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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org/license - - -Title: Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee - -Author: Bartholomäus von Werner - -Release Date: January 11, 2017 [EBook #53946] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DEUTSCHES KRIEGSSCHIFF *** - - - - -Produced by Franz L Kuhlmann and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive) - - - - - - +--------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Die Schreibweise im Text (wie z. B. Ae statt Ä) sowie die | - | "Vor Duden" Orthographie sind beibehalten. | - | | - | Die Markierung mit dem Sonderzeichen ($) zeigt den Fettdruck einer | - | Phrase an, das Einfassen mit Hochkommata (') die Verwendung einer | - | anderen Schriftart (Antiqua) im Original. | - | Die Markierung mit Gleichheitszeichen (=) zeigt eine "gesperrte" | - | Phrase im Original an. | - | | - | Die Korrektur typografischer Fehler ist unten im Einzelnen | - | aufgeführt. | - +--------------------------------------------------------------------+ - - - Ein deutsches Kriegsschiff - in der Südsee. - - - - - Ein deutsches Kriegsschiff - in der Südsee. - - Von - - B. von Werner, - Contreadmiral a. D. - - Mit über 100 Abbildungen und 5 Karten. - - Zweite Auflage. - - - Leipzig: - F. A. Brockhaus. - - 1889. - - - - - Das Recht der Uebersetzung ist vorbehalten. - - - - -Vorwort. - - -Die nachfolgenden Reisebriefe, welche ich hiermit der Oeffentlichkeit -übergebe, wurden ursprünglich nicht zu diesem Zweck geschrieben, sondern -sollten nur meinen Angehörigen dasjenige im Bilde vorführen, was ich -selbst gesehen und erlebt hatte. Ich hielt mich weder für dazu berufen, -die große Menge der vorhandenen Reisebeschreibungen vermehren zu helfen, -noch hielt ich eine derartige literarische Thätigkeit vereinbar mit -meiner Dienststellung als Schiffscommandant, sodaß ich schon aus diesem -Grunde dahin zielende Vorschläge zurückweisen mußte, wenn ich auch fand, -daß die vorhandenen Berichte über die Südsee nicht ausreichten, um sich -ein einigermaßen getreues Bild von den dortigen Verhältnissen machen zu -können. Denn die Südsee mit ihren Bewohnern war nicht nur mir vielfach in -ganz anderer Gestalt entgegengetreten, als ich sie mir vorgestellt hatte: -auch in Australien und Neu-Seeland, beim Anlaufen neuer Häfen während -der Heimfahrt und schließlich auch in Deutschland wurden in Bezug auf die -Südsee Fragen an mich gerichtet, die ich vordem ebenfalls gestellt haben -würde und welche bewiesen, daß auch in weitern Kreisen die Vorstellung -von jenen fernen Inseln und ihren Bewohnern eine unrichtige war. - -Hatte ich somit nicht die Absicht, meine Aufzeichnungen einem größern -Kreise zugänglich zu machen, so stellte ich sie doch denjenigen Personen -gern zur Verfügung, welche sie zu lesen wünschten. Und als ich dann fast -stets, und oft von competenter Seite, die Aufforderung erhielt, meine -Briefe zu veröffentlichen, machte ich mich mit dem Gedanken vertrauter, -wenigstens die auf die Südsee Bezug habenden Theile, als einen Beitrag -zur Kenntniß derselben, der Oeffentlichkeit zu übergeben, wenn auch zu -der Zeit meine dienstliche Stellung immer noch ein kaum zu umgehendes -Hinderniß blieb. - -Als dann nach Verlauf von nahezu zehn Jahren einer etwaigen -Veröffentlichung nichts mehr im Wege stand, mußte ich mich fragen, ob -nunmehr, nachdem neuere Werke über die Südsee oder Theile derselben -erschienen waren, meine Aufzeichnungen noch etwas Neues zu bringen -vermöchten, und kam zu dem Schluß, daß meine Beobachtungen und Erlebnisse, -welche sich vorzugsweise auf dem rein menschlichen Gebiet bewegen, -gerade geeignet sein würden, jene vornehmlich das wissenschaftliche -Gebiet berührenden Werke in erwünschter Weise zu ergänzen. Denn jene -beschäftigen sich, sofern sie nicht Sammelwerke sind, immer nur mit einer -bestimmten Inselgruppe, ergänzen und berichtigen die Angaben älterer -Berichterstatter, bringen werthvolle Nachrichten für den Anthropologen, -Ethnographen, für den Geologen, Zoologen und Botaniker, aber nur wenig -für den Menschenfreund. Sie führen uns nicht in das Volksleben jener -Stämme ein, und zwar wol deshalb nicht, weil die Berichterstatter keine -Gelegenheit fanden, so tief in dasselbe einzudringen, wie sie so leicht -einem Kriegsschiffscommandanten geboten wird, wenn er Interesse für die -Menschen hat, ihnen wohlwollend entgegenkommt und außerdem noch durch -glückliche Nebenumstände begünstigt wird, wie sie mir in so reichem Maße -zutheil wurden. Meine Aufzeichnungen dürften daher sowol von diesem -Gesichtspunkt aus demjenigen Leserkreis, welcher sich für die Südsee -interessirt, willkommen sein, wie auch um deshalb, weil sie einen Einblick -in die Vorgeschichte unserer dortigen Colonialerwerbungen gestatten. - -So übergebe ich denn dem Leser meine Aufzeichnungen mit der Bitte, sie -wohlwollend zu beurtheilen. Sind dieselben, soweit sie die politischen -Verhältnisse in der Südsee berühren, theilweise auch schon durch die in -den letzten fünf Jahren auf diesem Gebiet stattgefundenen Veränderungen -überholt, so wird durch diese Thatsachen andererseits doch bewiesen, daß -die seiner Zeit von der „Ariadne“ getroffenen Maßnahmen die richtigen -waren und somit die Männer, welche mich belehrten und mir rathend -zur Seite standen, die Lage richtig beurtheilt hatten. Derjenige -Leser, welchem ein kurzer Ueberblick über die in der Südsee seitdem -stattgefundenen Machtverschiebungen erwünscht sein sollte, wird einen -solchen im Anhang finden, wo auch einige allgemeine Bemerkungen über die -Bewohner der Südseeinseln, sowie Angaben über die am 10. Juni 1886 im -Geysir-Gebiet von Neu-Seeland stattgehabte Katastrophe eingefügt sind. -Die Briefe, welche nur wahre und selbsterlebte Begebenheiten behandeln, -auch sich streng an die wirklichen Zeiten und Oertlichkeiten halten, jede -Uebertreibung und poetische Ausschmückung vermeiden, sind, soweit sie die -Magelhaens-Straße und die eigentliche Südsee betreffen, an Ort und Stelle, -unter dem frischen Eindrucke des eben Erlebten geschrieben und später nur -abgerundet und theilweise gekürzt worden, so namentlich auf dem Gebiet der -Naturalia, welche bei Naturmenschen ja eine so große Rolle spielen. Und -doch fürchte ich, gelegentlich dem Vorwurf zu begegnen, daß ich in dieser -Richtung nicht genug gethan hätte, wenngleich nach mir auch Andere noch -den Blaustift gebraucht haben. Was aber schließlich davon übriggeblieben -ist, scheint mir für die Charakterisirung jener Menschen und zur Gewinnung -eines richtigen Urtheils so nothwendig, daß ich mich mit weitern Kürzungen -nicht einverstanden erklären konnte. - -Die Berichte über die Küste Amerikas, über Australien, Neu-Seeland und -die Heimfahrt sind entweder nur Auszüge aus Briefen, oder nachträglich -aus Tagebuchnotizen unter Zuhülfenahme des Gedächtnisses zusammengestellt. -Die hier berührten, den europäischen Verhältnissen größtentheils so nahe -verwandten Ländergebiete sind aber so vielfach und eingehend geschildert, -daß ich nicht gewagt habe, meine nur auf ganz oberflächlicher Kenntniß -beruhenden Beobachtungen zum Gegenstand einer Veröffentlichung zu machen. -Daß sie trotzdem in der Form von Skizzen hier erscheinen, findet seine -natürliche Erklärung darin, daß dem Leser, welcher im Geiste doch die -ganze Reise mitmachen will, Gelegenheit gegeben werden muß, dem Schiffe -dauernd folgen zu können; andererseits es aber auch wünschenswerth -erschien, ihm ab und zu durch Vorführung von Bildern aus andern -Himmelsstrichen eine Erholung zu gönnen. - -Sollte ich nun durch meine Schilderungen ein klein wenig mit dazu -beitragen können, daß die Südsee-Insulaner von uns Europäern geschont und -in ihrer Eigenart erhalten werden, daß man ihnen nur das nimmt, was die -christliche Religion, den dortigen Verhältnissen angepaßt, fordern muß, -dann würde mir dies der schönste Lohn für meine vorliegende Arbeit sein. - - =Wiesbaden=, im Juni 1889. - - $B. von Werner.$ - - - - -Inhaltsverzeichniß. - - - Seite - - Vorwort. v - - - 1. Die Magelhaens-Straße. - - Ziel und Zweck des Schiffes. Warum ich Reisebriefe 1 - schreiben will. Von Wilhelmshaven über Madeira und Rio de - Janeiro nach der Magelhaens-Straße. - - Eintritt in die Straße. Ebbe und Flut. Scenerie des 3 - östlichen Theils. Die Wetterverhältnisse. - - Wechsel der Scenerie. Etwas über die Eingeborenen. Die 5 - chilenische Colonie Punta-Arenas. Das Feuerland. - Kannibalismus bei den Eingeborenen. Punta-Arenas. - Soldatenemeute. Lage des Ortes. Fisch- und Holzreichthum. - Schweizercolonie. - - Von Punta Arenas nach Port Angosto. Die Seefahrt in der 11 - Straße. Wasserpflanzen und Fische. Wald und Schneefelder. - Famine-Kanal. Schweres Gewölk. Walfische. Cap Froward. - Froward-Kanal. Alpen und Gletscher. Papagaien und - Kolibris. Krummer und Langer Kanal. Eingeborene - Feuerländer auf dem Wasser. - - Port Angosto. Schwere Pflichterfüllung. Die Straße bei 15 - Nacht. Der anbrechende Tag. Smyth-Kanal. Mount Burney. Die - Collingwood-Straße. Sarmiento-Cordilleren. - - Puerto-Bueno. Fischreichthum. Eine Indianerfamilie. 18 - Tauschgeschäft. Die Indianer in europäischer Kleidung. - - Von Puerto-Bueno nach dem Gray-Hafen. Der Treppenberg. 24 - Wechsel in der Scenerie. Seehunde. Dampfschiffsenten und - andere Wasservögel. Begegnung mit fremden Schiffen. - Wide-Kanal. Wechsel in der Scenerie. Kleine Eisberge. Der - Eiskanal. Der Seehund in der Freiheit. Wie die Seehunde - hier gejagt werden. Die 'English narrows'. Ein - bedenklicher Augenblick. - - Gray-Hafen. Ein kleiner Ausflug. Waldbrand. Halt-Bay. 32 - Reicher Fischzug. Verirrte Boote. Schwierige Nachtfahrt in - den Hafen Connor-Cove. Inselhafen. Austritt aus der Straße - und Einfahrt in den Stillen Ocean. - - - 2. Von Valparaiso nach Panama und Nicaragua. - - Valparaiso. Vorsichtsmaßregeln gegen Erdbeben. Ein 41 - Ausflug. Pappelpflanzungen. - - Callao. Alligator-Birne. Tropische Hitze auf See. 44 - Temperatur des Meerwassers. Vereinfachter - Gesellschaftsanzug. - - Panama. Zusammentreffen mehrerer deutscher Kriegsschiffe 46 - zu einem Kriegszug nach Nicaragua. Schlechte Fußbekleidung - zum Marschiren in den Tropen. Westküste von - Centralamerika. Realejo. Corinto. Nicaragua hat Muth. Die - deutschen Forderungen. Fahrt in den Urwald. Amapala. - Nicaragua wird nachgiebig und erfüllt schließlich alle - Forderungen. - - - 3. Von Panama nach den Marquesas-Inseln. - - Abfahrt von Centralamerika. Austausch von Grüßen zwischen 54 - passirenden Kriegsschiffen. Was versprechen die Berichte - über die Südseeinseln? Wind und Wärme. Schildkrötenfang. - Der Malpelo-Fels. Die Temperatur sinkt. Die - Galapagos-Inseln. Zuthunliche Thiere. Auf See. Etwas über - die Thätigkeit des Commandanten und der Besatzung eines - Kriegsschiffes. - - - 4. Die Marquesas-Inseln. - - Auszüge aus alten Reiseberichten. Zweck unsers Anlaufens 67 - der Inseln. Die politischen Verhältnisse. Werth der Inseln - als Colonie. Postverbindung. Der Gouverneur. Steuern. - Erwerbung der Inseln durch die Franzosen. Verkehr zwischen - den neuen Herren und den Eingeborenen. Die Bodengestaltung - der Inseln. Ihr äußeres Bild. Wetterverhältnisse. - Ertragfähigkeit. Der beste Standort für die Kokospalme. - Handel. Bevölkerung. Tätowirung der Männer. Schamgefühl. - Abnahme der Bevölkerung. Vielmännerei. Kriege. Trunksucht. - Wie dem Aussterben der Bevölkerung am besten zu steuern - wäre. Krankheiten. - - Ankunft vor Omoa auf Fatu-hiva. Ansicht des Landes. Cap 82 - Venus. Ein Kanu kommt vom Lande. Der Häuptling von Omoa - kommt zum Schiff. Aeußere Erscheinung der Marquesaner. Das - Kanu. Speisung der zum Schiff gekommenen Eingeborenen. - Deren angeborene Würde. Das Schiff ankert. Die Wilden vor - einigen Statuetten und Bildern in meiner Kajüte. - - Das Landen mit Booten und Kanus. Beschwerlicher Weg nach 91 - Omoa. Sorgsamkeit unserer Führer. Empfang am Lande. - Brennender Durst. Die Wohnung des Häuptlings. Schöne - Menschen. Schmuck. Verkehr der Eingeborenen untereinander. - Kindesliebe. Geschenke. Die Wohnungen der Eingeborenen. - Fliegenplage. Die Frauen. Tätowirung der Frauen. Die - Ausführung der Tätowirung bei beiden Geschlechtern. Die - Ohrläppchen als Blumenhalter. Ehrliche Träger. Die große - Branntweinflasche. Der Rückweg zum Schiff. Etwas über - Sitten. Warum die Frauen nicht aufs Schiff kommen wollen. - - Bootfahrt nach Hanavava. Vergleich zwischen Hanavava und 103 - Omoa. Deutscher Missionar. Französische und deutsche - Missionare. Ihr vergebliches Wirken. Der Häuptling von - Hanavava. Köstliches Landschaftsbild. Naturandacht. Der - heidnische Tempel- und Opferplatz. Frühere Menschenopfer. - Rückkehr nach Omoa. - - Besuch der Eingeborenen an Bord. Sie nehmen für ihre 110 - Waaren nur alte Kleidungsstücke an Zahlungsstatt. - Eingeborene Frauen in meiner Kajüte. Schönheitssinn der - Eingeborenen. Die Insulanerinnen in der Offiziersmesse. - Spucknäpfe als Beruhigungsmittel. Tanz. Meine Ansicht über - die Sitten der Eingeborenen. Das Leben auf dem - Schiffsdeck. Ein halbwüchsiger Junge in meiner Kajüte. Die - Eingeborenen verlassen das Schiff. Das Landen der - Eingeborenen. Arbeit, Mahlzeiten, Trunksucht, Tödtung - unliebsamer Genossen. Sittenlosigkeit oder Freiheit der - Sitten? Sünden der Europäer. Abfahrt von Omoa nach Port - Anna-Maria auf Nuka-hiva. - - - 5. Von den Marquesas-Inseln nach Tahiti. - - Die Südküste von Nuka-hiva. Wasserfall bei Port 122 - Tschitschakoff. Der Archipel der Niedrigen Inseln. - Laguneninseln oder Atolle. Die Seefahrt zwischen - Koralleninseln. Die wahrscheinliche Entstehungsart der - Koralleninseln. Ein Landschaftsbild derselben. Die - Kokospalme hat stets reife Früchte. Südwest-Dünung. Auslug - nach Tahiti. Insichtkommen des obersten Berggipfels. Das - Mittagsbesteck verursacht Enttäuschung. Rein Schiff. Werth - des Süßwassers auf See. Schiffsleben. Haifischfang. - Allgemeines Matrosenbad auf dem Schiff. Abendruhe. - Träumereien. - - - 6. Tahiti. - - Das Leuchtfeuer von Point Venus kommt in Sicht. 137 - Ortsbestimmung des Schiffes nach einem Leuchtfeuer. Etwas - über Seefahrt. Das Schiff wird für kurze Zeit beigedreht. - Die Fahrt wird wieder aufgenommen. Der anbrechende Tag - enthüllt unsern Blicken Tahiti. Unbewußte Morgenandacht. - Kampf zwischen Fischen und Vögeln. Die Sonne steigt - schnell. Tahiti hüllt sich in Wolken. - - Entdeckungsgeschichte von Tahiti. Die ersten Missionare. 142 - Französische Missionare auf dem Eroberungswege. - Vergewaltigung Tahitis durch französische Kriegsschiffe. - Beschreibung von Tahiti. Der Hafen und die Stadt Papeete. - Die Bodengestalt. Productionsfähigkeit des Landes. - Gefälschtes Speiseöl. Früchte und Thiere. Die Bevölkerung. - Die politischen Verhältnisse. Der König von Tahiti. - Gütergemeinschaft unter Verwandten. Die Grenzen des - französischen Protectorats. Wunderliche Gesetze. Etwas - über Ein- und Ausfuhr. Die Zölle. Der Gouverneur. Der - französische Admiral des Südseegeschwaders als Oberregent - aus eigener Machtfülle. Der Gouverneur im Arrest. - Französische Beamte. Handhabung der Gesetze. - Straßenfegerinnen. Etwas über das Missionswesen. Der - Bischof von Tahiti als Handelsherr. Noch einmal der König - von Tahiti. Die Hauptstadt. Die Europäer in Papeete. - Einheimisches und europäisches Leben. - - Ausflug von Papeete nach dem See Waihiria. Der Fahrweg an 165 - der Küste entlang. Noch etwas über den besten Standort der - Kokospalme. Tabu. Befestigungswerke der Franzosen auf - Tahiti. Vanillepflanzungen. „Das schnell über das Land - laufende Schwein.“ Klimatischer Kurort. Vorzügliches - Frühstück. Die Tahitierin als Dienerin und als Gast. - Fröhliche Gesellschaft in zeitweiser Verbannung. Ein - Strandbild. Süßwasserquellen in der See. Wie der - Eingeborene von der Kokospalme die Nüsse herunterholt. - Unser Mittagessen. Französische Aufpasser. Unsere Führer - und Träger. Beschwerliche Wanderung durch das Thal eines - Bergflusses. Wir werden müde. Das letzte Stück des Weges. - - Der Waihira. Allgemeine Ermattung. Bewundernswerthe 178 - Ausdauer der Tahitier. Einige Eingeborene schwimmen über - den See auf den Aalfang. Bad im See. Ein großer Aal. Wie - die Eingeborenen kochen. Der Proviant trifft zu rechter - Zeit ein. Vortreffliches Mahl. Verschiedenartigster - Wechsel in unserer Stimmung. Abend am See. Gesang der - Eingeborenen. Die tahitische Nationalhymne. Unser - Nachtlager. Nacht am See. Träume. Der anbrechende Morgen - sieht uns in trauriger Verfassung. Rückkehr nach Papeete. - - Die Königin von Tahiti. Französische Intriguen. Besuch der 187 - Königin auf der „Ariadne“. Abfahrt von Papeete. - - - 7. Die Gesellschafts-Inseln. - - Die Insel Morea oder Eimeo. Taloo-Hafen oder Papetoaï. Das 192 - Dorf Oponu. Die Insel Huheine. Der Owharre-Hafen. - Anmeldung bei der Königin. Eine Bootfahrt. Volksansammlung - am Lande. Besuch bei der Königin. Die Königin und ihre - Familie. Die Eingeborenen bei uns an Bord. Huttausch. - - Von Huheine nach Bora-Bora. Sturm an der Küste von 198 - Bora-Bora. Gefährliche Fahrt. Die kleine Königin von - Bora-Bora. Förmlicher Besuch bei der Königin. Begrüßung - mit dem Volk. Die kleine Königin bei uns. Das polynesische - Königsthum. Ein kleiner Zwischenfall. Eigene Sitten. - - Von Bora-Bora nach Raiatea. Raiatea und Tahaa. 205 - Formenübereinstimmung zwischen den verschiedenen Inseln - der Gruppe. Der Hafen Uturua. Die Königin von Huheine läßt - ihren Hut zurückfordern. Beschwerden des deutschen Agenten - gegen das im Hafen liegende französische Kriegsschiff. Die - deutsche Faktorei. Unser Besuch bei dem König. Stürmische - Verhandlung. Die Eingeborenen auf unserm Schiff. Die - Töchter des Königs. Etwas über Perlen und Perlenfischerei. - Sociale und religiöse Verhältnisse. Die Stellung der - Missionare auf diesen Inseln. Abfahrt von Raiatea nach - Papeete und von da nach den Samoa-Inseln. - - - 8. Samoa. I. - - Die Nordküste von Upolu und Ansicht des Landes. Ankunft im 214 - Hafen von Apia. Die Samoa-Gruppe. Lebensweise unserer - Landsleute. Consul Weber. Entwickelung des deutschen - Südsee-Geschäfts. Die ersten deutschen Plantagen. Die - Kopra. Die Regierung von Samoa. Alte Geschichten. Die - deutschen Interessen. Deutsche Klagesachen gegen die - samoanische Regierung. Besuch bei den - Regierungsmitgliedern. Kawabereitung. Der Kawatrunk. - Theilweise Erledigung der Klagesachen. Ankunft der - Amerikaner in Apia. Amerikanische Landcompagnie. - Samoanisch-amerikanischer Freundschaftsvertrag. Die - Regierungsmitglieder erwidern meinen Besuch. Niederbrennen - eines Dorfes. Amerikanische Intriguen. Erledigung der - letzten Klagesache. Ratificirung des - samoanisch-amerikanischen Vertrags. Alte Rechte - Deutschlands. Beabsichtigte Abtretung der Samoa-Inseln an - die Vereinigten Staaten von Nordamerika. Einladung zu - einem samoanischen Fest und Ablehnung. - - Nach Saluafata. Kampfesmuth der Samoaner. Ein weiser 238 - Häuptling. Unsere armen Halbweißen. Das Schiff ist - gefechtsklar. Der Consul und ich gehen allein an Land. - Beschlagnahme von Saluafata. Von da nach Falealili. Wir - werden am Lande nur von Damen empfangen. Die Beschlagnahme - dieses Hafens geht ohne weitere Umstände vor sich. Die - Damen werden handgreiflich und verschenken ihre Blumen. - Zurück nach Apia. Große Aufregung unter den Samoanern. Am - Lande wird auf mich geschossen, ich antworte mit - Stockschlägen. Die Aufregung legt sich. - - Amerikanische Geldforderungen. Noch einmal die 246 - amerikanische Landcompagnie. Amerikanische Bewerber um die - Regierungsgewalt in Samoa. Auf Manono. - - Die Samoaner als Menschen. Ihre Formen. Die 248 - Häuptlingsfamilien. Kleidung. Tätowirung. Hautfarbe. - Schmuck. Körperpflege. Fischfang. Schwimmkunst. - Mahlzeiten. Eintheilung des Landes in Districte. Abgaben. - Gastfreiheit. Reiselust. Dörfer bezw. Städte. Der - Berathungs- und Festplatz. Die älteste Tochter des - Häuptlings. Bauart der Häuser und deren innere - Einrichtung. Hausrath. Kanu. Der Samoaner auf dem Wasser. - Das häusliche Leben. Selbständigkeit junger Mädchen. - Sitten. Die ehelichen Verhältnisse. Die Eingeborenen als - Christen. Besitz. Alte Matten. Künstliche Erzeugnisse. - Waffen. Krankheiten. Wirkliche und sagenhafte - Wasserthiere. Tauchkunst. Tanz. Toë als Tänzerin. - - Ausflug nach der Plantage Vaitele. Beliebter Badeplatz. 269 - Tonganischer Talolo. Deutsch sprechender Samoaner. - - - 9. Sydney. - - Port Jackson. Nach langer Zeit einmal wieder in 273 - civilisirten Verhältnissen. Beförderung der Post durch - Kriegsschiffe und Kauffahrer. Schwere Bö. Walfische. - Einfahrt in den Hafen. Der Hafen. Sydney. Der Gouverneur - von Neusüdwales. Geld macht nicht immer frei. Bei dem - Gouverneur zu Tisch. Selbständigkeit der australischen - Colonien. Die Stadt. Der botanische Garten. Vergnügungen. - Der Rennsport. Das Klima. Wohnungen außerhalb der Stadt. - Gastfreundschaft. Merkwürdige Vögel. Die Blue-Mountains. - Eukalyptenwälder. Geselligkeit. - - - 10. Samoa. II. - - Vergebliches Suchen nach einem Korallenriff. Tod meines 290 - frühern Dolmetschers. Die politische Lage. Thätigkeit der - Amerikaner während unserer Abwesenheit. Stand unserer - Vertragsangelegenheit. Der Palolo. Seine Aufsteigezeit vom - Meeresboden. Ausfahrt zum Fang. Der Fang selbst. - Abendbesuch bei Toë. Wir stören sie in ihrer Nachtruhe. - Gemeinsamer Schlafraum. Betrachtungen über den Werth der - Südseeinseln als Colonialbesitz. Nothwendigkeit, die - einheimische Bevölkerung zu schonen und zu erhalten. Ein - Lebensretter. - - - 11. Von Apia nach den Marshall-Inseln. - - (Tonga-, Fidji-, Ellice-, Kingsmill-Inseln.) - - Abfahrt von Apia nach den Tonga-Inseln. Einige Angaben 299 - über die vor uns liegende Reise. Das Ansteuern von - Nukualofa. Die Stadt. Ihr äußerer Eindruck. Ausflug nach - einem Baumriesen ('Ficus indica'). Besuch bei dem König - von Tonga. Er selbst und die Prinzen Davita Uga und - Wellington Gu. Aus der Heidenzeit stammende Trauerzeichen. - Tonganisches Zeichen der größten Ehrerbietung. Unsere - Musik spielt am Lande. Ein Blick auf das Volk. Hunde und - Schweine. - - Von Nukualofa nach Levuka. Einfahrt in den Hafen von 305 - Levuka während der Geisterstunde. Ein deutscher Gruß. - Gefährlicher Ankerplatz. Levuka. Entwickelung einer - englischen Colonialstadt. Wir müssen doch auch einmal in - den Besitz von Colonien kommen. Die Wohnung des - Gouverneurs. Beweglichkeit der englischen Beamten. Von - Levuka nach Taviuni. Vor Soma-Soma. Besuch bei dem - Häuptling. Seine Frau und sein Haus. Glück bringende - Menschenleiber. Das Innere der Häuptlingswohnung. - Merkwürdiges Gemisch an Hausrath. Frau Tui-Kakao mit ihrem - Diener. Polynesische Sitte. Wasser holende Mädchen. Ein - großes Doppelkanu. Besichtigung einer Kaffeepflanzung. Der - Besitzer. Etwas über Kaffeeplantagen. Zu Gast bei dem - Besitzer der Pflanzung. - - Abfahrt von den Fidji-Inseln nach Fotuna. Das Anlaufen von 314 - Fotuna aufgegeben. Funafuti. Einfahrt in eine - Laguneninsel. Eingeborene als Lootsen. In der Lagune zu - Anker. Bedeutung der Laguneninseln für den Handel und - Werth der Verträge mit solchen Inseln. Handel und - Plantagenbau müssen sich gegenseitig ergänzen. Etwas über - Plantagenbau und den derzeitigen Ertrag desselben. - Nothwendigkeit der Arbeiterzufuhr nach den Samoa-Inseln. - Grundriß von Funafuti. Poesie und Prosa. Bootfahrt durch - die Lagune. Das Leben auf dem Meeresboden. Biche-le-mare, - Trepang oder 'Holothuria'. Ich freue mich, daß ich kein - Naturforscher bin. Bevölkerungszahl der Insel. Peruanische - Sklavenjäger. Die Kirche und die Hütten. Unsauberkeit. - Hautkrankheiten. Kleidung der Eingeborenen. - Ertragfähigkeit der Insel. Träge Menschen. Fliegenplage. - Ein Bad. Im Innern der Insel. An dem äußern Ufer. Etwas - über die Entstehung der Koralleninseln. Contrast zwischen - dem äußern und innern Ufer. Kanakerkinder. Schweine, - Hühner, Schmetterlinge und Fliegen. Versuchter und - misglückter Schildkrötenfang. Der König an Bord. Abschluß - einer Uebereinkunft. Die Eingeborenen beschließen ihr - Tagewerk mit geistlichen Liedern. - - Von Funafuti nach Baitupu. Starke Nervenerschütterung. Vor 326 - Baitupu. Beschwerliche Landung. Ein kleines - Kanakermädchen. Deutsche Beschwerden. Besuch bei dem - König. Ich erkenne den mit der Absetzung Bedrohten als - König an und damit werden seine Widersacher machtlos. - Verhandlungen mit dem König. Baitupu, eine volle - Koralleninsel ohne Lagune. Das Dorf, die Eingeborenen und - ihre Wohnungen. Die Ohrläppchen als Taschen. - Bevölkerungszahl. Besuch bei dem eingeborenen - Missionslehrer. Geschenke. Der König auf dem Schiff. - - Von Baitupu nach Tapituwea. Meeresströmungen. Tapituwea. 331 - Die Art der Anwerbung von Plantagenarbeitern. Werth der - Insel als Arbeiterquelle. Wildheit der Eingeborenen. - Narben auf den nackten Leibern. Haifischzahnwaffen. - Vorsichtsmaßregeln im Verkehr mit den Eingeborenen. Fahrt - an Land. Nur wenige Menschen zeigen sich, wo sind die - andern? Die Eingeborenen in Kleidung, Hautfarbe, - Haartracht, Gesichtstypus und Körperformen. Wozu die - Kokosnuß nicht gut ist. Besuch der Wohnstätten. Betragen - der Eingeborenen. Die Wohnungen. Ueberraschende Sauberkeit - und Ordnung allenthalben. Das Hauptberathungshaus mit dem - Allerheiligsten. Baukunst der Eingeborenen. Erwerbung - einiger Waffen. Taback als Geld. Ein wunderlicher Tänzer. - Ein gekentertes Kanu wird von den Eingeborenen ohne - weiteres preisgegeben. Gefährliche Meeresströmung. - - Von Tapituwea nach Apamama. Unzuverlässigkeit der Karten. 340 - Warum wir nach Apamama gehen. Vergeblicher Versuch, mit - Booten das Haus eines Deutschen zu erreichen. Schöne - Bootfahrt. Im Hause des deutschen Agenten. Die Fahrt zum - König ein Märchen. Der König von Apamama. Sein Kanu. Seine - Residenz. Sein Vater. Die Eingeborenen. Tätowirung der - Frauen. Die Mutter und die Schwester des Königs. Großer - Tanz. Ein Albino. Die Töchter des Königs. Die mir - gemachten Geschenke. Einschiffung des Königs. Sein Besuch - auf der „Ariadne“. Wirkung eines Scheingefechts auf ihn - und auf die Eingeborenen überhaupt. Der König als - Herrscher. - - Von Apamama nach Taritari. Ankunft daselbst. Zweck des 355 - Anlaufens. Besuch an Land. Die Eingeborenen und ihre - Wohnungen. Allgemeine Trunkenheit. Wasser tragende - Mädchen. Der König von Taritari. Lange Fingernägel. - - - 12. Die Marshall-Inseln. - - Jaluit kommt in Sicht. Herr Franz Hernsheim kommt dem 360 - Schiff entgegen. Ankunft in Jaluit. Die deutsche - Ansiedelung. Die Wohnungen. Die Eingeborenen. Haartracht. - Ohrlappenring. Tätowirung. Körperbildung. Kleidung. - Körperpflege. Sauberkeit. Sociale Verhältnisse. Die - Stellung der Frauen. Der König Lebon in seinem Hause. - Kriegstanz. Unser Landungscorps landet und exerciert im - Feuer. Wirkung auf die Insulaner. Die Eingeborenen bei uns - an Bord. Eine Uebereinkunft wird unterzeichnet und der - Hafen von Jaluit wird deutsche Kohlenstation. Wir - salutiren die neue Landesflagge der Marshall-Inseln. - Abfahrt nach Ebon. Bedeutung dieser Insel. Den Häuptlingen - wird ihr Standpunkt klar gemacht. Abfahrt von Ebon. - - - 13. Im Bismarck-Archipel. - - Die Fahrt von den Marshall-Inseln bis zum südlichsten Cap 379 - von Neu-Irland. Die Inseln Bougainville und Sir Charles - Hardy werden passirt. Die Süd- und Westküste von - Neu-Irland. Heißes Wetter. Eingeborene von Neu-Irland. Die - Blanche-Bai und die Duke of York-Inseln. Allgemeines über - die letztern Inseln. Die deutschen Kaufleute als - Geschäftsleute und als Menschen. Etwas über frühere Kämpfe - mit den Eingeborenen. Die englischen Missionare. Besondere - Geschmacksrichtung der Menschenfresser. Schwierige Lage - eines Missionars. - - Aeußere Erscheinung der Duke of York-Inseln. Die Inseln 391 - Meoko, Muarlin und Amakada. Zwischen Korallen. Ankunft vor - Meoko. Die Reize der Landschaft. Klarheit des Meerwassers. - Echte Menschenfresser in harmloser Gestalt. Die deutsche - Faktorei. Ein braver alter Mann. Widerstandsfähigkeit der - Europäer in den Tropen. Ich sehe mir die Wilden an. - Erwerbung einiger Waffen. Besichtigung und Prüfung des - Hafens in Bezug auf seinen Werth als deutsche - Kohlenstation. Morgenspaziergang auf Meoko. Die - Eingeborenen bei Tagesanbruch. Ihre Bewaffnung. - - Abfahrt von Meoko nach Makada. Etwas über Korallen. Noch 398 - einmal Klarheit des Meerwassers. Ankunft in Makada. Herr - Eduard Hernsheim. Gründung von Handelsstationen durch - Deutsche. Der deutsche Kaufmann. Herr Robertson. Kapitän - Levison. Deutsches Wohnhaus auf Makada. Deutsche Faktorei. - Topulu oder King Dick. Politische Verhältnisse. Wie Topulu - König wird. Achtung vor fremdem Eigenthum. Topulu’s Haus. - Seine Frauen. Paradiesische Kleidung und paradiesische - Ungenirtheit. Die Schatzkammer. Geld. Topulu’s - Dug-Dug-Masken und Fischereianlagen. Der englische - Missionar Herr Brown. Erledigung einer Klagesache. Auf dem - Hafen von Makada. Ich entschließe mich, den Hafen für das - Reich zu kaufen. Besuch bei Herrn und Frau Brown. Des - Königs Dug-Dug-Kanu. Torragud, das Urbild eines - Menschenfressers und Menschenjägers. Menschenjagd. Die - Eingeborenen. Mästung von Mädchen auf Neu-Irland. - Menschenfleisch. Hautzierathe. Halsbänder. Das Armband als - Tasche. Körperpflege. Die Waffen und die Kampfweise. - Werkzeuge. Musikinstrumente. Künstliche Erzeugnisse. - Tanzstöcke. Schädelmasken. Dug-Dug-Masken. Nahrungsmittel. - Noch einmal Menschenfleisch. Topulu schickt mir eine - Einladung zu einem Tanz. Im Urwald bei Urakukua. Edles - Wild. Bei Torragud. Verkauf der Mädchen. Entwickelung der - Gemeinwesen. Ein seltenes Schmuckstück. Tanz. Deutsche - Klagen gegen Eingeborene. Der Dug-Dug und sein - wahrscheinlicher Zweck. - - Abfahrt von Makada nach Ruluana. Das Schiff läuft auf 434 - einen Korallenblock. Vorbereitungen zur Landung. Landung - in Ruluana. Wirkung unserer Musik auf die Eingeborenen. - Die Eingeborenen geben ein Geldpfand. Verängstigte - Eingeborene. Tanz. Aeußere Trauer der Frauen. Gestrafte - Frau. Neu entstandene Insel. Port Weber. Ein Handelsagent. - Waffen-Attrape. - - Wieder in Makada. Erwerbung des Hafens für das Reich. Der 443 - Kaufbrief. Ein großer Dug-Dug. Die Dug-Dugs auf dem Wasser - und im Walde. Der eigentliche Dug-Dug. Scheingefecht - unserer Landungstruppe. Abschied von der Familie des - Missionars und den deutschen Herren. Abfahrt nach Meoko. - Kauf des Hafens. Besuch bei einem kranken Häuptling. - Abfahrt von Meoko. - - - 14. Samoa. III. - - Im Heizraum eines Kriegsschiffes. Ungeziefer. Verschiedene 452 - Inseln der Salomons-Gruppe. Savo. Ein Engländer. Die - Eingeborenen. Das Ei des Buschhuhns. Künstliche - Erzeugnisse. Folgen eines Tabu-Bruches. - Wetterverhältnisse. Rührei von Buschhuhneiern. Apolima als - natürliche Festung. Durchfahrt zwischen Apolima und einer - Felsenklippe. In Apia finden wir unser Kanonenboot - „Albatros“ vor. Die politischen Verhältnisse. Die beiden - samoanischen Königsparteien. Wirkung unserer Durchfahrt - bei Apolima auf die Samoaner. Vertragsverhandlungen. - Abschluß des Freundschaftsvertrages. Voraussichtliche - Wirkung des Vertrages auf andere Inselgruppen. Landverkauf - der Samoaner bei Kriegswirren. - - - 15. Neu-Seeland. - - Auckland. Geselligkeit. Ausflug nach dem Seen- und 468 - Geysir-Gebiet. Kosten des Ausflugs. Die Ueberfahrt nach - Tauranga. Tauranga. Landbesitz der Eingeborenen und - Landtage. Maoris im Rausche. Abfahrt nach Ohinemutu. - Urwald auf Neu-Seeland. Ein Blick auf die Seen. Der - Roto-rua. Ohinemutu. Heiße Quellen. Alte Schnitzereien. - Abfahrt nach Wairoa. Der Whakarewarewa. Wieder heiße - Quellen. Durch den Tikitapu-Wald nach dem Tikitapu-See. - See und Berg Tarawera. Wairoa. Nach dem Roto-mahana. - Unsere Führerin. Der Roto-mahana. Die weiße - Sinterterrasse. Verschiedene Wärme des Wassers. Das - Teufelsloch. Fahrt über den See. Die rosafarbene - Sinterterrasse. Bad in einem Becken der Rosa-Terrasse. Von - Wairoa zurück nach Ohinemutu. Erwerbung einiger alter - Schnitzereien. Zurück nach Tauranga. Begegnung mit der - Postkutsche. Rückkehr nach Auckland. - - - 16. Die Tonga-Inseln. - - Hohe Dünung als Vorbote eines heranziehenden Cyklons. 483 - Erwägung der Möglichkeit, ob dem Orkanfeld noch - auszuweichen ist. Gewöhnlicher Weg der bei den - Tonga-Inseln auftretenden Cyklone. Das Orkancentrum nähert - sich uns. Im Orkan und Flucht vor ihm. - - Ankunft in Nukualofa. Zusammentreffen mit dem „Albatros“. 486 - Durch den Orkan verursachte Verwüstungen am Lande. - Gefährliche Lage des „Albatros“ während des Orkans. - Ueberreichung der dem Könige von Tonga und den beiden - Prinzen verliehenen preußischen Orden. Der König beehrt - unser Schiff mit seinem Besuch. Zu Gast bei dem englischen - Missionar. Raubanfall auf einen unserer Unteroffiziere - durch Tonganer. Forderung der Bestrafung der Thäter. - Schwierigkeiten von Seiten der tonganischen Regierung. - Entdeckung der Räuber und Bestrafung des einen. Tod eines - unserer Matrosen. Prinz Gu macht als mein Gast die Reise - nach Vavau mit. Ankunft in Vavau. Beerdigung des - verstorbenen Matrosen. - - Neiafo. Prinz Gu als tonganischer Häuptling. Des Prinzen 490 - Wohnhaus in Neiafo. Seine Dienerschaft. Zu Gast bei dem - Prinzen. Tonganische Häuptlingstöchter. Kawa auf - tonganische Art. Gesang. Eigenthümliche Sitten. Prinz Gu’s - Liebe. Tonganische Rechtspflege, Denunciantenthum und - Folter. Tonganische Damen in meiner Kajüte. Ein Tanz und - seine Folgen. Unerwarteter Morgenbesuch. In großer - Versuchung. Besuch der blauen Grotte bei Neiafo unter - Führung des Prinzen Gu. Die Tonganerinnen zeigen sich in - neuem Reiz. Laubkränze. - - - 17. Samoa IV. - - Ankunft in Apia. Kaisers Geburtstag. Samoanische 500 - Regierungsangelegenheiten. Saluafata. Verkehr mit den - Eingeborenen. Sangapolutele und Loau. Gegenseitige - Freundschaft. Der Hafen. Spottlieder. Einladung zu einem - Talolo. Empfang am Lande. Auftreten der Buschmänner, der - Häuptlinge und sonstigen Festtheilnehmer. Loau als - commandirender Häuptling. Der Redner. Das Volk. Der - Festplatz. Die äußere Erscheinung Loau’s, der andern - Häuptlinge, des Volks und des Redners. Ansprache und - Antwort. Ueberreichung der Geschenke. Tanz. Kawatrunk. - Ceremoniell bei solch feierlichem Trunk. - - Meine Abendbesuche am Lande. Etwas über die politischen 506 - Verhältnisse. Verkehr der Samoaner unter sich. Häusliche - Spiele. Samoanische Kriegführung. Meine mittäglichen - Besuche im Faletele. Lolle als Kopfkissen. Badeplatz bei - Lufi-lufi. Die Fahrt dahin. Ein Höhlenfluß. - - Ein samoanisches Festmahl. Die Vorbereitungen dazu. Die 512 - Kleidung der Häuptlinge und ihrer Damen. Das Faletele als - Festhalle. Die Speisen und ihre Anordnung auf dem - Fußboden. Sitzordnung. Schwierigkeiten beim Essen. Die - Häuptlingstöchter als Kinderfrauen. Lebende Raupen als - besondere Delikatesse. Die Speisung der Damen und des - Volks. Samoanische Spiele. Festessen auf der „Ariadne“ für - unsere samoanischen Freunde. - - Ausflug in das Innere. Führer und Gepäckträger. Der 517 - Dolmetscher schützt Fieber vor und schickt Sa, hat aber - nur Katzenjammer und muß doch mit. Die schließliche - Reisegesellschaft. Das Gepäck. Abmarsch. Erste Rast. - Menschen, Katzen, Hunde, Hühner und Ferkel. - Kokosnußfleisch als Viehfutter. Verschiedenartiger Nutzen - der Hausthiere. Durch den Wald. Fliegende Hunde und - fehlende Vögel. Brennnesselbaum. Ein Klippensprung. Zweite - Rast in Sanga. Die beste Kleidung für den Europäer in den - Tropen. Bad im Fluß. Sa macht sich nützlich. Besichtigung - einer Höhle. Mittagsmahl. Passiren einer dritten Stadt. - Dritte Rast. Bad im Fluß. Sa spielt Aal. Abendandacht der - Eingeborenen. Die Häuptlinge trinken zu viel. Einsamer - Spaziergang. Ein Naturkind. Durchtriebene Mädchen. Der Weg - nach Falifa. Reizvolle Scenerie und Wasserfall. Bad unter - weiblicher Aufsicht. Ein Albino. Sa begrüßt ihren Onkel - mit Nasenreiben. Rückkehr nach Saluafata. Kosten des - Ausflugs. - - Tanz. Tanzschmuck. Die Hütte. Allgemeines über den Tanz. 525 - Die Mitwirkenden. Die Gruppirung. Der Tanz selbst. Ein - Festtanz nach altem Brauch. Kanufahrt. Das Kanu kentert. - Im Wasser. Wieder am Lande. Geisterfurcht. - - Abfahrt von Saluafata nach Safune. Der Häuptling Mulitalo. 533 - Kawarausch. Wie der Häuptling Recht spricht. Safune. Bei - Mulitalo zu Gast. Besuch bei einigen Häuptlingen. Savai’i - hält am zähesten an den alten Gebräuchen fest. - Schmackhafte Speisen. Noch ein Talolo. Schöne Gruppen- und - Einzeltänze. Drei schöne Mädchen. Ich verzichte auf eine - mir zugedachte Ehre. Ende meiner Schilderungen - samoanischer Art und was ich mit denselben bezwecke. - Besuch des See Lauto. - - - 18. Die Heimfahrt. - - Ankunft der Fregatte „Bismarck“. Der Heimatswimpel. 541 - Abschied von den Samoa-Inseln. Bei den Neu-Hebriden. Die - Fahrt von hier bis zur Torres-Straße. Segelpressen. Die - Besatzung wittert die Heimat. Auf hoher See. Etwas über - die Seefahrt. - - Eintritt in die Torres-Straße. Fahrt durch dieselbe. Die 545 - Scenerie der Straße. Mount-Ernest-Insel. Vergeblicher - Landungsversuch. Prince of Wales-Kanal. Ausfahrt aus der - Straße. - - Die Arafura-See. Die Booby-Insel als selbstthätiges 548 - Postamt. An Timor, Sumba und Sombawa vorbei. Durch die - Lombock-Straße. Ankunft vor Batavia. Die Stadt. Die - Europäer in Batavia. Der Gecko. Lebende Bäume als - Telegraphenstangen. Buitenzorg. Ein Ausflug in die - Umgebung. Fuhrwerk und Läufer. Eingeborene. Ihre Gier nach - dem Besitz von Brillanten. Ein schöner Badeplatz. - Skorpione. - - Von der Sunda-Straße nach der afrikanischen Küste. Die 552 - Somali-Küste. Ein hehrer Morgen auf dem Meere. Ansteuerung - der Küste mit Hülfe des Thermometers. Große - Temperaturschwankungen. Starke Meeresströmung. Auf dem - Auslug nach dem Lande. Die Küste kommt in Sicht. - - Ankunft vor Aden. Die Stadt und ihre Umgebung. Großes 556 - Wasserwerk. Etwas über Kamele. Das Rothe Meer. Hitze. - Gesundheitliche Vorsichtsmaßregeln. - - Ankunft vor Djidda. Ansicht des Landes. Die Stadt. 559 - Mekkapilger. Beduinen. Besuch bei dem türkischen Pascha. - Arabische Frauen. Ein Fall von Hitzschlag. Wieder in der - Heimat. - - - Anhang. - - 1. Die in den letzten fünf Jahren in der Südsee 563 - vorgekommenen Machtverschiebungen. - - 2. Allgemeine Bemerkungen über die Bewohner der 567 - Südseeinseln. - - 3. Die Katastrophe im Geysir-Gebiet Neu-Seelands. 576 - - 4. Erklärung einiger seemännischer Ausdrücke. 579 - - 5. Aussprache polynesischer Namen. 583 - - 6. Namen- und Sachregister. 584 - - - - -Abbildungen im Texte. - - - Seite - - Hütte der Feuerländer 7 - - Alte Feuerländerin 21 - - Kreuzerfregatte „Leipzig“ 53 - - Malpelo-Fels (Vorderansicht) 56 - - Malpelo-Fels (Seitenansicht) 57 - - Nordküste der Insel Albemarle (Galapagos-Inseln) 59 - - Grundriß einer Marquesas-Insel 73 - - Marquesas-Insulaner 87 - - Boot mit Auslieger, Bootsriemen, Querschnitt des Bootes 89 - - Tätowirungsmuster 100 - - Tätowirungsmuster 101 - - Koralleninseln (Atoll, Volle runde Insel, Langgestreckte 125 - Insel) - - Allmähliches Auftauchen einer Koralleninsel über dem 127 - Horizont - - Laguneninsel (Atoll) 129 - - Ortsbestimmung durch Leuchtfeuer 138 - - Junge Tahitier, Feuer anmachend 151 - - Taloo-Hafen auf der Insel Morea oder Eimeo 193 - - Königshaus in Huheine 195 - - Prinzessinnen von Huheine 197 - - König und Prinz von Raiatea 207 - - Haus eines Europäers (das jetzige deutsche Consulat) 215 - - Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft in Apia 219 - - Katholische Kirche in Apia 221 - - Altes Häuptlingsgrab 241 - - Samoaner, dienende Klasse 250 - - Samoaner, dienende Klasse 251 - - Samoanerin mit gekalktem Kopfhaar 252 - - Samoanische Häuser 255 - - Einfahrt zum Hafen von Sydney 277 - - Die Universität in Sydney 283 - - Im Botanischen Garten von Sydney 285 - - 'Ficus indica' oder 'religiosa' 301 - - George, König von Tonga 302 - - Prinz Wellington Gu 303 - - Grundriß der Insel Funafuti 319 - - Der Hafen von Jaluit 361 - - Marshall-Insulaner 364 - - Lebon (Kabua), König der Marshall-Insulaner 367 - - Trommel der Marshall-Insulaner 369 - - Kanu der Marshall-Insulaner im Wasser 374 - - Im Hafen von Jaluit 375 - - Matte der Marshall-Insulaner 378 - - Blanche-Bai, Mutter und Südtochter 381 - - Eingeborener von Meoko 397 - - Tellerartiger Halsschmuck 413 - - Armbänder 415 - - Speerschmuck 417 - - Keulen und Kriegsaxt 419 - - Steinaxt. Pfeife. Trommel 420 - - Tanzstock. Schädelmasken. Oberste Spitzen der 421 - Dug-Dug-Masken - - Dug-Dug-Tänzer 445 - - Die Kraterinsel Apolima 461 - - Auckland vom Süden, von Mount Eden aus gesehen 469 - - Baumfarrn auf Neu-Seeland 471 - - Ohinemutu am Roto-rua 473 - - Berathungshaus der Maori bei Wairoa 475 - - Maori-Weib 477 - - Die rosafarbene Sinterterrasse am Roto-mahana 481 - - Landschaft auf Tongatabu 491 - - Haus in Vavau 492 - - Tonganerin 493 - - Küstenbild zwischen Apia und Falifa 502 - - Samoanischer Häuptling mit Familie 505 - - Sitzende Samoanerinnen mit nach vorn durchbogenen Armen 526 - - Eingeborenen-Dorf unter Palmen 540 - - Fregatte „Bismarck“ 542 - - - - -Separatbilder. - - - Seite - - Die Corvette „Ariadne“ unter Segel vor der Passage von Titelbild - Jaluit. - - Küste des Feuerlandes in der Magelhaens-Straße 7 - - Der Berg Sarmiento auf dem Feuerland, Magelhaens-Straße 14 - - Cap Venus mit Thal Omoa auf Fatu-hiva 85 - (Marquesas-Inseln) - - Mit dem Speer fischende Eingeborene von Tahiti 152 - - Der Waihiria (Bergsee auf Tahiti) 179 - - Die Corvette „Ariadne“ unter Dampf vor dem Hafen 199 - Otea-Banua - - Otea-Banua auf Bora-Bora (Gesellschafts-Inseln) 202 - - Haus des Königs von Raiatea in Uturua 207 - - Arbeiterhäuser der deutschen Plantage Vaitele auf Samoa 270 - - Ovalau und Nachbarinseln, von Viti-Levu aus gesehen 305 - - Deutsche Kokospalmen-Plantage Vailele bei Apia 318 - - Waffen aus Apamama und aus Tapituwea 332 - - Kingsmill-Insulaner 353 - - Kingsmill-Insulanerinnen 357 - - Die Kraterinsel Apolima 460 - - Ansicht von Apia. Die Corvette „Ariadne“ die 466 - Samoaflagge salutirend nach erfolgter Ratificirung des - Vertrags durch die Regierung von Samoa - - An den heißen Seen auf Neu-Seeland 474 - - Die weiße Sinter-Terrasse am Roto-mahana (Neu-Seeland) 479 - - Samoanische Mädchen vor Beginn des Tanzes 529 - - - - -Karten. - - - Uebersichtskarte der Magelhaens-Straße 39 - - Karte der Gesellschafts-Inseln 149 - - Karte der Duke of York-Inseln und Gazelle-Halbinsel auf 383 - Neu-Britannien. - - Karte der Samoa- oder Schiffer-Inseln. - - Uebersichtskarte der Fahrten der „Ariadne“ in der Südsee. - - - - -1. - -Die Magelhaens-Straße. - - - An Bord S. M. S. „Ariadne“, 14. Januar 1878. - - -Die Südsee ist das Ziel unsers Schiffes. Dort von der Hauptstation, -den Samoa-Inseln aus, soll ich als Commandant des Schiffes mit diesem -die weitverzweigten, sich über ein schier endloses Gebiet erstreckenden -deutschen Handelsinteressen schützen und fördern, unsern dort wirkenden -tapfern Landsleuten Schutz und Schirm geben. Ich kann mir allerdings noch -kein Urtheil darüber bilden, was ich dort finden werde, wie ich die mir -gestellte Aufgabe lösen kann und lösen werde, denn die Südsee ist mir -trotz der Vorstudien, welche ich bisher gemacht habe, noch immer ein so -unbekanntes Gebiet voller Räthsel, daß ich das Grübeln aufgegeben habe -und geduldig der Zeit warten will, wo ich mit eigenen Augen sehen und nach -Selbsterlebtem urtheilen kann. - -Die sich so häufig widersprechenden Berichte über jene fernen Inseln -haben aber in mir den Entschluß zur Reife gebracht, auf dieser Reise -von meiner Abneigung, Reiseschilderungen zu verfassen, abzusehen und -meinen Angehörigen über meine eigenen Erlebnisse getreulich Bericht zu -erstatten, damit sie Gelegenheit finden, ihre Kenntniß von Land und Leuten -zu erweitern. Und so will ich denn schon mit der Magelhaens-Straße, der -Pforte zu dem südlichen Theil des Stillen Oceans oder der Südsee, in -die ich noch heute einzulaufen hoffe, den Anfang machen und vorher der -rückliegenden Zeit nur soweit gedenken als nothwendig, daß der Kreis -unserer Erdumsegelung am Schluß der Reise auch wirklich geschlossen ist. - -Am 3. November v. J. haben wir den heimatlichen Strand verlassen, durch -Sturm und Regen, Kälte und Nebel unsern Weg durch die unwirthliche Nordsee -und späterhin auch durch die nicht minder unfreundliche Bai von Biscaya -gesucht und gefunden. - -Am 20. morgens 8 Uhr passirten wir das östliche Cap von Madeira und -hielten damit gewissermaßen unsern Einzug in die Tropen. Der nordische -Spätherbst mit all seinen Unannehmlichkeiten lag hinter uns; wie durch -Zauberschlag waren wir in eine andere Welt versetzt. Ein weicher, warmer, -mit Blumen- und Waldesduft gesättigter Hauch umfing uns; das Meer mit -seiner wunderbaren blauen Farbe war ein anderes; statt der niedrigen, -in Nebel und Regen gehüllten deutschen und englischen Küsten lag, von -den Strahlen der niedrig stehenden Sonne goldig überhaucht, die hohe, -mit ihren Berggipfeln in den Wolken verschwindende Südküste Madeiras vor -unsern entzückten Blicken, so schön wie nur diese Perle unter den Inseln -es sein kann. Am 21. abends 10 Uhr, nach Einnahme von Kohlen und Proviant -in Funchal waren wir wieder unter Segel, auf dem Wege nach Rio de Janeiro. - -Die schöne Fahrt unter Segel durch die berauschende Passatzone des -Atlantischen Oceans nahm auch ihr Ende. Am 16. December morgens mit -Tagesanbruch lag der Schlafende Riese, jener das Wahrzeichen von Rio de -Janeiro bildende mächtige Gebirgszug, vor unsern Blicken, und um 12 Uhr -mittags ankerten wir in der herrlichen Bai zu Füßen der großen Stadt. - -Unser Aufenthalt in Rio, welcher auf 4 bis 5 Tage berechnet gewesen war, -dehnte sich infolge besonderer Verhältnisse zu einem elftägigen aus, -wodurch ich Gelegenheit fand, von der liebenswürdigen Gastfreundschaft -unsers Consuls Gebrauch zu machen und unter seiner Führung auch die großen -Naturschönheiten der Umgebung der Stadt kennen zu lernen und mit Entzücken -zu genießen. - -Am 27. December verließen wir Rio und damit die heiße Zone wieder, denn -schon am 30. fing es an zu wettern und zu stürmen, und am 1. Januar schon -trugen wir wieder warme Kleider, obschon wir uns im Sommer der südlichen -Halbkugel befanden. - -Nach mancherlei Fährlichkeiten sind wir nun hier an der südlichsten -Spitze Südamerikas angelangt, und die Besatzung ist damit beschäftigt, -die Takelage unsers Schiffes für die Fahrt durch die Magelhaens-Straße -zu erleichtern, um dem Wind, welcher uns nach allen Erfahrungen -wahrscheinlich während der ganzen Fahrt mit Sturmesstärke entgegenwehen -wird, möglichst wenig Widerstand zu bieten. - - - Magelhaens-Straße, 23. Januar 1878. - -Da wir jetzt am Ende unserer Fahrt durch die Magelhaens-Straße stehen, -will ich einen Rückblick auf dieselbe werfen. - - * * * * * - -Am 14. Januar abends liefen wir von dem Atlantischen Ocean aus in die -Magelhaens-Straße ein, mußten aber wegen der eingetretenen Dunkelheit -und der unberechenbaren starken Strömungen (der Unterschied zwischen -Hoch- und Niedrigwasser beträgt hier 13 m) dicht an deren Eingang ankern -und konnten erst am 15. morgens 2½ Uhr mit dem ersten Morgengrauen die -Fahrt fortsetzen. Der Morgen war klar und schön, wenn auch kalt, denn wir -hatten, da der hiesige Januar unserm Juli entspricht, im Hochsommer auf -einer gleichen Breite wie Leipzig nur 6-7° C. Das in Sicht befindliche -Land ist ohne Reiz, niedriges Sandland ohne Baum und Strauch, eine -endlose Wüste, welche nicht eine Spur von Menschen aufweist und nur an der -Meeresküste von unzähligen Scharen der verschiedensten Arten Wasservögel -bewohnt wird. So reizlos die ganze Umgebung für das menschliche Auge -ist, so interessant wird die Fahrt als solche für den Seemann. Jeder -Augenblick bringt Abwechselung, weil die Straße nicht nur fortgesetzt ihre -Richtung ändert, sondern auch noch viele Untiefen eine öftere Cursänderung -nothwendig machen, sodaß die gespannteste Aufmerksamkeit erforderlich -ist, zumal wenn das Schiff mit einer Geschwindigkeit von 12 Knoten -oder 3 deutschen Meilen in der Stunde durch das Wasser eilt. Zeitweise -befindet es sich auf einer großen Wasserfläche; nach einer halben Stunde -steuert es durch einen engen Kanal von nur 500 m Breite; dann wieder -zwischen dicht beieinander liegenden Inseln hindurch, geht danach mit -einem scharfen Bogen dicht unter die Küste des Festlandes und verläßt -nach einer kurzen Weile diese Seite wieder, um eine Insel anzusteuern, -unter deren Küste der Curs so nahe vorbeiführt, daß man ohne Anstrengung -einen Stein ans Land werfen könnte; und so geht es stunden-, in der Folge -gar tagelang fort. Der Seemann muß hier auf dem Platze sein, er findet -aber ein so reiches Feld vollster Thätigkeit und Aufregung, daß die mit -einer solchen Fahrt verbundenen Strapazen in den Hintergrund gedrängt -und nicht weiter beachtet werden. Denn eine Strapaze ist es wahrlich, -wenn man morgens um 2½ Uhr bei noch kaum durchbrechendem Tageslicht den -Ankerplatz verläßt und mit schneller Fahrt in ein unbekanntes Fahrwasser -hineinsteuert, welches mit dem Vorschreiten des Tages immer schwierigere -Passagen bringt, die dem Commandanten verbieten, die Commandobrücke -auch nur auf Augenblicke zu verlassen, und ihn zwingen, dort bis zum -Einbruch der Nacht, wo in irgendeinem kleinen Hafen geankert wird, -auszuharren. So steht man, ohne sich von der Stelle zu rühren, viele -Stunden ununterbrochen in ungewohnt frischer Luft, welche den in den -Tropen verweichlichten Körper stark angreift; die Augen ruhen entweder auf -dem fortwährend wechselnden Landpanorama oder auf der in einem Glaskasten -sicher untergebrachten Karte; alle Sinne sind in Thätigkeit, um den -richtigen Curs zu wählen, der Maschine den zweckmäßigsten Gang anzuweisen -und dem Ruder die richtige Lage zu geben. Die Mahlzeiten müssen auch auf -der Commandobrücke eingenommen werden, schmecken allerdings vortrefflich, -wenngleich man hierbei erst bemerkt, daß die Lippen von der scharfen Luft -schon aufgerissen sind, ohne dabei indeß zu ahnen, daß das ganze Gesicht -bereits halb wund ist. Ein scharfer Sturm weht uns entgegen und peitscht -uns den von dem Schiffe aufgeworfenen Salzwassergischt in das Gesicht; -glücklicherweise regnet es aber nicht, trotzdem es in dieser Gegend immer -regnen soll. Doch dies ist nicht richtig, es regnet allerdings vor uns, -hinter uns, links und rechts; nur wo die „Ariadne“ fährt, lacht die Sonne, -als ob sie wie bisher uns auch in dieser verrufenen Gegend nicht verlassen -wolle. - -Um zu zeigen, daß das Wetter es wirklich gut mit uns meint, will ich hier -einige Stellen aus den Segelanweisungen, welche alle bisher gesammelten -Erfahrungen enthalten, ausziehen und einfügen; ein Vergleich zwischen -diesen Notizen und dem weitern Verlauf unserer Reise wird dann am besten -die Richtigkeit meiner Behauptung beweisen. - -1. „August, September und October sind die kältesten Monate; westliche -Winde, Regen, Hagel und Schnee sind dann vorherrschend. December, Januar -und Februar sind die wärmsten Monate, die Tage sind lang und es kommt -zuweilen etwas gutes Wetter vor; aber westliche Winde, welche häufig -zu starken Stürmen anschwellen, mit heftigem Regen sind selbst während -dieser Jahreszeit vorherrschend, welche weniger Sommer mit sich führt wie -irgendein anderer Theil unserer Erde. - -2. „Der Gipfel dieses ausgezeichneten Berges (Mount Burney), welcher gegen -1850 m hoch und mit ewigem Schnee bedeckt ist, ist selten sichtbar; sollte -aber ein Vorbeireisender glücklich genug sein, einen klaren Tag zu finden, -so wird er schwerlich je die Pracht dieses Panoramas vergessen. - -3. „Das Charakteristische in dem Wetter dieser Kanäle ist weniger die -Stärke des Windes, als der fast unaufhörliche Regen. Tag um Tag, wenn der -Seemann unglücklicherweise länger hier verweilen sollte, wird er diesen -stetigen Niederfall zu erdulden haben, es sei denn, daß er so glücklich -ist, in einem jener seltenen Durchbrüche von lieblichem Wetter anzukommen, -welches zuweilen vorkommt. Dann allerdings wird er die interessanteste -Fahrt finden mit ruhigem Wasser, guten Ankerplätzen, umgeben von der -großartigsten ('most glorious') Scenerie; doch diese Fälle sind gar -selten, und er wird schon glücklich zu nennen sein, wenn er überhaupt -einmal den Regenrock ablegen kann, welchen er anzog, als er um Cap Tres -Montes ging. Eine Jahreszeit ist so gut, oder besser gesagt so schlecht -wie die andere, immerhin aber ist der Sommer wegen seiner geringern Kälte -und der längern Tage für diese Passagen vorzuziehen.“ - -Diese Schilderung verspricht gewiß viel, und ebenso läßt die „Vineta“, -welche vor zwei Jahren dieselbe Tour in beschränkterer Ausdehnung machte, -sich vernehmen und klagt über das anhaltend schlechte Wetter, das sie -zu erdulden hatte. Ein Vergleich dieser beiden Reisen zeigt auch in -eclatanter Weise, von welchem Einfluß das Wetter auf derartige Reisen -ist; denn zu derselben Strecke, welche die „Ariadne“ unter den günstigsten -Wetterverhältnissen in 6 Tagen zurücklegte, gebrauchte die „Vineta“ mühsam -gegen Wind und Wetter anringend 21 Tage. Doch zu unserer Reise. - -Nachdem am 15. Januar etwa 80 Seemeilen zurückgelegt waren, vollzog -sich allmählich ein Wechsel in der Scenerie. Wir waren den Ausläufern -der Anden, des mächtigen Gebirgszuges, welcher mit seinen 7000 m hoch -gelegenen Felsen- und Schneerücken das platte Land Patagonien von Chile -und Peru trennt, näher gekommen und zeitweise entwickelten sich schon -aus den vorbeijagenden Wolkenfeldern einzelne schneebedeckte Gipfel. -Das untere Land zeigt jetzt auch einen andern Charakter: einzelne mit -grünem Gestrüpp bewachsene Hügel und Felsen werden sichtbar, das Land -hebt sich immer mehr und wächst langsam zunehmend bis zu 300 m hohen -Bergen an, welche mit dichtem Wald bedeckt sind. Auffallend ist, daß -in diesen frisch-grünen Wäldern kaum 150 m über dem Meeresspiegel -große Schneefelder verstreut liegen, und daß trotz der geringen Kraft, -welche die Sonne demnach im Hochsommer hier nur hat, große Scharen von -Papagaien und Kolibris in den Sommermonaten ihren Wohnsitz in dieser -Gegend aufschlagen. In Punta Arenas fanden wir diese Vögel allerdings noch -nicht, da sie erst 14 Tage später erwartet wurden, in einem der nächsten -Häfen trafen wir sie aber schon an. Würde man nur nach den hier lebenden -Eingeborenen, ohne Rücksichtnahme auf die herrschende rauhe Witterung zu -urtheilen haben, so wäre das Räthsel, wie diese buntgefiederten Bewohner -der brasilianischen Urwälder hierherkommen, leicht gelöst, denn diese -Menschen gehen ohne jede Kleidung vollkommen nackt, besitzen kein Heim, -leben in einem elenden offenen Boot oder tragen sich an dem Fleck, wo sie -gerade landen, aus Reisern eine Hütte in der Größe eines runden Tisches -von etwa 1½ m Durchmesser zusammen, wo Mann, Frau oder Frauen (es herrscht -Vielweiberei), große und kleine Kinder, oft 10-12 Personen, Unterkommen -für die Nacht finden, wie ein Rudel Thiere zusammengeschachtelt und sich -mit ihren Körpern gegenseitig erwärmend. Kälte, Wind und Regen machen -keinen Eindruck auf ihre Nerven, eine wunderbare Menschenrasse in ihrer -Art, da alle sonst in kalten Klimaten wohnenden Menschenstämme stets -warm bekleidet sind. Ich werde später noch Gelegenheit finden, auf diese -Eingeborenen zurückzukommen. - -Bald nachdem das flache Land hinter uns lag, näherten wir uns der -chilenischen Colonie =Punta Arenas=, welche, früher als Verbrechercolonie -gegründet, in der Neuzeit durch den regern Dampfschiffsverkehr eine andere -Bedeutung erlangt hat. Die an der Küste steil aufsteigenden niedrigern -Gebirgszüge von 300-400 m Höhe versagen dem Auge zwar noch den Blick -auf die dahinter liegende mächtige Alpenwelt des Festlandes, das Auge -kann nun aber frei über die düstern, unfruchtbaren, bis zu 2000 m Höhe -aufsteigenden schwarzen Felsmassen des Insellandes Feuerland, welches -sich auf der andern Seite der Wasserstraße unheimlich aus der See erhebt, -schweifen: schwarzes, kaltes, zerklüftetes Gestein ohne eine Spur von -Leben und Pflanzenwuchs, welches dem Auge nirgends Ruhe gönnt, da keine -Linie zu finden ist, welche man festhalten könnte. Ein Pic steigt neben -dem andern empor, erhebt seinen Gipfel immer noch wilder und trotziger wie -sein Nachbar und erweist dem menschlichen Auge dann eine wahre Wohlthat, -wenn er mit Schnee bedeckt ist. So frostig der Anblick des Schnees -sonst macht, hier, inmitten dieses schwarzen Höllengesteins, um welches -unermeßliche schwere Wolkenbänke von tiefgrauer Farbe sich lagern und, -von dem heulenden Sturme getrieben, ihre Wasserballen in die unzähligen -tiefen Schluchten hineinzwängen, hier ist der Schnee erwärmend. Hätte -Dante dieses Stück Erde gekannt, seine Hölle wäre nach diesem Feuerland -gebildet worden, welches ja auch richtige Teufel in sich birgt. Der Name -„Feuerland“ ist allerdings nicht von vulkanischem Feuer hergeleitet, -sondern hat einen harmlosen Ursprung; er ist dem Umstande zuzuschreiben, -daß die ersten Entdecker überall am Lande kleine Rauchsäulen sahen, welche -nie erloschen. Die Eingeborenen dieses nassen Landes, wo die Erzeugung des -Feuers so sehr schwer ist, sind gezwungen, wo sie gehen und stehen, stets -ein Feuer zu unterhalten, wenn sie dieses wichtige Element nicht zeitweise -verlieren wollen; es wird also immer da, wo Menschen sich aufhalten, auch -die unentbehrliche Rauchsäule zu sehen sein. Daß hier, wie ich vorhin -sagte, auch wirkliche Teufel in Menschengestalt hausen, dürfte vielleicht -aus dem nachfolgenden Auszuge aus Darwin’s Reise um die Erde hervorgehen: - -„Die verschiedenen Stämme sind Kannibalen, sobald sie miteinander in Fehde -leben. Dies beweist auch die Aussage Jemmy Button’s (ein Junge, welcher -während zweier Jahre auf Kosten eines englischen Seeoffiziers in England -erzogen und mit dem Schiffe, auf welchem Darwin war, dann zurückgebracht -wurde), wonach die Eingeborenen im Winter, wenn sie sehr unter dem Hunger -leiden, erst die alten Frauen schlachten und verschlingen, bevor die -Hunde an die Reihe kommen, denn die Hunde fangen Ottern, alte Frauen aber -nichts. Die Frauen werden derart getödtet, daß sie über Rauch gehalten -werden, bis sie erstickt sind. Der Junge ahmte auch mit sichtlichem -Vergnügen in spaßhafter Weise das Geschrei der Opfer nach und beschrieb -die Körpertheile, welche am besten schmecken. Oft sollen die alten -Frauen, sobald sie den Zeitpunkt gekommen wähnen, in die Berge flüchten, -sie werden aber von den Männern dann gejagt, um in ihre Hütte gebracht -und geschlachtet zu werden. -- Schrecklich, wie solch ein Tod durch -die Hand der Freunde und Verwandten sein muß; schmerzlicher noch ist es -daran zu denken, was diese Frauen empfinden müssen, wenn der Hunger sich -einzustellen beginnt.“ - -Nachmittags 3 Uhr am 15. Januar, nach Zurücklegung von 120 Seemeilen -an diesem Tage, ankerten wir vor Punta Arenas, dessen kleine Holzhäuser -kurz vorher als erste Zeichen menschlichen Lebens hinter einer kleinen -Landzunge zum Vorschein gekommen waren. Dieser weit vorgeschobene Posten -menschlichen Unternehmungsgeistes zeigte allerdings ein anderes Bild, als -wir nach den vorhandenen Beschreibungen erwarten konnten. Eine vor wenig -Wochen stattgehabte Soldatenemeute hatte traurige Spuren hinterlassen. -Die aus 100 Soldaten gebildete Garnison soll von ihrem Commandanten -so barbarisch behandelt worden sein, daß sie schließlich zum Aufstand -getrieben wurde. Sie tödteten und verstümmelten den Commandanten, rissen -ihm Augen und Zunge aus, schnitten Nasen und Ohren ab und zerstückten -den ganzen Körper. Darauf befreiten sie die Gefangenen (der Platz ist -noch Strafcolonie), etwa 80 an der Zahl, und fingen dann an zu brennen -und zu morden. Alle größern Gebäude wurden eingeäschert und etwa 80 -Personen verloren ihr Leben. Nachdem die Meuterer auf diese Weise zwei -Tage gehaust hatten, wurden sie unsicher, da täglich ein in der Nähe -befindliches chilenisches Kanonenboot eintreffen konnte, und verließen -den verwüsteten Platz. Vorher aber bemächtigten sie sich aller Frauen und -Mädchen, deren sie habhaft werden konnten, und schleppten diese mit Gewalt -mit sich in die Pampas Patagoniens, wo ihnen mit den dortigen Indianern -jedenfalls ein Krieg bis aufs Messer bevorsteht. -- Wenige Tage vor unserm -Eintreffen hatte ein chilenisches Kriegsschiff die neue Garnison und eine -Untersuchungscommission gebracht. - -Der kleine Ort liegt recht hübsch dicht am Ufer des hier stets wellenlosen -Meeres, lehnt sich im Rücken an den Fuß eines Berges an und ist umsäumt -von jungfräulichem Urwalde. Die in den Gebirgen lagernden großen -Schneemassen führen in kleinen Flüssen vorzügliches Wasser zum Strande, -wo in den geringern Tiefen des Meeres ein unerschöpflicher Reichthum -an wohlschmeckenden Fischen herrscht. Rindvieh und Schafe gedeihen -vortrefflich und finden auf dem herrenlosen Lande die saftigste Nahrung -im Ueberfluß. Auch Pferde sind fast mehr wie Menschen vorhanden, denn -hier in diesem kleinen Dorfe ist sogar der Bäckerjunge zu faul, das Brot -zu Fuße auszutragen, er setzt sich dazu aufs Pferd. Der Wald liefert -ein vorzügliches Holz, das vorläufig noch als werthlos betrachtet wird. -Die mächtigen Stämme -- ich habe solche von 4 Fuß Durchmesser gesehen --- haben einen vollständigen Eisenkern; schwere Schmiedehämmer, welche -als Keile zum Auseinandertreiben des Holzes benutzt wurden, zersprangen -unter den wuchtigen Hieben eines noch schwerern Hammers in dem Holze, -ohne es zu spalten. Jeder kann sich soviel Holz nehmen wie er will; wir -haben an einem Tage 40 cbm Kernholz gefällt und an Bord geschafft, ohne -Zahlung dafür zu leisten, weil den Ansiedlern auf diese Weise das Land -ohne eigene Mühe urbar gemacht wird. Die Häuser, oder besser Holzhütten -bestehen selten aus mehr als zwei kleinen Zimmern; Comfort ist nirgends -zu finden. Ackerbau und Gartencultur fehlen vorläufig noch ganz, die -Leute leben nur von den durchkommenden Schiffen, denen sie vornehmlich -Fleisch verkaufen. Einige Meilen von diesem Ort entfernt ist noch eine -kleine Schweizercolonie, welche sich mit Landwirthschaft beschäftigt und -ihre Erzeugnisse hierher abliefert. Von diesen Producten erhielten wir -recht gute Butter und namentlich ganz vorzüglichen Kopfsalat. Für die -übrigen Erzeugnisse der Schweizercolonie, Gemüse und Kartoffeln, war die -Zeit der Reife noch nicht gekommen, sodaß wir uns von ihrer gerühmten -Vortrefflichkeit nicht selbst überzeugen konnten. - -Der Totaleindruck dieses Ortes ist, von innen gesehen, ein öder, -schmutziger und wüster. Die Straßen sind allerdings regelmäßig und -breit, ja so großartig angelegt, daß sie einer großen Stadt Ehre machen -würden, die menschlichen Wohnungen zeigen aber sofort, daß nur mittellose -Abenteurer, welche kein anderes Streben als ihr Leben zu fristen kennen, -ihr zeitweiliges Heim hier aufgeschlagen haben. Natürlich sind die -Deutschen wie überall auch hier vertreten, bilden aber das beste Element. - -In Punta Arenas wurde mir die große Enttäuschung zutheil, daß ich keine -Kohlen, auf die ich sicher gerechnet hatte, erhalten konnte. Es ist -eine Kohlengrube, welche sich in soliden englischen Händen befindet, in -nächster Nähe, die Meuterei hatte aber auch hier störend eingegriffen, -da die Soldaten, die mit Genehmigung der Regierung die Grubenarbeiter -gewesen waren, jetzt fehlten. So blieb mir nur übrig, mit meinen Kohlen -hauszuhalten und das Brennmaterial durch Holz zu ergänzen. Auch meine -Reisedisposition für die Straße erhielt dadurch eine Abänderung; ich -hatte vorher auf einen drei- bis viertägigen Aufenthalt in Punta Arenas -gerechnet, ließ mich aber jetzt nicht länger aufhalten, da ich in dem -herrenlosen Lande, durch welches ich noch 600 Seemeilen zurückzulegen -hatte, überall Holz schlagen konnte. Ich blieb daher nur noch den 16. in -Punta Arenas und benutzte diesen Tag zum Holzschlagen. Nachts 12 Uhr war -das Holz an Bord, am 17. morgens 2 Uhr war das Schiff fertig und weiter -ging die Reise aus der Nacht zum Tage. - -Ich hatte einige Stunden geschlafen und stand nun in der rauhen Nachtluft -mit der Gewißheit auf der Commandobrücke, dieselbe vor 9 Uhr abends -nicht wieder verlassen zu können. Die Aufgabe, welche ich mir gestellt -hatte, war, bis zum Eintritt der Dunkelheit einen Hafen zu erreichen, -welcher von unserm Ausgangspunkt 170 Seemeilen entfernt lag. Der Weg -dahin führte durch eine enge Felsenstraße, in welcher der Sturm stets -mit der Gewalt eines Orkans wüthen soll; die in ihrer Großartigkeit -auf dieser Welt einzig dastehende Gebirgswelt soll fast immer bis zum -Wasserspiegel herunter in dichtes grauschwarzes Gewölk gehüllt sein, -aus welchem der Regen in Strömen herniederfällt; die Navigirung soll -nur dadurch möglich werden, daß der Sturm ab und zu das Gewölk auf -Augenblicke zertheilt und so dem Auge Gelegenheit gibt, den Curs bis -zur nächsten Zertheilung der Wolken festzustellen. Dies war der vor mir -liegende Tag mit seinen Aussichten. Fand ich wirklich solches Wetter, -dann war die Erfüllung meiner Aufgabe unmöglich und ich konnte höchstens -zwei Drittel des vorgenommenen Weges zurücklegen, mußte dann aber auch -für die ganze Passage etwa die doppelte der in Ansatz gebrachten Zeit -rechnen. Einigermaßen gruselig war mir zu Muthe, als ich meine Fahrt in -der dunkeln Nacht mit 10 Seemeilen Geschwindigkeit und mit der Aussicht -begann, nun während etwa 10 Tagen, wenn auch in sicherm Fahrwasser, -täglich 12-15 Stunden dem Regen und Sturm voll ausgesetzt auf der -Commandobrücke zuzubringen. Immerhin vertraute ich aber meinem guten Glück -und gab zunächst keinem Zweifel an dem Gelingen des festgesetzten Planes -Raum. Allerdings hatte ich noch einen vertrauenerweckenden Führer zur -Seite, nämlich den Bericht unserer Corvette „Vineta“, welche als erstes -deutsches Kriegsschiff die Passage durch die Magelhaens-Straße gemacht -hat. Wenn auch dieser Bericht die vorzüglichen englischen Segelanweisungen -als durchaus zuverlässig anerkennt, so vertraut man dem, was Kameraden -gesehen und erfahren haben, doch immer mehr; man fühlt sich dort, wo ein -Bruderschiff schon gewesen ist, eher heimisch. - -Bis gegen 8 Uhr morgens bleibt der Curs in offenem Fahrwasser südlich und -durch die an der Westseite liegenden Berge gegen den erwarteten Weststurm -geschützt. Der Morgen läßt sich gut an, der Sonnenaufgang war zwar nicht -sehr vertrauenerweckend gewesen, die Sonne zeigt aber doch wenigstens ab -und zu ihr erwärmendes Gesicht. Zu unserer Rechten liegen weich geformte -Berge mit dichtem frischen Wald bestanden, aus dessen grünem Laub hier und -dort verstreut blendend weiße Schneefelder hervorlugen. Die Berge steigen -direct aus dem Wasser auf, bilden aber doch hin und wieder freundliche -kleine Einbuchtungen, welche den vorbeifahrenden Schiffen gute Ankerplätze -bieten, aber auch einen grell in die Augen springenden Beweis liefern, wie -alles Lebende, was die Natur hervorbringt, dazu dient, von dem Stärkern -wieder vernichtet zu werden. Hier in diesen geschützten lieblichen Baien -steigen die der Magelhaens-Straße eigenthümlichen mächtigen Wasserpflanzen -tief von dem Meeresgrunde bis zu einer Höhe von 10 m hoch aus und geben -mit ihren 6-7 dcm langen und 2 dcm breiten Blättern den kleinen niedern -Wasserthieren Schutz und Nahrung. In diesem Wasserpflanzenwald lebt -aber auch die junge Fischbrut, welche ihr Leben mit den kleinern Thieren -erhält, dieses aber auch sofort hingibt, sobald sie das schützende Dach -verläßt, denn außerhalb der Pflanzen stehen Scharen von Raubfischen, -welche jeden kleinen Wasserbewohner ihresgleichen erbarmungslos -verschlingen, sobald er sich aus seinem Versteck hinauswagt. Wieviel Mord -und Vernichtung spielt sich nicht an einem Tage in einem solch kleinen -Stück Wasser ab? - -Zu unserer Linken liegt eine weite Wasserfläche, begrenzt durch in -blauen Dunst gehülltes Bergland, durch dessen weite Schluchten die noch -hinter den Bergen niedrig stehende Sonne ihre Strahlen wirft und das wild -geklüftete Alpenland magisch beleuchtet. Vor uns haben wir den Eingang zu -der berüchtigten Felsenpassage mit einem Aussehen, welches einen schlimmen -Tag verspricht. Das aus dem Wasser steil aufsteigende nackte Gestein -ist infolge des ewigen Regens von tiefschwarzer Farbe, welche nur selten -durch einige hellere Flecke unterbrochen wird. Sichtbar ist das Land dort -überhaupt nur bis etwa 100 m über dem Wasser, von da ab ist alles in dicht -übereinander geschichtete feste Wolkenmassen von tief blaugrauer Färbung -gehüllt, in Wolkenbänke, welche so tief liegen, daß man sie mit den -Mastenspitzen zu berühren glaubt und damit ihre Entladung herbeizuführen -befürchtet. Regen erwartet man von ihnen aber nicht, sondern das schärfste -Schneegestöber. Das Gewölk eines schweren Schneesturmes unserer Gegenden -ins Vielfache übertragen gibt ein ungefähres Bild von der vor uns -liegenden Wolkengestaltung und dem Aussehen der Luft. In diesen Sturm- und -Regenkessel muß man hinein. Was hilft’s! Mehr wie naß werden kann man ja -nicht, also frisch drauf los. - -Einige mächtige Walfische von 14 bis 18 m Länge -- ich sehe im ganzen -vier -- spielen so harmlos in der Nähe des Schiffes, daß das Behagen, -welches sie athmen, sich unwillkürlich dem Menschen mittheilt und sein -Gemüth beruhigt. Hoch werfen sie aus ihren Spritzlöchern das Wasser in -die Luft, strecken ihren mächtigen Kopf aus dem Wasser oder heben ihren -kolossalen Rücken wie eine kleine Insel über die Wasserfläche, tauchen -dann in die Tiefe und schnellen dabei den riesigen Schwanz aus dem Wasser, -daß das hinterste Drittheil des Fisches für einen Augenblick senkrecht -in die Luft ragt. Solch ein harmloses Spiel übt eine beruhigende Wirkung -auf uns Zuschauer aus, die Gegend vor uns sieht sich schon gar nicht -mehr so erschreckend an. Ein tüchtiges warmes Frühstück war oben in der -frischen Luft mit köstlichem Appetit eingenommen; der kurze Rock, unter -welchem eine warme wollene Weste sitzt, wird fest zugeknöpft, die Mütze -fest in die Stirn gedrückt, der Kneifer auf der Nase zurechtgerückt und -dann um 8 Uhr um das verschriene Cap Froward herumgejagt. Jetzt soll -es kommen, Sturm und peitschender Regen! Ein frischer Sturm, welcher in -diese 100 Seemeilen lange unabsehbare Felsenstraße eingekeilt an Stärke -gewinnt, weht uns zwar in die Zähne, die Wolken über uns bilden eine feste -undurchdringliche Decke; unten aber ist es schön klar, kein Hagel und kein -Regen, kalte frische Luft und überall viel zu schauen. Was es zu sehen -gibt läßt sich aber nur schwer schildern. - -Die Gestaltung des Landes ändert unausgesetzt. Hier springt ein hohes, -steiles Cap trotzig in die Straße vor und deckt die hinter ihm liegende -tiefe Bucht; dort läuft das Land in eine weit vorgeschobene flache -Spitze aus; an jener Stelle brechen aus den vorbeijagenden Wolken für -Augenblicke scharf gezackte Bergkämme hervor; hier steigt senkrecht -aus dem Wasser eine Felsenwand von dem Aussehen einer von Menschenhand -sorgsam aufgebauten Riesenmauer auf; dort ziehen sich mächtige Kanäle, -welche große Wasserstraßen nach einem andern Theil des Weltmeeres bilden, -hin; hier liegen kleine, in frischem Laub prangende Inseln oder einzelne -nur mit ihrer Spitze aus dem Wasser hervorragende Klippen, dort mehrere -Quadratmeilen umfassende Inseln. Das alles vermag das Auge wol für Stunden -und Tage, ja Wochen unausgesetzt zu fesseln, da es in seiner natürlichen -Großartigkeit immer Neues und Interessantes bietet, in der Beschreibung -wird es aber immer nur ein sehr verblaßtes Bild geben. - -Ab und zu fegt der Sturm das Gewölk stellenweise fort und gestattet -dann einen Blick in dieses eigenartige Gebirgsland, das noch im -Hochsommer seine ewig starren Gletscher bis zum Meeresrand hinabsendet -und gleichzeitig den an die Tropensonne gewöhnten Zugvögeln ein -begehrenswerthes Asyl gewährt. Der Grundton des sich entrollenden Bildes -ist Grau in Grau: eine grau erscheinende Wasserfläche als Vordergrund, -graues Gewölk als Hintergrund. Aus diesem unbestimmbaren, farblosen -und doch auf das Auge so mächtig wirkenden Grundton treten riesige -Steinmassen, tiefschwarz gefärbte oder mit einer blendenden Schneedecke -überzogene hohe Berge mit ihren entschiedenen und wilden Contouren scharf -heraus. Das massige Unterland entsendet ungezählte scharfgeschnittene -Pics in die Lüfte, welche bei annähernd gleicher Höhe scheinbar ganz -willkürlich theilweise mit ewigem Schnee überzogen sind, theilweise mit -vollkommenster Nacktheit prahlen und ebenso allen Unbilden des Wetters -trotzen, wie die an ihrem Fuß lebenden Eingeborenen, mit welchen sie so -große Charakterähnlichkeit haben. Zwischen jenen blendend weißen, zart -überhauchten Berggipfeln und diesen schwarzen rauhen Gesellen liegen -in tiefen unheimlichen Schluchten große, in ihrer ganzen Ausdehnung wol -noch von keinem Menschenauge berührte Schneefelder, welche sich bis zum -Meeresspiegel, bis dicht an die vorbeipassirenden Schiffe hinabsenken -und auf ihrer Wanderung dahin sich allmählich aus duftiger Schneedecke -von dem reinsten Weiß in starrende zerklüftete Gletscher von heller, -bläulich-grüner Farbe umbilden, deren Mächtigkeit nach unserer Schätzung -5-8 m beträgt. Und neben diesen Gletschern findet das Auge an geschützten -Stellen die üppigste Vegetation, den Urwald in seiner ganzen Schönheit -mit seinen herrlichen Laubkronen, seinen Schlinggewächsen, Parasiten, -elastischen Moosdecken und farbenprächtigen Blumen, über welchen in -denselben Sommermonaten, die den nebenliegenden Schnee nicht zu schmelzen -vermögen, nach glaubwürdigen Berichten die Kolibris über den Blumenkelchen -schwirrend ihr Vernichtungswerk gegen die Insekten betreiben. Weiterhin -öffnet sich die Wasserstraße, das Land tritt zurück, und man glaubt auf -einem großen Binnensee zu sein, welcher keinen Ausgang zeigt. Einige -Inseln vor uns scheinen den Abschluß zu bilden, auf diese ist der Bug des -Schiffes gerichtet. Dort angekommen geht das Schiff in scharfem Bogen um -eine derselben herum und läuft in einen von hohen Felswänden gebildeten -Hohlweg ein. Der größte Theil der Straße behält jetzt den Charakter eines -Hohlwegs von vorherrschend enormen Dimensionen. - -Während der Fahrt versucht ein Boot mit Feuerländern das Schiff zu -erreichen, jedenfalls um gegen Bogen, Pfeile und Felle andere Sachen, -Taback und Eßwaaren einzutauschen. Da es die ersten Eingeborenen sind, -welche wir zu Gesicht bekommen, so entsteht eine allgemeine Aufregung in -dem Schiffe; die Offiziere drängen mich, auf das Boot zu warten, ich kann -ihnen aber, so groß auch meine eigene Neugierde ist, nicht willfahren, -da das Reiseprogramm in so enge Grenzen gezogen ist, daß ein kleiner -Aufenthalt das ganze Gebäude umwerfen kann. Ich lasse indeß das Schiff an -das Boot heranscheeren, um es dicht zu passiren und so einen flüchtigen -Blick zu erhalten. Zwei junge nackte Männer führen die Ruder, eine nackte -Frau das Steuer, die übrigen Insassen, mehrere Erwachsene und eine größere -Zahl kleiner Kinder sitzen oder vielmehr kauern in der Mitte des Bootes, -wo auch auf Steinen das nie fehlende Feuer unterhalten wird. Alle zusammen -schreien und heulen, mit den Armen gestikulirend, aus Leibeskräften, um -das Schiff zum Anhalten zu bewegen, aber wie schon erwähnt ohne Erfolg. - -Abends 8 Uhr scheint es mir doch zweifelhaft, daß wir vor Eintritt der -Nacht den als Ziel gesetzten Hafen noch erreichen können; die Entfernung -ist zwar nicht zu groß, aber vor uns sieht es so dick und drohend aus -und der Seegang nimmt in der nun nach dem Stillen Ocean hin offenen -Straße so merklich zu, daß ich mich entschließe, nach dem kleinen -Hafen Port Angosto, welchen wir vor einer Viertelstunde passirt haben, -zurückzulaufen. Der Eingang, keine 40 m breit, ist bald gefunden, und -die „Ariadne“ geht, oft nur wenige Fuß von den Klippen entfernt, durch -eine schmale Gasse in einen Kessel, welcher gerade genug Platz bietet, -daß das Schiff ohne den Grund zu berühren sich vor dem Anker drehen -kann. Die steilen Bergwände sind dicht bewaldet, einige kleine und ein -größerer Wasserfall ergießen mit anheimelndem Geplätscher das geschmolzene -Schneewasser von den Höhen hinab. Der Abend ist schön und ruhig, aber ohne -Anziehungskraft für einen Mann, welcher 19 Stunden auf der Commandobrücke -zugebracht hat und nach Verlauf von 5 Stunden Ruhe wieder dahin berufen -wird, um das eben überstandene Tagewerk noch einmal durchzumachen. - -Abends ging ich gleich, nachdem ich schnell einige Bissen zu mir genommen -hatte, zu Bett, um sofort in einen tiefen traum- und bewußtlosen Schlaf zu -verfallen. Um 2½ Uhr morgens wurde ich wieder geweckt -- ein kritischer -Moment. Niemand kann mich hier zur Eile treiben, mir vorschreiben, an -diesem Tage weiter zu gehen oder eine so große Distanz abzulaufen, wie -ich sie mir gesteckt habe; auch zwingen mich die natürlichen Verhältnisse -nicht zu einem so großen Pensum, da in den vor uns liegenden Kanälen alle -20-30 Meilen Häfen zu finden sind. Durch das Wetter begünstigt habe ich -an dem gestrigen Tage ein besonders großes Stück Weg zurückgelegt, ich -bin über alle Begriffe müde -- ein Wort und der Aufbruch wird verschoben -oder ganz aufgehoben. Der Gedanke „beschleunigte Segelordre“ durchzuckt -traumhaft mein Hirn und -- „Reveille und Ankerlichten“ ist die Antwort -auf den vielleicht schon mehrmals wiederholten Weckruf. Ich verlasse -mein Lager, mache unter Absehung von dem gewohnten kalten Bade die den -Verhältnissen entsprechende Toilette, nehme schnell ein warmes Frühstück -ein, welches mein vortrefflicher, aber im Punkte des Schlafens sonst -unverbesserlicher Diener heute ausnahmsweise schon bereit hat, und stehe -nach 15 Minuten auf der Brücke, um in dem Dunkel der noch herrschenden -Nacht die meinem Ruf willig gehorchende „Ariadne“ aus diesem kleinen -Felsenlabyrinth hinaus in ein 500 Meilen langes hineinzuführen. Die -Nachtluft ist kalt; die todten Bergmassen, von welchen her kein Ton -eines lebenden Wesens zu hören ist, werfen tiefe Schatten auf die unter -Windstille regungslos daliegende schwarze Flut und machen es unmöglich, -die schwarze Wasserfläche von dem schwarzen Lande zu unterscheiden. -Nichts ist zu hören als das dumpf nach oben schallende Arbeiten der -rastlosen mächtigen Schiffsmaschine und das monotone Rauschen des von dem -Schiffsbug aufgeworfenen Wassers, nur ab und zu unterbrochen von einem -kurzen Rudercommando aus meinem Munde, welches von den Leuten am Ruder -ebenso kurz erwidert wird. Die durchbrechende Tagesdämmerung nimmt dieser -Fahrt bald das Geisterhafte des Anfangs. Zur Linken liegt die jetzt schon -breite westliche Oeffnung der dort ihr Wasser mit dem des Stillen Oceans -bereits mischenden Magelhaens-Straße; vor uns öffnet sich der Smyth-Kanal, -in welchen unser Weg uns führt, theilweise noch versteckt im Morgendunst, -welcher auch das umliegende Land verhüllt. Eine halbe Stunde später -- -die Sonne bricht mit einzelnen Strahlen durch die Wolken, gewinnt immer -mehr an Macht, hat bald die Nacht- und Morgennebel verzehrt und beschert -uns einen selten schönen Tag. Der über 1800 m hohe Mount Burney erhebt -sich als regelmäßiger Kegel mit abgestumpfter Spitze, welche jedoch -mit mehrern kleinen Pics geziert ist, majestätisch aus einer Ebene, die -halbkreisförmig von einem hohen Gebirgszuge umrahmt ist, dessen Gipfel in -ungezählte schneebedeckte Pics auslaufen. Die jetzt durch den wolkenlosen -Aether ungehindert durchstrahlende, noch tiefstehende Sonne übergießt das -vor uns liegende Bild mit einem seltenen Duft. Die in goldigem Schimmer -erglänzenden Lichtseiten der untern Partien heben sich nur unmerklich von -den Schattenseiten ab, da die Sonne kurz nach ihrem Aufgange nur zarte -Schatten zu erzeugen vermag. Die von ihrer erhabenen Höhe aus weithin -strahlenden jungfräulichen Gipfel spiegeln die Färbung des Aethers wieder -und schimmern in einem fast ins Weiße übergehenden duftig zarten Grün. -Die höher steigende Sonne bringt uns einen prachtvollen, windstillen und -wolkenlosen Sommertag, wie er für eine Vergnügungsreise nicht schöner -gewünscht werden könnte. Die Fahrt geht rastlos weiter, immer neue Bilder -vor uns aufrollend, enge Hohlwege, Klippenstraßen, mit Inseln gezierte -Alpenseen, freiere Passagen, welche den Blick weiter schweifen lassen --- nur eins bleibt bis gegen Abend unverändert, das ist der herrliche -Mount Burney, welcher über alles hinwegragend in fortwährend wechselnder -und immer erhebend schöner Umgebung uns den Anblick seiner edeln Gestalt -gönnt. - -Es ist zwecklos, auf die Fahrt dieses Tages näher einzugehen, da jede neue -Schilderung doch nur eine Wiederholung sein würde; aber ein uns an diesem -Tage in der Collingwood-Straße und dem Sarmiento-Kanal noch gebotener -Blick auf diese große Natur verdient doch besondere Beachtung. Das Bild -war das schönste unserer ganzen bisherigen Reise und von so großartig -wilder Schönheit, wie sie schwerlich in irgendeinem Theil unsers Erdballs -wiedergefunden wird. Obwol meiner Schwäche bewußt, will ich dennoch -versuchen, eine oberflächliche Skizze dieses erhabenen Naturbildes zu -entwerfen. - -Vor uns und zu unserer Rechten liegen die Sarmiento-Cordilleren, zwei -regelmäßig hintereinander gereihte Gebirgsketten von etwa 25 Seemeilen -Länge und 1000-1500 m Höhe. Die uns zugekehrte vordere Kette steigt direct -aus dem Wasser auf, die zweite liegt so weit verschoben hinter der ersten, -daß man einen ziemlich weiten Blick in das von den beiden Bergzügen -gebildete Thal erhält. Die vielen Gipfel dieser mächtigen malerischen -Bergreihen streben in schönen und edeln Formen zu dem reinen Blau des -Himmelsgewölbes empor und sind mit ewigem, tadellos weißen Schnee bedeckt, -welcher nach unten hin unmerklich sich verändernd allmählich Gestalt und -Farbe eines Gletschers annimmt, sich auf den Thalseiten bis zur Thalsohle -hinabsenkt und dort ein ebenso unwegsames Eisfeld bildet, als die mit -Wasser angefüllten Thäler der tieferliegenden Bergketten dem Menschen -nutzbare Wasserstraßen bieten. Zu unserer Linken liegen niedrigere, steile -und nackte Felswände, und vor denselben dicht bewaldete Inselgruppen -mit saftigen, frischgrünen Bäumen, zwischen denen farbenreiche Blumen -hervorlugen. Dieses von der warmen Sonne mit einem eigenen Reiz -übergossene Bild erhält seinen würdigen Abschluß durch den Mount Burney, -welcher, seine Umgebung weit überragend, sich in unserm Rücken aus der von -ihm beherrschten Ebene, die mit Ausnahme der uns zugekehrten Seite jetzt -vollständig von hohen schneebedeckten Gebirgszügen umrahmt ist, gigantisch -emporhebt und in seiner majestätischen Größe das um ihn liegende gezackte, -mit unendlich vielen kleinen Pics gekrönte Berggewirre verspottet. Dieser -ausgezeichnete Berg, welcher nur ein riesengroßer Kegel ist, aber durch -seine einfachen edeln Linien alles Plumpe von sich weist und voll Grazie -nach dem unendlichen Weltall zeigt, muß auf dieser Erde einzig in seiner -Art sein und kann wol als ein würdiges Denkmal der urkräftigen Allgewalt -der Weltenschöpfung angesehen werden. Der in Japan auf der Insel Nipon -liegende und als heilig verehrte Berg Fusijama, welcher wegen seiner -reinen Formen einen hohen ihm auch gebührenden Ruf genießt, kann sich -in Bezug aus großartige Schönheit mit diesem Mount Burney nicht messen -und muß nach meinem Geschmack, trotz seiner doppelten Höhe, vor seinem -hiesigen Rivalen zurücktreten. - -Abends gegen 9 Uhr, nach einem herrlichen, an Naturgenuß so reichen -Tage ankern wir in Puerto-Bueno, dem Hafen, welcher bei Aufstellung des -Reiseprogramms als Ziel des zweiten Tages in Aussicht genommen war; -wir haben somit die am gestrigen Tage verlorenen 20 Seemeilen wieder -eingeholt. Der kreisförmige kleine Hafen Puerto-Bueno, in welchen man -durch eine schmale Oeffnung einsteuert, bietet gerade ausreichenden Platz -für ein großes Schiff und ist rundherum von niedrigem Land eingeschlossen. -Er weist einen außerordentlichen Fischreichthum auf; auch kommt eine -eßbare sehr schmackhafte Muschel, welche wol mit der Kieler Mießmuschel -verwandt ist, häufig vor und kann bei Niedrigwasser ohne weitere Mühe in -großen Massen eingesammelt werden. So brachten vier Mann in einer halben -Stunde ein ausreichendes Gericht für die 200 Köpfe zählende Besatzung des -Schiffes zusammen. In zwei dicht aufeinander folgenden Fischzügen in einer -kleinen Bucht von etwa 12 m Breite und 10 m Tiefe des Hafens wurden mit -jedem Zuge in dem Netze je 120 Fische im Totalgewicht von 105 resp. 108 kg -gefangen. Die große Mehrzahl der Fische bestand aus vorzüglichen fetten, -bis zu 1¾ kg schweren Makrelen, der Rest aus einer Lachsforellenart bis -zu 2¾ kg Schwere. An der einen Seite des Hafens mündet cascadenartig -über Felsblöcke hinwegspringend ein Wasserlauf, welcher sich aus einem -dicht dahinter liegenden Süßwassersee ergießt. Leider ist das Wasser aber -wegen des moorigen Bodens im See schlecht und zum Trinken nicht recht -geeignet. Eine Recognoscirung des Sees, welche mit einem beschwerlichen -Wege durch den Urwald, über umgefallene Baumstämme und große Felsblöcke, -über Moosdecken, in die man oft bis unter die Arme einsinkt, durch dichtes -Gestrüpp u. s. w. verbunden ist, ließ uns auch die Spuren und die Losung -von Guanacos auffinden. Natürlich wurde in der nächsten Nacht von den -Jägern ein Jagdzug unternommen, um womöglich eins dieser seltenen Thiere, -welche zwischen dem Kamel und dem Lama liegen und ein vielbegehrtes -schönes Fell haben, zu erlegen, doch verlief die Jagd resultatlos. - -Dieser Tag verschaffte uns auch die interessante Bekanntschaft mit einer -Indianerfamilie. Einer der hier gebräuchlichen großen, aus drei Bretern -zusammengesetzten Kähne kam in der gewöhnlichen Weise längsseit des -Schiffes, d. h. zwei Männer ruderten, eine Frau steuerte und die übrigen -Personen hockten in der Mitte. Der ganze Inhalt des Boots bestand aus -folgenden Personen: ein älterer Mann, durch ein weißbemaltes Gesicht als -Familienhaupt gekennzeichnet; zwei ältere Frauen, jedenfalls die Gattinnen -des Häuptlings; ein Mann von etwa 25 Jahren; ein halbwüchsiger auffallend -hübscher Bursche von 16-17 Jahren; ein ebenso hübsches gleichalteriges -Mädchen oder junge Frau, dem Burschen wie aus dem Gesicht geschnitten; -ein Junge von 12-13 Jahren; 5 oder 6 Kinder zwischen 5 und 10 Jahren. -Sämmtliche Personen waren von dunkler Kupferfarbe, mit einer dicken -Schmutzkruste überzogen, hatten hübsche regelmäßige Gesichter, schöne -sanfte dunkle Augen, großen Mund und waren von guter Mittelgröße. Die -Körperformen der Männer waren gut; die Frauen hatten schöne Nacken und -Schultern, schöne Arme, Hände und Fingernägel, und wußten Arme und Hände -mit Grazie zu gebrauchen. Der Leib der Frauen war stark, die Hüften -traten nicht hervor, waren daher ohne jede Taille, die Oberschenkel -waren auffallend schwach, Unterschenkel und Füße jedoch wohlgeformt. Die -Brüste der ältern Frauen hingen lang und schlaff herab, die des jungen -Frauenzimmers dagegen waren sehr üppig, aber doch nicht so fest wie es -ihrem Alter zukam. Der Leib des jungen Frauenzimmers war sehr stark, es -blieb aber fraglich, ob dies ein Zeichen noch großer Jugend war, da der -Leib aller Kinder infolge der mangelhaften Ernährung (die Leute leben -nur von Fisch, Kräutern und einer bestimmten Erdart) stark aufgetrieben -war. Die tiefschwarzen Haare waren nicht gepflegt, struppig, reich mit -Ungeziefer bevölkert und bei beiden Geschlechtern gleich lang bis auf -die Schultern herabreichend; Bartwuchs fehlte bei den Männern ganz. Der -Häuptling trug ein Seehundsfell auf dem Rücken und eins um die Hüften -geschlungen, die andern Personen hatten gleichmäßig nur ein Fell auf dem -Rücken und waren sonst ganz nackt, den kleinsten Kindern fehlte auch das -Rückenfell. - -Gleich nach ihrer Ankunft begann das Tauschgeschäft. Für eine Cigarre, -etwas Taback, ein Stück Brot oder eine Schachtel Zündhölzer wurde aus dem -Boot eine aus Seehundsknochen gefertigte Lanzenspitze, ein ebensolcher -Dolch oder ein Albatros-Schnabel hinaufgereicht. Geschenkt nehmen diese -Leute, solange sie noch etwas zu geben haben, nichts, sondern reichen -für jede Gabe, wenn sie auch als Geschenk bezeichnet wird, einen Ersatz -hinauf und ruhen nicht eher, als bis ihnen der Gegenstand abgenommen ist. -Nach Erschöpfung des Vorraths der Indianer richtete sich der Sinn unserer -Offiziere auf die Seehundsfelle, und nun entwickelte sich eine höchst -lächerliche Scene. Mit Ausnahme des Häuptlings, welcher seine Kleidung -nicht hergab, haben die Männer ihre Kleidung bald gewechselt. Der Eine -trägt an Stelle seines Fells zwei alte Civilröcke übereinandergezogen, -ist unten aber nackt; der halbwüchsige Bursche hat eine Hose an und eine -zweite als Mantille über die Schultern gehängt; der dreizehnjährige Junge -prangt in einer alten blauen Cadettenjacke, unter welcher der braune -Unterkörper sich komisch ausnimmt. Das Verlangen nach Seehundsfellen -ist aber noch nicht gestillt, ein Offizier hat noch einen alten -Unterlieutenants-Frack zur Hand und will für diesen ein Fell haben. Das -europäische Schicklichkeitsgefühl verbietet ihm, eins der Frauenfelle -zu begehren, wenngleich diese gerade das nicht bedecken, was bei uns -als bedeckungswürdig angesehen wird, er zeigt daher auf ein mit noch -einem Fell versehenes Kind. Der Alte, welcher unmöglich glauben kann, -daß für den schönen Frack nur ein elendes Fell verlangt wird, nimmt den -von der Mutter bereits weggestoßenen Jungen am Wickel, macht ihm mit -einer Holzkohle einen schwarzen Strich quer über Backen und Nase und -stellt ihn zum Tausch. Als nun der Offizier, um sich verständlicher zu -machen, auf das Fell des jungen Frauenzimmers und dann wieder auf das -des Jungen zeigt, glaubt der Alte, er wolle beide haben, packt sie daher -auch am Genick, macht ihr auch einen schwarzen Strich über Backen und -Nase und stellt sie für den Frack ebenfalls zur Verfügung. Während dieser -Manipulation ist in den Gesichtern der Betheiligten keinerlei Erregung -zu bemerken; so wie alle gleichzeitig zu dem Schiff hinaufschwatzten, -plappert auch das junge Frauenzimmer, während der Alte sie zeichnet, ohne -Unterbrechung weiter fort und scheint mit demselben Gleichmuth in den -Besitz eines neuen Herrn übergehen zu wollen, mit dem sie vorher die ihr -zugeworfenen Brosamen auffing, und kokettirt mit ihren schönen sanften -Augen ohne wechselnden Ausdruck nach wie vor zu dem jungen Lieutenant -hinauf. Endlich fangen die Wilden an zu verstehen, um was es sich handelt, -und nun muß das Mädchen ihr Fell hergeben. Höchst lächerlich ist es -zu sehen, wie nun auf einmal ein gewisses Schamgefühl bei der Person -durchbricht. Da das Schamgefühl wol in dem Körpertheil sitzt, welcher -gewöhnlich bedeckt getragen wird, wie es ja bei den türkischen Frauen -z. B. im Gesicht liegen soll, so wird das Ding plötzlich unruhig, zieht -sich mit verängstigtem Gesicht hinter die andern im Boot befindlichen -Personen zurück und läßt sich erst dort ganz zusammengekauert das Fell von -ihrem uns abgewandten Rücken abnehmen. Das Fell kommt nach oben, der Frack -geht hinunter; nach einigen vergeblichen Versuchen gelingt das Anziehen -dieses fremden Kleidungsstücks endlich, und nun haben wir das seltene -und prächtige Vergnügen, diese junge, nunmehr wieder vergnügte Schönheit -der Wildniß mit nur einem offenen Unterlieutenants-Frack bekleidet vor -uns stehen zu sehen. Die Erscheinung wird aber noch lächerlicher, als -die Kinder die für sie höchst merkwürdigen Taschen in den Frackschößen -entdecken; sie graben ihre Arme tief hinein, strecken beide Frackschöße -nach oben und seitwärts hoch hinaus und die Person steht vor uns wie ein -Pfau mit ausgespreiztem Rad. - -Alle Gegenstände, welche von dem Schiffe aus in das Boot gelangten, wurden -mit Ausnahme der Kleidungsstücke, ohne lange betrachtet zu werden, gleich -der am Steuer sitzenden Frau zugereicht, welche sie in Verwahrung nahm. -Nur etwas Hartbrot und Zucker behielt die zweite ältere Frau für sich, -um ab und zu daran zu naschen. Eine Handvoll Rosinen, welche ich in das -Boot warf, wurde aufgesammelt, die Kinder naschten wol eine, den Rest aber -gaben sie ab. Das junge Frauenzimmer biß eine Rosine an, gab die zweite -Hälfte ab, griff in ihre Haare und verzehrte an Stelle der Rosine einen -ihrer Kopfbewohner, welchen sie wie ein Affe vorher genau betrachtete und -wol für essenswerther hielt. Ein als Geschenk hinuntergereichter kleiner -Spiegel ließ jeden, der hineinsah, ein so urkomisch dummes Gesicht machen, -daß man annehmen muß, daß Spiegel etwas bisher Unbekanntes waren. Die -zwei jungen Männer mußten auf Deck antreten; es wurde ihnen ein Cognak -vorgetrunken, worauf sie es nachmachen mußten. Der Cognak wurde getrunken -und beide standen gleichmäßig wie Statuen vor uns mit offenen Mäulern, -gehobenen Nasenflügeln und so sprechend lachenden Augen, daß wir uns -Gewalt anthun mußten, um nicht jedem eine derbe Ohrfeige zu geben und sie -damit aus ihrer Verzauberung zu reißen. Sie erhielten den zweiten Cognak --- dieselbe Wirkung, den dritten Cognak -- der gleiche Erfolg; dann ließen -wir es genug sein. - -Gleich zu Anfang während des Tauschgeschäfts kroch ein etwa 6 Jahre alter -Junge an seine Mutter heran, nahm die eine Brust, saugte daran, warf -sie aber zur Seite und nahm die zweite, welche ihm das Gesuchte zu geben -schien. Die Mutter, deren Gedanken nur nach dem Schiffe gerichtet waren, -schien diesen Vorgang gar nicht zu bemerken; ohne nur den Kopf zu drehen -oder ihre erhobenen Arme zu senken, schrie sie in derselben Weise nach dem -Schiff hinauf. Wir sehen doch unwillkürlich nach der Stelle hin, wo eine -Fliege uns belästigt, geschweige denn wenn ein Kind uns unerwartet auf -den Leib rückt, hier aber scheint fast jedes Gefühl am Körper zu fehlen. - -Als ich abends in meinem Boote noch etwas segelte und zu der Hütte unserer -Indianerfamilie kam, sah ich die beiden jungen Männer auf einem Steine -sitzend in das Wasser stieren, der eine immer noch mit seinen zwei Röcken, -der andere mit seinen zwei Hosen; der dreizehnjährige Junge stolzirte -in seiner Jacke auf einem im Wasser liegenden großen Stein umher, beide -Hände in den Seitentaschen und damit die Jacke so knapp an den Rücken -holend, daß die untere nackte Partie um so besser hervortrat. Das Mädchen -stand am Ufer, aber wieder mit einem Fell auf dem Rücken; der Frack ziert -jedenfalls schon den alten Häuptling, welcher sich in diesem Staatskleid -in seinem Wigwam wol von seinen Frauen bewundern läßt. - -Als Curiosum führe ich noch an, daß auf der „Leipzig“ in der eigentlichen -Magelhaens-Straße ein Besuch der Wilden den Matrosen Veranlassung gab, ein -junges Frauenzimmer in eine große Bütte mit Wasser zu setzen und sie mit -Bürsten und Seife gründlich zu waschen. Sie soll nach Schluß der Wäsche -ordentlich hell gewesen sein und ganz appetitlich ausgesehen haben. - -Morgens 3½ Uhr setzen wir die Reise nördlich fort, mit der Absicht gegen -Abend in dem 150 Seemeilen entfernten Gray-Hafen zu ankern. Der vor uns -liegende Tag schließt den schwierigsten Theil der ganzen Fahrt durch die -Straßen in sich, da gerade hier zusammengedrängt die engsten Stellen -liegen und ein Theil der Straße noch dazu mit sehr vielen blinden wie -sichtbaren Klippen übersäet ist. Auch führt der vor uns liegende Weg durch -einen langen Kanal, welcher oft mit Treibeis, welches die Navigirung -erschwert, angefüllt sein soll. Die Morgenluft sieht gut aus und wir -dürfen wieder auf einen schönen Tag rechnen. Schon gegen 6 Uhr morgens -stehen wir vor einer der hervorragendsten Engen und sind von einer -Scenerie umgeben, welche lebhaft an die der schönen norwegischen Fjorde -erinnert. Das Schiff befindet sich bereits in einem ziemlich engen Kanal; -vor uns liegt eine Insel, welche sich in ihrer Grundform als regelmäßiger -Kegel aus dem Wasser erhebt, deren kahles Gestein nach oben zu aber -stufenförmig einfällt, sodaß der Berg den Namen Treppenberg erhalten hat. -Dieser mächtige Felsblock scheint den Weg zu verschließen, denn er lehnt -sich von unserm Standpunkt aus gesehen direct an die hinter ihm liegenden -800-1000 m hohen Felswände an. Das Schiff macht einen Bogen nach rechts -und läuft dann zurückdrehend um den Treppenberg in die sich links öffnende -und immer mehr verengende Straße ein, erreicht nach Zurücklegung von etwa -3 Seemeilen die engste Stelle und steuert dann nach Passirung derselben -in ein weites Wasserbecken von etwa 20 Seemeilen Breite. Hiermit ändert -sich auch ganz plötzlich der Charakter unserer Umgebung. Während wir -vorher zwischen hohen dunkeln Felswänden, welche mit ihren Schatten die -ganze Straße beherrschten, eingekeilt waren, befinden wir uns jetzt auf -freiem, von der Sonne hell beschienenen Wasser. Die Berge sind in weite -Ferne gerückt, das Land in unserer Nähe wird nur durch kleine niedrige, -mit dichtem Wald bewachsene Inseln repräsentirt. Das Wasser, welches -vorher keine Bewohner zu haben schien, ist auf einmal reich bevölkert, -die ganze Flut lebt. Große Scharen von Möven, Tauchern und Enten der -verschiedensten Gattungen schweben und fliegen kreuz und quer über das -Wasser hin oder sonnen sich, ruhig auf demselben schwimmend, um nur dann -aufzufliegen, wenn das Schiff nahe an sie herankommt. Große Heerden von -Seehunden folgen, wie in unsern Meeren die Delphine, hoch aus dem Wasser -herausspringend mit eleganten Sätzen dem Schiffe. Und trotz dieses Lebens --- welche Grabesstille! Bei der herrschenden Windstille kann die Takelage -ihren uns so wohlbekannten Gesang nicht anstimmen; die spiegelglatte -Flut ist frei von dem Geräusch sich überstürzender Wellen, welches uns -sonst fast immer begleitet; alle Thiere gehen, ohne einen Laut von sich -zu geben, stumm ihrer Beschäftigung nach; alles ist stumm, denn auch vom -Lande her lassen weder Vögel noch anderes Gethier ihre Stimme vernehmen. -Diese sonntägliche Stille wird nur unterbrochen, wenn das Schiff in -zu große Nähe von Dampfschiffs-Enten kommt, welche in diesem Falle mit -geräuschvollem Geplätscher das Weite suchen. - -Dieser Vogel kommt meines Wissens nur in den Gewässern der -Magelhaens-Straße vor; er gehört zu den Enten, ist klein, von sehr -zierlichem Bau und hat einen reizenden Kopf. Die Thierchen nehmen auf dem -Wasser dieselbe Stufe wie der Strauß auf dem Lande ein, d. h. sie können -nicht fliegen, sondern sind nur vorzügliche Schwimmer und Taucher. Wie -der Strauß beim schnellen Lauf seine kurzen Flügel mit benutzt, so thut -diese Ente dasselbe beim schnellen Schwimmen; wie die Schaufelräder eines -Schiffes schlagen die kleinen unentwickelten Flügel auf und in das Wasser. -Es sieht höchst possirlich aus, wenn sich eine Heerde dieser zierlichen -Thiere in schnelle Bewegung setzt. Die Köpfchen sind weit aus dem Wasser -gestreckt, die Flügel schlagen immer abwechselnd so schnell und kräftig -auf das Wasser, daß es hoch aufspritzt, von dem Arbeiten der Füße wird -das Wasser hinten ebenso wie von einer Schiffsschraube aufgeworfen. Sowol -aus diesem Grunde, wie auch wol wegen ihrer Schnelligkeit, hat man ihnen -ihren Namen gegeben; trotzdem wir mit 10 Knoten Geschwindigkeit gingen, -liefen uns diese kleinen plätschernden Dinger doch in ziemlich raschem -Tempo vorbei. - -Hier will ich auch noch eines absonderlichen Vogels erwähnen, den wir -am 17. Januar an einer Stelle in der Magelhaens-Straße in großen Scharen -sahen. Es ist ein ganz kleiner Wasservogel von der Größe eines Sperlings -oder vielleicht besser gesagt der eines Reisvogels, weil er auch dessen -Farbe hat. Da man nicht gewohnt ist, so kleine Wasservögel zu sehen, so -kamen diese Thiere uns vollständig märchenhaft vor. Wir hatten uns kurz -vorher mit den riesigen Walfischen beschäftigt, hatten große Möven in -der Nähe, waren von mächtigen Gebirgszügen umgeben und sahen uns inmitten -dieser großartigen Natur, wo alles sich in großen Dimensionen hält, nun -plötzlich bei dem Einlaufen in einen großen Kessel von diesem kleinen -Volk umgeben, das wie die Heinzelmännchen in zauberartiger Schnelligkeit -das ganze Wasserfeld bedeckte und an der nächsten Ecke ebenso plötzlich -wieder verschwand. Höchst putzig sah es aus, wenn dieses winzige Gethier -von dem Schiffe aufgescheucht sich scharenweise gleichzeitig erhob, in -geschlossener Truppe einen großen Bogen abflog und dann plumps! wieder -regungslos auf dem Wasser saß, geradeso wie eine Heerde frecher Sperlinge, -welche von einem Kirschbaum aufgescheucht schnell und ohne weiteres -Besinnen sich auf dem nächsten niederläßt. - -Als wir in das freiere Wasser einsteuern, steht vor uns fern am Horizont -dickes Gewölk, welches wol zu der Sorge berechtigt, ob uns das gute Wetter -erhalten bleibt. Bald wird in der verdächtigen Wolkenbank ein großes uns -entgegensteuerndes Schiff entdeckt, was mir zu der übermüthigen Bemerkung -Veranlassung gab, daß jetzt in Betreff des Wetters nichts mehr zu -befürchten sei, da es ja genug sei, wenn =ein= Schiff den Regen zu tragen -habe; denn ich konnte gar nicht daran glauben, daß das hier so seltene -herrliche Wetter nun auf einmal ein Ende haben sollte. Merkwürdig genug, -daß es wirklich so kommt. Um 7 Uhr morgens passiren wir unter trübem -Himmel dicht aneinander vorbei, um 8 Uhr schwimmen wir bereits wieder -unter wolkenlosem Himmel und erfreuen uns eines prächtigen, windstillen -Tages, während die amerikanische Corvette, mit welcher wir die übliche -Höflichkeitsform des Flaggenzeigens ausgetauscht hatten, in dickem Regen -hinter uns verschwindet. Da sich zur selben Zeit in unserer Nähe noch -ein kleines Segelschiff, welches wahrscheinlich auf Seehundsjagd ist, -befindet, so feiern wir ein gewiß seltenes Zusammentreffen in einer -Gegend, wo oft monatelang kein Schiff passirt. Gegen 10 Uhr vormittags, -nach Zurücklegung von etwa 30 Seemeilen seit dem Verlassen der Enge, rückt -das Land allmählich wieder zusammen, und bereits um 11 Uhr steuern wir in -den Wide-Kanal ein. Es ist dies ein 25 Seemeilen langer und 2-2½ Seemeilen -breiter Hohlweg, welcher durch fast senkrecht aus dem Wasser aufsteigende -nackte Felswände von etwa 300 m Höhe gebildet wird. Wie die ganze -Magelhaens-Straße mit ihren angrenzenden Kanälen reich an Ueberraschungen -ist, so stand uns auch hier eine bevor. - -Mit dem Einlaufen in diesen Kanal kamen wir plötzlich in eine ganz andere -Welt. Die Landschaft, durch welche während der letzten Tage unser Weg -führte, hatte gewiß einen winterlichen Anstrich, die Temperatur war -verhältnißmäßig niedrig, so niedrig, daß wir trotz Sonne und Windstille -Winterkleider trugen; der empfangene Eindruck mahnte aber nicht an den -Winter, wir waren vielmehr uns dessen wohl bewußt, daß wir in dem Sommer -einer hohen Breite waren. Jetzt treten die schneebedeckten Gipfel zurück, -wir sehen nur die Felswände des Hohlwegs, welche ebenso wie die unter -Windstille liegende Flut von der vor und über uns im Mittag stehenden -Sonne warm beschienen werden; die Temperatur ist höher als während der -letzten Tage und hält sich auf 14° R.; wir befinden uns im Hochsommer -auf einer Breite, welche Heidelberg entspricht, sind heute auch leichter -bekleidet und trotzdem ist der Eindruck auf Auge und Gefühl eines jeden -von uns der eines schönen, sonnigen Wintertages. Die Umgebung bietet -nur wenig Abwechselung, und nur hin und wieder gestattet eine Schlucht -einen Blick auf die ferner liegenden Schneeberge. Wie im Schiffe so -herrscht überall sonntägliche Ruhe; einzelne hervortretende Punkte, -welche das Schiff in seinem gleichmäßigen raschen Laufe passirt, werden -zur Ortsbestimmung benutzt, die übrige Zeit gehört den Gedanken. Wo meine -Gedanken weilen ist nicht schwer zu errathen: in der Heimat bei Weib und -Kindern, welche nach ihrem Tageswerk jetzt wol beim Abendbrot sitzen. -Meine Augen ruhen ohne zu sehen und ohne sehen zu wollen auf dem vor uns -liegenden Bilde, das in seiner melancholischen Eintönigkeit den Menschen -abstößt und ihn auf seine Gedanken allein verweist. Ein schnurgerader -Hohlweg von solcher Länge, daß der Wasserhorizont noch vor den in weiter -Ferne für das Auge zusammenstoßenden Seitenwänden liegt, unter uns ein -schmaler Streifen blau-grauen spiegelglatten Wassers, zu beiden Seiten -nackte und düster gefärbte Felswände von gleicher Höhe, über uns ein -schmaler Streifen des wolkenlosen Himmels und in diesem die heißstrahlende -Sonne. Auf solcher Scenerie kann das Auge wol ruhen ohne zu sehen, und -doch ist plötzlich der Blick gefesselt, meine Gedanken kehren zum Schiffe -zurück. An der Wassergrenze vor uns tauchen weiße Flecken auf, welche in -grellem Contrast zu der hinter dem Horizont liegenden dunkeln Felsenwand -stehen; wir sind in dem Kanal, welcher häufig Treibeis haben soll, und die -neue Erscheinung kann nur Eis sein. Mit unserm Vorschreiten verwandeln -sich denn auch die Flecken in Eisschollen, und bald läuft das Schiff -in ein großes Eisfeld hinein, wirft die kleinen Schollen zur Seite, -geht den großen aber vorsichtig aus dem Wege. Der ganze Kanal ist hier -mit Treibeis der verschiedensten Formation bedeckt; einige Stücke sind -krystallklar, andere milchig; die große Mehrzahl allerdings hat die schöne -hellgrün-blaue Farbe der Gletscher. Einzelne dieser in phantastische -Formen zusammengeballten Eisschollen sind kleine Eisberge von 6-10 m Dicke -und wahre Prachtstücke in Bezug auf Formen und Schönheit ihrer Farben; ja -sie suchen mit dem Glanz eines Edelsteins zu wetteifern, sobald sie von -den Strahlen der Sonne getroffen werden. - -Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das uns umgebende Eis sich von -einem in der Nähe befindlichen Gletscher losgelöst hat; wir finden diesen -auch bald in einer großen Bucht, welche er von den Bergen herunterkommend -ganz mit Eis angefüllt und dieses in einer gewiß 5 m dicken Lage bis an -den Hauptkanal vorgeschoben hat. Da wir nach Passirung dieses Gletschers -kein Eis mehr im Wasser finden, so muß er naturgemäß auch die Quelle der -treibenden Eisfelder gewesen sein. - -Um 2½ Uhr nachmittags läuft das Schiff rechts in den Eiskanal ein und um -3½ Uhr mit einer scharfen Wendung nach links in den von hohen Felsen eng -eingeschlossenen Grappler-Kanal. In den Eiskanal mündet ein 40 Seemeilen -langer Sund, welcher, von ausgedehnten Gletschern umgeben, jedenfalls -infolge der dort lagernden kolossalen Eismassen die Ursache ist, daß in -dem Eiskanal eine von dem Sund herkommende regelmäßige kalte Luftströmung -beobachtet wird, wegen welcher er seinen Namen erhalten hat. Als wir in -den Eiskanal einsteuern, kommt uns ein leichter kalter Wind entgegen, die -Temperatur fällt um 1,2° und steigt sofort wieder um 1,5°, sobald wir von -hier in den Grappler-Kanal einlaufen. - -Kurz nach 5 Uhr dampft die „Ariadne“ in eine Straße ein, die so voll -sichtbarer und blinder Klippen ist, daß die größte Vorsicht nothwendig -wird; die Fahrt des Schiffes wird daher sehr vermindert, um ein -eventuelles Auflaufen auf eine Klippe nach Möglichkeit unschädlich zu -machen. Hier im Indian-Kanal strandete auch vor Jahresfrist ein deutscher -Dampfer. - -Endlich finden wir auch Gelegenheit, den Seehund dieser Gewässer, welcher -wegen seiner Größe gewöhnlich wol Seelöwe oder richtiger Seebär genannt -wird, aus nächster Nähe in seiner Freiheit zu beobachten. Zwischen -den vielen über Wasser liegenden Klippen, an welchen wir jetzt dicht -vorbeidampfen, hausen ganze Heerden dieser Thiere, zeigen keinerlei -Scheu vor dem Schiffe und lassen sich durch dasselbe nicht in ihrer -Beschäftigung stören. Etwa 200 Schritt von uns entfernt wälzt sich im -wahren Sinne des Wortes eine große Heerde in dem flachen Wasser, welches -die Klippen umgibt, während ein kleineres Rudel, neugierig nach dem -Schiffe hinsehend, unbeholfen auf den Klippen herumkriecht und kleine -Trupps sich in tiefem Wasser und auch dicht beim Schiffe herumtummeln. -Die in dem flachen Wasser spielenden Thiere bilden einen großen Knäuel -von Köpfen und Schwänzen, da sie wegen der zu geringen Wassertiefe immer -mit einem Theil ihres Körpers aus dem Wasser hervorschnellen müssen; -die in dem tiefen Wasser befindlichen Thiere wetteifern, wie schon -früher beschrieben, mit der Kunstfertigkeit der Tümmler; mit gekrümmten -Rücken springen sie hoch aus dem Wasser hinaus und in elegantem Bogen -wieder hinein. Waren wir vorher über die Identität dieser Thiere noch -im Zweifel, trotzdem wir den Seehundskopf mit dem Fernrohr deutlich -erkannt hatten, so mußten jetzt alle Zweifel schwinden; diese gelenkigen -und eleganten Wasserbewohner sind dieselben Seehunde, welche auf den -Klippen so grenzenlos plump und ungeschickt sind. Hier will ich noch -anführen, daß der Seehund der Magelhaens-Straße, welcher den unsrigen so -sehr an Körpergröße übertrifft, sich von diesem noch dadurch wesentlich -unterscheidet, daß er ebenso neugierig wie dieser scheu ist. Auf -diese stark ausgebildete Neugierde haben auch die Robbenschläger ihr -eigenthümliches Jagdsystem gegründet. Sie betreiben die Jagd nur in -kleinen Fahrzeugen, mit welchen sie dicht an und zwischen die Klippen -kommen können. Werden sie nun einer Seehundsheerde ansichtig, dann steuern -sie direct auf dieselbe los und machen dabei mit Pauken und Gongs so -starken Lärm als sie überhaupt hervorbringen können, während ein Theil -der Besatzung mit Repetirgewehren zum Schuß bereit steht. Der Seehund -läßt sich merkwürdigerweise von dem ankommenden lärmenden Fahrzeuge -nicht verjagen, sondern die ganze Heerde sammelt sich auf den Klippen, -um das kuriose Ding, was da ankommt, anzuschauen, und gibt den Jägern so -Gelegenheit, aus nächster Nähe so viele von ihnen niederzuschießen, als -Patronen in den Gewehren vorhanden sind. - -Um 7 Uhr abends langt das Schiff vor dem schwierigsten Theil unserer -ganzen Kanalfahrt an. Wir stehen dicht vor der berüchtigten Enge ('English -narrows'), welche allein viele Schiffe abhält diese Kanäle zu benutzen -und in jedem Neuling ein wahres Grauen hervorbringen muß, da alle -Bücher Vorsicht über Vorsicht empfehlen und mündliche Nachrichten mit -Achselzucken begleitet werden, als ob der Berichterstatter sagen wolle: -„Versuchen Sie es, es geht, ich übernehme aber keine Verantwortung.“ -Mit einem chilenischen Corvetten-Kapitän und dem deutschen Kapitän eines -chilenischen Dampfers, welch letzterer erst vor wenigen Tagen dort mitten -zwischen Klippen gelegen hatte und es nur einem glücklichen Zufall -zuschrieb, daß er ohne Schaden wieder freikam, hatte ich gesprochen. -Beide führten nur kleine Schiffe und hielten die Passage schon für -sehr bedenklich. Neuerdings ist sie auch den Postdampfern von ihren -betreffenden Gesellschaften verboten worden, und doch kann es nicht so -schlimm sein, da sie von englischen, französischen und amerikanischen -Kriegsschiffen jeder Größe schon benutzt worden ist und noch benutzt wird. - -Hier tritt nun einer jener Momente ein, welche im Seeleben häufiger -vorkommen, als man vielleicht gemeinhin annimmt. Ein Moment, in welchem -der Commandant eines Kriegsschiffes etwas wagen muß, was ihn in Conflict -mit dem Strafgesetz bringt, sobald das unternommene Manöver unglücklich -ausfällt. Die mit der Stellung verknüpften Pflichten sind aber höhere -und verlangen die Uebernahme einer Verantwortung, welche man ablehnen -könnte. Denn wie sollen die Offiziere die wirkliche Leistungsfähigkeit -des Schiffes kennen lernen, wenn sie nicht Proben von derselben gesehen? -Wie soll die Mannschaft das für den Moment der wirklichen Gefahr durchaus -nothwendige Vertrauen zu ihrem Commandanten und ihren Offizieren erhalten, -wenn sie nicht vorher schon gesehen hat, daß ihre Befehlshaber auch in -schwierigen Lagen ihrer Aufgabe gewachsen sind? - -Vor uns liegen durch eine kleine Insel getrennt zwei Passagen, die linke -nahezu 300 m breit und frei von Untiefen, die rechte nur 70 m breit und -durch eine unter Wasser liegende Sandbank so eng gemacht; mithin doppelt -gefährlich, weil man den Feind nicht sehen kann. Auch liegen jenseit der -engern rechten Passage Klippen in so geringer Entfernung, daß das Schiff -gleich hinter der Passage fast auf der Stelle drehen muß, während die -linke Seite einen bequemen Bogen gestattet. So sollte man meinen, daß -zweifellos die linke Passage zu wählen ist, und doch neigt sich aus den -vorher angegebenen die Wagschale nach der rechten Seite. - -Mir ist höchst unbehaglich zu Muthe, denn es ist ein eigen Ding mit der -Verantwortung über ein Kriegsschiff. Mein Herz pulsirt schneller -- jetzt -muß es kommen. Mit einem kleinen Bogen sind wir plötzlich vor einem aus -vielen kleinen Inseln bestehenden Inselgewirre, welche sich an hohe, -die Natur hier abschließende Bergketten anlehnt. Die Sonne steht schon -so tief, daß sie die Schatten der Berge auf die Fluten wirft, wodurch -alles vor uns Liegende, die Inseln, der auf den Klippen wachsende Seetang -und das Wasser, eine übereinstimmende dunkelgrüne Farbe erhält: eine -Beleuchtung, welche jede Distanzschätzung außerordentlich erschwert. -Das Schiff dringt ganz langsam vorwärts; alles was gehen kann, ist auf -Deck und lugt über die Brustwehr, um die Fahrt durch dieses Labyrinth -mitanzusehen; die Offiziere schauen mehr nach der Commandobrücke als -nach der Umgebung; ich blicke nach der noch 1½ Seemeilen entfernten -kleinen Insel aus, welche als Wegweiser dient, und suche sie weit ab. -Die Beleuchtung mahnt zur Vorsicht, die Insel ist in der Ferne nicht zu -sehen, der scheinbar vor uns liegende kleine Humpel kann sie nur sein. -Hier heißt es schnell und entschieden handeln; die kleinste Verzögerung -kann die bedenklichsten Folgen haben. Der Mann, welcher eine Secunde -vorher mit gebeugtem Kopfe unruhig und sorgenvoll auf der Commandobrücke -hin- und hertrippelte, ängstlich nach der Karte schaute und dann wieder -das umliegende Land studierte, fühlt jetzt seinen Herzschlag nicht mehr, -die Beklemmungen sind geschwunden, er steht mit gehobenem Kopfe, gibt -ein kurzes Commando nach dem Ruder, ein Avertissement nach der Maschine -und ruft sorglos lachend den Offizieren zu: „Meine Herren, passen Sie -auf, wie das Schiff sich durchzwängen wird!“ Das Ruder wird gedreht, -der Bug wendet sich nach rechts, nach dem Fahrwasser, wo die Besatzung -sehen kann, was ein gutes Schiff zu leisten vermag. Wir laufen so dicht -an der kleinen Insel vorbei, daß die Raaen über dem Lande hängen; die -Schiffsseite ist nur 3-4 m von der steinigen Küste entfernt, die Zweige -der überhängenden Bäume können fast von dem Schiffe aus erreicht werden. -Die Insel ist nur klein, viel Zeit zum Nachdenken ist nicht gegeben; noch -während das Schiff an der Insel liegt, muß das Ruder schon gedreht werden, -um sobald das Hinterschiff frei von der Küste ist, seine volle Kraft zur -Geltung bringen zu können. Alles geht schnell und concentrirt sich auf -Augenblicke; die Maschine erhält den Befehl, mit voller Kraft zu gehen, -noch ehe das Schiff frei ist, hier müssen aber die Secunden, welche bis -zur Ausführung des Befehls verstreichen, mit in Berechnung gezogen werden. -Die Maschine schlägt mit voller Kraft an, das Schiff dreht sich wie ein -Kreisel, das Ruder wird zurückgelegt und das Schiff schießt an den Klippen -vorbei, um nach wenigen Minuten einen gleich scharfen Bogen zurückzumachen -und dann in freiem Fahrwasser nach dem naheliegenden Hafen zu dampfen. -Freies Fahrwasser? Unter gewöhnlichen Umständen würde man hier stets -einen Lootsen nehmen, wenn man einen bekommen könnte, und würde nur mit -langsamer Fahrt gehen. Nach dem, was heute hinter uns liegt, ist jedoch -das vor uns liegende Fahrwasser so frei, daß es mit Volldampf nach dem -Gray-Hafen geht, wo um 8½ Uhr abends unter einer dicht bewaldeten 6-700 m -hohen Felsenwand geankert wird. - -Es ist ein wahrhaft poetischer Abend. Vor uns liegt die mit dichtem Urwald -bestandene hohe Felsenwand, welche das Himmelsgewölbe zu berühren scheint, -sie sendet uns lange nicht mehr genossenen Blumenduft entgegen. Eulen -lassen ihr geisterhaftes Geschrei vernehmen; mehrere über Felsen steil -herabfallende Bergbäche ergießen sich mit einschläferndem Gemurmel in -den Hafen, welcher, trotz der noch hellen Dämmerung, von der sich in den -Fluten spiegelnden Felsenwand schon in dunkle Schatten gelegt ist. Zur -Rechten öffnen sich die Berge und gestatten einen Blick auf einen weit -abliegenden schneebedeckten hohen Vulkan, dessen Gipfelgestalt deutlich -einen Krater erkennen läßt und dessen Schneedecke, wol durch übergestreute -Asche, grau gefärbt ist. Hinter uns wird der Hafen durch eine niedrige -dicht bewaldete Landzunge abgeschlossen, und über diese hinweg blickt -das Auge auf einen von hohen Bergen eingeschlossenen, in tiefem Schlaf -liegenden Alpensee, in welchem mit Genugthuung die Stelle erkannt wird, -welche vor einer Stunde mit so banger Sorge passirt werden sollte und mit -so frohem Gleichmuth passirt worden ist. Köstlicher Friede lagert über -diesem anziehenden, in großartiger Ruhe daliegenden Bilde. Wir wissen, daß -wir Hunderte von Meilen von menschlichen Ansiedelungen entfernt sind, daß -wir, ebenso wie während der letzten Tage, uns in vollkommenster Einsamkeit -befinden, und doch ist es hier anders -- die Natur lebt, Blumenduft, -Vogelstimmen und plätschernde Waldbäche athmen ein Leben aus, welches -dem Menschen das Gefühl des vollständigen Verlassenseins benimmt und -der Umgebung einen Zauberreiz verleiht, welcher sich wol empfinden aber -nicht beschreiben läßt. Dieser kleine Hafen, welcher mit seinen Reizen -zum Bleiben einladet, soll der letzte Halteplatz in diesen Straßen sein -und ich habe für denselben einen Aufenthalt von drei Tagen in Aussicht -genommen. Das noch vor uns liegende Fahrwasser bis zur freien See ist -einfach und klar, alle schwierigen Stellen liegen hinter uns, die Distanz -bis zum Ocean ist so gering, daß ein überfrühes Aufstehen nicht mehr -nöthig wird; so kann ich also mit dem Bewußtsein zu Bett gehen, daß die -Strapazen ihr Ende erreicht haben und einige Tage wohlthätiger Ruhe vor -mir liegen. - -Schon früh am Tage am 21. geht ein Theil der Mannschaft zum Holzfällen -an Land. Ich beabsichtigte nach dem Frühstück auf den nächstgelegenen -höchsten Berggipfel zu steigen, um von dort einen freiern Ueberblick -über dieses noch so wenig erforschte, eigenthümlich wilde Land zu -erhalten. Eine nähere Untersuchung ließ indeß alle Hoffnung schwinden. -Die Bergwände sind so steil, daß sie nur mit Lebensgefahr und dann -auch erst nach mehrtägiger Anstrengung zu erklimmen sind; daneben sind -sie mit so dichtem Urwald, Gestrüpp und Schlingpflanzen bedeckt, daß -ein Versuch, ohne Gebrauch der Axt nur wenige Schritte vorzudringen, -als unausführbar aufgegeben werden muß. Ich entschließe mich daher, -einen andern in Aussicht genommenen kleinen Ausflug zur Ausführung zu -bringen. Einige Offiziere schließen sich an und bald sind wir in zwei -Booten unterwegs. Von dem Hafen aus gelangen wir in einen Süßwassersee -von einer Seemeile Ausdehnung, welcher sein Wasser von einem kleinen -Fluß erhält, der wiederum von einem großen Wasserfall gespeist wird, -welcher das Schneewasser von den Bergen in das Thal führt. Der See ist -in Uebereinstimmung mit dem Charakter des ganzen Landes mit kleinen -bewaldeten Inseln angefüllt, zwischen welchen einige Taucher hin- -und herfliegen. Bald gelangen wir in den kleinen Fluß, wo auf den mit -saftigem Laub bedeckten Ufern sich über hochrothen Blumen Schmetterlinge -wiegen, ein vereinzelter Kolibri umherschwirrt und aus dem Gebüsch einige -Papagaien ihre heisere Stimme vernehmen lassen. Auch finden sich hier -die gemeine Pferdefliege sowie eine kleine schwarze Stechfliege ein und -lechzen nach unserm Blute. Nach einer weitern Viertelstunde langen wir -an dem schönen, zwischen Felsen aus dichtem Baumgewirre sich ergießenden -Wasserfalle und damit an dem Ende unserer Fahrt an, da der Urwald ein -weiteres Vordringen unmöglich macht. Eine leere Sardinenbüchse und -ebensolche Mixed-Pickles-Flasche sind die einzigen menschlichen Spuren in -dieser Wildniß. - -Unsere Rückkehr bringt mir eine sehr unangenehme Ueberraschung. Einer -der beim Holzfällen beschäftigten Leute hatte seine brennende Pfeife -ausgeklopft und damit einen Waldbrand angefacht, welchen wir nicht -mehr löschen konnten, diese Arbeit daher dem nächsten mitleidigen Regen -überlassen mußten. Das Moos und Gestrüpp, sowie die aus früherer Zeit -vom Holzfällen zurückgelassenen Astreste sind von einer solchen Dürre, -daß, nachdem der brennende Taback das Moos erst entzündet hatte, ein -Löschen schon nicht mehr möglich war. Das Feuer war zwar an der ersten -Stelle gleich gelöscht worden, hatte sich aber in der 1-2 m dicken dürren -Moosschicht so schnell fortgepflanzt, daß es gleichzeitig an zehn andern -Stellen hervorbrach. Jetzt, eine halbe Stunde nach der ersten Entzündung, -stand bei unserer Rückkehr zum Schiffe schon die ganze Landzunge in -hellen Flammen. Die noch am Lande befindlichen Leute wurden sogleich -zurückbeordert; eine kurze Ueberlegung sagt mir, daß das Schiff hier nicht -bleiben darf. Springt der Wind um, was jeden Augenblick geschehen kann, -dann wird der Aufenthalt hier wegen des Rauches nicht nur unleidlich, -sondern bei der geringen Entfernung des Ankerplatzes von dem Herd des -Feuers kann auch die größte Gefahr für das Schiff entstehen. Ich lasse -daher Dampf machen, um nach dem nächsten nur drei Seemeilen entfernten -Hafen zu gehen. Was ist aus der gestern erträumten dreitägigen Ruhe -geworden? - -Die Dampfpinasse wird mit einem andern Boot im Schlepptau vorausgeschickt, -läuft zwar an dem ihr bezeichneten Eingange vorbei, hört die Signalschüsse -nicht mehr und verschwindet um die nächste Ecke, sie wird aber -zurückkehren, wenn sie das Schiff nicht folgen sieht, da dem Führer die -erhaltenen Ordres ja bald sagen müssen, daß er zu weit gegangen ist. Um 4 -Uhr nachmittags wird in dem nächsten, „Halt-Bay“ genannten Hafen geankert -und dort gleich wieder mit Holzfällen und Wassereinnehmen begonnen. Dieser -Hafen ist auch wieder eine köstliche kleine Idylle, das Ausbleiben der -Dampfpinasse macht mir aber so viel Sorge, daß die Naturschönheiten jetzt -ohne Reiz für mich sind. Das Holz ist gut, das Trinkwasser vorzüglich, -ein Fischzug ergibt 146 Stück großer fetter Makrelen. Die Nacht bricht -herein, der Himmel über dem Gray-Hafen ist von dem mächtigen Waldbrande -blutroth gefärbt, und die Sorge um die verirrten Boote raubt mir den -Schlaf. Das Schiff ist so mit Signallaternen behängt, daß es von außerhalb -des Hafens gesehen werden muß, zum Ueberfluß lassen wir noch in gewissen -Zwischenräumen eine Rakete steigen. - -Beim ersten Tagesgrauen wird mir die Meldung gemacht, daß die Boote nicht -zurückgekehrt seien; ich muß also mit dem Schiffe sie suchen gehen, da -sie ohne Waffen und ohne Proviant zweifellos in Gefahr sind. Ich bin -in sehr großer Sorge. Es ist zu häufig schon vorgekommen, daß in diesen -Gegenden einzelne Boote von Indianern angegriffen, die Insassen ermordet -und die Boote dann, um alle Spuren zu verwischen, vollständig vernichtet -wurden; dies konnte also auch unsern Booten passiren. Um 4 Uhr morgens -verläßt das Schiff den Hafen wieder und befindet sich in einer Stunde -vor der nächsten tiefen Bucht, von welcher keine Karten existiren, in -die ich daher ohne großen Zeitverlust und mögliche Gefahr für das Schiff -auch nicht einlaufen kann. Der erste Offizier erhält daher den Auftrag, -mit zwei bewaffneten Booten die Bucht abzusuchen, und das Schiff geht, -nachdem Zeit und Ort der Wiedervereinigung angeordnet ist, weiter, um -an der nächstgelegenen Küste nach den Verirrten zu suchen. Ich bin in -wirklich ernster Sorge; sechs Menschen und zwei Boote auf solche Weise zu -verlieren ist wahrlich keine Kleinigkeit. Das Schiff läuft kreuz und quer, -alle Ferngläser sind in Thätigkeit, die obersten Sitze auf den Masten -sind mit zuverlässigen und wegen ihrer scharfen Augen bekannten Männern -besetzt, halbstündlich wird ein Signalschuß abgefeuert; doch alles ist -vergebens, um 10 Uhr sind wir wieder ohne Resultat vor der erstgenannten -Bucht, aus welcher auch bald die dahin entsandten Boote zurückkehren, ohne -eine Spur von den Vermißten gefunden zu haben. Es waren zwar Fußspuren -und verlassene Hütten von Indianern gefunden, die Fußspuren auch in das -Innere verfolgt worden, doch wurden keinerlei Anzeichen gefunden, welche -auf unsere Boote oder auf einen stattgehabten Kampf hätten deuten können. -So blieb denn kein Zweifel, daß unsere verlorenen Boote hier und in -dem Umkreis von 10 Seemeilen, welche das Schiff durchsucht hatte, nicht -waren. Nun kam eine neue Sorge, nämlich die, daß, wenn die Boote weiter -gegangen waren, sie leicht in ein 25 Seemeilen von Halt-Bay entferntes -Labyrinth von unerforschten Kanälen eingelaufen sein konnten, weil von -unserm Standort aus die Küste bis dahin keine Buchten mehr aufwies, die -Boote also nur dort einen Liegeplatz finden konnten. Waren sie wirklich -bis dahin gekommen und in jene unbekannten Straßen eingelaufen, dann waren -sie meiner Ansicht nach verloren und mir blieb dann nur die Alternative, -entweder mit großer Vergeudung von Zeit ein hoffnungsloses Suchen -fortzusetzen, oder aber Menschen und Boote im Stich und ihrem Schicksal -zu überlassen, weil ihnen meiner Ueberzeugung nach keine Rettung mehr -zu bringen war. Nur eine Hoffnung war übrig. Der in der Dampfpinasse -gewesene Kohlenvorrath konnte nach der Berechnung und unter Zugrundelegung -der günstigsten Stromverhältnisse nur bis zum Eingang jenes Labyrinths -gereicht haben, Holzfeuerung ist für diese Art Dampfkessel nicht -geeignet; hat also nicht etwa ein tückischer Zufall die Geschwindigkeit -der Boote beschleunigt, dann müssen sie noch vor der gefürchteten Stelle -bewegungslos geworden sein und in irgendeinem kleinen Winkel an der Küste -liegen. - -Zu meiner Stimmung, welche ich wol nicht näher zu schildern brauche, -paßt auch das Wetter. Im Laufe des Vormittags hat sich die ortsübliche -Witterung eingestellt, es weht ein Sturm. Die ganze Straße ist in -Wasserdampf eingehüllt; die vor dem Sturm hinjagenden Wolken legen sich -schwer bis aufs Wasser und hüllen alles in dichten Nebel. Der Wind fegt -die Straße allerdings so oft auf Augenblicke rein, daß man mit dem Schiffe -sicher vorwärts gehen kann, immerhin ist solches Wetter aber schlecht -geeignet, um weite Strecken, in welche das Schiff nicht eindringen kann, -durch Boote absuchen zu lassen. Endlich um 12 Uhr mittags bin ich an der -Stelle angelangt, wo es sich entscheiden soll, ob die verlorenen Boote -gefunden oder aufgegeben werden. Die beiden Kutter werden fertig gemacht, -mit Proviant und Waffen versehen und sollen eben von dem Schiffe absetzen, -als aus der Takelage ein Boot unter Land in Sicht gemeldet wird und zwar -in der Richtung zum Eingang in die unerforschten Kanäle. Das Schiff dampft -gleich, soweit die Sicherheit dies erlaubt, näher heran und bald wird in -dem Boot unsere Jolle recognoscirt, welche mit aller Anstrengung aber ohne -Erfolg gegen Wind, Wellen und Strom anrudert. Hier waren also richtig die -Boote festgelegt! Es ist keine Möglichkeit, daß die Jolle auf diese Weise -zum Schiff herankommen kann; die Manöver des Schiffes, um das Boot zum -Abhalten zu bewegen, werden auch nicht verstanden; so muß denn ein Kutter -unter Segel hin, um das Boot zu holen und mit ihm, der empfangenen Weisung -gemäß, mit dem Wind und dem Strom hinter eine Insel in ruhiges Wasser zu -laufen, wo das Schiff sie aufnehmen wird. - -Ich enthalte mich einer nähern Beschreibung der Mühen mit welchen die -Herbeischaffung der Boote bei dem schlechten Wetter verknüpft war; der -Umstand, daß die Jolle erst um 3 Uhr und die Dampfpinasse erst abends um 6 -Uhr im Schlepptau eines Kutters zum Schiff zurückkehrte, sagt wol genug. -Boote und Leute habe ich also gottlob! unversehrt wieder, nach dem in -Aussicht genommenen Hafen kann ich aber wegen der vorgerückten Tageszeit -nicht mehr kommen. Vielleicht ist es möglich, vor vollständiger Dunkelheit -noch einen näher gelegenen Ankerplatz (Connor-Cove) zu erreichen. Also -vorwärts mit dem Schiffe! - -Bei Dämmerung wird noch die Stelle festgestellt, wo der Eingang zu dem -kleinen Hafen liegen muß, und mit Volldampf geht es darauf los. In dunkler -Nacht stehen wir vor einer hohen Wand, weder ein Eingang ist zu sehen, -noch die am Eingang liegende, noch die in dem Hafen liegende kleine -Insel. Soll ich umdrehen? Eine im Fahrwasser verborgene blinde Klippe -macht den Aufenthalt dort bei Nacht gefährlich; noch ein Blick auf die -dunkle Wand läßt eine leichte Senkung in den obern Contouren erkennen, -darunter wird der Eingang wol liegen. Der Navigationsoffizier sitzt auf -dem Bugspriet, um zu melden, wenn dieses die vor uns liegende Felsenwand -berühren will. Das Schiff geht langsam vorwärts, immer dunkler wird -es, das Vordertheil des Schiffes scheint sich schon in die Felsenwand -einzubohren, zu beiden Seiten haben wir schon feste schwarze Massen: da -meldet der Navigationsoffizier die kleine Insel am Eingang dicht voraus. -Ich schaue mich um und sehe hinter uns in der Dunkelheit einen dunkler -schattirten kleinen Fleck, welcher die Insel am Eingang, mithin die vorn -gemeldete die im Hafen liegende sein muß. Ein Rundblick sagt mir, daß -die Dunkelheit rund um uns her gleich tief ist, daß wir also nach allen -Seiten hin annähernd gleich weit vom Lande abliegen -- Fallen Anker! -Der Navigationsoffizier mißt noch in einem Boote mit einer Leine die -Entfernung nach vorn, hinten und beiden Seiten aus und bestätigt, daß -das Schiff ohne Gefahr so liegen bleiben kann, da es sich ziemlich in der -Mitte des Hafens befindet. -- Die Seefahrt in der Magelhaens-Straße hat -doch ihre ganz eigene Seite! - - - Stiller Ocean, 24. Januar. - -Gestern morgens 5 Uhr verließen wir Connor-Cove wieder und ankerten nach -drei Stunden im Inselhafen, um dort noch etwas Holz zu fällen und unsern -Wasservorrath zu ergänzen. Heute nachmittags 3 Uhr war das Schiff nach -Beendigung der Arbeiten wieder seeklar, verließ den letzten Hafen in der -Magelhaens-Straße und steuerte abends 6 Uhr in den Stillen Ocean ein. Die -große Wasserfläche vor mir berührt mich fremdartig, es ist mir als gewänne -ich nach langer Einschließung die Freiheit wieder. Vor uns und zu beiden -Seiten freies Wasser, keine Aufregung, keine besondere Anstrengung mehr, -und hinter uns verschwindet in der hereinbrechenden Nacht allmählich das -mächtige Felsenthor, aus welchem wir vor wenig Stunden wieder in das freie -Leben eintraten. - -Ein steifer Südwind treibt uns unter Segel mit 12 Seemeilen -Geschwindigkeit in der Stunde unserm nächsten Ziele entgegen; aber weder -diese schöne Fahrt, noch die auf ihren riesigen Schwingen hinter uns -herschwebenden Albatrosse haben mich an den Schreibtisch geführt, sondern -ein eigenthümlicher Wahn, welchem ich Ausdruck geben muß. Die Fahrt -durch die Magelhaens-Straße hat die fixe Idee in mir hinterlassen, daß -wir uns nunmehr schon auf dem Heimwege befinden. Die acht Tage, welche -ich in jenen Straßen zubrachte, fassen eine solche Fülle von Anstrengung -und Aufregung in sich, haben den für Erinnerung bestimmten Theil des -Gehirns mit so viel großartigen Naturschönheiten und interessanten -kleinen Zufällen angefüllt, daß es sorgsam vertheilt für ein ganzes Jahr -ausreichen würde. So nahe die Zeit noch liegt, so fern ist sie mir schon -gerückt; sie erscheint mir wie ein langes Ringen, nach welchem die Ruhe -folgen muß. Ich habe 11000 Seemeilen oder nahezu 3000 deutsche Meilen -jetzt schon zurückgelegt, der Weg durch den Stillen Ocean über Australien, -Indien, Suezkanal, durch das Mittelmeer, weist nur noch 18000 Seemeilen -auf, auf meiner eigentlichen Station werde ich höchstens sechs Monate -sein: so macht das vor mir Liegende auch fast nur den Eindruck einer -ununterbrochenen Reise nach der Heimat zu. - - - - -2. - -Von Valparaiso nach Panama und Nicaragua. - - - Stiller Ocean, 9. Februar 1878. - -Seit heute Mittag liegt auch Valparaiso hinter uns und damit eine -ununterbrochene Kette von Festlichkeiten und Vergnügungen, welche uns -dort während unsers neuntägigen Aufenthalts geboten wurden. Am letzten -Januar hatten wir vormittags im Hafen geankert. Schon mit Tagesanbruch -war das hohe, die Bai von Valparaiso umrahmende Bergland zu sehen, -welches allerdings im Vergleiche zu den im Hintergrunde liegenden Anden -so ziemlich verschwindet, obgleich wir diese nicht einmal in ihrer ganzen -Größe und Majestät zu Gesicht bekommen haben, da sowol auf dem 7000 m -hohen Aconcagua wie den übrigen Bergriesen während der ganzen Dauer unsers -Aufenthalts Wolken lagen, welche die Kuppen und Gipfel dieses mächtigen -Gebirgszugs unsern Augen entzogen. - -Valparaiso bedeutet bekanntlich „das paradiesische Thal“, eine Benennung, -welche schwer zu verstehen ist, da die Stadt weder in einem Thale liegt, -noch der kahle Bergrücken, auf welchem sie erbaut ist, den Vergleich mit -einem Paradies beanspruchen kann. Allerdings soll in der Regenzeit das -ganze Land um die Stadt herum, der ganze Berg bis zu seinem Kamm, von -einer dichten Decke frischer saftiger Gräser, Moose und Kräuter überzogen -sein, welche die Feuchtigkeit aus der Erde hervorzaubert; jetzt aber war -alles kahl und dürr, da Wälder ganz fehlen. Deshalb verdankt der Name -seinen Ursprung wahrscheinlich den verschiedenen in der nächsten Umgebung -der Stadt gelegenen schönen und fruchtbaren Thälern, wenngleich auch sie -eine so überschwengliche Bezeichnung kaum verdienen. - -Die Stadt ist am Fuße eines 400 m hohen, steilen Gebirgszuges, welcher, -wie schon angeführt, die Bai von Valparaiso umschließt, angelegt und -zwar auf Hügelwellen, welche dicht nebeneinander und rechtwinkelig zum -Ufer liegend nach oben zu allmählich mit der Hauptwand des Bergrückens -verlaufen. Die Stadt kann, wenngleich sie unten am Strande einige schöne -breite Straßen und einen großstädtischen Verkehr hat, doch nie den -vollen Eindruck einer Großstadt machen, weil die dazu erforderlichen -Gebäude fehlen. Denn Valparaiso steht auf einem so unsichern Boden, daß -die Regierungsgebäude, Kirchen und Privatpaläste niedrig gehalten und, -in der Regel nur aus einem Erdgeschoß bestehend, leicht gebaut sind, um -den häufigen Erdbeben besser widerstehen zu können oder beim Einsturz -möglichst wenig Schaden anzurichten. Einige stets vorhandene Häusertrümmer -und klaffende Risse in einzelnen Straßen zeigen, daß eigentlich -ununterbrochen solch kleinere Katastrophen eintreten. Die Menschen sind -sich der sie stets bedrohenden Gefahr auch wohl bewußt, gehen allabendlich -nur mit Sorge zu Bett, weil sie nicht wissen, was die Nacht ihnen -bringen wird. Wie der Soldat sich im Felde, ehe er zur Ruhe geht, stets -versichert, daß seine Waffe in Ordnung und ihm zur Hand ist, so geht in -Valparaiso niemand zu Bett, ohne sich vorher sein eigens für den Zweck -angefertigtes Erdbebengewand, in welches er nur hineinzuschlüpfen braucht, -an seinem Lager zurechtgelegt zu haben, um bei dem ersten Alarm gleich -auf den vor dem Schlafzimmer liegenden freien Hof eilen zu können. Diese -Umstände machen die Wohnungsverhältnisse trotz der leichten Bauart der -Häuser äußerst kostspielig, weil die vielen reichen Leute sich in der Zahl -ihrer Wohnräume nicht beschränken wollen und daher sehr viel Baugrund -für ihre Häuser beanspruchen. Oft ist ein solches Wohnhaus ein kleines -Stadtviertel für sich, und selten liegen mehr als vier Häuser, je von -einer Familie bewohnt, in einem von vier Straßen begrenzten Viertel. - -Solche Wohnungen haben nun zwar den großen Vortheil, daß man innerhalb -seines Hauses keine Treppen zu steigen braucht, derselbe wird aber -dadurch aufgehoben, daß man bei dem Verkehr mit der Stadt fast immer -treppauf und treppab muß. Die untern am Strande gelegenen Straßen haben -allerdings gute Pferdebahn und auch eine Ringeisenbahn für den innern -Personenverkehr; da aber in diesen Straßen vorzugsweise nur öffentliche -Gebäude und Geschäftshäuser stehen und die Privatwohnungen höher hinauf -auf den Hügelwellen liegen, so kann man die Bahnen wol benutzen, um zu -dem Fuß der verschiedenen Hügel zu gelangen, muß aber von der Bahn bis -zur Wohnung, oder umgekehrt, Straßen passiren, die so steil sind, daß sie -vielfach in Treppen umgewandelt wurden, weil sie sonst überhaupt nicht -begangen werden könnten. - -Einen durchaus großartigen Anblick bietet dagegen der Verkehr auf dem -Hafen, da Valparaiso wol mit zu den bedeutendsten Handelsplätzen der Erde -gerechnet werden muß. Die großen einheimischen und fremden Kriegsschiffe, -die vielen fast täglich hier ankommenden und abgehenden Passagier- und -Fracht-Dampfer, die große Zahl der Segelschiffe, welche noch immer den -Weg um das gefürchtete Cap Horn nehmen müssen und daher nur aus großen und -guten Schiffen bestehen, die vielen an der Landungsbrücke sich drängenden -Boote, der durch die dort versammelten Menschen verursachte Lärm, die -vorbeipassirenden Pferdebahnwagen und Eisenbahnzüge geben hier das Bild -des Getriebes einer Weltstadt. - -Von der Stadt und ihren Bewohnern weiß ich sonst nichts zu erzählen, weil -ich von beiden zu wenig gesehen habe. Dienstgeschäfte am Tage und die -nicht zu umgehende Geselligkeit an den Abenden nahmen meine Zeit ganz in -Anspruch. Reizend waren die kleinen Feste in dem gastfreien Hause unsers -Generalconsuls, welches den geselligen Mittelpunkt für die deutschen -Familien bildet. - -Eine Partie nach einem beliebten Ausflugsort, zu welcher unser -Generalconsul mich eingeladen hatte, führte uns in die Ebene, welche -zwischen dem Höhenzug an der Küste und dem Fuß der Anden liegt. Erst -hat man etwa eine Stunde mit der Eisenbahn zu fahren und dann noch ein -größeres Stück Weg zu Pferde oder Wagen zurückzulegen. Ein sehr geräumiges -gutes Gasthaus mit schönen Gartenanlagen bietet vielen Fremden Unterkunft, -und zur Zeit war das Haus gut besucht. Den Hauptanziehungspunkt -bildet wol die Bade- und Schwimmanstalt in dem kleinen Flusse, denn da -Valparaiso nur See- und keine Frischwasserbäder hat, der Mensch aber immer -dasjenige begehrt, was er nicht täglich haben kann, so geht jeder, der es -ermöglichen kann, auf einige Zeit hierher um zu baden. - -Als eine Eigenthümlichkeit der Landschaft außerhalb der Stadt möchte ich -noch die vielen Pappelpflanzungen bezeichnen. Der Baum, welcher bei uns in -Acht und Bann gethan ist, gilt hier als eine gute Kapitalanlage und wird -daher mit Vorliebe in ganzen Wäldern angepflanzt. - -Es war eine schöne, Körper und Geist erfrischende Zeit, die der letzten -vier Wochen, da wir auch in Valparaiso nur eine Temperatur fanden, welche -unserm deutschen Sommer entspricht, am Tage in den heißesten Stunden -zwischen 18 und 27° C. im Schatten und nachts stets nur zwischen 15 und -17°. In zwei bis drei Tagen allerdings werden wir uns wieder in den Tropen -und zwar in dem tropischen Hochsommer befinden, welcher an dieser Küste -unleidlich heiß ist, sodaß die inzwischen gewonnenen Kräfte bald wieder -dahingeschwunden sein werden. - -Vor unserer Abreise von Valparaiso hatten wir übrigens noch die Freude, -unsere Fregatte „Leipzig“, welche ebenso wie wir nach Panama geht, zu -begrüßen. - - - Bai von Panama, 7. März 1878. - -Das ganze Südamerika haben wir nun umschifft. Eine weite, von bewaldeten -Höhen umrahmte Wasserfläche liegt vor uns; heiß brennt die Sonne auf -die große Bai von Panama, welche, wie fast immer so auch heute, unter -vollständiger Windstille liegt. Die Hitze ist kaum zu ertragen und -doch muß dies geschehen; es ist unbeschreiblich, was wir in den letzten -vierzehn Tagen in dieser Beziehung auszustehen hatten. Am 14. Februar -traten wir mit einer Tageswärme von 27°-29° und einer Nachttemperatur -nicht unter 23° wieder in die Tropen ein und hatten, was das unangenehmste -war, anhaltend Windstille oder nur ganz leichten südlichen Wind, welchem -wir unter Dampf wegliefen, sodaß kein Lufthauch das Schiff durchstreichen -konnte. Eine kleine Erfrischung fanden wir allerdings in Callao, welches -wir anliefen, um frischen Proviant einzunehmen. Am 18. März nachmittags -kamen wir dort an, setzten aber schon am 21. morgens die Reise wieder -fort. Die kurze Zeit habe ich benutzt, um unserm Consul in Callao und dem -Ministerresidenten in Lima Besuche abzustatten. Da der letztere eben in -seine Villa in Miraflores am Meeresstrand übersiedelte, habe ich von Lima -nur wenig gesehen. - -Eine wunderbare Frucht, von den Engländern „Alligator-Birne“ genannt, -von welcher ich schon viel gehört und die ich auch schon in Valparaiso -gegessen hatte, lernte ich hier recht schätzen. Nachdem man mit einem -Löffel das weiche gelbe Fleisch aus der kürbisartigen Hülle herausgeschält -und stark mit Pfeffer und Salz gewürzt hat, erinnert der Geschmack sehr -an gequirlte, ebenfalls mit Pfeffer und Salz gewürzte rohe Eier. Ich zog -diese Früchte bald allen andern hiesigen vor und bedauerte nur, daß sie -sich nicht lange genug halten, um in größern Mengen mitgenommen werden zu -können. - -Die auf Callao folgenden Tage brachten uns das schlimmste an tropischer -Hitze, was ich je erlebt habe. Der gefürchtete trockene heiße Nordwestwind -an der brasilianischen Küste, welcher das Thermometer auf 34° treibt, -ist weniger angreifend als die feuchte Wärme, in welcher wir uns vom 23. -Februar bis zum 2. März befunden haben. In der Luft hatten wir während -der Tagesstunden durchschnittlich 33° und während der Nacht nicht unter -27°, während das Thermometer die Meereswärme Tag und Nacht dauernd zu 31° -angab. Schweres bleiernes Gewölk, das nach meiner Schätzung höchstens -200 m über dem Wasserspiegel lag, hing als feste Decke, welche keinen -Sonnenstrahl durchließ, über uns und verhinderte auch eine stärkere -Abkühlung während der Nächte. Die Luft war so mit Feuchtigkeit gesättigt, -daß der unaufhörlich aus unsern Poren strömende Schweiß nicht verdunsten -konnte, sodaß Haut und Kleidungsstücke während der ganzen Zeit triefend -naß blieben. Der erträglichste Platz war eigentlich im Heizraum vor den -Feuern. War die Hitze dort auch sehr viel größer als oben, so bewirkte -das Feuer doch eine Verdunstung und erfrischte in gewisser Beziehung den -Körper, und diesem Umstand schreibe ich es zu, daß die Heizer in diesen -Tagen nicht mehr und sogar vielleicht weniger litten als die übrige -Besatzung. Ich ließ den Leuten in dieser Zeit in Betreff ihrer Kleidung -volle Freiheit, da ich ihnen keine andere Erleichterung verschaffen -konnte, denn die Dampfspritzen konnten auch keine Erfrischung mehr -gewähren. Das 31° warme Wasser floß in der warmen Dunstatmosphäre über den -Körper hin, ohne irgendeine erfrischende Wirkung auf die Haut auszuüben, -und der Salzgehalt desselben reizte nur den Rothen Hund, welchen wir alle -hatten, bis zur Unerträglichkeit. Ich trug in meiner Kajüte bei offenen -Thüren und Fenstern auch nur ein Handtuch um die Hüften geschlungen, weil -ich kein Kleidungsstück auf dem Körper vertragen konnte. Auch nicht einmal -der ab und zu leicht niederrieselnde Regen brachte uns Erfrischung, weil -die auf den Körper fallenden Tropfen, deren Wärmegrad ich leider nicht -gemessen habe, im Vergleich zu der sonstigen Hitze so kalt erschienen, -daß sie auf der gereizten Haut die Wirkung von leichten Peitschenschlägen -hatten. Ich habe es wiederholt versucht, ein solches Regenbad zu nehmen, -mußte mich aber immer sogleich wieder zurückziehen, weil der Schmerz auf -der Haut zu groß war. - -Am ersten Tage dieser fürchterlichen Zeit hatte ich auch noch einige -Offiziere, welche ich schon vorher geladen hatte, zu Tisch. Ich wollte den -Herren anfänglich absagen lassen, bedachte aber doch noch, daß es in ihrer -Messe noch schlimmer sei als in meiner an und für sich luftigen Kajüte, -und sodann hatte mein Eisschrank für den Tag auch noch so viel Vorrath -an Eis, daß ich wenigstens kalte Getränke anbieten konnte. Doch bat ich -die Herren, ehe wir uns zu Tisch setzten, um die Erlaubniß, uns aller -überflüssigen Kleidungsstücke entledigen zu dürfen, welchem Vorschlag sie -freudig zustimmten. So ging es mit Hülfe von Fächern einigermaßen. - - - 7. März abends. - -Bei unserer um 4 Uhr nachmittags erfolgten Ankunft fanden wir schon -unsere von Japan gekommene Fregatte „Elisabeth“ hier vor. Der Commandant -dieses Schiffes wird den Oberbefehl über ein hier zusammentretendes -deutsches Geschwader, zu welchem auch wir gehören, übernehmen, um von -dem Freistaat Nicaragua eine Genugthuung für die dem deutschen Consul -in der Stadt Leon vor einiger Zeit zugefügte Gewaltthat zu erzwingen, da -Nicaragua die Gewährung der von unserer Regierung geforderten Genugthuung -verweigert hat. Außer „Elisabeth“ und uns wird noch die „Leipzig“ hier -erwartet, während unsere Corvetten „Freya“ und „Medusa“, von denen die -letztere auch schon in Colon anwesend ist, von der atlantischen Seite -aus gegen Nicaragua operiren sollen. Da nun der Zweck unsers Hierseins -schon am Lande bekannt ist oder doch soweit vermuthet wird, daß unserm -Geschwaderchef bereits die Warnung vor einigen Abenteurern, welche im -Auftrage Nicaraguas unsere Schiffe hier mit Torpedos angreifen sollen, -zugehen konnte, so ist die Geheimhaltung unserer eigentlichen Mission -nicht mehr geboten, zumal wir uns jetzt schon zur Abwehr eines etwaigen -feindlichen Handstreichs in Kriegszustand befinden. - - - 12. März. - -Das Geschwader ist nach erfolgter Ankunft der „Leipzig“ beisammen. -Kohlen und Proviant sind eingenommen, ein Dampfer mit Kohlen und -Proviantvorräthen ist gemiethet und alle militärischen Vorbereitungen -sind beendet, sodaß wir gleich nach Ankunft unsers Ministerresidenten -aus Guatemala, welcher von dort aus noch den letzten Versuch macht, die -Streitfrage auf diplomatischem Wege zu lösen, vorgehen können. - -Unter den obwaltenden Umständen haben wir von dem hiesigen Aufenthalt -wenig oder nichts gehabt, aber auch nichts verloren. Bei einem Gang durch -die Stadt sieht man wol alles, was zu sehen ist. Die Stadt, welche zur -Zeit der spanischen Herrschaft blühend, mächtig und reich war, wie noch -die imposanten Straßen mit den übriggebliebenen palastartigen Gebäuden -zeigen, glänzt jetzt nur noch durch großartige Ruinen. Die einheimische -Bevölkerung besteht aus alten spanischen Familien, Mischlingen und Negern; -dazu kommen die wenigen Fremden, von welchen die Engländer (die Besitzer -der großartigen Kohlenlager, die Directoren der Eisenbahn und Agenten -der Dampfschifflinien) wol die erste Stelle einnehmen. Unser Consul und -der Photograph, ein früherer bairischer Unteroffizier, sind die einzigen -Deutschen; das Gasthaus ist in französischen Händen. - -Sollte Nicaragua nicht doch noch im letzten Augenblicke nachgeben, -dann sehe ich übrigens mit einiger Sorge der Entwickelung der Dinge -entgegen, weil es mir sehr fraglich erscheint, ob unsere Leute wegen ihrer -ungeeigneten Fußbekleidung im Stande sein werden, den weiten Marsch nach -der Hauptstadt von Nicaragua zu machen, wenn sie nicht etwa schließlich -den Weg barfüßig zurücklegen können. Die uns zugegangenen Warnungen vor -Giftschlangen und Sandflöhen und die damit verbundenen Rathschläge haben -zur Folge gehabt, daß für den Marsch das Tragen hoher Stiefeln angeordnet -wurde. Da nun aber unsere Leute gewohnt sind, auf dem Schiff barfuß zu -gehen, und die Stiefel, wie alles Lederzeug auf den Schiffen, so von -Salzwasser durchzogen sind, daß sie trotz aller Bemühungen hart bleiben, -so ist ein weiter Marsch in ihnen, und zwar in diesem Klima, meiner -Ansicht nach ein Ding der Unmöglichkeit. Mein Vorschlag, Segeltuchschuhe -zu beschaffen oder doch wenigstens die leichten Lederschuhe zu wählen, -ist zurückgewiesen worden, und so müssen die Leute, um sich an die Stiefel -zu gewöhnen, dieselben jetzt schon über eingefetteten Füßen und wollenen -Strümpfen tragen. Ein gegen die Natur laufender ärztlicher Rath ist aber -auch nicht immer der beste, und das vorläufige Resultat ist, daß nach -dreitägiger Probe nahezu ein Viertel des ganzen Landungscorps mit kranken -Füßen im Lazareth liegt. Ich sollte meinen, daß man von den hiesigen -einheimischen Truppen auch etwas lernen kann, und da diese Leute, bei -möglichst leichter Bekleidung, nur Sandalen unter den Füßen tragen, so -kann die Gefahr vor den Schlangen und Flöhen keine so große sein, zumal -wenn eine Truppe von nahezu 1000 Mann zusammen ist. Schließlich würden -aber auch Segeltuchgamaschen die Flöhe abhalten, und die Schlangen werden -schwerlich ein so großes Lager, wie wir es während der Nacht bilden -würden, aufsuchen. - - - 16. März. - -Vorgestern haben wir mit dem Geschwader Panama verlassen und dampfen -seitdem mit Nordcurs in Sicht des Landes an der Küste von Centralamerika -entlang. Gestern haben wir die Grenze zwischen Columbien und Costa-Rica -passirt, morgen werden wir die Küste von Nicaragua sehen. - -Welch märchenhafte Erinnerungen aus der Jugend tauchen bei diesen Namen -auf und wie prosaisch ist doch die Gegenwart! Großartig zwar ist die -Umgebung, die von der hoch oben im Zenith stehenden Sonne beschienene -weite Meeresfläche und das mit unendlichen Wäldern dicht bedeckte hohe -gebirgige Land; aber Land und Wasser sind ohne Leben und ohne besondern -Reiz. 32° haben wir in der Luft und 31° im Wasser; keine Stadt, kein Dorf, -keine Hütte ist zu sehen, nur Wald, Strand und Brandung. Kein fremdes -Schiff ist in Sicht -- die diese Länder begrenzenden Fluten werden nur -von den drei mächtigen deutschen Kriegsmaschinen durchfurcht, welche in -eiligem Laufe dem Haupthafen Nicaraguas zustreben, um dieses Land mit -Schrecken zu überziehen. Uebermorgen, Montag den 18., sollen wir auf -der Rhede von Realejo eintreffen, die nächsten vier Tage werden also die -Entwickelung bringen. - - - 8. April. - -Nicaragua hat nachgegeben, das Geschwader ist aufgelöst und unsere Schiffe -haben ihren Curs nach den verschiedensten Himmelsrichtungen gesetzt. Von -den im Atlantischen Ocean befindlichen bleibt „Medusa“ noch in Westindien, -während „Freya“ um das Cap der Guten Hoffnung nach China geht; wir -sind auf dem Wege nach Panama, um die Geschwaderpost dort abzugeben und -dann nach den Samoa-Inseln zu gehen. Die „Leipzig“ hat die Reise nach -Japan angetreten, und die „Elisabeth“ wird nach einem kurzen Aufenthalt -in Guatemala, wohin sie den Ministerresidenten bringt, nach Europa -zurückkehren. - -Am 18. März vormittags kam das Geschwader auf der Rhede von Realejo an -und lief, nachdem die Einfahrt zum Hafen von Corinto und der Hafen selbst -daraufhin untersucht waren, daß sich keine künstlichen unterseeischen -Hindernisse und Minen dort befanden, am 19. vormittags in den Hafen -ein. Derselbe ist groß und gut, während der Ort nur unbedeutend ist und -eigentlich nur eine Zollstation darstellt. Zwei deutsche Kauffahrer -befanden sich dort, welche edle Nutzhölzer, vorläufig noch der -Hauptausfuhrartikel, luden. - -Es wurden der Regierung von Nicaragua sogleich noch einmal, und zwar -jetzt mit dem Nachdruck von fünf Kriegsschiffen, die deutschen Forderungen -zugestellt, welche in Folgendem bestanden: - -1. Die Regierung von Nicaragua spricht ihr Bedauern über den Vorfall aus; - -2. Nicaragua zahlt an den Consul für die ihm widerfahrenen Unbilden ein -Sühnegeld von 30000 Dollars; - -3. Nicaragua salutirt in noch näher festzusetzender Form die deutsche -Flagge; - -4. die an dem Vorfall schuldigen Beamten und Civilpersonen werden bestraft. - -Wenn bisher der Freistaat die deutschen Forderungen in der überhebendsten -Weise zurückgewiesen hatte und die uns anfänglich zugehenden Nachrichten -auch anzudeuten schienen, daß Regierung und Volk entschlossen seien, -es zum Kampf kommen zu lassen, weil sie vertrauensvoll auf leichten -Sieg hofften, so änderte sich die Lage doch sehr bald. Nachdem nach -drei Tagen keine Antwort eingegangen war, überbrachte ein Offizier von -uns das deutsche Ultimatum nach Leon und alle Vorbereitungen für die -Eröffnung der Feindseligkeiten wurden getroffen. Hierzu gehörte auch -die Recognoscirung des in Aussicht genommenen Marschweges, welche der -Geschwaderchef mit uns Commandanten vornahm. Wir fuhren morgens, von einer -Dampfpinasse geschleppt, zunächst einen Fluß hinauf, bis wir ziemlich -weit oben mitten im Urwald an die Landestelle kamen, wo der Weg seinen -Anfang nimmt. Anfänglich ist der Fluß, oder hier wol richtiger Meeresarm -genannt, ziemlich breit, an beiden Ufern mit dichtem Mangrovegebüsch -bestanden, über welches die mächtigen Laubkronen der Baumriesen des -Urwaldes hervorragen. Taucher und Möven beleben das Wasser, Scharen -krächzender Papagaien, von denen ab und zu ein Geschwader mit lautem -Geschrei über unsern Köpfen von Ufer zu Ufer fliegt, den Wald. Zwischen -den Wurzeln der Mangroven nach Würmern suchende Schnepfen und in kleinen -Einbuchtungen fischende Reiher, sowie andere uns unbekannte hochbeinige -große weiße Vögel werden aufgescheucht und suchen fliegend das Weite. Ein -üppiges, echt tropisches Bild umgibt uns. Der Fluß wird enger, niedrige -Sträucher, Wasser- und Schlingpflanzen treten an Stelle der Mangroven und -zeigen an, daß wir die Scheide, bis zu welcher das Seewasser vordringt, -überschritten haben. Die Laubkronen rücken zusammen und bilden schließlich -einen hohen, prächtigen, grünen Dom, unter dessen Decke wir hinfahren, -begleitet von dem Leben des Waldes, zu welchem sich hier ab und zu auch -schon ein kleiner vorwitziger Affe gesellt. - -Endlich sind wir am Ziele angelangt und betreten das Ufer. Die -beiden andern Herren, von welchen der eine bis zu den Knien reichende -Ledergamaschen, der andere hohe Wasserstiefel trägt, betrachten mitleidig -meine leichten Segeltuchschuhe und freuen sich auf den Augenblick, wo ich, -von Insekten zerstochen und vielleicht auch von einer Schlange gebissen, -zugeben muß, daß nichts über hohe Lederstiefel geht. - -Der Weg ist breit und gut, der Spaziergang in dem herrlichen Urwald -köstlich und einzig in seiner Art. Nach einer halben Stunde stießen wir -auf eine kleine Lichtung, wo wir eine kurze Rast machten und danach den -Rückweg antraten, weil die Straße sich bis hierher als brauchbar erwiesen -hatte und nach zuverlässigen Nachrichten der Weg in seiner ganzen Folge -von gleicher Güte ist. Aus der Rast wurde allerdings nicht viel, weil die -beiden andern Herren leidenschaftliche Jäger sind und die mitgenommenen -Jagdgewehre doch benutzen wollten. So verschwand unser Commodore sehr bald -im Walde, während der andere Herr von der Lichtung aus einen Papagai nach -dem andern aus den hohen Bäumen herunterholte und nur gelegentlich zu mir -kam, um etwas mit zu frühstücken. Ich hatte es mir auf einem umgestürzten -Baum bequem gemacht und verfolgte von hier aus bei dem Duft einer guten -Cigarre die Jagderfolge meines Freundes. Unser Commodore brachte uns -schon in einige Unruhe, weil wir fürchteten, daß er sich verirrt habe, -doch schließlich kam er auch wieder zurück mit zerrissenen Kleidern -und verschiedenen kleinen blutenden Rißwunden. Er hatte eine Tigerkatze -angeschossen und sie dann vergeblich in das Dickicht verfolgt. - -Zum Boot zurückgekehrt, nahm ich noch im Fluß ein Bad, weil der Staub auf -dem trockenen Wege doch ziemlich lästig gewesen war, und dies wurde von -den beiden andern Herren dazu benutzt, ihr Müthchen an mir zu kühlen, da -ich trotz meiner leichten Schuhe weder gestochen noch gebissen worden war. -Sie suchten nun wenigstens die Nothwendigkeit des Bades auf meine Schuhe -zurückzuführen und gingen dann dazu über, mir mit Krokodilen Angst zu -machen, was mich allerdings bald veranlaßte, zu allgemeiner Heiterkeit das -Baden aufzugeben. Denn wenn man auch an der afrikanischen Küste behauptet, -daß der Haifisch keinen Neger und das Krokodil keinen Weißen angreift, so -bleibt es doch fraglich, ob die Krokodile auch hier einen so ausgebildeten -Geschmack haben. Nachmittags waren wir wieder in Corinto. - -Das Ultimatum brachte die Regierung von Nicaragua zur Besinnung und -zur Nachgiebigkeit. Am 26. vormittags waren zwar erst die Forderungen -1 und 2 erfüllt, und das in guten mexicanischen Silberdollars richtig -eingezahlte Geld wurde zunächst in unsern Kassen deponirt, die Erfüllung -der beiden andern Forderungen, wegen welcher noch Schwierigkeiten gemacht -wurden, durfte danach aber auch zuversichtlich erwartet werden. Der -sprichwörtliche Stolz des Spaniers bäumte sich eben noch etwas auf. So -konnte mein Schiff am 27. für einige Tage nach Amapala, dem einzigen Hafen -der Republik Honduras an der Küste des Stillen Oceans, geschickt werden, -um dort lagernde von uns gekaufte Kohlen einzunehmen. - -Interessant war es mir, auch diesen reizlosen Platz kennen zu lernen, -aber nur um dagewesen zu sein. Amapala ist ein kleiner Ort, wo als -einziger Europäer nur ein Deutscher, ein Kaufmann aus Hamburg, wohnt, -welcher nicht einmal unter den Einheimischen einen passenden Umgang finden -kann und in dieser Beziehung allein auf die hier anlaufenden englischen -Passagierdampfer angewiesen ist, mit welchen er als englischer Viceconsul -auch geschäftliche Beziehungen hat. Sogar die nähere Umgebung Amapalas -bildet noch eine solche Wildniß, daß auch Spaziergänge außerhalb der -Stadt, wie dieser kleine Häusercomplex sich nennt, ausgeschlossen sind. -Verhältnißmäßig großartig ist die am Ufer erbaute hölzerne Halle, wo -die von andern Küstenpunkten kommenden Boote anlegen und ihre Früchte -u. s. w. zum Verkauf stellen. Der Beobachtung werth ist hierbei die -Grandezza, mit welcher sich die braunen Insassen der Boote bewegen und -wie sie in ihrem Wesen das bischen „spanisches Blut“, welches vielleicht -in ihren Adern rollt, zur Geltung bringen wollen. So war namentlich das -Landen mit besonderer Würde verbunden, denn da die Boote wegen des zu -flachen Wassers am Ufer nicht direct am Quai anlegen können, ließen sich -die weiblichen Insassen von den Männern ans Land tragen. Diese bildeten -dazu aus ihren Armen in der Weise einen Sessel, daß der rechte wagerecht -gehaltene Unterarm als Sitz und der linke Arm als Rückenlehne diente. Mit -einer Verbeugung trat der im Wasser stehende Mann zu der im Boot stehenden -Dame, welche mit Würde ihr Kleid ordnete, sich vorsichtig und zimperlich -auf den einen Arm setzte, sich gegen den andern lehnte und sich so, ohne -den Träger zu umfassen, wie eine Glaspuppe vorsichtig ans Land tragen und -dort absetzen ließ. - -Am 31. nachmittags waren wir wieder in Corinto, und am 4. April erklärte -endlich Nicaragua, auch die Forderungen 3 und 4 erfüllen zu wollen. Am 6. -vormittags fand dann, nachdem vorher die erfolgte Erledigung der Forderung -4 angezeigt worden war, im Beisein einer nicaraguensischen Truppenmacht -und unsers Landungscorps auf einem großen Platz am Lande angesichts -unserer Schiffe die feierliche Hissung der deutschen Flagge statt. -Nicaragua feuerte den Salut von 21 Schüssen, die Flagge wurde wieder -niedergeholt, von unserer Seite wurde die Flagge von Nicaragua salutirt, -der Salut vom Lande erwidert, und nach einem Vorbeimarsch unserer Truppen -kehrten wir auf unsere Schiffe zurück, um am 7. morgens Corinto wieder zu -verlassen. - -Erwähnt sei noch, daß der beleidigte Consul die Annahme des Sühnegeldes -abgelehnt und dasselbe einer Wohlthätigkeitsanstalt geschenkt hat. - - - - -3. - -Von Panama nach den Marquesas-Inseln. - - - „Ariadne“, 17. April 1878. - -Vor wenigen Stunden hat unser Anker sich 12 Uhr mittags von dem Boden -Panamas gelöst, um sich während dieser Reise hoffentlich nicht mehr in -denselben einzugraben. Panama und die ganze Küste Centralamerikas sind, um -einen Volksausdruck zu gebrauchen, eine von Gott verlassene Gegend. Weder -Natur noch Menschen vermögen dem Fremdling etwas zu bieten; das Land ist -am schönsten, wenn man es aus möglichst weiter Ferne beschauen kann, die -Leute, wenn sie dem Auge erst wieder entschwunden sind. Wie Land und Leute -hier unerträglich sind, so ist es auch die Sonne. Tag für Tag sendet sie -ihre versengenden Strahlen fast senkrecht auf die Schädel der Bewohner -dieser Länderstrecken herab mit einer Glut, daß man darüber wahnsinnig -werden könnte. Doch wozu jetzt noch der Aerger! Lacht uns doch aus weiter -Ferne das Paradies der Seeleute entgegen; das Land, wo nach dem Urtheil -mancher Reisenden die schönsten und besten Menschen unsers Erdballs wohnen -sollen. - -Panama mit seinen Ruinen verschwindet langsam unsern Blicken. Vor -dem Verlassen der Rhede hatten wir mit den dort liegenden englischen -Kriegsschiffen noch durch Austausch von drei Hurrahs einen letzten -Gruß gewechselt und eine Stunde später erkannten wir in einem uns -entgegenkommenden Kriegsschiff unsere „Elisabeth“, welche von Guatemala -kommend nach Panama ging, um von dort aus die Heimreise anzutreten. Wir -passirten uns auf Spruchweite, tauschten einige Grüße aus, wechselten -drei Hurrahs, und die „Elisabeth“ ging dahin, wo wir herkommen, während -wir frohen Muthes den schönen Inseln der Südsee entgegensteuern, wo -sich prächtige Natur mit herrlichem Klima vereinigt, um dem Seefahrer -die liebenswürdigen und schönen Bewohnerinnen jener Inselperlen noch -anziehender erscheinen zu lassen, als sie in Wirklichkeit sind. So sagen -wenigstens die über die Südsee-Inseln erschienenen Bücher. - -Ich habe die Absicht, auf unserm Wege nach den Samoa-Inseln einen -Abstecher nach den Marquesas-Inseln und Tahiti zu machen, um dort die dann -jedenfalls schon sehr zusammengeschmolzenen Vorräthe an Proviant, Wasser -und Kohlen zu ergänzen. Ob ich dort wol so viel Interessantes finden -werde, wie andere gefunden haben? - -Die Marquesas-Inseln sind von allen Reisenden so sehr gepriesen -worden, daß man sich fast scheuen muß hinzugehen, um nicht zu sehr -enttäuscht zu werden. Ueber die Pracht der Natur und die Schönheit -der dortigen Eingeborenen sind fast alle einer Ansicht, nur bestehen -Meinungsverschiedenheiten über den Grad der Schönheit der Frauen; denn -während einige ihnen die Palme der Schönheit und Grazie zuerkennen, -behaupten andere, daß sie nur auf der Höhe der Rasse stehen und sich vor -den Männern nicht auszeichnen. Auch im Urtheil über den Charakter dieser -Eingeborenen stimmen die Reisenden darin überein, daß Zügellosigkeit -der Hauptzug sei, was auch für Tahiti gelten soll, obwol sich dort schon -civilisirtere Zustände eingebürgert haben. - - - Im Stillen Ocean, 18. April 1878. - -Panama liegt zwar schon weit hinter uns, die Küste oder vielmehr die -Gebirge Centralamerikas sind aber immer noch in unserm Gesichtskreise. -Wir haben heute einen bösen heißen Tag, kein erfrischender Lufthauch, -32,5° C. in der Luft im Schatten, 33° C. in dem spiegelglatten Wasser. Mit -Dampf muß hier gefahren werden, denn mit Segel allein hier durchzukommen -ist oft eine Unmöglichkeit, wenigstens ist thatsächlich festgestellt, -daß Schiffe, welche dieses Stück Meer zu durchsegeln versuchten, nach 2½ -Monaten wieder in der Bai von Panama ankerten, weil es sich als unmöglich -herausstellte, weiter zu kommen. Das von uns zu durchdampfende Stück Weges -beträgt 700-800 Seemeilen; keine angenehme Aussicht bei dieser Hitze! -Man muß aber immer suchen, das Beste aus dem zu machen, was Einem geboten -wird; so legten wir uns denn heute auf den Schildkrötenfang. - -Diese Thiere sind hier sehr häufig, schwimmen, wenn sie ruhen, an der -Oberfläche und zwar mit etwa ein Drittel des Schildes über Wasser, sodaß -sie schon von weitem zu erkennen sind. Sehr häufig dienen sie auch den -Wasservögeln als Ruhestätte und geben diesen wol auch Nahrung, da die -Schildkröten an ihrem Schilde gewöhnlich Saugefische und Muscheln, beides -Nahrungsmittel der Vögel, tragen. Schildkröten wie Vögel lassen sich -durch das ankommende Schiff in ihrer Ruhe sehr wenig stören; die Vögel -fliegen auf, wenn das Schiff auf etwa fünf Schritte herangekommen ist, die -Schildkröte dreht dann dem Schiffe den Kopf zu, entweder um es neugierig -zu betrachten oder dem Feinde muthig in die Augen zu sehen, denn die -Thiere lassen sich außerordentlich leicht fangen. Das spiegelglatte Wasser -gestattete, ein Boot neben dem Schiffe zu schleppen, und so wurde auf jede -Schildkröte, welche in dem Curs des Schiffes in Sicht kam, hingehalten, -die Maschine einen Augenblick gestoppt und von dem Boote aus das Thier -an einer Flosse gepackt und aus dem Wasser herausgehoben. In Zeit von -zwei Stunden waren acht Schildkröten im Gewicht von je 25-35 kg an Bord, -genügend, um der ganzen Mannschaft morgen eine schmackhafte Mahlzeit zu -bereiten. Mit diesem Fang gaben wir uns zufrieden, heißten das Boot wieder -und dampfen nun einem einsamen Felsen zu, um an demselben unser Besteck -zu corrigiren und von da aus dann unsern Curs nach den Galapagos-Inseln -zu nehmen. - - - 25. April 1878. - -Der einsame Fels, Malpelo-Insel genannt, ein mächtiger 400 m hoher -Felsblock ohne irgendwelche Vegetation, von derjenigen Seite aus gesehen, -welche sich uns zuerst darbot, in Form und Farbe einer alten Burgruine -ähnlich, wurde am Charfreitag passirt und die Reise bei anhaltender -Windstille in derselben Weise unter Dampf fortgesetzt. Allmählich fing -die Wassertemperatur an zu sinken, leichte südliche Winde brachten ab und -zu etwas Kühlung und seit zwei Tagen haben wir sogar ordentlich frisches -Wetter, trotzdem wir uns noch immer unter dem Aequator befinden. Am Tage -kann man schon eine Jacke aus ganz leichtem Tuch vertragen, während dies -vorher kaum möglich war; es kommt sogar vor, daß man während eines ganzen -Tages keinen Tropfen Schweiß verliert. Wenn auch infolge der starken -Abkühlung -- die Temperatur hält sich am Tage in der Luft im Schatten -zwischen 27 und 28° und in der Nacht zwischen 25 und 26° C. -- viele -Erkältungen (Darmkatarrh mit Fieber, Schnupfen u. s. w.) zum Ausbruch -gekommen sind, so macht sich doch im ganzen ein anderes Leben im Schiffe -breit. Eine gewisse Elasticität durchdringt den Körper, die Lust zur -Bewegung und zur Arbeit bricht wieder hervor. Diese Temperatur werden wir -nun wol für den Rest der Reise ziemlich gleichmäßig behalten und sie wird -nur dann sich noch einmal bis zur Unerträglichkeit steigern, wenn wir, wie -es vorläufig von uns angenommen wird, auf der Rückreise durch das Rothe -Meer fahren. Da läßt sich aber schon manches ertragen, lacht uns doch dann -ein neues, altgewohntes und langentbehrtes Leben entgegen, welches schon -werth ist, daß man vorher einige Unbequemlichkeiten überwindet. - -Gestern und heute haben wir die Gruppe der Galapagos-Inseln durchschnitten -und sind heute vier Stunden lang dicht an der größten Insel der Gruppe -vorbeigefahren, sodaß wir einen oberflächlichen Einblick in dieses -merkwürdige Land bekamen. Ich hatte ursprünglich die Absicht, hier einen -mehrtägigen Aufenthalt zu nehmen, die letzte Segelordre empfahl mir aber -wieder so sehr Eile, daß ich Verzicht leisten mußte. - -Dieses Inselland, bei dessen Schilderung ich auch Darwin benutze, ist -deshalb so interessant, weil es in seiner ganzen Erscheinung, in seinem -Thier- und Pflanzenleben von der übrigen Erde wesentlich abweicht und -ganz für sich dasteht. Auch sind wieder Thiere und Pflanzen auf den -verschiedenen dicht nebeneinander liegenden Inseln durchaus voneinander -abweichend, wenngleich sie derselben Gattung angehören. Außer Insekten -ist das Thierreich vertreten durch Landschildkröten von riesigen -Körperverhältnissen, welche bis zu 400 kg schwer werden sollen, durch -eine Art Landeidechsen und eine Art Wassereidechsen von 1-1½ m Länge, -26 Vogelarten; das Pflanzenreich durch eine größere Anzahl von Pflanzen; -Bäume sind ursprünglich nicht vorhanden. - -Früher waren diese Inseln gar nicht von Menschen bewohnt, seit einigen -Jahren sind auf zwei derselben Ansiedelungen gegründet worden. Im vorigen -Jahrhundert dienten sie den Seeräubern (Buccaniere) als Schlupfwinkel, in -diesem Jahrhundert sind sie vielfach von Walfischfängern besucht worden, -welche auch auf die Schildkröten Jagd machten, aus denen sie ein sehr -feines Fett gewannen. Immerhin müssen Menschen aber sehr seltene Gäste -gewesen sein, da die Thiere noch jetzt auf diesen Inseln untereinander -in dem glücklichsten Frieden leben und keine Scheu vor Menschen kennen. -Schildkröten, Eidechsen, Vögel fressen von demselben Blatt, ohne daß ein -Thier nach dem andern hackt, eins das andere verdrängt. Alle Thiere lassen -sich mit Leichtigkeit fangen, die Vögel fliegen dem Menschen auf den -Finger und picken ihn verwundert in die Nase, welche sie wahrscheinlich -für eine edle Frucht halten. Alle Thiere sind oder waren doch in großen -Massen vorhanden, wie z. B. daraus zu ersehen ist, daß die Mannschaft -eines englischen Kriegsschiffs in der nächsten Umgebung des Ankerplatzes -an einem Tage über 200 große Schildkröten an Bord schaffte. Wozu? -ist mir allerdings unklar, da das Schild werthlos ist, die Mannschaft -höchstens 1/10 von dem Fleisch essen konnte und Kriegsschiffe sich mit -Thrangewinnung nicht abgeben. - -Beim Vorbeilaufen an jenen Inseln glaubte ich den Mond vor mir zu -haben; ich denke mir seine Oberfläche so und vermuthe, daß vor vielen -Jahrtausenden die Erdoberfläche das Aussehen der jetzigen Galapagos -hatte. Die Inseln bestehen eigentlich nur aus Vulkanen, welche sich bis -zu 1430 m über das Meer erheben. Die Wände dieser Riesen bestehen wieder -aus lauter kleinen Vulkanen. Von der Ferne gesehen hält man das Land für -mit Lehmhütten übersäet; in der Nähe findet man, daß diese Hütten kleine -Krater sind, welche in ihrem braunen Kleid auf Lavageröll stehen. Man -kann sich in eine weit ausgedehnte Ziegelei oder Räucheranstalt versetzt -wähnen, da diese Krater durchschnittlich nicht größer wie ordentliche -Back- oder Räucheröfen sind. Ich habe an einer Strecke von ½ deutschen -Meilen auf dem Kamme eines ganz niedrigen Höhenzugs über 40 solcher -Kraterchen gezählt. In der Außenwand eines großen Kraters, welcher den -vorgenannten Höhenzug abschließt, sahen wir eine andere Art Krater, vier -dicht nebeneinander liegende runde Löcher von 5-7 m Durchmesser, welche -wieder selbständige Krater sind, wie die von ihnen auslaufenden Lavaströme -deutlich zeigen. - -Ich will versuchen, das vor uns vorüberziehende merkwürdige Bild etwas -näher zu schildern. - -Aus dem tiefblauen, von Delphinen (wir prosaischen Seeleute nennen -diese Fische nur Tümmler oder Schweinsfische) reich bevölkerten Meere -erheben sich in sanften Linien aufsteigend große Ländermassen, deren -1430 m hohe Gipfel sich in den Wolken verlieren. Nichts läßt zunächst -den vulkanischen Ursprung erkennen; erst in größerer Nähe fängt das Land -an sich zu zergliedern, um bald dem menschlichen Auge zu offenbaren, -mit welcher Kraft das allgewaltige innerirdische Feuer hier gewirkt hat. -Die sanften Linien verschwinden, man sieht nur noch eine wildzerklüftete -nackte Erdrinde, welche in den höhern Regionen allerdings größtentheils -einen grünen Ueberzug von Gras, niedrigem Gestrüpp und Cacteen hat. Hohe -Berge wechseln mit niedrigen Hügeln ab, die Wände der hohen Berge tragen -ebenso wie die der kleinern Hügel wieder ganz kleine Berge, welche genau -dieselben Formen haben wie diejenigen, auf welchen sie scheinbar erwachsen -sind. Von dem größten Naturgebilde bis zu dem kleinsten, alles zeigt -dieselbe Form, denselben Ursprung. Der brodelnde Feuerherd, welcher die -Erdrinde hier in fast senkrechten Wänden bis zu 1430 m hohen Bergen über -das Meer erhob, entsendete gleichzeitig unzählige schwächere Strahlen, -welche wiederum die Bergriesen durchbrachen, um kleine niedrige Krater zu -bilden, die ihren scharf geränderten Kamm mit ebenso viel Zierlichkeit -tragen, wie ihre colossalen Genossen mit Majestät. Eine Abwechselung in -diesen Gebilden tritt nur dadurch ein, daß der eine Theil unergründliche -Oeffnungen zeigt, während der andere seine ehemaligen Feuerschlünde -bereits mit Lava ausgefüllt hat und dem Auge an Stelle des unheimlichen -Schlundes den Anblick einer grünbematteten Grube bietet. Nur einige wenige -der Hauptkrater sollen noch thätig sein; die Krater, welche wir sehen, -sind bereits mehr oder weniger zerstört. Die Kämme sind im Zerfallen -begriffen, viele der kleinen Krater sind nur noch schwer zu erkennen, -mit der Zeit werden diese ganz verschwinden und ihr verwittertes Gestein -wird zu fruchtbarem Land geworden sein. Es ist interessant zu sehen, -wie die Lavaströme sich von den Krateröffnungen aus ihren Weg gebahnt -haben. An den grünen Bergwänden sieht man oben an ihrem Kamm feine -braunrothe Striche, welche, sich nach unten immer mehr verbreiternd und -noch deutliche Flußlinien zeigend, schließlich als mächtige Ströme in -das Meer fließen. Der ganze Strand besteht nur aus Lavamassen, und alle -Thäler sind damit angefüllt. Das Land macht den Eindruck, als ob auf -einem enormen Lavahaufen große Gebirge aufgebaut seien. Trotz des großen -Gegensatzes der Farben weiß ich für die vor mir liegende Landschaft -kein passenderes Bild zu finden, als ein in tiefem Schnee liegendes -Gebirgsland. Der Schnee wird hier durch die abgelagerte Lava vertreten, -die Gletscher durch die Lavaströme, die nackten schwarzen Felswände -durch die grünbewachsenen Berge. Wie sich aus einem großen Schneefeld die -nackten Gebirge erheben, deren Wände nur in ihren Gruben ewigen Schnee -beherbergen, wie aus den tiefen Schluchten Gletscher zu Thal fließen, -aus deren Strombett Steinoasen sich erheben, so erheben sich hier auf -dunkelm Steingeröll grüne Bergmassen mit Lavagruben und dunkeln Kratern, -mit mächtigen Lavaströmen, aus denen hier und da freundliche grüne Flecken -hervorleuchten. Im Laufe der Jahrhunderte werden all die scharfen Kämme -vor der Einwirkung von Wind und Wetter verschwinden, um das Land zu einem -sanftwelligen Gebirgs- und Hügelland zu machen, der Fels wird verwittern, -der Mensch wird urbares Land finden und kann dann hier Hütten bauen. - - - 8. Mai 1878. - -Seit dem Passiren der Galapagos haben wir 1855 Seemeilen zurückgelegt, -1130 liegen bis zu den Marquesas noch vor uns. Der steife Passat bläst mit -vollen Backen in unsere Segel und zwar häufig so stark, daß die leichteren -Segel geborgen und die Marssegel gereeft werden müssen, obgleich ich kein -Freund vom Reefen bin, denn wer segeln will, muß Segel führen, sagt ein -alter weiser Seemannsspruch. Die schweren Böen bringen in der Regel auch -Regen mit, etwas ganz Ueberflüssiges auf dem Meere, wenn man den Regen -nicht gerade nach langem Dampfen zum Abwaschen der Takelage gebraucht. -Dazu pfeift der Wind immer aus derselben Richtung in das Schiff; eine -nicht zu umgehende Naturnothwendigkeit, wenn man eine Strecke von 2000 -Seemeilen mit geradem Curs im Passat zurückzulegen hat. Die See geht -hoch, thut uns aber nicht viel, weil Wind wie Wellen fast quer von der -Seite kommen, mithin die Wellen uns in unserm Lauf nicht aufhalten und -der Wind das Schiff gegen schweres Rollen stützt. Unaufhaltsam geht es -vorwärts. Leicht sich hin- und herwälzend, zertheilt das brave Schiff -mit seinem scharfen Bug das Wasser, steigt vorn höher aus seinem Bette -heraus und senkt sich dann wieder so tief ein, daß man hinten von der -Commandobrücke aus sieht, wie der breite Schaumgürtel des Bugwassers weit -nach vorn und zur Seite geworfen wird. Das Schiff wird in seiner ganzen -Masse von den es unterlaufenden mächtigen Wellen auf ihren breiten Rücken -gehoben, indem es beim ersten Anprall 5-6° mehr nach Lee übergedrückt -wird als die Segel dies schon thun, und neigt sich ein klein wenig nach -der Luvseite, wenn es wieder in das Wellenthal hinabgleitet. Der vom -Schiffsbug aufgewühlte Meeresschaum treibt als breites Band von Schaum- -und Wasserblasen wie geschlagener Rahm auf der weder durch Farben noch -Beschreibung wiederzugebenden Meeresflut unaufhörlich an dem Schiffe -vorbei; sein Spiel hat den Seemann auf seinen vielen und langen Seefahrten -schon hunderte mal entzückt und will ihn doch jedes neue mal glauben -machen, ihm etwas noch nie Gesehenes zu bieten. Das Wasser rauscht, -das Tauwerk singt, die Spieren ächzen, die Decksbalken knarren. Posten -stehen an den Haupttauen der Segel bereit, um jedem unerwarteten Zufall -begegnen zu können. Der Wachoffizier hält sorgsame Wacht auf Wind, Wetter -und Schiff, faßt den ganzen Horizont und das ganze Schiff ins Auge, ist -ständig auf der Brücke, geht aber auch zuweilen nach dem Vorschiff, um -zu sehen, ob bei dem starken Segeldruck, unter welchem das Schiff liegt, -dort auch noch alles in Ordnung ist. Der erste Offizier ist, wie immer, -überall. Einzelne Abtheilungen der Wachmannschaft haben Dienstinstruction -und stehen unter der Luvreling; andere bessern unter der Leitung des -Bootsmanns kleine Schäden an der Takelage aus; die Zimmerleute repariren -eine kürzlich gebrochene Raa, die Segelmacher schadhaft gewordene und -ausgewechselte Segel; aus der Maschine klingt Eisen- und Metallarbeit -nach oben. Unteroffiziere revidiren vor dem Schluß der Wache die ganze -Takelage, um etwaige kleine Schäden an dieser wie an den Segeln gleich -zur Anzeige zu bringen. In der Vorbramsaling, 40 m über dem Wasser, sitzt -auf schmalem Stück Holz, angeklammert an ein Tau, der Ausguckposten, um -nach Brandung und Felsen auszusehen, weil dieses spärlich befahrene Meer -noch sehr wenig erforscht ist und man überall eine Gefahr finden kann, -welche, wenn zu spät entdeckt, uns allen sichern Tod bringen muß. Aber -auch der Commandant, welcher nach der Ansicht so vieler Leute nichts zu -thun hat, steht auf der Commandobrücke und thut -- nichts. Er sieht nur -ins Wasser, nach den Wolken, ins Schiff, nach der Takelage. Seine ganze -Beschäftigung ist ja nur die Verantwortung für Schiff und Mannschaft, und -diese Verantwortung verläßt ihn keine Secunde. Er muß jedem einzelnen -Mann im Schiff, vom ältesten Offizier bis zum letzten Matrosen von der -Frucht seiner größern Erfahrung zu kosten geben, muß fortwährend belehrend -eingreifen und zeigen, daß von den vielen hundert Tauen dies oder jenes -nicht straff genug gespannt ist und dadurch Gefahr entstehen kann; daß die -Segel nicht mehr richtig stehen, die Zurrung eines schweren Gegenstandes -sich zu lockern beginnt u. s. w. Er beobachtet wie die Leute am Ruder -steuern; wie die andern instruirt werden und wie sie antworten; wie die -Leute in der Takelage sich bewegen und ob sie dabei den Vorschriften -entsprechen, denn jeder Fehltritt dieses leichtsinnigen, übermüthigen -Matrosenvolks kann ein Menschenleben kosten und der Commandant hat in -seiner langen Dienstzeit schon viele mit zerschmetterten Gliedern auf dem -Deck liegen und im Wasser mit dem Tod ringen, aber nur wenige von ihnen -retten sehen, und jeder durch Leichtsinn oder Unachtsamkeit Verlorene -fordert sein Leben von seinem Commandanten zurück. Er beobachtet den -Posten in der Vorbramsaling, denn wenn das Schiff unten einen Bogen von -nur 10-15° hin- und herschlingert, beschreibt der Mann oben einen sehr -großen Bogen, und das in sehr kurzer Zeit, was selbst manch alter Seebär -nicht vertragen kann. Er sieht neugierig mit dem Fernrohr -- denn er kann -auch neugierig sein -- nach dem Horizont vor dem Schiff und überzeugt sich -doch nur davon, daß ein blendender Schein auf dem Wasser keine Brandung, -sondern nur ein Sonnenreflex ist. Er beobachtet wie der Wachoffizier -seine Befehle gibt, denn dieser ist erst ein Anfänger und weiß noch -nicht, daß ein wesentlicher Unterschied zwischen Befehlen und Befehlen, -wie zwischen Gehorchen und Gehorchen ist, er meint Befehl sei Befehl -und damit basta. Der Commandant kann ihn mit Worten nicht überzeugen, da -muß die Probe gemacht werden. Es wird ein Manöver ausgeführt, dasselbe -mit wirkungsloser Stimme commandirt, und darauf noch einmal mit einem -Ausdruck, welcher zeigt, daß der Befehlende den Befehl am liebsten -selbst ausführen möchte. In dem ersten Falle kommen die Leute nur langsam -vorwärts, in dem zweiten sind sie wie elektrisirt und fliegen. Mancher -versteht auch das nicht und ist dann eben nicht im Stande zu begreifen, -wie der Offizier sich nur nach der Art seines Auftretens den Grad seines -Erfolgs sichert. -- Eine Bö ist im Anzuge, der Wachoffizier will Segel -bergen; der Commandant hat ein erfahreneres Auge; er sieht, daß das -Schiff sie vertragen kann und verweigert seine Zustimmung zum Segelbergen. -Die Bö setzt ein, das Schiff legt sich ächzend auf die Seite, schüttelt -sich, bäumt sich auf, hält durch und die Bö ist abgewettert. Der nächste -Wachoffizier will das nachmachen, obgleich er weiß, daß er nach den -Bestimmungen den durch Leichtsinn oder Unachtsamkeit verursachten Schaden -bezahlen muß, aber sein Commandant liebt das Segelbergen nicht und freut -sich, wenn die Offiziere Selbstvertrauen zeigen. Er hat sich in der Bö -verrechnet, der Commandant hört in seiner Kajüte, daß die Bramstängen -knacken, springt schnell auf die Commandobrücke und sieht sein Schiff -oben rasirt, Bramstängen mit den Bram- und Oberbram-Raaen und -Segeln -baumeln an dem Tauwerk vor den Marssegeln herunter. Der Wachoffizier -sieht seinen Commandanten entsetzt an und dieser sagt lächelnd: „Das habe -ich nicht gut gemacht, ich hätte Ihnen doch sagen sollen, die Bramsegel -zu bergen; ich habe nämlich hinter Ihnen gestanden. Es ist mein Fehler, -und dem ist in dem Verlustprotokoll Ausdruck zu geben, damit ich für den -Schaden aufkommen kann.