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-The Project Gutenberg EBook of Versuch über die physische Erziehung der
-Kinder, by Ferdinand Wurzer
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-
-
-Title: Versuch über die physische Erziehung der Kinder
-
-Author: Ferdinand Wurzer
-
-Release Date: November 9, 2016 [EBook #53483]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSUCH ÜBER DIE PHYSISCHE ***
-
-
-
-
-Produced by the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net (This transcription was produced from
-images generously made available by Bayerische
-Staatsbibliothek / Bavarian State Library.)
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-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der 1803 erschienenen Buchausgabe
- so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung
- und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend
- korrigiert. Altertümliche, regional gefärbte Ausdrücke, sowie die
- Zeichensetzung wurden nicht korrigiert, sofern der Sinn des Textes
- dadurch nicht verfälscht würde.
-
- Die im Abschnitt ‚Berichtigungen‘ angegebenen Korrekturen wurden in
- der vorliegenden Bearbeitung bereits im Text berücksichtigt.
-
- Der Ausdruck ‚et cetera‘ wurde im Original mit Hilfe des
- tironischen Kurzschriftzeichens ‚Et‘ dargestellt; in der
- vorliegenden Bearbeitung wird dieser dagegen mit ‚etc.‘
- umschrieben. Einige Namen wurden gesperrt gedruckt; dies wurde
- allerdings im vorliegenden Text nicht konsequent durchgeführt.
- Diese Inkonsistenz wurde beibehalten.
-
- In der Buchvorlage fehlt der Fußnotenanker [2]; dieser wurde vom
- Bearbeiter an der mutmaßlich zutreffenden Stelle ergänzt.
-
- Der Originaltext wurde in Frakturschrift gedruckt. Passagen in
- Antiquaschrift werden durch _Unterstriche_ hervorgehoben; gesperrte
- Passagen sind von +Pluszeichen+ umgeben. Caret-Symbole (^) weisen
- auf nachfolgende hochgestellte Zeichen hin.
-
- ####################################################################
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-
-
-
- +Versuch+
-
- über
-
- die physische Erziehung der Kinder
-
- von
-
- +Ferdinand Wurzer,+
-
- Doktor der Medicin, ord. Professor der Chemie, etc. zu Bonn;
- der Römisch-Kaiserl. Akademie der Naturforscher, der Königl.
- Preuß. Akad. nützl. Wissenschaften in Erfurt, der Societät der
- Medicin zu Paris, der Med.-Chir.-Pharm. Societät in Brüssel, der
- Naturforschenden Gesellschaft in Halle, der Physikal. in Göttingen,
- der Mineralog. in Jena, der Herz. D. in Helmstädt, und der Societät
- der Wissenschaften und Künste in Mainz Mitgliede; der Königl.
- Societät der Wissenschaften zu Göttingen Correspondenten, so wie
- auch der Societé d'Emulation des Rhein- und Mosel-Departements.
-
-
-
-
- [Illustration:
-
- Süſse, heilige Natur! leite uns auf deiner Spur.]
-
- +Zweyte, neu bearbeitete, Auflage.+
-
-
- +Köln,+
-
- bei +Haas+ und +Sohn+, Buchhändlern auf der Brücke.
-
- XI. -- 1803.
-
-
-
-
- _Observés la nature, et suivés la route, qu'elle vous trace._
- _J. J. Rousseau._
-
-
-
-
- +Seinem edlen,+
-
- und
-
- unvergeßlichen Freunde,
-
- dem
-
- +Herrn Joh. Friedrich Westrumb,+
-
- Königl. Großbrittannischem Berg-Commissaire,
-
- etc. etc.
-
- +Mit dem innigsten Gefühle+
-
- der reinsten
-
- +Hochachtung+
-
- gewidmet
-
- vom Verfasser.
-
-
-
-
-Vorrede zur ersten Ausgabe.
-
-
-Ideen in meinem Vaterlande in Rücksicht der Erziehung in Umlauf zu
-bringen, die dem größten Theile des Publicums immer noch unbekannt
-sind, und die es verdienen, daß +jederman+ sie kenne, das ist mein
-gegenwärtiger Zweck.
-
-Das Erziehungswesen hat seit zwanzig Jahren eine Revolution erlebt,
-die trotz den mancherlei Dissonanzen unsers Zeitalters hinlänglich
-beweist, mit welchen Riesenschritten Vernunft und Cultur Fortschritte
-gemacht haben; die um so bewundrungswürdiger ist, je mehr sie
-den edlen Männern, die sie bewirkten, Mühe kostete, und je mehr
-Vorurtheil und veraltete Gewohnheit in geschwisterlicher Eintracht
-sich jeder Verbesserung entgegen stemmten, und aus Leibeskräften jedem
-wohlgemeinten Rathe den Eingang in die Kinderstuben verrammelten.
-
-Eine vernünftigere, auf die aus dieser Revolution entstandenen
-Grundsätze gebaute, Erziehungsmethode bekannter zu machen, ist also
-wohl keine unnöthige Arbeit, wenn auch schon manches davon Mancher
-gesagt hat; denn kann wohl etwas, von dem für immer unser ganzer
-physischer Werth und dadurch ein großer Theil unsers moralischen
-abhängt, von dem unstreitig die physische Restauration der Menschheit
-ausgehen muß, zu oft gesagt werden?
-
-Genugthuender für mein Gefühl kenne ich keine Belohnung, als den
-Gedanken: hiedurch vielleicht etwas zur vernünftigern Erziehung in
-meinem Vaterlande beizutragen und mitzuwirken: daß unsere Nachkommen
-gesünder, glücklicher und -- besser seyn werden.
-
-
-
-
-Vorrede zur neuen Ausgabe.
-
-
-Das günstige, meine Erwartung weit übertreffende Urtheil, was man in
-allen Recensionen, die mir über diese Schrift zu Gesicht gekommen sind,
-gefällt hat, ermunterte mich, da die erste Ausgabe jetzt vergriffen
-ist, diese Schrift von neuem zu bearbeiten, und die mir bekannten
-Mängel, worunter ich auch die zahllose Menge, nicht selten den Sinn
-entstellender Druckfehler rechne, zu verbessern.
-
-Meine Erfahrung über die physische Erziehung der Kinder hat sich
-seit den sieben Jahren, da die erste Auflage erschien, beträchtlich
-erweitert; ich habe das reine Vergnügen mehrere Male genossen, meine
-gemachten Vorschläge von Männern, die die allgemeine Achtung besitzen,
-prüfen und anwenden zu sehen; aber ich sah auch, daß, so leicht und
-gewöhnlich es jetzt ist, Stunden lang von der Erziehung der Kinder
-zu reden, so schwer und selten gleichwohl eine wirklich weise, und
-zweckmäßige Erziehung sey. Es wird dazu Kenntniß, Vorsicht, und
-Behutsamkeit, ein fester, ruhiger, und liebevoller Sinn, Geduld,
-Ausdauer, und immer rege Aufmerksamkeit erfordert. -- Eigenschaften,
-die nur wenige Erzieher und Aeltern in sich vereinigen!
-
-Man kann daher noch nicht oft, und nicht laut genug die Fehler rügen,
-die täglich in diesem Puncte und besonders in den ersten Jahren
-der Kinder begangen werden, wo diese in ihrer Schwäche, in ihrer
-Hülflosigkeit uns doppelt theuer sind, wo sie uns fast jeden Augenblick
-zur Theilnahme, und Hülfe auffordern, und wo denn gerade die natürliche
-starke Liebe, die dem Vater- und Mutterherzen so tief für ihre Kinder
-eingepflanzt ist, die sie mit so süßen und festen Banden an ihre
-Lieblinge knüpft, eine, nur allzureiche, Quelle vieler Fehler, und
-Verirrungen wird, wenn sie nicht von richtigen Grundsätzen geleitet
-wird.
-
-Mein heißester Wunsch geht dahin, zur Verbreitung solcher Grundsätze
-nach Kräften -- mein Schärflein beizutragen.
-
-
-
-
-+Inhalt.+
-
-
- Seite.
- +Eingang+ 1
- Ueber das Verhalten während der Schwangerschaft 13
- Ueber die Behandlung der Neugebohrnen 20
- Ueber das Selbststillen 27
- Warte und Pflege 48
- Vom Schlafen 67
- Von der Bewegung 72
- Vom Essen und Trinken 77
- Von der Kleidung 95
- Vom Baden 113
- Von den Blattern 123
- Vom ersten Unterricht der Jugend 128
- Von den gymnastischen Uebungen 146
- Von den Findlingshäusern 156
-
-
-+Berichtigungen.+
-
- S. 13. Z. 11 statt sicheres, lies sieches.
- -- 16. -- 13 --- daß l. das.
- -- 31. lezte Z. --- _l. c. l. Dissert. sur l'éducat. phys. des
- enfans._
- -- 35. -- 8 --- heum l. herum.
- -- 43. -- 21 --- entstehe l. entsteht.
- -- 55. -- 19 --- verbundenen schlaffen l. schlaff
- verbundenen.
- -- 61. vorlezte Z. st. verdorbene l. verdorbenen.
- -- 62. -- 16 u. 17. st. Stickstoff, Kohlensaurem, und
- Wasserstoffgas l. Stick-,
- Kohlensaurem-, und
- Wasserstoffgas.
- -- 73. vorlezte Z. st. _étoilée_ l. _étiolée_.
- -- 77. -- 10 st. _(b)_ l. _(a)_.
- -- 101. -- 5 --- Eheleuten l. +Eleuten+.
- -- 105. lezte Z. --- Mit l. Aus.
- -- 125. -- 2 (in der Note) st. _Diseasi_ l. _Disease_.
- -- 139. -- 6 --- Seiltänzers l. Seiltänzer.
- -- 154. -- 20 --- 600 l. 60°.
-
- Die Bemerkung der noch übrigen meist minder wichtigen Druckfehler
- bleibt der gütigen Nachsicht des Lesers überlassen.
-
-
-
-
-Eingang.
-
-
-Wir wechseln unsere Meinungen, wie unsere Wäsche, finden das heute
-abgeschmackt, worüber wir vor vier Wochen entzückt waren! Das war
-vorzüglich der Fall mit unserm Erziehungswesen. Wir künstelten so
-lange, fanden so vieles zu verbessern, daß wir endlich vom Wege der
-Natur ganz abkamen; daher die widersprechenden Methoden, daher die
-entgegen gesetzten Meinungen so vieler Pädagogen, daher das Fallen von
-einem Extrem ins andere. --
-
-Zurückgehen, ohne alle Umstände zurückgehen müssen wir auf den
-einfachen Weg der Natur. Jeder andere Weg ist Irrweg, und führt um so
-weiter vom Ziele, je mehr er von diesem geraden abgeht. Der Verlust so
-vieler Tugenden, die unsere Vorfahren so vortheilhaft auszeichneten,
-ist großen Theils Folge unseres schwankenden Erziehungs-Systems.
-
-Unsere guten Ahnen künstelten nicht mit komplizirten Erziehungs-Planen.
-Sie folgten ihrem geraden Menschenverstande, und blieben der Natur
-getreuer; sie ließen dieser weisen Künstlerinn freiere Hände, und eben
-deswegen wurden ihre Kinder gesunder, stärker, und tugendhafter[1].
-Sie machten ihre Kinder nicht altklug, pfropften sie nicht voll
-theoretischer Kenntnisse und verhinderten also dadurch das Wachsthum
-und die Vervollkommnung ihrer Körper nicht.
-
-Durch ihre natürliche Erziehung erwachte bei ihren Kindern der
-Geschlechtstrieb spät; daher ihr hohes und gesundes Alter, daher
-ihre eiserne, unerschütterliche Gesundheit.[2] Und was sind denn wir
-nun gegen unsere Alten, und was werden, wenn das so fortgeht, unsere
-Nachkommen seyn? Gebildeter, geschmeidiger, verschlagener sind wir;
-aber wie viel denn nun weniger Laster? Was denn nun neues für alte,
-wilde Sitte, und rohe Natur? -- Chikane und List doch nicht für Gewalt:
-doch nicht geschmacklose, gefühlwidrige, naturlästernde Verzierung
-für den ungekünstelten Schmuck noch unentstellter, unverdorbener,
-reizender Wesen: doch nicht hinlänglich lodernde Rache -- verlarvte
-langsam peinigende Wuth: im Herzen verschlossener, verdorbener,
-nachlaurender Groll, für offenen, männlichen, schnellstürmenden Grimm,
-oder in Heftigkeit aufbrausenden, und bald wieder in Empfindungen
-ächter Freundschaft sich stillenden jähen Unwillen unsrer Väter? --
-Schminke doch nicht für Tugend?
-
-Wir machten durch Kultur unseres Bodens unsern Himmelsstrich südlicher;
-wir bereicherten durch Vermischung der Erzeugnisse aller Klimaten
-unsern Körper und unsern Geist mit den Eigenschaften südlicher Völker,
-mit ihrer Empfindsamkeit, lebhaften Einbildungskraft, frühreifen
-Verstande, mit ihrer Geilheit und Trägheit. Unser unausstehlicher
-Egoismus, unsere fade Selbstsucht kömmt zum Theil aus unserer
-abgeschmackten Diät; eben daher kömmt unsere läppische Eitelkeit, die
-ihre Nahrung bei äußerlichen Zeichen findet. Die wahre Ehrbegierde
-durch sich selbst groß zu seyn, ist mit unserer Lebensart weggewichen.
-Unsere erhöhte Empfindsamkeit, unsere kränkliche überspannte Eitelkeit
-machen uns Eckel an allen ernsthaften Arbeiten, sind Schuld an unserem
-unaufhörlichen Hindringen zu rauschenden Gesellschaften, jagen uns
-von Zerstreuung zu Zerstreuung; machen, daß wir nicht leicht zur
-Besonnenheit, zur stillen Ausübung des Geistes zurückkommen, daß wir
-immer kränklich, unlaunicht, mißvergnügt mit der ganzen Welt, und daher
-unglücklich sind. -- Wir sind aus diesem Wirbel nicht zu retten; aber
-unsere Nachkommen wieder in den glücklichen Zustand unserer Vorältern
-zu setzen, ihnen die Tugenden ihrer Ahnen wieder zu geben, das wird
-bessere, das wird natürlichere Erziehung vermögen; die wird es dem
-Moralisten leicht machen, zu wirken: wie und was er will.
-
-Die Natur wollte den Menschen zum Bewohner der ganzen Erde machen,
-daher konnte sein Instinct nicht überall derselbe seyn. Sie modifizirte
-ihn nach Klima, Diät, Gewohnheit und Erziehung etc., die bekanntlich
-sehr auf den Menschen wirken[3], und Schuld daran sind, daß er in so
-verschiedenen Formen auf der Erde erscheint: daß man kaum glauben
-sollte, daß es ein und dieselbe Menschengattung sey; allein in jeder
-Lage, unter jedem Himmelsstrich giebt sie ihm seine Weisung, wie er
-gesund, wie er glücklich leben kann.
-
-Da wo unsere Seefahrer den nackten, kalten Eisthron der Natur antrafen,
-da an dieser Gränze ist der Grönländer, der meistens nur fünf Fuß hoch
-ist, mit den Eskimos seinen Brüdern, die kleiner sind, je näher sie
-nach Norden wohnen. Sein Kopf ist im Verhältnisse des Körpers groß; das
-Gesicht breit und platt, weil die Natur, die nur in der Mäßigung und
-Mitte schön wirkt, hier noch kein sanftes Oval rundet, und insonderheit
-die Zierde des Gesichts, den Balken der Wage, die Nase, noch nicht
-hervortreten lassen konnte[4]. Seine Haare sind sträubigt, weil es, um
-weiche und seidne Haare zu bilden, an seinen emporgetriebenen Säften
-fehlt; das Auge ist unbeseelt, das Blut fließt träge, sein Herz schlägt
-matt, der Geschlechtstrieb ist bei ihm kalt. Die Lappen bewohnen einen
-mildern Erdstrich, daher sind auch sie milder. Ihre Größe ist schon
-beträchtlicher, die runde Plattigkeit des Gesichts nimmt ab, die Backen
-senken sich, das Auge wird dunkel grau, die schwarzen stracken Haare
-werden schon gelbbraun u. s. w.
-
-Mitten im Schoose der höchsten Gebürge liegt das Königreich Kaschmire
-verborgen, wie ein Paradies der Welt. Fruchtbare und schöne Hügel
-sind mit höhern und höhern Bergen umschlossen, deren letzte sich mit
-ewigem Schnee bedeckt zum Himmel erheben. Hier rinnen schöne Bäche und
-Ströme; Inseln und Gärten stehen im erquickendsten Grün; mit Viehweiden
-ist alles überdeckt; die Einwohner werden für die geistreichsten und
-witzigsten Indier gehalten. Sie sind zur Poesie und Wissenschaften
-gleich aufgelegt; sie sind die wohlgebildetesten Menschen, ihre Weiber
-oft Muster der Schönheit. Die Gestalt der Hindus[5] ist gerade,
-schlank, schön; ihre Glieder fein, proportionirt; ihr Gesicht offen,
-gefällig; ihr Tragen des Körpers im höchsten Grade anmuthig und
-reizend, und wie die Leibesgestalt, so ist auch ihr Geist. Mäßigkeit,
-Ruhe, sanftes Gefühl bezeichnen ihre Arbeit, ihre Sittenlehre,
-Mythologie, ihre Künste, selbst ihre Duldsamkeit unter dem äußersten
-Joche der Menschheit.
-
-Bei dem heissen Afrikaner ist das Profil und der ganze Bau des Körpers
-wieder anders. Der Mund tritt hervor, dadurch wird die Nase stumpf
-und klein. Die Stirne ist zurückgewichen, das Gesicht hat von vorne
-Aehnlichkeit der Konformation zum Affenschädel. Hienach richtet sich
-die Stellung des Halses, der Uebergang zum Hinterkopf, der ganze
-elastische Bau des Körpers, der bis auf Nase und Haut zum thierischen
-sinnlichen Genuß gemacht ist. In diesem Mutterlande der Sonnenwärme ist
-alles fruchtbar, alles Leben. Feine Geistigkeit wird hier der kochenden
-Brust versagt, aber dafür hat der Afrikaner Fibernbau, der an jene
-Gefühle nicht denken läßt. Er schwimmt, läuft, klettert sorglos mit
-unglaublicher Behendigkeit: er trägt alle Unfälle seines Klima[6]. Er
-vermißt nicht das quälende Gefühl höherer Freuden, für die er nicht
-gemacht ist. Die Natur hätte kein Afrika schaffen müssen, oder in
-Afrika müßten Neger wohnen.
-
-Wie der Araber in der Wüste, und der Mongole auf seiner Erdhöhe in
-seinen Steppen einherzieht, so zieht der wohlgebildete Beduin in seiner
-weiten afrikanisch-asiatischen Wüste herum. Auch er ist ein Nomade in
-seiner Gegend, mit ihr ist seine einfache Kleidung, seine Lebensweise,
-seine Sitte, sein Karakter harmonisch; er liebt seine Freiheit,
-verachtet Reichthümer und Wollüste, ist leicht im Laufe, fertig auf dem
-Roße, seine Gestalt hager, nervigt; seine Farbe braun, seine Knochen
-stark; er ist edel, treu, sein gefahrvolles Leben macht ihn behutsam,
-argwöhnisch; das Einsame seiner Wüste macht ihn zum Gefühl der Rache,
-der Freundschaft, des Enthusiasmus aufgelegt.
-
-Der Kalifornier am Rande der Welt[7] in seinem unfruchtbaren Lande,
-bei seiner dürftigen Lebensart, bei seinem wechselnden Klima, klagt
-nie über Hitze und Elend, irrt immer und schläft fast jede Nacht wo
-anders, entgeht oft dem Hunger nur schrecklich, ißt nicht selten
-den Heusamen aus seinem eigenen Koth wieder heraus; sein Hausgeräth
-besteht in Därmen, worin er Wasser hohlt, und doch ist er -- gesund und
-glücklich. Er schäckert, singt und lacht den ganzen Tag, wird alt, und
-ist so stark, daß er mit seinen zwei Vorderzähnen beträchtliche Steine
-heben kann. Er erträgt Schmerzen mit unglaublicher Standhaftigkeit,
-und erwartet den Tod im hohen Alter mit einer Gleichgültigkeit, die
-kaum ein europäischer Philosoph erreicht. Die Einwohner an den Ufern
-des Senegal leben in einer Hitze, die den Weingeist zum Kochen bringt;
-und die in der Hutsons- und Davids-Bay in Kamschatka, im nördlichen
-Asien in einer Kälte, die den konzentrirtesten Weingeist, selbst das
-Quecksilber gefrieren macht[8], und sind gesund, stark. --
-
-Das sind nun die Menschen aus verschiedenen Winkeln der Erde, das
-sind solche, die wir Barbaren nennen, das sind Völker, deren Körper
-und Karakter durch die Einwirkung äußerer Ursachen so sehr von uns
-absteht, und sie sind -- glücklich, weil sie den Instinct, durch den
-die weise Natur spricht, hören, und -- befolgen, wenigstens genauer,
-wie wir. Der Europäer, der immer künstelt, immer an der Natur zu
-verbessern findt, ist kränklich, siech, elend -- unglücklich. Wo er
-auch nur immer in einen Winkel der Erde hinkömmt, da weicht Ruhe,
-Gesundheit und Glückseligkeit weg. Das auffallendste Beispiel sind die
-Brasilier, die ehedem ihres Alters wegen berühmt waren. Damals lebten
-sie ganz einfach, und daher glücklich. Sie waren stark, gesund; ihre
-Kinder wurden früh mannbar, waren fast nie krank, und lebten sehr
-lange; allein so bald die Europäer sie überwanden, ihre Erziehung, ihre
-Sitten, ihre Kniffe einführten, sie mit ihren Ausschweifungen, mit
-ihrer Unmäßigkeit bekannt machten, -- weg war das Glück dieser guten
-Einwohner, Gesundheit, langes Leben, Zufriedenheit, Alles, Alles war
-verschwunden, wie der Nebel bei der aufgehenden Sonne.
-
-Also noch einmal: Zurückgehen müssen wir auf den Weg der Natur; dann
-werden wir glücklicher werden, und dann wird die Kultur unseres Geistes
-groß, und kraftvoll werden; wenn unser Körper gesunder seyn wird. --
-
-Es ist wahr: es entscheiden schon über unser künftiges Glück, über
-einen großen Theil unserer physischen und moralischen Tugenden
-Umstände, die sich lange vor unserer Geburt ereignen. Der körperliche
-und Seelenzustand unserer Aeltern in dem Augenblicke, da sie sich mit
-der Gründung unserer Existenz beschäftigen, bestimmt schon großen
-Theils unsern zukünftigen Werth. „Ich wünschte (sagt +Tristram Shandy+)
-daß mein Vater, oder meine Mutter, oder lieber alle beyde (denn im
-Grunde war der eine so gut dazu verbunden, als der andere) hübsch
-darauf gedacht hätten, worauf sie umgiengen, als sie mich zeugten:
-hätten sie gehörig in Erwägung gezogen, was für ein wichtiges Geschäft
-sie verrichteten -- ich bin innig überzeugt: ich würde eine ganz
-andre Figur in der Welt gemacht haben.“ Und wirklich es ist keine
-phantastische Vermuthung, daß in dem Augenblicke unsrer anfangenden
-Existenz schon mancherlei Umstände auf uns -- +auf immer+ auffallend
-grossen Einfluß haben. +Müller+ hat wahrlich ganz Recht, daß er sagt,
-so oft ich ein mürrisches, träges Temperament sehe, so fühle ich mit
-+Frank+ die Versuchung zu denken, daß die Mutter desselben zur Unzeit
-genießt, und der Vater noch halb im Schlafe ihr gedankt habe. Kinder,
-die mehr aus Pflicht, als natürlicher Aufwallung gezeugt werden,
-haben immer das Ansehen, als wäre es ihnen nicht recht Ernst, in
-der Welt ihre angewiesene Rolle mitzuspielen, und höchstens dienen
-sie -- die Scenen des menschlichen Lebens auszufüllen. -- Das leidet
-wohl keinen Widerspruch; eben so wenig, als daß die Aufführung der
-Mutter während der Schwangerschaft auf unser künftiges Wohl und Wehe
-wirkt; aber eben so wahr ist es, daß das Physische der Erziehung alle
-unsere mitgebrachte Anlagen auf eine unglaubliche Art modifizirt; daß
-sie durch ihren Einfluß auf den Körper eben so auf Moralität wirkt;
-wie umgekehrt Regierungsform, Religion etc. auf unsere physische
-Beschaffenheit wirken. Man kann versichert seyn (sagt +Hufeland+)[9]
-daß man durch eine gute physische Erziehung nicht bloß den Körper,
-sondern auch die Seele bildet, und daß man schon im ersten Jahre
-dadurch selbst den Seelenorganen eine ungemein glückliche Richtung
-geben kann, die die nachherige moralische Bildung sehr erleichtert,
-so nach meiner Meinung ein wesentliches Stück derselben ist. --
-Denn wie viel Schiefheiten der Denkart, und des moralischen Gefühls
-sind im Grunde nichts weiter, als Kränklichkeit und Verstimmung
-der Seelenorganen; und ich bin völlig überzeugt, daß ein gesunder
-Zustand der Organisation, und naturgemäße Vertheilung, und Harmonie
-der Kräfte der wesentliche Grund von der Gabe ist, die man gesunden
-Menschenverstand, _bon sens_, nennt, und die eigentlich nichts anders
-ist, als ein gehöriges Gleichgewicht, und harmonische Brauchbarkeit
-der Seelenkräfte. Man wird's dem Arzte verzeihen, wenn ich zu bemerken
-glaube, daß aus eben dieser Ursache Witz, Genieflug, erhitzte
-Einbildungskraft, Schwärmerey u. s. w. in unserer Generation weit
-häufiger sind als reiner natürlicher Sinn, und richtige Urtheilskraft;
-wenn ich jene glänzenden Eigenschaften der jetzigen Zeit nicht
-als Ausbrüche von Kraft, sondern als bedenkliche Symptomen einer
-kränklichen, und ungleichen Seelenreizbarkeit ansehe, und wenn ich
-zu hoffen wage, daß durch fortgesetzte bessere, und naturgemäßere
-Behandlung des physischen Menschen auch eine gesündere Geistesstimmung
-zu erwarten seyn dürfte. Dieser Meinung ist auch der ehrliche +J. J.
-Rousseau+[10].
-
-Die Natur bildet selbst den physischen Menschen zu dem, was er mit
-der Zeit seyn soll, und wenn man sie ungehindert arbeiten läßt, so
-bringt sie beinahe lauter Meisterstücke hervor, und überläßt uns die
-grosse Kunst -- aus Bäumen, und Menschenkindern Zwerge zu erziehen.
-Man lasse also nur die Natur allein ihren eigenen Weg einschlagen;
-man dünke sich nur nicht weiser, als diese kluge Schöpferinn; man
-lasse ihr ganz freies Spiel (wenigstens denn doch in so weit, als
-unser gesellschaftlicher Zustand es erlaubt) und man hat dann gerade
-alles gethan, was man in diesem wichtigen Zeitpunkte thun muß, weil
-man -- nichts gethan hat. Daher sind die mehrsten Menschen, die man
-Wilde nennt, von der vortrefflichsten körperlichen Bildung, ihre
-Mädchen schlank, und zur Geburtsarbeit so aufgelegt, daß unter tausend
-Gebärenden nicht eine stirbt.
-
-
-
-
-Ueber das Verhalten während der Schwangerschaft.
-
-
-Das Betragen der Mutter während der Schwangerschaft hat auf ihr
-Kind einen so wichtigen Einfluß, daß diese Periode auch wohl bloß
-in Hinsicht auf das Kind, eine eigene Betrachtung verdient. -- Die
-Erfahrung lehrt, daß fast immer das Kind gesund, und stark zur Welt
-kömmt, wenn die Mutter während der Schwangerschaft sich wohl befand.
-Die Mutter ist es daher nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem
-Kinde schuldig, Alles anzuwenden, um in dieser Zeit gesund zu seyn.
-Krankheiten, sieches Leben, und der Tod erwarten sie, wenn sie während
-diesem Zeitpunkte ihre Gesundheit vernachlässigt: eine leichtere
-Entbindung, ein gesundes Kind, und häusliche Freude sind der Lohn, den
-ihr die Natur für diese kleine Aufopferungen werden läßt.
-
-Um gesund zu seyn, muß eine Schwangere im Allgemeinen so leben, wie
-Frauenzimmer überhaupt leben müssen, wenn sie gesund bleiben wollen.
-Mäßige Leibesbewegung zu Fuße ist den Schwangern durchaus wesentlich.
-Zu heftige Bewegung durch Tanzen, durch Spazierfahrten in rüttelnden
-Kutschen ist äußerst nachtheilig. Sie müssen sich bestreben in die
-Haltung ihres Körpers so viele Mannigfaltigkeit zu bringen, als nur
-möglich ist. Zu langes Stehen, lange anhaltendes Sitzen, Liegen,
-Gehen, sind gleich nachtheilig. Ihre Kleidung muß bequem, und besonders
-der Ausdehnung des Bauchs, und dem Anschwellen der Brüste, angemessen
-seyn, und hinlänglich warm halten, vorzüglich in Jahrszeiten, wo die
-Witterung oft plötzlich wechselt. Am meisten fehlen hiebey Frauenzimmer
-in der ersten Schwangerschaft, und am Anfange, wo eine, sehr übel
-angebrachte Schaam, ihre Bestimmung erreicht zu haben, und Mutter
-geworden zu seyn, sie nicht selten verleitet, sich in enge Kleider
-einzuschnüren, und dadurch dem Wachsthume des Kindes hinderlich zu
-seyn. -- Reinlichkeit ist auch in diesem Stande sehr zu empfehlen, da
-die Geburtstheile in den letztern Monaten fast immer eine schleimigte
-Feuchtigkeit ausfließen lassen.
-
-Ihre Nahrung muß in gesunden, gutnährenden, leicht verdaulichen Speisen
-bestehen; z. B. Fleischspeisen, Fleischsuppe, weichgekochten Eyern
-u.d.gl. Blähende Gemüse, und Früchte, alles Fett, Mehlspeisen sind
-ihnen nachtheilig. Sie müssen wenig auf einmal, aber oft essen, weil
-ihre Eingeweide gedrückt werden. Zum Getränke müssen sie das wählen,
-woran sie gewohnt waren. Schwächlichen ist es besonders zuträglich,
-täglich etwas Wein zu trinken. Mutter, und Kind werden sich dabey
-sehr wohl befinden. Die Alten verboten den Weibern in diesem Zustande
-zu allgemein den Wein, und so strenge, daß +grundgelehrte Männer+
-demonstrirt haben, dadurch sey das +Küssen+ aufgebracht worden, um
-nämlich zu erfahren, ob die Weiber -- Wein getrunken hätten. Reine
-Luft ist den Schwangern sehr anzurathen; daher sind Spaziergänge
-bei schönem Wetter für sie so heilsam; daher aber sollen sie auch
-keinen zahlreichen Versammlungen beiwohnen; z. B. in Kirchen,
-Schauspielhäusern etc., wo ihnen ohnedies noch das Gedränge schädlich
-werden kann; deswegen bekömmt ihnen auch der Aufenthalt in Obstkammern,
-Kellern, in Zimmern, die frisch angeweißt sind u. s. w. gar nicht gut.
-Schlafen müssen Schwangere wohl etwas länger, als andre, da sie sich
-leichter ermüden, also mehr Erholung bedürfen, und auch gewöhnlich
-etwas unruhig schlafen.
-
-Vor allem aber ist +Mäßigkeit im Genusse der Liebe+, und Vermeidung
-jeder +heftigen Gemüthsbewegung+ den Schwangern streng zu empfehlen.
-Blutstürze, Mißfall, Tod sind nicht selten die Wirkungen von beiden.
-
-Aber was hat es in der Schwangerschaft mit dem so genannten +Versehen+
-für ein Bewandniß? Die Weiber +versehen+ sich nie. Die Furcht vor
-dem Versehen ist ganz ungegründet, und dies Vorurtheil ist um so
-nachtheiliger, da es die vielen Unbequemlichkeiten in diesem Stande
-bei einer Menge von Weibern beträchtlich vergrößert; aber wie
-(werden eine Menge Matronen mit sichtbarem Aerger in ihrem sonst
-ganz weisheitsvollen Angesicht sagen) wie läßt sich das behaupten,
-da tausend, und abermal tausend Geschichten die Wirklichkeit des
-Versehens bewähren: ja freilich Geschichten; aber welche? Den meisten
-steht unverkennbar der Stempel ihres Ursprungs vor der Stirne; bei
-weitem der größte Theil kömmt schnurgerade aus der Ammenstube, und
-sie datiren sich fast alle aus den Zeiten des Aberglaubens, und der
-Unwissenheit! Wer ist heute noch gutmüthig genug zu glauben, daß eine
-italiänische Dame sich an dem Bären in dem Wappen des Herzogs von
-+Ursini+ versehen, und darauf einen Knaben -- in einer Wildschure
-geboren habe? daß eine Schwangere, wie Pater +Mallebranche+ erzählt,
-einen Verbrecher radbrechen sah, und in einigen Tagen nachher ein
-Kind gebar, dessen Glieder, wie die des Geräderten, gebrochen gewesen
-seyen? Der Ehrwürdige Pater hat bey Erzählung dieser Geschichte noch
-die Menschenliebe, ein leichtes, und ganz wohlfeiles +Hausmittel+
-bekannt zu machen, das sich nur nicht in jeder (wohlgezogenen)
-Gesellschaft anwenden läßt, nämlich: die Schwangere soll sich gleich
-an dem ründesten, und hintersten Theil des Körpers kratzen, wenn
-ihr der schreckliche Gegenstand einfällt; und dann sind alle Folgen
-des Schreckens wieder weggewischt: Wer Lust hat die lächerlichsten
-Dinge der Art zu lesen, der kann sie in den Schriften +Schenk's+,
-+Hellwig's+, +Horst's+, und andrer Kompilatoren dieser Gattung,
-in reichlicher Menge finden. Indessen sind allerdings nicht alle
-Geschichten von derselben Art. Die wahrscheinlichsten entstanden daher,
-daß sie verkehrt vorgetragen wurden, und dadurch natürlich großes
-Gewicht erhielten. Der Vortrag ist nämlich so eingerichtet, als wenn
-man die Beobachtung schon während der Schwangerschaft angefangen hätte;
-und nun bey der Niederkunft sey die Sache eingetroffen, da doch in der
-That solche Mahlzeichen unvermuthet gekommen sind, ob man sie gleich
-nachher von diesem, oder jenem Umstande nach der gewöhnlichen Methode
-hergeleitet hat, und nicht selten mit beträchtlichen Vergrößerungen.
-Eins der am meisten verführerischen Beispiele ist, meines Erachtens,
-die bekannte Geschichte vom König +Jacob+, dem 1ten in England. Seine
-Mutter +Maria Stuart+ war mit ihm schwanger, als ihr Liebling +Rizzio+
-vor ihren Augen mit vielen Wunden erstochen wurde. Sie erschrak über
-diesen Zufall heftig, und wurde nachher von +Jacob+ entbunden, der
-nun eine solche Furchtsamkeit besaß, daß er nie einen bloßen Degen,
-ohne Zittern und Entsetzen sehen konnte; aber man verschweigt meistens
-geflissentlich, daß +Jacob+ sich eben so heftig vor dem Knall einer
-losgeschossenen Flinte entsetzte, und doch war +Rizzio+ durch kein
-Schießgewehr umgebracht worden!
-
-Diese Geschichte beweißt (deucht mir) im Grunde das Gegentheil; denn
-+Jacob+ brachte nicht ein einziges Muttermal zur Welt, trotz den
-vielen Wunden, die seine Mutter an +Rizzio+ mit Schrecken gesehen
-hatte. -- Wer die Geschichte der zartesten Kindheit +Jacobs+, und die
-großen Unruhen in seiner Minderjährigkeit kennt, der kann es, ohne an
-das Versehen zu glauben, leicht begreifen, wodurch dieser König so
-furchtsam wurde.
-
-Kein Blutgefäß (weder Schlagader, noch Blutader) gehen unmittelbar von
-der Mutter in's Kind, und nicht ein einziger Nerve! Und Einbildungen
-sind doch, wie alles, was von unsern Sinnen abhängt, ein Spiel der
-Nerven! Das Kind steht mit seiner Mutter in keiner +unmittelbaren+
-Verbindung; es lebt für sich, ein eigenes Leben, lebt durch die
-Nachgeburt. Wie kann also das Versehen statt haben?
-
-Die Einbildungskraft kann uns gähnen, erbrechen, traurig, fröhlich
-machen; ober ich weiß nicht, wie sie dem Kinde im Mutterleibe den 11ten
-Finger, oder einen 2ten Kopf machen kann, oder im Gegentheil wie sie
-die Nase aus dem Gesichte zu wischen vermag, u. d. gl.
