seinen ältesten Sohn, der sich wegen seiner schwachen -Gesundheit der Landwirtschaft gewidmet hatte, ein ansehnliches Gut -kaufen lassen und sich dabei arglos in die Hände eines Unterhändlers -gegeben, dem er volles Vertrauen glaubte schenken zu dürfen. Allein -dieser ward zum Schelm an ihm, und brachte es durch seine Betrügereien -und Kniffe dahin, daß Wilberforce einen sehr beträchtlichen Teil -seines Vermögens verlor. Der Verlust war so bedeutend, daß er sich -entschließen mußte, sein schönes Highwood Hill aufzugeben und seine -ganze bisherige Lebensweise bedeutend einzuschränken. - -Zwar erboten sich seine Freunde, als sie dies vernahmen, auf der Stelle -ihm seinen Verlust zu ersetzen und selbst ein »Westindier«, der ihn -trotz seiner Gegnerschaft in der Sklavensache persönlich hochachtete, -machte ihm dahin zielende Anerbietungen; aber Wilberforce glaubte auf -diese Anerbietungen, so wohl sie ihm auch innerlich thun mochten, nicht -eingehen zu dürfen, sondern vielmehr seine Lebensweise nach seinen -jetzigen Vermögensverhältnissen einrichten zu müssen. - -Seine innere Heiterkeit blieb übrigens dabei ganz unangetastet, ja er -pries die Vorsehung dafür, daß dieser Schlag nicht eher eingetreten -sei, als jetzt, wo alle seine Kinder soweit erzogen waren und -größtenteils schon eine gesicherte Lebensstellung hatten. - -Er beschloß, mit seiner Gattin abwechselnd, bei seinem zweiten und -dritten Sohne, die ja beide schon im Amte standen, Wohnung und -Aufenthalt zu nehmen, und, wenn er es auch bedauerte, seinen lieben -Garten aufgeben zu müssen, sowie die Möglichkeit, werte Freunde unter -seinem eigenen Dache zu beherbergen, so freute er sich doch andrerseits -sehr, nun der zarten Liebeserweisungen kindlicher Anhänglichkeit und -Dankbarkeit unausgesetzt genießen zu können. Als er sich von einem -kleinen Unwohlsein wiedererholt hatte, sagte er: »Ich kann kaum -begreifen, warum mein Leben so lange erhalten wird, es sei denn, damit -ich beweisen kann, daß ein Mensch ebenso glücklich sein kann ohne als -mit Vermögen.« - -Das Scheiden von Highwood Hill wurde aber für Wilberforce noch durch -einen harten Schlag erschwert, der ohne Zweifel die ihn am meisten -erschütternde Heimsuchung seines Greisenalters war. Es starb ihm -nämlich, als er sich eben von der lieblichen Stätte losgerissen hatte, -welche der Ruheplatz für seine letzten Lebenstage hatte werden sollen, -seine einzige noch übrige Tochter. Zwar konnte er auch von ihr mit -innigem Danke gegen Gott »eine heilige, ruhige, demütige Zuversicht zu -ihrem Heilande« rühmen, »mit der sie sich gleichsam auf den Arm ihres -Erlösers lehnte«, aber es war doch für das Vaterherz etwas unsäglich -Bitteres, noch einmal einem teuren Kinde in das frühe Grab sehen zu -müssen, und in den trauten Kreis seiner Familie, worin er sich wohl -fühlte, eine empfindliche Lücke gerissen zu sehen. - -Wie rasch sich übrigens Wilberforce in das veränderte Leben -eingewöhnte, und wie wohl es ihm dabei war, zeigt ein Brief an seinen -Freund und Schwager Stephen. »Wir befinden uns«, so schreibt er aus -dem Pfarrhause des einen Sohnes, »hier jetzt ungefähr 6 Wochen. Wie -viel mehr Ursache habe ich, mich zu freuen, als über einen Verlust -zu klagen, der einen solchen Erfolg gehabt hat! Wir sind unter das -Dach unserer teueren Kinder gekommen; wir sind Zeugen, wie sie ein -großes häusliches Glück genießen und gewissenhaft die Pflichten des -wichtigsten Berufes erfüllen.« - -Die Gebrechen des Alters stellten sich bei Wilberforce, wie er öfters -mit herzlichem Danke gegen Gott erwähnte, nur langsam ein und ohne -die schmerzhaften Leiden, die sich so oft damit verbinden. Es war -im wesentlichen nur ein größeres Bedürfnis von Ruhe, welches sie -herbeiführten und dieses Bedürfnis konnte er sich in den stillen -Pfarrhäusern seiner Söhne besser befriedigen, als es in Highwood Hill -möglich gewesen wäre, dessen nähere Lage bei London auch häufigere -Besuche seiner Freunde wie Solcher, die Rat bei ihm suchen wollten, -gebracht haben würde. Aber, wie groß auch sein Ruhebedürfnis war, er -vergaß es doch gänzlich und zeigte sich noch stets als einen sehr -unterhaltenden Gesellschafter, wenn ihn Freunde besuchten, ja konnte -noch in wahrhaft jugendliches Feuer geraten, wenn es galt, jemand, der -ihn besuchte, auf das Eine, was not ist, hinzuweisen und ihn von den -Irrtümern seines Weges zu überzeugen. - -Ebenso wurde er stets tief ergriffen und zu feuriger Begeisterung -entflammt, wenn auf die Sklavensache die Rede kam, und wenn es sich -darum handelte, die Notwendigkeit der völligen Abschaffung der -Sklaverei zu beweisen. - -Als ein Bild von ihm gemalt werden sollte, und der Maler, der ihn -nicht als den müden, altersschwachen Greis abkonterfeien wollte, -als welcher er jetzt erschien, begehrte, man möge ihm irgend eine -geistige Anregung zu verschaffen suchen, da genügte es, daß jemand die -Bemerkung fallen ließ, nach den neuesten Nachrichten würden die Sklaven -in Westindien jetzt doch weit besser als früher behandelt. Sofort -regte sich da in Wilberforce der heilige Eifer, dies aus den neuesten -Nachrichten, die er selber besaß, zu bestreiten und es entspann sich -eine so belebte Unterhaltung, daß der Maler von ihm ein Bild gewann, -wie er es haben wollte, und wie es auch sein mußte, um ihn in voller -Lebenswahrheit darzustellen. - -Als im April 1833 zu Maidstone, dem Hauptorte der Grafschaft Kent, in -der er sich gerade jetzt bei seinem Sohne in East Farleigh befand, -eine Versammlung gehalten wurde, worin eine Adresse gegen die -Sklaverei beschlossen werden sollte, ließ sich Wilberforce, obwohl er -seit zwei Jahren nicht mehr öffentlich gesprochen hatte, doch nicht -zurückhalten, die Versammlung zu besuchen und nicht allein als der -erste die zu stande gekommene Adresse zu unterschreiben, sondern auch, -obwohl nur mit schwacher Stimme für die heilige Sache zu sprechen, -deren begeisterter Vorkämpfer er so lange Jahre hindurch gewesen war. -Und wie freute er sich mit einer heiligen Freude, zu spüren, daß die -öffentliche Meinung auf dem Punkte angekommen sei, wohin sie zu führen -die letzte Anstrengung seines öffentlichen Lebens gewesen war! Denn in -der ganzen großen Versammlung war niemand, der daran gezweifelt hätte, -es müsse auf eine vollständige Beseitigung aller Sklaverei gedrungen -werden. - -Wie gerne gab er seine Zustimmung dazu, daß selbst eine Entschädigung -von 20 Millionen Pfund Sterling (= 400 Millionen Mark), welche an die -Sklavenbesitzer sollte bezahlt werden, dem Lande aufgebürdet werde. - -Wie zuversichtlich schrieb er am Anfange des neuen Jahres an einen -alten Freund und Kampfgenossen: »Ich wünsche Ihnen Glück, in ein -Jahr eingetreten zu sein, das sich, wie ich zuversichtlich hoffe, -dadurch auszeichnen wird, daß Sie sehen, wie dem mit Fluch beladenen -Sklavenhandel der letzte tötliche Schlag gegeben, und die Freilassung -der westindischen Sklaven endlich zu stande gebracht wird!« - - - - -X. - - -Hatte Wilberforce bisher schon, wenn er von dem Tode solcher vernahm, -die ihm lieb und wert gewesen waren, immer an den eigenen Tod gedacht -und sich nicht gegen die Mahnung verschlossen, die noch übrige -Lebenszeit zur Vorbereitung auf denselben zu benutzen, so mußte ihm -jetzt, wo er seine Lebenskraft von Tag zu Tage abnehmen fühlte, dieser -Gedanke noch näher treten, diese Mahnung noch wichtiger werden. - -Und es sollte jetzt auch in der That rasch mit seinem Leben zu Ende -gehen. Als der 74jährige Greis im April 1833 seinen auf der Insel Wight -angestellten Sohn besuchen wollte, wurde er von der Grippe befallen, -die ihn schon öfters heimgesucht hatte, von der er aber immer in den -heilsamen Bädern von Bath Heilung gefunden. Auch jetzt wurde er von -den besorgten Seinigen wieder dorthin gebracht und blieb dort 2 ganze -Monate. Aber die gehoffte Heilung wollte nicht eintreten. Im Gegenteile -nahmen seine Kräfte zusehends ab, sodaß die Seinigen es für geraten -hielten, ihn, ehe seine Kräfte noch weiter schwänden, nach London zu -bringen und ihn dort der Pflege eines berühmten Arztes zu übergeben, -der ihn schon einmal von der gleichen Krankheit schnell geheilt hatte. - -Wilberforce fügte sich dem Wunsche seiner Angehörigen, obwohl es ihm -selbst unzweifelhaft war, daß er keines irdischen Arztes mehr bedürfe. -Er wollte sich eben in kindlicher Demut allem unterwerfen, was nur -irgendwie als dem Willen Gottes entsprechend erschien, und dankte stets -Gott für die Gnade, daß er ihn durch kein härteres Leiden prüfe, zumal -durch kein solches, wodurch ihm die Klarheit des Geistes getrübt worden -wäre. - -Und wie klar blieb sein Geist! Ja wie gingen ihm die Geistesaugen -heller und immer heller auf, die eigene Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit -vor Gott zu erkennen, aber auch in die Fülle der Gnade Gottes in -Christo Jesu tiefe, beseligende Blicke zu thun! Immer wieder bezeugte -er, daß er nicht wert sei der Barmherzigkeit und Treue, die Gott an ihm -während seines ganzen Lebens gethan habe; immer wieder pries er mit -den höchsten, begeistertsten Worten die Gnade, die ihn das höchste und -beste habe gewinnen lassen, was es für den Menschen geben könne, den -inneren Frieden, der in der Erlösung des Sohnes Gottes so festen und -gewissen Grund habe. - -»In Rücksicht auf mich selbst«, sagte er zu einem lieben alten Freund, -der ihn auf seinem Krankenlager besuchte, und ihn auf die zukünftige -Herrlichkeit verwies, welcher er mit Zuversicht entgegensehen dürfe, -»in Rücksicht auf mich selbst habe ich nichts so sehr mit Nachdruck zu -wiederholen als die Bitte des Zöllners: Gott, sei mir Sünder gnädig.« - -»Wenn ich bedenke, wie viel arme Leute leiden ohne die -Bequemlichkeiten, welche ich habe, und die gütigen Freunde, welche um -mich sind, so bin ich ganz beschämt darüber, wie es mir so gut geht.« -Das war ein anderes seiner tief demütigen, dankerfüllten Worte. - -Auch klagte er, wie er denn sein Leben lang sich selber nie genug -gethan und sich stets für einen unnützen Knecht bekannt hatte, jetzt -besonders darüber, daß er nicht mehr mit denen, die ihm nahe getreten -seien, gebetet und sie nicht genug auf den rechten Weg gewiesen habe. - -Stets waren seine Gedanken dem Heilande zugewandt, besonders wenn er -Schmerzen hatte. In solch einer Stunde sagte er zu seinem Sohne Henry, -der an sein Krankenlager geeilt war, und dem wir all die schönen Worte -aus dem Munde des Sterbenden zu verdanken haben, die sich seinem -Gedächtnisse unauslöschlich einprägten: »Gedenke daran, daß unser -Heiland vom Himmel gekommen ist, und wenn uns ein kleiner Schmerz schon -empfindlich ist, was hat Er nicht alles erduldet! Gewiß der Gedanke an -die Leiden unseres Heilandes erregt Staunen und Verwunderung.« - -Brachten ihm die zahlreichen Freunde, welche die Parlamentssitzung -nach London zusammengeführt hatte und die es nicht versäumten, den von -ihnen allen so hoch Geehrten fleißig zu besuchen, zarte Beweise ihrer -Aufmerksamkeit und Teilnahme dar, so sagte er nachher wohl: »Wie ganz -anders würden sie mich beurteilen und ansehen, wenn sie mich wahrhaft -kennten!« - -Am Freitage, den 26. Juli ließ sich der Kranke, um den herrlichen -Sommertag zu genießen, auf seinem Stuhle ins Freie tragen; denn seine -Schwäche ließ es ihm nicht mehr zu, auf den eigenen Füßen das Zimmer zu -verlassen. Es war der Tag, an dem ein Gesetzesvorschlag wegen völliger -Abschaffung der Sklaverei zum zweiten Male im Parlamente vorkam und -auch zur Annahme gelangte. Als ihm die Nachricht davon überbracht und -mitgeteilt wurde, daß auch die großen Geldopfer, die zur Entschädigung -der Sklavenhalter für nötig erachtet wurden, kein Hindernis der Annahme -des Gesetzes geworden seien, wie jubelte da der Leidende auf, der nun, -was er als Jüngling gedacht, als Mann mit rastloser Ausdauer erstrebt -hatte, vor seinem Ende noch mit dem sehnlich erwarteten Erfolge gekrönt -sah! Mit welch inniger Dankbarkeit erhoben sich seine Blicke hinauf -zu dem wolkenlosen Himmel, und falteten sich seine Hände bei dem -Gebetsrufe: »O mein Gott, wie danke ich Dir, daß Du mich hast leben und -ein Zeuge des Tages sein lassen, an dem sich England bereit erklärt -hat, 20 Millionen Pfund für die Abschaffung der Sklaverei zu geben und -sich von dieser Schande zu befreien!« - -Wie ein stärkender Balsam schien diese Nachricht auf ihn zu wirken. -Denn er fühlte sich am Abende dieses Tages so wohl und heiter, daß man -sich schon der Hoffnung hingab; es werde doch noch möglich sein, ihn -von London wegzubringen zu einem seiner Söhne, damit er im engsten -Familienkreise seine Heimfahrt halte, an deren Nähe jetzt kaum mehr -zu zweifeln war. Mit besonderer Inbrunst nahm er an der Abendandacht -teil und freute sich der zarten Pflege und Aufmerksamkeit, die ihm alle -widmeten. - -»Was kann ein Mensch«, rief er aus, »zum Schlusse seines Lebens mehr -wünschen, als von seiner Frau und von seinen Kindern gepflegt zu -werden, welche alle in Freundlichkeit und Liebe gegen ihn wetteifern!« - -Jedoch die ungewöhnliche freudige Aufregung dieses Tages blieb nicht -ohne Rückschlag. Am späten Abende stellte sich bei dem Kranken eine -große Schwäche ein, und der folgende Tag brachte mehrere Schlaganfälle, -die sein Gedächtnis schwächten und ihm große Leiden verursachten. -Die Erklärung des Arztes, daß, wenn er diese Anfälle überlebe, noch -schwerere Leiden, ja eine Störung des Verstandes in Aussicht ständen, -mußte nun die Seinigen es als eine Gnade von Gott erbitten lassen, daß -sein Ende nicht mehr allzu ferne sein möge. - -»Ich bin in einem sehr leidenden Zustande«, klagte er am Sonntage in -einem Augenblicke, da er ganz hellen, lichten Geistes war. - -»Ja«, antwortete man ihm, »aber Sie haben ihren Fuß auf dem Felsen.« - -»Ich wage nicht«, erwiderte er, »dies so bestimmt zu behaupten, aber -ich hoffe, ich habe ihn darauf.« - -Das waren seine letzten vernehmbaren Worte, und am Montage, den 29. -Juli 1833 frühe morgens 3 Uhr hauchte er seinen letzten Seufzer aus. - -Wer dürfte zweifeln, daß mit demselben die Seele des treuen -Sklavenfreundes einging zu dem, der seines Herzens Trost und Teil war, -weil er mit seinem heiligen Versöhnungs- und Erlösungsblute aller -Sklaverei ein Ende gemacht hat, daß sie einging zu der herrlichen -Freiheit der Kinder Gottes? - -Auf 73 Jahre 11 Monate hatte Wilberforce das reich gesegnete Erdenleben -bringen dürfen, das wir aus den vorstehenden Blättern zu schildern -versucht haben; aber für alle Zeiten wird sein Gedächtnis währen -überall, wo man nach denen fragt, und um die sich bekümmert, welche in -Wahrheit Wohlthäter der Menschheit gewesen sind. - -Oder dürftest Du jetzt noch bezweifeln, lieber Leser, daß Wilberforce -in der That ein solcher gewesen ist. - -Hat er nicht durch unermüdliches Wirken demjenigen Teile der -Menschheit, welcher vorher unbeanstandet das furchtbare Joch einer -leib- und seelenmörderischen Knechtschaft getragen hatte und in der -öffentlichen Meinung mit den Tieren fast auf gleiche Stufe gestellt -gewesen war, nicht allein zur Milderung seiner Leiden geholfen, sondern -auch zur Anerkennung seiner Menschenwürde und Menschenrechte? - -Hat er nicht den übrigen Teil der Menschheit, der in seiner Verblendung -der schwarzen und farbigen Rasse ohne Bedenken jenes furchtbare -Joch der Sklaverei auferlegen zu dürfen geglaubt hatte, die Augen -aufgethan und das Gewissen geschärft, das Jahrtausende hindurch geübte -himmelschreiende Unrecht zu erkennen, und so den Fluch von ihm wenden -helfen, der aus solchem Unrecht notwendig erwachsen muß? - -Hat er nicht -- und das möchten wir als die höchste Wohlthat preisen, -die er der Menschheit erwiesen -- durch sein ganzes Leben und Wirken -es jedem, der nur sehen +will+, klar und unwiderleglich unter die -Augen gestellt, daß das wahre, lebendige Christentum die Quelle aller -Tugenden ist, und daß zumal jene Tugenden, die allein befähigen großes -für die Welt zu vollbringen, lediglich aus dieser Quelle geschöpft -werden können: Der heilige Eifer, der für das in Gottes Namen begonnene -Werk glüht, der feste Mannesmut, der vor keiner Gegnerschaft und vor -keiner Widerwärtigkeit zurückbebt, die unermüdliche Geduld, die sich -durch keine fehlgeschlagene Hoffnung beugen läßt, die hingebende -Selbstverleugnung, die von jedem Suchen des Eigenen absteht? - -Und wir freuen uns zum Schlusse noch sagen zu können, daß es -Wilberforce nicht erging, wie so manchem anderen Wohlthäter der -Menschheit vor ihm und nach ihm, daß er erst bei der dankbaren Nachwelt -die verdiente Anerkennung fand, während die kurzsichtige Mitwelt sie -ihm versagte, oder doch nicht in gebührendem Maße zollte. Nein, die -Hochachtung, die er schon zu seinen Lebzeiten selbst bei Feinden und -Gegnern gefunden hatte, sie trat sofort bei seinem Tode in das hellste -Lichte und machte sich in der ehrenvollsten Weise kund. - -Einstimmig erkannte das Parlament dem Verstorbenen die höchste Ehre -zu, die England seinen großen Männern zu erweisen pflegt, daß nämlich -sein Leichnam in der Westminsterabtei beigesetzt wurde, zur letzten -Ruhestätte geleitet von den Mitgliedern des Ober- wie des Unterhauses, -ja selbst von einem Prinzen des Königlichen Hauses und von dem -Lordkanzler, die es nicht unter ihrer Würde erachteten, bei den Trägern -des Leichentuches zu sein. - -In seiner Vaterstadt Hull, sowie in York, der Hauptstadt der so -lange von ihm vertretenen Grafschaft, wurden an seinem Begräbnistage -Gedächtnisfeierlichkeiten für Wilberforce veranstaltet, und während -ihm seine Vaterstadt später eine Denksäule errichtete, setzte die -ganze Grafschaft ihm ein Denkmal anderer Art, das aber gewiß mehr -als eine Denksäule dem Sinne und Geiste entsprach, in welchem der -Geehrte während seiner Lebenszeit gewirkt hatte, sie gründete eine -Blindenanstalt, zur Ehre seines Namens. - -Auf den westindischen Inseln aber legten die Neger, die so viel Ursache -hatten, seinen Namen zu segnen, bei der Nachricht von seinem Tode -Trauerkleider an, und eben dasselbige that die farbige Bevölkerung in -New-York. - -Und doch, was waren alle diese Ehrenbezeugungen und Verherrlichungen -des Verstorbenen gegenüber der Herrlichkeit, die der Herr im Himmel -droben bereit hielt für seinen treuen Knecht, der mit dem reichen -Pfunde, welches ihm anvertraut gewesen war, so wirksam gewuchert und im -Dienste seines himmlischen Herrn mit hingebender Liebe gewirkt hatte, -so lange es Tag für ihn war! Wie ist da gewiß wahr geworden an ihm das -schöne Wort des 116. Psalms: »Der Tod seiner Heiligen ist wert gehalten -vor dem Herrn«! Wie durfte er dort gewiß voll seliger Freude jubeln -mit den Worten desselben Psalms: »O Herr, ich bin Dein Knecht; du hast -meine Bande zerrissen.« - -Wenn aber der geneigte Leser dieses Büchleins sich gedrungen fühlt, -nicht blos den Namen Wilberforce mit Hochachtung zu nennen, so oft er -ihm auf die Zunge kommt, sondern sich auch an dem hochgeachteten Manne -ein Vorbild zu nehmen, und zwar nicht allein an dem heiligen Eifer -für alles Hohe und Heilige, der ihn durchglühte, an der hingebenden -Pflichttreue, die ihn nie ruhen ließ, an seiner rührenden Demut und -Bescheidenheit, die ihn seiner reichen Gaben, seiner gesegneten -Wirksamkeit sich niemals selbst überheben ließ, sondern auch vor -allem an dem unermüdlichen, sich selbst nie genug thuenden Dichten -und Trachten, sowohl seine eigene Seligkeit zu schaffen, als auch -Anderen auf den rechten Weg zur Seligkeit zu verhelfen, soweit dies in -Menschenkraft liegt: so ist der innigste Wunsch dessen erfüllt, der -diese Blätter geschrieben hat. - - - - -Verlag von Julius Niedner in Wiesbaden. - - -Durch alle Buchhandlungen und durch mich zu beziehen: - - -Aus der Maje. - -Erzählungen von =W. O. von Horn= (W. Oertel.) - -Vier Bände. - -Broschiert 6 Mk. 40 Pfg., eleg. u. dauerh. geb. 9 Mk. - -Jeder Band ist einzeln broschiert à 1 Mark 60 Pf., gebunden à 2 Mark -25 Pf. zu haben. - -Die große Anzahl starker Bände der »Maje, ein Volksbuch für Alt und -Jung im deutschen Vaterlande« fehlen seit einer Reihe von Jahren -gänzlich. Da nun fortwährend dieses gute deutsche Volksbuch verlangt -wird, namentlich die darin befindlichen Erzählungen von +W. O. von -Horn+ (nur darin erschienen), so hielt ich es für geboten, die -Erzählungen neu aufzulegen, und glaube damit dem deutschen Volke -einen Dienst zu erweisen. An diese Erzählungen sollen sich anreihen -Erzählungen anderer anerkannter Autoren und die besten Beiträge -naturgeschichtlichen, geographischen und geschichtlichen Inhaltes. -Meine Auswahl trifft nur das Beste und glaube ich mit vollem Rechte -sagen zu können, daß diese Auslese ein Volksbuch liefern wird, wie es -die Volkslitteratur noch nicht hat. - -Aus jeder Seite, ja aus jeder Zeile der Horn'schen Erzählungen tritt -uns eine Wärme, eine Innigkeit entgegen, wie sie nur hervorquellen kann -aus einer zur vollen Andacht gestimmten edlen Seele. +W. O. von Horn's+ -Erzählungen, fromm, innig und populär, zeichnen sich eben so sehr -durch treffende Schilderungen des Häuslichen und Landschaftlichen aus, -wie durch Wahrheit und Tiefe der Charakterzeichnungen; sie sind daher -allen Familien, in denen reine Erzählungen gesucht werden, sowie allen -Volksbibliotheken zu empfehlen. - - -Fünfter und sechster Band: Erzählungen anderer Autoren. - - Broschiert à 1 Mark 60 Pfg., elegant und dauerhaft gebunden - 2 Mark 25 Pfg. - - =Aus der Maje=, wird im Ganzen acht Bände umfassen, deren jeder - einzeln zu haben ist, und eine Bibliothek ersten Ranges für - Familien und Volksbibliotheken bilden. - - -Erzählungen - -aus dem - -Volksbuche: Die Spinnstube. - -Begonnen von =W. O. von Horn=. - - -=Erster Band= (Jahrgänge 1875--1877). - -40 Bogen. Mit 3 Stahlstichen und 90 Holzschnitten. - - -=Zweiter Band= (Jahrgänge 1878--1880). - -40 Bogen. Mit 3 Stahlstichen und 90 Holzschnitten. - - -=Dritter Band= (Jahrgänge 1881--1883). - -40 Bogen. Mit 3 Stahlstichen und 90 Holzschnitten. - -Preis des Bandes broschiert 1 Mk. 20 Pfg., elegant gebunden 1 Mk. -80 Pfg. - -Eine stets willkommene Gabe für deutsches Gemüts- und Familienleben -werden die alten Jahrgänge für Haus- und Volks-Bibliotheken gern -angeschafft. - -Ich habe mich zu obiger Ausgabe entschlossen, die in 120 Bogen 9 -Stahlstiche und 270 Holzschnitte, 23 große Erzählungen von +W. O. von -Horn+ wie von den ersten Autoren und eine große Zahl kleinere Aufsätze -enthält, daher bei dem sehr billigen Preis überall willkommen sein wird. - -=Von da ab wird die Spinnstube nur in der Höhe der Abonnentenzahl -gedruckt.= - - -Druck von +K. Schwab+ in Wiesbaden. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Kapitelnumerierung (Kapitel IV war doppelt) wurde korrigiert. - - Korrekturen: - - S. 25: zurückziehen → zurückzuziehen - in die ländliche Stille {zurückzuziehen} - - S. 50: sie → Sie - {Sie} hierbei und in allen Stücken zu stärken - - S. 76: 1789 → 1798 - in der Parlamentssitzung von {1798} keinen Fortgang. - - S. 135: Kant → Kent - East Forleigh in der Grafschaft {Kent} - - S. 136: sie → Sie - Anstrengungen, welche {Sie} mit solcher Ausdauer - - S. 140: sie → Sie - als da {Sie} zuerst in das öffentliche Leben eintraten - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of William Wilberforce, der Sklavenfreund, by -Hugo Oertel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WILLIAM WILBERFORCE *** - -***** This file should be named 54201-0.txt or 54201-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/4/2/0/54201/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: William Wilberforce, der Sklavenfreund - Ein Lebensbild, für die deutsche Jugend und das deutsche Volk gezeichnet - -Author: Hugo Oertel - -Release Date: February 19, 2017 [EBook #54201] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WILLIAM WILBERFORCE *** - - - - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> - - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.</p> - -<p>Im Original gesperrter Text ist hier <em class="gesperrt">so dargestellt</em>.</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich -<a href="#tnextra">am Ende des Buches</a>.</p> -</div> - -<div class="figcover" > -<img src="images/cover.jpg" alt="Cover" /> -</div> - -<div class="figcenter" > -<img src="images/frontispiz.jpg" alt="Wilberforce" /> -<div class="caption">Stahlstich v. Carl Mayer's Kunst-Anstalt in Nürnberg.<br /> -<span class="large">William Wilberforce.</span><br /> -Verlag von Julius Niedner in Wiesbaden.</div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<h1>William Wilberforce,<br /> -<span class="smaller">der Sklavenfreund.</span></h1> -<p class="h2"> -Ein Lebensbild,<br /> -<span class="smaller">für die deutsche Jugend und das deutsche Volk<br /> -gezeichnet</span></p> -<p class="center">von</p> -<p class="h2">Hugo Oertel.</p> -<p class="center"> -Mit vier Abbildungen.</p> -<p class="center p2"> -<b>Wiesbaden.</b><br /> -<b>Julius Niedner</b>, Verlagshandlung.<br /> -1885.</p> -<p class="center"> -<b>Philadelphia</b><br /> -bei Schäfer & Koradi.</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="center">Alle Rechte vorbehalten.</p> -<hr class="chap" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_3">[3]</a></span></p> -<h2 id="I">I.</h2> -</div> - -<p>Wir haben für den Mann, dessen Lebensbild wir auf -den nachfolgenden Blättern zeichnen wollen, da vorne auf -dem Titelblatte die nähere Bezeichnung »Der Sklavenfreund« -gewählt, und gewiß mit gutem Grunde, wie jeder, -der den Mann erst aus diesem Büchlein kennen lernt, -nach Durchlesung desselben wird zugestehen müssen.</p> - -<p>Aber ob auch jeder unserer lieben Leser weiß, was -es mit dieser Bezeichnung auf sich hat, und wie sehr dieselbe -berechtigt, denjenigen, welchem sie mit voller Wahrheit -zukommt, unter die bedeutenden Menschen zu zählen, denen -in diesem Büchlein ein ehrendes Gedächtnis gestiftet werden -soll?</p> - -<p>Was man unter <em class="gesperrt">Sklaven</em> versteht, brauchen wir ja -wohl niemandem erst weitläufig zu erklären. Jedermann -hat ohne Zweifel von jenen unglückseligen Menschen gehört, -die von anderen Menschen, ihren Brüdern, in der entsetzlichsten -Knechtschaft gehalten werden; über die von -diesen, ihren sogenannten Herren, das vollste unbeschränkteste -Eigentumsrecht in Anspruch genommen wird; die wie -das Vieh oder eine tote Ware gekauft oder verkauft werden -und meistenteils auch kaum eine bessere Behandlung wie -das Vieh erfahren.</p> - -<p>Und wer etwa schon solch ein Buch gelesen hat, wie -das wohlbekannte auch ins Deutsche übersetzte der Amerikanerin -H. Beecher-Stowe, welches den Titel führt: »Onkel -Toms Hütte«, der hat auch schon einen Einblick bekommen -in das herzzerreißende Elend, welches die Sklaverei im<span class="pagenum"><a id="Seite_4">[4]</a></span> -Gefolge hat. Und wenn er nur ein menschlich fühlendes -Herz in der Brust trägt, das sich von Jammer und Elend, -wo und wie sie ihm begegnen, rühren läßt, geschweige -denn, wenn sein Herz ein christliches ist, in welchem das -Gebot lebt: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! so -kann er nicht anders, als seine höchste Achtung Solchen -zollen, die ihre ganze Kraft einsetzen, um das Elend der -Sklaverei lindern zu helfen, ja die auf die gänzliche Abschaffung -der Sklaverei hinwirken, welche ohne Zweifel -der größte Schandfleck für die Menschheit ist, der nur -gedacht werden kann.</p> - -<p>Aber, so fragt man unwillkürlich, wie war es überhaupt -möglich, daß etwas so Entsetzliches und Schändliches -wie die Sklaverei in der Welt aufkam? Wie war -es möglich, daß sich Menschen dazu herbeilassen konnten, -andere Menschen in eine Lage zu setzen, in welcher die -Menschenwürde geradezu mit Füßen getreten ist?</p> - -<p>Auf diese Frage kann man denn aber nur die rechte -Antwort finden, wenn man erwägt, daß von Uranfang -her das Psalmwort (Psalm 10, 10) seine Wahrheit hatte: -»Der Gottlose zerschlägt und drückt nieder und stößt zu -Boden den Armen mit Gewalt«; daß von jeher der Stärkere, -weil er dazu befähigt war, sich auch berechtigt hielt, -den Schwächeren zu unterdrücken und sich dienstbar zu -machen. So war es ja, wie gesagt, von Uranfang her, -seitdem durch das Eindringen der Sünde in die Welt -und durch den dadurch hervorgerufenen Abfall der Menschenherzen -von Gott, in diesen an die Stelle der Liebe, -dieses Abglanzes des göttlichen Wesens, die Selbstsucht -getreten ist; so ist es noch heute, wo das Recht des -Stärkeren ohne Scheu als ein natürliches, unangreifbares -Menschenrecht hingestellt, und auch in den Schranken, die<span class="pagenum"><a id="Seite_5">[5]</a></span> -das Gesetz nur irgendwie zuläßt, mit der furchtbarsten -Rücksichtslosigkeit geübt wird; so wird es auch bleiben, -solange nicht das Grundgesetz des Christentums, das Gesetz -der selbstverleugnenden Liebe allenthalben zur vollen Geltung -gekommen ist, wonach der Starke seine Stärke nicht zur -Unterdrückung, sondern zum Schutze des Schwachen verwenden -soll.</p> - -<p>Die Sklaverei an und für sich ist deshalb auch fast -so alt wie das Menschengeschlecht, und jedenfalls so alt -als die Kriege in der Welt sind. Denn die ersten Sklaven -waren ohne Zweifel Kriegsgefangene, die man zum Knechtsdienste -zwang und gegen die man, weil sie Volks- oder -Stammesfeinde waren, an deren Hände das Blut der -eigenen Landsleute und Stammesgenossen klebte, ungescheut -jede Grausamkeit und Gewaltthat glaubte üben zu dürfen. -Erst allmählig mag sich dann die Sklaverei als ein dauernder, -sogar gesetzlicher Zustand herausgebildet haben, bei -welchem die Sklaven als lebende Ware betrachtet und mit -voller Rechtsgiltigkeit gekauft und verkauft wurden.</p> - -<p>Die alten Denkmäler Ägyptens mit ihren Inschriften -und Bildwerken erheben es zur unbestreitbaren Gewißheit, -daß dort im Nillande schon etwa 1600 Jahre vor Christo -die Sklaverei bestand, daß vollständige Sklavenmärkte -abgehalten wurden, ja daß schon damals Negersklaven -vorkamen, jedoch wohl nur als Kriegsgefangene, nicht aber -als Glieder der Menschenrasse, die vorzugsweise zur Sklaverei -bestimmt sei und bei der schon ihre Hautfarbe den -Bann und den Fluch der Sklaverei bedingte. Der traurige -Ruhm, diese letztere Anschauung von der Bestimmung der -schwarzen Menschenrasse zur Sklaverei aufgebracht und -diese Rasse als eine niedrige Menschenart hingestellt zu -haben, die sich vom Tiere kaum anders als durch die<span class="pagenum"><a id="Seite_6">[6]</a></span> -äußere Gestalt unterscheide, fällt leider auf die christlichen -Nationen der Neuzeit. Und, um dies hier schon einzufügen, -leider wurde sogar aus dem Worte Gottes zu -beweisen gesucht, daß die Sklaverei der Schwarzen ein -gottgewollter Zustand sei. Man mißbrauchte nämlich jenen -schweren Fluch, den Noah über die Nachkommen seines -Sohnes Ham, den man als den Stammvater der schwarzen -Rasse ansieht, aussprach, wie 1 Mos. 9, 25. 27 zu -lesen steht, als Beweisstelle dafür; man nahm also einen -menschlichen Vaterfluch, der durch eine schwere Sünde des -Sohnes hervorgerufen war, als Ausdruck eines göttlichen -Willens und begründete dadurch jene heillose Verwirrung -der Gewissen, aus der, als aus einer trüben Quelle, -all das entsetzliche Elend der Negersklaverei, all die grauenhaften -Grausamkeiten des Handels mit Schwarzen hervorfloß.</p> - -<p>Auch unter den <em class="gesperrt">Juden</em> findet sich schon in frühester -Zeit Sklaverei und Sklavenhandel. Abraham besaß eine -Menge von »Knechten«, die wohl nichts anderes, als leibeigene -Sklaven gewesen sind. Denn 1 Mos. 17, 23 -werden ausdrücklich unter diesen Knechten solche unterschieden, -die daheim im Hause geboren, und solche, die -erkauft waren. Wir haben also da schon eine durch Geburt -vererbte und ebensowohl eine durch Kauf zu stande -gekommenene Knechtschaft, und zwar in sehr ausgedehntem -Maße. Denn 1 Mos. 14, 9 werden allein 318 waffenfähige -Knechte erwähnt, die im Besitze des Erzvaters -waren.</p> - -<p>Und weist nicht der Umstand, daß Jakobs Söhne -ihren Bruder Joseph an israelitische Händler verkauften, -ebenfalls darauf hin, daß der Sklavenhandel damals schon -etwas ganz Gewöhnliches und Herkömmliches war?</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_7">[7]</a></span></p> - -<p>Allerdings scheinen die Knechte oder Sklaven damals -völlig zur Familie gehört zu haben und keineswegs als -völlig rechtlos geachtet worden zu sein. Denn sie wurden -ebenso wie die eignen Kinder und Hausgenossen durch -die Beschneidung in den Bund aufgenommen, den Gott -der Herr mit Abraham gemacht hatte (1 Mos. 14, 9) -und bei Elieser, dem treuen Knechte Abrahams, wurde -sogar das Knechtsverhältnis ein so verschwindendes, daß -Abraham, als ihm noch der eigene Sohn mangelte, -Eliesers Sohn zu seinem Erben zu machen gedachte. -(1 Mos. 15, 4.)</p> - -<p>Als Israel Gottes Volk geworden war und jedes -Glied ein Knecht Gottes, durfte kein Israelit »auf leibeigene -Weise« (3 Mos. 25, 42) verkauft werden, während -die Leibeigenschaft von Nichtjuden nach wie vor bestehen -blieb.</p> - -<p>Allerdings konnte ein Israelit nach dem Gesetze in -die Dienste eines anderen kommen, entweder wenn er selbst -sich und die Seinigen freiwillig demselben in die Dienstbarkeit -verkaufte, weil er wegen Armut seine Familie nicht -mehr durchbringen konnte, oder wenn er durch gerichtlichen -Zwangsverkauf ihm zufiel, weil er z. B. für einen -begangenen Diebstahl nicht den genügenden Ersatz leisten -konnte. Aber es waren im Gesetze Anordnungen getroffen, -welche dem in solcher Weise unfrei gewordenen die Rückkehr in -die Freiheit und Selbstständigkeit ermöglichten; und vor -allem durfte ein solcher Unfreier an Auswärtige nicht wieder -verkauft werden.</p> - -<p>Jedoch auch die heidnischen Sklaven hatten sich nach -dem mosaischen Gesetze einer im Ganzen menschlichen Behandlung -zu erfreuen. Wer einen seiner heidnischen Sklaven -bei etwaiger Züchtigung oder im Zorne tötete, wurde<span class="pagenum"><a id="Seite_8">[8]</a></span> -bestraft, wenn der Tod unmittelbar erfolgte; überlebte -dagegen der Sklave die Mißhandlung um einige Tage, -sodaß sein Tod nicht als unmittelbare Folge derselben angesehen -werden konnte, so wurde angenommen, daß der -Tod nicht absichtlich herbeigeführt worden sei, und der -Herr wurde als durch den Verlust des Sklaven genug -bestraft angesehen.</p> - -<p>Auch bei den alten <em class="gesperrt">Griechen</em> stand die Sklaverei -in voller Blüte trotz des starken Freiheitssinnes, der in -diesem Volke lebte; ja die ganze gesellschaftliche Ordnung -der Griechen forderte gewissermaßen die Unfreiheit anderer, -die Sklaverei, als notwendige Unterlage. Damit sich die -freien Staatsbürger ganz und ausschließlich dem öffentlichen -Leben und den Staatsgeschäften widmen könnten, -wie es in einer Republik nötig erschien, durfte es nicht -an Solchen fehlen, die sich lediglich den kleinlichen Geschäften -des täglichen Lebens und der Besorgung des Hauswesens -widmeten. Zu den schwereren und gröberen Arbeiten -verwendete man die Kriegsgefangenen, während die auf -den Märkten gekauften Sklaven vorzugsweise zu Hausdienern -genommen wurden. Berühmte Sklavenmärkte wurden -auf den Inseln Delos und Chios abgehalten, wohin -aus Ägypten auch Negersklaven geschickt wurden, die als -Luxus-Sklaven sehr beliebt waren und von besonderem -Reichtum des Besitzers Zeugnis gaben.</p> - -<p>Ehe der berühmte Solon seine Gesetze gab, durfte -der Gläubiger auch zahlungsunfähige Schuldner in die -Sklaverei verkaufen, und selbst Eltern war dies mit ihren -Kindern gestattet.</p> - -<p>Jedoch war bei den Griechen die Behandlung der -Sklaven im Großen und Ganzen nichts weniger als unmenschlich. -Der Herr konnte genötigt werden, einen Sklaven,<span class="pagenum"><a id="Seite_9">[9]</a></span> -den er aus Bosheit grausam behandelte, zu verkaufen, -ja er konnte selbst alle seine Rechte auf ihn verlieren. -In Athen wurde der Herr, welcher einen seiner Sklaven -getötet hatte, in die Verbannung geschickt, und die Tötung -eines fremden Sklaven wurde ebenso bestraft wie die eines -freien Mannes. Überhaupt war der Sklave bei den Griechen -nicht völlig rechtlos, konnte sogar bis zu einem gewissen -Grade eigenes Vermögen erwerben.</p> - -<p>Anders war es bei den alten <em class="gesperrt">Römern</em>, deren ganzes -Staatswesen auf Gewaltsamkeit aufgebaut war und denen -die beständig geführten Kriege zahllose Gefangene als -Sklaven zuführten. Bei ihnen galt der kriegsgefangene -Sklave nicht mehr als jede andere tote Kriegsbeute; er -war nur eine Sache, über die dem Herrn das unbeschränkteste -Eigentumsrecht zustand. Er konnte und durfte seine -Sklaven ganz willkürlich verheiraten und dann wieder von -Weib und Kind weg verkaufen, sie wegen Krankheit aussetzen, -zum Kampfe mit wilden Tieren bestimmen oder auch -selbst ungestraft töten.</p> - -<p>Rom wurde bald der bedeutendste Sklavenmarkt der -Welt, und reiche Römer hatten die Sklaven zu vielen -Hunderten. Allein dieselben wurden keineswegs blos zu -den niedersten Knechtsdiensten verwendet, sondern es gab -unter ihnen Ärzte, Schreiber, Dichter, Schriftsteller, Lehrer -und Erzieher.</p> - -<p>Erst unter den Kaisern wurde die völlige Rechtlosigkeit -der Sklaven einigermaßen beschränkt. Sie konnten -jetzt Testamentserben werden und Verträge selbständig und -rechtskräftig schließen; sie standen unter den Gesetzen des -natürlichen Rechtes, durften z. B. nicht in bestimmten Verwandtschaftsgraden -heiraten; sie konnten, wenn sie ihre -Freilassung erlangt hatten, ihre früheren Herren wegen erlittener<span class="pagenum"><a id="Seite_10">[10]</a></span> -Mißhandlungen gesetzlich belangen. Gegen das -Ende der Kaiserzeit war es für die vornehmen Römer -ein Ehrenpunkt, recht viele Freigelassene zu haben, die -zu dem Hause des Befreiers in einer gewissen Beziehung -blieben.</p> - -<p>So blühte in der ganzen alten Welt die Sklaverei, -allerdings zum größten Nachteile der Sklavenbesitzer selbst, -die sich durch die Sklaverei der freien Arbeit entwöhnten -und diese als eine Schande für den Freigeborenen ansehen -lernten, ja der Staaten selber. Man kann wohl sagen, -die alte Welt ging an der Sklaverei zu Grunde, weil sie -durch dieselbe den arbeitenden Mittelstand verlor, ohne -den kein Staatswesen auf die Dauer bestehen kann.</p> - -<p>Im Mittelalter nahm die Sklaverei die mildere Form -der »Hörigkeit« an, welche die Freiheit und das Recht -der Selbstbestimmung für die Hörigen keineswegs ganz -aufhob. Nur wo das römische Recht volle Geltung erlangte, -fand sich noch wirkliche Sklaverei der Kriegsgefangenen. -Sonst wurden die Bewohner eines eroberten -Landes nur gezwungen, den Grund und Boden zu bearbeiten -und dann an die Sieger neben persönlichen Dienstleistungen, -die bestimmt festgesetzt waren, gewisse Natural-Abgaben -von dem Ertrag des ihnen überlassenen Landes -zu entrichten.</p> - -<p>Wir haben schon oben erwähnt, daß erst die neuere -Zeit sich den traurigen Ruhm erwarb, die Negersklaverei -eingeführt und die Ansicht in Gang gebracht zu haben, -daß die Neger eigentlich gar keine rechte Menschen seien, -und daß es für die Weißen nichts Unmenschliches, sondern -etwas völlig Berechtigtes sei, sie in die Sklaverei zu -schleppen und sich ihre rohe Kraft dienstbar zu machen.