“ Der Wachoffizier versteht nicht recht, muß seinem -Commandanten aber doch Glauben schenken. -- So hat der Commandant eines -Kriegsschiffes keine ruhige Minute; das Gefühl der Verantwortlichkeit -beherrscht jeden deutschen Offizier ununterbrochen bei Tag und bei Nacht, -und der Commandant eines Kriegsschiffes hat eine gar große Verantwortung -zu tragen. - -Die Nacht bricht schon um 6 Uhr abends an, der Ausguck oben im Mast kann -von dort aus nichts mehr sehen, dafür treten zwei Mann auf die Back des -Schiffes und zwei in die Fallreeps, werden aber, wenn sie auch zu Vieren -sind, von ihrem Standpunkt aus keine Brandung so rechtzeitig sehen, daß -das in schneller Fahrt befindliche Schiff ihr noch ausweichen kann, wenn -sie recht im Curse des Schiffes liegt und von einem größern Korallenriff -herrührt. Am Tage würde sich bei einem etwaigen Verlust des Schiffes durch -irgendwelche Ursache ein Theil der Mannschaft zunächst vielleicht in den -Booten retten können, um nachher zu verhungern und zu verdursten, denn auf -vorbeipassirende Schiffe ist hier nicht zu rechnen und die Entfernung vom -nächsten Lande ist zu groß, um dasselbe vor dem eintretenden Hungertod -erreichen zu können. Bei Nacht aber ist die Sache für alle schnell zu -Ende: beim nächsten Morgengrauen bedeckt die See mitleidig alles, was sie -verschlungen hat. Der Commandant sieht noch einmal die Karte an, ob nicht -irgendeine auf seiner Curslinie eingezeichnete Tiefenangabe andeutet, daß -schon einmal ein Schiff denselben Weg genommen hat. Nichts -- eine weiße -Fläche und weiter nichts in der Karte. Er bleibt auf der Commandobrücke, -anscheinend um die Abendkühle zu genießen, so glauben wenigstens alle, -denn niemand, der nicht diesen Posten schon bekleidet hat, kann sich in -seine Lage hineindenken; er bleibt aber, um im Falle der Gefahr, auf seine -Geistesgegenwart bauend, sogleich den richtigen Entschluß zu fassen. Er -ist voll Sorgen und um ihn herum alles voll Jubel. Die Musik spielt, die -Mannschaft singt und lacht in den Pausen und treibt ihre Späße; aus der -Offiziermesse klingt Gläserklang und frohes Lachen herauf, und nur der -Commandant ist allein, allein mit seinen Gedanken und Sorgen. Sein Diener -ruft ihn zum Abendbrot; dasselbe ist in wenig Minuten eingenommen und der -einsame Mann steht wieder auf der Brücke, die freie Wache geht zur Koje, -in der Offiziermesse wird es still, und man hört nur noch das Rauschen des -Wassers, das Singen der Takelage, das Aechzen der Spieren, das Knarren der -Decksbalken und jede halbe Stunde den geisterhaften Ruf der vier Posten, -daß sie wach und wachsam sind. Nach 11 Uhr geht der Commandant zu Bett, -weil er doch nicht wochenlang Nacht für Nacht aufbleiben kann und der -Tag doch auch so vielerlei Pflichten verlangt, doch läßt er sich um 12 -und um 4 Uhr von dem abgelösten Wachoffizier Meldung über Wind und Wetter -machen, wird auch geweckt, wenn der Wind stärker wird oder sich ändert, -um wegen der Segelführung oder Cursänderung Bestimmung zu treffen. Weiß -er aber einen Offizier auf Wache, auf dessen Geistesgegenwart er nicht -fest zu bauen vermag, dann bleibt er auch einmal die ganze Nacht auf, um -Berichte oder Briefe zu schreiben, oder wegen erheuchelter Schlaflosigkeit -dem Offizier Gesellschaft zu leisten. - - - - -4. - -Die Marquesas-Inseln. - - - - 18. Mai 1887. - -Die Marquesas-Inseln liegen hinter uns und haben uns neben viel Schönem -und Interessantem in der Hauptsache doch das gebracht, was wir erwartet -hatten, nämlich -- Enttäuschung. Die mit so großer Ueberschwänglichkeit -geschriebenen Reiseberichte lassen von vornherein einige Uebertreibungen -vermuthen; hier ist aber zu viel erdichtet, und man kann nicht anders -annehmen, als daß die Reisenden infolge der fast übermenschlichen -Entbehrungen, welche zu ihrer Zeit mit diesen langen Reisen in kleinen, -übermäßig stark bemannten Segelschiffen verknüpft waren, beim Landen an -diesen Inseln vollständig geblendet waren. Namentlich gilt dies für die -Beurtheilung des weiblichen Geschlechts, denn man muß selbst monatelang -von dem schönen Geschlecht abgesperrt gewesen sein, um zu verstehen, daß -fast jeder Seemann nach jeder langen Seetour zunächst in jeder Schürze -einen Engel sieht. Meines Erachtens hatten die Reisenden aber trotzdem -keine Veranlassung mit so grellen Farben zu malen, weil das, was hier -gefunden wird, immerhin interessant genug ist, um auch ohne Schönfärberei -zu fesseln. - -Ich wollte ursprünglich nur den Haupthafen Port Anna-Maria auf Nuka-hiva -besuchen, änderte aber meine Disposition, als ich aus den Segelanweisungen -ersah, daß die Franzosen, denen die Marquesas-Inseln nominell gehören, -praktisch alle Controle über die Einwohner der Marquesas-Inseln aufgegeben -haben und nur noch die Insel Nuka-hiva besetzt halten sollen. Da ferner -die Berichte besagen, daß die Einwohner der Marquesas-Inseln am zähesten -an ihren alten Gebräuchen festhalten, daß dieselben noch ziemlich auf -demselben Standpunkte stehen wie vor hundert Jahren, und alle Missionare -ihr Bekehrungswerk aufgeben mußten, entschloß ich mich, da es mir nur -darauf ankam, zur Auffrischung unsers Speisezettels Früchte, Eier und -Hühner einzunehmen, nach Omoa auf Fatu-hiva, der südöstlichsten Insel, -zu gehen, um dort einen Einblick in die als so interessant geschilderten -Verhältnisse zu erhalten und dann nur in Port Anna-Maria dem dortigen -Gouverneur meinen Besuch zu machen, um seinen Machtbereich nicht besucht -zu haben, ohne der Höflichkeit zu genügen. Erst hatte ich daran gedacht, -auch die mittlere Insel Tahu-ata oder Santa-Cristina anzulaufen, weil -sie früher von den Franzosen für der Befestigung werth gehalten worden -war, gab diese Absicht aber auf, weil der Besuch doch zu viel Zeit -gekostet hätte; ebenso verzichtete ich auf Dominica, weil dort nach den -Segelanweisungen nichts zu holen ist, wogegen ich in Nuka-hiva allerdings -erfuhr, daß die einzige größere Plantage in der ganzen Gruppe gerade auf -dieser Insel liegt und -- merkwürdig genug -- in deutschen Händen ist. - -In Bezug auf die politischen Verhältnisse ist zu bemerken, daß, wie -schon gesagt, die Marquesas-Gruppe nominell französische Colonie ist, -doch bekümmern sich die Franzosen mit Ausnahme von Nuka-hiva und ganz -neuerdings auch Dominica aber so gut wie gar nicht um Land und Leute. -Die Hoheitsrechte erwarb Frankreich im Jahre 1842 durch Ablösung, indem -es Besitz von den Inseln nahm und dem ersten Häuptling von Nuka-hiva und -dessen Erben eine monatliche Leibrente von 50 Frs. aussetzte, womit indeß -ein Besitzrecht auf die andern Inseln nicht erworben werden konnte, weil -nicht nur die einzelnen Inseln, sondern auch die verschiedenen Stämme auf -jeder Insel ganz unabhängig voneinander sind. So kam es denn wol auch, -daß die Franzosen überhaupt nicht versuchten, auf den verschiedenen Inseln -festen Fuß zu fassen, sondern sich damit begnügten, nur auf Nuka-hiva eine -Art von Regierung zu errichten und sich auf Tahu-ata zu befestigen, weil -sie fürchten mußten, von dort ebenso vertrieben zu werden, wie sie von -Huheine (eine der Gesellschafts-Inseln) durch die Eingeborenen vertrieben -worden sind. An die andern Inseln haben sie sich wol zunächst überhaupt -nicht herangewagt, denn wenn Dominica z. B. die bei weitem wichtigste und -größte ist, so ist sie aber auch die am stärksten bevölkerte und zwar mit -einem schwer regierbaren Menschenschlag. - -Warum Frankreich diese Colonie überhaupt erworben hat, ist mir -unverständlich geblieben. Wie aus der noch folgenden Beschreibung -des Landes ersichtlich werden dürfte, war auf die Gewinnung von -Landesproducten nicht zu rechnen, auch konnte bei der schwachen und -namentlich armen Bevölkerung hier kein Absatzgebiet für französische -Waaren vermuthet werden; somit bleibt der militärisch-politische -Gesichtspunkt übrig. Die Inselgruppe ist aber geographisch so ungünstig -gelegen, daß sie auch für militärische Operationen nie eine Basis abgeben -kann, weil von hier bis zu dem nächsten Lande Distanzen zu durchlaufen -sind, welche alle Dispositionen über den Haufen werfen müssen. Auch können -die Inseln zu derartigen Zwecken schon deshalb keine Verwendung finden, -weil für eine größere Zahl von Schiffen die Häfen fehlen; aber wären -auch Häfen für große Flotten vorhanden, so bliebe immer noch die Frage -zu beantworten, was die Flotten hier sollen, da in diesem unermeßlichen -Wasserbecken, dessen Mittelpunkt die Marquesas-Inseln bilden, alle -Angriffsobjecte fehlen. Die Inseln sind wegen ihrer abgeschiedenen Lage -allerdings gut für Kaperschiffe gelegen, doch gibt es wiederum hier nichts -zu kapern, weil dieses Meer so gut wie gar nicht befahren wird. Es bleibt -daher für die Erwerbung dieser Colonie nur die Wahrscheinlichkeit übrig, -daß es in jener Zeit für die großen Seemächte zum guten Ton gehörte, -möglichst viele Colonien zu besitzen. - -Die Marquesas-Inseln haben den Franzosen denn auch keinerlei Nutzen -gebracht. Schiffahrt existirt hier nicht, weil die französischen Gesetze -die Walfischfänger, welche nur allein und allerdings häufig hier anliefen, -vertrieben haben. Diese Schiffe wurden mit so hohen Lootsengebühren -belegt, daß sie das Anlaufen dieser Häfen aufgeben mußten. Dieses Ziel -lag wol in der Absicht der Colonialregierung, denn es wurden französische -Walfischfänger subventionirt, der Fang wurde auch mit schönen und -guten Schiffen begonnen, bald aber wieder aufgegeben, wol weil dieser -Erwerbszweig dem französischen Naturell nicht zusagt. Es gibt jetzt keine -französischen Walfischfänger mehr, und diejenigen anderer Nationalität, -welche wenigstens etwas Handel und Wandel brachten, sind verscheucht. -Der einzige Schiffsverkehr wird zur Zeit durch den monatlich einmal hier -anlaufenden Postschooner (Segelschiff), welcher zwischen San-Francisco und -Tahiti fährt, hergestellt. Derselbe wird von Frankreich subventionirt und -läuft die Marquesas nur auf dem Wege von Amerika nach Tahiti an; Briefe -nach Europa müssen daher den großen Umweg über Tahiti machen und bleiben -außerdem noch 14 Tage dort liegen, bis der Schooner wieder befrachtet ist. -Die großen Geldzuschüsse, welche Frankreich an diese Colonie gezahlt haben -soll, sind vermuthlich die Ursache einer später erfolgten Einschränkung -gewesen. Die Regierung in Nuka-hiva wurde soweit vereinfacht, daß als -Gouverneur nur ein 'lieutenant de vaisseau' übrigblieb. Die Befestigungen -auf Tahu-ata wurden verlassen und die Truppen zurückgezogen. Das -Personal, welches jetzt übrig ist, wohnt auf Nuka-hiva und besteht aus -dem genannten Gouverneur, einem untergeordneten Verwaltungsbeamten, einem -frühern Bombardier als Wegebaumeister, einem gleichzeitig Lootsendienste -versehenden Hafenmeister und vier Gensdarmen, welche zur Zeit auf Dominica -sind, um die mit Chinesen bearbeitete deutsche Plantage zu beschützen, -wie sie sagen. Da sie sich aber früher auf diese Insel nicht wagten, -so glaube ich nicht an die gute Absicht, sondern eher daran, daß die -Deutschen beaufsichtigt werden sollen, oder daß man ihnen eine hohe Steuer -auferlegen und, durch den breiten deutschen Rücken gedeckt, auf der Insel -sich überhaupt festsetzen will. - -Der Gouverneur der Marquesas-Inseln steht unter dem Gouverneur von Tahiti, -einem Stabsoffizier der französischen Marine, obgleich hier und dort -ganz verschiedene Rechtszustände bestehen. Tahiti mit der Paumotu-Gruppe -steht unter französischem Protectorat, während, wie erwähnt, die -Marquesas-Inseln französische Colonie sind. - -Der Unterschied besteht darin, daß der Gouverneur von Tahiti absoluter -Herrscher ist, Gesetze nach augenblicklicher Laune erläßt und aufhebt, -sofern nicht der etwa gerade anwesende Admiral des Südsee-Geschwaders ihm -ins Handwerk pfuscht, während in der Colonie französisches Gesetz waltet. - -Auf Nuka-hiva wird, um die Kosten der Verwaltung zu verringern, eine -Kopfsteuer erhoben, von welcher die andern Inseln befreit sind, weil -auf ihnen keine Autorität besteht, welche sie erheben könnte. Diese -Kopfsteuer ist außerordentlich hoch und beträgt für jeden Mann 20 Frs. und -für jeden Hund, obgleich derselbe seinem Herrn keinerlei Nutzen bringt, -sondern nur aus alter Gewohnheit als Hausgefährte gehalten wird, 10 Frs. -Ganz abgesehen davon, daß diese letztere Steuer die Eingeborenen sehr -verbittert, werden sie aber dauernd noch durch die Art der Eintreibung -der Steuer gereizt, durch welche der Gewinn der Steuer fast zu einem -Nichts wird. Da der Eingeborene in der Regel kein Geld besitzt, muß er -die Steuer abarbeiten, und wir sehen so die alten Frondienste hier wieder -aufleben. Die Eingeborenen werden zum Straßen- und Brückenbau beordert -und wird ihnen das Tagewerk zu 2 Frs. angerechnet; arbeiten müssen sie -dann solange bis der Betrag ihrer Steuer und auch der ihres Hundes gedeckt -ist. Die Arbeit wird von dem vorhergenannten Bombardier geleitet, welcher, -wol infolge seines Unvermögens, die Arbeit richtig zu beurtheilen, -keinerlei Autorität über die Eingeborenen zu haben scheint, und so kommt -es, daß wenig gearbeitet und viel geschwatzt wird. Ich habe längere -Zeit dem Wiederaufbau einer sehr nothwendigen, durch den starken Regen -weggeschwemmten Brücke, bei welchem 10 Mann beschäftigt waren, zugesehen -und konnte keinen Fortschritt der Arbeit wahrnehmen. Die Leute saßen -zusammen, rauchten und unterhielten sich, während der Bombardier (ein -Elsässer) mit uns eine deutsche Unterhaltung anfing. Ab und zu gingen 2 -oder 3 Mann nach einem Stein, welchen bequem ein Mann hätte tragen können, -und legten ihn behutsam mit viel Zeitaufwand in den Bergbach, anstatt ihn -an seine Stelle zu werfen, und nahmen dann ihren alten Platz wieder ein. -Ich bin der Ueberzeugung, daß dies auf 20 Frs. zu veranschlagende Tagewerk -von einem fleißigen Arbeiter in einem halben Tage geschafft worden wäre. - -Tahu-ata ist, wie schon erwähnt, seit vielen Jahren von den Franzosen -wieder aufgegeben worden; von den Befestigungen und Blockhäusern konnte -ich beim Passiren nichts mehr entdecken. Die Bauwerke sollen von den -Eingeborenen längst abgetragen und das Material von ihnen zum Bau ihrer -Hütten verwendet worden sein. - -Das Besitzrecht auf diese, wie auf die andern thatsächlich unabhängigen -Inseln wird dadurch aufrecht erhalten, daß alljährlich einmal ein -französisches Kriegsschiff die verschiedenen Ankerplätze für ein bis -zwei Tage anläuft. Eine Verbindung mit den Eingeborenen scheint aber -auch dann nicht stattzufinden, wenigstens gehen in Fatu-hiva, nach -Aussage der Eingeborenen, die französischen Offiziere und Mannschaften -weder an Land, noch kommen die Eingeborenen auf das Schiff. Ein englisch -sprechender Eingeborener in Omoa gab mir als Grund die Unmöglichkeit einer -Verständigung an, weil auf den französischen Schiffen niemand englisch und -von den Eingeborenen keiner französisch verstände; die Ursache liegt aber -tiefer, da die französischen Seeoffiziere größtentheils so viel englisch -verstehen, um sich verständlich machen zu können. Der Grund liegt einfach -in dem ausgeprägten Haß, welchen die Insulaner gegen die Franzosen hegen -und welchem sie auf den andern Inseln auch ungescheut Ausdruck geben. -Der Sohn der sogenannten Königin von Nuka-hiva, ein Mann von etwa 25 -Jahren, welcher in Paris erzogen worden ist, sprach sich einigen unserer -Offiziere gegenüber dahin aus, daß sie das französische Joch sofort -abwerfen würden, sobald sie auswärtiger Hülfe gewiß seien. Auch bestätigte -ein dort lebender Däne, welcher wol nationaler Ueberlieferung gemäß -mit französischem Wesen sympathisiren muß, das Vorhandensein einer sehr -feindlichen Stimmung gegen die Franzosen; des abfälligen Urtheils eines -Engländers will ich hierbei gar nicht Erwähnung thun. - -Die Bodengestaltung der Inseln ist eine ganz merkwürdige und bei allen -eine auffallend übereinstimmende. Die Marquesas-Inseln erheben sich nicht, -wie dies in der Regel bei derartigen Inseln der Fall ist, kegelförmig aus -dem Meere, sondern auf einer länglichen, nach den Enden spitz zulaufenden -Basis steigt ziemlich genau in der Mittellinie ein Gebirgsrücken von 1000 -bis 1250 m Höhe mit scharf gezacktem steilen Kamm an, welcher die Insel -ihrer ganzen Länge nach in zwei voneinander vollkommen abgeschiedene -Hälften theilt, da ein Uebersteigen dieses an seinen Endpunkten fast -senkrecht nach dem Meere abfallenden Bergrückens unmöglich scheint -und wol auch unmöglich ist. Nimmt man an, daß der Fuß des eigentlichen -Bergrückens da beginnt, wo zwischen den nachher genannten Rippen, welche -sich rechtwinkelig an den die Insel durchschneidenden Bergrücken anlehnen, -das ebene Gebiet der kleinen Thäler aufhört, dann erhält man für diese -obere Felsenwand eine Basis, welche an den schmäleren Stellen der Insel -etwa gleich der Höhe ist, an den äußersten Enden die Höhe des Bergrückens -lange nicht erreicht. Dies gibt der Insel das äußere Ansehen eines -langgestreckten Keils, der für das Auge so scharf erscheint, daß man ihn -unwillkürlich mit einer auf dem Rücken liegenden Messerklinge vergleicht, -zumal der obere Kamm eine so geringe Dicke zu haben scheint, daß man nicht -versteht, wie dieses Gestein Jahrtausenden trotzen konnte. Man hat das -Gefühl, als ob ein Geschoß diese Felsenwand durchschlagen müßte, und wird -in dieser Anschauung dadurch noch bestärkt, daß an verschiedenen Punkten -nahe dem Gipfel sich dem Auge in der Felsenwand Durchbrüche oder Löcher -bieten, an welchen man keine für das Auge meßbare Dicke des Gesteins -feststellen kann. Selbst die Natur scheint sich dessen bewußt gewesen zu -sein, wie künstlich das von ihr hier aufgeführte Bauwerk ist, denn sie -hat den Mittelrücken mit rippenähnlichen Strebepfeilern versehen, wie der -Baumeister große Steinwände abstrebt. Diese Seitenrippen lehnen sich an -den schmalen Enden der Insel unter sehr steilem Winkel an das Hauptgebirge -an und reichen hier, wo der Mittelkamm eine geringere Höhe hat, bis zu -dessen Gipfel hinan. Im allgemeinen indeß zweigen sie sich von der halben -Höhe aus ab und laufen dann unter einem Winkel von etwa 45° nach dem -Meere zu aus, wo sie kleine Buchten mit fruchtbaren Thälern bilden, wenn -sie sich, allmählich abfallend, in das Wasser senken, aber sich in steile -Klippen umwandeln, wenn sie plötzlich, wie absichtlich jäh unterbrochen, -eine senkrecht nach dem Wasser abfallende Wand als Abschluß erhalten. -In diesem letztern Falle hat man dann das äußere Bild der Giebelwände -einer Reihe dicht nebeneinander gestellter Schuppen, da die Oberfläche -der Rippen fast überall wellenartig gebildet ist, und die einzelnen -Wellen fast gleiche Form und Höhe mit spitzem Winkel sowol am Kamme wie -im Thale zeigen. Dieser Wechsel gibt der Landschaft großen Reiz, welcher -noch dadurch erhöht wird, daß aus den Einschnitten der oft hoch über der -Meeresfläche liegenden Giebel häufig sich kleine Bäche oder Wasserfälle -ergießen und ihr Wasser direct in das Meer hinabstürzen lassen, ohne die -senkrechten Felswände zu berühren. - -Das Bild, welches sich dem Beschauer an der Leeseite der Inseln als Ganzes -bietet, ist etwa das folgende. - -An eine mächtige Felsenwand, welche in der Höhe nur mit Gräsern und -kleinen Sträuchern bewachsen ist, zwischen denen hier und da eine -vereinzelte Kokospalme, von welcher man nicht weiß wie sie dorthin kommt, -sich erhebt, lehnen sich Bergabhänge, welche auf ihrem Rücken in der -Regel keinerlei Cultur zeigen, daher auch wol nicht culturfähig sind, -wahrscheinlich aus Mangel an Erde und Wasser, sowie wegen Ueberfluß an -Sonne. Die zwischen den Abhängen liegenden Thäler, welche selten eine -große Tiefe haben, zeigten zu unserer Zeit eine Ueppigkeit der Vegetation, -wie sie nicht reicher gedacht werden kann. Die Thäler waren mit solchen -Laubmassen angefüllt, daß man hätte wähnen können, die hohen Bergwände -seien eines reichen Laubschmucks entkleidet worden und das ganze abrasirte -Laub habe sich in dicken Wolken in den Thälern abgelagert. Auch am Lande -konnte dieser Eindruck keine wesentliche Aenderung erfahren, weil der -aus Brotfruchtbäumen, Kokospalmen, Orangen- und andern Fruchtbäumen -verschiedener Art gebildete Wald ein so dichtes Laubdach hatte, daß -die Sonnenstrahlen nur sehr vereinzelt Durchgang fanden. Immer wird -hier die Vegetation jedoch nicht in so überreicher Fülle prangen -- -glücklicherweise, darf man sagen, denn die letzten zehn Monate waren eine -ununterbrochene scharfe Regenzeit, welche das Laub zu seltener Kraft -und Schönheit getrieben, die Früchte aber vom Reifen abgehalten hatte. -So haben wir, die wir zur richtigen Reifezeit hier waren, nur halbreife -Früchte erhalten können. In der Regel sollen die Marquesas-Inseln -vorzugsweise an Dürre, welche oft einen an Hungersnoth grenzenden Zustand -erzeugt, leiden, doch sollen geregelte Jahreszeiten überhaupt selten sein. -Entweder herrschen unaufhörliche schwere Niederschläge, oder das Wasser -fehlt ganz. - -Ich kehre zu meinem Bilde zurück. Von den höhern Regionen des -Mittelgebirges stürzen Wasserfälle in die Thäler hinab, welche während der -wolkenbruchartigen Regengüsse oft von großer Schönheit sind, ihre Kraft -und ihr ganzes Ansehen aber sofort verlieren, sobald der Regen aufgehört -hat. An der Südküste von Nuka-hiva, welche ich in ihrer ganzen Länge -passirte, habe ich mit Ausnahme des einen besonders großen Wasserfalls -keinen der von Krusenstern enthusiastisch geschilderten Wasserfälle -entdecken können, obgleich wir in der stärksten Regenzeit dort waren. - -Die schmalen Enden der Inseln werden durch steilabfallende Felswände -gebildet und man sieht hier häufig schroffe, dunkelgefärbte Steingebilde, -welche, von dem Hauptlande abgelöst, der Landschaft an diesen Stellen ein -wildzerrissenes Ansehen geben, während die Inseln im allgemeinen und für -die Hauptmasse des Landes diese Bezeichnung nicht verdienen. - -Ueber die Ertragfähigkeit des Landes glaube ich mich erschöpfend dahin -aussprechen zu können, daß das Land wol im Stande wäre, viele Kokosnüsse -zu liefern, weil der Baum insofern sehr genügsam ist, als er eigentlich -nur Seeluft beansprucht. Je näher am Strande, desto besser für ihn; ob -er dort fetten Boden oder magern Sand findet, ist ihm gleichgültig; -ja es wird sogar behauptet, daß der unvermischte Korallensand ihm am -zuträglichsten sei. Die Eingeborenen arbeiten aber nicht und so bleibt -diese Ertragsquelle unausgenutzt. Baumwolle wird auch in guter Qualität -gewonnen, es ist aber mit Ausnahme von Dominica und in beschränkterm -Maße auch Nuka-hiva nicht genügend Land verfügbar, um nutzbringende -Baumwollpflanzungen anlegen zu können, weil das vorhandene Land ganz für -die den Lebensunterhalt der Eingeborenen bildenden Früchte in Anspruch -genommen wird. - -Handel wird zur Zeit eigentlich nicht getrieben, weil man die jährlich -nur aus einigen kleinen Schoonerladungen bestehenden Producte wol nicht -als solchen rechnen kann. - -Die Bevölkerung der Marquesas-Inseln zeigt keinen einheitlichen Typus, -man findet vielmehr auf jeder Insel, ja sogar in jedem Thal einen andern -Menschenschlag, und wenn der Unterschied zuweilen auch nur gering ist, -so ist er immerhin doch in die Augen fallend. Ich selbst kann allerdings -nur von den Eingeborenen von Nuka-hiva und Fatu-hiva sprechen, doch wurde -mir berichtet, daß die Eingeborenen von Dominica einer ganz andern Rasse -angehören. Auf Fatu-hiva habe ich die beiden Hauptthäler besucht, auf -Nuka-hiva nur oberflächlich die Bewohner von Port Anna-Maria gesehen, -wie denn ja meine Beobachtungen überhaupt nur ganz oberflächliche sind -und keinen Anspruch auf wissenschaftlichen Werth erheben können. Wäre -die Annahme richtig, daß die Inseln der Südsee, wie von verschiedenen -Seiten behauptet wird, Ueberreste eines versunkenen Continents und die -Bevölkerungen der verschiedenen Inseln die Nachkommen derjenigen sind, -welche sich bei der Katastrophe auf die Berggipfel gerettet haben, dann -könnte man behaupten, daß in altersgrauer Zeit ein fremder Volksstamm -einen Einfall in das jetzige Gebiet der Marquesas-Inseln gemacht habe, von -der Katastrophe überrascht worden sei und sich mit den Einheimischen auf -die Berge rettete, um sich später mit ihnen in die übriggebliebenen Inseln -zu theilen. Andernfalls bleibt nur die Annahme übrig, daß die Ursache -der Verschiedenheiten in vielfachen Kreuzungen mit hierher verschlagenen -Bewohnern anderer Inseln, sowie mit den früher hier verkehrenden -Walfischfängern liegt, weil Frauen wie Mädchen dieser Inseln dem Fremden -als ein Gebot der Gastfreundschaft zur Verfügung gestellt werden. - -Was das Aeußere betrifft, so haben mir die Bewohner von Omoa am besten -gefallen; ich bemerkte unter diesen einige wirklich schöne Menschen, doch -fand ich im Widerspruch mit den frühern Berichten die Männer schöner wie -die Frauen. Unter ihnen waren viele wirklich auffallend hübsche Gestalten -mit schön geformten und muskelkräftigen Gliedern. Die Gesichter zeigten -auch schöne Züge, und so wild und verwegen diese Leute infolge ihrer -reichen Tätowirung auch aussahen, so entdeckte man doch, wenn man sie -schärfer betrachtete, die gutmüthigsten Züge. Auf die Tätowirung wird -hier außerordentlich viel Werth gelegt, und ich muß gestehen, daß diese -fast ganz nackten Menschen durch ihre eingeäzte reiche Malerei eigentlich -anständig angezogen sind. Ich hatte das Gefühl, daß diese Leute in ihrer -Nationaltracht sich in jeder europäischen Stadt auf der Straße zeigen -könnten, ohne daß der Mangel an Kleidung auffallen würde; jedenfalls -verhüllt diese musterreiche Malerei mehr, wie ein einfarbiges Tricot dies -zu thun vermag. Ich kann nicht leugnen, daß diese tätowirten Menschen -einen tiefen Eindruck auf mich gemacht haben und ich es bedauern würde, -wenn diese Sitte abkäme; ich kann daher auch nicht verstehen, wie der -Commodore Powell diese Leute als durch Tätowirung entstellt bezeichnen -kann, doch dies ist Geschmackssache. Ich kann mir wol denken, daß man -mit diesen bunten, wild aussehenden Gesichtern unsere Kinder schrecken -kann, scheußlich sehen die Köpfe deshalb aber noch nicht aus. Daß die -hier lebenden Europäer gegen das Tätowiren eifern, hat den einfachen -praktischen Grund, daß mit dem Aufhören dieser Sitte die Sitte des -Kleidertragens einzieht und die Kleider nur von den Weißen bezogen -werden können. Die englischen Missionare und die Kaufleute ziehen hier -an demselben Strang, denn beide leben vom Handel. Der Eingeborene hat -keine Verwendung für Geld; Taback und gleichartige Genußmittel schaffen -zu wenig, Eisenwaaren haben einen zu langen Bestand, Branntwein geht -gegen die eigenen Interessen, weil man den Eingeborenen arbeiten sehen -will, um die Früchte seines Fleißes einzuheimsen. Da sind nun Kleider das -beste Tauschobjekt. Für wenig Geld erhält man von Europa ein großes Stück -leichten Stoffes, und ist die Sitte der Bekleidung allgemein eingeführt, -dann bringt diese durch die Masse den Gewinn, weil Männer, Frauen und -Kinder dieser bald sehr strengen Sitte gleichmäßig unterworfen sind. -Soll ein Handelsartikel gefunden werden, welcher den Europäern Gewinn -bringt und die Eingeborenen gleichzeitig zur Arbeit erzieht, dann ist der -eingeschlagene Weg wol richtig; aber eine religiöse Nothwendigkeit zum -Kleidertragen liegt für diese Menschen nicht vor, weil das Schamgefühl in -so hohem Grade ausgebildet ist, daß es uns Europäern geradezu lächerlich -vorkommt. Denn es werden z. B. zwei gleichalterige Männer, wenn sie auch -ganz allein unter sich sind, nie beim Baden sich ganz entkleiden, wie es -bei uns doch sehr häufig vorkommt. Ich beobachtete einmal in Omoa zwei -Männer, welche in ihrem Kanu vom Fischfang kamen und in ziemlich großer -Entfernung von dem Dorfe, wo ich mich befand, mit der Brandung auf den -Strand liefen, um das leichte Fahrzeug nach dem ersten Auflaufen auf den -Strand schnell vor der Rückkehr der Brandung ganz aufs Trockene zu ziehen. -Da die Brandung fortwährend über das Kanu und dessen Insassen hinwegbrach, -so hatten die beiden Männer sich ihrer dürftigen Kleidungsstücke auch noch -entledigt und dieselben um den Kopf gewunden. Der hinten im Boot sitzende -Mann hatte sich aber einen Lappen vorgebunden und der vorn Sitzende -kehrte dem andern während der ganzen Landung stets den Rücken zu, sofern -er nicht anderweit gedeckt war, bis sie ihre Kleidung wieder angelegt -hatten. Wenn somit aus moralischen Gründen die Sitte des Kleidertragens -nicht erforderlich ist, so würde es doch ein gutes Werk sein, wenn man die -Eingeborenen hierfür gewinnen könnte, weil meiner Ansicht nach der Mangel -an Kleidung die Hauptursache des Aussterbens dieses Menschenstammes ist. -Ich will dies zu beweisen versuchen. - -Es wird behauptet, daß an der rapiden Abnahme der Bevölkerung der -Marquesas-Inseln die folgenden Ursachen Schuld tragen: - -1. Die Sitte der Vielmännerei bei den Frauen. Dieselbe ist nicht in der -Weise vorhanden, wie nach Berichten angenommen werden muß. Die Leute -leben vielmehr in unserer Ehe ähnlichen Verhältnissen, d. h. ein Mann -und eine Frau leben in der Regel zusammen und sorgen für ihre oder für -fremde Kinder. Die Ehe wird indeß nicht auf Lebenszeit geschlossen, -sondern kann jederzeit dadurch gelöst werden, daß entweder der Mann -seine Frau wegschickt oder die Frau ihren Mann verläßt. Beide Theile -sind in dieser Beziehung frei und ganz gleichberechtigt. Die Frau -kann sich weder der Ausweisung widersetzen, noch kann der Mann seine -weggegangene Frau zurückfordern oder mit Gewalt zurückholen. Eheliche -Treue ist keine Tugend, weil das Verhältniß jederzeit gelöst werden -kann, wenn der eine Theil dies wünscht. Die Kinder scheinen, sobald -sie ein gewisses Alter erreicht haben, Gemeingut zu sein, jedenfalls -werden sie von jedermann gut behandelt und beschützt. Die Leute eines -Dorfes oder Thales bilden somit gewissermaßen eine große Familie, in -welcher die einzelnen Glieder gewohnheitsmäßig paarweise zusammenleben, -solange Neigung sie zusammenhält. Vielmännerei kommt zwar insofern vor, -als die nicht verheiratheten Männer zeitweise mit der Frau eines Andern -und zwar mit dessen Einwilligung für eine bestimmt verabredete Zeit -zusammenleben, aber nur dann, wenn keine Mädchen vorhanden sind, welche -mit diesen Junggesellen die Probe machen, wie es im Ehestande hergeht. Ob -diese Freiheit der Sitten nun wirklich von nachtheiligem Einfluß auf das -Wachsthum der Bevölkerung ist, wird schwer zu entscheiden sein, da die -Zahl der prächtig aussehenden Kinder zur Zeit eine recht große ist. Muß -der nachtheilige Einfluß aber nach unumstößlichem Naturgesetz vorliegen, -dann wird eben von der bestehenden Freiheit sehr wenig Gebrauch gemacht, -und ich glaube das letztere. Es ist allerdings eine Thatsache, daß die -Männer ihre Frauen auf die früher hier häufiger zu Anker kommenden -Walfischfänger geschickt und sie zwei bis drei Tage auf dem Schiff -belassen haben, weil sie dann manches Werthvolle für die Gemeinde mit ans -Land gebracht haben, die Schiffe kamen aber doch immerhin so selten und -sind so schwach bemannt, daß dieser Einfluß kein einschneidender gewesen -sein kann. - -2. Die fast ununterbrochenen Kriege zwischen den benachbarten Thälern. -Wie mir ein deutscher katholischer Missionar und ein englisch sprechender -Eingeborener übereinstimmend versicherten, kommen diese sogenannten -Kriege, wenn auch nicht häufig, zwar immer noch vor, verlaufen aber -stets unblutig. Die ursprünglichen Waffen existiren gar nicht mehr und -es werden nur noch Feuerwaffen gebraucht, zu denen aber entweder die -Munition fehlt, oder die Waffen sind in so verkommenem Zustande, daß sie -kaum noch gebrauchsfähig sind. Die Kriege entstehen gewöhnlich durch -Landstreitigkeiten und werden in der Weise durch Verrath entschieden, -daß die eine Partei die andere überrascht und Sieger wird, mithin die -Bedingungen stellen kann, welche die unterliegende Partei annehmen -muß. Diese Kriege können daher unmöglich die Ursache der allmählichen -Entvölkerung sein. - -3. Der übermäßige Genuß von Branntwein. Der Trunk scheint hier allerdings -das alles beherrschende Laster zu sein, welchem vorzugsweise die rasche -Abnahme der Bevölkerung zugeschrieben werden muß, wenn eine Abnahme -wirklich stattfindet; letzteres kann noch angezweifelt werden, da der -deutsche Missionar, dessen Angaben ich vollen Glauben schenke, vor sechs -Monaten auf Fatu-hiva über 700 Seelen gezählt hat, während der englische -Commodore Powell im Jahre 1867 nur 500 als die Einwohnerzahl dieser -Insel angibt. Aber wirklich angenommen, daß die stets sich wiederholenden -Klagen über das Aussterben dieser Eingeborenen begründet sind, so liegt -die Ursache hier nicht in den directen Folgen der Trunksucht, sondern -der Trunk tödtet meiner Ansicht nach nur auf indirectem Wege. Vor allen -Dingen muß hervorgehoben werden, daß die Leute auf diesen Inseln, wo -keine Europäer leben, sich ihren Rausch nicht in europäischem oder -amerikanischem Schnaps, von welchem in Port Anna-Maria die ganze Flasche -nur 10 Pfennig kostet, antrinken, sondern in einem selbstbereiteten -berauschenden Getränk, welches aus gegorener Kokosmilch gewonnen wird -und wegen fehlender Beimischungen der Gesundheit sehr viel weniger -schädlich ist, als die billigen, von den klugen Weißen zusammengebrauten -Höllentropfen es sind. Erwägt man, daß die Männer sich allabendlich -gemeinsam bis zur vollsten Besinnungslosigkeit betrinken, so müßte man -nach unsern Erfahrungen über Säufer jedenfalls annehmen, daß die große -Mehrzahl der Männer die äußern Merkmale des Säufers tragen müßte, daß sie -nicht nur des Abends sondern auch am Tage trinken würden, und schließlich, -daß jede Nachkommenschaft ausgeschlossen wäre. Von alledem ist hier -aber nichts zu merken. Die äußerlichen Merkmale des Säufers habe ich -bei keinem entdecken können, wenngleich mein Gewährsmann, der englisch -sprechende Eingeborene, mir sagte, daß er arbeite und dies nur könne, -weil er sich nicht betrinke, obgleich er auch ganz gern trinke, aber -stets Maß halte, während die andern so viel tränken, daß sie am andern -Tage nicht arbeiten könnten. Ferner trinken die Leute nur des Abends und -bleiben am Tage der Flasche fern, können aber auch am Abend enthaltsam -sein, wie sie es während unsers Aufenthalts in Omoa durchgeführt haben, -und zwar aus einem gewissen Schamgefühl vor uns, wie zwei zu verschiedenen -Zeiten befragte Eingeborene übereinstimmend versicherten. Sei es nun, -daß wirklich Scham sie vom Trinken abgehalten, oder daß die Ankunft des -Schiffes die Geister so angeregt hatte, daß sie auf das gewohnte Gelage -verzichteten, Thatsache bleibt es, daß das Trinken noch nicht die Form -des gewohnheitsmäßigen Betrinkens angenommen hat. Ich glaube überhaupt -nicht, daß die Leute trinken um zu trinken, sondern nur um den langen -Abend zu verkürzen und einen Schlaftrunk zu nehmen -- sie trinken aus -Langeweile. Man muß bedenken, daß hier tagaus tagein die Nacht um 6 Uhr -abends und der Tag erst 6 Uhr morgens beginnt, also Tag für Tag 12 Stunden -Nacht. Da nun Arbeit unbekannt ist und die Leute den ganzen Tag träge im -Nichtsthun hinbringen, so fehlt ihnen am Abend die körperliche Abspannung, -um 12 Stunden schlafen zu können. Da ferner die Eingeborenen jedes Thales -auf sich angewiesen sind, Schiffe hier nicht anlaufen, Kindererziehung -überflüssig ist, keine Person etwas thun kann, was nicht jeder sieht, -so fehlt aller Unterhaltungsstoff, nicht einmal klatschen können sie. -Schließlich fehlt ihnen auch noch der Taback, um die Zeit mit Rauchen zu -vertreiben, und so bleibt diesen bedauernswerthen Menschen, solange die -französische Regierung nicht für Handel und Wandel sorgt, weiter nichts -übrig als das Trinken. Daß der Abendtrunk nur als Schlafmittel gebraucht -wird, kann vielleicht auch daraus gefolgert werden, daß das Getränk nahezu -geschmacklos ist, also auch der Kitzel der Geschmacksnerven nicht in -Rechnung zu ziehen ist. - -Das Getränk wird gleich für das ganze Gemeinwesen bereitet und in einem -großen Bambusrohr aufbewahrt, welches am Strande liegt und jedermann -zugänglich ist. Das Herausziehen eines Stöpsels genügt, um sich die neben -der großen Flasche liegende Kokosnußschale füllen zu können. Abends nach -Sonnenuntergang versammeln die Männer sich um ein Feuer, und auch die -Frauen kommen, um ihnen für einige Zeit Gesellschaft zu leisten; die -Männer trinken solange bis sie liegen bleiben, während die Frauen Maß -halten und sich nach einiger Zeit zurückziehen, um die Nacht in ihren -Hütten zu verbringen. Hierbei wird nun meines Erachtens der Keim zu vielen -unheilbaren Krankheiten gelegt. Das Klima, welches in der trockenen -Jahreszeit ja so heiß ist, daß man froh sein muß, wenn man möglichst -leicht bekleidet herumlaufen kann, ist in der Regenzeit frisch und während -der Nacht viel zu rauh, um unbekleidet schlafen zu können. Die Leute -müssen bei dem Mangel an Kleidung und dem Fehlen aller schützenden Hüllen, -wie Decken oder Matten, daher des Nachts schon in ihren Hütten unter der -Kälte leiden, und müssen geradezu frieren, wenn der Rausch sie verhindert, -das wenigstens etwas schützende Dach aufzusuchen, und sie statt dessen -unter freiem Himmel liegen bleiben, wo ihre nackten Körper nicht nur dem -kalten Regen, sondern auch der rauhen Nachtluft voll ausgesetzt sind. -So wird der innere Organismus dieser Menschen nicht direct durch den -Trunk zerstört, sondern dadurch, daß durch häufige Erkältungen und danach -durch mangelnde Pflege lebensgefährliche Krankheiten und in erster Reihe -viele Fälle von Lungenschwindsucht entstehen. Zu unserer Zeit war die -ganze Bevölkerung erkältet, Weiber und Kinder hatten den Schnupfen, die -Männer husteten stark, und der Schiffsarzt will aus dem von allen Seiten -ertönenden Husten vornehmlich Schwindsuchtshusten herausgehört haben. Nach -allen Berichten soll Lungenschwindsucht hier auch sehr verbreitet sein. - -Alte Männer habe ich in den beiden von mir besuchten Thälern auf Fatu-hiva -nur drei gesehen, alte Frauen mehrere; ich glaube daher, daß die Weiber, -welche mehr bekleidet sind und sich nachts in ihren Hütten aufhalten, den -schädlichen Witterungseinflüssen weniger unterworfen sind und aus diesem -Grunde ein höheres Alter erreichen. So wird aller Voraussicht nach dieser -in sich abgeschlossene Menschenstamm in nicht zu langer Zeit infolge -der Erblichkeit der Lungenschwindsucht ausgestorben sein. Wie sehr diese -Menschen zeitweise unter der rauhen Witterung leiden, dürfte auch daraus -hervorgehen, daß diese Leute, welchen die größte Gleichgültigkeit gegen -das Tragen von Kleidern nacherzählt wird, während unserer Anwesenheit -nur danach trachteten, alte Kleider zu erwerben. Für Geld war nichts, -für alte Kleider alles zu haben. Ein nackter Eingeborener kam mit seinem -ganzen, aus nahezu 100 Dollars bestehenden Vermögen an Bord, um dafür alte -Kleider zu erwerben, und daß er gleich eine so große Summe mitbrachte, -zeigt jedenfalls, welch geringen Werth er auf das Geld und welch hohen -er auf Kleidungsstücke legte. So könnte eine wohlwollende Regierung oder -Missionsgesellschaft gewiß leicht die Sitte der Bekleidung einführen, wenn -zur richtigen Zeit eine verhältnißmäßig unbedeutende Summe gespendet und -versucht würde, die Eingeborenen zunächst zur Arbeit zu erziehen, anstatt -sie mit Lesen und Schreiben zu belästigen, was sie nicht gebrauchen, und -ihnen christliche Lehren zu predigen, welche sie noch nicht verstehen. -Da aber voraussichtlich aus dieser Insel Fatu-hiva, von welcher ich -hauptsächlich spreche, nie ein Gewinn zu ziehen sein wird, läßt man die -Eingeborenen verkommen, anstatt ihnen aus christlicher Liebe zu helfen. -- - -Ich will nun zu meinen eigenen Erlebnissen übergehen, bei deren Erzählung -noch mancherlei zu Tage treten wird, was das Vorstehende ergänzt. - -Nach ziemlich vierwöchentlicher Fahrt waren wir am 13. Mai abends der -südlichsten der Marquesas-Inseln so nahe gekommen, daß es nöthig wurde, -während der Nacht mit kleinen Segeln zu laufen, um das Land nicht vor -Tagesanbruch zu erreichen. Vorsicht war um so mehr geboten, als es -stürmisch war, die See hoch ging und der Mond durch dickes Gewölk verdeckt -wurde. Mit Tagesanbruch am 14. wurden die Segel wieder gesetzt, und gegen -8 Uhr vormittags traten aus dickem Regengewölk die Umrisse der Insel -hervor. Unsere Position war genau richtig, was bei einer Reise von 3000 -Seemeilen, ohne Land gesehen zu haben, immer etwas zweifelhaft ist, weil -die Chronometer doch auch zuweilen ihre Mucken haben und man so ziemlich -auf diese allein angewiesen ist, wenn es sich um die Richtigkeit der Länge -handelt. Wir waren zunächst an der Wetterseite der Insel, welche mit ihren -1200 m hohen Bergwänden die von dem Passatwind angetriebenen Wolkenmassen -auffängt und hierdurch an dieser Seite fast bis zum Wasserspiegel in -dichtes Gewölk eingehüllt ist, eine Erscheinung, welche sich bei allen in -der Passatregion liegenden hohen Inseln während der Regenzeit wiederholt. -Mit dem Näherkommen wird der Wolkenschleier allerdings durchsichtiger, -doch nicht genügend, um eine Totalansicht der Insel erhalten zu können. -Immerhin löst sich wenigstens die Südspitze der Insel aus dem Gewölk -heraus und bietet uns einen schönen Blick. Wie die Ansicht der Südspitze -von Fatu-hiva mit dem Thal Omoa zeigt, erhebt sich hier der Mittelkamm der -Insel nahezu senkrecht aus dem Wasser, steigt in seltsam gezackter Linie -beinahe 700 m hoch und zieht sich, allmählich bis zu einer Höhe von 1200 m -anwachsend, durch die ganze Insel hindurch. Es ist ein außerordentlich -fesselndes Bild. - -Aus den schönen blauen Fluten, welche in hohen Wogen mit mächtigen weißen -Schaumköpfen gegen das Land heranrollen, erhebt sich in majestätischer -Ruhe diese wunderlich geformte Klippenwand. An ihrem Fuße bricht sich -die Kraft der Wogen, welche zu weißem dampfenden Gischt gepeitscht an -diesem ehernen Wunderwerk hinauflecken und brodelnd und schäumend den Fuß -zu unterwühlen suchen. Unten ewige Unruhe, fortwährendes Anstürmen der -Meeresgewalten, oben feierliche Ruhe. Hier steht diese Felsenwand, wie -sie schon seit Jahrtausenden dagestanden hat, überall, wo überhaupt nur -etwas wachsen kann, mit grünem Gras und Moos bewachsen, und nur dort kahl -und finster, wo von den vorspringenden Steinrücken der jahraus jahrein -wehende Passatwind jedes Stückchen Erde, jedes Samenkorn wegfegt und -sie in die geschützteren Schluchten schleudert, wo die Erdkrumen Ruhe, -die Samenkörner Gedeihen finden. So kommt es, daß die Steinpfeiler sich -besonders scharf aus dem Landschaftsbilde herausheben, weil ihre Rücken -schwarz sind, die umliegenden Wände aber ein grünes Kleid haben. Oben -auf den einzelnen Zacken der Felsenwand stehen Sträucher, auf dem Kamm -einige Kokospalmen, welche sich scharf von dem blauen Himmelshintergrunde -abheben und ihre großen Blätter in dem frischen Winde spielen lassen. -Dieses an saftigen frischen Farben, sowie an schönen und kühnen Linien -so reiche Bild wird noch anziehender durch den Contrast, welchen es mit -seiner nächsten Umgebung zeigt. Denn während dieses Stück Land von der -Sonne hell beschienen wird, der blaue Himmel sich über ihm wölbt, wird -das dicht daneben liegende Land von Regenwolken vollkommen eingehüllt und -der ganze Horizont ist mit festen Wolkenmassen, welche an verschiedenen -Stellen wolkenbruchartige Regengüsse entsenden, umlagert. - -Der Passat weht frisch, unser Schiff hat schnellen Lauf, das Land rückt -rasch näher, es ist nicht mehr weit bis zu der Cap Venus genannten -Südspitze der Insel, und der Ankerplatz liegt gleich auf der andern Seite -des Caps, unsern Augen fast bis zu dem Augenblick des Ankerns verborgen. -Von Menschen ist vorläufig noch nichts zu sehen, weil dieselben die -Wetterseite der Inseln nicht bewohnen und Cap Venus die ganze Südseite -von Fatu-hiva nach der Seite, von welcher wir kommen, abschließt, sonst -auch kein Weg und Steg um dieses Cap herumführt, weil die Natur hier -die Anlage eines Weges verbietet. Den Bewohnern bleibt daher auch die -Ankunft eines von Osten kommenden Schiffes bis zum letzten Augenblick -verborgen. Ich hätte dem Schiff vorher so viel Fahrt geben können, um -von dem Cap an ohne Segel bis auf den Ankerplatz zu schießen; die Karten -sind aber noch nicht ganz zuverlässig, auch ist es nicht gerathen, ohne -Lootsen einen ganz fremden Platz anzulaufen, ohne ihn zuerst aus gewisser -Entfernung zu besichtigen und sich zu orientiren. So ging ich nicht dicht -unter das Land, sondern blieb weiter ab und versuchte mit kleinen Segeln -den noch auf tiefem Wasser liegenden Ankerplatz zu erreichen. Ich lief -damit Gefahr, nicht sofort zu Anker zu kommen, da man an der Leeseite -solch hoher Inseln gewöhnlich unstete Winde trifft, doch blieb mir -mit Rücksicht auf die Sicherheit des Schiffes keine Wahl. Das Cap wird -umschifft, ein köstliches Thal öffnet sich vor unsern Blicken, dessen -genauere Besichtigung mir aber noch nicht erlaubt ist, weil die Führung -des Schiffes mich ganz in Anspruch nimmt. Langsam geht es dem Ankerplatz -zu, die Segel sind schon weggenommen, da stößt der Wind von vorn und -drängt uns wieder hinaus. Es ist gerade 12 Uhr mittags und keine Aussicht -bleibt, unter Segel allein den Ankerplatz vor dem Abend zu erreichen. -Ich lasse daher in einem Kessel Dampf machen, das Schiff wird unter den -wieder gesetzten kleinen Segeln beigedreht und die Mannschaft zum Essen -geschickt. Nun wird mir Gelegenheit, das Thal Omoa oder Bon Repos-Bai, -wie die Franzosen es nennen, mit Muße zu betrachten. - -Die das Cap Venus bildende Klippe fällt an dieser Seite ebenso steil -ab wie an der andern, zeigt auch dieselben Umrisse, zieht sich aber -halbkreisförmig zurück und bildet einen Kessel, welcher durch malerisch -gruppirte Höhenzüge, schöne Thäler und überreiche Vegetation ausgefüllt, -ein Bild abgibt, welches jeden packen muß. Besonders malerisch treten auf -einem Höhenzuge einige Felsnadeln hervor, welche in ihrer Form so sehr den -Pappeln ähneln, daß man sie für riesige Bäume dieser Art halten könnte, -zumal das auf ihnen wachsende Gras und Moos ihnen auch das grüne Kleid -gibt. Unten im Thal öffnet sich der Strand, einige Hütten leuchten aus dem -überreichen Pflanzenwerk hervor, mit dem Fernrohr sind auch Eingeborene -am Strande zu erkennen, sie können indeß das vor uns liegende Bild nicht -beleben, weil unsere Entfernung von ihnen zu groß ist. - -Während wir angesichts des Ankerplatzes liegen und darauf warten müssen, -daß die Maschine Dampf bekommt, stößt ein Kanu vom Lande ab und kommt -auf uns zu. In demselben befinden sich sechs Personen, welche alle -hintereinander sitzen, weil das Fahrzeug so schmal ist, daß in der -Breite nur ein Mensch Platz findet. Das Fahrzeug nähert sich schnell, die -muskulösen Ruderer geben ihm durch das Arbeiten mit den kurzen Rudern, -welche mit beiden Händen gefaßt senkrecht in das Wasser eingetaucht und -dicht an dem Bootskörper entlang durch das Wasser gezogen werden, eine -große Geschwindigkeit. Wie ein Seevogel schießt das zierliche elegante -Fahrzeug über die hohen Wellen hinweg. Die vordere Hälfte liegt in der -Luft, wenn es oben über den Wellenkamm klettert, kippt dann nach vorn -herunter, und bergab schießt das gebrechliche Ding, um für kurze Zeit im -Wellenthal zu verschwinden. Die Ruderer bücken sich mit kurzer schneller -Bewegung weit nach vorn, die Ruder senken sich ins Wasser, die Männer -heben sich wieder und das von den Rudern nach hinten geworfene Wasser -spritzt hoch auf; der Vordertheil des Fahrzeugs ist in Wasserstaub -eingehüllt, wenn er aus der Luft in das Wasser zurückfällt, sonst sieht -man an dem Bug nur eine leicht gekräuselte, nach hinten verlaufende Linie, -an welcher der Kenner sieht, daß das Fahrzeug sich außerordentlich schnell -durch das Wasser bewegt und wol eine Geschwindigkeit von 1½ deutschen -Meilen und mehr in der Stunde hat. Die in demselben befindlichen Personen -sind anscheinend vier Europäer und zwei Eingeborene, denn vier sind -bekleidet und zwei sind nackt. - -Mit den Europäern hatte ich mich indeß getäuscht. Das Kanu kommt längsseit -und wir sehen schon an den Gesichtszügen, daß alle Insassen Polynesier -sind. Ein Mann steigt als erster aus und kommt an Bord, eine große -kräftige Gestalt in dunkeln Hosen, darüber flatternd ein reines, mit -braunen Blumen besprenkeltes weißes Hemd, ein schwarzer Filzhut auf dem -Kopf und unten barfüßig. Er hat angenehme Gesichtszüge, sein Nasenschnitt -erinnert an denjenigen der nordamerikanischen Indianer, sein langes Haar -ist sehr voll und leicht gekräuselt, das Gesicht bartlos, die Hautfarbe -braungelb und ziemlich hell, und vor allem ist der Mann sauber. Ein -zweiter folgt, ist ähnlich gekleidet, hat kürzeres Kopfhaar, etwas Bart, -einen schwermüthigen Zug im Gesicht, gebogene schmale Nase, spricht -englisch und gibt sich als geborener Tonganer zu erkennen, welcher längere -Zeit in San-Francisco gewesen ist und die deutsche Flagge kennt. Diesem -haben wir wol den freundlichen Empfang zu verdanken, welcher uns später -wurde. Er stellt den zuerst aufs Schiff Gekommenen als den Häuptling -von Omoa vor. Der dritte ist ein kleiner, pfiffig aussehender Geselle, -welcher sein Hemd schon in die Hosen eingesteckt trägt. Er ist Kajütsjunge -auf einem amerikanischen Walfischfänger gewesen und spricht ebenfalls -englisch. Der vierte, etwas reducirt in seiner Kleidung, schon älter an -Jahren, mit intelligentem Gesicht, ist ein Sandwich-Insulaner und spricht -auch englisch. Der fünfte und sechste sind prächtige nackte Kerle, nur mit -dem Maro bekleidet, einem Kleidungsstück, welches auch von den japanischen -Kulis getragen wird. Ein als Gürtel zusammengedrehtes Stück Zeug ist um -die Hüften geschlungen und dient zur Befestigung eines zweiten Zeugstücks, -das vom Nabel ausgehend, zwischen den Beinen durchgenommen und hinten an -dem Gürtel wieder befestigt wird. Bei diesen Leuten, welche die richtigen -Repräsentanten des hiesigen Menschenschlags sind und zwei ausgesucht -schöne Exemplare zu sein scheinen, muß ich etwas länger verweilen. - -Die Haare sind seitlich gescheitelt und werden, mit Ausnahme zweier Zöpfe, -welche von den Ohren aus herabhängen, lang und weit abstehend getragen. -Der ganze Körper ist tätowirt und theilweise mit wirklich künstlerischen -Mustern versehen, welche dem Menschen ein ganz eigenartiges Aussehen -geben. Namentlich tritt dies grell bei dem Gesicht hervor, weil die -Malerei hier ganz unsymmetrisch angeordnet ist. Scheinbar zwischen den -Haaren herauskommend, bedeckt ein blaues Dreieck die eine Seite der -Stirn; unter diesem Dreieck läuft ein blaues Band horizontal über die -Augen, welches oberhalb der Augenbrauen beginnt und sich bis zum halben -Nasenrücken erstreckt. Innerhalb dieses Bandes ist mit Ausnahme der -gelblich-weißen Hornhaut des Auges kein heller Fleck zu finden, weil -sogar die Augenlider mit großer Sorgfalt ganz blau gebeizt sind. Daß -die aus solch blauer Umgebung keck und frisch hervorleuchtenden großen -schwarzen Augensterne beim ersten Anschauen einen wilden Ausdruck zu -haben scheinen, liegt auf der Hand; das erste Befremden schwindet aber, -sobald man sich erst gewissermaßen eine geistige Brille aufgesetzt hat, -um die eigentlichen Augen herauszufinden, und hat man sie gefunden, -dann lacht einem ein gutmüthiger Schalk entgegen. Etwas oberhalb der -Nasenspitze beginnt ein zweites Band, welches bis unter die Unterlippe -reicht. Dieses ist jedoch nicht ganz blau, sondern hat willkürlich offen -gelassene helle Flecken, welche kleinere Muster in sich tragen, wie denn -auch das in der Mitte des Gesichts quer über die Nase laufende helle Band -mit kleinen Mustern verschiedener Art ohne bestimmte Ordnung ausgefüllt -ist. Die Malerei des Gesichts erhält ihren Abschluß am Kinn durch ein -dem Stirndreieck diametral gegenüberliegendes kleines Dreieck. Es liegt -auf der Hand, daß ein solches Gesicht, welches durch seine natürliche -hellbraune Farbe, durch frisch-rothe Lippen und schöne weiße Zähne noch -bunter wird, das äußerste Befremden erregt, zumal wenn der Eigenthümer -einer solch bunten Musterkarte dieselbe noch zum Lachen verzieht und seine -Augen fröhlich hin- und herlaufen läßt. Das Auge des Beschauers findet -in solchem Gesicht nirgends Ruhe, alles ist darin unregelmäßig und daher -sowol scheinbar, wie auch in Wirklichkeit in fortwährender Bewegung. -Während in einem natürlich gefärbten Gesicht Muskelbewegungen schon -stärker sein müssen, um einen andern Ausdruck hervorbringen zu können, -genügt hier die geringste Bewegung, um die Malerei zu verändern und das -Gesicht zu einem andern werden zu lassen. Ueber die Tätowirung des übrigen -Körpers ist nur zu sagen, daß sie mit großer Sorgfalt durchgeführt ist -und manch schönes Muster enthält. Besonders bevorzugt sind dabei Arme und -Hände, Unterschenkel und Füße; auf den Armen findet man in der Regel auch -noch den eigenen Namen, sowie solche naher Freunde. - -Das Kanu, in welchem die Leute gekommen sind, ist ein außerordentlich -zierliches, leichtes Fahrzeug. Es ist aus zwei Stämmen des -Brotfruchtbaumes zusammengesetzt; der eine Stamm gibt den Boden, der -andere auseinandergeschnitten die Seitenwände. Da dieses lange, schmale -und flache Fahrzeug nun aber gar keine Stabilität hat und daher auf -See stets umschlagen würde, so haben diese Naturvölker sich eine sehr -sinnreiche Sicherung angebracht. Auf ein Viertel der Länge von vorn und -ein Viertel von hinten ist je ein leichter Baumstamm quer über dem Boot -befestigt, welcher an der einen Seite etwa 1 m über das Boot hinausreicht, -an der andern mit der Seitenwand des Fahrzeuges abschneidet. An den Enden -der über das Boot hinausreichenden Arme sind (meistens senkrecht) nach -unten Stäbe befestigt, welche ebenso lang wie das Boot hoch sind und an -ihren untern Enden einen mit dem Boot nahezu parallel laufenden, nach -vorn etwas divergirenden Balken von ungefähr zwei Drittel der Bootslänge -tragen. Die Schwimmkraft dieses Balkens ist so groß, daß das Boot nach der -Seite, welche den Schwimmer trägt, nicht umschlagen kann, andererseits -ist das Gewicht des Schwimmers ausreichend, um das Umschlagen desselben -nach der andern Seite zu verhindern, solange es nicht gar zu ungeschickt -behandelt wird und die Befestigung des Hebelbalkens hält. Die Arbeit -an dem Kanu ist roh, alle die schönen Zierathen, welche man häufig auf -Bildern findet, fehlen hier, die Formen des 10 m langen und 1 m breiten -Fahrzeuges sind aber sehr gefällig und das ganze Kanu sieht aus einiger -Entfernung zierlich und elegant aus. - -Nachdem wir uns gegenseitig begrüßt hatten, gingen die Eingeborenen -zunächst durch das ganze Schiff, um sich dasselbe anzusehen, und bekamen -dann, als sie auf das Deck zurückgekehrt waren, etwas zu essen. Eine -große Schüssel voll Bohnen wurde auf eine auf dem Deck ausgebreitete -Presenning gesetzt, Corned-beef und Brot dazu gethan, die Insulaner -herbeigeholt und jedem von ihnen ein Löffel in die Hand gegeben, nachdem -vorher einige Aufpasser bestellt waren, welche diese als diebisch -bezeichneten Menschen stets unter Aufsicht halten sollten. Hätte ich -bei dieser Gelegenheit schon, wie wenige Stunden später, gewußt, welch -großen Werth die Leute auf äußere Formen legen, ich hätte ihnen zu dem -Zweck einen abgeschlossenen Raum angewiesen, so aber stand ich noch unter -dem Eindrucke der Reiseberichte und glaubte, diese Leute dementsprechend -behandeln zu müssen. Sie gruppirten sich hockend um die Schüssel, ließen -dem Häuptling ziemlich viel Platz, indem die andern dicht zusammenrückten, -und schienen sich an dem Gericht recht zu erlaben. Ohne Gier, mit Würde -und Anstand aßen sie die für zehn Mann berechnete Portion ziemlich schnell -auf, ließen aber doch von jeder Speise etwas zurück, legten dann die -Löffel, welche sie mit Geschick gebraucht hatten, ordentlich zusammen und -verließen den Speiseplatz. Die vier bekleideten Honoratioren kamen auf die -Commandobrücke, um sich zu bedanken; die beiden andern kletterten wieder -in ihr Kanu. - -Gegen 1½ Uhr hatte die Maschine Dampf, die Segel wurden festgemacht, und -unter Annahme der Lootsendienste, welche die Eingeborenen anboten, ging -es nach dem Ankerplatz, wo wir gegen 2 Uhr ankerten. Ich entschloß mich, -sogleich an Land zu gehen, um den Ort zu besichtigen und namentlich zu -versuchen, für meine Mannschaften einigen frischen Proviant zu erhalten. -Vorher wollte ich dem Häuptling noch eine Freude machen und rief ihn in -die Kajüte, um ihm ein wollenes Hemd zu schenken. Die drei andern kamen -natürlich mit und ich mußte nun, ehe ich mein Geschenk los werden konnte, -Zeuge einer sehr komischen und doch zu ernstem Nachdenken anregenden Scene -sein. - -In der Vorkajüte stehen an einer Wand auf Sockeln drei Statuetten -nebeneinander, in der Mitte die Ariadne von Dannecker, in ein Drittel -Lebensgröße, rechts die Venus Kallipygos, links die Mediceische Venus, -beide in ein Viertel Lebensgröße. Die Blicke der Insulaner schweifen an -den Wänden entlang, über die dort hängenden Bilder hinweg und bleiben -dann beim Umwenden plötzlich an diesen Statuetten hängen. Mit offenem -Mund und weit geöffneten Augen stehen die Leute stumm da, sehen mich -einen Augenblick an, richten aber ihre Blicke wieder schnell auf die -Bildwerke und stoßen, mit halberstickter Stimme nach Athem ringend, nur -den Staunensruf „'Ai! A-i!'“ aus. Die einzige Frage, welche sie noch zu -stellen wagen, ist die, ob das Thier, auf welchem die Ariadne sitzt, -wirklich ein Bär sei. Von den Männern wilder oder halbcivilisirter -Völkerschaften darf man ja nie äußere Zeichen des Staunens erwarten, -weil es bei ihnen zum guten Ton gehört, gegen Fremdes Gleichgültigkeit -zu heucheln; die Sinne dieser Männer mußten daher sehr gefesselt sein, -wenn sie sich soweit vergaßen, wie sie es gethan haben. Ich war nun aber -nicht sicher, ob das Erstaunen nur der künstlerischen Arbeit oder den -schönen classischen Formen galt, wollte jedoch Gewißheit haben. Ich rufe -die Leute daher in mein Arbeitszimmer, wo zwei colorirte Bilder hängen, -welche zwei duftige leichtbekleidete Mädchengestalten mit bunten Bändern -im Haar darstellen. Auf den Zehenspitzen folgen sie mir, das ganze Gesicht -nur Staunen und Verwunderung. Ich fordere sie auf sich umzudrehen, und in -stiller Andacht bleiben sie vor diesen zarten Mädchenblumen stehen, welche -durch weiter nichts als durch ihre feinen Farben zur Geltung kommen. Kein -Auge wenden sie von den Bildern, als ob sie dieselben sich für immer -einprägen wollten, und ich muß sie schließlich hinausdrängen. Nur mit -Widerstreben folgen sie, und ihre etwas verdüsterten Mienen hellen sich -erst wieder auf, als sie in der Vorkajüte die Puppen wiederfinden und -ich sie auffordere, dort solange Platz zu nehmen, bis ich meinen Anzug -für den Landgang in Ordnung gebracht habe. Ich unterließ aber nicht, die -Thüre zwischen uns offen zu halten, um diese angeblich diebischen Menschen -beobachten zu können, obgleich die offenen, ehrlichen Gesichter eigentlich -jeden Verdacht beseitigen müssen. Die Statuetten haben es den Naturkindern -aber so sehr angethan, daß sie heute keine Zeit zum Stehlen finden, -wenn sie auch sonst Neigung dazu verspüren sollten -- nur diese ziehen -magnetisch ihren Blick an, alles andere ist für sie nicht vorhanden. - -Als ich fertig war, rüttelte ich meine Gäste auf, gab dem Häuptling das -ihm zugedachte Hemd, welches er kurzer Hand über sein anderes zog, und nun -ging es in mein Boot, nachdem die Eingeborenen jede Vergütung für die dem -Schiffe geleisteten Lootsendienste entschieden abgelehnt hatten. Einige -Offiziere schlossen sich dem Landgange noch an und wir mußten eilen, wenn -wir noch etwas am Lande sehen wollten, weil der Weg zum Dorfe weit war und -bei Dunkelheit unpassirbar sein soll, wir aber jedenfalls vor Abend wieder -auf dem Schiff sein mußten, wollten wir nicht mit einem sehr unbequemen -Nachtlager vorlieb nehmen. Das Landen mit schweren Schiffsbooten ist hier -stets sehr beschwerlich, weil man nur an einer Klippe landen kann und -hier die See immer hoch geht. Die leichten Kanus laufen einfach auf den -beim Dorfe liegenden Sandstrand, lassen sich von den hoch auflaufenden -Wellen wie eine Blase auf den Sand werfen und werden dann schnell ganz -aufs Trockene gezogen; die Leute sind dabei aber auch gewöhnlich ganz -im Wasser, weil die Brandung so stark ist, daß das Fahrzeug, ehe es -das Land erreicht, durch den Gischt der Brandung hindurch muß. Mit den -Schiffsbooten kann man eine solche Landung nicht wagen und für diese liegt -die Landungsstelle weitab vom Dorfe an den Felsen, wo an der am weitest -vorspringenden Stelle ein platter Stein aus dem Wasser hervorragt. Die See -bricht merkwürdigerweise nur sehr selten über diesen Stein weg, sondern -zertheilt sich vor demselben und läuft an beiden Seiten vorbei. Diese -Eigenthümlichkeit gestattet den Booten so dicht heranzugehen, daß man -vom Boot aus auf den Stein springen kann, doch ist auch hierbei Vorsicht -nöthig, weil das Auf- und Niederwogen des Wassers immerhin so stark ist, -daß das Boot, wenn es durch eine ungeschickte Bewegung an den Felsen -geworfen wird, auch an ihm zerschellt. Ohne die Hülfe der Eingeborenen -hätten wir an diesem Tage, weil der Seegang infolge des starken Windes -der letzten Tage sehr hoch war, überhaupt nicht landen und auch kaum -den Weg nach dem Dorfe machen können, denn wahrscheinlich wären wir sehr -bald durch die Brandung von den Felsen heruntergerissen worden. Die Leute -waren wirklich rührend sorgsam mit uns und führten und leiteten uns, wie -die Mutter ihr Kind, wobei man es ihren Gesichtern ordentlich ansah, wie -besorgt sie waren, daß wir nicht zu Schaden kämen. - -An der Landungsstelle angekommen, sahen wir wol, daß mit einem geschickten -Sprung ans Land zu kommen ist, wir fanden aber auch, daß ein Fehlsprung -sicher ins Wasser führt und daß man bei dem Sprung auf den glatten Stein -auch nicht das Gleichgewicht verlieren darf, denn sonst schlägt man auf -die scharfen Felsen und kann sicherlich auf eine erhebliche Verwundung -rechnen. Unsere Freunde wissen das auch zu beurtheilen, denn als ich von -dem bei solchen Gelegenheiten etwas zweifelhaften Vorrecht des Aeltesten, -als erster den Vortritt zu nehmen, Gebrauch machen will, werde ich -festgehalten und neben mir springt der Sandwich-Insulaner zwar nicht auf -den Stein, aber mit seinem einzigen Anzug auf dem Körper in das Wasser und -schwimmt wassertretend wie ein Frosch vor dem Felsen. Ich verstand nicht, -was der Mann beabsichtigte, der Stein hat vollkommen senkrechte glatte -Wände und das Niveau des Wassers liegt etwa 1½ m unter der Plattform des -Steins, sodaß ein Erreichen des Steins vom Wasser aus unmöglich erscheint. -Der Mann kennt die Situation aber besser. Nach kurzer Frist steigt das -Wasser plötzlich 2-3 m, flutet über den Stein weg, fließt ab und unser -Insulaner steht auf dem Stein, um uns nunmehr die Hand zu reichen. Nach -und nach, je nachdem das Auflaufen der Wellen das Boot zum Abrudern zwingt -oder ihm gestattet nahe heranzukommen, werden alle Personen glücklich -gelandet und wir betreten einen Weg, wie man ihn nicht oft in seinem -Leben geht. Da die Bergwände zu steil sind, um auf ihnen ohne gebahnten -Pfad gehen zu können, die Eingeborenen in einem solchen Weg aber keinen -Nutzen sehen, weil die vorhandenen ihnen genügen, so war für uns auch nur -der eine Weg am Strande entlang über die Klippen vorhanden. Das Stück, -welches wir auf diese Weise zurückzulegen hatten, betrug etwa 40 Minuten, -weit genug, um ohne Zaudern loszumarschiren, wenn wir vor Eintritt der -Dunkelheit zurück sein wollten. - -Ein solcher Klippenweg hat die Eigenthümlichkeit, daß man nicht eben -weggehen kann, sondern unausgesetzt die Richtung ändern muß. Einmal muß -man sich nach links wenden, dann nach rechts, wie die vorspringenden -Steinspitzen gerade am bequemsten liegen, oft muß man mehrere Fuß tief -hinunterspringen und dabei gut darauf achten, den richtigen Stein zu -treffen, dann muß man das wieder mühsam hinaufklettern, was man vorher -hinuntergesprungen ist. Hat man nun hierbei nur auf den Weg zu achten, -dann geht es noch, hier heißt es aber noch unausgesetzt die Brandung -im Auge zu behalten. Dieses Zusammentreffen der ruhelos auflaufenden -Brandung mit einem an sich schon beschwerlichen Wege macht diesen geradezu -gefahrvoll, und hier erwiesen sich die Eingeborenen in so sorgsamer Weise -nützlich. An diesen Weg gewohnt und mit ihren nackten Füßen sehr viel -sicherer auf den Beinen, sind sie mehr befähigt, auf Weg und Brandung -zugleich zu achten, und verstehen auch zu beurtheilen, wie weit das Wasser -jedesmal steigt. So lassen sie uns zeitweise plötzlich halten, und dicht -vor uns werden höher liegende Felsen als diejenigen, auf welchen wir -stehen, von der hellen klaren See überspült; dann wieder lassen sie uns -auf einen andern Stein springen oder gar in eine Vertiefung, und um uns -herum steht alles in voller Brandung, während wir trocken bleiben, müssen -dann aber schnell auf einen der eben erst bespülten Steine flüchten, weil -das abfließende Wasser nun unsern letzten Zufluchtsort ausfüllt. So kommen -wir endlich zu dem Dorfe, zwar ohne von dem Seewasser durchnäßt zu sein, -trocken sind wir aber nicht, denn die Anstrengung des Weges hat allen -Schweiß aus unserm Körper herausgepreßt, den er überhaupt abgeben konnte. -Trotz des einsetzenden starken Regens benutzen wir unsere Regenschirme -nicht, weil wir ja doch schon durch und durch naß sind. Das Anerbieten -unserer Führer, uns durch einen ein Fuß tiefen Fluß zu tragen, lehnen wir -auch ab, weil es für unsere brennenden Füße eine Wohlthat ist, dieselben -in dem kühlern Wasser zu erfrischen. Von dem Dorf und seinen Bewohnern -sehen wir zunächst nichts, weil ein wüthend brennender Durst erst nach -irgendwelchem Getränk verlangt. - -Der Häuptling führt uns zunächst in seine Wohnung, wo seine Frau uns -empfängt. Um uns herum kribbelt und krabbelt es, mit der Gesellschaft -in Ordnung kommen können wir aber erst, nachdem wir mit großer Gier -die Milch einiger frischer Kokosnüsse getrunken haben. Endlich sind -wir wieder Menschen und können nun Umschau halten. Wir sind in einem -Holzhäuschen, welches aus einem Flur mit zwei daranstoßenden Zimmern -besteht; die drei obersten von uns sitzen auf Stühlen, ein Holztisch ist -vorhanden, an der Wand hängt ein Crucifix. Auf unsere Verwunderung über -dieses behagliche Häuschen wird uns die Antwort, daß es das Haus des -frühern Missionars ist und nach dessen Abgang mit sämmtlichem Inventar -in den Besitz des Häuptlings übergegangen ist. Der Häuptling sitzt, nur -mit Hosen bekleidet, auf einer Kiste, die beiden Hemden hat er also -inzwischen schon ausgezogen; sein Oberkörper ist nur wenig tätowirt. -Des Häuptlings Frau sitzt neben mir; sie ist von mittlerer Statur, hat -eine schmale gebogene Nase, brennende Augen, bis zur Schulter reichendes -schlichtes Haar und eine hellbraune Hautfarbe; ihr angenehmes und hübsches -Gesicht hat einen schmerzlichen Zug. Ihre Kleidung besteht aus einem -langen, bis zu den Knöcheln reichenden und mit Aermeln versehenen rothen -Gewand, unter welchem sie noch ein gelbes, hemdartiges Kleidungsstück -und darunter den Maro hat, welchen die Frauen ebenso wie die Männer, -Mädchen und Kinder tragen. Ihre Beine und Arme sind tätowirt; Arm und -Schulter zeigt sie uns auf Verlangen und würde uns wol auch ihr Bein -gezeigt haben, wenn wir danach verlangt hätten. Als Begrüßung reicht -sie uns die Hand, nickt graziös mit dem Kopf und verzieht das Gesicht -zu einem angenehmen Lächeln; die ganze Begrüßung ist nach europäischem -Geschmack so vornehm und fein, daß manche europäische Dame sich ein -Beispiel daran nehmen könnte. Ich biete meiner freundlichen Nachbarin -meinen ganzen Cigarrenvorrath an, welches Geschenk sie aber erst nach -erfolgter Aufforderung ihres Mannes annimmt; sie zündet sich eine an -und vertheilt die übrigen an die Anwesenden, welche nur aus Männern und -Jungen bestehen, aber was für Männer und Jungen! Ein Maler würde in dieser -Modellsammlung schwelgen. Die Erwachsenen sind durchweg kräftige, aber -elegante schlanke Gestalten von über Mittelgröße, alle Glieder schön -und ebenmäßig; die Gesichtszüge sind wegen der Tätowirung schwer zu -erkennen, doch sieht man so viel, daß dieselben im Durchschnitt hübsch -sind und Intelligenz verrathen, jedenfalls in der letztern Beziehung hoch -über dem Ausdruck der Gesichter unserer niedern Volksklassen stehen, -obgleich die Leute keine Schulzeit durchgemacht haben. Die Tätowirung -des Körpers ist so stilvoll durchgeführt, daß man, wie früher schon -erwähnt, die mangelnde Kleidung nicht vermißt; die Leute sind entschieden, -so wie sie sind, anständig angezogen. Die Männer tragen auch noch -Schmuck, entgegengesetzt unserer Sitte, während die Frauen sich hier -nur mit Blumen zieren. Der Schmuck besteht aus Halsketten von bunten -geschliffenen Glasperlen, nachgeahmten Korallen, auch zusammengereihten -bunten Früchten, aus goldenen Ringen und Ohrringen, Blumen im Haar und in -den an 1 cm großen Löchern der Ohrläppchen; als besonderer Schmuck wird -auch noch ein Schlüssel angesehen, der um den Hals gehängt wird. Einige -tragen Matrosenmesser; Waffen sind sonst nicht zu sehen, weil sie, wie -schon erwähnt, einheimische Waffen nicht mehr besitzen. Die anwesenden -Jungen im Alter von 6-14 Jahren sind wahre Prachtbengel, nur mit dem Maro -bekleidet, daher ziemlich nackt, weil sie noch nicht tätowirt sind. Sie -sind von heller braun-gelber Hautfarbe und haben offene, freundliche und -hübsche Gesichter, in welchen sich schon ein gewisses Selbstbewußtsein -ausspricht, denn sie dürfen mit den Männern zusammen sein, zu denen sie -gehören und mit welchen sie schon alles theilen. Man sieht es diesen -Jungen an, daß sie gut behandelt werden; unsere Dolmetscher bestätigen -auch, daß die hiesigen Eingeborenen viel auf Kinder halten und sie gern -haben. Ich stelle sie auf die Probe und frage, ob ich nicht einen Jungen -kaufen oder eintauschen könne, erhalte aber nur eine freundliche, jedoch -ganz bestimmte Abweisung. Da sich unter den Knaben auch einer mit hellerer -Hautfarbe und blondem Haar befindet, welcher nach Angabe des Dolmetschers -einen Weißen zum Vater hat, so frage ich, ob ich denn nicht diesen -Bastard einhandeln könne. Die Antwort war, daß schon der Kapitän eines -Walfischfängers sich alle erdenkliche Mühe gegeben habe, dieses Kind zu -erhalten, der Adoptivvater (augenblicklicher Mann der Mutter) wolle es -aber nicht hergeben und halte mehr von ihm wie von seinen eigenen Kindern. - -Im allgemeinen fällt mir der nette, liebenswürdige Verkehr unter diesen -Eingeborenen auf. Man sieht nur freundliche Gesichter; eine freundlich -gestellte Bitte von einem Erwachsenen an einen andern, von einem -Erwachsenen an einen Jungen, oder umgekehrt, wird sofort ohne Zaudern -mit freundlichem Gesicht gewährt. So stehen und hocken die Männer und die -Jungen an den Wänden, verhalten sich anständig und im ganzen ruhig, weil -wir ja ihr Interesse vornehmlich erwecken. - -Während wir hier im Hause des Häuptlings sitzen, werden Geschenke für mich -herbeigebracht. Der Häuptling und der Tonganer schenken mir jeder einen -Strauch Bananen; von dem kleinen Pfiffigen erhalte ich zwei Hühner, fünf -Eier und einige Apfelsinen. Auf meine Frage, welches Gegengeschenk ich zu -geben habe, wird mir die Antwort, daß sie kein solches erwarten; wolle ich -ihnen aber etwas schenken, dann würde alles, was ich nicht mehr gebrauchen -könne, dankbar angenommen. Ich schenkte später den Leuten ein Messer, eine -Flasche Rum, einen Sack Hartbrot, Cigarren, Streichhölzer und noch einige -Kleinigkeiten. - -In dem Hause war es mittlerweile unerträglich warm geworden, und da wir -auch noch etwas sehen wollen, entschließen wir uns zum Aufbruch und werden -nun, infolge des anhaltenden Regens, vorläufig in ein anderes Haus, eine -unverfälschte ortsübliche Hütte geführt, wo wir auch Damengesellschaft -finden. Die Hütten sind alle gleich, und so genügt es eine zu beschreiben. - -Auf eingegrabenen Pfählen ruht ein Dach, dessen Sparren aus Bambusstäben -bestehen und dessen Decke durch eine aus Palmblättern geflochtene Matte -gebildet wird, welche ziemlich regendicht ist und 5-6 Jahre vorhalten -soll. Mit ebensolchen Matten sind die Längswände der Hütte geschlossen, -die Schmalseiten sind offen. Die Hütte ist ungefähr 10 m lang, 3 m -breit und in der Mittellinie 4 m hoch. Der Fußboden der Hütte liegt -etwas mehr als 1 m über dem ihn umgebenden Erdboden und wird in der -Weise hergestellt, daß der innerhalb der Pfähle liegende Raum bis zu der -genannten Höhe mit großen glatten Steinen ausgefüllt wird, sodaß das etwa -durch das Dach sickernde Wasser zwischen den Steinen ablaufen kann; auch -wird das Ungeziefer, wie Ameisen u. s. w., wol die glatten Steine meiden. -In solcher Hütte sitzt man luftig, kann aber die andachtvolle Ruhe und die -herrliche Scenerie nicht genießen, denn der Schöpfer hat dafür gesorgt, -daß diese Menschen, welche sonst in paradiesischer Trägheit ihr Leben -verbringen, auch Bewegung finden. Denn wie bei uns die Thiere im Walde und -auf der Weide durch allerlei Geschmeiß zu fortwährender Bewegung getrieben -werden, so peinigen hier ungezählte Massen von Fliegen die Menschen. Sie -sind eine wahre Landplage, und alles Fächeln unserer braunen Freunde hält -sie von ihren eigensinnig wiederholten Angriffen nicht ab. So begrüßen -wir es als eine wahrhafte Erlösung, als es endlich aufhört zu regnen. -Das Anerbieten des Tonganers, mich auf die nächste Höhe zu führen, um von -dort aus einen Ueberblick über das ganze landschaftliche Bild zu erhalten, -mußte ich der vorgerückten Zeit wegen ablehnen und wir gehen statt dessen -an den Strand zu den dort liegenden Hütten und der dort in größerer -Zahl versammelten Damenwelt. Wir werden überall freundlich empfangen, -die Verständigung erfolgt durch Zeichen und Lachen, und die so geführte -Unterhaltung hält sich in den Grenzen feinen Anstandes; die berichtete -Schamlosigkeit und Gemeinheit können wir hier nicht entdecken. - -Der Anzug der Frauen besteht theilweise, und wol nur bei den -Wohlhabenderen, aus dem bei der Häuptlingsfrau schon beschriebenen -langen Hemde, in der Regel aber nur aus einem Stück Zeug aus Baumwolle -oder selbstfabricirtem Stoff, welcher aus der Rinde des Maulbeerbaumes -gefertigt wird. Der Anzug wird mit diesem in der Weise hergestellt, daß -das Zeug unter den Armen um den Leib geschlungen wird und dann bis zur -Erde reicht, beim Sitzen aber bis zu den Hüften heruntergleitet. - -Ich unterscheide unter den hier versammelten Frauen vier verschiedene -Typen, welche wahrscheinlich durch wiederholte Kreuzung entstanden sind. -Die große Mehrzahl hat stark krauses schwarzes Haar, welches bis zur -Schulter reicht und nach allen Seiten ungefähr 15 cm weit absteht, große -schwarze brennende Augen, breite aber wohlgeformte Nase, großen Mund und -hellbraune Hautfarbe. Eine zweite Klasse hat dasselbe Haar, jedoch mit -röthlichen Strähnen durchzogen, kleinere Augen und Nase und ist kleiner -an Körper. Die dritte Klasse hat schlichtes schwarzes Haar, welches -auch nur bis zur Schulter reicht und wol der Mode halber abgeschnitten -ist, eine schmale schöne Nase, stimmt jedoch sonst mit der ersten Klasse -überein. Die vierte Klasse hat nur einige wenige Vertreterinnen; sie haben -schlichtes schwarzes Haar, große schwarze sinnende Augen, feine leicht -gebogene Nase, kleinen Mund und eine ganz hellgelbe Hautfarbe. Bis auf -die zweite Klasse sind alle über Mittelgröße, einige sind sehr groß. Die -Körperformen sind bei allen ebenmäßig und schön; alle sind gut gewachsen -und haben volles üppiges Fleisch. Die der Insel ursprünglich angehörige -Rasse glaube ich in der ersten Klasse zu finden, wogegen die vierte -Klasse, welche man für Südeuropäer halten kann, wahrscheinlich viel weißes -Blut hat. Ehe ich zu beweisen suche, weshalb man bei den Männern nicht -so scharf ausgeprägte Typen unterscheiden kann, muß ich noch einer Frau -der vierten Klasse Erwähnung thun. Auf dem hochgelegenen Fußboden eines -Hauses saß halb mit dem rechten Bein, das linke auf dem Erdboden, an dem -äußern Rand eine lichte Gestalt in unnachahmlicher Grazie, den rechten -gekrümmten Arm gegen einen Pfahl lehnend, den schön tätowirten linken Arm -mit der Hand im Schoß, den Kopf leicht zur Seite geneigt. Der obere Theil -ihres Gewandes ruhte auf den Hüften. Sie war eine vollendete Schönheit -und sollte, soweit die Eingeborenen rechnen können, 35 Jahre alt sein. Ich -konnte dem von ihr ausgehenden Zauber nicht widerstehen und trat mit dem -Dolmetscher näher heran, zumal ich auch nicht glauben konnte, daß dieses -zarte feine Gesicht und der jugendlich üppige Körper in diesem Klima -schon 35 Sommer gesehen haben sollen. Trotz ihrer freundlichen Begrüßung -lag im Auge der Frau so viel Abweisendes, als ob sie sagen wollte: „Rühre -mich ja nicht an!“ Ich ließ ihr durch den Dolmetscher sagen, daß ich mir -gern ihren tätowirten Arm ansehen möchte, worauf sie mir mit zufriedener -Miene ihre kleine, schön geformte Hand reichte, damit ich mir das Muster, -welches ich weiter unten beschreiben werde, genau ansehen konnte. - -Daß man in dem Aussehen der Männer so wenig Verschiedenheit findet, liegt -wol hauptsächlich in der Tätowirung. Die früher genannten vier Insulaner -in europäischer Kleidung, welche sämmtlich nicht im Gesicht tätowirt sind, -haben dagegen ganz verschiedene Gesichtszüge, doch gehören nur zwei von -ihnen dieser Insel an, und von diesen ist der Häuptling groß mit breiter -gebogener Nase, der Pfiffige klein mit langer schmaler Nase. Dies beweist -aber auch noch nichts, weil auf den Südsee-Inseln die Häuptlinge immer -größer an Gestalt sind und andere Gesichtszüge haben, als ob sie einer -andern Rasse angehörten. Als besonders auffällig erschien mir bei unserm -kurzen Besuch, daß sowol die nackten tätowirten Männer als auch die Jungen -unter sich alle gleich aussehen. Die Männer haben durchgehends krauses -schwarzes Haar, dunkle Augen, theilweise gebogene, theilweise breite -Nasen, und man muß sehr genau hinsehen, um aus diesen bunten Gesichtern -überhaupt bestimmte Formen herausfinden zu können. Die Jungen haben -schlichtes kurzes Haar, große Augen, großen Mund und ebenfalls theilweise -gebogene, theilweise breite Nasen. - -Noch einmal auf die Frauen zurückkommend muß ich erwähnen, daß sie das -Haar in der Mitte gescheitelt tragen und anscheinend in guter Pflege -halten, denn bei ihnen waren ebenso wenig wie bei den Männern Spuren -von Ungeziefer zu entdecken. Die Frauen tätowiren sich in die Lippen -senkrechte blaue Striche ein, welche so unmotivirt sind und mit keinerlei -Gesichtszügen in Verbindung stehen, daß sie das Gesicht entschieden -verunstalten. Während die frühern Reisebeschreibungen sagen, daß die -Frauen nur auf den Lippen tätowirt sind, haben wir diese Sitte bei ihnen -auch auf andere Körpertheile ausgedehnt gefunden. Wie ich schon erzählt -habe, hat die Frau des Häuptlings Arme und Beine tätowirt, wir finden -dasselbe hier am Strande noch bei mehrern andern Frauen. Die Tätowirung -des Armes reicht in der Regel von den Mittelgelenken der Finger bis zu -dem halben Unterarm, besteht aus sich kreuzenden feinen Linien, welche -ziemlich dicht zusammenliegen, auf dem Rücken der Hand und vor dem -Abschluß am Arm aber ein offenes spitzenähnliches breites Band bilden, -sodaß es aussieht, als ob die betreffende Person fein gewirkte lange -Filethandschuhe anhabe; bei der Häuptlingsfrau geht das Muster bis zur -Schulter. Die Tätowirung des Beines erstreckt sich von den Zehen über den -Fuß und das ganze Bein bis zu den Hüftgelenken, bei einzelnen jedoch nur -bis etwas über das Knie, und hier konnte man wähnen, feine Filetstrümpfe -nach französischem Modell vor sich zu haben. Als wir den Wunsch äußern, -ein solches Bein zu sehen, zaudert das betreffende Mädchen erst, schlägt -aber nach Aufforderung der umstehenden Männer sichtlich verschämt das Tuch -so weit zurück, daß man das Bein sehen kann. Es hat schöne Formen, reiche -und schöne Muster, die Haut ist zart und weich. - -Das Tätowiren der Männer nimmt viele Jahre in Anspruch, denn es -beginnt mit dem 14. Lebensjahr und wird so ziemlich bis zum Lebensende -fortgesetzt. Eine solche Procedur auf einmal ohne Unterbrechung ausgeführt -würde vielleicht ebenso den Tod nach sich ziehen, als wenn ein Mensch -bis zu zwei Drittel seiner Hautfläche verbrüht wird. Die ersten Linien -werden im Gesicht, an Händen und Füßen angelegt, und die Arbeit, welche -nach meiner Schätzung mehr als 30 Jahre in Anspruch nimmt, wird mit dem -vorschreitenden Alter weiter durchgeführt; wenigstens habe ich nur einen -Mann gesehen, welcher in dieser Beziehung als fertig angenommen werden -konnte, und dieser war etwa 50 Jahre alt. - -Bei den Mädchen ist es wegen der geringern in Betracht kommenden -Hautfläche angängig, die ganze Procedur auf einmal auszuführen und diese -soll auch nach dem 14. Lebensjahr bei Gelegenheit von Festen in einem Act -ausgeführt werden. Ob es für die Mädchen wirklich ein Fest? Ich habe es -in meinen jungen Jahren auch gekostet, wie das Tätowiren thut, und kann -nur sagen, daß ein ganz kleines Stück schon schmerzhaft genug ist. - -Die Füße und Hände der Frauen sind klein und gut geformt. Die Ohrläppchen -haben sehr große Löcher, dieselben sind aber nicht für Ohrringe bestimmt, -sondern nehmen Blumen und kleine Sträuße auf. Das Gebiß ist, soweit ich -sehen konnte, durchweg gesund, schneeweiß und wird sauber gehalten. - -Mit zwei oder drei Ausnahmen habe ich keine kleinen Mädchen gesehen. -Meine Frage, ob sie die Mädchen als überflüssig gleich nach der Geburt -erwürgten, wurde mit Entrüstung verneint und behauptet, daß diese alle -weiter oben in dem sich durch das ganze Thal erstreckenden Dorf seien, wo -noch 400 Menschen wohnten. Leider konnte ich mich nicht lange genug auf -dieser Insel aufhalten, um noch Zeit für einen Ausflug nach dem obern Dorf -zu finden. - -Allmählich wird es Zeit, an den Rückweg zu denken, und ich schaue mich -nach meinen Sachen um, an die ich gar nicht mehr gedacht hatte. Zu meiner -Ueberraschung sehe ich einen ganzen Trupp Männer und Jungen, welche -mir dieselben nachtragen. Einer hat meinen Rock, welchen ich der Hitze -wegen ausgezogen hatte, ein anderer meinen Schirm, wieder einer meine -Bananen u. s. f. Wir nahmen nun Abschied von den Damen, ich ziehe meinen -Rock an und entdecke zu meiner Verwunderung, daß kein Stück der in den -Taschen vertheilten Kleinigkeiten fehlt, nicht einmal die Schachtel mit -Zündhölzern, welche in der jetzigen Regenzeit fast der begehrteste Artikel -ist. Die andern Sachen lasse ich den Trägern noch und wir begeben uns nun, -nachdem wir der großen Branntweinflasche noch einen Besuch abgestattet -hatten, zurück auf den bedenklichen Klippenweg, wo es uns diesmal nicht so -gut gehen sollte wie auf dem Herweg, denn als ich an einer Stelle, welche -mir durchaus sicher erschien, einen Augenblick stehen blieb, um mit dem -mir nachfolgenden Offizier einige Worte zu wechseln, hörten wir beide den -Warnungsruf unsers Führers zu spät, standen plötzlich bis unter die Arme -im Wasser und lagen dann zwischen den Klippen; dasselbe passirte auch dem -größten Theil der Offiziere, weil alle auf dem Rückweg zu unaufmerksam -waren. Glücklicherweise nahm indeß keiner größern Schaden; einige Risse -in den Hosen und in der Haut waren das ganze Opfer. - -Ehe wir das Dorf verließen, fragte mich der kleine Pfiffige, ob ich denn -vorher nicht noch eine Frau haben wolle? Als ich darauf die Gegenfrage -stelle, ob dies denn angängig sei, sagte er, ich solle mir nur eine -aussuchen, denn mit Ausnahme der Häuptlingsfrau ständen alle Frauen und -Mädchen des Dorfes zu meiner Verfügung. Um den Mann nicht zu verletzen und -die Sache doch kurz abzubrechen, gab ich ihm zur Antwort, daß es dafür -heute schon zu spät sei, weil ich auf das Schiff zurück müsse. „Gut“, -sagte mein Freund, „ich werde dann zu morgen die Schönsten aussuchen.“ -Diese kurze Unterhaltung brachte mich auf den Gedanken, mit den uns -begleitenden Männern einige Frauen mit an Bord zu nehmen, damit sie sich -das Schiff ansehen und etwas Musik hören könnten. Kaum ausgesprochen -- -und mein Führer ist schon auf dem Wege, die Einladung weiter zu befördern. -Wir gingen weiter nach dem Boot, wo ich den eben wieder eintreffenden -Eingeborenen frage, wie es denn mit den Frauen sei, da ich noch keine -auf dem Wege sähe. Er sagt nun kleinlaut, daß sie nicht kommen wollten, -da sie sich nicht auf ein so großes Schiff trauten. Als ich eine nähere -Erklärung dieser mir unverständlichen Rede forderte, erzählte er, daß vor -mehrern Jahren einmal alle Frauen auf einem französischen Kriegsschiff -gewesen und dort so mishandelt worden seien, daß sie auf kein Kriegsschiff -mehr gingen. Da es heute zu spät geworden war, in der Sache noch etwas -zu thun, wiederholte ich meine Einladung für morgen mit dem Bemerken, daß -alle Eingeborenen, Männer, Frauen, wie Kinder meine Gäste seien, und diese -Einladung wurde mit Freuden angenommen. - -Die Einschiffung in das Boot ging ohne weitere Beschwerden vor sich, weil -es leichter war, von dem Stein in das tiefer liegende Boot zu springen, -doch galt es auch hier gut aufzupassen und den Sprung dicht vor dem Moment -zu machen, wo das von einer Welle gehobene Boot einen Augenblick ruhte. -Gegen 6 Uhr abends waren wir wieder an Bord. - -Den nächsten Vormittag benutzte ich dazu, in meiner Gig nach einer andern -kleinen Bai, welche drei Seemeilen von uns entfernt lag, zu fahren, um -mir den dortigen Ankerplatz anzusehen und das Dorf, in welchem sich seit -kurzem ein deutscher Missionar angesiedelt haben soll, zu besuchen. Bei -schönem Wetter erreichen wir bald diese Bai, Hanavava- oder Vierges-Bai -genannt. Den Hintergrund derselben bildet ein schönes zerklüftetes Thal, -welches, von hohen Bergwänden eingeschlossen, in üppigster Vegetation -prangt; wunderlich geformte alleinstehende steile Felsen wachsen scheinbar -aus dem dichten Laubdach heraus. Nach der See zu öffnet sich das Thal; -schöner Sandstrand, welcher bequemes Landen erlaubt, verbindet Land -und See; an den Strand schließen sich schroffe Felsmassen an, welche -halbkreisförmig nach der See auslaufen und so nahe aneinander rücken, daß -sie hier gewissermaßen ein Felsenthor für den von ihnen eingeschlossenen -kleinen Hafen bilden. Das Auge ist entzückt von dem vor ihm liegenden -Bilde, findet an Land gekommen aber nichts mehr. Die schönen Bilder, -welche durch Berg, Thal und Laub, durch Fels und Meer gebildet werden, -entschwinden; ein undurchdringliches grünes Laubdach verwehrt dem Auge -jede Fernsicht und zwingt es, zwischen den Hütten der Eingeborenen zu -bleiben, welche, ebenso wie ihre Bewohner, im Vergleich zu Omoa einen -recht reducirten Eindruck machen; Hütten und Menschen können sich mit -denen von Omoa nicht messen. Traurige Fußsteige, welche jetzt, bei dem -herrschenden Regen, kaum zu benutzen sind, stellen die Verbindung in dem -untern Theil des Dorfes her; weiter hinauf in das schöne Thal, auf die -einladenden Berge ist wahrscheinlich gar nicht zu kommen. - -In Hanavava angekommen begrüßte uns -- ein Offizier hatte mich begleitet --- der Missionar in französischer Sprache, welchen Gruß ich ebenso -erwiderte, weil ich nicht an das Deutschthum dieses Mannes glaubte. -Als mein Kamerad aber den Gruß deutsch erwiderte, war das Erstaunen -des Missionars groß; mein Erstaunen aber noch größer darüber, daß der -deutsche Priester, welcher schon sechs Jahre in überseeischen Ländern -gelebt hat, die deutsche Flagge noch nicht kannte. Der Pater war ein -geborener Westphale, etwa 30 Jahre alt und der einzige Weiße auf der -ganzen Insel. Der Einladung, in sein Haus einzutreten, leisten wir -Folge, finden dort ein übermäßig bescheidenes Wohngelaß, in welchem -geniale Junggesellenunordnung herrscht. Nur ein Stuhl ist vorhanden, -die Schubladen des Tisches beherbergen in trauter Gemeinschaft die -verschiedenartigsten Dinge; die wenigen Bücher scheinen hier noch nicht -benutzt worden zu sein, einzelne Koffer stehen noch unausgepackt mitten -in der Stube. Man sieht an allem, daß der Mann nicht weiß, was er soll -und was er will; er ist in eine fremde Welt versetzt, in welcher er nicht -zurechtkommt, wahrscheinlich nicht einmal etwas Ordentliches zu essen -findet, weil er selbst nicht kochen kann und die Eingeborenen sich von -ihm fernhalten. Da er nach dem Inhalt seiner Schubladen nur von Hartbrot -zu leben scheint, sein Taback auch verdorben aussieht, so bieten wir ihm -das als Theil unsers Frühstücks mitgebrachte frisch gebackene Brot, einige -Cigarren und etwas Taback an, damit er doch einmal eine, wenn auch sehr -bescheidene Abwechselung habe. Dieses in entsprechender Form gemachte -Anerbieten wird auch in freimüthiger, verständiger Weise aufgefaßt und -angenommen und durch frische Kokosmilch erwidert. - -Der Pater gehört, soweit wir haben herausbekommen können, zu der -französischen katholischen Missionsgesellschaft, welche ihren Hauptsitz -in Papeete auf Tahiti hat. Die französischen Geistlichen bleiben, wie -ich namentlich von anderer Seite gehört und auch selbst beobachtet -habe, in Papeete und Port Anna-Maria in bequemen Wohnungen und durchaus -civilisirten Verhältnissen, während die ziemlich zahlreich vorhandenen -und noch immer nicht klug gewordenen Deutschen auf die verlorenen Posten -geschickt werden. Der Pater in Papeete ist der vornehme feine Mann in -eleganter Kleidung, der Pater hier ein Tagelöhner im Arbeitskittel. -Märtyrerthum ist hier nicht mehr zu holen; kein Eingeborener krümmt -irgendeinem weißen Manne mehr ein Haar; aber schlechte Nahrung, weil -die Patres von ihren in Papeete im Wohlleben schwelgenden Amtsbrüdern -vollständig vergessen werden, schlechte Betten, Mangel einer jeden -Geselligkeit und das niederdrückende Gefühl, nichts leisten zu können, -sondern eine Null im Weltall zu sein, sind im Ueberfluß vorhanden. Denn -ebenso wie die französischen Geistlichen auf Tahiti und Nuka-hiva nichts -thun, dafür aber gut leben, thun die deutschen auf den andern Inseln auch -nichts, weil die Eingeborenen sich dem Einfluß der Missionare durchaus -entziehen, leben aber recht schlecht. Früher war auf dieser Insel ein -englischer Missionar, welcher, da er keinen Einfluß auf die Eingeborenen -ausüben konnte, seine Missionsarbeit aufgab und sich mit Erfolg auf die -Cultur der Baumwolle legte, bis er auch dessen überdrüssig wurde. Er -verkaufte sein Besitzthum an die französische Missionsgesellschaft und -fuhr nach Hause; jetzt seit sechs Monaten sitzt unser Westphale hier, -versucht Unterricht zu geben und sammelt für die Herren in Papeete -die Baumwolle ein, weil er keine Eingeborenen dazu bekommen kann. Mit -den Erwachsenen hat er allen Verkehr aufgegeben, weil mit diesen doch -nichts mehr anzufangen ist, und bei den Kindern, mit welchen er sich -noch beschäftigt, hat er auch wenig Hoffnung, weil die Eingeborenen -den Nutzen von Lesen und Schreiben durchaus nicht einsehen wollen, im -übrigen sich jedem Zwang bis zum äußersten entgegenbäumen. Der Pater will -eine Abtheilung Soldaten haben, um gewissermaßen mit dem französischen -Bajonette zu taufen, anders sieht er keinen Erfolg. Solch ein Missionar -sieht in der Phantasie in Europa ganz anders aus, als hier an Ort und -Stelle in der Wirklichkeit. Alle die überspannten, dem Menschenwohl -gewidmeten Ideen, welche den Mann in die Fremde getrieben haben, -gehen sehr schnell verloren; er findet das alltägliche Leben in der -trübsten Gestalt, ohne helfen zu können, und hat dafür einen dankbaren -Wirkungskreis aufgegeben. Er sieht, daß sein Wort, seine Begeisterung -an der Indolenz dieser Leute wirkungslos abprallen, findet nirgends -Befriedigung, wird mismuthig und geht geistiger Umnachtung entgegen, -wenn er nicht Lust an der Landwirthschaft findet. Nur einmal noch kommt -er wieder zum Aufleben, wenn es ihm gelingt, sich hier loszureißen und -nach Hause zurückzukehren. Dort wird er dann als ein Märtyrer betrachtet, -welcher die größten Gefahren überstanden hat, und wenn der ehrliche Mann -die Verblendeten aufzuklären sucht, wird ihm dies als Bescheidenheit -ausgelegt und ihm nicht geglaubt. - -Als wir in das Haus des Missionars eintreten, folgen uns, wie das ja auch -nicht anders sein kann, so viele Eingeborene -- aber wieder nur Männer und -Jungen -- wie nur überhaupt in den Flur des kleinen Hauses hineingehen, -ohne indeß das Zimmer, in welchem wir sitzen, zu betreten. Im Laufe -der Unterhaltung lenkt der Pater unsere Aufmerksamkeit nach der Thür -des Zimmers, in welcher ein alter Herr in europäischer Kleidung steht, -den der Pater uns als den Häuptling des Ortes vorstellt und welchem wir -die Hand schütteln. Er ist jedenfalls erst so spät gekommen, weil seine -Toilette ihn so lange in Anspruch genommen hat, dafür ist dieselbe aber -auch so wohl gelungen, daß ich sie näher zeichnen muß. Wo aber anfangen, -beim Hut oder bei den bloßen Füßen? Ich werde den Hut wählen. Unter einem -alten und altmodischen, anscheinend öfters eingetriebenen schwarzen -Cylinderhut steckt ein altes, runzeliges, von einem kurzgeschnittenen -weißen Bart eingerahmtes Gesicht voll blauer Malerei. An den Kopf schließt -sich ein fest zugeknöpfter, langer, blauer Marine-Offiziersrock an, -welcher jedenfalls direct auf die bloße Haut übergezogen ist, weil bei -dem Vorhandensein eines Hemdes der Schluß nicht so hermetisch zu sein -brauchte. Der Rock ist alt, sehr alt, vielleicht so alt wie sein jetziger -Besitzer, obgleich dieser ihn noch nicht sehr lange hat. Als besondere -Zierde hat dieses Galakleidungsstück vier Reihen Knöpfe erhalten, -zwei Reihen Civilknöpfe und zwei Reihen englische Marineknöpfe, alle -vier Reihen sind indeß stark gelichtet, kaum die Hälfte der Knöpfe ist -noch vorhanden, man sieht aber wenigstens noch wo die fehlenden einst -gesessen haben. Aus den Rockärmeln sehen zwei große Hände hervor, welche -in gewirkten weißbaumwollenen Handschuhen stecken; die Handschuhe sind -nicht sehr rein, vielleicht aus Furcht, daß ein zu häufiges Waschen ihnen -schaden würde. Unter dem Rock kommen die in schmutzigen weißen Hosen -steckenden Beine hervor, die Füße sind bloß. So steht der Gebieter über -dieses schöne Thal in der Thür vor uns, den Hut auf dem Kopf, die Hände -in fortwährender Bewegung, weil er nicht weiß, wo er mit ihnen bleiben -soll, und mit einem Gesichtsausdruck, welcher nichts anderes bedeuten kann -als den Zuruf an uns: „Seht hier einen, welcher euch stolzen Europäern -ebenbürtig ist, welcher weiß, was sich schickt, und zeigen kann, was -er besitzt!“ Der arme Mann, welcher nackt in seinem bemalten Körper -jedenfalls ein ehrwürdiger Greis ist, gibt so das Bild eines europäischen -Bettlers, eine Jammergestalt; doch er ist glücklich, er wähnt sich -würdevoll und uns gleichstehend, weil nach seiner Ansicht wol auch die -Kleider oder überhaupt Kleider die Leute machen. Der Pater erzählt uns, -daß dieser Häuptling auch der Oberpriester des Thales und somit sein -größter Widersacher sei, daß er aber im allgemeinen gut mit ihm stehe. - -Die für den Besuch dieses Thales bemessene Frist ging ihrem Ende entgegen; -es wurde daher Zeit aufzubrechen, wenn wir noch etwas sehen wollten. Die -Wege sind zwar schlecht, weil der schon monatelang währende Regen den -fetten Lehmboden in einen wahren Schlammpfuhl umgewandelt hat, allein -dies kann uns doch nicht abhalten. Als wir aus dem Hause treten, finden -wir den ganzen Weg mit Menschengruppen besetzt, welche uns sehen wollen -und uns dadurch die beste Gelegenheit geben, sie zu sehen. Wir finden -hier ziemlich denselben Menschenschlag wie in Omoa, nur sind die Leute -weniger schön. Unser Weg hält sich anfangs unter dicht belaubten Bäumen, -meist Brotfruchtbäumen; bald wird es lichter und wir kommen an eine -etwas verwilderte, mit Unkraut durchsetzte Baumwollpflanzung, welche der -Missionsgesellschaft gehört. Es fehlen aber die Arbeitskräfte, weil der -Eingeborene nicht arbeitet und sich nur gegen Zahlung von Kleidungsstücken -zuweilen bewegen läßt, die reife Baumwolle zu pflücken. - -Die ganze Landschaft um uns herum prangt im saftigsten Grün, über -uns wölbt sich das tiefblaue Himmelszelt, da es ausnahmsweise nicht -regnet. Von jedem Blatt, jedem Halm strahlen die Regentropfen wie die -schönsten Diamanten, auf den duftigen hellgelben großen Blüten mit -dunkelm rothbraunen tiefen Kelch der in voller Blüte stehenden Baumwolle -wiegen sich in graziösen lautlosen Schwingungen schöne dunkelgefärbte -Schmetterlinge. Die feierliche Ruhe, der stille Friede, welche auf diesem -anziehenden Bilde ruhen, stimmen zur Andacht. Wir bleiben unwillkürlich -stehen, um mit den Augen, mit allen Sinnen das ganze Bild in seiner -großartigen Schönheit zu erfassen. Hohe, wunderlich geformte und selten -schöne Felsen umgeben uns; sie erheben sich von der Thalsohle wie -künstliche Bauwerke, weil sie mit den das Thal begrenzenden Bergwänden -nicht zusammenhängen und ihre Oberfläche auch auffallend von derjenigen -der andern Berge abweicht. Denn während diese dicht bewachsen sind, zeigen -jene malerische Figuren in allen Nüancen der dem Auge so wohlthuenden -grünen Farbe und in so reichen und verschiedenartigen Mustern, daß -man Gebilde von Künstlerhand vor sich zu sehen wähnt. Zwischen diesen -herrlichen Naturwerken hindurch verfolgt das Auge den Lauf des fruchtbaren -Thales, wie es zwischen hohen Bergen eingeengt sich allmählich zur Höhe -hinaufzieht, um urplötzlich und doch wieder unmerklich in einer steilen -Bergwand sein Ende zu finden. Das Auge kehrt zurück. Dort liegen unter -hohen Bäumen, theilweise in dichtem Laub versteckt die Hütten, dazwischen -heben sich von dem weichen grünen Hintergrund effektvoll die regungslosen -Gruppen der Eingeborenen ab, die Frauen größtentheils in grellbunten -Gewändern auf der Erde hockend, die nackten bunten Körper der Männer -leicht und in gefälliger Stellung an Baumstämme gelehnt. Dazwischendurch -sieht man an einzelnen Stellen auch den Strand mit den auf ihm stehenden -Kanus hindurchschimmern und dahinter das in ewiger Bewegung befindliche -Meer, auf dessen Wellen man auch meine Gig sich wiegen sieht. Die -Bewegungen dieses Bootes sind aber so sanft, die Musik der bis hierher -vernehmbaren rauschenden Brandung ist so weich und stimmungsvoll, daß -dieses sichtbare und hörbare Leben keine Dissonanzen in die Naturandacht, -in dieses Bild paradiesischen Friedens zu bringen vermag. Die köstliche -Ruhe, welche auf dieser wahrhaft schönen und seltenen Scenerie liegt, -der herrliche Blumen- und Blütenduft, das Rauschen der sanft auflaufenden -Brandung, die Gruppen der trägen Menschen, welche leblos erscheinen, das -Fehlen aller Vogelstimmen und überhaupt aller Laute, welche die Sinne -beschäftigen können, geben zusammen ein Ganzes, welches einen von einer -langen Reise und dazu noch von einem geräuschvollen Kriegsschiff kommenden -Seemann vollständig gefangen nehmen muß. Doch für diesen gibt es nirgends -ein Bleiben, und so müssen auch wir heute nach kurzer Rast wieder weiter. -Schade nur, daß ich nicht die Kraft besitze, dieses herrliche ergreifende -Bild auf der geduldigen Leinwand in wahrheitsgetreuer Wiedergabe mit nach -Europa zu bringen, wo es gewiß allgemeines Aufsehen erregen würde. - -Wir gehen weiter nach dem heidnischen Opfer- und Tempelplatz, wo vor -sechs Jahren der letzte Mensch geopfert, gebraten und verzehrt wurde, und -wo der Häuptlingpriester noch jetzt zeitweise seinen harmlos gewordenen -Hokuspokus treibt. Der Platz ist viereckig und von einer niedrigen -Steinmauer umgeben, der Fußboden ist ebenso wie in den Hütten mit -großen Steinen belegt. Zwei große Bäume, von denen einer an dem einen -Ende, der andere am andern Ende innerhalb des Platzes steht, beschatten -diesen vollkommen, und in der Mitte zwischen ihnen sind die Steine zu -einer Feuerstelle hoch aufgeschichtet. Ein ausgehöhltes Stück Baumstamm, -welches nach Angabe des Paters die Festtrommel ist, liegt an der Erde. Die -Benutzung dieses Platzes bei der Vornahme von Menschenopfern geschah in -der Weise, daß die Männer sich um den einen Baum gruppirten und das Opfer -an dem andern Baum aufgehängt wurde. Im weitern Verlauf wurden dann von -dem Opfer einzelne Stücke abgeschnitten, in dem in der Mitte befindlichen -Feuer gebraten, gegessen und dies so lange fortgesetzt, bis das Opfer in -dem Magen der Menge lag. Die Weiber durften den Opferplatz nicht betreten, -es war ihnen aber erlaubt, außerhalb der Mauer stehend zuzusehen, wohin -ihnen auch einige Stücke des heidnischen Mahles gereicht wurden. - -Wir besehen uns noch die ganz in der Nähe liegende Hütte des Häuptlings, -welche genau den andern gleicht und als einziges Ausstattungsstück die -große Alarmmuschel des Häuptlings in sich birgt. Durch ein in die Spitze -eingebohrtes Loch wird es möglich, einen hellen durchdringenden Ton auf -der Muschel zu erzeugen. - -Wir hatten nun alles gesehen und kehrten zu meinem Boot zurück. Auf dem -Wege wurde mir von einer alten Frau noch ein altes, auf ein Stück Knochen -geschnitztes Idol zum Kauf angeboten. Gegen Mittag sind wir wieder an -Bord und finden auf dem Schiffe bereits reges Leben. Wie es scheint, ist -die ganze männliche Bevölkerung von Omoa zum Theil auf dem Schiff, zum -Theil in den vielen Kanus neben demselben. Das ganze Schiff ist von Kanus -umschwärmt, deren Insassen lachen und schwatzen und durch geschickte -Wendungen den spaßhaft gemeinten Angriffen anderer Kanus ausweichen; alles -ist in fortwährender, freudetrunkener Bewegung. Auf dem Deck des Schiffes, -in der Takelage, in den untern Räumen sieht man eingeborene bunte Männer -und Jungen, welche eine Verständigung mit unsern Leuten versuchen; viele -haben Früchte, Hühner, Eier und Muscheln, für welche sie alte Kleider -einzuhandeln suchen. Während ich auf der Commandobrücke stehe, um mir von -erhöhtem Standpunkt aus dieses buntbewegte Treiben anzusehen, klettert -dicht bei mir an der Schiffswand ein älterer Mann herauf, klammert sich an -der Takelage an, nickt mir einen freundlichen Gruß zu und nimmt dann zwei -ihm aus seinem Kanu gereichte kleine Beutel in Empfang, welche er, mich -lachend ansehend, zärtlich streichelt und dann im Schiffe verschwindet. -Wie ich nachher hörte, hatte der Mann in diesen Beuteln 100 Dollars, für -welche er sich auf dem Schiff alte Kleidungsstücke kaufen wollte. All -die andern Sachen, welche die Leute mitgebracht hatten, wurden auch nicht -gegen Geld verkauft, sondern gegen alte Kleider ausgehandelt. So kam es, -daß am Abend, als die Leute wieder an Land geschickt wurden, Omoa eine -ganz andere Physiognomie erhielt, weil kaum noch ein ganz nackter Mann -zu sehen war, denn wenn auch nur wenige einen vollständigen Anzug erlangt -hatten, so hatte doch jeder irgendein Stück, wodurch die Gesellschaft noch -bunter wurde, als sie vorher gewesen war. Bei meiner Rückkehr zum Schiff -waren auch schon einige Damen an Bord und zwar in der Offiziermesse, wo -sie unter männlicher Begleitung mit den Herren frühstückten; es waren die -Häuptlingsfrau mit ihren drei Schwestern. Ich erfrischte mich zunächst -auch mit Speise und Trank und forderte dann die Herren auf, mit den vier -Frauen so lange in meine Kajüte zu kommen, bis ihre Messe für das uns -zugesagte Tanzfest hergerichtet sei. - -Die vier Insulanerinnen in meiner Kajüte zu sehen, war wirklich ein -seltenes Vergnügen. Ehe sie überhaupt eintreten, stellen sie sich -hintereinander in einer Reihe auf, eine hält sich am Kleid der andern -fest, in den Gesichtern liegt theils Entsetzen über das was jetzt nun wol -kommen wird, theils Neugierde. Im Gänsemarsch treten sie ein, um sich -in der Kajüte selbst auch in derselben Ordnung zu bewegen. Die Sonne -scheint hell durch die Fenster und beleuchtet grell die bunten Farben -des Teppichs, des rothen Plüschsophas und der rothen Fenstervorhänge. Von -dieser Pracht geblendet, bleiben unsere Freundinnen zunächst stehen, um -in den wiederholten Ruf: „'A--i! A--i!'“ auszubrechen. Die vorher etwa -dagewesene Angst ist verschwunden, die Sinne concentriren sich in den -Augen, um mit diesen alles zu erfassen, und es ist doch so viel zu sehen. -Der Teppich, das Sopha, der schwere blankpolirte Tisch, die vielen Stühle, -die goldglänzende große Hängelampe, die kleinen polirten Eckspinde, die -vielen Bilder. Plötzlich stößt die eine ein mehrmals schnell wiederholtes -„'Ai!'“ aus, reißt die andern an den Kleidern herum, daß sie ordentlich -herumwirbeln, und alle vier stehen vor den Statuetten, die Hände hinter -den Ohren, Mund und Augen weit aufgerissen. Ich weiß nicht, ob dieses -Erstaunen den Bildwerken oder ihren eigenen dummen Gesichtern gilt, -welche sie in dem hinter den Puppen hängenden Spiegel sehen, doch ein -Blick überzeugt mich, daß ihre Augen auf die Puppen gerichtet sind. Wir -sind für die vier Frauen nicht mehr vorhanden, denn bald ist alle Scheu -geschwunden und sie fangen an sich zu unterhalten, als ob sie allein -bei sich zu Hause wären. Die eine ruft die andern, hält den Rücken ihrer -rechten Hand unter ihre Nase und zeigt mit dem ausgestreckten Zeigefinger -und verschmitztem Blick auf die Figuren. Eine andere zeigt auf die aus dem -Spiegel zurückgeworfene Rückseite der Venus und kann nicht widerstehen, -die Puppe an der Originalseite zart zu streicheln; dann kommt sie aber -plötzlich zur Erkenntniß, wo sie eigentlich ist, denn sie zieht entsetzt -ihre Hand zurück, steckt sie schnell in den Mund und sieht mich mit einem -wahrhaft rührenden, halb entsetzten halb bittenden Blick an, was ich zu -dieser Kühnheit wol sagen werde. Als ich ihr dann lachend zunicke, sind -alle wie von einem Alp befreit und beginnen nun sämmtlich zu streicheln, -dabei fortwährend schwadronirend und kichernd; nur eine bleibt ernst, -sie steht mit geneigtem Kopf vor der Ariadne und streichelt mit ganz -besonderer Andacht deren Büste, auch die andern streicheln nicht die -Masse, aus der die Puppen gebildet sind, sondern suchen sich ihre Stellen -aus. - -Da es noch mehr zu sehen gibt, fordere ich sie nun auf, mir in die -Achterkajüte zu folgen; sie rangiren sich wieder eine hinter die andere -und betreten, auf den Zehenspitzen gehend, diesen Raum. Doch kaum haben -sie einen Blick um sich geworfen, so fahren sie auseinander wie eine -Heerde aufgescheuchter Schwaben. Eine steht vor dem Bild meiner Frau, -eine andere vor der „Büßenden Magdalena“, die andere vor den früher schon -genannten Mädchenbildern, doch ohne Ruhe, weil keine sich schlüssig machen -kann, welches Bild eigentlich das schönste ist. So fahren sie fortwährend -herum, vertauschen ihre Plätze und vollführen dabei einen Heidenlärm. Sie -müssen sich sehr viel zu erzählen haben, weil sie mit ernsten Gesichtern -laut und in sichtlicher Erregung sprechen. Platzen wir dann einmal mit -einem tüchtigen Lachen dazwischen, dann sehen sie uns einen Augenblick -vorwurfsvoll fragend an, lachen auch einmal auf, setzen dann aber gleich -wieder ihr Gespräch mit ernsten Gesichtern fort. Um sie noch verwirrter -zu machen, lasse ich meine Spieluhr spielen; das geht ihnen aber doch -über den Spaß, wie der hübsche Kasten anfängt zu singen, und noch größer -wird ihr Staunen, als sie das Werk so selbstthätig arbeiten sehen. Ich -lasse sie dann auf meinem Schreibtisch und in dessen Schublade etwas -herumkramen, wo die verschiedensten Sachen ihre Aufmerksamkeit fesseln -und ihre aufgeregten Nerven doch etwas beruhigen: Uhren, Ringe, Messer, -Schere, Tintenfaß, Cigarrentaschen, silberne Becher, loses Geld und was -sonst noch für den ersten Griff bereit liegt. Hierbei bezeichneten sie -alle goldenen und silbernen Gegenstände mit dem Ausdruck „'money'“. -Diese Ablenkung hatte die beabsichtigte Wirkung, daß die Ruhe wieder -über sie kam und daß die Richtung ihrer Augen zeigte, was für sie das -schönste war, nämlich die beiden Mädchen, welche es am Tage vorher auch -den Männern angethan hatten. Ihre Frage, ob diese Bilder meine beiden -Töchter vorstellen, welche sie auf dem Schreibtisch als vier und sechs -Jahre alte Kinder gesehen haben, bejahe ich belustigt. Die zum Essen -angebotenen Rosinen finden keinen Anklang, dagegen scheinen die Mandeln -ihnen außerordentlich gut zu schmecken, wenigstens schmatzen sie beim -Essen wie eine Heerde kleiner Schweinchen, auch nimmt die eine sich mit -meiner Erlaubniß einige mit, um sie an Land zu pflanzen. - -Wenige Tage vor meiner Ankunft in Omoa hatte ich mich, um neben den ältern -Reiseberichten auch ein wissenschaftlich begründetes Urtheil zu hören, -durch Waitz’ „Anthropologie“ belehren lassen. Da steht geschrieben, -daß diese Naturvölker die von den Kaukasiern als ideal anerkannten -Körperformen und Hautfarben den ihrigen nachstellen und namentlich die -weiße Haut für krankhaft halten. Ich bin jetzt gar nicht geneigt, dies -zu glauben. Die bildlich dargestellten beiden Mädchengestalten gefielen -besser als die Statuetten, weil ihnen ein außerordentlich zarter Teint -gegeben ist; an den Statuetten wurden die classischen Formen bewundert. -Bei den Männern zeigte kein Blick, keine Bewegung das Auftauchen von -Begierden, sie waren eben nur von der Schönheit hingerissen und müssen -dieselben Empfindungen gehabt haben, welche uns beim Anblick der -classischen Gebilde des Alterthums beherrschen. Ich halte mich daher -zu dem Schluß berechtigt, daß die Reisenden sich bisher nicht die Mühe -gegeben haben, diese Eingeborenen eingehend zu studiren, oder sie hatten -die zu diesem Studium erforderlichen Hülfsmittel nicht an der Hand. - -Wir verlassen meine Kajüte wieder, weil inzwischen zwei Bootsladungen -mit Frauen und Mädchen angekommen sind, welche nach Versicherung der -Dolmetscher uns auch einen Tanz vorführen werden. Die neuangekommenen -Vertreterinnen des schönen Geschlechts, 14 an der Zahl, stehen scheu in -einer Ecke der Messe, sich wie eine Heerde Schafe ineinander verkriechend, -während die Offiziere im Verein mit den mitgekommenen Männern sie -umgeben und ihnen gut zureden. Der Versuch, diese leicht bekleideten -Nymphen in dem Raum zu vertheilen und bunte Reihe herzustellen, misglückt -aber, trotzdem sie sehen, daß die vier vorher genannten Damen sich ganz -frei unter uns bewegen. Es scheint, daß eine gewisse Zeit dazu gehört, -die erste Scheu zu überwinden. Wird eine an der Hand aus dem Knäuel -herausgeführt, so kommt sie ängstlich und zagend mit, schießt aber -sofort wieder in den Knäuel hinein, sobald ihre Hand losgelassen wird. -Es bleibt daher nichts anderes übrig als sie zusammen zu lassen, und nun -gelingt es auch, sie wenigstens zum Sitzen zu bewegen. Ein Theil setzt -sich auf die gepolsterte Bank, ein anderer Theil auf Stühle, die meisten -ziehen den Fußboden vor, und nun beginnt ein ohrenzerreißendes Concert. -Wol infolge des seit zehn Monaten ununterbrochen währenden Regens und -der damit verbundenen rauhen Witterung haben die Leute fast alle den -Schnupfen, und da sie Taschentücher nicht kennen, helfen sie sich damit, -daß sie den Schleim mit großem Getöse einziehen und ihn dann ausspucken. -Bisher hatten sie sich noch beherrscht; jetzt aber behaglich gruppirt, -glaubten sie, sich diese Erleichterung auch gönnen zu dürfen, nachdem -ihnen einige Spucknäpfe, deren Nothwendigkeit bei dem vorhergegangenen -Besuch von den Offizieren schon erkannt worden war, hingeschoben worden -sind. Spucknäpfe sind allerdings nur zwei in der Messe vorhanden, und -ich wollte schon bitten, noch einige herbeibringen zu lassen, als die -sich entwickelnde Scene mich davon abhält. Mit großer Sorgfalt werden -diese beiden Näpfe zur gefälligen Benutzung von Hand zu Hand gereicht -und so gewissenhaft benutzt, daß weitere Zufuhr überflüssig erscheint. -Nachdem so für den nothwendigsten Comfort Sorge getragen ist, wird an die -Bewirthung gegangen, welche in Liqueur, Kakes und Cigarren besteht. Dies -hebt bald die Stimmung, die Scheu schwindet mehr und mehr, eine allgemeine -Unterhaltung bricht sich Bahn und bald fühlen sich unsere Gäste sichtlich -wohl. Jetzt kann auch die Aufforderung zum Tanzen erlassen werden, doch -finden wir noch keine Gegenliebe. Alle Aufforderungen der Dolmetscher -scheitern an einem starren Eigensinn, und dieselben wiederholen uns -immer wieder, daß die Nymphen sich zu sehr schämen. Da endlich schreiten -mit Energie die drei Schwestern der Häuptlingsfrau ein, die Tänzerinnen -stellen sich in einen Kreis, uns ihren sehr knapp in das Umschlagetuch -eingehüllten Rücken zuwendend. Na -- nun endlich geht es los. Ja, Prosit! --- Die Mädchen sind hier gerade so wie bei uns, in richtigem Alter eine -richtige Gänseheerde. Anstatt zu tanzen, stecken sie die Köpfe zusammen -und kichern, schmiegen sich aneinander an und laufen wieder auseinander, -wie dies bei uns Mädchen im reifern Backfischalter thun, wenn sie nicht -recht wissen, wie sie sich benehmen sollen. Der einzige Unterschied -liegt nur darin, daß man in solchem Falle bei uns bei dem dabei stets -stattfindenden Bücken des Körpers faltenreiche, wogende Roben sieht, -während man hier bei jedem Bücken mit Entsetzen das Unglaubliche sich -zu vollziehen wähnt, daß der keineswegs zähe aber überstraff gespannte -Stoff platzen wird. Ich sehe mich besorgt nach irgendetwas um, womit man -den etwaigen Schaden schnell repariren könnte, das Unglaubliche passirt -aber nicht, der Stoff hält die Anstrengung aus. Dieses kindische Benehmen -wiederholt sich mehrere male, endlich reißt allen Zuschauern die Geduld, -eine der drei Schwestern geht als Vortänzerin mit in den Kreis, wir alle -klatschen mit den Händen und endlich -- erst zag, dann aber energisch -kommt der Tanz zu seiner Vollendung. - -Unter dem Händeklatschen der Zuschauer setzt sich der Kreis in Bewegung, -und die Tänzerinnen beginnen einen grabesstimmenähnlichen Gesang mit -folgenden Worten: - - 'Wat taë de hi a oë - Tutu a u - A ne nikke-he nikke-he hé - A nu rukke-hu rukke-hu hú.' - -Der Tanz selbst liegt nur in den Hüftgelenken. Oberkörper und Beine -bleiben in Ruhe, während der Mittelkörper Bewegungen macht, welche -an den spanischen Tanz Habanero, wie er von dem niedern Volke getanzt -wird, erinnern und bei uns kurzweg unanständig genannt werden würden. -Um den Kreis der Tänzerinnen herum tanzt ganz niedrig auf dem Boden -mit weit ausgespreizten Beinen der Sandwich-Insulaner, macht mit seinem -Mittelkörper die wunderlichsten Verrenkungen und mit seinen Armen und -Händen verständliche Gesten, Bewegungen, welche alle in dasselbe Gebiet -fallen, wie diejenigen der Weiber. - -Da ich gelesen hatte, daß die Frauen bei diesen Tänzen gewöhnlich das -bischen Kleidung, was sie haben, auch noch abwerfen sollen, und die -Marquesaner sowieso wegen ihrer Sittenlosigkeit berüchtigt sind, auch -der Pater in Hanavava mir gegenüber das erstere behauptet hatte, was er -übrigens nicht aus eigener Anschauung, sondern nur von Hörensagen wissen -konnte, so fragte ich den Dolmetscher, ob dies auch noch kommen würde, um -die Sache vorher zum Abschluß bringen zu können. Die Antwort, welche ich -bekam, war recht beschämend für die Europäer überhaupt und namentlich für -diejenigen, welche den schlechten Ruf dieses Völkchens begründet haben und -zwar zweifellos auf die oberflächlichsten Beobachtungen oder zweifelhafte -Berichte hin. Ich will den englisch redenden Marquesaner selbst sprechen -lassen: - -„Bei uns an Land wird stets die Sitte gewahrt, und die Frauen sind auch -bei den Tänzen stets theilweise bekleidet; nur im directen Verkehr -zwischen Mann und Frau schämt sich die letztere nicht und ist es -dabei gleichgültig, ob der Mann ihr Gatte oder ein Fremder ist. Es ist -allerdings richtig, daß Frauen von uns auf den Walfischfängern nackt -getanzt haben und es vielleicht auch wieder thun, aber nie, solange noch -ein Mann des Dorfes auf dem Schiffe war oder dort sein wird, weil sie -sich viel zu sehr schämen. Auch thun sie es dann nur, weil sie von den -weißen Männern dazu gezwungen werden und glauben, daß das bei diesen Sitte -('fashion') ist.“ - -Als ich von dem Tanz genug gesehen hatte, was sehr bald der Fall -war, ging ich wieder nach oben, um mir das dort herrschende Leben -und Treiben zwischen den eingeborenen Männern und Jungen einerseits -und unsern Matrosen andererseits anzusehen. Die Insulaner sind in -dem Schiffe schon vollständig zu Hause und bewegen sich so frei, als -ob sie an Bord gehörten, mit vielen ist auch schon eine äußerliche -Veränderung vorgegangen, da sie die erhandelten oder geschenkt erhaltenen -Kleidungsstücke gleich angezogen haben. - -Es ist ein buntbewegtes interessantes Bild, was von meinem Standpunkte -auf der Commandobrücke aus da vor mir sich entfaltet. Zu meinen Füßen -liegt das blinkend weiße Deck mit seinen blanken Kanonen und all den -schön geputzten, in der Sonne glitzernden Messing- und Eisentheilen. Auf -dem Deck, wo an 400 Menschen sich bewegen, ist ein Leben wie auf einem -Jahrmarkt: Matrosen, halb angezogene und nackte bunt bemalte Eingeborene, -diese theilweise mit Früchten und andern Handelsartikeln beladen, schieben -sich hin und her, dazwischen treiben die nackten gelben Jungen ihr Spiel; -die ganze Reling ist mit Menschen beider Hemisphären besetzt, welche -theils dem Treiben zusehend dort sitzen, theils unter Lachen versuchen, -sich miteinander zu verständigen. Die Takelage des leicht hin- und -herwiegenden Schiffes beschreibt regelmäßige Bogen auf dem feenhaften -Hintergrunde, und das Wasser ist durch die vielen fortwährend in Bewegung -befindlichen Kanus belebt. -- Stundenlang hätte ich dort stehen können, -um diesem interessanten, wechselvollen und harmlosen Leben und Treiben -zuzuschauen. - -Unter den sich umhertreibenden Jungen fiel mir ein besonders hübscher, -etwa 12 Jahre alter Bengel auf; ich rief ihn heran, um ihm in der -Kajüte etwas Naschwerk zu geben. Freimüthig, ohne Zaudern folgt er -meinem Wink; das Innere der Vorkajüte fesselt ihn aber mehr als die -Mandeln es thun. Als er sich genügend umgesehen hat, bittet er um die -Erlaubniß, auch die Achterkajüte betreten zu dürfen, was ich ihm erlaube. -Da er nicht wiederkommt und es hinten mäuschenstill ist, muß ich doch -nachsehen, was er dort eigentlich thut; ich trete in die Thüre und -finde nun die Bescherung. Da steht, zwei Schritte von mir entfernt, der -halbwüchsige Junge mir gegenüber vor den hier schon so oft genannten -beiden Mädchenbildern, mit offenem Munde, stieren Blickes. Er hört -mich nicht und sieht mich nicht, trotzdem seine Blicke mehreremal über -mich hinweggleiten, wenn er mit jähen Bewegungen seinen Kopf nach der -Seite wirft, um etwa noch schönere Bilder zu entdecken, was aber nicht -zuzutreffen scheint, da seine Augen stets schnell wieder nach den erstern -Bildern zurückkehren. Nach einiger Zeit trete ich an ihn heran, fasse -ihn leicht am Ohrläppchen, und nun kommt er erst wieder zur Besinnung. -Er scheint aus einem tiefen Traum zu erwachen, sieht noch einmal nach -den Bildern hin und läßt sich, verschämt lächelnd, am Ohr hinausführen. -So hatte ich, im Gegensatz zu Waitz, in der Zeit von 24 Stunden alte und -junge Männer, ältere und jüngere Frauen und ein Kind in meiner Kajüte, -welche als das Schönste alles Sehenswerthen die zarte Hautfarbe der -Kaukasierin betrachteten. - -Es war inzwischen 5 Uhr nachmittags geworden, die Zeit, welche für das -Wegschicken der Insulaner festgesetzt worden war, weil ich am nächsten -Morgen mit Tagesanbruch weiter gehen wollte und das Schiff am Abend vorher -seeklar gemacht werden sollte. Vor meiner Kajüte sitzt der weibliche -Theil unsers Besuchs auf Deck, bereit in die Boote geschickt zu werden, -jedenfalls verwundert darüber, daß sie in ihrem Leben zum erstenmal ein -Schiff ohne weitere Abenteuer verlassen werden. Ich begleite sie noch zum -Fallreep, um der Häuptlingsfrau und den Dolmetschern Adieu zu sagen, und -finde bei meiner Rückkehr den Raum des schönen weißen Decks vor meiner -Kajüte, wo die Frauen gesessen hatten, ganz schwarz aussehend; bei meinem -Näherkommen fliegen Tausende von Fliegen auf und das Deck ist wieder weiß -wie vorher. Eine höchst merkwürdige Erscheinung, da diese Leute keine -andere Körperausdünstung haben als wir. Hätten Neger dagesessen, dann wäre -mir die Sache erklärlich gewesen, so aber fehlt mir jede Erklärung dafür. - -Da mein Interesse für das ganze Treiben um uns herum, sowie für das -schöne Landschaftsbild mich noch einmal auf die Commandobrücke trieb, -wurde ich noch Zeuge einer höchst putzigen Scene, nämlich wie die Jungen -landen, wenn sie nicht bei dem Aufschleppen der Kanus helfen müssen, -und diesmal wurden sie größtentheils mit unsern Booten, welche nach dem -früher genannten Stein fuhren, an Land befördert. Sobald die Boote in -die Nähe des Landes kamen, ging es hops aus den Booten heraus; all die -Knirpse, an die 50 Kinder zwischen 4 und 12 Jahren, sprangen in das -Wasser und schwammen, unbekümmert um die Brandung und ohne Rücksicht -auf den bevorzugten Stein zu nehmen, nach den ihnen zunächst gelegenen -Steinen und schwammen so lange vor denselben, bis eine Welle hoch -auflief. Dann tauchten sie schnell unter, um aus dem überbrechenden -Wellenkamm herauszukommen, und als das Wasser ablief, lagen die kleinen -gelben Gestalten wie die Frösche, mit allen Vieren sich anklammernd, -auf den Steinen, sprangen dann schnell auf, schüttelten das Wasser ab -und waren mit einigen leichten Sprüngen aus dem Wasser. -- Es ist doch -beneidenswerth, solche Körpergewandtheit und auch den zu solchen Späßen -wol erforderlichen Muth zu besitzen. - -Ehe ich das liebliche Thal Omoa verlasse, will ich noch einige, den -vorstehenden Bericht ergänzende Bemerkungen beifügen. - -Wie ich schon angeführt habe, ist Arbeit eigentlich nicht bekannt und -erstreckt sich nur auf das fürs Leben durchaus Nothwendigste. Dieses -beschränkt sich auf den Hüttenbau, die Herstellung des Baumrindenstoffs, -den Fischfang nebst dem Bau der dazu erforderlichen Kanus, auf das -Abpflücken der reifen Früchte und auf das Kochen, schließlich auch noch -auf das Tätowiren, wenn man dies eine Arbeit nennen will. - -Bestimmte Mahlzeiten haben diese Menschen nicht, sie essen vielmehr sobald -der Sinn ihnen danach steht. - -Jedes Stück Land, jeder Fruchtbaum hat seinen Besitzer, und dieser Besitz -vererbt sich von dem Vater auf die Söhne, beziehentlich die von ihm als -solche anerkannten Kinder. Diebstahl soll nach übereinstimmender Aussage -des Missionars und unserer Dolmetscher nur äußerst selten vorkommen, weil -Stehlen als ein schweres Verbrechen betrachtet wird. Mit Bezug hierauf -hatten wir auch Gelegenheit, ein gleiches eigenes Urtheil zu gewinnen, -denn trotz der vielen Eingeborenen, welche bei uns an Bord gewesen waren, -ist nichts abhanden gekommen, wie die ganze Mannschaft auf Befragen -versichert hat; sogar all die Kleinigkeiten, welche den Weibern für -ihren Tanz geschenkt worden waren, fanden sich nach ihrem Abgange auf dem -Schiffe wieder vor. - -Während unsers Aufenthalts ist, wie ich dies auch schon angedeutet habe, -kein Fall von Trunkenheit bei den Eingeborenen beobachtet worden, und -ich führe dies nur noch einmal an, um daran anknüpfend zu erwähnen, daß -die Trinkgelage zuweilen mit der Ermordung eines Mannes enden sollen. Da -diese Fälle aber stets dieselbe Entwickelung und denselben Verlauf haben -sollen, so bin ich der Ansicht, daß das Trinkgelage in solchem Falle -nur Mittel zum Zweck und eine Art Vehmgericht ist, daß die Ermordung -zu einer Zeit erfolgt, wo die Leute noch nüchtern sind, und zwar mit -der bestimmten Absicht, das Gemeinwesen auf einfachste Art von einer -allgemein misliebigen Persönlichkeit zu befreien. Die Sache fängt stets -damit an, daß während des Gelages zwei Männer in Streit kommen, dann aber -sofort die ganze Gesellschaft ohne jedes Besinnen für den einen Streiter -Partei nimmt, über den andern herfällt und ihn mit Messern und Aexten -zerfleischt. Ein derartige Lynchjustiz muß ein abgekartetes Spiel sein, -weil Trunkene sich wol in eine Schlägerei mischen, sich aber nicht sofort -gegen eine Person vereinen können. - -Bei dem Kapitel „Sittenlosigkeit“ oder „Freiheit der Sitten“ bleibt -noch festzustellen, welches eigentlich die richtigste Bezeichnung ist. -Der obenerwähnte kleine Pfiffige (ich muß schon bei dieser Bezeichnung -bleiben) erzählte mir, daß er sich keine Frau nähme, weil er ja doch -immer eine auf Zeit haben könne, wenn er Lust dazu habe, und das käme ihm -billiger wie fortgesetzt eine Frau mit deren Kindern zu unterhalten. Dafür -wird er allerdings in seinem Alter keine Söhne zu seiner Unterstützung -haben, wenn es ihm nicht gelingen sollte, vorher ein größeres Besitzthum -zu erwerben und dann darauf lüsterne junge Männer zu adoptiren. Dieser -Zustand ist ja nach unsern Begriffen entschieden unmoralisch, demnach -eine Sittenlosigkeit. Dieselbe wird aber dadurch sehr gemildert, daß die -Kinder nicht darunter leiden, sondern in jedem Manne einen Vater, in jedem -Jüngling einen sie schützenden Bruder finden. Was ist Liebe der Aeltern zu -ihren Kindern? fragt man sich unwillkürlich, wenn man diese paradiesischen -Zustände sieht. Die Kinder finden hier entschieden ebenso viel Liebe wie -bei uns, obgleich oft nicht einmal die Mütter deren Vater zu bezeichnen -wissen. Hier wird die Kinderliebe also nicht durch die Stimme der Natur -bedingt, sondern einfach durch Gewöhnung. - -Das aber, was sonst in den Reiseberichten als Sittenlosigkeit hingestellt -wird, kann ich nicht als solche bezeichnen. Der Satz ist wol nicht -anzugreifen, daß bei uncivilisirten Menschen, welche so abgeschieden von -aller Welt und sich selbst überlassen leben, wie die Marquesaner, die -Sittenlosigkeit und die davon gar nicht zu trennende Schamlosigkeit immer -mehr um sich greifen müssen, wenn sie überhaupt einmal bestanden haben. -Da die Leute nun aber nach dem früher Gesagten nur im Verkehr mit solchen -Weißen, welche sie zur Abwerfung jedes Schamgefühls zwingen, sich nach -unsern Begriffen sittenlos zeigen, bei ihrer Rückkehr an Land aber sofort -wieder relativ strenge Sitten beobachten, so kann ich dem harten Urtheil, -welches über diese Leute gefällt worden ist, nicht beipflichten, sondern -kann nur das Bestehen einer großen Freiheit der Sitten anerkennen. Man -wird nach all dem Gesagten sogar zu der Vermuthung verleitet, daß jene -Berichterstatter womöglich mit dazu beigetragen haben, den schlechten Ruf -der Marquesaner mit zu begründen. Nach langer Seereise kamen sie zu diesen -Menschen, welche ihnen nach landesüblicher Sitte ihre hübschen Weiber -anboten. Nahmen sie das Anerbieten an, dann suchten die Weiber natürlich -sich so angenehm wie möglich zu machen und glaubten das Beste zu thun, -wenn sie das von den rüden Gesellen der Walfischfänger (denn diese waren -vor allen andern hier) Erlernte von sich gaben, weil die weißen Männer des -einen Schiffes doch denselben Geschmack haben mußten, wie diejenigen des -andern. Ihrem Gefühl nach lag den Weibern aber nach meiner Ueberzeugung -ein solches Benehmen unendlich fern, weil ich sonst doch irgendeinen -Anhalt dafür hätte finden müssen, und daß ich fleißig gesucht habe, dürfte -aus der ganzen Darstellung hervorgehen. Und so komme ich zu dem Schluß, -daß die Missionen auf den andern Inseln sich glücklich schätzen müssen, -wenn sie dort je so moralische Zustände erreichen, wie sie auf dieser -Insel zur Zeit herrschen, wo bisher kein Missionar sich auf die Dauer -halten konnte, und daß europäische und amerikanische Hafenstädte froh -sein dürften, wenn ihr niederes Volk so anständig wäre, wie diese Leute -es sind. - -Nebenbei sei bemerkt, daß Eifersucht hier eine unbekannte Leidenschaft -ist. Doch auch ein echt paradiesischer Zustand. - - * * * * * - -Am 16. Mai morgens verließ ich Omoa wieder und langte nach einer -schönen Fahrt an den schönen Inseln dieser Gruppe vorbei gestern Mittag -in Port Anna-Maria auf Nuka-hiva, der nördlichst gelegenen Insel der -Marquesas-Gruppe, an. Ich machte dem Gouverneur meinen Besuch, einen -Spaziergang durch den Ort, trotz des anhaltend strömenden Regens, fand -aber nichts Besonderes, weil dieser Platz wegen der hier lebenden Europäer -seinen ursprünglichen Charakter schon verloren hat. Heute Nachmittag, -nach Einnahme von frischem Fleisch für die Mannschaft, geht es weiter nach -Tahiti. - - - - -5. - -Von den Marquesas-Inseln nach Tahiti. - - - 18. Mai 1878. - -Heute Nachmittag haben wir Port Anna-Maria wieder verlassen und damit -von den Marquesas-Inseln Abschied genommen. Der Regen hatte für heute -seine Herrschaft verloren und war von der Sonne und einem lachenden Abend -verdrängt worden, wodurch es uns, dicht unter der Südküste von Nuka-hiva -entlang segelnd, vergönnt wurde, das schöne Bild zu genießen, an welchem -wir langsam vorüberzogen. Auf einzelnen Spitzen der Berge und in einigen -Thälern lagerten zwar noch bleifarbene, dicht geballte Wolken, sie konnten -dem Lande aber nicht mehr ihre Regenphysiognomie aufdrücken, sondern -ließen die von hellem Sonnenschein überhauchten, mit üppigster Vegetation -bedeckten Bergrücken und Thalgelände nur in um so prächtigern Farben -erscheinen. Das vor uns liegende Panorama war schön und von demjenigen -Zauber umgeben, welcher auf allen Inseln vulkanischen Ursprungs ruht. Es -würde mich zu weit führen, wollte ich hier eine nähere Beschreibung des -Landes geben, doch glaube ich trotzdem eines schönen Punktes besonders -erwähnen zu müssen. - -Von dem Ausgang des Hafens von Port Anna-Maria nach Westen segelnd, -befanden wir uns bald vor dem kleinen, von hohen steilen Bergen -und Felsmassen eingeschlossen in einem Gebirgskessel liegenden Port -Tschitschakoff. Vor der schmalen Einfahrt stehend, übersieht man den -ganzen wildromantischen, malerischen Hafen, dessen Hintergrund durch seine -düstere Großartigkeit jeden Beobachter unwillkürlich fesseln muß. Hier -inmitten des üppigsten Tropenbildes liegt, rechts und links eingerahmt -von der ganzen Fülle tropischer Vegetation, ein Stück Magelhaens-Straße -der südlichsten Breite. In grünem Rahmen steigt eine von dem Regen schwarz -gefärbte, wild zerklüftete Felsenwand fast senkrecht bis zu einer Höhe von -700 m empor, ein ebenbürtiges Bett für den prächtigen Wasserfall, welcher -über den obersten Felsenkamm hinwegschäumt. Dort oben, in schwindelnder -Höhe, steigt die 7 m breite, mächtige Wassermasse mit berauschender -Gewalt über den scharfen Gebirgskamm hinweg, ohne daß man von unserm -doch immerhin weit abliegenden Standpunkte die höher liegenden Berge, von -welchen das Wasser kommen muß, sehen kann. Senkrecht stürzt die wilde Flut -in einen düstern, im Verhältniß zu seiner Höhe engen Felsenschlund hinab, -welcher unten durch Verschiebung des Gesteins für das Auge geschlossen -wird, während er sich von der halben Höhe ab nach oben hin callakelchartig -öffnet. Die in eiliger Hast sich überstürzenden gelben, schmutzigen -Wassermassen verlieren bald ihr festes Gefüge, ein gelblicher Staubregen -von großer Dichtigkeit, dessen auf- und abwogende Dunstmassen mit ihrem -Spiel das Auge fesseln, füllen den ganzen tiefen Schlund aus und müssen -einem untenstehenden Beschauer ein noch großartigeres Schauspiel gewähren. -Leider konnte ich Port Tschitschakoff nicht anlaufen und daher diese -Naturschönheit, welche erst in größerer Nähe zur vollen Entfaltung kommen -kann, nicht eingehender besichtigen. - -Nuka-hiva lag bald hinter uns. Zu unserer Linken hoben sich, von der -Abendsonne goldig überhaucht, einige andere Inseln der Gruppe scharf -von dem blauen Himmelshintergrunde ab und tauchten allmählich unter den -Horizont. Die anbrechende Dämmerung verhüllte dieses langsam sich senkende -Bild. Jetzt ist der Tag ganz entschwunden, wir sind wieder allein und -eilen mit frischem Winde und vollen Segeln einem Theil unserer Erde zu, -welcher noch vor wenig Jahren von den Seeleuten allgemein gefürchtet -wurde, jetzt aber, infolge sorgsamer Vermessungen der letzten Jahre, -nicht mehr zu schrecken vermag. Es ist dies der Archipel der „Niedrigen -Inseln“, von den Eingeborenen sehr bezeichnend Paumotu oder „Inselgewölk“ -genannt. Dieses Inselgewölk erstreckt sich in der Richtung von Südost -nach Nordwest von 22° bis zu 14° Südbreite, also über einen Flächenraum -von etwa 1500 Seemeilen, und zählt nahezu 100 Koralleninseln, die so -dicht zusammenliegen, daß die eine immer in Sicht der andern liegt. -Keine dieser Inseln erhebt sich mit ihrem festen Rücken mehr als 3 m -über den Wasserspiegel, die meisten überragen denselben nur mit einem -Theil ihrer Peripherie, während der andere Theil sich noch unter Wasser -befindet und für die Schiffahrt gefährliche Riffe bildet. Denn wenn -auch bei Tage und klarem Wetter die Brandung auf diesen Riffen weithin -sichtbar ist, so weit, daß für ein Schiff keine Gefahr entstehen kann, -so ist eine solche bei Nacht, wo das Auge den Dienst verweigert und -man auf das Gehör allein angewiesen ist, doch vorhanden, da das Ohr -ein sehr unvollkommener und namentlich ein trügerischer Führer ist. Die -Inseln dieses Archipels sind durchweg sogenannte Laguneninseln (von den -Engländern mit dem indischen Ausdruck „Atoll“ benannt), Steinringe, welche -einen See (Lagune) umschließen, der fast stets durch eine oder mehrere -Einfahrten von geringer Breite mit dem Meere in Verbindung steht. Die -Größe dieser Atolls ist nach der Karte sehr verschieden, ihr Durchmesser -schwankt zwischen 5 und 30 Seemeilen. Früher war man auch noch der -Ansicht, daß die verschiedenen Inseln unter sich durch unterseeische -Korallenriffe miteinander verbunden seien, weshalb die Schiffe es -vermieden, diese Gruppe zu durchschneiden, und in der Regel einen großen -Umweg wählten. Da indeß die neuesten Vermessungen ergeben haben, daß -derartige Verbindungsriffe nicht vorhanden sind, sondern zwischen diesen -Korallengebilden freies tiefes Wasser liegt, so kann die Passage durch -den Archipel als eine relativ sichere gelten. Die einzig zu beachtende -Vorsicht ist nur die, daß man den Curs zwischen solche Inseln legt, -welche an der Passage sich über das Wasser erheben, und daß man sorgsame -Rücksicht auf die hier herrschenden starken und unregelmäßigen Strömungen -nimmt. - -Ueber die Entstehung der Koralleninseln schwanken die Ansichten noch -insofern, als die einen behaupten, daß die Korallenthierchen, welche nur -bis zu einer gewissen Wassertiefe bauen, ihre Bauten auf allmählich sich -senkendes Land errichten und sich so immer mit ihrem obern Kamm in dem -Wasserniveau halten, während andere dies verneinen und die Entstehung -dieser Inseln vulkanischen Erhebungen zuschreiben. Es ist wol zweifellos, -daß die erstere Ansicht da zutrifft, wo das Kalkgemäuer sich bis zu einer -Wassertiefe erstreckt, in welcher die Korallenthierchen nicht mehr zu -leben vermögen, während bei den bewohnten Koralleninseln nur die letztere -Auffassung zutreffen dürfte. - -Ich will hier eine kurze Erklärung über die Entstehung dieses merkwürdigen -künstlichen Landes folgen lassen und zum bessern Verständniß die -nebenstehende Skizze beifügen. Vulkanische Erhebungen des Meeresbodens -bilden das Fundament. Vereinzelte Koralleninseln findet man sehr selten -und dann auch nur umgeben von ausgedehnten Korallenriffen; meistentheils -liegen sie gruppenweise zusammen, ebenso wie die in der Nähe liegenden -Gruppen hoher vulkanischer Inseln. Ja, sie geben in ihren Contouren und -ihrer äußern Erscheinung das Bild der Gipfel einer hohen Inselgruppe -wieder. Die Laguneninsel mit tiefem Wasser in dem Innensee zeigt uns -das Bild eines noch actionsfähigen Kraters; diejenige, deren Lagune nur -seichtes Wasser hat, sagt uns, daß der Krater verschüttet ist und in -demselben Schlamm und fließender Sand liegt, worauf die Korallen keinen -festen Fuß fassen können, wenn nicht etwa, wie in ausgebrannten Kratern, -auch hier Schwefeldämpfe die Korallenthierchen abhalten. Die vollen, in -der Mitte höher sich hebenden Koralleninseln lassen keinen Zweifel, daß -ihr Fundament ein fester Berggipfel ist. Wie schon angedeutet, vermögen -die Korallen nicht über eine bestimmte Wassertiefe hinabzugehen (ich -glaube, die äußerste Grenze ist 60 m von der Oberfläche entfernt). Sobald -die Thierchen mit ihrem kunstvollen Bauwerk die Wasseroberfläche erreicht -haben, sind sie an ihrem Ziele angelangt, sterben, da sie ohne Seewasser -nicht mehr leben können, auf dem Kamme ab, und nun ist es nur eine -Frage der Zeit und günstiger Umstände, daß das Riff sich zu einem Körper -bildet, welcher Pflanzen und Menschen zu leben gestattet. Korallenriffe, -welche auf fallendem Lande erbaut sind, könnten sich daher nur durch -Ablagerungen und Anschwemmungen unendlich vieler kleiner, fester Körper -aus dem Meere zu einer Insel entwickeln, und zu solch einer Entwickelung -würden Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende gehören. Daß aber eine solche -Entwickelung überhaupt nicht möglich ist, zeigen die vor hohen Inseln und -überhaupt festem Lande liegenden Korallenriffe, welche, wie im Rothen -Meere und Indischen Ocean, schon seit Jahrhunderten, um nicht zu sagen -Jahrtausenden, immer dieselbe Gestalt zeigen. Der in der Meeresoberfläche -liegende Rücken der Korallenbank wird ununterbrochen so stark von der -Brandung gepeitscht, daß nichts dort festen Fuß fassen kann, was nicht -direct aus den Korallen herauswächst und das wieder kann nicht an der -Luft leben. So können nur diejenigen Korallenriffe, welche durch Hebung -ihres Fundaments über das Meeresniveau gestiegen sind, nach erfolgter -Verwitterung des Korallengesteins oder nach erfolgter Anschwemmung in -verhältnißmäßig kurzer Zeit culturfähig werden, wenigstens culturfähig für -die Kokosnußpalme und eine Art Eisenholz, welche zu ihrem Gedeihen gerade -den Korallensand und keinen Humus verlangen. Ich muß übrigens an dieser -Stelle darauf verzichten, eine nähere Beschreibung dieser Inseln zu geben, -da die Verhältnisse mir nicht gestatten, auf dieser Tour eine derselben -anzulaufen; ich werde indeß im weitern Verlauf der Reise im westlichen -Theil der Südsee noch in vielfache Berührung mit ihresgleichen kommen, -dann also competenter zu solcher Aufgabe sein. Hier will ich nur noch -einmal auf die umstehende Skizze hinweisen, um durch dieselbe zu zeigen, -warum außerhalb der von den stets senkrecht bauenden Korallen errichteten -Inseln in der Regel tiefes Wasser ist. - - - 24. Mai. - -Gestern vormittags 11½ Uhr kamen einige der Koralleninseln in Sicht, d. h. -nur die auf ihnen wachsenden Kokospalmen, welche ihre Wurzeln scheinbar -in den Ocean geschlagen haben, da das niedrige Land erst sichtbar wird, -nachdem das Schiff sich der Insel einige Seemeilen mehr genähert hat. -Da ich bisher noch keine Koralleninseln gesehen hatte, so lief ich -dicht heran, um, an der niedrigen Küste entlang segelnd, einen Einblick -zu erhalten. Es macht einen eigenthümlichen Eindruck, diese schmalen -Landstreifen zu sehen, welche, dicht mit schattigen Bäumen bewachsen, -hier in dem unendlichen Weltmeere wie Oasen unter dem farbenprächtigen -Tropenhimmel liegen und, von der hier ewig heißen Sonne beschienen, von -einem merkwürdig sonntägig melancholischen Hauch umweht sind. Hier und da -sieht man zwischen den Bäumen einige Hütten hervorlugen, Menschen gewahrt -man aber nicht. Wozu sollten diese Leute auch in der heißen Mittagszeit -ihre Hütten verlassen? Was sie zum Leben gebrauchen, geben ihnen die -Kokosnüsse und die in den Morgenstunden unternommenen Fischzüge; andere -Nahrung kennen sie nicht, sogar das Wasser fehlt ihnen. Kokosnußkerne -und Fische bilden die Speise, Kokosnußmilch das Getränk. Das Leben auf -diesen Inseln würde daher unmöglich sein, wenn die Kokosnußpalme nicht -ununterbrochen, unabhängig von der Jahreszeit, stets Blüten und Früchte -jeden Alters, von der ersten Anlage bis zur vollkommenen Reife, trüge. -Arbeit bringt den Leuten keinen Nutzen, ihr ganzer Lebenszweck besteht -daher in Essen, Trinken, Schlafen und in der Sorge für ihre Fortpflanzung. - -Da die hohen Bäume einen Blick auf die andere Seite des schmalen -Landstreifens von dem Deck aus nicht zulassen und nur ab und zu dem -Auge erlauben, für Momente die schöne, hellgrüne Farbe des Inselsees -zu erhaschen, so stieg ich mit einigen Offizieren, denen sich sogar der -Schiffsarzt anschloß, in die Takelage, um von diesem erhöhten Standpunkte -aus einen freien Ueberblick zu erhalten. Jetzt liegt die ganze Insel -vor uns -- zu unsern Füßen der schmale, mit saftigem Laub bedeckte -Landstreifen, an den sich in der Ferne die noch im Wasserspiegel liegenden -Riffe anschließen, welche sich wol nie zu fruchtbarem Boden entwickeln -können, da die jahraus jahrein von derselben Richtung auflaufenden Wogen -das Riff mit einer so gewaltigen Brandung überspülen, daß die kleinen -Keimchen, welche sonst unter Umständen eine so starke Brustwehr zu bilden -vermögen, hier doch keinen festen Fuß fassen können. Merkwürdigerweise -müssen hier in der Südsee die von dem Passat aufgewühlten Wellen in -Bezug auf Höhe und Kraft vor einem Nebenbuhler zurücktreten, welcher -in einer Entfernung von etwa 2000 Seemeilen von den in den südlichen -Breiten herrschenden schweren Südweststürmen erzeugt ist und in Form einer -gewaltigen Dünung seinen Weg bis zu unserm augenblicklichen Standpunkt zu -finden weiß. - -Die Insel würde ein lohnendes, aber sehr schwieriges Thema für einen -geschickten Maler abgeben; schwierig, weil nur die vollendetste Kunst -die großen Contraste, welche sich hier dem Auge bieten, im Bilde wird -wiedergeben können. Die tiefblaue Meeresflut, welche hier in Lee der -Insel von der vorher genannten Südwestdünung nicht beunruhigt wird, -ist nur leicht bewegt von dem kühlenden Passat, dessen kosendes Spiel -die Wasserfläche mit unzähligen Schaumköpfen bedeckt. Sanfte niedrige -Brandung bespült weich diesen blendend weißen Streifen Landes, auf dem -die Kokospalmen mit ihren schlanken, graugrünen Stämmen gen Himmel streben -und ihre duftigen saftig-grünen Laubkronen in dem frischen Winde spielen -lassen. Niedriges Buschwerk und Gräser bedecken den Rücken des Landes -und überziehen den grellen Korallensand mit einer dem Auge wohlthuenden -Farbe. Auf der andern Seite des Landes liegt die smaragdfarbene Lagune, -welche regungslos, von dem Winde unberührt, der Sonne wie ein riesiger -Edelstein entgegenstrahlt, während dieses erhabene Gestirn glänzend in -dem durchsichtigen Aether steht und seine warmen Strahlen auf dieses in -stillem Frieden daliegende Stück Erde hinabsendet. Doch welche Veränderung -sieht das Auge, sobald es weiter schweift! Zur Linken und Rechten verläuft -das Land in Riffe, über welche die schweren Südwestwogen brüllend -hinwegbrechen und ihren Gischt bis zu 15 m Höhe hinaufschleudern. Der -ganze See ist in der Ferne von einer dichten Dunstmasse umrahmt, denn -jenseit der Lagune sieht man nur noch den Wasserstaub der sich brechenden -Wogen, da die Brandung selbst schon weit unter dem Horizonte liegt. -Dieser Dunstkreis gibt dem Himmel an jener Seite eine graue Färbung und -ein stürmisches Aussehen; man glaubt dort an einem rauhen Herbsttage die -entfesselten Elemente kämpfen zu sehen, während hier das Schiff im schönen -Hochsommer sanft die Wogen des majestätischen Weltmeers durchschneidet. - -Im Laufe des gestrigen Nachmittags wurden noch einige dieser Inseln -passirt, welche indeß ein trauriges Bild wüster Zerstörung zeigten. Vor -einigen Monaten hat ein schwerer Orkan seinen Vernichtungsweg über einen -Theil dieser Inselgruppe genommen, dort, wo er einkehrte, fast alle Bäume -entwurzelt und die Menschen in die salzige Flut geschleudert, wo Hunderte -ihren Tod fanden. Nur wenige, welche sich an Baumstämme angeklammert -hatten, wurden gerettet. - -Während der letzten Nacht befand sich das Schiff inmitten dieses -Inselgewölks, wurde mit großer Sorgfalt in freiem Wasser gehalten, -passirte heute Morgen die letzten Inseln und hat nun, den Curs nach dem -schönen Tahiti gerichtet, diese doch immerhin unbehagliche Gegend hinter -sich. - -Der heutige Tag sollte uns nach Papeete, der Hauptstadt von Tahiti, -bringen. So durfte es wenigstens angenommen werden, wenn die -Meeresströmungen das Schiff seit gestern Mittag nicht zu sehr aufgehalten -hatten. Die Insel ist so hoch (etwa 2240 m), daß die höchste Spitze bei -klarem Wetter auf 90 Seemeilen Entfernung sichtbar ist; es wurde daher -schon mit dem anbrechenden Tage nach dem ersehnten Lande ausgesehen, um -seine schwachen Umrisse möglichst früh zu erspähen. Die höher steigende -Sonne schichtete aber dort, wo die schöne Insel liegen mußte, Wolken -auf, gab dem Lande das feuchte Tagesgewand, welches dem Erdreich Segen, -dem Seefahrer aber so bittere Enttäuschung bringt. Wenn nun auch wenig -Hoffnung war, das Land vorläufig zu sichten, so ging es hier doch wieder -wie immer. Die Ferngläser wichen nicht von jener Wolkenbank, jeder wollte -Tahiti zuerst sehen, wollte seinem erfahrenen Auge den Triumph gönnen, -in dem Wolkenschleier einige schwache Contouren zu entdecken, welche -zweifellos dem Lande gehörten und nicht die Ränder einer Wolke bildeten. -Es mag auffällig erscheinen, daß ältere Leute sich so abquälen und ihre -Augen so unnütz anstrengen, da sie doch den Stand des Schiffes genau -kennen und wissen, was jenes Gewölk in sich birgt. Wer aber weiß, wie -oft das geübteste Auge durch Wolkenbildungen, die fernem Lande täuschend -ähneln, angeführt wird, der wird auch den Reiz verstehen, welcher in -solcher Augenübung liegt. Stunden vergingen, und erst 11½ Uhr vormittags -brach hoch über dem Horizont aus dem Gewölk der höchste Pic von Tahiti -hervor. Noch war die Möglichkeit, den Hafen vor Einbruch der Nacht zu -erreichen, vorhanden; das eine Stunde später festgelegte Mittagsbesteck -ergab aber noch eine Entfernung von 70 Seemeilen, ein Stück Weges, -das unter den obwaltenden Verhältnissen in sechs Stunden nicht mehr -zurückgelegt werden konnte. - -Der Tag war herrlich und so recht geeignet, das Schiff nach der langen -Seereise von Panama aus, vor Ankunft in dem fremden Hafen wieder in einen -Zustand der Ordnung und Reinlichkeit zu bringen, wie man im Auslande die -deutschen Kriegsschiffe zu sehen gewohnt ist. Während in dem gewöhnlichen -Alltagsdienst auf See nur die Wache, also die Hälfte der Mannschaft, zum -Dienst herangezogen wird, müssen heute alle Mann heran, da nur auf diese -Weise die umfangreiche Arbeit bewältigt werden kann. Denn es gilt, die -ganze Außenseite des großen Schiffes bis zum Wasserspiegel und die ganze -Takelage bis zum Blitzableiter zu waschen, zu säubern und mit frischer -Farbe zu versehen. Diese Theile des Schiffes lassen sich auf hoher See -nicht so parademäßig halten, wie sie im Hafen sein müssen. Die Wellen, -welche die Außenseite des Schiffsrumpfes fortgesetzt bespülen, lösen die -Farbe mit der Zeit ab; ihr Wasser überzieht die Schiffswände, ihr Gischt -die untern Theile der Takelage mit einer festen Salzkruste; der aus -dem Schornstein entströmende Rauch schwärzt Masten, Segel und Tauwerk; -es würde daher ein vergebliches Beginnen sein, die vorgenannten Theile -des Schiffes auf hoher See in der gewünschten Sauberkeit erhalten zu -wollen. Den Wellen läßt sich ebenso wenig gebieten Ruhe zu halten, wie -der Windstille, ihre Ruhe aufzugeben; die Wellen treiben unaufhörlich -ihr Versalzungswerk, die Stille verlangt den Dampf, wenn, wie es bei -uns der Fall war, das Schiff beschleunigte Segelordre hat. Könnte aber -auch zeitweise mit Sicherheit auf ruhiges Wasser und auf leichten Wind -gerechnet werden, so würde doch zur Reinigung das Wasser fehlen, auf dem -endlosen Meere -- das Wasser. Soll die neue Farbe auf den Schiffswänden -haften, soll das Tauwerk geschmeidig bleiben, dann darf zu dem Waschen nur -süßes Wasser verwendet werden, ein Artikel, welcher in dem heißen Klima -den durstigen Menschen wegen ungenügenden Vorraths nur so knapp zugewendet -werden darf, daß an eine Vergeudung in der vorher angedeuteten Weise auf -hoher See nicht gedacht werden kann. Erst in nächster Nähe des Hafens, -und auch nur vor einem solchen Hafen, wo mit Sicherheit gutes Trinkwasser -erwartet werden kann, darf die Verschleuderung dieser meistentheils so -gering geachteten und doch so edeln Flüssigkeit erlaubt werden. - -Die Befehle waren ertheilt, und die Mannschaft eilte, sich für den halben -Festtag zweckmäßig zu kleiden. Eine solche Generalreinigung ist für -den Matrosen gewissermaßen ein Fest, denn es gehört zu seinen liebsten -Beschäftigungen, bei gutem Wetter mit dem Farbenquast hantieren zu können; -auch ist ihm bei solcher Arbeit eine leise Unterhaltung mit seinem Nachbar -erlaubt, was den Reiz noch erhöht. In kurzer Zeit ist die Toilette, welche -aus dem schlechtesten Zeuge und umgekrempelter, mit dem Futter nach außen -gekehrter Mütze besteht, beendet, das Deck füllt sich wieder mit Menschen, -welche Stellagen für die äußern Schiffswände und Fahrstühle für die Masten -herrichten, Eimer, Schwämme und die zum Malen erforderlichen Requisiten -herbeischaffen. Der Erste Offizier, erfreut, endlich sein Schiff wieder -durchweg schmuck machen zu können, ist überall, wird gewissermaßen zur -selben Zeit aller Orten, hinten und vorn, oben und unten, außenbords -und in der Takelage gesehen. Die Takelage belebt sich mit Menschen; vom -obersten Flaggenknopf bis zum Fuß des Mastes, auf den Raaen, überall ist -reges Treiben. Die Stellagen werden an der Schiffsseite herabgelassen, -so weit, daß die auf ihnen sitzenden Leute mit ihren Füßen eben frei -von der Wasseroberfläche bleiben; die zu diesem Dienst beorderten Leute -schlingen jeder sich ein Sicherheitstau um den Leib, welches, obgleich -oben am Schiff befestigt, doch außerdem noch in der Hand eines als -Wächter postirten Matrosen ruht. Die Vorbereitungen sind, da jedermann -seinen Dienst genau kennt, in wenigen Minuten beendet, und spätestens -eine halbe Stunde nach dem ersten Befehl ist die Arbeit in vollem Gange. -Schwanengleich gleitet das Schiff bei dem leichten Winde unter vollen -Raasegeln durch das nur wenig bewegte Wasser; von dem Vorschiff dringt -das leise Rauschen des von dem Schiffsbug aufgewühlten Wassers eintönig -und doch so melodisch nach hinten; leises Summen durchweht die Takelage, -scheinbar aus der Tiefe des Meeres kommend klingt das Gemurmel der -außerhalb beschäftigten Leute auf das Schiff herauf. Eine auffallende -Ruhe ist über das Schiff gebreitet, und doch ist das ganze Schiffsvolk in -emsiger Thätigkeit. Die Matrosen hängen in der Takelage wie Bienen, die -eine blühende Linde umschwärmen; die Schanzkleidung ist rundherum garnirt -mit den Wächtern der Sicherheitstaue, welche, träumerisch in die Ferne -schauend, nur ab und zu einen Blick auf ihre Schützlinge werfen. - -So steuert das Schiff, ein Bild innern Friedens, dem jetzt schon deutlich -sichtbaren Lande zu. Da plötzlich ertönt hinten von der Außenseite des -Schiffes her der Ruf: „Hai achterraus!“ Das Schiff ist sofort ein anderes. -Das Commando des wachthabenden Offiziers: „Alle Mann innenbords!“ gibt -dem Ersten Offizier einen Stich ins Herz, da er nun keine besonderen -Vorbereitungen für den Empfang der mit schwarzer Farbe beschmierten -Malkünstler treffen kann. Anstatt auf sorgsam ausgebreitete Matten zu -treten, springen diese Leute mit ihren bemalten Füßen auf das schneeweiße -Deck, um dasselbe fast ebenso schwarz wie die Schiffswand zu machen; es -gilt ja aber nicht blos, den eben empfangenen Befehl zu befolgen, sondern -auch theilzunehmen an dem Haifischfang. Der Ruf: „Hai achterraus!