-
-Hat denn die Einbildungskraft der Mutter dem Kinde die 10 natürlichen
-Finger, oder den natürlichen Kopf gebildet? Ist es denn ein Werk der
-Phantasie der Mutter, schwanger zu seyn? Im Stande der Unschuld, sagt
-der heil. Thomas von Aquino, war schon durch die bloße Einbildung der
-Mutter ein Kind fertig: die Theile, die man jetzt dazu braucht, kamen
-erst nach der Erbsünde. Wir sind aber bekanntlich nicht mehr in jenen
-Zeiten. --
-
-Die Muttermäler sind nichts anders, als Hautkrankheiten, oder
-Knochenauswüchse, die die geschäftige Phantasie der Gevatterinnen
-im ersten Falle zu Kirschen, Erdbeeren, Mäuse, u. s. w. erhebt; und
-im letzten entsteht denn oft das, was man mit dem Namen Kalbs-,
-Schweinsgesichter, Froschköpfe etc. etc. belegt. -- Daß die
-Maulbeeren, Erdbeeren, u. d. gl. im Sommer mit den Früchten dieses
-Namens wachsen, ist sehr natürlich; das ist ja auch der Fall mit
-den Sommersprossen, die mit ihnen eine und dieselbe Hautkrankheit
-sind. Auch bey den Thieren und Pflanzen finden sich Monstrositäten;
-versehen sich diese etwa auch? +Weickardt+ sagt in dem ihm eigenen
-Tone: „Ich sah im vorigen Jahre einen Kirschbaum, woran viele Kirschen
-mit krummen Stielen hiengen. Das muß wohl auch ein Muttermaal an den
-Kirschenstielen gewesen seyn; vielleicht hat sich der Baum an einem
-krummbeinichten Kerl versehen, da er eben in der Blüthe stand? Ich sah
-an einem Apfelbaum einen Apfel, an welchem noch ein kleiner Auswuchs
-war, der vollkommen einer Stachelbeere glich: ich fand nun bald die
-Ursache dieses Maalzeichens, indem ich eine Stachelbeerenstaude in der
-Nähe sah, woran also vermuthlich sich der Apfelbaum muß versehen haben.“
-
-Wenn eine sehr heftige Begierde der Mutter eine Veränderung in der
-Gestalt des Kindes bewirken kann, wie kömmt es denn, daß es noch so
-viele Häßliche unter uns giebt? Welche Mutter sehnt sich nicht während
-ihrer Schwangerschaft nach einem schönen Kinde? Warum endlich gleichen
-so manche Kinder nicht ihrem vorgeblichen Vater, sondern dem Cicisbeo
-der Mutter?
-
-Es ist aber doch nichts gewisser, als daß gerade bey den Kindern,
-über deren Vater die meiste Controverse statt hat, die Mütter den
-sehnlichsten Wunsch hegen, daß das Kind dem Manne, und nicht dem
-Hausfreunde gleichen möge.
-
-
-
-
-Ueber die Behandlung der Neugebohrnen.
-
-
-Der aus dem Schooße seiner Mutter hervorgetretene Mensch kömmt kaum --
-in diese +beßte+ Welt, so vereinigen sich (noch ehe er athmet) schon
-Konvenienz und Vorurtheile aller Art, ihn gleich in Empfang zu nehmen,
-denn zum Unglück hält er _seine joyeuse entrée_ meist immer unter
-lauter Weibern.
-
-Halb ohnmächtig, müde, abgemattet von seiner beschwerlichen Reise,
-kömmt er in ein neues Element. Er muß athmen, er muß sich einer
-plötzlichen Veränderung der Temperatur unterwerfen; das ist viel,
-sehr viel. Doch das hat er mit vielen Thieren gemein, aber daß er nun
-auch gleich einem halben Dutzend Gevatterinnen und Frau Baasen in die
-Hände fällt, das ist -- weit mehr. Nicht selten hat er schon Glieder
-zerbrochen, verrenkt, ehe er geboren ist u. d. gl.! Bei andern Thieren
-lehrt der Instinct den Neugebohrnen, was er thun soll, aber den haben
-unsere Kinder durch die Kultur der Aeltern schon eingebüßt; und hätten
-sie ihn auch noch, was würde er ihnen helfen? Dem würden die Weiber,
-und das _Profanum Vulgus_ der Aerzte, die sich immer klüger wähnen, als
-die Natur, schon _secundum Leges Artis_ begegnen.
-
-Die Mutter ist gleich nach der Geburt, in Beziehung auf andre Thiere,
-in Beziehung auf natürliche Menschen in einer schrecklichen Lage, liegt
-oft Stundenlang -- ermattet, kraftlos da. Andre Mütter zerkauen meist
-in diesem Augenblicke die Nabelschnur; allein diese oder sonst eine
-sichere Trennung von der Nachgeburt, würden unsere Mütter aus Schwäche
-nicht vermögen; ein Dritter ist daher meist immer schon nöthig, um
-durch ein Verband das Leben des eben Gebornen zu retten.
-
-Die Natur hat, um das Leben der Neugebornen zu schützen, bei allen
-uns verwandten Thieren, wo nicht in beiden Zeugenden, doch immer in
-der Mutter eine kräftige Schutzwehre für den Kraftlosen gesetzt. Denn
-gerade wie das Kind noch schwächer ist, ihres Schutzes mehr bedarf,
-gerade in dem Verhältnisse ist ihre Zuneigung größer. Die Natur gab in
-diesem Zustande dem Kinde Wächter, die das Wohl des Kindes mit ihrem
-Leben erkaufen, und bey denen in dieser Epoche die laute Stimme eigener
-Selbsterhaltung taub ist. Das ist der Fall bey sehr vielen Thieren, und
-der Mensch selbst ist wenigstens hierinn noch nicht ganz ausgeartet.
-Die Liebe zum Kinde (möchte ich sagen) verhält sich umgekehrt, wie die
-Kultur der Aeltern. Konvenienz und Degeneration machen den kultivirten
-Menschen die Kinder gewöhnlich zur Last. Das letzte wirkt sogar auf
-die Thiere, die der Mensch unterjochte, die er zu seinen Hausthieren
-machte; auch die lieben ihre Jungen um so weniger, je mehr sie gezähmt
-sind; betrachten wir z. B. die Pferde, die Kühe, die Schafe etc.; auch
-bei denen ist dieser edle Instinct fast ganz verloschen.
-
-Wir wollen ein Mal, um zu sehen, was wir mit unsren Neugebornen thun
-müssen, betrachten, was die Thiere, die uns am nächsten sind, mit den
-ihrigen machen.
-
-So wie die Jungen zur Welt gekommen sind, lecken die Mütter sie ab,
-legen sie so, daß sie warm bleiben, und bedecken sie gewöhnlich,
-um diesen Endzweck vollkommner zu erreichen, von Anfang meistens
-ununterbrochen mit ihrem Körper, und geben ihnen dann die mütterlichen
-Brüste. Das Lecken dient ihnen statt des Bades; die Wärme, um den
-Uebergang von der Temperatur der mütterlichen Gebährmutter zu der der
-Atmosphäre nicht zu plötzlich fühlen zu lassen; vielleicht auch, um die
-Wirkungen der Luft auf die noch ungewohnte Haut vor der Hand öfter zu
-unterbrechen. Die Milch dient den Jungen in diesem Augenblicke statt
-Arzney, um das Mutterpech abzuführen, und zugleich als Nahrung. Auf
-die Art, wie die Jungen liegen, nehmen die Alten keine sonderliche
-Rücksicht: diese liegen, wie sie selbst wollen, das heißt: wie sie am
-bequemsten warm gehalten werden können. Was thun nun aber wir?
-
-Wir +Meisterstücke der Schöpfung+ kommen mit einem weißen, käsigten
-Firnis zur Welt, der das erste Bad nothwendig macht, da unsere Damen
-zum Ablecken sich ohnedies nicht verstehen würden. Wir haben nach den
-verschiedenen herrschenden Principien der Aerzte uns auch gewöhnlich
-verschiedener Surrogate für das Lecken bedient. -- Viele werfen,
-wie ehemals die Deutschen, die Kinder, die kaum dem mütterlichen,
-warmen Bade entschlüpft sind, in eiskaltes Wasser, als wenn es eine
-Kleinigkeit sey für den Neugebornen, die Temperatur des Mediums, worinn
-er sich aufhält, von 96° Fahr. plötzlich auf 32° herunter zu bringen.
-Oder als wenn man den menschlichen Körper wie einen Stahl durch
-plötzliches Löschen hart machen könnte. Diese Mode ward schon einigemal
-in verschiedenen Gegenden und zu verschiedenen Zeiten befolgt. Das
-thaten noch nicht sehr lange russische Mütter. +Raulin+[11] zeigt in
-einem eigenen Kapitel, daß bey den Alten die kalten Bäder für die
-Kinder üblich gewesen seyen. Und dies fand zu jeder Zeit hier und
-da Beifall. +Floyer+ glaubt, die rachitische Krankheit sey nur erst
-seitdem entstanden, da man in der englischen Kirche aufgehört, die
-Kinder bey der Taufe ganz einzutauchen, und sie statt dessen blos
-besprengt habe. +Cullen+[12] versichert, daß er in allen den Familien,
-in welchen man die Kinder von ihrer Geburt an alle Morgen in kaltes
-Wasser getaucht habe, nie ein Beispiel von einem rachitischen Kinde
-gesehen habe. Vermuthlich war das der Fall, weil es nur äußerst starke
-Kinder waren, die das überlebten; die andern wurden wahrscheinlich
-durch diese Operation nicht bloß von der englischen Krankheit, sondern
-von allen Uebeln, die uns diesseits des Vorhangs der Ewigkeit befallen
-können, radikal geheilt[13].
-
-Auch +Venel+[14] ist für die kalten Bäder, und immer noch giebt es
-einige Aerzte, die dieser Methode nicht ganz abgeneigt sind, vorzüglich
-die, die das Rauhe der Erziehung nicht genug vertheidigen können,
-und ihren ganzen Plan so einrichten, als wenn sie aufgestellt wären,
-unsere Kinder als Rekruten nach Lappland zu schicken. Offenbar ist
-diese Sitte aus der irrigen Voraussetzung entsprungen: „Kälte stärkt.“
--- Unglücklicher Weise wird meistens nach jener Eisprobe gleich noch
-eine Art von Feuerprobe vorgenommen, die immerdar, wenn sie ausgehalten
-werden kann, einen sehr soliden Fond von Kräften des neugebornen Kindes
-voraussetzt: ich meine das Wickeln. Neun Monate war es in seiner Mutter
-in einer fast kuglicht zusammengerollten Lage; aber so wie es zur Welt
-kömmt, so spannt man es gleich kerzengerade in Windeln, umwickelt es
-recht nachdrücklich mit Binden, und damit dieser kleine mummisirte
-Martyrer gar nicht friere, so wird er erst in ein Kissen gebunden,
-mit diesem unter Federbetten in eine Wiege vergraben, diese wieder
-mit einer Himmeldecke verwahrt, und wenn das Glück gut geht, nun --
-zum heissen Ofen gesetzt. In der That sollte man glauben, daß einem
-Menschen, der solche Qualen hat ertragen können, keine andere im Laufe
-seines künftigen Lebens unerträglich fallen könnten.
-
-Aber was sollen wir dann nun thun in dieser Periode? -- Das, was
-augenscheinlich die Natur gebeut. Sie verträgt nie Sprünge, und wohl
-am allerwenigsten hier. Man soll das Kind also die Abwechselung der
-Temperatur so wenig, wie möglich, fühlen lassen. Man soll es daher
-gleich in ein Bad von lauwarmem Wasser bringen, das die Wärme des
-menschlichen Körpers hat, und ihm da gelinde den käsigten Ueberzug
-abwaschen. +Brouzet+[15] sagt: die Haut bekomme dann eine rosenartige
-Röthe; und nach +Vandermonde+[16] sollen die Kinder um so schöner
-werden, je röther sie nach ihrer Geburt wären, und das ist warlich ein
-Umstand, der unsere Mütter sehr interessirt. Das Kind hier wie einen
-Hering mit Salz einzupöckeln, wie +Galen+[17] schon anrieth, und nach
-ihm +Unterwood+, ist widersinnig; es prickelt die Haut, und verursacht
-ein unangenehmes Jucken. Andere empfehlen, wie +Camper+ z. B. das
-Waschen mit Seife; allein das lauwarme Wasser thut hier doch wohl
-dasselbe. Unzweckmäßig sind auch die Zusätze von riechenden Salben,
-Wein und aromatischen Wässern bei gesunden Kindern; weil diese mehr
-oder weniger reizen, und hier ist doch gar nichts nöthig, als -- das
-Abwaschen der käsigten Materie.
-
-Nach diesem Bade trockne man das Kind ab, ziehe ihm die Kleider an,
-von denen wir unten reden werden, und halte es so warm, daß es die
-Temperatur des vorigen Aufenthalts nicht vermißt. Man lege es erst zu
-seiner Mutter ins Bette, und fange allmählig an, es vor und nach etwas
-mehr und mehr an die Atmosphäre zu gewöhnen, indem man es zuweilen am
-Tage aus dem Bette herausnimmt, und in dem Zimmer herumtragen läßt.
-
-Aber wie sieht es mit seiner ersten Nahrung aus? -- Mir deucht, es
-leide keinen Widerspruch zu behaupten, daß die Mutter dem Kinde die
-Brust reichen müsse; wenn nicht physische Fehler es ihr schlechterdings
-unmöglich machen.
-
-
-
-
-Ueber das Selbststillen.
-
-
-So weit ist es nun mit uns gekommen, daß man jetzt beweisen muß, daß
-man das thun soll, was die Natur so laut befiehlt! -- Ist es der
-Gesundheit des Säuglings zuträglicher, die Milch seiner Mutter zu
-trinken, oder die einer Amme; oder ist es vollends besser für das Kind,
-ihm Thiermilch zu geben? Das sind Fragen, die man noch in unsren Zeiten
-aufstellt. -- Wunderbare Fragen! Wahrlich wunderbar! Und doch hat nicht
-der Pöbel bloß sie aufgestellt, sondern auch Aerzte! -- Die Natur gab
-ja unsern Weibern Brüste, bereitet diese schon in der Schwangerschaft
-allmählig zum Säugen vor, und wirft der Kindbetterinn meist unter einem
-heftigen Fieber die Milch stromweise in diese Organe! Das ist der Fall
-bei allen säugenden Thieren, und auch bei Menschen. Größern Beweis
-unserer Ausartung giebt es doch wohl nicht, als eben diese Fragen!
-
-Man sollte es kaum glauben, daß ein Thier in der Schöpfung so weit
-sinken könnte, daß es mit dreister Stirne, frevelnd gegen die Gesetze
-der Natur die volle Quelle auszutrocknen wage, die nach der Entbindung,
-als in dem gefährlichsten Zeitpunkte des Lebens, der Gebärenden zur
-Sicherheit, und zur zweckmäßigsten Nahrung ihres Kindes aus ihren
-strotzenden Brüsten strömt; daß unsere empfindelnden Schönen, die in
-Ohnmacht fallen, wenn sie eine Gans bluten sehen, sich erdreisten
-könnten, ihr und ihres Kindes Leben und Gesundheit auf so eine
-gefahrvolle Art aufs Spiel zu setzen[18]. -- Auch unsere Hausthiere
-thun in diesem Punkte wieder um so vornehmer, je länger sie von den
-Menschen unterjocht, je mehr sie kultivirt sind. Unsere Kühe, unsere
-Ziegen geben Milch ohne ihre Säuglinge; aber auf dem Vorgebirge der
-guten Hoffnung geben die Kühe der Hottentoten und die Ziegen keine,
-wenn nicht ihr Kalb dabei ist; ist das geschlachtet, so wird das Fell
-über ein andres gelegt, damit sie bei Empfindung des Geruchs die Milch
-fließen lassen[19]. Auch +Pallas+[20] erzählt, daß weder die
-Kühe, noch die Stuten bei den Kalmucken Milch geben, wenn nicht ihr
-Kalb oder Füllen gegenwärtig ist. Aber bei uns hat kaum die, leider!
-so oft ganz gegen ihren Willen schwangere Mutter geboren, so ist weder
-ihre eigne Gefahr, noch die Stimme der Natur vermögend, ihre Rechte
-geltend zu machen. Eiligst entzieht sie sich dieser heiligen Pflicht,
-und übergiebt ihr Kind einem Thiere, oder, wenn es viel ist, einer
-Säugamme, die, wie +J. J. Rousseau+ sagt, nicht den Namen Mutter
-verdient, wenn sie um ein Stück Geld ein fremdes Kind dem ihrigen
-vorzuziehen niederträchtig genug ist. Sehr viele redliche Männer,
-vorzüglich Aerzte aus allen Nationen, denen das Wohl der Menschheit
-am Herzen liegt, haben es übernommen, unsern Weibern die schlechte
-Erfüllung ihrer Mutterpflicht vorzuwerfen, ihnen die Schuldigkeit und
-Vortheile des Selbststillens, die Gründe, warum eine Mutter ihr Kind
-selbst stillen soll, und die glücklichen Beispiele überzeugend mit
-Beredsamkeit darzustellen. An Ueberzeugung kann es nicht fehlen; nur
-Ausgelassenheit, Wollust, Schwelgerei, und Gemächlichkeit haben dieses
-Band der mütterlichen Liebe zerrissen; denn so, wie es jetzt bei uns
-ist, so war es auch zu Rom, als die Ueppigkeit am höchsten gestiegen
-war. +Plutarch+ erzählt schon als etwas außerordentliches,
-daß die Mutter des +Kato+ selbst gestillt habe. Aber damals
-waren die Sitten unserer Ahnen noch nicht verdorben. Da waren die
-stillenden Frauen nicht, wie jetzt, ein verächtlicher Haufen entehrter
-Weibsbilder. Dort (erzählt +Tacitus+)[21] stillt jede Mutter
-ihre Frucht mit eigenen Brüsten. In unsern Tagen, sagt +Frank+,
-würde +Tacitus+ diese, wie viele andere Stellen, die er zu
-unserm Lobe geschrieben, ganz ausstreichen müssen. Die Zärtlichkeit
-deutscher Weiber ist nun zu ihren Ehegatten gar zu groß, als daß sie
-in Erfüllung dieser Pflichten ihren Wuchs und das Harte und Runde ihres
-Busens zernichten möchten.
-
-Auch der eigene Vortheil der Weiber ist es sogar, wenn sie diese
-mütterliche Pflicht nicht versäumen; denn die nicht stillenden Mütter
-sind fürchterlichen Zufällen, und dem Tode weit eher unterworfen. --
-Wir wollen, um nicht zu weitläufig zu werden, hievon nur einige Data
-näher beleuchten. Wenn sich die Kindbetterinn von der verrichteten
-Arbeit etwas erhohlt, so wendet sich der Trieb der Säfte zu den zwei
-größten Drüsen des Körpers: zu den Brüsten, durch deren natürliche
-Ableitung bei dem bestimmten Saugen des Kindes alle Beklemmung gehoben
-wird, und alle vorhergegangene Ueberfüllung der Gefäße sich legt.
-Durch das Saugen des Kindes, so oft es die Brustwarzen aufrichtet,
-wird die Geburtsreinigung der Mutter befördert, und die hält in diesen
-Umständen nicht lange, selten länger, als vierzehn Tage an, da die
-Nichtstillenden Wochen, selbst Monate lang damit zu kramen haben.
-Die Gebärmutter gewinnt Zeit, ihre vorige Stärke wieder zu erhalten,
-und dadurch die Mutter zur künftigen Schwangerschaft geschickter zu
-machen. Viele Weiber, die die Wohlthat und das Vergnügen ganz Mutter zu
-seyn, fühlen wollten, versichern, daß sie nie so wohl gewesen wären,
-als in der Säugezeit, und daß auch die Natur mit dieser Pflicht ein
-sinnliches Vergnügen verbunden habe; das bestätigt Ballexerde, und
-Morton; letzter erzählt, daß bei verschiedenen Engländerinnen, denen
-durch ihre delikate Leibesbeschaffenheit eine Auszehrung bevorstand,
-ihre Gesundheit durch das Säugen stärker, und blühender geworden sey.
-Ich selbst sah mehrere Weiber, die diese Pflicht übernommen hatten,
-während dieser Zeit schöner, und vollkommner werden. Ihr Aussehen war
-lebhaft, sie waren munter an Geist und Leib, ihre Brüste wurden nicht
-durch Knoten und Abscesse verunstaltet, ihr Fleisch war fest und stark.
-+Leake+[22] empfiehlt das Selbststillen sogar um der Schwindsucht
-vorzubeugen, und +Bierchen+[23] erzählt ein Beispiel, wo durch das
-Säugen ein schmerzhafter Scirrhus geheilt ward. Es ist eine Folge des
-vernachlässigten Selbststillens, wenn man bei den mehrsten Halbmüttern
-aus erwähntem häufigern Zuflusse der Säfte zu den Geburtstheilen bald
-nach der ersten Niederkunft den weißen Fluß[24] entstehen sieht. Wohl
-drei Viertel nichtstillender Mütter sind diesem ekelhaften Ungemache
-unterworfen, wodurch wahrlich die eheliche Zuneigung -- nichts
-gewinnt. Das ist aber im Gegentheile so etwas seltenes bei Säugenden,
-daß man beinahe nie eine Säugamme hieran, oder am Krebse oder an
-Milchgeschwüren etwas bedenkliches leiden sieht.
-
-Aber betrachten wir nur den Einfluß, den das Nichtstillen der Mütter
-auf das Kind hat. Es ließ sich schon vorhersagen, daß dieser äußerst
-nachtheilig seyn müsse; denn kann das ohne Uebel abgehen, wenn ich
-so plötzlich dem Kinde statt seiner gewohnten Nahrung eine andre
-willkührliche erkaufe? Wenn ich dem Kinde statt den Säften, aus denen
-es (ich möchte fast sagen) +ganz+ besteht, auf einmal andre
-gebe? Aber die Erfahrung hat hier die Theorie auf eine traurige Art
-bestätigt, denn die Sterblichkeit der Kinder ist jetzt außerordentlich
-groß[25], und ist offenbar da viel größer, wo mehrere Mütter ihre
-Kinder nicht stillen[26]. Es giebt einige, die die Thiermilch der
-Frauenmilch an die Seite setzen, oder gar vorziehen[27]. So behauptet
-Brouzet: die Kühmilch, mit der man in nördlichen Ländern oft Kinder
-zu erziehen pflegt, sey gleich gut mit der Frauenmilch[28]. Er hätte
-noch, sagt Frank, die Guancho's auf Teneriffa beizählen können, die
-ihre Kinder statt Müttern den Ziegen anhängen. Man hat vorzüglich dafür
-gesagt: die Fortpflanzung der bösen Neigungen werde durch den Genuß der
-Muttermilch unterhalten, und durch Thiermilch natürlich unterdrückt.
-Aber ist denn nicht die Milch anderer Thiere von der Weibermilch sehr
-unterschieden? Ist nicht für eine jede Art lebender Geschöpfe eine
-eigne Art Milch bestimmt? Und warum hätte die weise Natur gerade die
-Frauenmilch so verschieden von jeder andern gemacht? Man lese nur
-die Analisen, vorzüglich die neuern, der Milcharten. Der Unterschied
-zwischen Frauenmilch und Thiermilch[29] ist wirklich so auffallend
-groß, daß schlechterdings keine andre Milch dafür ein Surrogat abgeben
-kann. Es zeigt wahrlich einen großen Grad von chemischer Unwissenheit
-bei den Aerzten an, die sie bei den Neugebornen der Menschenmilch
-substituiren wollen. Man braucht sich hier nur an die Schwierigkeiten
-zu erinnern, mit der sie durch Säuren zum Gerinnen gebracht werden
-kann, an die Verschiedenheit des Rahms in der Frauenmilch von dem
-in der Kühmilch, daß man z. B. nie wirkliche Butter daraus bereiten
-kann, u.s.w., was hier unnöthig wäre weitläufig zu erzählen; so ist es
-deutlich genug, daß Thiermilch für die Neugebornen eine zweckwidrige
-Nahrung ist. Wie verschieden müssen also die Erfolge seyn, die aus der
-Ernährung mit dieser oder jener Milchart entstehen! Gesetzt auch, man
-wollte das weibliche Geschlecht so weit herabsetzen, und für gewiß
-annehmen, daß das Verderbniß ihrer Sitten gestiegen sey; welchen
-Vorzug würde dieses in Rücksicht auf das Sittliche der Thiermilch vor
-der Frauenmilch geben? Gleichgültiger sind wohl andre Thiere; aber
-obschon wenigern, doch auch heftigern Leidenschaften unterworfen.
-Werden nicht diejenigen, so die Frauenmilch als eine Ursache von
-Leibs- und Seelenkrankheiten verwerfen, die Dummheit des Esels von
-der vorgeschriebenen Eselsmilch, und das Geile der Ziege von der
-Ziegenmilch befürchten müssen? So erzählt wenigstens Unzer[30] eine
-aus dem englischen Zuschauer entlehnte Geschichte, daß nemlich ein
-im übrigen rechtschaffener Mann, der mit Ziegenmilch war aufgezogen
-worden, wenn er sich allein befand, zu hüpfen und zu springen anfing,
-und von Reins redet von einem mit Saumilch gestillten Knaben, der als
-Jüngling im Essen, und Trinken so unflätig und ungezogen lebte, daß
-er an eine körperliche Bildung gar nicht dachte, und die kothigen
-und schmutzigen Orte so liebte, daß er sich immer sehnte, sich darin
-herumwälzen zu können; was er denn auch that, wenn ihn niemand sah.
-Zudem, so liegt ja oft bei Thieren eine Krankheit verborgen, und ihre
-Sehnsucht nach Begattung macht nicht selten bei ihnen eine eigne
-Art von Krankheit, die ganz gewiß für das Wohl des Säuglings nicht
-gleichgültig ist. Auch bewährt das die Erfahrung hinlänglich: So sagt
-z. B. Joh. Ailken,[31] Das Großziehen der Kinder ohne Säugen habe in
-seinem Vaterlande nicht gelingen wollen; die meisten Kinder stürben. Es
-kann wirklich eine so starke Abweichung von dem Gange der Natur nicht
-ohne Schaden seyn. Die Erfahrungen in Findelhäusern beweisen es auch so
-augenscheinlich, daß es der Menschheit für ihren Todtenlisten graut.
-
-Das Erziehen mit Ammenmilch hat freilich eher etwas für sich, aber
-dennoch ist der Nachtheil für den Säugling auffallend groß. Er
-verliert schon gleich im Anfange seines Lebens die erste ihm so
-wesentliche Nahrung der Mutter, die gleichsam nur aus dünnen Molken
-besteht, die von der Natur dazu bestimmt ist, den in dem Unterleibe
-gesammelten Unrath abzuführen; denn es ist ja fast unmöglich, eine gute
-Amme gerade zu finden, die mit der Mutter am selben Tage niedergekommen
-ist. Und denn ist das Kind wahrlich nicht aufgelegt, welches so eben
-aus dem warmen Unterleibe seiner Mutter entschlüpft, sich nun an Luft
-und Athemholen gewöhnen muß, gleich eine Nahrung zu nehmen, die von
-den Säften seiner Mutter, von denen es bisher lebte, so verschieden
-ist. Es ereignet sich bei ihm fast das nemliche, was bei den Pflanzen
-geschieht, die, wenn sie von ihrem Geburtsorte weggenommen werden,
-nun auf ihrem neuen Standorte nicht gut Wurzel fassen, und leicht
-verdorren, oder bei einem Ueberflusse von fremder Feuchtigkeit, von
-ihrer natürlichen Gestalt in ein schwammigtes Wesen ausarten. Eben so
-wird auch jederzeit einer fremden Milch, ob sie schon alle Kennzeichen
-einer gesunden an sich trägt, ihre Eigenschaft zu nähren fehlen,
-welche die Muttermilch, die den zarten Bau bis jetzt unterhielt, und
-durch die Bemühung, und nach dem Gesetze der Natur bereitet wurde,
-in einem so hohen Grad besitzt[32]. Aber der wichtigste Punkt,
-der Punkt, bei dem dem Menschenfreunde die Haut schaudert, ist:
-die Einpfropfung physischer und moralischer Gebrechen auf diesem
-Wege. Der Säugling nimmt offenbar Antheil an den Gemüthsbewegungen
-und Krankheiten der Säugenden. Balbini kannte ein siebenjähriges
-Mädchen, das einen unwiderstehlichen Hang zum Branteweintrinken von
-seiner Amme eingesogen hatte. Baume kannte eine Dirne, deren Arme
-konvulsivisch bewegt wurden, und welche diese Krankheit auf ein Mädchen
-fortpflanzte, was sie stillte. Helmont erzählt, daß er eine Säugamme
-gekannt habe, die ausgelassen, diebisch, geizig etc. war, und die diese
-Eigenschaften allen ihren Säuglingen einflößte. Wie oft werden nicht
-gefährliche Krankheiten auf diese Art in den Säugling gebracht! Das
-ist der Fall vorzüglich mit der Lustseuche. Blumenbach erzählt hievon
-ein schreckliches Beispiel. Ich selbst sah einst ein schönes, junges
-Frauenzimmer, der ich mich in diesem Augenblicke noch sehr lebhaft
-erinnere; ich erschrak, als sie zu sprechen anfing; sie sprach durch
-die Nase, und so undeutlich, daß man sie kaum verstehen konnte. Die
-Ursache ihres Unglücks war ihre Amme, die sich durch ihre Lüderlichkeit
-die Lustseuche zuzog, und sie dem Kinde mittheilte, was kaum mit dem
-Verluste des Zäpfchens etc. gerettet wurde.
-
-Diese Thatsachen (glaube ich) werden es niemanden schwer machen,
-obengenannte Fragen zu beantworten. Der würde sich das größte Denkmaal
-in den Jahrbüchern der Menschheit errichten, der es dahin bringen
-könnte, daß alle Mütter ihre Kinder selbst stillen müßten. -- Ich
-glaube, man könnte dies dadurch bewerkstelligen, daß der Staat solche
-unnatürliche Mütter ohne Rücksicht des Standes bestrafte; -- oder daß
-man, wie bei den Alten, das Fest der Entwöhnung mit vieler Pracht und
-Feierlichkeit wieder einführte. Von Seiten der Eitelkeit ist ja unsern
-Weibern am besten beizukommen. Man führe das Fest mit vielem Glanze
-ein, lasse sie in Begleitung einer ansehnlichen Menge ihrer Freundinnen
--- im prachtvollsten Anzuge dafür +öffentlichen+ Dank hören.
-Dann thut sicher die Eitelkeit und das Vergnügen, einen Tag mehr zu
-haben, wo man im Glanze erscheinen kann, vor der Hand mehr, als alle
-Moralisten und Aerzte durch Gründe und Ueberredungskunst vermochten.
-
-Aber wie muß sich die Mutter während der Säugezeit verhalten? Muß hier
-ihr Betragen so ängstlich und pünktlich seyn, wie man im gemeinen
-Leben dafür hält, und verschiedene Aerzte es anrathen?[33] -- Ganz
-und gar nicht. Sie soll arbeiten, und wenn sie dazu zu vornehm ist,
-brav spazieren gehen; sie soll essen und trinken, so viel sie Hunger
-hat. Sie soll sich für heftige Leidenschaften hüten, und im Ganzen
-so betragen, wie sie sich in jeder Periode des Lebens betragen muß,
-wenn sie gesund seyn will. Mangel an Bewegung[34], sich vor der Luft
-verwahren, eine andre Lebensart anfangen, ist gerade das, was der
-Mutter und dem Kinde nachtheilig ist; und die Säugende erhält eben
-dadurch sehr leicht, die in dieser Periode so gefürchtete monathliche
-Reinigung[35]. Es ist zwar ein Vorurtheil, was von den ältern
-Aerzten herkömmt, daß die Erscheinung des Monatlichen dem Kinde
-nachtheilig sey[36]; allein diese Erscheinung hat bei Säugenden, die
-sich vernünftig betragen, ohnedies nur höchst selten statt; wie das
-der Fall bey unsern Bäuerinnen ist; und wenn sie eintritt, so darf
-sich deswegen die Mutter vom Stillen nicht lossagen; da auch die
-Erfahrung es deutlich zeigt, daß die Reinigung weder der Mutter, noch
-dem Kinde Nachtheil bringt: es sey denn, daß die Mutter sehr blutarm
-sey, oder das Kind sich offenbar übel dabei befinde. In dem Falle ist
-gewöhnlich eine Krankheit der Mutter Schuld an diesem Blutflusse, und
-daher schadet die Milch dann dem Kinde, nicht weil die Stillende ihre
-Reinigung hat, sondern weil sie krank ist.
-
-Noch ist zu bemerken, daß nicht jede Krankheit der Mutter immer
-bösen Einfluß auf den Säugling hat. Man hat gesehen, daß Mütter in
-sogenannten faulen Fiebern, beym bösartigen Kerkerfieber[37] bis an den
-Tod ihr Kind ohne Nachtheil selbst gestillt haben. Im Gegentheil kann
-es gewiß oft sehr üble Folgen für die Mutter haben, wenn sie in einem
-heftigen Fieber plötzlich den Säugling entwöhnt. Doch da es +für+,
-aber auch +wider+ noch Erfahrungen gibt, so läßt sich hierüber nichts
-allgemeines bestimmen; indessen ist es sicherer für das Kind (wenn es
-nicht mehr gar zu jung, wenn es schon mehr als sechs Monate alt ist),
-ihm, wenn die Mutter krank wird, eine Amme zu geben. Auch mache man
-es sich zur Regel, dem Kinde nie die Brust zu geben, wenn sich die
-Mutter, oder Amme geärgert hat, sondern lieber alle Milch auszuziehen;
-denn genaue Beobachter lehren, daß eine solche Milch dem Kinde wahres
-Gift sey, und daß oft die Fallsucht, und nicht selten selbst der Tod
-darauf erfolge.[38] -- Es gibt auch in neuern Zeiten noch Aerzte von
-Bedeutung, die die alte Meinung begünstigen; daß während der Säugezeit
-der Beischlaf dem Kinde schade; so sagt Rosenstein[39]: „Sie (die Amme)
-muß sich nicht von der Liebe hinreißen lassen; denn das Kind leidet
-dadurch und die Milch wird ungesund und salzig. Daher erfodert die
-Vorsichtigkeit, daß man einer verheiratheten Amme nicht Gelegenheit
-läßt, mit ihrem Manne umzugehen. Bemerkt man bey ihr ein Verlangen
-darnach, so ist sie nicht weiter tüchtig, Amme zu seyn.“ Aber wenn
-das wahr wäre, wie viel Kinder würden wohl gesund bleiben! Sind nicht
-auf dem Lande sehr oft die Weiber wieder schwanger, ehe sie zu säugen
-aufhören? Wird nicht die Sehnsucht weit größern Einfluß auf die
-Gesundheit haben, als der Genuß? Ich finde daher gar keinen Anstand,
-der Mutter in dieser Zeit den ehelichen Umgang ganz zu erlauben; da er
-ohnedies im Ehestande nicht immer mit sehr gewaltigem Reize verbunden
-seyn mag. --- Selbst eine eintretende Schwangerschaft darf die Mutter
-nicht abhalten, ihr Kind zu stillen, obschon unsre leichtgläubigen
-Alten hiebey viel arges ahndeten. Van Swieten beweist vorzüglich unter
-den neuern Aerzten, wie ungegründet diese Furcht sey[40]: dabey ist
-der Fall bey säugenden Frauen nicht sehr häufig. Weiber haben meistens
-Ueberfluß an Milch, wenn sie gesund sind, oft mehr als drei Pfund
-täglich zu viel, wie Haller bemerkt; Mütter können ja auch ohne ihren
-Schaden und ohne Nachtheil für die Frucht Zwillinge und Drillinge
-ernähren. Warum sollen sie also nicht auch eins an der Brust, und ein
-anderes im Unterleibe ernähren können? Die Bösartigkeit der schwangern
-Milch, von der uns die Alten erzählen, ist Grille, ist Hypothese, die
-die Erfahrung täglich widerlegt. Welcher Chemist fand, was Schenk
-sagt[41]: Die Milch werde auf eine neue Schwangerschaft süßlicht und
-wässerichter? Oder daß die Milch der Schwangern eine widerstehende
-und abscheuliche Natur annehme? Doch thut man nach meiner Meinung am
-besten, wenn man auch hier den mittlern, und daher, wie fast immer,
-den sichersten Weg einschlägt, und den Säugling bis zur Hälfte der
-Schwangerschaft trinken läßt; dann ist er gewiß in dem Falle, daß er
-der Muttermilch nicht mehr so sehr bedarf. Uebrigens aber versteht es
-sich, daß hier so wohl als bey der nicht schwangern Mutter das Säugen
-in jeder Periode ausgesetzt werden muß, wenn man sieht, daß die Milch
-dem Kinde nicht bekömmt; was aber ganz gewiß sehr selten der Fall seyn
-wird.
-
-Aber nun die letzte Frage: Wie lang soll eine Mutter ihr Kind stillen?
--- Im allgemeinen läßt sich das freilich nicht mit Zuverlässigkeit
-bestimmen; denn natürlich ist ein Kind schwächer als das andre, und
-bedarf also der Muttermilch länger. Das beste ist hier: man folge der
-Natur, die den Termin des Entwöhnens zu bestimmen scheint, wenn sechs
-oder acht Zähne zum Kauen der Speisen durchgebrochen sind: Es sey
-denn, daß eine noch besondere Schwäche des Kindes die zarte und weiche
-Nahrung von der Mutter nothwendig mache, die sich denn durch schwache
-Gliedmassen, und Muskeln, durch allzu große Zartheit der Haut, und
-welkes Fleisch zu verrathen pflegt. Wenn es aber die Mutter zu sehr
-schwächt, so darf man darauf nicht bestehen, und muß sie denn eher
-dispensiren. Der Fall ist doch zuweilen, daß durch das lange Stillen
-eine Anlage zur Auszehrung und ein asthenischer Habitus entsteht.