</p> - -<p>Schon um's Jahr 1440 brachten die Portugiesen<span class="pagenum"><a id="Seite_11">[11]</a></span> -Negersklaven in den Handel und im Jahre 1460 bestand -in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ein öffentlicher -Markt, auf welchem Neger zum Kaufe gestellt wurden.</p> - -<p>Wie man dieselben erhielt? – Durch Raubzüge, die -man auf den Küsten Afrikas veranstaltete und auf denen -man alle Neger, deren man habhaft werden konnte, einfing -und sie in möglichst großer Zahl enge zusammengepfercht -in kleine, schnellsegelnde Schiffe packte. Ging dabei -auch ein großer Teil der Eingefangenen und vielleicht -schwer Verwundeten zu Grunde, so wurde doch noch immer -an den Überlebenden ein so großer Gewinn gemacht, daß -die Habsucht reiche Befriedigung fand und die auf solche -Raubzüge verwendeten Kosten hohe Zinsen trugen. Als -diese Raubzüge sich nicht mehr lohnten, weil die Neger, -durch Schaden klug gemacht, auf ihrer Hut waren und -sich in das Innere des Landes und seine unzugänglichen -Schlupfwinkel zurückgezogen, sobald sich ein Schiff an der -Küste blicken ließ, auch den räuberischen Weißen blutigen -Widerstand leisteten und den Tod der Gefangenschaft vorzogen, -da suchte man mit den Negerhäuptlingen Verträge -abzuschließen, welche diese verpflichteten, gegen nichtigen -Tand und geringwertige Zeuge und Geräte ihre Untergebenen -an die Weißen zu verkaufen. Wo die Überredung -dabei nicht zum Ziele führte, mußte der Branntwein -helfen, den halb oder ganz Trunkenen die Einwilligung -abzupressen.</p> - -<p>Einen besonderen Aufschwung nahm die Negersklaverei -und der grausame Handel mit den armen Schwarzen nach -der Entdeckung Amerikas zu Ende des 15. Jahrhunderts, -denn die Spanier und Portugiesen erkannten bald, daß -die eingeborenen Indianer der neuentdeckten Länder viel -zu schwächlich seien, um die reichen Schätze, welche dort<span class="pagenum"><a id="Seite_12">[12]</a></span> -der üppige Boden und der Reichtum des Erdinnern an -edlen Metallen in Aussicht stellten, in dem Maße zu heben, -wie es die Habsucht und die entflammte Geldgierde begehrten. -Für Europäer aber erwies sich das Klima als -ein zu mörderisches, als daß man hätte daran denken -dürfen, solche zu schwerer Arbeit zu verwenden. Überdies -wollten diejenigen Europäer, welche nach dem neuentdeckten -Weltteile hinüberzogen, nichts weniger als schwer arbeiten, -sondern waren nur von der Sucht getrieben, drüben, wo -man das Gold auf der Straße zu finden hoffte, recht -schnell reich zu werden und dann mit Gold beladen wieder -heimzukehren.</p> - -<p>So schien es als das beste, ja als das allein mögliche, -um die kostbaren Entdeckungen recht auszubeuten, -daß man die kräftigen, an das heißeste Klima gewöhnten -Neger nach Amerika verpflanzte. Und je mehr es sich -bewährte, daß dieselben das für die Europäer so verderbliche -Klima auch bei der schwersten Arbeit prächtig ertrugen, -desto mehr befestigte sich die Meinung und gestaltete -sich allmählig zu einem unbestreitbaren Grundsatze, -an dem niemand zu rütteln wagen durfte, daß die Neger -für die westindischen Pflanzer ganz und gar unentbehrlich -seien.</p> - -<p>Über die Frage, ob es recht sei, sie gewaltsam zu -rauben und in die Ferne zu schleppen, setzte sich die gewissenlose -Habsucht und Goldgierde leicht hinweg, oder, -wo noch ein Gewissen sich regte, sie zu erheben, da mußte -jene Stelle der heiligen Schrift (1. Mos. 9, 25, 27) -über alle Bedenken hinweghelfen, durch die man den Beweis -erbracht sah, daß die Nachkommen Kanaans, als die -man die Schwarzen betrachtete, nach göttlicher Ordnung<span class="pagenum"><a id="Seite_13">[13]</a></span> -für alle Zeiten bestimmt seien, den Fluch der Knechtschaft -zu tragen.</p> - -<p>Die Wildheit der eingeführten Neger, die nur mit -Zähneknirschen das aufgelegte Joch trugen, ihre für die -Bewohner gebildeter Länder abschreckende Rohheit, ihre -von derjenigen der Weißen so sehr abweichende Gesichtsbildung, -alles dies brachte nun weiter leicht die Behauptung -zur allgemeinen Geltung, die Schwarzen seien eigentlich -nur Halbmenschen, welche nicht viel über dem Tiere -ständen, und in bezug auf welche deshalb auch die wirklichen -Menschen, die Weißen, das Gottesgebot für sich in -Anspruch nehmen dürften, daß sie sich die Erde unterthan -machen und über alle ihre Geschöpfe herrschen sollten. -Das allein reichte freilich schon hin, für die Negersklaven -von seiten ihrer Herren eine Behandlung herbeizuführen, -die bei ihnen durchaus keine Menschenwürde mehr gelten -ließ. Aber diese üble Behandlung mußte sich notwendigerweise -noch steigern, wenn es galt, die Neger zur Arbeit -anzuhalten, und das Kapital, welches man auf ihren Ankauf -verwandt hatte, und welches noch fort und fort ihre -Unterhaltung erforderte, mit möglichst hohem Gewinn aus -ihrer Arbeit herauszupressen. Denn da konnte nur der -härteste Zwang die angeborene Trägheit der Neger überwinden, -und nur der furchtbaren Peitsche aus Nashornhaut, -die schonungslos die nackten Schultern zerfleischte, konnte -es gelingen, jede leiseste Regung der Wut und des Widerstandes -gegen die unbarmherzigen Peiniger im Keime schon -zu ersticken.</p> - -<p>Daß solche Wut dennoch bei den leidenschaftlichen, -heißblütigen Schwarzen gelegentlich zum Ausbruche kam -und sich dann in Grausamkeiten gegen die verhaßten Peiniger -entlud, welche jeder Beschreibung spotten, konnte<span class="pagenum"><a id="Seite_14">[14]</a></span> -natürlich die Behandlung der Neger nicht besser machen -und wurde nur als Beweis dafür geltend gemacht, daß -ihnen gegenüber nur die furchtbarste Härte am Platze und -im stande sei, die Weißen davor zu schützen, daß sie nicht -von der überlegenen Körperkraft der Neger zermalmt -würden, zumal da, wo, wie auf einsam gelegenen Pflanzungen, -die Weißen in einer ganz verschwindenden Minderzahl -ständen.</p> - -<p>Wie allgemein verbreitet und wie fest gegründet die -Ansicht von der Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit der -Negersklaverei und des Negerhandels im Anfange des 16. -Jahrhunderts war, beweist wohl nichts besser als der Umstand, -daß selbst der edle Las Casas, der treue Freund und -unermüdliche Schützer der amerikanischen Indianer, die -Negersklaverei nicht für unchristlich ansah, wenn es auch -durchaus falsch ist, daß er seinen Indianern zu Liebe -selbst die Negersklaverei eingeführt oder doch wesentlich -gefördert habe. Erst gegen Ende seines Lebens ging ihm -in betreff der Negersklaverei eine richtigere Erkenntnis auf -und eine tiefe Reue darüber, daß er die Negereinfuhr gebilligt -habe.</p> - -<p>Wir haben schon erwähnt, daß bereits ums Jahr 1460 -in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon ein förmlicher -Markt für Negersklaven bestand. Die Portugiesen blieben -auch fortan die Hauptsklavenhändler, während die Spanier -für sich selbst bald den Sklavenhandel einstellten und sich -durch Verträge mit anderen Nationen die für ihre westindischen -Besitzungen nötigen Sklaven verschafften. So übernahm -es im Jahre 1715 England vertragsmäßig, den -Spaniern ihre Sklaven zu liefern und bedingte sich sogar -das Recht aus, ihnen 144000 Neger in die Sklaverei zu -verkaufen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_15">[15]</a></span></p> - -<p>Denn nachdem im Jahre 1525 die ersten Negersklaven -in England gelandet und verkauft waren, blühte dort der -Sklavenhandel, an dem die öffentliche Meinung nicht den -geringsten Anstoß nahm, rasch auf, begünstigt selbst von -den Königen, die von den Sklavenhändlern hohe Abgaben -erhoben.</p> - -<p>Von 1750 bis 1783 wurden etwa 30000 Neger jährlich -unter englischer Flagge in die Sklaverei geführt, -besonders von Liverpool aus, das zum Hauptstapelplatze -des Negerhandels wurde. Im Jahre 1771 hatte diese -Stadt 105 Schiffe, die sich lediglich mit dem Sklavenhandel -befaßten und eigens dafür eingerichtet waren, -während London nur 85, Bristol nur 25 solcher Schiffe -hatte. Während man den Menschenverlust, den Afrika -durch den Negerhandel erlitt, auf 40 Millionen Menschen -schätzt, berechnet man den Gewinn, welchen England aus -diesem Handel zog, auf 400 Millionen Dollars, also über -1600 Millionen Mark!</p> - -<p>Indessen gaben sich auch noch andere Nationen, wenn -auch in geringerem Maße, mit dem Negerhandel ab. Denn -es war ein holländisches Schiff, welches im Jahre 1620 -die ersten Sklaven in Nordamerika landete, und zwar zu -Jamestown in Virginien und so den Grund legte zu der -bedeutenden Negereinfuhr, die nun auch dort, besonders -in den südlichen Staaten, in den Gang kam und nachweisbar -von 1620 bis 1740 etwa 130000, von da bis -1776 etwa 300000 Neger in die nordamerikanischen Staaten -brachte.</p> - -<p>Die Ansichten über die Notwendigkeit und Rechtmäßigkeit -des Sklavenhandels, die sich in Europa gebildet hatten, -verpflanzten sich, von Eigennutz und Gewinnsucht getragen, -rasch dorthin und gewannen so festen Grund in der öffentlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_16">[16]</a></span> -Meinung, daß selbst die strenge Sekte der Quäker -in Pennsylvanien die Sklaverei an sich nicht, sondern nur -die dabei vorkommenden Gräuel mißbilligte. Allein die -in diesen Staat eingewanderten Deutschen protestierten -von vornherein gegen die Sklaverei als gegen etwas unsittliches -und besonders unchristliches und verlangten schon -im Jahre 1688 bei der Volksvertretung die unbedingte -Abschaffung derselben. Sie verschafften dadurch dem deutschen -Namen den unvergänglichen Ruhm, zuerst gegen die grauenhaften -Zustände der Negersklaverei öffentlich aufgetreten -zu sein. Ehre jenen unerschrockenen Männern, die es -wagten, gegen die gegenteilige öffentliche Meinung ihre -bessere Überzeugung tapfer zu vertreten!</p> - -<p>Allerdings fehlte es auch schon früher nicht an Einzelnen, -welche sich wider die Sklaverei erhoben; aber es -handelte sich dann stets um weiße Sklaven. So kaufte -schon im 6. Jahrhundert der Bischof von Rom, Gregor -der Große, britannische Jünglinge, welche in römische -Kriegsgefangenschaft geraten und in Rom zum Verkaufe -gestellt waren, los, unterwies sie sorgfältig im Christentum -und ließ sie dann als Freie in ihre ferne Heimat -zurückbringen, daß sie dort das Christentum ausbreiteten.</p> - -<p>Im Jahre 1270 schlossen England und Frankreich -einen heiligen Bund, der zum Zwecke hatte, die Raubstaaten -an der nordafrikanischen Küste, die sogenannten -Barbareskenstaaten Algier, Tunis und Tripolis, zu züchtigen, -welche die durch Seeraub erlangten Schiffer oder -Küstenbewohner des mittelländischen Meeres als Sklaven -zu verkaufen pflegten, und setzten ihre Bemühungen auch -später noch fort, ohne jedoch den Sklavenhandel dieser -Raubstaaten ganz unterdrücken zu können. Erst in den -dreißiger Jahren unseres Jahrhunderts wurde diesem<span class="pagenum"><a id="Seite_17">[17]</a></span> -schmählichen Handel durch die Eroberung und Kolonisation -Algiers von seiten der Franzosen ein Ende gemacht.</p> - -<p>Gegen den Negerhandel jedoch erhob sich die öffentliche -Meinung erst zu Ende des 17. und zu Anfang des 18. -Jahrhunderts, und zwar besonders infolge der eifrigen -Bemühungen der englischen Quäkersekte und ihrer Führer -G. Fox und W. Penn. Als es ihnen gelungen war, -durch Wort und Schrift die Gewissen aufzuwecken, begann -in England der Kampf gegen die Sklaverei -und nahm nun von Jahr zu Jahr größeren Umfang -an, wie sehr auch die westindischen Sklavenhalter und die -englischen Sklavenhändler alles aufboten, denselben lahm -zu legen. Und man muß es den Engländern lassen, -daß sie die schwere Schuld, die sie den armen Schwarzen -gegenüber auf sich geladen hatten durch den von ihnen -getriebenen und geduldeten Negerhandel, redlich abzuzahlen -bemüht gewesen sind und noch immer sich bemühen. Denn -sie sind es, die mit schweren Kosten für den Staat an -den afrikanischen Küsten beständig Wachtschiffe kreuzen -lassen, um den Sklavenhändlern ihre Beute abzujagen, -und wenn der Kommandant des englischen Geschwaders, -welches diesen edlen Zweck zur Ausführung bringen soll, -noch im Jahre 1880 an der Ostküste Afrikas 60 Sklavenschiffe -weggenommen und 855 Negern wieder zur Freiheit -verholfen hat, so beweist das ebensowohl, daß der -Sklavenhandel noch heute keineswegs völlig unterdrückt ist, -wie auch das, daß England nach wie vor beharrlich und -redlich bemüht ist, den Schandfleck abzuwaschen, den der -Sklavenhandel auf den englischen Namen gebracht hat.</p> - -<p>Auch die nachfolgenden Blätter sollen den lieben Lesern -einen englischen Mann vorführen, der zu seiner Zeit ein -Hauptförderer dieser Bemühungen gewesen ist, und der<span class="pagenum"><a id="Seite_18">[18]</a></span> -deshalb nicht blos den Namen des »Sklavenfreundes« mit -vollem Fug und Rechte verdient, sondern ebensosehr es -verdient, daß sein Andenken von jedermann in hohen -Ehren gehalten wird.</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="II">II.</h2> -</div> - -<p><em class="gesperrt">William Wilberforce</em> – so heißt der Ehrenmann, -um den es sich handelt – wurde geboren am 24. -August des Jahres 1759 zu Hull in der Grafschaft York, -und zwar als der einzige Sohn unter vier Kindern, von -denen zwei Schwestern schon in früher Kindheit wieder -verstarben. Sein Vater Robert Wilberforce leitete seine -Abkunft von einer alten, vornehmen Familie her, die -lange Zeit hindurch im östlichen Teile der Grafschaft York -ein ausgedehntes Stammgut besessen habe, war aber jedenfalls -ein nach unseren Begriffen reicher, nach englischen -Begriffen wohlhabender Mann. In Gemeinschaft mit seinem -Vater, der bis in sein Alter hinein das entscheidende -Familienhaupt geblieben zu sein scheint, betrieb er ein -ausgedehntes Handelsgeschäft und verwaltete den großen -Landbesitz, den die Familie hatte.</p> - -<p>Der kleine William kam als feines, krausgliedriges -Kind zur Welt und hat die Körperschwachheit, mit welcher -er ins Leben eintrat, bis zu seinem Lebensende nicht völlig -zu überwinden vermocht. Aber wer ihm in die hellen, geistvollen -Augen sah, konnte ihm schon an der Wiege prophezeien, -daß einmal etwas Rechtes aus ihm werden würde. Zum -Knabenalter herangewachsen, entwickelte er trotz seines -schwächlichen Körpers eine ungemeine Lebhaftigkeit und -ein reiches, tiefes Gemütsleben, das ihn schnell zum Liebling<span class="pagenum"><a id="Seite_19">[19]</a></span> -aller machte. Außergewöhnlich frühe entfaltete er -eine große Redefertigkeit, wie sie Kindern seines Alters -in der Regel nicht eigen ist und erinnert damit an das -allbekannte Sprüchlein: Was ein Dörnchen werden will, -spitzt sich bei Zeiten.</p> - -<p>Noch ehe er das zehnte Lebensjahr erreicht hatte, verlor -er seinen Vater, und da die Mutter sich wohl selbst -nicht für fähig hielt, den lebhaften Knaben richtig zu erziehen, -wurde er zu einem Oheim von väterlicher Seite -gebracht, der mit ihm denselben Namen hatte, vielleicht -also sein Pate war.</p> - -<p>Hier im Hause des Oheims fand er denn, was ihm -weder die Schule zu Hull, die er bis jetzt besucht hatte, -noch auch das Elternhaus gegeben: einen echt christlichen, -frommen Geist. Die Tante gehörte der Sekte der Methodisten -an, und wie sie selbst eine warme, aufrichtige Liebe -zu Gottes Wort und eine tiefe Erkenntnis seiner heiligen -Wahrheiten besaß, so suchte sie beides auch dem jungen -Neffen einzupflanzen. Schien doch dessen reiches, tiefes -Gemüt so recht dazu geeignet, die göttliche Wahrheit freudig -in sich aufzunehmen und nachhaltig in sich wirken zu -lassen. Was die eigne Mutter, die erst spät zum lebendigen -Christentum kam, an dem sinnigen Knaben versäumt -hatte, suchte die Tante desto eifriger nachzuholen und gewann -durch die liebreiche Art ihrer erziehlichen Einwirkung -einen nachhaltigen Einfluß auf Williams Gemüt.</p> - -<p>Allein das still ernste, fromme Wesen, welches dadurch -bei dem Knaben einkehrte und sich bei seinen gelegentlichen -Besuchen im Elternhause deutlich genug kundgab, war -keineswegs weder nach dem Sinn der Mutter noch des -Großvaters, der ebensowenig wie diese für ein ernstes -Christentum viel übrig hatte. Man befürchtete, die fromme<span class="pagenum"><a id="Seite_20">[20]</a></span> -Tante werde den Jungen ganz zu ihrem Methodismus -und zu dessen Weltflüchtigkeit herüberziehen, und ihn dadurch -zu der hohen, glänzenden Lebensstellung untüchtig -machen, zu der ihn seine reichen Geistesgaben einmal -führen zu müssen schienen.</p> - -<p>William wurde deshalb schon wieder 1771 nach Hull -ins Elternhaus zurückgerufen und sowohl die Mutter wie -der Großvater boten alles auf, die frommen Eindrücke -wieder zu verwischen, die er bei der Tante empfangen -hatte. Der Großvater drohte ihm sogar damit, ihn enterben -zu wollen, wenn er das häßliche methodistische Wesen -nicht ablege. Da die Mutter ein reiches geselliges Leben -liebte und das Haus selten von Gästen leer war, so konnte -es kaum ausbleiben, daß der lebhafte zwölfjährige Knabe -seine bisherigen Lebensgewohnheiten bald vergaß und mehr -und mehr an den Zerstreuungen und Genüssen eines weltlichen -geselligen Lebens Geschmack gewann. Die eifrige -Beschäftigung mit dem Worte Gottes, die ihm die Tante -beim Abschied noch besonders auf das Gewissen gebunden -hatte, nahm von Tag zu Tag mehr bei ihm ab, und bald -ergötzten ihn die weltlichen Dichter Englands, die man -ihm geflissentlich in die Hände spielte, mehr als die einfachen -kunstlosen Worte des heiligen Buches.</p> - -<p>Aber trotzdem konnte der gute Same, den die fromme -Tante in das kindliche Herz ausgestreut hatte, nicht ganz -erstickt werden. Ein ernster Sinn, der durch das zerstreuende -gesellschaftliche Leben wohl für Tage und Wochen -in den Hintergrund geschoben werden konnte, aber dennoch -sich immer wieder geltend machte, wenn in der häuslichen -Geselligkeit größere Ruhepausen eintraten, blieb der unverlierbare -Gewinn des Aufenthalts im Hause des Oheims. -Und wenn derselbe auch an der Beschäftigung mit den<span class="pagenum"><a id="Seite_21">[21]</a></span> -weltlichen Dichtern, die für den Knaben einen hohen Reiz -besaß, einen gefährlichen Feind hatte, so gewann doch -William durch diese Beschäftigung die außergewöhnlich -große Fertigkeit im mündlichen und schriftlichen Ausdrucke, -welche ihm in seinem späteren Leben so sehr zu statten -kam. Durfte er es doch wagen, schon als 15jähriger -Knabe einen Aufsatz gegen den Sklavenhandel, dessen -Gräuel schon jetzt sein mitleidiges Herz schaudern machten, -an den Herausgeber einer öffentlichen Zeitschrift einzusenden, -ohne daß derselbe als ein knabenhaftes Machwerk -eine Zurückweisung erfahren hätte!</p> - -<p>Schon mit 17 Jahren war der reichbegabte William -in seinen Kenntnissen so weit gefördert, daß er für den -Besuch des St. Johns College auf der Universität Cambridge -für reif erachtet werden konnte und dasselbe auch -wirklich bezog, um den Kreis seiner Kenntnisse noch mehr -zu erweitern und sich jene allgemeine Geistesbildung zu -erwerben, die zur Erlangung einer geachteten Lebensstellung -unerläßlich war. Denn von einem besonderen Lebensberuf, -zu dem er sich hätte vorbereiten müssen, war einstweilen -keine Rede bei ihm.</p> - -<p>Allein es sollte mit seinem Studieren vorläufig nicht -viel werden. Denn kaum hatte er die Universität bezogen, -so starben rasch hinter einander sowohl sein Großvater -als auch sein Oheim. Als der einzige männliche Sproß -der Familie erbte William nach dem englischen Gesetze -das ganze väterliche und großväterliche Vermögen, und -da der Oheim keine Kinder hatte, so fiel ihm auch dessen -bedeutendes Vermögen zu. So saß denn der Jüngling -plötzlich dem Überflusse im Schoß und sah sich all den -mannigfaltigen Versuchungen ausgesetzt, welche derselbe im -Gefolge hat.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_22">[22]</a></span></p> - -<p>Bald sammelten sich um den reichen Erben eine Schar -leichtfertiger Gesellen, die ihm helfen wollten, seine Schätze -in einem ausschweifenden Leben zu vergeuden und die sich -so diese Schätze selbst zu nutze zu machen suchten. Allein -wie sie sich auch an ihn drängten, es gelang ihnen nicht, -ihn in den Kot ihrer gemeinen niedrigen Genüsse hineinzuziehen; -der gute Geist, den ihm die fromme Tante eingeprägt -hatte, verleugnete sich nicht, sondern wurde ihm -Schirm und Schild, sodaß er sich schon nach kurzer Zeit -mit Ekel von der schlechten Gesellschaft abwandte.</p> - -<p>Er suchte besseren Umgang und fand ihn auch. Denn -seine vortreffliche Unterhaltungsgabe, sein schlagfertiger, -treffender Witz, sein schöner Gesang, seine allerdings nicht -unbedenkliche Kunst, andere Menschen in ihrem Gebahren -täuschend nachzuahmen, vor allen Dingen aber sein liebenswürdiges, -gemütvolles Wesen: das waren lauter Vorzüge, -die schnell einen weiten Kreis von Freunden um -ihn sammelten und ihn zum geschätzten und geliebten -Mittelpunkte desselben machten. Mit ernstem Studieren -wurde es da freilich nicht viel, da William bei allen -Vergnügungen seiner jugendlichen Freunde zugegen sein -mußte und von ihnen, wenn er sich auch einmal zurückhalten -wollte, mit freundlicher Gewaltsamkeit zur Teilnahme -genötigt wurde.</p> - -<p>Wenn er auch in seinem späteren Leben es oft bedauern -mußte, seine Lernzeit mehr den Vergnügungen als den -Studien gewidmet zu haben, und den eifrigsten Fleiß -aufzuwenden genötigt war, um das in der Jugend Versäumte -wieder nachzuholen, so fand er doch auch in dem -Strudel der Geselligkeit, dem er sich überließ, manche -wertvolle Bekanntschaft, die ihm sonst vielleicht entgangen -wäre. So schloß er mit dem nachmals so berühmt gewordene<span class="pagenum"><a id="Seite_23">[23]</a></span> -Staatsmann Pitt schon hier auf der Universität einen -Freundschaftsbund, der nachher für das ganze Leben vorhielt -und ihm nicht blos für das studentische Leben einen -gewissen Halt gab und ihn den Ernst des Lebens nicht -ganz vergessen ließ, sondern ihm auch für die Folgezeit -von großem Vorteile war.</p> - -<p>Wie wenig das freie lustige Studentenleben vermocht -hatte, ihn völlig um den Lebensernst zu bringen, zu welchem -durch den Einfluß der Tante ein so guter Grund gelegt -worden war, zeigte sich auch bei seinem Abgange von der -Universität. Da sollte er, um den Grad und Titel zu -erlangen, der in der Regel den Abgehenden beigelegt -wurde, die Glaubensartikel der englischen Staatskirche unterschreiben -und sich durch seine Unterschrift zur Annahme derselben -verpflichten. Aber weil es um seine genaue Bekanntschaft -mit diesen Artikeln etwas bedenklich aussehen -mochte, verbot es ihm seine Gewissenhaftigkeit und Ehrlichkeit, -dieselben so leichtfertig und gedankenlos zu unterschreiben. -Er verweigerte deshalb seine Unterschrift und -mußte sichs gefallen lassen, ohne einen Grad und Titel -die Universität zu verlassen.</p> - -<p>Am nächsten hätte es wohl jetzt für unsren Wilberforce -gelegen, in das von seinem Vater und Großvater geführte -Handelsgeschäft einzutreten, welches nach deren Tode ein -Verwandter für seine Rechnung weiter geführt hatte. Nicht -blos, daß ihm dadurch eine ruhige, bequeme Lebensaufgabe -zu teil geworden wäre, nein es winkte ihm auch -dabei eine behagliche und doch ehrenvolle Lebensstellung.</p> - -<p>Aber sein lebhafter, strebsamer Geist konnte sich an -einer solchen Aufgabe und Stellung nicht genügen lassen; -es lockte ihn vielmehr, statt in die ruhige Stille des Privatlebens -in die geräuschvolle Unruhe des öffentlichen Lebens<span class="pagenum"><a id="Seite_24">[24]</a></span> -einzutreten. An diesem Entschlusse war ohne Zweifel der -nahe Umgang mit seinem Universitätsfreund Pitt wesentlich -schuld, der schon von Haus aus für den Staatsdienst -und die Geschäfte des öffentlichen Lebens bestimmt gewesen -war und dem es dann auch offenbar gelungen -war, dafür dem Freunde Geschmack beizubringen.</p> - -<p>Wilberforce löste das großväterliche Handelsgeschäft, -das er nicht in seinem Namen fortführen lassen mochte, -ganz auf und bewarb sich in seiner Vaterstadt Hull um -die Ehre, deren Vertreter in dem Hause der Abgeordneten -des Volkes, in dem sogenannten Parlamente zu werden. -Um sich dazu tüchtig zu machen, nahm er, nachdem er sich -zur Wahl angemeldet hatte, seinen Wohnsitz in London, -und wohnte regelmäßig den Sitzungen des Parlaments -bei, dessen Verhandlungen er mit der gespanntesten Aufmerksamkeit -folgte. Daß er durch seinen Freund Pitt, mit -welchem er dort wieder zusammentraf, nur noch in seinem -Vorsatze befestigt wurde, die öffentliche Laufbahn eines -Parlamentsmitgliedes zu betreten, ist leicht zu denken.</p> - -<p>Aber hieß es nicht zuviel erwarten, wenn Wilberforce -annahm, seine Mitbürger würden ihn, der jetzt erst 21 -Jahre zählte, wirklich zu ihrem Vertreter im Parlament -wählen? Das mochte er sich wohl manchmal selber fragen -und konnte dann gewiß diese Frage im Blicke auf seine -Jugend und Unerfahrenheit nicht anders als bejahen. Allein -gleichwohl ging sein sehnlicher Wunsch in Erfüllung und -im Jahre 1780 wurde er wirklich zum Parlamentsmitgliede -für Hull erwählt.</p> - -<p>Zeugt dies laut für die großen Hoffnungen, die seine -Landsleute auf den jungen Mann setzten, so zeugt es hinwiederum -auch dafür, wie wenig er sich der hohen, kaum -erwarteten Ehre, die ihm durch seine Wahl zu teil geworden<span class="pagenum"><a id="Seite_25">[25]</a></span> -war, überhob und sich dadurch stolz und hochmütig -machen ließ, daß er trotz seiner großen Redefertigkeit -in der ersten Parlamentssitzung, die er mitmachte, seinen -Mund nicht aufthat, sondern nur in aller Demut und -Bescheidenheit auf die Reden anderer lauschte und außer -den Sitzungen den größten Fleiß aufwandte, sich über -jede Sache, die zur Verhandlung kam, vorher auf das -genaueste und sorgfältigste zu unterrichten. Dabei kam -ihm denn sein heller, klarer Geist trefflich zu statten -und befähigte ihn, über jede vorkommende Sache eine feste -durch keinen fremden Einfluß bestimmte Meinung zu gewinnen, -und sich so die Selbstständigkeit in seinen Urteilen -zu retten, die ihn sein ganzes Leben hindurch nicht verließ -und die ihn, wenn sie ihn auch oft genug mit seinen -besten Freunden in Widerspruch brachte, doch in keinen -Widerstreit mit seinem eigenen Gewissen kommen ließ.</p> - -<p>Und nur von seinem Gewissen sich leiten zu lassen, -wurde jetzt, wo er unter dem Ernste des Lebens den leichten -Jugendsinn mehr und mehr ablegen lernte, sein fester, -unumstößlicher Grundsatz, von dem er sich gelobte, niemals -auch nur einen Fingerbreit abzuweichen.</p> - -<p>So war es denn auch vorzugsweise die Stimme seines -Gewissens, welche ihn trieb, sofort, nachdem die Parlamentssitzung -geendigt war, London zu verlassen und sich -in die ländliche Stille <span id="corr025">zurückzuziehen</span>. Denn je sorgfältiger -er auf diese Stimme achtete, desto lauter rief ihm dieselbe -zu, daß das geräuschvolle öffentliche Leben in der -großen Stadt tausendfältige Versuchungen bereite, das -innere geistliche Leben zu vernachlässigen und unter den -unaufhörlichen Zerstreuungen des gesellschaftlichen Lebens -einer unwürdigen, verderblichen inneren Zerfahrenheit zu -verfallen. Und doch fing er jetzt, wie ein Brief an seine<span class="pagenum"><a id="Seite_26">[26]</a></span> -Schwester deutlich zeigt, an, einzusehen, daß das innere -Leben nicht vernachlässigt werden dürfe, wenn man an -wahrem Werte täglich zunehmen wolle, daß dasselbe aber -nicht wachsen und gedeihen könne ohne ernste Sammlung -des Herzens zu gewissenhafter Selbstbetrachtung.</p> - -<p>So lockend es auch für Wilberforce sein mochte, mit -seinem Freunde Pitt und den vielen anderen Männern -des Parlaments, deren Wohlwollen er sich bereits durch -seine liebenswürdige Persönlichkeit gewonnen hatte, zusammenzubleiben -und in ihrem Kreise die Parlamentsferien -angenehm zu verleben, er folgte doch der mahnenden -Stimme seines Gewissens und entfloh den Zerstreuungen -und Genüssen des Londoner Lebens.</p> - -<p>An den Ufern des Winandersees in der Grafschaft -Westmoreland mietete er sich einen schönen Landsitz und -brachte dort in ungestörter Stille den Sommer zu, sich -nur an den harmlosen Genüssen des Landlebens genügen -lassend, für deren erfrischende Wirkung er einen starken -Sinn und eine besondere Vorliebe hatte.</p> - -<p>Äußerlich und innerlich gestärkt kehrte er zu Anfang -des Winters nach London zurück, wohin ihn die beginnende -Parlamentssitzung rief. In dieser seiner zweiten Sitzung -überwand er aber die jugendliche Scheu, die ihn während -der ersten hatte schweigen lassen, und trat zum erstenmale -als öffentlicher Redner auf. Aber wie staunte alles den -jungen Mann an, der so glänzend und schlagfertig zu -reden wußte! Von allen Seiten wurde er nach seiner -ersten Rede beglückwünscht und es fehlte nicht an solchen, -die es als ganz zweifellos hinstellten, daß ein solcher Redner -mit der Zeit zu der Würde eines Mitgliedes des -Oberhauses erhoben werden müsse.</p> - -<p>Allein der bescheidene Wilberforce geizte durchaus nicht<span class="pagenum"><a id="Seite_27">[27]</a></span> -nach solcher Ehre und Würde und wies lachend die Propheten -zurück, die ihm eine so glänzende Zukunft verhießen. -Er begehrte nichts weiter, als ein tüchtiger Vertreter -seiner Wähler im Parlamente zu werden und verband -sich sogar mit mehreren seiner Freunde im Unterhause -dazu, niemals die Würde eines Mitglieds des Oberhauses, -niemals auch eine Stelle oder ein Gehalt anzunehmen, -um nicht die edle Unabhängigkeit und Selbständigkeit, -die sie jetzt besaßen, zu verlieren. Er ist auch -zeitlebens diesem Entschlusse treu geblieben.</p> - -<p>Als sein Freund Pitt im Jahre 1782 ins Ministerium -kam, wahrte er selbst diesem gegenüber seine volle Unabhängigkeit, -die sich durch keine Rücksichten beirren ließ. -Er unterstützte ihn mit seinen Reden nur insoweit, als -dessen Ansichten mit seinen eigenen völlig übereinstimmten; -wo dies nicht der Fall war, wurde er ihm ein entschiedener -Gegner trotz aller Freundschaft, die ihn mit ihm -verband. Und für Pitt war dies kein Grund, den Freund -fallen zu lassen. Im Gegenteile, er achtete Wilberforce -deshalb um so höher und schloß sich ihm immer enger an. -Fast täglich sahen sich die beiden Freunde und wurden -sich nachgerade fast unentbehrlich, da sie beide in der von -Witz und Laune gewürzten Unterhaltung, die sie mit -einander führten, nach den anstrengenden Berufsarbeiten -des Tages die beste Erfrischung fanden.</p> - -<p>Auch wenn die Sitzungen des Parlaments zu Ende -waren, trennten sie sich nicht immer, sondern vereinigten -sich zu gemeinschaftlichen Reisen, oder Pitt überraschte den -Freund auf seinem stillen Landsitz am Winandersee und -blieb dort längere oder kürzere Zeit, einmal sogar ganze -4 Monate lang.</p> - -<p>Da kamen denn auch wohl ernstere Unterhaltungen<span class="pagenum"><a id="Seite_28">[28]</a></span> -auf die Bahn, zu denen besonders Wilberforce jetzt mehr -und mehr hinzuneigen begann, und infolge deren sich dann -Pitt, der dem Christentum und der Religion überhaupt -sehr kühl gegenüberstand, wohl überreden ließ, mit dem -Freunde die Kirche zu besuchen.</p> - -<p>Im Herbste des Jahres 1783 machten die beiden -Freunde eine gemeinsame Reise nach Frankreich und suchten -und fanden dort nicht blos Gelegenheit, mit den bedeutendsten -Männern Frankreichs bekannt zu werden, sondern -fanden auch Zutritt an den königlichen Hof. Ihr Aufenthalt -dauerte jedoch nur 6 Wochen, weil sich für Pitt die -Aussicht eröffnete, daheim das Haupt eines neuen Ministeriums -zu werden, und er deshalb seine Rückkehr beschleunigen -mußte. Wirklich wurde er auch gegen Ende des -Jahres von dem Könige zu diesem hohen Posten berufen -und hatte es seinem Freunde Wilberforce zu danken, daß -die zahlreichen Gegner, die seine Wahl zu hintertreiben -suchten, nichts ausrichten konnten.</p> - -<p>Die meisten dieser Gegner gehörten nämlich der Grafschaft -York an und waren Wilberforce zum größten Teile -bekannt, sodaß er hoffen konnte, eine Einwirkung auf sie -ausüben zu können. Er eilte deshalb sogleich in seine -heimische Grafschaft und kam gerade zurecht, um einer -Versammlung beiwohnen zu können, worin eine Bittschrift -an den König gegen Pitt beschlossen werden sollte. Er -ergriff darin das Wort und trat so feurig und kräftig -für seinen Freund ein, daß alles dem gewaltigen Redner -zujauchzte und selbst die erbittertsten Gegner Pitts nicht -mehr wagten, gegen diesen den Mund aufzuthun.</p> - -<p>Und was war der weitere Erfolg dieser Rede? Der -einmütige Beschluß der Versammlung, den Redner als -Vertreter der ganzen Grafschaft ins Parlament zu schicken,<span class="pagenum"><a id="Seite_29">[29]</a></span> -ein Beschluß, der denn auch trotz aller Anstrengungen einer -Gegenpartei bei den nächsten Wahlen zur Ausführung gebracht -wurde.</p> - -<p>Damit hatte Wilberforce, der ja, um selbständig zu -zu bleiben, weder ein Amt noch einen Sitz im Oberhause -jemals annehmen wollte, die höchste Ehrenstufe erreicht, -die bei solchem Vorsatze für ihn zugänglich war und war -nun als Vertreter der größten Grafschaft Englands noch -weit mehr als bisher im stande, seinem Freunde Pitt -eine kräftige Unterstützung angedeihen zu lassen, wo er -derselben benötigt war und wo es Wilberforce mit seiner -gewissenhaften Überzeugung vereinigen konnte.</p> - -<p>Im Herbste des Jahres 1784 machte Wilberforce in -Gemeinschaft mit seiner Mutter und seiner Schwester eine -Reise nach Nizza und Italien, die nach Gottes Rat für -die Gestaltung seines inneren Lebens eine sehr bedeutungsvolle -Wendung herbeiführen sollte.</p> - -<p>Bisher hatte es nämlich Wilberforce trotz der Mahnungen -seines Gewissens, trotz des je und dann mit Macht -bei ihm hervorbrechenden Gefühles, daß es um sein inneres -Leben nicht so stehe, wie es sollte, noch nicht über sich -gewinnen können, mit seinem Christentum rechten vollen -Ernst zu machen und ungescheut den Weg zu betreten, -den ihn seine fromme Tante als den alleinigen Weg des -Heils hatte kennen lehren. Das öffentliche Leben mit den -großen Anforderungen, die es an sein Sinnen und Denken -stellte, die Zerstreuungen des geselligen Lebens, denen er -sich in London nicht entziehen konnte und mochte, hatten -immer wieder die ernsten Vorsätze zu Schanden gemacht, -die er wohl in seiner ländlichen Einsamkeit gefaßt hatte. -Damit sollte es jetzt anders werden.</p> - -<p>Mutter und Schwester brachten zwar in dieser Hinsicht<span class="pagenum"><a id="Seite_30">[30]</a></span> -keine Änderung zuwege, da beide selber noch nicht -weit mit ihrem Christentum vorangekommen waren und -deshalb keinen anregenden Einfluß auf ihn ausüben konnten. -Wohl aber geschah dies durch den Begleiter, den sich Wilberforce -auf die italienische Reise mitnahm. Das war der -nachmalige Professor an der Universität zu Cambridge -Isaak Milner, ein wahrhaft frommer Mann, der freilich -sein von jeder Einseitigkeit und Engherzigkeit freies -Christentum nicht äußerlich zur Schau trug, sondern im -Äußeren eher das Gepräge eines Weltmannes an sich -hatte, aber doch von der Wahrheit und Göttlichkeit des -Christentums nicht allein auf das Innigste überzeugt war, -sondern auch schon etwas an seinem Herzen erfahren hatte. -Ihn, der ein alter Freund seines Hauses war, hatte -Wilberforce gebeten, die Reise nach Italien mitzumachen, -und sollte nun die Gewährung dieser Bitte zu einer Quelle -reichen Segens für sich werden sehen.</p> - -<p>Schon vor der Abreise war es zwischen ihm und -Milner zu einer sehr ernsten Unterredung gekommen, die -für Wilberforce einen kräftigen Stachel in seinem Herzen -zurückließ. Milner hatte nämlich einen Mann, von dem -Wilberforce behauptete, daß er die Anforderungen an ein -echt christliches Leben zu hoch spanne, mit großer Kraft -und Wärme verteidigt und dadurch bewiesen, daß er -dieselben Anforderungen an einen rechten Christen stelle. -Da war denn in Wilberforce das Gewissen mit aller -Macht rege geworden und hatte ihm bezeugt, daß er selbst -noch weit davon entfernt sei, diesen Anforderungen zu -genügen, und daß deshalb sein Christentum noch kein -rechtes sei. Den Stachel, den dieses Zeugnis seines Gewissens -bei ihm zurückließ, konnte er nicht wieder los -werden und brachte sowohl auf der Reise selbst, wie auch<span class="pagenum"><a id="Seite_31">[31]</a></span> -während des mehrwöchentlichen Aufenthaltes in Nizza, in -allen Gesprächen mit Milner die christlichen Wahrheiten -und die christlichen Pflichten immer wieder zur Besprechung. -Was die Belehrungen des frommen Milner dann -bei ihm angeregt hatten, ein ernstes Verlangen, mit seinem -Christentum endlich einmal wirklichen vollen Ernst zu -machen, das wurde noch durch ein gutes Buch bestärkt, -welches Wilberforce zu Nizza in die Hände fiel und -welches den »Anfang und Fortgang der wahren Gottseligkeit« -zum Gegenstande hatte.</p> - -<p>Dieses Buch machte auf den angeregten Mann einen -solchen Eindruck, daß er es fast nicht aus den Händen -legte und als er anfangs des Jahres 1785 mit Milner -nach England zurückreiste, während seine Mutter und -seine Schwester noch in Nizza blieben, selbst während -der Reise darin studierte und mit Milner das Gelesene -besprach. Wie dieser ihm ernstlich anriet, machte -er es sich nun zum heiligen Vorsatze, die Wahrheit des -Gelesenen und Besprochenen selbst an der heiligen Schrift -und ihren Aussprüchen zu prüfen und dem bisher nur zu -sehr vernachlässigten heiligen Buche wieder die gebührende -Aufmerksamkeit zuzuwenden.</p> - -<p>Über diesen Vorsatz kam er freilich vor der Hand noch -nicht hinaus, denn bald hatten wieder die Parlamentsgeschäfte, -sowie das zerstreuende Londoner Leben sein ganzes -Sinnen und Denken, sowie seine ganze Zeit so in Anspruch -genommen, daß es mit dem eifrigen Forschen im -Worte Gottes nicht viel wurde.</p> - -<p>Erst auf der zweiten Reise nach Italien, die er nach -Beendigung der Parlamentssitzungen mit Milner antrat, -um Mutter und Schwester von Genua abzuholen, wohin -dieselben inzwischen übergesiedelt waren, kam es wirklich<span class="pagenum"><a id="Seite_32">[32]</a></span> -zu einem solchen ernsten, eifrigen Suchen in der Schrift. -Wilberforce hatte ein neues Testament in der griechischen -Grundsprache mitgenommen und las dasselbe unterwegs -gemeinschaftlich mit seinem Begleiter. Und diesem wurde -es nun gegeben, die Tiefen des Schriftwortes für Wilberforce -so zu erschließen, daß die göttliche Wahrheit -diesem zur festesten, innigsten Überzeugung wurde.</p> - -<p>Die Rückreise von Genua wurde durch die Schweiz -gemacht, und Wilberforce lernte bei einem längeren Aufenthalte -in Zürich den frommen Lavater kennen, dessen tief -und fest gegründeter Schriftglaube, dessen durch die innigste -Frömmigkeit geweihte Persönlichkeit einen unverwischbaren -mächtigen Eindruck auf ihn machten und ihm recht lebendig -unter die Augen stellten, wieviel ihm selber noch zu -einem rechten Christen fehle.