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-The Project Gutenberg EBook of Technik der Bronzeplastik, by Hermann Lüer
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-
-
-
-Title: Technik der Bronzeplastik
-
-Author: Hermann Lüer
-
-Release Date: November 5, 2016 [EBook #53451]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK TECHNIK DER BRONZEPLASTIK ***
-
-
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-
-Produced by Peter Becker, Jens Nordmann and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-file was produced from images generously made available
-by The Internet Archive)
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- MONOGRAPHIEN DES KUNSTGEWERBES
-
- HERAUSGEGEBEN VON
-
- JEAN LOUIS SPONSEL
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- IV.
-
- TECHNIK DER BRONZEPLASTIK
-
- VON
-
- HERMANN LÜER
-
- MIT 144 ABBILDUNGEN
-
-
- DRITTES TAUSEND
-
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-
- VERLAG VON HERMANN SEEMANN NACHFOLGER IN LEIPZIG
- Alle Rechte vom Verleger vorbehalten.
-
- Gedruckt bei E. Haberland in Leipzig-R.
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- Einführung.
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-
-Auch bei den grössten Erzgusswerken fragt heute niemand mehr darnach, wer
-es verstand, den in leicht vergänglichen Stoffen ausgeführten Modellen im
-widerspenstigen Metalle ewige Dauer und damit erst den rechten Wert zu
-verleihen. Nur des Meisters Namen kennt man, der im bildsamen Thon oder
-Wachs das Vorbild schuf.
-
-Die öffentliche Meinung hat sich in diesem Punkte sehr geändert. Noch im
-Jahre 1766 schrieb man die folgenden bezeichnenden Worte[1]: »Das Modell
-wird bloss von Wachs poussiret, und obwohl es an sich künstlich seyn kan,
-so gehöret es doch für den Bildhauer, davon jeder im stande ist, eines zu
-machen, nicht aber für den Giesser, davon sich nicht ein jeder, am
-wenigsten in Frankreich, an ein Riesenmässiges Bild wagen wird.«
-
- [1] Schaupl. der Natur. Frankf. u. Leipzig 1766, Bd. VII.
-
-Diese Aeusserung ist weder richtig, soweit sie Frankreich anbetrifft,
-noch zeugt sie von hohem künstlerischen Sinne, doch als ein Dokument für
-die Anschauungsweise jener Zeit ist sie von hoher Bedeutung. Wir können
-es kaum verstehen, wie es möglich war, dass der Name des Bildhauers, der
-das Modell schuf zu dem gewaltigen Reiterbild des Grossen Kurfürsten in
-Berlin, lange Zeit vergessen war, während der Name des Giessmeisters, dem
-es gelungen war, das Denkmal in Erz zu giessen, in aller Munde war. Wir
-begreifen es nicht, wie man den grossen Bildner fast leer ausgehen, dem
-Erzgiesser goldene Ehrenketten verleihen und sein Bild von Staats wegen
-in Kupfer stechen lassen konnte.
-
-Schwer mag es sein, in solchen Fragen völlig gerecht zu urteilen, unser
-freier Blick ist gar zu leicht beengt; über die Schranken, die uns unsere
-Zeit gezogen, vermögen wir nicht hinwegzusehen. Doch solche Erfahrungen
-geben zu denken; auch das völlige Nichtbeachten eines hervorragenden
-handwerklichen Könnens ist ungerechtfertigt. Die schwierigsten
-technischen Aufgaben werden heute spielend gelöst, man würdigt sie nicht
-mehr. Wir leiden unter einem Specialistentum, und mehr als ein enges uns
-zugewiesenes Gebiet des Könnens und Wissens vermögen wir kaum noch zu
-begreifen und zu beurteilen. Noch vor wenigen Jahrhunderten war das
-anders, gerade auch auf dem Gebiete der Kunst; der Künstler war in
-höherem Masse wie heutzutage auch Handwerker und der Handwerker mehr
-Künstler. Und für das Gebiet der hier zu betrachtenden Metallplastik
-lässt sich zum wenigsten bis ins 17. Jahrhundert nachweisen, dass zumeist
-die erfindenden Meister auch die Ausführung ihrer Werke in Bronzeguss
-technisch leiteten. Ein ungerecht einseitiges Urteil über solche
-Schöpfungen war schon aus dem Grunde in früheren Jahrhunderten kaum
-möglich.
-
-Um der altehrwürdigen Kunstgiesserei wieder zu dem Ansehen zu verhelfen,
-das ihr zweifellos gebührt, möge sie in ihrer technischen Entwicklung, so
-weit sie zurückzuverfolgen ist, mit bevorzugter Berücksichtigung der
-letzten Jahrhunderte, ein wenig eingehender behandelt werden.
-
-Nur wie bei der Herstellung der bedeutsamsten, d. h. besonders bei den
-durch ihre Grösse und die Art ihrer Aufstellung bekanntesten Werken in
-den verschiedenen Zeiten verfahren wurde, soll in der vorliegenden
-Schrift zu zeigen versucht werden. Das fast ausschliesslich zu
-berücksichtigende Metall sollen das Kupfer und seine als Erz oder Bronze
-bezeichneten Mischungen sein.
-
-Die Eigenschaft der Metalle, in giessbar flüssigem Zustande in Formen
-gefüllt werden zu können, und in deren Höhlungen zu erstarren, ist für
-die Plastik von weit grösserer Wichtigkeit als die Dehnbarkeit, die es
-erlaubt, auch mittels Hämmer und anderer Werkzeuge das Metall in kaltem
-Zustande in gewünschte Formen zu bringen. Die Formung durch den Guss wird
-den weitesten Raum in dieser Schrift einnehmen müssen.
-
-Ohne Zusatz anderer Metalle, unlegiert, ist das Kupfer zum Giessen wenig
-brauchbar, in um so höherem Masse aber geeignet, durch Hämmer bearbeitet
-zu werden. Vorzüglich giessbar wird das Kupfer dann, wenn man es mischt
-mit Zinn, Zink, Blei und anderen, bisweilen in geringeren Mengen
-beigefügten Metallen. Die Mischungsverhältnisse bei der Bronze für den
-Bildguss waren zu allen Zeiten sehr schwankend. Die antiken Bronzen
-enthalten Zink fast gar nicht, durchgehends aber einen starken Zinnzusatz
-und nicht selten grössere Beimengungen von Blei. Die Bronzen der neueren
-Zeit enthalten sehr wenig Blei, bisweilen auch wenig Zinn, dagegen ist
-der Zinkgehalt oft sehr hoch.
-
-Der Guss einfachster und kleiner Gegenstände erfordert nur geringe
-Vorbereitungen: einen einfachen Ofen, ein Schmelzgefäss und die Form. Am
-meisten von Interesse ist die Form.
-
-Die einfachste Form für einen massiven Gegenstand erhält man, wenn man
-eine Vertiefung in der Gestalt des gewünschten Gussstückes in einen
-festen feuerbeständigen Stoff, z. B. in Stein gräbt. Wenn das Gussstück
-nicht auf der einen Seite eben ist, muss die Form aus zwei Teilen
-bestehen, die genau auf einander passen, und die beiderseitigen
-Erhöhungen des Gussstückes in zweckmässiger Verteilung vertieft
-enthalten. Durch eine Oeffnung kann dann das flüssige Metall eingefüllt
-werden.
-
-Müheloser herstellbar ist eine Form in Sand. In geeignetem, nicht zu
-lockeren Sande kann die Form durch Abdruck eines vorhandenen Modelles
-gewonnen werden. Um einen scharfen Abdruck zu erhalten, muss der Sand
-zunächst festgestampft werden; man füllt ihn deshalb z. B. in einen
-Kasten. Einerseits ebene Gussstücke können dann ohne weiteres in der im
-Sande eingedrückten offenen Vertiefung gegossen werden (sogenannter
-Herdguss). Bei jedem nicht einerseits flachen Gegenstande muss eine
-Teilform hergestellt werden. Soll z. B. eine Kugel gegossen werden, dann
-drückt man das Modell zunächst zur Hälfte in den Sand des Formkastens
-ein, setzt dann einen gleichen oben offenen Formkasten (Rahmen) darüber,
-der mittels Zapfen oder dergleichen seine Lage behält, füllt auch ihn mit
-Sand und stampft diesen über dem oberen Teile des Modells fest. Da man
-vorher die Oberfläche des Sandes im unteren Kasten mit Holzkohlenstaub
-eingepudert hatte, kann man nun den oberen Kasten mitsamt dem Sande, der
-sich darin hält, abheben. Dann kann man das Modell entfernen und von der
-Formhöhlung aus in dem Sande eine Rinne zu einem Einschnitte in der
-Kastenwandung ausheben. Nachdem man darauf die beiden Kästen wieder
-aufeinandergelegt und sie durch irgendwelche Vorkehrungen fest aneinander
-gepresst hat, kann man das Metall hineingiessen.
-
-Schon aus Ersparnisrücksichten ist es aber im allgemeinen geboten, die
-Gussstücke hohl herzustellen, zu dem Zwecke bringt man in die Hohlform
-einen »Kern«. Dieser Kern muss die Form des Modells haben, aber um so
-viel kleiner als dieses sein, wie die gewünschte Metallstärke betragen
-soll. Der Kern muss unverrückbar in der Form befestigt werden, man kann
-z. B. Metallstäbchen hindurchschieben, die zwischen den Teilflächen der
-Form gehalten werden. Der Kern wird dann von dem Metall umschlossen,
-nötigenfalls kann er durch ein später in die Metallwandung gebohrtes Loch
-herausgekratzt werden.
-
-Der Formkasten kann erspart werden, wenn statt des Sandes Lehm verwendet
-wird, der im Feuer hart zu brennen ist. Man verfährt im übrigen ähnlich
-wie vorher. Das Modell wird zuerst auf der einen Seite mit Lehm
-umkleidet, und dieser Formteil getrocknet, dann wird mit der anderen
-Seite gleichartig verfahren. Wenn die Formhälften gut aufeinander gepasst
-und mit Lagemarken versehen sind, die ein richtiges Zusammensetzen
-ermöglichen, werden, nachdem das Modell herausgenommen ist, beide Teile
-gebrannt. Durch eine vorher eingeschnittene Rinne kann das Metall
-eingefüllt werden. Der Kern für einen Hohlguss kann in derselben Weise
-wie vorher hergestellt werden.
-
-Schliesslich ist noch ein Formverfahren dem Princip nach hier zu
-besprechen, das in der Geschichte des Kunstgusses die bei weitem
-wichtigste Stellung einnimmt, das sogenannte Wachsausschmelzverfahren.
-
-Eine ganz beliebig geformte Wachsmasse kann mit Lehm umgeben werden, in
-dem eine Oeffnung hergestellt ist. Wird dann diese, das Wachs
-einschliessende Lehmmasse getrocknet und weiter erwärmt, so wird das
-Wachs aus der Oeffnung ausfliessen und ein Hohlraum entstehen, der genau
-die Form der Wachsmasse aufweist. In die so hergestellte, schliesslich
-noch hart gebrannte Form kann flüssiges Metall gegossen werden. Wird nach
-dem Erkalten des Metalles der Lehmmantel zerschlagen, dann erhält man
-einen Metallkörper genau von der Form, die vorher das Wachs zeigte.
-
-Dieses mannigfach zu variierende Princip: beliebig geformte, durch Guss
-herzustellende Metallgegenstände in Wachs vorzubilden und eine völlig
-geschlossene, d. h. ungeteilte, nahtlose Form darüber zu nehmen, hat man
-bereits vor Jahrtausenden zu benutzen gewusst.
-
-Wie die hier aufgeführten Formverfahren bei bestimmten künstlerischen
-Aufgaben in verschiedenen Zeiten angewendet sind und welche Vorkehrungen
-bei grossen und kompliciert gestalteten Modellen getroffen worden sind,
-wird später eingehend zu erörtern sein.
-
-Weit weniger umständliche Vorbereitungen erfordert die Formung der
-Metalle auf kaltem Wege durch »Treiben«. Die Bronze kommt dafür nicht in
-Frage, sie ist zu spröde; in erster Linie ist das Kupfer und zwar in
-möglichster Reinheit, daneben auch Gold und Silber von Wichtigkeit.
-
-Die Treibtechnik beruht darauf, dass eine Metallplatte sich an Stellen,
-die durch Hämmer oder andere Werkzeuge verdünnt worden sind, aufbeult,
-weil eben jede Verdünnung eine Ausdehnung zur Folge hat. Durch geeignete
-Anwendung der Werkzeuge können nun diese Beulen in eine gewünschte
-Richtung geleitet und durch geringere oder stärkere Bearbeitung in der
-nötigen Höhe oder Tiefe nach aussen oder innen getrieben werden. Ueber
-Einzelheiten wird später zu reden sein.
-
-Die wichtigsten Werkzeuge bei der Treibarbeit sind Hämmer aus Holz und
-Metall mit ebenen und runden Flächen in verschiedenen Grössen. Da das
-Metall durch die Bearbeitung dicht und spröde wird, ist ein Ofen
-notwendig, in dem nach Bedarf die Arbeitsstücke ausgeglüht werden,
-wodurch das Metall wieder die nötige Dehnbarkeit erhält. Zur letzten
-Durcharbeitung werden kleine Meissel in den verschiedensten Formen -- die
-Punzen -- verwendet.
-
-Schliesslich wird auch die Herstellung metallplastischer Werke auf
-galvanischem Wege kurz zu besprechen sein. Die notwendigen technischen
-Angaben darüber finden sich am Schlusse des Bandes.
-
-
-
-
- I. Die Giesserwerkstatt.
-
-
-Ehe die verschiedenen Formungsverfahren in ihrer Entwicklung und
-Anwendung genauer betrachtet werden, soll über die zu allen Zeiten nur
-wenig veränderten wichtigsten Einrichtungen der Giessereiwerkstätten und
-diejenigen Arbeiten kurz voraus berichtet werden, die die Metallplastiker
-neben der Herstellung der Formen vor allem beschäftigt haben.
-
-Das wichtigste Ausstattungsstück einer Giesserei ist der =Schmelzofen=.
-
-Die Einrichtung dieses Ofens hängt besonders ab von der Grösse der Werke,
-die gegossen werden sollen. Man unterscheidet Tiegelöfen und Flammöfen.
-Dem Princip nach die älteren sind gewiss die ersteren, doch dürften auch
-die Flammöfen seit Jahrtausenden bekannt und bei umfangreichen Werken
-verwendet worden sein.
-
-Der Tiegelofen (Abb. 1) ist ein aus feuerfesten Steinen aufgemauerter
-Schacht von quadratischem oder rundem Querschnitt, der in gewisser Höhe
-durch einen Rost in einen oberen Raum für den Tiegel und die Feuerung und
-in einen unteren Raum für die durchfallende Asche geteilt wird. Der
-Feuerraum ist oben durch einen Kanal mit der Esse verbunden und durch
-einen abhebbaren Deckel verschlossen. Der Deckel wird entfernt, wenn
-Feuerungsmaterial nachgefüllt werden muss, eine verschliessbare Oeffnung
-in der Mitte des Deckels gestattet die Beobachtung des in dem Tiegel
-befindlichen Metalles, des Schmelzgutes. Der untere Raum gestattet durch
-eine weite Oeffnung das Einströmen der Luft und die Entfernung der Asche.
-
-Wenn das Metall im Tiegel geschmolzen ist, wird dieser mit Hilfe einer
-geeigneten, ihn rings umfassenden Zange herausgehoben und das flüssige
-Metall in die bereit stehende Form gefüllt.
-
-[Illustration: Abb. 1. Tiegelofen.]
-
-Bei den Flammöfen werden Tiegel nicht verwendet. Die Flammöfen bestehen
-im wesentlichen aus dem Feuerraum mit dem Aschenfall darunter und dem
-Herde, der unmittelbar für die Aufnahme des zu schmelzenden Metalles
-eingerichtet ist. In der Abbildung 2 ist a der Feuerraum, er ist durch
-einen Rost von dem Aschenfall c getrennt, und nach oben hin mit einer
-verschliessbaren Oeffnung d versehen, durch die die Beaufsichtigung des
-Feuers erfolgen und neues Feuerungsmaterial zugeführt werden kann. Die
-Sohle des Schmelzherdes b von kreisrunder Grundfläche, ist geneigt und an
-der tiefsten Stelle mit einer nach aussen führenden kleinen Oeffnung, dem
-Stichloch g, versehen, das durch einen Lehmstöpsel zu verschliessen ist.
-An der Seitenwandung befindet sich eine Thür e, durch die das Metall in
-den Herdraum gebracht werden kann. Kleinere seitliche Oeffnungen, die
-Pfeifen f, f führen die Feuergase ins Freie. Herd und Feuerraum stehen
-durch das Flammloch, den Schwalch, in Verbindung. Nachdem der Ofen nun
-angewärmt und das Metall eingeführt und in der Nähe des Flammloches
-aufgehäuft ist, wird es durch die unmittelbare Berührung der durch das
-Flammloch einströmenden Heizgase verflüssigt. Die Pfeifen sind durch
-Schieber verschliessbar und je nach Bedarf können die Gase mehr nach der
-einen oder anderen Seite gelenkt werden. Der Abgang des Metalles durch
-Oxydation ist bei dieser Schmelzung sehr bedeutend, insbesondere bei den
-Zusatzmetallen Zinn, Zink und Blei, die deshalb erst in den Ofen gebracht
-werden, nachdem das Kupfer bereits geschmolzen ist. Das flüssige Metall
-sammelt sich an der tiefsten Stelle des Herdes am Stichloch. Sobald mit
-Hilfe einer eisernen Stange aus diesem der Lehmstöpsel entfernt ist, wird
-das Metall ausströmen, und kann in einer Rinne in die bereit stehende
-Form gelenkt werden.
-
-[Illustration: Abb. 2. Flammofen.]
-
-Sind nun, wie sich später zeigen wird, Nachrichten über die Formverfahren
-der Vergangenheit, abgesehen etwa von den letzten Jahrhunderten, nur
-spärlich erhalten, so lassen uns die Schriftsteller über die Einrichtung
-der Oefen fast ganz im Stich.
-
-Ueber die Schmelzöfen des Altertums geben schriftliche Quellen keine
-Auskunft, und die erhaltenen vereinfachten bildlichen Darstellungen
-lassen die innere Einrichtung auch nicht erkennen. Man darf, wie schon
-gesagt wurde, annehmen, dass man sich bereits seit Jahrtausenden der
-Flammöfen bedient hat, denn selbst wenn man die grossartigen Gusswerke,
-von denen uns die Litteratur des Altertums berichtet, in vielen Teilen
-hergestellt hat, werden Tiegel kaum ausgereicht haben, um die Menge des
-Schmelzgutes gleichzeitig zu verflüssigen. Auch über die Art der Oefen,
-die bei den gewaltigen niederdeutschen Gusswerken des Mittelalters
-Verwendung gefunden haben, erhalten wir die erwünschte Auskunft nicht.
-Wir sind jedoch in dem glücklichen Besitze eines Kunstbuches, von dem
-jetzt mit Sicherheit feststehen dürfte, dass es zum mindesten nicht lange
-nach dem Tode des grossen Künstler-Bischofs Bernward von Hildesheim
-niedergeschrieben wurde; in diesem finden wir den besten Aufschluss über
-das kunsttechnische Können der Zeit um 1100.
-
-Die »Schedula diversarum artium«, als deren Verfasser sich der Presbyter
-Theophilus unterzeichnet, ist auch für die Form- und Giessverfahren des
-deutschen Mittelalters das unschätzbarste Dokument, das wir besitzen.
-Allein, ob die Gusswerke, über deren Herstellung sich jener deutsche
-Mönch aufs eingehendste auslässt, nur gedacht waren für bescheidenere
-Anforderungen, ob er es bei der Beschreibung des Glockengusses nicht für
-notwendig erachtete, auch davon zu sprechen, wie man das Metall für eine
-über das gewöhnliche Mass hinausgehende Glocke schmelzen sollte, er giebt
-uns nur Auskunft über die Verflüssigung der »Glockenspeise« in Tiegeln.
-Der Tiegelofen des Theophilus weicht wesentlich von dem oben
-beschriebenen ab; die Erhitzung des Metalles erfolgt von oben nach unten,
-und nicht durch die Tiegelwandung. Die Oefen des Theophilus nehmen eine
-Mittelstellung zwischen Tiegel- und Flammöfen ein. Theophilus sagt[2]:
-»... nimm einen eisernen Topf mit rundem Boden, bloss zu diesem Behufe
-eingerichtet, welcher beiderseits zwei eiserne Henkel habe, oder wenn es
-eine sehr grosse Glocke wird, zwei oder drei und beschmiere dieselben
-innen und aussen mit tüchtig gemahlenem Thon ein-, zwei- und dreimal, bis
-er fingerdick aufgetragen sei und stelle sie auf zwei Seiten gegenüber,
-dass man dazwischen gehen kann. Unter dieselbe gieb gewöhnliche Erde und
-schlage um dieselben an zwei Orten, oder wenn nötig an dreien, kleine
-Pflöcke ein, woselbst die Blasebälge angesetzt werden sollen; hier ramme
-zwei gleich breite Pflöcke kräftig ein, lasse zwischen ihnen eine
-Oeffnung dem Topfrande gegenüber, so dass der Wind durchkomme, setze in
-die einzelnen Löcher dünne und gebogene Eisen, so dass die Röhren der
-Bälge darauf fest ruhen. Dann mache mit Steinen und Thon über dem Topf
-rundumher einen Ofen, anderthalb Fuss hoch, und beschmiere ihn innen
-gleichmässig mit demselben Thon, und so bringe die brennenden Kohlen
-herbei. Hast du es mit jedem einzelnen Topfe so gemacht, so schaffe die
-Bälge samt ihren Vorrichtungen, in denen sie sicher stehen, herzu, zwei
-zu jeglicher Oeffnung, und zu jedem Blasebalge bestelle zwei kräftige
-Männer.... Nach diesem wäge alles Erz, das du besitzest, oder es seien
-vier Teile Kupfer und als fünfter Teil Zinn, und verteile für die
-einzelnen Töpfe deine Partien nach dem, was sie fassen.... Dann nimm das
-Kupfer ohne das Zinn und mische es, indem du reichlich Kohlen zugiebst;
-hast du auch reichlich glühende Kohlen beigeschafft, so mache die
-Blasbälge blasen, erst wenig, dann mehr und mehr. Sobald du eine grüne
-Flamme aufsteigen siehst, beginnt das Kupfer bereits zu schmelzen,
-alsbald legst du reichlich Kohlen zu.« Inzwischen hat sich der Giesser,
-wie Theophilus angiebt, auch noch mit der Form zu schaffen zu machen,
-schliesslich, sagt er: »rühre das Kupfer mit einem langen und dürren
-Holze, und wenn du merkst, dass es gänzlich flüssig geworden, so füge das
-Zinn hinzu, rühre wieder fleissig, damit sie sich gut mischen; nachdem
-der Ofen im Umfange zerbrochen worden, stecke zwei starke und lange
-Hölzer in die Henkel des Topfes, rufe ernste und in dieser Kunst
-erfahrene Männer zur Stelle, lasse sie ihn aufheben und mit aller
-Vorsicht zur Form tragen, dann, nachdem die Kohlen und die Asche
-hinausgeschafft sind, lege ein Seihetuch auf und lasse sie langsam
-hineingegossen werden.« Ueber manche Einzelheiten bleibt uns der
-kunstgeübte Mönch die Antwort schuldig, doch ist im ganzen die in
-Abbildung 3 gegebene Konstruktion des Ofens klar, weitere Erklärungen
-dürften kaum notwendig sein.
-
- [2] Vgl. Uebersetzung von A. Ilg in den Quellenschriften zur
- Kunstgeschichte. VII. Wien 1874. (Uebersetzung an einigen Stellen
- berichtigt.)
-
-[Illustration: Abb. 3. Rekonstruktion vom Schmelzofen des Theophilus.]
-
-Um sich die Mühe des Tragens und vielfachen Giessens zu ersparen,
-empfiehlt Theophilus: »verschaffe dir einen sehr grossen Topf, welcher
-einen flachen Boden habe, mache ihm an der Seite in diesem Boden eine
-Oeffnung und bedecke ihn innen und aussen mit Thon wie oben. Ist das
-gethan, so stelle ihn nicht weiter von der Form als fünf Fuss auf,
-schlage rings Pflöcke ein und setze das Kohlenfeuer in Stand. Sobald es
-glüht, verstopfe das Loch mit Thon, welches gegen die Form gerichtet ist,
-stelle vier Hölzer auf und mache im Umkreise die Pflöcke wie oben. Wenn
-dann das Kupfer mit den Kohlen und dem Feuer dazu gebracht ist, so wende
-die drei Reihen Bälge an und lasse kräftig blasen.« Dann wird die
-Gussrinne, in der das Metall zur Form fliessen soll, wie folgt
-beschrieben: »... habe ein trockenes so langes Holz, dass es von der
-Topföffnung bis zu der Form reiche, dessen Krümmung (Rinne) weit sei.
-Hast du diese auf allen Seiten mit Thon bedeckt, namentlich oben, so
-grabe sie ein, bis sie mit dem Erdboden gleich steht, doch beim Topfe
-etwas höher und gieb brennende Kohlen darauf (um vorzuwärmen, damit das
-Metall beim Ausfliessen nicht erstarrt). Alsbald wird das Zinn zugegeben
-und das Kupfer, wie oben mit dem gekrümmten Eisen, welches an einem Holz
-stark befestigt sei, gerührt, dann öffne das Loch, und indem die
-Beistehenden zwei Seihetücher halten (damit nicht Asche und dergleichen
-mit in die Form gelangen kann), lasse fliessen.«
-
-Von einer Ummauerung dieser zweiten Ofenart spricht der Verfasser der
-Schedula wohl als von etwas Selbstverständlichem nicht. Die Feuerung wird
-offenbar auch hier auf das zu schmelzende Metall gebracht. Der Gedanke,
-statt der eisernen Schmelzpfanne einen gemauerten überwölbten Herd zu
-verwenden, ist zu naheliegend, und obschon Theophilus davon nicht
-spricht, möchte man doch annehmen, dass auch diese Art des Flammofens mit
-daranschliessendem Feuerraum im Mittelalter bekannt gewesen ist.
-
-Ueber die Bronzeschmelzöfen des 16. Jahrhunderts sind wir sehr genau
-unterrichtet. Biringuccio giebt in seiner im Jahre 1540 erschienenen
-»Pirotechnia«[3] an der Hand zahlreicher Abbildungen eingehende
-Nachrichten über die verschiedensten damals gebräuchlichen Oefen und
-Benvenuto Cellini beschreibt in seinen 1568 erschienenen »Trattati«[4]
-sehr verständlich die Art der Flammöfen, deren er sich bei seinen grossen
-Gusswerken bediente.
-
- [3] Im Auszuge übersetzt in Beck, Geschichte des Eisens Bd. II, 1.
-
- [4] Abhandlungen über die Goldschmiedekunst und die Skulptur von Benv.
- Cellini. Uebersetzung von J. Brinckmann. Leipzig 1867.
-
-Die Tiegelöfen Biringuccios gleichen im grossen und ganzen noch den von
-Theophilus beschriebenen, und die Flammöfen denen, die oben erläutert
-wurden. Nur einige die Flammöfen betreffende Punkte, die in Biringuccios
-Beschreibung von Interesse sind, mögen hier hervorgehoben werden. Wenn es
-sich um die Ausführung besonders umfangreicher Gusswerke handelt, sagt
-er: »es könnte sein, dass die erforderliche Metallmasse so gross wäre,
-dass ihr es nicht für gut halten würdet, euch einem einzigen Ofen
-anzuvertrauen, sondern es machen würdet, wie Leonardo da Vinci, der
-ausgezeichnete Bildhauer, welcher den grossen Koloss eines Pferdes, das
-er für den Herzog von Mailand zu machen hatte, aus drei Oefen auf einmal
-goss. Das Gleiche habe ich gehört von einem Glockengiesser in Flandern,
-welcher, als er sein Metall schmelzen wollte, dies in zwei Oefen thun
-musste, da es ihm mit einem das erste Mal nicht gelang. Doch kann ich
-nicht glauben, dass einem, der die Menge des Feuers zu der Menge des
-Materials richtig bemisst, im grossen wie im kleinen dies nicht gelingen
-sollte. Ich sage zwar nicht, dass, wenn ich so etwas zu machen hätte, ich
-mir anmassen würde, das zu wissen, was andere nicht wissen, aber soweit
-es den Feuerkanal und den Feuerraum anbelangt, so würde ich denselben so
-gross machen, dass ihm die Flammen nicht fehlen würden. Um es aber noch
-besser zu machen, würde ich deren zwei anlegen, so dass jeder für sich
-eine Flamme nach dem Schmelzraum bringe, in der Weise, dass sie beim
-Eintritte in das Innere voneinander getrennt wären, dann aber sich
-verbänden und eins würden. Denn ich weiss wohl, dass, wenn die Kanäle
-sich begegnen würden, die Flammen sich beeinträchtigen und in ihrem
-Laufe, um auf die Bronze zu schlagen, sich hindern würden dadurch, dass
-sie sich einander vertrieben.«
-
-Die hier vorgeschlagene Verdoppelung des Feuerraumes scheint, wenn
-überhaupt, doch höchst selten ausgeführt zu sein; in jüngeren Berichten
-ist nie die Rede davon.
-
-Biringuccio beschreibt dann ausser dem Flammofen mit kreisrundem
-Schmelzherd auch solche mit ovalem Boden, die, wie er sagt, nach der
-Meinung anderer besser seien, was die neuere Technik im Princip übrigens
-bestätigt hat.
-
-Cellinis Flammofen würde nach der Beschreibung ohne weiteres zu
-rekonstruieren sein, auch alle Masse werden genau angegeben. Wieder ist
-es ein Flammofen mit kreisrunder Schmelzherdfläche und einem Feuerraume
-von quadratischem Querschnitt. Die Heizgase entweichen durch vier im
-oberen Teile der Herdwölbung angebrachte Oeffnungen unmittelbar ins
-Freie.
-
-Diese Art des Ofens blieb auch in den folgenden Jahrhunderten für die
-grössten Gusswerke allgemein in Anwendung (vgl. Abb. 4 u. 5). Die
-wichtigste, besonders durch die Eisengusstechnik wohl erst in der zweiten
-Hälfte des 18. Jahrhunderts herbeigeführte Vervollkommnung war die
-Zuhilfenahme einer hohen Esse. Weiter auf die mannigfachen
-Formvariationen der Oefen des letzten Jahrhunderts einzugehen, ist hier
-nicht der Ort, gesagt mag nur noch werden, dass an die Stelle des runden
-Herdraumes fast durchgehends der langgestreckte getreten ist.
-
-Die mannigfachen Hindernisse, die sich beim Schmelzen des Metalles
-besonders in früheren Jahrhunderten wohl oftmals eingestellt haben,
-beschreibt Cellini sehr anschaulich, hier würde es zu weit führen, darauf
-einzugehen.
-
-Die =Dammgrube=, der tiefe ummauerte Raum vor der Ausflussöffnung des
-Ofens, hat in erster Linie den Zweck, der Form beim Einströmen des
-flüssigen Metalles den nötigen Halt zu geben und dem Druck der Gase in
-der Form wirksam begegnen zu können, die die flüssige Bronze in ihr
-entwickelt. Man erreicht diesen Zweck, indem man die Dammgrube rings um
-die Form herum mit Erde vollstampft. Bei sehr grossen Gusswerken erfüllte
-die Dammgrube zugleich noch die wichtige Aufgabe des Ofens zum
-Ausschmelzen des Wachses und zum Trocknen der Form.
-
-Theophilus giebt uns wieder bei Gelegenheit des Glockengusses über die
-Bedeutung der Giessgrube und über die Behandlungsweise der Form darin,
-die Angaben, die auch heute noch Geltung haben. Er sagt: »mache eine
-Grube an dem Orte, wo du die Form zum Guss einsenken willst, so tief, als
-die Breite derselben beträgt, und mache mit Steinen und Thon in der Art
-einer Grundfeste einen starken Fuss, auf dem, einen Fuss hoch, die Form
-aufgestellt werde, so dass in der Mitte ein Zwischenraum bleibe, gleich
-einer Strasse, anderthalb Fuss breit, woselbst Feuer unter der Form
-brennen kann. Ist es geschehen, so befestige vier Hölzer, welche oben bis
-zur Fläche des Erdbodens vorragen, neben jenem Fusse und fülle die Grube
-sogleich mit Erde an. Zugleich auch hole die Form, stelle sie zwischen
-jenen Hölzern eben auf und beginne auf der einen Seite die Erde
-herauszuschaffen. Neigt sie sich nun, so grabe auf der anderen Seite, bis
-die Form auf dem Steinfusse wagerecht aufsitzt. Alsbald wirf die Hölzer
-heraus, welche bloss zu diesem Zwecke eingerammt waren, um die Form
-richtig zu stellen. Dann mache mit feuerfesten Steinen und Thon auf jeder
-Seite vor jenem Wegraum, welchen du in der Mitte des Fusses gelassen,
-einen Bord, und bilde rundum einen Ofen, einen halben Fuss von der Form
-entfernt. Bist du bei diesem Aufbau bis zur halben Höhe der Form gelangt,
-so reinige den Ofenrand und... schaffe das Feuer samt trocknem Holz
-herbei. Beginnt beim Erwärmen der Form das Fett (oder das Wachs)
-abzufliessen, so vollende den am Fuss lauwarmen Ofen bis zum Gipfel der
-Form. Ueber die Oeffnung setze eine Bedeckung aus Thon oder Eisen. Ist
-das Fett (oder Wachs) nun völlig herausgeschmolzen, so verstopfe beide
-Oeffnungen (aus denen das Wachs ausfloss) mit Thon, der im rechten
-Verhältnis gemengt sei... und häufe um die Form herum reichlich Holz,
-damit den Tag und die folgende Nacht das Feuer nicht ausgehe.« Wenn dann
-inzwischen das Metall im Ofen verflüssigt ist, sagt Theophilus: »eilst du
-zum Formofen zurück und beginnst vom oberen Teile die Steine mit langen
-Zangen einzureissen und aufzustossen. Solches Werk, an solcher Stelle,
-fordert nicht faule Arbeiter, sondern flinke und eifervolle, damit nicht
-durch die Sorglosigkeit jemandes entweder die Form bricht, oder einer den
-anderen hindert oder verletzt, oder dessen Zorn hervorruft, was vor allem
-zu verhüten ist. Sind nun alle Steine eingerissen, so wird das Feuer
-wieder mit Erde sicher verdeckt, damit die Grube um die Form sorgfältig
-ausgefüllt sei. Es seien Leute da, welche mit stumpfen Hölzern stets
-umhergehen, damit mässig stampfen und mit den Füssen treten, denn die
-eingefüllte Erde soll die Form so umgeben, dass sie auf keine Weise
-zerbrochen werden kann, wenn man das Erz eingiesst.« Und während dann die
-Männer das flüssige Metall in die Form strömen lassen, sagt Theophilus
-weiter: »lege dich an die Mündung der Form, indem du nach dem Gehör
-sorgsam beachtest, was innen vor sich gehe. Und wenn du etwas wie
-leichtes Donnergemurmel hörst, so sage ihnen, sie mögen ein wenig
-einhalten und dann wieder eingiessen. So wird durch zeitweiliges
-Einhalten und Eingiessen erreicht, dass sich das Erz gleichmässig
-lagere.«
-
-Diese anschauliche Schilderung des trefflichen Mönches bedarf eines
-Zusatzes nicht.
-
-Auf die Beschreibung Cellinis vom Eindämmen der Form in der Giessgrube
-einzugehen, erscheint nach den Ausführungen des Theophilus kaum
-notwendig; wesentlich neues bringt er nicht. Erwähnt sei nur, dass
-Cellini das Ausschmelzen des Wachses aus der Form und deren Verglühen
-ausserhalb der Giessgrube vornimmt. Nachdem aber das Wachs ausgeschmolzen
-ist, hat der Kern den vollkommen festen Halt in der Höhlung des Mantels
-eingebüsst und ist mit grösster Sorgfalt vor Erschütterungen zu bewahren;
-auch darauf weist der Künstler mit dem nötigen Nachdrucke hin.
-
-Bei sehr grossen Gusswerken, wie z. B. der im Jahre 1699 für Paris
-ausgeführten Girardonschen Reiterstatue Ludwigs XIV., wurde die Dammgrube
-nicht vertieft, sondern über der Erdoberfläche aufgemauert. Die
-Giessgrube bildete in diesem und in ähnlichen Fällen die Stätte, an der
-überhaupt die ganze Giessform entstand. Man ging durch diese Art der
-Anlage einmal der Gefahr aus dem Wege, dass in die sonst sehr tiefe Grube
-Grundwasser eindringen könnte, dann wurde aber vor allem der kaum zu
-bewerkstelligende Transport der kolossalen Form vermieden, bei dem
-Verletzungen, womöglich im Innern, kaum zu vermeiden gewesen wären. Man
-mauerte also zunächst nur die Fundamente der Giessgrube und des daran
-schliessenden Ofens auf, und errichtete darüber eine geräumige mit
-grossen Fenstern versehene Werkstatt, die nach Vollendung der Gussform --
-wenn es nötig wurde, Giessgrube und Ofen aufzumauern -- abgebrochen und
-durch ein höheres, auch den Ofen überragendes Haus ersetzt wurde (Abb.
-4).
-
-Auf dem Boden der Giessgrube begann man damit, für die Gussform einen
-niedrigen Sockel zu errichten, der aus rostartig sich kreuzenden Mauern
-gebildet wurde. Darauf legte man ein aus starken Eisenstäben gefügtes
-Gitter, das zur eigentlichen Grundlage der Form wurde.
-
-[Illustration: Abb. 4. Giesshaus mit Schnitten durch Ofen und Dammgrube
-(Mariette, Description des travaux qui ont précedé, accompagné et suivi
-la fonte en bronze d'un seul jet de la statue équestre de Louis XV. Paris
-1768).]
-
-Besondere Sorgfalt ist bei grösseren Gusswerken, überhaupt bei
-Verwendung von Flammöfen, aus denen das Metall unmittelbar zur Form
-strömt, der oberen =Abdeckung der Giessgrube= über der eingestampften
-Form zuzuwenden. Cellinis klare Angaben darüber mögen hier zur
-Vervollständigung des von Theophilus Mitgeteilten noch Platz finden. Er
-schreibt: »Ist die Grube bis zur Höhe der Haupt-Eingussröhren gefüllt,
-indem dabei das nötige Gefälle von dem Ausflussloche des Erzes
-berücksichtigt worden, werden sämtliche ... in die Höhe geführten
-Luftkanäle, gleichfalls auch die Eingussröhre mit ein wenig Werg
-verstopft. Nun stelle man mit Aussparung der Röhrenöffnungen ein Pflaster
-aus Backsteinen her, welches genau bis an die Mündung, oder wie es oft
-vorkommt, der mehreren Eingussröhren reicht. Alsdann müssen Steine von
-roher, nur getrockneter Erde bis zu einer Breite von drei Fingern oder
-mehr gespalten werden, wie es der erfahrene Meister für das dem Erze
-nötige Gefälle passend hält; welche Steine dann mittels des mit
-Scheerwolle gemischten Thones anstatt des Kalkes über dem obigen
-Backsteinpflaster zu einer Rinne vermauert werden, die von der Wand des
-Ofens herab rings um die Oeffnung läuft, in welche das Erz einströmen
-soll. Durch Ummauerung mit gebrannten oder gleichfalls rohen Backsteinen
-befestige man nun behutsam die Rinne; die Höhe dieser Schutzmauer muss
-der letzteren gleichkommen, für die Breite genügt ein Backstein. Sind
-alle Fugen, aus denen das Metall hervordringen könnte, mit feuchter Erde
-anstatt mit Kalk verstrichen, so ersetze man den Wergpfropfen in den
-Eingussröhren durch leicht herausziehbare Stöpsel aus feuchtem Thon, weil
-sofort glühende Kohlen in die Rinne zu bringen, auch alles
-frischgemauerte damit zu bedecken ist. Dies wird etliche Male wiederholt,
-bis die Erde nicht nur gut ausgetrocknet, sondern auch gebrannt worden
-ist. Während nun das Metall im Ofen in Fluss kommt, blase man mit einem
-Blasbalg Asche und Kohlen, die dem flüssigen Erz den Weg versperren
-könnten, aus der Rinne, entferne die Wergpfropfen der Luftkanäle und die
-Thonstöpsel der Eingussröhren, lege noch 2 bis 3 Talglichte im Gewicht
-von nicht völlig einem Pfund in die Rinne und eile zum Ofen, um die
-Metallmischung mit einer neuen Zuthat von Zinn im Betrage von ca. 1/2
-Prozent vom gewöhnlichen Verhältnis aufzufrischen. Ist dies in aller Eile
-geschehen und unterdessen das Feuer im Ofen beständig mit neuem Holz in
-Brand erhalten, so stosse man getrost das Gussloch mit einer Stange auf,
-und lasse das flüssige Metall mit Maass herausströmen, indem man das Ende
-der Stange noch eine Weile in das Gussloch hält, bis eine gewisse Menge
-abgeflossen und die erste Wut des Metalles gebändigt ist, die sonst
-leicht Ursache wäre, dass sich Wind in der Form verfinge. Ist der erste
-Drang gemässigt, kann die Stange entfernt werden und das Erz, bis der
-Ofen leer ist, auslaufen. Zu diesem Ende steht ein Mann an jeder der
-Ofenthüren und treibt das Erz mit den üblichen Kratzeisen zur Mündung
-hinaus. Das nach Füllung der Form noch abfliessende pflegt man durch
-Bewerfen mit der aus der Grube gegrabenen Erde zu hemmen. So wird nun
-endlich die Form gefüllt sein!«
-
-[Illustration: Abb. 5. Beginn des Gusses (Boffrand, Description de ce qui
-à été pratiqué pour fonder en bronze d'un seul jet la figure équestre de
-Louis XIV. Paris 1743).]
-
-Die gleichen Vorkehrungen traf man auch in jüngerer Zeit bis auf den
-heutigen Tag. Zumeist hielt man aber die Oeffnungen der Eingussröhren,
-wie aus der Abbildung 5 zu ersehen ist, so lange mit eisernen, durch
-Hebel hochzuziehenden Stöpseln verschlossen, bis die flache Vertiefung
-über der Form gleichmässig mit flüssigem Metall gefüllt war, damit das
-Erz in alle Gusskanäle zur selben Zeit einströmte.
-
-Der =Guss= wurde früher häufiger (besonders wohl bei Fürstenstandbildern)
-zu einem Festakte gestaltet, dem die vornehme Welt, wenn nicht gar der
-fürstliche Auftraggeber selber, beiwohnte.
-
-Die Abbildung 6 veranschaulicht den Beginn des Gusses der für Paris
-gegossenen grossen Reiterstatue Ludwigs XV. im Jahre 1758. Auch beim Guss
-von Schlüters Denkmal des Grossen Kurfürsten am 2. Nov. 1700 in Berlin
-versammelte sich die vornehme Gesellschaft, an der Spitze der Markgraf
-Christian Ludwig, im Giesshause des Meisters Jacobi.
-
-[Illustration: Abb. 6. Der Guss der Statue Ludwigs XV. (Mariette).]
-
-Die wenigen Augenblicke waren entscheidend für das Gelingen des Werkes,
-das Monate oder gar Jahre mühevoller Vorbereitung gekostet hatte; beim
-Guss erst konnte es sich zeigen, ob die Form fest und gut gearbeitet war,
-und ob man die Menge des zu schmelzenden Erzes richtig bemessen hatte.
-Schweres Missgeschick konnte da den Meister treffen, auch Cellini weiss
-davon zu berichten.
-
-Mit dem Einguss des Metalles sind die mühevollen Arbeiten, die ein
-Bronzewerk erfordert, nicht beendet. Die nächste Aufgabe ist es, die Form
-wieder frei zu legen, dann den Formmantel zu zerschlagen und am erzenen
-Bilde die mannigfachen noch notwendigen =Nacharbeiten= vorzunehmen.
-
-Theophilus spricht sich über diese letzten Arbeiten nur sehr kurz aus.
-Sobald das Metall im Eingussrohre sich dunkel färbe, solle die die Form
-umgebende Erde fortgeräumt und wenn die Form ganz kalt geworden ist, der
-Mantel beseitigt werden. Dann sagt er weiter: »beobachte sorgsam, ob
-durch Nachlässigkeit oder Zufall etwas fehlerhaft sei, schabe die Stelle
-dann ringsum feilend ab und setze Wachs an oder (und darüber) ebenso
-Thon; wenn es getrocknet ist, erwärme es und so giesse es darauf an, bis
-das Angegossene, wenn der (Metall)-Strom in jenen Teil fliesst, festhält.
-Sobald du dies gewahr wirst, so löte es, falls es zu wenig fest anhafte,
-durch Verbrennung von Weinstein und Feilspänen von Silber und Kupfer...