-
-Auch ist das zu lange Stillen für den Säugling, wenn schon die Milch
-nicht fehlerhaft ist, gar nicht zuträglich. Und es würde ja eben
-so widernatürlich seyn, diesen Zeitpunkt zu verlängern, als ihn
-eigenmächtig abzukürzen! -- Das Entwöhnen muß allmählig geschehen,
-sonst giebt es mehrere Ungemächlichkeiten für Mutter und Kind; denn
-durch das plötzlich beendigte Stillen wird eine beträchtliche Ab-
-und Aussonderung in dem Körper unterdrückt; daher schwellen von
-der angehäuften Milch die Brustdrüsen so leicht an, und entzünden
-sich: Morton erzählt Beispiele, daß von dem jählingen Entwöhnen die
-Schwindsucht entstanden sey. Nur wenn das Stillen zu lang geschieht,
-hat der Einwurf statt, durch den man das Selbststillen herabwürdigen
-wollte: daß nämlich die stillenden Mütter weniger fruchtbar wären;
-und Süsmilch glaubt mit Recht[42], daß die Gewohnheit der Türkinnen,
-die zu Aleppo ihre Kinder bis in das dritte, vierte Jahr säugeten,
-zur Entvölkerung Asiens beitrage: So sah auch Cleghorn[43] zu Minorka
-die armen Weiber ihre Kinder zwey bis drey Jahre stillen, um nicht
-ihre Familie zu sehr zu vermehren. Allein daß selbststillende Mütter,
-die die Pflicht der Natur genau erfüllen, weniger fruchtbar seyen,
-ist ganz falsch, und streitet gegen alle Erfahrung; denn Leute von
-der Klasse der weniger Vermögenden in den Städten haben offenbar eine
-größere Anzahl Kinder, als solche, die zum Stillen zu vornehm sind.
-Die Bäuerinnen will ich nicht einmal anführen; weil hier mehrere
-Umstände z. B. ihre gesundere Kost, ihre natürlichen Geschäfte schon
-zu ihrer größern Fruchtbarkeit mit beitragen. Aber gesetzt: man
-könnte erweisen, daß nicht stillende Weiber öfter gebähren; könnte
-das wohl ein Grund gegen das Stillen mit Frauenmilch seyn? Wahrlich
-nicht; denn gewiß werden wir dann die Grenzen der Fruchtbarkeit,
-die die weise Natur in dem Stillen legte, nicht mit frevelnder Hand
-willkührlich erweitern dürfen, ohne unsern eigenen sehr empfindlichen
-Nachtheil. Wir sehen auch wirklich manchmal, daß nicht stillende Weiber
-eher wieder von neuem schwanger werden; allein sie werden durch die
-schnell aufeinander folgenden Geburten und Schwangerschaften, ehe sie
-Zeit hatten, sich zu erhohlen, außerordentlich geschwächt, und ihre
-Kinder aus demselben Grunde treffliche Rekruten -- für Spitäler und
-Siechenhäuser.
-
-Jede Mutter soll also ihr Kind selbst stillen. An eine Amme darf sie
-nur denken, wenn physische Fehler es ihr durchaus unmöglich machen,
-diese heilige Pflicht zu erfüllen, wie z. B. Fehler an den Brüsten, und
-den Brustwarzen, Mangel an Milch, u. s. w. Indessen sind diese Fehler
-nicht so häufig, als die Damen und die dem +Geiste des Zeitalters+
-hofirenden Aerzte uns gern glauben machen.
-
-Das erste und wichtigste, worauf man bei der Wahl einer Amme sehen
-muß, ist: +Vollkommene Gesundheit, guter Wuchs, erträgliche Miene,
-und reichliche, gute Milch+. Man lasse daher ein Weib, das sich zur
-Ammenschaft weggeworfen hat, genau und am ganzen Leibe von einem
-sachverständigen Manne untersuchen, besonders an den Zeugungstheilen
-und den Brustwärzchen. Man lasse sich auch nicht durch eine scheinbare
-Reinlichkeit der Wäsche und dieser Theile täuschen; denn wenn die Ammen
-zur Schau gehen, reinigen sie diese Theile immer mehr, als gewöhnlich.
--- Ein Alter zwischen 20-30 Jahren ist das schönste Ammenalter. Es ist
-auch sehr gut, wenn die Amme zu gleicher Zeit mit der Mutter, deren
-Kind sie säugt, entbunden worden ist. Man darf nicht fürchten, daß eine
-Milch von 8-14 Tagen für ein 8-14 Tage altes Kind zu jung ist: nur
-eine leichte, neue, wässerige Milch kann den neugebornen Kindern wohl
-bekommen.
-
-Eine Haupteigenschaft einer Amme ist -- ein guter moralischer
-Charakter; aber wie ist der bei dem ersten Besuche einer Amme in ihrer
-Miene, oder in ihrem Betragen zu entdecken?
-
-Man hüte sich eine Amme, z. B. ein Landweib, das vorher an derbe,
-hart verdauliche Speisen, grobe Arbeit, und freie, gesunde Luft
-gewohnt war, auf einmal einzusperren, ihr alle Bewegung zu verbieten,
-und die leichten, saftvollen, und gewürzhaften Speisen der Städter
-aufzutischen. -- Die Amme wird, so wie jeder Mensch, krank, wenn sie
-das nicht hat, woran sie gewohnt ist; man lasse sie leben, wie sie
-bisher gelebt hat.
-
-Man schmeichle sich aber ja nicht mit der süßen Hoffnung, irgendwo
-eine Amme zu finden, die alle Eigenschaften einer guten Amme in sich
-vereint. Unter 1000 Krüppeln sind 980 durch die Schuld ihrer Ammen
-Krüppel geworden. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man eine Amme
-findet, die nur die wichtigsten Eigenschaften besitzt. Man vergesse
-nicht, daß ⅔ von den Unglücklichen, die von Ammen gesäugt werden, zu
-Grunde gehen müssen, indessen nur ¼ von den Kindern umkommt, die das
-Glück hatten, an ihrer Gebährerinn eine Mutter zu finden. Man vergesse
-nicht, daß auch eine gute Amme nicht Mutter ist; daß man jeden kleinen
-Dienst, den sie dem armen Säuglinge erweist, kaufen, oder durch
-Drohungen erzwingen muß.
-
-
-
-
-Warte und Pflege.
-
-
-Wann soll das Kind zuerst an die mütterliche Brust gelegt werden?
-Ich glaube, daß es das beste ist, dies schon einige Stunden nach der
-Geburt zu thun, wenn die Kindbetterinn etwas geschlafen, und allenfalls
-eine Suppe gegessen hat. Zwar wollen einige: man soll das Kind erst
-nach zehen oder zwölf Stunden trinken lassen. Andere wollen es nach
-vier und zwanzig Stunden zum erstenmale anlegen; weil sie fürchten,
-die Milch gerinne, ehe das Kindpech ausgeleert sey, und mache denn
-höchstbeschwerliche Uebel, und wohl gar Konvulsionen; allein diese
-in dem Zeitpunkte dünne, wässerige Milch ist es gerade, wodurch die
-Natur diesen zähen Unrath auflöst, und wegschafft, wodurch uns der
-Mannasyrup, der mit Wein vermischte Honig etc. etc. womit wir die
-Kinder gleich nach ihrer Geburt quälen, entbehrlich werden. Dabey
-wird durch das frühe Anlegen das Milchfieber vermindert, und der
-allzu großen Ausdehnung der Brüste und mehrern daher rührenden Uebeln
-vorgebeugt.
-
-Die ersten drey, vier Monate braucht das Kind nichts, als Milch zu
-genießen. Täglich muß es öfter an der mütterlichen Brust saugen; aber
-wie oft, zu welcher Zeit dieses geschehen müsse, läßt sich nicht
-so ganz genau im Allgemeinen bestimmen. Es kömmt hier viel auf die
-Constitution des Kindes und der Mutter an, die man durch Beobachtung
-bald kennt, um zu wissen, wann dasselbe der Milch als seiner Nahrung
-bedarf; doch wird es in den gewöhnlichen Fällen am besten seyn, dem
-neugebornen Kinde zu bestimmten Zeiten, z. B. alle zwey Stunden, die
-Brust zu reichen; doch muß es nur wenig auf einmal trinken, damit der
-bis jezt noch schwache Magen nicht zu sehr angefüllt und ausgedehnt
-werde.
-
-Nie muß man es zum Saugen nöthigen, ihm nicht immer so oft es schreit,
-die Brust geben; denn nicht allzeit ist ja hievon Hunger die Ursache,
-und mäßiges Weinen und Schreien ist dem Kinde gar nicht nachtheilig;
-im Gegentheil es erweitert die Lungen, reinigt Nase, Mund und Augen,
-und macht die natürliche Wärme lebhafter. Die Natur scheint es nur aus
-diesem Grunde absichtlich bei der kleinsten Veranlassung zu erregen,
-um dem Kinde statt Bewegung, dadurch den Kreislauf zu befördern.
-Man muß es daher nicht gleich stillen, sondern nur wenn es anhält,
-die mannigfaltigen Ursachen davon zu entdecken suchen. Nicht selten
-ist eine unbequeme Lage, manchmal Kolik, manchmal zurückgehaltenes
-Kindspech, zuweilen eine ungeschickte Art zu wickeln, oft Flöhbisse
-etc. Schuld daran. Immer ist es rathsam das Kind an eine gewisse
-Ordnung zu gewöhnen. Für ein erwachsenes und dreymonatliches Kind
-schickt sich nun natürlich eine größere Portion Milch, jedoch muß ihm
-diese nicht zu oft gereicht werden, und es darf deswegen auch nicht
-mehr erhalten, als zur Ernährung, und guten Verdauung erforderlich ist.
-
-Daß wenig Milch gebende Brüste, welche das Kind durch Saugen ganz
-ausleert, für die Gesundheit am zuträglichsten sind, lehren die
-Beispiele der gesündesten Bauernkinder; denn diese werden von ihren
-Müttern schreiend verlassen, bekommen sie des Tags nur drey, viermal
-zu sehen, und saugen alsdann um desto begieriger, ohne daß sie an
-ihrer Gesundheit leiden, vielmehr groß und stark werden. In der Nacht
-soll man den Kindern nie, als höchstens im ersten Monate die Brust
-geben, weil Mutter und Kind Ruhe und Schlaf vonnöthen haben. Kinder
-werden auch nie in der Nacht zu trinken verlangen, wenn sie nicht daran
-gewöhnt sind. Nur erst nach drey, vier Monaten hat man gewöhnlich
-nöthig, allmählig dem Kinde nebst der Milch auch zu Essen zu geben. So
-lange ist die Muttermilch allein zu seiner Nahrung hinreichend; und
-eher Speisen geben, ist daher nachtheilig.
-
-So bald das Kind geboren ist, und nun zum ersten male aus dem Bade
-kömmt, so müssen alle Theile seines Körpers genau untersucht werden,
-und wenn dasselbe gesund, und ohne widernatürliche Fehler ist, so
-bringe man es angekleidet in das Bette seiner Mutter.
-
-Das Zungenlösen, was bei dummen Hebammen, und andern weisen Matronen
-noch sehr ämsig in Ausübung gebracht wird, ist höchst nachtheilig,
-und -- ein sträfliches Vorurtheil. Als wenn die Natur gerade so eine
-ungeschickte Stümperinn beim Zungenmachen wäre, daß unsre Bademütter
-mit ihren schmutzigen Fingern sie immer zurecht weisen müßten! Sehr
-selten ist das Zungenband zu lösen nöthig, und im nöthigen Falle nur
-ein Geschäft für Wundärzte. Es scheint mir wahrlich, als wenn das
-schöne Geschlecht sich überzeugt glaubte, daß die Zungen auf dieser
-Welt nicht zu beweglich seyn könnten.
-
-Hat man am Kinde Beschädigungen, z. B. Kopfgeschwülste, Wasserkopf,
-Eindrücke oder Brüche der Hirnschädelknochen, gespaltenen Rückgrad,
-verschlossenen After, oder Harnröhre, Muttermäler, Hasenscharten,
-Brüche u. s. w. angetroffen, so sorge man, daß gleich sachkundige
-Aerzte, oder Wundärzte Hand anlegen, um diese Uebel zu heben, und hüte
-sich ja, den Rath irgend einer Frau Gevatterinn anzunehmen; denn im
-besten Falle -- ist doch die Zeit damit verdorben. Die Art und Weise
-anzuzeigen, wie jeder dieser Fehler müsse behandelt werden, liegt hier
-natürlich außer meinem Plane.
-
-Das Kind muß, wie gesagt, in das Bette seiner Mutter gelegt werden,
-aber nicht bloß der Wärme wegen, sondern auch um dem Instincte Genüge
-zu leisten, den bei säugenden Thieren, und auch bei Menschen Mutter
-und Säugling haben, dicht beisammen zu seyn. Man lege es aber mit der
-Vorsicht ins Bett, daß es unter die kleine Sicherheitsmaschine kömmt,
-die so wenig zusammen gesetzt ist, daß sie der ärmste Tagelöhner für
-seine Kinder selbst machen kann. Die Italiener nennen sie _Arcuccio_.
-Man läuft dabei gar nicht Gefahr die Kinder zu erdrücken, was man oft
-genug hört, und was sicher viel öfter geschieht, als man es hört. Diese
-Maschine ist einfach und bequem[44], und besteht aus vier kleinen
-Brettern, und einer eisernen Stange. Es ist eine Art einer kleinen
-Bettstelle, woran aber kein Boden und Fußbrett ist, und worüber
-anstatt des Himmels nur ein schmales Brett liegt. Bei dieser kleinen
-Einrichtung kann das Kind bequem schlafen, und trinken, ohne alle
-Gefahr gedruckt, oder von den Decken erstickt zu werden. Am Kopfe ist
-ein Brett aufgerichtet, das unten 14 Zoll breit, 13 Zoll hoch, und
-oben halbzirkelförmig abgerundet ist; an diesem wird unten an jeder
-Seite ein langes, schmales Brett der Länge nach eingefügt. Diese sind
-am Kopfe 7, gegen die Füße 4½ Zoll hoch, und 3 Fuß und 2 Zoll lang.
-Ein andres Brett, das anstatt des Himmels dient, wird der Länge nach
-oben am Kopfbrette, wo es am höchsten ist, eingefügt, und noch an den
-Füßen durch einen eisernen Bogen unterstützt, dessen beide Enden an
-den Seitenbrettern einige Zoll vor ihrem Ende befestigt sind. Oben an
-den Seitenbrettern, etwa 4-5 Zoll von ihrer Befestigung am Kopfbrette,
-sind halbmondförmige Einschnitte angebracht zur bequemen Darreichung
-der Brüste. Wird nun ein Säugling in das Bette gelegt, so setzt man
-das Gitterwerk darüber, und deckt es, so viel als nöthig ist, zu. --
-Der Nutzen des Deckelbrettes besteht darin, daß es die Betten über
-dem Kinde in die Höhe hält, und der Mutter, oder Amme den Vortheil
-verschafft, sich ohne Gefahr mit dem Arme darauf legen zu können.
-
-Wenn die Mutter aus dem Wochenbette ist, kann man dem Kinde seine
-eigne Bettstelle geben, und diese kann -- eine Wiege seyn. Müller hat
-ganz Recht[45], daß er behauptet, die Wiege ist nicht schädlich, wenn
-man sie gelind braucht. Es wird allerdings viel, und zwar von Aerzten
-von Bedeutung dagegen gesprochen. Unzer sagt: ein heftiges Wiegen
-kann Schwindel, Zittern, Erbrechen erregen. Mehrere behaupten: Kinder
-schlafen eben so sanft in unbeweglichen Bettstellen, und sicherer.
-Ballexerde fürchtet viel von der Wiege: „wieget eure Kinder nie (sagt
-er) um sie zum schlafen zu bringen: denn es ist eine üble Gewohnheit,
-die böse Wirkungen in ihrem noch zarten Gehirne zuwege bringen kann;
-sie kommen nur deswegen in Schlaf, weil sie betäubt werden.“ Nach
-Hooper's[46] Versicherung soll das Schütteln, und Schwenken der
-Kinder, und das Schlafen derselben mit herabhängendem Kopfe auf dem
-Schooße der Wärterinnen, viel zur Entstehung des Wasserkopfs beitragen.
-Allein das alles paßt nur einigermaßen auf den Mißbrauch der Wiege; der
-kann ohne Widerspruch viel Unheil bringen. Dadurch können Erbrechen,
-Magenweh, Gefühllosigkeit, Schwindel, u. s. w. entstehen. Wer will aber
-wohl den Gebrauch einer Sache deswegen ganz verbieten, weil man sie
-mißbrauchen kann? Benimmt es der China, dem Opium, dem Quecksilber etc.
-etwas an ihren Verdiensten, daß Unwissende sehr oft damit morden? Mir
-scheint es, daß ein vernünftiger Gebrauch der Wiege viel gutes hat.
-Durch die gelinde Erschütterung des Körpers erhält derselbe Stärke und
-Festigkeit; durch das damit verbundene Wehen der Luft werden die Lungen
-kräftiger und stärker ausgedehnt, und die mannichfaltigen Säfte durch
-das vollere, tiefere Luftschöpfen und Athemholen in den äußersten Enden
-der Schlagadern erschüttert, und zur Bewegung gezwungen[47].
-
-Ich habe oft bemerkt, daß ein gelindes Schütteln das Kind kleine
-Ungemächlichkeiten vergessen macht. Man schüttelt auch ja die Kinder
-durch Instinct auf dem Arme, wenn man sie ruhig haben will. Dabei ist
-der Gebrauch der Wiege in der alten und neuen Welt sehr ausgebreitet;
-das beweist, wie ich glaube, zum Theil mit das Instinctartige davon.
-Die Nordamerikanischen Völker binden fast durchgehends ihre Säuglinge
-in Felle gewickelt auf ein Brettchen fest, welches ihnen zugleich als
-Wiege dient. So tragen sie es auf dem Rücken, und wissen das Kind,
-wenn es schreit, sehr bald durch Schütteln zum Schweigen zu bringen;
-in der Hütte, oder im Walde hängen sie es daher zu diesem Zwecke auf.
--- Das sind die Gründe, die mich bestimmen, den Gebrauch der Wiege zu
-empfehlen. Nur warne ich dabei, daß man weder Kinder zum Wiegen andrer
-Kinder brauche, noch mürrische Wärterinnen, die oft aus Ungeduld zu
-stark wiegen, um die Kinder zum Schlafen zu zwingen.
-
-Man gebe in der ersten Lebens-Periode des Kindes wohl acht, keinem
-seiner Glieder, die so weich sind, zu schaden. Gleich von der Geburt
-an bis in das späte Alter sieht man zum Nachtheile des körperlichen
-Baues manche gefährliche Irrthümer begehen. Vorzüglich ist das der Fall
-mit dem Kopfe, der durch seine besondere Struktur, und Fontanellen
-am ehesten Schaden nehmen kann: denn der ist mit beweglichen, und
-durch Haut schlaff verbundenen Knochen von der Natur versehen,
-damit er beim Durchgang durch das enge Becken nachgeben, besser
-und bequemer in eine länglicht runde Figur gebracht, und durch die
-Zusammenziehungskraft der Gebärmutter fortgetrieben werden könne.
-
-So bald das Kind geboren ist, drücken die Hebammen oft seinen meistens
-länglichten Kopf zwischen ihren Händen, um ihn rund zu bilden, ohne zu
-wissen, daß die Natur dem Kopfe nach und nach (vorzüglich durch das
-Schreien des Kindes, indem dadurch die Kopfknochen auseinander weichen)
-die beste und schönste Gestalt wieder gibt. Geschieht dieser Druck
-ungestümm und unvorsichtig; dann wird das zarte, breiartige Gehirn des
-Kindes gedruckt, und die Folgen sind oft Blödsinnigkeit, Mangel des
-Gedächtnisses, u. s. w. Dieser Umstand veranlaßt bei ganzen Nationen
-Verstandesschwäche; vorzüglich bey denen, die es hierin ein wenig arg
-machen. So pressen die Karaiben z. B. den Kopf ihrer Kinder zwischen
-zwey Brettern so lange, bis ihnen die Augäpfel bersten wollen, und
-ein weißer zäher Schleim aus der Nase quillt. Die Indianerinnen um
-Süd-Karolina herum bis nach Neu-Mexiko sind sehr ängstlich besorgt, daß
-ihre Kinder mit den Füßen auf einem Wiegen-Brette wenigstens um einen
-Fuß höher hangen, als mit dem Kopfe, der durch die Last des übrigen
-ganz unbeweglich befestigten Körpers gegen einen derb ausgestopften
-Sandsack gepreßt wird, um dem Kinde einen flachen, breiten Scheitel,
-und eine niedere Stirn zu verschaffen, welche bei ihnen für das _Non
-plus ultra_ der Schönheit gehalten wird. Was diesen sorgfältigen
-Müttern in Rücksicht der Breite bei ihren Kindern so wohl gefällt, das
-gefiel in den beiden vorletzten Jahrhunderten und noch im Anfange des
-verflossenen, selbst unsern Landsmänninnen in der Länge. Die deutschen,
-französischen, niederländischen Damen ließen ihren Mädchen auch die
-Presse aufs niedlichste angedeihen, damit ihnen dereinst die Fontange
-desto stattlicher sitzen möchte. -- So viel ist sicher, wenn unsre
-Hebammen zu pressen fortfahren; dann sind allerdings die Karaiben weit
-glücklicher, als wir[48], die wir von außen, und von innen zugleich
-gepreßt werden.
-
-Ein Hauptumstand, den man in diesem Alter beständig vor Augen haben
-muß, ist die Reinlichkeit. Der Einfluß der Sauberkeit auf Gesundheit,
-und Ruhe des Kindes, auf sein Wachsthum, und seine Zunahme ist
-auffallend groß. Die Thiere sorgen mit der größten Sorgfalt dafür,
-daß die Lagerstätte ihrer Jungen nicht mit Unrath verunreinigt werde;
-und gewiß nicht selten ist es der Fall, daß aus vernachlässigter
-Reinlichkeit Kinder der ärmern Klasse in Städten oft elend aussehen;
-daß sie der englischen Krankheit, und vielen andern Nebeln mehr
-unterworfen sind, als Kinder wohlhabender Leute. Man sieht ja oft
-auf der Stelle Kinder ruhig werden, welche vorher durch ihre Unruhe,
-schreien und stampfen, das ganze Haus ihrer Gesundheit wegen besorgt
-machten, wenn man sie säubert, und trocken legt. Ueberhaupt ist
-Reinlichkeit, öfteres Wechseln der Wäsche in jeder Periode des Lebens,
-und vorzüglich in dieser für den Körper äußerst zuträglich. Von
-205 Kindern, sagt Camper, die von 1761 bis 1770 in das Armenhaus zu
-Amsterdam als Findlinge eingebracht wurden, waren den letzten Dezember
-1780 noch 36 übrig, also ohngefähr ein Sechstel[49]. Von 1771 bis 1780
-sind von 831 eingebrachten Kindern 547 gestorben, und 284 waren noch
-am Leben. Es sind also von hundert ohngefähr 30 erhalten worden. Die
-Erhaltung dieser mehrern Kinder kann man nicht anders, als dem öftern
-Wechsel des Leinenzeugs, der bessern Behandlung und Nahrung zuschreiben.
-
-Ein Kind dünstet weit mehr aus, und die Wäsche wird folglich weit
-eher unbrauchbar, als bei einem Erwachsenen, und dennoch ist man in
-diesem Punkte unverzeihlich nachlässig. -- Ein jeder, der es kann,
-sollte seinem Kinde alle tage weiße, trockne Wäsche geben: Man wird ihm
-dadurch wahrlich ein größeres und wesentlicheres Kapital an Gesundheit
-und Kräften geben, als wenn man ihm durch solche übelangebrachte
-Oekonomie noch so viel Geld zurückläßt;[50] und es ist eine Erfahrung
-mehrerer Aerzte, daß Kinder von der anfangenden englischen Krankheit
-bloß dadurch geheilt wurden, daß man sie reinlicher hielt, und öftere
-reine, trockne Wäsche gab.
-
-Die Sauberkeit muß sich auf alles erstrecken, was das Kind umgibt. Es
-wird Reinlichkeit der Leinengeräthe, der Betten, der Kleidungsstücke u.
-s. w. erfordert. Die zurückgebliebenen Unreinigkeiten sind Schuld an
-einem ganzen Heere lästiger Hautkrankheiten. Bei den Thieren behauptet
-auch in diesem Stücke die Natur ihre Rechte; denn die Mehresten
-reinigen ihre Jungen durch fleißiges Lecken. --
-
-Vorzüglich aber verdient auch die Luft unsere Aufmerksamkeit. Wahrlich
-es ist eins der größten Verdienste unsres Zeitalters, die Luft in ihre
-Bestandtheile zerlegt zu haben! Bekanntlich ist sie um die Ehre ein
-Element zu seyn von den Chemikern gebracht worden, aber dafür haben
-diese die Aerzte so mit ihrem Einflusse auf unsren Organismus bekannt
-gemacht, daß jezt die Physiologie ein ganz andres Ansehen erhalten hat.
-
-An der Luft ist nun außerordentlich viel in Rücksicht auf unsre
-Gesundheit gelegen, und in den Kinderstuben kömmt gerade eine große
-Menge von Umständen zusammen, die ihr schon einzeln in hohem Grade
-nachtheilige Eigenschaften ertheilen. Die Dünste der nassen Wäsche,
-der Windeln, die Kohlen in den Wärm-Körben, die Oehldämpfe von den
-Nachtlichtern, und mehrere athmende Menschen verpesten die Luft in
-diesen, meist engen, Zimmern bald; dabei muß nun die große Hitze, mit
-der gemeinlich ein mit Vorsatz vernachläßigter Luftzug verbunden ist,
-mit in Anschlag gebracht werden, und denn ist es leicht zu erklären;
-woher es kömmt, daß die Hautgefäße nicht gleichförmig ausdünsten,
-sondern bald in Schweiß zerfließen, und daß die Haut nicht selten mit
-einem beständigem Ausschlage verunreiniget ist. --
-
-Daß aber wirklich eingeschloßne Luft, vorzüglich die, in welcher
-mehrere Menschen athmen, sehr schädlich sey, davon sind einige
-auffallende Beispiele so bekannt, daß ich sie kaum zu erwähnen brauche.
-Wer kennt nicht die grausenvolle Geschichte der sogenannten schwarzen
-Höhle? (So nennt man in England das Gefängniß, wo im Brachmonate
-1756 der Unterkönig von Bengalen hundert fünf und vierzig Männer,
-und ein Frauenzimmer im Fort Wilhelm zu Calcutta einsperren ließ) es
-war achtzehn Fuß lang, und eben so breit, dabei stark vermauert, und
-hatte gegen die Westseite zwey sehr vergitterte Fenster. Die
-Einsperrung dauerte vom Abend bis ein Viertel nach Sechs den andern
-Morgen, und da lebten nur noch drey und zwanzig. Die übrigen waren
-unter den schrecklichsten Quaalen und Beängstigungen gestorben[51].
-Der schwarze Gerichtstag in Oxford 1577 ist eben so bekannt. Alle
-gegenwärtige Richter, und fast alle andre Personen, drey hundert an
-der Zahl, starben plötzlich[52]. Man hat auch mehrere Beispiele, daß
-heftige Konvulsionen unter den Kindern entstanden, die eine Nacht in
-einer zu fest verschloßnen Stube zubrachten[53]. Der große Britte Hr.
-Howard erzählt, daß im Zuchthause zu Cambridgetown im Frühjahre 1779
-siebenzig Weiber des Tages über im Arbeitszimmer, und auch einige des
-Nachts beisammen waren, wo doch weder Kamin, noch Kloake war. Dadurch
-entstand ein äußerst beleidigender Geruch, und ein Fieber unter ihnen.
-Man ließ sie endlich los; aber zwey oder drey starben in wenig Tagen.
-+Mead+ sagt, eine eingeschloßne mit Dünsten angefüllte, und durch
-Unrath von thierischen Körpern verdorbne Luft kömmt der ursprünglichen
-Pest sehr nahe[54]. Daß Kohlendampf sehr nachtheilig sey, davon erlebt
-fast jeder Beispiele: brennende Kohlen haben in leicht verschlossenen
-Zimmern durch die sich dabei erzeugende Kohlensäure viele Menschen
-getödtet[55].
-
-Die Luft erhält in einem geschlossenen Raume, in welchem sehr viele
-Menschen lange gedrängt beisammen verweilen, und wo viele Lichter
-brennen, dadurch, daß der Antheil der Luft an Sauerstoffgas gegen die
-übrigen Bestandtheile sehr vermindert wird, ungemeine reizende Gewalt,
-und kann daher in sehr erregbaren Individuen, wie Kinder sind, leicht
-alle Lebensthätigkeit tilgen.
-
-Ohne Rücksicht auf den Grad ihrer Güte wirkt auch dieselbe Luft in
-Absicht ihrer Temperatur, und ihrer Trockenheit, oder Feuchtigkeit
-sehr verschieden auf unsren Organismus; so ist die atmosphärische
-Luft um so schwächer erregend, je kälter sie ist, kalte Luft ist
-daher dem Kinde vorzüglich nachtheilig, wenn sie zugleich reich an
-Sauerstoff ist, oder, wie man im gemeinen Leben sagt, wenn sie sehr
-rein ist, oder vollends zugleich viele Wasserdünste enthält, wie
-bei neblichtem, regnerischem Wetter. Umgekehrt wirkt die Atmosphäre
-um so stärker erregend auf den Organismus, je höher der Grad ihrer
-Temperatur ist; sie kann also, wenn sie einen sehr hohen Grad von
-Wärme erreicht, zu enorm erregend wirken, folglich die Erregbarkeit
-ungemein vermindern, oder gänzlich tilgen, und dadurch als weniger,
-oder mehr enorme inzitirende Schädlichkeit wirken. Zu große Wärme der
-Luft ist aber um so nachtheiliger, wenn sie sehr reich an Stick-,
-Kohlensaurem-, und Wasserstoffgas ist, da diese unter die stärksten
-positiven Thätigkeiten der Natur gehören. Daher ist Batavia im Sommer
-so ungesund; daher ist auf dem festen Lande von Asien die äußerst heiße
-und feuchte Luft von Bander-Abaßi so berüchtigt. Fremde sterben da in
-kurzer Zeit, und die Einwohner sehen wie Leichen aus. Sie flüchten in
-der gefährlichsten Zeit auf die Gebirge. Diese Luft ist die Ursache der
-schrecklichen Mortalität in Jamaica; sie ist Schuld, daß in Portobello
-die gefährlichsten Krankheiten herrschen, daß daselbst die Wöchnerinnen
-fast ohne Ausnahme sterben, und daß selbst Stuten, Kühe, Hühner etc.
-da unfruchtbar sind. Ein künstliches Jamaica sah ich sehr oft in den
-Kinderstuben durch die schöpferischen Hände der Wärterinnen entstehen,
-wenn sie (vorzüglich in Findlingshäusern) bei der größten Ofenhitze
-und bei ganz eingeschlossener Luft Windeln trockneten, und dadurch
-noch gleichsam einen Dunstkreis von allerhand Gerüchen durch das ganze
-Zimmer verbreiteten; hier sind also Wärme, und äußerstes Verderben der
-Luft sinnreich vereinigt! Der Erfolg übertraf gewöhnlich die Erwartung:
-die Kinder verließen Schaarenweis dies Jammerthal, um sehr bald an den
-ewigen Freuden Theil zu nehmen.
-
-Ich rathe zu den Kinderstuben bloß große, helle, nicht feuchte Zimmer
-zu wählen, nie zu warm darin zu heizen, nichts darin zu trocknen,
-keine Kohlenbecken im Zimmer zu haben, und nicht mehrere Menschen in
-der Kinderstube wohnen und schlafen zu lassen; sondern im Gegentheile
-halte ich für wesentlich nöthig, die Sauberkeit hier in allen Theilen
-auf das pünktlichste in Acht zu nehmen: Man öffne oft die Fenster,
-um die Luft zu erneuern, doch nicht zu oft, wenn das Kind sehr
-schwächlich ist; eine nicht zu reine Luft bekömmt solchen am besten, da
-+Sauerstoff+ als negative Thätigkeit in der Natur existirt, und
-also der Organismus in der an Sauerstoffgas reichen Luft erregbarer
-wird. Man stelle nie Blumen in die Zimmer: auch soll man bei Nacht kein
-Licht in den Kindszimmern brennen; denn das ist eben so gut, als einen
-Schlafgesellen mehr haben.
-
-Ich will aber mit allen diesem gar nicht, verstanden haben, daß man
-die Kinder ängstlich für jede Veränderung der Luft verwahren soll. Im
-Gegentheil so bald die ersten zwei Monate vorüber sind, (worin man sie
-im Hause an die Luft zu gewöhnen sucht) muß man keinen Tag mehr vorbei
-gehen lassen, ohne ihnen den Genuß der freien Luft zu gewähren; denn
-wer kann in unsern Zeiten wohl noch zweifeln, daß sie dem Kinde eben
-so unentbehrlich ist, als Essen und Trinken? Dabei ist es eine durch
-Erfahrung hinlänglich bewährte Thatsache, daß Zimmerluft, wenn sie auch
-gut ist, nie das Belebende hat, was die freie Luft in so hohem Grade
-besitzt, wenn die wohlthätigen Stralen der Sonne damit verbunden sind.
-Dieser frühzeitige, tägliche Gebrauch ist zugleich das wahre Mittel,
-das Kind allmählig an rauhe, unfreundliche Luft und jede Veränderung
-der Witterung zu gewöhnen, der es sich doch in der Zukunft so oft wird
-aussetzen müssen, wenn es nicht zum arkadischen Schäfer bestimmt ist.
-Hiedurch wird es in den glücklichen Zustand gesetzt werden, eben so gut
-unter Islands Eisschollen (wie Rousseau sagt) als auf dem glühenden
-Felsen von Malta zu leben. ----
-
-Kinder müssen in den ersten Zeiten ihres Lebens viel getragen werden,
-und dabei ist manches zu beobachten nöthig. Gemeinlich sitzen die
-Kinder in dem Gelenke der Tragenden zwischen dem Ober- und Vorderarm;
-dadurch wird das weiche, zarte Becken zusammen gepreßt. Das muß
-natürlich sehr nachtheilig, besonders für Mädchen seyn. Auf solche
-Weise sitzen sie immer mit der einen Hälfte des Beckens höher, woraus
-eine schiefe Richtung desselben entsteht. Dies kann man leicht sehen,
-wenn man nur Acht gibt; denn der eine Fuß hängt immer länger herunter,
-als der andre. Eben so schädlich ist es, wenn das Kind den Arm um den
-Hals der Trägerin schlägt. Es fühlt zwar eine gewisse Gemächlichkeit
-dabei; aber auf solche Weise wird das Schlüsselbein, das Schulterblatt,
-und die eine Seite der Brust erhöht, wodurch also der ganze Leib des
-Kindes, zumalen bei anhaltender Gewohnheit, schief und krumm werden
-muß; daher ist es am besten, das Kind auf dem Vorderarm, und immer
-abwechselnd auf dem einen, und dem andren tragen zu lassen.
-
-Es wäre sehr zu wünschen, daß die schändliche Gewohnheit aufhören
-möchte, die bei uns so üblich ist, nämlich den Kindern beständig einen
-Knebel in den Mund zu geben. Er besteht aus einem Stück Weizen- oder
-Zuckerbrod, das man in Leinwand gebunden, und kömmt unter dem Namen
-+Lutscher+ vor. Mehrere Kinder haben ihn Tag und Nacht im Munde, und
-machen selbst im Schlafe mit den Lippen die Bewegung, als wenn sie
-daran säugten. Er soll die Kinder ruhig machen! Er ist es, der sehr
-dazu beiträgt, dem Kinde Ursachen zur Unruhe zu geben, indem er eine
-gute Dosis Säure und Winde im Magen erzeugt. Er macht dabei die Kinder
-beständig geifern, und dadurch unter dem Halse feucht, naß und wund.
-Er macht Verunstaltungen am Munde, und an den Lippen, und selbst das
-Zahnen wird durch ihn beschwerlicher, indem das Zahnfleisch durch den
-beständigen Druck des Lutschers hart und fest wird.
-
-Wichtiger, als man auf den ersten Blick glauben sollte, ist es auch für
-die Gesundheit der Kinder, wenn die schmutzige Sitte abgestellt würde,
-daß sie jeder, der in die Stube tritt, küßt. Vorzüglich beobachten
-alte Matronen diese Mode sehr genau. Nicht blos ekelhaft, sondern auch
-gefährlich ist das. Oft und sehr schnell steckt ein Kuß an; da die
-lymphatischen Gefäße an den Lippen häufig und geschwind resorbiren, und
-ein großer Theil Menschen von der Lustseuche angesteckt ist[56].
-
-Das alte französische Sprichwort: _En baisant on ébois le sang_
--- Küsse saugen das Blut aus -- hat einen guten Grund; zumal wenn
-schwindsüchtige alte Weiber mit ihrem giftigen Speichel und faulen
-Athem die Rosenlippen des Kindes vergiften. Man lasse daher sein Kind,
-so wenig, als möglich küssen, oder wenn es doch geküßt seyn muß, auf
-die Wangen.
-
-
-
-
-Vom Schlafen.
-
-
-Unverkennbar ist es die Absicht der Natur, daß das Kind um desto
-länger schlafe, je jünger es ist. Das noch im Mutterleibe befindliche
-Kind scheint beständig zu schlafen, weil es noch gleichsam vegetirt,
-und durch die Sinne bis jezt noch keine Vorstellungen bekömmt. Es
-schläft daher auch noch größten Theils, wenn es auf die Welt gekommen
-ist, und bei diesem Schlafe befindet es sich wohl, und in Ermanglung
-desselben übel. So wie der Körper stärker wird u. s. w. so nimmt der
-Schlaf allmählig ab. Man muß daher diesen Wink der Natur nie aus dem
-Auge lassen, und den Kindern am Schlafe etwas abbrechen: denn der ist
-ihnen zu einem wesentlichen Theile der Nahrung angewiesen. So oft das
-Kind Bedürfniß des Schlafes fühlt, muß man ihm Ruhe vergönnen. Ein
-neugebornes Kind schläft fast beständig fort; ältere ist es rathsam
-an gewisse Stunden zu gewöhnen, und besonders Nachts schlafend zu
-erhalten. Lächerlich ist es, durch Schreien, Drohungen, schreckende
-Bilder u. s. w. Kinder zum Schlafe zwingen zu wollen.