</p> - -<p>Nichtsdestoweniger kam es aber bei Wilberforce noch -nicht sogleich zu einem ernsten Versuche, solchem Vorbilde -nachzueifern. Vielmehr ließ der sechswöchentliche Aufenthalt -in dem Badeorte Spaa, welcher auf der Heimreise -den Rhein hinab besucht wurde, noch nicht die mindeste -Spur davon sehen, daß Wilberforce auch nur daran denke, -den weltlichen Genüssen und Vergnügungen zu entsagen -und den Weg eines ernsten, im Lichte des Wortes Gottes -geführten Lebens zu betreten. Gleichwohl begann hier aber -in ihm der innere Kampf zwischen seinem laut und immer -lauter mahnenden christlichen Gewissen und den Neigungen -seines natürlichen Menschen.</p> - -<div class="figcenter" > -<img src="images/ill_32.jpg" alt="" /> -</div> - -<p>Der Gedanke, daß er plötzlich von der Welt abgerufen -werden könne, ohne in rechter Weise für das Heil seiner -Seele gesorgt zu haben, ergriff ihn mit Macht, das Bewußtsein, -bisher von seinen Gaben und von seiner Zeit -nicht den rechten gottgewollten Gebrauch gemacht zu haben,<span class="pagenum"><a id="Seite_33">[33]</a></span> -legte sich wie ein Zentnerstein auf seine Seele, und unter -solchen beängstigenden Gedanken lernte er fühlen und ahnen, -welch einen festen, starken Trost es gewähren müsse, wenn -man die Verheißungen des Evangelii so recht voll und -ganz mit dem Glauben ergriffen habe. Das trieb ihn -denn zum Suchen in der Schrift und zum herzlichen Gebete -um den wahren Glauben.</p> - -<p>Vor seiner Reisegesellschaft verschloß er jedoch noch -ganz den schweren Kampf, der in seinem Herzen begonnen -hatte; er wollte ihn in der Kraft seines Gottes und Heilandes -allein durchkämpfen, und sein demütiger, keuscher -Sinn hielt ihn ab, davon den andern gegenüber etwas -merken zu lassen. Nur dem Tagebuche, das er jetzt regelmäßig -zu führen anfing und das für uns die reichste und -klarste Quelle ist, die rechte Erkenntnis und das volle Verständnis -seiner inneren, geistlichen Entwickelung daraus -zu schöpfen, vertraute er an, was außer ihm und seinem -Gotte niemand wissen sollte. Wir sehen daraus, welch -eifriges Ringen seiner Seele er sichs kosten ließ, in Christo, -dem Heilande, Friede zu finden, und wie er auch allmählich -durch Gottes Gnade fand, was er suchte.</p> - -<p>Besonders gesegnet wurde für ihn die freie Zeit, welche -er nach seiner Heimkehr im November noch hatte, bis die -neue Parlamentssitzung begann, die in den Februar des -nächsten Jahres fiel und ihn natürlich wieder nötigte, in -das unruhige öffentliche Leben zurückzukehren. Er brachte -diese Zeit zu Wimbledon in der Nähe von London zu, -wo er sich eine Wohnung mietete, die es ihm möglich -machte, ohne allzugroße Unbequemlichkeit zu den Parlamentssitzungen -zu fahren, und doch auch die Stille der -Einsamkeit zu haben, so oft er sich deren bedürftig fühlte. -Hier widmete er sich ganz dem Nachdenken über sich selbst<span class="pagenum"><a id="Seite_34">[34]</a></span> -und der ernstesten, eifrigsten Beschäftigung mit dem Worte -Gottes und anderen religiösen Büchern.</p> - -<p>Jetzt schwand auch allmählich die Scheu bei ihm, mit -dem, was sein Herz erfüllte, an die Öffentlichkeit zu treten; -er wurde ein eifriger Besucher der Kirche und richtete in -seinem eigenen Hause einen regelmäßigen, täglichen Hausgottesdienst -ein, dem alle seine Diener anwohnten und -den er selbst leitete. Nur zum Tische des Herrn wagte -er noch nicht zu gehen, weil er dazu noch zu unwürdig -zu sein glaubte, und es noch nicht gelernt hatte, sich ganz -und ohne Rückhalt der Gnade des Heilandes zu übergeben. -Die Briefe an seine Schwester aus dieser Zeit -sind voll von den herzlichsten Bitten, sich ernstlich der Beschäftigung -mit dem Worte Gottes hinzugeben; es drängte -ihn nun, wo er für sich selbst die Quelle des Heils und -des Friedens gefunden hatte, zu derselben auch diejenigen -hinzuweisen, die seinem Herzen nahestanden.</p> - -<p>Große Überwindung kostete es ihn allerdings noch, -auch seinen bisherigen Freunden kund werden zu lassen, -welche innerliche Veränderung mit ihm vorgegangen war. -Denn von den wenigsten derselben konnte er ein rechtes -Verständnis für das, was sein Herz bewegte, erwarten, -wohl aber desto mehr Spott und höhnisches Achselzucken. -Allein die Erwägung, daß er ungestörter seinen Grundsätzen -nach würde leben können, wenn er dieselben frei und -rückhaltlos habe kund werden lassen, öffnete ihm den -widerstrebenden Mund zum frischen, fröhlichen Bekenntnisse. -Der gefürchtete Spott blieb nun freilich wohl aus, -weil Wilberforce sich in zu hohem Maße die Achtung -seiner Freunde erworben hatte, als daß man ihn hätte -verspotten können; aber niemand begriff die mit dem -Freunde vorgegangene Umwandlung. Man begriff am<span class="pagenum"><a id="Seite_35">[35]</a></span> -wenigsten bei ihm, der bisher als ein Muster von Sittenreinheit -gegolten hatte, die demütigen Selbstanklagen wegen -seiner Sünden; man schüttelte wohl im stillen den Kopf -über ihn, ließ ihn aber sonst ruhig gehen und nahm am -wenigsten von seiner Sinnesänderung Veranlassung, sich -einmal auf den Zustand des eigenen Herzens zu besinnen.</p> - -<p>Dies war auch bei seinem Freunde Pitt der Fall, der -natürlich zu den Ersten gehörte, dem er sein Inneres erschloß. -Stand auch der große Staatsmann dem wahren -Christentum keineswegs feindlich gegenüber, sondern schätzte -es hoch, wo es ihm als ein aufrichtiges, lebenskräftiges -entgegentrat, er war doch von seinen staatsmännischen -Geschäften und Sorgen zu sehr erfüllt, von seinen Arbeiten -zu sehr in Anspruch genommen, als daß er sich durch die -inständigen Bitten, womit ihn Wilberforce bestürmte, hätte -bewegen lassen, auch für die Sorge um sein Seelenheil -Zeit und Kraft zu erübrigen.</p> - -<p>Je weniger Verständnis und Entgegenkommen aber -Wilberforce bei seinen bisherigen Parlamentsfreunden -fand, desto mehr neigten sich ihm die Herzen aller derer -zu, die selber schon ernste Christen geworden waren, oder -es doch werden wollten, und die natürlich den reich begabten, -schon so angesehenen jungen Mann mit Freuden -als einen der ihrigen begrüßten. Sie nahmen sich seiner -in Liebe an, teilten ihm mit, was sie selbst schon an -inneren geistlichen Erfahrungen gesammelt hatten, und bewahrten -ihn dadurch vor den Verirrungen, in welche Neubekehrte -so leicht geraten, wenn ihnen brüderliche Leitung -und Handreichung mangelt. Besonders waren es ein hochgeachteter -Geistlicher Namens Newton und ein alter Verwandter, -John Thornton, deren herzlicher Teilnahme und -liebevoller Leitung er sich zu erfreuen hatte und die ihm<span class="pagenum"><a id="Seite_36">[36]</a></span> -vor allen Dingen den guten Rat erteilten, vorsichtig zu -sein im Anknüpfen neuer Bekanntschaften und Freundschaften -und sich nicht zu leicht von den alten Freunden -abzuwenden, sondern sich nur im Verkehre mit ihnen der -sorgfältigsten Wachsamkeit zu befleißigen.</p> - -<p>Das Letztere wurde Wilberforce nun freilich schwer -genug, und er mußte sich oft von seinem Gewissen anklagen -lassen; aber er kannte ja nun die Quelle, -aus welcher er immer wieder Beruhigung und Trost -schöpfen konnte, sowie auch immer neue und wachsende -Kraft zum Wachen und Beten, und die immer reichlicher -für ihn zu fließen begann, als er erst gelernt hatte, das -Vertrauen auf eigenes Verdienst und eigene Würdigkeit -aufzugeben, das ihn bisher von dem Genusse des heiligen -Abendmahls ferne gehalten hatte.</p> - -<p>Wir glaubten, ehe wir zur Schilderung der eigentlichen -Lebensarbeit unseres Helden übergingen, zuerst, wie -es im Vorstehenden versucht ist, seiner inneren Entwickelung -etwas genauer nachgehen zu müssen. Denn wenn -er nicht durch Gottes Gnade das geworden wäre, was -wir bisher ihn haben werden sehen, ein entschiedener, -glaubensfester und liebeseifriger Christ, so würde er sicher -nicht der edle, mutige, aufopfernde Menschenfreund geworden -sein, dessen Name nie vergessen werden wird und -darf, wo diejenigen aufgezählt werden, die sich in besonderem -Maße um die Menschheit verdient gemacht haben.</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="III">III.</h2> -</div> - -<p>Das wahre, lebendige Christentum, dem sich Wilberforce -zugewandt hatte, hinderte ihn nicht, die Pflichten<span class="pagenum"><a id="Seite_37">[37]</a></span> -eines Parlamentsmitgliedes mit voller Treue und Hingebung -zu erfüllen. Das wäre ja auch gewiß kein wahres -Christentum, welches zur Erfüllung des irdischen Lebensberufs, -darein man von Gott gesetzt ist, untüchtig machte. -Und Wilberforce sah seine Wirksamkeit im Parlamente -in der That als den Beruf an, den ihm Gott der Herr -angewiesen habe, und hat sich dabei auch sicherlich nicht -getäuscht.</p> - -<p>An den Sitzungen des Parlamentes im Jahre 1786 -konnte er allerdings nur wenig Anteil nehmen wegen -eines bösen Augenleidens, das ihn befiel. Er hatte sich -durch eifriges Studieren, womit er die Lücken in seiner -Universitätsbildung auszufüllen suchte, welche er jetzt oft -empfindlich fühlte, die ohnehin schwachen Augen gründlich -verdorben und mußte es sich auf den Rat eines ihm befreundeten -Arztes zu Leeds gefallen lassen, den Spätherbst -und einen Teil des Winters in dem Badeorte Bath -zuzubringen.</p> - -<p>Ehe er sich dorthin begab, brachte er 14 Tage bei -seiner Mutter und Schwester in Hull zu, welche er beide -seit der italienischen Reise nicht mehr gesehen hatte. -Hier gelang es ihm denn, die Besorgnisse der Mutter -völlig zu beschwichtigen, denen sie sich hingegeben hatte, -als das Gerücht zu ihr drang, ihr Sohn habe sich der -Sekte der Methodisten angeschlossen. Wilberforce hatte -sie freilich schon brieflich einigermaßen beruhigt und ihr -versichert, daß er nach keiner menschlichen Lehre frage, -sondern nur die heilige Schrift zur Richtschnur seiner -Gedanken und Handlungen nehmen und sich nur von deren -Vorschriften bei der Erfüllung der ihm obliegenden Pflichten -auf dem Platze, den ihm die Vorsehung angewiesen -habe, leiten lassen wolle. Allein die mütterliche Befürchtung,<span class="pagenum"><a id="Seite_38">[38]</a></span> -der Sohn möge gleichwohl auf allerlei Thorheiten -und Ueberspanntheiten verfallen sein, schwand erst gänzlich, -als sie ihn persönlich wieder sah. Denn nun erkannte -die Mutter, daß die ganze Veränderung, die mit dem -Sohne vorgegangen war, nur in einer größeren Freundlichkeit -und inneren Ruhe bestand, als er früher gehabt -hatte, und in einem noch viel liebevolleren, bescheideneren -und achtungsreicheren Benehmen gegen sie selbst, als er -es schon früher bewiesen.</p> - -<p>Solch eine Veränderung konnte ihr natürlich nur wohlgefallen -und sie veranlassen, das eigene Herz mehr aufzuschließen -für eine Religion, welche im stande war, wenn -es ernst mit ihr genommen wurde, solch gesegnete Veränderung -hervorzubringen. Die ernsten religiösen Gespräche, -welche der Sohn jetzt mit besonderer Vorliebe in -Gang zu bringen suchte, ließ sie sich willig gefallen und -gewann dadurch allmählig selbst einen tieferen Einblick in -die tröstlichen Wahrheiten des Christentums, als sie ihn -bisher gehabt hatte. Sie stimmte jetzt völlig in das Wort -einer Freundin ein, der sie ihre Besorgnisse wegen der mit -William vorgegangenen Sinnesänderung vertraut haben -mochte, und die, nachdem sie diesen persönlich kennen gelernt -und in bezug auf die ihm schuld gegebene Thorheit beobachtet -hatte, voll Begeisterung ausrief: »Wenn das Thorheit -ist, so möchte ich wünschen, daß wir alle so thöricht würden!«</p> - -<p>Das gesellige Leben, welches Wilberforce in dem -Badeorte Bath in vollen Strömen umrauschte, konnte ihn -jetzt in seinem ernsten Sinnen und Streben nicht mehr -beirren; er schrieb vielmehr als Regel und Richtschnur -für seinen Verkehr mit den Badegästen die schönen Worte -in sein Tagebuch: »Wandle in Liebe! wo du auch bist, -sei auf deiner Hut, eingedenk daß dein Handeln und<span class="pagenum"><a id="Seite_39">[39]</a></span> -Reden Einfluß haben kann auf das Gemüt derer, mit -denen du zusammenkommst, indem sie mehr oder weniger -geneigt werden, christliche Grundsätze aufzunehmen und -ein christliches Leben zu führen!«</p> - -<p>An den Parlamentssitzungen des Jahres 1787 konnte -Wilberforce wieder vollen Anteil nehmen und war mit -Eröffnung der Sitzungen wieder pünktlich auf seinem -Platze, nach wie vor ein treuer Unterstützer seines Freundes -Pitt, mit dessen staatsmännischem Handeln er sich nur -selten im Widerspruche fand.</p> - -<p>Was ihn aber jetzt, wo ihm die Augen für einen -rechten Christenwandel geöffnet waren, besonders bewegte, -war die vollendete Gleichgültigkeit gegen alles Heilige und -Göttliche, die ihm sonst bei seiner Umgebung begegnete -und vor allem die traurige Sittenlosigkeit, die er überall -bei Hoch und Niedrig wahrnahm. Es war ihm unmöglich, -dabei gleichgültig zu bleiben und es drängte ihn, -seinerseits etwas zu thun, daß es besser werde.</p> - -<p>Mit ein paar gleichgesinnten Freunden faßte er den -Plan, einen »Verein zur Schwächung und Entmutigung -des Lasters« zu gründen und ging mit Feuereifer an die -Ausführung desselben. Er ließ sich dabei von der gewiß -richtigen Ansicht leiten, daß es der wirksamste Weg sei -größere Verbrechen zu verhindern, wenn man die kleineren -mit allem Ernste strafe und den allgemeinen Geist der -Zügellosigkeit, die Quelle aller Laster, zu unterdrücken -suche; denn wenn auch durch die Einwirkung auf die -äußere Handlungsweise die Herzen der Menschen nicht -geändert werden könnten, so würden sie doch dadurch geweckt -und aufgeregt.</p> - -<p>Zunächst erwirkte er einen Königlichen Aufruf an die -Statthalter der englischen Grafschaften, worin dieselben<span class="pagenum"><a id="Seite_40">[40]</a></span> -angewiesen wurden, die bestehenden Gesetze gegen Entheiligung -des Sonntags, gegen Trunksucht und gegen die -Verbreitung unsittlicher Schriften genau und strenge zu -handhaben. Er mußte sich dabei freilich sagen, daß damit -nicht viel gewonnen würde, wenn nicht überall die einflußreichsten -Männer sich dazu verständen, persönlich gegen -die herrschende Sittenlosigkeit anzugehen und selbst mit -ihrem eigenen guten Vorbilde den niederen Ständen voranzugehen.</p> - -<p>Er machte sich deshalb, sobald die Parlamentssitzungen -geschlossen waren, auf die Reise, um in erster Linie alle -Bischöfe, dann aber auch andere angesehene Männer für -die heilige Sache, die ihm auf dem Herzen lag, zu gewinnen, -und seinem heiligen Ernste, seiner liebenswürdigen -Persönlichkeit gelang es auch, nicht nur sämtliche -Bischöfe, sondern auch einen großen Teil der Mitglieder -des Ober- wie des Unterhauses zum Eintritt in seinen -Verein zu bewegen, welcher dann während einer ganzen -Reihe von Jahren eine reich gesegnete Thätigkeit entfaltete.</p> - -<p>Aber diese Reise und die rastlose Arbeit, die er sich -auf derselben zumutete, hatte einen überaus ungünstigen -Einfluß auf seine Gesundheit gehabt, und sollte er für -die nächste Parlamentssitzung wieder recht bei Kräften sein, -so mußte er wieder die Bäder von Bath gebrauchen, die -ihm schon einmal so sehr wohl gethan hatten. Er gewann -denn dort auch wirklich die gesuchte Kräftigung und überdies -eine ihm sehr wichtige und wertvolle Bekanntschaft, -die mit der bekannten Schriftstellerin und frommen Freundin -der Jugend Hannah More, mit welcher er von da -ab zeitlebens in naher Verbindung und noch näherer -Geistesgemeinschaft blieb.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_41">[41]</a></span></p> - -<p>Um diese Zeit fing aber auch Wilberforce an, -<em class="gesperrt">die</em> Arbeit ernstlich und nachhaltig in Angriff zu nehmen, -die fortan für ihn die wichtigste, ja so recht eigentlich -seine Lebensarbeit werden sollte, und die ihm in ganz -besonderem Maße die Hochachtung jedes edlen Menschen -und einen unvergänglichen Platz in den Büchern der -Geschichte erwarb, die Arbeit zu der Aufhebung des Sklavenhandels -und zu der völligen Sklavenbefreiung.</p> - -<p>Wir haben bereits gehört, wie Wilberforce schon in -seinem 15. Lebensjahre dem Sklavenhandel seine herzlichste -Teilnahme zugewandt und sogar einen kleinen -Aufsatz über denselben geschrieben hatte, ohne Zweifel -dadurch veranlaßt, daß er in seiner Vaterstadt Hull mit -eigenen Augen ein Sklavenschiff gesehen hatte, und durch -die grausame Behandlung der armen Sklaven im tiefsten -Herzensgrunde ergriffen worden war. Was damals seine -ungeübte Feder in Bewegung gesetzt hatte, konnte wohl -für eine Zeitlang in den Hintergrund seines Herzens gedrängt, -aber nicht ganz aus demselben verwischt werden. -Das beweisen seine uns aufbewahrt gebliebenen Briefe, -aus denen hervorgeht, daß er im Jahre 1781 einem Freunde -welcher die westindische Insel Antigua besuchte, den Auftrag -gab, sich über den Zustand der dortigen Sklaven -genaue Kunde zu verschaffen, weil er, Wilberforce, beabsichtige, -zu gelegener Zeit auf die Linderung der Leiden -der unglücklichen Schwarzen hinzuarbeiten.</p> - -<p>Diese edle Absicht wurde bei Wilberforce wieder bestärkt -und gefördert, vielleicht auch erst wieder neu angeregt durch -eine Preisschrift über die Sklaverei, die im Jahre 1785 -erschien und die einen jungen Mann, Thomas Clarkson, -zum Verfasser hatte, welcher in dem nun beginnenden Kampfe -gegen die Sklaverei ebenfalls einen bedeutenden Namen<span class="pagenum"><a id="Seite_42">[42]</a></span> -gewann. Aber was jetzt Wilberforce seine frühere Absicht -wieder aufnehmen und nicht wieder aufgeben ließ, das war -sein durch die christliche Erkenntnis, welche er gewonnen -hatte, geschärftes Gewissen. Der Kampf gegen die Sklaverei -wurde ihm nun in der That Gewissenssache.</p> - -<p>Aber es galt, in diesem Kampfe mit großer Vorsicht -vorzugehen, wenn nicht von vorne herein alles verdorben -werden sollte. Denn noch war die öffentliche Meinung so -ziemlich ganz auf seiten des Sklavenhandels, und die Besitzer -der 105 Schiffe, die schon im Jahre 1771 allein von -Liverpool aus diesen schändlichen Handel betrieben hatten, -und deren Zahl bei der Einträglichkeit dieses Handels -wohl nicht gefallen, sondern eher gestiegen war, unterließen -gewiß nichts, die ersten Spuren eines Gegensatzes und -eines feindlichen Auftretens gegen ihr Geschäft sofort mit -aller Macht zu unterdrücken. Man mußte jedenfalls gesicherte -und nicht abzuleugnende thatsächliche Beweise für -die bei dem Sklavenhandel vorkommenden Grausamkeiten -haben, wenn man mit einiger Aussicht auf Erfolg es -auch nur unternehmen wollte, die öffentliche Meinung -umzustimmen und gegen den Sklavenhandel ins Feld zu -führen. Denn nur gegen diesen, nicht aber gegen die -Sklaverei überhaupt durfte man vorläufig den Kampf -eröffnen.</p> - -<p>Nachdem sich Wilberforce der Teilnahme und Unterstützung -seines Freundes Pitt bei dem zu eröffnenden -Kampfe versichert hatte, trat er in eine Gesellschaft ein, -welche sich unter dem Vorsitze des Rechtsgelehrten Granville -Sharpe gebildet hatte, zu dem Zwecke, sichere Erkundigungen -einzuziehen, durch welche es möglich wäre, -den öffentlichen Unwillen gegen den Sklavenhandel wachzurufen, -und zu diesem Zwecke die nötigen Kosten aufzubringen.<span class="pagenum"><a id="Seite_43">[43]</a></span> -Denn diese Erkundigungen sollten nicht blos -diesseits des Ozeans in England selbst gesammelt werden, -wo sich ja Gelegenheit genug dazu bot, nein auch wie es -drüben in Westindien um die eingeführten Neger stand, -sollte in sichere Erfahrung gebracht werden.</p> - -<p>Wilberforce arbeitete Tag und Nacht an der Sammlung -und Sichtung der bereits eingegangenen Nachrichten und -kam dabei zu der Überzeugung, daß schon diese allein Grund -genug gäben, einen Antrag auf Abstellung des Sklavenhandels -im Parlamente zu stellen. Er kündigte in seinem -heiligen Eifer auch wirklich schon für den 2. Februar -1788 einen solchen an.</p> - -<p>Aber die aufreibende, Körper und Geist gleicherweise -angreifende Thätigkeit, die er sich zugemutet hatte, blieb -nicht ohne Rückwirkung. Gegen Ende des Januar verfiel -er in eine schwere Krankheit, die sich rasch so sehr -verschlimmerte, daß er nicht mehr im stande war, zu der -ihm verordneten Badekur in Bath abzureisen, und daß -die Ärzte ihm nur noch höchstens 14 Tage zu leben gaben. -Aber im Rate des Herrn war es anders beschlossen. Der -bedenkliche Zustand der Krankheit hob sich wieder so weit, -daß er nach Bath geschafft werden konnte, und die dortigen -Heilquellen thaten auch diesmal wieder ihre gute Wirkung -in Verbindung mit reichlichen Gaben von Opium, dessen -Gebrauch von nun an für Wilberforce während seines -ganzen ferneren Lebens eine Notwendigkeit wurde, so oft -er eine Unordnung in seinem Körper verspürte.</p> - -<p>Die Sklavensache war aber inzwischen nicht liegen geblieben. -Pitt selbst hatte sie zu der seinigen gemacht und -am 9. Mai 1788 einen Antrag im Parlamente gestellt, -wonach dieses sich verpflichten sollte, im Beginn der nächsten -Sitzung jedenfalls sogleich die Verhältnisse des Sklavenhandels<span class="pagenum"><a id="Seite_44">[44]</a></span> -in Erwägung zu ziehen. Weiter wollte Pitt nicht -gehen, weil der fehlte, welcher das nötige Material von -Beweisen in Händen hatte, auf die ein weitergehender -Antrag hätte gegründet werden müssen.</p> - -<p>Aber es geschah doch auch etwas Thatsächliches von -Bedeutung. Auf den Antrag eines Sklavenfreundes, der -sich mit eigenen Augen von der Einrichtung eines neu -erbauten Sklavenschiffes überzeugt hatte und über die Anzahl -der Sklaven erschrocken war, die in den engen Räumen -desselben untergebracht werden sollten, wurde trotz des -heftigsten Widerstandes der Vertreter von Liverpool durch -einen Parlamentsbeschluß, dem auch das Oberhaus zustimmte, -und der ebensowohl die königliche Bestätigung -erlangt, festgesetzt, in welchem Verhältnisse zu dem vorhandenen -Schiffsraum die Anzahl der einzuladenden Sklaven -stehen müsse, und welche Maßregeln zu treffen seien, -damit Leben und Gesundheit der noch immer enge genug -zusammengepferchten Schwarzen möglichst geschont werde.</p> - -<p>Die herzliche Freude über diesen ersten, wenn auch -nur sehr kleinen Erfolg trug gewiß nicht wenig dazu bei, -die Besserung zu beschleunigen, die im Befinden des Kranken -zu Bath wider alles Erwarten eingetreten war. Bald -konnten die Ärzte Wilberforce gestatten, den Gebrauch -des Bades einzustellen, und nach einem kurzen Aufenthalte -in Cambridge, wo er mit Milner zusammensein und von -demselben wieder manche Anregung für sein geistliches -Leben empfangen konnte, begab er sich nach Rayrigg, -seinem stillen Landsitze in Westmoreland, um dort seine -völlige Genesung abzuwarten, auf die jetzt mit voller -Sicherheit gehofft werden konnte.</p> - -<p>Und diese völlige Genesung kam mit Gottes Hülfe -trotz der beständigen Aufregung, welche die ununterbrochen<span class="pagenum"><a id="Seite_45">[45]</a></span> -kommenden und gehenden Gäste bereiteten, die sich nach -der Gesundheit des verehrten Mannes erkundigen und ihm -seine Einsamkeit zu erleichtern suchen wollten. Allerdings -war und blieb seine Gesundheit eine schwache, welche ihm -die größte Mäßigkeit und die strengste Enthaltsamkeit in -seiner Lebensweise zur Notwendigkeit machte; allein er -fand doch wieder die Kraft, nicht nur an den Parlamentssitzungen -teilzunehmen, sondern auch noch nebenher für -seine Sklavensache thätig zu sein.</p> - -<p>Selbst von Rayrigg aus machte er, sobald er es -wagen durfte, da und dort Besuche, bei denen er durch -seinen persönlichen Einfluß die Teilnahme für seine Bestrebungen -zu gunsten der Sklaven zu wecken und zu -verbreiten suchte und unterstützte dadurch wesentlich Clarkson, -der beauftragt worden war, zu dem nämlichen Zwecke -das Land zu bereisen.</p> - -<p>Für die Parlamentssitzung von 1789 bereitete er sich -wieder auf das Eifrigste vor, um alle schon gesammelten -und noch täglich eingehenden Beweise für die Grausamkeit -und Schändlichkeit des Sklavenhandels recht bei der Hand -zu haben und damit alle Einwendungen der Gegner, -gründlich beseitigen zu können. Er ging wieder einen -ganzen Monat auf's Land, um ganz ungestört zu bleiben -und arbeitete wohl 8 bis 9 Stunden am Tage. Selbst die -Nachricht von der Erkrankung seines Freundes Milner -konnte ihn nicht bewegen, sich zu einem Besuche desselben -von seiner Arbeit loszureißen, während er doch noch kurz -vorher am Kranken- und Todesbette seiner Tante erfahren -hatte, wie gesegnet das Krankenlager eines frommen -Menschen für die Besucher desselben werden könne.</p> - -<p>Was ihn nicht ruhen ließ, war eine Mitteilung Pitts -über die gewaltigen Anstrengungen, welche die Gegner<span class="pagenum"><a id="Seite_46">[46]</a></span> -machten, um die öffentliche Meinung zu ihren gunsten zu -stimmen und in Zeitungen und Flugschriften dem Lande zu -beweisen, daß durch eine Aufhebung oder auch nur Beschränkung -des Sklavenhandels nicht allein das Wohl der westindischen -Kolonien aufs Spiel gesetzt würde, die der Sklaven -notwendig bedürften, sondern auch der ganze Handel der -englischen Nation Gefahr liefe, geschädigt zu werden.</p> - -<p>Da galt es denn in der That auch, schlagende und -unwiderlegliche thatsächliche Gegenbeweise in genügender -Zahl bei der Hand zu haben.</p> - -<p>Wohlgerüstet mit denselben und voll festen Vertrauens -auf die siegende Macht der Wahrheit trat Wilberforce -am 12. Mai 1789 vor das Parlament und entwickelte -mit der vollen Kraft seiner ausgezeichneten Beredsamkeit -alle Gründe, die nur gegen den Sklavenhandel geltend zu -machen waren. Vier ganze Stunden redete er fast bis zur -völligen Erschöpfung seiner Kraft, und ein hochstehender -Mann äußerte nachher über diese Rede: »Das Haus, die -Nation, ja Europa sind Wilberforce auf das Äußerste -verpflichtet, daß er diesen Gegenstand in der meisterhaftesten, -eindringlichsten und beredtesten Weise vorgebracht -hat.«</p> - -<p>Von allen Seiten beglückwünschte man Wilberforce, -als er von der Rednerbühne herunterstieg. Und doch was -war der thatsächliche Erfolg seiner Rede? Nur eine kleine -Verbesserung des vorjährigen Beschlusses, daß jedes Sklavenschiff -nur eine seinen Räumen entsprechende Anzahl von -Sklaven aufnehmen dürfe.</p> - -<p>Die Sklavenhalter und Sklavenhändler, die »Westindier« -wie wir sie fortan mit einem gemeinschaftlichen -Namen nennen wollen, hatten nämlich aus Furcht vor der -offenbar gewaltigen Wirkung der Rede, die Wilberforce<span class="pagenum"><a id="Seite_47">[47]</a></span> -gehalten, eine sofortige Abstimmung und Beschlußfassung -des Parlamentes dadurch zu hintertreiben gewußt, daß sie -den Antrag stellten, der nicht wohl abgelehnt werden konnte, -das Parlament möge selbst ein Zeugenverhör anstellen, -um die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der von Wilberforce -aufgeführten Beweise zu untersuchen. Damit war die -Entscheidung wieder für ein Jahr verschoben; denn es -war unmöglich, vor Schluß der gegenwärtigen Sitzung -noch eine genügende Anzahl von Zeugen zu vernehmen, -wenn auch sofort damit begonnen wurde.</p> - -<p>Schmerzlich bewegt, aber doch nicht entmutigt, eilte -Wilberforce nach Beendigung der Sitzung wieder zu den -Heilquellen von Bath, um dort Ruhe und Stärkung zu -suchen, und hatte die Freude, nicht nur seine Mutter und -seine Schwester daselbst vorzufinden, sondern auch den Sohn -seines schon genannten Verwandten John Thornton, Henry -Thornton, mit dem er eine innige und feste Freundschaft -schloß.</p> - -<p>Von Bath aus besuchte er auch seine alte Freundin -Hannah More, die sich aus den gelehrten Kreisen Londons, -mit welchen sie sonst verkehrte, völlig zurückgezogen -hatte, um ihre reichen Geistesgaben im Dienste des armen, -völlig unwissenden Landvolkes zu verwenden und für dessen -Unterricht zu sorgen.</p> - -<p>Auf einen schönen Punkt in der Nähe aufmerksam gemacht, -unternahm der für Naturschönheiten äußerst empfängliche -Wilberforce einen Ausflug dorthin, vergaß aber -bald alle Naturschönheiten, als er die armen, leiblich und -geistig verkommenen Bewohner der schönen Gegend kennen -lernte.</p> - -<p>»Miß Hannah, es muß etwas für Chidder (so hieß -die Gegend) geschehen!« das war der Ausruf, mit dem<span class="pagenum"><a id="Seite_48">[48]</a></span> -er bei seiner Rückkehr die Freundin begrüßte und auf -den er immer wieder zurückkam, wenn er erzählen sollte, -wie ihm die besuchte Gegend gefallen habe.</p> - -<p>Die Not des armen Volkes, welche er durch eigene -Anschauung kennen gelernt hatte, bewegte sein mitleidiges -Herz so sehr, daß er mit der Freundin sogleich beschloß, -dort in Chidder Schulen anzulegen und sich bereit erklärte, -alle Kosten auf seine Tasche zu übernehmen, wenn Miß -Hannah sich der damit verbundenen Mühewaltung unterziehen -wolle.</p> - -<p>»Wozu könnte ich besser meinen Überfluß anwenden?« -antwortete er ablehnend, als ihm die Freundin für sein -hochherziges Anerbieten danken wollte, und freute sich in -der Folge jedesmal herzlich, wenn er hörte, daß das -Unternehmen guten Fortgang habe.</p> - -<p>Auch die Parlamentssitzung von 1790 brachte für die -Sklavensache keine wesentliche Förderung. Man fuhr nur -fort, Zeugen zu verhören, und zwar Zeugen für und -wider den Sklavenhandel, wenn auch die »Westindier« -das Zeugenverhör ihrerseits gerne geschlossen gesehen hätten, -nachdem die für sie günstigen Zeugen vernommen waren. -Das Ende der Sitzung war da, ehe die Vernehmungen -beendigt waren.</p> - -<p>Mit dem Ende dieser Sitzung waren die 7 Jahre -abgelaufen, für deren Dauer die Mitglieder des Parlaments -in England gewählt wurden, und Wilberforce -mußte sich deshalb einer Neuwahl unterwerfen. Allein -sein Name war schon so berühmt geworden, daß er sich -seinen Wählern in Yorkshire nur vorzustellen brauchte, -um ohne Weiteres eine Erneuerung seiner Wahl auf weitere -7 Jahre zu erlangen.</p> - -<p>Und doch hatte er etwas gethan, was bei jedem Anderen<span class="pagenum"><a id="Seite_49">[49]</a></span> -Anstoß und Widerwilligkeit erregt haben würde: -er hatte die Wahl ausgeschlagen zu einem Vorsteher bei -den großen Pferderennen, die in York abgehalten wurden, -und die bekanntlich noch heute, wo sie auch gehalten -werden, bei den Engländern in hohem Ansehen stehen. -Er hatte jedoch den jährlichen Beitrag, den er für die -Beteiligung an den Rennen hätte entrichten müssen, dem -Hospitale der Grafschaft überwiesen, um zu zeigen, daß -ihn nicht der Geiz abhalte, an einer Sache teil zu nehmen, -für die er nach seiner ganzen Anschauungsweise kein besonderes -Interesse haben konnte.</p> - -<p>Daß sich seine Schwester um diese Zeit mit einem -frommen Manne, dem Geistlichen Clarke zu Hull, vermählte, -war für Wilberforce eine große Freude. Denn -nun durfte er hoffen – und diese Hoffnung erfüllte sich -auch – daß die Bemühungen, die er selbst bisher gebraucht -hatte, seine Schwester auf den Weg eines ernsten, lebendigen -Christentums zu ziehen, und die auch keineswegs -ganz vergeblich geblieben waren, von berufenen und geschickten -Händen weiter geführt werden und gewiß zu -einem gesegneten Ziele kommen würden. Auch für das -geistliche Leben der geliebten Mutter durfte er von der -Einwirkung des neuen Schwagers die gedeihliche Förderung -erwarten, die sein treues, frommes Sohnesherz so -sehnlich wünschte.</p> - -<p>Nach einer stärkenden Kur in den Bädern von Buxton -gab sich Wilberforce daran, die von dem Unterhause vorgenommenen -Zeugenverhöre zu prüfen und durchzuarbeiten, -welche bis jetzt schon 1400 große Bogenseiten füllten. -Galt es doch, die Scheingründe, welche für den Sklavenhandel -geltend gemacht worden waren, zu entkräften und<span class="pagenum"><a id="Seite_50">[50]</a></span> -so den Gegnern die Waffen zu entreißen, mit denen sie -ihre schändliche Sache verteidigten.</p> - -<p>Auf dem stillen Landsitze eines Jugendfreundes, wo -er vor störenden Besuchen sicherer war als in seinem -eigenen Heim, bewältigte Wilberforce diese ungeheure -Arbeit, ohne danach zu fragen, ob es seine Gesundheit -aushielte. Und Gott der Herr, in dessen Dienste und -zu dessen Ehre zu arbeiten er sich bewußt war, verlieh -ihm die dazu nötige Kraft. Wohl mag es eine Stärkung -gewesen sein, die aus derselben Quelle ihren Ursprung -nahm, daß ihm in diesen arbeitsvollen Tagen John -Wesley, der Stifter der Methodistengemeinde, folgenden -Brief schrieb:</p> - -<div class="letter"> - -<p>»Mein teurer Herr! Wenn es nicht die göttliche -Allmacht ist, welche Sie berufen hat, ein Athanasius -im Kampfe mit der Welt zu sein, so sehe ich nicht ab, -wie Sie das glorreiche Unternehmen zu Ende bringen -wollen, gegen eine Schändlichkeit aufzutreten, welche -eine Schmach der Religion Englands und der menschlichen -Natur ist. Wenn es nicht Gott ist, der Sie zu -dieser Sache berufen hat, so werden Sie durch den -Widerstand der Menschen und Teufel besiegt werden. -Aber ist Gott für Sie, wer mag dann wider Sie sein? -Sind alle Feinde zusammen stärker als Gott? O ermüden -Sie nicht, gutes zu thun! Schreiten Sie fort -im Namen Gottes und in der Kraft seiner Stärke, -bis die amerikanische Sklaverei für immer von derselben -verschwindet! Sie ist das Schimpflichste, was je unter -der Sonne bestand. Daß Er, der Sie von Ihrer -Jugend an geführt hat, fortfahren möge, <span id="corr050">Sie</span> hierbei -und in allen Stücken zu stärken, das ist das Gebet -Ihres</p> - -<p class="right"> -John Wesley.« -</p></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_51">[51]</a></span></p> - -<p>Wie erhebend mußten für Wilberforce diese Worte -sein aus dem Munde eines Mannes, der so eifrig war, -rechtes Christentum zu fördern, und dessen Name überall -in England einen hellen guten Klang hatte, selbst bei -denjenigen, welche die Wege, die er einschlagen zu müssen -glaubte, nicht billigten! Und doch wie demütig und bescheiden -schreibt Wilberforce in seinem Tagebuch bei dieser -Gelegenheit: »Möge Gott mir verleihen, daß ich fortan -mehr zu seiner Ehre lebe und möge er mich in dem großen -Werke segnen, das ich unter den Händen habe. Möchte -ich zu ihm aufblicken nach Weisheit und Kraft und der -Gabe, andere zu überzeugen! Möchte ich mich für den Ausgang -ihm mit vollkommener Ergebung unterwerfen! Möchte -ich Ihm ganz die Ehre geben, wenn ich das Ziel erreiche, -und, wo nicht, von Herzen sprechen können: Dein Wille -geschehe!«</p> - -<p>Was den ersten Seufzer angeht, daß ihm gegeben -werden möge, mehr zu Ehren Gottes zu leben, so hat -Wilberforce denselben nicht blos hier, sondern auch an -anderen Stellen seines Tagebuches wiederholt ausgedrückt, -ohne Zweifel deshalb, weil er sich innerlich Vorwürfe -darüber machen zu müssen glaubte, daß er dem gesellschaftlichen -Leben zuviel Zeit und Kraft widme. Aber was -wollte er machen, wenn sich, wo er auch sein mochte, die -verschiedenartigsten Leute um ihn drängten, und ihn selbst -in die entferntesten Gegenden verfolgten, um Rat und -Beistand bei ihm zu suchen oder sich auch nur seines Umganges -zu erfreuen.</p> - -<p>»Ihr Haus ist ja gerade wie die Arche Noahs,« -schrieb ihm einmal seine mütterliche Freundin Hannah -More, »voll reiner und unreiner Tiere.«</p> - -<p>Und das Gleichnis traf in der That zu. Denn außer<span class="pagenum"><a id="Seite_52">[52]</a></span> -Missionsfreunden und befreundeten Parlamentsgenossen, -die mit ihm in betreff der gemeinschaftlichen guten Sache -Rat pflegen wollten, sah er sich auch von solchen angelaufen, -die in ganz gewöhnlichen, weltlichen Dingen Rat -und Unterstützung von ihm begehrten und denen er sich, -weil sie zu seinen Wählern gehörten, nicht entziehen konnte.</p> - -<p>Wir verstehen es darum wohl, wenn er in seinem -Tagebuche wiederholt schreibt: »Was für Gründe mich -auch bestimmten, ein offenes Haus zu haben, so ist es -doch gewiß, daß Einsamkeit und Ruhe der Betrachtung -und dem Wachen günstiger sind. Ich will streben, mir -öfters Zeiten des ununterbrochenen Umgangs mit Gott zu -sichern.«</p> - -<p>Wir verstehen es ebensowohl, daß es ihn nach jeder -der arbeitsvollen und aufregenden Parlamentssitzungen, -innerlich drängte, sich irgendwo solch stille Zeiten zu verschaffen, -die er an den Badeorten, die er seiner Gesundheit -wegen besuchen mußte, unmöglich finden konnte.</p> - -<p>Was aber den letzten Seufzer in den oben angeführten -Worten seines Tagebuches angeht, daß es ihm, wenn -er in der Sklavensache sein vorgestecktes Ziel nicht erreichen -sollte, gegeben werden möge, von Herzen zu sprechen: -»Dein Wille ist geschehen!«, so scheint ihm diesen eine -Vorahnung dessen, was nun kommen sollte, in das Herz -und in die Feder gedrängt zu haben.</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="IV">IV.</h2> -</div> - -<p>Am 18. April 1791 kam die Sklavensache im Parlament -wieder vor und Wilberforce ergriff sogleich das -Wort, um vorzutragen, was er durch sein eifriges Studium<span class="pagenum"><a id="Seite_53">[53]</a></span> -der Zeugenverhöre gewonnen hatte. Sorgfältig vermied -er jede Bemerkung oder Anspielung, welche die Gegner -persönlich hätte verletzen können, nur die unzweifelhaft -bewiesenen Thatsachen ließ er reden. Aber wie auch nach -ihm sein Freund Pitt, ja selbst dessen entschiedener politischer -Gegner Fox für die Abschaffung des Sklavenhandels -die Stimmen zu gewinnen suchten, es half nichts. Mit -163 gegen 88 Stimmen wurde der dahin zielende Antrag -verworfen.</p> - -<p>Denn die »Westindier« hatten große Summen aufgewendet, -sich Stimmen zu ihren Gunsten zu erkaufen und -leider auch charakterlose Menschen genug im Parlamente -gefunden, die sich erkaufen ließen. Wo aber Eigennutz -und Geldgierde das große Wort führten, mußten die -mächtigsten Gründe ihre Wirkung versagen, mußten selbst -solche gewaltige Worte vergeblich bleiben, wie die folgenden, -mit denen Wilberforce seine Rede geschlossen hatte:</p> - -<p>»Von welchem Gesichtspunkte aus«, so rief er von -Eifer glühend in die Versammlung hinein, »man auch die -Sache betrachten mag, England hat die Pflicht, dieselbe -zu fördern. Die Hälfte des verbrecherischen Handels wird -von seinen Unterthanen geführt, und da demnach unsere -Schuld so groß ist, so laßt uns auch bald anfangen, -Buße zu thun. Es kommt einst ein Tag der Vergeltung, -da wir von den Talenten, Fähigkeiten und Gelegenheiten, -die uns gegeben waren, Rechenschaft thun müssen! Möge -es uns dann nicht offenbar werden, daß wir unsere größere -Macht zur Knechtung unserer Nebenmenschen, unsere -größere Erkenntnis zur Schändung der Schöpfung Gottes -angewendet haben!!«</p> - -<p>Mit der oben erwähnten Abstimmung war denn für -diese Parlamentssitzung wieder die heilige Sache der Sklavenfreunde<span class="pagenum"><a id="Seite_54">[54]</a></span> -beseitigt, aber auch ihr Mut gebrochen? auch -der Eifer eines Wilberforce gelähmt? – Keineswegs. -Man schlug nur jetzt einen andern Weg ein.</p> - -<p>Von den Vertretern des Volks war, wie sichs eben -gezeigt hatte, nichts zu hoffen und zu erwarten, so beschloß -man denn, sich an das Volk selbst zu wenden und -dessen Gerechtigkeit und Menschlichkeit geradezu anzurufen. -Es wurde ein Auszug aus den Parlamentsverhandlungen -angefertigt, worin besonders die von Wilberforce als Waffen -gebrauchten thatsächlichen Beweise für die Schändlichkeit -des Sklavenhandels hervorgehoben waren, und dann dieser -Auszug in zahllosen Abdrücken überallhin und in jeder -möglichen Weise unter dem Volke zu verbreiten gesucht. -Die Sklavenfreunde, an ihrer Spitze Wilberforce, ließen -sich dabei weder Mühe noch Kosten verdrießen.