“ ist für -alle zur Zeit nicht beschäftigten Leute eine unausgesprochene Erlaubniß -für die Theilnahme an dem Fang, da 20-30 Mann zu einem glatten Aufziehen -des Fisches gehören und die andern zusehen dürfen. Es kann wol als Regel -gelten, daß jedes Schiff versucht, jeden in die Nähe kommenden Hai zu -fangen, da kaum ein anderes Thier so aufrichtig gehaßt wird, wie dieser -Fisch von dem Seemanne; deswegen springen auch immer einige Leute gleich -zu, um die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Im Umsehen sind der -Haken und ein 1 kg schweres Stück Speck zur Stelle, die Taue für den -Haken und für die Schlinge, welche dem Hai, sobald er angebissen hat, -übergeworfen wird, bereit. Ich will hier einfügen, daß jeder Hai, welcher -sich bei mäßigem Winde einem unter Segel befindlichen Schiffe nähert, in -der Regel seinem sichern Verderben entgegengeht, wenn der Fang richtig -geleitet wird. Diese Wasserhyäne ist so gefräßig, daß sie stets auf den -zugeworfenen Köder beißt. Auch wenn sie schon ein- oder zweimal von der -Angel losgekommen ist, beißt sie mit zerrissenen Kiefern zum dritten mal -an, wenn noch ein ganzer Angelhaken für den dritten Wurf vorhanden ist. -Das Thier ist so stark, daß es fast immer, wenn es nur an der Angel aus -dem Wasser gezogen wird, mit seinen heftigen Schlägen den stärksten Haken -oder dessen Kette bricht; ein sicherer Fang wird daher nur gewährleistet, -wenn man eine Tauschlinge an dem Angeltau herabgleiten läßt, die Schlinge -dann über den an kurzer Leine gehaltenen Fisch bis zur Schwanzflosse -streift und den Fisch nun mit dem Schwanz zu oberst aufhißt, um ihn -schließlich an Kopf und Schwanz gefesselt auf das Schiff zu holen. So -konnten wir also auch darauf rechnen, das signalisirte Raubthier bald -auf dem Schiffe zu haben. Doch stellte sich inzwischen heraus, daß heute -die Hauptsache fehlte, nämlich der Haken. Vor kurzem waren bei ähnlicher -Gelegenheit die beiden Haihaken des Schiffes unbrauchbar geworden; wir -fürchteten daher schon, unserm Feinde die Freiheit lassen zu müssen, -als der Erste Offizier lächelnd das Deck verließ, um kurze Zeit darauf -wieder mit einem in seinem Privatbesitz befindlichen wahren Prachthaken zu -erscheinen. Während nun die Angel zurechtgemacht wurde, folgte der Fisch -uns in einer Entfernung von dreißig Schritten mit bewunderungswürdiger -Gleichgültigkeit. - -Das Wasser ist hier so klar, daß das dicht unter der Oberfläche -befindliche Thier in Krystall zu schwimmen schien, und wäre das Schiff -nicht in Fahrt gewesen, dann hätte man dem Thier jede Bewegung absprechen -müssen. Der Körper war deutlich zu sehen, keine Flosse schien sich zu -bewegen, nur das bei scharfem Hinsehen erkennbare leichte Aufkräuseln des -Wassers an der über die Oberfläche hervorragenden Rückenflosse zeigte, -daß der Fisch in Bewegung war. Die Angel plumpste ins Wasser -- sie wird -absichtlich stets mit möglichst großem Geräusch geworfen -- und sofort -schwenkten die beiden Lootsen, denen der Hai gehorsam folgte, nach dem -Schiffe hin. Diese Lootsen sind kleine Fische, von denen stets zwei -den Hai begleiten, um, vor ihm schwimmend, ihn zur Beute zu führen, und -aus deren Vorhandensein man schließt, daß ihr Herr mit sehr schwachen -Gesichts- und Geruchsorganen ausgestattet ist. In geringer Entfernung von -dem Köder ließ das plötzlich entschiedene Vorgehen des Haies erkennen, -daß er nunmehr die Witterung hatte; die Lootsen nahmen jetzt ihren -Standort zu beiden Seiten ihres Herrn, welcher noch etwas vorschoß, -sich halb auf die Seite legte und dann mit seinem auf der Bauchseite -befindlichen und mit zwölf Reihen Zähnen bespickten mächtigen Rachen -zuschnappte. Gleichzeitig wurde so kräftig an der Angelleine gezogen, -daß der scharfe Haken tief in den Kiefer eindrang, und unser Opfer war -vorläufig an die Kette gelegt. Mächtige Schläge des Schwanzes wühlten das -Wasser auf und sagten den Lootsen, daß ihr Beschützer verloren war, denn -als das Thier mit dem Nachlassen der Leine wieder ruhig wurde, waren sie -verschwunden. Sobald die Ueberzeugung gewonnen war, daß die Angel gefaßt -hatte, wurde die Leine soweit nachgelassen, daß der Fisch wieder ohne -Schmerz schwimmen konnte, und nun folgte er geduldig dicht am Schiffe, -bis die Schlinge richtig placirt war. Dann wurde kräftig angezogen und -im nächsten Augenblick wand sich der Fisch -- zappeln kann man hier nicht -sagen -- mit dem Kopf nach unten hängend, in kräftigen Zuckungen über der -Schanzkleidung des Schiffes; noch einige Augenblicke und er lag, wüthend -um sich schlagend, auf dem Deck, wo jeder ängstlich dem Schwanze auswich, -während der Matador, ein mit einer Handspake bewaffneter Unteroffizier, -an seinem Kopfe zum Stoß bereit stehend auf den Augenblick wartete, wo -das Opfer nach Luft schnappen würde. Der Rachen öffnete sich, hinein fuhr -die Spake bis zum Magen und machte den Fisch steif. Nun war der Schwanz -unschädlich gemacht, die Matrosen sprangen zu und mit Hurrah ging es nach -dem Vorschiff, wo die Schlachtbank bereits bereitet war. Erst wurde der -Schwanz vom Körper getrennt, da zum Ablösen des Kopfes vorher die Spake -entfernt werden muß, das Thier aber ohne Kopf noch lange Zeit kräftige -Muskelzuckungen behält, mit welchen es schlimme Verletzungen schlagen -kann, wenn die Schwanzflosse noch am Körper ist. Dann wurde der Magen -untersucht, welcher nichts Auffälliges enthielt, und danach ging es an -die weitere Zerlegung, welcher ich aber nicht folgen, sondern nur kurz -anführen will, was aus den einzelnen Theilen wird. Die Schwanzflosse -wird an den äußersten Punkt des Bugspriets angenagelt, weil sie nach -einem Matrosenaberglauben an jener Stelle angebracht dem Schiffe Glück -bringt; die Schwanzstücke werden von der Mannschaft gekocht oder gebraten -gegessen; das Rückgrat und das Gebiß werden sorgsam gereinigt und als -Raritäten mit nach Hause gebracht. - -Sobald der Hai auf dem Schiffe war, gingen die Leute, bis auf wenige, -welche den Fisch zerlegten, wieder an die Arbeit, doch die Stimmung, -welche vorher auf dem Schiffe gelegen, kehrte nicht wieder. Die Aufregung -der Jagd hatte alle unruhig gemacht und dies theilte sich dem ganzen -Schiffe mit. Diese Unruhe äußerte sich nicht in größerm Geräusch, denn -es war fast noch lautloser wie vorher, sondern zeigte sich in den Mienen -und Bewegungen der Leute. Die Arbeit wurde beendet, das beschmutzte Deck -mit Messern, Schrapern, Sand und Steinen wieder gereinigt, und erst dann -trat mit der Selbstreinigung der Mannschaft wieder die alte Stimmung ein. -Schon vor Beendigung der Arbeit ist das Verdeck für die große Waschung -vorbereitet worden. Das Tauwerk ist aufgehängt, etwa dreißig große, -mit süßem Wasser gefüllte Bütten stehen bereit, die Spritzenschläuche -sind an die Pumpen angeschraubt. Die Mannschaft strömt herbei und hat, -da wir auf dem Kriegsschiffe ja immer unter uns Männern sind, schnell -sich aller Kleider entledigt. Die Gelegenheit wird ausgiebig benutzt, da -ein solches Süßwasserbad nicht oft geboten wird; in kurzer Zeit ist die -ganze Mannschaft in Seifenschaum gehüllt. Dort steht ein Kranz Matrosen -in gebückter Stellung um ihre Bütte; die nächste Gruppe ist schon weiter -vorgeschritten, indem die Leute aufrecht stehen und einer dem andern -den Rücken abseift; weiterhin ragt aus der Mitte eines Kranzes über -die gebeugten Rücken die zusammengekauerte Gestalt eines Mannes hervor, -welcher in dem Waschfaß sitzt; daneben sitzen in einem größern Gefäß sogar -zwei sich gegenüber, welche sich gegenseitig abseifen, aber bald mitsammt -ihrer Wanne von den Kameraden umgeworfen werden, weil sie sich zu unnütz -machen. Kleine Scherze der verschiedensten Art beleben und erheitern das -Bild, die allgemeinste Lustigkeit bricht aber durch, sobald die Spritzen -zu spielen beginnen. Alles strömt herzu und ballt sich zu einem lebenden -Knäuel zusammen, auf welchen von erhöhtem Standpunkte aus die kräftigen -Wasserstrahlen fallen. Da wogen 200 kräftige, muskulöse Gestalten als -ein Bild der üppigsten Kraftfülle unter Lachen und Gejauchze hin und her, -sich gegenseitig verdrängend und verschiebend; in der Mitte die größere -Masse aufrecht stehend, und um diesen Kern herum ein Kranz theils auf -dem Gesicht, theils auf dem Rücken liegender Gestalten, welche das Bad -in dem langsam abfließenden Wasser dem kräftigen Strahl vorziehen. Die -Abendbrotzeit nahte, dem Baden mußte ein Ende gemacht werden, und eine -Stunde später saß die Mannschaft wieder auf dem Vordeck, um die Freizeit -nach dem Abendbrot zu genießen und, auf dem vom Monde hell beschienenen -Deck behaglich ausgestreckt, rauchend den Klängen der Musik zu lauschen, -welche mit ihren deutschen Weisen uns der Heimat näher rückte. - -Das köstliche Wetter, der schöne Sonnenuntergang, bei welchem wir vor -drei Stunden für heute den letzten Blick auf das in weiter Ferne sich von -dem Himmel abhebende Inselland warfen, welches sein aus Wolken gewebtes -Tageskleid wieder abgelegt hatte, das magische Bild des von dem Monde -silbern überhauchten Schiffes, rufen in mir die märchenhaften Erinnerungen -wieder wach, welche mein Gemüth so mächtig bewegten, als ich vor 22 Jahren -als Knabe zum ersten mal Madeira in weiter Ferne sah und auf der längst -verschollenen „Amazone“ in einer ähnlichen Zaubernacht mit leichtem Winde -dieser schönsten aller Inseln entgegensegelte. Damals der vierzehnjährige -Knabe als preußischer Cadet auf seiner ersten Seereise, jetzt der Mann -als Commandant eines deutschen Schiffes vor einer ähnlichen Inselperle, -welche 15000 Seemeilen weiter von der Heimat entfernt ist. Was liegt nicht -alles in dieser verhältnißmäßig kurzen Spanne Zeit? Welche großartigen -politischen Umwälzungen haben sich nicht vollzogen, wie hat mein eigenes -Leben sich gestaltet? -- Es ist Zeit für mich, das Bett aufzusuchen, -weil ich um 3 Uhr morgens wieder auf dem Posten sein muß, da nach der -dem Schiffe gegebenen Segelführung dann das Land angesteuert wird, um bei -guter Zeit in Papeete eintreffen zu können. - - - - -6. - -Tahiti. - - - Tahiti, 25. Mai. - -Nach kurzer Ruhe wurde ich heute Nacht 1 Uhr wieder geweckt mit der -Meldung, daß das Leuchtfeuer von Tahiti in Sicht gekommen sei. Der Thurm -dieses Feuers ist auf derjenigen Landspitze erbaut, wo der berühmte -englische Seefahrer und Entdecker Cook im Jahre 1769 den Durchgang der -Venus beobachtet und danach diese Landspitze „Point Venus“ benannt hat. - -Das Auftauchen eines Leuchtfeuers über den Horizont gibt die schnellste -und eine absolut sichere Ortsbestimmung für ein Schiff, spielt daher bei -der Navigirung eine große Rolle und erfordert stets die Anwesenheit des -Commandanten auf dem Deck, damit er sich persönlich von der Richtigkeit -aller Umstände überzeugen, den Ort des Schiffes in der Karte festlegen und -danach den neuen Curs bestimmen kann. Hier in diesem Theil der Südsee, wo -es mit Ausnahme dieses einen Punktes keine Leuchtthürme gibt, lernt man -so recht erkennen, welcher Unterschied zwischen der Seefahrt an den Küsten -civilisirter Staaten und den Küstenstrichen wilder Völkerschaften besteht. - -Auf der See liegen vornehmlich alle Gefahren in der Nacht und im Nebel -verborgen, weil die meisten Collisionen, Strandungen, Kenterungen u. s. w. -dem Umstande zuzuschreiben sind, daß die Gefahr nicht früh genug erkannt, -daher nicht mehr vermieden werden konnte. Deswegen muß man sich bei Nacht -von solcher Küste, welche keine Leuchtfeuer zeigt, fernhalten; muß um -einsame Klippen, welche man bei Tage auf Steinwurfweite passiren könnte, -meilenweite Umwege machen. Ist die Küste aber mit Leuchtfeuern versehen, -trägt der einsame Fels einen Leuchtthurm oder ist auf der gefährlichen -Sandbank ein Leuchtschiff verankert, dann werden diese Punkte, welche -vordem der Schrecken der Seefahrer waren, auch bei Nacht aufgesucht, -werden zu sichern, gern gesehenen Führern, weil, wie ich nachher zeigen -will, das Feuer bei Nacht den Ort des Schiffes leichter bestimmen läßt, -als es bei Tage an dem Thurm, dem Träger des Feuers möglich ist. - -Auf hoher See allerdings ist es auch den civilisirten Staaten versagt, -der Schiffahrt derartige Erleichterungen und Sicherheitsmaßregeln -zu schaffen. Da heißt es in seligem Gottvertrauen drauf los fahren; -trifft das Schiff bei hohem Seegang oder schneller Fahrt auf eine noch -unbekannte Klippe, auf das treibende Wrack eines verunglückten Schiffes, -oder wird es unvorbereitet von einer schweren Bö erfaßt, dann wird es in -den erstern Fällen in der Regel, in dem letztern Falle häufig mit Mann -und Maus verloren sein. Das sind eben die Chancen des Seelebens, welche -man mitnehmen muß, weil es unmöglich ist, während der Nacht still zu -liegen, denn sonst würde man mehr als die doppelte Zeit für die Reisen -gebrauchen, würde, ganz abgesehen von der verlorenen kostbaren Zeit, so -große Quantitäten an Proviant und Wasser mitnehmen müssen, daß die Schiffe -der Jetztzeit sie nicht zu fassen vermöchten. - -Um die Ortsbestimmung durch ein Leuchtfeuer leichter verständlich zu -machen, muß ich auf die bekannte Thatsache zurückgreifen, daß infolge der -Kugelgestalt der Erde die Sehweite eines Gegenstandes von seiner Höhe über -dem Meeresniveau abhängt, und daß es bei zwei sich nähernden Gegenständen -einen Punkt gibt, wo sie sich in dem Horizont zuerst treffen und sich -gleichzeitig zu Gesicht bekommen. Daher werden die in der obenstehenden -Figur mit 'a' und 'b' bezeichneten Gegenstände in den gegenseitigen -Gesichtskreis kommen, wenn sie z. B. mit ihrer obersten Spitze die Linie -'A--B' berühren, und in diesem Falle wird der Treffpunkt in 'C' liegen. -Es ist hierbei natürlich gleichgültig, ob beide Gegenstände in Bewegung -sind oder nur einer, da, wenn 'a' einen bei 'x' errichteten Leuchtthurm -vorstellen soll, seine Sehweite bis 'C' reicht, seine oberste Spitze oder -sein Feuer also von dem Schiffe 'b' gesehen werden kann, sobald dieses -bei 'y' angekommen ist. - -Zur Bestimmung der Sehweite eines Gegenstandes gibt es eine einfache -Formel, welche für die praktische Seefahrt ein hinreichend genaues -Resultat liefert. Es wird die in Fuß bekannte Höhe des Gegenstandes (diese -Formel ist nur anzuwenden, wenn die Höhe bekannt ist und dies ist bei -allen Leuchtfeuern natürlich der Fall) mit 4 multiplicirt, das Product -durch 3 dividirt und aus dem Quotienten die Quadratwurzel gezogen; das -Endresultat ergibt die Sehweite in Seemeilen. Beträgt also z. B. die Höhe -eines Leuchtfeuers über der Meeresoberfläche 108 Fuß, dann wird es von -einem im Wasserniveau befindlichen Beobachter auf Wurzel aus 4/3 x 108 -also 12 Seemeilen gesehen werden; steht aber der Beobachter auf einem -Schiffe 19 Fuß über dem Meere, dann wird seine eigene Sehweite Wurzel aus -4/3 x 19 oder 5 Seemeilen betragen, er wird also in dem Moment, wo sein -Auge bei 'C' das über den Horizont hervorbrechende Licht sieht, 12 + 5 -oder 17 Seemeilen von dem Standort des Leuchtthurmes entfernt sein. Peilt -der Beobachter nun gleichzeitig das Feuer mit dem Kompaß, d. h. stellt -er beim Insichtkommen die Himmelsrichtung, in welcher es zum Schiffe -steht, genau fest, dann ist er in der Lage, mit Hülfe eines Zirkels und -eines Lineals in wenig Augenblicken auf der Karte den Punkt zu bestimmen, -wo das Schiff sich befindet. Man sollte nun meinen, daß ein solches -Verfahren ebenso gut bei Tage möglich wäre, dies ist aber nicht der Fall. -Es kann als Regel angenommen werden, daß die Luft nie so klar ist, um das -Hervorbrechen der Spitze eines Thurmes über den Horizont genau feststellen -zu können, vielmehr wird ein im Lande stehender Thurm auch mit Hülfe eines -guten Fernrohres erst gesichtet werden, wenn er ganz oder doch zum größern -Theil über dem Horizont steht, während in einer mäßig klaren Nacht das -Feuer sich so scharf markirt, daß man es im Augenblick des Auftauchens -sogar durch ein Einziehen des Kopfes zwischen die Schultern wieder unter -den Horizont verschwinden lassen kann. - -Nachdem der Stand des Schiffes bestimmt war, wurde beigedreht, d. h. -das Schiff mit kleinen Segeln so zum Winde gelegt, daß es sich nur -unbedeutend von seinem Platze fortbewegte, weil es wegen der nur noch -geringen Entfernung bis Papeete nutzlos war, vor Tagesanbruch den Curs -fortzusetzen. Ich konnte mir daher noch zwei Stunden Schlaf gönnen, stand -um 4 Uhr wieder auf der Commandobrücke und ließ nun dem Schiffe volle -Segel geben, um mit Tagesanbruch dicht unter der Küste zu sein. - -Kurz nach 6 Uhr -- die Tropen kennen ja keine Dämmerung -- bricht -der volle Tag in seiner ganzen Glorie aus der Nacht hervor, die Sonne -steigt als rothglühender Ball aus den Fluten und wirft ihr noch mattes -tiefrosiges Licht auf das ziemlich plötzlich und schnell aus der -Dunkelheit hervortretende, hoch zum Himmel strebende Tahiti. Ein aus -dünnem Nebel gewobenes Nachtgewand umhüllt das Land und schmiegt sich -weich wie ein Schleier seinen Formen an, ist durchsichtig, wo es auf -den Bergrücken glatt aufliegt, verdichtet sich zu fester Hülle, wo in -den Thälern Falte auf Falte geschichtet liegt. Eigenthümlich! Das Land -scheint beim Erwachen des Tages sich zu beleben. Schlaftrunken und leblos -wird es in seinen höhern Regionen von den ersten Strahlen der für uns -noch unter dem Horizont stehenden Sonne getroffen, während das Unterland -noch in tiefem Schatten liegt. Schnell überläuft das Licht mit dem -Höhersteigen der Sonne das Land von dem obersten Berggipfel herunter bis -zum Strande; die Insel bewegt und reckt sich, ermannt sich und blickt -fest auf den Füßen stehend dem jungen Tage mit klarem Blick entgegen, -sobald die warmen Strahlen des mächtigen Tagesgestirns den untersten -Saum des Landes erreicht haben. Aus dem duftigen Nachtgewand, welches -unter den Sonnenstrahlen langsam verdunstet, tritt der schöne unverhüllte -Leib hervor, um sich im frischen Morgenthau zu baden, läßt sich von den -Licht- und Wärmestrahlen tosend umarmen, um von ihnen Nahrung für sein -animalisches und vegetabilisches Leben zu empfangen. Frei von jeder Hülle -steht das aus einem blau und weißen Rahmen heraustretende hohe Bergland -dicht vor uns in dem Meere. Die Brandung auf dem Korallenriff, welches -die Insel umrahmt, gleicht einem blendend weißen Schaumkranz, hinter -welchem bis zum Strande ein Gürtel spiegelglatten azurblauen Wassers -liegt. Am Lande steigen dünne Rauchsäulen auf, einzelne Kanus stoßen vom -Strande ab, um auf den Fischfang zu gehen, Vögel ziehen lautlos über die -Wasserfläche hin, und lautlos wie ein Riesenvogel segelt die „Ariadne“ -mit aufgeblähten Segeln dicht an der Riffbrandung entlang. Der aus -blauem Krystall und Schneeschaum gewundene Gürtel, die duftigen Palmen -am Strande, das rothe, braune, graue und schwarze Gestein der felsigen -Bergrücken, die saftigen Thäler und die üppigen Wälder auf den fruchtbaren -Bergabhängen, die langen tiefen Schluchten und die mächtigen Bergkegel: -dies alles scharf heraustretend aus dem durchsichtig blauen Hintergrunde, -von den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne erwärmt und durch die -erwachende Natur belebt, gibt ein wahrhaft ergreifendes Bild von der Größe -der Schöpfung. Unbewußt zieht tiefe Andacht in das Herz des Menschen ein, -seine Seele will sich von dieser Erde lösen und einen Flug beginnen, der -ihr versagt bleiben muß. Ein Blick nach der offenen See -- und die tiefe -Andacht, welche den Menschen erfaßt hatte und durch die mit ihr verbundene -Unachtsamkeit dem Schiffe unter Umständen hätte Gefahr bringen können, -ist dahin, der Mensch denkt nur wieder allein an seine Pflicht, läßt zwar -ab und zu noch mit Wohlgefallen seine Blicke über das köstliche Bild -schweifen, ist aber doch gegen nochmalige Verzauberung gefeit. Und was -brachte diesen plötzlichen Umschwung? Ein erbitterter Kampf um das Dasein -zwischen Fischen und Vögeln, ein Kampf, wie er sich dem aufmerksamen -Beobachter in dem Thierreich zu jeder Zeit und an jedem Ort bietet, wenn -auch nur selten in so häßlicher Form wie in diesem Falle. Ein lautes -Gekreisch und Geplätscher lenkt unsere Blicke nach der offenen See hin, -dort, nicht weit von uns, ist ein kleiner Fleck im Wasser im vollsten -Aufruhr. Armlange Fische springen scharenweise aus dem hochaufspritzenden -Wasser, um einem größern Raubfisch zeitweise zu entgehen, doch über ihnen, -dicht über dem Wasser, flattern Scharen von kleinen weißen krächzenden -Seevögeln, welche heißhungerig sich auf die aus dem Wasser springenden -Fische stürzen und diesen mit ihren kleinen scharfen Schnäbeln große -Stücke Fleisch aus dem lebenden Körper reißen. Vernichtung unter der -Wasseroberfläche, Verstümmelung über derselben: das ist das Los der so -oft als die glücklichsten Thiere gepriesenen Fische, welche erst dann -wieder Ruhe finden, wenn der Feind aus dem eigenen Geschlecht gesättigt -ist und ihnen gestattet, in tieferm Wasser Schutz gegen die unbarmherzigen -Bewohner der Lüfte zu suchen. - -Inzwischen ist der Tag weiter vorgeschritten; die Sonne, welche hier in -sechs Stunden fast bis zum Zenith steigen muß, hat um 8 Uhr schon eine -solche Höhe erreicht, daß ihre Strahlen das Land zu versengen drohen -und es zwingen, wieder unter dem Wolkenkleid, welches am vorhergehenden -Abend nach Sonnenuntergang abgelegt wurde, Schutz zu suchen. Kleine -Wölkchen lehnen sich an die Bergspitzen an, verdichten sich und schwellen -an, umlagern dann die obern Bergkuppen und wachsen so lange, bis sie, -allmählich sich senkend, die ganze obere Hälfte der Insel mit einer -dichten Wolkenhaube bedecken, welche das nach Feuchtigkeit lechzende Land -in so ergiebiger Weise mit Wasser versieht, daß trotz des in jetziger -Jahreszeit seltenen Regens die Vegetation in köstlichster Frische -prangt und die in den Thalschluchten von den Höhen nach unten eilenden -Bergflüsse nie versiegen. Hier unten bei uns ist es aber heiß, sehr heiß; -der kühlende Landwind ist wieder abgestorben, die Seebrise noch nicht -erwacht. An Stelle der Segel ist vor kurzem die Schraube getreten, und in -einer halben Stunde, gegen 9 Uhr, werden wir in Papeete ankern, um das -Schiff schnell auszurüsten und in zwei bis drei Tagen dann nach unserm -eigentlichen Bestimmungsort weiterzugehen. - - - 11. Juni. - -Seit einigen Stunden befinden wir uns nun endlich auf dem Wege nach den -Samoa-Inseln. - -Ehe ich die Ereignisse der letzten vierzehn Tage bespreche, will ich in -kurzen Umrissen ein Bild des Landes und der Bewohner von Tahiti geben, -zuvor aber einen kurzen Abriß der Entdeckungsgeschichte dieser Insel, wie -sie in den englischen Segelanweisungen von A. G. Findlay enthalten ist, -einfügen. Diese Entdeckungsgeschichte wird gleichzeitig auch zeigen, warum -so viele Inseln des Stillen Oceans so verschiedene Namen tragen und wie -schließlich doch die Bezeichnungen der Eingeborenen wieder in ihr Recht -treten. - -Tahiti ist zweifellos zuerst von einem Spanier Pedro Fernandez de Quiros -am 10. Februar 1606 entdeckt und von ihm La Sagittaria genannt worden, -ohne daß in damaliger Zeit diese Entdeckung weiter verfolgt oder in -weitern Kreisen bekannt geworden wäre, denn Thatsache ist es, daß eine 160 -Jahre später von dem König Georg III. von England zu Entdeckungen nach der -Südsee ausgeschickte Expedition von dem Vorhandensein dieser Insel nichts -wußte. So konnte Wallis, der Führer dieser Expedition, sich auch das -Verdienst zuschreiben, Tahiti am 19. Juni 1767 entdeckt zu haben und das -Recht in Anspruch nehmen, einem bis dahin unbekannten Lande einen Namen -zu geben. Er nannte es King George-Island und nahm es durch Aufhissen der -englischen Flagge für seinen König in Besitz. Doch die Eingeborenen holten -die Flagge bald wieder herunter und benutzten sie in spätern Jahren als -ein Zeichen ihrer eigenen Unabhängigkeit. - -Noch ehe diese zweite Entdeckung bekannt wurde, erfuhr Tahiti im folgenden -Jahre am 2. April 1768 diese Ehre zum dritten mal und zwar durch den -rühmlich bekannten französischen Seefahrer de Bougainville in dem Schiffe -„Boudeuse“, welcher die Insel 'Nouvelle Cythère' benannte. Am 12. April -1769 langte Cook in Tahiti an, um von hier aus den Durchgang der Venus -durch die Sonne zu beobachten. Das Gelingen der Beobachtung am 3. Juni -desselben Jahres, die in derselben Zeit erfolgte Aufnahme des Landes und -der Häfen, welche bislang noch immer unübertroffen dasteht und die noch -jetzt maßgebende Karte lieferte, sowie die gleichzeitige Entdeckung der -nordwestlich gelegenen Gesellschafts-Inseln haben diese Reise zu einer -besonders werthvollen für die Wissenschaft gemacht. Cook war auch der -erste, welcher der Insel ihren einheimischen Namen wiedergab, nachdem -sie vorher drei Namen erhalten hatte, die heutzutage so gut wie vergessen -sind. In derselben Zeit fürchteten die Spanier, daß der englische Einfluß -in der Südsee zu sehr wachsen könne; der Vicekönig von Lima erhielt -daher den Befehl, von Tahiti Besitz ergreifen zu lassen, woraufhin eine -spanische Expedition unter Don Domingo Bonecheo entsandt wurde, welche am -10. November 1772 in Tahiti anlangte und es Amat oder Tagiti benannte. -Der Bericht Bonecheo’s nach seiner Rückkehr hatte zur Folge, daß er im -September 1774 wieder dahin geschickt wurde, um nunmehr von der Insel -Besitz zu ergreifen. Er durchforschte zunächst das Land, starb aber schon -am 26. Januar 1775, worauf die spanischen Schiffe unverrichteter Sache -nach Lima zurückkehrten. Im August 1777 besuchte Cook noch einmal Tahiti -als das letzte europäische Schiff für den Zeitraum von 11 Jahren. - -Im Jahre 1788 schickte König Georg III. von England das Schiff „Bounty“ -unter dem Commando eines Lieutenant Bligh, welcher schon mit Cook Tahiti -besucht hatte, dahin, um den werthvollen Brotfruchtbaum der Südseeinseln -nach Westindien zu verpflanzen. Die Geschichte dieses Schiffes ist so -abenteuerlich, daß sie kurzer Erwähnung verdient. Die „Bounty“ langte -am 26. October 1788 in Tahiti an, kehrte aber nicht mehr nach England -zurück, sondern blieb in den Händen einer meuterischen Mannschaft und fand -in der Südsee ihr Ende. Als das Schiff mit den Brotfruchtbäumen Tahiti -verlassen hatte, brach eine Meuterei auf demselben aus; nach einzelnen -Angaben, weil der größte Theil der Mannschaft die in Tahiti angeknüpften -Liebesverhältnisse nicht aufgeben wollte, nach der wahrscheinlichern -Angabe aber, weil der Commandant die Mannschaft zu hart behandelte. -Thatsache ist, daß das Schiff in den Händen der meuterischen Mannschaft -blieb und die Führung einem mit Gewalt zurückbehaltenen Seecadetten -übertragen wurde. Der Commandant, die Offiziere und ein kleiner Theil der -Mannschaft, welcher treu zu den Offizieren gestanden hatte, wurden dann -am 26. April 1789 auf hoher See in Schiffsbooten ausgesetzt und ihrem -Schicksal überlassen; sie landeten nach langen Irrfahrten und infolge der -erlittenen Entbehrungen sehr zusammengeschmolzen auf Timor und fanden -von dort ihren Rückweg nach England, um Kunde von ihrem Schicksal zu -geben. Die Meuterer kehrten mit dem Schiffe „Bounty“ nach Tahiti zurück, -welches sie, wenn auch auf Umwegen, wohlbehalten wieder erreichten. -Sie versicherten sich dort wieder ihrer Frauen, flüchteten unter -Zurücklassung von 14 Mann weiter und galten lange Zeit als verschollen. -Als die Nachricht von der Meuterei nach England gedrungen war, wurde die -Fregatte „Pandora“ ausgeschickt, um die „Bounty“ zu jagen, langte am 23. -März 1791 in Tahiti an, nahm die dort zurückgebliebenen 14 Mann gefangen -und kehrte dann nach erfolglosem Suchen nach dem Meutererschiff nach -England zurück, woselbst drei der 14 Gefangenen hingerichtet wurden. Die -„Bounty“ mit ihrer Mannschaft war längst vergessen, als im Jahre 1808 ein -Walfischfänger nach Pitcairn-Island (südöstlich der Paumotu-Inseln) kam -und dort auf der bis dahin für unbewohnt gehaltenen Insel die Meuterer -fand. Ehe diese Nachricht nach England kam, hatte auch das englische -Kriegsschiff „Briton“ Pitcairn angelaufen und einen Bericht über die -aus der weißen Mannschaft der „Bounty“, ihren braunen polynesischen -Frauen und Mischlingskindern bestehende Bevölkerung dieser kleinen -Insel nach England gesandt, welcher das allgemeinste Interesse erweckte. -Die Schilderung von dem Glück, der Reinheit der Sitten, der harmlosen -Einfachheit und den nahezu paradiesischen Zuständen auf dieser kleinen -Insel wirkte so mildernd auf die englische Regierung, daß dieselbe unter -Zulassung der Verjährung nicht nur volle Verzeihung gewährte, sondern -auch die Leute unter ihren besondern Schutz nahm und so weit ging, daß -sie im Jahre 1856, als Pitcairn für die Bevölkerung zu klein geworden -war, ihnen die bei Australien gelegene schöne Insel Norfolk, welche bis -dahin Verbrechercolonie gewesen war, mit allen Gebäuden, 2000 Schafen, -300 Pferden, Schweinen, Federvieh u. s. w. als freies Eigenthum schenkte. -Die ganze aus 194 Personen (92 männlichen, 102 weiblichen Geschlechts) -bestehende Bevölkerung wurde auch auf Regierungsschiffen kostenfrei nach -der neuen Heimat übergeführt. - -Die von England aus im vorigen Jahrhundert nach der Südsee unternommenen -Reisen hatten die öffentliche Meinung so in Anspruch genommen, daß sich -in London eine Missionsgesellschaft bildete, um durch die Verkündigung -des wahren Glaubens in Polynesien festen Fuß zu fassen. Schon am 10. -August 1796 segelte das Schiff „Duff“ von London ab und langte am 5. März -1797 in Tahiti an, wo die Missionare zunächst viel Gutes stifteten und -in verhältnißmäßig kurzer Zeit ganz Tahiti dem Christenthume gewannen. -Zu diesem Erfolg soll namentlich der Umstand wesentlich beigetragen -haben, daß die Männer, welche zuerst hierher kamen, in den bestehenden -freien Sitten nicht gleich Sittenlosigkeit vermutheten, sondern mit -Geduld prüfend bald erkannten, daß diese Freiheit nicht eines gewissen -moralischen Haltes ermangele, welchen mit der neuen Religion in Einklang -zu bringen diesen erleuchteten Männern wol gelungen sein soll, wenngleich -jetzt nach 35jähriger französischer Herrschaft von Sittenreinheit -auf Tahiti wol nicht mehr gesprochen werden kann. Wenn auch von einer -Seite behauptet wird, daß die Unduldsamkeit der englischen Missionare -die Ursache gewesen, daß Tahiti unter französisches Protectorat -gekommen sei, weil sie zu Anfang der vierziger Jahre zwei französische -katholische Priester mit Gewalt von der Insel hätten vertreiben lassen -und diese gezwungen worden wären, sich in einem kaum seefähigen kleinen -Fahrzeug nach der 2000 Seemeilen westlich von Tahiti liegenden Insel -Uea (Wallis-Island) zu flüchten, so gibt eine andere, und zwar meines -Erachtens durchaus competente Quelle den Verlauf dieser Vergewaltigung -anders an. - -Als Ende der dreißiger Jahre die auf den südöstlich von Tahiti liegenden -Gambier-Inseln ansässigen französischen Missionare dort festen Fuß gefaßt -hatten, schickten sie zwei ihrer Mitglieder nach Tahiti ab, um diese -werthvolle Insel für ihre Interessen zu gewinnen. Da nun Tahiti bereits -lange dem Christenthum und zwar dem protestantischen Glauben gewonnen -war und die Bevölkerung, wie es bei halbcivilisirten Völkern so leicht -der Fall ist, außerordentlich orthodox war, so sah die Königin Pomare -in der Ankunft dieser beiden Priester eine große Gefahr für ihr Land und -erklärte den Herren, weder das Bedürfniß zu einem erneuten Glaubenswechsel -zu empfinden, noch die Macht zu haben, sie vor etwaiger Unbill seitens -ihrer Unterthanen zu schützen, weshalb sie sie ersuchen müsse, die Insel -wieder zu verlassen. Aber die Priester befolgten diesen Rath erst, nachdem -die von ihnen bewohnte Hütte durch einige Eingeborene zerstört worden -war, und gingen freiwillig, aber wol nur, um diese Gewaltthat, auf welche -sie wahrscheinlich gewartet hatten, wenn sie dieselbe nicht, wie es nach -anderer Lesart heißt, provocirt hatten, als Handhabe für eine Einmischung -der französischen Regierung zu benutzen. Die französische Regierung fand -denn auch hierin eine erwünschte Gelegenheit, ihre Hand auf Tahiti zu -legen, und im Jahre 1842 langte der französische Admiral Du Petit Thouars -mit der Fregatte „La Venus“ in Tahiti an, um Satisfaction zu fordern. -Er verlangte 2000 Dollars Schadenersatz, eine Summe, welche die Königin -nicht bezahlen konnte, sodaß sie nun darauf einging, das französische -Protectorat anzunehmen, nachdem die englische Regierung, unter deren -Schutz sie sich gestellt hatte, sie preisgegeben hatte. Die Verhandlungen -fanden im September 1842 ihren Abschluß, und seit dieser Zeit kann Tahiti -als französische Colonie betrachtet werden. - -Naturgemäß verloren die englischen Missionare unter der französischen -Herrschaft ihren Einfluß vollkommen und trotz der vielfach aufgestellten -Behauptung, daß sie noch viele Anhänger haben, besagen die mir gewordenen -Mittheilungen, daß es auf Tahiti keine protestantischen Eingeborenen -mehr gibt und die dort noch ansässigen englischen Missionare nur die -Seelsorger der dort lebenden Europäer sind. Auch diese letztern müssen -ihre Kinder, wenn sie dieselben nicht schon im zartesten Alter zur -Erziehung nach Europa, Amerika oder Australien schicken wollen, der Obhut -der französischen Priester und Nonnen anvertrauen, weil die Schulen sich -in deren Händen befinden. - -Tahiti besteht aus zwei nahezu kreisrunden kegelförmigen Inseln, welche -durch einen Isthmus von 2000 m Breite und 14 m höchster Höhe über dem -Meere verbunden sind. Die größere wird Tahiti-Nui (Groß-Tahiti) oder -kurzweg Tahiti, die kleinere Tahiti-Iti (Klein-Tahiti) oder gewöhnlich -Taiarabu genannt. Tahiti hat einen Durchmesser von 18, Taiarabu einen -solchen von 9 Seemeilen, die größte Höhe des erstern beträgt 2240, die -des letztern 1140 m. Diese beiden durch den genannten Isthmus verbundenen -Inseln sind sich in jeder Beziehung so gleich, daß die folgenden Angaben -über Tahiti auch auf Taiarabu passen. - -Tahiti, von den Eingeborenen mit Lauten benannt, die zwischen T’aeiti -und T’eiiti liegen (bei der Bezeichnung Otaheiti bildet O den -Artikel), erhebt sich als flacher ziemlich regelmäßiger Kegel aus dem -Meere. Die Basis an der Wasseroberfläche bildet nahezu einen Kreis, in -dessen Mittelpunkt die höchste Erhebung der Insel liegt. Die Insel ist -vulkanischen Ursprungs und kranzförmig von einem Korallenriff umgeben, -welches ihr eine große Zahl guter und sicherer Häfen gibt, da hinter dem -Riff in mäßiger Wassertiefe mit gutem Ankergrund ein Schiff so sicher -wie in dem besten künstlichen Dockbassin liegt. Der Haupthafen und -hauptsächlichste Wohnort der Europäer ist das an der Nordseite gelegene -Papeete (sprich: Pape-ete, auf deutsch: „Wasserkorb“). Der Hafen ist -vortrefflich und bietet einer großen Zahl der größten Schiffe genügenden -Raum, gestattet auch den großen Kauffahrern, dicht an Land zu legen, hat -aber den großen Nachtheil, daß er an der Leeseite der Insel liegt, sich -daher während des größten Theiles des Jahres unter Windstille befindet, -wodurch die Segelschiffahrt sehr erschwert wird und die Temperatur sehr -viel höher steigt, als wie an den von dem Passat bestrichenen Theilen -der Insel. Es muß auffallen, daß die Franzosen Papeete zu dem Haupthafen -gemacht haben, da an der Südostseite von Tahiti in der von Groß- und -Klein-Tahiti gebildeten Bai bei den Flüssen Vaiurin und Umiti ein -ebenfalls vortrefflicher und geräumiger Hafen liegt, welcher, stets von -dem Passat bestrichen, ein verhältnißmäßig kühles und so gesundes Klima -hat, daß der dort liegende Küstenstrich von kranken Europäern vielfach -als klimatischer Kurort benutzt wird. Zieht man dazu noch in Betracht, -daß dieser letztere Hafen wegen seiner bessern Vertheidigungsfähigkeit als -Kriegshafen große Vortheile vor Papeete haben würde, so kann die Erklärung -für die Wahl des Hafens nur darin zu suchen sein, daß Papeete der Wohnort -der tahitischen Königsfamilie war, politische Gründe bei der Uebernahme -des Protectorats für die Wahl der Residenz damals maßgebend waren und die -Stadt inzwischen so angewachsen ist, daß jetzt an eine Uebersiedelung ohne -Schädigung großer materieller Interessen nicht mehr gedacht werden kann. - -Die Bodengestalt sichert dem Ackerbauer leichten und reichen Erwerb, -da große Flächen Landes vorhanden sind, welche bei dem Reichthum an -vortrefflichen Gebirgsflüssen leicht cultivirt werden können und durch -vorzügliche Straßen verbunden sind. Nicht allein die sanft ansteigenden -Abhänge liefern große Flächen fruchtbaren Landes, sondern Tahiti hat auch -noch den seltenen Vorzug, rund um den eigentlichen Inselkern einen breiten -Gürtel ebenern Landes zu besitzen, welcher auch ermöglichte, um die Insel -herum eine vorzügliche Ringchaussee zu legen, welche alle Küstenpunkte -mit der Hauptstadt verbindet. - -Tahiti producirt alles, was ein tropisches Land nur hervorbringen kann. -Die vielen in üppigster Vegetation prangenden Flußthäler sind wahre -Obstgärten, welche ohne Pflege in überreicher Fülle die Eingeborenen -mit Früchten aller Art versorgen und nebenbei noch reichen Gewinn -durch den sehr bedeutenden Orangenhandel mit San-Francisco bringen. -Tahiti ist nämlich bisjetzt der einzige Platz, welcher gerade zu dem -Unabhängigkeitsfest der Vereinigten Staaten von Nordamerika seine -vortrefflichen Orangen reif nach San-Francisco liefern kann, weil in -Amerika wie in Europa die Erntezeit erst in den Winter der nördlichen -Halbkugel fällt. In den sich öffnenden Ausläufern der Thäler, auf -der Gürtelebene und auf den Bergabhängen wird, ganz abgesehen von der -dankbaren Kokosnuß, mit gutem Erfolg Baumwolle, Zuckerrohr und Kaffee -gebaut, doch vorzugsweise nur von Engländern und Amerikanern, während -der Franzose sich mit Bienenzucht und der Cultur der Vanille befaßt. -Die letztere erfordert hier große Geduld, weil auf der Insel diejenigen -Insekten fehlen, welche die männlichen Samenstäubchen der weiblichen -Blüte zutragen, und daher jede Blüte durch Menschenhand befruchtet werden -muß. Der Eingeborene arbeitet überhaupt nicht, weshalb auf den Plantagen -Chinesen Verwendung finden. - -Hierbei möchte ich auch eines Exportartikels erwähnen, welcher mir -bisjetzt als Handelsartikel unbekannt war, es ist dies die Baumwollsaat -(Samenkörner der Baumwollfrucht). Dieser Artikel geht vorzugsweise nach -den Olivendistricten Südfrankreichs, wird dort ausgepreßt und kommt dann -als Olivenöl in den Handel, während die Rückstände zu Kuchen gepreßt ein -hochbezahltes Viehfutter geben. Nachdem ich dies erfahren und auch gehört -habe, daß sehr viel Kokosöl als Olivenöl verkauft wird, ist mir klar, -warum das Speiseöl oft so schlecht ist. - -Die in Tahiti vorkommenden Nahrungsmittel sind vorzugsweise die folgenden: -Früchte und zwar Kokosnüsse, Brotfrucht, verschiedene Arten Bananen, -Guaven, Orangen, Limonen und viele der sonst in den Tropen vorkommenden -Früchte, welche nach und nach hierher verpflanzt worden sind; einige -Arten Erdfrüchte und Wurzeln, namentlich Yam, süße Kartoffeln und der -vortreffliche Taro. - -Schweine und Federvieh, vorzügliche Salz- und Süßwasserfische, Hummern, -Austern, große Krabben und in den Bergflüssen Süßwasser-Schrimse oder -Garnelen, Crevettes, Krabben, wie diese Thiere auch genannt werden. Den -vortrefflichen Wasserthieren werde ich noch bei Besprechung eines von uns -unternommenen Ausflugs Gerechtigkeit widerfahren lassen. - -Rindvieh und Schafe werden meines Wissens auf Tahiti nicht gezüchtet; das -erstere kommt vorzugsweise von Honolulu, die Schafe von der Osterinsel -und Neuseeland. Jagd ist, wie auf all diesen Inseln, so gut wie nicht -vorhanden; nur wilde Tauben und Enten können als eigentliches Wild -betrachtet werden, da die auf einzelnen Inseln wild vorkommenden Rinder, -Ziegen und Schweine früher eingeführte und im Laufe der Zeit verwilderte -Hausthiere sind. - -Merkwürdig ist, daß Tahiti kein Nutzholz producirt, sondern dieses von -Californien bezieht, während andererseits Tahiti wieder Brennholz nach -Californien ausführt. - -Ueber die eingeborene Bevölkerung von Tahiti kann ich aus eigener -Anschauung leider nur verhältnißmäßig wenig berichten, weil meine Stellung -mir in Papeete versagte, einen tiefern Einblick in ihr Leben und Treiben -zu erhalten, doch will ich das Wenige, was ich erfahren, hier wiedergeben, -glaube allerdings, daß ich, wenn ich die Bewohner der Gesellschafts-Inseln -gleich mit bespreche, ein ziemlich getreues Bild gebe. Die Tahitier -gehören der polynesischen Rasse an, welche wegen ihrer angenehmen -Gesichtszüge und schönen Körperbildung nach europäischen Begriffen eine -bevorzugte Stellung unter den sogenannten wilden Völkerschaften einnimmt. -Im besondern sind die Bewohner dieses Theils der Südsee (Tahiti mit den -umliegenden Inselgruppen) durch auffallende Körpergröße ausgezeichnet, was -namentlich von den Frauen gilt, da diese durchschnittlich die Größe der -an sich großen Männer erreichen, ja vielfach diese noch überschreiten. -Ueber die Körperbildung läßt sich nur sagen, daß sie äußerlich der der -kaukasischen Rasse vollkommen entspricht und abgesehen von den großen -Füßen (die Leute gehen alle barfuß) von großer Formenschönheit ist. -Man sieht fast nur schön gebaute Menschen und wird versucht, diese -schöne Gottesgabe dem freien und urwüchsigen Leben dieses Volksstammes -zuzuschreiben, wie ja auch wol theilweise angenommen wird, daß die alten -Griechen und Römer infolge der freiern Tracht durchschnittlich schöner -gebildet waren, als die spätern Geschlechter. Als besonders merkwürdig -ist mir noch aufgefallen, daß die Mischlinge beiderlei Geschlechts von -weißen Vätern und braunen Müttern eigentlich durchgehends schöne und -feine Gesichtszüge haben, wenn auch die Aeltern eher häßlich als schön -sind, ja man findet unter diesen Mischlingen sogar wirklich auffallende -Schönheiten. - -Meine oberflächlichen Wahrnehmungen über die Charaktereigenschaften der -Tahitier lassen sich wie folgt zusammenfassen. Von der Verschlagenheit, -welche nach einzelnen Berichten dieser Rasse innewohnen soll, habe -ich nichts bemerkt, im Gegentheil habe ich diese Menschen freundlich, -zuthunlich und zuvorkommend gefunden. Ohne Launen lebt dieses Volk -ein glückliches Leben und scheint nur zur Freude geboren; die Männer -behandeln ihre Frauen und beide ihre Kinder gut. Die Frauen scheinen die -geistig Begabtern zu sein und im allgemeinen die erste Rolle zu spielen, -denn wenn sie auch nicht äußerlich herrschen, so führen sie doch im -häuslichen Leben das Regiment, wie dies ja auch bei uns Europäern oft -der Fall ist. Die Sitte der Bekleidung ist in Tahiti in der Hauptstadt -Papeete allgemein durchgeführt, d. h. von oben herab befohlen, wenngleich -eine Nothwendigkeit dafür nicht vorzuliegen scheint, da die Oberkleider -hier etwa so angesehen werden, wie in civilisirten Ländern der Hut -und die Handschuhe; denn ebenso leicht wie die europäische Dame diese -Luxusartikel ablegt, entledigt die Tahitierin sich außerhalb der Stadt -am öffentlichen Strande, wenn sie baden will, ihres Oberkleides und -entblößt damit Oberkörper und Unterschenkel. Das Hauptkleidungsstück -bei beiden Geschlechtern und früher das einzige, ist der Pareo, ein -Stück Zeug, welches um die Hüften geschlungen bis zu den Knien reicht. -Die Männer tragen daneben in der Regel noch ein Hemd, welches über dem -Pareo glatt herunterhängt, die Weiber ein langes bis zur Erde reichendes -weites Gewand, welches die ganze Gestalt bedeckt, und die Wohlhabendern -zwischen Pareo und Obergewand auch noch ein Hemd. Das Obergewand verhüllt -allerdings sehr wenig, da der leichte fast durchsichtige Stoff sich bei -jeder Bewegung des Körpers und bei jedem Lufthauch so fest anschmiegt, -daß die kleinste Erhebung der Haut zu plastischer Entwickelung kommt. Die -früher von den englischen Missionaren eingeführt gewesenen geschmacklosen -Hauben sind glücklicherweise wieder verschwunden; die Frauen tragen jetzt -nur ihr Haar als natürlichen, und Strohhüte oder turbanähnlich um den -Kopf geschlungene Tücher oder wohlriechende Blumenkränze als künstlichen -Kopfputz. Namentlich der letztere ist vorzugsweise beliebt und verleiht -diesen junonischen Gestalten einen besondern Reiz. Schuhzeug wird nicht -getragen und wird sich auch wol schwerlich einbürgern. Bis hierher ist -alles schön, nun aber kommt die häßliche Kehrseite. Die Sittenlosigkeit -in Papeete übertrifft in Masse und Oeffentlichkeit alles bisher von mir -Gesehene, und die Thatsache, daß in der Südsee die Sittenlosigkeit an -den Plätzen, wo die Missionsgesellschaften ihren Centralpunkt haben, am -schlimmsten ist, zwingt wol zu ernstem Nachdenken. - -Die politischen Verhältnisse von Tahiti lassen sich kurz dahin -zusammenfassen, daß Tahiti unter französischem Protectorat und somit unter -französischer Oberhoheit steht. Frankreich verwaltet die Inselgruppe, und -alle Europäer wie Fremde stehen unter dem Einflusse der französischen -Regierung, während die Eingeborenen der Form nach von ihrem eigenen -König regiert werden. Der französische Gouverneur veröffentlicht in dem -Amtsblatt die für die Europäer und Fremden erlassenen Verordnungen, -der König diejenigen für die eingeborenen Tahitier; französische -Polizeibeamte haben die Ordnung unter den Europäern aufrecht zu erhalten -und dürfen nur allein Hand an die letztern legen, während Eingeborene -nur von eingeborenen Polizisten arretirt werden dürfen. Natürlich ist -diese äußerliche Aufrechterhaltung der Autorität des Königs nur ein -Spiel, da es ja thatsächlich unmöglich sein würde, wenn zwei derartige -Regierungen nebeneinander bestehen wollten. Es ist daher natürlich, daß -der König von Tahiti nur solche Verordnungen erläßt, zu welchen er von dem -französischen Gouverneur autorisirt wird, resp. welche der Gouverneur ihm -zur Unterschrift zuschickt; ebenso natürlich ist es, daß die eingeborene -Polizei in Wirklichkeit ebenso direct unter dem Befehl des französischen -Polizeidirectors steht, wie die französischen Polizeibeamten. Der -jetzige König von Tahiti, Sohn der Ende 1877 verstorbenen Pomare IV., -übt somit keine Regierungsthätigkeit mehr aus, sondern bezieht nur von -der französischen Regierung eine für die hiesigen Verhältnisse sehr -anständige Apanage, von welcher er allerdings dem polynesischen Brauche -gemäß auch seine sämmtlichen Verwandten mit unterhalten muß, deren -Zahl nicht gering ist. Nach diesem polynesischen Brauch gibt es unter -Verwandten keinen sichern Besitz, denn alles was ein Polynesier erworben -oder geschenkt erhalten hat, muß er ganz oder theilweise hergeben, sobald -seine Verwandten ihn darum angehen; hier besteht also in dem Bereich -einer Gemeinschaft von Blutsverwandten die reinste Gütergemeinschaft. -Diesem Brauch ist es wol auch zuzuschreiben, daß man unter den Polynesiern -keinen hervorragenden Besitz findet, da es zwecklos ist, etwas zu -erwerben; einzig und allein diesem Brauch muß meiner Ansicht nach auch -die notorische Arbeitsscheu der Polynesier zugeschrieben werden, und es -müssen daher alle Versuche, diese Menschen auf den Weg der Arbeitsamkeit -zu bringen, so lange fruchtlos bleiben, als es nicht gelingt, durch -Beseitigung der alten Sitte den Besitz des Erworbenen zu sichern. - -In Bezug auf die politischen Verhältnisse ist zu bemerken, daß, während -die Marquesas-Inseln französische Colonie sind, die andern von den -Franzosen in diesem Theil der Südsee besetzten Inseln unter französischem -Protectorat stehen. Der Unterschied liegt, wie bereits angegeben, -vorzugsweise darin, daß die Einwohner der Colonie französische Unterthanen -sind, als solche die Rechte französischer Bürger haben oder doch haben -sollen und unter französischem Gesetz stehen, während die Bewohner des -unter französischem Protectorat stehenden Territoriums mit Frankreich -nichts gemein haben, sondern nur das Staatsoberhaupt Frankreichs -gleichzeitig auch als das ihrige zu betrachten haben. Diese Stellung -ermöglicht es der französischen Regierung, den unter Protectorat stehenden -Inseln willkürliche, dem Augenblick angepaßte Steuern und Gesetze -aufzuerlegen, was sie in den Colonien nicht kann. Um dieses Verhältniß -auch äußerlich klar zu stellen, hat das Protectorats-Territorium eine -besondere Flagge erhalten, welche nur in der obern Ecke die französischen -Farben führt. Von den Franzosen werden nun als unter Protectorat stehend -die folgenden Inseln angesehen: - -1. Tahiti und Morea mit einigen kleinern zu dieser Gruppe gehörigen Inseln; - -2. die Paumotugruppe oder englisch Low-Archipelago, von den Franzosen -„Archipel Tuamotu“ oder „'Les Iles Basses'“ genannt; - -3. die Gambier- oder Mangareva-Inseln. - -Ehe ich mit der Besprechung dieser Verhältnisse fortfahre, will ich -noch erwähnen, daß die gesammelten Angaben aus einem von mir in Tahiti -im Buchhandel gekauften Buche „'Annuaire de Tahiti pour 1877'“ und aus -den Nachrichten stammen, welche ich von in Papeete lebenden Deutschen -und Engländern erhalten habe. Meine amtliche Stellung hat mir keinerlei -Einblick in die hiesigen Verhältnisse verschafft. Das vorgenannte Buch -enthält natürlich nur das, was man der Oeffentlichkeit übergeben will, -und bringt namentlich für das französische Publikum bestimmte Angaben, -welche, ohne es bestimmt auszusprechen, den französischen Einfluß in der -Südsee viel größer darstellen, als er in Wirklichkeit ist. So lassen die -auf Seite 40-46 enthaltenen Angaben, welche alle die unter französischem -Einfluß stehenden Inselgruppen namentlich aufführen, vermuthen, daß -die Gesellschafts-Inseln ('Iles-sous-le-vent'), die Cook-Inseln, sowie -die 'Sporades océaniennes' zu Frankreich gehören, während diese Inseln -thatsächlich unabhängig sind. Auch soll dieses Buch andererseits wol auch -die fremden Regierungen täuschen, da nach ihm auf Tahiti immer noch das -Vertragsverhältniß der Jahre 1842 und 1843 (Seite 47-51) besteht, während -in Wirklichkeit der König von Tahiti im Laufe der Zeit zu einer Null -herabgedrückt worden ist. - -So ist auch das Verhältniß der Gambier-Inseln zu Frankreich ein höchst -merkwürdiges und zweifelhaftes. Das auf S. 52 abgedruckte Schriftstück -der Mangareva-Häuptlinge vom 16. Februar 1844 verlangt das französische -Protectorat und gleichzeitig als Zeichen der Vereinigung mit Frankreich -die Flagge der Grande Nation. Diese Inseln führen denn auch nicht -die Protectorats-, sondern die französische Flagge und werden von den -Kaufleuten daher als französische Colonie angesehen, was die Franzosen -indessen nicht gelten lassen wollen. Die Bedeutung der Sache liegt in -Folgendem. Die Franzosen sind nicht in der Lage, die aus ungefähr 80 -Inseln bestehende Paumotu- und Gambiergruppe so mit Beamten zu besetzen, -daß eine Erhebung der Steuern an Ort und Stelle erfolgen könnte. Sie -haben daher ein Gesetz erlassen, welches alle Schiffe, die innerhalb der -Protectoratsgrenzen Handel treiben wollen, verpflichtet: - -1. die Protectoratsflagge zu führen, und - -2. stets von Papeete aus ihre Fahrt anzutreten und zur Erlegung der -Steuern wieder dahin zurückzukehren. - -Sind die Gambier-Inseln nun Colonie, dann fallen diese sehr lästigen -Beschränkungen fort und nebenbei werden keine Steuern bezahlt, weil -niemand dort ist, der eine Steuer erheben könnte. Was nun die Franzosen -dazu veranlaßt, die Gambier-Inseln als zum Protectorat gehörig zu -bezeichnen, ist der Umstand, daß von dort viele und namentlich häufig -sehr große Perlen, sowie große Massen von Perlschalen (Perlmuscheln) -kommen, beide Artikel aber innerhalb der Protectoratsgrenzen mit einer -außerordentlich hohen Ausfuhrsteuer belegt sind. - -Der Regierungssitz für die sämmtlichen vorgenannten Inseln, zu welchen -auch die Marquesas-Inseln gehören, liegt in Papeete auf Tahiti, und -diese Stadt muß somit als die Residenz angesehen werden. Ueber die -Zusammensetzung der Regierung gibt das „'Annuaire'“ auf den Seiten 55-106 -Aufschluß und zeigt, welch starkes Beamtenthum für diese Inseln für -erforderlich gehalten wird. Allerdings kommen dieselben Namen häufig bei -den verschiedensten Dienstzweigen vor, weil jedem Beamten, wol um sein -Einkommen zu erhöhen, stets mehrere Aemter zugewiesen sind; ihre Zahl -bleibt aber trotzdem noch eine sehr große. Dieses zahlreiche Beamtenthum, -welches eine große Regierung mit allen Zweigen einer großen Staatsmaschine -bildet, leistet für Frankreich nichts Nutzbringendes, weil die aus dem -durchweg in fremden Händen befindlichen Handel gewonnenen Steuern keinen -Ueberschuß ergeben. Nach den Tabellen auf S. 110-115 des „'Annuaire'“ -decken sich zwar Einnahmen und Ausgaben, doch wird der Ausgleich nur -dadurch erzielt, daß das Mutterland eine hohe Subvention zahlt. Dieselbe -besteht einestheils in baarem Gelde, anderntheils darin, daß die Colonie -weder die dort stationirten Schiffe noch das Militär bezahlt, denn -diese Ausgaben sind in den 'Dépenses' nicht zu finden. Trotzdem die -'Caisse agricole' nur solchen Pflanzern Vorschüsse leistet, welche sich -verpflichten, ihre Producte allein nach Frankreich zu exportiren, besteht -nach S. 130 die Ausfuhr dahin in nicht mehr als rund 247500 Frcs., während -nach S. 131 diejenige nach dem Auslande rund 2,366000 Frcs. beträgt. -Hierbei ist indeß in Betracht zu ziehen, daß die im Ganzen mit 2,600000 -Frcs. angegebene Ausfuhr nicht allein von den Protectoratsinseln herrührt, -sondern in dieser Summe auch all diejenigen Producte mit enthalten sind, -welche von den umliegenden nichtfranzösischen Inseln in kleinen Fahrzeugen -nach Papeete kommen, um hier in große Schiffe übergeladen zu werden. Aus -den Tabellen S. 132 und 133 geht hervor, daß die von Frankreich kommenden, -bezw. dahingehenden Schiffe, eine so geringe Zahl aufweisen, daß diese -Schiffe für den allgemeinen Handel kaum in Betracht gezogen werden können. -Allerdings führen diese Tabellen eine große Zahl unter Protectoratsflagge -fahrender Schiffe auf, diese Zahl erleidet aber dadurch eine wesentliche -Herabminderung, daß die hier genannten kleinen Fahrzeuge mindestens -viermal im Jahre in Papeete ein- und auslaufen, diese Handelsflotille -in Wirklichkeit also nur aus vielleicht 20 Fahrzeugen besteht, und -diese gehören obenein fast ausschließlich deutschen, englischen und -amerikanischen Handelshäusern. Auch sind die in den Tabellen als nach -dem Auslande abgegangen verzeichneten französischen Handelsschiffe von -Deutschen und Engländern befrachtet worden, und die zwei nach Brest -abgegangenen Schiffe waren französische Marine-Transportschiffe, welche -leer von Neu-Caledonien kommend zu ermäßigten Preisen Fracht mitnahmen und -die ganze nach Frankreich mit 247500 Frcs. angegebene Ausfuhr besorgten, -damit doch wenigstens etwas nach dem Mutterlande exportirt wurde. Die -über Import und Export gegebenen Zahlen erfahren auch noch eine weitere -Richtigstellung durch eine auf S. 136 befindliche Tabelle. Aus dieser -scheint mir deutlich hervorzugehen, daß die Angaben dieses Buches darauf -berechnet sind, dem großen Publikum in Frankreich Sand in die Augen zu -streuen, denn die dort als wieder ausgeführt angegebenen Werthe sind -in den S. 132 und 133 aufgeführten Zahlen als wirklicher Import und -Export angegeben, während aller Wahrscheinlichkeit nach die Waaren das -durchpassirende Schiff nie verlassen oder doch das Land nicht betreten -haben. Dies dürfte z. B. aus der Bemerkung hervorgehen, daß Tahiti -Guano ein- und ausführt. Guano wird weder in Tahiti gewonnen noch dort -gebraucht, er kommt aber in englischen Schiffen von der unabhängigen Insel -Flint nach Papeete, weil diese Schiffe hier ihre Ladung vervollständigen. - -Ueber die Höhe der Zölle geben die Seiten 115-120 weitern Aufschluß -und danach trägt das Ausland bei der außerordentlich hohen Taxe von 12 -Proc. auf Factura einen Einfuhrzoll von ungefähr 300000 Frcs., während -Frankreich sich nur mit ungefähr 50000 Frcs. daran betheiligt (S. 132 und -133). Von den auf das Ausland entfallenden 300000 Frcs. hat die deutsche -'Société commerciale de l’Océanie' mindestens zwei Drittel zu tragen, -und hieraus ist ersichtlich, welchen Ausfall die Einnahmen der Franzosen -erleiden müssen, wenn die genannte Gesellschaft ihre Absicht, nach Raiatea -überzusiedeln, zur Ausführung bringt. - -Der Gouverneur, welcher die Charge eines 'capitaine de frégate' -(Corvetten-Kapitän) bekleidet, ist nach seiner Ansicht jedenfalls ein -sehr bedeutender Mann, doch steht er trotzdem auf sehr schwachen Füßen, -weil der die maritimen Streitkräfte commandirende Admiral nach Belieben -mit ihm verfährt. So soll es wiederholt vorgekommen sein, daß der von -einer Reise zurückkehrende Admiral mit der Thätigkeit des Gouverneurs -unzufrieden war, ihn in Arrest schickte und ihm als äußeres Zeichen auch -noch einen Sicherheitsposten vor die Thüre stellen ließ. Dann setzte -er den Gouverneur ab, machte sich selbst dazu, hob nach Herzenslust -Gesetze auf und erließ neue, bis er der Sache überdrüssig wurde und nun -einen Offizier seines Geschwaders zum Gouverneur ernannte. Die heimische -Regierung beseitigte allerdings diesen neuen Gouverneur wieder, scheint -aber dem Admiral seine Einmischungsthätigkeit nicht untersagt zu haben, -weil dieser auch fürder in derselben Weise weiter wirkte. - -Die Beamten benehmen sich wie übermüthige Sieger den Besiegten gegenüber, -sie treten als die unumschränkten Herren auf. Werden sie zuerst gegrüßt, -dann danken sie wol verbindlich und höflich, wissen sonst aber den Weg zu -ihrem Hut nicht zu finden, sondern lassen denjenigen ungekannt passiren, -mit welchem sie eine halbe Stunde vorher in freundschaftlichster Weise -verkehrt haben. Mir ist auch der Vorzug nicht zutheil geworden, von einem -jüngern französischen Offizier gegrüßt zu werden, und hierin machte selbst -der Adjutant des Gouverneurs, mit welchem ich vielfach dienstlich zu thun -hatte, keine Ausnahme. Nur die Unteroffiziere und Gemeinen grüßten mich -immer, ob ich in Uniform oder Civil war, und zwar stets in so militärisch -strammer Weise, daß es den hier lebenden Ausländern auffiel. Diese -behaupteten, nie gesehen zu haben, daß die französischen Offiziere von -ihren eigenen Untergebenen in ähnlich strammer Weise gegrüßt worden seien. - -Wie das Gesetz hier gehandhabt wird, ist vielleicht am besten aus den -nachfolgenden Angaben zu ersehen. - -1. Der Admiral befiehlt, daß die am Hafenquai vor den dortigen Häusern -stehenden schönen schattigen Bäume, welche Eigenthum der Hausbesitzer -sind, aus „Gesundheitsrücksichten“ weggeschlagen werden sollen, ohne -Entschädigung dafür zu gewähren. Die Eigenthümer remonstriren vergebens -dagegen und es wird vor dem mitten in der Flucht liegenden Hause der -deutschen 'Société commerciale', in welchem sich gleichzeitig das deutsche -Consulat befindet, der Anfang gemacht. Sobald die zu diesem Besitzthum -gehörigen Bäume gefällt sind, wird das Gesetz wieder aufgehoben und die -andern Bäume bleiben stehen. So hat das deutsche Haus seine schattigen -Bäume verloren, das Consulat aber unbeabsichtigt den Vorzug erhalten, daß -die deutsche Flagge als einzige von dem ganzen Hafen aus gesehen werden -kann. - -2. Die 'Société commerciale' erhält eine große Quantität Dauerproviant, -welcher nach den andern Inseln verkauft werden soll. Sobald der Admiral -dies erfährt, erläßt er ein bezügliches Ausfuhrverbot wegen auf Tahiti -herrschender Hungersnoth. Das deutsche Haus verlangt darauf, daß der von -ihm eingeführte Proviant von der Regierung übernommen oder doch für die -Lagerung eine Entschädigung gezahlt werden soll. Die Regierung entnimmt -aber weder etwas von dem Proviant, noch zahlt sie eine Entschädigung, -sondern hebt nach zwei Monaten das Ausfuhrverbot einfach wieder auf. -Da zu jener Zeit keine andere Firma Dauerproviant auf Lager hatte und -auch keinerlei Anzeichen für eine Hungersnoth in den gesegneten Gefilden -Tahitis vorlagen, so kann dieser Act nur als eine Chikane gegen das -deutsche Haus angesehen werden. - -3. Die Regierung requirirt den der englischen Firma Brander gehörigen -Schleppdampfer „Scotia“ zum Schleppen, ohne auch nur die Kohlen und -sonstigen Auslagen zu bezahlen. - -4. Die Regierung requirirt die dem deutschen Hause gehörigen -Leichter-Prähme, ohne dafür Zahlung zu leisten. In einem Fall wurden -die Fahrzeuge stark beschädigt abgeliefert; ein Antrag auf Schadenersatz -oder Reparatur auf der Regierungswerft wurde zurückgewiesen und keinerlei -Ersatz geleistet. Diese Beispiele mögen genügen. - -Ein Gesetz, welches wol nur Tahiti eigenthümlich ist, möchte ich hier -auch erwähnen, nämlich daß nach S. 120 des „'Annuaire'“ betrunkene -Frauenzimmer 5 Frs. Strafe zu zahlen oder im Unvermögensfalle die -Straßen zu kehren haben. Für das Kehren der Straßen werden ihnen dann -pro Tag 2 Frs. angerechnet, von welchen sie aber bei freier Beköstigung -noch 1 Fr. baar erhalten; es will mir fast so scheinen, daß man ihnen -absichtlich die Mittel gibt, sich wieder zu betrinken, um auf diese Weise -stets ein reichhaltiges Straßenkehrercorps zu haben, welcher Zweck denn -auch erreicht wird. Die Straßen werden allerdings wenig gekehrt, und der -Fiscus zahlt viel Geld dafür. Es machte mir stets neues großes Vergnügen, -jeden Morgen diese schön gewachsenen frischen, von einem eingeborenen -Polizisten geführten Straßenkehrerinnen ankommen zu sehen. Laut lachend -und singend zogen sie truppweise durch die Straßen, den Besen hinter sich -her schleppend und mit diesem und der fliegenden Schleppe ihrer langen -bunten Gewänder eine riesige Staubwolke aufwühlend, welche nur deshalb -nicht allgemein lästig wurde, weil die fröhlichen Urheberinnen alle paar -Schritte Bekannte trafen und dann natürlich ein Schwätzchen hielten, ehe -es weiter ging. - -Ueber das Missionswesen, welches auch eine politische Rolle spielt, -glaube ich die folgenden Angaben machen zu können. Der französische -katholische Priester hat innerhalb der Protectoratsgrenzen den englischen -Missionar vertrieben, aber eben nur da, wo er die Hülfe seiner Regierung -hat, denn die unabhängigen benachbarten Inseln werden nach wie vor von -der englischen Mission behauptet. Eine Erklärung für diese auffallende -Thatsache wage ich nicht zu geben, doch drängen sich mir zwei Fragen auf, -welche ich, ohne sie zu beantworten, hier niederlegen will: - -1. Haben die Franzosen die Uebereinkunft vom 9. Sept. 1842, Pos. 4 und 5, -nach welcher Gewissensfreiheit garantirt und den englischen Missionaren -all und jeder Schutz versprochen wird, gebrochen, oder haben die Engländer -Tahiti verlassen, weil mit dem Einzug der Europäer die Pfründe zu schlecht -wurde? - -2. Fühlen die französischen Priester sich noch nicht stark genug, auf die -Nachbarinseln überzugehen, oder fehlen ihnen noch die passenden Leute -für schlechte Plätze, z. B. Deutsche? Die letztere Vermuthung scheint -mir am Platze zu sein, weil, wie ich bereits früher ausgeführt habe, die -französischen Priester nur auf den guten Plätzen zu finden sind und die -deutschen nur auf den schlechten. So suchten mich auch während meines -kurzen Aufenthalts in Morea die dort stationirten zwei Missionare (beide -Deutsche) am Lande auf, um über ihre Stellung zu klagen und vorsichtige -Andeutungen zu machen, ob ich ihnen nicht Schutz und Hülfe verschaffen -könne. Sie behaupteten, von den französischen Brüdern gehaßt und verfolgt -zu werden und schilderten ihre Stellung als eine nahezu unerträgliche. Ihr -verbittertes Aussehen und die harte Sprache, welche sie führten, bezeugten -die Richtigkeit ihrer Behauptungen. Ich konnte ihnen selbstverständlich -keinen andern Rath geben als den, sich von den Franzosen zu trennen. - -Der Bischof von Tahiti kann in dieser Gegend als der erste französische -Handelsmann bezeichnet werden. Das Missionsschiff besorgt den Handel, -welcher hauptsächlich in Baumwolle, Perlschalen und Perlen besteht. -Namentlich der Perlenhandel ist vorzugsweise in den Händen der Priester. - -Der König von Tahiti, welchem nach den Verträgen noch vielfache Rechte -zur Seite stehen sollen, hat in Wirklichkeit nichts mehr zu sagen. Er -folgte seiner Ende 1877 verstorbenen Mutter Pomare IV. als Pomare V. -in der Königswürde. Er ist vermählt mit Miß Marau Salmon, Tochter eines -verstorbenen Engländers und der mit diesem vermählt gewesenen Schwester -der verstorbenen Königin. Der König erhält von Frankreich eine jährliche -Apanage von 25000 Frs., wovon aber die sämmtlichen Verwandten seiner -Familie, von welcher die weiblichen den Hofstaat der Königin bilden, -mitleben. Die königliche Familie wird von den Franzosen einerseits -recht schlecht behandelt, andererseits aber doch mit großer Sorgfalt und -Eifersucht gehütet, weil der Einfluß derselben unter den Eingeborenen -immer noch ein sehr großer ist und ein Wort des Königs genügen würde, -das ganze Land zum Aufstand zu bringen. Und was das bedeutet, haben die -Franzosen in frühern Jahren zu ihrem Schaden genugsam erfahren. Namentlich -wird der Umgang der Königin mit den Deutschen sorgsam überwacht, weil -zwei ihrer Nichten, welche von den Eingeborenen als Prinzessinnen von -Geblüt verehrt werden, an deutsche Herren verheirathet sind. Welche -Schwierigkeiten mir gemacht worden sind, mit der königlichen Familie in -Verbindung zu treten, entzieht sich der Besprechung an diesem Platze. - -Die Hauptstadt Papeete, welche auf dem flachen Lande der Gürtelebene -an dem nach ihr benannten Hafen liegt und sich im Rücken an die -hochaufstrebenden Berge anlehnt, hat den Charakter der Residenz eines -Naturvolkes vollständig verloren. Der Kokospalmenwald ist mit den in -ihm verstreut liegenden Hütten der Eingeborenen verschwunden und an -seine Stelle sind regelmäßige Straßen mit Häusern nach südamerikanischer -Bauart getreten. Die ganze Physiognomie der Stadt deutet an, daß sie -vornehmlich von Europäern und deren Bedienung bewohnt wird, wie dies auch -die officielle Bevölkerungsziffer angibt. Nach derselben befinden sich -unter den 3000 Einwohnern mehr als 1000 Europäer, und da von diesen ein -großer Theil chinesische Diener und Köche hat, so kann man annehmen, daß -kaum 1000 Eingeborene übrig bleiben. - -Zunächst dem Hafen zieht sich an dessen Ufer ein breiter, theilweise -durch hohe Bäume beschatteter Quai hin, welcher, vom Wasser aus -gesehen, zur Linken durch die französische Kriegswerft, zur Rechten von -einer Strandbatterie begrenzt wird und weiterhin nach beiden Seiten -in die früher erwähnte Ringchaussee ausläuft. An dem Quai liegen die -Geschäftshäuser und einzelne stattliche Wohnhäuser, auf denen hier und -da die Flagge eines Consulats weht. Zwischen diesen Gebäuden liegen -auch, von hoher Mauer umgeben, die von den französischen Priestern und -Nonnen unterhaltenen Schulen, nebst den hierzu erforderlichen Wohnungen -und Wirthschaftsgebäuden. Ferner sieht man eine schöne kleine Kirche, -einige Regierungsgebäude und das von der französischen Regierung dem König -von Tahiti neuerbaute Palais, ein im Villenstil gehaltenes ansehnliches -Haus. Von dem Quai aus ziehen sich Querstraßen nach den mit ihm parallel -laufenden hinteren Straßen, von welchen aber nur die mit zwei Reihen -schöner alter Bäume bepflanzte erste Parallelstraße von gleicher Länge -der Quaistraße ist, während die andern mit ihrer Entfernung vom Wasser -zusammenschrumpfen und sich schließlich zwischen den verstreut liegenden -Hütten der Eingeborenen auflösen. Die Häuser, welche mit Ausnahme -der Regierungsgebäude alle aus Holz gebaut sind, werden auch mit der -Entfernung vom Wasser kleiner; die Regierungsgebäude sind Steinbauten. In -der ersten Parallelstraße schon liegt nur ein größeres Gebäude, und zwar -in einem schönen großen Garten das für hiesige Verhältnisse stattliche -Palais des Gouverneurs. Diesem gegenüber befindet sich ein öffentlicher -Platz, auf welchem abends die aus Eingeborenen zusammengesetzte -Musikkapelle spielt. Hier finden sich dann die vergnügungssüchtigen -Eingeborenen und namentlich die leichte Welt ein, auch sollen die -französischen Offiziere mit ihrem Gouverneur nie fehlen. Das Treiben -bei diesen Concerten soll derart sein, daß den europäischen Familien der -Besuch abgeschnitten ist. Diesem Umstande wird es auch zuzuschreiben sein, -daß diese Concerte für die Dauer unsers Aufenthalts von dem Gouverneur -untersagt worden waren, und die ansässigen Deutschen und Engländer -behaupteten, daß es entschieden schicklich gedacht gewesen sei, uns diesen -wenig erfreulichen Anblick zu ersparen. Aus eigener Beobachtung kann ich -also über das Straßenleben der Eingeborenen nichts berichten, zumal auch -sonst die Polizei die Straßen außerordentlich scharf überwachte und die -leichte Welt für die Dauer unsers Aufenthalts sogar aus der Stadt verbannt -und auf die umliegenden Dörfer gebracht hatte, wo sie durch mitgeschickte -eingeborene Polizeidiener im Zaume gehalten wurde. Was doch ein schlechtes -Gewissen für absonderliche Blüten zu treiben vermag! - -Die besser situirten Europäer wohnen außerhalb der eigentlichen Stadt -in bequemen, luftigen, nur aus Parterreräumlichkeiten bestehenden -Landhäusern, die inmitten großer Gärten liegend wol als gesunde und -angenehme Wohnungen betrachtet werden dürfen. Dort findet man auch die -französischen Restaurants, welche auch hier, wie überall im Auslande, -sich durch gut gehaltene Gärten, vortreffliche Küche und Getränke, -aufmerksame Bedienung und mäßige Preise auszeichnen. Europäische Damen -von ganz reinem Blut trifft man hier eigentlich nur in den französischen -Beamten- und englischen Missionarfamilien, die andern, größtentheils -mütterlicher-, groß- oder urgroßmütterlicherseits von Tahitiern -herstammend, haben wenigstens ein klein wenig tahitisches Blut in ihren -Adern. Dieses tahitische Blut thut aber weder ihrer Schönheit, noch ihrer -Liebenswürdigkeit, noch ihrer theilweise vortrefflichen und vornehmlich -in England oder Australien genossenen Geistesbildung irgendwelchen -Abbruch, im Gegentheil. Ich hatte den Vorzug, zwei dieser Damen kennen zu -lernen, welche nicht nur durchaus feingebildete Weltdamen, sondern auch -in jeder Beziehung vortreffliche Hausfrauen sind, und schwerlich wird -jemand, da auch ihr Teint wol noch heller als der der Italienerinnen ist, -auf den Gedanken kommen, sie nicht als Europäerinnen der besten Kreise -anzusehen, wenn er nicht ihren Stammbaum kennen sollte. Es hatte für mich -einen eigenen Reiz, eine dieser an deutsche Herren verheiratheten Damen, -welche fließend tahitisch, englisch, französisch und spanisch spricht, -auch das reinste Deutsch sprechen zu hören und zu beobachten, wie ihre -Unterhaltung mit ihren kleinen Kindern sich in Ausdrücken bewegte, wie -sie nur die deutscheste Mutter in der zärtlichsten Stimmung zu finden -weiß. Und sollten Junggesellen diesen Zauber nicht verstehen, dann würden -sie sicher durch die feinen Umgangsformen der liebenswürdigen Wirthin -gewonnen werden, wenn ihnen der Vorzug zutheil würde, in ihr gastfreies -Haus Eingang zu finden. - -Eingeborene sieht man in der Stadt, mit Ausnahme der stets heitern -herrlichen Mädchengestalten, welche mit duftenden Blumen bekränzt -durch die Straßen wandeln und dabei mit ihren fliegenden Gewändern den -Staub aufwirbeln, nur solche, welche träge in und vor den Häusern ihrer -reichen, an Europäer verheiratheten Verwandtinnen herumlungern. Diese -Belästigung geht soweit, daß die Hausfrau in der Regel einen ganzen Kreis -von Hofdamen zwischen 16 und 30 Jahren aus der Zahl ihrer weiblichen -Verwandten hat, welche oft dem Hausherrn das Leben recht sauer machen, -weil sie bei kleinen Differenzen stets auf der Seite der Hausfrau stehen, -unter Berücksichtigung ihres liebenswerthen Aeußern auch wol häufig genug -Veranlassung zu Eifersuchtsscenen geben. Aber auch sonst machen sie sich -unbequem, weil sie überall im Hause Zutritt haben. Denn wenn sie z. B. den -Hausherrn nicht zu Hause vermuthen, stürmen sie plötzlich in sein Zimmer, -während er beim Umkleiden ist; andererseits, wenn er beim Nachhausekommen -seine Frau aufsuchen will, wird er von einem halben Dutzend Mädchen wieder -zur Thür hinausspedirt, weil seine Anwesenheit gerade zur Zeit überflüssig -ist. - -Ebenso wenig wie in der Stadt sieht man auch auf dem Hafen wirklich -einheimisches Leben; das bequemere europäische Boot hat hier das -zierliche Kanu fast ganz verdrängt. Die Männer, welche die Wäsche von -den Schiffen holen und diejenigen, welche Früchte zum Verkauf bringen, -sind meistentheils im Besitz irgendeines alten Bootes. Würde nicht ab -und zu ein Kanu zum Fischfang auf das Riff fahren, und sähe man nicht -zuweilen am Strande einige Mädchen ihre langen Gewänder abwerfen, um, -nur mit dem Pareo bekleidet, ein Bad zu nehmen, man käme hier in Papeete -nicht auf den Gedanken, auf einer polynesischen Insel zu sein. Im Hafen -Kriegs- und Kauffahrteischiffe, deren hin- und herfahrende Boote und nur -selten dazwischen ein Kanu; in der Stadt Beamte, Kaufleute, Soldaten und -Matrosen, und allerdings häufig genug lustige, lachende Mädchen, aber -keine eingeborenen Männer. - -Ein flüchtiger Spaziergang durch die Stadt zeigte mir alles, was ich -hier überhaupt zu sehen bekam, und das war nicht viel. Um so dankbarer -muß ich es anerkennen, daß unser Consul, Mitdirector der 'Société -commerciale', mich mit den dienstfreien Offizieren zu einer Partie nach -dem Bergsee Waihiria einlud. An diesen Ausflug, zu welchem von Papeete -aus gewöhnlich mehrere Tage gerechnet werden, konnte ich bei unserm nur -kurzen Aufenthalte nicht denken, weil es mir unmöglich schien, denselben -ohne Schädigung anderer Interessen zur Ausführung zu bringen; der -liebenswürdige Herr hatte aber alles so vortrefflich arrangirt, daß wir -die Partie in anderthalb Tagen machen sollten, und dadurch wurde mir die -Zusage möglich. - -Um von Papeete aus zu dem 500 m über dem Meere in den Bergen liegenden -See gelangen zu können, muß man zunächst auf der Ringstraße einen Weg -von 8 deutschen Meilen oder 60 km um die ganze Westküste der Insel -nach ihrer Südostseite bis zu dem Groß- und Klein-Tahiti verbindenden -Isthmus zurücklegen und dann von hier aus in dem Thal eines Bergflusses -den Aufstieg nehmen. Wir waren zusammen acht Personen und verließen -Papeete an einem schönen Morgen in zwei offenen, mit Sonnendächern -versehenen leichten Wagen; ein dritter mit Proviant, Wein und Eis war -schon voraufgegangen. Die flinken Pferde griffen gut aus, die Fahrt in -der großartigen Natur, bei dem prächtigen Wetter, war herrlich. Eine -vorzügliche, zu beiden Seiten mit Palmen und andern Bäumen besetzte -Straße; zur Linken die steilen, mächtigen, rothbraunen Bergmassen, welche -in der Regel nur in ihrem untern Theil mit Laub und Holz bestanden -sind, häufig aber von fruchtbaren, überaus üppigen, bis zu 700 m Höhe -ansteigenden Thälern, auf deren Sohlen Bergflüsse dem Meere zueilen, -durchschnitten werden; zur Rechten das weite Meer mit seinen eilig -hastenden Wogen, welches uns angenehme Kühlung brachte. Ueber einzelne -Flüsse -- wir haben im ganzen acht passirt -- führen Brücken, andere haben -dieselben bei Gelegenheit eines Wolkenbruchs zerstört und wir mußten hier -durch das Flußbett fahren. Der Weg führt an Landhäusern und Plantagen -vorbei, an Gärten und an Vanillepflanzungen, und alle anderthalb Stunden -fanden wir ein unter schattigen Bäumen gelegenes gutes Wirthshaus, wo wir -einen kleinen vorher für uns bereit gestellten Imbiß einnahmen und unsere -Glieder etwas streckten, bis die frischen Pferde, welche schon auf unsere -Ankunft warteten, eingespannt waren. - -Daß es auf diesem langen Wege viel zu sehen gab, ist natürlich, doch -will ich von Naturschilderungen absehen und nur das anführen, was mich -besonders interessirt hat. - -Zunächst erfuhr ich, als ich mein Befremden darüber aussprach, daß die -Kokospalmen nur am Strande und theilweise sogar in Sandboden zu finden -seien, daß dieser Baum nur in unmittelbarer Nähe der See Früchte trägt -und es noch nicht erwiesen sei, wo die Ertragfähigkeit größer ist, ob in -fettem Boden oder im Korallensand. Thatsache soll es sein, daß die Bäume -um so reicher Früchte tragen, je näher sie am Strande stehen, und zwar -ganz unabhängig von dem Boden, in welchem sie wachsen. Hieraus hat man, -da dicht am Strande gewöhnlich nur Korallensand gefunden wird, einerseits -gefolgert, daß dieser Boden der Kokospalme am zuträglichsten sei, während -andererseits behauptet wird, daß der größere Ertrag nur durch den größern -Salzgehalt der Luft, sowie den des Bodens dicht am Strande bedingt ist. - -Bei vielen Kokospalmen fiel mir ein aus Rinde oder Bast bestehendes und -stets in gleicher Art um den Baumstamm gewundenes Band auf. Dies soll -bedeuten, daß der Baum von seinem Besitzer „Tabu“ erklärt worden ist. -„Tabu“ ist ein heidnisch religiöses Gesetz, welches merkwürdigerweise -über die ganze Südsee, über ein Gebiet von 6000 Seemeilen in der -geographischen Länge und 4000 Seemeilen in der geographischen Breite -gleichmäßig verbreitet ist und, was am auffälligsten erscheinen muß, -überall mit demselben Namen genannt wird, obgleich bei der jetzigen -Figuration des Landes eine Verbindung zwischen vielen der Inselgruppen nie -stattgefunden haben kann. Das Gesetz bedeutet, daß jeder Tabu erklärte -Gegenstand heilig und unantastbar geworden ist und jedermann, welcher -sich trotzdem an dem Gegenstand vergreift, dem Tode verfallen ist, ganz -gleich ob die Tabu-Erklärung von dem Häuptling, von dem ganzen Gemeinwesen -oder von einem einzelnen Individuum ausgegangen ist. Wenn auch dieses -Gesetz, welches auf den von europäischem Einfluß unberührten Inseln noch -in seiner ganzen Härte besteht, hier auf Tahiti und wol auch auf den -mit Europa oder europäischen Colonien in Verbindung stehenden Inseln -seine eigentliche Bedeutung verloren hat, so wird es von den inzwischen -zu Christen gewordenen Eingeborenen doch noch immer heilig gehalten und -dementsprechend geachtet, obgleich der Bruch des Gesetzes, z. B. hier auf -Tahiti, nicht mehr bestraft werden kann. So versieht ein Eingeborener, -welcher durch irgendwelche Umstände gezwungen wird, sein Besitzthum -zeitweise zu verlassen, dieses mit dem Tabu-Zeichen und er kann sicher -sein, bei seiner Rückkehr sein Eigenthum unversehrt wieder vorzufinden. - -Auf unserm Wege kamen wir auch an mehrern großen, viereckigen, sturmfreien -Thürmen vorbei, welche die ersten Befestigungswerke der Franzosen gegen -die Eingeborenen gebildet haben. Denn nachdem die französischen Truppen -von Huheine durch die dortigen tapfern Eingeborenen vertrieben worden -waren und auch ein Aufstand hier auf Tahiti ihnen viel zu schaffen -gemacht hatte, hielten sie es für nothwendig, rund um die Insel diese -Wachthürme zu erbauen, welche wol genügenden Raum für je 20 Mann nebst -dem erforderlichen mehrwöchentlichen Proviant bieten. - -Einen sehr netten Eindruck machten die Vanillepflanzungen. Die Vanille ist -ja, wie bekannt, ein zur Klasse der Orchideen gehöriges rankendes Gewächs, -gedeiht daher nur auf Bäumen und zwar nur auf solchen einiger bestimmter -Gattungen. Zu ihrer Cultur ist mithin in erster Reihe die Anpflanzung -geeigneter Bäume erforderlich, und so kommt es, daß man dann reizende -an der Straße gelegene Haine aus etwa 3 m hohen und 2 m von einander -entfernt stehenden Bäumchen findet, zwischen welchen die kostbaren -Ranken mit ihren Luftwurzeln sich von Stamm zu Stamm schlingen. Das Ganze -sieht so zierlich, sauber und duftig aus, daß man es für ein japanisches -Zwerggartenkunstwerk halten könnte. - -Etwa auf dem halben Wege zwischen Papeete und unserer Endstation an -der Küste fanden wir in einer steil abfallenden nackten Felsenwand von -vielleicht 60 m Höhe eine ziemlich kreisrunde Höhle mit einer Wasserlache. -Da ihr Durchmesser höchstens 10 m beträgt, so würde ich sie ihrer -Unbedeutendheit wegen nicht erwähnen, wenn sie nicht durch ihren äußern -Anblick auffiele. An dem Fuße und in der Mitte der grauen, von der Sonne -hell beschienenen Felsenwand wölbt sich ein 10 m breites und 8 m hohes, -von der Natur regelmäßig geformtes rundbogiges Thor über dem glänzenden -regungslosen Wasserspiegel, welcher zu ein Drittel außerhalb der Höhle -liegend grell aus seiner dunkeln Umgebung hervorleuchtet und vorn zu -beiden Seiten von dichtem grünen Laub eingerahmt wird. Wol jeder, der Sinn -für Naturschönheit und Kunst hat, wird beim Vorbeigehen hier eine Rast -von einigen Minuten machen. - -Gelegentlich erkundigte ich mich danach, mit welchem Ausdruck das Pferd, -welches erst seit 60-70 Jahren auf Tahiti bekannt ist, eigentlich benannt -wird, und erhielt als Antwort einen so unendlich langen Namen, daß ich -um nähere Uebersetzung bat. Es dürfte schwerlich jemand errathen, wie -die Eingeborenen sich in dieser Sache geholfen haben. Zunächst waren sie -rathlos, dann nahmen sie den größten bekannten Vierfüßler zum Vergleich -und nun hatten sie einen Namen und zwar: „das schnell über das Land -laufende Schwein“! - -Gegen 2 Uhr nachmittags langten wir am Ziel des Tages an und fanden ein -bequem eingerichtetes, mit einer großen Veranda umgebenes englisches -Gasthaus, welches zwischen schattigen Bäumen liegend nach der einen -Seite einen freien Ausblick nach dem Meer und Klein-Tahiti bietet und -an der andern Seite sich an einen großen freien Platz anlehnt, hinter -welchem die Bergwände der Hauptinsel das Bild abschließen. Das Haus wird -vorzugsweise von Kranken als klimatischer Curort benutzt und wir fanden -zwei solcher Gäste vor, Herren, welche hier Linderung für ihre kranken -Lungen erhofften. Für uns war nicht mehr hinreichend Platz vorhanden -und wir mußten daher zu je zwei ein Zimmer theilen, fanden aber sonst -alle Bequemlichkeiten, und namentlich erhielt jeder ein großes, gutes -Bett für sich allein. Auf die Tafel hatte die Einschränkung indeß keine -Rückwirkung, denn wir fanden ein vorzügliches kaltes Frühstück vor, sowie -eine mustergültige, lautlose, aus sechs eingeborenen Frauen und Mädchen -bestehende Bedienung. Diese war allerdings von Papeete aus besonders für -uns hierher gekommen, weil der Wirth einerseits für gewöhnlich so großer -Bedienung nicht bedarf und er andererseits uns am zweiten Tage nach -unserer Rückkehr von dem See mit einem tahitischen Festmahl überraschen -wollte, zu welchem die Tahitierinnen durchaus nothwendig waren. Aus -der eigenthümlichen Stellung dieser Eingeborenen, welche den einen Tag -die Diener machen, den nächsten Tag als mit dem Gast gleichberechtigt -auftreten, bin ich nicht klug geworden. So war die schöne, vielleicht 30 -Jahr alte Halbblut-Frau, welche vorzugsweise den Consul und mich bei Tisch -bediente, die Witwe eines wohlsituirt gewesenen Engländers und soll in -ganz guten Verhältnissen leben. - -Außer diesen Dienerinnen sahen wir auch noch auffallend viele Weiber in -der nächsten Umgebung des Gasthauses und hörten zu unserer Ueberraschung, -daß diese fast sämmtlich nach Papeete gehörten und durch die Polizei mit -dem Bedeuten hierhergebracht worden seien, daß sie erst nach der Abreise -des deutschen Kriegsschiffes die Erlaubniß zur Rückkehr erhalten würden. -Dieses leichtlebige und leichtsinnige Volk war daher voll Jubel, als -wir ankamen; eine kleine Schadenfreude konnten wir allerdings auch nicht -unterdrücken. Die Bemühungen des eingeborenen Polizeidieners, welcher zur -Ueberwachung dieser lustigen Gesellschaft mitgeschickt war, seine Heerde -zusammen- und von der Annäherung an uns abzuhalten, blieben erfolglos, und -ich glaube, daß er von den ihm anvertrauten Vertreterinnen des schönen -Geschlechts, hier fernab von der Hauptstadt, höchst unangenehme Prügel -bekommen hätte, wenn er nicht klug und nachgiebig geworden wäre. - -Nachdem wir den Reisestaub abgeschüttelt und uns an der reichen Tafel -erquickt hatten, was eigentlich nicht nöthig gewesen wäre, weil wir -auf dem ganzen Wege bis hierher ja kaum etwas anderes gethan hatten, -als uns zu erquicken, trennten wir uns, um erst abends 6 Uhr bei der -Hauptmahlzeit wieder zusammenzutreffen. Der Consul und ich gingen nach -einer Zuckerplantage, welche der genannte Herr hier besitzt und die er -bei dieser Gelegenheit auch besuchen wollte; wir begingen das Terrain und -besichtigten die Einrichtungen zur Gewinnung des Rohzuckers, welche mir -noch unbekannt waren. Von den andern Herren wollte keiner mit, dem jungen -Volk erschienen die fröhlichen, blumenbekränzten Töchter des Landes wol -anziehender, wenigstens vermuthe ich dies und verarge es ihnen auch nicht, -denn Zuckerplantagen sieht man auch anderswo. - -Von der Plantage gingen wir zum Strande, wo ich noch ein Bad nehmen -wollte. Ein schönerer und einladenderer Badeplatz ist nicht leicht -zu finden, wenn man den Körper eben nur für kurze Zeit erfrischen -und im Anschluß daran einige Stunden in süßem Nichtsthun verbringen -will. Bis dicht an den schönen weißen Strand reicht der üppige Wald -von Fruchtbäumen, deren Zweige unter der Last der reifen Orangen und -Brotfrüchte zu brechen drohen, und tritt man aus dem Laubdach heraus, -dann liegt ein Bild von so großartiger Schönheit vor uns, daß unsere -Augen nicht wissen, wo sie sich hinwenden sollen. Dicht vor unsern Füßen -liegt die smaragd- und saphyrfarbene regungslose Flut, welche sich bis -zu dem dreiviertel Seemeilen von uns abliegenden Barriere-Korallenriff -erstreckt. Auf diesem Riff sieht man, wie einen Wall, die auf- und -abwogenden Schneeschaummassen der nicht besonders hohen Brandung und -hinter dieser das von dem frischen Passatwind aufgewühlte tiefblaue Meer -mit seinen Wogen und deren Schaumkämmen. Zu unserer Rechten und vor uns -liegen innerhalb des Riffs in dem klaren Wasserspiegel zwei kleine dicht -bewaldete Inseln, welche einen solchen Frieden ausathmen, daß man wähnt, -keinen schönern Wohnplatz finden zu können, und zu unserer Linken, in -einer Entfernung von 5 Seemeilen, steigt vor uns Taiarabu (Klein-Tahiti) -mit seinen steilen Felswänden bis zu einer Höhe von 1130 m aus dem -Meere empor. Die zu unserer Rechten schon ziemlich tief stehende Sonne -vergoldet das ganze Bild und beleuchtet es für uns um so wirkungsvoller, -als unser Standort und ein schmaler Streifen des davor liegenden Wassers -beschattet sind. Das leise Rauschen in den Baumwipfeln und das von dem -Riff herüberdröhnende Grollen der Brandung vervollständigen die Stimmung. -Still setzen wir uns zu Füßen eines großen Baumes auf den weißen Sand und -lange schauen wir in die Ferne, ohne zu wissen was uns am meisten fesselt, -und doch ist es das ewig ruhelose und doch sich immer gleichbleibende -Meer. Wie oft habe ich träumerisch und sehnsuchtsvoll dem Spiel dieser -gewaltigen, Segen und Verderben bringenden Wassermassen zugesehen, wie -bekannt scheint mir das Weben und Treiben dieser geheimnißvollen Kräfte, -wie viel Schöneres liegt zu meinen Füßen, zur Rechten und zur Linken, und -doch wie groß ist die magnetische Kraft der unergründlichen Flut, welche -wie die Nixe der Loreley nur für sich allein den Menschen fordert. Mein -Nachbar weckt mich aus meinem Sinnen und macht mich auf eine Stelle im -Wasser aufmerksam, wo ein leichtes Sprudeln, wie das einer kleinen Quelle, -und die von dem Sprudel auslaufenden, sich immer weiter dehnenden Ringe -zu sehen sind. Er sagt mir, daß dies eine der Tahiti eigenthümlichen -Süßwasserquellen im Meere ist, von welchen ich auch schon gelesen hatte -und die noch ziemlich weit von der Küste ab zu finden sein sollen. Die -Eingeborenen sollen sich an ihnen, wenn sie draußen beim Fischfang sind, -in der Weise den Durst stillen, daß sie schwimmend soweit tauchen, bis sie -die Stelle finden, wo das Quellwasser noch unvermischt mit dem Seewasser -ist. Da das süße Wasser sehr viel leichter wie das Meerwasser ist und -deshalb kräftig nach oben steigt, so muß an solcher Quelle allerdings in -relativ nicht zu großer Tiefe schon reines Süßwasser gefunden werden. - -Probiren geht über Studiren, und wenn ich auch den Eingeborenen das -Taucherkunststück nicht nachmachen konnte, so konnte ich mich doch an -der Wasseroberfläche davon überzeugen, ob der Quell weniger Salzgehalt -wie das übrige Wasser habe. Bald war ich in der See und schwamm nach dem -nicht weit entfernten Sprudel, wo ich das Wasser wirklich nur brack fand. -Wieder am Lande bekam ich großes Verlangen nach der Milch einer frischen -Kokosnuß; aber wie eine solche von den hohen Bäumen herunterbekommen? -„Nichts leichter als das, da gerade ein Eingeborener dort des Weges -kommt“, sagte der Consul. Der Mann wurde angerufen und schnell hatte er -sich einen Riemen um seine Knöchel geschnallt, welcher einen Zwischenraum -von etwa 5 cm zwischen den Füßen ließ. Dann griff er mit den Händen um -den Stamm einer Palme, schnellte mit den Füßen soweit in die Höhe, daß -die Beine möglichst wagerecht standen und die Füße jetzt gegen den Stamm -gestemmt waren, wo durch das Gewicht des eigenen Körpers die Füße auf der -einen und die Hände auf der andern Seite des Stammes so fest an die rauhe -Rinde gepreßt wurden, daß der Körper nicht nach unten gleiten konnte. -Mit ununterbrochenen kleinen Sprüngen hatte der Mann den hohen Baum bald -erstiegen, löste den Riemen von seinen Füßen, warf einige Nüsse herunter -und ließ sich in ähnlicher Weise wieder hinuntergleiten, wie wir es thun. - -Als die Essensstunde heranrückte, begaben wir uns wieder in das Gasthaus, -legten ein etwas förmlicheres Kleid an und fanden ein ganz vorzügliches -Mahl, welches durch die mitgebrachten eigenen Weine, unter denen sich auch -gute Marken deutschen Wachsthums befanden, noch wesentlich verbessert -wurde. Besondere Anerkennung muß ich den vortrefflichen hiesigen -Wasserthieren zollen, welche neben guten Austern und Fischen aus besonders -feinschmeckenden großen, scherenlosen Hummern und den früher schon -genannten Süßwasser-Schrimsen bestanden. Diese letztern hatten die Größe -von ausgesuchten Oderkrebsen, welche sie indeß an Feinheit des Geschmacks -nicht ganz erreichen, während die Hummern entschieden den europäischen -weit vorzuziehen sind. Die Hummern waren auf dem nächsten Korallenriff -gefangen, die Schrimse in dem Bergfluß, an dessen Ufer wir am nächsten -Morgen den Weg zum See zurücklegen sollten. - -Während des Essens entstand noch eine kleine Aufregung dadurch, daß eine -der Dienerinnen in großer Erregung in das Zimmer trat und erzählte, daß -in dem wenige Minuten entfernten Dorfe zwei Eingeborene von Papeete mit -dem Auftrage angekommen seien, mich zu beobachten. Die Nachricht erstaunte -mich weiter nicht, da ich schon gehört hatte, daß jedem unserer Offiziere -an Land stets ein Aufpasser folge, weil die Franzosen in dem Wahne -befangen waren, daß das Schiff den Auftrag habe, von den nahegelegenen -unabhängigen Gesellschafts-Inseln Besitz zu ergreifen, und man wol -glaubte, daß auch Tahiti in den Bereich der deutschen Begehrlichkeit -gezogen würde. Immerhin schickte unser Wirth einen Vertrauten ab, welcher -bald die Richtigkeit der Nachricht bestätigte. Dies veranlaßte denn auch -den Consul und mich, die jüngern Herren unserer Gesellschaft, welche -gleich nach dem Essen aufbrachen, um einer Einladung der eingeborenen -Damen zu einem Abendfest in dem nahegelegenen Dorfe zu entsprechen, nicht -zu begleiten, obgleich wir ursprünglich die Absicht hatten, uns die Sache -für kurze Zeit anzusehen. Statt dessen begaben wir uns bald zur Ruhe. - -Am nächsten Morgen um 6 Uhr wurden wir geweckt und waren um 7 Uhr zum -Abmarsch bereit. Als wir aus dem Hause auf den freien Platz traten, -fanden wir ein reges Treiben. An zwanzig Eingeborene waren zur Stelle, -theilweise schon beladen mit Kisten und Körben, welche unser zweites -Frühstück enthielten. Andere waren mit großen Schlagmessern und Aexten -versehen, um etwaige Hindernisse aus unserm Wege zu räumen, wieder andere -hatten nur Bergstöcke und kleines Fischgeräth in den Händen. Auch eine -kleine zierliche Frauensperson war in dem Gefolge, sowie ein Pferd, das -einzige, welches für uns hatte aufgetrieben werden können und mir zur -Verfügung gestellt wurde. Da ich vor den andern Herren von der Partie -indeß nichts voraus haben und nicht allein reiten wollte, so ging das -Pferd vorläufig unbenutzt mit, um, falls einen der Herren die Kräfte -verlassen sollten, für diesen zur Stelle zu sein. Ich mußte daher auch -mit einem der Eingeborenen vorlieb nehmen, welche uns als Reitthiere mit -dem Bemerken vorgeführt wurden, daß wir mehr wie achtzig mal den Fluß zu -durchschreiten hätten und die Eingeborenen uns hinübertragen sollten. Es -entwickelte sich nun eine harmlose nette Scene, denn die aufgeweckten, -selbstbewußten Tahitier wollten nicht nur gewählt sein, sondern wollten -auch selbst wählen und drängten sich zunächst alle an den Consul und -mich, vielleicht weniger, weil wir für die Hauptpersonen gehalten wurden, -als darum, weil wir die leichtesten waren. Immerhin stellte sich bald -heraus, daß diese kräftigen, zähen Natursöhne sich aus einer ziemlich -großen Gewichtsdifferenz nichts machten. Bald hatten Herr und Diener sich -zusammengefunden und nun zogen wir aus, jeder von uns von seinem braunen -Schatten begleitet. Die kleine junge Frau übernahm die Führung und schritt -mit einem Strohhut auf dem Kopf, mit einer kurzen Bluse und einem Hüfttuch -(Pareo) angethan, ihren langen Stock in der Hand, mit ihren bloßen Füßen -zierlich und schnell aus. Ihr folgten die Leute mit dem Proviant, dann -kamen die Wegebahner, dann wir mit unsern Schatten, und schließlich das -Pferd. - -Der Weg führt die erste halbe Stunde auf einem schattigen Pfade durch eine -sanft ansteigende Ebene, dann nähern wir uns den schroffer aufsteigenden -Bergwänden, und nach einer weitern Viertelstunde treten wir in eine -großartige Felsenschlucht, welche das Bett für den reißenden Bergfluß -bildet. Zu beiden Seiten haben wir Felswände von über 100 m, wenn nicht -gar 200 m Höhe, welche uns in der schmalen nur 15-20 m breiten Schlucht -senkrecht aufsteigend erscheinen. Das Gestein ist aber trotzdem nicht -kahl, sondern aus allen großen und kleinen Felsspalten und Ritzen wachsen -Gräser, Sträucher und Bäume von oft beträchtlicher Größe, sodaß das -Laub stellenweise die Steinschlucht für das Auge in ein liebliches Thal -verwandelt. Der Fluß nimmt die ganze Thalsohle ein und es finden sich -immer nur auf einer Seite, je nach den Krümmungen des Thales und des -Wasserlaufes auf dem rechten oder linken Ufer, etwas erhöhte, schmale und -dicht mit wilden Bananen- und Bambussträuchern bestandene Böschungen, -auf welchen man gehen kann, wenn vorher ein schmaler Pfad durch das -wie Unkraut wuchernde Pflanzengewirre durchgeschlagen ist, was stets -vor dem Begehen geschehen muß, weil der See nur selten besucht wird und -sonst keine Veranlassung zum Beschreiten dieses Weges vorliegt, denn die -Eingeborenen benutzen, wenn sie einmal zum Fischen oder Einsammeln von -Früchten hierher wollen, das Flußbett als solchen. Im übrigen schäumt das -wilde, schön klare Wasser über Steinblöcke hinweg an den steil abfallenden -Felsen vorbei, wo jede Möglichkeit eines Weges ausgeschlossen ist. Und -kommt man an die ziemlich häufigen Stellen, wo die Felswände an beiden -Seiten den Fluß eindämmen, dann bleibt kein anderer Weg als das Flußbett -selbst. - -Gleich beim Betreten der Schlucht schon bekommen wir einen Vorgeschmack, -was unserer wartet. Der in den letzten zwei Tagen nur für uns ausgehauene -Pfad ist so schmal, daß wir, einer hinter dem andern gehend, stets an -beiden Seiten das von dem Nachtthau triefende Laub, welches über unsern -Köpfen in der Regel auch noch zusammenschlägt, streifen und so nach -wenigen Minuten schon unsere nur aus dünner Leinwand bestehende Kleidung -von dem abtropfenden Wasser durchnäßt ist. Glücklicherweise habe ich -einen wasserdichten Panamahut auf, sodaß ich unter diesem wenigstens mein -Taschentuch und meine Cigarrentasche trocken erhalten kann. Der Boden ist -auch nicht besser und besteht aus ganz durchweichtem schweren gelben Lehm, -weshalb ich mich glücklich schätzen darf, Segeltuchschuhe an den Füßen zu -haben, welche ja in der Nässe nur wenig einlaufen und daher nicht drücken -können. Außer mir hat nur noch der Consul solche Schuhe, unsere Herren -wollen von diesem besten aller Fußbekleidungsmittel noch immer nichts -wissen, und wegen ihres Vorurtheils hatten sie auf dieser Partie wahre -Folterqualen auszustehen. Die von uns unabhängigen Eingeborenen, nämlich -die Träger unsers Frühstücks sowie das Frauenzimmer, wissen jedenfalls -auch die Beschwerlichkeit des Weges zu würdigen, denn sie machen gar nicht -erst den Versuch ihn zu benutzen, sondern gehen gleich in den Fluß, dessen -Wasser ihnen oft bis unter die Arme reicht und wo die kleine Frau sich -dann von ihrem langen Mann durchziehen lassen muß, wobei sie schwimmend -nachhilft. Trotz der stellenweise reißenden Strömung kommen sie unter -Zuhülfenahme ihrer Stöcke doch viel schneller vorwärts als wir, sodaß sie -bald unsern Augen entschwunden sind. - -Wir treten in den Pfad ein und sind in dem dichten Laub von einem -Halbdunkel umgeben. Wir ziehen die Köpfe zwischen die Schultern, als uns -das kalte Wasser hinten in den Hals tröpfelt; stecken die Hände in die -Hosentaschen, um uns möglichst dünn zu machen und gleichzeitig unsere -dort untergebrachten Uhren trocken zu erhalten; die Cigarre ist schon nach -wenigen Minuten so naß, daß sie nicht mehr brennt; der Stabsarzt und ich -stöhnen darüber, daß unsere Kneifer immer blind werden, ich aber kann den -meinigen wenigstens an den lichten Stellen mit meinem aus dem Panamahut -hervorgeholten Taschentuch abtrocknen; vor uns hören wir die Messer- -und Axtschläge der Eingeborenen, welche den Weg noch freier zu machen -suchen, und unter uns geht es quatsch-quatsch, wenn wir mit unsern Füßen -in den nassen Lehm hineinstampfen, denn wir haben sehr bald erkannt, daß -es hier „Durch“ heißt und das Aussuchen trockener Stellen zwecklos ist. -Ein solches Bananenblatt macht sich sehr hübsch, wenn Paul seine Virginie -damit gegen die Sonne schützt; wenn die Blätter aber in solchen Massen -auftreten, wie hier, und dabei noch naß sind, dann werden sie höchst -unangenehm. - -Bald treten wir wieder ins Freie und stehen vor einer steilen nackten -Felswand, um welche das Wasser herumgurgelt und die ein weiteres -Vordringen an dieser Seite unmöglich macht. Uns gegenüber liegt eine -grünbehangene hohe Wand, an deren Fuß das graziöse Laub der Bananen mit -seinen köstlichen sammetartigen Farbentönen und die duftigen Zweige der -Bambussträucher den in ihnen verborgenen beschwerlichen Weg, welcher -einen Theil unserer Vorhut schon wieder aufgenommen hat, wie wir an den -Schlägen hören, mildherzig bedecken. Der Rest der Vorhut durchkreuzt -eben den Fluß, von denen einzelne bis zu den Hüften im Wasser sind, -während andere zeitweise auf über Wasser liegenden Steinen stehen, um -gleich darauf wieder tieferes Wasser zu durchschreiten. Rechts und links -schöne landschaftliche Bilder und über uns die Sonne, welche warm in -diesen schönen Kessel hineinscheint. Unsere Träger ducken sich, um uns -auf ihre Rücken zu nehmen, doch wir rütteln sie wieder auf, und springen -leicht auf die Leute, denn wir fühlen uns noch außerordentlich frisch und -geschmeidig. So durchschreiten wir den Fluß und gleiten auf der andern -Seite wieder zur Erde, um uns bis zum nächsten Uebergang auf unsere -eigenen Füße zu verlassen. - -Während der folgenden zwei Stunden hatten wir den Fluß auf diese Weise -sechsundachtzig mal zu durchschreiten, beziehungsweise so oft auf den -Eingeborenen reitend in den Fluß zu gehen, denn an den Stellen, wo der -Weg an beiden Ufern fehlt, mußten wir ja ein längeres oder kürzeres -Stück in dem Flußbett selbst zurücklegen, um dann vielleicht an derselben -Seite wieder zu landen. Auf dem Hinweg haben wir die einzelnen Uebergänge -allerdings nicht gezählt, aber auf dem Rückweg, nachdem wir die Strapazen -dieser eigenartigen Wanderung vorher gekostet hatten. - -Zunächst war noch alles herrlich und die ganze Gesellschaft in der -ausgelassensten Stimmung, fehlte es uns doch an nichts, selbst nicht an -komischen kleinen Zwischenfällen. - -Umgeben von der wundervollen Natur, welche sich uns bei jedem neuen -Flußübergang in stets wechselnden, immer schöneren Bildern zeigt, und -beschienen von der heißen Sonne, welche uns hier nicht lästig wird, -sondern durch unsere nassen Kleider hindurch höchst wohlthuend unsere -Körper wieder aufwärmt, werden wir durch das schöne Bergwasser getragen. -Die am Oberkörper nackten, braunen Eingeborenen gehen vorsichtig durch -das Wasser und wenden kein Auge von dem Flußbett, um die besten Steine -zum Auftreten zu benutzen, finden dabei aber doch Zeit miteinander zu -sprechen und zu lachen. Auf den braunen Gestalten hängen und hocken -die weiß gekleideten Europäer, welche theilweise die schöne Umgebung -betrachten, theilweise mit Vergnügen das unter ihnen eilig laufende -Wasser beobachten, das sich bald zwischen großen Steinen durchzwängt, -bald über andere hinwegschießt oder aber ruhig über ebeneres Steingeröll -fließt. Alle erfreuen sich daran, wie sicher unsere Träger mit ihrer -schweren Last in dem nur aus ganz unregelmäßig geschichteten, großen, -platten Steinen bestehenden Flußbett von Stein zu Stein vorschreiten. -Einzelne allerdings sehen zeitweise auch ängstlich in das Wasser, weil -sie an den schwierigeren Passagen erwarten, mitsammt ihrem Träger ein -unfreiwilliges Bad zu nehmen, und lassen geduldig die Neckereien ihrer -Kameraden über sich ergehen. Wol ist gelegentlich der eine oder andere -mit seinem Träger nahe am Fallen, aber nur dann, wenn er unbedacht seine -Arme um dessen Hals geschlungen hat und ihn dann halb erwürgt, anstatt -sich mit den Händen an den Schultern oder an der Stirn des Mannes zu -halten, doch wird das Unglück jedesmal noch rechtzeitig verhütet. Die -Träger benutzen ihren Stock nur an den Stromschnellen; wird das Wasser zu -tief, dann werfen sie uns wie einen Federball höher auf ihre Schultern -hinauf, um uns trocken zu erhalten. Selten setzen sie uns, obgleich -einige ganz gewichtige Herren unter uns sind, gleich am jenseitigen Ufer -ab, sondern bringen uns im Trabe die gewöhnlich steile Böschung hinauf, -allerdings nur ein kurzes Stück Weg, aber ein solches, welches wir auf -dem schlüpfrigen Boden in unsern Schuhen nur mit Hülfe eines Stockes -zurücklegen könnten. Ist der nächste Uebergang nur 10-20 Schritte von -unserm letzten Landeplatz entfernt, dann behalten sie uns gleich auf ihren -Rücken und nun entwickelt sich unter lautem Hallo ein Wettlaufen. Nicht -lange dauert es, so kommt allerdings die Nachricht, daß der Stabsarzt, ein -besonders großer und schwerer Herr, mit seinem Träger zusammengebrochen -sei, und er erhält nun das vorsorglicherweise mitgenommene Pferd. Er will -aber auch durchaus nichts vor uns voraus haben und benutzt das Thier nur -an den Flußübergängen, wodurch er schließlich durch das häufige Auf- und -Absteigen noch lahmer wurde als wir andern. - -An einer geeigneten Stelle machen sich einige Eingeborene die Gelegenheit -zu Nutze und fangen mit kleinen Handnetzen in kurzer Zeit zwei große Körbe -voll der früher genannten vortrefflichen Süßwasser-Schrimse, wasserhelle, -fast durchsichtige Thiere, welche später gekocht uns noch gute Dienste -thaten. - -Wir wurden immer steifer und stiller, sprangen bald schon nicht -mehr auf die Rücken unserer Träger, sondern krochen langsam auf die -niedergeduckten, gutmüthigen Leute hinauf, welche immer eifriger und -lustiger wurden. Als wir nach zwei Stunden Flußweg, im ganzen also nach -drei Stunden, endlich an einer steilen Wand ankamen, welche wir mit -eigenen Kräften zu erklettern hatten, waren wir ganz still, unsere Träger -dagegen außerordentlich laut und befriedigt. - -Hier ist auf einer kleinen Anhöhe der Platz, wo diejenigen Besucher des -Sees in der Regel übernachten, welche die Partie zu Pferde machen und in -solchem Fall erst nachmittags von der Küste aufbrechen. Sie gehen dann am -nächsten Morgen mit dem ersten Tagesgrauen unter Zurücklassung der Pferde -zum See und reiten nachmittags wieder zurück. - -Wir machen zunächst eine kurze Rast, um die etwas auseinander gekommene -Gesellschaft sich wieder sammeln zu lassen, betrachten noch einmal -die vor uns liegende etwa 200 m hohe Wand, welche in einem Winkel von -60-70° zur Ebene steht, mithin uns ziemlich senkrecht erscheint, reiben -mit den Händen unsere zerschlagenen steifen Beine und dann geht es -weiter, hinauf auf die Wand, nachdem ein Eingeborener angewiesen war, -mit dem Pferd hier unsere Rückkunft zu erwarten. Unser Weg ist in der -untern Hälfte das trockene Felsenbett eines Gebirgsbaches und in der -obern das eines Wasserfalles, welcher bei lang anhaltendem Regen hier -herniederstürzt. Diesem Umstand ist es wol auch zuzuschreiben, daß wir -überall ausgewaschene Stellen finden, wo wir festen Fuß fassen können, -und daß hier kein Steingeröll vorhanden ist, sondern die vorspringenden -Steine alle mit dem Felsenkern verwachsen sind und somit zuverlässige -Stütz- und Haltepunkte bieten. Die untere Hälfte können wir noch mit Hülfe -eines Stockes langsam ersteigen, stillen an den reifen Früchten eines auf -halber Höhe in einer seitlichen Einbuchtung stehenden großen Orangenbaumes -unsern Durst und dann müssen wir mit Händen und Füßen mühsam von Stein zu -Stein klettern. - -Endlich nach dreiviertel Stunde sind die ersten von uns oben, wir -erblicken aber noch nicht den See, sondern finden zu unserer Enttäuschung -vor uns einen mit wilden Bananen dicht bestandenen kleinen Bergrücken. -Auch dieser wird erstiegen und wir finden einen ebensolchen zweiten, -auf dessen Höhe wir, als ob die Bananen gar kein Ende nehmen wollten, -noch einen dritten vor uns sehen. Doch hören wir hier wenigstens schon -die Antwort der bereits am See befindlichen Gepäckträger auf die Zurufe -unserer Führer. Endlich auf der Höhe des dritten Rückens treten wir aus -den nassen Bananen heraus und unter uns liegt der schöne, von hohen -stolzen Berggipfeln umgebene Alpensee. Noch hundert Schritte und wir -können uns in einer von den Gepäckträgern bereits errichteten Hütte auf -dem trockenen Grase ausstrecken, nachdem ich mir vorher aus meinem mit -heraufgenommenen kleinen Koffer trockene Wäsche und Kleider angezogen -hatte. Hier im Schatten ruht es sich gut nach einem mehr als vierstündigen -anstrengenden Wege, dessen größte Strapaze das Getragenwerden war, weil -man, ganz abgesehen von dem Auf- und Absteigen auch noch, um den Trägern -die Arme frei zu lassen, sich stets mit Schenkeldruck an ihre Rücken hatte -anklammern müssen. Die 10 m lange und 3 m tiefe Hütte ist aus Bambusstäben -aufgebaut und oben, zu beiden Seiten, sowie an der Rückwand gegen Regen -und Sonne mit Bananenblättern sicher eingedeckt, die ganze Langseite nach -dem See zu ist offen. - -Wir befinden uns an der einen Schmalseite des 1000 m langen und 600 m -breiten Sees. Das klare hellgrüne Wasser ist spiegelglatt und wirft aus -seiner Tiefe das Spiegelbild der den See umgebenden Berge zurück. Diese -sind hoch und niedrig, die hohen kahl, die niedrigen grün bewachsen; -einer tritt als steiles Cap in den See vor, die andern liegen mehr oder -weniger weit zurück und die Ufer sind hier mit hohem Gras und dichtem Laub -bestanden. Ein Ausfluß des in der Mitte 30 m tiefen Sees, in welchen sich -viele Gebirgsbäche ergießen, ist nirgends zu sehen, doch soll ein solcher -und zwar ein unterirdischer nicht weit von unserm Lagerplatz vorhanden -sein, weil die in den See geworfenen Schwimmkörper dort sich alle sammeln -und in die Tiefe gezogen werden sollen, um von einem kräftigen Quell, -welcher an der Küste in der Nähe unsers Gasthauses aus einer Felswand -hervorsprudelt, wieder ausgestoßen zu werden, wie man an gezeichneten -Gegenständen sicher wahrgenommen hat. Es ist mir auch gesagt worden, wie -lange die Reise eines solchen Gegenstandes dauern soll, doch habe ich dies -leider wieder vergessen. - -Als ich die Absicht aussprach, in einer Stunde den Rückweg antreten zu -wollen, um einer Einladung des Consuls und seiner Gattin zum nächsten -Abend in Papeete sicher entsprechen zu können, stieß ich auf entschiedenen -Widerspruch. Die anwesenden Herren, mit Ausnahme des Consuls und eines -jungen Offiziers, erklärten dies für ein Ding der Unmöglichkeit, weil -sie nicht im Stande seien, heute auch nur einen Schritt noch zu gehen. -Der eine Stunde später eintreffende Rest unserer Gesellschaft behauptete -natürlich erst recht, vollständig fertig und unfähig zu weiterm Marschiren -zu sein. Als der Consul dann auch noch zugab, daß wir wol rechtzeitig in -Papeete würden eintreffen können, wenn wir am nächsten Tage mit dem ersten -Morgengrauen aufbrächen, er auch versprach, für alle Fälle einen Boten mit -der Nachricht zur Stadt schicken zu wollen, daß wir uns vielleicht etwas -verspäten würden, fügte ich mich, um kein Spielverderber zu sein. - -Nun blieb aber noch die große Frage, wie Proviant heraufbekommen? Nach -dem ursprünglichen Programm sollten wir um 5 Uhr abends wieder in dem -Gasthaus sein, um dort das für uns arrangirte tahitische Nationalmahl, auf -welches wir nunmehr verzichten mußten, einzunehmen; unsere mitgebrachten -Provisionen waren daher nur für ein zweites Frühstück berechnet, -welches nach den hinter uns liegenden Anstrengungen vielleicht nicht -einmal für diesen Zweck ganz genügte. Während der Verhandlungen war es -inzwischen auch schon 1 Uhr geworden und dunkel wurde es schon um 5½ -Uhr; bei Dunkelheit war aber der Weg schlechterdings nicht zu machen. -Die abzusendenden Leute hätten daher in 4½ Stunden denjenigen Weg hin -und zurück machen müssen, zu welchem die schnellsten von uns auf dem -Hinweg allein 4 Stunden gebraucht hatten, und dies schien auch unter -Berücksichtigung des Umstandes, daß die Eingeborenen den directen -Weg im Flußbett wählen würden, unmöglich. Trotzdem wurde der Versuch -gemacht, nachdem die Tahitier es als wahrscheinlich erklärt hatten, -rechtzeitig wieder oben sein zu können. Es hatten sich schnell zehn -Leute zusammengefunden, welche frischen Muthes in fröhlicher Stimmung den -beschwerlichen Weg antraten, nachdem einem von ihnen die erforderlichen -Instructionen für den Gastwirth mitgetheilt worden waren, denn zum -Schreiben hatten wir nichts. - -Unser Lagerplatz hatte inzwischen ein etwas buntes Ansehen erhalten. -Unsere Herren hatten bei ihrer Ankunft natürlich nichts Eiligeres zu thun, -als sich ihrer zusammengeschrumpften Stiefel und nassen Oberkleider zu -entledigen, und saßen nun, da sie keine Wäsche zum Wechseln mitgebracht -hatten, trübselig in der Sonne, um sich selbst und ihre um sie herum -liegenden Sachen trocknen zu lassen. Doch bald brachten die bei uns -zurückgebliebenen Eingeborenen wieder Leben in die Gesellschaft, indem -sie das ausgepackte Frühstück herantrugen, welches durch geröstete -Yam, Brotfrucht und die am Morgen im Fluß gefangenen Krebse, welche die -kleine Frau vortrefflich gekocht hatte, noch vervollständigt worden war. -Inzwischen waren die Nachzügler von uns auch aufgetrocknet, wir gruppirten -uns in der leichtesten Kleidung und barfüßig in der kühlen Hütte, Essen -und Getränke schmeckten vorzüglich, und so war es natürlich, daß die ganze -Gesellschaft sich sehr schnell wieder in der allerbesten Laune befand, -zumal sich bei dem Gepäck auch trockene Cigarren vorgefunden hatten. -Nach dem Essen wurde geruht, d. h. geschlafen, denn erst um 3 Uhr wurde -es in der Hütte wieder munter. Das erste allgemeine Bedürfniß war nun, -ein Bad in dem schönen See zu nehmen, der Consul dachte aber vorher noch -an das Praktische und veranlaßte einige Eingeborene auf den Fischfang zu -gehen, damit wir doch für den wahrscheinlichern Fall, daß die abgesandten -Leute nicht mehr denselben Abend zu uns zurückkehren würden, wenigstens -etwas zu essen hätten. Vier Eingeborene kamen mit den Angelhaken, um -sich ein Stück Fleisch als Köder zu holen, und ich war überrascht Haken -zu sehen, welche eine Eisenstärke von etwa 8 mm und eine Spannweite -von 5-6 cm hatten und von welchen die Eingeborenen behaupteten, daß sie -eigentlich noch zu schwach seien. Dann band jeder sich ein kleines Floß -aus Bambusstäben zusammen und kurze Zeit darauf sahen wir die Männer mit -diesen unter gegenseitigem jauchzenden Zuruf über den See schwimmen. Sie -mußten nach einer etwa 500 m von uns entfernt liegenden Stelle, wo ein -größerer Gebirgsbach in den See mündet, hin und nahmen trotz ihrer großen -Leistungsfähigkeit im Schwimmen die Flöße mit, weil das Wasser für die -Eingeborenen etwas zu kalt ist und dies zuweilen die Ursache sein soll, -daß ihnen während des Schwimmens die Glieder erstarren und dann das Floß -sie tragen muß. Es ist daher Regel, daß kein Eingeborener in diesem See -größere Strecken ohne Floß durchschwimmt. - -Unser Bad war nicht so schön, wie wir es uns gedacht hatten, denn da das -Wasser am Ufer ziemlich seicht ist, so mußten wir in demselben erst eine -Strecke gehen, ehe wir genügende Tiefe zum Schwimmen fanden, und das -war kein Vergnügen. Sobald wir das feste Ufer verlassen hatten, sanken -wir bis zu den halben Knien in den weichen Schlamm ein und machten uns -dadurch auch noch das Wasser trübe. Hinein ging es wol noch, aber beim -Herauskommen sahen wir aus, als ob wir ein Schlammbad genommen hätten, und -es kostete uns viel Mühe, mit Gläsern und Flaschen so viel reines Wasser -herbeizuschaffen, um uns wieder rein waschen zu können. So kamen wir -nicht zu dem Genuß, welchen uns das Bad in dem frischkühlen Wasser sonst -bereitet hätte. Bei dieser Gelegenheit machten wir auch die Entdeckung, -daß die Innenseiten unserer Beine von dem scharfen Anklammern an die -Rücken unserer Träger braun und blau geworden waren, und hatten damit die -Erklärung gefunden für die Schmerzen, welche wir empfanden. - -Um 5 Uhr kamen unsere Fischer zurück und brachten einen mächtigen Aal -mit. Zwei Angelhaken waren, wie die Leute es vorher befürchtet hatten, -von den Thieren abgebrochen worden. Das mitgebrachte Exemplar, von -schwärzlicher Farbe auf dem Rücken und weißlich-grüner auf dem Bauch, -mit zwei großen Ohren am Kopfe, war 1½ m lang und etwa 15 cm dick, hatte -mithin einen Umfang von über 40 cm. Da dieser Fang voraussichtlich das -Einzige blieb, aus welchem unsere Hauptmahlzeit hergestellt werden sollte, -so interessirten wir uns auch für dessen Zubereitung. Wenige Schritte -von unserer Hütte, auf dem Lagerplatz der Eingeborenen, brannte bereits -seit einiger Zeit ein großes Feuer, und beim Herantreten sahen wir in der -Glut einen kleinen Haufen größerer Steine, welche auf diese Weise erhitzt -wurden. Dann wurden die brennenden Holzscheite zur Seite geworfen, die -heißen Steine mit nassem frischen Laub vorsichtig gereinigt und hierauf -wieder so zusammengeschichtet, daß in der Mitte ein Loch blieb. In dieses -wurde der in Stücke geschnittene Aal, nachdem jedes Stück von vielleicht -½ kg Gewicht in den Theil eines Bananenblattes eingewickelt worden war, -hineingelegt und dann das Loch oben mit dem Rest der Steine zugedeckt. -Dies ist übrigens die Art, wie die Eingeborenen alles kochen. Für das -Garwerden beanspruchte die kleine Frau eine Stunde, und so zogen wir uns -mit knurrendem Magen wieder in unsere Hütte zurück, wenig erbaut von der -Aussicht, wegen Mangel an Licht schon um 6 Uhr ziemlich hungerig schlafen -gehen zu müssen, denn ein ausgeschickter Kundschafter war um 5½ Uhr mit -der Nachricht zurückgekommen, daß von den abgesandten Leuten noch nichts -zu sehen sei. - -Die Sonne ging unter, der Mond stand weder am Himmel, noch war er zu -erwarten, die Schatten der Nacht legten sich über die Berge und auf -den See, dunkle Wolken umsponnen die Berggipfel und senkten sich, immer -dichter werdend, fast bis auf den See hinab. Kein Laut rings um uns herum -und kein anderes für das Auge wahrnehmbare Leben, als ein großes Feuer, -welches seine schwarzen Rauchwolken nach oben sandte und die in seiner -Nähe gelagerten Eingeborenen, wie einen kleinen Theil des Sees und unsere -nächste Umgebung geisterhaft beleuchtete. Es war 6 Uhr geworden, keine -Aussicht auf eine ausreichende Mahlzeit und auf die nothwendigen Decken, -deren wir dringend bedurften, um unsere nur sehr leicht bekleideten Körper -gegen die rauhe Nachtluft zu schützen. Die Eingeborenen machten sich -schon daran, unser frugales Mahl aus dem Ofen hervorzuholen, da klingt -ein heller Ruf an unser Ohr, welchen jene aus voller Kehle erwidern und -der von uns mit einem kräftigen Hurrah -- es mögen auch mehrere gewesen -sein -- beantwortet wird. Wie lebendig war auf einmal die versteinerte -Gesellschaft geworden und welcher Jubel brach erst aus, als eine -Viertelstunde später die braven Tahitier mit schweren Proviantkörben und -Weinkisten, mit Bettzeug und Windlichtern wohlbehalten bei uns anlangten. -Nicht einmal mein kleines Kopfkissen hatten sie vergessen, ohne welches -ich mit meinen verschiedenen Schädelbruchnarben wahrscheinlich eine -schlaflose Nacht verbracht hätte. - -Es war dies eine erstaunliche Leistung von den Leuten, wenn man bedenkt, -daß sie denselben Weg, zu welchem wir 4-5 Stunden gebraucht hatten, in -ebenfalls 5 Stunden, und zwar schwer beladen hin und her zurückgelegt -hatten, und das, nachdem sie vorher schon den Weg, welcher uns vollständig -niederwarf, als Gepäck- oder unsere Träger mit uns gemacht und dazwischen -wol kaum eine Ruhepause gefunden hatten. Ich würde es für unmöglich -gehalten haben, wenn die zurückgekehrten Leute nicht sämmtlich als zu -unserer Partie gehörig recognoscirt worden wären. - -Was nun folgte, war wahrhaft herzerquickend für uns. Erst wurden die -Windlichter in Ordnung gebracht und angesteckt und dann ging es ans -Auspacken: Schüsseln, Teller, Gläser, Messer und Gabeln, Servietten; ein -feister Hammelrücken, ein Roastbeef, gebratene Tauben und Hühner, Hummer, -gekochte Eier, Brot, gemahlener Kaffee, condensirte Milch und Früchte; -Sherry, Portwein, leichter Roth- und Moselwein, sowie einige Flaschen -Champagner, welche in dem auch mitgekommenen Eis gleich kalt gestellt -wurden. - -Trotz unserer steifen Glieder halfen wir alle an der Herrichtung unserer -Tafel und begannen das Mahl mit dem Aal, dessen Stücke uns auf frischen -Bananenblättern gebracht wurden. Das Fleisch war außerordentlich -wohlschmeckend und zart, nur für unsere Gaumen etwas zu fett, sodaß wir in -Ansehung der Genüsse, welche uns noch bevorstanden, gern auf den größern -Theil zu Gunsten der Eingeborenen verzichteten. - -Wie schon den ganzen Tag über unsere Stimmung auf- und abwogte zwischen -himmelhoch jauchzend und zum Tode betrübt, so waren wir jetzt wieder auf -dem Gipfelpunkt froher Stimmung angelangt. Gesättigt läßt es sich schon -des Nachts am See Waihiria aushalten, namentlich wenn die Reste unsers -Mahles ausreichen, auch noch den ganzen Troß zu sättigen und in frohe -Stimmung zu versetzen. - -Wir liegen in und vor der Hütte behaglich ausgestreckt mit einer guten -Cigarre und einem Glas kalten Champagner, all die Fährlichkeiten des -verflossenen Tages erörternd und belachend. Die Eingeborenen sitzen um -ein großes Feuer und sind ebenfalls in bester Stimmung. Vor uns und um -uns ist alles in Nacht gehüllt und zwischen den auf den Bergen lagernden -Wolken steht ein Stück des wolkenlosen dunkeln Himmelsdomes mit seinen -flimmernden Sternen, deren Spiegelbilder aus dem vor uns liegenden -schwarzen See herausstrahlen und woran wir dessen Wasserfläche zu erkennen -vermögen. Der Consul verlangt von den Eingeborenen ein Lied, welches sie -anfänglich verweigern wollen, weil ihnen die nothwendigen Frauenstimmen -fehlten, doch lassen sie sich unter dem Hinweis, daß doch wenigstens eine -Frau unter ihnen sei, schließlich erweichen und in die Nacht erschallt ein -gewaltiger Gesang, ein geistliches Lied so weihe- und stimmungsvoll, ein -Gesang von so packender Wirkung in der eigenartigen Umgebung, wie ich noch -keinen gehört hatte. Es war ein wunderbares Orchester aus menschlichen -Stimmen, jede Stimme sang ihre eigenen Töne und alle vermischten sich zu -einem vollendeten Ganzen, welches ich nur mit dem Klang einer mächtigen -Orgel, deren sämmtliche Register geöffnet sind, vergleichen kann. Der -Gesang verhallt, und erst nach einer Weile finden wir uns zu rauschendem -Beifall zusammen. Ein zweites Lied wird verlangt und gewährt. Schon die -ersten Töne kommen uns so bekannt vor, und bald hat einer von uns die -richtigen Worte für den Refrain gefunden, in welchen wir alle jubelnd -einstimmen: „Vive la, vive la, vive la va! vive la, vive la, hopsasa! -vive la Compagneia!“ Die gehobene Stimmung war dahin, die Eingeborenen -stutzten einen Augenblick und unter allgemeinem Lachen wurde dann das Lied -in dem von uns angegebenen schnellern Tempo beendet. Der Consul fragte -danach ganz erstaunt, woher wir die tahitische Nationalhymne kennten. -Nun kam es heraus! Ein hoher Herr, welcher vor einigen Jahren hier war, -soll den Tahitiern dieses alte deutsche Studentenlied als Nationalhymne -geschenkt haben und die Eingeborenen haben sich dann einen passenden Text -zu der Composition gemacht. Wahr ist jedenfalls, daß dieses Lied auch -von den Franzosen als tahitische Nationalhymne anerkannt wird, denn wir -hörten es nachher allabendlich sowol in Papeete wie in Raiatea von einem -französischen Kriegsschiff als Zapfenstreich blasen und hatten unsere -Freude daran, daß die Franzosen ein so prächtiges deutsches Lied in so -hohen Ehren halten. - -Doch die Woge unserer Stimmung senkte sich auch wieder. Gegessen hatten -wir, getrunken auch, auch geraucht und manches Lied gesungen, auch waren -wir müde, und da es 10 Uhr geworden war, so durften wir wol an unsere -Nachtruhe denken. Dieselbe zu finden war aber nicht so leicht. Zunächst -mußten unsere Kleidungsstücke in die Hütte geschafft werden, um sie gegen -den starken Nachtthau zu schützen; die Hütte war aber eben nur so groß, -daß wir dicht nebeneinander liegend, die Füße gegen die offene Seite -gekehrt, gerade Platz fanden. Außerdem war sie aber auch nur so hoch, -daß die oben aufgehängten längern Kleidungsstücke beinahe bis auf unsere -Gesichter herunterreichten. Nun ging es ans Aufhängen. Die Röcke wurden -als Kopfkissen zusammengerollt, die harten Stiefel, die Uhren, Strümpfe -und sonstigen Kleidungsstücke an- und aufgehängt. Ich zog mir vorsorglich -als Schutz gegen Mosquitostiche meine Segeltuchschuhe wieder an, und als -alles fertig war, krochen wir vorsichtig auf unser hartes Lager unter die -ausgebreiteten Decken und unter die hängende Garderobe, von welcher im -Laufe der Nacht noch manches Stück herunterfiel, das dann von einem zum -andern geworfen wurde, bis es in irgendeinem Winkel Ruhe fand. Zu beiden -Seiten unserer Hütte am Seeufer loderte je ein großes Feuer, um welche -die Eingeborenen sich gelagert hatten und die sie während der ganzen Nacht -unterhielten, um sich daran zu wärmen. - -Flußübergänge und braune Eingeborene mit müden Europäern auf ihren Rücken; -lodernde Feuer und zerschlagene Glieder; von den Feuern beschienen -kriechen ungeheuerliche Aale aus dem schwarzen See und verschlingen -das für uns bereitete Mahl, während ihnen nachfolgende rothe Hummer und -Krebse sich am Strande ordnen und einen Reigen tanzen, vive la, vive la, -hopsasa; einer aus unserer Reihe dreht sich im Schlafe um und bringt alle -in Bewegung, sodaß mancher wähnt, den steilen Wasserfall hinuntergestoßen -zu werden; Mosquitostiche und herunterfallende Stiefel; festgehalten im -tiefen Schlamm; wunderbar großartige Nachtscenerie vor unsern Augen! - -Was ist Wahrheit, was ist Traum? Alles vermischt sich, bis auch diese -Bilder schwinden und ein fester Schlaf uns bis zum ersten Tagesgrauen -umfangen hält. - -Fröstelnd suchen wir unsere steifen Glieder zusammen und greifen nach -unserm Eigenthum. Doch das ist leichter gesagt wie gethan. Schon am Abend -wurden die Sachen wol größtentheils vertauscht und alles, was während -der Nacht heruntergefallen ist, muß aus den verschiedenen Winkeln oder -außerhalb zusammengesucht werden. Die Stiefel sind in einem Zustande, -daß sie kaum über gesunde Füße zu ziehen sind, sie aber über die von -Mosquitostichen verschwollenen Füße zu ziehen, muß nach den Gesichtern -der Aermsten fürchterlich sein. Unsere weißen Kleidungsstücke sind braun -vom Lehm, braun und grün vom Pflanzensaft, hier und da auch zerrissen. -Alle Sachen natürlich ohne Stärke und zerknittert. Wir sehen geradezu -fürchterlich aus, doch es hilft uns nichts, zurück müssen wir doch. - -Nach einem kurzen, die Lebensgeister auffrischenden Frühstück nahmen -wir Abschied von dem von den ersten Sonnenstrahlen beschienenen, ernst -dreinschauenden See Waihiria und seiner großartigen Umgebung und machten -uns gegen 7 Uhr auf den Rückweg, von dem ich nicht viel erzählen will. Die -ganze Gesellschaft hielt jetzt zusammen, auch die Gepäckträger blieben bei -uns. Der Stabsarzt stieg nicht mehr nach jedem Flußübergang von seinem -Pferde ab, sondern blieb bis zum Gasthaus gemächlich im Sattel sitzen. -Der Consul und ich zogen es vor, da unser Schuhzeug dies erlaubte, auf -unsern eigenen Füßen durch den Fluß zu gehen und bedienten uns nur an den -gefährlichern Stellen der Hand unserer Führer. Die kleine Frau, welche -wieder die Führung übernommen hatte, schien sich für verpflichtet zu -halten, die müden Europäer an den lichteren Stellen etwas aufzumuntern, -wenigstens sah sie sich dann immer nach uns um und nickte uns freundlich -zu. In verhältnißmäßig schnellem Schritt wurde der Weg zurückgelegt, -sodaß wir schon gegen 9½ Uhr in dem Gasthaus anlangten. Dort wuschen -wir uns, zogen frische Kleider an, frühstückten, nahmen Abschied von -den reichbeschenkten braven Tahitiern und fanden in den bequemen Wagen -unsere gute Laune wieder, welche an diesem Tage noch nicht zum Durchbruch -gekommen war. Der Rückweg wurde ebenso wie der Hinweg gemacht, und um 5 -Uhr abends waren wir wieder auf unserm Schiff. - -Um 7 Uhr fand ich mich im Hause unsers Consuls ein, wo bereits die junge -Königin von Tahiti, deren Bekanntschaft ich hier machen sollte, anwesend -war. Sonst war niemand geladen. - -Die Königin, welcher nach Bestimmung der französischen Regierung das -Prädicat „Majestät“ zusteht, ist eine stattliche, imponirende Gestalt, -über 1,80 m groß und zählt zur Zeit 18 Lebensjahre. Sie wurde, noch nicht -15 Jahre alt, im Januar 1875 mit dem damaligen Erbprinzen, jetzigen König -von Tahiti, vermählt; doch dürfte diese Verbindung nur eine leere Form -geblieben sein, da der Gemahl, welcher ein wunderlicher Herr zu sein -scheint, sich gleich nach der Trauung auf eine seiner Besitzungen auf das -Land zurückgezogen haben soll, um dort in sehr zweifelhafter Gesellschaft -sein bisheriges Leben fortzusetzen. Er kommt nur zur Stadt, wenn er sich -aus Repräsentationsrücksichten mit der Königin zusammen zeigen muß. Die -letztere bewohnt daher, nur von ihrem weiblichen Hofstaat umgeben, das -Stadtpalais allein. Die Königin hat ihre Erziehung in Sydney genossen, -spricht englisch und französisch, ist ziemlich belesen, gewandt in der -Unterhaltung und scheint eine liebenswürdige Dame von heiterm Gemüth zu -sein. - -Der Abend verlief sehr angenehm und fand uns alle in so behaglicher -Stimmung, daß ich auch einigen Stadtklatsch zu hören bekam und dabei -gleichzeitig erfuhr, wie die hiesigen Damen sich für die fehlende Zeitung -Ersatz zu schaffen wissen. Für diese tritt der mündliche Bericht ein, -und die Börse hierfür ist der allmorgendlich stattfindende Markt. Die -Damen schicken ihre eingeborenen Verwandtinnen oder Vertraute dorthin, -alle Begebenheiten von Bedeutung werden ausgetauscht und jede Familie -erfährt beim ersten Frühstück schon, was sich in der Stadt und auf dem -Lande in den letzten 24 Stunden zugetragen hat. Dies geht so weit, daß -mir aus dieser Quelle auch für mich wichtige politische Nachrichten -aus dem Hause des Gouverneurs zuflossen, welche von Einfluß auf meinen -Besuch der Gesellschafts-Inseln wurden. Der Markt soll aus diesem Grunde -das bewegteste Bild in Papeete bieten, und ich bedauerte es sehr, dies -nicht früher gewußt zu haben, weil ich zu einem derartigen Besuch keine -Gelegenheit mehr fand. Ich hatte es mir bei meinen frühern Reisen stets -zum Grundsatz gemacht, den Markt nie zu versäumen, weil man hier immer -Interessantes sieht, hier in Papeete hatte ich aber nichts erwartet. - -Ehe wir uns trennten, sprach die Königin noch den Wunsch aus, unser -Schiff zu sehen, machte aber zur Bedingung, daß sie nur als Tante unserer -liebenswürdigen Wirthin empfangen würde, daß ferner der Besuch in die -Abendzeit fallen müsse und über denselben vorher nicht gesprochen werden -dürfe, weil der französische Gouverneur ihr sonst auf irgendeine Weise -die Ausführung dieses Wunsches unmöglich machen würde. Was der Gouverneur -nachher etwa zu sagen beliebte, sei ihr gleichgültig. Da unsere Abreise -für den 1. Juni morgens festgesetzt war, so blieb nur der nächste Abend -zur Verfügung, und ich versprach der Dame, sie 7 Uhr abends mit ihren -Verwandten vom Lande abzuholen. - -Der heutige Tag, 31. Mai, gehört den Geschäften. - -Wie ich schon angedeutet habe, beabsichtigt die 'Société commerciale de -l’Océanie' ihren Wohnsitz nach der unabhängigen Insel Raiatea zu verlegen, -sowol um den übermäßigen Steuern, Zöllen und Hafenabgaben in Papeete, wie -namentlich den unwürdigen Plackereien durch die französischen Machthaber -zu entgehen. Diese Absicht ist nicht nur den Franzosen, sondern auch -weitern Kreisen bekannt, da mir schon in Panama der Commandant eines -amerikanischen Kriegsschiffs erzählt hatte, daß die bisher auf Tahiti -ansässig gewesenen Deutschen wegen der seitens der Franzosen gegen die -dort lebenden Ausländer getroffenen Maßregeln ihren Wohnsitz nach den -unabhängigen Inseln der Gesellschafts-Gruppe verlegt hätten. Im übrigen -hat das deutsche Haus seine Absicht auch schon zum Theil ausgeführt, -die Waarenlager bereits nach Raiatea verlegt und hofft innerhalb einiger -Monate seine ganze Geschäftsthätigkeit dort concentriren zu können. Die -unter deutscher Flagge zwischen den Inseln fahrenden kleinern Schiffe -löschen und laden bereits auf Raiatea, ebenso laufen die zwischen Hamburg -und hier fahrenden großen Schiffe diesen Hafen und nicht mehr Papeete an. -Erwähnt sei hier noch, daß die Gesellschafts-Inseln, von welchen Raiatea, -Huheine und Bora-Bora (auch Bola-Bola genannt) die bedeutendsten sind -und gesonderte selbständige Staatswesen bilden, in unmittelbarer Nähe -von Tahiti, d. h. nur etwas über 100 Seemeilen davon entfernt, liegen -und die Franzosen früher versucht haben, auch diese in ihre Machtsphäre -einzuschließen. Als sie indeß durch Waffengewalt von Huheine vertrieben -wurden, legte sich England ins Mittel, und es kam dann zwischen England -und Frankreich ein Vertrag zu Stande, welcher den Gesellschafts-Inseln -ihre Unabhängigkeit garantirte. - -Die Franzosen brachten nun jedenfalls die Anwesenheit der zufällig -hierhergekommenen „Ariadne“ mit den Maßnahmen des deutschen Hauses in -Zusammenhang und befürchteten zweifellos, daß Deutschland sich in ihrer -unmittelbaren Nähe festsetzen wolle, daß unser Schiff den Auftrag habe, -von den Gesellschafts-Inseln Besitz zu ergreifen. In Papeete konnte -man wenigstens aus jedem Munde hören, daß das deutsche Kriegsschiff zu -diesem Zwecke hierhergekommen sei. Der Gouverneur hielt sich nun wol für -verpflichtet, Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, welche mich wieder zwangen, -gerade das zu thun, was den Franzosen unbequem war und woran ich vorher -gar nicht hatte denken können, weil ich nur das Streben hatte, möglichst -schnell nach Apia zu kommen und daher auch die Forderung der deutschen -Gesellschaft, zu ihrem Schutze die Gesellschafts-Inseln anzulaufen, -anfänglich abgeschlagen hatte. Als ich aber durch die Marktzeitung -erfuhr, daß das hier stationirende französische Kriegsschiff den Auftrag -erhalten habe, zwei Tage vor meiner bereits bekannten Abreise von Papeete -nach den Gesellschafts-Inseln zu gehen, um die Eingeborenen gegen die -Deutschen aufzuwiegeln und ihnen mitzutheilen, daß in den nächsten Tagen -ein deutsches Kriegsschiff kommen würde, um ihnen ihr Land wegzunehmen, -daß die Franzosen ihnen aber beistehen und im Verein mit England und -Nordamerika die Deutschen wieder vertreiben würden, wurde ich unschlüssig. -Nachdem nun das französische Kriegsschiff gestern wirklich Papeete -verlassen hat und heute von Huheine auch bereits durch ein besonders -abgeschicktes Segelschiff an das deutsche Haus die verbürgte Nachricht -gelangt ist, daß der Franzose dort war und die ganze Insel in Aufruhr sei, -um sich mit Waffengewalt unserm Eindringen zu widersetzen, blieb mir keine -Wahl. Ich mußte nun die Inseln anlaufen, sowol um die böswilligen Gerüchte -zu zerstreuen, wie auch um durch Machtentfaltung die herrschende Aufregung -zu bändigen und die heißblütigen Eingeborenen vor Gewaltthätigkeiten gegen -Deutsche zu bewahren. - -Da ferner Herr und Frau G. sich bereit erklärt hatten, die auf acht -Tage veranschlagte Reise als meine Gäste auf der „Ariadne“ mitzumachen, -so konnte ich, da die genannte Dame mit den regierenden Familien nahe -verwandt ist und als tahitische Prinzessin mit dem Titel einer „Prinzessin -der Bienen“ unter den Eingeborenen der ganzen Gruppe ein hohes Ansehen -genießt, dieselbe auch im Stande war, die etwas zweifelhaften Dolmetscher -zu controliren, darauf rechnen, die gestellte Aufgabe in glatter Weise zu -lösen. Schließlich war es mir noch gelungen, den deutschen Capitän eines -kleinen in Papeete liegenden Schiffes, welcher schon seit vielen Jahren -zwischen diesen Inseln fährt, als Lootsen zu erhalten. - -Während des Nachmittags wurde auf der „Ariadne“ für den Besuch der -Königin ein Zelt aufgeschlagen und dasselbe mit Flaggen, Laub, sowie allen -verfügbaren Lampen und Laternen decorirt. Nach dem Vorschiff zu blieb es -offen, um unserer Mannschaft auch Gelegenheit zu geben, die Königin von -Tahiti zu sehen. - -Abends 7 Uhr, nach Eintritt vollkommener Dunkelheit, wurden die Königin, -Herr und Frau G. nebst deren Gepäck und Diener, da diese Herrschaften -wegen unsers frühen Aufbruchs am nächsten Tage schon diese Nacht an Bord -bleiben sollten, abgeholt. Auf dem Deck waren bequeme Sitzgelegenheiten -geschaffen und die Offiziere hatten, da ich mich um das Arrangement nicht -hatte bekümmern können, für die Bewirthung gesorgt. Die Königin trug die -wenig kleidsame tahitische Nationaltracht, ein langes, faltenreiches, -gürtelloses Gewand von schwerem schwarzen Atlas und einige Blumen im -Haar. Das Kleid wurde vorn durch eine reiche Brillantbrosche, welche ein -Hochzeitsgeschenk des damaligen Präsidenten der französischen Republik -sein soll, geschlossen. Als die Dame, uns alle überragend, in der Mitte -des bunten Zelts im vollen Lichtschein stehend, wohlgefällig Umschau -hielt, um das zu ihren Ehren getroffene Arrangement zu betrachten, war -sie in ihrer einfachen schwarzen schillernden Kleidung eine entschieden -hoheitsvolle Erscheinung. - -Es wurden verschiedene Erfrischungen gereicht, die Musik spielte einige -Stücke und gegen 9 Uhr geleitete ich im Verein mit Herrn und Frau G. -die Königin wieder ans Land, wo sie von einigen Dienerinnen und Dienern -erwartet wurde. Herr und Frau G. machten es sich in meiner Kajüte bequem, -während ich ein anderweites Unterkommen für die Zeit gefunden hatte. - -Am 1. Juni morgens mit Tagesanbruch verließ unser Schiff Papeete wieder -und zwar hoffentlich auf Nimmerwiedersehen, da das Anlaufen französischer -Häfen für ein deutsches Kriegsschiff sogar in der Südsee eine wenig -angenehme Sache ist. - - - - -7. - -Die Gesellschafts-Inseln. - - -Unser Weg führte uns zunächst nach der Insel Morea, auch Eimeo genannt, -wo ich einen nur kurzen Aufenthalt von wenigen Stunden nehmen wollte, um -im Anschluß daran während der Nacht nach Huheine zu laufen. - -Wegen der Erregung in den Gemüthern der Eingeborenen von Huheine hielt -ich es für zweckmäßig, nicht abends, sondern erst am nächsten Vormittag -bei guter Zeit dort einzutreffen, und so konnte ich den heutigen Tag gar -nicht besser zubringen, als unter Segel nach Morea zu laufen und es der -Gunst des Windes zu überlassen, wie lange unser Aufenthalt dort währen -solle. Unser Ziel war Taloo-Hafen, von den Franzosen jetzt Papetoaï -genannt, wo bei dem Dorfe Oponu die einzige auf dieser Insel befindliche -und Herrn G. gehörige Plantage liegt. Nebenbei wünschte der Herr auch -meiner Mannschaft einige Tausend Apfelsinen, welche dort gerade geerntet -waren und nach San-Francisco verschifft werden sollten, zu schenken, ein -Geschenk, welches ich gern annahm. - -Um 9½ Uhr waren wir vor der Hafeneinfahrt angelangt und hatten von hier -aus einen außerordentlich schönen Blick auf die eigenartig gestaltete -Insel. Die beiden geradlinig und annähernd parallel nach dem Innern -laufenden, mäßig hohen Ufer fallen ziemlich steil nach dem Wasser ab, -sind dicht belaubt und wirken mit ihren tiefen Farbentönen, im Gegensatz -zu dem hellen Hintergrund, wie die Seitencoulissen auf der Bühne. Den -Hintergrund bildet eine im vollen Sonnenschein liegende, sanft ansteigende -und sich weit nach rückwärts erstreckende Ebene, welche durch eine -hellgrau schimmernde und heiß flimmernde, 900 m hohe, felsige Gebirgswand -von merkwürdig zerrissenen und gekünstelten Linien begrenzt wird. Am Fuße -dieser Wand liegt links das Dorf Opuno, in der Mitte vor seinem Anker ein -großes Segelschiff mit der deutschen Flagge an der Gaffel, und zur Rechten -sieht man die Plantage mit ihren Gebäuden. - -Als wir unter Dampf in dieses Bühnenbild hineinfuhren, hatte ich die -Empfindung, als ob ich mich nach den Zuschauern unserer Gastvorstellung -umsehen müsse. - -Kurz nach 10 Uhr vormittags kamen wir zu Anker und setzten 5 Uhr abends -unsere Reise weiter fort. - -Morea gehört zu dem tahitischen Königreich und steht somit ebenfalls -unter französischem Protectorat, obgleich seitens der Franzosen zur -Zeit keinerlei Controle über die Insel ausgeübt wird, welche wegen ihres -vorherrschend steinigen Bodens wol auch nie besondere Bedeutung erlangen -wird. Sie liefert vorläufig nur Orangen und soll reich an verwilderten -Rindern und Ziegen sein, deren Jagd aber nicht als lohnend betrachtet -wird, weil die Thiere nur auf kaum gangbaren Pfaden zu erreichen sind und -ihnen nur mit der Kugel beizukommen ist. Daneben gilt es als unmöglich, -das erlegte Wild auf den Felsenpfaden bis zu den Wohnstätten der Menschen -zu schaffen, und es muß daher da liegen bleiben, wo es gefallen ist. Da -ferner die Rinder in der Regel auch selbst zum Angriff vorgehen sollen -und namentlich die heerdenlosen Stiere sehr gefürchtet werden, so kann -diese Jagd nur als ein Sport betrachtet werden, welchem in frühern Zeiten -wol englische Marineoffiziere gehuldigt haben sollen, zu welchem sich in -neuerer Zeit aber keine Jünger mehr gefunden haben. - -Unser Aufenthalt am Lande beschränkte sich darauf, die Plantage zu -begehen, die Unmassen der ein großes Schiff füllenden Orangen anzustaunen, -im Schatten der Veranda des Wohnhauses zu ruhen und dabei das schöne -Landschaftsbild zu genießen. - -Am 2. Juni morgens langten wir vor Huheine an, ankerten im Laufe des -Vormittags im Owharre-Hafen und zwar so dicht unter Land, daß das Schiff -außerdem auch noch mit Tauen an Bäumen festgebunden werden konnte. Der -Hafen ist zu eng, um großen Schiffen ein freies Schwingen um ihren Anker -zu gestatten, man muß sich daher auf die angegebene Weise helfen. - -Auf dem zwischen dem Ufer des Hafens und dem Königshaus liegenden -großen freien Platz lagerten so große Menschenmassen, Männer, Frauen und -Kinder, daß die gesammte Bevölkerung der Insel hier zusammengeströmt zu -sein schien, wie es auch thatsächlich der Fall war. Ein von Frau G. an -die Königin geschriebener Brief, in welchem die Dame unsern Besuch zum -nächsten Vormittag anmeldete, wurde gleich an Land geschickt; die umgebend -erfolgende Antwort lautete, daß wir zu der von mir in Vorschlag gebrachten -Stunde, 9 Uhr vormittags, erwartet werden würden. - -Da ich es nicht für angezeigt hielt, vor diesem Besuch schon eine -Verbindung mit dem Lande herzustellen, benutzte ich den heutigen -Nachmittag zu einer Bootsfahrt. Wir umsegelten innerhalb des Korallenriffs -einen großen Theil der Insel und bekamen landschaftlich viel Schönes zu -sehen. Die von uns befahrene Wasserfläche wird nach der See hin begrenzt -durch das Korallenriff, nach der andern Seite durch die Insel, welche -ähnlich wie Tahiti nur an der Küste einen mehr oder minder breiten Gürtel -fruchtbaren Landes hat und deren Kern als 700 m hoher nackter Fels in -diesem grünen Rahmen steht. Die Ansiedelungen der Eingeborenen, welche in -der Regel unter schattigen Bäumen am Fuße des Berges liegen und freien -Ausblick über das vor ihnen liegende bebaute Land und über das ruhige -Wasser innerhalb des Riffs hinweg auf die offene See und die Insel Raiatea -haben, machen einen außerordentlich behaglichen, friedlichen Eindruck, -welcher durch die Abwesenheit alles menschlichen Lebens, denn alle Hütten -sind zur Zeit verlassen, allerdings etwas abgeschwächt wird. - -An einer besonders einladenden Stelle, wo an einer kleinen Einbuchtung -dicht am Strande, unter hohen schattigen Bäumen, ein besseres Haus mit -gepflegtem Garten stand, legten wir an einer kleinen Brücke an, um den -dort wohnenden und meinen Gästen näher bekannten Häuptling zu besuchen. -Doch auch dieses Haus war verlassen. Wir erfrischten uns an einigen -Apfelsinen und Bananen, setzten dann unsere Fahrt fort und dehnten -dieselbe bis zu einer bis unter den Meeresspiegel reichenden Einsenkung -aus, welche Huheine eigentlich zu zwei Inseln macht, obgleich die -auf diese Weise gebildete Wasserrinne nur sehr schmal ist und eine so -geringe Tiefe hat, daß sie nur bei Hochwasser befahren werden kann. Vor -Sonnenuntergang waren wir wieder an Bord und bereuten nicht, den schönen, -genußreichen und erfrischenden Ausflug gemacht zu haben. - -Am Morgen des 3. Juni hatte ich der Königin durch unsere Musik ein -Ständchen bringen lassen, und um 9 Uhr vormittags fand in ihrem Hause -die verabredete Zusammenkunft statt. Unser Weg dahin führte uns durch das -ganze Volk von Huheine, welches hier versammelt uns mit theils drohenden, -theils besorgten Mienen musterte. - -Bei der Königin befanden sich ihr ältester Sohn, dessen Frau und die -den Staatsrath bildenden vornehmsten Häuptlinge. Die Königin, eine -ältere Frau, trug ein Waschkleid nach tahitischem Schnitt und einen -breitberandeten italienischen Strohhut mit flatterndem grünseidenen Band; -ihre Schwiegertochter war ebenso gekleidet, doch ohne Hut; der Sohn und -Thronfolger sowie die Häuptlinge waren in Hosen und Hemden. Die Damen -hatten Schuhe an, die Herren waren barfuß. - -Unser Empfang war ein sehr kühler, alle Gesichter drückten ernste -Sorge aus. Der von uns mitgebrachte Dolmetscher, Sohn eines englischen -Missionars, übersetzte meine Ansprache, in welcher ich sagte, daß ich -gekommen sei, um der Königin meinen Besuch zu machen, und daß das Schiff -die Aufgabe habe, die freundschaftlichen Beziehungen, welche zwischen den -Deutschen und der Regierung des Landes bisher bestanden hätten, nicht nur -fernerhin zu unterhalten, sondern auch noch fester zu knüpfen, aber auch -die Interessen der erstern wahrzunehmen, wenn dies nothwendig sein sollte. - -Der Sprecher der Königin dankte darauf für den ihr gewordenen Besuch -und für die Vertrauen erweckenden Worte, betonte dann aber, daß das -Volk von Huheine voller Sorge sei, weil sie von Papeete die bestimmte -Nachricht erhalten hätten, daß wir diese Inselgruppe mit Gewalt zu nehmen -beabsichtigten. Meine Antwort konnte nur dahin lauten, daß Deutschland -vorab nicht an die Erwerbung von Colonien dächte, aber auch nicht wünschen -könne, die noch unabhängigen Inseln sich in Colonien anderer europäischer -Staaten umwandeln zu sehen, und daher nur als Beschützer solcher -Inselgruppen betrachtet werden könne, wie ihnen das Beispiel Tongas zeige, -mit welchem das Deutsche Reich einen Freundschaftsvertrag abgeschlossen -habe, wodurch das kleine Inselland vor fremder Willkür gesichert sei. -Solange daher die deutschen Unterthanen auf den unabhängigen Inseln unter -dem Schutz der Landesgesetze sicher leben und Handel treiben könnten, -müßten die deutschen Kriegsschiffe immer als die Freunde des Landes -angesehen werden, denn ihre Aufgabe sei nur, deutsches Leben und Eigenthum -zu schützen. - -Nach diesen Worten und einigen ergänzenden freundlichen Bemerkungen der -Frau G. an die Königin änderte sich die Scene urplötzlich. Sichtliche -Freude strahlte auf allen Gesichtern und der Sprecher hielt eine freudig -bewegte Ansprache, worin er erklärte, daß nunmehr die Sorgen von ihnen -genommen seien, und wie groß diese gewesen wären, könnten wir daraus -ersehen, daß sie alle die drei letzten Nächte schlaflos zugebracht -hätten und das ganze Volk während dieser Zeit um seine Königin geschart -gewesen sei. Dann trat der Sprecher in die offene Thüre auf die Veranda -des Hauses und hielt eine längere Ansprache an das Volk, nach deren -Schluß die Leute wegeilten und bald darauf reich beladen mit Geschenken, -welche in Schweinen und Früchten bestanden, zurückkehrten und diese vor -mir niederlegten. Als die Geschenke in unsere Boote gebracht waren, um -meiner Mannschaft mit ihnen einen guten Tag zu machen, lud Frau G. in -meinem Namen die Königin mit ihrer Familie, die Häuptlinge und das ganze -Volk zum Nachmittag auf unser Schiff ein. Die Einladung wurde mit großer -Freude angenommen, und der Nachmittag gestaltete sich zu einem wahren -Volksfeste, da alles, was kommen konnte, auch zu uns kam, Jung und Alt, -Männer, Frauen und Kinder. Die Vornehmern wurden in meiner Kajüte mit -Schaumwein, Fruchtsäften, Kuchen und Marmeladen bewirthet, das Volk in -der Offiziermesse mit Punschbowle. Unsere Musik wechselte ab mit den -Gesängen und Tänzen der Eingeborenen, Freude und Lust beherrschten das -Fest und jede Furcht der Eingeborenen war verschwunden, als sie um 5 Uhr -sehr befriedigt das Schiff wieder verließen. - -Die Königin, ihre Familienmitglieder und die Häuptlinge wurden von Herrn -und Frau G. noch mit Kleiderstoffen beschenkt, worauf die Königin in -ihrem Freudenrausch auch noch bat, mit Frau G. die Hüte austauschen zu -dürfen, wodurch ich in den Besitz des königlichen Hutes kam, da Frau G. -mir denselben als Andenken verehrte. Wie sich später zeigen wird, war mir -derselbe aber nicht lange beschieden. Bei den Gesängen der Eingeborenen -hatte ich gehofft, etwas Aehnliches zu hören wie am See Waihiria auf -Tahiti, aber ich täuschte mich, wenngleich der Gesang auch gut geschult -und melodiös war. Von dem Tanz läßt sich auch nicht viel sagen. Die -Darsteller waren Frauen, welche einzeln sich zeigten und ohne Grazie -jähe Bewegungen mit dem Mittelkörper machten. Ich vermuthe, daß diese -Schaustellungen einen etwas wüsten Charakter angenommen hätten, wenn nicht -die Königin, welche ein strenges Regiment führen soll, zugegen gewesen -wäre. - -Am 4. Juni verließen wir mit Tagesanbruch Huheine wieder und gedachten -im Laufe des Vormittags in dem Hafen Otea-Vanua auf Bora-Bora ankern zu -können. Doch der Wind war wieder einmal anderer Ansicht wie wir, wehte -fest aus Südwest statt aus Südost, und entwickelte sich zu einem mäßigen -Sturm mit hohem Seegang. So kamen wir unter Dampf nur langsam vorwärts. -Schon vom Morgen an lag die nur noch 36 Seemeilen von uns entfernte Insel -Bora-Bora scheinbar nahe vor uns, ein 700 m hoher, dräuender, mächtiger -Felsblock auf sonst niedrigem, größtentheils üppig belaubten Unterlande, -und doch wurde es 3 Uhr nachmittags, ehe wir zum Hafeneingang, und 4 Uhr, -bis wir zu Anker kamen. Als wir endlich die Nordspitze der rundum von -einem Korallenriff umgebenen Insel, welches abweichend von der sonstigen -Regel ziemlich hoch über Wasser liegt und größtentheils mit Kokospalmen -bestanden ist, umschifft hatten und dicht an der Küste entlang südlich -nach dem Hafeneingang steuerten, bot sich dem Auge wieder ein wunderbares -Bild der merkwürdigsten Contraste. - -Wir selbst auf der wild aufgeregten, schäumenden See, unser Schiff -tief einstampfend, rollend und ächzend. Ueber uns die schnell ziehenden -dickgeballten Wolken. Unwirsch mahlt die mit 2000 Pferdekräften arbeitende -Schraube im Wasser, weil das Schiff ihrem Druck nicht folgen will, und -hochauf spritzt der Gischt, wenn sich das Heck schüttelnd und in allen -Verbänden knarrend aus dem Wasser hebt und die Schraube theilweise frei -von diesem, in fast doppelten Umdrehungszahlen mit den obern Flügelspitzen -durch die Luft schlägt. Tief gräbt der Bug sich dann in die von vorn -andrängenden Wellen, sodaß die helle See über die Back bricht und die -von dem mächtigen Anprall in Wasserstaub aufgelösten Wogenkämme über das -ganze Schiff hinwegstürmen, welches in seinem Lauf plötzlich gehemmt, bis -in die obersten Mastspitzen erzittert. Hastend quillt als dicke Wolke der -schwarze Rauch aus dem großen Schlot und bildet nach hinten eine breite -dunkle Straße, über welcher oben am Hauptmast der lange weiße Wimpel in -schlangenähnlichen Windungen flattert. Der Rauch schwärzt alles, was er -erreichen kann, und der Seewasserstaub überzieht Schiff, Takelage und -Menschen mit glitzernden weißen Salzkristallen. Zur Linken von uns das von -der Brandung ganz in blendenden Schaum gehüllte Korallenriff mit seiner -Kette belaubter kleiner Inseln, deren Palmen sich widerwillig unter dem -Druck des starken Windes zur Seite neigen und dahinter -- hellgrünes -Wasser, welches, von dem Winde unberührt, wie ein Spiegel sich unter der -Sonne ausbreitet und an dessen anderm Ufer die Hauptinsel fern von dem -Toben des Sturmes und des Meeres in erhabener Ruhe emporragt, scheinbar -beschützt von dem gigantischen, die ganze Insel beherrschenden Felsblock. - -An der Hafeneinfahrt trafen wir mit einem kleinen Schooner zusammen, -welcher, mit vollen Segeln vor dem Winde herlaufend, dem schützenden -Hafen mit fliegender Fahrt zueilte. Unser Schiff drehte und jagte auch, -nun ebenfalls vor dem Winde, mit 12 Seemeilen Geschwindigkeit in die -schmale Einfahrt. Was sich meinem Blick darbot, war zum Entsetzen. Unser -Lootse, ein durchaus verständiger Mann, hatte sich die zu erwartende -Situation vorher jedenfalls nicht klar gemacht, denn sonst hätte er mir -vom Einlaufen unter diesen Verhältnissen abrathen und jede Verantwortung -für das Wagniß ablehnen müssen. Jetzt war es zu spät, denn an Umdrehen -war wegen mangelnden Raumes nicht mehr zu denken, der Lootse war ebenso -versteinert wie ich es im ersten Augenblick war, aber zu langem Ueberlegen -blieb keine Zeit; wir mußten uns zu helfen suchen, so gut es ging. - -Von dem Fahrwasser und den Riffen, welche sonst durch die auf ihnen -stehende Brandung oder durch die hellere Wasserfarbe zu erkennen sind, war -nichts zu sehen, der vor uns liegende Raum war ein Auf- und Niederwogen -wild kämpfender Wasserberge, welche nur aus weißem Gischt bestanden. Die -in die 900 m breite und drei Seemeilen lange Einfahrt hineindrängenden -hohen Wellen wurden von den seitlichen Riffen zurückgeworfen, prallten -gegen die nachstürmenden zurück und erzeugten einen Aufruhr im Wasser, -welcher jeder Beschreibung spottet. Es war ein Wallen, Tosen, Sieden und -Branden, daß man sein kaltes Blut verlieren konnte. Wir waren mitten in -der Brandung und niemand konnte wissen, ob nicht im nächsten Augenblick -ein markerschütternder Stoß uns sagen würde, daß das Schiff verloren -sei, und daß die durch den Anprall herniederbrechende schwere Takelage -den größten Theil der auf Deck befindlichen Personen erschlagen würde. -Nach Peilung des Kompasses zu steuern, war auch ausgeschlossen, weil das -Schiff in der tobenden See so jähe Bewegungen machte, daß die Kompaßrose -in ihrem Gehäuse wild hin- und herlief. So blieb keine andere Wahl, als -weiter zu laufen, nach dem Auge den wahrscheinlich richtigen Curs zu -halten und es der Vorsehung zu überlassen, ob wir glücklich durchkommen -oder das Schiff verlieren sollten. Das Ernsteste war der Entschluß, die -Maschine mit Volldampf weiter arbeiten zu lassen, da ein Stoppen derselben -die Fahrt nicht genügend verringern konnte, andererseits aber das Schiff -bei der größern Geschwindigkeit besser zu steuern war. Hier hieß es Zähne -zusammenbeißen, sich gut festhalten, um nicht über Bord geschleudert zu -werden, und -- Vorwärts! - -Bäumend und sich wälzend, bis zu 30° nach jeder Seite schlingernd, vorn, -links und rechts Wasser schöpfend, schnitt das Schiff, nachdem alle -entbehrlichen Leute zur Sicherung gegen die etwa fallenden Masten unter -Deck geschickt worden waren, durch das brandende Meer neben dem kleinen -Schooner her, welcher unter seinen vollen Segeln mit uns die gleiche -Geschwindigkeit hielt und entweder hoch oben auf einem Wellenkamm thronend -über uns stand, oder im Wellenthal soweit verschwand, daß nur die obersten -Spitzen seiner 20 m hohen Masten für uns sichtbar waren. Nach Verlauf von -15 Minuten, welche mir eine Ewigkeit dünkten, liefen wir mit einem Bogen -hinter das Riff in ruhiges Wasser und in eine andere Welt. Das Schiff lag -plötzlich ruhig -- ich athmete tief auf, stoppte die Maschine und gab den -Befehl zum Ankern. - -Gleich nach unserer Ankunft wurde, ebenso wie es in Huheine geschehen -war, an die Königin ein Brief mit der Anmeldung unsers Besuchs für den -nächsten Morgen geschickt. Die unserm Boten mitgegebene Antwort lautete, -daß wir willkommen seien, von Geschäften aber nicht gesprochen werden -dürfe, weil wegen vieler auf der Insel stattgefundener Todesfälle der -nächste Tag als allgemeiner Buß- und Bettag festgesetzt worden sei. Da -ich nun keinen ganzen Tag verlieren wollte, so übernahm es Frau G. noch -an diesem Abend den Räthen der sieben Jahre alten Königin über den Zweck -unsers Hierseins Aufschluß zu geben, damit etwaige Unklarheiten unter -der Hand beseitigt werden könnten. Wir fuhren daher an Land und die Dame -ging in das Königshaus, während Herr G. und ich einen kleinen Spaziergang -machten. Als wir von diesem zurückkehrten, kam Frau G. uns schon entgegen, -an der Hand die kleine Königin, welche uns in ergötzlicher Weise auf ihrer -Insel begrüßte und mir sagen ließ, daß ihre Räthe zu den Deutschen volles -Vertrauen hätten. Die kleine braune Herrscherin, ein hübsches freundliches -Kind, trug ein kurzes Kattunkleidchen, hatte hohe weiße Strümpfe an und -ging in ihren unförmlichen hohen Schnürstiefeln aus schwarzem Lackleder -wie auf Stelzen. Als ich auf ihre Frage, wie es mir auf der Insel gefiele, -antwortete, daß ich alles sehr schön fände, mein Diener aber klage, für -Geld und gute Worte keine Eier bekommen zu können, meinte sie, daß sie da -bald Abhülfe schaffen wolle. Sie lief nun so schnell als die unbequemen -Stiefel es erlaubten in ihr Haus zurück, kam bald mit einem Körbchen in -der Hand barfuß wieder herausgesprungen, ging in die zunächstgelegenen -Hütten, brachte mir dann das inzwischen mit Eiern gefüllte Körbchen und -sagte, als ich den Leuten das Geld für die Eier schicken wollte, stolz: -„Die Königin kauft von ihren Unterthanen nichts, sondern nimmt denselben -das für sie Nothwendige weg.“ - -Am nächsten Morgen war feierlicher Empfang. Bei unserm Landen fanden -wir so große Menschenmengen vor dem Königshause, daß wir wol die -Bevölkerung der ganzen Insel hier versammelt annehmen durften. Die für -mich bestimmten Geschenke waren auch schon zusammengetragen und lagen -geordnet vor dem Hause zu beiden Seiten der Verandatreppe, auf welcher -wir von einem braunen Herrn empfangen und in das Empfangszimmer geführt -wurden. Hier befand sich bereits die Königin im Kreise der den Staatsrath -bildenden Häuptlinge, von welchen einer, ihr Onkel, die Regentschaft -führt. Eingeborene Damen waren nicht anwesend. Die vor uns befindliche -Gesellschaft machte im Vergleich zu Huheine einen sehr civilisirten -Eindruck, denn die Herren waren sämmtlich in guten schwarzen Anzügen -und hatten Lackstiefel an den Füßen. Ueber dem zugeknöpften Frack trugen -sie eine rothseidene Schärpe um den Leib geschlungen und in der linken -Hand einen in Blech- bezw. Lederscheide steckenden Säbel oder Degen, -Waffen, welche ihrer alterthümlichen Form nach jedenfalls aus dem vorigen -Jahrhundert stammten und den verschiedensten Völkern angehört hatten. Daß -die Säbel in der Hand getragen wurden, mag seinen Grund darin haben, daß -die zum Anhängen nothwendigen Säbelkoppeln fehlen. Die Königin, welche ein -rothseidenes Kleidchen anhatte und deren Kopf mit einem aus künstlichen -Strohblumen gefertigten Diadem geschmückt war, kam uns entgegen, bot -uns die Hand und lud dann zum Sitzen ein. Das alles machte sie so nett -und natürlich, daß ich von der Fertigkeit dieser kleinen Person ganz -überrascht war. Frau G. setzte sich auf das vorhandene Sofa und nahm -die Königin von Bora-Bora auf ihren Schos, während wir Herren uns der im -Kreise aufgestellten Stühle bedienten. - -Nachdem einige Höflichkeitsphrasen ausgetauscht waren, wobei Frau G. die -Dienste des fehlenden Dolmetschers versah, mußten wir auf die Veranda -treten und mit dem Volke Hände schütteln, was in der Weise geschah, daß -die Eingeborenen (Männer, Frauen und Kinder) truppweise und in guter -Ordnung mit gebeugtem Oberkörper auf die Veranda kamen, uns die Hand -gaben und dann ebenso wieder zurücktraten. Ein junger Mann fiel mir dabei -dadurch auf, daß er zu diesem Zweck dreimal die Veranda betrat; die den -Leuten gewordene Ehre muß also wol sehr groß gewesen sein. Auch dieses -Händeschütteln, welches ungefähr eine Stunde währte, nahm sein Ende; die -vielen, wieder für meine ganze Besatzung ausreichenden Geschenke, wurden -mir übergeben, und dann kehrten wir zum Schiffe zurück. - -Am 6. Juni vormittags wurden die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt, -deren Ergebniß darin bestand, daß die Machthaber von Bora-Bora den -deutschen Unterthanen jeden Schutz und volle Handelsfreiheit zusicherten -und ich dagegen anerkannte, daß die Deutschen sich den zur Zeit -bestehenden Landesgesetzen, von welchen ich vorher Einsicht genommen -hatte, unterzuordnen hätten. - -Für den Nachmittag wurde auch hier die Bevölkerung auf die „Ariadne“ -eingeladen und das Fest nahm denselben Verlauf wie in Huheine. Die -kleine Königin schwelgte namentlich in Wonne, nachdem sie sich auf meine -Aufforderung hin mit Genehmigung ihres Oheims ihrer Stiefel und Strümpfe -entledigt hatte, welche dieser Herr ihr in meiner Kajüte auszog. - -Hier kann ich nicht umhin, der wunderbaren Thatsache zu gedenken, daß -dieses kleine Mädchen sich nur unter der Obhut von Männern befindet und -keine eigentliche weibliche Pflegerin hat, wenn sich in ihrem Hause -vielleicht auch einige Dienerinnen befinden mögen, und wie sich dem -Beobachter hier bei diesem Kinde, wenn es nicht schon bei dem Besuch -der andern Inseln geschehen sein sollte, der Gedanke aufdrängen muß, -daß diese Insulaner das Vorbild für ihre Staatsform bei den Ameisen und -Bienen gefunden haben. Daß sie die weibliche Erbfolge an der Krone für -die natürlichere und richtigere halten, ist ja allbekannt; ebenso sind es -die Gründe hierfür, nämlich, daß das Kind immer Blut von der Mutter haben -muß, der Gatte der Mutter dem Kinde aber sehr fern stehen kann, ja bei der -Ungebundenheit der herrschenden Sitten die Mutter vielleicht selbst nicht -einmal im Stande ist, den Vater zu bezeichnen. Weniger bekannt dürfte -es aber sein, eine wie hohe, fast göttliche Verehrung alle Polynesier -dem edlen Blut ihrer alten Häuptlingsfamilien zollen und wie sie trotz -aller Unterwürfigkeit unter jede Laune ihrer Machthaber ängstlich darüber -wachen, daß kein ihrer Ansicht nach unedles Blut zur Herrschaft über -sie gelangt, daß sie aber dem edlen Blut jede Ausschreitung und jedes -Laster verzeihen. Sieht man nun, wie diese kleine Königin in ihrem Hause -nur von Männern umgeben lebt, von diesen sonst nichts thuenden und von -dem Besitz des Volkes sich nährenden Häuptlingen oder Drohnen bedient, -gepflegt und mit ängstlicher Sorgfalt großgezogen wird, und sieht man -ferner, wie das Kind sich andererseits wieder in seinem kleinen Reich frei -und ungebunden bewegen kann, von jedermann als das schätzbarste Gut des -ganzen Staatswesens betrachtet und behandelt wird, und von jedem seiner -Unterthanen ohne Murren das erhält, was es für sich verlangt, dann kann -sich meines Erachtens bei dem Beobachter der obige Gedanke nur befestigen. - -Um 4 Uhr nachmittags verließen die Eingeborenen das Schiff wieder, nachdem -die Häuptlinge auch hier mit Geschenken bedacht worden waren. Die kleine -Königin schenkte mir beim Abschied ihr Strohblumendiadem als Andenken. - -Ein kleiner Zwischenfall hatte sich noch kurz vor Schluß des Festes -zugetragen, indem einer unserer Matrosen, welcher zu den an Land -Beurlaubten gehörte, von zwei eingeborenen Polizeidienern an Bord gebracht -und eines Vergehens gegen die Hafenordnung angeklagt wurde. Da der Mann, -ein als ordentlich bekannter Mensch, die Thatsache aber bestritt, auch -keine Zeugen herbeigebracht werden konnten, so mußte die Sache fallen -gelassen werden. Sie gab mir indeß Veranlassung, den etwas Englisch -sprechenden Häuptling, welcher die kurze Verhandlung in Abwesenheit eines -Dolmetschers geleitet hatte, zu meiner Belehrung zu fragen, ob diese -Polizeiverordnung wirklich streng durchgeführt würde, da man auf den -andern Inseln in diesem Punkte doch die weitgehendste Freiheit gestatte -und es mir so scheinen wolle, als ob man den Mann nur aufgegriffen hätte, -um uns zu zeigen, wie streng man bei ihnen auf gute Sitte hielte. Seine -Antwort war, daß das Gesetz nur Geltung für das niedere Schiffsvolk -habe und auch nur für solche, welche sich fangen ließen. Er mache sich -gar nichts aus dem Gesetz und lade mich in sein Haus ein, wenn ich aber -wirklich mit dem Schiff in einer Stunde schon fortgehen wolle, dann würde -er einer seiner Frauen den Auftrag geben, auf dem Schiff zu bleiben und -ich möchte sie dann später nur mit dem Boot, welches er mit einigen Leuten -auch bei mir zurücklassen wolle, von See aus wieder nach Hause schicken, -sie würden den Rückweg zur Insel schon finden. Er gab dann auf meine -Fragen noch zu, mehrere Frauen zu haben und Christ zu sein und setzte -hinzu, daß sie das Christenthum nur soweit angenommen hätten, wie es ihnen -gefiele. Nachdem ich sein Anerbieten trotz wiederholten Drängens abgelehnt -hatte, schenkte er mir als Ersatz, um mir doch eine Freude zu machen, -seine aus Strohblumen gefertigte Halskette. - -Um 5 Uhr verließen wir Bora-Bora wieder, um während der Nacht nach Raiatea -zu segeln, wo wir denn auch am nächsten Vormittag im Hafen von Uturua -eintrafen. - -Raiatea mit der Nachbarinsel Tahaa hat denselben landschaftlichen -Charakter wie Huheine und Bora-Bora -- der merkwürdige 800 m -hohe Felsblock inmitten fruchtbaren Landes, die Insel umgeben -von Korallenriffen und kleinen Inseln, hinter welchen gute Häfen -liegen. Die äußere, namentlich in dem Mittelkamm zu Tage tretende -Formenübereinstimmung in den vier Inseln, von welchen die beiden -äußersten 45 Seemeilen auseinander liegen, berührt ganz eigenartig, denn -sie entstammen zweifellos einem Guß und man fragt sich staunend, welch -ungeheuerer plötzlichen Katastrophe sie ihr Dasein verdanken mögen. - -Gleich nachdem wir in nächster Nähe der deutschen Niederlassung, vor -welcher drei deutsche Handelsschiffe lagen, geankert hatten, kam ein -Boot mit Eingeborenen längsseit, und einer der Leute betrat mit einem -Damenstrohhut in der Hand das Schiff, nach Frau G. fragend. Sehr belustigt -waren wir zu hören, daß die Königin von Huheine ein Boot den weiten Weg -nach Raiatea geschickt hatte, um den früher erzählten Huttausch rückgängig -zu machen. Die braune Fürstin war wahrscheinlich der Ansicht, daß ihr -früherer Hut doch schöner und werthvoller sei, und so mußte ich die in -meinen Händen befindliche königliche Kopfbedeckung wieder herausgeben. -Frau G. war zwar entrüstet und wollte von diesem Handel nichts hören, -ich hatte aber Wichtigeres zu thun, als um den Besitz eines Strohhutes zu -streiten. - -Ein Offizier des französischen Aviso, welchen wir hier endlich -antrafen, begrüßte das Schiff im Namen seines Commandanten, und dann -kam der Vorsteher der deutschen Niederlassung, um Beschwerde gegen die -Eingeborenen und indirect gegen das französische Kriegsschiff zu führen. -Der Einfachheit halber will ich den Herrn selbst sprechen lassen: - -„Der französische Aviso erkundigte sich nach seiner am 1. Juni erfolgten -Ankunft gleich bei dem König, ob nicht Zwistigkeiten mit Ausländern -vorlägen, bei welchen er ihm seine Dienste leihen könne, und danach erst -kam er mit der Sache zum Vorschein, wegen welcher er hergekommen sein muß. -Denn ich weiß aus sicherer Quelle, daß er den Eingeborenen sagte, es würde -in den nächsten Tagen ein deutsches Kriegsschiff kommen, um ihnen ihre -Insel wegzunehmen und er sei zu ihrem Schutze hier. Dann gab er ihnen den -Rath, sobald die deutsche Flagge auf unserer Niederlassung gehißt würde, -gleich die Forderung an uns zu stellen, dieselbe wieder niederzuholen, -und die Forderung zu wiederholen, wenn ihr nicht nachgekommen würde, -und wenn auch dies fruchtlos bleiben sollte, den Flaggenmast mit Gewalt -niederzureißen. Er fügte noch hinzu, daß die Eingeborenen sich vor den -Deutschen nicht zu fürchten brauchten, denn nicht nur er würde sie gegen -deutsche Gewalt schützen, sondern auch die Engländer und Amerikaner würden -dies thun. Als nun die «Ariadne» in Sicht kam, hißten wir vor einer Stunde -zum ersten mal seit unserer Ansiedelung hierselbst unsere deutsche Flagge -(Handelsflagge), und richtig kamen einige Abgesandte vom König mit der -Forderung, dieselbe wieder niederzuholen, welchem Ansinnen ich indeß nicht -entsprach, mich aber erbot, ihnen die Axt zu verkaufen, mit welcher sie -etwa Gewalt an dem Mast gebrauchen wollten. Inzwischen war die «Ariadne» -näher gekommen, die Eingeborenen verglichen mit ängstlichen Blicken den -kleinen Franzosen mit Ihrem mächtigen Schiff, sahen auch keine Engländer -und Amerikaner, murmelten etwas von König Wilhelm und Bismarck und zogen -ziemlich still wieder ab, ohne bisjetzt ihre Forderung wiederholt zu -haben.“ - -Soweit der Berichterstatter. - -Dem König (Raiatea hat ein männliches Oberhaupt) wurde, nachdem etwas -Ruhe eingetreten war, unser Besuch zum nächsten Vormittag angemeldet, -welcher zu 8 Uhr angenommen wurde. Unsere Bemühungen, einen Dolmetscher -zu erhalten, blieben erfolglos, da die beiden ortsanwesenden Engländer, -welche allein geeignet gewesen wären, unter nichtigen Vorwänden ablehnten; -so mußte denn Frau G. wieder als solcher eintreten. Den Nachmittag -verbrachten wir am Lande in dem geräumigen, luftigen deutschen Hause, -welches auf direct aus der See aufsteigenden niedrigen Felsen erbaut -ist. Unsere Musik spielte auf dem Hofe, wo außerhalb des Zaunes viele -Eingeborene zusammengeströmt waren, und wir saßen an einem schönen Platz -am Wasser und sahen zu, wie zu unsern Füßen einige eingeborene Diener des -Hauses für uns Hummern fingen und Austern von den Felsen abbrachen. - -Unser Besuch beim König hatte ein wesentlich anderes Gepräge, als -wie seiner Zeit in Huheine und Bora-Bora. Nicht nur, daß wir im -Gegensatz zu den dortigen, auf schönen geebneten Plätzen liegenden, -wohnlichen und schmucken Königshäusern hier eine von Gestrüpp umgebene -schmutzige, baufällige Hütte ohne eigentliches Mobiliar fanden, daß -das zusammengeströmte Volk einen unsaubern Eindruck machte und sich -ebenso unbotmäßig wie dreist gegen seine Häuptlinge benahm, auch die -Verhandlungen, an welchen soviel Volk, als die Hütte fassen konnte, -theilnahm, hatten einen ziemlich stürmischen Verlauf und endeten mit der -Androhung von Gewaltmaßregeln von meiner Seite. Die Hauptsache blieb, -daß der Sprecher des Königs öffentlich zugeben mußte, daß sie an dieser -selben Stelle die früher angeführten Mittheilungen über unsere Absichten -und die damit zusammenhängenden Rathschläge erhalten hätten. Nachdem -den Leuten dann noch von mir die nothwendigen Folgen etwaiger thörichter -Gewaltstreiche von ihrer Seite auseinandergesetzt worden waren, ersuchte -der Sprecher den König, alles was wir gesagt, genau zu erwägen und zum -Besten seines Volkes nach unsern Rathschlägen zu handeln. - -Aus Rücksicht für die deutschen Handelsinteressen mußte ich auch hier, so -sehr es mir widerstrebte, die Eingeborenen auf das Schiff einladen, und -ich bekam dabei einen ungefähren Begriff von dem tahitischen Volksleben, -da Tahiti und Raiatea sich hierin ziemlich gleich sein sollen, wenngleich -die Tahitier äußerlich einen sehr viel angenehmern Eindruck machen. Schon -gewarnt, unterließ ich jede Aufmunterung zu Tänzen, und als ein solcher -unter der Leitung eines eingeborenen Missionslehrers doch zu Stande kam, -sorgte ich für baldigen Abschluß, da das Gebotene sich so wüst gestaltete -und namentlich das Gebahren des Missionslehrers so ausartete, daß es -unmöglich auf dem Schiff geduldet werden konnte. - -Als ein kleines Beispiel, wie weit die Sittenverderbniß hier geht, möge -das Folgende dienen. Als die beiden erwachsenen Töchter des Königs sich in -die untern Schiffsräume begaben, folgte ich, einige Schritte hinter ihnen -gehend, um sie vor etwaigen Zudringlichkeiten meiner Leute zu schützen. -Gleich darauf gesellte sich deren ältester Bruder, welcher etwas Englisch -spricht, zu mir, um mich vor seinen eigenen wüsten Schwestern zu warnen. -Als ich erwiderte, daß ich sie nur schützen wolle, meinte er, daß sie -dessen nicht bedürften, ich aber gut thäte, meine Leute vor ihnen zu -schützen. - -Gern hätte ich Raiatea noch denselben Abend verlassen, doch bewog mich -das Pfingstfest, die beiden Feiertage noch zu Anker zu bleiben, um -meinen Leuten während derselben Ruhe zu gönnen, was schließlich auch mir -insofern zugute kam, als ich doch noch mancherlei mir Neues hörte und -sah. In diese Tage fiel auch die Ankunft eines mit Perlschalen beladenen -deutschen Schooners, welcher von den Mangareva- oder Gambier-Inseln kam -und auch eine kleine Schachtel mit Perlen mitbrachte, in welcher jede -Perle in einem kleinen Fach in Watte lag mit einem beigefügten Zettel des -für dieselbe gezahlten Preises. Bei dieser Gelegenheit konnte ich an der -Hand von Thatsachen sehen, welche Vortheile dem deutschen Hause aus der -Uebersiedelung nach Raiatea erwachsen, denn die aus 80 Tonnen Perlschalen -bestehende Ladung hätte in Tahiti neben den hohen Lootsengebühren und -Hafenabgaben einen Durchgangszoll von 2560 Mark tragen müssen, während -das Schiff hier nur eine geringe Hafenabgabe von im ganzen 25 Mark zu -entrichten hatte. - -Sehr interessant war es mir, etwas über Perlen und die Perlenfischerei zu -hören. - -Zunächst wurde ich dahin belehrt, daß die Perlen sich nicht, wie ich -bisher annahm, in der Schale bilden, sondern in dem Thier selbst, und daß -sie als eine Krankheit desselben betrachtet werden müssen, denn Perlen -werden nur in verkümmerten Schalen gefunden und kommen in der eigentlichen -Südsee nur in Mangareva häufiger vor, während die Perlmuschel sonst -bei fast allen Inseln gefischt werden kann. Man folgert daraus, daß die -örtliche Beschaffenheit sowol für die Verkümmerung der Muschel, wie für -die Bildung der Perle maßgebend ist. Es werden zwar auch sogenannte Perlen -(namentlich sind dies besonders große etwas flache Stücke) in den Handel -gebracht, welche aus der Schale ausgelöst oder geschnitten sind und sich -dort als Auswüchse und Unebenheiten zeigen, diese sind aber werthlos.[A] -Die richtige Perle ist stets abgerundet und auf ihrer ganzen Fläche von -dem charakteristischen Schmelz überzogen; sie ist eine feste homogene -Masse ohne Hohlraum in ihrer Mitte, hat dort auch keinen fremden Körper -gelagert, wie man gewöhnlich annimmt, denn die Perle wird nicht, wie schon -angedeutet, dadurch gebildet, daß das Thier einen fremden Körper umspinnt. -Sie ist um so werthvoller, je größer ihr specifisches Gewicht und je -reiner ihr Wasser ist, das man richtiger mit scheinbarer Durchsichtigkeit -bezeichnen könnte. Eine wirklich werthvolle Perle, mag sie noch so klein -sein, muß ein so reines Wasser haben, daß man beim Beschauen derselben -in ihrer Mitte in weiter Ferne einen kaum festzuhaltenden Punkt zu sehen -wähnt, und eine linsengroße Perle von dieser Eigenschaft ist werthvoller, -als eine haselnußgroße, welche undurchsichtig scheint. Natürlich ist -die äußere Form auch mitbestimmend, ebenso wie die Zahl der in gleicher -Größe, Form und Farbe zusammengebrachten Perlen, denn zwei ganz gleiche -Perlen haben etwa den vierfachen Werth jeder einzelnen, und zwanzig -kosten vielleicht schon das Hundertfache jeder einzelnen, sodaß, wenn eine -Perle 5 Mark kostet, der Preis für zwei gleiche 20 Mark und für zwanzig -gleiche 500 Mark beträgt. Es wurden mir auch einige der von Mangareva -mitgekommenen Perlen zu dem hamburger Marktpreis, welcher etwa 100 % höher -wie der hier gezahlte ist, überlassen und ich gab für eine erbsengroße -nicht besonders vollkommene 3 Mark, hätte aber für funfzig gleiche, welche -ich gern gehabt hätte, etwa 500 Mark zahlen müssen, wenn sie dagewesen -wären. Für eine schön geformte graue Perle von reinem Wasser und etwa -1 cm Durchmesser mußte ich 240 Mark geben. Einzelne Prachtstücke, für -welche ich allerdings weder Verwendung noch den Kaufpreis gehabt hätte, -waren hier unverkäuflich, weil sie einen Liebhaberwerth haben, der hier -nicht bestimmt werden konnte und jedenfalls in die Tausende geht, da -für eine derselben schon der Taucher an 800 Mark erhalten hatte. Die -Perlenfischerei wird in Mangareva übrigens nicht als Geschäft betrieben, -sondern die Eingeborenen tauchen nach den Muscheln zur Gewinnung der -werthvollen Perlmutterschalen, und etwa gefundene Perlen bedeuten soviel -wie einen Lotteriegewinn. Sobald nun der Taucher mit der Muschel wieder -nach oben kommt, bricht er sie auf, reißt das Thier heraus und fühlt -sofort durch einen Druck auf die weiche Masse, ob ein fester Körper, eine -Perle, in ihr enthalten ist oder nicht. - - [A] Ich habe im Jahre 1880 in der berliner - Fischerei-Ausstellung einen derartigen Schmuck gesehen, welcher - von Nichtkennern wegen der Größe und eigenthümlichen Form der - gefaßten sogenannten Perlen als besonders werthvoll angestaunt - wurde. - - * * * * * - -Ich lasse noch einige Bemerkungen über die socialen und religiösen -Verhältnisse der Gesellschafts-Inseln folgen, nicht, um ein System -abfällig zu beurtheilen, sondern um zu zeigen, wie leicht der Mensch -Irrungen unterworfen ist und wie die übereilte und mit ungenügenden -Mitteln ins Werk gesetzte Durchführung des besten Systems zu Schaden -führt. - -Wie in Tahiti muß auch auf den Gesellschafts-Inseln jeder Eingeborene -das von ihm Erworbene mit seinen Verwandten theilen, wenn sie ihn darum -angehen. Der Häuptling erwirbt überhaupt nichts, sondern läßt sich von -seinen Unterthanen nur ernähren, auf welche Leistung sich die Lasten -dieser so ziemlich beschränken. Jeder dauernde Erwerb wird hierdurch -unmöglich gemacht, die eigene Arbeit wird zur Thorheit, und die Thätigkeit -der Missionare hat in dieser Richtung noch nicht nach unsern Begriffen -bessernd und veredelnd wirken können. - -Auf Tahiti und Raiatea kann es als Regel gelten, daß die Männer trinken -und die Weiber Prostituirte sind, während auf Huheine und Bora-Bora -Nüchternheit und, wenigstens äußerlich, strenge Sitten herrschen. Tahiti -steht am längsten unter dem Einfluß der Missionare und seit Mitte der -vierziger Jahre nur unter dem der französischen Geistlichkeit; Raiatea -und Huheine werden noch von der englischen Mission behauptet, während -in Bora-Bora, wo ich die geordnetsten Verhältnisse, die besten Wege und -Wohnungen fand, bis vor kurzem ein deutscher protestantischer Missionar -wirkte und jetzt nur noch einheimische Missionslehrer thätig sind. - -Alle Eingeborenen der Gesellschafts-Inseln sind getaufte Christen, -beobachten die vorgeschriebenen kirchlichen Gebräuche, wirkliche -Christen sind sie aber wol nicht und werden es nie werden, solange sie -nicht unter das Scepter einer europäischen Macht kommen, welche sich -der systematischen Erziehung dieser Menschen annimmt, und das wird nie -eintreten, weil einerseits keine Macht die Mittel wird aufwenden wollen, -welche zur Colonisirung dieser verstreut liegenden Inseln erforderlich -sein würden, andererseits die Eingeborenen nach ihrer ganzen Veranlagung -ausgestorben sein würden, ehe das Erziehungswerk vollendet wäre. Diese -Inseln sind so klein, daß eine einzelne nicht im Stande ist, die Kosten -eines europäischen Regierungsapparates mit Kirche und Schule zu tragen, -andererseits liegen sie räumlich so weit auseinander, daß sie nicht -zusammengefaßt werden können. Die ganzen Kosten müßte also das Mutterland -allein tragen, denn der Handel wirft zur Zeit nur dadurch großen Gewinn -ab, daß er keine Steuern und Zölle zu tragen hat; er müßte aber zu Grunde -gehen, wenn ihm nur ein nennenswerther Theil der Kosten auferlegt würde. -Die Eingeborenen sind eine so weiche und an unbedingte Freiheit gewöhnte -Rasse, daß sie sich vor den eindringenden Europäern zurückziehen und -allmählich hinsiechen würden. Der Zwang der Kleidung, welche sie, einmal -auf den Körper genommen, nicht mehr ablegen, entfremdet sie dem Wasser und -macht sie unreinlich; der Verlust ihrer Ländereien, welcher mit dem Einzug -der Europäer zweifellos verbunden ist, treibt sie dem Hungertod entgegen, -die Vorliebe für berauschende Getränke beschleunigt dann das Siechthum. - -Der einzige Weg, diese Insulaner geordneten und einigermaßen gesitteten -Verhältnissen entgegenzuführen, würde sich daher mit den Interessen des -Handels decken und liegt in der Uebernahme der Schutzherrschaft seitens -einer europäischen Macht, welche den Eingeborenen ihre Gewohnheiten und -überkommene Regierungsform beläßt und diese letztere nur durch einen -Commissar in die richtigen Bahnen leiten läßt; in diesem Falle aber -werden die Eingeborenen wie bisher nur Christen der Form nach sein, da -die christliche Lehre nur in der Schule erworben werden kann und der -Polynesier sich ebenso wenig an diese gewöhnen wird, wie die Schwalbe an -den Käfig. - -Die Missionare gewannen da, wo sie überhaupt festen Fuß fassen konnten, -bald die unumschränkte Gewalt über die Eingeborenen und erwiesen sich -später als die Gegner der eindringenden Kaufleute, ob aus Fürsorge für -die Eingeborenen oder aus andern Gründen mag dahingestellt bleiben. -Die Thätigkeit des Missionars nahm, sobald er erst auf der noch von -keinem andern Europäer bewohnten Insel heimisch geworden war, einen -eigenthümlichen Verlauf. Aus dem Lehrer wurde der Herr, welcher die -Regierung leitete und durch Auferlegung harter Geld- und Körperstrafen -für die kleinsten Vergehen gegen die kirchlichen Gebräuche bald die -Zügel allein in der Hand hatte. Die Schule wurde von den herangebildeten -einheimischen Missionslehrern übernommen und beschränkte sich auf -Lesen, etwas Schreiben und das Absingen geistlicher Lieder. Zu bekehren -war auf der Insel sehr bald nichts mehr und der Missionar übernahm -das Handelsmonopol, welches ihm genügende Mittel abwarf, um seine -heranwachsenden Kinder zur Erziehung nach Europa schicken zu können. -Als nun der Kaufmann kam und höhere Preise an die Eingeborenen zahlte, -begann auf Huheine und Raiatea ein stiller Kampf, welcher zunächst in -der Einführung von Zwangs-Lootsengebühren für die fremden Schiffe seinen -Ausdruck fand, dann folgte ein Gesetz über die Erlegung von weitern -Hafenabgaben, und hierauf ein solches, welches den Eingeborenen den -Verkauf von Land an Europäer verbietet. Diese Gesetze sind gewiß von Werth -für die Eingeborenen, aber von Nachtheil für den Kaufmann, welcher sie dem -Einfluß der Missionare zuschreibt, sich aber doch gegen das Landkaufverbot -dadurch einigermaßen zu schützen gewußt hat, daß er in neuerer Zeit, wo -die alte Macht der Missionare doch so ziemlich gebrochen ist, das für ihn -nothwendige Land auf 99 Jahre pachtet. - -Man darf nun nicht vergessen, daß die oben geschilderten Zustände sich -nach meinen Gewährsleuten nur auf einige bestimmte Inseln beziehen, -daß ferner die Missionare auch nur Menschen sind, und sich die obere -Missionsbehörde bei der Auswahl der zu entsendenden Persönlichkeiten -täuschen kann, sowie daß das Inspectionsschiff der Mission die verstreut -und zum Theil Tausende von Seemeilen auseinanderliegenden Inseln -alljährlich vielleicht nur einmal besuchen kann und dann schwerlich einen -richtigen Einblick erhält, wenn der ansässige Missionar ihn nicht geben -will. - -Im großen und ganzen bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, daß die -Mission hier nicht viel Gutes gestiftet hat und das Christenthum hier -weder aufrichtige Bekenner gefunden, noch veredelnd auf die Eingeborenen -gewirkt hat; im Gegentheil, ich möchte behaupten, daß die Leute jetzt -mit Bewußtsein mehr sündigen wie ehedem ohne Bewußtsein. Eine Erklärung -für diese Thatsache dürfte schwer zu finden sein, wenn sie nicht etwa -darin zu suchen ist, daß entweder die Polynesier in religiöser Beziehung -überhaupt nicht erziehungsfähig sind, oder aber daß ihre Lehrer der ihnen -gewordenen Machtfülle nicht gewachsen waren und vielleicht beides zusammen -dazu beigetragen hat, mehr zu schaden wie zu nützen. - - * * * * * - -Am 10. morgens verließen wir Raiatea wieder, setzten am 11. morgens an -der Einfahrt von Papeete, wohin uns ein Boot des Deutschen Consulats -entgegengekommen war, unsere Gäste wieder ab und setzten nach kurzem -Abschied unsern Curs westlich nach den Samoa-Inseln. - - - - -8. - -Samoa. - - -I. - - 22. Juni 1878. - -So sind wir auf mancherlei Umwegen nach siebenmonatlicher Reise endlich -an unserm eigentlichen Ziele, den Samoa-Inseln, angelangt. In etwa -zwei Stunden, gegen 4 Uhr nachmittags, werden wir in Apia, dem auf der -Insel Upolu gelegenen Haupthafen der Samoa-Gruppe, eintreffen. Wind und -Wetter waren uns von Tahiti bis hierher nicht günstig gewesen, häufige -Windstillen und ein zwei Tage anhaltender Weststurm haben unsere Reise -sehr verzögert. Schließlich nach langem Warten auf den Passat, welcher in -dieser Zone eigentlich die Verpflichtung hat zu wehen, mußte doch für den -größten Theil des Weges die Dampfkraft zu Hülfe genommen werden, und in -diesem Augenblick fahren wir mit Dampf und Segel in beschleunigter Gangart -an der Nordküste von Upolu entlang. - -Die Insel ist schön, wie all diese herrlichen Naturgebilde; von einer -eingehendern Schilderung derselben will ich jedoch hier absehen, es mag -daher nur eine flüchtige Skizze des vor uns liegenden Bildes folgen. - -An eine niedrige Landzunge schließen sich die, die Mitte der Insel -bildenden Berge an, welche eine Höhe bis zu 1000 m erreichen und derart -abweichend voneinander geformt sind, daß sie der Insel ein auffallend -zerrissenes Aussehen geben. Sie zeigen sich sowol in scharf geschnittenen -Pics wie auch in runden Rücken und sind an einer Stelle von einer so weit -herunterreichenden Kluft durchschnitten, daß man Upolu aus der Ferne für -zwei Inseln halten kann. Zunächst der Küste besteht das Land aus weiten -ebenen Flächen, und dieser Bodengestaltung verdankt die Insel ihren hohen -Werth für Plantagenbau. Die Küste läuft theils flach nach dem Meere aus, -theils springt sie in 50-100 m hohe Caps vor, zwischen welchen kleine -Häfen und Buchten liegen, in die sich Bergflüsse ergießen, von denen -derjenige bei Falifa sich als schöner Wasserfall in das Meer stürzt. -Das ganze Land ist dicht mit Bäumen und zwar an der Küste vorherrschend -mit Kokospalmen bestanden, zwischen und unter welchen in der Nähe des -Strandes Dorf an Dorf liegt, da die ganze Küste dieser dichtbevölkerten -Insel bewohnt ist, während auf einzelnen höher gelegenen Punkten sich -stattlichere Häuser, die Wohnungen von Europäern zeigen. Die der Südsee -eigenthümlichen Korallenriffe umgeben einen so großen Theil der Insel, daß -man innerhalb der erstern mit Booten und Kanus fast um die ganze Insel in -ruhigem und sicherm Wasser fahren kann. - - - 22. Juni, abends 10 Uhr. - -Nachdem wir mit Hülfe des Lootsen, eines hier ansässigen Amerikaners, -nachmittags 4 Uhr zu Anker gekommen waren und der Offizier, welcher das -Schiff beim Consulat anmelden sollte, die Nachricht gebracht hatte, daß -die deutschen Herren sämmtlich zu Pferde einen Ausflug gemacht hätten und -wol erst sehr spät zurückkehren würden, begab ich mich an Land, um mir -Stadt und Leute anzusehen, auch dem Sonnabend-Scheuerfest, welches die -durch das Ankermanöver verursachten Schäden wieder beseitigen sollte, aus -dem Wege zu gehen. - -Die Stadt besteht, da der Berg Apia hier fast bis zum Strande herantritt, -nur aus einer sich rings um den Hafen hinziehenden Straße, in welcher -größere und kleinere, theilweise in Gärten liegende Häuser der Europäer -mit den Hütten der Eingeborenen abwechseln. Sie bietet nichts besonders -Sehenswerthes und befriedigte meine Neugierde um so weniger, als sie -neben ihrer wenig anziehenden äußern Erscheinung auch noch vollständig -ausgestorben zu sein schien. - -Samoa schien mir überhaupt ein wunderliches Land zu sein. Die ganze Küste -ist mit menschlichen Wohnungen besiedelt und wir sahen beim Vorbeifahren -weder am Lande noch auf dem Wasser Menschen, noch bei den Wohnungen den -sonst nie fehlenden Rauch des häuslichen Herdes; das Consulat mit dem -ganzen Beamtenpersonal des großen Geschäftshauses macht am Wochenschluß -einen Ausflug aufs Land; in der Stadt scheint die ganze Bevölkerung am -hellen Tage zu schlafen. Was blieb mir anders übrig, als auf mein Schiff -wieder zurückzukehren, wo doch mehr Leben war! - -Als ich später, 9 Uhr abends, mich eben an den Schreibtisch gesetzt hatte, -wird von unsern Posten ein Boot angerufen, welches doch noch die von -ihrer Partie zurückgekehrten deutschen Herren brachte. Der Consul, ein -Herr Weber, entschuldigte sich, daß er noch so spät komme, er hätte aber -heute am Sonntag -- „Was, Sonntag? Heute ist doch Sonnabend!