-
-Gewöhnlich pflegt man sie in Federbetten einzugraben. Dies macht
-ihnen Beängstigung, und nöthigt sie zum Schwitzen. Weit zuträglicher
-ist es statt der mit Federn angefüllten Betten ihnen eine leichte,
-abgenähte Decke zu geben, die den Körper gar nicht genirt, und worin
-das Kind nicht zu warm wird: ihr Bett, so wie die Kissen sollen bloß
-mit weichgeklopftem, zartem Haferspreu gefüllt seyn; denn diese haben
-den Vortheil, daß die Feuchtigkeiten hindurch gehen, und also das Bett
-immer trocken ist; auch lassen sie sich sehr leicht von Zeit zu Zeit
-erneuern. Nur im Winter, oder wenn das Kind schwächlich ist, kann man
-eine leichte Federdecke erlauben, und doch nur so lang, bis die Kälte
-gelinder, oder das Kind stärker wird. In Rücksicht der Lage ist zu
-merken: daß die Kinder etwas erhaben mit dem Kopfe liegen müssen, weil
-bei einer horizontalen, oder auch mehr rückwärts gehenden Lage das
-Blut mit einer größern Gewalt nach dem noch so sehr weichen Gehirne
-strömt, und deswegen schädlich wird, was besonders +Lower+ von den
-Kindern, die beständig mit konvulsivischen Krankheiten geplagt sind,
-anmerkt.
-
-Man soll die Kinder hüten, bei kränklichen oder bei Alten im Bette
-zu schlafen. Das ist der Fall zwar sehr oft, daß aus übertriebener
-Zärtlichkeit und Sorgfalt alte Großältern, oder Mägde die Kinder bei
-sich im Bette haben; allein dies kann nur zum größten Nachtheile
-des Kindes geschehen. Müller sagt: „Aus dieser einzigen Ursache hat
-man Kinder täglich abnehmen und in Auszehrung verfallen gesehen.“
-Es ist hier eine natürliche Transfusion. Sie liegen beide in einem
-animalischen Dampfbade, woraus dann jeder seine Portion wieder
-einsaugt. Natürlich muß das um so vortheilhafter für den Alten seyn,
-je nachtheiliger es dem Kinde ist. Das kannten schon die Römer:
-+Kornelius Agrippa+ erzählt, daß die Aerzte seiner Zeit viel von
-Erwärmung des schönen Geschlechts erwarteten. Selbst Galen, der von
-einem alten Manne wegen seiner Abnahme an Kräften befragt wurde,
-wollte, daß er bei einem Kinde schlief, um seinen Unterleib davon zu
-erwärmen[57]. Dem Propheten David wurden ja seine Tage verlängert,
-indem man ihm (der Erwärmung wegen) ein sehr junges Mädchen ins Bette
-gab. Desessarz sah bei verschiedenen Kindern beiderlei Geschlechts, daß
-der Theil ihres Körpers, welcher den Alten, Kränklichen, neben denen
-sie schliefen, am nächsten lag, schwächer, blässer, und wie ausgezehrt
-wurde. Derselbe Fall ist oft bei Verheiratheten, vorzüglich wenn der
-eine Theil alt, kränklich, und der andere jung und gesund ist, daß es
-sich in wenig Monaten ganz umgekehrt mit ihnen verhält.
-
-Es behaupten zwar mehrere neuere Chemiker und Aerzte, daß junge Thiere
-die Athmosphäre weit schneller und weit mehr verdürben, als die ältern
-eben derselben Art, und den Alten also nicht nützen, sondern schaden
-würden, wenn sie bei ihnen lägen: indessen die Erfahrung widerspricht
-offenbar hier den theoretischen Gründen.
-
-Man muß die Vorsicht brauchen, unter Tages das Bettchen des Kindes so
-zu stellen, daß das Tageslicht vom Fenster gerade auf seine Augen
-fällt. Eben dies gilt auch von der Nachtlampe. Ist das Fenster, oder
-die Lampe rechts, oder links, oder rückwärts, so gewöhnt sich das Kind
-mehr auf diese, oder jene Seite zu sehen: es lernt schielen.
-
-Ein andres grobes Vorurtheil, welches unsren Kindern viele
-Unbequemlichkeit, und vielleicht viele Krankheiten macht, ist das
-alte, aber, in Rücksicht auf Kinder, alberne Sprichwort: _Aurora musis
-amica_. Man will die Kinder zur Arbeitsamkeit gewöhnen, man will
-ihnen, wie man sagt, ihre Trägheit benehmen, und zwingt sie daher früh
-aufzustehen, da es doch offenbar der Wille der Natur ist, daß die
-Kinder lange schlafen sollen. In den mehrsten Instituten müssen die
-Kinder wegen dieser grundlosen Meinung zu frühe aufstehen. Man scheint
-gar nicht daran zu denken: daß Kinder verhältnißmäßig weit stärker
-arbeiten, als Erwachsene. Ueberläßt man sie sich selbst, so ist wohl
-keines ihrer Glieder einen Augenblick in Ruhe. Lange also müssen sie
-schlafen; um so länger, je jünger sie sind, und im Winter weit länger,
-als im Sommer. Denn wir finden, daß Schlafen, wenn sich die Sonne unter
-dem Horizont befindet, weit erquickender ist, und daß wir auch denn
-mehr Schlaf haben.
-
-Man wecke die etwas erwachsenen Kinder zu verschiedenen Zeiten und oft
-mit Geräusch auf, damit sie auch daran für die Folge gewohnt werden;
-da die gesellschaftlichen Verhältnisse sie gewiß manchmal in ihrem
-Leben plötzlich aus dem Schlafe bringen werden. -- Man gewöhne sie,
-sich selbst zu wecken. Man verspreche dem Knaben, ihn den andern Tag um
-diese oder jene Stunde dahin mitzunehmen, wo er viel Vergnügen hoffet,
-und nehme ihn wirklich nicht mit, wenn er geschlafen hat; so wird er
-bald das Wecken nicht mehr nöthig haben.
-
-
-
-
-Von der Bewegung.
-
-
-In der ersten Zeit des Lebens kann natürlich die Bewegung des Kindes
-bloß darin bestehen; daß man seinen Gliedern freien Spielraum läßt, und
-es auf dem Arme herumträgt. Das muß aber nun sehr bald (wie oben gesagt
-worden ist) geschehen; erst im Zimmer, dann im Hause, und endlich
-täglich in freier Luft, um es vor und nach daran zu gewöhnen.
-
-Nach den ersten Monaten ist vorzüglich das Herumfahren in einem kleinen
-Wagen sehr vortheilhaft. Größre Kinder genießen dadurch selbst die
-Wohlthat der Bewegung, und der gesunden Luft, indem sie solche den
-kleinern mittheilen wollen. Die Kinder bekommen dadurch ein frisches,
-blühendes Aussehen, ein festes Fleisch, einen ruhigen Schlaf, vermehrte
-Eßlust, und werden munter und lustig. Man schütze sie nicht ängstlich
-vor der Sonne; im Gegentheil es ist ihnen sehr zuträglich, nebst der
-freien Luft auch der Sonne ausgesetzt zu seyn. Wahrlich dient das Licht
-in der Natur zu mehrerem, als -- um Tag zu machen[58]: Sein Einfluß
-auf die thierische Haushaltung ist schlechterdings unverkennbar.
-Wohnungen, wozu das Sonnenlicht schwerlich kommen kann, wie bei
-Gefängnissen und manchen Klöstern, sind feucht, ungesund: Menschen und
-Pflanzen verbleichen darin, und kränkeln. Man hat daher sehr Unrecht,
-den Teint des Kindes auf Kosten seiner Gesundheit zu erhalten. Ich
-glaube mit Berthollet[59], daß die Sonne Mitursache sey, warum die
-Kinder der Landleute so viel gesunder sind, als die der Städter.
-
-Wenn die Kinder fünf bis sechs Monate alt sind, so lasse man sie unter
-guter Aufsicht auf einem mit Teppich belegten Fußboden, oder im Sommer
-auf Grasplätzen herumkriechen. Sie bekommen dadurch einen freiern und
-leichtern Gebrauch, mehr Festigkeit und Beweglichkeit ihrer Glieder,
-und lernen daher eher und weit sicherer gehen[60]. Buffon[61] erzählt
-von den kleinen Negern, daß sie mit ihren Füßen, und Knien eine von den
-Hüften der Mutter fassen, und sich so fest an die Brust anklammern,
-wenn sie trinken wollen, daß sie ohne Beihilfe der Mutter hangen
-bleiben. Sie trinken beständig fort, ohne sich irren zu lassen, oder
-zu fallen; die Mutter, welche während dieser Zeit arbeitet, mag sich
-bewegen, wie sie nur immer will. -- Wenn diese Kinder zwei Monate alt
-sind, so fangen sie schon an zu gehen, oder vielmehr sich auf den
-Händen und Füßen zu schleppen; eine Uebung, die ihnen in der Folge die
-Fertigkeit gibt, fast eben so geschwind auf allen vieren zu kriechen,
-als aufrecht zu gehen. -- Von Weert sah[62] an der Magellanischen
-Straße, daß ein Kind, welches noch nicht viel über sechs Monate alt
-seyn konnte, schon viele Zähne hatte, und allein lief. Die Kinder der
-Maleyischen Weiber müssen sich uneingewickelt auf einer auf der Erde
-gespreiteten Matte behelfen, und man sieht sie schon herumlaufen,
-wenn sie ein halbes Jahr alt sind. Daran ist bloß ihre ungezwungene
-Behandlungsart Schuld, sie lähmen nicht ihre Kinder nach Sitte der
-Europäer durch Unthätigkeit, durch zweckwidrige Kleidung, oder durch
-Einsperren in enge verpestete Zimmer; sie hindern also ihr Wachsthum
-nicht, und eben dadurch können diese ihre Glieder bald brauchen.
-
-Man hat auf diese Art die so gefährlichen Laufbänder nicht nöthig, die
-den Kindern an der Brust und Schultern anliegen, und da sie sich (weil
-sie noch nicht auf den Füßen stehen können) immer mit dem obern Theil
-ihres Körpers vorwärts neigen, so liegen sie mit ihrer ganzen Last auf
-dem vordern Theile des Laufbandes; die Brust wird dadurch gedrückt,
-mehr und mehr hineingepreßt, und das Wachsthum dieses wichtigen Theils
-des Körpers auf eine sehr nachtheilige Art gestört; besonders da die
-Mägde sie oft damit schwebend in der Luft halten, und sich hin und her
-bewegen lassen. -- Derselbige Fall ist ungefähr mit den Laufstühlen,
-worin man die Kinder einsperrt, und so herumirren läßt. Sie bewegen
-sich fort durch Stöße, welche sie mit der Brust geben, und oft auf
-eine empfindliche Art wieder erhalten, wenn sie plötzlich gegen eine
-Mauer prellen; dabei ist noch der Nachtheil, daß den Kindern durch das
-beständige Stehen die Beine krumm werden.
-
-Auch muß ich erinnern, daß in diesem Alter manche Bewegungen, welche
-man so oft zum Scherze oder aus Unvorsichtigkeit mit den Kindern macht,
-äußerst gefährlich sind: manchmal faßt man den Kopf des Kindes zum
-Spasse mit beiden Händen, und hält ihn in die Höhe; dadurch können die
-Gelenke der Wirbelbeine bei verlängerten Bändern durch eine leichte
-hinzukommende Bewegung des Körpers aus ihrer Lage gebracht und verdreht
-werden, wornach ein plötzlicher Tod oder wenigstens ein krummer Hals
-die Folge ist.
-
-Aus demselben Grunde soll man den Kopf des Kindes, wenn es aus dem
-Bette genommen, oder auf dem Arm getragen wird, nicht rücklings fallen
-lassen, weil das wegen dem von Natur noch knorplichten Zahnfortsatze
-des zweiten Halswirbelbeins nicht ohne beträchtliche Verletzung und
-Beschädigung geschehen kann. -- Auch ist es eine schädliche Gewohnheit,
-die Kinder bei den Händen oder Armen zu fassen, und so in die Höhe
-zu heben; denn hierdurch kann den zarten Kindern nicht nur eine
-Verrenkung, sondern auch ein Abbrechen von Knochenansätzen zugefügt
-werden. Es ist ebenfalls gefährlich, Kinder von einem Arme auf den
-andern zu werfen, und sie beim Stehenlehren auf dem Tische jähling auf
-die Füße und Knie fallen zu lassen, was die Knochen, die an ihren Enden
-noch knorplicht sind, und die Hüften selbst verletzen muß. -- Fast
-eben so nachtheilig ist es, das auf dem Arm sitzende Kind gleichsam
-in die Luft zu werfen, und schnell wieder herabzulassen; denn man
-legt hierbei, um es vor dem Fallen zu sichern, die linke Hand unter
-den Körper, die Finger der rechten Hand aber unter die Brust und die
-Rippen, und drückt nun so nicht allein die Brust zusammen, sondern
-verdreht auch die Rippen.
-
-
-
-
-Vom Essen und Trinken.
-
-
-Die erste Nahrung des Kindes muß nun, wie ich bewiesen zu haben glaube,
-die Brust der Mutter seyn. -- Aber hat das Kind wohl genug damit?
--- Auch hier sind die kultivirten Menschen wieder klüger als -- die
-Natur! Sie glauben, der Säugling würde an den Brüsten seiner Mutter
-verhüngern, wenn sie nicht durch ihre Weisheit -- das Pfuscherwerk des
-Schöpfers verbesserten.
-
-Das gesunde Kind hat mit den zwey Brüsten seiner gesunden Mutter die
-ersten Monate vollkommen genug[63]. Es findet in der reinen Muttermilch
-hinlängliche Nahrung. Man hat daher weiter nichts dabei zu künsteln
-nöthig. Aus dieser Ursache gefällt mir der Rath von +Pinel+, den
-ich übrigens, als einen der vorzüglichern Aerzte Frankreichs sehr hoch
-schätze, gar nicht: die Kinder nämlich beim Säugen frisches Wasser
-trinken zu lassen. Es soll bei denen, die mager werden, oder Anzeigen
-schlechter Verdauung haben, das sicherste Mittel seyn, dieselbe in
-Ordnung zu bringen, und die von der Milch überbleibenden Kruditäten
-wegzuspühlen, dem Krampfhusten vorzubeugen, und die Entwöhnung zu
-erleichtern. Er sagt, er gebe diesen Rath aus Erfahrung, man könne den
-Kindern drey bis viermal des Tags Wasser geben; denn der Instinct lehre
-sie so viel zu nehmen, als ihnen gut ist, und sie fänden bald Geschmack
-daran. Allein Herr Pinel wird mich schwerlich überzeugen können, daß
-kaltes Wasser einem Säuglinge gut bekommen könne, da die Natur so
-absichtlich ihm seine Nahrung lauwarm gibt, und wie, wenn das Kind
-gerade deswegen mager wird, weil die Milch seiner Mutter zu wässericht
-ist? Nur in dem Falle, und mit der Einschränkung kann man, das Wasser,
-und zwar als Arznei geben, wenn, wie es Hufeland that,[64] die
-Muttermilch zu fett und zu schwer ist, und das Wasser vorher laulicht
-gemacht wurde.
-
-Nach einigen Monaten, wenn die Natur nach und nach anfängt, auf die
-Hervorbringung der Zähne zu arbeiten, sehen wir, daß dem Kinde die
-Milch der Mutter nicht hinlänglich ist. Die Natur will jetzt das Kind
-vor und nach an andre Nahrung gewöhnen; damit das Abgewöhnen von der
-mütterlichen Brust nicht auf einmal geschehe. Die beste Nahrung, die
-man denn dem Kinde geben kann, ist: Milchzucker in warmem Wasser
-aufgelöst, wozu etwas Satzmehl aus Kartoffeln[65], (es ist ganz
-dasselbe, was der theurere Sago und Salep ist) geschüttet wird. Wie das
-Kind älter und stärker wird, so setzt man mehr davon zu; man erhält
-das Ganze eine halbe Stunde unter stetem Umrühren über dem Feuer, und
-erhält so eine sehr nährende Gallerte. Nach einiger Zeit wechselt man
-ab mit Fleischbrühsuppen, worin gut gebackenes Weizenbrod abgekocht
-ist. -- Das sind Sachen, die den Uebergang von der Milch zu den übrigen
-Nahrungsmitteln zu machen, vorzüglich geschickt sind. Gewöhnlich gibt
-man aber den Kindern, und zwar bei uns von dem ersten Tage der Geburt
-einen Brei aus Milch, Mehl und Zucker. Offenbar eine Mischung, die so
-schädlich ist, als eine erdacht werden kann! Ungegohrne Mehlspeisen
-sind sogar den Erwachsenen aus Gründen, die der Chimist und Phisiolog
-kennt, äußerst schwer zu verdauen. Man kann sich nicht mit zu vielem
-Eifer gegen diese abscheuliche Nahrung auflehnen.
-
-Man mache den Versuch an sich selbst, esse nur so viel Mehlbrei, als
-man einem Kinde auf zweimal einstreicht, und wenn man nicht gleich nach
-dem ersten Mahle Drücken im Magen, saures Aufstoßen, und alle Zeichen
-einer Unverdaulichkeit und Säure im Magen wahrnimmt, so fahre man nur
-einige Tage mit dieser Kost fort -- und man wird denn hinlänglich
-überzeugt seyn, daß dieser Brei in dem Magen sich in Sauerteig
-verwandelt, und desto schneller bei Kindern sich verwandeln muß, je
-schwächer ihr Magen ist und je schwächer ihre Verdauungskräfte sind.
-Man sagt zwar, der Brei nährt viele Millionen Kinder; aber wie viele
-tausend hat er schon getödtet? Vielleicht hat noch kein Gift so viele
-Menschen plötzlich, oder nach und nach gemordet, als dieser Mehlbrei,
-und er hat vielleicht allein mehr Kinder in den ersten Monaten
-aufgerieben, als alle Kinderkrankheiten in der Folge! Wenn sich auch
-seine Wirkungen nicht plötzlich äußern, wenn auch nicht alle Kinder,
-welchen Mehlbrei eingestrichen wird, plötzlich sterben, was doch nicht
-ganz selten sich ereignet; so legt er doch den Keim zu einem Heere
-langwieriger Krankheiten. Wie konnte sich aber, sagt man, der Mehlbrei
-so lange in den Kindsstuben erhalten, wenn er so schädlich ist? Man
-darf nur die Faulheit und Nachlässigkeit der Ammen und mancher Mütter
-kennen, um das zu begreifen. Ein Kind, dem man eine Portion dieses
-Kleisters eingegeben hat, zumal wenn es des Abends geschieht, liegt
-die Nacht über in einer Betäubung da, wie ein Erwachsener, der vor dem
-Schlafengehen ein zu reichliches Nachtmal an unverdaulichen Speisen
-hielt -- es währt lange, bis der Magen den zähen Kleister verdauet,
-bis der Säugling wieder neuen Appetit bekömmt und nach Muttermilch
-schreit; daher schläft die Amme ruhig die Nacht über fort, und erwacht
-freudenvoll über die genossene Ruhe mit dem neuen Entschlusse, auch
-künftigen Abend ein Stündchen Schlafes mit dem Leben und der Gesundheit
-ihres Säuglings zu kaufen. Wie schnell mußte sich solch eine
-Entdeckung unter dem Ammenvolke verbreiten! Und wie viel leichter wäre
-es nicht, Alpen zu versetzen, als ein hirnloses Weib von dem Ungrunde
-einer vorgefaßten Meinung zu überführen! Unglücklicher Weise macht
-der Brei den Kindern dicke Bäuche, und da sich bei vielen Weibern der
-Stolz sehr oft auf die Fettigkeit ihrer Kinder gründet: so dient dies
-auch noch bei ihnen dem Brei zur Empfehlung; weil sie mit allem Eifer
-bedacht sind, diese drolligte Leibesbeschaffenheit ihren Kindern zu
-erzielen.
-
-Aber wenn nun das Kind abgewöhnt ist, was soll es denn essen? Die Natur
-gab andern Thieren den Instinct als die sichersten Leiter, die Sachen
-zu finden, die ein Stück ihres Körpers ausmachen sollten. Wir sehen
-das deutlich auf den oft abgefressenen Weiden, welche dem hungrigen
-Thiere wenig Nahrung geben können; und doch stehen gewisse Pflanzen in
-der schönsten Blüthe unangerührt da; weil sie ihnen nachtheilig sind.
-Diesen Instinct hatten wir auch; denn die ersten Menschen würden todt
-gehungert seyn, wenn sie durch die Erfahrung hätten lernen müssen,
-was ihnen nachtheilig oder gut sey. Ein Knabe, der in einem Walde
-gefangen worden, konnte alle gesunde Pflanzen von den schädlichen
-unterscheiden; er verlor aber diese Eigenschaft, so bald er aß, wie
-andere Menschen[66]. Das wäre uns gewiß am allergesündesten gewesen,
-was uns am besten geschmeckt hätte, wenn wir nicht so sehr entartet
-wären. Die Natur ermuntert uns ja immer durch Vergnügen zu dem, was
-wir thun sollen, und warnt uns durch Schmerz für das, was wir nicht
-thun sollen; läßt auch denn Vergnügen Schmerz werden, wenn wir ihre
-sanfte Stimme nicht hören wollen. -- So haben wir nach vieler Bewegung
-den besten Appetit; der Appetit wird nagender, schmerzhafter Hunger,
-wenn wir ihn nicht stillen; der Appetit wird Sättigung, wenn wir genug
-haben; er wird Eckel, wenn wir zu viel gegessen haben. In das, was uns
-schadet, legte sie einen Abscheu.
-
-Es liegt aber sehr viel daran, was wir essen, selbst in Rücksicht
-auf unsre Moralität. Die von Pferdemilch lebenden Mysi sind die
-gerechtesten Menschen. Die jetzigen Einwohner von Hindostan, die bloß
-Vegetabilien genießen, sind sanfte, gute, leutselige Menschen[67]. Bloß
-Fleisch essen macht wild, unbarmherzig, grausam. Die Menschenfresser
-unter den Amerikanern[68] sind ungesellig, tiefsinnig u. s. w. Die
-Tartarn, die Patagonen und einigermaßen unter uns die Fleischer
-und Jäger bezeugen, daß Fleischessen wild macht[69]. Auch schadet
-allzuvieles Fleischessen offenbar dem höhern Denkvermögen, es macht die
-Phantasie üppig und ausschweifend; daher enthielt sich ihrer der größte
-Mensch -- +Newton+, als er das Meisterstück der menschlichen Vernunft,
-seine Theorie von dem Lichte und den Farben schrieb[70]. Vegetabilische
-Diät macht die Leute gelind in ihren Handlungen, aber schwach und zu
-großen Arbeiten untüchtig. Haller sah nach dem Gebrauche der Vipern
-die größte Ungeduld entstehn[71]. Boerhaave kannte einen Mann, der
-eine Zeitlang bloß Feldhühner aß, und dabei die Feinheit seiner Sitten
-verlor.
-
-Von dem Einflusse der Diät auf die Moralität scheinen die Alten schon
-überzeugt gewesen zu seyn: Philopömen zwang die Spartaner, die Manier
-ihre Kinder zu nähren, aufzugeben; weil er wohl wußte (sagt Plutarch),
-daß sie sonst immer eine große Seele und ein erhabenes Herz hätten.
-Pausanias ließ nach der Schlacht bei Platäa seinen Offizieren eine
-persische und eine spartanische Mahlzeit zurichten, und sagte ihnen:
-seht die Thorheit der Medischen Anführer, die solcher Mahlzeiten
-gewohnt sind, und dennoch geglaubt haben, sie könnten uns überwinden.
-
-Wir hätten vielleicht eine ziemliche Leichtigkeit, nicht bloß die
-verschiednen Nazionalcharactere anzugeben, sondern selbst die
-Charactere jeder einzelnen Individuen zu kennen, mit denen wir umgehen;
-wenn wir eine genaue Sammlung ihrer Küchenzettel hätten[72]. Gehörig
-beschränkt, ist also viel wahres an dem Satze, den schon +des Cartes+
-behauptete, daß man die Mittel zur Verbesserung des menschlichen
-Geistes und Herzens in der Arzneikunde (und ich möchte hinzusetzen)
-auch +in der Küche+ suchen müßte. Dächten hieran die Leute, die
-manchmal unsere Sitten richten wollen, und den physischen Menschen gar
-nicht kennen; so würden sie vermuthlich einem Manne oft sein Genie oder
-seine Geistesschwäche, seine Moralität oder Immoralität nicht so hoch
-anrechnen, als sie es gewöhnlich thun, und um so mehr thun; je mehr sie
-von der Organisation desjenigen, von dem sie urtheilen, abstehen.
-
-Daß der Natur unendlich viel daran lag, uns die Sachen recht auswählen
-zu lassen, welche wir essen, sehen wir vorzüglich, wenn wir den Sinn
-des Geschmacks recht betrachten. Wie empfänglich ist der nicht für
-jeden Eindruck! Fast alles schmeckt! Aber es ist schwer anzugeben,
-was uns denn zur Speise angewiesen ist, was uns eigentlich am
-zuträglichsten seyn mag, da wir durch unsere Kultur den Instinct in dem
-Punkte ganz eingebüßt haben.
-
-Höchstwahrscheinlich ist der Mensch zur Obstnahrung bestimmt; das
-beweist die Einrichtung seiner Verdauungswerkzeuge, die der Verwandlung
-der Obstspeisen durchaus angemessen ist. Seine Vorderzähne schaben
-den Bissen vom Obste; seine Hundszähne, die beinahe eine nicht
-größere Aehnlichkeit mit den Hundszähnen der Fleischfressenden Thiere
-haben, als die menschlichen Finger mit den Klauen derselben, dienen,
-die Schalen der Nüsse zu öffnen; seine Backenzähne zermalmen den
-Bissen. Die Gedärme des Menschen sind für Fleischspeisen zu lang, für
-Vegetabilien zu kurz. Sein Magen kann keine Kornfrüchte zermalmen;
-sonst wäre er fleischigter. Dabei gewährt das reife Obst unserer
-Zunge einen überaus angenehmen Geschmack; ein Vorzug, den schon
-Hippocrates[73] einer Speise sehr hoch anrechnet. Allein der Schöpfer
-wollte den Menschen über die ganze bewohnbare Erde verbreiten, und
-deswegen mußte er seine Natur seinem Wohnplatze anpassen. Daher ißt der
-Nordländer Fleisch; denn sein Land trägt ihm nicht Obst genug, auch
-könnte er damit in seinem kalten Himmelsstriche nicht gesund bleiben:
-in wärmern Gegenden ißt der Mensch des Fleisches weniger, und lebt
-wieder mehr von Vegetabilien. In ganz Ostindien, in Japan, in China ißt
-man wenig Fleisch, noch weniger in Aegypten. Der Reiß, einige Gewächse
-und Butter sind die gewöhnliche Speise der Einwohner von Bengalen. Auch
-ist es Sache der Erfahrung, daß ganze Menschenklassen sich einzig von
-vegetabilischer Nahrung ernähren[74], so wie andre bloß von Fleisch,
-und dabei sehr gesund bleiben.
-
-Ueberall modifizirte die Natur den Instinct des Menschen nach den
-Umständen, so daß er jedem Himmelsstriche mit kühner Stirne trotzt,
-und sich an jede Speise gewöhnen kann. Aber wir Europäer haben wir
-nicht die Diät aller Völker bei uns vereint? Wahrlich der Europäer ist
-das gefräßigste Thier auf Erden[75]! Er ißt alle Arten von Fleisch,
-Fischen, Schalthieren, Vögeln, Wurzeln, Früchten, Kräutern etc.
-etc. Wir lachen, daß des Grönländers Lieblingsspeise halb verfaulte
-Stockfischschwänze sind, daß der Hottentote zum Götteressen faulende
-Därme hat, und wir essen -- Schnepfendreck, und faulendes Wildbret.
--- Wir haben auf unserm Tische die Kirschen des schwarzen Meeres,
-die Spargel aus Siberien, die Aprikosen, Birnen, Aepfel und Pflaumen
-entfernter Gegenden, die Kartoffeln aus Amerika, das Korn und den Kohl
-und tausend andre Sachen, deren Vaterland unbekannt ist[76]. Selbst
-der Weinstock, den wir zu manchem Zwecke brauchen, und wohl noch öfter
-mißbrauchen, ist fremd: denn in unsern Wäldern war nichts, als einige
-Beerenstauden und Aepfel, welche wir zu essen verlernt haben. Ist es
-also wohl noch zu verwundern, daß wir keinen Instinct mehr haben? Wir
-haben ja (wie mein Freund Herr Hofrath Roose[77] sagt) lange aufgehört
-Menschen zu seyn -- um Staatsbürger zu werden.
-
-So wie die Natur die Judenknaben mit einer kleinern Vorhaut zur Welt
-kommen läßt; wie sie den Kindern derjenigen Völker, die manche Glieder
-ihrer Neugebornen mehrere Generationen hindurch verzerren, endlich von
-selbst die beliebte Form gibt, so wurde sie (möchte ich sagen) endlich
-müde, uns ihre Winke zu geben. -- Dazu kömmt noch, daß in manchen
-Ländern Bevölkerungs-Principien herrschen, die allenfalls (und doch
-nur mit der größten Einschränkung) bei einem Gestüte gut seyn könnten;
-aber zur Degeneration der Menschen nicht wenig beitragen. Man glaubt
-nämlich oft, nicht genug Leute auf einem Flecke anhäufen zu können,
-ohne sich darum zu bekümmern, ob sie sich auch gesund und gut da nähren
-können. Nothgedrungen muß denn der Mensch Nahrung genießen, welche mit
-seiner Natur gar nicht zusammenstimmt; und so degenerirt denn auch die
-unterste Klasse ganz zu dem Grade der Kultur, den die höhern Stände
-schon lange acquirirt haben.
-
-Und was haben wir an der Stelle des Instincts? -- Bücher der Diätetik,
-welche kein Thier, auch nicht der Barbar bedarf, und welche sich nicht
-selten auf jedem Blatte widersprechen.
-
-Was sollen wir aber thun, um aus diesem Labyrinthe zu kommen? -- Wir
-sollen unsre Kinder an einfache Speisen gewöhnen. Die einfachsten
-Speisen bekommen ihnen am beßten. Für Milch, Brod, Wasser, u. s. w.
-eckelt's keinem Kinde auf der Erde: unsere Bauernkinder sind kräftige
-Zeugnisse, wie gesund die Kinder bei dieser Diät werden. Auch selbst
-der Geschmack der städtischen Kinder geht immer noch nach den einfachen
-Speisen. Unsre Ragouts und andere beliebte Gerichte lieben sie nicht;
-diese macht ihnen erst Gewohnheit angenehm.
-
-Milch, Brod, Obst soll eigentlich die Hauptnahrung der Kinder seyn,
-und in dem Maaße, als sie älter werden, gebe man ihnen allgemach öfter
-Fleisch. Ihr Getränk sey -- wenn sie gesund sind, Wasser. Kinder mögen
-auch anfänglich weder Wein noch Bier u. s. w.[78].
-
-Aber wann und wie viel soll das Kind des Tags essen? Man soll ihm nicht
-zu wenig geben; da es nicht bloß zu seinem Ernähren, sondern auch zum
-Wachsen essen muß. Wenn das Kind also noch nicht selbst fordern kann;
-so gebe man Achtung, daß man ihm immer zu bestimmten Zeiten so lange
-gebe, als es mit Lust und Appetit die Speisen zu sich nimmt. Meistens
-fallen hier Mütter in entgegengesetzte Extreme. So wie einige, aus
-Furcht ihren Kindern zu schaden, ihnen viel zu wenig geben, so geben
-ihnen andere beinahe jeden Augenblick zu essen, und stopfen sie, wie
-die Gänse: daher Atrophie, Verstopfungen im Gekröse und ein ganzes
-Heer von Uebeln. Unzer[79] beschreibt diesen unter der gemeinen Klasse
-häufigen Fall mit seiner gewöhnlichen Laune: „Ein junges Kind muß doch
-essen, sagt er, man gibt ihm fleißig Brei, Semmel, weißes Brod, und
-lauter trockene oder zähe Speisen, die gut vorhalten. Dies geschieht
-des Tages vier bis sechsmal, wo nicht gar unaufhörlich: denn das Kind
-kann doch unmöglich hungern. Was ereignet sich? Das Kind wird elend und
-mager, und frißt täglich ärger. Was soll man thun, um es wieder gesund
-zu machen? Man gibt ihm täglich mehr zu essen; denn davon schweigt es,
-und bekömmt Kräfte. Sein Leib wird hoch und hart. Das Brod scheint
-anzuschlagen. Allein der ganze übrige Leib wird dürre, wie ein Stecken.
-Das Kind muß also doch wohl noch nicht Nahrung genug haben. Man nährt
-es besser, und es verzehrt sich und stirbt. Niemand bedauert, daß er es
-todt gefüttert habe. Wie sollte dieses auch möglich seyn? Es konnte ja
-nie satt werden?“
-
-Wenn aber das Kind schon brav herumlauft, wenn es schon fordern
-kann, dann gebe man ihm zu essen, wenn es mag, wenn es will. Es wird
-denn nie zu viel essen. Ein natürlich erzogenes Kind wird sich nie
-Unverdaulichkeiten zuziehen, an denen wir allein Schuld sind. Die
-Natur bedarf immer eines Ersatzes; daher hat das Kind immer Hunger.
-Reizen wir nur seine Sinnlichkeit nicht, so wird es gewiß nicht mehr
-essen, als es Hunger hat. Allein wir lassen die Kinder sistematisch
-nach der Uhr hungern, und nur zu gewissen Zeiten des Tags essen;
-sie suchen sich denn, wenn ihnen der Zaum, den ihnen die Konvenienz
-anlegte, losgelassen wird, dafür schadlos zu halten, und füllen auf
-einmal in ihre kleinen Magen mehr, als sie verdauen können. Wir sehen
-davon Beweise an den Kindern der Landleute. Der Tisch ist diesen,
-vorzüglich im Sommer, immer gedeckt. Den ganzen Tag sitzen sie unter
-den Obstbäumen, und wie wenig wissen sie von Unverdaulichkeit! Haben
-sie sich durch Zufall eine zugezogen; so ist Hunger ja dafür das beste
-Mittel; die Natur verbindet ohne dies damit Eckel. Das natürlich
-erzogene Kind wird daher keinen Hunger haben, bis die Natur diesen
-Fehler wieder gut gemacht hat.
-
-Ungegründet ist auch die Furcht, daß volle Befriedigung des Appetits
-die Knaben zu schwerfällig und träge mache. Man bedenke doch nur, daß
-sie nicht allein das Verlorne ersetzt haben, sondern außerdem noch
-zum Wachsthum etwas auflegen wollen. Ihre Verdauung ist wegen dieses
-doppelten Bedürfnisses so lebhaft, daß man von der Ueberladung des
-Magens nicht leicht etwas zu befürchten hat. Der Hunger selbst ist uns
-Bürge dafür; der zeigt sowohl, wie hochnöthig eine Nahrung ist, als
-auch, wie leicht und bald das Genossene verdaut wird.
-
-In diesem Alter ist Essen die Hauptbeschäftigung, und von dieser
-Seite nur kennen die Kinder Vergnügen. Die Erzieher sollten das mehr
-benutzen, denn könnten sie sicherer zum Zwecke kommen, als nach der
-bisher gewohnten Art. Wie leicht trocknet oft ein Apfel, oder eine
-Kirsche einen ganzen Strom von Thränen! -- Jetzt verdirbt man oft das
-Herz der Kinder, indem man es bessern will. Neid nennt man bei der
-Jugend +Emulation+; unbeschränkten Ehrgeiz lobenswerthe +Wißbegierde+.
-Du sollst nicht eher ruhen, bis du in der Schule den Platz über diesen
-oder jenen deiner Gespielen erhalten hast; denke dir die Schande: --
-dein Bruder oder dein Freund hat schon wieder diese Aufgabe besser
-gemacht, u. s. w. Das ist die nur allzugewöhnliche Erziehungs-Methode.
-So legt man aber den Keim zu den heftigsten Leidenschaften in das
-junge Herz, und vergiftet es für immer in die Zukunft. Hämischer
-Neid, unersättlicher Ehrgeiz mit allen seinen Folgen bemeistern sich
-dadurch des Kindes ganz. Es wird nur Ersatz für seinen Fleiß, für
-seine Arbeiten in äußerlichen Zeichen, im lauten Beifall des Publikums
-suchen; und haben ihm noch ehrgeizigere Menschen diese nahe am
-gehofften Ziele wegcabalirt; so ist es in Verzweiflung, hört auf zu
-arbeiten, oder will sich gar an Vaterland und Menschheit rächen.
-
-Kinder müssen zu dem, wohin wir sie leiten wollen, durch sinnliche
-Gegenstände gereizt werden, aber denn ist es doch besser, sie dadurch
-zu führen, wofür sie in diesem Alter ganz Sinn sind. -- Zucker z B.