-an. Darauf befeile alle Felder, zuerst mit verschiedenen viereckigen,
-dreieckigen und runden Feilen, ciselire sie dann mit den Grabeisen,
-schabe sie mit den Schabeisen. Endlich, wenn du dein Werk mittels oben
-etwas glatten Hölzern mit Sand gescheuert hast, vergolde es.«
-
-Nächst Theophilus finden sich in der Schrift des Pomponius Gaurikus: De
-sculptura[5], Angaben über die Nacharbeit von Gusswerken. Dort heisst es:
-»Die äusserlichen Fehler bestehen nun aber, wie bei anderen Dingen, in
-Ueberschüssigem und Mangelndem. Das Ueberschüssige wird mit Meissel und
-Feile entfernt, dem Mangel wird abgeholfen durch Ansetzen und Anfügen.
-Durch Ansetzen auf folgende Art: hat man in die Seiten viele Löcher
-gebohrt, so thut man nach Bedürfnis Wachs darauf, verkreidet es, und
-giesst dann, nachdem das Wachs herausgelassen und der (zum Verkreiden
-benutzte) Thon gebrannt ist, Metall von der betreffenden Sorte hinein.
-Durch Anfügen aber, wie wir anschweissen, so: in einem irdenen Gefäss
-wird, wie es Brauch ist, Messing geschmolzen und zu je einem Pfunde davon
-eine Unze Arsenik gethan, nachher wird es in ehernem Mörser gestossen.
-Dieses Pulver untermischt mit Borax, wird auf die Anfügestellen gestreut
-und dem Feuer bis zum Schmelzen ausgesetzt.... Die Schönheit wird
-gänzlich vollendet durch Glätten und Farbigmachen. Durch Glätten, indem
-wir die rauhen Feilenspuren mit dem Ciselierstichel wegnehmen und Glanz
-hervorbringen mit Bimsstein, einem Griffel oder einem zahnförmigen
-Stahlinstrument (Polierstahl), das man »bronitorium« nennt.
-
- [5] Zum ersten Male herausgegeben im Jahre 1504. Uebersetzung von
- H. Brockhaus, Leipzig 1886.
-
-Cellini spricht sich nur kurz darüber aus, wie mit dem aus der Form
-genommenen Gusswerke weiter zu verfahren sei. Ein von ihm ausgeführtes
-Probegussstück kam so rein aus der Form, dass seine Freunde meinten, er
-brauche es nicht weiter nachzuarbeiten. Doch sagte er: »Sie verstanden es
-aber so wenig, als gewisse Deutsche und Franzosen, die sich der schönsten
-Geheimnisse rühmen, und behaupten dergestalt in Erz giessen zu können,
-dass man nicht nötig habe, es auszuputzen. Das ist aber ein närrisches
-Vorgehen, denn jedes Erz, wenn es gegossen ist, muss mit Hammer und
-Grabstichel nachgearbeitet werden, wie es die wundersamen Alten gethan
-haben, und auch die Neuen. Ich meine diejenigen, welche in Erz zu
-arbeiten verstanden.«
-
-Auch Félibien[6], auf dessen Abhandlung über die Giesserei noch
-verschiedentlich einzugehen sein wird, geht mit wenigen Worten darüber
-hinweg; ausführlichere Angaben erhalten wir erst (1743) in Boffrands
-Beschreibung von der Herstellung des Girardonschen Reiterbildes Ludwigs
-XIV. Boffrand giebt an, dass man das Metall in der Form drei bis vier
-Tage abkühlen lassen müsse, dann alle Erde aus der Giessgrube entfernen
-und den Formmantel zerschlagen solle. Darauf habe die Nacharbeit des
-Bronzebildes zu beginnen. Die Geschicklichkeit der Werkleute habe es zwar
-dahin gebracht, den Guss so sauber gelingen zu lassen, dass eine
-Ueberarbeitung der Flächen kaum notwendig sei, dass ein Waschen und
-Scheuern mit Weinhefe genüge. Doch da die das Werk umschliessenden
-Gusskanäle und Luftröhren bei ihrer Entfernung an der Schnittstelle einen
-blanken Fleck bildeten, und da ja auch Oeffnungen zu füllen seien, deren
-Einsatzstücke notwendig überarbeitet werden müssten, so sagt Boffrand,
-müsse man schon, um eine einheitliche Farbe am ganzen Bilde zu erzielen,
-auch alles übrige nachciselieren.
-
- [6] Félibien: Des Principes de l'Architecture etc. Paris 1697.
-
-Wenn das Netz der Guss- und Luftröhren abgesägt sei, müsse zuerst der
-Kern aus dem Inneren entfernt werden aus einer für den Zweck im Kreuz des
-Pferdes ausgesparten Oeffnung, teils auch aus Oeffnungen am unteren Teile
-des Körpers. Auch alle für die Standfestigkeit des Gusswerks später
-entbehrlichen Teile des inneren Eisengerüstes müssten abgelöst werden.
-Dann beginne die Nacharbeit mit der Säuberung und Schlichtung der
-Schnittstellen der Röhren, weiter seien die Unebenheiten zu entfernen,
-die dadurch entständen, dass während des Brennens sich Risse in dem
-Formmantel bilden. Die Stäbe der Eisenarmatur, die aus der Bronzewandung
-nicht entfernt werden dürften, müssten (da sie an der Aussenfläche rosten
-würden) bis zur Mitte der Bronzestärke mittels Meisseln entfernt und die
-entstehenden Löcher wieder mit dem Gussmetall gefüllt werden. Auch fänden
-sich bisweilen doppelte Metallschichten, die sich gebildet hätten
-dadurch, dass beim Brennen der Form die innere Mantelschicht abblättere
-und diese Blättchen dann zwischen Kern und Mantel liegend vom Metall
-umflossen würden. Auch diese Stellen müssten durch Einsatzstücke erneuert
-werden. Ferner seien blasige und besonders in den oberen Teilen mit Asche
-durchsetzte Stellen nicht selten, auch sie bedürften derselben
-Bearbeitung. Die Oeffnungen, auch etwa beim Erkalten entstehende Risse,
-sagt Boffrand, würden zumeist mit flüssig eingegossenem Metall
-geschlossen. Man feile zu dem Zweck den Rand der Löcher
-schwalbenschwanzartig aus, bringe dann eine Lehmform davor mit Luft- und
-Gussöffnung, erhitze das Ganze gut und fülle das in Tiegeln verflüssigte
-Metall hinein. An Stellen, die für diese Art der Ausbesserung schwer
-zugänglich seien, z. B. am Bauche des Pferdes, hämmere man die
-Ersatzstücke kalt ein. Schliesslich müssten noch die rauhen und porösen
-Stellen mit stumpfen Meisseln geschlichtet und gedichtet werden, und wenn
-die ganze Oberfläche mit Meisseln, Punzen, gezähnten Eisen und
-Drahtbürsten gesäubert sei, reinige man sie drei bis vier Mal mit Säure
-und zuletzt mit warmer Weinhefe. Tüchtige und erfahrene Werkleute seien
-zu all den Arbeiten erforderlich und die Kosten wären sehr bedeutend.
-
-In verschiedenen Punkten abweichend äussert sich Wuttig[7] über die
-Nacharbeit. Er sagt: »Ist der Guss der Werke vollkommen fehlerfrei
-geraten, so besteht die nötige Ciselierarbeit bloss in dem Abschneiden
-der Metallzweige, die durch die Leitungsröhren der Form gebildet worden,
-und in dem Ausfeilen der Stellen, auf welche sie geleitet waren. Diese
-Arbeit macht um so weniger Schwierigkeit, da jene Metallzweige nur auf
-solche Stellen des Kunstwerks verfügt werden, die wenig Detail von
-Ausarbeitung haben, z. B. auf ebene Teile des Leibes u. s. w. Es
-erfordert diese Arbeit daher keinen geübten Künstler, sondern kann von
-jedem gemeinen Arbeiter verrichtet werden. Anders verhält es sich, wenn
-z. B. nicht die grösste Sorgfalt auf die Anfertigung des Wachsmodells
-gewandt worden, oder wenn etwa da, wo die einzelnen Teile der Gipsform in
-Zusammenfügung waren, Wachsränder etc. entstanden sind, die vielleicht
-noch überdies die feinsten Züge des Werks getroffen haben; dann muss die
-Geschicklichkeit und Geübtheit eines guten Kupferstechers (Ciseleurs) zu
-Hilfe kommen, die durch den Wachspossierer verursachten Fehler zu
-verbessern. In solchem Falle geht zuweilen aller Ausdruck und alle
-Schönheit, trotz aller angewandten Mühe des Graveurs verloren, da es
-unmöglich ist, etwas so Vollkommenes durch Ciselierarbeit
-hervorzubringen, als was durch den Guss hervorgebracht werden kann.
-Nachdem die äussere Abräumung und etwaige Ausbesserung der Gusswerke
-verrichtet ist, wird zur inneren Ausräumung, d. h. zur Ausnahme des Kerns
-nebst der Armatur geschritten.« Wuttig führt die Beschreibung noch weiter
-aus, doch scheint es kaum notwendig, seine noch folgenden Angaben zu
-citieren, sie vermögen die von Boffrand gegebenen nicht wesentlich zu
-ergänzen. Hingewiesen sei nur noch einmal darauf, dass er jede über das
-notwendigste Mass hinausgehende Nacharbeit für fehlerhaft erklärt und man
-muss annehmen, dass gleiche Anschauungen auch die Meister der früheren
-Jahrhunderte vertraten, so weit sie nicht etwa wie Cellini die
-Ciselierung der auch von ihnen modellierten Werke eigenhändig ausführten.
-
- [7] Wuttig: Die Kunst, aus Bronze kolossale Statuen zu giessen.
- Berlin 1814.
-
-Bei den Teilformverfahren, wie sie für den Bildguss im 19. Jahrhundert
-angewendet wurden, waren die Abräumungsarbeiten nach dem Guss sehr viel
-einfacher, doch durch die Zusammenfügung der Teile und die zumeist im
-weitgehendsten Maasse erforderliche Nacharbeit der mit einer rauhen
-Gusshaut und einem Netz von Gussnähten überdeckten Bildwerke wurde die
-Gesamtmühe eher gesteigert als vermindert.
-
-Wie gerade im 19. Jahrhundert die Ciselierarbeit das Schmerzenskind der
-Künstler war, wird sich Gelegenheit bieten, an anderer Stelle zu zeigen.
-
-Kurz zu betrachten ist hier noch die =Metallfärbung= durch bestimmte
-Mischungsverhältnisse, die natürliche Oxydation und die, wie es scheint,
-auch zu allen Zeiten angewendete künstliche Patinierung.
-
-Wie weit man im Altertum, vor allem in Griechenland, von der letzteren
-Gebrauch zu machen verstand, ist bisher nicht bekannt. Manche märchenhaft
-klingenden Berichte über die Tönung von Bronzefiguren könnten aber darauf
-schliessen lassen, dass sie geübt wurde. Von einer Bronzestatue des
-Silanion, einer sterbenden Jokaste, wird berichtet, dass der Künstler ihr
-Gesicht blass, wie das einer Sterbenden zu tönen verstanden habe, indem
-er dem Erz Silber beigemengt habe; und bei einer Statue des Aristonidas,
-die den rasenden Athamas darstellte, soll der Erzgiesser der Bronze Eisen
-beigemischt haben, damit der Rost desselben durch den Glanz des Erzes
-hindurchschimmere und auf diese Art die Schamröte wiedergegeben werde.[8]
-
- [8] Blümner, Gewerbe und Künste bei Griechen und Römern Bd. IV. S. 327.
-
-Wenn nun auch zweifellos durch diese Metalllegierungen Töne in der
-angegebenen Art erzielbar sind[9], ausgeschlossen muss die partielle
-Färbung sein, wie sie nach den obigen Angaben anzunehmen wäre; man könnte
-also an nachträglichen Farbenauftrag denken.
-
- [9] Die Möglichkeit der Färbung durch einen Eisenzusatz hat man wohl
- sicher mit Unrecht bestritten. Vergl. Zeitschr. d. Bayer.
- Gewerbe-Mus. zu Nürnberg Bd. 18. S. 105.
-
-Immerhin geht aus den angeführten und ähnlichen Nachrichten hervor, dass
-man die Farbwirkungen verschiedener Erzmischungen künstlerisch benutzte.
-Besondere Berühmtheit genoss im Altertum das korinthische Erz. Man
-unterschied weissliches, in dem ein Silberzusatz überwog, goldgelbes mit
-einem Goldzusatze und eine dritte Sorte, in dem man Kupfer, Silber und
-Gold zu gleichen Teilen gemischt haben soll.[10] Neuere chemische
-Untersuchungen konnten diese Angaben bisher nicht bestätigen, geringe
-Gold- oder Silberbeimengungen, die nachgewiesen sind, dürften nur als
-zufällig vorhanden anzusehen sein.
-
- [10] Blümner a. a. O. Bd. IV. S. 183ff.
-
-Auch in der nachantiken Zeit war es stets bekannt, dass durch bestimmte
-Mischungen bestimmte Farbtöne der Bronze erreichbar waren, künstlerische
-Anwendung scheint man jedoch im Abendlande kaum davon gemacht zu haben;
-im allgemeinen wählte man gewisse Legierungsverhältnisse mehr aus
-praktischen Rücksichten.
-
-Bewunderungswürdige Farbwirkungen durch Legierung verstehen seit
-Jahrhunderten Chinesen und Japaner zu erzielen, doch bei grossen
-Bronzewerken scheint man, der höheren Kostbarkeit wegen, diese Tönungen
-nicht angewendet zu haben; darauf einzugehen dürfte hier zu weit führen.
-
-=Patina= im engeren Sinne ist bei den überwiegend aus Kupfer bestehenden
-Metallmischungen eine von den Zusätzen nur in geringem Grade abhängige
-Oberflächenfärbung. Die Patina ist eine Sauerstoffverbindung des Kupfers
-oder der Bronze, ein Oxyd, oder, wenn man will, ein Rost, ein Edelrost,
-der das Metall zugleich mit einer schützenden Schicht umhüllt, die es vor
-weiteren schädlichen Einflüssen der Atmosphäre schützt.
-
-Die Patina ist zu allen Zeiten mit seltenen Ausnahmen (vergl. S. 67) als
-etwas Verschönerndes geschätzt worden, und nicht erst in unserer Zeit hat
-man sich bemüht, die schöne grüne Farbe oder andere, den metallischen
-Glanz lindernde Töne, schon auf den neuen Gusswerken hervorzubringen.
-
-Ganz zweifellos wandten die Bronzekünstler des 15. und 16. Jahrhunderts,
-vor allem in Italien, Firnisse und Farbmittel an, um eine künstliche
-Patina herzustellen. Die Spuren davon haben sich erhalten bei zahlreichen
-nicht unter freiem Himmel aufgestellten Werken; vor einer kräftigen
-grünen Tönung hat man sich damals so wenig wie in jüngerer Zeit gescheut.
-
-Einige Angaben darüber giebt wieder Gaurikus in der angeführten Schrift.
-Nachdem er von der Feuerversilberung und Feuervergoldung gesprochen hat,
-sagt er: »Solche Farben entstehen auch auf viele andere Weisen, die wir
-aber, da sie weder dauerhaft noch auch besser sind, nicht beachten
-wollen. Gelbe Farbe aber wird sich ergeben zum Besatz, wenn man einen
-durch und durch gesäuberten Siegelabdruck auf eine weissglühende Platte
-legt, bis man sieht, dass er ganz die Farbe davon angenommen hat, und ihn
-allmählich erkalten lässt. Grün durch starkes Benetzen mit salzigem
-Essig, Schwarz entweder durch starkes Ueberstreichen mit flüssigem Teer
-oder durch Anrauchen von Erzschlacken in ganz nassem Zustande.«
-
-Ob man den öffentlich aufgestellten Erzdenkmälern in früheren
-Jahrhunderten den Metallglanz in demselben weitgehenden Masse sogleich
-bei der Aufstellung genommen hat, wie es heute fast allgemeiner Brauch
-ist, dürfte schwer zu entscheiden sein.[11] In der schon genannten
-kleinen 1814 in Berlin erschienenen Schrift des Hofrats Wuttig ist S.
-53ff. von dem »Bronzieren« wie von etwas allgemein Bekanntem und oft
-Geübten die Rede. Dort heisst es: »Jede aus der Formgrube kommende Statue
-hat ein unangenehmes Oberflächenansehen, ist an einigen Stellen
-metallisch glänzend, an den anderen angelaufen, erscheint
-verschiedenfarbig gefleckt, hell und dunkel u. s. w. Dies zu heben,
-werden die Statuen entweder durch Abwischen mit sehr verdünnter
-Schwefelsäure und Abscheuern in gleichförmigen Metallglanz gesetzt, oder
-(da der Reflex des letztern zur Entstellung der Kunstwerke beiträgt)
-bronziert, d. h. künstlich mit demjenigen Erzbeschlage (Aerugo nobilis
-des Horaz) überzogen, der sich durch Einwirkung der Atmosphärilien auf
-der Oberfläche der im Freien aufgestellten Werke sonst erst mit der Zeit
-bildet.... Ich habe mich vor einigen Jahren damit abgegeben, verschiedene
-Nuancen von Grün und Braun auf Bronze und reinem Kupfer hervorzubringen,
-und es ist von meinen Vorschriften Gebrauch beim Bronzieren grosser Werke
-gemacht worden.«
-
- [11] Vgl. Félibien a. a. O. Der Verfasser giebt, ohne ausdrücklich von
- öffentlich aufgestellten Bronzemonumenten zu sprechen, über die zu
- seiner Zeit geübte künstliche Patinierung folgende Auskunft: »Il y
- en a qui prennent pour cela de l'Huile et de la Sanguine: d'autres
- les font devenir vertes avec du vinaigre. Mais avec le temps la
- bronze prend un vernis, qui tire sur le noir.«
-
-Wuttig giebt noch eine Reihe von Rezepten zur künstlichen Patinierung,
-die hier ebensowenig näher auf ihre Brauchbarkeit zu prüfen sind, wie die
-zahllosen heute für denselben Zweck angewendeten. Gewichtige Stimmen
-erheben sich heute überhaupt gegen die künstliche Patinierung.
-
-Von interessanten Untersuchungen über die Bildung der natürlichen Patina
-und ihre Hinderungsursachen möge noch kurz berichtet werden.[12] Man hat
-beobachtet, dass Erzbildwerke, die bereits eine wundervolle Patina
-angesetzt hatten, diese um die Mitte des 19. Jahrhunderts wieder mehr
-oder minder verloren haben, ausgenommen an der Regenschlagseite. Nach
-einer Behandlung mit Lauge kam sie auch an den übrigen Stellen wieder zum
-Vorschein, eine ziemlich stark schwefelsäurehaltige Schicht von
-Kohlenruss hatte sich darüber gebreitet. Eine genauere Untersuchung liess
-erkennen, dass der Russ nicht allein die hässliche Schmutzfarbe
-veranlasst, dass er vielmehr auch ätzend, d. h. zerstörend auf die Bronze
-wirkt. In Nürnberg angestellte Versuche lehrten, dass diesen
-verderblichen Einflüssen des Kohlenrusses nur durch stetig wiederholte
-Reinigung mit Wasser entgegengearbeitet werden kann. Weiter wurde
-festgestellt, dass die mit Zink legierten Bronzen weniger zur
-Patinabildung geeignet sind, wie die mit Zinn legierten. Andere
-Beobachter führen als Grund der mangelhaften Patinabildung daneben auch
-die unzureichende Dichtigkeit und Gleichmässigkeit des Gusses an und
-verlangen, dass die Erzgiesser in weitgehenderem Masse wie bisher auf die
-gute Konstruktion der Oefen Wert legen.
-
- [12] Zeitschr. d. Bayer. Gewerbemuseums zu Nürnberg. 20. Jahrg. 1886
- S. 97ff. und Maertens, Deutsche Bildsäulen. Stuttgart 1892.
- S. 40-41.
-
-Doch erst wenn die städtischen Verwaltungen ebenso wie die Techniker
-diese Winke nicht mehr ungehört vorübergehen lassen, dürfte das schöne
-Ziel zu erreichen sein, dass die schwarzen Männer unserer Denkmäler
-wieder in einer ansprechenderen Tönung erscheinen.
-
-
-
-
- II. Das Wachsausschmelzverfahren im Altertum und Mittelalter bis
- zum 14. Jahrhundert.
-
-
-Die grossartigsten und schönsten Gusswerke aller Zeiten sind in einem
-Verfahren hergestellt, das, so einfach es im Grunde ist, doch Wandlungen
-im Laufe der Jahrtausende erfahren hat, die ebenso wie sie vom allgemein
-wissenschaftlichen Standpunkte der Betrachtung wert sind, auch vom
-Künstler und Kunstfreunde beachtet zu werden verdienen.
-
-Das Princip des Wachsausschmelzverfahrens ist bereits kurz
-gekennzeichnet. Auf dem hier in Betracht kommenden Gebiet der
-Metallplastik handelt es sich aber nur in seltenen Fällen um die
-einfachste Ausführungsmöglichkeit des Verfahrens, mit dessen Hilfe nur
-massive Gussstücke erlangt werden können, die künstlerische Metallplastik
-hat zumeist schwierigere Aufgaben zu lösen; mannigfache bereits
-gekennzeichnete Gründe machen es erforderlich, Hohlkörper zu erhalten.
-
-Wenn man nun von der kalten Bearbeitung des Metalles absieht, dann dürfte
-am einfachsten ein hohler Metallkörper mit Hilfe der Schmelzbarkeit auf
-folgende Art zu erhalten sein.
-
-Ein rundlicher Metallhohlkörper von einer bestimmten Grösse soll
-hergestellt werden. Man formt aus einem hitzebeständigen Material z. B.
-Lehm zunächst den Kern, der die Form des gewünschten künftigen
-Gussstückes hat, nur muss er ein wenig kleiner sein. Der Kern muss
-langsam getrocknet und schliesslich geglüht werden, er büsst dabei ein
-wenig an Grösse ein, und darauf muss von vornherein Rücksicht genommen
-werden. Nach dem Erkalten wird der Kern ringsum eingehüllt von einer
-Wachsschicht, die in Form und Wandungsstärke dem künftigen Metallkörper
-genau gleich gemacht werden muss. Zu achten ist noch darauf, dass die
-Wachsschicht nach Möglichkeit den Kern in gleichmässiger Dicke
-umschliesst, denn das flüssige Metall, das später den Raum des Wachses
-ausfüllen soll, würde an den stärkeren Teilen langsamer erkalten als an
-den dünneren. Die vor allem in Betracht kommende Bronze zieht sich aber
-beim Erkalten zusammen, sie »schwindet«, und Risse würden besonders dann
-entstehen, wenn das Zusammenziehen ungleichmässig erfolgte.
-
-Ist so Kern und Wachsschicht sorgfältig vorbereitet, dann wird in der
-Herstellung der Form fortgefahren; es handelt sich zunächst darum, den
-»Formmantel« herzustellen. Die Innenfläche des Mantels, der wie der Kern
-aus Lehm gefertigt werden kann, muss in möglichster Schärfe alle Formen
-des künftigen, bis jetzt in Wachs vorhandenen, Gussstückes aufweisen. Um
-das zu erreichen, wird man auf die Wachslage zuerst eine dünne, aus
-äusserst fein geschlämmtem Lehm gewonnene Schicht, nötigenfalls mit einem
-Pinsel, auftragen und darüber erst die Festigkeit gebende Lage aus
-gröberem Lehm aufbringen.
-
-Würde man nun, nachdem der Mantel getrocknet ist, in ihm eine Oeffnung
-herstellen und die ganze Form erwärmen, dann würde aus der Durchbohrung
-das Wachs ausfliessen und der Kern dann lose im Mantel eingeschlossen
-sein. Es kommt aber gerade darauf an, den Kern in einer unverrückbaren
-Lage zum Mantel zu befestigen, und dieses erreicht man dadurch, dass man
-vor dem Erwärmen der ganzen Form von aussen her dünne zugespitzte
-Metallstäbchen, von der Art des zu verwendenden Gussmateriales bis in den
-Kern einbohrt; sie werden dem Kerne Halt geben, auch wenn das Wachs
-ausgeschmolzen ist.
-
-Nachdem das Wachs entfernt ist, wird auch der Mantel geglüht, und die
-Form ist dann für den Einguss des Metalles vorbereitet; nötigenfalls sind
-noch im Mantel einige kleinere Kanäle anzubringen, die der Luft beim
-Einfluss des Metalles den Austritt gewähren.
-
-Das flüssige Metall füllt sodann den Raum zwischen Kern und Mantel aus,
-umschliesst also wie vorher das Wachs den Kern und weiter auch die dünnen
-Stützstäbchen, es wird auch den Eingusskanal und die etwa vorhandenen
-Luftröhrchen füllen. Wird nun der Mantel zerschlagen, dann liegt der
-Gusskörper mit seinem Eingusszapfen und den stachelartig herausstehenden
-Stützstäbchen frei da. Es ist nur nötig, diese Teile abzufeilen, das
-Ganze zu säubern und nötigenfalls nachzuarbeiten. Soll aber auch der
-eingeschlossene Lehmkern entfernt werden, so muss erst künstlich eine
-Oeffnung geschaffen werden, durch die er herausgekratzt werden kann. Bei
-grösseren Werken wird von vornherein auf diese für die innere Säuberung
-des Gussstückes notwendige Oeffnung Rücksicht genommen.
-
-Kaum der Hervorhebung bedarf es, dass bei diesem Verfahren für jedes
-einzelne Gussstück stets dieselbe ziemlich mühsame Arbeit geleistet
-werden muss, von einer mechanischen Erleichterung selbst bei Herstellung
-vieler gleicher Gegenstände kann kaum die Rede sein. Doch dieser Nachteil
-ist eben ein künstlerischer Vorzug, jedes Gusswerk ist eine
-Originalarbeit, bei der das eigentlich für den Guss verwendete, verloren
-gehende Wachsmodell vom Künstler stets aufs neue modelliert werden muss.
-Das Verfahren bietet vor anderen noch den Vorzug, dass die denkbar
-getreueste Reproduktion der künstlerischen Arbeit erzielt wird. Bei dem
-aus einem Stücke bestehenden Mantel sind Verschiebungen kaum möglich,
-auch kann die unter Umständen sehr schädigende Nacharbeit fast vermieden
-werden. Wenn das Formmaterial besonders geeignet gewählt wird, ist ein
-Ueberarbeiten der gesamten Oberfläche kaum notwendig, man wird sich
-beschränken können auf die Fortnahme der Zapfen, da die bekannten
-störenden Gussnähte, die bei anderen Formverfahren unvermeidlich sind,
-auch fortfallen.
-
-Das Wachsausschmelzverfahren ist vermutlich in der gekennzeichneten
-Ausführungsart schon viele Jahrhunderte vor Christi Geburt zur
-Herstellung metallplastischer Werke angewendet worden.
-
-Schriftliche Nachrichten über das Verfahren sind, sofern man absieht von
-Bezeichnungen, die auf einzelne Bestandteile oder Materialien der Form
-hinweisen, aus dem Altertum nicht bekannt, eine Untersuchung der
-erhaltenen Arbeiten vermag aber in den meisten Fällen eine ziemlich
-sichere Auskunft über ihre Herstellungsart bei den Völkern des Altertums
-zu geben.
-
-An erster Stelle sind die metallplastischen Arbeiten des alten
-=Aegyptens= von Interesse. Ungezählte aus Kupferlegierungen gegossene
-Werke der Bildnerkunst sind aus diesem ältesten Kulturreiche auf uns
-gekommen, allerdings sind die erhaltenen Kunstleistungen jener Art über
-das zweite vorchristliche Jahrtausend mit Sicherheit nicht hinauf zu
-datieren.
-
-Der Oberkörper eines gusstechnisch sehr vollkommenen Bronzefigürchens von
-ursprünglich etwa 30 cm Höhe, aus der Zeit Ramses II. -- etwa 14. Jahrh.
-v. Chr. -- befindet sich im Berliner Neuen Museum. Französische Forscher,
-Perrot und Chipiez, nehmen allerdings an, dass bereits um die Mitte des
-3. Jahrtausends v. Chr. ägyptische Giesskünstler bedeutsame figürliche
-Werke zu schaffen verstanden, doch scheinen neben anderen auch technische
-Gründe dagegen zu sprechen.
-
-Reines Kupfer ist als Gussmaterial kaum verwendbar; geeigneter dazu wird
-es durch einen Bleizusatz, doch für die Ausbildung des eigentlichen
-Kunstgusses war eine Vermischung mit Zinn die Vorbedingung.
-
-In Aegypten wurde nun dieser, den Charakter der Bronze wesentlich
-bestimmende Bestandteil nicht gefunden. Möglich ist, dass man ihn aus
-anderen orientalischen Ländern erhielt, doch vielleicht mit grösserer
-Wahrscheinlichkeit nimmt man an, dass erst phönizische Seefahrer den
-kostbaren Stoff von den fernen Zinninseln, von Britannien her, ins Land
-der Pharaonen gebracht haben.
-
-Doch hier kommt es vorwiegend auf die von jenen alten Künstlern
-angewendete Technik an. Ist es bei der angeführten unvollständigen
-Berliner Figur ihrer Dünnwandigkeit wegen anzunehmen, dass sie im
-Wachsausschmelzverfahren entstand, so lassen grössere, dem letzten
-vorchristlichen Jahrtausend angehörende Arbeiten der Bronzeplastik
-darüber keinen Zweifel. An ihrer Oberfläche erkennt man neben
-ungleichmässig grossen Einsatzstückchen, die zweifellos als
-Ausbesserungen von Gussfehlern und dergleichen anzusehen sind, auch in
-grösserer oder geringerer Anzahl länglich viereckige oder rundliche am
-selben Gussstück fast durchgehends gleich grosse Stäbchen-Querschnitte,
-die in ihrer Verteilung ein gewisses Princip erkennen lassen. Es sind das
-die bei jeder komplizierter gestalteten Gussform unentbehrlichen
-Stützstäbchen für den Kern, die, wie gezeigt ist, mit eingegossen und
-nachher bis zur Oberfläche abgefeilt werden. Da nun bei keinem anderen
-Formungsverfahren jene Stäbchen in gleicher Art zur Verwendung kommen
-können, so ist in ihrem Vorhandensein ein Beweis für die Ausübung des
-Wachsausschmelzverfahrens im alten Aegypten zu erblicken.
-
-[Illustration: Abb. 7. Marc-Aurel, Rom.]
-
-Wie Funde erkennen lassen, wurde die Giesskunst neben Aegypten auch in
-anderen semitischen Kulturstaaten des Altertums gepflegt; ganz besonders
-hervorragende Meister in diesem Fach müssen, wie uns die Bibel berichtet,
-die =Phönizier= gewesen sein.
-
-Im ersten Buch der Könige ist zu lesen, dass König Salomo sich Werkleute
-erbat vom Könige Hiram von Tyrus zum Bau der Stiftshütte und zur
-Herstellung grossartiger Erzwerke. Unter vielen anderen in Bronzeguss
-ausgeführten Gegenständen sind dort genannt zwei eherne Säulen von 18
-Ellen Höhe und 12 Ellen Umfang mit Knäufen von 5 Ellen Höhe, dann das
-gewaltige »eherne Meer« von 10 Ellen Weite und 5 Ellen Höhe, das auf 12
-ehernen Rindern ruhte.
-
-Bei dem lebhaften Handelsverkehr, den die Phönizier mit Aegypten
-unterhielten, darf wohl ohne weiteres angenommen werden, dass auch ihnen
-dasselbe Formverfahren bekannt war, das man im Nillande so meisterhaft zu
-üben verstand.
-
-Den untrüglichen Beweis, dass bereits im Anfange des ersten
-vorchristlichen Jahrtausends auch in den =nördlichen Mittelmeerlanden=
-das Wachsausschmelzverfahren geübt wurde, hat Schliemann durch seine
-Ausgrabungen in =Troja= erbracht.
-
-Unter den Funden Schliemanns, die z. Z. im Berliner Völkermuseum
-aufgestellt sind, befindet sich auch eine für den Guss nicht benutzte,
-zweifellos im Wachsausschmelzverfahren hergestellte Axtform, deren
-Bedeutung man erst erkannte, nachdem sie der Länge nach auseinandergesägt
-war.[13]
-
- [13] Abgebildet im Katalog der Schliemann-Sammlung Nr. 6768a. b. und in
- »Troja-Ilion« Beil. 46 Nr. VIIIa.
-
-Den griechischen Stämmen blieb es vorbehalten, künstlerisch und technisch
-wohl das Höchste zu leisten, das mit Hilfe des Wachsausschmelzverfahrens
-zu schaffen überhaupt möglich ist. Doch Funde und schriftliche Berichte
-lassen annehmen, dass erst etwa um 600 v. Chr. die Giesskunst einen
-höheren Aufschwung genommen hat.
-
-Die Griechen glaubten sogar als Erfinder der Bronzegiesskunst bestimmte
-Meister, die Samier Rhoikos und Theodoros, namhaft machen zu können;
-möglich wäre ja, dass diese Künstler das Formen und Giessen plastischer
-Arbeiten in =Griechenland= eingeführt haben. Die oft mythischen
-Darstellungen griechischer Historiker über die Anfänge des Kunstschaffens
-sind als entscheidend in solchen Fragen gewiss nicht anzusehen. Die
-wichtigsten und zuverlässigsten Nachrichten über die kunsttechnischen
-Fähigkeiten der frühen griechischen Zeit danken wir dem Dichter der Ilias
-und Odyssee. Zur Zeit Homers, im Beginn des letzten vorchristlichen
-Jahrtausends, hatte man es in Griechenland auf dem Gebiete des
-Kunstgusses sicherlich noch nicht weit gebracht, denn so eingehend der
-Dichter über die mannigfachsten Metallarbeiten berichtet, von Gusswerken
-spricht er kaum.
-
-Zweifellos fest steht jedoch, dass man seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. in
-Griechenland wahre Wunder der Giesskunst geschaffen hat, und wenn auch
-aus dieser Zeit Berichte über die Art der Herstellung der Bronzewerke
-nicht bekannt sind, so lässt doch wieder die Untersuchung der erhaltenen
-Denkmäler darüber nicht im Zweifel. Griechische Gusswerke, deren
-Oberfläche nicht durch eine zu starke Oxydation die Beurteilung
-erschwert, lassen mit Sicherheit erkennen, dass sie im
-Wachsausschmelzverfahren hergestellt sind. Auch hier wie in allen anderen
-Fällen sind als kaum trügendes Merkmal die Spuren der Kernstützstäbchen
-anzusehen.
-
-Das Wachsausschmelzverfahren gestattet es auch, sehr grosse Bildwerke in
-einem Guss, also ungeteilt herzustellen. Obschon nun die erhaltenen
-Denkmäler ersehen lassen, dass die griechischen Giessmeister ihre Kunst
-in höchster Vollkommenheit beherrschten, dass sie ein vorzügliches
-Formmaterial besassen und Metallmischungen herzustellen wussten, mit
-deren Hilfe die denkbar geringste Wandungsstärke bei grosser Dichtigkeit
-und Festigkeit erreichbar war, so scheinen sie doch stets auch
-mittelgrosse Figuren in mehreren Teilen geformt und gegossen zu haben,
-die nachher fast unmerkbar aneinander gefügt wurden. Kopf, Arme, auch
-Beine, wurden in der Regel für sich hergestellt. Bei einem Guss im Ganzen
-würde der Ersatz eines fehlgegossenen Teiles naturgemäss weit grössere
-Schwierigkeiten bereitet haben.
-
-[Illustration: Abb. 8. Thürflügel, Dom zu Hildesheim.]
-
-Jahrhunderte lang hat in Griechenland die Erzgiesskunst geblüht. Welch
-gewaltigen Eindruck die bronzenen Bildwerke auf Zeitgenossen und Nachwelt
-gemacht haben müssen, davon zeugen noch viele Berichte aus dem Altertum.
-
-Auch in =Italien= hat die Erzplastik schon früh geblüht. Dem technisch
-erfahrenen Volk der =Etrusker= rühmt man nach, dass es schon um das Jahr
-1000 v. Chr. die Bronze als Gussmaterial verwendet habe. Tausende von
-Erzstatuen sollen sich in späterer Zeit in den reichen etruskischen
-Städten befunden haben.
-
-Unter dem Einflusse der Etrusker und der in grosser Zahl in Italien
-angesiedelten Griechen entwickelte sich die Kunst in dem allmählich zur
-Weltmacht heranreifenden =Rom=. Auch hier hat der Bronzekunstguss in
-hoher Blüte gestanden, allein Griechen scheinen vor allem die ausübenden
-Meister auf diesem Gebiet gewesen zu sein.
-
-Obschon nun Plinius ziemlich ausführliche Berichte über die Verwendung
-des Kupfers und seiner Legierungen giebt; über die angewendeten
-Formverfahren giebt er keinen Aufschluss. Dass jedoch auch in römischer
-Zeit das Wachsausschmelzverfahren vorherrschend blieb, darf für alle
-komplizierter gestalteten, insbesondere die figürlichen Werke, ohne
-weiteres angenommen werden.
-
-Ein grosses Erzwerk aus spätrömischer Zeit darf hier nicht unerwähnt
-bleiben, weil es als das älteste bis in unsere Zeit erhaltene grosse
-Reitermonument das Vorbild für zahllose gleichartige Denkmäler späterer
-Jahrhunderte geworden ist: der Marc Aurel auf dem Kapitol in Rom (Abb.
-7).
-
-Welche Rolle die Bronze schon in vorgeschichtlicher Zeit auch im
-=nördlichen Europa= gespielt hat, ist allgemein bekannt. Wann aber diese
-Metalllegierung an die Stelle des primitiveren Steinmaterials getreten
-ist, und wie weit die Gewinnung und Bearbeitung im Lande selbst geschah,
-ist eine durchaus noch nicht völlig gelöste Frage. Zweifellos setzen die
-in nordischen Landen gefundenen Bronzearbeiten eine hochentwickelte
-Gusstechnik voraus und die Annahme, dass seefahrende Mittelmeervölker,
-vielleicht die Etrusker, die fertigen Gegenstände dorthin verhandelt
-haben, gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit.
-
-Nachdem der die Länder Europas durchtobende Sturm der Völkerwanderung
-sich gelegt hatte, versuchte man zunächst in =Byzanz= die künstlerischen
-und vor allem die technischen Ueberlieferungen der Antike weiter zu
-pflegen.
-
-Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde im Auftrage des Papstes Leo I. eine
-beinahe lebensgrosse sitzende Figur des Apostels Petrus von einem
-byzantinischen Künstler in Bronze gegossen. Im 6. Jahrhundert soll Kaiser
-Justinian einem Römer Eustachius den Auftrag zum Guss einer Säule mit
-seinem Reiterstandbild in kolossaler Grösse erteilt haben.
-
-In Barletta in Apulien ist noch eine sehr grosse formlose Bronzestatue
-erhalten, die im 7. Jahrhundert von dem Griechen Polyphobos in
-Konstantinopel gegossen wurde und die den Kaiser Heraclius darstellen
-soll.
-
-Auch im westlichen Europa ist zweifellos seit der Antike die Ausübung der
-Giesskunst, und, wie angenommen werden darf, auch die Kenntnis des
-Wachsausschmelzverfahrens, nie unterbrochen worden. Wenn man sich zuerst
-vielleicht allein auf die Herstellung von Bronzegegenständen beschränkt
-haben wird, die dem praktischen Gebrauche dienten, so wird doch
-berichtet, dass bereits im 7. Jahrhundert in St. Hilaire zu Poitiers ein
-ganz hervorragendes Gusswerk vorhanden gewesen sei: ein Lesepult, das aus
-einem Adler auf einem mit den Evangelistengestalten geschmückten Sockel
-gebildet war.
-
-Unter Kaiser Karl d. Gr. entstanden auch in =Deutschland= die ersten
-grösseren Erzgusswerke.
-
-Einhard berichtet uns von der Giesshütte, die der Kaiser in Aachen hatte
-errichten lassen; und es ist durchaus wahrscheinlich, dass die noch im
-Aachener Münster erhaltenen Thüren und Gitter jener Werkstatt entstammen.
-Möglich ist auch, dass die kleine aus dem Metzer Dome stammende, jetzt in
-Paris befindliche viel umstrittene Reiterstatuette des Kaisers Karl in
-der Aachener Giesshütte ausgeführt wurde.
-
-Gewaltige Bronzegusswerke neben köstlichen kleineren Erzarbeiten sind im
-11. Jahrhundert in Deutschland ausgeführt worden. Wenn auch zunächst
-Monumente zur Aufstellung auf öffentlichen Plätzen nicht geschaffen
-wurden, die grossartigen zur Zierde der Gotteshäuser bestimmten Werke
-sind jenen in dieser Zeit gleich zu rechnen und die dabei angewendeten
-Herstellungsverfahren sind darum etwas näher zu betrachten.
-
-Hildesheim war unter dem grossen im Jahre 1022 gestorbenen Bischof
-Bernward die hohe Schule der Kunst, nicht nur für die deutschen Lande,
-hier entstanden auch die ersten im höchsten Sinne monumentalen Werke
-deutscher Erzgiesskunst.
-
-Mit staunender Ehrfurcht betrachten wir noch heute dort die Zeugen jener
-grossen Zeit: die im Jahre 1015 gegossenen riesenhaften Thürflügel im
-Dome (Abb. 8), die bekanntlich in Anlehnung an die Trajanssäule im Jahre
-1022 entstandene erzene Bernwardssäule (Abb. 9) und die ebenfalls in
-Hildesheim erhaltenen künstlerisch und technisch gleich wertvollen
-Altargeräte.
-
-Dass bei allen diesen Werken das Wachsausschmelzverfahren Anwendung
-gefunden hat, ist ziemlich unzweideutig zu erkennen. Schriftliche
-Nachrichten fehlen leider auch für diese Werke, allein der wenig jüngere
-Theophilus giebt uns doch genaue Beschreibungen verschiedener Formungs-
-und Giessverfahren, die gleichartig auch bei den Hildesheimer Arbeiten
-angewendet sein dürften.
-
-[Illustration: Abb. 9. Bernwardssäule, Hildesheim.]
-
-Die von Theophilus beschriebene Einformung eines Rauchfasses ist hier
-zunächst von Interesse, als Beispiel des Verfahrens, das bei allen
-komplizierter gestalteten, insbesondere hohlen Gussstücken damals
-angewendet sein wird. Der kunstgeübte Mönch beschreibt das
-Wachsausschmelzverfahren genau in der vorher (S. 19ff.) besprochenen
-Ausführungsweise, nur Einzelheiten aus den Angaben des Theophilus seien
-hier noch einmal hervorgehoben. Um eine geeignete Masse für den Formkern
-und den Formmantel zu erhalten, sagt er: »Nimm mit Mist gemischten und
-gut gemahlenen Thon, lasse ihn an der Sonne trocknen, den getrockneten
-mache klein und siebe ihn mit Sorgfalt, den gesiebten dann vermische mit
-Wasser und verreibe ihn tüchtig...« Von der den Kern umschliessenden
-Wachsschicht, der künftigen Metallstärke, sagt er ausdrücklich: »siehe
-zu, dass das Wachs an keiner Stelle dicker, noch dünner sei, als an den
-übrigen.« Ganz besonderen Wert legt er auf das sorgfältige Ausglühen der
-Form. Auf alles weist er in seiner schlichten Weise den Unkundigen hin,
-so dass man sehr wohl nach seinen Angaben zu arbeiten vermöchte.
-
-[Illustration: Abb. 10. Formschema, s. unten.]
-
-Das von Theophilus für die Herstellung einer Glocke anzuwendende
-Formverfahren würde kaum in den Rahmen des hier zu behandelnden Gebietes
-hineinfallen, wenn man nicht auch darin nur das Beispiel einer zweiten in
-geeigneten Fällen anzuwendenden Formungsmöglichkeit erblicken müsste.
-
-Die ausführliche Beschreibung der Glockenformerei, wie sie Theophilus
-giebt, soll hier übergangen werden, die Anwendung auf eine andere
-Aufgabe, bei der ähnliche Formungsschwierigkeiten zu überwinden sind, wie
-sie bei kunstreich verzierten Glocken sich einstellen, möge gestattet
-sein.
-
-Wenn es sich z. B. um den Guss eines grossen, aussen reich mit Figuren
-verzierten Taufbeckens handelt oder um den Guss eines grossen
-Thürflügels, dann wird man bei der Herstellung des Gussmodells, besonders
-der Kostbarkeit des Wachses wegen, bestrebt sein, seine Verwendung nach
-Möglichkeit einzuschränken und soweit es angängig ist, statt dessen sich
-billigerer Stoffe zu bedienen.
-
-[Illustration: Abb. 11. Formschema, s. S. 28.]
