diff options
Diffstat (limited to 'old/53428-0.txt')
| -rw-r--r-- | old/53428-0.txt | 22391 |
1 files changed, 0 insertions, 22391 deletions
diff --git a/old/53428-0.txt b/old/53428-0.txt deleted file mode 100644 index 497c9f6..0000000 --- a/old/53428-0.txt +++ /dev/null @@ -1,22391 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Die Naturwissenschaften in ihrer -Entwicklung und in ihrem Zusamme, by Friedrich Dannemann - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange - I. Band: Von den Anfängen bis zum Wiederaufleben der Wissenschaften - -Author: Friedrich Dannemann - -Release Date: November 1, 2016 [EBook #53428] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NATURWISSENSCHAFTEN IN *** - - - - -Produced by Peter Becker, Heike Leichsenring and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - - - - - -Anmerkungen zur Transkription: - -Umschließungen mit * zeigen "gesperrt" gedruckten Text an, -Umschließungen mit _ kursiven Text, und Umschließungen mit = fett -gedruckten Text. - -Offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt. Im Übrigen wurden -Inkonsistenzen in der Interpunktion und Schreibweise einzelner Wörter -belassen. Eine Liste mit sonstigen Korrekturen finden Sie am Ende des -Buchs. - - - *Dannemann.* Entwicklung der Naturw. Bd. I. - - [Illustration: - - ARISTOTELES - - (Marmorkopf im k. k. Hofmuseum zu Wien).] - - - - - DIE NATURWISSENSCHAFTEN - - IN IHRER ENTWICKLUNG UND - IN IHREM ZUSAMMENHANGE - - DARGESTELLT VON - - FRIEDRICH DANNEMANN - - ZWEITE AUFLAGE - - I. BAND: - - VON DEN ANFÄNGEN BIS ZUM WIEDERAUFLEBEN - DER WISSENSCHAFTEN - - MIT 64 ABBILDUNGEN IM TEXT UND - MIT EINEM BILDNIS VON ARISTOTELES - - - LEIPZIG - - VERLAG VON WILHELM ENGELMANN - - 1920 - - - Copyright 1920 by Wilhelm Engelmann, Leipzig. - - - HERRN GEH. HOFRAT PROF. DR. - - EILHARD WIEDEMANN - - AUS DANKBARKEIT FÜR SEINE - MITWIRKUNG BEI DER HERAUSGABE - DER NEUEN AUFLAGE - - GEWIDMET - - - - -Vorwort. - - -Das vorliegende Werk wurde kurz vor dem Kriege vollendet. Die -Aufnahme war so günstig, daß der erste Band schon während des Krieges -vergriffen war. Leider konnte die zweite Auflage, weil das deutsche -Verlagsgeschäft mit außerordentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, -nicht sofort erscheinen, so daß das vollständige Werk längere Zeit im -Buchhandel fehlte. - -Die zweite Auflage stellt sich nicht nur als eine vermehrte, sondern, -zumal in einem Punkte, als eine ganz wesentlich verbesserte dar. Da -es nämlich dem einzelnen nicht wohl möglich ist, auf allen Gebieten -gleich gründliche Vorarbeiten zu machen, haben sich mir dieses Mal -einige hervorragende Forscher zugesellt. Insbesondere bin ich den -Herren Geh. Hofrat Prof. Dr. *E. Wiedemann* (Erlangen), Prof. Dr. *E. -v. Lippmann* (Halle a. S.) und Prof. Dr. *J. Würschmidt* (Erlangen) -zu großem Dank verpflichtet. Ich empfing von den Genannten nicht -nur zahlreiche Anregungen; sie haben auch die Korrektur des Satzes -bis in alle Einzelheiten überwacht. Die Mehrzahl der von ihnen -ausgehenden Verbesserungsvorschläge konnte noch Verwendung finden. -Manches ließ sich erst am Schlusse in einem besonderen Abschnitt (s. -S. 478) bringen. Einzelne weitergehende Vorschläge mußten vorläufig -zurückgestellt werden. - -Wenn ich die drei ersten Bände den Herren *Wiedemann*, *v. Lippmann* -und *Würschmidt* widme, so ist dies nur ein schwacher Ausdruck meines -Dankes. Auch verkenne ich nicht, daß diese Mitwirkung in erster Linie -erfolgt ist, um das Werk für den Gebrauch geeigneter zu machen. Manche -Anregung ging mir ferner in den zahlreichen Besprechungen, sowie von -befreundeter Seite zu. Eine Aufzählung würde zu weit führen. Doch -drängt es mich, besonders für die nachfolgenden Bände den verstorbenen -Geh. Rat. Dr. *G. Berthold*, einen verdienten Forscher auf dem Gebiete -der neueren Geschichte der Wissenschaften, zu nennen. Seine bedeutende -Bibliothek, die durch Ankauf in den Besitz des Münchener Deutschen -Museums für Meisterwerke auf dem Gebiete der Naturwissenschaften und -der Technik übergegangen ist, stand mir jeder Zeit zur Verfügung. -Auch der häufige persönliche Verkehr mit *Berthold*, den die -Bayrische Akademie der Wissenschaften mit der Abfassung einer von ihr -herauszugebenden großen Geschichte der Physik betraut hatte[1], war für -die Neuherausgabe des ganzen Werkes von Belang. - -Über die Ziele wiederhole ich hier die Worte, die ich der ersten -Auflage vorausgeschickt habe: Die Anteilnahme an der Geschichte der -Wissenschaften ist seit mehreren Jahrzehnten sehr lebhaft. Je mehr -man erkennt, daß sich einer Enträtselung der Natur mit jedem Schritte -weitere Schwierigkeiten entgegenstellen, um so lieber richtet man den -Blick auch wieder rückwärts, um den durchmessenen Weg zu überschauen -und aus dem reichen Gesamtergebnis der bisherigen Forschung neue -Hoffnung auf ein immer tieferes Eindringen in den Zusammenhang der -Naturerscheinungen zu schöpfen. In dem Maße, wie sich ferner die -Tätigkeit des einzelnen auf ein kleines Arbeitsfeld beschränkt, um -so dringender wird das Bedürfnis, das Augenmerk häufiger auf die -Gesamtwissenschaft zu richten. Sie in ihrem gegenwärtigen Umfange -zu überschauen, ist nicht möglich. Wohl aber können wir sie uns in -einem historischen Rückblick vergegenwärtigen, der die Haupttatsachen -hervorhebt, sie verknüpft und zu einer vertieften Auffassung anregt. - -Eine wertvolle Frucht des geschichtlichen Studiums ist ferner darin -zu erblicken, daß es vor dogmatischer Einseitigkeit bewahrt, wenn man -sich die Wissenschaft als etwas Werdendes und infolgedessen Unfertiges -vergegenwärtigt. Auch gelangt man zu der Einsicht, daß uns dieselben -oder ähnliche Methoden und Schlußweisen, die man heute anwendet, in der -Entwicklung der Wissenschaft begegnen. Manche Gebiete lassen sich daher -kaum darstellen, ohne an die früheren Untersuchungen, Vorstellungen -und Gedankengänge anzuknüpfen. Aus diesem Grunde ist die genetische -Betrachtungsweise nicht nur in manche Lehrbücher eingedrungen. Es sind -auch zahlreiche Geschichten der Einzelwissenschaften entstanden, und -das Quellenstudium ist durch Neudrucke der oft schwer zugänglichen -älteren Arbeiten belebt worden. Erinnert sei hier nur an *Ostwalds* -großes Unternehmen. Seine »Klassiker der exakten Wissenschaften« -enthalten in 195 Bänden die grundlegenden Abhandlungen aus den Gebieten -der Mathematik, Astronomie, Physik, Kristallographie und Physiologie. - -*Das vorliegende Werk soll gewissermaßen den Rahmen für »Ostwalds -Klassiker der exakten Wissenschaften« abgeben und dartun, wie sich -die einzelnen Gebiete gegenseitig auf ihrem Werdegange beeinflußt -haben.* Die Wissenschaftsgeschichte ist vor allem ein wichtiger Teil -der Kulturgeschichte. Sie kann daher nur verstanden werden, wenn wir -sie in ihrem Zusammenhange mit dieser und der allgemeinen Geschichte -betrachten. Eine von solchen Gesichtspunkten ausgehende Darstellung des -Entwicklungsganges der Naturwissenschaften ist von anderer Seite wohl -kaum versucht worden. Wenn ein einzelner sie unternimmt, so muß er in -mancher Beziehung um Nachsicht bitten. Eine Teilung der Arbeit unter -viele erschien nicht angängig, wenn etwas Ganzes entstehen sollte. - -Nicht nur dem Historiker, sondern auch dem Fachmanne, der ein -Einzelgebiet bearbeitet, dem Lehrenden, dem Techniker, dem Arzte und -jedem, der sich für die Naturwissenschaften lebhafter interessiert, -dürfte damit gedient sein, ein Werk zu besitzen, das einen Gedanken zu -verwirklichen sucht, dem der Altmeister der historischen Forschung, -*Leopold v. Ranke*, im fünften Bande seiner deutschen Geschichte -Ausdruck verleiht. *Ranke* schreibt dort, es müsse ein herrliches Werk -sein, einmal die Teilnahme, welche die Deutschen an der Fortbildung -der Wissenschaften genommen, im Rahmen der europäischen Entwicklung -mit gerechter Würdigung darzustellen. »Zu einer allgemeinen Geschichte -der Nation«, fügt *Ranke* hinzu, »wäre ein solches eigentlich -unentbehrlich.« - -Über dieses von *Ranke* gesteckte Ziel geht das vorliegende Werk -allerdings noch hinaus, da es die Geschichte der exakten Wissenschaften -in ihrem ganzen Umfange schildert. Im übrigen dürfte die von -*Ranke* gestellte Aufgabe erfüllt sein, da sich die »Geschichte -der Wissenschaften in Deutschland« nicht anders als im Rahmen der -Gesamtentwicklung darstellen läßt. Wenn wir die letztere im Auge -behalten, so sind die Naturwissenschaften nicht nur als ein Ergebnis -der gesamten Kultur zu betrachten, sondern auch in ihren Beziehungen -zu den übrigen Wissenschaften, insbesondere zur Philosophie, zur -Mathematik, zur Medizin und Technik; und es ist zu zeigen, wie sich -diese Zweige des Denkens und der Forschung gegenseitig gefördert und -bedingt haben. - -Von einem Werke, das diese Aufgabe zu erfüllen sucht, darf man keine -Vollständigkeit in Bezug auf die biographischen und bibliographischen -Daten erwarten. Doch sind zumal die letzteren in solchem Umfange -aufgenommen worden, daß es zwar nicht als Nachschlagebuch, wohl -aber zur Einführung in das Studium der älteren und neueren -naturwissenschaftlichen Literatur dienen kann. Um diesem Zwecke zu -entsprechen, bringt der letzte Band ausführliche, sich über alle Teile -erstreckende Literatur-, Sach- und Namenregister. Die übrigen Bände -enthalten ein kürzeres Sach- und Namenverzeichnis. - -Die Geschichte der Naturwissenschaften ist einer der jüngsten Zweige -der historischen Forschung. Daher ist besonders für die entlegeneren -Zeiten vieles noch unaufgeklärt. Manches ist erst neuerdings mit -dem Fortschreiten der archäologischen und der philologischen -Untersuchungen bekannt geworden. Es sei nur an die wertvollen -Ergebnisse erinnert, die uns die Erschließung der altorientalischen -Kultur und die Erforschung der arabischen Literaturschätze gebracht -haben. Allerdings sind gerade hier die Urteile noch nicht genügend -geklärt, ja häufig genug in wichtigen Punkten einander widersprechend. -Für denjenigen, der in zusammenhängender Darstellung die Entwicklung -der naturwissenschaftlichen Kenntnisse im Altertum und Mittelalter -schildern will, ergeben sich daraus nicht geringe Schwierigkeiten. -Manche Angabe wird bei dem einen auf Zustimmung, bei dem anderen auf -Widerspruch stoßen. Das Gleiche gilt von den Ansichten, die wir uns -über die Zusammenhänge und die Ursachen bilden können. - -Diese Umstände haben mich aber nicht abgehalten, ein Gesamtbild zu -entwerfen und damit eine schon lange angestrebte Aufgabe, deren -Bewältigung immer dringender wird, in Angriff zu nehmen. Denn nur in -dem Gesamtbilde erhalten die zahllosen Einzelergebnisse der Forschung -erst ihren vollen Wert, während sie in ihrer Vereinzelung oft genug -geringwertig oder gar bedeutungslos erscheinen. - -Zur Belebung der Wissenschaftsgeschichte ist bisher recht wenig -geschehen. Umfassende Vorlesungen darüber fehlen selbst an den -größeren Hochschulen wohl noch überall. Ja, es gibt sogar eine ganze -Reihe von Universitäten, an denen auch nicht einmal das bescheidenste -historische Kolleg über einen besonderen Zweig der so gewaltig -emporgeblühten Naturwissenschaften gehalten wird, während Vorlesungen -über die Geschichte der Philosophie, der Kunst, der Literaturen usw. -nirgends fehlen. Was uns nottut, ist ein besonderer Lehrstuhl für die -Geschichte der Naturwissenschaften an jeder Hochschule. Solange solche -fehlen, dürfte ein Werk wie das vorliegende dem wissenschaftlichen -Nachwuchs einen gewissen Ersatz bieten. Ich habe es daher mit -Freuden begrüßt, daß einzelne Hochschullehrer ihre Hörer auf die -Wichtigkeit des eindringenderen geschichtlichen Studiums hinweisen. -So schreibt Herr Dr. *A. Stock*, Prof. an der Universität Berlin und -am Kaiser-Wilhelmsinstitut in Dahlem, seit Jahren empfehle er seinen -Hörern in der einführenden Vorlesung über experimentelle Chemie »Die -Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange.« -Es ist also zu hoffen, daß das unter der Mitwirkung mehrerer -Hochschullehrer erneut erscheinende Werk auch in dieser Hinsicht seine -Aufgabe erfüllen wird. - - Friedrich Dannemann. - - - - -Inhalt. - - -1. In Asien und in Ägypten entstehen die Anfänge der Wissenschaften. - -(S. 1-62.) - -1. Einleitendes. -- 2. Die Kultur der alten Ägypter. -- 3. Die -Literatur der Ägypter. -- 6. Mathematik und Technik der Ägypter. -- -14. Die Anfänge der Metallurgie. -- 15. Die babylonisch-assyrische -Kultur. -- 17. Keilschriftfunde. -- 18. Die Mathematik der Babylonier. --- 20. Der Ursprung der Astronomie. -- 22. Einteilung des Jahres. -- -24. Anfänge der Astrologie. -- 26. Astronomische Urkunden. -- 28. -Finsternisse, Kometen, Schaltjahr. -- 31. Genauigkeit der Messungen. --- 33. Die Chaldäer. -- 35. Mondbewegung. -- 36. Der Gnomon. -- 38. -Maße und Gewichte. -- 41. Die Gewinnung des Eisens. -- 42. Kupfer, -Zink und Zinn. -- 44. Glasbereitung. -- 45. Die Anfänge der Heilkunde. --- 48. Erstes naturgeschichtliches Wissen. -- 51. Die alte Kultur -Süd- und Ostasiens. -- 53. Die Mathematik der Inder. -- 56. Indische -Rechenkunst. -- 59. Heilkunde und Chemie bei den Indern. -- 61. Die -Astronomie der Chinesen. - - -2. Die Entwicklung der Wissenschaften bei den Griechen bis zum -Zeitalter des Aristoteles. - -(S. 63-103.) - -65. Anfänge der griechischen Astronomie. -- 67. Anfänge der -Erdbeschreibung. -- 69. Ionische Naturphilosophie. -- 71. Mechanische -Naturerklärung. -- 73. Zweckbegriff. -- 79. Pythagoras und seine -Schule. -- 84. Quadratur des Kreises und Würfelverdopplung. -- 86. -Kegelschnitte. -- 89. Kalenderrechnung. -- 91. Die sieben Planeten. --- 93. Die heliozentrische Weltanschauung. -- 96. Gestalt und Größe -der Erde. -- 97. Pflanzenkenntnis der Griechen. -- 99. Die Anfänge -der Zoologie. -- 100. Keime der Descendenzlehre. -- 101. Ursprung der -griechischen Heilkunde. - - -3. Das aristotelische Zeitalter. - -(S. 104-151.) - -104. Aristoteles und seine Zeit. -- 107. Die Werke des Aristoteles. -- -109. Die Philosophie des Aristoteles. -- 112. Fall und Hebelgesetz. --- 114. Parallelogrammgesetz. -- 115. Die Anfänge der Akustik und -der Optik. -- 117. Das Himmelsgebäude nach Aristoteles. -- 121. Die -Natur der Weltkörper. -- 123. Anfänge der physischen Erdkunde. -- 125. -Einsicht in die geologischen Vorgänge. -- 127. Die vier aristotelischen -Elemente. -- 129. Die Begründung der Zoologie. -- 133. Die Einteilung -des Tierreichs. -- 137. Bau und Lebensweise. -- 138. Ernährung und -Sexualität der Pflanzen. -- 141. Botanik und Heilkunde. -- 143. -Geographie der Pflanzen. -- 146. Bau und Entwicklung der Pflanzen. --- 148. Mineralogie und Bergbau. -- 149. Einfluß und Dauer des -aristotelischen Lehrgebäudes. - - -4. Das alexandrinische Zeitalter. - -(S. 152-207.) - -154. Die Begründung eines Systems der Mathematik. -- 157. Das Leben und -die Bedeutung des Archimedes. -- 159. Die Erfindungen des Archimedes. --- 163. Die Anfänge der höheren Mathematik. -- 165. Rotationskörper. --- 167. Kegelschnitte. -- 170. Das archimedische Prinzip. -- 172. -Fortschritte der Optik und Akustik. -- 174. Die Grundlagen der -wissenschaftlichen Erdkunde. -- 177. -- Die Ausmessung der Erde. -- -180. Die Bestimmung von Sternörtern. -- 182. Entfernung und Größe -von Mond und Sonne. -- 184. Astronomie und Geometrie. -- 186. Die -Entdeckung der Präzession. -- 188. Die Anfänge der wissenschaftlichen -Kartographie. -- 190. Physik der Gase und der Flüssigkeiten. -- 193. -Herons Apparate und Automaten. -- 196. Wasserorgel. -- 197. Thermoskop. --- 198. Flaschenzug. -- 199. Wegmesser. -- 200. Grundlagen der -Vermessungskunde. -- 201. Herons Werke. -- 205. Naturbeschreibung und -Medizin im alexandrinischen Zeitalter. - - -5. Die Naturwissenschaften bei den Römern. - -(S. 208-245.) - -208. Allgemeingeschichtliches. -- 209. Einfluß des Hellenismus. -- 211. -Meßkunst und Astronomie bei den Römern. -- 213. Regelung des Kalenders. --- 215. Pflege der Ingenieurmechanik. -- 219. Die Literatur während der -Kaiserzeit. -- 220. Plinius. -- 222. Quellen des Plinius. -- 226. Die -»Naturgeschichte« des Plinius. -- 233. Fortschritte der Anatomie und -der Heilkunde. -- 239. Die Botanik als Hilfswissenschaft der Heilkunde. --- 240. Die römische Naturauffassung bei Lukrez und Seneka. -- 244. -Chemische Kenntnisse und ihre Anwendungen. - - -6. Der Ausgang der antiken Wissenschaft. - -(S. 246-284.) - -246. Das ptolemäische Weltsystem. -- 249. Die Epizyklentheorie. -- 252. -Hilfswissenschaften der Astronomie. -- 255. Astronomische Meßwerkzeuge. --- 257. Fortschritte der Geographie. -- 258. Astronomie und Geographie. --- 260. Physische Geographie. -- 262. Forschungsreisen. -- 265. -Förderung der Optik. -- 267. Theorie des Sehens. -- 268. Elektrizität -und Magnetismus. -- 270. Die Anfänge der Chemie. -- 272. Metallurgie -und Alchemie. -- 277. Alchemie und Astrologie. -- 278. Alchemistische -Urkunden. -- 281. Altertum und Mittelalter. - - -7. Der Verfall der Wissenschaften zu Beginn des Mittelalters. - -(S. 285-295.) - -285. Allgemeingeschichtliches. -- 286. Wissenschaft und Kirche. -- 289. -Christentum und Germanentum. -- 291. Wissenschaft und Klosterwesen. -- -293. Die Erhaltung der alten Schriftwerke. -- 294. Enzyklopädien der -Wissenschaften. - - -8. Das arabische Zeitalter. - -(S. 296-331.) - -296. Die Wissenschaften und der Islam. -- 299. Vermittlerrolle der -Araber. -- 301. Die Bedeutung der arabischen Literatur. -- 303. -Mathematische Geographie und Astronomie. -- 305. Astronomie und -Trigonometrie. -- 306. Astronomische Instrumente. -- 308. Der Kompaß. --- 310. Die Rechenkunst der Araber. -- 312. Die Ausbreitung der -arabischen Wissenschaft. -- 314. Die Optik bei den Arabern. -- 319. -Die Chemie im arabischen Zeitalter. -- 322. Alchemistische Schriften. --- 324. Säuren und Metalle. -- 325. Alchemistische Theorien. -- 326. -Stein der Weisen. -- 327. Mineralogische Kenntnisse der Araber. -- 328. -Arabische Bearbeitungen der Zoologie. -- 329. Botanische Schriften. -- -330. Heilkunde. -- 331. Verfall der arabischen Kultur. - - -9. Die Wissenschaften unter dem Einfluß der christlich-germanischen -Kultur. - -(S. 332-369.) - -332. Allgemeingeschichtliches. -- 335. Die Kultur im Reiche der -Franken. -- 336. Anfänge einer mitteleuropäischen Literatur. --- 338. Christliche Völker und Islam. -- 341. Erweiterung des -geographischen Gesichtskreises. -- 342. Handel und Städtewesen. -- -343. Die Wiederbelebung der alten Literatur. -- 346. Die Zoologie -im Mittelalter. -- 350. Die Botanik im Mittelalter. -- 352. Die -»Tiergeschichte« des Albertus Magnus. -- 353. Roger Bacon. -- 355. -Bacons Naturlehre. -- 357. Bacons optische Kenntnisse. -- 361. -Mittelalterliches Denken. -- 365. Die Naturwissenschaften im 14. -Jahrhundert. -- 366. Das Weltbild des Mittelalters. - - -10. Das Wiederaufleben der Wissenschaften. - -(S. 370-402.) - -370. Mittelalter und Renaissance. -- 372. Dante und Petrarka. -- 373. -Die Ausbreitung des Humanismus. -- 377. Humanismus und Kirche. -- -379. Humanismus und Naturwissenschaft. -- 382. Lionardo da Vinci. -- -384. Lionardos Manuskripte. -- 386. Lionardos Erfindungen. -- 388. -Wechselwirkung von Kunst und Wissenschaft. -- 392. Das Wiedererwachen -der Astronomie. -- 395. Astronomische Tafeln. -- 396. Astronomische -Instrumente. -- 398. Astronomie und Nautik. -- 400. Die Wiederbelebung -der Naturbeschreibung. - - -11. Die Begründung des heliozentrischen Weltsystems durch Koppernikus. - -(S. 403-419.) - -403. Koppernikus. -- 407. Die Vorläufer des Koppernikus. -- 408. Das -Koppernikanische Weltsystem. -- 412. Aufnahme und Ausbreitung der -heliozentrischen Lehre. -- 415. Das unendliche Universum. -- 417. -Astronomie und Kartographie. - - -12. Die ersten Ansätze zur Neubegründung der anorganischen -Naturwissenschaften. - -(S. 420-445.) - -421. Die Physik im 16. Jahrhundert. -- 428. Entdeckungen auf dem -Gebiete der Optik. -- 429. Die Lehre vom Magnetismus. -- 430. Anfänge -der Dynamik. -- 431. Alchemie und Jatrochemie. -- 435. Paracelsus. --- 437. Die Neubegründung der Mineralogie. -- 439. Agricolas -mineralogische Schriften. -- 441. Anfänge der neueren Geologie. -- 443. -Anfänge der Paläontologie. - - -13. Die ersten Ansätze zur Neubegründung der organischen -Naturwissenschaften. - -(S. 446-467.) - -446. Naturwissenschaften und Entdeckungsreisen. -- 450. Die Erneuerung -der Botanik. -- 451. Kräuterbücher. -- 455. Die Anordnung der Pflanzen. --- 458. Die Erneuerung der Zoologie. -- 462. Das Wiederaufleben der -Anatomie. -- 464. Vesals anatomisches Hauptwerk. -- 466. Anatomie und -Chirurgie. - - - - -1. In Asien und in Ägypten entstehen die Anfänge der Wissenschaften. - - -Den ersten naturwissenschaftlichen und mathematischen Lehrgebäuden, -die in der Blütezeit des griechischen Geisteslebens entstanden, gingen -ungemessene Zeiträume voraus, in denen die einfachsten Überlegungen -und Beobachtungen, die Grundlagen aller Wissenschaft, teils zufällig, -teils auch schon mit bestimmter Absicht angestellt, selten aber nach -ihrem Werte gesichtet und aufgezeichnet wurden. Aus dieser Periode -stammende Urkunden sind deshalb höchst spärlich, so daß sich die -Wurzeln der Naturwissenschaften wie so mancher anderen Betätigungen des -menschlichen Geistes, im Dunkel vorgeschichtlicher Zeiten verlieren. -Soviel ist jedoch gewiß, daß wir diese Wurzeln nicht in Griechenland -zu suchen haben, wo uns die ersten wissenschaftlichen Systeme -entgegentreten. - -In den Niederungen des Nils und des Euphrats, den ältesten Stätten -der Kultur, haben sich auch die ersten Kenntnisse entwickelt, die -sich über die Ergebnisse der oberflächlichen Betrachtung und der -naiven Anschauung erhoben. Durch die Berührung mit den in Ägypten und -in Vorderasien entstandenen Elementen entzündete sich alsdann der -prometheische Funke, der in den Griechen schlummerte. Ihnen gelang es, -diese Elemente nicht nur in sich aufzunehmen, sondern sie durch eigenes -Forschen zu vervielfältigen und den Baum der Erkenntnis zu pflanzen, -der nach einer langen Zeit der Dürre zu dem gewaltigen Stamme erwuchs, -von dem die Segnungen der heutigen Kultur in erster Linie ausgegangen -sind. - -Die Entwicklung der Naturwissenschaften ist seit der frühesten Zeit -mit derjenigen des mathematischen Denkens Hand in Hand gegangen. Auch -in dieser Hinsicht sind die ersten Regungen auf die Ägypter und die -Babylonier zurückzuführen. War man früher bezüglich dieser beiden -Völker fast nur auf die uns durch die Literatur übermittelten, zum -Teil recht zweifelhaften Berichte angewiesen, so hat unser Zeitalter, -indem es den Schutt von den Ruinen Ägyptens und Mesopotamiens wegräumte -und die alten Schriftzeichen entziffern lernte, die Geschichte, die -Kenntnisse, ja das gesamte Leben jener ältesten Völker aus dem Dunkel -und der Vergessenheit nach Jahrtausenden ans Licht gebracht. - -Zwar ist die Kultur im Osten und im Süden Asiens vielleicht ebenso -früh entstanden wie diejenige, die in den Tälern des Nils und des -Euphrats emporblühte. Dennoch wird eine Geschichte der gesamten exakten -Wissenschaften auf Indien und China nur wenig Rücksicht zu nehmen -brauchen, weil die dort wohnende Bevölkerung sehr abgeschlossen lebte -und infolgedessen auf die Entwicklung der naturwissenschaftlichen -Kenntnisse in Vorderasien und Europa nur geringen Einfluß gehabt hat. - - -Die Kultur der Ägypter. - -Wenden wir uns daher zunächst den Ägyptern zu, dem Volke, das -wohl die älteste Literatur und die ersten mathematischen, -naturwissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisse hervorbrachte. -Die griechische Überlieferung, nach welcher die Ägypter von -Süden her aus Äthiopien in das Niltal eingewandert sind, hat der -neueren anthropologischen und Altertumsforschung gegenüber nicht -Stand gehalten[2]. Wir müssen vielmehr annehmen, daß die alten -Ägypter protosemitischen Ursprungs, also mit den Babyloniern durch -Abstammung verwandt waren[3]. Darauf weisen nicht nur sprachliche -Eigentümlichkeiten, sondern auch der Umstand hin, daß die Kultur sich -in Ägypten[4] von der Mündung aus stromaufwärts ausbreitete. - -Der fruchtbare, zu beiden Ufern des Nils sich durch die Wüste -hinziehende Streifen Landes, der das eigentliche Ägypten bildet, erwies -sich in der Hand der geistig höher begabten Ankömmlinge als ein für die -Entwicklung einer hohen Kultur vortrefflich geeigneter Boden. Zuerst -erblühte sie in Memphis, in dessen Mauern die Wissenschaften gepflegt -wurden und die Künstler Meisterwerke hervorbrachten. Die höchste Blüte -entfaltete sie indessen, nachdem um das Jahr 1600 v. Chr. das neue -Reich mit der Hauptstadt Theben gegründet war. In der Nähe der beiden -Hauptplätze entstanden in der Wüste monumentale Begräbnisstätten, -welche den Wechsel der Zeiten in solchem Maße überstanden haben, -daß durch die neuere archäologische Forschung, wie einer ihrer -Hauptvertreter sagt[5], nach und nach das ganze alte Ägypten wieder -emporsteigt und im vollen Lichte der Geschichte erscheint, so daß die -Menschen jener entlegenen Zeiten für uns die gleiche Wirklichkeit -erhalten wie die alten Griechen und Römer. - -Bis zum 19. Jahrhundert war man im wesentlichen auf die Berichte -griechischer und römischer Schriftsteller angewiesen. Zahlreiche, -mit der ägyptischen Hieroglyphenschrift bedeckte Schriftdenkmäler -waren zwar nach Europa gelangt. Die Kenntnis dieser Schrift, sowie -der daraus durch Abkürzung entstandenen hieratischen und demotischen -Form[6], war aber mit dem Ende des 3. Jahrhunderts infolge des -siegreichen Vordringens des Christentums verloren gegangen. Um ihre -Entzifferung bemühte man[7] sich schon im 17. Jahrhundert. Sie gelang -erst, als nach dem ägyptischen Feldzuge Napoleons die archäologische -Erforschung des Nillandes in Angriff genommen wurde. Epochemachend war -die Entdeckung einiger in Stein gemeißelter Erlasse, wie desjenigen -von Rosette (1799). Es ist das eine Basalttafel (jetzt im Britischen -Museum), welche die nämliche Bekanntmachung (von 197 v. Chr.) in -drei verschiedenen Sprachen enthält. Der eine Text bedient sich der -altägyptischen Sprache und der Hieroglyphenschrift. Die Übersetzungen -dagegen sind in der Volkssprache und der ihr entsprechenden demotischen -Schrift, sowie in griechischer Sprache und Schrift erfolgt. Das größte -Verdienst um die Entzifferung hat sich *Champollion*, der Begründer -der Ägyptologie, erworben. Unter den Fortsetzern seines Werkes ist -vor allem *Lepsius*, der eine preußische Expedition zur Erforschung -der Denkmäler Ägyptens (1842-45) leitete, zu nennen. Er entdeckte -das in zwei Sprachen abgefaßte Dekret von Kanopus (238 v. Chr.), das -einen Einblick in die Zeitrechnung der alten Ägypter gewährt. Zu den -Steininschriften sind in großer Zahl Texte auf Papyrus, Leder und -Tonscherben getreten. Auch Keilschriften haben sich auf ägyptischem -Boden (in Tell el-Amarna; siehe S. 15) gefunden. - -Der Gründung der ersten ägyptischen Dynastie, die um 3300 v. Chr. -durch Mena (Menes) erfolgte, müssen schon ausgedehnte Zeiträume einer -ruhigen Entwicklung vorausgegangen sein, da uns schon während der -ersten Dynastien, deren die ägyptische Geschichte bis zum Beginn der -griechischen Herrschaft insgesamt dreißig zählt, eine hochentwickelte -Kultur entgegentritt. Dies spricht sich sowohl in den erhaltenen -Baudenkmälern, wie in den schriftlichen Überlieferungen jenes -Zeitraumes aus. So sind die während der vierten Dynastie von Chufu, -Chafra und Menkera errichteten großen Pyramiden nicht nur wahre Wunder -der Baukunst, sondern die ganze Anlage dieser, im 4. Jahrtausend -v. Chr. Geburt entstandenen Werke weist auf astronomische und -mathematische Kenntnisse hin, die man in solch altersgrauer Zeit kaum -vermuten sollte. So sind die vier Seiten der Pyramiden genau nach den -Haupthimmelsgegenden gerichtet, während der Winkel, den die Seitenwände -mit der Grundfläche bilden, wenig oder gar nicht von 52° abweicht, eine -Tatsache, die, wie wir später sehen werden, auf elementare Kenntnisse -in der Trigonometrie und Ähnlichkeitslehre hinweist. - -Auch daß man schon ein Jahrtausend vor Menes, nämlich im Jahre 4241 -v. Chr., in Unterägypten nach einem verbesserten Kalender zu rechnen -begann, spricht dafür, daß die Ägypter bereits ein Kulturvolk waren, -als sonst überall auf der Erde, Babylonien nicht ausgeschlossen, das -Dunkel vorgeschichtlicher Zustände herrschte[8]. - -Daß für die Anlage der altägyptischen Bauwerke häufig astronomische -Gesichtspunkte maßgebend waren, beweist uns auch die Lage mancher -Tempel. So ist durch den englischen Astronomen *Lockyer* ein Tempel -bekannt geworden, dessen Hauptachse gegen den Aufgangspunkt des von -den Ägyptern als Gottheit verehrten Sirius gerichtet ist[9]. Nach -*Lockyer* weist die Achse eines anderen Tempels auf den Punkt, an dem -die Sonne zur Zeit der Sommersonnenwende untergeht. Bei der gewaltigen -Länge des Tempels vermochten die Sonnenstrahlen nur an diesem einen -Zeitpunkt des Jahres durch den ganzen Tempel hindurch zu scheinen. Auf -solche Weise wurden die Tempel zu astronomischen Observatorien, die -eine genauere Bestimmung der Jahreslänge ermöglicht haben[10]. - -Aus den ägyptischen Baudenkmälern läßt sich auch ermitteln, wann die -Bewohner des Nillandes mit der babylonischen Sechsteilung des Kreises -bekannt wurden. Bis zur Zeit der 18. Dynastie begegnen uns nämlich nur -Verzierungen, die auf der Vierteilung des Kreises beruhen. Mit der -19. Dynastie tritt an Ornamenten und an Wagenrädern die Teilung nach -der Sechs auf. Nun ist bekannt geworden, daß um jenen Zeitpunkt, als -Vorderasien den Ägyptern tributpflichtig wurde, Geschenke an den Hof -der Pharaonen gelangten, welche die Sechs- und Zwölfteilung des Kreises -aufweisen[11]. Wir können also an diesem Beispiel verfolgen, auf -welchen Wegen die Kenntnisse von Volk zu Volk übermittelt wurden. - -Der außerordentlich frühen Verwendung von Schriftzeichen entspricht -es, daß die ältesten Dynastien bereits Aufzeichnungen sammelten. Im -3. Jahrtausend v. Chr. gab es schon besondere Beamte, welche die -Bibliotheken verwalteten. Ja, ein Sohn des Mena, des Begründers der -ersten Dynastie, wird als Verfasser medizinischer Schriften erwähnt[12]. - -Die ägyptische Bilder- oder Hieroglyphenschrift tritt uns auf den -älteren ägyptischen Denkmälern als etwas Fertiges entgegen. Offenbar -ist sie aber das Erzeugnis einer langen vorgeschichtlichen Entwicklung. -Nicht nur Gegenstände, sondern auch abstrakte Begriffe und Zeitwörter -vermochte diese Schrift zum Ausdruck zu bringen. Ohne Verkürzung und -Vereinfachung finden wir die Hieroglyphen[13] nur auf Steindenkmälern, -deren sorgfältig bearbeitete Flächen jeden Beschauer in Erstaunen -setzen. Für den täglichen Gebrauch wurden die Zeichen später in solchem -Grade vereinfacht, daß ihre ursprüngliche Form kaum wieder zu erkennen -ist (s. S. 3). - -Indes nicht nur von den Geschehnissen, der Tracht und den Gebräuchen, -sondern auch von dem Wissen jener Zeiten können wir uns auf Grund -der aus den Gräbern und Tempeln von Memphis und Theben herrührenden -Schriftdenkmäler heute ein ziemlich zutreffendes Bild machen. - -Daß schon zur Zeit des alten Reiches in Ägypten eine umfangreiche -Literatur bestand, kann mit Sicherheit angenommen werden. Besaß doch, -wie aus einer Grabinschrift bei Gizeh hervorgeht, ein Großwürdenträger, -der um 2200 v. Chr. lebte, den Titel »Verwalter des Bücherhauses«[14]. -Von jener ältesten Literatur sind jedoch nur spärliche Bruchteile -erhalten geblieben. Neben religiösen, moralphilosophischen und -geschichtlichen Schriften umfaßte diese Literatur auch Abhandlungen -über Astronomie, Mathematik und Heilkunde, welche die Grundlagen für -spätere vollständigere, auf uns gekommene ägyptische Schriftdenkmäler -gebildet haben. - -Ihren Höhepunkt erreichte die altägyptische Kultur um das Jahr 2000 -vor Christi Geburt. Um diese Zeit wurde Ägypten zur Großmacht, die -erobernd in Vorderasien eindrang und mit dem babylonischen Reich in -enge Fühlung trat. Es entwickelte sich sogar ein reger schriftlicher -Verkehr zwischen den Pharaonen und den Königen Babylons, sowie den -asiatischen Vasallen. Dies beweisen die in großer Zahl im Jahre 1888 in -Ägypten[15] aufgefundenen Tontafeln mit Keilinschriften, welche heute -den wertvollsten Schatz der Museen von Kairo, London und Paris bilden. - - -Mathematik und Technik der Ägypter. - -In Ägypten, sagt *Aristoteles* (Metaphys. I, 1), entstand die -mathematische Wissenschaft, denn hier war den Priestern die dazu -nötige Muße vergönnt. Nach einer Erzählung *Herodots*[16] dagegen -entsprang für die Ägypter die Notwendigkeit, die Geometrie zu -erfinden, dem Umstande, daß die Grenzen ihrer Ländereien durch die -jährlichen Überschwemmungen des Nils verwischt wurden und deshalb -durch Vermessung wiederhergestellt werden mußten. Welche Bewandtnis -es auch mit diesem Bericht des griechischen Geschichtsschreibers -haben mag, jedenfalls ist die Geometrie der frühesten Kulturvölker -aus den Bedürfnissen des Lebens hervorgegangen. Die Ansicht, daß -sie einem idealistischen Drange entsprungen sei, dürfte nur für die -späteren Entwicklungsstufen zutreffen[17]. Für das ehrwürdige Alter -der Mathematik in Ägypten spricht auch die von dort stammende älteste -Urkunde dieser Wissenschaft[18]. Es ist dies eine Art Handbuch für -den praktischen Gebrauch, das um das Jahr 1800 v. Chr. verfaßt -wurde und neben zahlreichen arithmetischen Aufgaben, bei denen -schon die Bruchrechnung Anwendung findet, auch die erste Behandlung -arithmetischer und geometrischer Reihen, Flächenberechnungen der -einfacheren Figuren, wie sie für die Absteckung der Felder in Betracht -kommen, sowie die Bestimmung des Rauminhalts von Fruchtspeichern -enthält. Sogar der Flächeninhalt des Kreises wird in diesem Papyrus -ermittelt. Dies wird in der Weise bewerkstelligt, daß man über dem um -1/9 verminderten Durchmesser ein Quadrat errichtet. Hieraus läßt sich -für π der überraschend genaue Wert 3,16 (statt 3,14) berechnen. - -Bezeichnend sind die Worte, mit denen *Ahmes* sein Handbuch einleitet. -Sie lauten: »Vorschrift, zu gelangen zur Kenntnis aller dunklen Dinge -und Geheimnisse, welche in den Gegenständen enthalten sind.« Sie -erinnern an die 1-1/2 Jahrtausend später auftretenden Pythagoreer, -die auch Zahl und Maß als wirkliche, in den Dingen geheimnisvoll -schlummernde Wesen betrachteten. Auf das außerordentlich hohe Alter der -Mathematik in Ägypten läßt sich übrigens auch daraus schließen, daß -*Ahmes* in seiner Einleitung ausdrücklich sagt, er habe sein Buch nach -alten Schriften verfaßt, die zur Zeit eines früheren Königs entstanden -seien. Diese Schriften waren, wie aus jener Zeitangabe hervorgeht, etwa -500 Jahre älter als das Buch des *Ahmes* und setzen ihrerseits wieder -eine lange Periode voraus, in welcher die niedergelegten Kenntnisse -langsam heranwuchsen, ohne schriftlich festgelegt zu werden. - -Ohne Zweifel hat man, da das Rechnen aus den Bedürfnissen des Lebens -entsprungen ist, zuerst mit benannten Zahlen gerechnet und ist erst -später zu abstrakten Zahlen übergegangen. Das Rechnen mit diesen stand, -wie der Papyrus Rhind beweist, im 20. Jahrhundert v. Chr. bereits auf -einer Höhe, wie man sie vor dem Bekanntwerden jener wichtigen Urkunde -nicht vermuten konnte[19]. - -*Ahmes* setzt das Rechnen mit ganzen Zahlen voraus und befaßt sich in -seinen Aufgaben unter Anwendung der Brüche besonders mit dem, was wir -heute Gesellschaftsrechnung nennen. Die von ihm benutzten Brüche sind -Stammbrüche, d. h. solche, die eins als Zähler haben. Einen Stammbruch -schreibt er, indem er über die Zahl des Nenners einen Punkt setzt. -Jeder andere Bruch wird als Summe von Stammbrüchen ausgedrückt, z. B. -2/5 durch 1/3 und 1/15, die ohne Additionszeichen nebeneinander gesetzt -werden. Die Darstellung eines beliebigen Bruches durch Stammbrüche -stellt *Ahmes* an die Spitze. - -Um Brüche, die keine Stammbrüche sind, in Summen von Stammbrüchen zu -verwandeln, gibt *Ahmes* eine Tafel der Brüche[20] von der Form 2/(2n + -1) (n = 1, 2, 3 ... 49). Brüche mit höherem Zähler werden in eine Summe -gleichnamiger Brüche zerlegt. An solchen Stammbruchsummen werden die -Grundrechnungsarten vollzogen. - -Manche Aufgabe, die *Ahmes* bringt, stellt sich als eine Gleichung -ersten Grades mit einer Unbekannten dar. Letztere wird als Haufen -bezeichnet. So lautet ein Beispiel: »Haufen, sein 2/3, sein 1/2, sein -1/7, sein Ganzes, es beträgt 33.« Das heißt nach heutiger Schreibweise: -(2/3)x + (1/2)x + (1/7)x + x = 33. Um x zu finden, wird dann (2/3 + 1/2 -+ 1/7 + 1) so lange vervielfältigt, bis 33 herauskommt. Als weiteres -Beispiel sei eine von den Aufgaben aus der Gesellschaftsrechnung -mitgeteilt. Sie lautet: »Zu verteilen 700 Brote unter vier Personen, -2/3 für den Einen, 1/2 für den Zweiten, 1/3 für den Dritten, 1/4 -für den Vierten.« Als Gleichung geschrieben würde die Aufgabe in -der Ausdrucksweise der heutigen Arithmetik lauten: (2/3)x + (1/2)x -+ (1/3)x + (1/4)x = 700. Der Wert für x wird dann nach folgender -Vorschrift gefunden: Addiere 2/3, 1/2, 1/3 und 1/4; das gibt 1 + 1/2 + -1/4. Teile dann 1 durch 1 + 1/2 + 1/4; das gibt 1/2 + 1/14. Nimm dann -1/2 und 1/14 von 700; das ergibt 400 für x. - -Außer der Hieroglyphe für die Unbekannte (unser x) besaßen die alten -Ägypter noch einige andere Operationszeichen. Z. B. galt ein Zeichen, -das schreitende Beine darstellt, je nach der Richtung als Zeichen -für die Addition oder als solches für die Subtraktion. Auch für die -Gleichsetzung war ein Zeichen vorhanden. Bekannt war auch schon der -Begriff der Wurzel. Bis vor kurzem nahm man an, daß die alten Ägypter -diesen Begriff nicht kannten. Neuerdings sind aber Papyrusfragmente -(aus der 12. Dynastie) bekannt geworden, in denen sich vermerkt findet, -daß √(16) = 4, √(6-1/4) = 2-1/2 und √(1-9/16) = 1-1/4 ist[21]. - -Das Verfahren des Wurzelziehens dagegen ist wahrscheinlich erst in der -pythagoreischen Schule entwickelt worden, als man größere Quadratzahlen -bildete, deren Grundzahl nicht ohne weiteres ersichtlich war, vor allem -aber, als es galt, nach dem pythagoreischen Lehrsatz die Hypotenuse aus -den Katheten zu berechnen. - -Ferner begegnen uns Gleichungen wie die folgenden: - - 2^2 + (1-1/2)^2 = (2-1/2)^2 - - 6^2 + 8^2 = 10^2. - -Endlich sind Rollen aus der Zeit um 2000 v. Chr. bekannt geworden, -in denen sich Anweisungen über die Festlegung der Wandrichtungen bei -Tempelbauten finden. Das Verfahren bestand im »Seilspannen«, das heißt, -man teilte ein Seil im Verhältnis 3 : 4 : 5 und bildete aus diesen -Stücken ein Dreieck, um so den gesuchten rechten Winkel zu erhalten. -Darauf stützt sich die Ansicht, daß der pythagoreische Lehrsatz wohl -auf ägyptische Anregungen zurückzuführen sei[22]. - -Ganz geschickt waren die Ägypter, wie aus dem Handbuch des *Ahmes* -hervorgeht, auch schon in der Lösung von Aufgaben, die auf die -Anwendung von arithmetischen und geometrischen Reihen hinauslaufen. -Auch hier mögen einige Beispiele uns mit den ersten Schritten auf -diesem Gebiete bekannt machen. *Ahmes* stellt die Aufgabe, 100 Brote -an 5 Personen in arithmetischer Progression so zu verteilen, daß -die zwei ersten Personen, welche die geringeren Anteile erhalten, -zusammen 1/7 von dem bekommen, was auf die 3 übrigen Personen entfällt. -*Ahmes* setzt zunächst das kleinste Glied gleich 1 und sagt dann ohne -Begründung: »Mache, wie geschieht, den Unterschied gleich 5-1/2«. So -erhält er die arithmetische Reihe: 1, 6-1/2, 12, 17-1/2, 23. Sie genügt -zwar der Bedingung, daß die Summe der beiden ersten Glieder gleich 1/7 -von der Summe der drei letzten ist. Indessen enthält diese Reihe statt -der gegebenen 100 nur 60 Einheiten. Da aber 100 das 1-2/3fache von 60 -ist, verbessert *Ahmes* den unrichtigen, aber auch nur vorläufigen -Ansatz, indem er jedes Glied der Reihe mit 1-2/3 multipliziert. Er -findet so ganz richtig die allen Bedingungen entsprechende Reihe 1-2/3, -10-5/6, 20, 29-1/6, 38-1/3. - -Bei einer anderen Aufgabe schimmert schon die Kenntnis der -Summierungsformel[23] für die geometrische Reihe durch. Als Summe der -fünf ersten Potenzen von sieben: 7 + 49 + 343 + 2401 + 16807 wird -19607 gefunden. Dies geschieht nicht nur durch Addition, sondern indem -*Ahmes* das Produkt von 2801 und 7 bildet. Letzteres Verfahren steht -nun in auffallender Übereinstimmung mit der Summenformel s = ((a^n - -1)/(a - 1)) · a. Denn für den vorliegenden Fall ist ((a^n - 1)/(a - 1)) -· a = ((7^5 - 1)/6) · 7 = 2801 · 7. - -Weit verbreitet war bei den Ägyptern wie bei den Griechen und den -übrigen Völkern des Altertums das Rechenbrett (Abacus). Die Zahlen -wurden eingeschrieben oder durch Steinchen, Stifte oder sonstige Marken -bezeichnet[24]. - -Vergegenwärtigt man sich die Wunder der Ingenieur- und der Baukunst, -welche die alten Ägypter schufen, sowie ihre von *Herodot* erwähnten -Kenntnisse in der Vermessungskunde, so muß man annehmen, daß die -Geometrie bei diesem Volke nicht minder wie das Rechnen gepflegt wurde. - -Höchst wahrscheinlich gab es auch für die Geometrie schon Lehrbücher -von der Art, wie uns der Zufall ein solches in dem Handbuch des -*Ahmes* für die Arithmetik in die Hände gespielt hat. Leider ist ein -ausschließlich der Geometrie gewidmeter Papyrus bisher noch nicht -entdeckt worden. Indessen hat sich das Handbuch des *Ahmes* auch für -die Kenntnis des geometrischen Wissens der Ägypter als eine Fundgrube -erwiesen[25]. In welcher Weise die Fläche des Kreises ermittelt -wurde, haben wir schon erwähnt. Hier sei noch ein Beispiel für die -Dreiecksberechnung mitgeteilt. Es handelt sich um ein gleichschenkliges -Dreieck, dessen Schenkel 10 und dessen Grundlinie 4 Maßeinheiten lang -sind. »Die Hälfte von 4 wird mit 10 vervielfältigt; sein Flächeninhalt -ist es.« So lautet die Lösung bei *Ahmes*[26]. Eine Begründung dieses -Verfahrens, das ja zwar kein richtiges, indessen, wenn die Basis -verhältnismäßig klein ist, ein von der Wahrheit nur wenig abweichendes -Ergebnis liefert, findet sich bei *Ahmes* nicht. Seiner Lösung liegt -die Formel (b/2) · a zugrunde (siehe Abb. 1), während die richtige -Formel b/2 · √(a^2 - (b^2/4)) lautet. Letztere läuft also auf die -Ausziehung einer Quadratwurzel hinaus, ein Verfahren, das bei *Ahmes* -nirgends vorkommt, und das er vermutlich auch nicht kannte, so daß wir -eine genaue Berechnung des Flächeninhalts von ihm auch nicht erwarten -dürfen. - -[Illustration: Abb. 1.] - -Handelte es sich um das Ausmessen von weniger einfachen Figuren, so -bedienten sich die Ägypter der Zerlegung durch Hilfslinien. So hat man -alte Zeichnungen gefunden, in denen das Paralleltrapez auf mehrfache -Weise zerlegt ist (s. Abb. 2). - -[Illustration: Abb. 2. Geometrische Elemente in altägyptischen -Verzierungen[27].] - -In den Geräten und Zieraten, die auf der Kreisteilung beruhen, kommt -die Teilung in 4 und 8, sowie in 6 und 12 Sektoren vor, während man -einer Teilung in 5 und 10 Sektoren nicht begegnet[28]. - -Nicht nur mit Flächen- und Inhaltsbestimmungen, sondern auch mit -Streckenverhältnissen und den Eigenschaften der Winkel waren die -Ägypter zur Zeit des mittleren Reiches schon bis zu einem gewissen -Grade vertraut. Auch die Konstruktion des rechtwinkligen Dreiecks aus -den Strecken 3, 4 und 5 scheint ihnen schon sehr früh bekannt gewesen -zu sein, wenn sie auch nicht durch mathematische Ableitung, sondern -als Erzeugnis der Erfahrung in ihren Besitz gelangt sein werden[29]. - -Um die große Genauigkeit zu erklären, die uns bei den Pyramiden -nicht nur in den Abmessungen des ganzen Bauwerkes, sondern auch -in der Bearbeitung der einzelnen Steine begegnet, muß man bei den -alten Ägyptern schon einige Bekanntschaft mit den Grundlehren der -Ähnlichkeitslehre und der Trigonometrie voraussetzen. Dafür sprechen -auch die Abschnitte, die *Ahmes* in seinem Handbuch dem Pyramidenbau -widmet. In diesen Abschnitten begegnet uns nämlich ein Ausdruck[30], -der wahrscheinlich das Verhältnis der halben Diagonale zur Seitenkante -der Pyramide bedeutet, also dem Cosinus des Winkels, den diese beiden -Linien bilden, entsprechen würde. Dieses oder ein entsprechendes -Verhältnis muß den Bauleitern und Steinmetzen stets gegenwärtig gewesen -sein, da sich die genaue Übereinstimmung der Winkel, welche die Kanten -mit dem Erdboden bilden, sonst nicht erklären läßt. - -In Anbetracht dieser frühen Entwicklung der Geometrie muß es auffallen, -daß die Ägypter die Kunst des perspektivischen Zeichnens noch nicht -entwickelt haben, wie aus ihren Reliefs und Wandgemälden, die in so -großer Fülle und in solch vortrefflichem Zustande auf unsere Zeit -gelangt sind, hervorgeht. - -Das Handbuch des *Ahmes* beweist, daß die Mathematik fast zwei -Jahrtausende vor Beginn unserer Zeitrechnung in Ägypten schon eine hohe -Entwicklungsstufe erreicht hatte. Dabei ist noch zu berücksichtigen, -daß sich in dieser Urkunde manche Fehler finden, welche die Vermutung -nahe legen, daß es sich hier nur um eine Schülerarbeit handelt. An die -Mathematik der Ägypter haben zunächst die Griechen angeknüpft. Die -ägyptische Stammbruchlehre läßt sich sogar über die Zeit der Araber -hinaus, bis in das deutsche Mittelalter verfolgen. Ferner ist die -Beweisform des Euklid, der wir noch heute folgen, ägyptischen Mustern -nachgebildet[31]. - -Wie auf dem Gebiete der Wissenschaften, so haben die Ägypter auch auf -dem Gebiete der Technik Grundlegendes geschaffen. Vergegenwärtigt man -sich ihre Leistungen auf diesem Gebiete, so erscheint es durchaus -berechtigt, von einer Ingenieurtechnik und einer Ingenieurmechanik -schon bei den alten Ägyptern zu reden[32]. Durch ähnliche Bedingungen -hervorgerufen, entstanden diese Zweige menschlichen Schaffens bei den -Bewohnern des Zweistromlandes, um dann ihre weitere Entwicklung zu -erstaunlichen Leistungen bei den Griechen und den Römern zu erfahren. - -Die Ingenieurtechnik entstand im steten Kampfe des Menschen mit den -Kräften der Natur und durch sein Bestreben, sich nicht nur gegen -diese Kräfte zu behaupten, sondern sie sich dienstbar zu machen. -Die frühesten Aufgaben der Ingenieurtechnik betrafen das Wasser in -allen seinen Formen und Wirkungen. Durch alle Mittel der künstlichen -Bewässerung gelang es den Ägyptern und den Babyloniern, ihre Wohnsitze -zu Kornkammern für die Alte Welt zu machen. Mit der Pflege und mit der -Vernachlässigung der hierfür geschaffenen Einrichtungen stieg und sank -die Bedeutung jener Länder und ihrer Bewohner. Da dem Unterlauf des -Nils, sowie Mesopotamien der Regen fast ganz fehlt, so ließ sich der -Ackerbau in diesen Landstrichen nur dadurch heben, daß ein verwickeltes -System von Stauwerken und Kanälen unter Anpassung an die wechselnde -Wassermenge der Flüsse geschaffen wurde. - -Aufgaben ganz anderer Art erwuchsen der Ingenieurmechanik schon im -Altertum aus dem Bemühen, das Wasser als Verkehrsmittel zu benutzen, -Wasserwege zu schaffen. Das Großartigste, was uns auf diesem Gebiete im -alten Ägypten begegnet, ist die Herstellung einer Verbindung zwischen -dem Mittelländischen und dem Roten Meer. Man ist geneigt, die Idee -und die Ausführung dieses Projektes als etwas ganz Neuzeitliches zu -betrachten, und dennoch sind der Plan und seine Verwirklichung uralt. -Schon zur Zeit Ramses des Zweiten, um 1300 vor Christi Geburt, bestand -ein Kanal, welcher den mittelsten der kleinen, auf der Landenge von -Suez befindlichen Seen mit einem etwa 70 km westlich fließenden Arm -des Nils verband. Was lag näher als der Gedanke, eine Fortsetzung nach -dem Roten Meere zu schaffen und so zwei Weltmeere, wenn auch durch -die Vermittelung eines Flusses, in Verbindung zu setzen? Unter den -Ptolemäern und den Arabern wurde diese Wasserstraße ihrer Bedeutung -entsprechend gut im Stande gehalten. Erst vom 8. Jahrhundert n. Chr. an -verfiel der Kanal, welcher dem später infolge der Entdeckungsreisen -aufkommenden Weltverkehr auch nicht genügt haben würde. - -Geradezu rätselhaft sind die technischen Leistungen, die uns im alten -Ägypten dort begegnen, wo es sich um die Fortbewegung gewaltiger Lasten -handelt. Auf weite Strecken wurden Steinmassen fortgeschafft, deren -Gewicht sich auf 3-400 Tonnen beziffert. Das Aufrichten der aus einem -einzigen Granitblock gemeißelten, bis zu 30 m hohen, ein Gewicht von -3-400000 kg besitzenden Obelisken würde selbst der heutigen Technik -große Schwierigkeiten bereiten[33]. Über die Ausführung bestehen nur -Vermutungen. Daß es dabei an maschinellen Hilfsmitteln nicht fehlte, -unterliegt indessen keinem Zweifel. Ungeheure Sklavenheere ersetzten -zwar im Altertum bis zu einem gewissen Grade die Maschinen. Dies -allein genügt indes nicht zur Erklärung solcher Leistungen. Es mußten -intelligente Führer, die mit der Konstruktion und der Handhabung -mechanischer, wenn auch nur empirisch beherrschter Mittel vertraut -waren, hinzukommen. - -Auch mit der Metallbereitung waren die Ägypter früh bekannt. Um die -Zeit des Menes (3300 v. Chr.) war das Kupfer schon ziemlich verbreitet. -Es wurde besonders auf der Halbinsel Sinai gewonnen. Silber und Eisen -waren fast ebenso früh bekannt. - -Bis zum Jahre 3000 etwa haben die Ägypter reines Kupfer verwandt. Von -diesem Zeitpunkt an haben sie das Kupfer mit Zinn legieren gelernt. - -Das erste Metall, das die Völker der Alten Welt kennen und bearbeiten -lernten, war ohne Zweifel das Gold. Für die Ägypter kam als Fundort -besonders das Bergland zwischen dem Nile und dem Roten Meer in -Betracht. Auch Arabien war reich an Gold. An den Küsten des Roten -Meeres wird wohl auch Salomos Goldland Ophir zu suchen sein. - -Eigentümlich ist dem ägyptischen Wesen, daß es vorwiegend auf -das Praktische gerichtet war. Die alten Ägypter besaßen eine -hochentwickelte Heilkunde; sie waren geschickt im Feldmessen und im -Rechnen. Sie haben sich schon gut am Himmel zu orientieren verstanden. -Die Sterne zu deuten, wie es die Babylonier taten, lag ihnen jedoch -fern. - - -Die babylonisch-assyrische Kultur. - -Viel später als die Kultur der alten Ägypter ist diejenige der -Babylonier auf Grund der archäologischen Durchforschung ihres Landes -bekannt geworden. Auch hier lieferten die zwischen den Ruinen -untergegangener Städte aufgehäuften oder verschütteten Trümmer eine -bei weitem zuverlässigere und wertvollere Ausbeute als die auf uns -gekommene, die Babylonier betreffende Literatur. - -Das älteste Volk Mesopotamiens, von dem wir Kenntnis besitzen, sind -die Sumerer. Man nimmt an, daß sie zur mongolischen Rasse im weiteren -Sinne gehörten. Es würde danach ein gewisser Zusammenhang zwischen der -ältesten ostasiatischen und der ersten Kultur Vorderasiens bestanden -haben. Der Beginn der letzteren wird bis in das 5. Jahrtausend v. Chr. -zurückverlegt. - -Um das Jahr 3000 drang ein Volk semitischer Abstammung in Mesopotamien -ein. Bis in jene Zeit hinauf besitzen wir geschriebene Urkunden, die -allerdings über die Eroberung selbst nichts besagen[34]. Wie in Ägypten -entstanden zuerst einzelne kleine Reiche, die später vereinigt wurden. -Als der älteste König des gesamten Babyloniens wird der um 2200 v. Chr. -lebende Hammurabi genannt. - -Wie später in Europa das Lateinische, so blieb in Vorderasien das -Sumerische als die Sprache des älteren Kulturvolkes lange Zeit erhalten -und für wissenschaftliche Zwecke im Gebrauch. Die frühzeitige, hohe -Entwicklung des geistigen Lebens der Babylonier erkennen wir daraus, -daß dieses Volk sich schon gegen das Ende des dritten Jahrtausends v. -Chr. mit grammatischen Studien, wichtigen Rechtsfragen und vor allem -mit der aufmerksamen Erforschung der Himmelserscheinungen beschäftigte. - -Daß die Beziehungen des babylonischen Reiches bis nach Ägypten -reichten, beweisen die erwähnten, aus dem 16. Jahrhundert v. Chr. -stammenden Tell el-Amarna[35]-Funde, unter denen sich Briefe des -Königs von Babylonien an den ägyptischen Herrscher Amenophis IV. -befinden. Neben dem babylonischen und dem ägyptischen bestand in -Kleinasien das Reich der Hettiter (Chatti)[36]. Daß auch Griechenland -mit dem alten Orient in engen Beziehungen stand, hat die neuere -archäologische Forschung gleichfalls dargetan. Die Vermittlung erfolgte -insbesondere durch die Phönizier, die bis zum Jahre 1300 v. Chr. im -Besitz von Kreta waren und damals das Ägäische Meer beherrschten. - -Um 1300 v. Chr. eroberten die Assyrer das Zweistromland. Sie haben -es durch ausgedehnte Bewässerungsanlagen gehoben, über die uns -*Herodot* berichtet hat[37]. Nicht minder wurde die Wissenschaft -gepflegt. Besonders seit der Zeit des Assyrerkönigs Assurbanipal oder -Sardanapal (7. Jahrhundert v. Chr.) entwickelte sich die Astrologie -zur astronomischen, auf steten und genauen Beobachtungen fußenden -Wissenschaft. Mit der Entdeckung der Bibliothek dieses Königs -gelangte auch ein großes babylonisches Werk über die Astrologie -ans Tageslicht[38], das seitdem die wichtigste Quelle für die -astronomischen Kenntnisse der älteren babylonischen Zeit bildet. - -Die in Ninive, Babylon und an anderen Stätten in neuerer Zeit -durch die Ausgrabungen der Engländer, Amerikaner und neuerdings -auch der Deutschen in großer Menge an das Tageslicht geförderten -Schriftdenkmäler sind gebrannte Tontafeln, auf denen die Schriftzüge -als keilförmige Eindrücke eingeritzt sind (s. Abb. 3). - -Ihre Entzifferung gelang erst, seitdem man (1835) mehrsprachige -Texte entdeckte. Für diese Entzifferung und damit für die -Erforschung der babylonischen und assyrischen Geschichte sind -die Inschriften grundlegend gewesen, die sich in den Ruinen der -persischen Königspaläste in Persepolis und Susa befinden. Heute sind -Hunderttausende von Keilschrifttafeln zutage gefördert[39]. Eine ganze -Bibliothek entdeckte 1848 der englische Altertumsforscher *Layard*[40]. - -Für die Kenntnis der ältesten Entwicklung der Mathematik sind die -sogenannten »Nippurtexte« von großer Wichtigkeit. Sie umfassen etwa -50000 Keilschrifttafeln, die in dem Tempel zu Nippur aufbewahrt und -durch amerikanische Ausgrabungen ans Tageslicht gefördert wurden. Die -»Nippurtafeln« sind in der Zeit von 2200-1350 v. Chr. entstanden. In -Nippur wurden, wie die Texte bezeugen, nicht nur Mathematik, sondern -auch Astronomie und Heilkunde betrieben[41]. Aus den gefundenen -Multiplikationstafeln geht hervor, daß die Babylonier das Prinzip des -Stellenwertes kannten, allerdings ohne sich der Null zu bedienen[42]. - -Es ist anzunehmen, daß die Keilschrift in ähnlicher Weise aus einer -hieroglyphischen oder Bilderschrift entstanden ist, wie es mit der -hieratischen Schrift der Ägypter der Fall war. Durch Keilstriche -wurden auch die Zahlen bezeichnet. Der Vertikalkeil [Symbol: Keil -mit dickem Ende oben] bedeutete die Einheit. Zehn wurde durch zwei -einen Winkel bildende Keile ausgedrückt [Symbol: zwei am dicken Ende -verbundene Keile] und weitere Zahlen durch Nebeneinanderstellung -dieser beiden Elemente gebildet. Für hundert war ein besonderes -Zeichen, nämlich ein Vertikalkeil in Verbindung mit einem rechts -davon stehenden Horizontalkeil im Gebrauch [Symbol: Vertikalkeil -neben nach rechts weisendem Keil]. Größere Zahlen wurden meist durch -Nebeneinanderstellen, aber auch durch Vervielfältigung gebildet, -indem die Zahl links von dem Zeichen als Faktor auftrat. Tausend z. -B. wurde [Symbol: Keilwinkel, dann Vertikalkeil, dann Horizontalkeil -nach rechts], also 10 mal hundert geschrieben. Tausend selbst wird -wieder mit Koeffizienten versehen, um größere Zahlen auszudrücken, -so daß z. B. [Symbol: 2 Keilwinkel, dann Vertikalkeil, dann -Horizontalkeil nach rechts] nicht etwa 20 mal hundert, sondern 10 -mal tausend, also 10000 bedeutet. Es ist also eine Vervielfältigung -von Einheiten verschiedener dekadischer Ordnung, die uns bei den -Babyloniern begegnet. Auch in der Bibel wird dieses Verfahren, in -offenbarer Anlehnung an das babylonische, zur Abschätzung großer Mengen -gebraucht[43]. - -Die Keilschrifttafeln besaßen vor den Papyrusrollen den Vorzug, daß sie -so gut wie unzerstörbar waren, zumal wenn sie gebrannt wurden. - -Ein sehr reiches Material förderte die Entdeckung der Bibliothek -Assurbanipals (Sardanapals) durch *Layard* (s. vor. Seite) zutage. -Dieser König (668-626) unterhielt eine Bibliothek, für die er -zahlreiche Werke anderer Archive, die bis auf das Jahr 1900 v. -Chr. zurückgehen, abschreiben ließ. Von dieser Sammlung sind etwa -25000 Tafeln auf uns gekommen. Sie sind die wichtigste Fundstelle -der babylonisch-assyrischen Literatur. Für die Geschichte der -Wissenschaften sind sie dadurch besonders wertvoll, daß sie manches -Bruchstück mathematischer, medizinischer und astrologischer Werke -enthalten. Bei der Eigenart und Unvollständigkeit dieser Urkunden kann -es nicht wundernehmen, wenn sich im Beginn ihres Bekanntwerdens auch -manche unhaltbare Kombination auf ihnen aufgebaut hat. - -Die Bibliothek Sardanapals befindet sich heute im Britischen Museum. -Sie wurde besonders in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts -in Ninive ausgegraben und enthält allein etwa 4000 Tafeln mit -astrologischen Aufzeichnungen. Seitdem erkannte man mit Bestimmtheit, -daß die Astrologie auf die Babylonier und die Assyrer zurückgeht, -während man früher darüber nur die Nachrichten der griechisch-römischen -Literatur (z. B. *Diodor*, Bibliotheca historica 2, 29 u. f.) besaß. -Die astrologischen Keilschriftfunde der Bibliothek Sardanapals sind die -weitaus wichtigsten, die man kennen gelernt hat. - - -Die Mathematik der Babylonier. - -Außer der dezimalen Schreibweise findet sich bei den Babyloniern eine -andere, die auf dem Sexagesimalsystem beruht und mit der Teilung des -Kreisumfanges durch Abtragen des Radius, sowie der Einteilung des -Jahres in 360 Tage zusammenhängt. Die Auffindung und die Entzifferung -von Keilschrifttafeln hat bewiesen, daß das Sexagesimalsystem von den -Babyloniern schon unter Berücksichtigung des Prinzips des Stellenwertes -angewandt wurde. So enthält eine Tafel, die 1854 bei Senkereh gefunden -wurde, die ersten 60 Quadratzahlen in folgender Anordnung: - - 1 ist das Quadrat von 1 - 4 » » » » 2 - 9 » » » » 3 - Anstatt 64 » » » » 8 usw. - heißt es aber[44] 1 + 4 » » » » 8 - 1 + 21 » » » » 9 - 1 + 40 » » » » 10 - -Dies ist nur verständlich, wenn die 1 vor 4, 21 und 40 als sexagesimale -Einheit höherer Ordnung, nämlich als 60 aufgefaßt wird. - -Ein anderes Täfelchen von Senkereh enthält die Kubikzahlen von 1 -bis 32 unter Anwendung des Sexagesimalsystems und des Prinzips des -Stellenwertes. Ob für fehlende Einheiten ein besonderes Symbol, also -etwas, das der Null entspricht, gebraucht wurde, ist nicht ersichtlich, -weil unter den Kubikzahlen von 1 bis 32 keine vorkommt, die nur aus -Einheiten der ersten und dritten Stufe zusammengesetzt ist[45]. Neben -ganzen, nach dem Sexagesimalsystem gebildeten Zahlen kommen auch -Sexagesimalbrüche vor. - -Während die Ägypter dem Zähler ihrer Brüche den konstanten Wert 1 -beilegten, begegnet uns in den Brüchen der Babylonier der konstante -Nenner 60 oder 3600 (60 × 60). Die Brüche 1/2 oder 1/3 wurden durch -30/60 oder 20/60 ausgedrückt und eine der Dezimalbruchform ähnliche -Schreibweise benutzt[46]. - -Das Sexagesimalsystem nahmen später die griechischen Astronomen an. -Ihrem Beispiele folgten die Araber und das Mittelalter, bis endlich in -der Neuzeit die dezimale Schreibweise aufkam. - -Die für die Geschichte der Mathematik so wichtigen Tafeln von -Senkereh dürften etwa um dieselbe Zeit entstanden sein, in der das -mathematische Handbuch des *Ahmes* in Ägypten verfaßt wurde. - -Die Rechenkunst der Chaldäer war, nicht nur nach den gefundenen -Schriftdenkmälern, sondern auch nach griechischen Quellenschriften -zu urteilen, eine uralte. So heißt es bei Theon von Smyrna[47], die -Ägypter hätten bei der Untersuchung der Planetenbewegungen gezeichnet, -die Chaldäer dagegen gerechnet, und von diesen beiden Völkern hätten -die griechischen Astronomen die Anfänge ihrer Kenntnisse erhalten. -Daß indessen auch die geometrischen Kenntnisse der Babylonier nicht -gering waren, ist aus ihren Wandzeichnungen und ihrer hochentwickelten -Baukunst -- wandten sie doch bereits lange vor den Etruskern -Bogengewölbe an -- zu schließen. So findet sich die Sechsteilung -des Kreises als bewußte geometrische Konstruktion; eine Tontafel -geometrischen Inhalts enthält sogar die Dreiteilung des rechten -Winkels. An die Sechsteilung des Kreises schloß sich ferner die Teilung -des ganzen Kreisumfanges in 360 Grade. - - -Der Ursprung der Astronomie. - -Nachdem wir die Anfänge der Mathematik kennen gelernt haben, wenden -wir uns den frühesten naturwissenschaftlichen Problemen zu, an -denen sich das mathematische Denken erproben sollte. Die am Himmel -sich abspielenden Vorgänge waren es, die zuerst den Begriff einer -gesetzmäßig verlaufenden Erscheinung aufkommen ließen. Es ist daher -kein Zufall, daß man sich diesen Vorgängen vor allen anderen mit -forschendem Blick zuwandte und daß die Astronomie neben der Mathematik -zu den ersten Betätigungen des menschlichen Geistes gehört, die -Anspruch auf den Namen einer Wissenschaft erheben können. Auch auf -diesem Gebiete sind nicht etwa die Griechen die Urheber gewesen, -sondern Hand in Hand mit der Entstehung der Mathematik entwickelte sich -bei den Ägyptern und den Chaldäern, begünstigt durch die wolkenlose -Atmosphäre des Niltals und Mesopotamiens, eine Summe von astronomischen -Kenntnissen, die für die Griechen und die späteren Völker die Grundlage -für jeden weiteren Fortschritt geworden sind. - -Die frühesten astronomischen Eindrücke, denen sich der Mensch selbst -auf der tiefsten Stufe seiner Entwicklung nicht entzogen haben kann, -sind die scheinbare tägliche Bewegung der Gestirne, die im steten -Wechsel sich wiederholenden Lichtgestalten des Mondes, sowie die -scheinbare jährliche Bewegung der Sonne mit dem dadurch bedingten -Kreislauf der Jahreszeiten gewesen. Einer etwas aufmerksameren -Beobachtung konnte es nicht entgehen, daß die Mehrzahl der Sterne -ihre Stellung zueinander nicht verändert, während die Sonne, der Mond -und die bald in die Augen fallenden Wandelsterne an den Fixsternen -vorüberziehen. - -So unterschieden schon die älteren ägyptischen Sternkundigen die -»nimmer ruhenden« von den »sich nie *rührenden*« *Sternen*. Zu den -ersteren zählten sie Jupiter, Saturn, Mars, den sie seiner Farbe wegen -auch den Roten nannten, Merkur und Venus. Die Gruppierung der Sterne zu -Sternbildern als erstes Mittel zur Orientierung am Fixsternhimmel rührt -nicht, wie man früher annahm, von den Griechen her. Die Sternbilder -entstanden vielmehr, wie die Astronomie überhaupt, im alten Orient. - -Ein aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert stammendes ägyptisches -Verzeichnis der Planeten und Tierkreisbilder ist vor einigen Jahren -bekannt geworden[48]. Es lautet: Das Verzeichnis der fünf lebenden -Sterne: - - Horus (Saturn) - Horus, der Rote (Mars) - Stern des Thot (Merkur) - Gott des Morgensterns (Venus) - Stern des Ammon (Jupiter). - -Die Tierkreisbilder werden genannt »Die zwölf Sterne für jeden der -zwölf Monate«. Es gelang, die ägyptischen Benennungen für folgende -Tierkreisbilder zu identifizieren: Wage, Stier, Zwillinge, Krebs (?), -Löwe, Jungfrau, Schütze (?), Skorpion und Fische. - -Schon den ältesten Beobachtern mußte es auffallen, daß hervorragende -Fixsterne bald in der Nähe der untergehenden Sonne gesehen werden, -dann in ihren Strahlen verschwinden, um nach einiger Zeit vor der -aufgehenden Sonne zu erscheinen, und schließlich wieder in der Nacht zu -glänzen. - -So gelangte man zu der Erkenntnis, daß die Sonne im Laufe einer -Periode, die sich mit demjenigen Zeitraum deckt, innerhalb dessen -sich die Jahreszeiten abspielen, einen Umlauf am Himmel vollendet. -Diejenigen Sternbilder, durch welche sich das Tagesgestirn dabei -hindurchbewegt, nannte man den Tierkreis. - -Unter allen Fixsternen schenkten die alten ägyptischen Astronomen -dem Sirius die meiste Beachtung. Sie nannten ihn Sopd, woraus die -Griechen Sothis gemacht haben. Mit dem heliakischen Aufgang[49] des -Sirius, der mit dem Beginn der Nilschwelle zusammenfiel, ließ man das -Jahr anfangen. Man teilte es in zwölf Monate, von denen jeder dreißig -Tage zählte[50]. Sternwarten befanden sich in Dendera, Memphis und -Heliopolis. Dort wurden alle deutlich sichtbaren Sterne aufgezeichnet -und in ihrer Bewegung verfolgt. Von den auf diese Weise entstandenen -Tafeln sind nur wenige Trümmer auf uns gelangt. Den Himmel stellte man -sich, wie es später der Verfasser der biblischen Schöpfungsgeschichte -getan, als eine die Erde umgebende Flüssigkeit vor. Auf dieser ließ -man die Gestirne schwimmen. Dementsprechend sehen wir auf ägyptischen -Denkmälern jedes Gestirn, durch seinen Genius in Menschen- oder -Tiergestalt repräsentiert, in einer Barke hinter dem Sonnengott Osiris -herfahren. - -Anfangs werden die Ägypter wie wohl alle Völker nach Monaten gerechnet -haben. Daß sie so früh zu einem Sonnenjahr übergingen, hängt damit -zusammen, daß die Nilschwellen, nach denen sich das Leben in Ägypten -regelt, von dem Gang der Sonne abhängen. Das erste Anschwellen des -Niles fiel Jahrtausende mit dem heliakischen Aufgang des Sirius, d. -h. mit seinem Erscheinen in der Morgendämmerung zusammen[51]. Mit dem -Zeitpunkt, an dem der Sirius frühmorgens wieder sichtbar wurde, ließen -die Ägypter ihr Kalenderjahr beginnen. Es zerfiel in drei Jahreszeiten -(Überschwemmung, Aussaat, Ernte) von je 4 Monaten zu 30 Tagen. Nach -Ablauf dieser 360 Tage wurden 5 Tage eingeschoben, bevor man das neue -Jahr beginnen ließ. Da aber das Jahr nicht 365, sondern etwa 365-1/4 -Tage umfaßt, so mußte sich der Frühaufgang des Sirius alle vier Jahre -um einen Tag verschieben, und erst nach Ablauf von 4·365 Jahren fiel -der Frühaufgang des Sirius wieder mit dem Beginn des bürgerlichen -Jahres von 365 Tagen zusammen. Daß es sich so verhielt, erkennt -man noch aus manchen Grabinschriften, die das bürgerliche und das -Siriusneujahr nebeneinander aufweisen[52]. - -Wie die astronomischen Elemente entstanden sind, hat gleichfalls die -neuere archäologische Forschung dargetan. Die Astronomie wurde erst -dadurch ermöglicht, daß zur Bestimmung von Winkeln und zur Ausbildung -des Ziffernsystems und der Rechenkunst die Zeitmessung hinzutrat. -Als die Erfinder eines Verfahrens, die Zeit genauer zu messen und -einzuteilen, müssen die Babylonier gelten. Sie bedienten sich dazu der -Wasseruhren (Klepshydren)[53]. - -In dem Augenblicke, in dem sich der obere Rand der Sonnenscheibe am -Horizonte zeigte, öffnete man ein mit Wasser gefülltes Gefäß, das -durch Zufluß stets gefüllt blieb. Der Abfluß geschah tropfenweise -in einen Behälter und dauerte solange, bis sich der untere Rand der -Sonnenscheibe vom Horizonte löste. Von diesem Augenblicke an sammelte -man das abtropfende Wasser in einem zweiten, größeren Behälter, -bis die Sonne am folgenden Morgen wieder aufging. Die Wassermengen -in dem kleineren und diejenige in dem größeren Behälter wurden -genau gewogen. Sie ergaben nicht nur ein bestimmtes Zeitverhältnis, -sondern mit einiger Genauigkeit auch das Verhältnis des scheinbaren -Sonnendurchmessers zum ganzen Kreise. Waren die Wassermengen q und Q, -so ergab (Q + q) : q = 360° : D für den Durchmesser D der Sonne den -Wert von etwa einem halben Grad. Die Babylonier setzten deshalb das -Verhältnis des Sonnendurchmessers zur Ekliptik = 1 : 720[54]. - -Genau würde dieses Verfahren ja nur unter dem Äquator gewesen sein. -Da indessen die Schiefe der Sphäre im Lande der Chaldäer nicht allzu -groß ist, so ergab sich ein für rohe Messungen genügendes Resultat[55]. -Aus den babylonischen Überlieferungen ist ferner ersichtlich, daß man -das Sonnenjahr zu 365 Tagen rechnete und selbst die ungleich schnelle -Bewegung der Sonne während eines Jahres bemerkte[56]. - -Den Tag teilten die Chaldäer in 12 Doppelstunden. Die Doppelstunde -wurde erhalten, indem man die Zeit, welche die Sonnenscheibe gebraucht, -um am Himmel um ihren eigenen Durchmesser vorzurücken, und die man -als Doppelminute bezeichnen kann, dem Sexagesimalsystem gemäß mit 60 -multiplizierte. - -Dieses durch die Verbindung von Mathematik und Astronomie gewonnene -System der Zeitmessung blieb für die Folge bestehen, so daß Babyloniens -Kulturmission schon allein hieraus ersichtlich ist. Daß später der -Zeitabschnitt, nach welchem man den Tag einteilte, und dementsprechend -die Unterabteilungen jener Einheit, halbiert wurden, wodurch die -heutige Stunde, Minute und Sekunde entstanden, ist von nebensächlicher -Bedeutung. - -Die Astronomie wurde von den ältesten Völkern nicht nur ihres Nutzens -halber gepflegt, sie war gleichzeitig Vorbedeutungslehre, so daß sie -infolge der fatalistischen, von der Phantasie beherrschten Anlage -der Orientalen sehr bald in Astrologie ausartete. Dazu kam, daß jene -Wissenschaft besonders von der Priesterkaste gepflegt wurde, die sich -bemühte, ihr Ansehen zu erhöhen, indem sie ihr Tun und Treiben mit dem -Schleier des Übernatürlichen und Geheimnisvollen umgab. - -Die Anfänge der Astrologie, der man einen semitischen Ursprung -zuzuschreiben hat, begegnen uns bei den Sumerern. Besonders der Venus -schrieben sie Bedeutung zu. Auch die Symbole der Sonne und des Mondes -kehren in ihren Urkunden wieder. Daneben findet sich oft eine Schlange, -die vielleicht die Milchstraße vorstellen sollte. Die Anfänge einer -wissenschaftlichen Astronomie entwickelten sich erst, nachdem der Stamm -der Chaldäer um 1000 v. Chr. in Babylonien eingedrungen war. Von diesem -Volksstamm ging der Name »Chaldäer« auf die babylonische Priesterschaft -über. Wie diese Namensübertragung zustande kam, ist nicht bekannt[57]. -Man teilte jetzt, zwar immer mit dem Hauptzweck, die astrologischen -Untersuchungen methodischer zu gestalten, Äquator und Ekliptik in 360 -Grade, bediente sich der Tierkreiszeichen, verfolgte die Wandelsterne -und sammelte zahlreiche Sternbeobachtungen, besonders seit der -Regierung Nabonassars (747-734), die später die Astronomen Alexandriens -benutzt haben, so daß sie uns noch heute im Almagest[58] begegnen. Was -vor dem chaldäischen Zeitalter an astronomischen Kenntnissen bestand, -verdient nicht den Namen einer wissenschaftlichen Sternkunde. Daraus, -daß man auf alten steinernen Urkunden mitunter ein Sternbild mit dem -Bildnis einer Gottheit vereinigt findet, darf man keine allzuweit -gehenden Schlüsse ziehen[59]. - -Es kann nicht wundernehmen, daß uns unter den astrologischen -Planetenbeobachtungen am häufigsten solche über die Venus begegnen. -Ist sie doch, von Mond und Sonne abgesehen, das einzige Gestirn, das -mitunter am Tage, selbst um Mittag, wahrgenommen wird. Die Annäherung -der Venus an den Jupiter, den Mars und den Saturn, ihr Eintritt in -den Hof des Mondes, ihr Verschwinden und ihre Wiederkehr galten -als bedeutungsvolle Ereignisse. Daß die Venus als Abend- und als -Morgenstern dasselbe Gestirn ist, wußten die Babylonier schon in der -älteren Periode ihrer Astronomie, d. h. um 2000 v. Chr. (S. Abb. 3.) - -[Illustration: Abb. 3. Keilschriftprobe. - - Dilbat ina sensi adi Istar kakkabi - Dilbat ina âribi Bilit ili - -Die Übersetzung lautet: - - Die Delephat bei aufgehender Sonne ist die Istar unter den Sternen, - Die Delephat bei untergehender Sonne ist die Beltis unter den Göttern. - -Dies bedeutet, daß die Delephat, d.i. die Venus, als Morgenstern der -Stern der Istar-Astarte und als Abendstern der Stern der Beltis-Baaltis -ist. - - (III. Rawlinson 53, 36. 37.) - -] - -An Fixsternen und Sternbildern zählen die Texte nach den bisherigen -Feststellungen etwa 200 auf. Darunter begegnen uns schon früh als -wichtigste gewisse Tierkreisbilder (Stier, Löwe, Zwillinge). Die -Zuweisung von zwölf Tierkreisbildern an ebensoviel Regionen der -Ekliptik findet sich indessen erst in späteren rein astronomischen -Texten[60]. - -Neben den Keilschrifttafeln (s. Abb. 4) sind auch die Darstellungen, -die sich auf Grenzsteinen, Reliefs und Grabdenkmälern[61] finden, zu -erwähnen. Sie gehen bis ins 14. Jahrhundert zurück. - -Der hier wiedergegebene Grenzstein umfaßt 16 Symbole. Auf der -dargestellten Seite befinden sich zu oberst die Venus, dann die -Mondsichel und daneben die Sonne. Die linke Seite nimmt eine thronende -Gottheit ein, zu deren Füßen ein Hund sitzt. In der Kopfhöhe sehen wir -einen Skorpion und darunter in der Höhe der Arme eine Lampe. - -Regelmäßige Beobachtungen der Bahnen, welche die Planeten am -Fixsternhimmel beschreiben, setzen erst um 750 ein. Später werden die -fünf Planeten bestimmten Gottheiten zugeteilt und gelten als »Lenker -der Schicksale«. Seitdem ist die Sternbeobachtung von Astrologie und -Fatalismus beherrscht und allein diese Periode ist es, von der die -alten Schriftsteller *Herodot* (um 450 v. Chr.), *Diodor* (um 45 v. -Chr.), *Plinius* (70 n. Chr.) berichten[62]. - -[Illustration: Abb. 4. Babylonischer Grenzstein.] - -Seit der Erschließung der Keilschriftfunde (die erste Übersetzung von -Keilschrifttafeln astronomischen Inhalts erschien im Jahre 1874) wurde -nachgewiesen, daß manche Namen von Sternbildern, in der ihnen von den -Griechen und uns beigelegten Bedeutung, schon bei den Babyloniern -vorkamen. In Mesopotamien aufgefundene Grenzsteine besitzen sogar -graphische Darstellungen der Tierkreiszeichen, deren wir uns noch jetzt -in Sternatlanten bedienen[63]. Wie es noch heute geschieht, teilten die -Chaldäer den Tierkreis in 12 Sternbilder ein. Unter diesen begegnen uns -die Wage, der Widder, der Stier, die Zwillinge, der Skorpion und der -Schütze, die wir noch besitzen. Die übrigen Bilder haben sich geändert. -Von Babylon hat sich die Zwölfteilung der Sonnenbahn dann nach Ägypten -und nach Griechenland ausgebreitet. So wurde im Anfange des 19. -Jahrhunderts in Dendera (Oberägypten) an der Decke eines Tempels eine -Darstellung des Tierkreises aufgefunden, die in Paris aufbewahrt wird. -Die Tierkreiszeichen sind hier den ägyptischen Bildern eingefügt (Abb. -5). Man schrieb diesem Dokumente anfangs ein sehr hohes Alter zu. Doch -gilt es heute als ausgemacht, daß der Tierkreis von Dendera aus der -Zeit der Römerherrschaft stammt. Man nimmt ferner an, daß die Griechen -ihre Zeichen von den Chaldäern übernahmen und daß die Ägypter die -chaldäischen Zeichen mit ihren eigenen Bildern in Verbindung setzten. - -[Illustration: Abb. 5. Der Tierkreis von Dendera. - -Wi = Widder; Str = Stier; Z = Zwillinge; K = Krebs; L = Löwe; J = -Jungfrau; W = Wage; Sk = Skorpion; Sch = Schütze; Ste = Steinbock; Wt = -Wasserträger; F = Fische.] - -Für die astrologische Richtung[64] der ältesten Astronomie spricht ein -chaldäisches Literaturdenkmal, das etwa zu derselben Zeit entstanden -ist, als in Ägypten das älteste auf uns gelangte mathematische Lehrbuch -geschrieben wurde (um 1700 v. Chr.). Es handelt sich um einen mit -astrologischen Prophezeiungen versehenen Vorbedeutungskalender, den die -moderne Orientforschung entziffert hat[65]. Dieser Kalender enthält -Voraussagen von Finsternissen nebst Andeutungen, welche Ereignisse die -Folge jener Finsternisse sein würden. - -In besonders hohem Grade werden ungewöhnliche, die Menschheit -in abergläubische Furcht versetzende Himmelserscheinungen, wie -Finsternisse und Kometen, die Aufmerksamkeit auf die Sternenwelt -gerichtet haben. Bezüglich der Finsternisse und der Kometen wurden -auch zuerst Aufzeichnungen gemacht. Sie reichen bei den Chinesen, -den Ägyptern und den Chaldäern Jahrtausende vor den Beginn unserer -Zeitrechnung zurück. Welcher Zeitraum mag verflossen sein, bis -die Chaldäer endlich die Regel erkannten, daß die Wiederkehr der -Finsternisse innerhalb 6585 Tagen erfolgt. Für das hohe Alter -der orientalischen Astronomie spricht auch die Erzählung, daß -*Aristoteles*[66] die Begleiter Alexanders des Großen bat, in Babylon -nach den alten astronomischen Beobachtungen der Chaldäer zu forschen. -Daraufhin sollen denn auch Ziegel nach Griechenland gelangt sein, auf -welchen Nachrichten über 2000 Jahre vor Alexander zurückreichende -Beobachtungen eingegraben waren[67]. Die chinesischen Nachrichten -über Kometen reichen wahrscheinlich ebensoweit zurück. Und die -astronomischen Jahrbücher der Ägypter endlich berichten von nicht -weniger als 373 Sonnen- und 832 Mondfinsternissen, die vor Beginn der -alexandrinischen Periode beobachtet wurden[68]. - -Die Dauer eines Umlaufs der Sonne wurde in Ägypten wie in Babylon -anfangs zu 12 Monaten, jeder zu 30 Tagen, also zu 360 Tagen gerechnet. -Jeder Monat zerfiel in 3 Dekaden, das Jahr somit in 36 Dekaden, denen -36 hervorragende Einzelsterne und Sternbilder zugeteilt waren. Die -Abweichung eines Zeitraums von nur 360 Tagen von dem tropischen, auf -365-1/4 Tagen sich belaufenden Jahre war jedoch so groß, daß sie schon -in der ältesten Zeit auffallen mußte. Man schaltete daher nach jedem -Jahre 5 Tage ein, die man »die übrigen Tage« nannte. Diese Änderung der -Zeitrechnung erfolgte jedenfalls schon während des alten Reiches, ja -sie wird von den Ägyptern selbst in die Zeit vor Mena zurückverlegt. -Aber auch nach dieser Einrichtung bemerkten die Ägypter nach längerer -Zeit, daß das Jahr zu kurz bemessen sei und infolgedessen eine -Verschiebung der Feste eintrat. Diese Beobachtung führte dann zu einer -238 v. Chr. in Kraft tretenden Anordnung[69], nach welcher jedes vierte -Jahr zu 366 Tagen gerechnet werden sollte, »damit es nicht vorkommt, -daß einige der öffentlichen Feste, die man im Winter begeht, dereinst -im Sommer gefeiert werden«. - -Die Ägypter sind also dasjenige Volk, denen wir die Einrichtung des -Schaltjahres verdanken. Die astronomischen Ratgeber, welche Cäsar bei -seiner Kalenderverbesserung vom Jahre 46 v. Chr. zu Rate zog, kannten -nämlich die in Ägypten getroffene Einrichtung. Dieser Umstand schmälert -jedoch keineswegs das Verdienst Cäsars; ihm verdankt das Abendland die -bis ins 16. Jahrhundert dauernde Feststellung seiner Zeitrechnung, die -so sehr in Unordnung geraten war, daß im Jahre 46 v. Chr. nicht weniger -als 85 fehlende Tage eingeschaltet werden mußten. - -Bis in das 19. Jahrhundert beschränkte sich unser Wissen von der -Astronomie des Altertums im wesentlichen auf dasjenige, was uns die -Griechen davon übermittelten. Einen weit tieferen Einblick in die -Entstehung der Astronomie hat uns die Entzifferung der Keilschriftfunde -gebracht, in denen die Chaldäer ihre astronomischen Kenntnisse -niedergelegt haben[70]. Heute gilt als sicher, daß die Babylonier den -Äquator und die Ekliptik, die meisten Sternbilder des Tierkreises und -der übrigen Regionen des Himmels, sowie die Wandelsterne festgestellt -hatten und daß sie die Sterne systematisch beobachteten, lange bevor -die Griechen dazu übergegangen waren[71]. - -Zuerst wurde von der Keilschriftforschung Capella (ein Fixstern -erster Größe im Fuhrmann) aus Abbildungen identifiziert. Dann geschah -dasselbe für zahlreiche Sterne der Ekliptik. Sehr alt sind nicht nur -die Tierkreiszeichen, die man auf Grenzsteinen aus dem 12. Jahrh. v. -Chr. auffand, sondern auch die Einführung der etwa 30 Planeten- und -Mondstationen, deren Gebrauch von Babylon wahrscheinlich nach Indien -und nach China gewandert ist[72]. - -Ferner begegnen uns schon in sehr alten Keilschrifttexten Namen für die -Planeten. Sie sind mit bestimmten Gottheiten in Verbindung gesetzt, so -Venus mit Istar (Astarte?), Mars mit dem Kriegsgott. Letztere Zuweisung -begegnet uns bekanntlich fast immer wieder und ist aus der rötlichen -Farbe des Gestirns erklärlich. - -Die Planetenbeobachtungen der Babylonier beschränken sich im -wesentlichen auf die Angabe der Stellung zu den Sternbildern, der -Oppositionen und der Kehrpunkte, sowie der heliakischen Auf- und -Untergänge. Ein Beispiel[73] ist folgendes: »Im 7. Jahre des Kambyses, -am 22. Abu des Jahres 523 v. Chr. befand sich Jupiter im ersten Teile -von Siru (der Jungfrau) im heliakischen Untergange.