“ unterbrach -ich seine Rede. „Nein, Sonntag“, war die Antwort, und die Erklärung -ergab, daß in Samoa, obgleich die Inseln noch auf Westlänge (169½° bis -173° W. nach Greenwich) liegen, doch die Kalenderrechnung von Australien -und Neu-Seeland angenommen worden ist, weil alle Beziehungen Samoas mit -der Außenwelt sich auf diese beiden großen englischen Colonien und die -zwischen diesen und Europa laufenden Dampferlinien stützen. Nun war mir -alles klar, der Ausflug der deutschen Herren und die Sonntagsheiligung -nach der von den englischen Missionaren gegebenen Vorschrift, nach welcher -am Sonntag nicht einmal gekocht werden darf, während wir uns zu gleicher -Zeit am Sonnabend abgequält haben, unser Schiff für den nächsten Tag recht -schön zu machen. - -Herr Weber erzählte mir noch so viel über samoanische Verhältnisse und was -alles meiner warte, daß mir ganz wirr im Kopfe wurde und ich nur so viel -behalten habe, daß ich gleich am nächsten Tage mitten im Kampfgewühl mit -den aufsässigen Samoanern sein würde. Dann gingen wir noch für einige Zeit -zu den Offizieren und jetzt sitze ich am Schreibtisch und habe soeben in -das Befehlsbuch für morgen den wunderlichen Satz geschrieben: „Der heutige -Tag ist nicht als Sonntag den 23., sondern als Montag den 24. Juni zu -rechnen, doch wird der Dienst nach der Sonntagsroutine gehandhabt.“ - -So ist nun all die Zeit, welche wir von der Heimat an immer mit dem Laufe -der Sonne nach Westen hin segelnd und dampfend auf unserm langen Wege -hierher tagtäglich gewonnen haben, mit einem Schlage wie ein Hauch wieder -hin, indem ein ganzer Kalendertag aus dem noch vor uns liegenden Leben -hinweggewischt ist. - - - 25. Juli 1878. - -Heute Morgen haben wir Apia für einige Zeit wieder verlassen, um der -Besatzung des Schiffes nach einem nahezu achtmonatlichen Aufenthalt in den -Tropen in Sydney für wenige Wochen sowol die Wohlthat kräftigerer Luft, -wie auch die besserer Kost zutheil werden zu lassen. Die Samoa-Inseln -liegen schon in weiter Ferne hinter uns, das Schiff hat einen klaren -Seeweg vor sich, und so finde ich endlich Muße, die Begebenheiten der -letzten vier Wochen, welche für mich eine ununterbrochene Kette großer -Aufregungen waren, niederzuschreiben. Von Land und Leuten kann ich zwar -noch nicht viel erzählen, weil ich nur wenig davon gesehen habe, aber -desto mehr von Streit und Hader. Da ich indeß ja nach den Samoa-Inseln -zurückkehre, so werde ich dann während eines längern und hoffentlich -friedlichern Aufenthalts wol Gelegenheit finden, mich mit dem Leben und -Treiben dieses selbstbewußten Völkchens besser bekannt zu machen. Das -Wenige, was ich indeß gehört und gesehen habe, mag immerhin schon jetzt -hier Platz finden. - -Zu der Samoa-Gruppe gehören die Inseln Manua, Tutuila, Upolu und Savai’i, -sowie noch eine Zahl kleinerer Inselchen, welche auf der Karte indeß nur -als Punkte verzeichnet werden können. Von den erstgenannten ist Manua die -östlichste und kleinste, Savai’i die westlichste, größte und höchste (bis -zu 1300 m hoch) dieser Inseln. - -Nur Tutuila und Upolu haben Häfen und von diesen kommt für den -Handelsverkehr wieder nur Apia in Betracht. - -Apia muß im Vergleich zu den Städten anderer unabhängiger Inseln ein -großer und bedeutender Platz genannt werden, ist Sitz der samoanischen -Regierung und Mittelpunkt des deutschen Handels für den westlichen Theil -der Südsee. Es erscheint auffällig, daß von den samoanischen Häfen gerade -Apia der Hauptplatz geworden ist, wenn man erwägt, daß der kleine Hafen -die anlaufenden Schiffe oft kaum alle aufnehmen kann und nur Schutz gegen -die gewöhnlich hier allerdings vorherrschenden südlichen Winde gewährt, -gegen alle nördlichen aber und namentlich gegen den alle 10-12 Jahre -einmal von Norden her über die Insel wegziehenden Orkan ganz offen ist, -sodaß die dann von dem Sturm unglücklicherweise im Hafen überraschten -Schiffe in der Regel verloren sind. Der vorzügliche Hafen von Pago-Pago -(sprich Pango-Pango) auf Tutuila bietet dagegen ganzen Flotten Raum und -vollständige Sicherheit gegen alle Winde. Und doch wird die Wahl von -Apia verständlich, wenn man berücksichtigt, daß Upolu die fruchtbarste -und bevölkertste der Samoa-Inseln ist, in der Mitte zwischen Tutuila und -Savai’i liegt, daß hier die einflußreichsten Stämme der Samoaner seßhaft -sind, daß Apia wiederum so ziemlich im Mittelpunkt von Upolu liegt und -der Hafen bisher immer noch als der beste dieser Insel galt, denn der sehr -viel bessere Hafen von Saluafata ist erst seit kürzerer Zeit als solcher -bekannt und zwar vorläufig auch nur Herrn Weber, seinen Kapitänen und -neuerdings auch uns. - -Die Stadt Apia umschließt, wie schon gesagt, den ganzen Hafen. Von diesem -aus gesehen rechts, also an dem westlichen Ende, läuft das Land in eine -schmale, niedrige, mit Kokospalmen bestandene, Mulinu’u genannte Landzunge -aus, auf deren äußerster Spitze sich der Regierungssitz befindet, nämlich -einige Hütten und ein kleines Breterhaus, welches früher die Wohnung des -Ersten Ministers war, solange der amerikanische Colonel Steinberger, -welcher Apia vor etwa zwei Jahren wieder verlassen hat, dieses Amt -bekleidete. Jetzt dient das Haus dem derzeitigen amerikanischen Consul -gelegentlich zum vorübergehenden Aufenthalt, wenn dieser, wie es scheint -etwas wunderliche Herr sich das Ansehen geben will, die Samoaner gegen -Gewaltmaßregeln europäischer Kriegsschiffe zu beschützen. Er hißt dann -an dem bei dem Hause befindlichen Flaggenstock die amerikanische Flagge -und will die Samoaner glauben machen, daß keine Truppe und keine Kugel -den Weg zu einem Platz finden könne, in dessen Nähe seine Consulatsflagge -weht. Einige Tage nach unserer Ankunft hatte der Herr denn auch das Haus -wieder bezogen, ob mit einer bestimmten Absicht oder nur zufällig, kann -ich nicht wissen. - -An den Regierungssitz schließt sich ein Dorf der Eingeborenen -an, dann folgt die großartige Anlage der Deutschen Handels- und -Plantagen-Gesellschaft (früher J. C. Godeffroy u. Sohn) mit ihrem -stattlichen Wohnhaus, den Lagerräumen, einer Baumwoll-Reinigungsmaschine, -Schiffs-Reparaturwerkstätte und großen freien Lagerplätzen. Das nächste -inmitten eines großen Gartens von der Straße etwas zurückliegende -Gebäude ist ein französisches Nonnenkloster, welches sich der -Erziehung samoanischer, halbweißer und weißer Mädchen widmet. Dann -kommt der eigentliche europäische Stadttheil, vielleicht richtiger das -Fremdenviertel genannt, mit einigen bessern Häusern, zwei fragwürdigen -Gasthäusern ('Hôtel International' und Gasthaus zur Stadt Hamburg), -einigen Matrosenkneipen, den wieder weiter von der Straße zurückliegenden, -aus rothen Backsteinen erbauten Häusern der französischen katholischen -Priester und einer hübschen kleinen, aus Stein erbauten katholischen -Kirche. Demnächst folgt wieder ein Eingeborenendorf, das nach der andern -Seite von einem in den Hafen mündenden ziemlich breiten Fluß begrenzt wird -und in welchem das Haus der englischen Mission sowie die einer häßlichen -Scheune ähnelnden evangelische Kirche liegen. Eine lange hölzerne Brücke -führt über den Fluß an der Anlage des zweiten hier etablirten großen -deutschen Hauses von Ruge u. Hedemann aus Hamburg vorbei, wieder zu -einigen von Fremden bewohnten Häusern und schließlich zu einem auf einer -flach auslaufenden Landspitze liegenden Eingeborenendorf, welches hier im -Osten die Stadt ebenso abschließt wie Mulinu’u im Westen. - -Apia erhält hierdurch ein auffallend symmetrisches Ansehen. An die von der -Brandung überspülten Korallenriffe schließen sich an den beiden äußersten -Seiten die niedrigen Landspitzen mit den Dörfern der Eingeborenen an und -an diese, wie Wachtposten, die beiden hamburger Häuser mit der deutschen -Flagge, zwischen welchen am Fuße des hohen dicht bewaldeten Berges Apia -die Fremden wohnen. - -Am nächsten Morgen nach unserer Ankunft machte ich unserm Consul meinen -Besuch und nahm die liebenswürdige Einladung dieses Herrn, vorläufig der -Gast des deutschen Hauses zu sein, an, um die drängenden Angelegenheiten -besser besprechen zu können, auch einmal wieder in größerer Gesellschaft -zu essen und gleichzeitig die Gelegenheit zu benutzen, meiner Kajüte den -ihr durchaus nothwendigen neuen Farbenanstrich geben zu lassen. - -Da es wol von Interesse ist zu erfahren, wie unsere Landsleute als unsere -Antipoden hier draußen leben, will ich eine kurze Skizze davon geben. - -Das stattliche, nur aus einem Parterregeschoß bestehende Wohnhaus -umschließt im Viereck einen ziemlich großen Blumenhof. Unter dem breiten -Dach läuft außen wie innen eine sehr geräumige Veranda rund um das Haus, -welche die Sonnenstrahlen von den Wohnräumen abhält und den Bewohnern -zu jeder Tageszeit gestattet, sich gegen Sonne und Regen geschützt zu -ergehen. Topfgewächse und Blumen zieren die innere Veranda, im Freien -wachsende große Oleander und andere Bäume beschatten die äußere. Bänke und -die verschiedensten Arten bequemer Stühle laden zum Sitzen ein, und es ist -ein wahrer Genuß, dort während der fast täglich über die Insel ziehenden -Regengüsse zu ruhen und die herrliche Natur, Land und Meer zu bewundern. - -Die Hauptthür des Hauses liegt in der Mitte der vordern Front und -durchschneidet dieselbe ganz, sodaß man beim Betreten des Hauses auf den -schön gehaltenen Blumenhof sieht. Rechts liegen die Geschäftszimmer und -die Wohnung des Herrn Weber, des Leiters des Geschäftshauses; links ein -Empfangszimmer, ein großer Saal, zwei Fremdenzimmer und die Zimmer der -Dame des Hauses, einer ältern Witwe aus Hamburg, welche den Haushalt führt -und durch ihre Anwesenheit verfeinernd, bezw. erhaltend auf die Sitten -der jüngern Herren wirkt. Die Rückseite des Hauses wird von einem großen -Speisesaal eingenommen, von welchem man nach hinten ins Freie tritt und -zu dem abgesonderten Hause gelangt, in welchem die jüngern Herren, alle -Deutsche, wohnen. - -Vor dem Hause liegt ein mäßig großer, gut gehaltener Garten, hinten und -zu beiden Seiten je ein großer freier Platz, wo die Pferde und Hühner -ihr Wesen treiben. An der einen Seite, abgesondert vom Wohnhause, liegt -auch die Küche, wo eine hamburger Köchin, eine hagere, ältliche Jungfrau, -das Scepter führt und mit aller Welt in Fehde liegt, nicht nur mit den -Menschen, sondern auch mit dem Gethier, da Pferde und Hühner gern in die -Küche kommen, um dort zu naschen, was sie aber nicht dulden will. - -Die Dame des Hauses ist eine wahre Perle, hat aber die Schwäche, daß sie -keine Samoanerin ohne Busentuch in das Haus läßt und dadurch die Herren -insofern schädigt, als die Verkäuferinnen von Fischen, Schalthieren, -wilden Tauben, Gemüsen und Früchten das Haus meiden und der sonst -vorzüglich besetzte Tisch an einer gewissen Einförmigkeit leidet. Immer -nur Rindfleisch, Schinken, Wurst und eingemachte europäische Gemüse. -Dagegen hat sie die liebenswürdige Eigenschaft, Spaß zu verstehen, und -ich entsinne mich mit Vergnügen einer Scene, wo ich ihre Kenntniß der -Sprachen der verschiedenen Insulaner anzweifelte. Ihr besonderer Liebling -ist ein alter humpelnder Kingsmill-Insulaner, welcher die Dienste eines -Gärtners versieht und mit dem sie sich in den halsbrecherischsten Zungen -verständigt, wo thatsächlich aber wol die Gesten das Verständigungsmittel -bilden. Ich hatte sie beobachtet, wie sie dem Manne Anweisung gab, die -Blumen zu begießen, und erklärte am nächsten Tage in einer übermüthigen -Laune, die Sprache des Mannes auch zu verstehen. Als sie dies bezweifelte, -rief ich den Mann bei seinem Namen, redete irgendein unsinniges -Kauderwelsch und machte dazu die nothwendigen Zeichen, worauf der Alte -lachend weghumpelte; als er aber richtig mit der Gießkanne wiederkam, zog -ich mich schleunigst zurück, um dem Zorn der alten Dame zu entgehen. - -Die Tischgesellschaft des Hauses besteht aus 10-16 Personen, je nachdem -Herren von den Plantagen oder entferntern Stationen in der Stadt anwesend -sind oder nicht. Die Mahlzeiten werden stets gemeinsam eingenommen und -zwar das erste Frühstück um 8 Uhr, das zweite Frühstück um 12½ und die -Hauptmahlzeit abends 6 Uhr. Die Zeit von morgens 8½ bis abends 5½ Uhr -gehört, mit Ausschluß einer einstündigen Mittagspause, den Geschäften. -Abends nach der Hauptmahlzeit wird ein Spaziergang gemacht und der Rest -des Tages mit Rauchen und Plaudern bei einem Glase Bier verbracht. -Lesen ist nach Eintritt der Dunkelheit wegen der dann unaufhörlichen -Angriffe der Mosquitos ausgeschlossen, wenngleich die geschäftlichen -Angelegenheiten oft die Herren zwingen, auch abends noch einige Stunden -am Schreibtisch zuzubringen. An den Sonn- und Festtagen werden in der -Regel Ausflüge zu Pferde nach den Plantagen, oder Picknick-Partien nach -bekannten schönen Punkten unternommen. - - * * * * * - -Nach dieser Abschweifung will ich wieder zum 24. Juni zurückkehren. Herr -Weber schrieb zunächst an die Regierung, um derselben meinen Besuch für -den Nachmittag desselben Tages anzusagen, und orientirte mich dann noch -einmal über die hiesigen Verhältnisse und die vorliegenden Streitpunkte. -Ehe ich auf diese eingehe, muß ich aber dem genannten Herrn einige Worte -widmen, da sich die ganze Samoafrage, wie sie zur Zeit liegt, um diesen -thatkräftigen Mann gruppirt und dieser die Säule bildet, welche alles -überragend das ganze kleinliche Getriebe beherrscht. - -Herr Weber kam im Jahre 1862, 18 Jahre alt, nach Samoa. Anderthalb Jahre -darauf, 1864, ging der damalige Leiter des Südseegeschäfts des Hauses -Godeffroy auf einer Reise nach den Tonga- und Fidji-Inseln, welche er in -einem kleinen Schooner unternahm, während eines Orkans mit dem Schiff zu -Grunde und Herr W. mußte zunächst als der Erste der Angestellten sowol -die Geschäftsleitung wie auch das Hamburgische Consulat übernehmen und -zeigte sich hierbei so befähigt, daß ihm das hamburger Haus nicht nur -die Oberleitung beließ, sondern er auch nach einem weitern Jahre von der -Freien Hansestadt Hamburg als ihr Consul bestallt wurde. Er wurde dann -1868 zum Consul des Norddeutschen Bundes und 1872 zu dem des Deutschen -Reiches für die Samoa- und Tonga-Inseln ernannt. Durch sein selbständiges -und geschicktes Auftreten bei den verschiedenen Conflicten zwischen -Samoanern und Europäern, welche fast stets durch die Eifersucht auf die -fortgesetzt steigende Bedeutung der deutschen Interessen hervorgerufen -worden waren, hatte er es bald dahin gebracht, daß ihm die führende -Rolle zufiel und in den meisten Fällen die Entscheidung seinen Absichten -entsprach. Zur Durchführung dieser Rolle kam es ihm sehr zu statten, daß -er die saure Arbeit nicht gescheut hatte, sich die Samoasprache soweit -anzueignen, daß er sie nicht nur sprach, sondern auch schrieb und dadurch -unabhängig von zweifelhaften Dolmetschern geworden war. - -Als Herr W. nach Samoa kam, war das Südseegeschäft des Hauses G. erst im -Werden begriffen und beschränkte sich auf den Austausch von europäischen -Waaren gegen Landesproducte. Doch erkannte man bald, daß Plantagenbau -das zu erstrebende Ziel sein müsse, wozu indeß die Erwerbung von Land -erforderlich war. Herr W. begab sich kurz entschlossen an das Kaufgeschäft -und hatte dabei solchen Erfolg, daß das von ihm vertretene Handelshaus -heute im Besitz von etwa 120000 englischen Acker gleich 50000 Hectaren -Land ist, wovon inzwischen ungefähr 4000 Acker zu Plantagen umgewandelt -sind, welche letztere einen Werth von 1,800000 M. darstellen und im Jahre -1877 schon einen Ertrag von rund 300000 M. ergeben haben, welcher sich -auf das Doppelte steigern wird, wenn die jungen angepflanzten Kokospalmen -erst ertragfähig sind. - -Es würde mich zu weit führen, wenn ich auseinandersetzen wollte, wie die -Thatkraft dieses Mannes es fertig gebracht hat, schließlich die Tonga-, -Ellice-, Kingsmill-Inseln und theilweise auch die Fidjigruppe, deren -Regierungscontract für Kopra das Haus hat, den deutschen Handelsinteressen -zu unterwerfen; erwähnt sei aber noch, daß Herr W. die Koprabereitung -in der Südsee eingeführt hat. Früher wurde das Kokosnußöl schon an Ort -und Stelle von den Eingeborenen auf rohe Weise gewonnen, wobei etwa die -Hälfte verloren ging. Dann wurde das schmutzige Oel in Fässern nach Europa -verschifft, wobei wieder viel durch Leckage verloren ging, und dort mußte -das Oel sofort umgefüllt und gereinigt werden. Diese außerordentlichen -Verluste drängten zu dem Versuch, den Kern der Nuß am Gewinnungsort gleich -zu trocknen und so nach Europa zu verschiffen. Der Versuch gelang, und -heute kennt man es bereits nicht mehr anders, ohne vielleicht zu wissen, -wem das Verdienst dafür zukommt. Die Gewinnung ist jetzt an Ort und -Stelle einfacher, dieselbe Nußzahl gibt in den sachgemäß hergerichteten -Oelpressen mehr wie den doppelten Ertrag an Oel und zwar reines Oel, -die Schiffe laden die Kerne ohne Umhüllung und sparen somit die Fässer, -die Rückstände der ausgepreßten Nuß geben ein in Europa theuerbezahltes -Viehfutter, die Production auf den Inseln ist durch die einfachere und -mit weniger Mühe verknüpfte Bereitungsart verfünffacht, und schließlich -kann das Haus in Europa, die Handelsconjuncturen benutzend, die ganze -Schiffsladung nach Belieben dirigiren, da die Kopra weder Verlusten noch -dem Verderben ausgesetzt ist, oder doch nur in verschwindendem Grade. - -Die Regierung in Samoa wird zur Zeit aus zwei Körperschaften gebildet, -der Taimua, welche ungefähr dem Senat, und der Faipule, welche der -Bürgerschaft der Hansestädte entspricht. Sie ist seit 1874 am Ruder -und erwählte zu ihrem Berather unter dem Titel eines Ersten Ministers -den amerikanischen Oberst Steinberger, einen Mann, welcher vielfach ein -Abenteurer genannt worden ist und dem es unter dem Einflusse der damaligen -amerikanischen Regierung gelang, die Wahl auf sich zu lenken. Er wurde -von Fremden wie Eingeborenen in der Hoffnung, daß es ihm gelingen würde, -endlich einmal geordnete Zustände auf den Samoa-Inseln zu schaffen, gut -empfangen, verscherzte aber bald seine anfänglich günstige Stellung, da -er sich nicht nur als unfähig erwies, sondern durch seine Handlungen auch -noch den Verdacht erweckte, ein falsches Spiel zu treiben und alle übrigen -Interessen seinen eigenen unterzuordnen. Eine seiner ersten Handlungen -war, Malietoa den jüngern, einen wankelmüthigen, energielosen Mann, zum -König erwählen zu lassen, um dadurch den Einfluß der Taimua und Faipule -lahm zu legen und sich zum eigentlichen Herrn zu machen. Ungefähr zwei -Jahre lang ging die Sache noch gut, doch dann veranlaßten der englische -und amerikanische Consul, mit welchen Steinberger sich überworfen hatte, -im Verein mit dem König Malietoa, der sich die Anmaßungen dieses Mannes -auch nicht mehr gefallen lassen wollte, den Commandanten des englischen -Kriegsschiffs „Barracouta“, diesen gewaltsam zu entfernen. Dieser -Maßregel setzten die Eingeborenen zwar bewaffneten Widerstand entgegen, -erschossen dabei auch mehrere englische Matrosen, doch konnten sie -ihre Ausführung nicht verhindern. Das Vorgehen der beiden Consuln, bei -welchem der deutsche sich nicht betheiligte, wenngleich von deutscher -Seite die Entfernung Steinberger’s nicht bedauert werden konnte, ist -vielfach getadelt worden, weil man es auf persönliche Motive zurückführte. -Richtiger dürfte wol sein, daß beide Consuln eine Entwickelung wünschten, -welche ihren betreffenden Regierungen die Annectirung der Samoa-Inseln -ermöglichte oder doch denselben den maßgebenden Einfluß sicherte und beide -sich in Steinberger getäuscht sahen. Zur Zeit der gewaltsamen Entfernung -Steinberger’s war der deutsche Consul übrigens zufällig nicht in Apia -anwesend, sondern befand sich auf den Tonga-Inseln. - -Die Entfernung Steinberger’s hatte insofern noch ein Nachspiel, als -nunmehr die Taimua und Faipule den König Malietoa absetzten, weil er die -Hand zur Beseitigung des von diesen Körperschaften erwählten Berathers -geboten hatte, und seit dieser Zeit herrscht auf den Samoa-Inseln in -gewissem Sinne wieder Anarchie, weil die verschiedenen Stämme ihre -betreffenden Königscandidaten zur Herrschaft bringen wollen und nur den -Kampf noch nicht wagen, weil kein Stamm zur Zeit sich zum Losschlagen -stark genug fühlt und die Taimua und Faipule als die vorläufig einzig -mögliche Regierungsform die Unterstützung der Consuln für sich haben. - -Die deutschen Interessen beherrschen ganz Samoa, der Handel ist -ausschließlich in deutschen Händen und unsere Kriegsschiffe haben in -den letzten Jahren nicht nur wesentlich dazu beigetragen, den deutschen -Häusern den Besitzstand ihrer durch regelrechte Kaufbriefe erworbenen -großen Ländergebiete zu sichern, sondern auch die Samoaner zu belehren, -daß das Deutsche Reich auch über seinen Angehörigen in der Südsee wacht -und sie in ihren Rechten schützt. Trotzdem aber geben die Eingeborenen -gelegentlich doch immer wieder den Einflüsterungen einiger auf die stetig -wachsende Bedeutung der deutschen Interessen neidischer Rathgeber Gehör -und versuchen, sich an unsern Landsleuten zu reiben, bis das Eintreffen -eines deutschen Kriegsschiffes diesem Treiben wieder ein Ende macht. So -hatten sich denn auch jetzt in der Zeit, wo keins unserer Schiffe hier -gewesen war, einige Klagepunkte zusammengefunden, welche mir zu regeln -blieben, soweit es dem Consul nicht gelang, dies mit dem nunmehrigen -Rückhalt an unser Schiff allein zu thun. - -Die für mich nur in Betracht kommenden Streitpunkte waren die drei -folgenden: - -1. Die samoanische Regierung war noch immer im Rückstande mit der -vollständigen Begleichung einer alten Schuld, welche von dem letzten -Bürgerkriege her datirte und den Deutschen Ersatz für den ihnen durch -die Samoaner zugefügten Schaden geben sollte. Die Regierung hatte die -Berechtigung und die Höhe der gestellten Forderung anerkannt, hatte in -verschiedenen Theilzahlungen auch 2700 Mark abgetragen, den kleinen Rest -von 444 Mark wollte sie nun aber nicht mehr zahlen unter dem Vorwande, -daß sie kein Geld hätte. - -2. Ein seit sechs Jahren in unbestrittenem deutschen Besitze befindliches -und an eine größere deutsche Pflanzung grenzendes Stück Land an der -Westspitze der Insel Upolu sollte neuerdings in Bearbeitung genommen -werden. Als die Arbeiten am 14. Juni begannen, kam ein französischer -Priester mit 50 bewaffneten Samoanern von der kleinen Insel Manono herüber -und suchte die Arbeiten mit Gewalt zu hindern, da er behauptete, durch -einen erst kürzlich abgeschlossenen Kauf der Besitzer des Landes geworden -zu sein, obgleich er wußte, daß das Land sich bereits lange in deutschem -Besitze befand. Um Blutvergießen zu vermeiden, hatten die Deutschen die -Arbeit zunächst eingestellt und die Regierung um Schutz ersucht. - -3. Ein Häuptling hatte dem hamburger Hause Godeffroy vor acht Jahren -ein größeres Stück Land verkauft, auf welchem sich später auch einige -Eingeborene niederließen, denen vom Käufer das Verbleiben in ihren Hütten -und die Nutznießung der in der Nähe befindlichen Fruchtbäume bis zu dem -Zeitpunkte stillschweigend gestattet wurde, wo das deutsche Haus die -Bearbeitung des Landes in Angriff nehmen würde. Dieser Zeitpunkt war jetzt -gekommen, und nun behauptete der Verkäufer, daß das kleine Stück Land mit -der Niederlassung der Eingeborenen damals von dem Kauf ausgeschlossen -worden sei, obgleich der Kaufbrief das Kaufobject genau angibt und das -fragliche Stück Land innerhalb dieser Grenzen liegt. - -Nachdem ich mich in allen drei Punkten von dem unzweifelhaften Rechte der -Deutschen überzeugt hatte, sagte ich meine Unterstützung zur Regelung zu -und ersuchte den Consul nur, zunächst noch einmal ohne meine Mitwirkung -eine Verständigung zu versuchen. Daß dieser Versuch nur theilweisen Erfolg -hatte, wird der weitere Verlauf meiner Darstellung ergeben. - -Am Nachmittag machte ich den Regierungsmitgliedern meinen Besuch, wobei -der Consul mich begleitete und auch einen Dolmetscher mitnahm, weil -er den Grundsatz festhält, bei allen förmlichen und geschäftlichen -Angelegenheiten einen solchen mit heranzuziehen, da die Samoaner in -derartigen Angelegenheiten ein etwas weites Gewissen haben und dazu -neigen, die getroffenen Vereinbarungen abzuleugnen oder zu verdrehen. Die -Mitglieder der Taimua und Faipule waren in der Regierungshütte bereits -anwesend und in dem täglichen Anzug der Häuptlinge, d. h. sie hatten -ein weißes Hemd an und über dieses das Hüfttuch, hier Lava-lava genannt, -gebunden; in der Hand trugen sie das Abzeichen der Häuptlinge, einen aus -den Rindenfasern der Kokospalme gefertigten Fliegenwedel. Wir setzten -uns mit untergeschlagenen Beinen auf die ausgebreiteten Matten so hin, -daß unsere Rücken der offenen Seite der Hütte und unsere Gesichter der -Mitte derselben zugekehrt waren. Uns gegenüber nahm eine Gruppe Platz, -welche mich vorzugsweise interessirte, nämlich die Kawa-Bereiterinnen. -Es waren fünf junge nur mit dem Lava-lava bekleidete Leute, drei Mädchen -und zwei Männer, welche ein so fremdartiges Bild abgaben, daß ich ihnen -mehr Aufmerksamkeit zuwandte, wie den nichtssagenden Phrasen, die mit den -Machthabern ausgetauscht wurden. - -In der Mitte zwischen den beiden Männern sitzen mit untergeschlagenen -Beinen die Mädchen, vor sich die aus einem einzigen Stück Holz -geschnittene Kawa-Bowle, eine mit vier kräftigen Füßen versehene runde -Schüssel von etwa 50 cm Durchmesser. Ehe die Männer Platz nehmen, reichen -sie noch den Mädchen in Kokosnußschalen frisches Wasser, mit welchem -diese sich, dabei ihre schönen weißen Zähne zeigend, den Mund ausspülen -und die Hände waschen. Dann schneiden die Männer mit einem Messer kleine -Stücke von einer weißlichen Wurzel ('Piper methysticum') ab, welche von -den bequem und etwas in sich gesunken dasitzenden Mädchen in den Mund -gesteckt und gekaut werden. Anfänglich ist die Arbeit des Kauens kaum zu -bemerken, die kleinen Stücke mehren sich aber und die Unterkiefer müssen -einen immer größern Bogen beschreiben, bis der Mund die Masse nicht mehr -bewältigen kann, die während des Kauens geschlossen gehaltenen Lippen sich -öffnen, ein breiiger Kloß von über Wallnußgröße in die untergehaltene -Hand und von dieser in die Schüssel fällt. Sobald eine genügende Zahl -solcher Klöße beisammen ist, waschen die Mädchen sich wieder Mund und -Hände, den Mund jedenfalls, um den beißend bittern Geschmack der Wurzel -einigermaßen zu beseitigen, und nun beginnt die in der Mitte Sitzende aus -dem Brei das Getränk zu bereiten. Nachdem einige Kokosnußschalen Wasser -dazugegossen, wird das Ganze mit den Händen solange durchgearbeitet, bis -eine vollkommene Vermischung erreicht ist und das Getränk eine hellgraue -Farbe angenommen hat. Dann wird ein Bündel zusammengereihter Baststreifen -zur Hand genommen und mit diesem, ähnlich wie mit einem Schwamm, die -Flüssigkeit in der Weise durchgeseiht, daß die Baststreifen an beiden -Enden gefaßt, vorsichtig durch dieselbe gezogen, dann zusammengelegt und -ausgerungen werden, und zwar dies letztere mit einer ganz eigenthümlich -unnachahmlichen Hand- und Armbewegung. Nach dem Ausringen wird das -Bastbündel mit einigen kräftigen Schlägen ausgeschüttelt, um die darin -zurückgebliebenen kleinen festen Bestandtheile zu beseitigen, und diese -Manipulation wird so oft wiederholt, bis sich keine Rückstände mehr -zeigen. Ist dies erreicht, dann ist der Trank, welcher in Samoa für die -größte Delicatesse gehalten wird, fertig. - -Als der Consul den Samoanern andeutete, daß unsere Zeit abgelaufen -sei, wurde den Mädchen ein Zeichen gegeben, worauf die beiden seitlich -Sitzenden sich erhoben und der mittlern eine Kokosnußschale hinhielten, um -dieselbe füllen zu lassen. Dies wurde auch mit dem Bast bewerkstelligt, -indem er eingetaucht und mit einer schnellen Bewegung über die Schale -gehalten wurde, sodaß die Flüssigkeit in diese hineinlief. Die ersten -Schalen wurden den Gästen, dem Consul und mir, gebracht, dann erst kamen -die Samoaner an die Reihe, und ich mußte den Anstand bewundern, welcher -bei dieser Bewirthung beobachtet wurde. Die Mädchen kamen nicht direct -auf uns zu, sondern durchschritten den leeren Raum der Hütte, verließen -dieselbe neben dem letzten unsern Halbkreis bildenden Samoaner, gingen -hinter unsern Rücken herum und traten erst bei denjenigen, für welche der -Trunk bestimmt war, wieder in die Hütte, beugten vor diesen ein Knie, -reichten die Schale und traten dann zur Seite. Als dem Consul und mir -die Kawa gereicht wurde, sagte mir der Herr, daß ich nicht zu trinken -brauche, wenn ich nicht wolle, ich müsse nur die Schale in Empfang nehmen -und sie dann wieder zurückgeben. Als ich aber sah, wie er selbst, an den -Genuß schon gewöhnt, die Schale austrank und sie dann als Zeichen, daß -sie geleert sei, mit einem besondern Handgriff nach der Mitte der Hütte -zu von sich schleuderte, sodaß sie sich mit der Oeffnung nach oben wie -ein Kreisel drehte, nahm ich wenigstens einen herzhaften Schluck, ehe ich -die Schale der braunen Hebe wieder einhändigte. Da für alle Anwesenden -nur zwei Schalen in Gebrauch genommen wurden, so mußten sie immer wieder -gefüllt werden und wurden in dem Falle, wo sie nicht ausgetrunken waren, -nur nachgefüllt. Die Portionen wurden immer kleiner, da die Personenzahl -zu groß war, und für die letzten wurde der Bast schon ausgerungen, um -alles herauszupressen. Vor diesem Besuch war mir die Art der Kawabereitung -erklärt und die Nothwendigkeit des Trinkens auseinandergesetzt worden, -und ich schauderte bei dem Gedanken an diesen ungewohnten Genuß, doch -wurde es mir nachher ziemlich leicht, da das ganze Drum und Dran, die -würdevolle Haltung der Samoaner, das gedämpfte Sprechen, die graziösen -Bewegungen der zierlichen Hände und die prächtigen Zähne der jugendlich -frischen, anmuthigen und hübschen Mädchen, die Sauberkeit und Ordnung in -der Hütte, die beobachtete Etikette, einen so tiefen Eindruck auf mich -gemacht hatte, daß ich an die eigentliche Bereitung gar nicht mehr dachte, -als die hübsche, freundliche Spenderin mir mit ermunterndem, einladendem -Blick den Trank reichte, sondern mich nur durch den beißenden Geschmack -des Getränks abhalten ließ, die ganze Schale zu leeren. - -Die nächsten Tage brachten viel Unruhe für den Consul und mich, die wir -für die deutschen Interessen verantwortlich waren, mancherlei Sorge und -sogar Aufregung, da auch noch ein amerikanisches Kriegsschiff anfing, -sich in unsere Angelegenheiten zu mischen, oder die Anwesenheit desselben -doch den auf amerikanischen Schutz rechnenden Samoanern Veranlassung -gab, uns Schwierigkeiten zu bereiten. Jedenfalls haben, zunächst absehend -von den officiellen Persönlichkeiten, die ortsanwesenden Amerikaner die -Samoaner zum Widerstand gegen uns aufgereizt, und diese waren zweifellos -der Ansicht, daß ihre Rathgeber nicht ohne Wissen und Zustimmung des -amerikanischen Consulatsbeamten und Schiffscommandanten handelten. So kam -es, daß nur der zweite Klagepunkt eine glatte Erledigung fand, indem der -Plantagenverwaltung der Befehl zuging, die Arbeiten auf dem bestrittenen -Stück Land wieder aufzunehmen, und der Regierung mitgetheilt wurde, -daß ein fernerer Angriff nicht geduldet werden würde. Der französische -Priester stellte sich danach zwar persönlich im Consulat ein, um einen -Vergleich zu versuchen, mußte aber abgewiesen werden, da er füglich vor -seinem thätlichen Angriffe eine Verständigung hätte versuchen müssen, -andererseits ja aber das durch die samoanische Regierung anerkannte -deutsche Recht klar zu Tage lag. - -In dem Punkte 1, Zahlung der noch ausstehenden 444 Mark, war schließlich, -da die Samoaner ohne stichhaltige Gründe dieselbe verweigerten, von dem -Consul eine letzte Frist gestellt worden, welche auch nicht eingehalten -wurde, worauf die Sache in meine Hände überging. In dem Punkt 3 hatte die -samoanische Regierung am 26. Juni dem deutschen Hause das Eigenthumsrecht -an dem in Frage stehenden Stück Land erneut zuerkannt, bestritt dasselbe -jedoch wieder und forderte für diesen Fall den Rechtsspruch eines -amerikanischen Consulatsbeamten, welcher mit dem für die nächsten Tage -erwarteten amerikanischen Kriegsschiffe kommen sollte. Diese Zumuthung -wurde von uns selbstverständlich zurückgewiesen, worauf die Hütten am 1. -Juli zwar geräumt, am 2. aber wieder bezogen wurden. - -Am 27. Juni hatte der zwischen San-Francisco und Australien laufende -Postdampfer außerhalb des Hafens von Apia und ohne zu ankern mehrere -Personen, Amerikaner, abgesetzt, welche aus früherer Zeit in Apia -wohlgekannt waren und deren plötzliches Erscheinen von deutscher Seite -mit berechtigtem Mistrauen und von einem großen Theil der Samoaner mit -Sorge betrachtet werden mußte. Es gab denn auch gleich Unruhe genug, da -bald die verschiedensten Gerüchte die Stadt durchschwirrten, welche alle -darin gipfelten, daß es nunmehr mit der deutschen Herrlichkeit auf den -Samoa-Inseln ein Ende habe, da in den nächsten Tagen ein amerikanisches -Kriegsschiff einen zwischen den Vereinigten Staaten von Nordamerika und -den Samoa-Inseln abgeschlossenen Vertrag brächte, nach welchem Amerika -das Protectorat über die Inseln übernehmen und die Eingeborenen dann all -das an die Deutschen verkaufte Land unentgeltlich wieder zurückerhalten -würden. Welchen Eindruck diese Gerüchte auf die in Rechtsfragen -kindlich denkenden Samoaner machten, sahen wir an dem Auftreten der -Regierungsmitglieder, welche sich plötzlich auf das hohe Roß setzten und -anfingen, eine gewisse Anmaßung zur Schau zu tragen. - -Am 29. traf denn auch schon das amerikanische Kriegsschiff ein und -brachte neben einem höhern amerikanischen Consulatsbeamten noch einen -Samoaner, Namens Mamea, und einen frühern amerikanischen General mit -Namen Bartlett mit. Mamea war ein Abgesandter der samoanischen Regierung, -welcher den Auftrag gehabt hatte, mit der amerikanischen Regierung einen -Freundschaftsvertrag abzuschließen, und Bartlett war der von Mamea für -24000 Mark jährlichen Gehalt gewonnene neue Berather und erste Minister -der Samoa-Regierung. Die Personen, welche für die Zeit der nächsten drei -Wochen in Apia nahezu alles auf den Kopf stellen sollten, waren beisammen, -und der Tanz, welcher für die Deutschen den Abschluß eines Lustspiels -fand, konnte beginnen. - -Ehe ich nun auf die Ereignisse selbst eingehe, muß ich dasjenige noch -anführen, was in Apia über die Vorgeschichte des amerikanisch-samoanischen -Vertrages erzählt wird. Ich sage „erzählt wird“, weil ich selbst ja keinen -Einblick in die wirklichen Verhältnisse erhalten konnte. - -Es hatte sich in frühern Jahren in Apia eine von Amerikanern, denselben -Leuten, welche am 27. Juni von dem Postdampfer gelandet wurden, gegründete -Landcompagnie gebildet, welche mit wenig Geld große Ländereien in der -Weise ankaufte, daß sie nur kleine Anzahlungen machte, für welche die -Verkäufer Interimsquittungen ausstellten, ihr Land aber bis zur Zahlung -des ganzen Kaufpreises behielten. Die Gesellschaft hatte sich aber -verrechnet, fallirte und die zwei Hauptunternehmer erboten sich später, -den Samoanern einen Freundschaftsvertrag mit den Vereinigten Staaten zu -erwirken, dessen Hauptzweck sein sollte, den Samoanern ihre Unabhängigkeit -zu sichern und sie in der Weise vor fremder Willkür zu schützen, daß -dauernd ein amerikanisches Kriegsschiff in Apia stationiren solle. Um -dies zu erreichen, sollte Amerika das Protectorat übernehmen. Ein solcher -Vertrag, bei dem von einer Gegenleistung seitens der Beschützten keine -Rede war, leuchtete den kindlichen Samoanern ein, und sie erwählten zu -ihrem Abgesandten den Schreiber Mamea, welcher sich bald darauf mit den -beiden Amerikanern, die auch alle seine Ausgaben bestreiten wollten, -auf den Weg nach San-Francisco machte. Sehr verdacht wurde es zwar der -Regierung, daß sie einen niedrig geborenen Mann zum Gesandten erwählt -hatte, doch begründete sie die Wahl mit der Thatsache, daß nur er genügend -mit der englischen Sprache vertraut sei, um ohne Dolmetscher durchkommen -zu können. - -Am Tage nach der Ankunft der amerikanischen Corvette wußte ganz Apia, -daß Mamea zwar seine Aufgabe gelöst habe, aber keineswegs nach dem Sinne -seiner Auftraggeber, denn das, was diese gewünscht hatten, sollte in -dem Vertrage nicht enthalten sein, dafür aber sollten die Samoaner eine -Menge Verpflichtungen übernommen und auch ihren Hafen Pago-Pago an die -Vereinigten Staaten abgetreten haben, ohne als Gegenleistung irgendwelche -Rechte zu erhalten. Von allen Seiten stürmten nun Vorwürfe auf die -Regierung ein, welche sich zunächst dadurch deckte, daß sie versprach, den -Vertrag nicht ratificiren zu wollen, während von anderer Seite behauptet -wurde, daß der von Mamea namens der samoanischen Regierung abgeschlossene -Vertrag von der washingtoner Regierung bereits ratificirt sei und den -Samoanern daher keine andere Wahl bliebe, als ebenfalls zu ratificiren. -Inzwischen schien das sichere und selbstbewußte Auftreten aller Amerikaner -allerdings anzudeuten, daß sie die Samoa-Inseln bereits in ihrer Tasche -wähnten, und wir Deutsche wurden in den ersten Tagen von den Samoanern -kaum noch der Beachtung werth befunden. - -Zum 2. Juli nachmittags hatten die Taimua und Faipule mir ihren -Gegenbesuch angesagt und ich hatte mich am Vormittag dieses Tages, nachdem -mir die Mittheilung geworden war, daß die Hütten auf dem bestrittenen -Stück Land (Klagepunkt 3) wieder bezogen worden seien, damit einverstanden -erklärt, daß diese Frage zu derselben Stunde, wo die Eingeborenen mich -besuchen würden, in der mir vorgeschlagenen Weise ihre Erledigung fände. -Die Samoaner kamen in den ihnen von mir zur Verfügung gestellten Booten -an Bord, ich bewirthete sie, und während wir bei einer Cigarre oben auf -Deck unter dem Sonnenzelt saßen, machte der Dolmetscher mich auf einen -großen Feuerschein am Lande, auf ein brennendes kleines Dorf aufmerksam. -Als meine Gäste dann unruhig wurden, ließ ich ihnen sagen, daß sie sich -nicht zu beunruhigen brauchten, weil das Feuer auf einer deutschen -Plantage sei und ich den Auftrag zu der Brandlegung gegeben habe, um -damit die mit den Häusern zusammenhängende Streitfrage auf die einfachste -Weise zu erledigen. Ich hatte meinen Zweck wol erreicht, denn die -Blicke der Eingeborenen, welche von mir zu der dicht neben uns liegenden -amerikanischen Corvette und von dieser wieder zu dem brennenden Dorfe -wanderten, schienen mir zu sagen, daß die Leute doch zu der Erkenntniß -gekommen seien, daß mit den Siamanis (Siamani, aus dem englischen -„'German'“ hervorgegangen, ist die samoanische Bezeichnung für Deutscher) -nicht zu spaßen sei. Daß das deutsche Haus den geschädigten Eingeborenen, -welche von ihrem Häuptling keine Entschädigung zu erwarten hatten, den -vollen Werth der niedergebrannten Hütten in Geld ersetzen würde, obgleich -es nicht dazu verpflichtet war, brauchten die Machthaber vorläufig noch -nicht zu wissen. - -Dieser Gewaltmaßregel folgte gleich am Vormittag des 3. Juli die zweite, -indem ich der Taimua schrieb, daß ich, wenn die rückständigen 444 Mark -bis zum 5. Juli 10 Uhr vormittags nicht bezahlt seien, das Geld mit -Gewalt eintreiben würde. Aus bestimmten Gründen wählte ich nicht den -nächsten Tag, sondern ließ ihnen zwei Tage Bedenkzeit. Am 5. morgens -mit Tagesanbruch wurde ich geweckt und erhielt die Mittheilung, daß -auffallend viele bewaffnete Eingeborene, es müßten schon über 300 sein, -von ferner gelegenen Küstenpunkten kommend, das Schiff passirt hätten und -in Mulinu’u gelandet wären, mithin dort wol etwas im Werke sein müsse. -Im Schiff wußte nämlich niemand etwas davon, daß heute möglicherweise -eine ernste Entscheidung fallen sollte, nur waren am Tage vorher vom -Lande aus Gerüchte zu uns gedrungen, daß die amerikanische Corvette -sich verpflichtet habe, die Samoaner gegen etwaige Gewaltmaßregeln von -unserer Seite zu schützen, welchen Gerüchten ich indeß aus nahe liegenden -Gründen keine Bedeutung beimessen konnte, wenngleich ich auch diese -unwahrscheinliche Möglichkeit mit in meine Berechnung ziehen mußte. Da -ich den Samoanern bis 10 Uhr Frist gegeben hatte, konnte die Thatsache -der Zusammenziehung ihrer Streitkräfte an meinen Dispositionen übrigens -nichts ändern. - -Der Verabredung gemäß kam der Consul kurz nach 10 Uhr an Bord und brachte -die Nachricht, daß das Geld bis zur gestellten Frist nicht gezahlt -worden sei und die Samoaner zum äußersten Widerstand entschlossen zu sein -schienen. Er betrachte die Lage als ernst, da die Samoaner eine uns an -Zahl weit überlegene Streitmacht zusammengezogen und eine ziemlich starke -Vertheidigungsstellung eingenommen hätten, auch mit guten Hinterladern -versehen seien. Zehn Minuten später waren unsere Boote bewaffnet und das -Schiff lag gefechtsklar, nach weitern zehn Minuten waren die Signale für -das etwa nothwendige Eingreifen unserer Schiffsartillerie verabredet -und kurz vor 11 Uhr wollte ich eben mit dem Consul, welcher sich -durchaus nicht zum Zurückbleiben bewegen ließ, sondern darauf bestand, -den Waffengang mitzumachen, mein Boot besteigen, um vorzugehen, als an -der andern Schiffsseite ein Kanu anlegte und ein in größter Aufregung -befindliches Regierungsmitglied an Bord kam, um uns anzuzeigen, daß eine -Deputation in dem deutschen Consulat auf uns warte, um den Restbetrag -der Schuld zu tilgen. Gleichzeitig bat der Mann uns inständigst, doch ja -von Gewalt abzusehen, da sie ja alles thun wollten, was wir wünschten, -und sie nur von den Amerikanern zum Widerstand gereizt worden wären, -weil diese ihnen Hülfe von der amerikanischen Corvette versprochen -hätten. Wir konnten mit diesem Abschlusse ja zufrieden sein und nur die -armen Samoaner bedauern, welche, den Vorspiegelungen einiger Abenteurer -Glauben schenkend, sich zwischen zwei Feuer begeben hatten. Vorläufig -noch in dem Wahne lebend, daß die kleinere amerikanische Corvette unserm -Schiff überlegen sei und der amerikanische Commandant uns bei nächster -Gelegenheit ohne weiteres aus dem Hafen weisen würde, womit dann die -Rückerstattung des den Deutschen früher verkauften Landes verknüpft -wäre, warfen diese großen Kinder sich den Amerikanern ganz in die Arme. -Bei dieser Gelegenheit wie für das Folgende betone ich übrigens, daß ich -die officiellen amerikanischen Persönlichkeiten von meiner Darstellung -ausgeschlossen sehen will, sofern ich sie nicht jedesmal ausdrücklich -nenne. Inwieweit und ob überhaupt die Haltung dieser Herren auf den ganzen -Verlauf der fernern Ereignisse von Einfluß gewesen ist, entzieht sich -der Besprechung durch mich; nur so viel kann ich sagen, daß sie nichts -gethan haben, um der durch ihre Landsleute hervorgerufenen und fortgesetzt -geschürten feindlichen Stimmung gegen Deutschland zu steuern, weshalb man -in Apia allgemein annahm, daß das amerikanische Kriegsschiff die Aufgabe -habe, von den Samoa-Inseln Besitz zu ergreifen. Wegen meiner amtlichen -Stellung enthalte ich mich daher mit Bezug auf die Amerikaner jeder -Ansichtsäußerung und gebe nur das, was man sich auf den Straßen erzählte. - -Durch den friedlichen Abschluß dieser Angelegenheit und die -entgegenkommenden Versicherungen der Samoaner ließen wir uns -indeß nicht einschläfern, denn die uns am Abend vorher durch ein -Regierungsmitglied zugegangene Nachricht, daß die Taimua und Faipule -den amerikanisch-samoanischen Vertrag bereits am 3. Juli im geheimen -ratificirt habe, sagte uns, daß die Hauptarbeit für uns nun erst beginnen -würde. Daß der Vertrag überhaupt ratificirt werden würde, hatten wir -nie bezweifelt; daß dieser Act aber von der augenblicklichen Regierung -allein und nicht dem samoanischen Brauche gemäß unter Mitwirkung der -verschiedenen Landesbezirke ausgeführt worden war, mußte unsere Bedenken -erregen, weil bei den zerfahrenen politischen Verhältnissen auf den -Inseln innere Unruhen zu befürchten waren. Auch trat an den deutschen -Consul nunmehr die Nothwendigkeit heran, auf Grund einer in seinen Händen -befindlichen schriftlichen Verpflichtung der jetzigen Regierung vom -Jahre 1877, daß dem Deutschen Reiche stets dieselben Rechte zuzugestehen -seien, welche einer andern Macht etwa gewährt würden, für Deutschland -einen gleichen Vertrag zu fordern, wie er mit den Vereinigten Staaten -von Nordamerika abgeschlossen worden war. Diese Forderung konnte aber -nicht eher gestellt werden, bis die erfolgte Ratificirung auf legalem -Wege bekannt geworden war, und dies geschah erst am 8. Juli, worauf noch -an demselben Tage die entsprechende deutsche Forderung der samoanischen -Regierung zugestellt wurde. Mündliche Angaben einiger Regierungsmitglieder -besagten dann, daß der von unserm Consul geforderte Vertrag in den -nächsten Tagen abgeschlossen werden könne, die schriftliche Antwort -lautete aber nicht nur ausweichend, sondern auch noch herausfordernd, -indem die Samoaner die frühere Abmachung für nicht bindend erklärten und -die Meinung äußerten, daß sie allein zu bestimmen hätten, mit wem sie -Verträge abschließen wollten. Wer hinter dieser kühnen, den Samoanern gar -nicht ähnlichen Sprache steckte, war uns nicht zweifelhaft. - -Die nächsten Tage brachten nun viel Verwirrung in Apia, viel Lug und -Trug, wobei sich nur eins klar herausstellte, daß die Taimua und Faipule -eine durchaus würdelose Gesellschaft waren, von deren Mitgliedern ein -Theil abends spät im deutschen Consulat vorsprach, Mittheilungen über -das Treiben der Amerikaner brachte, einer den andern verdächtigend und -alle versichernd, daß sie nur deutschen Einfluß auf den Samoa-Inseln -wünschten und von den Amerikanern bald wieder befreit zu werden hofften. -Die amerikanische Corvette wollte nach Ratificirung des Vertrages -gleich wieder nach San-Francisco zurückkehren, während von anderer Seite -behauptet wurde, daß das Schiff noch Monate lang hier bliebe, um erst nach -unserm Weggange seine eigentliche Aufgabe zu lösen; hatten die Amerikaner -wirklich besondere Absichten, dann waren sie jedenfalls unklug gewesen, -sich mit ihren abenteuernden Landsleuten so weit einzulassen, wie sie es -gethan haben, denn diese konnten nicht schweigen. Der General Bartlett -wurde von den Samoanern als erster Minister nicht anerkannt, schrieb -dies dem Einfluß seiner eigenen Landsleute zu und fing an, gegen diese -zu wühlen. Einer der von den Amerikanern angenommenen Dolmetscher stand -unter deutschem Einflusse und brachte uns die bedenklichsten Nachrichten. -Der amerikanische Consulatsbeamte, welcher dem bisherigen hiesigen -amerikanischen Consul seine Versetzung nach den Fidji-Inseln, anzutreten -nach Eintreffen seines Nachfolgers, mitgebracht hatte, trat als Herr -der Lage auf. Die Engländer fanden, da keins ihrer Schiffe anwesend war, -Anlehnung an uns. Und die Samoaner wußten weder ein noch aus, waren an -dem einen Tage unsere Feinde und suchten am nächsten unsere Freundschaft. - -Endlich am 14. Juli fing die Lage an sich zu klären. Die Samoaner hatten -ihre Vorbereitungen beendet und für die Tage des 17., 18. und 19. Juli -ein großes Fest ausgeschrieben, an welchem die Abgesandten aller Bezirke -der Samoa-Inseln theilzunehmen hatten und welches den Amerikanern und -uns zu Ehren gegeben werden sollte. Doch war es außer Zweifel, daß das -Fest nur für die Amerikaner bestimmt war und bei dieser Gelegenheit die -feierliche Bekanntgabe des zwischen Samoa und Amerika abgeschlossenen -Vertrages erfolgen sollte; außerdem aber sollte, nach uns zugegangenen -und von uns für durchaus zuverlässig gehaltenen Nachrichten, den von den -Tänzen und der Aufregung der Festlichkeiten berauschten Samoanern von -ihrer Regierung der Vorschlag gemacht werden, sich unter den Schutz der -amerikanischen Regierung zu stellen, worauf die Taimua und Faipule dann -den amerikanischen Consulatsbeamten bitten sollten, von den Samoa-Inseln -namens seiner Regierung Besitz zu ergreifen. Gründete dieses Gerücht -sich wirklich auf Thatsachen und ließen die Samoaner sich im Rausche -zu dem geplanten Schritte verleiten, dann hing es nur von dem Gutdünken -des genannten Herrn ab, ob er den Staatsstreich wagen wolle oder nicht. -Jedenfalls lag in diesem Falle die Befürchtung nahe, daß die ganze -Regierungsgewalt unter äußerlicher samoanischer Hoheit in amerikanische -Hände übergehen und der deutsche Handel dann bald vernichtet sein -würde. Die Sandwich-Inseln geben ja ein ziemlich klares Bild von den -wahrscheinlichen Folgen einer eingeborenen Regierung unter amerikanischen -Ministern. Es war daher durch einen Gewaltstreich der angedeuteten Art -für die Deutschen so viel zu verlieren, daß wir möglichem Unheil vorbeugen -mußten. - -Unter solchen Verhältnissen war eine Betheiligung an den Festen von -unserer Seite ausgeschlossen, und wir würden denselben auch in dem Falle, -daß unsere Forderungen erfüllt worden wären, fern geblieben sein, da wir -nach der Vorgeschichte dieser Veranstaltungen dabei nur eine zweifelhafte -Rolle hätten spielen können. Am 14. Juli traf auf dem deutschen Consulat -die förmliche Einladung der Samoa-Regierung zu den Festen für uns ein, -und damit war uns die Handhabe zur Erneuerung unserer Forderungen gegeben. -Unsere Antwort lautete, daß wir die Einladung nur dann annehmen könnten, -wenn dem Deutschen Reiche vorher ein Vertrag mit denselben Rechten, wie -sie der amerikanischen Regierung zuerkannt seien, zugesichert und bis zum -nächsten Vormittag der Zeitpunkt für die Vertragsverhandlungen genau und -schriftlich bezeichnet würde. Als nun im Laufe des Nachmittags des 14. -dem Consul das vorstehend erwähnte Gerücht über die von den Samoanern -beabsichtigte Abtretung der Samoa-Inseln an Amerika zuging, hielt dieser -Herr es für nothwendig, unsererseits sichernde und vorbeugende Maßregeln -zu ergreifen, und machte den kühnen Vorschlag, zwei samoanische Häfen mit -Beschlag zu belegen und als Faustpfand zu behalten, bis die Samoaner ihre -Verpflichtungen gegen Deutschland erfüllt hätten. Nach kurzer Bedenkzeit, -welche ich mir erbeten hatte, stimmte ich dem Vorschlage zu, weil ich -ihn für gut und wahrscheinlich ausführbar hielt, und in der erfolgten -Ausführung die deutschen Interessen vorläufig geborgen sah. - -Am 15. Juli, mittags 12 Uhr, war von den Samoanern noch keine Antwort -eingetroffen; um 1 Uhr fing unser Schlot an zu rauchen; das Schiff wurde -seeklar gemacht; der Consul, sowie zwei Halbweiße, ein Dolmetscher und -ein Lootse für die als Faustpfand in Aussicht genommenen Häfen Saluafata -und Falealili, kamen an Bord, und um 3 Uhr dampften wir in See. Um 5 -Uhr ankerten wir vor Saluafata in einem vorzüglichen, gegen alle Winde -geschützten Hafen; einige Eingeborene kamen noch an Bord, Früchte zum Kauf -anzubieten, und kurz vor Eintritt der Dunkelheit wurden unser Dolmetscher -und Lootse an Land geschickt, um den Häuptling auf das vorzubereiten, was -er am nächsten Morgen zu erwarten habe. Einerseits mußte, um nach unserer -Ansicht die Beschlagnahme rechtsverbindlich zu machen, der Besitzer des -Hafens bei dem Acte zugegen sein, oder aber den Platz, nachdem er vorher -von allem unterrichtet worden war, verlassen haben, andererseits war -die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, bewaffneten Widerstand zu finden, -sobald wir eine bewaffnete Truppe ohne vorherige Ankündigung landeten. -Der Dolmetscher hatte den Auftrag, dem Häuptling mitzutheilen, daß die -Samoa-Regierung sich neuerdings weigere, alte, den Deutschen früher -zugestandene Rechte anzuerkennen, und wir daher gezwungen seien, vorläufig -und so lange den Hafen von Saluafata für die deutsche Regierung in Besitz -zu nehmen, bis diese Rechte anerkannt seien. Ich hätte nicht die Absicht, -sonst irgendwelche Gewalt zu brauchen, und hoffe, daß sein Benehmen so -verständig sein würde, daß ich an meiner Absicht festhalten könne. Im -übrigen würde die Rückerstattung des Hafens seinerzeit sicher erfolgen -und irgendein Schaden könne daraus für ihn nicht erwachsen. - -Bald nach dem Landen unserer Abgesandten wurde es in Saluafata lebendig -und sehr geräuschvoll, mehrere Trommeln wurden unermüdlich bis um 2 Uhr -nachts geschlagen und viel Geschrei drang bis zu uns herüber. Nach Ansicht -des Consuls bedeutete dies eine Alarmirung aller streitbaren Männer; -er vermuthete, daß eine große Zahl bewaffneter Eingeborener, welche -auf dem Wege nach Apia zur Theilnahme an den geplanten Festlichkeiten -seien, sich hier zusammengefunden und Nachtquartier genommen hätten. Um -gegen einen etwaigen Ueberfall gesichert zu sein, ließ ich das Schiff -in Vertheidigungszustand setzen, und die halbe Mannschaft war während -der Nacht stets gefechtsbereit auf Deck. Als es um 2 Uhr an Land ruhig -geworden war und sich dann bis 4 Uhr nichts Verdächtiges zeigte, legte -ich mich noch etwas hin, wurde aber schon um 6 Uhr wieder geweckt, da -unser Dolmetscher und der Lootse in einem Kanu von Land gekommen waren -und mich augenblicklich zu sprechen forderten. Ich ließ die Leute in die -Kajüte kommen und wir hörten -- der Consul hatte auch sein Bett verlassen ---, daß, wie letzterer richtig vermuthet hatte, an 1000 mit Hinterladern -bewaffnete Eingeborene in Saluafata anwesend und entschlossen seien, uns -nicht an Land zu lassen. Sie selbst wären während der Nacht in größter -Lebensgefahr gewesen, trotzdem ihre Mütter und Frauen Häuptlingstöchter -seien, und hätten noch vor Tagesanbruch das Land heimlich verlassen. Der -größte Theil der Eingeborenen hätte schon während der Nacht einen Angriff -auf das Schiff machen wollen, weil ihre Spione, die am Abend vorher als -Fruchtverkäufer an Bord gewesenen Leute, die Nachricht an Land gebracht -hätten, daß das Schiff keine Kanonen habe. Diese waren nämlich für die -Nacht mit ihren Bezügen zugedeckt gewesen und wurden deshalb von den -Eingeborenen nicht als solche erkannt. Nach langen Verhandlungen wäre -dieser Plan aber fallen gelassen worden, weil ein alter weiser Häuptling -den Ausspruch gethan habe, daß sie vollkommen recht hätten, wenn sie die -Wegnahme unsers Schiffes als eine Kleinigkeit betrachteten; er wisse aber -noch etwas Leichteres und schlüge vor, gleich damit vorzugehen, nämlich -den Hafen erst auszuschöpfen und das Schiff zu nehmen, wenn es auf dem -Trocknen läge. Nach diesem Vorschlage sei ernüchternde Ruhe eingetreten -und der Plan eines nächtlichen Angriffes aufgegeben worden. - -Inzwischen hatte der Dolmetscher, welcher äußerlich ein bejammernswerthes -Bild abgab und sich kaum auf den Füßen halten konnte, erklärt, daß er -gleich zum Arzt müsse, weil der während der Nacht ausgestandene Schreck -ihn so krank gemacht habe, daß er sterben würde. Nachdem ich den Mann -dem Schiffsarzt überwiesen hatte, verhandelten wir mit dem Lootsen, -welcher seine Fassung einigermaßen bewahrt hatte, weiter und kamen zu -dem Schlusse, daß Saluafata möglicherweise nicht ohne Blutvergießen zu -nehmen sein würde. Besonders ernst stimmten uns der Zustand unserer beiden -Halbweißen und ihre Auffassung der Lage, denn da sie in samoanischen -Verhältnissen aufgewachsen und mit angesehenen Häuptlingsfamilien verwandt -waren, vermochten sie wohl zu beurtheilen, wie weit die Eingeborenen -gehen würden, andererseits waren gerade diese beiden Leute als muthige, -unerschrockene Männer bekannt und hatten diese Charaktereigenschaften -schon in verschiedenen Lagen bewiesen. - -Da wir uns erst zu 9 Uhr vormittags bei dem Häuptling angesagt hatten, -blieben mir noch zwei Stunden Zeit zur Ueberlegung, wie die Landung -am besten auszuführen sei. Soviel ich auch hin und her dachte, alle -Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten erwog, ich kam immer wieder zu -dem Schlusse, daß es am besten sei, wenn der Consul und ich zunächst nur -allein das Land beträten und die zu dem feierlichen Acte der Beschlagnahme -erforderliche Truppe erst nachfolge, wenn unsere mündlichen Verhandlungen -mit dem Häuptling zum Abschluß gekommen seien. Wir durften nicht einmal -eine kleine Bedeckung mitnehmen, da diese die Samoaner zum Angriff -reizen konnte. Der Consul stimmte mir darin bei, daß, da wir den einmal -betretenen Weg einhalten müßten, ein ernstlicher Zusammenstoß auf diese -Weise am ehesten vermieden werden könne und unser eigenes Leben in diesem -Falle nicht mehr gefährdet sei, als wenn wir an der Spitze unsers ganzen -aus 120 Mann bestehenden Landungscorps das Land beträten, und erklärte -sich bereit, mit mir allein zu gehen. Im übrigen mußte die Beschlagnahme -ja noch heute ausgeführt werden, da der morgende Tag, an welchem in Apia -die Feste begannen, schon eine für uns ungünstige Entscheidung bringen -konnte. Es blieb mir also keine Zeit zur regelrechten Belagerung und -Säuberung des Platzes. - -Der Schauplatz an Land war so, daß wir einen etwa 100 Schritt breiten und -200 Schritt tiefen Platz betreten und ganz durchmessen mußten, um bis zu -dem im Hintergrunde sich an den Wald anlehnenden Hause des Häuptlings zu -gelangen. Der Platz wird mit Ausnahme eines kleinen Stücks am Strande -von dichtem Wald und Busch umrahmt, durch welchen nur schmale Fußpfade -gehen. Hinter der Häuptlingswohnung im Walde öffnet sich eine enge -Schlucht, auf welche mehrere in das Innere führende Fußpfade münden. Auf -dem Platze selbst liegt in der Mitte noch ein der ältesten Tochter des -Häuptlings gehörendes Haus und an der einen Seite am Waldesrande befinden -sich zwei alte Häuptlingsgräber, denen die Samoaner eine große Verehrung -zollen und welcher Umstand den Consul bestimmt hatte, gerade Saluafata -als Beschlagsobject zu wählen. Landeten wir nun gleich mit einer größern -Truppe, so war anzunehmen, daß die Samoaner, in der Befürchtung eines -Angriffs von unserer Seite, aus ihrem Hinterhalte auf 50-100 Schritt -Entfernung mit ihren Schnellladern ein verheerendes Feuer auf uns -richteten, welches etwa die Hälfte unserer Leute hinraffen mußte, worauf -die Angreifer ohne einen Schuß zu erhalten, auf gedeckten Pfaden nach den -verschiedensten Richtungen in das Innere entfliehen konnten, ohne daß es -uns möglich gewesen wäre, ihnen zu folgen, weil wir nicht wissen konnten, -wohin uns zu wenden. Von unserer Seite den ersten Angriff zu machen, war -ausgeschlossen, da uns jede Veranlassung dazu vorläufig noch fehlte, im -übrigen wir ja auch kein Angriffsobject gefunden haben würden. So blieb -bei der Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit nur der von uns gefaßte -Plan als einziger Ausweg möglich, indem wir hofften, daß die moralische -Wirkung unsers Auftretens uns den gewünschten Erfolg bringen würde. Wenn -wir uns auch mit Revolvern versahen, so setzten wir für den Fall eines -Angriffs unsere einzige Hoffnung doch nur auf die blanke Waffe, weshalb -der Consul meinen zweiten Säbel nahm. Denn wenn auf uns geschossen wurde, -konnte unsere Erwiderung der Schüsse in den dichten Wald hinein keinerlei -Erfolg haben, und wir nahmen uns für diesen Fall vor, wenn wir nicht -getroffen werden sollten, mit blankem Säbel unsern Angreifern in den Wald -entgegenzustürmen, darauf rechnend, daß die Eingeborenen dann vor uns -fliehen würden. - -Nachdem ich für alle Fälle dem ersten Offizier des Schiffes Aufschluß über -die ganze Lage gegeben hatte, wurden gegen 8½ Uhr die Boote gerüstet. Der -Befehlshaber des Landungscorps hatte den Auftrag, 400 Schritt vom Lande -die Boote aufmarschiren zu lassen und nach den verabredeten Signalen zu -handeln. Kurz vor 9 Uhr lief mein Boot knirschend auf den Sand, und der -Consul und ich traten unsern ernsten Weg an. Den Dolmetscher, welchen -der Arzt für befähigt erklärt hatte uns für eine Stunde zu begleiten, -mußten wir in meiner Gig zurücklassen, da der Mann unser Vorhaben als -sichern Tod bezeichnete und nicht zum Mitgehen bewogen werden konnte. -Zwei Leute meiner Bootsbesatzung sollten, nachdem wir einen Vorsprung -gewonnen hatten, uns vorsichtig in Sicht- und Rufweite nachfolgen, um -einen etwaigen Ueberfall sofort an das Landungscorps melden zu können, -da ja auch nicht ausgeschlossen war, daß die Samoaner versuchen würden, -sich unserer Personen zu bemächtigen, um uns vorläufig als Geiseln zu -behalten. Wir durchschritten eine Palmenlichtung und fanden die dort -zerstreut liegenden Hütten, soweit wir sehen konnten, sämmtlich verlassen, -was kein gutes Zeichen war. Wir betraten den Platz und gingen, ohne eine -Menschenspur zu entdecken, die Hand an dem gelockerten Säbel, etwa zwei -Schritte voneinander entfernt, in ruhigem festen Schritt vor, jeden -Augenblick den ersten verhängnißvollen Schuß erwartend. Denn wenn nur -ein aufgeregter unbedachter Samoaner losdrückte, so war dies zweifellos -das Signal für eine mörderische Salve auf uns. Es war eine eigenthümlich -ernste Lage, welche den Mund verstummen machte und den Gedanken den -weitesten Spielraum ließ. Was wurde, wenn das tödliche Blei uns traf, -oder wir lebend überwältigt den unberechenbaren Mishandlungen einer -fanatisirten Menge preisgegeben waren? - -Erst als wir die Hütte der Häuptlingstochter umgangen hatten, änderte sich -das Bild. Geputzte und mit Blumen geschmückte Menschen, Männer, Frauen und -Kinder kamen uns entgegen und geleiteten uns zu dem Hause des Häuptlings, -wo wir von sämmtlichen Häuptlingen des Bezirks, denen sich ihre Familien -theilweise angeschlossen hatten, empfangen wurden. Nachdem wir die uns -gereichte Kawa getrunken hatten, wurde der Dolmetscher herbeigerufen und -der Zweck unserer Anwesenheit kundgethan, worauf Sangapolutele, der erste -Häuptling und Besitzer von Saluafata, erklärte, der Gewalt weichen und -uns vertrauen zu wollen. Nachdem dann die Ehrenwache heransignalisirt war -und vor dem Hause Aufstellung genommen hatte, wurde die deutsche Flagge -mit den entsprechenden militärischen Ehrenbezeugungen aufgepflanzt, -von dem Consul die in samoanischer Sprache verfaßte, die Beschlagnahme -aussprechende Proclamation verlesen und Sangapolutele darauf eingehändigt; -die Flagge wurde wieder gesenkt, unsere Truppe marschirte mit klingendem -Spiel ab und wir verweilten noch einige Minuten, um die vorher fertig -gemachten Briefe, welche der Samoa-Regierung und den fremden Consuln -die erfolgte Beschlagnahme von Saluafata anzeigten, durch einen Boten -abzusenden. Während dieser Zeit erfuhren wir auch noch, daß wirklich -600 Samoaner um den Platz herum auf uns im Anschlag gelegen hatten, -aber zurückgezogen wurden, als wir nur allein den Platz betraten und das -Stoppen unserer Boote weiter außerhalb ihnen die Gewißheit gab, daß wir -keinen gewaltthätigen Angriff beabsichtigten. Wir kehrten zum Schiffe -zurück und waren schon um 10 Uhr wieder unter Dampf auf dem Wege nach -Falealili. - -Gegen Abend langten wir dort an und der Lootse wurde an Stelle des -Dolmetschers, welcher wirklich ernstlich erkrankt war, an Land geschickt, -um die Häuptlinge des Platzes ebenso vorzubereiten, wie es in Saluafata -geschehen war. Er brachte am 17. morgens indeß die Nachricht, daß der Ort -von Menschen entblößt sei und die wenigen Zurückgebliebenen nicht wagten, -in Abwesenheit ihrer Häuptlinge mit uns zu verhandeln, daher vor unserer -Landung den Ort verlassen würden. Da es somit wahrscheinlich war, daß der -Act der Beschlagnahme in einer verlassenen Stadt erfolgen würde, so nahmen -wir einen Zimmermann mit, um die Proclamation in der Hütte des Häuptlings -annageln zu lassen. Um 7½ Uhr morgens landeten wir mit der Ehrenwache, -nachdem, um keine Vorsicht außer Acht zu lassen, die bewaffneten Boote -ebenso wie in Saluafata in einiger Entfernung vom Lande Aufstellung -genommen hatten; wir fanden aber, entgegen unserer Annahme, den Platz -nicht verlassen, sondern voller Menschen, welche sich zum Theil in der -uns vom Lootsen als solche bezeichneten Hütte des Häuptlings, zum größern -Theil in deren nächster Umgebung befanden. Beim Näherkommen erkannten -wir allerdings, daß wir nur geputzte Frauenzimmer vor uns hatten, -in deren Mitte sich ein eingeborener Missionslehrer befand, welchen -sie wol zur Wahrung des Anstandes bewogen hatten, an unserm Empfang -theilzunehmen. Die munter aussehende Schar benahm sich sehr artig und -schien sich der Würde, die Männer zu vertreten, wohlbewußt zu sein. Wir -mußten zunächst mit den im Hause befindlichen Häuptlingsdamen die Hände -schütteln, der Consul wechselte mit dem Lehrer einige Worte, und dann -erfolgte die Beschlagnahme, welche mit der Annagelung der Proclamation im -Häuptlingshause abschloß. - -Die Damen verhielten sich still und zurückhaltend, bis unsere Wache bei -ihrem Abmarsch ungefähr die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, dann -ging ihnen jedoch ihr Temperament durch, die in dem Hause befindlichen -traten aus demselben heraus und liefen, von den andern gefolgt, unsern -Leuten nach, um sie bis zum Strande zu begleiten. Dort erfolgte sogar, -nachdem die Wache in ihren Booten abgesetzt hatte und das Boot für die -Musik herankam, schließlich unter großem Jubel und fröhlichem Gelächter -seitens der jungen Mädchen, ein regelrechter Angriff auf die Musiker. Denn -während diese, um ihr Schuhzeug nicht naß zu machen, auf andern Matrosen -reitend durch das seichte Wasser zum Boote getragen wurden, folgten ihnen -die Mädchen, von den ältern Frauen angespornt, in das Wasser nach, kniffen -die Reiter in die Beine, theilten zarte Schläge aus und schenkten den -Geschlagenen dann ihre Blumen. Doch damit nicht genug, versuchten sie -noch den Paukenschläger zu entführen und benutzten dazu den Moment, wo er, -nachdem er seine Pauke untergebracht hatte, mit dem Leib auf dem Bootsrand -liegend, versuchte, in dasselbe sich hineinzuarbeiten. Einige Mädchen -packten ihn an den Beinen, zogen ihn wieder aus dem Boot und hoben ihn auf -ihre Schultern, doch machte der Offizier des Bootes diesem liebenswürdigen -Unfug ein Ende, als sie versuchten, den Mann an Land zu tragen. So endete -die Wegnahme von Falealili als ein Festtag für seine Bewohnerinnen. - -An Bord zurückgekehrt, ließ ich gleich Anker lichten, um unter Segel und -Dampf schleunigst nach Apia zurückzukehren und dort noch vor Dunkelwerden -einzutreffen, da ich doch nicht sicher war, ob die aufgeregten -Samoaner nicht etwa Feindseligkeiten gegen die Deutschen unternehmen -würden. Kurz vor Sonnenuntergang langten wir in Apia an und erfuhren -von dem uns entgegengekommenen Lootsen, daß in der Stadt zwar eine -hochgradige Aufregung herrsche, weil das Gerücht, wir hätten die beiden -beschlagnahmten Plätze dem Erdboden gleichgemacht, im Umlauf sei, unsere -Landsleute seien aber bisjetzt unbehelligt geblieben; dagegen habe die -amerikanische Corvette seeklar gemacht, um uns am nächsten Tage zu folgen. -Der Consul fuhr gleich an Land und ich folgte etwas später, um den Abend -in dem gastlichen deutschen Hause zu verbringen und mich über die Lage in -Apia zu unterrichten. Auf meinem Wege dorthin kam mir gerade der ganze -Zug der von Mulinu’u zurückkehrenden lärmenden und bunt herausgeputzten -Festtheilnehmer entgegen, sodaß ich mich zur Seite stellte, um die Leute -vorüber zu lassen, da ich mich nicht dem Menschenstrom entgegendrängen -wollte. Doch schon nach kurzer Zeit fielen mehrere Schüsse und eine Kugel -sauste dicht an meinem Kopfe vorbei. Nun mußte ich meinen Platz verlassen -und schaffte mir mit einigen kräftigen Stockschlägen auf die Köpfe der -Eingeborenen freie Bahn, sodaß mir Raum gemacht wurde und ich bis zum -Consulat gelangen konnte. Nicht lange darauf kam auch noch eine Botschaft -von meinem Schiffe, daß auf unsere Boote geschossen worden sei, und nun -schickte ich noch an demselben Abend eine Beschwerde an die Regierung -mit der gleichzeitigen Androhung, für jeden getödteten oder verwundeten -Deutschen zwei Samoaner aufhängen zu lassen. Aehnliche Ausschreitungen -kamen indeß nicht mehr vor. An diesem Abend erfuhren wir noch über die -politische Lage, daß bei den Festen, zu welchen ungefähr 3000 Theilnehmer -erschienen waren, der größte Theil der Bezirke Upolus vertreten war und -somit angenommen werden darf, daß diese Insel den Vertrag zwischen Samoa -und den Vereinigten Staaten anerkannt hat, während Savai’i ferngeblieben -ist und erklärt hat, den Vertrag nicht anerkennen zu wollen. Tutuila -dagegen war wieder durch einige Abgesandte vertreten, aber nur um -gegen die Ueberlassung des Hafens von Pago-Pago an eine fremde Macht zu -protestiren. Da die samoanischen Häfen Privateigenthum der betreffenden -Häuptlinge sind, so konnte seinerzeit Mamea nicht bevollmächtigt werden, -einen Hafen abzutreten, und hatte diese Vollmacht auch nicht erhalten. -Immerhin hat die jetzige samoanische Regierung den Vertrag mit der -Ueberweisung Pago-Pagos als Kohlenstation ratificirt. - -Die Aufregung unter den Samoanern schwand am nächsten Tage, als unsere -getroffenen Maßnahmen der Wahrheit gemäß bekannt wurden; unter den -Amerikanern aber wuchs sie und führte zur vollständigen Veruneinigung -aller Betheiligten, welche nach wenigen Tagen zum größten Theil ebenso -schnell aus Apia verschwanden, wie sie meteorartig dahingekommen -waren. Zunächst versuchten die Amerikaner zu retten, was noch zu retten -war, wobei die wunderlichsten Sachen zu Tage kamen. Als sie alle ihre -Bemühungen, festen Fuß zu fassen, scheitern sahen, vereinigten sie sich -noch einmal zu einem großen Schlage, indem sie der Samoa-Regierung eine -Rechnung zur Begleichung vorlegten, welche die Höhe von 105800 Dollars -oder 423200 Mark erreichte. - -Die kurze Geschichte dieser Rechnung ist, wie sie in Apia erzählt wird, -die folgende. - -Die beiden zur frühern Landcompagnie gehörigen Amerikaner, welche -den samoanischen Abgesandten Mamea nach Amerika bringen wollten, -erklärten diesem gleich nach der Ankunft in San-Francisco, daß sie -ihn ohne Geldmittel in Stich lassen würden, wenn er nicht namens der -Samoa-Regierung Schatzbons im Betrage von 100000 Doll. ausschriebe -und ihnen aushändige, wogegen sie dann auf ihre Landansprüche in Samoa -verzichten würden. Mamea, welcher übrigens die Tragweite einer solchen -Maßregel gar nicht ermessen konnte, zumal ihm, wie jedem Samoaner, das -Verständniß dafür fehlte, was eine solche Summe überhaupt zu bedeuten -hat, fertigte die Schatzbons nach einigem Sträuben aus. Die Sache wurde -vorläufig geheim gehalten und erblickte das Tageslicht erst am 20. Juli, -nachdem durch die Feste in Mulinu’u der Vertrag mit den Vereinigten -Staaten öffentliche Anerkennung gefunden hatte; die Leute stellen jetzt -die Behauptung auf, daß Mamea zur Ausgabe der Schatzbons berechtigt -gewesen wäre, weil er vollgültige Vollmacht zur Abschließung des Vertrags -gehabt habe. Die Samoaner aber wollen diese Beweisführung nicht gelten -lassen und weigern sich zu zahlen. Ferner sollen die erwähnten beiden -Herren eine Rechnung von 4800 Doll. für den Unterhalt des Mamea während -seines sechsmonatlichen Aufenthalts in Amerika vorgelegt haben. Mamea sagt -aber, daß er schlecht verpflegt worden sei, nie baares Geld gesehen habe -und San-Francisco überhaupt nicht hätte verlassen können, wenn nicht der -von ihm angeworbene Bartlett ihn aus dem Gasthof ausgelöst hätte, worüber -dieser Herr eine Rechnung von 1000 Doll. vorgelegt haben soll, sodaß -hiernach die für Mamea’s Reise geforderten Gesammtausgaben 5800 Doll. -betragen würden. Die Samoaner, welche in dem Glauben leben durften, daß -die Entsendung Mamea’s ihnen überhaupt nichts kosten würde, verweigern -auch hier die Zahlung der ganzen Summe und wollen nur von ihnen in aller -Eile gesammelte 1000 Doll. geben. - -Die Weigerung der armen Samoaner, welche überhaupt kein baares Geld in -größern Summen besitzen, soll nun veranlaßt haben, daß dem amerikanischen -Commandanten die Sache übergeben worden ist, welcher aber auch schwerlich -die Zahlung wird erzwingen können, wenn er wirklich diese etwas -zweifelhafte Angelegenheit sollte weiter verfolgen wollen. Und vor einer -Vergewaltigung, wie Tahiti sie seinerzeit durch die Franzosen erfahren -hat, sind die Samoaner ja gesichert, seitdem Saluafata und Falealili schon -in fremden Händen sind, sodaß sie unter Umständen für diesen Gewaltstreich -noch dankbar sein müßten, welche Auffassung sich in dem größten Theile -des Landes und bei der Minderheit der Regierungsgewalten übrigens auch -schon Bahn brechen soll. Um dem Wirrwarr die Krone aufzusetzen, soll nun -auch noch der mehrerwähnte Consulatsbeamte sich ebenfalls um die Stelle -eines ersten Ministers der Samoa-Regierung beworben und zu diesem Zwecke -einen vom 24. Mai datirten Empfehlungsbrief Steinberger’s vorgelegt haben. -Diesen Brief will einer der Herren von der Landcompagnie, welcher seine -Sache hier verloren gibt und mich um eine Passage nach den Fidji-Inseln -bat, gesehen haben. Die Folge davon ist, daß Bartlett nun sucht, mit uns -Fühlung zu bekommen, um mit deutscher Hülfe den ihm in Aussicht gestellten -Posten zu erlangen. Das kurze Ende der langen Geschichte ist, daß wir -meines Erachtens das Spiel gewonnen haben und ich, trotzdem die Samoaner -vorläufig noch abgelehnt haben, zur Wiedererlangung ihrer beiden Häfen -mit uns den Deutschland verbrieften Vertrag abzuschließen, glaube ruhig -die Reise nach Sydney wagen zu können, da der Consul allen Schwierigkeiten -allein gewachsen sein dürfte, solange die erfolgte Beschlagnahme der Häfen -zu Recht besteht und sofern sie von zuständiger Stelle gebilligt werden -sollte. - -So habe ich heute Morgen Apia verlassen und vor Antritt der Reise auf -Wunsch des Consuls nur noch einen Abstecher nach der kleinen Insel Manono -gemacht, da noch immer keine Nachricht von der erfolgten Bestrafung der -Leute, welche mit dem französischen Priester den Angriff auf die deutsche -Plantage gemacht hatten, eingetroffen war und der Consul vermuthete, daß -die Regierung zu schwach sei, eine solche von der trotzigen Bevölkerung -von Manono zu erzwingen. Nachdem der Gouverneur der Insel, um den -angedrohten Maßregeln von unserer Seite zu entgehen, die Bestrafung -zugesagt und versprochen hatte, darüber dem Consul zu berichten, kehrte -dieser Herr in einem mitgenommenen offenen Boot nach Apia zurück, während -wir die weite See aufsuchten, deren Wesen uns nach der langen Hafenzeit -von fünf Wochen und der Ungewohntheit so langen Stillliegens beinahe fremd -geworden ist. - -Die Samoaner sind ein schöner Menschenschlag, die Männer groß und -stattlich, die Frauen zierlich und fein gestaltet, von nur Mittelgröße. -Aber nicht nur der Unterschied in der Körpergröße der beiden Geschlechter, -welcher dem unserer kaukasischen Rasse entspricht, fällt auf, wenn -man von Tahiti und den Gesellschafts-Inseln kommt, sondern auch die -Aehnlichkeit der Charakterveranlagung mit unserer Rasse. Denn die Männer -besitzen im allgemeinen die Tugenden, welche wir als männliche bezeichnen, -und die Frauen sind, abweichend von ihren Schwestern auf den von mir -bisjetzt besuchten polynesischen Inseln, sanft, einschmeichelnd und -aufopferungsfähig, haben eine weiche Stimme und können in der Regel als -häuslich veranlagt gelten. Wie mir erzählt wurde und was ich selbst schon -erkannt zu haben glaube, halten die Samoaner auch streng auf Formen, -beobachten in ihrem Verkehr feine Sitte und Anstand, sind außerordentlich -gastfrei, reinlich an ihrem Körper wie in ihren Wohnungen und können in -gewissem Sinne als ein Culturvolk betrachtet werden. So soll auch ihre -Sprache der reinste und ausgebildetste der verschiedenen polynesischen -Dialekte sein, sodaß man die Samoaner als die Aristokratie Polynesiens -bezeichnet und aus den angeführten Gründen vielfach auch für das -Stammvolk der Polynesier hält. Diese höhere Stufe soll ihnen auch von den -Eingeborenen der Tonga- und Fidji-Inseln zuerkannt werden, gilt doch auch -den letztern die Redewendung „Sie ist so schön wie eine Frau von Manono“ -als Bezeichnung der höchsten Vollendung des Weibes, und streben doch die -Häuptlingsfamilien beider Inselgruppen danach, für ihre Söhne Töchter aus -vornehmer samoanischer Familie als Gattinnen zu erhalten. Auch sollen die -jungen Männer Tongas es als höchstes zu erstrebendes Ziel betrachten, sich -auf samoanische Art tätowiren zu lassen und oft dazu für einige Zeit nach -den Samoa-Inseln übersiedeln, weil der König von Tonga auf seinen Inseln -das Tätowiren verboten hat. - -Vor dem niedern Volk zeichnen sich äußerlich die männlichen Mitglieder der -Häuptlingsfamilien durch größere Gestalt aus und beide Geschlechter thun -dies durch bessere Körperhaltung, denn wenn auch der gewöhnliche Mann sich -im allgemeinen gut hält, so kann man dies doch nicht immer von den Frauen -sagen, während die Häuptlingsdamen stets eine tadellose Haltung zur Schau -tragen und einen auffallend stattlichen Gang haben. Schon nach wenigen -Tagen konnte ich an diesen Merkmalen ziemlich sicher die Mitglieder -der Häuptlingsfamilien erkennen. In die Augen fallend ist ferner, daß -die Samoaner noch ziemlich streng an ihrer alten Lebensweise und ganz -an ihrer alten Kleidung festhalten. Die einzige inzwischen eingeführte -Aenderung der letztern besteht darin, daß an Stelle des alten für das -Kleid verwendeten Stoffes europäische Baumwollgewebe getreten sind, doch -tragen die Häuptlinge der obersten Klasse, wenn sie sich in Apia zeigen, -auch neben dem nationalen Lava-lava noch ein weißes europäisches Hemd, und -die wenigen wirklich zum Christenthum übergetretenen Frauen befleißigen -sich, in der Stadt ein Stück Zeug, welches über den Kopf gestreift Brust -und Rücken bis zu den Hüften bedeckt, umzuhängen. Doch legen die Leute -diese ihnen immerhin fremden Kleidungsstücke ab, wenn sie bei festlichen -Gelegenheiten ihre alten Staatskleider anlegen. Lange Frauenkleider, wie -sie in Tahiti und auf den Gesellschafts-Inseln gebräuchlich sind, werden -hier nur von den an Weiße oder Halbweiße verheiratheten Samoanerinnen und -von den Dirnen, welche sich mit der Einwanderung der Europäer auch in -Apia eingefunden haben, getragen, doch kann dies nicht als Fortschritt -bezeichnet werden, da die Kleider meistentheils unsauber sind und die -Unsauberkeit der Kleidung sich auch auf das Haus und den Körper überträgt. -Diejenigen Eingeborenen, welche sich den Luxus eines Lava-lava aus -Baumwollstoff noch nicht gestatten können, tragen solche aus Tapa, dem -aus der Rinde des Maulbeerbaums hergestellten Stoff, oder begnügen sich -mit einem bis zu den Knien reichenden Grasschurz. Eine Eigenthümlichkeit, -welche mit der Kleidung in ursächlichem Zusammenhang zu stehen scheint, -ist die Sitte, den Körper nur soweit zu tätowiren, als er in der Regel -bekleidet getragen wird, nämlich von den Hüften bis etwas unter die Knie, -und ich bringe dies mit dem scharf ausgeprägten Schamgefühl der Samoaner -in Verbindung. Denn da bei den großen Festen die jungen Männer unbekleidet -erscheinen und nur eine kleine Blätterschürze von etwa 25 cm Durchmesser -haben, so wollen sie für diese Gelegenheiten die sonst bekleideten -Körperflächen doch wenigstens durch Malerei bedeckt haben. Hierfür scheint -auch der Umstand zu sprechen, daß nur die Männer regelrecht tätowirt sind -und die Frauen sich mit einem kleinen Muster in der Form einer Brosche -in der Kniekehle und einigen kleinen Sternen und dergleichen Zierstücken -an den Lenden, einem Namen auf dem Arm und blau eingeätzten Ringen auf -einzelnen Fingern begnügen. - -Die Hautfarbe der Samoaner ist die der übrigen Polynesier, das Haar ist -schwarz, dick und starr. Zwar findet man häufig auch röthliches und sehr -oft gekräuseltes Haar, doch ist beides Kunst und eine Folge des beliebten -Kalkens desselben. Ob dies geschieht, um das Haar zu färben und zu -kräuseln, oder nur um es von Ungeziefer zu reinigen und die Veränderung -dann nur eine nothwendige Folge des Kalkens ist, oder ob es den dreifachen -Zweck bewirken soll, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls sehen die -braunen jungen Gesichter sehr putzig aus, wenn sie mit frisch gekalktem -weißen Haar erscheinen. Das Haar wird von beiden Geschlechtern in der -Regel ziemlich kurzgeschnitten getragen, doch sieht man auch längeres, und -vereinzelt bei den Frauen sogar lange schwarze Zöpfe. Als Schmuck lieben -beide Geschlechter große rothe Blumen im Haar oder mit dem Kelch nach vorn -gekehrt über den Ohren. Die Frauen haben vielfach auch Ketten von rothen -erbsenartigen Früchten um den Hals und an den Handgelenken, sowie auch aus -Blumen und Laub gewundene Kränze um Hals und Taille; auch kleine schmale -Ringe aus Schildkrot, welche oft mit kleinen Silberstückchen eingelegt -und mit eingeschnittenen Namen versehen sind, tragen sie an den Fingern -und benutzen dieselben zu gelegentlichen Geschenken, wenigstens habe ich -einige auf diese Weise erhalten. - -Die Samoaner sind, wie ich schon angegeben habe, sehr reinlich und halten -auf gute Körperpflege, ob aus natürlichem Trieb oder ob dies nur eine -Folge ihrer Lebensweise ist, wird heutzutage schwer zu entscheiden sein. -Sie waschen und baden sich zwar nicht, entsprechend unserer Gewöhnung, -gleich frühmorgens, sondern erst etwas später und verbinden dies mit den -häuslichen Verrichtungen. So reiben sie sich, bevor sie ihre Hütte zur -Beschaffung des Lebensunterhaltes verlassen, den Oberkörper mit Kokosöl, -das häufig noch mit wohlriechendem Baumharz durchmengt ist, ein, und dann -gehen sie in das Wasser und auf die Korallenriffe auf den Fischfang, wobei -sie ihr Morgenbad nehmen. An diesem Fang betheiligen sich Männer, Frauen -und Kinder, da auch die letzteren vom zartesten Alter an wassergewohnt -sind, ja oft eher schwimmen als gehen können. Ich habe dies nicht glauben -wollen, bis ich mich einmal durch den Augenschein überzeugte, daß ein -am Strande niedergelegtes, vielleicht 1½ Jahre altes Kind, welches noch -nicht gehen konnte, auf Händen und Füßen in das Wasser kroch und sich -dort schwimmend ziemlich sicher bewegte. Die Sitte, den Oberkörper mit Oel -einzureiben, was oft je nach Bedarf täglich mehrere mal erfolgt, bezweckt -wol, die Haut gegen die Sonnenstrahlen widerstandsfähiger zu machen. Nach -dem Fischfang wird in den Wald oder nach den Anpflanzungen gegangen, um -Baum- und Erdfrüchte zu holen, und beides, wenn nöthig, am Nachmittag -oder Abend wiederholt. Bestimmte Mahlzeiten kennen auch die Samoaner, wie -alle diese Insulaner, nicht, sondern sie essen, wenn ihnen der Sinn danach -steht. - -Das Land zerfällt in mehrere größere Districte; Upolu hat deren drei, -nämlich Atua, Tuamasaga und Aana, und innerhalb dieser Districte leben -die großen Häuptlinge mit ihrem Anhang in Dörfern in fast vollständiger -Unabhängigkeit von der Regierung, welche sie sich dadurch zu erhalten -wissen, daß diejenigen eines Districts gewöhnlich zusammenstehen. - -Die Abgaben des gewöhnlichen Mannes bestehen darin, daß er hilft, seine -Häuptlingsfamilie mit zu ernähren, doch liefert er nicht das dazu Nöthige -ab, sondern der Herr erwartet die vom Fischfang oder von der Fruchtlese -Heimkehrenden und sucht sich das für ihn Wünschenswerthe aus. Nur in dem -Falle, daß der Häuptling ein Gastmahl geben will, befiehlt er, was sein -Volk dazu herbeizuschaffen hat. Die Frauen des Hauses besorgen dann die -Ausschmückung desselben und holen aus dem Wald das dazu erforderliche Laub -und die Blumen. - -Eine Folge der ausgedehnten Gastfreiheit ist, daß die Samoaner eigentlich -immer auf Reisen sind, oder aber diese Reiselust ist die Ursache der -Gastfreiheit, welche den Gastgebern übrigens nicht viel Mühe macht, da im -Wasser und im Walde genügende Nahrungsmittel vorhanden sind. Vielleicht -daß beides mit örtlichen Verhältnissen und der sonderbaren Thatsache -zusammenhängt, daß auf den Samoa-Inseln an den verschiedenen Küstenpunkten -die Reifezeit der Brotfrucht nicht zusammenfällt und die Eingeborenen, -welche den Genuß dieses schmackhaften Nahrungsmittels nicht entbehren -wollen, dadurch dazu gekommen sind, die Gastfreundschaft derjenigen ihrer -Bekannten in Anspruch zu nehmen, welche die reife Frucht bieten können. -Dann ziehen sie in ihren großen Reisebooten von Insel zu Insel, von Ort zu -Ort, die genossene Gastfreundschaft damit erwidernd, daß die Männer beim -Fischfang u. s. w. helfen und die Frauen unter fröhlichem Geplauder mit -fleißiger Hand behülflich sind, den Mattenreichthum ihrer Gastgeber zu -vergrößern. Es machte auf mich stets einen außerordentlich anheimelnden -Eindruck, wenn solch ein Boot von etwa 20 Männern gerudert an unserm -Schiff vorbeifuhr. Vorn im Bug sitzt mit untergeschlagenen Beinen ein -Mädchen und erleichtert den Ruderern ihre Arbeit durch weichen Gesang, -hinten auf dem mitgeführten Hausrath sitzt oder liegt bequem hingestreckt -die Häuptlingsfamilie, ein junger Häuptling führt das Steuer. Phantastisch -sehen oft die Männer aus, wenn sie große Stücke Tapa, die sie wol während -der Nacht als Decken benutzen und deren Hauptfarbe fast immer weiß ist, -turbanartig als unförmig großen Aufbau auf dem Kopfe tragen. - -Die Dörfer oder Städte, wie man die Ansiedelungen nun nennen will, -liegen, da der Samoaner ohne die See nicht leben zu können scheint, -vorzugsweise an der Küste, die Häuser verstreut unter Kokospalmen und -zwar in solcher Entfernung von einander, daß kein Besitzer von seinem -Nachbar belästigt wird. Und die ganze Ansiedelung umfaßt entweder den -nie fehlenden Berathungs- bezw. Festplatz oder lehnt sich an denselben -an. Auf diesem Platz befinden sich stets das Haus des Häuptlings und das -„Fale-tele“ genannte Berathungshaus, in welchem auch Fremde und Gäste -empfangen werden. Die Honneurs macht hier gewöhnlich die älteste Tochter -des Häuptlings, welche aus diesem Grunde für seinen Hausstand eine so -nothwendige Persönlichkeit ist, daß, wenn der Hausherr überhaupt keine -erwachsene Tochter hat, er oft der Landessitte gemäß ein erwachsenes -Mädchen für immer oder auf Zeit als Tochter adoptiren wird. - -Die Bauart der Häuser ist einfach und durchaus zweckmäßig. Ihre Grundform -ist oval mit einem größern Durchmesser von 12-14 m und einem kleinern -von 10 m, das Dach, dessen First 8-9 m über dem Erdboden liegt, ist -halbkugelförmig. Die Hauptbestandtheile des Baues sind das Dach, die -seitlichen Dachstützen und ein in der Mitte der Hütte befindliches -kräftiges Balkengerüst, welches die Mittelstütze für das schwere Dach -bildet und gleichzeitig als Aufbewahrungsort für den Hausrath von -Matten u. s. w. dient. Die seitlichen Dachstützen, welche ebenso wie das -Mittelgerüst aus Kokospalmenholz bestehen und etwa 3 m über den Erdboden -reichen, sind so eingegraben, daß die obern Enden etwas nach außen geneigt -sind, wodurch der Durchmesser des Daches größer wird als derjenige des -Fußbodens. Die seitliche Entfernung der Stützen untereinander beträgt -ungefähr 2 m, sodaß aus Laub gefertigte Vorhänge bequem zwischen je -zweien angebracht werden können und am Tage gegen Sonne und Wind, sowie -des Nachts überhaupt heruntergelassen werden. Auf den Seitenstützen ruht -eine horizontale Balkenlage aus dem biegsamen Holz des Brotfruchtbaums -und auf diese baut sich das gewölbte Dachgerippe aus demselben Holze auf. -Die Dachbedeckung besteht aus getrocknetem Laub und zwar vorzugsweise aus -Zuckerrohr-, daneben aber auch Palmenblättern. Die innere Bodenfläche der -Hütte wird schließlich mit einer etwa 1 m hohen Steinschicht ausgefüllt -und dadurch der Raum zwischen Dachrand und Fußboden auf 2 m verringert. -In dieser Steinschicht befinden sich dicht neben dem Mittelgerüst zwei -vertiefte Feuerstellen, welche am Tage als Kochherd und abends zur -Beleuchtung der Hütte, welche nur aus dem einen freien Raum besteht, -dienen. Wenn auch die Häuser stets dieselbe Form und meistentheils -die gleiche Größe haben, so sieht man vereinzelt doch auch schon etwas -europäisirte Häuptlingshäuser mit viereckigem Grundriß, festen Wänden, -abgeschlagenen kleinen Zimmern und harten hölzernen Bettstellen; eine -Verbesserung in Bezug auf die Wohnungsverhältnisse sind diese Häuser aber -ebensowenig, wie die langen Gewänder der Frauen es in Betreff der Kleidung -sind. Diese geschlossenen Häuser sind dumpf, weniger sauber und in der -Regel voll Ungeziefer, unter welchem die Wanzen nicht fehlen, sodaß die -Besitzer, welche glauben zu ihrem äußern Ansehen ein solch stattlicheres -Haus besitzen zu müssen, gewöhnlich den Aufenthalt in dem saubern und -luftigen Fale-tele vorziehen und ihr eigentliches Haus nur zur sichern -Aufbewahrung des mit der neuern Zeit sich mehrenden kleinen Besitzthums -benutzen. - -An der innern Einrichtung der Hütten ist das Merkwürdigste eine durch den -ganzen Raum laufende etwa fußhohe Schicht kleiner runder glatter Steine, -welche nicht größer wie Hühnereier und nicht kleiner wie Taubeneier -und so beweglich sind, daß sie sich durch die vorstehenden Körperformen -des sich setzenden oder hinlegenden Menschen verdrängen lassen und so -bewerkstelligen, daß der Körper überall gleichmäßig unterstützt und -nirgends gedrückt wird. Auf diese Weise ist mit Hülfe einer ausgebreiteten -Matte, welche die directe Berührung mit den Steinen verhindert, ein -vorzügliches, verhältnißmäßig weiches, kühles und gesundes Lager -geschaffen, welches trotz des harten Materials unsern Polsterlagerstätten -kaum nachsteht, in diesem Klima demselben sogar vorzuziehen ist. - -Der gewöhnliche Hausrath besteht nur aus Matten, welche auf dem Fußboden -über die Steine gebreitet werden, aus Tapa-Vorhängen, welche nachts -zum Schutz gegen die Mosquitos und zur Abtrennung der verschiedenen -Schlafstätten dienen, und den allerdings sehr harten Kopfkissen. Diese -nähern sich dem japanischen Modell und bestehen aus einem wagerecht -liegenden Stück Bambusrohr von 6-10 cm Dicke, das durch kleine Füße auf -eine Höhe von etwa 16 cm gebracht ist. Von diesen Kopfkissen gibt es -kurze einschläferige und bis zu 1½ m lange, welche für mehrere Personen -bestimmt sind. Kochgeschirr ist nur selten vorhanden und dann auch nur -solches europäischen Ursprungs, da die Samoaner die Speisen ebenso wie die -Tahitier zwischen erhitzten Steinen bereiten und die dazu erforderlichen -Gefäße in grünen Blättern bestehen. - -Neben dem Haus beansprucht das Kanu fast gleiche Rechte als Wohnstätte -des Samoaners, da dieser während der Tagesstunden wol ebenso viel auf -dem Wasser wie auf dem Lande lebt. Daher mag es auch kommen, daß der -Bootsbau hier besonders ausgebildet ist und dieses Gewerk ebenso wie -das des Häuserbaues sich in den Händen von Häuptlingsfamilien befindet. -Die Samoaner haben drei Arten von Fahrzeugen, das große zu Kriegs- und -Reisezwecken dienende Boot ohne Ausleger und zweierlei Kanus, ein großes -etwa 10 m langes, welches vorzugsweise zum Fischfang auf offener See -benutzt wird, und das kleine in verschiedenen Größen auftretende, welches -nur der Küstenfahrt dient. Die Formen der großen wie kleinen Kanus sind -hier besonders gefällige, und die Arbeit ist sehr viel sauberer, als ich -sie bisher gesehen habe. - -Einen besondern Reiz bot es mir, die Eingeborenen in ihren zierlichen -leichten Fahrzeugen zu beobachten, wenn sie in größerer Zahl um unser -Schiff versammelt den Zeitpunkt abwarteten, wo ihnen mit Eintritt der -Freizeit für die Mannschaft gestattet wurde, das Schiff zu betreten, um -dasselbe zu besichtigen, Früchte zum Kauf anzubieten oder nur zu ihrem -Zeitvertreib uns einen Besuch abzustatten. Einzelne Kanus tragen so viele -Menschen, als sie nur fassen können, andere sind nur mit einer oder, wie -es meistens der Fall ist, mit zwei Personen besetzt; ein allein ruderndes, -ernst dreinschauendes Mädchen, ein einzelner Mann mit Früchten oder -einem Korb abzuliefernder Wäsche, zwei junge singende Mädchen, oder gar -zwei sieben- bis achtjährige Kinder, gleichgültig welchen Geschlechts, -die kaum die Ruder zu heben vermögen -- alle sorglos und ohne Furcht vor -irgendeiner Gefahr, mit ihren Fahrzeugen auf der auf- und niederwogenden -Wasserfläche sich hebend und senkend. Da kommen zwei Kanus, deren Insassen -unaufmerksam waren, zu nahe aneinander, ein Ruck und der Ausleger des -einen löst sich von seinen Haltern, das Fahrzeug kentert, gleichzeitig -aber springen die beiden jungen Mädchen lachend ins Wasser. Ich will -helfen lassen, sehe aber, ehe unser Boot absetzen kann, daß unsere -Hülfe überflüssig ist und die erheiterte Umgebung auch nicht hilft. -Wassertretend verbinden die beiden kleinen Personen den Ausleger wieder -mit den Haltern, dann schwimmen sie auf die andere Seite, fassen das -mit Wasser gefüllte Kanu an der äußern Wand, ein durch Zuruf begleiteter -kräftiger Ruck nach der rechten Seite läßt ziemlich viel Wasser aus der -linken Spitze des Fahrzeuges herausstürzen, ein ebensolcher Ruck nach -links hat denselben Erfolg an der andern Spitze und das Kanu ist soweit -entleert, daß es wieder genügende Schwimmkraft hat, um eine Person zu -tragen, welche dann auch gleich mit gewandtem Schwung in demselben sitzt -und es mit den stets vorhandenen Kokosnußschalen ausschöpft, worauf das -andere Mädchen auch nachfolgt. Mit einigen Handgriffen ist das Wasser -aus Gesicht und Haar entfernt, dann ducken sie sich in den Raum, um -ihr Lava-lava abnehmen zu können und es auszuwinden, und erst nachdem -dies geschehen und sie wieder ordnungsmäßig bekleidet sind, drohen sie -dem Urheber des Misgeschicks mit den Händen und blitzenden lachenden -Augen. Als die Leute unser Interesse an dem ganzen Vorfall bemerkten, -hielt ein Samoaner sich für verpflichtet, uns noch ein ähnliches kleines -Schauspiel zu geben, rief ein Kanu mit zwei kleinen Kindern an und begann -gleichzeitig mit kräftigen Schlägen auf dasselbe zuzurudern. Die Kinder, -sichtlich gleich ganz bei der Sache, kniffen den Mund zusammen und legten -sich mit leuchtenden Augen auch ins Zeug, doch ihr Angreifer war schneller -und bald lagen auch sie im Wasser unter dem fröhlichen Gelächter der -Umgebung, welche Platz gemacht hatte. Hier aber half der Mann, indem er -ins Wasser sprang und sein Kanu so lange in Stich ließ, bis er das der -Kinder wieder zurechtgemacht hatte. - -Von dem häuslichen Leben der Samoaner habe ich bisjetzt noch wenig kennen -gelernt, nur ist mir aufgefallen, daß man am Tage, mit Ausnahme der -Häuptlinge, selten in den Hütten Männer antrifft und nur Frauen findet, -welche mit Mattenflechten und Anfertigung des Tapastoffes beschäftigt -sind. Eigentliches Volksleben zeigt sich nur an Mondscheinabenden, wo -größere Gesellschaften im Freien zusammenkommen und sich durch Gesang und -Tanz ergötzen, bis Ermüdung sie in ihre Hütten treibt. Diese Vergnügungen -sind stets harmloser Natur, wie das ganze Leben und Treiben des Volks -es sein soll. Zank und Streit kommen nur selten vor und sind von mir -überhaupt nicht beobachtet worden. Thätlichkeiten sollen eigentlich nur -gelegentlich zwischen den sonst so sanften Frauen vorkommen, und zwar -wenn Eifersucht im Spiele ist. Unter dieser soll der eigentlich schuldige -Mann nie leiden, sondern er kann unbehelligt zusehen, wie die beiden um -ihn kämpfenden Frauenzimmer sich schlagen und puffen, muß es sich aber -gefallen lassen, daß die Besiegte sich später nicht mehr blicken läßt. -Gardinenpredigten gibt es also wol in Samoa nicht. - -Ueberhaupt haben die Frauenzimmer und schon die ganz jungen Mädchen eine -seltene Selbständigkeit, welche nur dadurch möglich sein kann, daß die -strenge Sitte, welche dem ganzen Volk in Fleisch und Blut übergegangen -sein muß, das Weib stets und allerorten vor jeder Unbill schützt. So wird -es erklärlich, daß junge Mädchen allein weit über Land wandern, am Tage -nach ihrem Gutdünken gehen wohin sie wollen, und die schönen, nur mit -dem kleinen Lava-lava bekleideten Gestalten sich ohne Arg auf die fremden -Kriegsschiffe und unter das Schiffsvolk wagen, wo sie mit überraschendem -Takt jede Zudringlichkeit zurückzuweisen verstehen. Dieser Selbständigkeit -der jungen Mädchen im Verein mit den streng beobachteten guten Formen -wird es zuzuschreiben sein, daß in Samoa trotz der nach unsern Begriffen -immerhin freien Sitten eigentliche Sittenlosigkeit nicht vorkommt und die -weiche, anschmiegende Samoanerin nur wirklicher Liebe zugänglich ist, -in diesem Fall dann aber auch keine Schranke anerkennt. Allerdings ist -sie in der Regel doch berechnend genug, sich auch gesetzmäßig trauen zu -lassen; sei es auch nur für kurze Zeit, so ist doch der Anstand gewahrt. -Es kommen zwar auch genug Fälle vor, wo die Aeltern nach ihrem Gutdünken -ihre Töchter verheirathen, und wo die Häuptlinge über die Töchter ihrer -Unterthanen verfügen, doch ist dies dann ein Zwang, dem die Mädchen -folgen müssen, wenn sie sich auch nur widerwillig fügen. So besteht in -Samoa, wenigstens auf der Insel Savai’i, welche sich bisjetzt von fremdem -Wesen am reinsten erhalten hat, noch die alte Sitte, einem vornehmen -Fremden, wenn er bei einem Häuptling die Nacht zu Gast bleibt, eine -Gesellschafterin anzubieten, doch wird es gern gesehen, wenn er dieses -Anerbieten nicht annimmt; einen Makel erhält solch ein Mädchen dadurch -aber nicht, sondern es kehrt nach gehorsamer Duldung der über seine Person -getroffenen Verfügung in das Aelternhaus zurück. - -Die ehelichen Verhältnisse sind ziemlich geordnete und die Regel ist, daß -die Ehe auf Lebenszeit geschlossen wird, obgleich ihre Wiederauflösung -den Samoanern sehr leicht gemacht ist. Hiervon machen aber eigentlich -nur die Häuptlinge öftern Gebrauch und wol auch nur in dem Falle, wenn -sie ein Mädchen von niederm Stande geheirathet haben und später eine -standesgemäßere Ehe eingehen wollen. Die Eheschließung selbst soll -zwar nach dem neuen Gesetz vor einem Regierungsbeamten gegen Erlegung -einer Taxe erfolgen, die Samoaner aber betrachten die Ehe nach ihrem -alten Brauch auch als rechtsgültig und halten nur darauf, daß bei der -Verheirathung ihrer Töchter mit Weißen jene Form beobachtet wird, wie denn -diese Civilehe wol auch nur durch die Europäer eingeführt worden ist, weil -es ihnen nicht gelingen wollte, hier, ebenso wie auf andern Südsee-Inseln, -intimere Beziehungen mit den Töchtern des Landes anzuknüpfen, und die -Samoaner bald erkannten, daß die nur nach samoanischem Brauch vollzogene -Trauung mit einem Weißen von den andern Europäern nicht als vollgültig -angesehen wurde. Die klugen Weißen wußten sich aber auch hier zu helfen -und sich das Recht, ihre Frauen und Kinder beim Verlassen der Inseln -zurückzulassen, dadurch zu sichern, daß sie gegen Erlegung der doppelten -Taxe die Einführung der Ehe auf bestimmte Zeit, z. B. auf zwei Jahre, -durchsetzten, welcher Unfug zur Zeit noch besteht. Daß die Mutter nachher -die Kinder behält und für ihren Unterhalt sorgt, betrachtet die Samoanerin -als so selbstverständlich, daß dies auch kein Hinderniß für diese Art der -Eheschließung abgab. - -Nach dem neuen Gesetz ist, abweichend von dem Samoabrauch, dem Mann nur -eine Frau erlaubt, doch halten die Häuptlinge dasselbe für sich nicht -bindend, wenngleich sie sich in der Regel mit nur einer begnügen, von -welcher Regel allerdings, wenn ich recht unterrichtet bin, der jetzige -Standesbeamte von Upolu eine Ausnahme macht. Derselbe hat sich mehrere -Frauen angetraut, aber zur Erhaltung des häuslichen Friedens die Vorsicht -geübt, daß er sie an verschiedenen Orten wohnen läßt, wodurch er wiederum -den Vortheil hat, bei seinen Reisen überall eine eigene Häuslichkeit -vorzufinden. - -Jungfräuliche Reinheit seitens der Braut ist für den Abschluß eines -Ehebündnisses keine Nothwendigkeit; daß aber der Samoaner auf diese -Tugend dennoch großen Werth legt, geht daraus hervor, daß der Beweis der -Reinheit bei einer jungfräulichen Braut, namentlich bei der Heirath eines -Häuptlings, früher stets öffentlich erbracht wurde, was jetzt nur noch im -engern Familienkreise, vereinzelt aber, wenn auch abweichend von dem alten -Brauch, heute noch öffentlich geschieht, denn ich habe in den Straßen von -Apia das Lava-lava einer jungfräulichen Braut am Morgen nach der Hochzeit -vor dem Hause als solch einen öffentlichen Beweis hängen sehen. - -Daß die vorgeschilderten, verhältnißmäßig guten moralischen Zustände -dem Wirken der englischen Missionare zuzuschreiben sind, glaube ich -nicht, aber es darf wol als sicher anzunehmen sein, daß sich seit der -Ansiedelung der Missionare die sittlichen Zustände auf den Samoa-Inseln -nicht verschlechtert haben, mithin der neue Glaube auf die wohlgefügten -alten socialen Verhältnisse nicht zersetzend gewirkt hat. Die geistlichen -Herren, welche sich hier nicht in den Vordergrund drängen und keine -politische Rolle, wie z. B. auf den Gesellschafts-Inseln, spielen wollen, -scheinen mit weiser Mäßigung vorgegangen zu sein und dadurch, wenn -auch nur langsam, Aussicht auf dauernden Erfolg zu haben. Immerhin darf -nicht vergessen werden, daß die Missionare in Samoa durchaus geordnete -Verhältnisse vorfanden, welche ihnen einen schnellen Erfolg unmöglich -machten und sie andererseits davor bewahrten, den ihnen eigentlich -zufallenden Wirkungskreis zu überschreiten. Daß die sittlichen Zustände -sich auch in Apia trotz der vielen dort verkehrenden Europäer im Gegensatz -zu den Städten anderer polynesischen Inseln noch so gut erhalten haben, -wird vorzugsweise als ein Verdienst der in Apia tonangebenden deutschen -Häuser anzusehen sein, welche schon ihrer ganzen Stellung nach gezwungen -waren, die guten Formen hochzuhalten und dadurch maßgebend für das -Auftreten der übrigen Europäer wurden. - -Zur Zeit nennen sich wol die meisten Samoaner Christen, wenn auch ihr -Glaube sich vorläufig noch auf die Sonntagsheiligung und die Beobachtung -einiger äußerer Gebräuche beschränken dürfte. - -Der Besitz des Samoaners besteht vornehmlich nur in seinem Hause, dem -Kanu, der Feuerwaffe und in Land, welches immer der ganzen Familie -und nicht einzelnen Mitgliedern gehört. Hieraus sind früher bei den -Landverkäufen häufig Streitigkeiten entstanden, weil der kaufende -Europäer, mit diesen Verhältnissen unbekannt, den Kauf mit nur einem -Mitglied der Familie abschloß und diesem den Kaufpreis zahlte, worauf die -andern Theilhaber dann die Rechtsgültigkeit des Vertrags bestritten, doch -wird jetzt schon seit langer Zeit kein Landkauf mehr abgeschlossen, ohne -daß die Samoaner vollzählig den Kaufbrief unterschrieben haben. Neben -den vorstehend genannten Besitzthümern gibt es aber noch ein Werthobject, -welches nur einen idealen Werth hat und oft höher geschätzt wird wie all -die andern. Es ist die als Staatskleid benutzte Matte, welche aus einem -besonders feinem Geflecht bestehend und am Rande mit kleinen rothen Federn -verziert, ihren Werth durch ihr Alter und ihre frühern Besitzer erhält, -wodurch die wirklich alten und von berühmten Familien herstammenden in -gewissem Sinne die Ueberlieferinnen der alten samoanischen Geschichte -geworden sind, da diese überhaupt nur in mündlicher Ueberlieferung -besteht, weil die Kunst des Schreibens den Samoanern erst in allerneuester -Zeit bekannt geworden ist. Von diesen besonders werthvollen Matten, -deren Ursprung und Geschichte jeder Samoaner kennt, sind allerdings nur -wenige vorhanden, diese aber verehrt er wie Heiligthümer und es gibt für -ihn keinen größern Wunsch, als eine solche Matte besitzen zu können. Als -einstmals das Haus Godeffroy ein werthvolles Stück Land erwerben wollte -und der Besitzer auf kein Gebot einging, wurde ihm solch eine Matte auch -vorgelegt, von welcher er wie jeder Samoaner wußte, daß sie im Besitz des -Herrn Weber war. Sofort griff der Mann zu und war überrascht, außer der -Matte auch noch den ihm vorher angebotenen Kaufpreis zu erhalten, denn die -Matte allein erschien ihm als überreiche Bezahlung. Das Land wird übrigens -in nicht zu ferner Zeit zum größten Theil in den Händen der Weißen sein, -da der Samoaner, seinem polynesischen Charakterzug folgend, durchaus nicht -arbeiten will und sein Land für ihn daher werthlos ist, sofern es nicht -schon mit Kokosnuß- und Brotfruchtbäumen bestanden ist oder er es als -Bauplatz benutzen kann. - -Neben dem Haus und dem Kanu bestehen die künstlichen Erzeugnisse der -Samoaner aus Kleidungsstücken der verschiedensten Art, aus Matten zum -Belegen der Fußböden, Tapavorhängen, Kawabowlen, Fischereigeräthen, -Fliegenwedel, Fächern, geschnitzten und mit allerlei Zierath versehenen -Holzkämmen, kleinen Körbchen und Taschen und schließlich aus alten -Holzwaffen, welche aber nur noch als Schaustücke Verwendung finden. Es -kommen auch noch einzelne Schmuckgegenstände vor, doch habe ich von diesen -noch nichts gesehen, kann also auch noch nicht darüber berichten. - -Die Kleidungsstücke, welche immer als Lava-lava zu denken sind, -unterscheiden sich voneinander nur durch das zur Verwendung kommende -Material. Das tägliche Lava-lava, wenn es nicht aus europäischem Stoff -besteht, ist entweder aus Baststreifen bezw. langen Gräsern gefertigt, -oder es wird durch ein Stück Tapa gebildet. Als Staatskleider dienen die -bereits genannten feinen Matten, für welche die Blätter des Pandanusbaumes -das Material liefern, oder Gewebe aus blendend weißem Bast mit Zotteln -von 10-20 cm Länge, sodaß das ganze Stück bei oberflächlicher Betrachtung -häufig für ein Fell der Angoraziege gehalten wird. Dann kommt noch ein -ganz eigenartig gewebtes oder geflochtenes kleines Lava-lava aus demselben -weißen Bast vor, welches nur im Hause von der Braut an ihrem Hochzeitstage -getragen wird und das sie ihrem Manne am nächsten Morgen, indem sie -sich auf eine Knie niederläßt, mit den Worten: „Herr, hier hast du mein -Geschenk“, überreicht. Dieses Lava-lava hat somit wol eine ähnliche -Bedeutung wie bei uns Gürtel und Schleier der Braut es haben? - -Die Matten für die Fußböden sind von ziemlich grobem Geflecht und von -verschiedener Größe. - -Die Tapavorhänge unterscheiden sich von dem Lava-lava aus gleichem -Material nur durch die Größe und zuweilen auch durch die Malerei, da sie -mehr Farbe vertragen können, wie die für den Körper bestimmten Stoffe, -welche doch weicher und geschmeidiger bleiben müssen. Der Grundstoff -des Tapa ist die Zellenschicht, welche zwischen Rinde und Stamm des -Maulbeerbaumes liegt und durch Klopfen mit Holz oder Steinen zu einem -festen papierartigen Stoffe wird. Zunächst werden die Zellenschichten -je eines Baumes zu Streifen von etwa 20 cm Breite verarbeitet und die -Streifen später dann nach vorheriger Wiederanfeuchtung durch Klopfen -miteinander verbunden. Auf diese Weise kann jede gewünschte Form und Größe -hergestellt werden. - -Die größern Kawabowlen, zu welchen die Fidji-Inseln das Holz liefern, weil -auf Samoa keine Bäume von hierzu genügendem Stammdurchmesser vorkommen, -sind aus diesem Grunde werthvolle Stücke, welche nur im Besitz der -Häuptlinge gefunden werden. - -Das Fischereigeräth besteht aus Angelhaken, Speeren und Netzen. Die -Haken, soweit hierfür nicht auch schon europäische Waare verwendet wird, -sind aus Perlmutter und Bast gefertigt und setzen sich aus drei Theilen -zusammen, einem in Fischform geschnittenen Stück Perlschale und einem -fischschwanzförmigen Bastbündel, beide Theile von gewöhnlich je 5 cm Länge -und etwa 3 cm Breite, sowie dem ebenfalls aus der Perlschale geschnittenen -Widerhaken von etwa 3 cm Länge. Die drei Theile sind an einem Punkte -und zwar am untern Ende des den Fisch darstellenden Muschelstücks durch -Bindfaden miteinander verbunden. Diese Haken, auf welche die Fische -ganz vorzüglich beißen, werden zum Fangen größerer Fische wol immer in -Verwendung bleiben und nie durch andere verdrängt werden. Die Netze werden -gewöhnlich in drei Arten hergestellt, den großen hauptsächlich von den -Männern bedienten Zugnetzen und zweierlei Handnetzen, die vorzugsweise -von den Frauen zum Fischfang in seichtem Wasser benutzt werden. Das eine -der Handnetze entspricht der Form unserer Schmetterlingsnetze, das andere -wird aus vier Stöcken gebildet, von denen zwei etwas über 1 m lang und -durch zwei rechtwinkelig zu ihnen stehende etwa 60 cm lange Querstöcke so -verbunden sind, daß sich ein viereckiger Rahmen von 80 cm Höhe und 60 cm -Breite bildet, welcher durch ein nur wenig sackartiges Netz ausgefüllt -wird. - -Der Fliegenwedel ist ein Büschel Fasern aus der Rinde der Kokospalmen -von 30-40 cm Länge und 10 cm Durchmesser, welcher in Form eines -Pferdeschwanzes an einem kurzen Stöckchen befestigt ist. Vereinzelt werden -an Stelle der Fasern auch Roßhaare verwendet. - -Die Kämme sind nur Zierstücke und werden von beiden Geschlechtern am -Hinterkopfe getragen. - -Die Körbchen und Taschen, welche wol nur als Luxusgegenstände zu -betrachten sind, werden aus Bast oder Stroh geflochten. - -Die Holzwaffen, Speere und Keulen, geben den Samoanern Gelegenheit, -ihre Kunstfertigkeit in Schnitzarbeit darzuthun, und finden praktische -Verwendung bei ihren festlichen Schaustellungen und Tänzen. Zu den Speeren -wird gewöhnlich Kokospalmenholz und zu den Keulen Eisenholz verwendet; -beide sind reich mit Schnitzarbeit versehen. Die Keulen, welche selten -länger als 60 cm sind, werden in den verschiedensten Formen hergestellt; -so besitze ich verschiedene, von denen eine dem Schwert des Schwertfisches -nachgebildet ist, eine zweite an die Form des mittelalterlichen -Morgensterns erinnert und eine dritte auf dünnem Stiel eine Kugel von -12 cm Durchmesser trägt. - -Trotz des wunderbar milden Klimas und der vorzüglichen gesundheitlichen -Verhältnisse auf den Samoa-Inseln, welche dem menschlichen Organismus so -sehr zusagen, wie man auch an verschiedenen Europäern, die fast schon ein -ganzes Menschenalter dort zugebracht haben, sehen kann, kommt hier, wenn -auch nicht in so ausgedehntem Maße wie auf den Marquesas-Inseln, doch -unter den Eingeborenen ziemlich häufig Lungenschwindsucht vor, was hier -wol ebenso wie dort eine Folge der ungenügenden Bekleidung des Körpers -während der rauhern Regenzeit ist. Von sonstigen Krankheiten lassen sich -eigentlich nur Elephantiasis und eine Hautkrankheit, welche als Ringwurm -bezeichnet wird, nennen. Während die letztere selten ist, sieht man -Elephantiasis ziemlich häufig. Die Krankheit tritt vorzugsweise in den -untern Extremitäten und zuerst an nur einem Beine auf, sodaß in dem Falle, -wenn beide Beine ergriffen sind, das eine einen höhern Grad der Krankheit -zeigt als das andere. Uebrigens werden auch Europäer, die viele Jahre -ununterbrochen auf den Samoa-Inseln gelebt haben, von ihr heimgesucht, -und ich habe einen solchen Fall bei einem über 70 Jahre alten Engländer, -welcher seit nahezu 50 Jahren als Zimmermann auf Upolu lebt, gesehen. -Der rüstige Mann, welcher trotz seiner geschwollenen Beine noch immer -gut zu Fuße ist, scheint äußerlich wenig darunter zu leiden; dies gilt -übrigens auch von den Samoanern. Vielfach wird behauptet, daß dem Mangel -an ausreichender Fleischnahrung die Entstehung der Krankheit zuzuschreiben -ist, doch wird dies von andern Seiten wieder bestritten. Thatsache ist -ja, daß die Samoaner hauptsächlich von vegetabilischer Kost und in erster -Linie von jungen Kokosnüssen und der Brotfrucht leben, andererseits findet -man aber die Elephantiasis vorzugsweise bei den Häuptlingen, die sich -doch mehr Abwechselung in ihrer Ernährung gestatten, und auch Europäer, -welche regelmäßige Fleischnahrung zu sich nehmen, wollen nach längerm -ununterbrochenen Aufenthalt in Apia die Anfänge dieser Krankheit an sich -beobachtet und der Weiterentwickelung nur durch einen längern Aufenthalt -in Australien, Neu-Seeland oder Europa vorgebeugt haben. - -Giftige oder den Menschen sonst gefährliche Thiere gibt es auf den -Samoa-Inseln am Lande nicht, dagegen soll im Wasser neben dem Haifisch -noch ein großer Tintenfisch vorkommen, welcher sich zuweilen in den äußern -Korallenriffen einnistet und dort mit seinen Saugarmen den Fuß oder die -in das Wasser greifende Hand des Menschen packen und so festhalten soll, -daß der Ergriffene für verloren gilt, wenn er nicht den Muth findet, -das gefaßte Glied sich selbst abzuhauen, da der unter Wasser befindliche -Arm des Thieres gewöhnlich nicht zu erreichen sein soll. Wie mir erzählt -wurde, sollen die Samoaner, welche auf die äußern Riffe fischen gehen, -aus diesem Grunde stets ein schweres Schlagmesser bei sich führen, und -es sollen verbürgte Fälle von solcher Selbstverstümmelung zur Rettung -des Lebens bekannt sein. Neben diesem Unthier gibt es in den Köpfen der -Samoaner aber noch ein Ungeheuer, welches wol mit unserm sagenhaften -Lindwurm verglichen werden kann. Es sollen jahrhundertealte ungeheuerliche -Aale sein, welche den Menschen mit Haut und Haar verschlingen können -und ihr Hauptstandquartier in dem flachen Wasser zwischen der Westspitze -der Insel Upolu und der kleinen Insel Manono haben. Doch sollen sie sich -zuweilen auch in Höhlen, welche den Ausfluß unterirdischer Flüsse bilden -und von denen sich eine in der Nähe von Saluafata befindet, aufhalten. - -Erwähnt sei hier noch ein Beispiel von der vorzüglichen Tauchkunst der -Eingeborenen. Nachdem unser Taucher mehrere mal unter Wasser gegangen -war, um ein Tau an einen uns verloren gegangenen auf 10 m Tiefe liegenden -Anker, dessen Lage wir genau kannten, zu stecken und jedesmal die Meldung -brachte, daß er ihn nicht finden könne, versuchte ich es, ehe ich den -Anker ganz aufgab, noch einmal mit einem samoanischen Naturtaucher. Der -Mann ging hinunter und meldete gleich beim ersten Wiederauftauchen, -daß er das verlorene Stück gefunden habe, ging dann mit dem Ende -eines Taues wieder hinunter und nach weitern 10 Minuten hatten wir -den Anker geborgen. Der für hiesige Verhältnisse hohe Bergelohn von -20 Mark wird dadurch erklärt, daß das Tauchen auf so große Tiefen ohne -Taucheranzug außerordentlich angreifend sein soll, wie denn auch der erst -vierzigjährige Mann bereits weiße Haare hatte, eine große Seltenheit bei -den Samoanern. - -Wenn ich auch zu meinem großen Verdruß von den großartigen, den -Amerikanern zu Ehren veranstalteten Festlichkeiten nichts gesehen habe, -so hatte die Liebenswürdigkeit unsers Consuls doch dafür gesorgt, daß -wir schon vorher einen kleinen Einblick in die samoanischen Vergnügungen -bekamen, welche zwar nicht als mustergültige anzusehen sein sollen, -zumal der Tanz eine bezahlte Schaustellung war, immerhin aber doch einen -ungefähren Begriff bis dahin geben, wo uns Besseres geboten werden wird. - -Ein Halbweißer, welcher an der östlichen Spitze von Apia ein Wirthshaus -unterhält, hatte es übernommen, einen Tanz zusammenzubringen, und glaubte -seine Aufgabe jedenfalls sehr schön gelöst zu haben, während ich beim -Betreten des dafür in Aussicht genommenen Raumes einigermaßen enttäuscht -war. Ein großer viereckiger, mit Laub geschmückter Saal war gewissermaßen -als Theater hergerichtet, und die in Reihen aufgestellten Stühle waren -bis auf die für mich und unsere Offiziere reservirten Plätze bereits -alle mit Neugierigen besetzt, welche gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes -das in der Stadt Apia jedenfalls seltene Schauspiel mitgenießen wollten. -Ein kleiner Theil des Saales war an der einen Schmalseite als Bühne -hergerichtet. Die amerikanischen Offiziere -- es war in den ersten Tagen -ihrer Anwesenheit -- hatten sich auch eingefunden und der Commandant nahm -an der einen Seite von mir Platz, während an der andern sich eine junge, -auffallend hübsche und stattliche Samoanerin, welche ihren Oberkörper -verhüllt trug, niederließ und von dem hinter mir sitzenden Wirth vor -unserm Platznehmen als Toë, Tochter des Häuptlings Patiole, welchem -der Theil der Stadt, wo wir uns befanden, gehört, vorgestellt wurde. -Sie benahm sich hierbei nach unsern Begriffen ganz correct, lächelte -verbindlich, reichte mir die Hand und setzte sich, während sie sich mit -ihrer Kleidung zu schaffen machte, auf ihren Stuhl, als ob sie nie eine -andere Sitzart kennen gelernt hätte. Sehr komisch kam es mir vor, daß -sie zu dem Hinsetzen sich mit ihrem außerordentlich dürftigen Kleidchen -beschäftigen mußte und dieser Handgriff gehört wol mit zur weiblichen -Grazie. Die handelnden Personen gruppirten sich; sieben welke Weiber -nahmen die Hauptplätze in der Mitte ein, indem sie sich in zwei Reihen mit -gekreuzten Beinen so hinsetzten, daß vorn drei und in der zweiten Reihe, -die Lücken der ersten ausfüllend, vier saßen. Der Oberkörper war nackt -und glänzte von Kokosöl; als Lava-lava dienten grüne Grasschurze und als -Schmuck hatten sie starkduftende dicke Kränze aus allem möglichen Laub um -Hals und Hüften. Hinter diesen Hauptpersonen, den ganzen Raum bis zu den -Seitenwänden ausfüllend, standen Eingeborene jeden Geschlechts und Alters, -welche durch Händeklatschen den Gesang der Tänzerinnen begleiteten. Der -Tanz besteht in der Hauptsache nur in graziösen Bewegungen der Arme, -Hände, des Kopfes und Oberkörpers, ohne irgendetwas Bestimmtes damit -darstellen zu wollen. Sehr begeistert war ich von dem Gebotenen nicht, -glaube aber, daß in diesen Tänzen sowol Besseres geleistet werden kann, -wie es auch zur richtigen Beurtheilung ihres Werthes nothwendig ist, sie -öfter gesehen und etwas studirt zu haben, denn man wird sich erst an den -Körperbewegungen erfreuen können, wenn man gelernt hat, die fürchterliche -Gesangsbegleitung nicht mehr zu hören. Bei dem zweiten Tanz, um bei der -einmal gewählten Bezeichnung der Schaustellung zu bleiben, waren die Leute -schon warm geworden und die Händeklatscher ließen kurze Zurufe hören, -auf welche hin die drei vordersten Tänzerinnen dann aufstanden, um mit -Arm- und Beinbewegungen hin und her zu tänzeln. Doch traten bald zwei -von ihnen wieder zurück und die ursprünglich mittelste blieb allein auf -dem Plan, um sich mit geschickten Wendungen der Angriffe einiger Kinder -zu erwehren, welche vorgestürzt waren und versuchten, ihr das Lava-lava -herunterzureißen, womit sie schließlich auch Erfolg hatten. Doch als sich -nun zeigte, daß sie unter dem Lava-lava noch ein kleines Zeugkleidchen -anhatte, entstand ein ungeheures Lärmen unter den Eingeborenen, neue -Angreifer stürmten hervor, bis die Gehetzte endlich ganz außer Athem -sich auch dieses wegnehmen lassen mußte, wobei sie sich aber hinfallen -ließ, um sich dann in geschickter Weise gleich wieder mit dem ihr sofort -zurückgestellten Lava-lava zu bekleiden. Es mag sein, daß diese ganze -Art der Darstellung von einem gewissen Reiz umgeben ist, wenn sie in -ihrer Urwüchsigkeit im samoanischen Hause aus Liebe zur Sache und von -frischen jungen Mädchen ausgeübt wird; hier aber von bezahlten Dirnen -dargestellt, war es nicht besonders schön und ich ließ dies auch meiner -Nachbarin, welche mein Urtheil hören wollte, mittheilen. Sie nickte -dazu, wie mir schien mit strahlenden Augen und aufgeblähten Nasenflügeln, -besann sich noch einen Augenblick, tauschte mit dem Wirth einige Worte -aus und verließ dann den Saal. Ich wollte auch schon aufbrechen, weil ich -von dem Vergnügen genug hatte, wurde aber von dem Wirth mit dem Bemerken -zurückgehalten, daß Toë mir noch etwas vortanzen wolle, und wenige Minuten -später erschien sie, nun mit nacktem und ebenfalls eingeöltem Oberkörper, -eine rothe Beerenkette um den Hals, ein schmales grünes Laubband um jeden -Ober- und halben Unterarm und ein ebensolches über und unter der Wade, -umgeben von vier ähnlich geschmückten Männern. Die Zuschauer waren ganz -geblendet, wie ein allgemeiner Ausruf der Ueberraschung andeutete, als -dieses wundervoll gewachsene und in erster jungfräulicher Entwickelung -befindliche Weib plötzlich so vor uns stand, in der Mitte der sie im -Viereck umgebenden Männer und diese an Größe noch etwas überragend. Was -uns aber noch größern Genuß gewährte, war der in ziemlich raschem Tempo -mit kräftigen und geschmeidigen Bewegungen ausgeführte Tanz, bei welchem -alle fünf Personen wirklich etwas Gutes und Schönes zeigten und der auf -jeder großstädtischen europäischen Bühne, natürlich unter der Annahme -einer etwas vollständigern Bekleidung, verdienten Beifall geerntet hätte. -Ich war von Toë’s Einfall so entzückt, daß ich ihr am nächsten Tage einen -goldenen Ring als Andenken schickte, wofür sie mir dann zwei Körbchen, ein -Stück Tapa und einen Schildkrotring persönlich brachte. Da sie sowol, wie -die mit ihr gekommenen Gesellschaftsdamen sämmtlich Busentücher trugen, -wurden sie in das deutsche Consulat zwar hineingelassen, die Dame des -Hauses betrachtete sie aber doch mit einem gewissen Mistrauen, weil sie -alle jung und sehr hübsch waren. Herr Weber machte auch den jungen Mädchen -dadurch noch eine besondere Freude, daß er sie von einem Diener durch das -ganze Haus führen ließ, damit sie sich dasselbe ansehen konnten. - -Eine andere Festlichkeit der Eingeborenen sahen wir bei Gelegenheit einer -herrlichen Partie, zu welcher Herr Weber unsere dienstfreien Offiziere, -den Commandanten des amerikanischen Kriegsschiffes nebst einigen -Offizieren und die Herren seines Hauses eingeladen hatte. - -An einem Sonnabend Nachmittag um 4 Uhr verließen wir Apia zu Pferde -und trafen nach etwa 1½ Stunden auf der deutschen Plantage Vaitele ein, -wo wir noch vor Einbruch der Dunkelheit das Mittagsmahl einnahmen und -zwar auf dem vor dem Hause liegenden saubern mit Blumen eingerahmten -Platz, mit einem schönen Blick auf die Berge und das Meer. Als es dunkel -geworden war und wir erwartungsvoll der uns in Aussicht gestellten -Waldmeisterbowle entgegensahen, obgleich wir eigentlich schon genug der -guten Weine getrunken hatten, wurden unsere Blicke durch aus dem Walde -ertönenden eigenartigen Gesang dorthin gelenkt, und unter den Bäumen -hervor traten, umgeben von Fackelträgern, singende Weiber und Männer, -welche in mit der getragenen Melodie übereinstimmendem langsamen Schritt -auf uns zu kamen. Wir hatten uns inzwischen auch erhoben, um den Zug, -welcher ein tonganisches Talolo darstellte, d. h. die Begrüßung von Gästen -durch Ueberreichung von Geschenken, an uns vorbei passiren zu lassen. Die -Leute waren eingewanderte Tonganer, welche sich hier in der nächsten Nähe -der Plantage mit ihrem Häuptling niedergelassen haben und durch Herrn -Weber veranlaßt worden waren, uns dieses seltene Schauspiel vorzuführen. -Es war ein wunderbares traumhaftes Bild, welches sich uns bot, als -unsere heitere Unterhaltung so plötzlich durch diese ernsten braunen -Gestalten unterbrochen wurde, welche in der lauen Luft eines herrlichen -Tropenabends aus dem dunkeln Waldesrand herausschwebten, mit ihrem Gesang -uns verstummen machten, sich vor uns auf ein Knie niederließen, ihre -Geschenke niederlegten und singend weiterzogen, bis sie, den Garten im -Bogen umschreitend, im Walde wieder verschwanden. Nachdem die Geschenke, -welche in Kokosnüssen, Früchten und Zuckerrohr bestanden, weggeräumt -waren, nahmen wir unsere Plätze wieder ein und thaten beim Schein der -Windlichter und umschwirrt von allerlei fliegendem Gethier dem wirklich -vortrefflichen, mit getrocknetem Waldmeister hergestellten Getränk alle -Ehre an, bis wir gegen 10 Uhr unser Nachtlager aufsuchten, d. h. in den -zur Verfügung stehenden Räumen es uns auf dem Fußboden auf Decken so -bequem machten, wie es nur möglich war. Am nächsten Morgen besichtigten -wir die erst seit einem Jahre in Bearbeitung genommene Plantage, die -Wohnungen der von den Kingsmill-Inseln stammenden Arbeiter, statteten -dem tonganischen Dorf einen Besuch ab, und um 10 Uhr waren wir wieder zu -Pferde, um das eigentliche Ziel unserer Partie, einen berühmten Badeplatz, -zu besuchen. Nach einstündigem Ritt auf schlechtem und stark steigendem -Wege durch dichten Wald, sodaß wir fast die Hälfte des Weges zum Schutz -gegen die herunterhängenden Baumzweige auf dem Pferde liegen mußten, -stießen wir auf einen rauschenden Fluß, welcher in einer hohen bewaldeten -Schlucht über terrassenförmig gelagerte mächtige Felsblöcke herabstürzt. -An der Stelle, wo wir aus dem Walde heraustraten, sind die Seitenwände -der Schlucht etwas zurückgeschoben, sodaß wir einen schönen Lagerplatz -für uns und genügenden Raum für die Pferde fanden. Hier sollte gebadet, -gefrühstückt, gerastet und, nachdem die Sonne nicht mehr so hoch stand, -von hier aus auch der Fluß überschritten und auf anderm Wege nach Apia -zurückgekehrt werden. Die Umgebung ist ganz eigenartig, und ich kann mir -wol denken, daß dieser Platz ein beliebter Ausflugsort der Samoaner und -namentlich der Halbweißen ist, da die jungen Mädchen dieser Mischlinge -hier in geschlossener Gesellschaft den Durst nach Schwimmkünsten, welcher -nun einmal in dem samoanischen Theil ihres Blutes steckt, nach Herzenslust -befriedigen können. - -Von oben fällt aus der Schlucht, welche dort durch hohe Bäume -abgeschlossen wird, das wilde Wasser als etwa 10 m hoher und 6-8 m breiter -Wasserfall herunter in ein tiefes, vom Wasser ausgehöhltes Steinbecken, -wo es sich schäumend und brodelnd austoben muß, da die Sohle des -steinernen Bettes sich wieder hebt und dem Wildling nur eine Mächtigkeit -von vielleicht ½ m gestattet. So fließt er denn an unserm Lagerplatz, -welcher ungefähr 20 m von dem Fuß des Wasserfalls entfernt ist, schon -wieder als klare, spiegelblanke, hellgrüne Masse eilig vorbei und über -einen glatten, die ganze Breite des Flusses einnehmenden Felsrücken von -50-60° Neigung hinweg wieder in ein 8-10 m tiefer liegendes Becken und -nach weitern 20 m noch einmal über solch einen gleichen Felsrücken, um -dann wieder im Waldesdunkel zu verschwinden. Das Hauptvergnügen des Bades -besteht nun darin, daß man aus dem obern tiefen Wasserbecken schwimmend -so zu dem Felsrücken gelangt, daß man sitzend von dem schnellfließenden -Wasser geschoben auf der glatten Steinfläche herunterrutscht, in dem -untern Becken durch das eigene Gewicht tief untertaucht und dort dann -dasselbe Kunststück mit dem zweiten Absatz macht. Zurück muß man natürlich -auf dem Landwege und dann kann das Spiel von neuem beginnen, wenn man -Lust dazu hat. Von uns hat keiner das Kunststück gewagt, mit Ausnahme -eines deutschen Herrn aus Apia, welcher sich mit Viehzucht beschäftigt -und die Stadt mit Butter versorgt und den Kniff aus seinen jüngern Jahren -her kennt. So leicht und elegant auch der dicke Herr in seiner rothen -Badehose mit fliegender Fahrt auf dem Steinrücken heruntersauste, unten -im brodelnden Wasser verschwand, prustend wieder zum Vorschein kam und -sich mit einigen geschickten Schwimmschlägen wieder in die richtige Lage -brachte, um auch den zweiten Abrutsch zu nehmen, fand er unter uns doch -keinen Nachfolger, als er keuchend den steilen Landweg wieder heraufkam -und die Schwimmfahrt zum zweiten mal ausführte. - -Wir begnügten uns mit dem Bad in dem obern Becken unter dem Wasserfall, -frühstückten danach und machten uns um 3 Uhr auf den Heimweg durch den -Wald und zwei schön gehaltene samoanische Städte, in deren einer wir -auch einen Samoaner antrafen, welcher uns in gutem hamburger Plattdeutsch -ansprach, das er auf einem deutschen Schiff gelernt hatte. Uns kam dies -im ersten Augenblick höchst komisch vor, denn es wirkt immer frappirend, -wenn man einen Fremdling eine Abart der eigenen Sprache sprechen hört. -Wir langten zu guter Zeit in Apia an, sodaß wir uns vor dem Essen -noch umziehen und etwas ausruhen konnten, und hiermit will ich in der -Erinnerung an diesen schönen Ausflug meinen ersten Besuch der Samoa-Inseln -abschließen. - - - - -9. - -Sydney. - - - Sydney, 19. August 1878. - -Seit heute Nachmittag befinden wir uns im Hafen von Sydney oder wol -richtiger im Port Jackson, wie die Engländer ihn ohne Rücksicht auf -den Namen der dazu gehörigen Stadt nennen. Die ganze Umgebung mit dem -summenden Geräusch, welches einem großen Handelsplatz immer eigenthümlich -ist, kommt mir wie eine neue ungewohnte Welt vor, da wir seit sechs -Monaten nichts Derartiges mehr gesehen und gehört haben, denn mit dem -Verlassen von Valparaiso hatten wir von europäischer Civilisation Abschied -genommen, und nun liegen wir ohne einen ähnlichen vermittelnden Uebergang, -wie wir ihn auf dem Wege =nach= den Südsee-Inseln doch in Panama und -Nicaragua gefunden, plötzlich nicht mehr vor einer vom Passatwind -umwehten und von Palmen umrauschten tropischen Insel, sondern inmitten -eines Häusermeeres, vor dessen Steinmassen alle Naturgebilde zurücktreten -müssen. Hier werden wir nun nach langer Zeit der Entbehrungen mancherlei -Zerstreuung und all die Annehmlichkeiten wiederfinden, welche eine große, -reiche und nur von Europäern bewohnte Stadt zu bieten vermag; aber neu -wird es uns wieder sein, ganz unter der Menge zu verschwinden, nachdem -wir so lange Zeit hindurch überall den Mittelpunkt gebildet haben. Und -an den Vorzug, sich wieder einmal ungezwungen und ungekannt in neuer -Umgebung frei bewegen zu können, muß man sich auch erst gewöhnen. Eins -erinnerte mich übrigens bei unserer Ankunft hierselbst doch daran, daß -wir uns noch in der fernen Südsee befinden: der englische Postbeamte, -welcher sich bei mir nach mitgekommenen Postsachen erkundigte. In diesen -Gewässern übernehmen noch Kriegs- wie Kauffahrteischiffe unentgeltlich -die Beförderung der Post zwischen den Plätzen, welche noch keine -Postdampferverbindung haben, und so hatten auch wir von dem Herausgeber -der Samoa-Zeitung in Apia, welcher dort die Briefe für die australischen -und neuseeländischen Postämter in Empfang nimmt, einen Briefbeutel -mitgebracht, welchen ich dem Beamten nach Prüfung des unverletzten -Verschlusses aushändigen ließ. - -Das war eine lange Reise von Apia bis hierher. 25 Tage für nur 2400 -Seemeilen macht im Durchschnitt nicht einmal eine deutsche Meile für -die Stunde, und an der Unbeständigkeit der Witterung konnten wir wol -merken, daß wir uns hier jetzt im südlichen Winter befinden. Seit der -Zeit, wo wir die Passatzone verlassen haben -- am 30. Juli -- haben -wir viel stürmisches Wetter angetroffen und ungünstigerweise immer nur -Weststürme, welche uns keinen Nutzen brachten. Manches Segel ist uns -bei den Böen weggeflogen, kleine Havarien in der Takelage fehlten auch -nicht, und am ärgerlichsten war dabei immer noch, daß das Wetter sich -diese schlechten Scherze vorzugsweise für die Nacht aufhob und so die -Wache an Deck fast stets volle Arbeit für die Nächte bekam. Als ein -großes Glück muß ich es indeß betrachten, daß wenigstens eine Bö, welche -vorgestern das Schiff überfiel, uns am Tage und zu einer Zeit traf, wo -wir gerade keine Segel führten, denn ich weiß nicht, in welchem Zustand -oder wo die „Ariadne“ sich sonst jetzt befände. Wir standen am Vormittag -des erwähnten Tages nur noch 200 Seemeilen von Sydney ab und der Wind -war so unbeständig, daß ich Dampf machen ließ, um aus dieser Gegend -herauszukommen, was uns allerdings nicht viel half, da schon im Laufe -des Nachmittags ein Weststurm einsetzte, welcher uns zwang, bis gestern -Mittag mit Sturmsegeln beizudrehen. Die Feuer unter den Kesseln waren also -angesteckt und es konnte sich nur noch um eine Viertelstunde handeln, -bis wir genügenden Dampfdruck hatten, um die Maschine in Gang setzen zu -können, als von Süden her eine weiße Wolke mit stärkerm Wind heraufzog, -welche zwar nicht besonders drohend aussah, mich aber doch veranlaßte, -schon vor ihrem Eintreffen die Segel festmachen zu lassen, weil diese -Arbeit während der Bö ja sehr viel schwerer sein mußte. Die Mannschaft war -an Deck gerufen, die Segel wurden gegeit, die Marsraaen liefen herunter, -die Matrosen enterten auf, die Segel verschwanden unter ihren Händen und -in dem Augenblicke, wo die Leute die Takelage wieder verließen, setzte -die Bö hell pfeifend von der Seite ein und gleich derart urplötzlich -mit ihrer ganzen Kraft, daß das Schiff, obgleich keine Segel standen, -mit einem Ruck 23° übergeneigt wurde und unter dem riesigen Winddruck so -liegen blieb, bis die Wolke über uns weggezogen war, was etwa eine Minute -währte. Da das Schiff zur Zeit ziemlich leicht war, weil Proviant, Kohlen -und Wasser nahezu aufgezehrt waren, so lag die Gefahr nahe, daß es bei -der Plötzlichkeit und Heftigkeit des ganzen Vorganges gekentert worden -wäre, wenn es sich noch unter Segel befunden hätte. Denn wenn die Mars- -und Untersegel nicht mehr rechtzeitig von ihren Fesseln hätten befreit -und wirkungslos gemacht werden können, so würden diese starken Segel und -die schwere Takelage bei dem verhältnißmäßig geringen Gegengewicht des -Schiffsrumpfes wahrscheinlich den ersten Anprall ausgehalten haben ohne -zu reißen und zu brechen und dann hätte die Korvette ein Ende gefunden, -wie es in dieser Gegend schon manchem Schiff bereitet worden ist. Bei Tage -schon wurde die Gefahr nicht in ihrer ganzen Größe vorher erkannt, aber es -lag doch die Möglichkeit vor, im letzten Augenblicke noch durch Loswerfen -aller Taue die Segel und einen Theil der Takelage preiszugeben und so -das Schiff zu retten, bei Nacht aber wäre dies wahrscheinlich nicht mehr -möglich gewesen, wenn die Wolke nicht etwa in der Dunkelheit sehr viel -drohender ausgesehen und so zu größern Vorsichtsmaßregeln Veranlassung -gegeben hätte. - -Eines Tages begegneten wir einer Heerde kleiner Walfische, welche mit -hohen Bogensprüngen aus dem Wasser heraus auf uns zueilten, etwa eine -Stunde bei dem Schiff blieben, gleichen Curs mit ihm haltend, und dann -wieder im weiten Meere verschwanden. Als die plumpen Thiere sich scheinbar -so übermüthig in und über dem Wasser tummelten, kam mir der wunderliche -Gedanke, daß das von ihnen empfundene Wohlbehagen und Vergnügen sich -eigentlich auch in ihrem Gesichtsausdruck widerspiegeln müsse, und ich -nahm unwillkürlich das Fernrohr zur Hand, um mir die schwarzen Gesellen -genauer zu betrachten. Was ich an den Thieren aber fand, war nicht schön, -denn an mehrern entdeckte ich frische Wunden, Stellen, wo 20-30 cm große -Stücke Fleisch aus dem Körper herausgerissen waren und woraus ich glaube -folgern zu müssen, daß die Fische nicht nur zum Vergnügen aus dem Wasser -heraussprangen und an unser Schiff sich herandrängten, sondern dies -thaten, um großen Raubfischen zu entgehen, da die Wunden wol auf den Biß -eines Haifisches zurückgeführt werden mußten. Das Wasser war leider zur -Zeit so bewegt, daß man mit dem Auge nicht unter die Oberfläche dringen -konnte, denn sonst wäre es vielleicht möglich gewesen, den Räuber zu -entdecken. - -Das Beste und Schönste der Reise hierher war die Einfahrt in den hiesigen -Hafen, wenngleich sich uns heute Vormittag, als wir bei schönem Wetter -Land ansteuerten, Australien nicht von der vortheilhaftesten Seite zeigte, -da die durch die 'Blue Mountains' gebildeten hohen Bergketten, deren -obere Spitzen bei klarem Wetter von See aus zu sehen sein müssen, sich -wie gewöhnlich in ihren bläulichen Dunst gehüllt hatten, daher für uns -unsichtbar blieben und das erste australische Land, welches in unsern -Gesichtskreis trat, die durchschnittlich nur 100 m hohe, kahle und öde -Küste bei Sydney war, auf deren Kamm sich Leuchtthürme, Signal- und -Flaggenmasten, sowie einige kleine Gebäude für die Küstenwache in klaren -Umrissen von dem bläulichen Dunstkleid der weiter im Lande liegenden -Berge abhoben. Mit unserm Vorschreiten entwickelt sich die Küste als eine -steile graue Wand, welche nach den Angaben der Karte so jäh abfällt, daß -an ihrem Fuß die Meerestiefe immer noch 14-20 m beträgt. Nördlich von -den Leuchtthürmen, da, wo der Bug unsers Schiffes hingerichtet ist, wird -ein Einschnitt, die 1800 m breite Einfahrt zum Port Jackson sichtbar, in -welcher jetzt auch das Hinterland kenntlich wird und immer deutlichere -Zeichnung annimmt. Wir dampfen in die Einfahrt, schlagen einen rechten -Winkel nach links, steuern zwischen schwimmenden Seezeichen hindurch -und an einem Feuerschiff vorbei über eine schmale Bank oder Barre von -nur 7 m Wassertiefe, drehen nach einigen Minuten wieder nach rechts, und -vor uns liegt eins der schönsten Hafenbilder einer geschäftigen großen -Handelsstadt. - -Eine Wasserstraße, welche durch Verschiebung des Landes von unserm -Standpunkt aus allerdings nur auf eine Länge von drei Seemeilen zu sehen -ist, zieht sich in gerader Linie zwischen coulissenartig vorspringenden -Landzungen hin, welche beide Seiten der Wasserfläche einfassen und -deren mittlere freie Bahn in der äußern uns zunächst gelegenen Hälfte -auf 1800 m und später auf nur 600 m verringern. Hinter den Landzungen -zeigen sich aber zurücktretende Wasserbuchten von 600-2000 m Tiefe und -durchschnittlich 500 m Breite, welche zu unserer Linken von Häusern -und ganzen Stadttheilen, zu unserer Rechten von Villencolonien und -grünbelaubten Abhängen umschlossen werden. Hinter den Buchten links die -amphitheatralisch aufsteigende Stadt mit großen Steinbauten, breiten -Straßen und großen parkähnlichen freien Plätzen, rechts die bewaldeten -Höhen mit den vor ihnen liegenden und von großen Gärten umgebenen schönen -Wohnhäusern, Villen und Flaggenmasten. Links fast nur Menschenwerk, rechts -vorherrschend Naturgebilde. Die Wasserfläche ist belebt mit Ruder- und -Segelbooten, zu Anker liegenden und in Bewegung befindlichen großen Segel- -und Dampfschiffen, auf den hohen Ufern am Lande zeigen sich Erholung -suchende Menschen, welche das einlaufende fremde Kriegsschiff durch -Tücherschwenken begrüßen; mehrere kleine belaubte Inseln mit stattlichen -Gebäuden liegen inmitten der großen Straße; von der Stadt her dringen -lange nicht mehr gehörte Laute, wie sie die Vielgeschäftigkeit einer -großen, nach Gelderwerb strebenden Menschenmasse erzeugt, an unser Ohr: -Dampfpfeifen, Hämmern und Schlagen, und das Gesumme und Gewoge, welches -sich aus tausenderlei vielen kleinen Tönen zu einem unbestimmbaren -Geräusch zusammenfindet. Gelderwerb ist wol das Schlagwort, welches hier -alles beherrscht und sich auch dem einlaufenden fremden Schiff gleich -aufdrängt, denn als wir die Stadt noch nicht sehen konnten und ihr -mit 11 Knoten Geschwindigkeit entgegeneilten, warf sich ein zierliches -leichtes Boot, wie sie nur in Sydney gebaut werden, mit großem Geschick -an unsere Seite, hakte sich am Schiffe fest und ließ sich mitschleppen. -Ich glaubte zwar, daß das Boot bei unserer großen Fahrgeschwindigkeit -gleich unter Wasser schneiden würde, aber nichts von dem, der Junge, -welcher den Haken geworfen hatte, paßte auf die Leine auf, ein behäbiger -Herr saß am Steuer und nickte uns vertraulich seinen Gruß zu, war aber -kein Hafenbeamter oder Lootse, wie ich angenommen hatte, sondern ein -ehrsamer wasserkundiger Schlächtermeister, welcher, rechtzeitig von unserm -Einlaufen unterrichtet, dem Schiff gleich entgegengefahren war und durch -sein meisterhaftes Manövriren mit dem Boot zunächst erreichte, daß man -ihn überhaupt herankommen ließ, weil man ihn für etwas anderes hielt, -als er war, und er nachher dann als Erster das Schiff bestieg, um seine -Waare anzupreisen. In einer der kleinen Buchten, Farm-Cove, welche als -Liegeplatz für die Kriegsschiffe reservirt ist, ankerten wir zu Füßen des -zum Gouverneur-Palast gehörigen Parks, über dessen Baumwipfel das vornehme -Gebäude hinwegsieht und einen Rundblick über den ganzen Hafen hat. - -Port Jackson könnte vielleicht der beste Handelshafen der Welt genannt -werden, wenn nicht der Hauptarm der Bucht, an welchem auch die Stadt -liegt, durch die vorher schon genannte Barre, welche Schiffen von über 7 m -Tiefgang das Einlaufen verwehrt, von dem Meere getrennt würde. Sonst hat -der Hafen überall genügende Wassertiefe für die größten Schiffe und, was -als geradezu unschätzbar angesehen werden muß, eine Uferlinie, welche in -Schlangenwindungen sich um die ganze Bucht hinziehend, eine fortlaufende -Kette der schon genannten kleinen Einbuchtungen mit großen Wassertiefen -darstellt. - -So scheint es fast, als ob die Natur selbst diesen Hafen als großen -Handelsplatz geplant habe, da er in seiner Gestaltung als Muster für -moderne künstliche Hafenanlagen dienen könnte, denn der Theil des Landes, -welcher zur Zeit von der eigentlichen Stadt in Anspruch genommen wird, -hat durch diese natürlichen Seitenhäfen eine dreifach größere Uferstrecke -erhalten, als er haben würde, wenn das Ufer geradlinig verliefe, und -was dies bedeutet, zeigt die Zahlenangabe, daß die jetzige Stadt Sydney -infolge dieser Ufergestaltung allein an der Südseite der Bucht, wo die -Geschäftsstadt liegt, eine Uferlinie von zehn Seemeilen Ausdehnung hat, -während dieselbe sonst nur drei Seemeilen betragen würde. Aber nicht nur -für die bequeme Befrachtung der Schiffe mit ungefährlichen Frachtgütern -hat die Natur gesorgt, sondern sie hat auch noch die kleinen Inseln als -Pulver-, Petroleum- u. dgl. Niederlagen in den Hafen gebaut. Durch diese -natürlichen Vorzüge mußten auch die Verkehrsverhältnisse aus der innern -Stadt nach dem Hafen außerordentlich bequeme werden und man konnte bei -ihrer Anlage von einer ungebührlichen Ausdehnung in die Länge absehen. Ob -Sydney auch mit einem weniger vorzüglichen Hafen das geworden wäre, was -es jetzt schon ist, muß bezweifelt werden. Wahrhaft betäubend wirkt es, -wenn man hört, daß während die Stadt im Jahre 1840 24000 Einwohner hatte, -die Bevölkerung jetzt schon über 200000 Seelen beträgt und vorläufig noch -in demselben Verhältniß weiter wächst. - - - 15. September 1878. - -Unsere Zeit ist nun auch hier abgelaufen und morgen werden wir Sydney -wieder verlassen, um nach der uns gewordenen Erholung von neuem unsern -Dienstpflichten nachzugehen. Vier Wochen in solcher Stadt zu leben ist -genügende Zeit, um viel sehen und lernen zu können, aber nur, wenn man -frei über sich verfügen darf und es einem auch gestattet ist, ungekannt -die Eigenthümlichkeiten der Tag- und Nachtbilder zu studiren. Dieser -Vorzug wurde mir aber nicht zutheil, denn vom ersten Tage an mußte ich -mich zu der Gesellschaft des Gouverneurs, zu welcher auch unser Consul -gehört, rechnen und war dadurch gleich infolge der verschiedenartigsten -Einladungen derart gebannt, daß ich an interessante Entdeckungsfahrten in -das Volksleben nicht denken konnte, sondern mich in dieser Beziehung mit -dem begnügen mußte, was die jüngern Herren mir darüber erzählten. - -Am Morgen nach meiner Ankunft, nachdem ich den Besuch unsers Consuls -empfangen hatte, machte ich mit diesem Herrn zusammen dem hier -residirenden Gouverneur von Neusüdwales meine Aufwartung, durfte mich -auch seinen Damen vorstellen und erhielt gleich zum Abend desselben -Tages eine Einladung zum Diner. Im Laufe des Nachmittags erwiderte der -militärische Adjutant des Gouverneurs in dessen Namen meinen Besuch und -übergab mir auch im Auftrage der liebenswürdigen Dame des Hauses einen -Schlüssel zu einem quer ab von unserm Ankerplatz liegenden Thor zu dem -Gouvernements-Park, damit ich bei meinen Besuchen im Government-House -stets auf dem kürzesten und zweifellos angenehmsten Wege dahin gelangen -könne. Der Gouverneur ist Civilbeamter und gehört zu der bevorzugten -Menschenklasse, aus welcher die englische Regierung die Personen für diese -wichtigen Posten auswählt, wenngleich die Herren, welche hierzu berufen -werden, oft ihre eigentliche Heimat nicht mehr wiedersehen, da sie das -höchste Amt eines Gouverneurs in der Regel in einer Colonie nur abgeben, -um es in einer andern wieder zu übernehmen. Der Gouverneur von Neusüdwales -hat einen fürstlichen Sitz, bezieht ein Jahresgehalt von 7000 Pfd. St. und -erfreut sich daneben noch mancherlei anderer diesen Aemtern zukommenden -Gerechtsame. So hat er das Recht der Wahl seines Adjutanten und Secretärs, -was für sein Familienleben zuweilen von großer Bedeutung ist, wie z. B. in -dem vorliegenden Falle der Gouverneur den Gatten seiner ältesten Tochter, -einen Armeeofficier, sich als Adjutanten hat commandiren lassen, sodaß die -Aeltern nun den Vorzug genießen, wenigstens diese Tochter nebst Gatten -und Kind stets mit unter ihrem Dache zu haben, da Adjutant und Secretär -ihrem Gouverneur von Platz zu Platz folgen und im Government-House -Dienstwohnung finden. Andererseits müssen die Aeltern allerdings auch oft -auf vielleicht Nimmerwiedersehen von ihren Kindern Abschied nehmen, denn -wenn der hiesige Gouverneur Australien verlassen sollte, dann muß er sich -wol für immer von seiner zweiten Tochter trennen, da diese während unsers -Aufenthalts hierselbst einen Herrn geheirathet hat, der als Besitzer -großer Viehstationen sich schwerlich wieder von Australien wird losreißen -können, denn je größer der Besitz ist, um so stärker ist ja der Besitzer -an die Scholle gefesselt. Ein mir als reich bezeichneter älterer Herr, -welchen ich kennen lernte, sprach sich sehr wehmüthig und entsagungsvoll -darüber aus, daß er nicht mehr nach Alt-England zurückkehren könne, und -als ich dies in Rücksicht auf seine gute finanzielle Lage nicht verstehen -wollte, gab er mir die Erklärung, daß er nie einen Käufer finden würde, -welcher im Stande sei, ihm einen nur einigermaßen annehmbaren Preis -für seine Liegenschaften zu zahlen, da große Kapitalisten als Käufer in -diese entfernten Colonien nie kämen, sondern nur Leute mit bescheidenern -Mitteln, welche erst erwerben wollen; und wer hier überhaupt verkaufe, -wolle auch den ganzen Kaufpreis ausgezahlt erhalten. Dies letztere wurde -mir erst in den jüngsten Tagen verständlich, als wieder einmal infolge der -im Innern anhaltenden Dürre so viel Vieh auf den hiesigen Markt getrieben -wurde, daß das Pfund Rind- und Hammelfleisch nur wenige Pfennige kostete. -Tritt ein solcher Fall ein, dann ist derjenige Besitzer, welcher nur eine -kleinere Anzahlung machen konnte, gewöhnlich wol bankrott und der frühere -Besitzer hat natürlich das Nachsehen, namentlich wenn er in England wohnt. - -Abends beim Gouverneur traf ich eine ziemlich große Gesellschaft an, die -Damen in kostbaren Toiletten, zu welchen die drei Töchter des Hauses -reizend geschmackvollen und reichen Blumenschmuck angelegt hatten. Im -großen und ganzen läßt sich von den anwesenden Damen und Herren nur -sagen, daß mir die Familie des Gastgebers in diesen Gesellschaftsrahmen -nicht recht hineinzupassen schien. Zwischen Ministern, die aus der -Bevölkerung der Colonie gewählt sind, Besitzern großer Viehstationen, -Sportsmen und Kaufleuten, welche durch ihren Reichthum und wol auch ihre -politische Stellung eine Rolle spielen, erschienen mir der Gouverneur -und seine Familienmitglieder, bei welchen jede Bewegung und jedes -gesprochene Wort an die vornehme Herkunft und die hohe Stellung, welche -sie einnehmen, erinnerte, als ganz fremdartige Erscheinungen, welche wol -am richtigsten mit fürstlichen Personen zu vergleichen sind, denen von -einer mit republikanischen Gewohnheiten prahlenden Umgebung doch willig -die höhere gesellschaftliche Stellung eingeräumt wird. So war bei einem -Ball, welchen die Junggesellen der guten Gesellschaft den verheiratheten -Familien gaben und wozu wir auch Einladungen erhalten hatten, für den -Gouverneur und seine Familie eine Art Thron mit mehrern Stufen errichtet, -wohin nur diejenigen Personen Zutritt erhielten, welche dahin befohlen -wurden. Im Gegensatz hierzu steht wieder die schwierige Stellung, welche -der Gouverneur bei seinen Ministern und dem Parlament, wo es häufig -amerikanisch derb hergehen soll, findet; doch wird dem jetzigen Gouverneur -nachgerühmt, daß er in sehr sicherer und taktvoller Weise die Klippen -zu umschiffen weiß, mit welchen sein schwieriges Amt übersät ist, denn -die einzelnen australischen Colonien, welche bekanntlich voneinander -ganz unabhängig sind, sind dies praktisch auch von dem Mutterlande, -von welchem sie nur den von der Königin ernannten Gouverneur annehmen -müssen, und dadurch wol unwillkürlich zu dem Versuch gedrängt werden, -diesen unabhängigen Mann in ein Abhängigkeitsverhältniß zur Colonie zu -bringen. Diese hat auch ihre eigenen Miliztruppen und Befestigungsanlagen, -die englischen Kriegsschiffe sind hier ebenfalls nur Gäste, und das -von der Colonie von Neusüdwales dem jeweiligen Befehlshaber des in der -Südsee stationirten englischen Geschwaders und seiner Familie hier -in Sydney zu freier Benutzung überwiesene vollständig ausgestattete -große Wohnhaus ist ein freiwilliges Geschenk der Colonie an die Flotte -des Mutterlandes. Wie rücksichtslos in anderer Beziehung die Colonie -auf ihre Selbständigkeit pocht, dürfte daraus hervorgehen, daß es den -englischen Kriegsschiffen ebensowenig wie fremden Schiffen möglich ist, -ihre Deserteure wiederzuerhalten, da die Polizei jede Mitwirkung hierzu -ablehnt unter dem Vorwand, daß ihre Macht sich nur auf die innere Stadt -beschränke und die Häuser, wo die weggelaufenen Matrosen Unterschlupf -finden, in den Vorstädten liegen. So waren einem englischen Kanonenboot -mit einer Besatzung von 120 Mann, 85 Mann weggelaufen; der Commandant -des Schiffes und die Polizei wußten, wo die Leute frei umhergingen, -aber nicht einmal die Einwirkung des Gouverneurs konnte erreichen, dem -wehrlos gewordenen Schiffe seine Besatzung wieder zuzuführen. Böse Zungen -behaupten, daß die Colonie, welche für jeden arbeitskräftigen Einwanderer -eine Prämie von 45 Pfd. St. zahlt, hieraus ein Geldgeschäft macht, weil -sie für diese Einwanderer keine Prämie zu zahlen brauche. Die Hauptaufgabe -des Vertreters der heimischen Regierung wird hier vorzugsweise darin -bestehen, die Einflüsse unschädlich zu machen, welche die schon sichtlich -amerikanisch-republikanisch angehauchten Neigungen der Colonisten zu -stärken geeignet sind, um so den Zeitpunkt der doch über kurz oder lang -eintretenden Losreißung des großen australischen Staates von dem kleinen -Mutterlande möglichst lange hinauszuschieben. - -Die Stadt genießt die Vorzüge ihrer Jugend: gerade, breite, systematisch -angelegte Straßen, große öffentliche Parks inmitten der Stadt und -zueinander passender Baustil der öffentlichen Gebäude, an denen Sydney -außerordentlich reich ist. Unter den öffentlichen Bauten führe ich an: -Das Government-House, das Parlament, der Gerichtshof, das Schatzamt, -die Münze, das Rathhaus, die Universität, 2 große Kathedralen, ein -großes Hospital, das Museum, die Volksbibliothek, die Börse, das Post- -und Telegraphenamt, die Ausstellungsgebäude, 13 Banken, 3 Theater und 6 -größere Clubhäuser. Rechnet man dazu die vielen großartigen Verkaufsläden, -so begreift man, daß Sydney eine wirkliche Großstadt zu nennen ist. Von -den öffentlichen Parks sind in erster Reihe die Domäne und Hydepark zu -nennen, beide mit hohen Bäumen bestanden und von schattigen Fußwegen, -sowie breiten Fahr- und Reitwegen, durchschnitten. Eine wahre Perle ist -die Domäne, welche Farm-Cove umfassend und die beiden die Bucht bildenden -Landzungen in sich schließend eine Fläche von etwa 1400 m Länge und 700 m -Breite einnimmt. Innerhalb der Domäne liegen auf der einen Landzunge das -Government-House und der weitläufige, im großartigsten Stil angelegte -Botanische Garten; die andere Landzunge, an deren Fuß sich Seebäder -befinden, ist öffentlicher Park. Der Botanische Garten, für welchen -die Colonie eine besondere Zärtlichkeit zu besitzen scheint, enthält an -Bäumen, Sträuchern und Blumen wol so ziemlich alles, was man in der heißen -und gemäßigten Zone unserer Erde an bedeutendern Pflanzen finden kann. -Mich interessirten besonders die Nadelhölzer und hier wieder vorzugsweise -die durch ihre feinen Nadeln, schönen Formen und Farben berühmten Tannen -der kleinen Insel Norfolk. Natürlich hat Sydney auch seinen Rennplatz -und große 'Criquet-' und 'Lawn tennis-grounds'. Hier, wie an entfernter -liegenden Fischplätzen und auf dem Hafen kann man sich an der Lebendigkeit -der Bewohner sowie daran erfreuen, daß die Menschen, trotz ihres Hastens -nach Gelderwerb, die Freude an unschuldigen Vergnügungen und am Sport -nicht verloren haben; ja, ich möchte behaupten, daß ich bisjetzt noch -keinen Platz kennen gelernt habe, wo die Bevölkerung sich nach Schluß -der Geschäftsstunden so allgemein der körperlichen Erholung widmet. -Dampfer und Eisenbahn bringen die nach Abwechselung und Zerstreuung -lüsternen Städter nach beliebten Ausflugspunkten; mit erstern fahren -sie den Fluß hinauf oder über See, vermittelst der letztern kommen sie -in die Berge; Fuhrwerke aller Art, eigene und Miethswagen, eilen zu den -Spielplätzen, und Lustjachten wie kleinere Segel- und Ruderboote beleben -den Hafen. Namentlich an den Sonntagnachmittagen sind bei gutem Wetter -die sämmtlichen kleinen Segelboote in Bewegung nach der Hafenmündung -zu, und ich habe noch bei jeder solchen Gelegenheit eins oder zwei der -Boote kentern sehen, weil sich bei diesen Ausflügen stets Wettfahrten -entwickeln, da der Engländer davon nun einmal nicht lassen kann, und die -Leute, von denen viele nichts von dem Segeln verstehen, dann übermäßig -Segel führen. Ein weiteres Unglück, als daß die Gekenterten naß wurden, -passirte dabei indeß nicht. Der Sport spielt hier überhaupt in gewissen -Grenzen vielleicht noch eine größere Rolle als im Mutterlande, löst doch -ein Wettrennen das andere ab, und bereisen doch die Criquetspieler nicht -nur die australischen und neuseeländischen Städte, sondern sogar England, -um andere derartige Gesellschaften zum Preiskampf herauszufordern. Während -unsers hiesigen Aufenthalts wurden in Sydney zwei Rennen abgehalten -und von mehrern in andern Städten war noch die Rede. Der Gouverneur ist -selbst großer Sportliebhaber, hat acht Rennpferde im Stalle stehen und -fuhr als richtiger Sportsman zu einem Rennen, das in unmittelbarer Nähe -der Stadt abgehalten wurde, selbst 'four in hands' seine große 'Coach', -in welcher seine ganze Familie sowie die von ihm Geladenen, zu denen auch -ich gehörte, Platz fanden. Die Damen saßen in dem Wagen, wir Herren oben -auf dem Verdeck. - -Das Klima, welches annähernd dem von Süditalien mit dem Vorzug eines -kühlern Winters entspricht, scheint dem menschlichen Organismus ebenso -zuträglich zu sein wie den Kindern der Pflanzenwelt, unter welchen auch -die Früchte eine hervorragende Rolle spielen, denn es sollen z. B. in den -Anpflanzungen bei Sydney und Paramatta mehr Orangenarten zu finden sein -als auf dem ganzen übrigen Erdball. Man hat durch Kreuzung und Veredelung -neue Arten und von bekannten Arten andere Größen gewonnen, und von den -letztern werden kleine, nur wallnußgroße Mandarinen wegen ihres feinen -Geschmacks und Saftreichthums besonders geschätzt. - -Die wohlhabendern Klassen halten vielfach daran fest, außerhalb der -Stadt zu wohnen. Die meisten dieser Wohnungen findet man nach der -Seeseite zu und auf dem nördlichen Ufer des Hafens, wo schöne Häuser -in herrlichen Gärten liegen, doch fängt man seit der Fertigstellung -der Eisenbahn nach den 'Blue Mountains' auch an, sich dort an höher -gelegenen Punkten anzusiedeln. Die große Entfernung der Privatwohnungen -von den Geschäftsräumen und der Umstand, daß sich in einer aufstrebenden -Colonie in der bessern Gesellschaft immer eine unverhältnißmäßig große -Zahl unverheiratheter jüngerer Männer vorfinden, erklärt wol die vielen -Clubhäuser und deren starke Benutzung zur Frühstückszeit. - -Wie in allen englischen Hafenstädten und namentlich in denjenigen der -Colonien fremde Kriegsschiffe auf das liebenswürdigste aufgenommen -werden und ihnen nicht nur von den Offiziercorps und geschlossenen -Gesellschaften, sondern auch von einzelnen amtlichen und Privatpersonen -der erste Besuch gemacht wird, um den Offizieren die Anbahnung eines -geselligen Verkehrs zu erleichtern, so erging es uns auch hier. Gleich in -den ersten Tagen waren wir in die Clubs und in viele Familien eingeführt, -und es durfte mich nicht überraschen, als der Consul mich auf den -Spielplatz der guten Gesellschaft führte, dort bereits unsere Offiziere im -Kreise junger Damen vorzufinden. Die Aufmerksamkeit der Behörden ging so -weit, daß jeder Offizier eine in zierlichem Lederumschlag mit Goldschnitt -befindliche Freikarte zu beliebiger Benutzung sämmtlicher Eisenbahnlinien -der Colonie für die Dauer unsers Aufenthalts erhielt. - -Daß Australien die merkwürdigsten Vögel und solche von außerordentlich -schönem Gefieder, sowie eine auffallend große Zahl verschiedener Kakadu- -und Sitticharten hat, ist bekannt, aber überraschend wirkt es doch, wenn -man solche Thiere in großen Wagen zum Verkauf herumfahren sieht und sowol -die Farbenpracht der einen, wie die zarten, unscheinbaren und doch so -feinen Farben anderer und die merkwürdigste Farbenzusammenstellung in dem -Gefieder wieder anderer bewundern muß. Von allen Vögeln, welche ich hier -zu Gesicht bekam, interessirte mich am meisten der Jägerliest, hier wegen -seines, lautem Lachen täuschend ähnelnden Geschreis allgemein „'laughing -Jack'“ genannt, von welchen unser Consul einige gezähmte in seinem Garten -herumlaufen hat. Dieser Vogel, welcher in seinem unscheinbaren Gefieder -und sonstigem Aeußern einer Eule gleicht, bei näherer Betrachtung aber in -seinem Bau an den Eisvogel erinnert, etwa 40 cm hoch ist und einen Kopf -hat, welcher fast ein Drittel des ganzen Körpers einnimmt, kommt mir wie -ein vorsintflutliches Geschöpf vor. - -Von allem Möglichen habe ich nun schon erzählt und noch nicht unserer -deutschen Landsleute gedacht, doch liegt dies daran, daß dieselben in -diesem Theil Australiens wenig zur Geltung kommen, weil sie mit ganz -verschwindenden Ausnahmen, welche in der englischen guten Gesellschaft -aufgehen, nur dem kleinern Kaufmanns- und dem Handwerkerstande angehören -und sich durch Heirathen mit den englischen Einwohnern schon stark -vermischt haben. Doch halten sie unter sich noch immer zusammen und nahmen -uns in der zuvorkommendsten Weise auf, stellten uns ihr Vereinslocal zur -Verfügung und gaben uns einen Ball, welchen wir mit einem Tanzfest auf -unserm Schiff erwiderten. In nähere gesellige Berührung bin ich mit nur -einigen wenigen gekommen. - -Ich habe natürlich auch nicht versäumt, die 'Blue Mountains' zu besuchen, -wohin unser Consul mich zweimal führte. Das erste mal waren wir allein, -fuhren mit der Bahn bis Blackheath und gingen von dort aus zu einem -Felsenthal „'the Grose'“ und zu einem Wasserfall, „'Govett’s Leap'“ -genannt; das zweite mal hatte der genannte Herr unsere dienstfreien -Offiziere nach dem jenseit der Blauen Berge gelegenen Städtchen -Bathurst eingeladen, um uns bei der Rückfahrt einen Ueberblick über -die Gebirgslandschaft zu verschaffen und uns auch Gelegenheit zu geben, -während der Fahrt das großartige Menschenwerk zu bewundern, durch welches -es erst möglich wurde, nicht nur mit der Bahn, sondern überhaupt diesen -Bergrücken zu überschreiten, welcher vorher sogar für einzelne Menschen -und Saumthiere unpassirbar war. - -Bei der Station Blackheath fanden wir ein recht gutes Wirthshaus, ein -zwar einfaches aber innen gut ausgestattetes hölzernes Gebäude mit -guter Verpflegung. Von hier aus gelangten wir auf schmalen Pfaden durch -Gestrüpp und Steingeröll nach dem Grosethal und nach 'Govett’s Leap'. Das -Charakteristische dieser Thäler und Schluchten liegt in den mächtigen -Felswänden, welche, altem Gemäuer gleichend, senkrecht abfallen, sowie -in dem üppigen Pflanzenwuchs der feuchten Thalsohle, welche mit dichtem -Wald bestanden ist. 