-
-Abbildung 10 sei ein Stück des zu giessenden Thürflügels im
-Querschnitt, a sei die Rückplatte, auf der einerseits Gestalten voll
-vortreten, und wie in der Skizze angenommen ist, z. B. auch ein Baum
-plastisch dargestellt ist. Die Platte mit allen darauf liegenden
-bildlichen Darstellungen könnte nun nach dem bekannten Verfahren in Wachs
-modelliert und geformt werden. Kaum schwieriger wird aber das Verfahren,
-wenn die Platte a z. B. in Holz hergestellt wird, und dann auf diesem
-Grunde alle vortretenden unterschnittenen Teile in Wachs modelliert
-werden. Man würde dann statt einer völlig geschlossenen nur eine
-zweiteilige Form herzustellen haben. Zunächst würde die Platte a bis zu
-ihrer Oberkante mit Formlehm zu umhüllen sein, die Schnittfläche e würde
-dann mit einer dünnen Staubschicht (z. B. Holzkohlenpulver) zu bedecken
-sein, die das Anhaften der oberen, in der früher gekennzeichneten Weise
-aufzutragenden, Formhälfte d verhindert. Ist diese zweiteilige Form
-vorsichtig getrocknet, so kann sie auseinander genommen werden. Der
-untere Formteil kann ohne weiteres abgehoben werden, dann kann auch die
-Platte a von dem sie haltenden Wachs abgelöst und darauf die obere
-Formhälfte d erwärmt werden, so dass die in Wachs modellierten Teile
-herausschmelzen. Werden nun die beiden Formteile weiter getrocknet und
-ausgeglüht, dann ist es nur noch notwendig, sie in richtiger Lage wieder
-zusammen zu fügen -- was ermöglicht wird z. B. durch Stifte im unteren
-Formteile, die in Löcher des oberen eingreifen -- eine Eingussöffnung und
-Luftkanäle anzubringen, und die Form ist für den Guss vorbereitet.
-
-[Illustration: Abb. 12. Taufbecken, Dom zu Hildesheim.]
-
-Angenommen ist hier, dass alle vortretenden, in Wachs modellierten Teile
-massiv gegossen werden sollen, notwendig ist das nicht, sehr wohl können
-den kräftigeren Teilen Kerne eingefügt werden. In der beigefügten Skizze
-(Abb. 11), in der das Gussmodell völlig aus Wachs bestehend gedacht ist,
-sind die Kerne mit dem sie tragenden Eisenstabe eingezeichnet. Fest
-steht, dass man sich auch diesen Vorteil zu nutze zu machen verstand.
-Ausdrücklich unterrichtet werden wir darüber in einer französischen
-Schrift des 13. Jahrhunderts, dem »Livre des établissements des métiers
-de Paris«, des 1269 verstorbenen Etienne Boyleaux. Dort wird ein Besuch
-in der Giesserwerkstatt des Meisters Alain Le Grant geschildert.
-
-[Illustration: Abb. 13. Löwe, Braunschweig.]
-
-Der Künstler modelliert einen grossen Kirchenleuchter in braunem Wachs
-und giebt die nötigen Erklärungen, die in mancher Beziehung von hohem
-Interesse sind. Er sei in Brabant, in der Bourgogne, in Deutschland und
-Italien gewesen, dort gäbe es tüchtige Giesser und ihre Arbeit würde nach
-Verdienst gewürdigt. In Frankreich verlange man überladene Arbeiten und
-wolle sie nicht entsprechend bezahlen, deshalb würde Pfuscherarbeit
-geliefert, an der die Fehlstellen mit Zinn ausgebessert seien, doch man
-merke nichts davon, das Verständnis fehle.
-
-An dem Kronleuchter, den er in Arbeit habe, würde jeder der sechs Arme in
-einem Gusse hergestellt. Zunächst werde in Wachs ein tadelloses Modell
-gemacht, die dicken Teile enthielten Kerne aus Erde mit gefaultem Stroh,
-die nachher aus den für diesen Zweck in der Metallwandung ausgesparten
-Löchern entfernt würden.
-
-Die übrigen Angaben über die Herstellung des Formmantels decken sich mit
-denen des Theophilus.
-
-Neben zahlreichen, zum Teil köstlichen erzenen Thürflügeln, Grabplatten,
-Taufbecken (Abb. 12), Kronleuchtern und kleinerem Kirchengerät entstehen
-auch in der ersten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrtausends
-bereits grosse freiplastische Bronzewerke, deren einige auf öffentlichen
-Plätzen Aufstellung fanden: im Dome zu Erfurt die fast lebensgrosse Figur
-eines Leuchterträgers[14], der im Jahre 1166 aufgestellte Löwe vor der
-Burg Dankwarderode in Braunschweig (Abb. 13) und das Reiterbild des
-Drachentöters St. Georg auf dem Hradschin in Prag, von Martin und Georg
-Klussenbach 1373 ausgeführt (Abb. 14).
-
- [14] Abbildung und nähere Angaben in: Bau- und Kunstdenkmäler der
- Provinz Sachsen, Heft XIII, S. 82ff.
-
-Während nun besonders in Niederdeutschland fast allerorten mehr oder
-minder bedeutsame Gusswerke geschaffen wurden, scheinen in anderen
-Ländern in der Zeit vor dem 14. Jahrhundert nur wenige grössere Arbeiten
-der Art entstanden zu sein. Die tüchtigen Leistungen der
-Giesserwerkstätten im Maasgebiet, vor allem in =Dinant=, dürften noch am
-ersten hervorzuheben sein. Wenn auch wohl einfachste handwerkliche
-Arbeiten den weiten Ruf dieser Stadt begründeten, sind doch Werke wie der
-grosse Taufkessel vom Jahre 1112 in St. Barthélemy in Lüttich den besten
-Gussleistungen deutscher Künstler dieser Zeit gleichwertig an die Seite
-zu stellen. Weder Italien noch Frankreich, England und die übrigen
-europäischen Länder haben ähnlich bedeutende Werke gleichen Alters
-aufzuweisen.
-
-[Illustration: Abb. 14. St. Georg auf dem Hradschin in Prag.]
-
-
-
-
- III. Das Wachsausschmelzverfahren vom 14. bis zum 19. Jahrhundert.
-
-
-Zeitlich zunächst entstehen in =Italien= gussplastische Werke, die auch
-die früher geschaffenen deutschen Schöpfungen hinter sich lassen und für
-alle Zeiten ein Ruhmestitel in der Kunst jenes Landes sind.
-
-Die in den Jahren 1330-1335 für das Baptisterium in Florenz von
-Venetianer Giessern ausgeführte Bronzethür des Andrea Pisano (Abb. 15)
-muss in Italien als das erste bedeutsame Beispiel bezeichnet werden, die
-Gusstechnik im Grossen anzuwenden; die wenig älteren Erzgussarbeiten am
-Brunnen in Perugia, am Dom in Orvieto u. a. m. sind dem gegenüber von
-geringerer Bedeutung. Erst mit dem 15. Jahrhundert beginnt dort eine neue
-Aera des Kunstgusses.
-
-Wiederum ist es eine grosse Bronzethür, die die Erzplastik des 15.
-Jahrhunderts einleitet, die 1403 von Ghiberti begonnenen Flügel für das
-Florentiner Baptisterium (Abb. 18, S. 33). Genauere Nachrichten über das
-angewendete Formverfahren sind über diese Thürflügel so wenig bekannt,
-wie über das zweite am gleichen Ort befindliche, von demselben Künstler
-ausgeführte viel berühmtere Flügelpaar (Abb. 20, S. 35), von dem
-Michelangelo gesagt haben soll, sie seien würdig, die Pforten des
-Paradieses zu schmücken. Und ebensowenig sind gleichzeitige nähere
-technische Angaben erhalten über die anderen glänzenden Leistungen der
-italienischen Giesskunst des 15. Jahrhunderts. Zweifellos fest steht
-aber, dass das Wachsausschmelzverfahren angewendet wurde, nur über die
-Art der Ausführung der Form können in Einzelheiten Zweifel bestehen.
-
-Seit dem 16. Jahrhundert mehren sich aber in Italien die technischen,
-gerade die Herstellung der Form berücksichtigende Abhandlungen.
-
-In der bereits angeführten Schrift De sculptura (1504) schreibt Gaurikus:
-»Unter »Form« verstehen wir nun aber, was vom Wachse seine Gestalt
-empfängt, sie beibehält und schliesslich getreu wiedergiebt. Dabei kommt
-es vorerst auf die Beschaffenheit des Thones an, der nicht zäh, nicht
-erdig, nicht unrein sein darf. Dann wird er geweicht, zu gleichen Teilen
-so lange mit Stopfwerk oder Pferdedünger durchgearbeitet, bis davon
-nichts mehr zu unterscheiden ist, wobei man bisweilen Asche oder
-Ziegelstaub zusetzt. Er wird getrocknet, abgekratzt, durchgesiebt und mit
-Wasser begossen, dass er wieder lehmig wird, nicht zu hart und nicht zu
-weich. Ich würde sagen, was beim ersten, beim zweiten und beim dritten
-Ueberstreichen zu beachten ist, wie die Formen zuletzt mit eisernen
-Bändern zusammenzuhalten, wie sie zu dörren und in die Erde zu graben
-sind, wenn ich nicht absichtlich lieber wollte, dass Ihr das sähet,
-anstatt es zu hören.«
-
-[Illustration: Abb. 15. Thür des Andrea Pisano, Florenz, Baptisterium.]
-
-Gaurikus spricht auch von der Formerei in Pulver -- unserem »fetten«
-Sande oder der sogenannten »Masse« entsprechend -- doch da er Angaben
-über die Art der Verwendung unterlässt, ist die Auskunft von geringem
-Belang.
-
-[Illustration: Abb. 16. Benv. Cellini, Perseus-Monument in der Loggia dei
-Lanzi zu Florenz.]
-
-Zwar etwa ein halbes Jahrhundert jünger, doch von ungleich höherer
-Bedeutung sind für uns die Nachrichten des Benvenuto Cellini (1500-1571),
-die sich auf die Einformung und den Guss noch erhaltener Erzwerke
-beziehen. Insbesondere beschreibt Cellini die Ausführung des in der
-Loggia dei Lanzi in Florenz stehenden Perseus-Monumentes (Abb. 16 u. 17).
-
-[Illustration: Abb. 17. Benv. Cellini, Sockel zum Perseus-Monument.]
-
-Das Wachsausschmelzverfahren ist dabei angewendet, jedoch in einer Art,
-die von der des Theophilus besonders dadurch abweicht, dass das in Thon
-oder Gips vorhandene Modell, ohne es zu zerstören, mechanisch in Wachs
-übertragen wird, so dass im Falle eines sich etwa ergebenden Fehlgusses,
-die Herstellung einer zweiten Form mit geringeren Schwierigkeiten
-verbunden ist. Ob dieses Verfahren bereits im 15. Jahrhundert in Italien
-angewendet wurde, ist mit unbedingter Sicherheit nicht zu entscheiden.
-Durch erhaltene Briefe Cellinis, in denen er sein Verfahren als ein neues
-bezeichnet, dürfte die Annahme, dass es doch bereits länger geübt wurde,
-kaum widerlegt sein -- das Verfahren des Theophilus wurde neben dem von
-Cellini beschriebenen noch Jahrhunderte lang auch von Cellini selbst
-weiter gepflegt.
-
-[Illustration: Abb. 18. Erste Thür Ghibertis, Florenz, Baptisterium.]
-
-[Illustration: Abb. 19. Formverfahren Benv. Cellinis (a). (Schema.)]
-
-Die von Cellini angewendete, ohne weiteres schwer verständliche Art der
-Formung, soll mit Hilfe von beigegebenen Skizzen zu verdeutlichen
-versucht werden. Cellini schreibt: »Modelliere die Statue, welche du
-giessen willst, aus mit Scherwolle gemischter, dann der Verwesung
-überlassener Erde und bringe dies Modell in allen Verhältnissen und
-Formen der schönen Vollendung, die du an dem ausgeführten Werke zu sehen
-wünschest, so nahe wie möglich. Die Kunst verlangt, dass, wenn du Gutes
-leisten willst, solches nicht nur am frischen, sondern auch am trockenen
-Modell der Fall sei. Zum Zweck des Abformens mit Gips wird letzterem nun
-ein Ueberzug von Maler-Staniol gegeben: Man schmilzt Wachs und Terpentin
-zu gleichen Teilen in einem Kessel und streicht das siedende Gemisch mit
-einem Borstenpinsel ganz behutsam auf das Modell, indem man dabei wohl
-acht giebt, Muskeln, Adern, oder andere feine Einzelheiten nicht zu
-zerstören. Darüber lassen sich dann die Staniolblättchen aufs beste
-aufkleben. Sie bestehen aus äusserst dünngeschlagenem Zinn, wie es die
-Maler hin und wieder anwenden, z. B. wenn sie Waffen auf Leinwand malen.
-Nachdem die ganze Figur nun noch mit Oel gesalbt worden, lassen sich die
-Hohlformen mit Leichtigkeit darüber nehmen.... Letzteres geschieht auf
-verschiedene Weise, die schönste aber, die mir vorgekommen ist, und deren
-ich mich meistens bedient habe, besteht darin, die Form thunlichst in
-mehrere Stücke zu zerlegen, deren Zahl und Lage sich nach den frei vom
-Rumpfe abstehenden Teilen, wie Armen, Beinen und dem Kopf richtet. Diese
-einzelnen Formstücke müssen mit grösster Sorgfalt hergestellt werden;
-während der Gips noch weich ist, steckt man in jedes von ihnen einen
-doppelten Eisendraht, der um soviel aus der Masse vorragt, dass man
-daran, wie an einem Ringe, einen Bindfaden befestigen kann. Wenn der Gips
-sich verhärtet hat, muss man versuchen, ob jedes einzelne Formstück sich
-gut abheben lässt, ohne dass die Feinheiten des Werkes beschädigt werden;
-ist dies der Fall, wird es wieder genau an seinen Platz gebracht und das
-nächste Formstück möglichst nahe am vorigen genommen, damit der Guss
-nicht durch leere Zwischenräume fehlerhaft ausfalle. So werden sämtliche
-Formstücke zunächst von der einen Hälfte der Figur genommen, d. h. der
-Hälfte der Länge nach,... hierbei sind etwaige Unterhöhlungen wohl zu
-beachten, überhaupt die Formstücke so zu verteilen, dass sie wieder
-zusammengefügt den Ueberguss eines zusammenhängenden, in einem Stücke
-abhebbaren Gipsmantels von zweier Finger Dicke gestatten. Bevor letzteres
-geschieht, muss man die aus den Gipsstücken vorstehenden Ringe von
-Eisendraht mit etwas Thon umgeben, so dass sie nachher beim Abheben der
-Hülle nicht hinderlich werden. Danach salbe man die Aussenfläche
-sämtlicher Formstücke, welche die Gipshülle bekleiden soll, aufs beste
-mit Oel, damit diese sich nach Erhärtung des Gipses leicht abheben lasse.
-Hat man einmal versucht, ob dies geht, bringt man die Stücke wieder an
-ihren Ort in dem Mantel und verfährt auf dieselbe Weise mit der zweiten
-hinteren Hälfte der Figur.«
-
-[Illustration: Abb. 20. Zweite Thür Ghibertis, Florenz, Baptisterium.]
-
-Diese erste, vorbereitende Stufe bei der Herstellung der Metallgussform
-möge zunächst an einigen Abbildungen verdeutlicht werden. Die Formarbeit
-bleibt im ganzen dieselbe, wenn an Stelle einer ganzen Figur -- wie
-Cellini annimmt -- z. B. nur ein Kopf gegossen werden soll.
-
-[Illustration: Abb. 21. Vielteilige Gipsform über einem Kopfe (nach
-Mariette, s. oben).]
-
-Wenn das Thonmodell bereits fertig und in der beschriebenen Weise mit
-Maler-Staniol überzogen ist, handelt es sich zuerst darum, eine
-Gipshohlform herzustellen, die nur dazu dienen soll, das für das
-Wachsausschmelzverfahren vorbereitete Wachsmodell auf mechanischem Wege
-zu erhalten.
-
-Man wird an einer Stelle des Kopfes beginnen, Gipsbrei aufzutragen in
-einer Stärke, die sich nach der Grösse des Modells richtet. Vor dem
-Erstarren der Gipsmasse wird man die Aussenfläche abschlichten und die
-Drahtöse hineindrücken. Nachdem der Gips hart geworden ist, wird man ihn
-vom Modell abheben, meist senkrecht zur Innenfläche gerichtete
-Seitenflächen mit einem Messer anschneiden und das nun fertige Teilstück
-ölen. Nachdem es wieder genau seinen Platz am Modell erhalten hat, trägt
-man daneben wiederum Gipsbrei an und verfährt damit in gleicher Weise.
-Jedes Teilstück wird man möglichst gross nehmen, doch stets so, dass es
-Rundungen nur so weit bedeckt, als es abhebbar bleibt. Vor allem aber
-muss auf voll unterschnittene Teile am Modell Rücksicht genommen werden;
-am Kopf könnte das beispielsweise eine Locke sein. Man kann da auf
-verschiedene Weise vorgehen. Entweder wird man die Unterschneidung
-ausfüllen, ohne weiteres ist dann darüber zu formen. Doch da die
-Unterschneidung dann an dem künftigen Einguss -- in diesem Falle Wachs --
-ebenfalls fehlen würde, müsste sie nachträglich hergestellt werden. Oder
-der voll unterschnittene Teil kann von vornherein vom Modell abgetrennt
-werden, in der Gipsform und am Einguss würden dann nur die Trennflächen
-zum Ausdruck kommen, an die -- vorausgesetzt, dass es sich wieder um
-Wachs handelt -- leicht das abgetrennte, für sich modellierte oder
-geformte Stückchen angesetzt werden kann.
-
-Schliesslich ist auch, wenn nicht zu viele voll unterschnittene Teile
-dicht nebeneinander vorhanden sind, die Schwierigkeit der Einformung
-nicht gross. Man wird die Formstücke nur derart trennen müssen, dass sie
-die ösenartige Unterschneidung von den Seiten je zur Hälfte bedecken.
-
-[Illustration: Abb. 22. Formverfahren Benv. Cellinis (b). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 23. Formverfahren Benv. Cellinis (c). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 24. Formverfahren Benv. Cellinis (d). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 25. Formverfahren Benv. Cellinis (e). (Schema.)]
-
-Ist nun die eine Kopfseite, z. B. die vordere, in der angegebenen Weise
-mit dicht aneinanderschliessenden Formstückchen aus Gips bedeckt, dann
-werden, wie Cellini angiebt, die Drahtösen mit Thonklümpchen bedeckt und
-sämtliche aufs beste mit Oel getränkten Teilstücke mit einer zweiten
-Gipslage überkleidet (Abb. 19 u. 21). Diese Lage wird nach dem Erstarren
-abgehoben und an den Stellen, die durch die Eindrücke der Thonklümpchen
-gezeichnet sind, mit Löchern versehen.
-
-[Illustration: Abb. 26. Formverfahren Benv. Cellinis (f). (Schema.)]
-
-Nachdem dann auch die andere Kopfhälfte in derselben Weise eingeformt ist
-und der Gips »den grössten Teil seiner Feuchtigkeit verloren hat«, werden
-die Formstückchen einzeln vom Modell abgehoben und nebeneinander in dem
-äusseren Gipsmantel befestigt, indem man Fäden, die durch die Drahtösen
-gezogen sind, ausserhalb der Löcher des Mantels mit Hilfe kleiner
-Holzknebel verknotet. Werden dann die beiden Mantelhälften mitsamt den
-einliegenden Formstückchen vereinigt, so erhält man die Hohlform des
-Kopfes (Abb. 21, 22).
-
-In gleicher Weise würde bei einer ganzen Figur verfahren werden. Die
-Gipshohlform dient nun als Grundlage für die weitere Herstellung der
-hitzebeständigen Metallgussform.
-
-[Illustration: Abb. 27. Ghiberti, Johannes d. T., Florenz, Or San
-Michele.]
-
-[Illustration: Abb. 28. Ghiberti, Matthäus, Florenz, Or San Michele.]
-
-[Illustration: Abb. 29. Donatello, Denkmal des Gattamelata in Padua.]
-
-Der einfacheren Handhabung wegen und um alle Tiefen der Gipsform leicht
-erreichen zu können, zerlegt man sie wieder in ihre Hauptteile, dann
-giesst man, wie Cellini weiter beschreibt: »ein wenig feines Fett in ihre
-Höhlung, in welche alsdann eine Schicht Wachs, Thon oder Nudelteig (woher
-dies Verfahren auch das »Nudeln« heisst) eingedrückt wird. Zu diesem
-Zwecke schneidet man in ein Stück Holz eine Höhlung von der Grösse der
-Handfläche und der Tiefe eines guten Messerrückens, auch mehr oder
-weniger tief, je nach der Stärke, welche man dem Gusse geben will. In
-diese Art von hölzerner Form füllt man (in gleichmässiger Dicke) den
-Teig, nimmt ihn dann heraus und drückt ihn so in die Hohlform aus Gips,
-dass ein Stück das andere genau berührt. Ist auf diese Weise die Form von
-oben bis unten damit überzogen, legt man ihre Hälften nebeneinander auf
-den Boden und macht ein Gerüst aus Eisen, welches dadurch, dass man den
-Stangen die Krümmungen des Rumpfes und der Gliedmassen des Modelles
-giebt, der Statue gleichsam als Gerippe dienen soll. Darüber trägt man
-dann nach und nach mageren, d. h. mit Scherwolle gekneteten Thon auf, den
-man ab und zu an der Luft oder am Feuer trocknen lässt, bis endlich das
-Gerüste die Hohlform vollständig ausfüllt, wovon man sich durch
-wiederholtes Aneinanderpassen derselben überzeugt. Berührt dieser
-Formkern überall die Nudelschicht, so wird er wieder herausgenommen,
-ringsum von oben bis unten mit feinem Eisendraht umwunden und so lange
-starker Hitze ausgesetzt, bis er gebrannt ist. Ist dies geschehen, so
-bestreicht man ihn mit einem ganz feinen Brei aus mit Scherwolle
-gemischter Erde, Ziegelpulver und gestossenen Knochen, worauf durch
-nochmaliges Erhitzen auch dieser Ueberzug gebrannt wird. Hat man dann
-nach Entfernung der Nudelschicht die Form innen mit dem allerfeinsten
-Speck dünn eingerieben -- und zwar mit erwärmtem, weil dieser besser in
-den Gips einzieht --, sind dann auch die Eingussröhren für das Wachs
-angebracht, so befestigt man mittels einiger Eisenstangen, die man vom
-Gerüste des Kernes hat herausragen lassen, Hohlform und Kern
-wechselseitig derart, dass sie sich gegeneinander nicht verrücken können.
-Hat man die Hüllen recht fest miteinander verbunden, so richtet man die
-Statue auf und bringt zum wenigsten noch vier Luftkanäle an; je mehr
-ihrer sind, desto sicherer wird die Füllung der Form mit Wachs vor sich
-gehen. Zwei der Luftkanäle werden an den Händen angebracht, zwei andere
-an den tiefsten Stellen der Füsse. Um sich diese Arbeit zu erleichtern,
-stellt man die Form auf eine erhöhte Unterlage, bohrt mit grosser
-Vorsicht ein Loch in schräger Richtung nach unten, ohne dass irgend
-Unreinigkeiten in das Innere der Form gelangen, steckt in das Loch Stücke
-Schilfrohr, die man mit Verständnis aufwärts biegt und, Rohr an Rohr, zu
-einer an der Statue emporsteigenden Röhre verbindet. Ist so bei
-sämtlichen Luftkanälen verfahren, so werden die Stellen, wo zwei
-Rohrstücke sich aneinander fügen, wie auch die, wo das erste im Loche
-sitzt, mit etwas feuchtem Thon verschmiert, damit das Wachs keine Lücken
-zum Herausfliessen finde. Darauf kann man das Wachs heiss und gut
-geschmolzen einströmen lassen. Wenn nur alle Vorarbeiten, besonders die
-Anbringung der unteren Luftkanäle, richtig ausgeführt sind, wird die Form
-sich bei noch so schwieriger Haltung der Figur leicht füllen. Nachdem man
-die Form einen Tag lang, zur Sommerszeit zwei Tage, sich hat abkühlen
-lassen, nimmt man die Banden mit grösster Sorgfalt ab und löst alle
-Fäden, welche die einzelnen Formstücke an ihre gemeinsame Gipshülle
-befestigen. Deren erste Hälfte wird nun leicht abzuheben sein, weil das
-Wachs sich während der zweitägigen Ruhe wenigstens um die Dicke eines
-Pferdehaars zusammengezogen hat. Ebenso entfernt man die zweite Hälfte
-der Hülle und legt dann beide Teile so auf niedrige Böcke, dass man mit
-den Händen darunter greifen kann. Nun löst man von der Statue auch alle
-einzelnen Formenstücke, die vorhin durch Drahtringe und Bindfäden an der
-Hülle befestigt gewesen, eines nach dem anderen auf das sorgfältigste ab,
-putzt die Gussnähte sauber fort und überarbeitet die ganze Figur recht
-gründlich. Dabei lassen sich Einzelheiten und anmutige Zuthaten noch mit
-leichter Mühe ansetzen.«
-
-[Illustration: Abb. 30. Verrocchio, Brunnen im Pal. Vecchio zu Florenz.]
-
-[Illustration: Abb. 31. Verrocchio, Christus und Thomas, Florenz, Or San
-Michele.]
-
-Auch diese Ausführungen Cellinis bedürfen der begründenden Erklärungen.
-Zunächst ist auffallend das als »Nudeln« bezeichnete Zwischenverfahren,
-das man, wie es scheint, zu anderen Zeiten kaum angewendet hat, dem aber
-gewisse Vorteile kaum abzusprechen sind.
-
-Die Form eines Kopfes diene weiter als Beispiel. Wenn die Gipshohlform
-vorhanden ist, dient sie zunächst dazu, den Kern zu erhalten, das ist auf
-verschiedene Weise möglich, das »Nudeln« ist der umständlichste Weg.
-
-[Illustration: Abb. 32. Verrocchio, Denkmal des Colleoni, Venedig.]
-
-In einer gleichmässig vertieften Platte stellt man zuerst dünne Scheiben
-in einer beliebigen knetbar weichen Masse z. B. Teig, Thon oder Wachs her
-und legt mit dieser die Gipsform möglichst gleichmässig aus, doch kommt
-es durchaus nicht darauf an, dass diese Schicht in alle Tiefen gedrückt
-wird, sie hat ja weiter keinen Zweck, als die Herstellung des Kernes zu
-erleichtern -- den Abstand des Kernes von der Formfläche überall gleich
-zu erhalten, dann auch die leicht verletzliche Form vor Beschädigung zu
-schützen. Der Kern aus Thon mit Scherwolle wird, wie Cellini allgemein
-verständlich beschreibt, über einem Eisengerüst, das in geeigneter Weise
-gestaltet ist, aufgetragen und allmählich von unten nach oben
-fortschreitend in die mit der Hilfsschicht ausgelegte Gipsform sorgfältig
-eingepasst (Abb. 23).
-
-Ist so der ganze Kern fertig gestellt, so wird die Gipsform mitsamt der
-Hilfsschicht abgehoben und der Kern, nachdem er von oben bis unten mit
-feinem Eisendraht umwunden ist, geglüht. Um danach wieder dem Kerne eine
-schlichte Oberfläche zu geben, wird er mit der von Cellini angegebenen
-Masse dünn überzogen und darauf noch einmal gebrannt.
-
-Wesentlich einfacher ist die Bildung des Kernes, wenn in der Art
-verfahren wird, die Cellini ebenfalls beschreibt, von der er allerdings
-sagt, dass sie weniger zuverlässig sei. Dieses Verfahren besteht darin:
-»den Gusskern der Statuen anstatt aus Thon, aus mit gebrannten Knochen
-und gepulverten Ziegeln gemischtem Gips herzustellen. Trifft es sich,
-dass der Gips gerade von der rechten Sorte ist, so ist dies Verfahren ein
-leichteres, weil man, anstatt die Ueberzüge einen nach dem anderen von
-Thon aufzutragen, den mit einer gleichen Menge der erwähnten Zuthaten zu
-einem Brei angerührten Gips sofort über die in die Hohlform gedrückte
-Nudelschicht giessen und dort erhärten lassen kann. Dann nimmt man ihn
-aus der Höhlung, umwickelt den ganzen Kern fest mit Eisendraht, den man
-nachher wieder recht achtsam mit einem etwas flüssigeren Brei der obigen
-Mischung, verstreicht. Nun brennt man den Kern wie einen irdenen....«
-
-Wird alsdann über dem verglühten Kerne die Gipsform, aus der nun die
-Hilfsschicht entfernt ist, wieder zusammengebaut, so entsteht natürlich
-an Stelle jener Hilfsschicht zwischen Kern und Gipsform ein freier Raum,
-diesen in allen Feinheiten mit flüssig einzugiessendem Wachs zu füllen,
-ist die nächste Aufgabe.
-
-[Illustration: Abb. 33. Verrocchio, Denkmal des Colleoni, Venedig.]
-
-[Illustration: Abb. 34. Jac. Sansovino, Gestalt des Friedens, Venedig,
-Loggietta.]
-
-Cellini giebt an, wie zu dem Zwecke Röhren anzubringen seien, es bedarf
-hier nicht der Wiederholung, nur auf das Princip, das gleichartig auch
-beim Einguss des flüssigen Metalles verfolgt wird, sei kurz hingewiesen.
-Es kommt beim Einfüllen der erstarrenden Masse darauf an, sie mittels
-Röhren zunächst in die tiefst gelegenen Teile der Form zu leiten und sie
-darin gleichmässig ansteigen zu lassen. Nur so ist es zuverlässig
-erreichbar, die Form in allen Tiefen zu füllen. Die Gefahr der
-Verstopfung enger Formhöhlungen, ehe sie gänzlich mit Wachs gefüllt sind,
-wird dann sehr gering; der Luft bleibt hinreichend Zeit zu entweichen.
-
-Nicht ganz klar ersichtlich ist aus der Beschreibung, wie die Röhren
-angebracht werden sollen. Das einfachste dürfte sein, die Eingusskanäle
-zwischen den beiden Schichten der Teilform mit Durchbohrung der Innenlage
-anzuordnen, Schilfrohr wäre dann entbehrlich. Da solches zu Hilfe
-genommen wurde, muss angenommen werden, dass auch der äussere Gipsmantel
-durchbohrt wurde und dass von den erhaltenen Oeffnungen aus
-Schilfröhrchen, die mit Thon gedichtet wurden, an der Aussenwandung der
-Form hinaufgezogen wurden, etwa wie in der Skizze Abbildung 24 angegeben
-ist.
-
-[Illustration: Abb. 35. Jac. Sansovino, Pallas Athene, Venedig,
-Loggietta.]
-
-[Illustration: Abb. 36. Bartolommeo Ammanati, Brunnen in Florenz, Piazza
-del Granduca.]
-
-Bei E wird eingegossen, die flüssige Masse strömt zuerst bei a, a in die
-Form, sobald diese bis b, b gefüllt ist, tritt sie durch die dort
-mündenden Nebenzweige des Eingussrohres und so fort, wenn noch weitere
-übereinander angebracht sind. Bei dieser Art der Füllung kann bereits die
-Wachsmasse in den unteren Teilen zur Ruhe kommen, während in die oberen
-noch die Flüssigkeit einströmt, und der stetig gesteigerte Druck wird die
-noch nicht erstarrte Masse in alle Feinheiten der Form pressen. Ohne
-weiteres ersichtlich ist, dass diese Vorteile fortfallen müssten, wenn
-man von oben, unmittelbar in den Raum zwischen Kern und Form, z. B. da,
-wo in der Skizze die Oeffnung für die verdrängte Luft angenommen ist, das
-flüssige Wachs einströmen lassen würde, wie es nach dem citierten Text
-den Anschein haben könnte, da die Eingussröhren ebenfalls als Luftröhren
-bezeichnet sind.
-
-[Illustration: Abb. 37. Bartolommeo Ammanati, Brunnen in Florenz, Piazza
-del Granduca.]
-
-Nachdem dann das eingegossene Wachs ein bis zwei Tage lang abgekühlt ist,
-wird die Gipsform in der Weise entfernt, dass zuerst die die inneren
-Teilstücke haltenden Fäden durchschnitten werden, wodurch die grossen
-äusseren Mantelstücke abhebbar werden. Erst wenn diese fortgenommen sind,
-lassen sich natürlich die einzelnen Teilstückchen von den Rundungen und
-Tiefen des nun in Wachs vorhandenen Modells lösen.
-
-Am Wachs können nun nach Bedarf weitere Durchführungsarbeiten vorgenommen
-werden, die besonders wertvoll werden, wenn, wie es in früheren
-Jahrhunderten anscheinend stets zu geschehen pflegte, die Künstler, die
-das Originalmodell geschaffen haben, auch das Wachsmodell mit eigner Hand
-vollenden. Auch etwa nicht miteingeformte sehr zarte, vortretende oder
-voll unterschnittene Teile würden nun in Wachs hinzugefügt werden müssen.
-
-Für die Metallgussform ist der über dem Eisenskelett aufgebaute Kern und
-die durchaus die Stelle des künftigen Metalles ersetzende Wachsschicht
-vollendet, die weitere Aufgabe ist es, die Wachslage mit dem äusseren
-Formmantel zu umhüllen und in diesem Mantel Röhren anzubringen, die
-einerseits dem geschmolzenen Wachs das Ausfliessen und dem flüssigen
-Metalle das Einströmen gewähren und anderseits solche, die die Luft
-entweichen lassen.
-
-Die Schmelzbarkeit des Wachses nutzt man auch für die Herstellung der
-Röhren aus, man trägt also nicht zuerst den Formmantel auf und bringt in
-diesem durch Bohrung Kanäle an, man beginnt vielmehr mit Anfertigung der
-Röhren, d. h. man giebt Wachsstäbchen von hinreichender Stärke die Lage
-am Wachsmodell, die die Röhren später einnehmen sollen (Abb. 25).
-
-Cellini sagt darüber, es seien: »sämtliche Luftkanäle, die man für den
-Bronzeguss anzubringen beschlossen hat, aus Wachs anzufügen und zwar in
-schräg nach unten verlaufender Richtung; später, wenn der Thonüberzug
-erst aufgetragen ist, lassen sie sich leicht durch thönerne Röhren nach
-oben gebogen fortsetzen.« Und weiter giebt er an: »dass die Luftkanäle
-deswegen schräg nach unten verlaufen müssen, damit das Wachs besser
-ablaufen könne und die Form nicht durch andernfalls nötiges Hin- und
-Herwenden leide und Gefahr laufe, zu zerbrechen.«
-
-[Illustration: Abb. 38. Ammanati und Tribolo, Brunnen in Villa reale di
-Castello bei Florenz.]
-
-Beim Auftragen des äusseren Formmantels kommt es vor allem darauf an,
-dass er möglichst fein die Wachsschicht in allen zarten Teilen deckt. Man
-beginnt deshalb damit, mit einem weichen Pinsel eine flüssig breiige
-Formmasse aufzutragen, deren Herstellung Cellini wie folgt beschreibt:
-»Nun pulverte ich gebranntes Hornmark von Hammeln. Solches gleicht einem
-Schwamme, lässt sich leicht brennen und übertrifft an Güte alle anderen
-gebrannten Knochenarten. Gleichfalls pulverte ich halb so viel Tripel und
-ein Viertel Hammerschlag und vermischte die drei Teile in einem Aufguss
-von Rinds- oder Pferdemist, den ich erhielt, indem ich letzteren in einem
-feinlöcherigen Siebe mit reinem Wasser übergoss.« Diesen Brei trug
-Cellini »in gleichmässiger Dicke... über die Wachshülle der Figur auf,
-liess ihn trocknen und fuhr so fort, bis er eine Schicht von der Dicke
-eines Messerrückens bildete.« Diese Schicht überzog er: »mit einer Hülle
-aus Formerde in der Dicke eines halben Fingers... und nachdem diese
-getrocknet war, mit einer zweiten, endlich mit einer dritten von
-Fingerdicke.«
-
-Der Formmantel, der mit Eisenbändern umwunden werden muss, wird
-schliesslich die Stärke haben müssen, dass sämtliche in Wachs
-vorgebildeten Kanäle darin Platz haben, und dass er zugleich die
-notwendige Widerstandsfähigkeit erreicht (Abb. 26).
-
-Die Gussform ist dann vollendet, es ist nur noch nötig, sie langsam zu
-erwärmen, das Wachs sorgfältig ausfliessen zu lassen und das flüssige
-Metall einzufüllen. Die Form wird, um diese letzte Aufgabe erfüllen zu
-können, wie früher beschrieben ist, in der Dammgrube, unmittelbar vor dem
-Ofen, in dem das Metall geschmolzen wird, in Sand eingestampft.
-
-Eine künstlerische Würdigung der italienischen Erzplastik des 15. bis 19.
-Jahrhunderts würde über den Rahmen dieser die Technik behandelnden
-Schrift hinausgehen, nur die bedeutsamsten grösseren öffentlich
-aufgestellten Werke und die Namen ihrer Schöpfer mögen angeführt werden.
-
-[Illustration: Abb. 39. Giov. da Bologna, Neptunsbrunnen in Bologna.]
-
-Die meisten italienischen Bildhauer des 15. Jahrhunderts waren in der
-Schule des Goldschmiedes gebildet, schon deshalb ist man gern geneigt,
-ihnen einen wichtigeren Anteil auch an der Gussausführung ihrer Werke
-einzuräumen, mit Sicherheit darüber zu entscheiden, ist jedoch bei den
-spärlichen oder unzuverlässigen Nachrichten über diesen Punkt selten
-möglich.
-
-[Illustration: Abb. 40. Giov. da Bologna, Merkur auf dem Windhauch.]
-
-Lorenzo Ghibertis Thüren am Florentiner Baptisterium wurden bereits
-erwähnt, auch grosse Freifiguren hat derselbe Künstler in Bronzeguss
-geschaffen: die Gestalten Johannes d. T. (Abb. 27), des Matthäus (Abb.
-28) und des heil. Stephanus für die Nischen an Or San Michele in Florenz.
-
-Neben Ghiberti hat der grösste Bildner des Quattrocento, Donatello,
-zahlreiche Modelle für den Erzguss geschaffen, sein persönlicher Anteil
-an der Ausführung ist jedoch sehr in Frage gestellt. Während der
-gemeinschaftlichen Thätigkeit mit Michelozzo wird diesem die Leitung der
-Gussarbeiten zugefallen sein, und in Padua war ein dort ansässiger
-Glockengiesser der ausführende Meister. Gaurikus sagt, dass Donatello
-niemals selbst gegossen habe. Von Donatellos Werken seien nur genannt die
-Judith in der Loggia dei Lanzi und der Gattamelata in Padua (Abb. 29),
-das erste grosse erzene Reiterbild, das seit vielen Jahrhunderten wieder
-entstand.
-
-[Illustration: Abb. 41. Giov. da Bologna, Denkmal Cosimos I. di Medici in
-Florenz.]
-
-[Illustration: Abb. 42. Giov. da Bologna, Denkmal Ferdinands I. di Medici
-in Florenz.]
-
-Kaum weniger hervorragende Gusswerke gehören auch der zweiten Hälfte des
-15. Jahrhunderts an.
-
-In den Jahren 1451 und 1454 sollen Niccolo di Giovanni Baroncelli und
-Antonio di Cristoforo in Ferrara nach eigenen Modellen ein Reiterdenkmal
-des Niccolo und ein Standbild des Borso d'Este, die beide nicht mehr
-erhalten sind, in Bronze gegossen haben.
-
-Verrocchio schuf die höchst anmutige Brunnenfigur des Knaben mit dem
-Delphin im Hofe des Pal. Vecchio zu Florenz (Abb. 30), weiter die Gruppe
-des Christus und Thomas für Or San Michele (Abb. 31) und das gewaltige
-Reiterbild des Colleoni für Venedig (Abb. 32 u. 33); von Verrocchio wird
-ausdrücklich berichtet, dass er 1488 infolge einer Erkältung, die er sich
-bei den Gussarbeiten dieses Reitermonumentes zuzog, gestorben sei.
-
-Zweifellos selbst als Erzgiesser thätig dürften die Brüder Pollajuolo
-gewesen sein. Von Antonio möge hier das in der Peterskirche in Rom
-aufgestellte Grabmal des Papstes Innocenz VIII. mit der Kolossalfigur
-dieses Kirchenfürsten nicht ungenannt bleiben.
-
-Zahlreicher noch sind die im 16. und 17. Jahrhundert in Italien
-geschaffenen grossen Bronzegusswerke, wenn auch eine Zeitlang unter dem
-Einflusse Michelangelos, der dieser Technik entschieden abgeneigt war,
-ein Zurückgehen der Gussplastik unverkennbar ist.
-
-Neben den Denkmälern und grossen dekorativen Skulpturen nehmen jetzt vor
-allem die Monumentalbrunnen, die bisher nur selten mit figürlichem
-Bronzeschmuck ausgestattet waren, eine wichtige Stellung ein.
-
-In Venedig und den Nachbarstädten entstanden nach dem 15. Jahrhundert
-öffentlich aufgestellte grosse Erzwerke nur wenige. Die Brunnenmündungen
-im Dogenpalast, von der Hand Jacopo Sansovinos vier Figuren für die
-Loggietta (Abb. 34 u. 35) und die sitzende Porträt-Figur des Thomas von
-Ravenna über dem Portal von S. Giuliano, weiter Tiziano Aspettis Statuen
-St. Pauli und Mosis für die Fassade von St. Francesco della Vigna sind
-ausser den im Inneren der Kirchen aufgestellten Gusswerken die
-bemerkenswertesten Leistungen.
-
-[Illustration: Abb. 43. Pietro Tacca, Brunnen auf der Piazza del
-Annunciata in Florenz.]
-
-[Illustration: Abb. 44. Pietro Tacca, Denkmal Ferdinands I. in Livorno.]
-
-In Toscana blüht auch im 16. Jahrhundert der Kunstguss wie vorher. Im
-Jahre 1509 goss Bernardino von Lugano nach Rusticis Modell die kraftvolle
-Gruppe der Predigt Johannis d. T., die über der Nordthür des
-Baptisteriums in Florenz aufgestellt wurde.
-
-Von dem Hauptgusswerke Benvenuto Cellinis, dem um 1550 geschaffenen
-Perseusmonument in der Loggia dei Lanzi in Florenz, ist bereits die Rede
-gewesen. Ueber dem Portal des Florentiner Baptisteriums wurde in dieser
-Zeit die Gruppe der Enthauptung Johannis d. Täufers von Vincenzo Danti
-aufgestellt, der für Perugia eine Denkmalstatue des Papstes Julius III.
-schuf.
-
-Um das Jahr 1570 wurde auf der Piazza del Granduca in Florenz der Brunnen
-Bartolommeo Ammanatis aufgestellt, dessen bekrönender Neptun zwar in
-Marmor gebildet, dessen leicht schwebende Satyrn und Pane am Beckenrande
-aber in Erz gegossen wurden (Abb. 36 u. 37).
-
-In der mannigfaltigsten Weise bediente sich der aus den Niederlanden
-gebürtige Giovanni da Bologna der Erzgusstechnik bei seinen zahlreichen
-grossen Werken. Der Neptuns-Brunnen in Bologna, bei dem die Figuren und
-alle dekorativen Teile in Bronze ausgeführt waren, begründete den grossen
-Ruhm des Künstlers (Abb. 39). Als Bekrönungsfigur eines Brunnens war
-zweifellos auch der bekannte höchst graziöse »Merkur auf dem Windhauch«
-gedacht (Abb. 40).
-
-Desselben Künstlers Reiterbilder der Mediceer Cosimo I. (Abb. 41) und
-Ferdinand I. (Abb. 42) in Florenz sind als Beispiele der grossen
-Denkmalplastik in Erz für die Zeit um 1600 von hohem Interesse.
-
-Von den in Italien gebliebenen Bronzewerken des Pietro Tacca, des
-Schülers und Mitarbeiters Giovannis da Bologna sind aus der ersten Hälfte
-des 17. Jahrhunderts in Florenz die beiden Brunnen auf der Piazza del
-Annunciata (Abb. 43) und in Livorno das Denkmal Ferdinands I. mit den
-gefesselten Negersklaven am Sockel zu nennen (Abb. 44).
-
-Die Reiterstatuen des Alessandro und Ranuccio Farnese (Abb. 45) auf dem
-grossen Platze in Piacenza wurden nach den Modellen des Francesco Mocchi
-d. J. im Jahre 1625 von dem römischen Giesser Marcello, wie es heisst,
-jede in einem Gusse, vollendet.
-
-[Illustration: Abb. 45. Denkmal des Ranuccio Farnese, Piacenza. Modell
-von Fr. Mocchi, Guss von Marcello.]
-
-Auch in Rom entstand in der zweiten Hälfte des 16. und im 17. Jahrhundert
-eine Reihe sehr bedeutsamer Bronzegusswerke, die vor allem in der
-Peterskirche Aufstellung fanden. Von den unter freiem Himmel stehenden
-monumentalen Gussarbeiten des 16. Jahrhunderts sei Taddeo Landinis
-treffliche Fontana delle Tartarughe angeführt (Abb. 46).
-
-In der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhundert treten in Italien
-die Denkmal- und Brunnenskulpturen mehr und mehr zurück, und zugleich
-damit nimmt die Verwendung der Bronze immer mehr ab. Nur wenige grosse
-statuarische Werke entstehen noch, wenn die für die Kirchen geschaffenen
-Denkmäler unberücksichtigt bleiben dürfen.