</p> - -<p>Aber man kam auch weiter auf den Gedanken, zu versuchen, -ob man nicht in thatsächlicher Weise den Hauptgrund, -welchen die Gegner stets für die Sklaverei vorbrachten, -entkräften und in seiner Nichtigkeit blosstellen -könnte. Das war nämlich der Grund: die Neger seien -eigentlich gar keine Menschen, sondern nur menschenähnliche -Tiere. Man berief sich dann dabei stets auf die Zeugnisse -der Sklavenbesitzer, welche durch eigene, reiche Erfahrung -hätten zu der Überzeugung kommen müssen, daß -die Neger zu jeder geistigen Bildung völlig unfähig seien.</p> - -<p>Da beschlossen denn die Sklavenfreunde, eine Ansiedelung -für freie Neger zu gründen, worin diese unter der -Leitung von wohlwollenden Menschen gesammelt und sorgfältig -unterrichtet werden sollten, um selbst zu zeigen, daß -sie in der That vernunftbegabte, bildungsfähige Wesen -seien. Es bildete sich eine Gesellschaft, welche die nötigen -Mittel für diesen Zweck zusammenschoß, und auf der Westküste<span class="pagenum"><a id="Seite_55">[55]</a></span> -Afrikas von den dortigen Negerfürsten eine Strecke -Landes erkaufte, die sich besonders zum Anbaue zu eignen -schien und den Namen »Sierra Leone« führte. Wilberforce -war einer von den ersten Leitern dieses Unternehmens.</p> - -<p>Und dasselbe schien unter Gottes Segen glücken zu -wollen. Es fehlte nicht an Negern, die den gebotenen -Zufluchtsort gern annahmen. Denn in dem nordamerikanischen -Befreiungskriege hatten sich eine ganze Anzahl -entsprungener Sklaven aus den Südstaaten auf die Seite -der englischen Regierung geschlagen und wacker gegen ihre -früheren Herren kämpfen helfen. Sie waren natürlich -von den Engländern für frei erklärt und nach Beendigung -des Krieges auf der Halbinsel Neuschottland angesiedelt -worden, um sie der Verfolgung ihrer ehemaligen Herren -zu entziehen. Dort aber war ihnen das Klima zu rauh, -und als sie deshalb von der afrikanischen Ansiedelung in -Sierra Leone Kunde erhielten, sandten sie nach London -und ließen die englische Regierung bitten, sie dorthin zu -versetzen. Ihrem Wunsche wurde willfahrt, und in einer -Stärke von 700 Köpfen siedelten sie nach der neuen Kolonie -über.</p> - -<p>Allerdings hatte die wohlgemeinte Ansiedelung anfangs -nur schlechten Erfolg, da die Rohheit und geistige wie -körperliche Trägheit der Neger fast aller Versuche spotteten, -sie an ein geordnetes, thätiges Leben zu gewähren. Besser -wurde es erst, als man mit Ernst daran ging, ihnen das -Evangelium zu predigen und sie zum Christentume zu bekehren, -und als unter christlichen Einflüssen ein neues -Geschlecht herangewachsen war. Dann aber wurde auch -die Kolonie in der That ein leuchtendes Zeugnis dafür, -wie völlig haltlos und ungerechtfertigt die Ansicht sei, daß -die Neger zum wenigsten eine untergeordnete Menschenrasse<span class="pagenum"><a id="Seite_56">[56]</a></span> -und zu jeder Bildung unfähig seien, und ist es bis heute, -wo ja Gottlob, diese Ansicht kaum mehr einen ernsthaften -Vertreter findet.</p> - -<p>Die vorhin erwähnte Maßregel, den Auszug aus den -Parlamentsverhandlungen über die Sklaverei und den -Sklavenhandel in Massen unter das Volk zu werfen, -trug gute Früchte. Der Gerechtigkeitssinn und das Menschlichkeitsgefühl -fingen unter dem Volke an sich zu regen -und sich gegen die Scheußlichkeiten des Sklavenhandels -zu empören, nachdem dieselben einmal so recht nackt und -klar auf Grund amtlicher Beweise aufgedeckt waren. Durch -das ganze Land hin und her wurden Versammlungen gehalten -und von denselben Bittschriften an das Parlament -gerichtet, welche die Abschaffung des Sklavenhandels verlangten. -Viele verbanden sich sogar im heiligen Eifer -dazu, sich aller Erzeugnisse Westindiens zu enthalten, die -der Sklavenarbeit ihren Ursprung verdankten.</p> - -<p>Alles schien im besten Zuge und ließ hoffen, daß in -der Parlamentssitzung von 1792 die Abschaffung des -Sklavenhandels beschlossen werden würde, obwohl die -Sklavenhändler von Liverpool 10000 Pfund Sterling -(nach heutigem Gelde etwa 200000 Mark) aufwendeten, -um wieder eine genügende Gegnerschaft im Parlamente -zu schaffen.</p> - -<p>Da kamen unglücklicherweise mit einem Male die Nachrichten -von dem furchtbaren Sklavenaufstande auf der -westindischen Insel St. Domingo oder Haïti, die völlig -dazu angethan waren, alle wohlwollende Teilnahme für -die Sklaven in unbefestigten Herzen zu ersticken.</p> - -<p>Auf jener Insel, die im Ryswyker Frieden 1697 von -Spanien, das sie seit der Entdeckung durch Kolumbus besessen -hatte, an die Franzosen abgetreten worden war,<span class="pagenum"><a id="Seite_57">[57]</a></span> -lebten nämlich außer einer großen Masse eingeführter -Negersklaven, die die Zahl der Weißen weit überwog, -viele sogenannte »Mulatten«, welche Weiße zu Vätern -hatten, und zum großen Teile freigelassen worden waren, -oder doch den Negern gegenüber große Vorzüge genossen. -Unter diesen »Farbigen«, wie sie hießen, hatten schnell die -durch die französische Revolution in Gang gebrachten freiheitlichen -Grundsätze Eingang gefunden und »Freiheit, -Gleichheit, Brüderlichkeit« war auch bei ihnen die feurig -verfochtene Losung geworden. Aber es ist ja nur zu wohl -bekannt, wie die Männer der Revolution die »Brüderlichkeit« -nur für Diejenigen wollten gelten lassen, die in -allen Stücken mit ihnen in das nämliche Horn bliesen, -und ebensowohl die »Freiheit und Gleichheit« nur soweit -gelten ließen, als es ihnen paßte. So war man denn -auch in der Nationalversammlung zu Paris durchaus nicht -gewillt, den Farbigen ganz gleiche Rechte mit den Weißen -einzuräumen und brachte dadurch bei dieser Mischlings-Rasse, -die durch ihr schnell aufloderndes, feuriges Wesen -bekannt ist, eine furchtbare Gährung hervor. Es kam zu -einer Vereinigung der Farbigen mit den sonst von ihnen -tief verachteten und gehaßten Negern, und am 23. August -1791 brach ein furchtbarer Aufstand beider gegen die -Weißen los, der zur schonungslosen Niedermetzelung dieser -fast auf der ganzen Insel führte.</p> - -<p>Diese bösen Nachrichten aus Westindien waren natürlich -den Sklavenfeinden Wasser auf ihre Mühle und gaben -ihnen willkommenen Grund, die Befürchtung auszustreuen, -nach solchem Vorgange würden es auch die Neger auf den -englischen Besitzungen in Westindien ihren Brüdern auf -St. Domingo nachmachen und am Ende die ganze englische -Herrschaft dort vernichten, wenn man sie nicht mit<span class="pagenum"><a id="Seite_58">[58]</a></span> -aller Strenge im Zaume halte und einen noch stärkeren -Druck auf sie übe als bisher. – Dazu kam, daß auch -unter den englischen Sklavenfreunden nicht wenige waren, -die den Grundsätzen der französischen Revolution huldigten -und denselben auch in England Eingang zu verschaffen -suchten.</p> - -<p>Wilberforce, dessen heller, klarer Blick die Hohlheit -der französischen Redensarten von den allgemeinen Menschenrechten -von vorne herein durchschaute, bemühte sich vergebens, -den unvorsichtigen Reden und Handlungen dieser -seiner Kampfesgenossen zu wehren und mußte es erleben, -daß man sein auf die Abschaffung des Sklavenhandels gerichtetes -Streben mit den revolutionären Grundsätzen aus -Frankreich in Verbindung brachte und ihn auf das schmählichste -verleumdete. Er mußte es sogar erleben, daß König -Georg III. wurde, was die Prinzen des königlichen Hauses -zum Teil schon längst waren, ein entschiedener Gegner der -Abschaffung des Sklavenhandels, während er sonst wohl, -wenn er an Hoftagen mit Wilberforce zusammen traf, sich -bei diesem freundlich nach seinen schwarzen Schützlingen -erkundigt hatte. Wie weit dabei die Abneigung gegen die -revolutionären Grundsätze mitspielte, oder aber die Rücksicht -auf die königlichen Interessen, die geschädigt wurden, -wenn die vom Sklavenhandel erhobenen Abgaben ausfielen, -muß dahingestellt bleiben.</p> - -<p>Nichts destoweniger trat Wilberforce am 2. April 1792 -mit dem Antrage auf sofortige Abschaffung des Sklavenhandels -vor das Parlament, ermutigt durch sein gutes -Gewissen, welches ihn von einer Hinneigung zu den Grundsätzen -der Revolution völlig freisprach und angefeuert durch -seinen heiligen Eifer, der die gute Sache auch jetzt nicht -ruhen lassen konnte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_59">[59]</a></span></p> - -<p>Wiederum sprach er mit dem ganzen Feuer seiner hinreißenden -Beredsamkeit; wiederum unterstützten ihn die -beiden sonstigen Gegner, Pitt und Fox mit gleicher Kraft -und Entschiedenheit, aber sein Antrag fiel dennoch durch. -Doch hatten die gehaltenen Reden wenigstens den bei den -gegenwärtigen Zeitläufen immerhin nicht unbedeutenden -Erfolg, daß man sich mit 238 gegen 45 Stimmen für -den Vorschlag erklärte, auf allmähliche Abschaffung des -Sklavenhandels Bedacht zu nehmen. Es mußte jedoch -dafür erst in einer neuen Parlamentssitzung ein besonderer -Antrag eingebracht werden.</p> - -<p>Wilberforce konnte sich zu solch einem Antrage nicht -entschließen, weil dadurch das einstweilige Fortbestehen des -Sklavenhandels als gesetzmäßig hingestellt worden wäre. -An seiner statt übernahm es einer der Minister ihn zu -stellen und wollte den 1. Januar 1795 als den Tag angenommen -haben, von welchem ab der Sklavenhandel aufhören -müsse. Das war aber den meisten ein zu naher -Termin und nach langen, heißen Verhandlungen wurde -endlich auf den Antrag von Wilberforce mit 151 gegen -132 Stimmen der 1. Januar 1796 als Endtermin für -den Sklavenhandel angenommen.</p> - -<p>Hätte nur auch das Oberhaus, das diesen Beschluß -ebenfalls annehmen mußte, wenn er Gesetzeskraft erlangen -sollte, in denselben eingestimmt! Allein dies war nicht -der Fall, sondern es verschob seine Entscheidung bis zur -nächsten Sitzung.</p> - -<p>Obwohl so noch durchaus nichts Festes und Bestimmtes -erreicht war, ergossen doch die »Westindier« die ganze -Schale ihres Zornes über Wilberforce, als den Mann, -der im Kampfe gegen sie sich nicht zur Ruhe bringen ließ. -Nicht blos, daß die schändlichsten Verleumdungen wider<span class="pagenum"><a id="Seite_60">[60]</a></span> -ihn ausgestreut wurden, nein selbst mörderische Pläne -wurden gegen ihn geschmiedet, sodaß ihn seine Freunde -nicht ohne bewaffnete Begleitung wollten auf die Reise -gehen lassen. Möglich, daß auch seine Ernennung zum -französischen Bürger, welche ihm in dieser Zeit zukam, -nur eine böswillige Anzettelung seiner Feinde war, die -ihn dadurch als einen unzweifelhaften Anhänger der französischen -Revolution verdächtigen wollten. Freilich wurde -ihm diese zweifelhafte Ehre sogleich wieder entzogen und -sein Name aus den Listen der französischen Bürger gestrichen, -als er in den Vorstand einer Gesellschaft trat, -die sich die Unterstützung der durch die Revolution aus -Frankreich vertriebenen Geistlichen zum Zwecke gesetzt hatte.</p> - -<p>Der Krieg mit Frankreich, welcher ausbrach, nachdem -die Franzosen ihre gerühmte »Brüderlichkeit« soweit getrieben -hatten, daß sie am 21. Januar 1793 ihren König -hinrichteten, brachte notwendig einen Stillstand in die -Verhandlungen über die Sklavensache. Nun, wo man -gesehen hatte, wie die Grundsätze der Revolution in Frankreich -zum Umsturz aller bestehenden Ordnung führen -konnten, schrack man vor allem zurück, was nur den mindesten -Zusammenhang mit diesen Grundsätzen zu haben -schien, wie man das ja bereits den Bemühungen der -Sklavenfreunde und unseres Wilberforce insonderheit zum -Vorwurfe gemacht hatte. Das Parlament weigerte sich -in seiner großen Mehrzahl, auch nur die Entscheidung vom -vorigen Jahre zu erneuern.</p> - -<p>Dem Kriege mit Frankreich war Wilberforce entgegen -gewesen. Als derselbe unvermeidlich wurde, weil die -französische Nationalversammlung auf die Rückberufung -des englischen Gesandten nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. -damit antwortete, daß sie an England den Krieg erklärte,<span class="pagenum"><a id="Seite_61">[61]</a></span> -drang Wilberforce bei seinem Freunde Pitt darauf, daß -England sich nur verteidigen solle, wenn es von Frankreich -wirklich angegriffen würde. Allein da Pitt ein erbitterter -Gegner des revolutionären Nachbars war, so -ging er darauf nicht ein, und zum erstenmale fanden sich -die beiden Freunde in entschiedenem Gegensatze.</p> - -<p>Wenn er aber auch so für den äußeren Frieden nichts -durchsetzen konnte, so beteiligte sich Wilberforce desto eifriger -an einem anderen Friedenswerke, zu dem sich jetzt -Gelegenheit bot, und das ihm schon längere Zeit am -Herzen gelegen hatte.</p> - -<p>Es lag nämlich die Notwendigkeit vor, die Karte der -englischen Kolonien in Asien zu erneuern, und es kam im -Parlament zu Verhandlungen über die sittlichen und religiösen -Zustände der Eingeborenen in jenen Kolonien, bei -denen der Regierung zum Vorwurfe gemacht werden mußte, -daß sie diesen Zuständen bisher gar keine Aufmerksamkeit -zugewendet habe. Da verlangte denn Wilberforce, daß -Geistliche und Lehrer nach Ostindien geschickt würden, -welche den Eingeborenen das Christentum brächten, wie -dies von seiten der Sekten der Methodisten und Baptisten -bereits geschehen sei. Er bekämpfte dabei mit aller Entschiedenheit -den Grundsatz, dem die englische Regierung -bisher gefolgt war, und der dahin ging, daß es am besten -sei, die Eingeborenen bei ihrem Heidentum zu lassen. Es -war ein tiefer Schmerz für ihn, zu sehen, wie sein Vorschlag -mit allgemeiner Gleichgültigkeit aufgenommen wurde -und sogar nur bei einzelnen der Bischöfe Unterstützung -fand. Vergebens machte er geltend, daß eine Ablehnung -seiner Forderung gleichbedeutend sei mit der öffentlichen -amtlichen Erklärung, man achte das Christentum nur deshalb, -weil es die im Lande bestehende Religion sei, nicht<span class="pagenum"><a id="Seite_62">[62]</a></span> -aber deshalb, weil es allein den rechten Heilsweg zeige -und eine göttliche Offenbarung sei. – Seine Anträge -wurden nicht angenommen.</p> - -<p>Als mit der Hinrichtung Robespierres am 27. Juli -1794 die Schreckensherrschaft in Frankreich ihr Ende erreicht -hatte, hielt Wilberforce die Zeit für gekommen, den -Frieden mit Frankreich wieder herzustellen und England -wieder die Segnungen des Friedens zuzuwenden. Trotz -der entgegenstehenden Ansicht der meisten seiner Freunde, -trotzdem, daß er dadurch wieder mit Pitt in offenen -Widerspruch treten mußte, brachte er, lediglich den Mahnungen -seines Gewissens folgend, im Dezember 1794 seine -Friedensanträge im Parlamente ein. Er zog sich dadurch -nicht blos die Unzufriedenheit des Königs, sondern auch -seiner Wähler zu, achtete aber dessen nicht, sondern unterstützte -nach Ablehnung seiner eigenen Anträge schon im -Februar des folgenden Jahres wieder den Antrag auf -Wiederherstellung des Friedens, welchen ein anderes Parlamentsglied -eingebracht hatte, sowie jeden anderen dahin -zielenden Antrag, der im Laufe dieser Parlamentssitzung -gestellt wurde. – So heilig war ihm eine einmal gewonnene -gewissenhafte Überzeugung.</p> - -<p>Zu einer inneren Entfremdung zwischen Wilberforce -und Pitt kam es indessen durch diese Gegnerschaft in Sachen -des Krieges keineswegs. Pitt wußte zu gut, daß der Freund -lediglich aus der Gewissenhaftigkeit seiner Überzeugung -heraus diese Gegnerschaft aufrecht erhielt und alles war -zwischen beiden vergessen, als sich auch die Minister dem -Frieden mit Frankreich glaubten zuneigen zu müssen.</p> - -<p>Sie gingen wieder einträchtig zusammen, als die Regierung -vom Parlamente die Berechtigung zu außerordentlichen -Maßregeln forderte, um den Revolutionsgeist unterdrücken<span class="pagenum"><a id="Seite_63">[63]</a></span> -zu können, der sich immer weiter im Lande auszubreiten -schien und immer kecker und unverhohlener hervortrat. -Schon predigte man offen in eigens dazu berufenen -Versammlungen den Aufruhr gegen die Regierung, -verbreitete ungescheut Bilder, durch welche der König auf -dem Gange zum Schaffot dargestellt wurde, ja wagte es -sogar, den König persönlich zu beunruhigen und zu beschimpfen, -als er zur Eröffnung des Parlamentes fuhr. – -Da unterstützte denn Wilberforce furchtlos und kräftig, -wenn auch ungern, die Forderung der Regierung und half -dazu, daß sie, wenn schon auch erst nach langem und -heißem Redekampfe bewilligt wurde.</p> - -<p>Er hatte aber damit nicht allein die Feindschaft der -Freiheitspartei auf sich geladen, die sich auch im Parlamente -gebildet hatte, sondern auch die ganze Masse seiner -Wähler in der Grafschaft York wider sich erbittert, die -sich von dem Revolutionsgeiste hatten bestricken lassen. -Als er nun hörte, daß diese eine große öffentliche Versammlung -abhalten wollten, um ihrem Unwillen gegen das -Ministerium und seine Absichten Ausdruck zu geben, beeilte -er sich, zu dieser Versammlung noch zurecht zu kommen -und benutzte dazu sogar, ohne irgend welches Bedenken, -weil sein eigener Wagen für eine so weite eilige Reise -nicht gehörig in Ordnung war, den Wagen, den ihm der -so verhaßte Minister zur Verfügung stellte.</p> - -<p>Allein als Wilberforce am Orte der Versammlung -ankam, stellte es sich heraus, daß die sogenannte Freiheitspartei -doch noch nicht so groß war, als man befürchtet -hatte, und bei Eröffnung der Versammlung waren die -Freunde und Anhänger des Ministeriums entschieden in -der Überzahl. Ohne Furcht vor etwaigen Feindseligkeiten -gegen seine Person trat Wilberforce in die stürmisch tobende<span class="pagenum"><a id="Seite_64">[64]</a></span> -Versammlung hinein, verschaffte sich Gehör und hielt eine -glänzende Rede, die den Erfolg hatte, daß eine ganz gegenteilige -Kundgebung als die beabsichtigte zu stande kam, -nämlich eine Schrift, die bald mit zahlreichen Unterschriften -bedeckt war, und worin man die entschiedenen und kräftigen -Maßregeln des Ministeriums gegen die revolutionäre -Partei vollständig billigte, und dieser Vorgang fand bald -auch in anderen Grafschaften Nachahmung.</p> - -<p>So hatte Wilberforce den deutlichsten Beweis geliefert, -wie falsch die ihm gemachten Vorwürfe wegen Hinneigung -zu den Grundsätzen der Revolution gewesen seien, und -glaubte denn nun, ohne aufs neue solche Vorwürfe erleiden -zu müssen, seine Sklavensache wieder in Angriff -nehmen zu können. Denn entmutigt war er durch die -bisher nur errungenen geringen Erfolge keineswegs, und -es lag gerade jetzt wieder ein besonderer Grund vor, in -seiner Sache ernstlich vorzugehen.</p> - -<p>Frankreich hatte nämlich, um den verhaßten englischen -Nachbarn einen empfindlichen Schaden zuzufügen und wo -möglich die ganze Negerbevölkerung auf seinen westindischen -Besitzungen in Aufruhr zu bringen, auf seinen -eigenen Besitzungen drüben alle Neger für frei erklärt, -und es dadurch auch wirklich dahin gebracht, daß auf den -englischen Inseln Granada, St. Vincent und Dominica -Empörungen der Neger stattfanden. Da hatten denn die -Freunde des Sklavenhandels wieder Oberwasser und wußten -den Mund nicht voll genug zu nehmen, um auszuschreien, -daß man hier sehen könne, wozu die Freundschaft gegen -die Neger führe.</p> - -<div class="figcenter" > -<img src="images/ill_64.jpg" alt="" /> -</div> - -<p>Sofort war Wilberforce auf dem Kampfplatze und -brachte am 18. Februar 1796 wieder seine alten Anträge -auf Aufhebung des Sklavenhandels und wo möglich der<span class="pagenum"><a id="Seite_65">[65]</a></span> -Sklaverei selbst das Parlament, entwickelte auch wieder -die alte, feurige Beredsamkeit für seine Herzenssache und -wußte das thörichte Geschrei der Gegner mit der Wucht -seiner Gründe zu übertäuben. Allein wiewohl er auch -jetzt wieder von Pitt kräftig unterstützt wurde, konnte er -doch seine Anträge nicht durchbringen, weil seine Freunde -bei der schließlichen Abstimmung nicht in der nötigen Zahl -auf dem Platze waren, und selbst der von ihm gestellte -Antrag fiel durch, daß durch das Gesetz eine bessere Behandlung -der Sklaven auf den Sklavenschiffen erzwungen -werden möchte.</p> - -<p>Tiefbetrübt über diesen neuen Mißerfolg würde Wilberforce -wohl nicht daran gedacht haben, sich um seine -Wiederwahl ins Parlament zu bewerben, wie es jetzt nötig -wurde, wenn er nicht zweifellos an den endlichen Sieg -seiner guten Sache geglaubt und es deshalb für eine heilige -Pflicht angesehen hätte, seine Wirksamkeit im Parlamente -unbeirrt und mit aller Kraft fortzusetzen. Seine Wiederwahl -hatte denn auch nicht die geringste Schwierigkeit.</p> - -<p>Bei einem Besuche seiner Mutter in Hull, den er bei -Gelegenheit dieser Wiederwahl machte, durfte er mit inniger -Freude wahrnehmen, wie die betagte Frau, die er so sehr -liebte, jetzt durch Gottes Gnade innerlich eine ganz andere -geworden und auf dem besten Wege war, sich mit ganzem, -vollem Ernste dem wahren Christentum zuzuwenden. Ihre -Bitte beim Abschiede, daß der Sohn ihrer fleißig in seinem -Gebete gedenken möge, hat dieser gewiß von nun an mit -doppelter Freudigkeit erfüllt.</p> - -<p>Wer nach dem bisher Erzählten denken wollte, Wilberforce -habe für nichts anderes Interesse gehabt, als für -seine Sklavensache und höchstens für das, was derselben -irgendwie dienen konnte, der würde ihn durchaus falsch<span class="pagenum"><a id="Seite_66">[66]</a></span> -beurteilen. Sein Herz, das von der Liebe Christi durchdrungen -war, trieb ihn vielmehr, wo und wie er nur -konnte, das leibliche und geistliche Wohl aller seiner Mitmenschen -zu fördern.</p> - -<p>Nicht blos, daß er bei jeder sich bietenden Gelegenheit -für die heilige Sache der Mission eintrat und für ihre -Ausbreitung und Förderung kämpfte, auch das leibliche -Elend seiner Mitmenschen fand in ihm einen stets willigen -und bereiten Helfer. So besuchte er, wenn er in London -war, häufig die dortigen Krankenhäuser und brachte den -Elenden neben geistlichem Zuspruche auch leibliche Erquickungen, -ja hielt es nicht unter seiner Würde, ihnen -auch selbst hülfreiche Handreichung zu thun. Auch unterstützte -er nach wie vor seine Freundin Hannah More bei -ihren Bemühungen, dem unwissenden Volke die Segnungen -eines regelmäßigen Schulunterrichtes zuzuwenden -und hatte dafür eine allezeit offene Hand.</p> - -<p>Besonders aber beschäftigte ihn schon seit Jahren eine -Schrift, an der er ununterbrochen während seiner Mußezeiten -arbeitete und welche den Titel führen sollte: »Eine -praktische Übersicht des vorherrschenden religiösen Lehrbegriffs -der Bekenner des Christentums in den höheren und -mittleren Ständen dieses Landes, verglichen mit dem wahren -Christentum«, also eine Schrift, die mit der Sklavensache -zunächst gar nichts zu thun hatte.</p> - -<p>Es war nämlich für Wilberforce ein fortgesetzter tiefer -Schmerz, zu sehen, wie wenig wahres, aufrichtiges und -thatkräftiges Christentum in den Gesellschaftskreisen herrschte, -darin er sich bewegte. Entweder trat ihm da eine vollständige -Gleichgiltigkeit gegen das Christentum entgegen, -die von diesem nicht einmal reden hören mochte, oder -jene unerträgliche Schwatzhaftigkeit über das Christentum,<span class="pagenum"><a id="Seite_67">[67]</a></span> -der man es doch sofort abmerkte, daß sie ebensowenig aus -aufrichtiger Hochachtung und Liebe für dasselbe hervorging, -als ihr eine rechte christliche Erkenntnis oder gar -eine wahrhaftige christliche Erfahrung zu Grunde lag. -Diese betrübende Wahrnehmung ließ dem für das Christentum, -dessen segensreiche Wirkung er täglich mehr an sich -selbst erfuhr, begeisterten Manne keine Ruhe. Er betrachtete -es als eine heilige Pflicht, mit der Gabe, die er -empfangen hatte, auch anderen zu dienen, die derselben -noch ermangelten, und möglichst viele von ihren falschen, -verkehrten Wegen zu dem einzigen Wege zu rufen, der -zum Frieden auf Erden und zur Seligkeit im Himmel -führt.</p> - -<p>Bei denjenigen, welche ihm persönlich näher standen, -that er dies mündlich mit rückhaltsloser Offenheit, aber -auch mit so liebenswürdiger Milde und mit so teilnahmvoller -Eindringlichkeit, daß ihm niemand zürnen konnte, -auch wenn er sich vielleicht durch ein ernstes, strafendes -Wort verletzt gefühlt hätte.</p> - -<p>Um aber auch auf weitere Kreise zu wirken, mit denen -er keine persönliche Berührung hatte, schrieb er das erwähnte -Buch. In der Einleitung zu demselben hob er -besonders hervor, daß er, obgleich ein Nichtgeistlicher, sich -doch verpflichtet gefühlt habe, solch ein Buch zu schreiben, -weil er dafür halte, daß jeder Christ dazu berufen sei, -das Heil seiner Nächsten nach Kräften zu fördern, und -weil er denke, daß man einen Nichtgeistlichen für unparteiischer -halten werde; er habe nicht für entschiedene Gegner -des Christentums geschrieben, sondern für solche, die sich -wohl Christen nennten, aber deren Leben durchaus nicht -mit ihren Bekenntnissen übereinstimme.</p> - -<p>Nachdem er nun zuerst die Haupt- und Grundlehren<span class="pagenum"><a id="Seite_68">[68]</a></span> -des Evangeliums: von der Sünde, von der Erlösung -durch den Herrn Jesum Christum, von der Heiligung -durch den heiligen Geist in tiefer, schriftgemäßer Weise -besprochen und mit hoher Glaubensfreudigkeit als die rechte -seligmachende Weisheit und Wahrheit bezeugt hatte, welche -niemand ungestraft und ohne Schaden verachten könne, -ging er besonders darauf aus, zu beweisen, wie eine Sittlichkeit -ohne Glauben nur hohles, kraftloses, hinfälliges -Wesen sei, wie aber der Glaube nicht etwa blos in dem -Fürwahrhalten der christlichen Lehre bestehe, sondern vielmehr -ein Sauerteig sei, der das ganze Wesen durchdringen -und zu einer vollen, rückhaltlosen Hingabe des -Herzens und Lebens an Gott und den Heiland treiben -müsse. An dieser Beweisführung, bei welcher er besonders -die Redensarten näher beleuchtete, mit denen die Weltmenschen -in der Regel jede Zumutung mit ihrem Christentum -Ernst zu machen, von sich abwiesen, schloß sich dann -der Nachweis, wie wahres Christentum mit allen Lebensverhältnissen -und mit jeder Lebensstellung wohl verträglich -sei und durchaus nichts Unmögliches von seinen Jüngern -fordere.</p> - -<p>Sieben Jahre lang schon hatte Wilberforce an diesem -Buche gearbeitet und, was er darin niederlegen wollte, -nicht nur aufs Reiflichste erwogen, sondern auch an seinem -eigenen Herzen und an seiner eigenen Lebenserfahrung -soviel als möglich erprobt. Jetzt erst entschloß er sich, -das Buch in Druck zu geben. Der Buchhändler, an welchen -er sich deshalb wandte, hielt, nachdem er einen Blick in -dasselbe gethan hatte, den Verfasser für einen liebenswürdigen -Schwärmer, der aber mit dem Geschriebenen -keinen großen Erfolg erzielen, sondern nur viel Spott und -Hohn einernten werde. Dem Namen »Wilberforce« zu<span class="pagenum"><a id="Seite_69">[69]</a></span> -liebe, meinte er lächelnd, wolle er es wagen, 500 Exemplare -zu drucken, aber es sei sehr fraglich, ob auch nur -diese Absatz finden würden.</p> - -<p>Wie hatte sich aber der gute Mann verrechnet! Kaum -war im April 1797 der Druck vollendet, und das Buch -ausgegeben, als auch bereits nach wenigen Tagen die 500 -Exemplare vollständig vergriffen waren. Und damit war -es nicht am Ende, nein, die Nachfrage nach dem Buche -wurde so stark, daß im Laufe des nächsten halben Jahres -5 Auflagen in einer Stärke von im ganzen 7500 Exemplaren -nachgedruckt werden mußten. Ja bis zum Jahre -1826 erlebte das Buch noch weitere 10 Auflagen und -wurde ins Deutsche, Holländische, Französische, Italienische -und Spanische übersetzt: jedenfalls ein unwiderlegliches Zeugnis -von der Vortrefflichkeit und durchschlagenden Wirkung -des Buches!</p> - -<p>»Ich preise Gott,« so schrieb der fromme Bischof von -London über dasselbe, »daß in diesen schrecklichen Zeiten -solch ein Werk erschienen ist, und ich will ihn inbrünstig -bitten, daß es weiterhin einen mächtigen Einfluß gewinnen -möge, vor allem aber auf mein eigenes Herz, welches -dadurch zur Demut und hoffentlich bald auch zur Wirksamkeit -angeregt wird.«</p> - -<p>Von allen Seiten kamen Wilberforce die ehrenvollsten -Dankbezeugungen wegen seines Buches zu. Ja es zeigte -ihm sogar jemand in einem namenlosen Schreiben an, er -habe sich ein kleines Gut in der Grafschaft York gekauft, -eigens zu dem Zwecke, bei der nächsten Wahl ins Parlament -Wilberforce seine Stimme geben und ihm dadurch -einen geringen Teil seiner Dankesschuld abtragen zu -können.</p> - -<p>Aber eitel konnte Wilberforce nicht werden, wenn er<span class="pagenum"><a id="Seite_70">[70]</a></span> -auch die Anlage dazu in eben dem Maße besessen hätte, -als er sie nicht besaß. Seine Feinde und Gegner sorgten -dafür, daß es neben den vielen Anerkennungen auch nicht -an den härtesten, lieblosesten Beurteilungen des Buches -fehlte. War es ihnen doch ein Dorn im Auge, daß der -Name des von ihnen so bitter Gehaßten durch das Buch -noch größere Berühmtheit erlangte, als er sie schon hatte.</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="V">V.</h2> -</div> - -<p>Wilberforce war bis jetzt, obwohl nahezu 38 Jahre -alt, allein durchs Leben gegangen, ohne sich noch eine -eigene Familie gegründet zu haben. Seine Besitzungen -in Yorkshire ließ er durch seine dortigen Freunde und Bekannten -verwalten, um nicht durch die gewöhnlichen, alltäglichen -Lebenssorgen in seiner öffentlichen Thätigkeit gehindert -zu sein. Obschon es ihm seine Mittel erlaubt -hätten, erwarb er sich nicht einmal eine eigene Wohnung -in London, wo er doch einen großen, wenn nicht den -größten Teil seiner Zeit zubrachte.</p> - -<p>»Als einzelner Mann,« sagte er später einmal, »fand -ich ein Vergnügen an dem Gedanken, allein in einem -gemieteten Hause zu leben. Denn so ward ich beständig -daran erinnert, daß hienieden noch nicht meine wahre -Wohnung und Heimat sei, und daß ich die Pflicht habe, -nach einer besseren Heimat auszusehen und zu streben.«</p> - -<p>Gleichwohl fühlte er sein Alleinstehen nicht selten als -einen Mangel in seinem Leben, zumal, wenn er bei Besuchen -seiner Freunde deren glückliches Familienleben sah, -und die reinen erquickenden Freuden eines solchen schmecken -und fühlen lernte. Denn seit der Verheiratung seiner<span class="pagenum"><a id="Seite_71">[71]</a></span> -Schwester fand er auch bei seiner Mutter, die einsam in -Hull wohnte und sich von diesem Orte nicht trennen wollte, -wenn er dieselbe gelegentlich besuchte, kein eigentliches -Familienleben mehr, wie es sein gefühlvolles Herz begehrte.</p> - -<p>Allein so oft ihm auch schon der Gedanke mochte gekommen -sein, sich einen eigenen Herd zu gründen, er hatte -denselben bisher immer wieder von sich abweisen zu sollen -geglaubt, weil er befürchtete, die Pflichten eines Familienhauptes -würden ihn zu sehr in Anspruch nehmen, als -daß er im stande wäre, dem Werke, das ihm ja mehr -und mehr Lebensaufgabe wurde, die gebührende Zeit und -Kraft zuzuwenden. Auch die eigene schwache Gesundheit -mochte bei seiner Abneigung, sich zu vermählen, ein bedeutsames -Wort mitsprechen.</p> - -<p>Am allerwenigsten aber glaubte Wilberforce gerade -jetzt an die Gründung einer eigenen Familie denken zu -dürfen, wo er es hatte erfahren müssen, daß seine Gegner -selbst vor meuchlerischen Anschlägen auf sein Leben nicht -zurückscheuten, und wo überdies sowohl die immer noch -nicht völlig beigelegten kriegerischen Unruhen, als auch der -in immer höherem Maße um sich greifende Geist der Empörung -und des Aufruhrs alle Verhältnisse im Lande unsicher -machten.</p> - -<p>Aber er sollte es erfahren, daß in der That die rechten -Ehen »im Himmel geschlossen werden,« und daß Gottes -Gedanken über seine Kinder oft ganz andere sind als die -eigenen Menschengedanken, wenn dieselben auch auf dem -Boden voller pflichtmäßiger Überzeugung erwachsen sind -und durchaus nicht mit Gottes heiligen Geboten in Widerstreit -stehen.</p> - -<p>Denn gerade jetzt, wo er in Bath die Osterferien -1797 zubrachte, führte ihm des Herrn Hand Diejenige<span class="pagenum"><a id="Seite_72">[72]</a></span> -zu, welche bestimmt war, ihm ein reiches häusliches Glück -zu bereiten, und so den Mangel auszufüllen, den er sich -bisher in opferwilliger Selbstverleugnung geglaubt hatte -auferlegen zu müssen.</p> - -<p>Es war Barbara Ann, die älteste Tochter eines adeligen -Herrn aus der Grafschaft Warwickshire, des Esquire Isaak -Spooner zu Elmdon Hall. Schon die erste Begegnung -dieser Dame hatte auf Wilberforce einen tiefen Eindruck -gemacht und den Gedanken in ihm erweckt, daß eine Lebensgefährtin, -die er sich erwählen sollte, gerade so und nicht -anders sein müsse. Daß es aber nicht bestechende äußere -Vorzüge waren, die diesen Eindruck auf ihn machten und -ihm solche Gedanken erweckten, sondern vielmehr die inneren -Eigenschaften, die er bei der neuen Bekannten wahrnahm -und die sich ihm bei fortgesetzter Bekanntschaft immer -deutlicher erschlossen, zeigt eine Stelle in seinem Tagebuche, -welche er nach seiner Verlobung niederschrieb.</p> - -<p>»Der Würfel ist gefallen,« heißt es da. »Ich glaube, -sie eignet sich ganz besonders für mich, und manche Umstände -schienen mir diesen Schritt anzuraten. Ich hoffe, -Gott wird mich dabei segnen; ich will darum zu ihm -beten. Ich halte sie für eine ächte Christin, liebevoll, -gefühlvoll, verständig in ihrem ganzen Wesen, mäßig in -ihren Wünschen und Bestrebungen, fähig, Glück und Unglück -zu ertragen, ohne davon beherrscht zu werden. Wenn -ich voreilig gewesen bin, so vergieb mir, o Gott! Aber -wenn, wie ich zuversichtlich hoffe, wir beide Dich lieben -und fürchten, und Dir dienen werden, dann wollest Du -uns segnen nach dem untrüglichen Worte Deiner Verheißung.«</p> - -<p>Am 23. April 1797 verlobte sich Wilberforce förmlich -mit der Erwählten, und je näher er dieselbe kennen<span class="pagenum"><a id="Seite_73">[73]</a></span> -lernte, desto inniger wurde sein Dank gegen Gott, der -sie ihn hatte finden lassen, desto freudiger und hoffnungsreicher -sein Blick in die Zukunft, die sich bei der vollen -inneren Übereinstimmung der beiden Verlobten zu einer -glücklichen und gesegneten gestalten zu müssen schien.</p> - -<p>Die glücklichen Stunden jedoch, welche Wilberforce jetzt -hier in Bath verleben durfte, konnten sein ernstes Pflichtgefühl -auch nicht um einen Finger breit abschwächen und -ihn zurückhalten, wenn die Pflicht zur Arbeit rief. Und -das sollte schon wenige Tage nach der Verlobung der -Fall werden.</p> - -<p>Es waren nämlich dadurch, daß Österreich, Englands -bisheriger Bundesgenosse gegen Frankreich, mit diesem -einen besonderen Frieden geschlossen hatte, ernste Verwickelungen -für England entstanden, die auf den inneren -Zustand des Landes einen höchst nachteiligen Einfluß -äußerten. Deshalb lud der Minister Pitt seinen Freund, -dessen Scharfsinn und staatsmännische Klugheit er in hohem -Maße schätzte, auf das dringendste ein, sofort nach London -zu kommen. Und Wilberforce zögerte keinen Augenblick, -diesem Rufe zu folgen, so schwer es ihm auch werden -mochte, sich jetzt sogleich wieder von seiner Braut zu -trennen.</p> - -<p>Ja, als sich ihm in London die Überzeugung aufdrängte, -daß sich die Verhältnisse des Landes in einem noch viel -schlimmeren und gefährlicheren Zustande befänden, als er -bei seiner Abreise befürchtet hatte, in einem Zustande, der -für ihn selber Gefahren herbeiführen konnte, wenn er sich -wieder voll und ganz an dem öffentlichen Leben beteiligte, -entschloß er sich sogar dazu, wenn auch erst nach schwerem -innerem Kampfe, seine Braut ihres Wortes zu entbinden, -um sie nicht in die ihm drohenden Gefahren und Schicksale<span class="pagenum"><a id="Seite_74">[74]</a></span> -mit hineinzuziehen. Indessen nahm er schon nach -zwei Tagen diesen ihm durch die erste augenblickliche Bestürzung -eingegebenen Vorschlag wieder zurück im festen -Vertrauen auf die Güte und Fürsorge Gottes, die ihn -bisher in gefährlichen Lagen stets so treu und gnädig bewahrt -habe und auch fernerhin bewahren werde.</p> - -<p>Die ernsten Zeitumstände, welche zu Zornesgerichten -Gottes über das Land zu werden drohten, gaben Wilberforce -den Mut, am 15. Mai wiederum die Sklavensache -im Parlamente vorzubringen, weil er hoffen durfte, die -ernste Hinweisung auf die drohenden Gottesgerichte würde -auch die verstocktesten Gegner herumbringen, daß sie nicht -länger gegen etwas widerstrebten, was diese Gerichte -geradezu herausfordere. Aber er erntete nur Spott und -Hohn wegen seiner unaufhörlichen Belästigungen des Parlaments, -und mußte den Schmerz erleben, daß man sich -mit 82 gegen 74 Stimmen für die Beibehaltung des -Sklavenhandels entschied, also nicht einmal die früheren -Beschlüsse beachtete, worin doch die Abschaffung dieses -Handels als etwas, das kommen werde und müsse, hingestellt -worden war.</p> - -<p>Schmerzlich bewegt kehrte er, als seine Anwesenheit -in London nicht mehr so dringend nötig erschien, nach -Bath zurück und feierte erst am 30. Mai in aller Stille -seine Hochzeit. Nach einem kurzen Besuche bei seiner -Freundin Hannah More, welcher er seine erwählte Lebensgefährtin -glaubte vorstellen zu müssen, weil sie an seinem -Wohl und Wehe so warmen Anteil nahm, kehrte er dann -wieder nach London zurück, um den Sitzungen des Parlamentes -bis zu ihrem Schlusse beizuwohnen, und es wo -möglich durchzusetzen, daß bei den in Aussicht stehenden<span class="pagenum"><a id="Seite_75">[75]</a></span> -Friedensverhandlungen mit Frankreich für die Abschaffung -des Sklavenhandels etwas gewonnen würde.</p> - -<p>Er nahm jedoch seine Frau mit sich und mietete für -sie ein Landgut in der Nähe von London, wo er dann, -nachdem die Tagesarbeit im Parlamente gethan war, im -Glücke und Frieden des eigenen Hauses sich erholen konnte. -Was ihm diesen Aufenthalt besonders lieb machte, war -das, daß er ganz nahe bei dem Landsitze seines Freundes -Eliot lag, des Schwagers von Minister Pitt, mit dem -er schon seit Jahren auf das Engste verbunden war.</p> - -<p>Welch köstliche Tage er hier im Genusse der innigsten -Freundschaft und des jungen, ehelichen Glückes verleben -durfte, beweisen eine Reihe von Briefen, die er an auswärtige -Freunde schrieb, und worin er die Gnade Gottes -pries, die ihm alles gegeben habe, was der Mensch auf -Erden zum Glücke bedürfe. Allein es sollte auch bei ihm -so gehen, wie es ja der Herr bei den Seinigen so oft -fügt, daß auf die Tage des sonnigen Glückes bald wieder -trübe und dunkele Schmerzenstage folgen, und das prophetische -Wort, womit einer seiner Freunde ihm geantwortet -hatte: »ich fürchte, daß es kaum zur menschlichen -Natur stimmt, lange so glücklich zu sein,« sollte nur zu -schnell Wahrheit werden.</p> - -<p>Denn nicht allein, daß der von ihm hochgeschätzte Gatte -seiner Schwester, der Prediger Clarke in Hull plötzlich -und unerwartet vom Tode weggerafft wurde; auch sein -innig geliebter Freund Eliot mußte denselben Weg gehen. -Und wenn es für Wilberforce ein großer Trost gewesen -war, daß seine alte Mutter und seine verwittwete Schwester -an dem Nachfolger Clarkes, dem Bruder seines langjährigen -Freundes Milner eine kräftige Stütze gefunden hatten,<span class="pagenum"><a id="Seite_76">[76]</a></span> -so wurde ihm auch dieser Trost bald wieder geraubt, da -Joseph Milner schon nach ganz kurzer Zeit starb.