-ist das beste, was man ihnen zur Aufmunterung und zur Belohnung geben
-kann. Sie essen ihn sehr gern, und er ist trotz dem, was man dagegen
-gesagt hat, sehr gesund. Der Herzog von Beaufort, der vierzig Jahre
-lang täglich ein Pfund Zucker verzehrte, starb im sechzigsten Jahre
-an einem Fieber; man fand seine Eingeweide sehr gesund, und die Zähne
-fest und gut. Ein gewisser Melory, der unter alle Speisen Zucker that,
-wurde bei einer festen und dauerhaften Gesundheit hundert Jahre alt.
-Personen, die den stärksten Gebrauch vom Zucker machen, wie die Neger,
-haben gerade die schönsten Zähne: und Share versichert, seine Zähne
-durch das Reiben mit Zucker erhalten zu haben. Hunter empfiehlt sogar
-den Zucker als das beste Erquickungsmittel bei Leuten, die durch langes
-Fasten geschwächt, oder durch den Gebrauch von Merkurialmitteln mager
-geworden sind. Und wie mehrere Versuche beweisen, so begünstigt der
-Zucker nicht allein die Erzeugung der Würmer nicht, sondern er treibt
-sie sogar ab.
-
-Man hüte die Kinder aber vor Näschereien, vorzüglich denjenigen, die
-um Weihnachten und Nikolaus in den katholischen Ländern verkauft
-werden. Es sind meistens Sachen, die mit Gummigutt, Grünspan,
-Schaumgold, d. h. Messing gefärbt, und aus schlechtem Mehl und etwas
-Zucker zusammengebacken sind, welche billig wegen ihren schädlichen
-Eigenschaften in jedem polizirten Staate verbothen werden müßten.
-
-Man glaube nur nicht, die Kinder würden dadurch Fresser und Schlemmer,
-daß man sie durch so sinnliche Gegenstände zur Arbeit und guten
-Handlungen ermuntere, oder daß in der Folge für sie ein gutes
-Mittagsessen mehr seyn würde, als eine edle That. Nein das ist sicher
-der Fall nicht. So wie das Wachsen allmählig aufhört, das Kind sich
-weniger bewegt, so hört auch mit dem Bedürfnisse die Lebhaftigkeit
-dieses Sinnes auf, und um die Zeit bekömmt dabei im gesellschaftlichen
-Zustande das Herz so viel zu thun, daß der Magen uns so sehr nicht
-mehr beschäftigt. Nur die werden Fresser, welchen ihr Appetit nicht
-gestillt, sondern gereizt wird, oder welche Nerven von der Bauart
-haben, daß sie weder von innen noch von außen Beschäftigung finden, und
-also nur mit -- ihrer Verdauung und Ernährung zu thun haben.
-
-Hier muß ich noch gegen einen Mißbrauch warnen, der den Kindern nicht
-selten sehr nachtheilig ist. Es ist die eckelhafte Gewohnheit vieler
-Kindswärterinnen, den Bissen, den sie kleinen Kindern geben, immer
-vorerst in ihrem Munde herumzuwälzen, und mit ihrem, oft gefährlichen,
-Speichel zu besudeln. Man lasse nur die Speisen gehörig abkühlen; denn
-ist es ja nicht möglich, den Kindern den Mund zu verbrennen!
-
-
-
-
-Von der Kleidung.
-
-
-Unter die zahllosen Bedürfnisse, welche die Gewohnheit mehr, als
-die Natur, dem Menschen nothwendig macht, rechnet man billig die
-Kleider[80]. Ein großer Theil unsrer Degeneration kömmt von unsrer
-albernen, läppischen Art zu kleiden her. -- Ich finde die Mode der
-Wilden, sich zu tatouiren, nicht so lächerlich und weniger ungesund,
-als die Sitte der Europäer, sich jedes Glied in eine widernatürliche
-Lage zu pressen.
-
-Wie unnatürlich sind nicht unsre Kleider! Ich glaube kaum, daß man eine
-abscheulichere Art, sich zu bedecken erdenken könnte, als die unsrige.
-Alle Glieder gepreßt, gebunden, geknöpft! -- Auf dem Kopfe glaubt
-man, nie Haare genug haben zu können, während die Männer sie um das
-Kinn, wo sie ihnen die Natur doch auch gab, mit der größten Sorgfalt
-abschneiden. -- Den Hals, der mit so wichtigen Gefäßen rund umgeben
-ist, umschlingen wir mit Binden, und stören da den Kreislauf des Bluts.
-Die Brust und der Unterleib werden erst durch Schnürleiber (die man
-immer noch in einigen Gegenden Knaben und Mädchen reichlich angedeihen
-läßt) denn durch enge Westen und hohe Hosen zusammengedrückt. So
-wird die Brust verengert, das Athemholen erschwert, und das ganze
-Verdauungsgeschäft gestört. --
-
-Die Hosen sind die schädlichste Kleidung, welche auf diesem Planeten
-von irgend einem Volke getragen wird, und wahrlich in Absicht auf die
-Sitten ist die Mode im Königreich Pegu, wo sich die Weiber so kleiden,
-daß sich bei jedem Schritte ihr geheimster Theil darbietet, nicht von
-schlimmerer Wirkung. -- Auch die Schuhe sind so gestaltet, daß man
-glauben sollte, der Mensch habe sie sich zu seiner Quaal erfunden[81].
-Die Natur machte unsre Füße vorn breit, und hinten spitzig; allein
-wir verstehen das Ding besser: unsre Schuhe sind vorn spitzig, und
-hinten breit, dabei so enge, daß unsre Zehen ganz gelähmt, und zwei
-Drittheile der Menschen mit allerhand Fußbeschwerden geplagt sind.
-Unsre Zehen sind beinahe, wie unsre Finger, gebildet; daher gibt es
-viele Völker, die das, was ihnen fällt, mit den Füßen aufheben, und
-diese fast eben so, wie ihre Hände brauchen können. Bei dem schönen
-Geschlechte in Europa ist die Kleidung noch weit unnatürlicher, als bei
-den Männern: sie zielt vorzüglich auf die Ausstaffirung des Busens
-und auf eine hübsche Taille. Bald befiehlt die Mode den Damen, ihren
-Busen nur durch einen seidenen Nebel blicken zu lassen, bald heischt
-sie ihn ganz zur Schau zu stellen; an vielen Orten aber zeigen sie
-ihn nur bei +Ehrenanlässen+. -- Der Leib ist allgemein in Europa
-beliebt worden, für schön zu halten, wenn er trichterförmig ist. Alle
-die Moden, wie z. B. jetzt, wo sich die Frauenzimmer kleiden, als
-wenn die Schenkel gerade unter den Schultern anfingen, sind nur von
-kurzer Dauer. Immer kömmt man wieder bald auf die erste, +auf die
-Trichterform+, zurück. Wie verderbt muß nicht unser Geschmack seyn,
-daß es uns gefällt, ein Frauenzimmer, wie eine Wespe in zwei Stücke
-getheilt zu sehen; daß wir es für eine Schönheit halten, wenn ihr Leib
-zum Umspannen schmal ist, da inzwischen die Schultern breit sind, die
-Brüste beinahe bis an das Kinn anschwellen, und der Hinterleib einen
-großen Raum ausfüllt!
-
-Die vielfache, komplizirte, Kleidung der Europäer bestätigt die Meinung
-des Abts +Barthelemy+ ganz: daß mit dem Verderben der Menschen sich
-ihre Kleider vermehrt haben[82]. Unsre kränklichte, verkrüppelte
-Körper, wodurch wir uns so sehr vor andern Völkern auszeichnen,
-verdanken wir gewiß größtentheils unsrer Kleidertracht. Warum ist der
-Körper der Neger so viel vollkommner, als der unsrige? Warum die Brust
-der Mohren so viel geräumiger, gewölbter, als die des Europäers[83]?
-Wie einfach kleideten sich unsre Ahnen, und wie stark und gesund waren
-sie nicht! Julius Cäsar erzählt von ihnen[84], daß sie sich mit Häuten
-bekleideten, und einen großen Theil ihres Körpers unbedeckt ließen.
--- Und ihr ganzes langes Knabenalter liefen sie nackt herum[85]. Die
-heutigen Türken beweisen augenscheinlich, wie sehr die Kleidung auf den
-Körper wirkt. Sie wissen nichts von der Einwicklung, tragen keine enge
-Kleider, und haben daher breite Schultern und eine sehr weite Brust.
--- Die Kleidertracht ist also ein Umstand, der unsre Aufmerksamkeit
-im hohen Grade verdient; da ein beträchtlicher Theil Menschen an
-Krankheiten der wiedernatürlich verengten Brust zu Grunde geht. Das
-schlimmste ist, daß man, um die für schön gehaltene Form sicher zu
-erhalten, schon die Kinder in Kleider spannt, welche die Glieder in die
-beliebte Figur verzerren. Ihr ganzer Körper gibt, wie Wachs, jedem
-Drucke nach, und nimmt also bald für immer die unnatürliche Richtung
-an, welche man ihm zu geben für gut fand.
-
-Bei einer bei Kindern einzuführenden Kleiderreform muß man +vorzüglich+
-darauf Rücksicht nehmen, daß man dem Hange zum Putze, der die Menschen
-noch unter keinem Himmelsstriche verlassen hat, hinlänglich Spielraum
-läßt. Gibt man hierauf nicht Acht, so verfehlt man früher oder später
-seinen Zweck; denn es ist noch kein Volk im Menschengeschlechte
-gefunden worden, welches nicht durch irgend eine Art von Putz die
-ihm von der Natur verliehenen Reize zu erhöhen, und sich dadurch
-liebenswürdiger zu machen suchte. Die elenden kümmerlichen Pescherä's,
-die der Abschaum der Menschheit seyn sollen, haben Halsbänder von
-niedlich schimmernden Schneckchen. Und zum Beweise, daß der Trieb
-sich zu schmücken beim Menschen selbst weit früher da ist, als
-das Gefühl der Schamhaftigkeit, werfe man nur einen Blick auf die
-Einwohner von Neuholland. Diese übrigens ganz nackend einhergehenden
-Wilden durchbohren sich den Nasenknorpel, und knebeln sich einen
-fast spannenlangen Knochen durch die Oeffnung, (es versteht sich,
-der Schönheit wegen) der groß genug ist, der Luft den Weg so zu
-versperren, daß sie nur mit offnem Munde athmen, und mit schnarrender
-Resonanz sprechen können; malen sich mit rother Ocker, oder auch mit
-weißen Streifen, die gleichsam wie ein Ordensband über die Schulter,
-und schräg über den ganzen Leib gehen, auch zuweilen übers Kreuz
-von andern Streifen durchschnitten werden, und tragen Halsbänder von
-gereihten Muschelschaalen, Armspangen von kleinen Schnüren, und eine
-Schnur von Menschenhaaren um den Unterleib. -- In Van-Diemens Land
-hatten einige Weiber einen Lappen des Kangurufells, den sie wie einen
-Sack um den Hals und um den Leib banden, um ihre Kinder darin auf dem
-Rücken zu tragen; allein an eine Bedeckung, welche die Schamhaftigkeit
-nach unsren Begriffen erheischt, war schlechterdings bei ihnen nicht zu
-denken[86].
-
-Völker, die den sehr weisen Gebrauch eines Feigenblattes einsehen,
-haben dafür Surrogate, die offenbar mehr als bloße Bedeckung zur
-Absicht haben. Im südöstlichen Afrika bedient man sich statt dessen
-eines Katzenschwanzes; die Einwohner von Darien einer Maschine, die
-einer Lichtputze ähnlich seyn soll, und ein benachbartes amerikanisches
-Volk eines Kürbis oder großen Schneckenhauses. -- Die männlichen
-Einwohner von Manikolo und den übrigen neuen Hebriden auf der Südsee
-haben sich einen kolossalischen Apparat hiezu ausgedacht: nemlich
-eine zylindrische Kapsel von einer solchen Länge und Stärke, daß
-sie mit Stricken getragen und um den Leib befestigt werden muß. Der
-Schmuck endlich unsrer Antipoden in Neu-Seeland ist ein hölzerner
-mit Bindfaden umwickelter Reif, dessen oberer Bogen mit Federbüschen
-besetzt ist, und in die bekannte Gegend applizirt wird; er dient
-offenbar nicht zur Bedeckung, sondern zur Parade. -- Eine der
-merkwürdigsten Verschönerungen ist unter den +Eleuten+ im nordischen
-Archipelagus gebräuchlich. Sie stecken sich nemlich Wallroßzähne durch
-die Lippen und Backen, um jenen Seeungeheuern gleich zu scheinen. --
-
-Der Hang zum Putze ist also allgemein, fließt aus dem wohlthätigen
-Triebe zu gefallen, richtet sich daher nach dem Begriffe von Schönheit,
-welcher vorzüglich bei kultivirten Völkern äußerst veränderlich, und
-von Zufällen abhängig ist. Der Trieb ist also von der weisen Natur
-eingepflanzt, und zu allgemein, als daß wir ihn ersticken können, und
-warum sollten wir auch das? -- Alle zu einfache Kleidungsvorschriften,
-welche der Mutter nicht erlauben, im Kinde zu kokettiren, werden nie
-eingeführt werden können, werden und können -- nie allgemein werden.
-
-Die Toilette des Kindes fängt nun gleich an, so wie es aus dem Bade,
-unmittelbar nach der Geburt, kömmt. Es muß denn in eine Kleidung
-gesteckt werden, wobei es ohne irgend einen Theil seines Körpers
-zu drücken, warm bleibt. In dem Leibe seiner Mutter saß es ja neun
-Monate krumm, und kam doch gerade zur Welt; warum sollen wir denn die
-armen Kleinen gleich bei ihrem Eintritte auf die Folter spannen, sie
-gleich der Bewegung aller ihrer Glieder berauben, und zur Pyramide
-wickeln[87]? Wer nur einmal zusah, wie froh das Kind zu seyn pflegt,
-wenn es bei Umwechslung der Kleider einen Augenblick seine Glieder
-brauchen darf, der wird sich leicht von der Quaal überzeugen können,
-in die es durch das Wickeln versetzt wird. Vorzüglich leiden das
-Athemholen und die Verdauung dabei, und anstatt krumme Beine etc. zu
-verhüten, ist nichts fähig, sie so leicht zu machen. Das Stöhnen und
-Stampfen des Kindes, das Versuchen sich seine Lage erträglicher zu
-machen, ist recht dazu geeignet, seine Glieder aus ihrer natürlichen
-Form zu bringen. Die wickelnden Nationen (möchte ich sagen) haben die
-meisten Krüppel. Die alten Einwohner von Peru[88] setzten ihre Kinder
-in ein Loch, welches sie in die Erde machten, und ihnen bis an die
-Hälfte ihres Körpers reichte; sie konnten denn ihren Kopf oder ihren
-Leib bewegen, wie sie wollten, ohne sich wehe zu thun, oder zu fallen.
-
-Bei mehrern Völkern können daher die Kinder schon im sechsten Monate
-gehen. -- Die Natur leidet nicht gern bei Erwachsenen plötzliche
-Veränderung, also noch weniger beim Neugebohrnen. Er war bis hieher
-mütterliche Wärme gewohnt, lebte ganz durch seine Mutter; jetzt fängt
-er seine eigne Haushaltung an; kalte Luft dringt nun in seine Lunge;
-der Kreislauf des Bluts wird ganz geändert. Man suche ihm also seine
-Lage dadurch zu erleichtern, daß man ihn an den Uebergang allmählig
-gewöhne. Die Thiermütter sitzen die ersten Tage nach der Geburt beinahe
-ununterbrochen auf ihren Jungen, und thun es um so seltener, je weiter
-sie von dem Tage der Niederkunft abkommen. So muß es mit unsren
-Neugebornen seyn. Sie müssen die erste Zeit nach ihrer Geburt warm
-gekleidet, in dem Bette ihrer Mutter liegen, um ihnen den Unterschied
-der Temperatur so wenig, wie möglich, fühlbar zu machen. -- Ein Hemd,
-das überall weit ist, und auf dem Rücken mit Bändern zugemacht wird,
-um alle Nadeln zu vermeiden[89], und ein andres über dies, welches von
-einem Zeuge gemacht ist, der warm hält, und doch nicht schwer ist,
-mache seinen ganzen Anzug. Dies zweyte Hemd muß lang genug seyn, um
-seine Füße und seine Finger ganz zu bedecken. Bei Armen und auch bei
-Reichen (wenn es nicht zu wohlfeil wäre) würde hiezu Flanel sehr gut
-zu empfehlen seyn. Er ist warm, äußerst nachgiebig und doch leicht.
-Auf den Kopf des Kindes setze man eine Mütze, die ihn in der gehörigen
-Temperatur hält, und aus einem Zeuge gemacht ist, der durch seine
-Elastizität gewissermaßen sitzen bleibt, und also nicht nöthig hat,
-gestochen oder gebunden zu werden; oder eine Haube, die, wie eine
-Kaputze an das Hemdchen befestigt ist, und frei zurückgeschlagen werden
-kann. Die Bänder an den Mützchen, die unter dem Kinne gebunden werden,
-taugen eben so wenig, als jene, die über die Ohren gehen. Sie drücken
-die Ohren eben so, und können überdies das Kind erdrosseln, wenn es den
-Kopf zurücklegen will. Durch sie sind unsre Ohrenmuskeln schon frühe
-gelähmt; daher können wir unsre Ohren nicht bewegen, was die Wilden so
-gut können; und eben deswegen ist unser Gehör denn auch weniger scharf.
-
-Nach vier Wochen fängt man an nach und nach den Anzug zu verringern.
-Man läßt allmählig die Ermel verkürzen. Man entblößt die Füße, Hals
-und Brust, und macht die Haube kleiner, bis man nach einem Jahre dem
-Kinde die Kleidung anzieht, die ohne Unterschied des Standes und
-Geschlechtes alle Kinder wenigstens bis ins zehnte Jahr tragen sollten.
-Diese Kleidung besteht in einem Hemde, das vorn die ganze Brust offen
-läßt, keine Ermel hat, und unten nicht über die Knie geht; über dies
-Hemd kann man ihnen nun noch ein andres anziehen, welches eben so
-gemacht ist. Es steht der Mutter frei, eine Farbe oder einen Stoff
-zu wählen, welchen sie will. Es kann von Seide, von Leinwand, aber
-nur bei sehr starker Kälte im Winter, von Tuch seyn. Die Mutter mag
-denn Falbeln, Manschetten etc. und was und wo sie will, ansetzen. Es
-wird das Kind nicht hindern, all den Vortheil zu genießen, welchen
-ihm diese Kleidung gewährt. Dieser ganze Anzug soll weit genug seyn,
-um das Kind an keiner Bewegung zu hindern. Die Beine und Füße sollen
-bloß seyn, und wer sie ja bedecken will, der thue es nur so leicht,
-als möglich, z. B. mit leinenen Strümpfen und weiten bequemen Schuhen
-ohne Absätze, die nur mit Riemen oder Bändern zugebunden sind. Auch sey
-der Kopf unter jeden Umständen ohne alle Bedeckung. Die Theorie, und
-was weit mehr ist, Erfahrung verspricht uns, durch eine solche Reform
--- starke und gute Menschen. Man glaube nicht, daß die Kinder durch
-Erkältung umkommen würden. Locke sagt: „das Entblößen des Gesichts
-schadet uns nicht: warum können wir die Leiber der Kinder nicht ganz zu
-Gesicht machen? Die Körper der Neger sind ja Gesicht, und befinden sich
-wohl!“ Ein Scythe, der gefragt ward, wie doch seine Landsleute unter
-ihrem frostigen Himmel nackend gehen können, gab zur Antwort: wir sind
-über und über Angesicht. In Finnland sieht man die Kinder[90] bis in
-das siebente oder achte Jahr selten anders als im Hemde herumlaufen.
-Aus der größten Hitze, wie sie in solchen Rauchhäusern ist, laufen
-die Kinder barfuß ohne Schuhe und Strümpfe in dem Schnee und der
-strengsten Kälte herum, ohne besondere Empfindung davon zu haben. Die
-Jugend ging bei den mehrsten Völkern bloß; und bei uns auf dem Lande
-sehen wir ja noch Kinder bei jeder Witterung halbnackt herumlaufen,
-und dabei sehr gesund und stark werden. Die alten Römer und die
-Deutschen gingen mit ganz nackten Armen; dadurch wurde ihre Stärke
-und Thätigkeit sehr vermehrt. Wahrscheinlich sind aus dieser Ursache
-die Vorderarme und Schenkel unsrer Frauenzimmer stärker und fester,
-als im Verhältnisse ihre andere Gliedmaßen. Auch lehrt die Erfahrung,
-daß es vortheilhaft sey, in jeder Witterung mit unbedecktem Kopfe zu
-gehen. Julius Cäsar war immer an der Spitze seiner muthigen Legionen
-mit bloßem Kopfe[91]. Noch gehen die mehrsten Völker der Erde mit
-unbedecktem Haupte. Herodot erzählt[92], daß man die Häupter der Perser
-von denen der Egyptier auf dem Schlachtfelde habe unterscheiden können;
-da erstere die Köpfe bedeckten und sehr warm hielten. Die Hirnschädel
-der Egyptier waren stärker, fester, und dienten dem, was sie verwahren
-sollten, zum bessern Behälter. Man konnte sie kaum mit einem großen
-Steine zerschlagen. Die Hirnschädel der Perser waren so mürbe, daß man
-sie leicht durchlöchern konnte. Auch (sagt er) sey dieß die Ursache
-der kahlen Köpfe, deren man bei den Egyptiern sehr wenig sieht.
-Die Kopfbedeckungen verhindern den freien Zutritt der wohlthätigen
-Atmosphäre[93], versperren den Ausdünstungen den Weg, und sind zum
-Theil Schuld an dem Ungeziefer und dem Kopfgrind. Aus dieser Ursache
-allein sehen oft Kinder, wie Leichen aus, weil sie keine Ruhe haben,
-und ihnen dabei eine nicht unbeträchtliche Menge Nahrung genommen wird.
-Uebrigens aber bin ich gar nicht der Meinung, daß man den Kindern (wie
-jetzt Sitte ist) den Kopf ganz scheren lasse; denn wozu hätte ihnen die
-Natur da so viel Haare gegeben? Am zuträglichsten wird es seyn, sie mit
-kurz über den Schultern und vorn über den Augbraunen abgeschnittenen
-Haaren gehen zu lassen, ohne sie zu schmieren, zu pudern, oder nach
-einer andern Richtung, als sie selbst nehmen, zwingen zu wollen. Das
-einzige, was man dabei zu thun hat, ist, daß man sie täglich auskämmen
-läßt, damit sie sich nicht verwirren.
-
-Ganz vorzüglich aber rathe ich, die Knaben nicht frühe Hosen anziehen
-zu lassen. Herr Hofrath Faust hat es bewiesen, an wie viel Uebel dies
-Kleidungsstück, vorzüglich bei der Jugend, Schuld ist[94]. Der Schöpfer
-legte die Hoden bei uns außerhalb den Körper, um sie kühl zu erhalten,
-und durch die Hosen bringen wir sie aus der Verbindung mit der Luft und
-in ein Dampfbad. Sie sind eine Hauptursache des Uebels, welches den
-physischen und moralischen Werth unsrer Generation so sehr herabsetzt;
-ich meine: der +Onanie+. Sie sind mit Schuld daran, daß es unter
-den Männern so viel Leistenbrüche gibt. Man rechnet in Deutschland
-zweimal hundert tausend Mannspersonen, die gebrochen sind. --
-
-Der Bergschotte ist auf einer großen Strecke der Erde der einzige,
-der noch jetzt keine Hosen trägt, und wie sehr zeichnet er sich nicht
-in jeder Hinsicht vor seinen behosten fernen und nahen Nachbarn aus?
-Sein Körper ist stark und gesund; er läuft mit einem Pferde um die
-Wette, und ist unermüdlich in allen Beschwerlichkeiten. Sechzigjährige
-Bergschotten springen noch über Hecken, wie Rehe. Er ist standhaft,
-muthig, sittsam, keusch und frohen Muthes. In Deutschland scheint ein
-Volk, zum Theil, dasselbe zu beweisen. Die Altenburgischen Bauren in
-Sachsen tragen sehr weite Hosen, und zeichnen sich auch durch Größe,
-Schönheit, Regelmäßigkeit, und Festigkeit ihres Körpers, ihres Knochen-
-und Gliederbaues nicht nur aus, sondern auch durch ihre Sitten und
-Gebräuche[95].
-
-Es kann seyn, daß es hier und da jemand gibt, der den Vorschlag, den
-Knaben erst so spät Hosen zu geben, lächerlich findet: allein ich
-glaube, dies beweist nichts, als -- daß Helvetius Recht habe, da er
-sagt: „jede Idee, welche unsrer Art zu sehen und zu empfinden fremd
-ist, dünkt uns immer lächerlich. Wir schätzen nur immer die den unsern
-ähnlichen Ideen, weil wir in der Nothwendigkeit sind, nur uns in den
-andren zu schätzen.“
-
-Aber noch ein andrer Hauptumstand, den man noch nicht lange zu
-discutiren angefangen hat, macht es sehr wahrscheinlich, daß eine
-solche oder doch ähnliche Kleiderreform höchstzweckmäßig und für die
-Restauration der menschlichen Natur wesentlich sey; daß auch der
-Nachtheil unsrer gewöhnlichen Kleider sich auf weit mehr erstrecke,
-als auf verhinderte Ausdünstung, Druck der Glieder u. s. w. Es scheint
-nämlich, daß auf der Oberfläche unsrer Haut die Natur einen ähnlichen
-Prozeß anstelle, wie in den Lungen; daß auf der Oberfläche unsres
-Körpers, wie in der Brust, Wärme erzeugt werde. Sollte dies wirklich
-der Fall seyn, so ist es klar, daß unsre Kleider ein großes Hinderniß
-für die Operation sind. Zwischen Fell und Hemd (sagt ganz richtig der
-unvergeßliche +Lichtenberg+[96]) muß sehr bald eine Luft entstehen,
-die für den Prozeß nicht mehr taugt. Die Erstickung muß ihren Anfang
-nehmen zwischen Fell und Hemd; indessen bei uns Gesicht und Hände
-noch zu athmen fortfahren. Daraus folgt, daß, wenn es uns in Kleidern
-friert, es uns deswegen noch nicht nackend frieren müsse; weil der
-Wärme Erzeugungs-Prozeß nun nicht auf einer so großen Oberfläche des
-Körpers gehemmt ist. Und wirklich wenn man sich z. B. in einem Zimmer
-auskleidet, das bis zu dem Grade kalt ist, daß man sich die Hände zu
-reiben anfängt; so nimmt, wenn man ausgekleidet ist, die Kälte gar
-nicht in dem Verhältnisse zu, als man es erwarten sollte.
-
-Doch ist allerdings diese Sache noch nicht ganz erwiesen. +Prießley+,
-+Fontana+, und noch vor kurzem +Fourcroy+[97] behaupten, daß keine
-gasförmige Flüßigkeit durch die Haut entwiche. Andre versichern,
-das entweichende Gas sey nur Stickgas, wie z. B. +Ingenhouß+, und
-jetzt neuerlich +Trousset+[98]. Mir ist jedoch, gestützt auf einige
-Versuche, die hier nicht am rechten Orte stehen würden, die Meinung am
-wahrscheinlichsten, daß das Geschäft der Haut einige Analogie mit dem
-der Lungen habe.
-
-Auf alle Fälle will ich indessen durch das Gesagte dem Nackendgehen
-keine Apologie schreiben. Ich sehe sehr gut, in mehrern Rücksichten,
-für uns (wie wir jetzt sind) den klugen Gebrauch des Feigenblattes
-ein; aber ich sehe auch, daß wir gewiß nicht ungestraft die Operation,
-welche die Natur auf unsrer ganzen Oberfläche anstellen will,
-unterdrücken dürfen.
-
-Manchem mag es vielleicht bei der vorgeschlagenen Kleidertracht
-anstößig seyn; daß in dem Anzuge der Knaben und Mädchen kein
-Unterschied seyn soll. Aber Kinder sind ja im Grunde ohne
-Geschlecht[99]! Der ehrwürdige Character der Kinder ist Unschuld,
-Arglosigkeit, Einfalt und Unwissenheit. Geschlecht, und
-Geschlechtsempfindungen liegen todt in den Kindern, und noch
-vielweniger wissen sie von einem Unterschiede der Geschlechter; warum
-macht man nun durch eine ganz wesentlich verschiedne Kleidung der
-Knaben und Mädchen, die Kinder aufmerksam auf den Unterschied der
-Geschlechter? Man macht sie nicht allein aufmerksam darauf, sondern
-theilt ihnen auch wirklich einen mehr, oder weniger dunkeln Begriff
-davon mit, und raubt ihnen dadurch ihre heilige Unwissenheit, die
-Frieden und Glück über ihre Kindheit verbreitete.
-
-
-
-
-Vom Baden.
-
-
-Das Baden ist ein bemerkenswerther Theil der physischen Erziehung. In
-meinem Vaterlande ist das Publikum noch gar nicht dafür; vorzüglich
-fürchtet man davon Erkältung. Wie ängstlicher man für die Gesundheit
-des Kindes bei uns ist, desto übertriebener sucht man es beständig warm
-zu halten; und wird das Kind vollends krank, denn erstickt man es fast
-in Betten. -- Es gibt noch sorgsame Väter genug, die, wenn es regnet,
-oder nur ein wenig kalt ist, kaum ihren Knaben erlauben, ohne Hut
-vor die Thüre zu gehen, und durch solche übertriebene Sorgfalt ihren
-Kleinen (da es doch unmöglich ist, sich für jeden rauhen Wind in dieser
-Welt zu hüten) in der Zukunft Gicht, Rheumatismen u. s. w. über den
-Hals ziehen. -- Aber von der andern Seite ist es auch unverzeihlich;
-wenn man will, daß die Kinder alle Tage +kalt+ baden sollen. Daß das
-kalte Baden gleich nach der Geburt schlechterdings nicht Statt haben
-darf, davon habe ich meine Gründe oben gesagt; aber auch späterhin
-darf das kalte Bad nicht unbedingt, und bei Kindern selten oder nie
-gebraucht werden. „Kalte Bäder (sagt Marcard) sind ein Arzneimittel,
-das große Kräfte besitzt;“ und keine wirksame Arznei kann allenthalben
-passen!
-
-Wir gingen im Stande der Natur nackend, wir acquirirten höchst
-wahrscheinlich unsere Kleider durch Eitelkeit. So wie sich noch mehrere
-Völkerschaften bemahlen, so künstelten auch vermuthlich die Europäer
-zuerst mancherlei an ihren Körper, um sich zu verschönern; die Kälte
-hatte gewiß keinen Antheil daran. In Novazembla z. B. geht man nach
-+Addison+ noch nackend. Da wir aber nicht mehr in dem natürlichen
-Zustande sind, da jetzt unsere Haut verwöhnt, mit der Luft gar nicht
-mehr familiarisirt ist, in einem beständigen Dampfbade sich befindet,
-und mit mehr oder weniger Schmutz bekleidet ist; so ist es allerdings
-wichtig, diese wieder in ihren ursprünglichen Zustand zurück zu
-bringen. -- Wenn man also dem Kinde die Haut stärkt, so erhält es
-dadurch ein großes, in der jetzigen Generation fast verlornes Gut. Es
-wird nicht nur von vielen Hautkrankheiten frei seyn, sondern auch die
-nicht zu vermeidenden, als Blattern, Masern weit besser und leichter
-überstehen. Aber das vermag das kalte Bad nicht.
-
-Zu den Beispielen, die Marcard[100] erzählt, daß bei solchen Kindern
-die Blattern schwer hervorbrechen, kann ich eins als Augenzeuge
-hinzusetzen. Vor einigen Jahren sah ich den sechsjährigen Sohn eines
-gelehrten Engländers. Der Knabe hatte von der Geburt an täglich kalt
-gebadet, er war stark, hatte aber eine spröde Haut. Er wurde von den
-natürlichen Blattern befallen. Der Ausbruch war fürchterlich; heftige
-Konvulsionen bekam das Kind; dann kamen hier und da einzelne Blattern
-zum Vorschein, und dabei nahmen Fieber, Angst, Irrereden immer zu. Erst
-zu Ende des fünften Tags fingen die Blattern an durchzubrechen.
-
-Um also unsre systematisch durch Konvenienz geschwächte Haut in den
-Zustand zu setzen, worin sie eigentlich seyn muß, ist das tägliche
-kalte Bad keineswegs zu empfehlen; wir verfallen dadurch ins
-entgegengesetzte Extrem: wir bezwecken, Leben und Thätigkeit in alle,
-auch die entferntesten Organe, und überhaupt Harmonie ins Ganze zu
-verbreiten, das bei dem Kinde so wichtige Geschäft der Entwicklung
-und Ausbildung der Organe und Kräfte zu reguliren, und für die
-gleichförmige Vertheilung des letztern zu sorgen; aber durch das
-kalte Bad thun wir gerade das Gegentheil. -- Kalte Bäder vermindern
-die Stärke der Erregung des Organismus, besonders in den zunächst
-affizirten Gebilden, und zwar um so mehr, je kälter sie sind, und auf
-je schwächere Energie innerer Thätigkeit sie wirken. -- Das wußte schon
-+Galen+, daß dem wachsenden Körper das kalte Baden nicht zuträglich
-sey; denn er sagt, man solle junge Leute zwischen dem vierzehnten
-und ein und zwanzigsten Jahre noch nicht kalt baden. Aus denselben
-Gründen kann ich auch nicht das tägliche Waschen der Kinder mit kaltem
-Wasser empfehlen; dazu kömmt noch, daß, wenn das Waschen nicht schnell
-geschieht, die Kälte größer hiebei wird, als im kalten Bad, weil das
-Wasser Zeit zum Verdünsten behält.
-
-Mein Vorschlag ist daher (wie ich glaube) der Natur gemäß, wenn ich
-rathe, die Kinder täglich, wenigstens zwei Stunden -- das +Luftbad+
-brauchen zu lassen. Die bequemste Zeit würde vor dem Ankleiden, und
-Abends nach dem Auskleiden sehn. Man soll die Kinder bloß mit einem
-weiten, offnen und ganz kurzen Hemde ohne Strümpfe u. s. w. herumlaufen
-lassen. Ohne Hemde würde es noch besser seyn; allein ich wage es nicht,
-dies zu rathen, weil ich nicht wünsche, mit den Theologen in Kollision
-zu kommen, die bekanntlich die Blößen gern decken. Die Kinder werden
-dadurch die Abwechslung der Temperatur der Atmosphäre gewohnt, und sie
-genießen in vollen Zügen den wohlthätigen bis auf unsre Zeiten ganz
-unbekannten Einfluß der Luft auf ihren Körper. Unter andern stimmt auch
-der große Franklin sehr für das Luftbad[101], und das ist allerdings
-ein Umstand, der dem Gesagten nicht wenig Gewicht giebt; denn die
-flüchtigsten Ideen eines solchen Mannes verdienen schon Respect.
-
-Da aber die Kinder doch mehrere Stunden nun einmal gekleidet seyn
-müssen, und die Kleidung immer drückt, mehr oder weniger die Atmosphäre
-von der Haut abhält, sie verwöhnt und schmutzig macht, verkleistert;
-so sollen die Kinder wenigstens zweimal die Woche im Wasser baden;
-aber nicht kalt, sondern lauwarm, d. h. solche Bäder brauchen, die
-also nie unter 85 Grade haben. -- Diese werden vortrefflich stärken,
-und nicht die Nachtheile haben, die das kalte Bad auf die Gesundheit
-der Kinder haben muß; sie werden gewißermaßen wieder gut machen, was
-die Kleider die Woche hindurch verderben. Bei dieser Methode wird das
-Kind stark und flink, denn seine Glieder werden gleichförmig genährt
-und ausgebildet: Leibs- und Seelenkräfte werden sich regelmäßiger
-entwickeln: alles nimmt einen naturgemäßen successiven Gang. Sein
-Körper wird allen Abwechslungen der Witterung trotzen; und daher
-werden Katharren, Rheumatismen, Hautkrankheiten u. s. w. weit weniger
-ihm auf seinem Wege durch das Leben die Reihe der Unannehmlichkeiten
-vergrößern. Wird es davon befallen, so wird es weit weniger daran
-leiden; und daß das sehr viel gewonnen ist, davon kann man sich
-überzeugen, wenn man nur hiebei an die Blattern und Masern denkt. --
-Ein solches Kind wird munter und lustig seyn; sein Gang aus Gefühl von
-Wohlseyn, von Kraft und Muth, wie bei den kleinen muntern Negern, immer
-eine Art von Tanz seyn, die, wenn sie nur etliche Schritte von einer
-Stelle zur andern gehn, wenigstens ein paar Sprünge machen; während daß
-unsre Treibhauspuppen alle Augenblicke Schnupfen und Katharren haben,
-und wie personifizirte Schlafkappen herumschleichen.
-
-Endlich erhält ein an das Baden gewohntes Kind ein solches Gefühl für
-Reinlichkeit, wovon die meisten Menschen keine Idee haben. So wie
-ein gewöhnlich erzogener Mensch nicht ausgehen kann, ohne Gesicht
-und Hände gewaschen zu haben; so kann ein solches Kind unmöglich
-acht Tage ohne Bad seyn. Diesen Sinn, der für die Gesellschaft, wie
-für das Individuum, so vortheilhaft ist, kennen unsre galanten Damen
-und zuckersüße Herrchen nicht; diese sind gewöhnlich am Leibe um so
-schmutziger, jemehr sie Sorgfalt auf ihre äußere Toilette verwenden.