-
-Die Technik des Erzgusses gerät dennoch in Italien, wie es scheint, nie
-in dem Masse in Vergessenheit wie besonders im 18. Jahrhundert in
-Deutschland. In weitestem Umfange ausgeübt wird aber die Giesserei
-monumentaler Werke auch in Italien erst wieder im 19. Jahrhundert, das
-Formverfahren blieb auch dann zunächst das altübliche mit Hilfe von
-Wachs, erst verhältnismässig spät wurde für grosse Erzmonumente in
-Italien das unten näher besprochene Teilformverfahren in Sand nach dem
-Beispiele Frankreichs und Deutschlands eingebürgert.
-
-Eine neue Glanzperiode der Giesskunst begann mit dem 16. Jahrhundert
-auch nordwärts der Alpen, besonders in =Deutschland=. Die ersten und
-grossartigsten plastischen Arbeiten der Renaissance waren auch bei uns in
-Bronzeguss ausgeführt. Die berühmtesten Giesserwerkstätten finden sich in
-dieser Zeit aber nicht mehr in Niederdeutschland. Die den
-Haupthandelsverkehr mit Italien vermittelnden reichen süddeutschen
-Städte, vor allem Nürnberg und Augsburg, sind zu den bedeutsamsten
-Mittelpunkten des deutschen Kunstschaffens geworden.
-
-[Illustration: Abb. 46. T. Landini, Fontana delle Tartarughe in Rom.]
-
-Grabmäler und Brunnen waren die vornehmsten Aufgaben, die die
-Giesskünstler jener Städte beschäftigten.
-
-Wenn nun auch die Nachrichten über die Giessmeister des 16. und der
-folgenden Jahrhunderte durchaus nicht so spärlich fliessen, so sind
-genauere Angaben über die Art der Ausführung auch berühmtester
-Bronzewerke kaum erhalten oder nur mühsam aus noch vorhandenen
-geschäftlichen Vereinbarungen zusammen zu suchen.
-
-Ueber das Grabmal des Heiligen Sebaldus in Nürnberg (Abb. 47 u. 48), das
-von Peter Vischer und seinen Söhnen in den Jahren 1506 bis 1519 in
-Nürnberg geschaffen wurde, und ebenso über die weiteren vielgerühmten
-Gusswerke dieser volkstümlichsten deutschen Kunstgiesserfamilie sind
-Nachrichten, die sich auf die Herstellungsweise, insbesondere auf die Art
-der Einformung beziehen, nicht überliefert (Abb. 49).
-
-[Illustration: Abb. 47. Peter Vischer, Sebaldusgrab, Nürnberg.]
-
-[Illustration: Abb. 48. Peter Vischer, Selbstbildnis am Sebaldusgrab in
-Nürnberg.]
-
-Etwas günstiger ist es in dieser Beziehung bestellt mit dem, dem
-Sebaldusgrab an Berühmtheit kaum nachstehenden Grabmal des Kaisers
-Maximilian in der Hofkirche in Innsbruck (Abb. 50).[15] Die zahlreichen
-überlebensgrossen Bronzefiguren dieses Monumentes sind im Laufe des 16.
-Jahrhunderts von verschiedenen Künstlern, deren Namen mit ziemlicher
-Sicherheit für die einzelnen Statuen nachweisbar sind, entworfen und
-gegossen. Die beiden köstlichsten Rittergestalten zur Seite des
-eigentlichen Grabmals -- König Arthur (Abb. 51) und Theoderich (Abb. 52)
--- werden wohl mit Recht als Werke Peter Vischers angesehen. Zweifellos
-fest steht, dass er zwei Figuren ausgeführt hat und der Lieferungstermin
-deutet auf die genannten hin. Von anderen Giesskünstlern, die am Grabmal
-mitgearbeitet haben, sind besonders zu nennen die Gebrüder Stefan,
-Heinrich, Melchior und Bernhard Godl, Peter, Gregor und Hans Christoph
-Löffler, Hans Lendenstreich und Ludwig de Duca. Ueber das erste grosse
-zum Denkmal gegossene Erzbild giebt der Meister Peter Löffler in einem
-1508 an den Kaiser gerichteten Schreiben eine wichtige technische
-Auskunft, er sagt: »Nun lass ich Kais. M. wissen, dass ich das bild mit
-seiner zugehörung vor sant Jakobs tag nicht giessen mag, ursach halber
-die Formen ob dem bild kann und mag ich bei dem Feuer nicht trocknen. Es
-muss von ihm selber an der Luft trocknen; denn das bild selber ist ganz
-von wachs gemacht. Wenn ich das bild bei dem Feuer wollt trocknen, so
-zergieng das wachs, und wär all arbeit daran verloren.« Weitere Notizen,
-die die Art des Formverfahrens ebenso mit Sicherheit erkennen lassen,
-sind besonders erhalten über die die Mitte des Grabmals bekrönende
-Gestalt des knieenden Kaisers selbst und vier Tugendengestalten (Abb.
-53). Für die Modellierung dieser Figuren war der Bildhauer Alexander
-Colin aus Mecheln berufen, der Guss wurde zunächst Hans Christoph Löffler
-übertragen. Colin sollte »dieselben pilder und stücke« zum Giessen
-zusammenrichten. Auch habe er die Patronen (das sind Formen) von Gips,
-»darein er die pilder und andere stuck von Wachs gegossen«, dem Löffler
-zuzustellen, damit dieser, falls ein Guss missraten sollte, wieder
-darnach giessen könne. Löffler lehnt schliesslich den Guss ab, und man
-berief Hans Lendenstreich von München. Lendenstreich wünscht, dass er mit
-allem versorgt wird. Er fordert Metall, Schmelztiegel, Kohlen, Ziegel,
-Erde, Lehm, Sand, Scherwolle und Kälberhaare, welche er unter den Lehm
-mischen müsse, Eisendraht und einen Schmied für das Eisenwerk. Auch
-Lendenstreich kam nur dazu, die Gestalten der Tugenden zu giessen, die
-Kaiserfigur wurde schliesslich von Ludwig de Duca gegossen. Auch dieser
-giebt die wichtigsten Materialien an, deren er bedürfe: 30 Centner
-Metall, ein Centner Wachs, weiter Eisen, Gips, Scherwolle, Lehm und
-Ziegel.
-
- [15] Vergl. D. v. Schönherr, Gesammelte Schriften. Innsbruck 1900.
-
-Bei der Vereinbarung um die Ausführung der Statue Chlodwigs verpflichtet
-sich Georg Löffler »alles ganz und von einem Stück« zu fertigen, »damit
-solch pild um so vil ganz und reiner gefall«.
-
-[Illustration: Abb. 49. Peter Vischer, Grabmal des Erzbischofs Ernst,
-Magdeburg, Dom.]
-
-[Illustration: Abb. 50. Grabmal Kaiser Maximilians, Innsbruck,
-Hofkirche.]
-
-Die vorstehend wiedergegebenen Notizen sind ausreichend, um ein klares
-Bild von der Formungsart zu gewinnen, die im allgemeinen bei den grossen
-Gestalten des Grabmals angewendet sein wird; allein von dem
-Wachsausschmelzverfahren ist die Rede. Aus der an Colin gestellten
-Forderung, die Gipsformen dem Giesser mit abzuliefern, ergiebt sich
-weiter, dass auch in Deutschland im 16. Jahrhundert, nicht mehr stets,
-wie es Theophilus angiebt, das Modell freihändig vom Künstler über einem
-vorgebildeten Kerne modelliert wurde, dass vielmehr zuerst ein Thonmodell
-hergestellt und von diesem mit Hilfe von Gipsformen mechanisch der
-Wachsabdruck genommen wurde, dessen Ueberarbeitung von Künstlerhand man
-allerdings auch nicht für unentbehrlich erachtete. Im ganzen wird das in
-Deutschland geübte Verfahren dem von Cellini beschriebenen geglichen
-haben. Und wenn nun auch über die Formungsarbeit, die in der Vischerschen
-Giesshütte in Nürnberg angewendet wurde, nichts Näheres bekannt ist, so
-darf doch wohl ohne weiteres von den in Bezug auf das Maximiliansgrab
-erhaltenen Nachrichten der Rückschluss gezogen werden, dass auch dort zum
-mindesten für alle grösseren und feineren Aufgaben in gleicher Weise
-verfahren wurde; übrigens lassen ja auch die erhaltenen Gussarbeiten
-darauf schliessen. Zugleich lassen diese auch, wie nicht unerwähnt
-bleiben möge, erkennen, dass vielfach nach Holzmodellen geformt worden
-ist. In welchem Masse man bereits in dieser Zeit auch bei einfacheren
-figürlichen Modellen, die bei anderen Gegenständen wie z. B. Geschützen
-zweifellos angewendete Teilformerei in Lehm zu Hilfe nahm, soll hier
-nicht zu entscheiden versucht werden.
-
-[Illustration: Abb. 51. Peter Vischer, Gestalt König Arthurs (links) vom
-Grabmal Kaiser Maximilians in Innsbruck.]
-
-[Illustration: Abb. 52. Peter Vischer, Gestalt Theoderichs vom Grabmal
-Kaiser Maximilians in Innsbruck.]
-
-Noch von zahlreichen Bronzegusswerken des 16. und 17. Jahrhunderts, die
-bis heute eine Zierde besonders der grossen süddeutschen Städte,
-Nürnberg, Augsburg und München bilden, sind uns die Namen der
-Giesskünstler überliefert; eine Reihe tüchtiger niederländischer Meister
-findet sich darunter. Auch italienischen Giessernamen begegnet man, z. B.
-wurden die bedeutenden Erzfiguren in der Begräbniskapelle des Domes zu
-Freiberg i. S. von dem Florentiner Carlo da Cesare ausgeführt (Abbildung
-54 und 55).
-
-In =Nürnberg= entstand noch vor der Mitte des 16. Jahrhunderts von der
-Hand des Pankraz Labenwolf die bekannte Brunnenfigur des Gänsemännchens
-(Abb. 57). Auch dessen Sohn Georg Labenwolf ist ein Giesser und Bildner
-von grossem Ansehen gewesen. Sein Hauptwerk war der 1585 vollendete
-Brunnen für Kronborg bei Kopenhagen, zu dessen Ausführung er 1576 nach
-Dänemark berufen wurde.
-
-[Illustration: Abb. 53. Grabmal Kaiser Maximilians in Innsbruck.]
-
-[Illustration: Abb. 54. Kurfürst August in der Begräbniskapelle des Domes
-zu Freiberg i. S. Modell und Guss von Carlo da Cesare.]
-
-Den Tugend-Brunnen (Abb. 58) neben der Lorenzer Kirche in Nürnberg goss
-in den Jahren 1585-1589 Benedikt Wurzelbauer, auch er genoss einen hohen
-Ruf ausserhalb seiner Heimatsstadt. Bekannt ist unter anderem, dass er in
-den Jahren 1590 und 1630 zwei stattliche Brunnen für Prag und ausserdem
-einen für Durlach schuf.
-
-Noch einen Giesskünstler hatte Nürnberg im 17. Jahrhundert aufzuweisen,
-von dem einige hervorragende Werke erhalten sind, Wolfgang Hieronymus
-Herold. Er goss den in Nürnberg selbst, aus nicht völlig aufgeklärten
-Gründen, nie zur Aufstellung gekommenen »Peuntbrunnen« mit Neptun und
-seiner Gefolgschaft, Najaden, Tritonen und anderen Wasserwesen. Das
-Wachsmodell für diesen Brunnen wurde 1650 von Chr. Ritter geliefert, an
-den Gussmodellen waren Mitarbeiter Georg Schweiger und Jeremias Eisler,
-als Ciseleur wird genannt Johannes Wolrab. Im Jahre 1797 wurde der
-Brunnen von Kaiser Paul I. von Russland erworben und in vereinfachter
-Gruppierung in Peterhof aufgestellt. Von anderen grösseren Gussarbeiten
-Herolds sei noch die bekannte Figur des Heil. Nepomuk für die Karlsbrücke
-in Prag angeführt.
-
-In =Augsburg= war in der Zeit von 1586 bis 1609 der zweifellos auch als
-Bildhauer nicht unbedeutende Giesser Hubert Gerhard thätig. Er führte im
-Jahre 1595 die vermutlich von Peter Candid aus Brügge modellierte
-Erzstatue am Augustusbrunnen aus (Abb. 59-62), und unter anderem auch die
-jetzt im bayerischen National-Museum in München aufgestellte
-Kolossalgruppe des Mars und der Venus (Abb. 63).
-
-Ebenfalls ein Niederländer Meister, Adriaen de Vries, schuf in Augsburg
-die mit Bronzebildwerken geschmückten, nach ihren Hauptfiguren benannten
-Merkur- und Herkules-Brunnen in den Jahren 1596 bis 1602 (Abb. 64-66).
-
-[Illustration: Abb. 55. Kurfürstin Anna in der Wettiner Begräbniskapelle
-im Dome zu Freiberg i. S. Modell und Guss von Carlo da Cesare.]
-
-[Illustration: Abb. 56. Taufbecken, gegossen 1547 von Hans Sivvercz,
-Hildesheim, St. Andreaskirche.]
-
-Wolfgang Neidhardt goss für dieselbe Stadt das Neptunsbild auf dem
-Fischmarkte und im Jahre 1607 den kolossalen Erzengel am Zeughause
-gemeinsam mit Joh. Reichel, von dem auch eine Statue Gustav Adolphs
-geschaffen sein soll, die später Kaiser Ferdinand III. verehrt wurde.
-
-Andere Augsburger Giessmeister werden noch als Mitarbeiter am
-Maximiliansgrabe genannt; auch der Wittelsbacher-Brunnen im Brunnenhofe
-der Münchener Residenz (Abb. 67) soll von dem Augsburger Hans Reisinger
-gegossen sein.
-
-In =München= selbst waren auch Giesser von besonderer Tüchtigkeit
-ansässig. Der berühmteste unter ihnen, Hans Krumper aus Weilheim, war
-1580-1620 bei Hofe angestellt, doch werden ihm in jüngster Zeit manche
-Gussarbeiten, die als von ihm ausgeführt galten, wieder abgesprochen. Er
-hat zumeist die Entwürfe des bereits genannten Niederländers Peter Candid
-in Bronze gegossen. Als Arbeiten seiner Giesshütte werden noch angesehen
-die köstlichen Portalskulpturen und die Madonna (Abb. 68) an der Residenz
-in München, die Bekrönungsfigur der Bavaria auf dem Rundtempelchen im
-Residenzgarten (Abb. 69), die Mariensäule in München (Abb. 70) u. a. m.
-Die weit berühmte Gestalt des Erzengels Michael an der Münchener
-Michaels-Kirche (Abb. 71) soll nach Hubert Gerhards Modell von Martin
-Frey gegossen sein, von dem auch, wie heute festzustehen scheint, die
-anmutige Figur des Perseus im Grottenhofe der Residenz im Guss ausgeführt
-wurde (Abb. 72).
-
-Einige der Hauptfiguren am Grabmale Kaiser Ludwigs des Bayern in der
-Münchener Frauenkirche (Abb. 74) goss Dionysius Frey aus Kempten; welcher
-Anteil an der Gussarbeit dieses Monumentes dem Hans Krumper zukommt, den
-man früher als den alleinigen Verfertiger ansah, ist zweifelhaft.
-
-[Illustration: Abb. 57. Pankraz Labenwolf, Gänsemännchen-Brunnen,
-Nürnberg.]
-
-=Innsbruck= (Giesshütte in Mühlau bei Innsbruck) war durch das
-Maximiliansgrab zu einer der namhaftesten deutschen Giesserstädte
-geworden, in der ausser jenem Monument (nur wenige Teile, besonders die
-Figuren Peter Vischers, sind nicht in Innsbruck gegossen) noch einige
-bedeutende Erzgusswerke entstanden. Der bereits früher genannte
-Giessmeister Gregor Löffler in Innsbruck führte den mit reichem
-figürlichen Erzschmuck ausgestatteten Brunnen vor der Villa Belvedere in
-Prag aus, und für den Innsbrucker Hofgarten goss 1627 Heinrich Reinhardt
-nach dem Modelle des Kaspar Gras in Innsbruck einen Brunnen, der aus der
-Reihe der vorher genannten Schöpfungen der Art dadurch herausfällt, dass
-ein erzenes, geschickt ausbalanciertes Reiterbild des Erzherzogs Leopold
--- wohl das älteste grössere Bronzemonument mit springendem Pferde --
-bestimmt war, seine mittlere Säule zu bekrönen. Der Brunnen ist nur zum
-Teil erhalten; im Jahre 1893 wurde er aufs neue zusammengefügt, auf dem
-Rennwege in Innsbruck aufgestellt. Werke derselben Künstler sind acht
-mythologische Figuren ebenfalls im Hofgarten und das Grabmal des
-Erzherzogs Max in der Pfarrkirche mit lebensgrossen Gestalten St. Georgs
-und des knieenden Fürsten.
-
-In =Franken=, vor allem in der seit langem blühenden, zu Ausgang des 17.
-Jahrhunderts von der trefflichen Giesserfamilie Kopp geleiteten
-=Forchheimer Giesshütte= entstehen in Süddeutschland die letzten
-namhaften Bronzegusswerke bis zum 19. Jahrhundert. Grabmäler in den
-Kirchen von Bamberg und Würzburg und ein Brunnen mit der Statue des Heil.
-Willibald in Eichstädt vom Jahre 1695 werden als Arbeiten jener Meister
-angesehen.
-
-Immer bescheidener werden in der Folgezeit in Deutschland die Aufgaben
-der Erzgiesser. Grabplatten dürften die einzigen Werke geblieben sein,
-die noch einige Zeit einen gewissen Grad höheren Könnens in Anspruch
-nahmen, im 18. Jahrhundert waren in Nürnberg noch eine Reihe von
-Giesshütten damit beschäftigt.
-
-[Illustration: Abb. 58. Bened. Wurzelbauer, Tugend-Brunnen, Nürnberg.]
-
-Geschmack und Bedürfnis neigte sich in der Bildnerei minder kostbaren und
-weniger schwierig zu gestaltenden Stoffen zu. Stein und Stuck waren eher
-geeignet, den mit den vorhandenen Mitteln selten zu vereinbarenden,
-bisweilen zum Uebermass gesteigerten Ansprüchen plastischen Schmuckes an
-Bauten und in den fürstlichen Gärten zu genügen.
-
-Den niederdeutschen Giesshütten, die schon in den letzten Jahrhunderten
-eigentlich monumentale Werke kaum noch geliefert hatten, folgten mit dem
-Ausgange des 17. Jahrhunderts im Niedergange auch die süddeutschen.
-
-Die Giessertradition war besonders in Norddeutschland durchbrochen und
-bei den wenigen grossen Erzgusswerken, die noch entstanden bis zum
-Einsetzen der neuen Blütezeit des Erzgusses im 19. Jahrhundert, musste
-das Ausland Pate stehen.
-
-Als man angespornt durch das französische Beispiel auch in der
-preussischen Hauptstadt ein grosses Fürstenbild in Bronze giessen wollte,
-lehnte der dazu berufene Berliner Stückgiesser die Ausführung ab, erst
-ein in französischen Werkstätten geschulter deutscher Meister übernahm
-die ehrenvolle Aufgabe.
-
-Johann Jacobi goss in =Berlin= im Jahre 1697 das im Jahre 1803 in
-Königsberg aufgestellte Standbild des Kurfürsten Friedrich III. und am 2.
-Nov. des Jahres 1700 das für die Lange Brücke in Berlin bestimmte
-Reiterbild des Grossen Kurfürsten (Abb. 73 u. 75), beide nach Modellen
-von Andreas Schlüter.
-
-[Illustration: Abb. 59. Hubert Gerhard und Peter Candid, Augustusbrunnen,
-Augsburg.]
-
-Soweit die erhaltenen Nachrichten erkennen lassen -- die älteren Angaben
-widersprechen sich teilweise -- wandte Jacobi das noch näher zu
-beschreibende Formverfahren an, das er in Paris gelernt hatte; die
-Denkmäler wurden demnach in einem Gusse im Wachsausschmelzverfahren
-ausgeführt.
-
-[Illustration: Abb. 60. Augustusfigur vom Augustusbrunnen in Augsburg.]
-
-[Illustration: Abb. 61. Beckenfigur vom Augustusbrunnen in Augsburg.]
-
-Schon die früher angeführte Thatsache, dass die Leistung des Bildhauers
-in diesem Falle völlig in den Schatten gestellt wurde durch den Ruhm, den
-allein der Giessmeister davontrug, lässt erkennen, wie wenig Verständnis
-man damals hatte für die zahllosen grossartigen Werke, die deutsche
-Giesser früher geschaffen hatten, man hätte sonst nicht die Arbeit
-Jacobis als etwas ganz und gar Unerhörtes erachten können.
-
-Noch in einer westdeutschen Stadt, in =Düsseldorf=, entstanden zu Beginn
-des 18. Jahrhunderts bedeutendere Bronzegusswerke, freilich nicht von der
-Hand eines deutschen Meisters. Erhalten ist davon in Düsseldorf das von
-dem Brüsseler Bildhauer Grupello modellierte und 1703 gegossene
-Reiterbild des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz (Abb. 76).
-
-Als man aber wenig später, in Dresden dem König August dem Starken ein
-Denkmal setzen wollte, fehlte bereits der Meister, der es verstanden
-hätte, ein solches Werk in Bronze zu giessen, so dass man sich
-entschliessen musste, es von dem Augsburger Wiedemann in Kupfer treiben
-zu lassen[16] (Abb. 140).
-
- [16] Vergl. Sponsel, Das Reiterdenkmal Augusts des Starken. Neues
- Archiv für Sächs. Geschichte und Altertumskunde. Bd. XXII. 1901.
-
-Erwähnt sei hier ferner noch, dass im weiteren Verlauf des 18.
-Jahrhunderts, besonders im Süden des deutschen Reiches, in Oesterreich
-und Bayern, wenn nicht Bronzegussarbeiten, so doch eine Reihe
-monumentaler Gusswerke in Blei und Zinn entstanden, bei denen als
-Formverfahren auch gewiss allein das Wachsausschmelzverfahren in Betracht
-kam, die Gussschwierigkeiten jedoch wohl wesentlich geringere waren.
-Genannt seien von diesen Arbeiten der von Raphael Donner modellierte, im
-Jahre 1739 auf dem Neumarkte in Wien aufgestellte Brunnen, dessen
-Bleiteile in neuerer Zeit in Bronze nachgegossen worden sind (Abb.
-77-79), desselben Künstlers Rathausbrunnen mit Perseus und Andromeda
-(Abb. 80) und seine Reitergruppe des Heil. Martin in Pressburg (Abb. 81),
-ferner das Reiterbild Franz I. für Wien und das Denkmal der Maria
-Theresia für Klagenfurt -- beide von Balthasar Moll (1717-85). Das
-letztere wurde im Jahre 1873 durch Pönninger erneuert.
-
-[Illustration: Abb. 62. Beckenfigur vom Augustusbrunnen in Augsburg.]
-
-[Illustration: Abb. 63. H. Gerhard und C. Polaggio, Mars und Venus
-(München, National-Museum).]
-
-Schliesslich sei als das letzte grosse deutsche Bronzemonument, das noch
-im unmittelbaren Anschluss an die alte Wachsformerei entstand, das von
-Zauner modellierte und gegossene Reiterbild Josephs II. in Wien (Abb. 82)
-genannt.
-
-Der Künstler hatte besonders in Italien die Gusstechnik studiert,
-fertigte in den Jahren 1795-1797 ein grosses Probegussstück und brachte
-am 19. September 1800 die Reiterfigur und am 26. Februar 1803 das Pferd
-des Joseph-Denkmals fehlerfrei aus der Form.[17]
-
- [17] Vergl. Ellmauer, Le monument de Joseph II. Vienne 1807.
-
-Auf die zahlreichen für fürstliche Gärten ausgeführten Bleifiguren und
-Gruppen sei nur hingewiesen.
-
-Von Interesse ist es nun, dass gerade in der Zeit des Niederganges
-unserer Kunstgiesserei eine der wenigen aus früheren Jahrhunderten
-erhaltenen deutschen Beschreibungen des Wachsausschmelzverfahrens
-veröffentlicht wurde, in der »Curieusen Kunst- und Werck-Schul ... von
-einem sonderbaren Liebhaber der Natürlichen Künste und Wissenschaften.
-Nürnberg. In Verlegung Johann Ziegers 1696.« (I. S. 478ff.) Um eine hohle
-Figur zu giessen, wird dort angegeben, solle man von dem Modell zuerst
-eine Teilform von Gips anfertigen und je »nachdem die Figuren leicht oder
-nicht leicht sind, formiret man sie von 3, 4, 6, 10 oder 12 Stücken.«
-Allzugrosse und insbesondere reicher ausgestaltete Figuren können dem
-Verfasser demnach kaum als giessbar vorgeschwebt haben. Er giebt dann
-weiter an: »Ihr müsset euren ausgehöhlten Gips so viel und offt mit Oel
-bestreichen, als er das Oel wieder von sich giebt, und ihn mit Baum-Wolle
-trocknen, hernach nehmet alle euere Stücke zusammen, und bindet sie mit
-Stricklein, und sehet zu, wo es sich am füglichsten giesen lassen wolle.
-Und nachdem ihr euer Wachs schmeltzen lasset, dass solches weder zu kalt
-noch zu warm ist, so giest es in den Einguss des Gipses, ist es eine
-kleine Figur, die ihr darzu gebrauchet, so lasset es eine kurtze Zeit
-darinnen, hernach nehmet den irdenen Stüpffel heraus, damit ihr das Loch
-des Eingusses verstopfft habt, und kehret eure Figur alsbald von oben zu
-unterst, das Wachs in ein Gefäss ablaufen zu lassen, hernach lasset das
-Wachs in der Form fein stille stehen, bedecket sie hernach, so habt ihr
-eine ausgefüllte Figur im Wachs, so sie zu wenig Raum hat, muss man sie
-mehr stille stehen lassen in der Form, ehe man sie herausnimmt; wo sie
-aber zu dicke ist, muss man sie weniger Zeit darinnen lassen.«
-
-[Illustration: Abb. 64. Adriaen de Vries, Merkurbrunnen in Augsburg.]
-
-[Illustration: Abb. 65. Adriaen de Vries, Herkulesbrunnen in Augsburg.]
-
-Diese Art der Wachsschichtherstellung in der Gipsform ist aus älteren
-Beschreibungen nicht bekannt, doch zweifellos auch nur anwendbar bei sehr
-einfachen Modellen. Man füllt also die Form mit flüssigem Wachs, das dann
-zuerst an der Gipswandung erstarrt. Sobald man annimmt, dass die
-erstarrte Schicht eine hinreichende Stärke erreicht hat, wird die Form
-»gestürzt«, um den noch flüssigen Teil des Wachses wieder ausfliessen zu
-lassen.
-
-[Illustration: Abb. 66. Adriaen de Vries, Herkulesbrunnen in Augsburg.]
-
-Nachdem der Verfasser dann angegeben, dass nach dem Gewicht des Wachses
-die Menge des zum Guss nötigen Metalles zu berechnen ist, beschreibt er
-die Herstellung des Kernes wie folgt: »Nachdem ihr euere Figur besagter
-massen habt, so es ein Thier ist, das könnet ihr entweder in die Länge
-oder quer durch mit einem warmen Messer entzwey schneiden; wenn es nun
-zertheilet ist, könnet ihr Dohn (Thon) nehmen, so mit ein wenig fein
-kleingemachten Kohlenstaub vermischet ist, schlagt es untereinander mit
-einem eisernen Stäblein, damit er weich werde, wie ein Teig, alsdann
-füllet mit dieser Erden eine Wachsfigur, und wann das mittelste trocken
-ist, so beleget die Gegenden mit gar feuchter und kleiner Erden, da die
-Nuss und die Figur zusammen schliessen sollen, und sehet wol zu, dass die
-feuchte Erden nicht über die Rinde des Wachses gehe, und wann sie wieder
-zusammen gesetzet sind, so ergäntzt es mit einem etwas warmen kupffern
-oder eisernen Former, und schmelzet es an denen zusammen gefügten Orten
-zu; wann das geschehen, so thut einen Guss von dem Wachs hinein, an dem
-allerfüglichsten Ort, und der lang genug ist, mit Lufft-Löchern. So ihr
-sehet, dass ein Theil an eurer Figur seye, da das Metall nicht wohl
-durchfliesen wolte, so rollet kleine Stöcklein von Wachs, wie eine
-Gänse-Feder gross, oder gröser, nach der Gröse euerer Figur, diese
-lasset, mit einem warmen Eisen, an einigen Ort der Figur halten, und dass
-die Spitze des Stöckleins komme an den Ort, da ihr vermuthet, dass das
-Metall nicht wohl hinfliese, und machet es, wie gesagt worden, an der
-Figur veste. Hernach nehmet kleine Steffte von Messing, oder Eisen, so
-gross als ein Nadelknopff gross, so einen Finger ohngefehr lang ist, nach
-der Gröse des Wachses, oder der Nuss, lasset diese Steffte die quer
-hinein gehen in das Wachs, bis sie den Kern erreichen, und das Wachs
-einen Faden breit darüber gehe, und stellet die Steffte so wol vornen als
-hintendurch die Figur, und an die Enden, damit die Nuss von allen
-Theilen, über gemeldten Stefften gehalten werde, und das äusserste nicht
-berühre, noch darmit zusammen falle.«
-
-Eines Kommentars bedürfen diese Angaben kaum, bemerkenswert ist nur,
-dass der Kern nicht über einem vorher angefertigten Gerüst von
-Eisenstäben hergestellt wird, sondern dass er nach dem Ausschmelzen des
-Wachses nur durch die bereits früher erwähnten Kernstützstäbe in
-unverrückbarer Lage zum Kernmantel gehalten wird.
-
-[Illustration: Abb. 67. Wittelsbacher-Brunnen, München, Residenz;
-gegossen von Hans Reisinger.]
-
-Um den Mantel zu erhalten, sagt der Verfasser: »Nehmet guten
-Gieser-Dohn, weichet ihn ein in warmen Wasser, als von Milch, in einem
-irdenen Geschirr, darnach gieset ihn allmählich ab, in ein Gesätz, so
-wird durch dieses Mittel der Griess oder Sand am Boden des ersten liegen
-bleiben. Nachdeme ihr die gemeldte Erde sich setzen lassen, so gieset das
-Wasser sachte darvon ab, und gieset wieder anders frisches darauf, und
-mischet es wohl unter einander. Von dieser Erden nehmet mit einem grosen
-Pensel, und gebet eine dünne Lage über euere Wachs-Figur, und wann sie
-trocken, noch eine, und also bis auf sechse zu; hernach, wann es trocken,
-so überziehet und stärket es mit der mit Scheer-Wolle zubereiteten Erde,
-und wann es vollkommen trocken ist, so leget euere Forme auf eiserne
-Stänglein in Gestalt eines Rostes, und sehet zu, dass das Wachs in der
-Form nicht koche, es würde sie sonst zerbrechen; man muss sie auf eine
-Seiten neigen, damit das Wachs durch den Einguss, nach dem Mass, als es
-schmeltzet, heraus fliese, bis nichts mehr darvon drinnen ist. Wann
-dieses geschehen, so leget eine Forme an ein gelind Feuer, bis sie gantz
-durchdrungen seye, je mehr je besser, und lasset euch nicht verdriesen,
-sie eine lange Weile zu backen, mitler Zeit dass sie backet, so lasset
-euer Metall wohl heiss fliesen. Und, damit es fein sauber werde, ist
-nothwendig, dass man zwey Schmelz-Tiegel im Feuer habe, damit man das
-Metall aus dem einen in den anderen giesen könne, dessen Schaum oder
-Schlacken darvon zu bringen. Wann nun das Metall wohl heiss ist, scharret
-eure Forme in den Sand, das Metall hineinfliesen zu lassen, und lasset
-erkalten; hernach zerschlaget die Erden, so werdet ihr euere Figur ohne
-Rand oder Riss haben.«
-
-[Illustration: Abb. 68. Peter Candid, Madonna an der Residenz in
-München.]
-
-[Illustration: Abb. 69. Peter Candid, Bavaria, München, Residenzgarten.]
-
-Die schriftstellerische Darstellungsweise des Verfassers ist nicht
-glänzend, doch man kann ihn verstehen, und vor allem lassen manche
-Einzelheiten wohl darauf schliessen, dass er das Wachsausschmelzverfahren
-nicht nur vom Hörensagen kannte; zu bedauern ist, dass der Verfasser
-nicht angiebt, wo er seine Studien gemacht hat. Die Anwendbarkeit für
-monumentale Werke scheint ihm allerdings nicht mehr bekannt gewesen zu
-sein, er würde gewiss darauf hinzielende Andeutungen nicht vermissen
-lassen.
-
-Im Laufe des 18. Jahrhunderts kam die Erzplastik in Deutschland nicht
-wieder zu Ehren. Die künstlerischen Anschauungen, die sich am Ausgange
-des Jahrhunderts in schroffer Wandlung der antiken Formenwelt als dem
-einzig würdigen Vorbilderkreise zuwandten, waren nicht geeignet, die
-Liebe für das herbe Material wieder zu erwecken. Eines der köstlichsten
-Dokumente für die ums Jahr 1800 in Bezug auf die Bronze wohl ziemlich
-allgemein herrschende Sinnesart findet sich abgedruckt in der
-Encyklopädie von Krünitz (Artikel Monument S. 668ff). Ueber das bereits
-damals geplante Denkmal Friedrichs des Grossen schrieb »Herr Professor
-Levezow« wie folgt: »Aber doch glaube ich zur Beantwortung einer
-wichtigen Frage: aus welcher Materie dieses Denkmahl bestehen soll? kurz
-hinzufügen zu müssen, da vielleicht der Gedanke, dass die Kostbarkeit der
-Materie demselben einen grösseren Wert verleihen kann, der nothwendigen
-Grösse desselben in der Ausführung und der auch davon abhangenden
-Wirkungen des Ganzen, den glücklichsten Eindruck rauben kann... daher
-geb' ich es gern zu, dass zur Unterstützung der ganzen ästhetischen
-Wirkung der Statue Friedrichs, der =Marmor von Carara nothwendig ist=;
-dessen reiner dem Zutritt der freyen Luft nicht ausgesetzten und deshalb
-immer bleibenden Schönheit ich doch gern den Vorzug vor der zwar
-grösseren Stärke des doch zu Anfang blendenden und im =Alter durch Rost
-entstellten Erzes= geben möge...«
-
-[Illustration: Abb. 70. Peter Candid, Mariensäule in München.]
-
-[Illustration: Abb. 71. Hub. Gerhard und Martin Frey, Erzengel Michael,
-München, Michaelskirche.]
-
-Wenn solche Anschauungen von hochgeachteten Männern öffentlich
-ausgesprochen werden konnten, ohne den Urheber lächerlich zu machen, wird
-man darnach das Urteil der grossen Menge bemessen können.
-
-[Illustration: Abb. 72. Perseus-Brunnen, München, Residenz; Guss von
-Martin Frey.]
-
-[Illustration: Abb. 73. Andreas Schlüter, Denkmal des Grossen Kurfürsten
-in Berlin.]
-
-Bemerkt zu werden verdient noch, dass in den zahlreichen deutschen, die
-Giesserei behandelnden Werken des 18. sowohl, wie des beginnenden 19.
-Jahrhunderts stets am ausführlichsten über das Wachsausschmelzverfahren
-gesprochen, und dass zumeist dieses auch als das vollkommenste
-hingestellt wird. Dabei ist allerdings unschwer nachweisbar, dass die
-Herren Verfasser fast durchgehends aus vorhandenen Quellen schöpften.
-Irgend etwas Neues über die Art der Einformung ist aus jenen
-Veröffentlichungen nicht zu lernen, sie mögen deshalb, soweit nicht bei
-anderer Gelegenheit davon zu sprechen ist, unberücksichtigt bleiben.
-
-In =Frankreich= sind die bedeutsamsten Bronzegusswerke im 17. und 18.
-Jahrhundert entstanden. Doch dass man auch in früheren Jahrhunderten
-bereits die Gusstechnik beherrschte, geht aus der bereits angeführten
-Schrift des Etienne Boyleaux hervor. Und seit jener Zeit scheint diese
-Kunst eifrig weiter gepflegt worden zu sein. Benvenuto Cellini sagt, dass
-in der Gegend von Paris mehr Bronzegegenstände gegossen würden, als in
-der ganzen übrigen Welt, und der bekannte italienische Künstlerbiograph
-des 16. Jahrhunderts, Vasari, berichtet uns darüber bei Gelegenheit der
-Aufzählung von Primaticcios Werken, der sich mit anderen italienischen
-Künstlern unter König Franz I. längere Zeit in Frankreich, besonders in
-Fontainebleau, aufhielt.
-
-[Illustration: Abb. 74. Grabmal Kaiser Ludwigs des Bayern, München,
-Frauenkirche; zum Teil gegossen von Dionysius Frey aus Kempten.]
-
-Vasari giebt an, dass Primaticcio vom Könige nach Italien gesandt wurde,
-um antike Bildwerke anzukaufen. Ausser Marmorskulpturen brachte er von
-einigen grossen Hauptwerken auch Gipsabgüsse mit nach Frankreich, um nach
-ihnen Reproduktionen in Bronzeguss auszuführen. Die Absicht wurde auch
-verwirklicht und Vasari bemerkt dazu: er wolle nicht verschweigen, dass
-Primaticcio zur Ausführung jener Statuen so treffliche Meister des Gusses
-hatte, dass die Güsse nicht nur genau ausfielen, sondern auch mit einer
-so reinen Oberfläche, dass sie des Ausputzens gar nicht bedurften. Als
-Giesser dieser zumeist noch erhaltenen Figuren und Gruppen werden unter
-anderen genannt: Pierre Bontemps, Francisque Rybon, Pierre Beauchesne und
-Benoist le Bouchet.
-
-Ausser diesen Nachgüssen nach antiken Modellen bezeugen erhaltene, auch
-in der Erfindung eigene Werke französischer Künstler, dass man den
-Bronzeguss in Frankreich durchaus beherrschte. Jean Boucher goss sechs
-grosse, von Germain Pilon modellierte Gestalten für das in der Kathedrale
-von St. Denis aufgestellte Grabmal Heinrichs II. und Katherinas von
-Medici, das 1570 vollendet wurde. Etwa gleichzeitig wurden nach Modellen
-des Barthélemi Prieur, die jetzt im Louvre befindlichen Figuren der Pax,
-Justitia und Abundantia für das Grabmal des Kardinals Karl von Bourbon
-für dieselbe Kirche gegossen. Um das Jahr 1600 schuf Pierre Biard
-bedeutende Bronzegusswerke, von denen eine lebensgrosse weibliche
-Flügelgestalt: La Renomée jetzt im Louvre aufgestellt ist.
-
-[Illustration: Abb. 75. Andreas Schlüter, Denkmal des Grossen Kurfürsten
-in Berlin; Guss von Jacobi.]
-
-Das im Jahre 1608 bei Giovanni da Bologna in Auftrag gegebene, von Pietro
-Tacca im Modell vollendete Pferd zum Reiterdenkmal Heinrichs IV. von
-Frankreich, das auf dem Pont Neuf in Paris aufgestellt wurde, soll ebenso
-wie die zugehörige, von dem auch in der Giesserei erfahrenen Dupré
-modellierte Königsfigur im Jahre 1613 in Paris gegossen sein. Ueber die
-Art der Formung sind Nachrichten nicht erhalten. Das Denkmal wurde in
-mehreren Teilen und wohl ebenso, wie die vorher genannten französischen
-Erzwerke, im Wachsausschmelzverfahren gegossen.
-
-Als Bildner und Giesser war Hubert Le Sueur thätig. Sein Hauptwerk, das
-im Jahre 1633 in Erzguss vollendete Reiterdenkmal Karls I. von England,
-wurde auf Charing Cross in London aufgestellt.
-
-Im Jahre 1639 wurde im Auftrage Richelieus ein Reiterstandbild Ludwigs
-XIII. für die Place Royale in Bronze gegossen. Das Pferd dieses Denkmals
-war bereits im Jahre 1564 von Daniele da Volterra in Rom gegossen, die
-Königsfigur von dem genannten Biard d. J. in Paris.
-
-Im Jahr 1647 führte Simon Guillain ein Denkmal des zehnjährigen Ludwigs
-XIV. aus, eine Art Triumphbogen auf Säulen mit Figuren in Bronze, das am
-Pont au Change aufgestellt wurde (Abb. 83). In Lyon goss um die Mitte des
-Jahrhunderts Marcelin Chaumont bedeutende Erzwerke.
-
-Die zahllosen Bronzegussarbeiten, die für die königlichen Gärten und
-Schlösser hergestellt wurden, können hier nicht näher gewürdigt werden,
-der Hinweis darauf möge genügen. Die tüchtigsten Bildhauer und
-Giesskünstler -- unter den letzteren besonders Ambroise Duval und die
-Brüder Keller -- wirkten gemeinsam daran. In der zweiten Hälfte des 17.
-Jahrhunderts nehmen mehr noch wie vorher die zur Verherrlichung des
-Königtums geschaffenen, für öffentliche Plätze bestimmten Erzmonumente
-unser ganzes Interesse in Anspruch.
-
-[Illustration: Abb. 76. Grupello, Denkmal des Kurfürsten Johann Wilhelm
-in Düsseldorf.]
-
-In Paris allein befanden sich mehrere grosse Bronzebilder Ludwigs XIV. Im
-Jahre 1686 vollendete der Niederländer Martin Desjardins ein 13 Fuss
-hohes Standbild des Königs für die Place des Victoires (Abb. 84). Der
-Künstler leistete auch als Giesser tüchtiges, und es wird ausdrücklich
-erwähnt, dass er den ungeteilt ausgeführten Guss dieses Denkmals leitete.
-Bemerkt sei allerdings, dass dieses Standbild, wie jüngere Berichte
-wissen wollen, in vergoldetem Blei hergestellt wurde.
-
-Ein anderes Standbild des Königs wurde nach dem Modelle des ebenfalls als
-Giesser thätigen Coysevox 1689 im Hôtel de Ville errichtet.
-
-Im Jahre 1687 wurde angeblich auf dem Vendômeplatz in Paris bereits ein
-Reiterdenkmal Ludwigs XIV. enthüllt, das nach dem Modelle Girardons,
-eines Erzgiessers Sohn, ausgeführt, aber da es als zu klein befunden, der
-Stadt Beauvais überlassen wurde.
-
-Im Jahre 1699 wurde dann das zweite 21 Fuss hohe Reitermonument Ludwigs
-an Stelle des ersten aufgestellt (Abb. 85). Das Modell hatte wiederum
-Girardon geschaffen. Der Guss wurde von Balthasar Keller ausgeführt.
-
-Im Auftrage des Marschalls von Boufflers begann Girardon 1694 mit der
-Ausführung eines Reiterbildes des Königs, das im Jahre 1701 in Boufflers
-in der Picardie aufgestellt wurde. Bereits 1674 soll ein von Girardon
-modelliertes und von Keller gegossenes Reiterdenkmal des Königs in Lyon
-aufgestellt worden sein.
-
-Ein zweites Reiterdenkmal desselben Fürsten von Desjardins hatte diese
-Stadt auf der Place Bellecour aufzuweisen.
-
-Etienne Lehongre goss, wie es heisst im Jahre 1690, selbst in einem Guss
-nach eigenem Modell eine Reiterstatue Ludwigs, die im Jahre 1725 auf der
-Place Royale in Dijon aufgestellt wurde.
-
-Coysevox führte ausser dem bereits erwähnten Standbilde noch im Jahre
-1685 ein Reiterdenkmal des grossen Königs für Rennes aus. Schliesslich
-wurde auch in Montpellier im Jahre 1718 ein Denkmal dieses Fürsten
-errichtet, das in Paris gegossen wurde nach dem Modelle der Flamländer
-Mazeline und Utrels.
-
-[Illustration: Abb. 77. Raphael Donner, Brunnen auf dem Neumarkte in
-Wien.]
-
-[Illustration: Abb. 78. Raphael Donner, Brunnen auf dem Neumarkte in
-Wien.]
-
-Die Reihe der Denkmäler des »Sonnenkönigs« ist damit nicht erschöpft,
-doch dürften die bedeutendsten, die übrigens sämtlich in der grossen
-Revolution zerstört wurden, aufgezählt sein.
-
-Bis gegen Ende des 17. Jahrhunderts war es in Frankreich üblich gewesen,
-in den Arsenalen abwechselnd Kriegsmaterial und Bildwerke zu giessen.
-Erst auf Veranlassung Louvois' wurde das von Heinrich II. im Jahre 1549
-begründete Pariser Arsenal umgewandelt in eine »fonderie royale des
-statues et autres ouvrages pour les bâtiments du roi.« Leiter dieser
-königlichen Kunstgiesserei wurde im Jahre 1684 als Commissaire générale
-des fontes de France der genannte Johann Balthasar Keller, ein Schweizer
-von Geburt, der aber auf Veranlassung eines älteren, schon vor ihm in
-Paris ansässigen Bruders, erst dort die Giesserei erlernt hatte. Keller
-wurde verpflichtet, alle ihm vom Marquis de Louvois für den König in
-Auftrag gegebenen Statuen im =Wachsausschmelzverfahren= -- à cire perdue
--- zu giessen. Für jede Statue in der Höhe zwischen sechs und acht Fuss
-erhielt er 1200 Francs, doch sollte er dafür die =Wachsmodelle von den
-geschicktesten Bildhauern nacharbeiten= lassen und alles für die
-Herstellung der Form Notwendige auf eigene Kosten beschaffen, nur das
-Gussmaterial wurde ihm geliefert. Für jede Statue, die die Höhe von acht
-Fuss überschritt, sollten ihm 300 Francs mehr gezahlt werden und für jede
-Figur, die nicht die Grösse von fünfeinhalb Fuss erreichte, 300 Francs
-weniger.