</p> - -<p>Diese drei rasch aufeinander folgenden Todesfälle -beugten Wilberforce tief nieder. Aber er verstand es auch, -dieselben sich zum innerlichen Segen werden zu lassen. -Wie eindringlich schrieb er in sein Tagebuch, »lehren auch -diese Ereignisse, daß die uns zugemessene Zeit kurz ist! -O möchte ich lernen und weise sein!«</p> - -<p>Und siehe, kaum hatte er diese Verluste einigermaßen -überwunden, da traf ihn ein neuer Schlag, der sein gefühlvolles -Herz tief verwundete. Nach kurzer Krankheit -starb nämlich in Hull auch seine eigene Mutter, die ihm -von Jahr zu Jahr lieber geworden war, je mehr sie sich, -durch das Vorbild des frommen Sohnes angeregt, dem -wahren Christentum zugewandt hatte und je mehr dadurch -der innere Einklang zwischen Mutter und Sohn gewachsen -war, der früher gefehlt hatte. Welch ein Trost war es -für Wilberforce, sich an ihrem Sarge der festen Zuversicht -überlassen zu können, daß ihr Ende ein seliges gewesen sei!</p> - -<p>Von ihrem Begräbnisse zurückgekehrt, durfte er es -aber auch erfahren, daß Gottes Liebe in die Schmerzenstage -des Lebens immer auch Freudenstunden einflicht, die -das gebeugte Herz stärken und aufrichten sollen. Seine -Gattin schenkte ihm nämlich jetzt im Sommer 1798 den -ersten Sohn. Wie freudig jubelte er dafür in seinem -Tagebuche Gott dem Herrn seinen Dank aus und wie inbrünstig -betete er um Kraft und Beistand von oben, daß -es ihm gelingen möge, das Kind zu einem rechten Christenmenschen -zu erziehen!</p> - -<p>Mit der Sklavensache gab es auch in der Parlamentssitzung -von <span id="corr076">1798</span> keinen Fortgang. Wilberforce brachte -zwar seinen Antrag auf Verbot des Sklavenhandels getreulich<span class="pagenum"><a id="Seite_77">[77]</a></span> -wieder ein trotz des ärgerlichen Kopfschüttelns -vieler Parlamentsmitglieder, die dieses ewig wiederkehrenden -Antrags überdrüssig waren; aber wiederum fiel derselbe -durch, wenn er auch nur mit der kleinen Mehrheit -von 4 Stimmen abgelehnt wurde. Zwar gelang es den -Gegnern nicht, irgend etwas vorzubringen, was die Beweise -entkräften konnte, die Wilberforce für die beim -Sklavenhandel vorkommenden entsetzlichen Grausamkeiten -beibrachte, aber sie warfen ein und fanden für diesen Einwurf -viele gläubige Abnehmer, daß der Sklavenhandel, -wenn er gesetzlich verboten würde, dennoch nicht ganz aufhören, -sondern in ungesetzlicher Weise fortgetrieben werden -würde, und daß dann voraussichtlich unter dem Schleier -des Geheimnisses noch viel größere Grausamkeiten vorkommen -würden.</p> - -<p>Wollte es mit der Sklavensache noch immer keinen -Fortgang gewinnen, so suchte Wilberforce dem Drange -seiner thätigen Menschenliebe in allerlei anderer Weise zu -genügen und suchte überall die Not auf, um sie nach -Kräften zu lindern. Wir wissen, daß er im Jahre 1789 -über 2000 Pfund Sterling, also über 40,000 Mark zu -wohlthätigen Zwecken verwandte, eine Summe, bei welcher -er gewiß nicht ängstlich berechnet hatte, ob sie nicht seine -Vermögensverhältnisse überstiege. Dabei gab Wilberforce -nie blindlings sein Geld weg, sondern prüfte immer erst -sorgfältig, ob seine Unterstützungen auch nicht an Unwürdige -weggeworfen seien. Es war also seine Wohlthätigkeit -etwas mehr, als das blos äußerliche Sichloskaufen -von einer Verpflichtung, die er sich durch seinen Reichtum -auferlegt fühlte, sie war ein wirkliches Üben brüderlicher -Liebe mit der Vorsicht und Weisheit, ohne welche die -Wohlthätigkeit zur nutzlosen Verschwendung werden kann,<span class="pagenum"><a id="Seite_78">[78]</a></span> -ja zu einem verderblichen Förderungsmittel der Trägheit -und des Lasters.</p> - -<p>Die günstige Aufnahme, welche sein Buch überall gefunden -hatte und die ihm noch fortwährend zukommenden -Zeugnisse von den segensreichen Wirkungen, die dasselbe -übte, ließen ihn erkennen, daß ihm auch ein geistiges Pfund -anvertraut sei, welches er ebensowohl wie das äußere -seines Reichtums zum Wohle seiner Nebenmenschen zu -verwenden habe. Da ihm nun zum Schreiben eines weiteren -größeren Buches immer mehr die nötige Ruhe und -freie Zeit gebrach, so beschloß er, in Verbindung mit -mehreren gleichgesinnten Freunden eine religiöse Zeitschrift -herauszugeben, welche dem überhandnehmenden Unglauben -besonders in den mittleren Ständen einen Damm -entgegensetzen sollte. Die erste Nummer dieser Zeitschrift, -welche den Titel: »Der christliche Beobachter« führen sollte, -erschien jedoch erst im Januar 1801.</p> - -<p>Auch die Ansiedelung auf Sierra Leone machte ihm -in dieser Zeit viel zu schaffen, da dieselbe gerade damals -mit besonders großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte -und doch bestehen bleiben und sich im Segen entwickeln -mußte, wenn die Behauptung, daß die Neger keine bildungsfähigen -Menschen seien, auf welche die Freunde des -Sklavenhandels sich besonders stützten, in ihrer völligen -Grundlosigkeit hingestellt, und diesen ihre beste, wirksamste -Waffe entrissen werden sollte.</p> - -<p>Der glorreiche Sieg zur See, in welchem der englische -Admiral Nelson am 1. August 1798 bei Abukir fast die -ganze französische Flotte vernichtet hatte und der in -ganz England mit unsäglichem Jubel begrüßt worden war, -gab Wilberforce neuen Mut, trotz aller erlittenen Niederlagen, -auch in der Parlamentssitzung von 1799 wieder<span class="pagenum"><a id="Seite_79">[79]</a></span> -gegen den Sklavenhandel aufzutreten. Hatte doch der -fromme Seeheld Nelson zur herzlichen Freude unseres -Wilberforce in seinem Berichte ausdrücklich darauf hingewiesen, -wieviel Dank das englische Volk für diesen Sieg -seinem Gotte schuldig sei! Mußte es da nicht von durchschlagender -Wirkung sein, wenn nun Wilberforce seinerseits -mit seiner feurigen Beredsamkeit mahnte, diesen Dank -durch Abstellung des Sklavenhandels thatsächlich darzubringen -und nicht durch Verhärtung in einem anerkannten -und zweifellosen Unrecht den Zorn Gottes über das Land -zu reizen? – Aber siehe, auch diesmal wieder fielen die -warmen, begeisterten Worte, womit er seinen Antrag verfocht, -auf unfruchtbaren Boden, sein Antrag fiel durch.</p> - -<p>Die tiefe Niedergeschlagenheit, in welche er wegen dieses -neuen unerwarteten Mißerfolgs verfiel, brachte ihn auch -körperlich sehr herunter. Ein heftiges Fieber befiel ihn -und hinderte ihn, die Parlamentssitzung zu besuchen, welche -auf den 24. September ausgeschrieben war, um die Entsendung -eines Heeres nach den Niederlanden zu beraten, -wo dasselbe gemeinschaftlich mit den Russen die Franzosen -bekämpfen sollte.</p> - -<p>Da auch seine Gattin, die am 21. Juni von einem -Töchterlein entbunden worden war, der Ruhe bedurfte, -so mietete sich Wilberforce in der Nähe von Bath, dessen -unruhiges Badeleben ihm nicht zusagte, eine Wohnung -auf dem Lande und brachte dort vier Monate im Genusse -eines ruhigen, ungestörten Familienlebens zu. Aber Arbeit -machte er sich auch hier, weil er ohne solche nicht leben -konnte. Die stillen Sonntage auf dem Lande, deren Köstlichkeit -und Segen niemand besser zu würdigen wußte, -als er, mahnten ihn, für die Förderung einer rechten -Sonntagsheiligung thätig zu sein. Das war zwar nicht<span class="pagenum"><a id="Seite_80">[80]</a></span> -erst eine neue Thätigkeit. Denn er hatte schon das Parlament -aufgefordert, gesetzlich gegen jede Entheiligung des -Sonntages einzuschreiten, und als er das nicht durchsetzen -konnte, wenigstens auf eigene Hand eine ganze Anzahl -von Parlamentsgliedern zusammengebracht, die sich freiwillig -verbanden, für eine rechte Sonntagsheiligung zu -wirken und dabei selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. -Er hatte auch durch Verwendung seines Einflusses bei -den Ministern eine Verfügung erwirkt, wonach niemand -mehr gegen sein Gewissen durch Geld- und Freiheitsstrafen -gezwungen werden durfte, sich an militärischen Übungen -zu beteiligen, welche am Sonntage stattfanden, wie dies -an vielen Orten geschah.</p> - -<p>Aber mußten nicht die stillen gesegneten Sonntage hier -auf dem Lande ihm ein unwiderstehlicher Antrieb werden, -in der Nähe und in der Ferne, durch Wort und Schrift -darauf hinzuwirken, daß solch eine gesegnete Sonntagsfeier -allenthalben möglich werde und auch allenthalben zu -stande käme?</p> - -<p>Im Januar 1800 kehrte Wilberforce neu gestärkt nach -London zurück und trat sofort wieder mit frischer Kraft -in die parlamentarische Thätigkeit ein. Es handelte sich -jetzt in der That um den Frieden mit Frankreich, über -welchen von seiten Napoleons Unterhandlungen eingeleitet -worden waren. Allein die von demselben vorgeschlagenen -Friedensbedingungen waren der Art, daß selbst der friedliebende -Wilberforce dazu raten mußte, sie zu verwerfen, -und das Ministerium, welches gleicher Ansicht mit ihm -war, kräftig unterstützte. »Wer heute meine Rede hörte,« -sagte er selbst, »mußte mich für einen größeren Freund -des Krieges halten, als ich es in Wahrheit bin.«</p> - -<p>Ein sehr erfreuliches Ereignis war es für Wilberforce,<span class="pagenum"><a id="Seite_81">[81]</a></span> -daß sein Freund Stephen, sein treuer Gefährte im Kampfe -gegen den Sklavenhandel, dessen Scheußlichkeiten er bei -einem langen Aufenthalte in Westindien durch eigenen -Augenschein kennen gelernt hatte, seiner verwittweten -Schwester die Hand reichte und dadurch eine noch nähere -Verbindung mit ihm schloß, als sie bisher schon durch ihre -Kampfgenossenschaft bestanden hatte.</p> - -<p>Aber bald fiel auch wieder ein düsterer Schatten in -sein Leben, der um ein Haar zu einer völligen Trübsalsfinsternis -geworden wäre. Denn bald nach der Rückkehr -aus dem Seebade Bognor, wo er sich eine Zeit lang nach -dem Parlamentsschlusse mit seiner Familie aufgehalten -hatte, verfiel seine geliebte Gattin in eine schwere Krankheit, -welche das Schlimmste befürchten ließ. Wie es dabei -in seinem Inneren aussah, mag ein Brief beweisen, den -er am 27. September an Hannah More schrieb.</p> - -<div class="letter"> - -<p class="noind">»Mein teure Freundin,« heißt es darin, »Sie sollen -nicht durch eine andere Feder erfahren, daß es Gott -gefallen, meine teuerste Frau mit einem gefährlichen -Fieber heimzusuchen. Man sagt mir, daß der endliche -Ausgang der Krankheit wahrscheinlich nicht -bald entschieden sein werde, daß ich aber nach der -Heftigkeit des Beginnens Ursache habe, alles zu -fürchten, wenn auch nicht jede Hoffnung aufzugeben. -Aber ach, meine teuere Freundin, was für ein unaussprechlicher -Segen ist es für mich, daß ich in -Demut hoffen kann, der Tod werde für meine arme -Gattin die Versetzung sein aus einer Welt der Sünde -und der Sorge in das Land vollkommener Heiligkeit -und nie endender Seligkeit! Wie tröstend ist der -Gedanke, daß ihre Leiden ihr nicht allein zugeteilt, -sondern auch zugemessen sind durch ein Wesen voll<span class="pagenum"><a id="Seite_82">[82]</a></span> -unendlicher Weisheit und Güte, welches sie liebt, -wie ich hoffe, mehr als ein teures Kind von einem -irdischen Vater geliebt ist! Ich weiß, Sie alle werden -für mich fühlen, für mich und meine arme Leidende -beten. Ich bin noch nicht genug an das Krankenbett -gewöhnt; es ist äußerst angreifend für mich, -ihre Heftigkeit und wirre Unruhe zu bemerken, ja -bisweilen ihr Phantasieren zu hören, während damit -ihr gewöhnlicher freundlicher Blick und ihre -sanfte Ruhe verbunden ist. Möchten wir alle bereit -sein und endlich alle in der Herrlichkeit zusammentreffen, -jetzt aber wachen und beten und nüchtern -sein und danach trachten, einzugehen; dann werden -wir gewiß einst nicht ausgeschlossen werden. Ich -pflege auch sonst solche Worte zu reden wie diese, -und, wie ich hoffe, aus dem Herzen. Aber wieviel -kräftiger prägen sie sich dem Geiste ein bei dem -Anblick des Todes, wie ich ihn habe! Gott segne -Sie alle! Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, -die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen -Geistes sei mit uns Allen! Für immer Ihr W. -Wilberforce.«</p></div> - -<p>Und weiter schreibt er in dieser Zeit: »Welch unaussprechliche -Tröstung und Erleichterung ist es, in solch einem -Augenblick die volle Zuversicht zu hegen, daß meine teuerste -Gattin ihren Frieden mit Gott gemacht hat und für die -furchtbare Vorladung nicht unvorbereitet ist! Ich danke -Gott, daß ich im stande bin, mich seiner Züchtigung -(welche leider nur zu sehr verdient ist) ohne Murren zu -unterwerfen, und, wie ich demütig hoffe, mit Ergebung, -ich möchte sagen: mit frohem, dankbarem Sinne gegen -seinen heiligen Willen. Er weiß am besten, was uns<span class="pagenum"><a id="Seite_83">[83]</a></span> -gut ist, und wenn unsere Leiden hier, indem sie uns aus -der Trägheit erwecken und uns näher zum Himmel drängen, -in irgend einem Grade dazu dienen, das Glück der Ewigkeit -zu erhöhen, so mögen wir wohl in der triumphierenden -Sprache des Apostels ausrufen: »Unsere Trübsal, die -zeitlich und leicht ist, schaffet eine ewige über alle Maßen -wichtige Herrlichkeit!« – Mein teures Weib hat stets -phantasiert, seit wir wußten, daß ihre Krankheit gefährlich -sei. Wie wenig hätten wir für ihren Seelenzustand -thun können, wenn er früher vernachlässigt worden wäre -und wir nun erst gewünscht hätten, sie zum Tode vorzubereiten! -Welch praktische Lehre für uns alle!«</p> - -<p>Welch tiefen Blick eröffnen uns diese Worte, die doch -gewiß der unmittelbarste Erguß der Gedanken und Gefühle -waren, in ein Herz voll des lautersten, aufrichtigsten -Christentums, in ein Herz, das gelernt hatte, sich ganz -im Glauben dem Herrn anzuvertrauen, in ein Herz, das -für den Menschen nichts Höheres kannte, als den Gewinn -des ewigen Lebens!</p> - -<p>Die züchtigende Hand des Herrn ließ es indessen bei -Wilberforce nicht zum Äußersten kommen. Sein Flehen -wurde erhört, die Krankheit wendete sich zum Besseren. -Am 20. Oktober konnte er frohlockend und dankend melden, -daß ihm sein geliebtes Weib erhalten sei und allmählich -die Gesundheit und frühere Kraft wiedererlange. Wenn -er sich aber dabei gleichsam in demselben Atem selbst anklagt, -daß die ernsten Gefühle in den Augenblicken des Leidens -hernach, wenn dasselbe durch Gottes Gnade vorüber sei, -so bald wieder sich abschwächten und dahinschwänden, so -beweist dies, wie sehr er gewohnt war, auch auf die leisesten -Regungen seines Herzens zu achten und wie ihm äußere<span class="pagenum"><a id="Seite_84">[84]</a></span> -Erlebnisse in Freude und Leid niemals den heilsamen Blick -in das eigene Herz trüben konnten.</p> - -<p>Die Hoffnung, welche Wilberforce gehegt hatte, daß -er, wenn der Friede mit Frankreich, nach welchem jetzt -ganz England seufzte, geschlossen werden würde, es werde -durchsetzen können, daß die Abschaffung des Sklavenhandels -unter die Friedensbedingungen aufgenommen würde, erwies -sich als eine trügerische. Wiewohl sich Pitt mit ihm -vereinigte, schlug dieser Plan fehl. Da wegen der wichtigen -Arbeiten, die dem Parlamente vorlagen, auch ein -neuer Antrag wegen des Sklavenhandels keine Aussicht -hatte, nur zur Beratung zu kommen, mußte sich Wilberforce -darauf beschränken, durch seinen Schwager Stephen -kleinere Flugschriften gegen den Sklavenhandel abfassen zu -lassen, die dann in Massen unter das Volk geworfen wurden, -um bei diesem das Interesse für die Sklavensache, -welches unter den kriegerischen Unruhen und dem Drucke -einer großen Teuerung fast erloschen sein mußte, wieder -neu zu beleben.</p> - -<p>Am 25. April 1802 war denn endlich zu Amiens -der Friede mit Frankreich zu stande gekommen, und da -Wilberforce wieder aufs neue als Vertreter für die Grafschaft -York ins Parlament gewählt worden war, sprach -er sich voll heiligen Eifers dafür aus, es sei nötig, die -goldene Zeit des Friedens dazu zu verwenden, daß der -sittliche Zustand des Landes gebessert werde, daß die -Kinder der geringeren Stände in tugendhafter Sitte und -zur Anhänglichkeit an die bürgerlichen und religiösen Einrichtungen -des Landes erzogen würden, daß für die niedrigen -Klassen der Steuerdruck ermäßigt und an Stelle der aufrührerischen -Ansichten und Neigungen ein rechter Gemeingeist -bei dem Volke geweckt und gepflegt würde.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_85">[85]</a></span></p> - -<p>Man erklärte freilich solche Reden im Parlamente kurzweg -für baren Unsinn, aber Wilberforce ließ sich durch -solche beleidigende Urteile den Mund nicht zubinden und -kam immer wieder von neuem in seinen Reden auf diese -Forderungen zurück.</p> - -<p>Leider schien der Friede, den Wilberforce in solch heilsamer -Weise benutzt haben wollte, nicht von langer Dauer -sein zu sollen. Gegenseitige Beschwerden über Nichterfüllung -der Bedingungen des Friedens von Amiens flogen -über den Kanal hinüber, und es wurde bald klar, -daß es zu einem Bruche mit dem französischen Gewalthaber, -mit Napoleon kommen müsse, der auch England -gerne unter sein Scepter gebeugt gesehen hätte.</p> - -<p>Bei dieser unsicheren Lage der äußeren Verhältnisse, -welche die ganze Aufmerksamkeit und Sorge des Parlaments -in Anspruch nahmen, hielt es Wilberforce für völlig -aussichtslos, und nur dazu geeignet, den Unmut der Volksvertreter -zu erregen, wenn er auch jetzt wieder seine alten -Anträge erneuert hätte.</p> - -<p>Um aber nicht ganz unthätig in seiner großen Sache -zu bleiben, entschloß er sich, wie es sein Schwager Stephen -schon früher gethan hatte, eine Flugschrift zu schreiben, -worin der ganze bisherige Gang der Verhandlungen über -die Sklavensache klar und übersichtlich dargelegt wäre. -Hatte doch seit dem Jahre 1792 eine sorgfältige und -gründliche Verhandlung über diese Sache kaum mehr stattgefunden, -und da fast die Hälfte der Volksvertreter, die -damals im Parlamente gesessen hatten, durch neue ersetzt -waren, so gab es unter diesen gewiß viele, denen jede nähere -Bekanntschaft mit den bereits gepflogenen Verhandlungen -und besonders mit den für die Schändlichkeit des Sklavenhandels -beigebrachten Beweisen und Zeugnissen mangelte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_86">[86]</a></span></p> - -<p>Wilberforce begab sich nun sogleich an diese Schrift -und arbeitete den ganzen Januar 1803 so angestrengt und -anhaltend, daß er sich eine Krankheit zuzog, die ihn längere -Zeit an das Lager fesselte.</p> - -<p>Kaum genesen beteiligte er sich mit feurigem Eifer im -April 1803 an der Gründung der englischen Bibelgesellschaft, -die noch heute in reichem Segen wirkt und schon -viele Millionen Bibeln in hunderten von Sprachen nach -allen Weltenden verbreitet hat.</p> - -<p>Nichts desto weniger ließ er über solchen Friedensarbeiten -die äußere Lage des Vaterlandes nicht aus den -Augen und half mit aller Macht darauf dringen, daß -das Land in den gehörigen Verteidigungszustand gesetzt -werde. Denn, wenn der Krieg mit Frankreich wirklich -wieder ausbrach, so lag die Befürchtung nahe, Napoleon -würde wenigstens den Versuch machen, mit einem Heere -in England zu landen. Indessen, so lange der Krieg -nicht wirklich erklärt sei, riet Wilberforce zum Frieden, -wenn auch für denselben Opfer sollten gebracht werden -müssen. Er glaubte fürchten zu müssen, daß Gott in -einem neuen, leichtsinnig begonnenen Kriege seine Zornesgerichte -über England werde kommen lassen.</p> - -<p>Als aber am 15. Mai 1803 der englische Gesandte -Paris verlassen hatte und ihm am 18. die Kriegserklärung -Napoleons auf dem Fuße folgte, forderte Wilberforce zu -festen, kräftigen Schritten auf und sprach dafür trotz seines -kränklichen Zustandes mit aller Wärme und Entschiedenheit, -welche ihm die Vaterlandsliebe eingab.</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="VI">VI.</h2> -</div> - -<p>Ein neues Ministerium, welches Pitt auf Befehl des -Königs bildete, weil das bisherige sich für die bestehenden<span class="pagenum"><a id="Seite_87">[87]</a></span> -Verhältnisse zu schwach gezeigt hatte, zählte zu seinen Mitgliedern -mehrere warme Freunde der Sklavensache, und -Wilberforce konnte es deshalb nicht lassen, diesen günstigen -Umstand zu benutzen und seinen Antrag auf Abschaffung -des Sklavenhandels im Parlamente einzubringen, so unruhig -auch die Zeiten waren.</p> - -<p>Er hatte auch die Freude, daß derselbe im Unterhause -bei jeder der drei Beratungen oder »Lesungen« angenommen -wurde; allein das Oberhaus, dem der Antrag jetzt -vorgelegt werden mußte, entschied sich dafür, ihn in Anbetracht -der jetzigen Zeitverhältnisse für die nächste Sitzung -zurückzulegen. Es sollte aber ein Erlaß des Ministeriums -erscheinen, durch welchen einstweilen dem Sklavenhandel -Einhalt gethan würde.</p> - -<p>Indessen dieser Erlaß ließ ein ganzes Jahr auf sich -warten, und als das Parlament sich wieder versammelte, -wurde nicht etwa die günstige Entscheidung vom vorigen -Jahre wiederholt und bestätigt, sondern wider alles Erwarten -umgestoßen. Wilberforce blieb mit seinem Antrage -in der Minderheit.</p> - -<p>So nahe am Ziele gewesen zu sein nach 17jähriger -Thätigkeit, und nun doch wieder eine völlige Vereitelung -seiner so gegründeten Hoffnung erleben zu müssen, war -für Wilberforce ein tiefer, brennender Schmerz. Er schrieb -in sein Tagebuch die klagenden Worte: »Nie habe ich bei -irgend einer Gelegenheit im Parlamente soviel empfunden. -Als ich in der Nacht aufgewacht war, konnte ich nicht -wieder einschlafen. Die armen Schwarzen kamen mir -nicht aus dem Sinne und die Schuld unseres sündigen -Vaterlandes.«</p> - -<p>Aber nun die Hoffnung auf ein schließliches Gelingen -seiner Arbeit ganz aufzugeben, war nicht die Sache eines<span class="pagenum"><a id="Seite_88">[88]</a></span> -Wilberforce. Dazu war seine Überzeugung, daß sein Werk -aus Gott sei und dasselbe durch Menschen nicht gedämpft -werden könne, viel zu tief und fest gegründet.</p> - -<p>»Herr Wilberforce,« sagte ihm jemand, »Sie sollten -nicht erwarten, eine derartige Maßregel durchzusetzen. Sie -haben wohl Geschick, eine Sache zu betreiben, und dies -ist eine sehr achtbare Beschäftigung für Sie; aber wir -beide haben genug vom Leben gesehen, um zu wissen, daß -Menschen sich nicht dazu bringen lassen, nach allgemeinen -Grundsätzen zu handeln, wo ihre Interessen im Spiele sind.«</p> - -<p>Und was antwortete Wilberforce?</p> - -<p>»Ich hoffe es dennoch durchzusetzen, und was noch mehr -ist: ich hege die Zuversicht, daß ich es bald durchsetze. -Ich habe die allmähliche Veränderung bemerkt, welche seit -einiger Zeit in den Gesinnungen der Menschen vorgegangen -ist, und wenn auch die Maßregel noch ein oder -zwei Jahre hingezogen werden mag, so bin ich doch überzeugt, -daß sie binnen kurzem zu stande kommt.«</p> - -<p>Pitt erließ jetzt endlich die versprochenen Befehle zur -Hemmung des Sklavenhandels, aber sie erwiesen sich als -zu unbestimmt abgefaßt, um irgend welchen Erfolg haben -zu können, und Pitt wurde deshalb angegangen, sie zu -ändern. Er that dies auch nach starkem Drängen und -am 13.September 1805 wurde der geänderte Erlaß denn -endlich veröffentlicht.</p> - -<p>Es war einer der letzten, welcher von Pitt ausging. -Denn derselbe wurde bald darauf ernstlich krank, und -wenn ihn auch die Freude über den Seesieg Nelsons bei -Trafalgar (21. Oktober 1805), wobei dieser große Seeheld -zwar selber das Leben verlor, aber auch die französische -Seemacht so gut wie völlig vernichtet wurde, wieder -ein wenig stärkte und ausrichtete, so beugte ihn doch die<span class="pagenum"><a id="Seite_89">[89]</a></span> -traurige Nachricht von der Niederlage der englischen Bundesgenossen, -der Russen und Österreicher, bei Austerlitz -(2. Dezember) aufs tiefste nieder und übte einen so nachteiligen -Einfluß auf seinen durch heftige Gichtschmerzen -und Verdauungsstörungen geschwächten Körper, daß er am -23. Januar 1806 starb, wie Wilberforce sagte: »an gebrochenem -Herzen, vom Feinde ebensowohl getötet wie -Admiral Nelson.«</p> - -<p>Tief bewegt folgte Wilberforce dem Sarge des Mannes, -der 25 Jahre lang die Angelegenheiten seines Vaterlandes -geleitet hatte und ihm, wenn auch vielleicht wegen des -großen Standesunterschiedes nicht gerade im vollsten und -schönsten Sinne des Wortes Freund geworden war, wozu -überdies die volle innere Übereinstimmung fehlte in den -höchsten und wichtigsten Lebensfragen, so doch die vollste -Hochachtung und Anhänglichkeit abgewonnen hatte.</p> - -<p>Dem neuen Ministerium, welches jetzt gebildet wurde, -gehörten zum größten Teile Männer an, die zu den eifrigsten -und lebendigsten Gegnern des Sklavenhandels zählen. -Wie hob das wieder den Mut und die Freudigkeit des edlen -Sklavenfreundes, und wie beeilte er sich nun sogleich wieder, -die günstige Wendung der Dinge auszunutzen!</p> - -<p>Ein Vorschlag, den Sklavenhandel nach fremden Kolonieen -zu verbieten, wurde zum Vorläufer des weitergehenden -auf völlige Abschaffung und Unterdrückung dieses -Handels gemacht und erhielt im Mai 1806 die Zustimmung -sowohl des Unter- wie des Oberhauses. Auch der -weitere Vorschlag, daß sich das Parlament zu baldiger -gänzlicher Abschaffung des Sklavenhandels verpflichten sollte, -wurde im Unterhause mit großer Mehrheit von 100 gegen -14, im Oberhause mit 42 gegen 21 Stimmen angenommen. -Ebenso wurde eine von Wilberforce beantragte<span class="pagenum"><a id="Seite_90">[90]</a></span> -Adresse an den König beschlossen, worin dieser gebeten -wurde dahin zu wirken, daß auch die übrigen Mächte -Europas den Sklavenhandel aufheben möchten.</p> - -<p>Aber würde nicht, so mußte Wilberforce nun rechnen, -die Sklavenhalter und Sklavenhändler jetzt, wo an der -völligen Aufhebung des Sklavenhandels kaum mehr zu -zweifeln schien, die ihnen noch gelassene Frist benutzen, -um gerade jetzt diesen Handel in verstärktem Maße zu betreiben?</p> - -<p>Von diesem Gedanken geleitet, brachte er noch einmal -vor Schluß der Sitzung einen Gesetzesvorschlag ein, welcher -verbot, daß Schiffe, die bis jetzt nicht zum Sklavenhandel -gebraucht worden seien, nunmehr dazu verwendet würden, -und siehe auch dieser Vorschlag fand zu seiner unsäglichen -Freude die Zustimmung beider Häuser.</p> - -<p>Allein es war für Wilberforce auf Grund der bisher -gemachten Erfahrungen doch noch keine volle Sicherheit -vorhanden, daß der lange und heiß ersehnte Sieg in seiner -heiligen Sache nun endlich errungen sei, und er bot deshalb -gerade jetzt seine ganze Kraft auf, ihr, soviel an ihm -lag, zum völligen Siege zu verhelfen. Mit seinen Freunden -bereitete er sich sorgfältig darauf vor, ein günstiges Zeugenverhör -herbeiführen zu können, wenn allenfalls das Oberhaus -noch einmal ein solches verlangen sollte. Er ging -auch mit allem Eifer daran, seine vorhin erwähnte Flugschrift -fertig zu machen, um dieselbe vor dem Zusammentreten -des Oberhauses allen Mitgliedern desselben zusenden -zu können und vollendete dieselbe durch rastloses Arbeiten -so frühe, daß sie am letzten Januar 1807 ausgegeben -werden konnte.</p> - -<p>Um ihn zu solchem Eifer aufzustacheln, hätte es indessen -so ehrender Zeugnisse keineswegs bedurft, wie ihm -ein solches bereits im Juni 1806 durch eine Edinburger<span class="pagenum"><a id="Seite_91">[91]</a></span> -Zeitung ausgestellt worden war. Dort war nämlich zu -lesen gewesen: »Wir wollen unsere Dankbarkeit dem Manne -bezeugen, der diesen glorreichen Kampf begonnen und durchgeführt -hat. Er hat dem Ausgange desselben alle seine -Tage und alle seine Talente geweiht. Er hat sich jeglicher -Belohnung für seine Anstrengungen entzogen, außer -dem zufriedenstellenden Bewußtsein, seinen Mitgeschöpfen -gutes erwiesen zu haben. Er hat der Menschheit gewidmet, -was andere den Parteirücksichten geopfert haben, -und den Ruhm, im Gedächtnisse einer dankbaren Welt -fortzuleben den glänzenden Belohnungen des Ehrgeizes -vorgezogen. Wir betrachten mit inniger Freude diesen -ausgezeichneten Mann, wie er nahe vor seinem endlichen -Triumphe sich befindet in der größten Schlacht, in der -je menschliche Wesen fochten und in einer Sache, welche -wir für einen Gegenstand des gerechten Neides der Ehrgeizigsten -unter den Sterblichen halten.«</p> - -<p>Der Stachel, den Wilberforce im eigenen Herzen trug, -der Stachel der Liebe zu den armen Schwarzen und die -Überzeugung, von Gott zur Linderung ihrer Leiden berufen -zu sein, war mächtiger als alle solche ehrenden Worte.</p> - -<p>Am 3. Februar 1807 kam die Sklavensache zur Verhandlung -im Oberhause und beschäftigte dasselbe die ganze -Nacht hindurch bis Morgens 5 Uhr. Aber obwohl zwei -Minister, ja selbst Prinzen des Königlichen Hauses dagegen -auftraten, erklärten sich doch schließlich 100 Stimmen -für die Abschaffung des Sklavenhandels, und nur 34 -dagegen.</p> - -<p>Nun fehlte nur noch eine günstige Entscheidung des -Unterhauses, in welchem die Sache am 23. Februar vorgebracht -werden sollte.</p> - -<p>Aber wie bangte nun unserem Wilberforce vor dieser<span class="pagenum"><a id="Seite_92">[92]</a></span> -entscheidenden Sitzung! Hatte er es doch schon einmal erleben -müssen, daß es trotz der günstigsten, fast zweifellosen -Aussichten zuletzt doch noch übel gegangen war! Wie -eifrig betete er, daß Gott alles zum Besten wenden möge -und stellte ihm in Demut alles anheim!</p> - -<p>Am 15. Februar schrieb er in sein Tagebuch: »Was -für eine schreckliche Zeit ist das! Die Entscheidung der -großen Frage nähert sich. Möge Gott, der die Herzen -aller in seiner Gewalt hat, sie wenden wie im Oberhause! -Möge er mich mit einem einfältigen Auge und Herzen -ausrüsten, daß ich nur wünsche, Ihm zu gefallen, meinen -Mitmenschen gutes zu erweisen und meinem angebeteten -Erlöser meine Dankbarkeit zu bezeugen!«</p> - -<p>Und am 22. Februar, am Vorabende des Tages, der -die Entscheidung bringen sollte, schrieb er ebenso demütig: -»Gewiß nie hatte ich mehr Ursache zur Dankbarkeit als -jetzt, da ich den großen Gegenstand meines Lebens zu -Ende führe, auf welchen eine gnädige Vorsehung meine -Gedanken vor 26 oder 27 Jahren und meine Thätigkeit -seit 1787 oder 1788 gerichtet hat. O Herr, laß mich -dich preisen von ganzem Herzen; denn nie war jemand -so sehr in der Schuld gegen dich. Wohin ich auch blicke, -sehe ich mich mit Segnungen überhäuft. O möge meine -Dankbarkeit nur einigermaßen im Verhältnisse zu denselben -stehen!«</p> - -<p>Bei den Verhandlungen des folgenden Tages war es -nur ein einziger westindischer Pflanzer und Sklavenhalter, -der gegen das Gesetz sprach, aber durch eine glänzende -Rede, die Wilberforce hielt und in der er noch einmal -die ganze Fülle seiner Beweise für die Schändlichkeit des -Sklavenhandels entwickelte, sofort zum Schweigen gebracht -wurde. Von dieser Rede begeistert rief der Generalprokurator<span class="pagenum"><a id="Seite_93">[93]</a></span> -Romilly aus: »Was ist das Gefühl der Größe, -das ein Kaiser der Franzosen, ein Napoleon, hat gegen -das Hochgefühl dieses Privatmannes, der heute sein Haupt -aufs Kissen legen darf mit dem Gedanken: der Sklavenhandel -ist nicht mehr!«</p> - -<p>Ein Sturm des Beifalls brach los, wie ihn die Parlamentsräume -noch nie gehört haben mochten. Alle die -ernste würdevolle Zurückhaltung, die sonst in diesen Räumen -üblich war und jede laute Beifallsäußerung verbot, war -völlig vergessen, und als es zur Abstimmung kam, erklärten -sich 283 Stimmen für, und nur 16 gegen die Abschaffung -des Sklavenhandels.</p> - -<p>Wie in einem Triumphzuge wurde Wilberforce von -seinen Freunden nach Hause geleitet, und von allen Seiten -regnete es gleichsam Beglückwünschungen für ihn. Er aber -ging in sein Kämmerlein und schrieb mit betendem Aufblicke -nach oben in sein Tagebuch: »O wieviel Dank bin -ich dem Geber alles Guten dafür schuldig, daß er mich -in seiner gnädigen Fürsorge zu der großen Sache geführt -hat, welche endlich nach fast 19jähriger Anstrengung Erfolg -gehabt hat!«</p> - -<p>Nachdem das Gesetz wegen einiger Veränderungen, die -daran gemacht worden waren, noch einmal durch das -Oberhaus gegangen war und auch in der geänderten Fassung -dessen Zustimmung erhalten hatte, erhielt es am 25. März -1807 auch die Königliche Bestätigung und damit volle -Gesetzeskraft.</p> - -<p>Das Ministerium, welchem es Wilberforce zu verdanken -hatte, daß er endlich mit seinen unaufhörlichen -Anträgen durchgedrungen war, wurde bald darauf zu -seinem großen Leidwesen von dem Könige entlassen; dadurch -wurde aber auch eine Auflösung des Parlaments<span class="pagenum"><a id="Seite_94">[94]</a></span> -herbeigeführt, und es mußte zu neuen Wahlen geschritten -werden.</p> - -<p>Hier zeigte es sich nun so recht handgreiflich, mit welcher -Liebe seine Wähler in der Grafschaft York an ihrem bisherigen -Vertreter Wilberforce hingen. Es war nämlich -ein angesehener Mann, Lord Milton, als Mitbewerber um -die Vertretung der Grafschaft aufgetreten, dem es ein Geringes -war, die großen Kosten zu bestreiten, welche eine -Wahl ins Parlament für den Gewählten mit sich führte. -Es galt nämlich für ihn, allen Wählern, welche ihm seine -Stimme geben sollten, die Kosten der Reise nach dem Wahlorte -zu vergüten und das verursachte besonders in einer -so weitausgedehnten Grafschaft, wie die Grafschaft York, -höchst bedeutende Ausgaben. Traten mehrere Bewerber um -die Stimmen der Wähler auf, so hatte in der Regel, -wenn es sich nicht gerade um besondere Parteiinteressen -handelte, derjenige die meiste Aussicht, gewählt zu werden, -welcher sich bei Vergütung der Reisekosten am freigebigsten -zeigte und den Ersatz so bemaß, daß auch wohl nach gemachter -Reise noch etwas Erkleckliches in der Tasche blieb.</p> - -<p>Wilberforce hatte jetzt, wo er für eine Familie zu -sorgen hatte, nicht Lust einen großen Teil seines Vermögens -für einen Sitz im Unterhause zu opfern und ließ dies -einmal in einer Versammlung seiner Freunde zu York so -nebenher fallen. Da rief aber sofort jemand: »Wir -dürfen unseren Wilberforce nicht verlassen, daher unterzeichne -ich 500 Pfund zu den Wahlkosten.« – Und siehe -im Handumdrehen gleichsam war die bedeutende Summe -von 18000 Pfund (360000 Mark) durch die Anwesenden -gezeichnet und stieg nachher noch durch weitere Zeichnungen -auf 64455 Pfund, über eine Million Mark. Es wurde -als eine Ehrensache für die Grafschaft angesehen, ihrem<span class="pagenum"><a id="Seite_95">[95]</a></span> -langjährigen hochgeschätzten Vertreter jedes persönliche Opfer -an Geld zu ersparen, wo derselbe so treu und mit so -hingebender Selbstverleugnung der Grafschaft seine Kraft -und Zeit widmete.</p> - -<p>Nun erhielt zwar am ersten Wahltage Lord Milton -mehr Stimmen als Wilberforce, allein am folgenden Tage -stellten sich die für Wilberforce Stimmenden in so großer -Zahl ein, daß dessen Name mit großer Mehrheit aus der -Wahl hervorging. Es hatte den Gegnern wenig geholfen, -daß sie über Wilberforce die nachteiligsten Gerüchte auszusprengen -suchten, ja ihn sogar schon für tot erklärten, -weil er wegen einer leichten Unpäßlichkeit das Zimmer -hüten mußte.</p> - -<p>Aber auch jetzt war es nur Dank gegen Gott, der ihm -solche Gunst bei den Menschen geschenkt habe, was sein -Herz erfüllte, aber auch nicht die leiseste Regung von -Hochmut, wie hätte er sonst die folgenden demütigen Worte -in sein Tagebuch schreiben können, worin er sich gewöhnt -hatte, all sein Denken und Fühlen niederzulegen? »Wenn -ich auf meine Thätigkeit im Parlamente zurückblicke,« -schreibt er da, »und sehe, wie wenig ich im ganzen genommen -die Lehre Gottes und meines Heilandes geziert -habe, so bin ich beschämt und beuge mich in den Staub. -Möge, o Herr, alle Zeit, welche mir noch übrig ist, besser -angewendet werden! Doch komme ich mit allen meinen -Sünden, Vernachlässigungen und Irrtümern zum Kreuze -und vertraue auf die freie Gnade Gottes in Christo, als -auf meine einzige Hoffnung und Zukunft.«</p> - -<p>Überhaupt war er, selbst in den bewegten Tagen der -Wahlzeit überaus ruhig und sorglos wegen der bevorstehenden -Entscheidung. Wußte er doch, daß die Entscheidung -fallen werde und fallen müsse, wie es in Gottes<span class="pagenum"><a id="Seite_96">[96]</a></span> -Rat und Willen beschlossen sei, und in den sich ganz zu -fügen und immer völliger sich fügen zu lernen, war für -ihn Hauptsache. So berührte er, als er am Sonntage -vor der Wahl den Besuch eines Geistlichen empfing, diese -mit keiner Silbe, sondern unterredete sich zu dessen großer -Bewunderung lediglich über geistliche Dinge, wie es dem -Tage des Herrn angemessen war.</p> - -<div class="figcenter" > -<img src="images/ill_96.jpg" alt="" /> -</div> - -<p>Und in einem Briefe an seine Frau aus diesen Tagen -heißt es unter Anderem: »Wie schön muß Broomfield (der -damalige Aufenthaltsort seiner Familie) in diesem Augenblicke -sein! Auch hier ist spanischer Flieder und Weißdorn -an warmen Stellen in Blüte. Ich stelle mir oft vor, wie -ich den Garten mit Dir und den Kleinen durchstreife, -und gewiß habe ich mich im Geiste mehrmals täglich mit -Euch vereinigt und gehofft, wir wendeten uns zugleich an -den Thron der Gnade. Wie barmherzig und gnädig ist -Gott gegen mich! Gewiß muß ich die allgemeine Liebe, -welche ich erfahre, als einen besonderen Beweis der Güte -des Allmächtigen ansehen. Wahrlich kein Mensch hat -soviel Ursache, den Ausspruch zu dem seinigen zu machen: -»Gutes und Barmherzigkeit sind mir gefolgt mein Leben -lang.« Ich danke Gott, mein Geist ist ruhig und heiter. -Ich kann Ihm ohne Ängstlichkeit den Ausgang überlassen -und wünsche nur, daß ich in der Stellung, in welche ich -gesetzt werden mag, die Lehre Gottes und meines Heilandes -und mein christliches Bekenntnis ehren möge. Ich -muß gute Nacht sagen. Möge Gott dich segnen! Küsse -die Kleinen und grüße freundlichst das ganze Haus und -andere Freunde! Wenn es bei Euch so heiß gewesen ist, -wie bei uns, (bei Ostwind zeigte das Thermometer um -12 Uhr im Schatten 77° Fahrenheit!) so müßt Ihr viel -ausgestanden haben. Jeder Segen treffe Dich und die<span class="pagenum"><a id="Seite_97">[97]</a></span> -unsrigen in Zeit und Ewigkeit. Immer Dein anhänglicher -W. Wilberforce.«</p> - -<p>Eine leichte Lungenentzündung, die ihn im Dezember -1807 befiel, hinderte Wilberforce, an der Parlamentssitzung -dieses Winters teilzunehmen. Als aber im März 1808 -eine sogenannte »afrikanische Stiftung« errichtet wurde, -welche sichs zur Aufgabe stellte, dahin zu wirken, daß das -Gesetz wegen Aufhebung des Sklavenhandels auch wirklich -zur Ausführung gebracht werde, ließ er sich, obwohl -seine Krankheit noch nicht völlig überwunden war, doch -nicht abhalten, sich an dieser Stiftung mit allem Eifer -zu beteiligen. Ohnehin schien es ihm, daß sich jetzt in -Spanien, welches dem französischen Eroberer so kräftigen -Widerstand im Volkskriege entgegensetzte, eine Stimmung -bilden müsse, die der Aufhebung des Sklavenhandels auch -in diesem Lande, das ihn ohnehin nur schwach betrieb, -günstig wäre. Wo man Unterdrückung und Grausamkeit -so verabscheuen lerne, meinte er, wie es jetzt die Spanier -durch die Franzosen lernten, da könne man auch die Grausamkeiten -des Sklavenhandels fernerhin nicht mehr ruhig -mitansehen und dulden.</p> - -<p>Während er selber sich mit den spanischen Ministern -in Verbindung setzte und von diesen auch die Zusicherung -ihrer thätigen Teilnahme empfing, forderte er seinen -Schwager Stephen auf, eine Flugschrift an das spanische -Volk zu richten, um dasselbe über den Sklavenhandel -gründlich zu belehren und ihm die Gräuel dieses Handels -recht gründlich aufzudecken.