« - -Die Finsternisse und die Kometen wurden frühzeitig als -Vorbedeutungszeichen von ganz besonderer Wichtigkeit betrachtet und -aus diesem Grunde mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Es finden sich -auch Berichte über die Stellung, die bestimmte Planeten während -einer Finsternis einnahmen. Solche, aus astrologischem Interesse -unternommenen Aufzeichnungen gehen außerordentlich weit zurück. Aus -ihnen entwickelte sich ein regelmäßiger Beobachtungsdienst[74], -der bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurückreicht und sich nach der -Regierungszeit Sardanapals, während des neubabylonisch-chaldäischen -Reiches, wie die jüngsten Aufschlüsse[75] ergeben haben, zu hoher Blüte -entfaltete. - -Das erwähnte, der Bibliothek Sardanapals entstammende astrologische -Werk enthält[76] Listen von Fixsternen, Angaben über Planeten, -Kometen, Meteore, Verfinsterungen usw. Doch scheint weniger Wert auf -die Tatsachen als auf die ihnen zugeschriebene Bedeutung gelegt zu -sein[77]. Seit 700 v. Chr. zeigt sich aber deutlich das Bestreben, -die Bewegungen der Himmelskörper mit möglichster Genauigkeit -räumlich und zeitlich zu verfolgen. Die Winkel werden bis auf 6 -Minuten, der Zeitablauf bis auf 3/4 Minuten richtig bestimmt[78]. -Die Zeitunterschiede zwischen Sonnenuntergang und Mondaufgang wurden -so genau ermittelt, daß die erhaltenen Angaben noch für die heutige -Astronomie von Wert sind. Nach *Kugler*, der sich um die Entzifferung -der astronomischen Keilschrifttexte das größte Verdienst erworben -hat, war es mit Hilfe dieser Texte möglich, einen Fehler aufzudecken, -den die heutigen Berechnungen der Mondbewegung aufwiesen. Wie weit -sich die Genauigkeit einer Bestimmung durch die, über lange Zeiträume -fortgesetzte Beobachtung einer periodischen Bewegung steigern läßt, -zeigt folgendes Beispiel. Die Babylonier ermittelten, daß der Mond in -669 Monaten 723-32/360 Umläufe am Fixsternhimmel zurücklegt[79]. Daraus -ergibt sich für die mittlere Dauer des synodischen Monats ein Wert von -29^d 12^h 44' 7,5''. Die heutige Astronomie berechnet den mittleren -synodischen Monat zu 29^d 12^h 44' 2,9''. Die Abweichung beträgt also -nur wenige Sekunden. - -Die mittlere tägliche Bewegung des Mondes, d. h. den Bogen, den dieses -Gestirn durchschnittlich in 24 Stunden durchläuft, bestimmten die -Babylonier[80] zu 13° 10' 35''. - -Mit gleicher Sorgfalt wurden die Bewegungen der Planeten verfolgt. -Sie galten den Babyloniern gleich Mond und Sonne als göttliche Wesen -und ihre Wanderung durch die Sternbilder des Tierkreises, den die -Babylonier als das »himmlische Erdreich« bezeichneten, war ihrer -Ansicht nach für die Geschichte der Erdbewohner von ausschlaggebender -Bedeutung[81]. Diesen mythologischen Grundzug der babylonischen -Sternkunde hat schon *Diodor* dargestellt. Er schreibt darüber: - -»Die Chaldäer[82] behaupten, die Welt sei ihrem Wesen nach ewig, sie -habe nie einen Anfang genommen und könne auch niemals untergehen; aber -durch eine göttliche Vorsehung sei das All geordnet und ausgebildet -worden, und noch seien alle Veränderungen am Himmel nicht Wirkungen -des Zufalls, auch nicht innerer Gesetze, sondern einer bestimmten und -unwandelbar gültigen Entscheidung der Götter. Über die Gestirne haben -die Chaldäer seit langer Zeit Beobachtungen angestellt, und niemand -hat genauer als sie die Bewegungen und die Kräfte der einzelnen -Sterne erforscht. Daher wissen sie auch so vieles von der Zukunft -den Leuten vorherzusagen. Am wichtigsten ist ihnen die Untersuchung -über die Bewegungen der fünf Sterne, die man Planeten heißt. Sie -nennen sie: >Verkündiger<. Dem, der bei uns Saturn heißt, geben sie -als dem ausgezeichnetsten, dem sie die meisten und die bedeutendsten -Weissagungen verdanken, den Namen >Sonnenstern<. Die vier andern aber -haben bei ihnen dieselben Benennungen, wie bei unseren Sternkundigen: -Mars, Venus, Merkur und Jupiter. Verkündiger nennen sie die Planeten -deswegen, weil sie, während die anderen Sterne von ihrer ordentlichen -Bahn nie abirren, allein ihre eigenen Bahnen gehen und eben damit die -Zukunft andeuten und den Menschen die Gnade der Götter kund machen. -Vorbedeutungen, sagen sie, könne man teils an dem Aufgang, teils an dem -Untergang der Planeten erkennen, manchmal auch an ihrer Farbe, wenn -man aufmerksam darauf achte. Bald seien es heftige Stürme, die sie -anzeigen, bald ungewöhnlich nasse oder trockene Witterung, zuweilen -Erscheinungen von Kometen, Sonnen- und Mondfinsternissen, überhaupt -Veränderungen jeder Art im Luftraum, welche Nutzen oder Schaden bringen -für ganze Völker und Länder nicht nur, sondern auch für Könige und -gemeine Leute. Dem Laufe der Planeten seien Sterne untergeordnet, -welche >beratende Götter< heißen. Die eine Hälfte dieser Sterne führe -die Aufsicht in dem Raum über der Erde, die andere unter der Erde. So -überschauten sie, was unter den Menschen und was am Himmel vorgehe. -Je nach 10 Tagen werde von den oberen zu den unteren einer der Sterne -als Bote gesandt und ebenso wiederum einer von den unteren zu den -oberen. Die Bewegung der untergeordneten Sterne sei fest bestimmt und -gehe regelmäßig fort im ewigen Kreislauf. >Fürsten der Götter< gebe es -zwölf, und jedem von ihnen gehöre ein Monat und eines der zwölf Zeichen -des Tierkreises zu, durch welche die Bahn der Sonne, des Mondes und der -fünf Planeten gehe. Dort vollende auch die Sonne ihren Kreis in einem -Jahre, und der Mond durchlaufe dort seinen Weg in einem Monat.« - -Die chaldäischen Priester haben ihre astrologische Tätigkeit auch -nach dem Beginn der Perserherrschaft eifrig fortgesetzt. Ähnlich -wie die Mönche der späteren Zeit erblickten sie ihre Hauptaufgabe -darin, daß sie das vorhandene Wissen durch Abschriften erhielten. Ihr -Ansehen beruhte vor allem darauf, daß sie aus den Sternen Menschen- -und Völkerschicksal verkündeten. Zu diesem Zwecke unterhielten sie -in Verbindung mit den Tempeln Observatorien und an diesen wieder -Schulen. Ihre Beobachtungen leiteten zu gewissen Zahlen, nach -denen sie Finsternisse und Sternkonjunktionen berechneten. Solche -Berechnungen sind noch auf Tontafeln erhalten, z. B. diejenige über -die Mondfinsternis vom 16. Juli 523, die in den Almagest übergegangen -ist. Nach der herrschenden Anschauung sollten sich die Götter in den -Gestirnen, besonders in den Planeten verkörpern und letztere die -irdischen Vorgänge bestimmen. Es galt daher, für jede wichtige Handlung -den richtigen Zeitpunkt zu bestimmen und ungünstige Konstellationen zu -vermeiden. Eine Priesterschaft, die es wie die chaldäische verstand, -diesen Glauben zu nähren, besaß dadurch Macht und Ansehen, sowie die -Möglichkeit, sich reiche Mittel zu erwerben[83]. - -Bei den Planeten achteten die Chaldäer vor allem auf die gegenseitige -Stellung, ihre Entfernung von Mond und Sonne, den Wechsel der -Bewegungsrichtung und ihren Kehrpunkt. Man kann sich leicht vorstellen, -mit welcher Spannung die alten Astronomen z. B. das Verschwinden der -Venus in den Strahlen der Abendsonne (den heliakischen Untergang -des Planeten) und ihr Wiederauftauchen kurz vor Sonnenaufgang (den -heliakischen Aufgang der Venus) verfolgten. - -Die Beobachtungen der heliakischen Auf- und Untergänge bildeten das -Fundament der Planetenkunde[84]. Die Umlaufszeit eines Planeten ist -bekanntlich diejenige Zeit, nach welcher der Planet, von der Sonne -gesehen, wieder bei demselben Fixstern angelangt ist. Nun läßt sich -wohl der geozentrische Ort des Planeten direkt beobachten, nicht aber -der heliozentrische. Dagegen war man in der Lage, durch die Beobachtung -der heliakischen Auf- und Untergänge wenigstens annähernd die Zeit zu -bestimmen, die zwischen zwei Konjunktionen des Planeten mit der Sonne -verläuft, d. h. die synodische Umlaufszeit zu ermitteln. Ließen sich -die Konjunktionen selbst auch nicht beobachten, so nahmen die Planeten -doch während der heliakischen Auf- oder Untergänge dieselbe relative -Stellung zur Sonne ein. - -Um die Wanderung eines Planeten durch die Tierkreisbilder zu verfolgen, -ist kein Gestirn geeigneter als Jupiter. Sein Durchgang zwischen den -Hyaden und den Plejaden z. B. ist ein astronomisches Schauspiel, -das sich den ältesten Beobachtern des Himmels einprägen mußte. Daß -sich der Vorgang nach etwa 12 und beim Saturn nach etwa 30 Jahren -wiederholt, mußte frühzeitig auffallen. Während für diese beiden, von -Sonne und Erde weit entfernten und außerhalb der Erdbahn befindlichen -äußeren Planeten die Umlaufsbewegung, vom geozentrischen und vom -heliozentrischen Standpunkte gesehen, sich annähernd decken, waren die -Erscheinungen für Mars, Venus und Merkur ihrer Nähe wegen bedeutend -verwickelter. Doch ergaben die beiden scheinbaren Stillstände, die -Opposition des Mars und das Verschwinden in den Sonnenstrahlen auch für -diese Planeten eine Periode von steter Wiederkehr und bestimmter Dauer. - -Zur Seleucidenzeit gelangte man sogar zu Planeten-Ephemeriden. Für -Saturn z. B. wurde eine Periode von 59 Jahren, für Venus eine solche -von 8 Jahren ermittelt. Der Fehler in der ersteren belief sich auf etwa -einen halben Grad. Die aus den Ephemeriden berechnete Bewegung der -Venus wich von der beobachteten sogar nur um 5 Minuten ab[85]. - -Venus galt mit Mond und Sonne als die Beherrscherin des Tierkreises. -Die Symbole dieser Dreieinigkeit erscheinen seit dem 14. Jahrhundert -auf den Spitzen der Grenzsteine (s. Abb. 4 auf S. 26)[86]. Diese -Bedeutung der Venus erklärt sich daraus, daß sie alle übrigen Planeten -an Glanz weit übertrifft. Beeinflußt durch chaldäische Weisheit nennt -daher *Plinius* die Venus Nebenbuhlerin von Sonne und Mond, denn sie -verbreite ein so helles Licht, daß es Schatten werfe. - -Mit gleicher Sorgfalt wie die Bewegung der Sonne haben die Babylonier -auch die Mondbewegung verfolgt. Welch langer Zeitraum mag dazu gehört -haben, bis ihre Aufzeichnungen jene Periode von 223 synodischen -Monaten erkennen ließen, innerhalb deren der Mond bezüglich seiner -Knoten und seiner Entfernung von der Erde fast zur selben Stellung -zurückkehrt. Jene Periode von 18 Jahren und 11 Tagen bezeichneten -die babylonischen Astronomen als Saros. Die Kenntnis dieser Periode -ermöglichte ihnen die Voraussage von Finsternissen. Auch *Ptolemäos* -handelt in seinem Almagest, dem bedeutendsten astronomischen Lehrbuch -des Altertums, von dem wir später noch ausführlich handeln werden, von -mehreren Mondfinsternissen, welche die Chaldäer aufzeichneten. Die -älteste chaldäische Beobachtung einer Mondfinsternis, die *Ptolemäos* -verwertete, datiert vom Jahre 721 v. Chr. Daß *Ptolemäos* nicht auf -noch ältere, zweifellos vorhandene chaldäische Daten zurückgriff, ist -wohl daraus erklärlich, daß er den älteren Angaben keine hinreichende -Genauigkeit zuschrieb[87]. Die letzten chaldäischen Beobachtungen, -die *Ptolemäos* erwähnt, gehören der Zeit um 240 v. Chr. an. Sie -beziehen sich auf Vergleichungen von Merkur und Saturn in ihrer -Stellung zu den Fixsternen. Um die erwähnte Zeit hatte indessen -schon eine gegenseitige Durchdringung chaldäischer und griechischer -Gelehrsamkeit stattgefunden. Schrieb doch schon um 280 v. Chr. der -Babylonier *Berosos*[88] über die Geschichte seines Volkes ein Werk -in griechischer Sprache, von dem leider nur Bruchstücke bei anderen -Schriftstellern erhalten sind. Es ist das um so bedauerlicher, -als das Werk manche Mitteilung über die Sternkunde der Chaldäer -enthielt. Auch die jetzt durch die Keilschriftforschung erwiesene, -offenbare Übereinstimmung der biblischen mit der babylonischen -Schöpfungsgeschichte geht schon aus dem Bericht des *Berosos* -hervor[89]. - -Von den Chaldäern wanderte auch das älteste astronomische Werkzeug, -der Gnomon, nach dem Zeugnisse *Herodots* nach Griechenland. Wann dies -geschah, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen, zumal von alten -Schriftstellern verschiedenen Personen (darunter *Anaximander* um 550 -v. Chr.) das Verdienst zugeschrieben wird, dieses wichtige Werkzeug in -Griechenland eingeführt zu haben. - -Der Standpunkt, den die Astronomie bei den Chaldäern schließlich -erreicht hatte, läßt sich in der Kürze wie folgt kennzeichnen[90]: -Beobachtungen, bei denen die Winkel bis auf 6' und die Zeit bis auf -40'' genau bestimmt waren, reichten bis ins 7. Jahrhundert v. Chr. -zurück. Der Lauf der Sonne und die ungleiche Länge der Jahreszeiten -waren bekannt. Vielleicht besaß man sogar eine rohe Kenntnis der -Präzession der Nachtgleichen[91]. Die Länge der Monate hatte man mit -einer Genauigkeit ermittelt, welche der von *Hipparch* erreichten -gleichkam. Der Begründung der Trigonometrie war durch eine Art -Sehnenrechnung vorgearbeitet, so daß auch hierin die Chaldäer als die -Vorläufer der Alexandriner, insbesondere des *Hipparch*, gelten können. -Endlich vermochte man mit Hilfe von Ephemeriden den Lauf des Mondes -und der Sonne, sowie das Eintreten der Finsternisse mit ziemlicher -Sicherheit anzugeben. - -Die besonders von *Winckler* vertretene Annahme von dem hohen Alter -der babylonischen Astronomie hat neuerdings *Kugler* auf das richtige -Maß zurückgeführt[92]. Nach ihm gab es vor dem 8. Jahrhundert noch -keine Himmelsbeobachtungen von wissenschaftlicher Genauigkeit. Man -kann den Babyloniern daher nach *Kugler* auch nicht die Entdeckung der -Präzession zuschreiben, wie es *Winckler* (siehe Anm. 4 S. 36) getan -hat. - -Erblicken wir das Ziel der Wissenschaft darin, daß man das Eintreten -zukünftiger Erscheinungen mit einem gewissen Grade von Genauigkeit -vorherzusagen vermag, so müssen wir zugeben, daß die Babylonier diese -Stufe auf dem Gebiete der Astronomie schon erreicht hatten. Allem -Anschein nach ruhte das astronomische Wissen eines *Hipparch* und -eines *Ptolemäos*, an welche im 15. Jahrhundert *Regiomontan* und -*Koppernikus* anknüpften, in letzter Linie auf den in Babylonien -geschaffenen Grundlagen der Sternkunde[93]. - -*Ptolemäos* beruft sich 13 mal auf babylonische Beobachtungen. -Sie fallen alle in die Jahre 721-229 v. Chr. Die Astronomie hat -danach wenigstens zum Teil ihren Weg nach Griechenland über -Ägypten genommen[94]. Auch ihre astronomischen Hilfsmittel -verdankten die Griechen zum Teil den Babyloniern, wie sie auch die -Ekliptiksternbilder, die Einteilung der Ekliptik in 360 Grade und -anderes mehr übernahmen. Durch die Babylonier sind sie ferner mit -der Sarosperiode (s. S. 35), sowie mit der mittleren täglichen -Geschwindigkeit des Mondes (13° 10' 36'') bekannt geworden. - - -Die ersten Maße und Gewichte. - -Über die von den alten Völkern gebrauchten Maße und Gewichte hat schon -vor 80 Jahren *Boeckh*, den man als den Begründer der vergleichenden -Metrologie zu betrachten hat, eingehende Untersuchungen angestellt[95]. -*Boeckh* kam zu dem Ergebnis, daß die meisten antiken Systeme von den -Babyloniern herstammen, daß sich bei dieser Entwicklung indessen auch -in einem nicht geringen Grade ägyptischer Einfluß geltend macht. Diese -Auffassung hat denn auch die neuere archäologische Forschung bestätigt -und wesentlich vertieft[96]. - -Die Babylonier fanden nicht nur die Mittel zur Zeitmessung und ein -Zeitmaß, das sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat, sondern sie -schufen, wie neuere archäologische Forschungen dargetan, auch ein Maß- -und Gewichtssystem, das für das Altertum grundlegend wurde. - -Die Einheit für die Längenmessung, die Doppelelle, war 992-1/3 mm -lang. Dies Maß ist neuerdings auf Statuen bei Ausgrabungen entdeckt -worden. Daß die babylonische Doppelelle und das Sekundenpendel fast -übereinstimmen[97], ist wohl als Zufall aufzufassen. Dagegen hat -man angenommen, daß die Gewichtseinheit, die Mine, wie das heutige -Kilogramm nach einem bestimmten Grundsatz aus der Längeneinheit -abgeleitet worden sei[98]. - -Wird die Doppelelle nämlich in 10 Teile zerlegt und dieses Zehntel -als Kantenlänge für einen Würfel gewählt, den man mit Wasser füllt, -so kommt das Gewicht dieser Wassermasse einem Kilogramm sehr nahe, da -ja die Doppelelle nur wenig von dem Meter abwich. Das Gewicht dieser -Wassermasse stimmt mit der Mine (984 g) nahezu überein. Die Hälfte -dieses Gewichtes, die leichte Mine von 492 g, war während des ganzen -Altertums gebräuchlich[99]. - -[Illustration: Abb. 6. Altbabylonisches Gewichtsstück. Nach *Layard*.] - -[Illustration: Abb. 7. Wage, einem altägyptischen Totenbuche entnommen.] - -Mit der Anwendung des Hebels zum Abwägen von Waren, Heilmitteln usw. -waren schon die ältesten Kulturvölker vertraut. Die Ausgrabungen in -Mesopotamien haben zahlreiche, mitunter sehr handlich gestaltete (s. -Abb. 6) Gewichtsstücke zutage gefördert. In Ägypten hat man nicht -nur solche bis herab zu Stücken, die wenige Gramm anzeigen, sondern -auch zahlreiche Abbildungen von Wagen (siehe Abb. 7) gefunden. Die -ägyptischen Wagen waren sämtlich zweiarmig. An dem oberen Teile des -Gestelles befand sich ein Lot, um die richtige Einstellung der Wage zu -kontrollieren. Die Ägypter müssen es verstanden haben, schon ziemlich -empfindliche Wagen herzustellen. Aus den Rezepten des Papyrus Ebers -geht nämlich hervor, daß man als kleinstes Gewichtsstück ein solches -benutzte, das nur 0,71 g wog[100]. - -Nach den bisher gewonnenen archäologischen Aufschlüssen haben sich die -Ägypter der ungleicharmigen Wage noch nicht bedient. Daß die Ägypter -aber mit der Wirkung des ungleicharmigen Hebels schon in grauer Vorzeit -bekannt waren, beweisen die Wandgemälde Thebens. - -Die auf dem Prinzip des ungleicharmigen Hebels beruhende Schnellwage -begegnet uns zuerst in Italien. Gut erhaltene Exemplare wurden in -Etrurien und in Pompeji ausgegraben[101]. - - -Die Anfänge der Metallurgie und anderer chemisch-technischer Gewerbe. - -Nicht nur auf den Gebieten der Mathematik und der Astronomie, die wir -bisher vorzugsweise gewürdigt haben, erlangten die Babylonier und -die Ägypter im großen und ganzen die gleiche Stufe der Entwicklung, -sondern auch im übrigen ist die Höhe des Wissens und der Kultur im -allgemeinen bei den beiden uralten, unter fast gleichen Bedingungen -lebenden und wohl auch stammverwandten Völkern fast dieselbe gewesen. -So haben die neueren Forschungen erwiesen, daß die Babylonier wie -die Ägypter Eisen herstellten und verarbeiteten. Schon *Lepsius* hat -darauf aufmerksam gemacht[102], daß auf den, auch in den Farben so -wohlerhaltenen, ägyptischen Wandbildern der Kriegshelm blau gemalt -ist. Im Grabe Rhamses des Dritten sind auch die Schwerter blau gemalt. -In beiden Fällen kann es sich wohl nur um die Wiedergabe eiserner -Waffen handeln. Gemalte Holzlanzen der ägyptischen Gräber tragen rote -und blaue Spitzen. Wir erkennen daraus, daß neben Eisen auch Kupfer -zur Herstellung von Waffen gebraucht wurde. Um den Granit in solch -vollkommener Weise zu bearbeiten, wie es ihre Sarkophage und Obelisken -zeigen, mußten die Ägypter wohl auch schon mit dem Härten des Eisens -vertraut sein[103]. - -Neuerdings haben sowohl die ägyptischen als auch die babylonischen -Ausgrabungen zahlreiche Beweisstücke für eine frühe Bekanntschaft mit -dem Eisen zutage gefördert. Immerhin ist nach Ansicht der meisten -Ägyptologen das Eisen im alten ägyptischen Reich noch sehr wenig in -Gebrauch gewesen. - -Als älteste Spur dieses Metalls gilt ein in dem Mauerwerk der um 2500 -errichteten Cheops-Pyramide gefundenes Eisenstück. Ähnliche Funde -liegen aus anderen fast ebenso alten Pyramiden vor (*E. v. Lippmann*, -Alchemie, 1919, S. 610). - -[Illustration: Abb. 8. Gewinnung von Eisen nach altägyptischen -Wandgemälden.] - -Sicher ist die Erfindung des Eisens nicht einem bestimmten Volke -zuzuschreiben, sondern sie ist zu verschiedenen Zeiten überall dort -erfolgt, wo leicht reduzierbare Eisenerze zur Verfügung standen. Das -war nicht nur in Ägypten, sondern auch in Indien, Persien, Palästina -und anderen Ländern der alten Kulturwelt der Fall. Eisenerz fehlte -auch im mittleren und südlichen Afrika nicht, und es ist anzunehmen, -daß man auch dort auf eine primitive Art der Eisengewinnung, die man -selbst bei den Hottentotten antrifft, gekommen ist. Die Frage, ob etwa -die Ägypter durch die Nubier oder durch die Bewohner Vorderasiens mit -der Eisengewinnung bekannt geworden sind oder ob sie sie selbständig -entdeckt haben, wird sich wohl kaum je mit Sicherheit entscheiden -lassen trotz aller Kontroversen, die schon über diese Frage geführt -wurden. - -Die Art, wie die Ägypter Eisen herstellten, ist aus vorstehender -Abbildung ersichtlich[104]. Sie benutzten Blasebälge aus Leder, die -mit den Füßen getreten wurden. Ein Arbeiter bediente zwei solcher -Säcke, von denen abwechselnd der eine durch den Zug einer Schnur mit -Luft gefüllt wurde, während sich der andere unter dem Druck des Fußes -entleerte. Die gepreßte Luft gelangte in eine Feuerung, in welcher -das Eisenerz unter der reduzierenden Wirkung eines Kohlenfeuers zu -Eisen niedergeschmolzen wurde. Den altägyptischen ähnliche Blasebälge -sind noch heutzutage im Innern Afrikas in Gebrauch. Daß auch die -Babylonier Eisen herstellten und verarbeiteten, ist nicht nur durch -keilschriftliche Aufzeichnungen, sondern auch durch Funde von Helmen, -Panzern und Geräten erwiesen. - -Noch leichter als das Eisen aus seinen Erzen ließ sich das Kupfer aus -Malachit erschmelzen. Zudem besaßen die alten Ägypter Fundstätten, an -welchen dieses Metall vorkam. So betrieb dieses Volk bereits im 5. -Jahrtausend v. Chr. auf der Insel Meroë einen umfangreichen Bergbau auf -Kupfer[105]. - -Metallisches Zink[106] und reines Zinn waren zwar den beiden ältesten -Kulturvölkern nicht bekannt[107], doch verstanden sie es, durch -einen Zusatz von Erzen dieser Metalle, insbesondere von Galmei, beim -Niederschmelzen der Kupfererze Bronze herzustellen, deren Verwendung zu -Waffen, Schmucksachen und Geräten bis in die älteste Zeit hinaufreicht. -Oft tragen auch die Bronzegegenstände Spuren einer Bearbeitung mit -Stahl[108]. Am frühesten sind Silber und besonders Gold gewonnen und -verarbeitet worden, da beide Metalle an vielen Orten gediegen vorkommen -und ihres Glanzes und ihrer Beständigkeit wegen geschätzt wurden. -Die Ägypter betrieben Goldbergwerke in Nubien. Sie kannten die Kunst -des Vergoldens und schmolzen Gold in einem bestimmten Verhältnisse -mit Silber zu einer Legierung zusammen. Die Ausbeute Nubiens an Gold -soll sich zur Zeit Rhamses des Zweiten auf viele Millionen jährlich -beziffert haben. - -Ein interessantes Schriftdenkmal aus jener Zeit ist ein Grubenriß, der -sich auf einem in Turin bewahrten Papyros aus dem 15. Jahrhundert v. -Chr. befindet. Er stellt den Plan eines Tagebaues auf Gold in allen -seinen Einzelheiten dar und ist das älteste Dokument dieser Art, das -auf uns gekommen ist[109]. - -Eine aus Kupfer hergestellte Wasserleitung weist ein um 2500 v. Chr. -entstandener Tempel auf, der in der Nähe des alten Memphis freigelegt -wurde. Die Leitung hatte eine Länge von 400 Metern. Die Röhren -bestanden aus getriebenem Kupfer und besaßen etwa 4 cm Durchmesser -und 1 mm Wandstärke[110]. Die althergebrachte Meinung, daß der Name -Kupfer von Cypern stamme, wird neuerdings angefochten. Das Kupfer wurde -schon im Altertum auch in den Alpen und in Skandinavien gewonnen. Sein -lateinischer Name »Cuprum« wurde wahrscheinlich von den Römern den -nordischen Völkern entlehnt[111]. - -Ein Beispiel von den Leistungen der alten Völker im Schmieden ist die -berühmte Eisensäule in Delhi. Sie wiegt 11000 kg und hat ein Alter von -etwa 2000 Jahren[112]. Die Säule besteht aus sehr reinem Eisen und ist -trotz des feuchten Klimas des Landes kaum verrostet. Die Reisenden des -Mittelalters erwähnen sie unter Ausdrücken der größten Bewunderung. Sie -ist etwa 7-1/2 m hoch und besitzt einen Durchmesser von 1/2 m. - -Hand in Hand mit der Gewinnung und der Verarbeitung der Metalle -ging die Herstellung von Glas, Email, gefärbten Glaswaren und von -Erzeugnissen der Töpferei. Sowohl in Babylonien als in Ägypten war man -mit diesen Gewerben vertraut. Die Glasflüsse und Emaillen wurden mit -Kupferoxyd und mit Kobaltverbindungen rot und blau gefärbt. Daß man -es auch in der Kunst des Schleifens weit gebracht hatte, beweist die -Auffindung einer Linse durch *Layard*[113] in den Ruinen Ninives. Diese -Linse befindet sich im Britischen Museum; sie ist 0,2 Zoll dick und -besitzt eine Brennweite von 4,2 Zoll. Welchem Zweck sie diente, läßt -sich nicht angeben. - -Die Glasbereitung, deren Erfindung man mit Unrecht den Phöniziern -zugeschrieben hat, wurde in Ägypten schon in der ältesten Zeit geübt. -Als Materialien wurden Sand, Soda, Muschelschalen usw. verwendet. Das -bekannte Relief von Beni Hassan stellt nicht, wie man früher annahm, -Glasbläser, sondern wahrscheinlich Metallarbeiter vor. Das Blasen -des Glases kam nämlich erst um den Beginn unserer Zeitrechnung auf. -Anfangs wurden die Gläser über einem Tonkern geformt, oder man goß -die flüssige Glasmasse in Tonmodelle, die man hin- und herschwenkte, -um dem erkaltenden Glase die gewünschte Form zu geben[114]. Eine -ausführliche Darstellung über das Glas im Altertum verdankt man *A. -Kisa* (*A. Kisa*, Das Glas im Altertume. 978 Seiten mit 395 Abbildungen -im Text und zahlreichen Tafeln. Leipzig, K. W. Hiersemann 1908). *Kisa* -erwähnt ägyptische Glasfabriken, die zur Zeit Amenophis des Vierten -in Tell el Amarna bestanden. Die Ägypter vertrieben ihre Erzeugnisse -(z. B. Glasperlen) schon im Massenexport. Von Ägypten aus wurden die -Phönizier und die übrigen Mittelmeervölker mit der Bereitung und der -künstlerischen Verarbeitung des Glases bekannt. - -Von sonstigen chemisch-technischen Gewerben wurden nicht nur die -Töpferei unter Anwendung von Email, sondern auch die Färberei mit -Benutzung des Alauns als Beize ausgeübt. Als Mineralfarben gebrauchte -man Zinnober und Eisenoxyd, wie sie die Natur darbietet. Mennige, -Bleiweiß und Kienruß wurden künstlich hergestellt. Indem man die in -Ägypten natürlich vorkommende Soda der Natronseen mit Öl behandelte, -gelangte man zur Erfindung der Seife. - - -Die Anfänge der Heilkunde. - -Ein erstaunlich hohes Alter besitzt auch die Heilkunde. Manches -ist darüber aus den in Ägypten gemachten Papyrusfunden und aus -babylonischen Keilschrifttexten bekannt geworden, doch ist es oft nicht -möglich, aus den Beschreibungen die Krankheiten wiederzuerkennen. -Welche Entwicklung die Heilkunde in Ägypten genommen, das nebenbei als -ein gesundes Land galt, erkennen wir aus den Angaben *Herodots*. Er -erzählt: »Die Heilkunde ist bei ihnen geteilt, jeder Arzt beschäftigt -sich mit einer Art von Krankheit. Die einen sind Augenärzte, die -anderen Ärzte für den Kopf, andere für die Zähne und wieder andere für -nicht sichtbare Krankheiten«[115]. - -Nicht nur das Bedürfnis, Krankheiten zu heilen, sondern auch der -Brauch, Leichen zu mumifizieren, wird die Ägypter frühzeitig zur -Beschäftigung mit dem Bau des menschlichen Körpers geführt haben, wenn -auch religiöse Gründe einer, zu wissenschaftlichen Zwecken erfolgenden -Zergliederung der Leichen im Altertum wie im Mittelalter recht hindernd -im Wege standen. - -Das hohe Alter der babylonischen Heilkunde geht schon daraus hervor, -daß die Gesetzessammlung Hammurabis auch von medizinischen Gebühren und -von der Haftpflicht der Chirurgen handelt. Ein Paragraph[116] bestimmt -unter anderem, daß man einem Chirurgen, der das Auge eines Menschen -öffne, um den Star zu operieren, beide Hände abhauen solle, wenn das -Auge durch den chirurgischen Eingriff zerstört werde[117]. Nicht -minder barbarisch waren die ägyptischen Vorschriften. Berichtet uns -doch *Diodor*[118], daß Ärzte, wenn der Patient starb, Gefahr liefen, -als Mörder bestraft zu werden. Da jene ältesten Ärzte ihre Heilmittel -aus allen Naturreichen wählten, so waren Medizin und Naturkunde von -vornherein aufs engste miteinander verschwistert. Die medizinischen -Papyrusfunde zählen über 50 Pflanzen auf, die zu Heilzwecken gebraucht -wurden. Daneben fanden auch Organe und Sekrete von Tieren, wie Herz, -Leber, Blut, Galle usw., ferner Mineralien wie Kupfersalze und Natron -Verwendung. - -Ein interessanter Abschnitt aus der Geschichte der Heilkunde ist auch -die Behandlung der Zahnkaries. Die Babylonier nahmen an, daß das -Hohlwerden der Zähne von Würmern herrühre, welche die Zähne ausnagen -sollten. Eine Heilung erwartete man von Beschwörungsformeln. Diese -Formeln verbreiteten sich nach Europa und erhielten sich dort bis ins -Mittelalter. An die Stelle der Beschwörung oder neben diese trat aber -schon sehr frühzeitig eine sachgemäße Behandlung der Krankheit. Man -stillte den Schmerz mit giftigen Kräutern und füllte den hohlen Zahn -mit Harz[119]. - -Ein Keilschrifttext, der erkennen läßt, in welcher Art oft -kosmogonische Vorstellungen mit Gebetformeln und Heilvorschriften -vereinigt wurden, lautet folgendermaßen: - - »Als Gott Anu schuf den Himmel, - der Himmel schuf die Erde, - die Erde schuf die Flüsse, - die Flüsse schufen die Kanäle, - die Kanäle schufen den Schlamm, - der Schlamm schuf den Wurm. - Da ging der Wurm; beim Anblick der Sonne weinte er. - Vor das Angesicht des Gottes Ea kamen seine Tränen: - Was gibst du mir zu meiner Speise? - Was gibst du mir zu meinem Tranke? - Ich gebe dir das Holz, das faul ist und die Frucht des Baumes. - Was ist für mich faules Holz und die Frucht des Baumes? - Laß mich nisten im Innern des Zahnes. - Seine Höhlungen gib mir als Wohnung. - Aus dem Zahne will ich saugen sein Blut. - Weil du dies gesagt hast, Wurm, - möge dich schlagen der Gott Ea - mit der Stärke seiner Hände. - Dies diene zur Beschwörung für den Schmerz der Zähne. - Dabei sollst du Bilsenkraut pulvern und mit Baumharz zusammenkneten. - Dies sollst du in den Zahn bringen, während du die Beschwörung dreimal - hersagst[120].« - -Daß sich durch das Zusammenleben in den oft stark bevölkerten Städten -der alten Kulturwelt auch schon eine gewisse Wohnungs- und Volkshygiene -herausbildete, darf als sichergestellt gelten. Die Erbauung der Städte -erfolgte oft schon nach bestimmten Plänen. Einen Stadtplan von Ninive -hat man auf einer Statue gefunden, deren Alter auf 5000 Jahre beziffert -wird. Selbst Wasserleitungen und Kloaken begegnen uns schon bei den -Babyloniern und bei den Ägyptern. Wahrscheinlich sind die Griechen, -wie in so vielen anderen Dingen, auch hierin die Schüler dieser Völker -gewesen. Bei den Assyrern gab es um 700 v. Chr. Städte mit geraden, -gepflasterten Straßen, die sogar Bürgersteige aufwiesen[121]. - -Welchen Umfang die Kenntnisse der Ägypter in medizinischen, botanischen -und zoologischen Dingen besaßen, kann man kaum noch feststellen. -Viele Einzelheiten lassen sich zwar aus Abbildungen und den auf -uns gekommenen Papyrusfunden entnehmen. Wir wissen ferner, daß die -angewandte Botanik in Ägypten und in Vorderasien ihren Ursprung -genommen hat. So wurden in Ägypten drei Weizen- und zwei Gerstenarten, -sowie die Hirse (Sorghum) gebaut[122]. Auch betrieb man den Anbau des -Rizinus, der Dattel und der Feige, des Weinstocks, der Linsen, Erbsen -usw. - -Das umfangreichste medizinische Schriftdenkmal ist der Papyrus -Ebers. Er stammt aus Theben und wurde vermutlich um 1500 v. Chr. -niedergeschrieben. Der Papyrus Ebers ist in der Hauptsache eine -Sammlung von Rezepten (z. B. Rizinus gegen Verstopfung), Gebeten und -Beschwörungsformeln für die verschiedensten Krankheiten. Er gestattet -daher keinen Schluß auf den Stand der Medizin im allgemeinen. Obgleich -wir keinen, die Chirurgie in gleicher Ausführlichkeit behandelnden Text -besitzen, läßt sich aus den Beobachtungen gut geheilter Knochenbrüche -und ähnlicher Dinge an Mumien wohl schließen, daß der Stand dieses, -durch anatomische Kenntnisse bedingten medizinischen Wissenszweiges ein -verhältnismäßig hoher gewesen ist[123]. - -Die Bereitung der Arzneien erfolgte anfangs durch die Ärzte selbst. -Indessen begegnen uns schon im alten Alexandrien und im alten Rom -besondere Arzneibereiter. Die Einrichtung von Handapotheken geht bis -in die älteste ägyptische Zeit zurück. Die ägyptische Sammlung des -Berliner Museums besitzt eine aus dem Jahre 2000 v. Chr. stammende -Handapotheke einer ägyptischen Königin. Diese Apotheke war laut -geschriebener Widmung ein Geschenk. In den mit Pfropfen verschlossenen -Alabastergefäßen befinden sich noch Wurzeln, die Heilzwecken -dienten[124]. - - -Erstes naturgeschichtliches Wissen. - -Manchen Aufschluß über das Verhältnis der alten Ägypter zu der sie -umgebenden Tier- und Pflanzenwelt erhalten wir aus den Wandgemälden -der Gräber und den Verzierungen der den Toten mit ins Grab gegebenen -Schminktafeln. Der Papyrus Ebers enthält auch einige Andeutungen über -die Entwicklung des Skarabäus aus dem Ei, der Schmeißfliege aus der -Larve, des Frosches aus der Kaulquappe[125]. Eine Fülle wohlerhaltener -Abbildungen von Tieren und Pflanzen enthalten die aus dem alten Reiche -(der V. Dynastie) stammenden Gräber des Ptahhotep und des Ti. Sie -gehören der Nekropole des alten Memphis an und liegen in der Nähe -der Stufenpyramide von Sakkara. Das Grab des Ptahhotep zeigt uns den -Verstorbenen umgeben von seinen Windhunden und Schoßaffen. Diener -sind mit dem Schlachten von Opfertieren beschäftigt, oder sie führen -Jagdbeute herbei, wie Gazellen und Löwen. Die Jagdszenen enthalten -manche Beobachtung aus dem Tierleben, z. B. einen Löwen, der einen vor -Schreck gelähmten Ochsen überfällt. Ausführlich wird die Weingewinnung -dargestellt. Die Bilder zeigen die Pflege des Weinstocks, die -Traubenlese und das Keltern. Sehr früh verschwinden aus den Abbildungen -die Darstellungen phantastischer Mischgestalten. Besonders die -Schminktafeln (die alten Ägypter schminkten die Augenbrauen) zeigen, -daß man schon von der ersten Dynastie an mit wenigen Ausnahmen nur -wirklich beobachtete Tierformen zur Darstellung brachte[126]. - -Mit dem Pferde sind die Ägypter und die Babylonier erst verhältnismäßig -spät bekannt geworden. So enthält die Gesetzessammlung *Hammurabis* -zahlreiche Bestimmungen, in denen von Rindern, Eseln, Schafen und -anderen Haustieren die Rede ist, aber keine, die das Pferd betreffen. -Dieses ist allem Anschein nach erst zu Beginn des 2. Jahrtausends durch -arische Stämme, die vom Aralsee her vordrangen, nach Vorderasien und -Ägypten gelangt. Durch die Einführung des Pferdes kam der Streitwagen -in Aufnahme, welcher der Kriegsführung ein ganz neues Aussehen verlieh. - -Den Übergang von Kulturpflanzen und Haustieren aus Asien nach Europa -behandelt *Victor Hehn* auf Grund der Angaben der griechischen und -der römischen Schriftsteller. In seinem Buche konnten, als es 1870 -zuerst erschien, die wesentlichsten Ergebnisse der ägyptologischen -und assyriologischen Forschungen noch nicht berücksichtigt werden. -Die neueren Auflagen des seinerzeit epochemachenden Buches von *Hehn* -haben sich darin nur wenig geändert. Es ist das Verdienst *Hehns*, -zuerst nachdrücklich darauf hingewiesen zu haben, daß die Fauna und -die Flora der Kulturländer durch die Einwirkung des Menschen ganz -wesentlich umgestaltet wurden. Dabei bediente sich *Hehn* indessen -noch vorwiegend der rein philologischen Untersuchung. Daß z. B. das -Huhn erst verhältnismäßig spät in Vorderasien und in Europa bekannt -wurde, schließt *Hehn* daraus, daß dieses Tier im Alten Testamente -nicht erwähnt wird und sich auch nicht auf den ägyptischen Wandgemälden -findet, die im übrigen alles, was den Haushalt der alten Ägypter -betrifft, vor Augen führen. In bezug auf Italien kommt *Hehn* zu -dem allgemeinen Ergebnis, daß seine Pflanzenwelt unter dem Einfluß -des Menschen immer mehr einen südlichen und asiatischen Charakter -angenommen habe[127]. Meldet doch *Plinius*, daß z. B. der Kirschbaum -erst durch *Lucullus* von der pontischen Küste nach Italien verpflanzt -sei. - -Die literarischen Belege und die Abbildungen von Pflanzen und Tieren -finden eine wertvolle Ergänzung durch die Naturgegenstände selbst, die -man in den alten Nekropolen Ägyptens gefunden und in dem großen Museum -von Kairo vereinigt hat. Man findet dort zahlreiche Mumien von Hunden, -Krokodilen, Fischen, Vögeln (besonders dem Ibis), Spitzmäusen, Bos -africanus usw. Die Insekten sind besonders durch Skarabäen vertreten. -Nicht minder zahlreich sind die Pflanzenreste. - -Die Ägypter gelangten auch zu chemischen Operationen, deren Ziel -die Herstellung von Heilmitteln aus pflanzlichen Stoffen war. So -ist bekannt geworden, daß sie in späterer Zeit zu diesem Zwecke -die Destillation ausübten[128] und sich dabei der von ihnen -erfundenen Glasgefäße bedienten. In geringem Umfange fanden -auch schon anorganische Stoffe, wie Eisenoxyd, Alaun usw., als -Heilmittel Verwendung, so daß schon in den ältesten Zeiten ein -gewisser Zusammenhang von chemischem Können mit der Pharmazie sich -herausbildete[129]. - -Der ägyptische Alaun galt als der beste (*Plin.* 35, 184). Besondere -Alaunwerke, die großen Gewinn abwarfen, bestanden nach *Diodor* (V, -15) auf Lipara. Wie heute wurden mehrere Abarten unterschieden. Man -benutzte Alaun nicht nur in der Heilkunde, sondern auch als Beize, zum -Imprägnieren von Holz, um es vor Feuer zu schützen, zum Gerben (*Plin.* -XXXV, 190), also zu vielen Zwecken, denen er noch jetzt dient. - - -Die alte Kultur Süd- und Ostasiens. - -Nachdem wir das Entstehen der ersten Wurzeln von Kultur und -Wissenschaft in Vorderasien und Ägypten geschildert haben, erübrigt -noch eine kurze Betrachtung der in Indien und in China entstandenen -Elemente. Die Bedeutung der Inder für die Entwicklung der -Wissenschaften ist erst auf Grund der neueren Sanskritforschung in -das rechte Licht gerückt worden, wenn auch noch manche Zweifel und -Unklarheiten geblieben sind. Erst seit der Begründung der neueren -vergleichenden Sprachforschung ist man zu der Erkenntnis gelangt, daß -die Inder mit den Griechen, Römern und Germanen eines Stammes sind. -Welches die Heimat des vermuteten indogermanischen Urvolkes war, wird -sich wohl nie ermitteln lassen. Soviel dürfen wir indessen annehmen, -daß es sich um ein Hirtenvolk handelte, das innerhalb eines gemäßigten -Klimas erstarkt war und infolgedessen zu wandern begann. Der neue Boden -mußte aber nicht nur der Natur, sondern auch einer auf niedriger Stufe -stehenden Urbevölkerung abgerungen werden. So drangen die Inder mit -ihren Rossen und Rindern von Nordwesten her, einige Jahrtausende vor -Beginn unserer Zeitrechnung, in die nach ihnen benannte Halbinsel ein. -Zunächst setzten sie sich im Gebiete des Indus fest und drängten von -hier aus die dunklen Urbewohner nach Süden und in die Gebirge zurück. - -Während der ersten Stufen, welche die Entwicklung in Indien durchlief, -wird keine oder nur eine geringe Fühlung mit den Mittelmeervölkern -bestanden haben. Indes schon mit dem ersten Aufdämmern der Geschichte -ist ein Verkehr Indiens mit dem Westen wie mit China nachweisbar, so -daß der frühere Glaube an die völlige Abgeschlossenheit der süd- und -ostasiatischen Kultur einer anderen Auffassung hat weichen müssen. In -der allerersten Zeit war es der Handel, der eine Verbindung herstellte -und dabei den Seeweg bevorzugte. Auf diesem Wege gelangten die -Erzeugnisse Indiens nach dem Arabischen Meerbusen und von dort den -Euphrat und Tigris hinauf. Selbst die Ostküste des entfernten Ägyptens -unterhielt lebhafte Handelsbeziehungen zu Indien. Und in späterer Zeit -durchfuhren selbst römische Schiffe das Rote Meer und den Indischen -Ozean, in welchem sich die Seefahrer den regelmäßigen Wechsel der -Monsunwinde zunutze machten[130]. - -Einem Austausch der Waren wird zu allen Zeiten ein Austausch des -Wissens parallel gegangen sein. Ein weiteres kräftiges Ferment für eine -wechselseitige Befruchtung waren ferner die Ausbreitung der Religionen -und die Eroberungszüge. So entstanden später infolge des Alexanderzuges -an den Grenzen Indiens griechische Königreiche, die einen regen -Austausch auch geistiger Erzeugnisse zwischen den Bewohnern der -Mittelmeerländer und Südasiens vermittelten. Zur römischen Kaiserzeit -und während der byzantinischen Periode fand sogar ein Verkehr zwischen -den indischen und den westlichen Höfen durch Gesandtschaften statt. -Ja, unter Kaiser Antoninus ist sogar eine römische Gesandtschaft am -chinesischen Hofe erschienen[131]. - -Für die Geschichte der Wissenschaften kommt insbesondere der -Einfluß in Betracht, den die Inder auf medizinischem und -astronomisch-mathematischem Gebiete auf die westlich von ihnen -wohnenden Völker ausgeübt haben. Besaßen doch später die Araber nicht -nur in Galen, sondern nicht minder in den Indern Lehrmeister in der -Anatomie und Chirurgie. Unter den Naturerzeugnissen Indiens befand sich -ferner mancher Stoff, der von den Bewohnern als heilkräftig erkannt und -anderen Völkern übermittelt wurde. So hatten sich bei Alexander[132] -geschickte indische Ärzte eingefunden, die sich besonders auf die -Heilung von Schlangenbissen verstanden. Als ein Beweis für das Alter -der indischen Medizin mag auch gelten, daß die Ärzte bei den Indern in -hoher Achtung standen[133]. - -Unter den späteren astronomisch-mathematischen Schriftstellern der -Inder sind besonders *Aryabhatta* (um 500 n. Chr.) und *Brahmagupta* -(um 600 n. Chr.) zu nennen. Bei der Beurteilung ihrer Leistungen ist -indessen zu berücksichtigen, daß in den Werken der Sanskritliteratur, -die vor *Aryabhatta* entstanden, auch griechische Einflüsse auf -die indische Wissenschaft nachweisbar sind. Hatte es doch lange -den Anschein, als ob manche Lehren älterer Sanskritwerke von den -Griechen stammen[134]. Doch wird neuerdings den Erzeugnissen der -Sanskritliteratur eine größere Selbständigkeit zuerkannt. - -Die ältesten Schriften der indischen Literatur sind die *Vedas*. In -ihnen spiegelt sich das religiöse und soziale Leben der Inder wieder; -sie enthalten aber auch die ersten Anfänge der Wissenschaften, die -sich bei diesem merkwürdigen Volke zumeist im engsten Zusammenhange -mit religiösen Gebräuchen und Empfindungen entwickelt haben. In -höchst eigenartiger Weise hat z. B. der Opferdienst die Entwicklung -der indischen Mathematik beeinflußt. Die Gestaltung der Altäre war -nämlich nach der Ansicht der Inder für den Erfolg des Opfers von der -allergrößten Bedeutung. So heißt es in einer Vorschrift: »Wer die -himmlische Welt zu erlangen wünscht, schichte den Altar in Gestalt -eines Falken.« Diese Aufgabe setzt aber eine bedeutende Kenntnis der -Flächengeometrie voraus, da sämtliche Steine einer Schicht polyedrisch -gestaltet und lückenlos aneinander gefügt die Figur des Falken ergeben -mußten. Erhöht wurde die Schwierigkeit dadurch, daß die zweite Schicht, -die gleich der ersten etwa zweihundert Steine enthielt, eine andere -Anordnung aufweisen und dennoch als Ganzes die erste Schicht decken -mußte. Dabei war jedes Formverhältnis von entscheidender Wichtigkeit, -da es nach der Auffassung der Inder Segen oder Unheil bringen -konnte[135]. - -[Illustration: Abb. 9. Geometrische Konstruktionen der Inder.] - -Die Schrift über die Altäre ist nach der Ansicht des Herausgebers -(*Bürk*, s. unten) im 4. oder 5. Jahrhundert v. Chr., wenn nicht -früher, verfaßt worden. Durch ihre, beim Bau der Altäre geübte Technik -sind die Inder wahrscheinlich auch mit dem Satze vom Quadrat der -Hypothenuse schon vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. bekannt geworden. -Damit ist jedoch nicht etwa gesagt, daß sie den allgemeinen Beweis -des pythagoreischen Lehrsatzes gefunden hätten. Wir dürfen nämlich -nicht vergessen, daß auch die unmittelbare geometrische Anschauung -sehr oft die Quelle neuer Wahrheiten gewesen ist. So finden wir, -daß bei gewissen indischen Altären vier Quadrate (Abb. 9) sich zu -einem größeren Quadrat ergänzen. Die vier Diagonalen der kleineren -Quadrate ergeben ein neues, über der Hypothenuse AC des gleichseitigen -rechtwinkligen Dreiecks ABC errichtetes Quadrat. Hier beweist die -unmittelbare Anschauung die Gültigkeit des pythagoreischen Lehrsatzes -für diesen besonderen Fall. In der von *Bürk* veröffentlichten -indischen Quelle[136] heißt es demnach in weiterer Verallgemeinerung: -»Die Diagonale eines Rechtecks bringt beides hervor, was die längere -und die kürzere Seite des Rechtecks jede für sich hervorbringen[137].« - -Die früher wohl geltende Meinung, daß die indische Geometrie in der -Hauptsache griechischen Ursprungs sei, kann also heute, nach der -Veröffentlichung wichtiger indischer Quellen[138], nicht mehr aufrecht -erhalten werden[139]. - -Unter den rechtwinkligen rationalen Dreiecken waren den Indern im 8. -vorchristlichen Jahrhundert z. B. diejenigen bekannt, deren Seiten sich -verhalten wie: - - 3 : 4 : 5 - 5 : 12 : 13 - 8 : 15 : 17. - -Um einen rechten Winkel abzustecken, bediente man sich, wie in Ägypten -und später in Griechenland, des Verfahrens des Seilspannens. Die -Seitenlängen, welche die Inder dabei benutzten, verhielten sich in -der Regel wie 15 : 36 : 39[140], entsprachen also gleichfalls dem -pythagoreischen Lehrsatz. Trotz alledem bleibt es wahrscheinlich, -daß erst die Griechen von den zahlreichen, bekannt gewordenen -Einzelfällen zu dem allgemeinen, früher dem Pythagoras zugeschriebenen, -geometrischen Satz gelangt sind. - -Auch für eine annähernde Quadratur des Kreises findet sich[141] bei den -alten Indern eine Regel. Handelt es sich darum, einen dem Quadrate ABCD -flächengleichen Kreis zu finden, so wird ME = AM und zwar senkrecht zu -AB gezogen (Abb. 10). Zu MG wird NG = (1/3)GE hinzugefügt. Mit der so -erhaltenen Strecke MN als Radius wird dann der Kreis um M geschlagen. -In der indischen Vorschrift heißt es: »Soviel wie (an den Ecken) -verloren geht, kommt (die Segmente) hinzu.« - -Von jeher haben die Inder als ein besonders für die Arithmetik -beanlagtes Volk gegolten. Ist es doch ihr Verdienst, das -Positionssystem und seine irrtümlich als arabisch bezeichneten Ziffern -erfunden zu haben. Wie uns die Tafeln von *Senkereh*[142] beweisen, -besaßen die Babylonier ein Positionssystem, das sexagesimal war, aber -die Null entbehrte. Die späteren Inder entwickelten durch Einführung -der Null und der dekadischen Einheiten die heutige Positionsarithmetik, -die dann dem Abendlande durch die Araber übermittelt wurde. - -[Illustration: Abb. 10. Die Quadratur des Kreises bei den Indern.] - -Je mehr die archäologischen Forschungen uns mit dem Wissen des alten -Orients bekannt machen, um so mehr befestigt sich die Überzeugung, -daß in einer drei- bis viertausend Jahre zurückliegenden Zeit die -Babylonier, die Inder und die Ägypter einen gemeinsamen Besitz an -Kenntnissen besaßen. Ohne Zweifel sind jene ersten Kulturvölker -unabhängig voneinander in den Besitz mancher Wahrheit gelangt. Doch hat -gewiß auch ein viel regerer Austausch der Kenntnisse stattgefunden als -man bisher angenommen hat[143]. - -Für die engen Beziehungen, die zwischen Babylon und Ägypten bestanden, -fehlt es nicht an Beweisen[144]. Als ein Zeichen, daß der babylonische -Einfluß auch nach Indien, ja selbst bis China reichte, kann die -Tatsache betrachtet werden, daß die indischen und die chinesischen -Quellen die Dauer des längsten Tages auf 14^h 24' angeben, ein Wert, -der für Babylon bis auf eine Minute zutrifft[145]. - -Während die wechselseitige Beeinflussung des ältesten ägyptischen, -babylonischen und indischen Wissens mehr vermutet als im einzelnen -nachgewiesen werden kann, sind die Beziehungen einerseits zwischen -indischer, andererseits zwischen griechischer und arabischer -Wissenschaft deutlich zu erkennen. Insbesondere hat zwischen Indern, -Griechen und Arabern ein Austausch mathematischer und astronomischer -Kenntnisse stattgefunden. Da wir auf die Inder in späteren Abschnitten -nicht mehr zurückkommen werden, so soll an dieser Stelle noch einiges -über die Entwicklung, die besonders die Rechenkunst bei den für die -Arithmetik so gut beanlagten Indern genommen hat, ins Auge gefaßt -werden. - -Unbestritten ist das Verdienst der Inder, die neuen Zahlzeichen -und die Null geschaffen und das Ziffernrechnen unter Anwendung des -Stellenwertes zu hoher Ausbildung gebracht zu haben. Das Rechnen mit -der Null ist schon zur Zeit des *Brahmagupta* in Gebrauch gewesen. -Auch die Schreibweise für die Brüche und die Bruchrechnung weichen von -den heute geltenden Regeln kaum ab. Zwar fehlte der Bruchstrich, doch -wurde der Zähler schon über den Nenner gestellt. Bei gemischten Brüchen -kamen die Ganzen in eine dritte, noch höhere Stufe; 2-3/4 schrieb man -z. B. 2/3/4. Das Multiplizieren der Brüche lehrt *Brahmagupta* mit -folgenden Worten: »Das Produkt aus den Zählern teile durch das Produkt -aus den Nennern.« Bei den indischen Mathematikern finden sich ferner -Regeldetriaufgaben mit direktem, indirektem und zusammengesetztem -Ansatz. Letztere werden in mehrere einfache Regeldetriaufgaben zerlegt. -Es sind sogar besondere Kunstausdrücke für die Regeldetri-Rechnung in -Gebrauch[146]. - -Wie die Inder durch Einführung der Null und des Positionssystems den -größten Fortschritt für die Arithmetik schufen, so erwarben sie sich -für die Algebra kein geringeres Verdienst durch die Einführung der -Begriffe positiv und negativ. Sogar die Erläuterung dieser Begriffe -durch die Worte Schulden und Vermögen, ja ihre Erklärung durch -Vorwärts- und Rückwärtsschreiten auf einer gegebenen Strecke war -ihnen schon geläufig. Wollte man eine Zahl als negativ bezeichnen, so -wurde ein Punkt darüber gesetzt. Selbst bei den Gleichungen wurden -negative Lösungen, welche *Diophant* (350 n. Chr.) noch für unstatthaft -erklärte, zugelassen. - -Was die arithmetischen und die geometrischen Reihen, die Quadrat- -und die Kubikzahlen anbelangt, so konnten die Griechen in dieser -Hinsicht von den Indern wenig lernen. Letzteres Volk schuf jedoch die -Kombinationslehre und die Anfangsgründe der Algebra. Ferner gelangte -man in Indien dadurch über die Lehre von den Potenzen einen Schritt -hinaus, daß man für die irrationale Quadratwurzel eine Bezeichnung -einführte. An das Erheben in die 2. und die 3. Potenz schlossen die -Inder als Umkehrungen dieser Operationen das Ausziehen der Quadrat- -und der Kubikwurzel. Hierbei bedienten sie sich schon der binomischen -Formeln für (a + b)^2 und (a + b)^3. Ja, ihre Art, die Wurzeln zu -finden, stimmte soweit mit dem heutigen Verfahren überein, daß bei -ihnen selbst das Abteilen der zu radizierenden Zahl zu je zwei oder -drei Stellen nicht fehlte. - -Auf dem Gebiete der Algebra entwickelten die Inder vor allem die -Lehre von den Gleichungen verschiedenen Grades. Für die unbekannte -Größe wird ein Zeichen gebraucht. Als ein Beispiel zugleich für die -poetische Form, in welche die Inder solche Aufgaben einkleideten, diene -folgendes: Von einem Schwarm Bienen läßt 1/4 sich auf einer Blume -nieder, 2/3 fliegt zu einer anderen Blume, eine Biene bleibt übrig, -indem sie gleichsam durch den lieblichen Duft beider Blumen angezogen -in der Luft schwebt. Sage mir, reizendes Weib, die Anzahl der Bienen. - -Noch bedeutender waren die Leistungen der Inder in der Theorie der -Zahlen, doch würde ein näheres Eingehen auf diese Seite der Mathematik -zu weit von dem Zwecke dieses Buches entfernen, das die Mathematik -nur insoweit berücksichtigen will, als sie für die Entwicklung der -Naturwissenschaften von Bedeutung gewesen ist. Für die Auflösung von -kubischen Gleichungen findet sich bei den Indern wie bei *Diophant* nur -ein vereinzeltes Beispiel. - -Nicht uninteressant ist ein kurzer Überblick über den Umfang der -indischen Arithmetik. Sie umfaßte zwanzig Operationen und acht -Bestimmungen, die jedem Meister der Rechenkunst geläufig sein -mußten[147]. Zu den 4 Grundrechnungsarten, dem Potenzieren und dem -Wurzelziehen traten 6 Operationen mit Brüchen und 5 als einfache und -zusammengesetzte Regeldetri; ferner gab es eine Regel über den Tausch. -Die Bestimmungen betrafen Mischungen, Flächen- und Körperinhalte, -Zinsberechnung, Schattenrechnung usw. Nach *Burkhardt* (Wie man vor -Zeiten rechnete, Zeitschr. f. d. math. u. naturw. Unterr. 1905. 1. -Heft) läßt sich annehmen, daß seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. in Indien -im wesentlichen ebenso gerechnet wurde, wie heute bei uns. Auch steht -fest, daß die Araber ihre Ziffern und ihre Rechenmethode von den Indern -erhalten haben. - -Was man in den Sanskritwerken an geometrischen Lehren angetroffen -hat, ist weniger bedeutend und nach *Cantor* wohl zum Teil -auf alexandrinischen Ursprung, insbesondere auf *Heron* -zurückzuführen[148]. Davon, daß die Inder mit den Kegelschnitten -bekannt gewesen, findet sich nirgends eine Andeutung. Dieser Teil -der Geometrie ist ausschließlich griechischen Ursprungs. Dagegen -blieb es den Indern als dem vorwiegend für die Arithmetik veranlagten -Volke vorbehalten, die ersten allgemeinen Sätze der Kombinationslehre -zu finden, eine Errungenschaft, zu der die Griechen, soweit unsere -Kenntnis reicht, nicht durchgedrungen sind. - -Einen wesentlichen Fortschritt erfuhr die Trigonometrie bei den Indern, -indem sie für die Sehne des Winkels deren Hälfte und somit den Sinus -einführten. Es war dies ein Fortschritt, den erst die Araber in seiner -vollen Bedeutung erkannten und zur Geltung brachten. - -Die erste indische Sinustabelle begegnet uns um 500 n. Chr.[149]. -Der Kreis hat dort wie bei den Babyloniern und den Alexandrinern 360 -gleiche Teile. Jeder Teil zerfällt in 60 kleinere Abschnitte (unsere -Minuten), von denen der ganze Kreis also 60 · 360 = 21600 enthält. Der -Radius wird durch diese kleinsten Teile des Kreises gemessen. Nach -einem von den Indern für das Verhältnis der Peripherie zum Durchmesser -angenommenen Werte ergab sich für den Radius die Zahl 3448. Da der -Sinus, als halbe Sehne des doppelten Winkels betrachtet, für 90° gleich -dem Radius wird, so erscheint für 90° in der Tabelle jener Wert 3448. -Für sin 60° wird 2978, für sin 30° wird 1719 angegeben. - -In bezug auf die Naturwissenschaften besaßen die Inder zwar zahlreiche -Einzelkenntnisse. Zur Aufstellung naturwissenschaftlicher Lehrgebäude -gelangten sie indessen ebensowenig wie die Babylonier oder die Ägypter. -Diese Tat blieb vielmehr den Griechen vorbehalten. In physikalischer -Hinsicht ist erwähnenswert, daß die Kenntnis des Brennglases und der -Brennspiegel bei den Indern sehr weit zurückreicht. So erwähnt eins -ihrer ältesten Bücher[150], daß getrockneter Mist sich entzünde, wenn -man die Sonnenstrahlen mittelst eines Steines oder Glases oder auch -eines Metallgefäßes darauf werfe[151]. Übrigens kannten die Griechen -im Zeitalter des *Aristoteles* gleichfalls schon die Feuererzeugung -mit Hilfe eines durchsichtigen Steines[152]. Auf Grund einiger -Sanskritstellen hat man den alten Indern die Kenntnis des Schießpulvers -zugeschrieben. So wird ein König aus dem dritten vorchristlichen -Jahrhundert genannt, der »Feuerwerke« angeordnet habe. Daraus aber auf -eine so frühzeitige Kenntnis der Inder zu schließen, erscheint doch -recht gewagt[153]. - -Daß die so überaus üppige Natur eines Landes wie Indien ein -frühzeitiges Emporblühen der Pflanzenkunde und einer auf ihr beruhenden -Heilkunde hervorrief, ist leicht erklärlich. In der Sanskritliteratur -fehlt es daher nicht an Werken, die eine große Menge von Heilmitteln, -Nahrungsmitteln und Giften anführen. Es ist jedoch nur selten möglich, -die Art, um die es sich handelt, zu bestimmen. Am häufigsten wird -Nelumbium speciosum, eine prächtige Seerose, erwähnt. Neben den -Pflanzen wurden aber auch Metalle und Chemikalien von den alten -Indern zu Heilzwecken verwendet. Am ausführlichsten berichtet über -den Stand ihrer naturwissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisse -die Ayur-Veda *Susrutas*. Das Werk umfaßt sechs Bücher, die sich -im wesentlichen mit der Lehre von den Heilmitteln, der Anatomie, -der Pathologie und der Therapie beschäftigen. Das Knochensystem des -Menschen enthält nach *Susrutas* Aufzählung 300 Knochen. In der Schule -des *Susruta* wurden schon Leichen zergliedert und in fließendem Wasser -präpariert. - -Daraus erklärt sich die erstaunliche Höhe der anatomischen Kenntnisse, -welche die Inder schon im 6. Jahrhundert v. Chr. besaßen[154]. -*Susruta* war auch schon mit dem diabetischen Zucker bekannt, während -die Beobachtung, daß der diabetische Harn auffallend süß ist, in Europa -erst im 17. Jahrhundert gemacht wurde[155]. - -Unter den Heilmitteln[156] erwähnt *Susruta* Quecksilber, Silber, -Arsen, Antimon, Blei, Eisen und Kupfer. Auch Alaun und Salmiak fanden -sich im Arzneischatz der alten Inder. Wann die Ayur-Veda entstand, -ist nicht sicher bekannt. Einige legen die Zeit ihrer Entstehung -weit vor Christi Geburt. *Susrutas* Werk erwähnt nicht weniger als -760 Heilmittel, die zum weitaus größten Teile aus dem Pflanzenreiche -stammen[157]. - -Wie die alten Babylonier, so operierten auch die Inder den Star. -Nachrichten darüber reichen etwa bis zum Beginn unserer Zeitrechnung -zurück. Die Operation wurde mit zwei Instrumenten ausgeführt. Das eine -diente zum Öffnen des Augapfels; mit dem andern wurde die getrübte -Linse entfernt[158]. - -Weit isolierter als die indische Kultur, welche doch mit der -griechischen und mit der arabischen Welt in mannigfache Berührung kam, -blieb die chinesische. Nicht nur, daß China durch riesige Gebirge -und weite, öde Länderstrecken von den Völkern Vorderasiens und der -Mittelmeerländer getrennt war, es fehlte auch die Rassengemeinschaft, -welche die Arier Indiens mit den Persern und den westlichen -Indogermanen verband. Dennoch hat schon im Altertum der Handel eine -Verbindung zwischen dem äußersten Osten Asiens und dem Mittelmeer -geknüpft. Diese Verbindung erfolgte durch den Seeverkehr über den -Indischen Ozean. China lieferte dem Westen besonders Seide und empfing -dafür Edelmetall, Glasgegenstände und Bernstein. Durch die immer -weitere Ausdehnung ihrer Eroberungszüge kamen das römische und das -chinesische Reich am Kaspischen Meere einander nahe. Sogar der Einfluß -der in Vorderasien entstandenen Nestorianersekte hat sich bis nach -China ausgedehnt. Ein in Singanfu errichtetes Denkmal mit chinesischer -und syrischer Inschrift gibt uns davon Kunde[159]. Trotzdem hat keine -andere Kultur der alten Welt so wenig Einflüsse von außen erfahren -und so wenig wiederum nach außen gewirkt wie diejenige Chinas, so daß -dieses Land für die Entwicklung, welche die Wissenschaften genommen -haben, kaum in Betracht kommt. Zwar hat sich das Interesse seiner -Bewohner frühzeitig mathematischen und astronomischen Dingen zugewandt, -ein wenn auch unvollkommenes Verfahren des Buchdrucks wurde erfunden, -und eine Literatur entstand, die der arabischen an Umfang wohl gleich -kam. Die gewerblichen Erzeugnisse übertrafen oft diejenigen der -westlichen Völker. Dennoch war der Einfluß nach außen sehr gering. -Selbst eine so wichtige Erfindung wie diejenige des Kompasses, die -in China erfolgte, blieb den Mittelmeervölkern über ein Jahrtausend -unbekannt. - -Für das hohe Alter der Astronomie bei den Chinesen spricht die -frühzeitige Erwähnung von Kometen- und Planetenkonjunktionen in ihrer -Literatur. Als Europa mit der Literatur der Inder näher bekannt -wurde, erstaunte man über das hohe Alter der astronomischen Tafeln -dieses Volkes. Das gleiche gilt von den Chinesen, deren astronomische -Literatur zu Beginn des 18. Jahrhunderts durch Jesuiten, die in -China Aufnahme gefunden hatten, bekannt wurde. Es zeigte sich, daß -die Astronomie dort schon um 1000 v. Chr. eine nicht geringe Höhe -erreicht hatte. Indessen ist ihre weitere Entwicklung nur sehr langsam -gewesen[160]. So geht z. B. ein Kometenverzeichnis bis auf das Jahr -2296 v. Chr. zurück[161]. Ferner erwähnt einer der Jesuiten, welche -die Chinesen mit der europäischen Astronomie bekannt machten[162], -eine von den Chinesen aufgezeichnete Planetenkonjunktion vom Jahre -2461 v. Chr.[163]. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß es sich dabei -nicht um eine wirkliche Beobachtung, sondern nur um eine rückwärts -berechnete astronomische Erscheinung gehandelt hat. Mit dem Gnomon -waren die Chinesen schon um 1100 v. Chr. bekannt. Sie ermittelten -daran die Schiefe der Ekliptik, bestimmten die Dauer des Jahres zu -365-1/4 Tagen[164] und kannten schon die regelmäßige Wiederkehr der -Finsternisse. Es kam vor, daß man Astronomen mit dem Tode bestrafte, -wenn sie eine Finsternis nicht richtig vorhergesagt hatten. Ein Fall -dieser Art soll sich schon um 2000 v. Chr. zugetragen haben[165]. - -Daß Ostasien auch während des Mittelalters mit der übrigen Kulturwelt -Beziehungen unterhielt, beweist uns das Auftauchen alchemistischer -Bestrebungen in China um 800 n. Chr. Die chinesischen Quellen -lassen erkennen, daß auch die theoretischen Vorstellungen, denen -die Alchemisten im Reiche der Mitte huldigten, von den Arabern -stammen[166]. - - - - -2. Die Entwicklung der Wissenschaften bei den Griechen bis zum -Zeitalter des Aristoteles. - - -Manche von den in Vorderasien und Unterägypten entstandenen Grundlagen -der Wissenschaften wurden nebst anderen Kulturelementen von den -Phöniziern aufgenommen, welche sie, als das wichtigste Handelsvolk der -alten Welt, den übrigen Anwohnern des Mittelmeeres überbrachten. Bei -den Griechen, die mit der am Nil und am Euphrat entstandenen Kultur -später auch in unmittelbare Fühlung kamen, fielen diese aus dem Orient -stammenden Ansätze auf den fruchtbarsten Boden. Sie wurden nicht etwa -nur aufgenommen, sondern als das Fundament für geradezu bewundernswerte -Neuschöpfungen verwendet. Die Phönizier verbreiteten als das wichtigste -Mittel für jede weitere Entfaltung wissenschaftlicher Tätigkeit -auch die Buchstabenschrift[167], die sich aus den, Silben und ganze -Wörter bezeichnenden Hieroglyphen entwickelt hatte. Erst nachdem dies -geschehen, vermochte man mit klarem Bewußtsein das Abstrakte von den -Dingen zu trennen und auf solche Weise zur Ausbildung systematisch -geordneter Wissenschaften vorzudringen[168]. - -Eine wichtige Rolle spielten in dieser Übermittlung der orientalischen -Kulturelemente auch die Bewohner Kretas und Vorderasiens. Auf die -letzteren hat Babylonien Jahrtausende eine tiefe Wirkung ausgeübt. In -religiöser Hinsicht hat dieser Einfluß besonders stark auf das Judentum -und damit weiterhin auf die Entwicklung des Christentums gewirkt. - -Das Neue an der phönizischen Schrift bestand darin, daß sie für jeden -Konsonanten und für jeden Vokal ein besonderes Zeichen besaß. Die -ältesten in dieser Schrift verfaßten Urkunden begegnen uns um das Jahr -950. - -Sobald die Griechen aus dem Dunkel der Sage in das Licht der -Geschichte treten, zeigt sich uns bei ihnen das Bestreben, die -Welt der Erscheinungen nicht bloß betrachtend in sich aufzunehmen, -sondern sie auch in ihrem ursächlichen Zusammenhange zu begreifen. -Dies geschah einmal dadurch, daß sie die Anfänge der mathematischen -Erkenntnis auf die Naturvorgänge anwandten. Zum anderen aber auch, -indem sie, weit über alles Maß hinausschreitend, sofort den letzten -Grund des Geschehens zu begreifen trachteten. Und zwar erfolgten diese -ersten Regungen des wissenschaftlichen Denkens nicht im eigentlichen -Hellas, sondern in den ionischen Kolonien. Letztere nahmen zwischen -der asiatischen Welt und dem jungfräulichen Boden Griechenlands eine -vermittelnde Stellung ein. Auch hatten sie schon einige Jahrhunderte -vor dem Beginn der Philosophie und der Naturwissenschaften ihre -Blütezeit auf dem Gebiete der Dichtkunst erlebt. - - -Der Beginn der griechischen Naturwissenschaft. - -Als der erste Grieche, der in den beiden soeben gekennzeichneten -Richtungen wirkte, gilt *Thales* von Milet. Obgleich von ihm -herrührende Werke nicht auf uns gekommen sind und er seine Lehren -wahrscheinlich auch nur mündlich überliefert hat, sind uns doch -letztere, sowie seine Entdeckungen und sein Lebensgang durch die -Aufzeichnungen alter Schriftsteller hinlänglich bekannt geworden, um -uns ein ungefähres Bild von *Thales*[169] machen zu können. - -*Thales* wurde um 640 v. Chr. geboren, wirkte also zu der Zeit, als -Athen durch *Solon* die Grundlagen seiner Verfassung erhielt. Darin, -daß *Thales* in Ägypten gewesen und dort mit der Priesterkaste, damals -die Hüterin aller mathematischen und astronomischen Kenntnisse, in -Berührung getreten sei, stimmen alle Berichte überein. »*Thales*, der -nach Ägypten ging«, so wird uns erzählt, »brachte zuerst die Geometrie -nach Hellas. Vieles entdeckte er selbst, von vielem aber überlieferte -er die Anfänge seinen Nachfolgern«[170]. An anderer Stelle heißt es -von ihm: »Er beobachtete den Himmel, musterte die Sterne und sagte -öffentlich allen Miletern vorher, daß am Tage Nacht eintreten, die -Sonne sich verbergen und der Mond sich davorlegen werde[171].« - -Die älteste Auffassung, die uns bezüglich der Finsternisse begegnet, -ist die, daß der Sonne oder dem Monde durch irgendeine fremde Macht -Gewalt angetan würde. Es erscheint zweifelhaft, ob die Babylonier -schon einen wirklichen Einblick in den Vorgang besaßen. Seine -natürliche Ursache erkannten wohl erst die Griechen. Nach einigen war -es *Anaxagoras*, nach anderen waren es die Pythagoreer, denen die -Astronomie diesen Fortschritt verdankte[172]. - -Die Vorausbestimmung des *Thales* ist nicht etwa eine solche im -heutigen Sinne. Sie erfolgte nämlich nicht durch Messen und Rechnen, -sondern beruhte ausschließlich auf der Beobachtung derjenigen Periode, -innerhalb deren die Finsternisse regelmäßig wiederkehren. Jene Periode -war den Babyloniern nicht entgangen. Sie befanden sich im Besitz von -Aufzeichnungen, die sich über Jahrhunderte erstreckten und einen -Zeitraum von 6585 Tagen bezüglich der regelmäßigen Wiederkehr der -Finsternisse erkennen ließen. Innerhalb dieses 223 Monate umfassenden -Zeitraums, den die Babylonier Saros nannten[173], kehrt nämlich der -Mond fast genau in dieselbe Stellung zur Erde und zur Sonne zurück. -Allerdings machte man auch die Erfahrung, daß sich der Saros, -insbesondere für die Voraussage der Sonnenfinsternisse, nicht immer -bewährte[174]. - -Auch bei der Benennung der fünf Planeten hat sich anscheinend der sehr -früh einsetzende (s. S. 30) babylonische Einfluß geltend gemacht. Die -alten griechischen Namen bezeichneten nämlich Eigenschaften (Mars hieß -der Feurige, Jupiter der Leuchtende usw.). Seit dem 4. vorchristlichen -Jahrhundert bedient man sich dagegen folgender Namen: - - Stern des Hermes (Merkur), - » der Aphrodite (Venus), - » des Ares (Mars), - » des Zeus (Jupiter), - » des Kronos (Saturn). - -Die kurze Bezeichnung Hermes, Aphrodite usw. kam erst später auf. Es -ist anzunehmen, daß hierin die Griechen den Babyloniern gefolgt sind, -die gleichfalls die Planeten ihren Hauptgöttern geweiht hatten. Mit -einigen Elementen des babylonischen Wissens sind nach neuerer Annahme -schon die Pythagoreer bekannt gewesen[175]. - -Wie unentwickelt im übrigen die astronomischen Vorstellungen der -Griechen zur Zeit des *Thales* noch waren, geht daraus hervor, daß nach -den ihm zugeschriebenen Lehren die Erde eine vom Okeanos umflossene -Scheibe ist, über die sich der Himmel wie eine Kristallglocke -wölbt. Unter solchen Umständen konnte noch nicht einmal von einer -Kreisbewegung der Gestirne die Rede sein. In Übereinstimmung mit dieser -Lehre nahm man zur Zeit des *Thales* an, die Sterne sänken bei ihrem -Untergange in den Ozean und schwömmen in diesem am Rande der Scheibe -entlang zu ihren Aufgangspunkten zurück. - -Auf *Thales* werden ferner von den Griechen, die über die Mathematik -geschrieben haben, einige der wichtigsten geometrischen Sätze -zurückgeführt, so der Satz von der Gleichheit der Winkel an der -Grundlinie eines gleichschenkeligen Dreiecks, sowie der Satz, daß ein -Dreieck durch eine Seite und die anliegenden Winkel bestimmt ist. Mit -Hilfe dieses Satzes wurde z. B. die Entfernung der Schiffe vom Lande -ermittelt. - -Bezüglich der geometrischen Kenntnisse des *Thales* läßt sich jedoch -nicht mehr entscheiden, wieviel Eigenes und wieviel von den Ägyptern -Entlehntes darunter ist. Eine bekannte Anwendung der Mathematik -ist seine Schattenmessung. Es ist dies ein Verfahren, die Höhe -hervorragender Gegenstände zu bestimmen. *Thales* soll dadurch die -Bewunderung seiner Zeitgenossen erregt haben. Das Verfahren bestand -darin[176], daß er zu der Zeit, wenn Schatten und Höhe der Körper -gleich sind, was er an einem Stock ermittelte, den Schatten des -betreffenden Gegenstandes, z. B. einer Pyramide, maß, womit dann auch -sofort die Höhe des Gegenstandes gefunden war. - -Mit dem Gnomon, einem Werkzeug, das zur Bestimmung des Mittags aus -der Schattenlänge diente, sollen die Griechen durch *Anaximander* von -Milet, den bedeutendsten Schüler des *Thales*, bekannt geworden sein. -*Anaximander* (610-546 v. Chr.) hat nach *Strabon* auch die erste Karte -der Welt, soweit damals die Länderkenntnis reichte, entworfen[177]. - -[Illustration: Abb. 11. Radkarte der Erde.] - -Sein Landsmann *Hekataeos* (geb. um 550), der weite Reisen gemacht -hatte, soll die neue Kunst in solchem Maße entwickelt haben, daß er -Erstaunen erregte. *Hekataeos* verfaßte eine Erdbeschreibung, der er -eine Weltkarte beigab. Er gilt als der älteste griechische Geograph -und der Vorgänger *Herodots*. Erhalten ist von den Karten jener Zeit -nichts mehr. Sie glichen wahrscheinlich den Radkarten des früheren -Mittelalters (Abb. 11), d. h. sie waren lediglich rohe Orientierungen -ohne jeden wissenschaftlichen Wert, so daß sie den Spott *Herodots* -herausforderten. - -Die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Dingen, zu welcher -*Thales* bei den Ioniern allen Nachrichten zufolge den Anstoß gab --- nennt ihn doch *Aristoteles* den »Beginner« der philosophischen -Naturforschung[178] -- rief nun auch ein Streben nach einer -ursächlichen Erklärung der gesamten Erscheinungswelt hervor. Eine -auf den letzten Gründen fußende Erklärung ist seitdem das Ziel der -Philosophie gewesen, ohne daß sie, wie es in der Natur der Sache -liegt, jemals zu einer befriedigenden Lösung eines so weit gespannten -Problems gelangt wäre. Was die Frage nach dem Ursprung der griechischen -Philosophie anlangt, so neigt ihr hervorragendster Geschichtsschreiber, -*Zeller*, zu der Ansicht, daß sie selbständig geworden und nicht -orientalischer Herkunft sei[179]. »Wenn es je ein Volk gegeben«, sagt -*Zeller*, »das seine Wissenschaft selbst zu erzeugen imstande war, so -waren es die Griechen«. - -Dem ersten Ausdruck für ihre Weltanschauung begegnen wir bei -den Dichtern. Insbesondere war es der im 8. Jahrhundert v. Chr. -lebende *Hesiod*, der in den »Werken und Tagen« die Frage nach der -Weltentstehung aufwarf. Für *Hesiod* war die Weltentstehungslehre -wesentlich Götterlehre. Kosmogonie und Theogonie waren in jenem -Zeitalter noch zu einer in mystisches Gewand gekleideten Einheit -verschmolzen. *Thales* und seinen unmittelbaren Nachfolgern, die -sich über den Begriff des Stoffes kaum zu erheben vermochten, -genügte dann die Annahme, daß alle Dinge auf einen einzigen Urstoff -zurückzuführen seien. Als solcher dünkte dem *Thales* nichts geeigneter -als das Wasser, weil es ihm, nach seinen Eigenschaften zu urteilen, -zwischen der Erde und der Luft zu stehen schien. Eine Stütze fand -diese Lehre in gewissen Beobachtungen. Wurde doch z. B. Ägypten, -woher viele Anschauungen des *Thales* stammten, als ein Erzeugnis -des Niles angesehen. Entwickelten sich nicht ferner aus der feuchten -Erde die Pflanzen? Selbst als man später genauer beobachten lernte, -hat jene Lehre immer wieder Anhänger gefunden. *Van Helmont*, ein -hervorragender Forscher des 17. Jahrhunderts, war noch in ihr befangen. -Erst *Lavoisier* und *Scheele*, die an der Schwelle der neuesten Zeit -stehen, vermochten den Glauben an die Umwandlung des Wassers in Erde, -der stets wieder auf mangelhafte Beobachtungen gestützt wurde, durch -einwandfreie Versuche endgültig zu widerlegen. - -Das Streben nach einer Erklärung der Welt in ihrer Beziehung zum -Menschen hat seit der Zeit des *Thales* nicht aufgehört, die -hervorragendsten Geister zu beschäftigen. Hier ist es nur insofern -von Belang, als die Ergebnisse des philosophischen Denkens einen -Einfluß auf die weitere Entwicklung der Naturwissenschaften ausgeübt -haben. Letztere steckten sich alsbald das bescheidenere, aber -erreichbare Ziel, einen Einblick in den gesetzmäßigen Zusammenhang der -Erscheinungen zu gewinnen. In dem Maße, wie man dieses Ziel ins Auge -faßte, hat sich die Beseitigung phantastischer Auswüchse vollzogen, -wie sie in der Alchemie und Astrologie z. B. zum Ausdruck kamen, und -in eben demselben Maße näherte sich die Wissenschaft ihrer jetzigen -Gestalt. - -Mit der ionischen Naturphilosophie trat »ein neues Element in das -geistige Leben der Menschheit«. Es begegnen uns zum ersten Male -wissenschaftliche Persönlichkeiten mit eigenen Überzeugungen, die durch -angestrengte Geistesarbeit zu ihren Ergebnissen gelangen. Für die -weitere Entwicklung echter Wissenschaft war ein solches Hervortreten -der Individualität die unerläßliche Voraussetzung[180]. - -Die rein philosophische Betrachtungsweise besitzt trotz der Nachteile, -die ihr gegenüber der exakten Forschung innewohnen, doch unleugbar -das Verdienst, die empirischen Wissenschaften ununterbrochen angeregt -zu haben. Manche philosophische Ansicht, welche das griechische -Altertum entwickelte, beeinflußte bis in die neuere Zeit hinein -die Naturwissenschaften. So hat sich z. B. das Bestreben, die -Mannigfaltigkeit der Stoffe auf einen einzigen Urstoff zurückzuführen, -bis auf unsere Tage erhalten. Zuerst wurde von den ionischen -Philosophen eine der bekannten Materien, wie die Luft oder das Wasser, -zu einem solchen Urstoff gestempelt. Später faßte *Aristoteles* Luft, -Wasser, Erde und Feuer als die verschiedenen Erscheinungsformen eines -und desselben Urprinzips auf. Infolgedessen hielt man eine Verwandlung -der bekannten Stoffe ineinander für möglich. Und so war es besonders -die aristotelische Philosophie, auf die sich im Mittelalter das -Bemühen, unedle Metalle in edle überzuführen, stützen konnte. - -Die Lehre von den Elementen ist ihrem Ursprung nach auf *Empedokles* -aus Agrigent (um 440 v. Chr.) zurückzuführen. Für ihn waren die -Urstoffe ewig, selbständig und nicht auseinander ableitbar. Durch zwei -bewegende Kräfte, die Freundschaft und den Streit, den *Heraklit* den -Vater aller Dinge nannte, wurden die Elemente gemischt und zu Dingen -gestaltet. Die Entmischung sollte in der Weise erfolgen, daß die -Teilchen des einen Stoffes sich unsichtbar von den Teilchen des anderen -ablösen. Auf diesem Wege ließ *Empedokles* auch die Sinnesempfindungen -entstehen[181]. - -*Empedokles* wußte sich auch über die Naturdinge im besonderen manche -zutreffende oder doch beachtenswerte Meinung zu bilden. So nahm er -anstatt des Zentralfeuers, um das die Pythagoreer die Erde kreisen -ließen, einen feurig-flüssigen Erdkern an, von dem die heißen Quellen -und die Vulkane ihre Wärme erhalten sollten. Das unterirdische Feuer -sollte ferner die Gebirge emporgehoben haben. Aus großen, auf Sizilien -gefundenen Knochen schloß *Empedokles* auf die vorgeschichtliche -Existenz eines Riesengeschlechts. Seine Ansichten entwickelte er in -einem Gedicht »Von der Natur«. Leider sind davon nur wenige Bruchstücke -erhalten. Diese lassen indes erkennen, daß *Empedokles* auch über die -Natur der Pflanze nachgedacht hat. Letztere erklärte er für beseelt. -Als Zeichen der Beseelung deutete er allerdings Erscheinungen, die man -heute mechanisch erklärt, wie das Erzittern, das Ausstrecken der Zweige -und das kräftige Zurückschnellen gebogener Äste. Auch die Behauptung, -daß die Pflanzen zweierlei Geschlecht besäßen, wird auf *Empedokles* -zurückgeführt. Selbst die später oft wiederkehrende Lehre von den -periodischen Weltumbildungen begegnet uns schon bei diesem Philosophen. -Man darf deshalb[182] aus den vorhandenen Bruchstücken altgriechischer -Philosophie schließen, daß eine der wichtigsten Annahmen der neueren -Geologie, die Lehre nämlich, daß unser Erdball eine Reihe von -Umwandlungen erlitten, bei denen Tiere und Pflanzen untergingen, um -sich in anderen Arten wieder zu erneuern, als Ahnung schon im Altertum -vorhanden war[183]. - -»Der Tatsachen, auf die man sich dabei stützte, waren vielleicht nicht -viele, um so schärfer war aber der Blick, der schon das Richtige -traf«[184]. - - -Erster Versuch einer Erklärung der Natur aus den Prinzipien der -Mechanik. - -Hatte man zuerst die Stoffumwandlungen, denen man auf Schritt und -Tritt begegnete, als ein Entstehen und Vergehen aufgefaßt, so waren es -Philosophen, welche lehrten, daß alle Veränderung auf ein Mischen und -Entmischen zurückzuführen sei, und daß dabei der Stoff selbst weder -sich bilde noch vernichtet werde. Dem philosophischen Denken entsprang -ferner die Vorstellung, daß der Stoff aus kleinsten Teilchen bestehe, -durch deren Umlagerung jenes Mischen und Entmischen bedingt sei -- -beides Grundsätze, deren sich die Forschung bemächtigte, um sie als -Leitsterne bei ihren, auf die denkende Erfassung der Natur gerichteten -Bemühungen zu verwerten. - -Die angedeutete Durchführung der mechanischen Naturerklärung vollzog -sich im Anschluß an die Lehren des *Empedokles* durch die Atomisten -genannten Philosophen *Leukipp* und *Demokrit*. Ihre Anschauungen -lassen sich in folgende Sätze fassen: Das All ist anfangslos und auf -keine Weise von irgend jemandem geschaffen. Überhaupt ist alles seit -ewigen Zeiten in der Notwendigkeit begründet, sowohl was war, als auch -was ist und was sein wird[185]. Das Weltall besteht aus qualitativ -gleichen Teilchen, den Atomen, die ihrer Form nach verschieden sind und -ihre Lage gegeneinander ändern. Damit letzteres möglich ist, muß der -Raum im übrigen leer sein. Die Atome sind ewig und unzerstörbar. Aus -Nichts wird nichts. Nichts kann vernichtet werden. Jede Veränderung -besteht nur in der Verbindung und in der Trennung der Atome. Aus der -Zahl, der Gestalt, dem Zusammentreffen und der Trennung der Atome geht -die Mannigfaltigkeit der Dinge hervor. Die Vorgänge in der Natur hängen -nicht von den Launen übernatürlicher Wesen ab, sondern sind ursächlich -bedingt; nichts geschieht zufällig[186]. Die Bewegung der Atome ist -seit Anbeginn vorhanden, sie hat zur Bildung unzähliger Welten geführt. -Außer den Atomen und dem leeren Raum gibt es nichts. Eine Schwäche -dieser atomistischen Lehre, die ihr auch heute noch anhaftet, liegt -darin, daß nach ihr auch das Seelische aus Atomen, und zwar aus -Atomen feinerer Art bestehen soll, welche die gröberen Körperatome -durchdringen, sehr beweglich sind und auf diese Weise die Erscheinungen -des Lebens hervorrufen. So wurden z. B. die Empfindungen des Süßen, -Herben, Scharfen daraus erklärt, daß die Atome teils kugelig, teils -kantig, teils zackig seien. Die Wahrnehmung, sowie überhaupt jede -Wirkung der Dinge aufeinander sind nach *Demokrit* durch Ausströmung -und Einströmung bedingt. Aus diesem Grunde mußten die Körper zwischen -den Atomen Poren haben. Die Zahl der Atome ist unendlich groß und -ihre Form unendlich verschieden. Qualitativ sind sie jedoch einander -völlig gleich. Bei ihrer Bewegung durch den unendlichen Raum stoßen -sie aufeinander. Dadurch entstehen Wirbel, aus denen die Weltkörper -hervorgehen. Letztere entstehen und vergehen und sind in ihrer Zahl -gleichfalls unbegrenzt. Diese Lehre von der Weltenbildung[187] wurde -im 18. Jahrhundert durch *Kant* und durch *Laplace* zu neuem Leben -erweckt. Sie hat auch *Giordano Bruno* zu seinen Spekulationen über die -Unendlichkeit der Welten angeregt. - -*Demokrit* wurde um 460 v. Chr. in der ionischen Kolonie Abdera -geboren und starb um 370. Er sammelte auf vielen Reisen zahlreiche -Kenntnisse. »Ich habe«, sagt er, »unter allen Menschen meiner Zeit -die größten Länderstrecken durchwandert, das Entfernteste erforscht, -die meisten Länder gesehen und kundige Menschen gehört.