--- Und was muß das alles für einen wohlthätigen Einfluß auf die
-sittliche Erziehung haben! Denn Tristram Shandy's Einfall, den Körper
-des Menschen und seine Seele mit einem Wamms und seinem Futter zu
-vergleichen, ist wahrlich sehr passend. „Verrumpft ihr das eine;
-(sagt er) so verrumpft ihr das andre.“ Auch bemerkt +Rumford+
-ganz richtig: Tugend wohnt nie lange in Schmutz und Unsauberkeit. Der
-Einfluß der Reinlichkeit auf den Menschen ist so groß, daß er sich auch
-auf seinen sittlichen Character erstreckt. Vernunftlose Thiere lernen
-Reinlichkeit vom Naturtriebe. Kann es nun wohl einen stärkern Beweis
-geben, daß sie zu ihrem Wohlseyn wesentlich nothwendig ist?
-
-Die meisten liederlichen Leute sind schmutzig und unordentlich. Die
-guten Wirkungen der Reinlichkeit, oder vielmehr die übeln Folgen der
-Unsauberkeit und des Schmutzes erklärt +Rumford+ vortrefflich. Unser
-Körper (sagt er) ist im beständigen Kriege mit allem, was ihm zur Last
-fällt; und alles wird ihm lästig, was ihm anklebt und ihn reizt. --
-Und ob wir gleich durch lange Gewohnheit ein physisches Uebel ertragen
-lernen, daß wir dagegen ganz unempfindlich werden; so gestattet es
-doch dem Gemüthe keine daurende Ruhe. Es bleibt immer ein gewisses
-Mißvergnügen und Mißbehagen, eine Unentschlossenheit und ein Widerwille
-gegen alle ernsthafte Beschäftigung, welcher deutlich genug zeigt, daß
-das Gemüth nicht ruhig ist.
-
-Auch +Garve+ sagt, Reinlichkeit ist der erste Schritt zur
-Moralität[102]; es sey nun, daß dieselbe mit der Scham und der
-Ehrliebe, oder daß sie mit der Verfeinerung der sinnlichen Empfindung
-verbunden ist.
-
-Aber +wie lange+, und wie soll man ein Kind baden? Nach den ersten zwei
-Monaten bringe man die Kinder ein paarmal die Woche in ein Bad, und
-zwar immer nur auf kurze Zeit, anfangs nur auf einige Minuten; reibe es
-während der Zeit fast ununterbrochen über den ganzen Leib, und trockne
-es denn schnell und mit warmen Tüchern ab. Nach und nach verlängere
-man die Zeit im Bade, so daß das Kind zu Ende des ersten Jahres eine
-ganze Viertelstunde darin seyn kann. -- Man reize sie dabei unter
-allerhand Scherzen, wozu sie so aufgelegt sind, zur häufigen Bewegung.
-
-Erst nach sechs -- acht Wochen, nachdem man das Kind allmählig
-mit der Luft zu familiarisiren sucht, fängt man auch das Bad mit
-der atmosphärischen Luft an. Zuerst läßt man es nur eine halbe
-Viertelstunde in einem etwas erwärmten Zimmer brauchen, steigt nach der
-Stärke und Constitution des Kindes, u. s. w. und macht dabei, daß das
-Kind in steter Bewegung ist.
-
-Aus dem Gesagten wird nun nicht schwer zu beweisen seyn, daß auch die
-Taufe mit kaltem Wasser der Gesundheit des Kindes nicht zuträglich
-seyn kann. Der Kopf des Kindes ist im Verhältnisse zum ganzen
-Körper der beträchtlichste Theil, er ist wegen Unvollkommenheit
-der Hirnschale wenig gegen die Wirkungen äusserlicher Gegenstände
-gesichert, und da nun auch Erkältung jedes Theils beim Neugebornen
-so sehr nachteilig ist; so ist es wohl klar, daß die Erkältung des
-Kopfes manchem Kinde das Leben kosten mag. Nach Erkältung anderer
-Theile des Körpers, wenn man sie gleich nach der Geburt erkältet,
-entstehen oft Krämpfe, Zuckungen, Erstarrungen, krampfhafter Husten,
-Augen-Hals-Brustentzündungen, Schluchsen, Erbrechen, Durchfälle mit
-Koliken, Gelbsucht, u. s. w. +Silvius Anhorn+ erwähnt eines neugebornen
-Kindes, das mit den Füßen in kaltes Wasser getaucht, und darauf mit
-einer vollkommnen Gelbsucht befallen wurde, die den Tod nach sich
-gezogen hat. +Hippocrates+ und +Galen+ sagen schon, daß viele Kinder
-von heftigen Convulsionen bei einer feuchten und kalten Witterung
-angegriffen würden. In den französischen Besitzungen[103], wo die
-Hitze groß, aber nicht so heftig als in Senegal ist, müssen die Kinder
-der Neger die ersten neun Tage nach der Geburt in wohlverschlossenen
-und eingeheizten Stuben gehalten werden; unterläßt man dieses und
-setzt sie gleich nach der Geburt der Luft aus, so bekommen sie den
-Kinnbackenzwang, der sie verhindert, Nahrung zu sich zu nehmen und den
-Tod verursacht.
-
-Obschon aber eine solche Empfindlichkeit bei den Kindern unsres mäßigen
-Erdstrichs nicht Statt hat; so kann man sich doch leicht vorstellen,
-was für Folgen daraus entstehen können, wenn man einem so eben aus
-dem mütterlichen Schooße gekommenem Kinde einen guten Theil kalten
-Wassers gähe auf den Scheitel gießt. Wie ziehen sich nicht alle
-Theile zusammen, wenn wir Erwachsene uns mit entblößtem Leibe in ein
-kaltes Bad begeben! Zimmermann[104] sagt: „Es ist in Malabar nichts
-seltenes, Leute mit gelähmten Gliedmaßen aufstehen zu sehen, die des
-Abends an einem der Nachtluft ausgesetzten Orte schlafen gingen.“ In
-Südcarolina entsteht im heißen Sommer ein fürchterlicher, den Kopf
-rückwärts ziehender tödtlicher Krampf, wenn nach starker Hitze ein
-kalter Regen einfällt[105]. Mauriceau und Brouzet sahen Kinder, die mit
-kaltem Wasser getauft waren, aus dieser Ursache sterben. -- Vielleicht
-trug dies mit dazu bei, daß ehemals, als das Taufen außer der Kirche
-ganz ungewöhnlich war, viele Kinder in meinem Vaterlande durch die
-Mundklemme weggerafft wurden; ich kenne Mütter, denen von 7 Kindern 2
-an dieser Krankheit starben, sie trat auch immer fast in den ersten
-Tagen des Lebens ein, so daß die Weiber nicht mehr in dieser Hinsicht
-für das Leben ihres Kindes besorgt waren, wenn es neun Tage überlebt
-hatte.
-
-Es wäre also sehr zu wünschen, daß man alle Kinder in den Häusern
-taufte, und dazu das Wasser, auch im Sommer, lauwarm machte. Besonders
-muß das Taufen in den kalten Kirchen auf dem Lande sehr nachtheilig
-seyn; da man oft gezwungen ist, die Kinder Stunden weit nach der
-Kirche zu schicken. Daher gab auch schon der letztverstorbene weise,
-als Fürst, als Bischof, und als Mensch so verehrungswürdige Fürst von
-Würzburg im Jahre 1790 den Befehl, daß seine Geistlichkeit im Winter
-die Kinder ohne Rücksicht des Standes im Hause taufen sollte, wenn es
-die Eltern verlangten.
-
-
-
-
-Von den Blattern.
-
-
-Bei dem Einfalle der Sarazenen in Spanien, im Anfange des siebenten
-Jahrhunderts, haben die Blattern wahrscheinlich unsern Welttheil zuerst
-heimgesucht. Eine traurige Erfahrung von zehen Jahrhunderten hat es nun
-bewährt, daß alle Menschen in ihrem Leben einmal von dieser Krankheit
-befallen werden! Die wenigen, welche sie verschont, sind nur Ausnahmen,
-und zwar sehr seltene Ausnahmen von der Regel. Die schrecklichste
-Pest hat zu keiner Zeit größere Verheerungen angerichtet, als diese
-Krankheit. Sie hat sich mit fortreißender Geschwindigkeit von Familie
-zu Familie verbreitet, von Völkerschaft zu Völkerschaft, und fast ganze
-Nationen aufgerieben.
-
-Unter zehen, die von den natürlichen Blattern befallen werden, stirbt
-gewöhnlich in Europa einer. Die Todtenlisten der Stadt London zeigen,
-daß daselbst in 67 Jahren an den Blattern 113861 Menschen gestorben
-sind, die nicht einmal mitgerechnet, welche durch diese Krankheit
-ungestaltet, blind, krüppelhaft etc. wurden, und an den langsamen
-Folgen starben. Die gänzliche Ausrottung der Blattern, wie sie schon
-Medicus und andere beabsichtigten, und +Scuderi+, +Lenz+, +Salzmann+,
-+Junker+, +Faust+ etc. empfahlen, war in der Ausübung einer Menge von
-Schwierigkeiten unterworfen.
-
-Aber Dank, dreimal Dank dir, edler +Jenner+! -- die Pocken sind jetzt
-ausgerottet; alle Gefahr ist nun vorüber. -- Als wenn das jüngst
-verflossene Jahrhundert uns einigermaßen für so manches Unheil hätte
-entschädigen wollen, was es über die Menschheit angerichtet hat, daß es
-uns vor seinem Hinscheiden diese Entdeckung zurückließ! Wie zufrieden,
-wie heiter muß der glückliche Mann aus diesem Leben hinübertreten, der
-dem Menschengeschlechte dies unschätzbare Vermächtnis in Händen läßt,
-und dadurch nicht bloß der lebenden Generation, sondern auch aller
-zukünftigen Wohlthäter in gleichem Maße ist!
-
-+Die Kuhpocken+ sind es, durch die wir in Stand gesetzt sind, uns vor
-dieser entsetzlichen Plage (den Kinderblattern) ganz zu schützen.
--- Den Streit, den einige Aerzte gegen die entschiedenste Majorität
-darüber führten, kann man, als durchaus geschlossen ansehen. Die Liebe
-zu Paradoxien, und die Lust sich durch Widerspruch auszuzeichnen,
-scheinen offenbar den größten Antheil hieran gehabt zu haben. --
-
-Die Erfahrungen, die man über die Kuhpocken angestellt hat, sind
-wirklich zahllos. Sie wurden unter jedem Himmelsstriche, und in den
-verschiedensten Verhältnissen beobachtet, und überall entsprach der
-Erfolg auf das Vollkommenste der Erwartung. -- Mir wird es mein
-ganzes Leben hindurch eine der süßesten Rückerinnerungen seyn, die
-Kuhpockenimpfung in meiner Vaterstadt, und der umliegenden Gegend
-zuerst eingeführt zu haben!
-
-Unter den Einwürfen gegen die Vaccination, mit denen man das meiste
-Aufsehen zu machen suchte, gehört der: „Die Erfahrungen sind noch
-zu jung, man muß erst sehen, auf wie lange die Kuhpocken vor den
-Menschenblattern schützen.“ Dieser Einwurf beruht offenbar auf
-Unkunde der Geschichte der Vaccine. Man darf nur die erste Schrift
-von +Jenner+[106] gelesen haben, um zu wissen, daß man Beispiele
-hat, wo die vor 31, sogar vor 53 Jahren gehabte Kuhpocken durchaus vor
-den Menschenblattern schützen. Man kennt jetzt auch vollkommen die
-ächten Kuhpocken vor den falschen, und ist daher vor aller möglichen
-(hier sehr gefährlichen) Täuschung ganz gesichert. Glücklicher Weise
-hat sich das, was +de Carro+ früher beobachtet zu haben glaubte,
-nicht bestätigt, daß nämlich bei solchen, die die Kinderblattern
-schon gehabt haben, nach der Vaccination der Verlauf eben so, wie bei
-jenen sey, die die Blattern nicht vorher gehabt haben, daß aber der
-aus den Pusteln der erstern genommene Kuhpockenstoff seine schützende
-Kraft ganz verloren habe. Wäre dies wirklich der Fall; so wäre die
-Kuhpockenimpfung mancherlei Schwierigkeiten unterworfen, welche ich
-+in den allg. med. Annalen+ bezeichnete, und worauf ich das
-ärztliche Publikum schon zum Voraus aufmerksam zu machen suchte,
-+auf den Fall sich das, was Hr. de Carro gesehen zu haben glaubte,
-bestätigen würde+; doch späterhin berichtigte +de Carro+ diese
-Beobachtung selbst, und alle Besorgniß ist nun verschwunden, indem es
-zuverlässig ist, daß bei denen, die die natürlichen Blattern vor der
-Vaccination hatten, offenbar nur falsche Kuhpocken entstehen. -- Nun
-auf einmal hintennach gibt sich Hr. D. +Müller+ in +Plauen+
-die unnöthige Mühe zu behaupten, (ebenfalls in den allg. med. Annal.)
-meine Besorgniß sey ungegründet, denn der Verlauf sey in den beiden
-Fällen offenbar ganz verschieden. -- Da hat er ganz Recht, das wissen
-jetzt alle Aerzte, und ich auch; aber damals wußte man es nicht. Und
-es war um so mehr zu fürchten, daß Hr. +de Carro+ sich nicht
-geirrt habe; da er sich als einen sehr genauen Beobachter bekannt
-gemacht hatte, und durch seine Verdienste um die Kuhpockenimpfung in
-dieser Sache weit mehr Gewicht hatte, als z. B. -- der Hr. D. Müller
-in Plauen, der, wie es scheint, durch unzeitigen Eifer, das nicht ganz
-liest, was er zu widerlegen gedenkt.
-
-Alle Versuche und Gegenversuche, die man bei der Kuhpockenimpfung
-anstellte, geben folgende +ganz genügende+ Resultate:
-
-1) Die Kuhpocken schützen vor den Kinderblattern.
-
-2) Die Operation ist einfach, erfordert von Seiten des Operateurs nicht
-einmal Geschicklichkeit.
-
-3) Die Kuhpockenkrankheit ist +nie+ mit Gefahr verbunden, und hat
-+nie+ Verunstaltung, oder irgend eine Krankheit zur Folge.
-
-4) Man kann sie ohne Gefahr in jedem Alter und unter allen Umständen
-des Lebens einimpfen.
-
-5) Der Ausbruch schränkt sich bloß auf die Impfstelle ein. Ausnahmen
-von dieser Regel sind äußerst selten, und geschieht es; so ist der
-Ausschlag durchaus nicht gefährlich, und die Anzahl der Pusteln an den
-von der Insertion entfernten Stellen nicht groß.
-
-Der Wunsch der Menschenfreunde ist also in dieser Hinsicht vollkommen
-befriedigt, und wir haben daher jetzt nichts angelegentlicheres zu
-thun, als jedes neugeborne Kind, so lange die Menschenblattern nicht
-von der Erde ausgerottet sind, baldmöglichst zu vacciniren. -- Man
-sollte also nicht länger, als höchstens zwei Monate nach der Geburt
-damit warten; und sind die natürlichen Blattern in der Nähe: denn muß
-man die Impfung schon in den ersten Tagen des Lebens vornehmen[107].
-
-
-
-
-Von dem Unterricht der Jugend.
-
-
-In der ersten Zeit unsres Lebens, wo wir anfangen unsre Existenz zu
-fühlen; wo uns die Natur ganz empfänglich für Freude und Vergnügen
-macht, wo unser größtes Unglück durch eine Thräne weggewischt wird; da
-müssen wir auf das Verzicht leisten, was eigentlich die Natur so tief
-in alle junge Thiere legt, nämlich -- Munterkeit und Fröhlichkeit.
-
-Unsre Jugend ist wirklich sehr hart. Da sitzt denn der arme kleine
-Knabe den lieben langen Tag hingeschmiedet, wie an einer Galeere,
-beinahe ununterbrochen in einer vorwärts gebeugten Stellung, und jeden
-Augenblick abhängig von der despotischen Laune seines mürrischen
-Ludimagisters; da sitzt er, und lernt Zeug, -- was er durchaus wieder
-vergessen muß, wenn er gescheid werden will. --
-
-Wie flach und unangemessen den Verhältnissen der Einzelnen ist der
-religiöse Unterricht, den wir in der Jugend bekommen! Wie so ganz
-schränkt sich die Bildung, die wir von dieser Seite in unsern frühern
-Jahren erhalten, auf das Verständniß und die Annahme einiger dürftigen
-Demonstrazionen und Erklärungen ein! Man fordert nicht, wie es
-geschehen sollte, unserm Herzen die Religion ab; nein, man übergibt
-sie unserm Gedächtnisse, welches sie gewöhnlich mit einer nicht viel
-andern Stimmung aufnimmt, als die Namen der Könige längst verloschener
-Reiche, und die Jahrzahlen ihrer Regierung.
-
-Aber mit vieler Feierlichkeit bläut man es ihm ein, daß die Römer eine
-Thüre _Janua_, und ein Haus _Domus_ nannten --, und das sind denn auch
-die magischen Künste alle, in die er mit so vieler Aufopferung und so
-vieler Feierlichkeit eingeweiht wird. Behauptet zuweilen die Natur in
-dem muntren Jungen ihre Rechte, neckt er einmal seinen Nachbarn, oder
-lacht er, weil er etwas lächerlich findet; so fühlt er bald Centner
-schwer den Scepter seines finstern Schulmonarchen. -- Schon früh
-schärft man es den Kindern ein, daß laut aus vollem Halse lachen --
-das Kennzeichen eines rohen, ungeschliffenen Menschen sey. Der Weise
-(sagt man) lächelt nur; aber wehe den Gelehrten, wie unendlich theuer
-erkaufen sie ihr bischen Weisheit, wenn ihnen der Becher der Freude,
-der doch ohnedies für uns sehr sparsam gefüllt ist, so gemischt wird,
-daß ihr Herz auch die wenigen zu fühlen, nicht mehr empfänglich genug
-ist. Dann hat wirklich +Rousseau+ nicht ganz Unrecht, daß er den
-Menschenfreund am Oronokostrom lobt, der zuerst die Bretter erfunden
-hat, zwischen denen man den Kindern den Kopf lang, und flach klemmt,
-und sie dadurch vor dem gefährlichen Wachsthum des Geistes verwahrt.
-Gerade dann, wenn die Natur will, daß das Kind nichts als scherzen und
-springen soll, zwingt man es zum peinlichsten Ernste, und verhindert
-so seine physische Ausbildung, und daher auch seine moralische für die
-ganze Zukunft.
-
-Ohne es zu übertreiben, was hat das Kind denn wohl gelernt, wenn es
-11, 12 Jahre alt ist? Außer Lesen und Schreiben (und das zwar meistens
-noch elend genug) hat es ein Stück Katechismus -- im Kopfe, und nicht
-im Herzen. Sachen, die man ihm später ganz bequem in einem viertel
-Jahre beibringen kann, darüber sitzt es vielleicht sechs, acht Jahre
-in der schrecklichsten Sklaverei zum offenbaren Nachtheil seiner Laune
-und Gesundheit. Bei den Thieren weiß es der Mensch, daß er sie nicht
-zu frühe anspannen darf. Er läßt das Pferd nicht eher reiten, den Esel
-nicht eher tragen, bis sein Körper die gehörige Stärke hat; aber sein
-Sohn, der soll schon mit 4-5 Jahren ein Gelehrter seyn.
-
-Wahre Papageienarbeit! So werden sie auch gerade abgerichtet. Wie kann
-der denken, dessen Denkmaschine noch nicht in Ordnung ist? Das Denken,
-wenn das Kind dazu gezwungen wird, thut seinem Gehirne den Dienst, den
-der Sack dem jungen Esel thut. Wie kann der Knabe (vorzüglich nach der
-gewöhnlichen Art zu unterrichten) Mathematik fassen, was faßt er von
-der Seelenlehre? Ich kenne Schulen, wo man die Kinder von 6 Jahren
-das lehrt, und ihnen Geographie, Heraldik und Numismatik etc. etc. in
-den Kauf gibt. -- Wohl dem Jünglinge, der keine sogenannte gelehrte
-Erziehung genoß; der nicht schon in der Jugend, wie ein Mann behandelt,
-und -- denn ein Kind in seinen männlichen Jahren wird; dessen Geist,
-nicht zu frühe angestrengt, alle die Energie behält, durch die er als
-Mann wirken kann!
-
-Außer der unmittelbaren schädlichen Wirkung, die das zu frühe Anspannen
-auf das Gehirn hat, schadet schon dem Kinde das bloße Sitzen sehr am
-Wachsthum. Seine Brust wird durch das Ueberliegen verengt, und gibt
-dadurch zu Lungenkrankheiten Anlaß. Der Rückgrad wird verdreht, der
-Bauch zusammen gezogen, und wirkt daher sehr nachtheilig auf den
-Magen, und die übrigen Verdauungswerkzeuge. Erwachsene, die bei dem
-gänzlichen Mangel der Leibesübung immer lesen und schreiben, verlieren
-die Eßlust, haben Blähungen, bald Verstopfung, bald Bauchflüsse und
-mannichfaltige sogenannte Nervenzufälle; sie verlieren den Schlaf,
-und die Empfänglichkeit für das Vergnügen, sinken in tausend nagende
-Leidenschaften, und endlich überfällt sie die gefährlichste Feindinn
-des Lebens -- +die Schwermuth+. Wie vielmehr muß das der Fall bei
-Kindern seyn, deren thierische Oekonomie schlechterdings stete Bewegung
-erfordert! Dazu kömmt noch, daß Arbeiten des Geistes vollends denn
-ermattend werden, wenn man sich ihnen (wie es der Fall in diesem
-Alter ist) mit Mißvergnügen unterzieht; Kinder, die natürlicher
-erzogen werden -- sind daher im Gegentheil so gesund, so schön, und so
-glücklich[108]. --
-
-Aber was soll man mit den Kindern in dem Alter machen, wo man sie
-gewöhnlich in die Schule schickt? Man soll sie unter Aufsicht
-herumspringen lassen, ihre Munterkeit und ihren fröhlichen Sinn nicht
-unterdrücken, und so ihrem Körper und ihrer Seele Zeit lassen, sich zu
-bilden[109]. Die Eltern schicken oft ihre Kinder frühe in die Schule,
-um sie aus dem Hause in Sicherheit zu wissen, bloß der Gemächlichkeit
-wegen; aber um den Eltern die Aufsicht über ihre Kinder zu erleichtern,
-sollen sie nicht eingesperrt werden; das kann und darf der Staat nicht
-erlauben.
-
-Vor dem siebenten Jahre soll kein Kind in die Schule gehen[110]. Es
-soll bis dahin der Bewegung in freier Luft, dieser wesentlichen
-Bedingung zu seinem Wachsthum und seiner Gesundheit nicht beraubt seyn.
-Es soll dadurch stärker und gesünder, und daher auch empfänglicher
-für jeden wissenschaftlichen Eindruck werden. -- Wenn es sieben Jahre
-alt ist; denn kann es anfangen auf eine spielende Art, die seinem
-Ideengange und seinen Geisteskräften angemessen ist, sich zu bilden.
--- Nie soll es über zwei Stunden des Tags in der Schule seyn. Sehr
-zweckmäßig würde es seyn, wenn man immer nur zur selbigen Stunde
-Kinder von den nämlichen Fähigkeiten und Kenntnissen vornähme. Man
-kann sie denn alle zu gleicher Zeit beschäftigen. Die Kinder haben
-denn nicht lange Weile, und ihre Aufmerksamkeit ist immer rege; bei
-der gewöhnlichen Art des Unterrichts wird ein Kind nach dem andern
-vorgenommen, und also doch bei dem langen Aufenthalt in der Schule nur
-eine viertel Stunde unterrichtet.
-
-Der größte oder vielmehr der wahre Theil des Unterrichts soll ihnen
-eigentlich auf Spaziergängen und im gesellschaftlichen Umgange ertheilt
-werden. Der Lehrer soll ihnen da von allen Zweigen der Naturkunde
-historische Kenntnisse beibringen: sie werden denn eben so aufmerksam
-wie bei den Mährchen seyn, die sie so hungrig verschlingen; weil
-man ihre Neugierde mit nichts vernünftigem zu stillen sucht. -- Man
-mache sie aufmerksam auf den gestirnten Himmel, auf die Meteore,
-auf die organische, und sogenannte unorganische Schöpfung, und man
-hat denn wahrlich mehr gethan, als wenn man die ganze Schule hätte
-Fracturschreiben und den ganzen Katechismus memoriren gelehrt. -- Kopf
-und Herz ist denn in gleichem Grade bereichert worden. --
-
-Alles Studium der Natur, wenn es der Würde unsres Geistes gemäß, und
-nicht zur Prahlerey (um allenfalls in einer Gesellschaft den Namen
-von bunten Thieren und Steinen hersagen zu können) getrieben wird,
-führt ja unvermerkt zum großen moralischen Zweck. Der Geist wird dabei
-unwillkührlich zu Vergleichungen hingerissen, und wer weiß nicht, wie
-sehr wichtig bei reiferm Alter diese Vergleichungen unsres Selbst und
-unsres Wirkungskreises mit den Begebenheiten in der Natur, die sich
-ohne unser Zuthun ereignen, für unsre Ruhe sind? Daraus wird für das
-Kind in der Folge einst ein eigener, nie versiegender Quell von Muth
-im Leiden, und von Trost im Tode, den ihm kein Glaubensstifter gegeben
-hat, und also auch kein Stifter von Unglauben nehmen kann.
-
-Das Studium der Natur gewährt uns auch das reinste und edelste
-Vergnügen, ist die Mutter aller wahren Aufklärung, und der objektive
-Zweck, für den uns der Schöpfer mit Sinnen und Vernunft begabt hat. --
-O daß man es doch allgemein beherzigte, und dem öffentlichen Volks-
-und Kinderunterricht diese edle Richtung gäbe. Wie viel Unnützes,
-Unverständliches lernen unsre Kinder! Wie viel Zeit verschwendet man
-mit fremden Sprachen, die für Kinder nichts als Flitterstaat sind. --
-Natur und Muttersprache sey fast das einzige, was Kinder studieren
-sollen. Aber leider will mans noch nicht wissen, daß mit der Kultur
-der Sprache, und der Bekanntschaft mit der Sinnenwelt -- die Vernunft
-selbst kultivirt wird, und der Geist des Menschen seine Bildung erhält.
-
-Denn aber, um dies zu bewerkstelligen, müssen freilich die Schulmeister
-andere Leute seyn, als sie noch in manchen Gegenden jetzt sind.
-Unter ihnen muß es keine mehr geben, die wie jetzt die Namen: Campe,
-Salzmann, Villaume, Vogel, Basedow, Gutsmuths u.a. nicht einmal kennen,
-vielweniger ihre Verdienste.
-
-Das Schulgebäude für die Kinder soll hoch, luftig und gesund seyn. Sie
-müssen nicht gegen das Licht sitzen, um nicht schielend zu werden;
-sie sollen auch keine Mäntel tragen, die in den meisten katholischen
-Provinzen Teutschlands noch immer Mode sind, die sie in der
-brennendsten Hitze (man sollte kaum glauben, daß man den Unsinn so weit
-treiben könnte) während der Schule den ganzen Tag umhangen müssen: der
-Mantel hat noch dabei den Nachtheil, daß man (was bei Kindern wichtig
-ist) nicht sehen kann, was darunter vorgeht.
-
-Das große Versehen, das so oft, um den Geist des Fleißes bei Kindern zu
-wecken, begangen wird, besteht in der zu häufigen Anwendung gewaltsamer
-Maßregeln, wodurch man ihnen gleich zu Anfange Widerwillen beibringt.
-Mit Gewalt richtet man nichts aus. Geschickliches Benehmen, nicht
-Gewalt muß bei solchen Gelegenheiten angewandt werden.
-
-Der Widerwille gegen Einschränkung, und die hartnäckige Beharrlichkeit,
-die Rechte einer gewissen persönlichen Unabhängigkeit zu behaupten,
-die den menschlichen Character in allen Verhältnissen des Lebens so
-stark bezeichnen, müssen mit großer Vorsicht und Geschicklichkeit von
-denen behandelt werden, die sich dem erhabnen Geschäfte der Erziehung
-widmen. -- Bei der Anstellung von Schullehrer soll man sogar auf die
-Gesichtszüge und das äußere Wesen derselben Rücksicht nehmen. Beides
-ist von größerer Erheblichkeit, als sich diejenigen wohl vorstellen
-mögen, welche die Sache nicht aufmerksam betrachten. Das äußere Ansehen
-derer, welche bestimmt sind, Andern zu gebieten, ist eine Sache von
-Wichtigkeit; aber vorzüglich bei Kindern, bei denen man Liebe und
-Vertrauen erhalten will und soll.
-
-Der Lehrer soll die Kinder unter keiner Bedingung schlagen dürfen; auch
-in dem Alter, wo man die Nahrung so nöthig hat, keine Fasten auflegen.
-Ich kenne noch lebende Beispiele, die einen kindischen Scherz mit dem
-Verluste ihrer Gesundheit auf immer bezahlen mußten. Das Schlagen an
-die Ohren, als der gelindeste Exekutionsgrad thut oft schon großen
-Schaden. Mehrere Aerzte haben Beispiele aufgezeichnet, daß Kinder durch
-die Brutalität ihrer Vorgesetzten die fallende Sucht u. s. w. bekamen.
-Wohlgerichtetes Ehrgefühl, das die Basis der ganzen Erziehung für den
-gesellschaftlichen Menschen ohne dies seyn muß, wird, wenn man es zu
-benutzen weiß, fast hinlänglich zur Belohnung und Strafe Stoff geben.
-
-Die Kinder sollen in der Nachbarschaft der Schule Abtritte finden, und
-einzeln hingehen können, wenn sie es verlangen. Gesetzt denn auch;
-ein muthwilliger Knabe läuft einmal unnöthig hinaus: so ist das doch
-nichts gegen die Möglichkeit, daß man es einem Kinde, welches eines
-solchen Ortes wirklich bedarf, abschlagen könnte. Man soll die Kinder
-zur Sauberkeit anhalten, unreinliche Kinder aus der Schule verweisen,
-und dadurch die Eltern zwingen, auf ihre Reinlichkeit zu wachen. Auch
-sollen aussätzige, kranke Kinder nicht eher in die Schule gehen dürfen,
-bis sie geheilt sind. Außer denen, welche bestimmt sind, Gelehrte zu
-werden, brauchen die Kinder bei einem solchen Unterrichte meistens
-nicht länger, als höchstens drei Jahre lang die Schule zu besuchen.
-
-Bei oder vielmehr vor einer solchen Bestimmung wäre es durchaus
-zweckmäßig des vortreflichen +Gall's+ encephalognomische Untersuchungen
-practisch anzuwenden, um nicht ferner zum Nachtheile des Staats und der
-Individuen Kinder zu einem Stande zu führen, zu dem ihnen die Natur die
-nöthigen Fähigkeiten und Neigungen ganz versagt hat.
-
-Nachtheilige Handwerke, die dem Körper schaden, sollen die Kinder
-nie eher erlernen, bis sie ausgewachsen sind. Die Polizei sollte
-darauf sehen, daß kein Vater seinen Sohn Schmied, Schlosser u. s.
-w. werden lasse, bis er wenigstens sechzehn, oder siebenzehn Jahr
-alt ist. Die Kinder werden sonst Krüppel, erreichen nie ihr völliges
-Wachsthum, und werden selten ganz gesund. Aber vor diesem Alter soll
-man nicht bloß die Beschäftigungen den Kindern untersagen, welche
-große Anstrengungen erfodern, sondern auch solche, wie Schneider und
-ähnliche Gewerbe, wobei die Körper unnatürliche Stellungen annehmen
-müssen, und die Menschen ununterbrochen mit hinüberhangender Brust und
-zusammengezogenem Unterleibe angeschmiedet sitzen. Der Schade ist sonst
-zu groß, den dadurch die Gesundheit leidet. Wir sehen es daher dem
-Handwerker auf der Straße an, was er für ein Geschäft treibt.
-
-Das alles muß nun natürlich um so ärger seyn; je früher das Kind
-angespornt wird, je schwächer noch seine Glieder, je zarter der
-Rückgrad und die Brust ist. Und das sollte dem Staate gleichgültig
-seyn, ob so viele seiner Bürger kränklich, elend werden? -- Aus
-denselben Gründen sollen auch Mädchen nicht vor gänzlicher Ausbildung
-ihres Körpers zu solchen weiblichen Arbeiten angehalten werden, wobei
-sie immer sitzen, und in widernatürlichen Richtungen ihres Körpers
-bleiben müssen.
-
-Gaukelspieler, Seiltänzer und alle diese gefährlichen Künstler,
-wobei die Kinder selbst noch, als Erwachsene Gefahr laufen, für ein
-paar Groschen, wo nicht den Hals, doch ihre Glieder zu zerbrechen,
-sollte man gar nicht dulden. Jeder, der mit so vieler Mühe eine Kunst
-erlernen will, wie es eine solche erfodert, dem wird es in keiner an
-seinem Unterhalt fehlen können. -- Auch sollen die Knaben in früheren
-Jahren keine blasende Instrumente lernen. -- Ueberhaupt treibt man
-mit dem Lernen der Musik oft Mißbrauch. Ich bin selbst sehr von ihrer
-Zauberkraft überzeugt; aber es ist doch ganz ungereimt, Kindern, die
-man in der Zukunft zu etwas ganz andrem bestimmt, ihre wenige freien
-Stunden zu nehmen, in denen sie sich für den Zwang, den man ihnen in
-der Schule anthut, schadlos halten könnten, und sie zu zwingen, nicht
-selten ein Drittel ihres Lebens mit unsäglicher Anstrengung auf etwas
-zu verwenden, was ihnen höchstens dazu dienen kann, sich in ihrem
-künftigen Berufe zuweilen eine müßige Viertelstunde zu vertreiben. Aber
-bei blasenden Instrumenten ist die Sache noch weit bedeutender. Die
-meisten erkaufen diese Kunst mit dem Verluste ihrer Gesundheit. Viele
-werden in früher Jugend schon asthmatisch, schwindsüchtig u. s. w. --
-Man werfe nur ja nicht ein, daß sie denn in dieser Kunst nicht so
-stark werden würden; denn was für ein Unglück wäre denn das in einem
-Lande, wenn die Leute allenfalls ein bischen weniger gut das Horn
-bliesen, als in dem benachbarten?
-
-Daß die Popanzen und Schreckbilder, die von den Ammen bei den Kindern
-schon lange eingeführt sind, verbannt werden müssen; das habe ich
-wohl nicht nöthig zu erinnern. Der Wauwau der alten Griechen, der
-Knabenfresser der Römer und endlich der Pelznickel unsrer Zeiten sind
-unter aller Kritik, und da, wo sie nicht Krämpfe und die fallende Sucht
-machen, wie das sehr oft geschehen ist, jagen sie doch den Kindern
-unnöthigen Schrecken ein, und thun oft sehr großen moralischen Schaden;
-denn die Art Schlüsse liegt wohl sehr tief in der Natur des Menschen,
-daß der Erwachsene, wenn er sich überzeugt, daß seine Lehrer ihm in
-dem oder jenem Puncte Unwahrheiten sagten, auch das Zutrauen in andren
-Sachen, die er nicht einsehen kann, verliert; und daraus fließt ja
-selbst ein großer Schade für Religion und jede Wahrheit. -- Man führe
-sie auch nicht zu Todten. Man glaubt ihnen da Stoff zu gottseligen und
-erbaulichen Betrachtungen, wozu sie wahrlich gar nicht aufgelegt sind,
-einzuflößen, und das Resultat ist doch nur Schrecken, Abscheu und Eckel
-aus Instinct, den die Natur allen Menschen vor Leichen einlegte, weil
-sie schaden können; und dabei ist auch zuweilen für die Kinder Gefahr
-der Ansteckung damit verbunden. -- Man führe sie vor sieben bis acht
-Jahren eben so wenig bei starkem Gedränge zu Exekutionen etc. Soll
-ihnen so etwas Abscheu vor dem Laster machen, in einem Alter, wo man
-Tugenden und Laster nur, wie Papageien kennt, und wo sie, durch das
-Gewühl der Menschen noch leicht schaden nehmen können?