</p> - -<p>Ebenso schrieb Wilberforce an den Präsidenten der -vereinigten Staaten Nordamerikas, um eine Übereinkunft -herbeizuführen, nach welcher es jedem Staate freistehen -sollte, die Sklavenschiffe des andern wegzunehmen, um so<span class="pagenum"><a id="Seite_98">[98]</a></span> -den schändlichen Handel, gegen den sich jetzt auch die Nordamerikaner -auflehnten, völlig lahm zu legen. Denn es -war allerdings so gekommen, wie die »Westindier« im -Parlamente vorausgesagt hatten, der Sklavenhandel, wenn -auch gesetzlich verboten, wurde doch insgeheim und gegen -das Gesetz fortgetrieben. Deshalb erwirkte Wilberforce -auch bei dem Ministerium, daß den englischen Beamten -auf den westindischen Inseln die größte Wachsamkeit in -betreff des Sklavenhandels zur Pflicht gemacht wurde, -und wandte sich eben deshalb auch an den englischen Konsul -in Brasilien.</p> - -<p>Als er erfuhr, daß auf der ostindischen Insel Ceylon -aus Rücksichten der Sparsamkeit fast alle christlichen Schulen -geschlossen worden seien und dadurch die Verbreitung des -Christentums dort aufs tiefste geschädigt sei, machte er -auch diese Sache bei dem Ministerium anhängig und erwirkte, -daß die alten Schulen zum größten Teile wieder -eröffnet und neue gegründet wurden.</p> - -<p>So wirkte Wilberforce auch außerhalb des Parlamentes -nach allen Seiten hin, wo sich nur die geringste Veranlassung -bot, zum Segen der Menschheit und setzte seine -schwache Körperkraft unbedenklich ein, wo es galt, etwas -Gutes zu schaffen.</p> - -<p>Um auch während der Parlamentssitzungen bei seiner -Familie sein zu können, bezog er mit derselben, die bisher -in dem etwas weiter von London entlegenen Broomfield -gewohnt hatte, jetzt eine dem Parlamentshause näher gelegene -Wohnung in Kensington Gore. Denn er fühlte -es immer mehr als eine heilige Pflicht, die er bisher -wegen seiner ausgebreiteten öffentlichen Thätigkeit viel zu -wenig hatte erfüllen können, sich selbst mit der Erziehung -seiner Kinder zu befassen, deren Zahl im Laufe der Jahre<span class="pagenum"><a id="Seite_99">[99]</a></span> -auf 6 herangewachsen war, darunter 4 Söhne und 2 -Töchter. Zwar konnte er sich darauf verlassen, daß seine -Frau den günstigsten Einfluß auf dieselben üben und besonders -auch für ihre christliche Erziehung sorgen werde; -aber es drängte sein Vaterherz, gerade in der letzten Beziehung -seinen Kindern auch selbst etwas zu werden und -ihnen aus dem reichen Schatze seines Herzens mitzuteilen, -was ihm selber von Gott gegeben war.</p> - -<p>Wenn er gehofft hatte, dies in der neuen Wohnung -besser als bisher thun zu können, so war das freilich eine -Täuschung; denn sein gastfreies Haus wurde gerade hier -mehr denn je von Besuchern heimgesucht, ohne daß er es -hindern konnte und wollte. Nur die frühen Morgenstunden -blieben ihm frei, und diese war er seit langer Zeit gewöhnt, -der Beschäftigung mit Gott vor Allem und dann -seinen wichtigsten Arbeiten zu widmen.</p> - -<p>So nahm er denn nicht ungern das Anerbieten eines -Freundes an, dessen leerstehenden Landsitz in Sussexshire -mit seiner Familie zu beziehen, nachdem die Parlamentssitzung -des Jahres 1810 beendet war. Und hier konnte -er sich nun ganz seinen Kindern widmen, was ihm bisher -nur an den Sonntagen möglich gewesen war. Dann -pflegte er mit ihnen nach der gemeinsamen Familienandacht -regelmäßig zur Kirche zu gehen und den übrigen Teil des -Tages mit ihnen im Garten oder auf Spaziergängen zu -verbringen.</p> - -<p>Hier in der ungestörten Stille des Landlebens konnte -er ihre ganze Art und Weise beobachten und je nach der -Verschiedenheit der bei ihnen sich zeigenden Neigungen und -Anlagen seine erziehliche Einwirkung regeln. Vor Allem -suchte er durch Liebe und Freundlichkeit, die er ihnen in -reichster Fülle entgegenbrachte, ihre Herzen auch an sich<span class="pagenum"><a id="Seite_100">[100]</a></span> -zu fesseln, wie sie bereits auf das innigste an das treue -Mutterherz gefesselt waren, und sich so einen wirksamen -Einfluß auf ihr Gemüt zu sichern. Aber er ließ es ihnen -gegenüber auch an dem nötigen Ernste nicht fehlen und -strafte sie unnachsichtig, wo es sich nötig erwies. Sie in -das rechte Verhältnis zu Gott, ihrem himmlischen Vater -zu bringen, war und blieb jedoch seine Hauptsorge. Nur -wachte er ängstlich darüber, daß sich in dieses Verhältnis -nichts Unächtes und Gemachtes einschleiche, und daß die -Kinder nicht Gefühle erheuchelten, die ihren Herzen fremd -waren. Wenn er in ihnen die Liebe zu Gottes Wort -und zur Kirche zu erwecken und zu nähren bemüht war, -so that er das mehr durch sein eigenes Vorbild als durch -Worte der Mahnung.</p> - -<p>Aus diesem für ihn selbst so lieblichen, für seine Kinder -aber so ersprießlichen Stillleben wurde er indes bald durch -die Nachricht aufgeschreckt, daß der König Georg III. ernsthaft -erkrankt sei und deshalb schon am 1. November -eine Sitzung des Parlamentes stattfinden müsse, um wegen -einer Stellvertretung in der Regierung des Landes zu beraten. -Da die Ärzte die Krankheit des Königs für hoffnungslos -erklärten, so übernahm der Kronprinz, oder wie -er in England stets heißt: der Prinz von Wales, im -Januar 1811 die Regierung.</p> - -<p>Jetzt, wo eine Auflösung des Parlamentes und neue -Wahlen zu erwarten standen, legte sich Wilberforce der -Gedanke nahe, die mit so vieler Mühe und Arbeit verbundene -Vertretung der großen Grafschaft York aufzugeben -und sich lieber für einen kleineren Bezirk wählen -zu lassen. Die sorgfältige Beschäftigung mit seinen Kindern -hatte ihn die Notwendigkeit eines solchen Schrittes deutlich -einsehen gelehrt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_101">[101]</a></span></p> - -<p>Seinen bisherigen Wählern wollte es freilich gar nicht -einleuchten, daß sie den Mann verlieren sollten, der so -lange mit hingebender Treue ihre Interessen im Parlamente -vertreten hatte, und dessen Namen im ganzen Lande -einen so hellen, guten Klang besaß; es bedurfte einer -wiederholten bestimmten Erklärung von seiner Seite, daß -er die ihm angetragene Wahl für den Flecken Bramber -annehmen wolle, ehe sie an die Festigkeit seines Entschlusses -glaubten. Aber als sie nicht mehr zweifeln konnten und -ihn schweren Herzens aufgeben mußten, ehrten sie seine -Verdienste um sie mit einer warmen anerkennenden Dankadresse.</p> - -<p>Daß Wilberforce dem Parlamente seine Thätigkeit nicht -ganz entzog, wurde selbst von Solchen, die bisher seine -Gegner gewesen waren, anerkannt und mit Freuden -begrüßt.</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="VII">VII.</h2> -</div> - -<p>Die freie Zeit, welche Wilberforce dadurch gewann, -daß er nicht mehr soviel mit der Vertretung seines Wahlbezirks -zu thun hatte, verwendete er außer für die Sklavensache, -von welcher er täglich neu die Erfahrung machte, -wieviel dabei noch zu thun sei, in der That jetzt in der -gewissenhaftesten Weise für die Erziehung seiner Kinder. -Er ließ sich dabei von der erfahrenen Kinderfreundin und -Jugendlehrerin beraten, mit der er in so genauer, freundlicher -Beziehung stand, von Hannah More.</p> - -<p>Sooft die Kinder, welche schon so weit erwachsen waren, -daß sie auswärtige Schulen besuchten, nach Hause kamen, -suchte er sich ihnen ganz zu widmen und ihnen durch Liebe<span class="pagenum"><a id="Seite_102">[102]</a></span> -und Freundlichkeit das Elternhaus recht teuer zu machen. -War er mit ihnen auf dem Lande, so nahm er trotz -seiner 50 Jahre lustig an ihren Spielen teil und entwickelte -dabei einen solchen Eifer, daß er einmal wegen -einer Verletzung am Beine, die er beim Ballspiel davongetragen -hatte, mehrere Wochen das Zimmer hüten mußte.</p> - -<p>Dazwischen las er mit ihnen unterhaltende und belehrende -Schriften, aber nicht ohne dieselben vorher auf -ihren Inhalt genau angesehen zu haben, und würzte oder -vervollständigte das Gelesene durch Mitteilungen aus -seiner eigenen reichen Lebenserfahrung. Vornehmlich suchte -er bei ihnen, soweit es ihrem Lebensalter angemessen war, -eine rechte Liebe zu dem Worte Gottes zu erwecken, indem -er es nicht allein täglich in den Familienandachten vorlas, -sondern auch Besprechungen daran knüpfte und es in recht -verständlicher, kindlicher Weise auslegte. Dabei war aber, -wie schon bemerkt worden ist, seine ängstlichste Aufmerksamkeit -darauf gerichtet, daß seine Kinder in der Wahrheit -blieben und daß kein gemachtes Wesen bei ihnen aufkam. -Mit dem bittersten Ernste strafte er alles, was -nur an das Gebiet des geistlichen Geschwätzes anzustreifen -schien, und mahnte unablässig zur Nüchternheit und Aufrichtigkeit.</p> - -<p>Noch ernster nahm er es damit, als er erfuhr, daß der -Sohn eines Freundes auf böse Wege geriet und ein trauriges -Ende nahm, weil er im elterlichen Hause durch unaufhörliche -Beschäftigung mit religiösen Dingen einen vollständigen -Widerwillen gegen alle Religion gefaßt hatte -und sich, sowie er dem elterlichen Hause entwachsen war, -ganz und gar dem Unglauben und der Freigeisterei in die -Arme geworfen hatte.</p> - -<p>Gern gestattete er seinen Kindern harmlose Lebensfreuden<span class="pagenum"><a id="Seite_103">[103]</a></span> -und Erheiterungen, ja suchte ihnen selber solche -in jeder möglichen Form zu bereiten. Überhaupt huldigte -er bei der religiösen Erziehung seiner Kinder dem unzweifelhaft -richtigen Grundsatze: »Sprich mehr zu Gott -über deine Kinder, als zu deinen Kindern über Gott!«</p> - -<p>Wie treulich er das erstere that, mag eine Stelle aus -seinem Tagebuche zeigen, worin er sich selbst anklagend -sagt: »Ich bin mir der Unzulänglichkeit meiner Kräfte in -allem, was die Erziehung meiner Kinder betrifft, wohl -bewußt, hoffe aber in Demut und Zuversicht, daß ich in -Wahrheit sagen kann: die geistlichen Angelegenheiten meiner -Kinder sind das Hauptziel meines Strebens. Es kommt -mir mehr darauf an, sie als wahre Christen, denn als -große Gelehrte oder sonst ausgezeichnete Leute zu sehen. -Ich bitte Gott ernstlich um Weisheit für mich und um -reichliche Gnade für meine Kinder, und bin dabei fest -entschlossen, alle meine Maßregeln genau zu überlegen und -dann erst zu handeln. In Beziehung auf den Erfolg bin -ich dann auf Grund der Verheißungen in der Schrift -guten Mutes.«</p> - -<p>Um erkennen zu lassen, in welch herzlicher, kindlicher -Weise Wilberforce mit seinen Kindern zu verkehren verstand, -lassen wir hier einen Brief folgen, den er bei einer -längeren Abwesenheit von Hause an einen seiner jüngeren -Söhne richtete, und der zugleich darthut, daß er auch bei -den dringendsten Geschäften doch Zeit zu gewinnen wußte, -um sich mit seinen Kindern brieflich zu unterhalten.</p> - -<div class="letter"> - -<p class="noind">»Mein teuerster Sohn!« schreibt er, »es gefällt mir -gar nicht, daß Du das einzige von meinen Kindern -bist, welches während meiner Abwesenheit nicht an -mich geschrieben hat und daß Du das einzige sein -solltest, an welches ich nicht schriebe. Daher ergreife<span class="pagenum"><a id="Seite_104">[104]</a></span> -ich meine Feder, wenn auch nur für sehr wenige -Augenblicke, um Dir zu versichern, daß ich nicht -vermute, Dein Schweigen sei aus einem Mangel an -Zuneigung entsprungen, sowenig als das meinige -aus derselben Quelle herzuleiten ist. Es giebt einen -gewissen bösen Geist, genannt »Aufschub«, welcher -ein Schloß in der Luft zu Sandgate (NB. dem -augenblicklichen Aufenthaltsorte der Familie) sowohl, -wie an vielen anderen Plätzen bewohnt. Ich vermute, -daß Du eines Tages, vielleicht an dem Schwanz -Deines Drachen, aufgefahren bist und Dich in diesem -Schlosse niedergelassen hast, worin es sehr große -weite Zimmer mit herrlichen Aussichten nach allen -Richtungen giebt. Wahrscheinlich wirst Du diese -Wohnung nicht verlassen wollen, bis Du hörst, daß -ich auf dem Wege nach Sandgate bin. Du könntest -dort den »Morgen-Mann« (d. h. der alles auf morgen -verschiebt) treffen, und ich hoffe, Du wirst von ihm -verlangen, den Rest der unterhaltenden Geschichte zu -hören, von welcher Miß Edgeworth einen Teil erzählt -hat, obgleich ich fürchte, er wird zu sehr nach -dem Geiste des Platzes handeln, als daß er nicht -einen Teil der Geschichte noch unerzählt lassen sollte -– bis morgen. Doch ich treibe Scherze und bin -doch diesen Morgen ungewöhnlich in meiner Zeit -beengt. Ich will darum, mein teuerstes Kind, Dich -nur noch ernstlich vor dem Aufschub warnen, als -einem der gefährlichsten Feinde einer nützlichen Wirksamkeit, -und Dir versichern, daß ich bin heute, morgen -und immer, solange ich lebe</p> - -<p class="right"> -Dein Dich liebender Vater W. Wilberforce.« -</p></div> - -<p>Wie er aber mit seinen Kindern zu scherzen verstand,<span class="pagenum"><a id="Seite_105">[105]</a></span> -ließ es Wilberforce im Verkehre mit ihnen auch nicht am -heiligsten Ernste fehlen. Das zeigt der Schluß eines -Briefes, den er an seinen ältesten 17jährigen Sohn richtete, -und darin es heißt:</p> - -<div class="letter"> - -<p class="noind">»Da ich alle meine Zeit aufgewendet und auch die -Deinige in Anspruch genommen habe, so muß ich -zum Schlusse eilen, aber nicht ohne in wenigen -Worten meinem teuern William zu versichern, wie -oft ich an ihn denke, wie oft ich für ihn bete. O -mein teuerster Sohn, ich beschwöre Dich ernstlich, -Dich nicht verführen zu lassen zur Vernachlässigung, -Abkürzung oder Übereilung Deiner Morgengebete. -Vor allen Dingen hüte Dich, Gott in Deinem -Kämmerlein zu vernachlässigen. Nichts ist gefährlicher -für das Leben und die Macht der Religion, -nichts veranlaßt gewisser Gott, seine Gnade zu entziehen. -Lebe wohl, mein geliebter William, mein -Erstgeborner, und o mein teuerster Sohn, halte im -Gedächtnis, was für eine Quelle der Freude oder -des Grams Du Deiner Dich liebenden Mutter sein -kannst und Deinem Dich liebenden Vater und Freunde</p> - -<p class="right"> -W. Wilberforce. -</p></div> - -<p>Derartige Briefe wechselte der Vater wenigstens einmal -wöchentlich mit seinen Kindern, und um nie daran -gehindert zu sein, führte er stets Schreibgeräte bei sich, -und schrieb nicht selten aus den Häusern seiner Freunde, -bei denen er eingetreten war.</p> - -<p>Wenn wir bisher nur seiner eigenen Bemühungen um -seine Kinder gedacht haben, so soll damit aber keineswegs -angedeutet sein, als ob er dabei nicht in voller Gemeinschaft -und in vollem Einklange mit seiner Gattin gehandelt -habe. Im Gegenteile waren beide Eltern stets vereint<span class="pagenum"><a id="Seite_106">[106]</a></span> -in liebender Fürsorge für die Kinder. Dafür mag nachfolgende -Stelle Zeugnis geben, die einem Briefe entnommen -ist, den Wilberforce an seine Frau schrieb:</p> - -<p>»Möge Gott Dich segnen, und wenn es so sein Wille -ist, möchten wir noch lange einander erhalten werden! -Ich hege die lebendige Überzeugung, daß dies sehr auf -dem Verhalten unserer Kinder beruht. Wie ich oft gesagt -habe, laß es für uns ein Grund sein, danach zu trachten, -daß wir selbst in der Gnade wachsen. Denn je mehr -wir selbst die Gunst des Himmels zu erlangen suchen, -um mich so auszudrücken, desto sicherer werden wir, was -wir ja inbrünstig erbitten, das Heil unserer Kinder fördern. -O daß ich nur noch sehen könnte, wie sie ihre Herzen -Gott darbringen! Ich denke, dann könnte ich mich freudig -zur Ruhe legen.«</p> - -<p>Über solch treuer Fürsorge für seine Kinder vergaß -jedoch Wilberforce seine Sklavensache durchaus nicht, sondern -benutzte die größere Freiheit von eigentlichen Berufsgeschäften, -die er jetzt genoß, dazu, diese Sache auf immer -weitere und höhere Bahnen zu bringen. Er wußte ja -freilich wohl, daß ein Werk, das zu seiner Vorbereitung -allein soviele Jahre erfordert hatte, und so schweren, heißen -Kampf, nicht in kurzer Zeit vollendet dastehen könne, und -deshalb steuerte er geduldig und beharrlich, Schritt um -Schritt dem Endziele zu, das aber jetzt nicht mehr blos -die Aufhebung des Sklavenhandels für ihn war, sondern -die gänzliche Abschaffung der Sklaverei.</p> - -<p>Einstweilen konnte er sich nicht darüber täuschen, daß -der Sklavenhandel ruhig seinen Gang fortging, daß selbst -englische Schiffe trotz des bestehenden gesetzlichen Verbots -ihn fortsetzen. In Voraussicht dessen hatte er schon sogleich -nach seinem Siege im Parlamente darauf gedrungen,<span class="pagenum"><a id="Seite_107">[107]</a></span> -daß englische Kriegsschiffe an die afrikanischen Küsten beordert -würden, um dort zu kreuzen, jedes englische Sklavenschiff -wenigstens wegzunehmen und die darauf befindlichen -Neger wieder in Freiheit zu setzen.</p> - -<p>Jetzt unterstützte er eifrig den Vorschlag, freie Arbeiter -in die westindischen Kolonien überzuführen, welche -dort gegen bestimmten Lohn auf den Plantagen arbeiteten.</p> - -<p>Vor Allem aber kam es darauf an, sorgfältig darüber -zu wachen, und die geeigneten Maßregeln zu treffen, -daß nicht, sei es heimlich durch englische, sei es öffentlich -durch spanische, französische oder portugiesische Schiffe immer -neue Neger in jene Kolonien eingeführt würden. Deshalb -sollten die Namen sämtlicher Negersklaven, die sich dort -bereits befänden, in öffentliche Listen eingetragen, und -jeder Pflanzer bestraft werden, der bei einer eintretenden -Untersuchung im Besitze eines nicht eingetragenen Sklaven -befunden würde.</p> - -<p>Das wäre denn freilich ein gewaltiger Eingriff gewesen -in die Rechte der einzelnen Kolonien und ihrer -Regierungen, welche ziemlich selbständig wirtschafteten, -und es stand zu befürchten, daß eine gewaltige Aufregung -in allen Kolonien die Folge wäre. Daher glaubte man -am besten zu thun, wenn man zuerst auf der Insel Trinidad, -der südlichsten der kleinen Antillen vor dem Meerbusen -von Paria, einen Versuch mit der Einregistrierung der -Sklaven machte. Denn diese Insel, welche die Engländer -von den Spaniern erobert hatten und welche 1802 im -Frieden von Amiens förmlich an sie abgetreten worden -war, hatte noch keine so selbständige Regierung, daß -man auf dieselbe besondere Rücksichten hätte nehmen müssen.</p> - -<p>Der Minister Perçeval, welcher seit 1807 das Ministerium -leitete und Wilberforce in seinen Bestrebungen<span class="pagenum"><a id="Seite_108">[108]</a></span> -gerne unterstützte, erließ auch wirklich den Befehl, daß die -Registrierung der Negersklaven auf Trinidad sofort zu -geschehen habe, und war auch weiter durchaus nicht abgeneigt, -diese Maßregel, wenn sie sich hier als wirksam -zur Hemmung des Sklavenhandels bewähre, auf die übrigen -westindischen Kolonieen Englands auszudehnen.</p> - -<p>Aber der wohlwollende, christlich gesinnte Mann fiel -am 11. Mai 1812 als das Opfer eines Wahnsinnigen, -der ihn erschoß, tief betrauert von Wilberforce, der an -ihm eine kräftige Stütze verlor und nun vorläufig wenig -Aussicht hatte, daß die allgemeine Aufzeichnung der Sklaven -in den Kolonieen zu stande komme. Nur in der »afrikanischen -Stiftung« behielt man die Sache fest im Auge -und zog sorgfältige Erkundigungen ein darüber, welche -Wirkung die auf Trinidad ausgeführte Maßregel habe.</p> - -<p>Inzwischen richtete Wilberforce, der nicht ruhen konnte, -seine Blicke von Westindien nach Ostindien hinüber, für -das er ja schon einmal seine Thätigkeit eingesetzt hatte, -um dazu zu helfen, daß den dortigen Eingeborenen in -reicherem Maße das Christentum gebracht werde, als es -die sogenannte »ostindische Kompagnie« gethan haben wollte, -die dort drüben fast unabhängig von der Regierung des -englischen Mutterlandes die Kolonieen beherrschte.</p> - -<p>Im Jahre 1813 erlosch nämlich einmal wieder der -jener Kompagnie von England bewilligte Freibrief, laut -dessen sie nicht blos den ganzen Handel mit England und -allen anderen Ländern betrieb, sondern auch so ziemlich -nach freiem Ermessen und Gutdünken wirtschaften konnte -und dafür nur eine bestimmte Abgabe an die englische -Regierung entrichtete. Viele Stimmen sprachen sich nun -dafür aus, daß der Freibrief in seiner bisherigen Ausdehnung -nicht mehr ausgestellt und dadurch jene Kompagnie<span class="pagenum"><a id="Seite_109">[109]</a></span> -zu einer beherrschenden Macht im Staate gemacht werden -dürfe. Dies glaubte Wilberforce benutzen zu müssen, um -einen Druck auf die ostindische Kompagnie auszuüben, -daß sie, wie es auch sonst mit ihrem Freibriefe ergehen -möge, wenigstens genötigt würde, die Hemmnisse zu beseitigen, -welche sie bisher der Ausbreitung des Christentums -in den Weg gelegt hatte. Er brachte die Angelegenheit -im Parlamente zur Sprache, unterstützt von 900 -Bittschriften, die er aus allen Teilen Englands zusammengebracht -hatte. Er bot wieder seine ganze Beredtsamkeit -auf und erreichte es zu seiner großen Freude auch wirklich, -daß sich die große Mehrzahl des Parlaments zu Beschlüssen -vereinigte, in Folge deren der Missionsarbeit in Ostindien -kein Hindernis mehr bereitet werden konnte.</p> - -<p>Auch in seiner Sklavensache durfte er einen erfreulichen -Fortschritt verzeichnen. Es war ihm nämlich schon -lange ein Dorn im Auge gewesen, daß auf der einzigen -Besitzung Schwedens in Westindien, auf der kleinen Insel -St. Barthelemy, ein bedeutender Sklavenmarkt bestand, -auf dem sich die westindischen Pflanzer trotz der Wachsamkeit -der englischen Kriegsschiffe leicht mit Sklaven versorgen -konnten, solange nicht die oben erwähnte Maßregel, -die Sklaven aufzuzeichnen, allgemein durchgeführt war.</p> - -<p>Als nun Schweden, das auf Napoleons Befehl an -England hatte den Krieg erklären müssen, aber unter diesem -Kriegszustande selbst am meisten litt, nach Napoleons -Niederlage in Rußland sich zum Anschlusse an die gegen -Napoleon verbündeten europäischen Mächte entschloß und -mit England seinen Frieden zu machen suchte, drang Wilberforce -bei den Ministern darauf, daß in die Friedensbedingungen, -die England stellte, auch die aufgenommen -würde, daß Schweden den Sklavenhandel aufgeben und<span class="pagenum"><a id="Seite_110">[110]</a></span> -aufheben müsse. Es wurde ihm willfahrt, und als erst -Schweden sich in Folge dessen zur Aufhebung des Sklavenhandels -herbeigelassen hatte, folgte ihm auch Dänemark -bald freiwillig darin nach.</p> - -<p>Auch vom Festlande herüber kamen verheißungsvolle -Nachrichten, welche ein baldiges Ende von Napoleons Gewaltherrschaft -und einen dauernden Frieden in Aussicht -stellten, bei dessen Schließung etwas für die Sklavensache -Ersprießliches durchzusetzen möglich schien. Und als das -Gehoffte geschehen war, als Napoleon entthront und von -seinen Marschällen aufgegeben, auf der Insel Elba saß, -wie frohlockend schrieb da Wilberforce an seine alte Freundin -Hannah More! Hatte er doch allezeit den Corsen für eine -Gottesgeißel gehalten, die der Herr, wenn er sie zur Züchtigung -der Völker gebraucht hätte, wieder wegwerfen -würde. »So hat denn,« schrieb er jetzt, »die Dynastie -Buonaparte aufgehört, zu regieren, wie Freund Talleyrand -uns benachrichtigt; das hat Gott gethan! Wie sehr wünschte -ich nur, daß mein armer alter Freund Pitt noch lebte, -um Zeuge von dieser Entwickelung des 25 Jahre dauernden -Dramas zu sein!« – Wie ergriff er aber auch sofort -die Gelegenheit, aus der völlig veränderten Lage Frankreichs -für die Sklavensache Nutzen zu ziehen!</p> - -<p>Kaum hatte Ludwig XVIII. wieder seinen Einzug in -Paris gehalten und den französischen Thron bestiegen, als -er seinen Schwager Stephen veranlaßte, ein Schreiben an -denselben zu richten und ihm ehrerbietig vorzustellen, wie -nun, wo England und Amerika, Schweden und Dänemark -den schändlichen Sklavenhandel abgestellt hätten und selbst -Portugal seine Grausamkeit und Ungerechtigkeit nicht mehr -in Abrede stellte, ja sich zu allmählicher Aufhebung desselben -verstehen wolle, Frankreich nicht zurückbleiben dürfe,<span class="pagenum"><a id="Seite_111">[111]</a></span> -da ohnehin während der langen Kriegszeit ihm dieser -Handel so gut wie verloren gegangen wäre und eine gesetzliche -Abschaffung desselben keine Interessen seiner Bewohner -schädigen könnte.</p> - -<p>Wilberforce selbst aber entschloß sich, an den Kaiser -von Rußland zu schreiben, als an den mächtigsten unter -den verbündeten Monarchen, und ihn um seine Mitwirkung -zur völligen Abschaffung des Sklavenhandels zu bitten. -Dieser Brief war ihm so wichtig, daß er, was er sonst -nie that, selbst einen Sonntag darauf verwendete, freilich -nicht ohne sich nachher ernstlich selbst darüber zu strafen.</p> - -<p>Am Schlusse dieses Briefes hieß es: »Aber obgleich -die Schuld und die Schande dieses schrecklichen Handels -Großbritannien nicht mehr trifft, so besteht er selbst doch -noch, und in der Hoffnung, Sire, daß Sie Ihren mächtigen -Einfluß zur Unterdrückung desselben anwenden, rufe -ich Sie im Namen der Religion, der Gerechtigkeit und -Menschlichkeit an, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu richten. -Dem göttlichen Segen vertraue ich diese Zeilen an. Möge -das allmächtige Wesen, dem Sie, wie ich die Zuversicht -hege, anhangen und dienen, welches Sie zum Hauptleiter -bei der Befreiung des europäischen Festlandes von den -Banden erhoben hat, in denen es durch eine geheimnißvolle -Vorsehung so lange gehalten war, Sie zu dem geehrten -Werkzeuge machen, durch welches es auch an Afrika -seine gnädigen Absichten vollführt! Mögen Sie leben, -Sire, ein Zeuge des gesegneten Erfolgs dieser Ihrer Wohlthaten, -durch welche christliches Licht, sittliche Besserung -und gesellschaftliches Wohlergehen über die in Nacht liegenden -Gegenden kommen! Mögen Sie hören, wie die schwarzen -Kinder nach der Schrift ihre Hände erheben zu dem allein -wahren Gotte und nicht zeitlichen allein, sondern auch<span class="pagenum"><a id="Seite_112">[112]</a></span> -ewigen Segen herabrufen auf das Haupt Alexanders, des -Kaisers der Russen, als des größten unter ihren irdischen -Wohlthätern!«</p> - -<p>Wilberforce wollte durchaus, daß bei den Verhandlungen -wegen des Pariser Friedens (Mai 1814) von -seiten Englands die Forderung erhoben würde, daß die -von ihm eroberten französischen Kolonieen nur unter der -Bedingung zurückgegeben werden könnten, daß Frankreich -sich zur Abschaffung des Sklavenhandels verstünde. Er -setzte alles in Bewegung, um darauf hinzuwirken. Er -wollte anfangs sogar selber in eigener Person nach Paris -reisen und dort seinen Einfluß geltend machen, zog es -jedoch endlich vor, zu Hause zu bleiben, weil ihm das -Parlament ein geeigneterer Schauplatz für sein Wirken zu -sein schien.</p> - -<p>Aber obwohl der frühere Leiter der Sierra Leone-Gesellschaft, -der zu den eifrigsten Gegnern des Sklavenhandels -gehörte, an seiner Stelle hinüberging und seinen Einfluß -auf den englischen Bevollmächtigten in vollem Maße geltend -machte, konnte dieser doch nur erreichen, daß Frankreich -die Wiedererlangung seiner sämtlichen Kolonieen durch -das unbestimmte Versprechen bezahlte, den Sklavenhandel -binnen 5 Jahren aufheben zu wollen. Der französische -Hochmut, so tief er auch gedemütigt worden war, sträubte -sich etwas anzunehmen, was von dem gehaßten England -ausging und wie ein Befehl desselben aussehen konnte, -und der englische Bevollmächtigte trug wohl diesem Hochmute -zu sehr Rechnung.</p> - -<p>Wilberforce war auf das bitterste enttäuscht, gab sich -aber sofort daran, zu retten, was noch zu retten war. -Er mühte sich ab, recht viele Bittschriften herbeizuschaffen, -in welchen das Volk sein Bedauern ausspreche über die<span class="pagenum"><a id="Seite_113">[113]</a></span> -Wendung, welche die Sklavensache jetzt genommen habe, -und sich sogar zu weiteren Opfern an Kolonieen bereit -erklärte, um Frankreich die ihm bewilligten 5 Jahre -Sklavenhandel damit abzukaufen, aber auch ernstlich darauf -dränge, daß, wenn sich eine Verkürzung dieses Zeitraums -nicht erreichen ließe, durch eine allgemeine Übereinkunft -aller europäischen Staaten der Sklavenhandel nach Ablauf -dieser 5 Jahre für Seeraub erklärt und in der Behandlung -diesem gleichgestellt werde.</p> - -<p>Diese Bittschriften, deren wirklich 800 zusammen kamen -mit beinahe einer Million Unterschriften, und deren Übergabe -an das Parlament Wilberforce, als »dem Vater -unserer großen Sache« anvertraut wurden, sollten dazu -führen, daß das Parlament eine Adresse an den Prinz-Regenten -richte, worin die Bitte und der Wunsch Ausdruck -fänden, der englische Bevollmächtigte für den bevorstehenden -Wiener Kongreß möge beauftragt werden, fester -und entschiedener, als es beim Pariser Friedensschlusse -geschehen sei, in der Sklavenfrage aufzutreten.</p> - -<p>Wirklich gelang es auch der Beredtsamkeit, mit welcher -Wilberforce die Sache im Parlamente vortrug, zu bewirken, -daß eine solche Adresse an den Prinz-Regenten beschlossen -wurde. »Wenn alle jetzt Lebenden«, sagte er unter Anderem, -»ihre Häupter zur Ruhe gelegt haben, und die -Thaten, welche jetzt so mächtig alle Gefühle aufregen, -durch die Feder des kalten, unparteiischen Geschichtschreibers -berichtet werden; wenn man sehen wird, daß eine solche -Gelegenheit wie die jetzige verloren wurde; daß die erste -Handlung des wieder eingesetzten Königs von Frankreich -die Wiederherstellung eines Handels in Knechtschaft und -Blut war: was für ein Urteil wird sich dann bilden von -den Anstrengungen, welche England gemacht, oder von dem<span class="pagenum"><a id="Seite_114">[114]</a></span> -Einflusse, welchen es auf ein Volk unter so gewichtigen Verpflichtungen -geäußert hat? Gewiß, man wird weder vom -britischen Einflusse, noch von französischer Dankbarkeit eine -hohe Meinung gewinnen!«</p> - -<p>Als im Juli 1814 der Kaiser von Rußland und der -König von Preußen, von ihren siegreichen Heerführern -begleitet, einen Besuch in London abstatteten, hatte Wilberforce -bei dem Kaiser Alexander mehrmals Audienz und -wurde stets von ihm auf das huldvollste empfangen, ja -erhielt die Erlaubnis, sich noch weiter schriftlich an ihn -zu wenden, wenn er es für gut hielte.</p> - -<p>Auch Friedrich Wilhelm III. wünschte Wilberforce -kennen zu lernen und wurde so von ihm eingenommen, -daß er ihm zum Andenken ein kostbares Porzellan-Service -schenkte.</p> - -<p>Der alte Blücher, der einer von Wilberforce geleiteten -Versammlung beiwohnte, worin beraten werden sollte, wie -man helfen könne, die Leiden lindern, welche der Krieg -über Deutschland gebracht, erhielt von dem heiligen Eifer, -mit welchem Wilberforce für die Notleidenden redete, einen -so tiefen lebhaften Eindruck, daß er sich nachher demselben -vorstellen ließ und sich in sehr herzlicher Weise mit ihm -unterhielt, allerdings vermittels eines Dolmetschers, da er -der englischen Sprache ebensowenig mächtig war, wie Wilberforce -der deutschen.</p> - -<p>Selbst von den Kosaken, die in Begleitung der Monarchen -mit nach England gekommen waren, erzählt Wilberforce, -daß sie obwohl sonst scheu gegen Jedermann, -sich doch gegen ihn stets freundlich bewiesen hätten. Vielleicht -hatten sie mitangesehen oder erfahren, daß nicht blos ihr -Kaiser mit ihm freundlich gewesen, sondern auch der von -ihnen so hoch geehrte »Marschall Vorwärts.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_115">[115]</a></span></p> - -<p>Aber was half es viel, daß Wilberforce bei all' diesen -Gelegenheiten, den Mächtigen der Erde nahezukommen, -darauf bedacht nahm, wo es nur irgend anging, ein gutes -Wort für seine Herzenssache einzulegen? Was half's, daß -er sich wegen derselben mit den angesehensten Männern -Frankreichs in Briefwechsel einließ? Was half's, daß der -englische Bevollmächtigte beim Wiener Kongreß die bündigsten -Anweisungen erhalten hatte von seiten des Prinz-Regenten, -die Sklavensache mit aller Entschiedenheit so -wie es Wilberforce wünschte, zu betreiben? – Der Erfolg -all dieser Bemühungen war nur ein sehr geringer. Es -wurde nur erreicht, daß der Sklavenhandel auf einen ganz -bestimmten Teil der afrikanischen Küste beschränkt werden -sollte. Denn außer dem Könige Ludwig XVIII. waren -unter den höher gestellten Männern Frankreichs nur sehr -wenige, die sich für die völlige Aufhebung des Sklavenhandels -hatten gewinnen lassen. Daß diese Angelegenheit -gerade von England so nachdrücklich betont, so kräftig betrieben -wurde, gereichte ihr am allerwenigsten zur Empfehlung -bei den Franzosen. Wie freudig man auch in -Frankreich aufatmete, daß nun der Druck, welchen der -Mann von Elba geübt hatte, aufhörte, es verdroß dennoch -den französischen Hochmut im stillen, daß sich England -allein unter den von ihm bekämpften Mächten unter diesen -Druck nicht hatte beugen lassen.</p> - -<p>Wer hätte aber denken sollen, daß das, was auf dem -Wege friedlicher Unterhandlungen nicht hatte erreicht werden -können, mit einem Male durch einen Machtspruch dessen -hinausgeführt werden würde, der so lange nicht nur seinem -eigenen, sondern auch fremden Völkern das Joch der Knechtschaft -aufgedrückt hatte?</p> - -<p>Am 1. März 1815 kehrte Napoleon von Elba zurück<span class="pagenum"><a id="Seite_116">[116]</a></span> -nach Frankreich, und wenn auch er sogleich von allen Monarchen -Europas in die Acht erklärt wurde, war doch -der Glanz seines Namens für die Eitelkeit der Franzosen -so berückend, daß alle gegen ihn gesendeten Truppen des -Königs dem gefeierten Feldherrn zufielen, und daß er ohne -Widerstand den von dem geflüchteten Ludwig XVIII. verlassenen -Thron Frankreichs wieder einnehmen konnte. Und -– wer hätte sich nicht darüber wundern sollen? – -eine seiner ersten Regierungshandlungen war die, daß er -die gänzliche Aufhebung des Sklavenhandels verordnete, -und zwar für sofort, ohne daß er sich an die im Pariser -Frieden festgesetzte fünfzehnjährige Frist kehrte.</p> - -<p>Allerdings dauerte ja die ganze wiederhergestellte Kaiserliche -Herrlichkeit nicht länger als 100 Tage und wurde -bei Waterloo und bei Belle-Alliance durch die Anstrengungen -Blüchers und Wellingtons ohne jegliche Hoffnung -auf Wiederauferstehung begraben; aber als Ludwig -XVIII. wieder auf den Thron Frankreichs zurückgekehrt -war, mußte es als eine Unmöglichkeit erscheinen, jenen -Machtspruch Napoleons gegen den Sklavenhandel wieder -aufzuheben.</p> - -<p>Wilberforce freute sich selbstredend dieses erfolgreichen -Machtspruchs von Herzen, wenn er auch deshalb von dem -gefallenen Tyrannen keine bessere Meinung bekam. Er -urteilte nach wie vor über ihn als eine Zuchtrute Gottes -für die Völker Europas und drückte sich dahin aus, als -er von seiner Wiederkunft von der Insel Elba hörte: »Er -führt unbewußt den göttlichen Willen aus, und es ist wahrscheinlich, -daß die Leiden, welche er früher über die Nationen -Europas gebracht hat, die beabsichtigte Wirkung -der Demütigung und Besserung nicht hervorbrachten; deshalb<span class="pagenum"><a id="Seite_117">[117]</a></span> -ist es ihm erlaubt worden, noch einmal aufzutreten -und die Summe des menschlichen Elends zu mehren.«</p> - -<p>Es war gleichsam eine prophetische Anwandelung, die -Wilberforce am 18. Juni, dem Tage der Schlacht bei Belle-Alliance -zu seinen Kindern sprechen ließ, als er sie bei -dem Kirchgange auf dem stillen Dorfe, wo er sich gerade -mit ihnen befand, auf die Schönheit der Natur aufmerksam -machte: »Vielleicht bestehen in diesem Augenblicke, da wir -so in Frieden zum Hause Gottes gehen, unsere braven -Soldaten einen heftigen Kampf in Belgien. O wie dankbar -sollten wir für alle Güte Gottes gegen uns sein!«</p> - -<p>Nach London zurückgekehrt, erfuhr er, daß sein »vielleicht« -zur Wahrheit geworden war, und zwar aus sicherster Quelle. -Denn ein Adjutant, den Blücher eigens herübergesandt -hatte, brachte dem Prinz-Regenten die Freudenkunde von -dem großen Siege, den die Engländer und Preußen nach -heißem Kampfe erfochten hätten.</p> - -<p>»Hat Ihnen der Marschall Blücher noch einen anderen -Auftrag gegeben?« fragte der Prinz-Regent den willkommenen -Boten.</p> - -<p>»Ja,« antwortete dieser, »er hat mir aufgetragen, -Herrn Wilberforce von allem, was vorgegangen ist, zu -benachrichtigen.«</p> - -<p>»So gehen Sie auf alle Fälle selbst zu ihm,« antwortete -der Prinz-Regent, »Sie werden sich über ihn -freuen.«</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="VIII">VIII.</h2> -</div> - -<p>Wilberforce durfte jetzt, wo nur noch Spanien und -Portugal an dem Sklavenhandel festhielten, ohne sich aber -voraussichtlich noch lange dem Drucke der öffentlichen<span class="pagenum"><a id="Seite_118">[118]</a></span> -Meinung entziehen zu können, in bezug auf seine große, -heilige Sache hell und freudig in die Zukunft blicken. -Aber um so trüber und trauriger gestaltete sich für ihn -persönlich die Gegenwart.</p> - -<p>Schon am 15. Januar 1815 nämlich war sein treuer -Mitarbeiter und Freund Henry Thornton gestorben, von -welchem er selbst bezeugt, daß derselbe einer seiner ältesten, -genauesten, innigsten und wertvollsten Freunde gewesen sei, -und dessen Verlust ihm um so schwerer fiel, weil er in -christlicher Beziehung auf völlig gleichem Boden mit ihm -gestanden hatte und so ein Austausch der Herzen über die -höchsten, heiligsten Dinge und Fragen des Lebens zwischen -ihnen möglich gewesen war.</p> - -<p>Bald nach demselben starben ihm noch zwei andere -Freunde, die seinem Herzen ebenfalls nahe gestanden hatten, -sodaß er an Hannah More schrieb: »Wie ergreifend! Wir -schauen uns alle unwillkürlich um und fragen mit forschendem -Blicke: Wer ist wohl der nächste, Herr? O möchten -diese Warnungen die gehörigen Folgen haben, daß sie -uns für die Vorladung bereit machen!«</p> - -<p>Und wenn auch nicht <em class="gesperrt">der</em> so doch <em class="gesperrt">die</em> »nächste« ließ -nicht lange auf sich warten; denn schon am 13. Oktober -folgte die Witwe von Henry Thornton ihrem Gatten nach -mit einem Tode, der für den an ihr Sterbebett berufenen -Wilberforce im höchsten Grade erbaulich wurde. Als er -am Morgen ihres Todestages in die Versammlung einer -Hülfs-Bibelgesellschaft ging, konnte er es nicht lassen, dort -von dem tiefen Eindrucke, welchen die Sterbende auf ihn -gemacht hatte, beredtes Zeugnis zu geben.</p> - -<p>»Ich komme jetzt eben,« sagte er, »von einem Auftritte, -wo der Wert des Buches, dessen Verbreitung der Gegenstand -Ihrer Thätigkeit ist, sich klar entfaltet hat. Ich<span class="pagenum"><a id="Seite_119">[119]</a></span> -darf das Zeugnis nicht vorenthalten, welches hier von der -heilenden und siegreichen Wirksamkeit der vom Geiste Gottes -eingegebenen Schrift sich zeigte. Ich komme aus einem -Zimmer, in welchem eine Witwe, umgeben von ihren nun -bald völlig verwaisten Kindern, befähigt ist, dem letzten -Feinde ruhig ins Auge zu sehen. Sie selbst besitzt einen -Frieden, welchen nichts trüben kann, da er die Gabe Gottes -ist. Ihre Kinder sind in gewissem Grade im stande, das -Vorgefühl der Hoffnung ihrer Verherrlichung zu hegen. -Es ist ein Auftritt, welchem man beigewohnt haben muß, -um den vollen Eindruck im Herzen zu erforschen: ein Bewußtsein -der Zufriedenheit und des Glücks in den Augenblicken -des tiefsten äußeren Mangels und Kummers, eine -Erhebung über die Leiden und Anfechtungen dieses vergänglichen -Lebens. – Laßt mich fragen: ist dieser Trost -in Traurigkeit, diese Hoffnung im Tode etwa ein Familiengeheimnis, -von dem die Menschen im allgemeinen ausgeschlossen -sind? Nein, es ist das, was das Wort Gottes -allen bietet, welche es ergreifen wollen. Wie konnte ich -daher umhin, zu kommen und Ihnen Glück zu wünschen, -daß es ihnen gestattet ist, die geehrten Werkzeuge des Allmächtigen -zur Verbreitung einer solchen Herzstärkung in -einer sterblichen Welt zu sein? Wie konnte ich umhin, -mich zu freuen, daß es mir vergönnt ist, mich mit Ihnen -zu vereinigen in den Bemühungen, durch welche diese unvergänglichen -Segnungen in Umlauf gesetzt werden?