'Govett’s Leap' ist ein großer, von hohen Felswänden -umschlossener Kessel, in welchen sich von der einen Seite von einer 170 m -hohen Wand ein kleiner Wasserarm ergießt, der von oben als dünner Strahl -herunterfällt ohne das Gestein zu berühren. - -Nach Bathurst fuhren wir des Abends, trafen dort nach vierstündiger Fahrt -nachts 11 Uhr ein und traten am nächsten Morgen die Rückfahrt an. Der -Rundblick, welchen man auf das Gebirge erhält, ist großartig; weithin -schweift das Auge über Berg und Thal und ist entzückt von dem weichen -blauen Farbenton, welcher auf der Landschaft liegt, doch die Natur tritt -zurück, sobald der Zug die Westseite der hohen Scheidewand erreicht, wo -er in Zickzacklinien heraufklettern muß, um den Gebirgskamm zu erreichen. -Diese Wand ist so steil und zerklüftet, daß die Ingenieure, welche mit der -Untersuchung des Terrains und mit den Vorarbeiten des Bahnbaues beauftragt -waren, sich an langen Seilen herunterlassen mußten, um die Punkte für den -Schienenweg bestimmen zu können. Man begreift kaum, wie es möglich ist, -daß ein Eisenbahnzug diese steile Wand überwinden kann, und staunt die -Bauten an, welche nöthig waren, um die Schluchten zu überbrücken, denn -drei Viadukte, jeder von 7-8 Bogen mit je 30 Fuß engl. Spannweite und -größter Pfeilerhöhe von 46 Fuß, und ein Tunnel von 70 m Länge nehmen einen -großen Theil des ganzen Schienenweges in Anspruch oder erscheinen dem Auge -doch so. Der eigentliche Bahnkörper ist natürlich nur eine schmale Straße -mit einfachem Gleise; für Kurven und Drehscheiben blieb kein Platz, und -so kam man auf den Gedanken der Zickzacklinie, wo die Lokomotive den Zug -auf der einen Strecke zieht und auf der andern schiebt. Für eine Höhe von -687 Fuß engl. waren allein 7,5 km Schienenweg erforderlich und je 1,5 km -erforderten einen Kostenaufwand von 4-500000 Mark, sodaß der von den -Engländern Zig-Zag genannte Theil allein über 2 Millionen Mark gekostet -hat. - -Bei den vorgenannten Fahrten kamen wir auch durch Eukalypten-Waldungen -und durch weite, nur mit niedrigem Gestrüpp bedeckte Flächen, wie sie -Australien eigenthümlich sind, in den höhern Regionen auch durch solche, -wo nur Gräser die Erde bedecken. All dieses bietet wenig Anziehendes; -die Eukalypten mit ihren schmutzig-grauen Stämmen und ähnlich gefärbten -kleinen Blättern erinnerten mich an Olivenbäume, die kahlen farblosen -Wälder ohne Buschwerk zwischen den weit auseinander stehenden und nur -an ihrem Wipfel mit einer Laubkrone versehenen Stämmen an verstaubte, -halb verdorrte Waldgehege innerhalb großer Städte, wenn in heißem Sommer -lange Zeit kein Regen gefallen ist. Warum dieser Baum „'gum-tree'“, von -den Deutschen „Gummibaum“ (mit welchem er weder in Gestalt noch in seinen -Eigenschaften irgendeine Gemeinschaft hat) genannt wird, ist mir unklar -geblieben. Vielleicht daß die Eingeborenen ihn mit dem Laut „Göm“, aus -welchem die ersten Colonisten „'gum'“ machten, bezeichnet haben. Diese -farblose kalte Pflanzenwelt, das weiter oben in den Bergen vorherrschende -Knieholz und niedrige Gestrüpp, sowie die kleinen als Stationsgebäude -dienenden Blockhäuser ließen mich die Scenerie in den Blauen Bergen schon -auf einer Höhe von nur 500 m über dem Meere trotz der warmen Luft mit den -Gefilden unsers Riesengebirgskammes auf 1500 m Höhe vergleichen. - -Ich glaube mit Sydney abschließen zu können, nachdem ich noch gesagt -habe, daß unser geselliger Verkehr hierselbst, dank der vollendeten -Gastfreundschaft unsers Consuls und der englischen Gesellschaft ein sehr -reger war und uns Genüsse der verschiedensten Art geboten wurden. Die -wöchentlichen Nachmittags-Gartenfeste beim Gouverneur verdienen in erster -Reihe genannt zu werden, weil man hier in dem schönen Park bei Musik -alles traf, was zur guten Gesellschaft gehört, und die zwanglose Form des -Verkehrs ein Magnet war, welchem niemand so leicht widerstehen konnte. -Neben dem bereits erwähnten Junggesellen-Ball fand noch ein von der Gattin -des Gouverneurs zu Wohlthätigkeitszwecken veranstalteter Costümball statt, -zu welchem die Theilnehmer nur in Kattunstoffen erscheinen durften; -Privatbälle, Mittags- und Abendgesellschaften schlossen die Kette der -Feste. - - - - -10. - -Samoa. - -II. - - - Angesichts Upolu, 7. October 1878. - -Das schöne Upolu liegt nun auch wieder in unserm Gesichtskreis und zwar -als ein in Gewitterwolken eingehülltes und von den letzten Strahlen -der untergehenden Sonne beleuchtetes kleines Stück Bergland auf weitem -Meere. Windstille liegt über der träge auf- und niederwogenden See, -laue Tropenluft umfängt uns und Blitze zucken durch das auf dem Lande -lagernde schwarze Gewölk; der Tag schwindet schnell, die Nacht breitet -ihre Schatten aus, und kaum daß die Sonne zur Rüste gegangen ist, -flimmern und blinken auch schon die Sterne oben in der Höhe an dem -dunkeln, in unendliche Fernen reichenden Himmelsdom; in gleichmäßigem -Takt schlägt die Schraube durch das Wasser, treibt unser Schiff dicht -unter der Küste entlang dem Hafen zu und die Nähe des Landes zwingt -mich, die Nacht zum Tage zu machen. So finde ich in später Abendstunde -Muße zum Schreiben, welche ich benutzen will, da ja möglicherweise sich -uns morgen in Apia schon eine Postgelegenheit bieten kann. Schwer wird -es mir, in meiner Kajüte zu bleiben, da eine Nacht wie die heutige mich -mit unwiderstehlicher Gewalt auf das Deck zieht. Was es ist, kann ich -nicht sagen. Ob der von dem Lande ausströmende Duft und geheimnißvolle -Zauber; ob das bleierne Gewölk, welches die Insel so innig umfängt, daß -man glaubt, kein heimlicheres Plätzchen finden zu können; ob die tiefe -andachtsvolle Stille, welche nur durch ein leises Rauschen der Brandung -unter der Küste und das gleichmäßige Arbeiten der Maschine unterbrochen -wird; ob die weite Sternenwelt oder ob Alles zusammen? Ja, wer kann es -sagen und wer ist wol im Stande zu beschreiben, was die Seele des Menschen -in solcher Umgebung eigentlich durchzieht und bewegt? - -Beim Durchblättern meines Tagebuches finde ich übrigens zu meiner -Befriedigung, daß mir infolge der Einförmigkeit unserer letzten Reise -kaum etwas niederzuschreiben bleibt. Das Einzige, was vielleicht von -allgemeinerm Interesse sein könnte, ist, daß wir die von dem französischen -Transportschiff „'La Rance'“ im Jahre 1873 entdeckten und nach ihm -benannten großen Korallenriffe, welche ein Feld von 10 Seemeilen -Durchmesser einnehmen sollen, ebenso wenig gefunden haben, wie das -englische Kriegsschiff „'Pearl'“ sie im vorigen Jahre finden konnte, und -daher nur anzunehmen ist, daß dieses Riff inzwischen wieder verschwunden -ist oder aber nie bestanden hat. Der Franzose will bei starkem Wind -plötzlich entfärbtes Wasser gesehen haben und hat dann ein Boot zu Wasser -gelassen, welches dort mit dem Loth als geringste Wassertiefe nur 6½ m -gefunden haben will, während der Ausguckposten des Schiffes vom Mast aus -nach der Brandung, welche er gesehen haben will, die ungefähre Ausdehnung -des Riffs festgestellt hat, wobei nur unerklärlich bleibt, weshalb zu -dieser wichtigen Messung und überhaupt zur Richtigstellung der ganzen -für die Schiffahrt so bedeutungsvollen Sachlage nicht der Commandant -selbst oder doch wenigstens ein Offizier in die Takelage gegangen ist. -Thatsache ist, daß wir unter den denkbar günstigsten Umständen den -Platz der fraglichen Bank unter Dampf angesteuert haben, bei klarem -sehr sichtigen Wetter, Windstille und hoher Dünung, sodaß wir, wenn in -einem Umkreis von 16 Seemeilen von unserm jeweiligen Standort während -der Zeit, wo wir suchten, Riffe gewesen wären, die Brandung auf ihnen -unter allen Umständen hätten sehen müssen und keine durch Wind erzeugten -Wellenbrecher uns hätten täuschen können. Außerdem hatten wir aber auch -eine durchaus zuverlässige Ortsbestimmung, fanden mit dem gewöhnlichen -großen Loth keinen Grund und zuverlässige Posten wie ein Offizier mit -Fernrohr konnten aus der Takelage keine Brandung entdecken. Nachdem wir -bis 5 Uhr nachmittags vergeblich gesucht hatten, kamen wir zu demselben -Schluß wie die englische Korvette „'Pearl'“, daß die Korallenbank nicht -oder aber nicht mehr existirt. - - - 8. October 1878. - -Als wir heute Morgen mit Tagesanbruch in Apia einliefen, erhielt ich von -dem Lootsen gleich die befriedigende Nachricht, daß die amerikanischen -Abenteurer bis auf einen, welcher noch immer versuche, die Geldansprüche -der frühern Landcompagnie geltend zu machen, die Samoa-Inseln für immer -verlassen hätten, daß ebenso das amerikanische Kriegsschiff schon lange -nach seiner Heimat zurückgekehrt sei und im Lande Ruhe herrsche. Dagegen -brachte er mir die traurige Kunde, daß der Halbweiße, welcher bei der -Beschlagnahme von Saluafata als unser Dolmetscher gewirkt hatte, durch die -Folgen jener Nacht richtig seinen Tod gefunden habe, denn er habe sich von -dem ausgestandenen Schreck nicht mehr erholen können und sei einige Wochen -darauf gestorben. Dasselbe bestätigte mir die Frau des armen Teufels, -welche ich heute Nachmittag auf ihren Wunsch hin besuchte und die mir ein -für mich bestimmtes kleines Vermächtniß des Todten einhändigte, welches in -einer alten werthvollen, aus der Familie seiner Mutter stammenden Matte, -einigen Stücken Tapa und andern Kleinigkeiten bestand. - -Die hiesige politische Lage scheint zur Zeit für uns günstig zu sein. -Im Lande herrscht wirklich Ruhe, denn die Regierungsmitglieder haben -sich Ferien gegeben, um die heimatlichen Districte zu besuchen und -sich im Kreise ihrer Verwandten zu erholen. Nur drei Mitglieder sind -als Repräsentanten der Regierung hier zurückgeblieben und diese nahmen -aus unserer Ankunft Veranlassung, gleich heute Vormittag den Consul zu -bitten, mich von allen Gewaltmaßregeln abzuhalten, da sie zum Abschluß -eines Vertrages mit uns bereit seien und dies nur jetzt noch nicht zur -Ausführung bringen könnten, weil die Regierung nicht beisammen sei; sie -würden indeß gleich Schritte thun, um die Abwesenden zurückzurufen. - -Ueber die Amerikaner hörte ich noch, daß der früher mehrgenannte -höhere Consulatsbeamte, welcher sich vor einiger Zeit von hier nach den -Fidji-Inseln begeben hat, die Zeit seines hiesigen Aufenthalts vornehmlich -dazu benutzt haben soll, die Samoaner immer wieder vor den Deutschen zu -warnen und ihnen zu empfehlen, mit diesen ja keinen Freundschafts- und -Handelsvertrag abzuschließen. Wenn ich nun an dieser Stelle auch noch -einmal auf die Angelegenheiten der amerikanischen Landcompagnie, welche -für uns keinerlei Interesse mehr haben, mit wenig Worten zurückkomme, so -geschieht dies nur, um die frühern Angaben zu vervollständigen. - -Als die Samoaner sich beharrlich weigerten, die gemachten Geldansprüche -anzuerkennen, und daran festhielten, nur die für Mamea’s Reise gesammelten -1000 Dollars zu bezahlen, gab der amerikanische Commandant die Sache -wieder an den inzwischen eingetroffenen neuen amerikanischen Consul ab, -und damit wird die Sache wol im Sande verlaufen. - -Daß wir nun während meines jetzigen Aufenthalts hierselbst schon zum -Abschluß des seit Jahren erstrebten Vertrages kommen werden, glaube -ich übrigens nicht, da eine dem Schiffe gestellte Aufgabe es nach -Neu-Britannien ruft, sofern die hiesigen politischen Verhältnisse eine -längere Abwesenheit gestatten sollten, und dies scheint mir der Fall -zu sein. Unser Aufenthalt wird daher, wenn nicht etwa Zwischenfälle -eintreten, nur von kurzer Dauer sein. - - - 18. October 1878. - -Natürlich ist der Vertrag bisjetzt noch nicht zu Stande gekommen und -wird es vorläufig auch noch nicht, da ich übermorgen die geplante -Reise antreten will. Wir haben aber gestern in einer Sitzung mit der -Samoa-Regierung wenigstens erreicht, daß dieselbe eine uns zusagende -Commission für die diesbezüglichen Verhandlungen ernannt und sich -schriftlich verpflichtet hat, am 1. Januar 1879, bis zu welchem Zeitpunkt -ich wieder hier zu sein hoffe, in dieselben einzutreten. - -Apia bot mir dieses mal einen sehr viel behaglichern, wenn auch -weniger anregenden Aufenthalt als bei unserm ersten Besuch, weil -keinerlei Aufregung und Unruhe an mich herangetreten ist; zu den von -mir beabsichtigt gewesenen weiteren Ausflügen in die Umgebung, um das -Volksleben kennen zu lernen, bin ich aber doch nicht gekommen, weil ich -keine Begleiter fand und zur Zeit auch keinen Dolmetscher erhalten konnte, -ohne welchen ich nichts hätte anfangen können. So mußte ich mich mit dem -begnügen, was die Stadt selbst mir bot. - -Dahin gehört zunächst der Fang eines wurmartigen Wasserthieres, welcher -den Charakter eines Volksfestes angenommen hat und zu welchem wir gerade -rechtzeitig hier eingetroffen waren, weil das Aufsteigen der merkwürdigen -Thierchen vom Meeresboden an die Oberfläche, welches jährlich nur zweimal -an zwei aufeinander folgenden Tagen und zwar in den Monaten October -und November am Tage nach Eintritt des dritten Mondviertels erfolgt, am -zweiten Tage nach unserer Ankunft seinen Anfang nahm. Der Samoaner nennt -diesen Wurm, dessen regelmäßig wiederkehrende Aufsteigezeit er der Natur -abgelauscht hat, „Palolo“. Merkwürdig muß ein Geschöpf wol genannt werden, -welches sich während eines ganzen Jahres auf oder in dem Meeresboden -aufhält und sich nur in zwei aufeinander folgenden Monaten an je einem -von dem Mond abhängigen Tage, da an dem zweiten nur Nachzügler kommen, -des Morgens kurz nach Sonnenaufgang für die Dauer einer Stunde an die -Wasseroberfläche wagt, um dann wieder für zehn Monate seine Schlupfwinkel -aufzusuchen, wenn es nicht etwa wie die Eintagsfliege abstirbt, nachdem -es einmal das Sonnenlicht geschaut hat. - -Ich wollte es mir natürlich nicht entgehen lassen, an dem Fang -theilzunehmen und fuhr daher an dem betreffenden Tage schon vor -Sonnenaufgang mit meinem Boot durch das Dunkel der Nacht auf stiller -glatter Flut zu der Stelle, wo die Ankunft der seltenen Gäste erfolgen -sollte. Einige Eingeborene, deren Kanus in größerer Nähe aus der -Dunkelheit heraustraten, traf ich schon an, und singend kamen vom Lande -her neue Zuzügler. Die hohen schwarzen Berglehnen des noch von der Nacht -umfangenen Landes, der von dunkelm Gewölk umlagerte ferne Horizont und die -allmählich verblassenden Sterne umschließen in ihrer großartigen Ruhe ein -Stück Leben eigener Art, wo ein langes schmales, von grollender Brandung -überspültes Korallenriff die innere schwarze stille Flut mit den lachenden -und singenden Menschen von der rauschenden ernsten und erbarmungslosen -See scheidet, deren gierig leckende und in Hast sich überstürzenden -Wellen alles verschlingen möchten. Mancherlei Kurzweil wird hier innen -getrieben, da die Augen sich genügend an die Dunkelheit gewöhnt haben -und auch die kurze Dämmerung schon anbricht. Die verschiedensten für den -Fang bestimmten Gefäße werden gezeigt und bewundert, gelegentlich auch -dazu benutzt, um ein anderes Kanu mit einem kleinen Sturzbad zu bedenken. -Ununterbrochen fahren die leichten Fahrzeuge wie bei einem Corso hin -und her, um Bekannte zu begrüßen und Neuigkeiten auszutauschen, bis die -über den Horizont steigende Sonne an den Fang mahnt. Plötzlich sind die -Sterne verschwunden und es ist Tag; ein kleiner goldiger Bogen zeigt -sich über dem Horizont und gleich darauf beleuchtet auch schon der ganze -Sonnenball das urplötzlich veränderte Bild. Die Menschen sind still, die -Kanus haben sich gegenseitig Raum gegeben, und mit den Schöpfgefäßen in -der Hand lugen alle in die Tiefe. Hier und da ein Ruf, ein Schöpfen und -bald ist allgemeine Bewegung in sämmtlichen Fahrzeugen. Ringelnd wie -die Schlangen steigen aufrechtstehend die 15-20 cm langen, 30 mm dicken, -matt lila gefärbten Thierchen in großen Scharen aus der Tiefe auf, um an -der Wasseroberfläche gefangen zu werden und den Eingeborenen später als -seltenes und geschätztes Mahl zu dienen. Auch wir betheiligen uns an dem -Fang, jedoch nur um einige dieser Würmer in der Nähe genauer betrachten zu -können, wobei wir fanden, daß außerhalb des Wassers das mit rauher Haut -behaftete Thierchen gleich steif wird und beim Anfassen wie ein dünner -Glasstab in mehrere Stücke bricht. - -Einen unserer gewohnten abendlichen Spaziergänge dehnten wir auf Vorschlag -meines damaligen Begleiters, eines deutschen Herrn, welcher etwas -samoanisch spricht, bis zu der Hütte der früher schon einmal genannten -Häuptlingstochter Toë, aus, um dieser Dame einen Abendbesuch zu machen. -Wir trafen erst gegen 9 Uhr dort ein und fanden die Vorhänge an dem großen -Hause zwar schon heruntergelassen, sahen aber doch Licht durchschimmern -und traten daher, nachdem wir einen der Vorhänge zur Seite geschoben -hatten, ein. Was wir hier sahen, ist für die Lebensart der Samoaner -so charakteristisch, daß ich aus diesem Grunde die kleine Episode hier -einfüge. - -Der innere Raum, welcher nicht durch Vorhänge abgetheilt war, wurde durch -eine Petroleumlampe soweit matt erleuchtet, daß man ihn eben noch ganz -übersehen konnte. In der Mitte auf abgesondertem freierm Platz lag Toë -mit einigen Mädchen in tiefem Schlaf, und der ganze übrige Raum war mit -nebeneinander liegenden halbnackten schlafenden Gestalten so ausgefüllt, -daß es Mühe machte, bis zur Mitte vorzudringen ohne die Leute zu treten. -Interessant war mir, diese Schlafstätte näher zu betrachten, wie immer -in einer geraden Linie mehrere lange Kopfkissenhölzer nebeneinander -aufgestellt waren und in trauter Gemeinschaft ordentlich ausgerichtet -Männlein und Weiblein vielfach in bunter Reihe nebeneinander lagen. Bei -unserm Eintreten drehte wol die eine oder andere Gestalt den Kopf zu -uns hin, ohne indeß weitere Notiz von uns zu nehmen, und die von uns im -Schlaf gestörte Toë nahm uns, nachdem sie sich aufgesetzt und den Schlaf -aus den Augen gerieben hatte, freundlich auf, bot uns einige schnell -zurechtgedrehte samoanische Cigaretten an und erklärte dann ihr volles -Haus damit, daß ein Theil ihres Stammes, welcher keine eigene Hütte habe, -hier nächtige und der Rest durchreisende Gäste seien. Nachdem wir die -Cigaretten geraucht hatten, empfahlen wir uns wieder, ich ganz befriedigt -über den Einfall meines Begleiters, da ich dadurch zufällig einen Einblick -in samoanisches Leben thun konnte, den ich sonst wol nicht erhalten hätte. - - * * * * * - -Die ruhigen Tage der letzten Zeit waren ganz dazu angethan, meine Gedanken -wieder auf die Frage der Gründung deutscher Colonien zu lenken, welche -mich, seitdem ich hier in der Südsee bin, auf das lebhafteste beschäftigt. -Da ich nun glaube, soweit die eigentlichen Südsee-Inseln in Betracht -kommen, zu einem abschließenden Urtheil gekommen zu sein, so möge dasselbe -hier Aufnahme finden. - -Die einzelnen in der heißen Zone liegenden Inselgruppen sind, mit Ausnahme -derjenigen der Fidji-Inseln, welche einen bedeutendern Ländercomplex -darstellen, so klein, daß eine jede Gruppe für sich keinenfalls einen -europäischen Verwaltungsapparat bezahlen kann, und die Gruppen wieder -sind unter sich räumlich so weit voneinander entfernt, daß sie sich -nicht zusammenfassen lassen, mithin eine Regierungsform nach europäischem -Vorbilde stets finanziell ein Fehler sein würde. Dagegen bieten die Inseln -im Verhältniß zu ihrer Größe so reiche Hülfsquellen, daß jeder Staat -bestrebt sein müßte, sich dieselben zu alleiniger Ausbeute zu sichern. Der -Kernpunkt würde daher darin liegen, wie die Verwaltung einzurichten wäre, -um allen Anforderungen zu genügen. Hier würde nun als erster Grundsatz -festzuhalten sein, daß die Eingeborenen nicht wie in Amerika, Australien -und Neu-Seeland absichtlich und mit allen erlaubten wie unerlaubten -Mitteln ausgerottet werden, sondern daß dafür Sorge getragen wird, die -Menschen zu erhalten, sofern die Bevölkerung nicht zu sehr anwächst, -und das ist hier nicht mehr zu befürchten. Die Eingeborenen sollen nicht -nur mit der Zeit zweckmäßige Arbeitskräfte abgeben, sondern sollen auch -belebend wirken und durch ihre Eigenart den Inseln ihren besondern Reiz -und Zauber erhalten, damit das Leben der Pflanzer nicht zu einförmig -wird. Namentlich aber sollen sie das Mittel bilden, das Land auf billige -Art zu regieren und es dauernd an die Macht zu fesseln, welche Besitz von -ihm ergriffen hat. Ich halte daher ein schutzherrschaftliches Verhältniß -mit eingeborener Regierung und einem obern Beamten des Schutzherrn, -welcher die Regierung hinter den Coulissen leitet und thatsächlich, wenn -auch nicht äußerlich, der Regent ist, für das allein Richtige. Einige -Unterbeamte, Polizei, Post, Wegebau, Zoll u. s. w. würden, als im Dienst -der einheimischen Regierung stehend, die Verwaltung zu vervollständigen -haben. Die eingeborenen Herrscher haben kaum andere Bedürfnisse wie ihre -Unterthanen, halten die Ordnung ganz schön aufrecht, beanspruchen kein -Gehalt und bilden mit ihrem Volk eine sichere Schutzwehr gegen gefährliche -Einwanderung. Würden die Eingeborenen ausgerottet sein, so würden an ihre -Stelle mismuthige Elemente des europäischen Proletariats treten, weil -besitzende Europäer auf solcher Insel nur in verhältnißmäßig geringer -Zahl ihr Fortkommen finden können; jene zweifelhafte Einwanderung und -die von andern Inseln eingeführten Arbeiter könnten aber nur durch eine -kostspielige Truppenmacht in Ordnung gehalten werden, da die auf ihren -großen Plantagen verstreut wohnenden Besitzer sich bei einem allgemeinen -Aufstand nicht gegenseitig unterstützen könnten und ähnlichen Gefahren -ausgesetzt sein würden, wie die Franzosen Ende des vorigen Jahrhunderts -auf der westindischen Insel San-Domingo. Einer solchen Möglichkeit -ist aber vorgebeugt, solange die Inseln ihre einheimische Bevölkerung -behalten, denn diese hält den fremden Arbeitern das Gleichgewicht und für -fremde Einwanderung bleibt kein Raum. Zu einer solchen Schutzherrschaft -gehört daher nicht viel, nur einige Beamte und das jetzt schon vorhandene -zum Schutz des Handels hier stationirte Kriegsschiff. Die Franzosen haben -in ihrer Gier nach Colonien jede kleine Insel, welche ihnen in den Wurf -kam, annectirt und nach europäischem Muster organisirt, spinnen dabei -aber keine Seide. Die Engländer dagegen haben mit ihrem praktischen -Verstand bisjetzt nur solche Gebiete annectirt, die durch ihre Größe eine -umfangreiche Verwaltung vertragen können, oder deren Lage von politischer -Bedeutung ist. Daß sie jetzt neuerdings mit dem Gedanken umgehen, auch von -kleinern Inseln Besitz zu ergreifen, kann nur eine Ausgeburt der Misgunst -sein, da ihnen die Verhältnisse hier seit langer Zeit genau bekannt sind -und sie die Inseln trotzdem vollständig ignorirt haben, solange keine -fremde Macht sie des Besitzes werth hielt, weil Schutzherrschaft nicht in -den Rahmen ihres Colonialsystems hineinpaßt und dieses, wie schon gesagt, -für die kleinen Inseln zu theuer wird. Viel ist hier in der eigentlichen -Südsee ja nicht mehr zu haben, da Engländer und Franzosen sich bereits in -das meiste getheilt haben, und Neu-Guinea mit Neu-Britannien u. s. w. und -den Salomons-Inseln würde ein Gebiet sein, welches nach schon bekannten -Mustern regelrecht zu besetzen sein würde, da die dortige Bevölkerung den -Colonisten keinen Schutz gewähren kann, sondern eine stete Gefahr für sie -sein wird. - - * * * * * - -Vor Abschluß dieses Briefes habe ich noch eines schönen Zuges von Muth -und Nächstenliebe, welcher sich vor einigen Tagen auf unserm Schiffe -abspielte, zu gedenken. Ein Matrose fiel morgens während des Deckwaschens -durch Unvorsichtigkeit aus einer Höhe von über 30 m aus der Takelage -herunter, hakte mit einem Arm über ein horizontal und straff gespanntes -Tau und wurde durch dessen elastisches Zurückschlagen in großem Bogen -in das Wasser geschleudert, wo ein mit Blut gefärbter Fleck die Stelle -zeigte, wo er untergesunken war. Trotzdem schon während des ganzen Morgens -drei mittelgroße Haie in der Nähe des Schiffes gewesen waren, sprang mein -Gigsteurer, Bootsmannsmaat Lange, ohne Besinnen dem Manne nach, holte -ihn vom Meeresgrund herauf und brachte den ohnmächtigen Verunglückten -mit Hülfe eines andern Matrosen, welcher auch noch nachgesprungen war, -glücklich wieder auf das Schiff. Der Mann hat zwar eine schwere Verletzung -davongetragen, da unter dem linken Arm die Muskeln bis auf den Knochen -durchschnitten sind und der Arm aus seinem Gelenk herausgebrochen ist, -doch hofft der Arzt das Beste und hält es für möglich, daß der Arm wieder -ganz gebrauchsfähig wird. - - - - -11. - -Von Apia nach den Marshall-Inseln. - - (Tonga-, Fidji-, Ellice-, Kingsmill-Inseln.) - - -Am 20. October, an einem schönen Sonntagmorgen, habe ich Apia nach -vierzehntägigem Aufenthalte daselbst wieder verlassen, um eine Rundreise -durch den westlichen Theil der Südsee anzutreten. Zu meiner großen Freude -begleitet mich Herr Consul Weber, welcher sich entschlossen hat, die -Reise mitzumachen. Ich habe dadurch nicht nur für längere Zeit einen -liebenswürdigen Gesellschafter gewonnen, sondern habe in diesem Herrn auch -einen so erfahrenen Kenner aller hiesigen Verhältnisse und namentlich -der Charaktereigenschaften der Eingeborenen an meiner Seite, daß ich -von seiner Anwesenheit großen Nutzen für die Sache, wegen welcher die -Reise unternommen wird, erwarten darf. Außerdem begleiten mich auch zwei -Dolmetscher. - -Unser Weg führt uns zunächst nach Tongatabu und den Fidji-Inseln, also -nach Plätzen, welche in der neuesten Zeit wesentlich in den Bereich -der europäischen Civilisation gezogen worden sind; dann aber werden -wir vornehmlich Inseln und Häfen anlaufen, welche selten besucht werden -und von denen einzelne noch kein deutsches Kriegsschiff gesehen haben. -Und hier hoffen wir dann die Südsee-Insulaner noch in ihrer ganzen -Ursprünglichkeit studiren zu können -- wenn Wind und Wetter uns gestatten, -das vorgesetzte Programm durchzuführen. Ich bin für diese Reise fast -allein auf die Segelkraft des Schiffes angewiesen, weil Kohlen auf dem -vor uns liegenden Wege nur selten und dann auch nur zufällig angetroffen -werden; denn zwischen diesen Inseln (nur Fidji hat eine Dampferverbindung -mit Australien) besteht noch kein Dampferverkehr. Da wir nun bis Ende -December, wo ich wieder in Apia sein will, 6000 Seemeilen zu durchlaufen -und 10-15 Häfen mit dem nothwendigen Aufenthalt zu besuchen haben, so -liegt es auf der Hand, daß ich mit den Winden, welche zur Zeit hier wehen -sollen, also mit dem ortsüblichen Passatwind rechnen muß. Läßt uns dieser -aber im Stich, wie er es gleich zu Anfang schon an der Südküste Upolus -gethan hat, zwingt uns ungünstiger Wind schon von vornherein zum Kreuzen, -dann allerdings kann ich sagen: „wenn Wind und Wetter uns gestatten, das -ganze Programm durchzuführen“. - -Am 26. vormittags mußte das Schiff in Sicht der Insel Tongatabu sein, es -war aber bei starkem Winde so dicke Luft, daß weder Land noch Brandung -zu sehen waren. Ein directer Curs mußte indeß in irgendeiner Richtung zur -Orientirung führen und wurde ein solcher daher so lange eingehalten, bis -vor uns und gleichzeitig auch zu beiden Seiten die hohe Brandung auf den -sehr ausgedehnten Riffen der Insel aus dem Dunst hervorbrach. Bald wurden -auch die kleinen, von der Hauptinsel weit abliegenden Inselchen, welche -das Fahrwasser markiren, ausgemacht und nun konnte der richtige Curs zum -Hafen gewählt werden. Wenige Stunden später, nachmittags 2½ Uhr, wurde vor -Nukualofa, der Hauptstadt des kleinen tonganischen Reiches, geankert. Den -Eindruck einer Tropenlandschaft machte das vor uns liegende Bild nicht. -Am Strande entlang stehen kleine Holzhäuser, wie man sie in Norwegen -findet, unter diesen ein größeres in Villenstil, die Wohnung des Königs. -Die Häuser sehen kahl aus, da jedes inmitten eines freien Platzes liegt -und Baum wie Strauch fehlen. Im Hintergrunde lugen zwischen Kokospalmen -einzelne Hütten der Eingeborenen hervor, dieselben können aber nicht als -Staffage zur Geltung kommen, weil der kalte Ausdruck der im Vordergrunde -liegenden weißen Holzhäuser alles beherrscht und der ganzen Gegend einen -frostigen Stempel aufdrückt. Es ist wol wahrscheinlich, daß bei anderer -Witterung die Physiognomie des Landes eine ganz andere wird, jetzt aber -bei dem stürmischen, dunstigen Wetter sieht die Hauptstadt Tongas kalt -aus, und man wähnt bei ihrem Anblick in einer der Polargrenze nahen Zone -zu sein. - -Am 27., einem Sonntage, wo in diesen von der englischen Mission -beherrschten Gegenden alles ruht, wo die Eingeborenen nicht einmal für -ihre Mahlzeiten sorgen dürfen und das absolute Nichtsthun den höchsten -Grad der Frömmigkeit bedeutet, war in der Stadt nichts anzufangen. Es -wurde daher ein Ausflug zu Wagen in das Innere des Landes unternommen. -Vortreffliche Wege erleichtern das Fahren und die flinken Pferde mit -guten Wagen machen es zu einem großen Vergnügen; ein besonders großer -Baum ('Ficus indica' oder 'religiosa', von den Engländern auch 'Banyan' -genannt), war das Ziel. Unser Weg führte mehrere Stunden lang an -unbebautem, mit Gestrüpp bewachsenem Lande vorbei, wo es ebenso wenig zu -sehen gab wie in den einzelnen Dörfern, welche wir passirten; das einzige -Vergnügen war eben das Fahren selbst. Endlich, nach nahezu dreistündiger -Fahrt waren wir am Ziele angelangt, wo wir leider neben dem sehenswürdigen -Baume auch ein Dorf mit neugierigen, zudringlichen Eingeborenen fanden, -welche uns zwangen, unser wohlverdientes Frühstück, wollten wir es -unbelästigt genießen, noch im Schutze der Wagen zu lassen. - -Der Baum ist weniger schön als merkwürdig. An einem tiefen, weit in das -Land vordringenden Meereseinschnitt steht dieser Koloß, dessen Stamm -eigentlich nur aus dünnen Stämmen, welche wol nur zahllose Luftwurzeln -sind, zusammengesetzt ist. Nach Abmessung mit Schritten hat er einen -Stammdurchmesser von 17 Schritten oder etwa 13 m und demnach einen Umfang -von nahezu 40 m. Die Höhe des Stammes schätzten wir auf etwa 10 m, -sie ist also geringer wie der Durchmesser. Die Aeste, welche sich in -der ungefähren Länge von 10 m nach oben und den Seiten abzweigen, sind -wieder nur Verlängerungen der dünnen Stämme oder Luftwurzeln, welche den -Hauptstamm bilden, und vermögen mit ihren dürftig gesäten kleinen Blättern -keinen Schatten zu geben, sodaß dieses riesige Gewächs in grauer Rinde -weniger einem lebenden Baume denn einer Baumruine gleicht. Merkwürdig sah -es aus, als einige Eingeborene in den Stamm eindrangen und dort wie Käfer -in den Spalten verschwanden. Nach kurzer Rast bestiegen wir wieder unsere -Wagen, um zunächst an einem schattigen, ruhigen Platze unser Frühstück -einzunehmen und dann zur Stadt zurückzukehren. - -Am 28. October morgens machte ich dem alten Könige in seiner nach -europäischem Geschmack vornehm eingerichteten Villa meinen Besuch. Der -Großneffe des Königs und Sohn des Thronfolgers, Prinz Wellington Gu (spr. -Ngu), empfing uns an der Thüre und führte uns in den Empfangssaal, wo der -König, umgeben von seinem Neffen und Thronfolger, Prinz Davita Uga, und -einem Adjutanten, uns erwartete. König und Thronfolger trugen schwarze -Röcke mit eingewirkten goldenen Kronen auf dem Unterarm, Prinz Wellington -Gu war in schwarzer, mit Silber durchwirkter Uniform, der Adjutant trug -eine rothe, den englischen Linientruppen ähnliche Uniform, welche für die -aus ungefähr 250 Mann bestehende tonganische Armee eingeführt ist. - -Der König nahm auf dem Thronsessel Platz. Diesem gegenüber standen -zwei gleiche, etwas kleinere mit der Königskrone geschmückte Sessel für -den Consul und mich; die Prinzen und der Adjutant setzten sich auf im -Kreis aufgestellte Polsterlehnstühle. Der König ist ein Greis von 72 -Jahren, der seinen mächtigen Körper noch mit jugendlicher Frische trägt. -Seine Gesichtszüge sind die etwas veredelten der Eingeborenen und ohne -hervorragende Bedeutung. Sein Neffe, der Thronfolger, ein Mann von etwa 50 -Jahren von großer und kräftiger Gestalt hat ein ausdrucksloses Gesicht, -in welchem ein Auge fehlt. Prinz Wellington Gu ist 24 Jahre alt, hat -schöne intelligente Gesichtszüge und den Körper eines Riesen. Dieser junge -Prinz, welcher ein durchaus ehrlicher und anständiger Charakter sein soll, -schon eine bessere Erziehung genossen hat und fließend englisch spricht, -ist vorzugsweise dem deutschen Wesen zugethan und daher in politischer -Beziehung die Hauptstütze des Königs, da dieser in dem Handels- und -Freundschaftsvertrage mit dem Deutschen Reiche die sicherste Gewähr für -den Fortbestand seines kleinen Reiches sieht. - -Es fiel mir noch auf, daß dem König an seinen beiden kleinen Fingern -und dem Thronfolger an einem kleinen Finger zwei Gelenke fehlten, und -ich wurde dahin belehrt, daß diese Verstümmelung noch aus der Zeit des -Heidenthums stamme, wo es Sitte war, sich bei Todesfällen naher Verwandter -als Zeichen der Trauer einzelne Fingergelenke abzutrennen. Nach einigen -Begrüßungsworten von meiner Seite, welche Prinz Gu verdolmetschte, stand -der König mit seinem Gefolge auf, um durch Auflegen des Unterarms auf die -Stirn, was nach tonganischer Sitte das Zeichen der größten Ehrerbietung -ist, seinem Dank für die Liebe, welche der Deutsche Kaiser dem kleinen -tonganischen Reiche entgegentrage, den höchsten Ausdruck zu geben. Damit -war der förmliche Theil meines Besuches erledigt. Wir gingen nun nach dem -Eßsaal, um dort einige Erfrischungen einzunehmen und den Klängen unserer -Schiffskapelle, welche ich zur freudigen Ueberraschung der Anwesenden aus -dem Boot heraufholen ließ, zu lauschen. - -Auf dem großen Hofe hatten sich inzwischen mehrere hundert Eingeborene -versammelt, welche auf der Erde sitzend dem Concert andächtig zuhörten; -auch die mit ihren Herren und Herrinnen mitgekommenen Hunde und -Schweine betrugen sich anständig. Nur ein Hund schien der Spaßmacher -der Gesellschaft zu sein und ein gewisses Vorrecht zu genießen. Er hatte -sich einer leeren Kokosnußschale bemächtigt und warf dieselbe, solange -die Musik spielte, mit der Schnauze in die Höhe, um sie geschickt wieder -aufzufangen und danach mit seinem Spiel von neuem zu beginnen; daß er -dabei zwischen den Eingeborenen und zuweilen auch über dieselben hinweg -sprang, um sein Spielzeug rechtzeitig zu fassen, wurde ihm von niemand -verargt, wenigstens wurde er nicht zur Ruhe verwiesen. Das Volk hatte -sich Sonntags- oder doch reingewaschene Kleider angezogen und den schön -gewachsenen Frauen standen die kurzen blusenartigen, nur bis zu den Hüften -reichenden, weit ausgeschnittenen weißen Hemdchen besonders gut, da die -wohlgeformten braunen Schultern und Büsten sich aus ihrem schneeigen -Rahmen so vortheilhaft wie nur möglich heraushoben. Sobald die Musik -einige Stücke gespielt hatte, empfahlen wir uns bei den tonganischen -Herrschaften und kehrten zum Schiffe zurück. Beim Verlassen des Hauses -fand ich noch Gelegenheit, der Königin die Hand zu drücken, denn als mir -auf dem Hausflur eine der dort auf dem Boden kauernden Frauen ihre Hand -entgegenstreckte, wurde mir bedeutet, daß diese sehr gut aussehende und -gut gekleidete ältere braune Dame die Frau des Königs sei. - -Bei einem spätern Besuch Tongas hoffe ich bessern Einblick in das Leben -dieser Insulaner zu erhalten. - -Am 29. October früh 8½ Uhr habe ich Nukualofa wieder verlassen. - -Nach einer schnellen Reise langten wir am 31. October gegen 10 Uhr abends -vor Levuka an, mit der Absicht, während der Nacht unter kleinen Segeln -vor dem Hafen zu bleiben, da der Mond das Land so grell beleuchtete, -daß die Einfahrt nicht genügend zu erkennen war, denn der Mond ist -unter solchen Verhältnissen ein sehr unzuverlässiger und trügerischer -Freund und hat schon manchem Schiffe den Untergang gebracht. Als er -aber gegen 11 Uhr hinter der hohen Bergwand verschwunden war, traten -die Richtfeuer für die Hafeneinfahrt so scharf hervor, daß ich mich doch -noch zum Einlaufen entschloß, um am nächsten Tage bei frischen Kräften -zu sein. Die Segel wurden daher geborgen und die Maschine, welche vorher -schon Dampf gemacht hatte, in Gang gesetzt. Mit langsamer Fahrt ging -es vorwärts, und als wir so nahe an die Hafeneinfahrt gekommen waren, -daß man unsere Lichter von Land aus sehen mußte, ließ ich verschiedene -Fackelfeuer abbrennen, um einen Lootsen heranzusignalisiren, mußte aber -schließlich auf diese Hülfe verzichten, weil meine Signale unbeantwortet -blieben. So ließ ich nur noch, da der Hafen von Levuka von einem bis zur -Meeresoberfläche reichenden Korallenriff umgeben ist, auf welchem immer -eine starke Brandung steht, vom Vorschiff aus nach beiden Seiten hin -Fackelfeuer abbrennen, um keine Vorsicht außer Acht zu lassen und mit -Hülfe dieses grellen Lichtes zu versuchen, die Brandung zu beleuchten, in -der Hoffnung, dadurch das ruhige Wasser in der schmalen dunkeln Einfahrt -gut erkennen zu können. Dieses Hülfsmittel gab zwar ein schönes Bild, -erwies sich sonst aber als ganz unzureichend. Wie mit elektrischem Licht -übergossen tritt das hochgetakelte, aus seinem mächtigen Schlot dicke -Rauchwolken werfende Schiff in der Mitternachtsstunde aus dem Dunkel der -Nacht hervor und spendet so viel Licht, daß das Wasser vorn und zu beiden -Seiten gleichmäßig hell beleuchtet wird; aber keine Brandung ist zu sehen, -nur plötzlich hören wir zu beiden Seiten ihr grollendes Rauschen und -wenige Sekunden darauf liegt sie auch schon hinter uns. Nur einen kurzen -Blick werfen wir dahin, ein Commandoruf und die Fackelfeuer zischen ihr -Leben im Meere aus. Licht und Schiff sind verschwunden, stockfinstere -Nacht überall. Noch einige scharfe Wendungen um verschiedene plötzlich -vor uns auftauchende große Schiffe und der Anker fällt kurz nach 12 Uhr -in den Grund. Als liebliches Echo auf die deutschen Commandoworte flog -uns aus weiblichem Munde ein „Grüß Gott, ihr Brüder!“ entgegen, ein -Gruß, welcher, wie sich nachträglich herausstellte, von einem deutschen -Dienstmädchen kam, das nach Erfüllung ihres Contracts mit einem in -unserer Nähe liegenden deutschen Schiffe die Heimreise macht. Nachdem wir -geankert hatten, kam auch noch ein Boot der Hafenpolizei längsseit, um -nach dem Zweck unserer Fackelfeuer zu fragen. Von der erhaltenen Antwort -jedenfalls wenig befriedigt kehrte es zum Lande zurück, denn man sagte -uns nicht, daß wir an gefährlicher Stelle lägen. So blieb es dem wackern -Navigationsoffizier, welcher stets treue Wacht hält, vorbehalten, auch -diese Gefahr zu entdecken. Schon mit dem ersten Morgengrauen war er an -meinem Bett, um mir zu melden, daß dicht hinter dem Schiffe, nur wenige -Fuß unter Wasser ein Felsen sei, welcher dem Schiffe schaden müsse, -sobald dieses bei aufkommendem Winde nur die lose liegende Kette steif -durchhole. So mußten wir gleich am frühen Morgen wieder an die Arbeit --- eine halbe Stunde später lag das Schiff an sicherm Ankerplatze. Wie -mir ein deutscher hier ansässiger Herr versicherte, ist dieser Felsen -auffälligerweise erst vor ganz kurzer Zeit entdeckt worden und daher noch -in keiner Karte verzeichnet. Großes Erstaunen erregt es übrigens hier am -Lande, daß wir mit einem so großen Schiffe während der Nacht ohne Lootsen -eingelaufen sein sollen, während doch die englischen Kriegsschiffe auch -am Tage stets einen solchen nehmen. Man sucht nach dem Lootsen, welcher -uns hereingebracht haben muß, kann ihn aber natürlich nicht finden. - -Ueber Levuka läßt sich nicht viel sagen. Die kleine Stadt, welche am -Fuße der hohen malerischen Berge liegt, hat ein südeuropäisches Gepräge, -kleine in Gärten liegende Häuser mit großen Veranden, Restaurationen und -Läden. Von den Eingeborenen sieht man so gut wie gar nichts; Levuka ist -zur Zeit die Hauptstadt der Fidji-Inseln und ist daher vorzugsweise von -Europäern, in erster Reihe natürlich von den englischen Beamten mit ihren -Familien bewohnt. So ist es bei der bekannten über alles Lob erhabenen -Gastfreundschaft der Engländer im Auslande selbstverständlich, daß unsere -Offiziere gleich am ersten Tage so viele Einladungen erhalten haben, daß -sie denselben bei unserm kurzen Aufenthalt gar nicht nachkommen können. - -Es ist ein eigenes Ding um eine neu gegründete englische Colonie. Der -neu ernannte Gouverneur begibt sich mit seiner Familie und seinem Stabe -an Ort und Stelle, hohe und niedere Beamte folgen bald, bringen aber -auch ihre Familien gleich mit. Bequeme und gesunde Häuser wachsen aus -der Erde, Gärten und Spielplätze umgeben die Wohnungen; Wagen, Pferde, -Boote und alles was sonst zur Zerstreuung dienen kann, ist in kürzester -Zeit beschafft und wir finden urplötzlich eine kleine englische Stadt, -wo jeder Bewohner an gleichgesinnten Menschen Stütze und Rückhalt findet, -sich sicher, behaglich und wie zu Hause fühlt. Ob wir auch einmal so etwas -werden schaffen können? Wie ich früher schon andeutete, dient ja meine -jetzige Reise dem Zweck, den dereinstigen deutschen Colonialerwerbungen -die Wege zu ebnen, denn die Zeit muß kommen, wo unser Vaterland nach -Colonien verlangt, und Colonien sind meines Erachtens nur von nachhaltigem -Werth, wenn sie in tropischem Klima liegen. Hier ist aber, abgesehen von -Afrika, nur noch in der Südsee etwas zu holen, wenngleich auch dies nur -mehr wenig ist. Allerdings sind mir insofern die Hände gebunden, als ich -keine darauf zielenden Aufträge habe und auch keine mehr erhalten kann; -nach dem, was ich in der letzten Zeit erfahren habe, thut aber die größte -Eile noth, wenn nicht alles für uns verloren sein soll. So muß ich auf -eigene Verantwortung hin handeln und zunächst wenigstens auf den noch -unabhängigen Inselgruppen Verträge zu schließen suchen, welche sie vor der -Annexion durch andere Nationen schützen. Damit übernimmt unsere Regierung -keinerlei Verpflichtungen, hat es aber doch vielleicht später in der Hand, -die deutsche Flagge auf diesen Inseln nachträglich aufzuhissen. - -Ganz interessant ist hier in Levuka die im Stil der ortsüblichen Hütten -aus sechs bis sieben Häusern bestehende Wohnung des Gouverneurs mit all -ihren Kuriositäten aus der frühern Fidji-Zeit. Das Ganze bildet übrigens -nur ein Provisorium, da man noch nicht weiß, welcher der beste Platz für -den Sitz des Gouvernements ist und man bis dahin ein möglichst billiges -Wohngelaß für den Gouverneur schaffen wollte. Ich habe diesem Herrn -sogleich meinen Besuch gemacht, welchen er am Nachmittag erwiderte, -und war abends bei ihm zu Tisch. Er selbst ist nur für wenige Monate in -Stellvertretung des beurlaubten Gouverneurs hier und kommt aus Westindien, -um später auch wieder dahin zurückzukehren. Aber trotz der kurzen Zeit -seines hiesigen Aufenthalts und trotz der weiten Reise hat ihn als ganz -selbstverständlich seine Familie hierher begleitet. - -Am 2. November nachmittags 2 Uhr verlassen wir Levuka wieder, um noch -einen kurzen Besuch auf Taviuni, einer andern der Fidji-Inseln, zu machen -und dort eine neu angelegte Kaffeeplantage zu besichtigen; dann nehmen -wir den Curs nach den Ellice-Inseln. - -Am 4. November morgens, nachdem wir in der vorangegangenen Nacht zwischen -mehrern Inseln und Korallenriffen durchgegangen waren, wodurch meine stete -Anwesenheit auf der Commandobrücke bedingt wurde, standen wir vor Taviuni -und vor einer wenig befahrenen Gegend, über welche die Seekarten noch sehr -ungenau sind. Die vielen Korallenriffe machen es hier nöthig, das Schiff -von dem Mast aus zu navigiren, denn aus solcher Höhe kann man die Untiefen -leicht an der hellern Farbe des über ihnen stehenden Wassers erkennen -und aus dem Ton der Farbe bestimmen, ob die Wassertiefe für das Schiff -ausreicht oder nicht. Die einige Stunden währende Fahrt zwischen schönen -hohen Inseln hindurch war recht genußreich, doch nach der schlaflos -verbrachten letzten Nacht war es für mich genußreicher, nachmittags vor -einem größern Dorfe mit Namen Soma-Soma in ganz ruhigem Wasser dicht unter -Land, wo die köstlichste Ruhe herrschte, zu ankern und damit die Gewißheit -auf eine ungestörte Nacht zu erhalten. Vor Dunkelwerden machten wir noch -einen kleinen Spaziergang durch das Dorf, besuchten den hier lebenden -Häuptling, einen der ersten und einflußreichsten der ganzen Fidji-Gruppe, -ohne ihn indeß zu treffen, fanden aber seine Frau zu Hause, eine Schwester -Cakobau’s (das 'C' wird wie das englische 'th' ausgesprochen), des -frühern Königs der Fidji-Inseln. Das Haus gleicht von außen einem großen -Haufen verwelkten Laubes. Es ist eine Hütte von etwa 16 m Länge, 10 m -Breite und 10 m Höhe; 3 m hohe Seitenwände tragen das riesige Dach. Das -Gerippe dieses Bauwerks besteht aus starken Pfählen, Balken und Sparren, -auf welche Laub auf Laub geschichtet ist, bis Seitenwände und Dach eine -Dicke von etwa 1 m erhalten haben und damit sichern Schutz gegen Wind und -Regen gewähren. Ob die Pfähle auf Menschenleibern ruhen, konnte ich nicht -erfahren, möchte es aber annehmen, da das Haus wol noch aus der Zeit vor -der englischen Herrschaft stammt und damals hier beim Bau von Häusern für -Häuptlinge, um diesen Glück zu bringen, in jedes für einen Pfahl gegrabene -Loch ein lebender Eingeborener (gewöhnlich Kriegsgefangene, wenn solche -vorhanden waren) geworfen und auf diesen dann der Pfahl eingerammt wurde. -Aus demselben Grunde wurden auch beim Ablauf neu gebauter großer Kanus -gewöhnlich acht lebende Eingeborene, über welche das Fahrzeug hinweglaufen -mußte, geopfert. -- Die innern Wände des Hauses sind austapeziert und -zwar mit Tapa, dem schon öfter genannten Maulbeerbaumrindenstoff, -welchen die eingeborenen Frauen selbst anfertigen und mit reicher -bunter Malerei verzieren. Das Handwerkszeug zum Malen besteht aus einer -Kokosnußschale mit Farbstoff und einem kleinen Stück Holz, mit welchem -auf dem Stoff mit unendlicher Geduld so lange herumgefahren wird, bis -die mit demselben Hölzchen vorher mit dünnen Linien vorgezeichneten -Muster mit Farbe ausgefüllt sind. Eine fußhohe Schicht theilweise mit -Matten überdeckter kleiner runder schwarzer Steine, welche vor Sauberkeit -strahlen, bedeckt den Fußboden und dient denselben Zwecken wie in den -samoanischen Häusern. Ein Tapa-Vorhang schließt ein Sechstel des Raumes -als Schlafgemach ab, dessen Einrichtung ziemlich einfach ist; Matten -dienen als Betten, kleine auf Füßen stehende, bis zu 10 cm dicke Stücke -Bambusrohr bilden wie in Samoa die Kopfkissen. Vor dem Vorhang liegen an -einer Seite große Haufen Matten und zusammengerollte Tapa-Stücke, welche -das einzige alte Besitzthum bilden und nach deren Masse der Reichthum -eines Mannes noch jetzt abgeschätzt wird. -- Soweit entspricht die Hütte -dem frühern Comfort und Luxus der Eingeborenen; was nun kommt, ist eine -Folge der vorschreitenden Cultur. An den Wänden entlang stehen Gewehre, -die Waffen des ganzen Stammes und Eigenthum des Häuptlings, wie vor der -Besitzergreifung durch England auch die Menschen des Stammes dem Häuptling -gehörten. Der übrige Raum ist mit allen möglichen Sachen ausgefüllt, -welche größtentheils schon sehr verkommen aussehen. Auf einem Tisch finden -wir buntbemalte Petroleumlampen, eine Spieluhr und Kochtöpfe, Messer, -Gabel, Nähzeug und noch verschiedenerlei Sachen. An der Wand hängen -einige Uhren, welche nicht mehr gehen. Dort steht ein Waschbecken, hier -ein alter Zinkeimer als Gefäß für Trinkwasser, Teller, Kleidungsstücke, -alles bunt durcheinander. Der Häuptling ist ein reicher Mann und könnte -nach unsern Begriffen sehr angenehm leben, der Sinn für Comfort fehlt -hier aber noch vollständig. Diesem Manne gehörte früher ganz Taviuni, -mit der Besitzergreifung hat die englische Regierung ihn aber mit einem -Jahresgehalt von 600 Pfd. St. oder 12000 Mark abgefunden, ihm außerdem -auch noch große Länderstrecken belassen. Für seinen Lebensunterhalt -gebraucht er eigentlich nichts, da die Leute seines Stammes ihn mit dem -Nothwendigen versehen und für ihn arbeiten müssen; sonst könnte auch ein -kleiner Theil seines Landes ihn mit allem im Ueberfluß versorgen. - -Wie schon erwähnt, trafen wir den Häuptling selbst nicht, sondern nur -seine Gattin, Frau Tui-Kakao. Diese in den mittleren Jahren stehende -braune Dame und Prinzessin, gekleidet wie die vornehmen Tonga-Frauen, -saß einige Schritte von der Hauptthür entfernt in ihrem großen Salon mit -Näharbeit beschäftigt auf einer Matte, ihr gegenüber ein Mann, welcher -jedenfalls Diener und Gesellschafter in seiner Person vereinigte. Es -herrscht hier, wie überall in Polynesien, die Sitte, daß der gemeine Mann -vor einem Vornehmen nie steht, sondern sich ihm nur in gebückter Stellung -nähert, sich dann mit gekreuzten Beinen dicht neben ihn auf die Erde -setzt, einen Augenblick wartet und nun mit lauter Stimme ohne Scheu frei -von der Leber weg redet. Die Häuptlingsfrau und Königsschwester unterhält -sich mit ihrem Diener wie mit ihresgleichen, der Diener benimmt sich so -frei, als ob er mit seiner Herrin auf gleicher Stufe stände, doch nur -so lange als er sitzt. Sobald er einen Auftrag erhält, erhebt er sich -vorsichtig, um dabei ja nicht seinen Körper ganz auszustrecken, bewegt -sich dann in gebückter Stellung vorsichtig auftretend weiter, bis er -eine gewisse Entfernung erreicht hat, um dann seinen Körper zu strecken, -den Kopf aufzuwerfen und mit einer Würde zum Wassereimer zu gehen, -als ob er dort eine Handlung vornehmen wolle, von welcher das Wohl und -Wehe Tausender abhinge. Er füllt das Glas und nähert sich uns mit einem -Anstande, daß wir uns fragen, ob wir die Dienstleistung annehmen können. -Doch die Würde schwindet in gewisser Entfernung von uns, das Feuer der -Augen erlischt, der Kopf senkt sich, der Körper nähert sich der Erde und -angekrochen kommt ein unterwürfiger Sklave. - -Nach Befriedigung meiner Neugier hatte ich bei Frau Tui-Kakao nichts mehr -zu suchen; ich empfahl mich daher, nachdem ich noch ein schönes Stück -Tapa von ihr als Geschenk angenommen hatte, und ging nach meinem Boot, -um an Bord zurückzukehren. Eine Schar munterer Mädchen, gutgewachsene -junge Dirnen, welche ihren schönen nackten Oberkörper mit einer reizenden -Koketterie tragen, lenken meine Schritte indeß für kurze Zeit noch ab. Wo -ziehen diese lachenden, singenden Kinder, auf der Schulter einen Stock -mit daranhängenden Kokosnußschalen und Flaschen tragend, im Gänsemarsch -hin? Sie gehen nach dem Strande und füllen dort ihre Gefäße mit Seewasser; -manch eine wird dabei durch den Uebermuth der andern in das Wasser -geworfen und nimmt so ein unfreiwilliges Bad. Nach kurzer Zeit kehren alle -wieder zum Dorfe und zu ihren Hütten zurück. - -Bei späterer Nachfrage erfuhr ich, daß die hiesigen Eingeborenen, welche -wie alle Südsee-Insulaner das Salz nicht kennen und es beim Kochen nicht -verwerthen können, das Seewasser zum Kochen einzelner Speisen benutzen -und die Frauen und Mädchen abends stets den Vorrath für den nächsten Tag -holen. Diese Gelegenheit wird dann auch als Conversationsstunde benutzt, -da die Weiber stets zusammen zum Strande gehen. Die entferntest wohnende -macht wol den Anfang und geht bei ihrer nächsten Nachbarin vor, worauf -beide zum nächsten Hause und so fort weiter gehen, bis die ganze muntere -Gesellschaft beisammen ist. - -Diese Ablenkung brachte mich auch noch zu einem Schuppen, wo ein Kanu -gebaut wurde und wo ich Gelegenheit fand, zu bewundern, mit welch -unvollkommenen Handwerkszeugen diese Leute ihre zierlichen Fahrzeuge -herstellen. Ehe ich in mein Boot stieg, sah ich mir auch noch zwei in der -Nähe auf dem Strande liegende große Doppelkanus an, die für eine Reise des -Häuptlings in Ordnung gebracht wurden und wobei viele Männer beschäftigt -waren, um den Proviant für die bevorstehende Reise zurecht zu machen und -auf dem Feuer die Brotfrucht und den Yams zu bereiten. Diese interessanten -leichten Fahrzeuge, mit welchen die Polynesier oft große Reisen über See -machen und die nur durch fortwährendes Ausschöpfen über Wasser gehalten -werden, bestehen aus dem eigentlichen Schiffe, welches gewöhnlich 30 m -lang, 3 m breit ist und einen 5 m tiefen Schiffsraum hat, sowie einem -15-16 m langen ganz gedeckten kleinern Fahrzeug, das als Ausleger dient. -Ob dieses letztere auch als Wohn- oder Lastraum benutzt wird, habe ich -nicht erfahren, ich glaube es indeß nicht, sondern bin der Ansicht, daß -die für das große Kanu nothwendige Größe und Schwere des Auslegers dazu -geführt hat, diesen in Bootsform herzustellen, um ihm die erforderliche -Schwimmfähigkeit zu geben. Auf den die beiden Fahrzeuge verbindenden -Balken befindet sich eine mit einer Hütte versehene Plattform von etwa -6 m im Geviert, von welcher aus das Segel bedient und das Schiff gesteuert -wird. Das Hauptfahrzeug ist an beiden Enden auf ungefähr ein Viertel der -Länge mit einem leichten Deck versehen, der übrige Raum ist, soweit er -nicht durch die Plattform gedeckt wird, offen. Zur Fortbewegung dient ein -für die Verhältnisse des Fahrzeugs riesiges Mattensegel, welches demselben -bei entsprechender Windstärke eine außerordentlich große Geschwindigkeit -geben soll. Das vollausgerüstete Doppelkanu soll bis zu 200 Mann mit den -erforderlichen Proviantvorräthen für 8-10 Tage aufnehmen können. Als eine -besondere Eigenthümlichkeit möchte ich noch anführen, daß die Spitze des -Mastes hier in Fidji wie in Tonga mit einer halbmondförmigen Verzierung -versehen ist, ich weiß indeß nicht, ob diesem Halbmond eine besondere -Bedeutung beizumessen ist. - -Am nächsten Morgen fuhren wir mit meiner Gig nach einer vier Seemeilen -entfernt liegenden Plantage, um uns dieselbe anzusehen. Der Besitzer, ein -wohlerzogener, gebildeter junger Engländer, nahm uns liebenswürdig auf -und führte uns selbst nach seiner Kaffeepflanzung, welche uns in Levuka -sehr gerühmt worden war. Ein strammer Marsch von 1½ Stunden, anfänglich -durch eine Baumwollpflanzung hindurch, dann aber, und zwar den größten -Theil des Weges, auf engem Pfade durch Urwald, brachte uns zu der 500 m -über dem Meeresspiegel gelegenen Kaffeepflanzung. Sehr ermattet langten -wir dort an, wurden aber bald durch das viele Interessante, was wir zu -sehen bekamen, entschädigt. Zuerst kamen wir an ein geschützt liegendes -Terrain, wo lange, schmale und wohlgepflegte Beete zeigten, daß hier -schon Menschenhände der Natur nachgeholfen hatten. Hier werden aus -den Samenkörnern die ersten Pflänzchen gezogen, um später dann in die -eigentlichen Plantagen versetzt zu werden. Alle Beete prangen im schönsten -Grün und die ersten Schößlinge des Kaffees, Thees und des Chinarindenbaums -zeigen ihre saftigen Köpfchen. Ein kühler Quell unter schattigen Bäumen, -welcher sich weiterhin zu einem kleinen Murmelbach ausbreitet, gibt etwas -Leben und namentlich uns Erfrischung. Wir gingen dann zu der eigentlichen -Kaffeeplantage und waren überrascht, eine so sorgsam gehaltene Anpflanzung -zu finden. Gewöhnlich bieten die tropischen Plantagen dem Auge kein -anziehendes Bild, da alles wächst, wie es wachsen will, und nur die -allernothwendigsten Wege offen gehalten werden. Hier aber ist es anders. -Die Kaffeebäume, in Form und Größe kleinen Tannenbäumen ähnlich, sind so -regelmäßig gepflanzt wie in einer Baumschule. Von jedem Baum aus laufen -die andern Bäume in geraden Linien strahlenförmig nach allen Richtungen -aus, sodaß jedes Bäumchen denselben freien Raum und zwar einen Kreis von -4 m Durchmesser erhält. Zwischen den Bäumen sind Gestrüpp und Unkraut -entfernt, die reichlich angelegten Wege sind schön gehalten und mit -buntfarbigen Blumen und Blattpflanzen eingefaßt. Die sorgsame Anlage -scheint den Besitzer aber auch für die große darauf verwandte Mühe -zu belohnen, denn die kleinen Kaffeebäume sind so reich mit Früchten -behangen, daß eine gute Ernte erwartet werden darf. Sehr lehrreich war es -für mich, hier einiges über die für den Kaffeebau nothwendigen Bedingungen -zu erfahren. In diesem Klima gedeiht der Kaffee nur in einer Höhe von -400-600 m, da das niedriger liegende Land zu heiß, das höher liegende aber -schon zu rauh ist. Ferner muß von den Kaffeepflanzen jeder Wind abgehalten -werden, nur ganz leiser Luftzug darf die Pflanzung durchstreifen. Deshalb -muß die Plantage in einem von höhern Bergen umschlossenen Kessel angelegt -werden; doch auch dies genügt noch nicht ganz, vielmehr muß ein Terrain -von gewisser Größe auch noch von einer mehrfachen Baumreihe umstanden -sein, damit diese durchbrochene Wand die Hauptkraft eines etwa sich über -die Bergkämme in den Thalkessel hinabwälzenden Windfeldes bricht. -- All -diese Kenntnisse des Besitzers waren natürlich nicht die Summe seiner -eigenen Erfahrungen, sondern er hatte sie von seinem Lehrer, seinem -Oberaufseher, einem alten Indier, welchen er von Ceylon hatte kommen -lassen. Dieser war auch der Vater der musterhaften Ordnung, welche wir -hier oben vorfanden. - -Nachdem wir alles gesehen hatten, mußten wir auch noch der Einladung -unsers liebenswürdigen Wirthes folgen und einen Imbiß in seiner Wohnung -nehmen. Sein Haus besteht aus einer ortsüblichen Hütte, welche innen -in drei Räume getheilt ist. Der erste Raum dient als Vorzimmer und -Schlafstätte der drei Dienerinnen, Mädchen von einer der Kingsmill-Inseln, -welche bei unserm Eintreten damit beschäftigt waren, Ingwerwurzeln zu -reinigen. Der zweite mit englischem Comfort ausgestattete Raum wird als -Eß- und Wohnzimmer, der dritte als Schlafzimmer benutzt. Wir tranken ein -Glas Wein, aßen Biscuit mit Büchsen-Lachs und -Zunge und brachen dann -auf. Der Besuch hatte uns sehr befriedigt und wir nahmen daher gern noch -die Strapaze des Rückweges ohne Murren auf unsere Beine. Gegen 3½ Uhr -nachmittags waren wir an Bord, wo uns das Essen vorzüglich schmeckte und -starker Regenfall es uns leicht machte, den Abend in Ruhe auf dem Schiffe -zu verbringen. -- Am nächsten Morgen, 6. November, ging es wieder weiter. -Während des Tages führte unser Curs zwischen Inseln und Riffen hindurch, -abends 7 Uhr waren wir in freiem Wasser. - -Ich wollte zunächst die Insel Fotuna anlaufen, welche ich bei den -herrschenden Windverhältnissen am nächsten Mittag erreichen mußte. Die -Insel hat zwar keinen Ankerplatz, doch genügte es meinen Zwecken, mit -dem Consul nur für einige Stunden mit dem Boot an Land zu gehen und das -Schiff während der Zeit unter Segel zu belassen. Der Wind spielte mir -aber einen seiner launigen Streiche und hätte mich am 7. November erst so -spät abends an die Insel herankommen lassen, daß ich an demselben Tage -nicht mehr das Land hätte besuchen können. Die Nacht zu opfern, schien -mir bei der Kürze der mir zur Verfügung stehenden Zeit nicht angebracht; -ich gab das Anlaufen von Fotuna daher auf und setzte meinen Curs direct -auf Funafuti, eine der Ellice-Inseln. Am 11. November mittags kam diese -niedrige Koralleninsel in Sicht und sollte ich nun endlich Gelegenheit -finden, meine Neugierde zu befriedigen, da diese die erste derartige Insel -ist, auf welche ich am selben Abend nach dem Ankern meinen Fuß gesetzt -habe. - -Die Karten dieses Theiles der Erde sind noch sehr unvollkommen, so -dürftig, daß sie eben nur als Anhalt dienen können; mit Sicherheit -danach navigiren kann man nicht. So zeigt die vor mir liegende Skizze, -welche die äußern Umrisse dieses niedrigen Landes wiedergibt, nur =eine= -Einfahrt in die Lagune, während die mir zugegangenen Nachrichten gerade -besagen, daß dort keine Einfahrt existirt, aber zwei andere vorhanden -sind. Ich verlasse mich auf meine Gewährsleute und dampfe zwischen -zwei kleine Inseln, wo eine Einfahrt liegen soll. Aus der Takelage wird -indeß bald flaches Wasser gemeldet, von dem Schiff aus sieht man schon -den Meeresboden, und das Loth zeigt eine so geringe Tiefe, daß es nicht -gerathen erscheint, bei dem hohen Seegange ohne vorherige Recognoscirung -weiter zu gehen. Drehen kann das Schiff nicht mehr, dazu ist es zu eng, -voll Dampf geht es rückwärts und nach wenigen Minuten schwimmt das Schiff -wieder in tiefblauem Wasser, wo man auch ohne Versuch weiß, daß das Loth -keinen Grund mehr findet. Die beiden Kutter sind bald zu Wasser, um das -Fahrwasser auszulothen und sich so hinzulegen, daß das Schiff zwischen -den beiden Booten eine sichere Rinne findet. Inzwischen sind auch schon -von dem weit entfernten Dorfe zwei Kanus mit Lootsen angekommen, die, wenn -sie auch nicht ganz zuverlässig sind, doch immer gern als nützliche, mit -der Gegend bekannte Menschen angenommen werden. Nach einer halben Stunde -dampft die „Ariadne“ wieder vorwärts, geht zwischen den Kuttern durch -in die schöne Lagune, nimmt die Boote wieder auf und ankert nach einer -weitern halben Stunde, nachmittags 4 Uhr, vor dem auf blendendem Sande -malerisch unter hohen Kokospalmen gelegenen Dorfe. - -Es ist ein wahrer Genuß, in dieser regungslosen Flut zu liegen, mit -dem Bewußtsein, daß der Anker vortrefflichen Grund gefunden hat und dem -Schiffe hier nichts passiren kann. Jenseit des schmalen Landstreifens -hört man die hohe Brandung brüllend sich an dem steinernen Fuß der Insel -brechen. An den Stellen, wo das Korallenriff unter dem Wasserspiegel -liegt, sieht man die Wogen hoch auflaufen und ihren Gischt gen Himmel -spritzen. Hier innen aber hat das Wasser Ruhe und auch der auf ihm -schwimmende Seefahrer. Nach dem Ankern fuhr ich mit dem Consul noch an -Land, um den obersten Häuptling oder König zu besuchen; weiter umsehen -konnten wir uns aber nicht, da es schnell dunkel wurde. Wir kehrten daher -an Bord zurück, wo ich Ruhe fand zur Vervollständigung meiner Berichte. - - * * * * * - -Ehe ich auf meine weitern Erlebnisse eingehe, will ich hier die Gründe -niederlegen, welche mich zu dem Versuch veranlaßten, mit den unabhängigen -Inseln und Inselgruppen Verträge zu schließen oder besser gesagt -Abmachungen zu treffen. - -Die unabhängigen Inseln und Gruppen sind für den in der Südsee -dominirenden deutschen Handel von großer Bedeutung, weil sie sehr viel -Copra produciren; für den auf den Samoa-Inseln in großem Maßstabe von -den Deutschen aufgenommenen Plantagenbau sind sie aber von unermeßlichem -Werthe, weil sie die Arbeiter für die Plantagen liefern. Und um diesen -Punkt dreht sich meines Erachtens das Südseegeschäft. Denn wenn der Handel -mit Copra auch großen Gewinn abwirft, so darf man doch nicht vergessen, -daß der Handel auch vielen Zufälligkeiten unterworfen ist und für Jahre -vernichtet werden kann, wenn ein fremdländisches, leistungsfähiges und -womöglich von seiner Regierung unterstütztes Kaufmannshaus als Concurrent -auftritt und durch zeitweiliges Zahlen übermäßiger Preise dieses -Handelsfeld an sich zu reißen sucht. In solchem Falle muß der Kaufmann mit -durchhalten und für Jahre Verluste tragen, um durch Ausdauer den fremden -Concurrenten zu verdrängen. Dies ist aber leichter durchführbar, wenn der -Kaufmann gleichzeitig große Plantagen besitzt, welche mit dem Steigen der -Coprapreise in demselben Verhältniß an Werth gewinnen, sodaß der Verlust -an dem Handel durch den Gewinn an den Plantagen ausgeglichen wird. - -Dies ist das glückliche Princip, welches von der Deutschen Handels- -und Plantagengesellschaft in Samoa angenommen worden ist. Der Handel -in der Südsee kann in der Jetztzeit nur von sehr großen Häusern oder -Gesellschaften mit bedeutenden Kapitalien unterhalten werden und bringt -diesen großen Gewinn. Kleine Handlungshäuser mit ungenügenden Mitteln -müssen hier zu Grunde gehen, wie die Erfahrung bisher gelehrt hat. Die -Südsee bietet also kein Feld für allgemeine Handelsunternehmungen, hat -aber in den noch unabhängigen Inseln vorzügliches Plantagenland, welches -Landwirthen mit einem Kapital von 30-100000 Mark ein interessantes Feld -der Thätigkeit und leichten Erwerb großer Vermögen sichert. Auswanderer -ohne Geld (Bauern u. s. w.) hierher zu schicken, würde ein Fehler sein, -weil die eigene Arbeit keinen Gewinn verspricht. Es müssen, wie gesagt, -Leute mit einem gewissen Kapital sein, die eine Plantage gleich in -großem Maßstabe mit Hülfe eingeborener Arbeiter anlegen. Dies ist das -von den Engländern befolgte Princip, welches durch die sachgemäßeste -Ausnutzung der Colonien dem Mutterlande so große Reichthümer zugeführt -hat. Die Engländer schicken keine kleinen Leute in die Colonien, sondern -die jüngern Söhne der Aristokratie, und solche junge Leute, welche sich -für diese Art Leben interessiren oder in der Heimat kein ausreichendes -Fortkommen für ihre Bedürfnisse sehen, werden mit einem Kapital von -3-5000 Pfd. St. dahin entsandt und erwerben sich durch Plantagenbau -oder, wie in Australien, durch Viehstationen, in 10-20 Jahren oft sehr -bedeutende Vermögen. Ich habe in Australien bei noch jungen Leuten schon -die goldenen Früchte gesehen, während wir in Soma-Soma, wie vorher -erzählt, solch einen wohlerzogenen jungen Anfänger den Grundstein zu -spätern Reichthümern haben legen sehen. Wenn man nun erwägt, daß die -Handels- und Plantagengesellschaft allein auf den Samoa-Inseln zur -Zeit an 120000 Acker Land besitzt, davon aber selbst nur 10-15000 Acker -bearbeiten kann, so liegt es auf der Hand, daß unter Zugrundelegung der -nachstehend gegebenen Zahlen der Plantagenbau außerordentlich rentiren -muß, wenn die Arbeiterzufuhr gesichert ist, da die Südsee-Insulaner auf -ihren heimatlichen Inseln nicht arbeiten. Alle übrigen dazu erforderlichen -Bedingungen sind vorhanden. Große nationale Handelshäuser sind sowol im -Süden wie im Norden und Westen an Ort und Stelle. Sie sind nicht wie -bei andern Nationen der Flagge gefolgt, sondern ihr voraufgegangen. -Weitsichtige, muthige und energische Männer, deren Namen schon -vielfach genannt sind und in deren Händen noch jetzt die Leitung an den -verschiedenen Stellen ist, haben ihren großartigen Geschäftsbetrieben -durch eigene Kraft eine durchaus gesicherte Stellung geschaffen, welche -unantastbar sein dürfte, sobald die deutsche Flagge diesen Pionnieren -folgen sollte. Diese Handelshäuser können jetzt schon als Bankhäuser -eintreten, ihr eigenes Land abtreten oder neue Landkäufe vermitteln, mit -ihren Schiffen und durch ihre Verbindungen die Arbeiter heranschaffen, -die Plantagen mit den europäischen Artikeln versehen und den Pflanzern an -Ort und Stelle ihre Producte abnehmen, auch diesen infolge ihrer reichen -Erfahrung überall mit Rath und That zur Hand gehen. - -Um zu zeigen, wie der Plantagenbau sich zur Zeit auf den Samoa-Inseln -rentirt und sich daher auch auf andern etwa zu erwerbenden Inseln rentiren -dürfte, will ich die zur Zeit auf Samoa maßgebenden Zahlen sprechen -lassen: - - Kostenpreis eines Acker Landes Mark 20-- - - Erste Cultivirungskosten und Bepflanzung mit - Baumwolle " 92-- - __________ - Investirtes Kapital im Lande ohne Gebäude Mark 112-- - - Die Erfahrung lehrt, daß bei der Baumwollcultur - durchschnittlich 3½ Acker von einem Arbeiter, - Arbeiterin oder halbwüchsigen Kind bearbeitet - werden können, welche Person jährlich an Lohn, - Unterhalt u. s. w. kostet Mark 240-260 - - Demnach stellen sich die Betriebskosten für - Arbeitslohn (260 M. für 3½ Acker) für =einen= - Acker auf höchstens Mark 76-- - - Gehalt eines Verwalters und eines Aufsehers, - Zinsen auf Kapital investirt für Gebäude, - Amortisation für Gebäude, Abnutzung von Geräth - u. s. w. per Acker " 16-- - - Daher jährliche Betriebskosten per Acker hoch - gerechnet " 92-- - - Dieselben sollen im Durchschnitt nicht - übersteigen " 80-- - - Jährlicher Ertrag eines Ackers Baumwolle ist - durchschnittlich 1000 Pfd. in Saat gewöhnlicher - Sorte zum Werthe von " 120-- - - oder bessere Sorte mit 800 Pfd. in Saat zum " 148-- - Werthe von - - Daraus ergibt sich eine Rente von dem im Lande - investirten Kapital von 25 Proc. im - ungünstigsten, aber von circa 60 Proc. im - günstigsten Falle, oder 36-50 Proc. im - Durchschnitt. - -Wenn nun die Baumwollpflanzungen allmählich in Kokosnußpflanzungen -verwandelt werden, dürfte das Resultat des jährlichen Ertrages sich noch -günstiger gestalten, sobald dieselben erst vollen Ertrag liefern. Es sind -hier von einem Arbeiter gut fünf Acker zu bewältigen und werden auch alle -andern Unkosten geringer. Die Berechnung stellt sich dann wie folgt: - - Arbeitslohn per Jahr und Acker Mark 48-- - - Verschiedene Unkosten " 12-- - _________ - Jährliche Betriebskosten und Auslagen Mark 60-- - - Jährlicher Ertrag eines Ackers Mark 120-160 - -gibt einen jährlichen Ueberschuß von 60-100 Mark, ganz abgesehen von dem -Nutzen der Viehzucht, welche sich mit Kokosnußplantagen vereinen läßt. - -Ein englischer Acker ist gleich 40,468 Ar. - -Soll nun aber nur das auf den Samoa-Inseln liegende in deutschen Händen -befindliche Land voll ertragsfähig gemacht werden, dann müssen allein -dahin 30000 Arbeiter herangezogen werden, und als Arbeiterquellen können -nur die Kingsmill-, Marshall-, Salomons-Inseln und Neu-Hebriden in -Betracht kommen. Es fällt zur Zeit nicht schwer, die jetzt erforderlichen -Arbeiter zu engagiren und wird dies auch fernerhin leicht durchzuführen -sein, sofern die genannten Inselgruppen unabhängig bleiben. Und daß dies -erreicht werde, dazu will ich zunächst meinen Einfluß geltend machen, -weil keine Zeit zu verlieren ist. Denn die Fidji-Inseln verlangen schon -so große Arbeitermassen, daß die Colonialregierung versucht, Kulis von -Indien einzuführen, und einen Theil der Unkosten trägt, um die Pflanzer zu -unterstützen. Diese sind indeß mit dieser Maßnahme nicht ganz zufrieden, -weil wegen des langen Seewegs die Arbeiterzufuhr nicht genügend gesichert -erscheint und drängen nach Annectirung zunächst der Neu-Hebriden und -Salomons-Inseln. Hiermit würde aber jede fremde Arbeiterausfuhr dort -ausgeschlossen sein, weil England den Eingeborenen seiner Colonien nur -die Auswanderung nach den eigenen Colonien gestattet. - - * * * * * - -Doch nun zurück nach Funafuti. - -Die nebenstehende Skizze gibt den Grundriß der Insel. Die doppelt -punktirte Linie ist das Korallenriff, welches in beinahe viereckiger Form -die Lagune einschließt; die zwischen den punktirten Linien liegenden -schwarzen Körper sind die Inseln, welche über dem Meeresspiegel liegen -und mit Bäumen und Strauchwerk bestanden sind; da wo die punktirte Linie -unterbrochen ist, soll sehr tiefes Wasser sein, ist aber in Wirklichkeit -nicht vorhanden. Die mit Pfeilspitzen versehene ausgezogene Linie ist -der Weg des Schiffes in die Lagune und wieder aus derselben heraus, -der eingezeichnete kleine Anker gibt den Ankerplatz des Schiffes. Der -große Durchmesser der Lagune beträgt acht Seemeilen oder zwei deutsche -Meilen, der kleine 4½ Seemeilen; die Länge der großen Insel beträgt fünf -Seemeilen, die Breite ¼ Meile oder ungefähr 500 m. Die Tiefe des Wassers -in der Lagune ist mit Ausnahme einiger in ihr liegenden Korallenbänke fast -durchweg über 30 m; bequemen Ankergrund findet man nur ganz in der Nähe -des Landes. - -Unser Aufenthalt in Funafuti war nur auf zwei bis drei Tage veranschlagt. -Denn wenn ich auch mit der Absicht hingegangen war, mit dem sogenannten -König zur Sicherung des deutschen Handels und der deutschen Interessen -eine Uebereinkunft abzuschließen, so wollte ich, um mein Reiseprogramm -einzuhalten, bei der Unbedeutendheit des Platzes als Arbeiterquelle doch -lieber meine Absicht aufgeben, wenn es uns nicht gelingen sollte, in -der festgesetzten Zeit zu einem befriedigenden Resultat zu kommen. Dies -geschah aber und so konnten wir Funafuti schon am 13. mittags wieder -verlassen. Bei meiner Ankunft hatte zwar der Zauber, mit welchem diese -Oasen des Weltmeeres den Fremdling umstricken, auch mich gefangen genommen -und den Wunsch in mir rege werden lassen, den Aufenthalt auf eine längere -Zeit auszudehnen, doch die Pflicht, welche mich nach andern Plätzen rief, -ließ dies nicht zu und ich hatte es schließlich auch nicht zu bereuen. Ein -zweitägiger Aufenthalt genügte vollkommen, mich in die Prosa des Lebens -zurückzuversetzen. - -Am Morgen nach unserer Ankunft fuhren wir gleich nach Sonnenaufgang -wieder an Land, um an dem schönen Strande ein Bad zu nehmen und danach in -der Morgenfrische einen Spaziergang zu machen. Noch weit ab vom Lande, -als mein Boot in etwa 8 m tiefes Wasser kam, verwandelt die Flut ihre -tiefblaue Farbe in ein helles Grün, das Wasser wird zu Krystall und -gestattet dem Auge bis zu dem offen daliegenden Meeresgrunde vorzudringen, -wo auf dem grün angehauchten Sande die fleißigen Maurer des Meeres ihre -wunderlich und schön geformten Gebilde unregelmäßig angebaut haben. Kleine -zarte Korallenstauden mit unzähligen Aesten wechseln ab mit riesigen -Korallenblöcken, welche ihr Haupt schon bis nahe an die Wasseroberfläche -erhoben haben und das Boot zum Ausweichen zwingen, wenn es nicht an den -scharfen Zacken des mächtigen unterseeischen Thurmes schweren Schaden -nehmen will. Zwischen und auf den Korallen liegen Muscheln, unter welchen -namentlich eine Art sich dem Auge entgegendrängt. In weit klaffender -unscheinbarer Hülle von der Größe eines Tellers spreizt sich das im -reinsten Indigo schimmernde Thier und läßt seine schöne blendende Farbe -nach oben strahlen, wie der Pfau sein Rad der Sonne entgegenbreitet. -Auf dem Sande liegen blutegelartige Thiere von 20 cm Länge und 5 cm -Dicke, welche einen bedeutenden Handelsartikel nach China bilden. Diese -von den Chinesen als große Leckerbissen geschätzten Mollusken werden -in getrocknetem Zustande verschifft und später als gallertartige Suppe -gegessen; im Handel führen sie die Bezeichnung 'biche-le-mare' oder -'Trepang', der zoologische Name ist 'Holothuria'. Viel gibt es hier -auf dem Meeresboden zu sehen, so viel, daß man es in kurzer Zeit nicht -zergliedern kann, wie dazu ja auch überhaupt ein vieljähriges Studium -gehören dürfte. Heute bin ich froh, kein Naturforscher zu sein, weil ich -dadurch der Nothwendigkeit enthoben bin, meine Sinne wissenschaftlichen -Beobachtungen zu widmen und daher, in schnellem Lauf über diese -eigenartige Welt hinsegelnd, mein Auge mit Entzücken über die kleinen -Wunderwerke hingleiten lassen kann, wie über ein schönes Bild. - -Die Gig läuft hoch auf den weichen Sandstrand und ein Sprung bringt -uns auf das Trockene. Das kleine Dorf ist schon voller Leben, da die -Eingeborenen mit den Vögeln aufstehen. Unser Weg führt uns an einer dicht -am Strande liegenden Hütte vorbei, welche uns dadurch auffällt, daß die -Seitenwände nicht mit Matten behängt sind. Ein Blick in das Innere zeigt -uns eine kleine beschriebene Tafel, an welche wir herantreten, da der -Consul die Landessprache spricht und schreibt. Sie enthält die Angaben -über die Bevölkerungszahl der Insel, welche 156 Seelen beträgt; doch -gewiß ein stattliches unabhängiges Königreich. Die Insel war allerdings -früher sehr viel stärker bevölkert und vermag auch die zehnfache Zahl -gut zu ernähren, sie hat aber den größten Theil ihrer Bewohner Mitte der -sechziger Jahre durch einen Schurkenstreich peruanischer Sklavenjäger -verloren. - -Ein peruanisches Schiff ankerte derzeit in der Lagune von Funafuti -und führte sich als Missionsschiff ein. (Die Missionsgesellschaften -unterhalten hier eigene Schiffe, um die Verbindung zwischen den von ihnen -besetzten Inseln aufrecht zu erhalten und neue Plätze ihrem Wirken zu -eröffnen.) Die Funafutier hatten schon von den Missionaren auf den andern -Inseln gehört und hegten den Wunsch, auch so etwas Besonderes zu besitzen. -Der im Talar mit der Bibel in der Hand an Land kommende Scheinmissionar -wurde daher gut aufgenommen und fand es leicht, die Leute zu veranlassen, -am nächsten Tage mit Frauen und Kindern an Bord zu kommen, um dort die -neue Lehre zu vernehmen. Als das Schiff mit Menschen gefüllt war, wurden -sie in das Zwischendeck geführt, wo der Mann im Talar ihrer wartete, sie -aber schnell verließ, sobald alle im Raum versammelt waren. Dann wurden -plötzlich alle Luken geschlossen, das Schiff ging unter Segel und die -schwer getäuschten harmlosen Insulaner blieben für immer verschollen. Das -Gerücht sagt, daß nur wenige von ihnen Peru erreicht haben und diese dort -auch schnell hingestorben sein sollen, weil die weichlichen Polynesier, -wie die Schwalben an ungebundene Freiheit gewöhnt, kein Sklavenleben -ertragen können. - -Dicht neben der vorhergenannten, als öffentliches Berathungshaus benutzten -Hütte, steht die Kirche mit der Wohnung des Missionars, eines als Lehrer -ausgebildeten Eingeborenen. Die Kirche sieht ebenso aus, wie alle Kirchen -auf diesen Inseln: eine lange breite Hütte mit hohem Dach nach dem Modell -der Hütten der Eingeborenen und nur mit dem Unterschied, daß sie sehr -viel größer ist und feste, aus Korallenblöcken aufgebaute Seitenwände mit -kleinen viereckigen, durch Holzläden verschließbare Fenster hat; außerdem -ist sie noch abweichend von den Hütten mit einem weißen Kalkanstrich -versehen, wodurch sie weithin sichtbar wird und den Schiffen als Wegweiser -zum Ankerplatz dient. Der Missionar oder richtiger Missionslehrer ist -nicht anwesend, sondern nach einer im Norden gelegenen Insel gereist, um -eine Anklage gegen einen Collegen zu untersuchen, welchem vorgeworfen -wird, sich neben seiner Frau noch einen kleinen Harem eingerichtet zu -haben. - -Einige Schritte bringen uns zu den Hütten der Eingeborenen, welche ohne -Plan verstreut unter den Kokosnußbäumen liegen. Es ist auffällig, hier -so schlechte und schmutzige Wohnungen zu finden, da die Eingeborenen -reiner samoanischer Rasse sind und die Samoaner doch großen Werth auf -ihre Wohnungen und die Körperpflege legen. Die Hütten sind eigentlich nur -zusammengetragene Reiser, welche von Schmutz starren. Der Fußboden besteht -nur aus Erdstaub, welcher Menschen und Sachen mit einer Schmutzkruste -überzieht; saubere Steine und Matten sind nicht vorhanden. Die Menschen -sind fast durchweg mit einer ekelerregenden Hautkrankheit behaftet, -der Körper scheint mit kleinen Schuppen bedeckt, die Haut hat sich -überall gelöst und macht die Körperoberfläche rauh, die kleinen Ritzen -sind mit Schmutz angefüllt. Ob die Hautkrankheit von der allgemeinen -Unsauberkeit herkommt oder andern Ursachen zuzuschreiben ist, ist wol -noch nicht aufgeklärt. Die Männer sind im Durchschnitt mehr bekleidet -wie die Samoaner, die Weiber tragen meistens den Blätterschurz, welcher -von den Hüften bis zu den halben Oberschenkeln reicht. So führen diese -Menschen in thierischer Trägheit ein klägliches Leben, ohne die großen -Hülfsquellen auszunutzen, welche die Natur in den Kokosnußbäumen ihnen -gegeben hat. Diese doch immerhin kleine Insel liefert jetzt jährlich -50 Tonnen Copra (getrockneter Kokosnußkern) und nimmt dafür 10000 Mark -ein. 2-300 Tonnen Nußkerne lassen die Leute verfaulen, weil sie zu träge -sind, die abgefallenen Nüsse aufzusammeln, und lassen somit jährlich ein -Kapital von 40-60000 Mark verkommen. Bei sachgemäßer Bearbeitung könnte -diese Insel nach Ansicht des sachverständigen Consuls jährlich sogar 5-600 -Tonnen Copra produciren und dafür nach dem jetzigen Preise 100-120000 -Mark erlösen. Diese Menschen haben aber keine Bedürfnisse und sind deshalb -vielleicht gerade glücklich. - -Von dem Dorf und seinen Bewohnern haben wir genug gesehen; die Aussicht -auf ein schönes Bad lockt uns mehr, und bald haben wir eine passende -Stelle gefunden, wo wir uns in der krystallklaren Flut erfrischen -und wenigstens für kurze Zeit den lästigen Angriffen der unzähligen -Fliegen entgehen. Die schnell steigende Sonne mahnt uns indeß an den -beabsichtigten Spaziergang, und nach kurzer Zeit stehen wir vor dem -Kokosnußwald ohne jedoch eindringen zu können. Der schöne Rasen, welchen -man aus der Ferne um den Fuß der Palmenstämme zu sehen wähnt, ist ein -dichtes mannshohes Gebüsch aus einer Art Eisenholz, welches zwar den -Kanakers[B] ein Durchkommen gestattet, dem Europäer aber den Weg doch zu -mühsam macht. Wir gehen daher an dem Waldessaum entlang dem Dorfe wieder -zu und finden dann auch bald einen der vielen Pfade, welche quer durch -die Insel nach dem entgegengesetzten Ufer führen. Nach wenigen Schritten -ist die Lagune mit ihren sandigen Ufern unsern Blicken entschwunden und -wir sind auf einem Wege, wo wir doch mehr Leben finden, als wir erwartet -hatten. In einer Lichtung stoßen wir auf eine schmutzige Pfütze, welche -auf der ganzen Insel das einzige süße Wasser enthält. Ein altes Weib -sitzt in dem Wasser, auf einem andern Pfade kommt, nach ihrem Anzug zu -urtheilen, eine vornehmere Dame mit mehrern Dienerinnen, um ebenfalls ihr -Morgenbad zu nehmen. Demnach scheint bei diesem schmutzigen Stamme die -Vorliebe der sonst reinlichen Polynesier für das Baden doch noch nicht -erloschen zu sein, sofern es sich um ein Bad in süßem Wasser handelt. -In einer zweiten Lichtung finden wir von fernen Inseln hergebrachte -gute Erde in regelmäßige Beete eingetheilt, um in derselben Bananen zu -ziehen. Weiterhin treten wir aus dem Walde und kommen an einen mit dem -Meere in Verbindung stehenden kleinen Salzwassersee, an dessen Ufern -Strandschnepfen in ungestörter Ruhe Würmer suchen. Noch einmal treten -wir in den Wald und sind nach wenigen Schritten an dem jenseitigen Ufer -angelangt. Hohe Brandung überspült hier den felsigen Fuß der Insel und -hält einen breiten Gürtel frei von allem vegetabilischen Leben. An dem -Saum der auflaufenden Wogen ist das Ufer eine feste Steinmasse, weiter -oben hin ein wüstes Durcheinander von Korallensteingeröll, welches -das Gehen sehr erschwert. Das unruhige und gewaltthätige Treiben der -Brandung, das graue, zackige, rauhe Steinufer, große Steinblöcke mit dem -Geröll zerbröckelter Steine, das Brausen des kräftigen Windes und die -düstere Färbung der weiter abliegenden, eine feste Wand bildenden grauen -Palmenstämme, deren Kronen sich in eintönigem Rauschen nach der ruhigern -Seite neigen, geben zusammen der Insel auf dieser Seite einen wesentlich -andern Charakter, als man ihn beim Einlaufen in die Lagune gefunden hat. - - [B] Kanaker oder Kanaka ist die polynesische Bezeichnung für - „Mann“. - -Die auffallende Höhe des obersten Kammes der Insel über Wasser (etwa 3 m) -und der Umstand, daß der ganze über Wasser liegende Theil aus einem fest -zusammengefügten Korallengebilde besteht, verleitet uns zu oberflächlichen -Untersuchungen über die wahrscheinliche Entstehungsart dieser Insel. -Es ist ausgeschlossen, daß die Korallen selbst so hoch gebaut haben, -weil sie bekanntlich an der Wasseroberfläche absterben; ebenso ist es -ausgeschlossen, daß angeschwemmte fremde Körper diesen hohen Rücken -gebildet haben, denn das Land ist eine geschlossene Korallensteinmasse, -auf welcher nur lose Steine liegen und wo jede Erdschicht fehlt; diese -Korallenbank kann also nur durch wachsendes Land über Wasser gehoben -worden sein, die Insel muß daher ihr Dasein vulkanischen Einflüssen -verdanken. Beim Suchen von Muscheln und kleinem Gethier finden wir an -der Wassergrenze eine dicke Schicht von angeschwemmtem Bimsstein. Schon -mehrere Tage vorher hatte das Schiff auf hoher See große Bimssteinfelder -durchschnitten, welche jedenfalls von den zu Anfang dieses Jahres in -Neu-Britannien stattgehabten starken Kraterausbrüchen herrühren und durch -die Meeresströmungen bis hierher geführt worden sind. Dieser Bimsstein -wird in wenig Jahren verwittert guten Boden abgeben, und so zeigte uns -ein Zufall, wie wahrscheinlich die Koralleninseln die Erdschicht erhalten -haben, welche den Menschen die Anpflanzung der für ihr Leben nothwendigen -Früchte möglich gemacht hat. - -Derselbe Weg, welchen wir gekommen, führt uns in kurzer Zeit von der -eben beschriebenen herbstlichen Scenerie nach dem innern Ufer zurück, -wo die heiße Sonne über der schönen ruhigen Lagune steht, von deren -blendender Wasserfläche die schwarze kriegstüchtige „Ariadne“ sich -scharf abhebt. Die Kokospalmen entfalten ungehindert ihr duftiges, von -dem Winde unberührtes Laub in dem Sonnenschein, die Eingeborenen sitzen -träge vor und in ihren Hütten, zwischen welchen Schweine und Hühner -ebenso munter umherlaufen, wie die kleinen nackten braunen Kanakerkinder -ihre rohen selbstverfertigten Drachen auf dem weißen Sande des Strandes -in der leichten Brise steigen lassen und durch schnellen Lauf dem Winde -nachhelfen. Einige Schmetterlinge schweben über den dürftigen Blumen, -welche zwischen den Gräsern stehen, und ungezählte Massen von Fliegen -peinigen Menschen und Thiere. - -Wir fuhren an Bord zurück, nahmen unser Frühstück ein und segelten -dann in der Gig quer durch die Lagune nach einer sieben Seemeilen -entfernten kleinen Insel, um dort nach Schildkröten zu suchen. Unsere -Absicht erreichten wir indessen nicht. Die kleine Insel war von einem -so weitauslaufenden Riffe umgeben, daß wir viel Zeit gebraucht hätten -um durchzuwaten, Mittag war auch schon nahe und der Rückweg weit. Wir -traten daher gleich die Rückfahrt wieder an und kehrten eben zeitig genug -an Bord zurück, um noch etwas zu essen und dann den an Bord bestellten -König mit seinen Räthen zu empfangen. Der König trug heute die Hose, -welche gestern der eine der Lootsen, und das Hemd, welches der andere -anhatte. Nachdem der Besuch das Schiff besichtigt hatte, wurden die -Herrschaften in die Kajüte geführt, bekamen je eine Cigarre und ein -Glas Aepfelwein, und es wurde ihnen dann erklärt, daß die zeitweise -gegen Deutsche und deutsche Schiffe vorgekommenen Unordnungen sich nicht -mehr ereignen dürften. Das beste Mittel, solchen Unannehmlichkeiten -auf friedlichem Wege vorzubeugen, sei der Abschluß einer Uebereinkunft, -welche die gegenseitigen Rechte und Pflichten scharf begrenze. Darauf -las der Consul ihnen die vorher fertiggemachte Uebereinkunft in ihrer -eigenen Sprache vor, die Sache wurde berathen und nach einer Stunde waren -die beiden in Deutsch und Samoanisch ausgefertigten Originale von dem -König von Funafuti und seinen Räthen, sowie von mir unterzeichnet und -abgeschlossen. Das Wesentliche der Uebereinkunft besteht darin, daß die -Deutschen vollständige Handelsfreiheit haben, Land kaufen und miethen -können; daß gescheiterten deutschen Schiffen jeder Beistand geleistet -und Leben wie Eigenthum gewährleistet wird; daß Deserteure von deutschen -Schiffen auszuliefern sind; daß Gesetze, welche Fremde berühren, nur dann -für Deutsche Geltung haben, wenn sie vorher mit dem deutschen Consulat -vereinbart sind; Anordnung, wie Streitigkeiten zwischen Eingeborenen und -Deutschen zu schlichten sind; sowie schließlich die Verpflichtung, daß die -Deutschen auf Funafuti stets dieselben Vorrechte genießen sollen, welche -später etwa andern Nationen gewährt werden sollten. - -Abends nach dem Essen gingen wir noch einmal an Land, um dem König -Lebewohl zu sagen. Während wir zum Boot zurückkehrten, wurde an Land -die Trommel geschlagen als Zeichen, daß nunmehr (7 Uhr abends) alle -Eingeborenen ihre Hütten aufzusuchen hätten. In diesen wurde es hell, -um das in der Mitte angezündete Feuer saß die Familie und beschloß das -Tageswerk durch Absingen einiger geistlicher Lieder. Wir kehrten an Bord -zurück und schlossen auch mit Funafuti ab. - -Am nächsten Tage, am 13. nachmittags 2 Uhr, lichteten wir den Anker, -dampften durch die Lagune und verließen dieselbe durch die nördliche -Einfahrt, unsern Curs nach Vaitupu, einer andern Insel der Ellice-Gruppe, -nehmend. Bei dieser Gelegenheit hatte ich übrigens noch eine starke -Nervenerschütterung zu ertragen. Als wir zur Durchfahrt, welche nach -Angabe der Lootsen 15 m Wassertiefe haben sollte, und dort in die -hochgehende See kamen, wurden plötzlich nur 8 m Tiefe gemeldet und bei -dieser Wassertiefe lag ein Durchstoßen des Schiffes nahe. Ein Zurückgehen -war nicht mehr möglich; das Herz stand mir momentan still, dann aber gab -ich der langsam gehenden Maschine den Befehl, mit Volldampf vorwärts zu -gehen, weil dies die einzige Möglichkeit war, das Schiff vor dem tiefen -Einstampfen zu bewahren. Es mag sein, daß keine Gefahr für das Schiff -vorlag, hätte es aber in diesem hohen Seegang auf das Korallengestein -aufgestoßen, dann wäre es wahrscheinlich verloren gewesen, und mit dieser -Gefahr mußte ich in dem Moment rechnen. Was solche Augenblicke bedeuten, -kann nur derjenige ermessen, welcher die Verantwortung für ein Schiff -und so viel Menschenleben zu tragen gehabt hat. Wenige Minuten, während -welcher die anstürmenden Wellen über den Bug des mit voller Dampfkraft -arbeitenden Schiffes hinwegbrachen, brachten uns in freies Wasser, die -Feuer in der Maschine wurden gelöscht und das Schiff setzte die Reise -unter Segel fort. - -Am nächsten Tage, am 14. nachmittags 3 Uhr, drehte ich dicht unter der -Insel Vaitupu bei dem Hauptdorfe bei und fuhr an Land, um dem König meinen -Besuch zu machen und dort ebenfalls den Abschluß einer Uebereinkunft -vorzubereiten, da bei der Kürze der uns zur Verfügung stehenden Zeit der -wirkliche Abschluß nicht erfolgen konnte, denn ich wollte vor Anbruch -der Dunkelheit schon wieder auf dem Wege nach einer andern Insel sein. -Das Landen war beschwerlich, weil das Riff der Insel hier nicht steil -abfällt, sondern sich nur wenige Fuß unter Wasser weit hinaus erstreckt -und so eine große Bank bildet, auf welcher die Wellen überbrechen und als -Brandung nach dem Ufer zulaufen. Da keine andere Landungsstelle vorhanden -ist, so mußten wir hier durch, ob wir nun naß wurden oder nicht. Es ging -besser als ich dachte; die Brandung schäumte an beiden Seiten des langen -Bootes vorbei und bedachte uns nur ab und zu mit einem kleinen Spritzer, -sodaß wir trocken so weit an das Ufer herankamen, um auf dem Rücken -eines Matrosen an Land reiten zu können. Der erste Gruß an Land wurde -mir von einem kleinen reizenden, 4-5 Jahre alten Kanakermädchen zutheil. -Als ich von dem Rücken des Matrosen herabsprang, stand das Kind in einem -saubern Waschkleidchen neben mir, streckte mir seine kleine Hand entgegen -und ließ aus seinen schönen großen Augen ein so herzliches Willkommen -entgegenleuchten, daß mir ordentlich warm ums Herz wurde. Ein Schatten -fiel allerdings gleich auf das Kind, denn die Umstehenden erzählten -sofort, daß es das Kind des verklagten Missionslehrers sei, von dem -ich vorher erzählt habe, und sich nur zufällig hier aufhalte. Natürlich -verstand das kleine barfüßige Mädchen davon nichts, kümmerte sich auch -nicht weiter um die andern, sondern sah, meine Hand festhaltend, nur mich -an. Ich behielt das kleine süße Ding während meines Aufenthalts am Lande -bei mir und schenkte ihr nachher einen blanken halben Dollar, um ihn als -Andenken um den Hals zu tragen, da Geldstücke in dieser Weise als Schmuck -verwendet werden. - -Eine große Menschenmenge stand am Ufer, um uns ankommen zu sehen, darunter -ein samoanischer Missionslehrer und ein Deutscher, Agent der Handels- -und Plantagengesellschaft in Apia. Diese beiden waren unsere Leute, mit -welchen wir zunächst zu verhandeln hatten, und von ihnen hörten wir auch -gleich, daß große Aufregung auf der Insel herrsche, weil eine starke -Partei den jetzigen König in den nächsten Tagen stürzen wolle. Auch -klagte der Deutsche, welcher mit einer Vaitupu-Eingeborenen verheirathet -ist, daß ihm verwehrt würde auf einem Grundstück seiner Frau ein Haus zu -bauen, weil diese durch ihre Heirath mit einem Fremden alle Ansprüche -auf das Land verloren habe. Ferner wurde mir ein Brief eines deutschen -Schiffskapitäns übergeben, worin derselbe darüber Beschwerde führt, daß -die Eingeborenen die Desertionen von Schiffsmannschaften begünstigen und -er dadurch bei seinem letzten Aufenthalte hierselbst wieder einen Mann -seiner Besatzung verloren habe. Die am Ufer befindliche Menschenmenge -war in sichtlicher Aufregung und schien sehr besorgt zu werden, als -sie aus dem in Samoanisch geführten Gespräch hörte, wovon die Rede war. -Wir waren nun orientirt und ich sah von neuem ein, wie nöthig es ist, -zwischen diesen außer der Welt liegenden Inseln Ordnung zu schaffen, und -wie die in Funafuti abgeschlossene Uebereinkunft den Interessen der auf -diesen Inseln lebenden Deutschen entspricht. Ich kann dieses Lob ohne -Anmaßung aussprechen, weil jene Uebereinkunft nicht von mir entworfen -ist, sondern von einem Herrn, welchen ich hier ja nicht weiter zu nennen -brauche, und ich nur meinen Namen darunter zu setzen hatte. Wir gingen -demnächst zu dem Hause des in der Nähe wohnenden Königs, um ihm unsern -Besuch zu machen, wodurch allein nach Ansicht des Missionslehrers sein -Ansehen schon so weit gekräftigt wurde, daß die Umsturzpartei alle Chancen -verlor. Der König empfing uns, umgeben von seinen Räthen, in seinem -Hause, das Volk gruppirte sich um die offene Hütte, die Frauen besetzten -die zunächst gelegenen Hütten und mein kleines Mädchen kauerte sich -neben mich. Es wurde nun von uns zunächst erwähnt, daß wir zwar von den -beabsichtigten Unruhen gehört hätten, dieselben aber jetzt gegenstandslos -geworden seien, weil ich hierdurch den König als solchen anerkenne. Das -Resultat einer kurzen Berathung der Eingeborenen war, daß die anwesenden -Führer der Umsturzpartei erklärten, von jeder Gewaltthätigkeit absehen -zu wollen, weil nach meiner Anerkennung des Königs ihr Plan aussichtslos -geworden sei. Demnächst wurde dem Deutschen das Besitzrecht des seiner -Frau gehörigen Landes zugesichert und ferner feierlich versprochen, alles -aufzubieten, um in der Folge Desertionen von den Schiffen zu steuern. -Hiernach erklärte der König, daß er am nächsten Tage alle Häuptlinge -zu einer Berathung zusammenrufen wolle und daß dann von ihnen eine -Uebereinkunft unterschrieben werden würde, sobald ihnen dieselbe von mir -zugegangen sei. - -Da es Zeit wurde an Bord zurückzukehren, zumal ich auch dem König erlaubt -hatte, noch das Schiff für kurze Zeit zu besuchen, so machten wir uns -auf den Weg und besichtigten dabei noch das Dorf. Die Insel Vaitupu -ist, wenngleich von Korallen aufgebaut, keine Laguneninsel, sondern wie -Tongatabu eine über Wasser gehobene, fest zusammenhängende Korallenbank -und bietet so eine größere Grundfläche, mithin den Bewohnern mehr Raum. -Diesem Umstande ist es wol zuzuschreiben, daß das Dorf einen städtischeren -Eindruck macht und man hier, abweichend von der sonst üblichen Anlage -derartiger Dörfer, breite Straßen findet, an welchen die geräumigen und -saubern Hütten in regelmäßigen Abständen aufgebaut sind. Die Frauen sind -fast alle mit langen Gewändern bekleidet, die Männer tragen europäische -Kleidung oder doch Hüfttücher aus europäischen Stoffen und das Ganze -macht den Eindruck einer gewissen Wohlhabenheit. Tätowirte Leute sieht man -nur ganz vereinzelt, hier ist aber wie auf all den nördlicher gelegenen -Inseln und auch schon in Funafuti die Sitte vorhanden, die Ohrläppchen zu -durchbohren und dann das untere Fleisch so lange nach unten zu ziehen, -bis der Lappen als großer Ring bis fast auf die Schulter herabhängt, -wenn er nicht vorher schon gerissen ist und dann nur aus zwei Zipfeln -besteht. Diese Verunzierung des Ohres hat sich jedenfalls aus der noch -nicht fernliegenden Zeit erhalten, wo die Leute noch nackt gingen und kein -Mittel hatten, kleine Gegenstände auf bequeme Art bei sich zu führen. Sie -richteten daher das Ohr als Tasche ein, indem der lange Ohrlappenring zu -einer 8 geschlungen die Pfeife oder sonst einen kleinen Gegenstand aufnahm -und der Eigenthümer seine Hände frei behielt. Daß diese Sitte, welche -wol bald verschwinden wird, jetzt noch so allgemein besteht, kann nicht -verwundern, wenn man bedenkt, daß diese Eingeborenen vor zwölf Jahren den -Gebrauch von Kleidern irgendwelcher Art noch nicht kannten. - -Die Bevölkerung von Vaitupu beträgt zur Zeit 490 Seelen, eine große Zahl -für eine der Ellice-Inseln, weshalb sie auch die wichtigste für den Handel -in der Gruppe ist. Die Bewohner stammen von den Samoanern ab, sprechen -deren Sprache und gleichen ihnen in Körperbildung und Hautfarbe, haben -aber vielfach andere Sitten angenommen, welche sich äußerlich auch darin -zeigen, daß die Männer das Haar kurz, die Frauen es lang tragen und beide -Geschlechter das Färben des Haares vermeiden. Die bei Funafuti erwähnte -Hautkrankheit kommt, wenn auch nur vereinzelt, hier ebenfalls vor. - -Zwischen dem Dorfe und der Landungsstelle liegt ein großer freier Platz, -in dessen Mitte sich eine große mit Korallensteinen ausgemauerte Grube -befindet, welche zum Auffangen des Regenwassers dient und die Stelle eines -öffentlichen Marktbrunnens versieht, wenn überhaupt dieser Himmelsstrich -durch Regen beglückt wird. Dies kommt nicht allzu häufig vor und die -Cisterne war auch jetzt leer und trocken. Auf demselben Platze befinden -sich auch die Kirche und die Wohnung des Missionslehrers, in welch -letztere wir nach erhaltener Aufforderung eintreten mußten, wollten -wir nicht unhöflich sein. Ein Besuch von solchen Persönlichkeiten, wie -sie der Commandant eines Schiffes und der Consul vorstellen, gilt hier -sehr viel und es ist daher begreiflich, daß die Leute sich nach solcher -Auszeichnung drängen. Für den nur wenige Minuten währenden Besuch wurde -ich übrigens dadurch belohnt, daß die Frau des Lehrers mir der Landessitte -entsprechend zwei schöne Matten und einige Fächer schenkte, welche ich -natürlich annehmen mußte. Beim Besteigen meines Bootes fand ich auch noch -weitere Geschenke von dem König vor, nämlich ein lebendes Schwein und ein -halbes Hundert frischer Kokosnüsse. Beim Passiren der Brandung hatten wir -wieder ebenso viel Glück wie auf dem Hinwege und waren nach weitern 15 -Minuten, ohne naß geworden zu sein, wieder auf unserm Schiff, wo ich den -kurz nach uns eintreffenden König bewirthete. Mit Dunkelwerden schickte -ich ihn nebst Gefolge wieder an Land und trat dann die Weiterreise durch -dieses unbehagliche Inselgebiet an. - -Jetzt (16. November) haben wir zwar die Ellice-Inseln hinter uns, und -vor uns bis zu der Gruppe der Kingsmill-Inseln 150 Seemeilen freies -Fahrwasser, es ist aber sehr die Frage, ob dieses freie Wasser nicht -noch schlimmer ist wie die Inselpassagen, da zwischen den Inseln doch -schon viel gefahren wurde und daher die Untiefen bekannt sind, während -die Karten in diesen noch wenig durchforschten Meeren hier außerhalb der -Inselgruppen nur große blanke Stellen aufweisen. Unser nächstes Ziel ist -Tapituwea (in der Karte Taputeouea oder Drummond-Insel genannt), wo ich -wegen der dort herrschenden anarchischen Zustände mich zwar auf keinerlei -Verhandlungen werde einlassen können, aber doch dadurch Gutes stiften -kann, daß dieser wilden und zu Gewaltthätigkeiten stets aufgelegten -Bevölkerung das Vorhandensein deutscher Kriegsschiffe vor Augen geführt -wird und dadurch die hier anlaufenden deutschen Schiffe Schutz für Leben -und Eigenthum erhalten. - - - 20. November 1878. - -Am 17. traten wir in die Gruppe der niedrigen Kingsmill- oder -Gilbert-Inseln ein, von welchen ich drei anlaufen will und zwar Tapituwea, -demnächst Apamama und Taritari. - -Ich hatte gehofft, gestern Morgen schon mit Tagesanbruch Tapituwea zu -sehen und gegen 8 Uhr dort zu Anker zu sein, hier schlagen aber alle -Berechnungen fehl. Die Karten sind vielfach falsch und die Strömungen -zwischen diesen Inseln so stark und unberechenbar, daß man sich während -der Nacht nicht zu nahe an die Stelle heranwagen darf, wo das Land liegen -soll, weil man sonst durch Auflaufen auf die weitausgedehnten Riffe leicht -sehr viel früher als man erwartet unangenehme Bekanntschaft mit diesen -Inseln, welche gestrandete Schiffe von ihren Riffen nicht mehr freigeben, -machen kann. Anstatt uns Tapituwea zu zeigen, brachte die aufsteigende -Sonne nur steifen Wind mit dickem Wetter. Erst gegen 10 Uhr sichteten wir -das Land -- so weit hatte der Strom das Schiff versetzt -- und kurz vor -12 Uhr ankerten wir vor Uturoa, der Hauptstadt der Insel. Da hier weiter -nichts zu thun war, als die Flagge zu zeigen, hatte ich den Besuch nur -auf wenige Stunden angesetzt. - -Tapituwea ist von langgestreckter Form ohne Lagune, ziemlich groß und -sehr stark bevölkert. Wenn der Rücken des bewohnbaren Landes auch nur -schmal ist, so beträgt die Länge desselben doch 30 Seemeilen, und dieser -lange schmale Landstreifen ernährt nach zuverlässiger Schätzung über -6000 Menschen. Allerdings werden die Nahrungsmittel, welche hauptsächlich -in Kokosnüssen bestehen, häufig und namentlich bei anhaltender Dürre so -knapp, daß die Leute dann zum Theil versuchen müssen, auf andere Inseln -zu gelangen, um nicht zu verhungern. Dies ist dann die günstige Zeit -für die Anwerbung von Arbeitern für die Plantagen auf den Samoa-Inseln, -weil sich zu dieser Zeit ganze Familien, ja ganze Verwandtschaften und -namentlich solche, welche auf den deutschen Plantagen in Samoa schon -waren, zum Schiffe drängen, um sich gegen leichte Arbeit satt essen zu -können und noch geringen Lohn obendrein zu erhalten. Auch nur aus diesem -Grunde hat die Insel Bedeutung für die deutschen Interessen, weil sie als -Handelsobject nicht in Betracht kommt, da sie alles, was sie producirt, -zur Ernährung der eigenen starken Bevölkerung gebraucht. Trotzdem nun -die Eingeborenen von Tapituwea die anlaufenden Schiffe eigentlich immer -als die Erretter aus bitterer Noth ansehen müssen, zeigen sie sich doch -häufig so feindlich, daß die Fremden stets bereit sein müssen, für ihr -Leben einzustehen. Diese Eingeborenen sind ganz wilde Gesellen, welche -keinerlei Oberhaupt anerkennen und im ausgeprägtesten Communismus leben. -Alles Eigenthum auf der Insel ist Gemeingut, jeder Streit wird von den -Betheiligten sofort mit der Waffe ausgefochten, und daß solche Kämpfe -häufig vorkommen, zeigen die vielen Narben auf den nackten Körpern dieser -Leute. Dieselben werden ihren Ursprung zwar größtentheils den häufigen -Trinkgelagen zu verdanken haben, bei welchen die ihrer Sinne nicht mehr -mächtigen Männer wol mit ihren Haifischzahnwaffen wüst um sich schlagen -und jeden verwunden, der in den Bereich der gefährlichen Waffe kommt. -Anders kann ich es mir nicht erklären, daß so viele Weiber und kleine -Kinder die Spuren solcher Wunden auf ihren Körpern tragen; ja, ich habe -bei einem kleinen Kinde, das noch getragen wurde, eine solche Narbe -von 10 cm Länge und 3 cm Breite über den Rücken und die Seite hinlaufen -gesehen. Ich denke mir, daß die Weiber häufig versuchen, ihre tobenden -Männer von dem Gelage wegzuholen, und daß dabei dann zuweilen sie selbst, -wie die von ihnen auf der Hüfte getragenen kleinen Kinder Wunden erhalten, -welche ihnen nicht zugedacht waren. Das Getränk bereiten diese Leute -sich selbst aus dem Saft der Kokospalme, ebenso wie die Marquesaner es -thun. Da nun die Eingeborenen ebenso leicht wie gegen sich selbst zu -Gewaltthätigkeiten gegen Fremde neigen, sah ich mich veranlaßt, diese -Insel anzulaufen, weil häufig deutsche Schiffe hierher kommen, um Arbeiter -nach Ablauf ihres Contracts von Samoa zurückzubringen und neue anzuwerben. -Bei solchen Gelegenheiten soll es immer bunt hergehen, weil dann stets -solche Massen von Eingeborenen zum Schiffe kommen, daß sie leicht die -kleine Mannschaft überwältigen und ermorden könnten, um sich des Schiffes -zu bemächtigen. Es ist daher bei solchen Gelegenheiten geboten, nicht zu -viel auf einmal auf das Schiff zu lassen, und dies wird dadurch erreicht, -daß die Mannschaft des Schiffes die Kanus mit geladenen Feuerwaffen -in respectvoller Entfernung hält. Das Weggehen von ihrer heimatlichen -Scholle wird diesen Menschen leicht, weil sie nichts besitzen. Wie sie -gehen und stehen, kommen ganze Familien, Mann, Frau und Kinder, und -häufig noch Aeltern und Verwandte auf das Schiff, um den Contract durch -ihr Handzeichen zu vollziehen und dann auf mehrere Jahre in die Fremde -zu gehen. Der Contract lautet gewöhnlich auf drei Jahre; Männer, Frauen -und größere Kinder erhalten gleichen Lohn, Kinder unter sieben Jahren die -Hälfte, und alle freie Rückfahrt nach Ablauf der contractlichen Zeit. - -Gleich nach dem Ankern fuhr ich mit dem Consul an Land, um die kurze -Zeit möglichst auszunutzen; ein Boot mit beurlaubten Offizieren folgte. -Die weit vom Ufer abliegenden großen Korallenbänke, auf welchen die -hochgehende See bricht, zwingen zu großer Vorsicht, weil ein Aufstoßen -auf einen der vielen Korallenblöcke gleichbedeutend mit dem Verlust des -Bootes ist, da dieses sofort zertrümmert werden würde. Hat man diese -Bänke aber erst passirt, dann findet man wieder tiefes und von den Riffen -geschütztes, ruhiges Wasser bis zum Strande hin. Obgleich unter den Bäumen -Hütte neben Hütte liegt und am Morgen in noch weiter Ferne ungezählte -Rauchsäulen uns gesagt hatten, daß all diese Hütten bewohnt sein müssen, -zeigen sich bei unserer Annäherung doch nur wenig Leute, welche zum -Strande herunter kommen, sobald wir landen. Die Hütten sind fast sämmtlich -leer. Die uns begleitende Schar wächst zwar im Laufe der Zeit bis zu -etwa 40 Personen an, doch wo sind die andern? Entweder rotten sie sich zu -einem Angriff, resp. zur Gegenwehr zusammen oder sie haben nur die Flucht -ergriffen. Ich glaube das letztere, denn ein Kriegsschiff ist für diese -Wilden, welche häufig ein böses Gewissen haben, ein sehr unbehagliches -Ding. - -Wir steigen an Land und die mit scharfer Munition versehenen Boote werden -in tiefem Wasser verankert, damit während unserer Abwesenheit zwischen -den Bootsmannschaften und den Eingeborenen kein Streit entstehen kann. Wir -selbst (sieben Personen) sind mit Säbel und geladenem Revolver bewaffnet. -Die uns am Strande empfangenden Menschen sind nur Männer und Jungen, -alle vollständig nackt, da man den aus Glasperlen und Muschelstücken -bestehenden Halsschmuck wol nicht als Kleidungsstück gelten lassen -kann; etwas weiter ab und in nächster Nähe ihrer Hütten stehen einige -Weiber. Diese tragen nur einen schmalen, etwa 20 cm breiten Gürtel aus -Blättern oder Gräsern, welcher in besonders charakteristischer Weise -umgebunden wird. Männer und Weiber sind schöne Menschen von dunkelbrauner -Hautfarbe, und die Männer zeichnen sich namentlich vor denjenigen -Polynesiern, welche ich gesehen habe, dadurch aus, daß ihr Gesichtstypus -nicht so gleichartig ist, sondern daß man mehr charakteristische Köpfe -mit vorzugsweise schmalen Nasen sieht. Diese Gesichter sind allerdings -nicht so ansprechend, wie die geistig durchgebildetern der Polynesier, -denn in den Zügen dieser Mikronesier kann man deutlich lesen, wie die -Leidenschaften des Urmenschen hier noch ungezügelt arbeiten und dadurch -dem oft wirklich schönen Gesichtsschnitt das abgeht, was die Züge des -veredelten Menschen wirklich schön macht. Die Körperformen sind fast -durchgehends tadellos, die Männer groß und schlank, die Weiber mittelgroß -mit zierlichen eleganten Formen. Die glänzend schwarzen, schlichten Haare -werden von beiden Geschlechtern gleich getragen; vorn auf der halben -Stirn kurz abgeschnitten, an den Seiten und hinten bis auf die Schulter -herabhängend; das Haar wird nicht gefärbt, sondern nur mit Kokosnußöl -eingerieben. - -Die Kokosnuß ist hier überhaupt alles, wie sie es ja auch auf allen -niedrigen Inseln der Südsee ist. Die junge grüne Nuß gibt mit ihrer Milch -das einzige Getränk, da Wasser fehlt; der weiche Kern der halbreifen -und der harte Kern der alten Nuß gibt die Nahrung; das aus dem Kern -gepreßte Oel wird als Hautsalbe, Haaröl und als Leuchtstoff benutzt, -da die primitiven Lampen auch mit diesem Oel gespeist werden; die -innere harte Schale der alten Nuß gibt Trink- und sonstige Gefäße, wie -z. B. die Becken für die Lampen; die äußere Faserschale gibt den Stoff -zur Anfertigung von Bindfaden, aus welchem wieder Kriegsrüstungen und -vielerlei andere Gegenstände geflochten werden, so auch den Docht für die -Lampe. Vorzugsweise findet der so gewonnene Bindfaden bei Herstellung der -nachfolgenden Gegenstände Verwendung. Die einzelnen Pfähle und Dachsparren -des Hüttengerüstes werden zusammengebunden und auf dieselbe Art wird auch -das Laubdach auf dem Gerüst befestigt. Die schönen, scharfen und sehr -tiefgehenden Kanus, mit welchen die Eingeborenen große Reisen über See -machen, können, weil hier die dazu erforderlichen dickstämmigen Bäume -fehlen, nicht aus großen Stücken zusammengesetzt werden, sondern müssen -nach unserer Art aus schmalen Planken über Spanten gebaut werden, und -da den Leuten Nägel fehlen, müssen sie die einzelnen Planken mühsam mit -Bindfaden aneinander nähen. Die Takelagen der großen Segelkanus sind -ebenfalls aus diesem Bindfaden gefertigt, und derselbe wird auch als -Angelschnur benutzt. Das schwere harte Holz des Stammes der Kokospalme -gibt Brennholz, das Material für die Kriegsspeere und theilweise auch -für die Hauptpfähle der Hütten. Die Blätter werden zu Körben, Dächern -und Matten zusammengeflochten. Der dem jungen Stamm entquellende Saft, -wenn die Blattkeime oben abgeschnitten worden sind, gibt Branntwein, doch -stirbt ein so mishandeltes Bäumchen dann ab. - -Dies zeigt in kurzen Umrissen, daß ohne die Kokospalme auf diesen Inseln -das Leben für Menschen nahezu unmöglich wäre. Wie dieses Leben, welches -sich neben Fischen und Schalthieren nur auf die Kokosnuß stützt, für die -Menschen sich gestaltet, mag jeder sich selbst ausmalen. - -Ich lasse durch den von Apia mitgebrachten Dolmetscher unsere Absicht -kundgeben, das Dorf zu besehen, worauf der ganze Trupp sich in Bewegung -setzt, um uns zu führen und zu begleiten. Die Leute betragen sich -anständig, wie das einem so großen Kriegsschiffe gegenüber nicht anders zu -erwarten ist, sind sehr gefällig im Wegräumen von in den Wegen liegenden -Hindernissen und im Durchbrechen einiger Zäune, um uns bei der großen -Hitze unnöthige Umwege zu ersparen. Bei alledem sieht man aber doch an -ihren schnellen und jähen Bewegungen, an der Art zu sprechen, zu lachen -und zu beobachten, daß viel Tigernaturell in ihrem Blute liegt und es wol -nicht gerathen ist, wehrlos in ihre Hände zu fallen. - -Der schmale, wohlgehaltene Pfad führt von Ansiedelung zu Ansiedelung, -denn von einem Dorf oder einer Stadt kann man nicht sprechen, da das -ganze Land an der Leeseite der Insel mit Hütten, bezw. Ansiedelungen, -übersäet ist. Der die Insel der Länge nach durchschneidende Pfad liegt -etwa in der Mitte des schmalen Landstreifens; an der Luvseite des Pfades -stehen nur Kokosnußbäume, während die Niederlassungen sämmtlich an der -Leeseite liegen. Ich spreche hier von Ansiedelungen, weil immer innerhalb -eines aus Aesten und Reisern hergestellten Zaunes mehrere Hütten liegen, -welche jedenfalls zusammengehören. Ich habe mich leider nicht danach -erkundigt, ob solch eine Hüttengruppe eine bestimmte Gemeinschaft bildet -oder innerhalb der Grenzen eines jeden Zaunes eine zusammengehörige -Familie wohnt; nach der geringen Zahl der jeweiligen Hütten möchte ich das -letztere annehmen. Auffallend ist die Sauberkeit und Ordnung, welche hier -herrscht und leicht zu der Annahme verleiten kann, daß in diesem Theil der -Erde die Menschen um so reinlicher werden, je tiefer sie stehen, denn es -ist z. B. kein Zweifel, daß die Leute auf Funafuti schon seit 10-12 Jahren -einen ununterbrochenen Verkehr mit Europäern unterhalten, während diese -nur sehr selten hierher kommen und dann auch immer auf ihren Schiffen -bleiben. - -Zunächst am Strande stehen die zur Aufnahme der Kanus bestimmten -Hütten, welche ebenso sorgfältig gebaut und sauber gehalten sind wie die -Wohnungen der Menschen und nur darin von den Wohnhäusern abweichen, daß -die Stirnwände offen sind, um die Fahrzeuge leicht ein- und ausbringen -zu können. Jedes Kanu, ob groß oder klein, hat sein eigenes Haus. Weiter -zurück unter Bäumen, welche hier allerdings gelichtet stehen, liegen die -vorher genannten Ansiedelungen. Die Hütten selbst, wenngleich vielfach -von verschiedener Größe, sind in ihrer Bauart ganz gleich. Auf kurzen, -zwei Fuß hohen Pfählen oder blendend weißen Korallensteinen liegen die -Hauptbalken und Träger für die Dachsparren, welche ihre obere Stütze -auf einem durch die Mittellinie der Hütte laufenden Kammbalken finden, -der auf 10-15 Fuß hohen Pfählen ruht; auf die Sparren ist so viel Laub -geschichtet, bis das Dach sicher gegen Regen geworden ist. Die Hütte ist -an allen vier Seiten geschlossen, und das Dach reicht so weit über den -eigentlichen Wohnraum hinaus, daß schräg einfallender Regen bis zu diesem -nicht vordringen kann, wodurch die Seitenwände überflüssig werden und auch -fehlen. Das Eintreten in die Hütte wird durch diese Bauart allerdings -etwas unbequem, weil man sich fast auf den Bauch legen muß, um zwischen -Unterrand des Daches und dem Fußboden hindurchzukommen. Der Grundriß der -Hütte ist ein längliches Viereck, bei welchem die Länge etwa doppelt so -groß ist wie die Breite, das Dach fällt nach allen vier Seiten schräg -ab. Der zwischen den einzelnen Hütten einer Ansiedelung liegende Raum ist -sorgfältig mit kleinen weißen Korallensteinen bestreut, zwischen welchen -kein Gras, kein Unkraut zu finden ist, sodaß diese Stellen den Eindruck -sorgfältig gepflegter Straßen und Plätze machen und dadurch den saubern -Eindruck der Wohnungen noch mehr heben. Die Hütten sind zur Zeit fast alle -leer, nur hin und wieder sitzt in einer derselben ein alter Mann oder eine -Frau mit einem kleinen Kinde. - -Endlich nach einem langen Marsche, welcher uns auch an Gruben mit -besserer feuchter Erde vorbeiführte, in welcher Taro (eine Erdfrucht) -wächst, kommen wir zu einer sehr großen, ganz besonders sauber und schön -gehaltenen Hütte. Der große freie Platz, auf welchem sie steht, ist -ebenfalls mit kleinen weißen Steinen bestreut. Die Hütte selbst erhebt -sich auf einer etwa zwei Fuß hohen, aufgeschütteten Plattform. Sie stellt -das Hauptberathungshaus der ganzen Insel vor und beherbergt in ihrer -Mitte das Allerheiligste. Trotzdem dieses Gebäude eine Länge von etwa -40 m, eine Breite von 16 m hat und der Mittelkamm des Daches 13-16 m über -dem Fußboden liegt, sind die Seitenpfähle, welche das Dach tragen, doch -nicht höher als bei den gewöhnlichen kleinen Hütten, weshalb das Dach -ebenfalls fast bis zum Fußboden reicht und man auch nur hineinkriechen -kann. Wir werden aufgefordert einzutreten, und man konnte in den -Gesichtern unserer wilden Freunde, denen sich hier noch einige Dutzend -Eingeborene beiderlei Geschlechts zugesellt hatten, lesen, wie stolz -sie auf dieses Staatsgebäude sind und wie sie auf den Ausbruch unserer -Verwunderung über dieses Bauwerk warten. Natürlich treten wir ein, sowol -aus Neugierde als auch um wenigstens eine kurze Rast in einem schattigen -Raume zu halten. Das Haus ist wirklich sehenswerth und man muß staunen, -in welch sinnreicher Weise diese Naturmenschen das riesige Dach nahezu -freitragend aufgerichtet haben, denn in der Mittellinie stehen nur drei -in die Erde gerammte schwache Dachträger. Mit derselben Akuratesse, wie -bei uns freitragende Dächer (welche nicht auf Säulen ruhen, sondern durch -seitwärts geneigte Träger ihren Stützpunkt in den Seitenwänden erhalten) -durch studirte Baumeister construirt werden, haben diese Eingeborenen -ihre Dächer angeordnet. Von den Seitenwänden nach den gegenüberliegenden -Dachsparren laufende Balken, welche in ihrer ganzen Länge mit schwarzen -Figuren sorgsam und geschmackvoll verziert sind, tragen das schön -geflochtene dicke Laubdach. Von den in der Mittellinie stehenden drei -Dachträgern trägt der mittelste den Götzen, oder richtiger gesagt das -Allerheiligste. Es ist dies eine aus Holzstäben gefertigte Pyramide von -5-6 Fuß Höhe und 3-4 Fuß unterm Durchmesser, deren horizontal laufende -Verbindungsstäbe 1½-2 Fuß auseinander liegen. Die Bedeutung dieses -merkwürdigen Götzenbildes muß in der Form und Zusammensetzung liegen, da -der Schmuck, welchen es trägt, nur aus Opfergaben besteht, und zwar nur -aus Hühner- und Hahnenfedern, unter welchen schwarze Hahnenfedern die -besonders bevorzugten zu sein scheinen. Soviel ich herausbekommen konnte, -werden diese Spenden nur von solchen gegeben, welche längere Zeit von -der Heimatsinsel entfernt waren und glücklich zu derselben zurückgekehrt -sind. Wir setzen uns auf die hier sauber ausgebreiteten Matten, unsere -Freunde sich an dem andern Ende der Hütte uns gegenüber; wir betrachten -die innere Einrichtung, die Eingeborenen uns. Nach kurzer Rast lassen wir -unsern Wirthen sagen, daß wir dieses Berathungshaus außerordentlich schön -fänden, und machen uns dann, befriedigt von dem Gesehenen, wieder auf den -Rückweg. Unsere braunen Freunde wollen uns zwar noch immer weiter führen, -doch sind wir schon so weit von unsern Booten entfernt, daß mir die Sache -nicht ganz geheuer scheint und ich daher ein weiteres Vordringen nicht -zugebe, sondern unsere Herren veranlasse, mit mir zurückzukehren. - -Bei den Booten wieder angelangt und damit im Bereich unsers Geldes, sprach -ich noch den Wunsch aus, einige Waffen zu erwerben, worauf bald einige -mit Haifischzähnen versehene alte Speere zur Stelle gebracht wurden. Da -nichts Besseres zur Zeit zu haben war, so entschloß ich mich diese wenig -schönen Waffen dennoch für einige Stücke Taback einzutauschen, weil -sie immerhin doch besser wie nichts sind. Da die Eingeborenen von den -Weißen bisjetzt nur Taback beziehen und noch alles andere verschmähen, -so versieht dieser hier die Stelle des Geldes. Ein Stück von etwa 15 cm -Länge und 1½ cm Dicke bildet die Einheitsmünze, nach welcher gerechnet -wird. Ich bezahlte für beide Speere zusammen acht solcher Stangen Taback -und für einen Halsschmuck, wie die Männer ihn tragen, eine Stange. - -Bei den Booten entwickelte sich übrigens jetzt ein regeres Leben, denn -sobald dieselben zum Strande kamen, um uns aufzunehmen, liefen die -eingeborenen Männer ihnen in das Wasser entgegen und hingen sich wie -Kletten an dieselben an, wahrscheinlich hoffend, irgendetwas erhaschen -zu können. Zwischen den mit braunem nackten Fleisch dicht behangenen -Booten trieb ein drolliger Kerl sein wunderbares Spiel. Bis an die Hüften -im Wasser stehend tanzte er dort herum als ob sonst niemand in seiner -Nähe wäre. Mit den Beinen machte er das Wasser hoch aufspritzen, mit den -Armen gesticulirte er wild in der Luft, den Kopf aber, und in diesem die -räthselhaften Augen, hielt er unbeweglich, während die Gesichtsmuskeln das -Gesicht in die merkwürdigsten Verzerrungen versetzten. Die Augen waren -das Merkwürdigste an dem Manne. Die Lider hatten sich so weit geöffnet, -daß die Augenhöhlen in der Größe eines Zweimarkstücks rund erschienen; die -Hornhaut des Augapfels schien durchsichtig zu sein, ohne einen Hintergrund -sehen zu lassen, und in diesen scheinbar durchsichtigen Kreisen schwebten -die dunkeln Augensterne, in deren Mitte wieder die Pupillen einen Blick -in eine unergründliche Tiefe gestatteten. Es machte den Eindruck, als ob -der Kopf nur eine Ebene, d. h. das Gesicht nur eine Maske sei und man -durch die offenen Augenhöhlen und Pupillen die hinterliegende farblose -Luft sähe. Der dicht neben mir befindliche Mann war so mit seinem Tanz -beschäftigt, daß er den sonst so begehrten Taback, welchen ich ihm -als Belohnung hinhielt, gar nicht sah. Erst von andern gestoßen und -aufmerksam gemacht, kam er zu mir, nahm mit angenehm freundlichem und -ganz natürlichem Gesicht meine Gabe in Empfang, sprang aber dann wie -eine Tigerkatze aus dem Wasser nach dem Lande zu, weil andere ihm den -Taback wieder rauben wollten. Wir waren fertig mit dem Lande. Um die -Eingeborenen auf gute Art loszuwerden, warfen wir einige Hände voll Taback -auf das Land, worauf die meisten sich dorthin stürzten und in einem wüsten -Knäuel um den Besitz sich balgten; die Zurückgebliebenen, welche bei den -Booten mehr zu erhalten hofften, wurden weggewiesen und, als sie nicht -gingen, mit den Füßen weggestoßen, worauf wir dann den Rückweg durch die -hohe Brandung über das unbehagliche Riff antraten. Eine große Zahl vom -Schiffe kommender Kanus der großen Sorte (wol 20-30) sagte uns, daß wir -schon gesehen und die Eingeborenen daher schon weggeschickt waren. Um 3 -Uhr nachmittags waren wir wieder an Bord und sahen dort noch, wie in der -Nähe unsers Schiffes ein großes werthvolles Kanu kenterte, aber niemand -den Versuch machte, dieses Fahrzeug zu retten, nachdem dessen Insassen -von einem andern Kanu aufgenommen worden waren. Wahrscheinlich würden -sie bei einem solchen Bergungsversuch infolge des starken Stromes so -weit weggetrieben worden sein, daß sie die heimatliche Insel vielleicht -überhaupt nicht mehr erreicht hätten, und gaben deshalb das verunglückte -Fahrzeug gleich auf. Dies erinnert mich daran, daß vor Jahresfrist ein -Boot eines deutschen Schiffes mit sechs Personen hier abends von Land -absetzte, aber das Schiff nicht erreichte und Boot wie Insassen seitdem -verschollen sind. Jedenfalls hat der starke Strom das Boot in die offene -See getrieben. - -Eine Viertelstunde nach unserer Rückkehr zum Schiffe waren wir wieder -unter Segel und auf dem Wege nach Apamama. Hinter uns senken die -Kokospalmen sich allmählich unter den Horizont, vor uns steigen die -Laubkronen einer andern Insel auf und rufen uns eine ernste Warnung zu, -denn das so frühe Insichtkommen sagt uns, daß diese Insel in der Karte um -etwa 20 Seemeilen falsch niedergelegt ist. Die Nacht verhüllt auch dieses -Bild wieder, und die „Ariadne“ ist in dieser unsichern Gegend bei steifem -Winde wieder allein. - -Den Entschluß, nach Apamama zu gehen, hatte ich bei meinem letzten -Aufenthalt in Sydney gefaßt. Dortige Zeitungen hatten die Nachricht -gebracht, daß der König von Apamama einen auf seiner Insel lebenden -Deutschen habe ermorden lassen, und da diese Insel in meinem -Stationsbereich liegt, so fiel mir von selbst die Aufgabe zu, die Sache -zu untersuchen bezw. zu ahnden. Es war eine eigene Sache, denn da nach -dem Gerücht der König der Hauptschuldige war, so konnte ich nicht von -ihm die Bestrafung der Schuldigen fordern, sondern mußte mich an seine -Person halten, wenn das Gerücht sich bewahrheiten sollte. Hier liegt nun -die Schwierigkeit, daß einem Schiffscommandanten selbstverständlich keine -Strafbefugnisse über Leben und Tod zustehen, wenngleich er unter Umständen -aus solcher Veranlassung einen Kampf aufnehmen muß, bei welchem vielleicht -Hunderte von Menschen ihr Leben lassen müssen. Ich hatte mich schließlich -für den Fall, daß die australische Zeitung wahr gesprochen haben sollte -und mir auf Apamama kein bewaffneter Widerstand entgegengesetzt würde, -entschlossen, den König zu fangen und ihn später in Neu-Irland, von wo -aus er den Rückweg keinenfalls finden konnte, an Land zu setzen. - -So segelte ich in ernster Stimmung auf Apamama zu und ließ dort am 20. -November in der Einfahrt zur Lagune den Anker fallen. Ein als Lootse -dienender, vom König uns entgegengeschickter eingeborener Missionslehrer -erzählte gleich, daß das über die Ermordung des Deutschen in Umlauf -befindliche Gerücht falsch sei; doch erzählte er auch, daß der betreffende -Deutsche zur Zeit nicht anwesend sei, sondern sich vorübergehend auf einer -andern Insel aufhalte. Dies letztere war nun allerdings verdächtig und -mußte auch die Erinnerung, daß der noch lebende frühere König und Vater -des jetzigen vor sechs Jahren die ganze Mannschaft eines gestrandeten -englischen Schiffes hatte ermorden lassen, diesen Verdacht nur bestärken. -Der König von Apamama hat sich bisher dem Eindringen der Europäer -so entschieden widersetzt und ist ein so despotischer und absoluter -Herrscher, daß man ihm solchen Mord schon zutrauen kann. Schnelles Handeln -war jedenfalls nothwendig, und ich mußte daher auch suchen, möglichst -rasch die Wahrheit zu erfahren, welche mir nur die acht Seemeilen von -unserm Ankerplatz entfernt wohnende Frau des Deutschen (eine Samoanerin) -geben konnte. Ich richtete mich daher so ein, daß ich um 4 Uhr nach -meinem Mittagessen abfahren konnte, hoffte dann vor Dunkelwerden dort -einzutreffen und machte die weitern Dispositionen von den daselbst zu -empfangenden Nachrichten abhängig. War unser Landsmann wirklich ermordet, -dann wollte ich noch während der Nacht an Bord zurückkehren, um mit -dem ersten Tagesgrauen den geplanten Kriegszug zu unternehmen; beruhte -die ganze Sache auf Erfindung, dann wollte ich während der Nacht in dem -Hause des Deutschen bleiben und gleich am nächsten Morgen dem noch sechs -Seemeilen weiter entfernt wohnenden König meinen Besuch machen. Ich hatte -für die Fahrt auf die Dampfpinnasse als Schlepper gerechnet, sie hatte -indeß nicht genügende Dampfkraft, um uns gegen den Strom zu schleppen, und -ich mußte daher, als wir nach See hinaustrieben, die Gig vor das Dampfboot -spannen und uns mit dem kräftigen Ruderschlag meiner sechs Gigsgäste zum -Schiff zurückbringen. Ich versuchte nun, die Reise mit der Gig allein -unter Segel zu machen, doch blieben uns bei Sonnenuntergang noch sechs -Seemeilen aufzukreuzen, wozu ich vier Stunden rechnen mußte. Mondschein -hatten wir nicht, das Land war nicht zu sehen und daher die Fahrt ein -solches Wagniß, daß ich dieselbe trotz Widerstrebens für heute aufgeben -mußte und an Bord zurückkehrte. - -Am 21. morgens gleich nach dem Frühstück machten wir uns wieder auf die -Reise und konnte die Dampfpinnasse, da der Strom zur Zeit schwach war, -die Gig heute schleppen. Offiziere und Mannschaften waren bewaffnet, -mit Proviant, Wasser, wollenen Decken und Kleidern so versehen, daß -wir mehrere Tage in den Booten aushalten konnten. So fuhren wir, durch -Sonnensegel gegen die Sonne geschützt, in die schöne Lagune und in -den lachenden Morgen hinein. Es war eine köstliche Fahrt. Die Boote -durchfurchen einen großen, nur leicht gekräuselten See, dessen je nach -der Tiefe abwechselnd azurblaues und smaragdgrünes Wasser von solcher -Klarheit und Durchsichtigkeit ist, daß das Auge, solange die Wassertiefe -nicht 10-14 m übersteigt, bis zum Meeresgrunde dringen und dort alles -klar erkennen kann. Das große Wasserbecken ist von einem niedrigen -schmalen Landstreifen umrahmt, der allerdings größtentheils unter -unserm Horizonte liegt und sich nur durch den weiten Kranz von Palmen, -welche für uns direct aus dem Wasser aufsteigend die Lagune begrenzen, -markirt. An denjenigen Stellen, wo die Palmen gelichtet stehen, sieht man -zwischen ihnen den Gischt der von außen an das Korallenland anprallenden -Brandung, und dieser sagt deutlich, daß der frische Passat, welcher unsere -Schläfen umfächelt, die Temperatur zu einer sehr angenehmen macht und die -geschützte Lagune nicht aufwühlen kann, mit den unendlichen Wassermassen -des Großen Oceans nach seinem Belieben spielt. Wie vortrefflich schmeckt -unter solchen Verhältnissen die Cigarre, namentlich wenn sie gut ist -und man vorher lange nichts Ordentliches mehr zu rauchen gehabt hat. Mit -heiterm und ernstem Geplauder verkürzten wir uns die Zeit und erreichten -endlich um 11 Uhr vormittags in bester Laune unser nächstes Ziel, das -Haus des Deutschen. Nach der langen Fahrt war es eine wahre Wohlthat, -die Beine wieder rühren zu können. Mit einem Sprung waren wir aus dem -Boot und nach wenigen Schritten in dem Hause, einem Mittelding zwischen -europäischem Schuppen und Eingeborenenhaus, wo die liebenswürdige Wirthin -uns mit sichtlicher Freude empfing. Unsere Wirthin ist, wie vorher schon -bemerkt, eine Samoanerin und damit ist ja eigentlich schon gesagt, daß -sie ein liebenswürdiges Geschöpf sein muß. In dem Hause ist es kühl und -vor allen Dingen tadellos sauber, der Boden ist mit reinen Matten belegt, -Bänke und Tische sind mit ebensolchen Matten oder mit Decken aus Tapa -bedeckt; bequeme Lehnstühle gestatten uns, unsere Glieder nach Herzenslust -auszustrecken und so kann ja nun das Verhör beginnen. Es bewahrheitet -sich, daß der Mann noch am Leben ist, überhaupt niemand versucht hat, -ihm ein Leid zuzufügen, und daß er wie seine Frau mit dem König und -allen Eingeborenen in guter Freundschaft leben. Der Consul und ich sehen -uns einen Augenblick an, lachen dann hell auf über das klägliche Ende -unsers Kriegszuges, ich schnalle Säbel und Revolver ab, vertausche meinen -Waffenrock mit einer weißen Jacke und lasse durch meine Bootsgäste unsern -Proviant heraufbringen, da wir gar keinen bessern Frühstücksplatz, als -ihn dieses kühle Haus uns bietet, finden können. Wir laden unsere Wirthin -ein, an unserm Frühstück theilzunehmen, erhalten aber eine abschlägige -Antwort, weil die echte Samoanerin immer erst nach den Häuptlingen speist, -wenn sie auch wie diese hier eine Königstochter ist. Wir lassen es uns gut -schmecken, sehen nachher zu, wie unsere Wirthin und mein Dolmetscher das, -was wir übriggelassen, verzehren, und berathen dann, was nunmehr am besten -zu thun ist. Unsere Wirthin theilt uns mit, daß der König sich auf einem -in der Nähe zu Anker liegenden englischen Schooner befinde und eine seiner -Töchter gerade in dem nächsten Dorfe anwesend sei, um die dortigen Frauen -und Mädchen tanzen zu lassen und sich über ihre erlangte Fertigkeit zu -informiren. Dem Vorschlage unserer Wirthin, den König ebenfalls nach dem -Dorfe kommen zu lassen und dann gleichzeitig einen großen Tanz zu sehen, -stimmen wir zu, sind aber gezwungen unsern Entschluß zu ändern, als wir -nach einer halben Stunde sehen, daß der von uns zum König geschickte Bote -eben erst anfängt, sein Kanu zur Fahrt zurecht zu machen. Um unsere Zeit -möglichst auszunutzen, machen wir uns daher selbst auf die Reise, denn -da kein Krieg hier zu machen war, wollte ich noch an demselben Abend mit -dem Schiffe die Weiterreise antreten. Nachdem ich verschiedene Geschenke, -Matten und bunte Korallen, von unserer Samoanerin angenommen und diese -ihr Haus versorgt hatte, bestiegen wir alle meine Gig, die Dampfpinnasse -spannte sich vor, und weiter ging es nach dem einige Seemeilen von uns -abliegenden Schooner, bei welchem noch des Königs Kanu lag, wie wir mit -dem Fernrohr erkennen konnten. - -Die Fahrt selbst würde in ein Märchen hineinpassen. Gleich einem Schwan, -der von einem Kobold geführt die Fremdlinge auf seinem gefiederten Rücken -über den Zaubersee trägt, bringt uns die von der schwarzen, dampfspeienden -Pinnasse geschleppte, leicht über das Wasser weggleitende weiße Gig -zu dem Beherrscher dieses Feenlandes hin. Der unter der Mittagssonne -liegende spiegelglatte See wird zur Linken von dem Horizont begrenzt, zur -Rechten von einem Gürtel blendend weißen Sandes umrahmt. An diesen weißen -Rahmen schließt sich nach oben eine grüne Matte an, über welcher ein -Wald schlanker, graziöser Palmen steht, der in seinem Schatten die Hütten -der Eingeborenen birgt. Um uns herum sucht die Natur ihre prachtvollsten -Farbeneffecte zur Geltung zu bringen. Der Himmel strahlt im schönsten, -reinsten Blau, welches dadurch noch brillanter hervortritt, daß hin und -wieder kleine festgeballte Wölkchen wie Himmelskörper am Firmament stehen -und mit ihrem reinen Weiß der Himmelsfarbe erst ihren richtigen Ton geben. -Die Verbindung zwischen Himmelszelt und der Lagune würde, da diese in -der Ferne genau die Farbe des Himmels hat, unkenntlich sein, wenn nicht -der Horizont sich durch einen feinen dunklern Streifen markirte. Da, wo -wir das Wasser durchfurchen (wir halten uns auf geringeren Wassertiefen), -hat der See bereits andere Schattirungen angenommen und wetteifert hier -mit den schönsten Farben des Saphir und näher dem Lande mit denen des -Smaragd. Diese schönen matten Farben werden dann plötzlich von dem weißen -Sandgürtel unterbrochen, auf dessen anderer Seite alle Nüancen zwischen -Grau und Grün zu finden sind. Die Mittagssonne hat alles Leben in die -Hütten und in die Schatten der Bäume getrieben, wir wähnen das einzig -Lebende zu sein -- da plötzlich beginnen die Nixen ihr Spiel. Die Boote -durchschneiden die Zufluchtsstätte junger Fischbrut und die fingerlangen -jungen Fische springen heerdenweise aus dem Wasser, um sich vor dem -vermeintlichen Feind, welchen sie in den Booten wittern, zu retten. -Zu beiden Seiten von uns schnellen fortwährend in hohen Bogensätzen -diese silberschillernden Thierchen in großen Heerden bis zu vier Fuß -hoch aus dem Wasser hervor und geben das Bild eines auf- und abwogenden -Aehrenfeldes. Und kann eine Nixe wol einen schönern Acker haben, wie -solche farbenreiche krystallklare Furchen mit solchen silbernen Garben? -Der Zauber schwindet, die Wirklichkeit tritt in ihr Recht -- wir sind bei -dem Schiffe angelangt. Ich lege an und schicke unsere Samoanerin hinauf, -um den König zu rufen. Gleich darauf wälzt sich eine unförmliche Masse -in schwarzem europäischen Anzuge mit Lackstiefeln und grauem Cylinderhut -das Fallreep hinunter. Zunächst sehe ich von unten aus über mir an zwei -kurzen Beinen nur ein ganz ungeheueres Gesäß, welches den ganzen übrigen -Menschen verdeckt und für dessen enorme Fleischmassen mir kein Raum in -der Gig zu sein scheint. Doch der dicke Herr findet wirklich Platz in -dem Boote, setzt sich neben mich, zeigt ein sehr verängstigtes Gesicht -und wartet schweigend, bis auch unsere Samoanerin bei uns ist und ihn als -König von Apamama vorstellt. Der Mann ist noch jung, Anfang der Zwanziger, -hat kluge Augen, eine etwas gebogene fleischige Nase und herunterhängende -Unterlippe. Er hat kaum Mittelgröße, aber einen mächtigen Umfang; Hände -und Füße sind klein, das Haar trägt er nach europäischem Schnitt; sein -Anzug ist gut und sauber. - -Die Schnelligkeit, mit welcher der Mann in das Boot gekommen war, sagt -deutlich, wie sehr er trotz seines guten Gewissens uns fürchtet; ich -mache die Sache daher kurz und lasse ihm sagen, daß ich mit der Absicht -hergekommen sei, ihn wegen der Ermordung eines Deutschen zur Rechenschaft -zu ziehen, mich aber freue zu hören, daß die betreffende Nachricht -falsch gewesen sei und ich ihn daher jetzt nur aufsuche, um ihm meinen -Besuch zu machen. Die ihm gewordene Mittheilung veränderte schnell seinen -Gesichtsausdruck, die Angst schwand und machte lachender Heiterkeit Platz, -indem er mir gleichzeitig in gebrochenem Englisch sagte, daß ich ein gutes -Kriegsschiff sei, weil ich nach meinen Landsleuten sähe. Danach ließ er -mir durch den Dolmetscher mittheilen, daß der Urheber jenes Gerüchts -ein wegen Unfug von der Insel gewiesener Samoaner sei, und ließ mich -noch bitten, denselben einzufangen und ihm zu überliefern, damit er ihn -todtschlagen lassen könne. Wir fuhren nun in meinem Boote zur nächsten -Stadt, damit der König mich in einem seiner Häuser empfangen könne. -Sein großes Segelkanu, welches in der Takelage als besonderes Abzeichen -dieselben schwarzen Hahnenfedern wie das Allerheiligste in Tapituwea -trägt, folgte uns. Nach kurzer Zeit waren wir an unserm nächsten Ziel -angelangt und wurden dort von dem in ein langes Frauengewand gekleideten -Vater[C] des Königs empfangen. Dieser führte uns in eine große Hütte, -wo wir uns auf Matten lagerten. Die Bauart der Häuser hier ist dieselbe -wie in Tapituwea, doch liegen dieselben nicht einzeln verstreut, sondern -sind in Reihen und Viertel regelmäßig aufgebaut, sodaß zwischen den -Häuserreihen sich gerade und gutgehaltene Straßen hinziehen. Man sieht -gleich, daß hier Ordnung herrscht, daß nur Ein Wille regiert, welcher die -Bewohner zur Ordnung zwingt. Die Hütten sehen durchweg ebenso ordentlich -und sauber aus wie die Menschen. Wunderbar wirkt der Contrast zwischen -der nicht weit abliegenden Insel Tapituwea und dieser Insel, dort die -schrankenloseste Anarchie, hier Gesetz und Ordnung. Die Frauen, oder doch -wenigstens die Mädchen scheinen von den Männern getrennt zu wohnen, denn -als meine Bootsgäste nach einem bestimmten Stadtviertel hingingen, wurde -ich gebeten, sie von dort wegzurufen, weil jenes Viertel die Wohnung der -Frauen sei. - - [C] Der Vater des Königs ist ein Mann von etwa 45 Jahren und - hat auf die Königswürde verzichtet, sobald sein Sohn erwachsen - war. Genügender Grund für diese Abdankung war, daß die Mutter - seines Sohnes, also seine eigene Frau, edleres Blut hat wie - seine Mutter hatte. - -Die Männer tragen als Kleidung eine um den Körper geschlungene steife -Matte, welche von dem Magen bis zu den Knien reicht und über den Hüften -mit einer umgelegten Schnur zusammengehalten wird. Die Frauen tragen -denselben schmalen Gürtel von schwarzem Gras, wie ihre Schwestern in -Tapituwea. Die Hautfarbe ist ein schönes Braun, zwar sehr viel dunkler -als das der Samoaner, als Farbe aber schöner, auch sieht die Haut dieser -Menschen weicher und sammetartiger aus als diejenige der hellergefärbten -Polynesier. Das glänzend schwarze, schlichte Kopfhaar wird auch, ebenso -wie in Tapituwea, von beiden Geschlechtern gleich lang getragen, nach -altdeutscher Art vorn an der Stirn kurz abgeschnitten und an den Seiten -wie hinten bis zur Schulter herabhängend, doch haben die Männer hier das -Haar vielfach noch in der Mitte gescheitelt. Schmuck wird nur von den -Männern in der Form von Halsketten getragen. Tätowirt sind vorzugsweise -die Frauen und zwar merkwürdigerweise ausschließlich auf dem Rücken. -Dieser ist von dem Hals bis zu den Hüften mit einem Muster versehen, -welches demjenigen einer mit Holznadeln gestrickten blauen Jacke -täuschend ähnelt; das Muster schneidet an beiden Seiten in einer geraden -Linie von der Achselhöhle bis zum Hüftknochen ab, sodaß genau der halbe -Oberkörper auf seiner Rückseite tätowirt ist und auf seiner Vorderseite -die natürliche Hautfarbe zeigt. Außer dieser Malerei haben die Frauen -noch auf beiden Armen einen ½ cm breiten blauen Strich eingeätzt, welcher -genau in der Mitte auf dem halben Oberarm und zwar an der Außenseite -beginnt, sich nach innen über das innere Ellenbogengelenk hinzieht und -auf der Innenseite in der Mitte des halben Unterarms abschneidet. Dieser -Strich ist beim Tanzen von großem Effect und hebt die graziösen Bewegungen -des Armes besonders hervor, weil er hierbei fortwährend seine Zeichnung -verändert und dadurch die Stellung des Armes schärfer hervortreten läßt. -Ich glaube, daß ein solcher Armstrich bei unsern Damen modern werden -würde, wenn sie den Reiz, welcher in ihm liegt, kennen würden. Zur -Vervollständigung des Vorstehenden sei noch bemerkt, daß die vornehmen -Frauen eine sehr viel hellergefärbte Haut als das niedere Volk haben, -weil sie zur Erhaltung der als schöner geschätzten hellen Hautfarbe sich -nie den Sonnenstrahlen aussetzen und am Tage eigentlich immer im Hause -bleiben. - -In dem Hause des Königs fanden wir noch seine aus einem alten -Thonpfeifenstummel rauchende Mutter und seine Schwester. Die letztere -hatte eine auffallende Aehnlichkeit mit dem König und war, wenn auch -nicht ganz so stark wie er, doch eine gehörig schwere Person, deren -Fleischmassen wol nur deshalb nicht so auffielen, weil sie eben so -ziemlich unbekleidet war. Bei dieser Gelegenheit, wie auch nachher bei -dem großen Tanz, lernte ich kennen, mit welcher Geschicklichkeit die -Weiber mit dem dünnen, fast durchsichtigen Grasgürtel stets decent bedeckt -bleiben. Beim Gehen schweben die Gräser so schnell hin und her, daß sie -undurchsichtig bleiben, beim Hinsetzen werden mit großer Geschicklichkeit -die Grashalme von den Seiten weg gleichmäßig nach hinten und vorn -gestreift, sodaß die mit gekreuzten Beinen sitzenden Frauen eigentlich -nackter wie vorher, aber dennoch schicklich verhüllt sind. - -Während wir in der schattigen kühlen Hütte lagen, rauchten und die -Königsfamilie mit Aepfelwein tractirten, entfernte sich der König auf -kurze Zeit, um Befehle für einen Tanz zu geben und sich schön zu machen, -denn bald kam er schmunzelnd in einem ganz neuen feinen grauen Tuchanzug -wieder. Um uns herum wurde es in den Hütten lebendig, die Vorbereitungen -für den Tanz nahmen ihren Anfang. Nach einer Stunde wurden wir nach einem -andern Theil der Stadt in das dort liegende große Berathungshaus geführt. -Dasselbe hat ungefähr dieselben Dimensionen und dieselbe Einrichtung wie -das auf Tapituwea, nur daß hier an den Seiten unter dem Dach mehrere -Todtenschädel in gleichmäßigen Abständen aufgestellt sind; dieselben -sollen von erschlagenen Feinden herrühren, doch vermuthe ich, daß es -die Schädel der vor sechs Jahren erschlagenen Schiffsmannschaft sind. -In und bei dem Hause ist die ganze Bevölkerung des Platzes anwesend: die -Tänzer und Tänzerinnen in dem Hause, die Zuschauer außerhalb desselben. -Die tanzenden Männer stehen auf der einen schmalen Seite des Hauses, -das Gesicht dem Allerheiligsten zugekehrt, die tanzenden Frauen ihnen -gegenüber auf der andern Seite, sodaß sie sich gegenseitig ansehen. Beide -Parteien sind in der Front je 16 Köpfe stark, in der Tiefe jedoch haben -die Weiber neun Glieder, die Männer dagegen nur fünf. Es sind demnach -bei dem Tanz etwa 140 Weiber und 80 Männer betheiligt. Der König lagert -sich, mit dem Gesicht den Frauen zugekehrt, vor dem Allerheiligsten, wir -nehmen mit dem Vater des Königs in der Mitte zwischen beiden Parteien an -der einen Langseite des Hauses Platz. Weder der König noch wir werden bei -unserm Eintreffen begrüßt, die Tänzer stehen in bequemer Haltung auf ihren -Plätzen, verhalten sich ruhig und betrachten nur neugierig uns Fremdlinge. -Ehe der Tanz beginnt verstreichen einige Minuten, welche uns gestatten, -die vor uns stehenden Menschenreihen in Ruhe oberflächlich zu mustern. -Die Männer unter sich, wie die Weiber sind ganz uniform bekleidet; die -Männer tragen reine hellgelbe Matten, wie vorher schon beschrieben, die -Weiber haben um den Hals und über ihrem schwarzen Grasgürtel einen grünen -Blätterschmuck angelegt, welcher ihnen gut steht. Dieser Schmuck ist in -der Weise aus dem Blatt der Kokospalme gewonnen, daß das Blatt in der -Mitte seiner Rippe der Länge nach getheilt wird und je ein halbes Blatt -als Gürtel oder als Halsband dient, indem die langen schmalen Blätter -strahlenförmig herabhängen. In beiden Lagern sind die ältern Mitglieder -in den ersten Reihen, die jungen und hübschen stehen hinten, wol weil -sie noch nicht sicher genug sind, und ganz hinten stehen die Kinder, für -welche eine derartige Aufführung gleichzeitig eine Unterrichtsstunde ist. - -In den Reihen der Männer fällt mir, noch mehr als dies in Tapituwea -der Fall war, die große Verschiedenheit in den Gesichtszügen auf. Da -stehen gerade vor mir drei Männer mit so charakteristischen Köpfen, daß -ich nicht umhin kann, sie mit europäischen Männern und zwar mit solchen -ganz bestimmter Berufsklassen zu vergleichen. Der eine ist ein großer, -stattlicher, starker Mann, 40-50 Jahre alt, mit kurzer dicker Nase, -langem bis unter die Ohren reichenden Haupthaar und kurz geschnittenem -Bart, welcher, als schmale Krause von den Ohren unter das Kinn laufend, -das sonst sorgfältig rasirte breite Gesicht einrahmt. Der Mann gibt das -getreue Abbild eines in guten Verhältnissen lebenden Pädagogen. Neben -diesem steht in gebückter Haltung ein altes dürres Männchen mit schmalem -Gesicht, feiner, schmaler, schön geformter Nase und stechenden Augen, -welcher das dünne graue Haar von der hohen Stirn und aus den Schläfen nach -hinten gestrichen hat, ein langer grauer Bart fällt bis auf die Brust -herab. Bei uns würde der Mann als tiefer Denker und Gelehrter passiren. -Der dritte ist eine merkwürdige Erscheinung, wie sie im Leben nur selten -angetroffen wird und die man dann als etwas Räthselhaftes betrachtet. -Auf Bildern aus der Biblischen Geschichte figuriren solche Gestalten -als Apostel oder als Märtyrer aus der ersten Christenzeit. Der Mann ist -über sechs Fuß groß mit auffallend schmalen Schultern, das in der Mitte -gescheitelte und bis auf die Schulter herabfallende Haar umrahmt ein -schmales feines Gesicht, die tiefliegenden Augen strahlen ein fanatisches -Feuer aus, eine auffallend feine, etwas gebogene Nase veredelt das nur mit -einem kleinen dünnen Schnurrbart versehene Gesicht, aus welchem über den -eingefallenen fleischlosen Backen die Backenknochen scharf hervortreten. -Der ganze Körper, welchem jede Rundung fehlt, zeigt nur Muskeln und Sehnen -und gibt so das Bild eines zähen, widerstandsfähigen Menschen, dessen -Gesichtsausdruck zu sagen scheint, daß die in dieser zähen Hülle wohnende -Seele auch den Körper zu jeder That zu zwingen weiß, wenn es gilt, einen -gefaßten Entschluß durchzuführen. - -Wenn es mich nicht zu weit führte, könnte ich noch ein halbes Dutzend -solcher charakteristisch aussehender Menschen beschreiben, doch genügen -wol diese drei Beispiele allein zum Verständniß der merkwürdigen -Empfindung, welche mich beschlich, als ich bedachte, daß diese Männer nun -vor uns einen sinnlosen Tanz aufführen sollten. - -Die Reihen der Weiber zeigen auf den ersten Blick, daß hier die ganze -Stadt zu dem Tanze aufgeboten ist, denn in denselben ist nicht nur jedes -Alter vertreten, sondern auch die alte Mutter und die Schwester des Königs -füllen ihren Platz unter den Tänzerinnen aus. - -Die Weiber beginnen den Tanz, ihnen folgen nachher die Männer, und -so geht es abwechselnd eine Stunde lang fort, indem immer eine Partei -tanzt und die andere währenddessen ruht. Hätten wir die Zeit, Geduld -und Lust gehabt, dem Tanze länger zuzusehen, dann würden die Leute wol -mehrere Stunden mit diesem Vergnügen ausgefüllt haben, welches keine -Abwechselung bietet, da der Tanz auf beiden Seiten immer in denselben -Bewegungen besteht und die kleinen Abweichungen, welche durch den Sinn -des Darzustellenden bedingt werden, kaum in die Augen fallen oder doch -von uns nicht verstanden wurden. Zu jedem Tanz werden einige sich stets -wiederholende Strophen gesungen, deren Worte die Erklärung des Tanzes, -die Töne die erforderliche monotone Musik geben. Die Durchführung des -Tanzes ist im ganzen tadellos, Gesang und Bewegungen halten sich in so -vollkommenem Rhythmus, daß die ganze Masse nur von =einem= Willen geleitet -zu sein scheint und sich in Bezug auf Gleichmäßigkeit der ganzen Handlung -mit dem besten europäischen Ballet messen kann. Die Darstellungen beziehen -sich natürlich nur auf Episoden, welche in dem Leben dieser Insulaner -vorkommen. Der Tanz der Männer soll vorzugsweise den Krieg, Walfisch- -und Haifischfang u. dgl. vorstellen; der der Weiber gibt im Bilde die -Begrüßung von Gästen, Fischfang, Nachhut im Kriege, Bootsfahrten u. s. w. -wieder. Der Tanz der Männer besteht hauptsächlich darin, daß sie auf ihrem -Platze ein Bein nach dem andern schnell aufheben, sich jäh von einer -Seite zur andern drehen und dabei mit der flachen linken Hand auf die -steife Matte, mit der hohlen rechten sich unter die linke Brust schlagen -und so den Lärm des Gesanges noch durch ein geräuschvolles Geklapper und -Geklatsche unterstützen. Ein oder zwei Vorsänger, welche nur mit den Armen -gesticuliren, singen erst eine Strophe, auf welche dann die ganze Masse -mit den obengenannten Bewegungen, mit Gesang, Geklapper und Geklatsche -einfällt. Beim Walfischfang treten noch Bewegungen des Oberkörpers hinzu, -welche das angestrengte Ziehen verbildlichen sollen, das zum Aufschleppen -des Fisches auf das Land erforderlich ist. Beim Kriege werfen sich -plötzlich alle bis auf zwei Führer als todt nieder, bis sie von diesen -wieder zum Leben zurückgerufen werden. Der Haupteindruck eines solchen -Tanzes auf den Europäer ist der eines ganz ungeheuern Lärmens. - -Der Tanz der Weiber unterscheidet sich insofern auffallend von demjenigen -der Männer, als er in sanften und ruhigen Bewegungen besteht, während -dieser einen durchaus jähen und wilden Charakter hat. Dies ist deshalb -merkwürdig, weil auf den Südsee-Inseln sonst die Weiber nicht nur die -Männer in feuriger und leidenschaftlicher Ausführung des Tanzes zu -übertreffen suchen, sondern sie auch wirklich übertreffen, wenigstens -ist dies auf den Gesellschafts- und Samoa-Inseln der Fall. Der Tanz der -Frauen besteht hier eigentlich nur in graziösen Armbewegungen und die -Beine treten nur in Action, um den Körper in gemessenem Tempo nach rechts -und links zu drehen, einige Schritte zurückzugehen und dann wieder den -alten Platz einzunehmen, wobei das Ganze ohne Commando so exact arbeitet, -wie es eine gut einexerzirte Truppe auf dem Paradeplatz nicht besser -machen kann. Zuweilen allerdings wird auch der Plan insofern verändert, -als die vordern Reihen nach hinten gehen und die hinten stehenden nach -vorn durchpassiren lassen, und dies ist dann der Zeitpunkt, wo man einen -Blick auf die jugendlichen Gestalten werfen kann. Der Gesang, welcher mit -vollen Lungen und so kräftig wie möglich gegeben wird, erhält auch noch -eine Verstärkung durch Klatschen, doch lassen die Frauen ihre linke Hand -nur leicht auf den raschelnden Grasschurz fallen, was ein leises Rauschen -verursacht; mit der hohlen rechten Hand schlagen sie sich aber auch ganz -kräftig unter die linke Brust, doch immerhin etwas zarter als die Männer -dies thun. Eine Darstellung, welche für uns wahrhaft ohrenzerreißend -war, scheint in besonderm Ansehen zu stehen; bei dieser bemüht sich -jedes Frauenzimmer, von dem ältesten Mütterchen bis zum kleinen Kinde, -im höchsten Discant so laut wie möglich zu kreischen, und was das in -solch geschlossenem Hause von über 140 kräftigen Lungen ausgeführt zu -bedeuten hat, kann jeder sich gewiß denken. In grellem Gegensatz zu diesem -Höllenlärm, welcher wahrscheinlich im Kampfe den Gegner schrecken und -die streitenden Männer der eigenen Partei unterstützen soll, steht die -Schilderung einer Bootsfahrt. Mit leisem Gesang und ganz leisem Geklatsche -beginnt die Gruppe sich nach rechts und links, vorwärts und rückwärts -zu bewegen; das Ganze wogt in schönster Gleichmäßigkeit auf und ab und -die Intervalle zwischen den einzelnen Personen sind mit schönen Armen -ausgefüllt, welche die Ruderbewegungen nachahmen. Gesang und Klatschen -werden immer leiser, nur ein leises Summen ist noch zu hören, auch dieses -verstummt, und der Zuschauer, welcher vorher durch den Lärm zu sehr in -Anspruch genommen wurde, findet jetzt erst Gelegenheit, die schönen hin- -und herschwebenden Gestalten zu bewundern und sich an dem vortrefflichen -Beinwerk zu erfreuen, welches die Natur diesen Menschen geschenkt hat. Es -ist wirklich ein Genuß, dieses leichte Spiel der schönen Glieder zu sehen. - -Als abweichend von den Tänzen anderer Inselvölker, wo die ganze -Leidenschaft sich in den Gesichtszügen abspiegelt, fiel mir hier auf, daß -Männer wie Frauen ihren Gesichtsausdruck an dem Tanze nicht theilnehmen -ließen und diesem nach unsern Begriffen somit einen höhern Kunstwerth -verleihen, indem der Zuschauer sich eben ganz in die mimische Darstellung -der durch die Körperbewegungen angedeuteten Bilder vertiefen kann. - -Der König zeigte anscheinend, ebenso wie die andern Zuschauer, wenig -Interesse an dem Tanz und beschäftigte sich während der ganzen Zeit mit -einem etwa sieben Jahre alten weißen Kinde, welches ihm kurz nach dem -Beginn des Tanzes gebracht worden war. Auf meine erstaunte Frage, wie das -weiße Kind hierher käme, wurde mir geantwortet, daß es ein Kind einer -Schwester des Königs und ein Albino sei, welche hier wie in Polynesien -häufig vorkommen. Sobald man erst darauf aufmerksam gemacht war, konnte -man aus dem scheuen Wesen des Kindes auch schon aus der Entfernung den -Albino erkennen. Der König selbst ist kinderlos und hat nur adoptirte -Töchter, da hier wie auch bei den Samoanern jeder hohe Häuptling zur -Aufrechterhaltung seiner Stellung eine erwachsene Tochter haben muß. -Dieselbe ist gewissermaßen eine unentbehrliche Hofcharge. - -Als wir genug gesehen hatten, ließ ich dem König mittheilen, daß ich jetzt -auf mein Schiff zurückfahren würde, und lud ihn gleichzeitig ein, mit mir -zu kommen, um sich das Schiff anzusehen. Er nahm die Einladung an, wir -gingen zu meinem Boot, wurden dort indeß noch etwas zurückgehalten, weil -der König mir als Geschenk Waffen und Kokosnüsse zugedacht hatte, welche -noch nicht zur Stelle waren. Ich erhielt einige sehr schön gearbeitete -Speere, eine kurze dolchähnliche Waffe, einen Panzer aus Kokosnußfasern -und mehrere hundert Kokosnüsse, im ganzen so viel, daß in der Gig für -uns kaum Platz übrigblieb und wir für die lange Fahrt nur sehr unbequeme -und harte Sitze fanden. Endlich gegen 4 Uhr kamen wir fort, nachdem die -Einschiffung des Königs noch einige Schwierigkeiten gemacht hatte. Er -erwies sich als zu schwer, um von zwei Matrosen durch das Wasser bis -zum Boot getragen zu werden, der Versuch wurde daher aufgegeben und auf -Zuruf kamen dann aus seinem Kanu vier Eingeborene mit einer Art tragbarer -Brücke, auf welcher der König stehend bis zum Boot getragen wurde. Die -Dampfpinnasse spannte sich vor mein Boot, wir dampften ab, des Königs Kanu -folgte unter Segel; so kamen wir kurz nach 5 Uhr auf der „Ariadne“ an. -Der dicke König war durch die Seefahrt, durch das unbequeme Sitzen und -schließlich durch die Angst bei dem nicht ganz gefahrlosen Aussteigen, -das für einen so beleibten Herrn bei dem hohen Seegang und dem starken -Strom äußerst schwierig war, so angegriffen, daß ich ihn vor allen -Dingen speisen und tränken mußte. Ein kaltes gebratenes Huhn beschrieb, -von seinen Händen gefaßt, vor seinem Gesicht die wunderlichsten Linien -und wurde zusehends dünner, die halbe Flasche Champagner war so schnell -leer, daß der königliche Herr mit strahlendem Gesicht um eine zweite -bat. Die Befriedigung, welche Essen und Trinken hervorgebracht, hielt -allerdings nicht lange an, denn die dem König vorgemachten Exercitien -mit blindem Schießen und Kleingewehr-Schnellfeuer waren bei ihm von so -durchschlagender Wirkung, daß der arme Mann bleich und zitternd sich kaum -zu halten vermochte und sich so scheu nach allen Seiten umsah, daß ich es -für räthlich hielt, ihn schleunigst in ein geheimes Cabinet zu führen. -Was er da gemacht, weiß ich nicht, nur so viel weiß ich, daß er nach -einiger Zeit, wenn auch noch bleich, doch mit beruhigten Mienen wieder -zum Vorschein kam. So viel steht aber fest, daß er an die Freude, welche -er vorher beim Essen und Trinken empfunden hatte, nicht mehr dachte. - -Wenn ich es wegen der vorgerückten Tageszeit auch schon aufgegeben hatte, -noch an demselben Tage die Weiterreise anzutreten, so wollte ich doch den -König nicht länger an Bord behalten, weil ich ihn wegen der in Ansehung -des starken Stromes gefährlichen Passage noch vor Dunkelwerden sicher an -Land sehen wollte. Der dicke Herr erhielt daher seine Geschenke, eine von -dem Consul zu dem Zweck mitgebrachte Wanduhr, sowie sechs halbe Flaschen -Champagner, und wurde dann in sein Kanu befördert. - -Unsere samoanische Dolmetscherin, welche mit ihrem schneeweißen Bündelchen -in der Hand dem König an Land folgte, hatte ein Kistchen Cigaretten -erhalten. Beim Weggehen sagte noch der König, sich scheu umsehend, daß -solch ein Schiff denn doch zu stark wäre, um dagegen kämpfen zu können; -der Zweck, ihm Furcht vor den überlegenen Waffen der Europäer zu machen, -war somit erreicht. Solche militärische Schaustellungen versehen den -Eingeborenen gegenüber denselben Zweck wie ihre Tänze und werden von -den Kriegsschiffen daher benutzt, um die von den Eingeborenen gegebenen -Festlichkeiten zu erwidern, dabei gleichzeitig aber auch den Wilden -die Macht einer solchen Kriegsmaschine zu zeigen und sie dadurch von -Gewaltthätigkeiten gegen Angehörige derselben Flagge abzuhalten. Häufig -allerdings begehen die Kriegsschiffe den Fehler, diesen Wilden mit den -großen Kanonen etwas vorzuknallen, was verhältnißmäßig wenig Eindruck -macht, weil sie dies schon oft gehört haben. Ein Schnellfeuer mit den -Gewehren ist das, was die Wilden erzittern und erbeben macht, denn dieses -fortwährende Geknatter ohne Aufhören, benimmt ihnen vollständig die -Besinnung. - -Während der Fahrt von der Stadt nach der „Ariadne“ zurück hatte der -König mich wiederholt um eine Bescheinigung gebeten, daß ich auf seiner -Insel alles in der besten Ordnung vorgefunden habe. Ich konnte ihm -der Wahrheit gemäß antworten, daß ich, soweit die kurze Zeit mir einen -Einblick gestattet habe, allerdings die beste Ordnung anerkennen müsse, -ich aber trotzdem zur Ausstellung eines derartigen Zeugnisses mich nicht -für befugt hielte. Würde er indeß in ein ähnliches Vertragsverhältniß -wie der König von Funafuti zu uns treten, dann läge die Sache anders -und ich würde dann gern seiner Bitte entsprechen. Ich wollte hierdurch -den Boden für den Abschluß einer ähnlichen Uebereinkunft ebnen, weil der -Mangel eines der Apamama-Schriftsprache mächtigen Dolmetschers mir nicht -gestattete, schon jetzt in der Sache vorzugehen. Der König ließ sich -erklären, um was es sich bei solcher Uebereinkunft handle, und war dann -gleich zu dem Abschluß einer solchen bereit. Ich hätte nun im Beisein von -Zeugen ihn eine in deutscher Sprache ausgefertigte Verhandlung mit seinem -Handzeichen versehen lassen können, doch werden derartige Abmachungen so -oft von böswilliger Seite als erschwindelt bezeichnet, daß ich ablehnte, -unter dem Vorwande, er müsse selbst erst lesen und schreiben lernen, damit -er auch selbst den Inhalt der niedergeschriebenen Abmachung beurtheilen -könne. Hierbei kam denn nun heraus, daß der König schon mit dem Studium -des Lesens und Schreibens begonnen hat und zwar, um den Unterricht seiner -Unterthanen zu ermöglichen. Er will nicht zugeben, daß seine Unterthanen -mehr wissen wie er selbst, und hat sich als tüchtiger Landesvater daher -dazu entschlossen, selbst sofort das Nothwendige zu lernen, um der -Fortbildung seiner Unterthanen nicht im Wege zu stehen. Nach allem, -was ich hier gesehen habe, komme ich zu dem Schluß, daß der König von -Apamama in seiner Sphäre ein hervorragender Mann ist und entschiedene -Herrschertugenden besitzt. - -Am nächsten Morgen, am 22., verließ ich Apamama wieder und langte am -23. nachmittags vor der Insel Taritari an, welche im Verein mit Makin -das nördlichste Königreich der Kingsmill- (Gilbert-)Inseln bildet. -Ich hatte die Absicht in die Lagune einzulaufen, fand aber die Karte -so falsch, daß ich mich an die Einfahrt mit dem Loth erst hinanfühlen -mußte und das kostet viel Zeit. Da wir außerdem auch noch vielfach durch -Gewitterböen, welche alles in dichten Regen hüllten und somit jedes -Erkennen des Landes und der Untiefen unmöglich machten, belästigt wurden, -so rückte der Abend heran, die Dunkelheit überraschte uns in der Einfahrt -und ich mußte gezwungenermaßen da, wo ich mich gerade befand, ankern, -weil wir andererseits wieder zu weit vorgedrungen waren, um noch bei -Tageslicht die offene See zurückgewinnen zu können. Unser Zweck war hier -nur eine Recognoscirung, ob diesem Platze oder Apamama der Vorzug als -Centralstation für den Handel zwischen diesen Inseln zu geben sei, um -danach beurtheilen zu können, welches die bessere Kohlenstation sei, für -den Fall, daß unsere Regierung eine solche hier zu erwerben wünsche; ich -hatte daher unsern Aufenthalt hierselbst auf nur 24 Stunden angesetzt. - -Zu guter Zeit machten wir uns am nächsten Tage bei trübem Wetter mit -den Booten auf den Weg nach dem mehrere Seemeilen entfernten Wohnort -des Königs. Nach einer zweistündigen Fahrt, während welcher auch das -Fahrwasser daraufhin untersucht wurde, ob es brauchbar für größere -Schiffe sei, langten wir endlich bei der sogenannten Stadt an und -hatten, da es gerade Niedrigwasser war, einen weiten Weg durch nassen -Sand zu machen. Der erste Eindruck, welchen wir beim Landen empfingen, -war grundverschieden von dem, welchen wir von den letztbesuchten Inseln -mitgebracht hatten. Obgleich diese Insel von derselben Formation und -Bodenbeschaffenheit wie Apamama ist, von derselben Menschenrasse bewohnt -wird und nur eine Tagereise von dieser entfernt liegt, ist hier doch alles -anders und findet sich die einzige Uebereinstimmung nur in der Tracht der -Frauen. - -Die Wohnungen bestehen entweder in kleinen Hütten mit geschlossenen -Seitenwänden, welche auf Pfählen ruhen und bei Hochwasser von der See -unterspült werden, oder aus Hütten nach Art der Samoahäuser, d. h. aus -hohen Laubdächern, die von vier Fuß hohen Pfählen getragen werden. -Die erstere Art soll jedenfalls Schutz gegen die hier wie auf allen -Südseeinseln herrschende Rattenplage gewähren. Die Frauen tragen, wie -schon bemerkt, als Kleidung einen schmalen Grasschurz, die Männer ein -Hüfttuch aus buntem Baumwollstoff, die Kinder beiderlei Geschlechts gehen -bis zu einem ziemlich reifen Alter ganz nackt. Die Frauen tragen das Haar -hinten länger, die Männer kürzer als auf den südlicher gelegenen Inseln. -Tätowirung habe ich nicht wahrgenommen. Bei unserer Ankunft fanden wir so -ziemlich die ganze männliche Bevölkerung betrunken und damit beschäftigt, -der Branntweinflasche noch weiter zuzusprechen. Ob ein vor wenigen Tagen -hier gewesener englischer Schooner die empfangenen Waaren mit diesem Gift -bezahlt hatte oder ob das Getränk von hier wohnenden Chinesen gekauft war, -um ein Fest zu feiern, weiß ich nicht; ich vermuthe aber das erstere. Um -zum König zu gelangen, mußten wir einen Weg von etwa drei Viertelstunden -zurücklegen, wobei wir ununterbrochen zur Rechten und Linken an Gruppen -betrunkener Männer vorbeikamen. Hier und da versuchten zwei oder drei -Weiber einen Mann wegzuschaffen; es werden wol seine Frauen gewesen sein. -Trotzdem auf diesen Inseln ein Mangel an weiblicher Bevölkerung vorhanden -ist, herrscht doch Vielweiberei. Nur die höhere Kaste darf sich den Luxus -einer oder mehrerer Frauen gestatten, die Männer der niedern Kaste gelten -als Sklaven und sind zur Ehelosigkeit verurtheilt. - -Als wir etwa zwei Drittel des Weges zurückgelegt hatten, trafen wir bei -einer Frischwassercisterne, deren es viele auf der Insel gibt und welche -wahre Brutstätten der Mosquitos sind, zwei Frauen, welche hier in Flaschen -und Kokosnußschalen Wasser geholt hatten und eben den dicken Stock, in -dessen Mitte der Korb mit dem Wasser hing, auf ihre nackten Schultern -hoben. Auf unsere Frage, ob wir auf dem richtigen Weg zum König seien, -erhielten wir eine bejahende Antwort und wurden bedeutet, ihnen nur zu -folgen, da sie auch dorthin gingen. Dann gesellte sich auch noch ein -nüchterner Mann zu uns, mit dem Anerbieten, uns zu führen. Ich erwähne -die vorgenannten beiden Frauen hier, weil ich die eine näher beschreiben -muß, da sie sowol durch ihr ungewöhnliches Gesicht, wie ihren feinen -elastischen Körper jedem auffallen mußte. Da sie ferner das hintere Ende -des Stockes trug, so ging sie gerade vor mir und ich hatte auf diese Weise -genügende Zeit, sie zu beobachten. In dem feinen ovalen Gesicht, welches -sich nach dem Kinn hin in schönen Linien verjüngt, fesseln unwillkürlich -die großen mandelförmigen Augen, deren tiefschwarze Augensterne ein -mildes Feuer ausstrahlen. Die von der schönen feinen Stirn auslaufende -feine, etwas scharf gebogene Nase macht durch ihre Größe das Gesicht -interessant. Der kleine Mund mit seinen frischen schwellenden Lippen, -welche dem scharfgeschnittenen Gesicht wieder etwas außerordentlich -Kindliches gaben, sowie zwei Reihen schöner Perlenzähne passen zu dem -feinen schmalen Kinn. Einige dunkle Leberflecke von der Größe einer Linse -heben sich von den braunen Wangen scharf ab und passen so vollkommen in -dieses Gesicht 'à la' Marie-Antoinette, daß man sich dasselbe ohne sie gar -nicht denken kann. Auch das starke Haar gibt dem Kopf noch etwas Apartes, -denn dasselbe ist nicht, wie sonst hier, schlicht, sondern fällt in -scharf gekräuselten Wellen wie eine Mähne bis auf den halben Rücken herab. -Der Hals ist schlank und sitzt tadellos auf den vollen nicht zu breiten -Schultern; die übrigen Körperlinien sind von zweifelloser Schönheit, wie -auch Arme, Hände und Füße. Der ganze Körper zeigt die reizende Fülle und -Rundung der eben vollaufgeblühten Jungfrau; das reizende Geschöpf ist mit -einer aufbrechenden Knospe zu vergleichen, welche mit unwiderstehlicher -Jugendfrische dem Leben entgegenquillt. Die kleine zierliche, dicht -vor mir gehende Person trägt ihre schwere Last mit beneidenswerther -Leichtigkeit. Der elastische Oberkörper paralysirt das auf die Schultern -drückende schwere Gewicht durch schlangenartige Bewegungen, in den runden -Hüften findet man den Abschluß der über ihnen liegenden Anstrengung, -darunter schreiten die zierlichen Beine so leicht aus, als ob sie gar -nichts zu tragen hätten. Hiermit harmonirt auch das Gesicht, welches -die kleine Insulanerin jedesmal nach Zurücklegung einiger Schritte uns -zuwendet, um sich sorglos lachend nach uns umzusehen. - -Der Weg ist mir trotz der drückenden Hitze außerordentlich kurz geworden, -ein vor uns liegendes Haus wird uns als die Wohnung des Königs bezeichnet, -der Eintritt aber noch verwehrt mit dem Ersuchen, etwa 20 Schritte davon -entfernt noch etwas zu warten. Das offene Haus gestattet uns zu sehen, -daß mehrere Weiber damit beschäftigt sind, dem König ein Hemd anzuziehen, -und darin finden wir die Erklärung der Verzögerung. Nach Beendigung der -Toilette werden wir ersucht näher zu treten und nehmen auf ausgebreiteten -Matten neben dem jungen, auf dem Todtenbette liegenden Manne Platz. Der -König liegt auf Matten, ist durch Kissen unterstützt und durch leichte -Vorhänge gegen die Sonne geschützt. Sechs seiner Frauen sind fortwährend -um ihn beschäftigt, ihm kleine Handreichungen zu leisten, Kühlung -zuzufächeln und die lästigen Fliegen und Mosquitos von ihm fern zu halten. -Er muß früher ein schöner Mann gewesen sein, liegt jetzt an einer von den -Europäern hierher verpflanzten, hier nicht näher zu nennenden Krankheit -hoffnungslos darnieder und sieht in einem Alter von 35 Jahren täglich -seiner Auflösung entgegen. An ihm fiel mir als merkwürdig auf, daß seine -Fingernägel etwa 5 cm lang waren. Ich war bisher in dem Glauben befangen, -daß diese Sitte nur in China zu Hause sei, mußte aber hier hören, daß auf -Taritari und Makin schon seit alters her und jedenfalls seit länger als -man hier Kenntniß von China hat, von den Vornehmen dieses Abzeichen der -Herren, welche nicht zu arbeiten brauchen, getragen wird. - -Bei dem körperlichen Zustand des Königs war weder daran zu denken, -irgendwelche Abmachungen zu treffen, noch konnten die wüste Wirthschaft -hier und auch nicht die örtlichen Verhältnisse diesen Platz als geeignet -für eine Centralhandelsstation erscheinen lassen. Ich beschränkte -mich daher darauf, dem König eine anständige Behandlung der etwa hier -verkehrenden Deutschen zur Pflicht zu machen. Eine halbe Stunde nach -unserm Eintreffen waren wir wieder auf dem Rückwege zu unsern Booten, -trafen kurz nach 12 Uhr nachmittags auf der seeklarliegenden „Ariadne“ -ein und suchten gegen 1 Uhr wieder die offene See auf, unsern Curs nach -den Marshall-Inseln nehmend. - - - - -12. - -Die Marshall-Inseln. - - - 4. December 1878. - -Nun liegen auch die Marshall-Inseln wieder hinter mir und mit diesen eine -ereignißreiche kurze Zeit. Die deutschen Handelsinteressen sind hier so -bedeutende, daß ich mich, um die Inseln vor der Begehrlichkeit anderer -Nationen zu schützen, zu weitergehenden Maßregeln veranlaßt sah, als ich -ursprünglich beabsichtigte. Möge das, was ich gethan habe, dereinst dazu -führen, daß diese Inseln dem Deutschen Reiche einverleibt werden können. - -Am 26. November kam mit Tagesanbruch Jaluit (spr. Dschalúit), die -Hauptinsel der westlichen Marshall-Gruppe, welche die Ralickkette -genannt wird, in Sicht. Eine kräftige Regenbö brachte das unter schwerem -Segeldruck sich schüttelnde Schiff bald vor die schmale Einfahrt zu der -Lagune dieser großen Koralleninsel, wo ihm die weißen Fittiche genommen -wurden und an deren Stelle der rauchende Schlot trat, um die enge Passage -nach dem Ankerplatze unter Dampf zu machen. Dicht vor der Einfahrt kam -ein europäisches Boot heran und in diesem der Chef eines der beiden -hiesigen deutschen Häuser, Herr Hernsheim, um uns zu begrüßen und mir -einen seiner Schiffsführer als Lootsen zur Verfügung zu stellen, was -ich dankbar annahm. Gegen 10 Uhr vormittags fiel der Anker, und es war -meine Absicht, einen ungewohnt langen Aufenthalt hier zu nehmen, um mir -selbst, wie der ganzen Besatzung nach langer Zeit wieder einmal etwas -Ruhe zu gönnen. Denn wenn der Aufenthalt auch nur auf vier Tage, woraus -nachher fünf wurden, angesetzt war, so bedeutete dies nach den hinter uns -liegenden fünf Wochen doch immerhin eine langentbehrte Erholung, welche -für das ganze Schiff eine große Wohlthat wurde. Kaum zu Anker mußte ich -selbst allerdings gleich an die Erledigung meiner Geschäfte und an deren -Ausführung denken. Der Consul nahm mir zwar die Hauptarbeit ab, indem er -die endgültige Redaction der in Aussicht genommenen Uebereinkunft, welche -vorher besprochen und durchberathen war, übernahm und deren Uebersetzung -in die Landessprache beaufsichtigte. Trotzdem blieb aber für mich noch -genug zu thun übrig, um meine Zeit mit Besuchen, mündlichen Verhandlungen, -Versorgung des Schiffes mit Proviant, Wasser und Kohlen, Anordnungen von -Festlichkeiten, Einziehung von Nachrichten über die hiesigen Verhältnisse -u. s. w. auszufüllen. - -Jaluit ist eine große Laguneninsel, also ein schmaler Ring niedrigen -Korallenlandes, welches einen großen See umschließt. Das den Deutschen -(andere besitzende Europäer sind nicht auf der Insel) gehörige Land -trägt eine reiche Auswahl von Früchten, Gemüsen und Blumen, was -dadurch ermöglicht wurde, daß mit großen Kosten von andern Inseln -guter Mutterboden hierher gebracht und das Korallenland damit bedeckt -worden ist. Das Land der Eingeborenen trägt nur Kokosnußbäume und hier -und da kleine Anpflanzungen von kartoffelähnlichen Erdfrüchten. Die -deutsche Ansiedelung macht mit ihren bequemen Wohnhäusern und großen -Vorrathsmagazinen, mit ihren herrschaftlichen Umzäunungen, gut gehaltenen -Wegen und weithin sichtbaren mastenartigen Flaggenstangen einen sehr -stattlichen Eindruck; die Dörfer der Eingeborenen, aus elenden schmutzigen -Hütten bestehend, liegen verstreut unter den Kokosnußbäumen. Nur der -König hat ein ganz nettes kleines, hölzernes Haus, welches luftig und -sauber gehalten ist. Es besteht aus einem Wohn- und einem Schlafzimmer, -die Dielen sind mit Matten belegt, die Wände mit einer Uhr und einigen -einfachen Bildern verziert; ein hölzernes Bett, ein ebensolcher Tisch und -einige Stühle bilden das Mobiliar. Die Küche liegt neben dem Hause in -einer ortsüblichen Hütte. Die Hütten der Eingeborenen bilden einen mit -einem niedrigen Laubdach bedeckten und rundherum mit trockenen Blättern -und Reisern geschlossenen Raum, welcher eben Platz genug bietet, daß die -Familie auf dem unbedeckten Boden liegen kann. Die Küche befindet sich -hier ebenfalls in einem Nebenraume. Die Häuser der Weißen sowol wie die -Hütten der Eingeborenen liegen alle an der gegen den vorherrschend starken -Passat geschützten Innenseite der Insel, an der Lagune, wo die Ankerplätze -der Schiffe sich befinden, wo gegen den Wind geschützt überhaupt nur -Pflanzen gedeihen, die Eingeborenen fischen und von wo aus sie mit ihren -leichten Kanus ohne Gefahr Reisen nach einem andern Theile der Insel -machen können. Allerdings findet man auch an der Windseite der Insel -noch Wohngelasse, doch nur solche zu ganz besondern Zwecken. Die beiden -deutschen Häuser haben jedes dort ein kleines Lusthäuschen mit regenfestem -Dach und durchbrochenen gitterähnlichen Wänden, von wo aus man einen -freien großartigen Ueberblick auf das weite unbegrenzte Weltmeer und auf -die am Strande wenige Schritte vom Beschauer hochauflaufende majestätische -Brandung hat. Hier ist es, wo man zu jeder Tageszeit und namentlich des -Abends, wenn der abgeflaute Wind nicht mehr die Kraft besitzt bis zu den -Wohnhäusern vorzudringen und sie zu durchstreichen, Ruhe und Erfrischung -findet, wo man gegen die Mosquitos, welche sich dann in den Wohnhäusern -sehr unangenehm bemerkbar machen, geschützt ist. - -Die an der Windseite gelegenen Hütten der Eingeborenen bieten nur Platz -für je eine Person und werden nur von Frauenzimmern bezogen. Jede Familie -hat dort, je nach ihrem Bedürfniß, ein oder mehrere solch kleiner Hütten, -wo die erwachsenen weiblichen Familienmitglieder allmonatlich einige Tage -absitzen, woraus wol gefolgert werden darf, daß die Frau während dieser -Zeit für unrein gehalten wird und deshalb fern von der eigentlichen -Wohnung, dem Winde ausgesetzt, den Abschluß dieses Zustandes abwarten muß. -Es mag hier eingefügt werden, daß auf den Marshall-Inseln Vielweiberei -besteht und das Christenthum nach dieser Richtung noch keinen Wandel -geschaffen hat. - -Der hiesige Menschenschlag ist sehr verschieden von demjenigen der südlich -vom Aequator liegenden Inseln. Mit wenigen Ausnahmen sind die Männer -durchweg klein, die Frauen sehr klein. Besonders auffallend sind die -winzigen Köpfe dieser Insulaner, deren lange schmale Gesichter sich von -den runden der Bewohner der Kingsmill- und andern Inseln vornehmlich durch -eine sehr schmale Stirn und geschlitzte Augen unterscheiden, mithin dem -Malaientypus näher kommen. Die Männer tragen das Kopfhaar kurzgeschnitten -oder 'à la Chinois', flechten den Schopf aber nicht in einen Zopf, sondern -binden das Haar nur kurz ab, sodaß es über dem Band wie ein Roßschweif -lose nach hinten oder als ein kurzer Stummel nach oben wegsteht. Das -Haar der Frauen ist in der Mitte gescheitelt und hängt schlicht bis auf -die Schultern herab. Hier tritt auch die in der Ellice-Gruppe gefundene -Sitte, die Ohrlappen zu durchbohren und zu einem großen Ring zu erweitern, -welche wir in der Kingsmill-Gruppe nicht beobachtet haben, wieder auf. -Die Männer sind in der Regel im Gesicht und auf dem Oberkörper in der -Weise tätowirt, daß gezackte Linien in gleichen Abständen horizontal -quer über Gesicht und Brust laufen und der Haut ein Ansehen geben, als -ob sie damascirt sei; die Frauen sollen sich auch tätowiren, doch habe -ich es nicht gesehen. Die Körperbildung ist bei beiden Geschlechtern -schmächtig, wohlgenährte runde Glieder ohne auffallende Formenschönheit. -Ganz eigenartig ist die Kleidung, denn wenn die Frauen hier in der -Hauptstadt, infolge des Einflusses der hier lebenden Europäer, vielfach -auch lange Gewänder tragen, so ist dies doch nur eine Zugabe zu ihrer -eigentlichen nationalen Tracht, welche sich stets noch unter diesem -Gewand auf dem Körper befindet. Als das Hauptstück der Kleidung, welches -das kunstreichste ist und von beiden Geschlechtern gleich getragen wird, -möchte ich den Gürtel bezeichnen, an welchem die eigentliche Kleidung -befestigt wird. Dieser Gürtel, welcher nur zum Baden, sonst nie von dem -Körper gelöst wird, ist eine Schnur, ¾ cm dick, und so lang, daß sie 10-12 -mal um den Leib geschlungen dort eine Wulst von der Stärke eines dünnen -Armes bildet. Um die Seele von Bast ist aus feinen schwarz und weißen -Fäden desselben Materials ein kunstvolles Gewebe gelegt. Das Kleid der -Männer ist ein aus ½ cm breiten, gewöhnlich weißen, zuweilen aber auch -schwarzen Baststreifen zusammengesetzter Rock, welcher durch die Masse der -verwendeten dünnen Streifen eine erhebliche Dicke und Fülle erhält. Der -Rock ist so lang, daß er von der Taille bis zum Fußboden reicht, bedeckt -aber in der ortsüblichen Weise auf den Körper gelegt unterrockartig -nur den Theil vom Magen bis zu den Knien und gibt diesen Leuten nach -meinem Geschmack ein ebenso unschönes weibisches Aussehen, wie die so -vielgefeierten Nationalunterröcke der modernen Griechen es diesen Männern -geben. - -Die Befestigung dieses Bastrockes auf dem Körper geschieht in der Weise, -daß zwei von dem Leibband des Rockes auslaufende Tragebänder von oben -durch den vorher beschriebenen Gürtel nach unten durchgesteckt und -zwischen die Beine genommen werden, dann der Rock bis auf die richtige -Höhe nach oben gezogen und nun unter denselben ein zweiter dicker Gürtel -gelegt wird, welcher den Rock in seiner richtigen Lage hält und ihm ein -tischartiges Aussehen gibt. Dieser Rock bildet die ganze Bekleidung, da -Kopf wie die übrigen Körpertheile unbedeckt bleiben. - -Die Kleidung der Weiber, welche nur ebensoviel bedeckt wie die der Männer, -besteht aus zwei schmalen Matten, von welchen eine vorn, die andere -hinten getragen wird. Diese feingelegten weißen Matten mit eingewebten -rothbraunen Figuren, gewöhnlich in Form einer breiten Borte um den -weißen Grund, werden in einfacher Weise nur von oben und außen in den -mehrgenannten Gürtel eingesteckt, sodaß dieser unter den Matten liegt -und nicht sichtbar ist. Auffällig war mir, daß die hintere Matte zuerst -aufgelegt wird und die vordere daher die erstere zum großen Theil bedeckt, -sodaß zum Abnehmen des Kleides auch stets die vordere zuerst abgelegt -werden muß. Dies ist eine merkwürdige Sitte, denn da die Matten ziemlich -steif sind, so müssen die Frauen zu gewissen körperlichen Verrichtungen -sich stets ganz entkleiden. - -Die Nahrung auf diesen Inseln besteht in dem, was Boden und Meer liefern, -mithin, wie auf allen Koralleninseln, vornehmlich aus Kokosnuß und -Fischen, Krebsen und Muscheln. - -So unsauber die Wohnungen aussehen, so reinlich sind die Leute doch an -ihrem Körper, und es muß namentlich hervorgehoben werden, daß keinerlei -Auswurf des menschlichen Körpers in der Nähe der Hütten geduldet wird. -Aborte existiren hier nicht, ihre Stelle vertritt der Strand. Des Morgens, -und wenn der Wasserstand es irgend erlaubt bei Niedrigwasser, gehen -die Leute nach dem Strande und verrichten dort eins der natürlichsten -menschlichen Geschäfte in der ungenirtesten Weise. Da hockt groß und -klein, jung und alt unbekümmert um das Geschlecht nebeneinander. Das -steigende Wasser der Flut übernimmt die Abfuhr und gibt dem Strande die -frühere Reinheit wieder. Die Reinlichkeit wird in diesem Punkte auf das -strengste beachtet, wie ich zu sehen Gelegenheit hatte. Als ich eines -Abends spät gegen 1 Uhr einen der deutschen Herren verließ, um zum -Schiffe zurückzukehren, wurde ich bei dem Dorfe durch ganz jämmerliches -Kindergeschrei aufmerksam gemacht. Ich ging zu der Stelle hin und sah -einen Mann mit einem Kinde auf dem Arm aus einer Hütte treten und nach -dem Strande zu gehen. Das Kind schrie, als ob es ertränkt werden sollte, -und ich folgte daher in einiger Entfernung. Am Strande angelangt setzte -der Mann das Kind auf den Sand und blieb neben ihm stehen, bis dieses -allmählich verstummend Erleichterung gefunden hatte, nahm es dann wieder -auf den Arm und kehrte zu seiner Hütte zurück. - -Wie schon erwähnt, besteht hier Vielweiberei, doch können nur solche sich -diesen Luxus gestatten, welche mehrere Frauen zu ernähren im Stande sind. -Eine besondere Gerechtsame der Vornehmen ist auch, daß der Höhere dem -Niedern seine Frau wegnehmen und diese seinem Hausstande zuführen kann. -So hat der frühere König einem kleinen Häuptling dessen Frau weggenommen -und sie zu seiner Hauptfrau gemacht. Nach dem Tode des Königs ging die -Frau aber zu ihrem frühern Mann, einem hübschen Kerl, zurück und hierdurch -wurde der kleine Häuptling nun so gehoben, daß ihm die Königswürde zufiel -und er jetzt der König Lebon (oder Kabua wie er auch genannt wird) ist. - -Die Stellung der Frauen auf den Südseeinseln ist eine ganz eigenthümliche, -denn wenn sie auch auf vielen Inseln nicht für voll angesehen werden, so -spielen sie doch überall durch die Ehe eine hervorragende Rolle, ja es -geht so weit, daß ein König zu Gunsten seines Sohnes zurücktritt, sobald -dieser eine Frau heirathet, welche edleres Blut hat wie seine Mutter. So -war auch hier die Frau des Lebon durch die Ehe mit dem frühern König so -geadelt worden, daß nach dessen Tode nicht ihr mit diesem gezeugter Sohn -Letabalin, sondern ihr neuer Mann die Königswürde erhielt. Andererseits -wird nun wieder nach dem Tode Lebon’s nicht sein Sohn, sondern sein -Stiefsohn Letabalin in die Rechte seines früher verstorbenen Vaters -eintreten. Spaß machten mir die ehelichen Verhältnisse dieses jungen -siebzehnjährigen Königssohnes, welcher schon zwei Frauen hat, vorläufig -aber nur die ältere als solche ansieht und die jüngere, obgleich er schon -seit einem Jahre mit ihr verheirathet ist, in ihrem jungfräulichen Stande -gewissermaßen als Reserve behandelt. Er kommt mir vor wie ein Kind, -welches sich ein besonders schönes Stück Zuckerzeug aufhebt, um beim Genuß -weniger guter Sachen sich durch die Aussicht auf Besseres zu entschädigen. - -Der König Lebon kleidet sich sonst auch in die landesübliche Tracht, -in welcher er auf unserm Bilde erscheint, doch hatte er sich uns zu -Ehren einen neuen schwarzen Anzug gekauft und trug zum ersten mal in -seinem Leben Schuh und Strümpfe. Er empfing mich, als ich ihm meinen -Besuch machte, an der Thüre seines Hauses; in dem Zimmer saßen seine -fünf Frauen in ihren besten Kleidern halbkreisförmig um unsere Stühle -gruppirt. Lebon sah sehr verängstigt aus, weil er fürchtete, daß ich wegen -verschiedener rückständiger Schulden über ihn zu Gericht sitzen würde; -da die Gläubiger aber keine Reclamationen vorgebracht hatten, so blieb -mir die Berührung dieser Sache erspart. Lebon thaute daher am nächsten -Tage, nachdem die deutschen Herren ihm gesagt hatten, daß sie mir von -ihren Forderungen keine Kenntniß gegeben hätten, auf und zeigte sich als -ein ganz umgänglicher Mensch von verhältnißmäßig guten Umgangsformen. -Der Landessitte gemäß erhielt ich von Lebon bei meinem ersten Besuch -verschiedene Geschenke, einige schöne Matten und einen umsponnenen Speer; -seine Frauen schenkten mir etwas von ihrem Schmuck, welcher als Halskette -oder Stirnband getragen wird und aus Korallen- oder Schildpattstücken -besteht, welche sorgsam bearbeitet durch Schnüre sauber und nett -zusammengefügt sind. - -Nach diesen allgemeinen Bemerkungen glaube ich zu meinen eigenen -Erlebnissen zurückkehren zu können. Die Vormittage waren den Geschäften, -die Nachmittage Festlichkeiten und die Abende zwanglosen Zusammenkünften -in einem der deutschen Häuser oder an Bord der „Ariadne“ gewidmet. Hierbei -spielte auch ein Kalb, welches ich von Apia aus mitgebracht und den Herren -an Land zur Verfügung gestellt hatte, insofern eine Rolle, als die hier -lebenden Deutschen seit langer Zeit kein ordentliches Stück frisches -Fleisch zu Gesicht bekommen hatten. Die Geschäfte brauche ich hier nicht -weiter zu berühren, kann daher gleich zu den Festlichkeiten übergehen. - -Am Tage unserer Ankunft wurden von Lebon gleich die Vorbereitungen -für einen am nächsten Tage abzuhaltenden Kriegstanz getroffen, welcher -programmmäßig am 27. nachmittags stattfand. Nachdem wir uns an einem -schönen schattigen Platze unter Kokospalmen versammelt und Platz genommen -hatten, setzten sich die mit Trommeln und ihren Naturstimmen das Orchester -bildenden Frauenzimmer in zwei Gliedern neben uns auf die Erde, während -das Volk in respectvoller Entfernung unter den Bäumen Aufstellung nahm. -Dann erschienen die tanzenden Krieger, etwa 18 an der Zahl, sämmtlich -Häuptlinge. Dieselben waren in dem eingangs beschriebenen Nationalcostüm -und hatten demselben als Festschmuck noch mancherlei hinzugefügt. -Hahnenfedern im Haarschopf, aus einzelnen Blättern zusammengefügte -Laubketten um den Hals, Stirnbänder aus Korallenstücken oder getrocknetem -Zuckerrohrblatt, Band von Zuckerrohrblatt mit Federn um Oberarm und -Knöchel und ein etwa 15 cm langes aufgerolltes Blatt in den Ohrlappen; der -Oberkörper war mit Kokosnußöl gesalbt, glänzend blank, die Waffe vertrat -ein armlanger Stock. Besonders auffallend sah Lebon aus, welcher zuletzt, -nachdem alle versammelt waren, erschien und allein auf den Kampfplatz -trat. Er hatte einen besonders reichen Federschmuck aus schwarzen -Hahnenfedern, welcher sich gut ausnahm; dicke Federbüschel auf Ober- -und Unterarm, kleine Büschel auf den Rücken der beiden Mittelfinger und -einen Federkranz um die Knöchel, welche muffähnlich dem Bein einen guten -Abschluß gaben. - -Das Erscheinen Lebon’s ist das Signal für den Beginn des Tanzes. Die -Frauenzimmer stimmen, sobald Lebon sich ihnen bis auf etwa 20 Schritte -genähert hat, begleitet von dem einförmigen Tam-Tam ihrer Trommeln einen -monotonen Gesang an; die Trommel, ein ausgehöhltes Stück Holz in Form -eines Stundenglases, auf der einen Seite mit Fischhaut überspannt, auf -der andern offen, wird mit der einen Hand auf dem Schos gehalten und -mit der flachen andern Hand geschlagen; der Gesang enthält nur wenige -sich stets wiederholende Strophen, welche auf den König Bezug haben. Der -König kommt in raschem Schritt und guter Haltung würdevoll angegangen, -hält in der Mitte vor den Reihen der singenden Frauenzimmer, sieht sich -mit muthigem Blick nach allen Seiten um, als ob er den Feind suche, -nimmt ihn in dem Orchester an, wendet sich diesem zu, stößt einen Schrei -aus, welcher furchtbar sein soll und nur mit dem Quitschen eines in den -Schwanz gekniffenen Schweines verglichen werden kann, und beginnt nun -seine Darstellung, welche ihn in seinem ganzen Grimm und seiner ganzen -Furchtbarkeit zeigen soll. Die Augen rollen in dem alle möglichen Linien -beschreibenden Kopfe hin und her, das Gesicht wird verzerrt, wobei Mund -und Unterkiefer in krampfhafter Thätigkeit sind und dem Gesicht einen -kläglichen Ausdruck geben, welcher schreckenerregend sein soll, in -Wirklichkeit aber jeden Augenblick den Ausbruch ganz jämmerlichen Weinens -erwarten läßt und lebhaft an die japanischen Abbildungen grimmer Krieger -erinnert. Mit dem Stock werden Stoß- und Wurfbewegungen des Speeres -angedeutet, der ganze Körper windet sich in krampfhaften Bewegungen, -welche ein lebendiges Bild von kraftvollem Ringen geben. Lebon macht seine -Sache sehr schön, das zeigen die Gesichter der Zuschauer, aber er weiß -auch, vor wem er sich als Krieger zu zeigen hat, gibt daher sein Bestes -und tritt gewissermaßen als Schauspieler auf. Nicht so die singenden -Frauenzimmer, welche der Zuschauer nicht gedenken, sondern den ersten und -tapfersten Mann ihres Stammes vor sich sehen, in seinem Anschauen ganz -aufgehen und sich geben wie sie sind, nicht wie sie scheinen wollen. Diese -interessirten mich daher mehr, obgleich sie nur das Beiwerk bildeten. -Da sitzen sie in Reih und Glied mit steifem Körper, schlagen mit der -rechten Hand die Trommel und singen mit gewöhnlicher Stimme ihren Gesang. -Doch währt dies nicht lange, ein schnelleres Tempo zwingt den Tänzer zu -raschern Bewegungen, der Gesang wird lauter, die Reihen werden unruhig, -die Köpfe schwanken hin und her, die Körper bewegen sich und nähern sich -rutschend, ohne es zu wollen, dem köstlichen Krieger, die Augen treten -weit hervor, stieren nur nach dem Gesicht des gefeierten Mannes und -erhalten einen ganz eigenthümlichen Glanz. Die Körper, dem Tänzer nahe -genug, fassen wieder festen Fuß, die Stirn fällt zurück, damit der die -Thaten des mit dem Feinde ringenden Beschützers besingende Mund diesem -näher ist, die Köpfe mit ihren gläsernen Augen wackeln jetzt gleichmäßig -nach dem Takte der Musik hin und her, die ganze Gruppe sieht aus wie ein -Haufen chinesischer Porzellanpuppen mit langsam hin- und herwiegenden -Köpfen. Da glaubt Lebon genug gethan zu haben, er wirft seinen Stock -weit weg, welcher von einem Häuptling aufgehoben und ihm nachher wieder -zugestellt wird, wendet sich von dem Orchester ab und geht auf die ihn -respectvoll erwartenden Häuptlinge zu. Die Frauenzimmer verstummen, -scheinen aus einem Traum in das Leben zurückzufallen, erholen sich aber -schnell genug, um rechtzeitig mit der Ankunft des Königs vor seinen -Häuptlingen diese zu einem ähnlichen Tanze zu begleiten, welchen sie -nunmehr vor ihrem König aufführen. - -Nach diesem Tanz kommt eine balletartige Schaustellung zur Aufführung, -welche mit einem Kriegertanz nichts gemein hat und durch die -Gleichmäßigkeit der complicirten und vielfach schwierigen Figuren, -durch die tadellose Durchführung des Ganzen das Interesse des Zuschauers -erweckt. Die Darsteller treten in zwei Reihen an, von welchen Lebon die -eine, der nächst angesehenste Häuptling die andere führt. Die monotone -Musik beginnt, das Hin- und Herschwanken der dicken Baströcke zeigt, daß -die Reihen in Bewegung kommen, die Stöcke der einen Partei schlagen gegen -die der andern und sollen wol ein Fechten vorstellen, ohne es indeß zu -thun, weil die Tänzer, um keine Fehler zu machen, so angestrengt aufpassen -müssen, daß die Verbildlichung der Kraft und des Kampfes diesem Spiel -versagt bleibt. Die Reihen wandern mit tänzelndem menuetartigen Schritt -aneinander vorbei, passiren durcheinander durch, immer die Stöcke mit -dem Gegner kreuzend; die Bewegungen werden schneller, das Geklapper wird -stärker, die Stöcke werden durch die Beine, über den Kopf, von einer -Hand zur andern geworfen, vor der Brust und hinter dem Rücken gekreuzt; -von den beiden Reihen brechen so viele ab, um eine dritte zu bilden und -hiermit das Spiel verwickelter zu machen. Kein Fehler kommt vor, die ganze -Gruppe bewegt sich nach dem Takte der Musik wie ein kunstvoll gearbeitetes -Räderwerk, bückt sich und streckt sich, geht vor- und rückwärts, schiebt -sich durcheinander durch, füllt wie mit einem Schlage die Zwischenräume -mit den Armen und Stöcken aus und macht sie ebenso plötzlich wieder frei. -Unser Beifall, welcher mit ungetheilter Anerkennung gegeben wurde, war -der Lohn für dieses schöne Spiel. Das Orchester hatte sich, obgleich es -durch die Frauen der Tänzer gebildet wird, bei diesem wie bei dem vorher -aufgeführten allgemeinen Tanz merkwürdigerweise ziemlich theilnahmlos -verhalten und kam erst wieder in die größte Aufregung bei den nachher -folgenden Einzeltänzen. Ich vermuthe, daß die Aufmerksamkeit auf ihre -eigenen Männer die einzelnen Frauen zu sehr beschäftigte und die Gruppe -davon abhielt, in gleichmäßige Ekstase zu kommen. - -Im Anschluß an diese Tänze wurde uns eine große Ehre dadurch erwiesen, -daß nunmehr Lebon, seinen Stock schwingend, in raschem Laufe auf uns -zurannte, dicht vor uns stutzte, dann den zuerst aufgeführten Tanz in -wilderem Tempo noch einmal wiederholte und mit demselben das Orchester -in wahre Begeisterung brachte; ja ein Frauenzimmer warf ihre Trommel weg, -um in wilden Sprüngen sein Spiel zu begleiten. Als Beendigung des Tanzes -drehte Lebon uns mit einer jähen Bewegung den Rücken zu und entfernte -sich schnellen Laufes von dem Festplatze. Nach ihm producirten sich vor -uns noch in derselben Weise sein Stiefsohn Letabalin und sein eigener -zehnjähriger Sohn, welcher, in diesem Kriegsspiel schon wohlbewandert, bei -allen Tänzen überhaupt als volle Person mitgewirkt hatte; dann noch zwei -der bedeutendsten Häuptlinge, womit das Fest seinen Schluß erreicht hatte -und die Bevölkerung befriedigt über den seltenen Festtag, da durch den -Einfluß der Missionare die Tänze immer mehr abkommen, den Platz verließ. -Die Tänze der Frauen sollen infolge dieses Einflusses, wenigstens als -öffentliche, schon ganz der Vergangenheit angehören, und es war mir in der -kurzen Zeit nicht möglich, einen solchen zusammenbringen zu lassen. Die -Missionare bezeichnen diese Tänze als heidnisch und benehmen mit denselben -den Eingeborenen all und jedes Vergnügen, womit sie in religiöser -Beziehung eine Gefahr heraufbeschwören, welche diese Herren entweder -nicht vermuthen oder für unbedeutend halten. Anstatt das in den Tänzen -etwa gegen die christliche Moral Laufende vorsichtig und allmählich zu -entfernen, verbieten sie dieselben ganz und können sicher darauf rechnen, -daß diese Tänze bei dem nicht zu besiegenden Drang nach Lustbarkeiten erst -im geheimen wieder entstehen und dann schließlich in wüsterer Form denn je -an die Oeffentlichkeit treten, um sich nicht wieder verbannen zu lassen. - -Am 28. landete ich meine Mannschaft, um dieselbe im Feuer manövriren und -danach das Eingeborenendorf im Sturm nehmen zu lassen. Dieses Manöver -sollte sowol eine Revanche für den uns gegebenen Kriegstanz sein, wie -auch den Insulanern, welche Derartiges noch nicht gesehen hatten, die -Macht der Europäer zeigen. Um einem falschen Alarm vorzubeugen, war -vorher an Land bekannt gegeben worden, daß auch geschossen werden würde, -jedoch nur mit blinden Patronen, sodaß nichts zu fürchten sei. Bei -unserer Landung war alles, was nur irgend konnte, auf den Beinen, um -der mit Musik abmarschirenden geschlossenen Truppe zu folgen und sich -nachher neugierig die Gefechtsaufstellung zu beschauen. Als aber das -Landungsgeschütz aus einem Hinterhalt und gewissermaßen zwischen ihnen -anfing zu brummen, wurden die Leute unruhig, und als nun gar das Geknatter -der Tirailleure begann, zogen sie sich schnell nach den Seiten und dann -hinter die zuschauenden Weißen zurück, ängstlich sich umsehend, ob dies -Ernst oder wirklich nur Spaß sei. Nun rückt die Sturmcolonne an, macht -halt, gibt einige Salven Schnellfeuer und das Publikum ergreift theilweise -die Flucht; eine allgemeine Panik bricht aber aus, als die Colonne -mit gefälltem Bajonette angestürmt kommt mit Marsch-Marsch-Hurrah! Der -Platz ist gesäubert; ich sehe mich nach Lebon um und finde, daß dieser -tapfere Mann ausgehalten hat -- aber wie? Bleich steht er hinter einem -der deutschen Herren und hält sich an dessen Rockschoß fest; sprechen -kann er nicht mehr, sondern findet seine Sprache erst wieder, nachdem -er in dem in der Nähe gelegenen Hause des Herrn Hernsheim ein Glas Wein -getrunken hat. Lebon, wie der größte Theil der Bevölkerung sind krank; die -mit klingendem Spiel abmarschirende Truppe kann den Schreck, welchen sie -verursacht, nicht so schnell wieder verwischen, wird vielmehr mistrauisch -betrachtet. Lebon folgt daher auch nicht der Einladung zum Essen zu Herrn -Hernsheim, sondern kommt erst nach Tisch, setzt sich still in eine Ecke -und entschuldigt sich damit, daß das Schießen ihn krank gemacht habe. -Meiner Einladung zum nächsten Tage folgte er zwar, doch rührte er die -Speisen, welchen er sonst bei den deutschen Herren tapfer zuspricht, kaum -an und erklärte, von dem gestrigen Schießen noch immer einen kranken Magen -zu haben. - -Dieser Kriegstanz des deutschen Kriegsschiffes, welcher somit unsern -Gästen nicht gut bekommen ist und zu den andern Inseln jedenfalls in noch -übertriebenen Schilderungen hinwandert, wird wahrscheinlich für Jahrzehnte -Früchte tragen und einen sichern Schutz für deutsches Leben und Eigenthum -gewährleisten. - -Am 29. November war die in Aussicht genommene Uebereinkunft soweit -vorbereitet, daß die Unterzeichnung erfolgen konnte; Lebon, wie sein -Nachfolger Letabalin, hatten alle unsere Forderungen, welche vorzugsweise -Maßnahmen zum Schutze der deutschen Reichsangehörigen und des deutschen -Handels enthielten, erfüllt und sich auch bereit erklärt, den Hafen von -Jaluit als deutsche Kohlenstation abzutreten. Mehr konnten wir nicht -verlangen. Ich setzte daher die Unterzeichnung der Uebereinkunft für -den Nachmittag dieses Tages fest und lud sämmtliche Weiße wie das ganze -Volk dieses Platzes zur Beiwohnung der Feierlichkeit auf die „Ariadne“ -ein. Nachdem das Volk an Bord versammelt war, setzte Lebon mit seinen -Frauen und seiner nähern Verwandtschaft in zweien unserer Schiffsboote -vom Lande ab, indem gleichzeitig die neue von ihm adoptirte Landesflagge, -welche nach erfolgter Unterzeichnung des Vertrages durch einen Salut -anerkannt werden sollte, gehißt wurde. Lebon mit seiner Familie und -die Chefs der beiden deutschen Häuser wurden in der Kajüte, die andern -Weißen und die Häuptlinge in der Offiziersmesse bewirthet, das Volk -trieb sich im Schiffe umher. Ein Bruder Lebon’s, mit Namen Lagadjimi, war -an Land zurückgeblieben, um den Erwiderungssalut aus einigen von einem -deutschen Hause erborgten Böllern zu feuern; zum Laden hatten wir einige -Mannschaften zur Verfügung gestellt. - -Der Text der Uebereinkunft wurde noch einmal sorgsam durchgenommen und -diese dann gegenseitig in zwei Exemplaren unterzeichnet. Darauf traten -wir auf das Deck, um dem nunmehr für die Landesflagge der Ralick-Inseln -zu feiernden Salut beizuwohnen, von welchem Lebon den ersten, Letabalin -den zweiten Schuß vor ihren versammelten Unterthanen abfeuerten. Der Salut -wurde von Land aus Schuß für Schuß erwidert. Die Eingeborenen verließen -mit anrückender Dunkelheit in ihren Kanus scharenweise das Schiff, die -deutschen Herren und Lebon blieben am Abend noch bei mir zu Tisch und der -geschäftliche Theil meiner Anwesenheit in Jaluit hatte seinen Abschluß -gefunden. - -Am 1. December verließ ich Jaluit wieder. Die am Lande und auf den -Kauffahrteischiffen wehenden Flaggen senkten sich langsam zum Gruß, -die am Strande in Festkleidern versammelte Bevölkerung stimmte unter -Tücherschwenken ein mehrfaches Hurrah an, während die den Flaggengruß und -die Hurrahs erwidernde imposante „Ariadne“ sich unter den Klängen eines -flotten Marsches langsam drehte, dann schnell von der ruhigen Lagune in -die schmale Einfahrt und von dieser in die bewegte See steuerte, um bald -unter neuen Eindrücken den schönen sonnigen letzten Nachmittag bei unsern -gastfreien Landsleuten in Jaluit vorläufig wieder zu vergessen. - -Ich hatte ursprünglich die Absicht, von Jaluit aus direct nach -Neu-Britannien zu segeln; veränderte Verhältnisse bringen aber auch -andere Dispositionen. Die durch die abgeschlossene Uebereinkunft mit -den Ralick-Inseln angeknüpften Verbindungen machten es mir zur Pflicht, -auch noch Ebon anzulaufen, weil diese Insel bislang immer der Königssitz -gewesen war und von den Eingeborenen, wie auch von den amerikanischen -Missionaren auch noch jetzt vielfach als die Hauptinsel betrachtet -wird. Dies und noch einige andere Rücksichten ließen es mir nicht -nur zweckmäßig, sondern auch nothwendig erscheinen, mit den dortigen -Häuptlingen eine Aussprache zu halten. - -Ebon ist Hauptsitz der in diesem Theil des Stillen Oceans thätigen -amerikanischen Missionsgesellschaft. Diese Missionare säen hier -vornehmlich nur Unfrieden, um ihre eigene Macht zu verstärken, suchen -das Ansehen der Häuptlinge zu erschüttern und verlangen nur Gehorsam -für sich. Auch sollen sie daran arbeiten, diese Inseln zu einer Republik -zu machen, um sie dann ganz in ihre Hände zu bekommen und demnächst dem -Protectorat der Vereinigten Staaten zu unterstellen. Sollte dieser Versuch -glücken, dann wäre all die bisher auf diese Insel verwendete deutsche -Arbeit verloren. An der Hand unserer Uebereinkunft mußte ich demnach -versuchen, diesen Bestrebungen ein Ziel zu setzen. In Uebereinstimmung -mit dem Vorstehenden war mir auch mitgetheilt worden, daß die Häuptlinge -Ebons danach strebten, sich von der Oberhoheit Lebon’s und Letabalin’s -loszumachen. Schließlich schuldeten einige Häuptlinge den Deutschen -größere Summen, können bezahlen, wollen aber nicht, auch hat ein dortiger -Häuptling einen deutschen Agenten zweimal mit dem Tode bedroht. Das alles -klingt nun so, als ob man viel Zeit zur Erledigung gebrauche, hier in der -Südsee werden derartige Sachen aber auf so einfache Weise erledigt, daß -ich von vornherein nur wenige Stunden für diese Geschäfte ansetzte und von -einem Verankern des Schiffes absah. Allerdings gehört zu derartigem kurzen -Verfahren, daß man die richtigen Leute zur Hand hat; ich hatte deshalb von -Jaluit aus Letabalin, welcher als der größte Grundbesitzer auf Ebon und -Sohn des frühern hier residirt habenden Königs der angesehenste Häuptling -dieser Insel ist, mit einigen Dienern mitgenommen; ferner begleitete -mich von Jaluit aus ein in deutschen Diensten stehender Engländer als -Dolmetscher, welcher, schon lange auf diesen Inseln wohnhaft, als der -beste Sprachkenner gilt und die Häuptlinge sämmtlich von Person kennt. - -Am 2. December vormittags 11 Uhr drehte ich das Schiff vor der Einfahrt -zur Lagune von Ebon bei und fuhr mit dem Consul und Letabalin an Land; -zwei armirte Boote folgten uns. Auf dem Wege dahin passirte uns ein -nach dem Schiffe fahrender Missionar, welcher sich uns nicht anschloß, -sondern seinen Weg fortsetzte, wahrscheinlich in dem Wahn, daß wir ohne -ihn als Uebersetzer doch nichts anfangen könnten. An Land gekommen, -lagerten wir uns in dem Schatten der Bäume, die Bootsmannschaften bei -ihren zusammengestellten Gewehren, um die Ankunft der Häuptlinge, nach -welchen der Dolmetscher geschickt hatte, abzuwarten. Die Leute waren -auffallend schnell zusammengerufen, denn nach einer halben Stunde schon -wurde gemeldet, daß sie vollzählig versammelt seien; es waren 15-20 -meistentheils junge Männer in Hosen und bunten Hemden, welche dicht bei -uns stehend uns sowol, wie ihren in feinem schwarzen Anzug steckenden -Stammesgenossen Letabalin scheu und mit unsteten Blicken musterten. Daß -es etwas geben würde, konnte ihnen umsoweniger zweifelhaft erscheinen, -als inzwischen auch der mehrfach mit dem Tode bedrohte deutsche Agent -angekommen war und der alte Mann denjenigen, welcher ihn bedroht -hatte, nicht aus den Augen ließ. Die Häuptlinge mußten sich nun vor -uns aufstellen; ihnen gegenüber traten, uns in die Mitte nehmend, die -Bootsmannschaften mit Gewehr bei Fuß und aufgepflanztem Bajonett an. -Zunächst wurde bekannt gegeben, daß jeder Mord an einem Deutschen dem -Thäter den Kopf kosten, wie jeder Mordversuch und darauf hinzielende -Drohung streng bestraft würde. Als dann der betreffende Häuptling -vortreten mußte, riefen mehrere aus der Versammlung, daß sie nicht kämpfen -wollten, was in der wortarmen Sprache gleichbedeutend mit Unterwerfung -ist. Demnächst wurde den Schuldnern nach Aufruf ihrer Namen aufgegeben, -baldigst ihre Schulden zu bezahlen. Den Schluß unserer Ansprache bildete -die Mittheilung von der in Jaluit abgeschlossenen Uebereinkunft; dieselbe -wurde im Beisein des inzwischen auch hinzugekommenen amerikanischen -Missionars vorgelesen und mit dem Bedeuten erklärt, daß die Leute von -Ebon nunmehr ebenfalls nach derselben zu handeln hätten. Die Mannschaften -präsentirten das Gewehr; der Missionar wußte, nach seinem Gesicht zu -urtheilen, nicht, ob er wache oder träume; die Eingeborenen, vorläufig -unfähig all das zu begreifen, was ihnen in der kurzen Zeit mitgetheilt -worden war, sahen sich gegenseitig dumm an, und wir gingen für kurze -Zeit nach dem in der Nähe befindlichen Hause des deutschen Agenten, wo -sich auch der Missionar, welchem wir eine langentbehrte Post mitgebracht -hatten, gute Miene zum bösen Spiel machend, einstellte. Nachdem ich noch -einige hundert Kokosnüsse für meine Mannschaft gekauft hatte, verließen -wir wieder den Strand von Ebon unter den freundlichen Grimassen seiner -Bewohner, welche auf alle erdenkliche Weise versuchten, ihrer Freundschaft -für uns Ausdruck zu geben. Wir hatten natürlich die von Jaluit aus -mitgenommenen Personen in Ebon zurückgelassen und kehrten so früh zum -Schiffe zurück, daß die „Ariadne“ um 1½ Uhr schon ihren Curs nach dem -Westen weiter verfolgen konnte. - -So sind wir denn jetzt auf dem Wege nach Neu-Britannien und zu den -Menschenfressern, wo ich in etwa sechs Tagen einzutreffen hoffe. - - - - -13. - -Im Bismarck-Archipel.