« Von seinen -zahlreichen Schriften ist leider nur wenig erhalten geblieben. Soviel -läßt sich jedoch erkennen, daß er in systematischen Werken, sowie in -Einzelabhandlungen das ganze Gebiet menschlichen Wissens zu umspannen -gesucht hat. Er schrieb nicht nur über Sternkunde, Medizin, Ackerbau, -Technologie, Kriegskunst wie viele andere vor ihm, sondern von ihm -rührt auch der erste Versuch einer wissenschaftlichen Zoologie, Botanik -und Mineralogie her[188]. Gefördert und bereichert hat *Demokrit* -die Wissenschaften im einzelnen kaum in erheblichem Maße. Ihn als -den größten Naturforscher des Altertums zu bezeichnen, ist daher -nicht berechtigt. In der Astronomie haben ihn *Oenopides* und *Meton* -übertroffen. Hielt er doch an der Scheibengestalt der Erde fest, so daß -er in seinen kosmischen Vorstellungen weit unter *Platon* stand. Auch -die Mathematik hat er trotz zahlreicher mathematischer Schriften nicht -wesentlich gefördert. Trotzdem muß man bedauern, daß von seinen Werken -nur geringe Bruchstücke[189] übrig geblieben sind. *Demokrit* war -ohne Zweifel der größte Polyhistor (d. h. kein bloßer Vielwisser) vor -*Aristoteles*. Letzterer rühmt von ihm, daß er überall die natürlichen -Ursachen aufgesucht und vieles früher Vernachlässigte festgestellt -habe. Trotz seiner materialistischen Weltanschauung war *Demokrit* nach -den Zeugnissen der Alten eine edle, reichbegabte, für Wahrheit und -Wissenschaft begeisterte Natur. - -Hatte *Demokrit* die von *Leukipp* (um 500. v. Chr.) herrührende -atomistische Lehre in ein System gebracht, so ist für ihre -Weiterverbreitung besonders *Epikur* tätig gewesen. Während des -römischen Zeitalters wurde sie dann durch *Lucretius Carus* (um 50 v. -Chr.) in einem »Über die Natur der Dinge« betitelten Lehrgedicht[190] -dargestellt. - -Am meisten Schwierigkeiten machte es diesen als Atomisten bezeichneten -Philosophen, die zweckmäßige Beschaffenheit der Naturerzeugnisse, die -auch *Demokrit* nach einer Stelle des *Aristoteles* bewundert haben -soll, ohne die Mitwirkung einer Zwecktätigkeit, sondern lediglich aus -der Notwendigkeit zu erklären. *Aristoteles* (Physik II, 8) wirft die -Frage auf, »ob die Natur nur infolge einer blinden Notwendigkeit oder -nach Zwecken handle«. Falle doch auch der Regen nicht etwa, damit das -Getreide wächst, sondern weil die aufsteigenden Dünste sich verdichten. -Daß das Getreide dann wächst, treffe sich nur so nebenbei. »Könnte -nicht«, fragt *Aristoteles*, »dasselbe von allen Naturerzeugnissen -gelten und könnten beispielsweise die Vorderzähne nicht zufällig scharf -und die Backenzähne zufällig stumpf sein. Dann wäre der Dienst, den -sie uns leisten, eine unbeabsichtigte Folge dieses Zufalls und dem -Zusammentreffen ähnlich, das zwischen der Verdichtung der Dämpfe und -dem Wachsen des Getreides besteht. Diejenigen Wesen nun, bei denen sich -alles so traf, wie wenn es zu einem Zwecke entstanden wäre, blieben -erhalten, dagegen ging unter und geht noch fortwährend zugrunde, was -der Zufall nicht zweckmäßig gebildet hat«. *Aristoteles* weist diese -Einwendungen, die man, wie er sagt, machen könnte, zurück. Nach ihm -gibt es überall einen Zweck (»ein Weswegen«) in dem, was von Natur -geschieht. In ihr herrsche der Zweck ebenso wie in der Kunst. - -Wie sich die Atomisten die Welt ohne eine Zwecke setzende Tätigkeit -entstanden dachten, ersieht man aus einigen Stellen des *Lukrez*, so -insbesondere aus folgenden Versen[191]: - - »Sage mir ferner, woher ist gekommen den Göttern das Vorbild - Der zu erzeugenden Dinge, ja selbst der Begriff nur des Menschen; - Daß sie wußten und sahen im Geiste, was schaffen sie wollten. - Woher erhielten sie jemals von Kräften der Urstoffe Kenntnis, - Was durch veränderte Ordnung sie alles zu leisten vermöchten, - Hätte Natur nicht selbst eine Probe des Schaffens gegeben? - Denn gar viele der Urkörper pflegten seit ewigen Zeiten - Durch ihr eignes Gewicht und durch Stöße von außen getrieben, - Sich zu bewegen und mischen auf alle nur mögliche Weise - Und zu versuchen, was sie für Verbindungen schaffen wohl könnten, - Wenn sie bald so, bald anders sich zueinander gesellten. - Ist da wohl zu verwundern, daß endlich sie nun auch in solche - Lage gerieten und auch in solche Bewegungen kamen, - Durch die das ganze All jetzt besteht und stets sich erneuert?« - -Und etwas später[192]: - - »Denn nicht haben Atome nach reiflich erwogenem Plane - Jedes zur richtigen Stell' sich begeben mit rechnendem Geiste, - Wahrlich auch nicht durch Verträge bestimmt eines jeden Bewegung.« - -Den Gedanken, daß die Natur oft neue Arten schaffe, die wieder -untergehen, wenn sie sich nicht erhalten können, hat nach dem -Wiederaufleben der Wissenschaften zuerst *Cardanus* ausgesprochen[193]. -Er tat dies in Anlehnung an die durch *Lukrez* verbreiteten Lehren -*Demokrits* und *Epikurs*. Es ergibt sich somit ein ununterbrochener -Zusammenhang zwischen den schon im Altertum ausgesprochenen Vorahnungen -der Deszendenztheorie und ihrer wissenschaftlichen Gestaltung durch -*Lamarck* und *Darwin*. Übte doch die um 1715 entstandene Schrift -*de Maillets* einen bedeutenden Einfluß auf die Entwicklung der -evolutionistischen Ideen aus, der sich besonders ein Jahrhundert später -bei *Lamarck* bemerklich machte (s. i. IV. Bande). Wie *Cardanus* ist -aber auch *de Maillet* sehr wahrscheinlich durch die aus dem Altertum -stammenden Keime zur Aufstellung seiner Lehre veranlaßt worden[194]. - -Mag man vom philosophischen Standpunkte aus der mechanischen -Welterklärung Wert beilegen oder sie für überwunden halten, man wird -immer die vorurteilsfreie und konsequente Denkweise ihrer Schöpfer -anerkennen müssen. Besteht doch auch heute das Bestreben der Forschung -darin, Qualität auf Quantität zurückzuführen und in der Meßbarkeit -einer Erscheinung ihre Erklärung zu finden. »Wer weiß, daß erst durch -diese Methode die großen Triumphe der Naturwissenschaft errungen -wurden, wird die Größe des demokritischen Gedankens zu würdigen -wissen. Die atomistische Theorie ist zwar ein Gewebe von Hypothesen. -Und doch haben wir kein besseres Netz, um die Naturerscheinungen -für unser Verständnis einzufangen«[195]. Die atomistische Lehre hat -ein sonderbares Schicksal erlitten. Auf das Zeitalter, in dem sie -entstanden war, hat sie nur einen geringen Einfluß ausgeübt. Erst 2000 -Jahre später wurde sie durch *Gassendi* und besonders durch *Dalton* -wieder ins Leben gerufen. Seitdem hat sie die größte wissenschaftliche -Bedeutung erlangt, weil die Mechanik der Atome allen Naturerscheinungen -zugrunde gelegt wurde[196]. - - -Der Beginn der idealistischen Weltanschauung. - -Eine weitere Tat der alten Philosophie bestand in der Aufstellung -und Durchführung des Zweckbegriffs an Stelle der von den Atomisten -behaupteten bewußtlosen Notwendigkeit durch *Anaxagoras*. Nach allem, -was wir von ihm wissen, war *Anaxagoras* einer der bedeutendsten -Philosophen des Altertums. Er wurde um 500 v. Chr. in Kleinasien -geboren und siedelte nach den Perserkriegen nach Athen über, wo er -zu *Perikles* in freundschaftliche Beziehungen trat. *Anaxagoras* -erblickte im Nachdenken über die Natur und das Geschehen seine Aufgabe -und verpflanzte diese Art des Philosophierens nach Athen, das in der -Folge zum Mittelpunkt des geistigen Lebens der Alten wurde. Seine -Schrift über die Natur war zur Zeit des *Sokrates* sehr verbreitet. Von -dieser Schrift sind leider nur Fragmente erhalten geblieben[197]. - -Wie *Empedokles* geht *Anaxagoras* von der Ansicht aus, daß alles -Geschehen ein Gemischtwerden und eine Entmischung sei, wobei sich -die Menge des Stoffes im Weltall weder mehre noch mindere. Die -hierzu erforderliche bewegende Kraft erblickte er in einer vom Stoff -gesonderten, freiwaltenden, selbst unbewegten Intelligenz. Diese nach -Zwecken handelnde Intelligenz wird aber von ihm mehr vorausgesetzt als -nachgewiesen. Daher werfen ihm *Plato* und *Aristoteles* vor, sein -»νοῦϛ«[198] habe ihm zur Erklärung nur als deus ex machina gedient. - -Aus dem Urzustande oder dem Chaos hat der »νοῦϛ« nach *Anaxagoras* -als ordnendes, nicht als schaffendes Prinzip das Universum entstehen -lassen. Eine Erschaffung aus dem Nichts ist eine orientalische -Vorstellung, welche dem griechischen Geiste wenig zusagte und uns -daher bei den griechischen Philosophen kaum begegnet. Der »νοῦϛ« und -die Urbestandteile der Dinge sind vielmehr von Anbeginn vorhanden. -Es ist der philosophische Keim der Lehre von der Erhaltung von Stoff -und Kraft, der uns hier begegnet. Der »νοῦϛ« versetzte die Masse in -eine Art Wirbelbewegung, welche das Gleichartige zusammenführte und -das Weltall in seiner jetzigen Verfassung entstehen ließ. Die später -von *Kant* und *Laplace* entwickelte Nebularhypothese besagt, wie -wir sehen werden, im Grunde dasselbe. Nur daß die Neueren diese -Vorstellungen von der alten geozentrischen Ansicht loslösten und sie -vom Standpunkte der koppernikanischen Lehre entwickelten. Infolge der -Wirbelbewegung trennen sich nach *Anaxagoras* Äther, Luft, Wasser und -Erde voneinander. Vom letzteren Elemente verharren einzelne Massen -infolge der Wirbelbewegung im Äther, der ihnen Leuchtkraft verleiht und -sie uns als Gestirne erscheinen läßt. Für diese Ansicht sprechen nach -*Anaxagoras* die vom Himmel fallenden Meteoriten, von denen er den 423 -v. Chr. in Aegospotamoi (Thrazien) gefallenen erwähnt. Er meint, dieses -Eisenstück, das bei Tageslicht auf die Erde herabgefallen sei[199], -stamme von der Sonne, und mache es wahrscheinlich, daß letztere aus -glühendem Eisen bestehe. Auch der Mond sei ein Weltkörper wie unsere -Erde und besitze Berge und Täler, eine Vorahnung, deren Richtigkeit -erst 2000 Jahre später durch Galilei erwiesen werden konnte[200]. -*Anaxagoras* teilte das Schicksal vieler aufgeklärten Geister. Er wurde -im hohen Alter als Gottesleugner ins Gefängnis geworfen und nur auf die -Verwendung des *Perikles* hin wieder in Freiheit gesetzt. Die Anklage -stützte sich besonders darauf, daß *Anaxagoras* die Sonne für einen -glühenden Meteorstein erklärt hatte. Ihm, wie später dem *Sokrates* und -*Aristoteles*, hat das atheniensische Volk mit Undank gelohnt. - -Erwies sich auch der auf *Anaxagoras* zurückzuführende Begriff der -Zweckmäßigkeit, der in den platonischen Ideen seine Fortbildung -fand, während der späteren Entwicklungsstufen der Wissenschaft als -unzureichend, so war er doch für die Naturforschung des Altertums von -Bedeutung und bei dem Aufbau des das Wissen jener Zeit umfassenden, -aristotelischen Lehrgebäudes das eigentlich Treibende. - -Hinderlich wurde die alte Philosophie der Wissenschaft zuweilen -dadurch, daß sie sich mehr dichterisch schaffend als kritisch forschend -verhielt. Man war zu leicht geneigt, das Wort für das Ding und den -Begriff für das eigentliche Wesen des Dinges zu nehmen. »Durch die -Wörter«, sagt daher *Lange* in seiner Geschichte des Materialismus[201] -mit Recht, »ließen *Sokrates*, *Plato* und *Aristoteles* sich -täuschen. Wo ein Wort war, wurde ein Wesen vorausgesetzt. Gerechtigkeit -z. B. mußte doch etwas bedeuten. Es mußte also Wesen geben, welche den -Ausdrücken entsprechen.« - -In *Platon* (427-347) erreichte die griechische Philosophie ihren -Höhepunkt. Sein System gipfelt darin, daß er die Idee als die Ursache -und den Zweck des Geschehens betrachtet und auf diese Weise das -Geistige und die Körperwelt aus einem Prinzip ableitet. Obgleich -*Platon* wenig Eigenes auf dem Gebiete der Mathematik geschaffen hat -und seine Neigung zu den Naturwissenschaften nur gering war, hat er -dennoch diese beiden Wissensgebiete in nicht geringem Maße befruchtet. -Groß war vor allen Dingen der persönliche Einfluß, den er als Gründer -der atheniensischen Akademie auf seine Schüler ausübte. Zu ihnen -zählten *Aristoteles*, *Eudoxos* und *Herakleides Pontikos*. *Platon* -selbst wurde besonders durch die Pythagoreer angeregt, mit deren Lehren -er in Großgriechenland bekannt geworden war. Auch in Ägypten ist -*Platon* gewesen. - -Seine Ansichten über die Natur entwickelt *Platon* in demjenigen seiner -Dialoge, der den Titel »Timäos« führt. Diese Schrift ist in besonders -hohem Grade durch mythische und pythagoreische Lehren beeinflußt. -Nach *Platon* besteht die Welt nicht seit Ewigkeit, wie der fast -gleichzeitig lebende *Demokrit* lehrte, sondern sie hat einen Beginn -und einen Schöpfer. Ewig sind nur die Ideen, welche der Schöpfer, -das ist das bewegende Prinzip, mit dem zunächst ungeformten Urgrund -der materiellen Welt (etwa dem Chaos zu vergleichen) verbindet. -Das Ergebnis ist nicht eine Unendlichkeit von Welten, sondern nur -eine Welt, der die vollkommenste Gestalt, das ist die Kugelform, -zukommt. Auch in den Einzelheiten weicht die platonische Auffassung -in solchem Maße von der mechanischen ab, daß sie nicht die Grundlage -der nach einer Erklärung aus mechanischen Prinzipien suchenden -Naturwissenschaften werden konnte. - - -Die Begründung der griechischen Mathematik. - -In gleichem Maße, wie die ersten philosophischen Bestrebungen anregend -auf die Forschung gewirkt haben, war dies auch hinsichtlich der -Mathematik der Fall. Zur vollen Erkenntnis der Wahrheit, daß nur durch -die Vereinigung des mathematischen Verfahrens mit der experimentellen -Forschungsweise Aussicht auf eine Lösung der naturwissenschaftlichen -Probleme vorhanden ist, sollte jedoch erst die neuere Zeit gelangen. Es -ist ein wesentlicher Mangel der Alten, welche die Mathematik wohl zu -handhaben wußten, daß sie sich nicht in gleichem Maße für die Ausübung -des Experiments befähigt zeigten. Mannigfache Gründe sind hierfür -ins Feld geführt worden. Einer der wichtigsten bestand wohl in dem -Überschätzen der reinen Geistestätigkeit gegenüber jeder Beschäftigung -mit materiellen Dingen. Auch der Umstand, daß die Ausübung gewerblichen -Schaffens eines freien Mannes unwürdig galt und in die Hand der Sklaven -gelegt wurde, war dem Entstehen der experimentellen Forschungsweise in -hohem Grade hinderlich[202]. - -Wenn wir die Entwicklung der Mathematik, die hier gleich den -Ergebnissen der Philosophie nur soweit in Betracht kommt, wie sie die -Naturwissenschaften beeinflußt hat, nach ihren ersten, an ägyptische -und babylonische Elemente anknüpfenden Schritten weiter verfolgen, -so richtet sich unser Blick von Ionien nach einem anderen Hauptsitz -hellenischer Bildung, nämlich nach Großgriechenland. Hatte man den -Wert der mathematischen Betrachtungsweise in Ionien überhaupt erst -schätzen gelernt, so finden wir dort, bei *Pythagoras* und seinen -Anhängern eine beträchtliche Überschätzung derselben. Wichtig ist vor -allem, daß auch im übrigen Griechenland Männer auftraten, die in der -denkenden Betrachtung der Welt ihre Lebensaufgabe erblickten. Als -einer der ersten wird uns *Pythagoras* genannt. Da indes von seinem -Leben fast nichts verlautet und auch keine von ihm herrührende Schrift -auf uns gekommen ist, so tritt uns in *Pythagoras* wie in *Thales* -eine sagenumwobene Gestalt entgegen. Ersterer galt lange als der -eigentliche Begründer der griechischen Mathematik, während für *Thales* -und *Anaximander* die Mathematik als Hilfswissenschaft zur Lösung -astronomischer Aufgaben in Betracht kam. Heute ist das Urteil über die -Bedeutung des *Pythagoras* wesentlich eingeschränkt worden (s. S. 80). - -*Pythagoras* wurde um 550 v. Chr. in Samos geboren. Über die Gründung -seiner Schule gehen die Nachrichten sehr auseinander. Es läßt sich -annehmen, daß er sich vorher gleich *Thales* in Ägypten, vielleicht -auch in Babylon[203] aufgehalten hat. Auch in diesem Falle würde es -sich also um eine Verpflanzung orientalischer Wissenschaft auf den, -ihrer weiteren Entwicklung besonders günstigen Boden Griechenlands -gehandelt haben. - -*Pythagoras* und seine Schüler gingen, mehr ahnend als in wirklicher -Erkenntnis, von der Voraussetzung aus, daß eine durch Maß und Zahl -bestimmte Gesetzmäßigkeit alles natürliche Geschehen beherrsche. In -einseitiger Übertreibung dieses Gedankens erblickten sie dann in den -Zahlen den ursächlichen Grund der Erscheinungswelt. »Den Pythagoreern,« -sagt *Aristoteles*, »ward die Mathematik zur Philosophie.« Es handelte -sich indessen bei ihnen mehr um bloße Zahlenmystik, als um die Pflege -und Förderung exakter Wissenschaft. So bezogen sie die Sechs auf -Belebung, die Sieben auf Gesundheit, die Acht auf Freundschaft usw. -Diese Zahlenmystik der Pythagoreer ist zum Teil wohl auf akustische -Versuche und das Nachdenken über das Wesen der Harmonie zurückzuführen. -Man hatte bemerkt, daß der Ton einer Saite von bestimmter Spannung -in die Oktave übergeht, wenn man die Länge der Saite auf die Hälfte -herabsetzt, oder daß gleich gespannte und gleich dicke Saiten -konsonierende Töne geben, wenn sich ihre Längen wie 1 : 2, 2 : 3, -3 : 4, 4 : 5 verhalten. Den Grund dieser Erscheinung suchten die -Pythagoreer nun in dem geheimnisvollen Wesen der Zahlen. Auch darin -kam die Vorstellung von der Bedeutung der Harmonie zum Ausdruck, daß -die von der pythagoreischen Schule beeinflußte Medizin Gesundheit als -die Symmetrie gewisser Qualitäten wie Warm, Kalt, Trocken, Feucht usw. -betrachtete, während Krankheit in der Störung dieser Symmetrie bestehen -sollte[204]. - -Auf die Pythagoreer werden zurückgeführt -- wobei sich indes nicht -unterscheiden läßt, was selbst gefunden und was an fremden Elementen -aufgenommen wurde -- die Sätze über die Winkelsumme im Dreieck, über -die Kongruenz der Dreiecke, der sogenannte pythagoreische Lehrsatz, -sowie die Kenntnis des goldenen Schnitts; ferner die ersten Kenntnisse -der Stereometrie, insbesondere der fünf regelmäßigen Polyeder und der -Kugel. - -Zeugnisse für geometrische Entdeckungen des *Pythagoras* enthält die -Literatur des Altertums an etwa zwölf Stellen. Bei der Beurteilung der -Zuverlässigkeit dieser Zeugnisse ist indessen zu berücksichtigen, daß -die ältesten Angaben 500 Jahre, die Hauptquelle (*Proklos*) sogar 1000 -Jahre nach *Pythagoras* niedergeschrieben wurden[205]. *Proklos*, der -sich auf die beiden verloren gegangenen Schriften des *Eudemos*, des -ältesten Geschichtsschreibers der griechischen Mathematik[206], stützt, -hat *Pythagoras* nicht für den Entdecker des Begriffes der irrationalen -Größen gehalten und ihm weder die Konstruktion der regulären Körper -noch die Entdeckung des pythagoreischen Lehrsatzes zugeschrieben. -Auch *Zeller*, der Geschichtsschreiber der griechischen Philosophie, -ist schon der althergebrachten Ansicht entgegengetreten, nach welcher -*Pythagoras* selbst als Mathematiker Hervorragendes geleistet haben -soll. Das Ergebnis aller neueren Nachforschungen besteht darin, -daß sich eine bestimmte Leistung auf dem Gebiete der Mathematik -*Pythagoras* mit Sicherheit überhaupt nicht zuweisen läßt. - -Die den Griechen im allgemeinen nachgerühmte Strenge der Beweisführung -war bei den Pythagoreern noch wenig entwickelt. Sie verfuhren häufig -noch induktiv und wußten das Allgemeine von den Einzelfällen noch -nicht recht zu trennen. Immerhin kommt ihnen das Verdienst zu, daß -sie die Mathematik von den Bedürfnissen des Lebens gesondert und sie -als reine Wissenschaft aufgefaßt haben[207]. Vor allem wurde die -Lehre vom Dreieck durch *Pythagoras* und seine Schule so vollständig -entwickelt, daß *Euklid*, als er die mathematischen Kenntnisse der -Griechen in seinen »Elementen« zusammenstellte, nur wenig hinzuzufügen -brauchte. Daß die Winkel des Dreiecks zusammen zwei Rechte betragen, -bewiesen die Pythagoreer, indem sie durch eine Ecke eine Parallele -zur Gegenseite zogen[208]. Auf den nach *Pythagoras* benannten Satz -wurde man wahrscheinlich dadurch geführt, daß man die aus Ägypten -oder Babylon zu den Griechen gedrungene Erkenntnis, ein Dreieck sei -rechtwinklig, wenn sich seine Seiten wie 3 : 4 : 5 verhalten, mit -dem arithmetischen Satze, daß 3^2 + 4^2 gleich 5^2 ist, zu verbinden -wußte; wie denn überhaupt die Stärke der späteren Pythagoreer in -der Anwendung der Zahlenlehre auf die Geometrie bestand. Auch den -Satz, daß die drei Winkelhalbierenden eines Dreiecks sich in einem -Punkte schneiden, haben die Pythagoreer gekannt und zur Auffindung -des dem Dreieck eingeschriebenen Kreises verwertet[209]. Eingehend -haben sie sich ferner mit den regelmäßigen Polygonen und mit den fünf -regelmäßigen Polyedern beschäftigt. Von letzteren waren der Würfel, -das Tetraëder und das Oktaëder schon Gegenstand der orientalischen -Mathematik gewesen. Das Ikosaëder und das Dodekaëder dagegen hat erst -die pythagoreische Schule konstruiert. Alle fünf Körper legten die -Pythagoreer ihren mystischen Welterklärungsversuchen zugrunde. Die Welt -sollte die Form des Dodekaëders besitzen, die vier übrigen regulären -Körper dagegen für die Teilchen der vier Grundstoffe, Feuer, Erde, -Luft und Wasser, formbestimmend sein[210]. Zu der Erkenntnis, daß -es nur fünf reguläre Polyeder gibt, d. h. Körper, die von gleichen, -gleichseitigen und gleichwinkligen Ebenen begrenzt sind, gelangte erst -*Euklid*. - -Wie für die Geometrie, so wurde damals auch in der Arithmetik eine -Grundlage geschaffen, welche den raschen Aufschwung ermöglichte, -den die Mathematik bald darauf in Griechenland erfuhr. Die -Pythagoreer schufen die Begriffe der Prim- und der relativen Prim- -oder teilerfremden Zahlen. Aus dem Orient übernahmen sie dann die -Begriffe Quadrat- und Kubikzahl, mit denen die Babylonier schon im 3. -Jahrtausend v. Chr. vertraut waren. Auch die Lehre von den Proportionen -wurde von den Pythagoreern gepflegt, da die Proportionen sich für -manche Aufgaben, die man heute durch Gleichungen löst, als besonders -geeignet erwiesen. Neben der arithmetischen (a - b = c - d) und der -geometrischen (a : b = c : d) erregten auch die durch Gleichsetzung der -inneren Glieder sich ergebenden stetigen Proportionen (a - b = b - c -und a : b = b : c) die Aufmerksamkeit der pythagoreischen Schule. - -Auf den Begriff des Irrationalen wurden die Pythagoreer geführt, indem -sie erkannten, daß die Diagonale und die Seite eines Quadrates kein -gemeinschaftliches Maß besitzen. Die systematische Darstellung der -Lehre von der Irrationalität erfolgte durch *Euklid*. Er dehnt sie auf -mehrfache Quadratwurzeln aus, behandelt aber nur solche Ausdrücke, die -sich mit Zirkel und Lineal konstruieren lassen[211]. - -Einige Jahrhunderte unausgesetzter Pflege der mathematischen -Wissenschaften, mit denen sich auch die hervorragendsten unter den -Philosophen, wie *Platon* und *Aristoteles*, beschäftigten, genügte -dann, um in den Werken des *Apollonios* und des *Archimedes* Leistungen -allerersten Ranges heranreifen zu lassen. Besonders in der Hand des -letzteren wurde die Mathematik zu einem Werkzeug, mit dem schon die -Bewältigung mancher physikalischen Aufgabe gelang. - -In der Geschichte der griechischen Mathematik nimmt der um 440 wirkende -*Hippokrates* von Chios eine vermittelnde Stellung zwischen der älteren -Schule der Pythagoreer und den Mathematikern des 4. Jahrhunderts v. -Chr. ein. *Hippokrates* begründete eine strengere Beweisführung. -Auch war er der erste, der ein mathematisches Lehrgebäude -veröffentlichte[212]. Am bekanntesten ist sein Satz von den Möndchen -(Lunulae Hippokratis). Er lautet: Gegeben sei ein dem Halbkreise -eingeschriebenes, gleichschenkliges, rechtwinkliges Dreieck. Errichtet -man dann Halbkreise über den Katheten, so sind a und a_{'} (die -Lunulae) den Stücken b und b_{'} flächengleich (Abb. 12). *Hippokrates* -hat ferner bewiesen, daß sich die Kreisflächen wie die Quadrate der -zugehörigen Durchmesser verhalten. Auf ihn ist wahrscheinlich auch die -Exhaustionsmethode zurückzuführen, die uns im Verfolg der weiteren -Entwicklung der griechischen Mathematik noch wiederholt beschäftigen -wird. - -[Illustration: Abb. 12. Der Satz des Hippokrates.] - -Der Satz über die Lunulae ist deshalb von besonderem Interesse, -weil er der erste gelungene Versuch ist, eine krummlinige Figur zu -quadrieren. *Hippokrates*[213] glaubte sogar, durch seinen Satz der -Quadratur des Kreises einen Schritt näher gekommen zu sein. Seine -auf die Lösung dieses Problems hinzielenden Versuche mußten indessen -schon deshalb ergebnislos bleiben, weil, wie die neuere Mathematik -bewiesen hat, die wahre Quadratur des Kreises nicht möglich ist. Des -*Hippokrates* Satz über die Lunulae war eine wichtige Verallgemeinerung -des pythagoreischen Lehrsatzes. Letzterer beschränkte sich auf -Quadrate. Das Hinzukommen des neuen Satzes ließ schon die Erkenntnis -durchschimmern, daß, ganz allgemein, ähnliche Figuren über den Katheten -zusammen einer ähnlichen Figur über der Hypotenuse flächengleich sind. - -Für die alte Mathematik besaßen drei Probleme eine treibende Kraft, -wie wir sie für die Chemie in dem Problem der Metallverwandlung -kennen lernen werden. Es waren dies die Quadratur des Kreises, die -Verdopplung des Würfels oder das delische Problem und die Dreiteilung -eines beliebigen Winkels. Alle drei Aufgaben waren so naheliegend -und schienen so einfach zu sein. Und doch haben sie, soweit sie -überhaupt lösbar sind, den größten Mathematikern kaum überwindbare -Schwierigkeiten bereitet. - -Mit den Versuchen, die Quadratur des Kreises zu finden, beginnt die -griechische Mathematik im 5. Jahrhundert v. Chr. reine Wissenschaft -zu werden. Das Problem beschäftigt schon den *Anaxagoras*. Es führt -bereits um jene Zeit[214] zum Exhaustionsverfahren, das *Archimedes* -weiter entwickelte und das als Vorstufe zur Integrationsmethode der -neueren Mathematik betrachtet werden kann. Da eine vollkommene Lösung -der Quadratur nicht gefunden werden konnte, so begnügte man sich -bei der Exhaustionsmethode mit einer angenäherten Bestimmung. Man -zeichnete in den Kreis zunächst ein Quadrat. Über den Seiten dieser -Figur errichtete man die Seiten des dem Kreise eingeschriebenen -Achtecks, darüber das eingeschriebene Sechszehneck und so fort, bis -das schließlich erhaltene Vieleck von dem Kreise kaum noch abwich. -Dieses Vieleck wurde dann nach den bekannten Verfahrungsweisen -der Elementarmathematik so oft in ein flächengleiches Vieleck von -geringerer Seitenzahl umgeformt, bis man schließlich das dem Kreise -annähernd flächengleiche Quadrat gefunden hatte. Ein derartiges -konstruktives Verfahren war sehr umständlich und um so fehlerhafter, -je größer die Zahl der vorgenommenen Konstruktionen war, da ja jede -einzelne von dem wahren Werte mehr oder weniger abwich. - -Gleichfalls im 5. Jahrh. v. Chr. tauchte das delische Problem auf. -Seinen Namen soll es daher erhalten haben, daß den Deliern durch -ein Orakel befohlen wurde, einem würfelförmigen Altar den doppelten -räumlichen Inhalt zu geben. Das Problem, mit dem sich alle bedeutenden -griechischen Mathematiker, unter ihnen auch *Hippokrates* von Chios -und *Platon* beschäftigt haben, führte zunächst zum Begriff der -Kubikwurzel. Ist nämlich die Kante des gegebenen Würfels a, diejenige -des gesuchten x, so ist x^3 = 2a^3 und x = a∛2. Auf diesen Ausdruck kam -schon *Hippokrates*. Während aber für die Quadratwurzeln geometrische -Konstruktionen gefunden werden konnten, versagte dieser Weg zunächst -bei der Kubikwurzel[215]. Die Gleichung x = a∛2 bedeutet, daß die -gesuchte Seite des doppelten Würfels die erste (x) von zwei mittleren -Proportionalen (x und y) ist, die man in Form einer laufenden -Proportion zwischen die einfache (a) und die doppelte Seite (2a) des -gegebenen Würfels einschaltet. Ist nämlich - - a : x = x : y = y : 2a, so ist - (1) a : x = x : y und - (2) x : y = y : 2a. - -Setzen wir den aus (2) ermittelten Wert für y, nämlich y = √(2ax) in -Gleichung (1) ein, so erhalten wir a : x = x : √(2ax), daraus folgt: - - x^2 = a√(2ax) - x^4 = a^2 · 2ax - x^3 = 2a^3 - x = a∛2. - -Die Aufgabe war also gelöst, wenn es gelang den Wert x, ausgehend von -der laufenden Proportion a : x = x : y = y : 2a, zu konstruieren. -Geometrisch ist diese Proportion durch beistehende Figur (Abb. 13) -ausgedrückt: ABCD ist ein Rechteck. ACD und CDE sind rechtwinklige -Dreiecke. Für die in der Figur mit a, b, x, y bezeichneten Stücke -gelten dann nach einem bekannten Satz über die Proportionalität -rechtwinkliger Dreiecke die Verhältnisse a : x = x : y und x : y = y : -b[216]. - -Spätere Mathematiker, unter denen vor allen *Platons* Schüler -*Menächmos* (etwa 350 v. Chr.) zu nennen ist, gelangten durch die -Beschäftigung mit dem delischen Problem über die Geometrie der Geraden -und des Kreises hinaus zu den für die Astronomie und die Mechanik so -überaus wichtigen, als Parabel, Ellipse und Hyperbel bezeichneten -Kurven. - -Ausgehend von der schon *Hippokrates* geläufigen Proportion a : x = x : -y = y : b, in welcher b für den besonderen Fall der Würfelverdoppelung -gleich 2a ist, erkannte *Menächmos*, daß die aus jener Proportion -folgenden Ausdrücke x^2 = ay und y^2 = bx zu einer neuen Kurve führen. -Beide Ausdrücke sind nämlich in der Form gleich und enthalten daher -auch die gleiche Forderung. Ins Geometrische übersetzt bedeuten sie -nämlich, an eine Gerade ein Rechteck (ay) so anzutragen (παραβύλλειν), -daß der Inhalt einem Quadrate (x^2) gleich ist. - -[Illustration: Abb. 13. Konstruktion zur Lösung des delischen Problems.] - -*Menächmos* erkannte, daß der geometrische Ort für die Schnittpunkte -aller, dieser Bedingung genügenden Rechtecke eine vom Kreise -abweichende krumme Linie bildet, die später wegen des Antragens -(παραβολή) des Rechteckes an die Gerade den Namen Parabel erhielt. Er -zeigte weiter, daß sich der für die Würfelverdoppelung gesuchte Wert x -als Schnittpunkt einer Parabel mit einer Hyperbel oder als Schnittpunkt -zweier Parabeln ermitteln läßt. Doch würde ein weiteres Eingehen auf -diese Konstruktionen hier zu weit führen. Jedenfalls steht fest, daß -*Menächmos* mit einer punktweisen Konstruktion beider Kurven und mit -ihren Grundeigenschaften, ja sogar mit den Asymptoten der Hyperbel -bekannt war[217]. Die Beziehung der von ihm untersuchten Kurven zur -Kegeloberfläche hat *Menächmos* wahrscheinlich noch nicht erkannt, -jedenfalls gelangte er zu diesen Kurven, indem er sich bemühte, für -einen arithmetischen Ausdruck den zugehörigen geometrischen Ort zu -bestimmen[218]. - -Auch die Aufgabe, einen Winkel in drei gleiche Winkel zu zerlegen, -führte, wie das delische Problem, auf kubische Gleichungen und höhere -Kurven. So gelang es um 400 v. Chr.[219] die Dreiteilung des Winkels -mit Hilfe der Quadratrix genannten Kurve auszuführen[220]. - -Die Beschäftigung mit dem delischen Problem und den Kegelschnitten -führte im Verlauf der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts v. Chr. auch -zu einem tieferen Eindringen in die Wahrheiten der Stereometrie. -Vor allem sehen wir *Platon* und seine Schüler auf diesem Gebiete -tätig. Auf den unbefriedigenden Zustand dieser Wissenschaft wies er -mit folgenden Worten hin: »Hinsichtlich der Messungen von allem, -was Länge, Breite und Höhe hat, legen die Griechen eine in allen -Menschen von Natur vorhandene, aber ebenso lächerliche wie schmähliche -Unwissenheit an den Tag«. *Platon* gebührt aber auch das allgemeinere -Verdienst, die mathematische Methode dadurch verbessert zu haben, -daß er jeden Satz auf Vordersätze zurückführte, bis er endlich zu -Axiomen und Definitionen als den, weitere Voraussetzungen entbehrenden -Grundlagen der Mathematik gelangte. Auch die Erfindung des indirekten -Beweisverfahrens wird *Platon* zugeschrieben[221]. - -Unter den stereometrischen Sätzen, welche die platonische Schule -auffand, verdienen besonders zwei hervorgehoben zu werden. Es ist -das der Satz von der Raumgleichheit der Pyramide mit dem dritten -Teile des Prismas von gleicher Grundfläche und gleicher Höhe. Ferner -erkannte man, daß Kugeln sich in bezug auf den Rauminhalt wie die -dritten Potenzen ihrer Durchmesser verhalten[222]. Um jene Zeit -scheint auch die Entdeckung stattgefunden zu haben, daß Ellipse, -Parabel und Hyperbel wie der Kreis als Kurven auf der Kegeloberfläche -(Kegelschnitte) entstehen, wenn man Ebenen in verschiedener Neigung zur -Kegelachse durch den Kegel legt[223]. - - -Die Anfänge der griechischen Astronomie[224]. - -Nicht so erfolgreich wie auf den Gebieten der Philosophie und der -Mathematik sind die Griechen während dieser Periode in der Astronomie -gewesen. Die Anfänge dieser Wissenschaft verdankten sie den Sternwarten -Mesopotamiens, so die Kenntnis der Ekliptik, der Tierkreiszeichen, der -Planetenreihe usw. Auch das Duodezimal- sowie das Sexagesimalsystem und -die auf diesen Systemen beruhenden Maße gelangten über die ionischen -Städte, welche dem babylonischen Einfluß weit geöffnet waren, nach -Griechenland[225]. Große Schwierigkeiten bereitete den Griechen -ihre Zeitrechnung, der sie anfangs die Bewegung des Mondes zugrunde -legten. Man sah dieses Gestirn in rascher Folge einen Wechsel von -Lichtgestalten durchlaufen und gelangte dadurch zur Aufstellung des -synodischen Monats, dessen Dauer 29 Tage 12 Stunden und 44 Minuten -beträgt. Es ist nun sehr wahrscheinlich, daß der erste Versuch, die -Rechnung nach Mond und Sonne zu regeln, zur Festsetzung eines Zeitraums -von 12 Monaten zu 30 Tagen führte. Ein solcher Kalender konnte den -Bedürfnissen jedoch nicht lange genügen, da er dem tatsächlichen -Verlauf der himmlischen Bewegungen zu wenig entsprach. Der nächste -Schritt bestand deshalb darin, daß man den Monat abwechselnd zu 29 -und 30 Tagen rechnete. Dadurch wurde das Jahr aber auf 354 Tage -verkürzt. Mit diesem Zeitabschnitt rechneten die Griechen, bis *Solon* -den bedeutenden Ausfall, den man erlitten, dadurch ausglich, daß er -jedem zweiten Jahre einen vollen Monat von 30 Tagen zulegte. Auf das -Jahr kamen also im Mittel (2 · 354 + 30)/2 = 369 Tage, was noch immer -eine starke Abweichung von der wirklichen Dauer bedeutete. Einer der -ersten, der sich (um 460 v. Chr.) bemühte, die Kalenderrechnung durch -einen besseren Ausgleich zwischen dem Mondumlauf und dem Sonnenjahr -zu regeln, war der Astronom *Oenopides* auf Chios, zu dessen Schülern -wahrscheinlich *Hippokrates* von Chios zählte. *Oenopides* setzte 730 -Mond-Monate 59 Sonnen-Jahren gleich und kam so zu einer Jahreslänge von -365,373 Tagen. Er soll auch viel zur Übermittlung der ägyptischen und -babylonischen Astronomie beigetragen und den aus gleichen Abschnitten -bestehenden Tierkreis in Griechenland eingeführt haben. Auch dadurch -hat er sich einen Namen gemacht, daß er die regelmäßig wiederkehrenden -Nilschwellen auf kosmische Ursachen zurückführte. - -Die Verwirrung, in welche der Kalender der Griechen geraten war, hat -ihr großer Lustspieldichter *Aristophanes*[226] dadurch verspottet, daß -er den Mond über einen solch unhaltbaren Zustand sich beklagen läßt. -Erst dem atheniensischen Mathematiker *Meton* gelang 433 v. Chr. die -endgültige Beseitigung dieses Wirrsals. Er führte einen Zyklus ein, der -19 Jahre und innerhalb dieses Zeitraums 125 »volle« und 110 »leere« -Monate umfaßte, so daß das Jahr (125 · 30 + 110 · 29)/19 = 365,263 Tage -enthielt, während der wahre Wert des Sonnenjahres sich auf 365,242 Tage -beläuft[227]. - -Die Einteilung nach Stunden, für die sich bei *Herodot* noch keine -besondere Bezeichnung findet, scheint erst gegen das Ende des 4. -vorchristlichen Jahrhunderts in Gebrauch gekommen zu sein. Vorher -begnügte man sich damit, daß man aus der Schattenlänge des eigenen -Körpers oder eines senkrechten Sonnenzeigers auf das Vorrücken der -Tageszeit schloß[228]. - -Zu einer annähernden Bestimmung des Sonnenjahres mußte man gelangen, -sobald man zur genaueren Messung der Schattenlänge mit Hilfe des -Gnomons überging. Man erkannte, daß die Mittagshöhen und damit die -Tageslängen und die Jahreszeiten innerhalb einer Periode von 365-1/4 -Tagen wiederkehren. Zu dieser Erkenntnis kam die Beobachtung, daß -innerhalb derselben Periode gewisse Fixsterne nacheinander in der Nähe -der auf- oder untergehenden Sonne gesehen werden. Daraus schloß man, -daß die stete Änderung in der Kulmination der Sonne daher rühre, daß -dieses Gestirn im Laufe eines Jahres einen zum Himmelsäquator geneigten -Kreis beschreibt. Um die Neigung dieses, als Ekliptik[229] bezeichneten -Kreises zu bestimmen, war es erforderlich, die größte und die geringste -Mittagshöhe an einem Orte zu messen und das Mittel aus der Differenz -dieser Höhen zu nehmen. Der erste Grieche, der die Schiefe der Ekliptik -auf diesem Wege bestimmte, soll *Anaximander* gewesen sein[230]. Indes -begegnen wir weit früheren Angaben. So fanden chinesische Astronomen -schon um 1100 v. Chr. für die Schiefe der Ekliptik ziemlich richtig den -Wert von 23° 52'. - -Hinsichtlich der Beschaffenheit des Mondes gelangte man schon -frühzeitig zu der Vorstellung, daß es sich um eine freischwebende, von -der Sonne beleuchtete Kugel handele. Seine Flecken wurden von einigen -als Unebenheiten, von anderen (wie *Aristoteles*) als Spiegelbilder -unserer Erdteile und Meere aufgefaßt. Schon *Anaxagoras* hat sich -die Frage vorgelegt, weshalb ein, der Erde so naher und vermutlich -um vieles kleinerer Himmelskörper nicht zur Erde herunterfalle. Er -trifft auch so ziemlich das Richtige, wenn er die Mondbewegung mit der -Bewegung in einer Schleuder vergleicht, durch deren raschen Umschwung -die Neigung zu fallen gleichfalls aufgehoben werde. - -Während die Entdeckung der größeren Planeten aus der Veränderung ihrer -Stellung zu den Fixsternen auf den ersten Blick erfolgen mußte, setzte -die Auffindung des Merkur, der sich im Mittel nur um 23 Grade von -der Sonne entfernt und daher in höheren Breiten nur in der Dämmerung -mit guten Augen wahrzunehmen ist, schon eine größere Aufmerksamkeit -voraus. Auch der Saturn wird wegen seines langsamen Fortrückens -erst verhältnismäßig spät als Wandelstern erkannt worden sein. Eine -systematisch geordnete Reihe von Beobachtungen gehörte dazu, die Zeiten -festzustellen, innerhalb deren die Planeten in ihre frühere Stellung -zurückkehren. So gelangte man zu der Erkenntnis, daß Jupiter in 12, -Saturn dagegen erst in 30 Jahren ihren Weg am Fixsternhimmel vollenden. - -Größere Schwierigkeiten boten der Mars und die innerhalb der Erdbahn -befindlichen Planeten Merkur und Venus dar. Da letztere beiden -jedoch stets in der Nähe der Sonne erscheinen, so mußten sie der -geozentrischen Vorstellung gemäß etwa dieselbe Umlaufszeit besitzen. -Als Grund dieser sämtlichen Unterschiede nahm man einen verschieden -großen Abstand der Himmelskörper von der im Mittelpunkte ruhend -gedachten Erde an. Saturn, dessen Umlauf die längste Zeit erfordert, -mußte dementsprechend auch am weitesten von der Erde entfernt sein, -während der Mond, der zwölfmal in einem Jahre seinen Umlauf vollendet, -als der dem Mittelpunkte am nächsten befindliche Himmelskörper galt. -Man gelangte daher zu dieser Reihenfolge: Mond, Sonne, Merkur, Venus, -Mars, Jupiter, Saturn. - -Die Pythagoreer legten sich zuerst die Frage nach dem Verhältnis -der Abstände der Planeten vor. Sie bewegten sich hierbei jedoch auf -dem Gebiet der bloßen Zahlenmystik. Da sie bei ihren akustischen -Untersuchungen auf einfache Beziehungen zwischen den Längen harmonisch -tönender Saiten gestoßen waren, hielten sie sich für berechtigt, auch -am Himmel solche einfachen Verhältnisse ohne weiteres anzunehmen. -So nahm später *Platon* an, daß sich Mond, Sonne, Venus, Merkur, -Mars, Jupiter, Saturn in Abständen von der Erde befänden, die sich -wie 1 : 2 : 3 : 4 : 8 : 9 : 27 verhielten[231]. Durch das Obwalten -solcher Beziehungen sollte dann, ähnlich wie im Reiche der Töne, eine -Konsonanz entstehen. Man dachte sich nämlich, jeder Planet rufe als -ein in rascher Bewegung befindlicher Körper einen Ton hervor, und dies -verursache die Harmonie der Sphären. Über die Entfernung der Fixsterne, -welche der äußersten der acht konzentrischen Sphären angehören sollten, -läßt *Platon* nichts verlauten. - -Derartige Spekulationen, so überflüssig sie auch nach der Entdeckung -der tatsächlich obwaltenden Verhältnisse erscheinen mögen, sind für die -Entwicklung der astronomischen Wissenschaft durchaus nicht ohne Belang -gewesen. Sie waren es, die zu Versuchen anregten, die Richtigkeit der -angenommenen Werte zu prüfen. Und wir werden sehen, auf welche Weise -man in der nächstfolgenden, schon der Messung zugewandten Periode der -griechischen Astronomie, der Lösung dieser Aufgabe näher kam. Zu -allen Zeiten hat der Weg der Forschung darin bestanden, daß auf einer -gewissen Stufe der Erkenntnis Hypothesen ersonnen wurden, an welche -sich die weiteren Versuche behufs einer Prüfung anschlossen. Auch als -später *Kepler* das Problem, das wir jetzt verlassen, wieder aufnahm, -trat er mit der vorgefaßten Meinung an dasselbe heran, die Planeten -müßten, wie so manches in der Natur, nach einfachen Verhältnissen -geordnet sein. So ist das von den Pythagoreern aufgeworfene Problem -bis in die neueste Zeit eine der fundamentalen Aufgaben geblieben, -welche die Astronomie mit immer größerer Genauigkeit zu bewältigen -strebt. Hatten die Chaldäer und die Ägypter die Himmelserscheinungen -in Jahrhunderte umfassenden Beobachtungsreihen nur aufgezeichnet und -dadurch das wertvollste, den Griechen zu Gebote stehende Material -für eine weitere Entwicklung der Astronomie geschaffen, so ging das -jüngere, der Ergründung der Ursachen mit regem Geiste zustrebende Volk -zuerst zu einer *Erklärung* dieser Erscheinungen über. Einen besonderen -Anreiz bot diese Aufgabe den Schülern *Platons*, der in seinem Timäos -die Frage nach der Entstehung und der Anordnung des Weltgebäudes -aufgeworfen hatte. Mehr aus philosophischen als aus deutlich erkannten -astronomischen Gründen war man gleich den Pythagoreern geneigt, der -Erde keine das All beherrschende, zentrale Stellung zuzuschreiben. -Dieser Gedanke wurde von *Platons* Schüler *Herakleides Pontikos* -weiter verfolgt und zu einer heliozentrischen Theorie erweitert, -welche besonders durch *Aristarch von Samos* im 3. Jahrhundert v. Chr. -ausgebildet wurde. - -Über die Anfänge der heliozentrischen Weltanschauung, die bis in -die Schule des *Pythagoras* und *Platons* zurückreichen, haben -insbesondere die Forschungen *Boeckhs*[232] und *Schiaparellis*[233] -Licht verbreitet. Es ist früher wohl behauptet worden, daß *Pythagoras* -selbst schon die Bewegung der Erde gelehrt habe. Für die Ansicht, -daß *Pythagoras* eine andere als die im frühen griechischen Altertum -herrschende geozentrische Ansicht gelehrt habe, spricht jedoch -nichts Sicheres. Dagegen müssen wir annehmen, daß die Lehre von der -Kugelgestalt der Erde in der pythagoreischen Schule schon galt, als sie -in Griechenland noch unbekannt war[234]. Früher als die Erde stellte -man sich den Himmel als eine Kugel vor, an deren Oberfläche die Sterne -angeheftet seien. Als man jedoch bemerkte, daß der Mond, die Sonne -und die Planeten an den Sternbildern vorüberziehen und die Planeten -mitunter für kurze Zeit von dem Monde verdeckt werden, da konnte man -sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß die Entfernungen der -Himmelskörper von der Erde verschieden seien. Den Versuch, die Bewegung -und die gegenseitige Stellung der Himmelskörper in ihrem Verhältnis zur -Erde zu erklären, machten unter den Griechen zuerst die Pythagoreer. -Unter ihnen war es der im 5. Jahrhundert lebende *Philolaos*, dem wir -die ersten schriftlichen Aufzeichnungen über diese, für die weitere -Entwicklung der Weltanschauung grundlegenden Lehren verdanken. Man hat -es hier keineswegs mit bloßen Phantasieerzeugnissen zu tun. Mit Recht -sagt daher *Schiaparelli*: »Das System des *Philolaos* ist nicht die -Frucht einer ungeordneten Einbildung, sondern es ist aus der Tendenz -entstanden, die Daten der Beobachtung mit einem prästabilierten Prinzip -über die Natur der Dinge in Übereinstimmung zu bringen«[235]: Dieses -Prinzip war die in der pythagoreischen Schule entstandene Lehre von der -Harmonie, die überall, also auch im Kosmos, herrschen sollte. - -Bei der Wichtigkeit der durch *Philolaos* übermittelten Lehren für -das Verständnis der von *Platon*, von *Herakleides* und *Aristarch* -entwickelten Ansichten wollen wir an der Hand der von *Boeckh* -herausgegebenen Bruchstücke uns ein Bild von diesen frühesten -kosmologischen Vorstellungen zu machen suchen; letztere führten in -ihrer weiteren Entwicklung schon im Altertum zu einer heliozentrischen -Weltansicht. - -Nach *Philolaos* gibt es nur eine Welt, den Kosmos, und dieser besitzt -die Gestalt einer Kugel[236]. In der Mitte des Alls befindet sich das -Zentralfeuer. Die Peripherie wird von dem unbegrenzten Olymp gebildet, -der seiner Natur nach ebenfalls Feuer ist, wenn wir dieses völlig -farblose Feuer auch nicht wahrnehmen können. Nur durch die Sonne, -die an sich ein dunkler, glasartiger Körper ist, wird das Feuer des -Olymps so modifiziert, daß wir es wahrnehmen. Vielleicht ist man durch -die Milchstraße zu der Annahme eines alles umschließenden feurigen -Olymps geführt worden. Zwischen dem letzteren und dem Zentralfeuer -bewegen sich zehn göttliche Körper, nämlich die Fixsternsphäre, -die fünf Planeten, dann die Sonne, unter ihr der Mond, wie man aus -den Verfinsterungen der Sonne schließen mußte, dann die Erde und -endlich, dem Zentralfeuer zunächst, die Gegenerde. Während *Platon* -im »Timäos« die Erde als den Mittelpunkt bezeichnet, wird also bei -*Philolaos* -- und zwar zuerst -- der Erde eine Bewegung zugeschrieben. -Erde und Gegenerde bewegen sich in 24 Stunden um das Zentralfeuer. -Daraus erklärt sich die tägliche Umdrehung des Fixsternhimmels. Die -Gegenerde ist im Grunde genommen die den Bewohnern des Mittelmeeres -entgegengesetzte Hemisphäre. Denken wir uns diese Hemisphäre von -der den Griechen bekannten losgelöst und das Zentralfeuer, das man -später in den Mittelpunkt der Erde versetzte, gleichfalls in den -Weltraum hinausverlegt, so erkennen wir, daß *Philolaos* mit seiner -Erde und Gegenerde und ihrer gleichlaufenden täglichen Bewegung um -das Zentralfeuer die scheinbare tägliche Bewegung des Fixsternhimmels -begreiflich gemacht hat. - -Bei einer solchen Bewegung bekommen wir die Gegenerde natürlich nie zu -sehen, ebensowenig wie wir die der unseren entgegengesetzte Hemisphäre -von unserem Standort aus erblicken können. Indem sich die Gegenerde -innerhalb der Erdbahn um das Zentralfeuer bewegt, und zwar so, daß sich -die Gegenerde stets zwischen der Erde und dem Zentralfeuer befindet, -bekommen wir die weit außerhalb des Systems »Zentralfeuer, Gegenerde, -Erde« befindliche Sonne während dieser parallelen und konzentrisch -erfolgenden Bewegung der Erde und der Gegenerde so lange nicht zu -sehen, als wir uns auf der von der Sonne abgekehrten Seite befinden. -Wir sind dann im Schatten der Gegenerde, die uns das Sonnenlicht -während der Hälfte des Tages genau so verbirgt, wie es in Wirklichkeit -die aus der Vereinigung von Erde und Gegenerde hervorgehende Erdkugel -tut. - -Derjenige, der an Stelle der täglichen Bewegung um ein Zentralfeuer -die tägliche Rotation unseres Planeten um seine Achse setzte und damit -die Annahme der Gegenerde und jenes Zentrums überflüssig machte, war -*Herakleides Pontikos*. *Herakleides*[237] ging aber noch einen -Schritt weiter, indem er die Sonne schon als Mittelpunkt für die -Bewegungen der beiden inneren Planeten, Merkur und Venus, ansprach. -Diese Vorstellung hat später bekanntlich *Tycho* auf alle Planeten mit -alleiniger Ausnahme der Erde ausgedehnt[238]. - -Die Annahme, daß Merkur und Venus sich um die Sonne bewegen, entsprang -der Beobachtung, daß beide Planeten sich nur wenig von der Sonne -entfernen, nämlich Merkur im Mittel 23°, Venus höchstens 48°. Daher -sagt auch *Vitruv*: »Merkur und Venus haben, da sie sich um die Sonne -als Mittelpunkt ihres Laufes bewegen, ihre Stillstände und Rückläufe -in die Sonnenstrahlen eingetaucht«[239]. Auch *Platon* beschäftigt -sich mit diesem Problem, und zwar im »Timäos«. Nach ihm setzte Gott -den Mond in den ersten Kreis um die Erde, die Sonne dagegen in den -zweiten Kreis. Von Merkur und Venus heißt es dort[240], sie seien in -die Kreise gesetzt worden, »welche an Schnelligkeit sich zwar mit dem -Kreislauf der Sonne gleich bewegen, jedoch eine diesem entgegengesetzte -Wirksamkeit erlangt haben. Deswegen holen die Sonne, Merkur und Venus -auf gleiche Weise einander ein und werden voneinander eingeholt.« -Mit solchen dunklen Andeutungen war das Problem der Stillstände -und Rückläufe indessen nicht gelöst. Eine Theorie, die sich diesen -Erscheinungen schon besser anpaßte, gab *Eudoxos* durch die Annahme von -»homozentrischen Sphären«. Vermittelst dieser Theorie gelang es, die -Bewegungen des Jupiter und des Saturn vom geozentrischen Standpunkte -aus begreiflich zu machen. - -Da die Hypothese des *Herakleides Pontikos* eine Erklärung für -das Verhalten von Merkur und Venus gab, während die Theorie der -homozentrischen Sphären hier versagte, lag es nahe, zu untersuchen, ob -die Hypothese des *Herakleides* sich nicht auf die äußeren Planeten -ausdehnen ließe. So gelangte man zu dem System, das später *Tycho* -annahm. Mond und Sonne bewegen sich danach um die Erde, während die -sämtlichen Planeten gleichzeitig die Sonne umkreisen. - -Alle übrigen Gestirne betrachtete man wohl als Gesteinsmassen, welche -durch die Schnelligkeit des Umschwungs erglühten. So dachten *Demokrit* -und *Anaxagoras*, während andere sie für Öffnungen des Himmelsgewölbes -hielten, aus denen das äußerste Element, das Feuer, hervorbrechen -sollte. Später sah man die Fixsterne als Weltkörper an, die ihrem Wesen -nach der Sonne und dem Monde gleich seien. Nach *Herakleides Pontikos* -(s. vorige Seite) endlich war jedes Gestirn wie das unsere eine Welt -für sich. - -Daß die Fixsterne sich in verschiedener Entfernung von uns befinden -könnten, vermutete man im Altertum noch kaum[241]. Es herrschte -vielmehr die Vorstellung, daß sämtliche Fixsterne einer Sphäre -angehörten[242]. *Platon* und *Herakleides* waren dagegen der Ansicht, -daß das Weltall unendlich und ebenso wie jedes einzelne Gestirn beseelt -sei. - -Gleichzeitig mit den ersten Beobachtungen und Spekulationen über -die Himmelskörper beginnt die Frage nach der Beschaffenheit unseres -irdischen Wohnsitzes den forschenden Geist zu beschäftigen. Lange -dauerte es, bis man sich von dem Eindruck, daß die Erde eine -kreisförmige Scheibe sei, losgerungen hatte. *Homer* und *Hesiod* -waren noch darin befangen. Letzterer läßt die Sonne während der Nacht -im Ozean nach Osten schwimmen, wo sie sich frühmorgens wieder erhebt. -Der Himmel selbst ist nach ihm ein Gewölbe von solcher Höhe, daß ein -schwerer Gegenstand von dort neun Tage und neun Nächte fällt, bis er -die Erde erreicht. - -Die Überzeugung, daß die um das Mittelmeer gelegenen Länder nur einen -kleinen Teil der Erde ausmachen, hatte schon vor *Aristoteles* Platz -gegriffen. So sagt *Platon* im Phaedon[243]: »Die Erde ist groß. Wir -haben davon nur einen kleinen Teil um das Mittelmeer herum inne, -während andere Menschen viele andere ähnliche Räume bewohnen.« In -derselben Schrift heißt es, die Erde schwebe in der reinen Himmelsluft -oder dem Äther und sei, von ferne betrachtet, einem Balle ähnlich. - - -Der Ursprung der Zoologie und der Botanik. - -Während die Mathematik, die Philosophie und die Astronomie bei den -Griechen der voraristotelischen Zeit schon deutlich als besondere -Wissenszweige hervortreten, ist dies bezüglich der Botanik und -der Zoologie noch kaum der Fall. Den Pflanzen wandte man sich aus -medizinischem und landwirtschaftlichem Interesse zu. So erzählt -uns *Theophrast*, den wir als einen der frühesten botanischen -Schriftsteller kennen lernen werden, von den Rhizotomen (Wurzelgräbern) -und den Pharmakopolen (Arzneihändlern) der ersten griechischen Zeit. -War das Ziel dieser Männer auch ein überwiegend praktisches und ihr Tun -mit vielen abergläubischen Gebräuchen gemischt, so schufen sie doch -die erste Quelle des Wissens, nämlich die empirische Grundlage, zu der -dann später die Spekulation als zweites nicht weniger wichtiges Element -hinzutreten mußte, um mit der Empirie vereint zu wahrer Wissenschaft -heranzuwachsen[244]. - -*Theophrast* sagt von den Rhizotomen, sie hätten vieles richtig -bemerkt, vieles aber auch marktschreierisch übertrieben. Daß sie beim -Ausgraben der Wurzeln auf den Flug der Vögel und den Stand der Sonne -achteten, erschien *Theophrast* als Torheit. - -Die Pflanzenkenntnis der Griechen und die Zahl der den Hirten, Jägern, -Landleuten und den erwähnten Rhizotomen bekannten Pflanzen waren bei -einer so vielseitigen, mehrere tausend Blütenpflanzen umfassenden -Flora, wie sie Griechenland beherbergt, gewiß nicht unbedeutend. -Einen Rückschluß gestattet uns der Sprachschatz jenes Zeitalters. In -den homerischen Gesängen z. B. werden 63 Pflanzen erwähnt. In den -hippokratischen Schriften finden sich 236 Pflanzennamen, und bei -*Theophrast*, dem Zeitgenossen des *Aristoteles*, begegnen uns gar -455, unter denen nur wenige sind, die nicht der Flora Griechenlands -angehören. Die ältesten fragmentarischen Aufzeichnungen über botanische -Dinge treffen wir bei dem Philosophen *Empedokles*, dem Begründer -der Lehre von den vier Elementen oder, wie er sich ausdrückte, den -Wurzeln der Dinge[245]. Vom wissenschaftlichen Standpunkte aus sind -die Ansichten, welche *Empedokles* über die Natur der Pflanze äußert, -nicht allzu hoch einzuschätzen. Er meint, unter allen lebenden Wesen -seien zuerst die Bäume aus der Erde hervorgegangen. Seiner Lehre von -der Allbeseelung der Natur entspricht die Meinung, daß die Pflanzen -wie die Tiere Gefühle der Lust und Unlust, ja Einsicht und Verstand -besäßen. »Wisse denn, alles erhielt Anteil an Sinn und Verständnis« ist -ein Wort, das man dem Philosophen zuschreibt[246]. - -Aus der Beseelung der Pflanzen erklärte *Empedokles* Erscheinungen, -die wir auf mechanische Ursachen zurückführen, wie das Erzittern, -das Ausstrecken der Zweige gegen das Licht und das Emporschnellen -herabgebogener Äste[247]. Auch die ersten Keime der Lehre von den -Geschlechtern der Pflanzen begegnen uns bei *Empedokles*, wenn es -sich bei ihm auch nur um eine dunkle Ahnung handelte. So berichtet -*Aristoteles*, *Empedokles* habe gemeint, auch die Bäume brächten Eier -hervor. Und wie in dem Ei aus einem Teile das Tier entstände, das -Übrige aber Nahrung sei, so entstehe auch aus einem Teile des Samens -die Pflanze, das Übrige aber diene dem Keim und der ersten Wurzel als -Nahrung[248]. - -Auch anderen griechischen Philosophen werden Äußerungen über die Natur -der Pflanzen zugeschrieben. Sie verdienen zum Teil Erwähnung, wenn wir -uns von den Vorstellungen jener Männer auch kein solch abgerundetes -Bild machen können, wie von denjenigen des *Empedokles*. So soll auch -*Demokrit* aus Abdera über die Pflanzen geschrieben, und einer seiner -Schüler soll bemerkt haben, daß die Blätter einer im Orient wachsenden -Pflanze bei der Berührung zusammenfallen. Wahrscheinlich handelt es -sich um eine dort wachsende Mimosenart. *Anaxagoras* nennt die Sonne -den Vater und die Erde die Mutter der Pflanzen. Auch soll er den -Blättern das Vermögen zu atmen beigelegt haben. - -In fast noch engerer Beziehung als zu den Pflanzen befand sich der -Mensch zur Tierwelt. Hier fesselten ihn nicht nur die Formen, sondern -auch die den seinen oft so nahe verwandten Lebensäußerungen und der -innere Bau, der bei den höheren Tieren so große Übereinstimmung mit -dem Bau des menschlichen Körpers darbot. Vor allem waren es die -Haustiere, an denen die ersten zoologischen Kenntnisse gewonnen wurden. -Beim Schlachten und Opfern gewann man einen Einblick in die Anatomie -dieser Geschöpfe. An Haustieren besaßen die Griechen vornehmlich -das Rind, das Pferd, das Schaf, die Ziege, das Schwein und den Hund, -auch wurden Hühner, Gänse, Enten und Tauben gehalten. Was die übrige -Tierwelt anbetrifft, so blieben den Griechen die anthropomorphen -Affen unbekannt. Dagegen kannten sie manche andere Affenart, wie die -Paviane und die Makaken. Mit den großen Raubtieren wurde man besonders -bekannt, nachdem *Alexander* und später die Römer ein Weltreich -gegründet hatten. So gelangten durch *Pompejus* die ersten Tiger und -schon um 200 v. Chr. die ersten Löwen nach Rom. Von den Waltieren war -besonders der Delphin bekannt. Die Papageien erwähnt *Aristoteles* -als indische Vögel. Außer zahlreichen Arten der Knochenfische kannte -man auch die Haifische und die Rochen, zumal den elektrischen Rochen, -ziemlich genau. Von den Weichtieren hatten besonders die Tintenfische -die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Kenntnis von den niederen -Tieren blieb, vielleicht von den Insekten abgesehen, indessen auf einer -niedrigen Stufe. - -Einer der ersten, der allgemeine Betrachtungen über das Wesen der -Tierwelt anstellte, war wieder *Empedokles*, mit dessen Ansichten -über die Pflanzen wir uns soeben beschäftigt haben. *Empedokles* -suchte nämlich, bei der näheren Ausführung seiner Lehre von den vier -Elementen, Bestandteile des Tierkörpers, wie das Fleisch, das Blut und -die Knochen, auf eine Mischung jener vier Elemente zurückzuführen. -Vom Rückgrat der Säugetiere meinte er, es sei bei der Entstehung in -einzelne Wirbel zerbrochen[249]. Unter den späteren Philosophen soll -besonders *Demokrit* Tierzergliederungen vorgenommen haben. Seine -Ansichten finden bei *Aristoteles* oft Erwähnung und zeugen mitunter -von einer klaren Einsicht. Der Gegensatz zwischen *Demokrit* und -*Aristoteles* geht besonders aus der Bemerkung des letzteren hervor, -daß *Demokrit* nie vom Zwecke gesprochen habe, sondern »alles, dessen -sich die Natur bedient, auf die Notwendigkeit zurückführe«[250]. - -*Demokrit* hat seine Ansichten über das Wesen des Organischen in einer -besonderen Schrift entwickelt. Leider ist uns nur der Titel (Über die -Ursachen der Tiere) bekannt[251]. - -Bei den spekulativen Neigungen der Griechen kann es nicht Wunder -nehmen, daß uns schon bei den ältesten griechischen Philosophen -Anklänge an die Deszendenztheorie begegnen[252]. So lehrte -*Anaximander*, durch die Sonnenwärme seien im Schlamme zuerst -blasige Gebilde entstanden. Daraus seien dann fischartige Geschöpfe -hervorgegangen. Einige von ihnen seien auf das Land gekrochen. Die so -bedingte Änderung der Lebensweise habe auch zu einer Umwandlung der -Gestalt geführt. Auf diese Weise sollten zunächst die landbewohnenden -Tiere und endlich der Mensch entstanden sein. Von letzterem nahm man -an, daß er ursprünglich einem Fische ähnlich gewesen sei. Die gleichen -Ansichten hat *Demokrit* entwickelt. Auch *Epikur* betrachtete alle -Geschöpfe einschließlich des Menschen als Kinder der Erde, die nur -stufenweise Verschiedenheiten aufweisen. - -Bei dem Römer *Lucretius*, der in seinem Werke »De natura rerum« -im wesentlichen die Ansichten der griechischen Naturphilosophen -wiedergibt, finden sich gleichfalls Anklänge an die Selektionstheorie, -unter anderm auch der Gedanke, daß das Unzweckmäßige untergehe[253]. -Derartige, gelegentlich geäußerte, später als zutreffend anerkannte -Gedanken haben indessen mit der wissenschaftlichen Begründung der -Deszendenztheorie nur wenig gemein. Letztere ist und bleibt eine Tat -des 19. Jahrhunderts, für die in erster Linie *Lamarck* und *Darwin* in -Betracht kommen. - -Daß *Darwin* übrigens von den deszendenztheoretischen Ansichten des -Altertums, zwar ohne sie genauer zu kennen, wußte, geht aus seinen -eigenen Worten hervor, in denen er »von den auf seinen Gegenstand -zu beziehenden Andeutungen in den Schriftstellern des klassischen -Altertums« spricht. - - -Erste Schritte zur Begründung der griechischen Heilkunde. - -Zu den frühesten Ursachen, die zur Begründung der Naturwissenschaften -führten, gehört auch das Bestreben, die Krankheiten des menschlichen -Körpers zu heilen. Dieses Bestreben schärfte das Beobachtungsvermögen -und lenkte den Blick auf die umgebende Natur, die man der Heilkunde -dienstbar zu machen suchte. Bevor wir die erste Periode der Entwicklung -der griechischen Wissenschaft verlassen und zu *Aristoteles* und -seine Schule übergehen, wollen wir daher einen kurzen Blick auf eine -der wichtigsten Anwendungen der Naturwissenschaft, auf die Medizin, -werfen. Es ist dies zum Verständnis des Folgenden um so wichtiger, -als *Aristoteles* aus einer alten Ärztefamilie hervorgegangen war und -bei der Errichtung eines philosophischen und naturwissenschaftlichen -Lehrgebäudes zum Teil auf medizinischen Anschauungen fußte. - -Aus dem Orient und Ägypten stammende Kenntnisse und Geheimlehren haben -ohne Zweifel die griechische Heilkunde stark beeinflußt, ja sie bilden -vielleicht die Grundlage, auf der sich die Heilkunde in Griechenland -weiter entwickelte. Es blieb jedoch den Griechen vorbehalten, das -Zauberwesen, das den Anfängen dieser Wissenschaft anhaftete, allmählich -abzustreifen und auch hier nach unbefangener Erkenntnis und Verknüpfung -der Tatsachen zu streben[254]. Unter den älteren Ärzten ist besonders -*Alkmäon* von Kroton, ein Schüler des *Pythagoras*, zu nennen[255]. -Er wird als der Begründer der Embryologie betrachtet und hat manche -wertvolle anatomische und physiologische Beobachtung gemacht. Nach ihm -wird jede Empfindung durch das Gehirn vermittelt und jede Bewegung von -dort aus geleitet. *Alkmäon* war der Hauptvertreter der im Einklang mit -den Vorstellungen der Pythagoreer ausgebildeten Lehre, daß Gesundheit -und Krankheit aus der harmonischen Mischung gewisser Qualitäten oder -deren Störung zu erklären seien (s. S. 80). Dieser Lehre liegt die uns -sogleich begegnende Anschauung von den vier Temperamenten zugrunde, die -auch auf richtiger Mischung beruhen sollten. - -Das wichtigste Dokument, das wir über die medizinische Wissenschaft -der Griechen besitzen, ist die sog. hippokratische Büchersammlung. -Wir begegnen dieser Sammlung seit der Begründung der großen -Bibliotheken in Alexandrien. Als das Werk eines einzigen Mannes sind -die hippokratischen Bücher nicht zu betrachten[256], wenn sich auch -nicht in Abrede stellen läßt, daß *Hippokrates* als Begründer der -wissenschaftlichen Heilkunde, der zuerst das Zerstreute sammelte -und zum Gesamtbild vereinigte, zu betrachten ist[257]. Außer -*Hippokrates*[258], der den Beinamen der Große erhielt, sind noch sechs -andere Ärzte gleichen Namens aus der alten Literatur bekannt. Es kann -daher nicht Wunder nehmen, wenn die Frage nach der Person des großen -*Hippokrates* wenig geklärt ist, zumal keine zuverlässige Biographie -über ihn existiert. Daß nicht *Hippokrates* allein der Verfasser der -ihm zugeschriebenen Schriften sein kann, wird daraus geschlossen, daß -sich in diesen Schriften[259] nicht nur manche Widersprüche finden, -sondern daß uns darin sogar eine Polemik der einzelnen Verfasser -gegeneinander begegnet[260]. - -Was die Anatomie anlangt, so stützt sich das in den hippokratischen -Schriften enthaltene medizinische Wissen vorzugsweise auf die -Untersuchung der Tiere; doch lagen auch für den Menschen insbesondere -auf dem Gebiete der Osteologie zahlreiche Beobachtungen und Erfahrungen -vor. Am wenigsten waren den Alten der Bau und die Aufgabe des -Nervensystems bekannt. Als besondere Ausläufer dieses Systems entdeckte -man wohl zuerst den Sehnerven, den Gehörnerven und den Trigeminus. -Im übrigen wurden die Nerven und Sehnen zunächst zusammengeworfen. -Empfindung und Bewegung hielt man für immanente Fähigkeiten. Als ihre -Quelle galt das »Pneuma«, das vom Gehirn aus durch die Adern zu allen -Teilen des Körpers fließen sollte[261]. - -Ein großer Fortschritt gegenüber der ältesten dämonologischen -Auffassung der Krankheiten bestand darin, daß die hippokratischen -Schriften die psychischen Störungen als Wirkungen körperlicher -Krankheitszustände auffaßten. Letztere werden durch eine Störung des -Gleichgewichtes zwischen den vier Flüssigkeiten (Humores) aufgefaßt, -die den Körper bilden. Als solche galten das Blut, der Schleim, die -gelbe und die schwarze Galle. Die Natur wird als heilbringender Faktor -gewürdigt. Sie finde, heißt es von ihr, auch ohne Überlegung immer -Mittel und Wege. Auch einer vernünftigen Prophylaxe wird das Wort -geredet. Die Gicht wird z. B. auf Wohlleben zurückgeführt und Mäßigkeit -und Unverdrossenheit hygienisch außerordentlich hoch gewertet. Als -therapeutisches Mittel wird schon die Musik empfohlen. Von der Höhe -der gesamten Auffassung, die uns in den hippokratischen Schriften -begegnet, zeugt der Ausspruch: Das Kennen erzeugt die Wissenschaft, das -Nichtwissen den Glauben. Jedoch war man sich der Grenzen des ärztlichen -Könnens wohl bewußt und erkannte an, daß der beste Arzt die Natur -selbst sei. Im Einklang damit war man in erster Linie bestrebt, den -natürlichen Vorgang der Heilung zu unterstützen. An Amputationen wagte -man sich noch nicht heran, da man das Unterbinden der Adern noch nicht -verstand. Bekannt ist der Hippokratische Satz: »Was die Arzneimittel -nicht heilen, heilt das Eisen. Was das Eisen nicht heilt, heilt das -Feuer. Was endlich das Feuer nicht heilt, das ist überhaupt nicht zu -heilen«[262]. - -Unter den hippokratischen Schriften ist diejenige »Über die Diät« -in zoologischer Hinsicht wichtig. Sie enthält nämlich unter den -Nahrungsmitteln eine Aufzählung von etwa 50 Tieren in absteigender -Reihenfolge. Auf die Säugetiere folgen die Land- und Wasservögel, die -Fische, dann die Muscheltiere und endlich die Krebse. Reptilien und -Insekten werden nicht erwähnt, weil sie nicht gegessen wurden. Dieses -Tiersystem, das man wohl als das »koische« bezeichnet hat (etwa 410 v. -Chr.), kann als ein Vorläufer des Aristotelischen Tiersystems, das uns -im nächsten Abschnitt beschäftigen soll, betrachtet werden[263]. - - - - -3. Das aristotelische Zeitalter. - - -Für das griechische Volk war mit dem vierten vorchristlichen -Jahrhundert schon eine Zeit des staatlichen Niederganges angebrochen. -Kunst und Philosophie hatten gleichfalls ihre Blütezeit gehabt. -Die wissenschaftliche Entwicklung tritt indessen jetzt in eine -Phase, welche für die Folge von nicht geringerem Einfluß als die -von den Griechen auf dem Gebiete des staatlichen Lebens und der -künstlerischen Betätigung geschaffenen Vorbilder sein sollte. Es ist -das wissenschaftliche, auf die Erfassung des Naturganzen in seinem -Zusammenhange gerichtete Streben des Menschengeistes, das uns jetzt zum -ersten Male in seiner vollen Bedeutung entgegentritt. Dieses Streben -verkörpert sich in *Aristoteles* und seinen Schülern. Mögen auch die -Vorstellungen, welche diese Männer leiteten, mit den Prinzipien der -heutigen Naturforschung oft nicht vereinbar erscheinen, so kann man -dennoch das Grundlegende ihrer Tätigkeit und die Bedeutung, die sie -nicht nur für das Altertum und für das Mittelalter, sondern auch für -die Entstehung der neueren Naturwissenschaft besitzen, nicht in Abrede -stellen. - - -Aristoteles. - -In *Aristoteles* begegnet uns eine der bedeutendsten Erscheinungen -des Altertums, in der sich die Wissenschaft jenes Zeitraums -gleichsam verkörperte[264]. Er war der Sprößling einer griechischen -Ärztefamilie[265], die am mazedonischen Hofe in hohem Ansehen stand. -*Aristoteles* wurde im Jahre 384 v. Chr. in Stagira, einer in der Nähe -des Athos gelegenen griechischen Kolonie, geboren. Seine Erziehung -lag, wie es damals häufiger der Fall war, in der Hand eines einzigen -Mannes. Diesem bewahrte *Aristoteles* eine Dankbarkeit, wie sie später -ihm selbst wieder von seinem großen Schüler *Alexander* erwiesen -wurde. Im übrigen fehlen über die Jugend und den Entwicklungsgang des -*Aristoteles* nähere Nachrichten. Doch darf man annehmen, daß er gemäß -der in seiner Familie herrschenden Tradition für den ärztlichen Beruf -bestimmt war und sich zunächst für diesen vorbereitete. Auf diesen -Umstand wird vor allem der empirische Grundzug der aristotelischen -Philosophie zurückzuführen sein. - -War das Wissen im 5. Jahrhundert noch im Besitze weniger hervorragender -Geister, so wird es im vierten immer mehr zum Gemeingut der Gebildeten. -Die Literatur wuchs an Umfang und an Spezialisierung. Schon in der -ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts gab es kaum noch einen Gegenstand, -über den nicht bereits Schriften erschienen wären[266]. - -Der Brennpunkt des geistigen Lebens war um die Mitte des vierten -vorchristlichen Jahrhunderts Athen. Hier hatte *Sokrates* gelehrt und -*Platon* eine blühende Philosophenschule gegründet. Was Wunder, daß der -begüterte und für die Wissenschaft begeisterte Jüngling seine Schritte -zunächst dorthin lenkte. Im Jahre 367 trat er in die Akademie ein, an -welcher *Platon* lehrte. Er gehörte ihr bis zu dem 347 erfolgenden Tode -des Meisters ununterbrochen an. *Platon* soll *Aristoteles* seines -unermüdlichen Lernens halber den Leser genannt und ihn mit einem -anderen Schüler mit den Worten verglichen haben, dieser bedürfe des -Sporns, *Aristoteles* dagegen des Zügels. Mit Recht ist *Aristoteles* -auch später als einer der fleißigsten Gelehrten bezeichnet worden, den -die Geschichte der Wissenschaft kennt[267]. Sein Ruf muß unterdessen -ein hervorragender geworden sein. Es wird nämlich berichtet, daß -König Philipp von Mazedonien, als er ihm im Jahre 343 die Erziehung -seines im 14. Lebensjahre stehenden Sohnes übertrug, folgende Worte an -*Aristoteles* geschrieben habe: »Ich fühle mich den Göttern zu Dank -verpflichtet, daß sie den Knaben zu Deiner Zeit geboren werden ließen. -Denn von Dir erzogen, hoffe ich, soll er der Nachfolge auf meinem -Throne würdig werden.« Und so wurde denn -- ein Verhältnis, das einzig -in der Geschichte dasteht -- der bedeutendste Denker jener Zeit mit der -Erziehung des größten Herrschers betraut. - -Über das Erziehungswerk selbst, das nur die ersten Jahre des -mazedonischen Aufenthaltes unseres Philosophen (343-340) umfaßte, -fehlen nähere Nachrichten. Auch sind die Erzählungen, daß der -königliche Schüler seinem Lehrer 800 Talente[268], sowie einen ganzen -Trupp Leute zum Sammeln von Naturkörpern zur Verfügung gestellt habe, -mindestens übertrieben. Soviel ist jedoch gewiß, daß *Alexander* -wohl zu schätzen wußte, was er dem *Aristoteles* verdankte. Durch -unverschuldete Umstände geriet letzterer gegen das Ende der Regierung -*Alexanders* in Ungnade. Nach Ablauf eines acht Jahre umfassenden -Aufenthaltes in Mazedonien, der eine Zeit des Sammelns und der -Vorbereitung gewesen ist, in welcher ihn der Gedanke, eine Enzyklopädie -der Wissenschaften zu verfassen, jedenfalls schon beherrscht hat, -kehrte *Aristoteles* im Jahre 335 nach Athen zurück. - -Um eine solch umfassende wissenschaftliche Tätigkeit auszuüben, wie sie -uns bei *Aristoteles* begegnet, waren bedeutende Mittel erforderlich. -Ob ihm diese durch die Gunst der mazedonischen Könige oder aus eigenem -Vermögen zur Verfügung standen, läßt sich nicht mit Sicherheit -entscheiden. Sehr wahrscheinlich trafen beide Umstände zusammen und -ermöglichten es dem *Aristoteles*, daß er, als erster unter den -griechischen Philosophen, in den Besitz einer größeren Bibliothek -gelangte. Die Herstellung von Büchern war damals eine mühselige und -kostspielige Arbeit, und die Anzahl der Exemplare einer Schrift -naturgemäß gering. Es ist daher begreiflich, daß bedeutende Summen -dazu gehörten, um die Schriften seines Zeitalters sich in solchem Maße -zugänglich zu machen, wie es *Aristoteles* verstanden hat. Allein für -die Werke eines Philosophen soll er drei Talente bezahlt haben[269]. - -In Athen hat *Aristoteles* im Lykeion, einem gymnastischen Spielen -dienenden Gebäude der Stadt, unterrichtet. Nach der Gewohnheit des -Meisters, dies im Auf- und Abwandeln zu tun, erhielt seine Schule den -Namen der Peripatetiker. Während *Alexander* die Welt eroberte, war -*Aristoteles* hier ein König im Reiche der Wissenschaften. Von seinen -zahlreichen Schriften ist indes nur der kleinere, aber wichtigere Teil -erhalten geblieben. - -Die Stellung des *Aristoteles* in dem antimazedonisch gesinnten Athen, -wo er als Fremder und wegen seiner Beziehungen zu dem verhaßten großen -Könige von manchem ungern gesehen wurde, ist während seines 13jährigen -Aufenthalts in jener Stadt eine wenig angenehme gewesen. Als 323 v. -Chr. die Kunde von dem plötzlichen Tode *Alexanders* eintraf und von -den meisten als ein Zeichen zur Befreiung vom mazedonischen Joche -begrüßt wurde, erhoben sich daher zahlreiche Neider und Widersacher -gegen *Aristoteles*. Er wurde der Lästerung der Götter geziehen, zog -es aber vor, nicht eine Gerichtsverhandlung abzuwarten, sondern der -ihm feindlich gesinnten Stadt den Rücken zu kehren, damit diese, wie -er im Hinblick auf *Sokrates* sagte, sich nicht zum zweiten Male an -der Philosophie versündige. Wie richtig *Aristoteles* seine Lage -erkannt hatte, geht daraus hervor, daß der Areopag ihn bald darauf, -trotz seiner Abwesenheit, zum Tode verurteilte. *Aristoteles* hatte -sich indessen nicht weit entfernt. Er war nach Euböa übergesiedelt in -der Erwartung, durch einen Sieg der Mazedonier über die Athener nach -seinem langjährigen Wohnsitz zurückgeführt zu werden. Diese Hoffnung -sollte jedoch nicht in Erfüllung gehen, denn schon in dem auf das Ende -*Alexanders* folgenden Jahre, bevor man in Griechenland die frühere -Ordnung wieder hergestellt hatte, setzte der Tod seinem reichen Leben -ein Ziel. - -Die Schriften und die Bücher des großen Philosophen gingen zunächst in -den Besitz seines Lieblingsschülers, des *Theophrast*, über. Manches -wird unvollendet gewesen und später ergänzt worden sein. *Theophrast* -hinterließ die Schriften wieder einem Schüler. Anderthalb Jahrhunderte -blieben sie darauf verborgen. Endlich gelangten sie, nachdem *Sulla* -Athen erobert hatte, nach Rom, wo sie in zahlreichen Exemplaren -abgeschrieben und verbreitet wurden. Daß dabei manches verunstaltet und -verdorben wurde, unterliegt wohl keinem Zweifel. Die auf uns gekommenen -Werke nehmen im Oktavformat fast 3800 Seiten in Anspruch[270]. Davon -ist indessen ein Teil als unecht zu betrachten[271]. - -Eine gänzlich unverändert gebliebene Schrift des *Aristoteles* gibt es -sehr wahrscheinlich nicht. Auch bei einigen Hauptwerken handelt es sich -wohl um Ausarbeitungen der Schüler. Dafür spricht unter anderem auch -das Fehlen eines einheitlichen Stiles. Andere Schriften sind bloße -Entwürfe oder Zusammenstellungen von Auszügen. Dazu kommen von späteren -Herausgebern herrührende Zusätze, die selten als solche kenntlich -gemacht sind. Endlich fehlt es nicht an Werken, die zwar den Namen des -*Aristoteles* tragen, die indessen als unecht oder nur zum geringen -Teil als aristotelisch gelten. Unter diesen sei nur die von *Nikolaos -Damaskenos* im augusteischen Zeitalter herausgegebene Schrift »Über die -Pflanzen« genannt. Über diesen Gegenstand gab es eine echte Schrift, -die verloren ging (s. S. 138). Auch eine mit Abbildungen versehene -Schrift »Über die Zergliederung der Tiere« ist leider nicht auf uns -gelangt. - - -Aristoteles als Philosoph und seine Stellung zur Naturwissenschaft. - -Den breitesten Raum unter den Werken des *Aristoteles* nehmen seine -naturwissenschaftlichen Schriften ein. Sie betreffen das gesamte -Universum von den allgemeinen Bedingungen der Körperwelt und dem -Weltgebäude bis herab zur Beschreibung und Zergliederung der die Erde -als Tiere und Pflanzen bevölkernden Einzelwesen. Folgende Schriften -naturwissenschaftlichen Inhalts sind bei der nachfolgenden Darstellung -des aristotelischen Lehrgebäudes vor allem in Betracht gezogen: »Die -physikalischen Vorträge«, »Über das Weltgebäude«, »Über Entstehen und -Vergehen«, »Die Meteorologie« und »Die mechanischen Probleme«[272]. -Unter den rein philosophischen Werken des *Aristoteles* verdient wegen -ihrer Bedeutung für jeden Zweig besonderer Wissenschaft das später -»Organon« genannte hervorgehoben zu werden. Es sind dies die von -*Aristoteles* zum ersten Male in ausführlicher Darstellung entwickelten -Grundzüge der formalen Logik. - -Des *Aristoteles* Verdienst um die Naturwissenschaften ist ein -doppeltes. Einmal hat er das zerstreute Einzelwissen seiner Vorgänger -vereinigt und der Nachwelt durch eine außerordentlich fruchtbare -schriftstellerische Tätigkeit überliefert. Zum andern beschränkte -er sich keineswegs auf eine kritiklose Kompilation dieses Wissens. -Vielmehr stellte er sich die gewaltige Aufgabe, aus philosophischen -Prinzipien heraus ein System aller Wissenschaften zu entwickeln. Die -Philosophie, das Streben nach Welterklärung, war also der Ausgangs- -und der Angelpunkt, aus dem bei ihm die Wissenschaft erwuchs. Denken -und Welt in ihrem Gegensatz und in ihrer Wechselbeziehung wollte -*Aristoteles* begreifen und begreiflich machen. Die Philosophie, -die bei *Platon* noch voll poetischen Schwunges gewesen, wurde bei -*Aristoteles* nüchterne Betrachtung des Ichs mit seiner Denktätigkeit -und seinen Anschauungsformen, sowie der Welt mit ihren Einzeldingen. -In ihnen suchte er die Idee, welche bei *Platon* über und hinter -den Dingen stand, sowie die Zwecke nachzuweisen. Man kann *Platon* -den Vorwurf nicht ersparen, daß er die Wirklichkeit allzusehr -vernachlässigte und an ihre Stelle ein System aus häufig inhaltsleeren -Begriffen setzte, während *Aristoteles* sich von der Überzeugung leiten -ließ, daß wirkliche Erkenntnis nur aus der Erfahrung entspringen kann. -*Aristoteles* fordert daher, man solle »zuerst die Erscheinungen -auffassen und dann erst die Ursachen angeben«. - -In der Befolgung des dialektischen Verfahrens, das er meisterhaft -zu handhaben wußte, ist *Aristoteles* ein Jünger des *Sokrates* -und des *Platon*. Während indessen die Philosophie der letzteren -vorzugsweise auf dem Boden der Dialektik wurzelte, sucht *Aristoteles* -das beobachtende Verfahren der Naturwissenschaft mit der Dialektik -zu verknüpfen, was seine Lehrmeister nicht vermocht hatten. »Zwar -gelang es ihm nicht, beide Elemente völlig ins Gleichgewicht zu -bringen, doch hat er durch ihre Verknüpfung das Höchste unter den -Griechen geleistet«[273]. *Sokrates* und *Platon* hatten zuerst -nach den Begriffen gefragt und die oft nur aus der Betrachtung des -Sprachgebrauches und der herrschenden Meinung gewonnene Erkenntnis des -Begriffes dem weiteren Forschen zugrunde gelegt, während *Aristoteles* -außer dem Begriff die bewegenden und stofflichen Ursachen ins Auge -faßte. Er ist nicht nur ein scharfer Denker, sondern ein solch -unermüdlicher Beobachter, daß ihm nicht selten ein übertriebener -Empirismus zum Vorwurf gemacht worden ist. Die bei der Naturerklärung -zu befolgenden Grundsätze finden sich bei ihm nicht zusammenhängend -entwickelt, sondern in zahlreichen Einzelbemerkungen zerstreut. Aus -ihnen läßt sich folgendes entnehmen: Stets hat der Erklärung die -Beobachtung vorauszugehen. Daß man die Theorie auf die Erkenntnis des -Einzelnen stützen müsse, wird häufiger betont. Von der Beobachtung -wird verlangt, daß sie sorgfältig, umfassend und vor allem frei von -jeder vorgefaßten Meinung sei. Handelt es sich um die Beobachtungen -anderer, so ist strenge Kritik anzulegen. Kurz, es begegnen uns bei -*Aristoteles* Grundsätze, wie sie die dem Empirismus huldigenden -Philosophen der neueren Zeit, wie *Bacon*, kaum besser entwickelt -haben. Indessen entsprach dem Wollen, wie es auch bei *Bacon* der -Fall war, nicht das Vermögen. Es lassen sich dafür verschiedene -Gründe anführen. Einmal waren die Hilfsmittel der wissenschaftlichen -Forschung zur Zeit des *Aristoteles* noch sehr wenig entwickelt. Vor -allem mangelte es auf fast allen Gebieten noch an der Möglichkeit -einer schärferen Bestimmung der quantitativen Verhältnisse. -*Aristoteles* empfindet dies schon, wo er von der Wärme handelt. Von -einer Vervollkommnung der Sinne und der dadurch zu ermöglichenden -weitgehenden Schärfung der Beobachtung besaß er aber wohl keine auch -nur dunkle Ahnung. Was für die Sinne nicht existierte, galt ihm noch -als nicht vorhanden[274]. - -In treffender Würdigung der aristotelischen Denkweise sagt *Zeller*: -»Da die griechische Wissenschaft mit der Spekulation angefangen hatte -und die Erfahrungswissenschaften erst spät zu einiger Ausbildung -gelangten, so war es natürlich, daß das dialektische Verfahren eines -*Sokrates* und *Platon* einer strengeren Empirie den Rang ablief. Auch -*Aristoteles* hält sich zunächst an dies Verfahren, ja er bringt es -theoretisch und praktisch zur Vollendung. Daß die Kunst der empirischen -Forschung bei ihm eine gleichmäßige Ausbildung erfahren werde, ließ -sich nicht erwarten. Und ebenso lag ihm eine schärfere Unterscheidung -beider Methoden noch fern. Diese ist erst durch die höhere Entwicklung -der Erfahrungswissenschaften und, von philosophischer Seite, durch die -erkenntnistheoretischen Untersuchungen herbeigeführt worden, welche die -neuere Zeit ins Leben gerufen hat.