«</p> - -<p>Aber es waren nicht blos diese rasch hinter einander -folgenden Todesfälle, wodurch ein trüber, trauriger Schatten -in das Leben unseres Wilberforce fiel, sondern auch ein -recht betrübendes persönliches Erlebnis.</p> - -<p>Im Parlamente wurde nämlich ein Gesetzesvorschlag -eingebracht, wonach von dem in England eingeführten Getreide<span class="pagenum"><a id="Seite_120">[120]</a></span> -ein Zoll erhoben werden sollte, die sogenannte »Kornbill«. -Begreiflicherweise war dies keine erwünschte Maßregel für -alle, die Brot kaufen mußten, weil dasselbe dadurch notwendig -verteuert werden mußte, allein es war eine Maßregel, -die sich zum Schutze der inländischen Ackerbauer als -unbedingt nötig erwies. Wilberforce prüfte gewissenhaft -und sorgfältig die Sachlage und trug, als er sich von der -Notwendigkeit des Kornzolles überzeugt hatte, durchaus -kein Bedenken, der Kornbill seine Unterstützung zu teil -werden zu lassen.</p> - -<p>Da wandte sich trotz seiner sonstigen allgemeinen Beliebtheit -der Unwille des Volkes gegen ihn, und zwar in -solchem Maße, daß er es für angezeigt hielt, eine Schutzwache -von 6 Mann in sein Haus zu nehmen, um sich -vor einem zu befürchtenden Sturme des Volkes auf dasselbe -zu schützen. Auch er mußte es also erfahren, welch -ein wetterwendisches Ding die Volksgunst sei und wie -wenig es dieselbe verdiene, daß man begehrlich nach ihr -hasche, ihr zu liebe vielleicht gar gegen die Stimme seines -Gewissens handele.</p> - -<p>So wenig ihn aber die Gunst oder Ungunst des Volkes -in seinem Verhalten irgendwie beeinflussen konnte, so wenig -machte er sich auch aus den Gunstbezeugungen, die ihm -von seiten des Hofes zukamen, als dieser in Brighton -seinen Aufenthalt nahm, wo sich Wilberforce jetzt eben -mit seiner Familie aufhielt. Der Prinz-Regent lud ihn -zu wiederholten Besuchen ein und überhäufte ihn mit -Artigkeiten. Er trug sogar selbst Sorge dafür, daß, wenn -Wilberforce die Einladung zu Tische angenommen hatte, -nur solche Personen in seine Nähe gesetzt wurden, von -denen er keine Kränkung in seinen religiösen Anschauungen -und Gefühlen zu befürchten hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_121">[121]</a></span></p> - -<p>Als ihn sein Schwager Stephen wegen dieser ihm -erwiesenen Artigkeiten neckte und meinte, er würde am -Ende doch noch »Peer«, d. h. Mitglied des Oberhauses, -werden, antwortete er, da dürfe man unbesorgt sein, er -werde als William Wilberforce leben und sterben; denn -er sehe immer mehr, daß die Großen in der Welt am -meisten zu bemitleiden seien und er danke deshalb stets -seinem Gotte, daß er ihn in eine Stellung geführt habe, -welche für seine Kinder nicht die großen oder wohl noch -größere Versuchungen und Gefahren herbeiführen würde, -die er selbst zu bestehen habe.</p> - -<p>Auch gab es für diese Gunstbezeugungen des Hofes -bald wieder ein heilsames Gegengewicht in seinem Leben, -das ihn, wenn er sich ja hochmütigen Regungen hätte -hingeben wollen und können, alsbald wieder niederziehen -und demütig machen mußte.</p> - -<p>Nicht allein, daß er von dem Ministerium im Stiche -gelassen wurde, als er die sogenannte »Registerbill« wieder -im Parlamente einbrachte, wonach die Zählung und namentliche -Aufzeichnung der Sklaven, wie sie für die Insel -Trinidad angeordnet worden war, und sich dort sowohl als -ausführbar, als auch segensreich bewiesen hatte, für alle -englischen Kolonieen in Westindien angeordnet werden sollte; -nein auch die Gegner der Sklavensache regten sich wieder -mit Macht, als sie inne wurden, welch' zarte Rücksichten -das Ministerium damit auf die Selbstständigkeit der Regierungen -in den Kolonieen nahm. Sie glaubten jetzt -jedes weitere Fortschreiten des Sklavenfreundes in seinen -Bestrebungen wirksam hindern zu können, und wählten -dazu das verwerfliche Mittel, dessen Persönlichkeit anzutasten -und nicht nur im Parlamente, sondern auch in Flugschriften, -welche sie unter das Volk warfen, Wilberforce<span class="pagenum"><a id="Seite_122">[122]</a></span> -auf das schnödeste zu verdächtigen und zu verleumden. -Man ging darin so weit, daß Wilberforce einmal mit -bitterem Lächeln im Parlamente sagte: »Wenn alles, was -mir meine Gegner vorwerfen, wahr wäre, so hätte ich -schon vor 30 Jahren des Todes schuldig erklärt werden -müssen.«</p> - -<p>Es war jedoch nicht die Furcht vor diesen Verleumdungen, -welche ihn abhielt, in der Sitzung des Parlamentes -von 1816 die Registerbill wiederum einzubringen, -sondern der erfreuliche Umstand, daß sich jetzt Spanien -zur völligen Aufgebung seines Sklavenhandels zu entschließen -schien und deshalb in Verhandlungen mit England -eintrat, die durch das Einbringen der Registerbill -hätten gestört werden können. Allerdings zogen sich diese -Verhandlungen bis ins folgende Jahr hin, weil Spanien -für die Aufgebung des Sklavenhandels eine hohe Entschädigungssumme -forderte; aber sie kamen doch endlich -zum erwünschten Austrage, nachdem man über eine Entschädigungssumme -von 400,000 Pfund Sterling (= 8 -Millionen Mark) übereingekommen war, welche England -bezahlen sollte. Dagegen verpflichtete sich Spanien, bis -zum Jahre 1820 den Sklavenhandel aufzugeben, hielt -aber trotzdem nachher diesen Termin nicht ein, sondern -erfüllte erst im Jahre 1822 sein Versprechen.</p> - -<p>Als von der westindischen Insel Barbadoes Nachrichten -über heftige Negeraufstände einliefen, die dort stattgefunden, -war dies natürlich wieder eine willkommene Gelegenheit -für die »Westindier,« Wilberforce wegen seiner Bemühungen -für die Sklaven anzugreifen. Man gab die Grausamkeiten, -welche sich die empörten Sklaven erlaubt hatten, -diesen allein schuld, ohne anerkennen zu wollen, daß dieselben -von seiten der Sklavenhalter durch ihre grausame,<span class="pagenum"><a id="Seite_123">[123]</a></span> -schonungslose Behandlung der Neger veranlaßt worden -seien; man suchte daraus die Notwendigkeit zu beweisen, -alle Bemühungen zu Gunsten der Neger aufzugeben, -weil diese, wenn sie von solchen Bemühungen wieder -hörten, dadurch zu immer neuen Empörungen und blutigen -Befreiungsversuchen gereizt würden, und ebensowohl -auch die andere Notwendigkeit, die widerwilligen Neger -durch strengen und harten Druck niederzuhalten. Wilberforce -mußte wieder seine ganze Beredsamkeit aufwenden, -um seine Sache, sowie sich selbst und seine Grundsätze -zu verteidigen. Er unterschrieb jedoch willig eine Adresse -mit, die den Prinz-Regenten bitten sollte, seine ernste Mißbilligung -der Vorgänge auf der westindischen Insel auszusprechen, -aber auch den Regierungen der Kolonieen auf -das Ernsteste geeignete Maßregeln zur Verbesserung der -Lage der Neger zu empfehlen.</p> - -<p>Im Oktober 1816 traf unsern Wilberforce der schwere -Schlag, daß seine innig geliebte Schwester, die Gattin -seines Freundes Stephen, verstarb, das letzte Glied seiner -Familie, von welcher er nun noch allein übrig war. Wenn -er ihr mit trauerndem Herzen nachrühmen konnte, daß -er in ihr die zärtlichste Schwester verloren habe, von der -er in Wahrheit sagen könne, daß es wohl nie auf Erden -eine anhänglichere, edlere und treuere Freundin ihres -Bruders gegeben habe, so konnte er sich ebensowohl zum -Troste sagen, daß sie in wahrem Frieden mit ihrem Gotte -und Heilande heimgegangen sei.</p> - -<p>Wilberforce hatte bisher immer nur auf Aufhebung -des Sklavenhandels und bessere Behandlung der Sklaven, -welche einmal das Joch der Knechtschaft trugen, hingewirkt, -ohne noch die gänzliche Aufhebung der Sklaverei -und völlige Freilassung aller Sklaven, die ihm doch als<span class="pagenum"><a id="Seite_124">[124]</a></span> -höchstes Ziel vorschweben mußten, anders als in gelegentlichen -Äußerungen bei Freunden angerührt zu haben. -Allein es wurde ihm immer mehr zur Überzeugung, daß -er nun auch thatsächlich auf dieses Ziel lossteuern müsse, -wenn sein Werk kein halbes bleiben sollte. So lange es -Sklaven gab, konnte auch der harte, grausame Geist nicht -aussterben, mit dem man sich gegen ihre Aufstände glaubte -wappnen zu müssen, und der jedes menschliche Mitgefühl -mit den armen Schwarzen ersticken mußte.</p> - -<p>Eine große Freude wurde ihm dadurch bereitet, daß -sich im Jahre 1817 der Negerkönig Heinrich I. auf der -Insel St. Domingo oder Haïti geradezu mit einer Bitte -an ihn wandte, und es damit bewies, daß die Schwarzen -seinen Eifer für ihr Wohl kannten und zu seiner Menschenliebe -das vollste Zutrauen hatten.</p> - -<p>Mit diesem Negerkönige verhielt es sich aber folgendermaßen. -Von dem großen Sklavenaufstande auf St. Domingo -im Jahre 1791, von welchem bereits Erwähnung -gethan wurde, und bei dem sich Neger und Farbige zur -Vertilgung aller Weißen auf der Insel vereinigt hatten, -war das Ende gewesen, daß in der That sämtliche Weiße, -soweit ihnen nicht die rechtzeitige Flucht gelang, schonungslos -niedergemetzelt wurden. Der französische Nationalkonvent -hatte darauf am 4. Februar 1794 den Negern -und Farbigen in dem französischen Teile der Insel völlige -Freiheit und völlig gleiche Rechte mit den Weißen bewilligt -und sogar einen der hervorragendsten unter den -aufständischen Negern, einen gewissen Toussaint L'Ouverture, -zum Obergeneral aller französischen Truppen auf -der Insel eingesetzt. Als nun die Spanier 1795 im -Frieden von Basel ihre Besitzungen auf der Insel an die -Franzosen abgetreten hatten, nachdem ihr Versuch fehlgeschlagen<span class="pagenum"><a id="Seite_125">[125]</a></span> -war, gemeinsam mit den Engländern die mit den -Franzosen verbündeten Neger zu besiegen, und auch die -Engländer im Jahre 1797 die Insel ganz aufgegeben -hatten, brachen die Neger in einem neuen Aufstande unter -ihrem Führer Dessalines, auch die Herrschaft der Franzosen, -so daß diese im November 1803 die Insel räumten. -Jetzt warf sich Dessalines zum Herrscher der ganzen Insel -auf, nahm den Titel: »Kaiser Jacob I.« an und führte -ein rohes, grausames Regiment über Neger und Farbige. -Aber schon nach einem Jahre wurde er in einer Empörung -gegen ihn ermordet und nun brach die alte Eifersucht -zwischen Negern und Farbigen wieder in hellen -Flammen aus. Die Neger sammelten sich unter ihrem -Generale Heinrich Christoph, die Farbigen unter dem -Mulatten Pétion und teilten sich endlich friedlich in den -Besitz der Insel. Die Farbigen gründeten unter Pétion -eine Republik, die Neger unter Heinrich Christoph, welcher -jedoch 1811 die Negerrepublik in eine erbliche Monarchie -verwandelte und sich als König Heinrich I. die Krone -aufsetzte. Obwohl als Sklave geboren, hatte er sich dennoch -eine tüchtige geistige Bildung zu verschaffen gewußt -und Erkenntnis genug gewonnen, um einzusehen, daß seine -Herrschaft nur Bestand haben könne, wenn er sich bemühe, -seine Schwarzen aus ihrer Rohheit und Unwissenheit -herauszureißen.</p> - -<p>Schon im Jahre 1815 hatte er sich mit Wilberforce -in Verbindung zu setzen gewußt und ihm erklärt, daß er -in allen Stücken seinem Rate folgen wolle. Wilberforce -hatte mit Erlaubnis der Regierung diese Verbindung gerne -angenommen und gepflegt, weil der schwarze König versichert -hatte, nicht blos die englische Sprache, sondern auch -die evangelische Religion in seinem Königreiche einführen<span class="pagenum"><a id="Seite_126">[126]</a></span> -zu wollen. Wie ihm der Negerkönig sein Bildnis zugesandt -hatte, so schickte Wilberforce als Gegengabe sein -eigenes, sowie das seines ältesten Sohnes nach Domingo -hinüber.</p> - -<p>Jetzt im Jahre 1817 wandte sich König Heinrich I. -wiederum an Wilberforce mit der Bitte, ihm einen englischen -Erzieher für seinen Sohn, sowie 7 Lehrer für das -Volk und 7 Professoren für eine zu errichtende Hochschule -zu senden, auch englische Landleute zur Ansiedelung auf -St. Domingo zu bewegen, indem er zugleich 6000 Pfund -Sterling (120,000 M.) zur Bestreitung der Kosten beilegte.</p> - -<p>Niemand wird bezweifeln, daß es für Wilberforce eine -Gewissenssache wurde, dieser Bitte zu entsprechen, und -mit der ängstlichsten Gewissenhaftigkeit die Leute auszuwählen, -die er für die Verhältnisse in St. Domingo als -die tüchtigsten und geeignetsten ansah. Allein es waren -fruchtlose Bemühungen; denn im Jahre 1820 erschoß sich -König Heinrich I. bei einem Aufstande, welcher sich gegen -ihn wegen allzu strenge geübter Gerechtigkeit erhob, und -die ganze Insel kam nun unter die Herrschaft eines Mulatten -Boyer.</p> - -<p>Wilberforce, der sich bei dem Kongresse zu Aachen im -Jahre 1818, allerdings vergeblich, bemüht hatte, für seinen -König Heinrich I. die Anerkennung der europäischen Mächte -zu erlangen, betrauerte es tief, daß der für die Bildung -seiner Schwarzen so eifrige Mann ein solches Ende nahm -und machte sich sogar Vorwürfe darüber, daß er für dessen -christliche Bildung nicht genug gethan und gebetet habe.</p> - -<p>Auf dem Kongresse zu Aachen waren zwar die Bemühungen, -die Wilberforce gemacht hatte, um zu erringen, -daß von seiten der dort tagenden europäischen Mächte der -Sklavenhandel, von dem er nur zu gut wußte, daß derselbe<span class="pagenum"><a id="Seite_127">[127]</a></span> -nach wie vor weiter betrieben würde, nun in der -That mit der Seeräuberei auf gleiche Linie gestellt würde, -von keinem Erfolge gekrönt, aber die deshalb geführten -Verhandlungen hatten doch das Gute gehabt, daß den -Mächten einmal wieder die Scheußlichkeiten des Sklavenhandels -recht in Erinnerung gebracht wurden. Wilberforce -hatte sich noch einmal schriftlich an den Kaiser von -Rußland gewendet, aber wie sehr auch dieser, wie sehr -auch die englischen Bevollmächtigten bei dem Kongresse -sich darum bemühten, es konnte weder hier in Aachen, -noch auch auf dem 4 Jahre später stattfindenden Kongresse -zu Verona die allgemeine Erklärung des Sklavenhandels -für Seeraub erlangt werden.</p> - -<p>Auch die »Registerbill«, obschon wiederholt von Wilberforce -im Parlamente eingebracht und warm befürwortet, -konnte nicht zur Annahme gelangen. Sie scheiterte stets -an dem hitzigen Widerstande der »Westindier« und an -ihrer steif festgehaltenen und deshalb von Vielen als richtig -angesehenen Behauptung, daß die westindischen Kolonieen -dadurch in ihrem Bestande gefährdet und dadurch auch -England selbst schwer geschädigt werden würde. Die Verhandlungen -darüber machten es aber allen Sklavenfreunden -immer mehr zur unbestreitbaren Gewißheit, daß nur durch -völlige Aufhebung der Sklaverei den entsetzlichen Grausamkeiten -gegen die armen Neger ein Ende gemacht -werden könne.</p> - -<p>Vorläufig war jedoch für Wilberforce noch nicht daran -zu denken, mit einem bestimmten dahin zielenden Antrage -vor das Parlament zu treten. Die öffentliche Meinung -in England war dafür noch nicht reif genug. Aber seine -Papiere aus dieser Zeit geben Zeugnis davon, wie er -sich fortwährend mit dem großen, edlen Gedanken beschäftigte<span class="pagenum"><a id="Seite_128">[128]</a></span> -und unablässig auf Maßregeln sann, wie vorläufig -wenigstens das Elend der armen Schwarzen gelindert -werden könne. Er mußte eben in seiner heiligen Sache -wirken, so lange es Tag für ihn war, und die 60 Lebensjahre, -die er nun schon auf dem Nacken trug, mußten ihm -von Tag zu Tage mehr eine Mahnung daran werden, -daß es für ihn nicht mehr weit bis zum Lebensabende -und bis zu der Nacht sei, da niemand mehr wirken kann. -Auch fühlte er, der eigentlich niemals recht gesund und -kräftig gewesen war, deutlich, daß seine Lebenskraft sehr -in der Abnahme begriffen sei, und daß er nicht mehr so -wie früher in allen Angelegenheiten des Parlaments die -ganze Arbeitskraft einsetzen könne und dürfe, wenn er für -diejenige, welche ihm am meisten am Herzen lag, noch -ein wenig Kraft behalten wolle.</p> - -<p>Nur in Einer Angelegenheit, die mit seiner Sklavensache -in keinem näheren Zusammenhange stand, konnte er -es nicht lassen, wieder in die erste Reihe der Parlamentsredner -einzutreten, weil sie ihm überaus wichtig erschien -und im ganzen Lande große Aufregung verursachte.</p> - -<p>Der Prinz-Regent, welcher für seinen dem völligen -Wahnsinne anheimgefallenen und dazu noch erblindeten -Vater Georg III. schon seit 1811 die Regierung führte, -lebte mit seiner Gemahlin, einer braunschweigischen Prinzessin, -in einer höchst unglücklichen Ehe, und es kam so -weit, daß die Königin, die schon längst getrennt von ihrem -Gemahle lebte, endlich die gänzliche gesetzliche Scheidung -ihrer Ehe beantragte.</p> - -<p>Wilberforce, dessen sittliches Gefühl sich dagegen sträubte, -daß dem Volke von höchster Stelle aus solch ein böses Beispiel -gegeben werden sollte und der, wenn die Scheidung -der königlichen Ehe wirklich erfolgte, davon einen beklagenswerten<span class="pagenum"><a id="Seite_129">[129]</a></span> -Nachteil für die öffentliche Sittlichkeit befürchtete, -bot im Parlamente alles auf, die Scheidung zu verhindern. -Er fragte nichts danach, daß er sich dadurch das Mißfallen -der Königin zuzog. Allein die Hartnäckigkeit dieser -ließ jeden Vergleich zwischen den beiden Gatten vergeblich -erscheinen, und es wäre wohl sicher zum Vollzug der Scheidung -gekommen, wenn nicht im August 1821 der Tod -der Königin eingetreten wäre. Auch hierbei zeigte es sich -wieder recht klar, wie Wilberforce weder nach rechts noch -nach links sah, wenn ihm sein Weg durch eine klar erkannte -Pflicht vorgezeichnet war. Denn nicht blos, daß -er durch sein Auftreten im Parlamente bei der Ehescheidungs-Verhandlung -die Gunst der Königin aufs Spiel -setzte, nein er lief auch dadurch Gefahr, wieder in die -Ungunst des Volkes zu geraten. Denn dieses stand in -seiner großen Mehrzahl auf der Seite der Königin gegen -den König, welcher sich durch sein zügelloses Leben, sowie -auch durch seine Regierungsgrundsätze bei dem Volke äußerst -mißliebig gemacht hatte und schon einmal von einem wütenden -Volkshaufen thätlich angegriffen worden war.</p> - -<p>In seinem häuslichen Leben erlitt jetzt Wilberforce -einen empfindlichen Verlust durch den Tod seiner ältesten -Tochter Barbara. Dieselbe war schon im Jahre vorher -kurz nach der Verheiratung des ältesten Bruders und um -eben die Zeit, da Isaak Milner starb, schwer erkrankt gewesen, -hatte sich aber unter der sorgfältigen, zärtlichen -Pflege, welche ihr Vater und Mutter bei Tag und Nacht -selbst gewidmet hatten, wieder soweit erholt, daß man sie -dem Leben gewonnen glauben durfte. Doch jetzt im Jahre -1821 trat ein Rückfall ein, welchem ihre geschwächten Kräfte -nicht gewachsen waren. Der Tod knickte die liebliche Menschenblume,<span class="pagenum"><a id="Seite_130">[130]</a></span> -die sich im Lichte des wahren Christentums zu -herrlicher Blüte entfaltet hatte.</p> - -<p>»Ich werde nie«, so schrieb Wilberforce an einen Freund, -»die Zärtlichkeit, den Glauben, die Liebe und die Andacht -vergessen, mit welcher sie, nachdem sich auf ihren Wunsch -alle Übrigen entfernt hatten, ihr letztes hörbares Gebet -für sich und für uns sprach. Gehalten durch eine demütige -Hoffnung auf die Gnade Gottes in ihrem Erlöser -und Fürsprecher, war sie fähig, ihre Leiden mit Geduld -und Ergebung zu tragen und eine Fassung zu bewahren, -über welche sie sich selber wunderte. An dem Todestage -selbst bat sie, man möge ihren Arzt fragen, ob noch Hoffnung -auf Besserung sei, »aber wenn nicht«, fügte sie -hinzu, »so ist alles gut«. – Sie starb wie jemand, der -einschläft, kaum ein Laut, nicht der geringste Kampf. Ich -bin in der Dankbarkeit gegen den Geber alles Guten fast -verpflichtet, meine Freunde aufzufordern, daß sie sich mit -mir als über ein Zeugnis der göttlichen Gnade freuen. -Das Bewußtsein, daß es unserm Kinde wohl ist, ist für -uns ein Stärkungsmittel von unschätzbarer Wirksamkeit.«</p> - -<p>Die Gedanken und Gefühle, welche Wilberforce am -Begräbnistage des geliebten Kindes seinem Tagebuche anvertraute, -sind zu bezeichnend für sein inneres Leben, zu -bezeichnend besonders für die innige Dankbarkeit gegen -Gott, welche sein Herz erfüllte, als daß wir uns enthalten -könnten, sie wenigstens teilweise hier mitzuteilen. Es -war ein ungewöhnlich kalter Wintertag, an welchem das -Begräbnis stattfand, und Wilberforce mußte sich, so schwer -es ihm auch wurde, in Rücksicht auf seine schwache Gesundheit -enthalten, den Sarg zum Grabe zu geleiten. Aber -klagte und weinte er nur daheim? Nein, im Gegenteile.</p> - -<p>»Ich sah den Sarg«, schreibt er. »Wie eitel der<span class="pagenum"><a id="Seite_131">[131]</a></span> -Zierrat, wenn man daran denkt, in welchem Zustand -der Erniedrigung sich der Körper befindet, der im Sarge -liegt! Bald nachdem der Leichenwagen und unsere lieben -Freunde fort waren, bin ich in mein kleines Zimmer gegangen, -und hier beschäftige ich mich nun mit Schreiben -und mit Gebet, indem ich Gott für seine wunderbare -Güte gegen mich preise und meine äußerste Unwürdigkeit -beklage. Denn wahrlich, blicke ich auf mein vergangenes -Leben zurück und übersehe es; vergleiche ich besonders die -zahlreichen, fast unzähligen Beweise von Gottes Freundlichkeit -gegen mich damit, wie ich sie vergolten habe: so -bin ich überwältigt und kann mit Wahrheit dem Zöllner -nachsprechen: »Gott sei mir Sünder gnädig!« – Es ist -eine besondere Güte gegen mich, und die fast einzigartigen -Vorzüge, die ich genossen habe, was mich so mit Demütigung -und Scham erfüllt. Meine Tage erscheinen wenig, -wenn ich zurückschaue, aber sie sind eher alles andere gewesen, -als böse. Ich bin in allerlei Weise gesegnet worden, -und zwar auf bleibende Weise, besonders dadurch, -daß ich ein heiteres Gemüt und so reichliche Glücksgüter -empfing. – Ich bin so frühe für Hull ins Parlament -gekommen, dann für Yorkshire sechsmal erwählt worden -und hörte nur auf, für diese Grafschaft Parlamentsglied -zu sein, weil ich selbst diese Stellung aufgab. Ich bin -zum Werkzeuge erwählt worden, die Abschaffung des Sklavenhandels -vorzubringen; ich habe mächtig der Sache des -Christentums in Indien helfen können; ich bin nie in -üblen Ruf gebracht, sondern immer bei allen öffentlichen -Geschäften unterstützt worden. Ich entging der Lebensgefahr -durch eine plötzliche Beihülfe der Vorsehung. Man -hat mich nie beschimpft, weil ich mich weigerte, mich zu -duellieren. – Ich habe mich so spät, 37 Jahre alt, verheiratet<span class="pagenum"><a id="Seite_132">[132]</a></span> -und doch eine der liebevollsten Frauen gefunden. -Ich habe 6 Kinder gehabt, welche alle auf das äußerste -an mir hangen. Obgleich uns unsere teure Barbara entrissen -ist, so haben doch im ganzen wenige Menschen solchen -Grund zur Dankbarkeit wegen der Kinder, die immer -lauter Liebe gegen mich waren. – Kein Mensch hat wohl -je so viele liebe Freunde gehabt; sie überwältigen mich -ganz mit ihrer Güte und zeigen, daß es weise war, Freundschaften -mit Männern meines Ranges zu pflegen, vor -allem religiöse Menschen zu Freunden zu wählen. Die -Großen und Edlen behandeln mich jetzt alle mit Achtung, -weil sie sehen, daß ich unabhängig von ihnen bin, und -einige, glaube ich, fühlen eine wahre Anhänglichkeit an -mich. – Ferner habe ich Gaben genug, um mir Ansehen -zu erwerben, wie durch die natürliche Gabe, öffentlich zu -reden, obwohl mich mein Augenübel leider beim Studieren -wie beim Schreiben hindert. – Ferner bin ich zu einem -Werkzeuge gemacht worden, viel geistliches Gute durch mein -Werk über das Christentum zu stiften. Wie viele haben -mir mitgeteilt, es sei für sie das Mittel gewesen, daß sie -sich Gott zugewendet haben!«</p> - -<p>Aber wie weit entfernt ist Wilberforce von Stolz und -Selbstüberhebung bei dieser Aufzählung der ihm verliehenen -Gaben und der von ihm geübten Wirksamkeit! Wie sieht -er vielmehr alles als Gnadengaben und Gnadenwirkungen -von oben herab an und gibt in tiefster Demut dem Herrn -allein die Ehre dafür!</p> - -<p>»Und das alles,« so bekennt er, »dauert nun schon -so lange, obgleich ich Gott so viele Ursache gegeben habe, -es mir zu nehmen! Diese zu nennen, gehört nicht hierher, -aber mein Herz weiß und fühlt sie und wird sie hoffentlich -immer fühlen. Es ist aber eine große Gnade, daß<span class="pagenum"><a id="Seite_133">[133]</a></span> -Gott mich befähigt hat, einen reinen gleichmäßigen äußeren -Wandel zu führen, sodaß ich meinem christlichen Bekenntnisse -niemals Schande gemacht habe. Lobe den Herrn, -meine Seele! Und nun, Herr, will ich mich noch feierlicher -und entschlossener Dir weihen, und wünsche, noch -mehr, als ich es je gethan habe, meine Fähigkeiten zu -Deiner Ehre und in Deinem Dienste anzuwenden.«</p> - -<p>Gewiß eine eigentümliche Totenfeier am Begräbnistage -eines lieben Kindes! Aber wer könnte zweifeln, daß es -dadurch dem tiefbetrübten Vater möglich wurde, seinen -großen menschlichen Schmerz unter die Füße zu treten und -sich zu dem Worte Hiobs aufzuschwingen: »Der Herr hat's -gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn -sei gelobt!?«</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="IX">IX.</h2> -</div> - -<p>Wie an dieser Tochter, so durfte Wilberforce aber auch -an seinen übrigen Kindern hohe, heilige Vaterfreude erleben -und die gottgesegneten Früchte einer Erziehung einernten, -die von der größten Weisheit und Liebe geleitet -war und besonders bei den höchsten, heiligsten Herzensangelegenheiten -stets aus die größte Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit -drang.</p> - -<p>Er wollte nicht, daß seine Söhne in seine eigenen Fußstapfen -treten und sich auch zu Männern des Parlaments -heranbilden sollten. Er kannte dazu die Versuchlichkeit -der öffentlichen Thätigkeit und die Gefahren, welche dieselben -für das innere Leben hat, viel zu gut aus eigener -Erfahrung. Vielmehr war es sein inniger Wunsch, daß -sich seine Söhne, soweit sie sich dazu eigneten, dem Dienste -der Kirche widmeten, und er durfte auch die große Freude<span class="pagenum"><a id="Seite_134">[134]</a></span> -erleben, daß sie diesen heiligen Beruf mit innerer Zustimmung -und voller Herzensfreudigkeit ergriffen.</p> - -<p>Wie sehr er darauf bedacht war, daß ihnen die rechte -innere Weihe für diesen Beruf zu teil werde, daß sie vor -allem rechte Männer des Gebets würden, wie er selbst -zu seinem eigenen täglich verspürten Segen durch Gottes -Gnade einer geworden war, mag folgende Stelle aus einem -Briefe an einen seiner Söhne zeigen, der in Cambridge -seinen Studien oblag:</p> - -<p>»O mein teuerster Sohn,« schreibt er, »was gäbe ich -darum, Dich als ein Licht in der Welt zu sehen! Der Gedanke -daran lockt mir Thränen in die Augen und macht -mich fast unfähig, fortzuschreiben. Mein teuerster Sohn, -stecke dein Ziel hoch, strebe danach, ein Christ zu werden -im vollsten Sinne des Wortes! Wie wenig weißt Du, -zu welchem Dienste Dich Gott berufen kann! Die Jünglinge -unserer Tage sind nicht in Gefahr, dem Feuer und -Schwerte ausgesetzt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt -zu werden; aber die Folge dieser Sicherheit ist, daß sie -sich auch nicht auf die mildere Form der Verfolgung vorbereiten, -welche zu erdulden sie vielleicht berufen werden. -Aber alles ist möglich durch's Gebet, möchte ich sagen, und -warum auch nicht? Denn daß es allmächtig ist, liegt in -der gnädigen Ordnung Gottes, des Gottes voll Liebe und -Treue. O darum bete, bete, bete, mein teuerster Sohn. -Aber bedenke auch wohl, daß Du Deinen inneren Zustand -nicht nach Deinem Gebete beurteilen darfst, sondern nach -dessen Wirkung auf Deinen Charakter, Dein Gemüt und -Deinen Wandel!«</p> - -<p>Gott schenkte Wilberforce das große Glück und die -hohe Freude, daß sein zweiter und dritter Sohn sich zu -ernsten, tüchtigen Geistlichen entwickelten und es wurde<span class="pagenum"><a id="Seite_135">[135]</a></span> -ihm vergönnt, sie beide noch vor seinem Tode in Amt -und Würden zu sehen und mit eigenen Augen wahrzunehmen, -daß sie ihr heiliges Amt ganz in dem Geiste -führten, wie er es für nötig hielt, und mit der Treue und -Gewissenhaftigkeit, für die sie in ihrem Vater das beste, -leuchtendste Vorbild hatten. Der eine von ihnen wurde -Vikar in East Forleigh in der Grafschaft <span id="corr135">Kent</span>, der andere -Rektor in Brighstone auf der Insel Wight. Für diejenigen -Leser, welche mit den kirchlichen Verhältnissen in -England weniger vertraut sind, sei dazu bemerkt, daß das -Amt eines Vikars ebenso wie das eines Rektors ziemlich -gleichbedeutend mit dem Amte unserer Pfarrer ist, nur -mit dem Unterschiede, daß der Rektor seine eigene Gemeinde -hat, während der Vikar eine der vielen Pfarreien, die den -hohen englischen Geistlichen übertragen zu werden pflegen, -verwaltet, jedoch ebenfalls ganz selbstständig.</p> - -<p>Seinen ältesten Sohn mußte Wilberforce sich der -Landwirtschaft widmen lassen; denn seine schwächliche Gesundheit, -besonders eine schwache Brust machten ihn für -das Pfarramt untüchtig. Dagegen trat der jüngste wieder -in die Fußstapfen seiner beiden vor ihm stehenden Brüder, -und auch ihn durfte Wilberforce, ehedenn er starb, auf -dem besten Wege sehen, ein treuer Diener der Kirche zu -werden.</p> - -<p>Je mehr Wilberforce die Schwächen des Alters bei -sich eintreten sah – und sie traten bei seinem schwächlichen -Körper ungewöhnlich frühe ein – desto mehr enthielt er -sich längerer Reden im Parlamente, die er vielmehr seinen -jüngeren Freunden überließ. Allein um so kräftiger und -auf noch weitere Kreise wirkte er dafür durch Schriften, -welche er verfaßte.</p> - -<p>So gab er im Februar 1823 wieder eine Schrift über<span class="pagenum"><a id="Seite_136">[136]</a></span> -die Sklavensache heraus, worin er, gestützt auf die reichen -Erfahrungen eines fast 35jährigen Kampfes in dieser -Sache, die grausame Behandlungsweise beleuchtete, welche -die Neger noch immer in der Sklaverei zu erdulden hatten, -aber auch zugleich schlagend nachwies, wie nötig es sei, -für den religiösen Unterricht der Sklaven zu sorgen, ihnen -zu einem gesicherten Familienleben zu verhelfen und so -ihrer Freilassung vorzuarbeiten, die ja doch einmal kommen -werde und müsse.</p> - -<p>Der Erzbischof von Dublin war von dieser Schrift -so begeistert, daß er ausdrücklich Wilberforce seinen Dank -bezeugte und ihm sagte: »Dieser Zusatz zu den edlen Anstrengungen, -welche <span id="corr136">Sie</span> mit solcher Ausdauer für jenen so -grausam behandelten Teil der gemeinsamen Kinder des -Einen großen Vaters gemacht haben, wird von dem Segen -begleitet sein, der solchen Arbeiten christlicher Liebe niemals -ausbleibt.«</p> - -<p>Ja ein westindischer Sklavenhalter fühlte sich beim -Durchlesen der Schrift so ergriffen von ihrem Inhalte, -daß er erklärte, wenn es auch sein ganzes Vermögen -kosten sollte, dieses willig hingeben zu wollen, damit seine -armen Neger nicht allein zur Freiheit der Europäer, -sondern auch zur Freiheit der Christen gebracht würden.</p> - -<p>Nachdem Wilberforce am 19. März 1823 eine aus -der Sekte der Quäker hervorgegangene Bittschrift um -Aufhebung des Sklavenhandels ins Parlament eingebracht -und warm befürwortet hatte, schlug sein Freund Buxton, -der jetzt die gemeinsame Sache im Parlamente führte, -einen Beschluß vor, die Sklaverei überhaupt für unvereinbar -mit dem Christentum, wie auch mit der englischen -Verfassung zu erklären, ohne daß er jedoch die Annahme -dieses Beschlusses durchsetzen konnte. Es war indessen<span class="pagenum"><a id="Seite_137">[137]</a></span> -damit der offene Kampf gegen die Sklaverei überhaupt -und für die völlige Aufhebung derselben im Parlamente -begonnen.</p> - -<p>Als im weiteren Verlaufe des Jahres 1823 die Minister, -um doch ihrerseits etwas zu thun und ihren guten -Willen zu beweisen, das Los der Sklaven mildern zu -helfen, das Verbot erließen, daß die Aufseher der Negersklaven -in den westindischen Kolonien fortan die gewaltige -Peitsche nicht mehr immer bei sich trügen, von der die -Sklavenhalter behauptet hatten, daß sie nicht sowohl zu -grausamen Züchtigungen gebraucht würde, als vielmehr -nur das Zeichen sei, woran die Neger ihre Aufseher erkannten, -war in den Kolonien wieder ein Sklavenaufstand -ausgebrochen. Die Sklaven hatten nämlich von diesem -Verbote gehört und warteten vergeblich darauf, daß es -auch beachtet würde; denn die Regierungen der Kolonien -wagten nicht, dasselbe zu veröffentlichen. Die Sklaven -sahen nun natürlich ihre Herren, die Pflanzer als diejenigen -an, welche die wohlmeinenden Absichten des englischen -Ministeriums für sie hintertrieben, hatten auch wohl das -Verbot der Peitsche, welche für sie das große Zeichen der -Sklaverei war, irrtümlich so aufgefaßt, als ob damit die -ganze Sklaverei verboten sei, und erhoben sich deshalb -gegen die Pflanzer in einem Aufstande, worin etliche -Weiße das Leben verloren.</p> - -<p>Wilberforce, befürchtend, daß dadurch die Sklavensache -wieder in Nachteil käme, konnte es sich trotz seiner Körperschwachheit -nicht versagen, als Redner aufzutreten und -tadelte das Verbot der Peitsche als eine unvorsichtige -Maßregel, wodurch bei den gänzlich daraus unvorbereiteten -Schwarzen unbegründete und zu weit gehende Hoffnungen -erweckt worden seien, die fast mit Notwendigkeit<span class="pagenum"><a id="Seite_138">[138]</a></span> -zu dem Aufstande hätten führen müssen. Er erklärte alle -halbe Maßregeln dieser Art für nutzlos, ja gefährlich und -forderte das Parlament in der eindringlichsten Weise auf, -schleunig und fest vorzugehen.</p> - -<p>»Ich fürchte«, sagte er, »wenn die Neger an der -Hülfe durch das englische Parlament verzweifeln, so werden -sie ihre Sache in die eigene Hand nehmen und immer -wieder aufs neue versuchen, ihre Befreiung auf gewaltsamem -Wege selber herbeizuführen.«</p> - -<p>Trotzdem, daß er sich durch diese Rede eine heftige -Lungenentzündung zugezogen hatte, trat er doch, kaum genesen, -noch einmal im Parlamente auf, um die Behauptung -der Sklavenhalter zu entkräften, daß die Freilassung -der Sklaven, die jetzt gefordert werde, für sie das unausbleibliche -Verderben sein würde, und wiederholte die von -ihm ausgesprochene Befürchtung, die soeben mit seinen -eigenen Worten erwähnt wurde.</p> - -<p>»Möge es Gott gefallen«, so schloß er, »meine Befürchtungen -zu schanden zu machen und den Ausgang günstiger -zu gestalten, als ich befürchte!«</p> - -<p>Dies waren die letzten Worte, welche er im Parlamente -über seine Sache redete, denn die eben erst überstandene -Krankheit machte es ihm zur unbestreitbaren Gewißheit, -daß er jetzt seine öffentliche Wirksamkeit als Parlamentsredner -gänzlich aufgeben müsse. Als ihn auf einer -kleinen Reise zum Besuche eines Freundes ein wiederholter -Anfall der Lungenentzündung heimsuchte, verließ er London -und zog sich auf einen stillen Landsitz zurück, um fortan -seine noch übrige Lebenskraft ganz der Schriftstellerei und -seiner Familie zu widmen.</p> - -<p>Vergebens setzten ihm diejenigen seiner Freunde, welche -seine persönlichen Verhältnisse nicht genug kannten, zu,<span class="pagenum"><a id="Seite_139">[139]</a></span> -diesen Schritt nicht zu thun; vergebens bot man ihm an, -ihm zu einem Sitze im Oberhause zu verhelfen, um nur -ihn und seine reiche Erfahrung in den Dingen des öffentlichen -Lebens nicht ganz entbehren zu müssen: wie er es -früher als heilige Pflicht erkannt hatte, seine ganze Kraft -an die übernommene Thätigkeit zu setzen, so erkannte er -es jetzt, wo diese Kraft in sichtlicher Abnahme begriffen -war, ebensowohl als heilige Pflicht, zurückzutreten und -jüngeren, rüstigeren Kräften das Feld zu räumen.</p> - -<p>»Ich habe schon lange beabsichtigt«, schrieb er in sein -Tagebuch am 1. Februar 1825, »mich zurückzuziehen, sobald -die Zeit dieses Parlaments zu Ende wäre; daher ist -nur zu überlegen, ob ich es jetzt thun soll, oder am Schlusse -der nächsten Sitzung. Die Frage ist also, ob eine beschränkte -Teilnahme an dieser Sitzung mir soviel Aussicht -zur Wirksamkeit gibt, um mich zu einem Verbleiben im -Parlamente bis zu dessen Ende zu berechtigen. Der Arzt -scheint es nicht für notwendig zu halten, mir die Teilnahme -gänzlich zu untersagen, aber er äußerte die Furcht, -daß ich, wenn eine Krankheit eintreten sollte, nicht Kraft -genug haben würde, sie zu überstehen. Hätte ich nun -keine andere Bahn für meine Thätigkeit, so möchte es, -oder vielmehr: würde es unrecht sein, es nicht auf die -Gefahr ankommen zu lassen. Aber erstens hoffe ich, meine -Feder mit Vorteil anwenden zu können, wenn ich mich in -das Privatleben zurückgezogen habe, und zweitens ist mein -Leben gerade jetzt von besonderem Werte für meine Familie. -Alle meine Kinder stehen in solchen Lebensabschnitten -und Verhältnissen, welche es dem Anscheine nach -äußerst wünschenswert machen, daß ich ihnen noch erhalten -werde. Man entbehrt mich jetzt nicht sehr im Parlamente; -unsere Sache hat mächtige Verteidiger, welche ihre Stellungen<span class="pagenum"><a id="Seite_140">[140]</a></span> -eingenommen haben. Das Beispiel eines Mannes, -welcher sich zurückzieht, wenn er fühlt, daß seine körperlichen -und geistigen Kräfte schwächer werden, kann nützlich -erscheinen. Das Publikum ist so sehr daran gewöhnt, -Männer einen lang fortdauernden Sitz im Parlamente -zur Erlangung eines höheren Ranges benützen zu sehen, -daß ein entgegengesetztes Beispiel um so nötiger ist und -von einem Solchen gezeigt werden muß, welcher bekennt, -nach christlichen Grundsätzen zu handeln.«</p> - -<p>Wie man über die Wirksamkeit dachte, welche Wilberforce -im Parlamente und auf das Parlament geübt hatte, -mag folgende Stelle aus einem Freundesbriefe zeigen:</p> - -<p>»Mit vielem Bedauern, obgleich, wie ich sagen kann, -nicht mit großer Verwunderung höre ich von Ihrer Absicht, -sich vom Parlamente zurückzuziehen. Es wird ein -schmerzlicher Verlust für ihre zahlreichen Freunde und für -den Staat sein, aber es ist wohl ein weiser Entschluß in -Beziehung auf Sie selbst. Es muß Ihnen die Bemerkung -sehr zur Zufriedenheit gereichen, daß der sittliche -Ton des Unterhauses sowohl wie der Nation im allgemeinen -viel höher ist, als da <span id="corr140">Sie</span> zuerst in das öffentliche -Leben eintraten. Es kann kein Zweifel sein, daß Gott -Sie zu dem geehrten Werkzeuge gemacht hat, viel zu dieser -großen Verbesserung beizutragen. Es gibt, hoffe ich, einige -viel versprechende junge Männer, die auftreten werden; -aber ach! jetzt keinen, welcher Ihren Platz einnehmen -könnte. Ich wollte es gäbe mehrere Elisas, auf welche -Ihr Mandat fiele (NB. man vergleiche 2. Könige 2, 13–15). -Das Gebet von Tausenden wird Ihnen in das Privatleben -folgen, und das meinige wird fortwährend darauf -gerichtet sein, daß Ihr wertvolles Leben bis zu den spätesten<span class="pagenum"><a id="Seite_141">[141]</a></span> -Zeiträumen als ein Segen für Ihre Familie, für -die Kirche Gottes und für die Welt möge erhalten bleiben!