[D] - - - 22. December 1878. - -Nicht drei Wochen liegen zwischen heute und dem vorstehenden Bericht -über meinen Besuch der Marshall-Inseln und was hat sich in diese kurze -Spanne Zeit nicht zusammengedrängt? Wenn ich diese letzten Wochen an -meinem Geiste vorüberziehen lasse, dann scheint es mir kaum faßlich, -daß diese Zeit so vielerlei in sich bergen kann, theilweise selbst -heraufbeschworene Ereignisse, welche den Fernerstehenden kaum berühren, -für den verantwortlichen Commandanten eines Kriegsschiffes aber doch von -Bedeutung sind. - - [D] Die Bezeichnung „Bismarck-Archipel“ ist erst nach der - Zeit, wo die hier geschilderte Reise stattfand, eingeführt - worden; da der Name aber officiell angenommen, so wähle ich - denselben für diese Ueberschrift. Die Namen der in diesem - Kapitel genannten Inseln sind seitdem auch verändert, und - zwar: Neu-Irland = Neu-Mecklenburg; Duke of York-Gruppe = - Neu-Lauenburg; Neu-Britannien = Neu-Pommern. - -Die Fahrt von den Marshall-Inseln bis zum südlichsten Cap von Neu-Irland -ist charakteristisch durch Windstillen und sonniges heißes Wetter, sodaß -trotz des mir gebliebenen nur geringen Kohlenvorraths und trotz der -herrschenden Hitze häufig die Maschinenkraft des Schiffes herangezogen -werden mußte, um das Reiseprogramm einhalten zu können. Das wenig -befahrene Fahrwasser scheint zwar frei von Untiefen zu sein, der Schein -allein kann aber natürlich die Sorgen eines Commandanten nicht bannen, -welche gewissermaßen ihre Berechtigung finden, als die ersten in Sicht -kommenden, zur Salomons-Gruppe gehörigen kleinen Inseln sich als in der -Karte falsch liegend erweisen. - -Am 9. December wird die in Sicht befindliche Insel Bougainville (die -nördlichste der Salomons-Gruppe) auf 28 Seemeilen Distanz, auf geringere -Entfernung die östlich von Neu-Irland liegende kleine Insel Sir Charles -Hardy passirt; am 10. December morgens gegen 8 Uhr kommt die Südküste der -Insel Neu-Irland mit dem südlichsten Cap St.-George in Sicht. Soll das -Schiff noch vor Dunkelwerden den nächsten Bestimmungsort erreichen, dann -muß die Fahrgeschwindigkeit wesentlich erhöht werden; ein Ueberschlag -des noch vorhandenen Kohlenvorraths ergibt, daß derselbe bei einer -Geschwindigkeit von 9 Knoten noch für 15 Stunden ausreicht, es wird daher -zu den beiden im Betrieb befindlichen Kesseln ein dritter hinzugenommen, -um diese Geschwindigkeit aufnehmen zu können. - -Das hohe, dichtbewaldete Gebirgsland tritt bald aus dem leichten -Nebelschleier, von welchem es umgeben ist, hervor; die tiefer liegenden -Gebirgsrücken und Thalsenkungen heben sich plastisch von dem Hauptlande -ab; neues, theilweise wild zerrissenes Land mit malerischen Vorsprüngen -und tiefen Einbuchtungen, sowie kleine vor dem Hauptlande liegende -wunderlich geformte Inseln steigen langsam über den Horizont, um das -dem schnell vorwärts strebenden Schiffe näher rückende Panorama zu einem -Bilde zu vervollständigen, welches in Bezug auf Farbeneffecte und reichen -Wechsel der Scenerie den Anspruch auf große und seltene Schönheit erheben -darf. - -Die auf die Süd- und die Westküste Neu-Irlands Bezug habende Karte kann -als gut und ziemlich genau angenommen werden; die dort verzeichneten -Wassertiefen gestatten dicht unter dem Lande vorbeizulaufen, der Curs -wird daher so gesetzt, daß „Ariadne“, das Cap auf eine halbe Seemeile -Entfernung passirend, um 11 Uhr vormittags in den St.-George-Kanal, die -zwischen Neu-Irland und Neu-Britannien liegende Wasserstraße, einsteuert -und uns damit den ersten Blick auf das letztgenannte Inselland, welches -nebelgrau gefärbt noch in weiter Ferne liegt, eröffnet. Die jetzt -vor uns liegende Westküste Neu-Irlands bietet dem Auge ebenso viel -Schönheiten, wie die eben verlassene andere Seite es that, und da die -Richtung der Uferlinie für längere Zeit mit der Cursrichtung des Schiffes -übereinstimmt, so liegt es auf der Hand, daß das Schiff dicht unter -dem Lande gehalten wird, um unserer Neugierde Befriedigung und unsern -Augen einen wohlthuenden Ruhepunkt zu verschaffen, denn die von uns nun -befahrene große Wasserstraße ist zur Zeit geradezu fürchterlich. Ueber uns -steht eine schillernde Dunstmasse, wie sie sehr heißer Luft eigen ist, -welche dem wolkenlosen Himmelsgewölbe eine ebensolche graublaue Färbung -gibt, wie die unter Windstille liegende wellenlose, ganz spiegelglatte -Flut sie nach oben ausstrahlt. Die Luft blendet, das Wasser blendet; das -Auge findet nach vorn und nach links überall dieselbe Farbe, denselben -grellen Schein, überall gleich grobe Zurückweisung bei einer Temperatur -von 29° C. im Schatten. Da ist nun die zu unserer Rechten liegende, in -saftigem Grün prangende hohe Bergwand mit ihren reichen Naturschönheiten -eine wahre Erquickung für den Beobachter, welcher vielleicht, während -seine Augen hier auf einem von der Natur überreich beschenkten und von den -passionirtesten Menschenfressern bewohnten Lande ruhen, in Wirklichkeit -mit seinen Gedanken in der fernen Heimat weilt auf traurigen Sanddünen, -die durch die Erinnerung an die Kindheit und die dort zurückgelassenen -lieben Menschen doch von süßem Zauber umweht werden. Solche Träumereien -passen vortrefflich zu der herrschenden Stille, zu dem unter der heißen -Mittagssonne liegenden scheinbar schlafenden Lande, wo weder menschliches -Leben, noch solches in der Natur sich regt, wo nicht einmal die Steine -des Strandes von dem sie berührenden Wasser umspielt werden. - -Um 1 Uhr ist das Schiff nicht mehr weit von demjenigen Cap entfernt, von -welchem aus der Curs nach der Mitte der Straße gerichtet werden muß, und -wir glauben schon diese Küste wieder verlassen zu müssen, ohne etwas von -ihren Bewohnern gesehen zu haben. Da treten in der letzten, dicht vor -jenem Cap liegenden kleinen Bucht aus dem Gebüsch am Strande einige Hütten -hervor und zwei Kanus setzen vom Lande ab, um dem Schiff entgegenzufahren. -Die „Ariadne“ geht näher heran, passirt kurze Zeit darauf die beiden -Fahrzeuge, deren nackte Insassen durch lautes Geschrei und Vorzeigung -eines Stücks Papier (wahrscheinlich die Bescheinigung eines früher hier -gewesenen Schiffes, daß die Leute den Ankerplatz zu zeigen wissen) das -Schiff zum Stoppen zu bewegen suchen. Dicht am Lande wird die Maschine für -kurze Zeit zum Stillstand gebracht, um die wenigen am Strande befindlichen -Menschen durch das Fernrohr zu mustern, und dann geht es weiter nach Duke -of York. Da die Leute hier demselben Menschenschlag wie auf dieser Insel -und Neu-Britannien angehören, so sehe ich vorläufig von ihrer Beschreibung -noch ab, nur sei erwähnt, daß die Weiber hier nicht, wie sonst berichtet -wird, ganz nackt gehen, sondern einen handgroßen Laubbüschel als Schürze -tragen. - -Im Laufe des Nachmittags treten in erst schwachen, dann schärfern Umrissen -die schön geformten Vulkane, welche, dicht bei den Duke of York-Inseln -liegend, die zu Neu-Britannien gehörige Blanche-Bai im Norden begrenzen, -aus dem Dunst hervor. Sichtbar sind nur die Mutter und eine Tochter. -Die zweite Tochter, welche mit ihren kräftigen Ausbrüchen im Februar -1878 die ganze Umgegend in Unruhe versetzte und lange Zeit in Unruhe -hielt, eine neue Insel über das Wasser hob und stellenweise durch Hebung -des Meeresbodens die Wassertiefen verringerte, welche mit dem von ihr -ausgespieenen Bimsstein den St.-George-Kanal mit einer mehrere Fuß dicken -Schicht bedeckte, zu deren Beseitigung Wochen und Monate gehörten, bis -die Meeresströmungen diese Massen vertheilt und weit weggeführt hatten, -wie wir ja auch bei den Ellice-Inseln sahen -- diese interessante zweite -Tochter ist wegen ihrer geringen Höhe und versteckten Lage noch nicht -zu sehen. In der Mitte der Straße steigen Laubkronen über den Horizont, -welche das baldige Insichtkommen der nur 100 m hohen York-Inseln anmelden. - -Hier ist nun vielleicht der Platz, wo zum spätern bessern Verständniß -einige allgemein gehaltene Bemerkungen über die Inselgruppe angebracht -sind. - -Soweit bekannt, ist ein englischer Seefahrer Carteret (1767) der -Entdecker, welcher die Gruppe für nur eine Insel ansah und ihr den Namen -Duke of York-Island beilegte, ein Name, welcher sich zwar bisjetzt -erhalten hat, in der Folge aber jedenfalls wieder der Vergessenheit -anheimfallen wird, da die Eingeborenen eigene Bezeichnungen haben, welche -naturgemäß wieder in ihr Recht eintreten müssen. Die nächste Nachricht -stammt von einem Engländer Hunter vom Jahre 1791, welcher eine kleine -Bucht vermessen und nach sich benannt hat, auch eine längere Beschreibung -der Insel gab. Auffallend ist, daß dieser Mann, welcher längere Zeit in -Port-Hunter gelegen haben muß, sich keine eingehendere Kenntniß von dem -trefflichen Makada-Hafen, von welchem er nur durch einen etwa 200 Schritt -breiten Landstreifen getrennt war, verschafft hat, da er eine Karte -von der Insel gibt, in welcher er die Ufer dieses letztern Hafens genau -bestimmt haben will, die aber ganz unrichtig sind. Hiernach läßt sich denn -auch der Werth seiner übrigen Angaben ermessen. Hier verweise ich nun auf -die umstehende Uebersichtskarte, welche nach den Aufnahmen von deutschen -Schiffskapitänen aus den letzten Jahren entworfen ein ziemlich richtiges -Bild gibt, unter der aber auch zur Vergleichung eine Darstellung des -St.-George-Kanals nach der neuesten englischen Admiralitätskarte beigefügt -ist, welche die Inselgruppe noch als eine Insel und wahrscheinlich in den -von Hunter mitgetheilten Umrissen wiedergibt. Ein oberflächlicher Blick -auf diese beiden Karten ist eine Erzählung für sich, welche berichtet, -wie selten fremde Schiffe hierhergekommen und wie oberflächlich deren -Besuch gewesen sein muß, wie abgeschlossen die Eingeborenen von fremdem -Wesen geblieben sind. Neu-Irland und Neu-Britannien wurden besucht und -theilweise vermessen, Duke of York aber nicht. - -Auch unsere „Gazelle“, welche vor wenigen Jahren zur Rechten und zur -Linken sich um die Vermessung der Küsten Neu-Irlands und Neu-Britanniens -so verdient gemacht hat, mied das inmitten der Straße liegende Kleinod, -welches mit zwei vorzüglichen Häfen den Schlüssel zur Straße bildet und -der gegebene Platz für die Residenz dieses großen Inselreichs ist, wenn -die großen Nachbarinseln im Laufe der Zeiten einmal zu einem einzigen -Reiche verschmolzen werden sollten. (Die beiden Häfen waren von Engländern -vor wenigen Jahren Fergusson-Harbour und Port-Wesley getauft worden, -ich habe ihnen indeß ihre richtigen Namen wieder zurückgegeben; wodurch -ich das Recht dazu erhielt, wird der weitere Verlauf meiner Darstellung -ergeben.) - -Die Duke of York-Gruppe ist schon jetzt der Centralpunkt des Handels, -welcher sich in den letzten Jahren hier entwickelt hat. Derselbe befindet -sich in den Händen zweier deutscher Häuser, diese sind die Handels- und -Plantagengesellschaft auf Samoa, vormals J. C. Godeffroy, und die Brüder -Hernsheim, welche mit großer Energie und Ausdauer Verbindungen mit diesem -gefürchteten Menschenschlage anknüpften, sich durch immer wiederkehrende -Brandlegungen und Ermordung eines Handelsagenten nicht abschrecken -ließen, sondern ausdauerten und jetzt, soweit eine richtige Beurtheilung -möglich ist, endgültig gesiegt haben, allerdings schließlich mit Hülfe -der Kriegsmarine, deren Unterstützung ihnen vorher gefehlt hatte. Die -deutschen Kaufleute haben auch hier, wie schon an manch anderm Platze, -den Missionaren den Weg geebnet und diesen das Eindringen überhaupt -erst möglich gemacht. Nicht die Missionare sind in diesen Gegenden die -Mauerbrecher, wie sie mit ihren pomphaften Veröffentlichungen das Publikum -glauben machen, sondern der Handel ist es, welcher zur Fernhaltung der -Concurrenz in aller Stille arbeiten muß. Ehe die Verhältnisse auf dieser -Gruppe, wie auf der großen Nachbarinsel Neu-Britannien, den jetzigen -verhältnißmäßig geordneten Stand erreichen konnten, ist allerdings manches -Blut geflossen. Die hiesigen Handelsagenten sind keine schmächtigen -Jünglinge, welche den ganzen Tag hinter dem Schreibtisch sitzen, -sondern wetterfeste und verwegene Männer, die, zum größten Theil aus dem -Seemannsstande hervorgegangen, besser mit dem Revolver und dem Messer, -als wie mit der Feder umzugehen wissen -- Leute, die selten im Hause sind -und auf beschwerlicher Reise von einem Platz zum andern, von einer Insel -zur andern den größten Theil des Jahres in kleinen Fahrzeugen und offenen -Booten zubringen -- Leute, die ihre persönliche Sicherheit in der eigenen -Hand halten und daher, wenn es gilt, nicht nur ihr Leben zu vertheidigen -haben, sondern zur Sicherung ihrer Stellung auch unter Umständen zum -Angriff übergehen müssen, da keine Behörde zur Stelle ist, welche ihnen -Schutz gewähren könnte; sie müssen leben wie der Volksstamm, auf dessen -Grund und Boden sie sich befinden, d. h. jeder hat für sich selbst zu -sorgen und darf nie ohne Waffe sein; wer sich nicht selbst schützen kann, -wird von dem andern vernichtet. Einige Beispiele aus dem hiesigen Leben -werden das Vorstehende am besten illustriren. - -An der Nordküste Neu-Britanniens erschießt vor zwei Jahren ein Engländer, -Agent eines deutschen Hauses, den Hund eines Eingeborenen, wofür die -Eingeborenen ihm sein Haus anstecken und dann ihn selbst erschlagen. -Der Kapitän eines in der Nähe befindlichen zu demselben Hause gehörigen -deutschen Kauffahrteischiffes verbindet sich darauf mit einem an derselben -Küste seßhaften ihm befreundeten Stamme und unternimmt gegen die Mörder -einen Kriegszug, welcher mit der Besiegung derselben endet, nachdem auf -beiden Seiten mehrere Eingeborene gefallen waren. Der Schiffskapitän -konnte allerdings seinen Sieg nicht zu einer exemplarischen Bestrafung -der Mörder ausnutzen, da seine Macht dafür zu gering war, sondern mußte -sich mit dem ihm gebotenen Strafgelde von einigen hundert Faden (je 6 Fuß) -Muschelgeld und der Genugthuung begnügen, daß der seitdem an derselben -Stelle wieder eingesetzte neue Agent unbehelligt gelassen wird. Aus diesem -Kriegszuge stammen auch die mir von demselben Kapitän gemachten, später -noch anzuführenden Angaben über die Zubereitung von Menschenfleisch, da -die Gefallenen nicht begraben, sondern gegessen wurden. - -Ein zweiter Fall. Ende vorigen Jahres schloß der Steuermann eines im -Meokohafen liegenden deutschen Schiffes mit einem Häuptling der kleinen -Insel Meoko ein Kaufgeschäft ab und entrichtete den Kaufpreis im voraus. -Als er dann das Kaufobject fordert, wird ihm dasselbe vorenthalten -und hieraus entspinnt sich ein Streit, welcher in einen allgemeinen -ernsten Conflict ausartet. Die Eingeborenen machen von ihren Waffen -Gebrauch, die Europäer (darunter ein deutscher Naturforscher mit Frau) -begaben sich alle auf das Schiff, die Eingeborenen machen einen Angriff -auf dasselbe, werden blutig zurückgewiesen, an Land verfolgt und dort -besiegt. Der Kriegszustand währte mehrere Tage, während welcher vielfach -unterhandelt wurde, ohne zu einem Resultat kommen zu können. Der Kapitän -hatte diese Zeit auch dazu benutzt, um den in Port-Hunter residirenden -englischen Missionar, welcher über eine große Zahl Männer (samoanische -und fidjianische Missionslehrer) verfügt, um Beistand zu bitten, wurde -indeß mit der Antwort zurückgewiesen, daß die Waffen des Missionars nur -geistige seien. Denselben Standpunkt nahm auch die in Sydney befindliche -oberste Missionsbehörde der Wesleyaner ein und äußerte sich nach -Empfang der Berichte von der Station in Port-Hunter in einer keineswegs -anerkennenden Weise über die deutschen Barbaren. Hätte der englische -Missionar in Port-Hunter allerdings damals geahnt, welche Schritte er -wenige Wochen später ergreifen und wie er den zurückgewiesenen deutschen -Kapitän nun selbst um Beistand anrufen würde, dann hätte er jedenfalls -anders gehandelt und anders berichtet; hätte die Missionsgesellschaft -in Sydney geahnt, welche Berichte ihr wenige Wochen später von ihrer -Station in Port-Hunter in Aussicht standen, dann hätte sie gewiß klug -geschwiegen. Eigene Schicksalsfügung war es, daß gerade derselbe, -von den englischen Missionaren so hart angegriffene deutsche Kapitän -während meiner Anwesenheit in Sydney dahin die erste Nachricht von dem -Kriegszug des englischen Missionars Brown gegen die Eingeborenen von -Neu-Britannien bringen mußte, und zwar die eigenen Berichte des genannten -Missionars, nach welchen über 150 Eingeborene gefallen waren, während in -dem Scharmützel des deutschen Schiffes nur 5 oder 6 Eingeborene das Leben -verloren hatten. Nun war natürlich die Noth groß, denn da die Missionare -die Handlungsweise des deutschen Kapitäns so hart verdammt hatten, konnten -sie ihren Bruder nicht in Schutz nehmen, sondern mußten über ihn in -derselbe Weise abfällig urtheilen, was sie denn auch mit solchem Erfolg -gethan haben, daß der Gouverneur von Fidji die Sache in die Hand nehmen -mußte, und nach allgemeiner Ansicht in Levuka wird der Missionar Brown mit -mindestens fünf Jahren Gefängniß bestraft werden. Eigene Schicksalsfügung -ist es wiederum, daß der Commandant eines deutschen Kriegsschiffes trotz -der allgemein gegen Brown sprechenden öffentlichen Meinung der Erste ist, -welcher diesem braven Manne die rettende Hand reicht, denn ich hoffe -sicher, daß die von mir zu seinem Schutz ergriffenen Maßnahmen ihn vor -der drohenden Schande bewahren werden. - -Dieser letzte und bedeutendste blutige Conflict fand im Februar 1878 -statt. Die Entwickelung der Sache war die folgende. - -Die englische Mission ward damals gebildet von dem Missionar Mr. Brown -und etwa 80 Samoanern und Fidji-Leuten, welche, in den Missionsschulen -als Lehrer ausgebildet, vorzugsweise dazu bestimmt sind, die vorbereitende -Arbeit des Missionars zu übernehmen, d. h. die Heiden mit dem Inhalt der -Bibel bekannt zu machen und später dann den Schulunterricht der Kinder -zu überwachen. Ohne diese Leute würde in diesen Gegenden überhaupt -nichts zu machen sein, da die Entsendungs- und Unterhaltungskosten für -europäische Geistliche ungeheuere Summen verschlingen würden, wenn solche -Persönlichkeiten überhaupt in genügender Zahl gefunden würden, während -die polynesischen sogenannten Missionslehrer wie die Eingeborenen leben, -mit einer kleinen Hütte und derjenigen Nahrung zufrieden sind, welche -sie sich selbst von den Bäumen oder aus dem Wasser holen. Von diesen -Missionslehrern, deren größter Theil sich bei Mr. Brown aufhält und -gewissermaßen dessen Leibgarde bildet, war ein Theil in verschiedenen -Plätzen der Duke of York-Gruppe untergebracht, vier derselben waren -nach Neu-Britannien geschickt, um dort die ersten Bekehrungsversuche zu -machen. Ob nun die Leute mit den Eingeborenen Neu-Britanniens in Streit -gerathen sind, oder ob die letztern den Anblick so vortrefflichen Wildes -nicht länger ertragen und schließlich ihre Gier nach dem begehrten -Menschenfleisch nicht mehr zügeln konnten, ist wol nicht aufgeklärt. -Thatsache ist, daß eines Tages die Nachricht von der erfolgten Verspeisung -der vier Missionslehrer durch neubritannische Eingeborene auf Duke of York -anlangte. - -Hier will ich gleich einschalten, daß nach allen mir zugegangenen -Nachrichten die Menschenfresser in diesem Theil der Erde sich aus weißem -Menschenfleisch nichts machen, sondern nur braunes Fleisch gern essen. -Sie sagen, daß das Fleisch der Weißen zu salzig sei, und dies legt die -Vermuthung nahe, daß die großen Quantitäten Salz, welche wir fortwährend -verzehren, sich dem Blut und Fleisch so sehr mittheilen, daß wir -gewissermaßen lebendig gepökelt sind. Da nun die Wilden das Salz gar nicht -kennen, so erscheint es erklärlich, daß sie ihre süßen braunen Brüder den -salzigen weißen Fremdlingen vorziehen. - -Die Nachricht von dem traurigen und schmählichen Ende der vier Polynesier -versetzte naturgemäß die ganze Fremdencolonie in die größte Aufregung; -die braunen Mitglieder riefen nach Rache und verlangten harte Züchtigung -der entmenschten Mörder; die Weißen mußten sich sagen, daß diesem blutigen -Vorspiel in kürzester Zeit eine allgemeine Niedermetzelung folgen würde, -wenn nicht der Schandthat eine gehörige Züchtigung auf dem Fuße folge, -welche mit ihren Schrecken den ganzen Volksstamm in die größte Furcht vor -den Fremden versetze. Es herrschte daher nur die eine Ansicht, daß alle -Fremden einen Kriegszug gegen die Menschenfresser unternehmen mußten, und -an Mr. Brown wurde die Forderung gestellt, die Führung zu übernehmen. Der -Geistliche glaubte mit Rücksicht auf seinen Stand von einem derartigen -Beginnen abrathen und die Führerschaft ablehnen zu müssen, ob aus -Ueberzeugung, oder nur um sich zu der Führerschaft zwingen zu lassen, ist -allerdings eine offene Frage. Jedenfalls stimmte dieser Herr in einer -Unterhaltung mit mir darin überein, daß diese Wilden nur durch blutige -Rache zu züchtigen und in dem erforderlichen Respect zu erhalten seien, -und daß unzureichende Maßregeln, wie Tödtung einiger Wenigen, wie dies so -vielfach für das Richtige gehalten wird, eher schade wie nütze. Ergreift -man erst die Waffen, dann müssen bei dem ersten Zusammenstoß so viele wie -möglich fallen, da nur dadurch der klare Beweis der wirklichen Stärke -und Macht nachhaltig bewiesen wird. Auch muß man hier mit in Betracht -ziehen, wie wenig bei diesen Leuten ein Menschenleben gilt und daß nur die -Masse der Opfer einen tiefern Eindruck macht. Bei der Auseinandersetzung, -welche ich mit Herrn Brown über diesen Fall hatte, gab er mir nun folgende -Rechtfertigung über sein damaliges Verhalten und will ich ihn selbst -sprechen lassen: - -„Als von mir die Führung des Unternehmens gefordert wurde, war ich in -einer verzweifelten Lage. Meine innerste Ueberzeugung sagte mir, daß -unser aller Leben nur noch auf wenige Tage zu veranschlagen war, wenn der -geplante Rachezug unterblieb; mein geistlicher Stand zwang mich, nicht -nur die Führung abzulehnen, sondern auch mit meinem ganzen Einfluß gegen -das Unternehmen aufzutreten. Doch ich mußte mir sagen, daß an die hiesigen -Verhältnisse ein besonderer Maßstab anzulegen sei, und so gab ich zunächst -meinen Widerstand gegen das Unternehmen selbst auf. Bei Erwägung der -Frage, inwieweit ich mich persönlich betheiligen solle, traten nun Momente -auf, welche mir keine Wahl ließen. Es war zweifellos, daß ich der einzige -Mann war, welcher von allen Betheiligten Gehorsam erwarten, daher auch -der einzige war, welcher die nothwendige Ordnung aufrecht erhalten konnte. -Ferner war als sicher anzunehmen, daß sämmtliche Betheiligte den Charakter -von Würgengeln annehmen und kein Ende im Morden und Brennen finden würden, -und daß sie dadurch den Nutzen des ersten Erfolgs wieder aufs Spiel setzen -und das ganze Volk zum Aufstand bringen und uns allen sichern Untergang -bereiten würden. Auch durfte ich nicht außer Betracht lassen, daß mein -Zurückbleiben mir als persönliche Feigheit vorgeworfen würde, womit der -Verlust meiner eigenen Position und der der ganzen Mission verbunden war. -So entschloß ich mich denn mit schwerem Herzen das mir angetragene Amt -zu übernehmen, aber nur um die Leidenschaften der kaum zu bändigenden -Truppe zu zügeln und unnöthigem Blutvergießen vorzubeugen. Wenn nachher -auch für die vier Missionslehrer etwa 150 Neubritannier ihr Leben haben -lassen müssen, so bleibt mir doch die Genugthuung, daß ich schließlich dem -Blutvergießen Einhalt thun konnte und damit ermöglichte, daß neben der -Sicherheit, welche wir für unser Leben und Gut erkämpft haben, wir auch -jetzt mit unsern damaligen Feinden in bester Freundschaft leben.“ - -Wie aus dem Vorstehenden schon erhellt, wurde der geplante Zug nach -Neu-Britannien unternommen und zwar mit etwa 80 Mann unter der Führung -von Mr. Brown, während ungefähr 20 Männer in Duke of York zurückblieben, -um die dort zurückgelassenen Frauen und Kinder zu beschützen. In -Neu-Britannien angelangt, wurde sofort der Kampf begonnen, die -Eingeborenen wurden weit in das Innere verfolgt und vollständig besiegt, -nachdem sie etwa 150 Mann verloren hatten; auch wurde ihnen die noch -in ihrer Gewalt und am Leben befindliche Frau eines aufgefressenen -samoanischen Missionslehrers wieder abgejagt. Für dieses arme Geschöpf -wäre es auch besser gewesen, sie hätte vorher den Tod gefunden, denn die -wenigen Tage hatten sie wahnsinnig gemacht. - -Dies waren die drei in der letzten Zeit vorgekommenen blutigen Conflicte, -welche nach Ansicht der dort lebenden Weißen zunächst Sicherheit für -Leben und Eigenthum geschaffen hatten. Meine Aufgabe war es nun, die -bereits errungenen Erfolge nach Möglichkeit zu sichern, den Eingeborenen -die Macht eines Kriegsschiffes vor Augen zu führen und ihnen damit -den Beweis zu liefern, auf welch mächtigen Schutz die Weißen unter -allen Umständen rechnen können. Hierzu war es aber nöthig, daß ich mit -den Menschenfressern in nähere Berührung trat, daß ich sie in ihren -Niederlassungen aufsuchte, sie an Bord des Schiffes empfing, alle -vorliegenden Klagesachen durch Auferlegung von Strafen erledigte und durch -Feste einen engern Verkehr herbeiführte. Diesem Zwang muß ich es jetzt -nachträglich dankbar zuerkennen, daß ich mehr gesehen und gehört habe, als -ich vorher ahnte, und daß ich wol einen tiefern Einblick in die hiesigen -Verhältnisse erhalten habe, als irgendein Seefahrer vor mir. Es kam mir -allerdings zu statten, daß ich mir Herrn Brown verpflichtet hatte, sowie -daß mir zwei deutsche Herren zur Seite standen, welche durch jahrelangen -Aufenthalt hierselbst mit den Verhältnissen ebenso vertraut sind wie -Herr Brown. Ohne diese drei Herren würde ich wol sehr wenig erfahren und -dieses interessante Land mit seinen Leuten nicht kennen gelernt haben, -und wie nothwendig der directe Verkehr mit diesen Eingeborenen ist, wird -vielleicht das folgende Beispiel ergeben. - -Die „Gazelle“ war drei Jahre vor mir in Matupi (Neu-Britannien), hat dort -einige Tage gelegen und den Hafen vermessen. Das Eine, was die Leute von -ihr wußten, war, daß sie sich der Anwesenheit eines großen Schiffes mit -vielen Leuten entsannen, welches auch furchtbare Thiere an Bord hatte, -auf denen einzelne Leute ab und zu an Land kamen. An diesen furchtbaren -Thieren wurde von uns die „Gazelle“ erkannt, da sie von Timor einige -kleine Ponies mitgebracht hatte, welche zuweilen ausgeschifft und dann -auch zum Reiten benutzt wurden. Die Nationalität der „Gazelle“ kannten sie -ebenso wenig, wie das Erscheinen dieses Schiffes sie davon abhielt, einige -Zeit später in nächster Nähe eine deutsche Niederlassung niederzubrennen. -Die „Ariadne“ war nur einen Nachmittag in Matupi, wird aber sobald nicht -vergessen werden, da das Schiff vorher angemeldet war, sein Name wie seine -Nationalität bekannt ist und die sämmtlichen Einwohner von Matupi vor den -Offizieren und Mannschaften des Schiffes einen Tanz aufführten, zu welchem -schon vorher die Vorbereitungen getroffen waren; auch kam das Schiff -direct von dem vorhergenannten, nur wenige Seemeilen entfernten Platze, -wo die Eingeborenen wegen jener Brandlegung mit Erfolg zur Verantwortung -gezogen worden waren und ein nach dortigen Verhältnissen hohes Strafgeld -hatten erlegen müssen, welch letzteres von der „Ariadne“ in Matupi in dem -Hause eines deutschen Agenten deponirt wurde. - -Nach dieser Abschweifung will ich jetzt zu unsern eigenen Erlebnissen -zurückkehren und auf die S. 383 enthaltene Kartenskizze der Duke of -York-Inseln hinweisen. Schon im Laufe des Nachmittags wurde festgestellt, -daß das Schiff nicht mehr vor Eintritt der Dunkelheit das Reiseziel, -den Hafen von Makada (spr. Makadá), erreichen konnte; es wurde daher -beschlossen, für die Nacht den im Süden liegenden Hafen von Meoko -anzulaufen und dadurch das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden. -Wie vorher erwähnt, war dieser Hafen vor kurzem der Schauplatz eines -blutigen Conflicts zwischen Deutschen und Eingeborenen gewesen, es -war daher auf alle Fälle nothwendig diesen Platz zu besuchen; dann -war hier der Centralpunkt eines der beiden hier vertretenen deutschen -Kaufmannshäuser und nur von hier aus konnte ich mich mit einem deutschen -Schiffskapitän, dessen Gegenwart für die volle Ausnutzung der Anwesenheit -des Kriegsschiffes durchaus nothwendig war, in Verbindung setzen. -Schließlich hätte ein Verbleiben des Schiffes außerhalb des Hafens während -der Nacht mich gezwungen, die Nacht schlaflos zuzubringen, und es würde -mir dann am nächsten Tage die nothwendige Frische für die in Aussicht -stehenden Dienstgeschäfte gefehlt haben. So war es nicht schwer, den -Entschluß zu fassen, die Nacht in einem sichern Hafen vor dem Anker zu -verbringen. Kurz vor Sonnenuntergang stand das Schiff vor der Südküste -der York-Inseln, welche sich auch von hier aus dem Beobachter noch als -eine zusammenhängende Ländermasse zeigt. Für den Kenner dieses Landes -heben sich allerdings die im Süden liegenden schmalen und langgestreckten -niedrigen Inseln, welche unter sich wieder durch Korallenriffe verbunden -sind, scharf von der Hauptinsel Amakada (spr. Amakáda) ab, der Neuling -glaubt aber hier an der Südküste nur allmählich abfallendes Land zu sehen, -während die Ostküste der Hauptinsel senkrecht und steil aus dem Wasser -aufsteigt. - -Das vor uns liegende Bild ist, trotzdem ihm wirkliche Effecte fehlen, -dennoch schön. Die ein niedriges Hochplateau bildende Inselgruppe, welche -die Höhe von 100 m nicht übersteigt, macht, wie dies auch von frühern -Reisenden behauptet wird, unwillkürlich den Eindruck eines schönen -Gartens, trotzdem sie auf ihrem Rücken nur undurchdringlichen Urwald -trägt. Die zu unserer Rechten liegende steil aufsteigende Ostküste ist von -der niedrig stehenden Sonne schon in tiefe Schatten gelegt, zu unserer -Linken glänzt die Flut noch in dem prächtigsten Blau und sendet ihre -kleinen von der leichten Brise aufgewühlten Wellen gegen die Ufer der -Inseln, um dort auf den Korallenriffen zu überstürzen, als blendend weiße -Brandung nach der andern Seite hinüberzulaufen und dort Ruhe zu finden. -Innerhalb der Riffe segelt ein europäisches Boot und verschwindet bald -in dem Landeinschnitt zwischen Meoko und Utuan (spr. Utuán), wie wir -vermuthen um uns durch die eigentliche Hafeneinfahrt zur Leistung von -Lootsendiensten entgegenzukommen, da dies der kürzeste Weg ist. - -Der schmale Strand der niedrigen Insel Meoko wird von dem üppigen Laub -dichter Büsche und hochstämmiger mächtiger Bäume überschattet, Baumäste -und Schlingpflanzen neigen sich bis zum Wasserspiegel und bilden über dem -Strande einen natürlichen Laubengang. Hier und da zeigt sich eine Höhle -oder eine kleine malerische Schlucht, welche Kanus beherbergen und damit -anzeigen, daß die Insel bewohnt ist, wenngleich Menschen noch nicht zu -sehen sind; dieselben sind jedenfalls schon in ihren nach der andern Seite -zu gelegenen Hütten. - -Wir stehen dicht vor der Einfahrt; links liegt die niedrige Insel Meoko, -rechts die kleine hohe, steil abfallende Felseninsel Muarlin vor dem -Festlande, wie man hier wol die große Insel Amakada nennen kann. Bei der -vorgerückten Tageszeit scheint es mir nicht räthlich, auf die Ankunft des -Lootsen zu warten, auch haben wir eine anscheinend gute, erst im vorigen -Jahre von einem deutschen Schiffskapitän aufgenommene Karte in Händen, -welche ein tiefes klares Fahrwasser gerade in die Mitte der Einfahrt -legt. Ich neige mich allerdings dahin, das Schiff dicht an die hohe Insel -Muarlin zu steuern, weil das Wasser an felsigem Ufer in der Regel tiefer -ist, lasse mich aber von meinem Berather bewegen, die Karte als richtig -anzusehen und die Mitte des Fahrwassers zu halten, gebe indeß dem Schiffe -doch die geringst mögliche Fahrt. Nur wenige Minuten und von beiden Seiten -des Schiffes melden die Matrosen am Loth nur 4½ m Wasser. Das Schiff geht -5½ m tief und hat noch Vorwärtsbewegung, kann den Grund also noch nicht -berührt haben, ein Blick auf die frisch ausgeworfene Lothleine zeigt, daß -die Lothgänger die richtige Tiefe angegeben haben, wir befinden uns mitten -zwischen den Korallen. Was thun? „Zaudern“ ist ein Wort im Sprachschatze -der Seeleute, welches, wenn auch nicht immer, doch häufig gleichbedeutend -mit „Unfall“ und durch Zwang wie Gewöhnung dem Seemann abhanden gekommen -ist, der Entschluß ist daher schnell gefaßt. Das Schiff muß weiter gehen, -entweder um sich wie bis hierher zwischen den Untiefen durchzuschlängeln -oder vorn mit dem Steven auf dem Meeresgrund einen Stützpunkt zu finden -und dann schnell hinten durch einen Anker festgelegt zu werden, damit -die Strömung es nicht seitwärts auf die Korallen wirft und dadurch das -spätere Abbringen wesentlich erschwert wird. Ist das Schiff dann so erst -fixirt, dann kann man es wenigstens mit Hülfe von Ankern denselben Weg -wieder zurückholen, den es gekommen ist. Das Glück bleibt uns aber auch -hier wie bisher hold, das Wasser wird tiefer, die unheimlich dicht unter -der Wasseroberfläche uns anstarrenden Korallen verschwinden und wir können -in tiefem Wasser nahe an Muarlin heranlaufen, dort einen scharfen Bogen -schlagen und nach weitern wenigen Minuten vor der deutschen Factorei in -dem Augenblick ankern, wo das vorhergenannte Boot auch dort eintrifft. - -Unser Ankerplatz mit seiner Umgebung ist ein kleines Stück Paradies. -Rund eingeschlossen von hohem und dicht belaubtem Lande ist der schöne -sichere Hafen mit seinem wunderbar klaren Wasser, welches die Täuschung -hervorruft, als ob der Meeresboden handbreit unter dem Wasserspiegel -läge. Die Ufer des Landes werden stellenweise durch vorspringendes -Felsengestein und zurücktretende Meeresbuchten unterbrochen; hier -schiebt sich das Land dichter an uns heran, dort gestattet eine lange -Wasserstraße nach dem westlichen Ausgang eine größere Fernsicht. Auf -dem Lande stehen nicht nur Kokosnußbäume, sondern endlich auch einmal -wieder Laubhölzer, darunter mächtige Baumriesen mit bis zu 2 m dicken -Stämmen und diesen entsprechenden, nach unsern heimischen Begriffen -proportionalen Laubkronen. Die großen Blätter der Bananenstauden, die -saft- und kraftstrotzenden Sträucher, Schlingpflanzen, Gräser und Blumen, -die Vögel, summenden und zirpenden Insekten geben uns die Erinnerung -zurück, daß es auf der Erde auch noch etwas anderes gibt, als nur -Kokospalmen und immer wieder Kokospalmen. Die Wasseroberfläche im Hafen -ist spiegelglatt; draußen rauscht leise die schwache Brandung, als -ob sie mit der untergehenden Sonne, welche tiefer sinkend das vor uns -liegende Bild in die Schatten der Nacht legt, auch schlafen gehen wolle. -Wohnungen der Eingeborenen sind nicht zu sehen, aber einzelne Vertreter -dieser Rasse zeigen sich in ihrer classischen Nationaltracht, welche -nur im Färben der Kopf- und Körperhaare besteht, mit Speeren und Keulen -bewaffnet am Strande. Dicht vor uns, nur etwa 100 Schritte ab, führt -vom Strande ein sauber gehaltener und mit kleinen Steinen bestreuter -gerader Weg zu der deutschen Factorei, einem kleinen Holzbau mit daran -stoßendem steinernen Waarenhaus, das Ganze von einer steinernen Mauer -umwehrt. Der deutsche Agent kam an Bord, um sich vorzustellen und uns die -wenig angenehme Nachricht zu bringen, daß der in Diensten der Handels- -und Plantagengesellschaft stehende deutsche Schiffskapitän Levison, den -wir zur Ausführung unserer Pläne als Kenner der Landessprache und aller -einschlagenden Verhältnisse nicht entbehren konnten, mit seinem Schiff in -einem 30 Seemeilen entfernten Hafen läge und vorläufig nicht herzukommen -beabsichtige. Da andererseits ich ihn jetzt nicht aufsuchen konnte, -weil ganz bestimmte Aufträge mich nach Makada führten, wo ich einige -Eingeborene wegen Niederbrennung einer deutschen Station zur Verantwortung -ziehen sollte, so sprach ich den Entschluß aus, gleich am nächsten -Morgen nach Makada weiter zu gehen und die dortigen Geschäfte zuerst -zu erledigen. Bei der Besprechung, auf welche Weise Levison am besten -herzurufen sei, warf sich ein ebenfalls in deutschen Diensten stehender 60 -Jahre alter Engländer ins Mittel und erbot sich, obgleich er eben erst mit -seinem Boot von dem in Rede stehenden Hafen gekommen war, sofort wieder -abzufahren, mit seinen beiden Leuten (Eingeborenen) bei dem stillen Wetter -die 30 Seemeilen während der Nacht abzurudern und den Kapitän am nächsten -Vormittag mit frischen, von dessen Schiff genommenen Leuten zu uns nach -Makada zu bringen. Meinen Einwand, daß er dies bei seinem Alter, nachdem -er bereits den ganzen Tag der heißen Tropensonne ohne Sonnensegel und -Schirm ausgesetzt gewesen sei, wol nicht aushalten würde, wies er lächelnd -von der Hand, und so ließ ich ihn ziehen in der Ueberzeugung, daß er die -Aufgabe nicht lösen könne; aber er hat sie gelöst. Dieser Mann gab mir -auch wieder den Beweis, welchen ich nicht nur an verschiedenen Beispielen -hier in der Südsee, sondern auch an mir selbst wiederholt gefunden habe, -daß auch der Europäer außerordentlich widerstandsfähig gegen das Klima -ist, sofern er nur immer mäßig lebt. - -Obgleich es inzwischen dunkel geworden war und es vermuthlich an -Land auch nichts zu sehen gab, konnte ich dem Drang dahin doch nicht -widerstehen. Die Eingeborenen hatten es mir angethan, längst vergangene -Zeiten machten sich geltend und Anklänge an die Empfindungen, welche ich -als Kind beim Lesen der Indianer- und Wildengeschichten hatte, brachen -aus meinem Erinnerungsschatz hervor, als ich bei unserer Ankunft diese -chokoladenbraunen urwüchsigen Gestalten mit ihren phantastischen Waffen -am Strande sah. Ich fuhr daher noch für kurze Zeit an Land, um mir -wirkliche und leibhaftige Wilde und Menschenfresser aus nächster Nähe zu -betrachten, bei welcher Gelegenheit ich mir auch gleich durch Vermittelung -des deutschen Agenten einige Waffen direct aus den Händen der Wilden -eintauschte. Sehr verwundert war ich, nachher das Gewicht einer erworbenen -Streitaxt federleicht zu finden und zu erkennen, daß nicht nur der Stiel, -sondern auch die Axt selbst aus dem leichtesten Holz verfertigt war. -Später erst lernte ich die Bedeutung dieser Täuschung erkennen. - -Am folgenden Morgen fuhr ich mit Tagesanbruch an Land, um die Situation -des Hafens und des daran stoßenden Terrains in Ruhe zu besichtigen und -auf seinen Werth zu prüfen. Herr Weber, welcher sich bisher gewissermaßen -als unfehlbar erwiesen hatte, war mit dem Vorschlage hervorgetreten, -kurzer Hand die hier liegenden wichtigsten Häfen auf die eine oder -andere Weise für das Reich zu erwerben, weil ich nur dadurch meine -Absicht, die deutschen Interessen dauernd zu sichern, erreichen könne. -Ich hatte im Laufe der letzten Monate ja viel und reiflich über diese -Sache nachgedacht, mich aber noch nicht schlüssig gemacht; jetzt auf -diesem einsamen Spaziergang wollte ich zu einem Ende kommen. Bei meiner -Anwesenheit in Sydney, wie auch später in Levuka, hatte ich sowol aus dem -energischen Drängen aller Zeitungen, wie aus Gesprächen mit maßgebenden -und einflußreichen Personen ersehen, daß die Annectirung Neu-Guineas -durch England nur eine Frage der Zeit sein könne, und daß muthmaßlich -der Tag der Einverleibung sehr nahe liege. Weht aber erst die Flagge -Großbritanniens auf diesem Erdtheil, dann breitet sie sich wie unter -dem Einfluß des Windes auch über die großen Nachbarinseln Neu-Britannien -und Neu-Irland aus, um mit diesen werthvollen Ländermassen gleichzeitig -die Herrschaft über den St.-George-Kanal zu erhalten, welcher meines -Erachtens dermaleinst die Straße für den Dampferverkehr zwischen -Australien und China werden wird. Und dieser Möglichkeit mußte ich auf -alle Fälle zuvorzukommen suchen, damit das Deutsche Reich bei der nahe -bevorstehenden Theilung der Südsee unter die europäischen Staaten auch -ein Wort mitzureden hätte. - -Meine Gig fährt auf den Strand, ich springe, in der Hand einen Stock und -in der Tasche einen Revolver, an Land und das Boot geht in tieferes Wasser -zurück, um mir mit leichtem Ruderschlag auf Rufweite zu folgen. Lang -entbehrter Genuß, auf festem Boden ordentlich ausschreiten zu können und -noch dazu in so herrlicher Umgebung, an solch thaufrischem Morgen! - -Mein Weg führt dicht am Waldessaum entlang, auf schönem festen Sand, -nur wenige Schritte von dem Meeresufer entfernt. Eine leichte Brise -bringt angenehme Kühlung und spielt in dem leisen Rauschen der Blätter -das Präludium zu dem Concert, welches bald die erwachende Thierwelt -anstimmt. Hier und da treten eingeborene bewaffnete Männer einzeln oder -paarweise aus dem Busch, welche mich einsamen Wanderer neugierig und, -wie mir scheinen will, lüstern betrachten und dann weiter gehen, um, wie -das Gethier, am neuen Morgen ihrer Nahrung nachzugehen oder nur, ihren -dumpfigen Hütten entfliehend, unbewußt das köstliche Geschenk einzuathmen, -welches Gottes Gnade ihnen in dieser wunderherrlichen Natur beschert -hat. Unser Schiff liegt von hier aus versteckt; ob sie mich vielleicht -als jagdbares Wild ansehen und nur mein mit sechs Matrosen bemanntes -Boot sie zur Enthaltsamkeit veranlaßt? Vielleicht werden sie auch durch -hier am Strande liegende Brunnen -- in den Sand gegrabene Löcher, welche -süßes Wasser enthalten -- angelockt. Diesen Menschen kann man es beinahe -verzeihen, Menschenfresser zu sein, wenn man sie so in der Freiheit -sieht. Wenigstens auf mich machen sie den Eindruck von bewehrtem Edelwild, -obgleich ich kein Jäger bin. Liegt es in dem Gesichtsausdruck oder in der -Hautfarbe des nackten Körpers? In der scheuen Vorsicht ihrer Bewegungen -oder in der nie fehlenden Waffe, weil keiner dem andern traut, jeder -bereit ist, einem andern das Leben ebenso leicht zu nehmen, wie es ihm -genommen werden kann? Ich weiß es nicht, aber wahr ist es, daß man hier -verlernen kann, in dem „Mord aus Vergnügen“ noch ein Verbrechen zu sehen. -Wie gesagt, bewaffnet ist jeder, und hat er keinen Speer, keine Keule, -keine Axt, so hat er doch die wurffertige Steinschleuder in der Hand, -mit welcher er auf 30 Schritte und weiter seinen Gegner oder sein Opfer -sicher tödtet, oder durch einen Knochenbruch, bezw. eine lebensgefährliche -Verwundung in den Weichtheilen kampfunfähig macht. - -Ich umschreite eine kleine Meeresbucht, welche so tiefes Wasser hat, -daß große Schiffe hineinholen und direct an Land anlegen können, die -daher nach etwaiger Anlage einiger Werkstätten einen guten natürlichen -Platz für Schiffsreparaturen abgibt. Etwas weiter komme ich zu der am -Strande gelegenen Hütte eines samoanischen Missionslehrers, welcher mit -seiner auffallend hübschen Frau damit beschäftigt ist, in seinem Hause -Tag zu machen. Es war inzwischen, nachdem ich einen dreiviertelstündigen -Spaziergang hinter mir hatte, Zeit geworden, an Bord zurückzukehren, und -ich bestieg mein herangerufenes Boot mit dem Entschluß, nach Erledigung -meiner übrigen Geschäfte hierher zurückzukehren, um den Hafen auf -irgendeine Weise für uns zu sichern. - -Um 9½ Uhr waren wir wieder unter Dampf, um durch die westliche Passage auf -dem kürzesten Wege nach Makada zu gelangen. Die Karte gibt zwar für das -äußere Fahrwasser keine nähern Tiefenangaben, sondern sagt nur, daß alles -voller Korallenriffe mit genügend tiefen Rinnen zwischen den Korallen sei, -indeß war mir mitgetheilt worden, daß die Passage mit gutem Ausguck von -dem Mast aus vollständig sicher ist. Da wir nun an diese Art Seefahrt mit -der Zeit gewöhnt sind und die Meeresfläche infolge andauernder Windstille -auch spiegelglatt war, so wählte ich der erheblichen Zeitersparniß wegen -diese Straße. Die vier Seemeilen lange Fahrt bis zum Ausgang des Hafens -an dieser Seite machte den Eindruck, als ob wir über Land führen, denn -da, wie schon erwähnt, bei der außerordentlichen Klarheit des Wassers -der ganze ebene und nur mit feinem weißen Korallensand ganz gleichmäßig -bedeckte Meeresboden scheinbar wie die Silberunterlage eines Spiegels -dicht unter der Meeresoberfläche liegt, so sah es aus, als ob wir uns -auf dem Sande fortbewegten. Bei jedem neuen Lothwurfe fürchtete ich eine -erhebliche Abnahme der Wassertiefe ausrufen zu hören, dieselbe blieb aber -gleichmäßig zwischen 10 und 12 m. Es mag auffallen, daß der Meeresboden -hier innerhalb des Hafens ganz frei von Korallen ist, dies wird aber -dadurch zu erklären sein, daß jetzt die dicke Schicht fließenden Sandes -den Korallen verwehrt festen Fuß zu fassen, wie es vordem der zweifellos -unter dem Sande liegende weiche Mudboden gethan. - -Nach zwei Stunden, welche wenigstens für mich ziemlich anregend, um nicht -zu sagen aufregend waren, da das Schiff fortgesetzt seine Richtung ändern -mußte, um im Zickzack seinen Weg durch dieses ausgedehnte Korallenfeld -zu finden, langten wir gegen 11½ Uhr vormittags vor Makada an. Wir waren -lange durch vorspringendes Land verdeckt gewesen und wurden daher erst -bemerkt, als wir unserm Ankerplatz schon ziemlich nahe gerückt waren, -deshalb traf uns das entgegenkommende europäische Boot auch erst kurz vor -dem Hafen. Der in demselben befindliche Europäer stellte sich mir als Herr -Hernsheim, Bruder des in Jaluit lebenden Herrn gleichen Namens vor, was -mir große Befriedigung gewährte, weil ich nun infolge seiner Anwesenheit -meine dienstlichen Geschäfte hier am Platze ohne Zeitversäumniß gleich -erledigen konnte. Er war mit seinem kleinen Dampfer von Australien kommend -erst am Tage vorher hier eingetroffen und brachte mir auch die angenehme -Nachricht, daß der von mir bei meiner letzten Anwesenheit in Sydney -nach hier bestellte Proviant für die Korvette bereits angekommen sei und -jederzeit zu meiner Verfügung stehe. Dagegen mußte ich allerdings leider -hören, daß das seinerzeit als hier lagernd angemeldete Kohlenquantum -inzwischen erheblich herabgeschmolzen sei, wodurch ich gezwungen wurde, -zum Theil wieder auf Holzfeuerung zurückzugreifen, welche ich mit dem -Verlassen der Magelhaens-Straße für die fernere Dauer meiner Reise als -abgethan betrachtet hatte. - -Hier will ich einschalten, daß dieser Herr Hernsheim es ist, welcher in -diesem Theile der Südsee die ersten Niederlassungen errichtet hat. Er -hat als Seemann vor Jahren mit einem eigenen kleinen Schiffe diese Gegend -befahren und erforscht und dann seinen Bruder, welcher in überseeischen -Ländern Kaufmann war, bewogen, mit ihm zusammen dieses große Gebiet -kaufmännisch ebenso auszubeuten, wie das Haus J. C. Godeffroy die weiter -östlich belegenen Inseln vornehmlich dem Handel erschlossen hatte. Dem -Kaufmann fiel naturgemäß anheim, auf den Marshall- und Carolinen-Inseln, -wo das Haus Godeffroy bereits Anfänge gemacht hatte, Factoreien zu gründen -und dieselben in directen Verkehr mit dem Mutterlande zu bringen, während -der Seemann Neu-Irland und Neu-Britannien übernahm, weil hier zunächst nur -unter dem Schutze eines oder mehrerer Schiffe am Lande fester Fuß gefaßt -werden konnte. So werden, wenn der noch unabhängige Theil der Südsee -dermaleinst an Deutschland fallen sollte, die Namen Weber, welchem Herrn -das Hauptverdienst an den Erfolgen des Hauses Godeffroy zuzuschreiben ist, -und Gebrüder Hernsheim wol verdienen, einen hervorragenden Platz in der -Geschichte der Colonialbestrebungen des Deutschen Reiches einzunehmen. - -An Land gekommen, hatte ich die Freude, einem jungen Herrn Robertson -die Hand drücken zu können, einem Kaufmann aus Hamburg, welchen ich -in Sydney kennen gelernt hatte. Dieser Herr hat, in der Absicht, sich -mit seinen beiden Vettern Hernsheim zu associiren, die Reise von -Deutschland hierher gemacht, um sich vorher einen Einblick in die -hiesigen Verhältnisse zu verschaffen. Wenn man solche junge Herren -sieht, die, im Wohlleben aufgewachsen, sich hier in den engen kleinen -und keineswegs besonders seetüchtigen Fahrzeugen, mit welchen sie ihre -großen Reisen zwischen den oft über 1000 Seemeilen auseinanderliegenden -Inseln machen müssen, den größten Entbehrungen, Strapazen und vielfachen -Gefahren auf See wie am Lande aussetzen, dann muß man hohe Achtung vor -dem Großkaufmannsstand der Hansestädte und namentlich Hamburgs erhalten, -ein Stand, dessen Angehörige, jeder Verweichlichung fern, mit Muth und -Energie unter Daransetzung ihres eigenen Lebens ihrem Beruf nachgehen, -dessen eigentlichstes Wesen im Innern des Deutschen Reiches häufig kaum -verstanden wird. - -Kurze Zeit nach unserer Ankunft war richtig Kapitän Levison auch -eingetroffen, der alte Engländer hatte also Wort gehalten. - -Als Wohnplatz der Herren fand ich am Lande eine höchst dürftige hölzerne -Hütte mit einem Wohn- und zwei Schlafzimmern; das Beste an ihr war -eine große gedeckte Veranda. Die Einrichtung beschränkte sich auf die -allernothwendigsten Möbel, die zur Vertheidigung erforderlichen Waffen -und die zum Leben nöthigen Nahrungsmittel und Getränke. Mit den beiden -letztern sah es zur Zeit aber so kläglich aus, daß ich die Herren für -die Dauer unsers Aufenthalts als meine Gäste verpflichtete. Hinter dem -Hause war ein großes Waarenlager und ein Schweinestall mit zwei Thieren -von solcher Größe, daß sie von den Besitzern nicht geschlachtet werden -konnten, weil sie nicht gewußt hätten, wo mit dem vielen Fleisch zu -bleiben, weshalb es am besten war, daß ich sie als Geschenk für meine -Mannschaft übernahm. Die ganze Anlage war von einem Zaun umgeben und -weiterhin von großartigem Urwald, aus welchem der Platz für die Factorei -herausgehauen war. - -Auf der Veranda saß ein schmächtiges eingetrocknetes Männchen in grauer -Hose und gleichem Hemde, welches mir als Herr Topulu oder King Dick, -Oberhäuptling und Hoherpriester der Duke of York-Gruppe vorgestellt -wurde. Dieser Mann verdient wegen seiner eigenartigen socialen Stellung -besondere Erwähnung und muß ich hierbei auch auf seinen verstorbenen Vater -zurückgreifen. - -Während in diesem ganzen Archipel all die verschiedenen Stämme, ja -eigentlich die einzelnen Familien selbständig und voneinander unabhängig -sind, hat sich hier im Norden von Duke of York, und nur hier, ein -politisches Gemeinwesen dadurch gebildet, daß der Vater des Topulu früher -allein den Handel zwischen den Weißen einerseits und Neu-Britannien und -Neu-Irland andererseits vermittelte, dadurch viel Geld verdiente und -infolge seines Reichthums ein so hohes Ansehen gewann, daß er als der -einzige ungefährdet die früher höchst gefährlichen Gebiete der großen -Nachbarinseln bereisen konnte. Geld ist hier alles; für Geld werden Weiber -und Kinder wie Vasallen gekauft; nur für Geld gibt der eine dem andern, -der Bruder dem Bruder Feuer zum Anzünden seiner Pfeife; mit Geld wird ein -Höflichkeitsbesuch bezahlt; sogar der Mann muß der von ihm gekauften Frau, -deren unumschränkter Herr er ist, eine geforderte Liebkosung bezahlen. -Da nun das meiste Geld dem Besitzer auch die Würde des Hohenpriesters -verleiht und er in dieser als gefeit gegen die Angriffe seiner Feinde -angesehen wird, so war es dem klugen Vater des Topulu leicht, sich alle in -seiner Nähe liegenden Stämme zu unterwerfen und botmäßig zu machen, was er -denn auch ausführte. Als er starb, war Topulu von drei Brüdern der erste, -welcher seine Hand auf das Geld des Vaters legte und damit der Besitzer -wurde, denn in diesem gesetzlosen Lande steht die Achtung vor fremdem -Eigenthum so hoch, daß die beiden andern Brüder es nicht wagten, den -Topulu zu erschlagen und sich dadurch in den Besitz der Hinterlassenschaft -ihres Vaters zu setzen. So wurde Topulu der anerkannte Erbe seines Vaters -und von dessen Ansehen, sowie Besitzer des Handelsmonopols. Sein schon -hohes Ansehen wird aber immer mehr wachsen, da er mit Verschlagenheit -schon einen gewissen Schliff verbindet und den Werth freundschaftlichen -Verkehrs mit den Weißen wohl zu beurtheilen vermag, zumal wenn dieser -Verkehr sich vorzugsweise auf seine Person stützt. So wird, wenn nicht -vorher ein europäischer Staat seine Hand auf diese gesegneten Gefilde -legt, nur von hier aus Duke of York allmählich unterworfen werden können. -Dies war ausreichender Grund für mich, den Versuch zu machen, auch diesen -Hafen in meine Hände zu bekommen. - -Im Laufe des Nachmittags fuhr ich mit Herrn Hernsheim und Topulu in -meinem Boote dicht am Ufer entlang zu des letztern Wohnstätte, um mir -dieselbe anzusehen. Der Wald tritt an unserm Wege bis dicht an den Saum -des steilabfallenden 4-5 m hohen Ufers, und die weit überhängenden Aeste -und Zweige der Bäume geben uns Schatten; an einer Einsenkung mit einem -kleinen Wassereinschnitt in das Land sind wir an dem Landungsplatz King -Dick’s angelangt und verlassen hier das Boot. Wenige Schritte auf einem -engen, oben durch Laub dicht geschlossenen Fußpfade bringen uns zu einer -Lichtung, wo sich vor meinen erst geblendeten Augen ein eigenartiges Bild -entrollt. Vor zwei großen, an den Wald sich anlehnenden Hütten liegt -ein freier bis zum Ufer reichender Platz mit einer wunderherrlichen -Fernsicht. Inmitten des Platzes sind mehrere Frauen und einige Kinder -damit beschäftigt, aus großen Stücken eines heute erst gefangenen -Haifisches ein Mahl zu bereiten und einzelne Theile wol auch zu dörren, -da der Haifisch hier wie auch sonst in der Südsee als große Delikatesse -betrachtet wird. Das Eigenartigste für mich aber sind die Frauen, denn -wenn ich in dem letzten Jahre auch viel Nacktes gesehen habe, so treten -mir doch hier, abgesehen von der Magelhaens-Straße, deren Bewohner kaum -einen menschlichen Eindruck machen, zum ersten mal ganz unbekleidete -Frauen entgegen; nicht die Nacktheit ist aber das Frappirende, sondern die -paradiesische Ungenirtheit, mit welcher die Frauen sich bewegen und der -sittige Hauch, welcher trotz alledem über ihnen liegt. Die eine Person, -eine jugendliche anmuthig gerundete Gestalt mit einem verhältnißmäßig -hübschen Kindergesicht, mit eingeschnittenen wunderlichen Figuren auf -allen möglichen und unmöglichen Körpertheilen, ist mit ihrem bunten -Glasperlenhalsband trotz ihrer Häßlichkeit geradezu zum Küssen, wie sie -mit den Händen auf dem Rücken so vor uns steht und mit zur Seite geneigtem -Kopf zuhört, was eine ihrer Mitfrauen dem gemeinschaftlichen Eheherrn -erzählt. Hier sieht man keine Nacktheit mehr, sondern nur Menschen, -welche, von dem ersten Sündenfall unberührt, noch nicht das Bedürfniß nach -Feigenblättern empfinden. Schamhaftigkeit ist in Uebereinstimmung mit dem -vorher Gesagten auch diesen Frauen eigen, denn während die Weiber überall -da, wo sie Hüfttücher oder Blätterschurze tragen, sich wie die Türken mit -gekreuzten Beinen hinsetzen, beim Bücken und Tanzen die Beine spreizen -oder sonst gelegentlich breitbeinig stehen, sind bei diesen Wildinnen -die Beine immer dicht zusammen, beim Gehen, Stehen, Sitzen und sogar beim -Tanzen, obgleich sie hierbei eine kleine Schürze tragen. Das Merkwürdigste -aber bleibt die Sitzstellung; mit geschlossenen Oberschenkeln ducken -sie sich, heben dann einen Unterschenkel nach hinten und setzen sich -auf den platt hingelegten Fuß, während der andere Unterschenkel je nach -Bequemlichkeit untergebracht wird, aber immer so, daß die Knie dicht -aneinander bleiben. Dieser Gewohnheit mag es auch zuzuschreiben sein, -daß die Frauen eine so wunderliche Beinstellung haben, welche gemeinhin -„negerartig“ genannt wird, während doch die gute Form des Beines an den -Negertypus nicht erinnert. - -Der Hausherr forderte mich auf, einen Blick in seine Wohnung zu werfen, -wir treten daher in die erste, als Wohn- und Schlafraum benutzte Hütte -ein. Dieselbe ist groß und geräumig und innen durch einen eingelegten -Boden in zwei durch eine Leiter verbundene Etagen getheilt, deren jede -nur in je einem vollständig leeren Raum besteht. Der Fußboden des untern -Raumes ist bedeckt mit feinem schwarzen, abfärbenden Sand, welchen ich -erst für Eisenfeilenspähne hielt. Die zweite Hütte, von gleicher Größe und -Bauart wie die erste, dient als Schatzkammer und birgt die Schätze des -reichsten Mannes der ganzen Gegend. Neben mancherlei von den Europäern -neu erworbenen Sachen sind beide Etagen mit Diwarra, dem landesüblichen -Muschelgeld, angefüllt. Dasselbe, kleine auf Bambusreisern aufgereihte -Muscheln, bedeckt nicht nur in Haufen zusammengeschichtet und abgezählt -die Fußböden, sondern hängt auch, immer in eine ganz bestimmte Form -zusammengebunden, in großer Zahl an den Wänden und bezeichnet umso mehr -den Reichthum des Eigenthümers, als es gerade in dieser Form erheblich -an imaginärem Werth gewinnt. Es bedeutet in dieser Gestalt nicht nur -Geld, sondern einen Schatz, welcher nicht allein dem Besitzer selbst, -sondern seiner Familie und auch dem ganzen Stamme ein Ansehen verleiht, -welches verloren geht, sobald die Form des Schatzes zerstört und derselbe -zerkleinert wird. Es ist ein Ring von etwa 90 cm Durchmesser und 20 cm -Dicke in Form der auf den Schiffen gebräuchlichen Kork-Rettungsbojen, -welcher 80 Faden Muschelgeld, den Faden zu 6 Fuß englisch gerechnet, -enthält. Er gilt gewissermaßen als größtes Geldstück, während einzelnes -Diwarra als Scheidemünze dient, und wird, wie bei uns das Gold, stets als -vollwerthig gerechnet und daher immer zu 80 Faden angenommen. Ich möchte -diese Ringe mit den wenigen großen Banknoten, welche die Bank von England -ausgegeben hat und von denen jede ein großes Vermögen repräsentirt, -vergleichen, um so mehr als z. B. schon drei solcher Ringe das ganze -bewegliche Besitzthum eines Länderstriches von mehrern Quadratmeilen -bilden. Gegen Diebstahl ist die Hütte weiter nicht versichert, ein solcher -muß also, wie ich vorher schon gesagt habe, nicht befürchtet werden. - -Demnächst gingen wir ein kleines Stück in den Wald und kamen dort zu -einem versteckten Platz, wo in einer langen schmalen Hütte acht sehr schön -geschnitzte Dug-Dug-Masken mit den zugehörigen Laubkleidern aufbewahrt und -Tag und Nacht von einem Mann bewacht werden, dessen Hauptaufgabe es ist, -die Weiber von dem Platze fern zu halten, weil diese von dem Vorhandensein -der Masken nichts wissen dürfen, sondern in dem Glauben erhalten werden, -daß die Dug-Dugs Geister seien, welche sich nur an bestimmten Tagen den -Augen der Menschen zeigen. Daß die Weiber heutzutage noch daran glauben, -bezweifle ich, doch wird wenigstens der Schein gewahrt. - -Hiernach mußten wir dem eifrigen, auf seinen großen Besitz stolzen Topulu -auch noch zu seinen Fischereianlagen folgen, welche etwa zehn Minuten -weiter am Ufer auf einem freien Platz mit Sandstrand liegen. Eine große -offene Hütte mit Fußboden, welcher auch mit dem schwarzen Sande bestreut -ist, schien mir eine Art Festhalle und Berathungshaus zu sein; in einer -andern gleichfalls offenen noch größern Hütte hing ein außerordentlich -sauber gearbeitetes, sehr großes, kunstgerecht geknüpftes und auch nach -unsern Begriffen werthvolles Fischernetz; ferner waren da Fischreuse und -Angelleinen mit aus Perlmutter oder Schildkrot gefertigten Angelhaken. -Die ganze Anlage machte einen höchst saubern und netten Eindruck. Die -Fischereigeräthe stehen durchaus auf der Höhe der Zeit, da wir Europäer -auch nichts Besseres liefern können. - -Es war für mich inzwischen Zeit geworden, an Bord zurückzukehren, da der -englische Missionar Mr. Brown mir seinen Besuch zu 5 Uhr hatte ansagen -lassen und ich den Herrn doch gern persönlich empfangen wollte. Unsere -erste Unterhaltung ist in der Hauptsache am Anfange dieses Berichts -wiedergegeben und drehte sich vorzugsweise um die Person meines Gastes, -welchem ich leider auch nur ernste Nachrichten überbringen konnte. -Ich hielt es für meine Pflicht, ihm zu sagen, daß der Oberrichter der -Fidjigruppe, zu welcher alle in diesen herrenlosen Ländern lebenden -englischen Unterthanen gehören, mir mitgetheilt habe, daß er persönlich -Anfang Januar mit einem englischen Kriegsschiff hier eintreffen würde, -um ihn (Mr. Brown) vorläufig in Haft zu nehmen und zur Aburtheilung nach -Levuka zu bringen, und wie die dortige öffentliche Meinung dahin ginge, -daß das Urtheil auf mindestens fünf Jahre Gefängniß wegen Todtschlags -lauten würde. Des weitern bot ich dem bedrängten Manne meine Hülfe nach -jeder Richtung hin an und machte ihn mit Maßregeln bekannt, welche ich in -Anerkennung seiner um die deutschen Unterthanen erworbenen Verdienste zu -seiner Entlastung bereits getroffen hatte. Diese scheinen ihm zu seiner -Sicherung so ausreichend zu sein, daß er mir unter Verzichtleistung auf -jede fernere Unterstützung tief bewegt und um vieles erleichtert dankte. -Auf die Klagesache des Herrn Hernsheim wegen der niedergebrannten Station -übergehend, trat er der von diesem Herrn ausgesprochenen Ansicht dahin -bei, daß bei dem geringen Geldwerth des in Frage stehenden Objects und -bei dem augenblicklich bestehenden guten Einvernehmen zwischen Weißen -und Eingeborenen es politisch sei, auf eine ernste Sühne dieser vor -Jahresfrist stattgehabten Brandstiftung zu verzichten. Ich schloß mich -dieser Auffassung nach Erörterung aller einschlagenden Punkte auch an, -mußte aber immerhin auf dem äußern Zeichen einer Strafe bestehen und bat -daher Herrn Brown, am nächsten Vormittag 9 Uhr ebenfalls wieder an Bord -zu kommen, um bei der zu dieser Stunde anberaumten Verhandlung mit den -Brandstiftern als Dolmetscher einzutreten. - -Der 12. December sah zu der vorgenannten Zeit die Betheiligten bei mir -versammelt. Die mit Herrn Brown gekommenen beiden angeklagten Häuptlinge, -welche nicht gewagt hatten allein zu kommen, betraten zitternd und -kaum der Sprache mächtig meine Kajüte, um hier wenigstens den Versuch -zu machen, die Urheberschaft von sich abzuwälzen, was ihnen jedoch -nicht gelang. Das für die Missethäter sehr glimpfliche und sie sichtbar -befriedigende Resultat der langwierigen Verhandlung war, daß jedem von -ihnen aufgegeben wurde, auf dem Platze des Herrn Hernsheim ein Haus in -Form und Größe der niedergebrannten aufzubauen, mit der Bedingung, daß -beide Häuser bis zum 19. d. M. fertig sein müßten, damit ich sie noch -vor meiner Abreise sehen könne. Die Häuser oder besser Hütten haben an -sich keinen Werth und werden vielleicht bald, ohne benutzt worden zu -sein, wieder eingerissen; der zwangsweise Bau im Angesicht der ganzen -Bevölkerung wird aber einen großen moralischen Eindruck machen und sich -somit als nutzbringend erweisen. - -Nach Erledigung dieser Sache fuhr ich mit Herrn Brown über den Hafen, um -ihm und seiner Gattin meinen Besuch in seinem Hause zu machen. Der Hafen -hat heute ein anderes Gesicht als gestern. Die sonntägige Ruhe hat einer -herzerquickenden Rührigkeit Platz gemacht, überall in unserer nächsten -Umgebung sind die Menschen in voller Arbeit. - -Bei der deutschen Factorei liegen meine Boote mit etwa 60 Matrosen, um -die an Land lagernden für uns bestimmten großen Massen von Proviant zu -holen, dicht daneben sind 50 Eingeborene damit beschäftigt, Kohlen in -große Prähme zu bringen, und von allen Seiten hallt die Luft wider von -den dröhnenden Axtschlägen der Eingeborenen, welche in der Zahl von mehr -denn hundert für mich Holz schlagen. Unsere Dampfpinasse fährt fortgesetzt -zwischen Schiff und Land hin und her, um Boote oder Kohlenprähme zu -schleppen, Offiziere und Aufsichtspersonal zum Lande zu bringen oder -von dort abzuholen. Auch auf dem Schiffe selbst ist die ganze Besatzung -in voller Thätigkeit, um die ankommenden Sachen in Empfang zu nehmen, -die Takelage auszubessern und für die fernere Seereise wieder bereit -zu machen, die einzelnen Maschinentheile nachzusehen und hier und da -im ganzen Schiffe kleine Schäden zu beseitigen. Kanus mit Eingeborenen, -aber immer nur mit Männern, kreuzen den Hafen nach allen Richtungen, um -sich aus größerer Entfernung oder mehr aus der Nähe das mächtige Schiff -anzusehen, welches dieses ungewohnte Leben verursacht und es fertig -gebracht hat, so viele ihrer Stammesgenossen für sich arbeiten zu lassen; -einzelne Kanus wagen sich auch bis zum Schiffe, einzelne Männer sogar bis -auf dasselbe. - -Großes Wohlbehagen durchzieht mich während der Bootfahrt in dieser -herrlichen Natur unter dem eigenartig melodischen Geräusch eifriger -Thätigkeit bei dem Gedanken, daß dieser schöne Hafen wahrscheinlich in -wenig Tagen in meinem Besitz, oder wenn das Deutsche Reich ihn haben -will, in den Händen Deutschlands sein wird. Denn da es keinem Zweifel -mehr unterliegt, daß bei den Rechtsbegriffen der hiesigen Eingeborenen -nur die Uebertragung durch Kauf verstanden und als rechtsgültig angenommen -wird, so habe ich mich zum Kauf entschlossen und werde den Hafen, soweit -sich bisjetzt übersehen läßt, wol auch erhalten. Wie das kaum Erhoffte so -schnell und leicht gekommen ist, möchte der Leser vielleicht gern wissen, -doch gehört das nicht hierher. - -Nach Zurücklegung von 2½ Seemeilen landeten wir an der Westseite der -nördlichen Halbinsel von Amakada, gingen etwa 20 Minuten auf schmalem -Fußpfade durch herrlichen Urwald bis zum jenseitigen Ufer, wo in einer -größern Ansiedelung die sogenannten Missionslehrer mit ihren Familien in -saubern Häusern leben, und stiegen dann auf ziemlich steilem breitern -Wege bis zu dem nahezu 30 m hochliegenden Rücken einer zum östlichen -Ufer steil abfallenden Klippe, wo das geräumige und bequem eingerichtete -Holzhaus der Mission mit einer großartigen Fernsicht auf das Meer und -die gegenüberliegende bergige Insel Neu-Irland liegt. Frau Brown, eine -mittelgroße, etwas hagere Dame von vielleicht 40 Jahren, welche schon -viele Jahre der Entbehrung und mancherlei Gefahren mit ihrem Gatten tapfer -getheilt und bisher glücklich überstanden hat, empfängt uns. In ihrer -Gesellschaft finden wir meinen Schiffskameraden, den nimmer rastenden -Herrn Weber, welcher auch hier mancherlei zum Nutz und Frommen seiner -Landsleute zu thun hat, sowie noch einen jüngern Geistlichen mit seiner -ihm vor wenigen Monaten angetrauten jungen Frau, einer 20 Jahre alten -Engländerin. Dieses junge Ehepaar ist erst seit wenigen Wochen hier, um -demnächst nach Neu-Britannien überzusiedeln und die dortige Mission unter -der Oberleitung von Herrn Brown zu übernehmen. Zwei kleine Browns, Kinder -zwischen 6 und 10 Jahren, und ein noch ganz kleiner Brown vervollständigen -das Familienbild. Die größern vier Kinder befinden sich bei Verwandten in -Auckland zu ihrer Ausbildung und um sie den hiesigen urwüchsigen Zuständen -zu entrücken. Frau Brown macht einen sehr gedrückten Eindruck, weil sie -voll Sorgen der Zukunft entgegensieht und die Hoffnungsfreudigkeit ihres -Mannes nicht theilen kann. Gebe Gott, daß diese schwergeprüfte Frau bald -von dem Alp, welcher auf ihrer Familie lastet, befreit sein möge![E] - - [E] Gegen Mr. Brown ist, wie ich später erfahren habe, die - Anklage nicht erhoben worden, vielmehr hat er, wenn auch spät, - von competenter Stelle eine Anerkennung für sein braves und - richtiges Auftreten erhalten. - -Auf dem Rückwege nahm ich noch Gelegenheit, mit Herrn Hernsheim in den am -Wege liegenden Häusern der beiden Häuptlinge, mit welchen wir am Morgen -bei mir an Bord zu thun hatten, vorzusprechen, um diesen Leuten zu zeigen, -daß ich ihren Schlupfwinkel kenne. Sie versicherten gleich, daß schon alle -Anordnungen für den Häuserbau getroffen seien, und sie mit der Arbeit -sofort vorgehen würden, sobald ihre Leute, welche jetzt für mich Holz -schlügen, frei geworden wären. Weiter unten dicht am Strande besichtigte -ich dann noch das in einem verschlossenen Hause aufbewahrte Staatskanu -von Topulu, welches merkwürdigerweise nicht im Wasser, sondern nur auf -dem Lande Verwendung findet. Dieses Fahrzeug ist ein wahres Meisterstück -der Holzschnitzerei und um so mehr des Anstaunens werth, als die ganze -Schnitzarbeit mit den unvollkommensten Werkzeugen, mit Muschelscherben -und geschärften Steinen, hergestellt ist. Ich nenne es ein Meisterwerk, -denn wenn die rund um das Fahrzeug auf dem Dollbord dicht aneinander -stehenden und aus einem Stück Holz herausgeschnittenen 60 cm hohen -Figuren, welche Menschen und Thiere darstellen, auch keinen Anspruch auf -richtiges Ebenmaß der einzelnen Körpertheile machen können, sondern nur -als Caricaturen zu betrachten sind, so ist die Arbeit doch eine so saubere -und in ihrer Art vollendet künstlerische, daß ich nur die vorstehende -Bezeichnung gebrauchen kann. Dieses zerbrechliche, buntbemalte, wie aus -Filigran hergestellte, an 5 m lange Boot wird nur zu dem einmal jährlich -stattfindenden großen Dug-Dug-Fest hervorgeholt und dient dann, von -mehrern Männern getragen, dem in ihm sitzenden Topulu gewissermaßen als -Thron. - -Zur deutschen Niederlassung zurückgekehrt, um mich dort von dem Stand -der Arbeiten zu unterrichten, fand ich auf der Veranda des Hauses ein -wahres Prachtexemplar von einem Eingeborenen, eine athletische Gestalt -von solchem Ebenmaß der Glieder, daß ich mit wahrem Entzücken dieses -Wunderwerk der Natur betrachten mußte und zum ersten mal in meinem Leben -von der Wahrheit der classischen Darstellung des Hercules durch das -griechische Alterthum wirklich überzeugt wurde. Leider trug der Mann eine -wollene, eng anschließende himmelblaue Unterjacke ohne Aermel, welche, -vom Hals bis zu den Hüften reichend, im Verein mit den dunkelbraunen -unbedeckten Körpertheilen ein so merkwürdiges Bild abgab, daß man zum -Lachen gereizt worden wäre, hätte der Kerl nicht so ideal schöne Formen -gehabt. Er ist nach Topulu der angesehenste und reichste Häuptling -der Duke of York-Inseln, heißt Torragud und war bis vor kurzem der -gefürchtetste Menschenjäger und Menschenfresser. Das letztere hat er, -beeinflußt von der Mission und den hier lebenden Europäern aufgegeben, das -erstere aber konnte ihm bisher nicht abgewöhnt werden, und allem Anschein -nach wird er dieser Forderung auch fernerhin energischen Widerstand -leisten. Er macht auf die im Innern von Amakada lebenden Eingeborenen, -welche von den Küstenbewohnern durchgängig als jagdbares Wild angesehen -werden, regelmäßige Treibjagden und verkauft die erlegten Menschen -nach Neu-Irland, wo der Kannibalismus am ausgebreitetsten sein soll. Am -liebsten tauscht er für die seltene Waare Weiber oder Kinder beiderlei -Geschlechts ein -- weshalb? werde ich weiterhin auseinandersetzen. -Torragud ist, wie er kraftstrotzend mit dem Speer in der kernigen Hand -so vor uns steht, mit dem mächtigen Kopfe und dem großen Mund, mit den -zwischen den wulstigen Lippen vorleuchtenden, vom Betelkauen schwarz -gefärbten gesunden Zähnen der wahre Typus eines Menschenfressers, wie man -ihn sich in Europa vorstellt. Der angenehm freundliche Zug, welcher sein -häßliches Gesicht bei unserer Begrüßung verschönt, kann diesen Eindruck -ebenso wenig verwischen, wie sein eigenartiges herrisches Lachen, denn -in dem ganzen Gesicht zeigt sich doch ein Ausdruck von solch überlegener -Hoheit, daß er immer der über Leben und Tod gebietende Herr bleibt. - -Es würde ermüden, wollte ich meine weitern hiesigen Erlebnisse den -Tagen und Stunden folgend niederschreiben, ich werde sie daher in sich -zusammengefaßt wiedergeben. - -Die Männer, welche ich gesehen habe, sind durchweg sehnige, kräftige -Gestalten von ebenmäßigen Formen, ohne viel Fleisch, eher etwas schmächtig -und über Mittelgröße, durchschnittlich 1,65-1,70 m groß. Die Frauen sind -ebenfalls von gutem Körperbau, voller in den Formen als die Männer und -vorwiegend klein, etwa 1,45 m groß, doch findet man hin und wieder auch -einzelne hohe, schlanke Gestalten, welche aber, soweit mir aufgefallen -ist, feinere Nasen, kleinern Mund und hellere Hautfarbe haben. Die Farbe -der Männer habe ich ziemlich gleichmäßig chocoladenbraun gefunden, während -die der Frauen von hellem Braun bis zu tiefem Schwarz wechselt. Dies mag -daher kommen, daß die Frauen als lebende Waare vielfach von andern Inseln -eingehandelt werden. So wurde mir auch von glaubwürdiger Seite versichert, -daß in Neu-Irland die Mädchen, um sie im Preise steigen zu lassen, -künstlich gemästet und gebleicht werden. Dazu werden sie in einen kleinen -dunkeln, nur für eine Person bestimmten und als Käfig zu bezeichnenden -Raum gebracht, welcher nur eben so groß ist, daß die Person stehen und -liegen kann. Täglich mehrere mal wird sie dann, um das Bauer nicht zu -verunreinigen, von zwei Männern herausgetragen und, ohne ihr irgendwelche -körperliche Bewegung zu gestatten, gleich wieder zurückgebracht; im -übrigen bekommt sie gute Nahrung und wird sorgfältig gepflegt, um, sobald -sie genügend fett geworden und gebleicht ist, zum Verkauf gestellt zu -werden. Zur Verwendung als Nahrungsmittel werden sie aber nicht gemästet, -weil in diesem ganzen Archipel Frauen als viel zu nützliche Geschöpfe -überhaupt nie gegessen werden sollen, wie denn auch getödtete Männer nur -dann Käufer finden sollen, wenn der Verkäufer an dem Körper eine frische -Speerwunde vorweisen, also die weidgerechte Erlegung nachweisen kann. - -Ich muß hier einflechten, daß meine Quellen für all das, was ich nicht -selbst gesehen habe, die Herren Brown, Hernsheim und Kapitän Levison -sind, ernste Männer, denen ich rückhaltslos vertraue. Aber auch weniger -glaubwürdige Männer würden in Anbetracht des durchweg ernsten Verkehrs -zwischen uns, wie in Rücksicht auf die Stellung, welche ich gerade in -dieser gewitterschwülen Zeit hier einnahm, sich jeder launigen Aufbinderei -enthalten haben, wenn sie vielleicht auch sonst dazu Neigung gehabt -hätten. Auch lag es ja, da die Herren meine weitern Dispositionen nicht -kannten und auch aus verschiedenen Gründen nicht zu erfahren brauchten, -daß der in Aussicht stehende Vertragsschluß mit den Samoa-Inseln mich -dahin zurückdrängte, ganz in meiner Hand, mich durch einen kleinen -Abstecher von der Richtigkeit der mir gewordenen Mittheilungen zu -überzeugen. Nach Neu-Irland war sogar eine kleine Reise zur Besichtigung -der dortigen Eigenthümlichkeiten geplant und der Tag der Abreise dahin -festgesetzt worden. - -Die besondern Merkmale des Gesichts sind: dicht zusammenstehende Augen, -breite fleischige, platte Nase, sehr großer Mund mit vom Betelkauen -schwarz gefärbten Zähnen und wulstige, vom Betel ziegelroth gefärbte -Lippen. Das wollige Haar wird von den Frauen kurz geschnitten und von -den Männern in ungefähr 10 cm langen den Pudelhaaren ähnelnden Zotteln -getragen. Der Bart der Männer rahmt das Gesicht als schmale, ebenfalls -zottige Krause ein, der übrige Bart ist gewöhnlich wegrasirt. - -Verzierungen in oder auf der Haut, wie man es nun nennen mag, haben nur -die Frauen, doch sind dieselben nicht durch Tätowirung eingeäzt, sondern -bestehen in dicken, bis zu 1 cm breiten und ½ cm hohen Narben, welche -künstlich in Gestalt verschiedenartiger Figuren durch Einschnitte in -die Haut vermittelst geschliffener Lavaschlacke oder Muschelscherben -hergestellt werden. Schmuck wird im alltäglichen Leben von beiden -Geschlechtern übereinstimmend getragen und besteht zunächst im Färben -der Kopf- und Körperhaare. Die gewöhnliche Farbe hierfür ist die rothe, -doch sieht man zuweilen auch weiße Köpfe; ob dies nun eine höhere Zierde -darstellt oder nur, wie auch in Samoa und Tonga, dazu dient, den Kopf von -Ungeziefer zu reinigen, mag dahingestellt bleiben, da ich es nicht weiß. -Dann haben beide Geschlechter am untern Rande der beiden Nasenflügel je -ein oder zwei kleine Löcher von nahezu 2 mm Durchmesser und die Männer -vielfach auch noch ein Loch durch die Nasenscheidewand. Diese Löcher, -welche zur Aufnahme von mancherlei Zierath bei festlichen Gelegenheiten -dienen, sind mit kleinen Holzstückchen ausgefüllt, damit sie in der -Zwischenzeit nicht zuwachsen oder sich verengern. Mit einem Halsband -schließt dann der Schmuck und die Bekleidung des Körpers ab, da das von -den Männern getragene Armband, wie ich weiter unten auseinandersetzen -werde, wol nicht als Schmuck bezeichnet werden kann. - -Auf das Halsband, in welchem sich so ziemlich der ganze Kunst- und -Schönheitssinn dieser Menschen wiedergibt, wird so viel Mühe und -Sorgfalt verwendet, daß dasselbe eine nähere Beschreibung verdient. -Bei den Männern besteht es vorzugsweise aus dicht aneinander gereihten -Schweins- oder Walfischzähnen, doch tragen Häuptlinge auch gern einen -tellerartigen Halsschmuck, welcher in Größe, Form und auch Farbe wohl am -besten mit einem Pichel, wie er bei uns den Säuglingen vorgebunden wird, -zu vergleichen ist und aus einem steifen Bastgewebe besteht, auf welches -dicht aneinander Diwarra aufgenäht ist, wodurch das Stück auch einen -reellen Werth erhält. - -Das Halsband der Frauen ist in der Hauptsache aus kleinen böhmischen -Glasperlen und Opossumzähnen zusammengesetzt und hat an herunterhängenden -kurzen Schnüren vielerlei kleine Zierstücke. Je nach dem Reichthum -des Mannes wachsen auch diese Frauenhalsbänder von einer einfachen -Perlenschnur bis zu 6 cm breiten Bändern mit einem Mittelstück aus -Opossumzähnen, welch letzteres hauptsächlich dem Schmuck Werth verleiht -und zwar deshalb, weil jedes Opossum nur zwei der hierzu verwendbaren -Zähne besitzt, mithin zur Herstellung eines solchen Stücks oft 50 -dieser Thiere erforderlich sind. Ein besonders schönes Band, welches -die mit so reichen Narbenmustern gezierte Lieblingsfrau King Dick’s -trug und die es von ihrem Hals lösend mir schenkte, besteht aus einem -gewissermaßen das Schloß bildenden 6 cm hohen und 4 cm breiten Mittelstück -von über 100 Opossumzähnen. An dieses schließen sich nach beiden -Seiten je 12 Perlenschnüre an, welche durch je zwei senkrecht stehende -feine Schildkrotstäbchen geführt sind, wodurch sie in der Bandform -erhalten werden. Vorn an dem Schloß hängen 12, und hinten an den beiden -Bindeschnüren vier und acht 6-10 cm lange einfache Perlenschnüre, an -welchen je eine kleine Muschel, ein Stück geschnittenes Perlmutter (die -Halbmondform ist sehr beliebt), ein alter Knopf, eine ausgehöhlte halbe -Bohne mit daraus hervorstehendem Schweinezahn, ein Stückchen spiralförmig -gedrehter Rinde, eine große bunte Perle u. a. m. befestigt ist. Einzelne -Schnüre sind mit solchem Zierath noch nicht versehen und ich vermuthe, -daß diese noch auf die Geschenke warten, welche der Gatte gelegentlich zu -geben hat. Bei einem zweiten, mir von einer andern Frau Dick’s geschenkten -Halsband, schließt sich an das Mittelstück statt der 12 Schnüre ein aus -Perlen gewebtes breites Band mit zierlichen Mustern an, auch sind die -nach unten hängenden einzelnen Schnüre nicht direct am Schloß befestigt, -sondern es hängt an diesem zunächst ein 10 cm langes und 3 cm breites -Perlenband, dessen Verlängerung die einzelnen Schnüre erst bilden. Die -Halsbänder mit ihren weißen, blauen und rothen Farben, stehen, fest um -den Hals gelegt, den braunen Gestalten entschieden gut. Hier mag angeführt -werden, daß diese Eingeborenen eigentlich nur drei Farben kennen: das aus -einer Erdart gewonnene Roth, das aus Ruß und Palmöl hergestellte Schwarz -und das aus gebrannten Korallen hervorgehende Weiß. Blau kommt allerdings -auch vor, doch ist dies jedenfalls von den Europäern eingeführtes -Indigo. Andere Farben habe ich auf Duke of York und in Neu-Britannien -nicht angewendet gesehen. In Neu-Irland muß nach der Bemalung der dort -gefertigten Masken auch Gelb bekannt sein. Die weiße Farbe scheint die -beliebteste und geschätzteste zu sein, weil beim Tauschhandel die weißen -Glasperlen am höchsten im Preise stehen. - -Auf den Schmuck, welcher bei Festen getragen wird, werde ich bei der -Beschreibung der Tänze zurückkommen. - -Das von den Männern auf dem linken Oberarm getragene Armband ist -ursprünglich kein Schmuckstück und kann auch jetzt wol noch nicht als -solches gelten, weil es nur sehr vereinzelt in einer andern als der -ursprünglichen Form vorkommt und dann doch auch immer seinem eigentlichen -Zwecke dient. Das gewöhnlichste Armband ist ein einfaches Stück Bast, -welches so fest um die Mitte des Oberarms gebunden ist, daß es in -das Fleisch einschneidet und so in ähnlicher Weise als Tasche dient, -wie die Ohrlappen der Ellice-Insulaner, denn in Blätter gewickelte -Betelnuß, ein Stück Taback, die Pfeife und andere kleine Gegenstände -sind, zwischen Band und Fleisch geschoben, sicher untergebracht. An -Stelle des einfachen Baststreifens findet man auch, aber wie gesagt nur -vereinzelt, breitere aus ganz feinen Bast- und Rohrstreifen sauber und -theilweise mit eingefügten Figuren geflochtene Bänder, welche an den -Rändern wol auch mit Diwarra eingefaßt sind; dieselben bilden aber nie -einen Ring, sondern sind stets zum Binden eingerichtet. Ein in meinem -Besitz befindliches derartiges Band ist 5 cm breit. In Uebereinstimmung -mit Vorstehendem sind auch die aus Muscheln hergestellten Armbänder zum -Binden eingerichtet und bestehen daher aus drei bis vier charnierartig -mit Bindfaden zusammengefügten schmalen Stücken. Die auf andern und -namentlich den Salomons-Inseln vorkommende Sitte, aus einem einzigen -Muschelstück geschnittene geschlossene Armbänder in größerer Zahl über den -Arm gestreift als Schmuck zu tragen, besteht daher hier nicht, wenngleich -solche Armbänder bei den Weißen hier zu haben sind. Danach, ob dieselben -durch die weißen Händler von andern Inseln hierher gebracht werden, oder -ob die Eingeborenen sie als Tauschobject selbst anfertigen, habe ich mich -nicht erkundigt. Gegen die Verwendung der hiesigen Armbänder als Schmuck -spricht übrigens auch noch der Umstand, daß sie nur auf dem linken Arm -getragen werden, weil der Arm infolge des starken Drucks auf den obern -Muskel an der Entfaltung seiner vollen Kraft gehindert wird und diese -Wilden für ihre Waffen (Speer, Schleuder und Keule) der ganzen Kraft des -rechten Armes bedürfen, sie also hier nur ein lose sitzendes Schmuckstück -verwenden könnten. - -Eine bewußte Pflege des Körpers ist wol kaum bekannt, da Reinlichkeit -kein Bedürfniß, sondern nur eine natürliche Folge der Lebensweise ist. So -habe ich die Frauen, welche allein die Arbeiten auf dem Lande verrichten, -durchweg schmutzig gefunden, während die viel im Wasser lebenden Männer -naturgemäß ziemlich rein sein müssen, denn sie gehen beim Fischfang -nicht nur bis an die Brust ins Wasser, sondern holen tauchend für sie -nützliches Gethier und Muscheln auch von dem Meeresboden herauf, wobei -ihnen die mehrerwähnte Klarheit des Wassers hülfreich zur Hand geht. -Dieselbe ist hier so groß, daß man auf 13 m Wassertiefe jeden kleinen -Stein auf dem Meeresboden unterscheiden kann, und daß ein Eingeborener, -dessen Taucherkunst wir prüfen wollten, uns aus dieser Tiefe eine ihm vom -Schiffe aus bezeichnete, nur 4 cm im Durchmesser messende Muschel ohne -Zaudern und schnell vom Meeresgrund heraufbrachte. Ja, das Wasser ist so -klar, daß wir sogar 10 Uhr abends bei allerdings hellem Mondschein bis zu -10 m Wassertiefe größere Steine und Muscheln deutlich erkennen konnten. - -Die Waffen sind vorläufig noch die ursprünglichen und bestehen in Speeren, -Steinschleudern und Keulen, da die Europäer aus gewichtigen Gründen -mit dem Verkauf von Feuerwaffen sehr zurückhaltend sind und in den -einzelnen Fällen, wo sie die Forderung eines einflußreichen Häuptlings -nicht gut zurückweisen konnten, das Gewehr ohne oder nur mit für wenige -Schuß reichender Munition abgegeben haben. Weshalb die Leute sich mit -einer solchen doch werthlosen Waffe begnügen, werde ich weiterhin noch -auseinandersetzen. - -Der Speer ist die verbreitetste Waffe und kann wol als die nationale -bezeichnet werden. Der gewöhnliche Mann trägt nur den eigentlichen 2½ m -langen Kriegsspeer, welcher im Kampf allein zur Anwendung kommt. Er ist -aus dem schweren, fast unelastischen Kokospalmenholz gefertigt, hat eine -40-50 cm lange rothgefärbte Spitze, welche an ihrem untern Ende in den -dicksten Theil des Holzes ausläuft. Von hier ab wird das Holz wieder -schwächer und endet in einem an der untern Fläche platten Knopf von 30 cm -Dicke. Dieser Speer wird mit der scharfen Spitze nach oben getragen und -gehalten. Die beiden andern vorkommenden Arten, bis zu 3 m lang, sind -nur Luxuswaffen und werden aus einem röthlichschwarzen, ebenholzartigen -Holze gefertigt. Als Zierde trägt die eine Art an dem untern Ende, wenn -die Spitze als oberes gelten soll, einen kunstvoll gefertigten Strauß -von bunten Vogelfedern, deren diese Ländergebiete ja eine große Auswahl -besitzen. Die Manschette, wenn ich so sagen darf, ist dicht mit kleinen -Federn umhüllt, der eigentliche Strauß besteht aus längern Federn, -von welchen die mittelsten am meisten hervorstehen. Bei der Anordnung -dieses Federschmucks entwickeln die Eingeborenen zuweilen einen auch -nach unsern Begriffen feinen Geschmack, denn ein von einem Häuptling -an der Nordküste von Neu-Britannien mir als ein besonders schönes Stück -geschenkter Speer hat an der Manschette nur matt gefärbte Federn, während -der eigentliche Strauß aus tiefschwarzen mit einzeln dazwischengestreuten -gelblichbraunen Federn besteht; diese Zusammenstellung ist von ganz -ausgezeichneter Farbenwirkung. Die andere Speerart trägt am untern Ende -als Schmuck einen Knochen, aber nicht, wie so vielfach behauptet wird, -einen Menschenknochen, sondern den Oberschenkelknochen des Kasuar, -ein schlankes, feines, schneeweißes Bein. Unser Stabsarzt hat sich auf -meine Bitte hin der Mühe unterzogen und alle die uns unter die Augen -gekommenen vielen alten und neuen Waffen dieser Art, welche wir in den -Händen der Eingeborenen, der Händler, im Privatbesitz hier wie an vielen -andern Plätzen sahen, untersucht und festgestellt, daß der Knochen stets -vom Kasuar stammt, oder doch jedenfalls kein Menschenknochen war. Die -Eingeborenen bestreiten auch entschieden, andere als Kasuarknochen zu -ihrem Speerschmuck zu verwenden. An der Stelle, wo der Knochen mit dem -Holz zusammenstößt, ist in der Regel ein rothes, mit Diwarra eingefaßtes -Stück Baumrinde umgelegt, an welchem häufig auch noch kleiner Zierath, -wie ihn die Halsbänder der Frauen haben, hängt. Diese Luxusspeere werden -stets mit der Spitze nach unten getragen, wodurch diese natürlich sehr -bald stumpf wird und den Gebrauch des Speers als eigentliche Waffe an sich -ausschließt. - -Die Steinschleuder ist die nächst wichtige Waffe. Sie besteht aus einem -6 cm langen, 4 cm breiten und 3 cm tiefen bootförmigen Körper aus Bast, -an dessen beiden spitzen Enden zwei gleiche, etwas mehr als 1 m lange -zweidrähtige Schnüre befestigt sind. Die eine Schnur endet in eine -Schleife, die andere in einen konischen, nach oben breiter werdenden, -zierlich aus Bast geflochtenen Knopf von 1½ cm Dicke. Der abgerundete -Stein wiegt zwischen 100 und 150 gr. Beim Gebrauch wird die Schleife der -einen Schnur um den Daumen, der Knopf der andern zwischen Mittel- und -Ringfinger genommen und dieser Knopf dann von den ihn haltenden Fingern -losgelassen, sobald der Schleuderer sein Ziel zu haben glaubt. Wie -gefährlich diese Waffe in den Händen der Eingeborenen ist, habe ich früher -schon gesagt; ich habe sie zwar nicht anwenden sehen, habe aber zwei -Leute gesehen, von denen der eine durch die Schleuder einen Knochenbruch -am Oberschenkel erlitten, der andere in der Hüfte ein verwachsenes 2 cm -breites und tiefes Loch hatte. - -Die Keule vertritt in gewissem Sinne die Stelle unsers Seitengewehrs, -wird im Massenkampf wol kaum benutzt und dient im alltäglichen Leben als -Vertheidigungswaffe, hauptsächlich aber wol als Schutzwehr, da jeder -waffenlose Mann als vogelfrei gilt und von jedem, welcher Lust dazu -verspürt, erschlagen werden kann. Mit der Bildung von größern Gemeinwesen -indeß, mit dem Zusammenfassen ganzer Stämme unter die Gewalt eines -Häuptlings ist die Waffe innerhalb der eigenen Grenzen als Schutzwehr -überflüssig geworden und dient, wenn sie nicht zur Jagd gebraucht wird, -nur noch als Symbol, ist das Abzeichen des freien Mannes. So ist es -möglich geworden, daß an Stelle der Waffe die Attrape treten konnte, ein -der Waffe nachgebildetes, als solche unbrauchbares Stück Holz, oder das -Gewehr ohne Munition, denn der Träger genügt der Landessitte, hat das -äußere Abzeichen und kann mit diesem sogar andern Stämmen ungefährdet -entgegentreten. Die Keulen wurden vor dem Verkehr mit den Europäern nur -in zwei Mustern hergestellt, entweder aus hartem, gewöhnlich Eisenholz -allein, oder aus solchem Holz in Verbindung mit Stein. Die Holzkeule hat -unten einen, das Abgleiten der Hand verhindernden Griff und oben eine -Verstärkung, welche nach den Seiten in eine scharfe Kante und nach oben -in eine Spitze ausläuft. Sie ist gewöhnlich roth bemalt und hat am Griff -mancherlei eingeschnittenen und lose hängenden Zierath. Die Steinkeule -besteht aus einem glatten Holzstock, über welchem oben ein bis zu 15 cm -dicker, ausgehöhlter Stein gestreift und mit einer Pechart, in welches -häufig noch Diwarra eingedrückt wird, befestigt ist. Das dritte Muster ist -erst entstanden, nachdem die Eingeborenen durch die Europäer in den Besitz -von Beilen gekommen waren. Diese Keule ist mit mehr Sorgfalt angefertigt -und kann wol auch nur als Luxuswaffe bezeichnet werden. Das Beil sitzt -auf einem flachen, mit eingelegtem Perlmutter verzierten Stiel, dessen -unteres Ende die Form der von den Eingeborenen gebrauchten Ruder annimmt -und hier reich geschnitzt, bemalt und mit einer großen Zahl angebundener -Berloques schön gemacht ist. Dieses Keulenmuster wird vorzugsweise als -Attrape benutzt. - -Die Kampfweise entspricht selbstverständlich den vorhandenen Waffen. -Die Steinschleuderer bilden das erste Treffen und beginnen den Kampf in -größerer Entfernung, wo ihre Waffe zwar noch nicht zur vollen Geltung -kommt, aber immerhin doch den einen oder andern Mann außer Gefecht setzen -kann. Sobald nun die eine Partei ihren Steinhagel entsendet, dreht sich -die angegriffene Colonne für einen Augenblick schnell um, neigt den -Oberkörper zur Erde und streckt den ankommenden Steinen den fleischigsten -Theil des Körpers entgegen, weil hier auftreffende Steine aus der großen -Entfernung nur quetschen, aber keinen Knochenbruch erzeugen können. Dieses -Manöver, welches auf den Unbetheiligten einen höchst lächerlichen Eindruck -machen muß, sollen sie auch bei dem ersten ernstem Zusammenstoß mit den -Weißen gegen deren Flintenkugeln angewendet haben, ergriffen dann aber, -als die Kugeln schlank durchgingen, die Flucht, ohne ihr Gesicht wieder zu -zeigen, und versuchten diesen Kniff später gegen Feuerwaffen nicht mehr. -Sobald die feindlichen Colonnen in langsamem Schritt auf Speerwurfweite -aneinander gekommen sind, ziehen die Schleuderer sich zur Seite, das erste -Glied des Haupttreffens wirft seine Speere und eilt hinter die Front, -um dem zweiten Gliede Platz zu machen oder aber sämmtlich die Flucht zu -ergreifen. Denn bis zum Aufbrauch sämmtlicher Waffen soll es nie kommen, -weil eine Partei gewöhnlich den Kampf aufgibt, sobald zwei bis drei von -ihnen gefallen sind, und dies ist in der Regel schon nach dem ersten -Speerwurf der Fall. - -An Werkzeugen findet man die Steinaxt, ein Stück Knieholz, dessen -langer Schenkel den Stiel bildet, während an dem kürzern ein harter, -grünlicher, geschärfter Stein angebunden ist; dann, wie schon angegeben, -Muschelscherben und Lavaschlacke. Eisen war vor dem Eindringen der -Europäer nicht bekannt und in der ersten Zeit des Verkehrs wurden für -kleine Stücke von alten Fässern gewonnenem Bandeisen die werthvollsten -Producte eingehandelt. Nachdem aber, und zwar erst in der allerneuesten -Zeit, Beile und Messer zum Kauf gestellt werden, hat das Bandeisen, -welches doch nur mangelhafte Geräthe liefert, sehr an Werth verloren, -obgleich Beile und Messer noch so hoch im Preise stehen, daß nur -Häuptlinge sie erwerben können. - -An Musikinstrumenten habe ich nur eine aus Bambus hergestellte Pfeife, -die Trommel und die Maultrommel gefunden. - -Die Pfeife, etwa 40 cm lang und mit eingebrannten Mustern verziert, ist -am Mundstück einfach offen mit einem kleinen halbrunden Ausschnitt und -unten geschlossen mit zwei oder drei Tonlöchern vor dem Abschluß. - -Die Trommel, welche mit der Hand geschlagen wird, ist ein Cylinder von -Bambus oder anderm Holz, unten offen, oben mit Fisch- oder Schlangenhaut -bezogen, mit Schnitzwerk und Berloques verziert. - -Die Maultrommel, in deren obere Seite zierliche Muster eingeschnitten -sind, ist aus einem Stück Bambus gefertigt, 20 cm lang, 6 cm breit und -wie eine große zweischneidige Messerklinge geformt. In dem 18 cm langen -und ¾ cm breiten Schlitz liegt die aus dem ganzen Stück herausgeschnittene -Tonzunge. - -An künstlichen Erzeugnissen habe ich außer den bereits genannten -Fischereigeräthen, Kanus, Dug-Dug-Masken, Schmuckgegenständen, Waffen, -Werkzeugen und Musikinstrumenten nur noch sehr schön aus feinem Rohr -geflochtene Körbchen, Tanzstöcke und Schädelmasken gefunden. - -Die Tanzstöcke bestehen aus einem flachen Stock, welcher unten einen Griff -bildet, an welchem sich zwei nach oben zeigende und in einen Winkel von -30° nach beiden Seiten neigende, mit der flachen Seite des Stocks in einer -Ebene liegende und mit bunten Federn verzierte kürzere Stöcke anschließen; -unten am Griff ist außerdem noch ein kleiner Federstrauß angebracht. Die -bessern Stöcke sind bis 1½ m lang, aus schwarzem glänzenden Holz gefertigt -und haben an den Außenrändern schön gewundene Linien. - -Die Schädelmasken haben diesen Namen von den Europäern erhalten, weil -die vordere Hälfte eines Menschenschädels den Kern der Maske bildet. -Auf diesen Kern ist mit Lehm die treue Maske der hiesigen Eingeborenen -geformt. Die Oberkiefer sind innerhalb durch ein fingerdickes Stück -Holz verbunden, welches der Träger in den Mund nimmt und so sein eigenes -Gesicht verdeckt. - -Von den Dug-Dug-Masken kann ich keine eingehendere Beschreibung geben, -weil ich keine Gelegenheit mehr fand, mir dieselben näher anzusehen, doch -wird das Nachfolgende vielleicht auch genügen. Den untern Theil bildet -ein dicker, aus langen schmalen getrockneten Blättern hergestellter -Rock, welcher von der Brust bis fast zu den Knien reicht. Auf diesen -Rock legt sich ein ebensolcher Laubkranz bis zum Hals hinauf, sodaß der -Träger des Anzugs zwischen diesem Kranz und dem Rock seine Hände und -Arme hindurchstecken kann, sowol um dieselben, wenn nöthig, überhaupt -gebrauchen, wie auch Geschenke in Empfang nehmen zu können; Hände und Arme -dürfen aber eigentlich nie gezeigt werden, weshalb man bei der Darreichung -eines Geschenks dicht an die Maske herantreten muß und die Gabe dann dahin -reicht, wo zwischen dem Laub die dunkeln Finger sich bemerkbar machen. Auf -den Kranz endlich kommt der oft über 2 m hohe thurm- oder pyramidenartige -Oberkörper mit Kopf. Derselbe ist ein Gitterwerk von ganz leichten -Rohrstäben und so mit Federn, Laub und schwarz-weiß-rother Malerei -verziert, daß man nicht in das Innere sehen kann. Ganz oben auf der Spitze -ist das eigentliche, scharf karikirte Gesicht angebracht, dessen Augen -aus den unter dem Namen „Katzenaugen“ bekannten Verschlußstücken einer -bestimmten Muschelart bestehen. Das Merkwürdigste an dieser Figur sind -die durch die Vermummung hervorgebrachten wunderlichen Körpermaße. Ganz -oben, 3-4 m über dem Erdboden, der kleine spitze Kopf, an welchen sich -der schmale armlose Oberkörper anschließt, dann die riesige Hüftenpartie, -welche bei dem Hals des Trägers anfängt und bis zu dessen Knien reicht, -und schließlich die kurzen Beinchen von den Knien bis zu den Füßen. - -Die Nahrungsmittel der Eingeborenen bestehen in der Kokosnuß, Bananen, -Erdfrüchten (Yam, Taro, süße Kartoffeln), Fischen und Seethieren, -Vogeleiern (Hühner sind nicht bekannt), Menschen- und schließlich seit -zwei Jahren auch Schweinefleisch. Der Genuß des Schweinefleisch war -vordem, obwol das Schwein wild vorkommt, nicht bekannt und ist wol diesem -Umstand allein der Brauch der Menschenfresserei zuzuschreiben, da die -menschliche Natur doch nun einmal Fleischnahrung verlangt. Seitdem die -Weißen den Eingeborenen gebratenes Schweinefleisch vorgesetzt hatten, -welches sie für Menschenfleisch aßen, und nachdem dann vor ihren Augen ein -Schwein geschlachtet war und sie dieses Fleisch ebenso gut wie das vorher -genossene fanden, greift die Verwendung der Schweine als Nahrungsmittel -immer mehr um sich und die Menschenfresserei nimmt zwar langsam aber -stetig ab. Sind die Verhältnisse aber erst so geordnet, daß die Weißen -daran denken können, Rindvieh einzuführen und zu züchten, dann wird die -Menschenfresserei sicher bald ganz der Vergangenheit angehören. - -Bei dem Kapitel Menschenfleisch werde ich mich nun, fürchte ich, -theilweise in unlösbaren Widerspruch mit den Angaben früherer Berichte -setzen, ich halte aber meine Gewährsleute für zuverlässig. Wie ich früher -schon gesagt habe, werden nicht nur erschlagene Feinde verzehrt, sondern -das menschliche Wild wird auch regelrecht gejagt. Die Zubereitung ist -eine höchst einfache; der stets vorher getödtete Mann wird in zwei große -trockene Bananenblätter ganz eingewickelt, dann mit dem Kopf nach oben an -einen Baum gehängt, die Blätter werden angesteckt und das Mahl ist fertig, -sobald die Blätter abgebrannt sind. Der Körper wird nun heruntergenommen -und mit den Händen das rohe Fleisch heruntergerissen und von den Männern -gegessen, während die im Hintergrunde sitzenden Frauen die Eingeweide -erhalten. Aehnlich wird das Schwein zubereitet, doch wird das gebundene -lebende und in trockene Blätter eingewickelte Thier, welchem auch noch die -Schnauze zugebunden ist, damit es nicht schreien kann, mit den Beinen nach -oben aufgehängt und erhält, ehe die Blätter angesteckt werden, mit der -Keule einen Schlag auf den Kopf. Nach Abbrennung der Blätter wird es dann -ebenso, wie vorher angegeben, verzehrt. Kapitän Levison war Augenzeuge -eines solchen Mahles, als er mit vier seiner Leute unter dem Beistand -eines befreundeten Stammes den bereits erwähnten erfolgreichen Kriegszug -gegen die Mörder eines deutschen Agenten unternahm. In ihrem Siegesrausch -warfen die Wilden ihre sonstige Zurückhaltung ab und gaben sich in seinem -Beisein dem Genusse hin, welchen sie sonst vor den Weißen ängstlich -verbergen. Hiernach kann ich die Berichte, welche von sorgsam zerlegten -Gliedern und nach unsern Begriffen hergerichtetem saftigen Menschenbraten -erzählen, nur als Phantasiegebilde betrachten, zumal die Eingeborenen -bisher überhaupt noch keine Werkzeuge besitzen, um einen Körper in dieser -Weise zu zerlegen, denn die wenigen erst seit kurzem in ihrem Besitz -befindlichen Messer und Beile können bei der weiten Verbreitung der -Menschenfresserei noch gar nicht in Betracht kommen. Doch schöner liest -es sich entschieden, wenn der Leser bei der Schilderung der einzelnen -Manipulationen ein gewisses Gruseln empfindet. Das Menschenfleisch -wird aber roh gegessen und dazu bedarf es keiner Zerlegung, denn das -Abbrennen der Blätter auf dem Körper der Menschen wie dem der Schweine -hat nur den Zweck, die Haare und Borsten abzusengen und die Haut mürbe -zu machen. Dem Einwand, daß es eine noch größere Ungeheuerlichkeit sei, -rohes Menschenfleisch zu essen, begegne ich damit, daß es wenigstens nach -meinem Gefühl weniger scheußlich ist, dem thierischen Trieb folgend das -Opfer einfach zu zerreißen, als mit bewußter Wollust mit den einzelnen -Gliedern zu liebäugeln und stundenlang vor dem allmählich gar werdenden -und brodelnden leckern Mahl zu hocken. Im übrigen sind die Leute an -diese Art der Nahrung von Kindesbeinen an ebenso gewöhnt, wie wir an den -Genuß von rohen und lebenden Austern, Land- und Wasserschnecken, an rohes -Rindfleisch 'à la tartare', wie die Samoaner an den Genuß lebender Raupen -und die samoanischen Katzen an den von Kokosnußkern, was doch wahrlich -gegen die Natur der Katze geht. - -Daß hier allmählich Wandel geschaffen wird, ist hauptsächlich dem -Einflusse der Mission zuzuschreiben, da die Kaufleute bisher keine Zeit -hatten, sich der Verbesserung der Sitten zuzuwenden, sondern zunächst -nur daran denken konnten, festen Fuß zu fassen und ihr eigenes Leben zu -sichern; andererseits aber konnte die Mission, welche noch keine weitern -Erfolge zu verzeichnen hat, ihr Werk überhaupt nur unter dem Schutze -der Kaufleute, und zwar hier nur unter dem Schutze deutscher Kaufleute -beginnen. - -An einem Vormittag überbrachte mir Herr Hernsheim eine Einladung -Topulu’s, auf seinem Fischereiplatze einen Tanz entgegenzunehmen, welchen -er auf mein Ersuchen arrangirt hätte, ich möchte aber sonst niemand -mitbringen. Wir fuhren daher zu seinem Wohnplatze, um zunächst hier unsern -Zahlmeister-Aspiranten, welcher mir mit Genehmigung des Eheherrn die -Narbenmuster auf der Haut der einen Frau abzeichnen wollte, abzusetzen -und auch mein Boot hier zurückzulassen. Am Ziel angelangt, fanden wir -in der großen offenen Hütte unsern Freund Topulu mit zwei seiner Frauen, -allerdings nicht gerade den ältesten, aber auch nicht den hübschesten. Die -eine ist ein murksiges ältliches Geschöpf von ziemlich heller Farbe, die -andere ebenfalls sehr klein, noch jung, wohlgenährt, aber tief schwarz; -sie hat eine Nase, welche so ziemlich die ganze Breite des Gesichts -einnimmt, dazu ist sie noch auf einem Auge blind, was in dem schwarzen -Gesicht noch mehr zur Geltung kommt. Beide sind schön geputzt, aber nicht -gewaschen. Die Haare sind frisch roth gefärbt, auf dem Kopfe sitzt eine -große bunte Feder, die Halskette ist fest und ordentlich umgebunden, und -beide haben in jedem Nasenflügel zwei, also jede vier 5 cm lange, nach -oben und trotzig aus dem Gesicht herausstehende dunkelbraune Stacheln. -Als wir zur Hütte kommen und uns verwundert umsehen, wo denn die andern -sind, raunt King Dick Herrn Hernsheim in seinem Kauderwelsch etwas zu und -ist verschwunden. Auf meine Frage: „Was nun?“ bekomme ich die Antwort: -„Topulu stellt Ihnen diese beiden seiner Frauen zur Verfügung.“ Auf -die Frage: „Was soll ich denn mit ihnen?“ die Antwort: „Sie können mit -ihnen machen was Sie wollen; nur dürfen Sie sie nicht essen.“ Lachend -gaben wir den ängstlich aneinandergeschmiegten Gestalten, welche uns wie -scheue Rehe anblicken, die von Herrn Hernsheim vorsorglich mitgebrachten -weißen Perlenschnüre und machen uns, befriedigt über die beabsichtigte -Freigebigkeit Dick’s, welche in diesem Lande wirklich etwas bedeuten will, -auf den Rückweg. - -An einem Nachmittag holte mich Herr Hernsheim ab, um einen Besuch bei -Torragud zu machen. Ein schon längere Zeit auf einem Hernsheim’schen -Schiffe in Diensten stehender hiesiger Eingeborener dient uns als Führer. -Wir legen den 2½ Seemeilen langen Wasserweg bis Urakukua auf Amakada in -meiner Gig zurück und betreten dann den Wald. Bewaffnet sind wir nur -mit einem Stock, weil Herr Hernsheim Waffen für überflüssig hält und -ich nach meinen bisherigen Erfahrungen dem auch beistimme. Der sanft -ansteigende Weg in dem herrlichen, schönen Wald ist so breit, daß wir -bequem nebeneinander gehen können, in der Unterhaltung also nicht gestört -sind. Ungefähr auf dem halben Wege stoßen wir auf eine Lichtung, wo -unter hohen mächtigen Bäumen eine große Hütte liegt, auf deren geräumigem -Vorplatz zwei große, schwere Schweine sich ergehen; Menschen sind nicht zu -sehen. An diesen Platz schließt sich ein großes umzäuntes und sorgfältig -gepflegtes Stück Land, welches mit Erdfrüchten bestanden ist. Etwas -weiter bei einer Krümmung des Weges stehen plötzlich wenige Schritte -vor uns zwei prächtige, rehfarbene Mädchen, jugendlich üppige, schöne -hohe schlanke Gestalten, welche frei von allem Tand nur eine lange bunte -Feder im Haar haben. Einen Augenblick stutzen sie wie wir, dann mit einem -hellen Jauchzer brechen sie wie leichtfüßiges Wild mit leichten Sprüngen -in das Dickicht und machen erst in größerer Entfernung halt, wo wir nur -über dem Laub ihre Köpfe sehen und von wo sie mit ihren klaren Augen uns -beobachten und passiren lassen. Unwillkürlich entschlüpft mir, wie sie -so dahin eilen, der Ausruf: „Schade, daß wir kein Gewehr haben, um ihnen -eins aufzubrennen!“ und wieder zur Besinnung gekommen füge ich hinzu: „Es -ist gut, daß ich nicht länger hier bleibe, ich könnte sonst bei diesem -edlen Wild vielleicht noch selbst Geschmack an der Menschenjagd finden.“ -Nach drei Viertelstunden Gehens sind wir auf der Höhe und bei dem groß -angelegten Besitz Torragud’s angelangt. Er empfängt uns, umgeben von -seiner Familie und einigen Ferkeln. Er selbst in seinem Naturkleid schön -wie immer, doch leider wieder mit der blauen Unterjacke, welche er auf -meinen Wunsch allerdings nachher für kurze Zeit ablegt. Einige Frauen, -darunter eine alte, häßliche, schwarze und spindeldürre Gestalt, die sich -uns grinsend nähert und auf der Brust einen Schmuck trägt, welcher sofort -meine Begierde erweckt. Noch ein Mann und mehrere Kinder, von denen ein -11-12 Jahre altes ziemlich dunkles mageres Mädchen von allen Personen -allein ein Hüfttuch trägt. Sie ist eine muntere, durchtriebene kleine -Person, welche mit ihrem neckischen Wesen das ganze Haus zu beherrschen -scheint und entschieden der allgemeine Vorzug ist. Torragud nimmt sie -an der Hand und sich in die Brust werfend stellt er sie vor: „'Tintamon, -Missi Brown he make him.'“ Sehr belustigt war ich, als wir herausbekamen, -daß Tintamon „King Salomon“ bedeuten solle. Welcher Witzbold aber dem -Mädchen diesen Namen gegeben hat, konnten wir nicht erfahren. Die Worte, -daß Mr. Brown ihn gemacht hätte, konnte nur dieser Herr mir erklären, was -er später auf einfache Weise mit der Erklärung that, daß er das Kind vor -kurzem getauft habe. Tintamon wird, wie ich noch herausgebracht habe, so -gehätschelt und gepflegt, weil sie schon an einen andern großen Häuptling -verkauft ist, aber nicht eher an den Käufer übergeht, bis sie die volle -Reife zur Frau erlangt hat, denn die Erhaltung bis zu diesem Zeitpunkt -ist Sache des Verkäufers. Aus dieser Sitte werden in Reisebeschreibungen -nun wol häufig Verlobungs- und Heirathsceremonien gemacht, welche -aber meines Wissens nicht existiren. Verlobung und Heirath kennt man -hier nicht, sondern nur den einfachen Kauf, bei welchem allerdings -Zweckmäßigkeitsgründe in der Weise unterlaufen, daß ein Häuptling die -Tochter eines andern, um sich mit diesem näher zu verbinden, schon im -frühesten Alter kauft und je nach dem Werth der Verbindung einen höhern -oder niedrigern Preis zahlt. Das Kaufobject ist hierbei nur der Strohmann, -um dem gezahlten Preise den Sinn des Tributs zu nehmen. - -Nachdem wir Torragud’s Wohnhaus besichtigt haben, treten wir auch noch -in die Schatzkammer, welche, wenn sie auch nicht so große Reichthümer wie -die des King Dick aufweist, doch nach hiesigen Begriffen ein stattliches -Vermögen in sich birgt. Zur Familie zurückgekehrt äußere ich den Wunsch, -den Schmuck der Alten zu besitzen, doch diese rückt mir drohend auf den -Leib, schreit und keift und schützt das Kleinod mit ihren magern Armen. -Torragud bringt sie zur Ruhe, sieht sie mit ernstem prüfenden Blick an, -nickt einmal bedeutungsvoll mit dem Kopfe, als ob ihm ein guter Gedanke -gekommen sei, und wendet sich wieder uns zu. Nachdem wir noch aus einer -uns dargebotenen frischen Kokosnuß die Milch getrunken und verschiedene -kleine Geschenke vertheilt haben, verließen wir diese Waldidylle wieder. - -Bei dem Besuche Torragud’s konnte ich beobachten, wie heutzutage noch -Gemein- und Staatswesen entstehen und sich entwickeln. Der Mann erwirbt -Geld oder ähnliches Gut und wirft sich, wenn er überhaupt das Zeug dazu -hat, durch das damit verbundene Ansehen zum Häuptling auf, vergrößert -seinen Hausstand durch Ankauf von Frauen, welche gleichzeitig auch für -ihn arbeiten müssen, siedelt dann seine erwachsenen Söhne, nachdem er -ihnen eine Frau geschenkt hat, in seiner Nähe an, ergänzt den Abgang in -seinem Hause wieder durch Ankauf von Knaben, sowie auch Mädchen, welch -letztere wiederum später als Frauen an die gekauften männlichen Mitglieder -abgegeben oder anderweit veräußert und namentlich gegen andere Kinder -ausgetauscht werden. So bildet sich in verhältnißmäßig kurzer Zeit ein -Stamm, welcher durch Verkauf der Mädchen aus eigenem Blut und vielleicht -auch durch einmalige Zahlung einer gewissen Summe eine andere Familie -oder einen kleinern Stamm in sich aufnimmt und mit sich verschmelzt. -Ist der Stamm nun stark genug, dann breitet er sich leicht weiter aus, -indem er die Nachbarfamilien und Stämme nicht mehr kauft, sondern mit -Gewalt unterwirft und so allmählich immer mehr wächst, wenn er neben der -Gewalt auch noch Staatskunst zur Anwendung bringt, wie wol der Vater des -Topulu dies dadurch gethan hat, daß er den läppischen Dug-Dug in seinem -Interesse umgebildet und zu einer Ceremonie gemacht hat, mit welcher er -seine Unterthanen an Gehorsam und an seine Macht gewöhnte. Denn in ältern -Reisebeschreibungen findet man den Dug-Dug nur als hüpfenden Popanz und -nicht in der Form, wie er hier jetzt und zwar alljährlich nur einmal -abgehalten wird. - -An dem auf den Besuch bei Torragud folgenden Vormittag brachte -Herr Hernsheim mir den seltenen Schmuck der Alten und bat mich, -denselben als ein Andenken an die gemeinsam unter den Menschenfressern -verbrachte Zeit anzunehmen. Obwol es gerade nicht höflich war, mir die -Erwerbungsgeschichte des Schmuckes erzählen zu lassen, konnte ich dem -Reiz nicht widerstehen, zu erfahren, wie er es möglich gemacht hatte, -das Stück zu erhalten, und ich stellte daher die Bitte, welche mir -auch gewährt wurde. Das von mir „bedeutungsvoll“ genannte Kopfnicken -Torragud’s hatte also wirklich einen tiefern Sinn und besagte, daß er, -Torragud, nun wisse, wie er in Besitz eines Hinterladers gelangen könne. -Was diesem schlauen Heiden dabei durch den Sinn ging, kann ich natürlich -nicht wissen, doch läßt es sich meines Erachtens leicht combiniren. Es -war schon seit lange sein Wunsch, ein Gewehr zu besitzen, er wurde aber -stets, wenn er am Schluß seines jedesmaligen Besuches mit dem betreffenden -Wunsche zum Vorschein kam, abgewiesen. Hier kam ihm nun endlich der -Zufall zu Hülfe. Der mächtige Häuptling (nämlich ich), welcher ein so -großes Schiff mit so vielen Männern, so großen Kanonen und so vielen -Gewehren besitzt (in den Augen dieser Leute gehört mir das Kriegsschiff, -wie die Kauffahrteischiffe das Eigenthum der Kaufleute sind), welcher -über die eingeborenen Häuptlinge zu Gericht sitzt, welcher unter den -Weißen eine Ausnahmestellung einnimmt, weil sie alles thun, was er -haben will, und der überhaupt die ganze Umgebung in Unruhe versetzt, -wünscht etwas zu besitzen, was nur er, Torragud, geben kann. Dem Missi -Hernsheim muß es daher eine wahre Freude sein, dem Schiffscommandanten -diesen Wunsch erfüllen zu können, und er wird nun das von Torragud -ersehnte Gewehr gewiß gern geben, wenn er von diesem dafür den Schmuck -erhalten kann. So macht Freund Torragud sich am nächsten Morgen mit dem -Schmuck auf den Weg nach der deutschen Niederlassung. Er hat sich nicht -getäuscht, er erhält schließlich das Gewehr, welches ihm nach Lage der -augenblicklichen Verhältnisse doch nicht mehr lange vorenthalten werden -konnte, aber allerdings ohne Munition. Auf die Frage, ob die Alte denn -den Schmuck gutwillig hergegeben habe, antwortet er lachend: „Nein, -sie hat erst ordentlich Prügel bekommen müssen.“ So hat die arme Alte -ihr Kleinod verloren, noch obendrein eine Tracht Prügel erhalten und -kann nicht einmal von dem Erlös etwas abbekommen. Und ich habe ein sehr -seltenes, vielleicht einziges, an sich werthloses Schmuckstück, welches -nach dem hiesigen Preis des Hinterladers mit 200 Mark bezahlt worden -ist. Es hat die Form einer der Länge nach getheilten halben Melone, -ist 20 cm lang, 9 cm breit und hat am untern Rand der langen Seite zwei -bäffchenartige Lappen von 12 cm Länge und 6 cm Breite. Das Hauptstück -wird aus einem Holzreifen gebildet, auf welchen ein festes Gewebe -aus Opossumzähnen so übergespannt ist, daß es ohne weitere Unterlage -in kräftiger Wölbung die Form der Melone annimmt. Auf den Bindfaden, -welcher die Zähne im Innern der Wölbung zusammenhält, sind noch kleine -perlenartige Muschelstückchen in regelmäßigen Abständen aufgereiht, sodaß -die Arbeit auch auf ihrer Kehrseite Sinn für Ordnung zeigt. Die sich an -das Hauptstück anschließenden Bäffchen sind an ihren Rändern mit einem -Kranz von Opossumzähnen und einem schmalen Band aus rother Baumrinde -eingefaßt; innen laufen wie die Saiten einer Harfe von oben nach unten -Schnüre aus Glasperlen und kleinen selbstverfertigten Perlen, welche -aus einem wie Schildkrot aussehenden Gemenge von balsamischem Harz und -Thonerde hergestellt sind. Oben auf diesen Schnüren sind noch je zwei -nebeneinanderliegende kleine Ringe aus weißen Glasperlen aufgenäht und -schließlich an der obern Langseite des Hauptstücks zwei Schnüre aus -dickern Glasperlen befestigt, welche über den Hals gestreift so lang sind, -daß der Schmuck gerade auf den Brüsten ruht. Der Werth dieses eigenartigen -Kunstwerks für die Eingeborenen ergibt sich daraus, daß an demselben -nach oberflächlicher Schätzung (zählen kann man die Zähne nicht ohne sie -auseinanderzureihen) an 1500 Opossumzähne und an 1000 mühsam mit der Hand -gearbeitete kleine Harzperlen sind. - -Ehe Torragud mit seinem Gewehr die deutsche Niederlassung verlassen hatte, -hatte er noch gesagt, daß nachmittags 4 Uhr bei Urakukua ein Tanz für uns -bereit sei. - -Dort angekommen finden wir einige Frauen und, wenn ich nicht irre, 17 -Männer uns erwartend vor. Von den Frauen hat eine ein unsauberes Tuch um -die Hüften gebunden, die andern haben nur einen Bindfaden um den Leib, -an welchem vorn und hinten in der Mitte des Körpers ein kurzer Faden -mit einem ganz kleinen Laubbüschel am untern Ende herunterhängt und -welcher, wie ich früher schon gesagt habe, wol die Stelle einer Schürze -vertreten soll. Im übrigen sind sie nur mit Halsbändern und Nasenstacheln -geschmückt, im Gesicht und auf dem Oberkörper weiß angestrichen, jedoch -so dünn, daß die natürliche Hautfarbe durchschimmert. Die Männer sind -mit mehr Sorgfalt herausgeputzt und haben zunächst Gesicht, Oberkörper -und die Innenseite der Oberschenkel weiß, roth und schwarz bemalt, -das Kopfhaar ist weiß gefärbt. In den Nasenflügeln sind Stacheln und -Opossumzähne, in der Nasenscheidewand kleine Ringe aus Schildkrot, -Perlmutter oder aufgereihten Glasperlen, um den Hals die pichelartigen -Teller oder andere Halsbänder, um den linken Oberarm das Armband und um -den Leib haben sie ebenso wie die Weiber den Bindfaden, welcher hinten -ein untergeschobenes mit dem Stil nach oben gekehrtes großes Blatt, das -von dem Rücken bis unter das Gesäß reicht, hält, vorn hängt ein Faden mit -einem etwas größern Laubbüschel als bei den Frauen; ein Laubband um die -Knöchel vervollständigt den Anzug. Männer wie Frauen haben in jeder Hand -einen frischen Baumzweig mit Blättern, der Vortänzer der Männer hält in -jeder Hand einen Tanzstock. Die Kerle sehen bunt und unternehmend aus und -würden einen harmlosen Europäer, welcher unvorbereitet ihnen hier im Walde -begegnet, sicherlich erschrecken. - -Die Frauen beginnen zuerst mit dem Tanze, stellen sich hintereinander in -einer Reihe auf und machen dieselben Bewegungen wie nachher die Männer, -aber mit einwärts gedrehten Füßen, geschlossenen Knien und eingeknickten -Beinen, so täppisch und unschön, daß wir schon nach wenigen Minuten genug -davon hatten. Die Männer stellen sich darauf in zwei Reihen nebeneinander -auf, und zwar die Reihen so weit voneinander ab, daß der Vortänzer, -welcher in der Mitte zwischen den beiden Reihen steht, bequemen Platz -zwischen ihnen findet. Alle nehmen eine ziemlich stramme Haltung an, -der Vortänzer hebt seine Stöcke, die andern folgen sofort mit derselben -Bewegung, stimmen einen einförmigen Gesang an und setzen ihre Beine in -Bewegung. Der Gesang besteht aus mehrern mit tiefer Stimme in demselben -Tone laut gesprochenen Worten, welchen dann einige in höherm Ton folgen. -Die Beinbewegungen sind leicht und tänzelnd und erinnern an das Traben -auf der Stelle, die Füße sind dabei auswärts gekehrt, die Knie geöffnet -und biegsam. Alle Bewegungen des Vortänzers werden von den andern -sofort aufgenommen und mitgemacht, die Stöcke und Zweige werden nach -oben gekehrt vor die Brust gehalten und die Köpfe liegen zurückgebogen -zwischen den Schultern, als ob die Leute krähen möchten; die Stöcke werden -nach oben gestreckt, die Köpfe gereckt und dabei im Gesang der höhere -Ton angenommen; die Stöcke gehen zur Brust zurück, wobei der Gesang den -alten Ton wieder aufnimmt, neigen sich nach vorn, der Kopf folgt, auch -der Oberkörper etwas, und es sieht aus, als ob die Tänzer ihre eigenen -Füße und deren Bewegungen betrachteten. Und so geht es auf- und abwärts, -wobei die Tänzer sich auch zuweilen durch einen Blick nach ihrem Nebenmann -vergewissern, daß sie noch gut ausgerichtet sind. Der Vortänzer tänzelt -vor, bis er zwischen den ersten Tänzern steht, schiebt sich in der -schmalen Gasse rückwärts bis zum Ende, die Führer der Reihen schwenken -nach beiden Seiten ab und alle schlagen im Gänsemarsch einen Bogen, bis -die Spitzen wieder bei dem Vortänzer angelangt sind, worauf das Ganze -in der alten Ordnung in gleichmäßigem Takt und gut ausgerichtet mit den -borstigen Nasen und den vor dem Leib hin und her wedelnden Laubbüscheln -auf uns zutrabt, bis es den alten Platz wieder erreicht hat. Die großen -Mäuler klappen auch gleichmäßig auf und zu, öffnen sich bei den höhern -Tönen mehr und werden dann so entschieden zugeklappt, als ob sie eine -gebratene Taube gefangen hätten. - -Da es keine weitere Abwechselung gab, so hatten wir bald genug von dem -Vergnügen, vertheilten ein Geschenk an Taback und Glasperlen und machten -uns wieder auf den Heimweg. - - * * * * * - -Am 15. December nachmittags waren Kohlen, Proviant und Wasser -übernommen, auch die Vorbesprechungen wegen Ankauf des Hafens von Makada -abgeschlossen, das Schiff war seeklar, es wurde daher der nächste Morgen -zur Abfahrt nach Neu-Britannien, wo ich mich zwei Tage aufzuhalten -gedachte, festgesetzt. Mein Besuch dort diente hauptsächlich der -Erledigung von zwei Klagesachen, welche ich zum Abschluß bringen wollte. -In dem einen Falle hatten die Eingeborenen des Districts Ruluana (spr. -Ruluánna) vor etwa zehn Monaten die dort gelegene Station der Firma -Hernsheim u. Comp. ohne Veranlassung niedergebrannt, kamen aber gleich -nach Ausführung der That zu dem Bewußtsein, daß sie ihnen doch schlecht -bekommen könne, und erboten sich freiwillig den Schaden zu ersetzen. Um -die dargebotene Hand nicht zurückzuweisen, erklärte sich die geschädigte -Firma, welche bei dem Brand Haus und Waaren im Verkaufswerth von 2800 -Mark verloren hatte, bereit, das Gebot, welches in 300 Sack Copra im -Ankaufswerth von etwa 1200 Mark bestand, anzunehmen. Es erfolgte indeß -trotz des freiwilligen Anerbietens keine Copralieferung und die Mahnungen -wurden von den Eingeborenen durch verschiedene Ausflüchte und schließlich -damit erwidert, daß sie keine Säcke hätten, um die Copra hineinzupacken. -Zuletzt, etwa vor zwei Monaten, hatten sie wiederholt versprochen zu -liefern, die Lieferung war aber, trotzdem ihnen Säcke gegeben worden -waren, bis zum heutigen Tage immer noch nicht erfolgt. Ich erklärte mich -bereit, für die Sache einzutreten, aber nur unter der Bedingung, daß die -Herren sich mit einer ausgiebigen Verwüstung des Terrains bei Ruluana -einverstanden erklärten für den Fall, daß ich der betreffenden Häuptlinge -nicht habhaft werden könne. Ich glaubte mich dieses Einverständnisses -versichern zu müssen, weil der deutsche Handel durch das Niederhauen der -Kokosnußbäume eine sehr empfindliche Einbuße an seinen Einnahmen erleiden -mußte, gegen welche das vorliegende Streitobject in gar keinem Verhältniß -stand. Absehen konnte ich von dieser Forderung aber nicht, weil es -undenkbar war, daß ein Kriegsschiff, wenn es die Sache überhaupt aufnahm, -ganz unverrichteter Sache wieder abziehen sollte, um die Eingeborenen -dadurch auch noch in ihrer Anschauung, daß die Schiffe ihnen auf dem -Lande nichts anhaben könnten, zu bestärken. Herr Hernsheim war mit allem -einverstanden, und so sollte unser nächstes Ziel Ruluana sein. - -Der zweite Fall betraf eine Bedrohung des in Port-Weber stationirten -Agenten der Handels- und Plantagengesellschaft und zwar eine -Todesandrohung durch denselben Häuptling, welcher früher als Rache für -seinen erschossenen Hund an demselben Orte den deutschen Agenten getödtet -hatte und dafür von Kapitän Levison gezüchtigt worden war. Ob hier etwas -zu erreichen sei, war mir sehr zweifelhaft, doch wollte ich wenigstens -den guten Willen zeigen und für den Fall, daß ich keinen Erfolg haben -sollte, den Eingeborenen wenigstens das Vorhandensein von deutschen -Kriegsschiffen, welche hier noch nicht gewesen waren, vor Augen führen. - -So war also alles zur Abfahrt bereit, ohne daß ich es während meines -mehrtägigen Aufenthalts hatte durchsetzen können, einen Dug-Dug zu -sehen. Auf mein wiederholtes Drängen bekam ich immer dieselbe Antwort, -daß es nicht angängig sei, und zwar aus dem Grunde, weil der alljährlich -nur einmal hier stattfindende Dug-Dug erst vor sechs Wochen abgehalten -worden sei. Mit demselben ist aber eine sechswöchentliche Fastenzeit in -der Weise verbunden, daß im Anschluß an das Fest weder Mann, Frau noch -Kind irgendetwas von der Kokosnuß genießen darf, weder die Milch, noch -das Fleisch; und was das bedeutet, kann nur der ermessen, welcher weiß, -welch große Rolle die Kokosnuß hier überall in der Ernährungsweise spielt -und welch erfrischendes Getränk die kühle Milch aus der frischen Nuß -ist. Die Kokosnuß ist während dieser Zeit Tabu, und wer die Hand nach -ihr ausstreckt, ist unrettbar dem Tode verfallen, weil überall Wächter -aufgestellt sind, welche die Innehaltung des Gebotes überwachen und an -jedem Uebertreter ohne Urtheilsspruch auf der Stelle das Todesurtheil -vollziehen. So war es auch uns in den ersten zwei Tagen unsers Aufenthalts -unmöglich, eine Kokosnuß zu erhalten, weil diese Tage noch in die Tabuzeit -fielen. Es wäre unter diesen Verhältnissen daher grausam von mir gewesen, -noch fernerhin auf meinem Willen zu beharren, da die Befriedigung meiner -Neugierde eine wahre Marter für die Eingeborenen werden mußte, weil -sie jedenfalls eine neue sechswöchentliche Fastenzeit hätten auf sich -nehmen müssen. Daneben aber würde es auch für die Kaufleute einen großen -Verlust bedeutet haben, weil mit dem Dug-Dug eine neue sechswöchentliche -Handelsstockung in dem Nordtheile der Duke of York-Gruppe verbunden -gewesen wäre. So mußte ich mich bescheiden, ohne zu ahnen, daß schließlich -Topulu mit seinen Häuptlingen mir aus eigenem freien Willen doch noch den -Dug-Dug anbieten würde. - -Hier will ich gleich anschließen, daß meiner Ansicht nach der Dug-Dug -jedes religiösen Untergrundes entbehrt, weil diese Wilden überhaupt den -Begriff der Religion nicht kennen, und daher die auch von mir gebrauchte -Bezeichnung „Hoherpriester“ für den Herrn des Dug-Dug eine von den -Europäern erfundene willkürliche ist. Würde der Dug-Dug etwa kurz vor -die Reifezeit der Kokosnuß fallen, dann würde ich ihm einen praktischen -Werth beimessen, um durch die sechswöchentliche Tabuzeit die Frucht zur -vollen Reife kommen zu lassen, wie ja bei uns auch die Weinberge einige -Zeit vor der Lese sogar für den eigenen Besitzer Tabu erklärt werden; da -aber, wie schon früher erwähnt, die Kokospalme jahraus, jahrein stets -gleichzeitig alles, von der Blüte bis zur reifen Frucht trägt, so kann -hier nur ein politisches Motiv gesucht werden und ich finde nur =eine= -Erklärung für sein Bestehen. Hier in diesem Lande, wo weder Gesetz noch -Religion zu finden sind, steht jeder Mann in erster Reihe nur auf sich -selbst angewiesen und ist nur das werth, was er mit der Kraft seines Armes -erreichen kann. Um aber unabhängig von der körperlichen Kraft das Ansehen -der Häuptlinge zu wahren und ihre Stellung zu sichern, haben sie den -Dug-Dug und namentlich die sechswöchentliche Fastenzeit erfunden. Diesem -Gebote fügt sich jeder, jeder muß sich daher fügen, und da die Häuptlinge -das Gebot sowol erlassen, wie auch auf dessen Befolgung achten, so sind -sie die Herren und werden daher auch als solche angesehen. - - * * * * * - -Am 16. morgens 6 Uhr, nachdem noch die verschiedensten für die Reise -nothwendigen Passagiere an Bord gekommen waren, wurde Anker gelichtet -und dieselbe Ausfahrt gewählt, durch welche wir hergekommen waren. Ich -wollte eigentlich einen andern Weg nehmen, weil ich bei der Herfahrt -doch zur Erkenntniß gekommen war, daß bei den vielen Korallenriffen eine -Grundberührung sehr leicht möglich sei; da indeß drei unserer Passagiere -erklärten, mit dem Fahrwasser so vertraut zu sein, daß keinerlei Gefahr -für das Schiff vorläge, gab ich nach. Zwei dieser freiwilligen Lootsen -begaben sich in den Vormars, um aus der Höhe das Fahrwasser besser -erkennen zu können, und der dritte blieb bei mir auf der Commandobrücke. -Aber trotz dieser drei Lootsen saßen wir schon um 7 Uhr fest. Rings um -das Schiff war tiefes Wasser, wir mußten daher mit dem Kiel auf einem -einzelnen Korallenblock sitzen, und so war es auch, wie ich mich von -einem schnell zu Wasser gelassenen Boot aus überzeugte; das Schiff saß -gerade unter dem Großmast mit dem Kiel auf einem Blocke von höchstens -1 m Durchmesser. Der Versuch, durch Rückwärtsschlagen der Maschine und -künstlich erzeugte Schlingerbewegungen loszukommen, blieb erfolglos; -zum Ausbringen eines Ankers blieb keine Zeit, weil bei dem fallenden -Wasser (es war Ebbe) das Schiff schon anfing, sich etwas auf die Seite -zu neigen und somit die ernsteste Gefahr für ein Umfallen des Schiffes -vorlag. So blieb nur übrig, mit Verlust eines Stückes Kiel das Schiff -mit Gewalt loszubrechen; es wurde daher das Ruder hart zu Bord gelegt und -die Maschine mit voller Dampfkraft vorwärts in Gang gebracht. Das starke -Schiff erzittert in seinen Grundfesten, neigt sich mehr zur Seite, fängt -an zu drehen, dreht schneller, ein Ruck und wir schießen den Weg zurück, -welchen wir gekommen sind, um den allerdings weitern aber sichern Weg -nördlich um Makada zu nehmen. Schaden hatten wir merkwürdigerweise nicht -genommen, denn der nachmittags heruntergeschickte Taucher fand nur, daß -einige Kupferplatten fehlten, der Kiel selbst aber unversehrt war. - -Auf dem Wege nach Ruluana wurden die erforderlichen Vorbereitungen -getroffen, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Von dem Landungscorps -wurden die 60 kräftigsten und zuverlässigsten Leute ausgewählt, weil -darauf gerechnet werden mußte, daß jeder selbständig zu handeln hätte. -Scharfe Munition für Gewehr und Revolver, sowie Zündmaterial zum Anbrennen -der Häuser wurde ausgegeben, ebenso wurden alle im Schiffe vorhandenen -Aexte, Beile, Eisenkeile, schwere Hämmer und Sägen vertheilt, nachdem -die Zimmerleute versorgt waren. Den Offizieren und Unteroffizieren -wurden bestimmte Leute zugetheilt, und diese wieder so eingetheilt, daß -stets zwei Mann zusammen zu operiren hatten. Um 10½ Uhr vormittags wurde -das Schiff vor Ruluana beigedreht und ein in Hernsheim’schen Diensten -stehender Deutscher, welcher von den hiesigen Europäern am besten in -diesem Districte bekannt und mit der Landessprache einigermaßen vertraut -ist, wird allein mit einem Boot an Land geschickt. Es war dies die einzige -Möglichkeit, an die Eingeborenen überhaupt heranzukommen, weil sie bei -der Landung bewaffneter Mannschaften zweifellos sofort die Flucht ins -Innere ergriffen hätten. Ich wollte aber gern eine directe Verständigung -erreichen, um die Sache nicht auf die Spitze zu treiben und somit vor -unnöthigen Gewaltmaßregeln bewahrt zu bleiben. Unser Unterhändler hatte -den Auftrag, die 300 Sack Copra oder ein gleichwerthiges Geldpfand zu -fordern und den Eingeborenen von den beabsichtigten Maßnahmen Kenntniß -zu geben, welche im Falle der Ablehnung unserer Forderung zur Ausführung -kommen sollten. Das Boot kehrte bald mit der Nachricht zurück, daß unser -Abgesandter mit einigen Häuptlingen nach einer drei englische Meilen im -Innern gelegenen Stadt gegangen sei, um das angebotene, in Muschelgeld -bestehende Pfand zu holen. Ich landete darauf mit den vorgenannten 60 Mann -und dem Musikcorps gegen 12 Uhr mittags an dem mit einem hohen dichten -Bambuszaun eingefriedigten Hernsheim’schen Platze, um durch eine gewisse -Machtentfaltung die Eingeborenen zu schrecken. Da bei unserer Annäherung -an das Land die uns von dort beobachtenden Wilden sich schnell zurückzogen -und im Waldesdickicht verschwanden, fürchtete ich, daß auch die Häuptlinge -vielleicht vorziehen würden, das Geldpfand nicht persönlich abzuliefern, -wodurch aber die eigentliche Absicht meiner Landung vereitelt worden wäre. -So bat ich Herrn Hernsheim, welcher den Weg ebenfalls kannte, seinem -Angestellten entgegenzugehen und alles aufzubieten, daß die Häuptlinge -persönlich kämen, oder aber die Annahme des Geldes sonst zu verweigern. -Hierauf machten wir es uns innerhalb des Zaunes bequem, nachdem noch -Doppelposten weit vorgeschoben und Verbindungspatrouillen aufgestellt -waren; die Gewehre wurden zusammengestellt, die Leute lagerten sich und -die Musik spielte einige Stücke. Gegen 1 Uhr meldeten die Posten die -Annäherung von Menschen und gleich darauf, daß Herr Hernsheim, sein Agent -und einige Eingeborene angehalten seien, worauf dieselben innerhalb des -Zaunes geleitet wurden. Herr Hernsheim erzählte mir dann gleich, daß ohne -sein Eingreifen wahrscheinlich keiner der Eingeborenen hier sei, weil -sie, als die unbekannte Musik zu ihnen drang, sofort fliehen wollten und -von ihm nur wegen des dichten Gestrüpps zu beiden Seiten des schmalen, -nur mannsbreiten Pfades hätten festgehalten werden können. Und was wäre -geworden, wenn sie nicht gekommen wären? Unter Voraussetzung böswilliger -Absicht wäre der Platz verwüstet worden, obgleich die Eingeborenen -thatsächlich unschuldig waren, und das alles wegen der Musik, deren -Wirkung auf die Naturmenschen von mir nicht in Berechnung gezogen worden -war. Aus ähnlichen Ursachen mag schon manches Unrecht von den Europäern -verübt worden sein. - -An Eingeborenen erschienen drei Häuptlinge, ein älterer und zwei jüngere -Männer, sowie einige Träger, welche drei Ringe Muschelgeld zu je 80 -Faden, das ganze bewegliche Besitzthum des Districts, trugen; auch einige -Neugierige folgten nach, welchen der Eintritt ebenfalls gestattet wurde. -Die zitternden Häuptlinge legten ihren Schatz vor mir nieder und schienen, -ängstlich um sich blickend und die vielen bewaffneten Männer musternd, -noch weitere Unannehmlichkeiten zu erwarten. Wenn diese 240 Faden Diwarra -nach dem augenblicklichen Stand des Geldes auch nur den halben Werth -der 300 Sack Copra hatten, so bedeuteten sie nach der früher gegebenen -Erklärung in ihrer Form doch mehr und waren nach den Angaben des deutschen -Agenten thatsächlich der ganze bewegliche Schatz des Districts Ruluana. -Ich konnte das Pfand daher um so mehr annehmen, als alle Eingeweihten -mir versicherten, daß die Leute schon denselben Tag mit dem Einsammeln -der Copra beginnen würden, weil sie mit dem Verlust ihres Schatzes jeden -Einfluß an der ganzen Küste verloren hätten und dieser Einfluß auf Matupi -übergehen würde, wo das Geld in der dortigen Hernsheim’schen Niederlassung -vorläufig aufbewahrt werden sollte. Denn Matupi brauche das Geld gar -nicht zu besitzen, vielmehr genüge die einfache Thatsache der Lagerung -daselbst, um für die Dauer derselben der Insel ein besonderes Ansehen zu -verleihen. Unter solchen Umständen war die möglichst schnelle Ablieferung -der Copra ja gesichert, da es im Interesse sämmtlicher Bewohner von -Ruluana lag, ihren Schatz in kürzester Zeit zurückzuerhalten. Das Pfand -wurde also mit der Gegenversicherung angenommen, daß die Rückgabe bei -der Ablieferung des letzten Sackes Copra erfolgen würde, wobei natürlich -auch ernste Mahnworte, in Zukunft deutsches Eigenthum stets als Tabu zu -betrachten, gesprochen wurden. Nach Erledigung dieser Sache und nachdem -noch einer der Häuptlinge mir ein besonders schönes Exemplar einer -Keule mit Beil angeboten hatte, wofür er ein anderes Beil und noch ein -entsprechendes Geschenk erhielt, waren wir fertig und ich gab, froh -über den durchschlagenden Erfolg, den Befehl zum Abmarsch. Als nun das -Signalhorn sein „Sammeln“ in den Wald schmetterte, um die Vorposten und -Patrouillen zurückzurufen, wurden die Menschenfresser schon ganz scheu, -als aber auf das Commando „An die Gewehre“ die Mannschaften aufsprangen -und zu ihren Waffen eilten, gab es kein Halten mehr, mit Blitzesschnelle -war der ganze Platz von Eingeborenen gesäubert; einzelne verschwanden, -große Löcher in den Zaun brechend, wie ein Schattenbild durch denselben, -als ob er nur aus Papier bestände; andere braune Gestalten gewahrte man -einen Augenblick oben auf dem 4 m hohen Zaun, um sie gleichzeitig nach der -andern Seite hin verschwinden zu sehen, nur der alte Häuptling, welchen -ich am Arm schnell festhielt, mußte zurückbleiben und brach zitternd und -laut keuchend in die Knie und konnte sich während unsers noch kurzen -Aufenthalts trotz allen guten Zuspruchs von seinem Todesschreck nicht -erholen. Daß diese nackten Menschen in ihrer Todesangst nur mit dem -Gewicht ihres Körpers durch den dicht zusammengefügten, starken und für -einbruchsicher gehaltenen Zaun durchgebrochen sind und namentlich, daß -sie an dem glatten Bambusholz, wo sie keine Handhabe für Hände und Füße -fanden, hinauf und über den Zaun gekommen sind, erscheint mir nur darum -glaublich, weil ich es selbst gesehen habe. So konnte ich diesen Strand -mit dem Bewußtsein verlassen, für die Folge deutschem Leben und Eigenthum -einen sichern Schutz hier zurückgelassen zu haben. - -Um 2 Uhr nachmittags waren wir wieder an Bord, wenige Minuten später die -Boote eingesetzt und weiter ging es nach Matupi, wo wir um 3 Uhr ankerten. -Den hiesigen Verhältnissen Rechnung tragend, ging ich nicht gleich ans -Land, sondern es wurde erst dem hiesigen Hernsheim’schen Agenten von der -in Aussicht stehenden Ueberführung der drei Muschelgeld-Ringe Kenntniß -gegeben, um dies einigen Eingeborenen mitzutheilen in der Voraussicht, -daß sich diese wichtige Nachricht wie ein Lauffeuer über die ganze Insel -verbreiten würde, und so war es auch. Als wir um 4 Uhr mit dem Schatz -an Land kamen, fanden wir die ganze Bevölkerung zu unserm, oder wol -richtiger zum Empfang des Geldes am Landungsplatze auf den Beinen. Ueber -uns stand Leib an Leib, als wir die steile Treppe, welche auf den Rücken -der kleinen Insel führt, hinanstiegen; eine schmale Gasse öffnete sich -vor uns, aber nur wenige Blicke fielen auf die Fremdlinge, dagegen alle -auf den Schatz. Wir hatten der ganzen Insel einen Festtag bereitet, was -dadurch noch deutlicher hervortrat, daß wir nach einer halben Stunde zu -einem freien Platz gebeten wurden, wo über 30 Frauen zum Tanz angetreten -standen. Anzug und der Tanz selbst waren wie in Urakukua, daher nicht -weiter erwähnenswerth, doch spielten sich abseits für mein Auge zwei -kleine Scenen ab, welche ich erwähnen möchte. - -Nicht weit von mir, an einer Stelle, wo der um uns gebildete Kreis der -Eingeborenen etwas gelichtet war, stand ein kleiner, vollentwickelter, -reizender Backfisch mit den Händen auf dem Rücken und schaute so -unverwandt nach mir hin, daß ich zu ihm trat, um ihm ein kleines Geschenk -zu geben. Bei meiner Annäherung blieb das nackte Mädchen ruhig stehen, bis -ich dicht vor ihm war, dann aber drehte es sich schnell um und nahm die -Arme so geschwind nach vorn, als ob es Angst hätte, mit denselben etwas zu -verdecken, lief rasch einige Schritte, blieb dann wieder stehen, um sich -zurückzuwenden und ihre Hände schnell wieder auf dem Rücken zu verbergen. -Lag bei ihr das Schamgefühl in den Händen? Ich mußte lachen und kehrte -auf meinen Platz zurück. - -Den Mittelpunkt des andern Bildes gaben zwei junge Burschen ab, Jünglinge -in gleichem Alter, welche Arm in Arm untergefaßt und in der freien Hand -den Speer tragend auf einem seitlich von uns freigebliebenen Raume mit -ernsten Mienen in eifrigem Gespräch auf- und abgingen, ohne uns aus den -Augen zu lassen. Ich glaube in ihren Gesichtern lesen zu können und zu -errathen, was ihre Seele bewegt. Sie bauen, wie wir es in gleichem Alter -gethan haben, Luftschlösser, in welchem sie die Helden sind und sich -zu Herren meines Schiffes machen, wenn zwei Voraussetzungen zutreffen, -nämlich wenn sie einen engen Hohlweg mit einer großen Fallgrube am Ende -finden und es ihnen gelingt, uns Fremdlinge hineinzulocken. Sie stehen -gedeckt am Ende des Weges und warten auf unser Kommen, um jeden aus dem -Wege Heraustretenden mit sicherm Stoß so ins Herz zu treffen, daß er -lautlos und von den Nachfolgenden ungesehen in die Grube stürzt. Ihr Arm -erlahmt nie, einer nach dem andern von uns fällt, und nur die zwei letzten -werden als lebende Trophäen und ihre nunmehrigen Sklaven von ihnen zum -Heimatsdorfe gebracht. Mit dem jetzt ihnen gehörenden Schiffe machen sie -sich dann zu Königen von Neu-Britannien und von noch viel anderm Land, -welches sie erreichen können. - -Nach dem Tanz machten wir noch einen Spaziergang durch den Ort, in -welchem es laut herging, da meine beurlaubten Mannschaften alle Straßen -belebten und in dem Wunsche, auch ein Andenken an ihren Besuch bei den -Menschenfressern mit nach Hause zu bringen, die Ursache eines regen -Tauschhandels geworden waren. Durch die Freigebigkeit des Herrn Weber, -welcher mir für meine Mannschaft einen großen Ballen Taback geschenkt -hatte, war es mir möglich geworden, die Leute auch mit gangbarer Münze -(einige Stangen Taback) zu versehen und ihnen so die Möglichkeit zur -Erwerbung eines Andenkens zu geben. - -Ganz Matupi ist eigentlich nur ein großes Dorf mit vielen Straßen. -Jeder selbständige Eingeborene hat sein Haus nebst daran gelegenem Land -mit einem Zaun umgeben, und da das Land gut bebaut und bepflanzt ist, -so macht das Ganze den Eindruck vieler ordentlich gehaltener Gehöfte -mit dazwischenliegenden Straßen. Vor einem Hause sahen wir Frauen in -Trauerkleidung, die darin besteht, daß das Gesicht mit einem aus Ruß -und Oel hergestellten schwarzen Anstrich bedeckt ist, welcher über den -Augenbrauen beginnt, beinahe bis zu den Ohren reicht und unter dem Munde -abschneidet. Bei Männern habe ich ein solches oder ähnliches äußeres -Zeichen der Trauer nicht gesehen. Vor einem andern Hause fanden wir -zwischen mehrern Frauen eine, welche laut schrie, aber verstummte, als -wir vor ihr stehen blieben, und ihr Geheul wieder anstimmte, sobald -wir zurücktraten. Ich bat einen Herrn, sich zu erkundigen, was dies -bedeute, und wir erhielten die Antwort, daß die Frau von ihrem Manne -Prügel bekommen habe. Da sie keine Thränen vergoß und die Execution wol -auch schon vor einiger Zeit stattgefunden hatte, so bleiben nur zwei -Möglichkeiten für diese Schmerzäußerung bestehen. Entweder gehört es -mit zur Strafe, daß sie der ganzen Nachbarschaft durch ihr Geheul die -Thatsache persönlich mittheilen muß, oder aber sie will Aufsehen erregen -und sich zum Gegenstand der Neugierde und Bemitleidung machen. - -Am nächsten Morgen fuhr ich in aller Frühe in meinem Boote noch nach -der in der Nähe liegenden kleinen Insel, welche ihren Ursprung dem am -9. Februar 1878 stattgehabten vulkanischen Ausbruch der einen Tochter -verdankt. Sie bildet einen schmalen, fast kreisrunden Sandring von 10 m -Höhe und einem ganzen Durchmesser von etwa 90 m; hat innen eine Lagune -mit noch heißem, sehr schwefelhaltigem Wasser, welche durch einen kleinen -Durchbruch mit dem Meere in Verbindung steht. Die Insel hat also genau die -Gestalt der mit Atoll bezeichneten Koralleninseln und würde eine solche -geworden sein, wenn der obere Rand des Ringes unter der Wasseroberfläche -geblieben und später noch einmal der ganze Meeresboden ebenso gehoben -worden wäre, wie es bei dem jetzigen Kraterausbruch der Fall war. Die -im Innern aufsteigenden Schwefeldämpfe vernichten die sich hierher -verirrenden Korallenthierchen, wenn der Boden innerhalb der Lagune ihnen -sonst den Anbau gestatten sollte, und ich komme hiernach immer mehr zu -der Ueberzeugung, daß die von mir gegebene Erklärung der Entstehung der -Koralleninseln den größten Anspruch auf Wahrscheinlichkeit hat. - -Um 8½ Uhr vormittags verließ ich Matupi wieder, ging um die -Gazelle-Halbinsel und steuerte an der Nordküste Neu-Britanniens entlang, -wo ich für kurze Zeit auch an einer deutschen Station stoppte, um einen -zum Schiffe gekommenen Häuptling zu empfangen, welcher frische Kokosnüsse -als Geschenk brachte und mir persönlich auch noch seinen schönen, mit -einem Strauß aus schwarzen Federn gezierten Speer schenkte. Um 2½ Uhr -nachmittags ankerten wir in Port-Weber, wo der Consul sein Pathenkind, -den nach ihm benannten Hafen, zum ersten mal sehen sollte. Der deutsche -Agent kam an Bord und erzählte, daß kurz vor unserer Ankunft dicht bei -seinem Hause ein größerer Kampf zwischen Eingeborenen stattgefunden habe -und etwa 100 Schritte entfernt im Busch noch zwei Leichen lägen, welche -die Eingeborenen jedenfalls aus Furcht vor dem ankommenden großen Schiffe -zurückgelassen hätten. Unser Zweck war hier, wie schon erwähnt, denjenigen -Häuptling, welcher den Agenten bedroht hatte, zur Vernunft zu bringen; -es wurde deshalb ein in Diensten des Agenten stehender Eingeborener -abgeschickt, ihn zum Schiffe zu bestellen. Der Mann war infolge der -Aufregung des kürzlich erst beendeten Kampfes nicht geneigt, den Auftrag -auszuführen, seine Bedenken schwanden aber, als der Agent seine eigene -Büchse ihm zum Schutze mitgab. Nun war er bereit, nahm das ungeladene -Gewehr mit dem Kolben nach oben über die Schulter und zog stolzen -Schrittes ab. Auf meine Frage, was das Gewehr ihm nützen solle, wurde mir -die Antwort, daß das Gewehr an sich ihm ausreichenden Schutz gebe, mithin -die Attrape also genügend war. Ich rechnete übrigens nicht darauf, daß der -Mann kommen würde, und wollte mich daher mit der Thatsache, hier gewesen -zu sein, begnügen. - -Ich bekam hier einen Einblick in das Leben dieser Agenten und verstehe -danach kaum, wie sich zu solchem Leben überhaupt noch Männer finden. -Diese Station ist vorläufig die am weitest vorgeschobene, ist auf dem -Seewege 40 Seemeilen sowol von Matupi wie von Makada entfernt, und nur auf -diesen Weg ist zu rechnen, da der Landweg den Europäern vorläufig noch -verschlossen ist. Allerdings hat die Handels- und Plantagengesellschaft -ein größeres Segelschiff zum Schutze ihrer Agenten an der Küste dauernd -stationirt. Hier lebt nun der Mann fern von Menschen, umgeben von dichtem -Urwald in einem kleinen Blockhaus mit einem Eingeborenen als Diener, -auf dessen Zuverlässigkeit er auch keineswegs bauen kann, ganz allein, -fortwährend von den in der Nähe wohnenden Stämmen bedroht. Von hier aus -macht er in steter Lebensgefahr seine kleinen Geschäftsreisen in das -Innere, hier empfängt er die Eingeborenen, welche gegen Copra, Schildpatt -u. dgl. europäische Waaren eintauschen wollen, und hier im eigenen Hause -muß er noch vorsichtiger sein als außerhalb desselben, weil der Anblick -der begehrten Artikel so leicht zum Mord reizen kann. Allein muß er sein -Haus und Leben bewachen und vertheidigen; seine Nahrung besteht nur in -Conserven, wenn ihm sein Diener nicht ab und zu Fische fängt oder Früchte -bringt. Diese Wohnstätte machte auf mich einen so trübseligen Eindruck, -wie ich nur je einen gehabt habe, und dies um so mehr, als der Mann auch -noch häufig am Fieber leiden soll und dann keinerlei Pflege hat. - -Da es inzwischen Abend geworden war und wir die nächste Umgebung und den -Kampfplatz nicht mehr besichtigen konnten, kehrten wir an Bord zurück, -um hier bei einem Glase guten Weins das Abendconcert unserer Kapelle -zu genießen und dabei zu finden, daß ein Kriegsschiff doch nicht der -schlechteste Aufenthaltsort ist, wenn man auch schon seit Wochen keinen -frischen Proviant mehr gesehen, sondern nur von Conserven gelebt hat. -In Matupi war es mir allerdings gelungen, dem dortigen Hernsheim’schen -Agenten zwei sorgsam gehütete magere Enten, welche er Gott weiß woher -erlangt hatte, abzujagen, da man hier sagen kann: „Noth bricht Eisen“, -aber diese reichen eben nur für meinen Gast und mich, und die armen -Offiziere gehen auch hier leer aus, während die Mannschaft ja kürzlich -durch die geschenkten zwei Schweine einmal wieder frisches Fleisch zu -essen bekommen hatte. - -Der Morgen des 18. fand uns wieder reisefertig, doch entschloß ich mich -auf die Mittheilung des Agenten hin, daß der hierherbefohlene Häuptling -kommen wolle, noch bis 9 Uhr zu warten. Als sich zu dieser Stunde noch -nichts sehen ließ, gab ich den Befehl zum Ankerlichten und gerade, als -der Anker eben aus dem Grund gebrochen werden sollte, stieß ein Kanu vom -Lande ab. Ich ließ daher halten und sah bald zu meiner Befriedigung den -gesuchten Mann bei mir an Bord. Es war viel, daß er gekommen war, und -dies zeigte sowol, daß er Vertrauen zu uns hatte, wie auch, daß seine -Drohungen nicht ernst gemeint oder falsch verstanden waren. Wir schieden -als gute Freunde und nun wurde unter Segel und Dampf die Rückfahrt nach -Makada angetreten, wo wir um 4 Uhr nachmittags eintrafen und gleich -mit dem Uebernehmen des inzwischen geschlagenen Holzes begannen. Von -Herrn Hernsheim, welcher direct von Matupi in einem offenen Boot hierher -zurückgekehrt war, erfuhr ich mancherlei Angenehmes. Zunächst, daß die -Leute in Ruluana fleißig beim Copraeinsammeln seien und der heute von -dort hierher zurückgekehrte Agent versichert habe, wie ihm seit seinem -Hiersein noch nie von den Eingeborenen eine so zuvorkommende Behandlung -zutheil geworden sei, als in Ruluana nach unserer Landung daselbst. -Ferner bat er, von einer weitern Verfolgung der Häuserbauangelegenheit -abzusehen, weil alle Leute der betreffenden Häuptlinge für mich hätten -Holz schlagen müssen. Mit dem Bau sei aber begonnen und derselbe nur noch -nicht fertiggestellt. Ich erklärte mich damit einverstanden und konnte von -dem beabsichtigten nächtlichen Streifzug, bei welchem ich die Häuptlinge -im Falle der Nichterfüllung ihres Versprechens aufheben wollte, absehen. -Weiter, und dies war die Hauptsache, theilte er mir mit, daß am nächsten -Morgen die neun Häuptlinge, welchen der Hafen von Makada gehörte, zu mir -kommen wollten, um mir ihren Hafen zu verkaufen, und schließlich hörte ich -noch zu meiner Freude, daß King Dick uns zu Ehren doch noch einen Dug-Dug -für den nächsten Nachmittag angeordnet habe und er mir dies am nächsten -Morgen selbst mittheilen wolle. - -Am 19. morgens 9 Uhr war meine Kajüte zum Empfang der Häuptlinge bereit. -Unparteiische, Zeugen und Dolmetscher waren anwesend, die in Englisch und -Deutsch ausgefertigten Kaufbriefe lagen auf dem Tische. Wir brauchten -nicht lange zu warten, denn bald erschienen neun Eingeborene, an ihrer -Spitze King Dick mit einer schwarz-weiß-roth angestrichenen Blechkrone -auf dem Kopfe, welche, wie ich nachher erfuhr, die Offiziere hatten -anfertigen lassen und ihm beim Betreten des Schiffes aufgesetzt hatten. -Mit Ausnahme von King Dick und Torragud, welcher wieder seine blaue Jacke -trug, waren alle in ihrer Nationaltracht, nackt mit dem Speer in der -Hand. Nach kurzer Begrüßung nahmen die Häuptlinge in der landesüblichen -Weise auf meinem Teppich in einem Halbkreise um uns Platz, d. h. halb -hockten sie und halb saßen sie. Die Füße bleiben dabei dicht am Körper, -die Knie stehen hoch und sind soweit geöffnet, daß der Kopf zwischen -ihnen liegt. Das Geschäftliche war bald erledigt. Nach nochmaliger Frage -erklärten die Häuptlinge genau zu wissen, um was es sich handele und daß -sie bereit seien, gegen den verabredeten Kaufpreis ihren Hafen an mich zu -verkaufen, baten aber, daß es ihnen doch erlaubt werden möge, in dem Hafen -fernerhin zu fischen, solange ich nicht fischen wolle. Dieser Punkt war -von uns übrigens vorher schon erwogen und in den Kaufbrief aufgenommen -worden, weil der Besitzer des Hafens nach hiesigen Rechtsbegriffen auch -nur allein das Recht zum Fischen hat und es mir fern lag, die Leute in -dieser Beziehung beschränken zu wollen. Als ihnen daher der Kaufbrief -vorgelesen und übersetzt worden war, nach welchem sie nur das Wasser -und den Strand verkaufen, das Fischereirecht dagegen behalten und ferner -auch den Schiffen anderer Nationen das Anlaufen des Hafens freigestellt -bleibt, sprangen sie sofort auf, um den Brief durch ihr Handzeichen zu -vollziehen und demnächst ihr Theil an dem Kaufgeld, welches vornehmlich -in Kleidungsstücken, Beilen, und Messern bestand, zu empfangen. Topulu -brachte danach noch seine Dug-Dug-Einladung an und dann trennten wir -uns bis zum Nachmittag, bis zu welcher Zeit auch das Holz übernommen und -verstaut sein mußte, sodaß ich meiner Besatzung dieses seltene Schauspiel -auch zugängig machen konnte. Unten im Schiff waren schon alle disponiblen -Räume mit Holz ausgefüllt und das Oberdeck war vorn bis auf einen -offengehaltenen schmalen Weg auch schon bis zur Reling vollgepackt. - -Nach dem Mittagessen der Mannschaft wurden die großen Boote ausgesetzt und -das aus 130 Mann bestehende Landungscorps machte sich zur Ausschiffung -bereit. Noch ehe wir vom Schiffe absetzen, wird es auf dem Hafen schon -lebendig, von allen Seiten strömen Kanus nach dem Nordende von Amakada, -weil der Dug-Dug bei dem Hause des Herrn Brown stattfinden soll. Auch -zeigen sich schon einzelne Dug-Dug-Tänzer, welche immer einer mitten in -einem von mehrern Männern geruderten Kanu stehen und unter dem Singen der -Ruderer und Schlagen der Trommel fortwährend in Bewegung sind, weil sie -nie stehen, im Boot aber auch nicht sitzen dürfen. Unter fortwährendem -Hopsen wiegen die Masken auf und nieder, nach vorn und hinten. Wir sind -auch bald an unserer Haltestelle angelangt, einer kleinen, von reicher -Vegetation eingerahmten Bucht, wo alle Boote gleichzeitig anlegen können -und wo auf dem Strande eben Platz genug ist, daß die Mannschaften antreten -und sich ordnen können. Der dort einmündende Pfad ist aber so schmal, -daß wir auf ihm zu zwei und zwei hintereinander marschiren müssen. Diesen -Marsch auf dem weichen, mit saftigem Gras bewachsenen Pfad werde ich nie -vergessen. Ueber uns das dichte Laub der mächtigen Baumriesen, welche nur -hier und da den Sonnenstrahlen ein zeitweises Durchflimmern gestatten, -zur Rechten und Linken den Blick in den herrlichen, majestätischen Ur- -und Hochwald, welcher nur unten mit 1 m hohem Gestrüpp bestanden ist, und -dabei rund um uns, vorn, hinten, rechts und links ein unsichtbares Leben -von gar eigenartiger Wirkung, welches uns unwillkürlich verstummen macht. -Der ganze Wald scheint mit Waldgeistern bevölkert, welche laute Jauchzer, -dumpfe Trommelschläge und merkwürdig metallische, durch Blasen auf grünen -Blättern erzeugte Töne zu uns herübersenden, ohne daß wir deren Urheber -sehen. Es sind alle die, welche zum Dug-Dug eilen, um ihn zum Festplatz -zu geleiten. - -Oben beim Hause des Herrn Brown angelangt finden wir eine Reihe Stühle -aufgestellt, mit den Lehnen dem freien Platze vor dem Hause zugekehrt. -Die Stühle sehen daher nach dem Platze, auf welchen der Hohlweg, den -wir gekommen, mündet und welcher an einer steil abfallenden Felsenwand -vorbeiziehend rechts wieder als tiefer Hohlweg weiter nach oben steigt. -Meine Mannschaften nehmen hinter der Stuhlreihe Aufstellung; wir -eigentlichen Gäste werden gebeten auf den Stühlen Platz zu nehmen, und -ich erhalte den Ehrenplatz in der Mitte, zu meiner Rechten Frau Brown, zu -meiner Linken die junge Missionarsfrau. Im Walde ist es inzwischen still -geworden, von Eingeborenen sind nur drei mit Hüfttüchern bekleidete Frauen -bei uns, darunter auch die einäugige von Topulu. Es waren nämlich von Frau -Brown nur solche Frauen zugelassen worden, welche im Stande waren, sich -etwas zu bekleiden; auf die Männer aber erstreckte sich, wie wir nachher -sahen, ihr Einfluß nicht. Kurze Zeit nachdem wir Platz genommen, hören wir -rechts aus dem Hohlweg von der Höhe ein dumpf grollendes Brüllen, wie das -eines Löwen, welches links aus dem Hohlweg aus der Tiefe beantwortet wird -und nun ununterbrochen Schlag auf Schlag folgt; es ist ein von mehrern -hundert Kehlen gleichzeitig ausgestoßener, tiefer, langgezogener Ton, -welcher mit einem in der Quint liegenden kurz herausgestoßenen höhern Ton -jäh abschließt. Das Brüllen wird stärker und stärker, in den Hohlwegen -werden Menschen sichtbar, braune dicht aneinandergedrängte nackte Männer, -den Kopf zwischen die Schultern gezogen, in der erhobenen Rechten den -wurffertigen Speer. Wie der Heerwurm wälzen und schieben sich diese -Menschenströme langsamen Schrittes in dem Takte des Brüllens nach dem vor -uns liegenden Platze zu, quellen wie gestautes Wasser aus den schmalen -Gassen heraus und überfluten schließlich den ganzen Platz. An 1000 Krieger -dringen mit erhobenen Speeren aufeinander ein, für das Auge wie ein -träger, aber alles vor sich niederwerfender Lavastrom, bleiben aber wie -angewurzelt stehen und verstummen, als die Reihen der linken Partei sich -öffnen und aus ihrer Mitte das schöne Dug-Dug-Kanu herausgetragen wird -und neben diesem auf den Schultern zweier Männer King Dick mit seiner -Blechkrone auf dem Kopfe erscheint. Daß Topulu nicht in dem Kanu sitzt, -sondern sich nebenhertragen läßt, ist die einzige Abweichung von dem -wirklichen Dug-Dug. Topulu läßt sich neben dem Kanu einmal die Reihen -auf- und abtragen, dann treten die Eingeborenen zurück und stellen sich -an der uns gegenüberliegenden Felsenwand auf. Das Kanu wird zur Seite -hingestellt und die Führer der beiden Parteien, Topulu und Torragud, -kommen zu uns. Kaum ist der Platz frei, so brechen aus dem umliegenden -Buschwerk die Dug-Dugs einzeln hervor, vereinigen sich hüpfend in der -Mitte des Platzes, schweben wie Irrlichter richtungslos hin und her und -sinken zu beiden Seiten ihrer Krieger wie ein eingeschobenes Fernrohr -zusammen. Sie haben sich nur gesetzt, da aber jetzt der Laubrock noch so -unverhältnismäßig hoch ist, sieht es aus, als ob sie bis über die Knie -in die Erde eingesunken wären, und sie geben so einen noch wunderlichern -Anblick als vorher. Jetzt ist die Zeit für die Haupthandlung gekommen. -Topulu tritt mit einem sogenannten Ziegenhainer, einem 3 cm dicken Stock -vor, ruft einen Namen, ein Häuptling springt vor, stellt sich, uns den -Rücken zukehrend, drei Schritte vor uns auf; Topulu holt aus und zieht -dem Manne einen Hieb über den Rücken, daß wir die Knochen knacken zu -hören glauben und der Mann halb zusammenbricht, wendet sich dann zu uns, -zeigt mit der rechten Hand nach seinen Leuten, ruft mit grinsendem Gesicht -aus: „'me look out!'