-
-[Illustration: Abb. 79. Raphael Donner, Brunnen auf dem Neumarkte in
-Wien.]
-
-[Illustration: Abb. 80. Raphael Donner, Perseus und Andromeda,
-Rathausbrunnen in Wien.]
-
-Joh. Balth. Keller arbeitete gemeinsam mit seinem Bruder Joh. Jakob
-Keller. Die von ihnen geleitete Giesshütte ist in aller Welt berühmt
-geworden; über das von ihnen angewendete Verfahren wird noch zu sprechen
-sein.
-
-In Frankreich blieb auch im Verlauf des 18. Jahrhunderts die Bronze das
-geschätzteste Material für Bildsäulen; eine Reihe grosser, allerdings
-ebenfalls in der Revolution zerstörter Fürstenbilder legen weiter Zeugnis
-dafür ab. Die Technik änderte sich nicht, nur in nebensächlichen
-Einzelheiten schwankte man in der Ausübung des Wachsverfahrens.
-
-Zu Ehren Ludwigs XV. gesetzte Denkmäler haben die französischen Giesser
-um die Mitte des 18. Jahrhunderts in erster Linie beschäftigt.
-
-Im Jahre 1743 wurde in Bordeaux ein Reiterbild des Königs nach dem
-Modelle des Bildhauers Jean Bapt. Lemoyne aufgestellt (Abb. 86). Der Guss
--- der erste dieser Art wieder in Frankreich seit etwa vierzig Jahren --
-wurde von Varin ausgeführt, er misslang zunächst; nur die Hälfte der Form
-wurde mit Metall gefüllt, doch durch einen geistreichen Einfall des
-Giessers wurde, wie es heisst, der Schaden geheilt, ohne den gelungenen
-Teil zu verlieren. Varin verfuhr in derselben Art, die der französische
-Bildhauer Falconet bei ähnlicher Gelegenheit anwandte. Falconet war von
-Katharina II. im Jahre 1766 nach Petersburg berufen worden, um das
-bekannte Reiterdenkmal Peters des Grossen auszuführen (Abb. 107). Auch
-ihm gelang nur der Guss der unteren Hälfte des Denkmals. Nach Abräumung
-des oberen Formteiles wurde der Metallrand gerade gesägt und mit
-schwalbenschwanzförmigen Einschnitten versehen, darauf wurde der nicht
-gelungene Teil über dem Kerne neu in Wachs ausgeführt, die Form wieder
-vervollständigt, und in einem zweiten Guss gelang die Herstellung
-vollkommen.
-
-[Illustration: Abb. 81. Raphael Donner, St. Martin, Pressburg.]
-
-Lemoyne schuf ausser dem genannten Denkmal noch im Jahre 1754 ein
-Standbild Ludwigs XV. für Rennes (Abb. 87). Dieses Denkmal wurde ebenso
-wie das im Jahre 1758 nach dem Modelle Edme. Bouchardons in Paris
-vollendete bekannteste Reiterbild jenes Fürsten (Abb. 88 u. 89) von Gor
-in Paris gegossen. Von Barthélemi Guibal wurde nach eigenem Modell in
-Luneville im Jahre 1755 ein Königsdenkmal in Bronzeguss für die Place
-Royale in Nancy ausgeführt (Abb. 90), und im Jahre 1763 ebensolch ein
-Monument für Rheims, das nach dem Modelle des Jean Bpste. Pigalle
-ebenfalls von Gor gegossen wurde (Abb. 91).
-
-Die zahlreichen grossen Reiterdenkmäler, die im 17. und 18. Jahrhundert
-in Frankreich entstanden, gewinnen für uns ein ganz besonderes Interesse
-noch dadurch, dass uns ein paar grosse, mit zahlreichen Kupfertafeln
-ausgestattete Werke über ihre Ausführung eingehendste Nachricht geben.
-
-Das zuerst erschienene, von Boffrand in Paris im Jahre 1743
-herausgegebene, bereits verschiedentlich angeführte Werk beschreibt die
-ungeteilte Einformung und den Guss der Statue Ludwigs XIV., die im Jahre
-1699 von Keller nach Girardons Modell gegossen wurde, das zweite von
-Mariette im Jahre 1768 herausgegebene Werk den Guss des Denkmals Ludwigs
-XV., das nach dem Modelle Bouchardons 1758 von Gor im Erzguss vollendet
-wurde.
-
-An der Hand dieser Werke und mit Hilfe einiger der dort gegebenen
-vortrefflichen Abbildungen soll die Herstellung eines grossen
-Reitermonumentes noch näher behandelt werden.
-
-Doch bevor darauf eingegangen wird, soll auf eine in manchen Punkten
-besonders interessante allgemeiner gefasste Beschreibung der damals in
-Frankreich geübten Gusstechnik, die sich in Félibiens Werke: Des
-principes de l'architecture etc. Paris 1697 findet, die Aufmerksamkeit
-gelenkt werden.
-
-In diesem Werke wird von dem Wachsausschmelzverfahren eine ausführliche
-Darstellung gegeben, von anderen Formungsverfahren ist bezeichnenderweise
-gar nicht die Rede, für künstlerische Zwecke kam also nur jenes Verfahren
-in Betracht.
-
-[Illustration: Abb. 82. Zauner, Denkmal Josephs II. in Wien.]
-
-Die von Félibien beschriebene Art der Formherstellung ist gegenüber der
-von Cellini angegebenen vereinfacht. Die Vorarbeiten sind im allgemeinen
-in beiden Fällen gleich. Vom Modell, das in einer Mischung aus Thon von
-Arcueil und Sand von Belleville hergestellt wird, nimmt man eine Gipsform
-aus Teilstückchen, die (nach Félibien) in horizontal getrennten
-Mantelschichten vereinigt und darin in derselben Weise befestigt werden,
-wie Cellini angiebt.
-
-Nachdem die Gipsteilform vollendet ist, wird sie wieder vom Mantel
-abgehoben, und die einzelnen inneren Formstücke werden mit Oel oder
-nötigenfalls nach vorhergehender Erhitzung mit Wachs getränkt. Dann wird
-die Innenseite der Formstücke mittels Pinsel mit einer, je nach der
-Jahreszeit verschieden zusammengesetzten Wachsmischung bestrichen, und
-dieser Auftrag so oft wiederholt, bis die Wachsschicht die Stärke der
-künftigen Metallwandung erreicht hat. Darauf wird auf einer festen
-Grundlage ein Eisengerüst gebaut mit einem oder zwei Querstäben, die nach
-der Form des Modells gebogen und von Zeit zu Zeit durchbohrt sind, um
-weitere Eisenstäbchen zur künftigen Unterstützung des Kernes
-hindurchstecken zu können. Der Kern wird nun über dem Gerüst in der
-gleichen Art hergestellt, die auch Cellini als die beste angiebt, d. h.
-er wird schichtweise von unten anfangend über dem Kerngerüst in der
-zugleich damit, Schicht auf Schicht zusammengesetzten, bereits mit der
-Wachsschicht versehenen Form aufgetragen.
-
-Von Interesse ist es aber, dass Félibien bei dieser Gelegenheit sagt,
-dass noch einzelne Giesser sich des Verfahrens bedienten, das »die Alten«
-angewendet hätten. Sie modellierten über einem Eisengerüst den Kern aus
-einer Mischung von Töpferthon, Pferdemist und Scherwolle, genau dem
-Modelle gleich. Von der ganzen Oberfläche entfernten sie darauf wieder
-eine Schicht in der Dicke der gewünschten künftigen Metallwandung und
-ersetzten sie nach dem Trocknen des so gewonnenen Kernes durch eine
-Wachslage, der nun wieder in allen Feinheiten die Form des Modells
-gegeben wurde.
-
-[Illustration: Abb. 83. Sim. Guillain, Denkmal des zehnjährigen Ludwigs
-XIV., ehemals Paris, Pont au Change (nach Stich in Description de Paris,
-Paris 1742, Bd. I).]
-
-Wenn in der zuerst angegebenen Art verfahren wird, muss von dem fertig
-gestellten Kerne die Gipsform mit Wachsschicht abgehoben werden, und
-seine Oberfläche, nachdem er getrocknet ist, mit der aus der Gipsform
-gelösten Wachslage belegt werden. Dann, sagt Félibien, könne der
-=Künstler= die Wachsschicht überarbeiten und ihr eine erhöhte Anmut und
-gesteigerten Ausdruck in einzelnen Zügen verleihen -- in der Haltung und
-Anordnung der Glieder sei natürlich nichts mehr zu ändern.
-
-Schliesslich werden die in Wachs gebildeten Einguss- und Luftröhren
-angesetzt und über dem Ganzen wird der Formmantel hergestellt. Sehr
-sorgsam wird bei diesem wichtigsten Teile der Form verfahren.
-
-Zunächst wird das Wachs mit einer aufs feinste zerstossenen und
-zerriebenen Mischung aus Zinnasche (potée) und Tiegelcement (ciment de
-creusets) etliche Male bestrichen und stets darauf geachtet, dass die
-kleinen im Auftrag entstehenden Risse gefüllt werden. Dann wird ebenfalls
-noch mit dem Pinsel dieselbe, jetzt jedoch mit Pferdemist und terre
-franche versetzte Mischung 6 bis 7 Mal aufgetragen, darauf eine 7-8fache
-Schicht, die nur aus Pferdemist und terre franche besteht. Und
-schliesslich wird die zuletzt verwendete Masse mit der Hand in stärkeren
-Lagen aufgetragen, aber stets die folgende Schicht erst, nachdem die
-letzte getrocknet ist.
-
-[Illustration: Abb. 84. Martin Desjardins, Denkmal Ludwigs XIV., ehemals
-Paris, Place des Victoires (nach Stich in Description de Paris, Paris
-1742, Bd. II).]
-
-[Illustration: Abb. 85. Girardon, Denkmal Ludwigs XIV., ehemals Paris,
-Vendômeplatz; Guss von Balthasar Keller (Boffrand, s. S. 12).]
-
-Wenn das alles erledigt ist, kann die ganze Form erwärmt und das Wachs
-ausgeschmolzen werden. Nötig ist nur noch, die Form in der Dammgrube vor
-dem Schmelzofen einzustampfen, dann kann das flüssige Metall
-hineingefüllt werden.
-
-Beachtung verdient noch das von Félibien über die Einformung von Reliefs
-Gesagte, weil allem Anscheine nach dasselbe Verfahren zu verschiedenen
-Zeiten auch bei der Herstellung von Vollfiguren angewendet wurde, indem
-man diese in zwei Längsteilen formte und goss, die nachher zusammengefügt
-wurden.
-
-Die von dem Modell genommene Gipsform wird, wie Félibien angiebt, mit
-einer Wachsschicht in der künftigen Metallstärke ausgekleidet. Darauf
-wird auf das Wachs, also auf die Rückseite, eine Gips- oder Thonlage
-gebracht, die nur den Zweck hat, dem Wachs die nötige Haltbarkeit während
-der Nacharbeit zu verleihen, sobald von der Bildseite die Gipsform wieder
-abgelöst ist. Das Bemerkenswerte ist nun, dass nicht, wie es sonst
-geschieht, die Einguss- und Luftröhren an der Schauseite, sondern am
-Rande und auf der Rückseite der Wachslage angesetzt werden. Solange also
-die Rückseite noch mit einer haltgebenden Füllung versehen ist, wird die
-ganze Schauseite, wie es vorher beschrieben ist, in dünnen Schichten mit
-dem Gussmantel versehen, wenn dieser die notwendige Festigkeit erreicht
-hat, wird die Füllmasse von der Rückseite entfernt, dann werden Einguss-
-und Luftröhren angefügt. Schliesslich wird auch die Rückseite mit
-Einschluss der in Wachs vorgebildeten Röhren mit Formmasse bedeckt. Im
-übrigen wird in der bekannten Weise weiter verfahren.
-
-Ein in dieser Art hergestelltes Relief wird der Ueberarbeitung durch
-Ciselierung bei gutem Gelingen des Gusses überhaupt nicht bedürfen.
-
-[Illustration: Abb. 86. J. B. Lemoyne, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in
-Bordeaux; Guss von Varin (nach Stich in Patte, Monuments érigés en France
-à la gloire de Louis XV. Paris 1765).]
-
-Cellini beschreibt auch die Einformung seines bekannten Reliefs der
-»Nymphe von Fontainebleau«, ohne aber ähnliche Angaben zu machen.
-
-Aus den Werken von Boffrand und Mariette sind im folgenden die Tafeln nur
-soweit wiedergegeben, wie es zur Verdeutlichung der verschiedenen
-Formungsstadien notwendig schien. Die Tafeln des jüngeren Werkes wurden
-der grösseren Klarheit wegen bevorzugt, nur eine in Einzelheiten
-abweichende Abbildung Boffrands wurde der entsprechenden in Mariettes
-Werk gegenübergestellt; soweit nichts anderes bemerkt ist, war das
-beschriebene Verfahren in beiden Fällen dasselbe.
-
-[Illustration: Abb. 87. J. B. Lemoyne, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in
-Rennes; Guss von Gor (Abb. aus Patte, s. oben).]
-
-[Illustration: Abb. 88. Bouchardon, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in
-Paris, Place de Louis XV. (Place de la Concorde). (Abb. aus Patte,
-s. o.)]
-
-Abb. 92.
-
- Ansicht der Gipsteilform. Die entfernten Teilstücke gestatten den Blick
- auf das eingeschlossene Modell.
-
-Abb. 93.
-
- Blick in die der Länge nach horizontal durchschnittene Gipsform, aus
- der das Modell entfernt ist.
-
- Erkennbar ist die doppelte Schicht der Formstücke. Kleine, von allen
- Feinheiten leicht abhebbare Stücke werden in grösseren, starken
- zusammengefasst (vgl. Abbildung 21 S. 36). Die kleinen, quadratischen
- Oeffnungen am Bauch und die geraden Durchbohrungen der Formwandung sind
- für die Aufnahme des Eisengerüstes bestimmt. Die Oesen in den kleinen
- runden Vertiefungen sind als Handhaben bestimmt, die übrigen
- Einschnitte sind Lagermarken, um ein genaues Zusammenpassen der
- Formstücke zu ermöglichen.
-
-Abb. 94.
-
- Blick in die der Länge nach horizontal durchschnittene Gipsform, die in
- der Dammgrube über dem Eisengerüst zusammengebaut und bereits mit der
- Wachsschicht ausgelegt ist, die die künftige Metallstärke darstellt.
-
-Abb. 95.
-
- Ansicht der Dammgrube, in der das Eisengerüst zur Unterstützung des
- Kernes in seinen Hauptteilen aufgebaut ist. Oben sieht man das
- Stichloch (die Ausflussöffnung für das Metall) am Ofen.
-
-Abb. 96.
-
- Ansicht der in der Dammgrube völlig zusammengesetzten, mit der
- Wachslage versehenen Gipsform, in die durch Oeffnungen von oben die
- flüssige Kernmasse, bestehend aus Gips und Ziegelmehl, eingefüllt wird.
-
- Bei der Einformung der Statue Ludwigs XIV. wurde die Kernmasse nicht
- flüssig eingebracht. Keller wandte das auch von Cellini als das beste
- gekennzeichnete Verfahren an, er setzte die mit Wachs bekleidete
- Gipsform von unten anfangend schichtweise zusammen und im Aufbauen
- füllte er mit kompakter Kernmasse aus. Nur die schwer mit der Hand
- erreichbaren Teile, wie den Schwanz, das erhobene Bein, den Kopf und
- einen Teil vom Halse des Pferdes und die ganze Königsfigur wurden mit
- einem Brei aus Gips und Ziegelmehl ausgegossen.
-
-Abb. 97.
-
- Die Abbildung stellt einen Zustand dar, der bei der Ausführung in
- Wirklichkeit nicht erreicht wird. Die von der Gipsform befreite
- Wachslage schwebt über dem Kerngerüste. Gezeigt sollen werden alle die
- Vorrichtungen, die ausser dem Hauptgerüst notwendig sind, dem Kerne
- selbst und dem Wachse daran den nötigen Halt zu geben. Der ganze Körper
- ist im Innern mit Drahtwolle gefüllt. $T$-förmige Haken greifen in die
- Wachsschicht ein, ihr herausragender Teil wird künftig von der
- Kernmasse gehalten.
-
-Abb. 98.
-
- Ansicht des für die Einformung vorbereiteten Wachsmodells mit dem Netz
- der ebenfalls in Wachs vorgebildeten Eingussröhren und Luftkanäle. --
- Die Luftkanäle sind gekennzeichnet durch oben daraus entweichenden
- Rauch; sie unterscheiden sich von den Eingussröhren dadurch, dass ihre
- Nebenzweige vom Modell aus ansteigen, während dieselben bei den
- Gussröhren umgekehrt gerichtet sind. Der Giesser Gor nahm diese
- Anordnung als eine von ihm eingeführte Neuerung in Anspruch. Zum
- wenigsten wird er von Zeitgenossen dieser Einrichtung wegen, durch die,
- wie bereits früher gezeigt ist, das flüssige Metall gezwungen wird,
- zuerst die unteren Teile der Form zu füllen, besonders gepriesen.
- Cellini verfuhr in derselben Weise.
-
- Balth. Keller wandte, wie die Abbildung 99 des Boffrandschen Werkes
- erkennen lässt, diese Sicherheitsmassregel nicht an, obschon sie ihm
- vermutlich nicht unbekannt war. Noch zu bemerken ist, dass Keller das
- in Wachs vorgebildete Rohrnetz, damit es sich selbständig zu tragen
- vermöchte, aus Hohlstäben fertigte; Gor befestigte die Wachsstäbchen
- mit dünnen Stiften, wie die Abbildung erkennen lässt.
-
-Abb. 100.
-
- In dieser Abbildung ist das Ausschmelzen des Wachses und das Verglühen
- der Form dargestellt. In den ausgesparten Hohlräumen zwischen Form und
- Dammgrube ist Holz entzündet, das Wachs läuft unten aus Oeffnungen ab,
- die später wieder verstopft werden.
-
- Zur Vervollständigung der Abbildungsfolge sei hier hingewiesen auf die
- Abbildungen 5 u. 6.
-
- Dargestellt ist dort der Beginn des Gusses. Die Werkleute sind bereit,
- die die Einflussöffnungen verschliessenden Eisenstöpsel herauszuheben,
- sobald die Mulde über diesen Oeffnungen mit flüssigem Erz gefüllt ist.
-
-Abb. 102.
-
- Längsschnitt durch die Gussform mit dem Wachsmodell.
-
- Die innere, das Wachs zunächst umschliessende Formmasse, »potée«
- genannt, besteht aus Lehm, Pferdemist, gepulverten weissen Tiegeln und
- Rinderhaaren. Durch eine Ziegelummauerung wird diese Schicht gefestigt.
-
-Abb. 103.
-
- Das von der Form befreite Reiterbild wird aus der Dammgrube gewunden.
-
-Abb. 104.
-
-Seiten- und Oberansicht der mit Eisenbändern armierten Gussform.
-
-[Illustration: Abb. 89. Paris, Place de Louis XV. mit dem Denkmal
-Bouchardons (Abb. aus Patte, s. o.).]
-
-[Illustration: Abb. 90. B. Guibal, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in Nancy
-(Abb. aus Patte, s. oben).]
-
-Schon vorher wurde darauf hingewiesen, dass bereits im 12. Jahrhundert
-die Giesskunst in den =Niederlanden= hoch entwickelt war, hier möge in
-Anknüpfung daran hinzugefügt werden, dass eigentlich von vornherein den
-Meistern auf diesem Kunstgebiete die volle Entfaltung ihrer Kräfte im
-eigenen Lande sehr erschwert wurde; ihren Schaffensdrang konnten sie
-zumeist nur ausserhalb der Heimat bethätigen. Schon aus den letzten
-Jahrhunderten des Mittelalters finden sich zahlreiche niederländische
-Erzgusswerke -- vor allem Grabplatten -- in den Kirchen der benachbarten
-Länder, in erster Linie Englands.
-
-Im 16. Jahrhundert waren Niederländer Bildgiesser, wie gezeigt wurde,
-besonders in Italien und im 17. Jahrhundert in Deutschland mit grossen
-Aufgaben beschäftigt.
-
-Neben einigen hochbedeutsamen Erzgusswerken in Kirchen flandrischer
-Städte, wie z. B. in Brügge den Grabmonumenten der Maria von Burgund,
-1502 von Pierre de Beckere und Karls des Kühnen von J. Jongelinck 1558
-vollendet, sind frei aufgestellte bronzene Denkmäler nur wenig geschaffen
-worden.
-
-Das um die Mitte des 16. Jahrhunderts in Antwerpen aufgestellte
-Reiterdenkmal Albas von J. Jongelinck wurde bereits 1576 wieder zerstört.
-
-Von den Denkmälern des 17. Jahrhunderts sind erhalten das 1620 von P. de
-Keyzer vollendete Standbild des Erasmus in Rotterdam und die ja
-allerdings nur kleine, aber allgemein bekannte, anmutige Brunnenfigur des
-Maneken-pis in Brüssel von Franc. Duquesnoys 1619 ausgeführt.
-
-In den bisher nicht näher besprochenen europäischen Kulturländern
-erlangte die Erzgusstechnik eine höhere Bedeutung erst in der
-Renaissancezeit oder noch später. Die Formungsart blieb überall bis teils
-noch in die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts das
-Wachsausschmelzverfahren. Italienische und in jüngerer Zeit französische
-Kunstgiesser waren dort die Lehrmeister, wo man die Gusstechnik für
-umfangreichere figürliche Monumente vorher nicht anzuwenden verstand.
-
-[Illustration: Abb. 91. B. Pigalle, Denkmal Ludwigs XV., ehemals in
-Reims; Guss von Gor (Abb. aus Patte, s. oben).]
-
-In =Spanien= dürften die ersten grossen freiplastischen Bronzegusswerke
-im 16. Jahrhundert von der Hand italienischer Künstler entstanden sein.
-Ausser zahlreichen, besonders im Escurial erhaltenen Erzskulpturen des
-Paduaners Leone Leoni (1509-90), seines Sohnes Pompeo (Abb. 101) und
-seines Enkels Miguel, ist des ersteren Reiterstandbild Karls V. in Madrid
-zu nennen. Als Merkwürdigkeit mag dabei erwähnt werden, dass die
-Kaiserfigur zunächst unbekleidet und der lose darüber befestigte Harnisch
-für sich gegossen wurde.
-
-Eine weitere Bronzebildsäule Kaiser Karls soll für Aranjuez geschaffen
-sein.
-
-Im Jahre 1568 soll bereits ein spanischer Meister eine grössere Figur für
-den Turm der Kathedrale von Sevilla in Bronzeguss ausgeführt haben.
-
-Die Reiterdenkmäler spanischer Könige, die im 17. Jahrhundert entstanden,
-sind wiederum Werke italienischer Künstler. Ein Reiterstandbild Philipps
-III. (Abb. 105) wurde nach dem Modelle des Giovanni da Bologna von Pietro
-Tacca gegossen und im Jahre 1616 beim Palaste del Campo bei Madrid
-aufgestellt. Tacca schuf auch das kühne Reiterdenkmal Philipps IV. (Abb.
-106), das 1640 nach Buen Retiro gebracht wurde und jetzt in Madrid auf
-der Plaza de Oriente steht.
-
-Bei dem Reiterbilde Philipps IV. wurde in weit grösserem Massstabe, wie
-es Kaspar Gras und Heinrich Reinhardt bei ihrer Statue des Erzherzogs
-Leopold in Innsbruck (vergl. S. 58) gelungen war, der Reiter auf
-springendem Pferde dargestellt -- ein später noch häufiger wiederholtes
-Motiv.
-
-Solch einem gewaltigen, nur auf den Hinterbeinen und dem langen Schweife
-des Pferdes ruhenden Gusskörper den notwendigen Halt zu geben, musste mit
-grössten Schwierigkeiten verbunden sein, die freilich weniger
-gusstechnischer Art sind, denn das Formungsprincip wird nicht dadurch
-berührt; auf die geeignete Verteilung und innere Festigung der
-Metallmassen kommt es vor allem an.
-
-[Illustration: Abb. 92. Gipsteilform (nach Mariette). Text S. 78.]
-
-Das Denkmal wurde, wie es damals in Italien wohl zumeist geschah, in
-Teilen geformt und gegossen; der Rumpf des Pferdes wurde in zwei Hälften,
-das ganze Pferd in vierzehn Stücken gegossen.[18]
-
- [18] Vgl. Justi: Die Reiterstatue Philipps IV. Zeitschrift für bild.
- Kunst 1882-83. S. 305ff. u. S. 387ff.
-
-Selbst für weniger umfangreiche Gusswerke zog man im 17. Jahrhundert in
-Spanien noch italienische Meister herbei. So soll 1621 Aless. Algardi die
-Bronzegruppen für die Neptuns-Fontaine in Aranjuez gegossen haben.
-
-Erst seit den dreissiger Jahren des 19. Jahrhunderts giebt es in Spanien
-Bildgiessereien, die auch grösseren Aufgaben gewachsen sind.
-
-In =Portugal= ist nur ein grösseres Bronzemonument von einiger Bedeutung
-hervorzuheben, das 1774 nach dem Modell des Machado de Castro von
-Bartolomeo de Costa gegossene Reiterstandbild Josephs I.
-
-In =England= entstanden grosse, rundplastische Bronzegusswerke erst im
-17. Jahrhundert.
-
-Ein französischer Meister Le Sueur schuf im Jahre 1638 das bereits
-angeführte, auf Charing-Cross in London stehende erzene Reiterbild König
-Karls I., und, wie es heisst, noch ein zweites, das sich ehemals in
-Rohampton befunden haben soll.
-
-Im Jahre 1685 entstand bereits von der Hand des Engländers Grinling
-Gibbons eine Bronzestatue Jakobs II., die im Whitehall-Hofe in London
-aufgestellt wurde. Ein Bronzestandbild Heinrichs VI. von Franc. Bird
-(1667-1731) im Eton-college würde sich den genannten zeitlich
-anschliessen.
-
-[Illustration: Abb. 93. Querschnitt durch die Gipsteilform (nach
-Mariette). Text S. 78.]
-
-Der Niederländer J. M. Rysbrack (1693 bis 1770) führte für Bristol ein
-Reiterdenkmal Wilhelms III. aus.
-
-Ein Landsmann jenes Künstlers John van Nost schuf nach der Mitte des 18.
-Jahrhunderts für Dublin die Reiterstatuen Wilhelms III. und Georgs II.,
-die in College und Stephen's Green aufgestellt wurden.
-
-Das in St. James Square im Jahre 1808 errichtete Reiterdenkmal Wilhelms
-III. ist ein Werk des jüngeren John Bacon.
-
-Zu Anfang des 19. Jahrhunderts soll sich auch ein Reiterdenkmal Georgs I.
-in vergoldeter Bronze im Grosvenor-Square, ein anderes gleichartiges
-Monument desselben Königs auf dem Leicester-field-Platze in vergoldetem
-Blei befunden haben, die beide noch im Wachsausschmelzverfahren
-hergestellt worden sein dürften.
-
-Noch später, wie in England, wird die Bronzegusstechnik der monumentalen
-Plastik dienstbar gemacht in =Russland, Dänemark und Schweden=.
-
-In Petersburg befindet sich noch ein Reiterdenkmal Peters des Grossen,
-das zur Regierungszeit der Kaiserin Elisabeth (1741-65) von dem Italiener
-Rastrelli in Bronze gegossen sein soll.[19] Zu grösster Berühmtheit
-gelangte das bereits früher erwähnte Reiterdenkmal jenes Fürsten, das im
-Auftrage der Kaiserin Katharina II. von dem Franzosen Etienne Maurice
-Falconet modelliert und gegossen wurde (Abbild. 107). Im Jahre 1801
-entstand das Bronzedenkmal Suwarows von Koslowsky. Und noch eine Reihe
-weiterer Erzgusswerke sind aus dem Ende des 18. und dem ersten Drittel
-des 19. Jahrhunderts in Russland erhalten, bei denen noch das
-Wachsausschmelzverfahren angewendet wurde. Im Jahre 1805 wurde auch in
-Petersburg eine Kaiserliche Giesshütte errichtet, die zuerst unter der
-Leitung Ekimoffs stand; es wird noch darauf zurückzukommen sein.
-
- [19] Ein Italiener Rastrelli soll auch bereits im Auftrage Peters d.
- Gr. die in Petersburg öffentlich aufgestellten Bronzebildwerke
- nach Motiven Aesopischer Fabeln ausgeführt haben (Nagler, Künstl.
- Lex.).
-
-In =Dänemark= entstand das erste in Metallguss -- dieses Mal in Blei --
-ausgeführte Reiterdenkmal König Christians V. in den achtziger Jahren des
-17. Jahrhunderts von der Hand des Franzosen Lamoureux (Abb. 108). Fast
-hundert Jahre später im Jahre 1771 goss erst der bereits früher genannte
-Pariser Giesser Gor das Reitermonument Friedrichs V. nach dem Modelle
-seines Landsmannes Saly in Bronze (Abb. 109).
-
-Französische und deutsche Künstler sind es auch, die in =Schweden= den
-Erzguss im Grossen heimisch machen. Im Jahre 1770 goss der Giesser Meier
-das Standbild Gustav Wasas für Stockholm nach dem Modelle des Franzosen
-Larchevèque (Abb. 110). Dieselben Künstler führten auch im Jahre 1777 für
-Stockholm das Reiterbild Gustav Adolphs aus (Abb. 111). Noch im
-Wachsausschmelzverfahren dürfte auch das Standbild Gustavs III. nach dem
-Modelle des Schweden Sergel gegossen sein.
-
-[Illustration: Abb. 94. Gipsform mit Wachslage und Kerngerüst im
-Querschnitt (nach Mariette). Text S. 78.]
-
-[Illustration: Abb. 95. Dammgrube mit Kerngerüst (nach Mariette). Text
-S. 78.]
-
-
-
-
- IV. Die Teilformverfahren des 19. Jahrhunderts.
-
-
-Die letzte grosse Blütezeit der Erzgusstechnik, die noch fortbesteht,
-soll in ihrem Entstehen und Gedeihen besonders auf deutschem Boden weiter
-betrachtet werden. Schwere Hindernisse eines erneuten Aufschwunges galt
-es zu überwinden; das Eisen sollte eine Vermittlerrolle spielen.
-
-Die mannigfachen Fortschritte, die man gerade im Laufe des 18.
-Jahrhunderts auf dem Gebiete der =Eisen=gusstechnik gemacht hatte, sollen
-hier nicht berührt werden, zum Staunen aller Welt war man schliesslich
-dahin gekommen, kleinere Bildwerke hohl in Eisen giessen zu können. Die
-Erfolge ermutigten zu weiteren Versuchen; französische, deutsche und
-englische Berichte der zweiten Hälfte des Jahrhunderts geben darüber
-Auskunft. Die deutschen Errungenschaften sind hier von besonderem
-Interesse.
-
-Im deutschen Hüttenwerk =Lauchhammer= wurden, wie eine Chronik dieses
-Werkes berichtet, bereits im Jahre 1781 Versuche gemacht, mit Hilfe des
-Wachsausschmelzverfahrens figürliche Modelle in Eisen zu giessen. Diese
-ersten vom Bildhauer Thaddeus Ignaz Wiskotschil (1753-1795) angestellten
-Versuche misslangen, weil das Formmaterial ungeeignet gewählt war; das
-bei einem wesentlich höheren Hitzegrade flüssig werdende Eisen erfordert
-natürlich eine feuerbeständigere Formmasse als die Bronze. Einige Jahre
-darauf (1784) wurde aber eine von den Bildhauern Wiskotschil und
-Mättensberger nach der Antike in Wachs ausgegossene und poussierte Statue
-einer Bacchantin von den Giessern Klausch und Güthling in Lehm geformt
-und gelungen abgegossen. »So kam die Erfindung des Kunstgusses in Eisen
-zu stande, und es wurden, was bisher noch keiner Eisengiesserei gelungen
-war, selbst die grössten Statuen und Gruppen aus dem Ganzen gegossen und
-kamen rein aus dem Gusse.«
-
-Die Chronik des Lauchhammer-Werkes berichtet seit dem Jahre 1784
-getreulich über alle wichtigeren, in Eisen gegossenen Bildwerke, unter
-denen sich zahlreiche Figuren nach antiken Modellen, Büsten, Tiere,
-grosse Vasen, Postamente u. a. m. befinden.
-
-Zu der Ausführung grosser Modelle in Bronzeguss war es in der That nur
-ein Schritt, denn gerade der Eisenguss erfordert sorgfältigste
-Herstellung der Form, dennoch wurden, als es sich schliesslich darum
-handelte in Deutschland ein paar Denkmalfiguren in Erz zu giessen,
-französische Meister herbeigezogen.
-
-Die Gründe dafür sind nicht völlig klar ersichtlich, doch möchte man
-heute glauben, dass die Leistungsfähigkeit der deutschen Giesser von den
-Bildhauern gar zu gering geachtet wurde.
-
-Die Bildgiesserei des 19. Jahrhunderts bediente sich ganz überwiegend
-eines Formverfahrens, das vorher für künstlerische Zwecke nicht
-angewendet war, und bei dem das eigentliche Formmaterial ein mässig
-lockerer, meist durch Zusätze bildsam gemachter Sand war.
-
-Der wesentlichste Unterschied aber zwischen den Sandformen und den im
-allgemeinen früher gebrauchten besteht darin, dass bei den Sandformen die
-Formhöhlung =nicht= aus einem unteilbaren oder aus sehr wenigen Stücken
-bestehenden Ganzen gebildet wurde, dass vielmehr das Wesen der Sandform
-auf der vielfachen Teilbarkeit beruht.
-
-Wann und wo man begann, auch bei grossen Modellen zu der neuen
-Formungsart überzugehen, ist mit Sicherheit bisher nicht festgestellt,
-doch scheint es, als ob in der Anwendung auf den Kunstguss den Franzosen
-die Priorität eingeräumt werden muss; es wird sogar der französische
-Giesser Rousseau als der Entdecker der ausserordentlich mannigfaltig
-verwendbaren Sandformerei namhaft gemacht; er soll zuerst im Jahre 1798
-Versuche damit angestellt haben.
-
-[Illustration: Abb. 96. Eingiessen der Kernmasse (nach Mariette). Text S.
-78.]
-
-Teilformen durchaus in der Art der noch näher zu beschreibenden
-Sandformen waren auch vor dem 19. Jahrhundert bereits bekannt und auch
-verwendet, in welchem Masse aber, und ob auch bei komplizierten grösseren
-figürlichen Modellen schon in den Jahrhunderten vorher davon Gebrauch
-gemacht wurde, ist nicht ganz leicht zu entscheiden; allem Anscheine nach
-hat man bis zum 19. Jahrhundert nur einfachste Modelle mit Hilfe von
-Teilformen in Erz gegossen. Billige Eisengusswaren wie Ofenplatten, Töpfe
-u. dergl. hat man seit vielen Jahrhunderten bereits auch in vielteiligen
-Sandformen hergestellt, der Bronzegiesser verwendete Lehm.
-
-[Illustration: Abb. 97. Kerngerüst mit Wachsmodell, Durchschnitt (nach
-Mariette). Text S. 79.]
-
-Die =Lehmteilform= muss als die eigentliche, wichtigste Vorstufe der
-modernen Sandteilform bezeichnet werden, die auch neben der letzteren
-nicht in Vergessenheit geraten ist.
-
-[Illustration: Abb. 98. Wachsmodell mit dem Netz der Guss- und Luftkanäle
-(nach Mariette). Text S. 79.]
-
-[Illustration: Abb. 99. Wachsmodell mit dem Netz der Guss- und Luftkanäle
-(nach Boffrand). Text S. 80.]
-
-[Illustration: Abb. 100. Ausschmelzen des Wachses und Brennen der Form in
-der Dammgrube (nach Mariette). Text S. 80.]
-
-[Illustration: Abb. 101. Pompeo Leoni, Grabmal Philipps II., Madrid
-Escurial.]
-
-Von den früher aufgezählten Gusswerken ist durchgehends angenommen,
-dass sie mit Hilfe von Wachs geformt seien und die Annahme dürfte
-zutreffen; zweifellos verstand man aber, zum wenigsten schon im 18.
-Jahrhundert, auch wohl umfangreichere figürliche Modelle mittels
-Lehmteilformen ohne Verwendung von Wachs in Erz zu giessen, wie aus dem
-von P. N. Sprengel im Jahre 1769 in Berlin herausgegebenen Werke:
-Handwerke und Künste (5. Sammlung S. 81ff.) hervorgeht. In diesem Werke
-ist die Teilformerei in Lehm in folgender Weise beschrieben: »Der
-Modellirer verfertigt ein Modell von Gyps oder Thon, das völlig die
-Grösse der künftigen Statue hat. Dieses Modell bestreicht man mit Oel und
-drückt es stückweise mit Lehm von neuem ab, dass alle Stücke
-zusammengesetzt inwendig eine Höhle bilden würden, die völlig die Gestalt
-des ersten Modells hat.... Alle Stücke müssen sich aber genau
-aneinanderpassen.... Mit diesen Stücken, die ein Zeichen erhalten, dass
-man sie wieder zusammenfinde, formt man jeden Theil der Statue besonders,
-z. B. die Füsse, die Arme, den Leib, und setzt alsdann alle Stücke
-zusammen. Die Dickte (d. h. die die künftige Metallstärke darstellende
-Schicht) machen die Giesser entweder von Wachs (Wachsausschmelzverfahren)
-oder... einige Künstler nehmen... statt des Wachses Lehm, und verfertigen
-mit dieser Masse die Dickte. Sie rollen nemlich den Lehm mit Rollhölzern,
-wie man den Teich zu den Kuchen rollt, und damit sie ihm eine gehörige
-Dicke geben können, die sich für jeden Theil der Statue schickt, so
-nehmen sie hiezu runde Hölzer mit Köpfen von verschiedener Stärke. Soll
-z. B. der Lehm 1/2 Zoll dick seyn, so ragen die runden Köpfe 1/2 Zoll
-über dem Rollholze selbst hervor. Diese dünnen Lehmblätter legt man statt
-des Wachses in die Stücke der Form, drückt sie gehörig ein, bestreut sie
-mit Asche und füllet gleichfalls den übrigen Raum mit Lehm aus. Kleine
-zierliche Stücke muss man aber doch von Wachs formen, weil der Lehm nicht
-in alle kleinen Fugen eindringt. Z. E. die Riemen von dem Reitzeuge und
-dem Panzer. Wenn alle Stücke trocken sind, so werden sie... durch Zapfen
-und Zapfenlöcher zusammengesetzt... Man muss aber dafür sorgen, dass beym
-Formen ein Loch an den Orten bleibe, wo man zur Haltbarkeit die
-schwebenden Theile durch Eisen mit den Hauptstangen (des Kerngerüstes)
-verknüpfen will.
-
-[Illustration: Abb. 102. Längsschnitt durch die Gussform mit dem
-Wachsmodelle (nach Mariette). Text S. 80.]
-
-Ist die Dickte von Lehm gemacht, so schneidet man sie vor dem
-Zusammensetzen weg, wenn der Kern befestigt (d. h. erstarrt) ist, und
-setzt blos den Kern und die Formstücke mit den angrenzenden Theilen
-zusammen. Man muss aber hiebey bemerken, dass die Formstücke die Anlage
-zum Mantel geben. Die Theile wurden zwar mit Lehm eingesetzt und
-verschmiert, allein schwebende Stücke muss man doch mit Draht oder auf
-eine andere Art unterstützen, dass sie nicht abbrechen. Ueber die
-zusammengefügten Formstücke, die, wie gesagt, statt der untersten (d. h.
-inneren) Lagen des Mantels dienen, wird Lehm geklebt, dem man... mit
-eisernen Bändern und Draht Haltbarkeit giebt. Die Guss- und Luftröhren
-werden... gehörig angebracht. Nimmt man beym Formen die Formstücke von
-den Theilen ab, so kann man bemerken, ob ein Theil (d. h. jeder Teil)
-seine gehörige Gestalt habe. Bey dieser... Art zu formen bleibt noch das
-Ausschmelzen des Wachses (das für die zarten Teile verwendet ist) und das
-Ausbrennen der Formen zu bemerken übrig, und beides bewirkt der Ofen
-unter dem Rost (auf dem die Form errichtet wird).«
-
-[Illustration: Abb. 103. Aufwinden des von der Form befreiten Gusswerkes
-aus der Dammgrube (nach Mariette). Zum Text S. 78ff.]
-
-[Illustration: Abb. 104. Gussform mit Armierung (nach Mariette). Text S.
-80.]
-
-Diese Darstellung dürfte im ganzen verständlich sein. Bei der
-Teilformerei fällt also die Gipshilfsform fort, die Gussform wird
-unmittelbar über dem Modelle ausgeführt. Alle Unterschneidungen müssen
-mit Hilfe oft sehr kleiner und zahlreicher Teilstückchen sogleich mit
-abgeformt werden, soweit man nicht etwa vorzieht, sie auszufüllen und
-erst durch den Ciseleur am Gussstück ausführen zu lassen. Das von
-Sprengel angegebene Verfahren, zarte und auch wohl unterschnittene Teile
-über Wachs zu formen, das nachher ausgeschmolzen wird -- also eine
-gemischte Art der Formung -- scheint im 19. Jahrhundert beim
-Bildsäulenguss nur ganz ausnahmsweise angewendet zu sein.
-
-Die =Sandformerei= ist der Lehmformerei ähnlich, man verfährt im
-allgemeinen wie folgt.
-
-[Illustration: Abb. 105. Giov. da Bologna, Denkmal Philipps III., Madrid;
-Guss von P. Tacca.]
-
-In gleicher Weise wie bei der Lehmformerei bildet man über dem aus Gips
-gefertigten Modell die Formstücke aus Sand; jedes Teilstück muss für sich
-abhebbar sein. Man trägt auf die mit einem Teilstücke zu bedeckende
-Modellfläche den Formsand auf, klopft ihn mit einem Holzhammer fest an,
-so dass er auch in sich den nötigen Halt gewinnt, dann beschneidet man
-die Seiten so, dass sie im allgemeinen normal zur Modellfläche gerichtet
-sind und versucht, ob sich das Teilstück leicht abheben lässt. Darauf
-bepudert man die Seitenflächen mit Holzkohlen- oder Lykopodiumpulver und
-stellt dicht anliegend daneben in gleicher Weise die weiteren Formstücke
-her. Eine gewisse Anzahl solcher Teilstücke werden in grösseren
-Sandteilstücken vereinigt und diese hintergiesst man wiederum mit Gips,
-um ihnen einen festeren Zusammenhalt zu verleihen; auch diese
-Gipshinterlagen müssen an glatt beschnittenen Flächen
-aneinanderschliessen und unter sich wieder einzeln abhebbar sein, d. h.
-sie dürfen Rundungen höchstens zur Hälfte umschliessen. Ist nun das ganze
-Modell dieser Art mit Formstücken umhüllt, dann werden zunächst die
-Gipshinterlagen abgehoben, darauf auch die grösseren und kleineren
-Sandteilstücke, die dann wieder an ihren Platz im Gipsmantel gelegt und
-mit einem dünnen Stiftchen befestigt werden. Setzt man dann die
-Gipsmantelstücke mitsamt den Sandteilstücken wieder ohne Einschluss des
-Modelles zusammen, so gewinnt man eine Hohlform.
-
-Weiter handelt es sich dann darum, den Kern herzustellen. Man bringt zu
-dem Zwecke in die mit Holzkohlenstaub oder dergl. bepuderte Form
-Formsand, der vorsichtig in alle Tiefen gedrückt wird. Grössere nicht
-sehr weite Formen wird man nicht sofort ganz zusammensetzen, schon weil
-nicht alle Tiefen von einer Oeffnung aus mit der Hand zu erreichen sein
-würden, man füllt im fortschreitenden Zusammensetzen den Kernsand ein. Um
-dem künftigen Kerne die nötige Festigkeit zu geben, wird er ein eisernes
-Gerüst einschliessen müssen in der Art, wie früher gezeigt wurde. Ist nun
-die ganze Hohlform sorgfältig mit Sand gefüllt, und hat dieser durch
-Klopfen und durch das innere Stabgerüst genügende Haltbarkeit bekommen,
-dann wird wiederum die Teilform abgenommen. Um das nun freigelegte, dem
-ursprünglichen Modell gleiche Sandgebilde als Kern für den Hohlguss
-benutzen zu können, ist es notwendig, ringsum mit geeigneten Schneideisen
-eine Schicht abzutrennen, die der Dicke der künftig gewünschten
-Metallstärke gleichkommt.
-
-Es erübrigt dann noch, den Kern und die Teile des Formmantels zu
-trocknen, Giess- und Luftkanäle einzuschneiden, die Mantelteile wieder um
-den Kern herum zusammenzubauen, das Ganze durch eine Eisenumgürtung zu
-festigen und in der Dammgrube einzudämmen. Darauf kann in der früher
-beschriebenen Weise der Einguss des flüssigen Erzes geschehen.