«</p> - -<p>Wilberforce beschloß nun, London ganz zu verlassen -und kaufte sich ein Gut, 10 Meilen nördlich von der -Stadt, Highwood Hill genannt, um hier fortan in aller -Stille und Ruhe bis an das Ende seiner Tage zu leben. -Er hatte jedoch auch hier nicht in dem Maße, wie er es -gehofft hatte, völlige Freiheit, über seine Zeit zu verfügen. -Dazu gab es zu viele Freunde, von denen er sich nicht -nicht ganz zurückziehen wollte, und die ihn, auch wenn er -dies gewollt hätte, ihrerseits nicht losgelassen hätten, mit -denen also ein fortgesetzter Briefwechsel unterhalten sein -wollte; dazu gab es zu viele Gelegenheiten, mit Rat und -That einzutreten, wo es sich um die Förderung des Reiches -Gottes handelte, denen er sich nicht entziehen konnte und -wollte.</p> - -<p>So suchte er, als man in London eine Schule für -höheren Unterricht der Handwerker, also etwa eine Schule -nach Art unserer heutigen »Fortbildungsschulen«, einrichten -wollte, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß ja -auch der Unterricht in der Religion in den Lehrplan aufgenommen -würde, weil es unverantwortlich sei, daß man -die Jugend in dieser höchsten und wichtigsten Sache ohne -Unterricht lassen wolle.</p> - -<p>Nicht minder bemühte er sich darum, daß an der Universität -zu London, die jetzt neu gegründet werden sollte, -ein besonderer Lehrstuhl für Vorlesungen über die Religion -errichtet werde, welche jeder Student besuchen -müsse, zog aber die Unterschrift seines Namens, welche -er unter eine zu diesem Zwecke abgefaßte Bittschrift -gesetzt hatte, wieder zurück, als man den Besuch der fraglichen<span class="pagenum"><a id="Seite_142">[142]</a></span> -Vorlesungen in das Belieben jedes einzelnen Studenten -setzen wollte.</p> - -<p>Begreiflicherweise aber war und blieb seine ganze, -volle Teilnahme nach wie vor der Sklavensache zugewendet. -Wenn es sich um diese handelte, ließ er sich sogar bewegen, -in öffentlichen Versammlungen den Vorsitz zu führen, -was er sonst überall ablehnte. Nur wollte er nichts -von »Frauen-Vereinen« zur Unterdrückung der Sklaverei -hören, wie man sie jetzt von verschiedenen Seiten her ins -Leben zu rufen suchte. Sein klares, nüchternes Urteil -entschied sich dafür, daß es der Frau zwar wohl anstehe, -wenn sie im stillen für die gute Sache wirke, »aber«, so -sagte er, »wenn Frauen öffentliche Versammlungen veranstalten, -Schriften veröffentlichen, von Haus zu Haus -gehen, um Bittschriften zustande zu bringen, so sind das -Beschäftigungen, die mir unpassend erscheinen für den -weiblichen Charakter, wie er uns in der heiligen Schrift -gezeichnet worden ist.«</p> - -<p>Trotz seiner 68 Jahre und seiner hinfälligen Gesundheit -unternahm Wilberforce im Jahre 1827 eine längere -Reise in das nördliche England, besonders durch die Grafschaft -Yorkshire. Er wollte vor seinem Tode noch einmal -die Gegend besuchen, welcher er seine beste Lebenszeit und --kraft gewidmet hatte und noch einmal den vielen Freunden, -die er dort besaß, die Hand zum Abschiede drücken, -auch wohl da und dort noch ein gutes heilsames Wort -anbringen. Aber er fand von vielen seiner dortigen -Freunde nur die Gräber und schrieb deshalb voll Wehmut -an seine langjährige, nun 82 Jahre alte Freundin -Hannah More: »Meine Freunde fallen täglich um mich -her, die Begleiter meiner Jugend, damals weit stärker -und weit gesunder als ich, sind fort, während ich noch<span class="pagenum"><a id="Seite_143">[143]</a></span> -bleibe. Was für eine Spanne Zeit uns auch übrig sein -mag, möchten wir beide die noch kommenden Tage zur -Vorbereitung auf den letzten verwenden.«</p> - -<p>Und das that er seinerseits treulich während der Jahre, -die er nun in Ruhe und Gleichförmigkeit auf seinem -Highwood Hill verlebte. Nicht als ob er sich jetzt von -allem geselligen Leben vollständig zurückgezogen und jenem -trüben, finsteren Geiste gänzlicher Weltflucht sich überlassen -hätte, den so viele fälschlich für die höchste Blüte des -wahren Christentums ansehen, weil sie selber noch nichts -wissen von wahrem Frieden und wahrer Freude im heiligen -Geiste, die es möglich machen, das Apostelwort zu -befolgen: seid allezeit fröhlich. Nein Wilberforce liebte -auch jetzt noch ein heiteres, geselliges Leben und fand -seine Freude daran, wußte aber freilich die geselligen -Unterhaltungen auch so zu führen, daß sie für das innere -Leben jedes Teilnehmers daran förderlich werden mußten, -indem er aus den Erfahrungen seines reichen Lebens wie -ein guter Haushalter altes und neues hervorbrachte. -Übrigens war seine Zeiteinteilung eine durchaus geregelte -und seine ganze Lebensweise eine durchaus einfache, seinen -Jahren angemessene.</p> - -<p>Bald nach 7 Uhr morgens pflegte er im Sommer wie -im Winter aufzustehen, und dann über eine Stunde auf -seinem Zimmer mit Selbstbetrachtung, Gebet und Lesen -des göttlichen Wortes zuzubringen. Während er sich für -den Tag ankleidete, ließ er sich vorlesen, um ja keine Zeit -für den Geist unbenutzt zu lassen. Um halb 10 Uhr traf -er mit den seinigen zur Familienandacht zusammen. Diese -selber abzuhalten, ließ er sich nicht nehmen, auch wenn -seine Gesundheit nicht die beste war. Er las dann einen -Abschnitt aus der heiligen Schrift vor, gewöhnlich aus<span class="pagenum"><a id="Seite_144">[144]</a></span> -dem Neuen Testamente, erklärte ihn mit heiligem Ernste -und mit Worten, die vom heiligen Geiste gelehrt waren, -und schärfte ihn mit wunderbarer Beredtsamkeit ein.</p> - -<p>Nach dieser Andacht, die etwa eine halbe Stunde -dauerte, ging er, wenn es das Wetter irgendwie erlaubte, -in den Garten, um sich an den Schönheiten der Natur -zu erfreuen und sich die dafür so empfängliche Seele noch -mehr zum Preise des Schöpfers stimmen zu lassen. Das -Frühstück pflegte er auch jetzt spät einzunehmen, wie er -sich schon längst gewöhnt hatte, um eine möglichst lange, -ungestörte Arbeitszeit vor demselben zu haben. Aber desto -länger verweilte er dann am Frühstückstische und ließ -hier seine reiche, köstliche Gabe der Unterhaltung oft so -in Fluß kommen, daß es 12 Uhr wurde, ehe er aufstand, -besonders wenn er Besuch von lieben Freunden hatte, mit -welchen er sich innerlich eins wußte und über die höchsten -Lebensfragen frei und offen besprechen konnte.</p> - -<p>Bis 3 Uhr Nachmittags zog er sich wieder zurück, um -zu studieren oder Briefe zu schreiben, und erging sich dann -bei gutem Wetter noch ein Stündchen im Garten, am -liebsten in Gesellschaft mit seinen guten Freunden oder -auch nur von seinem Vorleser, und, wenn er alleine war, -gewöhnlich ein Liedchen vor sich hinsingend, das von der -freudigen Stimmung seines Herzens Kunde gab.</p> - -<p>Nach der Hauptmahlzeit, welche nach englischer Sitte -erst um 5 Uhr Nachmittags, aber nie später, stattfand, -legte er sich auf anderthalb Stunden nieder, um für den -Abend, welcher in England stets dem geselligen Leben, -wenn auch nur im engen Kreise der Familie gewidmet -wird, neue Kräfte zu sammeln. Zuweilen arbeitete er -nach der Ruhe noch eine Zeit lang bis zur Abendandacht, -welche ebenso wie die Morgenandacht gehalten wurde,<span class="pagenum"><a id="Seite_145">[145]</a></span> -häufiger aber begab er sich sogleich wieder in den Kreis -der Familie, wo denn der Abend oft bis nach Mitternacht -mit Vorlesen, Erzählen und Gespräch zugebracht wurde.</p> - -<p>Die schönste Zeit im Jahre war die Weihnachtszeit, -welche stets alle seine Kinder um ihn versammelte, und -die er, sich ganz von der Arbeit losmachend, immer im -Schoße seiner Familie verbrachte. Da konnte er mit -seinen Kindern, solange sie noch klein waren, spielen wie -ein Kind; aber er ließ es auch freilich nicht daran fehlen, -den schon mehr erwachsenen Kindern ein Wegweiser zu -dem zu werden, der da arm ward um unseretwillen, -auf daß wir durch seine Armut reich würden.</p> - -<p>Waren einmal in späteren Jahren zwischen seinen -Kindern, wie das ja wohl nirgends ganz ausbleibt, Verstimmungen -und Entfremdungen eingetreten, so wußte er -dieselben mit lindem Wort und liebreicher väterlicher Mahnung, -oder noch lieber, wenn das hinreichte, mit einem -witzigen Scherze wegzuschaffen, und setzte darein einen -hohen Wert der jährlichen, weihnachtlichen Familienzusammenkünfte, -daß sie die gegenseitige Liebe und Anhänglichkeit -zwischen Eltern und Kindern sowohl, wie zwischen -den Geschwistern so lieblich förderten.</p> - -<p>»Unsere lieben Kinder«, schreibt er einmal nach solch -einem gesegneten Familienfeste, »leben in vieler Einigkeit. -Was für Grund zur Dankbarkeit habe ich, wenn ich meine -fünf Kinder, meine Schwiegertocher und meine beiden Enkel -um den Tisch versammelt sehe! Lobe den Herrn, o meine -Seele!«</p> - -<p>Indessen blieben diese Jahre der Ruhe und des glücklichen -Stilllebens in Highwood Hill nicht ohne jede Trübung; -ja der Feierabend seines Lebens sollte für Wilberforce -nicht ohne schwere Prüfungen verlaufen, damit er<span class="pagenum"><a id="Seite_146">[146]</a></span> -das Sehnen nach der himmlischen Heimat immer völliger -in sein Herz kommen lasse, wo kein Leid, kein Geschrei, -keine Schmerzen mehr sein sollen.</p> - -<p>In Highwood Hill selbst war keine Kirche, deren -regelmäßiger Besuch doch für unsern Wilberforce ein wesentlicher -Bestandteil seiner Sonntagsfeier war. Der Umstand, -daß die nächste Kirche 3 Meilen weit entfernt war, -würde ihn sicherlich vom Kaufe des Gutes abgehalten -haben, wenn nicht der Bau einer neuen Kirche bereits so -gut wie beschlossene Sache gewesen wäre. Um den Bau -zu beschleunigen, erklärte sich Wilberforce gegen den Geistlichen -des Kirchspiels sofort nach dem Antritte seines Gutes -bereit, die Kosten des Baus teils aus eigenen, teils aus -Mitteln, zu deren Hergabe er Freunde willig machen -wolle, zu bestreiten. Um dem Geistlichen in allen Stücken -entgegen zu kommen, ging er sogar auf dessen Wunsch -ein, daß die neue Kirche nicht in Highwood Hill selbst, -sondern eine halbe englische Meile entfernt in einem kleinen -Weiler erbaut werden möge.</p> - -<p>Gleichwohl aber trat der Geistliche aus irgend einem -unbekannten Grunde gegen Wilberforce in Widerstreit -und griff ihn öffentlich, sogar in seinen Predigten, als -einen eigennützigen, selbstsüchtigen Menschen an, der nur -seinen eigenen Vorteil, nicht aber das Wohl der Gemeinde -im Auge habe. Und wirklich, der ehrwürdige, selbstverleugnungsvolle -Greis sah sich jetzt in seinem 70ten Lebensjahre -genötigt, gegen die wider ihn geschleuderten gehässigen -Verleumdungen öffentlich sich zu verteidigen, und der -Bau der Kirche verzögerte sich von Monat zu Monat.</p> - -<p>Tiefer und einschneidender in sein Schicksal wurde -jedoch für Wilberforce ein anderes Erlebnis.</p> - -<p>Wilberforce hatte sich, wie wir schon erwähnt haben,<span class="pagenum"><a id="Seite_147">[147]</a></span> -von jeher gewöhnt, sich nur als Gottes Haushalter über -das ihm anvertraute irdische Gut zu betrachten und dasselbe -deshalb in reichem, manchmal überreichem Maße -zu Werken der Wohlthätigkeit verwandt. Er war der -Ansicht, daß auch seinen Kindern mehr Segen für ihre -Zukunft daraus erwachsen würde, als wenn er bemüht -wäre, das Familienvermögen zu vermehren und tote Schätze -zusammenzuhäufen.</p> - -<p>Nun hatte er für seinen ältesten Sohn, der sich -wegen seiner schwachen Gesundheit der Landwirtschaft -gewidmet hatte, ein ansehnliches Gut kaufen lassen -und sich dabei arglos in die Hände eines Unterhändlers -gegeben, dem er volles Vertrauen glaubte schenken zu -dürfen. Allein dieser ward zum Schelm an ihm, und -brachte es durch seine Betrügereien und Kniffe dahin, daß -Wilberforce einen sehr beträchtlichen Teil seines Vermögens -verlor. Der Verlust war so bedeutend, daß er sich -entschließen mußte, sein schönes Highwood Hill aufzugeben -und seine ganze bisherige Lebensweise bedeutend einzuschränken.</p> - -<p>Zwar erboten sich seine Freunde, als sie dies vernahmen, -auf der Stelle ihm seinen Verlust zu ersetzen und -selbst ein »Westindier«, der ihn trotz seiner Gegnerschaft -in der Sklavensache persönlich hochachtete, machte ihm dahin -zielende Anerbietungen; aber Wilberforce glaubte auf -diese Anerbietungen, so wohl sie ihm auch innerlich thun -mochten, nicht eingehen zu dürfen, sondern vielmehr seine -Lebensweise nach seinen jetzigen Vermögensverhältnissen -einrichten zu müssen.</p> - -<p>Seine innere Heiterkeit blieb übrigens dabei ganz unangetastet, -ja er pries die Vorsehung dafür, daß dieser -Schlag nicht eher eingetreten sei, als jetzt, wo alle seine<span class="pagenum"><a id="Seite_148">[148]</a></span> -Kinder soweit erzogen waren und größtenteils schon eine -gesicherte Lebensstellung hatten.</p> - -<p>Er beschloß, mit seiner Gattin abwechselnd, bei seinem -zweiten und dritten Sohne, die ja beide schon im Amte -standen, Wohnung und Aufenthalt zu nehmen, und, wenn -er es auch bedauerte, seinen lieben Garten aufgeben zu -müssen, sowie die Möglichkeit, werte Freunde unter seinem -eigenen Dache zu beherbergen, so freute er sich doch andrerseits -sehr, nun der zarten Liebeserweisungen kindlicher -Anhänglichkeit und Dankbarkeit unausgesetzt genießen zu -können. Als er sich von einem kleinen Unwohlsein wiedererholt -hatte, sagte er: »Ich kann kaum begreifen, warum -mein Leben so lange erhalten wird, es sei denn, damit -ich beweisen kann, daß ein Mensch ebenso glücklich sein -kann ohne als mit Vermögen.«</p> - -<p>Das Scheiden von Highwood Hill wurde aber für -Wilberforce noch durch einen harten Schlag erschwert, der -ohne Zweifel die ihn am meisten erschütternde Heimsuchung -seines Greisenalters war. Es starb ihm nämlich, als er -sich eben von der lieblichen Stätte losgerissen hatte, welche -der Ruheplatz für seine letzten Lebenstage hatte werden -sollen, seine einzige noch übrige Tochter. Zwar konnte -er auch von ihr mit innigem Danke gegen Gott »eine -heilige, ruhige, demütige Zuversicht zu ihrem Heilande« -rühmen, »mit der sie sich gleichsam auf den Arm ihres -Erlösers lehnte«, aber es war doch für das Vaterherz -etwas unsäglich Bitteres, noch einmal einem teuren Kinde -in das frühe Grab sehen zu müssen, und in den trauten -Kreis seiner Familie, worin er sich wohl fühlte, eine -empfindliche Lücke gerissen zu sehen.</p> - -<p>Wie rasch sich übrigens Wilberforce in das veränderte -Leben eingewöhnte, und wie wohl es ihm dabei war, zeigt ein<span class="pagenum"><a id="Seite_149">[149]</a></span> -Brief an seinen Freund und Schwager Stephen. »Wir -befinden uns«, so schreibt er aus dem Pfarrhause des -einen Sohnes, »hier jetzt ungefähr 6 Wochen. Wie viel -mehr Ursache habe ich, mich zu freuen, als über einen -Verlust zu klagen, der einen solchen Erfolg gehabt hat! -Wir sind unter das Dach unserer teueren Kinder gekommen; -wir sind Zeugen, wie sie ein großes häusliches Glück genießen -und gewissenhaft die Pflichten des wichtigsten Berufes -erfüllen.«</p> - -<p>Die Gebrechen des Alters stellten sich bei Wilberforce, -wie er öfters mit herzlichem Danke gegen Gott erwähnte, -nur langsam ein und ohne die schmerzhaften Leiden, die -sich so oft damit verbinden. Es war im wesentlichen nur -ein größeres Bedürfnis von Ruhe, welches sie herbeiführten -und dieses Bedürfnis konnte er sich in den stillen Pfarrhäusern -seiner Söhne besser befriedigen, als es in Highwood -Hill möglich gewesen wäre, dessen nähere Lage bei -London auch häufigere Besuche seiner Freunde wie Solcher, -die Rat bei ihm suchen wollten, gebracht haben würde. -Aber, wie groß auch sein Ruhebedürfnis war, er vergaß -es doch gänzlich und zeigte sich noch stets als einen sehr -unterhaltenden Gesellschafter, wenn ihn Freunde besuchten, -ja konnte noch in wahrhaft jugendliches Feuer geraten, -wenn es galt, jemand, der ihn besuchte, auf das Eine, -was not ist, hinzuweisen und ihn von den Irrtümern -seines Weges zu überzeugen.</p> - -<p>Ebenso wurde er stets tief ergriffen und zu feuriger -Begeisterung entflammt, wenn auf die Sklavensache die -Rede kam, und wenn es sich darum handelte, die Notwendigkeit -der völligen Abschaffung der Sklaverei zu beweisen.</p> - -<p>Als ein Bild von ihm gemalt werden sollte, und der<span class="pagenum"><a id="Seite_150">[150]</a></span> -Maler, der ihn nicht als den müden, altersschwachen Greis -abkonterfeien wollte, als welcher er jetzt erschien, begehrte, -man möge ihm irgend eine geistige Anregung zu verschaffen -suchen, da genügte es, daß jemand die Bemerkung fallen -ließ, nach den neuesten Nachrichten würden die Sklaven -in Westindien jetzt doch weit besser als früher behandelt. -Sofort regte sich da in Wilberforce der heilige Eifer, dies -aus den neuesten Nachrichten, die er selber besaß, zu bestreiten -und es entspann sich eine so belebte Unterhaltung, -daß der Maler von ihm ein Bild gewann, wie er es -haben wollte, und wie es auch sein mußte, um ihn in -voller Lebenswahrheit darzustellen.</p> - -<p>Als im April 1833 zu Maidstone, dem Hauptorte der -Grafschaft Kent, in der er sich gerade jetzt bei seinem -Sohne in East Farleigh befand, eine Versammlung gehalten -wurde, worin eine Adresse gegen die Sklaverei beschlossen -werden sollte, ließ sich Wilberforce, obwohl er seit -zwei Jahren nicht mehr öffentlich gesprochen hatte, doch -nicht zurückhalten, die Versammlung zu besuchen und nicht -allein als der erste die zu stande gekommene Adresse zu -unterschreiben, sondern auch, obwohl nur mit schwacher -Stimme für die heilige Sache zu sprechen, deren begeisterter -Vorkämpfer er so lange Jahre hindurch gewesen war. -Und wie freute er sich mit einer heiligen Freude, zu spüren, -daß die öffentliche Meinung auf dem Punkte angekommen -sei, wohin sie zu führen die letzte Anstrengung seines -öffentlichen Lebens gewesen war! Denn in der ganzen -großen Versammlung war niemand, der daran gezweifelt -hätte, es müsse auf eine vollständige Beseitigung aller -Sklaverei gedrungen werden.</p> - -<p>Wie gerne gab er seine Zustimmung dazu, daß selbst -eine Entschädigung von 20 Millionen Pfund Sterling<span class="pagenum"><a id="Seite_151">[151]</a></span> -(= 400 Millionen Mark), welche an die Sklavenbesitzer -sollte bezahlt werden, dem Lande aufgebürdet werde.</p> - -<p>Wie zuversichtlich schrieb er am Anfange des neuen -Jahres an einen alten Freund und Kampfgenossen: »Ich -wünsche Ihnen Glück, in ein Jahr eingetreten zu sein, -das sich, wie ich zuversichtlich hoffe, dadurch auszeichnen -wird, daß Sie sehen, wie dem mit Fluch beladenen Sklavenhandel -der letzte tötliche Schlag gegeben, und die Freilassung -der westindischen Sklaven endlich zu stande gebracht -wird!«</p> - -<hr class="chap" /> -<div class="chapter"> -<h2 id="X">X.</h2> -</div> - -<p>Hatte Wilberforce bisher schon, wenn er von dem -Tode solcher vernahm, die ihm lieb und wert gewesen -waren, immer an den eigenen Tod gedacht und sich nicht -gegen die Mahnung verschlossen, die noch übrige Lebenszeit -zur Vorbereitung auf denselben zu benutzen, so mußte -ihm jetzt, wo er seine Lebenskraft von Tag zu Tage abnehmen -fühlte, dieser Gedanke noch näher treten, diese -Mahnung noch wichtiger werden.</p> - -<p>Und es sollte jetzt auch in der That rasch mit seinem -Leben zu Ende gehen. Als der 74jährige Greis im April -1833 seinen auf der Insel Wight angestellten Sohn besuchen -wollte, wurde er von der Grippe befallen, die ihn -schon öfters heimgesucht hatte, von der er aber immer in den -heilsamen Bädern von Bath Heilung gefunden. Auch jetzt -wurde er von den besorgten Seinigen wieder dorthin gebracht -und blieb dort 2 ganze Monate. Aber die gehoffte -Heilung wollte nicht eintreten. Im Gegenteile nahmen -seine Kräfte zusehends ab, sodaß die Seinigen es für geraten<span class="pagenum"><a id="Seite_152">[152]</a></span> -hielten, ihn, ehe seine Kräfte noch weiter schwänden, -nach London zu bringen und ihn dort der Pflege eines -berühmten Arztes zu übergeben, der ihn schon einmal von -der gleichen Krankheit schnell geheilt hatte.</p> - -<p>Wilberforce fügte sich dem Wunsche seiner Angehörigen, -obwohl es ihm selbst unzweifelhaft war, daß er keines -irdischen Arztes mehr bedürfe. Er wollte sich eben in -kindlicher Demut allem unterwerfen, was nur irgendwie -als dem Willen Gottes entsprechend erschien, und dankte -stets Gott für die Gnade, daß er ihn durch kein härteres -Leiden prüfe, zumal durch kein solches, wodurch ihm die -Klarheit des Geistes getrübt worden wäre.</p> - -<p>Und wie klar blieb sein Geist! Ja wie gingen ihm -die Geistesaugen heller und immer heller auf, die eigene -Sündhaftigkeit und Unwürdigkeit vor Gott zu erkennen, -aber auch in die Fülle der Gnade Gottes in Christo Jesu -tiefe, beseligende Blicke zu thun! Immer wieder bezeugte -er, daß er nicht wert sei der Barmherzigkeit und Treue, -die Gott an ihm während seines ganzen Lebens gethan -habe; immer wieder pries er mit den höchsten, begeistertsten -Worten die Gnade, die ihn das höchste und beste habe -gewinnen lassen, was es für den Menschen geben könne, -den inneren Frieden, der in der Erlösung des Sohnes -Gottes so festen und gewissen Grund habe.</p> - -<p>»In Rücksicht auf mich selbst«, sagte er zu einem -lieben alten Freund, der ihn auf seinem Krankenlager besuchte, -und ihn auf die zukünftige Herrlichkeit verwies, -welcher er mit Zuversicht entgegensehen dürfe, »in Rücksicht -auf mich selbst habe ich nichts so sehr mit Nachdruck -zu wiederholen als die Bitte des Zöllners: Gott, sei -mir Sünder gnädig.«</p> - -<p>»Wenn ich bedenke, wie viel arme Leute leiden ohne<span class="pagenum"><a id="Seite_153">[153]</a></span> -die Bequemlichkeiten, welche ich habe, und die gütigen Freunde, -welche um mich sind, so bin ich ganz beschämt darüber, -wie es mir so gut geht.« Das war ein anderes seiner -tief demütigen, dankerfüllten Worte.</p> - -<p>Auch klagte er, wie er denn sein Leben lang sich selber -nie genug gethan und sich stets für einen unnützen Knecht -bekannt hatte, jetzt besonders darüber, daß er nicht mehr -mit denen, die ihm nahe getreten seien, gebetet und sie -nicht genug auf den rechten Weg gewiesen habe.</p> - -<p>Stets waren seine Gedanken dem Heilande zugewandt, -besonders wenn er Schmerzen hatte. In solch einer Stunde -sagte er zu seinem Sohne Henry, der an sein Krankenlager -geeilt war, und dem wir all die schönen Worte aus -dem Munde des Sterbenden zu verdanken haben, die sich -seinem Gedächtnisse unauslöschlich einprägten: »Gedenke -daran, daß unser Heiland vom Himmel gekommen ist, -und wenn uns ein kleiner Schmerz schon empfindlich ist, -was hat Er nicht alles erduldet! Gewiß der Gedanke an -die Leiden unseres Heilandes erregt Staunen und Verwunderung.«</p> - -<p>Brachten ihm die zahlreichen Freunde, welche die Parlamentssitzung -nach London zusammengeführt hatte und die -es nicht versäumten, den von ihnen allen so hoch Geehrten -fleißig zu besuchen, zarte Beweise ihrer Aufmerksamkeit -und Teilnahme dar, so sagte er nachher wohl: »Wie ganz -anders würden sie mich beurteilen und ansehen, wenn sie -mich wahrhaft kennten!«</p> - -<p>Am Freitage, den 26. Juli ließ sich der Kranke, um -den herrlichen Sommertag zu genießen, auf seinem Stuhle -ins Freie tragen; denn seine Schwäche ließ es ihm nicht -mehr zu, auf den eigenen Füßen das Zimmer zu verlassen. -Es war der Tag, an dem ein Gesetzesvorschlag<span class="pagenum"><a id="Seite_154">[154]</a></span> -wegen völliger Abschaffung der Sklaverei zum zweiten -Male im Parlamente vorkam und auch zur Annahme -gelangte. Als ihm die Nachricht davon überbracht und -mitgeteilt wurde, daß auch die großen Geldopfer, die zur -Entschädigung der Sklavenhalter für nötig erachtet wurden, -kein Hindernis der Annahme des Gesetzes geworden seien, -wie jubelte da der Leidende auf, der nun, was er als -Jüngling gedacht, als Mann mit rastloser Ausdauer erstrebt -hatte, vor seinem Ende noch mit dem sehnlich erwarteten -Erfolge gekrönt sah! Mit welch inniger Dankbarkeit -erhoben sich seine Blicke hinauf zu dem wolkenlosen -Himmel, und falteten sich seine Hände bei dem Gebetsrufe: -»O mein Gott, wie danke ich Dir, daß Du mich -hast leben und ein Zeuge des Tages sein lassen, an dem -sich England bereit erklärt hat, 20 Millionen Pfund für -die Abschaffung der Sklaverei zu geben und sich von dieser -Schande zu befreien!«</p> - -<p>Wie ein stärkender Balsam schien diese Nachricht auf -ihn zu wirken. Denn er fühlte sich am Abende dieses -Tages so wohl und heiter, daß man sich schon der Hoffnung -hingab; es werde doch noch möglich sein, ihn von -London wegzubringen zu einem seiner Söhne, damit er -im engsten Familienkreise seine Heimfahrt halte, an deren -Nähe jetzt kaum mehr zu zweifeln war. Mit besonderer -Inbrunst nahm er an der Abendandacht teil und freute -sich der zarten Pflege und Aufmerksamkeit, die ihm alle -widmeten.</p> - -<p>»Was kann ein Mensch«, rief er aus, »zum Schlusse -seines Lebens mehr wünschen, als von seiner Frau und -von seinen Kindern gepflegt zu werden, welche alle in -Freundlichkeit und Liebe gegen ihn wetteifern!«</p> - -<p>Jedoch die ungewöhnliche freudige Aufregung dieses<span class="pagenum"><a id="Seite_155">[155]</a></span> -Tages blieb nicht ohne Rückschlag. Am späten Abende -stellte sich bei dem Kranken eine große Schwäche ein, und -der folgende Tag brachte mehrere Schlaganfälle, die sein -Gedächtnis schwächten und ihm große Leiden verursachten. -Die Erklärung des Arztes, daß, wenn er diese Anfälle -überlebe, noch schwerere Leiden, ja eine Störung des Verstandes -in Aussicht ständen, mußte nun die Seinigen es -als eine Gnade von Gott erbitten lassen, daß sein Ende -nicht mehr allzu ferne sein möge.</p> - -<p>»Ich bin in einem sehr leidenden Zustande«, klagte er -am Sonntage in einem Augenblicke, da er ganz hellen, -lichten Geistes war.</p> - -<p>»Ja«, antwortete man ihm, »aber Sie haben ihren -Fuß auf dem Felsen.«</p> - -<p>»Ich wage nicht«, erwiderte er, »dies so bestimmt zu -behaupten, aber ich hoffe, ich habe ihn darauf.«</p> - -<p>Das waren seine letzten vernehmbaren Worte, und -am Montage, den 29. Juli 1833 frühe morgens 3 Uhr -hauchte er seinen letzten Seufzer aus.</p> - -<p>Wer dürfte zweifeln, daß mit demselben die Seele des -treuen Sklavenfreundes einging zu dem, der seines Herzens -Trost und Teil war, weil er mit seinem heiligen -Versöhnungs- und Erlösungsblute aller Sklaverei ein -Ende gemacht hat, daß sie einging zu der herrlichen Freiheit -der Kinder Gottes?</p> - -<p>Auf 73 Jahre 11 Monate hatte Wilberforce das reich -gesegnete Erdenleben bringen dürfen, das wir aus den -vorstehenden Blättern zu schildern versucht haben; aber -für alle Zeiten wird sein Gedächtnis währen überall, wo -man nach denen fragt, und um die sich bekümmert, welche -in Wahrheit Wohlthäter der Menschheit gewesen sind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_156">[156]</a></span></p> - -<p>Oder dürftest Du jetzt noch bezweifeln, lieber Leser, -daß Wilberforce in der That ein solcher gewesen ist.</p> - -<p>Hat er nicht durch unermüdliches Wirken demjenigen -Teile der Menschheit, welcher vorher unbeanstandet das -furchtbare Joch einer leib- und seelenmörderischen Knechtschaft -getragen hatte und in der öffentlichen Meinung mit -den Tieren fast auf gleiche Stufe gestellt gewesen war, -nicht allein zur Milderung seiner Leiden geholfen, sondern -auch zur Anerkennung seiner Menschenwürde und Menschenrechte?</p> - -<p>Hat er nicht den übrigen Teil der Menschheit, der in -seiner Verblendung der schwarzen und farbigen Rasse ohne -Bedenken jenes furchtbare Joch der Sklaverei auferlegen -zu dürfen geglaubt hatte, die Augen aufgethan und das -Gewissen geschärft, das Jahrtausende hindurch geübte -himmelschreiende Unrecht zu erkennen, und so den Fluch -von ihm wenden helfen, der aus solchem Unrecht notwendig -erwachsen muß?</p> - -<p>Hat er nicht – und das möchten wir als die höchste -Wohlthat preisen, die er der Menschheit erwiesen – durch -sein ganzes Leben und Wirken es jedem, der nur sehen -<em class="gesperrt">will</em>, klar und unwiderleglich unter die Augen gestellt, -daß das wahre, lebendige Christentum die Quelle aller -Tugenden ist, und daß zumal jene Tugenden, die allein -befähigen großes für die Welt zu vollbringen, lediglich -aus dieser Quelle geschöpft werden können: Der heilige -Eifer, der für das in Gottes Namen begonnene Werk -glüht, der feste Mannesmut, der vor keiner Gegnerschaft -und vor keiner Widerwärtigkeit zurückbebt, die unermüdliche -Geduld, die sich durch keine fehlgeschlagene Hoffnung -beugen läßt, die hingebende Selbstverleugnung, die von -jedem Suchen des Eigenen absteht?</p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Seite_157">[157]</a></span></p> - -<p>Und wir freuen uns zum Schlusse noch sagen zu können, -daß es Wilberforce nicht erging, wie so manchem anderen -Wohlthäter der Menschheit vor ihm und nach ihm, daß -er erst bei der dankbaren Nachwelt die verdiente Anerkennung -fand, während die kurzsichtige Mitwelt sie ihm -versagte, oder doch nicht in gebührendem Maße zollte. -Nein, die Hochachtung, die er schon zu seinen Lebzeiten -selbst bei Feinden und Gegnern gefunden hatte, sie trat -sofort bei seinem Tode in das hellste Lichte und machte -sich in der ehrenvollsten Weise kund.</p> - -<p>Einstimmig erkannte das Parlament dem Verstorbenen -die höchste Ehre zu, die England seinen großen Männern -zu erweisen pflegt, daß nämlich sein Leichnam in der Westminsterabtei -beigesetzt wurde, zur letzten Ruhestätte geleitet -von den Mitgliedern des Ober- wie des Unterhauses, ja -selbst von einem Prinzen des Königlichen Hauses und -von dem Lordkanzler, die es nicht unter ihrer Würde erachteten, -bei den Trägern des Leichentuches zu sein.</p> - -<p>In seiner Vaterstadt Hull, sowie in York, der Hauptstadt -der so lange von ihm vertretenen Grafschaft, wurden -an seinem Begräbnistage Gedächtnisfeierlichkeiten für Wilberforce -veranstaltet, und während ihm seine Vaterstadt -später eine Denksäule errichtete, setzte die ganze Grafschaft -ihm ein Denkmal anderer Art, das aber gewiß mehr als -eine Denksäule dem Sinne und Geiste entsprach, in welchem -der Geehrte während seiner Lebenszeit gewirkt hatte, -sie gründete eine Blindenanstalt, zur Ehre seines Namens.</p> - -<p>Auf den westindischen Inseln aber legten die Neger, -die so viel Ursache hatten, seinen Namen zu segnen, bei -der Nachricht von seinem Tode Trauerkleider an, und -eben dasselbige that die farbige Bevölkerung in New-York.</p> - -<p>Und doch, was waren alle diese Ehrenbezeugungen und<span class="pagenum"><a id="Seite_158">[158]</a></span> -Verherrlichungen des Verstorbenen gegenüber der Herrlichkeit, -die der Herr im Himmel droben bereit hielt für -seinen treuen Knecht, der mit dem reichen Pfunde, welches -ihm anvertraut gewesen war, so wirksam gewuchert und -im Dienste seines himmlischen Herrn mit hingebender -Liebe gewirkt hatte, so lange es Tag für ihn war! Wie -ist da gewiß wahr geworden an ihm das schöne Wort -des 116. Psalms: »Der Tod seiner Heiligen ist wert gehalten -vor dem Herrn«! Wie durfte er dort gewiß voll -seliger Freude jubeln mit den Worten desselben Psalms: -»O Herr, ich bin Dein Knecht; du hast meine Bande -zerrissen.«</p> - -<p>Wenn aber der geneigte Leser dieses Büchleins sich -gedrungen fühlt, nicht blos den Namen Wilberforce mit -Hochachtung zu nennen, so oft er ihm auf die Zunge -kommt, sondern sich auch an dem hochgeachteten Manne -ein Vorbild zu nehmen, und zwar nicht allein an dem -heiligen Eifer für alles Hohe und Heilige, der ihn durchglühte, -an der hingebenden Pflichttreue, die ihn nie ruhen -ließ, an seiner rührenden Demut und Bescheidenheit, die -ihn seiner reichen Gaben, seiner gesegneten Wirksamkeit -sich niemals selbst überheben ließ, sondern auch vor allem -an dem unermüdlichen, sich selbst nie genug thuenden -Dichten und Trachten, sowohl seine eigene Seligkeit zu -schaffen, als auch Anderen auf den rechten Weg zur Seligkeit -zu verhelfen, soweit dies in Menschenkraft liegt: so -ist der innigste Wunsch dessen erfüllt, der diese Blätter -geschrieben hat.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> -<p class="center larger">Verlag von Julius Niedner in Wiesbaden.</p> - -<p class="center">Durch alle Buchhandlungen und durch mich zu beziehen:</p> -</div> - -<p class="h2">Aus der Maje.</p> - -<p class="center">Erzählungen von <b>W. O. von Horn</b> (W. Oertel.)</p> - -<p class="center">Vier Bände.</p> - -<p class="center">Broschiert 6 Mk. 40 Pfg., eleg. u. dauerh. geb. 9 Mk.</p> - -<p class="center">Jeder Band ist einzeln broschiert à 1 Mark 60 Pf., gebunden -à 2 Mark 25 Pf. zu haben.</p> - -<p>Die große Anzahl starker Bände der »Maje, ein Volksbuch für -Alt und Jung im deutschen Vaterlande« fehlen seit einer Reihe -von Jahren gänzlich. Da nun fortwährend dieses gute deutsche -Volksbuch verlangt wird, namentlich die darin befindlichen Erzählungen -von <em class="gesperrt">W. O. von Horn</em> (nur darin erschienen), so hielt ich -es für geboten, die Erzählungen neu aufzulegen, und glaube damit -dem deutschen Volke einen Dienst zu erweisen. An diese Erzählungen -sollen sich anreihen Erzählungen anderer anerkannter Autoren und -die besten Beiträge naturgeschichtlichen, geographischen und geschichtlichen -Inhaltes. Meine Auswahl trifft nur das Beste und glaube -ich mit vollem Rechte sagen zu können, daß diese Auslese ein Volksbuch -liefern wird, wie es die Volkslitteratur noch nicht hat.</p> - -<p>Aus jeder Seite, ja aus jeder Zeile der Horn'schen Erzählungen -tritt uns eine Wärme, eine Innigkeit entgegen, wie sie nur hervorquellen -kann aus einer zur vollen Andacht gestimmten edlen -Seele. <em class="gesperrt">W. O. von Horn's</em> Erzählungen, fromm, innig und -populär, zeichnen sich eben so sehr durch treffende Schilderungen -des Häuslichen und Landschaftlichen aus, wie durch Wahrheit und -Tiefe der Charakterzeichnungen; sie sind daher allen Familien, in -denen reine Erzählungen gesucht werden, sowie allen Volksbibliotheken -zu empfehlen.</p> - -<p class="center"><b>Fünfter und sechster Band: Erzählungen anderer Autoren.</b></p> - -<div class="hang"> - -<p>Broschiert à 1 Mark 60 Pfg., elegant und dauerhaft gebunden -2 Mark 25 Pfg.</p></div> - -<div class="hang"> - -<p><b>Aus der Maje</b>, wird im Ganzen acht Bände umfassen, -deren jeder einzeln zu haben ist, und eine Bibliothek ersten -Ranges für Familien und Volksbibliotheken bilden.</p></div> - -<hr class="tb" /> - -<p class="center larger">Erzählungen</p> - -<p class="center">aus dem</p> - -<p class="h2">Volksbuche: Die Spinnstube.</p> - -<p class="center">Begonnen von <b>W. O. von Horn</b>.</p> - -<p class="center"><b>Erster Band</b> (Jahrgänge 1875–1877).<br /> -40 Bogen. Mit 3 Stahlstichen -und 90 Holzschnitten.</p> - -<p class="center"><b>Zweiter Band</b> (Jahrgänge 1878–1880).<br /> -40 Bogen. Mit 3 Stahlstichen -und 90 Holzschnitten.</p> - -<p class="center"><b>Dritter Band</b> (Jahrgänge 1881–1883).<br /> -40 Bogen. Mit 3 Stahlstichen und 90 Holzschnitten.</p> - -<p class="center">Preis des Bandes broschiert 1 Mk. 20 Pfg.,<br /> -elegant gebunden 1 Mk. 80 Pfg.</p> - -<p>Eine stets willkommene Gabe für deutsches Gemüts- -und Familienleben werden die alten Jahrgänge für Haus- -und Volks-Bibliotheken gern angeschafft.</p> - -<p>Ich habe mich zu obiger Ausgabe entschlossen, die in -120 Bogen 9 Stahlstiche und 270 Holzschnitte, 23 große -Erzählungen von <em class="gesperrt">W. O. von Horn</em> wie von den ersten -Autoren und eine große Zahl kleinere Aufsätze enthält, -daher bei dem sehr billigen Preis überall willkommen -sein wird.</p> - -<p><b>Von da ab wird die Spinnstube nur in der Höhe -der Abonnentenzahl gedruckt.</b></p> - -<hr class="chap" /> - -<p class="center">Druck von <em class="gesperrt">K. Schwab</em> in Wiesbaden.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> - -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -Die Kapitelnumerierung (Kapitel IV war doppelt) wurde korrigiert.</p> - -<p>Korrekturen:</p> -<div class="corr"> -<p> -S. 25: zurückziehen → zurückzuziehen<br /> -in die ländliche Stille <a href="#corr025">zurückzuziehen</a></p> -<p> -S. 50: sie → Sie<br /> -<a href="#corr050">Sie</a> hierbei und in allen Stücken zu stärken</p> -<p> -S. 76: 1789 → 1798<br /> -in der Parlamentssitzung von <a href="#corr076">1798</a> keinen Fortgang.</p> -<p> -S. 135: Kant → Kent<br /> -East Forleigh in der Grafschaft <a href="#corr135">Kent</a></p> -<p> -S. 136: sie → Sie<br /> -Anstrengungen, welche <a href="#corr136">Sie</a> mit solcher Ausdauer</p> -<p> -S. 140: sie → Sie<br /> -als da <a href="#corr140">Sie</a> zuerst in das öffentliche Leben eintraten</p> -</div></div> - - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of William Wilberforce, der Sklavenfreund, by -Hugo Oertel - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WILLIAM WILBERFORCE *** - -***** This file should be named 54201-h.htm or 54201-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/4/2/0/54201/ - -Produced by Peter Becker and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance -with this agreement, and any volunteers associated with the production, -promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, -harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, -that arise directly or indirectly from any of the following which you do -or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm -work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any -Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause. - - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of computers -including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at -http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at -809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email -business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact -information can be found at the Foundation's web site and official -page at http://pglaf.org - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To -SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any -particular state visit http://pglaf.org - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. -To donate, please visit: http://pglaf.org/donate - - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic -works. - -Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - http://www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - -</pre> - -</body> -</html> diff --git a/old/54201-h/images/cover.jpg b/old/54201-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 484cd03..0000000 --- a/old/54201-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54201-h/images/frontispiz.jpg b/old/54201-h/images/frontispiz.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index def8924..0000000 --- a/old/54201-h/images/frontispiz.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54201-h/images/ill_32.jpg b/old/54201-h/images/ill_32.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index b9d472e..0000000 --- a/old/54201-h/images/ill_32.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54201-h/images/ill_64.jpg b/old/54201-h/images/ill_64.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4924b38..0000000 --- a/old/54201-h/images/ill_64.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/54201-h/images/ill_96.jpg b/old/54201-h/images/ill_96.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6638ebd..0000000 --- a/old/54201-h/images/ill_96.jpg +++ /dev/null |