-
-Man übe frühe die Sinne der Kinder, diese wachsamen, wohlthätigen
-Wächter, die uns die Natur zu unsrer Selbsterhaltung gab, die der mehr
-natürliche Mensch in so hoher Vollkommenheit besitzt. -- Wir sind nicht
-Herr zu jeder Zeit über alle unsre Sinne. Bald kann uns der Geruch,
-ein andermal der Geschmack, zuweilen das Gesicht, und zuweilen das
-Gehör nicht helfen. Geschmack und Geruch gelangen durch natürlichere
-Diät zu ihrer größten Vollkommenheit. Gehör und Gesicht verbessern
-sich durch zweckmäßige Uebung; letzteres ist vorzüglich unsrer
-Aufmerksamkeit werth; da die Menschheit offenbar von dieser Seite eine
-merkliche Abnahme spürt. Die überhandnehmende Kurzsichtigkeit und
-Augenschwäche in den Städten ist leider! nicht mehr eine läppische
-Affectation fader Kleinmeister und eitler Mädchen; sie ist nur zu
-wahr, und hat vorzüglich darin ihren Grund, daß man die Kinder in den
-ersten Jahren fast immer in den Stuben eingeschlossen hält, wodurch
-das Auge, das nichts, als nahe Gegenstände sieht, sich auch bloß für
-die Nähe organisirt, und am Ende ganz das Vermögen verliert, den
-Focus entfernter Gegenstände gehörig zu formiren. Das beste Mittel,
-diesem so sichtbar zunehmenden Uebel zu steuren, ist gleich von Anfang
-frühzeitiger und täglicher Aufenthalt im Freien; dadurch verschafft man
-den Kindern einen weiten Gesichtskreis, schärft ihre Sehkraft, und
-legt einen dauerhaften Grund zu guten, weit sehenden Augen; daher haben
-die Landleute, und vorzüglich Jäger und Schiffer so vorzüglich gute
-Augen. --
-
-Besonders aber sollten Erzieher darauf sehen, das +Gefühl+ ihrer
-Zöglinge zu verfeinern; denn das Gefühl ist unsre beständige Wache, die
-über unsre ganze Oberfläche ausgebreitet ist, die bei der geringsten
-Gefahr durch Schmerz uns warnet, daß etwas da ist, was unsrem Ich
-nachtheilig seyn kann. Dies sehen wir vorzüglich an den Menschen,
-welche ihre Lage, ihr Unglück zwang diesen Sinn zu verfeinern. Die
-Blinden z. B. können oft Farben unterscheiden bloß durchs Gefühl. Warum
-denken wir also nicht mit Ernst darauf, diesen Sinn in hohem Grade bei
-unsren Zöglingen zu üben, da wir alle fast die Hälfte des Lebens blind
-sind? Wir sind, sagt +Rousseau+, beim Tage die Führer der Blinden, und
-bei der Nacht sind sie die unsrigen. Wir können des Nachts, wenn wir
-in einem dunklen Zimmer sind, durch den leisen Zug der Luft fühlen,
-ob und wo eine Thüre oder ein Fenster offen ist, wir fühlen auf einem
-Schiffe bei der Nacht durch den leisen Zug der Luft, welche Richtung
-es geht, ob es schnell oder langsam fortgetrieben wird. Wir fühlen, ob
-sich bei der Nacht ein Gegenstand unserm Körper nähert, oder sich von
-ihm entfernt. Wir können also ohne Hände, ohne Stock bloß durch Uebung
-viel fühlen, und haben manchen Vortheil durch diesen Sinn denn, wenn
-die übrigen uns nichts früchten; da wir aber das nicht bei Tage lernen
-können, weil uns denn unwillkürlich die andren Sinne zu Hilfe kommen,
-und uns wider unsren Willen zerstreuen; so ist das ein wichtiger
-Grund, der uns die +Nachtspiele+ der Kinder empfehlen muß. Man gewöhne
-die Kinder oft unter vernünftiger Aufsicht des Nachts zu spielen;
-dies hat in vieler Rücksicht manches Gute. Die Ammen mögen freilich
-vielen Antheil an der Furcht haben, die viele Menschen Nachts so sehr
-ängstigt. Allein unsre Unbehaglichkeit bei der Nacht kömmt nicht von
-ihnen allein her. Es ist +Instinct+; denn die Nacht erschreckt auch
-Thiere, wie wir vorzüglich bei großen Finsternissen sehr auffallend
-bemerken können. -- Was den Pöbel abergläubisch, und den Tauben
-mißtrauisch macht, das macht uns bei der Nacht furchtsam, nämlich: das
-Nichtwissen, was um uns vorgeht. Die Natur gab uns beim Tage die Augen
-zur Wache; wir können denn in weiter Entfernung schon Körper sehen, die
-uns schaden können; das ist nicht der Fall im dunkeln; daher verdoppeln
-jetzt die andern Sinne ihre Aufmerksamkeit. Wir sind immer gespannt,
-ob etwas rauscht, weil wir gewohnt sind, daß die meisten Körper, ehe
-sie uns schaden können, mehr oder weniger Geräusch machen. -- Aber
-wir fürchten, daß es Körper gibt, die uns Gefahr bringen können, ohne
-Lärmen zu machen: daher unsre Aengstlichkeit; daher unsre geschäftige
-Einbildungskraft. Gewohnheit ist auch hier das Universalmittel. Die
-Gewohnheit macht, daß es dem Dachdecker auf der Spitze des Thurms
-nicht mehr schwindelt, daß dem alten Soldaten das Blut kalt bleibet
-beim Krachen der Kanonen, wobei er als Rekrut zitterte: so ist auch,
-um uns vor Geistersehen und Gespenster zu schützen, die Gewohnheit
-in der Nacht zu gehen, das beste Mittel; denn nicht immer sind die
-abendtheuerlichen schreckbaren Figuren in der Nacht ein Werk der
-Phantasie[111]. Sie sind sehr oft wirklich in unsren Augen. Wir können
-im Dunkeln nicht anders von Gegenständen urtheilen, als durch die
-Größe des Sehewinkels, den der Gegenstand mit unserm Auge macht. Wir
-können daher nicht alle die Hilfsmittel zur Hand nehmen, die uns durch
-die Erfahrung am hellen Tage leiten. Wir schließen denn oft, wenn
-wir zu sehen glauben. Wir sehen daher einen nahen Strauch für einen
-entfernten Baum an, einen weit wegstehenden Ochsen für einen nahen Hund
-und umgekehrt. Nur erst denn, wenn uns hier wieder unsre Erfahrung zu
-Hilfe kommen kann, berichtigen wir unsern Irrthum. Wenn wir an irgend
-einer Bewegung sehen, daß der Ochs ein Ochs ist; so machen wir unsren
-Fehler wieder gut. Wir urtheilen denn nicht mehr durch die Größe des
-Sehewinkels, und wir sehen ihn denn in seiner völligen Größe und
-Dicke. Gesetzt aber nun, wir sehen einen entfernten Baum für eine
-menschenähnliche Gestalt an; so muß diese natürlich bei jedem Schritte,
-mit dem wir uns ihm nähern, wachsen; sie wird denn zur ungeheuren
-Figur, selbst noch ohne die Einwirkung der Phantasie. Sucht man sich
-nun nicht durch das Gefühl oder ein sonstiges Hilfsmittel den Irrthum
-zu benehmen; so hat man wirklich die kolossalische Figur im Auge. Man
-hat sie gesehen, und nur denn erst wird man seinen Fehler gut machen;
-wenn man seine gewöhnlichen Hilfsmittel zur Hand genommen hat, wodurch
-man sieht, daß der Baum ein Baum war. In demselben Augenblicke sind die
-riesenförmigen Arme, die uns so viel Furcht machten, Aeste geworden;
-die großen hellen Augen sind vielleicht der durchscheinende Mond
-u. s. w.
-
-Man lasse also die Kinder oft des Nachts spielen, sie werden denn nicht
-bloß durch Gewohnheit die natürliche Furcht ablegen, sie werden sich
-auch andere Hilfsmittel abstrahiren, wodurch sie vor diesem optischen
-Betrug geschützt werden; die Ammengeschichten werden ihren Zweck ganz
-verfehlen, und die Kinder sind völlig sicher vor den Folgen, die diese
-nur zu oft haben, -- und wovon selbst Philosophen bei der besten
-Ueberzeugung zuweilen noch leise Anregungen fühlen[112].
-
-
-
-
-Von den gymnastischen Uebungen.
-
-
-Die Sache, wovon in diesem Kapitel die Rede seyn wird, ist so unbekannt
-geworden, daß Manche es für Schwärmerey der Aerzte halten; wenn sie
-zuweilen ihre Stimme darüber erheben. Dieser Punkt ist aber so wichtig,
-daß es nach meiner Ueberzeugung von ihm größtentheils abhangen wird,
-ob wir von dem Abgrunde, an dessen Rande wir stehen, gerettet werden
-können oder nicht. Wir sind der völligen Ausartung äußerst nahe. -- Wir
-haben ja fast keine Männer mehr. -- Eitel unbärtige Greise sind die
-Enkel derer, die Roms Legionen oft so nachdrucksvoll in ihrer Heimath
-empfingen.
-
-Weichlichkeit, Vorurtheile (die wir Cultur nennen) und vorzüglich
-gänzlicher Mangel an Bewegung brachten uns allmählig dahin -- wo
-wir jetzt sind. Bewegung ist bei gesitteten Ständen ganz verbannt;
-daher denn auch überall Schnupfen und Catharren, wenn sich nur eine
-Viertelstunde ein rauher Wind erhebt -- Jetzt ist es schon eine
-Riesenarbeit für unsre Damen _du bon ton_, eine halbe Stunde weit
-zu gehen. Außer Athem sind sie schon; wenn sie eine Gasse lang gegen
-den Wind gegangen sind. Aber worinn besteht denn auch ihre gewöhnliche
-Bewegung? Die Etikette erlaubt sie ihnen weiter nicht, als vom Toilette
-aufs Canapee und von da zum Spieltische. -- Zu Fuß im Garten herum
-zu gehen, das hat schon mancherlei Inconvenienzen. Im Sommer macht
-die Sonne die Haut braun; im Frühlinge gibt's gar Sommerflecken. Und
-wahrlich (als wenn die Mode hierinn hätte consequent seyn wollen)
-das Kostüme unsrer Weiber ist so eingerichtet, daß sie froh seyn
-müssen, wenn sie still sitzen können. An ihre Füße legte sie einen
-weit sicherern Hüter, als die Beinschellen der Gefangenen, nemlich:
--- die Schuhe. Kräftigere Mittel um alle Bewegung zu verhindern
-konnte die Mode nicht erfinden, und -- sie hat auch vollkommen ihren
-Zweck erreicht. Die ganze Arbeit unsrer +zimperlichen Dinger+
-besteht beinahe bloß im Lesen scandalöser Geschichten, Liebes- und
-Ritterromane, in welchen durchaus nicht der Geist der Natureinfalt,
-und der Sittlichkeit wehet; die vielmehr dahin zielen, Leidenschaften
-aller Art emporzutreiben, und die Phantasie mit den üppigsten Bildern
-zu füllen.
-
-Unsäglich ist das Unheil, was diese Schriften über unsre Generation
-verbreiten! Laßt ein Mädchen noch so gut erzogen seyn, gebt ihm die
-besten Grundsätze, bepanzert es um und um mit allem, was die Tugend
-Ehrwürdiges hat; -- erlaubt ihm aber dabei diese fatalen Schriften, wo
-alles so hübsch und glatt dargestellt wird, als wenn es gedrechselt
-wäre, wo vernünftiges Zureden +Tiranney+; Verrückung, oder Schwachheit
-des Kopfs und des Herzens +Leiden+ heißt, wo die Helden des Romans von
-+reiner Liebe+ schwätzen, bis -- das Fräulein im +Kindbett+ liegt,
-(welches denn natürlich, wie es auch +seyn muß+, auf Rechnung des
-armen, gequälten, weichen, liebevollen Herzens geschrieben wird),
-und dann läßt das gute Kind mit einem _Pastore fido_ zuweilen ein
-_tête à tête_ machen: ihr werdet erstaunen, wie geschwind sie sich
-lieben werden, und die Demoiselle eine H... wird. -- Und kann das wohl
-anders seyn? Denn wo ist das Mädchen, das nicht durch diese Schriften
-verdorben wird, dessen Blut nicht bei der Schilderung aller der
-Albernheiten in Wallung geräth, das sich nicht die Welt in der That so
-vorstellt, wie sie der Herr Tollhäusler in seinem Raritätenkästchen
-zeigt.
-
-Allgewaltiges, obgleich schwaches Geschöpf! Was vermag nicht alles
-dein, zwar unmerklicher, aber sicherer Einfluß auf den Mann, und durch
-den Mann auf das gesammte Glück des gemeinen Wesens! Wie die Mutter, so
-der Sohn, der die ersten durch keine nachherige Erziehung jemals wieder
-ganz auszutilgenden Eindrücke zum Guten und Bösen von ihr erhält.
-Selbst der schon gereifte Mann, was ist er, sobald er durch eheliche
-Bande mit dem Weibe seines Herzens verbunden ist! Fast immer sind
-seine Launen, die fortschreitende Veredlung und Verschlimmerung seines
-Characters ihr Werk.
-
-Wenn man es dem andern Geschlechte doch recht an's Herz zu legen
-vermöchte, daß von seinem Betragen das Glück der Nationen in die
-Zukunft größtentheils abhangen wird, und daß eine gute Mutter in ihrem
-stillen häuslichen Kreise die +Blume der Schöpfung, und der Segen der
-ganzen Nachkommenschaft+ ist.
-
-Mit den Männern ist es noch nicht ganz so weit gekommen, aber wahrlich
-doch auch sehr viel weiter, als es je hätte kommen sollen. Die
-Erziehung der Gallier, und vorzüglich der alten Deutschen, war hart,
-und den Absichten des Krieges gemäß. Weichlichkeit und Verzärtelung
-kannte man nicht[113]. Ihr ganzes Leben war, wie J. Cäsar sagt,
-der Jagd und den kriegerischen Uebungen gewidmet. Von Kindheit an
-legten sie sich auf Arbeit und Abhärtung ihrer Leiber. Die Jünglinge
-beschäftigten sich mit Erlegung der Auerochsen. Wer die mehrsten von
-diesen erlegte, der trug die Hörner der getödteten Thiere vors Volk,
-und ärndtete denn den verdienten Beifall. -- Wie ist es jetzt? Sind wir
-nicht unbeschreiblich tief herabgekommen? Sind wir Europäer insgesammt
-nicht die schwächsten Menschen? Grönländer und Irokesen tragen ihren
-Kahn, wie einen Brodsack. Die Einwohner von Kanada jagen einen Hirsch
-zu Fuß fünfzig Meilen weit, ermüden ihn und schlagen ihn todt. -- Die
-Neger nehmen ihren Mann auf den Arm, und laufen mit ihm eine Meile weit
-in einem Athem. --
-
-Unsre Cultur kostet uns sehr viel! Wir haben unsre Köpfe auf Kosten
-unsrer Gesundheit und unsrer Ruhe bereichert. Wir haben unsren Körper
-ganz vernachlässigt, indem wir nur immer Vervollkommnung unsres
-Geistes bezweckten; daher ist denn der auch durch seinen nothwendigen
-Zusammenhang kränklich und -- krampfig geworden. Mancher Hypothese
-sehen wir es ja wahrlich an, daß die Seele ihres Schöpfers in dem
-Augenblicke ihrer Entstehung an Vapeurs gelitten hat.
-
-Bewegung war der Hauptgrundsatz, auf dem die Auferziehung der Spartaner
-beruhte. Die Griechen insgesammt hielten die Leibesübungen sehr hoch,
-und sie wußten selbst die Seelen ihrer Kinder nach gleichen Regeln zur
-Tugend zu bilden. +Plato+ räth, um die Gesundheit zu unterhalten, daß
-man die Seele nicht ohne den Körper, und den Körper nicht ohne die
-Seele übe, damit durch die darausfließende Uebereinstimmung der Kräfte
-von beiden auch beide gesund bleiben. -- In der Jugend, wo die Natur
-jeden Augenblick jedes Glied bewegt; da werden wir durch zweckmäßige
-Unterstützung dem Körper des Kindes die Ausbildung geben können, die
-es als gesunder Mensch bedarf. Durch den Gebrauch unsrer Glieder
-erhalten diese erst ihre gehörige Form, ihre Stärke. -- Der Arm, den
-wir am meisten brauchen, wird am dickesten, und hat die meisten Kräfte.
-Man fange also die gymnastischen Uebungen wieder an, die so lange
-vernachlässigt waren, die ehemals bei den Griechen und Römern, ehe sie,
-wie wir jetzt, sich der Weichlichkeit und Wollust überließen, so sehr
-im Schwange waren. +Galen+ hielt schon den für den besten Arzt, den
-man für den besten Lehrer in der Gymnastik halten könnte. Man sollte
-daher wieder eigne Meister in jedem Orte für Knaben und Mädchen halten,
-die jedes Alter die ihm passenden Spiele lehrten, und unter ihrer
-unmittelbaren Aufsicht ausüben ließen. Lycurgus suchte schon die Körper
-der Mädchen durch Wettlaufen, Ringen, Spießwerfen und Bogenschießen
-in immerwährender Bewegung zu erhalten, „damit der Keim zukünftiger
-Geschlechter festere Wurzel schlagen, und durch Stärke des Körpers
-gegen die Schmerzen der Geburt abgehärtet werde.“ -- Auch werden die
-gymnastischen Uebungen kräftig mitwirken den zu frühen Geschlechtstrieb
-abzuhalten, und dem schrecklichen Laster, das so unübersehbar viel
-Unheil stiftet, -- der +Onanie+, Einhalt zu thun.
-
-Die kleinsten Knaben kann man schon um die Wette laufen, Ringen,
-Ballspielen und nach dem Ziele werfen lassen. Das stärkt Auge, Arm
-und Brust. Sie erhalten dabei einen richtigen Blick, um über die
-Entfernung urtheilen zu können, was wirklich bei mancher Gelegenheit
-ihnen zu Statten kömmt. Bei etwas ältern Knaben sind Kegelschieben,
-Bogenschießen und Schlittschuhlaufen sehr zweckmäßige Bewegungen. --
-Knaben von zehen Jahren können schon exerziren lernen; eine Uebung,
-die sehr viel gesundes hat, wobei sich jedes Glied bewegt, und wobei
-der Staat noch den Vortheil erhält, daß er für jeden Fall geübte
-Krieger findet. -- Um diese Zeit müssen sie auch schon anfangen, Bäume
-zu erklettern und Mauern zu ersteigen. Kein Thier ist fast dazu so
-gemacht, wie der Mensch. Sein in die Höhe gerichteter Körper, sein
-nach vorn biegsames Kniegelenk, seine nach allen Richtungen beweglichen
-Finger und Zehen helfen ihm dazu sehr kräftig. Unglücke braucht man
-eben nicht zu fürchten; denn diese entstehen meist deswegen, weil
-die, welche es versuchen, gar keine Uebung und Gewandtheit in derley
-körperlichen Bewegungen haben. Sehr selten hört man auf dem Lande ein
-Unglück bei Kindern, die doch bekanntlich aus Vergnügen, der Vögel und
-des Obstes wegen, täglich auf Bäume klettern. Diese Uebungen müssen
-aber nicht allenfalls wöchentlich eine Stunde, sondern alle Tage
-vorgenommen werden; sonst verfehlt man seinen Zweck. Dabei soll ein
-vernünftiger Aufseher immer gegenwärtig seyn, damit zu gefährliche und
-die Kräfte des Alters übersteigende Spiele verhütet werden.
-
-Schwimmen sollen alle Knaben, ohne Unterschied, lernen; wenn sie
-vierzehn Jahre alt sind. Man soll sie im Sommer an solche Stellen in
-den benachbarten Fluß führen, welche hinreichend den Tag hindurch der
-Sonne ausgesetzt waren, und wo also das Wasser nicht zu kalt ist. Man
-soll ordentliche Schwimmschulen errichten, so wie man bisher nur --
-Tanz- und Fechtschulen hat. Aber die Knaben müssen nicht bloß auf die
-gewöhnliche Art schwimmen, sondern bald mit, bald ohne Kleider, und
-wenn ihre Kräfte groß genug sind, selbst über Untiefen, und reißende
-Ströme. -- Wie wichtig das vorzüglich für Soldaten seyn muß, fällt
-von selbst in die Augen. Julius Cäsar schwamm nicht selten mit seinen
-Kriegern über reissende Flüsse. Und ich begreife nicht, warum man
-diese Kunst bei Armeen nicht lange eingeführt hat, die gewiß auf die
-ganze Kriegskunst einen wichtigen Einfluß haben würde. --
-
-Das Fechten ist auch eine sehr gute Bewegung, aber nur für erwachsene
-Knaben. Das Tanzen paßt für Kinder beiderley Geschlechts. Nur sollte
-die alberne Sitte abgeschafft werden, Bälle mitten in der Nacht zu
-halten. Man sollte (wie bei uns am Rheine die Landleute zu thun
-pflegen) unter freiem Himmel, unter schattigen Bäumen tanzen; die Luft
-würde denn nicht verderben. Man würde sich nicht zu sehr erhitzen, und
-daher nicht so leicht erkälten können. Der Tanz stärkt die Glieder,
-macht sie biegsam und zu allen Arten von Bewegungen geschickt. Nur
-deswegen macht das Tanzen manchen krank, Blutspeien und schwindsüchtig;
-weil es zu selten und daher übertrieben geschieht.
-
-Um den Hang zu Leibsbewegungen in jedem Alter zu unterhalten, sollte
-man an allen öffentlichen Orten für die Jahrszeit und für jedes Alter
-angemessene Spiele finden[114]. Auch Reiten gehört hieher, aber dies
-erfordert zu viele Kosten, als daß es von vielen geübt werden könnte;
-doch müßte dafür gesorgt werden, daß man nicht denen, die es üben
-wollen (wie bis hierher oft geschieht) Miethpferde leiht, die solche
-wesentlichen Fehler haben, daß selbst geübte Reiter nicht selten ihr
-Leben dabei in Gefahr stellen.
-
-Uebrigens braucht man bei diesen Spielen die Kinder nicht so ängstlich
-zu verwahren. Ob sie z. B. an feuchten Orten sitzen, oder an trocknen,
-ob ihre Füße naß werden, oder kalt, das gilt gleich. Sie müssen sich
-daran gewöhnen. Durch die Macht der Gewohnheit können die Bewohner von
-Arabien barfuß in den brennenden Sandwüsten gehen; wo unsre Reisenden
-es kaum mit Stiefeln auszuhalten vermögen. Die Gewohnheit macht, daß
-der Russe aus dem warmen Bade in den frierenden Fluß springen kann; daß
-die gesunden Knaben unsrer Bauern mit bloßem Kopfe und fast nackend in
-den Gassen laufen; wenn wir in Winterkleidern vor Kälte zittern. Ganze
-Nationen ertragen die plötzlichsten und stärksten Veränderungen des
-Wärmegrads der Luft ohne Nachtheil. Z. B. in Neuholland und auf der
-Norfolks Insel, wo das Clima sehr gesund ist[115], und die Bevölkerung
-begünstigt, obschon das Thermometer nicht selten des Morgens 56 bis 60,
-einige Stunden nachher 100 bis 200, und nach Sonnen Untergang wieder 60°
-zeigt. Warum sollen denn unsre Kinder sich nicht an ein bischen Nässe
-oder Kälte gewöhnen können, was doch in der Folge ihres Lebens oft
-nicht zu vermeiden ist. -- Auch thut man Unrecht, daß man Kinder, die
-physisch gut erzogen werden, +ganz ängstlich+ von dem Trinken abhalten
-will, wenn sie warm sind. Freilich unsre Schwächlinge, die wir mit
-so vieler Sorgfalt zu Spitalcanditaten erziehen, werden üble Folgen
-davon haben; aber diejenigen, welche sich dem natürlichen Zustande bei
-ihrer Erziehung mehr nähern, können auch diesen Instinct ohne Gefahr
-befriedigen. Warum haben nicht andre Thiere üble Folgen davon? Der
-Hund, wenn er erhitzt ist, trinkt, aber wie ich sehr oft bemerkte, von
-Anfang mit kurz abgebrochenen Zügen; das wird höchstwahrscheinlich der
-natürliche Mensch auch thun. Das Kind mag aus einem benachbarten Bache
-oder Fluße trinken, der mit der Luft, worin es sich erhitzte, ungefähr
-dieselbige Temperatur hat; und wenn es das auch nicht so +ganz genau+
-in Acht nimmt; so kann der Schaden doch meines Erachtens nicht groß
-seyn. Wer gibt in diesem Punkte auf unsre Bauernkinder acht, die Tage
-lang in der brennendsten Sonnenhitze sich herumtummeln? Wie selten hört
-man bei ihnen von üblen Folgen! Wer gibt wohl den Negern auf der Küste
-von Guinea hierin Gesundsheitsregeln? Wie kann auch ein Instinct dem
-natürlichen Menschen Schaden bringen? Daß man unsren Kindern vor dem
-Trinken zu essen anräth, ist äußerst ungereimt. Weiß denn die Natur
-vielleicht nicht, was sie will, daß wir ihnen zu essen befehlen, wenn
-es ihnen dürstet? Wir können ja unsre an die Abwechslung der Temperatur
-gewohnte Gesichter und Hände bei der größten Hitze ohne Schaden ins
-Wasser stecken! -- Da wir alles zu Gesicht machen können, warum sollten
-wir nicht auch (möchte ich sagen) unsern Magen zu Gesicht machen können?
-
-
-
-
-Von den Findlingshäusern.
-
-
-Mir ist es unbegreiflich, wie man noch in unsern Tagen hin und wieder
-behaupten kann, daß es nicht rathsam sey, im Staate Findlingshäuser
-zu haben! -- Wem es nicht gleichgültig ist, ob gefallene Mädchen
-Kindermörderinnen werden; ob unglückliche Findlinge durch Elend
-umkommen, oder zu schlechten Menschen erwachsen; dem kann wahrlich
-hierüber wohl kein Zweifel aufstoßen. -- In dem gesellschaftlichen
-Zustande ist es nun einmal unvermeidlich, daß ein großer Theil und
-zwar gesunder Menschen im ehelosen Stande leben muß. Die Zahl vermehrt
-sich noch täglich durch die immer wachsenden, künstlichen Bedürfnisse,
-und daher ist es sehr natürlich, daß die Natur das Recht des alten
-Sprichworts: _naturam expellas furcâ etc._ zuweilen wieder geltend zu
-machen sucht. Da nun der Staat wohl nie Ehebruch und Hurerei ganz wird
-stören können, so soll er -- wahrlich diese Sache nicht befördern,
-nicht begünstigen; aber -- dem Mord vorbeugen, und hier palliativ
-verfahren, wo doch selbst, (wie es eine Reihe von Jahrhunderten bewies)
-Feuer und Schwert nichts vermochten.
-
-Man sagt, die Unmoralität wächst dadurch, und -- daran hat man Unrecht.
-Lüderliche Dirnen, die ihren Körper verkaufen, werden selten Mütter;
-sie müßten denn sonst ihr Handwerk nicht systematisch gelernt haben.
-Diese Häuser sind also nur für Unglückliche, nicht für die im wahren
-Sinne Entehrten. Vorzüglich hat die Geistlichkeit hier und da ihre
-Stimme dagegen erhoben, und behauptet, „eine solche Anstalt befördere
-die Sittenlosigkeit.“ Aber ist es wohl wahrscheinlich, daß ein Mädchen
-eher aufhöre, tugendhaft zu seyn, ihrem Liebhaber nur eine Minute
-früher einwillige, weil es -- ein Findlingshaus gibt? Dies ist der
-Geistlichkeit, vorzüglich der Katholischen, leicht zu verzeihen, die
-das Physische der Weiber natürlich zu wenig kennen; denn sonst würden
-sie wissen, daß die Natur das andre Geschlecht in gewissen Augenblicken
-alles vergessen läßt. Hätte sie das nicht, wie würde ein Weib sich je
-entschliessen, Mutter zu werden; wenn sie in diesem Augenblicke an die
-hundertfachen Beschwerlichkeiten der Schwangerschaft, an die heftigen
-Schmerzen, selbst bei der natürlichen Geburt und an die zahllosen damit
-verbundenen Gefahren dächte? Wie wäre es möglich, daß Weiber mehrere
-Male den Kaiserschnitt ausgestanden hätten; wenn sie in einem solchen
-Zeitpuncte nicht all ihr Bewustseyn verlören? Was kann also wohl hier
-der Gedanke eines Findelhauses wirken? Daran denkt erst die Verirrte,
-wenn es schon zu spät ist, wenn äußerste Armuth oder sich empörendes
-Ehrgefühl sie an das Schreckliche ihrer künftigen Lage erinnert; und
-ist es denn nicht Pflicht des Staates der Gefallenen auf den Weg zu
-helfen, und zwey Unglückliche physisch und moralisch zu erhalten? Die
-Erfahrung bestätiget diese Theorie vollkommen; seit in Paris, Wien,
-London, Stockholm etc. Findlingshäuser sind, hört man an diesen Orten
-wenig, oder gar nichts vom Kindermorde[116].
-
-Man sagt, der Staat muß dadurch viele Kinder von Verheiratheten
-erziehen, die, um sich die Last der Erziehung zu erleichtern, ihre
-Kinder zu Findlingen machen. Allein hat denn der Staat nicht Mittel in
-Händen, dies bei wahrhaft Armen zu verhüten? Und bei den andern, die
-es aus Gemächlichkeit thun, ist es doch reiner Gewinn für das gemeine
-Wohl; denn Kinder können bei solchen Aeltern, die so tief sanken,
-dreist das feste Band zu zerreissen, das die Natur so enge zwischen den
-Neugebornen und den Aeltern knüpfte, nur Krüppel oder Schurken oder --
-beides zugleich werden.
-
-Aber, woher den Fond nehmen, den ein solches Institut kosten würde,
-wird mancher +Plusmacher+ vor allem andren fragen, der das Glück
-des Staats bloß in eine gefüllte Kasse setzt, und daher eine solche
-Anstalt für sehr zweckwidrig ansieht; weil er vielleicht berechnet hat,
-daß doch der +Scharfrichter+ in einem Jahre lang nicht so viel für
-an Kindermörderinnen geleistete Exekutionen erhält, als ein solches
-Haus zu unterhalten nothwendig erfordert. -- Ein solcher verdient nun
-gar keine Antwort; denn jede, die ihm nicht versichert, daß hieran
-reiner Ueberschuß herauskömmt, würde ihm ohnedies nicht genügen, und
-eine solche kann ich ihm nicht geben. Uebrigens aber ist diese Frage
-jedem andern nicht schwer zu beantworten. Eine solche Einrichtung
-kostet wirklich lange nicht so viel, als es auf den ersten Blick wohl
-scheint. Die neuere Chemie hat angefangen ihren wohlthätigen Einfluß
-auf unsre tägliche Bedürfnisse, auf die Haushaltungskunst, auf die
-Küche, und (wie es natürlich ist) mit auffallendem Glücke auszudehnen.
-Graf Rumford hat, wie jetzt allgemein bekannt ist, durch seine tiefen
-Kenntnisse bewirkt, daß man im Werkhause zu München täglich zwölf
-hundert Menschen sehr vollkommen mit äusserst geringen Kosten ernährt.
-Die ganze Ausgabe beträgt (Kost, und Lohn von drey weiblichen und
-zwey männlichen Bedienten, Feuerung und so gar die jährliche nöthige
-Küchenreparation mit eingerechnet) alle Tage nur etwas über eilftehalb
-Thaler. Seit er dabei die Kartoffeln einführen konnte, ist das ganze
-noch weit wohlfeiler; fast in dem Verhältnisse von 4 zu 3[117]. -- Das
-beweist klar, daß ein solches Institut durch Männer von Kenntnissen
-geleitet, eines nicht sehr großen Aufwandes bedarf. Allein freilich bei
-allen dem kostet doch eine solche Einrichtung -- Geld. -- Daran aber
-wird es hiezu wohl in keinem Lande fehlen.
-
-Es gibt überall noch so viel redliche, gutherzige Menschen, wie man
-bei so manchem frommen Vermächtnisse sieht, die herzlich gern ihr
-Scherflein beitragen würden; wenn sie das Gedeihen einer solchen
-Anstalt vor Augen sähen: und das übrige hiezu -- müßte der Beutel der
-+Hagestolzen+ allein leisten[118]. Das gemeine Wesen ist aus mehr,
-als einer Rücksicht berechtigt, Beiträge dazu von diesen zu fordern.
-Jeder der vierzig Jahre alt ist, heirathen kann und nicht will, also
-sich der Pflicht Vater zu werden, freiwillig entzieht, ist schuldig;
-wenn er seine eignen Kinder nicht erziehen will, nach dem Verhältnisse
-seines Vermögens die des Vaterlandes mit erziehen zu helfen. Durch
-die überhandnehmende Zügellosigkeit wächst dieser Stand ohne dies mit
-jedem Tage. Die Zahl der Menschen, die das Unangenehme des Ehestandes
-nicht wollen; aber das sinnliche davon auf den Trümmern der Tugend
-und des häuslichen Glücks rechtschaffener Familien suchen, wird
-zusehends immer größer. Freilich gibt es auch Menschen, die aus edlen
-Absichten nicht heirathen; aber deswegen können sie doch hievon nicht
-ausgenommen werden; denn ein Unverheiratheter kann doch in Rücksicht
-seiner Finanzumständen eher zu einer öffentlichen wohlthätigen Anstalt
-beitragen, als jeder andre.
-
-Auch kann man es wohl so ziemlich verhüten, daß ärmere Menschen nicht
-ihre ehelichen Kinder in ein solches Institut schicken, und dadurch
-die Ausgaben zu sehr vergrößern; wenn man einen Theil des Fonds dazu
-verwendet, Leuten von der ärmsten Klasse, die z. B. drey Kinder haben,
-für jedes, was über diese Zahl kömmt, monatliche Beiträge zu geben;
-dadurch wird die Armuth solcher Menschen nie so groß werden, daß sie
-sich dazu entschliessen können, den Pflichten des Vaters und der
-Mutter zu entsagen. Und geschähe es bei einigen; so sind das sicher
-so schlechte Menschen, daß, wie gesagt, der Staat reinen Gewinn dabei
-hätte; wenn er ihre Kinder erziehen ließ.
-
-Aber eine andre und zwar bedeutende Frage: müssen diese Institute so
-bleiben, wie sie jetzt größtentheils sind? Nein! das dürfen sie nicht.
-Die meisten sind nur einstweilige Niederlagsorte zur baldigen Spedizion
-ins andre Leben[119]. In manchem Findlingshause erlebt fast jedes
-vierte Kind den ersten Monat nicht. -- Mehr als zwey Drittheile starben
-ehedem im pariser Findlingshause in den ersten vier Wochen[120]; und in
-Rouen kamen von hundert acht, schon hundert vier vor ihrem fünfzehnten
-Jahre um, und nur zwey davon wurden Glieder der Gesellschaft[121].
-In einer Discussion, die im Jahre 6 (der franz. Rep.) zu Paris bei
-dem Rathe der 500 über die Hospitäler vorfiel, sagte +Dumolard+, daß
-im verflossenen Jahre von achthundert Kindern, die ins Hospital von
-Lyon gebracht wurden, siebenhundert fünfzig aus Mangel an gehöriger
-Pflege gestorben seyen. -- In den meisten sehen die Kinder aus, wie
-wandelnde Skelette, wie ächte Produkte des Jammers und der Wollust.
-Die Ursachen liegen so nahe, daß wahrlich nicht viel Scharfsinn dazu
-gehört, sie zu finden. -- Gänzlicher Mangel an Muttermilch, selbst
-Mangel an Ammenmilch oder doch nicht genug davon, denn manchmal trinken
-vier Unglückliche an einer Amme; verdorbene Luft in einem äußerst hohen
-Grade; eine zu gedrängte Menge meist kränklicher Kinder, der Geruch
-ihres Harns, und Exkremente[122], und dabei ein Haufe schmutziger
-Weiber vergiften diese Zimmer auf eine schreckliche Art. Die ungesunde
-Lage solcher Häuser wirkt manchmal auch kräftig mit.
-
-Diese Fehler sind nun allerdings äußerst groß, und vermindern den
-Vortheil sehr, den man von solchen Anstalten erwarten kann; aber sie
-lassen sich größtentheils heben, und sind zum Theil, wenigstens hier
-und da in einigen Findlingshäusern schon nicht mehr zu finden. -- Der
-wichtigste Punct ist der erste Monat des Lebens der Findlinge. Wie
-kann man ihnen Ammen geben? Welches Institut ist reich genug, jedem
-Säuglinge eine zu schaffen? Mit den Surrogaten für Ammenmilch ist es
-schlimm genug hergegangen. Die Erfahrung lehrt, daß die, welche man
-mit Küh- und Ziegenmilch erzog, im Durchschnitte nicht vier Monate
-lebten[123]. Brodgallerte, die man für Milch gab, raffte die meisten
-Kinder schon in dem ersten Monate durch Schlagflüsse und Ruhren weg.
-Man schicke sie um alle diese Nachtheile zu verhüten, und um sie das
-große Nahrungsmittel (reine gesunde Luft) vollkommen genießen zu
-lassen, aufs Land, wie es z. B. in London und Paris geschieht. Das hat
-nun unstreitig sehr große Vortheile, jedes Kind erhält seine eigne
-Amme; man kann auf die Art genug rechtschaffene arme Weiber finden, die
-sich zu Ammen selbst anbiethen; man braucht nun keine Amme anzunehmen
-(sie sey verheirathet oder ledig); wenn sie von dem Vorgesetzten ihres
-Orts nicht als moralisch gut geschildert wird, und vom Arzte ihrer
-Gegend ein Gesundsheit Zeugniß hat. Es wird dabei dem Fond weniger
-kosten, als die Erziehung im Findlingshause, und das Kind kömmt nicht
-in ein ungesundes Haus, in ungesunde Luft; dabei erhält die Amme jetzt
-Zuneigung zum Säuglinge, die wenigstens -- einen Theil der mütterlichen
-Zärtlichkeit ersetzt.
-
-Aber dem unerachtet muß bei dem Schicken aufs Land Manches ganz genau
-beobachtet werden, wenn man nicht seinen Zweck verfehlen will. Man
-muß die Kinder nicht weiter vom Institute schicken, als eine Tagreise
-beträgt; weil sie sonst durch die Reise zu viel leiden: und es ist nun
-einmal so mit den Instituten, der Stifter mag noch so viel Eifer für
-die Vollkommenheit seiner Stiftung haben, er mag die Reise noch so
-pünctlich, und gesund anordnen; nach dreyßig Jahren werden die Aufseher
-die Kinder allenfalls einem Fuhrmanne mitgeben, der sie dann nach
-seiner Bequemlichkeit, wie und wann er will, als Kaufmannswaare abgeben
-wird. Eine weitere Entfernung ist auch in Rücksicht der Verbindung
-zwischen dem Findlinge, und dem Hause schon unzweckmäßig.