« - -Eine Reihe von Grundbegriffen oder Kategorien sind es, unter welche -*Aristoteles* sämtliche Gegenstände der denkenden Betrachtung -einzugliedern suchte. Die wichtigsten sind Substanz, Quantität, -Qualität, Lage, Wirken und Leiden. Als Endzweck der gesamten Natur -erschien ihm der Mensch. Im Besitz der aristotelischen Philosophie und -Wissenschaftslehre hat letzterer an dieser ihm zugewiesenen Stellung -zwei Jahrtausende festgehalten, bis man den Zweckbegriff durch den -Begriff der mechanischen Kausalität ersetzte und den Menschen als ein -Glied in der Kette der übrigen Wesen begreifen lernte. - - -Die Grundlehren der Mechanik bei Aristoteles. - -Wir gehen nach dieser allgemeinen Charakteristik zu dem Verhältnis -über, in welchem *Aristoteles* zu den Einzelwissenschaften gestanden -hat. - -Die Bedeutung der Mathematik hat er in seinen Schriften oft -hervorgehoben, doch sind eigentliche mathematische Entwicklungen in -ihnen nicht enthalten. Wohl aber bieten sie manche beachtenswerte -Äußerung über schwierige Begriffe, wie über den Grenzbegriff und das -Unendliche. »Stetig«, sagt *Aristoteles* z. B., »ist ein Ding, wenn -die Grenze eines jeden von zwei aufeinander folgenden Teilen, in der -sie sich berühren, eine und die nämliche wird.« Er löste ferner das -Paradoxon vom Durchlaufen unendlich vieler Raumpunkte in endlicher -Zeit dadurch, daß er innerhalb der endlichen Zeit unendlich viele -Zeitteilchen von unendlich kleiner Dauer annahm. Das Unendliche ist -ferner für ihn nichts Wirkliches, sondern es gibt nur Endliches von -beliebiger Größe und von beliebiger Kleinheit[275]. - -Am meisten Erfolg hatte man auf dem Gebiete der Naturwissenschaft dort -aufzuweisen, wo die rasch emporblühende Mathematik Anwendung finden -konnte. Wie die ersten erfolgreichen Schritte auf dem Gebiete der -Astronomie, so waren die Anfänge der Mechanik von dem Erreichen einer -gewissen Stufe des mathematischen Denkens abhängig. Dem Verlauf der -mechanischen Vorgänge angemessene Begriffe entwickeln sich daher weit -später als das Vermögen, die Gesetze der Mechanik anzuwenden, ohne sich -ihrer klar bewußt zu sein. Das letztere mußte nämlich schon bei der -frühesten Ausübung jeder gewerblichen Tätigkeit eintreten. - -Mit den Grundfragen der Mechanik hat sich die griechische Philosophie -schon in der vorsokratischen Zeit beschäftigt. Insbesondere wandte man -sich den Problemen der Schwere und der Bewegung zu[276]. Auch daß aus -der Bewegung, infolge der damit verbundenen Reibung, Wärme hervorgeht, -wurde frühzeitig erkannt. *Anaxagoras* wollte sogar das Licht der -Gestirne aus diesem Vorgange herleiten (s. S. 77). - -Zu den alltäglichsten Erscheinungen, die vor allem dazu angetan -sind, das Nachdenken wachzurufen, gehört die Bewegung frei fallender -Körper. Diese Erscheinung, von der ausgehend später *Newton* zur -Entdeckung des Weltgesetzes geführt wurde, faßte *Aristoteles* irrig -auf. Bezeichnend für seine ganze Geistesrichtung ist es, daß er nicht -von der Erscheinung selbst, sondern von begrifflichen Festsetzungen -ausging und bei diesen stehen blieb. Er betrachtet zunächst die -Bewegung im allgemeinen und unterscheidet zwei Arten derselben, die -begrenzte, geradlinige, und die unbegrenzte, kreisförmige. Letztere, -als die angeblich vollkommenere, schreibt er den himmlischen Körpern -zu. Die geradlinige Bewegung wird aus einem entweder zum Zentrum hin -oder vom Zentrum fort gerichteten Streben der Körper erklärt, und so -werden die Begriffe Leichtigkeit und Schwere abgeleitet. Die erstere -Eigenschaft wird der Luft und dem Feuer, die zweite dem Wasser und -der Erde, d. h. allen flüssigen und festen Körpern zugeschrieben. -Aus diesen Erklärungen folgt nun für *Aristoteles* mit zwingender -Notwendigkeit, daß der schwerere Körper, weil sein Streben zum Zentrum -ein größeres sei, sich schneller abwärts bewegen müsse als der -leichtere. Hieraus wurde dann später geschlossen, daß die Körper genau -in demselben Verhältnis schneller fielen, je größer ihr Gewicht sei, -so daß beispielsweise ein hundertpfündiges Stück Eisen auch hundertmal -so schnell zur Erde gelange wie ein solches von einem Pfund Gewicht. -Jeder, ohne Voreingenommenheit angestellte Versuch, hätte diesen Schluß -als unhaltbar dartun müssen. Trotzdem blieb er, wenn schon sich hin -und wieder Zweifel regten, in Geltung, bis *Galilei* ihn durch seine -Fallversuche glänzend widerlegte. - -Man kann[277] die Unterscheidung zwischen irdischen und himmlischen, -sowie zwischen natürlichen und erzwungenen Bewegungen in erster Linie -als das Hindernis ansehen, das der Entwicklung der Mechanik im Altertum -und Mittelalter im Wege stand. Erst als diese Schranken fielen, war -die Errichtung der neueren Mechanik möglich. Zu den Schwächen der -antiken Mechanik rechnet auch der Umstand, daß man nicht zu einer -klaren Vorstellung von dem Begriff des Beharrungsvermögens gelangte. -Zwar finden sich Ansätze[278], doch hielten alle Physiker an der -Annahme fest, ein Körper könne sich unmöglich bewegen, wenn nicht eine -äußere Kraft oder die ihm innewohnende Schwere und Leichtigkeit auf ihn -wirkten[279]. Den letzteren Begriff vermieden wenigstens die Atomisten, -die alle Körper als schwer betrachteten. - -Über den Inhalt der mechanischen Lehren des *Aristoteles* sei noch -einiges im einzelnen mitgeteilt. Die Art der Darstellung besteht -darin, daß der Philosoph an Erfahrungstatsachen eine Anzahl von Fragen -anknüpft[280], die er selten auf mathematischem Wege, wie später mit so -großem Erfolge *Archimedes*, sondern meist, ausgehend von bestimmten -Definitionen, durch dialektische Kunststücke zu lösen sucht. Den Stoff -zu seinen Untersuchungen bieten ihm das Rad, der Hebel, das Ruder, die -Zange, die Wage und andere bekannte Werkzeuge. Die Beantwortung der -Fragen geschieht oft wieder in Frageform. So heißt es im 6. Kapitel: -»Warum das an sich kleine Steuer, am Ende des Schiffes angebracht, eine -so große Gewalt hat? Weil vielleicht das Steuer ein Hebel ist, die Last -das Meer und der Steuermann das Bewegende«. - -[Illustration: Abb. 14. Der Tragbalken bei Aristoteles.] - -Auffallend erscheint es *Aristoteles* zunächst, daß eine große -Last durch eine kleine Kraft bewegt werden kann, wie beim Hebel. -Die an diesem Werkzeug sich das Gleichgewicht haltenden Lasten -setzt *Aristoteles* ganz richtig den Längen der Hebelarme umgekehrt -proportional. Den Grund für dieses Gesetz findet er darin, daß die -kleinere Last, ihrer größeren Entfernung vom Stützpunkt entsprechend, -einen größeren Kreisbogen durchlaufen müsse. Auf den Hebel wird auch -der Keil und der Tragbalken zurückgeführt. Letzteres geschieht (Abb. -14) durch folgende Erörterung: »Zwei Leute tragen auf einer Stange -AB eine Last G.« Warum, fragt *Aristoteles*, wird der am stärksten -gedrückt, dem G am nächsten ist? AB sagt er darauf, wird hier gebraucht -wie ein Hebel. »Der G nächste Träger bei A ist das Bewegte, der andere -Träger bei B ist das Bewegende. Und je weiter dieser von der Last -entfernt ist, desto leichter bewegt er.« Den einarmigen Hebel hat -*Aristoteles* nicht als eine besondere Art betrachtet. - -Ein wichtiger Abschnitt des aristotelischen Werkes ist auch derjenige, -der den Satz vom Parallelogramm der Bewegungen enthält. »Wenn etwas«, -heißt es dort, »nach irgendeinem Verhältnis bewegt wird, so daß es eine -Linie durchlaufen muß, so wird diese Gerade die Diagonale einer Figur -sein, welche durch die nach dem gegebenen Verhältnis zusammengesetzten -Linien bestimmt wird. Sei zum Beispiel das Verhältnis der Bewegung -dasjenige, welches AB zu AC hat. Es werde also A nach B getrieben, AB -aber nach CG. Ebenso gelangt in derselben Zeit A nach D, in welcher -AD nach EF gelangt. Ist dann das Verhältnis der Bewegung in letzterem -Falle dasselbe, d. h. verhält sich AD : AE wie AB : AC, so ist das -kleine Parallelogramm dem größeren ähnlich; und es wird folglich die -Diagonale AF in die Diagonale AG fallen. Hieraus wird also offenbar, -daß ein auf der Diagonale nach zwei Richtungen bewegter Gegenstand -notwendig in dem Verhältnis der Seiten bewegt wird. Ändern dagegen -zwei Bewegungen in jedem Augenblick ihr Verhältnis, so kann der Körper -unmöglich eine geradlinige, sondern er muß eine krummlinige Bewegung -durchlaufen.« Auch der Satz, daß die Bewegung im Kreise aus zwei -Bewegungen, die nach dem Mittelpunkt und in der Richtung der Tangente -erfolgen, zusammengesetzt gedacht werden kann, ist auf *Aristoteles* -zurückzuführen. Ferner hat sich *Aristoteles* mit dem Problem des -Stoßes beschäftigt, das erst durch *Wallis*, *Wren* und *Huygens* -seine Lösung finden sollte. Er stellt nämlich die Frage, weshalb ein -geringer Stoß auf einen Keil viel ausrichten könne, während ein gegen -den gleichen Keil ausgeübter Druck nur wenig leiste[281]. - -[Illustration: Abb. 15. Der Satz vom Parallelogramm der Bewegungen.] - -In exakt-wissenschaftlicher Hinsicht sind dem *Aristoteles* noch zwei -Verdienste zuzuschreiben. Einmal war er wohl einer der ersten, der -seine Erörterungen durch Zeichnungen zu unterstützen suchte. Ferner -befindet sich bei ihm der Keim zu dem Gedanken, die in Beziehung zu -setzenden Größen mit Buchstaben zu bezeichnen. - - -Die Anfänge der Akustik und der Optik. - -Ein anderes Gebiet, das sich gleichfalls schon im Altertum der -exakten Behandlung zugänglich erwies, war die Akustik. So hatten -z. B. die Pythagoreer erkannt, daß die Längen von gleich dicken -und in gleichem Maße gespannten Saiten, wenn sich Konsonanzen -ergeben sollen, in einem einfachen Verhältnis stehen müssen. Dieses -Verhältnis fanden sie für die Oktave gleich 1 : 2. Und zwar geschah -dies mit Hilfe eines Monochords. Der Apparat besaß die Einrichtung, -daß eine Saite über einen Steg geführt und durch Gewichte beliebig -gespannt werden konnte. In dieser Vorrichtung begegnet uns der erste -Apparat, vermittelst dessen auf experimentellem Wege ein Naturgesetz -gefunden wurde. Auch bei *Aristoteles* finden wir einige zutreffende -Vorstellungen über akustische Vorgänge. *Aristoteles* schreibt z. B. -der Luft die vermittelnde Rolle bei den Schallerscheinungen zu und -führt die letzteren auf Schwingungen zurück, die sich bis zu unserem -Ohre fortpflanzen. »Ein Ton«, sagt er, »entsteht nicht dadurch, daß -der tönende Körper der Luft, wie einige glauben, eine gewisse Form -einprägt, sondern dadurch, daß er die Luft auf eine angemessene -Weise in Bewegung setzt. Die Luft wird dabei zusammengedrückt und -auseinandergezogen und durch die Stöße des tönenden Körpers immer -wieder fortgestoßen, so daß sich der Schall nach allen Richtungen -ausbreitet.« Auch das Echo wurde von *Aristoteles* ganz richtig als ein -Reflex erkannt. - -Die gleiche Anschauung, die er sich vom Schall gebildet, übertrug -*Aristoteles* auf das Gebiet der Optik. Vor ihm hatte sich die -wunderliche Vorstellung entwickelt, das Sehen sei eine Art Tasten, -bei dem das Auge sich aktiv verhalte und sozusagen Fühlfäden nach -den Körpern hin erstrecke. Nach den ältesten Ansichten ist das Auge -sogar feuriger Natur. Auch bei den Indern begegnen wir dieser Meinung. -So schreibt *Susruta* der Linse, die häufig als das Hauptorgan des -Auges betrachtet wurde, ewiges Feuer zu[282]. In Übereinstimmung -damit betrachteten die ältesten griechischen Philosophen, wie die -Pythagoreer, das Sehen als eine heiße Ausdünstung, die vom Auge nach -dem wahrgenommenen Gegenstande strömen sollte. - -*Aristoteles* wendet dagegen ein[283], daß man dann auch während der -Nacht zum Sehen befähigt sein müsse. Ähnlich wie beim Schall die Luft -zur Übermittlung erforderlich sei, setze auch die Lichtempfindung -zwischen dem Auge und dem gesehenen Gegenstande ein Medium voraus, das -die Wirkung zu übertragen vermöge. Das Innere des Auges ist ferner -nach *Aristoteles* deshalb durchsichtig, weil sich der Sitz des -Sehvermögens auf der hinteren Seite befinde. Auch an eine Erklärung -der Farben wagt sich *Aristoteles*. Sie sollen aus der Mischung von -Weiß und Schwarz, die er als Grundfarben bezeichnet, hervorgehen, ein -Gedanke, der später oft wiederkehrte. Er wendet sich dann gegen die -Annahme, die Farben seien Ausflüsse der farbigen Körper. »Man muß nicht -annehmen,« fügt er hinzu, »daß alles durch Berührung empfunden wird. -Sondern es ist besser zu sagen, die Empfindung des Sehens erfolge -durch eine Bewegung des Mittels zwischen dem Auge und dem Gesehenen.« -Es begegnet uns also hier schon im Keime der Widerstreit zwischen der -Emanations- und der Vibrationstheorie, der sich durch das 17. und -18. Jahrhundert hindurchzog und erst im 19. entschieden wurde[284]. -Trotz mancher Unrichtigkeiten, die sich bei *Aristoteles* finden, -hat kaum ein anderer Denker des Altertums solch klare Vorstellungen -über optische Dinge entwickelt, wie er. Daher knüpft selbst *Goethe* -in seiner Schrift »Zur Farbenlehre« wieder an ihn an und gibt dort -eine Darstellung der aristotelischen Ansichten über das Licht und die -Farben[285]. - -Erwähnt sei noch, daß die von den Atomisten (*Leukipp*, *Demokrit*) -geschaffenen optischen Vorstellungen einen Rückschritt bedeuteten. -Die Atomisten fielen eigentlich in die alten Vorstellungen zurück. -Sie kehrten das Verhältnis aber um und ließen Abbilder der Dinge -von den Gegenständen sich loslösen und ins Auge strömen. Mit beiden -Anschauungen brach *Aristoteles*, indem er die Bedeutung des Mediums -für den Vorgang des Sehens erkannte. Im Mittelalter glaubte man -von jeder physikalischen Erklärung absehen zu dürfen, da die Seele -keiner äußeren Beihilfe bedürfe[286]. Man nahm vielmehr beim Sehen -eine unvermittelte Fernwirkung an und schuf damit einen Begriff, der -lange dazu dienen mußte, einen aus mechanischen Prinzipien nicht zu -erklärenden Vorgang wenigstens mit einem Worte zu verbinden. - -Obgleich die Beschäftigung mit Fragen der Mechanik, der Optik und der -Akustik ganz besonders zu wissenschaftlichen Beobachtungen und zu -Versuchen anregt, finden wir bei *Aristoteles*, wie fast überall im -Altertum, nur geringe Ansätze nach dieser Richtung. Stets wird an die -Meinungen früherer angeknüpft, darauf werden Tatsachen der gewöhnlichen -Erfahrung herangezogen und daraus auf dialektischem Wege, unter -Gedankensprüngen und logischen Kunstgriffen, ein Ergebnis gewonnen, -das sich dem herrschenden System anpaßt, oft aber auch auf eine bloße -Worterklärung hinausläuft. Das Ergebnis der so geübten Spekulation -sucht *Aristoteles* mitunter wieder durch neue Beispiele aus der -Erfahrung zu stützen. Das Unzulängliche seines Verfahrens scheint ihm -indessen manchmal selbst zum Bewußtsein gekommen zu sein. So sagt er an -einer Stelle: »Noch sind die Erscheinungen nicht hinreichend erforscht. -Wenn sie es aber dereinst sein werden, ist der Beobachtung mehr zu -trauen, als der Spekulation und letzterer nur insoweit, als sie mit den -Erscheinungen Übereinstimmendes ergibt.« - - -Das Himmelsgebäude nach Aristoteles. - -Auf dem Gebiete der Astronomie hat *Aristoteles* den soeben erwähnten -Grundsatz, den im übrigen erst die neuere Naturforschung zur vollen -Geltung brachte, auch hin und wieder befolgt[287]. Andererseits -verleugnet er in seinem, von diesem Gebiete handelnden Werke an manchen -Stellen die an ihm gewohnte Denkart nicht. So bemüht er sich, aus -Vernunftgründen darzutun, daß es nur ein Himmelsgewölbe geben könne -und daß das Universum ohne Ursprung und unvergänglich sei. Sehr klar -ist seine Zusammenstellung der Gründe für die Kugelgestalt der Erde. -Der betreffende Abschnitt möge hier in etwas freierer Wiedergabe -folgen[288]: »Daß die Erde eine Kugel ist, ergibt sich auch aus -der Sinneswahrnehmung. Bei den Mondfinsternissen ist nämlich die -abgrenzende Linie, welche der Schatten der Erde zeigt, immer gekrümmt. -Ferner ist durch das Erscheinen der Sterne nicht bloß augenfällig, daß -die Erde rund ist, sondern auch, daß sie nicht eben groß sein kann. -Wenn wir nämlich nur eine geringe Ortsveränderung gegen Süden oder -Norden vornehmen, so zeigen die Sterne über unserem Haupte eine große -Veränderung, denn einige Sterne werden in Ägypten gesehen, hingegen -in den nördlichen Ländern nicht. Und diejenigen Sterne, welche in -den nördlichen Gegenden immerwährend am Himmel stehen, gehen in den -südlichen unter. Folglich ist die Erde nicht nur kugelförmig, sondern -auch nicht groß, denn sonst würde sich bei einer nur so geringen -Ortsveränderung nicht die beschriebene Erscheinung zeigen. Es ist daher -nicht unglaublich, daß die Gegend um die Säulen des Herkules mit jener -von Indien zusammenhängt und daß es auf diese Weise nur ein Meer gibt. -Ferner behaupten die Mathematiker, daß der Umfang der Erde etwa 400000 -Stadien betrage. Auch daraus würde folgen, daß die Erde nicht nur -kugelförmig, sondern im Vergleich zu den übrigen Gestirnen nicht groß -ist.« - -Gleichzeitig mit der Lehre von der Kugelgestalt der Erde entstand die -Vorstellung, daß es Antipoden geben müsse. Schon die Pythagoreer sollen -dies angenommen haben[289]. Als der »Erfinder« des Wortes Antipoden -wird *Platon* genannt. Daß die Erde in ihrem ganzen Umfange bewohnt -sei, wird indessen nicht etwa als Tatsache, sondern nur als nicht zu -umgehende Annahme hingestellt. - -Von eigener Beobachtung eines seltenen astronomischen Ereignisses zeugt -folgende Stelle, die gleichfalls im Wortlaute mitgeteilt sei[290]: -»Wir haben nämlich gesehen, wie der Mond einmal halbkreisförmig -war und *unter* dem Mars vorüberging. Letzterer verschwand an der -dunklen Hälfte des Mondes und kam an der beleuchteten wieder hervor. -In gleicher Weise berichten solches, auch bezüglich der übrigen -Gestirne, diejenigen, die schon seit einer sehr langen Reihe von Jahren -Beobachtungen angestellt haben, nämlich die Ägypter und die Babylonier, -von denen wir viele beglaubigte Nachrichten betreffs eines jeden -Gestirns besitzen.« - -Die Kugelform legt *Aristoteles* nicht nur der Erde, sondern auch -dem Himmelsgewölbe bei. Letzteres müsse notwendig kugelförmig sein, -denn die Kugel sei sowohl für das Wesen des Universums die am meisten -ansprechende, als auch von Natur aus die ursprünglich erste Form[291]. -Für die Welt nimmt *Aristoteles* räumliche Begrenzung an. Die Gestirne -seien aus Äther gebildet, dessen Bewegung die kreisförmige sei, während -den irdischen Elementen die geradlinige zukomme. Die fünf Planeten, -die Sonne und der Mond sollen, wie schon *Eudoxos* behauptet, jeder in -seiner eigenen Sphäre bewegt werden. An diesen Sphären, unter denen -man sich konzentrische, die im Mittelpunkte ruhende Erde umgebende -Kugelschalen vorstellte, sind diese sieben Weltkörper befestigt, -während die Fixsterne eine gemeinsame Sphäre besitzen und ihre -gegenseitige Lage innerhalb dieser Sphäre nicht ändern. - -Astrologische Vorstellungen kommen in den Schriften des *Aristoteles* -nicht vor. Zwar hatte *Platon* die Ansicht vertreten, daß die Gestirne -göttliche Wesen seien. *Aristoteles* teilte diese Ansicht, sowie die -Lehre von der Sterndeutung jedoch nicht, wenn auch den Griechen damals -schon die astronomischen und die astrologischen Lehren der Chaldäer -bekannt waren. Auch *Eudoxos*, der sich zur Zeit *Platons* eingehend -mit der Astronomie befaßte, verhielt sich diesen Lehren gegenüber -ablehnend. Erst in der späteren, als hellenistisch bezeichneten Periode -wurde die Astrologie zu einer herrschenden geistigen Strömung. - -Um die Ungleichheiten in der Bewegung der Planeten zu erklären, hatte -schon *Eudoxos*, der Begründer der Theorie der homozentrischen Sphären, -für jeden Wandelstern mehrere Sphären eingeführt. Für jedes dieser -Gestirne mußte, da es wie die Fixsterne auf- und unterging, eine der -Fixsternbewegung entsprechende Sphäre angenommen werden. Eine zweite, -deren größter Kreis in die Ekliptik fiel, bewegte den Planeten dann -entgegengesetzt zur täglichen Drehung, also von West nach Ost, in einer -Zeit, innerhalb welcher der Planet den Tierkreis durchläuft. Weitere -Sphären waren zur Erklärung der Stillstände und der zeitweiligen -Rückwärtsbewegung von Ost nach West nötig. Für den Mond und für die -Sonne waren gleichfalls zwei Sphären nicht ausreichend. Im ganzen -benötigte *Eudoxos* zur Darstellung der Bewegungen der Himmelskörper 27 -Sphären. Zu diesen fügte *Kalippos* 7 und *Aristoteles* noch 22 weitere -hinzu. Dadurch wurde der Mechanismus so verwickelt, daß man ihn endlich -aufgab und durch die Epizyklentheorie ersetzte. - -Eine Rekonstruktion der Anschauungen des *Eudoxos* verdanken wir -*Schiaparelli*[292]. Es handelt sich bei der Annahme der Sphären -um keine mystischen Ungereimtheiten, sondern um eine kinetische -Hilfsvorstellung zur möglichst genauen Beschreibung der beobachteten -Vorgänge. Man darf bei der Beurteilung älterer Hypothesen nie -vergessen, daß auch unsere modernen Theorien im Grunde genommen solche -Hilfsvorstellungen sind, die mit dem Fortschreiten der Wissenschaft -oft durch neue Vorstellungen verdrängt werden. Man darf ferner -wohl annehmen, daß *Eudoxos* selbst seine Hilfsvorstellung als das -betrachtete, was sie war, und daß erst Spätere seinen homozentrischen -Sphären Wirklichkeit beigemessen haben. Bezeichnend ist auch der -Ausdruck, der bei den alten Schriftstellern oft wiederkehrt, daß -man für die Bewegung der Himmelskörper Theorien aufgestellt habe, -»um die Erscheinungen zu retten«, d. h. sie mit einer, den Verstand -befriedigenden, kinetischen Darstellung in Einklang zu bringen. Hielt -man an dem Grundsatz fest, am Himmel seien nur gleichmäßige und -kreisförmige Bewegungen möglich, so boten die Sphärentheorie und später -die Epizyklentheorie eine Lösung der den alten Astronomen gestellten -Aufgabe, die dem damaligen Stande des Wissens entsprach. - -Die Vorstellung, die Erde und der Himmel seien kugelförmig, führte -schon im Altertum zur Verfertigung von Globen. Zuerst begegnen -uns Himmelsgloben. Ein solcher ist uns in dem »*Farnesischen* -Globus« erhalten geblieben. Er wird im Nationalmuseum zu Neapel -aufbewahrt und bildet die Marmorkugel, welche der »*Farnesische* -Atlas« trägt. Dieser Globus ist vermutlich eine Nachbildung einer -von *Eudoxos* hergestellten Sphäre. Auf dem *Farnesischen* Globus -sind die Sternbilder in reliefartiger Darstellung gemeißelt. Nach -der Lage des Frühlingspunktes zu urteilen, stammt das Kunstwerk aus -dem 3. vorchristlichen Jahrhundert. Später haben die Araber, unter -Benutzung der griechischen Sternverzeichnisse, in der Anfertigung -von Himmelsgloben Hervorragendes geleistet. Von solchen aus dem -13. Jahrhundert stammenden Globen sind mehrere erhalten[293]. Die -Verfertigung von Erdgloben kam erst im Zeitalter der Entdeckungen -auf, als sich der geographische Gesichtskreis über die gesamte Erde -auszudehnen begann[294]. Die von den Himmelskörpern ausgehende -Wärme und ihr Licht führt *Aristoteles* darauf zurück, daß »die Luft -unterhalb der Sphäre erhitzt wird«. »Denn,« fügt er hinzu, »von -Natur aus versetzt Bewegung sowohl Hölzer als auch Steine und Eisen -in Feuerhitze[295].« Aber nicht nur die Erde und das Himmelsgewölbe -sind nach *Aristoteles* kugelförmig, sondern er legt diese Form den -Gestirnen ganz allgemein bei[296]. Die Ansicht, letztere müßten eine -Art Sphärenmusik erzeugen, kann er nicht teilen. Denn übermäßiges -Geräusch, meint er, zerstöre selbst die widerstandsfähigsten -Körper[297]. Bei der Erklärung des Flimmerns fällt er in die an anderer -Stelle von ihm bestrittene Sehtheorie zurück. Er meint nämlich, die -Planeten besäßen ein ruhiges Licht, weil sie nahe seien und der »Blick -sie deshalb in seiner vollen Kraft erreiche«. »Hingegen auf die -Fixsterne gerichtet,« fährt er fort, »wankt der Blick wegen der Länge -des Abstandes, daher flimmern die am Himmel fest eingefügten Sterne, -die Planeten aber nicht[298].« - -Was endlich die Kometen anbetrifft, so rechnete *Aristoteles* sie nicht -zu den Himmelskörpern, sondern er hielt sie für Gebilde der irdischen -Atmosphäre. Welchen Wert man dieser Meinung beilegte und wie sehr die -Kometen das allgemeine Interesse fesselten, geht daraus hervor, daß -noch am Ende des 17. Jahrhunderts in manchen Ländern kein Professor -angestellt wurde, wenn er nicht öffentlich erklärte, daß er außer mit -den übrigen Grundsätzen des *Aristoteles* auch mit dessen Ansichten -über die Kometen einverstanden sei[299]. - -Bis auf *Aristoteles* zurückzuverfolgen ist auch eine andere Lehre -(orientalischen Ursprungs), die in ihren letzten Konsequenzen das -paradoxeste Erzeugnis des menschlichen Geistes darstellt, die Lehre -von der steten Wiederkehr[300]. *Aristoteles* spricht an einigen -Stellen seiner Werke den Gedanken aus, ähnlich der Bewegung der -Gestirne vollziehe sich alles irdische Geschehen periodisch in stetem -Kreislauf. So finde z. B. auch ein steter Wechsel zwischen Meer -und Land statt[301]. Spätere Philosophen, so die *Stoiker*, waren -schon, wie später *Nietzsche*, in maßloser Übertreibung eines an -sich richtigen Gedankens, auf die sonderbare Lehre gekommen, daß -in großen Weltperioden in steter Folge selbst das Einzelwesen in -seiner ganz bestimmten Individualität, z. B. ein bestimmtes Dorf, -ein *Sokrates* usw. mit allen gleichzeitigen Wesen, Dingen und -Erscheinungen wiederkehren müsse[302]. Erklärlich wird dieser Irrgang -des menschlichen Geistes daraus, daß für die Gestirne, denen man -einen maßgebenden Einfluß auf alles Werden und Vergehen zuschrieb, -eine Rückkehr in die Anfangsstellung angenommen wurde. Sobald diese -erreicht sei, sollten sich alle Geschehnisse in der gleichen Folge von -neuem abspielen. Man unternahm es sogar, auf Grund der vorhandenen -Beobachtungen die Rückkehr der Planeten in dasselbe Ortsverhältnis zu -berechnen. *Aristarch* hatte dafür einen Zeitablauf von 2484 Jahren -angenommen. Andere hatten Jahrmillionen herausgerechnet. Unter den -Neueren hat sich selbst *Tycho* mit der Berechnung dieses »annus -mundanus« genannten Zeitraumes befaßt und 25816 Jahre gefunden. Ganz -aufgegeben wurde dieser Gedanke wohl erst, als man erkannte, daß die -Zahl der Planeten weit größer ist, als bisher angenommen war. - -Zu den astronomischen Grundlagen der Lehre von der steten Wiederkehr -ist auch *Hipparchs* Entdeckung der Präzession der Nachtgleichen zu -rechnen. Sie führte gleichfalls auf eine Periode von etwa 25000 Jahren, -die als platonisches Jahr bezeichnet wurde. (Siehe a. spät. Stelle.) - -Außer den astronomischen kommen auch geophysische Grundlagen für diese -Lehre in Betracht, indem man die regelmäßige Wiederkehr gewaltiger -Überflutungen oder auch von Perioden gesteigerter vulkanischer -Tätigkeit voraussetzte. Gewöhnlich wurden diese Ereignisse in der -Art miteinander verbunden, daß man die irdischen Katastrophen an die -periodisch wiederkehrenden astronomischen Erscheinungen knüpfte[303]. - -Um die regelmäßige Wiederkehr der Überflutungen zu erklären, dachte -man sich entweder die Erde von Adern und Spalten durchzogen, die das -Wasser in sich aufnehmen und sich wieder leeren sollten, oder man nahm -an, daß sich in den oberen Schichten der Atmosphäre die Luft in Wasser -verwandele. Zu den Anhängern dieser Auffassung gehörte *Aristoteles*, -der sich mit den meteorologischen Erscheinungen eingehend beschäftigte. - - -Die Grundzüge der physischen Erdkunde und der Geologie. - -In seinen vier Büchern über die Meteorologie beschreibt und erörtert -*Aristoteles* das Auftreten der Kometen und der Sternschnuppen, welche -er als Erzeugnisse unserer Atmosphäre betrachtet, die Gestalt und die -Höhe der Wolken, die Bildung von Tau, Eis, Schnee, die Entstehung der -Winde und des Gewitters usw. - -Im ersten Buche[304] spricht *Aristoteles* von Erscheinungen, die wohl -nur dahin gedeutet werden können, daß es sich um das Nordlicht handelt. -Er erzählt, daß man in klaren Nächten mitunter Schlünde erblicke, die -blutigrote Fackeln hinauszuschleudern schienen. Die Erscheinung mache -den Eindruck, als ob sie von einem weit entfernten Brande herrühre. -Weniger bestimmt lassen sich einige bei *Plinius* und *Seneca* -vorkommende Stellen auf das Nordlicht deuten. - -Erdbeben werden nach *Aristoteles* durch eingeschlossene Luft erzeugt. -Sehr ausführlich wird vom Regenbogen gehandelt. *Aristoteles* sucht -diese Erscheinung einzig aus der Reflexion des Lichtes abzuleiten. -Die Wassertröpfchen, meint er, seien Spiegelchen, die indessen -infolge ihrer Kleinheit nicht die Form, sondern nur die Farbe -des leuchtenden Gegenstandes, gemischt mit ihrer eigenen Farbe, -zurückwürfen. Dem Regenbogen werden nur die drei Farben rot, grün -und violett zugeschrieben. Doch zeige sich zwischen rot und grün -eine fahle Farbe (das Gelb). Auch die Beziehung des Regenbogens zur -Sonnenhöhe wird erörtert und es wird erwähnt, daß es um Mittag im -Sommer in Griechenland keinen Regenbogen gebe. Den Mondregenbogen, -sagt *Aristoteles*, habe er in 50 Jahren nur zweimal beobachtet. Die -Erscheinung sei so selten, weil sie nur bei Vollmond eintrete. Auch der -künstliche Regenbogen, der sich im zerstäubten Wasser zeigt, findet -Erwähnung. - -Die ersten geologischen Vorstellungen begegneten uns schon bei -*Thales* und bei *Empedokles* (s. S. 70). Bei dem mit vielen Teilen -der Erde bekannt gewordenen *Demokrit* hatten diese Vorstellungen -eine erstaunliche Höhe erreicht. Man kann das aus der auf *Demokrit* -zurückgehenden Darstellung schließen, welche *Aristoteles* über die -geologischen Vorgänge gibt. Seine Worte lauten[305]: »Nicht immer sind -dieselben Orte der Erde feucht oder trocken, sondern sie verändern sich -je nach dem Entstehen und dem Verschwinden der Flüsse. Ebenso verändert -sich das Verhältnis des festen Landes zum Meere. Wo festes Land ist, -da wird Meer, und wo jetzt Meer ist, da entsteht wiederum festes -Land[306]. Man muß annehmen, daß dies periodenweise geschieht[307]. - -*Da die ganze natürliche Entstehung eines Landes allmählich und -in Zeiträumen vor sich geht, die im Vergleich mit unserem Leben -außerordentlich lang sind, so bemerken wir nichts davon[308].* - -Ägypten z. B. scheint immer trockner geworden zu sein. Das ganze Land -muß wohl als eine Anschwemmung des Niles betrachtet werden. Ähnlich -verhält es sich mit Argos. Vor alters war diese Landschaft sumpfig -und fast unbewohnt. Heute dagegen ist sie angebaut. Was von dieser -engbegrenzten Gegend gilt, das geschieht auch bei ganzen Ländern. -Einige nehmen an, daß die Ursache solcher Vorgänge eine Veränderung des -ganzen Himmelsgebäudes ist, als sei dies dem Wechsel unterworfen. Oder -man behauptet, das Meer nehme ab, indem es austrockne. Dabei übersieht -man, daß gleichzeitig Teile der Erde trocken werden, während das Meer -andere überflutet[309].« - -Die Annahme, daß die Menge des Meeres geringer werde und das Meer -schließlich ganz verschwinden müsse, rührt von *Demokrit* her. -Letzterer ist zu dem großartigen Gedanken, daß die Konfiguration der -Erdoberfläche sich im Lauf der geologischen Perioden ändere, schon vor -*Aristoteles* gelangt[310]. Auch die Ansicht, daß die geologischen -Änderungen auf kosmologische Ursachen zurückzuführen seien, rührt von -*Demokrit* her. *Aristoteles* verwirft sie, weil er den Himmel als -den Ort des unveränderlichen Seins betrachtet. Wir sehen aus alledem, -daß *Demokrits* Naturauffassung in vielem höher steht als diejenige -des *Aristoteles* und sich der unseren nähert, denn die Einwirkung -kosmischer Vorgänge auf die säkularen Änderungen der Erdoberfläche wird -heute nicht mehr in Abrede gestellt. Ferner entspricht *Demokrits* -Annahme einer steten Verringerung der auf der Erde befindlichen -Wassermenge den heutigen geologischen Vorstellungen. Das Ende dieses -Vorgangs würde darin bestehen, daß alles Wasser durch die Verwitterung -und andere Veränderungen der Gesteine gebunden ist. - -Daß das Meer nicht etwa dadurch verschwindet, daß es sich durch die -Sonne in Dampf verwandelt, war *Demokrit* ganz klar, denn er wußte, -daß das Wasser des Meeres immer wieder in Gestalt von Regen auf die -Erde herabfällt. Dies ist aus seiner Erklärung der Nilüberschwemmungen -ersichtlich[311]. - -Es ist anzunehmen, daß *Demokrits* ganz klare Lehre vom Kreislauf des -Wassers der von *Aristoteles* gegebenen Darstellung zugrunde gelegen -hat. Sie lautet: »Einige behaupten, daß die Flüsse nicht allein in -das Meer fließen, sondern auch aus demselben.« Das Wasser des Meeres -verdampfe und steige nach oben. Dort werde es durch Abkühlung wieder -verdichtet und falle infolgedessen wieder zur Erde herunter[312]. - -Für das Entstehen der ersten geologischen Anschauungen ist der Umstand -von großer Bedeutung gewesen, daß das Land, in dem das älteste -Kulturvolk der Ägypter wohnte, alle Anzeichen dafür darbot, daß es -sich in langsamer, stetiger Änderung befindet. Die Erinnerungen und -Aufzeichnungen der Ägypter umfaßten einen Zeitraum von Jahrtausenden, -der wohl erkennen ließ, daß sich das Land am unteren Lauf des Niles -fortgesetzt nach Norden ausdehnte[313]. Die salzigen Seen auf der -Landenge von Suez konnten kaum anders denn als Überbleibsel des Meeres -gedeutet werden. Auf das allmähliche Emportauchen Ägyptens aus dem -Meere wiesen auch die in seinen gebirgigen Teilen sich findenden -Versteinerungen hin. Trotzdem ist es erstaunlich, daß man auf Grund -von einer immerhin nur geringen Summe von Beobachtungen im Altertum -schon zu einer so klaren Einsicht in die geologischen Vorgänge gelangt -ist, wie sie uns bei *Eratosthenes*, bei *Aristoteles*, der allerdings -nur berichtet, und ganz besonders bei *Demokrit* begegnet. Es läßt -sich nicht verkennen, daß diese antiken Anfänge der geologischen -Wissenschaft auf ihre eigentliche Begründung im 16. und 17. Jahrhundert -von nicht geringem Einfluß gewesen sind, wie an späterer Stelle gezeigt -werden soll. Dieser Einfluß geht so weit, daß zwischen den am klarsten -von *Demokrit* entwickelten Lehren des Altertums eine besonders -durch *Aristoteles* vermittelte Wirkung auf die Geologie der Neuzeit -nachzuweisen ist. - - -Die vier aristotelischen Elemente. - -Am Schlusse seiner »Meteorologie« handelt *Aristoteles* von den vier -Elementen. Ausführlichere Darlegungen über diesen Gegenstand enthält -die Schrift über »Entstehen und Vergehen«. Daß nur vier Elemente -möglich seien, beweist *Aristoteles* auf spekulativem Wege. Seine -Ausführungen sind für die Beurteilung der aristotelischen Denkweise so -bezeichnend, daß wir auf sie etwas näher eingehen wollen[314]. - -Es gibt, meint er, vier Grundempfindungen: warm, kalt, feucht und -trocken. Diese Empfindungen werden paarweise vereint wahrgenommen. -Mathematisch betrachtet, können sich sechs solcher Vereinigungen (sechs -Kombinationen zu zwei) bilden. Doch sind zwei als sich widersprechend -unmöglich, nämlich die Vereinigung warm und kalt und die Vereinigung -feucht und trocken. Es bleiben folglich nur vier Gegensätze bestehen, -und dementsprechend sind nur vier Elemente möglich. Dem Gegensatz kalt -und trocken entspricht die Erde, kalt und feucht das Wasser, warm und -feucht die Luft, warm und trocken das Feuer. Durch die Mischung dieser -vier Elemente entstehen nun nach *Aristoteles* sämtliche irdischen -Stoffe[315]. Ferner kommt jedem Element sein bestimmter »natürlicher« -Ort zu, gegen den hin es sich bewegt. - -Die Materie setzt *Aristoteles* als gegeben voraus. Sie kann nicht -etwa aus dem Nichts entstehen, auch sich nicht vermehren oder -sich vermindern[316]. Sie ist vielmehr nur der Veränderung fähig. -Veränderungen werden dadurch hervorgerufen, daß Ungleichartiges -oder Gegensätzliches aufeinander wirkt. Dies setzt Berührung voraus. -Letztere braucht nicht immer eine unmittelbare zu sein. Es kann -vielmehr auch eine Vermittlung durch eine Zwischensubstanz stattfinden, -von der jeder Teil den zunächst liegenden in Bewegung setzt. In -letzter Linie beruht jede Veränderung, einerlei ob sie qualitativ oder -quantitativ ist, auf Bewegungen. Ist ein Körper einmal in Bewegung, -so ist kein Grund denkbar, daß er stillstehen sollte, wenn er keinen -Widerstand findet. Indes auch das Ruhende widerstrebt und verharrt an -seinem Orte[317]. - -In all diesen Sätzen begegnen uns schon Keime und Vorahnungen, die -sich später ganz oder teilweise bewahrheiten sollten. Der Andeutung -des Gesetzes von der Erhaltung der Materie trat auch schon eine -Vorahnung des Energiegesetzes zur Seite. Sie begegnet uns in dem -Ausspruch, daß die in der Natur vorhandene Bewegung weder entstehen -noch vergehen könne[318]. Man darf indessen nicht außer Acht lassen, -daß *Aristoteles* mitunter rein zufällig das Richtige trifft. So, wenn -er sagt, die Luft bestehe aus zwei Bestandteilen. In der Nähe des -Erdbodens herrsche nämlich ein feuchter und kühler, in der Höhe dagegen -ein trockner und warmer vor. - -Für das Entstehen gibt es nach *Aristoteles* drei Ursachen, den -Stoff, als das dem Werden zugrunde Liegende, die Form als Zweck und -die Bewegung als Veranlassung. Die den Stoff gestaltende Form ist -nach *Aristoteles* für die Lebewesen mit dem, was wir Seele nennen, -einerlei. Die Artunterschiede der Seele sollen die Stufenreihe der -Lebewesen bestimmen. Die niedrigste Seelenstufe ist die vegetative. -Sie beschränkt sich auf die Nahrungsaufnahme und die Fortpflanzung und -ist in den Pflanzen wirksam. Die Tierseele ist außerdem der Empfindung -fähig, zu welcher bei dem Menschen noch die Vernunft hinzutritt. Der -Mensch selbst erscheint dem *Aristoteles* als Zweck und Mittelpunkt -der ganzen Schöpfung. In ihm gelangt das göttliche Empfinden zum -Bewußtsein[319]. Die Seele ist indessen für *Aristoteles* nichts für -sich Bestehendes. Sondern sie ist an den Stoff gebunden, ohne selbst -körperlich zu sein. Sie ist es, welche aus dem Stoff den Leib aufbaut -und bewirkt, daß letzterer zweckmäßig eingerichtet ist. - -Die Lehre von den vier Elementen genügte schon den Hippokratikern und -auch *Platon*, um daraus die Entstehung der Krankheiten abzuleiten. Da -der Körper aus Erde, Feuer, Luft und Wasser zusammengesetzt sei, so -müsse ein Zuviel oder Zuwenig von einem dieser Grundstoffe, sowie eine -Veränderung ihres Sitzes Aufruhr, d. h. Krankheit, zur Folge haben. - -Auch *Aristoteles* führt einige Krankheiten auf ein Übermaß an -Feuchtigkeit, andere auf ein Zuviel an Wärme zurück. In den Lungen -häufen sich nach ihm mit zunehmendem Alter erdige Bestandteile an, -durch die das Feuer endlich erlischt und der Tod eintritt. - -Die Elemente sind bei *Aristoteles* nicht etwa Grundstoffe im heutigen -Sinne. Andererseits verwirft er aber auch den Hylozoismus der ionischen -Naturphilosophen (»daß nur Eines, z. B. Luft, das Sämtliche sei, ist -nicht möglich«)[320]. *Aristoteles* ist der Ansicht, daß es »eine -Substanz der sinnlich wahrnehmbaren Körper gibt, die aber immer mit -einer Gegensätzlichkeit verbunden ist, aus welcher die sogenannten -Elemente entstehen«[321]. - - -Die Begründung der Zoologie. - -Während die Mathematik und die Astronomie schon vor dem Auftreten des -*Aristoteles* die ersten Stufen ihrer Entwicklung zurückgelegt hatten -und in zielbewußter Weise die Lösung bestimmter Aufgaben anstrebten, -war das Gleiche bezüglich der beschreibenden Naturwissenschaften noch -nicht der Fall. Zwar waren die Grundlagen auch auf diesem Gebiete wie -auf demjenigen der Astronomie in der sich unmittelbar aufdrängenden -Beobachtung gegeben. Dem *Aristoteles* und seiner Schule blieb indes -die erste denkende Erfassung und die systematische Gestaltung der -noch wenig zusammenhängenden naturgeschichtlichen Einzelkenntnisse -vorbehalten. - -Das wichtigste zoologische Werk des *Aristoteles* ist seine -Tierkunde[322]. Es ist ein grundlegendes Werk und das bedeutendste -zoologische Buch des Altertums. Es enthält nicht nur Beschreibungen -der Tiere, sondern es geht auch auf den Bau und die Verrichtungen der -Organe, sowie auf die Entwicklung und die Lebensweise ein. Eine kurze -Betrachtung möge uns eine Probe von dem Wissen des *Aristoteles* und -der Art, wie er seinen Gegenstand behandelt, bieten. Begonnen wird -mit der Beschreibung des menschlichen Körpers. Zur Erforschung der -inneren Organe mußte jedoch das Tier dienen, da man sich noch nicht an -die Zergliederung menschlicher Leichen heranwagte. Die anatomischen -Kenntnisse des *Aristoteles* sind infolgedessen noch gering. - -Das Herz, von dem er sagt, es enthalte von allen Eingeweiden allein -Blut, ist ihm auch allein das Organ, in dem das Blut bereitet -wird[323]. Vom Herzen aus läßt er diese Flüssigkeit sich durch den -ganzen Körper verbreiten, ohne jedoch damit die Vorstellung von einem -Kreislauf zu verbinden[324]. Das Blut ist ihm ferner der Träger der -dem Menschen eingepflanzten Wärme. Die Aufgabe der Atmung soll darin -bestehen, diese Wärme auf das richtige Maß herabzumindern. Man darf -sich nicht wundern, daß die Anschauungen des *Aristoteles* noch so -weit von den heute als richtig erkannten und jedermann geläufigen -abweichen. Denn gerade die Erforschung der Vorgänge, die sich in -den Lebewesen abspielen, hat den späteren Jahrhunderten die größten -Schwierigkeiten gemacht, so daß wir selbst zurzeit noch kaum zu einem -befriedigenden Einblick in den Zusammenhang dieser Vorgänge gelangt -sind. Die Aufdeckung eines solchen Zusammenhanges ist nämlich vor allem -von den Fortschritten der Chemie und der Physik abhängig gewesen, -Wissenschaften, die zur Zeit des *Aristoteles* erst im Keime vorhanden -waren. So konnte, um hier nur eins zu erwähnen, der Vorgang der Atmung -und der Entstehung tierischer Wärme erst richtig gedeutet werden, -nachdem man die Zusammensetzung und die Rolle der atmosphärischen -Luft erkannt hatte. Und dies geschah erst gegen das Ende des 18. -Jahrhunderts, an der Schwelle des letzten Abschnittes der Geschichte -der Naturwissenschaften. Es ist Verdienst genug, daß *Aristoteles* -die Fragen nach den Verrichtungen, sowie nach der Entwicklung der -organischen Wesen[325] gestellt und dadurch späteren Geschlechtern den -Anlaß geboten hat, die Erforschung dieser Dinge weiter zu betreiben. -So ist die Entwicklung des Hühnchens im Ei ein Problem, das schon -*Aristoteles* beschäftigte. Die eingehendere Untersuchung wurde indes -erst 2000 Jahre später wieder aufgenommen und erst in neuester Zeit, -auf Grund der Vervollkommnung aller Hilfsmittel, zu einem gewissen -Abschluß geführt. - -Mit Recht mag es dagegen Verwunderung erregen, daß *Aristoteles* -nicht nur die niederen, sondern selbst höher entwickelte Tiere durch -Urzeugung entstehen ließ. Es begegnet uns auch hier wieder ein Problem, -das wir durch den Verlauf der Jahrhunderte in seinen Wandlungen -verfolgen werden, bis es endlich im neuesten Zeitalter seine Lösung -gefunden hat. Zwar ist es begreiflich, wenn *Aristoteles* Läuse aus -Fleisch und Wanzen aus tierischen Feuchtigkeiten herleitet. Man höre -aber, welch sonderbare Vorstellungen er sich über die Entstehung der -Aale gebildet hat: »Sie legen«, sagt er[326], »keine Eier. Und man hat -noch nie in ihnen einen der Fortpflanzung dienenden Teil entdecken -können. Es gibt sumpfige Teiche, in denen sie wieder entstehen, wenn -auch das Wasser und der Schlamm herausgeschafft sind, sobald diese -Teiche wieder durch den Regen gefüllt werden. Die Aale gehen nämlich -aus Regenwürmern hervor, die sich von selbst aus dem Schlamme bilden.« -Zur Entschuldigung mag es demgegenüber dienen, daß die Fortpflanzung -der Aale bis in die neueste Zeit hinein ein dunkles Gebiet der Zoologie -gewesen ist. - -Keineswegs nahm aber *Aristoteles* die Urzeugung für die niederen -Tiere als den einzigen Weg der Entstehung an. So sagt er von den -Insekten ausdrücklich, sie zeugten, entständen aber auch spontan. -Die Urzeugung war ihm und späteren Zoologen ein Glaubenssatz, um aus -der Verlegenheit, in die man häufig durch Unkenntnis der obwaltenden -Verhältnisse geraten war, herauszukommen. Über den Vorgang der -Entwicklung selbst läßt *Aristoteles* sich in seiner Schrift über die -Zeugung und Entwicklung der Tiere mit folgenden zutreffenden Worten -aus: »Entweder entstehen alle Teile des Tieres auf einmal; oder sie -entstehen nacheinander wie die Maschen eines Netzes. Daß letzteres -geschieht, ist deutlich. Denn man sieht, daß manche Teile schon -vorhanden sind, andere aber noch nicht. Es ist unzweifelhaft, daß man -sie nicht nur etwa ihrer Kleinheit wegen nicht sieht. Obgleich die -Lunge nämlich einen größeren Umfang hat als das Herz, so zeigt sie sich -doch später als dieses[327]«. - -Bezüglich der anatomischen Kenntnisse des *Aristoteles* sei -hervorgehoben, daß er die schneckenförmige Gestalt des inneren Ohres -und die Verbindung zwischen dem Gehörorgan und der Mundhöhle kannte. -Vom Innern des Auges, sagt er, es bestehe aus einer Flüssigkeit, welche -das Sehen vermittle. Um diese sei eine schwarze und außerhalb der -letzteren eine weiße Haut vorhanden. Beim Gehirn unterscheidet er die -stärkere, dem Schädel anliegende Haut von der schwächeren, welche das -Gehirn unmittelbar umschließt[328]. - -Auch die Drüsen der Verdauungsorgane hat *Aristoteles* im ganzen -richtig beschrieben und sie sogar bei einigen Wirbellosen gekannt. -Ferner hat er seine Schriften durch Zeichnungen erläutert und soll -hierin vorbildlich gewesen sein. Andererseits wußte *Aristoteles* -Nerven und Sehnen noch nicht scharf genug zu unterscheiden. Die -Bedeutung der Muskeln war ihm noch nicht bekannt. Er führte vielmehr -die Bewegungen der Glieder auf die Tätigkeit der Sehnen zurück und -betrachtete das Fleisch als das Organ für die Empfindung. - -Es sind etwa 500 Tierformen, die *Aristoteles* in den auf uns -gelangten Schriften erwähnt; doch lassen sich diese Formen nicht -sämtlich identifizieren. So werden zwar mehrere Arten von Vierhändern -unterschieden, mit den menschenähnlichen Affen war man zur Zeit des -*Aristoteles* jedoch noch nicht bekannt[329]. Auch wußte man sehr wenig -von den niederen Tieren. Doch bewältigt und beherrscht *Aristoteles* -die ihm bekannten Formen, -- und das ist sein wesentlichstes Verdienst ---, indem er sie in ein der Natur entsprechendes, wissenschaftliches -System gliedert, das erst durch *Cuvier* im Beginn des 19. Jahrhunderts -eine wesentliche Verbesserung gefunden hat. Es erscheint deshalb -gerechtfertigt, auf diesen ersten und auch gleich so wohlgelungenen -Versuch eines natürlichen Systems der Tiere etwas näher einzugehen. - -Zunächst teilte *Aristoteles* das gesamte Tierreich in Bluttiere und -Blutlose. Ging er auch hierbei von der unrichtigen Annahme aus, daß -die rote Farbe ein notwendiges Kennzeichen des Blutes sei, so decken -sich doch tatsächlich seine beiden großen Gruppen, wie wir aus ihrer -weiteren Einteilung erkennen, mit unseren heutigen Wirbeltieren und -Wirbellosen. Die Bluttiere zerfallen bei *Aristoteles* in lebendig -gebärende Vierfüßler (Säugetiere), Vögel, eierlegende Vierfüßler -(unsere heutigen Klassen der Reptilien und Amphibien, zu denen er -ganz richtig trotz des Fehlens der Gliedmaßen, wegen ihrer sonstigen -Beschaffenheit, die, Schlangen rechnet) und in die von den Fischen -scharf abgesonderten Waltiere. Für letztere gibt er an, daß sie -durch Lungen atmen und lebendig gebären. »Die lebendig gebärenden -Vierfüßler«, sagt *Aristoteles*, »sind fast alle dicht behaart. Sie -sind ferner entweder vielzehig wie der Löwe, der Hund und der Panther, -oder zweihufig wie Schaf, Ziege und Hirsch. Oder sie besitzen nur einen -Huf wie das Pferd. Den Tieren, welche Hörner tragen, hat die Natur -meist zwei Hufe verliehen. Ein Einhufer mit Hörnern ist uns niemals -zu Gesicht gekommen. Auch im Gebiß weichen die Tiere untereinander -und vom Menschen vielfach ab. Zähne besitzen alle lebendig -gebärenden Vierfüßler. Und zwar haben sie in beiden Kiefern entweder -zusammenhängende Zahnreihen oder unterbrochene. Allen Hörnertragenden -fehlen nämlich die Vorderzähne im Oberkiefer. Doch gibt es auch Arten -mit unvollkommenen Zahnreihen ohne Hörner, wie das Kamel. Manche haben -Hauzähne, z. B. der Eber. Ferner gibt es Tiere mit Reißzähnen, wie der -Löwe, Panther und Hund. Hauzähne und Hörner zugleich besitzt kein Tier. -Auch kommen nicht Reißzähne neben Hauzähnen und Hörnern vor.« - -Obgleich *Aristoteles* hier manche Mitteilungen und Verallgemeinerungen -über die Zähne und den Bau der Füße bei den Säugetieren macht, gelangt -er doch nicht etwa zur Aufstellung von Ordnungen oder Unterordnungen im -heutigen Sinne. Bei den Vögeln indessen unterscheidet er die Ordnung -der Raubvögel von den Ordnungen der Schwimm- und der Stelzvögel. -Besonders gekennzeichnet wird die Gruppe der Vögel noch durch folgende -Bemerkungen: »Sie allein unter allen Tieren sind zweibeinig wie der -Mensch, sie haben weder Hände noch Vorderfüße, sondern Flügel. Das -sind Organe, welche dieser Tierklasse eigentümlich sind. Alle haben -mehrspaltige Füße. In der Regel sind die Zehen getrennt. Bei den -Schwimmvögeln aber sind die gegliederten, deutlich gesonderten Zehen -durch Schwimmhäute verbunden. Die Vögel, welche hoch fliegen, haben -sämtlich vier Zehen, von denen meistens drei nach vorn und eine nach -hinten gestellt sind. Einige haben zwei nach vorn und zwei nach hinten -gerichtete Zehen.« - -Für seine fünfte und letzte Gruppe, die Fische nämlich, hebt er das -Vorhandensein von Kiemen und Flossen hervor[330]. Auch ist ihm bekannt, -daß nicht nur die Waltiere, sondern auch gewisse Haie lebendige -Junge zur Welt bringen. Ja, er zeigt sich mit Verhältnissen in der -Entwicklung der Haie vertraut, welche erst in neuerer Zeit ihre -Bestätigung gefunden haben. So erzählt er, daß es unter den Haien -eierlegende und lebendig gebärende gäbe, und unter den letzteren auch -solche, bei denen der Fötus mit dem Uterus wie bei den Säugetieren -durch einen Mutterkuchen verbunden sei (s. Abb. 16). Diese Tatsache -wurde erst im 19. Jahrhundert durch *Johannes Müller* an Mustela laevis -wieder entdeckt[331]. - -Unter den Blutlosen (Wirbellosen) gelten ihm als die entwickeltsten -die Kopffüßler (Tintenfische), mit deren Bau und Lebensweise er sich -eingehend befaßt. »Sie besitzen«, sagt er, »Füße, die sich am Kopf -befinden, einen Mantel, der das Innere umschließt, und Flossen rings -um den Mantel. Es sind acht mit Saugnäpfen versehene Füße vorhanden. -Einige Arten, wie die Sepien, haben außerdem zwei lange Fangarme. Mit -diesen ergreifen sie die Nahrung und führen sie zum Maule. Bei Sturm -befestigen sie diese Arme wie Anker an einem Felsen und lassen sich -so von den Wogen hin und hertreiben. Auf die Füße folgt bei allen der -Kopf, in dessen Mitte sich das mit zwei Zähnen versehene Maul befindet. -Darüber liegen die großen Augen, und zwischen diesen eine knorpelige -Masse, welche das Gehirn einschließt.« - -[Illustration: Abb. 16. Der Embryo des glatten Hais des Aristoteles. - -Dp, der Mutterkuchen in Verbindung mit dem Uterus[332].] - -Dann folgen die Krebse, von *Aristoteles* Weichschalige genannt. Die -dritte Gruppe bilden die Kerbtiere. *Aristoteles* begreift darunter -sämtliche Tiere mit geringeltem Körper, also nicht nur die Insekten, -sondern auch die Spinnen, die Tausendfüßler und die Gliederwürmer. -Er hebt hervor, daß der Körper aller Insekten in drei Abschnitte -zerfällt, den Kopf, den Körperteil, welcher Magen und Darm enthält, und -drittens den dazwischen liegenden Abschnitt, dem bei anderen Tieren -Brust und Rücken entsprechen. »Außer den Augen«, fährt *Aristoteles* -fort, »haben die Insekten kein deutliches Sinnesorgan. Manche besitzen -einen Stachel, der sich entweder innerhalb des Körpers befindet, wie -bei den Bienen und Wespen, oder außerhalb, wie beim Skorpion[333]. -Letzterer ist allein unter allen Insekten lang geschwänzt; ferner -besitzt er Scheren. Einige Insekten haben über den Augen Fühler, z. B. -die Schmetterlinge und die Käfer. Im Innern findet sich ein Darm, der -in der Regel bis zum After gerade verläuft, mitunter aber auch gewunden -ist.« - -Bei den Insekten fesseln *Aristoteles* besonders der Bau und die -Lebensweise der Honigbiene. Er erwähnt, daß sie das Bienenbrot an den -Schenkeln einträgt und den Honig in ihre Zellen speit. Er erzählt -von dem Bau der Waben, den Maden und Puppen und kennt die Herkunft, -sowie die Rolle, die das sogenannte Vorwachs besitzt, so daß wir vor -*Swammerdam*, welcher durch die Anwendung des Mikroskops und durch -die Befolgung der Grundsätze der neueren Naturforschung zu einem weit -tieferen Einblick befähigt war, kaum eine gleich gute Schilderung -dieses wichtigen Insektes antreffen. - -Die vierte Gruppe, ausgezeichnet durch harte Schalen, die einen -weichen ungegliederten Körper umschließen, bilden die Schnecken und -die Muscheln, die von *Aristoteles* als Schaltiere zusammengefaßt -werden. Der fünften und letzten Gruppe, den Seewalzen, Seesternen und -Schwämmen, wird eine vermittelnde Stellung zwischen dem Tier- und -Pflanzenreiche zugewiesen. - -Viele Betrachtungen, die *Aristoteles* in seinen zoologischen Schriften -anstellt, lassen erkennen, daß er, wenn auch vom teleologischen -Standpunkt, doch schon von dem Gedanken geleitet wird, den die neuere -Biologie als Erhaltungsmäßigkeit bezeichnet. Das Wort soll ausdrücken, -daß Lebensweise, Aufenthaltsort und Einrichtung eines Tieres einander -entsprechen. Nicht minder stehen aber die einzelnen Organe zueinander -und zum Gesamtbau in einem gewissen Verhältnis, das *Cuvier*, der -größte Zoologe der Neuzeit, als die Korrelation der Organe bezeichnet -hat. In welchem Maße *Cuvier* und die neuere Biologie hierin mit -*Aristoteles* übereinstimmen, lassen z. B. dessen Betrachtungen über -die Zähne erkennen. Sie lauten[334]: »Die Zähne haben die Tiere -im allgemeinen zur Zerkleinerung der Nahrung, dann aber auch als -Waffen zu Angriff und Abwehr. Von denen, die sie zu Schutz und Trutz -besitzen, haben einige Hauer wie der Eber, andere scharf ineinander -greifende Zähne. Die Stärke dieser Tiere beruht auf ihren Zähnen. -Diese müssen also scharf sein und zweckmäßig ineinander greifen, damit -sie sich nicht durch gegenseitige Reibung abstumpfen. Ferner haben -die spitzzähnigen ein weit geschlitztes Maul. Da nämlich ihre Wehr im -Beißen besteht, haben sie ein weites Maul nötig, denn sie werden mit um -so mehr Zähnen und um so stärker beißen, je weiter das Maul geschlitzt -ist[335].« - -Auch über die Ernährung der Tiere wie über diejenige der Pflanzen -hatte sich *Aristoteles* schon Vorstellungen gebildet, die viel -Zutreffendes enthalten. Sämtliche Bestandteile des Körpers läßt er -durch die Umwandlung der aufgenommenen Nahrungsmittel entstehen[336]. -Für einzelne Substanzen wie das Fett, die Galle usw. gebe es -wahrscheinlich auch bestimmte Nährstoffe. Diese sollen aus dem Blute -durch die Wandungen der Adern hindurchsickern und auf diese Weise an -den Ort gelangen, wo sie abgeschieden werden. Das Fett entstehe aus -mehliger und süßer Nahrung, die sich leicht in Fett umwandele. Als die -wichtigste Ausscheidung des Blutes betrachtet *Aristoteles* den Samen. -Er enthalte neben Wasser und Erde vor allem den warmen, lebenerregenden -Luftgeist, das Pneuma (s. S. 102). Wie sich die Erde in ein Mineral -verwandeln könne, so verwandele die im Samen enthaltene Erde sich in -einen Menschen. Tiere mit starken Knochen läßt *Aristoteles* aus einem -besonders erdhaltigen Samen hervorgehen. Seele und Körper der Lebewesen -bilden nach ihm eine Einheit, allerdings nur in dem Sinne, daß der -Körper das Organ der Seele ist[337]. Dafür spreche auch, daß manche -Tiere, die man zerschneide, in jedem ihrer Teile weiterleben. - - -Aristoteles über die Pflanzen. - -In seinem Bestreben, das gesamte Wissen seiner Zeit vom Standpunkte des -Philosophen zu sammeln, zu prüfen und systematisch zu gliedern, konnte -*Aristoteles* auch an der Pflanzenwelt nicht achtlos vorübergehen. -Leider ist indessen seine diesem Gegenstande gewidmete »Theorie der -Pflanzen« verloren gegangen. Was wir an Ansichten des *Aristoteles* -über die Natur der Pflanzen kennen, sind vereinzelte, aber immerhin -zahlreiche Äußerungen des Philosophen, die sich in seinen übrigen -Werken zerstreut finden[338]. Von besonderem Interesse ist, was -*Aristoteles* über die Verwandtschaft der Tiere mit den Pflanzen -sagt[339]. Die Natur geht allmählich vom Unbeseelten zum Beseelten -über. Auf die unbeseelten Dinge läßt sie zunächst die Pflanzen folgen. -Unter diesen unterscheide sich die eine von der anderen darin, daß sie -teils mehr, teils weniger Anteil am Leben zeige. Vergleiche man die -Pflanzen mit den leblosen Dingen, so seien erstere wie beseelt, dagegen -erscheine die Pflanze im Vergleich zum Tiere wie unbeseelt. Und doch -sei der Übergang zwischen Pflanze und Tier ununterbrochen. Denn bei -einigen Wesen des Meeres könne man zweifeln, ob sie Tiere oder Pflanzen -seien. Auch über die Teilbarkeit der Pflanzen und der Tiere stellt -*Aristoteles* Betrachtungen an[340]. »Nimmt man von einer Zahl«, sagt -er, »eine Zahl weg, so bleibt eine andere Zahl. Die Pflanzen dagegen -und viele Tiere bleiben bestehen, wenn man sie teilt.« Die niederen -Tiere und die Pflanzen stimmen, wie *Aristoteles* richtig hervorhebt, -eben darin überein, daß ihnen die Einheit der Organisation fehlt. -Infolgedessen können abgetrennte Teile des Organismus fortleben und -sich zu selbständigen Wesen entwickeln[341]. Auch darin seien sie -einander ähnlich, daß bei beiden der Hauptzweck die Fortpflanzung sei -und alle Einrichtungen sich auf diesen Zweck zurückführen ließen. - -Auch über die Ernährung der Pflanzen hat *Aristoteles* nachgedacht. -Die Wurzeln nennt er ein Analogon des Mundes, da beide die Nahrung -einnehmen[342]. Die Erde enthalte eine für die Pflanze zubereitete -Nahrung und diene ihr sozusagen als Bauch, während die Tiere gleichsam -die Erde als Inhalt des Darms in sich trügen, aus dem sie, wie die -Pflanzen mit den Wurzeln, mit etwas Ähnlichem die Nahrung aufnehmen -müßten[343]. Wem fällt bei dieser originellen, im Grunde aber richtigen -Auffassung des Philosophen nicht die so treffende Benennung der -Darmzotten als innere Wurzeln des Tieres ein? Ein ähnliches Verhältnis, -wie für die Ernährung von Tier und Pflanze, nimmt *Aristoteles* für -die Entwicklung an. Er sagt nämlich: »Wie sich die Gewächse des Bodens -bedienen, so bedienen sich die Embryonen des Uterus«[344]. - -Was die Entstehung anbetrifft, so wird auch für die Pflanzen -angenommen, daß sie entweder aus Samen oder von selbst entständen. -Letzteres geschehe, wenn die Erde oder Pflanzenteile faulten. Was -endlich die Sexualität anlangt, so meint *Aristoteles*, bei den -Pflanzen sei das Männliche und das Weibliche nicht getrennt; sie -zeugten daher aus sich selbst. Das Gleiche finde gewissermaßen bei den -Tieren statt. Denn wenn sie zeugen wollten, so werde sozusagen ein -Tier aus zweien. Die Tiere seien somit gleichsam Pflanzen, in denen -das Männliche und das Weibliche voneinander geschieden sei. Aus den -zerstreuten Bemerkungen des *Aristoteles* erkennen wir somit, daß das -Nachdenken über botanische Dinge rege geworden war und manche wertvolle -Beobachtung und Verallgemeinerung vorlag. Der erste, dem wir ein -zusammenhängendes Werk über die Pflanzen verdanken, ist denn auch ein -Schüler des großen Philosophen, *Theophrast*. Dieser nimmt der Botanik -gegenüber eine ähnliche Bedeutung ein, wie sie *Aristoteles* für die -Zoologie besitzt. - - -Theophrast begründet die Botanik. - -Über das Leben des *Theophrast* sind wir besonders durch *Diogenes -Laertios* und durch *Plutarch* unterrichtet. Doch sind seine -Lebensumstände wenig bekannt und durch Sagen und Übertreibungen -verdunkelt. *Theophrast* wurde 371 v. Chr. zu Eresos auf der Insel -Lesbos geboren. Er widmete sich der Philosophie. Und zwar schloß -er sich zuerst an die Atomisten (*Leukipp*), dann an *Platon* und -schließlich an *Aristoteles* an. *Theophrast* nannte man ihn seiner -Beredsamkeit wegen[345]. - -Nach dem Tode des *Aristoteles*, dessen Lieblingsschüler und -langjähriger Freund er war, übernahm *Theophrast* die Führung der -von *Aristoteles* in Athen gegründeten Philosophenschule, die er zur -höchsten Blüte brachte. *Theophrast* genoß in Athen das größte Ansehen. -Sein Ruhm drang auch ins Ausland, so daß *Ptolemäos der Lagide* ihn -nach Alexandrien zu ziehen suchte. Wie sehr man *Theophrast* in -seinem Vaterlande schätzte, geht auch aus folgender Erzählung hervor. -*Theophrast* wurde des Mangels an Religion beschuldigt. Man gab -indessen dieser Klage nicht nur keine Folge, sondern es fehlte nicht -viel, daß der Kläger selbst in den Anklagezustand gesetzt wurde[346]. - -War *Theophrast* auch nicht an schöpferischer Kraft mit *Aristoteles* -zu vergleichen, so überragte er ihn durch den Umfang seiner -naturwissenschaftlichen Einzelkenntnisse. Auf die Beobachtung -zahlreicher Einzelfälle, wodurch man allein zur Bildung richtiger -Begriffe gelangen könne, legte er den größten Wert. Wo *Theophrast* -nur fremde Beobachtungen zu Gebote stehen, verhält er sich durchaus -kritisch und macht aus etwaigem Zweifel kein Hehl. Sein Fleiß war -unermüdlich und begleitete ihn bis ins höchste Alter. Sterbend klagte -er noch im Hinblick auf das Aufhören seiner wissenschaftlichen -Tätigkeit über die Kürze des menschlichen Lebens[347]. Das Altertum -pries auch seine Umgangsformen. *Cicero* läßt ihn sagen, die rauhe -Tugend allein mache keineswegs die Glückseligkeit aus. Er galt ferner -als einer der bedeutendsten Redner, der vortrefflich und wohlberechnet -seine Worte mit seinen Gebärden und seinem Mienenspiel in Einklang zu -bringen wußte. - -Von einem ganz ungewöhnlichen Fleiße legt auch die Zahl seiner -Schriften Zeugnis ab[348]. Leider sind die wichtigsten verloren -gegangen. Sie erstreckten sich auf Mathematik, Astronomie, Botanik, -Mineralogie und alle Teile des von *Aristoteles* gegründeten -philosophischen Systems. *Theophrast* starb 286 v. Chr. Er ist also -85 Jahre alt geworden. Seiner Schule soll er einen Pflanzengarten und -eine Halle, in welcher der Unterricht stattfinden sollte, vermacht -haben[349]. - -Außer dem botanischen Hauptwerk, dessen neun Bücher vollständig auf -uns gekommen sind, und mit dessen Inhalt wir uns im nachfolgenden -in der Hauptsache bekannt machen wollen, verfaßte *Theophrast* noch -eine Schrift »Von den Ursachen der Pflanzen«. Sie ist leider nur -unvollständig vorhanden. Die Schrift von den Ursachen der Pflanzen -(περὶ φυτῶν αἰτίαι) verhielt sich zur Geschichte der Pflanzen ähnlich -wie die mehr philosophischen zu den beschreibenden Büchern, die -*Aristoteles* über die Tierkunde verfaßt hatte[350]. - -Vor *Aristoteles* hatte man sich den Gewächsen, soweit sie nicht dem -unmittelbaren Unterhalt von Mensch und Tier dienten, vorzugsweise -aus medizinischem Interesse zugewandt. Das Sammeln der Pflanzen und -ihre Verarbeitung zu heilkräftigen Säften wurde berufsmäßig von den -schon erwähnten Rhizotomen (Wurzelschneidern) betrieben. Es waren dies -die Vorläufer unserer heutigen Pharmazeuten. Jetzt wandte sich das -wissenschaftliche Interesse neben der Tierwelt auch dem Pflanzenreiche -zu. Wenn wir von der verloren gegangenen Schrift des *Aristoteles* -über die Theorie der Pflanzen absehen, lieferte *Theophrast* die -erste, eingehende Bearbeitung der den Griechen bekannten Gewächse -unter Berücksichtigung ihrer Lebensbedingungen, sowie der allgemeinen -Morphologie. Die Schrift, auf die wir jetzt näher eingehen wollen, -führt den Titel: Naturgeschichte der Gewächse[351]. - -Was beim Lesen dieses Buches zunächst auffällt, ist das Fehlen -genauer Beschreibungen, die erst später in immer höherem Grade -als das nächstliegende Ziel der botanischen Wissenschaft erkannt -wurden. Oft fehlt eine Beschreibung der zur Besprechung gelangenden -Pflanze ganz, da *Theophrast* sie als den Lesern hinreichend -bekannt voraussetzt. In anderen Fällen beschränkt er sich darauf, -augenfällige Eigentümlichkeiten hervorzuheben, so daß es später oft -schwer, ja manchmal unmöglich gewesen ist, selbst nachdem man die -Flora Griechenlands genauer kennen gelernt hatte, die Identität -der einzelnen Pflanzen festzustellen. Als gegen den Ausgang des -Mittelalters die Botanik eine Weiterentwicklung erfuhr, war man -zunächst in der Vorstellung befangen, alle Pflanzen, über welche die -Alten, insbesondere der später zu erwähnende *Dioskurides* geschrieben, -seien auch im westlichen Europa zu finden. Erst nachdem man sich -lange in dieser Richtung abgemüht und nur in wenigen Fällen etwas -erreicht hatte, weil man der geographischen Verbreitung der Gewächse -noch nicht die gebührende Beachtung schenkte, ging man zur möglichst -genauen Beschreibung der Pflanzen über. So entstanden die Kräuterbücher -der ersten neueren Botaniker. Die Schwierigkeit, die von den Alten -beschriebenen Pflanzen zu identifizieren, wurde noch durch den Umstand -vergrößert, daß sich die Flora der in Betracht kommenden Länder im -Laufe der Jahrtausende durch Wanderungen, durch klimatische Änderungen -und ganz besonders durch die Einwirkung des Menschen geändert -hatte[352]. - -Das den Griechen zur Zeit des *Theophrast* floristisch bekannt -gewordene Gebiet war ein sehr beträchtliches. War man doch durch die -Züge *Alexanders* des Großen auch mit Persien, Baktrien und Indien -bekannt geworden, während man schon vorher über die in Vorderasien und -Ägypten vorkommenden Pflanzen vieles erfahren hatte. Allerdings lernten -die Griechen auf ihren Eroberungszügen die Naturkörper zunächst mehr im -Vorübergehen kennen und achteten fast nur auf das, was auf den fremden -Märkten ihr Erstaunen hervorrief[353]. - -Ein neues Licht haben die Untersuchungen *Bretzls* auf die botanischen -Ergebnisse des Alexanderzuges geworfen[354]. Das griechische Heer -wurde von Gelehrten begleitet. Ihre Aufzeichnungen bildeten einen Teil -dessen, was man heute das »Generalstabswerk« über den indischen Feldzug -nennen würde. Dieses Werk ist leider verloren, doch sind Auszüge in -*Theophrasts* Geschichte der Pflanzen[355] übergegangen. Von den -fremden Vegetationsbildern, welche *Theophrast* genauer schildert und -mit der Vegetation der Länder des östlichen Mittelmeeres vergleicht, -ist vor allem die Mangroveformation des persischen Golfes zu nennen. -*Theophrast* gibt eine genaue Beschreibung der eigenartigen Pflanzen -jener Formation. Er schildert die Lebensweise der Mangrovegewächse, -die auf Stelzenwurzeln weit über das Meeresufer hinauswachsen, so -richtig, daß neuere Reisende, wie *Schweinfurth*, seine Angaben nur -bestätigen konnten. Einen »Glanzpunkt« nennt *Bretzl* die Beschreibung, -welche *Theophrast* vom indischen Feigenbaum gegeben, der mit seinen, -von den Ästen her in die Erde eindringenden, Stützwurzeln einem Walde -gleicht. Daß es sich bei den Stützen, welche die fast horizontal sich -ausbreitenden Äste in den Boden hinabsenden, um eigentliche Wurzeln -handelt, erkannte schon *Theophrast*, wie er auch das Bambusrohr als -eine Schilfart erkennt und das vom Rande her einreißende Blatt der -Banane sehr zutreffend mit den Schwungfedern eines Vogels vergleicht. - -Wahrscheinlich sind die Griechen auch mit der Baumwolle erst nach den -Zügen *Alexanders* genauer bekannt geworden, während in Ägypten die -Baumwollweberei schon früh anzutreffen war. Durch die Beobachtungen, -die man auf dem Alexanderzuge anstellte, wurden die Griechen auch mit -der Tatsache vertraut, daß gewisse Pflanzen Bewegungen ausführen, -wie man sie bisher nur bei den Tieren kannte. Es handelt sich um die -periodischen Bewegungen der Blattfiedern von Tamarindus indica. Diese -Bewegungen werden in ihren einzelnen Stadien so genau beschrieben, -daß sie bis zum Beginn der neueren physiologischen Untersuchungen -über diesen Gegenstand die beste Schilderung sind, die wir über -den Pflanzenschlaf besitzen. Die betreffende Stelle lautet bei -*Theophrast*[356]: »Der Baum besitzt zahlreiche Fiederblättchen. Sie -legen sich während der Nacht leise zusammen. Bei Sonnenaufgang öffnen -sie sich, und um Mittag entfaltet sich der Baum völlig. Am Nachmittage -ziehen sich die Blättchen allmählich wieder zusammen und in der Nacht -schließt sich die Pflanze wieder. Man sagt dort zu Lande, sie schlafe.« - -Dadurch, daß die Griechen die Pflanzenwelt vom Mittelmeerbecken bis -in die tropischen Gebiete Asiens kennen lernten, wurden sie nicht nur -mit gewissen Grundtatsachen der Pflanzengeographie, sondern auch schon -mit einigen wichtigen, pflanzengeographischen Gesetzen bekannt, so -daß es nicht ganz zutreffend ist, die Anfänge dieser Wissenschaft auf -*A. v. Humboldt* zurückzuführen. Die Erscheinung, daß die Flora ihren -Charakter mit der Erhebung des Bodens über das Meer ändert, hatten die -Griechen schon in ihrer Heimat beobachtet. Sie hatten dort bemerkt, daß -sich an die Mittelmeerflora mit ihren immergrünen Gewächsen zunächst -eine Laubwaldregion, darüber Nadelholzwälder und noch höher hinauf -eine Region anschloß, die wir heute als alpin bezeichnen würden. Die -gleiche Erscheinung nahmen sie noch deutlicher wahr, als sie an den Fuß -der Berge gelangten, die Indien vom Rumpf des asiatischen Kontinentes -trennen. Dort herrschte noch die tropische Flora mit ihren Palmen und -Bananen in reicher Fülle. Unmittelbar darüber erblickten die Griechen -Pflanzen, die sie an diejenigen der Mittelmeerländer erinnerten. Dann -folgten wieder Laubhölzer, Nadelhölzer und alpine Pflanzen. Einen -ähnlichen Wechsel der Flora nahmen sie wahr, als sie die Pflanzen -nördlicher Landstriche mit denen südlicher verglichen. Dieser Vergleich -drängte sich ihnen nicht nur in Europa, sondern auch in Asien auf. -Auch hier fanden sie in den nördlicher gelegenen Teilen die mächtigen -dunklen Nadelholzwaldungen wieder, die sie als charakteristisch für das -mittlere Europa betrachtet hatten. - -In *Theophrasts* »Geschichte der Pflanzen« überwiegt das praktische -Interesse häufig das wissenschaftliche. Die Beschreibung gewisser -technischer Verrichtungen, wie der Gewinnung von Holzkohle, Pech, Harz -und Spezereien, ferner der Verwendung der Holzarten, insbesondere -aber der Wirkung von Pflanzen auf den menschlichen Körper, nehmen -dementsprechend einen breiten Raum ein[357]. Aber auch von der -geographischen Verbreitung, den Krankheiten, der Lebensdauer, dem -Einfluß des Klimas, sowie der Ernährung der Pflanzen ist die Rede. Daß -dabei zu einer Zeit, in der man kaum beobachten, geschweige denn mit -Pflanzen experimentieren gelernt hatte, manche irrtümliche Ansicht -ausgesprochen wird, ist leicht begreiflich. So führt *Theophrast* -die Erscheinung, daß die Bäume, wenn sie dicht gedrängt stehen, -keinen kräftigen Wuchs aufweisen, sondern dünn und lang werden, -nicht auf den Einfluß des Lichtes, sondern auf Mangel an Nahrung -zurück. An Krankheiten der Pflanzen erwähnt er den Wurmstich, den -Rost des Getreides und den Honigtau. Letzteren leitet er aus einem -zu großen Feuchtigkeitsgehalt der Pflanzen ab, während es sich in -der Tat um Ausscheidungen von Blattläusen handelt. Als eine Wirkung -des Klimas betrachtet *Theophrast* die Erscheinung, daß in heißen -Ländern der jährliche Laubfall bei Pflanzen unterbleibt, die in den -Mittelmeerländern ihr Laub im Winter verlieren. Dies sei z. B. bei dem -Feigenbaum und dem Weinstock der Fall[358]. - -Als Ernährungsorgane werden nicht nur die Wurzeln, sondern auch die -Blätter betrachtet. Die Ernährung soll auf beiden Flächen durch -Einsaugung vor sich gehen. Das Wachstum der Blätter und das Ansetzen -der Früchte stehen, wie *Theophrast* sehr richtig bemerkt, in solchem -Verhältnis, daß, wenn der eine Vorgang stattfindet, der andere -zurückgehalten wird[359]. Auch die Möglichkeit, daß sich die eine -Pflanzenart in eine andere umwandele, ein häufig wiederkehrender -Irrtum, wird bei *Theophrast* erörtert. So sagt er: »Die wilde -Minze soll sich in Gartenminze umändern, auch soll sich der Weizen -in Lolch verwandeln.« Von der Sexualität der Pflanzen vermochte er -sich ebensowenig wie das übrige Altertum eine klare Vorstellung zu -machen. Doch erwähnt er, daß man bei den Dattelpalmen das Ansetzen von -Früchten dadurch fördere, daß man die stauberzeugenden Zweige über die -fruchttragenden hänge: - -»Manche Bäume«, sagt er, »werfen ihre Früchte vor der Reife ab, wogegen -man auch Anstalten trifft. Bei den Datteln besteht das Hilfsmittel -darin, daß man die männliche Blüte der weiblichen nähert, denn jene -macht, daß die Früchte dauern und reif werden. Es geschieht dies aber -auf folgende Weise: Blüht die männliche Pflanze, so schneidet man die -Blütenscheide ab und schüttelt sie mit dem Staube auf die weibliche -Frucht. Wird diese so behandelt, so dauert sie aus und fällt nicht ab.« -Anknüpfend an diese und ähnliche Beobachtungen der Alten begründete -in der neueren Zeit *Camerarius* die Lehre von der Sexualität der -Pflanzen. - -Ein Verdienst erwarb sich *Theophrast* auch durch die begriffliche -Bestimmung, sowie die Morphologie der wichtigsten Pflanzenorgane. Z. -B. begegnet uns bei ihm der Begriff des gefiederten Blattes, das man -bis dahin für einen Zweig gehalten hatte. Dagegen gelang es ihm nicht, -eine naturgemäße Einteilung des Pflanzenreichs zu schaffen und damit -das zu leisten, was *Aristoteles* für die Zoologie getan. *Theophrast* -unterscheidet Bäume, Sträucher, Stauden und Kräuter und spricht -innerhalb dieser vier Gruppen wieder von zahmen und wilden Pflanzen. So -überschreibt er z. B. ein Kapitel: »Von den wilden Bäumen«, während er -ein anderes mit den Worten beginnt: »Jetzt soll von den Gewächsen der -Flüsse, Sümpfe und Teiche die Rede sein.« Immerhin werden bei seiner -Einteilung der Kräuter mitunter natürliche Gruppen angedeutet. Endlich -verdanken wir dem *Theophrast* auch eine Reihe wertvoller Mitteilungen -über den Bau und die Entwicklung der Pflanzen. Sie erscheinen ihm -als lebende Wesen, welche als Voraussetzungen des Lebens Wärme und -Feuchtigkeit in sich bergen. Daher ist er auch bemüht, eine Ähnlichkeit -im Bau der Pflanzen und der Tiere nachzuweisen. Als innere Teile der -Pflanzen unterscheidet er Rinde, Holz und Mark. Diese Teile seien aus -Fasern, Adern, Fleisch und Saft gebildet. Das Fleisch entspricht dem, -was wir heute als Parenchym oder Grundgewebe bezeichnen. Die Fasern -sind dagegen die Gefäßbündel. *Theophrast* bemerkt sogar, daß sie -mitunter regelmäßig angeordnet, bei anderen Pflanzen, wie den Gräsern -und Palmen, dagegen unregelmäßig im Fleisch (Grundgewebe) zerstreut -seien. - -Auch über die Entwicklung der Pflanzen finden sich bei *Theophrast* -einige Beobachtungen. Er weist darauf hin, daß der Keim sowohl -Wurzel als Stamm enthält[360], und daß die Wurzel zuerst aus dem -Samen hervorbricht. Darauf entwickle sich der Stamm, dessen erste -Blätter durch einfachere Gestalt von den späteren abwichen. Treffend -wird ferner bemerkt, daß das Winklige und die Gliederung mit dem -Fortschreiten der Entwicklung zunehmen[361]. Daß uns die Botanik -bei *Theophrast* sofort als eine ziemlich entwickelte Wissenschaft -entgegentritt, darf uns nicht in Erstaunen setzen, denn ohne Zweifel -konnte *Theophrast* auf Vorgänger fußen, die er zum Teil auch -erwähnt[362]. Neben *Theophrast* wären zwar noch einige Mitglieder -der peripatetischen Schule zu nennen, die sich mit Botanik beschäftigt -haben. Da sich aber nicht viel mehr als ihre Namen und die Titel ihrer -Schriften erhielten, wollen wir uns mit dem weiteren Schicksal der -botanischen Wissenschaft erst wieder befassen, wenn sie uns bei den -Römern von neuem begegnen wird. - -Wie für die Tiere so sahen die Griechen auch für die Pflanzen, als -eine besondere Art der Vermehrung, die Urzeugung an. Man nahm sie -nicht nur für kleinere Pflanzen, sondern mitunter selbst für Bäume -in Anspruch. *Theophrast* war dieser Ansicht gegenüber indes schon -skeptisch. Er suchte angebliche Fälle von Urzeugung auf die Verbreitung -der Samen durch Regengüsse, Vögel, Überschwemmungen oder durch den -Wind zurückzuführen. Auch darauf weist er hin, daß manche Samen ihrer -geringen Größe wegen leicht übersehen werden. Die Fortpflanzung durch -Samen erklärt er für die gewöhnliche. Der Pflanzensamen sei dem -tierischen Ei zu vergleichen. Beide enthielten die erste Nahrung des -Keimes in sich. Daß aber Urzeugung insbesondere bei kleineren Pflanzen -vorkomme, stellt er nicht in Abrede. Er nimmt vielmehr an, daß Pflanzen -sowohl wie Tiere bei der Zersetzung von Stoffen unter dem Einfluß von -Feuchtigkeit und Wärme entstehen können. - - -Theophrast als der Begründer der Mineralogie. - -Auch die dritte der beschreibenden Naturwissenschaften, die -Mineralogie, fand ihre erste Bearbeitung in demselben Zeitalter, -in welchem die Zoologie und die Botanik ins Leben gerufen wurden. -Dies geschah gleichfalls durch *Theophrast*, und zwar in seinem -Werke »Über die Steine«[363]. Jedoch handelt es sich hier in noch -höherem Grade wie in der Botanik um eine Zusammenstellung von -chemischen und mineralogischen Einzelkenntnissen, in deren Besitz -man durch die Ausübung hüttenmännischer Prozesse gelangt war. Mit -dem Eisen war man schon in der mykenischen Zeit bekannt. Obgleich -Griechenland reich an Eisenerz war, benutzte man das Metall anfangs -nur zu Schmuckgegenständen (z. B. zu Ringen). Nachdem man es härten -gelernt hatte, diente es auch zur Herstellung von Waffen. Bei *Homer* -ist meist von Bronze die Rede, doch wird das Eisen auch öfters -erwähnt[364]. Auch das Silbererz des Laurions wurde seit recht frühen -Zeiten abgebaut. Die dortigen Bergwerke besaßen ausgedehnte Schächte -und Stollen mit Holzzimmerung. Ihre reichen Erträgnisse ermöglichten -es Athen, zur Abwehr der Perser, Rüstungen von einem Umfange zu -betreiben, wie sie sich ein solch kleiner Staat sonst schwerlich -hätte auferlegen können. Es handelte sich am Laurion um silberhaltige -Bleierze, aus denen man zunächst, wie es noch heute geschieht, durch -Rösten und darauffolgendes Niederschmelzen das rohe Blei gewann. Ein -der Treibarbeit entsprechendes Verfahren lieferte dann, infolge der -Oxydation des Bleies zu Glätte, das Silber[365]. - -*Theophrast* hebt bei der Besprechung der Mineralien hervor, daß sie -sich besonders in der Farbe und im Gewichte unterscheiden. Zu den -Mineralien rechnet er auch die Korallen, die im Meere entständen. -Ferner erwähnt er ein Mineral, das wie der Bernstein Holz, indessen -auch Erz und Eisen anziehe. *Theophrast* nennt es Lynkurion. Es -ist nicht aufgeklärt, welchen Stoff er damit gemeint hat. Manchen -Mineralien wurden auch heilkräftige Wirkungen zugeschrieben. So wurde -der Rauch von Gagat, einer sehr bituminösen Braunkohle, eingeatmet, um -epileptische Anfälle zu bekämpfen. Malachitpulver diente als Mittel -gegen gewisse Erkrankungen der Augen usw.