-
-Mancherlei grössere oder kleinere Abweichungen von dem vorstehend kurz
-beschriebenen Verfahren dürfen nicht unerwähnt bleiben.
-
-[Illustration: Abb. 106. P. Tacca, Denkmal Philipps IV., Madrid.]
-
-Die Herstellung des Kernes geschieht z. B. vielfach in anderer Weise.
-Wird die Gussform unmittelbar zur Verfertigung des Kernes benutzt, so ist
-die Gefahr, dass beim Einklopfen des Sandes in die feinen Vertiefungen
-die Form Schaden leidet, sehr gross. Um dem vorzubeugen, kann man
-entweder eine zweite Sandhohlform herstellen, die nur zur Bildung des
-Kernes gebraucht wird, oder man fertigt auch den Kern in einer von dem
-ursprünglichen Modell genommenen Gipsform, doch pflegt dies nur zu
-geschehen, wenn eine solche ohnehin vorhanden ist, weil sie umständlicher
-herzustellen ist, wie eine zweite Sandform. Auch wird der Kern nicht
-immer durch und durch aus Sand gefertigt; man kann auch die innere, bei
-grösseren Modellen leicht auszusparende Höhlung des Kernes mit einer
-Gipsmasse ausfüllen, wodurch ihm eine gesteigerte Festigkeit verliehen
-wird. Schliesslich kann auch bei Sandformen der Kern überhaupt in der
-früher angegebenen Art und in derselben Zusammensetzung etwa Gips,
-Ziegelmehl und Chamotte flüssig eingegossen werden, die Sandhohlform ist
-dann also zuvor mit einer die künftige Metallstärke darstellenden
-Thonschicht auszulegen.
-
-Eine wesentlichere, zumeist geübte Abweichung des obigen
-Sandformverfahrens besteht aber darin, die Teilstücke der Sandhohlform
-nicht durch eine Gipshinterlage zusammenzuhalten, sie vielmehr ebenfalls
-in Sand zu betten, der von eisernen Formkästen oder Formflaschen
-umschlossen wird, deren Form quadratisch, länglich rechteckig, rund oder
-oval ist, je nach Erfordernis des Modelles. Wie es scheint, ist diese
-letzte Methode die etwas jüngere.
-
-Von dem in den Jahren 1820-23 in Eisenguss ausgeführten Denkmale auf dem
-Kreuzberge in Berlin soll nur bei der Gussform der ersten Figur ein
-Gipsumguss angewendet worden sein, bei den übrigen soll man aber eiserne
-Formkästen, in denen der Formmantel in Masse, d. h. einer Mischung aus
-Thon und Sand, eingestampft wurde, vorgezogen haben.
-
-[Illustration: Abb. 112. Teilformerei in Sand (a). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 113. Teilformerei in Sand (b). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 114. Teilformerei in Sand (c). (Schema.)]
-
-Die Einformung in Formkästen geschieht z. B. bei einem Kopfe in der Art,
-dass über das einerseits -- so tief als es einer guten Hauptformnaht
-entspricht -- in Sand gebettete, oben in der angegebenen Weise mit
-Formteilstücken bedeckte Modell, ein Formkasten gesetzt wird, d. h. ein
-nur aus den vier Seitenwandungen bestehender Rahmen, dessen Flächen
-zumeist innen rundlich der Länge nach vertieft oder mit Vorsprüngen
-versehen sind, damit hineingestampfter Sand sich leichter darin halten
-kann. Der die Formstücke umschliessende Rahmenteil wird dann über den
-eingestäubten Formteilen mit fettem Sande gefüllt, vorsichtig
-ausgestampft und eine mit dem oberen Kastenrande abschliessende glatte
-Fläche hergestellt, die mit einem Brett bedeckt wird, damit das Ganze
-umgewendet werden kann. Besonders um das zu ermöglichen, hatte man die
-untere Seite des Modelles im ganzen, d. h. vorläufig ohne Teilstücke in
-einem Formkasten in Sand eingelassen (Abb. 112). Dieser darauf nach oben
-gewandte »falsche« Formkasten wird abgehoben und der von ihm bisher
-gehaltene Sand entfernt. Die Sandfläche im Unterkasten wird darauf
-geglättet und wieder eingestäubt. Dann wird auch die frei gewordene Seite
-des Modells mit Teilstücken bedeckt (Abb. 113). Wenn auch diese bestäubt
-sind, wird wie vorher ein Formkasten aufgesetzt, der genau auf den
-unteren schliessen muss, und seitlich unverschiebbar darauf befestigt
-werden kann. Auch er wird mit Sand bis zu seiner Oberkante fest
-angefüllt. Um nun das Modell aus der so gewonnenen Form entfernen zu
-können, muss zunächst ein Kasten mit dem darin gehaltenen Sande von den
-Formstücken abgehoben, dann diese einzeln vom Modell genommen, wieder an
-ihren Platz im Formkasten gebracht und dort mit dünnen Stiften befestigt
-werden. Nötigenfalls muss die nun frei gewordene Seite des Modells wieder
-in einen »falschen« Kasten eingebettet werden, um in derselben Weise auch
-das Modell aus den Teilstücken des anderen Formkastens lösen zu können.
-
-[Illustration: Abb. 115. Teilformerei in Sand (d). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 116. Teilformerei in Sand (e). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 117. Teilformerei in Sand (f). (Schema.)]
-
-Der Kern wird in der oben beschriebenen Weise hergestellt, z. B. durch
-Eindrücken von Formsand in die Höhlung einer zweiten, genau in der vorher
-beschriebenen Weise für diesen Zweck hergestellten Sandteilform (Abb.
-114-116). Wenn dann, wie in der Skizze Abbildung 117 angedeutet ist, auch
-die nach Ausschnitten in den Kästen geführten Guss- und Luftröhren
-eingegraben sind, der Kern befestigt, und das Ganze getrocknet ist,
-werden die Formkästen durch geeignete Vorrichtungen dicht aneinander
-gepresst. Ohne zumeist die Form weiter einzudämmen, kann darauf das
-flüssige Metall eingegossen werden.
-
-Bei sehr grossen Modellen muss die Zahl der übereinander zu verwendenden
-Formkästen vergrössert werden, die Einformung geschieht jedoch im grossen
-und ganzen in derselben Weise.
-
-Dass auch in der Sandformerei einzelne, Verletzungen besonders
-ausgesetzte Formteilstücke aus scharf getrocknetem Lehm hergestellt
-werden können, möge nicht unerwähnt bleiben.
-
-Die technische Litteratur aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts giebt, wie
-bereits angedeutet wurde, nur ungenügende Aufklärung über die Frage, wann
-und wo die Sandformerei zuerst in grösserem Massstabe angewendet wurde,
-und wo es seine auch für grössere Modelle brauchbare Ausbildung erhielt.
-
-In der Königlichen Eisengiesserei in Berlin wurde zuerst 1813[20] der
-Versuch gemacht, ein freistehendes Bild in Sand zu formen; der Versuch
-soll gelungen sein. Als Formmasse bediente man sich dabei eines feinen,
-mit Lehmwasser getränkten Fürstenwalder Sandes, nur für die tiefsten
-Stellen der Form wurden Lehmteilstücke hergestellt.
-
- [20] Beck, Geschichte des Eisens Bd. IV, S. 103ff.
-
-Zweifellos nahm die deutsche Bildgiesserei des 19. Jahrhunderts in
-=Berlin= ihren Ausgang; die wesentlichsten Förderer waren zunächst
-Gottfried Schadow und Christian Rauch. Die für grosse Bronze-Monumente
-anzuwendende Formtechnik war für beide Künstler eine Frage von höchstem
-Interesse.
-
-Schadow, der zuerst mit der Herstellung eines in Erz auszuführenden
-Denkmals für Friedrich d. Gr. betraut wurde, machte grosse Reisen, nur um
-Erfahrungen im Formverfahren zu sammeln. Im Jahre 1791 reiste er nach
-Kopenhagen, Stockholm und Petersburg, doch die dort geübte Gusstechnik
-und ihre Resultate befriedigten ihn nicht, er wies schon damals darauf
-hin, dass es nötig sei, in Paris selbst, von wo jene Städte das
-Formverfahren übernommen hätten, in die Lehre zu gehen. Schadows Plan,
-auch dorthin zu reisen, kam jedoch nicht zur Ausführung. Schadow wurde
-auch nicht der Bildner des Friedrich-Denkmals, er blieb aber doch der
-erste deutsche Künstler des 19. Jahrhunderts, der darauf bestand, einige
-Bildsäulen von beträchtlicher Grösse in Bronzeguss auszuführen: die
-Statue Blüchers[21] für Rostock (Abb. 118) im Jahre 1818 und das
-Standbild Luthers für Wittenberg im Jahre 1819.
-
- [21] Goethe hatte vorgeschlagen, diese Statue von Pflug und Sohn in
- Gera in Kupfer treiben zu lassen.
-
-[Illustration: Abb. 107. E. M. Falconet, Denkmal Peters des Grossen in
-Petersburg.]
-
-Leider konnte sich der Meister nicht entschliessen, von deutschen
-Giessern, die freilich (wie vorher gezeigt wurde) damals nur Eisen
-verarbeiteten, Probegüsse in Bronze herstellen zu lassen -- zum wenigsten
-ist nichts davon bekannt -- er veranlasste Pariser Meister, den Giesser
-Lequine und den Ciseleur Coué, nach Berlin überzusiedeln.
-
-Seit der nordischen Reise Schadows hatte man jedoch in Paris das
-Formverfahren geändert, man goss jetzt in Sandteilformen; die Ergebnisse,
-die man dort in diesem Verfahren erzielt hatte, kannte Schadow nur vom
-Hörensagen und es bleibt deshalb um so verwunderlicher, weshalb er sich
-nicht an deutsche Giesser wendete, die das neue Verfahren zweifellos
-ebensogut beherrschten, oder nicht auf das alterprobte, ihm wohl bekannte
-Wachsverfahren zurückgriff, das in Russland und Italien -- hier sogar von
-einem deutschen Giesser Hopfgarten -- weiter geübt wurde.
-
-Die Erfolge der Franzosen in der Ausführung der beiden genannten
-Standbilder wurden für die Bronzegiesserei in Deutschland entscheidend,
-die vielen, teils sehr grossen Bronzebildwerke der folgenden Jahrzehnte
-wurden sämtlich im neuen Verfahren gegossen. Doch ist es nicht ohne
-Interesse, die Entwicklung weiter zu verfolgen.
-
-Von allergrösstem Einfluss auf die deutsche Giesskunst wird zunächst
-Christian Rauch.[22] Das erste grosse Standbild des Meisters, das in
-Bronzeguss ausgeführt werden sollte, war, ebenfalls ein Blücher, für
-Breslau bestimmt (Abb. 120). Rauch konnte sich zunächst nicht
-entschliessen, wiederum die Hilfe der Franzosen in Anspruch zu nehmen, er
-wandte sich deshalb an den bereits genannten Hopfgarten in Rom, und
-suchte ihn zu bewegen, nach Berlin überzusiedeln. Die Teilformerei in
-Sand war aber jenem Giessmeister nicht bekannt, und er mochte sich nicht
-dazu entschliessen, sich unter die Autorität der in Berlin weilenden
-Franzosen zu stellen. Auch sprach er aus, dass er sein Verfahren, also
-das Wachsausschmelzverfahren, für wenigstens ebensogut halte, wie das
-neue, zumal es sich damals wieder beim Guss zweier grosser
-Reiterstandbilder -- Karls III. nach Canovas Modell und Ferdinand I. nach
-dem Modell Calis -- in Neapel, in der Giesserei Righettis bewährt hatte.
-Eine Einigung wurde nicht erzielt, und der Guss des Breslauer Blücher
-wurde schliesslich (1820) wiederum Lequine mit Beihilfe Reisingers, des
-Direktors der Berliner Stückgiesserei, übertragen; mit der Ciselierung
-der Statue wurde der Franzose Vuarin betraut. Guss und Nacharbeit des
-Sockels sollte von Coué ausgeführt werden.
-
- [22] Eingehend berichtet darüber Eggers in der Biographie des
- Künstlers; seinen Ausführungen schliesst sich unsere Darstellung
- an.
-
-[Illustration: Abb. 108. Lamoureux, Denkmal Christians V. von Dänemark,
-in Kopenhagen (vergoldetes Blei).]
-
-Weitere grosse Gussarbeiten standen bevor, und die Frage, welches
-Formverfahren dabei zur Anwendung kommen sollte, war für Rauch noch nicht
-endgültig erledigt. Fast scheint es, als ob von vornherein die
-Ciselierung, in der die Franzosen Meister waren, auch stets der Anlass
-wurde, die Herstellung der Form nur ihnen anzuvertrauen. Zwar veranlasste
-Rauch im Jahre 1824 Anfragen nach Petersburg und erhielt den Bescheid,
-dass man dort und in Moskau noch im Wachsverfahren arbeite und weiter
-dabei zu bleiben gedächte. Zur gründlicheren Prüfung dieses Verfahrens
-scheint es trotzdem deutscherseits damals nicht gekommen zu sein.
-
-Auch die Berliner Königl. Giesserei übte schliesslich den Bronzeguss nach
-der für Eisen seit Jahren angewendeten Methode Lequines, der 1824 sogar
-als Lehrer einer neubegründeten Kunstgussschule angestellt, und dem dann
-auch die Ausführung des für Berlin bestimmten Blücher-Denkmals (Abb. 119)
-Rauchs übertragen wurde. Auch eine Ciselierschule wurde eingerichtet mit
-Coué als Lehrer; beide standen unter der Oberaufsicht Rauchs. Die Erfolge
-blieben jedoch diesen Anstalten durchaus fern, und Rauch äusserte (1827),
-dass es ihm zweckmässiger schiene, Giesseleven in Paris selbst bilden zu
-lassen bei Crozatier und Carbonneaux, deren hervorragende Leistungen der
-Künstler selbst Gelegenheit genommen hatte (1826), an Ort und Stelle
-kennen zu lernen.
-
-Vor allem war die entschiedene Meinungsäusserung Rauchs durch die
-Misserfolge Lequines veranlasst. Zwar war der Breslauer Blücher besser
-aus der Form gekommen, als seine ersten nach Schadows Modellen gegossenen
-Arbeiten, doch um so grössere Nachlässigkeit in jeder Beziehung brachte
-bei den nun folgenden Gusswerken das Vertrauen zu seinen Fähigkeiten ins
-Wanken. Als der Franzose schliesslich bei der Statue Friedrich Wilhelms
-I. für Gumbinnen einen völligen Fehlguss geliefert hatte, wurde er
-plötzlich (1828) angewiesen, die ihm seit elf Jahren überlassene
-Werkstatt in der Königl. Giesserei zu räumen und sein auch von Rauch
-unterstützter Protest vermochte nichts gegen diese Verordnung
-auszurichten. Die Giessereischule hörte damit auf, weiter zu bestehen.
-Der Versuch, mit Hilfe der Schule tüchtige Giesser für Berlin
-heranzubilden, war nur in sehr beschränktem Masse gelungen. Schliesslich
-sollten die mit Hopfgarten in Rom angeknüpften Verhandlungen Erfolg
-haben. Obschon dieser vollauf beschäftigt war, hatte ihn doch nie der
-Wunsch verlassen, einmal nach Berlin überzusiedeln.
-
-[Illustration: Abb. 109. Saly, Denkmal Friedrichs V. von Dänemark,
-Kopenhagen.]
-
-Um Rauchs Wünschen entgegenzukommen, hatte Hopfgarten schon 1823, nachdem
-sein Genosse Jollage in Paris die neue Teilformerei in Sand studiert
-hatte, einen Versuch in diesem neuen Verfahren gemacht und schliesslich,
-nach den Misserfolgen Lequines, entschloss er sich, eine Kunstgiesserei
-in Berlin zu eröffnen.
-
-Im Jahre 1828 war er dort bereits in reger Thätigkeit; er goss das
-Francke-Denkmal für Halle nach Rauchs Modell (Abb. 121), die Statue
-Friedrich Wilhelms II. für Ruppin nach Tiecks Modell u. a. m.[23]
-
- [23] Von anderer Seite, z. B. in Fabers Konversations-Lexikon, wird die
- Gussausführung dieser Denkmäler einem älteren Bruder des von
- Eggers angeführten Hopfgarten zugeschrieben.
-
-Neben Hopfgarten hatte noch ein anderer Deutscher, Christoph Heinrich
-Fischer, eine eigene Giesserei in Berlin errichtet, die ebenfalls durch
-Rauch und Tieck mit allen Mitteln gefördert wurde. Fischer[24] war 1818
-nach Berlin gekommen und arbeitete bis 1822 als Ciseleur unter Coué. In
-der Giesserei unterwies ihn insbesondere der Pariser Honoré Gonon, dessen
-Bekanntschaft er in Berlin gemacht hatte. Die Fischersche Giesserei kam
-zu hoher Blüte, sie bestand bis 1845.
-
- [24] Amtl. Bericht der allgem. deutschen Gewerbeausstellung.
- Berlin 1844. Bd. II.
-
-Fischer goss nach Rietschels Modellen die Nebenfiguren zu dem für
-Dresden bestimmten Denkmal König Friedrich Augusts in den Jahren
-1833-1836, und Rauch schreibt bei der Gelegenheit über ihn an
-Rietschel:[25] »Fischer macht in seiner Thätigkeit täglich Fortschritte
-und ist ein tüchtiger Giesser geworden, dem ich jetzt das Allerwichtigste
-anvertrauen würde. Schade, dass seine Persönlichkeit nicht angenehm ist;
-könnte er andere Giessereien und Formarten durch Reisen, der
-französischen Sprache mächtig, noch kennen lernen, ich würde ihn für
-vollendet in seiner Kunst halten.«
-
- [25] Eggers, Rauch Bd. III. S. 102.
-
-[Illustration: Abb. 110. Larchevèque, Denkmal Gustav Wasas in Stockholm;
-Guss von Meier.]
-
-Im Jahre 1836 goss Fischer nach Drakes Modell das Standbild Mösers für
-Osnabrück, dann die vor dem Alten Museum in Berlin aufgestellte Amazone
-nach Kiss. Von seinen anderen teils schon früher ausgeführten Gusswerken
-seien noch genannt zwei kolossale Hirsche und eine Viktoria nach Rauch,
-eine sieben Fuss hohe Venus für Charlottenhof, und das Standbild des
-Kopernikus nach Tiecks Modell für die Stadt Thorn. Die Berliner
-Gewerbe-Ausstellung des Jahres 1844 beschickte er mit fünfzehn grösseren
-Gusswerken.[26]
-
- [26] Amtl. Bericht der Ausstellung, Bd. II.
-
-Noch andere tüchtige Giesser jener Zeit werden in Berlin genannt, vor
-allem der bereits 1834 verstorbene Joh. Dinger. Auf Rauchs Veranlassung
-wurde dieser 1829 nach Paris zum Studium gesandt und es wird von ihm
-gerühmt,[27] dass er es verstanden habe, besonders dünnwandig zu giessen.
-Von seinen Gusswerken seien genannt die grosse Amazone für den
-Charlottenburger Schlossgarten und Fuss und Schale eines nach Schinkels
-Zeichnung von Kiss modellierten Brunnens.
-
- [27] Ebendort.
-
-Die Figuren dieses Brunnens wurden von Feierabend, der ebenfalls in Paris
-die Giesserei studiert hatte, gegossen und es wird von ihnen ausdrücklich
-bemerkt, dass der Guss so tadellos war, dass eine Ciselierung nicht
-notwendig war[28].
-
- [28] Amtl. Bericht der allgem. deutschen Gewerbeausstellung,
- Berlin 1844, Bd. II.
-
-[Illustration: Abb. 111. Larchevèque, Denkmal Gustav Adolphs in
-Stockholm; Guss von Meier.]
-
-[Illustration: Abb. 118. Schadow, Blücher-Denkmal in Rostock. Guss von
-Lequine in Berlin.]
-
-[Illustration: Abb. 119. Rauch, Denkmäler von York, Blücher und Gneisenau
-in Berlin. Blücher, gegossen von Lequine; York und Gneisenau, gegossen
-von Friebel in Berlin.]
-
-Rauch hatte sich indessen noch nicht endgültig für das
-Teilformverfahren entschieden, besonders wohl die Misserfolge Lequines
-hatten ihn stutzig gemacht, und obschon sich damals das Sandformverfahren
-billiger stellte als das Wachsausschmelzverfahren, wollte er nichts
-unversucht lassen. Er erreichte es, dass Coué 1831 auf drei Monate nach
-Petersburg gesandt wurde. Erst als auch jetzt nach Coués Bericht die
-Entscheidung zu Ungunsten des alten Verfahrens ausfiel, wurde es von
-Rauch aufgegeben.
-
-[Illustration: Abb. 120. Rauch, Blücher-Denkmal in Breslau. Guss von
-Lequine in Berlin.]
-
-Alle Sorgfalt wurde nun der weiteren Vervollkommnung der Sandformerei
-zugewandt. Das Streben ging, wie schon oben angedeutet, vor allem dahin,
-mit Hilfe eines bestgeeigneten Formmaterials die Teilform so sauber
-herzustellen, dass die Nachciselierung nach Möglichkeit auf die
-Entfernung der Gusskanäle und Gussnähte beschränkt werden konnte, die
-Flächen dazwischen aber nicht in Mitleidenschaft gezogen zu werden
-brauchten.
-
-Rauch[29] sagte einmal (1835): »... Es giebt nichts Betrübenderes, als
-dies, dass man wünscht, dass die Güsse so glänzen, damit keine Punzen
-oder Feilen des Ciseleurs die Oberfläche zu berühren brauchten«.
-
- [29] Eggers, Rauch, Bd. II, S. 388.
-
-Völlig befriedigend fielen aber die Güsse trotz aller Bemühungen auch in
-Zukunft nicht aus, wie aus späteren Aeusserungen Rauchs zu Rietschel
-(1853) klar genug hervorgeht.[30] Rauch schreibt, dass er an seiner
-York-Statue nur die Gussnähte reparieren lasse, »um damit den Versuch zu
-machen, das gänzliche Ueberfeilen der Oberfläche zu vermeiden. Mit der
-Zeit werden bei fortlaufender Beschäftigung sich Leute heranbilden, die
-dieser schonenden Ciselierung angemessene Bildung haben und dem
-verderblichen Aufscheuerwesen ein Ende machen.« Und bald darauf schreibt
-Rauch: »Friebel, der Kunstgiesser, weilt im Mineralbade, wie gewöhnlich,
-während die Gehülfen mühsam Geschaffenes zerhobeln; an diesem Leide der
-Bronzearbeiten gehe ich körperlich und moralisch zu Grunde und nur
-sorgliche Ausführung unseres vortrefflichen Ciseleurs Martens... erhält
-in mir einige Hoffnung einer künftigen ordentlichen Schule«.
-
- [30] Eggers, Rauch, Bd. III, S. 313.
-
-Doch die Ciselierung blieb in erster Linie der wunde Punkt der
-Teilformerei auch im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts, eine
-wirkliche Besserung wurde erst möglich, als man schliesslich wieder zum
-alten Wachsausschmelzverfahren zurückzukehren begann.
-
-Doch bevor die jüngste Phase der Formereientwickelung betrachtet werden
-kann, ist es notwendig, nochmals ein wenig zurückzugreifen.
-
-Die Kunstgiesserei in Berlin muss zunächst noch in ihrer Entwicklung
-weiter verfolgt werden. Ausser den bereits genannten Giessern der
-zwanziger und dreissiger Jahre, wird als besonders tüchtig noch Kampmann
-genannt. Von den Gusswerken, mit denen er die Berliner Gewerbeausstellung
-des Jahres 1844 beschickt hatte, wird gerühmt[31], dass sie eine glatte,
-dichte, nicht schäumige oder kaltgüssige Oberfläche aufwiesen, dass die
-Tiefen der Gewänder klar und rein ausgefallen wären und nicht die so
-leicht vorkommenden Verschiebungen der Formstücke wahrnehmbar seien,
-kurz, dass sie als die Grenze dessen zu betrachten wären, was der rohe,
-d. h. der unciselierte Guss überhaupt zu leisten vermöge. Trotzdem kommt
-der Beurteiler zu dem Ergebnis, dass die Nacharbeit unentbehrlich sei,
-wenn die höchste Ausbildung der Form beansprucht würde.
-
- [31] Amtl. Bericht d. Ausst.
-
-Man muss nach solchen Ausführungen glauben, dass wohl über das, was unter
-»höchster Ausbildung der Formen« zu verstehen sei, Bildhauer und
-Ciseleure oft in Widerspruch gerieten. Zu grösserer Bedeutung scheint die
-Kampmannsche Giesserei nicht gelangt zu sein, die grossen Aufgaben
-besonders der vierziger Jahre wurden von anderen Giessmeistern
-ausgeführt.
-
-[Illustration: Abb. 121. Rauch, Francke-Denkmal in Halle. Guss von
-Hopfgarten in Berlin.]
-
-Von grosser Wichtigkeit für die Berliner Giesskunst wurden die
-Beziehungen, die Rauch 1838 mit dem bereits genannten Eisenhüttenwerk
-=Lauchhammer= anknüpfte. Für den Dom in Posen sollten die grossen von
-Rauch modellierten Statuen der Polenkönige Boleslaw und Mieczyslaw in
-Bronze gegossen werden. Für die Ausführung kamen die Giessereien von
-Hopfgarten, Fischer und die Kgl. Eisengiesserei in Berlin[32] in
-Betracht; mit der letzteren, als der mindestfordernden, wurde der Vertrag
-abgeschlossen. Doch die Ausführungsbedingungen in Bezug auf die Teilung
-der Statuen für die Einformung entsprachen durchaus nicht den Wünschen
-Rauchs, er erhob entschiedenen Einspruch und es gelang ihm schliesslich,
-die Aufhebung des Vertrages herbeizuführen. Nun wandte man sich nach
-Lauchhammer, wo man dem Künstler wenigstens das Recht der Oberaufsicht
-zugestand.
-
- [32] Eggers, Rauch, Bd. III, S. 169.
-
-[Illustration: Abb. 122. Rauch, Denkmal Friedrichs des Grossen in Berlin.
-Guss von Friebel in Berlin.]
-
-In Lauchhammer hatte man bis zum Jahre 1838 nur den Eisenkunstguss
-geübt; die grössten und schwierigsten Modelle hatte man aber in
-tadellosem Guss nachzubilden gelernt, und gewiss boten die in Eisen
-gegossenen Werke um so eher eine Garantie, dass man auch dem Guss von
-grossen Statuen in Bronze gewachsen sein würde, als die Form für den
-Eisenguss, wie bereits hervorgehoben wurde, die allergrösste Sorgfalt der
-Herstellung verlangt, weil beim Eisen nicht wie bei der Bronze stärkere
-Gussfehler durch Ergänzung der Fehlstücke oder Ciselierung beseitigt
-werden können.
-
-[Illustration: Abb. 123. Rauch, Denkmal Max-Josephs in München. Guss von
-Stiglmaier in München.]
-
-Die Ausführung der Rauchschen Figuren leitete Friebel, der später das
-Denkmal Friedrichs des Grossen in Berlin goss. Nach dem Guss der zweiten
-Statue kam Rauch nach Lauchhammer und war freudig überrascht über die
-Leistung. In seinem Tagebuche schreibt er, dass er nie vorher einen solch
-dünnen und an der Oberfläche so schönen Guss gesehen habe, und dass er
-sich entschloss, die Figuren nicht zu ciselieren, sondern nur das
-Nötigste daran mit den Punzen und der Feile zu thun und im übrigen nur
-mit Scheidewasser abzubrennen.
-
-Diese guten Erfolge veranlassten Rauch, dem Werke weitere Modelle --
-unter anderem im Jahre 1847 das Reiterbild des Grossherzogs Paul
-Friedrich für Schwerin -- zur Gussausführung zu übergeben und andere
-Künstler, zunächst Kiss und Rietschel, der selbst eine Zeitlang auf dem
-Werke angestellt war, folgten dem Beispiele.
-
-Für Rietschel übernahm das Werk die mühevolle und undankbare Aufgabe, die
-1838 in einer Dresdener Giesserei völlig fehl gegossene Hauptfigur seines
-Denkmals des Königs Friedrich August von Sachsen, so gut es möglich war,
-auszubessern. Nach dem Modelle desselben Künstlers wurde dort 1868 das
-Luther-Monument für Worms ausgeführt. Nach Kiss' Modellen goss man 1851
-in Lauchhammer die Denkmäler Friedrich Wilhelms III. für Königsberg und
-Breslau, im Jahre 1871 ein Reiterbild desselben Königs nach Wolff für
-Berlin und 1878 das Denkmal dieses Königs für Cöln a. Rh.
-
-Doch für Berlin wurde Lauchhammer noch durch den genannten Giessmeister
-und Ciseleur Friebel von besonderer Bedeutung. Friebel siedelte 1845 nach
-Berlin über mit dem grossen Auftrage, Rauchs Denkmal Friedrichs des
-Grossen in Bronzeguss auszuführen (Abb. 122). Schon rechtzeitig vorher
-waren grosse Werkstätten für die Modell- und Ciselierarbeiten und
-ebenfalls eine neue Giesserei errichtet. Die Gussausführung erfolgte in
-vielen Teilen, man begann mit dem Hauptkörper; abgetrennt und einzeln
-geformt und gegossen wurden die Reiterfigur, der Kopf des Pferdes, die
-Vorderbeine und der Schweif des Pferdes. Im Jahre 1851 waren alle Teile,
-Nebenfiguren und Reliefs gegossen und wurden noch vor der Zusammenfügung
-ausgestellt.
-
-[Illustration: Abb. 124. Thorwaldsen, Schiller-Denkmal in Stuttgart. Guss
-von Stiglmaier in München.]
-
-Von Friebel wurden noch nach Rauchs Modellen die Statuen Yorks und
-Gneisenaus gegossen. Er starb 1856.
-
-Die Giesserei wurde fortgeführt von Gladenbeck, der die Baulichkeiten
-später mit seinem Sohne zusammen bis zu ihrem Abbruche 1887 inne hatte.
-Die Gladenbecksche Giesserei wurde dann in erweiterter Form nach
-Friedrichshagen bei Berlin verlegt, wo sie schliesslich in die noch jetzt
-bestehende Aktiengesellschaft, vorm. Gladenbeck und Sohn, umgewandelt
-wurde.
-
-Der Ruf der Gladenbeckschen Giesserei wurde ebenfalls begründet durch
-Werke, die nach Rauchs Modellen gegossen wurden: die Thaer-Statue für
-Berlin (1856) und die Kant-Statue für Königsberg (1857). Schon in den
-sechziger Jahren wurde der Giesserei auch die Ausführung zweier grosser
-Reiter-Denkmäler übertragen; nach Drakes Modell das Reiterbild König
-Wilhelms I. und nach Bläsers Modell Friedrich Wilhelm IV. zu Pferde,
-beide für die Kölner Rheinbrücke.
-
-Neben Berlin und Lauchhammer waren indessen auch in anderen deutschen
-Städten einige Giessereien aufgeblüht, die Ebenbürtiges zu leisten
-vermochten.
-
-Der Zeit der Begründung und den Leistungen nach an der Spitze steht
-unter diesen die Königliche Erzgiesserei in =München=. Auch für das
-Entstehen und Gedeihen dieser Kunstwerkstätte war wiederum Rauch als
-erfahrener Praktiker und schaffender Meister von grösstem Einfluss. Der
-erste Leiter dieser Kunstgiesserei war Stiglmaier[33]. Als
-Goldschmiedelehrling hatte er seine Laufbahn begonnen, und auf einer
-Studienreise in Italien legte er bei Righetti in Neapel den Grund für
-seine spätere hochbedeutsame Giesserthätigkeit. Seine ersten
-Giessversuche machte er im Wachsausschmelzverfahren, das er bei Righetti
-kennen gelernt hatte. Nach seiner Rückkehr nach München (1823) konnte er
-als Münzgraveur in der Königlichen Münze die Versuche fortsetzen, und als
-man sich dort entschloss, eine Erzgiesserei zu gründen, wurde er zu ihrem
-Vorsteher bestimmt. Zur Erlernung der neuen Teilformerei in Sand wurde er
-nach Berlin geschickt und hierdurch kam er bald in enge Beziehungen zu
-Rauch. Mit diesem zusammen reiste er 1826 nach Paris, um in den dortigen
-bereits genannten Giessereien seine Kenntnisse zu vervollkommnen.
-
- [33] Eggers, Rauch, Bd. II., S. 419ff. und Zeitschrift d. Münchener
- Kunstgewerbevereins Jahrg. 1875 (Vortrag von Ferd. v. Miller) S.
- 2ff., ferner F. Faber, Konversations-Lexikon für die Bildende
- Kunst, Bd. V. S. 66ff.
-
-[Illustration: Abb. 125. Thorwaldsen, Denkmal des Kurfürsten Maximilian
-in München. Guss von Stiglmaier in München.]
-
-Die erste grosse Aufgabe, die Stiglmaier bewältigen sollte, natürlich
-auch im neuen Sandformverfahren, war der Guss des Max Joseph-Denkmals
-nach Rauchs Modell für München (Abb. 123). Im September 1830 wurde mit
-dem Einformen des Löwensockels begonnen. Der Guss gelang in mehreren
-Teilen sogleich vollkommen. Ein schweres Missgeschick traf jedoch den für
-seine Arbeit begeisterten Stiglmaier beim Guss der Königsfigur, die er
-entgegen Rauchs Rat ungeteilt eingeformt hatte. Das flüssige Metall
-durchbrach die Form und nichts war von diesem ersten Guss zu retten.
-Ungesäumt machte sich der Meister daran, die Arbeit aufs neue
-aufzunehmen, dieses Mal trennte er aber Ober- und Unterkörper, Kopf und
-Arme ab. Im Jahre 1833 wurden die Gussarbeiten glücklich zu Ende geführt.
-Schwierigkeiten stellten sich auch hier wieder mit der Ciselierung ein;
-man war genötigt, zunächst dafür den Franzosen Vuarin herbeizuziehen,
-dessen anmassendes und nachlässiges Verhalten jedoch bald dazu zwangen,
-ihn durch deutsche Künstler zu ersetzen, die ihre Aufgabe auch zur
-Zufriedenheit lösten.
-
-Besonderen Wert legte Stiglmaier darauf, dass sein bildhauerisch
-veranlagter Neffe Ferd. v. Miller[34], den er zu seinem Nachfolger
-ausersehen hatte, die Ciselierkunst gründlich erlernte; besonders zu
-diesem Zwecke sandte er ihn auch im Jahre 1838 nach Paris.
-
- [34] F. Faber a. a. O. S. 68.
-
-Nach Stiglmaiers Tode im Jahre 1844 übernahm Miller die Leitung der
-Giesserei, die im Jahre 1871 in den Besitz der Familie v. Miller überging
-und seit des Vaters Tode (1887) von seinen drei Söhnen weitergeführt wird
-unter dem Namen Königliche Erzgiesserei.
-
-[Illustration: Abb. 126. Schwanthaler, Denkmal Mozarts in Salzburg. Guss
-von Stiglmaier in München.]
-
-[Illustration: Abb. 127. Schwanthaler, Denkmal des Grossherzogs Ludwig in
-Darmstadt. Guss von Stiglmaier in München.]
-
-[Illustration: Abb. 128. Schwanthaler, Denkmal Goethes in Frankfurt a. M.
-Guss von Stiglmaier in München.]
-
-Von den Hauptgusswerken Stiglmaiers sind noch zu nennen die
-Schiller-Statue (Abb. 124) nach Thorwaldsen für Stuttgart (1839), nach
-desselben Künstlers Modell (1839) das Reiterbild des Kurfürsten
-Maximilian für München (Abb. 125), nach Schwanthalers Modellen die Statue
-Mozarts für Salzburg (Abb. 126) (1842), die Denkmäler des Grossherzogs
-Ludwig von Hessen für Darmstadt (Abb. 127) und Goethes für Frankfurt
-(Abb. 128), beide im Jahre 1844. Von den für das In- und Ausland in
-Bronzeguss ausgeführten zahlreichen grossartigen Gusswerken, die nach
-Stiglmaiers Tode noch in dieser bedeutsamen Kunstgiesserei entstanden,
-sei nur noch angeführt die Bavaria auf der Theresienwiese (Abb. 129),
-nach Schwanthalers Modell (1844-1850), die Quadriga auf dem Siegesthor in
-München und die Goethe-Schiller-Gruppe nach Rietschels Modell in Weimar
-(1857).
-
-[Illustration: Abb. 129. Schwanthaler, Bavaria-Monument. Guss von
-Stiglmaier und Miller.]
-
-Noch eine bayerische Kunstgiesserei gewann schon in der ersten Hälfte des
-19. Jahrhunderts bedeutenden Ruf, die von Daniel Burgschmiet in
-=Nürnberg= begründete. Auch zum Aufblühen dieser trug Rauch nicht
-unwesentlich bei, und ihr erstes grosses Erzgusswerk wurde nach einem
-Modelle dieses Meisters ausgeführt; die Umstände, unter denen das
-geschah, sind von besonderem Interesse[35]. In Nürnberg sollte ein
-Dürer-Denkmal errichtet werden und König Ludwig versprach einen namhaften
-Beitrag, wenn man auf seinen Wunsch einginge, dass das Modell von Rauch
-und der Guss in München ausgeführt werde. Rauch erhielt auch, obschon man
-in Nürnberg selbst einen einheimischen Bildhauer vorgezogen hätte, 1827
-den Auftrag für das Denkmal; als es sich jedoch um die Frage des Giessers
-handelte, wollte die Stadt Peter Vischers nicht nachgeben.
-
- [35] Eggers, Rauch, Bd. II, S. 395ff und S. 422, Bd. III, S. 103 u.
- S. 145.
-
-Der zweite Bürgermeister Nürnbergs schrieb unter anderem in dieser
-Angelegenheit an Rauch: »Wenn jeder Kunstfreund als entschieden annehmen
-muss, dass der Entwurf des Denkmales und das Modell des Standbildes nur
-dem grössten Bildhauer Deutschlands gebührt, so ist es doch für den noch
-nicht erloschenen Kunstruhm, und noch mehr für den wieder erwachten
-Kunstsinn der hiesigen Stadt eben so wichtig als wünschenswert, dass das
-Denkmal hier ausgeführt und vollendet werde.... Unsere Rotgiesser haben
-zwar von der Kunst ihres alten Gewerbsgenossen, des Verfertigers des
-Grabmales Sebaldi, kein grosses Erbteil übrig behalten, aber hinsichtlich
-des Technischen der Giesserei dürfte man ihnen ausgezeichnete Kenntnisse
-und Erfahrungen nicht absprechen können.... Das neueste Kunstwerk des
-erfahrenen Rothgiessers Rupprecht, ein Standbild von Erz, 6-1/2 Fuss
-hoch, circa 2000 Pfd. Berl. schwer, ist aus der Form makellos
-hervorgegangen und ist bestimmt, in dem Dom zu Bamberg aufgestellt zu
-werden. Es befindet sich jetzt unter dem Meissel eines genialen jungen
-Mannes, des Bildhauers Burgschmiet...«
-
-[Illustration: Abb. 130. Rauch, Dürer-Denkmal in Nürnberg. Guss von
-Burgschmiet in Nürnberg.]
-
-Nachdem daraufhin Rauch selbst in Nürnberg gewesen war, erreichte er
-beim Könige die Genehmigung, dass das Denkmal dort gegossen würde.
-Burgschmiet erhielt den Gussauftrag, doch bevor er an die Ausführung
-ging, reiste er im Jahre 1829 noch auf acht Monate nach Paris, um die
-Formerei bei dem vielgerühmten Crozatier zu studieren. Im Jahre 1837
-erhielt er das Modell der Figur und wurde nun veranlasst, einige
-Probestücke zu liefern: Aermelstücke, eine Haarlocke, Kopf, rechte Hand.
-Der Guss dieser Teile fiel vortrefflich aus, die Oberfläche zeigte sich
-so dicht und fein, dass eine Ueberciselierung nicht nötig erschien. Im
-Herbst 1838 kam der Oberteil der Figur gelungen aus der Form. König
-Ludwig selbst sah den Guss und bestimmte, dass die Statue mit der
-Gusshaut, also in dunkelbrauner, ins Rötliche schimmernder Farbe, ohne
-die Oberfläche abzubrennen und ohne jedes weitere Ciselieren, ausser
-Abnahme der Gussnähte, aufgestellt werden solle. Im Jahre 1840 war der
-Guss der ganzen Figur aufs beste vollendet (Abb. 130).
-
-Weitere grosse Aufträge folgten dem ersten und alle wurden zur höchsten
-Zufriedenheit ausgeführt. Im Jahre 1844 wurde von Burgschmiet nach
-Hähnels Modell das Standbild Beethovens für Bonn gegossen, nach desselben
-Meisters Modell 1849 das Denkmal Kaiser Karls IV. für Prag, nach Reichs
-Modell 1851 die Statue des Ministers Winter für Karlsruhe, 1853 nach
-Miller das Luther-Monument für Möhra u. a. m. Im Jahre 1855 trat in die
-Firma der Schwiegersohn Chr. Lenz ein, 1858 starb Burgschmiet. Die von
-Chr. Lenz und dem Stiefsohn Burgschmiets fortgeführte Giesserei hiess
-hinfort: Gebrüder Lenz-Herold. Seit 1871, nach Herolds Tode besteht die
-Giesserei unter der Firma Chr. Lenz. Für das In- und Ausland gingen noch
-zahlreiche grosse Erzgusswerke aus dieser Künstlerwerkstatt hervor, die
-aufzuführen zu weit gehen würde.
-
-[Illustration: Abb. 131. Rietschel, Denkmal Lessings in Braunschweig.
-Guss von Howaldt in Braunschweig.]
-
-Mit dieser Nürnberger Giesserei steht wiederum in innigem
-Schulzusammenhange eine norddeutsche Werkstatt, die von Georg Howaldt in
-=Braunschweig= begründet wurde. Howaldt[36] kam als Goldschmiedsgehilfe
-1822 nach Nürnberg, lernte dort den um wenige Jahre älteren Burgschmiet
-kennen und durch ihn angeregt, begann er sich eifrig mit Bildnerei und
-Erzgiesserei zu beschäftigen. Im Jahre 1836 kehrte er in seine
-Heimatstadt Braunschweig zurück, wo ihm das Lehrfach für Modellieren am
-Collegium Carolinum übertragen wurde. Erst im Jahre 1852 wurde es ihm
-möglich, seine Vorliebe für metallplastische Arbeiten im Grossen zu
-bethätigen, man übertrug ihm die Gussausführung des für Braunschweig
-bestimmten Lessing-Denkmals nach Rietschels Modell (Abbild. 131). Die
-Arbeit gelang aufs beste und begründete den Ruf der jungen Anstalt.
-
- [36] H. Riegel, Kunstgesch. Vorträge und Aufsätze, Braunschweig 1877,
- S. 352ff.
-
-Weitere ehrenvolle Aufträge folgten sogleich. Noch im Jahre 1852 wurde
-für Altona, allerdings in galvanisch verkupfertem Blei, das Denkmal des
-ehemaligen Oberpräsidenten Grafen Blücher nach Fr. Schillers Modell
-gegossen, 1853 in Erz das Denkmal des Bürgermeisters Franke für Magdeburg
-nach Blaeser, 1854 für Dresden das Denkmal des Nationalökonomen List nach
-dem Modell von Kietz u. a. m.
-
-Doch seinen grossen Ruf verdankt der Meister eigentlich weniger seinen
-Gusswerken, als vielmehr seinen grossartigen, in Kupfer getriebenen
-Arbeiten; an anderer Stelle (S. 128ff.) wird darauf zurückzukommen sein.
-
-Howaldt starb im Jahre 1883, sein Sohn führte die Anstalt fort bis zu
-seinem Tode im Jahre 1891; mit ihm erlosch die Firma.
-
-Die bekanntesten deutschen Kunstgiessereien dürften damit genannt sein,
-eine Reihe kleinerer Anstalten bestand daneben und zahlreiche neue, deren
-Bedeutung zu würdigen der beschränkte Raum hier nicht gestattet, wurden
-in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begründet; ungezählte
-Denkmäler und Brunnen in allen grösseren deutschen Städten zeugen von
-ihrem Können. Das Ringen zur Selbständigkeit war mühevoll genug gewesen,
-wie zu zeigen versucht worden ist, doch schliesslich konnte man den
-Wettstreit aufnehmen mit den gleichartigen Werkstätten aller Länder, auch
-Frankreichs.
-
-Die Entwickelung der Kunstgiesserei in =Frankreich= bietet bei weitem
-nicht ein gleich interessantes Bild wie bei uns, die technische
-Fertigkeit wurde dort doch kaum unterbrochen und leichter, als es in
-Deutschland möglich sein konnte, fanden sich die Giesser mit dem neuen
-Teilformverfahren in Sand ab. Die Ciselierkunst aber hatte in Frankreich
-kaum je vorher höhere Triumphe gefeiert, als in der zweiten Hälfte des
-18. Jahrhunderts, und darin wurde die Tradition nie wieder unterbrochen.