“ und verschwindet dann mit einigen Sprüngen wieder -in dem Menschenknäuel. Darauf ruft Torragud einen Häuptling aus seiner -Partei und dieselbe Scene wiederholt sich. Der Sinn dieser drastischen -Schaustellung ist, daß die beiden Häuptlinge berufen sind, die Innehaltung -des Tabu-Gesetzes zu überwachen, und der Schlag soll sie stets an ihre -Pflicht erinnern. Damit ist der Dug-Dug für heute, oder doch wenigstens -für uns beendet, ich kann aber mit demselben noch nicht abschließen, -ohne der merkwürdigen Thatsache, daß die beiden Missionsdamen dieser -Schaustellung in unserer Mitte beigewohnt haben, einige Worte zu widmen. -Diese Thatsache gibt mir eben den Beweis, wie wenig das moralische Gefühl -durch die Kleidung bedingt wird, und wie schon eine Gewöhnung von wenig -Wochen ausreicht, sogar dem Auge einer der sonst als ziemlich prüde -bekannten Engländerinnen der bessern Stände das vertraut zu machen, was -die Natur geschaffen hat, sofern wir es in ungekünstelten Verhältnissen -sehen. - -Als Erwiderung des uns von den Eingeborenen gegebenen Festes ordnete ich -an, daß unsere Mannschaften einen Scheinangriff auf das Missionshaus -machen und den Platz im Sturm nehmen sollen. Unsere Truppe marschirte -ab und während dessen werden die Stühle weggeräumt. Die Damen und die -Herren vom Civil werden gebeten, auf der Veranda des Hauses Aufstellung -zu nehmen, wo sich dann auch noch die Brown’schen Kinder einfinden. Die -Eingeborenen werden da aufgestellt, wo die Stühle gestanden hatten, und -die nicht beim Manöver betheiligten Offiziere stellen sich mit mir vor -die Eingeborenen, um sie vor der Furcht zu bewahren, daß der Angriff etwa -ernst gemeint sein könne. Hornsignale belehren uns, daß die Truppe im -Anzuge ist, bald hören wir Gewehrfeuer und sehen an den Pulverwölkchen, -daß die Teufelskerle von Tirailleuren theilweise wahrhaftig die steile -Klippe genommen haben und eben mit ihren Köpfen über deren Rand zum -Vorschein kommen, um den ganzen Platz einzuschließen. Huschende und wieder -im hohen Gras verschwindende Gestalten, langsames und bedachtsames Feuer -von zwei Seiten, dann tritt die Sturmcolonne aus dem Waldessaum, ordnet -sich schnell vor demselben, eine Salve, kurzes Avanciren, noch eine Salve, -dann Gewehr zur Attake rechts, die Tamboure schlagen an, die Sturmcolonne -geht vor und unter den rauschenden Klangwellen des Avancirmarsches stürmt -sie, eine feste Wand in der Sonne glitzernder Bajonette, mit Hurrah -auf das Haus. Ein Hornsignal! und wie vom Blitz getroffen stehen unsere -Matrosen in Reih und Glied vor dem Hause, weitere Befehle erwartend. Ein -Schauer durchrieselt den Körper wol eines jeden Zuschauers bei diesem -schönen militärischen Spiel, welches durch sein lebendiges Tempo, durch -die entwickelte muthige Kraft und die Schnelligkeit der ganzen Aktion -in so lebhaftem Gegensatz zu dem furchtsamen, bedächtigen Vorschreiten -der Eingeborenen steht. Diese scheinen verzaubert, mit starren Blicken -und offenem Munde stehen sie da wie aus Stein gehauen. Unsere Truppen -marschiren ab, die Eingeborenengruppen lösen sich auf, und wir nehmen noch -eine kleine Erfrischung im Hause ein, während unsere Musik vor demselben -einige Stücke spielt. - -Da ich am nächsten Vormittag Makada für immer verlassen wollte, so mußten -wir heute von der Familie Brown Abschied nehmen, und dies veranlaßte mich -bald aufzubrechen, da man sah, wie plötzlich allen der Trennungsschmerz -in den Gliedern lag. Es mag sonderbar scheinen, daß diese wenigen Tage -des Beisammenseins solche Gefühle erzeugen konnten, aber wenn Menschen -von annähernd gleicher Gesinnung sich an solch isolirtem Punkte der Erde -begegnen, dann arbeiten die Gefühle anders als in einer unter dem Segen -der Civilisation liegenden Stadt. Mir wurde der Abschied von diesen -guten Menschen schon schwer, wie viel schwerer mußte ihnen derselbe sein, -die mit unserm Weggehen wieder alles verloren, was sie in körperlicher -Gestalt für kurze Zeit an die ferne Heimat, an das Vorhandensein -gleichgesinnter Menschen erinnert hatte. Ich machte die Sache kurz; die -Art des letzten Händedrucks und die in den Augen der Damen schimmernden -Thränen sagten uns allen, daß es nach menschlicher Berechnung ein Scheiden -auf Nimmerwiedersehen war. Auf dem Rückweg lagen wir so sehr unter dem -Bann des Abschieds, daß wir keinen Sinn hatten für das Leben im Walde, -welches die heimkehrenden Dug-Dugs begleitete. Den Strand fand ich auch -vereinsamt, da unsere Boote ja längst zum Schiffe zurückgekehrt waren -und meine vereinsamte Gig sich im Gegensatz zu dem Leben und Treiben bei -unserer Landung fast trübselig ausnahm. Auf dem Wasser allerdings fanden -wir wieder Leben, da wir während des Rückweges zu unserm schwimmenden Heim -von Kanus und heimkehrenden wiegenden Dug-Dugs umschwärmt waren. Der Abend -fand alle deutschen Herren bei mir an Bord, um den letzten Abend an diesem -weit vorgeschobenen Posten deutschen Unternehmungsgeistes noch gemeinsam -zu verbringen, denn am nächsten Morgen sollten wir ja auch voneinander -Abschied nehmen; wenn auch nicht für immer, so doch sicher für viele -Jahre. - -Am 20. vormittags 10 Uhr, nachdem Herr Brown mir noch einige Andenken -geschickt hatte, schlossen wir mit dem Lande ab; die deutschen Herren -verließen das deutsche Kriegsschiff, als der Anker gelichtet war. -Tiefbewegt war ich, als die „Ariadne“ den ersten deutschen Hafen in diesem -Theil der Erde -- da ich hoffe, ihn schon jetzt so nennen zu dürfen -- -verließ. Wenn man vorwärts eilt, bieten sich dem Auge stets neue Bilder, -dem Geiste andere Eindrücke, und so wurden auch gar schnell meine Sinne -anderweit gefesselt. Oben auf der Klippe weht die englische Flagge an -Herrn Brown’s Flaggenmast, um den Fuß desselben und am Rande der Klippe -ist alles, was in der Nähe lebt, versammelt. Ich halte nach dem Lande ab -und laufe mit langsam gehender Maschine so dicht an der steilabfallenden -Küste entlang, daß man von oben in das Schiff hineinsehen kann. Die Flagge -oben senkt sich zum Gruße, unsere erwidert den Gruß, Tücher und Hände -winken uns ein letztes Lebewohl, unsere Matrosen entern in die Wanten und -antworten mit drei jauchzenden Hurrahs, in welchen keine Trauer liegt, -sondern nur reine Freude, denn mit dem Verlassen dieses Himmelsstriches -rücken wir der Heimat wieder eine Etappe näher, wenngleich wir uns -räumlich mehr von ihr entfernen. Die Musik stimmt einen fröhlichen Marsch -an, die Maschine arbeitet mit voller Kraft und nach zehn Minuten biegen -wir um eine Ecke und sind gegenseitig unsern Blicken entrückt. - -Um 1 Uhr mittags lagen wir wieder im Hafen von Meoko, wo sofort die -ganze Bevölkerung zusammengetrommelt wurde, um noch, Tag und Nacht -durcharbeitend, soviel Holz wie möglich für mich zu schlagen. Herr -Weber begab sich sogleich an die Arbeit, um mit den durch Agenten darauf -vorbereiteten Häuptlingen das Kaufgeschäft über den Hafen endgültig zu -vereinbaren, während ich mit einem hier bekannten Herrn einen Spaziergang -in das Innere der Insel machte. Hierbei kamen wir auch an eine schmutzige -Hütte, in welcher, wie mein Begleiter mir sagte, einer der ersten -Häuptlinge von Meoko schwer krank darniederlag. Ich wollte den Mann gern -sehen, ihm aber auch durch unsern Arzt womöglich Hülfe oder Linderung -bringen lassen. Wir klopfen daher an, ein altes häßliches Weib öffnet uns, -springt uns aber dann laut kreischend mit solchem Geifer entgegen, daß -wir scheu zurücktreten. Mein Begleiter gibt mir gleich die Aufklärung, -daß jeder unerbetene Besuch eines Häuptlings, zu welchen alle Weißen -rechnen, mit Diwarra bezahlt werden muß und daß diese Sitte schon manchem -harmlosen Europäer das Leben gekostet habe. Denn da der Eingeborene -diese Sitte nicht umgehen könne, so bleibe ihm nur die Wahl, entweder zu -zahlen oder zu tödten, und bei der allgemein verbreiteten Geldgier zöge -er, wenn irgendmöglich, lieber das letztere vor, als ein fingerlanges -Stück Diwarra herzugeben. Und aus solchem Todtschlag wird dann gar häufig -die Blutdürstigkeit des Menschenfressers gefolgert, während er sich -selbst als in der Nothwehr befindlich betrachtet. In Wirklichkeit sind -diese Eingeborenen, wenn man sie unbehelligt läßt, arbeitsame und im -allgemeinen harmlose Geschöpfe. Die Alte war übrigens bald beruhigt, als -mein Begleiter ihr Taback versprach, welchen sie sich von der Factorei -holen könne. Sie schenkte mir nun ein 20 cm langes Stück Diwarra, -während sie mir erst ein 50 cm langes zugedacht hatte. Aber ehe es in -meine Hand gelangte, zog sie es schnell zurück, sah mich an und schnitt -gierig noch ein kleines Stück ab und wiederholte dieses Manöver so lange, -bis wir ungeduldig wurden und mein Begleiter ihr das schon auf 20 cm -eingeschrumpfte Stück entriß. Jetzt ließ sie uns eintreten und in einem -Winkel fanden wir den weiß angestrichenen armen alten Teufel, welchem -ich nach dem Rath meines Begleiters leider nicht helfen durfte, denn wenn -unser Arzt ihm etwas gäbe und der Mann stürbe doch, dann würden wir der -Vergiftung bezichtigt und die Folge würde wahrscheinlich die Ermordung -eines Weißen sein; ja, schon der Besuch des weißen Medicinmannes würde -im Falle des eintretenden Todes als Zauberei hingestellt werden. So mußte -ich den armen Kerl seinem Schicksal überlassen. - -Gestern Morgen, am 21. December, habe ich den Hafen von Meoko in derselben -Weise wie den von Makada gekauft, und da um 10 Uhr auch das Holz an -Bord war, konnten wir um 10½, Uhr den zweiten deutschen Hafen verlassen -und streben jetzt mit Macht den Samoa-Inseln wieder zu, weil es für die -dortigen Interessen die höchste Zeit ist, daß der Consul und ich dahin -zurückkehren. Deshalb habe ich auch das beabsichtigt gewesene Anlaufen -einiger Inseln der Salomons-Gruppe aufgegeben und will mich mit nur einem -zwei- bis dreistündigen Aufenthalt auf Savo begnügen. - - - - -14. - -Samoa. - -III. - - - 15. Januar 1879. - -Die Samoa-Inseln sind wieder einmal in Sicht. Schon heute Morgen 8 -Uhr sahen wir für kurze Zeit Savai’i, als wir noch 70 Seemeilen davon -abstanden, doch es verschwand bald wieder hinter Wolken und ist erst -vor zwei Stunden, um 4 Uhr nachmittags, wieder zum Vorschein gekommen. -Wir werden wol morgen Vormittag in Apia eintreffen und wenn dies auch -nicht am 1. Januar, wie ursprünglich geplant, geschehen ist, so wird die -Verzögerung doch nicht viel ausmachen, da Herr Weber während der Reise -genügende Muße gefunden hat, das Vertragsinstrument soweit auszuarbeiten -und in Deutsch, Samoanisch und Englisch (das letztere Exemplar für den -zu den Verhandlungen mit heranzuziehenden Dolmetscher bestimmt) fertig -zu stellen, daß es von den beiderseitigen Bevollmächtigten nach einer nur -kurzen Prüfung unterschrieben werden kann. - -Die Reise hierher ging durch den tropischen Hochsommer, welcher durch -windstilles schwüles Wetter und häufige Regenfälle gekennzeichnet ist. -Die Folge der Windstillen war, daß wir den größten Theil unter Dampf -zurücklegen mußten und das Maschinenpersonal somit die Hauptarbeit zu -tragen hatte, welche namentlich für die Heizer vor dem Feuer sehr schwer -war, aber auch von dem Commandanten empfunden wurde, da dieser bei -solchen Gelegenheiten gewöhnlich mit viel Unverstand zu kämpfen hat. So -wurde mir eines Tages, bald nach unserer Abfahrt von Meoko, die Meldung -gemacht, daß die Heizer vor den Feuern umfielen, und die Forderung an -mich gestellt, diesen Leuten regelmäßige Branntweinrationen verabfolgen -zu lassen, trotzdem man wußte, daß ich ein entschiedener Gegner dieses -Genußmittels während regelmäßiger Arbeit bin und ich auch die Gründe für -meine Auffassung oft genug auseinandergesetzt hatte. Anstatt die Forderung -zu erfüllen, ging ich mit den betheiligten Personen in den Heizraum, um -ihnen an Ort und Stelle zu zeigen, daß die Hitze dort nicht viel höher wie -unter andern Verhältnissen war, mithin die Ursache der Schwächezustände -anderweit und zwar darin zu suchen sei, daß die Leute bereits geschwächt -zum Dienst erschienen waren. Meine Vermuthung war gleich, daß die von -mir für das körperliche Wohl dieser Leute getroffenen Anordnungen, welche -darin bestehen, daß die von Wache kommenden Heizer sofort ein Bad nehmen -müssen und im Anschluß daran gezwungen werden, sich auf dem Deck in -frischer Luft aufzuhalten, an möglichst kühlen Plätzen zu schlafen und -ihren eigentlichen Wohnraum, welcher über dem Kesselraum liegt, nur zur -Aufbewahrung ihrer Sachen zu benutzen, nicht streng genug befolgt würden. -Ich ging daher von dem Heizraum in das genannte Wohngelaß und fand die -Leute, wie ich befürchtet hatte, berußt wie sie von den Feuern gekommen -waren, in dem heißen schwülen Raum auf der Erde liegend. Daß sie in -solcher achtstündigen Ruhe nicht die Kräfte finden konnten, um nachher -wieder vier Stunden vor den Feuern aushalten zu können, liegt auf der -Hand; aber den Leuten selbst, welche nach ihrem Dienst aller Willenskraft -bar sich an dem ersten Ort, wo sie sich ungestört wähnen, hinwerfen -und in einen halb ohnmächtigen Zustand verfallen, konnte ich deshalb -nicht zürnen, sondern nur dem Aufsichtspersonal, welches die ertheilten -Befehle auszuführen hatte. Ich trug natürlich Sorge, daß die getroffenen -Anordnungen nunmehr auch Beachtung fanden, die Leute gebadet, frisch -gekleidet und an luftigen Orten untergebracht wurden, worauf, trotzdem die -Heizer keinen Branntwein, sondern nur den vorgeschriebenen Haferschleim- -und Theeaufguß erhielten, keine der vorerwähnten Schwächezustände mehr -vorkamen. Es ist doch eine wunderbare Thatsache, daß immer und immer -wieder von dem „Schnaps“ alles Heil erwartet wird. - -Die ersten Tage dieser Reise waren auch noch in anderer Beziehung sehr -unbehaglich, da das als Feuerungsmaterial mitgenommene Holz, welches -ja alle freien Theile des Schiffes ausfüllte, uns so viel Ungeziefer -mitgebracht hatte, daß wir uns desselben in den ersten Tagen gar nicht -erwehren konnten. Namentlich die Ameisen und 10 cm lange, 1 cm dicke -Tausendfüßler, welche eine sehr schmerzhafte Bißwunde hinterlassen, waren -uns höchst unangenehm und wir hatten nach dem Aufbrauch des Holzes noch -mehrere Tage einen eifrigen Vernichtungskrieg zu führen gehabt, ehe wir -von diesen lästigen Gästen wieder befreit waren. - -Am 22. December morgens mit Tagesanbruch lag Bougainville, die über 3000 m -hohe nördlichste Insel der Salomons-Gruppe vor uns und blieb auch während -des ganzen Tages in Sicht, da unser südöstlicher Curs in einer Entfernung -von etwa 30 Seemeilen an der langgestreckten in nordwestlich-südöstlicher -Richtung laufenden, 130 Seemeilen langen Insel vorbeiführte. - -Am 23. morgens sahen wir die kleine Insel Treasury-Island, welche -ihren Namen nach einem hier früher von Seeräubern vergrabenen großen -Schatz, der immer noch seiner Hebung wartet, führen soll. Sie hat einen -ziemlich guten Hafen, liegt selbst an der großen Straße und kann daher -von vorbeisegelnden Schiffen leicht als Nothhafen benutzt werden. Dies -bestimmte mich, in den Hafen einzulaufen, weil den dortigen noch wirklich -wilden Eingeborenen nie oft genug das Vorhandensein von Kriegsschiffen als -Warnung vor Augen geführt werden kann, um sie vor feindlichen Angriffen -auf Kauffahrteischiffe abzuhalten. - -Die gegenüber der Südküste von Treasury-Island liegende kleine Insel -Stirling bildet mit dieser eine schöne, 1800 m lange und 600 m breite -Bucht, in welcher bei einer kleinen, „Watson“ genannten Insel der -Ankerplatz liegt. Um 9½ Uhr vormittags liefen wir in die Bucht ein -und fanden dort ein außerordentlich malerisches landschaftliches Bild, -zwar wieder nur Wasser, Höhen, Wald, Wolken und Menschen, aber doch so -verschieden von anderm, was wir bisher gesehen. Die Natur weiß auch mit -diesen geringen Mitteln ebenso wunderbar verschiedene Effecte zu erzielen, -wie mit den wenigen Linien im menschlichen Angesicht. - -Auf graublauem, von dickem Regengewölk gebildeten Hintergrund liegen -zu beiden Seiten die die Bucht bildenden, bis etwa 120 m ansteigenden -bewaldeten Höhen, deren saftiges dunkles Grün die tiefblaue Wasserfläche -umschließt. Das Land zur Linken, die Südküste von Treasury-Island, bildet -eine geradlinig laufende Wand, an deren Ende Watson liegt; das Land zur -Rechten bildet eine gezackte Linie, vor welcher kleine bewaldete Inseln -als grüne Hügel aus der blauen Grundfläche hervortreten und in Verbindung -mit den zwischen ihnen liegenden kleinen Meeresarmen besonders malerisch -wirken. Als wir bis zur Mitte der Bucht gekommen waren, fanden sich auch -die Eingeborenen, sämmtlich mit Speeren oder Pfeilen und Bogen bewaffnet, -in großen Massen bei dem Schiffe als belebendes Element ein, obgleich man -an der ganzen Küste keine Hütten sehen konnte. Unserer Aufforderung, an -Bord zu kommen, wagten sie nicht zu entsprechen, würden aber bei einem -Kauffahrer eine derartige Aufforderung wol gar nicht erst abgewartet, -sondern versucht haben, sich einen solchen Besuch zu erzwingen. Ich halte -diese Eingeborenen noch für außerordentlich gefährliche Gäste und glaube, -daß Handelsschiffe gut thun, diese Häfen nur unter Beobachtung größter -Vorsichtsmaßregeln für kurze Zeit und zwar mit den Waffen in der Hand -anzulaufen. - -Nach einstündigem Aufenthalt dampften wir wieder aus der Bucht, trafen -am 25. December vormittags bei der Insel Russell ein, liefen zwischen -dieser und Guadalcanar durch und drehten nachmittags 1½ Uhr vor der -kleinen Insel Savo bei. Der Besuch der Insel galt nur kaufmännischen -Interessen, weil hier ein Engländer, einer der wenigen Europäer, -welche es überhaupt bisjetzt gewagt haben sich auf den Salomons-Inseln -niederzulassen, leben sollte, und es Herrn Weber darauf ankam, etwas über -die hiesigen Handelsverhältnisse und die Möglichkeit der Gewinnung von -Plantagenarbeitern zu erfahren. Die Insel ist eirund, 6 Seemeilen lang, -3½ Seemeilen breit, 600 m hoch und dicht bewaldet; Hütten waren nur am -Strande zu sehen und wird wol auch nur dieser bewohnt. - -Ich fuhr gleich mit dem Consul in meiner Gig an Land, einige beurlaubte -Offiziere u. s. w. folgten in den beiden bewaffneten Kuttern, sämmtliche -Bootsgasten waren mit scharfen Patronen versehen. Am Strande hatte sich -schon während unserer Annährung eine große Menschenmenge, Männer, welche -Bekleidung noch für etwas Ueberflüssiges hielten, angesammelt, unter -welcher wir auch bald den gesuchten Engländer entdeckten. Das Schiff lag -so nahe am Lande, daß wir nur wenige Minuten bis dahin zu rudern hatten, -und bei unserer Landung trat der Engländer gleich an mich heran, um -seine Dienste anzubieten. Da wir vorerst nur mit ihm zu thun hatten, so -gingen der Consul und ich mit zu seiner von dem Dorfe weit abliegenden -Behausung, nachdem ich vorher den Beurlaubten noch die größte Vorsicht für -den Verkehr mit den Eingeborenen anempfohlen hatte. Unser Weg führte am -Strande entlang, wo wir auch an mehrern Hütten vorbeikamen, welche bei der -flüchtigen Besichtigung, die wir ihnen nur widmen konnten, einen peinlich -saubern Eindruck machten, wie auch die in den Hütten befindlichen, mit -Grasschurz bekleideten Frauen, welche angenehme Gesichtszüge und eine -hellbraune Hautfarbe hatten, einen reinen gepflegten Körper zu haben -schienen. Als ich während unsers Marsches den Wunsch äußerte, Hühnereier -zu kaufen, wurde mir der Bescheid, daß solche nicht zu haben seien, ich -aber die Eier eines Vogels, welcher dieselben in den Sand legt und dort -von der Sonne ausbrüten läßt, erhalten könne. Ein entsprechender Auftrag -an einige der uns begleitenden Eingeborenen hatte zur Folge, daß mir -schon nach einer halben Stunde ein ziemlich großer Korb voll braunrother, -hell ziegelfarbener Eier von 9 cm Länge und 6 cm Dicke gebracht wurde, -von welchen behauptet wird, daß der Leib des Vogels, welcher diese Eier -legt, nicht viel größer wie das Ei selbst sei. Thatsächlich ist der -Vogel, welcher zur Klasse der Megapodien, Großfußhühner oder Wallnister -gehört und hier gemeinhin Buschhuhn genannt wird, nicht größer wie -eine Fasanenhenne, das Verhältniß des Eies zum Vogel muß also ein ganz -ungewöhnliches genannt werden. - -Bei dem Hause des Engländers angekommen, fanden wir eine scheunenartige -große Hütte, in welcher mehrere Frauen damit beschäftigt waren, Kokosnüsse -handelsfertig zu machen. In einer Ecke lagen die faserigen Nußhüllen, -in einer andern fertige Copra, in einer dritten wurden die frischen -Nußkerne geschnitten und zum Trocknen vorbereitet. Was wir hier über -die Handelsverhältnisse erfuhren, war nicht sehr verlockend, weil die -Sicherheit des Lebens der Fremden vorläufig noch eine sehr zweifelhafte -ist. Die Eingeborenen sind passionirte Menschenfresser und stets auf -Raubzügen begriffen, um sich das begehrte Menschenfleisch, Siegestrophäen -und Sklaven zu verschaffen. Wenn nun auch ein fremder Händler, solange er -nicht gegen die Gebräuche des Landes verstößt, was er unbewußt sehr leicht -thun kann, im allgemeinen sein Leben für gesichert halten kann, weil die -Eingeborenen gern handeln und lüstern nach europäischen Handelsartikeln -sind, so ist sein Leben doch keinen Pfifferling werth, sobald einem andern -Stamm ein Ueberfall auf das Dorf, in welchem er lebt, gelingen sollte, -und dies kann jederzeit geschehen. Bewundernswerth ist es daher, daß sich -immer wieder Leute finden, die verhältnißmäßig geringen Gelderwerbs wegen -ihr Leben derart in die Schanze schlagen. Ob es mit der Zeit gelingen -wird, hier für die Samoa-Inseln Plantagenarbeiter zu gewinnen, muß die -Erfahrung lehren, eine schwierige Sache dabei bleibt aber immer die -große Entfernung zwischen den beiden Inselgruppen und für Segelschiffe -namentlich die ungünstigen Windverhältnisse. - -Wir machten uns bald wieder auf den Rückweg, um auch noch einen Blick in -das Dorf zu werfen, doch fanden wir an unserer Landungsstelle die Brandung -so hoch geworden und das Einsteigen in die Boote bereits so gefährdet, -daß ich mich zum sofortigen Verlassen des Landes entschloß, weil eine -Zunahme des Seegangs noch zu erwarten war und bei weiter auffrischendem -Winde auch die Lage des Schiffes mir gefährdet schien. Zwar hätte ich mich -gern noch überzeugt, was die Ansammlung von vielleicht 200 bewaffneten -Eingeborenen bei unsern andern Booten zu bedeuten habe, ließ mich aber -durch die gefährliche Lage meiner Gig bestimmen, davon abzusehen, weil -sich an den Booten selbst nichts Auffälliges zeigte und unser Schiff auch -so nahe bei denselben lag, daß man von dessen erhöhtem Standpunkt aus -mußte übersehen können, was an Land vorging. Der Consul und ich kamen mit -etwas geschundenen Schienbeinen in das Boot, der Diener des Consuls aber, -ein Marshall-Insulaner, kam schon nicht mehr hinein, sondern verschwand -unter demselben und mußte schwimmend außerhalb der Brandung aufgenommen -werden. Dem Offizier, welcher die beiden Kutter befehligte, rief ich dann -zu, die Beurlaubten zu sofortiger Einschiffung zu veranlassen, was denn -auch kurze Zeit darauf geschah, sodaß wir um 3½ Uhr schon wieder auf der -Weiterreise waren, aber doch noch einmal stoppten, als von dem Punkt aus, -wo die Hütte des Engländers liegen mußte, ein Kanu, in welchem sich zwei -Leute befanden, von denen einer, wie durch das Fernrohr zu erkennen war, -mit Hemd und schwarzem Filzhut bekleidet war, mit aller Macht auf uns -zuruderte. Ich hielt es nicht für unmöglich, daß der Engländer vielleicht -durch irgendeinen Umstand gefährdet worden sei und bei uns Schutz suchen -wollte, hielt daher auf das Fahrzeug ab, sah aber bald, daß der Bekleidete -auch ein Eingeborener war. Die Leute wollten nur einige Sachen zum Verkauf -stellen, und da sie einmal den weiten Weg gemacht hatten, wartete ich so -lange, bis sie ihre Sachen losgeworden waren. Ich erstand mir auch etwas, -eine mit gelbem und rothem Stroh außerordentlich schön umflochtene Keule, -einen in ähnlicher Arbeit ausgeführten kleinen Holzkamm, sowie einen -reizenden kleinen Kakadu, wie sie nur auf den Salomons-Inseln vorkommen. - -Die Salomons-Insulaner sind dafür bekannt, besonders feine Handarbeiten -auszuführen, und die von mir gekauften Sachen bestätigten diesen Ruf. -Speere, Pfeile, Armbänder aus Muscheln, und ein aus einer Muschel mit -Schildkrotverzierung hergestelltes Stirnschild, welche sämmtlich von der -Geschicklichkeit und dem guten Geschmack dieser Eingeborenen Zeugniß -ablegten, besaß ich schon, die hier erworbenen Sachen übertrafen aber -die letztgenannten noch an zierlicher, geschmackvoller und sauberer -Ausführung. Der Kakadu ist dadurch merkwürdig, daß er wesentlich von den -sonst vorkommenden Arten abweicht, einen besonders geformten Schopf, -kleinen, scharf gebogenen weißen Schnabel, weiße Füße und auffallend -weite Schwingen hat. Sein Gefieder ist außen schneeweiß, unter dem Schopf -dagegen orangefarben und unter den Flügeln hellgelb. Die Augen sind tief -braunroth und die feine Haut um die Augen hat eine hell-wasserblaue Farbe. - -An dem auf unsern Besuch Savos folgenden Tage hörte ich, daß die -Ansammlung der Eingeborenen bei unsern Booten doch eine ernstere Bedeutung -gehabt hatte und ohne das entschlossene Eingreifen eines jungen Offiziers -wahrscheinlich zu einem ernsten Conflict geführt haben würde. Einige der -von unsern Schiffen an Land gegangenen Personen hatten auch das Tabu-Haus -des Dorfes besucht und die dort ausgestellten Sachen besichtigt, von -welchen einem der Unserigen ein besonders schöner Speer so gut gefiel, -daß er ihn durchaus haben wollte. Als der Hüter des Hauses jedes Gebot -unter dem Hinweis darauf, daß der Speer „Tabu“ sei, zurückwies, nahm der -Mann trotz der ausdrücklichen Warnung seiner Begleiter dennoch den Speer -an sich, indem er einige Stücke Taback als Gegenleistung auf den Boden -warf, da der anwesende Eingeborene sich standhaft weigerte, irgendetwas -entgegenzunehmen. Als die Unserigen sich nun mit dem Speer auf der Straße -zeigten, gesellten sich gleich Eingeborene zu ihnen, welche wiederholt das -Wort „Tabu“ hören ließen. Die Zahl der Eingeborenen wuchs und ihre Haltung -wurde bald so drohend, daß der Speerträger es nunmehr doch gerathen fand, -das Streitobject an seinen ursprünglichen Platz zurückzubringen und im -Anschluß daran gleich unsere in der Nähe befindlichen Boote aufzusuchen, -wo die andern Beurlaubten sich bereits zu deren Besteigung anschickten. -Doch ehe sie dies ausführen konnten, waren sie plötzlich von bewaffneten -Eingeborenen eingeschlossen, von denen einer in gebrochenem Englisch -sagte: „Wir wollen den Mann haben, welcher den Speer gestohlen hat; wir -müssen ihn tödten, weil er Tabu gebrochen hat.“ Gleichzeitig trat er vor -und legte die Hand an den, welcher so unvorsichtig gewesen war, doch in -demselben Augenblick sprang auch ein junger Offizier hinzu und versetzte -dem Angreifer einen so heftigen Schlag ins Gesicht, daß er taumelnd -zur Seite fiel und die andern Eingeborenen im ersten Augenblick der -Ueberraschung so weit zurückwichen, daß die Unserigen Gelegenheit fanden -in die Boote zu springen, worauf die Eingeborenen keinen weitern Angriff -wagten, sondern sich zurückzogen. - -Daß mir von diesem Vorfall, welcher zeigt, wie streng die Eingeborenen -an der Heiligkeit ihres Tabu festhalten und wie sie in ihrem Drang nach -Rache weder unserer bewaffneten Boote noch des in allernächster Nähe -liegenden Schiffes achteten, so spät erst Kenntniß gegeben wurde, bedaure -ich deshalb lebhaft, weil ich sonst gleich dem Engländer anheimgegeben -hätte, mit auf unser Schiff zu kommen und die Insel zu verlassen, da ich -es nicht für unmöglich halte, daß die Eingeborenen, um den Bruch des Tabu -zu sühnen, auf ihn als Opfer zurückgreifen, wenngleich andererseits aus -dem Umstande, daß sie nur die Ueberlassung des Schuldigen forderten und -keinen allgemeinen Angriff ausführten, gefolgert werden dürfte, daß sie -einen Unschuldigen nicht zur Verantwortung ziehen werden. Nachträglich -nach Savo zurückzukehren, hatte aber keinen Zweck, da die Gewaltthat, wenn -sie überhaupt geschehen sein sollte, sich jedenfalls gleich nach unserer -Abreise abgespielt hat und es mir unmöglich gewesen wäre, in der mir zur -Verfügung stehenden Zeit die Wahrheit zu erfahren. Ist der Mord geschehen, -dann würde ich bei unserer Rückkehr das Dorf verlassen gefunden haben und -hätte bei einem Streifzug durch die dichtbewaldete Insel wahrscheinlich -keinen andern Erfolg gehabt, als noch einige Menschenleben auf das Spiel -zu setzen ohne etwas Wesentliches zu erreichen. - -Die weitere Reise bis hierher zeichnete sich durch Einförmigkeit des -regnerischen windstillen Wetters aus; nur unser Tisch fand eine kleine -Abwechselung durch die mitgenommenen Buschhuhneier, wenn dieselben auch -gerade keine besondere Delicatesse waren. Hart oder weich gekocht sind -sie für unsern Gaumen überhaupt ungenießbar, und die einzige Form, in -welcher das Gericht angenommen wurde, war die eines stark gepfefferten -Rührei, aber auch in dieser genügten wenige Bissen der tiefrothen Speise -zur vorläufigen Sättigung. - - - 16. Januar vormittags. - -Wegen des uns gebliebenen nur geringen Kohlenvorraths habe ich während -der Nacht einen Umweg gemacht und bin an der Südküste von Savai’i entlang -gesegelt, um den dort stehenden Passatwind zu benutzen; derselbe brachte -uns auch bis zur Ostspitze der Insel, starb aber dann in der Nähe des -Landes ab, sodaß wir seit heute Morgen 5½ Uhr wieder unter Dampf sind. -Dieser Umweg führte mich übrigens heute Morgen dicht an die kleine Insel -Apolima, welche auch einer kurzen Erwähnung werth ist. - -Sie ist ein erloschener Krater, dessen Sohle noch etwas unter der -Meeresoberfläche liegt und dessen Ränder sich 100-150 m über dieselbe -erheben, jedoch an der Nordseite an einer Stelle einen Einschnitt bilden, -durch welchen bei ruhiger See und Hochwasser auch größere Boote in den -Krater und in die dort gebildete Lagune fahren können. Die Ufer der -Lagune sind mit so üppigem Pflanzenwuchs bedeckt, daß eine große Zahl -von Eingeborenen hier alles für sie zum Leben Nothwendige finden kann, -wenn auch in der Regel hier nur etwa 100 Menschen leben. Die Insel hat -nun für die hiesigen Verhältnisse insofern eine besondere Bedeutung, als -die Samoaner sie für eine unüberwindliche Festung halten und ihr Besitz -die Eingeborenen gegen fremde Forderungen oft trotziger macht, als sie es -sonst wol sein würden. Sie gehört eigentlich zu der kleinen Insel Manono -und hat diesem District von jeher in allen politischen Fragen ein gewisses -Uebergewicht verliehen. Die Annahme ihrer Unüberwindlichkeit stützt sich -darauf, daß Boote oder Kanus an den Außenrändern überhaupt nicht anlegen -können, mit Ausnahme einer kleinen Stelle, wo dies aber auch nur bei ganz -ruhiger See, welche sich in solcher Gestalt jährlich vielleicht einigemale -zeigt, erfolgen kann. Eine Landung hier sichert aber auch noch keinen -Erfolg, weil von dem Landungsplatz aus nur ein schmaler Fußpfad nach oben -führt und so steil ansteigt, daß einige von oben heruntergeworfene große -Steine genügen müssen, den Weg zu säubern oder frei zu halten. - -Der Wasserweg durch den Felseinschnitt in die Lagune ist für gewöhnlich -nur den leichten Kanus offen, da, wie schon erwähnt, größere Boote -hier auch nur bei ganz ruhiger See die Einfahrt wagen können und zum -Ueberfluß der Kanal so schmal ist, daß zur Zeit nur ein Boot einlaufen -kann und dieses von den hinter den Felsen in sicherer Deckung liegenden -Schützen auf kürzeste Entfernungen ein so scharfes Feuer erhalten kann, -daß kaum ein Mann den Versuch überstehen dürfte. Schließlich wird der -Einschnitt noch durch einen im Meere liegenden Felsen derart gedeckt, daß -dieser sich für ein außerhalb vorbeifahrendes Schiff als Schild vor den -Einschnitt schiebt und das Schiff daher auch von dort aus keinen Gebrauch -von seiner Artillerie machen kann; und hierauf sind die Samoaner ganz -besonders stolz, weil bisher noch kein Schiff zwischen Insel und Fels -hindurchgefahren ist und sie daher glauben, daß dies nicht möglich ist. - -Dies alles war mir bekannt, als ich heute Morgen um die Ostspitze von -Savai’i herumdampfend auf Apolima zulief, und deswegen kam mir wol der -Gedanke, einmal zwischen Fels und Krater durchzusteuern, um den Samoanern -den Glauben an die Unüberwindlichkeit ihrer Festung zu nehmen und mir -damit vielleicht ein Druckmittel zur Beschleunigung des Vertragsschlusses -zu verschaffen. Die Karte zeigt zwar eine genügende Wassertiefe, ich holte -aber doch noch den Rath meines halbweißen Lootsen ein, auf dessen Angaben -ich hier sicher bauen konnte. Er erklärte das Fahrwasser als ganz rein von -Untiefen, und da die Entfernung zwischen Fels und Apolima auch ausreichend -ist, um mit einem gut steuernden Schiff hindurchzufahren, so ließ ich -die „Ariadne“ als erstes Schiff diesen Weg nehmen. Die hohe Dünung war -mir allerdings etwas hinderlich und die Enden unserer Raaen kamen beim -Schlingern des Schiffes in so bedenkliche Nähe der Kraterwände, daß ich -nach der andern Seite hin dicht an den Fels bis auf 8 m Wassertiefe -herandrehen mußte; doch war dies natürlich nur für einen Augenblick. -Um sicher zu gehen, mußte ich das Schiff mit großer Geschwindigkeit -durch die Enge laufen lassen, sodaß mir keine Zeit blieb, das Innere -des Kraters genauer zu betrachten. Ich sah zur Seite und oben nur eine -schwarze Felswand, unten starke Brandung; ein Lichtblick, wo sich dem Auge -die ruhige Lagune mit Kokospalmen und Brotfruchtbäumen, Hütten, Kanus, -Menschen und blauem Himmel zeigte; wieder eine dunkle schwarze Felswand -und das Augenblicksbild lag hinter uns. - -Noch heute Vormittag werden wir in Apia sein und ich bin sehr gespannt, -wie sich unsere Angelegenheiten dort nun abwickeln werden; aber -entschlossen bin ich, die Sache nunmehr zu einem Ende zu führen, sollte -ich auch den gordischen Knoten mit dem Schwert durchhauen müssen. - - - Abends. - -Bei unserer Ankunft hierselbst wurden mir zwei Ueberraschungen -zutheil, eine sehr angenehme, nämlich unser Kanonenboot „Albatros“ hier -vorzufinden, welches zur Verstärkung der Station vor zwei Tagen von -Japan aus hier eingetroffen ist und uns die Freude macht, einmal wieder -liebe altbekannte Gesichter sehen zu können, mir auch die Möglichkeit -gibt, unsere Post von Levuka abholen zu lassen, da ich mit der „Ariadne“ -zur Zeit Apia nicht verlassen kann, und wir doch seit vier Monaten ohne -alle Nachrichten von der Heimat und Europa überhaupt sind. Die zweite -Ueberraschung ist weniger angenehmer Natur und bedeutet wieder einmal -innere Unruhen im Samoa-Reich. Die Tuamasanga (mittlerer District von -Upolu) hat während unserer Abwesenheit im Verein mit Manono, und heimlich -von dem größten Theil von Savai’i unterstützt, Malietoa den Aeltern, -Oheim des letzten Königs gleichen Namens, nach Mulinu’u gebracht, ihn -dort vor der versammelten Taimua als König ausgerufen und ihn trotz des -Widerspruchs der Regierungsgewalten in Mulinu’u eingesetzt, wo er jetzt -unter dem Schutz der Regierung lebt, da die Taimua sich nicht stark genug -fühlt, den ihr von der Tuamasanga für den Fall der Ausweisung Malietoa’s -angedrohten Krieg aufzunehmen, obgleich sie sich auf die im letzten Krieg -siegreiche und den Malietoas feindlich gesinnte Partei der Tupuas stützt. - -Es bestehen nämlich hier zwei große sogenannte Königsparteien: die -Anhänger der Familie Malietoa und die der Familie Tupua. Die letztere ist -nach den Ueberlieferungen die ältere (tupu ist der samoanische Begriff für -„König“) und glaubt das größere Anrecht an den Thron zu haben, wogegen die -Familie Malietoa ihn während der letzten zwei Jahrhunderte, soweit eine -derartige Zeitrechnung nach den mündlichen samoanischen Ueberlieferungen -überhaupt möglich ist, im Besitz hatte. Die Malietoas entstammen übrigens -auch der Familie Tupua. In alten Zeiten hat ein jüngerer Sproß dieser -Familie die Samoa-Inseln von der Fremdherrschaft der Tonganer befreit, -dafür von dem Volk den Namen „'malietoa'“, welcher gleichbedeutend mit -„großer Held“ oder „starker Hort“ ist, erhalten und ihn von da ab als -Familiennamen angenommen. Man sollte nun meinen, daß es gleichgültig sei, -aus welcher der beiden Familien der König gewählt wird, wenn nur überhaupt -eine Wahl dem Hader endlich ein Ende macht, dem ist aber nicht so, denn -der Tupuas gibt es so viele, daß fast jedes Dorf den Thron für seinen -Tupua in Anspruch nimmt. Dagegen haben die Malietoas den großen Vorzug, -daß deren männliche Nachkommen nur noch in zwei Vertretern bestehen und -diese sich geeinigt haben, da der frühere König die jetzige Wahl seines -Oheims ebenfalls billigt. Doch ich will nicht weiter auf die innern -samoanischen Verhältnisse eingehen, die für uns nur soweit Interesse -haben, als sie unsere Vertragsangelegenheit berühren, in welcher Beziehung -ein neuer König uns allerdings neue Schwierigkeiten machen könnte. Doch -sind der Consul und ich dahin übereingekommen, daß wir die alte Regierung, -welche immer noch am Ruder ist und den Malietoa nur als Scheinkönig unter -sich duldet, als noch zu Recht bestehend ansehen und uns an die von ihr -gegebenen bindenden Versprechungen halten. - -Zu meiner großen Freude habe ich heute Abend noch gehört, daß hier am -Lande unter den Eingeborenen eine hochgradige Aufregung darüber herrscht, -daß unser Schiff durch die Enge bei Apolima gegangen ist. Die Samoaner -sind deshalb sehr niedergeschlagen und sollen das Stichwort gegeben haben, -daß ihre Festung durch uns ihre jungfräuliche Reinheit verloren hat. Ich -denke, daß sich dies für unsere Angelegenheiten als nützlich erweisen -wird. - - - 26. Januar, morgens 2 Uhr. - -Seit einigen Stunden sind wir auf dem Wege nach Auckland, um den mit -den Samoa-Inseln abgeschlossenen Freundschafts- und Handelsvertrag noch -mit der am 5. Februar von dort abgehenden Post nach Europa senden zu -können. Diese für das Reich scheinbar so kleine unbedeutende Sache hat -den näher dabei Betheiligten so viel Kopfzerbrechen gemacht, daß es mir -ein Bedürfniß ist, der Befriedigung über den schließlichen Erfolg hier -schriftlichen Ausdruck zu geben und sogar die Nacht dazu zu benutzen, da -ich nur nach Erledigung dieser Arbeit eine Beruhigung meiner aufgeregten -Nerven erwarten darf. Leicht wurde es uns nicht gemacht, alle diese -Gegenströmungen, welche sich unsern Forderungen entgegenstellten, zu -überwinden, aber unser fester Entschluß, die Sache nunmehr zu einem -Abschluß zu bringen, und die Gewißheit für die Samoaner, bei fernern -Winkelzügen von mir in der Folge noch härter als bisher angefaßt zu -werden, ließ sie schließlich, und noch schneller als wir hoffen durften, -all unsere Forderungen erfüllen. Da der Verlauf der Angelegenheit einen -ganz interessanten Einblick in die Art und Weise der Eingeborenen bei -solchen Verhandlungen gewährt, so mag derselbe hier in allgemeinen -Umrissen Aufnahme finden. - -Als die Taimua am 17. Januar sich bereit erklärt hatte, am 22. in die -Verhandlungen über den Abschluß des Vertrags einzutreten, suchten unsere -Gegner dies auf alle Weise zu vereiteln, und hierbei spielten der früher -genannte Herr Bartlett, welcher noch immer auf seine Ernennung zum Ersten -Minister wartet, sowie die französischen Priester eine hervorragende -Rolle. Als eine Folge dieser Einflüsse durften wir wol die Mittheilung -der Taimua, daß der Herr Bartlett in die samoanische Regierung eintreten -und dann als ihr Bevollmächtigter an unsern Verhandlungen theilnehmen -würde, betrachten. Wir beantworteten diese Mittheilung mit der Erklärung, -daß, solange die Verhandlungen mit uns nicht zu einem Ergebniß geführt -hätten oder abgebrochen seien, an der Regierungsform nichts geändert -werden dürfe, und fügten die Anzeige hinzu, daß ich am 25. nachmittags -Apia verlassen würde, bis dahin also der Vertrag abgeschlossen sein müsse, -widrigenfalls die Samoa-Regierung die Verantwortung für die Folgen des -stattgehabten Bruchs zu tragen haben würde. Wir waren zu der Erkenntniß -gekommen, daß wir nunmehr schnell zum Ziele kommen mußten, wenn wir -überhaupt noch auf einen Erfolg rechnen wollten, und setzten daher den -kurzen Termin, nachdem die Samoaner sechs Monate Zeit gehabt hatten, sich -mit der Sache eingehend zu beschäftigen. Der Herr Bartlett kam nicht in -die Regierung, aber die Samoaner wollten auch nicht nachgeben, trotzdem -sie uns fürchteten und deshalb nicht mit uns brechen wollten. Eine gewisse -Schwüle lag wieder einmal über Apia, Regierungsmitglieder suchten den -Consul wie mich auf, sprachen über den Vertrag, fragten, ob wir sie mit -Krieg überziehen würden, wenn der Vertrag nicht zu Stande käme, und was -sonst noch Ueberflüssiges gefragt und beantwortet werden konnte. Als einen -weitern Druck benutzte ich auch einen Besuch von Saluafata, bei welchem -mich auf meine Einladung hin zwei Mitglieder der Taimua begleiteten, um -den Leuten unser noch bestehendes Besitzrecht an diesen Platz vor Augen -zu führen. - -Am 22. mittags 1 Uhr sollten die Verhandlungen beginnen, da zu dieser -Zeit die erste Zusammenkunft der beiderseitigen Bevollmächtigten im -deutschen Consulat anberaumt war, und wir waren einigermaßen überrascht, -die Herren Samoaner pünktlich erscheinen zu sehen. Nach zweistündiger -Verhandlung baten sie, allein gelassen zu werden, um den Vertragsentwurf -noch einmal unter sich durchberathen zu können, und verließen erst -gegen Abend das Consulatsgebäude, wobei sie so vorsichtig waren, sich in -keiner Weise über das Ergebniß ihrer Berathungen auszusprechen. Als am -23. morgens die Lage wieder für uns bedenklich schien, forderten wir von -unsern samoanischen Collegen noch für denselben Tag bis spätestens 5 Uhr -nachmittags eine bestimmte Antwort, ob sie den Vertrag annehmen würden -oder nicht, oder welche Aenderungen sie vorzuschlagen beabsichtigten, da -ich meine auf den 25. angesetzte Reise nicht hinausschieben könne, der -Vertrag daher bis dahin angenommen oder abgelehnt sein müsse. Nachmittags -4 Uhr erklärten die samoanischen Bevollmächtigten, keine Aenderungen zu -unserm Vertragsentwurf vorschlagen zu können und daß sie denselben in der -ihnen vorgelegten Fassung annähmen. Und als ich darauf die Zurückgabe von -Saluafata und Falealili noch vor meiner Abreise für den Fall zusagte, daß -die in dem Vertragsentwurf vorgesehene gleich zu erfolgende Ratificirung -des Vertrags durch die Samoa-Regierung erfolge, auch versprach, die -samoanische Flagge zu salutiren, was bisher noch nicht geschehen war -und worauf die Bevollmächtigten großen Werth legten, schwanden auch -die anfänglich gegen eine vorzeitige einseitige Ratificirung geltend -gemachten Bedenken. Am 24. nachmittags 2 Uhr wurden die beiden Originale -des Vertrages unterschrieben, am 25. zu gleicher Stunde waren dieselben, -von der Taimua und Faipule ratificirt, wieder im Consulat, in der -Zeit von 2-4 Uhr wurden die von der deutschen Factorei zur Erwiderung -unsers Saluts entliehenen Kanonen nach Mulinu’u geschafft, um 5 Uhr -salutirte ich die samoanische Flagge und verließ um 6½ Uhr, nachdem -der letzte Erwiderungsschuß vom Lande gefallen war und ich vorher noch -den Commandanten des „Albatros“ beauftragt hatte, die Beschlagnahme von -Saluafata und Falealili wieder aufzuheben, Apia mit dem Bewußtsein, daß -das von deutschem Fleiß und deutscher Energie bisher auf den Samoa-Inseln -Erworbene unsern Landsleuten nunmehr gesichert ist und diese keine fremden -Abenteurer mehr zu fürchten haben, da der Vertrag sie gegen die Willkür -einer jeden Eingeborenen-Regierung schützt und eine fremde Macht jetzt -auch nicht mehr ohne die Zustimmung Deutschlands ihre Hand auf diese -schönen Inseln legen kann. Vor allem aber ist ein sicherer Wall gegen -das Vordringen der ausdehnungslustigen Colonisten von Neu-Seeland nach -dem Norden geschaffen und hierin liegt meines Erachtens der Hauptwerth -dieses Vertrages. Nachdem Deutschland durch einen Freundschaftsvertrag -mit den Tonga-Inseln diese gegen fremde Besitzergreifung gesichert -hatte, mußte es das Streben der Neuseeländer sein, Samoa zu gewinnen, um -dieses als Zwischenstation für den Handel mit den nördlicher gelegenen -Inseln zu benutzen, da diese von Neu-Seeland zu weit abliegen. Wäre -ihnen dies rechtzeitig gelungen, dann würden sie die Deutschen mit der -Zeit wieder verdrängt haben, was ihnen jetzt nicht mehr möglich ist. Die -Bedeutung dieses Vertrages erstreckt sich daher bis zu den Kingsmill- -und Marshall-Inseln. Die Ueberlassung des Hafens von Pago-Pago an -Amerika zwang uns auch noch, zur Aufrechterhaltung des Princips der -Gleichberechtigung für Deutschland ebenfalls eine Kohlenstation zu -fordern, und diesem Umstande verdanken wir die Gewinnung von Saluafata, -des besten Hafens in der Samoa-Gruppe, da er bei ebenfalls vollständiger -Sicherheit gegen alle Winde noch Vortheile besitzt, welche Pago-Pago nicht -hat, und außerdem, was von großer Bedeutung ist, in allernächster Nähe -von Apia liegt. - -So können wir nun mit vollständiger Ruhe den auf den Inseln sich -vorbereitenden Unruhen entgegensehen, da es außer Zweifel ist, daß die -vorläufige Einsetzung Malietoa’s noch zu weitern Conflicten führen wird. -Wir erhoffen nur von der Anerkennung Malietoa’s als König durch ganz Samoa -geordnete Zustände auf den Inseln, glauben aber nicht, daß sich diese -Anerkennung auf friedlichem Wege vollziehen wird, weil die beiden sich -gegenüberstehenden Parteien zu gleich an Kräften sind und jede den Krieg -einer freiwilligen Unterwerfung vorziehen wird. Das Bedauerlichste hierbei -ist nur, daß die Samoaner durch ihre Art der Kriegführung wirthschaftlich -immer mehr herunterkommen, da sie nur durch den Verkauf ihrer Ländereien -sich das Geld für Waffen und Munition verschaffen können, und dann kein -Zureden zur Festhaltung ihres Landes hilft. Sie geben es um jeden Preis -weg und dann müssen natürlich die großen Häuser, obgleich sie schon -übergenug besitzen, doch in erster Reihe das angebotene Land zu erwerben -suchen, da, wenn das gute Geschäft überhaupt gemacht werden muß, jeder es -zu machen suchen wird. Andere Folgen hat der Krieg für die Samoaner nicht, -da derselbe während einer mehrmonatlichen Dauer selten mehr als zwei oder -drei Menschenopfer fordert. - - - - -15. - -Neu-Seeland. - - - 2. März 1879. - -Gestern Nachmittag haben wir nach vierwöchentlichem Aufenthalt Auckland -wieder verlassen und manch schöne Erinnerung mitgenommen. Von dem -herrlichsten Wetter und einer verhältnißmäßig niedrigen Temperatur -begünstigt, konnten wir die uns von dem deutschen Consul und verschiedenen -englischen Familien in so reichem Maße gebotene Gastfreundschaft in vollen -Zügen genießen. Segelpartien auf dem herrlichen Hauraki-Golf, Spaziergänge -nach dem nur 200 m hohen Mount Eden, wo man von dem Rand des erloschenen -Kraters aus eine wunderbare Fernsicht genießt, Nachmittags-Gartenfeste, -Tanzfestlichkeiten u. dergl. m. ließen uns die Zeit wie einen Traum -dahinschwinden. Und da Auckland oder doch die Gesellschaft, in der wir -uns bewegten, außerordentlich reich an schönen und liebenswürdigen jungen -Damen ist, bei den veranstalteten Tagesfestlichkeiten in der Regel auch -die englischen Herren, welche wol geschäftlich verhindert waren, durch -Abwesenheit glänzten, so fanden unsere Herren in dem harmlosen Verkehr -mit den prächtigen jungen Auckländerinnen keine Nebenbuhler. Heute wäre -dies für die meisten vielleicht besser gewesen, denn wenn der Schein nicht -trügt, dann sind sie so ziemlich alle bis über die Ohren verliebt, ohne -die Hoffnung auf ein Wiedersehen, da die Post in Auckland uns als Bestes -den Rückberufungsbefehl gebracht hat. Nach demselben haben wir gleich nach -Eintreffen der Fregatte „Bismarck“ in Apia, deren Ankunft für Mitte April -in Aussicht gestellt ist, die Heimreise anzutreten. - -Auckland hat das Gepräge einer erst neu entstandenen, aufstrebenden -Colonie, erinnert noch vielfach an die früher aus den Goldminen -geflossenen, jetzt größtentheils wol wieder verschwundenen Reichthümer -und zeigt eine damit zusammenhängende Entwickelung: große breite Straßen, -niedrige Holzhäuser, viele Banken und nur Geschäftsleute als Einwohner. -Die Umgebung der Stadt bietet landschaftlich durch Berg und Wasser sehr -viel Schönes, wenn auch der Wald fehlt. - -Durch die Bereitwilligkeit unsers liebenswürdigen Consuls, mich in das -Gebiet der heißen Seen, welche er ebenfalls noch nicht kannte, begleiten -zu wollen, wurde es mir möglich, auch dieses Weltwunder zu besuchen. -Denn allein hätte ich mich zu diesem Ausflug nicht entschlossen und von -unsern Herren wollte keiner mitkommen, weil der Kostenpunkt doch immer -ein ziemlich bedeutender ist und die Strapazen der Reise auch kaum im -Verhältniß zu dem Vergnügen stehen. - -Man hat von Auckland aus bis zum Taurangahafen zunächst auf dem Seewege -140 Seemeilen zurückzulegen und von hier aus muß man noch 70 km auf -dem Landwege machen, wozu das Annehmen eines eigenen leichten Wagens -erforderlich ist. Es geht zwar auch eine Fahrpost, mit welcher man -den größten Theil des Weges zurücklegen und die kleinern Ausflüge dann -von einem Centralpunkt aus zu Fuß machen kann, doch fährt die Post bei -dem geringen Verkehr nach dem Innern so selten und ihre Fahrzeit ist -eine so große, daß ihre Benutzung für mich ausgeschlossen war, weil -ich mich nur auf sechs Tage freimachen konnte. Der Wagen allein kostet -aber für vier Tage schon 200 Mark, sodaß die kleine sechstägige Reise -mit den unvermeidlichen Nebenkosten auf 350-400 Mark für die Person zu -veranschlagen ist. - -Um den Ausflug in den Grenzen der mir zur Verfügung stehenden sechs -Tage machen zu können, mußten wir für die Hinfahrt nach Tauranga einen -Küstenfrachtdampfer benutzen, weil wir nur so den Passagierdampfer für die -Rückfahrt erreichen konnten. Wir fuhren am 14. Februar abends 8 Uhr von -Auckland ab und trafen glücklicherweise so gutes Wetter, eine so schöne -laue Mondscheinnacht, daß wir die ganze Zeit an Deck verbringen konnten, -denn unten in der sogenannten Kajüte war es fürchterlich. Auch verhinderte -die spiegelglatte See einige weibliche Passagiere daran, seekrank zu -werden, was von uns auch als eine große Annehmlichkeit geschätzt wurde. -Wir hüllten uns in mitgenommene Decken ein, schliefen gut und ließen uns -erst von der aufgehenden Sonne wecken. - -Am 15. mittags waren wir in Tauranga und blieben dort bis zum nächsten -Morgen in einem behaglichen guten Gasthaus, wo der Consul auch einige mit -den Verhältnissen vertraute Bekannte traf, welche uns gute Rathschläge -gaben. Nachdem wir uns noch von dem Posthalter des Districts einen -Wagen gesichert hatten, machten wir einen Rundgang durch die kleine -Stadt, welche ziemlich belebt war, da die Eingeborenen von außerhalb -herzuströmten, um die jährlich wiederkehrende Frage des Landbesitzes -in Neu-Seeland auf einem dazu ausgeschriebenen Landtage zu erörtern. Um -diese Frage dreht sich zur Zeit, nachdem das Goldfieber keine Berechtigung -mehr hat, so ziemlich alles, weil die Eingeborenen noch im Besitz sehr -bedeutender Länderstrecken sind und diesen ihren Besitz zähe vertheidigen. -Der letzte blutige Krieg zwischen den Engländern und den Maoris ist aus -dieser Frage entstanden und nur dadurch beendigt worden, daß die englische -Regierung den Eingeborenen das Besitzrecht ihres Landes zugestanden -hat. Hiermit sind die englischen Ansiedler aber nicht einverstanden und -versuchen nun auf anderm Wege in den Besitz des begehrten werthvollen -Gutes zu gelangen, und dazu sollen die jährlichen sogenannten Landtage -dienen. Wie die in Anwendung gebrachten Mittel beschaffen sind, ergibt ein -Blick auf die Straßen. Es ist der Branntwein. Bei unserm ersten Rundgang -durch die Stadt, wie später bei unserer Rückkehr nach Tauranga, sah ich -die in großer Zahl anwesenden Eingeborenen nur im Rausche, zu welchem -der Branntwein ihnen unentgeltlich geliefert werden soll. Ob die Maoris -nun in diesem Zustand leichter ihre Rechte aufgeben, oder ob sie, an den -Genuß erst einmal gewöhnt, dem Branntweinteufel verfallen und schneller -aussterben, wird im Grunde auf den gleichen Erfolg hinauslaufen. - -Am 16. morgens in aller Frühe machten wir uns auf die Reise. Unser -Fuhrwerk war ein mit zwei kräftigen jungen Pferden bespannter Jagdwagen; -der Sohn des Posthalters kutschierte selbst und benutzte die Fahrt wol -mit zur Inspicirung der verschiedenen Pferdestationen. - -Die ersten 12 km führt der Weg durch eine Ebene, dann schneidet er in -den schönen alten, jungfräulichen Wald ein, geht über Berg und Thal, -durch Schluchten und über Brücken und bietet dem Reisenden genußreiche -Stunden. Die neu angelegte Straße ist vorzüglich. Die alten Kaurifichten, -riesigen Baumfarrn und was sonst alles in der genialsten Unordnung -und Vielseitigkeit in dem seitwärts der Straße von Menschenhand noch -unberührten Walde wächst, die malerischen Schluchten, Felspartien und -kleinen Wasserfälle bieten dem Auge so viel Anziehendes, daß die Zeit -unbemerkt dahinfliegt. Immer nach Verlauf von etwa zwei Stunden kommen wir -an eine Pferdestation, wo die Pferde gewechselt werden und wir eine kleine -Erfrischung finden. So geht es ununterbrochen ohne Peitschengeknall in -schlankem Trabe vorwärts durch den schönen Wald bei prächtigstem Wetter. -Nach sechsstündiger Fahrt treten wir wieder aus dem Walde heraus und -unter uns vor unsern Augen liegt in einer weiten Ebene der im Durchmesser -etwa 9 km große Roto-rua (roto ist die Maori-Bezeichnung für See), eine -weite blaue Wasserfläche, umrahmt von niedrigen Hügeln. Der Blick umfaßt -beinahe das ganze, 350 m über dem Meeresspiegel liegende Seengebiet. -Wasser, Hügel und Wald sind zu sehen, aber die uns gerühmte und von uns -erwartete Großartigkeit der Scenerie vermögen wir nicht zu finden und zu -erfassen. Eine große Ebene ohne Menschen und Städte, nur hier und dort -sieht man ein einzelnes Farmerhaus, große Wasserflächen ohne Rahmen und -ohne Leben. Kalt und todt sieht alles aus und erinnert mich lebhaft an die -ebenfalls von so vielen Seiten gerühmten ostholsteinischen Seen, welche -mit Ausnahme einiger kleinern Partien eigentlich durchaus keine besondern -landschaftlichen Reize bieten. - -Gleich außerhalb des Waldes treffen wir ein einzelnes Haus als erste -menschliche Ansiedelung, die Schule für die weitere Umgebung, deren -Bewohner freudestrahlend herausstürzen, um einmal wieder andere Menschen -zu sehen und Zeitungen zu erhalten, welche unser Rosselenker ihnen -mitgebracht hat. Hier scheinen auch die Privatwagen ebenso die Post -mitzubefördern, wie die Schiffe es zwischen Australien bezw. Neu-Seeland -und den polynesischen Inseln thun. - -Noch eine Viertelstunde bergab und wir traben an dem Ufer des Roto-rua -entlang nach dem Städtchen Ohinemutu, wo wir nach 1½ Stunden eintreffen. -Es war uns zwar empfohlen worden, noch denselben Tag weiter bis nach -Wairoa zu gehen, weil wir dadurch einen Tag gewonnen hätten, wir waren -nach der nahezu achtstündigen Fahrt aber so durchgerüttelt, daß wir -vorzogen, in dem sehr einfachen aber guten Gasthaus zu rasten und über -Nacht zu bleiben. Unsere freie Zeit benutzten wir zu einem Besuch des -Eingeborenendorfes, wo wir die ersten Zeichen fanden, daß wir uns bereits -auf vulkanischem Boden befanden. Dicht am Ufer des Sees kocht und brodelt -es überall aus der Erde heraus; vorsichtig muß man sich zwischen den -heißen Tümpeln hindurchbewegen, um nicht einmal unversehens in einen -solchen zu treten; an einzelnen hocken Eingeborene, welche sich in dem -heißen Wasser in eingetauchten Töpfen Fische, Krebse und Kartoffeln -kochen. Nur an dieser Stelle des Roto-rua sollen heiße Quellen vorkommen -und diese sind wol auch bestimmend für die Wahl des Ansiedelungsplatzes -gewesen. Das Dorf selbst macht einen verfallenen unsaubern Eindruck und -steht in grellem Gegensatz zu dem schönen großen Berathungshaus, welches -mit höchst phantastischen aber erst in neuester Zeit angefertigten -Schnitzereien reich geschmückt ist. Der uns führende Polizeidirector des -Districts, an welchen wir empfohlen waren, beantwortete meinen Wunsch -auf Erwerbung einiger alter Schnitzereien damit, daß nichts mehr zu -haben sei, weil seine Landsleute so außergewöhnliche Preise für diese -Sachen gezahlt hätten, daß die Maoris bereits alle Zierathe ihrer Häuser -heruntergerissen und verkauft hätten, und dies wird wol auch die Ursache -des jämmerlichen Zustandes der Behausungen sein. Immerhin gab ich meine -Absicht noch nicht auf und versuchte ein altes im Staub liegendes Idol in -natürlicher Menschengröße zu erwerben, trotz seiner nach unsern Begriffen -etwas gar zu natürlichen Auffassung, doch ohne Erfolg. Lag das Götzenbild -auch neben seinem eigentlichen Standort im Schmutz, es blieb doch immer -die Dorfgöttin und war unverkäuflich. Auffallend ist an diesen Bildwerken -die merkwürdige Aehnlichkeit in der Wiedergabe der menschlichen Formen -mit der in Neu-Irland gebräuchlichen. - -Am nächsten Vormittag bei guter Zeit setzten wir die Fahrt nach -Wairoa fort. Der Weg führt anfänglich durch das interessante -Whakarewarewa-Gebiet, welches wir nach dem ursprünglichen Plan erst auf -der Rückfahrt besichtigen wollten, aber doch jetzt schon mitnahmen, -weil wir durch den Aufenthalt in Ohinemutu Zeit verloren hatten und -während des Nachmittags in Wairoa doch nichts hätten vornehmen können. -Ein mitgenommener Führer erwies sich hierbei als unentbehrlich, denn -der Unkundige kann die sichern schmalen Wege von den gleich zuverlässig -aussehenden unsichern nicht unterscheiden. Rund um uns kocht und -dampft es in kleinen und größern Wasserlachen, aus kleinen und größern -Löchern heraus. Der ganze Boden ist so heiß, daß man die Wärme durch -die Doppelsohlen unserer Stiefel spürt. An einzelnen Lachen und Löchern -sind die in der Nähe liegenden Gegenstände mit Sinter, an andern mit -feinen Schwefelkrystallen überzogen, und an einem Tümpel fanden wir -große Sinterblöcke, welche, als wir Stücke von ihnen abschlugen, im -Innern lauter kleine Zellen mit eingekapselten Fliegen zeigten, die -hier wol ihren Tod finden und dann gleich zu Tausenden, wenn nicht -Millionen eingesargt werden. Der Whakarewarewa, ein mächtiger Geysir, -welcher dem großen auf Island an Stärke gleichkommen soll, war uns -nicht gnädig gesinnt und zeigte sich nicht in seiner ganzen Größe, -bei zeitweisem Aufsprudeln stieg er nur einen Meter hoch auf. Als das -Merkwürdigste erschien mir ein Wassertümpel von etwa 2 m Durchmesser, -dessen dunkelgrüne, tief durchsichtige Wasserfläche wie ein Spiegel vor -uns lag und der von den Eingeborenen am meisten gefürchtet werden soll. -Trotzdem das Wasser weder wallt noch Siededämpfe von ihm aufsteigen, soll -es einen so hohen Hitzegrad haben, daß es sofort alles verbrennt. Als vor -noch nicht langer Zeit ein Eingeborener in diesen Brunnen fiel, soll man -nach wenigen Stunden nur noch sein Knochengerippe herausgefischt haben, -da alles Fleisch bereits abgekocht gewesen sei. Ob es wahr ist, kann ich -nicht verbürgen, einen Versuch mit einem meiner Finger habe ich nicht -gemacht. - -Ich war im ganzen froh, als wir diesen unsichern Boden verlassen hatten -und wieder in unserm Wagen saßen. Nach einstündiger Fahrt kamen wir -noch einmal in einen schönen Wald, stießen, als wir denselben nach einer -halben Stunde wieder verließen, auf den kleinen See Tikitapu und hatten -gleichzeitig einen schönen Blick auf den Roto-kakahi, fuhren zwischen -diesem und dem Saum eines andern Waldes hin, bogen dann um den letztern -nach links und hatten vor unsern Augen den großen See Tarawera, dessen -jenseitiges Ufer durch den Gipfel des Mount Edgecombe und durch die -300 m über dem Seespiegel liegenden Krater des Tarawera-Gebirges einen -malerischen Abschluß findet. Noch wenige Minuten und wir waren in Wairoa -angelangt. - -Nachdem wir uns erfrischt hatten, war unsere erste Sorge, uns einen Führer -und ein Boot für den nächsten Tag nach dem Roto-mahana zu sichern, da -noch einige Fremde hier waren, welche ebenfalls an demselben Tage den See -besuchen wollten. Wir konnten indeß nur noch eine Führerin, eine halbweiße -junge Frau, erhalten, weil die beiden männlichen Führer bereits vergriffen -waren, hatten dies aber nicht zu bereuen, da die Person sich als durchaus -zuverlässig und ihrer Aufgabe gewachsen erwies. - -Der Reiz von Wairoa liegt vorzugsweise in seiner Abgeschiedenheit und der -erhabenen Ruhe der ganzen Umgebung. Am Fuße einer niedrigen bewaldeten -Hügelkette gelegen, hat man von der Ansiedelung aus einen freien -Ueberblick über den Tarawera-See und kann, auf der Veranda des Gasthauses -sitzend, ungestört das allmähliche Schwinden des Tages genießen und nach -Herzenslust träumen. Der südliche Sternenhimmel schaut auf uns hernieder -und gemahnt uns an die Nachtruhe, um am nächsten Morgen in aller Frühe -frisch den neuen Strapazen entgegengehen zu können. Doch da entsendet über -uns aus einem offenen Fenster ein Flötenbläser seine seltsamen Weisen in -die stille Nacht hinaus und bannt uns noch für eine Weile an unsern Platz. -Ein merkwürdiger Zauber liegt in diesen Tönen in dieser Umgebung, und von -wahrhaft ergreifender Wirkung müßten die über die Seefläche hinlaufenden -Töne eines Hornes sein. Hätte ich vorher an diesen Umstand gedacht, -dann hätte ich sicher unsern Kapellmeister, welcher ein vorzüglicher -Cornettbläser ist, mitgenommen, um mir diesen zwar etwas kostspieligen -aber einzigen Genuß zu verschaffen. - -Morgens 6 Uhr verließen wir das Gasthaus und hatten etwa 10 Minuten bis -zu der Stelle zu gehen, wo am Seeufer die Boote untergebracht sind. Die -Partie wird nämlich so gemacht, daß man von Wairoa aus mit einem Boot -einen großen Theil des Tarawera durchfährt, dann in einen flußähnlichen -Wasserlauf, welcher den Tarawera-See mit dem Roto-mahana verbindet, -einbiegt und in diesem bis zu den dicht am Roto-mahana liegenden -Stromschnellen, welche ein weiteres Vordringen verbieten, fährt. Von hier -aus muß man zu Fuß gehen. - -Unsere Führerin, welche ich noch nicht gesehen hatte, da sie von dem -Consul angenommen worden war, machte einen guten Eindruck. Es war eine -etwa zwanzigjährige hübsche junge Frau mit schönen großen, fragenden -Augen, von hellbrauner Hautfarbe und vollen Formen, welcher der kurze nur -eben über die Knie reichende schottische Rock und die bloßen Füße gut -standen. Ebenso wie ihre Tracht derjenigen der Eingeborenen entsprach, -hatte sie auch ihr Kinn nach Art der eingeborenen Frauen tätowirt, auch -zierte ein schönes Schmuckstück aus dem nur auf Neu-Seeland vorkommenden -halbdurchsichtigen grasgrünen Halbedelstein ihren bloßen Hals. Ein Plaid -umschloß ihre Schultern, wie die hiesigen Eingeborenen es überhaupt -lieben, sich als Bergschotten zu kleiden. Ihre gute Herkunft von -väterlicher Seite gab die Erklärung für ihr gewähltes Englisch und ihre -guten Umgangsformen, ohne daß sie etwas anderes sein wollte als die -bezahlte Führerin. Das für uns bestimmte Boot wurde von vier eingeborenen -Männern gerudert; der Consul, ich und unsere Führerin nahmen hinten -Platz. Wir hatten zunächst dicht an dem Seeufer entlang ungefähr 6 km -in östlicher Richtung zurückzulegen, bogen dann um ein vorspringendes -Cap nach Süden und befanden uns nun in einer etwa 4 km langen und 1-2 km -breiten, von hohen Ufern eingerahmten Straße. War es vorher schon frisch -gewesen, so wurde es hier geradezu kalt und zwar so empfindlich, daß -ich in meiner leichten Kleidung, welche ich für das spätere Marschiren -angelegt hatte, ganz jämmerlich fror. Dies merkte auch Frau Margarate, -wie ich unsere Führerin nennen will, denn sie sagte kurz zu mir: „Sie -frieren!“ rückte, dem polynesischen Theil ihres Blutes folgend, dicht -neben mich, nahm ihren Plaid von den Schultern und ehe ich ahnte, was sie -eigentlich wollte, hatte sie ihren linken Arm um meinen Hals geschlungen, -meinen Kopf an ihre warme Schulter gebettet und uns beide in den Plaid -wieder eingehüllt. Behaglich warm war es an der Seite dieser sauber und -nett angezogenen jungen Person, von der Umgebung bekam ich aber nicht -mehr viel zu sehen, denn Margarate erzählte mir nun so vielerlei, daß -ich mehr auf dieses und unwillkürlich auch auf das Pochen ihres Herzens, -welches in regelmäßigen Schlägen an mein rechtes Ohr klopfte, achten -mußte. (Ich führe dies übrigens nur als Beitrag zur Charakteristik der -Südsee-Insulaner an.) Sie erzählte mir unter anderm, was mir auch sonst -bestätigt wurde, daß ihr Vater ein reicher Mann sei, der Aufenthalt im -elterlichen Hause für sie aber nach dem Tode ihrer Mutter und nachdem -ihr Vater in zweiter Ehe eine Weiße geheirathet habe, unerträglich -geworden sei, sodaß sie dem Drang ihres polynesischen Blutes nach Freiheit -nachgebend das elterliche Haus mit Einwilligung ihres Vaters verlassen -habe, um sich dem Stamme ihrer Mutter wieder anzuschließen. Sie lebe nun -wieder als Maori-Frau, habe einen halbweißen Mann geheirathet und würde -ganz glücklich sein, wenn ihre Ehe mit Kindern gesegnet wäre; auf dieses -Glück müsse sie aber verzichten, weil die Ehen zwischen zwei Halbweißen -stets kinderlos blieben. - -Die Straße verlief in eine enge Schlucht, wo wir in den zwischen -Felswänden eingekeilten Fluß einfuhren und nach Verlauf einer weitern -Viertelstunde an dessen Ostufer landeten, um uns nunmehr auf unsere -eigenen Füße zu verlassen. Wir hatten nicht weit zu gehen. Schon nach -kurzer Zeit deuteten weiße Dämpfe auf halber Höhe der vor uns liegenden -Hügel an, daß wir am Ziele seien, und gleich darauf lag auch der 1 km -lange und ½ km breite Roto-mahana (der warme See) vor unsern Augen, -klein und unscheinbar, mit trübem schmutzig-grünen Wasser und umgeben von -niedrigen, theils nackten, theils nur mit niedrigem Buschwerk bedeckten -Hügeln, von welchen allenthalben weiße Dämpfe emporstiegen. Dieses wenig -anziehende Stück Erde birgt also das Sehenswertheste von Neu-Seeland, -Wunder, zu welchen die Menschen jahraus jahrein hinströmen und sogar von -Sydney aus hinkommen. Auch wir stehen jetzt vor einem solchen Wunder. -Vorsichtig Frau Margarate folgend, gehen wir an dampfenden Pfützen von -klarem Wasser und kleinen Gruben, in denen eine kalkartige Masse auf- -und niederwallt, vorbei, überschreiten feuchte, durch Eisenoxyd geröthete -Stellen, winden uns durch hohes, halbverdorrtes Gras und kommen endlich, -nachdem wir (wie später festgestellt) 25 m hoch gestiegen waren, an einen -brodelnden, über seinen Rand überlaufenden Brunnen. Wir wenden uns um und --- ja die Landschaft ist reizlos, aber das, was zu unsern Füßen liegt, -die weiße Sinterterrasse, ist großartig schön. - -In vielleicht zwanzig größern und gewiß ebenso viel oder mehr kleinern -Terrassen erstreckt sich in einem Neigungswinkel von etwa 45° und bis zu -einer Breite von über 50 m sich ausdehnend ein gar wunderbares Bauwerk -bis zu dem Seeufer hin. Aus schneeigem Marmor scheint es geschaffen und -von geübter Künstlerhand ausgearbeitet zu sein. Die einzelnen Terrassen -bilden kurze und lange, breite und schmale, geradlinig, halbkreisförmig -und oval geformte Becken mit breiten wulstigen Rändern und angefüllt -mit köstlich blau gefärbtem Wasser. Und was dem Ganzen einen Hauptreiz -verleiht, ist der matte weiche Farbenton der Sintergebilde, welcher so -wunderbar absticht von dem glänzenden Spiegel der blauen Wasserfläche, den -mit frischem Laub grün umsponnenen kleinen Felsrücken, welche an einzelnen -Stellen zwischen die Terrassen geschoben sind, und dem theilweise roth -gefärbten Boden der äußern Ränder. Die Sintergebilde erscheinen wie -feine Filigranarbeit, und man kann es kaum fassen, wie es möglich ist, -daß dieses riesige Bauwerk, diese 1 m dicken, oft 2 m hohen und bis zu -6 und 8 m langen Ränder und Wände der einzelnen Becken sich nur aus den -kleinen Sintertropfen und Stäbchen zusammensetzen. Der vorher genannte -Brunnen ist der eigentliche Bildner dieses Wunderwerks. Ein Geysir, wirft -er unausgesetzt das von unten nachströmende dunkelgrüne Wasser aus, in -welchem die zur Sinterbildung erforderlichen Kalksalze und nach Dr. von -Hochstetter hier vornehmlich Kieselsäure enthalten sind. Siedend heiß -strömt es über, füllt, himmelblaue Farbe annehmend, die obern Becken, -läuft aus diesen über in die weiter unten gelegenen und kommt, sich -allmählich abkühlend, unten im See mit einer Temperatur von vielleicht nur -20° C. an. So hat jedes Becken, von denen einzelne die Größe und Tiefe -einer Badewanne haben, andere genügend groß sind, um mehrern Personen -gleichzeitig ein Schwimmbad zu gestatten, einen verschiedenen Wärmegrad; -oben hat man Siedehitze, in der Mitte ist es noch heiß und weiter unten -lauwarm. Sehr verführerisch war es, in diesen schönen Becken und in -dem durchsichtig blauen Wasser, für dessen Färbung ich keine Erklärung -erhalten und finden konnte, ein Bad zu nehmen; mir wurde aber gesagt, daß -das Bad in den Becken der andern Terrasse vorzuziehen sei und so beschied -ich mich bis dahin. - -Wir wanderten weiter, an verschiedenen merkwürdigen Quellen und -Löchern vorbei, und kamen auch an das sogenannte Teufelsloch, eine -unschuldig aussehende kleine dunkle Oeffnung im Erdboden, in welcher der -hinterlistigste und verderblichste Ueberfall lauern soll, weshalb uns -auch nicht gestattet wurde, zu nahe an das Loch heranzutreten. Stets -ohne vorherige Warnung irgendeiner Art soll dieser Pfuhl plötzlich so -große Massen kochend heißen Wassers und Schlammes ausspeien, daß alles in -nächster Nähe befindliche Leben verbrüht, versengt und vernichtet wird. -Wir machten, daß das Teufelsloch bald weit hinter uns lag, und bestiegen -in der Mitte des östlichen Seeufers ein Kanu, das uns nach der andern -Seite und nach der dort gelegenen rosafarbenen Sinterterasse bringen -sollte. Sehr merkwürdig ist auf dieser kurzen Fahrt die häufig wechselnde -Temperatur des Wassers, welche in dem ganzen See, je nachdem vom Boden aus -heiße Quellen aufsteigen oder nicht, zwischen 15 und 40° schwanken soll. -Wir umfuhren eine kleine Insel und vor uns lag in glitzerndem Sonnenschein -unter dem blauen Himmel, oben und zu beiden Seiten eingerahmt von saftig -grünen Hügeln, die 20 m hohe und etwa 30 m breite so duftig hellrosa -überhauchte Terrasse, daß ich die Empfindung hatte, kaum je etwas Zarteres -und dabei doch Großartigeres gesehen zu haben. Wir landeten am Fuß der -Terrasse und hatten hier in der Nähe gleich wieder denselben unangenehmen -Anblick wie bei der weißen Terrasse, daß kaum ein Fleck zu finden war, wo -nicht die eitlen Besucher ihren höchst unnützen Namen mit Blei auf die -zarten Wände gekritzelt hatten. Allerdings gab die unendliche Namenzahl -einen Maßstab dafür, wie stark diese weit entlegenen Wunderwerke trotz -der Kostspieligkeit der Reise doch besucht werden. Nachdem wir bis zu dem -Brunnen, welcher die Terrasse speist, vorgedrungen waren und von dort den -merkwürdigen Farbeneffect, welchen das blaue Wasser mit den rosafarbenen -Umwandungen bildet, bewundert hatten, stiegen wir wieder hinab, der -barfüßigen Frau Margarate folgend, welche leicht von Absatz zu Absatz -sprang und ungefähr in halbe Höhe ein geeignetes Becken mit lauwarmem -Wasser für unser Bad auswählte. Sie begab sich dann ganz hinunter zum -Ufer, sodaß wir uns ungenirt entkleiden und ein höchst eigenartiges und -schönes Schwimmbad nehmen konnten, nach welchem wir den Rückweg antraten, -durch einen niedrigen Wald oder Busch zu unserm Boot und mit diesem -nach Wairoa gelangten, von wo aus wir noch im Laufe des Nachmittags -nach Ohinemutu zurückkehrten. Hier gelang es mir noch in dem Dorf der -Eingeborenen aus einem Schutthaufen einige alte Schnitzereien auszugraben -und zu erwerben, für welche ich dem Besitzer aber einen so hohen Preis -zahlen mußte, daß ich denselben lieber verschweigen will. - -Am 19. morgens verließen wir Ohinemutu und fanden den Wald nicht ganz so -schön wie auf der Hinfahrt, weil stellenweise, wo wir den frischen Wind -im Rücken hatten, der von unserm Wagen aufgewühlte Staub so fürchterlich -war, daß wir vorzogen, den Wagen vorzuschicken und ein großes Stück zu Fuß -zu gehen. Bei dieser Gelegenheit, nachdem wir etwa eine Stunde gegangen -waren, begegneten wir auch der Postkutsche, welche sich schwerfällig -bergauf bewegte und deren Insassen nebenhergingen, um den Thieren die -Arbeit zu erleichtern. Die Kutsche und die Reisenden waren schon weit -hinter uns, wir hatten schon mehrere Wegebiegungen passirt, da sahen wir -noch zwei jedenfalls zur Post gehörige junge Damen am Waldesrand Blumen -suchen. Leichtsinnig wie solche junge Damen sind, waren sie so weit -zurückgeblieben, daß ihr Ruf hier mitten im Urwald weder die Mitreisenden, -noch sonst irgendein menschliches Ohr hätte erreichen können. Wir sahen -auch auf die Entfernung hin keineswegs vertrauenerweckend aus, waren -so verstaubt, daß weder an unserer Kleidung noch an unsern schmutzigen -Gesichtern jemand unsern Stand hätte errathen können; unser Wagen, welcher -an der nächsten Pferdestation auf uns warten sollte, war uns so weit -voraus, daß wir auch mit diesem nicht mehr in Verbindung gebracht werden -konnten. Als die Damen uns erblickten, mußte ihnen daher die Gefahr klar -werden, in welcher sie sich möglicherweise befanden, und sie wurde ihnen -auch anscheinend klar. Sie gaben das Blumenpflücken auf und schienen -anfänglich in dem Wald Schutz suchen zu wollen, wendeten sich aber doch -wieder zur Straße und nahmen eine möglichst harmlose, furchtlose Haltung -an. Als sie aber dicht bei uns waren und wir sie grüßten, weil der Consul -in der einen eine Dame aus Auckland erkannte, welche erst nach diesem -Gruß meinen Begleiter erkennen konnte, da half keine Heuchelei mehr. Die -vorbrechende Freude in den Gesichtern der Damen war eine so ungekünstelte, -daß diese klar zeigte, welche Angst sie vorher ausgestanden hatten. - -Ohne weitere Abenteuer war ich nach Auckland heimgekehrt und stand am 20. -nachmittags wohlbehalten wieder auf meinem Schiff. - - Die vorstehenden Schilderungen über das Geysir-Gebiet in -Neu-Seeland treffen zur Zeit nur noch in beschränktem Maße zu, weil -der vulkanische Ausbruch des Berges Tarawera am 10. Juni 1886 sehr -bedeutende Veränderungen in landschaftlicher Beziehung im Gefolge -gehabt hat. Näheres siehe im Anhang S. 576. - - - - -16. - -Die Tonga-Inseln. - - - 8. März 1879, vormittags. - -Schön ist das Wetter, normal der Barometerstand und leicht der Passatwind, -welcher unser Schiff den Tonga-Inseln entgegenführt, und doch will es -scheinen, daß wir trotz dieser guten Zeichen heute noch, vielleicht -schon in wenigen Stunden von einem verheerenden Orkan überfallen werden. -Denn vor einer Stunde kam uns ganz plötzlich, wie von dem Meeresgrund an -die Oberfläche gestoßen, ein Sturmbote entgegen, welcher die ernsteste -Beachtung verdient -- hohe Dünung aus Nordost, Wellen, welche jetzt schon -eine Höhe von etwa 10 m haben und diejenigen des Passatwindes vollständig -niederdrücken. Diese Dünung kann nur von einem Nordoststurm herrühren und -ein solcher kann wiederum in diesen Regionen nur ein Theil eines Cyklons -sein, welcher zur Zeit im Norden von uns bei den Tonga-Inseln stehen muß -und dessen Centrum demnach etwa 150 Seemeilen von uns entfernt ist. Es -ist allerdings wunderbar, daß Wind, Wetter und namentlich Barometer die -Nähe des Orkanfeldes so gar nicht andeuten, sodaß man versucht wird, die -Dünung andern Ursachen zuzuschreiben; die Gleichmäßigkeit aber, womit -immer wieder in ununterbrochener Folge neue Wellen heranlaufen, sowie -deren wachsende Höhe lassen mich das Schlimmste befürchten. - -Hätten wir freien Seeraum nach allen Seiten, dann könnte ich die -Entwickelung der Dinge vorläufig noch mit einiger Ruhe abwarten, weil -ich dann mit Segel und Dampf dem verheerendsten Theil des Cyklons, seinem -Centrum, ausweichen könnte; da wir uns aber jetzt schon in unheimlicher -Nähe einzelner Korallenriffe befinden und, wenn wir mit unserm jetzigen -Curs und der bisherigen Geschwindigkeit weiterlaufen, um 2 Uhr schon -in weitem Umkreis so von Korallenriffen umgeben sein werden, daß wir -nicht mehr nach unserm Belieben manövriren können, sondern auf dem -eingeschlagenen Wege bleiben müssen, so liegt es auf der Hand, daß ich -dem Kommenden nur mit großer Sorge entgegensehen kann. - -Ich könnte jetzt noch mit einem Umweg von etwa 100 Seemeilen um das -Gebiet der Korallenriffe herum allen Gefahren entgehen, wenn der Orkan -seinen Weg von den Tonga-Inseln aus südlich oder südöstlich nähme, und -wenn ich dies wüßte. Geht er aber, was ebenso möglich ist, etwas über die -genannten Inseln westlich hinaus, ehe er seinen südlichen Curs aufnimmt, -dann würde ich mich gerade auf jenem Wege in die Gefahr begeben. Sollte -das Sturmfeld uns treffen, ehe ich einen genügenden Vorsprung nach Westen -gewonnen hätte, so wäre die Gefahr noch viel größer, weil wir uns dann in -sehr viel größerer Nähe einiger Riffe befänden, als wir es im Laufe des -Nachmittags sein werden, wenn wir mit unserm jetzigen Curse weiterlaufen. - -Es ist infolge langjähriger Beobachtungen bekannt, daß die bei den -Tonga-Inseln auftretenden und immer von Osten kommenden Cyklone in der -Regel nur bis zu diesen Inseln laufen und dann von dort aus in einer -schärfern oder flachern Kurve nach Süden oder Südosten ziehen, auch -kann man aus dem Fallen und Steigen des Barometers in Verbindung mit der -Aenderung der Windrichtung von dem Schiff aus den Weg bestimmen, welchen -der Orkan nehmen wird, aber dies letztere nur, wenn Barometer und Wind -überhaupt sprechen, und dies ist bisher noch nicht geschehen. Nach der -Stetigkeit, mit welcher der Wind aus Südost weht, könnte man zwar folgern, -daß das Sturmcentrum sich gerade auf uns zu bewegt; da aber der Barometer -unverrückt seinen hohen Stand behält, so ist dies andererseits auch nicht -anzunehmen und nur zu vermuthen, daß wir uns noch nicht im Sturmfeld -befinden. So bleibt mir zur Zeit nichts anderes übrig, als zunächst zu -suchen, das Schiff möglichst schnell aus der unangenehmen Nähe der uns -gerade zur Zeit umgebenden Riffe zu bringen, wozu die erforderlichen -Anordnungen getroffen sind. Es bleibt mir nach allem keine andere Wahl, -als auszuharren und zu hoffen, daß ein gütiges Geschick über uns walten -werde. - -Ich habe vor vielen Jahren zwei Orkane mit erlebt und jetzt treten -die Ereignisse des einen, bei welchem am 2. September 1860 in einem -Umkreis von wenigen Meilen nicht nur unser Kriegsschooner „Frauenlob“, -sondern auch noch ein englisches Kriegsschiff und zwei englische -Pferde-Transportschiffe mit Mann und Maus zu Grunde gingen, auch unsere -Fregatte „Arkona“, auf welcher ich mich befand, dem Untergang nahe war, -in erschreckender Deutlichkeit wieder vor mein geistiges Auge. Nur Gott -weiß, was uns beschieden sein wird! - -1 Uhr. Der Wind hat inzwischen die Stärke eines mäßigen Sturms angenommen, -der Barometer ist aber nur so unwesentlich gefallen, daß ich mir noch -immer kein Bild davon machen kann, was werden wird. Um 10 Uhr stand er -761,75 mm und jetzt hat er noch einen Stand von 760,00 mm. - -2 Uhr. Es weht ein voller Sturm aus Südost mit hohem Seegang, während die -hohe Dünung aus Nordost gleichzeitig sich noch immer in ihrer bedeutenden -Höhe behauptet. Der Barometer steht 759,65 mm. - -4 Uhr. Barometerstand noch immer hoch, 758,00 mm (in der Nähe des Centrums -eines Orkans fällt er bis auf 700,00) und trotzdem kann es keinem Zweifel -mehr unterliegen, daß wir uns bereits innerhalb des Orkanfeldes befinden. -Der Wind, welcher dauernd an Stärke zunimmt, bleibt unverändert auf Südost -stehen, das Centrum des Orkans rückt also gerade auf uns zu. Ausweichen -können wir nicht mehr. - -5 Uhr. Ein kleiner Hoffnungsschimmer zeigt sich uns, der Wind ist auf -Südsüdost gegangen -- ein Zeichen, daß das Orkanfeld anfängt nach Osten -abzudrehen. Das Schiff arbeitet schwer, hält sich aber sonst vorzüglich -in der hohen durcheinanderlaufenden See. Schreiben ist nicht mehr möglich. - - - 9. März, vormittags. - -Das war eine bange, sorgenvolle Nacht, aber jetzt lacht wieder die Sonne; -Wind und Seegang nehmen schnell ab, wenn wir uns auch noch immer in -der äußern Peripherie des jetzt südlich von uns stehenden Sturmfeldes -befinden. - -Gestern Abend 9 Uhr hatte der Wind nahezu die Stärke eines Orkans -erreicht, sodaß ich jeden Augenblick das Wegfliegen unserer Sturmsegel -befürchtete. Wir mußten in der Nähe des Centrums sein, weil die -Windrichtung schnell wechselte, denn um 8½ Uhr hatten wir noch -Südsüdost-Wind, um 9 Uhr war er aber schon Süd und um 10 Uhr Südsüdwest, -womit das Centrum bereits an uns vorbeigezogen war. - -Um 9 Uhr war das Schiff, welches bis dahin noch immer Curs gelegen hatte, -beigedreht worden, um das Sturmcentrum an uns vorbeiziehen zu lassen und -in dieser Lage den uns drohenden Gefahren besser begegnen zu können; als -aber um 11½ Uhr der Wind noch immer auf Südsüdwest stand, ohne an Stärke -abzunehmen, und der Barometer, welcher um 6 Uhr seinen niedrigsten Stand -mit 757,00 mm erreicht hatte, um 10 Uhr auf 758,40 mm gestiegen war, hielt -ich, da ich nun im Norden wieder freie Bahn vor mir hatte, mit dem Schiff -wieder ab und ließ es mit so viel Sturmsegeln, als es tragen konnte, einen -nördlichen Curs laufen, um unter Hintansetzung jeder andern Rücksicht -einen möglichst weiten Raum zwischen uns und unsern Gegner zu bringen. Es -war eine tolle Fahrt in der dunkeln Nacht auf der wildtobenden See, deren -Wellen von allen Seiten laufend das große Schiff wie einen Spielball hin -und her warfen. Jeden Augenblick mußte ich darauf gefaßt sein zu sehen, -wie ein Theil der Takelage über Bord geschleudert würde, daß sich die -schweren Boote oder Geschütze losreißen oder sonstige Havarien eintreten -würden; doch es ging alles gut. Kurz nach Mitternacht schon nahm der Wind -etwas ab und nachdem er um 4 Uhr morgens auf Südwest gesprungen war, wurde -es schnell flauer. Vor einer Stunde fing auch die See an sich zu glätten, -da die gegeneinander laufenden Wellen sich selbst zerstören, und jetzt -ist es schon wieder so, daß ich bei ruhig liegendem Schiff schreiben kann. - - - 19. März 1879. - -Am 10. d. M. langten wir in Nukualofa auf Tongatabu an und heute Vormittag -haben wir Vavau, den nördlichsten Hafen der Tongagruppe, verlassen. Der -Zweck unsers Anlaufens der Tonga-Inseln war, dem König und den beiden -Prinzen die ihnen verliehenen preußischen Orden zu überreichen, wozu auch -der „Albatros“ von Apia aus nach Nukualofa gekommen war und dort schon -einige Tage auf uns gewartet hatte. - -In Nukualofa sah es traurig aus. Der Orkan, in welchem wir uns in der -Nacht vom 8. zum 9. befunden hatten, war in derselben Nacht mit seinem -Centrum, wie es auffälligerweise die hier auftretenden Drehstürme in -der Regel thun, mit verheerender Gewalt über Tongatabu weggezogen und -hatte eine fürchterliche Verwüstung angerichtet, die Kirche abgedeckt, -die Hütten weggefegt, Zäune niedergelegt und eine erschreckend große -Zahl Kokospalmen wie andere Bäume umgebrochen. Der angerichtete Schaden -ist so groß, daß die ganze Bevölkerung vollständig betäubt war und man -nur ernste und besorgte Gesichter zu sehen bekam. Der „Albatros“ hatte -ebenfalls schlimme Stunden durchgemacht, denn wenn auch am Abend des 8. -der König noch einen Lootsen mit der Mittheilung, daß ein Orkan im Anzuge -sei, geschickt und dieser das Kanonenboot an einem bessern und wie es -schien vollständig sichern Ankerplatz verankert hatte, wo der Commandant -drei Anker mit der ganzen Kette ausbringen und die Takelage an Deck nehmen -ließ, war die Wucht des Windes doch eine so mächtige gewesen, daß das -Schiff, obgleich es außerdem noch mit voller Maschinenkraft gegen den Wind -anarbeitete, langsam dem Strande zugetrieben wurde und sicher gescheitert -wäre, wenn der Sturm eine halbe Stunde länger angedauert hätte. Die durch -die Verwüstungen am Lande hervorgerufene Unordnung war im übrigen so groß, -daß ich mit der feierlichen Ueberreichung der Orden nothgedrungen warten -mußte, bis wieder einigermaßen Ordnung geschaffen war und dies war erst -am Vormittag des 12. März der Fall. - -Nach Ueberreichung der Orden folgten der König und die Prinzen einer -Einladung zum Frühstück bei mir auf der „Ariadne“ und damit war die Feier -beendet, da der König gebeten hatte, unter dem Eindruck der vorliegenden -Verwüstungen von einer Festlichkeit absehen zu dürfen. Statt dessen mußten -der Commandant des „Albatros“ und ich abends die Gäste des englischen -Missionars, welcher eine große Vertrauensstellung bei dem König einnimmt, -sein und dort war auch der ebenfalls geladene Prinz Wellington Gu -anwesend. - -Im Hause des geistlichen Herrn fanden wir zwei liebenswürdige -feingebildete Damen, Gattin und älteste Tochter des Hausherrn, welche die -an sich behagliche Häuslichkeit nur noch reizvoller machten. Der Tisch -war gut, ebenso waren es die Weine, unter denen vorzugsweise einige zum -Schluß gebrachte Flaschen wirklich guten edeln Rheinweins unsere volle -Anerkennung fanden. Nach einem angenehm verlebten Abend trennten wir uns -erst gegen 10 Uhr, nachdem ich vorher noch dem Prinzen Gu versprochen -hatte, ihn mit seiner Dienerschaft am nächsten Vormittag nach Vavau -mitzunehmen, da ich diesen Platz im Vorbeilaufen sowieso für ein oder zwei -Tage besuchen wollte. - -Am nächsten Morgen, nachdem „Albatros“ bereits nach Auckland in See -gegangen war, trat indeß unserer Weiterfahrt ein Hinderniß entgegen. Der -Schiffsarzt meldete mir, daß der Steuerer meiner Gig sich wegen heftiger -Kopfschmerzen in ärztliche Behandlung gegeben habe und er wahrscheinlich -am vorhergehenden Abend der Gegenstand eines Raubanfalls gewesen sei. -Die Untersuchung ergab, daß der Bootsmannsmaat, während er mit dem Boot -auf mich wartete, dort in der Dunkelheit zwei Eingeborenen begegnete -und gleich darauf bewußtlos war. Später wurde er von den ihn suchenden -Bootsgasten nicht weit vom Boot entfernt am Strande liegend gefunden und -zum Bewußtsein zurückgebracht, worauf dann festgestellt wurde, daß sein -Messer und seine Pfeife fehlten. Da er ein nüchterner, sehr ruhiger Mensch -ist, die Bootsgasten weder Wortwechsel noch überhaupt einen Laut gehört -haben, obgleich die Sache sich bei der Dunkelheit in nächster Nähe des -Bootes abgespielt haben muß, auch die Kleidung des Angefallenen keine -Spuren eines Kampfes oder Ringens zeigten, so bleibt eben keine andere -Erklärung übrig, als die eines beabsichtigten Raubanfalls und daß die -Angreifer ihr Opfer gleich mit dem von hinten geführten ersten Schlag -bewußtlos zu Boden gestreckt haben. Der Arzt hatte vor dieser Untersuchung -schon festgestellt, daß der Unteroffizier einen schweren Schlag auf den -Hinterkopf erhalten hatte, welcher ein mehrtägiges Krankenlager zur Folge -hatte, einen gleichen das ganze Gesicht zeitweise entstellenden Schlag von -vorn, und daß er außerdem noch ziemlich stark gedrosselt worden sein muß. - -Diese Sache durfte ich nicht mit Stillschweigen übergehen, und da nach -meiner Kenntniß des Charakters dieser Südseemenschen die That gewiß schon -der halben Bevölkerung bekannt war, so mußte ich auch die Ermittelung und -Bestrafung der Thäter fordern. Ich ließ daher gleich der tonganischen -Regierung von dem Vorfall Kenntniß geben mit der Forderung, die Thäter -innerhalb drei Stunden zu ermitteln und zu bestrafen, da ich meine auf 9 -Uhr angesetzt gewesene Abreise nur um diese Zeit hinausschieben könne. - -Nach einer halben Stunde kam Prinz Gu zu mir, um dem Bedauern des Königs -über diesen Vorfall Ausdruck zu geben und zu erklären, daß es wol kaum -möglich sein würde, die Schuldigen in dieser kurzen Zeit zu ermitteln. -Ich konnte dem nicht zustimmen und nur betonen, daß dies nach meiner -Ueberzeugung ein Leichtes sei, wenn man nur den guten Willen habe und -ich daher auf meiner Forderung bestehen müsse. Der Prinz fuhr wieder -an Land, wo sich am Strande bereits eine große und anscheinend erregte -Menschenmenge zusammengefunden hatte. Durch das Fernrohr konnte ich sehen, -wie gleich beim Landen des Bootes ein gebundener Mensch in dasselbe -gehoben wurde und dieses darauf wieder zu uns kam. Prinz Gu erzählte -nun, daß der König bereits einen Verdacht gehabt habe, in die Hütte des -Betreffenden gegangen sei und dort in einer verschlossenen Kiste, welche -er habe erbrechen lassen, die geraubten Sachen gefunden habe. Die mir -dann übergebenen beiden Gegenstände schlossen jeden weitern Zweifel aus, -da sie mit dem Namen des Beraubten versehen waren. Gleichzeitig wurde mir -auch der Räuber mit dem Bemerken zur Verfügung gestellt, daß derselbe -ein früherer Gefangener sei, ich ihn nach Belieben bestrafen könne und -nicht mehr zurückzuliefern brauche. Dieses Anerbieten glaubte ich indeß -ablehnen zu müssen, wie ich andererseits der Behauptung, daß der zweite -Mann als unschuldig befunden worden sei, Glauben schenken mußte. Ich -verlangte daher die Bestrafung des Verbrechers nach tonganischem Recht -auf öffentlichem Platze und forderte, als ich um Bemessung der Strafe -gebeten wurde und nachdem mir das gesetzmäßige Bestehen der Prügelstrafe -versichert worden war, 25 Hiebe und das Recht, einen Offizier sowie -den mishandelten Unteroffizier als Zeugen zu dem Strafvollzug senden -zu dürfen. Nachdem mir dies zugestanden worden war, wurde der an Händen -und Füßen gebundene neben mir liegende Missethäter, dessen Körper schon -die verschiedensten Spuren bereits erlittener Mishandlungen aufwies, -wieder in das Boot und an Land gebracht, wohin unsere Zeugen kurze Zeit -darauf nachfolgten. Trommelwirbel riefen bald die Bevölkerung nach dem -Königshaus, wo in dem hintern Hof die Strafe vollzogen wurde und zwar -nach der mir später gewordenen Meldung in der Weise, daß der Delinquent -gebunden auf die Erde gesetzt wurde und dann zwei Männer, der eine mit -einer schweren Rippe eines grünen Kokospalmenblattes, der andere mit einem -dreifach zusammengedrehten dicken Strick erbarmungslos und ohne Schonung -irgendeines Körpertheils auf ihn einhieben. Erst nachdem über 30 Hiebe -gefallen waren, wurde es unserm Offizier möglich, dieser barbarischen -Strafe Einhalt zu thun, worauf der Verbrecher, dessen Körper nur eine -große blutrünstige Schwiele gewesen sein soll, nach dem Gefängniß getragen -wurde, da er selbst zum Gehen nicht fähig war. Ich ließ darauf dem König -für die prompte Justiz danken, der Prinz Gu nebst Dienerschaft schifften -sich auf der „Ariadne“ ein und um 12 Uhr mittags verließ ich ziemlich -verstimmt durch die Eindrücke des Vormittags wieder Nukualofa. Im Laufe -des Nachmittags traf uns auch noch das Unglück, daß ein Matrose, während -er schlief, am Herzschlag verstarb und zwar, wie sich bei der am nächsten -Morgen vorgenommenen Obduction ergab, an einem unheilbaren, schon weit -vorgeschrittenen Herzfehler. - -Mein Gast, welcher die Stelle eines Gouverneurs der Vavau-Gruppe -bekleidet und als solcher vielfache Seereisen machen muß, leidet stets -so sehr an der Seekrankheit, daß er sich bei mir auch gleich in meine -ihm zur Verfügung gestellte Achterkajüte zurückzog und sich dort unter -Zurückweisung aller ihm gebotenen Bequemlichkeiten auf eine Matte auf das -platte Deck bettete. Die sanften Bewegungen des Schiffes indeß, welche ein -besonderer Vorzug der „Ariadne“ sind, ließen keine Seekrankheit aufkommen -und so kam der Prinz bald wieder mit der Erklärung zum Vorschein, daß -diese Seereise die erste in seinem Leben sei, welche ihm Genuß gewähre. - -Am 14. abends trafen wir in dem von niedrigen Höhen umschlossenen Hafen -von Vavau ein, wo wir vor dem unbedeutenden Dorfe Neiafo ankerten. -Wir waren leider gezwungen, den Verstorbenen noch an diesem Abend -zu beerdigen, weil der Verwesungsproceß der Leiche schon so weit -vorgeschritten war, daß wir dieselbe nicht mehr über Nacht an Bord -behalten konnten. Eigentlich hätten wir dieselbe schon im Laufe des -Nachmittags auf offener See bestatten müssen, da aber die Ankunft in Vavau -gesichert war, so wollte ich dem Manne doch ein ordentliches Grab zukommen -lassen. Ehe indeß die erforderlichen Vorbereitungen am Lande getroffen -werden konnten, war es Nacht geworden und so konnte der Leichenzug erst -gegen 9 Uhr das Schiff verlassen. Am Lande zog sich eine durch Laternen -gebildete Schlangenlinie langsam die dunkle Höhe hinauf, die getragene -Musik eines Trauermarsches kam wie ein Gebet über die stille Flut zu -uns herüber und wir gedachten des armen Kameraden, welcher kurz vor -der Heimreise dort drüben auf Bergeshöhe in fremder Erde seine letzte -Ruhestätte fand. Die Musik verstummte, ein Choral erzitterte durch die -stille Nacht, die Musik verstummte wieder und dann schlängelte sich in -raschem Tempo nach den Klängen eines heitern Marsches die flimmernde -Schlange wieder den Berg hinunter. Den Lebenden gehört nun einmal das -Leben. - -In Neiafo war wenig zu sehen, da neben dem umfangreichen mit großer -Raumverschwendung erbauten hölzernen Wohnhaus des Gouverneurs die Hütten -der Eingeborenen und die kleinen Häuser der wenigen hier lebenden Europäer -um so mehr verschwinden, als alle diese Wohnungen sehr verstreut an dem -Abhang eines Berges unter Kokospalmen, Brotfrucht- und Orangenbäumen -versteckt liegen und man nicht den Eindruck gewinnt, eine Stadt oder -ein zusammengehöriges Dorf zu betreten. Doch macht dafür jedes einzelne -Wohnhaus an sich einen sehr behaglichen und bei der herrschenden Hitze -auch einladenden Eindruck, da die Häuser sowol, wie deren nächste Umgebung -angenehm beschattet sind. - -Den Gouverneur traf ich am Morgen nach unserer Ankunft, bei Gelegenheit -meines ihm gemachten Besuches, vor seinem Hause sitzend als tonganischen -Häuptling an, d. h. nur im Lava-lava mit dem Fliegenwedel in der Hand. Ob -er dadurch unangenehm berührt wurde, weiß ich nicht, jedenfalls hat er es -sich dann nicht merken lassen, da er ebenso unbefangen liebenswürdig wie -immer war, mir sein Haus zeigte und sich dann erst umkleidete, um mich -in die nächste Umgebung zu fahren und mir dort seine Kaffee-, Baumwoll- -und Kokosnußpflanzungen zu zeigen. In seiner Nationaltracht habe ich ihn -später allerdings nicht mehr zu sehen bekommen. - -Das Haus, nur ein Geschoß zu ebener Erde, scheint vorzugsweise mit -Rücksicht auf Repräsentationszwecke erbaut zu sein, da es neben andern -Wohnräumen einen besonders großen Speisesaal mit daran stoßendem -Anrichtezimmer und dahinter liegender geräumiger Küche hat, auch große -Vorräthe an Tischwäsche, Porzellan, Glas und sonstigem Tischzubehör -vorhanden sind. - -Die Dienerschaft des innern Hauses wird durch jüngere Häuptlingstöchter, -welche sich regelmäßig ablösen, und die Küche durch ältere weibliche -Personen gebildet. Im Stall sind natürlich Männer. - -Ein großes Mittagessen, welches der prinzliche Gouverneur uns gab, -unterschied sich von den uns gewohnten nur durch die Bedienung. Denn -da wir auf Stühlen an einem mit weißem Damast gedeckten Tisch saßen, -wo wir neben Tellern, Gläsern, Messern und Gabeln auch europäische -Tafelaufsätze fanden, mit Speisen und Getränken bewirthet wurden, -wie der Europäer sie in den Tropen genießt, die eigentliche Bedienung -mit uns gewohnter Sauberkeit und Ordnung erfolgte, so blieben nur die -bedienenden Personen als etwas Absonderliches übrig, und zwar als etwas -so reizend Absonderliches, daß diese uns mehr wie das Mahl fesselten. -Neben zierlichen jungen Mädchen, welche unter Aufsicht einer ältern -braunen Dame mit großer Sicherheit und Ruhe die Speisen anboten, Teller, -Messer und Gabel wechselten, standen hinter uns noch die vornehmern -Häuptlingstöchter in ihrem schönsten Staat mit Blumen und Laub geschmückt, -um uns Kühlung zuzufächeln und mit ihren Fächern auch die Fliegen und -Mosquitos fern zu halten. Während des Essens hatte allerdings mein -Gegenüber den besten Platz, weil das schönste der jungen Mädchen nur um -meine Person beschäftigt war und daher hinter mir stand, wohin ich nur -ab und zu einen verstohlenen Blick werfen konnte. Nach dem Essen änderte -sich dies allerdings, da wir uns nun auf dem Fußboden als Gruppe auf -Matten niederließen und die Mädchen zu unsern Füßen zwischen uns Platz -nahmen, um ihres Amtes walten zu können. Mir schien es kaum möglich, daß -die armen Geschöpfe überhaupt noch im Stande waren ihre Arme zu bewegen, -aber trotz aller Bitten sich zu schonen, fuhren sie unverdrossen mit dem -freundlichsten Gesicht in ihrer anstrengenden Arbeit fort, wofür ich -meinem Mädchen wenigstens am nächsten Tage ein schönes Stück Sammt zu -einem neuen Leibchen schenkte, worüber sie außerordentlich erfreut war. -Sehr bedauert haben wir, daß wir diese Gruppe nicht in einem Bild fixiren -konnten, denn wenn auch nicht gerade wir des Anschauens so werth sind, so -waren es doch die zierlichen Tonganerinnen in ihren knappen, nur etwas bis -über die Knie reichenden leichten Kleidchen aus bunter Seide und buntem -Sammt, mit ihren Blumen und Laubgewinden und den frischen, heitern und -hübschen Gesichtern. Die Frauen hier in Vavau erinnern in ihrer Gestalt -mehr an die Samoanerin als an die große starkknochige Tonganerin, und vor -beiden haben sie noch den Vorzug schönerer Gesichtszüge. - -Während wir so behaglich hingestreckt lagen und bei einer Tasse Kaffee -eine gute Cigarre rauchten, an denen es in diesem gastfreien Hause auch -nicht fehlte, traten eine größere Zahl Männer in den Raum, um Kawa zu -bereiten, welche hier, abweichend von dem Samoabrauch, durch Männer -zubereitet wird, nachdem sie die Wurzel zwischen Steinen zerrieben haben. -Dann folgten einige gut einstudirte Gesangsvorträge, in denen die Tonganer -einen weitverbreiteten Ruf haben, welche mich aber nicht besonders -ansprachen. Tänze sind hier durch die Missionare verboten und werden daher -nur im geheimen geübt, dann aber, wie es wol nicht gut anders sein kann, -als verbotene Frucht mit den dazugehörigen Ausschreitungen. - -Zur Hebung der Moral haben die Missionare hier die schärfsten Bestimmungen -durchgesetzt und dadurch die wunderlichsten Auswüchse im Volksleben -hervorgebracht. So haben sie, um die sittlichen Zustände zu heben, -verboten, daß die hier ansässigen Weißen ihren Hausstand durch eingeborene -Frauenzimmer besorgen lassen. Da die Weißen nun keine Männer zur Bedienung -erhalten können, so verfielen sie auf das Mittel der Adoption, gegen -welchen althergebrachten Brauch die Missionare trotz ihrer sonstigen Macht -bisjetzt noch nichts haben ausrichten können. Die Weißen adoptiren also -ein junges Mädchen als Tante, Schwester, Tochter oder gar als Mutter, -müssen dieselbe dann aber ganz in ihr Haus nehmen. Während nun früher die -weibliche Bedienung nur am Tage den Hausstand ihres Herrn versorgte, muß -sie jetzt ganz mit ihm zusammenleben, und es belustigte mich sehr, bei -einem jungen Deutschen eine blutjunge Tonganerin als seine gesetzliche -Tante vorzufinden. - -Nicht ganz in Uebereinstimmung mit dieser Verordnung dürfte sich -allerdings die weibliche Bedienung des Prinzen Gu befinden, dies hat -jedoch zur Zeit keine große Gefahr, da der Prinz, wie man zu sagen -pflegt, bis über die Ohren verliebt ist, und zwar in eine ihm an Geburt -und Körpergröße ebenbürtige Dame, aber dennoch vorläufig ohne Hoffnung -auf eine baldige Verbindung. Der Prinz zeigte mir mit allen äußern -Zeichen eines unglücklich Liebenden die Photographie seiner Erwählten und -erzählte mir dabei, daß der König bisher seine Einwilligung zu dieser -Verbindung versagt habe, weil die Verwandtschaft (wenn ich nicht irre -Geschwisterkinder) eine zu nahe sei. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich -auch, daß die Tonganer von altersher Ehen unter Blutsverwandten nicht -billigen. - -Eine merkwürdige Mittheilung wurde mir hier noch gemacht, welche ich -anfänglich nicht glauben konnte, aber doch glauben mußte, als der -Gouverneur mir die Richtigkeit bestätigte. Die von den Missionaren -eingeführten Strafen sind hier, ebenso wie auf den Gesellschafts-Inseln, -Geldstrafen, von welchen der Angeber einen Theil als Angeberlohn erhält. -Die besonders in Betracht kommenden Vergehen sind Uebertretung der -Sonntagsheiligung, Diebstahl und unsittlicher Lebenswandel. Wird nun -jemand eines solchen Vergehens angeklagt, dann ist die Beibringung von -Zeugen nicht erforderlich, in den meisten Fällen auch nicht möglich, weil -die Denuncianten oft aus Rachsucht oder Geldgier eine falsche Anklage -erheben sollen, in diesen Fällen also schon das Vorhandensein von Zeugen -ausgeschlossen ist. Hier sind nun die Angaben des Angeschuldigten und -des Anklägers nicht gleichwerthig, sondern der Angeschuldigte erhält, -sofern er nicht Zeugen für seine Schuldlosigkeit beibringen kann, wenn er -nicht gleich gesteht, ohne Ansehung des Geschlechts 25 Hiebe und wenn er -dann noch nicht gesteht, weitere 10 Hiebe. Darauf wird er entlassen und -zum nächsten Tage bestellt, um dann derselben Mishandlung unterworfen zu -werden, wenn er nicht vorzieht, die Geldstrafe auf alle Fälle zu zahlen -und sich dadurch schuldig zu bekennen. Ein Zeichen der Unschuld gibt es -übrigens, und zwar wenn bei der mishandelten Person während der Folter -eine Blasenentleerung stattfindet. Der Angeber geht in allen Fällen -straflos aus, jedenfalls um diesen Leuten das unsaubere Handwerk nicht -zu verleiden. Wie mir versichert wurde, soll diese Art der Justiz auf den -Einfluß der Missionare zurückzuführen sein, was mir indeß nicht bewiesen -werden konnte. Aber soviel weiß ich, daß die Mission in Tonga, welche -einen so bedeutenden Einfluß hat, dieser unwürdigen Rechtspflege in Vavau -ein Ende machen könnte, wenn sie wollte und -- wenn sie durch ihre Station -in Vavau von diesen Zuständen überhaupt Kenntniß erhalten hat. - -Zu gestern war, ebenso wie früher auf andern Inseln, die Bevölkerung -zum Besuch des Schiffes eingeladen. Hierbei machte es sich eine -ziemlich große Zahl reichgeputzter Frauen, welche ohne Begleitung ihrer -männlichen Verwandten auf das Schiff kamen, unter der Führung einer -ältern wohlbeleibten Dame in meiner Kajüte bequem. Die ältere Dame, -welche neben ihrer reichen Kleidung noch viel werthvollen Schmuck an sich -trug, hatte einen jüngern Eingeborenen bei sich, der wol als Dolmetscher -mitgenommen war und mir in Englisch seine Herrin als eine der vornehmsten -Häuptlingsfrauen, von welcher ich auch schon gehört hatte, vorstellte. Die -braune Dame war außerordentlich gesprächig, erkundigte sich nach allem -Möglichen, nahm in einem Lehnsessel Platz und beförderte nach einiger -Zeit alle Eindringlinge ihres Stammes, welche nicht zu ihrer nähern -Umgebung gehörten, in energischer Weise zur Thür hinaus, richtete dann -mit den entsprechenden Gesten und dem freundlichsten Gesicht einige Worte -an mich, welche ich dahin deuten mußte, daß sie die Thüren geschlossen -haben wolle. Dies traf auch zu, denn ehe der Dolmetscher zu Worte kommen -konnte, wurde er beauftragt dies auszuführen unter Zuhülfenahme einiger -Armbewegungen, welche nur besagen konnten: „Der Herr hat das Schließen der -Thüren erlaubt, mach’ sie daher zu!“ Nach diesen Vorbereitungen setzte -sie sich noch einmal bequem in dem Sessel zurecht, ordnete ihre Kleider -etwas, gab den mit ihr gekommenen Mädchen, von welchen ich einige schon -vom Hause des Gouverneurs her kannte, Anweisung, etwas zurückzutreten, -sodaß der Platz vor ihr frei war, faßte dann dem Mann, welcher sich -inzwischen vor ihr auf die Erde gesetzt hatte, zärtlich in die Haare und -sagte etwas zu ihm, worauf derselbe anfing in halb hockender Stellung -einen Tanz zu Füßen seiner Gebieterin aufzuführen, welcher an diejenigen -der Gesellschafts-Inseln erinnerte. Während mich der Tanz nicht ansprach, -waren die versammelten Damen, welche hier ohne Gefahr die verbotene -Frucht genießen konnten, ganz entzückt davon, und die dicke Angeberin -des jedenfalls vorher geplanten Vergnügens war so außer sich vor Freude, -daß sie den Mann ab und zu unterbrechen mußte, indem sie ihn mit der -einen Hand an den Haaren faßte, sich schüttelnd vor Lachen in den Stuhl -zurückwarf, mit der andern Hand auf den Tänzer wies und mit nach hinten -übergebogenem Kopfe -- ich stand ihr zur Seite -- mir etwas zurief, was -nur bedeuten konnte: „Ist er nicht köstlich, himmlisch?“ Die Freude -der Dame war so urwüchsig und ansteckend, daß ich aus vollem Herzen -mitlachen mußte. Nach Beendigung der Vorstellung wurde der Mann zur Thür -hinausgeschoben und nun wurde die Gesellschaft erst recht ausgelassen, -die dicke Tante nahm ihre sehr hübsche und zierliche Nichte an der Hand -und legte sie mir mit einer energischen Bewegung in den Arm. Da war ich -nun umringt von einer ausgelassenen fröhlichen Mädchenschar und in meinem -Arm lag ein schönes junges Menschenkind, welches mit zurückgebogenem Kopf -und halbgeöffneten Lippen mich so glückselig über das hier Erlebte ansah, -daß ich ordentlich an mich halten mußte, ihr nicht die frischen Lippen mit -einem Kuß zu schließen. Ich schob sie der Tante aber wieder sanft zu und -erhielt dann von ihr als Andenken einen schön geschnitzten Kamm, welchen -sie aus ihrem Haar nahm. - -Zu heute Vormittag 8 Uhr war unsere Abreise festgesetzt und Gouverneur -Gu wollte mich ein Stück Weges begleiten, um mir eine an der Wasserstraße -liegende Höhle oder Felsengrotte, welche einen weiten Ruf hat, zu zeigen. - -Als ich heute Morgen die Augen aufschlug, wußte ich anfangs nicht ob ich -träume oder wache; ein starker, eigenartiger, mir übrigens angenehmer -Duft, wie ihn die hier und in Samoa von den Eingeborenen getragenen -Kränze ausströmen, erfüllte meine Kajüte und vor meinem Bett standen -vier geschmückte Mädchen mit Blumen im Haar und Blumen- und Laubketten -um Hals und Hüften, unter denen sich auch meine beiden Freundinnen -befanden, sowol die, welche beim Gouverneur um mich war, wie die Nichte -der dicken Häuptlingsdame, welche am gestrigen Nachmittag das Schiff -besucht hatte. Jede trug einen kleinen Korb mit Früchten in der Hand, -Bananen, Ananas, Limonen und Orangen, sie zeigten mir die Körbchen, -stellten sie dann auf den Tisch und legten ihre Kränze dazu. Als sie zu -meinem Bett zurückgekehrt waren, schüttelte ich einer jeden die Hand, in -der Erwartung, daß sie nun gehen würden und mich aufstehen ließen. Nach -kurzer Zwiesprache gingen sie wol, aber nur drei von ihnen, denn eine -blieb bei mir zurück; auch diese ging, aber erst nachdem eine andere -hereingekommen war, und als die vierte nicht mehr weichen wollte und -meine Zeichen nur dahin verstand, die Verbindungsthür nach der Vorkajüte -zu schließen, machte ich kurzen Prozeß und stieg in mein Bad, worauf sie -sich dann allerdings lachend entfernte. Aber nur für kurze Zeit. Denn kaum -war ich wieder einigermaßen bekleidet, so waren sie alle vier auch wieder -da, setzten sich um mich und leisteten mir sowol hier, wie nachher in der -Vorkajüte bei meinem Frühstück Gesellschaft. - -Um 8 Uhr kam der Gouverneur mit seinem Boot an Bord und war keineswegs -erstaunt, die vier Töchter seines Landes hier vorzufinden, sondern -hatte zweifellos von dem frühen Besuch Kenntniß gehabt, wie ich aus -seiner Andeutung, daß die gesandten Früchte wol bis Apia reichen würden, -entnehmen mußte. Er sagte auch, daß die Mädchen mit meiner Erlaubniß die -Fahrt nach der Grotte mitmachen und mit ihm dann zurückkehren würden. -Nach einer Stunde waren wir an dem Platz angelangt und fuhren in meinem -Boot nach einem in der Felswand sich zeigenden kleinen Höhleneingang. -Der Gouverneur, welcher eigentlich neben mir sitzen sollte, fand in dem -hintern Ende des schmalen Bootes, wo ich des Steuers wegen bleiben mußte, -keinen genügenden Raum für seinen mächtigen Körper und mußte daher weiter -vorn sitzen, dadurch bekam ich zwei der Mädchen als Nachbarinnen. Bald -hatten wir den 4 m breiten Eingang erreicht und mußten uns dort bücken, um -nicht mit den Köpfen an die Felsdecke zu stoßen. Noch einige Augenblicke -und wir befanden uns in einer wahrhaften Märchenwelt. - -Scheinbar im blauen Aether schwebend sind wir in einem Raum, von dem wir -nicht wissen, ob er groß ist oder klein. In der Mitte ruht mein weißes -Boot und dieses wie die darin befindlichen weißgekleideten Männer und -die in buntfarbige leichte Stoffe gehüllten braunen Frauen sind von -dem wunderbarsten blauen Farbenhauch umflossen. Zu den Seiten, über -uns, im Spiegelbild neben uns und unter uns wölbt sich in blauen Fernen -das Gestein, von welchem phantastische Tropfsteingebilde in den Raum -hineinragen. Wir wissen nicht was Wasser ist und was Luft, der ganze Raum -erglänzt gleichmäßig in der wunderbaren tiefblauen Farbe des tropischen -Meeres, denn da keine directen Lichtstrahlen in ihn fallen, so hat die -ruhige glatte Wasserfläche keinen Spiegelglanz, sondern verschmilzt -unmerklich mit dem Blau der über ihr stehenden Luft. Kein Wort fällt von -unsern Lippen. Wir alle staunen andachtsvoll die uns umgebende Pracht an, -auch die Leute an den Rudern sitzen lässig da, ohne sich zu rühren. Als -ich mich nach meinen Nachbarinnen umsah, merkte ich erst, daß sie sich -dicht an mich angeschmiegt hatten und mit strahlenden Augen und stummen -Lippen fragten, ob ich dies auch so schön fände wie sie. Ja, es ist -wunderbar schön in diesem heiligen Raum, wo man die ganze Welt in Liebe -umfassen möchte. Erst das mit den Offizieren uns nachgefolgte Boot brachte -wieder Leben, da die Herren nach der ersten Ueberraschung, welcher auch -sie ihren Tribut zahlen mußten, im Verein mit mir die Grotte ausmaßen. - -Wir fanden die folgenden Zahlen: Länge 14 m, Breite 11 m, Höhe der Wölbung -über der Wasserfläche 8 m, Wassertiefe zwischen 10 und 16 m. - -Die hauptsächliche Lichtquelle, jedenfalls die, welche der Grotte ihren -Zauber verleiht, fanden wir an dem dem schmalen Eingang entgegengesetzten -Ende in dem engen obern Durchbruch einer seitlichen schmalen und tiefen -Felsspalte. - -Nicht weit von dieser Grotte entfernt soll eine noch schönere sein, deren -Eingang aber unter der Wasseroberfläche liegt, sodaß man nur tauchend in -dieselbe gelangen kann. Also nichts für unsereinen. - -Heute Vormittag 11 Uhr hatte ich von Prinz Gu, welcher in seinem Boot -nach Neiafo zurückkehrte, Abschied genommen und begab mich dann an -die Besichtigung der mir zurückgelassenen Laubkränze. Es ist schade, -daß sich dieselben nicht aufheben lassen, denn sie sind wirklich ganz -außerordentlich geschmackvoll zusammengestellt, sowol in den Farben, wie -in den Formen der dazu verwendeten Blumen, Blätter, Gräser, Früchte und -Beeren. Vom tiefsten bis zum hellsten Grün, Roth, Braun, Gelb und Blau; -breite und schmale, schlichte und gezackte, weiche und dornige Formen; -man möchte glauben, daß von jeder vorkommenden Pflanze in Blüte, Blatt -oder Frucht ein Theilchen in dem armdicken und 1½ m im Umfang messenden -Gewinde enthalten ist. - - - - -17. - -Samoa. - -IV. - - - Apia, 18. April 1879. - -Am 21. März abends ging ich in Saluafata zu Anker, weil ich vor -Dunkelwerden Apia nicht mehr erreichen konnte, brachte aber das -Schiff gleich am nächsten Morgen hierher, um den Geburtstag unsers -Allergnädigsten Kaisers und Kriegsherrn hier feiern und im Schmuck der -Flaggen und Wimpel den Bewohnern durch den ehernen Mund unserer Kanonen -die hohe Bedeutung des Tages kundgeben zu können. - -Hier fand ich so ziemlich den alten Stand der Dinge vor. Die Taimua und -Faipule besitzen noch die Regierungsgewalt und berathschlagen weiter über -eine Königswahl, während Malietoa ruhig unter ihnen sitzt. Die einzige -Neuerung ist, daß der Amerikaner Bartlett nun doch noch eine Anstellung -bei der Regierung gefunden hat, wenn auch nur vorläufig auf zwei Monate -als Lehrer der Rechte. - -Am 28. März ging ich mit dem Schiff zu einem längern Aufenthalt nach -Saluafata, um dort die Schießübungen mit den Kanonen und Gewehren -abzuhalten, sonstige Exercitien vorzunehmen, welche uns nach den -anstrengenden Reisen, bei denen die militärische Ausbildung etwas -zurückstehen mußte, sehr noththaten, und um freundschaftliche Beziehungen -mit den Bewohnern unserer neuen Kohlenstation anzuknüpfen, was uns über -Erwarten gut gelang. - -Saluafata hat mir mancherlei geboten und etwas, was bei dem Interesse, -welches ich diesen Naturmenschen entgegenbringe, für mich von besonderm -Werth ist: einen Einblick in ihr häusliches Leben. Hierbei kam mir -wesentlich der Umstand zu Hülfe, daß dem Halbweißen, welcher mir -wiederholt als Lootse gedient und auch die Reise nach Neu-Britannien -mitgemacht hatte, von der Handels- und Plantagen-Gesellschaft neuerdings -die Handelsstation von Saluafata überwiesen worden war und derselbe mir -dadurch gegen ein Geschenk, welches ich ihm später machte, als Dolmetscher -zur Verfügung stand. Dies erleichterte mir naturgemäß sehr den Verkehr -mit den Eingeborenen, welcher bald ein so freundschaftlicher geworden -war, daß die Leute mir volles Vertrauen zeigten und sich so gaben wie sie -sind. Dies blieb aber nicht nur auf meine Person beschränkt, sondern schon -nach kurzer Zeit war das ganze Schiff, und zwar ohne die Vermittelung -eines Dolmetschers, in ein inniges Freundschaftsverhältniß mit dem -Lande gekommen, und die Eingeborenen zeigten geradezu rührende Beweise -ihrer Liebe zu den neugewonnenen Freunden, wobei das Merkwürdige zu Tage -trat, daß jeder Matrose seinen bestimmten Samoaner als Freund hatte und -im gegenseitigen Verkehr dann immer diese beiden zusammenhielten. Mein -Verkehr beschränkte sich, wie dies nicht anders sein konnte, auf die am -Orte ansässigen Häuptlingsfamilien und fand eigentlich nur am Lande statt, -während die Besatzung regelmäßig zur Mittagsfreizeit ihre samoanischen -Freunde an Bord empfing und den Gegenbesuch am Lande an ihren Urlaubstagen -machte. Die Samoaner kamen dann mit ihren vollbeladenen Kanus an Bord -und trugen ihren Freunden Früchte und andere Nahrungsmittel, Korallen, -Muscheln, zierliche Kanumodelle, Speere, Tapastücke, Keulen und zuweilen -auch alte ganz seltene Stücke zu, wogegen unsere Leute ihr Essen mit -ihnen theilten. In der ersten Zeit, als ich den Zweck noch nicht kannte, -versuchte ich verschiedene male, wenn ich die Samoaner mit den Sachen -ankommen sah, etwas davon zu erwerben, wurde aber stets mit dem Bemerken -abgewiesen, daß die Sachen für den Freund bestimmt seien. Als ich einmal -den Versucher machen wollte und einen ganz übermäßig hohen Preis bot, -half es mir auch nichts, der Mann blieb standhaft, so schwer es ihm auch -zu werden schien. Wie weit die freundschaftlichen Gesinnungen unserer -braunen Freunde gingen, werden am besten meine Erlebnisse zeigen. Ehe ich -auf diese aber eingehe, will ich noch eine kleine Skizze von Saluafata -entwerfen, weil dadurch das Nachfolgende wol leichter verständlich wird. - -Der Hafen wird durch eine halbkreisförmige Einbuchtung der Küste gebildet -und durch Korallenriffe gegen die See geschützt. Schmale Korallenriffe -liegen auch noch in dem Hafen vor dem Strande, wodurch die vor diesem -befindliche Wasserfläche stets ruhig ist und den Anwohnern einen um so -bequemern Fischgrund bietet, als bei Ebbe die geringe Wassertiefe das -Fischen ohne Kanu gestattet. Auch Boote, wenn sie durch die vorhandenen -schmalen Einfahrten hinter die Riffe gekommen sind, können von hier aus -hinter die Küstenriffe gelangen und in behaglicher Fahrt weite Strecken -zurücklegen und unbehindert von dem draußen stehenden Seegang die nächsten -Städte, Apia, Lufi-lufi und Falifa erreichen. An den Strand schließt sich -ein schmaler Streifen ebenes Land an und dahinter umschließen mäßig hohe -Berge die Bucht, sodaß das Auge überall angenehme Ruhepunkte findet. Der -Strand ist schöner weißer Korallensand, dahinter stehen Kokospalmen, -Brotfrucht- und Orangenbäume, unter welchen die Hütten, Taro- und -Yampflanzungen liegen. An der Ostseite der Bucht liegt die Stadt Saluafata -mit freiem Blick über das Meer; südlich davon, der nach uns benannten -Ariadne-Huk gegenüber, die kleine, hohe, dichtbelaubte Albatros-Insel, -nach unserm Kanonenboot so benannt. An der Südseite liegt noch ein -Dorf, welches ebenfalls dem Häuptling von Saluafata gehört. Hinter der -Stadt befindet sich ein großes Süßwasserbecken, welches einen angenehmen -Badeplatz gewährt und eine große Wohlthat für unsere Besatzung wurde; auch -beschattete, in das Innere führende Fußwege sind für Liebhaber vorhanden. -Ueber die Lage des Berathungs- und Festplatzes habe ich das Erforderliche -bereits bei meinem ersten Besuch der Samoa-Inseln und zwar gelegentlich -der Beschlagnahme von Saluafata angegeben. - -Als erstes Zeichen, daß das Eis gebrochen war und die auf mich wegen der -frühern gewaltthätigen Wegnahme ihres Hafens verfaßten Spottlieder[F] -hier keinen hohen Werth mehr hatten, diente eine mir von Loau, dem -zweitangesehensten Häuptling, im Namen Sangapolutele’s übermittelte -Einladung, am nächsten Nachmittag auf dem Festplatz einige Geschenke -entgegennehmen zu wollen. Ich fand mich mit einigen Offizieren pünktlich -am Lande ein und bedauerte nachher lebhaft, nicht vorher eine Ahnung von -der mir zugedachten Ueberraschung gehabt zu haben, weil ich sonst die -entbehrlichen Mannschaften mitgebracht hätte, um auch diesen den Anblick -des großartigen Talolo, welches uns geboten wurde, zukommen zu lassen. - - [F] Derartige Lieder werden von jungen Mädchen - zusammengestellt, irgendeiner alten oder neu erfundenen Melodie - angepaßt und bilden einen Haupttheil der geschichtlichen - Ueberlieferungen. - -Bei meinem Landen wurde ich von dem in eine alte feine Matte gehüllten -Sangapolutele am Strande empfangen und zu dem Faletele geleitet, wo -seine Frau, die beiden Töchter, sein kleiner Sohn und noch einige -Häuptlingsdamen anwesend waren. Um den Platz herum stand viel Volk, aber -nur Frauen und Kinder, Geschenke waren nicht zu sehen. - -Nachdem wir uns mit Hülfe des Dolmetschers in dem kühlen Hause einige Zeit -unterhalten und an frischer Kokosmilch erquickt hatten, wurde ich durch -ein fernes Getöse aufmerksam, dasselbe schwoll mehr an und von Süden her, -zur Seite der alten Gräber, brachen aus einem Waldweg ganz wunderliche, -springende, tanzende und heulende Gestalten hervor, welche mir als des -Häuptlings Narren, auch Buschmänner genannt, bezeichnet wurden. Die -Kerle, man gestatte mir bei dieser Gelegenheit den Ausdruck, konnten einem -gruseln machen. Theilweise sind sie ganz schwarz bemalt mit thalergroßen -weißen und rothen Flecken über den ganzen Körper, theilweise sind sie -unbemalt, aber alle haben weiße Nasen, Ohren und Augenhöhlen und sind nur -mit einer handgroßen Blätterschürze bekleidet. Hinter diesen erscheint -Loau, welcher mit eleganten weiten Sprüngen und in geradezu wundervoller -Körperhaltung in Zickzacklinien auf den Platz fliegt, dann folgen die -andern Häuptlinge und die ganze männliche Bevölkerung, welche auf die -reichste Weise und vorzugsweise mit Laub geschmückt, Geschenke tragend aus -dem Wald hervortreten und sich an der einen Seite des Platzes aufstellen. - -Loau steht auf der dem Volk gegenüberliegenden Seite des Platzes auf einem -großen Stein; dicht bei uns ein alter Mann mit den aus einem großen Stab -und Fliegenwedel bestehenden Attributen des Redners, sein Gesicht Loau -zugekehrt. - -Die uns umgebenden einzelnen Personen und Gruppen bieten dem Auge -eine solche Fülle des Neuen, Ungewohnten, solchen Farbenreichthum, -so viel Leben, Urwüchsigkeit und Ordnung, daß ich fast geblendet von -dem Schauspiel nur schauen und staunen, staunen und schauen kann. Die -Samoa-Sitte, welche jeder Ueberstürzung abhold ist und bei feierlichen -Handlungen gewisse Pausen und würdevolle Langsamkeit erfordert, ließ mir -genügende Zeit, das Bild zu erfassen, ehe die Anrede erfolgte. - -Der vor uns liegende, mit blendendem Korallensand bestreute viereckige -Platz wird an drei Seiten von Waldlehnen, an der vierten von dem Faletele, -in welchem wir uns befanden, begrenzt. Aus dem grünen Rahmen der uns -gegenüberliegenden Waldlehne tritt das Haus Sangapolutele’s heraus; aus -dem zu unserer Linken der Häuptling Loau in der stolzen Haltung einer -Minerva; aus dem zur Rechten die andern Häuptlinge und das geschmückte -Volk, welches sich um die beiden dort liegenden alten ehrwürdigen -Grabstätten gruppirt hat. Ueber dem Platz steht die heiße Sonne an dem -wolkenlosen Himmel. - -Loau’s Kopf ist mit einem hohen Haarhelm bedeckt, dessen blonde Haarwellen -roßschweifartig nach unten fallen und ihn in Verbindung mit mancherlei -Zierath zu einem schönen Schmuckstück machen. Ein vorn in der Mitte -angebrachter beweglicher kleiner runder Spiegel wirft das aufgenommene -Sonnenlicht in weiten Strahlen zurück. Ein Band mit zwei Reihen kleiner -Muscheln, deren Schmelz mit dem der Perlen wetteifert, ziert Loau’s Stirn, -ein gleiches seinen linken Oberarm. Eine Kette von Schweinszähnen und -feinen Gräsern umschließt den Hals; eine feine, hell-braungelbe Matte mit -darüber liegendem Gürtel aus langen, schmalen, schwarzrothen Blättern -(etwa 20 cm lang, 5 cm breit) die Hüften; feine Grasringe umfassen die -Knöchel. Es ist eine edle Gestalt, welche in dem eigenartigen bunten -und doch vornehm wirkenden Schmuck gehobenen Hauptes herausfordernd dort -steht, mit der rechten Hand den auf den Boden gestützten Speer wie einen -Heroldsstab hält und die Linke leicht am Körper herunterhängen läßt. - -Aehnlich sind die übrigen Häuptlinge gekleidet, doch haben sie an Stelle -des Helms rothe Blumen im Haar und an Stelle der Muschelbänder um Stirn -und Oberarm ein schmales rothes Blatt, oder ein rothes Band mit einem -Aufputz aus eigenem Haar. Das Volk hat grüne Kränze aus frischem Laub um -Kopf und Hals, rothe Blumen im Haar, Lava-lavas von frischen Blättern. -Der bei mir stehende Redner ist schlicht gekleidet und gehört eigentlich -nicht zu dem Talolo, sondern hat nur die Aufgabe, die an uns gerichtete -Ansprache zu erwidern. - -Nachdem Loau eine Weile gewartet hat, wir aus dem Hause hinausgetreten -sind und lautlose Stille eingetreten ist, ruft er seine Ansprache -mit lauter Stimme in kurzen Sätzen zu uns herüber, welche einzeln -gleich durch den Redner beantwortet werden. Die Ansprache dauert nicht -lange, sie enthält nur die Begrüßung der Fremdlinge und die Bitte um -Annahme der Geschenke, wofür der Redner in meinem Namen dankt. Darauf -werden die Geschenke gebracht und bei uns niedergelegt; das Volk tritt -wieder zurück und Loau führt einen Kriegstanz auf, welcher in hohen, -gewagten, kraftvollen Sprüngen besteht und mich an die Solotänze -unserer Ballettänzer erinnert. Nach ihm führen die andern Häuptlinge -noch einen gemeinsamen Tanz auf, dann begeben wir uns wieder in die -Hütte und das Volk zerstreut sich zum Theil, zum Theil bleibt es aus -der Ferne Zuschauer, während wir Kawa trinken. Denn wir nehmen mit -sämmtlichen Häuptlingen im Kreise Platz und die Mädchen beginnen mit der -Kawabereitung. Vor diesem Getränk fürchte ich mich übrigens nicht mehr, -ich habe es vielmehr durch die Gewöhnung so schätzen gelernt, daß ich -mich auf den Genuß freue und ohne Abscheu der Bereitung zusehen kann. -Bei dieser Gelegenheit lernte ich zum ersten mal das Ceremoniell kennen, -welches der Samoaner bei solch festlichem Kawatrunk beobachtet. Sobald -die Schale gefüllt ist, klatscht die von mir als „Redner“ bezeichnete -Person, welche wol auch die Stelle eines Ceremonienmeisters versieht, in -die Hände, um Ruhe zu fordern, steht auf, ruft den Namen derjenigen Person -auf, welcher nach der Rangordnung der Trunk zukommt, und setzt sich dann -wieder, um dasselbe jedesmal zu wiederholen, bis der letzte Anwesende -seinen Trunk erhalten hat. Bei den Vornehmern wird immer nur eine Schale -zur Zeit gereicht, nachher aber werden gleichzeitig zwei und drei Schalen -ausgetragen. Mit welchem Anstand die Mädchen die Schalen anbieten, habe -ich früher schon erzählt. - -Meine Beziehungen zu den Häuptlingen waren bald so vertraute geworden, -daß wir uns abends in dem außerhalb der Stadt auf einer kleinen Anhöhe -liegenden Hause des Halbweißen trafen, wo ich die Leute mit Taback -und Getränken bewirthete und von ihnen mancherlei erfuhr, was mich -interessirte. Die erste derartige Zusammenkunft war aus politischen -Rücksichten erfolgt, weil ich mich mit diesen Dingen mehr befassen mußte -und noch befassen muß, als mir lieb ist, denn als ich vor vier Wochen hier -ankam, hatte unser Consul die Samoa-Inseln für mehrere Wochen verlassen, -und so war es, da es hier im Lande fortwährend gährt, meine Pflicht mich -über die Vorgänge auf dem Laufenden zu erhalten, um nicht einem etwaigen -Aufstande unvorbereitet gegenüberzustehen. Es kam mir hierbei zu statten, -daß der hiesige District zu den Malietoas hält und wir, wenn wir auch -den jüngern Malietoa keineswegs als eine wünschenswerthe Persönlichkeit -betrachten können, doch den ältern, welcher zur Zeit der Erwählte seiner -Partei ist, als den einzig möglichen König ansehen. So gestalteten sich -diese abendlichen Zusammenkünfte gewissermaßen zu einem politischen -Stelldichein, wo die am Abend von außerhalb eintreffenden Boten zuerst -vorsprachen und die neuesten Nachrichten hinbrachten. Hier erfuhr ich -denn auch, was ich allerdings nicht verbürgen kann, mir aber glaubwürdig -erscheint, daß der in Apia residirende französische Bischof vor einigen -Monaten nach Europa gereist ist, um die französische Regierung zur -Erwerbung alles auf den Inseln verkäuflichen Landes zu bewegen, weil nur -dadurch dem stetig wachsenden deutschen Einfluß wirksam begegnet werden -könne; daß ferner die französischen Priester von den vier vornehmlich -in Betracht kommenden Candidaten der Tupua-Partei einen unterstützen und -für diesen auch den pp. Bartlett gewonnen haben, wofür dieser von ihnen -in das Amt, welches er jetzt innehat, gebracht wurde. Bartlett soll denn -auch, wenn er äußerlich auch nur als Lehrer der Rechte angestellt ist, -thatsächlich die Regierung leiten, und unter anderm hat er, wol um seine -Befähigung für dieses Amt darzuthun, den erstaunten Bewohnern von Apia -das überraschende Schauspiel geboten, unter seiner Leitung die Herren -von der Taimua und Faipule die Straßen Apias ausbessern zu lassen, von -welcher Arbeit sich nur wenige Mitglieder ausgeschlossen haben sollen. -Unter solchen Verhältnissen war mein Verbleiben in Saluafata von größerm -Nutzen, als wenn ich die Zeit in Apia zugebracht hätte, denn hier würde -ich von diesen Dingen wahrscheinlich nichts erfahren haben. Im übrigen -war ich auch nahe genug, um in die Ereignisse eingreifen zu können, wenn -es erforderlich geworden wäre. - -Diese abendlichen Zusammenkünfte waren mir bald zum Bedürfniß geworden, -sodaß ich fast täglich, wenn ich keine andere Abhaltung hatte, abends nach -8 Uhr an Land fuhr und bis gegen 10 Uhr dort blieb. Neben den Nachrichten, -welche ich dort empfing, waren diese Abende für mich auch insofern -lehrreich, als ich dort einiges von dem häuslichen Leben der Samoaner -kennen lernte, da naturgemäß auch sociale Fragen, Familienverhältnisse und -dergleichen mehr zur Besprechung kamen. Gewöhnlich fand ich schon Besuch -vor, welcher mit der Familie des Halbweißen in der Mitte des Wohnraumes -auf Matten unter der Hängelampe saß; dann kam weiterer Zuzug, Häuptlinge -mit ihren Frauen und Töchtern erschienen. Die Männer bildeten eine Gruppe, -die Frauen die zweite und die jungen Mädchen die dritte. Ich setzte mich -gewöhnlich so zur Seite hin, daß ich den ganzen Raum übersehen und mich -an dem behaglichen Zusammensein der Leute erfreuen konnte. Der Halbweiße, -seine Frau (Samoanerin) oder eine junge ebenfalls zum Hausstand gehörige -Samoanerin, welche beide auch etwas englisch sprechen, nahm an meiner -Seite Platz, um mir das, was ich wissen wollte, verdolmetschen zu können. -Die Männer besprachen dies und jenes und schlugen mit der flachen Hand -klatschend auf ihren Körper, wenn ein Mosquito sie stach, was oft genug -vorkam. Die Frauen unterhielten sich nach ihrem Geschmack und die Mädchen -vergnügten sich mit Spielen. Einige spielten Karten und legten Gewinn -und Verlust mit Streichhölzern an, andere machten Fingerverrenkungen, -schlugen mit den flachen Händen gegeneinander, versuchten mit den Fingern -und Händen Schattenbilder zu formen, machten Figuren aus Bindfaden durch -Abheben von den Fingern und trieben auch ein Spiel, welches mich sehr -überraschte, da es unser in das Samoanische übertragene Zwirnessen ist, -welches zuweilen bei Pfänderspielen geübt wird. Wie bei uns das Zwirnessen -in einem Kuß endigt, so mußte dieses Spiel sein Ende im Nasenreiben -finden, welches hier noch die Stelle unsers Kusses vertritt. Die eine -Person legt ein feines Stäbchen wagerecht so zwischen Oberlippe und Nase, -daß ein längeres Ende nach einer Seite vorsteht. Die andere muß nun, ohne -die Hände zu gebrauchen, mit Oberlippe und Nase das Stäbchen fassen und -es der erstern zu entreißen suchen, oder es aber bei diesem Versuch so -weit nach der andern Seite durchschieben, daß sie es schließlich nicht -mehr fassen kann, ohne mit ihrer Nasenspitze die des Gegners zu reiben. -Da sitzen nun beide mit untergeschlagenen Beinen und aufgestützten Händen -einander gegenüber und wackeln mit den Köpfen hin und her, wobei die -Besitzerin des Stäbchens durch ein gebrummtes Hm! die andere zum Angriff -reizt. Diese hmt wieder und Hm! Hm! geht es, bis schließlich die Zuschauer -durch den komischen Anblick der ernsten kämpfenden Gesichter in Lachen -ausbrechen, womit das Spiel gewöhnlich sein Ende findet, da die Kämpfenden -mitlachen müssen und dann das Stäbchen nicht mehr festhalten können. Die -Theilhaber des Spiels sollen eigentlich wol verschiedenen Geschlechts -sein, denn die eine oder andere forderte mich gelegentlich auch zum Kampf -heraus, welchen ich aber, da mir die erforderliche Gelenkigkeit in Nase -und Oberlippe fehlen, gewöhnlich damit endigte, daß ich meine Nasenspitze -in die meiner Gegnerin einbohrte, wenn nicht vorher mein Schnurrbart -sie zum Niesen gebracht hatte. Der Verkehr der Leute unter sich war auch -sonst ein sehr netter, die Unterhaltung spielte oft von einer Gruppe zur -andern hinüber, Fragen wurden stets freundlich beantwortet, und beim -Aufbruch fanden sich die Familien zusammen und gingen gemeinsam nach -Hause, nachdem vorher durch freundlichen Gruß und Händedruck voneinander -Abschied genommen war. - -Bei diesen Besuchen erfuhr ich auch einiges über die samoanische Art der -Kriegführung, was der Wiedergabe werth ist. - -Der Krieg erstreckt sich gewöhnlich nicht auf Angriff und Vertheidigung -der Städte, sondern beide Parteien ziehen in den Wald, bauen sich aus -gefällten Bäumen Festungen oder besser Verhaue, in welchen sich die -Krieger mit Frauen und Kindern sammeln. Am Tage ist Ruhe, weil die -vorgeschobenen Posten jeden Ueberfall rechtzeitig melden können und die -Taktik nur auf dem geschickt auszuführenden Ueberfall beruht, welcher am -häufigsten wol durch Verrath ermöglicht wird. Sobald aber die Dunkelheit -eintritt, ziehen die Vorposten sich zurück und beide Parteien unterhalten -nun während der ganzen Nacht ein heftiges Feuer in den Wald hinein, um -sich gegenseitig vor dem gefürchteten Ueberfall zu sichern. Am Morgen -tritt wieder Ruhe ein und so geht es fort, bis einer Partei der stets -unblutige Ueberfall gelingt oder aber beide Parteien durch Mangel an -Munition zu einem Vergleich gezwungen werden. Und daß in der Regel wol -beide Theile gleichzeitig mit ihrer Munition fertig werden, dürfte aus -einem mir verbürgten Beispiel aus dem letzten Krieg hervorgehen. Als die -eine Partei eines Tages mit dem dämmernden Morgen ihre letzte Patrone -verschossen hatte, schickte ein Häuptling seine Frau mit noch einigen -Weibern zu ihrem Bruder, welcher die Gegenpartei befehligte, um von diesem -sich Munition zu erbitten, weil sie die ihrige verschossen hätten. Anstatt -die Unterhändlerin als Geisel zu behalten und nun den Ueberfall zu wagen, -sah der Bruder das Gerechte des Verlangens seiner Schwester ein, ließ die -ganze Munition herbeibringen und theilte ehrlich mit ihr. Die Weiber zogen -dann mit ihrer werthvollen Last wieder ab und der Krieg konnte am Abend -seinen Fortgang nehmen. - -Diese harmlose Art der Kriegführung findet ihre natürliche Erklärung -wol in den Verwandtschaften und daher in der Anwesenheit der Frauen und -Kinder, denn bei einem ernsten Zusammenstoß wären diese allen Gefahren -mit ausgesetzt, und der Samoaner scheut sich bei der verhältnismäßig -hohen Bildungsstufe, welche er einnimmt, verwandtes Blut zu vergießen. Das -Hauptvergnügen bei diesen Bruderkriegen ist demnach jedenfalls nur das mit -großem Geräusch erfolgende Aufbauen der Festungen und das Schießen während -der Nacht. Damit ist aber nicht gesagt, daß der Samoaner keinen Muth hat, -denn er hat in Kämpfen mit Fremden bewiesen, daß er solchen besitzt. - -Ebenso wie des Abends, war es mir auch während der Mittagszeit zur -Gewohnheit geworden, ein bis zwei Stunden am Lande zuzubringen. Als eines -Tages die Hitze in meiner Kajüte so unerträglich war, daß ich versuchte am -Lande auf einem Spaziergang durch den Wald mir Erfrischung zu schaffen, -fand ich im Vorbeigehen den Aufenthalt in dem Faletele so angenehm, daß -ich es vorzog dort zu bleiben und in dem luftigen Hause, auf den kühlen -kleinen Steinen liegend, dem Rauch meiner Cigarre zuzuschauen, dem -Rauschen des in den Baumwipfeln spielenden Windes zu lauschen und an die -bevorstehende Heimfahrt zu denken, während gleichzeitig meine Sinne von -See-, Strand- und Waldesduft, den von frischem und getrocknetem Laub, -Blumen und Harzen ausströmenden Gerüchen, welche in ihrer Vermischung -charakteristisch für Samoa sind und einen wunderbaren Reiz auf die -Geruchsnerven ausüben, so umstrickt wurden, daß ich bald in tiefen -Schlaf verfiel. Als ich wieder erwachte, saß Toëtele neben mir, welche -wol jede Störung von mir ferngehalten hatte. Die Ruhe, die schöne Lage -der Hütte und vor allem die so sehr viel erträglichere Temperatur, als -wie die auf dem Schiffe, ließ mich von nun an täglich mit einem Buch -oder Papier und Bleistift dahin gehen, um die Zeit von 12-2 Uhr dort -zu verbringen. Doch fürderhin wurde ich stets von Toëtele, in Erfüllung -ihrer Pflichten, schon erwartet und fand für mich ausgebreitete Matten -vor. Zuweilen kam auch Sangapolutele, mit oder ohne Frau, hin. Als -eines Tages an Stelle von Toëtele, welche wol eine Reise unternommen -hatte, Lolle mich empfing, änderte sich das Bild in etwas. Nachdem die -kleine, trotz ihrer nur 17 Lebensjahre äußerst energische Person eine -Weile zugesehen hatte, wie ich versuchte, das Kratzen der als Kopfkissen -untergeschobenen zusammengerollten Matte durch das Zwischenlegen meines -Taschentuchs zu mildern, und mich mit den Händen der Angriffe der Fliegen -und Mosquitos erwehrte, runzelte sie die Stirn, kam zu mir heran, nahm -mir die zusammengerollte Matte weg und setzte ihre Person dafür hin, indem -sie ihr Kleidchen zurückschob und meinen Kopf auf ihr kühles Knie legte. -Dann nahm sie ihren Fächer zur Hand, verscheuchte das Geschmeiß und hielt -geduldig ein bis zwei Stunden in dieser Stellung aus. Meine Bemühungen, -mich von ihr freizumachen, scheiterten an dem eisernen Willen dieses sonst -liebenswürdigen Mädchens und für die Folge blieb mir nichts übrig, als -mich diesem ihrem Willen zu fügen, oder aber auf den Besuch des Faletele -zu verzichten. Als das kleinere Uebel wählte ich das erstere und ließ -mir das etwas absonderliche Kopfkissen gefallen, was ich schließlich thun -durfte, weil die Hütte stets rund herum offen war und jeder Vorbeigehende -sehen konnte, was darin vorging. - -Noch einen dritten regelmäßigen Besuch, bei welchem mich gewöhnlich -einige unserer Herren begleiteten, stattete ich dem Lande ab, und zwar -nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, um an einem köstlichen Platz, welcher -auf halbem Wege zwischen Saluafata und Lufi-lufi liegt, ein erfrischendes -Bad zu nehmen. Die Fahrt war an sich schon stets ein neuer Genuß, ebenso -war es der Aufenthalt an dem Platze, wo man stundenlang hätte sitzen -können, sodaß ich eigentlich nicht recht wußte, ob das Bad oder aber das -Drum und Dran eine größere Anziehungskraft ausübe. Die Fahrt dahin geht -dicht unter der belaubten Küste innerhalb der Riffe unter Segel, und da um -diese Stunde stets ein frischer Wind weht und die Sonne in unserm Rücken -steht, so athmet man ordentlich auf, wenn man das heiße Schiff verlassen -hat und erst in dem Boot sitzt. Lange dauert die Fahrt allerdings nicht, -da der Platz nur etwa zwei Seemeilen von Saluafata entfernt an der Küste -liegt, wo aus einer Höhle ein unterirdischer Fluß heraustritt, sich zu -einem Becken von vielleicht 10 m Breite und 15 m Länge erweitert und -dann durch eine schmale Rinne in das Meer fließt. Das Wasser ist so -durchsichtig klar, daß, obgleich die Tiefe nahezu 2 m beträgt, der feine -Sand des Grundes dicht unter der Oberfläche zu liegen scheint, und so -kühl, daß man nicht lange darin bleiben kann. Das Wasserbecken, welches -nach der See zu offen ist, wird hinten von dem schwarzen Höhlenschlund mit -der darüber liegenden hohen Bergwand und zu beiden Seiten von niedrigen -Hügeln begrenzt, welche mit Kokospalmen bestanden sind, unter deren -Schatten Sangapolutele für uns eine leichte Hütte zum Aus- und Ankleiden -hatte errichten lassen. Zur Vervollständigung des Reizes steht auch zu -der von uns zum Besuch gewählten Zeit die Sonne schon so weit hinter -den Bergen, daß der ganze Platz beschattet ist. Während des Schwimmens -trat oft die Versuchung an uns heran, in die Höhle, an deren Rand die -Wassertiefe noch gleich groß war, vorzudringen; die Samoaner hatten uns -mit ihren Erzählungen von den dort hausenden großen Aalen aber so scheu -gemacht, daß wir am Eingang der Höhle stets kitzlich in den Beinen wurden -und wieder umkehrten. - -Sangapolutele hatte sich, um uns zu feiern, nicht mit dem uns gegebenen -Talolo allein begnügt, sondern gab uns auch noch ein großes Essen. Die -Einladung hierzu erfolgte mehrere Tage vorher, weil die Vorbereitungen -viel Zeit in Anspruch nahmen und die verschiedenen Gerichte erst durch -die Bevölkerung beschafft werden mußten. Sobald wir zugesagt hatten, war -ganz Saluafata in der größten Aufregung und Geschäftigkeit. Die vornehmen -Frauen gingen in den Wald, um Laub für die Ausschmückung des Faletele, -für die Guirlanden und Kränze zu holen. Die Männer gingen mit Frauen und -Kindern auf Jagd und Fischfang, holten Früchte und Gemüse, und suchten -aus Wald, Feld und Meer alles, was überhaupt genießbar war, für dieses -Fest zusammen. Tagelang wurde allenthalben nur gearbeitet und gekocht, -sodaß die allgemeine Emsigkeit unsere Erwartungen mit jedem Tage wachsen -ließ. Endlich war der Tag da, an dessen Vormittag wir noch gebeten wurden, -in möglichst leichter Kleidung zu kommen, weil von den jungen Mädchen -unsere Theilnahme an einigen Spielen erwartet würde. Nachmittags 2 Uhr -betraten wir das Land, wo Sangapolutele und die andern Häuptlinge mit -ihren Familien uns am Strande erwarteten und begrüßten. Sie trugen heute -sämmtlich andere Kleidung als bei sonstigen festlichen Gelegenheiten. Die -Männer hatten Muscheln oder einen frischen Laubkranz um die Stirn, rothe -Blumen im Haar und über den Ohren, und als Lava-lava ein weitbauschiges -schleppendes Kleid aus Tapa, welches ihnen eine würdevolle Erscheinung gab -und ihnen gut stand. Die Frauen trugen feine Matten als Lava-lava mit um -die Hüften geschlungenen Laubgewinden, Blumen im Haar, dicke wohlriechende -Kränze, wie ich sie bei Tonga beschrieben habe, und andere kleine um Hals -und Schultern. - -Als wir den Festplatz betraten, fanden wir ihn umstellt mit der ganzen -Bevölkerung und waren überrascht, die große Veränderung zu sehen, welche -über Nacht mit dem Faletele vor sich gegangen war. Alle seitlichen -Dachstützen und das Mittelgerüst waren zu Blumen- und Laubpfeilern -geworden, von dem Dachrand hingen in gefälligen Bogen Laubgewinde herunter -und in gleicher Weise war der innere Dachraum geschmückt. Im innern -Raum umschlossen hohe Blumenterrassen den Fuß des Mittelgerüsts. Der -Fußboden war mit Matten belegt und in drei concentrische Theile getheilt. -Der äußere, ein an die Dachträger sich anschließender 1 m breiter Ring -diente als Sitz für die Gäste, der nächste gleich breite Streifen gab -den Tisch für die Speisen ab, und in dem innern Raum befanden sich -Männer mit Messern zum Vorlegen der Speisen, sowie verschiedene kleine -Pyramiden aus grünen Kokosnüssen, bei welchen auch je ein Mann mit einem -Messer stand, um die Kokosmilch ganz frisch als Getränk anzubieten, -wenn sie verlangt werden sollte. Die Speisen waren nicht nur appetitlich -angerichtet, sondern erfreuten auch das Auge. Große, frische, saftiggrüne -Bananenblätter bildeten die Unterlage, auf welcher sich die Genüsse der -heißen Zone aufbauten: ganze Schweine, große und kleine Fische, Hummern, -Tauben, Hühner, kleine Krebse, Muscheln, Taro, Yam, Brotfrucht, Gemüse -aus Palmenkeimen, jungem Kokosnußkern und was sonst die Leute noch -zusammengekocht hatten. Jede Speise lag auf einem grünen Blatt, die -breiigen waren in grüne Blätter eingebunden, und zwischen diesen grünen -Blättern, weißen Schweinen, Tauben und Hühnern, bläulichen und grauen -Fischen, rothen Hummern und Krebsen und schillernden Muscheln leuchteten -die goldenen Orangen hervor, gaben die gelben Bananen und schneeigen -gekeimten Kokosnüsse, welche mit ihrem sehr feinen Geschmack als besondere -Leckerbissen gelten, sowie die zwischengestreuten bunten Blumen dem ganzen -Arrangement einen geschmackvollen Abschluß. - -Wir nahmen mit den Häuptlingen, die Rücken der Außenseite zugekehrt, in -bunter Reihe Platz. Die Frauen durften der Samoasitte gemäß an dem Mahl -nicht theilnehmen, stellten sich aber hinter uns auf, um uns Kühlung -zuzufächeln. Das Volk nahm um das Haus herum Aufstellung und sah zu. -Soweit war alles gut, aber nun beim Essen kam die Schwierigkeit fremder -Sitte, denn wenn auch Sangapolutele ganz gut mit Messer und Gabel -umzugehen weiß, was er verschiedentlich an meinem Tisch bewiesen hatte, -so mußten wir hier doch auf diese nützlichen Gegenstände verzichten, -weil der alte Herr uns gerade ein echt samoanisches Mahl hatte vorsetzen -wollen und dabei die Finger die Stelle der Gabeln und die Zähne die -der Messer versehen müssen. Bei dem Kokosmilchtrinken ging dies wol, -auch bei den Hummern und Krebsen, als uns aber der Schinken eines -ausgewachsenen Schweines vorgelegt wurde, da war unsere Wissenschaft zu -Ende. Wir stellten uns zunächst so dumm an, daß innen und außen allgemeine -Heiterkeit entstand. Die energische Lolle aber, und auch Loautele, -welche hinter mir standen, konnten dies nicht mehr länger mitansehen -und setzten sich ganz gegen die Festordnung zu beiden Seiten neben mich -hin und fingen an mich zu füttern, was solchen Anklang fand, daß gleich -darauf jeder von uns solch eine Kinderfrau hatte; die andern Herren aber -waren besser daran als ich, denn sie hatten nur eine und ich zwei, deren -ich mich kaum erwehren konnte. Loautele schälte mir ein Stück Fisch -heraus und steckte es mir zierlich in den Mund, Lolle gab mir ein Stück -Schweinebraten, Loautele bot mir einen Hummerschwanz und legte den Rest, -welchen ich nicht mehr nehmen wollte, weg, Lolle bot mir eine halbe Taube, -betrachtete sich den Rest, fand, daß ich davon noch mehr essen könnte, und -schob ihn mir wieder in den Mund, Loautele gab mir eine Banane und Lolle -schmierte mir gleichzeitig mit dem ernstesten Gesicht einen Finger voll -Gemüsebrei in den Mund. Was ich da alles zusammengegessen habe, in welcher -Zusammenstellung und in welchen Mengen, das mögen die Götter wissen, ich -weiß es nicht. Schließlich aber setzte ich doch meinen Willen durch, nur -das zu essen, was ich wollte, worauf Lolle kopfschüttelnd gehorchte. - -Als etwas ganz Besonderes wurden mir von einem Manne während des Mahls auf -einem Blatt auch vier milchweiße lebende Raupen von der Größe und Dicke -eines kleinen Fingers angeboten, welche in hohlen Bäumen gefunden werden -und sehr selten sein sollen. Als ich mich schüttelnd gegen den Genuß -verwahrte, aß der Mann mir auf Befehl Sangapolutele’s eine vor. Trotzdem -sein Gesicht nur Entzücken verrieth, als er das sich windende Thier -mit den Fingern zum Mund führte und so herzhaft hineinbiß, daß der Saft -herumspritzte, konnte ich mich doch nicht zur Nachahmung verstehen, und -da unsere Herren sämmtlich ablehnten, so verblieben sie den Häuptlingen. - -Die einzelnen Gerichte waren, wenn auch für unsern Geschmack vielfach das -Salz fehlte, durchweg schmackhaft zubereitet, nur für unsere Gaumen etwas -zu fett. - -Nach uns setzten sich die Häuptlingsdamen zu Tisch, und nach diesen -kam das Volk an die Reihe, unter dessen Händen die Speisen schnell -verschwanden. - -Nachdem das Faletele ausgeräumt war und das Volk sich zerstreut hatte, -begannen die Spiele vor Sangapolutele’s Haus, wohin sich die Aeltern -der mitwirkenden Mädchen als Zuschauer zurückgezogen hatten. Diese -Spiele, für die urwüchsigen Veranstalterinnen berechnet, überschritten -schließlich doch etwas unsere Kräfte. Merkwürdigerweise betheiligten -sich außer uns keine Männer an denselben, und es ist mir zweifelhaft -geblieben, ob dies gegen die samoanische Sitte verstößt, oder ob man bei -der beschränkten Zahl der jungen Mädchen, welche ihrer Geburt nach hier -zugelassen werden konnten, uns dieselben allein überlassen wollte, oder -aber ob die Häuptlingssöhne, die man in den Städten auffälligerweise -nur selten sieht und die nur bei Gelegenheit von Festlichkeiten auf der -Bildfläche erscheinen, mit den Fremdlingen nichts zu thun haben wollten. -Das erstere ist wol das Wahrscheinlichere, da bei den Tänzen in der Regel -auch die Geschlechter unter sich bleiben. Ob die Spiele selbst, welche -an die unserer Landpartien erinnern, samoanischen Ursprungs oder von -den Weißen eingeführt sind, habe ich nicht erfahren; ist das letztere -der Fall, dann sind sie jedenfalls durch Einfügung samoanischen Humors -nationalisirt worden. Neben Kraft- und Ringproben wurde auch eine Schlange -gebildet. Toëtele als das vornehmste der anwesenden Mädchen stellte sich -auf, ich mußte hinter sie treten und sie umfassen; hinter mir kam wieder -eine Samoanerin, dann wieder einer von uns und so fort in bunter Reihe, -bis der Schwanz von einigen Mädchen gebildet wurde, da dieselben in der -Mehrzahl waren. Wie ich mich an meinem Vordermann bei ihrer nur dürftigen -Kleidung festhalten sollte, war mir nicht recht klar, denn hielt ich mich -an dem Lava-lava fest, so mußte dies bei der ersten heftigern Bewegung -in meinen Händen bleiben; ich legte meine Hände daher um den Leib vor -ihren Magen. Hiermit war sie aber nicht einverstanden, löste vielmehr -meine Hände wieder und legte sie unter ihre Brüste, dieselben einmal -fest dagegen drückend, als Zeichen, daß sie dort bleiben sollen. Dann -ging es in Schlangenwindungen hin und her, bis ein samoanischer, nach -europäischen Begriffen sehr derber Scherz das Spiel schloß. Es wurde eine -große Stange herbeigebracht, die Mädchen erfaßten das eine Ende, wir das -andere, und nun sollte festgestellt werden, auf welcher Seite die größte -Kraft sei. Dieses Spiel endete mit einem europäischen Scherz, denn als -wir eine Weile hin- und hergezogen hatten, machte aus dem Hintergrunde -ein Witzbold von uns den Vorschlag, die Stange plötzlich loszulassen. -Auf das leisegesprochene „Los“ entsprachen wir diesem Vorschlag, unsere -Gegenpartei fiel hinten über und wir hielten uns verschämt die Augen zu. -Der Scherz, von dem ich anfänglich annahm, daß er doch zu derb ausgefallen -sei, fand übrigens Anklang, unsere Gegnerinnen lachten, waren schnell -wieder auf den Füßen, brachten ihre Kleidung in Ordnung und forderten -Fortsetzung. Was die Mädchen planten, sprachen ihre blitzenden Augen aus, -wir blieben daher auf unserer Hut. Von beiden Seiten wurde wieder kräftig -gezogen, unsere Gegnerinnen ließen los, wir gleichzeitig aber auch, und -sie standen mit seitwärts weggestreckten Händen verblüfft und sprachlos -da, während wir sie auslachten. Sie kamen aber schnell wieder zu sich, -lachten mit, schoben die Stange zur Seite und schlugen ein Spiel vor, -welches wol unserm Räuber und Gendarm entspricht. Sie wollten die Räuber -sein und wir sollten sie fangen. Von diesem Spiele schloß ich mich aber -aus und setzte mich als Zuschauer mit zu Sangapolutele hin. Schnell waren -die bar- und leichtfüßigen Räuber in dem Walde verschwunden, die Unserigen -folgten. Der Fang gelang aber erst bei der Rückkehr und zwar auch nur -theilweise, da er nicht leicht war. Denn da die eingeölten aalglatten -Körper nicht zu fassen waren, blieb kein anderer Angriffspunkt als das -Haar übrig. - -Als Erwiderung hatten die Offiziere und ich die Häuptlingsfamilien zu -einem europäischen Essen auf das Schiff eingeladen, zu welchem indeß nur -die Frauen und Töchter erschienen, weil die Männer auch auf fremdem Boden -an ihrer Sitte, nicht mit den Frauen zusammen zu speisen, festhielten. -Hier mußten die Damen nun auf Stühlen sitzen und mit Messer und Gabel -hantiren. Mit dem Sitzen ging es, mit Messer und Gabel aber durchaus -nicht, sodaß wir unsern Gästen anheimgeben mußten, ihre Finger zu Hülfe -zu nehmen, nachdem sie die Suppe mit dem Löffel gegessen hatten, was ihnen -auch genug Mühe gemacht hatte. Nun ging es besser, aber geschmeckt hat es -ihnen trotzdem wol nicht, da Naturmenschen sich doch schwerer in fremde -Kost hineinfinden können, als die Europäer dies thun. - -Das in Saluafata vorgefundene samoanische Leben, welches schon so -erheblich von demjenigen in Apia abweicht, ließ in mir den Wunsch -rege werden, auch noch einige der weiter im Innern liegenden Städte zu -besuchen. Der Halbweiße sagte mir seine Begleitung als Dolmetscher zu und -Sangapolutele versprach mir einen Führer nebst einigen Gepäckträgern. -Als Führer meldete sich der bescheidene Loau mit noch einem kleinern -Häuptling, und diese waren an dem festgesetzten Tage mit noch zwei -Gepäckträgern bereit, als ich morgens 6 Uhr mit meinem Gigsteurer (nennen -wir ihn Lange), welchem ich diesen Ausflug zukommen lassen wollte und -der gleichzeitig auch das ziemlich umfangreiche Gepäck mit beaufsichtigen -sollte, an Land kam. Von unsern Herren wollte sich mir keiner anschließen, -weil die Erinnerung an die Fußtour in Tahiti ihnen noch zu frisch im -Gedächtniß war. - -Die kleine Reise war von den Samoanern und dem Dolmetscher auf drei Tage -veranschlagt worden, wobei der letztere sagte, daß er den beschwerlichen -Marsch überhaupt nur mit mir wage, weil er meine Leistungsfähigkeit im -Gehen bei einem Aufstieg auf den Berg Apia, bei welchem er mein Führer -gewesen war, kennen gelernt hätte. Uebrigens war bei meiner Ankunft der -Herr Dolmetscher noch nicht anwesend und ließ auch ziemlich lange auf sich -warten. Endlich gegen 6½ Uhr kam die zu seinem Hausstand gehörige junge -Samoanerin, um mir zu sagen, daß er nicht kommen könne, weil er Fieber -habe, und daher sie schicke, um als Dolmetscher mitzugehen. Das Fieber -schätzte ich indeß auf Katzenjammer und machte mich auf den Weg, ihn -selbst zu holen. Wie ich vermuthet hatte so war es; Bill (der Vorname des -Mannes, womit ich ihn fernerhin bezeichnen will) mußte heraus aus dem Bett -und trotz alles Sträubens mit, und als Sa (der Name der jungen Samoanerin) -nun sehr traurig wurde, daß sie zurückbleiben müsse, nahm ich sie auch -noch mit, da es bei der großen Zahl meines Gefolges nun auf eine Person -mehr oder weniger nicht mehr ankam. Uebrigens machte Sa sich nachher -vielfach nützlich. Neben meiner Person bestand die Reisegesellschaft -also aus Lange, Loau, Bill, dem andern Häuptling, Sa, zwei samoanischen -Gepäckträgern und Bill’s Diener, einem Eingeborenen von den Neu-Hebriden, -zusammen also aus neun Personen. - -Das Gepäck setzte sich zusammen aus meinem Koffer mit reichlicher Wäsche, -einem Kopfkissen, Mosquitonetz, Handtüchern u. s. w.; einem kleinen -Koffer mit Lange’s Sachen; einem Ballen Stoffe und einer kleinen Kiste -Wachholder-Branntwein, als Gegengeschenke für die mir zu erweisende -Gastfreundschaft. - -Um 7 Uhr waren wir marschbereit. Der Weg führte zunächst hinter -Sangapolutele’s Haus in den Wald und in ein enges Thal, auf so schmalem -Pfade, daß der auf dem Laub liegende Thau meine leichte Kleidung schon -nach den ersten Schritten durchnäßt hatte. Gegen 9 Uhr, nach fortwährendem -Steigen, traten wir aus dem Wald auf eine kleine Ebene und in ein dort -liegendes Dorf, wo wir in dem Faletele eine kurze Rast machten und von den -herzugekommenen Bewohnern mit frischer Kokosmilch bewirthet wurden. Mit -den Menschen kamen auch zwei Katzen, ein Hund, einige Ferkel und Hühner -mit, welche in dem Faletele ebenfalls ganz zu Hause zu sein schienen und -mit dem jungen, opalfarbenen, gallertartigen Fleisch, welches sich in -den grünen Nüssen an dem innern Rand der Schale befindet und die erste -Entwickelungsstufe des Kerns aus der Milch bildet, gefüttert werden. -So ist die Kokosnuß also nicht nur ein Universalnahrungsmittel für die -Menschen, sondern auch für das verschiedenartigste Gethier, und mein -Erstaunen war wol ein berechtigtes, daß Katzen und Hunde diese Speise -nicht nur überhaupt, sondern gern nahmen. Was doch die Gewöhnung nicht -alles thut! Zufällig sah ich hier auch, wie nützlich sich die Hühner, -außer ihrem Beruf Eier zu legen und als Braten zu dienen, machen, -denn als eine große Spinne sich zeigte, war sie auch sofort von einem -herzugeflogenen Huhn verzehrt. Die Katzen halten die Wohnungen von Ratten -frei, die Hunde werden wol hauptsächlich groß gezogen, um später gegessen -zu werden. Die saubern kleinen Ferkel sind vielfach die Lieblinge der -Frauen und werden von diesen an die Brust genommen, allerdings nicht aus -Liebe, sondern als Schutzmittel gegen zu großen Kindersegen, und während -dieser Zeit werden sie wie ein Schoshündchen verhätschelt, trennen sich -weder Tag noch Nacht von ihrer Herrin. - -Der Weg bis zur nächsten Stadt zieht sich durch den Wald, durch Schluchten -und an steilen Abhängen vorbei, und führt schließlich an dem Ufer eines -Flusses zu einer Lichtung, wo die Stadt liegt. Der Wald ist todt, da -außer kleinen Insekten nichts Lebendes an den Wanderer herantritt, denn -die schönen, grünbefiederten Tauben werden in neuerer Zeit von den -jagdlustigen Eingeborenen so sehr verfolgt, daß sie bereits zu einer -Seltenheit geworden sind, und die schönen kleinen Vögel sind, um in -Europa die Damenhüte zu schmücken, auch nahezu ausgerottet, was aber -nicht den Eingeborenen, sondern den Weißen zur Last zu legen ist. Nur -ab und zu sieht man an einem Baumast, mit dem Kopf nach unten gekehrt, -einen schlafenden, über 40 cm langen fliegenden Hund hängen. Und doch -wirkt der Wald belebend durch die reiche Pflanzenwelt, welche zwischen -den hochstämmigen Bäumen den Boden bedeckt, durch die hohen Baumfarrn -und Bambusbüsche, durch die Schlingpflanzen, welche sich von Laubkrone zu -Laubkrone winden, durch vereinzelte Kokospalmen und Orangenbäume, welche -mit ihren Früchten dem Wanderer Labung bieten. Auch wildes Zuckerrohr -findet man an lichten Stellen, im Walde aber auch Bäume, deren herzförmige -Blätter von der Größe einer Hand bei der Berührung große schmerzhafte -Blasen auf der Haut erzeugen und wegen dieser Eigenschaft sehr gefürchtet -sind. Als ich mir gelegentlich solch ein schönes sammtartiges Blatt -brechen wollte, wurde ich von einem Samoaner schnell zurückgerissen. -Nach etwa einstündigem Gehen traten wir aus dem Wald auf eine kleine -vorspringende Lichtung, welche wie eine Kanzel auf steiler Klippe liegt, -an deren Fuß man ein Wasser rauschen hört, das man aber nur als schmalen -Streifen sehen kann, wenn man sich weit über den Rand des Abhangs -vorbeugt. Auf der andern Seite steigt eine nahezu gleich steile Wand auf, -welche dicht belaubt die auf unserer Seite an Höhe weit überragt, und -beide Wände bilden an dieser Stelle einen Hohlweg in Zickzackform, auf -dessen Sohle der Bergfluß sich zwischen den engen Felsmauern durchzwängt. -Unser Standort bildet den einen vorspringenden Winkel, und thalwärts zu -unserer Linken, vielleicht hundert Schritte von uns entfernt, springt von -der andern Seite ein gleich scharfer Winkel hervor, um welchen der Fluß -dann rechts wieder abbiegt. Hier an der Stelle, wo wir stehen, soll nach -Angabe der Samoaner die über 15 m hohe Klippe so steil abfallen, daß man -den Sprung in den tiefen Fluß wagen kann. Loau erklärt sich auch zu dem -Sprung bereit, vertauscht sein Lava-lava mit einem Palmenblatt und geht -an den Rand; er springt aber nicht, sondern tritt wieder zurück, sieht -noch einmal hinunter und erklärt, den Muth verloren zu haben. Nun soll -das kleine Geschöpf Sa springen; sie geht auch muthig vor, sagt dann aber -mit so kläglichem Gesicht: „'Au weh weh, ka féhfe'“ (etwa: „Ach Gott, ich -habe solche Angst“), daß ihr der Sprung erlassen bleibt und der andere -Häuptling vortritt, hinter dem Klippenrand verschwindet und durch seinen -dumpfen Fall in das Wasser, dessen Schall nach einigen Augenblicken -athemloser Spannung nach oben dringt, uns sagt, daß er im Fluß angekommen -ist. Da unser Weg durch einen engen abschüssigen Hohlweg auch zum Flusse -führt, so eilen wir hinunter, und dort, am Fuße eines zur Zeit trockenen -Wasserfallbettes, umgeben von hohen Felswänden und dichtem Laub, vor uns -das von geisterhaftem Zauber umwehte wilde Bergwasser, erwarten wir unsern -Freund, welcher bereits angeschwommen kommt und unversehrt das Ufer wieder -betritt. Zu solchem Sprung gehört Muth. - -Kurz vor 12 Uhr waren wir in der Stadt, wurden von dem Häuptling und -seiner Familie empfangen, erfrischten uns an Kokosmilch, und dann empfand -ich zunächst das Bedürfniß, mich trocken und rein zu kleiden, weil ich bis -3 Uhr hier rasten wollte. Ich nahm mir aus meinem Koffer frische Wäsche -und Kleider und ging mit Lange zu dem nahegelegenen Fluß, um dort ein Bad -zu nehmen, meine Segeltuchschuhe selbst zu waschen, da unsere Träger sich -bereits zu ihren Bekannten verflüchtigt hatten, und mich im Anschluß daran -wieder in einen anständigen Menschen umzuwandeln, denn mein weißer Anzug -sah von dem Marsch durch den feuchten Wald auf schlüpfrigem lehmigen Boden -höchst bedenklich aus. Hier möchte ich erwähnen, daß nach meiner Erfahrung -die einzig richtige Kleidung in den Tropen leichte Baumwollstoffe sind, -und nichts der Gesundheit nachtheiliger ist und erschlaffender wirkt als -wollene Unterkleider. Unter gewissen Verhältnissen ist man allerdings -gezwungen, um die Stärkwäsche in ansehnlichem Zustand zu erhalten, ein -wollenes Unterkleid, welches den Schweiß aufsaugt, anzulegen, dann aber -bleibt der Körper dauernd feucht, was naturgemäß nachtheilig auf die -Haut wirken muß. Geht man aber nicht in Damengesellschaft, sondern in -den Wald und über Land, dann sollte man sich von Wolle freihalten. Naß -wird die Wäsche ja, sie trocknet aber auch wieder schnell in der heißen -Sonne, und kleidet man sich dann an jedem Ruhepunkt frisch, so merkt man -bald das Behagen, welches der Körper empfindet. Dazu gehört allerdings -die Mitnahme größerer Vorräthe und der zum Tragen erforderlichen Leute. -Nur dieser Praxis schreibe ich es zu, daß ich, trotzdem ich unter der -Hitze mehr leide wie vielleicht irgendein anderer von unserm Schiff, die -anstrengendsten Märsche ohne Ermüdung zurückgelegt habe und sogar den -Eingeborenen, welche mir den Beinamen „mit den eisernen Beinen“ gegeben, -im Marschiren überlegen war. - -Der Fluß ist hier ziemlich breit und tief, weil gerade an dieser Stelle -wieder eins der den samoanischen Flüssen eigenthümlichen Felsenbecken -liegt, von welchem das Wasser als schöner Fall in ein tiefer liegendes -hinabstürzt. An dem andern Ufer steigt eine steile Bergwand empor, in -welcher eine große tunnelartige Oeffnung den Eingang zu einer Höhle -bildet. Als ich zunächst meine Schuhe waschen wollte, um sie während des -Bades wieder trocknen zu lassen, nahm Lange mir diese Arbeit ab und diesem -wiederum Sa, welche inzwischen auch herangekommen war. Sie beschränkte -sich aber nicht nur auf meine Schuhe, sondern nahm auch Wäsche und Kleider -vor, welche sie dann zum Trocknen ausbreitete. Dies war mir sehr angenehm, -weil ich nun diese Sachen später zu dem Weitermarsch wieder anlegen und -meinen Vorrath schonen konnte. Kaum war die Samoanerin mit ihrer Arbeit -fertig, so nahm sie mit einem schnellen Griff ihr Lava-lava ab und sprang -ins Wasser, um zwischen uns herumschwimmend ebenfalls ihr Bad zu nehmen, -achtete aber darauf, vor uns wieder an Land zu kommen und zur Stadt -zurückzukehren, ehe wir das Wasser verließen. - -Im Faletele mußte ich nun zunächst einen Kawatrunk nehmen und dann -durchschritt ich mit Loau und Bill den Fluß an einer seichten Stelle, -um die Höhle zu besichtigen. Dieselbe ist ein tunnelartig natürlich -gewölbter Gang von etwa 300 m Länge, 5 m Breite und 2½ m Höhe und ist an -beiden Endpunkten offen. Eine kleine Wasserlache war das einzige Wasser in -der Höhle, welche sonst den Schwalben als Brutstätte dient, denn an den -Wänden befindet sich Nest neben Nest und der Boden ist mit einer starken -Guanoschicht bedeckt. - -Gegen 1 Uhr nahmen wir ein sehr reichhaltiges Essen ein (Schwein, Huhn, -Tauben, Süßwasserkrebse und einige Gemüse), ruhten dann etwas, um 2½ Uhr -nahm ich noch einmal ein Bad, danach wurden die Geschenke vertheilt und -um 3 Uhr befanden wir uns wieder auf dem Weitermarsch. Nach einer Stunde -passirten wir die dritte Stadt, wo ich aber zum Leidwesen der Bewohner und -meiner Begleitung keine Rast machte, sondern durchging, um vor Einbruch -der Nacht noch den nächsten Platz zu erreichen, wo wir auch kurz nach 5 -Uhr eintrafen. Auch hier nahm ich als erste Erfrischung wieder ein Bad, -wobei ich mir einige auf dem hohen Ufer stehende Zuschauer gefallen lassen -mußte, da die Stadt dicht am Wasser liegt und der Fluß hier von so steilen -Abhängen umschlossen wird, daß man nur an einer Stelle bequem zum Ufer -kommen kann. Die ganze Umgebung ist so romantisch, daß es mir ordentlich -unbehaglich wurde, nachdem die Sonne hinter die Berge gegangen war und -die Eingeborenen sich wieder zurückgezogen hatten. Rund umschlossen von -nackten Felsen oder belaubten Höhen nahm das tiefe Wasser schwarze Färbung -an, keine Menschenseele zu sehen, kein Thier zu hören -- da kam mir -wieder das Ammenmärchen von den Aalen in den Sinn, und richtig, da packt -mich einer am Fuß, sodaß mir ganz heiß wird und ich erst wieder zur Ruhe -komme, als Sa’s lachendes Gesicht neben mir auftaucht, welche sich den -hinterlistigen Scherz gemacht hatte, mir heimlich nachzugehen. Sie schwamm -nun aber so schnell an Land, daß ich sie nicht mehr erreichen konnte, um -sie für den schlechten Spaß etwas zu zausen. Mir war das Baden durch den -Schreck verleidet und so machte ich auch, daß ich an Land kam, zumal mein -Magen sich meldete. - -Nach einem kräftigen Essen mußte ich erst der Abendandacht beiwohnen, zu -welcher die Bewohner durch