[366]. - -Als dasjenige Volk, das als erstes in den Mittelmeerländern Bergbau -betrieben haben soll, werden seit alters die Phönizier bezeichnet. -Sie waren es, die in dem an Erzen reichsten Lande des alten Europas, -in Spanien, den Metallreichtum durch Betriebe größeren Umfangs -aufschlossen. In der griechischen Literatur ist von Bergwerken zuerst -bei *Herodot* die Rede. Bei *Homer* findet sich jedenfalls noch keine -Andeutung[367]. - -Genauere Kenntnis über den Bergbau im Altertum hat man erhalten, -seitdem man den Betrieb verlassener alter Bergwerke in Spanien und -am Laurion wieder aufnahm. Es geschah dies um die Mitte des 19. -Jahrhunderts. Am Laurion hat man zahlreiche Tagebaue und Stollen, sowie -an 2000 Schächte wieder aufgedeckt. Man fand auch die Geräte, welche -die Alten beim Bergbau benutzten, z. B. Grubenlampen, eiserne Hämmer, -Meißel, Brechstangen usw. Die Schächte gehen bis über hundert Meter in -die Tiefe. Ein weiteres Eindringen wird die Ansammlung von Grubenwasser -verhindert haben. Auch in Ton geformte Nachbildungen, die sich auf den -Betrieb beziehen, hat man ausgegraben. Diese archäologischen Funde -ergänzen die erhaltene Literatur in solchem Maße, daß wir uns von dem -bis in das 7. vorchristliche Jahrhundert zurückreichenden Bergbau und -Hüttenbetrieb der Athener ein zutreffendes und deutliches Bild machen -können[368]. - - -Einfluß und Dauer des aristotelischen Lehrgebäudes. - -Wir haben uns in diesem Abschnitt insbesondere ein Bild von den -Leistungen des *Aristoteles* und desjenigen, der vor allem auf -dem Gebiete der Naturwissenschaften in seine Fußtapfen trat, des -*Theophrast*, gemacht. Bevor wir uns dem alexandrinischen Zeitalter -zuwenden, sei noch ein Wort über die Bedeutung des *Aristoteles* -gesagt. Sein Einfluß hat sich auf 2000 Jahre erstreckt, und jedes -Zeitalter hat, wenn auch in sehr verschiedener Weise, zu ihm, wie -zu der griechischen Philosophie und Naturwissenschaft überhaupt, -Stellung nehmen müssen. Die Schätzung, welche sie gefunden haben, -ist eine recht wechselnde gewesen, je nach dem Standpunkt, den die -Beurteiler einnahmen. Während des größten Teiles des Mittelalters -galt *Aristoteles* als unanfechtbare Autorität. Noch *Dante* erkennt -ihn voll an und nennt ihn »il maestro di color che sanno«[369]. Der -Ansturm, der sich zu Beginn der neueren Zeit gegen *Aristoteles* erhob, -betraf weniger ihn selbst als seine mittelalterlichen Anhänger und -Ausleger, die manchen eigenen Irrtum durch seine Autorität zu decken -suchten. - -Ein scharfer Gegensatz zu *Aristoteles* entstand erst mit dem -immer konsequenter werdenden Bemühen, die Natur aus mechanischen -Prinzipien zu erklären, unter Beseitigung des Zweckbegriffs, der -in der aristotelischen Philosophie dasjenige ist, um das sich alles -dreht. Aufs Schärfste verurteilt wurde demgemäß *Aristoteles* im -Jahrhundert der Aufklärung, der Zeit der französischen Materialisten -und des l'homme machine. Es gehörte damals zum guten Ton, von den -nutzlosen Hirngespinsten des *Aristoteles* zu reden, ohne seine -Schriften gelesen zu haben. Eine Ausnahme bildete damals *Cuvier*, -der ihm für seine Leistungen auf zoologischem Gebiete geradezu -Bewunderung zollte. Mit der Überwindung des reinen Materialismus durch -das erneute Emporblühen der Philosophie stellte sich ein Rückschlag -ein. Es war vor allem *Hegel*[370], der den großen Stagiriten wieder -anerkannte: »*Aristoteles* ist,« sagt *Hegel*, »in die ganze Masse des -realen Universums eingedrungen und hat ihre Zerstreuung dem Begriffe -untergeordnet.« Ziehen wir von diesem Ausspruch *Hegels* soviel ab, -daß wir für die Tat das Wollen setzen, so ist die Bedeutung des -*Aristoteles* richtig erfaßt. In ihm begegnet uns ein Mensch, der sich -die Erklärung des Weltganzen und der Natur im einzelnen zum Ziele -machte und diese Aufgabe in umfassender Weise zu lösen suchte. Ihn -dabei an dem Maßstabe des modernen Naturforschers zu messen, wie es in -England[371] geschehen, ist nicht gerecht. - -Durch *Aristoteles* wurde zum ersten Male ein Lehrgebäude errichtet, -das die Ergebnisse der Beobachtung und der Erfahrung, zwar unter allzu -starker Hervorhebung bloßer Denkbegriffe, indes unter Vermeidung -religiöser, mystischer und nationaler Vorurteile, umfaßt. In diesem -allgemein wissenschaftlichen Grundzug liegt die Bedeutung und die -treibende Kraft seiner Lehre. Das war es, was *Aristoteles* die Wirkung -für alle Zeiten und auf alle Völker sicherte. - -Ganz abgesehen von dieser allgemeinen Bedeutung des *Aristoteles* -wird man zugeben müssen, daß in seinen Werken eine Menge von -Einzelkenntnissen zusammengestellt und gesichtet sind. Mit Recht -nennen daher die Herausgeber[372] der Tierkunde des *Aristoteles* -dieses bedeutendste naturwissenschaftliche Werk des Altertums eine -»Biologie der gesamten Tierwelt, gegründet auf eine große Menge von -Einzelkenntnissen, belebt durch den großartigen Gedanken, alles -tierische Leben als einen Teil des Weltalls in allen seinen unendlichen -Abwandlungen zu einem einheitlichen Gemälde zusammenzufassen, und -erfüllt von der Weltanschauung, für die Gesetze des natürlichen -Geschehens einen vernünftigen Endzweck vorauszusetzen.« - -Auch für die Entstehung der Geschichte der Wissenschaften als einer -besonderen Disziplin ist *Aristoteles* grundlegend gewesen. Er war es, -der z. B. *Eudemos* zur Abfassung seiner Geschichte der Mathematik -anregte (s. S. 81) und andere seiner Schüler veranlaßte, dasselbe für -die Heilkunde und die Physik zu unternehmen. - - - - -4. Das alexandrinische Zeitalter. - - -Wir haben uns in den ersten Abschnitten diejenige Periode in ihren -Grundzügen vergegenwärtigt, in der die Keime der Naturwissenschaften -entstanden, eine Periode, die in der zusammenfassenden, -systematisierenden Tätigkeit des *Aristoteles* ihren Höhepunkt -erreichte. Frühzeitig traten uns geistige Regungen in den ionischen -Kolonien entgegen, wo die Berührung des Griechentums mit der -älteren, orientalischen Kultur besonders innig war. Zu Hauptsitzen -der Wissenschaft wurden darauf Athen und die blühenden Städte -Unteritaliens, dort durch *Aristoteles* und seine Schule, hier durch -die Pythagoreer. - -Wie *Alexander* durch gewaltige Machtentfaltung die Welt, so hatte -*Aristoteles* das gesamte Wissen seiner Zeit zu umspannen gesucht. Zu -einer dauernden Beherrschung der übrigen Völker waren die Griechen -indessen nicht imstande. Mit dem Tode des großen Eroberers zerfiel -auch sein Reich. Anders gestalteten sich die Dinge auf dem Gebiete -der Wissenschaft. Hier kann wohl von einer das Altertum überdauernden -Herrschaft der Griechen die Rede sein. Sie wurden die Lehrer der alten -Völker, während Rom die Rolle der Weltbeherrscherin zufiel. - -Bei den Griechen hatte die persönliche Eigenart eine bisher unerreichte -Bedeutung erlangt, doch war die Schaffenskraft dieses Volkes nicht -mehr die frühere, nachdem es seine politische Selbständigkeit verloren -hatte. Zwar machte sich diese Schwächung mehr auf dem Gebiete der -Kunst, vor allem auf dem der Dichtkunst, und weniger auf dem Gebiete -der Wissenschaften bemerkbar. Doch zeigte sich hier eine andere, -eigenartige Erscheinung. Während des nationalen und wirtschaftlichen -Niederganges, der im Mutterlande selbst, schon im dritten Jahrhundert, -eintrat, wurde nämlich das gelehrte Griechentum kosmopolitisch. Der -Hauptsitz griechischer Weisheit wurde gleichzeitig von Athen nach -Alexandrien verlegt, das durch seine günstige Lage, seinen Reichtum, -sowie durch das Interesse, das die ägyptischen Herrscher bekundeten, -besonders geeignet war, die weitere Pflege der Wissenschaften zu -übernehmen. - -Sehr eng gestalteten sich seit der Hellenisierung Vorderasiens auch die -schon seit Jahrhunderten vorhandenen Beziehungen der griechischen zur -babylonischen Wissenschaft. Die Griechen rechneten sich den Besuch der -Tempelschulen Babylons geradezu als Ehre an. Besonders rege war dieser -Verkehr unter der Herrschaft der Seleukiden und der Ptolemäer. - -Die Herrschaft über Ägypten war nach dem Tode *Alexanders* (323 v. -Chr.) in die Hände des *Ptolemäos Lagi* übergegangen. Dieser Fürst, -dessen Geschlecht den ägyptischen Thron inne hatte, bis im Jahre 30 v. -Chr. das Land römische Provinz wurde, zog viele griechische Gelehrte, -insbesondere aus Athen, an seinen Hof. Er wurde dadurch der Begründer -der alexandrinischen Akademie, die berufen war, die Wissenschaft durch -eine Reihe von Jahrhunderten zu fördern und sie für die nachfolgenden -Zeiten zu erhalten. Die äußeren Einrichtungen für jene gelehrte -Körperschaft fanden ihre Vollendung durch *Ptolemäos Philadelphos*. -Letzterer errichtete ein prächtiges Gebäude, das den Gelehrten -Wohnungen und Räume zur Ausübung ihrer Tätigkeit bot. Auch gründete -er die berühmte alexandrinische Bibliothek. In einem in der Nähe des -Königsschlosses gelegenen Garten wurden Tiere aus den tropischen -Regionen Afrikas, darunter auch riesige Schlangen, unterhalten. - -Der dritte *Ptolemäos*, welcher den Beinamen *Euergetes* führte -(247-222 v. Chr.), hat der Bibliothek den Bücherschatz hinzugefügt, -den einst *Aristoteles* und *Theophrast* besaßen[373]. In späteren -Zeiten umfaßte die große Bibliothek des alexandrinischen Museums -etwa 400000 Rollen. Dazu kam noch eine zweite Büchersammlung im -Serapeion. Bei der Belagerung Alexandriens durch *Cäsar* (47 v. -Chr.) wurden die dort befindlichen Bücherschätze, die *Cäsar* nach -Rom zu schaffen beabsichtigte, teilweise zerstört. Später wurden sie -durch Einverleibung der pergamenischen Bibliothek um 200000 Rollen -bereichert[374]. - -Fast sämtliche Gelehrte der alten Zeit, von denen noch die Rede sein -wird, gehörten entweder der alexandrinischen Akademie an, oder -standen mit ihr in mehr oder weniger enger Fühlung. Im allgemeinen -ist das Wirken dieser Männer indes nicht mehr grundlegend, sondern -auf die Erhaltung und die Fortentwicklung aller während des Altertums -gewonnenen Ansätze gerichtet gewesen. Ihre Arbeiten betrafen -dementsprechend nicht nur die Mathematik und die Naturwissenschaften, -sondern das ganze Gebiet des damaligen Wissens, von der Philosophie -und anderen Gebieten des reinen Denkens bis zu der Beschäftigung mit -den konkretesten Dingen, gehörte zu ihrem Bereich. Häufig beschränkten -sie sich auf bloßes Kommentieren der vorhandenen Schriften, wie es -bezüglich der Zoologie und der Botanik der Fall war. Wo aber das -deduktive Verfahren Anwendung finden konnte, wie auf dem Gebiete der -reinen Mathematik, fand eine Fortentwicklung der übermittelten Keime -statt. Auch einige Teilgebiete der Physik erfuhren eine namhafte -Förderung. Vor allem gilt dies von der Physik der Gase. In der späteren -alexandrinischen Zeit begegnen uns endlich die Anfänge der Alchemie und -somit die Wurzeln der chemischen Wissenschaft. - -Als Mathematiker sind unter den Mitgliedern der alexandrinischen -Akademie besonders *Euklid*, *Apollonios* und *Diophant* zu nennen. Als -Astronomen wirkten *Hipparch* und *Ptolemäos*, während die Physik durch -*Ktesibios* und *Heron* gefördert wurde. - - -Die Begründung eines Systems der Mathematik. - -Zu den frühesten Mitgliedern der alexandrinischen Schule gehört -*Euklid* (*Eukleides*), dessen Name eng mit der Geschichte der -Mathematik verbunden ist, einer Wissenschaft, die nicht etwa erst in -der neueren Zeit, sondern auch schon im Altertum in hohem Grade das -Emporblühen der Naturwissenschaften bedingt hat. Die Lebensumstände -*Euklids* sind wenig bekannt. Bezüglich seines Geburtsortes, sowie -seines Studienganges schwanken die Angaben[375]. Sicher ist, daß -*Euklid* zu Beginn der Ptolemäerzeit, also um 300 v. Chr., in -Alexandrien gelebt hat. Dem *Ptolemäos Lagi* gegenüber, der das -mathematische Studium erleichtert zu sehen wünschte, soll er den -bekannten Ausspruch: »Es gibt keinen Königsweg zur Mathematik!« getan -haben. - -Unter den auf uns gekommenen Werken *Euklids* nehmen die »Elemente« den -ersten Platz ein. Sie wurden wegen ihrer Vollständigkeit und ihrer -strengen Beweisführung in solchem Grade als mustergültig anerkannt, -daß sie bis in die neueste Zeit hinein sehr oft dem Anfangsunterricht -zugrunde gelegt wurden. In seine »Elemente« hat *Euklid* im -wesentlichen das damals bekannte mathematische Wissen aufgenommen und -es, wo dies noch nicht geschehen war, auf strenge Beweise gestützt. Das -Werk umfaßt die Geometrie der Ebene und des Raumes und geht auch auf -die Lehre von den Zahlen, als der Grundlage allen Messens, ein. - -Eine genauere Inhaltsangabe der 13 Bücher, in welche die »Elemente« -*Euklids* zerfallen, findet sich bei *Cantor* (Gesch. d. Mathematik -Bd. I. S. 221-252)[376]. Das 1. Buch handelt von den Linien, Dreiecken -und Parallelogrammen. Den Abschluß bildet der pythagoreische Lehrsatz. -Das 2. Buch gipfelt in der Aufgabe, für jede gegebene, geradlinige -Figur ein gleich großes Quadrat zu zeichnen. Im folgenden Buch wird -dann die Lehre vom Kreise behandelt. Das vierte handelt von den ein- -und umgeschriebenen Vielecken. Die Konstruktion des Fünfecks macht -die Anwendung des goldenen Schnitts erforderlich. Das 6. Buch ist -dadurch besonders fesselnd, daß uns darin die erste Lösung einer -Maximum-Aufgabe begegnet. Es wird nämlich gezeigt, daß x(a - x) seinen -größten Wert erhält, wenn x = a/2 wird. - -Im 7., 8. und 9. Buche findet sich die Lehre von den Zahlen. Begonnen -wird mit teilerfremden Zahlen und solchen, die ein gemeinsames Maß -besitzen. Die Auffindung geschieht wie heute durch fortgesetzte Teilung -des letztmaligen Divisors durch den erhaltenen Rest. Ferner werden die -Proportionen und die Primzahlen untersucht und z. B. bewiesen, daß es -unendlich viele Primzahlen gibt. Dann lehrt *Euklid* die Summierung der -geometrischen Reihe und befaßt sich mit Untersuchungen über irrationale -Zahlen. Das 12. Buch handelt von der Pyramide, dem Kegel, dem Zylinder -und der Kugel. *Euklid* läßt den Zylinder durch Drehung eines Rechtecks -um eine feststehende Seite und den Kegel, sowie die Kugel durch eine -entsprechende Drehung eines Dreiecks bzw. eines Halbkreises entstehen. -Er erwähnt zwar, daß sich die Inhalte von Kugeln wie die Kuben ihrer -Durchmesser verhalten, den Inhalt der Kugel vermochte jedoch erst -*Archimedes* zu bestimmen. Auch findet sich bei *Euklid* schon die -Bemerkung, daß man durch den schrägen Schnitt eines Zylinders oder -eines Kegels eine wie ein Schild aussehende Kurve (die Ellipse) -erhalte[377]. - -Das 13. Buch endlich handelt von den Polyedern, die sich aus -regelmäßigen Vielecken bilden lassen. Es schließt mit der Bemerkung, -daß es nur fünf regelmäßige Polyeder geben könne, nämlich das -Tetraeder, das Oktaeder und das Ikosaeder, die von Dreiecken begrenzt -sind, den Würfel und das von Fünfecken eingeschlossene Dodekaeder[378]. - -Die Klarheit und die strenge Form der Beweisführung, die *Euklid* -geschaffen, sind den späteren griechischen Mathematikern eigen -geblieben. Doch fehlt ihnen meist noch der Sinn für eine allgemeinere -Fassung der Probleme. Soviel Fälle bezüglich der Lage von Linien -in einer Aufgabe möglich sind, soviel Probleme waren auch für die -griechische Mathematik vorhanden[379]. Daher sehen wir oft ihre -hervorragendsten Schöpfer sämtliche, mitunter sehr zahlreichen Fälle -eines Problems erledigen, ohne durch eine Erweiterung der Begriffe zu -allgemeineren Sätzen zu gelangen. Daß der neueren Mathematik in dieser -Hinsicht gelang, was der griechischen versagt blieb, liegt daran, daß -erst in der viel später entstehenden Verknüpfung der Geometrie mit der -Algebra ein Mittel zur allgemeineren Lösung mathematischer Aufgaben -gewonnen wurde. - -Die Bedeutung der *Euklid*ischen »Elemente« wird durch folgende Worte -treffend gekennzeichnet: »Was der Alexandriner *Euklid* um 300 vor -Beginn unserer Zeitrechnung schrieb, ist auch heute in Form und Inhalt -der eiserne Bestand der Schulmathematik. Nur wenig Zusätze sind dem -Euklidischen System eingegliedert worden. Stolzer als ein Denkmal -von Stein, schärfer und reiner in der Linienführung als irgend ein -Kunstwerk, hat es sich der Jetztzeit erhalten. Was der junge Grieche -durchdenken, lernen und üben mußte, das arbeitet mit gleicher Andacht -heute der strebsame Schüler durch[380].« - -*Euklid* hatte das mathematische Wissen seiner Zeit in ein System -gebracht[381]. Er hatte zwar viel Eigenes hinzugefügt. Der weitere -Ausbau und die Erschließung neuer Gebiete erfolgte jedoch durch -*Archimedes*. In ihm begegnet uns der genialste Mathematiker des -Altertums. Zwischen *Aristoteles*, dem Hauptrepräsentanten des -vorigen Zeitabschnitts, und *Archimedes* liegt ein Zeitraum von -etwa hundert Jahren. Dieser Zeitraum ist geschichtlich dadurch von -Bedeutung, daß seit dem Eroberungszuge *Alexanders* der Orient mit -den Völkern des Mittelmeeres in die engste Fühlung kam, während -gleichzeitig ein neues Reich, dasjenige der Römer, zunächst das -westliche Mittelmeerbecken, später aber die gesamte alte Kulturwelt -zu umfassen strebte. Eine ähnliche Expansivkraft entfaltete auf dem -Gebiete der Kunst und der Wissenschaft das Griechentum, das überall, -im fernen Orient, in Ägypten, in Italien, ja selbst an den Küsten -des westlichen Mittelmeeres seine Stützpunkte fand. Griechentum und -Römerherrschaft sollten dann im Verlaufe der nächsten Jahrhunderte -die Bindemittel abgeben, welche die so verschiedenartigen Völker -Südeuropas, Vorderasiens und Nordafrikas bis zu einem gewissen Grade -zu einer staatlichen, geistigen und Handelsgemeinschaft verband, einer -Gemeinschaft, welche den Boden für die so überraschend schnelle, alles -bezwingende Ausbreitung des Christentums bereiten half. - - -Das Leben und die Bedeutung des Archimedes. - -Bevor wir uns mit dem weiteren Ausbau der reinen und der angewandten -Mathematik durch *Archimedes* beschäftigen, wollen wir uns in aller -Kürze die bisherige Entwicklung der Mathematik vergegenwärtigen und -dann einen Blick auf die Lebensverhältnisse des großen Mathematikers -werfen. - -Überwog im 4. Jahrhundert v. Chr. noch der philosophierende, auf die -Entwicklung von umfassenden Lehrsystemen gerichtete Grundzug des -griechischen Geistes, so tritt uns in dem auf *Alexander den Großen* -folgenden Zeitabschnitt mehr die Richtung auf das Empirische und -Nützliche, in Verbindung mit einer raschen Entwicklung der Mathematik -und einer Beschränkung der Spekulation auf ein bescheideneres Maß, -entgegen. Neben den Forderungen des praktischen Lebens (Handel, -Vermessungen usw.) waren es drei Probleme der reinen Wissenschaft, -welche die Mathematik bei den Griechen schon vor *Archimedes*[382] -auf eine ungewöhnliche Höhe gebracht hatten. Es waren dies die -Quadratur des Kreises, die Würfelverdoppelung und die Dreiteilung des -Winkels. So hatten die vergeblichen Versuche, den Kreis zu quadrieren, -*Hippokrates* zur Auffindung des Satzes geführt, der noch jetzt -unter dem Namen der Lunulae (kleine Monde) Hippokratis bekannt ist. -*Hippokrates*[383] hatte mit Hilfe des erweiterten pythagoreischen -Lehrsatzes bewiesen, daß sich zwei von krummen Linien begrenzte Flächen -auf ein aus geraden Linien gebildetes Flächenstück zurückführen -lassen[384]. Die Würfelverdoppelung oder das Delische Problem forderte, -die Seite (a) eines Würfels zu finden, der doppelt so groß ist wie ein -gegebener Würfel. Anders ausgedrückt, wenn x^3 = 2a^2 gegeben ist, soll -x durch Konstruktion gefunden werden. Das Bemühen, dies Problem zu -lösen, wurde durch die Auffindung einer Anzahl neuer Kurven (Cissoide, -Konchoide, Kegelschnitte) belohnt. Auch das Problem der Dreiteilung -des Winkels führte zur Auffindung neuer, bestimmte Eigenschaften -aufweisender und auf Grund derselben konstruierbarer, krummer Linien. -Eine Zusammenfassung der mathematischen Kenntnisse der Griechen -erfolgte durch *Euklid*, von dem zu Beginn des vorigen Abschnitts die -Rede gewesen ist. - -[Illustration: Abb. 17. Vorrichtung zum Heben großer Lasten.] - -Über *Archimedes* ist wenig Zuverlässiges bekannt. Er wurde um 287 v. -Chr. in Syrakus geboren, gehört also in die für Sizilien so bewegte -Zeit der großen Entscheidungskämpfe, welche Rom und Karthago um die -Weltherrschaft führten. Die Geschichtsschreiber dieser Periode, -*Livius*, *Polybios* und *Plutarch*, sind es auch, denen wir die -meisten Nachrichten über *Archimedes* verdanken. Was diese und andere -über ihn erzählen, setzt sich indessen zum großen Teil aus Anekdoten -zusammen, mit denen das Altertum das Leben seiner berühmten Männer, -insbesondere seiner hervorragenden Denker, auszuschmücken liebte. -*Archimedes* war nach *Plutarch*[385] ein Verwandter *Hierons* II., des -Tyrannen von Syrakus. Sein Vater war Astronom und machte ihn sehr früh -mit astronomischen Beobachtungen vertraut. *Archimedes* lebte, ohne -ein öffentliches Amt zu bekleiden, ganz der Wissenschaft. Eine Zeitlang -hielt er sich in Ägypten auf. Dort war nach dem Tode *Alexanders des -Großen* in der alexandrinischen Akademie, zu der man *Archimedes* -rechnen kann, eine Stätte hellenischer Weisheit emporgeblüht, die -berufen war, in den nachfolgenden Jahrhunderten die Fackel der -Wissenschaft hochzuhalten. Die alexandrinische Schule soll deshalb -auch noch in einem späteren Abschnitt Gegenstand der Betrachtung sein. -In Alexandrien zählte *Archimedes* zu den Schülern des Mathematikers -*Konon*. Diesem soll *Archimedes* auch nach seiner Rückkehr nach -Syrakus, wo er den größten Teil seines Lebens zubrachte, Schriften -zur Durchsicht geschickt haben, auch stand er mit ihm in regelmäßigem -brieflichen Verkehr. Seine Beziehungen zu den syrakusanischen -Machthabern veranlaßten ihn, sein außerordentliches Geschick in -mechanischen Dingen auf die Vervollkommnung der Schleuderwerkzeuge und -anderer Kriegsgeräte zu verwenden. Die Alten schrieben *Archimedes* die -Erfindung zahlreicher Maschinen zu. Unter diesen werden der Flaschenzug -und die Archimedische Schraube genannt. Letztere findet noch heute in -Ägypten zum Bewässern der dem Nil benachbarten Ländereien Verwendung. -Bei manchen Angaben, insbesondere denjenigen, die sich auf die von -*Archimedes* geleitete Verteidigung seiner Vaterstadt beziehen, ist es -nicht leicht, Wahrheit und Irrtum voneinander zu scheiden. *Archimedes* -dürfte z. B. wohl selbst die Wirkung der Brennspiegel besser gekannt -haben als die späteren Schriftsteller, die ihm das Unmögliche -zuschrieben, er habe die Schiffe der Belagerer mit Brennspiegeln in -Brand gesetzt. Es wird ferner erzählt, *Hieron* habe ihn aufgefordert, -vermittelst einer geringen Kraft eine große Last zu bewegen. Dies -habe *Archimedes* zur Erfindung des Flaschenzuges geführt, mit dem -er dann vor den Augen des erstaunten Königs eine schwer beladene -Triëre ohne Anstrengung an das Land zog. Vielleicht hat *Archimedes* -auch zu diesem Zwecke die Schraube ohne Ende in Verbindung mit einer -Zahnradübersetzung benutzt[386], einen Apparat, den uns die vorstehende -Abbildung vorführt. - -Große Bewunderung erregte ferner eine Art Planetarium, das *Archimedes* -konstruierte. Im Mittelpunkt befand sich die Erde. Mond, Sonne und -Planeten wurden durch einen, wahrscheinlich hydraulisch betriebenen, -Mechanismus um den Zentralkörper herumgeführt. *Cicero* erwähnt dieses -Kunstwerk, das als Vorbild für die im Mittelalter (z. B. an der Uhr des -Straßburger Münsters) entstandenen Planetarien diente[387]. - -Ausführlicher lauten die Berichte über die letzten Lebensjahre des -*Archimedes*, da sie in die Zeit der Belagerung von Syrakus fallen. -Hierbei hat *Archimedes*, den Nachrichten der Geschichtsschreiber[388] -zufolge, eine wichtige Rolle gespielt und schließlich ein trauriges -Ende gefunden. Auch bezüglich der über diese Begebenheit auf uns -gelangten Nachrichten sind Wahrheit und Dichtung vermengt. Der -zweite punische Krieg, der über das Schicksal Siziliens entscheiden -sollte, hatte im Jahre 218 v. Chr. mit einem Siegeslauf Hannibals -begonnen, wie ihn die Welt seit den Tagen Alexanders nicht gesehen. -Bald jedoch wandte sich das Glück, und während Hannibal sich nur -durch geschickte Züge in Italien zu halten wußte, brachten die Römer -eine Stadt Siziliens nach der andern zu Fall, bis sich endlich die -ganze Insel in ihren Händen befand. Am meisten Schwierigkeiten -bereitete dem römischen Feldherrn *Marcellus* die Stadt Syrakus. -Daß sie viele Monate der Belagerung zu trotzen vermochte, wird vor -allem den Verteidigungsmaßregeln des *Archimedes* zugeschrieben. -Wurfmaschinen von ganz hervorragender Wirkung und Treffsicherheit, die -nach *Plutarch* Steinblöcke von Zentnerschwere auf große Entfernung -schleuderten, schreckten die Stürmenden zurück. Dem Angriff der Flotte -suchte man mit Feuerbränden zu begegnen. Spätere Berichterstatter -haben daraus die erwähnte, völlig unglaubwürdige Erzählung gemacht, -*Archimedes* habe die Schiffe der Belagerer mit Hilfe von Hohlspiegeln -in Brand gesetzt. - -Als endlich die Römer Syrakus einnahmen und die Soldaten, voll Wut -über die erlittenen Mühsale und Verluste, ein furchtbares Gemetzel -anstellten, zählte *Archimedes* zu den Opfern. Über sein Ende, das -*Marcellus* sehr betrübt haben soll, lauten die Berichte verschieden. -Am bekanntesten ist die Erzählung, *Archimedes* sei, in Nachdenken über -ein mathematisches Problem versunken, von einem römischen Soldaten -niedergestoßen worden. Seine letzten Worte sollen »Noli turbare -circulos meos« gelautet haben. Das Grab des Gelehrten wurde mit einem -Stein geschmückt, in den die von dem Zylinder eingeschlossene Kugel -eingemeißelt war. So soll *Archimedes* es selbst gewünscht haben, ein -Zeichen, welchen Wert er auf seine Entdeckung legte, daß der Inhalt der -Kugel zum Inhalt des umschließenden Zylinders sich wie 2 : 3 verhält. -Dieses Grabmal, das *Marcellus* errichten ließ, wurde später von -*Cicero* in einem sehr vernachlässigten Zustande wieder aufgefunden und -der Vergessenheit entrissen[389]. - -Seine Bewunderung für den größten Mathematiker des Altertums hat -*Cicero* in die Worte gekleidet, *Archimedes* habe mehr Genie -besessen, als mit der menschlichen Natur verträglich zu sein -scheine[390]. An Vielseitigkeit und Genialität kann ihm unter den -Neueren vielleicht nur *Gauß* an die Seite gestellt werden[391]. - -Die Probleme, welche etwa 100 Jahre nach *Aristoteles* den *Archimedes* -beschäftigten, betrafen insbesondere das Gebiet der Statik. Sie -wurden nach echt naturwissenschaftlichem Verfahren, d. h. gestützt -auf Versuche und mathematische Ableitung und deshalb mit dem besten -Erfolge, behandelt. Seine Werke sind daher als das hervorragendste -Erzeugnis des griechischen Geistes auf exaktem Gebiete zu bezeichnen. -Es scheint kein Zufall zu sein, daß diese Werke nicht in dem vorwiegend -der Kunst und der Philosophie zugewandten Mutterlande, sondern in -Großgriechenland entstanden sind, wo der Handel blühte und eine -gewisse, die forschende Tätigkeit begünstigende Nüchternheit des -Verstandes vorherrschte. - - -Die griechische Mathematik erreicht in Archimedes und in Apollonios -ihren Höhepunkt. - -Die wissenschaftliche Bedeutung des *Archimedes*[392] ist in gleicher -Weise auf den Gebieten der reinen Mathematik und der Mechanik zu -suchen. Außer dem soeben erwähnten, wichtigen Satze über den Inhalt der -Kugel und des sie umschließenden Zylinders, deren Oberflächenverhältnis -er gleichfalls auffand, lieferte *Archimedes* eine Arbeit über die -Kreismessung, die eine Berechnung der Zahl π enthält. Diese Arbeit -ist, sowohl nach ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Geometrie, -als auch für die Geschichte der Rechenkunst, von Wichtigkeit. Sein -Verfahren ist das in der elementaren Geometrie noch jetzt gelehrte. -Ausgehend von dem Satze, daß der Umfang des Kreises kleiner als der -Umfang des umschriebenen und größer als derjenige des eingeschriebenen -regelmäßigen Vielecks ist, berechnet *Archimedes* als Grenzwerte für -π die Zahlen 3,141 und 3,142. Es sind dies die Werte, die sich für den -Umfang des ein- und umgeschriebenen regelmäßigen 96-Ecks ergeben. Das -erwähnte Verfahren wird als Exhaustionsverfahren bezeichnet, könnte -aber auch die Integrationsmethode der alten Mathematik genannt werden. -Aus dem Bestreben, bei derartigen Aufgaben die Grenzwerte beliebig nahe -zu rücken, ohne dazu umständliche, zeitraubende Berechnungen nötig zu -haben, ist im 17. Jahrhundert die Infinitesimalrechnung erwachsen. - -Auch mit isoperimetrischen Problemen, d. h. Aufgaben, bei denen -es sich um die Bestimmung größter oder kleinster Werte handelt, -beschäftigte sich schon das Altertum. So war schon vor *Aristoteles* -bekannt, daß der Kreis unter allen Flächen gleichen Umfangs den größten -Flächeninhalt und die Kugel unter allen Körpern von gleicher Oberfläche -den größten Rauminhalt besitzt[393]. - -Das Exhaustionsverfahren wurde von den Alten nicht nur auf krummlinige -Figuren, sondern auch auf Flächen und auf Raumgebilde angewandt. -Das Verfahren lief stets darauf hinaus, den Unterschied zwischen -der zu messenden Linie, Fläche oder Raumgröße und den diesen Formen -sich nähernden, leicht zu berechnenden Hilfsgebilden immer kleiner -zu machen. Man erhielt eine noch größere Sicherheit, wenn man zwei -Hilfsgebilde, z. B. das ein- und umgeschriebene Polygon beim Kreise, -wählte und auf diese Weise zwei Grenzwerte für die zu messende -Größe ermittelte. Was den Inhalt des Kreises anbetrifft, so bewies -*Archimedes*, daß er gleich demjenigen eines rechtwinkeligen Dreiecks -ist, dessen eine Kathete gleich dem Halbmesser und dessen andere gleich -dem Umfang des Kreises ist. - -Die Behandlung ebener Figuren wurde von *Archimedes* jedoch über das -Gebiet der elementaren Mathematik hinausgeführt, indem er den Inhalt -der Parabel und der Ellipse berechnen lehrte und die Eigenschaften von -Kurven höherer Ordnung, wie der Spiralen, ermittelte. Mit Hilfe der -soeben besprochenen Exhaustionsmethode wies *Archimedes* z. B. nach, -daß das Parabelsegment 4/3 eines Dreiecks von gleicher Grundlinie und -Höhe beträgt. Für die Ellipse zeigte er, daß sich ihre Fläche zur -Fläche eines mit der großen Achse als Durchmesser geschlagenen Kreises -wie die kleine Achse zur großen Achse verhält usw. Die merkwürdigste -Schrift über die Kurven ist sein Buch von den Schneckenlinien. Die nach -ihm als archimedische Spirale bezeichnete Schneckenlinie definiert -er mit folgenden Worten: »Wenn eine gerade Linie in einer Ebene um -einen ihrer Endpunkte, der unbeweglich bleibt, mit gleichförmiger -Geschwindigkeit sich dreht, und wenn gleichzeitig in der bewegten -Linie ein Punkt vom unbewegten Endpunkte aus sich gleichförmig bewegt, -so beschreibt dieser Punkt eine Schneckenlinie.« Eine derartige, -zuerst bei *Hippias* anzutreffende Verbindung von zwei bestimmt -gekennzeichneten Bewegungen stellte eine nicht geringe Bereicherung der -Wissenschaft dar[394]. - -Auch gelang es *Archimedes*, durch ein ähnliches Verfahren, wie -er es beim Kreise und bei der Parabel anwandte, die Quadratur der -Schneckenlinie zu finden. Sogar das Tangentenproblem vermochte er für -diese Kurve zu lösen, indem er zeigte, wie die Berührungslinie an -irgend einen ihrer Punkte gezogen werden kann. - -Daß *Archimedes* sich schon einer Methode bediente, die in ihrem Wesen -unserem heutigen Integrationsverfahren entsprach, läßt sich noch -deutlicher, als aus den hier besprochenen Werken, aus der vor kurzem -durch *Heiberg* entdeckten Methodenlehre (Ephodion) ersehen[395]. -Es hat den Anschein, als ob *Archimedes* die im Ephodion enthaltene -Infinitesimalmethode gewissermaßen nur zu seinem Privatgebrauch -entwickelt hätte, weil die Anwendung der Unendlichkeitsbegriffe bei -den Mathematikern, welche die Einwände der Philosophen fürchteten, -verpönt war. Als vollgültig wurde für die hier in Betracht kommenden -Probleme nur das Exhaustionsverfahren angesehen. In dieses kleidete -*Archimedes*, offenbar der herrschenden Schule zuliebe, Sätze, -die er zunächst ausgehend von der Mechanik oder mit Hilfe seiner -Infinitesimalmethode gefunden hatte. Als Beispiel dafür verdient -der Satz vom Zylinderhuf genannt zu werden[396]. Für diesen gibt -*Archimedes* einen mechanischen Beweis, einen Beweis nach dem -Exhaustionsverfahren und einen solchen mit Hilfe seiner jetzt bekannt -gewordenen Infinitesimalmethode. Letztere bestand darin, daß er die -Flächen auf Gerade und die Körper auf Flächen zurückführte, wie es -unter den neueren Mathematikern zuerst *Cavalieri* getan. Erläutert -wird die neue Methode unter anderem an dem Satz vom Flächeninhalt -des Parabelsegments und an mehreren Sätzen über Volum- und -Schwerpunktsbestimmungen. - -Ein Buch des *Archimedes* über das Siebeneck im Kreise und ein anderes -über die Berührung von Kreisen sind leider verlorengegangen. Von -hervorragender Wichtigkeit sind die erhalten gebliebenen archimedischen -Schriften über die Kugel und den Zylinder. Es wird darin bewiesen, -daß die Kugeloberfläche dem Vierfachen ihres größten Kreises gleich -ist (O = 4 r^2 π). Ferner wird die Oberfläche der Kalotte oder des -Kugelabschnittes berechnet. Und endlich wird gezeigt, daß ein Zylinder, -der zur Grundfläche einen größten Kreis der Kugel, zur Höhe aber den -Durchmesser der Kugel hat, mit anderen Worten, daß ein der Kugel -umschriebener Zylinder seinem Inhalt nach sich zur Kugel selbst wie 3 : -2 verhält. Die Oberfläche dieses Zylinders fand *Archimedes* gleich dem -Anderthalbfachen der Kugeloberfläche. Die betreffende Figur hat nicht -nur auf seinem Grabstein Platz gefunden. Sie erhielt sich auch auf -Münzen der Stadt Syrakus. - -Seine Untersuchungen über die Kugel führten *Archimedes* endlich noch -auf die Rotationskörper, welche durch die Umdrehung von Kegelschnitten -entstehen, seine Konoide und Sphäroide. Auch in diesen Fällen bediente -er sich der Exhaustionsmethode, indem er die zu kubierenden Körper in -Scheiben von gleicher Dicke zerlegte und die ein- und umgeschriebenen -Zylinder summierte. Die erhaltenen Summen stellen Grenzwerte dar, die -sich dem zu ermittelnden Rauminhalt um so mehr nähern, je geringer der -Abstand der Schnitte ist. - -Über die Kegelschnitte hatte schon *Euklid* geschrieben. Doch hat sich -um die Begründung dieses Gegenstandes keiner unter den alexandrinischen -Mathematikern ein so großes Verdienst erworben wie *Apollonios* von -Pergä. Er war ein Zeitgenosse von *Archimedes* und *Eratosthenes*. -Seine Werke entstanden in der Zeit von 240-200 v. Chr. Erhalten ist -nur das bedeutendste, als κωνικά (Kegelschnitte) bezeichnete Werk. In -diesem zeigte *Apollonios*, daß die als Ellipse, Parabel und Hyperbel -bezeichneten Kurven auf der Oberfläche eines Kegels entstehen, wenn -durch letzteren Ebenen gelegt werden. Auch das schwierige Gebiet -der Asymptoten, die sich den Ästen der Hyperbel nähern, ohne sie zu -schneiden, hat *Apollonios* erschlossen. Seine acht Bücher über die -Kegelschnitte[397] erregten nicht nur bei den Zeitgenossen, sondern -auch bei den späteren Geschlechtern die größte Bewunderung, wenn auch -von einigen Verkleinerern dem *Apollonios* mit Unrecht vorgeworfen -wurde, daß er sich zu sehr auf die von *Euklid* und *Archimedes* -geschaffenen, indes verlorengegangenen Vorarbeiten über diesen -Gegenstand gestützt habe[398]. Besteht doch eine grundlegende Neuerung -des *Apollonios* schon darin, daß er sich nicht wie seine Vorgänger -auf den geraden Kegel beschränkte, sondern nachwies, daß alle Schnitte -auch an dem schiefen Kegel hervorgebracht werden können. Auch war -er der erste, welcher an den Kegelschnitten die Mehrzahl derjenigen -Eigenschaften nachwies, die man heute aus den Gleichungen dieser Kurven -ableitet. Der Inhalt seines Werkes ist der Hauptsache nach folgender. -Zunächst wird der Kegel als die Oberfläche definiert, welche durch -eine Linie entsteht, wenn man sie in einer Kreisperipherie herumführt, -während diese Linie zugleich durch einen festen, außerhalb der Ebene -des Kreises liegenden Punkt geht. Jeder Schnitt, welcher durch den -festen Punkt geht, erzeugt ein Dreieck. Liegt in der Schnittebene -auch die Verbindungsgrade zwischen dem Mittelpunkt des Kreises und -dem festen Punkt, welcher die Spitze des Kegels bildet, so nennt man -das entstandene Dreieck, weil es jene Verbindungsgrade oder die Achse -enthält, ein Achsendreieck. Neue Schnittebenen liefern dann, je nach -ihrer Richtung, die verschiedenen Kegelschnittkurven auf der Oberfläche -des Kegels. Es werden sodann Betrachtungen über konjungierte -Durchmesser, über die Tangente an irgendeinen Punkt des Kegelschnittes, -sowie über die Asymptoten der Hyperbel angestellt. Eingehend wird auch -von denjenigen Punkten gehandelt, die wir heute als die Brennpunkte -der Kegelschnitte bezeichnen. Bewiesen wird der wichtige Satz über -die Gleichheit der Winkel, welche die Normallinie mit den beiden -Brennstrahlen des Berührungspunktes bildet, sowie auch der Satz von -der Konstanz der Summe, bzw. der Differenz der Brennstrahlen. Die -betreffenden Abschnitte des Werkes enthalten also fast sämtliche -grundlegenden Sätze der Lehre von den Kegelschnitten. - -Auf dem Satz, daß die Summe der Brennstrahlen gleich der großen -Achse ist (r + r' = 2a), beruht bekanntlich die gebräuchliche -Fadenkonstruktion der Ellipse. Dies Verfahren findet sich jedoch -noch nicht bei *Apollonios*, sondern es kam erst weit später auf. -Hinsichtlich der Hyperbel sei bemerkt, daß man vor *Apollonios* die -Zusammensetzung der Kurve aus zwei Ästen nicht kannte, sondern die -Untersuchungen immer nur an einem Ast anstellte. *Apollonios* selbst -führte den zweiten Ast noch unter einem besonderen Namen auf. Die -Quadratur der Hyperbel gelang den alten Mathematikern nicht. Sie -erfolgte erst, als im 17. Jahrhundert neuere, die höhere Mathematik -ausmachende Methoden gefunden waren. - -Den Höhepunkt des Werkes bildet das Buch, das von größten und -kleinsten Werten handelt, die in Verbindung mit den Kegelschnitten -auftreten[399]. Insbesondere sind es Untersuchungen über die längsten -und kürzesten Linien, die von irgendeinem Punkte der Ebene an einen -Kegelschnitt gezogen werden können. - -Infinitesimalbetrachtungen, die sich schon bei *Euklid* und -*Archimedes* finden, vermochten die Alten noch nicht zu einer -allgemeinen Methode zu erweitern. Die alte Mathematik hat vielmehr -in den Werken des *Archimedes* und des *Apollonios* das erreicht, -was ohne den Besitz der Infinitesimalmethode und des analytischen -Kalkuls, die erst im 16. und 17. Jahrhundert zu allgemeinerer Anwendung -gelangten, zu erreichen möglich war[400]. Mit der Lehre von den -Kegelschnitten wurde für die spätere Entwicklung der Astronomie und -der Mechanik eine wichtige Grundlage geschaffen. Das gleiche gilt -auch von der Trigonometrie, die aus den Bedürfnissen der Astronomie -entsprang und von den späteren Alexandrinern begründet wurde. Wie wir -später sehen werden, konnte *Aristarch*, als er den Sonnenabstand aus -gegebenen Stücken eines Dreiecks ohne die Hilfsmittel der Trigonometrie -berechnete, die gesuchte Größe nur auf umständlichem Wege durch -Näherungswerte bestimmen. - -Anhangsweise sei hier noch eine Schrift des *Archimedes* erwähnt, die -früher viel gelesen wurde und auch heute noch Beachtung verdient. Es -ist dies seine »Sandesrechnung«. Zum Verständnis der in dieser Schrift -gelösten Aufgabe müssen wir vorausschicken, daß die Griechen etwas -unserem heutigen Ziffernsystem Entsprechendes noch nicht besaßen. Die -Zahlen wurden durch Buchstaben bezeichnet. Größere Zahlen zu schreiben, -war daher sehr unbequem, weil man das Prinzip des Stellenwertes, das -erst durch Vermittlung der Araber aus dem Orient nach Europa gelangte, -noch nicht kannte und auch noch kein Zeichen für die Null besaß. Es ist -erstaunlich, wie weit es die Alten trotzdem in der Arithmetik gebracht -haben. Wagte sich *Archimedes* doch sogar an die geometrische Reihe 1, -1/4, 1/16, 1/64..., deren Summe er gleich 4/3 fand. Sie diente ihm bei -der Berechnung der Fläche des Parabelabschnittes. Auch vermochte er es -schon, schwierige Quadratwurzeln zu berechnen[401]. - -In der Sandesrechnung[402] wird gezeigt, daß sich jede, noch so -große Menge durch eine Zahl ausdrücken läßt. Indem *Archimedes* die -Abmessungen der aristarchischen Fixsternsphäre zugrunde legt, berechnet -er, wieviel Sandkörner von bestimmter Größe darin Platz finden können. -Die meisten Sternkundigen verstanden zur Zeit des *Archimedes* unter -dem Ausdruck Welt eine Kugel, deren Zentrum der Mittelpunkt der Erde -und deren Radius eine gerade Linie zwischen den Mittelpunkten von Erde -und Sonne ist. In seiner Schrift »Wider die Sternkundigen«, so erzählt -uns *Archimedes*, suchte nun *Aristarch* von Samos zu beweisen, daß -die Welt ein Vielfaches der oben bezeichneten Kugel ist. Er sei zu -der Annahme gelangt, die Fixsterne samt der Sonne seien unbeweglich, -die Erde aber werde in einer Kreislinie um die Sonne, die inmitten -der Erdbahn stehe, herumgeführt. »Der Durchmesser der Fixsternkugel -möge sich«, sagt *Archimedes*, »zu demjenigen der Welt (in dem zuerst -erwähnten Sinne) verhalten, wie der letztere zum Durchmesser der -Erde.« Er behauptet dann, wenn es auch eine Sandkugel gäbe von der -Größe dieser aristarchischen Fixsternsphäre, so lasse sich doch eine -Zahl angeben, deren Größe selbst die Menge der Körner in der gedachten -Kugel übertreffe. Nach einigen Voraussetzungen über den Umfang der -Erde, das Größenverhältnis von Erde und Sonne, aus dem, nach Bestimmung -des scheinbaren Sonnendurchmessers, die Entfernung der Sonne zu 10000 -Erdhalbmessern ermittelt wird, berechnet *Archimedes* die Zahl der -Sandkörner, die innerhalb der Fixsternsphäre Platz finden, auf 10^{63} -oder 1000 Dezillionen. - - -Archimedes entwickelt die Prinzipien der Mechanik. - -An hervorragenden Mathematikern besaß das Altertum keinen Mangel. Wir -brauchen neben *Archimedes* nur *Euklid* und *Apollonios* zu nennen. -Es gab aber niemanden bis in die neuere Periode der Geschichte der -Wissenschaften, der ähnliche Leistungen auf dem Gebiete der Mechanik -vollbracht hätte wie *Archimedes*. Letzterer muß als der Hauptbegründer -dieser Wissenschaft bezeichnet werden. Es sind die wichtigsten Sätze -vom Hebel, vom Schwerpunkt und aus der Hydrostatik, die uns bei -*Archimedes*, zum ersten Male klar ausgedrückt, begegnen. Die Gesetze -vom gleicharmigen Hebel spricht *Archimedes* in folgenden Worten aus: - -a) Gleich schwere Größen, in ungleichen Entfernungen wirkend, sind -nicht im Gleichgewicht, sondern die in der größeren Entfernung wirkende -sinkt. - -b) Ungleich schwere Größen sind, bei gleichen Entfernungen, nicht im -Gleichgewicht, sondern die schwerere wird sinken. - -c) Wenn ungleich schwere Größen in ungleichen Entfernungen im -Gleichgewicht sind, so befindet sich die schwerere in der kleineren -Entfernung. - -d) Ungleiche Gewichte stehen im Gleichgewicht, sobald sie ihren -Entfernungen umgekehrt proportional sind. - -An den letzten, das Hebelgesetz zum Ausdruck bringenden Satz knüpft -sich das *Archimedes* zugeschriebene Wort: »Gib mir einen Ort, wo ich -mich hinstellen kann, und ich will die Erde bewegen[403].« - -Die Schwerpunktsbestimmungen dehnt *Archimedes* im zweiten Teile -der Abhandlung vom Gleichgewicht[404] sogar auf das Parabelsegment -aus, nachdem er zuvor die Quadratur der Parabel gelehrt hat. In -den Büchern, die von den schwimmenden Körpern handeln, leitet er -aus den Grundeigenschaften der Flüssigkeiten, nämlich der leichten -Verschiebbarkeit ihrer Teilchen und der Druckfortpflanzung, eine Reihe -von Sätzen ab, von denen die wichtigsten folgendermaßen lauten: - -a) Die Oberfläche einer jeden zusammenhängenden Flüssigkeit im Zustande -der Ruhe ist sphärisch, und ihr Mittelpunkt fällt mit dem Mittelpunkt -der Erde zusammen. - -b) Feste Körper, die bei gleichem Rauminhalt einerlei Gewicht mit einer -Flüssigkeit haben, sinken, in diese eingetaucht, so weit ein, daß -nichts von ihnen über die Oberfläche der Flüssigkeit hervorragt. - -c) Jeder feste Körper, der leichter ist als eine Flüssigkeit und in -diese eingetaucht wird, sinkt so tief, daß die Masse der Flüssigkeit, -die dem eingesunkenen Teil an Volumen gleich ist, ebensoviel wiegt wie -der ganze Körper. - -d) Wenn Körper, die leichter sind als eine Flüssigkeit, in diese -eingetaucht werden, so erheben sie sich wieder mit einer Kraft, die -gleich ist dem Gewichte des dem Körper gleichen Volumens Flüssigkeit, -vermindert um das Gewicht des Körpers selbst. - -e) Feste Körper, die bei gleichem Rauminhalt schwerer als eine -Flüssigkeit sind und in diese eingetaucht werden, sinken, solange sie -noch tiefer kommen können, und werden in der Flüssigkeit um so viel -leichter, wie das Gewicht einer Masse Flüssigkeit von der Größe des -eingetauchten Körpers beträgt. - -Das zuletzt erwähnte Gesetz, das archimedische Prinzip, ist für die -Mechanik der Flüssigkeiten von derselben fundamentalen Bedeutung wie -das Hebelgesetz für die Mechanik der festen Körper[405]. Auf das -nach ihm benannte hydrostatische Prinzip soll *Archimedes* nach der -Erzählung des *Vitruv*[406] durch einen besonderen Anlaß gekommen -sein. Danach hatte *Hieron* aus einer abgewogenen Menge Gold einen -Kranz anfertigen lassen. Als man ihm nun hinterbrachte, daß ein Teil -des Goldes unterschlagen und durch Silber ersetzt worden sei, wurde -*Archimedes* zu Rate gezogen, um den Betrug nachzuweisen. »Dieser, -eifrig damit beschäftigt,« fährt *Vitruv* fort, »kam zufällig in ein -Bad. Als er dort in die gefüllte Wanne stieg, bemerkte er, daß das -Wasser in gleichem Maße austrat, in welchem er seinen Körper in die -Wanne niederließ. Sobald er auf den Grund dieser Erscheinung gekommen -war, verweilte er nicht länger, sondern sprang, von Freude getrieben, -aus dem Bad und rief, nackend seinem Hause zulaufend, mit lauter -Stimme: Εὕρηκα! εὕρηκα! (Ich habe es gefunden!).« - -Die Lösung des von *Hieron* gestellten Problems, der sogenannten -Kronenrechnung, erzählt *Vitruv* mit folgenden Worten: »Dann soll -*Archimedes*, von jener Entdeckung ausgehend, zwei Klumpen von -demselben Gewicht, das der Kranz besaß, den einen von Gold, den andern -von Silber, hergestellt haben. Hierauf füllte er ein weites Gefäß bis -zum obersten Rande mit Wasser und senkte dann den Silberklumpen hinein, -worauf das Wasser in gleichem Maße ausfloß, wie der Klumpen in das -Gefäß getaucht wurde. Nachdem er den Klumpen wieder herausgenommen -hatte, füllte er das Wasser um so viel wieder auf, als es weniger -geworden war, und maß dabei die zugegebene Menge. Daraus ergab sich, -welches Gewicht Silber einem bestimmten Rauminhalt Wasser entspricht. -Nachdem er dies erforscht hatte, senkte er den Goldklumpen in das volle -Gefäß und füllte das verdrängte Wasser vermittelst eines Hohlmaßes -nach. Es ergab sich, daß diesmal von dem Wasser um soviel weniger -abgeflossen war, wie der Goldklumpen einen minder großen Rauminhalt -besaß als ein Silberklumpen von gleichem Gewicht. Nachdem er hierauf -das Gefäß abermals gefüllt und den Kranz selbst in das Wasser -gesenkt hatte, fand er, daß mehr Wasser bei dem Kranze als bei dem -gleichschweren Goldklumpen abfloß, und entzifferte aus dem, was mehr -bei dem Kranze abfloß, die Beimischung an Silber und machte so die -Unterschlagung offenbar.« - -Im weiteren Verlaufe seiner Abhandlung über das Schwimmen untersucht -*Archimedes* die Stabilität gewisser schwimmender Körper, wie des -Kugelabschnitts und des parabolischen Konoids, wobei es ihm offenbar -mehr auf eine Betätigung seines mathematischen Geschicks als auf eine -Bereicherung der Mechanik ankam. - -Auch mit Schwerpunktsbestimmungen befaßte sich *Archimedes*. So war -ihm bekannt, daß der Punkt, in welchem sich zwei Seitenhalbierende -treffen, der Schwerpunkt des Dreiecks ist. Überhaupt erweisen sich die -mathematischen Hilfsmittel des *Archimedes* den ihn beschäftigenden -mechanischen Problemen gegenüber als der überlegene Teil, während in -der neueren Periode mitunter das umgekehrte Verhältnis obwaltete, so -daß der von *Leibniz* herrührende Ausspruch: »Wer in die Werke des -*Archimedes* eindringt, wird die Entdeckungen der Neueren weniger -bewundern« wohl gerechtfertigt erscheint. - - -Fortschritte der Optik und Akustik. - -Durch die bedeutenden Fortschritte der Mathematik wurden vor allem die -Physik, die Astronomie und die mathematische Geographie gefördert. -Die ältesten Ansichten über den Schall und über das Licht haben -wir bei den Pythagoreern und bei *Aristoteles* kennen gelernt. Den -Alexandrinern, die ja besonders zur Zusammenfassung des Wissens -neigten, verdanken wir die erste zusammenfassende Bearbeitung der -Optik. Diese Bearbeitung wird dem *Euklid* zugeschrieben. Sie erfolgte -in zwei Büchern, der »Optik« und der »Katoptrik«, und ist wohl der -erste Versuch, die Geometrie, unter Benutzung des Satzes von der -geradlinigen Fortpflanzung des Lichtes und des Reflexionsgesetzes, auf -die Erklärung der scheinbaren Größe, der Gestalt, der Spiegelung und -anderer optischen Erscheinungen anzuwenden[407]. Von Interesse ist -der Satz[408], daß »von Hohlspiegeln, welche gegen die Sonne gehalten -werden, Feuer erzeugt wird«. Doch wird irrtümlich behauptet, die -Entzündung erfolge im Krümmungsmittelpunkt. - -[Illustration: Abb. 18. Das Verhalten des Hohlspiegels nach -Euklid[410].] - -*Euklid* sucht dies geometrisch durch obige Figur[409] (Abb. 18) -darzutun und bemerkt zu seiner Konstruktion: »Alle Strahlen, die -von der Sonne (Δ Ε Ζ) aus durch das Zentrum Θ des Spiegels (Α Β Γ) -gehen, fallen in das Zentrum Θ zurück. Durch diese Strahlen wird -daher im Zentrum die Sonnenwärme gesammelt und infolgedessen ein dort -befindlicher Körper entzündet.« Die Annahme, daß die Sonnenstrahlen -parallel in den Hohlspiegel fallen, hätte *Euklid* zur Auffindung des -richtigen Verhältnisses leiten müssen. Den Irrtum *Euklids* erkannte -schon *Apollonios*[411]. - -Die Spiegelung an Konkav- und Konvexspiegeln wird von *Euklid* dahin -erläutert, daß an ihnen, wie an ebenen Spiegeln, die Strahlen unter -gleichen Winkeln zurückgeworfen werden. Zur Erläuterung dient folgende -Abbildung[412]. Auch mit einem der bekanntesten Versuche über die -Brechung des Lichtes war *Euklid* schon vertraut. Er berichtet darüber -mit folgenden Worten[413]: »Legt man einen Gegenstand auf den Boden -eines Gefäßes und schiebt letzteres so weit zurück, daß der Gegenstand -eben verschwindet, so wird dieser wieder sichtbar, wenn wir Wasser in -das Gefäß gießen.« - -[Illustration: Abb. 19. Die Spiegelung an einem Konkav- (links) und an -einem Konvex-Spiegel (rechts) nach der Darstellung Euklids.] - -Wie die Geometrie von gewissen Grundsätzen ausgeht, die sich auf -wenige Axiome zurückführen lassen, so geht auch die Optik *Euklids* -von einer Anzahl -- es sind acht -- Grunderfahrungen aus, aus denen -*Euklid* seine Theoreme durch geometrische Konstruktion ableitet. Die -wichtigsten der von *Euklid* hervorgehobenen optischen Grundtatsachen -sind die folgenden: Die Lichtstrahlen[414] sind gerade Linien. Die -von den Strahlen eingeschlossene Figur ist ein Kegel, dessen Spitze -im Auge liegt, während der Grundfläche dieses Kegels die Umgrenzung -des gesehenen Gegenstandes entspricht. Unter größerem Winkel gesehene -Gegenstände erscheinen größer als unter kleinerem Winkel gesehene, -oder die scheinbare Größe eines Gegenstandes hängt von dem Sehwinkel ab. - -Auch in der Katoptrik wird von bestimmten Erfahrungssätzen -- es sind -deren 7 -- ausgegangen. Aus ihnen werden etwa 30 Theoreme abgeleitet. - -Höchstwahrscheinlich sind die optischen Schriften *Euklids* in sehr -verdorbener Gestalt auf uns gekommen. Sie waren indes trotz mancher -Mängel und Unrichtigkeiten bis zur Zeit *Keplers*, der die Optik um ein -Bedeutendes förderte, allgemein im Gebrauch. - -Auch mit akustischen Problemen hat man sich in Alexandrien befaßt. -Hatten die Pythagoreer die Erscheinung der Konsonanz und Dissonanz von -Tönen einfach als Tatsache hingenommen, so finden wir bei *Euklid* zum -ersten Male das Bestreben, sich von der Ursache dieser merkwürdigen -Erscheinung Rechenschaft zu geben. Dissonanz ist für ihn die -Unfähigkeit der Töne, sich zu mischen, wodurch der Klang für das Gehör -rauh werde, während konsonierende Töne sich zu mischen vermöchten. -*Euklid* kommt damit vorahnend der später gegebenen Erklärung nahe[415]. - - -Die Grundlagen der wissenschaftlichen Erdkunde. - -Im engsten Zusammenhange mit dem Fortschreiten der gesamten -Kultur, der politischen Entwicklung und den übrigen Wissenschaften -erreichte in diesem Zeitalter die Erdkunde eine Höhe, die sie bis -zum Beginn der Neuzeit nicht überschritten hat. Vor allem kommt für -das alexandrinische Zeitalter in Betracht, daß das Verkehrs- und -Nachrichtenwesen den damaligen Gelehrten schon ausgedehnte Reisen -und weitreichende Erkundigungen gestattete. Die Bekanntschaft mit -dem fernen Osten wurde der wissenschaftlichen Erdkunde durch den -Alexanderzug erschlossen. Daß die auf diesem Zuge gesammelten -Erfahrungen die Grundlagen der Pflanzengeographie entstehen ließen, -haben wir schon an früherer Stelle gesehen. Afrika wurde seit der -Ptolemäerzeit immer weiter von Ägypten aus erschlossen. Nach Norden -hatte sich der geographische Gesichtskreis fast bis zum Lande der -Mitternachtssonne erweitert. - -Mit den nördlichen Ländern Europas wurde das Altertum besonders durch -die Reisen des Massiliers *Pytheas*, eines Zeitgenossen *Alexanders* -des Großen, bekannt. *Pytheas* unternahm eine Forschungsreise bis zur -Nordspitze Britanniens. Die frühere Annahme, er sei bis nach Island -vorgedrungen, hat man nicht aufrechterhalten können. Jedenfalls -brachte er aber Kunde von der Erscheinung, daß im hohen Norden in -der Mittsommerzeit die Sonne nicht untergehe. Im Zusammenhange damit -erwähnt er das sagenhafte Thule[416]. - -Der geographische Gesichtskreis der Alten hat sich also von der -südlichen Halbkugel bis zum nördlichen Polarkreis erstreckt[417]. -Die Ergebnisse der alten Forschungsreisen waren besonders wertvoll, -wo es sich, wie bei *Pytheas*, um einen Mann handelte, der mit -physikalischen und astronomischen Kenntnissen ausgerüstet war. Leider -sind eigene Schriften von *Pytheas* nicht erhalten und die von ihm -gewonnenen Ergebnisse nur zum geringen Teil durch Fragmente bei anderen -Schriftstellern bekanntgeworden[418]. - -Verarbeitet wurde das reiche, durch die Züge *Alexanders* und durch -Entdeckungsreisen gleich derjenigen des *Pytheas* gewonnene Material -durch *Dikaiarchos*, einen Schüler des *Aristoteles*, und etwa ein -halbes Jahrhundert später am umfassendsten durch *Eratosthenes*. -*Dikäarch* schätzte die Breite der den Alten bekannten Welt von Meroë -bis zum Polarkreis auf 40000 Stadien. (Die Länge des attischen Stadiums -belief sich auf 177,6 Meter.) Die Längenausdehnung von den Säulen des -Herkules (der Straße von Gibraltar) bis zur Mündung des Ganges wurde -von ihm auf 60000 Stadien veranschlagt[419]. - -Nach *Dikäarch* (350-290) sollten die Säulen des Herkules, die Straße -von Messina, die peloponnesische Halbinsel, die Südküste Kleinasiens -und Indien auf dem nämlichen Breitenkreise liegen und dieser sollte -die Ökumene, d. h. den als bewohnt angenommenen Teil der Erde, etwa -halbieren. Die Orientierungsfehler, die *Dikäarch* bei der Feststellung -dieser Linie beging, waren also nicht unerheblich. - -Von *Dikäarch* rühren auch die ersten Höhenbestimmungen her, die über -bloße Schätzungen hinausgingen. Anfangs hatten die Alten übertriebene -Vorstellungen von der Höhe der Gebirge. So ließ *Aristoteles* die -Höhen des Kaukasusgebirges noch 4 Stunden, nachdem die Sonne für den -Fuß des Gebirges untergegangen war, in ihrem Lichte glänzen, und -*Plinius* schätzte die Alpen zehnmal zu hoch[420]. Er hätte eine solche -Übertreibung vermeiden können, wenn er die Werte mehr beachtet hätte, -die *Dikäarch* und nach ihm *Eratosthenes* schon für bedeutende Höhen -ermittelt hatte. So bestimmte *Dikäarch* die Höhe des Pelion (1620 -Meter) und die Höhe von Akrokorinth (575 Meter) annähernd richtig. Als -allgemeines Ergebnis hob er schon hervor, daß solche Werte im Vergleich -zum Durchmesser der Erde verschwindend klein seien. *Dikäarch* ist wohl -als der Begründer der mathematischen Erdkunde bezeichnet worden[421]. -Dieser Ehrentitel bleibt indessen besser dem etwa ein halbes -Jahrhundert nach ihm lebenden *Eratosthenes* vorbehalten. - -*Eratosthenes* wurde 275 v. Chr. in Kyrene geboren. *Ptolemäos III -Euergetes* berief ihn nach Alexandria und ernannte ihn zum Bibliothekar -der großen alexandrinischen Bibliothek. Des *Eratosthenes* Hauptwerk -war seine »Erdbeschreibung«, das erste wissenschaftliche Werk über -Geographie, das indes nur aus Bruchstücken bei *Strabon* bekannt -ist[422]. Es zerfiel in drei Bücher. Das erste handelte von der -physikalischen, das zweite von der mathematischen Geographie, während -das dritte die Chorographie, d. h. die Beschreibung der einzelnen -Länder, enthielt. Außerdem hat *Eratosthenes* auch auf den Gebieten der -Astronomie Hervorragendes geleistet. Vorhanden ist ferner ein Brief, -in dem er sich mit dem berühmten delischen Problem der Verdoppelung -des Würfels beschäftigt. Auch eine Regel zur Auffindung der Primzahlen -rührt von ihm her. Im Jahre 220 v. Chr. soll *Eratosthenes* in -Alexandrien Armillen[423] aufgestellt und damit den Abstand der -Wendekreise zu 11/83 des Kreisumfanges, das sind 47,7 Bogengrade, -ermittelt haben. - -Nachdem man erkannt hatte, daß die Erde die Gestalt einer Kugel -besitzt, lag der Gedanke nahe, die Größe dieser Kugel zu bestimmen. Der -Ruhm, den richtigen Weg zu einer solchen Messung eingeschlagen und auf -ihm ein, im Verhältnis zu den vorhandenen Mitteln annähernd richtiges, -Ergebnis gefunden zu haben, gebührt gleichfalls dem *Eratosthenes*[424]. - -Bei größerer Ausdehnung der Reisen mußte es den Alten auffallen, daß -die täglichen Kreise, welche bekannte Sterne beschreiben, nicht überall -die gleiche Neigung zur Ebene des Horizontes besitzen. Insbesondere -konnte ihnen dies nicht lange bezüglich der Sonne verborgen bleiben. So -wußte *Eratosthenes*, daß dies Gestirn zur Zeit der Sommersonnenwende -im südlichen Ägypten mittags durch den Zenit geht, während es in -Alexandrien an diesem Tage einen südlich vom Zenit gelegenen Punkt -durchläuft. Infolgedessen zeigte der Gnomon an dem Mittag jenes Tages -in Syene[425] keinen Schatten. Anknüpfend an diese, ihm bekannte -Tatsache, ging *Eratosthenes* bei der Lösung seiner Aufgabe von einigen -Voraussetzungen aus, die zwar nicht ganz zutreffend sind, der Wahrheit -aber doch so nahe kommen, daß bei dem nur rohen Verfahren, um das es -sich hier handelt, das Ergebnis dadurch nicht wesentlich beeinflußt -wird. Zunächst war dies die Annahme, daß die Erde eine vollkommene -Kugel sei. Ferner, daß die genannten Städte auf demselben Meridian -gelegen seien, während sie in Wahrheit einen Längenunterschied von -mehreren Graden[426] aufweisen. - -[Illustration: Abb. 20. Das zum Messen der Sonnenhöhe dienende -Instrument der Alten[427].] - -In A (Abb. 20) befindet sich das Instrument, das die Alten bei der -Bestimmung der Sonnenhöhe gewöhnlich benutzten. Es war dies eine -halbkugelige Höhlung, aus deren Mitte sich ein Gnomon (GC) erhob. -Dieses Werkzeug wurde so aufgestellt, daß der Gnomon senkrecht zum -Horizonte stand, also die Verlängerung des Erdradius bildete. Der -Winkel EDA (Abb. 21) ließ sich auf einer Gradeinteilung ablesen. -Er war gleich dem zu messenden Bogen AB des Meridians (siehe Abb. -21). *Eratosthenes* fand nun EDA gleich 1/50 des Kreisumfanges oder -gleich 7° 12'. Er schätzte ferner die Strecke Syene-Alexandrien auf -5000 Stadien. Genauere Landesvermessungen gab es nämlich nur für das -untere Ägypten, so daß *Eratosthenes* auf die Angabe von Reisenden -angewiesen war, welche die Entfernungen in Tagesmärschen aufgezeichnet -hatten[428]. Der Umfang der Erde ergab sich somit gleich 5000 × 50 = -250000 Stadien, eine Größe, die sich in heutigem Maße auf etwa 45000 -Kilometer beläuft, während der wahre Wert 40000 Kilometer beträgt[429]. -Diese wissenschaftliche Tat des *Eratosthenes* erregte die Bewunderung -des Altertums, das nur in den besprochenen Messungen des *Aristarch* -etwas Ähnliches aufzuweisen hatte. - -[Illustration: Abb. 21. Die Gradmessung des Eratosthenes.] - -Das Nächstliegende wäre nun gewesen, die Gradmessung auf einem nicht -lediglich abgeschätzten, sondern genauer gemessenen Teil des Meridians -zu wiederholen. Eine solche Untersuchung gelangte jedoch erst viel -später zur Ausführung. - -Wie *Dikäarch*, so hat auch *Eratosthenes* die Messung der -Erdoberfläche durch die Bestimmung der sie überragenden Höhen zu -ergänzen gesucht. *Eratosthenes* verfuhr dabei wie *Dikäarch* auf -trigonometrischem Wege und gelangte zu dem Ergebnis, daß es sich bei -den höchsten von ihm gemessenen Berghöhen um Werte von etwa 10 Stadien -handele. - - -Die Anfänge der heliozentrischen Lehre. - -Daß schon während der ersten Periode der alexandrinischen Akademie -die Astronomie zur Wissenschaft heranreifte, indem sie sich von der -Spekulation der messenden Beobachtung zuwandte, ersehen wir vor allem -aus den im dritten vorchristlichen Jahrhundert entstandenen Arbeiten -der Alexandriner *Aristyllos* und *Timocharis*, sowie des mit der -alexandrinischen Schule in enger Fühlung stehenden *Aristarchos* -von Samos. Dem letzteren gebührt das Verdienst, die heliozentrische -Theorie in voller Klarheit entwickelt zu haben. Daran, daß die Erde im -Mittelpunkt der Welt ruhe, haben zuerst die Pythagoreer gezweifelt. -Unter ihnen entwickelte *Philolaos* eine Theorie[430], nach der sich -die Erde innerhalb eines Tages um ein Zentralfeuer drehe. Auf diese -Weise wurde die tägliche Bewegung des Himmels als eine nur scheinbare -erklärt. Sobald man das Zentralfeuer in die Mitte der Erdkugel -verlegte, hatte man den einen Bestandteil der koppernikanischen -Lehre, nämlich die Drehung unseres Weltkörpers um seine Achse, schon -vorweggenommen. - -Der Kern dieser Lehre, die Umlaufsbewegung der Erde und der übrigen -Planeten um die Sonne, läßt sich heute in seiner allmählichen -Entwicklung zurückverfolgen. Den Ausgang bilden die Beobachtungen an -Venus und Merkur. Sie führten, wie wir sahen[431], zu der Lehre des -*Herakleides Pontikos*, nach welcher diese Himmelskörper um die Sonne -kreisen. Von dieser Lehre, die früher wohl den Ägyptern zugeschrieben -wurde, hat *Koppernikus* nach seinen eigenen Worten sehr wohl gewußt. -Von hier aus konnte man leicht zu einer richtigen Auffassung des -Weltsystems gelangen, wenn man die Sonne als Mittelpunkt der Bahnen -auch der übrigen Planeten betrachtete. Sieht man von den heute schwer -sicherzustellenden Spekulationen der Pythagoreer ab, so war es vor -allem *Aristarch*, der die heliozentrische Weltansicht mit voller -Klarheit aussprach. Ihn soll die Überzeugung, daß die Sonne weit -größer als die Erde und der Mond sei, zur Aufstellung seines Systems -geführt haben. Auch ohne eine Kenntnis der Gesetze der Dynamik -fühlte *Aristarch* sozusagen durch, daß es ungereimt sei, den Umlauf -eines gewaltigen Weltkörpers um einen im Verhältnis winzig kleinen -anzunehmen. *Koppernikus* fügte zu diesem Grund noch den hinzu, daß die -Sonne als Leuchte der Welt auch in deren Mitte gehöre[432]. - -Bis zum Ende der ersten, etwa bis *Aristoteles* reichenden Periode der -griechischen Astronomie hatte die Spekulation überwuchert. Zum Glück -traten jedoch in der alexandrinischen Schule, und im Zusammenhange -mit dieser, Männer auf, die sich mit nüchternem Sinne der Erforschung -der Himmelserscheinungen zuwandten. Die Astronomie ging damit von den -durch mangelhafte Beobachtung gestützten Philosophemen zum messenden -Verfahren über und erhob sich dadurch auf die Stufe einer Wissenschaft -im strengen Sinne des Wortes. Als diejenigen unter den Griechen, die -zuerst diesen Weg beschritten haben, sind die Alexandriner *Aristyll* -und *Timocharis* und vor allem der schon erwähnte *Aristarch* von Samos -zu nennen. Mit der Forschertätigkeit dieser Männer heben zwei Probleme -an, die seitdem den menschlichen Geist beschäftigt haben und mit immer -größerer Schärfe ihrer Lösung zugeführt worden sind. Es sind dies die -Topographie des Fixsternhimmels, d. h. die genaue Bestimmung möglichst -vieler Sternörter, sowie die Ermittelung der Abmessungen der Erde und -unseres Planetensystems, zunächst der Entfernung der Sonne und des -Mondes. In welchem Maße die Ägypter und ganz besonders die Chaldäer -den alexandrinischen Astronomen durch das Sammeln eines reichen, sich -über lange Zeiträume erstreckenden Beobachtungsmaterials vorgearbeitet -hatten, wurde an früherer Stelle dargetan. - -*Aristyll* und *Timocharis*, die ihre Beobachtungen um das Jahr 300 v. -Chr. anstellten, bedienten sich der Armillen, d. h. geteilter Kreise, -von denen der eine in der Ebene des Äquators lag, während der andere -um die Weltachse gedreht werden konnte. Mit Hilfe dieses Apparates -bestimmten sie die Lage einzelner Sterne, indem sie ihre Deklination -oder den Bogenabstand vom Äquator bis auf Bruchteile von Graden -ermittelten und gleichzeitig den Ort der Sterne auf den Frühlingspunkt -bezogen. Das von ihnen herrührende Verzeichnis, das bis auf wenige -Angaben verlorengegangen ist, gab 170 Jahre später *Hipparch* die -Möglichkeit, das Vorrücken der Nachtgleichen zu entdecken[433]. -*Timocharis* bediente sich bei seinen astronomischen Beobachtungen auch -der Stundenangaben. Die (babylonische) Zwölfteilung des Tages läßt sich -bei den Griechen nicht vor *Alexander* dem Großen nachweisen[434]. -Vorher richtete man sich im praktischen Leben nach der Länge des -eigenen Schattens und verabredete z. B. eine Zusammenkunft für die -Tageszeit, wann der Schatten 6 oder 8 Fuß lang sei. - -[Illustration: Abb. 22. Aristarchs Verfahren, die Entfernung des Mondes -und der Sonne zu bestimmen.] - -Über die Größenverhältnisse des Planetensystems hat *Aristarch* die -ersten Untersuchungen angestellt. Er war ohne Zweifel einer der -bedeutendsten Astronomen seiner Zeit. Von seinem Leben ist indessen -keine nähere Kunde auf uns gelangt. *Aristarch* wurde um das Jahr -270 v. Chr. in Samos geboren. Das einzige, was von seinen Schriften -erhalten blieb, sind Teile einer Abhandlung, die von der Größe und -den Entfernungen des Mondes und der Sonne handelt[435]. Die Abstände -dieser Weltkörper von der Erde verhalten sich nach *Aristarch* etwa wie -1 : 19, während das wahre Verhältnis annähernd 1 : 400 ist. Zu seinem -Ergebnis gelangte *Aristarch* durch folgende Überlegung. Erscheint von -einem Punkte E der Erde (siehe Abb. 22) der Mond genau zur Hälfte von -der Sonne beleuchtet, so bildet jener Punkt E mit den Mittelpunkten -des Mondes und der Sonne ein rechtwinkliges Dreieck, in welchem der -Abstand des Mondes eine Kathete (ME) und die Entfernung der Sonne die -Hypotenuse (ES) ist. Der Winkel bei E mißt nun nach *Aristarch* 87°, -während er in Wahrheit viel weniger von einem Rechten abweicht und -sich auf 89° 50' beläuft. Das gesuchte Verhältnis, das *Aristarch* auf -mühsame Weise in die Grenzen 1 : 18 und 1 : 20 einschloß, ist gleich -dem Cosinus des Winkels bei E, unter dem beide Weltkörper in dem -angegebenen Falle von der Erde aus gesehen werden (EM : ES, siehe Abb. -22). - -Auch die Raumverhältnisse der Weltkörper berechnete *Aristarch*. So -fand er, daß der Mond etwa 25 (statt 48) mal so klein, die Sonne -dagegen 300 (statt 1300000) mal so groß wie die Erde sei[436]. - -Der Weg, auf dem *Aristarch* seine Aufgabe zu lösen suchte, ist, -theoretisch genommen, zwar richtig. Daß sich trotzdem ein Resultat -ergab, das von dem heute gültigen Wert in solch erheblichem Maße -abwich, ist aus mehreren Umständen zu erklären. Einmal war man zu -jener Zeit noch nicht imstande, solch kleine Winkelunterschiede wie -diejenigen, um die es sich hier handelt, zu messen. Zum andern aber -besitzt die gesuchte Grenze zwischen dem beleuchteten und dem dunklen -Teile des Mondes keine hinlängliche Schärfe. Immerhin verdiente -*Aristarch* in vollem Maße die Anerkennung, die ihm das Altertum -dieser Bestimmung wegen zollte. Daß *Aristarch* die heliozentrische -Theorie 1-1/2 Jahrtausende vor *Koppernikus* klar aussprach, geht auch -aus einer Äußerung des *Archimedes* hervor. Sie lautet: »*Aristarch* -gelangt zu der Annahme, die Fixsterne samt der Sonne seien unbeweglich. -Die Erde aber werde in einer Kreislinie um die Sonne, die in der Mitte -der Erdbahn stehe, herumgeführt[437].« - -Zu den Vorläufern des *Koppernikus* ist auch der Pythagoreer *Niketas* -zu rechnen. Auf ihn führt *Koppernikus* selbst die Anregung zurück, -die ihn veranlaßte, den geozentrischen Standpunkt aufzugeben. Von der -Lehre des *Niketas* gibt uns eine kurze Bemerkung Kunde, die sich bei -*Cicero* findet und auf die sich später *Koppernikus* berufen hat. Sie -lautet: »*Niketas* aus Syrakus nimmt an, wie *Theophrast* erzählt, daß -der Himmel, die Sonne, der Mond und die Sterne stillstehen, und daß -sich außer der Erde nichts im Weltall bewegt. Die Erde dreht sich um -eine Achse. Dadurch scheint sich der Himmel zu bewegen.« Ohne Zweifel -ist dies ein deutliches Zeugnis dafür, daß man im frühen Altertum, wenn -auch nur vereinzelt, den Versuch gemacht hat, die scheinbare tägliche -Umdrehung des Himmels aus einer Rotation der Erde zu erklären. Auch auf -*Plutarch* konnte sich *Koppernikus* berufen, da *Plutarch* in seiner -Schrift »Von den Meinungen der Philosophen« die astronomischen Lehren -des *Philolaos* und des *Herakleides Pontikos* erwähnt sowie an anderer -Stelle auch auf die Ansichten *Aristarchs* bezug genommen hat. - - -Fortschritte der messenden Astronomie. - -Die bedeutendste Förderung während des vorchristlichen Abschnittes des -alexandrinischen Zeitalters erfuhr die Astronomie durch *Hipparch*. -Seine wissenschaftliche Tätigkeit fällt etwa in die Zeit von 160-125 -v. Chr. Von seinem Leben ist wenig bekannt. Er lebte in Rhodos, -hielt sich wahrscheinlich aber auch in Ägypten auf[438]. *Hipparch* -erleichterte die Arbeit des Astronomen vor allem dadurch, daß er als -trigonometrisches Hilfsmittel eine Sehnentafel schuf. Sie enthielt für -die Winkel im Kreise den Wert der zugehörigen Sehnen, in Teilen des -Halbmessers ausgedrückt. Die Berechnung war sehr mühsam. Sie geschah, -indem man von den Sehnen der Winkel 120°, 90°, 72°, 60°, 36° ausging. -Diese Sehnen ließen sich als Seiten des regelmäßigen 3-, 4-, 5-, 6- -und 10-Ecks leicht in Teilen des Radius ausdrücken. Mit Hilfe des -Pythagoreischen Lehrsatzes und eines Hilfssatzes bestimmte man dann -die Sehnen von halben Bogen, sowie die Sehnen von Bogensummen und -Bogendifferenzen und gelangte so zu einer Tafel von zahlreichen Bogen -nebst den entsprechenden Sehnen. Anfangs wies diese Tafel bedeutende -Lücken auf, die man indessen durch Interpolation nach und nach -ausfüllte. Erst von *Ptolemäos* wurden die Sehnen aller Winkel, nach -halben Graden fortschreitend, mit hinreichender Genauigkeit bestimmt. -Seine Tafel, die einen wesentlichen Teil des 1-1/2 Jahrtausende die -Astronomie beherrschenden *Ptolemäi*schen Werkes ausmachte, hat während -jenes langen Zeitraumes den Astronomen an Stelle unserer heutigen -trigonometrischen Tabellen große Dienste geleistet. - -*Ptolemäos* teilte den Radius in 60 Teile und führte diese Teilung -sexagesimal weiter. Die Sehnen wurden dann für die verschiedenen -Winkel in Sechzigsteln des Radius ausgedrückt. So wurden feststehende -Verhältnisse gewonnen, da die absolute Größe des Radius und der Sehnen -nicht in Betracht kam. Es kam auch vor, daß *Ptolemäos* mitunter statt -der ganzen die halben Sehnen benutzte, doch blieb die konsequente -Durchführung dieser Maßregel, die ja die Einführung der Sinusfunktion -bedeutet haben würde, den Indern vorbehalten. - -Die Trigonometrie beschränkte sich bei den Alten auf das rechtwinklige -Dreieck. Die Ausdehnung der trigonometrischen Funktionen auf Winkel von -90°-180° erfolgte erst durch die Araber, die auch die Trigonometrie -des schiefwinkligen Dreiecks begründeten[439]. Kamen solche Dreiecke -für die alten Astronomen in Betracht, so wurden sie in rechtwinklige -Dreiecke, die man berechnen konnte, zerlegt. - -Aus den Fortschritten, welche die Mathematik im alexandrinischen -Zeitalter erfuhr, zog unter allen Wissenschaften die Astronomie auch -weiterhin den größten Nutzen. Es begann für sie die Periode der -systematischen, messenden Beobachtungen. Und wenn das Ergebnis auch -noch nicht in der allgemeinen Annahme des wahren Weltsystems bestand, -so gelangte man doch zur klaren Auffassung vieler, nur vermöge exakter -Messung wahrnehmbarer Erscheinungen. Vor allem ist hier *Hipparch* -zu nennen, der für die Astronomie dieselbe Bedeutung besitzt, die -*Aristoteles* hinsichtlich der Zoologie und *Archimedes* in bezug auf -die Mechanik zugeschrieben werden muß. - -Während der ersten Entwicklungsstadien der Astronomie hatte man sich -darauf beschränkt, die Stellung der wichtigeren Fixsterne dadurch -festzulegen, daß man am Himmel gewisse Figuren einzeichnete. Mitunter -brachten diese Sternbilder auch äußerliche Ähnlichkeiten zum Ausdruck, -wie z. B. beim Wagen. - -In die Blütezeit der alexandrinischen Schule fällt nun der Versuch -einer genaueren, durch Winkelmessung ermittelten Ortsbestimmung der -wichtigsten Fixsterne. Man bezog ihre Stellungen auf die Punkte, in -denen die Ekliptik den Himmelsäquator schneidet, und bestimmte bei -einer größeren Anzahl auch den Abstand vom Äquator bis auf Teile eines -Grades. Ein solches, von *Aristyll* und *Timocharis* herrührendes -Fixsternverzeichnis, das etwa 150 Angaben umfaßte, befand sich in -den Händen des *Hipparch*, als plötzlich, im Jahre 134 v. Chr., ein -seltenes astronomisches Ereignis, nämlich das Auftreten eines neuen -Sternes erster Größe, eintrat[440]. Bot aber die Fixsternregion, die -*Aristoteles* als den Ort des unwandelbaren Seins bezeichnet hatte, -derartige plötzliche Veränderungen dar, so mußte sich in den Astronomen -der Wunsch nach einer genauen Topographie des Himmels regen, um auf -solche Weise späteren Zeiten eine stete Kontrolle zu ermöglichen. In -den auf jenes Ereignis folgenden Jahren bestimmte deshalb *Hipparch* -etwa tausend Sternörter[441]. *Hipparch* löste dadurch nicht nur die -gestellte Aufgabe, sondern er machte außerdem die wichtige Entdeckung, -daß der Frühlings- und der Herbstpunkt ihre Lage langsam ändern. Für -einen der hervorragendsten Sterne des Tierkreises, die Spica in der -Jungfrau nämlich, ergab sich, daß er 6° vom Herbstpunkte entfernt war, -während der 170 Jahre früher gemessene Abstand 8° betrug. Die Breite -der Fixsterne war dagegen unverändert geblieben. Dieses Vorrücken der -Äquinoktialpunkte[442] glaubte *Hipparch* aus seinen und den älteren -Beobachtungen auf mindestens einen Grad für ein Jahrhundert, also auf -36'' für das Jahr ansetzen zu dürfen, während es in Wahrheit 50'' -beträgt. - -Die Arbeiten, in denen *Hipparch* von der Präzession der Nachtgleichen -handelt, sind leider bis auf dasjenige, was der »Almagest« darüber -bringt, verlorengegangen. Nach *Tannery* beläuft sich der von -*Hipparch* gefundene Betrag des Vorrückens auf 1° 23' 25'' für das -Jahrhundert[443]. Auf die Entdeckung der Präzession gründet sich -die Vorstellung von einem 26000 Jahre umfassenden Zeitraum (dem -platonischen Jahr), der mit der Lehre von der steten Wiederkehr in -Beziehung gebracht wurde. Auf diese Lehre abzielende Andeutungen -finden sich schon bei *Platon*, später auch bei *Cicero*, *Seneca* und -anderen Schriftstellern des Altertums. Die Vorstellung, daß die Natur -einem regelmäßig wiederkehrenden Wechsel unterliegt, hatte ja auch -manches für sich. Die Kirchenväter verhielten sich jedoch ihr gegenüber -ablehnend, weil sie den christlichen Vorstellungen nicht entsprach. -Unter den Arabern finden sich dagegen wieder Anhänger der Lehre von der -steten Wiederkehr[444]. - -Auch daß sich die Erde in der Sonnennähe schneller bewegt als in der -Sonnenferne, wurde von *Hipparch* beobachtet, wenn er auch diese -Bewegung auf unser Zentralgestirn übertrug, an dem sie ja scheinbar -vorsichgeht. Da man im Altertum an der aristotelischen Voraussetzung -festhielt, daß die Bewegung der Himmelskörper gleichförmig und in -Kreisen erfolge, so erklärte *Hipparch* die beobachtete Erscheinung aus -der Epizyklentheorie, indem er die Sonne einen Kreis durchlaufen ließ, -dessen Mittelpunkt sich auf einem größeren, um die Erde gespannten -Kreise fortbewegen sollte. - -Die genauere Erforschung der scheinbaren Sonnenbewegung führte -*Hipparch* ferner zu der Entdeckung, daß die Länge des Jahres, d. -h. der Zeit zwischen zwei Durchgängen des Sonnenzentrums durch den -Frühlingspunkt, nicht, wie vor ihm angenommen, 365-1/4 Tage beträgt, -sondern daß sie etwas kürzer ist[445]. - -Eine schärfere Bestimmung der Mond- und der Planetenbewegungen, wie sie -am Himmelsgewölbe vorsichzugehen scheinen, hat *Hipparch* gleichfalls -in Angriff genommen. Die Lösung dieser Aufgabe gelang jedoch erst -mehrere Jahrhunderte später dem *Ptolemäos*, dessen Bedeutung für die -astronomische Wissenschaft späterer Würdigung vorbehalten bleibt. - -Auch das durch die Zahlenmystik der Pythagoreer angeregte, schon von -*Aristarch* behandelte Problem, die Entfernungen und die Größe der -Himmelskörper zu bestimmen, beschäftigte *Hipparch*. Behufs der Lösung -dieser Aufgabe führte er den Begriff der Parallaxe ein. Man versteht -darunter den Winkel, unter dem der Erdhalbmesser von dem Gestirne -aus erscheint, dessen Abstand gemessen werden soll. *Hipparchs* -Bestimmungen ergaben für die Entfernung des Mondes 59 Erdhalbmesser. -Dieser Wert kommt der Wahrheit ziemlich nahe[446], während die von -*Hipparch* herrührenden Werte für die Entfernung und die Größe der -Sonne von der Wirklichkeit erheblich abweichen. - -Die wichtigsten Lehren der antiken Astronomie wurden nach dem von -*Hipparch* gewonnenen Standpunkte von *Geminos* zusammengestellt. -*Geminos* aus Rhodos lebte um 70 v. Chr. in Rom. Seine Einführung -in die Astronomie (εἰσαγωγή) wurde 1590 unter dem Titel Elementa -astronomiae herausgegeben[447]. Sie zeugt von großer Sachkunde, -ist frei von allem hergebrachten Aberglauben, kurz, durchaus -wissenschaftlich gehalten. Einen entschieden ablehnenden Standpunkt -nimmt *Geminos* manchen herrschenden Lehren gegenüber ein. So -spricht er sich z. B. dahin aus, daß die Hitze des Sommers nicht -von dem Hundsstern (Sirius) abhänge, sondern in dem Stande der -Sonne ihre Ursache habe. Für *Geminos* liegen ferner die Fixsterne -nicht sämtlich in einer Sphäre. Ihre Entfernung von der Erde werde -wohl sehr verschieden sein. Es fehle uns nur an einem Mittel, diese -Verschiedenheit wahrzunehmen. Das Werk des *Geminos* hat späteren -Zeiten als wertvolle Quelle für die antike Astronomie gedient. - - -Die Anfänge der wissenschaftlichen Kartographie. - -[Illustration: Abb. 23. Breitenbestimmung mit dem Gnomon.] - -Die geschilderten Fortschritte der Astronomie trugen dazu bei, daß -auch die Geographie immer mehr einen wissenschaftlichen Grundzug -erhielt. Dies sprach sich vor allem darin aus, daß man sich der -astronomischen Ortsbestimmung zu bedienen anfing. Anfangs waren die -geographischen Karten bloße Itinerarien, d. h. sie wurden auf Grund -der von den Reisenden angegebenen Wegelängen und der eingeschlagenen -Himmelsrichtung entworfen. Während *Eratosthenes* bei seiner -Bearbeitung der Länderkunde sich auf die Angabe der Polhöhe eines Ortes -oder einer Landschaft beschränkte, führte *Hipparch* die Bestimmung -nach geographischer Länge und Breite ein. Um die Breite eines Ortes zu -finden, brauchte man nur die Höhe der Sonne um Mittag während der Zeit -der Tag- und Nachtgleiche zu ermitteln und den so erhaltenen Winkel -von 90° abzuziehen. Dazu bediente man sich des Gnomons. Bei diesen -Messungen, die bis auf 1-2 Bogenminuten genau erfolgten, begingen die -alten Astronomen einen Fehler von 16 Bogenminuten, ein Wert, der dem -Halbmesser der Sonne gleichkommt. Den Ursprung dieses Fehlers erläutert -Abb. 23. Sie läßt erkennen, daß aus dem Schatten als Höhenwinkel der -Winkel BDA resultiert, während die wahre Sonnenhöhe BCA ist[448]. -*Hipparch* teilte den Äquator in 360 Grade. Als Anfangsmeridian wählte -er denjenigen, welcher die Insel Rhodos schneidet, da er hier einen -Teil seiner Beobachtungen angestellt hatte. Während die Breite, nachdem -man ihren Zusammenhang mit der Polhöhe erkannt, leicht bestimmt werden -konnte, machte die Feststellung der Länge Schwierigkeiten. Diese -wurden noch im Zeitalter *Newtons* lebhaft empfunden und erst durch -die immer weiter gehende Vervollkommnung der Chronometer gehoben. -Auch *Hipparch* brachte eine Art von chronometrischem Verfahren -in Vorschlag. Unter der Voraussetzung, daß der Eintritt einer -Himmelserscheinung, z. B. der Beginn einer Mondfinsternis, von allen -Bewohnern eines Erdteils in demselben Augenblick gesehen wird, sollte -die Zeit des Eintritts für verschiedene Orte festgestellt und aus dem -Unterschied der Ortszeiten der Unterschied der Längen berechnet werden. - -[Illustration: Abb. 24. Stereographische und orthographische -Projektion.] - -Für die kartographische Darstellung bediente sich *Hipparch* zur -Abbildung des Himmels der stereographischen[449], zur Abbildung -von Ländern meist der orthographischen Projektion. Bei der ersten -Projektionsart wird eine Ebene zwischen das Auge und die abzubildende -krumme Fläche gebracht. Jeder Strahl, der einen Punkt der letzteren mit -dem Auge verbindet, schneidet jene Ebene. Infolgedessen projizieren -sich die Punkte der krummen Fläche in der Weise auf die Ebene, daß -das Auge von dem Bilde auf der Ebene denselben Eindruck bekommt, den -es von der krummen Fläche, z. B. der Halbkugel des Himmels, erhält. -Bei der orthographischen Projektion dagegen wird von jedem Punkte der -darzustellenden krummen Fläche eine Senkrechte auf die Projektionsebene -gefällt. Das Bild auf dieser macht also den Eindruck, den die krumme -Fläche einem weit entfernten Auge bietet. - - -Die Begründung einer Physik der Gase und der Flüssigkeiten. - -Während die Astronomie und die Geographie sich mächtig entwickelten -und im 2. Jahrhundert nach dem Beginn der christlichen Zeitrechnung -innerhalb derselben alexandrinischen Akademie durch *Ptolemäos* eine -zweite Blütezeit erlebten, schien die wissenschaftliche Mechanik nach -den hoffnungsvollen Anfängen, die man dem *Archimedes* verdankte, zum -Stillstande verurteilt zu sein, obgleich sich auch diese Wissenschaft -für die Anwendung des durch die Mathematik gebotenen, deduktiven -Verfahrens so sehr eignete. Abgesehen von der Schwerpunktsbestimmung -körperlicher Gebilde -- *Archimedes* hatte sich hierbei auf Flächen -beschränkt -- machte die theoretische Mechanik kaum wesentliche -Fortschritte. Jene Bestimmungen rühren von *Pappos* von Alexandrien -her, der im 4. nachchristlichen Jahrhundert lebte und somit einer -späteren Periode angehört. - -*Pappos* befaßte sich nach dem Vorbilde des *Archimedes* auch mit der -Untersuchung von Rotationskörpern und kam dabei auf einen wichtigen -allgemeinen Satz, der später unter dem Namen der *Guldin*schen Regel -bekannt geworden ist. *Pappos* fand nämlich, daß der Inhalt eines -Rotationskörpers aus der Fläche der sich drehenden Figur und dem von -ihrem Schwerpunkt beschriebenen Kreise berechnet werden kann. Diese -Regel wurde im Laufe der Jahrhunderte vergessen und von *Guldin* -(1577-1643), nach dem sie heute die *Guldin*sche Regel genannt wird, -von neuem gefunden. - -Weit mehr als um die Fortbildung der theoretischen hat man sich während -der alexandrinischen Zeit um die der praktischen Mechanik bemüht. Man -versah z. B. die Wasseruhren mit einer Zeigervorrichtung und erfand -die Feuerspritze[450]. Diese besaß, nach einem im 18. Jahrhundert -aufgefundenen, aus der römischen Kaiserzeit herstammenden Exemplar[451] -zu urteilen, schon im Altertum eine im wesentlichen der heutigen -entsprechende Einrichtung. (Abb. 25.) - -Auch gewann man damals einige Kenntnis von der Natur der Gase und -der Dämpfe. Besonders verdient um dieses Gebiet machte sich *Heron* -von Alexandrien, dessen Name noch heute in einem bekannten Apparat -unserer physikalischen Sammlungen, dem Heronsball, fortlebt[452]. -*Herons* Tätigkeit fällt vielleicht um das Jahr 100 v. Chr. Doch ist -die Frage, welchem Zeitalter er eigentlich angehört hat, noch immer -nicht mit Bestimmtheit gelöst. Näheres über diese »Heronische Frage« -enthält die Einleitung der unten erwähnten Ausgabe der Werke *Herons* -(s. S. 192 Anm. 4). Sein Verdienst bestand darin, daß er zahlreiche -Erfindungen der alten Physiker und Techniker zusammenstellte und -dadurch die Entwicklung, welche die Physik seit dem 16. Jahrhundert -nahm, in hohem Grade befruchtete. Von eigenen Erfindungen *Herons* ist -in seinen Schriften kaum die Rede. Seine »Pneumatik« ist das erste auf -uns gelangte Werk[453], das sich mit Versuchen über die Eigenschaften -der Luft und der gespannten Dämpfe beschäftigt. Daß *Heron* auf diesem -Gebiete zahlreiche Vorgänger besaß, ist daraus ersichtlich, daß er -seine »Pneumatik« mit folgenden Worten beginnt: »Die Beschäftigung mit -Luft- und Wasserkünsten ist von den alten Philosophen und Mathematikern -hoch geschätzt worden. Es ist daher notwendig, das seit alters darüber -Bekannte in gehörige Ordnung zu bringen ...