-
-Die grossartigen ehernen Königsbilder, die das Können der französischen
-Kunstgiesser während zweier Jahrhunderte in glanzvollster Weise
-darstellten, vernichtete zwar ohne Ausnahme die Revolution, doch der
-Rückschlag konnte nicht ausbleiben, man musste bald den Verlust der
-Kunstwerke rein als solchen empfinden, und man beeilte sich, neue
-Erzmonumente zu errichten.
-
-Der Bildhauer J. G. Moitte (1746-1810) scheint der erste Künstler gewesen
-zu sein, der die Abneigung gegen die Bronze für Monumentalwerke, die
-etliche Jahrzehnte auch in Frankreich geherrscht hatte, durchbrach. In
-der Zeit um 1800 sollen von ihm eine Bronzestatue J. J. Rousseaus, ein
-Reiterbild des Generals Bonaparte von mittlerer Grösse und ein Denkmal
-des Generals d'Hautpoul zu Pferde geschaffen sein. Ob bei diesen Werken
-bereits das Teilformverfahren in Anwendung kam, war nicht zu ermitteln,
-sie fallen in die Zeit des Ueberganges. Mit einiger Sicherheit ist aber
-anzunehmen, dass die rings mit Reliefs umkleidete Vendôme-Säule zu Paris,
-mit deren Ausführung man 1805 begann und die mit der Statue Napoleons
-bekrönt, im Jahre 1810 vollendet wurde, bereits in Sand geformt worden
-ist.
-
-Der Neuguss der grossen in der Revolution zerstörten Königsdenkmäler
-folgte.
-
-Die bedeutendsten Pariser Giesserwerkstätten wurden als Bildungsanstalten
-der deutschen Künstler bereits genannt. Crozatier, Carbonneaux, Fontaine
-und die alte Königliche Giesserei in Paris legten den Grund für die
-französische Giesskunst des 19. Jahrhunderts, von der man auch heute noch
-mit höchster Achtung spricht.
-
-Die Kataloge und Berichte der Pariser Gewerbeausstellungen lassen die
-Entwickelung im Laufe des 19. Jahrhunderts leicht verfolgen, sie ist vor
-allem geknüpft an die Namen Soyer, Barbedienne, Thiébaut, Susse,
-Barbezat, Eck et Durand, Gauthier u. a. (Nähere Angaben finden sich bei
-F. Faber: Konvers. Lex. für die Bildende Kunst. Leipzig 1845ff. Bd. V. S.
-58ff.)
-
-
-
-
- V. Das Wachsausschmelzverfahren im 19. Jahrhundert.
-
-
-Das 19. Jahrhundert hat der Erzgusstechnik die allgemeinste Verbreitung
-verschafft, sämtliche Kulturländer haben Selbständigkeit auf diesem
-Kunstgebiete erlangt, und überall ist das Teilformverfahren zum
-herrschenden geworden.
-
-Ein sehr wesentlich verändertes Bild im Hinblick auf die angewendeten
-Formverfahren bietet die Erzgussplastik wieder in den letzten
-Jahrzehnten, man hat begonnen, zum alten Wachsausschmelzverfahren
-zurückzukehren, man darf fast sagen, dass dieses Verfahren in Deutschland
-bereits jetzt überwiegt. In Frankreich ging es als eine schwache
-Unterströmung stets neben dem Teilformverfahren her und es sei gestattet,
-die Vorläufer der neuesten Zeit noch einmal zurückgreifend im
-Zusammenhange zu verfolgen.
-
-Die schweren Sorgen, die den deutschen Künstlern des 19. Jahrhunderts, --
-erinnert sei an die Aussprüche Rauchs -- die schädigende Nachciselierung
-machte, teilten auch die französischen Meister, und von hohem Interesse
-ist in Bezug darauf ein Bericht über die Kunstgiesserei der Pariser
-Welt-Ausstellung des Jahres 1844. Dort wird gesagt, dass das
-ausschliesslich geübte Formverfahren dasjenige in Sand sei, das
-Wachsausschmelzverfahren schiene vollkommen in Vergessenheit geraten zu
-sein. Unter den zahlreichen Bronzestatuen, die zur Zierde öffentlicher
-Plätze in den letzten 25 Jahren entstanden seien, sei nur eine, die
-Heinrichs IV. mit Hilfe von Wachs geformt.[37] Alle anderen, sagt der
-weitblickende Berichterstatter, sind in Stücken und Stückchen gegossen
-und zusammengesetzt wie die Teile einer Dampfmaschine. Sind solche
-Arbeiten Kunstwerke zu nennen? fragt er ziemlich entrüstet. Doch, sagt
-er, die Versuche eines bescheidenen Mannes, eines ausserhalb der
-Künstler-Ateliers kaum gekannten Giessers Honoré (Gonon) müssten erwähnt
-werden. Dieser habe sich viel mit dem Wachsausschmelzverfahren
-beschäftigt und in dieser Formart einige bemerkenswerte Arbeiten
-hergestellt. Unter anderem einen neapolitanischen Tänzer nach Duret und
-einen Löwen in den Tuilerieen nach Barye.
-
- [37] Anm. Gemeint ist die Reiterstatue Heinrichs IV. auf dem Pont Neuf
- in Paris. Dieses Monument wurde an Stelle des alten, in der
- Revolution zerstörten, nach dem Modell Lemots im Jahre 1818
- errichtet.
-
-Der Berichterstatter meint, man würde zweifellos einwenden, dass das
-Wachsausschmelzverfahren ausschliesslich künstlerischen, aber nicht
-Handelszwecken diene, weil von jedem Modell nur ein Gussstück gewonnen
-werden könne, doch das sei durchaus nicht zutreffend. Es sei nur
-notwendig, eine Gipsteilform zu Hilfe zu nehmen (wie bei Cellini etc.
-beschrieben ist), um darin weitere Wachsmodelle herzustellen, soviel man
-haben wolle. Der Künstler würde jedes Wachsmodell nacharbeiten und nach
-Belieben seinen augenblicklichen Eingebungen folgend, kleine Aenderungen
-daran vornehmen und so jedem Stücke einen besonderen Charakter verleihen.
-Das in Metall gegossene Werk würde rein und sauber erscheinen und den
-Stempel seines Schöpfers tragen. Man erhalte so nicht Reproduktionen von
-Kunstwerken, sondern die Kunstwerke selbst.
-
-Der Verfasser spricht sich noch weiter aus. Schliesslich sagt er von der
-Sandformerei, man könne sich ihrer mit Vorteil bedienen für ornamentale
-Arbeiten, besonders wenn sich die Form in wenigen Teilen herstellen
-liesse, die leicht zu vereinigen wären. Doch man solle dieses Verfahren
-nicht zulassen für Bildsäulen, überhaupt für Kunstwerke im höchsten Sinne
-nicht. Man solle nicht fortfahren, barbarisch zu verfahren, die Giesserei
-in Sand sei thatsächlich eine Verstümmelung (un acte de mutilation).
-
-Jedoch die Mahnung ging damals ungehört vorüber, das Sandformverfahren
-befand sich in steigender Verbreitung und nichts vermochte den Glauben
-daran zu erschüttern; mitleidig betrachtete man den einzelnen, der sich
-etwa doch nicht irre machen liess in der Wertschätzung der alten
-Formungsart. In Paris hatte sich die Kenntnis des Wachsverfahrens vererbt
-von dem genannten Honoré Gonon auf seinen Sohn Eugène, und dieser hatte
-als einziger noch im Jahre 1867 auf der Pariser Welt-Ausstellung einige
-in dieser Art hergestellte Gussstücke zur Schau gebracht. Die
-fachmännische Kritik darüber ist sehr bemerkenswert.[38] Der
-Berichterstatter spricht sich etwa in folgender Weise aus, er sagt: das
-Wachsausschmelzverfahren Gonons sei nichts Neues, aber von den Fachleuten
-seit langem aufgegeben und verdammt, weil es unausführbar und zu
-kostspielig sei für eine schnelle und einträgliche Reproduktion der
-Kunst- sowohl wie der Handelsbronze. In der That hätten sich einige
-Künstler zu dieser Gussmethode drängen lassen, eine unvernünftige
-Eingebung habe sie glauben gemacht, dass sie davon eine unbedingt getreue
-Wiedergabe ihrer Werke erwarten dürften; mehr eingebildete als begründete
-Erklärungen hätten sie verlockt. Allein es sei ihnen ergangen, wie dem
-Raben in der Fabel, sie hätten, leider etwas zu spät, geschworen, dass
-sie es nie wieder damit versuchen würden. Kurz, die Anwendung des
-Wachsausschmelzverfahrens sei eine Gedankenlosigkeit von Leuten, die mit
-den wirklichen Verhältnissen nicht zu rechnen verständen und vom
-Standpunkte des Geschäftsmannes ein vortreffliches Mittel, um Geld zu
-schlucken, denn von zehn Gussstücken fielen zum wenigsten acht schlecht
-aus. Die von verschiedenen bekannten Giessern angestellten Versuche
-könnten das nur bezeugen. Um den Wert des »vortrefflichen« Verfahrens
-ganz zu kennzeichnen, müsse man sagen, dass das Verhältnis des
-Wachsverfahrens zu dem von der Pariser Bronzegiesserei allgemein
-angenommenen Sandformverfahren dasselbe sei, das bestehe zwischen dem
-bescheidenen Ochsenwagen der Vorfahren und der mit Volldampf fahrenden
-Lokomotive.
-
- [38] Rapports des délégations ouvrières. Exposition universelle de 1867
- à Paris. Fondeurs en cuivre S. 5 u. 6.
-
-Dieses recht deutliche französische Urteil würde, zur Zeit als es
-ausgesprochen wurde, in Deutschland kaum auf Widerspruch gestossen sein,
-bei uns fehlten bis in die jüngste Zeit hinein überhaupt jegliche
-Versuche, das Wachsverfahren zu verwerten, und ein Urteil über seinen
-Wert oder Unwert hatte man nicht. Man urteilte höchstens nach
-Beschreibungen und diese in der Luft schwebende Kritik that die alten
-Giessmeister gern mit spöttischer Geringschätzung ab.
-
-In Fabers Konversations-Lexikon für Bildende Kunst (1850) heisst es, das
-Wachsverfahren sei nur eine ungehörige Uebertragung der Handgriffe des
-Goldarbeiters auf Werke in Erz gewesen. »Mit eben der subtilen
-Manipulation, womit im 15. und 16. Jahrhundert goldene Schmucksachen
-gegossen wurden, bei welchen die geringste Ersparung des Materials von
-Wichtigkeit war, versuchte man sich an kolossalen ehernen Standbildern.
-Es gelang zwar, aber nicht ohne unendliche Verschwendung von Arbeit und
-Mühe.«
-
-[Illustration: Abb. 132. Begas, Schlossbrunnen in Berlin. Gegossen in der
-Giesserei-Aktiengesellschaft vormals Gladenbeck und Sohn in
-Friedrichshagen bei Berlin.]
-
-Die vereinzelten Anwendungen in Frankreich konnten aber auch das
-erwünschte Ergebnis nicht haben, die Methode war eben ausser Uebung und
-verlernt.
-
-So sehr man es nun im Laufe der Jahrzehnte verstanden hatte, alle
-technischen Schwierigkeiten, die mit dem Teilformverfahren verknüpft
-sind, zu überwinden, gewisse künstlerische Mängel blieben nicht zu
-beseitigen. Die Reinheit der Oberfläche und eine solche getreue
-Wiedergabe des Modells, wie sie im Wachsverfahren zu erreichen sind,
-musste der Sandformerei versagt bleiben. Die Künstler mussten bis zu
-einem gewissen Grade unbefriedigt bleiben.
-
-Doch noch ein anderer nicht unwesentlicher Nachteil haftet der
-Sandformerei an, sie verlangt mancherlei Einschränkungen in der Art der
-Ausgestaltung des Modells, wenn nicht die Zahl der einzeln zu formenden
-und zu giessenden Teile gar zu sehr gesteigert und dadurch die endliche
-Festigkeit des Gesamtwerkes geschädigt und auch sein Herstellungspreis
-gesteigert werden soll.
-
-Unendlich mühevoll hätte es z. B. sein müssen, die weiblichen
-Flusspersonificationen am Berliner Schlossbrunnen (Abb. 132) mit ihren
-leicht übergeworfenen Netzen in Sand zu formen.
-
-Das alles führte schliesslich dazu, doch noch einmal mit aller Energie
-Versuche im Wachsverfahren grossen Massstabes zu machen. In den achtziger
-Jahren begann man in Deutschland damit und die glänzendsten Erfolge
-blieben nicht aus.
-
-[Illustration: Abb. 133. Neues Wachsausschmelzverfahren (a). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 134. Neues Wachsausschmelzverfahren (b). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 135. Neues Wachsausschmelzverfahren (c). (Schema.)]
-
-Besondere Verdienste um die Neubelebung des altehrwürdigen Verfahrens
-haben das Hüttenwerk Lauchhammer und die Giesserei-Aktiengesellschaft
-vormals Gladenbeck und Sohn in Friedrichshagen bei Berlin, die seit dem
-Beginn der neunziger Jahre bereits zahlreiche zum Teil sehr grosse
-Gusswerke in diesem Verfahren geschaffen haben.
-
-Die neue Art der Formerei mit Hilfe von Wachs ist gegen früher wieder ein
-wenig verändert und zwar vereinfacht und damit verbilligt, so dass seine
-Anwendung nicht mehr teuerer zu stehen kommen soll, als die Einformung in
-Sand. Ist das allgemein anerkannt, so wird, wie man hoffen darf, der Sieg
-über die Teilformerei endgültig entschieden sein.
-
-In der Giesserei-Aktiengesellschaft vormals Gladenbeck und Sohn wird das
-im folgenden beschriebene Verfahren angewendet.
-
-Da der Vorgang im wesentlichen derselbe ist bei Einformung eines sehr
-grossen oder eines kleineren Modelles, so sei auch dieses Mal angenommen,
-es handele sich um den Guss einer Büste von etwa Lebensgrösse.
-
-Das in Gips reproduzierte, mit aufgelöstem Schellack oder dergleichen
-überzogene Modell wird zur Hälfte mit dem Gesicht entweder nach oben,
-oder nach unten, in Sand eingebettet. Ueber den vorragenden Teil wird
-dann locker aufliegend eine etwa drei Finger dicke Thonlage gebracht und
-über diese eine kräftige Gipshinterlage (Abb. 133). Darauf wird das Ganze
-gewendet, der Sand entfernt, der Gipsmantel an der Schnittfläche geebnet
-und mit der Rückseite der Büste in gleicher Weise verfahren, so dass das
-Modell nun rings von einer Thonlage umhüllt ist, die durch den Gipsmantel
-Halt bekommt. An der Schnittfläche der Gipshülle sind Vorkehrungen
-getroffen, dass die Hälften voneinander getrennt und in richtiger Lage
-wieder aufeinander gepasst werden können.
-
-Die eine Hälfte des Gipsmantels wird nun abgehoben, die Thonlage darunter
-entfernt und nachdem die Gipsschale wieder über das Modell gebracht ist,
-durch eine oben hineingebohrte Oeffnung der Raum, den vorher die Thonlage
-einnahm, mit flüssiger Gelatine gefüllt, die sich aber im Gegensatz zum
-Thon in alle Feinheiten und Tiefen des Modelles schmiegt (Abb. 134). In
-gleicher Weise wird, nachdem die Gelatine erstarrt ist, auf der anderen
-Seite verfahren.
-
-[Illustration: Abb. 136. Neues Wachsausschmelzverfahren (d). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 137. Neues Wachsausschmelzverfahren (e). (Schema.)]
-
-[Illustration: Abb. 138. Neues Wachsausschmelzverfahren (f). (Schema.)]
-
-Der Kopf ist dann von einer zweiteiligen Gelatineform umschlossen, die
-ihre Festigkeit durch die Gipsschale erhält. Die Gelatine ist nachgiebig,
-die Form lässt sich deshalb, ohne verletzt zu werden, auch von kräftig
-unterschnittenen Teilen abheben, völlig unterschnittene, ösenartige
-Vorsprünge jedoch müssen vorher vom Modell abgetrennt und später wieder
-angefügt werden. Unter allen Umständen ist die Herstellung einer
-vielteiligen Gipsform sehr viel umständlicher. Die Gelatinehohlform wird
-darauf sorgfältig mittels Pinsels mit (rotem) Wachs bestrichen und dieser
-Auftrag so oft wiederholt, bis die Gelatine überall mit einer 1-2 mm
-starken Wachsschicht bedeckt ist (Abb. 135). Dann wird in die Form mässig
-warmflüssiges Kolophonium gefüllt, und nachdem es an der kalten
-Wachsschicht in einer gewissen Stärke erstarrt ist, wieder ausgeschwenkt.
-Wachs und Kolophonium zusammen müssen die Dicke erhalten, die man künftig
-dem Metall zu geben wünscht (Abb. 136). Wenn also nach dem ersten
-Ausschwenken nicht genügend Kolophonium abgesetzt ist, muss die Form noch
-einmal damit gefüllt werden. Kern und Mantel werden darauf in der
-bekannten Weise gebildet. Zunächst wird ein eisernes Gerüst als
-Kernstütze angefertigt und in die Form gebracht. Durch eine eingebohrte
-Oeffnung wird dann die aus Gips, Ziegelmehl und Chamotte bestehende
-flüssige Kernmasse in die Form gegossen. Nach dem Erstarren des Kernes
-wird die Gelatineform mit Gipsmantel abgehoben und die Wachsschicht
-aussen frei gelegt (Abb. 137). Am Wachs können nun alle notwendig
-erscheinenden Macharbeiten vorgenommen und die vorher abgetrennten, für
-sich geformten oder freihändig modellierten voll unterschnittenen Teile
-angefügt werden. Dann werden die ebenfalls in Wachs- und
-Kolophoniumstäben vorgebildeten Luftröhren und Eingusskanäle angebracht
-und schliesslich wird in schichtweisem Auftrage, wie früher beschrieben
-ist, der Formmantel hergestellt, ebenfalls bestehend aus Gips, Ziegelmehl
-und Chamotte (Abb. 138). Nach dem Trocknen des Mantels wird das Wachs und
-Kolophonium ausgeschmolzen und die ganze Form verglüht, dann ist sie zum
-Einguss des Metalles vorbereitet.
-
-Man legt heute keinen besonderen Wert darauf, sehr grosse Modelle auf
-einmal zu giessen, bei Figuren trennt man wohl Glieder und Kopf vom
-Rumpfe ab und formt und giesst sie einzeln.
-
-Doch wird schon beim Einformen auf eine möglichst innige Zusammenfügung
-Rücksicht genommen. Die Ansätze werden zapfenartig geformt und die
-verstärkten Ränder werden dicht verstaucht.
-
-Zum grössten Teil in dieser Art ist von der genannten Giesserei z. B. der
-Berliner Schlossbrunnen gegossen.
-
-Handelt es sich um mehrfache Bronzereproduktionen, dann gestattet schon
-die Gelatineform die Herstellung etlicher Wachsabdrücke; im Notfalle
-würden über dem erhaltenen Gipsmodell ohne grosse Mühe weitere
-Gelatineformen hergestellt werden können.
-
-Das in der genannten Firma verwendete Formmaterial ist ein solch
-vortreffliches, dass, abgesehen von der Entfernung des in den Einguss-
-und Luftkanälen erstarrten Metalles, eine Ueberarbeitung der Flächen
-vollkommen überflüssig ist. Der gereinigte Guss erscheint wie mit dem
-Modellierholz gearbeitet.
-
-Wenn sich auch hinfort wieder, wie es in früheren Jahrhunderten wohl
-ausnahmslos geschah, unsere Bildhauer bereit finden würden, das
-Wachsmodell eigenhändig zu überarbeiten, dann würden alle Wünsche erfüllt
-sein, die an die technische Ausführung unserer Bronzemonumente gestellt
-werden können.
-
-
-
-
- VI. Der Zinkguss.
-
-
-In dem Ueberblick über die Entwicklung der monumentalen Erzgusstechnik
-möge die glücklicherweise nur vorübergehend stark in Aufnahme gekommene
-Anwendung des Zinks für Bildsäulen nicht ganz unerwähnt bleiben, zumal
-Berlin den nicht sehr beneidenswerten Ruhm geniesst, dieses Metall in die
-Plastik eingeführt zu haben, das, ebenso hässlich wie unsolide, aller der
-Vorzüge entbehrt, die uns die Bronze so schätzbar machen.
-
-Im Jahre 1832 wurden in der Königlichen Eisengiesserei zu Berlin die
-ersten Giessversuche gemacht, die bald auch im grössten Massstabe Erfolg
-hatten. Das Zink machte einen Siegeszug durch die ganze Welt.
-
-Die Neuerung war es wohl, die selbst die namhaftesten Künstler
-verleitete, die Verwendung des Zinks zu empfehlen. In einem 1840
-abgegebenen Gutachten schreibt Schinkel:[39] »Je mehr man mit dem
-Zinkmetalle umgeht und Gelegenheit hat, seine Anwendung in der
-mannigfaltigsten Art zu fördern, finden sich fortwährend die
-bedeutendsten Vorteile des Materials, besonders in der Architektur. Ganz
-vorzügliche Vorteile ergab das gegossene Metall wegen grösserer Stärke,
-geringerer Empfindlichkeit gegen Kälte und Wärme und wegen der
-Eigenschaft eines aufs Aeusserste reinen Gusses, weshalb es vorzugsweise
-für alle plastischen Kunstarbeiten geeignet erscheint.« Zu diesem Urteil
-konnte Schinkel nur auf Grundlage ungenügender Erfahrung gelangen, heute
-würde kein Künstler so sprechen.
-
- [39] Amtl. Bericht der allgem. deutschen Gewerbeausstellung. Berlin
- 1844. Bd. II. S. 131.
-
-Auf der Berliner Gewerbeausstellung des Jahres 1844 waren bereits von der
-Königl. Eisengiesserei und von der Berliner Giessereifirma Devaranne
-grosse Zinkgussarbeiten ausgestellt. Der Guss geschah wie bei der Bronze
-in Sand und zwar in vielen Teilen, da ja deren Vereinigung mit Zinnlot
-äusserst leicht zu bewerkstelligen war.
-
-Schon damals wurden die Zinkmonumente galvanisch verkupfert, versilbert
-oder gar vergoldet, wodurch, wie im Ausstellungsberichte gesagt ist, das
-Zink nicht bloss den edlen Metallen vollständig ähnlich gemacht würde,
-sondern auch seine Oberfläche auf eine dauerhaftere Weise, als dies durch
-einen Oel-Anstrich möglich sei, gegen den Einfluss der Witterung
-geschützt würde.
-
-Wie Kataloge und Berichte der nächstfolgenden grossen Ausstellungen bis
-in die sechziger Jahre hinein erkennen lassen, nahm die Zinkplastik noch
-an Bedeutung zu, erst allmählich ist wieder die Verwendung dieses
-Metalles in bescheidenere Grenzen zurückgedrängt worden.
-
-
-
-
- VII. Die Treibarbeit.
-
-
-Neben der Gusstechnik, vermutlich noch früher wie diese, ist fast zu
-allen Zeiten für metallplastische Werke die Treibtechnik angewendet
-worden, auch ihre Entwicklung bedarf einer etwas eingehenderen
-Behandlung.
-
-Das gehämmerte Blech soll schon von den alten Assyrern und Babyloniern
-bei der Herstellung ihrer ersten Kolossalstatuen verwendet worden sein.
-Die Art der Metallbehandlung war dabei jedenfalls eine höchst einfache;
-nicht um eigentliche freie Treibarbeit hat es sich wohl gehandelt,
-vielmehr wird eine Bekleidung von vorher in einigermassen festen Stoffen
--- vielleicht Holz oder Thon -- hergestellten Bildwerken mit wenig
-umfangreichen Metallplatten anzunehmen sein. Auch die Stärke des
-verwendeten Bleches wird anfangs sowohl aus technischen wie aus
-Sparsamkeitsrücksichten eine geringe gewesen sein. Auf Grundlage dieser
-Vorstufe mag die künstlerische Blechbearbeitung fortgeschritten sein, man
-wird gelernt haben, Platten auch ohne darunter liegende Modelle von den
-gewünschten Formen, nur durch bestimmte Art der Hammerführung zu
-gestalten und die einzelnen Teile bei Figuren durch Nietung zu
-vereinigen, so dass sich das ganze Werk, wenn das Blech nur stark genug
-gewählt war, selbst oder mit Hilfe eines einfachen inneren Gerüstes zu
-tragen vermochte.
-
-In Aegypten scheint man die Treibtechnik in grösserem Massstabe nie
-angewendet zu haben, wohl aber hat man in Griechenland, ehe man die
-Gusstechnik beherrschte, grosse Bildwerke in der angegebenen Art
-ausgeführt. Pausanias (2. Jahrh. n. Chr.) berichtet von einem solchen
-Bilde des Zeus, das er in Sparta sah.
-
-Allein Sparsamkeitsrücksichten dürften auch in jüngerer Zeit bei
-Bildwerken aus edlen Metallen für die Anwendung der Treibtechnik
-entscheidend gewesen sein, beim Guss sind ja ähnlich dünne Wandstärken,
-wie sie beim Blech leicht zu erreichen sind, nicht zu erzielen. Bei den
-berühmtesten Statuen des Altertums, den Kolossalgestalten des Olympischen
-Zeus und der Athena Parthenos von Phidias, wurden die neben dem Elfenbein
-verwendeten Edelmetallteile zweifellos durch Hämmern in ihre Form
-gebracht.
-
-In Kupfer scheint man jedoch in jüngerer griechischer Zeit ebenso selten
-wie in Rom grössere Bildwerke getrieben zu haben, bei dem weniger
-kostbaren Metalle zog man auch für grösste Werke den Guss vor. Und wenn
-es richtig ist, wie angenommen wird, dass Kaiser Konstantin d. Gr. wieder
-grosse Treibarbeiten für Rom ausführen liess, so hängt das gewiss mit dem
-Sinken der Giesskunst zusammen.
-
-Eine Blütezeit der freifigürlichen Treibplastik war das ganze
-Mittelalter, wenn auch seltener bei Bildwerken grossen Massstabes.
-
-Berichtet wird, dass Ina von Wessex ([gestorben] 727) Vollfiguren von
-Christus, der Madonna und den zwölf Aposteln treiben liess. Die
-zahlreichen, aus dem Anfange des zweiten nachchristlichen Jahrtausends
-erhaltenen, mit vielen Figuren ausgestatteten Reliquienschreine,
-Altartafeln u. a. m. beweisen, zu welcher Meisterschaft man es in dieser
-Technik wieder gebracht hatte.
-
-[Illustration: Abb. 139. Madonna aus dem Lüneburger Silberschatz (Berlin,
-Kgl. Kunstgewerbe-Museum).]
-
-Aus dieser Zeit haben wir von dem früher genannten kunstgeübten Mönche
-Theophilus auch die erste sehr ausführliche Beschreibung über das damals
-geübte Treibverfahren, zum wenigsten für Reliefs mit stark vortretenden
-Figuren. Den Höhepunkt des Könnens hatte man zur Zeit dieses Künstlers
-noch nicht erreicht, doch die Ausführungsweise blieb auch später in den
-Hauptsachen die gleiche. Der Treibkünstler musste mit Herstellung des
-Bleches beginnen und zahlreiche Schwierigkeiten stellten sich bereits bei
-dieser Vorbereitungsarbeit ein. Die Ausführungen des Theophilus weisen,
-wie bei der Beschreibung der Form- und Giesstechnik, auch hier mit
-gewohnter Gewissenhaftigkeit auf alles Wesentliche hin. Der Mönch
-verwendet sehr dünnes Blech, aus dem er die Hauptformen mit gerundetem
-Eisen zunächst herausdrückt; erst zur Durcharbeit verwendet er Hammer und
-Punzen.
-
-Theophilus schreibt[40]: »Hämmere eine Gold- oder Silberplatte, welcher
-Länge und Breite du willst, um Bildwerke darzustellen. Untersuche dieses
-Gold oder Silber, wenn du es zum Ersten gegossen hast, sorgfältig durch
-Schaben und Graben, dass nicht etwa eine Blase oder Spaltung darin sei,
-welche häufig durch Sorglosigkeit oder Nachlässigkeit oder Unwissenheit
-oder Ungeschicklichkeit des Giessenden entstehen, wenn zu warm, zu kalt,
-zu eilig oder zu langsam gegossen wird. Wenn du aber bedächtig und
-vorsichtig gegossen hast, und du entdecktest einen derartigen Mangel
-daran, so grabe ihn mit einem hierzu tauglichen Eisen sorgfältig aus,
-wenn es möglich ist. Sollte die Blase oder Spaltung von solcher Tiefe
-sein, dass du sie nicht herausgraben könntest, so musst du es
-umschmelzen, und zwar so lange, bis es makellos ist. Ist es dann also, so
-sorge, dass deine Ambosse und Hämmer völlig glatt und poliert seien, mit
-denen du arbeiten musst, auch trage mit höchster Genauigkeit Sorge, dass
-die Gold- und Silberplatte an allen Stellen so gleich gehämmert werde,
-dass es an keiner Stelle dicker sei als an der andern. Wenn es nun so
-verdünnt worden ist, dass der kaum eingedrückte Nagel auf der Rückseite
-sichtbar wird, völlig auch ohne Fehler, so führe sogleich Bildnisse wie
-du willst nach deinem Gefallen aus. Führe sie auf der Seite aus, welche
-dir mehr fehlerfrei und schön vorkommt, jedoch nur leicht und so, dass
-sie auf der anderen Seite wenig erscheinen.
-
- [40] Uebersetzung von Ilg.
-
-[Illustration: Abb. 140. Dresden, Denkmal des Königs August des Starken;
-in Kupfer getrieben von L. Wiedemann aus Nördlingen.]
-
-Reibe dann mit einem krummen und gut geglätteten Eisen vorerst den Kopf,
-weil er am höchsten vorstehen soll (das Reiben hat bei dünnem Blech
-dieselbe Wirkung wie das Hämmern, in beiden Fällen wird das Metall
-gedehnt). Wende also die Tafel auf die Vorderseite und reibe um das Haupt
-mit dem flachen und glatten Eisen, so dass, sowie der Grund zurücktritt,
-das Haupt gehoben wird, und zugleich schlage um das Haupt mit einem
-mittleren Hammer leicht am Amboss, dann setze es vor dem Ofen auf Kohlen
-und mache es an eben jener Stelle heiss, bis es glüht. Ist das gethan und
-die Tafel ohne Hinzuthun erkaltet, so reibe wieder unten mit dem krummen
-Eisen leicht und sorgsam die Vertiefung unter dem Haupte. Dann, wenn du
-die Tafel gewendet hast, reibe von neuem am oberen Teile mit dem flachen
-Eisen, lasse den Grund zurücktreten und den Berg für den Kopf aufsteigen,
-schlage dann mit dem mittleren Hammer leicht wieder rings herum und
-erhitze von Neuem auf Kohlen. So verfahre öfter, in dem du aussen und
-innen sorgsam die Erhebung bildest, häufig niederhämmerst, ebenso häufig
-wieder erhitzest, bis die Erhöhung drei oder vier Finger Höhe erreicht
-hat oder mehr oder minder nach der Grösse der Bilder. Wenn aber das Gold
-oder Silber noch etwas dicht sein sollte, so kannst du es innen mit einem
-langen und dünnen Hammer schlagen und verdünnen, wenn es erforderlich
-wäre. Wenn daher zwei oder drei oder mehr Köpfe auf der Tafel sein
-sollen, so musst du um jedes Einzelne es so machen, wie ich gesagt habe,
-bis die Höhe erreicht ist, welche du wünschest. Dann mache mit dem zur
-feineren Ausführung bestimmten Eisen (Punzen) die Zeichnung an dem Körper
-oder an den Körpern der Bildnisse fertig und bringe sie, bald
-austreibend, bald niederhämmernd, bis zur beliebigen Erhebung, nur das
-Eine nimm in Acht, dass das Haupt stets vorrage. Nach diesem bezeichne
-Nasen und Augenbrauen, Mund und Ohren, Haare und Augen, Hände und Arme
-und das Uebrige, ferner die Schatten (Falten?) der Gewänder, die Schemel,
-die Füsse und bilde diese Erhebung innen leicht und sorgfältig mit
-kleinen krummen Eisen mit grosser Vorsicht, dass nichts durchbrochen oder
-durchlöchert werde.... Bei kupfernen, ebenso gehämmerten Tafeln ist die
-Arbeit dieselbe, nur grösserer Kraftaufwand und mehr Sorgfalt nötig, da
-sie härter sind von Natur.«
-
-[Illustration: Abb. 141. Braunschweig, Schloss mit Brunonia; Modell und
-Treibarbeit von Georg Howaldt in Braunschweig.]
-
-Die weiteren ausführlichen Angaben des Mönches, wie zu verfahren sei,
-wenn durch die Bearbeitung im Metalle Risse entstehen, ist hier von
-geringerem Interesse.
-
-Auch in den Jahrhunderten nach Theophilus, bis ins 18. Jahrhundert
-hinein, blieb die Treibtechnik bei Vollfiguren in der Hauptsache auf die
-edlen Metalle beschränkt, nicht etwa mangelnde Fähigkeit verhinderte
-dabei die Gusstechnik anzuwenden.
-
-Rühmlich bekannte Arbeiten der deutschen freifigürlichen Treibkunst der
-Zeit um 1500 sind die zum Lüneburger Silberschatz gehörige Madonna im
-Berliner Kunstgewerbemuseum (Abb. 139) und die vielleicht noch höher
-stehende ähnliche Figur im Berliner Neuen Museum, beide etwa in ein
-Drittel Lebensgrösse.
-
-Wichtige Angaben über die Anwendung und die Art der in Italien im 16.
-Jahrhundert geübten Treibtechnik giebt uns Cellini. Er beschreibt
-zunächst, wie Figuren etwa von der Grösse einer halben Elle in Goldblech
-zu treiben sind. Der Meister Caradosso, sagt er, habe ein anderes
-Verfahren angewendet wie er selbst; dieser: »pflegte ein Modell aus Wachs
-von genau der Grösse anzufertigen, die er dem Crucifixe geben wollte;
-wobei er die beiden Beine aber getrennt, und nicht, wie gebräuchlich,
-über einander geschlagen darstellte. Nachdem er dieses Modell sich in
-Bronze hatte abgiessen lassen, nahm er ein Goldblech von dreieckiger
-Gestalt, welches den Gekreuzigten rings um zwei Fingerbreiten überragte
-und legte es auf das Bronzemodell. Nun gab er ihm mit kleinen länglichen
-Holzhämmern durch Anschlagen an den Bronze-Christus eine ziemliche
-Rundung, bearbeitete es dann, bald von dieser, bald von jener Seite mit
-Punzen und Hammer, bis das Relief ihm hinreichend hoch erschien, worauf
-er mit denselben Werkzeugen die überstehenden Ränder des Goldbleches
-einander so zu nähern suchte, dass sie sich auf der Rückseite der Figur
-fast berührten und dadurch die Rundung des Rumpfes, Hauptes und der
-Glieder zur Darstellung brachten. War dies erreicht, füllte er die Figur
-mit... Kitt (d. i. sogenanntes Treibpech, vorwiegend bestehend aus Pech,
-Harz und Ziegelmehl) und trieb mit kleinen Hämmern und feinen Punzen
-sämtliche Muskeln und sonstige Einzelheiten heraus. Sodann leerte er sie
-vom Pech, verlötete die offenen Stellen aufs sauberste... liess jedoch an
-den Schultern hinten ein Loch offen, um später das Pech aufs neue ein-
-und ausgiessen zu können. Die Vollendung des Ganzen gab er danach mit den
-bekannten Punzen und überarbeitete, nachdem er die Füsse des Christus
-behutsam kreuzweis übereinander gelegt, das Ganze zuletzt mit äusserster
-Feinheit.«
-
-[Illustration: Abb. 142. Braunschweig, Denkmal des Herzogs Friedrich
-Wilhelm. Modell und Treibarbeit von G. Howaldt in Braunschweig.]
-
-Das Treiben über ein festes Modell, wie es in den ältesten Zeiten
-geschah, wurde also auch später geübt, noch in jüngster Zeit hat man auf
-diese Erleichterung nicht immer verzichtet. Cellini sagt von sich selbst:
-»Ich meinesteils wandte die Bronze nicht an, weil sie dem Golde
-nachteilig ist, dasselbe brüchig macht und rasches Fördern erschwert.
-Statt dessen ging ich sofort mit sicherer Hand und im Vertrauen auf meine
-Uebung... ans Werk und hatte dadurch meine Arbeit schon um etliche
-Tagewerke gefördert, während Caradosso noch mit seinem Bronzemodell zu
-thun hatte. Im übrigen verfuhr ich jedoch ganz wie dieser brave Mann.«
-
-Weiter beschreibt Cellini auch, wie überlebensgrosse Figuren in Silber zu
-treiben sind. Viele Figuren von nur 1-1/2 Ellen Höhe habe er für den
-Altar von Sanct Peter anfertigen sehen; viel mehr Schwierigkeiten böte,
-obschon das Verfahren ja im Grunde dasselbe sei, die Herstellung
-lebensgrosser oder noch grösserer Figuren, von solchen habe er nie eine
-zu Gesicht bekommen, die des Anschauens wert gewesen wäre.
-
-Auch über die französische Treibkunst seiner Zeit spricht er sich aus.
-Er erzählt: »Als Kaiser Karl V. zu Zeiten König Franciscus I. durch
-Frankreich zog, weil die grossen Kriege, welche beide Herrscher
-gegeneinander geführt hatten, beendigt waren, gab der wundersame König
-dem Kaiser unter anderen Geschenken auch eine silberne Statue, 3-1/2
-Ellen hoch, welche den Herkules mit zwei Säulen darstellte. Obwohl ich
-... wegen der vielen Arbeiten, die zu Paris in diesem Fache ausgeführt
-werden, in keinem Teil der Welt den Hammer beim Treiben mit grösserer
-Sicherheit führen sah, gelang es trotzdem den besten Meistern nicht, jene
-Statue mit anmutiger Schönheit kunstgerecht zu vollenden.... Als der
-König wünschte, zwölf silberne Statuen in jener Grösse anfertigen zu
-lassen, beklagte er mir gegenüber auf das lebhafteste, dass seine Meister
-ein solches Unternehmen nicht hatten durchführen können, und fragte mich
-dann, ob ich mich dessen wohl getraue.«
-
-[Illustration: Abb. 143. Eisengerüst für die Ausführung eines getriebenen
-Reiterdenkmals (Abbildung aus H. Riegel, Kunstgeschichtliche Vorträge und
-Aufsätze).]
-
-Cellini giebt darauf die von anderen Künstlern und von ihm selbst geübte
-Ausführungsart an, die in beiden Fällen den vorher angegebenen Verfahren
-gleichen, nur dass bei grossen Figuren in einzelnen Teilen gearbeitet
-wird; man teile den Rumpf in vordere und hintere Hälfte und ebenso würden
-Arme, Beine und Kopf einzeln in zwei Teilen getrieben. Die Ränder je
-zweier Platten würden, nachdem sie in die gewünschte Form gebracht seien,
-mit (schwalbenschwanzförmigen) Einschnitten versehen, die ineinander
-gehämmert und später verlötet würden. Cellini sagt auch hier, dass er es
-verschmähe, die einzelnen Teile über Bronzeabformungen zu hämmern,
-freihändig nach dem Modell triebe er die Formen aus der Platte heraus.
-Die Hauptschwierigkeit bestehe im Verlöten der Teile; auch wie er dabei
-verfahren habe, giebt er im einzelnen an.
-
-Näheres ist nicht bekannt über die Ausführung der von Siro Zanello und
-Bernardo Falcone in den Hauptteilen in Kupfer getriebene Kolossalfigur
-des Heil. Carlo Borromeo, die am Ufer des Lago maggiore im Jahre 1697
-aufgestellt wurde.
-
-Auch in Frankreich entstand schon, wie es scheint, um das Jahr 1600, ein
-grosses Denkmal in Treibarbeit: das ehemals in Chantilly befindliche
-Reiterbild des Connetable von Montmorency (1493 bis 1567). Patte sagt in
-seiner bereits angeführten Schrift vom Jahre 1765 über dieses Werk: »Die
-erzene Reiterstatue des letzten Connetable von Montmorency, die man dem
-Schlosse von Chantilly gegenüber sieht, ist eins der ersten Monumente
-dieser Art, deren in Frankreich Erwähnung geschieht. Der Connetable ist
-in antiker Rüstung dargestellt, mit dem gezogenen Schwerte in der Hand;
-sein auf dem Boden liegender Helm stützt einen Fuss des Pferdes. Diese
-Statue, die in Kupfer getrieben ist, in der Art der Alten, wird von
-Kennern geschätzt.«
-
-Im 18. Jahrhundert beginnt man auch in Deutschland damit, unter freiem
-Himmel aufzustellende, grosse metallene Bildwerke aus Blech durch Hämmern
-herzustellen. In den Jahren 1714-1717 entstand der Herkules auf der
-Wilhelmshöhe bei Cassel. Schon früher wurde angeführt, dass man das
-Dresdner Reiterdenkmal König Augusts des Starken anfangs der dreissiger
-Jahre des 18. Jahrhunderts von dem Augsburger Kunstkanonenschmied
-Wiedemann in Kupfer treiben liess (Abb. 140).
-
-Etwa 1780 begründete auch Friedrich d. Gr. in Potsdam eine Werkstatt für
-Kupfertreiberei, aus der eine Reihe bedeutsamer Werke hervorging.[41]
-Ausser kleineren Werken entstand hier die bekrönende Figurengruppe für
-die Kuppel des Neuen Palais in Potsdam, dann die Figur des Atlas mit der
-Weltkugel für die Kuppel des dortigen Rathauses. Einige Jahrzehnte später
-wurde in dieser Anstalt die Quadriga für das Brandenburger Thor in Berlin
-nach Schadows Modellen ausgeführt. Die Viktoria wie die Pferde wurden für
-dieses grosse Werk zunächst in voller Grösse in Eichenholz geschnitten,
-und =nach= diesen Vorbildern, wie Schadow selbst angiebt, =nicht über=
-diesen Holzmodellen, wurden Pferde und Siegesgöttin getrieben vom
-Kupferschmied Jury und Klempner Gerike. Ueber die Art der Arbeitsweise in
-jener Werkstatt ist Genaueres nicht bekannt, Schadow selbst schreibt nur
-darüber: »Mancher vermeint, das kolossale hölzerne Modell diene dem
-Hämmerer, sein Metall darauf zu treiben, welches irrig ist. Das Verfahren
-lässt sich nicht mit Worten beschreiben: soviel wäre hier nur anzudeuten,
-dass Streifen von Blei wegen ihrer Ductilität dazu dienen, solche auf
-einzelne Theile des Holzmodells so anzudrücken, dass sie die Undulationen
-dieser Theile annehmen und so dem Arbeiter zeigen, welche Schwingungen er
-dem Metall zu geben hat.«
-
- [41] Eggers, Rauch Bd. II, S. 407 und H. Riegel, Kunstgeschichtliche
- Vorträge und Aufsätze, Braunschweig 1877, S. 349ff.
-
-[Illustration: Abb. 144. Getriebenes Reiterdenkmal in der Arbeit (Abb.
-aus Riegel a. a. O.).]
-
-Man versteht dann nicht recht, weshalb man diese grossen Hilfsmodelle in
-Holz und nicht in Gips arbeitete, der doch dieselben Dienste geleistet
-haben würde, wenn man nicht unmittelbar darauf das Blech hämmern wollte.
-
-Von anderen grossen Treibarbeiten in Berlin ist vor allem noch zu nennen
-die Gruppe des Apollo auf dem Greifenwagen auf dem Ostgiebel des
-Schauspielhauses nach Tiecks Modell und der Pegasus auf dem Westgiebel
-desselben Bauwerks.
-
-Bekanntere grosse Treibarbeiten an anderen Orten Deutschlands sind dann
-noch die Viktoria auf der Waterloo-Säule in Hannover (1832), ferner aus
-der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Hermannsfigur vom Denkmal im
-Teutoburger Walde und, abgesehen von jüngsten Monumentalwerken der
-Treibtechnik, eine Reihe grossartiger Arbeiten in Braunschweig, die ein
-wenig näher betrachtet zu werden verdienen, zumal wir über die dabei
-angewendete Arbeitsweise genauer unterrichtet sind.[42]
-
- [42] H. Riegel a. a. O.
-
-Der Braunschweiger Treibkünstler Georg Howaldt, von dessen Gusswerken
-bereits vorher gesprochen ist, führte in den Jahren 1858-1863 für das
-Schloss seiner Heimatsstadt die Brunonia mit dem Viergespann aus (Abb.
-141) (zum zweiten Male ausgeführt nach dem Brande des Schlosses
-(1865-1868)) und die Reiterdenkmäler der Herzöge Karl Wilhelm Ferdinand
-und Friedrich Wilhelm von Braunschweig in den Jahren 1870-1874 (Abb.
-142).
-
-Eine äusserst wichtige Neuerung der Howaldtschen Arbeitsweise bestand
-zunächst darin, dass er nur Hilfsmodelle von etwa 1/4 Ausführungsgrösse
-benutzte.