Trommelschlag herbeigerufen wurden. Ein Mann -las ein längeres Gebet vor, dann zerstreuten sich die Einwohner wieder; -wir tranken Kawa, einige Mädchen führten einen mittelmäßigen Tanz auf, -und dann begaben wir uns zur Ruhe, nachdem die Häuptlinge dem von mir -mitgebrachten Getränk doch etwas zu viel zugesprochen und sich still -zurückgezogen hatten. Das Faletele war nur für mich und Lange bestimmt, -die übrigen von uns waren anderweit untergebracht. Endlich war ich -einmal allein und konnte mich nun ohne Aufsehen nach einem stillen Platz -zurückziehen. Doch ich hatte eine schlechte Wahl getroffen, denn gleich -darauf raschelt es im Gras und neben mir befindet sich eine Samoanerin, -welche mir dazu noch einen guten Abend wünscht. Obgleich ich nun schon -ziemlich vertraut mit dem samoanischen Leben war, hatte ich mich in diese -Natürlichkeit doch noch nicht hineingefunden und wollte entsetzt fliehen, -ließ mich aber doch durch den Gedanken, eine lächerliche Figur abzugeben, -davon abhalten. Meine Nachbarin verschwand indeß ebenso schnell wieder -wie sie gekommen war. - -Im Faletele hatte ich mir mein Mosquitonetz sorgsam aufgehängt und fand -unter demselben ein gutes Lager, sodaß ich bald entschlummert war. Da -kriecht etwas bei mir herum, ich greife zu und vermuthe nach dem Gefühl, -daß ein Ferkel sich zu mir verirrt hat, ich fasse mit der andern Hand mit -zu und merke nun, daß es doch etwas anderes ist; ehe ich aber zu einem -Entschluß kommen kann was zu thun, werden gleichzeitig die sämmtlichen -Vorhänge in die Höhe gerissen, an zwanzig Mädchen stürzen mit Fackeln -in den Raum hinein, durchkreuzen ihn wie Feuerwerksfrösche, mein Besuch -ist wieder unter ihnen verschwunden, Lange und ich sehen uns verdutzt -an und im nächsten Augenblick sind die Vorhänge wieder unten und wir -wieder in vollkommener Dunkelheit. Ob das ein samoanischer Scherz oder -was sonst war, weiß ich nicht. Erst wollte ich nach, um mir einen dieser -ausgelassenen Irrwische zu fangen, aber mein Adamcostüm und die Gewißheit, -doch keinen fassen zu können, ließen mich klugerweise von einem derartigen -Beginnen absehen. Eine weitere Störung fand nicht statt und auch diese -war wol nur dadurch möglich gewesen, daß die Herren Väter heute nicht -zurechnungsfähig waren. - -Am nächsten Morgen badete ich wieder und fand den nun von der Sonne warm -beschienenen Platz entzückend. Dann Geschenkvertheilung und um 7 Uhr nach -einem guten Frühstück Abmarsch nach Falifa. Der Weg dahin geht nur das -erste Drittheil durch den Wald, dann trifft man einen Fluß, an dessen -Ufer man bleibt. Der Weg ist gut und die landschaftlichen Bilder sind -schön. Um 9 Uhr waren wir in Falifa, wo natürlich als erstes wieder das -unvermeidliche Bad genommen wurde, welches hier besondere Reize bietet. -Der breite Fluß wird an beiden Seiten von bewaldeten Höhen begrenzt und -stürzt als mächtiger Wasserfall direct in die See, welche hier mit einer -schmalen Bucht tief in das Land vordringt. Die Wassertiefe des Flusses -gestattet nur dicht oberhalb des Absturzes ein Schwimmen und auch dort -ragen vielfach Felsen aus dem Strombett hervor. Flußauf öffnet sich dem -Auge eine weite Ebene, in deren Mitte der silberne Wasserlauf eilig und -brodelnd über Felsengeröll zu Thal fließt. Stromab sieht das Auge das -Meer und den fernen Horizont, welche von den bewaldeten Ufern der Bucht -eingerahmt werden; ein Schnitt von Ufer zu Ufer am untern Rand des Bildes -endet den Lauf des Flusses, dessen Wasser einen letzten dumpf grollenden -Gruß aus der Tiefe nach oben sendet, ehe es sich für immer mit dem Meer -verbindet. - -Die Stadt liegt hier dicht am Ufer des Flusses und dies mag wol mit dazu -beigetragen haben, daß gleich nach mir noch drei junge Samoanerinnen -ebenfalls ins Wasser kamen und schwimmend mich in ihrer Mitte hielten. Da -die Samoaner uns Weißen keine besondere Fertigkeit im Schwimmen zutrauen, -so wird die eigentliche Absicht wol die gewesen sein, mir gegebenenfalls -zu Hülfe eilen zu können, wenn ich mich etwa zu nahe an dem Wasserfall in -eine der zwischen den Felsen befindlichen Stromschnellen wagen sollte, da -dies sichern Absturz und Tod bedeutet haben würde. In Falifa selbst, wo -wir etwas frühstückten, hielten wir uns nur kurze Zeit auf. Ein Albino, -ein Frauenzimmer, erregte hier dadurch mein Interesse, daß der Rücken eine -rosa Farbe hatte, welche, durch kleine Bläschen hervorgebracht, jedenfalls -die Folge von Sonnenbrand war. Die Haut der Albinos wird also wol ebenso -wenig widerstandsfähig gegen die Sonne sein wie die unsrige. - -Demnächst berührten wir eine kleinere Stadt, welche ich nur deshalb -erwähne, weil Sa hier in dem obersten Häuptling ihren alten Onkel begrüßte -und diese Begrüßung die einzige auf altsamoanische Art geblieben ist, -welche ich zu sehen bekommen habe. Der alte Mann saß mit untergeschlagenen -Beinen in seiner Hütte und schien uns zu erwarten. An der Hütte -angekommen, trat Sa zuerst ein, ging gebückten Körpers auf den alten -Herrn zu, rieb mit ihm Nasen, setzte sich neben ihn und machte während -der darauf folgenden kurzen Unterhaltung ein so ernstes Gesicht, wie ich -es ihr gar nicht zugetraut hätte. Dann trat sie zurück, worauf erst die -Begrüßung mit uns erfolgte. Wir nahmen eine kleine Erfrischung an und -brachen dann bald wieder auf. Durch Lufi-lufi gingen wir ohne Aufenthalt -durch, nachdem wir einen kurzen Gruß mit dem in seiner Hütte anwesenden -Häuptling gewechselt hatten, und trafen gegen 2 Uhr zum großen Erstaunen -der Einwohner, welche uns am nächsten Abend erst erwartet hatten, wieder -in Saluafata ein. Meine Begleiter, welche auf dem Marsche wiederholt -angedeutet hatten, daß die Anstrengung für sie wol zu groß werden würde, -waren jetzt ganz stolz auf ihre Leistung und besonders befriedigt, als -sie den für drei Tage ausbedungenen Lohn unverkürzt erhielten. Im Verein -mit den vertheilten Geschenken hatte mich die Partie nahe an 150 Mark -gekostet, trotzdem ich nichts für die uns gebotenen Mahlzeiten zu bezahlen -hatte. - -An dem einen oder andern Abend, wenn sich einige Mädchen zu einem Tanz -zusammengefunden hatten, erhielt ich eine Einladung zur Theilnahme. -Gewöhnlich trat dies ein, wenn Besuch von außerhalb gekommen war. Diese -Belustigung war stets eine willkommene Abwechselung in dem täglichen -Einerlei und ganz dazu angethan, einen Abend angenehm verbringen zu -können. Wenn hierbei auch Männer, Frauen und Kinder durch Händeklatschen -eine etwas geräuschvolle Musik machten, so war dies in der offenen Hütte -doch nicht so unangenehm wie früher in dem geschlossenen Saal, und was den -Reiz wesentlich erhöhte, war die angenehme Temperatur und die beschränkte -Zahl der Zuschauer. - -Die Darstellerinnen sind bei feierlichen Gelegenheiten sehr reich -geschmückt; bei Gelegenheitstänzen zwar einfacher, aber doch immer für den -Zweck gekleidet. Solch größere Tänze wurden mir zwei geboten, einer war -für unsere Offiziere und mich arrangirt, der zweite nur eine Ueberraschung -für mich, welche Sangapolutele am Vorabend unserer Abreise mir bereitete. -Der Schmuck ist im wesentlichen ja der früher beschriebene und findet -nur durch Ausschmückung derjenigen Glieder, welche bei dem Tanz in den -Vordergrund treten (Arme und Beine) seine Vervollständigung. Das Bekannte -sind Stirnbänder; Blumen im Haar; lange von der Schulter bis über die -Brust reichende Ketten aus Beeren, Pandanuszapfen und wohlriechenden -Kräutern, und Lava-lavas aus Matten oder Gräsern bezw. Zott-Lava-lavas. -Als bisjetzt noch nicht genannter Schmuck treten hinzu: ein den Hals eng -umschließendes Band mit daran befestigten perlenartig herunterhängenden -Beeren und zwar so, daß jede Reihe aus vier bis fünf Beeren besteht, von -denen zwei übereinander an dem Band selbst befestigt sind und die andern -dicht aneinander gereiht lose herunterhängen; Armbänder aus Laub oder -Stoffband, von welchen eins um die Mitte des Oberarms gelegt ist, eins -auf dem halben Unterarm und ein drittes dicht über dem Handgelenk liegt, -und zwar alle so fest umgeschnürt, daß das Fleisch etwas vorquillt; Bänder -aus Schlingpflanzen über und unterhalb der Wade. Diese Arm- und Beinbänder -heben, wie bekannt, die Formen besonders schön hervor und erhöhen bei den -Armen außerordentlich die Grazie der Bewegungen. Ueberraschend war mir, -bei diesen Naturmenschen solch feine Empfindung für das Schöne zu finden, -denn solch raffinirter Putz kann nur eingehendem Studium seine Entstehung -verdanken. Der Oberkörper ist natürlich mit Kokosnußöl eingerieben und -die Haut daher glänzend blank. - -Die Darstellerinnen nehmen an dem einen schmalen Ende der Hütte Platz, -das Gesicht der Mitte zugekehrt, wo die eigentlichen Zuschauer sitzen, -während das Volk, welchem der Zutritt auch freisteht, die andere Hälfte -der Hütte ausfüllt oder von außen zusieht. Zwei Holzfeuer zu beiden Seiten -des Mittelgerüstes und im Rücken der vornehmern Zuschauer erhellen den -Raum. - -Der Tanz, welcher in der Regel nur in sitzender Stellung (mit gekreuzten -untergeschlagenen Beinen) ausgeführt wird, kann in dieser natürlich auch -nur in Bewegungen des Kopfes, Oberkörpers und der Arme bestehen und setzt -sich aus leichten rhythmischen Bewegungen zusammen, die keinerlei mimische -Darstellung geben sollen, sondern nur den Hang nach Schaustellungen und -harmlosem Zeitvertreib zu gefälligem Ausdruck bringen. So scheint der -Tanz auch gewissermaßen ein Vorrecht der nichtarbeitenden Klasse, der -Häuptlingstöchter, zu sein, welche mit den Vorübungen und der Erfindung -dazu passender neuer Texte ihre freie Zeit ausfüllen. Ob meine Annahme -indeß richtig ist, weiß ich nicht, nur ist mir aufgefallen, daß das -niedere Volk sich an diesen Tänzen nie anders handelnd betheiligt als -mit Händeklatschen, wenngleich wol alle Mädchen und sogar schon die ganz -kleinen Kinder, welche „Tanz“ spielen, sich in den Tanzbewegungen üben, -wenn sie sich unbeachtet glauben, wie ich dies wiederholt hier und in -Saluafata gesehen habe. - -Wenn es mir nun auch nicht möglich ist, erzählend ein getreues Bild einer -solchen Tanzschaustellung zu geben, die nur durch die dabei entwickelte -Grazie, welche ja auch noch je nach der Begabung der Handelnden mehr oder -weniger gefällig ist, fesselnd wirkt, so kann ich doch versuchen, eine -leichte Skizze davon zu entwerfen. - -Wie ich früher schon erzählt habe, bilden die Spieler eine Gruppe. Vorn -in der Mitte sitzen die eigentlichen Tänzerinnen und zwar in der Regel -nebeneinander drei Mädchen, von denen die mittelste den schönsten Schmuck -hat und als Vortänzerin anzusehen ist. Nur bei größern Gelegenheiten und -gewöhnlich wol bei der Anwesenheit von einheimischen Gästen aus andern -Städten, deren Töchter auch zur Mitwirkung aufgefordert werden müssen, -wächst die Zahl. Sind es nur vier oder fünf, dann verbleiben alle in einer -Reihe, sind es mehr, dann werden zwei Glieder in der Weise gebildet, daß -das zweite die Lücken des ersten ausfüllt. Das zweite Glied kann dann aber -nach der ganzen Art der Bewegungen nur in sehr geringem Maße an dem Tanz -theilnehmen und die Betreffenden wirken mehr als Statisten. Der Rest der -Gruppe setzt sich aus dem händeklatschenden Orchester zusammen und zwar -sitzen zur Seite der Tänzerinnen gewöhnlich Kinder, in der zweiten Reihe -Männer und Frauen, und die übrigen Männer und Frauen stehen dahinter, in -allen Reihen die größern in der Mitte und die kleinsten an den Seiten, -sodaß das Ganze die Form eines Halbmondes annimmt. - -Zuschauer und Spieler versammeln sich gleichzeitig. Bis der Tanz -beginnt, verharren die letztern in ungezwungener Haltung, sprechen leise -miteinander, und die Damen haben mit ihrem Putz und Schmuck zu thun. -Ein leises Klatschen dient als Vorspiel und kündigt den Anfang an. Die -Tänzerinnen bleiben noch in ihrer bequemen Haltung, die mittlere setzt -bald mit einigen leise gesungenen Strophen mit ein, streckt sich dann -etwas und deutet nun, ihren Gesang mit einigen Armbewegungen begleitend, -mit den Händen leise das kommende Spiel an, indem sie dieselben in -wagerechter Haltung bis zur Brust hebt, mit ihnen nach links und rechts -so spielt, daß die Hände nach dem Takt der Musik leicht gehoben und -wieder gesenkt werden und zwar im Dreivierteltakt. Geht das Spiel nach -links, dann ist die rechte Hand an der linken Brust und die linke in -entsprechender Entfernung weiter nach links, geht das Spiel nach rechts -ist das Umgekehrte der Fall. Das Klatschen wird stärker, die andern -Tänzerinnen greifen mit ein, die vorige Ruhe ist abgeschüttelt, alle sind -voll Feuer und Leben. Der Gesang wird lauter, die Armbewegungen werden -bestimmter, bleiben aber doch leicht und geschmeidig. Die Hände greifen -weiter nach links und rechts hinüber, der Oberkörper folgt nach, bis die -Hände leicht auf den Fußboden aufschlagen, wobei die Tänzerinnen den Kopf -so weit gehoben halten, daß sie die Zuschauer noch ansehen. Dann richten -sie sich im Takt auf und gehen in eine andere Figur über, die Arme sind -so weit gehoben, daß die Ellenbogen in der Höhe der Brust und die Hände -nach oben gerichtet sind. Die rechte Hand liegt in der Höhe der linken -Schulter, die linke weiter nach links in der Höhe des Kopfes, dieser ist -nach rechts gedreht und die Finger laufen geräuschlos und geschmeidig -langsam an dem Daumen entlang, ähnlich wie wir ein Schnippchen schlagen, -wobei ein passender Triller gesungen wird. Kopf und Hände wechseln mit -einer schnellen Bewegung die Stellung, um nach der andern Seite dieselbe -Figur auszuführen, und nach einmaliger Wiederholung schlagen die Hände -wieder auf den Boden, sind in halber Höhe des Körpers und so fort. - -Aus diesen drei Figuren setzt sich der Tanz zusammen und wirkt anfänglich -bald ermüdend; weiß man aber erst, daß keine neuen Figuren kommen und -wartet man daher nicht mehr auf solche, dann fängt man an, dem lebendigen -Spiel der Glieder zu folgen, wie die Bewegungen ein langsameres oder -beschleunigteres Tempo annehmen, wie die Haltung des Körpers wechselt und -die Drehungen und Stellungen dem Auge fortgesetzt neue, schön gerundete -Linien zeigen, und wird dann ebenso wie die Eingeborenen von dem Feuer der -Darstellerinnen mit fortgerissen. Ich habe mich erst durch verschiedene -Tänze durchlangweilen müssen, ehe ich Geschmack an denselben fand und -verstehen lernte, worin der Reiz liegt, welcher dem Samoaner die Kraft -gibt, diesem scheinbar einförmigen Spiel ganze Nächte zu opfern. - -Zuweilen, wenn Darsteller und Zuschauer erst warm geworden sind, erhebt -sich auch die Vortänzerin, um mit wenigen Schritten nach links und rechts -gehend mit den Armen andere Bewegungen als die vorher beschriebenen zu -machen. Doch sind die Mädchen dann auf fremdem Gebiet, das unförmliche -Lava-lava paßt nicht zu leichten Bewegungen, sie werden ungraziös. Der -Tanz im Stehen gehört in Samoa nur den Männern. - -Wie schon vorher angedeutet, bereitete Sangapolutele mir am Vorabend -unserer Abreise von Saluafata noch eine besondere Ueberraschung. Als ich -abends zu Bill kam, um dort von meinen samoanischen Freunden Abschied -zu nehmen, wurde mir eine Einladung des Häuptlings übermittelt, zu ihm -zu kommen, weil er mir vor meiner Abreise noch einen altsamoanischen -Tanz vorführen lassen wolle. Da sämmtliche Anwesende mitkommen wollten, -um auch theilzuhaben an dem seltenen Schauspiel, so wurde Bill’s Haus -zugeschlossen und ich fuhr mit ihm und seiner Frau in einem großen Kanu -nach Saluafata, um doch auch einmal eine solche Fahrt gemacht zu haben. -Die andern wählten den Landweg, welcher mir bei der Dunkelheit etwas zu -unbequem war. - -Die Häuptlinge mit ihren Familien waren vollzählig in der für den Tanz -ausgewählten Hütte (derselbe findet nicht im Faletele statt) anwesend, -weil ihre Töchter alle mitwirkten; auch Mulitalo, ein hoher Häuptling -von Savai’i, dessen Bekanntschaft ich in den letzten Tagen in Saluafata -gemacht und der mir, als Zeichen seiner Freundschaft, ein großes -ausgewachsenes Schwein geschenkt hatte, war unter den Zuschauern. Daß die -Bewohner Saluafatas, groß und klein, alle zur Stelle waren, versteht sich -von selbst. Wie mir gesagt wurde, sollen sich die Mädchen, welche doch -schon etwas unter dem Einfluß der Missionare stehen, zu denjenigen Tänzen, -welche zur Darstellung kommen sollten, nur noch bei besonders festlichen -Gelegenheiten hergeben und auch nur dann, wenn keine Fremden als Zuschauer -zugegen sind, im übrigen werden nur jungfräuliche Häuptlingstöchter -zu denselben zugelassen. Unter den Darstellerinnen befanden sich -Toëtele, Lolle, Loautele und noch zwei Mädchen, Va und Vau, Verwandte -Sangapolutele’s von außerhalb. - -Der Tanz bewegte sich zunächst in dem gewöhnlichen Rahmen, und nach -Verlauf einer Stunde benutzten die anwesenden Aeltern der Tänzerinnen eine -Pause, um sich zurückzuziehen, indem Sangapolutele mir verdolmetschen -ließ, daß die Mädchen beauftragt seien, mir nun noch einen Tanz -vorzuführen, bei welchem nach der Samoa-Sitte deren Aeltern nicht zugegen -sein dürften. Einer seiner Leute indeß, einer der von mir bei Beschreibung -des Talolo als Narren bezeichneten Männer, sei beauftragt, das Ganze zu -leiten, und dieser trat dann auch vor, um sich neben den Tänzerinnen -aufzustellen. Nachdem die betreffenden Aeltern sich entfernt hatten, -nahm der Tanz seinen Fortgang und zwar zunächst in der gewöhnlichen Art; -dann trat Va, welche mit einem kleinen enganliegenden Zott-Lava-lava -bekleidet war, vor und führte stehend in gefälligen zierlichen Bewegungen -einige hübsche Figuren aus. Danach trat Vau, eine hohe, schlanke, wol -eben erst voll entwickelte jugendliche Gestalt mit etwas verängstigtem -Gesicht vor. Sie trug nur ein leichtes Kattun-Lava-lava und begann ihren -Tanz mit ähnlichen Bewegungen wie Va, ihr Gesichtsausdruck wurde wieder -natürlicher, ein angenehmer Zug umspielte das unschöne Gesicht, und als -sie erst ihre Sicherheit wiedergewonnen hatte, blieb sie plötzlich mit -emporgehobenen leicht gebogenen Armen vor uns stehen. Der Narr trat an sie -heran, doch sie entschlüpfte ihm wieder mit einer reizenden, eleganten -Bewegung, bis sie von neuem in der vorangegebenen Stellung stand und -der Narr gleichzeitig an ihrem Lava-lava nestelte; dann drehte sie sich -langsam einmal um sich selbst und stand wieder in derselben Haltung -vor mir, während der Narr mit dem Lava-lava zur Seite trat. Noch einige -Drehungen und Wendungen, dann erwachte sie scheinbar aus einem Traume -und verschwand draußen in der Dunkelheit ohne wieder zurückzukehren. Ihr -folgte Loautele mit einer ähnlichen Vorführung, die damit endigte, daß das -Mädchen mich vor ihrem Verschwinden plötzlich einmal heiß an sich preßte. - -Es war inzwischen sehr spät geworden und Zeit zum Aufbruch. - -Ich verließ daher das Land und zwar mit der befriedigenden Gewißheit, -einen samoanischen Originaltanz gesehen zu haben, welcher von der -unschönen Nachahmung, die uns bei meinem ersten Besuch hier in Apia mit -dem bezahlten Tanz vorgeführt worden war, doch sehr wesentlich abstach und -zwar sowol durch die ruhige, gemessene und im Vergleich zu der Nachahmung -immerhin geräuschlose Handlung, wie auch durch die edlern Formen, in -welchen das Ganze geboten wurde. - -Wir bestiegen Bill’s Kanu wieder und ich freute mich auf die schöne -Fahrt bis zu seinem Hause, da der volle Mond, welcher jetzt hoch am -Himmel stand, den Hafen wunderbar schön beleuchtete. Niedrige Dünung lief -über das Wasser und gab unserm Fahrzeug leichte wiegende Bewegungen. -Da bemerkte Bill’s Diener Tom, welcher das Kanu allein ruderte, daß an -dem Ausleger etwas nicht in Ordnung sei, ehe er aber noch den Fehler -feststellen konnte, löste sich der Baum bei einer etwas stärkern -Bewegung des Fahrzeugs auch schon von seinen Haltern, das Kanu kenterte -und wir lagen sämmtlich im Wasser. Ich tauche wieder an die Oberfläche -auf und greife zuerst nach Uhr und Cigarrentasche, um diese, in einer -Hand sie hoch über das Wasser haltend, gegen den verderblichen Einfluß -des Seewassers zu sichern. Dann schaue ich mich um und sehe eins des -lächerlichsten Bilder, welche mir je vor die Augen gekommen sind. Dicht -bei mir sind die Köpfe von Bill und Sa, der erstere seine von mir als -Geschenk erhaltene schöne Meerschaumpfeife als Werthvollstes und die -letztere meinen Regenschirm über Wasser haltend. Frau Bill’s Kopf sehe -ich nur einen Augenblick, dann, wie bei einem Tümmler, ihren weißen Rücken -(sie trug ein weißes Kleid), einen Augenblick ihre zappelnden Füße und sie -ist wieder verschwunden; halb auf das gekenterte weiße Kanu geklettert, -müht der schwarze Tom sich ab, dasselbe auf den Kiel zurückzubringen. -Dann erscheint der Kopf von Frau Bill wieder, welche ängstlich nach mir -fragt und nachdem sie mich entdeckt hat noch einmal verschwindet, worauf -sie, als sie zum dritten mal auftaucht, ihre Schuhe als ihr Werthvollstes -hoch über Wasser hält, die sie sich auf dem Meeresgrund ausgezogen hatte. -Die gute Seele hatte mich bei ihrem ersten Auftauchen nicht gesehen, weil -sie durch einen schweren Schlag, welchen sie von dem einen Halter des -Auslegers auf den Kopf erhalten hatte, halb betäubt war, dachte daher -zunächst nur an meine Rettung und tauchte wieder unter, um mich auf dem -Grund zu suchen. Das Lächerlichste war nun, daß von unsern sämmtlichen -Sachen nur mein Regenschirm trocken geblieben war, welchen Sa bei der -Katastrophe gleich gefaßt hatte und mit dem sie so platt aufs Wasser -gesprungen war, daß der hoch gehaltene Schirm nicht mit eintauchte. -Andererseits hatte des Schicksals Tücke es gewollt, daß gerade am Tage -vorher meine zweite Uhr, welche ich bei Ausflügen immer zu mir steckte, -stehen geblieben war und ich heute meine gute Uhr mitnehmen mußte, welche -natürlich so viel Seewasser geschluckt hatte, daß sie für den Rest -der Reise unbrauchbar ist. Um das Kanu wieder in Ordnung zu bringen, -schleppten wir es schwimmend an den Strand, und es muß ein wunderbares -Bild gewesen sein, wie wir um das Kanu vertheilt mit der einen Hand -dieses angefaßt und mit der andern unsere Kleinodien hoch haltend, in dem -schönen Mondschein mit kräftigen Schwimmstößen dem Strande zusteuerten. -Dort angelangt machte ich den Vorschlag, den Rest des Weges auf dem -Lande zurückzulegen, welchem die Frauen und Tom sich nur mit Widerstreben -fügten, weil sie sich vor dem Geist eines kürzlich auf der Albatros-Insel -beerdigten Unteroffiziers von unserm Schiff, der an den Folgen eines in -Auckland erhaltenen Fiebers gestorben war, fürchteten. Das Kanu wurde auf -den Strand gezogen, um am nächsten Morgen erst wieder in Ordnung gebracht -zu werden, und bald war ich bei meinem Boot und an Bord. - -Am 15. d. M. morgens verließ ich Saluafata, um über Savai’i wieder nach -Apia zurückzukehren, weil bisher noch keins unserer Schiffe diese Insel -angelaufen hatte. - -Da der Häuptling Mulitalo, welcher in Safune zu Hause ist, mich zu sich -eingeladen und ich ihm vorher schon versprochen hatte, ihn von Saluafata -aus mitzunehmen und in seinem Hafen abzusetzen, so wählte ich diesen -Platz. - -Sangapolutele, welcher auch in dieser Zeit nach Safune wollte, folgte -ebenfalls meiner Einladung, für die Dauer der Ueberfahrt mein Gast zu -sein, und Bill ging als Lootse und Dolmetscher mit. Sangapolutele, welchem -ich am Abend vorher einen schönen Revolver als Andenken geschenkt hatte, -brachte mir bei dieser Gelegenheit noch verschiedene Geschenke mit, -unter welchen sich auch eine besonders große Kawawurzel befand, weil er -glaubte, daß ich dieses Geschenk auch würdigen würde. Er hat allerdings -darin recht, daß ich, wie ich früher auch schon angedeutet habe, das -aromatische, leichtbittere Getränk, mit dem beißenden Geschmack auf der -Zunge und dem leichten Brennen im Magen, schätzen gelernt habe, wie denn -auch zu einem behaglichen Abendbesuch am Lande ein Kawatrunk mit gehörte. -Erst wenn meine braunen Freundinnen mit der Bowle uns gegenübersaßen und -das Getränk zurecht machten, zog ein gewisser häuslicher Friede in die -Hütte ein, welchem sich eine außerordentlich wohlthuende Erschlaffung -der Beine zugesellte, sobald man erst einige Becher Kawa getrunken -hatte. Die Wirkung auf den menschlichen Organismus besteht in einer -leichten, angenehm schmerzhaften Lähmung der Beinmuskeln, wobei man etwa -dieselben Empfindungen hat, als wenn man nach einem ungewohnten Ritt oder -anstrengenden Marsch im Bett die schmerzenden Glieder streckt. Es thut -ja weh, aber so angenehm weh, daß man sich absichtlich immer wieder den -leichten Schmerz durch erneutes Strecken bereitet. Magen und Kopf werden -nicht in Mitleidenschaft gezogen, auch bleiben keinerlei Beschwerden -zurück, wenn der Beinrausch nach ein bis zwei Stunden wieder verflogen -ist. - -An dieser Stelle will ich auch, ehe ich von Sangapolutele Abschied nehme, -noch kurz erzählen, wie der Häuptling Recht spricht. - -Es war einem Matrosen von uns auf dem Schiffe eine kleine hölzerne -Tabackspfeife gestohlen worden und der Verdacht der Thäterschaft auf -einen bestimmten Samoaner gefallen. Ich schickte den Bestohlenen mit einem -Unteroffizier und einem Dolmetscher an Land zu Sangapolutele, welcher sich -gleich bereit zeigte, den Fall zu untersuchen. Der Mann war bald ausfindig -gemacht, die Pfeife wurde bei ihm gefunden und er gestand ohne weiteres -den Diebstahl ein. Ein Faustschlag Sangapolutele’s zwischen die Augen des -Diebes, sodaß er betäubt zusammenbrach, war der erste Theil der Strafe, -und nachmittags kam der Dieb von einem Häuptling geführt an Bord, um dem -Matrosen, welcher seine Pfeife gleich am Vormittag zurückerhalten hatte, -als Entschädigung ein mittelgroßes Schwein zu bringen. Hiermit aber nicht -genug, war er auch noch für den Zeitraum von vier Wochen aus Saluafata -verbannt worden, wie der Häuptling mir mitzutheilen beauftragt war. - -Im Laufe des Nachmittags des 15. wurde in Safune geankert und ich -versprach Mulitalo, ehe er an Land ging, für den folgenden Tag und die -anschließende Nacht sein Gast zu sein. Dieser Tag brachte mir eine solche -Fülle interessanter und zum Theil neuer Eindrücke, daß ich dem braven -Mulitalo für seine Einladung und Gastfreundschaft aufrichtig dankbar bin. - -Als ich vormittags an Land kam, mußte ich zunächst einen Rundgang durch -die drei Districte von Safune machen, um die Häuptlinge zu besuchen. -Die Stadt setzt sich nämlich aus drei voneinander unabhängigen Plätzen -zusammen, über welche Mulitalo als Haupt des bedeutendsten aber doch eine -gewisse Oberhoheit ausübt. Savai’i sucht nun einen gewissen Stolz darin, -an den alten Gebräuchen festzuhalten, und es ist auch die einzige Insel, -welche den alten für die Schrift angenommenen Dialekt noch rein spricht, -dessen Hauptmerkmal darin besteht, daß er kein „'k'“ kennt, während die -andern Inseln in der gewöhnlichen Umgangssprache kein „'t'“ gebrauchen, -sondern dafür „'k'“ setzen. So heißt z. B. „Guten Tag“ in Savai’i und -in der Schriftsprache 'talófa', bei den andern Samoanern 'kalófa'; -„ich danke“ 'fafatéi' bezw. 'fafakéi'. Die alte Samoa-Sitte verlangt -nun auch, daß der Fremde nicht von selbst einen Besuch macht, sondern -sich dazu auffordern läßt, wenn er an dem betreffenden Hause, wohin er -möchte, vorbeigeht. So durfte auch ich nicht zu den Häuptlingen, welche -mich erwartend und von ihren Familien umgeben in ihrem Faletele saßen, -herantreten, sondern mußte gleichgültig thuend meines Weges ziehen, bis -ich angerufen wurde. Als wir nun in die Nähe einer solchen Hütte kamen, -trat ein Mann mit Rednerstock und Fliegenwedel an den Dachrand vor, -musterte uns eine Weile und dann erst rief er uns mit lauter Stimme an. -Wir mußten stehen bleiben, Fragen und Antworten wechselten miteinander ab, -und als mein Dolmetscher zufriedenstellende Antwort gegeben hatte, wurde -ich als Gast bewillkommnet, trat zur Hütte heran, während der Häuptling -mir entgegenkam, und nahm unter den Anwesenden Platz, nachdem ich mit -allen die Hand geschüttelt hatte. Darauf wurde mir als Erstes ein großer -gekochter Fisch einer gewissen mir unbekannten Art vorgesetzt, worin die -höchste Begrüßungsauszeichnung eines Fremden liegen soll, aber natürlich -nur statthaben kann, wenn der Besuch vorher angemeldet ist, da die Fische -nicht jeden Augenblick zu haben sind. Nachdem wir von dem Fisch gegessen -hatten, wurde Kawa getrunken, und nach etwa einstündigem Aufenthalt zog -ich weiter, um dasselbe bei dem nächsten Häuptling durchzumachen. Bei -Mulitalo angelangt, wurden keine Umstände gemacht, er empfing mich mit -seiner stattlichen Frau und zwei auffallend hübschen, elegant gewachsenen -Töchtern von sehr heller Hautfarbe, die eine 19, die andere 17 Jahre alt, -an der Thür seines großen, stark europäisirten Hauses und führte mich in -sein Schlafzimmer, welches er mir abgetreten hatte. Neben einem breiten -Bett mit Mosquitonetz fand ich noch einen Tisch mit zwei Stühlen und, was -zunächst für mich das Beste war, ein Waschbecken mit einer Kanne frischen -Quellwassers vor. - -Nachdem ich mich frisch gekleidet hatte, setzten wir uns zum Essen an -einen leidlich gut gedeckten Tisch. Waren Teller, Löffel, Messer und -Gabel auch sehr einfach und etwas zusammengewürfelt, so waren sie doch da -und sauber. Erst gab es Suppe und zwar eine, nach deren Genuß ich mich -in spätern Jahren wol noch manches mal sehnen werde. Es war eigentlich -nur zu dünnem Brei gekochtes Fleisch, zur Hälfte vom Schwein, zur andern -Hälfte aus Tauben bestehend und mit mancherlei Gewürzen so schmackhaft -gemacht, daß ich mir einen zweiten Teller voll geben ließ und nachher auf -die andern Genüsse, welche in Tauben- und Schweinefleisch, Brotfrucht und -Taro bestanden, verzichtete. - -Nachmittags fand ein Talolo statt, welcher in seinen Grundzügen, was -auch von der Kleidung gilt, dasselbe war wie in Saluafata und nur durch -örtliche Verhältnisse bedingte Abweichungen zeigte. Denn während dort die -Leute sich auf engen Waldwegen zum Festplatz begeben mußten und erst auf -diesem sich sammeln konnten, steht ihnen hier eine lange breite Straße -zur Verfügung, auf welcher der Zug sich in geschlossener, imposanter und -malerischer Masse fortbewegen kann. - -In weiter Ferne ertönt Getöse, eine hin- und herwogende Masse tritt vor -den im Hintergrund liegenden Häusern in die Erscheinung. Ein Menschenstrom -füllt die ganze Breite der Straße aus und wächst in der Tiefe immer mehr -an. Das Getöse verwandelt sich in rhythmischen Gesang, einzelne Figuren -lösen sich von dem Ganzen ab und erscheinen als Vortrab; die seitlichen -sind dunkel, die in der Mitte hell; die schwarzen springen und tanzen, die -hellen tänzeln und einige von ihnen bewegen sich wie Berauschte. Auch aus -der Masse treten nun Figuren hervor, geputzte festesfreudige Menschen, -welche nebeneinandergehend etwas zu tragen scheinen. Die Schwarzen sind -jetzt deutlich zu erkennen, es sind die Buschmänner; die Hellen sind -Mädchen, von denen die meisten eine feine Matte oder ein blendend weißes -Zott-Lava-lava umhaben, die scheinbar Berauschten aber von den Hüften bis -zu den Knöcheln mit vielen feinen Matten behängt sind, welche ihnen ein -vornehmes Ansehen geben. Diese sind die Vortänzerinnen, sie sind nicht -berauscht, ihre Bewegungen sehen auch nicht mehr so aus, im Gegentheil, -mit graziösen Armbewegungen laufen sie, jedenfalls mit ganz schnellen -kleinen Schritten, hin und her und sind in ihrer ganzen Erscheinung -geradezu bezaubernd. Der Zug ist bei uns angelangt, der Vortrab schwenkt -zur Seite ab, die Träger der Geschenke nahen sich mir in geschlossener -Linie und legen erschreckend große Massen von Nahrungsmitteln, darunter -viele lebende Schweine, vor mir nieder. Die Leute treten wieder zurück, -alle setzen sich im Halbkreis auf den Boden, der Redner tritt vor, begrüßt -mich und dann vertheilt sich das Volk wieder, nachdem ihm noch unter der -Hand mitgetheilt ist, daß ich den Leuten die Geschenke überlasse und sie -dieselben wieder abholen können, sobald wir uns zurückgezogen haben. - -Am Abend versammelten wir uns in einem großen Hause, wo Tänze nach -einem sehr reichen Programm zur Darstellung kamen, unter welchen sich -auch Männertänze befanden, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. -Erst erschien eine Gruppe von Mädchen, dann eine zweite und eine -dritte, welche alle die auch schon in Saluafata gesehenen Tänze in der -Sitzstellung ausführten, aber doch in ihrem exacten Zusammenwirken und -durch einzelne Feinheiten zeigten, daß der Tanz hier auf Savai’i mehr -noch als eine edle Kunst angesehen und geübt wird. Angenehm fiel hier -auch auf, daß hinter den tanzenden Mädchen kein anderes Publikum stand, -welches doch immer störend wirkt. Als vierte Gruppe traten drei Mädchen -auf, welche eigenartig in ihrem Anzug jedenfalls Waldgeister vorstellen -wollten. Sie waren ganz in frisches Laub gekleidet und wichen in ihren -Bewegungen vollständig von dem Gewohnten ab. Die in der Mitte sitzende -kleine Häuptlingstochter, ein Mädchen von 14 oder 15 Jahren, welche -ich früher schon in Apia auf unserm Schiffe gesehen hatte, schien die -Erfinderin dieser neuen Figur zu sein, da sie mit einer außerordentlichen -Sicherheit den Tanz leitete. Alle Bewegungen waren schnell und voll -Feuer und bannten durch ihr fortwährend wechselndes Spiel das Auge des -Zuschauers. Eigentlich hätten, wie mir gesagt wurde, diese Mädchen als -Halsschmuck auf Savai’i vorkommende lebende rothe Schlangen haben müssen, -doch hatten sie in der Kürze der Zeit keine mehr fangen können. Auf diese -Gruppentänze folgten Einzeltänze junger Häuptlinge. Der Anzug derselben -bestand eigentlich nur in ihrer Tätowirung und einer kleinen Schürze aus -rothbraunen Blättern. Als Schmuck dienten Blumen oder ein grüner Kranz -im Haar, ein Stirnband aus den früher genannten kleinen Muscheln oder aus -Flittergold, ein Band um jeden Oberarm und unterhalb der Knie. Der Tanz, -welcher in sitzender Stellung beginnt und stehend endet, wo dann noch zwei -Männer hinzutreten, um das Bild abzurunden, gewährte mir großen Genuß. -Die kraftvollen, jugendlich schönen Gestalten, der eigenartige Putz in -Verbindung mit der Hautfarbe und der reichen Tätowirung, das Spiel der -Muskeln und die lebendigen schönen Bewegungen vereinten sich zu einem -sehenswerthen Ganzen. - -Den Schluß bildeten Einzeltänze von drei Mädchen, die in Darstellung -und Kleidung wieder ganz Neues boten. Namentlich die Kleidung war etwas -so Vollendetes an reizendem Geschmack und mit so einfachen Mitteln -hergestellt, daß ich sie näher beschreiben muß. - -Die Tänzerinnen waren die beiden Töchter von Mulitalo, sowie ein -Mädchen, welches einmal bei unsern frühern Aufenthalten in Apia unser -Schiff besucht hatte, dann aber wieder spurlos verschwand, ohne daß -es uns gelingen wollte, ihren Verbleib ausfindig zu machen. Daß wir -nach ihr forschten, findet seine Erklärung in ihrer Erscheinung, -welche so auffallend ist, daß jeder von unsern Herren sie gesehen -hatte und die Bezeichnung „Königin der Nacht“, welche einer ihr gab, -als zutreffend von allen angenommen wurde. Von mittelgroßem zierlichen -Körperbau und tiefdunkler Hautfarbe, trug sie langes, bis auf die Hüften -herunterhängendes schwarzes Haar und hatte zwei Augen im Kopfe, welche -wie blitzende Sterne aus dem dunkeln Gesicht hervorleuchteten. Diese -beherrschten auch in Verbindung mit den schönen Zähnen das keineswegs -ideal geschnittene Gesicht so vollkommen, daß man nur sie sah und kaum den -Blick von dem strahlenden Leben, welches von ihnen ausströmte, abwenden -konnte. - -Die jüngere Tochter Mulitalo’s, eine Bajaderengestalt mit schmalen Hüften, -kleinem Kopf und sonst edlen schlanken Körperformen, trat zuerst auf. -Ihre Stirn umschloß ein schmales rothes Atlasband, das hinten geknüpft -war und dessen lange Enden bis zu den Kniekehlen herunterreichten. Eine -fest umgelegte Kette von erbsengroßen weißen Glasperlen umfaßte den -schlanken Hals, und unter dieser Perlenkette lag eine von gleich großen -rothen Beeren, welche sich hinten kreuzte, auf den halben Schultern wieder -nach vorn kam und im Bogen bis auf die halbe Brust herunterreichte. -Als Lava-lava diente ein sehr kurzer, aus einem schneeigen Handtuch -gefertigter Schurz, welcher den Körper nur hinten bedeckte und vorn -offen war, die Lücke vorn wurde durch eine kleine Schürze von rothbraunen -schmalen Blättern ausgefüllt, welche in der Mitte lang, an den Seiten kurz -waren und hinten in derselben Anordnung als Gürtel über den weißen Schurz -fielen. Arme und Beine blieben ohne Schmuck. Der Tanz beschränkte sich auf -leichte, mit vornehmer Ruhe ausgeführte Bewegungen und diente zweifellos -nur dazu, die Schönheit der Formen zur Darstellung zu bringen. - -Als zweite erschien die ältere Tochter, eine üppigere, aber auch -durchaus feingegliederte Gestalt. Sie trug ein weißes Tuch um die Stirn -geschlungen, aus dessen Mitte das eigene Haar kappenartig hervorstand; -eine dünne Blumen- und Beerenkette umschloß den Hals und als Lava-lava -diente hinten ein aus bunten kleinen Lappen zusammengeflicktes Stück -Zeug mit darunter liegendem kleinen weißen Unterröckchen, vorn der kleine -Blätterschurz. Der Tanz war ähnlich wie der vorhergegangene. - -Während bei diesen beiden Mädchen die Kleidung andeutete, daß sie sich für -den Zweck geputzt hatten, ihre Bewegungen vornehm ruhige waren, stellte -die Königin der Nacht die unverfälschte Natur dar. Als Schmuck nur ihr -langes, vorn etwas aufgethürmtes und im Nacken lose zusammengebundenes -Haar, als Lava-lava hinten eine kleine feine Matte und vorn den kleinen -Blätterschurz, welche eben nur den Mittelkörper bedecken; in ihren -Bewegungen wild und leidenschaftlich, aber immer decent. - -Als die Königin der Nacht auftrat, kam die jüngste Tochter Mulitalo’s, -welche auf der andern Seite ihres neben mir sitzenden Vaters gesessen -hatte, zu mir und raunte mir, jedenfalls im Auftrage ihres Vaters, auf die -Tänzerin deutend mit einigen englischen Worten etwas zu. Also auf dieses -Mädchen, welches unserm ganzen Schiff die Köpfe verdreht hatte, war die -Wahl gefallen. Ich war indeß gut, lehnte nach Beendigung der Festlichkeit -jede weitere Unterhaltung ab und fand in Mulitalo’s Bett erquickenden -Schlaf. Am nächsten Morgen sprach Mulitalo mir seinen warmen Dank aus. - -Gestern Morgen gaben wir den Samoanern noch ein Kriegsspiel nach -europäischer Art und heute Morgen verließ ich Safune wieder. Mit der -Schilderung samoanischer Art und samoanischen Lebens bin ich nun zu Ende. -Meine Absicht war, ein Bild der merkwürdigen Vermischung von Sitte und -Natürlichkeit, althergebrachten Formen und Formlosigkeit, Familienleben -und Freiheit der einzelnen Mitglieder, der Tugenden und Fehler dieser -Naturmenschen zu geben. Ob es mir gelungen ist, muß der Leser ermessen. - - - 21. Mai 1879. - -Gestern endlich ist unser Ablösungsschiff eingetroffen und so werden -wir nun in den nächsten Tagen, sobald ich die Station meinem Nachfolger -übergeben habe, die Heimreise antreten. Von Apia habe ich nicht mehr viel -zu erzählen, Ruhestörungen sind bisjetzt keine vorgekommen und besondere -Erlebnisse habe ich nicht mehr zu verzeichnen. Ich habe allerdings noch -den 800 m hoch liegenden See Lauto besucht, die Partie ist aber nicht -lohnend. Da ich nur einen Tag an dieselbe wenden wollte, so fand ich -anfänglich keinen Führer; schließlich aber erklärte sich ein Halbweißer, -der sich vorzugsweise mit Jagd auf verwilderte Schweine beschäftigt und -von meiner Leistungsfähigkeit im Gehen gehört hatte, bereit, den Versuch -mit mir zu machen. Diesmal schloß sich mir einer unserer Herren an, von -dem ich wußte, daß er gut zu Fuß sei. Wir brachen morgens 6 Uhr auf und -fanden einen sehr mühsamen Weg, da der letzte Orkan vom 8. März mit seiner -Peripherie auch diesen Theil von Upolu gestreift und viele Baumstämme über -einen großen Theil des Weges geworfen hatte. So mußten wir vielfach über -diese vom Thau benäßten Verhaue hinüberklettern, was uns so aufhielt, daß -wir statt um 12, erst um 2 Uhr oben bei dem See anlangten. Derselbe bietet -an sich keine besondern landschaftlichen Reize, der Weg bis dorthin gar -keine, weil er anhaltend unter dichtem Laub hinführt und keine Aussichten -gewährt. Wir hätten aber doch noch rechtzeitig wieder in Apia eintreffen -können, wenn unsere Gepäckträger mit uns gleichen Schritt gehalten -hätten. Die Samoaner sind im Punkte des Marschirens aber keine Tahitier -und trafen erst um 3 Uhr oben ein, sodaß es 4 Uhr geworden war, ehe wir -gegessen hatten. Der Weg war bergab natürlich nicht besser wie bergauf, -und so mußten wir, nachdem wir von 6-7 Uhr wegen der tiefen Dunkelheit -nur langsam vorwärts gekommen waren, schließlich auf der Plantage eines -Engländers, welche wir noch erreichten, um Nachtquartier bitten. Der See -ist sehr viel kleiner als der auf Tahiti, soll 20 m tief sein und bietet -auch nicht annähernd solche Naturschönheiten wie der Waihiria. - - - - -18. - -Die Heimfahrt. - - - Apia, 20. Mai 1879. - -Endlich ist unsere Fregatte „Bismarck“ hier, lange und sehnsuchtsvoll -erwartet. Das heute Nachmittag in Sicht gekommene große Kriegsschiff, -welches dem Hafen unter vollen Segeln zusteuerte, war diesmal kein -Engländer, wie die vor einiger Zeit hier eingelaufene und anfangs von uns -für „Bismarck“ gehaltene Corvette, sondern das von der obersten Spitze -seines Fockmastes zu uns herüberwinkende Signal war ein wirklich deutscher -Gruß und bedeutete „Bismarck“. Das donnernde Hurrah, welches dem Kameraden -bei seinem Einbiegen in den Hafen von unsern in die Takelage aufgeenterten -Mannschaften aus über 200 Kehlen entgegenschallte, kam aus vollem Herzen, -wenn es auch, als Ausdruck unserer Freude über die endliche Erlösung, wol -mehr uns selbst galt. - -Wir hatten schon befürchtet, daß dem Schiff, welches ja bereits zu Mitte -April angemeldet gewesen war, ein Unfall zugestoßen sei, und wenn wir -auch nicht gleich das Schlimmste vermutheten, so konnte doch eine große -Havarie die Veranlassung werden, daß wir noch Monate hier zurückgehalten -würden, und das war keine schöne Aussicht, wenn man schon seit Wochen von -Tag zu Tag gehofft hatte, nach langer Abwesenheit von der Heimat endlich -die Rückreise antreten zu können. - -Daß „Bismarck“ noch vor dem Verlassen des letzten südamerikanischen Hafens -infolge der Vorarbeiten der „Ariadne“ den Auftrag erhalten hatte, die -deutschen Interessen auf den Gesellschafts-Inseln und auf Roratonga durch -Verträge zu sichern, konnten wir nicht ahnen. - -Eine große Sorge hat mir mein Nachfolger auch dadurch abgenommen, daß er -im Stande und bereit ist, meinem Schiff Proviant für etwa sechs Wochen -abzutreten. Durch unsern langen Aufenthalt hierselbst sind unsere Vorräthe -schon nahezu aufgezehrt, und da die von den hiesigen Geschäftshäusern -erwarteten, bereits seit acht Wochen fälligen Proviantschiffe aus -San-Francisco auch noch nicht eingetroffen sind, so hatte ich schon für -den 25. d. M. meine Abreise nach Auckland festgesetzt, um das Schiff dort -neu auszurüsten. So bleibt mir sowol diese Reise wie der große Umweg -über einen australischen Hafen erspart und ich kann direct durch die -Torres-Straße nach Batavia laufen. - -Der heutige Nachmittag und Abend waren natürlich der gegenseitigen -Begrüßung gewidmet, die dienstfreien Offiziere und Mannschaften von beiden -Seiten besuchten das andere Schiff und die nun hinter uns liegenden -Stunden waren solche reiner Festesfreude. Morgen beginnt die Uebergabe -der Station an meinen Nachfolger und in wenigen Tagen wird der große -Augenblick gekommen sein, wo wir unsern Kiel heimwärts richten werden. - - - 28. Mai 1879. - -Gestern Abend war ich mit der Abwickelung meiner Geschäfte fertig, unser -Schiff war seeklar und heute Morgen mit Flaggenparade entfaltete sich von -der Spitze unsers Großmastes aus der 100 m lange Heimatswimpel, welcher -symbolisch bis zur Heimat reichen und den dort der fernen Matrosen -gedenkenden Mädchen Gelegenheit geben soll, durch Ziehen an dem Wimpel -die Heimfahrt beschleunigen zu helfen. Sobald Flagge und Wimpel lustig -in dem leichten Winde flatterten, wurde auch unser Anker aus dem Grund -gebrochen und das Schiff lief, umringt von den den Hafen füllenden Kanus -der Eingeborenen, mit langsamer Fahrt dicht an die „Bismarck“ heran, um -mit den Kameraden noch einen letzten Gruß auszutauschen. Beide Besatzungen -waren in den Takelagen, unsere Musik spielte: „Muß i denn, muß i denn -zum Städtle hinaus“, Hurrahs und Hurrahs erschütterten die Luft, Grüße -hinüber und herüber und sämmtliche Mützen unserer Besatzung flogen in -hohem Bogen als letzter Gruß an die Fremde in den Hafen, wo sie von -den Eingeborenen als gute Beute aufgefischt wurden. Dann dampften wir -unter den Klängen der „Wacht am Rhein“, mit welchen die „Bismarck“ uns -das Geleit gab, in die offene See -- der Heimat zu. Was das Herz des -Menschen in solchen Augenblicken bewegt, vermag nur der zu verstehen, -welcher selbst Aehnliches erlebt hat. 15000 Seemeilen haben wir bis zur -deutschen Nordseeküste noch zu durchmessen -- und doch liegt das heimische -Gestade im Geiste bereits greifbar vor uns. Ein sonniges Land, wo ich -manch schöne und manch trübe, aber vorherrschend ernste Stunden durchlebt -habe, entschwindet allmählich unsern Blicken, für mich wahrscheinlich -auf Nimmerwiedersehen. Die Stadt Apia liegt zur Zeit schon unter unserm -Horizont, die hohen Berge der Samoa-Inseln sind aber noch zu sehen, doch -auch sie werden bald unsern Augen entschwunden sein und Samoa, das ich -in spätern Jahren wol einmal wieder besuchen möchte, wird wie ein Traum -hinter uns liegen. - - - 8. Juni 1879. - -Abwechselnd dampfend und segelnd sind wir bei den Neu-Hebriden angelangt -und durchschneiden jetzt unter Segel diese Gruppe zwischen den beiden -nördlichen Inseln Vanua Lava und Santa-Maria. Ein schöner sonniger Tag -liegt über dem Meere, auf den bewaldeten hohen Inseln und den in der -Nähe des Landes über den Meeresspiegel hervorragenden Klippen; für unsere -Umgebung fehlt mir aber jetzt der Sinn. Meine Gedanken eilen der Gegenwart -voraus, mit fieberhafter Ungeduld warte ich auf den Passat, welchen wir -doch einmal antreffen müssen, und weiter, weiter heißt es, um endlich in -die Windregion zu kommen. - - - 16. Juni abends. - -Da man, solange hier in diesen fernen Gegenden noch keine Leuchtfeuer -errichtet sind, bei Nacht nicht in die Torres-Straße einlaufen kann, -mußte ich heute Abend Segel kürzen lassen, um erst mit Tagesanbruch an -den Eingang der Straße zu kommen. - -Es war eine anregende tolle Fahrt, die der letzten sieben Tage. Nachdem -wir die Neu-Hebriden passirt hatten, bezog sich am 8. abends der -Himmel mit dickem Gewölk, Gewitterböen stürmten während der Nacht von -verschiedenen Seiten kommend über uns hinweg, und am 9. mittags kam -endlich der SO-Wind durch, erst schwach, nahm dann aber gleichmäßig -wachsend an Stärke zu und war am Abend des 10. Juni bereits zu einem -mäßigen Sturm angeschwollen. Nun hieß es, nachdem die Feuer in der -Maschine gelöscht worden waren, die Gelegenheit ausnutzen und Segel -pressen, und es wollte fast scheinen, als ob es dem Schiff selbst -Freude mache, alles zu tragen, was überhaupt anzubringen war, so leicht -durchschnitt es unter der übermäßigen Bürde die hochgehenden schäumenden -Wogen. Immer und immer wieder wurde ihm noch ein Segel aufgequält, wie -der scherzhafte Ausdruck dafür ist, wenn einem bereits unter vollem -Segelpreß liegenden Schiffe bei starkem Winde vorsichtig mit allen -Kniffen der Seemannskunst, damit es nicht zerreißt, noch ein Segel mehr -gegeben wird. Stand das neue Segel erst, dann sah man die Freude darüber -von allen Gesichtern im Schiff widerstrahlen. Müde Gesichter gab es -überhaupt nicht mehr, wenn die Matrosen in ihrer Ruhe gestört wurden, -um die Fahrt des Schiffes erhöhen zu helfen; ich glaube sogar, daß die -Leute es vorher ahnten, wenn ich Segel mehren wollte, denn ehe ich eine -derartige Anordnung gab, standen sie schon erwartungsvoll bereit, die -Befehle schnell auszuführen. Und wurde es aus bestimmten Gründen, wie ich -nachher auseinandersetzen werde, nöthig, für die Nacht Segel zu kürzen, -dann lauerten sie morgens schon vor Tagesanbruch auf mein Erscheinen, um -der „Ariadne“ die theilweise gefesselten Schwingen wieder zu lösen. Es -war aber auch eine Freude, die scheinbar wie aus einem Guß hergestellte -Takelage zu sehen, mit dem Körper den wiegenden Bewegungen des Schiffes -zu begegnen, dessen eiligen Lauf durch die hohen, sich überstürzenden -Wogen zu verfolgen und dabei die Segel, Hölzer und Taue zu prüfen, ob -sie dem Winddruck genügend widerstehen und wo ihnen etwa eine weitere -Stütze gegeben werden muß. Bei solchen Gelegenheiten lernt man die in den -Leesegeln liegende Poesie verstehen, wenn man nicht vorher schon Kenner -war. Mit Ausnahme der beiden letzten Nächte, wo wir nur acht bis neun -Knoten liefen, machten wir Tag und Nacht zwischen zwölf und vierzehn -Seemeilen in der Stunde, eine gute Leistung für ein Segelschiff. - -Am 13. mittags passirten wir den Meridian von Rossel-Island, der -östlichsten der Louisiaden-Inseln, und traten damit in die Korallensee -ein. Je weiter wir hier vordrangen, und das ging bei unserer flotten Fahrt -sehr schnell, desto höher und steiler wurde die See in dem verhältnißmäßig -engen Wasserbecken, die Bewegungen des Schiffes nahmen dadurch an -Heftigkeit sehr zu und verdoppelte Aufmerksamkeit auf die Takelage war -nothwendig. Aber nicht dies veranlaßte mich, dem Schiff hier für die Nacht -bequeme Segelführung geben zu lassen, sondern die bekannte Thatsache, -daß dieses bisjetzt so selten befahrene Meer noch nicht ausreichend -erforscht ist und man nicht weiß, ob die vielen hier bereits entdeckten -Korallen-Inseln, -Bänke und -Riffe schon alle unterseeischen Gefahren -in sich schließen; im Gegentheil ist anzunehmen, daß noch manche Klippe -ihrer Entdeckung harrt. Da nun bei dem sturmartigen Winde die Kämme -der hohen Wellen fast alle überbrechen und das Auge bei dunkler Nacht -wirkliche Brandung von diesem Wogenschaum auf größere Entfernungen nicht -zu unterscheiden vermag, auch das Getöse des Windes und das Rauschen -des Wassers die Luft derart erfüllen, daß das dumpfe Rollen der Brandung -gegen den Wind an nicht gehört werden kann, so gebot die Vorsicht, alles -zu thun, um einer etwa auftretenden Gefahr begegnen zu können, und dazu -gehörte in erster Reihe, dem Schiff nur so viel Segel zu belassen, wie es -in jeder Stellung zum Winde tragen konnte. Es mußte schnell, ohne vorher -Segel bergen zu brauchen, den Curs ändern können; die am Tage geführten -Segel konnte es aber bei einem plötzlichen Aufdrehen gegen den Wind nicht -tragen, es würden vielmehr in solchem Falle die ganze Takelage und damit -wahrscheinlich auch das Schiff verloren gewesen sein, wenn dieses unter -vollen Segeln plötzlich vor einer Untiefe gestanden hätte, wo es ohne -Zeitverlust und ohne Rücksicht auf alle etwa daraus entspringenden Folgen, -um dem sichern Verderben auszuweichen, noch den Versuch der Cursänderung -hätte wagen müssen. - - - An der Nordküste von Java, 4. Juli 1879. - -Am 17. v. M. morgens 3 Uhr wurde das flache Wasser vor der Torres-Straße -angelothet, worauf ich wieder alle Segel beisetzen ließ. Gegen 9 Uhr -vormittags kam Bramble-Cay, eine kleine von Felsen umgebene und mit -spärlichem Graswuchs überzogene etwa 3 m hohe Sanddüne, welche als Marke -für die Einfahrt in den Großen Nordost-Kanal der Straße benutzt wird, in -Sicht und kurze Zeit darauf liefen wir bei steifem Wind in denselben ein. - -Nach den unruhigen Bewegungen des Schiffes während der letzten Woche wurde -es eine große Wohlthat für uns, nun auf einmal wieder gewissermaßen auf -festem Boden zu stehen. Die ungefähr 140 Seemeilen lange und nahezu ebenso -breite Straße, in welcher bisjetzt nur erst zwei Passagen ausgelothet -und bekannt sind, die eine und zwar die am meisten befahrene dicht unter -der Nordküste Australiens, die andere, „Großer Nordost-Kanal“ genannt, -ziemlich in der Mitte zwischen den Küsten von Neu-Guinea und Australien, -ist derart von Land und ringartig von Korallenriffen, hinter welchen -wieder Hunderte von kleinen Inseln und Korallenbänken liegen, umschlossen, -daß das nur 20-40 m tiefe Wasser in dem größten Theil und zwar auf eine -Strecke von nahezu 100 Seemeilen von dem Wind kaum oder nur unbedeutend -aufgewühlt werden kann. Das hellgrüne, ins Weißliche schimmernde Wasser -war zwar über und über mit Schaumköpfen bedeckt, eigentlicher Seegang -konnte aber nicht aufkommen. Die Breite des Nordost-Kanals wechselt -zwischen 2 und 20 Seemeilen; kleine Inseln, deren man über 30 zählen -kann und von welchen die meisten bewaldet sind, sowie kahle Sandbänke und -Korallenriffe liegen zu beiden Seiten der Wasserstraße. Von Eingeborenen -haben wir, obgleich mehrere der Inseln bewohnt sein sollen und wir -stellenweise bis auf Steinwurfweite an dieselben herankamen, nichts -gesehen. - -Am Abend des 17. Juni mit Sonnenuntergang mußten wir ankern, da die Fahrt -bei Nacht hier, ohne das Schiff zu gefährden, nicht möglich ist. Wir -legten uns hinter die Rennel-Insel, welche sich ungefähr in der Mitte des -Kanals befindet. - -Das erste Tagesgrauen am nächsten Morgen sah uns wieder unter Segel, -obgleich ein solcher Sturm wehte, daß ein hinter einer andern Insel -liegendes großes Kauffahrteischiff es wol wegen seiner schwachen -Besatzung nicht wagte, die vor uns liegende Strecke abzukreuzen. Diese -Windverhältnisse verschafften uns aber einen interessanten Tag, denn wir -mußten, um vorwärts zu kommen, so viel Segel führen, daß ich wiederholt -für unsere Raaen fürchtete, und solches Segeln regt die Nerven an. -Ueberdies wurde durch den starken Wind die Hitze so gemildert, daß man -bei der vorwiegend kahlen und farblosen Umgebung -- helles Wasser und -gelbe Sand- oder Korallenbänke -- kaum die Empfindung hatte, in der -heißesten Breite unsers Erdballs zu sein. Nachmittags verließen wir den -Nordost-Kanal, liefen in ein großes Wasserbecken ein, wo schon wieder -ziemlich hohe See stand, und setzten den Curs auf die kleine etwas -über 200 m hohe Mount-Ernest-Insel, hinter welcher ich für die Nacht -ankern wollte. Beim Einlaufen in die von dem Ufer der Insel gebildete -Bucht meldete unser Posten in der Vorbramsaling, daß auf einem hinter -Bäumen gelegenen großen, weiß angestrichenen Hause eine Flagge wehe, -und kurze Zeit darauf, daß die Flagge wieder eingezogen sei. In dem -Dorf, welches sich dann vor unsern Blicken am Strande ausbreitete, ließ -sich, trotzdem mehrere Kanus und auch ein größeres europäisches Boot -auf dem Lande aufgeschleppt lagen, keine Menschenseele sehen. Das Ganze -war verdächtig und wir hatten hier wahrscheinlich eine unter dem Befehl -eines Weißen stehende Seeräuberbande, deren es in diesen weit abgelegenen -Gewässern noch manche geben soll, vor uns. Die aufgezogene Flagge -sollte uns jedenfalls anlocken, sobald man aber in uns ein Kriegsschiff -erkannte, wurde die Flagge wieder beseitigt und die sämmtlichen Bewohner -flüchteten wol in das unwirthliche Innere. Die schnell eintretende -Dunkelheit verhinderte eine Recognoscirung noch an demselben Abend -und am nächsten Morgen mußte der Versuch zu einer solchen aufgegeben -werden, weil es gerade Ebbe und so niedriges Wasser war, daß es ohne -größere Vorbereitungen, Herbeischaffung von Bretern, um auf diesen über -die scharfzackigen Korallen und tiefen Wasserlachen an Land zu kommen, -unmöglich war, auch nur wenige Schritte auf der von dem Ufer weit in die -See vorspringenden Korallenbank vorzudringen. Bei näherer Ueberlegung -mußte ich mir auch sagen, daß wenn die Leute sich wirklich in einem -Schlupfwinkel versteckt hatten, ich mindestens mehrerer Tage zu ihrer -Auffindung bedürfe, und zu solcher Zeitvergeudung fehlte mir auf eine -bloße Vermuthung hin die Berechtigung, da ich die Rückreise mit allen mir -zu Gebote stehenden Mitteln beschleunigen mußte, weil das Schiff gleich -nach unserer Rückkehr mit anderer Besatzung eine neue Reise antreten -sollte. So gab ich den Landungsversuch auf und setzte eine halbe Stunde -später die Reise weiter fort. - -Nachmittags 3 Uhr liefen wir in den nur eine Seemeile breiten Prince -of Wales-Kanal ein, welcher im Norden, also zu unserer Rechten, von -weit ausgedehnten mächtigen Korallenbänken, im Süden von hohen Inseln, -Wednesday-, Thursday-, Friday-, Horn- und Goode-Island, sowie der großen -Prince of Wales-Insel begrenzt wird, und kurz nach 4 Uhr steuerten wir -mit der stolzen Fahrt von 12 Knoten zwischen den nördlich von Goode-Island -gelegenen Riffen hindurch aus dem Stillen Ocean in die Arafura-See. - -Abends 7 Uhr passirten wir die kleine Booby-Insel, welche dadurch -interessant ist, daß sie seit vielen Jahren als Herberge für -Schiffbrüchige dient und für die vorbeipassirenden Schiffe als -selbstthätig arbeitendes Postamt wirkt. Wie die Engländer seit fast -einem Jahrhundert in allen die Seefahrt betreffenden Fragen die Führung -in Händen hatten und, stets auf das Wohl und Wehe der Seefahrer bedacht, -aller Orten nach Möglichkeit dafür sorgten, diesen ihren schweren Beruf zu -erleichtern und ihnen jedmögliches Hülfsmittel zur Verfügung zu stellen, -so erkannte der Commandant des englischen Kriegsschiffes „Bramble“ im -Jahre 1845, daß die unbewohnte, von dem nächsten bewohnten Lande über -zwölf Seemeilen weit abliegende und von den Eingeborenen nie besuchte, -wahrscheinlich auch gar nicht gekannte kleine Booby-Insel sowol ein -vorzüglich gelegener Rückzugsplatz für schiffbrüchige Seeleute sei, -wie auch dazu dienen könne, vorbeipassirenden Schiffen die Gelegenheit -zu geben, von hier aus Briefe oder wichtige Nachrichten befördern zu -lassen. Er hinterlegte daher in einer Höhle am Strande größere Mengen -von Dauerproviant und errichtete einen Kasten mit der Aufschrift -„Post-Office“, in welchem er auch ein Buch und Bleistifte zur Eintragung -von Nachrichten zurückließ. Die englische Admiralität ließ dann auf -den Karten bei der Insel die Bezeichnung „Post-Office“ hinzusetzen und -seit der Zeit schicken die Schiffe, welche bei guter Tageszeit hier -vorbeilaufen, ein Boot an Land, um unter den angesammelten Briefen und -Nachrichten das, was sie weiterbefördern können, auszuwählen und die etwa -inzwischen zusammengeschmolzenen Vorräthe wieder zu ergänzen. - -Von Booby-Island aus wählte ich durch die Arafura-See einen Curs, auf -welchem in der Karte noch keine Tiefenangaben stehen, und ließ alle vier -Stunden das Loth werfen, um dadurch auch etwas zur Vervollständigung der -Kenntniß dieses Meeres beizutragen. - -Am 27. Juni sahen wir Timor, dessen SW-Spitze wir um Mittag passirten. -Am 28. abends kam Sumba in Sicht, an welcher Insel wir während des -29. vorbeisegelten. Am 30. waren wir dicht unter der hohen Küste von -Sombawa und am 1. d. M. nachmittags liefen wir in die zwischen den -Inseln Lombock und Bali liegende Lombock-Straße ein, wo wir so starke -Stromschnellen antrafen, verbunden mit hoher durcheinanderlaufender -und sich überstürzender See, daß das große Schiff, obgleich wir unter -Segel 7½ Knoten liefen, zuweilen weit aus seinem Curs geworfen wurde. -Ich nahm daher die Maschinenkraft noch mit zu Hülfe und brachte unsere -Geschwindigkeit auf 12 Knoten, um das Schiff besser im Steuer zu -behalten und möglichst schnell aus dieser wegen ihrer Stromverhältnisse -berüchtigten Straße hinauszukommen. Noch am Abend desselben Tages liefen -wir in die Java-See ein und steuern seitdem an der Nordküste Javas entlang -Batavia zu, wo ich morgen Vormittag einzutreffen hoffe, nachdem wir der -günstigen Wetterverhältnisse wegen den heutigen Tag zur Abhaltung einer -gefechtsmäßigen Schießübung benutzt haben. - - - Im Indischen Ocean, 16. Juli. - -Jetzt, wo wir der Heimat wieder ein gutes Stück näher gerückt sind und -mit vollen Segeln der afrikanischen Küste zueilen, will ich in Kürze die -letzte Zeit hier zusammenfassen, denn viel von Batavia zu erzählen vermag -ich nicht, da berufenere Federn hierüber schon so erschöpfend berichtet -haben, daß ich schwerlich etwas Neues bringen könnte. - -Am 5. Juli vormittags langten wir auf der Rhede von Batavia an, wo man -vor dem Mastenwald der dort liegenden Schiffe kaum etwas anderes sieht, -weil die niedrige sumpfige Küste so wenig Anziehendes bietet, daß man -den Anblick des regen Verkehrs auf dem Wasser demjenigen auf dem Lande -vorzieht. Unser Consul, ein Herr S., welcher mir sehr bald seinen Besuch -machte, nahm mich gleich als seinen Gast mit an Land und wir fuhren in -seinem Wagen nach der weiter im Innern hoch und gesund gelegenen Stadt -Batavia. Die in großen Gärten liegenden palastartigen Gebäude, die -breiten Straßen und schönen großen Plätze, die Fülle von hohen mächtigen -Bäumen und Pflanzen aller Art, die Verschwendung an Marmor, welcher -vielfach als Baumaterial benutzt ist, die vielen eleganten Equipagen, die -kostbaren Toiletten der Damen und die buntfarbige Tracht der männlichen -Eingeborenen, welche, da für jede Handleistung ein besonderer Diener -vorhanden ist, in den Häusern scharenweise als solche auftreten, versehen -den Fremdling in ein wahres Märchenland. - -Herr S. unterhält, trotzdem er als Junggeselle allein lebt, der dortigen -Sitte gemäß einen nach unsern Begriffen fürstlichen Haushalt. Ich habe -acht Diener gesehen und glaube, daß in dem großen Häusercomplex noch -einmal so viele, welche für mich unsichtbar geblieben sind, und zwar -theilweise mit ihren Familien wirkten. Als Wohnung war mir ein ganzer -Seitenpavillon mit Ausgang in einen herrlichen Garten zugewiesen, und zu -meiner persönlichen Bedienung hatte ich allein zwei Diener, welche, mich -auf Schritt und Tritt mit ihren Augen verfolgend, jederzeit zur Stelle -waren, wenn ich irgend einer Dienstleistung bedurfte. - -Eine ähnliche Gastfreundschaft fanden auch unsere übrigen Offiziere bei -andern deutschen Herren. - -Ein von dem Consul unserm Schiff zu Ehren gegebenes Fest versammelte die -ganze deutsche Colonie in den gastlichen Räumen, wo auch der Gecko ohne -Scheu vor uns seinen eigenthümlichen Ruf hören ließ und an den Wänden -und der Decke des Saals nach schädlichen Insekten etc. jagte, während wir -tafelten. - -Daß Herr S. mit mir auch einen Ausflug nach Buitenzorg, der Residenz des -holländischen Generalgouverneurs und beliebter Erfrischungsaufenthalt -der europäischen Familien machte, versteht sich eigentlich von selbst. -Wir fuhren nachmittags mit der Eisenbahn dorthin, wobei mir als das -Merkwürdigste am Wege die hier wachsenden lebenden Telegraphenstangen -gezeigt wurden. Da man der Termiten und anderer unnützer Insekten wegen -keine Stangen aus todtem Holz verwenden konnte, wählte man hierzu lebende -Bäume, nachdem man eine hierfür geeignete Art gefunden zu haben glaubte. -Diese Bäume haben aber doch ein so unerwartet rasches Wachsthum gezeigt, -die Glocken für die Drähte sind schon so hoch gewandert, daß die letztern -jetzt zu kurz werden, reißen und somit fortgesetzter Reparaturen bedürfen. - -In Buitenzorg fand ich einen luxuriösen Platz, schöne Häuser, große -Parkanlagen und Gärten, elegante Hotels und unter den vielen fröhlichen -Menschen auch manchen siechen Soldaten, da die im Colonialdienst -erkrankten Mannschaften von dem Staat zu ihrer Erholung dorthin geschickt -werden. Zwischen den vorwiegend europäischen Häusern liegen auch einige -javanische, in denen eingeborene Fürsten mit ihrem Hofstaat leben und -in deren einem am Abend meiner Anwesenheit in Buitenzorg ein als Musik -bezeichneter fürchterlicher Lärm bis spät in die Nacht hinein verübt -wurde. - -Am nächsten Morgen mit Tagesanbruch bestiegen wir einen kleinen -zweisitzigen, mit vier kleinen Pferden bespannten Wagen, um weiter -in die Berge zu fahren und einen berühmten Badeplatz zu besuchen. Der -Kutscher des Gefährts hatte merkwürdigerweise nur die beiden Stangenpferde -im Zügel, die beiden vordern Thiere waren ohne jede Lenkvorrichtung -eingeschirrt. Zwei eingeborene Läufer mit kurzer Peitsche in der Hand -standen, ebenso wie bei den städtischen Wagen, auf dem hinten angebrachten -Fußbret, mit einer Hand sich am Wagen festhaltend und mit nach außen -geneigtem Oberkörper die vor uns liegende Straße beobachtend. Die -Hauptaufgabe dieser Läufer scheint die zu sein, die vordern Pferde zu -lenken, weil auf den guten Straßen keine Hindernisse eintreten, welche -ihre Thätigkeit sonst in Anspruch nehmen könnten. Sobald wir im Wagen -saßen, nahmen auf Zuruf des Kutschers die feurigen Thiere einen fliegenden -Trab auf und behielten diese Gangart scheinbar ohne Anstrengung auch auf -der bald ziemlich steil ansteigenden Straße dauernd bei. Staunenswerther -als dies war es aber, wenn bei Wegebiegungen oder Straßenkreuzungen -unsere beiden Läufer von dem Fußbret absprangen, den schnellen Lauf -der Thiere überholend an uns vorbeiflogen, die vorgespannten Pferde, -sie am Gebiß fassend, auf den richtigen Weg leiteten und dann wieder -leicht auf das Fußbret sprangen, ohne durch schneller gehenden Athem zu -verrathen, daß der Lauf ihnen eine Anstrengung verursacht hätte. Und als -noch staunenswerther möchte ich es bezeichnen, als bei einer javanischen -Hütte ein kleines, kaum 7 Jahre altes Mädchen uns folgte und mit ihren -bloßen Füßchen neben dem Wagen herlaufend, gleichen Schritt mit uns hielt -und lachenden Gesichts ihr guán, guán (Herr, Herr) rief, um eine Gabe -zu erbetteln. Manche mich interessirende Gestalt begegnete uns, stolze -Javanesen oder Sundanesen, welche eigentlich nur ihre Waffen spazieren -trugen; mit dem Hüfttuch bekleidete, sonst nackte Tagelöhner, welche -kunstvoll gebundene Fruchtpyramiden zu Markte in die Stadt trugen und von -denen mehr wie einer sich von seiner ärmlich gekleideten Frau begleiten -ließ, um bei dieser Gelegenheit die in ihren Ohrläppchen sitzenden, oft -einen Werth von nahezu 1000 Gulden darstellenden Brillanten zur Schau zu -stellen. Der geradezu krankhafte Trieb des Javanesen nach dem Besitz von -Diamanten soll ihn allein dazu bringen, auf den Plantagen der Europäer so -lange zu arbeiten, bis er sich diesen Wunsch erfüllen kann, worauf er sich -dann an dem Besitz in der Weise erfreut, daß er die Steine seiner Frau -anhängt, wodurch er sie immer vor Augen hat. Auch durch Dörfer, malerisch -zwischen üppigem Laub gelegene Niederlassungen, kamen wir, wo die Frauen -der wohlhabendern Klasse in den saubern offenen Hütten am Webstuhl saßen, -denn sie weben den Hausbedarf an Stoffen sich selbst. - -An unserm eigentlichen Ziele angelangt, fanden wir einen dunkeln, -geheimnißvollen, kühlen Hain, in welchem unter hohen Bäumen ein großes -gemauertes Becken liegt, das von einer frischen Waldquelle gespeist wird. -Eine Hütte zum Aus- und Ankleiden befindet sich an dem Rande des Beckens, -eine steile steinerne, mit Moos überzogene Treppe führt zum Wasserspiegel, -wo man unter den rauschenden Kronen altehrwürdiger Bäume im Waldesdunkel -und umgeben von Waldesstille ein erfrischendes, fast kaltes Schwimmbad -findet. Als wir beim Verlassen des Bades einigen Eingeborenen begegneten, -forderte Herr S. dieselben auf, einige Skorpione zu fangen, um mir zu -zeigen, wie reich der Boden hier an diesem giftigen Gewürm sei. Nur -einige größere Steine brauchten die Leute aus dem feuchten schlüpfrigen -Boden herauszuheben und sie hatten schon eine kleine Schale mit diesen -kampfesmuthigen Thieren, welche sofort gegenseitig übereinander herfielen, -angefüllt. - -Nach Buitenzorg zurückgekehrt fand ich noch Gelegenheit, von einem -herumziehenden Händler in unserm Gasthaus einige schöne alte sundanesische -kurze Schwerter zu erwerben, dann frühstückten wir und zur Essenszeit -waren wir wieder in Batavia. - -Am 10. Juli mittags verließen wir den javanischen Strand wieder, liefen -während der Nacht durch die Sunda-Straße, aus welcher wir am 11. morgens -4 Uhr in den Indischen Ocean einsteuerten. Ich suchte nun zunächst 9° -Südbreite auf, um auf dieser die Reise zu machen, steuerte aber, als am -12. abends der Passatwind immer noch nicht durchgekommen war, südlich bis -auf 10½° Südbreite, wo ich am 13. nachmittags den gewünschten Wind antraf, -auf dessen Schwingen wir nun mit einer Durchschnittsfahrt von 10 Knoten, -welche zuweilen bis auf 13 steigt, nach Aden eilen. - - - Im Golf von Aden, 10. August 1879. - -Erhaben ernst schaut die todte rothbraune Nordküste des Somalilandes -auf uns hernieder, und ernst sind wol die Gedanken der meisten von uns. -Sind wir doch nicht mehr fern von Aden, wo wir nach fünf Monaten wieder -die ersten Briefe und jedenfalls solche neuern Datums erhalten werden. -Wenn dieselben uns hoffentlich auch nur frohe Botschaft bringen, so ist -doch auch das Gegentheil nicht ausgeschlossen; hat doch wol schon jeder -von uns bei ähnlicher Gelegenheit vor den Thoren der Heimat Tiefernstes -selbst erfahren oder an andern miterlebt. Auch die uns umgebende Scenerie -wirkt in ihrer großartigen Ruhe und wunderbaren Farbenzusammenstellung -ganz eigenartig auf das Gemüth. Früh ist es noch am Tage, niedrig steht -die Sonne, deren heiße Strahlen das Land noch nicht in ein flimmerndes -Dunstkleid hüllen. Selten klar ist die Luft, durchsichtig blau der Aether, -tiefblau das Meer und rothbraun das Gebirgsland, auf dessen weitem Gelände -wir nur eine einzige arabische Wohnstätte entdecken können, welche, -festungsartig von Mauern umgeben, uns in ihrem blendenden weißen Anstrich -wie ein Edelstein aus der todten Umgebung entgegenleuchtet. Kein Hauch -bewegt die Luft und das Meer, kein Leben hier und dort, kein Baum, kein -Strauch am Lande, kein Schiff, kein Vogel auf dem Wasser, Stille rings um -uns her, soweit das Auge schaut. - -Als wir am 6. August nach unsern Berechnungen so nahe an die afrikanische -Küste gekommen waren, daß wir bald den von Süden, vom Cap der Guten -Hoffnung kommenden kalten Nordstrom treffen mußten, machte ich den -Versuch, uns von der Annäherung an die afrikanische Küste in der Weise -durch den Thermometer zu überzeugen, daß wir durch Messung der Temperatur -des Wassers den Eintritt in die Stromgrenze festzustellen suchten. -Die Küste bei Ras-Hafun ist gefährlich und hat schon manches Schiff -verschlungen, weil sie am Tage in der Regel in Dunst oder leichten Nebel -gehüllt nur auf 3-4 Seemeilen Entfernung zu sehen ist, das Loth bei -den großen Wassertiefen nur in allernächster Nähe der Küste wirklich -von Nutzen ist und die Meeresströmungen hier so unregelmäßige sind, -daß sie die Sicherheit der Ortsbestimmung des Schiffes in hohem Grade -beeinträchtigen. Weiß man aber erst, daß man sich überhaupt schon in -der Nähe der Küste befindet, dann kann man mit einiger Vorsicht jede -Gefahr ziemlich sicher vermeiden. Die Segelanweisungen deuten allerdings -nicht an, daß man den kalten Strom zu dem angegebenen Zweck benutzen -kann, weshalb ich nur geringes Vertrauen zu dem Versuch hatte, um so -überraschender war der Erfolg. - -Im Laufe des Tages, des 7., fiel die Wassertemperatur von 26° C. bis -auf 24,5°, der kalte Strom machte sich also schon bemerklich; am 8. aber -fiel sie weiter bis auf 16,7°, wahrlich ein kaum glaublicher Wärmegrad -auf 10° Nordbreite, nachdem das Wasser bereits von 34° Süd an fast den -ganzen Tropengürtel, jedenfalls an 2000 Seemeilen innerhalb der Tropen, -durchlaufen hatte. Sobald wir in der Mitte der breiten Meeresströmung -angekommen waren, hätten wir allerdings der Messung der Wasserwärme -nicht mehr bedurft, denn die Abkühlung der Luft war hier eine derartige, -daß wir warme Kleider anlegen mußten und ich der Mannschaft während -der Nacht heißen Kaffee geben ließ, um sie vor Erkrankung zu schützen. -Welchen Temperaturschwankungen wir ausgesetzt waren, wird am besten der -Thermometer ergeben. - -Am 8. d. M. 4 Uhr morgens hatten wir in der Luft 24,9° C. = 19,9° R. - 8 " vormittags 24,8 " 19,8 " - 10 " " 24,0 " 19,2 " - 12 " mittags 21,7 " 17,4 " - 4 " nachmittags 20,4 " 16,3 " - 8 " abends 19,7 " 15,8 " - 12 " Mitternacht 18,5 " 14,8 " - -Am 9. d. M. 4 " morgens 21,5 " 17,2 " - 8 " vormittags 26,0 " 20,8 " - 12 " mittags 32,1 " 25,7 " - 12 " Mitternacht 29,5 " 23,6 " - -Mit welcher Wucht der kalte Strom sich zeitweise seinen Weg nach Norden -bahnt, konnten wir auch an seiner Geschwindigkeit erkennen, denn am -8. d. M. in der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags stellten -wir vermittelst durchaus zuverlässiger Beobachtungen an der Sonne fest, -daß wir durch ihn in diesen 6 Stunden 30 Seemeilen oder über 56 km allein -nach Osten versetzt worden waren, sodaß seine Geschwindigkeit mindestens -9,5 km in der Stunde, wahrscheinlich aber, da wir keine Gelegenheit -fanden, die Versetzung nach Norden mit zu bestimmen, bis zu 12 km oder -6-7 Seemeilen stündlich betragen hat. - -Während nun der Einfluß des kalten Stroms zweifellos die Veranlassung -ist, daß am Tage leichte Nebel sich auf die heiße Küste legen, bewirkt er -in den ersten Nachtstunden einen so starken Thaufall, daß dieser nur mit -leichtem Regen verglichen werden kann, der späterhin die Luft klar und -sichtig macht. So haben wir es auch dem Nebel und Gegenstrom jedenfalls -zuzuschreiben, daß wir die afrikanische Küste nicht schon am 8., wie ich -sicher erwartet hatte, in Sicht bekamen. Als dann am Abend dieses Tages -aber der starke Thaufall eintrat, wurde es mir gleich klar, daß ich die -Nacht zum Ansteuern des Landes benutzen müsse und segelte dann auch unter -Zuhülfenahme des Loths direct auf die Küste los. Meinen Nachtschlaf mußte -ich nun allerdings wieder einmal opfern, doch dies war nicht zu ändern. - -Gegen Mitternacht wird die Luft durchsichtig klar, die Nacht so hell, -wie sie es unter dem alleinigen Einfluß der blitzenden Sterne zu werden -vermag, und eiligen Laufes mit geblähten Segeln durchschneidet das Schiff -rauschend die Meereswogen. Lautlos, mit geschärften Sinnen aufmerksam -nach vorn schauend, stehen die in warme Winterkleider gehüllten Menschen -auf ihren Posten, um mit den Augen das ersehnte Land zu erspähen oder mit -dem Gehör die Brandung zu erlauschen. Von Stunde zu Stunde wird das Loth -geworfen, welches um 1½ Uhr nach Mitternacht zum ersten mal den Grund -erreicht und eine Tiefe von 95 m angibt. - -Unsere Geduld wird auf eine harte Probe gestellt, erst um 3 Uhr morgens, -aber dann auch urplötzlich, von allen zugleich gesehen, steht das -hohe Bergland scharf gezeichnet und massig vor uns, die Küste zwischen -Ras-Hafun und Cap Guardafui. Nach der Wassertiefe müssen wir 15 Seemeilen -vom Lande ab sein, und von diesem als richtig angenommenen Standpunkte aus -wird der Curs nach dem Cap Guardafui gesetzt, welches um 5½ Uhr in Sicht -kommt. Um 7 Uhr passiren wir dasselbe und jetzt konnte ich auch daran -denken, etwas der Ruhe zu pflegen, doch nur für kurze Zeit, denn um 8 Uhr -schon wurde ich mit der Meldung geweckt, daß Windstille eingetreten sei, -und ich mußte wieder an Deck das Wetter prüfen, ehe ich den Befehl zum -Dampfmachen geben konnte. - - - Im Mittelmeer, 3. September 1879. - -Im Mittelmeer! Seit über drei Monaten eilen und hasten wir vorwärts, um -das Endziel unserer zweijährigen Reise zu erreichen, das Ziel, welches -nun schon so nahe vor uns liegt. Nirgends hatten wir Zeit, keine andere -Aufgabe war uns mehr gestellt, als die, nach Hause zurückzukehren, und -ihr, also der Seefahrt allein, galt neben der Erhaltung der Mannschaft in -kriegstüchtiger Ausbildung und des Schiffes in kriegsbrauchbarem Zustande, -unsere ganze Thätigkeit. - -Am 11. August mittags ankerten wir vor Aden, welches wir schon am -12. nachmittags 4 Uhr wieder verließen, nachdem wir Kohlen, Proviant -und Wasser eingenommen hatten. Dort fanden wir zu unserer freudigen -Ueberraschung auch unser Kanonenboot „Nautilus“, welches sich auf der -Reise nach den Samoa-Inseln befindet, zu Anker liegend vor. Die Freude -wurde allerdings bald getrübt, als wir hörten, daß sein Commandant während -der Fahrt durch das Rothe Meer gestorben war. Die Post brachte uns nur -gute Nachrichten. - -An Kriegsschiffen lag noch ein englisches Kanonenboot im Hafen, welches -aus dem Rothen Meere hierher geflüchtet war, nachdem es durch Hitzschlag -1 Offizier und 3 Matrosen verloren hatte. Auch ein französisches -Truppentransportschiff war 24 Stunden vor uns hier angekommen, dessen -Commandant mich bei unserm Zusammentreffen gleich fragte, ob ich bei -Ras-Hafun auch so starken Strom angetroffen hätte, denn er sei in der -Zeit von 9 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags 32 Seemeilen nach Osten -versetzt worden. Es war mir eine gewisse Beruhigung, die Richtigkeit -unserer Beobachtungen hierdurch bestätigt zu finden, denn wenn ich -dieselben auch als zuverlässig betrachten mußte, so wollte mir das -gefundene Resultat doch kaum glaubhaft erscheinen. - -Den Vorschlag des commandirenden Offiziers vom „Nautilus“, die von ihnen -aus Suez zur Bedienung der Feuer mitgebrachten Neger auch als Heizer für -die Fahrt durch das Rothe Meer zu benutzen, lehnte ich ab, als er mir -die allgemeine Ansicht über die geringe Leistungsfähigkeit dieser trägen -Menschen bestätigen mußte. Ich konnte mich ja auch auf unser braves -Maschinenpersonal verlassen und fand später die für die Fahrt durch das -Rothe Meer getroffenen besondern Vorsichtsmaßregeln so ausreichend, daß -wir sogar alle Kessel in Betrieb nehmen und mit Volldampf fahren konnten. - -Ich habe die wenigen freien Stunden, welche mir in Aden blieben, natürlich -auch dazu benutzt, den Platz oberflächlich zu besichtigen. Schön ist er -nicht, aber sehenswerth. Ebenso aus fremdem Lande herausgebrochen wie -Gibraltar, hat Aden auch sonst viel Aehnlichkeit mit diesem. Von ziemlich -gleicher räumlicher Ausdehnung wie jenes spanische Cap, wird diese -südlichste Spitze Arabiens ebenfalls durch hohe, hier hauptsächlich aus -Kalkstein bestehenden Felsen gebildet, welche mit ihren steilen unwegsamen -Wänden gewissermaßen aus der Ebene, in welcher sie stehen, herauswachsen. -Die eigentliche Stadt ist von der Hafenstadt etwa 7 km entfernt, der Weg -dahin liegt in der Ebene und windet sich zwischen den Felsen hindurch, -deren Wände durch die vielen in ihnen befindlichen Löcher, in denen Affen -wohnen und Vögel nisten, charakteristisch sind. - -Die Stadt liegt in einer kleinen, nach der Landseite von -Felsen umschlossenen, nach der Seeseite hin offenen Ebene. Ihre -Hauptmerkwürdigkeit und Sehenswürdigkeit sind die großartigen -Wasserwerke, welche aus großen Cisternen bestehen, die nebeneinander -und terrassenförmig übereinander liegend, in den Fels gehauen und -ausgemauert, das von den höher gelegenen Felswänden ablaufende Regenwasser -auffangen. Welche Ausdehnung diese Anlage hat, geht vielleicht am besten -aus der Angabe hervor, daß nur die Wiederherstellung dieser vor noch -nicht langer Zeit erst entdeckten alten Bauwerke einen Kostenaufwand -von 600000 Mark erfordert hat. Vordem waren die Einwohner von Aden, da -Quell- oder Brunnenwasser nicht vorhanden ist, allein auf destillirtes -Meerwasser angewiesen. Ein großer freier Platz bei der Stadt dient -Marktzwecken und nimmt die ankommenden Karavanen auf. Er bietet trotz -der weit vorgeschrittenen Tagesstunde ein geschäftiges, bewegtes Bild, -aus welchem mich die auf der Erde kauernden, in langer gerader Linie -schön ausgerichteten Kamele besonders interessiren, hauptsächlich wol, -weil ich zufällig vor wenigen Tagen in Brehm’s „Thierleben“ das Kapitel -über diese Thiere gelesen hatte. Sie gehören jedenfalls sämmtlich einer -Karavane an, welche erst vor kurzem eingetroffen sein muß, weil vor jedem -Thier unter seinem Kopfe ein unberührtes Bündel Futter liegt und die -Treiber noch mit den Waaren oder sonstwie beschäftigt sind. Daß diese dort -kauernden, geduldig wartenden Thiere so gefräßig, bösartig und störrisch -sein sollen, will mir nach dem sich hier darbietenden Anblick gar nicht in -den Kopf. Keins von ihnen, die alle mit erhobenem Kopf nach ihren Wärtern -ausschauen, rührt das jedenfalls wohlverdiente und ersehnte Futter an, -sondern wartet geduldig, bis sein Wärter kommt und ihm das Futter mit -den Händen reicht. Diejenigen, welche am längsten warten müssen, drehen -wol den Kopf nach den bereits fressenden und dann nach ihrem Futterbündel -zurück, aber keins rührt dieses an, sondern geduldet sich ergebungsvoll, -bis es auch an die Reihe kommt. - -Am 13. August liefen wir durch die Straße von Bab-el-Mandeb in das -Rothe Meer ein, wo wir auch gleich die gefürchtete Hitze antrafen, -am Tage 35° im Schatten, in den Nächten 32°, eine Temperatur, vor -welcher im Interesse des Wohlbefindens der Besatzung alle Schranken -der Schiffsetiquette fallen mußten. Exercitien und aufschiebbare -Arbeiten wurden eingestellt, den Offizieren und der Mannschaft wurde -das ganze mit einem Sonnenzelt geschützte Oberdeck zu freier Verfügung -überlassen, sowol als Aufenthaltsort am Tage, wie als Schlafraum für -die Nacht. Den luftigsten Raum, die Back, erhielten die Heizer, wo -sie von dem leichten Wind umfächelt wurden und während der Nacht durch -das Sonnenzelt doch auch gegen den Thau genügend geschützt waren. Der -Dienst des Maschinenpersonals, welcher sonst in 4 Stunden Arbeit und 8 -Stunden Ruhe zerfällt, wurde auf zwei Stunden Dienst und 4 Stunden Pause -festgesetzt; regelmäßige Bäder nach Ablauf der zwei Dienststunden und -ebenso regelmäßige Verabreichung von Getränken wurden streng eingehalten. -Auch für die übrige Besatzung hielt ich die regelmäßige Verabreichung -von Getränken für das beste Mittel zur Verhütung von Krankheitsanfällen, -sodaß jedem Mann am Tage zweistündlich, während der Nacht vierstündlich -je ein Viertelliter Wasser verabreicht wurde, um die durch Schweiß -erfolgte Abgabe aus dem Blut zu ersetzen. So tyrannisch ein solches -Verfahren erwachsenen Menschen gegenüber erscheinen mag, so begründet -ist dasselbe doch durch die Erfahrung. Es gibt in den Tropen kaum -etwas, was mehr erschlafft und größeres Unbehagen im Gefolge hat, als -das unmäßige Trinken des lauwarmen Wassers, und trotzdem ist unter den -jüngern, weniger erfahrenen Männern kaum einer, welcher seinen nagenden -Durst soweit beherrschen kann, daß er nur mit Maß trinkt. Derjenige -Arzt, welcher nicht aus langjähriger eigener Erfahrung urtheilen kann, -und das ist oft der Fall, verordnet dann Limonade aus Wasser und Rum; -der erfahrene Seeoffizier gibt nur Wasser, aber oft und immer wenig. Ob -wir den vorzüglichen Gesundheitszustand und die verhältnißmäßige Frische -der Besatzung während der Fahrt durch das Rothe Meer allein diesen -Anordnungen zu danken haben, wird allerdings schwer zu entscheiden sein; -aber Thatsache bleibt es, daß mit einer Ausnahme, welche ich noch anführen -werde, kein Krankheitsfall oder selbst nur Schwächeanfall vorgekommen ist. - -Am 19. August in der Nähe von Djidda angelangt, entschloß ich mich, diesen -Hafen zur Auffüllung von Kohlen anzulaufen, weil es mir zweifelhaft -erschien, ob wir mit dem uns verbliebenen Rest bis Port-Said kommen -würden. Am 20. mittags erhielten wir einen Lootsen, mit dessen Hülfe wir -durch die vor Djidda liegenden Korallenriffe steuerten und um 2 Uhr in -dem Hafen ankerten. - -Größere Contraste, wie sie sich hier dem Auge bieten, werden sich kaum -finden lassen. Im Vordergrund innerhalb der Korallenriffe, welche den -Hafen bilden und das hellgrüne Wasser desselben von dem tiefblauen des -offenen Meeres scheiden, viele Schiffe, europäische Dampfer und Segler von -den größten bis zu den kleinsten und eine Unzahl von Booten, welche den -Hafen beleben. Am Lande die von einem etwa 15 km von der Küste abliegenden -rothbraunen Höhenzug begrenzte rothbraune Wüste ohne Pflanzenwuchs, -ohne Wohnstätten und Menschen mit Ausnahme der am Hafen liegenden echt -arabischen Stadt, welche nur einen viereckigen Raum von weniger als -1000 m Länge nach jeder Seite hin einnimmt. Eine mit befestigten Thürmen -verzierte hohe Mauer umschließt eng die Stadt, welcher zierliche Minarets -und hohe Häuser mit vergitterten Fenstern, vielfachen Zierathen und -platten Dächern das ihr eigenthümliche Gepräge geben. Ein merkwürdiges, -von einer langen, niedrigen, weißen Mauer umschlossenes Bauwerk liegt -außerhalb der Stadtmauer, aber in ihrer unmittelbaren Nähe. - -Djidda ist wol der wichtigste der wenigen Häfen an der langen arabischen -Küste, welcher zumal in seiner Eigenschaft als Hafenstadt von Mekka -eine hervorragende Bedeutung hat, da die Zahl der jährlich hier -durchpassirenden Mekka-Pilger, die sogar von Indien, den Sunda-Inseln -und Borneo kommen, bis an 200000 betragen soll. Aus diesem Grunde haben -es auch England, Frankreich und Holland für erforderlich erachtet, -diplomatische Consuln hierher zu setzen, welche wol weniger die Aufgabe -haben dürften, die Interessen der zu ihren Ländern gehörigen Pilger -wahrzunehmen, als dieselben zu beaufsichtigen, denn Mekka ist der Ort, -wo die Mohammedaner aller Himmelsstriche die Mittel und Wege erwägen, wie -sie das Joch der Christen wieder abschütteln können. - -Als die Hauptmerkwürdigkeit von Djidda möchte ich es bezeichnen, daß -unter den wenigen Europäern, welche sich überhaupt innerhalb seiner -Mauern befinden, kein Deutscher ist; der einzige Platz dieser Art von -allen, welche wir während der zweijährigen Reise angelaufen haben. Die -Stadt selbst hat nur enge Straßen, mit hohen, thurmartigen Gebäuden, von -welchen die am Hafen liegenden als Gasthäuser für die Pilger dienen und -fürchterliche Brutstätten von Ungeziefer und Krankheiten sein sollen. -Der Bazar, welcher die Länge einer Straße einnimmt, bietet nichts -Hervorragendes, was zur Kauflust anregen könnte. Das Interessanteste sind -die Passanten und unter diesen die phantastisch gekleideten, übermäßig mit -Waffen behangenen und stets herausfordernd und frech um sich blickenden -Beduinen. Einige vornehme Weiber, scheußlich gekleidet und vermummt und -wie Enten daherwatschelnd, vermögen unsere Blicke nicht zu fesseln. - -Zu großem Dank verpflichtet bin ich dem holländischen Consul, welcher Herr -sich in der liebenswürdigsten Weise meiner annahm, mir bei Erledigung -meiner Dienstgeschäfte behülflich war, die Sehenswürdigkeiten der Stadt -zeigte und mir, wie unsern Offizieren, in der gastfreiesten Weise sein -Haus öffnete. Er wohnt natürlich auch in einem echt arabischen Hause, -welches aus vier Stockwerken besteht und in jedem Stockwerk nur zwei -Zimmer hat. Am Tage wohnt man unten, abends und in der Nacht oben. - -Djidda hat als Festung natürlich auch eine türkische Besatzung und einen -türkischen Pascha als Gouverneur. Diesem, einem vornehm aussehenden -Manne mit hochblondem Haar und Bart, machte ich selbstverständlich -meinen Besuch, wobei der holländische Consul auch so liebenswürdig war, -mich zu begleiten. Ich wurde in türkisch gastfreier Weise empfangen, -mußte Kaffee trinken, mancherlei Süßigkeiten essen, welche der Pascha -mir mit zierlicher Handbewegung selbst in den Mund stopfte, und eine -Cigarette rauchen. Bei dem Frühstück, welches der holländische Diplomat -uns gab, concertirte unsere Kapelle, welche vorher dem Pascha ein -Ständchen gebracht hatte, und lockte mit ihren Weisen die sämmtlichen -weiblichen Bewohnerinnen der angrenzenden Häuser auf die Dächer, wodurch -wir unbeabsichtigt in die Lage kamen, diese Damen durch ein Fernrohr -betrachten zu können. Die meisten waren Negerinnen und alle häßlich. - -Zu dem außerhalb der Stadt liegenden merkwürdigen Bauwerk, welches der -Ueberlieferung nach das Grab unserer Urmutter Eva sein soll, wurde ich -auch geführt. Die Dame soll so groß gewesen sein wie die ganze Stätte; -Kopf und Füße sind durch niedrige querstehende Mauern innerhalb der -Umfassungsmauer bezeichnet und über dem Schoß befindet sich ein gemauerter -viereckiger, etwa 3 m im Geviert großer Kasten, über welchem sich ein -kleiner Tempel wölbt. Die Größenverhältnisse der Eva würden nach diesen -Angaben die folgenden gewesen sein: vom Kopf bis zum Schoß 120 und -vom Schoß bis zu den Füßen 80 Schritte; eine etwas vertrackte Gestalt. -Einer der im Tempel anwesenden Aufseher faßte meine Hand und steckte -dieselbe durch eine kleine eiserne Thür in den Kasten, womit ich nach der -Erklärung des Dolmetschers in den Schoß der Eva gefaßt hatte und dafür ein -entsprechendes Trinkgeld bezahlen mußte. An der bei den Füßen befindlichen -Mauer fanden wir mehrere Weiber vor, welche den dort bereits angenagelten -roth gefärbten Läppchen auch ihre Opfergaben beifügten, um den ihnen -bisher versagten Kindersegen dadurch zu erflehen. - -Als wir von Eva’s Grab zurückkehrten, war die Sonne bereits untergegangen -und wir mußten nun den Weg durch das Mekkathor nehmen, weil die andern -Thore bereits geschlossen waren. Hier begegneten wir einem Trupp nach -Mekka ausziehender Pilger, welche ihre Reise stets mit Sonnenuntergang -beginnen sollen. Es war ein langer bunter Zug, die Pilger auf Kamelen -und die sie begleitenden Beduinen zu Pferde. Die türkischen und -indischen Frauen in viereckigen, mit Gardinen verschlossenen Kasten, und -merkwürdigerweise die sundanesischen Frauen offen und unverschleiert, wie -sie auch in ihrer Heimat sich tragen. - -Die wenigen Europäer in Djidda leben auf einem Vulkan und sind der -fanatischen Bevölkerung gegenüber nie ihres Lebens sicher, ganz gewiß -aber würden sie nie wieder zurückkehren, wenn sie bei ihren Spazierritten -außerhalb der Stadt die ihnen gesteckte Grenze von etwa 5 km überschreiten -wollten. Jenseit dieser Grenze würde der türkische Pascha sie nicht mehr -schützen können. - -Am 21. nachmittags 5 Uhr verließ ich Djidda wieder. Abends meldete mir -der Arzt, daß ein Maschinistenmaat am Hitzschlag erkrankt sei, aber nicht -infolge seines Dienstes an der Maschine, sondern durch Unvorsichtigkeit -auf dem englischen Kohlendampfer, wo er das Gewicht der für uns verladenen -Kohlen zu controliren hatte. Anstatt nur in seinem weißen Hemde dahin zu -gehen, hatte er seine Uniformsjacke aus dickem Tuch angezogen und sich -außerdem mit schwerem Bier bewirthen lassen. Da blieb es schließlich ein -Glück, daß er nur mit einem Schreckschuß davonkam und am zweiten Tage -wieder hergestellt war. - -Am 26. morgens, eine Stunde nach Mitternacht, wurde vor Suez geankert und -um 12 Uhr mittags, nach Erfüllung der erforderlichen Formalitäten, in den -Suezkanal gedampft. Wir hatten das Glück, nur wenig Verkehr zu finden, -sodaß wir schon am 27. nachmittags 5½ Uhr in Port-Said anlangten, welchen -Hafen wir vorgestern Morgen wieder verlassen haben. - - - In der Jade, 30. September 1879 abends. - -So sind wir denn am Ziel, in der Heimat. In wenigen Stunden werden wir -wieder vor Wilhelmshaven liegen, das wir vor 697 Tagen, am 3. November -1877 verlassen haben. Die Reise von Port-Said bis hierher war ein Gemisch -von Windstillen und uns ungünstigen Stürmen; Malta, Gibraltar und Plymouth -haben wir noch angelaufen, aber nur zur Einnahme von Kohlen, sodaß unser -Aufenthalt sich immer nur auf wenige Stunden, 19, 24 und 10, beschränkte. - -Meine Reiseberichte sind zu Ende und ich will nur noch die Angabe -hinzufügen, daß wir uns während der Reise 401 Tag auf See und 296 im Hafen -befunden haben, daß die von uns zurückgelegte Seemeilenzahl 52860 und die -Zahl der angelaufenen Häfen 72 beträgt; den Aequator haben wir sechsmal -passirt. - - - - -Anhang. - - - - -1. - -Die in den letzten fünf Jahren in der Südsee vorgekommenen -Machtverschiebungen. - - -Nachdem Frankreich im Jahre 1842 das Protectorat über Tahiti übernommen -und von den Marquesas-Inseln Besitz ergriffen hatte, versuchte es ein -Gleiches mit den Gesellschafts-Inseln. Als aber die Eingeborenen von -Huheine unter der Führung eines Europäers die gelandeten französischen -Truppen in offenem Kampfe besiegten und wieder von der Insel trieben, trat -England für die Unabhängigkeit der Gesellschafts-Inseln ein, wodurch ein -Vertrag zu Stande kam, nach welchem England wie Frankreich beiderseits -auf eine Besitzergreifung dieser Inseln verzichteten und sich gegenseitig -deren Unabhängigkeit garantirten. - -Bis zum Jahre 1854, in welchem Frankreich Neu-Caledonien besetzte, -waren dann keine weitern Veränderungen in den Besitzverhältnissen der -Südseeinseln eingetreten und es muß eigentlich auffallen, daß nunmehr, -nach dieser neuen französischen Erwerbung in nächster Nähe Australiens, -die Engländer noch immer keine Anstalten trafen, sich den Besitz der -noch übrigen unabhängigen Inseln zu sichern. Sie wußten aber wohl, was -sie thaten. Sie besaßen schon ein so ausgedehntes Colonialgebiet, hatten -in Neu-Seeland so kostspielige Erfahrungen gemacht, daß sie füglich -darauf verzichten konnten, Land zu erwerben, welches ihnen keinen Nutzen -bringen, sondern nur übermäßige Kosten verursachen konnte, wie ja auch -die französischen Erwerbungen in der Südsee als warnendes Beispiel -dienen mußten. Der Besitz fremden Landes mit einer großen einheimischen -Bevölkerung, welche noch nicht durch längern Verkehr mit bereits -ansässigen Europäern gezähmt worden war, konnte damals nur mit einer -verhältnißmäßig großen Truppenmacht aufrecht erhalten werden, welche mehr -Geld kostete, als der Besitz einbrachte; die Eingeborenen waren aber zu -jener Zeit noch nicht so erleuchtet, um eine europäische Macht um die -Schutzherrschaft bitten zu können. - -Da brachte das Jahr 1872 eine große Wandlung. Die allein von deutschen -Kaufleuten, in erster Reihe von den Brüdern Hennings, dem Handel -erschlossenen Fidji-Inseln hatten lange Zeit unter innern Unruhen so sehr -gelitten, daß der König Cakobau des Regierens müde geworden war und, -soweit mir bekannt, das Deutsche Reich um die Schutzherrschaft anging, -welche von diesem aber abgelehnt wurde. Darauf wandte sich Cakobau an die -englische Regierung, welche sich nicht lange bitten ließ, die 21000 qkm -große, reiche Inselgruppe ohne irgendein Entgelt zu übernehmen, nachdem -sie erkannt hatte, daß die Pionnierarbeit der deutschen Kaufleute es ihr -möglich machte, das Land ohne große Kosten zu verwalten. Dies geschah im -Jahre 1874. - -Inzwischen hatten die deutschen Interessen auf den Samoa- und Tonga-Inseln -eine solche Ausdehnung gewonnen, daß das Reich ihnen seinen Schutz nicht -länger vorenthalten konnte und nun regelmäßig Schiffe nach der Südsee -schickte, ohne dabei indeß an Colonialerwerb zu denken. Das Einzige, was -ins Auge gefaßt wurde, war, durch Verträge die Tonga- und Samoa-Inseln -vor fremder Annectirung zu sichern. Ein solcher Vertrag mit Tonga kam im -Jahre 1876 zu Stande, während damals die deutschen Bevollmächtigten die -ihnen feindlichen Strömungen auf den Samoa-Inseln, welche vornehmlich auf -amerikanischen Einfluß zurückzuführen waren, noch nicht zu überwinden -vermochten. Zu den deutschen Interessen auf den genannten Inseln -waren übrigens neuerdings auch noch die auf den Ellice-, Kingsmill-, -Marshall-Inseln, sowie in Neu-Britannien hinzugetreten. Dies war der Stand -der Dinge, als ich 1878 mit der „Ariadne“ nach Samoa kam. - -Zu jener Zeit traten allerdings auch schon Bestrebungen von seiten -Frankreichs und der australischen Colonien in die Erscheinung, welche -weitere Veränderungen in den Besitzverhältnissen in der Südsee in -Aussicht stellten oder doch vermuthen ließen. Auch die Samoaner, oder -doch ein Theil derselben, hatten sich um das amerikanische Protectorat -bemüht und es schien, als ob die Amerikaner gewillt seien, hier wie auch -auf den Marshall-Inseln ähnliche Verhältnisse zu erstreben wie auf den -Sandwich-Inseln, welche eigentlich als amerikanische Colonie betrachtet -werden können. - -Es waren somit alle seefahrenden Mächte, welche nur ein entferntes -Interesse an der Südsee hatten, auf dem Plan und in nicht zu ferner Zeit -mußte die Entscheidung fallen, wem die Inseln gehören sollten, nachdem -man mit Erstaunen erkannt hatte, was die deutschen Kaufleute aus den von -ihnen bearbeiteten Inseln gemacht hatten, und da man wol annahm, dasselbe -leisten zu können. - -Samoa war inzwischen durch den samoanisch-amerikanischen Vertrag auch -schon nicht mehr frei; aber die Ellice-, Kingsmill-, Marshall-Inseln, -der jetzige Bismarck-Archipel, Neu-Guinea mit Ausnahme des holländischen -Theils, die Salomons- und Sta.-Cruz-Inseln, die Neu-Hebriden, sowie viele -einzeln verstreut liegende Inseln, auf denen sämmtlich, mit Ausnahme -von Neu-Guinea, den Salomons-, Sta.-Cruz-Inseln und Neu-Hebriden, -eigentlich nur deutsche Interessen in Betracht kamen, waren noch frei. -Daß die „Ariadne“, soweit es in ihren Kräften lag und die sonstigen -Umstände es gestatteten, in aller Stille ihr Möglichstes that, die -deutschen Interessen gegen fremde Vergewaltigung zu sichern, ist früher -auseinandergesetzt worden, immerhin sei hier aber kurz wiederholt, welche -Inseln bezw. Gruppen gesichert wurden. Es waren dies: Funafuti, Vaitupu, -die Marshall-Inseln, der jetzige Bismarck-Archipel, sowie Samoa; ferner -wurden, als eine Folge der von der „Ariadne“ gemachten Vorarbeiten, im -Frühjahr 1879 durch die Fregatte „Bismarck“ Verträge mit den Königinnen -von Huheine, Bora-Bora und Roratonga abgeschlossen. - -Für diese Sicherungsmaßregeln war es die höchste Zeit gewesen, denn die -Begehrlichkeit nach den Südseeinseln wurde in der darauf folgenden Zeit so -groß, namentlich die australischen und neuseeländischen Colonien drängten -mit solchem Ungestüm nach weitern Annectirungen in der Südsee, daß die -Diplomatie sich der Sache annehmen und am grünen Tisch theilen mußte. -Hierbei nun kam es Deutschland zu statten, daß es im Austausch auch etwas -bieten und unter Verzichtleistung auf einzelne Rechtstitel neue erwerben -konnte, denn es darf wol als zweifellos angenommen werden, daß es zu -Gunsten Frankreichs auf seine Ansprüche an die Gesellschafts-Inseln und zu -Gunsten Englands auf die an Roratonga und die Ellice-Inseln verzichtete. - -So konnte Frankreich, nachdem es bereits im Jahre 1880 Tahiti mit -der Paumotu-Gruppe zur Colonie gemacht hatte, im December 1885 die -Gesellschafts-Inseln annectiren, während Deutschland und England sich in -den Rest des freien Südseegebietes theilten. Sind auch die Neu-Hebriden -zur Zeit noch unabhängig, so hat Deutschland an dieser Gruppe doch -kein Interesse mehr, weil dieselbe nach dem Theilungsplan in der -Interessensphäre Englands liegt. Wahrscheinlich allerdings ist, daß die -Franzosen jene Inseln erhalten werden, weil diese jetzt mit derjenigen -Anmaßung zur See auftreten, wie es früher die Engländer gethan haben, -womit sie diesen entschieden imponiren. - -Und wer trägt nun eigentlich die Schuld, daß diese schon seit langer -Zeit vorhergesehene Theilung, welche im großen und ganzen zum Nachtheil -Deutschlands ausgefallen ist, so früh zu Stande kam? Unbeabsichtigt der -muthige und thatkräftige deutsche Kaufmann, welcher sich zwischen den noch -wilden Eingeborenen niederließ, der Welt zeigte, was für Reichthümer diese -Inseln in ihrem Schoß bergen und dadurch die Augen der Neider dorthin -lenkte, während er es doch am wenigsten verdient hat, daß er eines großen -Theils der Früchte seiner Saat verlustig gegangen ist. Lange Zeit hat er -im stillen arbeiten und ernten können, aber schließlich zwangen äußere -Umstände ihn, aus seiner Verborgenheit herauszutreten, und zu seinem -Schaden mußte dies schon zu einer Zeit geschehen, wo das deutsche Volk -noch nicht bereit war, dem Vorschlage seiner Regierung, mit ihr nach der -Südsee zu gehen, zuzustimmen. - -Hätte das Deutsche Reich fünf oder auch nur drei Jahre früher energisch -zugegriffen, zu einer Zeit, wo in Australien und Neu-Seeland die -Leidenschaften für weitern Colonialerwerb noch nicht so entzündet waren, -dann hätten wir heute wahrscheinlich den doppelten Landbesitz in der -Südsee. - - - - -2. - -Allgemeine Bemerkungen über die Bewohner der Südseeinseln. - - -Nachdem ich ein Jahr in der Südsee zugebracht und den größten Theil -der südlich des Aequators gelegenen Inselgruppen gesehen hatte, konnte -ich dasjenige zusammenstellen, was ich aus eigener Beobachtung oder aus -competentem Munde über die Bevölkerungen der verschiedenen Inselgruppen -erfahren habe und was ich meinen ersten Südsee-Briefen nicht einfügen -konnte, weil mir damals diese Erfahrungen eben noch fehlten. Zweifellos -würde aber manches in diesen verständlicher gewesen sein, wenn ich schon -dem Besuch der Marquesas-Inseln dasjenige hätte vorausschicken können, -was ich hier in gedrängter Form niederlegen will. Daß ich dies überhaupt -thue, ist einzig den nachstehend angegebenen Gründen zuzuschreiben. - -Auf der Heimreise wurden mir beim Anlaufen der verschiedenen Häfen so -wunderliche Fragen über die in der Südsee vermuthete Menschenfresserei -vorgelegt; es werden nach den verschiedentlich ausgesprochenen Urtheilen -die dortigen Menschenstämme auf einer so niedrigen Stufe stehend -angenommen, sie sollen in Bezug auf Rohheit und Wildheit dem Raubthier -so nahe stehen, daß ich mich fragen mußte, welchen Ursachen eine solche -Verkennung einer großen Völkerfamilie zuzuschreiben sei. Allerdings mußte -ich mir nach einigem Nachdenken sagen, daß ich früher die Südsee-Insulaner -ebenso beurtheilt hatte, weil eben alle Welt sie so beurtheilt; deswegen -aber halte ich es gerade für meine Pflicht, mein Theil dazu beizutragen -dieses Urtheil berichtigen zu helfen, damit wenigstens diejenigen Leser, -welche meinen Reiseberichten gefolgt sind, nochmals besonders darauf -hingewiesen werden und jener Inselbevölkerung Gerechtigkeit widerfahren -lassen können. - -Bei Beantwortung der Frage, wie jenes ungünstige Urtheil sich erhalten -konnte, glaube ich den Umstand in den Vordergrund stellen zu müssen, daß -das große Publikum häufig alle Inselbewohner der Südsee -- Polynesier, -Mikronesier und Melanesier (Papuaneger) -- zusammenwirft und alle -Menschenfresser nennt, weil die Melanesier es sind. Zu verwundern ist -dies aber nicht, denn wo sollte das Publikum die Mittel finden, sich -über die dortigen Zustände genau zu unterrichten? Die frühern Reisenden -haben sich bei Beschreibung jener Menschenstämme vielfach versündigt -und die neuern Berichte stammten zur Zeit meiner Beobachtungen in der -Mehrzahl von Missionaren, von Herren, welche meines Erachtens in der -aufgeworfenen Frage nicht ganz competent sind. Sie haben zweifellos -verdienstvolle Werke geschrieben, die manche wissenschaftliche Frage -eingehend und erschöpfend behandeln und uns die erste werthvolle Kunde -aus jenem Welttheile gebracht haben; Werke, die aber ihre Beredsamkeit -verlieren, sobald sie das alltägliche Leben besprechen und uns ein Bild -der Vergnügungen und der Sitten jener Naturmenschen bringen sollen. Und -aus einer wahrheitsgetreuen Schilderung der Sitten und Gebräuche, der -Vergnügungen und Leidenschaften, läßt sich doch nur ein richtiges Bild -über den Charakter eines Volkes zusammenstellen. Jene Werke bringen -allerdings vieles über Sitten und Gebräuche, aber nicht das, was zu -einer richtigen Beurtheilung unumgänglich nothwendig ist. Gebräuche -und Leidenschaften jener Naturmenschen stehen eben dem paradiesischen -Urzustande so nahe, würden mit ihrer dortigen natürlichen Reinheit in -unsere civilisirten Verhältnisse verpflanzt theilweise so anstößig werden, -daß der Missionar darüber hinweggehen zu müssen glaubt, wenn er nicht -etwa schon alles Gefühl für die reinen Naturtriebe verloren hat und aus -diesem Grunde manches verurtheilt, was als ein Beweis von Sittlichkeit -und Unschuld hingestellt werden muß. Allerdings bleibt hier noch die -Frage zu erörtern, ob der Missionar, welcher sein Amt nicht zeitweise -abstreifen kann, je Gelegenheit findet, jene Menschen so kennen zu lernen, -wie sie in Wirklichkeit sind, und diese Frage glaube ich verneinen zu -müssen. Die Missionare verurtheilen die harmlosesten Vergnügungen jener -Leute mit einer solchen Härte, haben so schwere Geldstrafen für die nach -unsern Begriffen unschuldigsten Sachen, und überhaupt ein so strenges -puritanisches Regiment eingeführt, daß der Eingeborene vor ihnen stets ein -Heuchler sein muß, weil er ohne seine gewohnten Zerstreuungen nicht leben -kann. Denn diese Leute, welche weder geistige noch körperliche Arbeit -kennen, müssen, solange sie noch nicht die Wohlthaten eines arbeitsamen -Lebens empfinden, die Langeweile, den größten Feind aller Moral und -Sittlichkeit, durch ihre kleinen Feste vertreiben. Der Missionar sieht -daher leicht den Eingeborenen, wie er ihn sehen möchte und ist mithin -nach meiner Ansicht nicht in der Lage, uns ein getreues Bild von dem -Leben und Wirken jener interessanten Naturmenschen geben zu können; sein -Bericht bespricht nicht diese Welt, ist nicht von dem glühenden Hauch -des Lebens durchweht und wirkt daher leicht ermüdend, wie er in Wahrheit -der Wirklichkeit auch nur unvollkommen entspricht. Leider muß ich hier -aber auch noch einfügen, daß viele der in der Südsee wirkenden Missionare -meiner Ansicht nach ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind und den dortigen -harmlosen Heiden nicht die Wohlthaten des Christenthums zuwenden. - -An den Hauptplätzen, so auf Tongatabu, in Apia und auf den Duke of -York-Inseln findet man allerdings Männer von hoher Bildung, welche in -reiferm Alter stehend ihre Aufgabe in würdiger und wohlwollender Weise -auffassen; vielfach sind aber nur untergeordnete Persönlichkeiten -vorhanden, die, vielleicht mit dem wahren Geiste des Christenthums -unbekannt, ihre Erfolge nur nach der Zahl der Kirchgänger und der Höhe -ihrer eigenen tyrannischen Macht berechnen. Ihre Heerde ist eine stumpfe -Menge, welche die von dem Hirten anbefohlenen äußern Gebräuche streng -befolgt, daneben aber sich heimlicher Laster hingibt, da der Hirt ihr alle -die altgewohnten, größtentheils harmlosen Vergnügungen unter dem Vorwand, -daß dieselben heidnisch seien, genommen hat, anstatt allmählich nur das -zu beseitigen, was etwa mit dem Christenthum nicht in Einklang gebracht -werden kann. - -Ich möchte daher behaupten, daß jene Naturmenschen für das Christenthum -noch nicht reif sind, wenigstens nicht, solange sie nicht gleichzeitig -unter die Obhut einer erleuchteten christlichen Regierung treten, welche -die Härten der orthodoxen Kirche mildert. Hierbei darf auch eine wichtige -Frage nicht übersehen werden, nämlich die, daß das Christenthum, wie es -gelehrt worden ist, ohne etwas Besseres dafür zu geben, die glücklichen -politischen und socialen Verhältnisse, welche früher auf den meisten -der von Polynesiern bewohnten Inseln bestanden haben, zerrüttet hat. Es -scheint fast, als ob die Missionare nicht gewußt hätten, daß das Zerstören -leichter als das Wiederaufbauen ist. Die Polynesier hielten früher die -Häuptlingsfamilien für unsterblich, für Halbgötter, während der gemeine -Mann mit seinem Tode vollständig abschloß. Hieraus entsprang die hohe -Achtung und der unbedingte Gehorsam, welche den Häuptlingen und ihren -Familien gezollt wurden. Die Häuptlinge gebrauchten ihre Gewalt nur -soweit, daß sie sich von ihren Unterthanen ernähren ließen, und konnten -sie nicht mißbrauchen, da sie nicht mehr fordern konnten, als was zu -ihrer Sättigung nothwendig war. Denn eigentliches Besitzthum war nicht -vorhanden und Geld nicht bekannt. Die Lasten der Unterthanen waren daher -außerordentlich geringe, sie lebten glücklich und zufrieden, und der -Fall, daß ein Häuptling im Jähzorn einen seiner Unterthanen erschlug, -soll selten vorgekommen sein. Doch all das hat sich mit dem Einzug der -Missionare geändert. Die Unsterblichkeit der Seele machte den gemeinen -Mann dem Häuptling gleich und der Missionar trat als der Vertreter Gottes -an die Stelle der Häuptlinge. Solange er nun das Regiment mit Klugheit -und Milde führte, war alles gut; war er aber der Fülle der ihm gewordenen -Macht nicht gewachsen, so wurde er ein Despot, der seine harmlose Heerde -tyrannisch knechtete. Verließ dann der Missionar die Insel wieder, dann -gab es, auch wenn er sein wirklich Bestes gethan hatte, Unruhen, weil -jede Autorität vernichtet war, die Häuptlinge naturgemäß dieselbe aber -wieder beanspruchten, sie auch erzwangen, aber in der Regel nur durch -fortgesetzte Kriege sich erhalten konnten. - -Da auch leider die Sittenlosigkeit auf den Inseln der Südsee vorläufig -noch mit dem Vorschreiten des Christenthums wächst und die Inseln, welche -am längsten unter dem Einfluß der Missionare stehen, d. h. diejenigen, -welche sich diesem Einfluß wirklich unterworfen haben, die verderbtesten -sind, so glaube ich kein Unrecht zu begehen, wenn ich die Menschenfresser -in Neu-Britannien in moralisch-sittlicher Beziehung höher stelle als die -Tahitier. Wenn auch die Verderbtheit nicht indirect dem Einflusse der -neuen Lehre oder ihrer Priester, sondern dem Verkehr mit den Europäern -überhaupt zuzuschreiben sein sollte, da diese sich in neuerer Zeit -vielfach auf den von Missionaren beherrschten Inseln angesiedelt haben, -so bleibt doch auch unter dieser Annahme dann noch immer die Thatsache -bestehen, daß ein 20jähriges ungestörtes Wirken der Missionare nicht im -Stande war, die Eingeborenen davor zu schützen, daß sie wenige Jahre nach -der Ansiedelung einiger Europäer auf einen bedauernswerthen Stand der -Entsittlichung gesunken waren. Es läßt sich jedenfalls nicht wegleugnen, -daß die Polynesier, welche bisjetzt nur allein als den Missionaren -unterworfen betrachtet werden können, als Christen schlechtere Menschen -sind, als sie zur Zeit ihres Heidenthums waren. Und sollten sie wirklich -früher schon moralisch so niedrig gestanden haben wie jetzt, dann bleibt -immer doch der Rückschritt bestehen, daß sie jetzt als Christen mit -Bewußtsein sündigen, während sie früher nur erlaubte Freiheiten genossen. -Wie schädlich die übereilte Bekehrung in jenen Gegenden gewirkt hat, -dürfte vielleicht mein Bericht über Vavau am besten ergeben, da dort -gezeigt ist, wie wenig diese Naturmenschen den Geist des Christenthums zu -begreifen vermögen oder wie wenig sie diesen Geist begreifen wollen. -- - -Die Menschen, welche jenes ausgedehnte Inselreich des Stillen Oceans -bewohnen, zerfallen in drei Hauptgruppen: in Polynesier, Mikronesier und -Melanesier, sowie in verschiedene Abarten, welche wol durch Kreuzung -entstanden sind. Für das Auge desjenigen Beobachters, welcher nicht -als Gelehrter untersucht, sind die Polynesier die der kaukasischen -Rasse Nächststehenden, während die Melanesier den schönern Stämmen der -afrikanischen Neger nahe kommen. Die Polynesier bewohnen den Inselstrich, -welcher sich von Neu-Seeland über Tonga, Samoa, die Cook-, Gesellschafts- -und Marquesas-Inseln bis zu den nördlich des Aequators gelegenen -Sandwich-Inseln erstreckt. Die Mikronesier bewohnen vorzugsweise die -nördlich des Aequators gelegenen Inselgruppen zwischen den Sandwich-Inseln -und den Philippinen; die Melanesier Australien, Neu-Guinea oder Papua, -die Salomons-Inseln, Neu-Caledonien und die Neu-Hebriden. Die zwischen -diesen Gruppen gelegenen Inseln werden von Mischlingen bewohnt, und -hier verdienen die Fidji-Inseln wegen ihrer großen Ausdehnung und des -zur Zeit noch dort herrschenden Kannibalismus besondere Erwähnung. Die -Eingeborenen Fidjis sind keine reinen Polynesier, für welche sie oft -gehalten werden, sondern eine Mischrasse aus eingewanderten Tonganern und -dem eigentlichen melanesischen Volksstamm, welch letzterer vor Zeiten -von den kriegstüchtigen und unternehmenden Tonganern unterjocht wurde. -Hierin findet sich auch die Erklärung, daß im Innern der Fidji-Inseln -noch heutzutage Kannibalen gefunden werden, während die reinen Polynesier -diesem abscheulichen Geschmack nie gehuldigt haben. Denn wenn Polynesier -auch an einigen Plätzen Menschenfleisch gegessen haben, so geschah -dies doch nur in Form von Opferfesten, bei welchen Kriegsgefangene -das Opfer stellen mußten. Wie mir versichert wurde, sollen derartige -Opfer auch nur auf den Marquesas-Inseln und auf Roratonga vorgekommen -sein; jedenfalls haben die Tahitier, die Samoaner und die Bewohner der -Gesellschafts-Inseln, soweit ihre Traditionen reichen, sich von diesem -Laster frei gehalten, während zu einer Zeit in Tonga von den von den -Fidji-Inseln zurückgekehrten Eroberern auch der Genuß von Menschenfleisch -eingeführt gewesen sein soll, ohne sich indeß lange halten zu können. -Die Fidji-Inseln werden daher wol auch die Quelle sein, von welcher aus -alle Südsee-Insulaner zu Menschenfressern gestempelt worden sind. Die -Versuchung, die Eingeborenen Fidjis für reine Polynesier zu halten, liegt -allerdings nahe, da die Bewohner der Küstenstriche dieser Inseln in ihrer -äußern Erscheinung dem edelsten Typus der Südsee-Insulaner außerordentlich -nahe kommen, ihm vielleicht auch vollständig ebenbürtig sind. - -Die andern Mischlinge werde ich bei Besprechung der Frage über den -wahrscheinlichen Ursprung dieser Insulaner berücksichtigen. Diese Frage -ist von der wissenschaftlichen Welt so eingehend erörtert worden, daß ich -nicht wagen darf, etwas Neues bringen zu wollen, und doch muß ich mich mit -ihr beschäftigen, weil kein denkender Mensch jenen sechsten zerrissenen -Welttheil besuchen wird, ohne sich unwillkürlich mit dieser interessanten -Frage zu beschäftigen und den Versuch zu machen, zu ergründen, welche der -verschiedenen Hypothesen den meisten Anspruch auf Wahrscheinlichkeit hat. - -Soviel mir bekannt, sind drei Ansichten über die wahrscheinliche Herkunft -der großen Inselbevölkerung vorhanden. Die erste geht von der Annahme -aus, daß früher inmitten des Stillen Oceans ein großer Continent lag, -welcher von drei Menschenrassen bewohnt wurde; im Süden und Osten von -den Polynesiern, im Westen von den Melanesiern und im Norden von den -Mikronesiern. Bei einer großen Katastrophe versank dieser Continent -und nur die höchsten Berggipfel blieben als Inseln zurück, welche -räumlich außerordentlich weit voneinander geschieden, doch durch -ihre Menschen, Thiere und Flora im innigsten Zusammenhang standen und -stehen. Die gleiche Sprache und die gleichen Sitten der polynesischen -Eingeborenen, wie die gleiche Sprache der Mikronesier und der von -beiden abstammenden Mischlinge, welche die später wiedererstandenen -Koralleninseln bevölkerten, sprechen so beredt für diese Annahme, die -zahllosen Koralleninseln zeigen so deutlich die ausgedehnte Gebirgswelt, -welche unter der Meeresoberfläche liegt; die vielen noch thätigen -unterseeischen Vulkane, welche häufige Veränderungen in dem unterseeischen -Lande verursachen, lassen so wenig Zweifel, daß dort auch jetzt noch -gewaltige Kräfte in Thätigkeit sind, daß man diese Hypothese wol als eine -berechtigte anerkennen kann. - -Die zweite Ansicht läßt die sämmtlichen Bewohner der Südseeinseln -vom Westen kommen, nennt sie Abkömmlinge der Malayen, welche schon in -altersgrauer Zeit im Besitz seetüchtiger Fahrzeuge waren und denen man -so viel Unternehmungsgeist zuspricht, daß man ihnen die Fähigkeit zur -Erwerbung so fernliegenden Insellandes glaubt zuerkennen zu müssen. -Diese Ansicht erschien mir, wie wol auch schon vielen, beim Vergleich der -verschiedenen Menschenstämme so absurd, daß ich mir gar nicht die Mühe -nahm, weiter darüber nachzudenken. Zwar fand ich in Neu-Britannien manche -Anklänge an die samoanische Sprache, doch wurden diese damit erklärt, -daß erst in allerneuester Zeit einige samoanische Worte Aufnahme in den -beschränkten Sprachschatz der Menschenfresser gefunden hätten. Als ich -aber in Batavia mehrere Worte fand, welche in Java und Samoa dieselbe -Bedeutung haben, da wurde mir doch klar, wie vorschnell der Reisende in -seinem Urtheil und wie gefährlich es ist, sich eine eigene Ansicht über -so tiefgehende Fragen auf Grund oberflächlicher Beobachtungen bilden zu -wollen. Damals dachte ich noch nicht daran, dieses hier niederschreiben -zu wollen, und habe mir daher die erwähnten Worte ebensowenig gemerkt, -als ich versuchte, mich eingehender zu unterrichten. Ein Wort wenigstens -ist aber in meinem Gedächtniß haften geblieben, mit welchem ich die -vorstehende Behauptung belegen kann. Das Wort „susu“ bedeutet im -Javanischen „Milch“, im Samoanischen hat es die Doppelbedeutung von -„Milch“ und „Frauenbrust“. - -Die dritte Hypothese läßt Neu-Caledonien, die Salomons-, Fidji-Inseln -und Neu-Hebriden von Australien und Neu-Guinea aus, die polynesischen -Inseln von Samoa aus bevölkern. Wo die Mikronesier herkommen sollen, -ist mir nicht gegenwärtig. Nimmt man die Karte zur Hand und mißt die -außerordentlich großen Entfernungen aus, welche einzelne Inselgruppen -voneinander trennen, dann wird man allerdings geneigt, diese Hypothese -für unhaltbar zu erklären, da es unmöglich erscheint, daß Menschen ohne -Seekarten und Compaß, ohne Mittel den Ort des Schiffes zu bestimmen, mit -so zerbrechlichen kleinen Fahrzeugen, über welche die Eingeborenen nur -verfügten, eine Seereise in das Ungewisse wagen und auf eine Entfernung -von 2000 Seemeilen mit Erfolg durchführen konnten. Doch nähert sich die -Unmöglichkeit der Möglichkeit, wenn man die wol unumstößlich feststehende -Thatsache erwägt, daß das große Neu-Seeland von dem kleinen Roratonga aus -bevölkert worden ist und wenn man dabei berücksichtigt, daß die Entfernung -zwischen Neu-Seeland und den Cook-Inseln etwa 1800 Seemeilen beträgt. -War dies möglich, dann kann man eine Bevölkerung der Sandwich-Inseln -von den Gesellschafts- oder Marquesas-Inseln aus gerade auch nicht mehr -für unmöglich halten. Zwar kann hier entgegnet werden, daß eine Reise -von Roratonga nach Neu-Seeland möglich sei, weil die Leute in der guten -Jahreszeit mit Hülfe des Südostpassats ohne Schwierigkeit dahin gelangen -konnten, während auf dem Wege nach den Sandwich-Inseln die Aequator-Calmen -durchschnitten werden müssen. Doch der Weg nach Neu-Seeland wird auch -nicht allein auf den Schwingen des Passatwindes gemacht, dort gibt es auch -Windstillen und vorherrschenden Westwind, welcher häufig zu schwerem Sturm -anwächst, und ich glaube, daß die Wind- und Wetterverhältnisse von den -Marquesas-Inseln nach den Sandwich-Inseln für offene Boote thatsächlich -günstigere sind, als die von Roratonga nach Neu-Seeland. - -Ich will indeß auf die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten nicht weiter -eingehen; trifft die erste Hypothese nicht zu, dann hat diese letztere -wol die größere Wahrscheinlichkeit für sich. Thatsache ist, daß auf den -von Polynesiern bewohnten Inseln die gleiche Sprache mit Abweichungen, -wie sie auch die verschiedenen romanischen oder germanischen Sprachen -aufweisen, gesprochen wird, sowie daß die Mikronesier und die von ihnen -abstammenden Mischlinge eine besondere Sprache haben, welche auf den von -mir besuchten Inselgruppen Mikronesiens nur so geringe Abweichungen hat, -daß ein bei mir an Bord befindlicher Marshall-Insulaner der Radack-Kette -auf den Inseln der Kingsmill-Gruppe sowie der Ralick-Kette als Dolmetscher -fungiren konnte. - -Die Vertreter der Annahme, daß Polynesien von Samoa aus bevölkert worden -ist, stützen sich meines Wissens darauf, daß die Samoaner den reinsten -Typus der polynesischen Rasse vertreten, mithin bei ihnen die Wiege des -ganzen Volksstammes zu suchen sei, weil erfahrungsmäßig die Auswanderer im -fremden Lande, bei anderer Nahrung, infolge abweichender Lebensweise und -neuer Sitten sich äußerlich soweit verändern, daß die spätern Geschlechter -einen ganz neuen Volksstamm zu bilden scheinen. Dies wird in der Südsee -schlagend auf den Ellice-Inseln bewiesen, wo die von den bergigen -Samoa-Inseln gekommenen Einwanderer auf den niedrigen Koralleninseln unter -Beibehaltung ihrer Sprache eine wesentliche Veränderung erfuhren und mit -der Aufgabe der feinen Sitte des Mutterlandes auch auffallend an ihrer -körperlichen Schönheit verloren haben. - -Andererseits haben wieder die weiter nach dem Norden gewanderten -Samoaner bei der stattgehabten Kreuzung mit den vom Norden gekommenen -Mikronesiern einen Menschenschlag geschaffen, welcher in Bezug auf -körperliche Schönheit fast noch höher wie derjenige der Samoaner steht -und sich durch saubere Hütten, strenge Sitten, große Förmlichkeit in -dem gegenseitigen Verkehr und persönlichen Muth sowol vor den im Norden -seßhaften Mikronesiern, wie vor den im Süden die Ellice-Inseln bewohnenden -Samoanern auszeichnet. - -Ob auf solche Aeußerlichkeiten die Herkunft einer großen Völkerfamilie -basirt und daraufhin der Stamm der Samoaner für das Stammvolk erklärt -werden kann, werden übrigens die Gelehrten zu entscheiden haben. Ich -wollte nur das, was ich in Erfahrung gebracht habe, in möglichst bündiger -Form hier niederlegen und die liebenswürdigen Polynesier bei meinen -Freunden davor schützen, daß sie für Wilde und Menschenfresser gehalten -werden. - - - - -3. - -Die Katastrophe im Geysir-Gebiet Neu-Seelands. - -(Vgl. S. 482.) - - -Soweit die Traditionen der Eingeborenen reichen, welche die Engländer auf -mehr als 1000 Jahre zurückrechnen, war von einem größern vulkanischen -Ausbruch und damit zusammenhängenden Veränderungen des Landes auf -Neu-Seeland nichts bekannt. Die Traditionen besagen vielmehr, daß -die ersten Einwanderer das Geysir-Gebiet in genau derselben Gestalt -vorgefunden hatten, wie es bislang war. Namentlich der Berg Tarawera -hat nie ein Zeichen vulkanischer Thätigkeit gegeben, sodaß der am Fuße -des Berges lebende Stamm der Maoris schon seit funfzehn Generationen -gerade den Gipfel desselben als Begräbnißstätte für seine Stammesgenossen -benutzte, weil in altersgrauer Zeit ein großer Häuptling dort -bestattet worden ist. Um so interessanter bleibt es, daß der gelehrte -österreichische Geologe Dr. von Hochstetter schon im Jahre 1859 infolge -seiner Untersuchungen die Vermuthung aussprach, daß der Tarawera-Berg -in seinem Innern durch heiße Dämpfe verzehrt sei und in nicht zu ferner -Zeit voraussichtlich einstürzen würde. Eine Untersuchung des Berggipfels -wurde ihm von den Maoris nicht erlaubt, weil sie eine Entweihung ihrer -Grabstätten befürchteten. Ist nun die Vorhersagung von Hochstetter’s auch -nicht buchstäblich eingetroffen, so zeigt die Thatsache doch, daß er den -für ganz ungefährlich gehaltenen Berg richtig beurtheilt hatte. - -Nach der übereinstimmenden Aussage aller Augenzeugen, und deren waren -viele, hat sich die Katastrophe, welcher allerdings zwei Warnungen -vorhergegangen waren, die aber erst nach derselben als solche erkannt -wurden, ganz unerwartet in der nachfolgend angegebenen Weise entwickelt. -Die vorhergegangenen merkwürdigen Anzeichen von Störungen im Erdinnern -hatten darin bestanden, daß im Jahre 1884 plötzlich das bisher kalte -Wasser des Roto-kakahi sich bis zur Siedehitze erwärmte, dann während -eines Tages ein starker Abfluß aus dem See durch das Wairoa-Thal nach -dem Tarawera-See erfolgte und danach die Temperatur des Seewassers wieder -auf die normale sank. Das zweite Zeichen erfolgte wenige Wochen vor dem -Ausbruch, indem die heißen Quellen bei Ohinemutu plötzlich sehr bedeutend -an Wärme verloren. - -In der Nacht vom 9. zum 10. Juni 1886, 12 Uhr 40 Minuten morgens wurde in -Wairoa der erste Erdstoß verspürt, welchem in kurzen Zwischenräumen immer -stärkere folgten, begleitet von rollendem Getöse und orkanähnlichem Wind. -Um 2 Uhr erfolgte der erste Ausbruch, nachdem vorher eine riesige schwarze -Wolke, die von der Stadt Taheke bis zum Päroaberg, mithin über eine -Strecke von 35-40 km gereicht haben soll, sich über dem Lande gelagert -hatte, in welcher nie gesehene elektrische Entladungen stattfanden. Für -das Auge fand der Ausbruch des Tarawera-Berges aus drei großen Kratern, -welche später als acht kleinere erkannt wurden, statt und die nach oben -geworfenen Feuergarben wurden auf 300 m Höhe geschätzt. Die an sich -zunächst großartige Erscheinung wurde für die Bewohner von Wairoa bald -zu einer furchtbaren, als wenige Minuten später glühende Aschenmassen, -große Steine und ein wahrer Schlammregen, von dem wehenden Orkan über die -Landschaft gejagt, niederfielen und alles Erreichbare vernichteten. Die -Europäer konnten sich unter der Führung eines mit großer Geistesgegenwart -begabten und kaltblütigen Mannes zum größten Theil retten, weil die -örtlichen Verhältnisse ihrer Ansiedelung die Flucht begünstigten. Nur -sechs von ihnen und 95 Eingeborene wurden als vermißt angemeldet. - -Am nächsten Morgen war die Ansiedelung Wairoa verschwunden und das -Land mit einer 1½ m hohen Schlamm-, Stein- und Aschenschicht bedeckt; -der schöne Tikitapu-Wald war von dem Sturm, den einschlagenden Blitzen -und dem Aschen- und Schlammregen vernichtet; der Roto-kakahi hatte -3 m weniger Wasser als vorher; der Roto-mahana war wasserleer und das -schlammige Bett des frühern Sees war bedeckt mit größern und kleinern -Kratern, Geysirs und Fumarolen; die berühmten Terrassen waren nicht mehr -und nichts ließ erkennen, wo sie dereinst gestanden hatten. So haben -dieselben Naturkräfte, welche im Laufe von Jahrtausenden jene Wunderwerke -geschaffen hatten, sie in einer einzigen Nacht auch wieder zerstört. -Unsere Abbildungen dieser Terrassen nehmen demnach gegenwärtig ein -gewisses historisches Interesse in Anspruch. - -Einen ungefähren Begriff von der elementaren Gewalt des Ausbruchs mag -die Thatsache geben, daß in Auckland, mehr als 200 km von dem Schauplatz -entfernt, am Morgen des 10. Juni gegen 3 Uhr die Menschen durch laute -Kanonenschläge, ja ganze Artilleriesalven aus dem Schlafe geweckt -wurden und dann auch den fernen Feuerschein sahen, sodaß man glaubte, -ein Kriegsschiff sei in der Nähe in Seenoth, bis man erst gegen 9 -Uhr vormittags durch Telegramme von der wahren schrecklichen Ursache -unterrichtet wurde. - - -Berichtigungen. - -Seite 67, Zeile 2 v. o., statt: 1887, lies: 1878 - " 192, " 1 v. u., st.: Opuno, l.: Oponu - " 426, " 12 v. o., st.: Vorzug, l.: Verzug - " 481, " 6 v. o., st.: halbe, l.: halber - - - - -4. - -Erklärung einiger seemännischer Ausdrücke. - - -=Achterraus=, hinter dem Schiff. - -=Ansteuern=, nahe an eine in der Nähe der Curslinie liegende Küste - oder Insel heranfahren, um das Land, namentlich geographisch genau - bestimmte Punkte desselben, wie Leuchtthürme, vorspringende Caps, - Berggipfel, zu Gesicht zu bekommen und danach festzustellen, ob - der nach den Rechnungen auf der Karte festgelegte Ort des Schiffes - auch richtig ist. Oder, mit Hülfe von Lothungen und der Karte - den Ort des Schiffes bestimmen. Derartige Vorsichtsmaßregeln sind - namentlich bei Nacht unumgänglich nothwendig; aber auch bei Tage, - wenn Regen und nebeliges Wetter eine Fernsicht nicht gestatten und - wenn während der letzten Tage oder auch nur während der letzten 24 - Stunden bewölkter Himmel die Vornahme astronomischer Beobachtungen - unmöglich gemacht hat und man dadurch verhindert wurde, die Wirkung - der Meeresströmung auf den Curs des Schiffes festzustellen. - -=Aufentern=, auf den Strickleitern in die Takelage gehen (vom - englischen 'to enter'). - -=Aufkreuzen=, das Schiff durch Segeln nach der einen und der andern - Seite gegen die Richtung des Windes fortbewegen. Man rechnet, daß - ein kreuzendes Schiff drei Seemeilen durch das Wasser zurücklegen - muß, um eine Seemeile in der Windrichtung, d. h. gegen den Wind, - zu gewinnen. - -=Ausmachen=, erkennen. Das Land oder ein Schiff ist ausgemacht, - sobald man zwischen Wolken oder aus nebeliger Luft heraus die - richtigen Contouren des Landes oder die Formen des Schiffes sicher - festgestellt hat. - -=Back=, der vordere mit einem besondern leichten Deck versehene Theil - des Schiffes. - -=Beidrehen=, das Schiff mit kleinen Segeln so zum Winde, d. h. in - einen möglichst spitzen Winkel zur Windrichtung, legen, daß es sich - nur wenig von der Stelle fortbewegt, aber doch steuerfähig bleibt. - -=Besteck=, das Resultat der Ortsbestimmung eines Schiffes durch alle - vorhandenen Hülfsmittel. Da die astronomischen Berechnungen erst - zur Mittagszeit, wenn die Sonne durch den Meridian des Beobachters - geht, ihren Abschluß finden können, so wird diese Zeit auch für - die Festlegung des Orts des Schiffes in der Karte benutzt. Daher - versteht man, wenn dem Wort „Besteck“ keine nähere Bezeichnung - beigefügt ist, unter diesem gewöhnlich das =Mittagsbesteck=. - -=Bramstänge=, der oberste Theil des aus drei Theilen hergestellten - Mastes. Der mittlere heißt „=Stänge=“, der unterste „=Untermast=“. - -=Dampfpinasse=, ein kleines, zwischen 8 und 10 m langes Dampfboot, - welches die Kriegsschiffe mit sich führen. - -=Dollbord=, der oberste Theil der Beplankung eines Bootes, in welchem - sich viereckige Ausschnitte zur Aufnahme der Ruder, oder Löcher - zum Einstecken der Rudergabeln (Dollen) befinden. - -=Dünung=, die Wellenbewegung, welche sich auch nach dem Absterben des - Windes noch, als eine Folge des Beharrungsvermögens, auf dem Meere - erhält. - -=Fallreep=, der auf jeder Seite des Schiffes, gewöhnlich in der Mitte - liegende Ausschnitt in der Schiffswand, durch welchen man das - Schiff von außen betritt oder von innen verläßt. - -=Gaffel=, dasjenige Segelholz, welches, an der Hinterseite der - Untermasten befestigt, dazu dient, den obern Theil solcher Segel zu - halten, welche an dem Mast selbst befestigt sind. An der hintersten - Gaffel führen die in Fahrt befindlichen Schiffe gewöhnlich ihre - Nationalflagge. - -=Geien=, das Zusammenziehen der Segel durch Taue, sodaß sie dem Winde - keine Fläche mehr darbieten. - -=Heck=, der hinterste Theil des über Wasser befindlichen - Schiffskörpers, im Gegensatz zu der Back. - -=Heranscheeren=, ein Schiff aus seiner bisherigen Cursrichtung heraus - vorübergehend an einen bestimmten Platz oder Gegenstand bringen. - (Von dem englischen 'to sheer' übernommen.) - -=Hineinholen= in einen Hafen, in eine kleine Bucht, ein Dock u. s. w. - bedeutet, mit großer Vorsicht, wenn nöthig mit Hülfe von Tauen, - ein Schiff an eine bestimmte Stelle leiten. - -=Jolle=, ein kleines, etwa 5 m langes, aber verhältnißmäßig breites - und tiefes Arbeitsboot, welches gewöhnlich von 4 bis 6 Matrosen - gerudert wird. - -=Kette durchholen=, das allmähliche Anspannen der Ankerkette, wenn - infolge von Strömung oder Wind das Schiff in Bewegung kommt, bis - die Kette straff gespannt ist. - -=Knoten= ist die Bezeichnung für die Geschwindigkeit eines Schiffes - in einem gegebenen Augenblick, und die durch das Schiff in einer - Stunde zurückgelegte Seemeilenzahl entspricht dieser Knotenzahl, - wenn die Fahrt des Schiffes eine gleichmäßige war. In diesem - Falle legt dann das Schiff in einer Stunde ebenso viele Seemeilen - zurück, als bei dem Fahrtmessen (Loggen) in dem Zeitraum von 14 - Sekunden Knotenlängen von der Meßleine ausgelaufen waren. So wird - man von einem Segelschiff, bei welchem die Geschwindigkeit fast - nie eine ganz gleichmäßige ist, weil die Stärke des Windes sich - häufig ändert und auch die häufige Aenderung der Windrichtung von - Einfluß auf die Schiffsgeschwindigkeit ist, nie sagen können, daß - es x Seemeilen läuft, sondern nur: es hat beim letzten Loggen x - Knoten gemacht. Aber auch die Geschwindigkeit der Dampfschiffe ist - Störungen durch Wind und Seegang, durch kleine Unregelmäßigkeiten - in dem Gang der Maschine unterworfen, sodaß auch bei diesen die - Bezeichnung der Geschwindigkeit durch Knoten die richtigere ist, - zumal man bei dieser Bezeichnung stets weiß, daß die Angabe sich - immer nur auf die in einer Stunde zurückgelegte Strecke oder, wenn - es sich um die höchste Leistungsfähigkeit eines Schiffes handelt, - auf diejenige Seemeilenzahl bezieht, welche das Schiff in einer - Stunde zurücklegen kann. Aber auch in dem Falle, daß sich derartige - Störungen nicht geltend machen, kann man doch nicht mit Sicherheit - die Geschwindigkeit eines Schiffes durch ein bestimmtes Längenmaß - ausdrücken, weil man hierbei nicht die Meeresströmungen mit in - Ansatz bringen kann, denn ein Schiff kann sehr wohl in einer Stunde - 16 Seemeilen durch das Wasser, dabei aber bei dem Vorhandensein von - z. B. 2 Knoten Gegenstrom nur 14 Seemeilen über den Grund gemacht - haben; die Bezeichnung durch Knoten wird also auch hier immer die - richtigere sein. - -=Kutter=, 7 bis 9 m lange Boote, welche von 10 bis 12 Matrosen - gerudert werden und die laufende Verbindung zwischen den zu - Anker liegenden Schiffen und dem Lande unterhalten, auch als - Offiziersboote benutzt werden. Bei einer Ausschiffung des - Landungscorps nehmen die Kutter die Vorhut auf und landen demgemäß - auch als die ersten Boote. Auf See dienen sie als Rettungsboote. - -=Lee=, vom Schiffe aus gerechnet diejenige Seite, nach welcher der - Wind hinweht. - -=Leichterprähme=, offene Fahrzeuge, um die Lasten eines Schiffes an - Land zu bringen oder umgekehrt. Sie erleichtern das Schiff. - -=Lothgänger=, Matrosen, welche das Handloth bedienen. Zu diesem Dienst - sind besonders gewandte und zuverlässige Leute erforderlich. - -=Luv=, vom Schiffe aus gerechnet diejenige Seite, von welcher der Wind - herkommt. - -=Marssegel=, die mittelsten und wichtigsten Segel eines jeden - Mastes. Die untersten Segel werden „Untersegel“ genannt, darüber - stehen die „Marssegel“, über diesen die „Bram-“ und darüber die - „Oberbramsegel“. - -=Presenning= oder auch Persenning, ein besonders starkes, zuweilen - auch getheertes oder geöltes Stück Segeltuch, das ebensowohl - als Unterlage, wie auch zum Bedecken solcher Gegenstände oder - Schiffstheile, welche geschont werden sollen, benutzt wird. - -=Reefen=, Verkleinern der Segel durch Einbinden eines Theiles - derselben. - -=Reling= oder Schanzkleidung, der obere, über dem Oberdeck des - Schiffes liegende und als Brustwehr dienende Theil der Schiffswand. - -=Schlingern=, die seitlichen Bewegungen eines von den Wellen bewegten - Schiffes. - -=Spanten=, die rechtwinkelig zum Kiel stehenden Haupthölzer eines - Schiffes oder Bootes, auf welcher die wagerecht liegenden Planken - befestigt werden. - -=Stänge=, s. Bramstänge. - -=Steven=, die vorn und hinten den Kiel nach oben verlängernden Hölzer - oder Eisenschienen. Daher Vor- und Hinter-Steven. - -=Sturmsegel=, besonders starke und für den Zweck geformte kleinere - Segel. - -=Untermast=, s. Bramstänge. - -=Vorbramsaling=, das Stück Holz, welches den Fuß der Bramstänge (s. - Bramstänge) mit der Stänge verbindet. Dasselbe hat seitliche Arme, - um einigen Tauen den erforderlichen Halt zu geben, und diese Arme - dienen dem Ausguckposten als Sitz. - -=Wanten= (abgeleitet von Wand, Wände), die große Zahl starker Taue, - welche den Untermasten seitliche Stütze geben und die Hauptlast des - Segeldruckes zu tragen haben. Die einzelnen Taue sind unter sich - durch Quertaue, welche als Strickleitern dienen, verbunden, sodaß - das Ganze als eine durchbrochene Wand erscheint, welche auf einem - großen Kriegsschiff an jedem Mast und an jeder Seite eine Fläche - von bis zu 60 qm einnimmt. - -=Zum Winde legen=, s. Beidrehen. - -=Zurrung=, feste und straffe Verbindung eines losen Gegenstandes durch - Tauwerk mit einem festen Theil des Schiffes. - - - - -5. - -Aussprache polynesischer Namen. - - -Amakada sprich Amakáhda. -Apamama " Apamáhma. -Apia " Apía. -Apolima " Apolíma. -Atoll " Atóll. -Bora-Bora " Bórra-bórra oder Bólla-bólla. -Cakobau " Thákobau (engl. 'th'). -Dug-Dug " Dúgdug. -Ebon " Ebónn. -Eimeo " Eiméo. -Faipule " Faipúhle. -Falealili " Fah léa-líli. -Falifa " Fah lifà. -Fatu-hiva " Fatu-híva. -Fidji " Fidschì. -Fotuna " Fotúhna. -Funafuti " Funafútti. -Gu " Ngù (E’ngù). -Hanavava " Hanawáwa. -Huheine " Juhéine. -Jaluit " Dschalúit (it kurz). -Kabua " Kabúa. -Kanaka " Kanáka. -Kanu " Kanú. -Kawa " Káwa. -Lauto " Láuto. -Lava-lava " Láva-láva (kurz). -Lebon " Lebónn. -Levuka " Lewúka. -Loau " Lo-áu. -Loautele " Loáu-téhle. -Lolle " Lóllé. -Lufi-lufi " Lúfi-lúfi. -Makada " Makkadà. -Malietoa " Ma-líe-tóa. -Manono " Ma nóno. -Manua " Ma núa. -Maori " Ma óri. -Matupi " Matupí. -Meoko " Meóko. -Morea " Moréa. -Muarlin " Muarlíhn. -Mulinu’u " Mulinù. -Mulitalo " Mulitállo. -Nuka-hiva " Nuka-híva. -Nukualofa " Núkua-lófa. -Ohinemutu " O híne-mútú. -Omoa " O móa. -Oponu sprich O ponù. -Otea-Vanua " O téa-vanúa. -Owharre " O warre. -Palolo " Pa lólo. -Pago-Pago " Pángo-Pángo. -Papeete " Pápe-éte. -Papetoaï " Pápe-toaï. -Pareo " Páreo. -Paumotu " Paumótù. -Pomare " Pómaré. -Raiatea " Raiatéa. -Roto-kakahi " Róto-kakahí. - " -mahana " " -mahánna. - " -rua " " -rúa. -Safune " Safúhne. -Saluafata " Salúa-fátta. -Samoa " Sa móa (das ganze [= 'Sa'] Móa). -Sangapolutele " Sanga pólu-téhle. -Savai’i " Sa váíj. -Savo " Sávo (kurz). -Soma-Soma " Sómma-Sómma. -Tabu " Tabú. -Tahaa " Taháa. -Tahiti " Táhiti (Táiiti). -Taimua " Taimúa. -Talolo " Ta lólo. -Taloo " Ta lú. -Tapa " Tá pá. -Tapituwea " Tapituwéa. -Tarawera " Tarawéra. -Taritari " Tárritárri. -Tauranga " Tauránga. -Taviuni " Taviúni. -Tikitapu " Tikitápu. -Toëtele " Toë téhle. -Tonga " Tónga. -Tongatabu " Tongatabú. -Topulu " Topúlù. -Torragud " Tórragud. -Tui-Kakao " Túi-Kakáo. -Tutuila " Tutúila. -Upolu " Upolù. -Urakukua " Urakukúa. -Vaitele " Vai-téhle. -Vaitupu " Vaitúpú. -Waihiria " Waihiría. -Wairoa " Wairóa. -Whakarewarewa " Wakka-réwa-réwa. - - - - -6. - -Namen- und Sachregister. - - -Aale auf Samoa 266; - aus dem Waihiria 182. 183. - -Aana, District 253. - -Aden, Hafen und Stadt 556. 557; - Cisternen 557. - -Albatros, Kanonenboot 462. 486; - im Cyklon 487. - ---, Vogel 39. - -Albatros-Insel 502. - -Albino 352. 524. 525. - -Alligator-Birne 44. 45. - -Amakada, Insel 392. 408. - -Amapala, Hafen 51. 52; - Bewohner 52. - -Amerikaner in Samoa 225. 230. 231. 234. 235. 236. 237. 246. 247. 248. 292; - beabsichtigte Abtretung der Samoa-Inseln 237. 565. - -Amerikanischer Consul in Apia 219. - -Amerikanische Landcompagnie 232. 247. 292. 293. - -Amerikanisch-samoanischer Vertrag 232. 233. 235. 236. 246. - -Andes, Südausläufer 5. - -Apamama, Insel 341-355; - Eingeborene 346. 349, Hautfarbe 346, Kleidung 346, Schmuck 347; - der König und seine Familie 341. 345. 346. 347. 352. 353. 355; - Landschaft 342. 344. 345; - Tanz 348. 349. 350-352; - Tätowirung 347; - Vorbereitung eines Vertrags 355; - Wohnungen 346. - -Apia, Hafen und Stadt 214. 216. 218; - Anlage der Stadt 218. 219. 220; - Europäerviertel 219; - Regierungssitz 218. - -Apolima, Insel 460-462; - Bedeutung 460. - -Arafura-See 548. - -Arbeiter, Anwerbung 316. 319. 332. 333. - -Archipel der Niedrigen Inseln s. Paumotu. - -Ariadne, Corvette, Abreise 1; - Abschied von Apia 542. 543; - bei Apolima 462; - Einfahrt in Levuka 305. 306, in Otea-Vanua 199-201; - bei einer Bö 274. 275; - im Cyklon 483-486; - Heimkehr 562; - Heizer 452. 453. 558. 559; - in Matupi 391; - Reinschiff 130. 131; - bei Ruluana 434-436. 443; - Thätigkeit in der Südsee 565; - Ueberwachung durch französisches Schiff 189; - verirrte Boote 35-37. - -Ariadne-Huk 502. - -Arkona, Fregatte 485. - -Armband als Tasche 414. - -Atoll, Bau 124; - Bedeutung des Wortes 124. - -Atua, District 253. - -Auckland, Stadt 468. 469. - - -Bab-el-Mandeb 558. - -Bali, Insel 549. - -Bambusflöße als Hülfsmittel b. Schwimmen 181. - -Banyan, s. 'Ficus indica'. - -Bartlett, amerikanischer General 231. 248. 466. 500. 507. - -Batavia, Hafen und Stadt 549; - Haushalt der Europäer 550. - -Bäume, lebende, als Telegraphenstangen 550. - -Baumwolle 75. 108; - Oelgewinnung 150. - -Baumwollstoffe zur Kleidung in den Tropen 521. - -Biche-le-mare, s. 'Holothuria'. - -Bimsstein-Auswürfe 382; - -Felder 324. 325. - -Bismarck-Archipel 379, s. Duke of York-Inseln, Neu-Britannien, Neu-Irland. - -Bismarck, Fregatte 541. 565. - -Blanche-Bai 382. - -Blaue Grotte bei Neiafo (Tonga) 498. 499. - -'Blue-Mountains' 276. 287; - Vegetation 288. 289. - -Bola-Bola, s. Bora-Bora. - -Bon Repos-Bai, s. Omoa. - -Booby-Insel 548. - -Bora-Bora, Insel 188. 198. 199; - Eigenthumsrecht 202; - Königin 201. 202. 203; - Sittenlosigkeit 204; - Staatsrath 202; - Verordnungen und ihre Beobachtung 204. - -Bougainville, Insel 379. 459. - ---, Seefahrer 143. - -Bounty, englisches Schiff 143; - Meuterei der Mannschaft 144. - -Bramble-Cay, Insel 545. - -Branntwein 79. 470. - -Brennnesselbaum 519. 520. - -Brotbaum auf Samoa 254. - -Brown, Missionar, Abschied von 449; - Besuch bei 405. 406; - Kampf mit Eingeborenen 387. 389. 390. - -Buitenzorg 550. - -Buschhuhn 456; - Eier 456. 460. - - -Cakobau, König der Fidji-Inseln 564. - -Callao, Hafen 44. - -Cap Froward 13. - -Cap Guardafui 555. - -Cap St.-George 380. - -Cap Venus 84. 85. - -Carteret, Seefahrer 382. - -Central-Amerika, Westküste 48. - -Collingwood-Straße 17. - -Colonien, in der Südsee 296; - englische 307; - Regierungsform 296. 297. - -Communismus unter Verwandten 153. 154. 262. - -Connor-Cove, Hafen 37. 38. - -Cook, Seefahrer 143. - -Corinto, Hafen 49. - -Cyklon bei den Tonga-Inseln 483-487. - - -Dampfschiffsenten 25. 26. - -Darwin über Feuerländer 8. - -Datumswechsel 216. - -Deutsche in Apamama 340. 343; - Leben in Apia 221. 222; - im Bismarck-Archipel 385. 400. 441; - in Sydney 286. 287; - in Tahiti 188. - -Deutsche Handelshäuser in der Südsee 317, s. auch 'Société commerciale'. - -Deutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft 219. 223. 316. 317; - Grundbesitz 224. - -Deutsche Interessen im Bismarck-Archipel 385. 400; - auf den Marshall-Inseln 360; - in Samoa 223. 226, - Forderungen 226. 227. 236. 238; - in der Südsee 564, - Sicherung 564. - -Deutsche Kaufleute, im Bismarck-Archipel 385. 400. 401; - in Tahiti und auf den Gesellschaftsinseln 188. 189; - Entgang des Lohnes jahrelanger Thätigkeit 566. - -Deutsche Kohlenstation in Jaluit 373. 374. - -Deutschlands Stellung zu den unabhängigen Südseeinseln 196. 197; - Ablehnung der Fidji-Inseln 564; - Erwerbung von Häfen und Kohlenstationen 373. 443. 450; - Schutz der deutschen Interessen in der Südsee 564; - Vertrag mit Bora-Bora 203. 565, - mit Huheine 196. 565, - mit Roratonga 565, - mit Tonga 564. - -Deutsch-samoanischer Vertrag 464; - Abschluß 465. 466. - -Diwarra, Muschelgeld 404; - Einfluß auf die Bedeutung eines Orts 437. - -Djidda, Hafenstadt 559. 560; - Eva’s Grab 561; - Pilgerzug 561; - türkischer Gouverneur 560. 561. - -Dominica, Insel 68. 70; - Bevölkerung 75. - -Drummond-Insel, s. Tapituwea. - -Dug-Dug 405. 421. 422; - Vorbereitungen 432-434; - Tanz 444-448. - -Duke of York-Inseln 379. 382. 392; - Bedeutung für den Handel 385; - Bildung von Gemeinwesen 401. 402. 427; - Dug-Dug s. d.; - Eingeborene 409, - Achtung vor Eigenthum 402, - Armband 414. 415, - Aeußeres 410, - Berathungshaus 405, - Besuch Vornehmer 450. 451, - Farben 414, - Fischereianlagen 405, - Frauen 403. 410, - Sitzstellung der Frauen 403, - Geld 404. 437, - Haartracht 411, - Halsband 412-414, - Hautfarbe 410, - Heirath 426, - Kampfweise 418. 419, - Staatskanu 409, - Kleidung 394. 403, - König 401, - königliche Wohnung 402. 403. 404, s. auch Topulu, - Mästung von Mädchen 410. 411, - Menschenfresser 388. 409. 411. 412, - Menschenjagd 409, - Missionare 387. 405. 408, - Musikinstrumente 420, - Nahrungsmittel 422, - Reinlichkeit 415, - Schädelmasken 421, - Schmuck 412. 429, - Tanz 424. 429. 438, - Tätowirung 412, - Trauerzeichen 440, - Waffen 396. 398. 416. 441, - Werkzeuge 419, - Wohnungen 402; - Entdeckungsgeschichte 382. 384; - Factorei, deutsche 395. 401; - Häfen, deutsche, s. Makada und Meoko; - Kaufleute, deutsche 385. 400. 441. - - -Ebbe und Flut in der Magelhaens-Straße 3. - -Ebon, Insel 375. 376. - -Eimeo, s. Morea. - -Eisberge 28. - -Eiskanal 28. 29; - Temperatur 29. - -Eisenholz 126. - -Elephantiasis 265. - -Elisabeth, Fregatte 46. 49. 54. - -Ellice-Inseln 314-331; - Einwanderung 575. - -England, Colonialsystem 297. 316. 317; - auf Samoa 225; - in der Südsee 563; - Folgen einer Festsetzung in Neu-Guinea 396. - -'English narrows' 30. 31. - -Erdbeben 42. - -Ertragfähigkeit des Landes auf einer Laguneninsel 323; - auf den Marquesas-Inseln 75; - auf Samoa 316; - auf Tahiti 148. - -Erwerbung von Häfen für Deutschland 373. 396. 467; - des Hafens von Makada 443; - des Hafens von Meoko 450. - -Etiquette in Polynesien 310. - -Eukalyptenwald 288. - -Europäer in den Tropen 395; - beste Kleidung 521. - -Eva’s Grab 561. - -Expedition, deutsche, gegen Nicaragua 46. 49; - Ultimatum 49. - - -Factorei, deutsche, auf Jaluit 361; - auf Meoko 395. 401. - -Faipule, Regierungskörperschaft 225. - -Falealili, Beschlagnahme 244. - -Falifa, Stadt 524. - -Famine-Kanal 11. - -Fatu-hiva, Insel 68. 82. 83. - -Fergusson-Harbour 384. - -Festmahl, samoanisches 512. - -Feuerland, Eingeborene 15, - Kleidung 6, - Wohnung 6; - Landschaft 7; - Menschenfresser 8; - Name 7. - -'Ficus indica (religiosa)' 301. 302. - -Fidji-Inseln 299. 319. 564; - Eingeborene 571; - Kanu 311. 312; - Menschenfresser 571; - Menschenopfer 308. 309; - englische Colonie 564. - -Fingernägel, lange 358. - -Fische 12. 19. 35. 132. 141. 275. - -Fischereigeräthe auf den Duke of York-Inseln 405; - in Samoa 264. - -Fliegen 97. 118. - -Flint, Insel 157. - -Fotuna, Insel 314. - -Frankreich, auf der Gambier-Insel 155; - auf den Marquesas-Inseln 68. 69. 71, - Beamte 70, - Steuern 70. 71; - auf den Paumotu-Inseln 70; - auf Tahiti 70. 146. 153, - Handel 156. 157, - Ueberwachung der königlichen Familie 161; - Protectorat über die Marquesas-Inseln und Tahiti 563, - Unterschied zwischen Colonie und Protectorat 154, - Umwandlung des Protectorats in Colonie 566; - Auftreten in der Südsee 563. 566; - Vertrag mit England zur Garantie der Unabhängigkeit der Gesellschafts-Inseln 563, - Annexion der Gesellschafts-Inseln 566; - Chikane und Hetzereien gegen Deutsche 70. 188. 196. 206. 507; - Ueberwachung der „Ariadne“ 172. 189; - Behandlung Eingeborener durch ein französisches Kriegsschiff 103. - -Frauen, Stellung der, auf den Südseeinseln 366. - -Freya, Corvette 46. 49. - -Funafuti, Insel 314. 315; - Bodengestalt 319. 320; - Dorf 321; - Eingeborene 321. 323; - Ertragfähigkeit 323; - Hütten 322; - König 325; - Krankheiten 322; - Landschaft 324; - Vertrag 326. - -Fusijama, Berg 18. - -Fußbekleidung für militärische Expeditionen 47. 48. - - -Galapagos-Inseln 58; - Bodengestalt 60; - Landschaft 60. 61; - Thierleben 58. 59. - -Gambier-Insel 154; - Perlen 155. 209; - Stellung zu Frankreich 155. 566. - -Gazelle, Corvette, in Neu-Britannien 384. 391. - -Gemeinwesen, Bildung von, im Bismarck-Archipel 427. - -Gesang der Eingeborenen, in Hanavava (Marquesas-Inseln) 115; - auf Tahiti 184; - auf Tonga 494. - -Gesellschafts-Inseln 188; - Aussterben der Eingeborenen 211. 212; - Christenthum 211. 213; - Communismus 210. 211; - Kronerbfolge 203; - englisch-französischer Vertrag 189. 563; - Annexion durch Frankreich 566. - -Geysir, s. Heiße Quellen. - -Gilbert-Inseln, s. Kingsmill-Inseln. - -Gletscher 14. 28. - -Gouverneur, englischer, auf den Fidji-Inseln 307. 308; - in Sydney 280; - französischer, in Tahiti 153. 157; - türkischer, in Djidda 560. 561. - -'Govett’s Leap', Wasserfall 287. - -Grappler-Kanal 29. - -Gray-Hafen 24. 32. 33. - -Großer Nordost-Kanal 545. 546. - -Großgrundbesitzer in Australien 280. 281. - -Gu, Prinz, s. Wellington Gu. - -Guanaco 19. - -'Gum-tree' (Gummibaum), s. Eukalypten. - - -Haifisch 132; - Begleiter 133. 134; - Fang 132-135; - Flosse 135. - -Halt-Bai 35. - -Hanavava-Bai 104; - Häuptling 106. 107; - Landschaft 104. 108. 109; - Menschenopfer 109; - Vegetation 108. - -Handelsagenten, Leben 385. 386. 441. 442. 456. 457. - -Häuptlinge der Südseevölker 99. - -Hautfarbe der Feuerländer 20; - der Melanesier 410; - Mikronesier und Mischlinge 334. 346; - Polynesier 88. 95. 98. - -Hautkrankheiten 265. 322. - -Heiße Quellen in Neu-Seeland 473. 478. 479-481; - Rosa-Terrasse 480; - Weiße Terrasse 479; - Vernichtung 576. - -Hennings, Brüder, Kaufleute 564. - -Hernsheim, Brüder 360. 385. 399. 400. - -Hitze, 45. 48. 558; - Schutzmaßregeln 45. - -Hochstetter, von 576. - -'Holothuria' 321. - -Huheine, Insel 188. 194; - Ansicht des Landes 194. 195; - Königin 196; - Tanz 198; - Vertreibung der Franzosen 563. - -Hunter, Seefahrer 384. - - -Indianer 19; - Aeußeres 20; - Gefahr durch 35; - Kleidung 20; - Tauschhandel 20-22. - -Indian-Kanal 29. - -Indischer Ocean 552. - -Inselgewölk, s. Paumotu. - -Insel-Hafen 38. - - -Jägerliest, Vogel 286. - -Jaluit, Insel 360. 361; - deutsche Ansiedelung 361. 362; - Eingeborene 363; - Hütten 362; - Kohlenstation, deutsche 373; - König 362. 366. 367. 369; - Kleidung 363-365; - Reinlichkeit 365; - Stellung der Frau 366; - Tanz 368-371; - Tätowirung 363; - Vielweiberei 363. 366. - -Java, Putzsucht der Eingeborenen 551. 552. - -Java-See 549. - - -Kabua, s. Lebon. - -Kaffeeplantage 312. 313. - -Kakadu, der Salomons-Inseln 458. - -Kamele 557. 558. - -Kanaka (Kanaker) 323. - -Kannibalismus im Bismarck-Archipel 388. 409. 411; - der Feuerländer 8; - auf den Fidji-Inseln 571; - auf den Salomons-Inseln 456; - Ursprungsgebiet für die Südsee 567; - Bereitung von Menschenfleisch 422. 424. - -Kanu, auf den Fidji-Inseln 311. 312; - auf den Kingsmill-Inseln 335; - auf Omoa 88. 89; - auf Samoa 257. 258. - -Katastrophe im Geysir-Gebiet Neu-Seelands, Anzeichen 576. 577; - Ausbruch 577; - Folgen 577. - -Kawa, Getränk, Bereitung auf Samoa 228; - auf Tonga 494; - Geschmack 229. 330; - Wirkung 533; - Wurzel 533. - -Keule, im Bismarck-Archipel 418; - Attrape 418. - -King Dick, s. Topulu. - -King George-Island, s. Tahiti 143. - -Kingsmill-Inseln 319. 331-359. - -Kleidung für den Europäer in den Tropen 521; - europäische, für die Südseevölker 77. - -Kochherd der Eingeborenen 182. - -Kokosnuß, berauschendes Getränk aus 79. 81; - Nahrungsmittel für Thiere 519; - Oel 224; - s. auch Kopra. - -Kokospalme 75. 126; - Bedeutung für Südseevölker 127. 334. 335; - Boden 75. 166. - -Kolibri 6. 34. - -König, der, von Apamama 341. 345. 353. 355, - seine Familie 346. 347. 352; - der Duke of York-Inseln, s. Topulu; - der Fidji-Inseln 564; - von Funafuti 325; - von Jaluit, s. Lebon; - von Raiatea 206; - von Tahiti, s. Pomare V.; - von Taritari 358; - von Tonga 302. 303. - -Königin von Bora-Bora 201; - von Huheine 196; - von Tahiti 187. 190; - von Tonga 304. - -Königsfamilien auf Samoa 463. - -Kopra 224. 323. - -Korallen 320; - tiefstes Vorkommen 125. - -Koralleninseln 123; - Ansicht 126; - Bildung 124-126. 324. - -Korallenriff, vergebliches Suchen nach einem 291. - -Korallensee 545. - -Krebse 171. 172. 177. - -Kriegsschiffe, Auftreten gegenüber Eingeborenen 354. - -Krusenstern, Seefahrer 74. - - -Laguneninsel (Atoll) 124. 125. 314. - -Lagunen-Inseln, s. Ellice-Inseln. - -Lange, Bootsmannsmaat 298. - -La Sagittaria, s. Tahiti 142. - -'Laughing Jack', s. Jägerliest. - -Lauto-See 539. 540. - -Lava-Lava, Hüfttuch 227. 263. - -Lebon, König von Jaluit 366. - -Leipzig, Fregatte 44. 49. - -Letabalin, Häuptling 366. 376. - -Leuchtfeuer, Werth für Schiffahrt 137. 138. - -Levison, Kapitän 395. - -Levuka, Hafen 305. 306; - Gouverneur 307. - -Lima, Stadt 44. - -Loau, Häuptlingstochter 502. - -Loautele, Häuptlingstochter 514. 531. - -Lolle, Häuptlingstochter 511. 514. - -Lombock, Insel 549. - -Lombock-Straße 549. - -Louisiaden-Inseln 545. - -Lufi-lufi 511. - - -Madeira 2. - -Magelhaens-Straße, Austritt 38; - Eintritt 3; - Eisberge 28; - Indianer 19; - Klima 3. 4. 5. 6. 27. 28; - Landschaft 3. 5. 6. 11. 12. 13. 14. 17. 18. 24. 25. 27. 31. 33. 34. 35; - Thierleben 12. 13. 25. 29. 34. 35; - Waldbrand 34. - -Makada, Hafen 399; - Verkauf an Deutschland 443. 444. - -Malayen, Stammväter der Südseevölker 573. - -Malietoa, Königsfamilie 225. 226. 463. 507. - -Malpelo, Insel 57. - -Mamea, Gesandter 231. 232. 247. - -Mangarewa, Insel, s. Gambier-Insel. - -Mangroven 50. - -Manono, Insel 460. - -Manua, Insel 217. 218. - -Maori 470. 473. 477; - Aussterben 470. 471; - Mischlinge 476. 477. 478; - Schmuck 477; - Schnitzereien 473. 474. 481. - -Marquesas-Inseln 67-121; - Bodengestalt 72. 73; - Branntwein 79. 81. 102; - Colonie, französische 68. 69. 70, - Bedeutung 69, - Schiffsverkehr 69, - Steuern 70. 71; - Eingeborene 55. 67. 75, - Abnahme der Bevölkerungszahl 78. 79, - Achtung vor fremdem Eigenthum 89. 119, - Arbeit 80. 118, - Besitz 119, - gesundheitliche Verhältnisse 79. 80, - Haartracht 88. 95, - Haß gegen Franzosen 71. 72, - Hautfarbe 86. 94. 98, - Häuptlinge 86. 94. 106, - Kanu 85. 88, - Kleidung 81. 86. 97, - Kopfsteuer 70, - Krankheiten 81, - Kriege 79, - Mahlzeiten 119, - Menschenopfer 109, - verschiedene Menschentypen 71. 98, - Ohrläppchen 102, - Schmuck 95, - Schönheitssinn 90. 91. 111-113. 117, - Schwimmkunst 118, - Sitten 76. 77. 78. 103. 115, - Tanz 113, - Tätowirung 76. 87. 94. 98. 100, - Trunksucht 79. 119, - Vielmännerei 78, - Verkehr mit Walfischfängern 78. 79, - Waffen 95; - Ertragfähigkeit 75; - Klima 74. 81; - Landschaft 72. 74. 75. 83. 85. 104. 108. 122; - Missionare 67. 104; - frühere Reiseberichte 67. - -Marshall-Inseln 319. 360-378; - deutsche Ansiedelung 361, - deutsche Interessen 360; - Eingeborene 363, - Frauen 366, - Haartracht 363, - Kleidung 363, - Körperbildung 363, - Ohrlappenring 363, - Reinlichkeit 365, - Schmuck 368, - sociale Verhältnisse 366, - Tanz 368, - Tätowirung 363, - Wohnungen 362; - Kohlenstation, deutsche 373; - König, der, s. Lebon; - Missionare 376. - -Mästung von Mädchen 411. - -Matten, auf Jaluit 365; - auf Samoa 262. - -Matupi, Insel 438; - Dorf 439; - Eingeborene 438, - Trauerzeichen 439. - -Medusa, Corvette 46. 49. - -Meeresströmung 331. 340. 549. 553. - -Mekka 560. - -Melanesier 571. - -Menschenopfer, auf den Fidji-Inseln 308. 309. 572; - auf den Marquesas-Inseln 109. 110. - -Meoko, Insel und Hafen 392. 450; - Ankauf des Hafens 451; - deutsche Ansiedelung 395. 401; - Eingeborene 394. 398; - Landschaft 393. 394; - Vegetation 394. - -Meuterer von der „Bounty“ auf Pitcairn 144. 145. - -Mikronesier 571. - -Mischrasse aus Samoanern und Mikronesiern 575. - -Missionare, Urtheil und Stellung gegen Eingeborene 568. 569, - zersetzender Einfluß auf Stammleben 376. 570, - Gegner der Tänze 372, - Handelsthätigkeit 161. 212, - Feindschaft gegen Kaufmann 212. 213, - Auftreten nach dem Kaufmann 424; - amerikanische, auf den Marshall-Inseln 376. 377, - schädliche Wirksamkeit 376; - deutsche (katholische), auf den Marquesas- und Gesellschafts-Inseln 103. 104. 105. 106. 160, - (protestantische) auf Bora-Bora 211; - englische, im Bismarck-Archipel 385. 424, - auf den Gesellschafts-Inseln 211, - auf den Marquesas-Inseln 105, - auf Samoa 261, - auf Tahiti 145. 146, - auf den Tonga-Inseln 494, - Rechtspflege 495; - französische, auf den Gesellschafts-Inseln 211, - auf den Marquesas-Inseln 105, - auf Tahiti 160. 161, - gehässiges Auftreten gegen Deutsche 105. 160; - falsche Missionare, s. Seeräuber, peruanische. - -Missionslehrer, Polynesier als 208. 387. 388. - -Morea, Insel 154. 192. 193; - Bodenerzeugnisse 193. - -Mount Burney 5. 17. 18. - -Mount Edgecombe 475. - -Mount Ernest-Insel 547; - Seeräuber 547. - -Muarlin, Insel 393. - -Mulinu’u, bei Apia 218. - -Mulitalo, Häuptling 534. 535. - -Muscheln 19. 320. - -Muschelgeld, s. Diwarra. - -Musik, Einwirkung auf Eingeborene in Ruluana 436. - -Musikinstrumente auf den Duke of York-Inseln 420. - -Mutter und Töchter, Vulkane 382. - - -Nachtfahrt, Gefahren der 65. - -Nationalhymne der Tahitier 184. 185. - -Nautilus, Kanonenboot 156. - -Neiafo, Dorf 490. 491. - -Neu-Britannien 379; - gefährliche Eingeborene 386; - vulkanische Ausbrüche 325. 382. - -Neu-Caledonien 563. - -Neu-Hebriden, Inseln 319. 543. - -Neu-Irland, Insel 379; - Eingeborene 382; - Küste 380. 381. - -Neu-Lauenburg 379, s. Duke of York-Inseln. - -Neu-Mecklenburg 379, s. Neu-Irland. - -Neu-Pommern 379, s. Neu-Britannien. - -Neu-Seeland, Besiedelung 574; - Colonisten, Auftreten gegen die Eingeborenen 470; - Eingeborene, s. Maori; - Geysir, s. Heiße Quellen; - Landfrage 470. - -Neu-Südwales, Stellung zum Mutterland 282; - Gouverneur 280. 282. - -Nicaragua, Beleidigung eines deutschen Consuls 46; - Hochmuth der Regierung 49; - deutsches Ultimatum 49; - Unterwerfung 51. 52. - -Norfolk, Insel, Ansiedelung der Bewohner von Pitcairn 145. - -'Nouvelle Cythère', s. Tahiti 143. - -Nuka-hiva, Insel 67. 74; - Landschaft 122. 123; - Sohn der Königin 72. - -Nukualofa, Stadt 300. 486. - -Nutzholz in Punta Arenas 9; - auf Tahiti 150. - - -Ohinemutu, Dorf 472. 473. - -Ohrläppchen als Tasche 102. 329. 330. 363. - -Omoa, Thal 68; - Dorf 94; - Eingeborene 76. 85. 86, - Aeußeres 76. 95. 98. 99. 102, - Benehmen 90. 96, - Ehrlichkeit 119, - Haartracht 86. 87, - Kinder 95. 96, - Kleidung 86. 94. 97, - Schamgefühl 77, - Schmuck 95, - Schwimmfertigkeit 118, - Tätowirung 76. 87. 88. 99. 100, - Tanz 113. 114, - Thätigkeit 118; - Häuptling 86. 94; - Hütten 96. 97; - Kanu 88; - Landschaft 83. 84. 85. 86; - Lynchjustiz 119; - Menschenopfer 109. - -Oponu, Dorf 192. - -Orangen, Arten in Sydney 285; - Handel 148. - -Orkane der Südsee 129. 218, s. auch Cyklon. - -Ortsbestimmung eines Schiffs 137-139. - -Otea-Vanua, Hafen 198. - -Owharre, Hafen 194; - Königshaus 194. - - -Pago-Pago, Hafen 218; - Abtretung an Amerika 222. - -Palolo, Wasserwurm, Fang 293-295. - -Panama, Bai und Stadt 44. 54; - Bewohner 47. 54; - Klima 44; - Ruinen 47. - -Panzer aus Kokosnußfasern 353. - -Papageien 6. 34. - -Papeete, Hafen und Stadt 147. 156; - Anlage 162; - Bewohner 161. 162; - Bedeutung 148; - Häuser der Europäer 163; - Lage 161; - Leben im Hafen 164; - Markt 187. 188. - -Papetoaï, s. Taloo. - -Pappelpflanzungen 43. - -Pareo, Kleidungsstück 152. - -Paumotu, Inselgruppe 70. 123. 154; - Ansicht einiger Inseln 126. 127. 128; - Bau 123; - Bewohner 126; - französische Colonie 566. - -Perlen 156. 161. 209; - Bildung 209; - Preise 210. - -Perlmutter 156. - -Pferd, Bezeichnung in Tahiti 168. - -Pilgerzüge, mohammedanische 560. 561. - -Pilot, Fisch, Begleiter des Hai 133. 134. - -'Piper methysticum' 228. - -Pitcairn, Insel, Niederlassung meuterischer Matrosen 144; - Uebersiedelung der Bewohner nach Norfolk 145. - -Plantagenarbeiter 319. 332. - -Plantagenbau, Erträgniß 317. 318. - -Point Venus 137; - Leuchtfeuer 137. - -Polynesien 571; - Menschenfresser 571. 572. - -Pomare IV., Königin von Tahiti 146. - -Pomare V., König von Tahiti 153. 161. 187. - -Port Angosto, Hafen 15. - -Port Anna Maria 67. 121. - -Port Jackson 273. 276. 277-279. - -Port Said 562. - -Port Tschitschakoff 122. 123. - -Port Weber 441. - -Port Wesley 384. - -Postamt in der Arafura-See 548. - -Postbesorgung durch Kriegsschiffe 274. - -Prince of Wales-Insel 548; - -Kanal 547. - -Puerto Bueno 18. 19; - Thierleben 19. - -Punta Arenas, Stadt 6; - Anlage 10; - Einwohner 10; - Hausthiere 9; - Kohlengrube 10; - Lage 9; - Nutzholz 9; - Soldatenemeute 8. - - -Quiroa, Pedro Fernandez de, Entdecker von Tahiti 142. - - -Radack-Kette (Marschall-Inseln) 574. - -Raiatea, Insel 188. 205; - deutsche Factorei 207; - Eingeborene 207. 208. 211; - König 206; - Königshaus 207; - Tanz 208; - religiöse und sociale Verhältnisse 209. - -Ralick-Kette (Marshall-Inseln) 360. - -Ras-Hafun, Vorgebirge 553. - -Raupe, eßbare 515. - -Realejo, Hafen 49. - -Rechtspflege in Saluafata 534; - in Tonga 489. 495. - -Reiseberichte, ältere 67. 568. - -Reitthiere, Eingeborene als 173. 176. 177. - -Rennel-Insel 546. - -Rinder, verwilderte, Jagd auf 193. 194. - -Ringwurm, Krankheit 265. - -Rio de Janeiro 2. - -Robertson, Kaufmann 400. - -Roratonga, Insel, Ursprungsland der Maori 574; - Menschenopfer 572; - deutscher Vertrag mit 565. - -Rossel-Island 545. - -Rothes Meer 558; - Hitze 558. 559. - -Roto-mahana, See 478. 479. - -Roto-rua, See 472. - -Ruluana, Ansiedelung, freche Eingeborene 431. 432; - Vermögen 436. 437. - - -Safune, Hafen 533. 534. - -Salomons-Inseln 319; - Eingeborene 455. 456; - künstliche Erzeugnisse 458. - -Saluafata, Hafen 218. 238. 501. 502; - Beschlagnahme 238-243; - Werth als Kohlenstation 467. - -Samoa-Inseln 214-272. 290-298. 452-467. 500-540; - Beschlagnahme zweier Häfen 238, s. Saluafata und Falealili; - Bewerbung um das amerikanische Protectorat 565; - deutscher Einfluß 261; - deutsche Forderungen 226. 227. 230. 233. 234. 235; - Dörfer 254; - Eingeborene, Abgaben 253, - Aeußeres 248. 249, - Berathungshaus 254, - Besitzthümer 262, - Charakter 249, - Christenthum 261, - Communismus 262, - Ehe 260. 261, Fest 237, - Fischereigeräthe 264, - Frauen, Benehmen der 244. 245, - Selbständigkeit der Frauen 259, - Gastfreundschaft 254, - alte Begrüßungsform 525, - Haartracht 252, - Häuser 254. 255. 256, - Hausrath 256, - Hautfarbe 252, - Heirath 259, - Kanu 254. 257. 258, - Kleidung 250. 263, - Kopfkissen 257, - Krankheiten 265, - Kriegführung 509. 510, - Folgen der Kriege 467, - künstliche Erzeugnisse 263, - Lagerstätte 256, - Mahl 512, - Nahrung 506. 535, - Reinlichkeit 252. 253, - Reiselust 254, - Schmuck 252. 256. 527, - Schwimmfertigkeit 253, - Sitte bei Besuchen 534. 535, - Spaßmacher 503, - Speisebereitung 257, - Spiele 508. 509. 515-517, - Spottlieder 503, - Sprache 249, - Stellung unter den Polynesiern 249, - Tagesarbeit 213, - Talolo 536, - Tanz 267. 513-515. 525-531. 537-539, - Tätowirung 251, - Tauchkunst 266. 267, - Vielweiberei 260. 261, - Volksleben 259, - Waffen 265; - Häuptlinge 227. 249, - Aeußeres 249, - Festkleidung 504. 505, - Töchter 254. 255; - Häuptlingsgräber 241; - Königsfamilien 463; - Kreuzung mit Mikronesiern 575; - Matten 262; - Missionare, Einfluß 261; - Plantagenbau, Erträgniß 317. 318; - Rechtspflege 534; - Regierung 224. 225. 236; - Thiere 266. 518. 519. 537; - Ursprungsland, hypothetisches, der Polynesier 573. 575; - Wald 519; - Wirkung der amerikanischen Hetzereien 245. 246. - -Sangapolutele, Häuptling 243; - Rechtsprechung 534. - -Santa-Christina, Insel, s. Tahu-ata. - -Santa-Maria, Insel 543. - -Sarmiento-Cordillere 17. 18; - -Kanal 17. - -Savai’i, Insel 217. 218. 534; - alte Gebräuche 260; - Sprache 534. - -Savo, Insel 455; - Eingeborene 456. - -Schädelmasken 421. - -Scheingefecht, Wirkung auf Eingeborene 354. 372. 448. - -Scheinwaffen im Bismarck-Archipel 441. - -Schildkröten 55. 56. 59. - -Schmuck der Eingeborenen auf Apamama 347; - im Bismarck-Archipel 412. 428. 429; - der Maori 477; - auf den Marquesas-Inseln 95; - auf den Marshall-Inseln 368; - auf den Samoa-Inseln 252; - auf den Tonga-Inseln 497. - -Schönheitssinn der Eingeborenen von Omoa 90. 91. 111-113. 117. - -Schrimse, s. Krebse. - -Schweizercolonie bei Punta Arenas 10. - -See, auf, 62. 130. 274. 483. 544. 553. 558. - -Seefahrt 4. 10. 31. 82. 84. 137. 274. 326. 379. 393. 483. 544. 553. 558. - -Seehund (Seebär, Seelöwe) 29. 30; - Jagd 30. - -Seeräuber in der Torres-Straße 547; - peruanische 321. 322. - -Segeltuchschuhe 48. 174. - -Siamani, samoanische Bezeichnung für Deutsche 233. - -Sinterterrasse, Rosa 480; - Weiße 479. - -Sir Charles Hardy-Insel 380. - -Smyth-Kanal 16. - -'Société commerciale de l’Océanie' 188. - -Soldatenemeute in Punta Arenas 8. - -Somali-Küste 553. - -Soma-Soma, Dorf 308. - -Sombawa, Insel 549. - -Speer, auf den Duke of York-Inseln 416. - -Sprachverwandtschaften in der Südsee 573. 574. - -Staatswesen in Polynesien 203. - -Sta.-Cruz-Inseln 565. - -Steinberger, Oberst 225. - -Steinschleuder, im Bismarck-Archipel 398. 417. - -St.-George-Kanal 380. - -Stirling, Insel 454; - Landschaft 454. - -Straßenkehrerinnen auf Tahiti 159. - -Streitaxt, im Bismarck-Archipel 396. - -Strom, kalter, bei Aden 553-555. 556. - -Strömung, starke, in der Lombock-Straße 549. - -Stromversetzung, starke 331. 340. - -Sturm 37. 199. 483. - -Südseeinseln, Werth als Colonien 296; - Bedeutung für den Handel 315; - Bevölkerung 54, - Einfluß des Christenthums 569, - Verehrung für alte Häuptlingsfamilien 203. 204. 570, - Stellung der Frau 366, - Ursprung 572; - freie Gebiete 565, - Theilung zwischen Deutschland und England 566. - -Südsee, östliche, Klima 57. 58; - Windverhältnisse 55. - -Suezkanal 562. - -Sumba, Insel 548. - -Sunda-Straße 552. - -Süßwasserquellen im Meere 170. 171. - -Sydney, Stadt 279; - Anlage 283; - Besuch beim Gouverneur 280; - Botanischer Garten 283; - deutsche Colonie 286. 287; - gesellschaftliches Leben 281; - Hafen, s. Port Jackson; - Klima 285; - Thierwelt 286; - Vegetation 285. - - -Tabu, Gesetz 166. 433; - Folge der Verletzung 458. - -Tahaa, Insel 205. - -Tahiti, Insel, erster Anblick 130. 140. 141; - Bodenerzeugnisse 148, - Bodengestaltung 147; - Verbreitung des Christenthums 145; - als französische Colonie 566; - Eingeborene, Angelhaken 181, - Arbeitsscheu 148, - Aeußeres 151, - Charakter 152, - Diener 168, - weiblicher Hofstaat der Frauen 164, - Stellung der Frau 152, - Hausthiere 150, - Jagd 150, - Kleidung 152, - Kletterkunst 171, - Kochkunst 182, - Mischlinge 151. 152. 163, - Nahrungsmittel 151, - Schnellfüßigkeit 183, - Sittenlosigkeit 145. 162. 211; - Entdeckungsgeschichte 142. 143; - Häfen 147. 148; - Handel 161; - ein klimatischer Kurort 168; - König, s. Pomare V., - Königin, s. Königin von Tahiti, - Einfluß der königlichen Familie 170; - Landschaft zwischen Groß- und Klein-Tahiti 170; - Missionare 145. 160. 161; - Nationalhymne 184. 185; - unter französischem Protectorat 70. 153, - Beamte 156, - Benehmen 158, - Befestigungen 167, - Bischof 161, - Ein- und Ausfuhr 157, - Gouverneur 157. 158, - Handhabung der Gesetze 158, - Handel und Haushalt 156. 157, - Straßenkehrercorps 159. 160, - Trunksuchtgesetz 159, - Zölle 157. 209; - Vanillepflanzungen 167; - Wasserthiere 171. - -Tahiti-Iti (Klein-Tahiti) 147. - -Tahiti-Nui (Groß-Tahiti) 147. - -Tahu-ata, Insel 68. 71. - -Taiarabu (Klein-Tahiti), Halbinsel 147. 170. - -Taimua, Regierungskörperschaft 225. - -Talolo, samoanisches 536; - tonganisches 270. - -Taloo, Hafen 192. 193. - -Tanz auf Apamama 348. 349. 350-352; - auf den Duke of York-Inseln 429-431, s. auch Dug-Dug; - auf Huheine 198; - auf Jaluit 368-371, - Folgen des Auftretens der Missionare 372; - auf den Marquesas-Inseln 113-115; - auf Samoa 267-269. 525-531. 537-539; - auf Tonga 496. - -Tanzstock im Bismarck-Archipel 420. - -Tapa, Rindenstoff 97. 251. 263; - Bemalung auf Taviuni 309. - -Tapituwea, Insel 331; - Berathungshaus 337. 338; - Bodengestalt 332; - Eingeborene 332-336; - Geld 339; - Getränke 333; - Götzenbild 338; - Hütten 336. 337; - Waffen 332. - -Tarawera, Berg und See 415. 576; - Eruption 577; - Maori-Gräberstätte 576. - -Taritari, Insel 355. 356; - Eingeborene 356-358; - Hütten 356; - König 358; - Vielweiberei 357. - -Tätowirung in Apamama 347; - im Bismarck-Archipel 412; - auf den Marquesas-Inseln 76. 87. 94. 98. 100; - auf den Marshall-Inseln 363; - auf Samoa 249. 251; - auf Tonga 249. - -Tausendfuß 453. - -Taviuni, Insel 308; - Häuptling 308. 310, - sein Haus 308. 309. - -Timor, Insel 548. - -Tintenfisch in Samoa 266. - -Tochter, nördliche und südliche, Vulkane 382; - s. auch Mutter. - -Toë, Häuptlingstochter 267. 269; - Besuch bei 296. - -Toëtele, Häuptlingstochter 510. - -Tonga-Inseln 300-304. 486-499; - Adoption 494; - Eingeborene 304. 492; - Frau 494; - Freundschaftsvertrag mit Deutschland 196. 564; - Gesang 494; - Gruß 304; - Kawa 494; - König 302. 303. 487; - Königin 304; - Laubkränze 499; - Missionare 494; - Rechtspflege 489. 495; - Schmuck 497; - Tanz 496; - Tätowirung 249; - Trauerzeichen 303. - -Tongatabu, Insel 300. - -Topulu, König auf den Duke of York-Inseln 402. 443. 447; - Frauen 424. 425. - -Torragud, Häuptling 409. 410. 447; - Besuch bei 425. 426; - Frau T’s. Schmuck 428. 429. - -Torres-Straße 545-548. - -Treasury-Island 454. - -Trepang, s. 'Holothuria'. - -Treppenberg 24. - -Tuamasanga, District 253. 463. - -Tuamotu, s. Paumotu. - -Tui-Kakao, Häuptlingsfrau 310. - -Tupua, samoanische Königsfamilie 463. - -Tutuila, Insel 217. 218. - - -Uea, Insel 145. - -Upolu, Insel 217. 218; - Bodengestalt 214. 215; - Eintheilung 253. - -Urakukua, District 425. - -Urwald, im 50. 425. 472; - Jagd 51. - -Utuan, Insel 393. - -Uturoa, Stadt 331. - -Uturua, Hafen 205. - - -Vaitele, deutsche Plantage 270; - Badeplatz bei 271. - -Vaitupu, Insel 326. 327; - Bodengestalt 329; - Dorf 329; - Eingeborene 329. 330; - König 328. - -Valparaiso, Stadt, Bauart 42; - Erdbeben 42; - Hafen 43; - Lage 41. 42; - Pappelpflanzungen 43. - -Vanillepflanzung 148. 167; - künstliche Befruchtung 148. - -Vanua Lava, Insel 543. - -Vavau, Insel 490. - -Verträge, Werth der 315. - -Vielmännerei 78. - -Vielweiberei 260. 261. 357. 363. 366. - -Vierges-Bai 104. - -Vineta, Corvette 5. 11. - -Vulkane der Galapagos-Inseln 60; - in Neu-Britannien, s. Mutter und Töchter. - -Vulkanische Insel in Neu-Britannien 440. - - -Waffen mit Haifischzähnen 332. - -Waihiria-See 165. 178. 179; - Abend am 182. 184; - Aufstieg zum See 173-178; - Ausfluß 179; - Boden 181; - Fische 181. 182. - -Wairoa, Stadt, Lage 476; - Vernichtung 577. - -Waldbrand 34. - -Walfische 13. 275. 276. - -Wallis, zweiter Entdecker Tahitis 142. - -Wallis, Insel, s. Uea. - -Wassertrinken in den Tropen 558. 559. - -Wasserwurm, s. Palolo. - -Wasservogel in der Magelhaens-Straße 26. - -Weber, Consul 216. 396. 400; - Einführung der Koprabereitung 224; - Laufbahn 223; - Wohnung 220. 221. - -Wellington Gu, Prinz 302. 303. 490. 491; - Haushalt 492. 495. - -Whakarewarewa, Gebiet mit heißen Quellen 474. 475. - -Wide-Kanal 27. - -Wilhelmshaven, Ankunft in 562. - - -Zeitungsersatz auf Tahiti 187. - -Zick-Zack-Bahn 288. - - Druck von F. A. Brockhaus in Leipzig. - - +--------------------------------------------------------------------+ - | | - | Berichtigungen | - | | - | auf Seite steht im Original geändert in jetzt | - | | - | ii "Zaluit" "Jaluit" | - | vi "übergehe" "übergebe" | - | xi "Weiße" "weiße" | - | xx "Weiße" "weiße" | - | 23 "noch" "nach" | - | 52 "wagrecht" "wagerecht" | - | 61 "interessant, zu sehen" | - | "interessant zu sehen," | - | 84 "zu der, Cap" "zu der Cap" | - | 85 "schöne Thäler, und" "schöne Thäler und" | - | 96 "ein Flasche" "eine Flasche" | - | 117 "in Zeit" "in der Zeit" | - | 118 "will," "will." | - | 168 "mustergiltige" "mustergültige" | - | 190 "Brillantbroche" "Brillantbrosche" | - | 229 "Kokoßnußschale" "Kokosnußschale" | - | 235 "aus den Hafen" "aus dem Hafen" | - | 272 "pustend" "prustend" | - | 360 "einen seiner," "einen seiner " | - | 406 "mußte. aber" "mußte aber" | - | 460 "gestatten " "gestatten," | - | 499 "ohne sie" "ohne sich" | - | 517 "an Land kam " "an Land kam." | - | 569 "Tonga-tabu" "Tongatabu" | - | 581 "häufig ändert" "sich häufig ändert" | - | 583 "Amakábda" "Amakáhda" | - | 584 "Regierungssitz 218;" | - | "Regierungssitz 218." | - | 586 "in den Tropen 395," "in den Tropen 395;" | - | 586 "Kolonie" "Colonie" | - | 587 "auf Samoa 228," "auf Samoa 228;" | - | 588 "Marquesas-Inseln," "Marquesas-Inseln " | - | 591 "Segeltuchschuhe," "Segeltuchschuhe " | - | 591 "Straßenkehrerkorps" "Straßenkehrercorps" | - | 591 "Tanz auf Apamama 348. 349. 350-52;" | - | "Tanz auf Apamama 348. 349. 350-352;" | - | 592 "Zick-Zack-Babn" "Zick-Zack-Bahn" | - | | - +--------------------------------------------------------------------+ - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Ein deutsches Kriegsschiff in der -Südsee, by Bartholomäus von Werner - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN DEUTSCHES KRIEGSSCHIFF *** - -***** This file should be named 53946-0.txt or 53946-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/9/4/53946/ - -Produced by Franz L Kuhlmann and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was -produced from images generously made available by The -Internet Archive) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License (available with this file or online at -http://gutenberg.org/license). - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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