« - -[Illustration: Abb. 25. Die Feuerspritze nach Heron.] - -Unter den Vorläufern *Herons* ist als einer der frühesten, der uns -bekanntgeworden ist, *Ktesibios* von Alexandrien zu nennen (um 140 v. -Chr.). - -Letzterer fand einen Nachahmer in *Philon* von Byzanz. Bei ihm findet -sich schon die Beschreibung des Heronsballs, der also eigentlich als -Philonsball bezeichnet werden müßte[454]. Auch das Thermoskop begegnet -uns schon bei *Philon*[455]. *Philons* »Pneumatik« und *Herons* -»Mechanik« waren bis vor kurzem nur in spärlichen Fragmenten bekannt. -Da entdeckte man, daß arabische Übersetzungen der griechischen Texte -existieren. So wurde man[456] 1894 mit der »Mechanik« *Herons* und 1897 -mit der »Pneumatik« des *Philon* von Byzanz bekannt. Die Gesamtausgabe -der Werke *Herons* ist für die Geschichte der Mathematik sowie der -reinen und der angewandten Naturwissenschaften von großer Bedeutung. -Das Automatenwerk *Herons* ist auch kunstgeschichtlich von Wichtigkeit, -da es manchen Aufschluß über die antiken Bühneneinrichtungen gibt[457]. -*Heron* beschreibt in seiner »Pneumatik« eine große Anzahl von -Apparaten, welche durch erwärmte Luft oder Dampf in Bewegung gesetzt -werden. Die Abbildungen, von denen wir einige hier wiedergeben, rühren -nicht von *Heron* selbst, sondern von einem späteren Herausgeber -her[458]. - -Handelt es sich zum Teil auch um physikalische Spielereien, so begegnet -uns doch manches, was den Anstoß zu späteren Erfindungen gegeben -hat. Insbesondere gilt dies von einem Apparat, bei dem der Dampf in -derselben Weise einen Körper in drehende Bewegung versetzt, wie es -das ausströmende Wasser bei den Reaktionsrädern bewirkt. Die Maschine -*Herons* (Abb. 26) besteht aus einem Kessel, von dem zwei senkrechte -Röhren ausgehen. Zwischen ihnen befindet sich eine drehbare Halbkugel -mit zwei Ansätzen, aus welchen der in die Halbkugel geleitete Dampf -in tangentialer Richtung entweicht. Dadurch wird die Kugel in Drehung -versetzt. - -[Illustration: Abb. 26. Heron verwendet den Dampf zum Betriebe einer -maschinellen Einrichtung.] - -Den nach ihm benannten Ball (s. Abb. 27) beschreibt *Heron* in -folgender Weise: »In die Öffnung eines Gefäßes wird eine Röhre -eingelötet, die fast bis auf den Boden reicht und in eine enge Mündung -ausläuft. Durch eine seitliche Öffnung gießen wir Wasser in das Gefäß. -Darauf blasen wir in diese Öffnung hinein, während wir auf die enge -Mündung der senkrechten Röhre den Finger legen. Schließen wir dann -die seitliche Öffnung und nehmen wir den Finger von der senkrechten -Röhre fort, so wird in ihr das Wasser durch die hineingeblasene, -zusammengepreßte Luft emporgetrieben.« - -[Illustration: Abb. 27. Der Heronsball.] - -Endlich sei hier noch *Herons* Abbildung des Hebers wiedergegeben (s. -Abb. 28). »Befindet sich«, sagt *Heron* in seiner Erläuterung dieses -Apparates, »die Hebermündung in gleicher Höhe mit dem Wasserspiegel, -so wird der Heber, obgleich er voll Wasser ist, nicht fließen, sondern -gefüllt bleiben. Es ist nämlich, wie bei einer Wage, das Wasser in -diesem Falle im Gleichgewicht, indem es bestrebt ist, auf der Seite -θβ sich zu heben und auf Seite βγ sich zu senken. Ist aber die äußere -Mündung des Hebers niedriger als der Wasserspiegel, so fließt das -Wasser aus, da das in dem Abschnitte κβ befindliche Wasser, das -schwerer ist als das in βθ, letzteres überwältigt und anzieht.« - -[Illustration: Abb. 28. Herons Abbildung eines Hebers.] - -Was die Natur der Luft betrifft, so meint *Heron*, daß sie aus Teilchen -bestehe, die wie die Körnchen des Sandes durch leere Zwischenräume -getrennt seien. Dies beweise zumal der Umstand, daß sich noch Luft in -eine Kugel zu der darin vorhandenen füllen lasse, was darauf beruhe, -daß die neuen Luftteilchen an Stelle der leeren Räume treten. Wolle man -annehmen, die Luft fülle den vorhandenen Raum ganz aus, so würde eine -Kugel beim Hineinbringen einer weiteren Luftmenge platzen müssen. Gäbe -es keine Vakua, fügt *Heron* noch hinzu, so könnten weder Licht noch -Wärme durch Wasser oder andere Flüssigkeiten dringen. Wenn nämlich die -Flüssigkeit keine Poren hätte, die Strahlen also mit Gewalt ins Wasser -drängen, so müßten volle Gefäße überlaufen[459]. Jeder Körper besteht -deshalb, nach *Heron*, aus kleinen Teilchen und dazwischen befindlichen -leeren Räumen. Ein kontinuierliches Vakuum sei dagegen ohne Mitwirkung -einer äußeren Kraft nicht möglich[460]. Daß die Luft ein Körper ist, -beweist *Heron*, indem er ein leeres Gefäß umgekehrt ins Wasser taucht. -Auch bemerkt er, die Luft habe eine eigentümliche Spannkraft, indem -sie sich, wie ein trockener Schwamm, nach dem Zusammendrücken wieder -ausdehne. - -Zu welch überraschenden Kunststücken man diese Kenntnisse zu verwerten -wußte, zeigt uns die, durch nebenstehende Abbildung (29) erläuterte, -auf der Ausdehnung und der Zusammenziehung der Luft beruhende -Vorrichtung. - -Wird auf dem Altar E ein Feuer angezündet, so treibt die erwärmte Luft -infolge ihrer Ausdehnung das Wasser, das sich in der Kugel P befindet, -in das aufgehängte, mit einem Drehwerk verbundene Gefäß M. Letzteres -sinkt infolge seiner Gewichtszunahme und öffnet die Tür. Nach dem -Erkalten der Luft strömt das Wasser durch die Röhre L nach P zurück, -und die Tür wird durch das Gegengewicht D geschlossen, während das -Gefäß M in seine frühere Lage zurückkehrt. - -[Illustration: Abb. 29. Herons Automat zum Öffnen der Tempel[461].] - -Sowohl eine Beschreibung in *Herons* »Pneumatica«, als auch die -archäologischen Funde liefern den Beweis, daß man im späteren Altertum -schon Orgeln mit Klaviaturen besaß, die man wie unsere heutigen Orgeln -und Klaviere benutzte (Abb. 30). Sie wurden durch Wasser betrieben, mit -dessen Hilfe man die Luft in einem Kasten zusammenpreßte (Wasserorgel -oder hydraulus). Eine aus Ton verfertigte Orgel wurde vor einiger Zeit -in Karthago aufgefunden. Sie läßt außer den Einrichtungen, die zur -Herstellung des Luftstromes dienen, drei Reihen von Orgelpfeifen und -eine Klaviatur erkennen[462]. - -[Illustration: Abb. 30. Wasserorgel oder hydraulus.] - -*Heron* bringt ferner eine Beschreibung der Feuerspritze, deren -Rekonstruktion in Abb. 25 wiedergegeben wurde (s. S. 191). Seine -Beschreibung lautet: »Es seien αβγδ und εζηθ zwei bronzene Stiefel, -deren Inneres für zwei Kolben ausgedrechselt ist. Die Kolben müssen -luftdicht in die Stiefel passen. Letztere seien durch das an beiden -Enden offene Rohr ξοδζ miteinander verbunden. Außerhalb der Stiefel, -aber innerhalb dieses Rohres, sollen Klappenventile π und ρ derart -angebracht sein, daß sie sich nach der Außenseite öffnen können. Die -Stiefel sollen auch auf dem Boden runde Löcher haben, die mit kleinen, -geschliffenen Scheibchen bedeckt werden. Letztere sind durch Stifte und -Häkchen so angebracht, daß sie sich wohl auf- und abbewegen, aber sich -nicht von den Öffnungen seitlich entfernen können. Mit den Kolben seien -Kolbenstangen und ein Querbalken verbunden. Mit dem Rohre, das die -beiden Stiefel verbindet, stehe ein vertikales Steigrohr in Verbindung. -Dieses verzweige sich bei ϛ zu einem Doppelarm, der zu einer drehbaren -Mündung führt[463].« Die beschriebene Vorrichtung stimmt also mit der -heutigen Feuerspritze überein, nur daß der Windkessel fehlt. - -Ein Teil der zahlreichen, in *Herons* »Pneumatica« beschriebenen -Versuche stammt von *Philon* von Byzanz, der gleich *Heron* ein Schüler -des *Ktesibios* war. Da einige von diesen Versuchen eine grundlegende -Bedeutung haben, so seien sie hier angeführt. So stellte *Philon* -ein Thermoskop her, das auf der Ausdehnung der Luft durch die Wärme -beruhte. In eine Bleikugel a wurde das doppelt gebogene Rohr b (s. -Abb. 31) luftdicht eingefügt. Das andere Ende des Rohres mündete unter -Wasser. Brachte man die Bleikugel in die Sonne, so strömte die Luft -durch b aus. Wurde dagegen die Bleikugel abgekühlt, so gelangte Wasser -durch b in die Kugel a[464]. - -[Illustration: Abb. 31. Philons Thermoskop.] - -[Illustration: Abb. 32. Philons Saugkerze.] - -Die Abbildung 32 zeigt uns *Philons* Saugkerze. In dem Gefäße a -befindet sich Wasser und eine brennende Kerze. Über diese wird -d gestülpt[465]. »Man wird«, sagt *Philon*, »bald das Wasser -aufwärtssteigen sehen. Dies geschieht, weil die in d enthaltene Luft -durch die Bewegung des Feuers verflüchtigt wird. Das Wasser steigt -empor, je nach der Quantität Luft, welche verflüchtigt wird.« Daß stets -nur eine gewisse Menge Luft verschwindet, entging also der Beobachtung -des alten Physikers. Immerhin begegnet uns hier schon derselbe Versuch, -den im 18. Jahrhundert *Scheele* und andere anstellten, um zu beweisen, -daß die Luft aus zwei verschiedenen Gasen zusammengesetzt ist. - - -Weitere Fortschritte der Mechanik. - -[Illustration: Abb. 33. Herons Flaschenzug.] - -*Heron* hat auch über die Mechanik der festen Körper ein Werk -geschrieben, das lange als verloren galt und nur auszugsweise durch -den späteren Alexandriner *Pappos* (um 300 n. Chr.) erhalten geblieben -ist[466]. Wie *Pappos* mitteilt, hat *Heron* in diesem Werk die fünf -Potenzen behandelt, nämlich den Hebel, das Rad an der Welle, den Keil, -die Schraube und den Flaschenzug. So wird, um ein Beispiel zu bringen, -der Flaschenzug mit folgenden Worten beschrieben: »Wenn wir eine Last -aufziehen wollen, so müssen wir an einem daran gebundenen Seil mit -einer Kraft ziehen, welche der Last gleich ist. Wenn wir aber das -eine Ende des Seils an einem festen Ort anbinden und das andere Ende -um eine an der Last befestigte Rolle legen, so werden wir die Last -leichter bewegen. Und wenn wir an dem festen Ort eine zweite Rolle -anbringen und das Seil auch um diese legen, werden wir die Last noch -leichter bewegen. Aber wir bringen nicht die einzelnen Rollen an dem -festen Ort, sondern, um ihre Achse drehbar, in einem hölzernen Gehäuse -an, das wir eine Flasche nennen, und binden diese Flasche mit einem -Seile an den festen Ort. Diejenigen Rollen, die mit der Last verbunden -werden sollen, schließen wir in eine andere, der ersten gleiche -Flasche ein[467]. Je zahlreicher die Rollen, desto leichter läßt sich -die Last heben.« An anderer Stelle löst *Heron* die Aufgabe, durch -Zahnradübertragungen vermöge der Kraft 5 die Last 1000 zu heben (s. -Abb. 17)[468]. - -[Illustration: Abb. 34. Herons Wegmesser[469].] - -Durch eine ähnliche Übertragung finden wir schon bei *Heron* das -Prinzip des Taxameters gelöst. Seine Einrichtung ist aus Abb. 34 -ersichtlich. An der Nabe des Rades befindet sich ein Stift, der das -horizontale, mit 8 Speichen versehene Rad EZ jedesmal um eine Speiche -weiter dreht. Einer Umdrehung des Rades EZ entspricht eine Fortbewegung -des über EZ befindlichen Zahnrades um einen Zahn. Die Übertragung -erfolgt durch das Schneckengewinde über EZ. Diese Übertragung -wiederholt sich so oft, daß eine Umdrehung des letzten Zeigers mehrere -tausend Umdrehungen des Wagenrades oder auch direkt den zurückgelegten -Weg in Stadien anzeigt[470]. - -Neuerdings ist die Mechanik *Herons* nach einer arabischen -Handschrift in französischer Übersetzung herausgegeben worden[471]. -*Heron* bringt nicht nur die Beschreibung und die Theorie der fünf -einfachen Maschinen, sondern er beschäftigt sich auch eingehend mit -Schwerpunktsbestimmungen. So findet er den Schwerpunkt des Dreiecks -als den Schnittpunkt der Mitteltransversalen, die sich im Verhältnis 2 -: 1 teilen. Um den Schwerpunkt des unregelmäßigen Vierecks zu finden, -zerlegt er es durch eine Diagonale in zwei Dreiecke, verbindet deren -Schwerpunkte und teilt dann diese Verbindungslinie im umgekehrten -Verhältnis der Gewichte dieser Dreiecke. - -Beim Hebel und beim Flaschenzug untersucht *Heron* das Verhältnis des -Kraftweges zum Lastwege oder das der Zeiten, welche die Last, je nach -dem Kraftgewinn, zum Emporsteigen auf eine bestimmte Höhe gebraucht. Er -gelangt dabei zu dem Gesetz, das wir heute als die goldene Regel der -Mechanik bezeichnen. Die Fassung, welche er diesem Gesetz gibt, lautet: -»Das Verhältnis der Zeiten ist gleich dem umgekehrten Verhältnis -der bewegenden Kräfte[472].« Nicht so klar ist *Heron* die Theorie -der Schraube und des Keiles geworden. Hier vermag er das Verhältnis -von Kraft zu Last nicht anzugeben. Es rührt dies daher, daß er Keil -und Schraube nicht auf die schiefe Ebene zurückführt, sondern sich -vergeblich abmüht, sie aus der Hebelwirkung zu erklären. Die schiefe -Ebene wird von ihm nicht zu den einfachen Maschinen gerechnet und -gleichfalls in ihrer Wirkung noch nicht richtig erkannt[473]. - - -Die wissenschaftlichen Grundlagen der Vermessungskunde. - -Eine besondere Würdigung verdienen noch *Herons* Bemühungen um die -Ausgestaltung der Feldmeßkunst. *Heron* verfaßte eine Schrift »Über -die Dioptra«[474]. Es ist das ein Meßapparat, in dem wir das Urbild -des heutigen Theodolithen erblicken müssen. Eine Rekonstruktion -des interessanten Instrumentes ist in nebenstehender Abbildung -wiedergegeben[475]. Die Hauptteile waren die auf dem Stativ ruhende -Platte ΑΒ und das Zahnrad ΓΔ, welches durch die Archimedische -Schraube ΕΖ in Bewegung gesetzt wurde und dadurch eine Drehung des -ganzen Instrumentes um eine vertikale Achse ermöglichte. Eine zweite -Archimedische Schraube befand sich über ΚΛ. Man erkennt, daß sie die -Aufgabe hatte, vermittelst des vertikal gestellten, halbkreisförmigen -Zahnrades die oberste, mit dem Visierlineal versehene Platte um eine -horizontale Achse zu drehen. Da die Platte nicht unmittelbar auf -dem halbkreisförmigen Zahnrade aufsaß, sondern an eine rechteckige -Fortsetzung des letzteren angeschlossen war, so konnte die Drehung um -die horizontale Achse vermittelst der oberen Archimedischen Schraube -so lange fortgesetzt werden, bis die große Platte eine senkrechte -Stellung eingenommen hatte. Es ließ sich somit jeder Horizontal- und -jeder Höhenwinkel mit Hilfe dieses Apparates messen, so daß die Dioptra -zur Lösung von Aufgaben der Feldmeßkunst vortrefflich geeignet war. -Die Einstellungen wurden durch Wasserwage und Bleisenkel vermittelt. -Ferner besaß das Diopterlineal, um auch kleinere Winkel noch ablesen zu -können, eine bedeutende Länge. - -[Illustration: Abb. 35. Herons Winkelmeßapparat.] - -Von den zahlreichen Aufgaben, für welche *Heron* in seiner Schrift -das einzuschlagende Meß- und Berechnungsverfahren angibt, seien hier -nur einige erwähnt. Die wichtigste Aufgabe war die Aufnahme eines -Feldes von beliebiger Umgrenzung. *Heron* verfuhr dabei wie folgt: -Zunächst wurde ein großes Rechteck so abgesteckt, daß es innerhalb -der Umgrenzung lag (siehe Abb. 36). Dann wurde für viele Punkte der -Umgrenzung der senkrechte Abstand von der zugewandten Seite des -großen Rechtecks gemessen. Auf diese Weise wurde der außerhalb des -Rechtecks liegende Teil des zu messenden Feldes in kleinere Abschnitte -von möglichst regelmäßiger Form zerlegt, deren Flächeninhalt leicht -annähernd ausgemessen werden konnte. - -[Illustration: Abb. 36. Herons Vermessung eines Feldes.] - -Ein Blick auf die Abbildung lehrt uns, daß *Heron* hier mit -rechtwinkligen Koordinaten arbeitet, und daß er die umgrenzende Linie -recht genau in den Plan einzeichnen konnte, wenn er nur recht viele -Senkrechte von den Punkten der Linie aus nach den Rechteckseiten -errichtete und ausmaß. - -Weiter zeigt *Heron*, wie man die Breite eines Flusses ermittelt, -ohne ihn zu überschreiten. In einem andern Abschnitt wird die Aufgabe -gelöst, ein Feld mit Hilfe eines Planes wieder abzustecken, wenn -die Umfriedigung mit Ausnahme weniger Grenzsteine verlorengegangen -ist[476]. Ein Abschnitt (30) entwickelt die *Heron*sche Formel für die -Fläche eines Dreiecks, dessen drei Seiten gegeben sind. Sie lautet: - - ∆ = √(((a + b + c)/2)·((a + b - c)/2)·((a + c - b)/2)·((b + c - a)/2))) - -Ob *Heron* diese Formel selbst gefunden oder anderen entlehnt hat, -ist nicht bekannt. Auch weiß man nicht, wie groß sein Anteil an der -Konstruktion der Dioptra ist. Sicherlich bestand die Feldmeßkunst -in Ägypten schon Jahrtausende vor *Heron*. Doch waren ihre Regeln -zum Teil recht mangelhaft, so daß man[477] annimmt, daß *Heron*, -auf den Arbeiten seiner Vorgänger fußend, ein amtliches, zahlreiche -Verbesserungen aufweisendes Lehrbuch der Feldmeßkunst lieferte. Dieses -hat dann auch den Römern als Handbuch gedient. Stand doch bei diesem -Volke die Vermessungskunde, wie bei dem praktischen Grundzuge der Römer -nicht anders zu erwarten ist, in hoher Blüte. Wie hätte sich z. B. die -Anlage ausgedehnter Wasserleitungen ermöglichen lassen, wenn die Kunst -des Nivellierens, für welche man sich ebenfalls der Dioptra bediente, -den Römern nicht geläufig gewesen wäre. - -Während der griechische Text der »Dioptra« schon seit 1858 bekannt ist, -entdeckte man erst 1896 *Herons* »Metrika«, ein Werk, das seit dem -6. Jahrhundert verschollen war. Die »Metrika« *Herons*[478] stellen -ein Handbuch dar, das eine Anweisung zur Teilung und Berechnung von -Flächen enthält, während die »Dioptra«[479] *Herons* die Beschreibung -der wichtigsten geodätischen Hilfsmittel und eine Anzahl von -Aufgabenbeispielen lieferte. - -Zu den Aufgaben, deren Lösung *Heron* bringt, gehört außer den -Nivellierungen auch die Absteckung von Geraden zwischen zwei Punkten, -von denen der eine nicht vom andern aus gesehen werden kann. Die -Aufgabe war schon im Altertum praktisch wichtig, z. B. wenn es galt, -einen Tunnel durch einen Berg zu graben. Daß die alten Ingenieure schon -Tunnelbauten von beträchtlicher Länge ausführten, beweist die im Jahre -1884 erfolgte Freilegung eines Tunnels von etwa 1000 m Länge durch den -Kastroberg (auf Samos). - -Wie *Heron* die Aufgabe löste, einen Berg zu durchstechen, wenn die -Mündungspunkte des Durchstichs gegeben sind, zeigt uns Abb. 37. Wir -sehen, daß er sich auch hierbei wieder eines Systems von rechtwinkligen -Koordinaten bediente. - -*Heron* schließt seine Darstellung mit den zuversichtlichen Worten: -»Wird der Tunnel auf diese Weise hergestellt, so werden sich die -Arbeiter von beiden Seiten treffen.« - -[Illustration: Abb. 37. Herons Tunnelaufgabe.] - -Der Tunnel durch den Kastroberg ist durch deutsche Forschungen -wieder entdeckt worden. Er hatte den Zweck, eine jenseits des -Berges befindliche Quelle mit der Stadt zu verbinden. Diese Anlage, -die *Herodot* als ein Wunderwerk preist, entstand zur Zeit des -*Polykrates*. Sie verdient auch deshalb Bewunderung, weil die Arbeit ja -ohne die modernen Sprengmittel geleistet werden mußte[480]. - -Ein weiteres Beispiel für den Tunnelbau der Alten bietet der noch -jetzt vorhandene Abfluß (Emissar) des Albaner Sees. Dieser Abflußkanal -ist ein Stollen von 1200 m Länge. Seine Breite beträgt 1-1/2 m, seine -Höhe 2-3 m[481]. Als eine Ingenieurarbeit größeren Umfangs ist aus -der griechischen Geschichte die Trockenlegung des Kopaissees unter -*Alexander* dem Großen zu erwähnen[482]. - -Bei *Heron* begegnen uns auch die ersten Anweisungen darüber, -wie man sich beim Bergbau unter der Erde zu orientieren hat. Aus -diesen Anfängen hat sich, besonders seit dem Zeitalter *Agricolas*, -des Begründers der neueren Mineralogie (16. Jahrhundert), die -Markscheidekunst entwickelt. - -Durch *Herons* Schriften wird man am besten mit dem konkreten Messen -und Rechnen seiner Zeit und mit den damals gebräuchlichen Maßen -bekannt. Für das kaufmännische Rechnen fehlt es leider an einer -ähnlichen Überlieferung[483]. Doch begegnet uns bei *Heron* die schon -im alten Ägypten gepflegte Verteilungs- und Gesellschaftsrechnung. -Bekannt ist beispielsweise *Herons* Brunnenaufgabe. Es wird darin nach -der Zeit gefragt, innerhalb deren durch mehrere Röhren ein Behälter mit -Wasser gefüllt werden kann, wenn man die Füllzeit für jede einzelne -Röhre kennt. - -*Heron* hat auch eine Katoptrik geschrieben. Sie läßt uns erkennen, daß -schon im Altertum die Ansicht bestand, daß die Natur nichts vergeblich -tue. Von diesem Prinzip ausgehend, wurde die gradlinige Ausbreitung des -Lichtes erklärt. Die gleiche Betrachtungsweise leitete *Heron* bei dem -Nachweise, daß der Weg, den das einfallende und das reflektierte Licht -zurücklegt, nur dann ein Minimum ist, wenn der Einfallswinkel gleich -dem Reflexionswinkel ist[484]. - - -Naturbeschreibung und Heilkunde im alexandrinischen Zeitalter. - -Bei der Beurteilung der Schriften eines *Ptolemäos*, *Euklid* und -*Heron* läßt es sich schwer entscheiden, was diese Männer auf den von -ihnen behandelten Gebieten Eigenes, Neues geschaffen, und was sie -ihren Zeitgenossen und Vorgängern entlehnt haben. Es kann indessen -auch gar nicht die Aufgabe der hier gebotenen, zusammenhängenden -Darstellung einer Geschichte der Wissenschaften sein, im einzelnen -Prioritätsansprüche gegeneinander abzuwägen. Diese, in der Regel -wenig fruchtbringende Aufgabe muß der historischen Einzelforschung -überlassen bleiben, eine Einschränkung, die hier auch gleich für die -Behandlung späterer Perioden der Wissenschaft gemacht sei. Für uns ist -es viel wichtiger, in den jeweiligen Stand der Kenntnisse einzudringen -und den logischen Zusammenhang, die bedingenden Ursachen aufzuweisen. -Für diesen Zweck war die etwas ausführlichere Darstellung, die wir den -genannten drei alexandrinischen Gelehrten gewidmet haben, von Wert. - -Während die Astronomie, die Mathematik und einige Zweige der Physik -von den Alexandrinern sehr gepflegt und gefördert wurden, wandten sie -den beschreibenden Naturwissenschaften eine geringere Anteilnahme -zu. Vielleicht ist dies in der kommentatorischen Gelehrsamkeit -der Alexandriner begründet. Bestand doch ihre Hauptaufgabe darin, -Handschriften zu vergleichen, zu erläutern und zu ergänzen. So sagt -*Plinius* von ihnen: »In den Schulen sitzen und Vorträge anhören, war -angenehmer, als durch Einöden zu gehen und Tag für Tag neue Pflanzen -zu suchen[485].« Als selbständige Wissenschaft hörte die Botanik -auf. Sie bestand in der alexandrinischen Schule nur noch als ein -Zweig der Heilkunde, als Heilmittellehre, weiter. Es war deshalb von -Bedeutung für die Entwicklung der Botanik, daß auch die Geographen -dieses Zeitalters der Pflanzenwelt ihre Aufmerksamkeit zuwandten. -Vor allem ist hier *Strabon* als der größte unter den Geographen der -spätalexandrinischen Schule zu nennen. Wenn dieser Mann auch nicht -selbst Pflanzenkenner war, so nahm er doch die Pflanzen- und die -Tierwelt als Gegenstand seiner Wissenschaft mit Recht in Anspruch, -so daß seit *Strabons* Auftreten die Bedeutung der Botanik für die -allgemeine Erdkunde stets gewürdigt worden ist. - -In höherem Maße als die Botanik wurde die Anatomie bei den -Alexandrinern gepflegt. An erster Stelle sind hier *Herophilos* (um -300 v. Chr.) und *Erasistratos*[486] (um 280 v. Chr.) zu nennen. -Von *Herophilos*, einem der bedeutendsten Ärzte des Altertums[487], -rührt die erste eingehendere Untersuchung des Auges her, während -*Erasistratos* die blutführenden Venen von den, nach damaliger Ansicht, -mit Pneuma gefüllten Arterien unterschied. *Erasistratos* war auch -nahe daran, den Kreislauf des Blutes zu erkennen. Er scheiterte nur -an dem soeben erwähnten Irrtum, daß die Arterien das Pneuma (den -Luftgeist) enthielten. Andererseits erkannte er ganz richtig das -Herz als den Ausgangspunkt der Gefäße, sowie das Gehirn als die -Ursprungsstelle der Nerven. Vor allem wurde die Anatomie dadurch auf -eine sichere Grundlage gestellt, daß man die Sehnen von den Nerven -unterschied und letztere als die Organe der Empfindung sowie die -Muskeln als die Werkzeuge der Bewegung kennenlernte. Allerdings waren -die Alexandriner in ihren Mitteln nicht sehr wählerisch, da sie selbst -vor Vivisektionen an Menschen nicht zurückscheuten[488]. - - - - -5. Die Naturwissenschaften bei den Römern. - - -Weit später als in Griechenland und in dem von Griechen bewohnten Süden -Italiens entwickelte sich eine höhere geistige Kultur in Mittelitalien. -Die Hauptmasse der Bevölkerung dieses Teiles der Apenninenhalbinsel -war in vorgeschichtlichen Zeiten, als ein den Hellenen und Kelten -verwandtes Volk, über die Alpen eingedrungen. Sie war dort zunächst -mit den Etruskern, einem Volk, dessen Abstammung zweifelhaft ist, -in Berührung getreten. Erst weit später machte sich der Einfluß -der in Süditalien bestehenden griechischen Ansiedelungen auf die -mittelitalischen Völkerschaften geltend. Es geschah dies erst, nachdem -letztere unter der Führung Roms eine staatliche Einigung erfahren -hatten. - -Während man sich in den unserer Zeitrechnung vorangehenden -Jahrhunderten in der Stille des alexandrinischen Gelehrtentempels die -Welt zu erkennen mühte, hatte man sie von Mittelitalien aus durch die -Gewalt der Waffen unterjocht. Griechenland war schon länger als ein -Jahrhundert römische Provinz, als im Jahre 30 v. Chr. Ägypten dasselbe -Schicksal ereilte. Die politische Umgestaltung dieses Landes vollzog -sich jedoch allmählich, da der römische Einfluß sich schon lange vor -jenem Zeitpunkt in stetig wachsendem Maße geltendgemacht hatte. Diese -Umgestaltung war daher auch für die Wissenschaften nicht von solch -einschneidender Bedeutung, wie später das Hereinbrechen entfesselter, -barbarischer Horden. In dem Maße nämlich, wie die Römer das dem Osten -sein geistiges Gepräge verleihende Griechenland politisch überwanden, -nahmen sie den Inhalt der griechischen Bildung in sich auf. Sie -wurden die Herren, aber zugleich die Schüler der Griechen. Auch aus -den reichen literarischen Schöpfungen der Semiten und der Ägypter -vermochten die Römer zu schöpfen[489]. Meister sind sie auf dem Gebiete -der Kunst und Wissenschaft indessen nicht geworden. Weit mehr entsprach -ihrem ganzen Sinne sowie ihren Bedürfnissen eine Fortentwicklung der -Technik. Auf diesem Felde haben sie, wie die großartigen Überreste -ihrer Werke noch heute bezeugen, die Griechen zweifelsohne übertroffen. -Doch erfuhr die wissenschaftliche Grundlage der Technik, die Mechanik -nämlich, durch die Römer keinen wesentlichen Fortschritt. Wurde auch -während der Kaiserzeit Rom, nachdem es zum politischen Mittelpunkt -der Welt geworden, neben Alexandria mehr und mehr zu einem Sitz der -Wissenschaften, so kann man doch von einem römischen Zeitalter der -letzteren nicht sprechen. Darüber, sich die Elemente der griechischen -Bildung anzueignen, sind die Römer kaum hinausgekommen, während in dem -römisch gewordenen Alexandria ein neuer, bedeutender Aufschwung die -ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung ausfüllt. - -Als der Hellenismus etwa um die Zeit des zweiten punischen Krieges -das römische Geistesleben zu durchdringen begann, hatte die römische -Literatur noch keine Schöpfung von einiger Bedeutung aufzuweisen. -Ein mit wissenschaftlichen Dingen sich befassendes Prosaschrifttum -fehlte ihr bis zu dem angegebenen Zeitpunkt noch fast gänzlich. Was -auf diesem Gebiete vorhanden war, betraf lediglich die Grundlagen des -Rechtswesens, die Führung von Chroniken, den Kultus und die engeren -Bedürfnisse des praktischen Lebens. Vom größten Einfluß auf die -Literatur des römischen Volkes wurde seine Berührung mit den Griechen, -zunächst mit den Kolonien Süditaliens und später mit dem griechischen -Mutterlande. Eingeleitet wurde die Berührung zwischen Römer- und -Griechentum durch den Handel. Zu einer innigeren Durchdringung kam es -jedoch erst durch den kriegerischen Zusammenstoß, der die römischen -Heere in die griechischen Kolonien und nach Hellas führte und umgekehrt -zahlreiche Griechen sowie griechische Kunst- und Wissensschätze nach -Rom gelangen ließ. Diese Umwälzungen begannen im 3. vorchristlichen -Jahrhundert mit dem tarentinischen (282-272) und dem ersten punischen -Kriege (264-241). Um 200 folgte die Besiegung Makedoniens, und wenige -Jahrzehnte später wurde durch *Aemilius Paulus* dem einst dem römischen -an Umfang und Bedeutung gleichen makedonischen Reiche durch die -Schlacht bei Pydna (168 v. Chr.) ein Ende bereitet. Zahlreiche Geiseln, -zumeist vornehmen und gebildeten hellenischen Familien entsprossen, -kamen infolge dieses Sieges nach Rom. Eins der wertvollsten -Beutestücke, welche der Sieger heimbrachte, war die Bibliothek des -makedonischen Königs. Infolge dieser Geschehnisse bildete sich in Rom -ein stetig wachsender Kreis von Freunden griechischer Bildung, die -voll Bewunderung den Vorträgen nach Rom gewanderter Rhetoren und -Philosophen lauschten. Aus dieser geistigen Verbrüderung trat mit immer -größerer Deutlichkeit das Bestreben hervor, durch die Vereinigung der -realen römischen Macht mit dem Inhalt des griechischen Geisteslebens -innerhalb eines einzigen Staatsgebildes ein von den bisherigen engen -nationalen Schranken befreites Weltbürgertum entstehen zu lassen. - -Unter den Männern, die sich gegen diese Entwicklung stemmten, ohne -sie jedoch nur im geringsten hemmen zu können, ist besonders *Marcus -Portius Cato* zu nennen. Dem Haß, mit dem er in jeder Sitzung des -Senats die Zerstörung Karthagos forderte, kam seine Erbitterung -gegen griechische Bildung und griechisches Geistesleben gleich. Aus -dieser Stellungnahme erwuchsen *Catos* »Unterweisungen«, ein Werk, -das eine Art Enzyklopädie darstellte und zeigen sollte, daß die -ältere römische Literatur es mit der besonders ihrer Neuheit wegen so -hoch eingeschätzten griechischen wohl aufnehmen könne. Von *Catos* -»Unterweisungen« sind nur einige Fragmente erhalten geblieben. Dagegen -besitzen wir in seinem Buche über die Landwirtschaft (De agricultura) -das älteste auf unsere Zeit gekommene Werk des lateinischen -Prosaschrifttums. Es ist eine der wichtigsten Quellen für die an -späterer Stelle ausführlich zu besprechende »Naturgeschichte« des -*Plinius* gewesen. - -Von dem die Hellenen beherrschenden Streben, im Einzelnen das -Allgemeine, die Idee zu finden, gingen die Römer später zu einem mehr -empirischen, oft unkritischen Beobachten des Äußerlichen über und -gelangten auf diesem Wege mitunter zu Plattheiten, wie sie uns bei -*Cicero* begegnen, der da meinte, die Naturwissenschaft suche entweder -nach Dingen, die niemand wissen könne, oder nach solchen, die niemand -zu wissen brauche. Es sind manche Vermutungen darüber ausgesprochen -worden, weshalb die Römer das von den Griechen begonnene Werk nicht -fortgesetzt haben, so daß auf die Begründung der Wissenschaften -unmittelbar ihr weiterer Ausbau gefolgt wäre. Die einen erblicken -die Ursache dieser Erscheinung in dem Fehlen der experimentellen -Forschungsweise, obgleich doch, wie wir sahen, die Ansätze zu einer -solchen in der Blütezeit der alexandrinischen Periode wohl vorhanden -waren. Andere meinen, die Römer, welche zwar die berufenen Erben der -Griechen gewesen seien, hätten bei ihrer Aufgabe, die Welt zuerst zu -erobern und sie dann zu beherrschen, weder Zeit noch Sinn für die -Beschäftigung mit wissenschaftlichen Dingen gehabt. Auch den Mangel an -Werkzeugen für die wissenschaftliche Arbeit, wie sie die neuere Zeit -in Fülle hervorbrachte, hat man dafür verantwortlich machen wollen, -daß die Wissenschaft nach ihrer Begründung zunächst keine wesentlichen -Fortschritte aufwies. - -Die Einflüsse, welche die in Frage stehenden sowie ähnliche -Erscheinungen in der Entwicklung der Zivilisation und des Geisteslebens -herbeigeführt haben, sind für uns, die wir solch entlegene Zeiten durch -ein sehr getrübtes Medium erblicken, nicht mehr scharf erkennbar. -Jedenfalls haben hier nicht nur eine oder einige der genannten Ursachen -mitgespielt, sondern es hat ein Zusammenwirken zahlreicher Umstände -stattgefunden. Die natürlichen Anlagen, die auch bei nahe verwandten -Völkern nicht immer die gleichen sind, sowie die Macht der politischen -und der religiösen Verhältnisse werden jedenfalls hierbei in erster -Linie den Ausschlag gegeben haben. So war[490] »die ganze Geistesanlage -der Römer nach wesentlich anderen Gebieten gerichtet als dem der reinen -Wissenschaft«. Und selbst als Rom Weltreich geworden, betonte *Cicero*, -daß die griechischen Mathematiker auf dem Gebiete der reinen Geometrie -das Glänzendste geleistet, während sich die Römer nur auf die Ausübung -des Rechnens und des Ausmessens beschränkt hätten[491]. - - -Meßkunst und Astronomie bei den Römern. - -Die Römer hielten die Feldmeßkunst für wenigstens eben so alt wie -Rom. Sie wurde zuerst von Priestern ausgeübt, um das zu den Tempeln -gehörende Land abzugrenzen. In der Kaiserzeit war die Feldmeßkunst sehr -entwickelt. Wer sie ausüben wollte, mußte eine Schule durchmachen und -eine Prüfung ablegen[492]. - -[Illustration: Abb. 38. Der Meßapparat der Römer.] - -[Illustration: Abb. 39. Die Rekonstruktion der Groma.] - -Die ersten Kenntnisse in der Feldmeßkunst verdankten die Römer -sehr wahrscheinlich den Etruskern. Als Meßapparat benutzten sie -ein Winkelkreuz, das aus zwei in der horizontalen Ebene sich -schneidenden Linealen bestand. Eine Abbildung dieses Apparates wurde -auf dem Grabe eines römischen Feldmessers gefunden[493]. An den -Enden der Lineale befanden sich Lote. Die alten Italer vermochten -mit Hilfe dieses Instrumentes, der Groma, und der Meßstange -schon die Breite eines Flusses von einem Ufer aus zu bestimmen, -ohne den Fluß zu überschreiten. Für diese Aufgabe war sogar eine -bestimmte Bezeichnung im Gebrauch[494]. Das erwähnte, von den -Römern benutzte Winkelmeßinstrument haben neuere Ausgrabungen ans -Licht gebracht. Die nebenstehende Abbildung 38 stellt ein bei der -Limesforschung[495] entdecktes Exemplar dar. Die Abbildung 39 zeigt -uns eine Rekonstruktion. Das Instrument[496] der Römer bedeutet gegen -*Herons* Dioptra einen Rückschritt. Sie benutzten es zur Festlegung der -Nord-Süd-Linie und zum Abstecken rechter Winkel. Als Nivellierlineal -bedienten sie sich einer Art Kanalwage. Besonders fand die Groma -Verwendung, wenn es sich darum handelte, eine Niederlassung oder eine -Flur durch ein System rechtwinklig sich schneidender Wege einzuteilen. - -Einen Aufschwung erfuhr die Mathematik zur Zeit *Cäsars*. Es zeigten -sich die Anfänge einer eigenen mathematischen Literatur, wie denn auch -*Cäsar* selbst als Schriftsteller auf mathematischem Gebiete tätig -gewesen ist. Hat doch *Plinius* ein von *Cäsar* verfaßtes und »De -astris« betiteltes Werk vielfach als Quelle für das XVIII. Buch seiner -»Naturgeschichte« benutzt. *Cäsar* hatte sich zwei große Aufgaben auf -dem Gebiete der angewandten Mathematik gestellt. Er wollte den in die -größte Verwirrung geratenen römischen Kalender verbessern und eine -Vermessung des ganzen römischen Reiches ins Werk setzen. - -Bis zum Jahre 46 v. Chr. hatte man in Rom nach Mondjahren gerechnet -und durch ziemlich regelloses Einschieben von Schaltmonaten den -Kalender den Jahreszeiten anzupassen gesucht. Der Fehler war indessen -schließlich so groß geworden, daß um die Zeit *Cäsars* der Tag der -Frühlingsnachtgleiche 85 Tage vor die wirkliche Nachtgleiche, also -mitten in den Winter fiel. Nach der Rückkehr von dem ägyptischen -Feldzug (47 v. Chr.) regelte *Cäsar* den Kalender unter Mitwirkung des -alexandrinischen Astronomen *Sosigenes*. Es gelangte die Zeitrechnung -zur Einführung, von der uns das Dekret von Kanopus schon Kunde -gibt[497]. Das Jahr wurde nämlich in der Folge zu 365 Tagen gerechnet -und im 4. Jahre, jedesmal vor dem 24. Februar, dem dies sextus ante -calendas Martis, ein Tag als bissextus (daher auch annus bissextilis) -eingeschaltet. - -Die von *Cäsar* geplante Vermessung des römischen Reiches ist -wahrscheinlich auch durch alexandrinische Gelehrte angeregt worden. -Die Verpachtung der Provinzen, die Heereszüge und die Ausdehnung -der Kriegs- und Handelsflotte ließen diese Arbeit als dringend -erforderlich erscheinen. Da *Cäsar* indessen vorzeitig durch Mörderhand -hinweggerafft wurde, blieb die Ausführung dem *Augustus* vorbehalten. -Die Vermessung, welche der *Augustus* nahestehende Feldherr und -Staatsmann *Agrippa* leitete, wurde nach fast dreißigjähriger Arbeit -im Jahre 20 v. Chr. beendet und besaß für Italien, Griechenland und -Ägypten einen ziemlich hohen Grad von Genauigkeit, während andere -Länder nur durch Leute, die man Dimensoren nannte, ausgeschritten -wurden. Ihr Ergebnis war eine gewaltige Karte, welche in einer für -diesen Zweck errichteten Säulenhalle »der Welt die Welt als Schauspiel« -darbot[498]. Neuerdings sind Zweifel darüber entstanden, ob diese -auch wohl nach *Agrippa* benannte Karte auf Grund genauerer Messungen -entworfen wurde. Indessen, selbst wenn es unentschieden bleibt, welchen -Wert die Karte besessen, so ist *Agrippas* Unternehmen doch ohne -Zweifel das Vorbild für spätere, den orbis terrarum umfassende Karten -gewesen. Von diesen ist noch heute ein Exemplar erhalten, das offenbar -für strategische Zwecke gedient hat. Es ist unter dem Namen der Tabula -Peutingeriana bekannt, enthält die Heerstraßen für das ganze römische -Reich und befindet sich in Wien[499]. Abb. 40 zeigt den Teil, der die -Balkanhalbinsel darstellt. - -[Illustration: Abb. 40. Peutingers Karte (Balkanhalbinsel).] - -Die ganze Karte (Abb. 40 stellt ein Stück aus der Mitte dar), besteht -aus einer Rolle von 11 Pergamentblättern und ist etwa 7 m lang und 0,3 -m hoch. Die eigentümliche Verzerrung in der Richtung Ost-West ist aus -der Rollenform zu erklären. Bei dem Entwurf trat nämlich offenbar der -kartographische Gesichtspunkt hinter dem rein praktischen, eine bequeme -Übersicht über die Wege zu haben, zurück. Durch die hakenförmigen -Unterbrechungen der Wege (Itinerarien) sind die Stationen angedeutet. -Ihre Entfernungen sind durch Zahlen bezeichnet. Meist handelt es sich -um römische Meilen, das sind 1000 Schritte (milia passuum) oder 1482 -m[500]. - -Mit astronomischen Dingen haben sich die Römer erst verhältnismäßig -spät und meist nur aus praktischen Gründen beschäftigt. Mit den -Sonnenuhren wurden sie[501] erst um die Mitte des 3. vorchristlichen -Jahrhunderts, mit den Wasseruhren etwa ein Jahrhundert später -bekannt, während die Chaldäer sich der Sonnenuhren schon 750 v. Chr. -bedienten[502]. - - -Die Pflege der »Ingenieurmechanik«. - -Wie die Mathematik und die Astronomie, so wurde auch die Mechanik bei -den Römern weniger ihrer selbst, als ihres praktischen Nutzens wegen -gepflegt. Es erwuchs ein Gebiet, das die Bezeichnung Ingenieurkunst -oder Ingenieurmechanik verdient und bei den Römern zu hoher Blüte -gedieh[503]. - -Einen guten Einblick in die Ingenieurmechanik der Römer erhält -man durch das den wenig zutreffenden Titel »Über die Architektur« -tragende Werk *Vitruvs*[504]. *M. Vitruvius Pollio* lebte zur Zeit des -*Augustus*. Er befaßte sich besonders mit dem Bau von Kriegsmaschinen -und wurde von *Augustus* mit der Leitung des Bauwesens betraut. Eine -kurze Inhaltsangabe des Werkes von *Vitruv* möge uns den damaligen -Stand des Wissens erläutern. *Vitruv* beginnt damit, daß er für den -Ingenieur eine vielseitige wissenschaftliche Ausbildung verlangt. -Er soll nicht nur in der Mathematik bewandert, sondern auch mit den -Grundzügen des Rechtes und mit der Heilkunde vertraut sein. Komme -doch letztere schon in Frage, wenn es sich um die Wahl passender und -gesunder Bauplätze handle. - -Sehr zutreffend ist auch, was *Vitruv* über das Verhältnis zwischen -Theorie und Praxis sagt: »Diejenigen, die ohne Wissenschaft nur nach -mechanischer Fertigkeit strebten, haben sich durch ihre Arbeiten -niemals maßgebenden Einfluß erwerben können. Umgekehrt scheinen -diejenigen, die sich lediglich auf die Wissenschaft verlassen haben, -dem Schatten nachgejagt zu sein. Nur die, welche Theorie und Praxis -gründlich beherrschen, haben die volle Rüstung, um das Ziel, das sie -sich gesteckt haben, zu erreichen.« - -Die in diesen Worten ausgesprochene Mahnung gilt bis auf den heutigen -Tag[505]. - -[Illustration: Abb. 41. Römisches Hebezeug[506].] - -Im zweiten Buche bespricht *Vitruv* die Baumaterialien. Geschildert -wird das Brennen und das Löschen des Kalkes. Auch die Puzzolanerde, die -mit Kalk vermischt für Wasserbauten Verwendung fand, wird erwähnt. Dann -folgen Angaben über den Bau von Häusern, Tempeln, Bädern usw. In einem -Abschnitte über die Wandmalerei werden als geeignete Farben Zinnober, -Kupfergrün und Ocker genannt. Das achte Buch handelt von den Quellen -und der Anlage von Wasserleitungen. Erwähnung finden auch bittere -Quellen und Erdölquellen sowie der Asphaltsee bei Babylon, welcher -das Bindematerial für die dortigen Bauten lieferte. Im neunten Buche -ist besonders von physikalischen und astronomischen Dingen die Rede, -während das letzte von Pumpwerken, Feuerspritzen und anderen Maschinen -handelt. Von den praktisch-physikalischen Instrumenten ist die -Schnellwage, die auch heute noch den Namen der römischen Wage führt, -wohl dasjenige, das die Römer selbständig erfunden haben und schon in -der altrömischen Zeit anwandten[507]. Abb. 42 zeigt uns zwei in Pompeji -entdeckte Schnellwagen. Sie werden, wie die Mehrzahl der in Pompeji -gemachten Funde, im Nationalmuseum in Neapel aufbewahrt. Die Erfindung -der römischen Wage reicht mindestens bis in das 3. Jahrhundert v. Chr. -zurück. Das Laufgewicht wurde sehr oft künstlerisch gestaltet, indem -man diesem Teil der Wage die Form einer Frucht (Granatapfel) oder einer -Büste (Merkur) gab. - -[Illustration: Abb. 42. Römische Schnellwagen.] - -Die Leistungen der Römer gingen auf den Gebieten der Architektur und -der Ingenieurkunst (Brückenbau, Schiffsbau, Anlage von Wasserleitungen, -Heerstraßen, kriegstechnischen Arbeiten) jedenfalls über das rein -handwerksmäßige Schaffen hinaus. Diese Leistungen setzen nämlich -wissenschaftlich und praktisch vorgebildete Architekten und Ingenieure -voraus. Besondere Schulen, wie sie für Philosophie, Rhetorik, -Jurisprudenz und Medizin bestanden, gab es für die Ingenieure zwar -nicht. Wer das Ingenieurfach ergreifen wollte, wurde in jugendlichem -Alter einem Fachmann in die Lehre gegeben. Voraussetzung für die -Erlernung der Ingenieurkunst waren Kenntnisse in der Mathematik, der -Optik, der Astronomie, der Geschichte und im Rechtswesen. Während -der Kaiserzeit wirkten in Rom neben den Lehrern für Rhetorik, -Heilkunde usw. auch solche, die in der Mechanik und in der Architektur -unterrichteten. Für Gehalt und Lehrsäle sorgte der Staat. Auch -befreite er wohl die Väter, die ihre Söhne die Ingenieurkunst -erlernen lassen wollten, von der Zahlung der Steuern. Die gleiche -Vergünstigung erhielten Ingenieure, die sich als Lehrer in ihrem -Fache auszeichneten. Wie sehr man die Bedeutung der Ingenieure zu -würdigen wußte, beweist folgende Stelle aus einem Briefe, den Kaiser -*Konstantin* (323-337) an einen seiner Statthalter richtete. Sie -lautet: »Wir brauchen möglichst viele Ingenieure. Da es an solchen -mangelt, veranlasse zu diesem Studium Personen, die ungefähr 18 Jahre -alt sind und die zur allgemeinen Bildung nötigen Wissenschaften bereits -kennengelernt haben. Befreie die Eltern von den Steuern und gewähre den -Schülern ausreichende Mittel[508].« - -Die Mechanik hatte also, wo es sich um praktische Anwendungen handelte, -zur Zeit der Alexandriner und der Römerherrschaft schon manche Frucht -gezeitigt. Anders stand es um die Mechanik als wissenschaftliche -Disziplin. Welch unvollkommene Vorstellungen in mechanischen Dingen -die meisten Schriftsteller des Altertums hegten, davon läßt sich -manches Beispiel nachweisen. So erzählt *Plinius* folgende Fabel von -dem Schiffshalter (Echineis remora), einem Fisch des Mittelmeeres, -der eine Anzahl Saugnäpfe auf der Stirn trägt, mit denen er sich an -Schiffen und anderen Gegenständen festhält: »Mögen die Stürme wüten und -die Wogen rasen, dieses kleine Geschöpf spottet ihrer Wut, zähmt ihre -Kraft und zwingt ein Schiff zu stehen, während kein Tau und kein Anker -dazu imstande sind. Und zwar hemmt es den Ansturm und bezwingt es die -Elemente nicht durch eigene Arbeit oder Gegenwirkung, sondern einzig -und allein dadurch, daß es sich anhängt.« - -Eine solche Unklarheit herrschte also bezüglich eines so einfachen -mechanischen Begriffes, daß ein Schriftsteller wie *Plinius*, lange -nachdem die ersten erfolgreichen Schritte auf dem Gebiete der Mechanik -durch *Archimedes* getan waren, derartige Fabeln ohne Widerspruch -aufnahm. Hierin zeigt sich aber auch, daß *Archimedes* auf das -physikalische Denken der auf ihn folgenden Jahrhunderte einen nur -geringen Einfluß ausgeübt hat. Das volle Verständnis für seine Werke -sowie die Fähigkeit, an das von ihm Geleistete anzuknüpfen und darauf -weiterzubauen, scheint in den nächsten anderthalb Jahrtausenden mit -geringen Ausnahmen gefehlt zu haben. - - -Die Literatur während der Kaiserzeit. - -Die Literatur eines Volkes ist stets nicht nur von seiner Eigenart -und fremden Einflüssen, sondern auch von dem Gange der politischen -Entwicklung in hohem Grade abhängig gewesen. Diese Abhängigkeit war -im Altertum weit größer als in der Neuzeit, in der das geistige Leben -weniger an nationale Schranken gebunden ist und die Freiheit der -Einzelpersönlichkeit erheblich zugenommen hat. Wie im alten Athen, in -Alexandria und in anderen wissenschaftlichen Mittelpunkten, so war auch -im kaiserlichen Rom die Stellung, welche das Oberhaupt des Staates -zu Kunst und Wissenschaft einnahm, für das Gedeihen dieser Gebiete -von großer Bedeutung. Schon *Augustus*, der die kaiserliche Gewalt -begründete, brachte der Literatur Interesse und Verständnis entgegen. -Hat er sich doch selbst als Dichter und als Prosaschriftsteller -versucht. *Augustus* wußte auch in vollem Maße zu würdigen, daß -die Literatur der staatlichen Macht, von der sie abhängt, entweder -dienstbar gemacht oder durch eine verkehrte Behandlung in einen -Gegensatz zur Staatsgewalt gebracht werden kann, wodurch die letztere -stets mehr oder minder Abbruch erleidet. - -Auf die reiche Entfaltung der römischen Literatur im Augusteischen -Zeitalter folgten unter der Herrschaft des finsteren *Tiberius* und des -dem Cäsarenwahn verfallenen *Caligula* Jahrzehnte, die weniger günstig -waren. Der lähmende Druck, der damals auf allen Kreisen lastete, machte -sich auch auf dem Gebiete des geistigen Schaffens fühlbar. Er wich -erst, als nach dem Tode *Neros* mit *Vespasian* ein milder Herrscher -den Kaiserthron bestieg, auf den ihm -- leider nur für wenige Jahre -- -sein Sohn *Titus* folgte. *Plinius* stand zu beiden in naher Beziehung, -insbesondere zu *Titus*. Zwar ist dieser erst in dem Jahre zur -Regierung gekommen, in dem *Plinius* starb. Doch hat *Titus* schon bei -Lebzeiten seines Vaters wie im Staats- so auch im wissenschaftlichen -Leben einen bedeutenden Einfluß ausgeübt. Während *Vespasian* noch -in erster Linie Kriegsmann war, hatte sich *Titus* mit der gelehrten -Bildung seines Zeitalters schon in dem Maße befreundet, daß er, wie -*Plinius* berichtet, ein Gedicht über das Erscheinen eines Kometen -verfaßte. - -Ein Erzeugnis dieses für die Literatur so günstigen Zeitalters -der Kaiser aus dem Hause der Flavier ist die »Naturgeschichte« -des *Plinius*. Sie ist das umfassendste Denkmal, das wir von den -naturwissenschaftlichen Kenntnissen der Römer besitzen und enthält -zahlreiche Angaben, die ohne die gewissenhaften Aufzeichnungen des -*Plinius* verlorengegangen wären. Sie wurde, wie aus der Vorrede zu -entnehmen ist, im 77. oder 78. Jahre n. Chr. vollendet. - - -Plinius. - -*Cajus Plinius Secundus Major* wurde im Jahre 23 n. Chr. zu Como -geboren. Er empfing den Beinamen Major (der Ältere), um ihn von -seinem gleichfalls als Schriftsteller bekanntgewordenen Neffen -gleichen Namens, der den Zusatz Minor (der Jüngere) erhielt, zu -unterscheiden. *Plinius* kam frühzeitig nach Rom, wo er sich den -*Pomponius Mela* zum Vorbild erkor. Dieser hatte es verstanden, mit -einer verantwortungsvollen amtlichen Tätigkeit eine große Vorliebe -zum literarischen Schaffen zu verbinden. Hierin ist ihm *Plinius* -gefolgt. Gleich *Pomponius Mela* war er militärischer Befehlshaber. Von -*Vespasian* wurde er häufig als Berater zu den Regierungsgeschäften -herangezogen. In jüngeren Jahren hat ihn der Kriegsdienst auch nach -Germanien geführt. Obgleich er höhere Ämter bekleidete und stets im -Drange der Geschäfte lebte, fand *Plinius* doch Muße, das Wissen seiner -Zeit in einem Sammelwerke zu umspannen. In der an *Titus* gerichteten -Widmung sagt er von seinem Unternehmen: »Der Weg, den ich wandeln -werde, ist unbetreten; keiner von uns, keiner von den Griechen hat es -unternommen, allein das Ganze der Natur zu behandeln. Gelingt mir mein -Unternehmen nicht, so ist es doch großartig und schön, danach gestrebt -zu haben.« - -Die »Naturgeschichte« wird um 77 n. Chr. ziemlich abgeschlossen gewesen -sein. Da ihr Verfasser bald darauf plötzlich aus seiner Tätigkeit -herausgerissen wurde, so erfolgte die Herausgabe durch seinen Neffen, -den schon erwähnten *Plinius Secundus Minor*. Offenbar hat dieser -nur wenig an dem Werk geändert. Er nennt es[509] ein »weitläufiges -gelehrtes Werk, das nicht minder mannigfaltig wie die Natur selbst ist«. - -Bekannt ist das tragische Ende des *Plinius*. Als er sich im Jahre -79 n. Chr. in der Nähe von Neapel aufhielt, begann plötzlich jener -furchtbare Ausbruch des Vesuvs, durch den Herculanum und Pompeji -vernichtet wurden. Der unerschrockene Römer ließ sich nicht abhalten, -der Stätte des Verderbens zuzueilen; mag ihn nun Pflichtgefühl oder -Wißbegierde dazu getrieben haben. Nach der Landung ist er dann der Wut -der entfesselten Elemente zum Opfer gefallen. - -Die Katastrophe selbst hat der jüngere *Plinius* in einem an den -Geschichtsschreiber *Tacitus* gerichteten Briefe geschildert. Aus -diesem mögen einige Stellen hier Platz finden: - -»Du bittest mich, dir den Tod meines Oheims zu schildern, eines Mannes, -der das Glück hatte, große Taten zu vollbringen und herrliche Bücher zu -schreiben. Ein wunderbares Geschick fügte es, daß er beim Untergange -einer herrlichen Landschaft den Tod fand. Sein Andenken wird jedoch -ewig leben. - -Mein Onkel befand sich mit der Flotte, die er als Admiral befehligte, -bei Misenum. Am 22. August meldete man ihm, daß sich eine Wolke von -ungewöhnlicher Gestalt zeige. Sie hatte das Aussehen einer Pinie, -deren Stamm sich himmelhoch erhebt und deren Zweige sich schirmartig -ausbreiten. Mit dem Eifer eines Naturforschers, der etwas zu -untersuchen wünscht, befahl mein Oheim, sogleich ein Schiff zur Abfahrt -bereit zu machen. Noch bevor er es bestiegen, erhielt er einen am Fuße -des Vesuvs geschriebenen Brief, in dem er um Hilfe gebeten wurde. -Infolgedessen mußte die ganze Flotte auslaufen. Mein Oheim steuerte auf -dem Admiralsschiff kühn der Gefahr entgegen und beobachtete vom Verdeck -aus den Verlauf der furchtbaren Erscheinung. Gleichzeitig diktierte er -seine Beobachtungen einem Schreiber. Als man sich der Unglücksstätte -näherte, fiel die Asche immer dichter und heißer auf die Schiffe. Sogar -Stücke von Bimsstein und Lava mengten sich darunter. Man landete in -Stabiae. Unterdessen wurde es Nacht. Vom Vesuv brachen die Flammen -hoch empor. Gleichzeitig bebte die Erde, so daß das Haus, in dem sich -*Plinius* mit seiner Begleitung aufhielt, ins Wanken geriet. Man -verließ das Haus, nachdem sich jeder zum Schutze gegen den Steinregen -ein Kissen über den Kopf gebunden hatte. Als man dem Schwefelqualm und -der Feuersglut zu entkommen suchte, sank *Plinius* plötzlich erschöpft -nieder. Einmal gelang es ihm noch, sich mit Hilfe zweier Sklaven wieder -aufzurichten. Dann brach er sterbend zusammen.« - -Auch über die Persönlichkeit und die Arbeitsweise seines Onkels hat der -jüngere *Plinius* einiges mitgeteilt[510]. Was ihn danach auszeichnete, -war ein unglaublicher Fleiß. Er schlief nur wenig und aß auch nur -wenig, und zwar nach der Sitte der Väter ganz einfach. Auch auf seinen -Reisen studierte er unermüdlich. Dabei hatte er seinen Schreiber stets -neben sich. - -Die literarische Fruchtbarkeit des *Plinius* war eine ganz -ungewöhnliche. Außer der »Naturgeschichte« hat er noch eine Reihe -anderer Werke geschrieben, die indessen verlorengegangen oder nur -in Fragmenten, d. h. als Bestandteile anderer Werke, erhalten -geblieben sind. So verfaßte *Plinius* während seines Aufenthaltes in -Germanien ein Werk, das von den Kriegen handelt, welche die Römer auf -germanischem Boden geführt haben. - - -Die Quellen des Plinius. - -Aus nicht weniger als 2000 Werken hat *Plinius* den Stoff für seine -»Naturgeschichte« geschöpft. Seine Leistung verdient um so größere -Anerkennung, als er nur die Stunden, die ihm die Geschäfte übrig -ließen, also besonders, wie er selbst erzählt, die Nacht, auf sein Werk -verwenden konnte. Ohne *Plinius* würden wir von manchen Schriften keine -Kenntnis besitzen. Andererseits muß aber betont werden, daß *Plinius* -sich nicht auf die Stufe selbständigen Forschens und Denkens erhebt. Er -bringt sogar manches, was er offenbar nicht einmal richtig verstanden -hat. Oft wird Wahres und Falsches von ihm miteinander vermengt. Man -gewinnt den Eindruck, daß *Plinius* sein Wissen weniger aus der Natur, -sondern vorzugsweise aus Büchern geschöpft hat, was bei einem Manne, -der schon einen Spaziergang als Zeitvergeudung betrachtete, nicht -wundernehmen kann. - -Das Verzeichnis der Quellen, aus denen *Plinius* nach seiner Angabe -schöpfte, umfaßt 146 römische und 327 fremde Schriftsteller. Unter -diesen befinden sich viele, deren Schriften ganz verlorengegangen sind -und von denen man auch nicht einmal die Namen wüßte, wenn *Plinius* sie -nicht unter seinen Gewährsmännern aufzählte. - -Unter den römischen Schriftstellern, auf welchen *Plinius* fußt, ist -vor allem *Marcus Terentius Varro* (116-27 v. Chr.) zu nennen. Er -hat eine ganze Anzahl von Wissenschaften enzyklopädisch bearbeitet. -Seine Schriften sind das Vorbild für die im Mittelalter so häufig -anzutreffenden Werke über die »sieben freien Künste« gewesen[511]. -Wie *Cato*, so bemühte sich auch *Varro*, den alten Wissensschatz zu -sammeln und ihn der eindringenden griechischen Literatur gegenüber -in seiner Selbständigkeit und in seinem wahren Werte hervortreten zu -lassen. Unter den *Varro*nischen Schriften, die *Plinius* benutzt -hat, ist vor allem das Werk über die Landwirtschaft zu nennen (Rerum -rusticarum libri III). *Varro* handelt darin vom Ackerbau, von der -Viehzucht, den Bienen, den Fischen und dem Wild. Wenn sich *Varro* -auch an *Cato* (s. S. 210) anlehnt, so entwickelt er doch überall ein -sicheres, auf reicher Erfahrung und umspannendem Wissen gegründetes -Urteil. Von besonderem Interesse ist eine Stelle[512], in der man eine -Art Vorwegnahme der Bazillentheorie erblicken kann. *Varro* vermutet -nämlich, in sumpfigen Gegenden entstünden Lebewesen, die so winzig -seien, daß man sie nicht sehen könne. Diese Geschöpfe sollen nach -ihm durch den Mund und die Nase in den Körper eindringen und schwere -Krankheiten verursachen. - -Der Wert solcher mit unseren heutigen Anschauungen sich teilweise -deckenden Vorstellungen wird von philologischer Seite oft überschätzt. -*Varros* Meinung ist für die Begründung der modernen Bazillentheorie -sicherlich belanglos gewesen, eben so wenig wie die Ansichten -*Epikurs*[513] *Lamarck* oder *Darwin* zur Aufstellung ihrer Theorien -veranlaßten. Trotzdem haben divinatorische Eingebungen, wie sie uns -in der Entwicklung der Wissenschaften so oft begegnen, ein Anrecht -darauf, in der Geschichte des menschlichen Geistes genannt zu werden. -Ihr Wert ist unbestritten. Nur darf man sie in ihrer Bedeutung -nicht derart überschätzen, daß man sie mit sicheren neuzeitlichen -Forschungsergebnissen in Parallele zu stellen sucht. - -Unter den medizinischen Schriftstellern, die *Plinius* den Stoff für -seine der Heilkunde gewidmeten Bücher geliefert haben, ist neben -*Hippokrates*, *Erasistratos* und vielen anderen besonders *Cornelius -Celsus* (etwa 35 v. Chr. bis etwa 45 n. Chr.) zu nennen. Ähnlich wie -*Varro* und schon lange vor ihm *Cato* suchte *Celsus* das Wissen -seiner Zeit in einer Enzyklopädie zusammenzufassen. Sie erhielt den -Titel »Artes«. Erhalten geblieben ist nur der Teil, der von der -Heilkunde handelt. Auf diesem Gebiete vermochte es *Celsus*, ohne -selbst Arzt zu sein, auf Grund von Erfahrungen eigene Anschauungen -zu entwickeln. Als griechische Quellen hat *Celsus* neben den -*Hippokrati*schen hauptsächlich die alexandrinischen Schriften -benutzt. Mit diesen und den Schriften *Galens* hat man das medizinische -Buch des *Celsus* auf eine Linie zu stellen[514]. Es behandelt in -klarer, schmuckloser Darstellung zunächst die Lebensweise, darauf die -Krankheiten und endlich deren Heilung durch Arzneien und chirurgische -Eingriffe[515]. So beschreibt *Celsus* das Verfahren des Unterbindens, -das die *Hippokrati*schen Schriften noch nicht erwähnen, wenn man -auch schon sehr früh blutstillende Mittel, die verklebend oder -zusammenziehend wirkten, benutzte. Derartige Mittel finden nämlich -schon bei *Homer* Erwähnung[516]. - -Sehr zutreffend hat *Celsus* unter anderem die Krankheiten der Leber -und des Magens beschrieben. Das von ihm bei diesen Krankheiten -empfohlene Heilverfahren und seine Begründung auf diätetischen Regeln -ist selbst heute noch von Wert[517]. - -Einer etwas späteren Zeit als *Celsus* gehört *Asklepiades* an. Er war -hellenischer Herkunft[518] und lebte im Anfang des 1. Jahrhunderts -v. Chr. in Rom. *Asklepiades* wirkte dort zuerst als Lehrer der -Beredsamkeit. Später erwarb er sich als Arzt große Anerkennung. Er wird -als der Erfinder der Tracheotomie genannt. Anklänge an die moderne -Zellentheorie enthält seine Lehre, daß die Lebewesen aus einer sehr -großen Zahl von Körperchen zusammengesetzt seien. Sie sollten sich in -steter Bewegung und Veränderung befinden und beim Menschen durch ihr -Verhalten und ihre Beschaffenheit Gesundsein und Krankheit bedingen. - -Auch den als Schöpfer der Äneïde bekannten *Virgil* erwähnt *Plinius* -als Quelle für eine Anzahl seiner Bücher. In einer »Georgika« genannten -Dichtung schildert und preist nämlich *Virgil* das Leben auf dem Lande. -In der Hauptsache handeln die »Georgika« vom Ackerbau, der Baumpflege, -der Viehzucht und der Imkerei. Das Leben der Bienen wird anschaulich -und in der fesselnden Sprache des Dichters geschildert. - -Von den zahlreichen ausländischen Schriftstellern, die *Plinius* -als seine Quellen nennt, seien hier nur folgende genannt: *Thales*, -*Aristoteles*, *Theophrast*, *Demokrit*, *Hipparch*, *Herophilos*, -*Eudoxos*, *Pytheas*, *Juba* usw. *Juba* war nach Besiegung seines -Vaters als Geisel aus Numidien nach Rom gekommen. Dort widmete er sich -ganz den Wissenschaften. Auch *Plutarch* und andere Schriftsteller -gehen häufig auf *Juba* zurück, von dessen Schriften nur noch Fragmente -erhalten sind. - -Die Frage nach den Quellen, die *Plinius* benutzte, hat eine -umfangreiche Literatur hervorgerufen. Insbesondere hat man das -Verhältnis eingehend erörtert, in dem *Plinius* zu *Aristoteles*, zu -*Cato* und zu *Varro* steht[519]. - -Als Schriftsteller, dem besonders die Rolle eines Vermittlers zwischen -*Plinius* und der griechischen Literatur zuzuschreiben ist, wird *Juba* -betrachtet. Letzterer ging auf *Aristoteles* und *Theophrast* zurück -und hatte für *Plinius* hinsichtlich der griechischen Literatur etwa -die Bedeutung, die *Varro* für ihn bezüglich der römischen besaß. - -Gebricht der »Naturgeschichte« des *Plinius* auch die Einheitlichkeit -des Aufbaues, so ist doch eine vom Allgemeinen zum Einzelnen -fortschreitende Gliederung des Stoffes nicht zu verkennen. *Plinius* -beginnt seine Darstellung mit der Schilderung des Weltgebäudes sowie -den Erscheinungen, die uns das Luftmeer und die Oberfläche der Erde -im allgemeinen darbieten. Darauf folgt das Wesentlichste aus der -Geographie und der Völkerkunde. Im Anschluß daran werden die Tiere, -beginnend mit den Säugetieren und schließend mit den Insekten, -behandelt. Es folgen die Bücher über die Pflanzen sowie über die -dem Pflanzenreich entstammenden Heilmittel und ihre Wirkungen. Den -Schluß bilden die Bücher mineralogischen Inhalts. Den Edelsteinen -sowie den Mineralfarben sind je ein besonderes Buch gewidmet. In den -letzten Büchern wird die Verwendung der Metalle und der Gesteine -zu künstlerischen Zwecken eingehend unter Aufzählung zahlreicher -hervorragender Kunstwerke geschildert[520]. - -Unter den Geographen, auf die sich *Plinius* stützte, ist vor allem -*Pomponius Mela*, ein Zeitgenosse des Kaisers *Claudius*, zu nennen. -Seine »Chorographie« (Ortskunde) entstand wahrscheinlich um das Jahr -43 n. Chr. Sie ist das älteste römische Werk über Geographie, das -uns erhalten geblieben ist[521]. *Pomponius* beschreibt, den Küsten -folgend, die Länder und enthält über die mathematische Geographie, mit -der *Plinius* sein Werk anhebt, fast nichts. - - -Die »Naturgeschichte« des Plinius. - -Wir gehen jetzt zu *Plinius* selbst über. In seiner »Naturgeschichte«, -die 37 Bücher umfaßt, stellt er sich die Aufgabe, das in den -zahlreichen erwähnten Quellen zerstreute Wissen seiner Zeit zu sammeln -und zu sichten. Durch die mühevolle Lösung dieser Aufgabe hat er sich -ein großes Verdienst erworben, wenn er auch oft kritiklos zusammenträgt -und den Stoff nicht immer beherrscht. So hält er beispielsweise die -fabelhaftesten Nachrichten über afrikanische Völker für erwähnenswert. -Er berichtet von einem dieser Volksstämme, seine Angehörigen besäßen -keine Köpfe, sondern trügen Mund und Augen auf der Brust. Der -Grundgedanke, welcher das Werk durchzieht, ist der, daß die Natur -des Menschen wegen alles erzeugt zu haben scheine. Die beschriebenen -Naturkörper werden daher kaum als solche, sondern vorzugsweise in -ihrer Beziehung zum Menschen betrachtet[522]. Über den Menschen selbst -spricht er sich in folgenden, für ihn charakteristischen Worten aus: -»Die anderen Tiere fühlen sich sogleich im Besitz ihres Wesens. Nur -der Mensch kann nichts ohne Unterweisung. Er allein kennt Ehrgeiz, -Habsucht, sorgt für sein Grab, ja sogar für die Zukunft nach seinem -Tode. Keinem Geschöpf raubt die Angst so die Besinnung. Bei keinem -wird die Wut heftiger. Alle anderen Tiere leben mit ihresgleichen in -Frieden. Die Löwen kämpfen trotz ihrer Wildheit nicht gegeneinander, -ebensowenig die Seeungeheuer. Aber fürwahr, dem Menschen schafft das -größte Leid der Mensch«[523]. - -Daß *Plinius* übrigens sich des öfteren auch mit den Gegenständen -selbst bekannt machte und sich eine eigene Meinung bildete, geht aus -verschiedenen Stellen seines Werkes hervor. Manches von den Dingen, -über die er berichtet, wird ihm auch das vielgestaltige Leben der -Kaiserzeit ganz von selbst aufgedrängt haben. Gar manches Tier, das er -beschreibt, wurde zur Befriedigung der Schaulust, für die Arena oder -für den Gaumen aus den entferntesten Teilen des Orbis antiquus nach der -Welthauptstadt gebracht. Ähnlich stand es mit den Pflanzen. Erzählt -doch *Plinius* von einem botanischen Garten[524], den ein römischer -Gelehrter unterhielt, um die Wirkungen der Kräuter kennen zu lernen. -Unter seiner Anleitung ist *Plinius* mit zahlreichen heilkräftigen -Pflanzen bekannt geworden. - -Zu der Lehre von der Kugelgestalt der Erde ist die Ansicht getreten, -daß das Menschengeschlecht viel weiter verbreitet sei, als man früher -glaubte, ja, daß es Gegenfüßler geben müsse. »Die Wissenschaft und -die Meinung des großen Haufens«, sagt *Plinius*[525], »befinden sich -in gewaltigem Widerspruch. Jener zufolge wird die Erde ringsum von -Menschen bewohnt, so daß sie mit den Füßen gegeneinander stehen und -den Himmel alle gleichmäßig über dem Scheitel haben. Nach der anderen -Meinung fragt man, weshalb denn die Antipoden nicht abfielen. Als ob -nicht die Gegenfrage zur Hand wäre, warum jene sich nicht verwundern, -daß wir nicht abfallen. Am meisten aber sträubt sich der große Haufe, -wenn man ihm glaublich machen will, daß auch das Wasser gewölbt sei. -Und doch ist nichts augenfälliger, denn überall bilden hängende Tropfen -sich zu kleinen Kugeln.« - -Aus der Tatsache, daß der längste Tag in Alexandrien 14, in Italien -15 und in Britannien 17 Stunden hat, folgert *Plinius*, daß die -dem Pol benachbarten Länder im Sommer 24 Stunden Tag, zur Zeit des -Wintersolstitiums dagegen eben so lange Nacht haben müssen[526]. -Bei *Plinius* finden wir unter den Beweisen für die Krümmung der -Erdoberfläche auch die Erscheinung angeführt, daß auf dem Meere zuerst -der Mast der Schiffe und erst später der Rumpf sichtbar wird. - -Während zur Zeit der römischen Weltherrschaft die Lehre von der -Kugelgestalt der Erde zu einem Gemeingut der Gebildeten geworden war, -hat man vereinzelt auch schon eine richtige Auffassung vom Verhältnis -der Sonne zu den Planeten gehegt. Infolgedessen blieben die bei den -Griechen entstandenen Keime der heliozentrischen Lehre bei den späteren -Schriftstellern nicht unbeachtet. *Koppernikus* konnte seine Lehre -daher unmittelbar an die aus dem Altertum überlieferten Anschauungen -anknüpfen[527]. - -Dem Monde und sogar den Fixsternen, denen wir heute keine nachweisbaren -Einflüsse auf irdische Vorgänge beimessen, schrieben die Römer, wie -wir aus der »Naturgeschichte« des *Plinius* ersehen, solche zu. So -heißt es dort[528]: »Daß beim Aufgang des Hundes der Einfluß dieses -Gestirns auf die Erde in der weitesten Ausdehnung empfunden wird, wer -wüßte das nicht? Bei seinem Aufgang schäumt das Meer, der Wein wird -unruhig in den Kellern und die Sümpfe beginnen zu gären.« Daß der -Mond bei der Erregung von Ebbe und Flut eine wichtige Rolle spielt, -hatte man wohl erkannt, doch erklärte man diese Erscheinung in einem -durchaus mystischen Sinne, indem man den Mond als das Gestirn des -Odems ansah. Daher sollten sich bei der Annäherung des Mondes alle -Körper füllen. *Plinius* behauptet sogar, daß bei zunehmendem Monde -die Muscheln größer würden. Ja, auch das Blut im menschlichen Körper -mehre und mindere sich wie das Licht dieses Gestirnes[529]. »Ebbe und -Flut des Meeres«, sagt *Plinius*, »haben bei aller Abwechslung doch -ihre Ursache nur in der Sonne und in dem Monde. Indessen treten die -Gezeiten nie wieder zu derselben Stunde ein wie am Tage zuvor, weil sie -dem gierigen Gestirn, das alle Tage an einer anderen Stelle aufgeht, -gewissermaßen dienstbar sind. Bei Vollmond ist die Flut am heftigsten. -Auch tritt die Flut zwei Stunden später ein, als sich der Mond aus -der Mittagslinie abwärts senkt, da die Wirkungen aller Erscheinungen -am Himmel erst später zur Erde gelangen, als die Erscheinungen selbst -stattfinden. Die offene, große Fläche des Meeres empfindet die Macht -des weithin wirkenden Gestirns nachdrücklicher als engbegrenzte Räume. -Daher werden weder Seen noch Flüsse auf solche Weise in Bewegung -versetzt[530].« - -Die Zahl der Sterne, welche die Astronomen mit Namen bezeichnet hatten, -gibt *Plinius* auf 1600 an[531]. Sie sollen aus dem das All umgebenden -Feuer entstanden sein und werden nach ihm von der belebenden, alle -Räume durchdringenden Luft, die sich dem Feuer am nächsten befindet, in -der Schwebe gehalten. Von der Luft getragen, ruht die Erde, verbunden -mit dem Wasser als viertem Element, im Raume. Zwischen der Erde und -dem Himmelsgewölbe schweben der Mond, die Sonne und die fünf Planeten. -Ihrer Bewegung wegen würden diese wohl Irrsterne genannt, obgleich -keine weniger irrten als gerade sie. - -Das ist in großen Zügen das Weltbild, das sich das Altertum gebildet. -In dieser Vorstellung gab es keinen Raum mehr für die anthropomorphen -Götter der früheren Zeit, an denen das Volk unter der Führung der -Priester festhielt. Ein unüberwindlicher Zwiespalt zwischen Wissen und -Glauben war somit auch im Altertum das Ergebnis der ganzen geistigen -Entwicklung. Dem Fortschreiten der Erkenntnis hat sich indessen stets -der religiöse Glaube anzupassen gesucht. So hat im Altertum der -Gang der Wissenschaft einer neuen, monotheistischen Gestaltung der -Religion vorgearbeitet. Hatten in dem gewonnenen Weltbilde die vielen -Gottheiten der früheren Zeit keinen Raum mehr, so mußte, wie *Plinius* -es ausdrückt, die Welt selbst als Gottheit gelten. Dem pantheistischen -Standpunkte des *Plinius* entspricht seine Auffassung, daß, wenn man -von einer Gottheit rede, damit nur die Natur gemeint sein könne. Von -der Auffassung, die Welt sei ein Ganzes, zu dem Glauben, daß die Welt -zwar nicht Gott selbst, wohl aber die Kundgebung eines einzigen Gottes -sei, war aber nur ein Schritt. Und dieser führte in dem Zeitalter, -von dem wir handeln, zur Begründung des Monotheismus. Weil der alte -Götterglaube für den Gebildeten überwunden war, fehlte es an einem -innerlichen Verhältnis zwischen Gott-Natur und dem Menschen. Daher das -Unbefriedigte und der pessimistische Grundzug, welcher der christlichen -Religion in jener Zeit den geeignetsten Boden bereitete. Bezeichnet es -doch *Plinius* als den einzigen Trost gegenüber der Unvollkommenheit -des Daseins, daß der Mensch diesem Dasein jederzeit freiwillig entsagen -könne. - -Auf dem Gebiete der beschreibenden Naturwissenschaften finden wir bei -*Plinius* einen Rückgang gegen *Aristoteles* und *Theophrast*. Manche -zoologische Mitteilung älterer Schriftsteller, die *Aristoteles* in -das Gebiet der Fabel verwiesen hatte, nimmt *Plinius* unbedenklich -wieder auf. Von einem systematischen Aufbau der Zoologie und der -Botanik ist bei ihm nicht die Rede. Bezüglich der letzteren bleibt er -weit hinter *Theophrast* zurück, da er bei der Einteilung der Pflanzen -den reinen Nützlichkeitsstandpunkt vertritt. Er unterscheidet nämlich -Arzneipflanzen, Spezereien usw. Eine richtige Auffassung finden wir -hingegen bei *Plinius* bezüglich derjenigen Tiere, die *Aristoteles* -»Blutlose« genannt hatte. »Daß die Insekten kein Blut haben«, sagt er, -»gebe ich zu, doch besitzen sie dafür eine gewisse Lebensfeuchtigkeit, -die für sie Blut ist.« - -Seine der Botanik gewidmeten Bücher beginnen mit den Bäumen. Nicht -etwa, daß er in ihnen die höchste Stufe pflanzlicher Organisation -erblickt hätte, sondern weil sie zuerst die einfachsten Bedürfnisse des -Menschen befriedigten. Zunächst bespricht er (12. und 13. Buch) die -bemerkenswerteren fremden Bäume nach ihrem geographischen Vorkommen. -Dann handelt er vom Weinstock, vom Ölbaum und von den Obstbäumen. Ein -Buch ist den Zierpflanzen und den Bienenpflanzen gewidmet. Letztere -unterscheidet er in empfehlenswerte und in solche, die den Honig -verderben. - -Am ausführlichsten werden die Arzneipflanzen behandelt. *Plinius* -ist dabei von dem Gedanken durchdrungen, daß auch das unscheinbarste -Kraut seine, wenn auch oft noch verborgenen, Heilkräfte haben müsse. -Wie hier, so ist auch an den übrigen Stellen der »Naturgeschichte« -der leitende Gedanke der, daß die Natur alles um des Menschen willen -erzeugt habe. Das Nützlichkeitsprinzip beherrscht also die Darstellung, -die dementsprechend oft recht trocken ist und nicht selten auf eine -bloße Aufzählung hinausläuft. Stellenweise erhebt sie sich jedoch -auch zu rhetorischem Schwung, zumal wo *Plinius* seine stoische -Weltanschauung durchblicken läßt oder, wo er sich als laudator temporis -acti, d. h. als Lobredner auf die gute alte Zeit, zu erkennen gibt. - -Die Hauptquelle für die botanischen Kenntnisse des *Plinius* ist -*Theophrast*. So entnahm er z. B. *Theophrast* die Schilderung der -indischen Pflanzenwelt. Doch geschah es ohne tieferes Urteil und -Verständnis. Das Feine und Exakte ist zumeist verwischt und kaum -merklich hebt sich bei *Plinius* dieser Teil aus der Menge der übrigen -Einzelheiten ab[532]. Eigene Beobachtungen kann *Plinius* in Anbetracht -seiner oben erwähnten Lebensweise nicht oft gemacht haben. Wenn er -gelegentlich in seinem Werke von Erfahrungen spricht, so ist damit wohl -in den meisten Fällen ihm mündlich zuteil gewordene Auskunft gemeint. -Die Zahl der bei *Plinius* vorkommenden Pflanzen ist eine recht -beträchtliche. Sie beläuft sich auf nahezu tausend, etwa das Doppelte -der bei *Dioskurides* aufgezählten Arten[533]. Es entspricht das zwar -dem enzyklopädischen Grundsatz des *Plinius*, verdient aber immerhin -Beachtung, wenn wir bedenken, daß *Linné* den Pflanzenreichtum der -ganzen Erde auf nur 10000 Arten schätzte. - -Auch über die Wirkung, welche die »Naturgeschichte« des *Plinius* -auf die Nachwelt ausgeübt, und über die Würdigung, die das Werk -erfahren hat, mögen hier einige Bemerkungen Platz finden. Hatte doch -die »Naturgeschichte« für die gesamten nachchristlichen Jahrhunderte -bis zum Wiederaufleben der Wissenschaften eine Bedeutung wie nur -wenige Bücher. Sie war die wichtigste Quelle für jede Belehrung über -naturwissenschaftliche und viele andere Dinge. Dies dauerte so lange, -bis man das eigene Beobachten und Forschen höher als Autorität und -Bücherweisheit einschätzen lernte und damit die Grundlagen für einen -Neubau der Naturwissenschaften zu schaffen begann. - -Daß die Elemente des alten Wissens nicht nur manches wertvolle Stück -für diesen Neubau lieferten, sondern auch durch ihre Unzulänglichkeit -den Anstoß zur Weiterentwicklung gegeben haben, wird bei der -Beurteilung der antiken Schriften oft vergessen. Daher rührt es, daß -das Urteil je nach der Stellung, die man einnimmt, außerordentlich -schwankend und widerspruchsvoll ist. Es gilt das von *Plinius* nicht -minder wie von *Theophrast*, *Aristoteles* und viele andere. Man hat -sie bald hoch gepriesen, bald herabgesetzt, selten aber sie nach Gebühr -gewürdigt. - -Selbst ein *Cuvier* und ein *Buffon*, Forscher, die zu den -bedeutendsten der Neuzeit zählen, haben *Plinius* ihre Anerkennung -nicht versagt. So schreibt *Buffon* in seiner großen »Naturgeschichte«, -der er ein Wort des *Plinius* voranstellt, über diesen: »Sein Werk -umfaßt nicht nur die Tiere, die Pflanzen und die Mineralien, sondern -auch die Erd- und Himmelskunde, die Medizin, die Entwicklung des -Handels und der Künste, kurz alle Wissenschaften. Erstaunlich ist, wie -bewandert *Plinius* sich auf allen Gebieten zeigt. Erhabenheit der -Gedanken und Schönheit des Ausdrucks vereinigen sich bei ihm mit tiefer -Gelehrsamkeit.