-
-Die Arbeit begann dann damit, ein dem Kerngerüst der Gussformen
-ähnliches Eisengerippe zu errichten; schon bei diesem war natürlich die
-sorgfältigste Massübertragung nach dem kleinen Modell absolut notwendig.
-Um möglichste Genauigkeit zu erreichen, baute der Meister sowohl um das
-Modell, wie um die Stelle, an der der Zusammenbau des Metallwerkes
-geschehen sollte, ein Rahmenwerk in Form eines viereckigen Kastens im
-Grössenverhältnis von Modell und Ausführung (Abb. 143). Durch
-Abstandmessungen und Lotungen, bei denen die Zahlenwerte stets um den
-Vergrösserungsmassstab z. B. mit 4 zu vervielfachen sind, können dann die
-einzelnen Punkte innerhalb des Rahmenwerks leicht festgelegt werden.
-
-Sobald das Eisengerippe fertig gestellt war, wurde mit der Ausführung der
-äusseren Form in Kupferblech von 2 bis 3 mm Stärke begonnen. Je nach der
-einfacheren oder bewegteren Gestaltung der einzelnen Teile wurden
-grössere oder kleinere Tafeln für sich bearbeitet (Abb. 144). Das Treiben
-der in ihrer Umrissform und Grösse zugeschnittenen Stücke geschah in
-erster Linie neben dem Modell nach Augenmass; durch Auflegen auf das
-Eisengerippe konnte durch Messung die Richtigkeit aller Verhältnisse
-leicht geprüft werden. Die Durchführung in den Einzelheiten geschah auch
-bei Howaldt in der früher angegebenen Weise. Kleine freistehende Teile
-pflegte der Braunschweiger Meister durch Guss herzustellen. Die fertig
-bearbeiteten Teile wurden schliesslich über dem Eisengerippe vereinigt,
-daran befestigt und untereinander möglichst dicht und fest verbunden.
-
-Neben einer blühenden Giesskunst sind im 19. Jahrhundert der Treibtechnik
-in Kupfer zahlreiche Aufgaben zugefallen; nur materielle Rücksichten
-können dieses Mal ihre Anwendung gefördert haben. Die Zeiten haben sich
-ein wenig geändert; verlangte man früher für das zur Verfügung stehende
-Geld das Solideste und zweifellos Beste, so begnügt man sich heute damit,
-den Schein des Besten zu erwecken. Künstlerisch steht zweifellos die
-Treibtechnik, auch wenn sie von der Hand eines Meisters, wie Howaldt,
-geübt wird -- was nur selten der Fall ist -- noch hinter der Teilformerei
-zurück, von der weit höheren Dauerhaftigkeit des Gusses gar nicht zu
-reden. Eine Feinheit der Durcharbeitung, wie sie beim
-Wachsausschmelzverfahren ohne besondere Mühewaltung erzielt wird, kann im
-starken Kupferblech nicht erreicht werden. Und selbst wenn man gröbere
-Abweichungen vom Originalmodell nicht annehmen will -- obschon sie um so
-stärker sein werden, je kleiner das vom Bildhauer geschaffene Modell ist
--- über die Stufe einer leidlichen Kopie kann sich eine grosse
-Treibarbeit nie erheben.
-
-Für Bildhauerwerke, die bestimmt sind, in mässiger Entfernung vom Auge
-auf öffentlichen Plätzen aufgestellt zu werden, sollte schon aus diesem
-Grunde stets der Guss vorgezogen werden. Künstlerisch einwandfrei und des
-wesentlich geringeren Gewichtes wegen vorzuziehen wird die Treibtechnik
-stets bei solchen Werken sein, die auf Umrisswirkung bestimmt sind, d. h.
-also bei Bekrönungsfiguren oder Gruppen auf Gebäuden oder in ähnlicher
-Aufstellung.
-
-Technische Bedenken bleiben jedoch bei allen, den Witterungsunbilden
-ausgesetzten Treibwerken bestehen wegen der grossen Schwierigkeit, die
-zahlreichen Teilstücke völlig dicht zu vereinigen. Schlechte Erfahrungen
-in diesem Sinne sollen auch bei der von Howaldt gearbeiteten
-Braunschweiger Quadriga, bei der doch gewiss alle Sorgfalt angewendet
-wurde, gemacht worden sein.[43] In jüngster Zeit unterzieht man sich der
-grossen Mühe, alle Fugen im Feuer hart zu verlöten, und es ist zu
-wünschen, dass die verschiedenen, in jüngster Zeit entstandenen,
-Brunnengruppen, bei denen die Gefahr, dass eindringendes Wasser die
-inneren Eisenteile zerstört, besonders gross ist, durch diese Behandlung
-dauernd geschützt sind.
-
- [43] Vgl. Maertens, Deutsche Bildsäulen, Stuttgart 1892, S. 42.
-
-
-
-
- VIII. Die Galvanoplastik.
-
-
-Das jüngste Reproduktions-Verfahren, das auch für die monumentale
-Metallplastik in Anwendung gekommen ist, ist das galvanische. Das
-Metallbild entsteht dabei im grossen und ganzen auf die Art, dass man
-zunächst von einem vorhandenen Modell in der Ausführungsgrösse eine
-Teilform z. B. in Gips herstellt. Die Gipshohlform wird aufs
-sorgfältigste zusammengesetzt und nachgebessert, darauf ihre Innenfläche
-mit einer leitenden Schicht z. B. Graphit gleichmässig in äusserster
-Feinheit überzogen. Wird dann die so vorbereitete Form in ein aus einer
-Kupferlösung gebildetes Bad gebracht und die Graphitschicht leitend mit
-einem Pole der Dynamo-Maschine oder elektrischen Batterie verbunden und
-wird deren anderer Pol mit ebenfalls in jenem Bade aufgehängten
-Kupferplatten verbunden, dann schlägt, sobald der Strom hindurchgeführt
-wird, das reine metallische Kupfer auf der Graphitschicht nieder. Je
-länger der Strom hindurchgeführt wird, um so stärker wird der
-Niederschlag. Da die Wandstärke mit der Grösse des Modelles zunehmen
-muss, wird darnach die Dauer des Herstellungsvorganges zu bemessen sein.
-Wenn die Metallschicht die notwendige Dicke erreicht hat, ist es nur
-notwendig, die umgebende Form zu zerschlagen, deren absolut getreuer
-Abdruck dann zu Tage tritt.
-
-Die ersten grösseren galvanoplastischen Werke dürften auf den
-Ausstellungen der vierziger Jahre des verflossenen Jahrhunderts zu sehen
-gewesen sein.
-
-Im Bericht der Berliner Gewerbe-Ausstellung des Jahres 1844 heisst es:
-»Eigentlich erst im Jahre 1840, was die praktisch-technische Anwendung
-der Galvanoplastik anbelangt, durch Jacoby und Spencer (in Petersburg)
-ins Leben getreten, sind in dem kurzen Zeitraum von wenigen Jahren schon
-so grossartige Resultate durch die noch so neue und junge Kunst erlangt
-worden...« Eugen von Hackwitz in Berlin hatte damals eine Büste des
-Königs auf vier Fuss hoher Säule und Sockel ausgestellt »das
-Grossartigste, was bisher von galvanoplastischen Arbeiten gesehen worden
-ist«.
-
-Friedrich Wilhelm IV. soll mit lebhaftem Interesse die neue Erfindung
-aufgenommen haben.[44] Rauch musste zum Haupte der Juno Ludovisi eine
-Büste mit Gewand zur galvanoplastischen Vervielfältigung modellieren, und
-als darauf die Nachricht aus Petersburg kam, dass von Hackwitz
-galvanoplastische Apostel von 12 Fuss Höhe anfertige, schrieb Rauch an
-Rietschel: »Ein wahres Glück, dass unsere neue Giesserei unter Dach ist,
-sonst würde sie jetzt nicht mehr gebaut werden, wie der König mir neulich
-selbst sagte, dass sie nun überflüssig werde.«
-
- [44] Eggers, Rauch, Bd. III, S. 285.
-
-In Paris stand man schon damals dem neuen Verfahren weniger bereitwillig
-gegenüber, obschon auch die Pariser Giesser, z. B. Soyer erfolgreiche
-Versuche aufzuweisen hatten. Der erste Einwand, der gewiss als berechtigt
-anerkannt werden muss, war der, dass die Bronze wesentlich dauerhafter
-sei, als reines Kupfer.
-
-Auf der Münchener Ausstellung des Jahres 1854 hatte von Kress in
-Offenbach 3 Fuss hohe Statuetten ausgestellt, von seinen 11 Fuss hohen
-Statuen zum Guttenberg-Denkmal hatte der Fabrikant keine senden können.
-Im Bericht dieser Ausstellung heisst es weiter: »Zweifellos ist die
-Galvanoplastik der einzige Weg, auf welchem ein künstlerisches Produkt
-unmittelbar und vollständig plastisch wiederzugeben sein möchte, und wenn
-nun zu diesen höchsten Vorzügen noch grosse Kostenersparnis kommt, so
-muss sich dieselbe Bahn brechen.«
-
-Am Guttenbergdenkmal in Frankfurt a. M. wurden die drei Hauptfiguren
-galvanisch hergestellt (die acht Nebenfiguren wurden zuerst in Zinkguss
-ausgeführt), es war wohl das erste grosse Monument für einen öffentlichen
-Platz, bei dem das elektrolytische Verfahren angewandt wurde; das Denkmal
-wurde im Jahre 1858 enthüllt.
-
-Diese Figuren wurden im Jahre 1892 genau untersucht und der Befund war in
-jeder Hinsicht befriedigend, so dass man sich entschloss, auch die
-Nebenfiguren galvanisch zu erneuern.
-
-Trotz der zweifellosen Erfolge haben sich die Erwartungen, die man dem
-Verfahren bei uns anfänglich entgegenbrachte, nicht erfüllt; man giesst
-heute mehr denn je vorher.
-
-Das reine, auch nicht durch Hämmern verdichtete Kupfer ist für
-öffentliche Denkmäler gar zu weich, das wird der Haupteinwand bleiben,
-den man gegen das galvanische Verfahren erheben muss.
-
-Wenn auch ein abgeschlossenes Urteil über die Monumental-Galvanoplastik
-durchaus noch nicht gewonnen werden kann, auf jeden Fall dürfte
-feststehen, dass der Bronzeguss das Höhere und Bessere ist; zu wünschen
-wäre, dass man ihm hinfort stets den Vorzug geben möchte.
-
-Die noch heute bedeutendste Firma für die Anwendung des neuen
-galvanoplastischen Verfahrens im Grossen ist die Geislinger
-Metallwarenfabrik, deren Hauptwerk, das Guttenberg-Denkmal, eine ganze
-Reihe weiterer grosser Aufträge nach sich gezogen hat.
-
- * * * * *
-
-Die jüngsten grossen erzplastischen Schöpfungen bieten uns die Gewähr,
-dass in den kommenden Jahrzehnten am Mangel technischer Erfahrung die
-Ausführung auch der schwierigst zu formenden Monumente nicht nur nicht
-scheitern kann, sondern dass technisch auch wieder den früheren
-Jahrhunderten wirklich Gleichwertiges zu liefern möglich ist.
-
-Unsere Kunstgiesser sind jeder Aufgabe gewachsen, man gebe ihnen
-Gelegenheit, ihr Können zu bethätigen. Vor allem mögen unsere Bildner
-dafür sorgen, dass ihre Werke würdig seien, im edlen Erz Jahrhunderte zu
-überdauern.
-
- * * * * *
-
-
-
-
- Inhalt.
-
-
- Seite
-
- Einführung 1-4
-
- I. Die Giesserwerkstatt 4-18
-
- II. Das Wachsausschmelzverfahren im Altertum und Mittelalter
- bis zum 14. Jahrhundert 19-29
-
- III. Das Wachsausschmelzverfahren vom 14. bis zum
- 19. Jahrhundert 30-85
-
- IV. Die Teilformverfahren des 19. Jahrhunderts 86-114
-
- V. Das Wachsausschmelzverfahren im 19. Jahrhundert 115-120
-
- VI. Der Zinkguss 121
-
- VII. Die Treibarbeit 122-129
-
- VIII. Die Galvanoplastik 130-131
-
- * * * * *
-
-
-
-
- Meister-, Länder- und Ortsnamen-Verzeichnis.
-
- (Die Namen der als Giesser, Ciseleure, Treibkünstler etc. thätigen
- Meister sind =gesperrt= gedruckt.)
-
- Aachen 24.
- Aegypten 20. 122.
- =Alain le Grant= 28.
- =Algardi=, Alex. 83.
- Altona 113.
- Ammanati 48.
- Antwerpen 81.
- Aranjuez 82.
- Assyrer 122.
- Augsburg 50. 56.
-
- Babylonier 122.
- Bacon 84.
- Bamberg 58. 111.
- =Barbedienne= 114.
- =Barbezat= 114.
- Barye 115.
- =Baroncelli= 47.
- =Beauchesne= 69.
- Beauvais 71.
- Beckere, P. de 81.
- Berlin 60. 97ff. 121. 128.
- Bernardino von Lugano 48.
- Biard 70.
- Bird 83.
- Bläser 108. 113.
- Bologna 48.
- =Bologna, Giovanni da= 48. 70. 82.
- Bonn 112.
- =Bontemps= 69.
- Bordeaux 73.
- Bouchardon 74.
- =Boucher= 69.
- =Bouchet=, B. le 69.
- Boufflers 71.
- Braunschweig 29. 113. 128.
- Breslau 99. 107.
- Bristol 84.
- Brügge 81.
- Brüssel 82.
- Buon Retiro 82.
- =Burgschmiet= 111ff.
- Byzanz 24.
-
- Candid 56. 57.
- =Carbonneaux= 101. 114.
- =Caradosso= 125.
- Cassel 127.
- Castro, M. de 83.
- =Cellini= 8. 9. 10. 14. 32ff. 53. 68. 75. 78ff. 125ff.
- =Cesare=, Carlo da 55.
- Chantilly 127.
- Charlottenburg 103.
- Charlottenhof 103.
- =Chaumont= 70.
- Colin 52ff.
- Cöln 107ff.
- Costa, B. de 83.
- =Coué= 99ff.
- Coysevox 71.
- =Cristoforo=, A. di 47.
- =Crozatier= 101. 112. 114.
-
- Danti 48.
- Dänemark 85.
- Darmstadt 110.
- =Desjardins= 71.
- Deutschland 24.
- =Devaranne= 121.
- Dijon 71.
- Dinant 29.
- =Dinger= 103.
- Donatello 46.
- Donner 61.
- Drake 102. 108.
- Dresden 61. 102. 107. 113. 127.
- Dublin 84.
- =Duca=, L. de 52.
- =Dupré= 70.
- Duret 115.
- Durlach 56.
- Duquesnoys 82.
- Düsseldorf 61.
- =Duval= 71.
-
- =Eck & Durand= 114.
- Eichstaedt 58.
- Eisler 56.
- =Ekimoff= 85.
- England 81. 83.
- Erfurt 29.
- Etrusker 24.
-
- =Falcone= 127.
- =Falconet= 73. 84.
- =Feierabend= 103.
- Ferrara 47.
- =Fischer= 101ff.
- Florenz 30. 32. 46ff.
- =Fontaine= 114.
- Fontainebleau 69.
- Forchheim in Franken 58.
- Frankfurt a. M. 110. 131.
- Frankreich 68. 114.
- Freiberg i. S. 55.
- =Frey= 57. 58.
- =Friebel= 105ff.
- Friedrichshagen bei Berlin 118.
-
- =Gauthier= 114.
- Geislingen 131.
- =Gerhard= 56. 57.
- =Gerike= 128.
- Ghiberti 30. 46.
- =Giovanni da Bologna= 48.
- Girardon 71. 74.
- =Gladenbeck= 107.
- Gladenbeck u. Sohn, Aktiengesellschaft vorm. 108. 118.
- =Godl= 52.
- =Gonon= 101. 115ff.
- =Gor= 74. 79. 85.
- Gras 58. 82.
- Griechenland 22.
- Grinling Gibbons 83.
- =Grupello= 61.
- Guibal 74.
- Guillain 70.
- Gumbinnen 101.
- =Güthling= 86.
-
- Halle 101.
- Hähnel 112.
- Hannover 128.
- =Herold= 56.
- -- (Lenz-Herold) 112.
- Hildesheim 25.
- =Hopfgarten= 99ff.
- =Howaldt= 113. 128ff.
-
- =Jacobi= 12. 60.
- =Jacoby= 130.
- Innsbruck 50. 58. 82.
- =Jollage= 101.
- Jongelinck, J. 81.
- Italien 24. 83. 99.
- =Jury= 128.
-
- =Kampmann= 105.
- Karlsruhe 112.
- =Keller= 71ff.
- Keyzer, P. de 81.
- Kietz 113.
- Kiss 102ff.
- Klagenfurt 62.
- =Klausch= 86.
- Klussenbach 29.
- Kopenhagen 98.
- =Kopp= 58.
- Königsberg 107ff.
- Koslowsky 84.
- Kronborg bei Kopenhagen 55.
- =Krumper= 57. 58.
-
- =Labenwolf= 55.
- Lamoureux 85.
- Landini 49.
- Larchevèque 85.
- Lauchhammer 86ff. 105ff.
- Lehongre 71.
- Lemoyne 73ff.
- =Lendenstreich= 52.
- Leonardo da Vinci 8.
- =Leoni= 82.
- =Lequine= 99ff.
- =Lenz= (Lenz-Herold) 112.
- Le Sueur 83.
- Livorno 49.
- London 70. 83.
- =Löffler= 52. 58.
- =Ludwig de Duca= 52.
- Luneville 74.
- Lüttich 29.
- Lyon 70ff.
-
- Madrid 82.
- Magdeburg 113.
- =Marcello= 49.
- Marzeline 72.
- =Mättensberger= 86.
- =Meier= 85.
- Michelangelo 47.
- Michelozzo 46.
- =Miller=, Ferd. v. 109ff. 112.
- Mocchi 49.
- Moitte 114.
- Montpellier 71.
- Moskau 100.
- Möhra 112.
- Mühlau bei Innsbruck 58.
- München 56. 57. 108ff.
-
- Nancy 74.
- Neapel 100.
- =Neidhardt= 57.
- Niederlande 81.
- Nürnberg 50. 55ff. 113.
-
- Osnabrück 102.
-
- Padua 46. 47.
- Paris 68ff. 98. 100. 109. 112. 114. 126. 130.
- Patina 16ff.
- Perugia 30. 48.
- Peterhof 56.
- Petersburg 73. 98. 100. 104. 130.
- Phidias 122.
- Phönizier 21.
- Piacenza 49.
- Pigalle 74.
- Pilon 69.
- Pisano, Andr. 30.
- Poitiers 24.
- =Pollajuolo= 47.
- Portugal 83.
- Potsdam 127ff.
- Prag 29. 56. 58. 112.
- Pressburg 61.
- Prieur 69.
- Primaticcio 69.
-
- =Rastrelli= 84.
- Rauch 98ff. 130.
- Reich 112.
- =Reichel= 57.
- =Reinhardt= 58. 82.
- =Reisinger=, Hans 57.
- -- (Giessereidirektor Berlin) 100.
- Rennes 71. 74.
- Rheims 74.
- Rietschel 102. 104ff.
- =Righetti= 100.
- Ritter 56.
- Rohampton 83.
- Rom 24. 47. 49. 122.
- Rostock 99.
- Rotterdam 82.
- =Rousseau= 87.
- Ruppin 101.
- =Rupprecht= 111.
- Russland 84. 99.
- Rustici 48.
- Rybon 69.
- Rysbrack 84.
-
- Saly 85.
- Salzburg 110.
- Schadow 98. 128.
- Schiller 113.
- Schinkel 103. 121.
- Schlüter 60.
- Schwanthaler 110.
- Schweden 85.
- Schweiger 56.
- Schwerin 107.
- Sergel 85.
- Sevilla 82.
- =Soyer= 114. 131.
- Spanien 82ff.
- =Spencer= 130.
- Sueur, H. le 70.
- Susse 114.
- St. Denis 69.
- =Stiglmaier= 109ff.
- Stockholm 85. 98.
-
- =Tacca= 49. 70. 82.
- =Theophilus= 6. 7. 9. 13. 25ff. 53. 123ff.
- =Thiébaut= 114.
- Thorn 103.
- Thorwaldsen 110.
- Tieck 103. 128.
- Troja 22.
-
- Utrels 72.
-
- =Varin= 73.
- Venedig 47.
- Verrocchio 47.
- =Vischer= 50.
- =Volterra=, D. da 70.
- =Vries=, A. de 56.
- =Vuarin= 109.
-
- Weimar 111.
- =Wiedemann= 61. 127.
- Wien 61. 62.
- =Wiskotschil=, Th. J. 86.
- Wittenberg 99.
- Wolff 107.
- =Wolrab= 56.
- Worms 107.
- =Wurzelbauer= 56.
- Würzburg 58.
-
- =Zanello= 127.
- =Zauner= 62.
-
- * * * * *
-
-
-
-
- Monographien des Kunstgewerbes.
-
- Herausgeber: Prof. Dr. Jean Louis Sponsel.
-
- Verlag: Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig.
-
-
-Das Kunstgewerbe steht unter den Kulturgütern, die in den letzten
-Jahrzehnten eine so unvergleichliche Blüte erfahren haben, in der
-vordersten Reihe. Der mächtige Aufschwung des Kunstgewerbes hat jetzt
-ebensowohl in Amerika wie in England, in Skandinavien wie in Belgien, in
-Frankreich wie in Deutschland eine neue Epoche der künstlerischen
-Entwickelung eingeleitet. Den gewerblichen und angewandten Künsten wird
-wieder allgemeines Interesse gewidmet.
-
-Dieser grossen Kulturströmung will die Sammlung »MONOGRAPHIEN DES
-KUNSTGEWERBES« dienen, herausgegeben von Prof. Dr. JEAN LOUIS SPONSEL,
-dem in der Fachwelt wie in den Kreisen der Kunstfreunde und Sammler in
-gleicher Weise bekannten Dresdner Forscher. Die Bücher unserer Sammlung
-sollen sowohl das moderne als auch das historische Kunstgewerbe
-darstellen und sein Verständnis fördern. Ausser den einzelnen
-kunstgewerblichen Gebieten sollen auch die grossen Blütezeiten des
-Kunsthandwerks und seine wichtigsten Pflegestätten behandelt werden.
-
-Die »MEISTER DES KUNSTGEWERBES«, eine Sondergruppe der grösseren
-Abteilung, sollen endlich die bahnbrechenden Schöpfer, die Pioniere und
-Genies des Kunsthandwerks wie in einer Galerie vereinigen.
-
-Die Mitarbeiter der Sammlung haben sich sämtlich durch eigene Forschung
-auf dem von ihnen behandelten Gebiete heimisch gemacht und beherrschen
-ihren Stoffkreis so, dass sie die leitenden Züge der Entwickelung, die
-durch das Material bedingte technische Behandlung und die Stellung
-unserer Zeit zu den Werken der Vergangenheit und der Gegenwart durchaus
-exakt und erschöpfend darzustellen vermögen. Ebenso haben sie sich in der
-gerade für das Kunstgewerbe so wichtigen Frage der Kennerschaft durch
-langjährige Erfahrung erprobt und bewährt. Jedes Heft wird so reich als
-nur möglich und so eingehend, als es der Stoff verlangt, durch
-Abbildungen illustriert. Auch werden da, wo grösstmögliche Treue der
-Wiedergabe geboten ist, Lichtdrucke -- und da, wo die farbige Wiedergabe
-der Originale für deren Wirkung in erster Linie steht, Farbentafeln
-beigefügt.
-
-Bis jetzt sind folgende Bände erschienen:
-
-$Dr. Wilhelm Bode,$ Berlin, Geheimer Regierungsrat, Direktor an den
-Berliner Museen.
- »=Vorderasiatische Knüpfteppiche aus älterer Zeit.=« Preis in Leinw.
- geb. 8 M., in Leder geb. 9 M.
-
-$Dr. Gustav E. Pazaurek,$ Kustos des Nordböhm. Gewerbemuseums in
-Reichenberg.
- »=Moderne Gläser.=« Preis in Leinw. geb. 6 M., in Leder geb. 7 M.
-
-$Dr. Adolf Brüning,$ Direktorialassistent am kgl. Kunstgewerbemuseum zu
-Berlin.
- »=Die Schmiedekunst seit dem Ende der Renaissance.=« Preis in Leinw.
- geb. 6 M., in Leder geb. 7 M.
-
-$Prof. Richard Borrmann,$ Direktorialassistent am kgl.
-Kunstgewerbemuseum Berlin.
- »=Moderne Keramik.=« Preis in Leinw. geb. 5 M., in Leder geb. 6 M.
-
-In Vorbereitung:
-
-$Dr. Wilhelm Bode,$ Berlin, Geheimer Regierungsrat, Direktor an den
-Berliner Museen.
- »=Die italienischen Hausmöbel der Renaissance.=« Preis in Leinw. geb. 5
- M., in Leder geb. 6 M.
- »=Bilderrahmen in alter und neuer Zeit.=«
- »=Florentiner Majoliken des 15. Jahrhunderts.=«
-
-$Prof. Richard Borrmann,$ Direktorialassistent am kgl. Kunstgewerbemuseum
-Berlin.
- »=Antike Möbel und Hauseinrichtungen.=«
-
-$Dr. Friedrich Dörnhöffer,$ Kustos des Kupferstichkabinetts der k. k.
-Hofbibliothek in Wien.
- »=Das Buch als Kunstwerk. Druck und Schmuck.=«
-
-$Professor Otto Eckmann,$ Berlin, Lehrer an der k. Kunstgewerbeschule.
- »=Flachornamente und Innendekoration.=«
-
-$Cornelio von Fabriczy,$ Stuttgart.
- »=Medaillen der italienischen Renaissance.=«
-
-$Dr. Otto von Falke,$ Direktor des Kunstgewerbemuseums Köln.
- »=Deutsches Steinzeug.=«
-
-$Dr. Adolf Goldschmidt,$ Privatdocent an der Universität Berlin.
- »=Frühmittelalterliche Elfenbeinskulpturen.=«
-
-$Dr. Richard Graul,$ Direktor des kgl. Kunstgewerbe-Museums zu Leipzig.
- »=Bronze-Klein-Plastik seit der Renaissance.=«
-
-$Dr. Peter Jessen,$ Direktor der Bibliothek des Kunstgewerbemuseums zu
-Berlin.
- »=Wohnungskunst seit der Renaissance.=«
-
-$Professor Ferdinand Luthmer,$ Direktor der Kunstgewerbeschule in
-Frankfurt a/M.
- »=Deutsche Möbel der Vergangenheit.=«
-
-$Dr. Jean Loubier,$ Direktorial-Assistent an der Bibliothek des kgl.
-Kunstgewerbemuseums Berlin.
- »=Das Buch als Kunstwerk. Bucheinband in alter und neuer Zeit.=«
-
-$Wirkl. Geh. Ober-Reg.-Rat K. Lüders,$ Grunewald-Berlin.
- »=Berliner Porzellan.=«
-
-$Professor Dr. Alfred G. Meyer,$ Dozent an der Technischen Hochschule
-Charlottenburg.
- »=Stil, Stilgeschichte und Stillehre.=«
-
-$Professor Dr. Erich Pernice,$ Direktorialassistent an der
-Antikenabteilung der kgl. Museen Berlin.
- »=Antike Gold- und Silber-Arbeiten.=«
-
-$Dr. Friedrich Sarre,$ Berlin.
- »=Persische Keramik.=«
-
-$Professor Dr. Christian Scherer,$ Direktorial-Assistent am
-herzoglichen Museum in Braunschweig.
- »=Elfenbeinplastik seit der Renaissance.=«
-
-$Dr. Julius von Schlosser,$ Direktor an den kunsthistorischen
-Sammlungen des allerhöchsten Kaiserhauses in Wien.
- 1. »=Höfische Wohnungskunst im Mittelalter.=«
- 2. »=Kunst- und Kuriositäten-Kammern seit der Renaissance.=«
-
-$Professor Dr. Paul Seidel,$ Dirigent der Kunstsammlungen des kgl.
-Hauses und Direktor des Hohenzollern-Museums Berlin.
- »=Die dekorative Kunst unter Friedrich I. von Preussen.=«
-
-$Professor Dr. Jean Louis Sponsel,$ Dresden, Dozent an der technischen
-Hochschule Dresden.
- 1. »=August der Starke und das Kunstgewerbe.=«
- 2. »=Deutsches Rokoko.=«
-
-$Dr. Richard Stettiner,$ Assistent am Kunstgewerbemuseum Hamburg.
- »=Sèvresporzellan.=«
-
-$Professor Henri van de Velde,$ Weimar.
- »=Philosophie und Aesthetik des Kunstgewerbes.=«
-
-$Professor Dr. Franz Wickhoff,$ Wien, K. K. Universität.
- 1. »=Der italienische Garten.=«
- 2. »=Die Wohnung in den Niederlanden und in Frankreich im
- 15. Jahrhundert.=«
-
-$Julius Zöllner$ in Leipzig.
- »=Das Zinn in alter und neuer Zeit.=«
-
-An Mitarbeitern sind ferner gewonnen worden: Direktor =Angst=, Zürich,
-Professor Dr. =Justus Brinkmann=, Hamburg, Direktor Dr. =Deneken=,
-Krefeld, Professor Dr. =Alfred Lichtwark=, Hamburg u. a.
-
-Interessenten, welche eingehendere Prospekte zugeschickt haben wollen,
-werden gebeten, ihre Adresse dem Verlag =Hermann Seemann Nachfolger=,
-Leipzig, Goeschenstrasse 1 bekannt zu geben.
-
- * * * * *
-
-Im Verlag von HERMANN SEEMANN NACHFOLGER in =Leipzig= ist erschienen:
-
- MAX KLINGERS BEETHOVEN
-
- Eine kunsttechnische Studie // Prachtwerk in Grossquart //
- von mit 8 Heliogravüren
- ELSA ASENIJEFF und 23 Beilagen und Textbildern
-
- Preis in vornehmem Liebhaberband geb. M. 20,--
-
-Die Vollendung des »Beethoven« durch Meister Klinger wird als ein
-künstlerisches Ereignis allerersten Ranges empfunden. Fünfzehn Jahre lang
-trug der Leipziger Künstler den grossen Gedanken seines Werkes mit sich
-herum, und staunender Bewunderung voll blickt jetzt die Welt auf das
-erhabene Monument Beethovens. Keiner war mehr berufen, dem Heros der
-Musik ein Denkmal aufzurichten, als Klinger; nackt, mit
-ineinandergekrampften Händen, in den Schauern der Inspiration, den
-grüblerischen Blick in dämmernde Fernen bohrend, sitzt Beethoven auf dem
-mit kunstvollen Reliefs, Edelsteinen und Elfenbein reich verzierten
-Thron, ein Mantel von herrlichem Onyx schlingt sich über sein Knie, und
-zu seinen Füssen sträubt der zu ihm aufblickende Adler des Zeus seine
-mächtigen Flügel.
-
-Das Werk, das im gesamten Schaffen Klingers einen Gipfel bedeutet, wird
-von Frau Elsa Asenijeff in einem trefflichen Text erklärt, der die
-zahlreichen Illustrationen -- 8 Heliogravüren, 23 Beilagen und
-Abbildungen im Text -- wirksam unterstützt, zumal Frau Asenijeff in der
-Lage ist, auch zu der Entstehungsgeschichte des Werkes die
-interessantesten Ausführungen beizubringen, insonderheit über die grosse
-Schwierigkeit, den Thronsessel in Bronze zu giessen, was erst in Pierre
-Bingens Werkstatt in Paris gelungen ist, und von Frau Asenijeff in den
-einzelnen Stadien ausserordentlich dramatisch erzählt wird.
-
-Die interessanten technischen Aufschlüsse über die Schwierigkeiten in der
-Beschaffung der Marmorsorten, über die Behandlung des Elfenbeins, des
-tirolischen Onyx, der venezianischen Glasflüsse werden mit besonderer
-Freude begrüsst werden.
-
-Vor allem ist die Schilderung des Bronzegusses eine Meisterleistung, der
-in der modernen kunstgewerblichen Litteratur kaum etwas Gleiches an die
-Seite gestellt werden kann, und zu deren tiefster Würdigung man schon bis
-auf Cellini zurückgehen muss.
-
-Dass das Werk in seinen verschiedenen Stadien vorgeführt wird, sowohl
-illustrativ als auch textlich, vom Gipsmodell bis zur vollendeten Bronze
-und bis zum ausgeführten Marmorbilde, das verleiht dem auch äusserlich
-überaus vornehm ausgestatteten Werke seine überragende Bedeutung, an der
-kein Kunstfreund, kein Aesthetiker, kein Sammler, überhaupt kein
-Kulturmensch unserer Zeit vorübergehen darf.
-
- * * * * *
-
- Verlag von Hermann Seemann Nachfolger in Leipzig
-
-
- ITALIENISCHE KUNST
-
- Studien und Betrachtungen von
-
- BERNHARD BERENSON
-
- Einzig autorisierte Ausgabe
-
- Aus dem Englischen übertragen von
-
- D^R JULIUS ZEITLER
-
- Preis broschiert M. 6,--, geb. M. 8,--
-
-Berenson, ein bedeutender englischer Kunstforscher, der auch in den
-kunsthistorischen und ästhetischen Kreisen Deutschlands wohl bekannt ist,
-bietet in diesem Band über die »Italienische Kunst« eine Anzahl
-trefflicher Essays, in denen Gründlichkeit der Forschung mit feinem
-Urteil und hoher Kennerschaft gepaart ist. Die Essays behandeln Vasari,
-die Dante-Illustrationen, Correggio, Giorgione, Tizian, Amico di Sandro,
-dessen Persönlichkeit Berenson überhaupt erst festgestellt hat, und
-endlich eine reiche Fülle von venezianischen Gemälden, die sich in
-Londoner Privatbesitz befinden. Die Abbildungen derselben, die zum Teil
-in nur schwer zugänglichen Privatgalerien stecken, verleihen dem Buch
-noch einen ganz besonderen Wert.
-
-
- BILDNISKUNST
- UND
- FLORENTINISCHES BÜRGERTUM
-
- Bd. I: Domenico Ghirlandajo in Santa Trinitá: Die Bildnisse des Lorenzo
- de' Medici und seiner Angehörigen
-
- von
-
- D^R A. WARBURG
-
- Grossquart mit 5 Lichtdruckbeilagen und 6 Textillustrationen
-
- Preis geb. M. 6,--
-
-Diese Arbeit des bekannten Kunstgelehrten eröffnet eine Reihe
-kunstgeschichtlicher Studien, die die Wechselbeziehungen zwischen
-Publikum, Fürsten, Gelehrten und Künstlern durch die Zusammenstellung
-direkter Zeugnisse in Kunstwerken der Frührenaissance veranschaulichen
-wollen. Die erste kultur- und kunstgeschichtliche Spezialstudie dieses
-Unternehmens behandelt einige bisher unbeachtete Meisterstücke der
-Porträtkunst des Ghirlandajo, die darin zum ersten Male genau publiziert
-und auch in der Beurteilung, die sie in ihrer eigenen Zeit fanden -- vor
-allem durch die gewichtige Stimme des Lorenzo de' Medici selbst --
-gewürdigt werden. Fünf vorzüglich gelungene Lichtdrucke und ebenso viel
-Textillustrationen bringen das interessante Problem, das der Verfasser in
-seinem Text aufrollt, zur wirksamsten Anschauung.
-
-=Empfehlenswerte neuere Werke= aus dem Kunstverlag von HERMANN SEEMANN
-NACHFOLGER in LEIPZIG:
-
-$Apulejus,$ =Amor und Psyche=. Ein Märchen, ins Deutsche übertragen von
- Prof. Dr. Norden, mit Bildern von Walter Tiemann. Geb. M. 6,--
-
-$Marie Luise Becker,$ =Der Tanz=. Mit ca. 100 Beilagen und Textbildern.
- Br. M. 8,--, geb. M. 10,--
-
-$Joseph Bédier,$ =Der Roman von Tristan und Isolde=. Mit Geleitwort von
- Gaston Paris, aus dem Französischen übertragen von Dr. Julius Zeitler.
- Textausgabe br. M. 4,--, geb. M. 5,--. Illustrierte Prachtausgabe mit
- ca. 150 Illustr. von Robert Engels geb. M. 18,--, Liebhaber-Ausgabe (50
- numer. Exemplare) geb. M. 50,--
-
-$Hans Bélart,$ =Nietzsches Ethik=. M. 2,--
-
-$Georg Biedenkapp,$ =Kleine Geschichten und Plaudereien= philosophischen,
- pädagogischen und satirischen Inhalts. Br. M. 3,--
-
-$Wilhelm Bölsche,$ =Ernst Haeckel=. Ein Lebensbild. Geb. M. 3,60
-
-$Fritz Burger,$ =Gedanken über die Darmstädter Kunst=. (In
- Eckmannschrift.) Br. M. --,75
-
-$Challemel-Lacour,$ =Studien und Betrachtungen eines Pessimisten=.
- Autoris. Uebersetzung aus dem Franz. von M. Blaustein. Br. M. 6,--,
- geb. M. 7,50
-
-$Douglas Cockerell,$ =Der Bucheinband und die Pflege des Buches=. Ein
- Handbuch für Buchbinder und Bibliothekare. Mit Zeichnungen von Noël
- Roobe und zahlreichen anderen Illustrationen in Lichtdruck und Aetzung.
- Deutsche Ausgabe von Felix Hübel. Br. M. 5,--, geb. M. 6,50
-
- =Band 1 der »Handbücher des Kunstgewerbes«.= Herausgegeben von W. R.
- Lethaby am South Kensington Museum, deutsche Ausgabe besorgt von Dr.
- Julius Zeitler.
-
-$Michael Georg Conrad,$ =Von Emile Zola bis Gerhart Hauptmann=.
- Erinnerungen zur Geschichte der Moderne. Br. M. 2,50
-
-$Walter Crane,$ =Dekorative Illustration des Buches in alter und neuer
- Zeit=. II. Auflage. Br. M. 7,50, geb. M. 9,--, Liebhaberausgabe geb. M.
- 12,--
-
- =Linie und Form.= Br. M. 10,--, geb. M. 12,--
- =Grundlagen des Zeichnens.= Br. 12,--, geb. M. 14,--
-
-$Walter Crane, Cobden-Sanderson, Lewis F. Day, Emery Walker, William
- Morris u. a.$ =Kunst und Handwerk= (=Arts and Crafts Essays=).
-
- I. Die dekorativen Künste.
- II. Die Buchkunst.
- III. Keramik, Metallarbeiten, Gläser.
- IV. Wohnungsausstattung.
- V. Gewebe und Stickereien.
-
- Jeder Band br. M. 2,--
-
-$Herman Frank,$ =Das Abendland und das Morgenland=. Eine
- Zwischenreich-Betrachtung. M. 2,50
-
-$Dr. Sigismund Friedmann,$ =Ludwig Anzengruber=. Br. M. 5,--, geb.
- M. 6,50
-
- =Das deutsche Drama des neunzehnten Jahrhunderts in seinen
- Hauptvertretern.= I. Band br. M. 5,--, geb. M. 7,--
-
-$Otto Grautoff,$ =Die Entwicklung der modernen Buchkunst in Deutschland=.
- Br. M. 7,50, geb. M. 9,--
-
-$Wilh. Hauff,$ =Zwerg Nase=. Märchen mit Bildern von Walter Tiemann. Geb.
- M. 4,--
-
-$Felix Hübel>,</b =In einer Winternacht=. Eine Gespenstergeschichte. Br.
- M. 2,--, geb. M. 3,--
-
- =Und hätte der Liebe nicht!= Roman. Br. M. 4,--, geb. M. 5,--
-
-$Dr. Hans Landsberg,$ =Friedrich Nietzsche und die deutsche Litteratur=.
- Br. M. 2,50
-
-$Otto Ludwig,$ =Die Heiterethei=. Erzählung aus dem Thüringer Volksleben.
- Mit Illustr. von Ernst Liebermann. Geb. M. 6,--
-
-$Paul Moos,$ =Moderne Musikästhetik in Deutschland=. Br. M. 10,--, geb.
- M. 12,--
-
-$William Morris,$ =Kunsthoffnungen und Kunstsorgen= (Hopes and Fears for
- Art).
-
- I. Die niederen Künste.
- II. Die Kunst des Volkes.
- III. Die Schönheit des Lebens.
- IV. Wie wir aus dem Bestehenden das Beste machen können.
- V. Die Aussichten der Architektur in der Civilisation.
- Jeder Band br. M. 2,--
-
- =Neues aus Nirgendland.= Utopischer Roman. Br. M. 6,--, geb. M. 7,50
- =Kunstgewerbliches Sendschreiben.= M. 2,--
- =Kunst und die Schönheit der Erde.= M. 2,--
-
-$Joseph Pennell,$ =Moderne Illustration=. Br. M. 7,50, geb. M. 9,--
-
-$Dr. Heinrich Pudor,$ =Laokoon=. Aesthetische Studien. Br. M. 6,--, geb.
- M. 7,50
-
- =Die neue Erziehung.= Essays über die Erziehung zur Kunst und zum
- Leben. Br. M. 4,--, geb. M. 5,50
-
-$Eduard Platzhoff,$ =Ernest Renan=. Ein Lebensbild. Geb. M. 3,60
-
-$Dr. Robert Riemann,$ =Goethes Romantechnik=. Br. M. 6,--, geb. M. 7,50
-
-$Richard Schaukal,$ =Pierrot und Colombine=. Mit Buchschmuck von
- Vogeler-Worpswede. M. 3,--
-
- =Das Buch der Tage und Träume.= Verbesserte und durch neue Gedichte
- vermehrte II. Auflage mit dem Bild des Autors. Mit Titelzeichnung von
- Heinrich Vogeler. M. 3,50
-
-$Dr. Heinr. v. Schoeler,$ =Fremdes Glück=. Eine venetianische Novelle.
- Br. M. 2,50
-
-$Ernst Schur,$ =Vom Sinn und von der Schönheit der japanischen Kunst=.
- M. 2,--
-
- =Grundzüge und Ideen zur Ausstattung des Buches.= M. 4,--
- =Paraphrasen über das Werk Melchior Lechters.= M. 2,--
- =Gedanken über Tolstoi.= M. 2,--
- =Das Buch der dreizehn Erzählungen.= M. 3,--
- =Dichtungen und Gesänge.= M. 3,--
-
-$Dr. Jean Louis Sponsel,$ =Kabinettstücke der Meissner
- Porzellanmanufaktur von Johann Joachim Kändler=. Prachtwerk in 4^o
- Format mit zahlreichen Beilagen und Textbildern. Br. M. 30,--, geb.
- in eleg. Liebhabereinband M. 32,50
-
- =Die Abteikirche zu Amorbach=, ein Prachtwerk deutscher Rokokokunst.
- Mit 3 Textbildern und 40 Lichtdrucktafeln. Fol. In Mappe M. 50,--
-
-$Prof. Dr. Wilh. Stieda,$ =Ilmenau und Stützerbach=. Eine Erinnerung an
- die Goethezeit. Br. M. 2,--, geb. M. 3,--
-
-$Dr. Thiele,$ =Hinauf zur bildenden Kunst=. Laiengedanken. Brosch.
- M. 1,--
-
-$Wilhelm Uhde,$ =Vor den Pforten des Lebens=. Aus den Papieren eines
- Dreissigjährigen. Br. M. 3,--
-
-$Dr. Julius Vogel,$ =Goethes Leipziger Studentenjahre=. Ein Bilderbuch zu
- »Dichtung und Wahrheit«. 2. Ausgabe. Elegant geb. M. 4,--.
-
- =Böcklins Toteninsel und Frühlings-Hymne.= 2 Gemälde Böcklins im
- Leipziger Museum mit 7 Illustrationen, darunter 5 Darstellungen der
- »Toteninsel« M. 1,--. In feinem Liebh.-Band mit Pergamentrücken geb. M.
-
-$John Jack Vrieslander,$ =Variété=. 12 Kunstblätter auf Japankarton in
- eleganter Mappe M. 6,--
-
-$Prof. Dr. Gustav Wustmann,$ =Der Wirt von Auerbachs Keller=: Dr.
- Heinrich Stromer von Auerbach. 1476-1542. M. 1,--
-
-$Dr. Ludwig Wüllner,$ =Byrons Manfred=. Liebhaber-Ausgabe mit Buchschmuck
- von Walter Tiemann. M. 4,--
-
-$Dr. Julius Zeitler,$ =Nietzsches Aesthetik=. Br. M. 3,--, geb. M. 4,--
-
- =Die Kunstphilosophie von Hippolyte Adolphe Taine.= Br. M. 6,--, geb.
- M. 7,--
-
- Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes.
-
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-
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-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-Der Schmutztitel wurde entfernt.
-
-Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen
-und offensichtliche Druckfehler korrigiert.
-
-Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text=) und fett gedruckter
-Text mit Dollarzeichen ($text$) markiert.
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-Das gestorben Zeichen wurde als [gestorben] dargestellt.
-
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-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
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-electronic works. See paragraph 1.E below.
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-Defect you cause.
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org Section 3. Information about the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
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-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
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-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
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-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
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-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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