-
-Das Kind muß (wenn kein medicinischer Gegengrund eintritt, bei dem der
-Arzt der Gegend allein, und zwar schriftlich mit angeführten Gründen
-dispensiren darf) anderthalb Jahr die Brust seiner Amme trinken;
-und damit es, und zugleich die Amme während der ganzen Zeit seines
-Aufenthalts, unter gehöriger Aufsicht sey, so müssen die Verwalter
-in den Orten, wo sich Findlinge befinden, sie der Oberaufsicht eines
-rechtschaffenen Mannes übergeben. Es gibt ja doch der guten Menschen
-noch viele, die Vormundschaften Und andre beschwerlichen Geschäfte zum
-Wohl der Unmündigen annehmen; es wird sich daher gewiß auch überall
-jemand finden, der sich den Findling die Woche ein paarmal zeigen läßt,
-und dafür sorgt, daß das, was das Institut vorschreibt, an dem Kinde
-geschieht. -- Ueberhaupt ist dieser Punct leicht zu berichtigen. Es
-gibt in jedem Orte, vorzüglich in den kleinen Landstädtchen, so viele
-gutherzige Müßiggänger, die aus Mangel an Beschäftigung Neuigkeiten in
-jedem Hause umtauschen, und sich ein Vergnügen daraus machen würden,
-(wenn der Staat sie nur bemerkt) so etwas sehr pünctlich zu verrichten.
---
-
-Die Findlinge sind aber auch oft venerisch, wovon sich manchmal erst
-nach einigen Wochen, und später, die Spuren zeigen. Gibt man nun
-sogleich das gefundene Kind einer Amme nach Hause; so kann man leicht
-Schuld daran seyn, daß diese (vielleicht mit mehrern eignen Kindern)
-auch angesteckt werde! Ich glaube, daß man es dennoch kühn wagen darf,
-wenn man nur folgende Vorsorge dabei trifft; man nimmt ein Glas mit
-einem doppelten Boden, wovon der untere so concav ist, daß die Brust
-gewissermaßen hineinpaßt. In seiner Mitte ist eine kleine Oeffnung, um
-die Warze hinein zu lassen. Die beiden Böden stehen ungefähr zwey Zoll
-weit überall von einander ab. Oben an dem convexen Boden nicht weit
-vom Rande ist eine Oeffnung, worin eine biegsame +pickelsche+
-Röhre befestigt ist, die die Länge hat, daß die Amme das Mundstück
-bequem in den Mund nehmen kann. In der Mitte dieses Bodens ist eine
-andre Oeffnung, worin sich eine gebogene gläserne Röhre befindet, die
-in dem Zwischenraume zwischen den beiden Böden bis beinahe unten an
-den Rand reicht, und höchstens anderthalb Linie im Durchmesser hat.
-An dieser Röhre ist ein eben so durchbohrtes kleines Stück Elfenbein
-befestigt, das sich in einen kleinen Knopf endigt, der mit einigen
-feinen Löchern durchbohrt, und dann mit Leder überzogen ist. Zwischen
-dieser künstlichen Warze, und dem Glase ist in dem Stückchen Elfenbein
-ein kleiner Krahn, um die Verbindung mit der Brust herzustellen oder
-zu verhindern. Wenn die Amme nun dem Kinde zu trinken geben will; so
-macht sie den kleinen Krahn zu, und säugt an der obern Röhre. Sie sieht
-nun, wie viel Milch in dieses Glas fließt, und hört auf, wenn sie
-glaubt, daß es genug sey; sie öffnet denn den Krahn, und läßt das Kind
-an der künstlichen Warze trinken. Sie sieht hier genau, wie viel das
-Kind trinkt; sie läuft auch keine Gefahr angesteckt zu werden; da sie
-nie mit ihm in unmittelbare Verbindung kömmt, und sie kann diese ganze
-Vorrichtung immer ohne Mühe recht rein halten.
-
-Mit einer solchen künstlichen Brust soll nun jeder Findling wenigstens
-fünf bis sechs Wochen gestillt werden, damit man sieht, ob er
-angesteckt ist; ist er das nicht: so kann jetzt die Amme ihn ohne diese
-Vorrichtung stillen. -- Ist er angesteckt; so muß ihn der Arzt der
-Gegend behandlen.
-
-Um aber die wohlthätige Wirkung eines solchen Hauses noch zu
-vergrößern, sollte man die Einrichtung treffen, daß jede unglückliche
-Mutter wenigstens vier bis sechs Wochen vor ihrer Entbindung schon da
-seyn und dort niederkommen dürfte. Der Staat würde dadurch verhüten,
-daß nicht manche Unglückliche mit ihrem Kinde wegen Mangel und
-Elend nach der Niederkunft umkäme. Er würde einem solchen Findlinge
-mehr, als seine Amme, er würde ihm -- seine Mutter zum Stillen geben
-können. Nach der Geburt müßte sie mit ihrem Kinde heraus, und der
-Fond müßte ihr monatlich etwas geben, um die Amme ihres Säuglings zu
-werden. Stirbt ihr Kind; so weiß der Arzt des Instituts, ob er sie
-dem Publicum als eine taugliche Amme empfehlen kann. Unter diesen
-ankommenden Gebährenden sind auch venerische; diese müssen ihre Kinder
-selbst stillen, und dabei, wenn die Zahl nicht gar zu groß ist, die
-Kinder unter sich vertheilen, die von dem Arzte bei ihrer Ankunft
-für angesteckt gehalten werden; denn das ist ja ohne dies einer der
-sichersten Wege, durch welchen man diese unglücklichen Kinder heilen
-kann.
-
-Nach vier Jahren soll der Findling in das Erziehungshaus zurück.
-Nun ist er der gemeinschaftlichen Erziehung fähig geworden. Die
-Hauptepoche, wo die Mortalität der Kinder so groß ist, ist jetzt
-vorüber. -- Wenn die Macht des Beispiels unwiderstehlich ist, die
-Kinder zu verführen und sie zu schlechten Menschen zu machen; so
-ist sie nicht minder wirksam, sie gutmüthig, gelehrig und fleißig
-zu machen; daher bin ich sehr dafür, daß in diesem Zeitpuncte die
-Findlinge in einer öffentlichen Anstalt vereinigt leben; wo es so
-leicht zu machen ist, daß Alles ungezwungene Heiterkeit und gefälligen
-Frohsinn athmet, daß überall ein zufriedenes, genügliches Wesen
-herrscht. Daher soll er nicht, wie an den meisten Orten der Fall ist,
-seine ganze Zeit unter immerwährendem Bethen, Singen und in die Schule
-Gehen zubringen. Auch der Findling soll natürlich erzogen werden. Die
-Bewegung, diese wesentliche Bedingung zur Gesundheit des Kindes, darf
-ihm hier nicht fehlen. Er soll rauh, brauchbar für den Staat; aber
-nicht grausam, nicht sclavisch erzogen werden. Seine Kleidung soll aus
-wohlfeilem Zeuge bestehen; sie muß aber so eingerichtet seyn, daß Kopf,
-Brust, Arme und Füße unbedeckt bleiben.
-
-Vorzüglich sehe man in einem solchen Institut auf Reinlichkeit, und
-sorge dafür, daß in Rücksicht des Badens u. s. w. alles das pünctlich
-beobachtet werde, was oben gesagt worden ist; denn werden gewiß die
-garstigen und den Findlingshäusern eignen Hautkrankheiten diese
-Unglücklichen nicht mehr verunstalten und elend machen.
-
-Viermal des Tags müssen solche Kinder essen. Die Kost kann wohlfeil und
-doch gesund seyn. Ich glaube, der Vorschlag, den ich schon vor mehrern
-Jahren machte[124], bei Armeen im Felde die _tablettes de bouillon_
-(aus Knochen bereitet) einzuführen, würde auch hier ganz anwendbar
-seyn. Man wirft so viele Knochen in jeder Stadt weg, die, gehörig
-benutzt, alle Armen desselben Ortes hinreichend ernähren könnten. Wie
-leicht würde also Findlingen eben derselbe Bestandtheil aus den Knochen
-zu gesunder Nahrung gegeben werden können, den man gewöhnlich nur im
-Fleisch zu finden glaubt, besonders wenn man die nun in ganz Europa
-bekannten +Rumford'schen+ Suppen zugleich damit verbände[125].
-
-Der Unterricht soll ihnen in faßlicher Sprache ertheilt werden, und
-vorzüglich Bildung des Herzens betreffen. Vor allem soll man sich
-bestreben, ihnen einzuprägen, was jederman und vorzüglich der Findling
-dem Vaterlande schuldig ist. Lesen und Schreiben ist von dem ganzen
-wissenschaftlichem Krame alles, was sie zu wissen nöthig haben. Die
-übrige Zeit sollen die Kleinern unter Aufsicht der Vorgesetzten in
-einem freien, offnen Platze sich balgen, spielen und ihre Glieder
-üben. Und bricht denn auch zuweilen einer, was doch sehr selten
-geschehen wird, einen Arm oder ein Bein; so ist doch bei weitem dieser
-Schade nicht so groß, als wenn man, um solches sicher zu verhüten, sie
-alle so erzieht, daß keiner in der Folge einen Arm oder ein Bein -- zu
-brauchen weiß. --
-
-Wenn sie zwölf Jahre alt sind; so kann man allmählig anfangen, sie
-arbeiten zu lassen. Im Menschen liegt aber, wie nicht zu läugnen ist,
-ein natürlicher Hang zur Faulheit, und Unthätigkeit; und obgleich die
-Gewöhnung zum Fleiße, wie alle Gewohnheiten, die Uebung desselben
-leicht und angenehm macht, so mühevoll und beschwerlich sie anfänglich
-auch war; so wählt doch niemand in keinerlei Verhältniß die Arbeit um
-ihrer Selbstwillen. Immer nur die Furcht vor einem größern Uebel oder
-die Hoffnung eines angenehmen Genusses locket, oder treibt die Menschen
-an, wenn sie sich mit anstrengenden Geschäften befassen. Diese nicht zu
-bezweifelnde Wahrheit halte man also ja stets vor Augen, wenn man den
-Kindern Lust zur Arbeit beibringen will!
-
-Es ist ein großer Fehler, daß man diese Kinder meist immer zu
-ungesunden Handwerken und Fabriken bestimmt. Warum sollen sie nicht
-(Knaben und Mädchen) den Bauernstand recrutiren? Dieser Stand nimmt (so
-wichtig er auch ist) doch alle Jahre ab, weil unsre Bauern nur zu oft
-die armselige Ambition haben, ihre Söhne -- Gelehrte, oder Handwerker
-u. s. w. werden zu lassen; da im Gegentheil kein andrer Stand seine
-Kinder zu Bauern macht. Ueberdies sind unsre Landleute keine Schäfer
-mehr; ihr Leben ist kein Schäferleben! In manchem Winkel der Erde sind
-sie aus eigner oder fremder Schuld so verdorben, daß es durchaus nicht
-anders, als vortheilhaft seyn kann, wenn man ihnen öfter moralisch-
-und physischgute Menschen zumischt. Auch gibt es ja noch in jedem
-Lande so viele nicht ganz bebaute Gegenden, daß man wahrlich dort der
-arbeitenden Hände noch lange nicht zu viel hat.
-
-Doch müssen auch natürlich die Findlinge die ersten seyn, die Soldaten
-werden, wenn ihr Vaterland sie braucht; denn nicht bloß die reichere
-Klasse, sondern die Städter überhaupt suchen sich ohnedies dieser
-wichtigen, aber freilich schweren Pflicht immer mehr und mehr zu
-entziehen, obschon erstere natürlich weit mehr zur Vertheidigung
-ihres Vaterlands beizutragen schuldig sind. Der Enthusiasmus für das
-allgemeine Wohl ist in den Städten mitten unter den Künsten in manchen
-Gegenden beinahe ganz verloschen. Daran war bis hieher zuverlässig
-unsre schlechte, weichliche Erziehung Schuld. -- Es ist aber deswegen
-sehr nöthig, Zuneigung für diesen unentbehrlichen Stand in den Herzen
-der Jugend anzufachen, und das wird vorzüglich gut bei Findlingen Statt
-haben. -- Das, was so manchen von der Vertheidigung des Vaterlandes
-zurückzieht, ist ein weichlicher, verzärtelter Körper, Hang zur
-Familie und zum väterlichen Hause; das alles fällt hier ganz weg.
-Der Findling ist gesund erzogen; sein Körper ist daher dauerhaft und
-stark, und sein Vater und Mutter -- sind das Vaterland. Er wird also
-durch seine bessere physische und moralische Erziehung nicht allein mit
-Vergnügen diese Last übernehmen, sondern durch seine Treue, durch seine
-Anhänglichkeit, durch seine warme Liebe zum Vaterland, und so gar durch
-sein Beispiel diesem Stande die wesentlichsten Vortheile verschaffen.
-
-
-+Köln+,
-
-gedruckt bei +J. M. Heberle+ und Gebr. Mennig.
-
-
-
-
-Fußnoten:
-
-[1] Daher, sagt +Robinet+ _(Paralléle de la Condition et des facultés
-de l'homme avec la Condition et les facultés des autres animaux p.
-22._) ist die Sterblichkeit der Kinder bei den weichlichen Völkern
-auf ihrem höchsten Grade, und ist bei andern um so viel geringer, je
-einfacher die Sitten, je thätiger oder geschäftiger, oder rauher die
-Lebensart ist. Wenn unter uns eine so große Anzahl von Kindern stirbt,
-so muß man nicht nur die üble Beschaffenheit der Aeltern, und den
-Einfluß auf jener ihre Gesundheit, als wodurch sie unfähig werden,
-den Veränderungen, die während der Entwicklung des Körpers in ihnen
-vorgehen, zu widerstehen, anklagen; sondern man muß auch die üble
-Beschaffenheit der ersten Kindheit, wo man fast allzeit das Gegentheil
-von dem thut, was die Natur haben will, dazu rechnen: wo hingegen der
-bloße Instinct alle anderen Thiere mit weit größerer Gewißheit ihres
-Davonkommens auferziehen hilft.
-
-[2] _Nec Virgines festinantur. Eadem juventa: similis proceritas:
-pares, validique miscentur, ac robora parentum liberi referunt. Tacit.
-C. 20._
-
-[3] +Plato+ von den Gesetzen B. 5 +Iselin+ Geschichte der Menschheit B.
-1 S. 51 _+Machiavel+ Discours politiques L. 1. Chap. 1._
-
-[4] Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit von +Herder+
-2ter Th. S. 6.
-
-[5] Am angef. Orte S. 29.
-
-[6] Am angef. Orte S. 55.
-
-[7] Nachrichten von Kalifornien. Mannheim 1773.
-
-[8] _+Zimmermann+ Specimen Zoologiae geographicae quadrupedum domicilia
-et emigrationes sistens. L. B. 1777, C. 1, §. 2._
-
-[9] Bemerkungen über die natürlichen und geimpften Blattern etc. 2te
-Auflage S. 435.
-
-[10] _Il faut, que le corps ait de la vigueur pour obeïr à l'ame: un
-bon serviteur doit être robuste. Je sais, que l'intemperance excite les
-passions: elle extenue aussi le corps à la longue; les macerations, les
-jeûnes produisent souvent le même effet par une cause opposée. Plus
-le corps est faible, plus il commande. Toutes les passions sensuelles
-logent dans des corps effeminés: ils s'en irritent d'autant plus,
-qu'ils peuvent moins les satisfaire. +Emile+ Tom. 1. p. 62._
-
-[11] _Traité de la Conversation des Enfants, Tome III. p. 57._
-
-[12] Anfangsgründe der practischen Arzneikunst 4ter Band, 2te Ausgabe,
-Leipz. 1789.
-
-[13] +Marcard+ sagt mit Recht, daß bey dem unbedingten Gebrauche der
-kalten Bäder einige Kinder gesund und stark werden, und bleiben,
-beweißt nichts mehr, als es beweißt: daß auch sehr viele Kinder bey
-andern großen Fehlern in ihrer physischen Erziehung gesund sind, und
-stark werden. Ueber die Natur und den Gebrauch der Bäder. Hanover 1793.
-S. 423.
-
-[14] _Essai sur la Santé, et sur l'Education medicinale des filles
-destinées au mariage. Iverdon 1776._
-
-[15] _Education medicinale des Enfans._
-
-[16] _Essai de perfectionner l'espece humaine._
-
-[17] _De Sanitate tuenda Lib. 1 Cap. 7._
-
-[18] _+Bermingham+ Manière de bien nourir et soigner les Enfans
-nouveaux-nés. Paris 1750. „Quelle obligation une mère veut elle, que
-les enfans lui aient, pour les avoir conçus et mis au monde? elle a
-fait l'un pour son plaisir, elle a fait l'autre par nécessité: mais
-qu'elle les eut allaités, ce seroit un bienfait de son choix, dont ils
-pourroient et devroient lui tenir compte.“_
-
-[19] Morgenländische Reisen S. 65.
-
-[20] Reisen durch verschiedene Provinzen des russischen Reichs. 1ter
-Theil.
-
-[21] _Loc. cit. C. XX._
-
-[22] _Practical remarks on the various diseases of pregnant, and
-lyingin Women._ S. 225.
-
-[23] Abhandlung von Krebsschäden.
-
-[24] _Ballexerde l. c. l. Dissert. sur l'éducat. phys. des enfans. p:
-37._
-
-[25] Sieh Graunt's Berechnung in den Anmerkungen der Todtenzettel der
-Stadt London. Wargentin setzt nach gesammelten Berechnungen an mehrern
-Orten beinahe als eine gewisse Regel fest, daß ein Viertel von Gebornen
-in dem ersten Jahre sterbe, s. die _Act. Suec._, und die _Comment. de
-rebus in scient. et med. gest. Vol. VI. p. 202_. in den physikalischen
-ökonomischen Auszügen B. 2. S. 303. und B. 4. S. 653. bemerkt man: daß
-in den zwei ersten Jahren mehr, als ein Drittel von Gebornen das Leben
-einbüße.
-
-[26] Süßmilch göttl. Ordnung. 1. Theil S. 514.
-
-[27] _Vandermonde Essai de perfectionner l'espèce humaine. Comment. de
-reb. in senat. et med. gest. Vol. VI. p. 451. Lüder. de Educ. §. 10.
-Brouzet Education medicin. des Enfans_, in der Vorrede S. 41.
-
-[28] Vermuthlich dachte Herr Brouzet nicht daran, daß Grönland,
-Sibirien etc., wo die Kinder mit Kühmilch ernährt werden, sehr arm an
-Einwohnern sind.
-
-[29] Bergius Versuche mit der Frauenmilch in den schwed. Abhandlungen
-B. 34. S. 40. Crells neueste Entdeckungen, B. I. S. 57. _Spielmann
-Diss. de opt. inf. rec. nat. aliment. Voltelen obs. chemico med. de
-lacte humano, ejusque cum asino et ovillo comparatio. Traject. ad
-Rhen. 1775._ Samml. Ferris über die Milch -- aus dem Englischen von O.
-Michelis. Leipz. 1784. Macquer's chemisches Wörterbuch mit Zusätzen
-von Leonhardi. Zweite Ausgab. 4. Th. Art. Milch. Parmentier und Deyeux
-vergleichende Untersuchung der Frauen- Küh- Ziegen- Eselinnen- Schaaf-
-und Stuttenmilch in den _Mémoires de la Société de med. à Paris, pour
-1787 et 1788_, und in Crell's chemischen Annal. 1793. 3tes St. S. 272.
-4tes St. S. 359. 5tes St. S. 440. Meine eigne Analise der Weibermilch
-in Wolfs _Diss. de metast. lactea. Bonnae 1796_.
-
-[30] Der Arzt, Wochenschrift, B. I.
-
-[31] _Principles of Midwifery or puerperal medicine 3d. edit. enlarged,
-and illustrated with engraving. London 1786._
-
-[32] Frank's Abhandlung über eine gesunde Kinder-Erziehung. S. 28.
-
-[33] Ballexerde: _Une nourrice doit habiter un lieu, ou l'on respire un
-bon air, un pays des plaines, ou de petites monticules, une maison un
-peu haute, que le soleil éclaire dès le matin, et surtout éloignée des
-marais et de toutes exhalations putrides._ (Wie übertrieben, und wie
-sehr gegen alle Erfahrung!)
-
-[34] Roseen von Rosenstein Anweisung zur Kenntniß und Kur der
-Kinderkrankheiten aus dem Schwed. von Murray.
-
-[35] _Les regles_ (sagt Levret) _arrivent plus souvent aux nourrices,
-qui nourrissent sur lieu, qu'à celles qui nourrissent chez elles, par
-la raison, qui étant mieux nourries, plus soignées, et faisant moins
-d'exercice, les sucs viennent suraboudans, aussi deviennent -- elles
-ordinairement plus grasses, qu'elles ne l'étoient auparavant, en sorte
-qu'on peut dire, que les regles, qui surviennent alors sans rien
-changer aux fonctions animales, sont une espèce de crise salutaire, qui
-survient spontanement pour eviter des accidens, que la plenitude des
-vaisseaux sanguins pourrelt occasionner._
-
-[36] _Van Swieten Comment. Tom. IV. p. 674._
-
-[37] Tode medizinisch-chirurgische Bibliothek, B. I, 3 St.
-
-[38] _Act. Acad. Chirurg. T. I. p. 105. Haller Element. physiol. Tom.
-II. p. 88. Huxham de febribus p. 82._
-
-[39] Am angef. Orte 5te Auflage S. II Dieselbe Meinung ist vertheidigt
-in dem _Systeme physique et morale de la femme_.
-
-[40] _L. c. p. 674._
-
-[41] _De natura lactis p. 102._
-
-[42] Göttl. Ordn. _V. c. §, 95. 253._
-
-[43] Beobachtungen über die epidemische Krankheiten, S. 72.
-
-[44] Krünitz ökonomische Encyklopädie. Th. 2. S. 386. Th. II. S. 338.
-Frank Med. Poliz. B 2. S. 209.
-
-[45] Mediz. praktisches Handbuch der Frauenzimmer-Krankheiten. B. 1, S.
-32.
-
-[46] _Mem. of the medical Society of London. Vol. 1. 1787._
-
-[47] Frank Abhandlung über eine gesunde Kinder-Erziehung. S. 73.
-
-[48] _„On dit, que plusieurs sages-femmes prétendent en pétrissant la
-tête des enfans nouveaux-nés, lui donner une forme plus convenable:
-et on le souffre! Nos têtes seroient mal de la façon de l'Auteur de
-notre être: il nous les faut façonnés au dehors par les sages femmes,
-et au dedans par les philosophes! Les Caraibes sont de la moitié plus
-heureux, que nous.“ J. J. Rousseau Emile. Tom. 1. p. 22._
-
-[49] Teutscher Merkur, März 1785.
-
-[50] Am angeführten Orte S. 457.
-
-[51] Zimmermann von der Erfahrung in der Arzneikunst. S. 329.
-
-[52] _Backers Chronicle, p. 8. 53._
-
-[53] _Philosophical transactions. Tom. III._
-
-[54] _Opera Tom. II._
-
-[55] Ballexerde leitet das beengte Athemholen, welches oft das ganze
-Leben zurückbleibt, von der durch die Kohlen verdorbenen Luft her.
-
-[56] Teutscher Merkur, a. a. O. „Von hundert Menschen haben neun und
-fünfzig die Venusseuche wenigstens einmal gehabt.“
-
-[57] _Meth. med. Lib. VIII. c. 7._
-
-[58] Versuch einer Geschichte des Lichtes in Rücksicht seines
-Einflusses auf die gesammte Natur, und auf den menschlichen Körper,
-außer dem Gesichte besonders. Von +Ebermayer+. Ueber die Wirkungen des
-Lichts auf den lebenden menschlichen Körper, mit Ausnahme des Sehens.
-Von +Horn+.
-
-[59] _+Séances des écoles normales, Tom. 2. Paris+: l'An. 3. p. 192.
-„la lumière exerce aussi son influence sur les animaux; elle brunit la
-peau de l'homme; car celui qui exerce à l'abri de la lumière un art,
-qui exige une grande chaleur, n'éprouve pas la même alteration dans le
-teint, que celui, qui est exposé au soleil. L'insolation est peut être
-l'une des causes, qui contribuent à donner de la rigueur aux organes de
-la jeunesse étiolée, que la mollesse a cherché à garantir du soleil.“_
-
-[60] _„Quand il commence à se fortifier, laissez le ramper par la
-chambre, laissez lui developper ses petits membres, vous le verrez se
-renforcer de jour en jour.“ J. J. +Rousseau Emil. tom+. 1. p. 86._
-
-[61] _Hist. nat. tom. IV. p. 191._
-
-[62] Allgemeine Historie der Reisen. 12ter B.
-
-[63] Die Gewohnheit der Bewohnerinnen des kleinen Dorfes Mosca Lucia
-am Fuße des Aetna, ihre Kinder nur aus einer Brust zu stillen, und die
-andre austrocknen zu lassen, ist lächerlich. Sie glauben, daß dadurch
-ihre Milch an Güte gewinne, und den Kindern zuträglicher sey. S.
-+Bartels+ Briefe über Kalabrien und Sizilien, 2ter Th. S. 338. (Warum
-hätte denn die Natur unsren Weibern zwei Brüste gegeben?)
-
-[64] Neueste Annalen der französischen Arzneikunde, und
-Wundarzneikunst, von Hufeland, B. I. S. 397.
-
-[65] _Recherches sur les vegetaux nourissans par +Parmentier+._
-+Chaptal's+ Anfangsgründe der Chemie. 3ter Th. S. 99
-
-[66] Zimmermann a. a. O. S. 442.
-
-[67] Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit, von Herder.
-2ter Th. S. 29.
-
-[68] _Recherches philosophiques sur les Americains, par Mr. de P***
-Tom. I._
-
-[69] Unzer a. a. D. Th. I. S. 398.
-
-[70] _The natural method of Curing the diseases of the body, and the
-disorders of the mind depending on the body by +Cheyne+, Lond. 1742. p.
-11. p. 81. §. 4._
-
-[71] _Element. tom. 2._
-
-[72] _Ita namque ad animi quoque affectus nonnihil lucri faciet, ipsa
-nimirum recta victus ratione, mores quoque probos reddente. Galenus de
-sanitate tuenda. Lib. 1. cap. 7._
-
-[73] _Aph. S. 2 A. 39._
-
-[74] +Unzer's+ Arzt, Hamb. 1769. Th. I. S. 397. _+Dalrymple+_ im
-_Oriental repertory published at the charge of the East-india Comp.
-Lond. 1791. nr. 5_. Göttingisches Magazin von +Meiners+ und +Spittler+.
-B. _VI_. Göttingen 1789. S. 356.
-
-[75] Unzer a. a. O. Th. I. S. 396.
-
-[76] _Vide, quantum rerum per unam gulam transiturarum permisceat
-luxuria, terrarum, marisque vastatrix. -- Dii boni, quantum hominum
-pistorum, coquorumque unus venter exercet! +Sen.+ Epist. 95._ (Wie sehr
-paßt das nicht auch auf unsre Zeiten!)
-
-[77] Ueber die Gesundheit des Menschen. Göttingen 1793. S. 49.
-
-[78] _Locke de l'éducation des enfans; traduit de l'anglois par Mr.
-Coste. Amsterdam 1730. „Il n'y a rien, qui soit d'une plus dangereuse
-consequence et pour le corps et pour l'esprit, que de laisser
-accoutumer les enfans aux liqueurs fortes.“_
-
-[79] Am angef. Ort. S. 102.
-
-[80] Warum sagt +Montaigne+ (_Essais Liv. 1._) „sollten unsre Decken
-nicht hinreichen, gleich andern erschaffenen Wesen, auch uns zu
-schützen?“ (So viel ich weiß -- ist diese Frage noch nicht beantwortet
-worden.)
-
-[81] +Camper's+ kleine Schriften über die Arznei, und Wundarznei-Kunst,
-und fürnemlich die Naturgeschichte betreffend, I. B. 2 St. S. 123.
-
-+Rougemont+, Etwas über Kleidertracht, in wiefern sie einen
-nachtheiligen Einfluß auf die Gesundheit hat etc. S. 21.
-
-[82] „_Licurgue avoit sans donte observé, que l'homme ne s'est convert,
-qu'après s'être cor rompû: que ses vetêments se sont multipliés à
-proportion de ses vices; que les beautés, qui le seduisent, perdent
-souvent leurs attraits à force de se montrer; et qu'enfin les regards
-ne souillent, que les ames déja souillées._“ -- _+Voyage du jeune
-Anacharsis. Tom.+ IV. p. 216_
-
-[83] +Sömmering+. Ueber die körperliche Verschiedenheit des Negers vom
-Europäer. S. 31.
-
-[84] _De bello gallico. L. VI. c. 21._
-
-[85] _+Tacitus+ l. c. C. 17._
-
-[86] G. +Forster's+ Neu-Holland, und die brittische Kolonie in
-Botany-Bay in +Sprengel's+ allg. hist. Taschenb. für 1787. etc. S. 49.
-
-[87] _„Heureux si on ne l'a pas serrè au point de l'empecher de
-respirer, et si on a eu la précaution de le coucher sur le coté, afin
-que les eaux, qu'il doit rendre par la bouche, puissent tomber d'elles
-mêmes. Car il n'auroit pas la liberté de tourner la tête sur le coté
-pour en faciliter l'écoulement.“ +Buffon+ Hist. nat. Tom. IV. p. 190._
-
-[88] _+Buffon+ l. c._
-
-[89] _Au moment, que l'enfant respire en sortant de ses enveloppes,
-ne souffrez pas, qu'on lui en donne des autres, qui le tiennent plus
-à l'étroit. Point de têtieres, point de bandes, point de maillot; des
-langes flottans et larges qui laissent tous ses membres en liberté. --
-+J. J. Rousseau Emile Tom.+ I._
-
-[90] +Schrebers+ neue Cameratschaften, 5ter Theil. S. 304. Halle 1755.
-
-[91] _-- -- Nudae (quoad) brachia, ac lacertos, sed et proxima pars
-pectoris patet. +Tacit.+ Cap. 17. Suetonii Jul. Caesar. Lugdun. 1645.
-p. 45._
-
-[92] _Herodotus L. III. Thalia pag. 79. Colon. 1537._
-
-[93] Die Wärterinnen bei den Römern bedeckten den kleinen Kindern die
-Köpfe, wenn sie im Mondschein gingen, damit nicht das Mondlicht in
-ihren ohnedies mit Feuchtigkeiten angefüllten Köpfen noch mehr Nässe
-entwickelte. _Macrobius Satyr. 2. lib. VII. Cap. XVI._ Nudov. vom
-Schlafe. S. 211.
-
-[94] +Faust+. Wie der Geschlechtstrieb der Menschen in Ordnung zu
-bringen, und wie die Menschen besser und glücklicher zu machen.
-
-[95] Deutsche Monatsschrift 1793. April S. 313.
-
-[96] _Mémoires de l'Academie royale des sciences de Berlin 1777. p. 32._
-
-_Histoire, et Mémoires de la Société de Médecine tom. X. p. 54._
-
-Göttingisches Taschenbuch zum Nutzen und Vergnügen für das Jahr 1793.
-S. 122.
-
-_Surgical, and Physiological Essays by John Abernethy. P. II. Lond.
-1793._
-
-[97] _Fourcroy Sistême des connoissances chimiques, tome IX. p. 203._
-
-[98] _Annales de Chimie, N^o. 133. p. 73._
-
-[99] _Jusqu'à l'âge nubile les enfans des deux sexes n'ont rien
-d'apparent; qui les distingue; même figure, même teint, même voix, tout
-est égal: les filles sont des enfans, les garçons sont des enfans: le
-même nom suffit à des êtres si semblables. +J. J. Rousseau Emile, tom.+
-2._
-
-[100] A. a. O. S. 429.
-
-[101] „-- Mir hingegen ist der Schock des kalten Wassers im Ganzen
-immer zu heftig vorgekommen, und ich habe es für meinen Körper weit
-angenehmer gefunden, in einem andern Elemente, ich meine in kalter Luft
-zu baden. In dieser Absicht stehe ich fast jeden Morgen früh auf, und
-setze mich ohne alle Bekleidung, je nachdem die Jahrszeit ist, eine
-halbe Stunde oder Stunde in mein Zimmer, wobei ich lese oder schreibe.
-Dies Verfahren ist nicht im geringsten unangenehm, im Gegentheil für
-das Gefühl höchst behaglich, und wenn ich mich hernach, wie bisweilen
-geschieht, wieder zu Bette lege, ehe ich mich ankleide, so mache ich
-zu meiner Nachtruhe noch eine Zugabe von zwei oder drei Stunden des
-süßesten Schlafes, den man sich denken kann.“ +Franklin's+ kleine
-Schriften, 2ter Th. S. 101.
-
-[102] Anhang einiger Betrachtungen über Jos. Macfarlans Untersuchungen
-über die Armuth. S. 190.
-
-[103] Frank. med. Poliz. B. 2. S. 214.
-
-[104] Von der Erfahrung.
-
-[105] _+Chalmers+ an Account of the Weather, and Diseases of
-South-Carolina. Lond. 1791._
-
-[106] _An Inquiry into the Causes, and Effects of the Variolae
-Vaccinae, a Disease discovered in some of the western counties of
-England, particularly Gloucestershire, and known by the Name of the
-Cow-pox. by Ed. +Jenner+. Lond. 1798._
-
-[107] Geschichte der Vaccine und ihrer Impfung, als des sichersten
-Mittels die Kinderblattern weiter auszurotten, zur Belehrung der
-gebildeten Stände, von +J. J. Günther+. Köln 1802.
-
-[108] de Luc sagt von den Einwohnern in der Gegend um Unterseen:
-„Dieses Volk hier ist zuverlässig eben so glücklich, als es schön ist.
-Und das ist viel gesagt: denn diese Nation ist eine von den schönsten
-unter der Sonne. -- Die Kinder dieser guten Leute, die sich hie und da
-in verschiedenen Haufen nach ihrem Alter versammelten, verkündigten
-ihre Gesundheit und ihr Vergnügen durch die Lustigkeit ihrer Spiele.
-Niemals hört man sie weinen, sie wälzen sich auf dem Wasen neben ihren
-Müttern herum, und man gibt sich nicht viel Mühe um sie, als man um die
-kleinen Bären thut.“ +S. physisch-moralische Briefe über die Berge, und
-die Geschichte der Erde und des Menschen etc. 4ter Brief.+
-
-[109] _Vous êtes allarmé de le voir consumer ses premières années à ne
-rien faire! Comment! n'est ce rien, que d'être heureux? n'est ce rien,
-que de sauter, jouer, courir tonte la journée? de sa vie il ne sera
-occupé. +J. J. Rousseau Emile tom.+ 1. p. 254._
-
-[110] Die Chinesen, dies sonderbare Volk, von dem wir manches lernen
-könnten, macht seine Kinder (die Knaben) erst im sechsten Jahre mit den
-gewöhnlichsten Zahlen bekannt, und mit den Namen der vorzüglichsten
-Welttheile. Im achten werden sie in den Regeln der Höflichkeit
-unterrichtet. Der Kalender wird ihr Studium im neunten Jahre, und im
-zehenten -- werden sie in eine öffentliche Schule geschickt, wo sie
-lesen, schreiben, und rechnen lernen.
-
-+Magazin der neuesten vorzüglichsten Reisebeschreibungen, aus fremden
-Sprachen übersetzt von J. C. Fick. 1ter Th. 2tes Bändch+. S. 168.
-
-[111] _+Buffon+ Hist. nat. Tom. VI. p. 22._
-
-[112] Frank Sistem der mediz. Polizei. B. 2.
-
-[113] _Dominum ac servum nullis educationis deliciis dignoscas. Inter
-eadem pecora, in eadem humo degunt; donec aetas separet ingenuos,
-virtus agnoscat. +Tacit.+ c. 20._
-
-[114] In China ist jedes Vergnügen, das die Trägheit befördert und
-begünstigt, der Jugend gänzlich verboten. S. Magazin der neuesten
-vorzüglichsten Reisebeschreib. a. a. O. S. 45.
-
-[115] _An historical journal of the transactions at port Jackson, and
-Norfolk Island etc. By +John Hunter+ Esq. Lond. 1793. p. 203._
-
-[116] Von +Heß+ freimüthige Gedanken über Staatssachen. _Dictionaire
-Encycloped. verb. +exposition d'enfant+._
-
-[117] _Count +Rumford's+ Experimental Essays, political, ecomical, and
-philosophical. London 1796._
-
-[118] _Un Célibataire est un être, qui n'est pas achêvé c'est un seul
-tome d'un ouvrage en deux Volumes, qui vaut moins, que la moitié de
-l'ouvrage; c'est une seule lame d'une paire de Ciseaux, dont on ne tire
-aucune utilité, et qui peut faire beaucoup de mal. +Franclin+ dans une
-lettre au +John Alleyne+ Esq. N^o. 26. de la Décade philosoph. p. 485._
-
-[119] +Osiander+ Beobachtungen, Abhandlungen und Nachrichten,
-Krankheiten der Frauenzimmer und Kinder betreffend. Tübingen 1787. S.
-264.
-
-Abhandlung über die Krankheiten der Kinder, und über die physische
-Erziehung derselben, von Girtanner. S. 223.
-
-[120] _Deux tiers au moins succombent dans le premier mois, et dans
-ces deux tiers, trois cinquièmes avant d'être donnés aux nourrices.
-+Liancourt+ rapport à l'assemblée nationale. p. 21._
-
-[121] Frank M. Poliz. B. 2. S. 451.
-
-[122] Götting. gelehrte Anzeigen 1779. Zugabe S. 499.
-
-[123] _Philosoph. transactions. Tom. 2._
-
-[124] Crell's chemische Annal. 1794. B. 1. S. 51.
-
-[125] Meine Abhandl.: Etwas über die Rumford'schen Suppen. 3te Aufl.
-Köln 1803. Bei Haas und Sohn.
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Versuch über die physische Erziehun
- der Kinder, by Ferdinand Wurzer
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSUCH ÜBER DIE PHYSISCHE ***
-
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