« - -Auch *A. v. Humboldt*, der uns im 2. Bande seines »Kosmos« eine -Geschichte der physischen Weltanschauung hinterließ, hat für *Plinius* -Worte der Anerkennung. Er bezeichnet die »Naturgeschichte«, dem das -Altertum nichts Ähnliches an die Seite zu stellen habe, als das -großartige Unternehmen einer Weltbeschreibung. Trotz aller Mängel des -Werkes habe dem Verfasser ein einziges großes Bild vorgeschwebt. Man -möchte hinzufügen, daß *Plinius* für seine Zeit das versucht hat, -was *v. Humboldt* im »Kosmos« anstrebte. Und wenn *Plinius* selbst -sein Werk als eine Enzyklopädie bezeichnete, so ist zu bedenken, -daß dieses Wort seit dem Altertum seine Bedeutung gewechselt hat. -Es bedeutete nämlich etwa soviel wie »Vollkreis und Inbegriff -der allgemeinen Wissenschaften«[534], während man heute eine Art -Wörter- und Nachschlagebuch darunter versteht. Neuere geschichtliche -Darstellungen, deren Verfasser die »Naturgeschichte« vielleicht nicht -einmal genauer kennen, haben *Plinius* mitunter als enzyklopädischen -Vielschreiber und geistlosen Kompilator abgetan. Dabei verfielen sie -selbst in den Fehler, zu Nachbetern der absprechenden Urteile zu -werden, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts über das Altertum und -seine Schriftsteller (besonders von naturwissenschaftlicher Seite) in -Umlauf gesetzt wurden. Heute ist dagegen eine sachlichere Würdigung -der geschichtlichen Entwicklung im Entstehen begriffen, so daß man es -wohl allgemein ablehnen würde, wenn jemand *Plinius* oder *Aristoteles* -an dem Maße eines neueren Forschers messen wollte. Um den richtigen -Maßstab zu gewinnen, müssen wir sie aus der Zeit, die sie erzeugt -hat, zu verstehen suchen und ihre Werke mit denen der nämlichen oder -einer noch naheliegenden Periode vergleichen. Dabei richtet sich der -Blick zunächst auf die christliche und die arabische Literatur des -Mittelalters. Und wenn man die »Naturgeschichte« des *Plinius* mit -einem Erzeugnis jener Literatur, das das gleiche Ziel verfolgt, z. -B. mit dem »Buch der Natur« des *Konrad Megenberg*, vergleicht, dann -erscheint das Werk des Römers in einer ganz anderen und vor allem in -der richtigen Beleuchtung. - -Der Anerkennung, die man der »Naturgeschichte« des *Plinius* während -des ganzen Mittelalters zollte, entspricht es, daß aus diesem Zeitraum -eine große Zahl von Handschriften -- es sind nicht weniger als -zweihundert -- auf uns gelangt sind. Von den älteren ist allerdings -keine einzige vollständig. Sie sind sogar oft sehr fragmentarisch. -Sämtliche neueren Handschriften lassen übrigens erkennen, daß sie auf -einen Archetyp (d. h. die nämliche alte Vorlage) zurückzuführen sind. - - -Fortschritte der Anatomie und der Heilkunde. - -Für die Beschäftigung mit den Tieren und den Pflanzen waren bei -den Römern, wie in der alexandrinischen Akademie, an erster Stelle -medizinische und landwirtschaftliche Gesichtspunkte maßgebend. Wichtig -war es auch, daß man sich über die Bedenken hinwegsetzte, die bis -dahin von einem Eindringen in den Bau und die Verrichtungen des -menschlichen Körpers abgehalten hatten. Schon bald nach *Aristoteles*, -dessen anatomisches Wissen, wie wir sahen, wenigstens in bezug auf den -Menschen, noch gering war, unterschied man Arterien und Venen. Auch -bemerkte man, daß ihre Verzweigungen dicht nebeneinander liegen. Da -man die Arterien jedoch beim Zerschneiden des toten Körpers leer fand, -so glaubte man, daß es ihre Aufgabe sei, im lebenden Organismus Luft -zu führen. Zu einer zwar noch mit vielen Unrichtigkeiten durchsetzten -Vorstellung von der Bewegung des Blutes, deren wahren Verlauf -erst *Harvey* im 17. Jahrhundert erkannte, kam der römische Arzt -*Galen*[535] (131-201 n. Chr.). *Galen* wurde in Pergamon geboren. Er -empfing seine Ausbildung in Griechenland, übte aber die ärztliche Kunst -in Rom aus (von 164-201 n. Chr.) und hielt dort auch Vorlesungen über -Anatomie, für die er schätzenswerte Beiträge auf Grund zootomischer -Untersuchungen lieferte. - -*Galen* erkannte die Anatomie und die Physiologie als die Grundlagen -der Heilkunde und bemühte sich schon, physiologische Fragen -auf experimentellem Wege zu entscheiden[536]. Die Bewegung des -Blutes schildert er folgendermaßen, wobei wir uns der heutigen -Bezeichnungweise bedienen wollen[537]: »Durch die Venen gelangt das -Blut zum rechten Teile des Herzens. Mittels der Wärme des Herzens -werden die noch brauchbaren Teile von den unbrauchbaren geschieden. -Die letzteren werden durch die Lungenarterie zu den Lungen geführt und -beim Ausatmen entfernt, während gleichzeitig die Lungen Pneuma aus der -Atmosphäre anziehen[538]. Das Pneuma gelangt durch die Lungenvenen -zum linken Herzen, verbindet sich hier mit dem Blut, das durch die -Herzscheidewand treten sollte, und wird alsdann durch die Aorta in alle -Teile des Körpers und endlich wieder in die Venen zurückgeführt.« - -Von dem großen Kreislauf des Blutes hatte *Galen*[539] also schon eine -Vorstellung, während ihm unbekannt blieb, daß die ganze Masse des -Blutes nach Vollendung dieses Kreislaufs durch die Lungen getrieben -wird. An die Stelle einer richtigen Auffassung von der Rolle des -Luftsauerstoffs, die erst durch die fortschreitende Einsicht in den -chemischen Prozeß ermöglicht wurde, tritt bei *Galen* die Annahme des -mystischen Pneumas. Darunter dachte man sich nicht die Luft selbst, -sondern ein ihr innewohnendes, belebendes Prinzip. - -Über die Fortschritte, welche die Anatomie zur Zeit der Römerherrschaft -erfahren, gibt uns das Werk *Galens* die beste Auskunft[540]. Es -verdient auch deshalb besondere Beachtung, weil es die einzige -ausführliche, aus dem Altertum vorhandene Darstellung der Anatomie -ist. *Galen* beginnt mit der Anatomie des Gehirns und der daraus -entspringenden Nervenpaare. Es folgt die Beschreibung des Auges, -der Zunge und der Lippen. Die Bewegung wird aus dem Verhalten der -Muskeln erklärt, von denen *Galen* angibt, daß sie sich zusammenziehen -und wieder erschlaffen[541]. Zu sehr wichtigen physiologischen -Ergebnissen gelangte *Galen*, weil er sich als einer der ersten des -vivisektorischen Versuchs bediente. So finden wir in seinem Buche die -Wirkungen geschildert, welche das Durchschneiden des Glossopharyngeus -(Zungenschlundkopfnerv), des Seh- und des Gehörnerven zur Folge -hat. Besonders fesselnd sind die an dem Zungenschlundkopfnerven -vorgenommenen Experimente. *Galen* erwähnt, daß sich auf jeder Seite -der Zunge zwei Nerven befinden. Schneide man das eine Paar durch, -so sei die ganze Zunge der willkürlichen Bewegung beraubt, während -die Durchschneidung nur eines dieser Nerven nur die Hälfte der Zunge -lähme[542]. Das zweite Nervenpaar, sagt *Galen* weiter, vereinige sich -nicht mit den Muskeln, sondern verteile sich in der Decke der Zunge und -vermittle die Empfindung. »Der Nerv bringt die Geschmacksempfindung vom -Gehirn herab«, heißt es bei ihm. - -Hervorzuheben ist auch *Galens* Beschreibung des Lidhebemuskels und -ganz besonders seine anatomische Untersuchung der Nerven und Muskeln -des Kehlkopfs, eine Untersuchung, bei der es ihm vor allem auf die -Feststellung des Wesens der Stimmbildung ankam. - -Ein Buch *Galens* handelt von den Venen und den Arterien, ein zweites -von den Fortpflanzungsorganen. Auch der *Fötus* mit seinen Hüllen und -die Plazenta (Mutterkuchen) werden beschrieben. - -[Illustration: Abb. 43. Chirurgische Instrumente.] - -Ist es für die Entwicklung der Medizin von großer Bedeutung, -daß ein *Galen* in einem umfassenden Lehrgebäude das Ganze der -griechischen Heilkunde zur Darstellung brachte, so ist es von rein -wissenschaftlichem Standpunkt das *Verfahren Galens*, das unser -höchstes Interesse beansprucht. War er es doch, der zuerst in größerem -Umfange durch seine an lebenden Tieren ausgeführten Untersuchungen -sich der Erforschung der Verrichtungen des Organismus zuwandte. Mit -Recht verdient deshalb *Galen* als der Begründer der experimentellen -Physiologie bezeichnet zu werden[543]. In welchem Grade die Heilkunde -schon durch die Leistungen der Mechaniker gefördert wurde, zeigen uns -die aus dem Altertum erhaltenen ärztlichen Bestecke (Abb. 43). Erwähnt -sei noch, daß *Galen*, wie Jahrhunderte vor ihm die Verfasser der -hippokratischen Schriften, auf die hygienisch-diätetische Seite der -Heilkunde großen Wert legte. *Galen* hat eingehend seine Ansichten -über die Wirkung der Luft und der Nahrungsmittel entwickelt und auch -Schlaf und Wachen, Ruhe, Bewegung und Gemütszustände vom ärztlichen -Standpunkte aus gewürdigt. In dieser prophylaktischen Richtung folgte -ihm im Mittelalter die Schule von Salerno[544]. - -Erst dadurch, daß *Galen* zu einem im ganzen richtigen Verständnis des -Wesens der Muskeln, Sehnen und Nerven gelangte, wurde die Heilkunde -auf die Stufe einer Wissenschaft emporgehoben. Vor allem war es die -Chirurgie, die aus der gewonnenen Einsicht in den anatomischen Bau -des Körpers Nutzen zog. Die Zoologie und die Botanik büßten dagegen -im Vergleich zu der Behandlung, die *Aristoteles* und *Theophrast* -diesen Gebieten angedeihen ließen, an Wissenschaftlichkeit ein und -wurden nur noch mit Rücksicht auf das medizinische Bedürfnis gefördert. -So entstand, kurz bevor *Plinius* schrieb, die Arzneimittellehre des -*Dioskurides*[545]. In ihr finden wir etwa 600 Pflanzen erwähnt, die -indes so oberflächlich beschrieben sind, daß es meist schwer hält, die -Arten sicher zu erkennen. - -Bei den Bearbeitern der Schriften des *Dioskurides* finden wir -nämlich als einen Grundzug, der uns bei allen naturwissenschaftlichen -Schriftstellern des Mittelalters begegnet, daß man dem Wort eine fast -größere Bedeutung zuschrieb als dem Dinge selbst. Genaue Überlieferung -der Namen, möglichst vollständige Aufzählung der Synonyme, der -volkstümlichen und der Geheimbezeichnungen nehmen in jenen Schriften -den ersten Platz ein. Ja, es gab Schriftsteller, deren Hauptgegenstand -die Nomenklatur der Pflanzen und im Anschluß daran angestellte -Betrachtungen über Besonderheiten der Grammatik und der Synonymik -war[546]. Die Botanik berücksichtigte *Dioskurides* nur insoweit, als -es sein Zweck erforderte. Die bei manchem seiner Vorgänger übliche -alphabetische Anordnung der Pflanzen verwarf er, um sie nach ihm -natürlich erscheinenden Gruppen zusammenzustellen. Doch begegnete ihm -dabei mancher Mißgriff. Freilich ist es schwer, zu entscheiden, was er -selbst gefunden und was er seinen Vorgängern entlehnt hat. - -Das Werk des *Dioskurides* blieb für das gesamte Mittelalter und noch -darüber hinaus von großer Bedeutung. »Was einer späteren Zeit«, sagt -*Meyer* in seiner Geschichte der Botanik[547], »*Linnés* Systema -naturae wurde, das war für jene Zeit die Arzneimittellehre des -*Dioskurides*; nur mit dem Unterschiede, daß man auf *Linnés* Werk -fortzubauen nicht lange säumte, auf dem des *Dioskurides* dagegen wie -auf einem Ruhekissen schlummerte.« Indessen galt *Dioskurides* nicht -nur für das Mittelalter als unanfechtbare Autorität auf dem erwähnten -Gebiete, sondern noch die Begründer der neueren Botanik knüpften im -Anfange des 16. Jahrhunderts vielfach an ihn an. Sie waren dabei von -dem Bemühen geleitet, die von *Dioskurides* beschriebenen Pflanzen -wieder aufzufinden, wodurch die Liebe zur Natur zu neuem Leben erweckt -wurde. - -Während die Griechen sich auf dem Gebiete der Pflanzenkunde mehr -als Theoretiker erwiesen, haben die Römer, ihrem auf das Nützliche -gerichteten Sinne entsprechend, vorzugsweise die angewandte Botanik -gefördert[548]. Eine Anregung dazu empfingen sie von den Karthagern. -Dort entstand schon im 6. Jahrhundert v. Chr., also lange vor den -griechischen Georgikern, *Magos* Werk über die Landwirtschaft, das der -römische Senat später ins Lateinische übersetzen ließ. Die Bedeutung -der Karthager auf diesem Gebiete ist wohl auf ihre Abhängigkeit -von der phönizischen Kultur zurückzuführen[549]. Der Sinn für die -Pflanzenkunde wurde bei den Römern auch dadurch gefördert, daß sie -sich mit besonderer Vorliebe dem Gartenbau zuwandten. So kamen bei -ihnen auch die Fensterbeete auf, welche die jungen Pflanzen vor Kälte -schützten, aber durch ihre Marienglasscheiben die Sonnenstrahlen -hindurchließen[550]. - -Berühmt waren die Gärten, welche Kaiser *Hadrian* bei seinem Landsitz -in Tibur, dem heutigen Tivoli, unterhielt. Auch die Landsitze, mit -denen die römischen Großen die felsigen Gestade des Mittelmeers -umsäumten, erhielten reichen gärtnerischen Schmuck. Die römischen -Gärten wiesen jedoch auch manche Künsteleien auf, so daß sich Stimmen -erhoben, die, wie z. B. *Horaz*, die Rückkehr zur Natur predigten. - -Eins der besten Werke über die Landwirtschaft verfaßte *M. Portius -Cato*, der durch sein Bemühen, die Römer zur Einfachheit und -Sittenreinheit zurückzuführen, bekannt gewordene Zensor. Das Werk[551] -beginnt mit dem Lobe des Landbaues und enthält Vorschriften über die -Obstzucht, den Anbau des Getreides und die Pflege anderer nützlicher -Gewächse[552]. Wir haben es schon als eine der Quellen, aus denen -*Plinius* schöpfte, gewürdigt. - - -Die Botanik als Hilfswissenschaft der Heilkunde. - -Vom medizinischen Standpunkte aus hat sich auch der als Anatom und Arzt -zu großer Berühmtheit gelangte *Galen* mit den Pflanzen beschäftigt. -Auf seinen Reisen, die ihn nach Griechenland, Kleinasien, Ägypten -und Palästina führten, bemühte er sich, alle Pflanzen, denen man -Heilwirkungen zuschrieb, an ihrem natürlichen Standorte zu beobachten -und zu sammeln. Welchen Wert man diesem Gegenstande beimaß, geht auch -daraus hervor, daß die römischen Kaiser jener Zeit Kräutersammler auf -Kreta unterhielten, weil die Arzneipflanzen dieser Insel besonders -hoch geschätzt waren. *Galen* bekämpfte diese Meinung und vertrat die -Ansicht, daß Italien ebenso wirksame Arzneipflanzen beherberge. - -Durch manchen archäologischen Fund ist unsere Zeit mit den Pflanzen -selbst bekannt geworden, mit denen sich das Altertum beschäftigte. Zu -jenen, welche die Mumiensärge Ägyptens lieferten, sind vor allem die -pflanzlichen Reste getreten, die bei der Ausgrabung Pompejis zutage -gefördert wurden. Sie sind im Nationalmuseum in Neapel aufbewahrt und -zum Teil so gut erhalten, daß sie identifiziert werden konnten[553]. - -Ein besonderes Interesse, das mitunter selbst gekrönte Häupter -beherrschte, wandte man im Altertum der Erforschung giftiger Pflanzen -zu. König *Attalos* von Pergamon, so erzählt uns *Plutarch*[554], baute -giftige Gewächse an, wie Bilsenkraut, Nieswurz, Schierling, Sturmhut, -und machte ein besonderes Studium daraus, ihre Säfte kennen zu lernen -und zu sammeln. Überhaupt wetteiferte Pergamon eine Zeitlang in der -Pflege der Wissenschaften mit Alexandrien. - - -Die römische Naturauffassung bei Lukrez und Seneca. - -Außer *Plinius* sind insbesondere noch zwei andere römische -Schriftsteller zu nennen, die über die Naturwissenschaften geschrieben -haben, *Lukrez* und *Seneca*. *Lucretius Carus* (er starb 55 v. -Chr.) hat seine naturphilosophischen, auf *Epikur* zurückgreifenden -Anschauungen in einem Lehrgedicht entwickelt, das manche beachtenswerte -Stelle enthält. Es führt den Titel »De rerum natura«, wurde unter den -literarischen Erzeugnissen der voraugusteischen Zeit hoch geschätzt -und ist sowohl der Form als dem Inhalt nach griechischen Mustern -entlehnt. Als seine Quellen nennt *Lukrez* neben *Empedokles*, dem -»herrlichsten Schatz des gabenreichen sizilischen Eilands«, vor allem -*Epikur*. Aus den Schriften dieses Mannes, welcher »die anderen -Weisen überstrahle wie die Sonne die Sterne verdunkle, habe er die -goldenen Worte entnommen«, welche uns sein Lehrgedicht biete. Eine -dankbare Aufgabe für einen Dichter war es wohl kaum, die mechanische -Weltanschauung poetisch zu entwickeln. Um so mehr verdient die Art, -wie *Lukrez* sie löste und durch die er den Kranz der Musen davontrug, -unsere Bewunderung. Es ist nicht nur die Schönheit der Gleichnisse und -die lebensvolle Schilderung gewaltiger Naturerscheinungen, die uns in -seinem Werke fesselt, sondern vor allem die Genialität der auf der -Ablehnung alles Götter- und Aberglaubens beruhenden Lebensauffassung. -Bezüglich seiner Auffassung der Naturvorgänge[555] müssen wir uns hier -auf einige Andeutungen beschränken. - -Nichts entsteht aus nichts, sagt *Lukrez* mit *Demokrit* und *Epikur*, -wenn selbst die Götter es wollten. Sondern die Natur erzeugt stets -das eine aus dem andern. Die Dinge läßt *Lukrez* aus unendlich feinen -Teilchen bestehen. Sonst sei z. B. das allmähliche Dünnerwerden der im -Gebrauch befindlichen, metallenen Gegenstände ganz unerklärlich. Da bei -absoluter Raumerfüllung Bewegung unmöglich sei, so müsse man annehmen, -die Teilchen seien nicht dicht zusammengedrängt, sondern durch leere -Zwischenräume geschieden. Alles sei ferner schwer. Im leeren Raume -müsse selbst die Flamme schwer sein. Ihr Emporsteigen sei dadurch -bedingt, daß der Lufthauch sie trotz ihrer natürlichen Schwere in die -Höhe treibe, wie ja auch das schwere Holz im Wasser emporschnelle. -Schall, Licht und Wärme sind für *Lukrez* körperliche Ausflüsse. -Sonderbar ist seine, dem *Epikur* entlehnte Bildertheorie. Wir nehmen -nach ihr die Dinge wahr, indem sich dünne Häutchen von ihrer Oberfläche -lösen und durch die Lüfte zu unserem Auge schwimmen. Die magnetischen -Erscheinungen werden gleichfalls aus der Annahme erklärt, daß feine -Teilchen von dem Magneten ausströmen. Selbst den Blitz läßt *Lukrez* -aus glatten und winzigen Teilchen bestehen. - -Eine Andeutung des Gesetzes von der Erhaltung des Stoffes und der Kraft -kann man in folgenden Zeilen erblicken: - - »Denn er (der Stoff) vermehrt sich nie, noch vermindert er sich durch - Zerstörung, - Ferner war die Bewegung, die jetzt in den Urelementen - Herrscht, schon von jeher da, und so wird sie auch künftig noch da - sein. -- - Denn kein Platz ist vorhanden, nach welchem die Teile des Urstoffs - Könnten entfliehen, kein Platz, von wo aus erneuerte Kräfte - Brächen herein, die Natur und Bewegung der Dinge zu ändern[556].« - -Interessant ist, wie *Lukrez* das Verhältnis von Empfindung und Materie -erörtert. Er schreibt die Empfindung nämlich nicht den Atomen, sondern -nur ihrer Zusammenfassung zu. Denn, so meint er, die Menschenatome -könnten doch nicht weinen und lachen. Indem er das tut, erhebt sich -*Lukrez* über den krassen Materialismus der demokritischen Lehre. Des -weiteren bringt er bemerkenswerte Anschauungen über Gegenstände der -physikalischen Geographie. So erklärt er den gleichmäßigen Bestand des -Meeres als eine Folge des Kreislaufs des Wassers. Nach seiner Annahme -gelangt das Wasser aus dem Meere auf unterirdischem Wege in die Gebirge -zurück[557] und speist dort unter Abgabe des Salzgehaltes die Quellen. -Die Erdbeben werden darauf zurückgeführt, daß die Erde mit Höhlungen, -Strömen, Sümpfen und geborstenem Gestein ausgefüllt sei. Durch den -Einsturz der Höhlen entständen Erschütterungen, die man als Erdbeben -bezeichne. - -Nicht minder merkwürdig als die Schrift des *Lukrez* sind die[558] -»Quaestiones naturales« des römischen Dichters und Philosophen -*Seneca*, der im Jahre 65 n. Chr. starb. - -*Seneca* meint, das Gesicht sei der trügerischste Sinn, da z. B. -ein Ruder im Wasser wie gebrochen erscheine. Den Regenbogen hält er -für das Spiegelbild der Sonne, denn einige Spiegel, sagt er, sind -so beschaffen, daß sie die Gegenstände zu einer entsetzlichen Größe -ausdehnen. Bei *Seneca* findet sich auch die einzige Stelle, welche -darauf hindeutet, daß die Alten das Prisma gekannt und das Spektrum -beobachtet haben. *Seneca* sagt nämlich, wenn man Glasstücke mit -mehreren Kanten anfertige und die Sonnenstrahlen auf sie fallen lasse, -so erblicke man die Farben des Regenbogens. Er erwähnt ferner mit -Wasser gefüllte Glaskugeln und ihre Eigenschaft, dahinter befindliche -Gegenstände vergrößert zu zeigen[559]. Dafür, daß die Römer mit den -optischen Eigenschaften geschliffener Gläser bekannt waren, soll auch -eine Angabe des *Plinius* sprechen. Es heißt dort, daß *Nero* sich -eines Smaragds bediente, um besser sehen zu können. Dieser Stein sei -konkav und dadurch geeignet gewesen, »die Sehstrahlen zu sammeln«[560]. -Man hat auch bei Ausgrabungen (so in Pompeji) linsenförmig geschliffene -Gläser gefunden und nimmt an, daß sie als Brenngläser gedient haben. -Auch bei den Ausgrabungen in Ninive hat man eine plankonvexe Linse aus -Bergkristall entdeckt, die angeblich auch optischen Zwecken gedient -hat[561]. - -Der Schall ist für *Seneca* ein Druck der Luft. Er begegnet sich in -dieser, annähernd das Richtige treffenden Anschauung mit *Vitruv*, der -im Gegensatz zu dem, alles als Ausflüsse auffassenden *Lukrez* den -Schall als eine Lufterschütterung betrachtet. Diese Erschütterung läßt -*Vitruv* ähnlich entstehen, wie sich durch einen Stein im Wasser die -Wellenkreise bilden. Nur entständen die Wellen beim Schall nicht allein -in der Fläche, sondern sie dehnten sich auch in die Breite und in die -Höhe (somit kugelförmig) aus. - -Im 3. Buche findet sich ein Anklang an den als Apokatastasis -bezeichneten periodischen Wechsel. Die Erde sollte danach[562] -verbrennen, wenn alle Wandelsterne im Krebse zusammenkämen und -somit eine gerade Linie bildeten. Dagegen würde eine allgemeine -Überschwemmung eintreten, wenn sich diese Konstellation im Steinbock -wiederhole. - -Die Höhe der Naturanschauung *Senecas* zeigt sich besonders in den -Ansichten, die er über die Kometen entwickelt[563]. Seine Zeitgenossen, -sagt er, seien der Meinung, die Kometen entständen aus verdichteter -Luft. Er aber halte sie für »ewige Werke der Natur«, und zwar deshalb, -weil auch ihnen ein Kreislauf eigen sei. - -Von Beobachtungsgabe und Scharfsinn zeugen auch die Ansichten, die -*Seneca* über die geologischen Erscheinungen entwickelt. Die Erdbeben -werden teils auf den Einsturz von Höhlungen des Erdinnern, teils -auf dort angesammelte Gase zurückgeführt. Die Vulkane stellen die -Verbindung zwischen der Oberfläche und dem glutflüssigen Erdinnern -her. Unter den Vulkanen, welche *Seneca* aufzählt, findet der Vesuv -keine Erwähnung, während *Strabon* ihn wegen der in seiner Nähe sich -findenden Schlacken als einen erloschenen Vulkan betrachtete. Manche -Bemerkungen *Senecas* über die lösende und die abtragende Tätigkeit -des Wassers und die Bildung von Ablagerungen stimmen mit den neueren -geologischen Anschauungen gut überein und »verraten durchweg ein -gesundes Urteil«[564]. Auch *Vitruv* äußert in seiner Schrift »De -architectura« die Ansicht, daß in der Nähe des Vesuvs das Innere der -Erde glühend sein müsse. Er schließt dies daraus, daß bei Bajae heiße -Dämpfe aus dem Boden entweichen. *Vitruv* erwähnt ferner auf Grund der -Überlieferungen, daß die Glut des Erdinnern in alten Zeiten Ausbrüche -des Vesuvs veranlaßt habe, daher rühre auch wohl der Bimsstein in -der Nähe von Pompeji, der infolge der Hitze aus einem anderen Steine -entstanden sei. *Vitruv* erwähnt auch, daß es Quellen gäbe, die vermöge -ihrer Säure Blasensteine aufzulösen vermöchten, wie der Essig die -Eierschalen löse[565]. - - -Chemische Kenntnisse und ihre Anwendungen. - -Über die mineralogischen und die chemischen Kenntnisse der Römer -erfahren wir manches durch *Plinius*[566]. Eingehender befaßt sich -dieser mit dem Glase. Er schildert seine Herstellung aus Sand, Soda -(Nitrum) und Muschelschalen[567]. Auch ist ihm bekannt, daß man mit -Kugeln aus Glas oder Kristall sowie mit kugeligen, mit Wasser gefüllten -Glasgefäßen in der Sonne Hitze erzeugen kann[568]. Die Römer stellten -sogar Treibhäuser mit gläsernen Wänden her, um auf diese Weise -frühzeitig frisches Gemüse zu erhalten. Aus Glas verfertigte Spiegel -finden gleichfalls schon bei *Plinius* Erwähnung. Neuere Ausgrabungen -haben solche auch zutage gefördert. Der Belag dieser antiken Spiegel -besteht bald aus reinem Blei[569], bald aus anderen Metallen. - -Auch über die wichtigsten Farbstoffe und ihre Verwendung berichtet -*Plinius*. Er erwähnt den Krapp und den Indigo, mit denen man die Wolle -färbte. Wie man in Indien den Indigo gewinnt, ist ihm indessen nicht -bekannt. Am weitesten hatten es in der Kunst zu färben nach *Plinius* -die Ägypter gebracht. Er erzählt von ihnen, daß sie die Stoffe vor dem -Färben mit besonderen Flüssigkeiten (Beizen) behandelten. - -*Plinius* kannte auch schon die Seife. Er erzählt, daß sie von den -Galliern und den Germanen durch Kochen von Talg mit Pflanzenasche -hergestellt werde. Wahrscheinlich wurde die Aschenlauge durch Zusatz -von Kalk kaustisch gemacht[570]. - -Mancherlei über die chemischen Kenntnisse zur Zeit der Römerherrschaft -erfahren wir auch durch die um 75 n. Chr. entstandene Arzneimittellehre -des *Dioskurides*. So spricht dieser vom Verzinnen von Kesseln[571]. -Daß gewisse Mineralien beim Übergießen mit Essig Gas entwickeln, war -im Altertum bekannt. *Plinius* knüpft daran die Bemerkung, der Essig -sei stärker als das Feuer, denn er bezwinge Felsen, die dem Feuer -Widerstand leisteten[572]. - - - - -6. Der Ausgang der antiken Wissenschaft. - - -In die Zeit der römischen Weltherrschaft fällt eine nochmalige -Blüteperiode der alexandrinischen Akademie. Die mit ihr verbundene -große Bibliothek war zwar im Jahre 47 v. Chr. zum größten Teile -vernichtet worden. Als Ersatz dafür gelangten zahlreiche Rollen der -pergamenischen Bibliothek nach Alexandrien (s. S. 153). Eine zweite -kleinere Bibliothek befand sich dort im Serapeion. Sie wurde gegen das -Ende des 4. Jahrhunderts bei einem von den Christen hervorgerufenen -Aufstand zerstört. Trotzdem blieb Alexandrien noch lange über das 4. -nachchristliche Jahrhundert hinaus die bedeutendste Hochschule des -Orients[573]. - - -Das ptolemäische Weltsystem. - -Als ruhmvollster Name unter den alexandrinischen Gelehrten der -nachchristlichen Jahrhunderte leuchtet uns derjenige des *Ptolemäos* -entgegen. Mit seinen Verdiensten um die Fortentwicklung der Astronomie -und der Geographie haben wir uns zunächst zu beschäftigen. - -*Ptolemäos* lebte im 2. Jahrhundert n. Chr. in Alexandrien. Er hat -sich als Mathematiker, Astronom, Physiker und Geograph die größten -Verdienste erworben. Wahrscheinlich ist er in Ptolemais in Oberägypten -geboren. Im übrigen ist über sein Leben fast nichts bekannt. -*Ptolemäos* hat zahlreiche Schriften verfaßt, die zum Teil im Original, -zum Teil in arabischer oder in lateinischer Sprache erhalten geblieben -sind. Die wichtigsten sind die »Erdbeschreibung«, der »Almagest« (das -astronomische Hauptwerk) und die »Optik«. - -Das Weltsystem des *Aristarch* war zwar ein glücklicher Einfall -gewesen; die heliozentrische Auffassung allein vermochte jedoch noch -nicht, der genaueren Beschreibung der sich am Himmel abspielenden -Vorgänge eine sichere Grundlage zu bieten. Dies System konnte daher im -Altertum keine allgemeine Geltung finden, zumal es an den mechanischen -Begriffen fehlte, welche damit in Einklang gebracht werden mußten. -So erhob *Ptolemäos* den später auch *Koppernikus* und *Galilei* -gegenüber gemachten, von letzterem aber entkräfteten Einwand, daß eine -Drehung der Erde um ihre Achse die Ablenkung eines senkrecht in die -Höhe geworfenen Körpers zur Folge haben müßte. Ferner galt der von -*Aristoteles* herrührende Satz, daß die Bewegungen der Himmelskörper, -weil die letzteren göttlich und ewig seien, gleichmäßig und im Kreise -vor sich gehen müßten, dem *Ptolemäos*, wie dem gesamten Altertum, -als eine unumstößliche Wahrheit. Zwar hatte es den Anschein, als ob -sich die Planeten, sowie die Sonne und der Mond am Fixsternhimmel bald -schneller, bald langsamer bewegten; erstere schienen sogar zeitweilig -stillzustehen und sich bald vor-, bald rückwärts zu bewegen. - -Die Unregelmäßigkeit der jährlichen Sonnenbewegung machte sich dem -*Ptolemäos* vor allem darin bemerkbar, daß die Sonne 178 Tage und 18 -Stunden gebraucht, um im Verlaufe des Winterhalbjahres vom Herbstpunkt -zum Frühlingspunkt zu gelangen, während sie die andere Hälfte der -Ekliptik, also den Weg vom Frühlings- zum Herbstpunkt, in weit längerer -Zeit, nämlich in 186 Tagen und 11 Stunden, zurücklegt[574]. Diese -als die erste Ungleichheit bezeichnete Unregelmäßigkeit entspringt, -wie wir heute wissen, daraus, daß die Himmelskörper sich nicht in -Kreisen, sondern in Ellipsen bewegen. Die zweite Ungleichheit, die -nur bei den Planeten auftritt, wird dadurch hervorgerufen, daß wir -unsere Beobachtungen von der Erde aus anstellen, die sich ihrerseits -wieder um die Sonne bewegt. Dieser Umstand ist es, der die scheinbaren -Stillstände und Rückgänge der Planeten verursacht. Auch daß an dem -Monde eine als Evektion bezeichnete Ungleichheit in die Erscheinung -tritt, bemerkte *Ptolemäos* schon[575]. Wir führen sie heute auf -Störungen zurück, welche die Mondbewegung durch die Sonne erleidet. Sie -ist die bedeutendste unter den Unregelmäßigkeiten der Mondbewegung und -erreicht einen Betrag von mehr als einem Grad. - -Schon *Platon* hatte es als die wichtigste Aufgabe der Astronomie -bezeichnet, die beobachteten, scheinbar unregelmäßigen Bewegungen -auf gleichförmige zurückzuführen, da, wie er sagte, keine Ursache -dafür vorhanden sei, daß die himmlischen Körper sich anders als -gleichförmig bewegen sollten. Der erste, der eine Lösung der von -*Platon* gestellten Aufgabe versuchte, war sein Schüler *Eudoxos* von -Knidos. Er bediente sich dazu der Theorie der homozentrischen Sphären; -und es gelang ihm so, die zweite Ungleichheit als ein gesetzmäßig -bestimmtes Bewegungsphänomen darzustellen. Nach *Eudoxos* ist jeder -Planet auf einer rotierenden Sphäre befestigt. Die Pole dieser Sphäre -liegen in einer zweiten Sphäre, die ebenfalls um eine Achse rotiert. -Es kam nun darauf an, die Geschwindigkeiten jener Sphären und die -Lage ihrer Achsen so zu wählen, daß dadurch dem tatsächlichen Verlauf -der Erscheinungen möglichst Rechnung getragen wurde. Zu diesem -Zwecke mußten für den Mond und für die Sonne je drei und für jeden -Planeten vier Sphären angenommen werden. Am besten gelang es auf diese -Weise, die Bewegungen der entfernteren Planeten Saturn und Jupiter -gewissermaßen in eine Regel zu fassen. Die größten Schwierigkeiten -bereitete der Mars, an dem später *Tycho* und *Kepler* den wahren -Ablauf der Planetenbewegungen nach endlosen Mühen entdecken sollten. - -Um die Theorie mit den Erscheinungen in besseren Einklang zu bringen, -wurde später die Zahl der Sphären noch vermehrt[576]. Einen anderen Weg -schlugen *Hipparch* und *Ptolemäos* ein. Sie benutzten zur Auflösung -der ersten Ungleichheit exzentrische Kreise und zur Bewältigung der -zweiten Ungleichheit den Epizykel[577]. *Hipparch* erklärte die -Erscheinung, daß die Sonne auf ihrer jährlichen Bahn eine größte und -eine geringste Geschwindigkeit annimmt, indem er die Erde aus dem -Mittelpunkt rückte und die Sonne um sie in gleichförmiger Bewegung -einen exzentrischen Kreis beschreiben ließ. Die Größe der Exzentrizität -ließ sich nun leicht so wählen, daß damit dem Verlauf der Erscheinungen -Rechnung getragen wurde. Die Annahme von exzentrischen Kreisen hatte -aber nicht einmal die Bewegung des Mondes, geschweige denn diejenige -der Planeten zu erklären vermocht. *Ptolemäos* griff deshalb einen -Gedanken auf, den der Mathematiker *Apollonios* geäußert hatte, und -nahm zwei oder mehr Kreisbewegungen zu Hilfe. Zur Erklärung diene Abb. -44. Es sei E die Erde, um die mit einem Radius R = Mm ein exzentrischer -Kreis gezogen ist. Auf letzterem bewegt sich indes nicht der in Frage -kommende Himmelskörper, sondern der Mittelpunkt der Kreisbahn p q t -s, in der erst der Planet mit gleichförmiger Geschwindigkeit sich -bewegt. Diese Kreisbahn wird der Epizykel, die Theorie daher die -Epizyklentheorie genannt. Es ist ersichtlich, daß der Himmelskörper, -von der Erde gesehen, sich in p rascher bewegt als in t, wo seine -Bewegung derjenigen des Epizykels entgegengesetzt ist. Auch ist klar, -daß trotz der gleichförmig gedachten Bewegung, mit deren Annahme der -Forderung *Platons* Genüge geleistet war, scheinbare Stillstände und -Rückgänge eintreten können. Es kam nur darauf an, das Verhältnis von r -und ME zu R, sowie die Umlaufszeiten um M und m so zu wählen, daß dem -Verlauf der Erscheinungen durch die hypothetischen Bewegungen Genüge -geleistet war und erstere aus den angenommenen Verhältnissen berechnet -werden konnten. Stimmten dann die Berechnungen mit neuen, auf Grund der -Rechnung angestellten Beobachtungen nicht überein, so führte man einen -dritten Epizykel ein, dessen Mittelpunkt den Kreis p q t s beschrieb. -Durch eine Verknüpfung derartiger Kreisbewegungen läßt sich offenbar -jede, nach einem bestimmten Gesetze auf beliebiger Bahn ablaufende -Bewegung darstellen. - -[Illustration: Abb. 44. Zur Erläuterung der Epizyklentheorie.] - -*Ptolemäos* wandte die Epizyklentheorie zunächst auf die Erklärung -der Mondbewegung an. Daß die Entfernung des Mondes von der Erde -beträchtlichen Schwankungen unterworfen ist, hatte sich ihm aus der -Tatsache ergeben, daß der scheinbare Durchmesser des Mondes nach -seinen Beobachtungen zwischen 31-1/3 und 35-1/3 Minuten schwankt. -*Aristoteles* hatte also recht, wenn er behauptete, »daß derselbe -Diskus, bei sich gleichbleibender Entfernung vom Auge, den Mond bald -bedecke, bald nicht«. - -Um die Ungleichheiten des Mondumlaufes zu erklären, ließ *Ptolemäos* -das Gestirn einen Epizykel beschreiben, der sich innerhalb eines -Zeitraumes vollziehen sollte, in welchem der Mond zu demselben -Endpunkte seiner großen Bahnachse zurückkehrt. Der Mittelpunkt dieses -Epizykels umlief die Erde in einem Kreislauf, der gegen die Ekliptik, -der Neigung der Mondbahn entsprechend, schief gerichtet war. Die -Zeitdauer dieses Kreislaufs währte bis zur Rückkehr zu den Knoten, den -Punkten, in denen die Ekliptik und die Mondbahn sich schneiden. Auf -diese Weise erzielte *Ptolemäos*, daß sich Rechnung und Beobachtung, -wenigstens für den damaligen Stand der astronomischen Wissenschaft, in -etwa deckten. - -Dasselbe Ziel suchte *Ptolemäos* bezüglich der Planetenbewegung unter -Zuhilfenahme der Epizyklen und der exzentrischen Kreise zu erreichen. -Doch waren die Schwierigkeiten hier fast noch größer. - -So lange man die Epizyklentheorie als bloße Hilfshypothese ansah und -benutzte, ließ sich gegen sie nichts einwenden. Wir bedienen uns -noch heute zur Beschreibung von Naturvorgängen mancher Fiktionen, -die dem Fortschritt der Erkenntnis nur dann gefährlich werden, wenn -wir uns daran gewöhnen, in ihnen den wahren Grund der Erscheinungen -zu erblicken. Erinnert sei nur an die Annahme magnetischer und -elektrischer Fluida, an deren wirkliches Vorhandensein kein Physiker -glaubt, obgleich sie einer elementaren Beschreibung der magnetischen -und der elektrischen Vorgänge zugrunde gelegt werden. Mit der -zunehmenden Kompliziertheit solcher Hypothesen wird indes ihre -Anwendung immer mehr erschwert. So trug schon aus dieser Ursache die -Epizyklentheorie den Keim des Todes in sich, wenn auch ihre Herrschaft -noch lange dauern sollte. Denn selbst *Koppernikus* war, nachdem er die -Sonne, wie er sich ausdrückt, auf ihren königlichen Thron in die Mitte -der sie umkreisenden Gestirne gesetzt hatte, sofort gezwungen, sich -der Epizykel wieder als Hilfskonstruktion zu bedienen, weil er an der -Vorstellung einer kreisförmigen Bewegung der Planeten festhielt. - -Zwar kam bei Annahme der heliozentrischen Lehre die sogenannte zweite -Ungleichheit in Fortfall, da sie ja daraus entsprang, daß man die Erde -als den Mittelpunkt der Bewegungen betrachtete. Anders stand es mit der -ersten Ungleichheit, welche daraus hervorgeht, daß die Himmelskörper -sich nicht in Kreisen, sondern in Ellipsen bewegen. Da *Koppernikus* -an die Möglichkeit einer anderen als der kreisförmigen Bewegung noch -gar nicht dachte, so blieb ihm zur Erklärung der ersten Ungleichheit -nichts anderes übrig, als auf sie die Epizyklentheorie anzuwenden. -Das astronomische und das trigonometrische Wissen seiner Zeit legte -*Ptolemäos*, nachdem es durch ihn eine beträchtliche Vermehrung -erfahren, in einem Lehrbuche nieder, das von den Arabern Almagest[578] -genannt wurde und dem gesamten Mittelalter in astronomischer Hinsicht -als ein Evangelium galt. - -Das Bedürfnis nach einer Verbesserung der von *Ptolemäos* mitgeteilten -Planetentafeln machte sich schon im Mittelalter geltend. Um das Jahr -1250 berief daher König *Alfons* von Kastilien eine Anzahl Gelehrter, -welche neue astronomische Tafeln, die sogenannten alfonsinischen, -entwarfen, die einen wesentlichen Fortschritt gegenüber denjenigen -des *Ptolemäos* bedeuteten. An der Epizyklentheorie wurde indes trotz -ihrer wachsenden Kompliziertheit nicht gerüttelt, was *Alfons* zu dem -Ausspruch veranlaßt haben soll, die Welt wäre einfacher geworden, wenn -Gott ihn bei ihrer Erschaffung zu Rate gezogen hätte. - -Außer der vorstehend skizzierten, dem damaligen Standpunkte der -Astronomie genügenden Epizyklentheorie finden wir im Almagest die -schon von den älteren alexandrinischen Astronomen sowie von *Hipparch* -in Angriff genommene Bestimmung der Fixsternörter fortgesetzt[579]. -Das von *Ptolemäos* entworfene Verzeichnis[580] umfaßt 1022 Sterne, -die nach ihrer Lage innerhalb der von den Griechen angenommenen -Sternbilder, sowie nach Länge und Breite bestimmt sind. - -Auch die Untersuchung der von *Hipparch* entdeckten und ihrer Größe -nach gleich etwa einem Grad für das Jahrhundert angegebenen Präzession -der Tag- und Nachtgleichen wurde von *Ptolemäos* wieder aufgenommen. -Eine Bestätigung dieser Erscheinung war nämlich sehr wichtig, da -*Hipparch* sich nur auf die wenig genauen Beobachtungen der älteren -Alexandriner stützen konnte. - -Bevor wir die Schilderung der astronomischen Verdienste des *Ptolemäos* -beenden, sei noch einiges aus dem Inhalt des Almagest mitgeteilt, -woraus sich der Standpunkt, den die Sternkunde in Alexandrien erreicht -hatte, ermessen läßt. Die Erde ist eine Kugel. Sie befindet sich in der -Mitte des Himmels, kann aber im Vergleich zu den Himmelsräumen nur als -ein Punkt betrachtet werden. Während die Erde unbeweglich feststeht, -bewegen sich die Gestirne in kreisförmigen Bahnen. Dies sind die Sätze, -welche an der Spitze des Werkes stehen. Die Länge des Jahres wird im -Almagest zu 365 Tagen 5 Stunden und 55 Minuten angegeben. Die Erde ist -39 mal so groß wie der Mond, während die Sonne den Mond 6600 mal an -Größe übertreffen sollte. Bezüglich der Entfernungen wird angegeben, -daß der Mond 59, die Sohne dagegen 1210 Erdhalbmesser von uns entfernt -sei. - -Die Abstände der Gestirne von der Erde regeln sich nach *Ptolemäos* -folgendermaßen: Auf den Mond folgt zunächst Merkur, dann Venus und -darauf die Sonne. Die weitere Reihenfolge ist Mars, Jupiter und Saturn. -Auf diese sieben Wandelsterne, deren Zahl erst durch *Herschels* -Entdeckung des Uranus vermehrt wurde, folgen die Fixsterne. - -An die Beschreibung dieses seinen Namen tragenden Weltsystems schließt -sich eine Darstellung der Grundzüge der ebenen und der sphärischen -Trigonometrie, der wichtigsten Hilfswissenschaft der Astronomen. - - -Hilfswissenschaften der Astronomie. - -Die astronomischen Leistungen des *Ptolemäos* wurden dadurch -ermöglicht, daß die beiden wichtigsten Hilfswissenschaften der -Astronomie, die Mathematik und die Meßkunde, bedeutende Fortschritte -aufzuweisen hatten. Die wichtigste Vorarbeit auf dem Gebiete der -Mathematik lieferte der Astronom *Menelaos* von Alexandrien, dessen -Sternbeobachtungen im Almagest Erwähnung finden. *Menelaos* verfaßte -ein Werk über die Berechnung der Sehnen, das verloren ging, und ein -zweites, »Sphärik« genannt, welches die Grundzüge der sphärischen -Trigonometrie entwickelte, indessen nur in Übersetzungen bekannt -geworden ist[581]. *Menelaos* bringt schon den Satz, daß in jedem -sphärischen Dreieck die Summe der drei Winkel größer als zwei Rechte -ist. Er zeigt, daß gleichen Seiten desselben sphärischen Dreiecks -gleiche, ungleichen Seiten ungleiche Winkel gegenüberliegen, und -zwar den größeren Seiten die größeren Winkel. Sein Werk enthält die -wichtigsten Sätze über die Kongruenz sphärischer Dreiecke, ferner -diejenigen Sätze über Transversalen im ebenen und im sphärischen -Dreieck, die man noch jetzt als die Sätze des *Menelaos* bezeichnet. -*Ptolemäos* vollendete, was *Hipparch* und *Menelaos* auf dem Gebiete -der ebenen und der sphärischen Trigonometrie begonnen hatten. Er gab -dieser Wissenschaft für den astronomischen Gebrauch eine Form, die -sich, wie seine Lehre, länger als ein Jahrtausend erhalten hat. - -Als der letzte unter den großen Mathematikern des Altertums ist -*Diophant* von Alexandrien zu nennen. Dieser schrieb ein Werk über -Arithmetik, das etwa zur Hälfte erhalten geblieben ist[582]. Er -betitelte es ἀριθμητικά und erschloß damit ein bisher kaum betretenes -Gebiet. - -Bei *Diophant* begegnen uns schon gewisse Zeichen und Abkürzungen, -während vor ihm die Rechnungen zumeist nur durch Worte -auseinandergesetzt wurden und höchstens gewisse Fachausdrücke (wie -bei den alten Ägyptern) wiederkehren. Für die Unbekannte (unser x) -gebrauchte *Diophant* z. B. das Sigma, ς, den einzigen griechischen -Buchstaben, der keine bestimmte Zahl bedeutete. Für die zweite Potenz -lautet sein Zeichen δ^ῦ (δύναμίς = Quadrat), für die dritte k^ῦ (κύβος -= Würfel). Für die sechste Potenz schrieb *Diophant* κ^ῦ κ^ῦ. Höhere -Potenzen kommen bei ihm nicht vor. Für die Subtraktion verwendet er -ein besonderes Zeichen (⋔ = umgekehrtes ψ). Zu addierende Größen -dagegen werden ohne ein Zeichen nebeneinander gestellt. Selbst ein -Gleichheitszeichen (ι als Abkürzung von ἴσοι, gleich) fehlt nicht[583]. -Diese Beispiele zeigen zur Genüge, daß uns bei *Diophant* schon ein -Verfahren begegnet, das seine hervorragenden Erfolge erklärlich macht. -Ein wesentlicher Mangel der diophantischen Algebra besteht darin, daß -sie den Gegensatz von positiv und negativ noch nicht kennt. Dies -hat darin seinen Grund, daß *Diophant* nur Differenzen bildet, bei -welchen der Minuend größer als der Subtrahend ist. Eine größere Zahl -von einer kleineren abzuziehen, die algebraische Operation, die ja -zum Begriff der negativen Zahl geführt hat, erschien ihm als etwas -Unmögliches. Führte die Lösung einer Gleichung auf negative Werte, so -erklärte *Diophant* einen derartigen Fall für unzulässig. Eine Rolle -spielte diese Beschränkung besonders bei der Auflösung quadratischer -Gleichungen, mit der *Diophant* sich sehr vertraut zeigt. Bei ihm -begegnet uns auch die erste kubische Gleichung. Doch bleibt der -Fall vereinzelt. Auch ließ sich die betreffende Gleichung auf einen -niedrigeren Grad reduzieren[584]. *Diophant* gibt die Lösung, ohne -jedoch sein Verfahren anzudeuten. - -Was *Diophant* vor allem auszeichnet, ist die Art, in der er sich -bei fast allen Problemen von den Einzelfällen loslöst und sich zur -allgemeineren Betrachtung erhebt. - -Die Stellung, die *Diophant* in der Entwicklung der Wissenschaften -einnimmt, ist infolgedessen eine ganz einzigartige. Einmal treten -uns seine Schöpfungen, die von allem, was vor ihnen liegt, so sehr -verschieden sind, ganz unvermittelt entgegen. »Eine ganz andere Luft -weht in den Schriften dieses Arithmetikers als in denjenigen der -klassischen Geometer«[585]. Und wie es an nachweisbaren Vorstufen -und Vorläufern fehlt, so mangelt es in dem auf *Diophant* folgenden -Jahrtausend auch an Mathematikern, die das von ihm Begonnene -fortgesetzt hätten. Erst zu Beginn der neueren Periode vermochte man an -*Diophant* anzuknüpfen und eine höhere Mathematik zu schaffen, deren -wichtigstes Element, wie bei *Diophant*, allgemeine Zahlen, für sich -betrachtet und in ihrer Beziehung zu geometrischen und physikalischen -Größen, sind. - -*Diophant* lebte vermutlich im 3. nachchristlichen Jahrhundert, -jedenfalls ist aber sein Werk später als die Schriften des *Ptolemäos* -verfaßt. Auf die Entwicklung der alten Astronomie hat es keinen Einfluß -ausgeübt[586]. - -Die Förderung, welche die Meßkunde bei den Vorgängern des *Ptolemäos* -erfahren hatte, wußte dieser sich nicht weniger als die mathematischen -Fortschritte zunutze zu machen. Im Jugendzeitalter der Astronomie -wird man wohl die Entfernungen am Himmelsgewölbe nach Mondbreiten -abgeschätzt und dabei wahrscheinlich zwei um ein Scharnier -drehbare Stäbe, in deren Treffpunkt sich das Auge des Beobachters -befand, gebraucht haben. Die Alexandriner benutzten zwei Arten von -Winkelmeßinstrumenten. Bei der einen kam eine geradlinige, bei der -anderen die Kreisteilung in Anwendung. Zur ersten Art gehört das -parallaktische Lineal, auch Regula Ptolemaica genannt, das *Ptolemäos* -im Almagest beschreibt. Es besteht aus einem lotrecht und drehbar -aufgestellten Stabe, um dessen oberen Endpunkt sich ein gleich langer -Stab mit Dioptern, zum Anvisieren des Gestirnes, bewegen ließ. Am -unteren Ende des senkrechten Stabes war ein dritter drehbarer Stab mit -Längseinteilung angebracht. Dieser Stab ließ sich in einer Rille des -Diopterlineals verschieben. Bei jeder Höhenmessung konnte die Lage des -Diopterlineals auf der Gradeinteilung des zweiten beweglichen Lineals -abgelesen und danach der entsprechende Winkel aus der Sehnentafel -entnommen werden. - -[Illustration: Abb. 45. Das parallaktische Lineal.] - -Indessen bediente sich *Ptolemäos* nach dem Beispiel von *Aristyll* -und *Timocharis* (300 v. Chr.) auch der mit Gradeinteilung -versehenen, miteinander verbundenen Kreise, der sogenannten Armillen. -*Eratosthenes* hatte 220 v. Chr. in Alexandrien Armillen von -bedeutender Größe errichtet und vermittelst dieser Instrumente den -Abstand der Wendekreise zu 11/83 des Kreisumfanges bestimmt. Eine der -von *Ptolemäos* benutzten Armillen zeigt uns die Abbildung 46[587] -auf S. 256. Sie bestand aus einem aus Kupfer oder Bronze verfertigten -Ring, der in 360 Grade geteilt war. Der Ring war in senkrechter -Lage auf einer Säule errichtet und fiel mit dem Meridian zusammen. -Diesem Ringe war ein zweiter drehbarer Ring mit zwei diametral -gegenüber befindlichen Vorsprüngen eingepaßt. Wollte man z. B. die -Mittagshöhe der Sonne messen, so wurde der innere Ring gedreht, bis -der Schatten des einen Vorsprunges auf den anderen Vorsprung fiel. -Eine Armillarsphäre (Ringkugel) bestand aus zwei festverbundenen, -rechtwinklig zueinander stehenden Kreisen, von denen der eine in der -Ebene des Meridians, der andere in der Ebene des Himmelsäquators lag. -In dem Meridiankreis war ein dritter Kreis drehbar angebracht, dessen -Drehachse mit der Weltachse zusammenfiel. In diesem dritten Kreise -befand sich, konzentrisch und verschiebbar, ein vierter. Durch Diopter -wurde ein Anvisieren ermöglicht, während Gradeinteilungen ein Ablesen -der Deklination und des Stundenwinkels gestatteten. Dem Instrument lag -also der Gedanke zugrunde, die an der Himmelskugel erkannten Kreise -und Kreisbewegungen im kleinen nachzubilden. Zum Messen von Winkeln -diente auch wohl der astronomische Ring oder das Astrolabium[588]. Es -bestand aus zwei konzentrischen, gegeneinander verschiebbaren Ringen, -die mit je zwei gegenüberstehenden Dioptern versehen waren. Wollte man -Horizontalwinkel messen, so wurde der Ring hingelegt. Handelte es sich -um das Messen von Höhenwinkeln, so hing man ihn auf. - -[Illustration: Abb. 46. Solstitial-Armille des Ptolemäos. Schematische -Skizze nach dem Almagest.] - -Außer den Armillen benutzte *Ptolemäos*, wie die chaldäischen -Astronomen, auch aus Stein verfertigte Mauerquadranten, die in der -Ebene des Meridians errichtet waren. - -Wir erkennen, daß schon bei den frühesten astronomischen Beobachtungen -der Forscher wesentlich auf die Geschicklichkeit des Mechanikers -angewiesen war. Die Entwicklung der Astronomie ist daher mit der steten -Vervollkommnung und mit der wachsenden Genauigkeit der Meßwerkzeuge -Hand in Hand gegangen[589]. Schon die Herstellung der Ringinstrumente, -welche die Alexandriner benutzten, erforderte eine hervorragende -Fertigkeit. »Noch jetzt«, so lautet das Urteil eines hervorragenden -Kenners der Präzisionsmechanik, »würde nur von einem geschickten, -mit einer Drehbank ausgerüsteten Arbeiter die auch nur für primitive -Beobachtungen genügende Genauigkeit solcher Meßinstrumente zu erwarten -sein«[590]. - -Die für die Astronomie gleich wichtige Zeitbestimmung erfolgte, -wie es schon bei den Chaldäern geschah, durch Wassermessung. Schon -im 5. Jahrhundert v. Chr. begnügte man sich nicht mehr mit einer -Abschätzung der Tagesstunden aus der Länge des Schattens, sondern man -baute Wasseruhren (Klepsydren). Ja sogar solche mit Weckvorrichtung -begegnen uns schon im 4. vorchristlichen Jahrhundert[591]. Die hierbei -Verwendung findenden Instrumente vervollkommnete der um 270 v. Chr. -lebende Alexandriner *Ktesibios*, der auch als der Erfinder der -Feuerspritze, der Wasserorgeln usw. genannt wird, und der in *Heron* -einen Fortsetzer seiner Arbeiten fand. Damit die Öffnung, durch welche -das Wasser bei seinen Uhren strömte, unverändert blieb, stellte -*Ktesibios* diese Öffnung nicht in gewöhnlichem Metall, sondern in -Gold oder Edelstein her. Ferner sorgte er für ein konstantes Niveau -des Wassers in dem Abflußgefäß, damit in gleichen Zeiten stets gleiche -Mengen ausströmten. Mitunter wurden durch das ausströmende Wasser -Gegenstände gehoben, die ihre Bewegung wieder auf ein Räder- oder -Zeigerwerk übertrugen. - - -Fortschritte der Geographie. - -Wie durch *Hipparch*, so erfuhr auch durch *Ptolemäos* die Geographie -eine bedeutende Förderung. Das von letzterem um 140 n. Chr. -geschaffene Lehrbuch[592] dieser Wissenschaft genoß, gleich dem -Almagest, bis gegen das Ende des Mittelalters eine unbestrittene -Herrschaft. Durch beide Schriften ist *Ptolemäos* einer der großen -Lehrer für alle Zeiten geworden, da an den »Almagest« und die -»Geographie« die großen Entdeckungen anknüpften, welche die Neuzeit -auf astronomischem und geographischem Gebiete gemacht hat. Wie der -»Almagest«, so enthält auch die »Geographie« eine erstaunliche Fülle -von Tatsachen. Nicht weniger als 5000 Punkte des damals bekannten -Teiles der Erdoberfläche werden nämlich in der »Geographie« nach Länge -und Breite angegeben. Und zwar sind nicht nur Städte, sondern auch -Flußmündungen, Berge und andere bemerkenswerte Orte berücksichtigt. Die -Ermittelung der Breite geschah mit einer solchen Genauigkeit, daß die -nach *Ptolemäos'* Angaben entworfenen Karten in meridionaler Richtung -nur geringe Verzerrungen aufweisen. *Ptolemäos* selbst hat Anleitungen -für die Ortsbestimmung und das Entwerfen von Karten gegeben. Die den -alten Handschriften seiner Geographie beigegebenen Karten (10 über -Europa, 5 über Afrika und 12 über Asien) entstammen indessen erst -dem 6. Jahrhundert, wenn sie auch zweifellos auf antike Vorlagen -zurückgehen. »Sie sind«, sagt *Ritter*[593], »die Grundlage aller -neueren Landkarten geworden. Ohne sie würden die unserigen schwerlich -ihren jetzigen Grad von Vollkommenheit erlangt haben.« - -Das bei den Alten übliche Verfahren der Längenbestimmung wurde schon -erörtert[594]. Es lieferte sehr unvollkommene Ergebnisse[595]. Auch -wechselte man schon im Altertum mit der Lage des Nullmeridians. So -rechnete *Ptolemäos* nicht nach dem durch die Insel Rhodos gezogenen -Meridian, sondern er verlegte den Anfang der Zählung nach den -»glücklichen Inseln« des äußersten Westens. Diese Einrichtung bot -den Vorzug, daß für die in Betracht kommenden Gegenden der Erde die -Unterscheidung zwischen westlicher und östlicher Länge in Wegfall kam. - -Bei der kartographischen Darstellung des ihm bekannten Teiles -der Erdoberfläche konnte *Ptolemäos* ihre Krümmung nicht mehr -unberücksichtigt lassen. Es galt daher, eine Methode zu benutzen, -welche Teile einer Kugelfläche in der Ebene zu zeichnen ermöglichte. -Diese Aufgabe löste *Ptolemäos*, indem er eine Projektionsart empfahl, -die grundlegend für die weitere Entwicklung der Kartographie gewesen -ist. - -*Marinus* von Tyrus, der Vorgänger des *Ptolemäos*, hatte die Parallel- -und die Längenkreise sämtlich als gerade Linien und die letzteren -parallel zueinander gezeichnet. Die Längengrade wurden dadurch für die -nördlichen Gegenden der Erde viel zu groß, was *Ptolemäos* durch sein -Projektionsverfahren zu vermeiden suchte. *Ptolemäos* erläutert es mit -folgenden Worten: »Es wird richtig sein, zwar die Meridiane als gerade -Linien zu zeichnen, die Breitengrade dagegen als Stücke von Kreisen, -die um ein und dasselbe Zentrum gezogen sind. Dieses wird senkrecht -über den Nordpol gedacht. Von dort aus wird man die Meridiane als -gerade Linien zeichnen müssen, damit die annähernde Ähnlichkeit mit der -Kugelfläche gesichert wird. Dies geschieht dadurch, daß die Meridiane -senkrecht zu den Breitenkreisen bleiben und in dem gemeinsamen Pole -zusammenlaufen«[596]. - -Während der mathematische Teil der Erdkunde infolge der bedeutenden -Fortschritte der Astronomie sehr gefördert wurde, blieb auch die -physische Erdkunde nicht zurück. Von großem Einfluß war hier die -Erweiterung des Gesichtskreises durch die römischen Eroberungszüge und -der dadurch bedingte kosmopolitische Zug, welcher die gesamte Erde als -Wohnsitz des Menschen aufzufassen lehrte. Insbesondere spricht sich -dieser Zug in *Strabon* aus, von dessen Erdbeschreibung *Humboldt*[597] -sagt, sie übertreffe an Mannigfaltigkeit und Großartigkeit alle -geographischen Arbeiten des Altertums. *Strabon* läßt Inseln und ganze -Kontinente, in Übereinstimmung mit den Ansichten der heutigen Geologen, -durch vulkanische Kräfte emporgehoben werden. »Nicht nur kleine Inseln -können gehoben werden«, heißt es bei *Strabon*[598], »sondern auch -große, ja selbst Festland«. Von Sizilien sagt er, man möchte es »nicht -für ein Bruchstück Italiens halten, sondern vermuten, es sei durch -das Feuer des Ätna aus der Tiefe emporgehoben worden«. Doch erörtert -*Strabon* auch die Möglichkeit, daß Sizilien durch ein Erdbeben von -Italien getrennt worden sei. Als Beweis, daß Inseln auf vulkanischem -Wege entstehen, führt er an, daß sich im Jahre 196 v. Chr. in der Nähe -von Thera, dem heutigen Santorin, unter Feuererscheinung eine Insel von -12 Stadien Umfang erhoben habe. Wie Sizilien, so betrachtete *Strabon* -auch Capri und andere der Küste benachbarte Inseln als frühere Teile -des Festlandes, während inmitten des Meeres gelegene Inseln, wie jene -Neubildung in der Nähe Theras, durch vulkanische Tätigkeit entstanden -sein sollten. - -Bei *Strabon* begegnet uns übrigens auch zuerst die Ansicht, daß die -Vulkane Sicherheitsventile der Erde seien. Die Alten wollten nämlich -beobachtet haben, daß Sizilien in Zeiten einer erhöhten Tätigkeit der -in der Nähe dieser Insel liegenden Vulkane und des Ätna weniger unter -Erdbeben zu leiden habe. - -Auch die Versteinerungen werden von *Strabon* richtig gedeutet. -So tritt er bei der Besprechung der linsenförmigen Nummuliten des -Kalksteins, aus dem die Pyramiden von Gizeh erbaut sind, der Meinung -entgegen, daß es sich hier um erhärtete Überreste von den Speisen -der Erbauer handeln könne. Schon *Eratosthenes* habe erwähnt, daß -Tausende von Stadien vom Meere entfernt Schnecken und Muscheln gefunden -würden[599]. Man müsse daher annehmen, daß einst große Teile des -Festlandes für eine gewisse Zeit überschwemmt gewesen und dann wieder -trocken geworden seien. Der Boden des Meeres sei ferner uneben wie die -Oberfläche des Landes und das Meer infolgedessen von verschiedener -Tiefe. - -Als Beweis für eine außerordentliche, in historischer Zeit erfolgte -Verschiebung der Meeresküste erwähnt *Strabon* von einer früheren -Seestadt südlich der Pomündung, daß sie 90 Stadien vom Ufer entfernt -liege. Seit jener Zeit ist diese Küste bekanntlich um einen weiteren -erheblichen Betrag meerwärts hinausgeschoben worden, so daß Ravenna, -das z. B. zur Zeit *Strabons* noch Seestadt war, jetzt sieben Kilometer -von der Küste entfernt liegt. - -*Strabon* besitzt auch bezüglich der erodierenden Tätigkeit des -Wassers, der Ursache von Ebbe und Flut, sowie der Abnahme der -Temperatur mit der Erhebung richtige Vorstellungen. Er ahnt sogar das -Vorhandensein einer zweiten Kontinentalmasse neben der von Europa, -Asien und Afrika gebildeten, wenn er sagt: »Es ist wohl möglich, daß -in demselben gemäßigten Erdgürtel, welcher durch das Atlantische Meer -geht, außer der von uns bewohnten Welt noch eine andere oder selbst -mehrere liegen.« *Columbus* ließ sich dagegen von der Vorstellung -leiten, daß eine Fahrt nach Westen unmittelbar zu den östlichen -Gestaden des asiatischen Festlandes führen müsse. - -Auch bei den Römern war man auf dem Gebiete der physikalischen -Geographie gegen den Ausgang des Altertums zu ziemlich klaren -Vorstellungen gelangt. So verdankt man dem *Vitruvius*[600] eine -im ganzen richtige Theorie der Quellenbildung nebst einer darauf -beruhenden Anweisung zur Auffindung von Quellen, während *Seneca*[601] -die durch das Wasser auf der Erdoberfläche hervorgerufenen -Veränderungen recht gut schildert und die Springfluten darauf -zurückführt, daß bei ihnen außer dem Monde auch die Sonne zur Wirkung -gelangt. - -Nicht gering waren ferner die Kenntnisse auf dem Gebiete der -Länderkunde während der letzten Jahrhunderte vor Beginn unserer -Zeitrechnung. Was die Kenntnis der einzelnen Länder anbelangt, so -ergänzt die Erdbeschreibung *Strabons* in glücklicher Weise diejenige -des *Ptolemäos*. *Strabon* hat mehr die europäischen, *Ptolemäos* -dagegen mehr die asiatischen Länder berücksichtigt. Nur in bezug auf -das nördliche und östliche Germanien ist der Bericht des *Ptolemäos* -wieder als der reichhaltigere zu bezeichnen. »*Ptolemäos* eröffnete«, -sagt *Ranke*[602], »durch seine Beschreibung der Länder jenseits des -Rheines und der Donau gleichsam eine neue Welt.« Er zerstörte ferner -den Wahn, daß das Kaspische Meer in das Weltmeer münde und wies -die Abgeschlossenheit jenes Beckens nach. Seine Darstellung stützte -*Ptolemäos* besonders auf die geographischen Kenntnisse der Phönizier -und auf die Berichte, welche ihm der Karawanenhandel zuführte. Auch -die Züge Alexanders, die gewaltige Ausdehnung der Römerherrschaft, -sowie die Reisen, welche die damaligen Geographen im Gefolge der Heere, -der Statthalter und Gesandtschaften unternahmen, hatten eine Fülle -von Material geliefert. So wußte man z. B. über Indien zur Zeit des -*Ptolemäos* viel mehr als zur Zeit *Mercators* am Schlusse des 16. -Jahrhunderts[603]. - -Nach *Herodots* Erzählung (IV, 42) ließ der ägyptische König *Necho* um -600 v. Chr. phönizische Schiffer vom Roten Meere aus Afrika umsegeln -und durch die Straße von Gibraltar nach Ägypten zurückkehren. Die Fahrt -soll 3 Jahre gedauert haben. *Herodots* Erzählung ist oft angezweifelt -worden. Soviel ist indes gewiß, daß im Altertum der Äquator -überschritten wurde. Denn die Schiffer sagten aus, bei ihrer Fahrt um -Lybien herum nach Westen habe die Sonne um Mittag zur rechten Hand, -also im Norden, gestanden. *Herodot* fügt dieser Angabe hinzu, er könne -das nicht glauben; vielleicht gäbe es andere, die es glauben könnten. -Diese Erzählung *Herodots* hat man als einen Beweis dafür betrachtet, -daß die Fahrt wirklich stattgefunden hat[604]. - -Die Quelle, aus welcher *Ptolemäos* bei der Abfassung seiner, -acht Bücher umfassenden, Geographie besonders schöpfte, waren die -Reiseberichte des *Marinus* aus Tyrus[605]. In den phönizischen -Häfen besaß man auf Grund des ausgedehnten Handels, der von dort aus -getrieben wurde, eine ausgedehnte Kenntnis aller von phönizischen -Schiffen besuchten Länder, Inseln und Meere. Nach diesem Material -entwarf *Marinus* eine Karte, die sich unter dem Namen der Tyrischen -Weltkarte in der Bibliothek zu Alexandrien befand. - -Die Längen- und die Breitengrade waren bei *Marinus* gerade Linien, die -sich unter rechten Winkeln schnitten. Für den damals bekannten Teil der -Erde (30.-40. Breitengrad) ergab diese Projektionsart, die man wohl als -die »platte« bezeichnet, ein Netz von Rechtecken. Für den Äquator als -mittleren Breitengrad würde das Netz aus Quadraten bestanden haben. - -*Marinus* von Tyrus wurde durch seine Plattkarte der Begründer der -mathematischen Geographie. Er ging von einem Gradkreuz aus, das er aus -dem Meridian und dem Breitenparallel von Rhodos (36°) bildete und zu -einem Netz rechtwinklig sich schneidender Linien erweiterte. - -*Ptolemäos* sagt von *Marinus*, auf dessen Arbeiten er sich besonders -stützt, dieser habe einen so großen Reichtum an Nachrichten der Alten -und der Neueren zusammengebracht und so viele Reiseberichte und Werke -berücksichtigt, wie keiner seiner Vorgänger. Dementsprechend sind auch -die Angaben, die *Ptolemäos* von den asiatischen Ländern macht, weit -reichhaltiger als diejenigen, welche durch die römischen Geographen auf -uns gekommen sind. So nennt *Ptolemäos* viele Städte, Flüsse und Berge -der Insel Ceylon (Taprobane), von der *Plinius* kaum etwas zu erzählen -weiß. *Ptolemäos* kennt auch die Sundainseln. Vorderindien ist ihm -so gut bekannt, daß er von 39 Orten nicht nur die Lage, sondern auch -die Dauer des längsten Tages nach genaueren Beobachtungen angibt. Die -Flüsse und Berge Indiens, die er nennt, sind den Europäern bis ins 16. -Jahrhundert hinein unbekannt geblieben. - -Die geographischen Kenntnisse der Phönizier, auf denen *Ptolemäos* -fußte, erstreckten sich also keineswegs nur auf die Meere und die -Küsten, sondern auch auf das Innere der Kontinente. Sogar der Weg über -Land vom Euphrat über Baktrien und ein hohes Gebirge, das sich bis nach -China erstrecke, wird beschrieben[606]. - - -Weitere Fortschritte der Physik. - -Wir haben die Fortschritte, welche die Astronomie und die mit ihr -emporblühende Geographie in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten -erlebten, als die wichtigsten wissenschaftlichen Ereignisse an die -Spitze dieses Zeitraumes gestellt. Es gilt jetzt, der Naturlehre -und der Naturbeschreibung, die weniger hervortreten, eine kurze -Darstellung zu widmen. Die Mechanik hatte in der vorchristlichen Zeit -in *Archimedes* und in *Heron* ihren Höhepunkt erreicht. Als ihr -Hauptvertreter während des jetzt zu schildernden Zeitraumes ist der -Alexandriner *Pappos* zu nennen, der sich auch um die Weiterbildung der -Mathematik verdient gemacht hat. *Pappos* lebte gegen das Ende des 3. -Jahrhunderts n. Chr. Sein auf uns gekommenes Werk besteht aus 8 Büchern -und führt den Namen »Die Sammlung«[607]. Besonders das letzte Buch -bringt geometrisch begründete Lehren der Mechanik, wie die Lehre vom -Schwerpunkt und von der schiefen Ebene. Es behandelt auch die Aufgabe, -eine gegebene Last durch eine gegebene Kraft mit Hilfe von Zahnrädern -zu bewegen, deren Durchmesser in gewissen Verhältnissen stehen. Das 7. -Buch des *Pappos* enthält jenen wichtigen Satz, der unter dem Namen -der *Guldin*schen Regel erst im 17. Jahrhundert wieder allgemeiner -bekannt wurde, den Satz nämlich, daß der Inhalt eines Rotationskörpers -gleich dem Produkt aus der rotierenden Fläche und dem Wege ihres -Schwerpunktes ist. Erwähnt sei ferner noch, daß sich bei *Pappos* in -solch ausgedehntem Maße die Verwendung von Buchstaben zur Bezeichnung -allgemeiner Zahlen findet, wie bei keinem Schriftsteller vor ihm, so -daß uns bei *Pappos* schon die Elemente der Buchstabenrechnung begegnen. - -Von der Förderung der Optik und der Akustik während der ersten -Blütezeit der alexandrinischen Schule wurde an früherer Stelle -gehandelt. Bemerkenswert ist, daß die Optik auch während der zweiten -Blütezeit erheblich gefördert wurde. Und zwar geschah dies durch -denselben *Ptolemäos*, dessen Verdienste auf dem Gebiete der Astronomie -und der Geographie wir soeben als so hervorragend anerkannt haben[608]. -Wir finden nämlich bei *Ptolemäos* einen der merkwürdigsten Ansätze zu -der dem Altertum im übrigen nur wenig geläufigen induktiven Behandlung -einer physikalischen Erscheinung. - -Es handelt sich um die Ablenkung, die ein Lichtstrahl beim Übergange -aus einem Mittel in ein zweites von anderer Dichte erfährt, während -das Licht sich in ein- und derselben Substanz geradlinig fortpflanzt. -Selbst der frühesten Beobachtung konnte es nicht entgehen, daß diese -Brechung um so größer ist, je schräger das Licht die Grenzfläche -zwischen beiden Mitteln trifft. Der erste Schritt auf dem Wege des -induktiven Verfahrens mußte darin bestehen, daß man die Erscheinung -messend verfolgte und für eine Reihe von Einfallswinkeln die Größe der -entsprechenden Brechungswinkel durch den Versuch bestimmte. Letzteres -geschah durch *Ptolemäos*. Mit einem für diesen Zweck verfertigten -Werkzeug maß er für die Einfallswinkel von 10°, 20°, 30° usw. die -zugehörigen Brechungswinkel. Sein Apparat bestand aus einer Scheibe, -die in Grade geteilt war und bis zum Mittelpunkt in Wasser tauchte -(Abb. 47). Das Verfahren war folgendes: Ein Lichtstrahl BC wurde durch -eine Marke B des über dem Wasserspiegel MN befindlichen Scheibenstückes -nach dem Mittelpunkte C der Scheibe geleitet. An dieser Stelle fand -beim Eintritt in das Wasser die Brechung statt. Der gebrochene Strahl -CD setzte seinen Weg unter Wasser fort, bis er den Umfang der Scheibe -in einem auf der Gradeinteilung abzulesenden Punkt D wieder traf. Die -Werte, welche *Ptolemäos* auf solche Weise erhielt, sind in folgender -Tabelle zusammengestellt: - - Einfallswinkel (α) Brechungswinkel (β) - 10° 8° (statt 7° 29') - 20° 15° 30' ( » 14° 51') - 30° 22° 30' ( » 22° --) - 40° 29° ( » 28° 49') - 50° 35° ( » 34° 3') - 60° 40° 30' ( » 40° 30') - 70° 45° 50' ( » 44° 48') - 80° 50° ( » 47° 36') - -[Illustration: Abb. 47. Ptolemäos mißt die Brechungswinkel.] - -Der Brechungsexponent für den Übergang des Lichtes aus Luft in Wasser -ergibt sich daraus gleich 1,31, während dieser Wert nach neueren -Messungen 1,33 beträgt[609]. Das Ergebnis war also im Hinblick auf die -Art des Verfahrens recht genau, ein Beweis, daß eins der wichtigsten -Erfordernisse der exakten Forschung, die Schärfe der Messung nämlich, -dem *Ptolemäos* nicht mangelte. - -*Ptolemäos* benutzte sein Ergebnis auch zur Erklärung einer -astronomischen Erscheinung. Er schloß nämlich, daß der Lichtstrahl -auch beim Durchgange durch die Atmosphäre eine Brechung erleidet, -die vom Zenith nach dem Horizont allmählich zunimmt und unter dem -Namen der atmosphärischen Refraktion bekannt ist. Diese Refraktion -machte sich ihm z. B. dadurch bemerklich, daß er die Poldistanz eines -Gestirnes beim Auf- und Untergang kleiner fand als zur Zeit der oberen -Kulmination. - -Nach dem Messen besteht der nächste Schritt auf dem Wege des induktiven -Verfahrens in dem Auffinden einer gesetzmäßigen Beziehung zwischen -den gegebenen und den gefundenen Größen. *Ptolemäos* hat auch diesen -Schritt auf dem Gebiete der Physik zu machen versucht. Wenn es ihm -auch nicht gelang, die gefundenen Beziehungen auf einen mathematischen -Ausdruck zurückzuführen, so sprach er doch das Grundgesetz der Dioptrik -dahin aus, daß der Lichtstrahl beim Übergänge aus einem dünneren in -ein dichteres Mittel zum Einfallslote hin gebrochen wird. Er findet -es sogar wahrscheinlich, daß für je zwei Stoffe stets ein bestimmtes -Verhältnis zwischen dem Einfalls- und Brechungswinkel obwaltet. - -Nachdem das Problem der Brechung soweit gefördert war, hat es lange -geruht. Zwar beschäftigte es die gerade auf dem Gebiete der Optik -sehr tätigen Araber[610]. Doch gelangten diese nicht wesentlich über -*Ptolemäos* hinaus. Auch *Johann Kepler* hat sich damit befaßt, indem -er nach einem später zu beschreibenden Verfahren Messungen über die -Brechung anstellte und den Begriff des Grenzwinkels einführte. Seine -Lösung fand das Problem indes erst im 17. Jahrhundert durch *Snellius*, -den wir als den Entdecker des Brechungsgesetzes kennen lernen werden. - -Erwähnung verdient auch des *Damianos* Schrift über die Optik[611]. -Über die Lebensumstände *Damians* ist nichts Näheres bekannt. Seine -Schrift über die Optik ist jedenfalls später als diejenige des -*Ptolemäos* verfaßt. Eigentümlich ist die Begründung, welche *Damian* -über die optischen Ansichten der Griechen bringt. Es sollen hier -deshalb einige Stellen in freier Übersetzung Platz finden: - - * * * * * - -»Die Gestalt unserer Augen, die nicht wie die übrigen Sinneswerkzeuge -hohl und dadurch für die Aufnahme von irgend etwas eingerichtet, -sondern kugelförmig sind, beweist, daß eine Ausstrahlung von uns -ausgeht. Daß diese Ausstrahlung Licht ist, das zeigen die von den Augen -aufleuchtenden Blitze. Bei den Nachttieren erscheinen die Augen bei -Nacht sogar leuchtend. Noch deutlicher wird diese Ansicht, wenn wir die -Gleichartigkeit unseres Sehorgans mit der Sonne dargelegt haben werden. - -Da die Sehstrahlen, die von unserem Auge ausgehen, möglichst schnell -zu dem sichtbaren Gegenstande gelangen sollen, so müssen sie sich -in gerader Linie bewegen. Und ferner, wenn sie davon möglichst viel -erfassen sollen, werden sie in Kreisform darauf losgehen. Denn alles -was den lebenden Wesen nützlich ist, pflegt die Natur zu tun. Um die -sichtbaren Gegenstände in Kreisform zu treffen, müssen die Sehstrahlen -entweder die Gestalt eines Zylinders oder eines Kegels haben. Ein -Zylinder kann nicht in Betracht kommen, weil dann nicht Gegenstände -erfaßt werden könnten, die größer als das Auge sind. Die Sehstrahlen -haben daher die Gestalt eines Kegels. - -Die geradlinige Fortbewegung des Sehstrahls, seine Zurückwerfung und -seine in große Entfernung reichende und *zeitlos* sich vollziehende -Fortbewegung: Dies alles kann man auch an den Sonnenstrahlen -beobachten. Auch vermag unser Sehstrahl durch diejenigen Gegenstände, -durch welche die Sonnenstrahlen hindurchdringen, wie Glas und Wasser, -gleichfalls seinen Weg zu nehmen.« - - * * * * * - -Nach der Betrachtung der Fortschritte, die sich besonders unter -der Mitwirkung des *Ptolemäos* auf dem Gebiete der Astronomie, -der Geographie und der Physik vollzogen, wollen wir uns in großen -Zügen den Besitz vergegenwärtigen, über den das Altertum während -der römisch-alexandrinischen Periode in den übrigen Zweigen der -Naturwissenschaften verfügte. - -Während die Mechanik, die Optik und die Akustik ihre Grundlagen -erhielten, blieb man auf den Gebieten der Wärme, des Magnetismus und -der Elektrizität bei einigen rohen Beobachtungen und dunklen Deutungen -stehen. Der Magnetstein und seine Eigenschaft, das Eisen anzuziehen, -waren schon dem frühesten griechischen Altertum bekannt. Da man der -Seele das Vermögen, etwas zu bewegen, zuschrieb, glaubte man, daß der -Magnet, ähnlich wie das Tier und die Pflanze, beseelt sei[612]. - -Auch die Eigenschaft des Magneten, durch andere Stoffe hindurch zu -wirken, konnte nicht lange verborgen bleiben. So erzählt *Lukrez*, -der in seinem Werke »De rerum natura« die magnetischen Erscheinungen -mit behaglicher Breite schildert: »Ich sah eiserne Spän' aufkochen -und wallen in ehernen Schalen, wenn der magnetische Stein denselbigen -untergelegt ward«[613]. Auch die bei Uneingeweihten das größte Staunen -erregenden, schon *Platon* bekannten Ketten, welche aus eisernen, -magnetisch gemachten Ringen bestanden, die nicht ineinander griffen, -sondern sich nur berührten, beschreibt *Lukrez*. Er wagt sich sogar an -eine Erklärung der magnetischen Erscheinungen. Wie von manchen Körpern, -so sollen auch vom Magneten Teilchen ausströmen, welche die benachbarte -Luft zurückdrängen. Infolgedessen »stürzen urplötzlich des Eisens -Stoffe sich hin nach dem Leeren, und also geschieht es«[614]. Daß der -Magnet zwei Pole besitzt, und zwischen diesen eine Indifferenzzone -liegt, scheint den Alten entgangen zu sein[615]. Auch die Richtkraft -kannten sie nicht, während die Chinesen mit ihr schon vor Beginn -unserer Zeitrechnung vertraut waren. - -Die Grunderscheinung der Reibungselektrizität ist den alten Völkern -jedenfalls bekannt geworden, sobald sie durch den Handel in den -Besitz des Bernsteins gelangten, da dieser in besonders auffallender -Weise nach dem Reiben leichte Körperchen anzieht. So sagt *Plinius*: -»Übrigens zieht Bernstein, wenn er durch Reiben mit den Fingern -Lebenswärme erhalten hat, trockene Blätter, Spreu und Bast gerade so -an wie der Magnet das Eisen«[616]. Den Bernstein nannten die Alten -Elektrum. Aus diesem Worte ist die Bezeichnung »Elektrizität« für die -am Bernstein zuerst beobachtete Eigenschaft entstanden. - -Auch an anderen Stoffen scheinen die Alten jene Eigenschaft -gelegentlich bemerkt zu haben[617], doch ahnten sie keinen Zusammenhang -zwischen ihr und dem Gewitter. Zwar erblickten die Philosophen in dem -Blitz und dem Donner nicht mehr, wie das in den Anschauungen einer -heidnischen Naturreligion befangene Volk, das Geschoß und die Stimme -des Zeus. Man war aber auch noch weit entfernt von einer richtigen -Deutung der Erscheinung. *Anaximander* z. B. hielt den Blitz für die in -den Wolken verdichtete Luft, die plötzlich mit Geräusch hervorbreche. - -*Plinius* spricht vom Blitz und vom Donner mit folgenden Worten: -»Bricht der Wind aus einer größeren Höhlung einer herabgedrückten Wolke -hervor, so nennt man ihn Orkan. Hat sich der Wind in dem Augenblicke, -in dem er die Wolke durchbrach, entzündet, so ist er ein Blitz. Daß man -den Blitz eher sieht, als man den Donner hört, obgleich sie zugleich -entstehen, ist gewiß nicht zu verwundern, da das Licht schneller ist -als der Schall. Blitz und Donner erfolgen gleichzeitig, so hat es die -Natur geordnet«[618]. - -Auch mit den stillen elektrischen Entladungen, die man als Elmsfeuer -bezeichnet, waren die Alten wohl bekannt. *Plinius* beschreibt die -Erscheinung folgendermaßen: »Es entstehen sogar auch Sterne zu Wasser -und zu Lande. Ich selbst sah bei dem nächtlichen Wachtdienst der -Soldaten auf den Speeren außerhalb des Walles einen Lichtschein von -dieser Gestalt haften. Auch auf die Rahen und andere Teile der Schiffe -setzen sich dergleichen Sterne mit einem eigentümlichen, vernehmbaren -Ton, wobei sie, wie Vögel, ihren Sitz oft wechseln«[619]. - -Aus manchen Literaturstellen und antiken Einrichtungen (vergoldete -Spitzen von Tempeln, mit Kupfer beschlagene Stangen) glaubte man -schließen zu dürfen, daß die alten Völker schon Blitzableiter verwendet -hätten. Aus der Kritik des vorhandenen Materials ergibt sich jedoch, -daß von einer *bewußten* Anwendung von Blitzableitern vor *Benjamin -Franklin* nicht die Rede sein kann[620]. - -Auch das Phänomen der tierischen Elektrizität war den Alten wohl -bekannt. Es entzog sich aber gleichfalls ihrer Einsicht. Gelang doch -eine Erklärung der atmosphärischen Erscheinungen aus den Gesetzen der -Reibungselektrizität erst im 18. Jahrhundert, während ein Verständnis -der Gesetze der tierischen Elektrizität erst in der neuesten Periode, -nach der Entdeckung des Galvanismus, anbrach. »Dem Zitterrochen steht -ein gefährliches Gift zu Gebote«, schreibt der griechische Verfasser -eines im 2. Jahrhundert n. Chr. entstandenen Werkes[621], »von Natur -ist er schwach und so langsam, daß es aussieht, als könne er nur -kriechen. Er besitzt auf jeder Seite ein Gewebe, das denjenigen, der -es berührt, sogleich jeder Kraft beraubt, sein Blut erstarren macht -und seine Glieder lähmt.« *Plinius* ahnt schon, daß man es hier mit -einem Vorgang ganz eigener Art zu tun hat, wenn er sagt[622]: »Der -Zitterrochen lähmt selbst aus der Ferne, sobald er nur mit der Lanze -berührt wird, den stärksten Arm. Man ersieht daraus, daß es unsichtbare -Kräfte gibt.« Daß auch der menschliche Körper wie die Lanze diese -eigentümliche Wirkung fortzuleiten vermag, ist zwar eine Entdeckung der -neueren Zeit, doch erwähnt ein anderer Schriftsteller des Altertums, -daß schon Erschütterung eintritt, wenn man Wasser aus einem Gefäß, -in dem sich ein Zitterrochen befindet, auf die Hand oder den Fuß -gieße[623]. - -Die Heilkunde versäumte nicht, aus dieser merkwürdigen Erscheinung -Nutzen zu ziehen. So finden wir bei *Galen* berichtet, daß er einem an -Kopfschmerzen leidenden Menschen einen lebenden Zitterrochen genähert, -und daß dieser sich als schmerzstillendes Mittel erwiesen habe[624]. -*Avicenna* (*Ibn Sina*), der arabische Bearbeiter der Schriften -*Galens*, wiederholt diese Angabe. - - -Die Anfänge der Chemie. - -Erfreute sich die Physik im Altertum wenigstens auf einigen ihrer -Gebiete schon einer wissenschaftlichen Behandlung, so war dies -bezüglich der Chemie noch nicht der Fall. Hier konnte ein Einblick in -das Wesen der Erscheinungen nur auf Grund zahlreicher, zielbewußter -Versuche erlangt werden, und einer solchen Forschungsrichtung erwies -sich die ältere Periode wenig geneigt. Was wir über die Anfänge der -Chemie berichten können, ist, daß man durch die Heilkunde und durch -die Gewerbe, insbesondere den Hüttenbetrieb, allmählich mit einer -Anzahl von chemischen Vorgängen bekannt wurde, ohne daß es gelang, eine -Verknüpfung dieser Vorgänge unter sich oder mit anderen Gruppen von -Erscheinungen zu finden. Alle Erklärungen, die man für die stofflichen -Veränderungen aufstellte, hatten nur den Wert bloßer Philosopheme, zu -deren Prüfung man noch keine Mittel besaß. - -Den größten Einfluß auf die weitere Beschäftigung mit chemischen -Dingen hat wohl jene Lehre gehabt, welche die Welt auf einen einzigen -Urstoff zurückführte, der sich den Sinnen in vier Erscheinungsformen, -als Feuer, Erde, Luft und Wasser, offenbaren sollte. Im Einklang mit -dieser Lehre stand auch das gegen den Ausgang des Altertums auftretende -Bestreben, unedle Metalle in edle zu verwandeln, ein Problem, das -während des ganzen Mittelalters als Ziel und Zweck der Chemie -betrachtet wurde. - -Die Kenntnis und die Verwendung der Metalle war im Altertum schon eine -recht ausgedehnte. Blei z. B., das gleich dem Eisen sich nur selten als -solches findet und aus Bleiglanz dargestellt wurde, fand schon im alten -Rom zu Wasserleitungsröhren Verwendung. Zinn und Zink waren nicht in -reinem Zustande, sondern nur als Bestandteile von Legierungen bekannt. -Diese wurden erhalten, indem man Zinnstein oder den zinkhaltigen Galmei -den Kupfererzen bei ihrer Verhüttung zusetzte. Auch die Gewinnung -des Quecksilbers durch Erhitzen von Zinnober mit Eisen war schon dem -Altertum geläufig. - -Die Darstellung von chemischen Präparaten, soweit sie nicht durch bloße -Oxydation entstehen, war kaum möglich, so lange man sich nicht im -Besitze der Mineralsäuren befand. Mit ihrer Darstellung waren die Alten -jedoch noch nicht vertraut. Die einzige ihnen bekannte Säure war eine -organische, die Essigsäure. - -Die Tatsache, daß Marmor und Kalkstein beim Glühen eine neue Substanz -liefern, die, mit Wasser in Verbindung gebracht, ein vorzügliches -Baumaterial abgibt, wußte man indes wohl zu verwerten. In der späteren -Römerzeit finden wir auch Zement in Anwendung, ohne den manches -gewaltige Bauwerk nicht ausführbar gewesen wäre. Auch daß der gebrannte -Kalk die Soda ätzender macht, war schon im Altertum bekannt[625]. -Dagegen blieb die chemische Natur gasförmiger Substanzen in Dunkel -gehüllt. Zwar bemerkte man, daß bei der Gärung und an manchen Stellen -der Erde ein Gas auftritt, das zur Atmung nicht geeignet ist. Es kam -jedoch niemandem in den Sinn, in dieser Luftart ein von der natürlichen -Luft verschiedenes Gas zu erkennen. - -Einen gewaltigen Anstoß zur Beschäftigung mit stofflichen Veränderungen -rief der Gedanke hervor, durch geeignete Behandlung könne aus unedlen -Metallen Edelmetall gewonnen werden. Eine gewissermaßen theoretische -Grundlage fand dieses Streben in den Lehren des *Platon* und des -*Aristoteles*. Das alchemistische Problem begegnet uns schon in -den ersten Jahrhunderten n. Chr. in Ägypten bei Gelehrten der -alexandrinischen Schule. Es stützte sich auf die, während einer -langen vorhergehenden Periode rein empirisch erworbenen, nicht -unbeträchtlichen Kenntnisse über die Metalle, ihre Gewinnung und ihre -wichtigsten Legierungen. - -Auch für die Folgezeit kann man wohl sagen, daß die Geschichte -der Alchemie und diejenige der Metallurgie im wesentlichen -zusammenfallen[626]. Die Ägypter unterschieden nach *Lepsius* in ihren -Inschriften acht mineralische Erzeugnisse, die sie für besonders -wertvoll hielten. Es waren vor allem das Gold, die als Elektrum -bezeichnete Legierung von Gold und Silber, das Silber und der Lapis -lazuli. - -Bei den ersten Alchemisten spielte das Blei eine große Rolle. Da man -aus dem Rohblei Silber abzuscheiden vermochte, glaubte man, das Blei -sei für die Erzeugung von anderen Metallen hervorragend geeignet. Zinn -findet sich zwar in den Bronzen der alten Ägypter. Wahrscheinlich -kannten sie das reine Zinn aber nicht[627]. Auch das Quecksilber, das -seiner merkwürdigen Eigenschaften wegen bei den Alchemisten die größte -Rolle spielte, war den alten Ägyptern wohl noch nicht bekannt. Es kam -erst bei den Griechen und Römern in Gebrauch. *Plinius* nennt es eine -beständige Flüssigkeit und ein Gift für alles[628]. - -Nachdem durch lange Zeiträume chemische, vor allem metallurgische -Einzelkenntnisse gesammelt waren, begegnet uns bald nach Beginn der -christlichen Zeitrechnung die bestimmte, als Alchemie bezeichnete -Richtung, deren Ziel die Umwandlung unedler Stoffe in edle Metalle -war. Die älteste ägyptische Handschrift, die uns davon Kenntnis gibt, -stammt aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Die Alchemie tritt uns darin in -Verbindung mit der Astrologie entgegen. Darauf deutet auch hin, daß -dem Gold die Sonne, dem Silber der Mond und den übrigen Metallen die -Planeten entsprachen. - -Aus der Beobachtung, daß man durch Zusammenschmelzen unedler Metalle -dem Golde und dem Silber ähnliche Legierungen erhält, daß aus Rohblei -durch geeignete Behandlung wirkliches Silber und aus Amalgam Gold -abgeschieden werden kann, hatte sich nämlich die Annahme von der -Möglichkeit, unedle Metalle in edle zu verwandeln, gebildet. Bei dem -Mangel an Einsicht in den chemischen Prozeß hielt man die genannten -Vorgänge für wirkliche Umwandlungen der Stoffe. Da man nun durch -Verbesserung der hüttenmännischen Betriebe eine größere Ausbeute -erzielte, so lag der Gedanke nahe, ob nicht durch geeignete Behandlung -das gesamte Rohmaterial in edles Metall verwandelt werden könne. Die -Periode, in welcher die Erforschung stofflicher Veränderungen von -diesem Bestreben geleitet wurde, hat man als das Zeitalter der Alchemie -bezeichnet. - -Die ersten alchemistischen Regungen begegneten uns schon bei den -Alexandrinern. Aus dem 3. nachchristlichen Jahrhundert sind nämlich -Schriften alexandrinischen Ursprungs bekannt geworden, die sich mit -dem Problem der Metallveredelung beschäftigen[629]. Von den Gelehrten -des unterjochten Ägyptens und den nestorianischen Schulen Vorderasiens -ging zweifelsohne für die Araber der Antrieb aus, sich mit dem gleichen -Problem zu befassen. Schon das Wort Chemie deutet vielleicht darauf -hin. Es ist nämlich gleichlautend mit einer alten Benennung Ägyptens. -Wie *Plutarch* berichtet, haben die Bewohner dieses Land der schwarzen -Farbe seines Erdreichs wegen chêmi genannt. Auch die Bezeichnung -»schwarze Kunst« würde dadurch vielleicht ihre Erklärung finden. - -Nach neueren philologischen Untersuchungen ist diese Ableitung -zweifelhaft geworden. Man ist heute geneigt, mit *Zosimos*, einem -alchemistischen Schriftsteller des 4. nachchristlichen Jahrhunderts, -das Wort Chemie von *Chemes* abzuleiten, den *Zosimos* als den -Verfasser des ersten chemischen Buches bezeichnet. Eine dritte -Auffassung geht dahin, daß das Wort χύμα, welches »Metallguß« bedeutet, -das Stammwort für »Chemie« sei[630]. Bei diesem Stande der ganzen Frage -wird man sich also wohl dahin entscheiden müssen, daß der Ursprung des -Wortes Chemie völlig dunkel ist. - -Die alexandrinischen Gelehrten, sowie auch später die Araber, die sich -mit chemischen Vorgängen befaßten, ließen sich in ihren Anschauungen -von den Theorien leiten, die *Platon* und *Aristoteles* über die Natur -der Materie entwickelt hatten. - -Die praktische Grundlage, auf der sich die Alchemie erhob, war neben -der hüttenmännischen Gewinnung der Metalle, vor allem die Verarbeitung -der Edelmetalle zu Schmuckgegenständen. In dieser Industrie regte -sich seit den frühesten Zeiten das Bestreben, Minderwertiges an die -Stelle von Wertvollem zu setzen und auf diese Weise den Käufer zu -übervorteilen. Man erreichte dies entweder dadurch, daß man dem Golde -und dem Silber andere Metalle beimengte oder daß man Metalle und -Legierungen oberflächlich färbte, um ihnen ein dem Golde oder dem -Silber ähnliches Aussehen zu verleihen. Als ein Mittel dieser Art -diente zum Beispiel die Verbindung des Arsens mit dem Schwefel, die -in der Mineralogie noch heute den Namen Auripigment führt. Auch das -Quecksilber, mit dem man in Kleinasien und durch den von den Karthagern -in Spanien betriebenen Bergbau bekannt wurde, fand zur Herstellung -von Legierungen und oberflächlichen Veränderungen schon lange vor dem -Beginn der christlichen Zeitrechnung Verwendung. Wenn man all diese -Praktiken, an die sich bald gewisse Vorstellungen und Spekulationen -anschlossen, schon mit dem Namen Chemie belegen will, so geht die -chemische Wissenschaft in ihren Anfängen bis tief ins Altertum zurück. -Das Bekanntwerden mit Stoffen, welche die Metalle oberflächlich -veränderten, führte ganz von selbst zum Suchen nach einem, die -gewünschten Veränderungen hervorrufenden Universalmittel. So entstand -die Lehre vom »Stein der Weisen«, dem man, ohne ihn gefunden zu -haben, später immer neue Wirkungen beilegte, insbesondere diejenige, -Krankheiten zu heilen und das Leben zu verlängern[631]. - -Eine wichtige Rolle spielte bei jenen Veränderungen das Quecksilber. Es -ist begreiflich, daß ein so sonderbares Metall bei seiner Entdeckung -angestaunt wurde und die Phantasie erregte. Welch universelle Bedeutung -man dem Quecksilber zuschrieb, beweist die Stelle eines Briefes -aus dem 4. nachchristlichen Jahrhundert[632]. Sie lautet: »Was ich -lernen möchte, lehre es mich. Das ist das Werk, das Du kannst, die -Transmutation. Das Quecksilber nimmt doch auf jede Art das Aussehen -aller Körper an. Es bleicht alle Körper und zieht ihre Seelen an, -nimmt sie durch Sieden in sich und bemächtigt sich ihrer. Ist es doch -dazu geeignet, weil es in sich selbst die Prinzipien alles Flüssigen -enthält. Wenn es die Transmutation durchgemacht hat, bereitet es alle -Farbenwechsel vor. Es bildet den feststehenden Grund, während doch die -Farben keine eigentliche Grundlage haben. Das Quecksilber wird, indem -es seinen eigenen Grund verliert, ein abänderungsfähiges Etwas, und -zwar abänderungsfähig durch die auf die metallischen Körper ausgeübten -Behandlungen.« - -Die hellenistischen Schriftsteller nennen als den Begründer der -Alchemie den *Hermes Trismegistos* (den Dreimalgrößten)[633]. Es ist -das eine durchaus mystische, auch wohl mit einem der ägyptischen -Hauptgötter (*Ptah*, *Thot*) identifizierte Persönlichkeit. Dem -*Hermes* wurden zahllose Werke (20000 und mehr) zugeschrieben. -Ausdrücke wie hermetische Kunst, hermetischer Verschluß, hermetische -Bücher erinnern noch heute an ihn. Auch Tafeln wurden auf *Hermes* -zurückgeführt. Unter ihnen trug die berühmteste die Überschrift: De -operatione solis, d. h. vom Machen der Sonne (des Goldes). Von dem -mystischen Inhalt dieser im Mittelalter hochgeschätzten Tafel geben -folgende Zeilen eine Vorstellung: »Wie alle Dinge wurden aus Einem, so -sind auch alle Dinge geboren aus diesem einen Dinge. Sein Vater ist -die Sonne, seine Mutter der Mond. Der Wind trug es in seinem Bauche. -Seine Nährerin ist die Erde. Du scheide das Erdige vom Feurigen, die -dunstartigen Teile von den dichten, so gewinnst du das Rühmlichste der -ganzen Welt«[634]. - -Bestimmtere, wenn auch nur spärliche Überreste werden auf einen -alexandrinischen Schriftsteller namens *Zosimos* zurückgeführt. Er war -in Panopolis (Oberägypten) geboren und lebte um 300 n. Chr. *Zosimos* -ist ohne Zweifel auf die Entwicklung der Alchemie von großem Einfluß -gewesen. In einem umfangreichen Werke stellte er die Kenntnisse seiner -Vorgänger und seine eigenen Erfahrungen zusammen. Doch handelt es sich -zumeist um kaum verständliche, in mystischen Ausdrücken niedergelegte -Rezepte. Nach *Zosimos* waren diese Rezepte in Ägypten entstanden. -Sie befanden sich im Besitz der Priesterschaft und wurden auf das -strengste geheimgehalten. Wer in die alchemistische Kunst eindringen -wollte, mußte eine Reihe von sittlichen Vorbedingungen erfüllen. Er -mußte reinen Sinnes und frei von Habgier sein. Er mußte sich ferner -aus tiefster Seele in seinen Gegenstand versenken können[635]. Erfolg -hatte nur, wer nach Erkenntnis strebte, nicht aber der Ungelehrte -oder gar derjenige, der von unlauterer Gesinnung erfüllt war. Eine -weitere Vorbedingung bestand darin, daß man »die richtige Zeit und die -glücklichen Augenblicke« wählte. Um sie herbeizuführen, waren nicht nur -Beschwörungen, Zaubermittel und Gebete, sondern auch die Mitwirkung der -Planeten erforderlich. - -[Illustration: Abb. 48. Von Zosimos geschilderter Destillierapparat.] - -Jene Werke des *Zosimos*, die in Bruchstücken durch syrische -Manuskripte bekannt geworden sind, enthalten manches über die von den -Alchemisten benutzten Apparate, wie Öfen, Destilliervorrichtungen usw. - -Was die planetarischen Einflüsse betrifft, so stützt sich *Zosimos* -besonders auf *Hermes Trismegistos*. Die wirksamste Sphäre sollte -diejenige des Merkur sein, weil der Schattenkegel der Erde gerade bis -zu ihm reiche[636]. - -An einer Stelle beschreibt *Zosimos*, wie sich erhitztes Quecksilber -und Schwefel zu Zinnober vereinigen, der zunächst eine schwarze -Masse bilde, die erst beim Sublimieren rot werde. Wird Zinnober mit -gewissen Zutaten in einem geschlossenen Gefäß erhitzt, so steigt aus -dem Zinnober das Quecksilber als »Silberwasser« oder »göttliches -Wasser« empor. Es ist ein furchtbar giftiges, in der Hitze nicht -festzuhaltendes Pneuma, das beim Abkühlen seinen »flüchtigen Schwung« -verliert und sich an dem Deckel des Gefäßes in Form von Tropfen -festsetzt[637]. - -Die von *Zosimos* im Anschluß an *Hermes* entwickelte Lehre von dem -Einfluß der Planeten auf das Gelingen des »heiligen Werkes« findet sich -im 5. Jahrhundert bei dem Neuplatoniker *Olympiodor* zu einem System -entwickelt[638]. Er schrieb nämlich jedes von den sieben Metallen den -den Alten gleichfalls nur in der heiligen Siebenzahl bekannten Planeten -zu. Das Gold entsprach bei ihm der Sonne, das - - Silber dem Monde, - Kupfer der Venus, - Eisen dem Mars, - Zinn dem Jupiter, - Quecksilber dem Merkur, - Blei dem Saturn. - -Das Gestirn sowie das entsprechende Metall erhielten dasselbe -Zeichen[639]. Diese mystischen Beziehungen zwischen der Alchemie und -der Astrologie wurden später von den Arabern mit Vorliebe weiter -gepflegt. - -Man hat sich bemüht, durch archäologische Nachforschungen in Ägypten -Stätten nachzuweisen, wo man chemische Prozesse ausübte, sozusagen -die Laboratorien jenes ersten alchemistischen Zeitalters und die in -diesen Stätten zur Anwendung kommenden Gerätschaften. Der Erfolg ist -bisher nur ein geringer gewesen. So beschreibt *Berthelot* nach den -Angaben *Masperos* eine Stätte, die an eine Grabkammer stößt und die, -nach allen Anzeichen zu urteilen, während des 6. Jahrhunderts unserer -Zeitrechnung als Laboratorium gedient hat. Die Wände jener Stätte waren -angeräuchert, und am Boden befand sich ein Herd aus Bronze und allerlei -Gerät aus Bronze, Alabaster und anderen Mineralien. - -Unter den noch vorhandenen Überresten der alchemistischen Literatur -sind vor allem die Schriften, die fälschlich unter dem Namen -*Demokrits* gehen, und zwei in Theben in Ägypten aufgefundene -Papyrusurkunden zu nennen. - -Das Werk des *Pseudo-Demokrit* ist ursprünglich wohl um 200 v. Chr. -in Ägypten entstanden; es enthielt eine Zusammenfassung des gesamten -chemisch-technischen Wissens jener Zeit[640], aber noch nicht -Alchemistisches (nach *v. Lippmann*). Unter den aus dieser Quelle -stammenden Bearbeitungen ist vor allem ein umfangreiches Werk zu -nennen, das sich »Demokrits Physik und Mystik« betitelt. Was davon -auf uns gekommen ist, erweist sich als lückenhaft und entstellt. Der -Neuzeit wurden die pseudo-demokritischen Lehren genauer erst im 16. -Jahrhundert bekannt[641]. - -Aus den erhaltenen Fragmenten geht hervor, daß »Demokrits Physik und -Mystik« besonders über Gold, Silber, Perlen, Edelsteine und Purpur -handelte. Ein Beispiel möge uns einen Begriff von dem Inhalt geben. Es -lautet[642]: »Nimm Quecksilber, fixiere es mit Magnesia. Wirf die weiße -Erde auf Kupfer. Wirfst du gelbes Silber darauf, so erhältst du Gold. -Die Natur besiegt die Natur.« - -Der demokritische Spruch: - - Eine Natur vergewaltigt die andere, - Eine Natur besiegt die andere - -ist für die Goldmacherkunst durch alle Jahrhunderte das Leitwort -geblieben. - -Ein ganz neues Licht haben die Papyrusfunde der thebanischen -Ausgrabungen auf die Vorgeschichte der Alchemie geworfen. Diese -Funde wurden 1828 beim Aufdecken eines Grabes gemacht. Sie gelangten -mit zahlreichen anderen Papyrusrollen nach Europa, fanden aber erst -neuerdings Beachtung. Die in Leyden befindliche Urkunde wurde 1885 -und die Stockholmer 1913 veröffentlicht. Beide Papyri stammen aus dem -3. Jahrhundert n. Chr. und enthalten im wesentlichen Vorschriften, -welche die Verfälschung der edlen Metalle, das Färben mit Purpur und -Waid (Isatis tinctoria), sowie die Edelsteine und Perlen betreffen. So -enthält der Stockholmer Papyrus Anweisungen, den Perlen den verloren -gegangenen Glanz wiederzugeben. Andere Vorschriften betreffen die -Anfertigung von Perlen aus Glimmer und anderem minderwertigen Material. -Sie werden als »besser als die echten« angepriesen. - -[Illustration: Abb. 49. Eine Probe aus dem Stockholmer Papyrus.] - -Von der Herstellung goldähnlicher Legierungen handeln Rezepte, -denen nachgerühmt wird, daß selbst Fachmänner über die Herkunft des -Erzeugnisses getäuscht würden[643]. Die erste Seite des berühmten -Stockholmer Papyrus ist in Abb. 49 teilweise wiedergegeben. Sie -betrifft, wie aus der Überschrift hervorgeht, die Darstellung des -Silbers (Ἀργύρου ποίησις) und beginnt mit den Worten: χαλκόν τὸν -Κύπριον τὸν ἤδη εἰρκασμένος ... - -Die Übersetzung der hier gebotenen Textprobe lautet folgendermaßen: - -»Schön bearbeitetes und abgeputztes Kupfer tauche in ein scharfes -Alaunbad und laß es drei Tage darin erweichen. Dann schmilz es -zusammen mit einer Mine (= 43,6 g) Erz aus chiischer Erde, nachdem Du -kapadokisches Salz und kristallinischen Alaun zu 200 Drachmen[644] -beigemischt hast. Schmilz es sorgsam, und es wird kostbar sein. Dazu -gib nicht mehr als 20 Drachmen schönen und reinen Silbers; das wird die -ganze Mischung unlöslich erhalten.« - -Den Ausgangspunkt für die Legierungen bildet meist das Kupfer. Es -wird durch Arsen-, Blei- oder Zinnverbindungen zu Silber geweißt -(der Vorgang wird λεύκωσις genannt). Die oberflächliche Vergoldung -des Kupfers erfolgt durch Quecksilber (Feuervergoldung). Auch die im -Mittelalter wieder anzutreffende Vorschrift, Blattgold in Eiweiß zu -verteilen und mit dieser Tinte Manuskripte anzufertigen, findet sich -unter den Rezepten. - -Wieder andere Abschnitte betreffen die Vermehrung (Verdoppelung, -Verdreifachung) des Silbers[645]. - -Die Ausführungen über Farbstoffe und Färberei, die sich im Stockholmer -Papyrus befinden, lassen den hohen Stand erkennen, den die chemische -Technik dieser Gebiete schon im Altertum erreicht hatte. Die zum -Färben bestimmte Wolle wird durch Waschen und Kochen unter Zusatz von -Seifenwurzel, Kalkwasser oder Sodalösung gereinigt. Dann wird die Wolle -gebeizt, wozu in der Hauptsache Alaun oder alaunhaltige Mineralien -genommen werden. Die Farbstoffe wie auch die übrigen Materialien -werden vor dem Gebrauch geprüft. Und zwar prüft man das Aussehen, das -Verhalten beim Zerreiben, zu Lösungsmitteln usw. Endlich folgt die -Auflösung, die Erzielung bestimmter Nuancen und das Färben selbst. -Gefärbt wird fast nur Wolle, und zwar mit syrischem Kermes (Scharlach), -Krapp, Schöllkraut und Purpur. Die Indigo enthaltende Waidpflanze -diente zum Blaufärben. Durch geeignete Mischungen von Waid und Kermes -erzielte man täuschende Nachahmungen von Purpur. Die betreffende -Vorschrift schließt mit den Worten: »Du wirst sehen, der Purpur wird -unbeschreiblich schön.« - -Zu den wenigen Vorgängern, welche die Verfasser des Leydener und des -Stockholmer Papyrus flüchtig anführen, gehört auch der oben erwähnte -*Pseudo-Demokritos*. - -Die Anfänge der Chemie lassen schon zwei Einflüsse erkennen, die -ihre Entwicklung bis in die neuere Zeit bestimmt haben. Es war dies -erstens das Bestreben, die entdeckten Tatsachen und ersonnenen -Verfahrungsweisen geheim zu halten, und zweitens die Verknüpfung -dieses Gebietes mit Magie und Mystik. Erklärlich wird dies daraus, -daß die chemischen Vorgänge in ganz besonderem Maße den Charakter des -Rätselhaften und Wunderbaren tragen und erst nach langem Forschen -wissenschaftlich erfaßbar wurden. Ferner handelte es sich um Gebiete, -auf denen Gewinnsucht, Aberglaube und Betrug seit alters eine -große Rolle spielten. Begegnet uns doch die Verwendung gold- und -silberähnlicher Legierungen zu Zwecken der Falschmünzerei schon im -frühen Altertum. - -Die Geheimhaltung der Vorschriften wird schon im Stockholmer Papyrus -verlangt und die so viel spätere Mappae clavicula stellt den Eid der -Geheimhaltung sogar an die Spitze. Durch die Geheimhaltung wollte der -Chemiker nicht nur seine Kenntnisse, sondern vor allem auch sich selbst -persönlich schützen. Drohten ihm doch Anfeindungen von der Kirche, von -den Regierenden und der besonders abergläubischen Masse. Wie die Chemie -seit den Tagen der Renaissance aus diesen Fesseln befreit und in der -Neuzeit zu einer führenden Stellung auf dem Gebiet der Wissenschaften -und der Technik emporgehoben wurde, soll Gegenstand der späteren -Betrachtungen sein. - - -Der Übergang vom Altertum zum Mittelalter. - -Mit der zweiten Blüteperiode der alexandrinischen Schule und dem mehr -kommentierenden Verhalten, das die Folgezeit den Naturwissenschaften -entgegenbrachte, ist die Entwicklung, welche diese Wissenschaften -im Altertum erfuhren, beendet. Es trat nunmehr eine lange Zeit des -Stillstandes, ja des Verlustes an manchem erworbenen Besitz ein, die -sich etwa mit demjenigen Zeitraum deckt, den man in der Weltgeschichte -als das Mittelalter bezeichnet. Erst im 13. Jahrhundert mehren sich, -abgesehen von vereinzelten, insbesondere bei den Syrern und den -Arabern anzutreffenden Bestrebungen, auf die wir näher eingehen -werden, die Anzeichen, die auf ein Wiederaufleben der Wissenschaften -schließen lassen. Und erst, nachdem man das Studium der alten -Literatur auf allen Gebieten aufgenommen, nachdem in Italien und den -benachbarten Ländern im 15. und 16. Jahrhundert die Kunst geblüht, -nachdem endlich der geographische Gesichtskreis sich über die ganze -Erde ausgedehnt, sowie die allgemeine Kultur sich beträchtlich gehoben -hatte, sehen wir mit dem Anfange des 17. Jahrhunderts eine neue Blüte -der Naturwissenschaften anheben, welche dem geistigen Leben der -letztverflossenen Jahrhunderte den Stempel aufgedrückt hat. Ja, dieser -neue Aufschwung ist so eng mit der gesamten Kultur unseres Zeitalters -verknüpft, daß ein abermaliger Verfall der Wissenschaften zugleich das -Ende dieser Kultur bedeuten würde. Man hat viel nach den Gründen der -Erscheinung gesucht, daß die Wissenschaft und die Kultur des Altertums -untergegangen sind und das menschliche Geschlecht während eines -Zeitraums von tausend Jahren fast dem Stillstande verfallen war. Ist -doch unsere Zeit von dem Gefühl beherrscht, daß sich die Menschheit -auf der Bahn, die sie seit dem Ausgang des Mittelalters eingeschlagen -hat, in einem unaufhaltsamen Fortschritt zu weiterer Erkenntnis und -höherer Gesittung befindet. Ein wichtiger Grund, der diesem Gefühle -Sicherheit verleiht, besteht darin, daß die neuere Wissenschaft eine -gewaltige Technik ins Leben rief, wie sie das Altertum, während dessen -das gewerbliche Schaffen wesentlich auf der Stufe eines noch nicht von -wissenschaftlichen Grundsätzen durchdrungenen Handwerks verblieb, nicht -kannte. Dadurch, daß sich in der Neuzeit der Mensch auf dem Wege des -experimentellen Verfahrens zum Herren der Naturkräfte machte, erfuhr -die Wissenschaft eine weit innigere Verschmelzung mit der gesamten -Kultur, als dies im Altertum der Fall gewesen. - -Es hat nicht an Verkleinerern der wissenschaftlichen Leistungen -des Altertums gefehlt[646]. Man darf jedoch nicht vergessen, daß -im Altertum mangels jedweder Vorarbeit überall erst die Grundlagen -geschaffen werden mußten. Mag man auch zugeben, daß die Alten auf -den Gebieten der Mathematik, der Dichtkunst und der Philosophie mehr -leisteten als auf demjenigen der Naturwissenschaften, so kann sie -deshalb doch kein Vorwurf treffen. Ihre Beobachtungen konnten nicht -weiter gehen, als die unbewaffneten Sinne reichen. Und das bloße -Nachdenken auf Grund einer nur oberflächlichen, nicht durch besondere -Hilfsmittel geschärften Beobachtung, sowie der Mangel einer induktiven -Forschungsweise mußten auf manchen Irrweg führen. Eine rühmliche -Ausnahme machten wieder die Araber, unter denen sich auch bedeutende -Experimentatoren befanden. Erst als gegen das Ende des Mittelalters -allgemeiner das Bewußtsein durchbrach, »daß bloßes Spekulieren nichts -helfe, daß nicht nur die Tatsachen, sondern auch ihre Gründe erkundet -werden müßten«, erstand eine im modernen Sinne ausgeübte Forschung[647]. - -Es ist ferner zu bedenken, daß es im Altertum an einem folgerichtig -durchgeführten Verfahren der wissenschaftlichen Forschung noch gebrach. -Ihr Wesen ist damit noch lange nicht erschöpft, daß man von der -Erfahrung ausgeht, wie es im Altertum schon viele forderten. Es besteht -vielmehr darin, daß der Forscher seine Vorstellungen, die aus der -Untersuchung der Erfahrungswelt entspringen, unausgesetzt und möglichst -vollkommen den Tatsachen anzupassen sucht. Den Alten fehlte es nicht -an solchen Vorstellungen, wohl aber fehlte es noch an der Einsicht, -daß nur der unausgesetzte Vergleich der Ideen mit den Erscheinungen, -die Abänderung der Idee, ihre deduktive Gestaltung, ihr Ersatz durch -eine neue Vorstellung, wenn die alte nicht genügt, das Wesen der -Naturwissenschaft ausmachen. Hat sich doch gerade das Festhalten an -einer Idee einem Vorurteil zuliebe als das größte Hemmnis für den -Fortschritt erwiesen. - -Die erwähnten Mängel des Altertums gehören zu den Ursachen, daß -politische und religiöse Umwälzungen von solchem Umfang eintraten, -wie sie der neueren Kulturwelt, der vielleicht andere Gefahren -drohen, hoffentlich erspart bleiben werden. Es war der durch eine -jahrhundertlange Zersetzung vorbereitete, durch den Ansturm der -germanischen Stämme herbeigeführte Zerfall des Römerreiches, sowie die -Überwindung des Heidentums -- oder der angesichts der Unhaltbarkeit -des Götterglaubens eingetretenen Indifferenz -- durch das Christentum -und den Islam. Von diesen wirkte das erstere mehr innerlich, indes -nachhaltiger, während der Islam, das Feuer und das Schwert mit dem -Bekehrungseifer[648] verbindend, unmittelbar in die Geschicke eines -großen Teiles der Welt eingriff. Mit dem zunächst zersetzenden Wirken -all dieser Einflüsse beginnt für die allgemeine Geschichte wie für -die Geschichte der Wissenschaften das Mittelalter, dem wir uns jetzt -zuwenden wollen. - - - - -7. Der Verfall der Wissenschaften zu Beginn des Mittelalters. - - -Der tiefste Eingriff, den die Entwicklung der allgemeinen Kultur und -der Wissenschaft erlitt, bestand in der Vernichtung des römischen -Weltreichs durch die germanischen Völker. Die meisten Städte wurden -zerstört. An die Stelle des Städtewesens, das in Griechenland und -in Italien zu hoher Blüte gelangt war und allein die feineren, auf -Kunst und Wissenschaft gerichteten Kräfte zu entwickeln vermochte, -trat wieder eine mehr ländliche, den geistigen Bestrebungen -abholde Lebensweise. Die Bevölkerung der Städte, wie diejenige der -Mittelmeerländer im allgemeinen, verminderte sich trotz des Zuflusses -von neuen, erobernd einbrechenden Völkermassen. Unermeßlich waren -auch die Verluste an den seit Jahrhunderten aufgespeicherten Schätzen -der Kunst und Wissenschaft. Hatte doch Rom z. B. zu Beginn des 5. -nachchristlichen Jahrhunderts, von den ältesten Zeiten abgesehen, -noch nie einen Feind in seinen Mauern beherbergt. Zwar hatten -blutige Kämpfe in seinen Straßen getobt, doch waren Verwüstung und -Plünderung bis dahin von Rom ferngehalten worden. Das erste Ereignis -dieser Art erfolgte durch *Alarich* und seine Westgoten im Jahre -410. »Ungeheuer war der Eindruck auf die Zeitgenossen. Die römische -Welt zuckte von Riesenschmerz überwältigt zusammen«[649]. Auf -diese erste Verwüstung folgten andere, weit schlimmere. Nicht nur -Rom, sondern auch andere Zentren der geistigen und künstlerischen -Bestrebungen wurden von solchen Ereignissen heimgesucht. Unter diesen -Verhältnissen war der Zerfall des gewaltigen römischen Weltreichs -unausbleiblich. Der Historiker, der es liebt, seinen Einteilungen -in die Augen springende Ereignisse zugrunde zu legen, läßt daher -das Mittelalter mit dem Eintritt der Völkerwanderung oder mit der -Errichtung der ersten germanischen Herrschaft auf italischem Boden -beginnen. In der Geschichte der Wissenschaften hat man wohl nach -ähnlichen, epochemachenden Ereignissen gesucht und die Auflösung der -Philosophenschule zu Athen oder die Eroberung Alexandriens durch die -Araber im Jahre 642 als solche betrachtet (so *Heller* in seiner Gesch. -der Physik). Man darf jedoch nicht vergessen, daß auf diesem Gebiet die -Ereignisse geräuschlos vor sich gehen, daß es wohl von den Katastrophen -der Weltgeschichte beeinflußt wird, aber niemals den Charakter einer -ruhigen Entwicklung verleugnet. - -Der Geist der zweiten alexandrinischen Blüteperiode war um das Jahr -600 längst erloschen. Die alexandrinischen Gelehrten verstanden die -alten Schätze, von denen das meiste schon vernichtet war, kaum noch -zu hüten. Seitdem moralische Fäule auf der einen und das der Welt mit -ihrem Wissen abgewandte Christentum auf der anderen Seite das Leben -immer mehr durchdrangen, also schon eine ganze Reihe von Jahrzehnten -vor dem endgültigen Siege des germanischen Elementes, fanden auch -in Rom die Wissenschaften nicht mehr die frühere Pflege. Rom und -Alexandrien wurden Hauptsitze der christlichen Kirche. Und diese kehrte -sich, da es ihr Ziel war, die antiken Elemente zu überwinden und neue -an deren Stelle zu setzen, in mißverstandener Auslegung der heiligen -Schriften auch gegen die antike Wissenschaft. Das Verhältnis der Seele -zu Gott und gar nichts anderes sollte erkannt werden; dies allein -hielt man für erkennbar. Der Verstand dagegen galt als machtlos. Nur -die durch Gottes Gnade geschehene Offenbarung sollte imstande sein, -die Menschen zu erleuchten[650]. »Forschung«, sagt *Tertullian*[651], -»ist nach dem Evangelium nicht mehr vonnöten«. Und *Eusebius* meint -von den Naturforschern seiner Zeit: »Nicht aus Unkenntnis der Dinge, -die sie bewundern, sondern aus Verachtung ihrer nutzlosen Arbeit -denken wir gering von ihrem Gegenstande und wenden unsere Seele der -Beschäftigung mit besseren Dingen zu.« Konnten doch diese Kirchenväter -der ältesten christlichen Zeit selbst Meinungen heidnischer Philosophen -für ihre Ansicht ins Feld führen, wie diejenige des *Sokrates*, der die -menschliche Seele mit ihren inneren Zuständen für den einzigen, des -Nachdenkens würdigen Gegenstand erklärt hatte. - -Mit einem wahren Ingrimm wandten sich die ersten christlichen Gelehrten -gegen den von *Leukipp*, *Demokrit* und *Epikur* herrührenden -Versuch einer mechanischen Welterklärung. »Es wäre mir besser«, ruft -*Augustinus* aus, »ich hätte den Namen *Demokrits* nie vernommen!« Die -Atomisten werden als blinde und bedauernswerte Menschen bezeichnet. -Besonders eifert gegen sie der alexandrinische Bischof *Dionysios der -Große* in seiner Schrift »Über die Natur«[652]. Die Mitteilungen, -welche *Dionysios* über die Lehren der Atomisten macht, dienen trotz -ihrer polemischen Richtung als wertvolle Quelle über diesen wichtigen -Abschnitt der griechischen Philosophie. - -*Dionys* bekämpft die Atomisten vor allem, indem er die Zweckmäßigkeit -der Welt betont und für das Kunstwerk, als das sie dem Menschen -erscheint, in Gott den Künstler und Schöpfer erblickt. Kann doch nicht -einmal, so etwa lauten einige seiner Ausführungen, ein Kleid oder ein -Haus von selbst entstehen, sondern es bedarf dazu einer geregelten -Leitung. Und nun soll das große, aus Erde und Himmel bestehende Haus, -der Kosmos, die Ordnung selbst, aus dem Chaos geworden sein. Zu den -Gestirnen übergehend, sagt er: »Aber wenn auch jene Elenden es nicht -wollen, so ist es doch, wie die Gerechten glauben, der große Gott, der -sie gemacht hat und durch seine Worte ihre Bahn leitet.« Weder der Bau -der menschlichen Organe und ihr Zusammenwirken, noch weniger aber die -geistige Tätigkeit sind, wie *Dionys* ausführt, mit der Atomenlehre -vereinbar. Der Philosoph könne seine Vernunft doch nicht von den -vernunftlosen Atomen erhalten haben. - -Während *Dionys* der mechanischen Naturerklärung gegenüber den -Standpunkt des eifernden Theologen einnimmt und mit Gründen ficht, die -sich der wissenschaftlichen Erörterung entziehen, erhebt *Lactantius* -gegen die atomistische Lehre physikalische und philosophische Einwürfe. -*Lactantius* fragt, woher denn jene Teilchen stammen sollten und wie -sich ihr Dasein beweisen lasse, da niemand sie gesehen oder gefühlt -habe. Aber, selbst das Vorhandensein der Atome zugegeben, würden diese -leichten und runden Teilchen doch keinen Zusammenhang äußern und feste -Körper bilden können. Wolle man, um dieser Schwierigkeit zu begegnen, -den Atomen Ecken und Haken beilegen, so habe man keine Atome mehr, -da solche Hervorragungen doch abgetrennt werden könnten. Das Bemühen, -die Gesetzmäßigkeit des Geschehens zu erklären oder es auch nur zu -verfolgen, wurde abgelehnt. Und dieser Standpunkt, den die Kirche -einnahm, hat sich, mit wenigen Zugeständnissen an die Fortschritte der -Wissenschaft, durch lange Zeiträume in ihr erhalten. »Je mehr[653] die -Macht der christlichen Lehre fortschreitet, um so mehr schwindet das -Verständnis für die kausale Erklärungsweise. Das Wunder reicht überall -aus. Was also sollen die Bemühungen, Erklärungen aufzufinden?« - -Dies Verhalten, das die Kirchenlehrer der naturwissenschaftlichen -Erklärungs- und Betrachtungsweise gegenüber einnahmen, ist bei -dem Ansehen, das ihre Schriften bis in die neuere Zeit genossen -haben, für die weitere Entwicklung von schlimmen Folgen gewesen. Es -erregte auch sehr oft den Fanatismus der Menge, die sich keineswegs -mit dem Streit der Meinungen begnügte, sondern nicht nur gegen die -Wissenschaft, sondern auch gegen ihre Denkmäler und Schätze zu Felde -zog. So wurde z. B., lange bevor die Araber Alexandrien einnahmen, in -dieser Stadt, unter der Führung eines christlichen Patriarchen, die -wertvolle Bibliothek des Serapeions den Flammen überliefert. Schon im -3. Jahrhundert hatte ein Patriarch die Gelehrten der alexandrinischen -Akademie vertrieben. Unter Kaiser *Julian* durften sie zurückkehren. -Indessen unter *Theodosios* begann die Verfolgung von neuem. Damals -war es, daß der Patriarch *Theophilos* sich von dem Kaiser die -Erlaubnis erwirkte, das Serapeion zerstören zu dürfen. Mit dem gleichen -Unverstand, wie gegen die weltliche Wissenschaft, verfuhren die ersten -Bekenner des neuen Glaubens auch gegen die von den Alten überlieferte -Heilkunde. Krankheit wurde mit Gebet und Beschwörung bekämpft oder gar -als eine Strafe Gottes betrachtet, in die man sich willenlos fügen -müsse, während glückliche Heilungen als Teufelswerk galten. - -Sogar die Lehre von der Kugelgestalt der Erde, eine Lehre, die auf -ein Alter von Jahrhunderten zurückblicken konnte und die allein die -geographische Ortsbestimmung ermöglicht hatte, ging im Mittelalter, -nachdem Kirchenväter wie *Lactantius* sie verdammt hatten, verloren -oder wurde wenigstens durch mystische Vorstellungen verdunkelt. So -begegnen wir der Ansicht, daß die Erde ein Hügel sei, um den sich -die Sonne im Laufe eines Tages bewege. *Augustin* sprach sich gegen -die Existenz von Antipoden aus, weil ein Geschlecht dieser Art in der -heiligen Schrift unter den Abkömmlingen Adams nicht aufgeführt werde. -Bei *Rhabanus Maurus* besitzt die Erde eine radförmige Gestalt und -wird vom Ozean umflossen. Welcher Rückschritt gegenüber den Astronomen -der alexandrinischen Schule! Befanden sich die Gelehrten des frühen -Mittelalters mit ihrer Weltauffassung doch fast wieder auf dem naiven -Standpunkt, den *Hesiod* im 8. Jahrhundert v. Chr. einnahm. Erst seit -dem 8. nachchristlichen Jahrhundert etwa schrieb man der Erde die -Gestalt einer Kugel zu. In einer Hinsicht wirkten die Kirchenväter -übrigens auch Gutes. Sie verhielten sich nämlich im allgemeinen den -astrologischen Lehren gegenüber, die während der Kaiserzeit das -astronomische Wissen verdunkelt hatten, ablehnend. Dies geschah zwar -weniger aus wissenschaftlicher Überzeugung, sondern weil es frevelhaft -sei, Menschen- und Völkerschicksal aus den Sternen erkennen zu -wollen[654]. - -In demselben Maße bildungsfeindlich wie die ersten Christen, wenn auch -aus anderen Gründen, verhielt sich die zweite Macht, die von der Welt -auf den Trümmern der Antike Besitz ergriffen hatte, das Germanentum. -Seine Träger waren Volksstämme, die erst von dem Augenblicke an, in -dem sie mit der alten Kultur in Berührung kamen, in das Licht der -Geschichte traten. Ihnen galten nicht nur die zivilisierten Bewohner -des südlichen Europas, sondern auch deren Geisteserzeugnisse zunächst -als feindliche Mächte. So erzählt *Prokop* von den Goten, die nach den -langen Wirren der Völkerwanderung in Italien zuerst wieder geordnete -Verhältnisse schufen, sie seien der Ansicht gewesen, daß derjenige, der -die Rute des Lehrers gefürchtet, keinem Schwert und keinem Speer mehr -festen Blickes begegnen könne. - -Bedenkt man nun, daß diese beiden Mächte, das Christentum und -das Germanentum, das eine geistig, das andere physisch, von dem -abendländischen Teil der alten Welt Besitz ergriffen, während bald -darauf im Morgenlande der Islam mit ähnlichen Tendenzen ins Leben -trat, so läßt es sich begreifen, daß die im Altertum gegründete -Wissenschaft in dem Geistesleben des Mittelalters zunächst keinen -Platz fand. Man wird vielmehr darüber staunen, daß diese Wissenschaft -Kraft genug besaß, nicht gänzlich unterzugehen, sondern unter der -Asche fortzuglimmen, bis sie, seit dem 13. Jahrhundert etwa, von neuem -entfacht wurde. - -Einer Fortentwicklung der vom Altertum geschaffenen Anfänge wirkte -nicht nur das geschilderte Streben entgegen, welches dem Christentum -und dem Germanentum zu Beginn ihres Auftretens innewohnte, es brach -auch eine Summe von Geschehnissen über die alte Welt herein, die an -Furchtbarkeit nicht ihresgleichen hatten und das südliche Europa in -einen Trümmerhaufen verwandelten, so daß dort der Wohlstand, der -doch bis zu einem gewissen Grade die Vorbedingung aller Kunst und -Wissenschaft ist, vernichtet wurde. - -Während sich das oströmische Reich einer gewissen Beständigkeit -erfreute, wurde der Westen ein Spielball der germanischen Stämme. Auf -die Verwüstung durch die Goten folgte der Einfall der Vandalen, die -überall Ruinen als die Spur ihrer Züge zurückließen. »Sie zerstörten -alles«, berichtet der Chronist von ihnen, »was sie fanden. Die Pest -konnte nicht verheerender sein. Auch wütete eine fürchterliche -Hungersnot, so daß die Überlebenden die Körper der Gestorbenen -verzehrten.« Es klingt kaum glaublich, wenn uns die Geschichtsschreiber -jener Zeiten erzählen, daß man Festungen durch den Leichengeruch zur -Übergabe zwang, indem man die Gefangenen vor den Wällen niedermetzelte. - -Fast zur selben Zeit, als die Vandalen Rom plünderten, wurde -Oberitalien durch die Hunnen verwüstet, deren Zug durch die von -*Aëtius* gewonnene Schlacht bei Châlons nach Süden abgelenkt worden -war. Nach diesen völkermordenden Kriegen nahmen todbringende Seuchen -von dem aus vielen Wunden blutenden Europa Besitz. Vielleicht war -infolge der vorhergegangenen Ereignisse eine allgemeine Schwächung -der europäischen Menschheit eingetreten und dadurch der Pest der -Boden bereitet worden. Zum ersten Male hatte diese Geißel unter *Marc -Aurel* ihren Zug durch das römische Reich gehalten und weit mehr Opfer -gefordert, als die Seuchen der Neuzeit. Nach dem von *Prokop*, dem -Geheimschreiber *Belisars*, hinterlassenen Bericht wütete sie volle 50 -Jahre im ganzen römischen Reiche dermaßen, daß in Italien stellenweise -die Weinstöcke und das Getreide vermoderten, weil es an Arbeitskräften -fehlte. - -Allmählich erhoben sich indes aus der Verworrenheit und der Verwüstung, -welche die ersten Jahrhunderte des Mittelalters kennzeichnen und -das Erlahmen des wissenschaftlichen Geistes begreiflich erscheinen -lassen, gefestigte Verhältnisse. Rom war dadurch, daß es im 5. -Jahrhundert in den Besitz der kirchlichen Vorherrschaft gelangt war, -wieder, wenn auch in anderem Sinne als im Altertum, zum geachteten -Mittelpunkt des Abendlandes und die römische Sprache zur Weltsprache -geworden. *Benedikt* von Nursia hatte im Anfang des 6. Jahrhunderts -das Klosterwesen in Westeuropa begründet. Der Gedanke, sich um der -Erfüllung religiöser Pflichten willen von der Welt zurückzuziehen, ist -orientalischen Ursprungs und schon dem Heidentum des Orients geläufig. -Er ergriff mit besonderer Macht die ersten Christen, welche die -Satzungen der neuen Religion mit den Forderungen und Schwierigkeiten -des Lebens nicht in Einklang zu bringen vermochten. So sehen wir bald -nach der Ausbreitung des Christentums Tausende sich in entlegene Teile -Syriens und Ägyptens zurückziehen. Es entstand ein von bestimmten -Regeln abhängiges Mönchstum, das für jene Zeiten eine berechtigte -Erscheinung war und die Erhaltung der geistigen Kultur begünstigte. -Schon um die Mitte des 4. Jahrhunderts verbreitete sich das Mönchswesen -besonders durch den Bischof *Basilius den Großen* in Kleinasien und auf -der Balkanhalbinsel. Bald fand es auch im weströmischen Reiche Eingang, -wo namentlich *Augustinus* für diese Form des religiösen Lebens den -Boden bereitet hatte. *Benedikt* von Nursia gebührt das Verdienst, -daß er zuerst die umherschweifenden, zuchtlosen, dem Mönchstum -ergebenen Scharen zum Zusammenleben und zu geordneter Tätigkeit -zwang. Die Beschäftigung mit den Wissenschaften bezeichnete er als -eine der wichtigsten Pflichten seines Ordens. »Den Klöstern«, sagt -*Lindner*[655], »verdanken wir alles oder das weitaus meiste, was von -antik-lateinischen Schriften und selbst von den alten germanischen auf -uns gekommen ist, sie haben den Rückweg zum Altertum offen gehalten.« - -Zwar, das Studium der nicht philosophischen Schriften des Altertums -wurde von den kirchlichen Machthabern nur ungern gesehen. So -begegnet uns um 1200 ein Verbot[656], welches den Mönchen das Lesen -naturwissenschaftlicher Schriften als sündhaft untersagte. Im ganzen -war jedoch die Tätigkeit der Orden auf die Erhaltung der alten -Schriftwerke und die Ausbreitung der Bildung gerichtet, so daß die -Benediktiner mit Recht den Wahlspruch »Ex scholis omnis nostra salus« -führten. - -Auch im politischen Leben Italiens machte die Brandung, welche dort -Jahrhunderte gewütet, endlich einer ruhigen Entwicklung Platz. Während -der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts herrschten hier die Ostgoten. -Unter ihrem großen König *Theoderich* (475-526), der eine Verschmelzung -des germanischen mit dem römischen Element herbeizuführen suchte, -erlebte das Land sogar einen kurzen Aufschwung. Der wissenschaftliche -Sinn wurde von neuem lebendig, die Schulen blühten und die Gelehrten -wurden wieder geachtet[657]. In diesem Zeitraum verdienen besonders -*Cassiodor* und *Boëthius* Erwähnung. - -*Cassiodor* wurde in Süditalien geboren und war um 500 *Theoderichs* -Geheimschreiber und Ratgeber. Nach der Besiegung der Ostgoten durch -die Byzantiner zog er sich in die klösterliche Einsamkeit zurück. -Durch ihn und *Benedikt* von Nursia, der im Jahre 529 das Kloster zu -Monte Cassino bei Neapel gestiftet hatte, wurde an Stelle der früheren -Beschaulichkeit der Mönche rege Tätigkeit als oberster Grundsatz -hingestellt. Unermüdlich wurden in schöner Schrift die im Besitze -der Klöster befindlichen Werke auf Pergament übertragen und so neben -manchem Wertlosen doch auch das Wertvolle der Nachwelt erhalten. -*Cassiodor* selbst empfiehlt das Abschreiben von Büchern den Mönchen -als die verdienstlichste Arbeit. Seine letzte Schrift verfaßte er -im 93. Lebensjahre. Er hinterließ 12 Bücher Briefe[658] und eine -Enzyklopädie[659] der sogenannten sieben freien Künste (Grammatik, -Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie). -Indessen handelt es sich für ihn nicht um eine ausführliche Darstellung -dieser Wissenszweige, sondern mehr um eine Aufzählung derjenigen -griechischen und lateinischen Schriftsteller, deren Studium dem -Anfänger zu empfehlen sei. - -Das Urbild derartiger, im Mittelalter so häufigen Sammelwerke über -die freien Künste rührt von *Marcus Terentius Varro* her, der im 1. -Jahrhundert v. Chr. lebte und neun Wissenschaften enzyklopädisch -behandelte[660]. Außer den genannten hatte er nämlich auch die Medizin -und die Baukunst in Betracht gezogen. - -Der in einer Geschichte der Wissenschaften Erwähnung verdienende -Genosse *Cassiodors* war der aus altem römischen Geschlecht -entstammende *Boëthius*. Nachdem er in seiner Vaterstadt die -höchsten Ämter bekleidet, fiel er in Ungnade und wurde nach längerer -Gefangenschaft enthauptet. Im Kerker entstand seine berühmte Schrift -»Über die Tröstungen der Philosophie«, ein Werk, das in viele Sprachen -übersetzt wurde[661]. *Boëthius* machte das Studium der griechischen -Schriftsteller wieder zugänglich, indem er sie in das Lateinische -übersetzte und erläuterte. *Cassiodor*, der Geschichtsschreiber -der Ostgotenzeit, hat der Nachwelt eine Stelle aus einem Briefe -*Theoderichs* an *Boëthius* aufbewahrt, welche den König wie den -Empfänger in gleicher Weise ehrt. »In deinen Übertragungen«, heißt es -in diesem Schreiben, »wird die Astronomie des *Ptolemäos*, sowie die -Geometrie des *Euklid* lateinisch gelesen. *Platon*, der Erforscher -göttlicher Dinge, und *Aristoteles*, der Logiker, streiten in der -Sprache Roms. Auch *Archimedes*, den Mechaniker, hast du lateinisch -wiedergegeben. Welche Wissenschaften und Künste auch das fruchtbare -Griechenland erzeugte, Rom empfing sie in vaterländischer Sprache durch -deine Vermittlung«[662]. - -Lieblingsgebiete des *Boëthius* waren die Musik und die Akustik. Er -stellte zahlreiche Versuche mit dem Monochord und mit Pfeifen an und -schrieb ein Werk über die Musik[663], in dem manche klare Anschauung -entwickelt ist. Wichtiger ist dieses Buch dadurch, daß wir uns nach -ihm eine gewisse Vorstellung von der Tonkunst des Altertums und des -früheren Mittelalters machen können. Auch der Astronomie und der Physik -brachten die gebildeteren Goten, geschichtlichen Berichten zufolge, ein -großes Interesse entgegen. - -Leider sollte dieser hoffnungsvolle Ansatz, den der italische Boden -gezeitigt, noch in der Blüte geknickt werden. Ebenso rasch, wie das -Ostgotenreich emporgekommen war, wurde es durch die furchtbaren Kriege, -welche der oströmische Kaiser gegen die Ostgoten führte, wieder -hinweggefegt. Zehn Jahre später fiel das verwüstete Italien in die -Hände der Langobarden. Einen ähnlichen Aufschwung, wie zur Zeit der -Ostgoten, hat es unter der, Jahrhunderte dauernden Herrschaft dieses -Volkes nicht wieder erlebt. Doch fand in dieser verhältnismäßig ruhigen -Zeit eine allmähliche Verschmelzung des germanischen Elementes mit -dem römischen statt, wodurch die Vorbedingung für eine höhere Kultur -geschaffen wurde. - -Neben *Cassiodor* und *Boëthius* verdient für dieses Zeitalter der -Bischof *Isidor* von Sevilla erwähnt zu werden. Er wurde im Jahre -570 in Cartagena geboren und starb 636. In einem, aus 20 Büchern -bestehenden Werk, das den Titel »Origines« (die Ursprünge) führt, -gab er, wie es *Cassiodor* und *Martianus Capella* getan, eine Art -Enzyklopädie der Wissenschaften heraus. Die »Origines« berücksichtigen -nicht nur die freien Künste, das Trivium (Grammatik, Rhetorik und -Dialektik) und das Quadrivium (Arithmetik, Musik, Geometrie und -Astronomie), sondern auch die Medizin, die Naturgeschichte, die -Geographie usw. Das Werk verdrängte die Enzyklopädien des *Cassiodor* -und des *Martianus Capella* und war neben *Plinius* und *Aristoteles* -bis gegen das Ende des Mittelalters für alle späteren Sammelwerke die -wichtigste Fundgrube. Es führt auch wohl den Titel »Die Etymologien« -(Libri originum seu etymologiarum). Dementsprechend finden wir für alle -Gegenstände die Etymologien des Namens an die Spitze gestellt, ja oft -allein gegeben. In den meisten Fällen waren die Wortableitungen jedoch -sehr willkürlich und wertlos. - -Männer, wie die Genannten, haben das Vorhandene nicht vermehrt, -sondern, wie *Plinius*, als literarische Sammler gewirkt. Als solche -sind sie aber für die Erhaltung des Wissens und des wissenschaftlichen -Interesses für das ganze Mittelalter von Bedeutung gewesen. Fast -allen lag daran, die Beschäftigung mit den Wissenschaften in weitere -Kreise zu tragen, indem sie für die Verbreitung und Verbesserung des -Schulwesens wirkten. Das ist nicht nur *Cassiodor* und *Rhabanus -Maurus*, sondern auch *Isidor* von Sevilla nachzurühmen. - -Wie die Klöster zu Mittelpunkten literarischer Beschäftigung wurden, so -fand in ihnen auch, zumal in den sich erst der Kultur erschließenden -germanischen Ländern, die Heilkunde eine Stätte. Die Mönche bereiteten -Arzneien nicht nur für ihren eigenen Gebrauch, sondern auch für die -Bewohner der Umgegend. Die heilbringenden Kräuter wurden in besonderen -Gärten im Schutze der Klostermauern gezogen. Genauere Angaben besitzt -man über den Kräutergarten des Klosters St. Gallen, aus dem schon im -9. Jahrhundert die benachbarten Dörfer mit Arzneien versorgt wurden. -Von den zahlreichen Kräutern, die man in St. Gallen zu diesem Zwecke -zog, seien beispielsweise Salbei, Raute, Minze und Fenchel genannt. -Ein selbständiges Apothekenwesen entwickelte sich im germanischen -Kulturbereich erst im späteren Mittelalter[664]. Im Altertum hatte der -Arzt die Arzneien in der Regel selbst bereitet. - - - - -8. Das arabische Zeitalter. - - -Ein neuer Anlaß zur Beschäftigung mit der Wissenschaft des Altertums -sollte im Abendlande nicht mehr, wie zur Zeit *Theoderichs*, -auf eigenem Boden ersprießen, sondern von einem orientalischen -Volke ausgehen, das bis dahin kaum eine Rolle gespielt hatte. -Diese Erscheinung ist eine der merkwürdigsten, die uns in der -Entwicklung der Wissenschaften begegnet, weshalb wir ihr eine etwas -eingehendere Betrachtung schenken müssen. Während das Christentum die -abendländischen Völker durchdrang, bemächtigte sich der Islam des -gesamten Orients. Die Ausbreitung der neuen Lehre erfolgte durch Feuer -und Schwert und ging Hand in Hand mit der Errichtung eines Weltreiches -durch die Araber. Auch die letzteren traten, wie die ersten Bekenner -des Christentums, den vorhandenen Bildungselementen zunächst feindlich -gegenüber. Von fanatischem Eifer verblendet, soll der Kalif *Omar* -dem arabischen Feldherrn, der Alexandrien eroberte, den Befehl zur -Vernichtung der noch vorhandenen Bücherschätze mit den Worten gegeben -haben: »Wenn diese Bücher das enthalten, was im Koran steht, so sind -sie unnütz, wenn sie etwas anderes enthalten, so sind sie schädlich. -Sie sind deshalb in beiden Fällen zu verbrennen.« - -Nach anderen Nachrichten[665] soll dieses Wort bei der Eroberung -Persiens gefallen sein. Bei diesem Ausspruch und manchen anderen, -geschichtlichen Persönlichkeiten zugeschriebenen Worten ist der -Nachweis, daß es sich um eine verbürgte Äußerung handelt, in vielen -Fällen nicht zu erbringen. Wenn sie trotzdem, wie beispielsweise -*Galileis* Wort: »Und sie bewegt sich doch«, in der Geschichte der -Wissenschaften Erwähnung finden, so geschieht dies, weil sie häufig -Personen, Zeitverhältnisse oder geistige Strömungen vortrefflich -kennzeichnen. - -Wie groß der Verlust an Bücherschätzen infolge der von den Arabern -zu Beginn ihres Auftretens bewiesenen Zerstörungswut gewesen ist, -läßt sich nicht mehr ermessen. Diese Verluste begannen übrigens in -Alexandria schon weit früher, nämlich zur Zeit der Belagerung durch -*Julius Caesar*. Unter *Kleopatra* wurden sie jedoch durch die -Erwerbung der pergamenischen Bibliothek ausgeglichen. Die Zerstörung -des Serapeions fand unter *Theodosios* statt. Es wurde jedoch soviel -gerettet, daß eine neue Bibliothek gegründet werden konnte. Mit den -etwa noch vorhanden gewesenen Überresten an literarischen Schätzen -scheinen dann die Araber bei der Eroberung Alexandriens nicht allzu -glimpflich umgegangen zu sein, wenn auch die Nachrichten über den von -ihnen bewiesenen Vandalismus ohne Zweifel stark übertrieben sind[666]. -Im allgemeinen waren die Bekenner des Islams nämlich duldsamer als die -Christen. Während letztere die Unterworfenen zur Bekehrung zwangen -und keine Religion neben der christlichen anerkannten, war der Islam -mehr darauf bedacht, zu herrschen. Die Christen behielten unter -dieser Herrschaft ihre Glaubensfreiheit, ja selbst ihre Kirchen und -Klöster. Der Islam ließ den unterworfenen Völkern mehr ihre Eigenart. -Auch behielten die von ihm unterjochten Städte als Mittelpunkte des -geistigen Lebens und eines größeren Wohlstandes ihre Bedeutung, -während das Abendland durch die Germanen einer mehr ländlichen, -naturalwirtschaftlichen Lebensweise anheimfiel. Die Kultur des -Morgenlandes erlitt daher durch den Islam in ihrer Entwicklung keine -solch gewaltsame Unterbrechung, wie sie das Abendland erfuhr. Die -morgenländische Kultur des Mittelalters verdient auch die Bezeichnung -einer arabischen weniger ihrer Eigenart wegen als dem Umstande, daß -die Sprache der Araber die herrschende wurde. Mit dieser Erkenntnis -fällt auch die Paradoxie, die darin liegen würde, wenn man einem bis -dahin unbekannten Nomadenvolke alle Schöpfungen, welche der Orient im -Mittelalter hervorbrachte, zuschreiben wollte. - -Die Araber verstanden es vortrefflich, dasjenige, was die unterjochten -Völker an Kulturelementen besaßen, zu sammeln und zu sichten. Nachdem -sie in der kurzen Zeit vom Auftreten *Mohammeds* bis zum Beginn des -8. Jahrhunderts Syrien, Palästina, Ägypten, Persien, Nordafrika -und Spanien erobert hatten, nahmen sie die Bildungselemente, die -sie in diesen Ländern vorfanden, in sich auf, um sie später den -abendländischen Völkern zu übermitteln. Den letzteren blieb es -vorbehalten, auf diesen Grundlagen erfolgreich weiter zu bauen, was die -Araber nur in bescheidenem Maße vermocht hatten. Es ist ein Verdienst -der arabischen Literatur, wichtige Teile der griechischen Wissenschaft -erhalten und sie durch das Dunkel des Mittelalters in die neuere Zeit -hinüber gerettet zu haben. - -Nach dem Untergange der alten Kultur wurden die Wissenschaften in -Syrien und Persien in griechisch-christlichen und jüdischen Schulen -gepflegt. Als die Araber diese Länder eroberten, fanden sie dort -ein reiches geistiges Leben vor[667]. Wahrscheinlich ist aber bei -dem ersten Anprall die ältere Literatur jener Länder zum Teil -vernichtet worden, so daß man sich bei dem erwachenden Interesse für -wissenschaftliche Dinge veranlaßt sah, auf die griechischen Originale -zurückzugehen, woraus sich z. B. das später zu erwähnende Verhalten -des Kalifen *Al Mamûn* erklärt[668]. Mit dem Übersetzen ging das -Kommentieren Hand in Hand. So soll *Ibn Sina* (Avicenna, 980-1037) -die Schriften des *Aristoteles* in 20 Bänden kommentiert haben. Seine -Arbeit ging verloren, doch blieb sein Kommentar zu den aristotelischen -Schriften über die Tiere in lateinischer Übersetzung (von *Michael -Scotus*) erhalten. - -Trotz aller Verfolgungen, denen die griechische Wissenschaft ausgesetzt -gewesen, fanden sich also im Orient doch noch zahlreiche, wertvolle -Überreste. Vor allem war es die zur Zeit der Eroberungskriege der -Araber in Syrien und Persien verbreitete christliche Sekte der -Nestorianer, die sich um die Erhaltung dieser Überreste ein großes -Verdienst erworben hatte[669]. Seit dem Zeitalter *Alexanders* -hatten sich viele Griechen in den bedeutenderen Städten Syriens und -Persiens niedergelassen und ihr Wissen und ihre Sprache in Vorderasien -verbreitet. Mit dem Griechentum berührte sich dort alsbald das -jüdische Element. Beide wurden nach Beginn unserer Zeitrechnung durch -die Ausbreitung des christlichen Glaubens noch enger verbunden. Der -den Griechen eigene Drang, überall, wo sie in fremden Ländern sich -niederließen, als Lehrer ihrer neuen Landsleute aufzutreten, empfing -dadurch eine neue Anregung. Die Schulen wurden christlich, behielten -aber ihre Richtung auf die Pflege und Verbreitung der weltlichen -Wissenschaft, getreu dem Geiste des Griechentums, bei. - -Als Sitz einer Akademie sei Edessa erwähnt. Dort entstand auch eine -bedeutende Bibliothek. Vom 5. Jahrhundert etwa an wurden die Werke des -*Aristoteles*, sowie griechische Schriften über Medizin, Mathematik, -Astronomie usw. ins Syrische übertragen. Die Syrer sind als die -unmittelbaren Schüler der Griechen zu betrachten. Eine nennenswerte -Förderung der Wissenschaften scheint durch die Syrer aber nicht -stattgefunden zu haben. Ihr Hauptverdienst besteht darin, daß sie die -Kenntnisse und Anschauungen der Alten den Arabern übermittelten. Die in -Mesopotamien entstandenen Nestorianerschulen blühten vom 5. bis ins 11. -Jahrhundert. Und hier war es, wo die Elemente der antiken Wissenschaft, -darunter auch diejenigen der Alchemie, den Arabern bekannt wurden, -durch die sie dann nach Spanien und darauf zu den übrigen Ländern -Europas gelangten. Durch die Beschäftigung mit chemischen Vorgängen -sind die syrischen Gelehrten Mesopotamiens vielleicht auf die Erfindung -des sogenannten griechischen Feuers gelangt, das seit dem Ende des 7. -Jahrhunderts bei Belagerungen und in Seeschlachten benutzt wurde[670]. - -Das griechische Feuer wurde im Jahre 678 durch einen Syrer in -Konstantinopel eingeführt und bestand vermutlich aus einer Mischung -von leichtflüchtigen Erdölen, Asphalt und gebranntem Kalk. Letzterer -bewirkte, daß sich die Masse beim Zusammentreffen mit Wasser -entzündete. Die Verwendung von Salpeter zu Zündsätzen, Raketen usw. ist -hingegen erst weit später anzusetzen[671]. - -Von den syrischen Handschriften, die sich mit chemischen Dingen -beschäftigen, sind noch mehrere erhalten und durch *Berthelot* ihrem -Inhalt nach bekannt geworden. Es gehört dahin eine Aufzählung[672] der -Metalle, der sieben Erden, der zwölf als Amulette dienenden Steine und -einer Anzahl zum Färben des Glases dienender Mineralien. Als Amulette, -denen man Zauberkräfte zuschrieb, galten z. B. der Amethyst (gegen -Trunkenheit) und der Bernstein (gegen die Gelbsucht). Eine zweite -syrische Handschrift[673] kann als das älteste methodische Buch über -Chemie betrachtet werden. Seine Abschnitte sind überschrieben: Die -Bearbeitung des Kupfers, des Quecksilbers, des Bleies, des Eisens usw. -Die syrische Alchemie besteht in der Hauptsache aus der Übersetzung -griechischer Quellenschriften. In der erwähnten Aufzählung finden sich -dem Namen jedes Metalls der Name eines bestimmten Planeten und einer -bestimmten Gottheit beigefügt. - -Dogmatische Streitigkeiten riefen einen Gegensatz zwischen den -syrischen, an der Lehre des Bischofs *Nestorios*[674] festhaltenden -Christen und der Hierarchie von Alexandrien und Byzanz hervor. Die -Bedrückung, welche die in Syrien an den Schulen wirkenden Gelehrten -infolgedessen erfuhren, veranlaßte diese Männer, sich in den persischen -Christengemeinden, und zwar besonders in Mesopotamien, niederzulassen -und dort im 5. Jahrhundert neue Pflanzstätten zu gründen[675]. Dadurch -wurden die Nestorianer die Vermittler zwischen dem Osten und dem Westen -der alten Welt. Die in Indien entstandenen Wissenselemente fanden -nämlich in Persien Eingang und wurden später den Arabern und durch sie -Europa übermittelt. - -Als in Bagdad unter *Almansur* das Kalifat allen Glanz des Morgenlandes -um sich verbreitete, wurden die Nestorianer, sowie andere griechische -Gelehrte an den Hof gezogen und damit betraut, die in ihrem Besitz -befindlichen Wissensschätze ins Arabische zu übertragen. Die -mohammedanischen Machthaber scheint dabei zuerst mehr eine Art von -Sammeleifer als ein Verständnis für die Bedeutung des Errungenen -geleitet zu haben. So wird z. B. berichtet, daß *Harun al Raschid*, der -zur Zeit *Karls des Großen* lebende Kalif aus dem Hause des Omejaden, -sich von den griechischen Kaisern alles ausgebeten habe, was ihr Land -an philosophischen Werken besaß. Die Stellung, welche die Araber -diesen Werken gegenüber einnahmen, war zunächst die blinde Achtung -gegenüber der Autorität. Wie der Koran in der Religion und im Leben, -so dienten die vorhandenen, insbesondere die griechischen Vorbilder -ihnen als unbedingte Richtschnur für das Studium der Wissenschaften. -Bei diesem Grundzug ihres Wesens war zwar ein wesentlicher Fortschritt -nicht zu erwarten, doch hatte die von ihnen geübte Überschätzung das -Gute im Gefolge, daß ihre Literatur in erster Linie der Erhaltung der -gewonnenen Geistesschätze diente. Darauf und weniger auf dem Inhalt an -eigenen Gedanken beruht die weltgeschichtliche Bedeutung der arabischen -Literatur[676]. - -Die Begierde, Bücher zu sammeln, war in den Ländern, in denen die -arabische Kultur aufblühte, allgemein. So gab es in Bagdad angeblich -über hundert Buchhandlungen, und viele Privatleute besaßen größere -Bibliotheken. Es entstanden sogar gelehrte Gesellschaften, wie sie uns -im Abendlande erst mit dem Wiederaufleben der Wissenschaften zu Beginn -der neueren Zeit begegnen. Auch der Mittelstand war in den Städten -bemüht, sich die Elemente der Bildung anzueignen, für deren Ausbreitung -Schulen sorgten. Während in Rom zur Kaiserzeit etwa 30 öffentliche -Bibliotheken vorhanden waren, bestanden in Bagdad deren weit mehr. -Die Lehrer, die an den mohammedanischen Schulen wirkten, wurden vom -Staate besoldet. Legten sie ihrem Vortrage auch meist Bücher zugrunde, -so gestaltete sich der Unterricht, der meist das theologische und das -juristische Gebiet betraf, doch zu einem belehrenden Gespräch mit den -Schülern. Er befand sich also auf einer hohen Stufe. Als weiteres -Ausbildungsmittel waren ausgedehnte Studienreisen üblich. Solche Reisen -gaben wieder den Anlaß zur Entstehung vortrefflicher geographischer -Werke. Mit offenem Blicke schildern ihre Verfasser nicht nur die -topographischen, sondern auch die klimatologischen Verhältnisse der -besuchten Länder, sowie ihre Erzeugnisse. Ja, wir besitzen arabische -Berichte, die uns sogar über den Zustand von Mainz, Fulda und anderen -deutschen Städten des frühen Mittelalters wertvolle Aufschlüsse geben. - -Auch das Interesse für mechanische Dinge war bei den Arabern nicht -gering. So übersandte, wie *Einhard* berichtet, *Harun al Raschid* -*Karl dem Großen* unter den zur Krönungsfeier bestimmten Geschenken -eine Wasseruhr, die ein Zeigerwerk besaß und die Stunden dadurch -ankündete, daß eine Metallkugel in ein aus Erz gefertigtes Becken -fiel[677]. - -Tatsache ist, daß die Präzisionsmechanik bei den Arabern einen hohen -Grad der Ausbildung erreicht hatte und daß sie bei der Herstellung von -verschiedenen Arten der Wasseruhren »ein fabelhaftes Talent an den Tag -legten«[678]. - -Nicht minder groß war die Vorliebe, welche der Sohn und Nachfolger -*Haruns*, der Kalif *Al Mamûn*, für die Wissenschaft bekundete. Er -errichtete in Bagdad eine Sternwarte und gründete in zahlreichen -Städten seines Reiches Schulen und Bibliotheken. Hatte schon *Harun* -eigene Übersetzer angestellt, so gründete sein Nachfolger zu diesem -Zwecke ein förmliches Institut, zu dem eine große Anzahl, der -verschiedenen Sprachen kundiger, Gelehrten vereinigt wurden. In -Syrien, Armenien und Ägypten wurden durch besondere Abgesandte Bücher -aufgekauft. Vor allem übertrug man sämtliche Werke des *Aristoteles* -und des *Galen*. Auch *Euklid*, *Ptolemäos* und *Hippokrates* lernte -man kennen. Selbst aus dem Persischen und dem Indischen wurde eifrig -übersetzt. Nach einem erfolgreichen Kriege gegen den byzantinischen -Kaiser legte *Al-Mamûn* letzterem die Bedingung auf, ihm von -sämtlichen, in den Bibliotheken des griechischen Reiches befindlichen -Werken je ein Exemplar zu überlassen, damit diese Werke ins Arabische -übertragen würden. Darunter befand sich auch das oben erwähnte -astronomische Hauptwerk des *Ptolemäos*, das in der Folge Almagest -genannt wurde. - - -Mathematische Geographie und Astronomie bei den Arabern. - -Die Araber haben oft bewiesen, daß sie sich den Alten gegenüber nicht -bloß rezeptiv verhalten wollten. So wurde z. B. die Messung eines -Breitengrades zur Bestimmung des Erdumfanges unter *Al Mamûn* wieder -vorgenommen und zwar, ohne daß man sich an das von den Griechen -geschaffene Verfahren klammerte[679]. Ein wesentlicher Fortschritt dem -*Eratosthenes* gegenüber lag bei diesem Unternehmen nämlich darin, daß -die zugrunde gelegte Strecke nicht in Tagereisen ausgedrückt, sondern -in der Richtung des Meridians mit Hilfe der Meßschnur ausgemessen -wurde. Man fand die Länge des Grades gleich 56 und bei einer zweiten -Messung gleich 56-2/3 arabischen Meilen[680] oder gleich etwa 113040 m, -woraus sich der Erdumfang zu 40700 km berechnet. - -[Illustration: Abb. 50. Albirunis Bestimmung des Erdumfanges.] - -*Albiruni* (um 1000) berichtet über das eingeschlagene Verfahren mit -folgenden Worten[681]: »Man wähle einen Ort in einer ebenen Wüste und -bestimme dessen Breite. Dann ziehe man die Mittagslinie und schreite -längs derselben nach dem Polarstern. Miß den Weg in Ellen. Dann miß -die Breite des zweiten Ortes. Ziehe die Breite des ersten davon ab -und dividiere die Differenz durch den Abstand der Orte in Parasangen. -Das Resultat, multipliziert mit 360, ergibt den Umfang der Erde in -Parasangen.« - -Von Interesse ist ein zweites Verfahren, das *Albiruni* zur Ermittlung -des Erdumfanges anwandte. Es besteht darin, daß man einen hohen Berg -besteigt, der sich in der Nähe des Meeres befindet, und von hier -aus durch Beobachtung des Sonnenunterganges den Winkel α, d. h. die -Depression (Abb. 50) bestimmt. *Albiruni* zeigt dann weiter, wie man -aus diesem Winkel und der Höhe des Berges den Radius der Erde durch -trigonometrische Rechnung ermittelt. Eine solche Bestimmung hat er -wirklich ausgeführt. Er hat in Indien einen Berg, der 652 Ellen über -das Meer emporragt, bestiegen und den Winkel gemessen, den die nach -dem Horizont gerichtete Sehlinie mit der Horizontalen auf dem Gipfel -bildet. Dieser Winkel wurde mit Hilfe des Astrolabs gefunden und belief -sich auf 34'. Aus diesem Werte und der Höhe des Berges wurde der Radius -und die Länge eines Grades berechnet. Die Berechnung ergab für den -Umfang der Erde etwa 5600 Meilen[682], das sind 41550 km. - -Auf Befehl des *Al Mamûn*, der die erwähnte Gradmessung in der Nähe des -Roten Meeres anstellen ließ, wurde auch die Schiefe der Ekliptik mit -großer Genauigkeit ermittelt. Der gefundene Wert belief sich auf 23° -35'. Heute beträgt er 23° 27'. Die Änderung beläuft sich also in einem -Jahrhundert auf etwa 48''. - -Die Astronomie fand bei den Arabern eine zusammenfassende Bearbeitung -durch den unter *Al Mamûn* lebenden *Alfragani* oder *Alfergani*. Dem -Werk, das *Melanchthon* 1537 unter dem Titel »Alfragani rudimenta -astronomiae« aus dem Nachlaß *Regiomontans* herausgab, lag zwar der -Almagest zugrunde, es zeigt aber, daß sein Verfasser ein fleißiger -Astronom war, der die Methoden seiner Vorgänger zu verbessern -suchte. Auch beschrieb *Alfragani* die zu seiner Zeit gebrauchten -astronomischen Instrumente. Er stellte seine Beobachtungen auf der von -*Al Mamûn* errichteten Sternwarte an und wurde dabei häufig von dem -Kalifen unterstützt. - -*Alfragani* wurde weit übertroffen durch den etwa ein Jahrhundert -später lebenden *Al Battani* (Albategnius haben ihn seine Übersetzer -genannt). *Al Battani* war prinzlichen Geblütes und hat sich -nicht nur um die Astronomie, sondern auch um die Einführung der -trigonometrischen Funktionen große Verdienste erworben. Seine -Beobachtungen, die er etwa von 880-910 anstellte, wurden von den -Arabern als die genauesten gepriesen. *Albattani* hat viele Angaben -des *Ptolemäos* nachgeprüft und verbessert. Das von ihm verfaßte Werk -»Über die Bewegung der Sterne« erschien in lateinischer Übersetzung -und mit Zusätzen *Regiomontans* im Jahre 1537. Aus diesem Werke -ist die Bezeichnung Sinus, für das Verhältnis der halben Sehne zum -Radius, in die mathematische Literatur aller Völker übergegangen. -Die mit der Anwendung der ganzen Sehnen verknüpfte rechnerische -Unbequemlichkeit, welche der Almagest aufwies, kam damit in Fortfall. -Die trigonometrischen Sätze nehmen ferner bei *Albattani* mehr den -Charakter für die Rechnung bestimmter Formeln an. Aus sin α/cos α = -D wird sin α = D/√(1 + D^2) berechnet und α dann in den Sinustafeln -aufgefunden. Auch der Bruch cos α/sin α wird einer Rechnung zugrunde -gelegt. Bedeutet nämlich α die Höhe der Sonne über dem Horizont und ist -h die Höhe eines Schattenmessers, l die Länge des Schattens, dann ist - -[Illustration: Abb. 51. Trigonometrische Berechnungen.] - -*Albattani* berechnete danach die Länge von l bei einer bestimmten Höhe -von h (= 12) für α = 1°, 2°, 3° usw. Er erhielt auf diese Weise eine -kleine Tabelle für die Kotangenten der ganzen Winkel. - -Die Trigonometrie erscheint als eines der Gebiete, das die Araber -nicht nur wegen ihrer Beziehung zur Astronomie, sondern auch seiner -selbst wegen mit Vorliebe angebaut haben. Auf die Tangensfunktion -mußte schon *Albattani* kommen, als er den Stab h horizontal in der -Wand AB befestigte und das Verhältnis der Schattenlänge l zu der Länge -des Stabes h zur Bestimmung des Winkels α benutzte. Daß sich die -Tangensfunktion zur Berechnung von Dreiecken vorzüglich eignet, wurde -bald nach *Albattani* erkannt[683]. - -[Illustration: Abb. 52. Einführung der Tangensfunktion.] - -Ihren Höhepunkt erreichte die Trigonometrie der Araber um 1250 in -dem Werke »Über die Figur der Schneidenden«. Es wird darin das -rechtwinklige und, ausgehend vom Sinussatz, das schiefwinklige Dreieck -behandelt. Auch die Trigonometrie des schiefwinkligen sphärischen -Dreiecks wird in dem genannten Werke in den Grundzügen entwickelt. Der -weitere Ausbau der Trigonometrie, vor allem die Formulierung des so -wichtigen Cosinussatzes, erfolgte erst einige hundert Jahre später, als -im Abendlande die Wissenschaften wieder auflebten, durch *Regiomontan*. - -Wir haben an früherer Stelle den hohen Grad von Kunstfertigkeit -erwähnt, den die alexandrinischen Mechaniker bei der Herstellung -astronomischer Meßinstrumente, insbesondere der Astrolabien, bewiesen. -In dieser Kunst war die praktische Astronomie der Araber derjenigen der -Griechen mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen[684]. Neben -den ringförmigen Astrolabien benutzten die Araber als Meßwerkzeuge -auch Quadranten und Halbkreise, ferner parallaktische Lineale und -Instrumente, welche die trigonometrischen Funktionen, wie den Sinus -und den Sinus versus, anzeigten[685]. Die Einführung dieser Funktionen -in die Astronomie ist an den Namen *Al Battanis* (Albategnius) -geknüpft, der in den Jahren 882-910 seine Beobachtungen anstellte und -Tabellen entwarf[686]. Auf Grund der astronomischen Beobachtungen der -arabischen Sternwarten in Damaskus und Bagdad wurde eine Revision der -ptolemäischen Tafeln vorgenommen[687]. - -Die Blüte der arabischen Wissenschaft war keine kurze, wie man hin und -wieder behauptet hat, denn ein Jahrhundert später begegnen wir wieder -einem hervorragenden Astronomen *Ibn Junis* (gestorben 1008), der in -Kairo auf Befehl des Kalifen *Al Hâkim* wertvolle astronomische Tafeln -über die Bewegung der Sonne, des Mondes und der Planeten anfertigte. -Auch dort stand den Astronomen eine mit großer Freigebigkeit -eingerichtete Sternwarte zu Gebote. Auf Grund der Sternverzeichnisse -verstand man es, vortreffliche Himmelsgloben aus Silber oder Kupfer -anzufertigen, von denen einige erhalten geblieben sind. Eine -weitgehende Genauigkeit der Winkelmessung suchte man dadurch zu -erreichen, daß man den mit der Gradeinteilung versehenen Instrumenten -gewaltige Dimensionen gab. So soll ein in Bagdad aufgestellter Sextant, -mit dem man im Jahre 992 die Schiefe der Ekliptik maß, einen Radius -von 58 Fuß gehabt und einzelne Sekunden angezeigt haben. Auch das -Verfahren, zum Messen der Kulmination bestimmte Instrumente fest im -Meridian aufzustellen, indem man Mauerquadranten errichtete, treffen -wir bei den Arabern. Sogar ein Instrument mit einem Horizontalkreis, -über dem zwei Quadranten drehbar angebracht waren, findet man bei ihnen -in Gebrauch. Dieses Instrument, dem später *Tychos* Azimutalquadrant im -wesentlichen entsprach, ermöglichte es, von zwei Gestirnen gleichzeitig -Azimut und Höhe zu bestimmen. Jene »drehenden Quadranten« der Araber -und *Tychos* Instrument sind grundlegend für die Konstruktion des -heutigen Theodoliten gewesen. - -Die Astronomie, die immer mehr in Astrologie ausartete, die Mathematik -und die auf geometrischer Grundlage beruhende Optik, ferner auch die -Chemie in ihrem ersten, von mystischen Vorstellungen durchwebten -Gewande, waren die Gebiete, denen sich die Araber mit Vorliebe -zuwandten. Auf diesen haben sie, zumal was die, wenn auch nicht -ihrem Ursprunge, so doch ihrer ersten Entwicklung nach vorwiegend -arabische Wissenschaft der Chemie betrifft, anerkennenswerte Leistungen -aufzuweisen. - -Eine Anregung zur Beschäftigung mit der Mathematik empfingen die Araber -nicht nur durch die griechischen Schriften, die von einem vorzugsweise -für die Geometrie veranlagten Volke herrührten, sondern in nicht -geringerem Maße von den Indern, die sich durch ihre rechnerische -Begabung auszeichneten. Von den letzteren erhielten sie, soweit die -vorliegenden, noch mangelhaften Angaben zu schließen gestatten, -vermutlich auch das auf dem Stellenwert beruhende Ziffernsystem, das -wir noch heute als das arabische bezeichnen, weil die Araber es den -abendländischen Völkern übermittelt haben. Auch die Algebra, soweit -sie indischen Ursprungs ist, erfuhr durch die Araber eine wesentliche -Fortbildung. - -Von den griechischen Mathematikern ist *Euklid* für die Entwicklung -der Mathematik bei den Arabern von großem Einfluß gewesen. Zur -Weiterentwicklung der Arithmetik wurden sie besonders durch die -Übernahme des indischen Ziffernsystems angeregt. Die indischen -Zahlzeichen verbreiteten sich übrigens schon sehr früh von Alexandrien -aus nach Rom[688]. - -Bevor wir auf die Weiterentwicklung der Mathematik durch die Araber -näher eingehen, sei noch erwähnt, daß gegen den Ausgang des -Mittelalters das westliche Europa, wahrscheinlich gleichfalls durch -Vermittlung dieses Volkes, in den Besitz der in Ostasien erfundenen -Bussole und sehr wahrscheinlich auch des Schießpulvers gelangt ist. -Eine Nachricht über die Bussole begegnet uns in einer chinesischen -Schrift aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Dort wird der Magnet als ein -Stein bezeichnet, mit dem man der Nadel Richtung gebe[689]. Ferner ist -nachgewiesen, daß die Chinesen schon im 12. Jahrhundert n. Chr. mit der -Erscheinung der magnetischen Deklination bekannt waren. Die betreffende -Stelle der chinesischen Literatur lautet[690]: »Wenn man die Spitze -einer Nadel mit dem Magnetstein bestreicht, so zeigt sie nach Süden, -jedoch nicht genau, sondern etwas nach Osten. Die Abweichung beträgt -etwa 1/24 des Kreisumfanges (also etwa 15°).« - -Daß die Bussole durch den Schiffer *Flavio Gioja* aus Amalfi erfunden -oder in Europa bekannt geworden sei, hat sich als eine der vielen, in -der Geschichte der Wissenschaften vorkommenden Legenden erwiesen. Es -unterliegt keinem Zweifel, daß man mit dem Gebrauche der Magnetnadel -in Europa lange vor dem im 14. Jahrhundert lebenden *Gioja* bekannt -war. So erwähnt ein provenzalisches, im 12. Jahrhundert entstandenes -Buch[691], daß der Schiffer, wenn er weder Mond noch Sterne sehen -könne, sich nach der Magnetnadel richte. Auch in einer um 1180 -entstandenen Schrift[692] heißt es, die Eisennadel erlange durch die -Berührung mit dem Magneten die Fähigkeit, nach Norden zu zeigen, -was für den Schiffer wichtig sei. *Gioja* gebührt vielleicht das -Verdienst, daß er die Nadel mit der Windrose verbunden und damit für -den Gebrauch geeigneter gemacht hat[693]. Ob die Bussole in Europa -selbständig erfunden ist oder durch die Vermittlung der Araber von -Ostasien nach dort gelangte, ließ sich bisher nicht mit Sicherheit -nachweisen. Letztere Annahme ist aber bei dem regen Handelsverkehr, -den die Länder des Islams mit Indien und China unterhielten, die -wahrscheinlichere[694]. - -Interessant ist auch, wie sich die Anbringung der Magnetnadel -allmählich immer praktischer gestaltete. Zuerst ließ man die Nadel -schwimmen. So heißt es an einer Stelle[695] in dem 1232 verfaßten -»Buche des Schatzes der Kaufleute in Kenntnis der Steine«: »Wenn die -Nacht so dunkel ist, daß die Kapitäne keinen Stern wahrnehmen können, -um sich zu orientieren, so füllen sie ein Gefäß mit Wasser und stellen -dieses im Innern des Schiffes, gegen den Wind geschützt, auf; dann -nehmen sie eine Nadel und stecken sie in einen Strohhalm, derart, daß -beide ein Kreuz bilden. Dieses werfen sie auf das in dem erwähnten -Gefäß befindliche Wasser und lassen es auf dessen Oberfläche schwimmen. -Hierauf nehmen sie einen Magneten, nähern ihn der Wasseroberfläche -und geben ihrer Hand eine Drehung. Dabei dreht sich die Nadel auf -der Wasseroberfläche; dann ziehen sie ihre Hände plötzlich und rasch -zurück, worauf die Nadel nach zwei Punkten, nämlich Nord und Süd, -zeigt.« - -Die nächste Verbesserung bestand darin, daß man den Magneten auf einer -Nadel schweben ließ. Die Verbindung des Magneten mit der Windrose, die -man auf solche Weise beweglich machte, erfolgte wahrscheinlich im 14. -Jahrhundert. Seine Vollendung erhielt der Kompaß, als ihn *Cardanus* -(im 16. Jahrhundert) mit der nach ihm benannten Aufhängung versah[696]. - -Wie mit der Bussole verhält es sich wahrscheinlich auch mit dem -Schießpulver, das in China weit früher als in Europa bekannt war. Die -älteste Nachricht, welche die europäische Literatur über das Pulver -aufweist, enthält wohl das Manuskript des *Marcus Graecus*[697]. Es -gibt an, man solle Schwefel, Kolophonium oder Kohle und Salpeter -zusammenreiben und mit dieser Mischung lange Röhren füllen. Zünde man -die Mischung dann an, so flögen die Röhren in die Luft oder sie würden -mit donnerähnlichem Knall zerplatzen. - -Nach *M. Graecus* wurden 1 Teil Kolophonium, 1 Teil Schwefel, 6 Teile -Salpeter gepulvert, mit Öl gebunden und dann in ein Rohr gefüllt. Nach -einer anderen dort mitgeteilten Vorschrift wurden 1 Teil Schwefel, -2 Teile Linden- oder Weidenkohle und 6 Teile Salpeter gepulvert -und zur Füllung einer Art Rakete benutzt, um »fliegendes Feuer« -herzustellen[698]. Derartige Raketen wurden auch gegen feindliche -Schiffe geschleudert, um sie in Brand zu stecken[699]. - - -Die Rechenkunst der Araber. - -Zur Beschäftigung mit der Mathematik gelangten die Araber dadurch, -daß ihnen die Schriften der Griechen und der Inder bekannt wurden. -*Ptolemäos* und *Euklid*, *Apollonios*, *Heron* und *Diophant* wurden -in zahlreichen arabischen Übersetzungen verbreitet[700]. Welche Rolle -hierbei christlich-griechische Schulen spielten, die unter dem Einfluß -der Sekte der Nestorianer in Syrien entstanden waren, haben wir schon -erwähnt. Im 8. Jahrhundert gelangte ein Auszug aus dem Werke des Inders -*Brahmagupta* nach Bagdad. Dieser Auszug wurde um 820 durch *Mohammed -ibn Musa Alchwarizmi* einer Umarbeitung unterzogen. - -*Ibn Musa* (*ben Musa*), der bekannteste arabische Mathematiker, -lebte unter *Al Mamûn*. Er war nicht nur an der Herausgabe indischer -Werke, sondern auch an einer Neubearbeitung der ptolemäischen Tafeln, -sowie an der erwähnten arabischen Gradmessung beteiligt[701]. Ferner -schrieb *Ibn Musa* über die Rechenkunst und die Algebra. Ein Übersetzer -des Buches über die Rechenkunst hat aus *Alchwarizmi* den Namen -*Algorithmus* gemacht, der noch jetzt für jedes zur Regel gewordene -Rechnungsverfahren benutzt wird. - -Den Ziffern wird von *Ibn Musa* nach indischem Vorbild ein Stellenwert -beigelegt. Übersteigt beim Addieren die Summe der Ziffern 9, so sollen -die Zehner der folgenden Stelle zugerechnet und an der ursprünglichen -Stelle nur das geschrieben werden, was unter 10 übrig ist. »Bleibt -nichts übrig«, fährt *Ibn Musa* fort, »so setze den Kreis (die Null), -damit die Stelle nicht leer sei. Der Kreis muß sie einnehmen, damit -nicht durch das Leersein die Zahl der Stellen vermindert und die zweite -für die erste gehalten wird«[702]. - -*Ibn Musas* Werk über die »Algebra« ist das erste, das diese -Bezeichnung trägt. Das Wort Algebra bedeutet soviel wie Ergänzung und -bezieht sich auf die Auflösung der Gleichungen. Das Verfahren der -Ergänzung (Algebr) besteht darin, daß man, um die negativen Glieder aus -einer Gleichung zu entfernen, auf beiden Seiten die gleichen, positiven -Werte hinzufügt. - -Das Buch war weniger für den wissenschaftlichen als für den praktischen -Gebrauch bestimmt. Dies geht auch aus folgenden Worten hervor, mit -denen *Ibn Musa* sein Buch einleitet: »Die Liebe zu den Wissenschaften, -durch die Gott den *Al Mamûn*, den Beherrscher der Gläubigen, -ausgezeichnet hat, und seine Freundlichkeit gegen die Gelehrten haben -mich ermuntert, ein kurzes Werk über Rechnungen durch Ergänzung und -Reduktion zu schreiben. Hierbei beschränke ich mich auf das Leichteste -und das, was die Menschen am meisten bei Teilungen, Erbschaften, -Handelsgeschäften, Ausmessung von Ländereien usw. gebrauchen.« - -*Ibn Musa* unterscheidet sechs Arten von Gleichungen, die in heutiger -Schreibweise folgendermaßen lauten würden: - - bx = c - ax^2 = c - x^2 + bx = c - x^2 = bx + c - x^2 + c = bx - ax^2 = bx - -Für die Gleichung x^2 + c = bx gibt er die Lösung: - - x = b/2 ± √((b/2)^2 - c). - -Er erwähnt, daß die Aufgabe für den Fall, daß c > (b/2)^2 unmöglich -sei. Auch die Regel de tri, und zwar nach indischen Mustern, ist in -dem Werke behandelt, das nicht nur für die arabische, sondern auch für -die Entwicklung der abendländischen Mathematik von großer Wichtigkeit -gewesen ist. - - -Die Ausbreitung der arabischen Wissenschaft. - -Nach der Eroberung Spaniens errichteten die Araber das Kalifat zu -Cordova, das für den westlichen Teil ihres Reiches eine ähnliche -Bedeutung erhielt, wie sie Bagdad für den Osten besaß. Handel und -Gewerbe gelangten zu hoher Blüte. Prächtige Bauten entstanden. Neue -Pflanzen, vor allem die Dattelpalme, wurden verbreitet. In Spanien -war es, wo die Berührung der abendländischen Christenheit mit der -Wissenschaft des Islams vorzugsweise stattfand. Von hier erfolgte die -Wiederbelebung der gelehrten Studien in den christlichen Ländern, die -im 9. und 10. Jahrhundert die griechischen Schriftsteller in arabischer -Übersetzung und kommentiert von arabischen Gelehrten, wie *Avicenna* -und *Averroes*, kennen lernten. - -*Avicenna* (*Ibn Sina* lautet sein arabischer Name) lebte von 980-1037 -in Persien. Als Philosoph schließt er sich an *Alfarabi* an, welcher -die platonische und die aristotelische Philosophie zu übermitteln -gesucht und der Astrologie diejenige Form gegeben hat, die sie durch -das ganze Mittelalter behielt[703]. *Avicenna* befaßte sich besonders -mit der Medizin. Was seine Zeit auf diesen Gebieten an Kenntnissen -besaß, vereinigte er in einem großen Werk, dem Kanon[704]. - -Die Bedeutung des *Averroes* (*Ibn Roschd*, 1120-1198) besteht vor -allem darin, daß er die Werke des *Aristoteles* dem arabischen und -christlichen Mittelalter zugänglich machte. Seine Verehrung für diesen -Philosophen war so groß, daß er behauptete, die Welt sei erst durch -die Geburt des *Aristoteles* vollständig geworden. Trotzdem kann man -*Averroes* eine gewisse Selbstständigkeit bei seinem Philosophieren -nicht absprechen[705]. Seine ganze Naturauffassung trägt einen, man -könnte fast sagen, modernen Grundzug. Gott und die Materie sind -danach ewig. Eine Schöpfung aus dem Nichts, die beliebte Vorstellung -orientalisch-christlicher Mystik, ist undenkbar. Das Geistige ist -dasjenige, was die Materie bewegt und ihre Form bestimmt. Auch die -menschliche Seele ist nichts anderes als die formbestimmende Kraft -unseres Seins. Daß die Kirche solche Lehren als ketzerisch verwarf, -läßt sich wohl denken. Es ist sogar wahrscheinlich, daß man die -Naturanschauung des *Averroes*, weil sie mit den physikalischen Lehren -des *Aristoteles* verknüpft wurde, durch das zeitweilige Verbot der -physikalischen Schriften dieses Philosophen zu bekämpfen suchte. - -Für die hohe Blüte der Wissenschaft unter der westarabischen Herrschaft -spricht auch, daß in Cordova um das Jahr 900 eine hohe Schule mit einer -Bibliothek von mehreren hunderttausend Bänden entstand. Ähnliches wurde -in anderen, unter der maurischen Herrschaft durch Handel und Wohlstand -emporblühenden Plätzen, wie Granada, Toledo und Salamanca, geschaffen. -Aus allen Teilen des übrigen Westeuropas zogen Wißbegierige an diese -Stätten, denen man daheim nichts an die Seite zu stellen hatte. Nachdem -die Araber in Süditalien Fuß gefaßt hatten, wußte der hochsinnige -Staufenkaiser *Friedrich II.* auch dort arabische Weisheit wohl zu -schätzen. Auf seine Anregung wurde der Almagest nach einer arabischen -Handschrift ins Lateinische übersetzt. Den Naturwissenschaften wandte -dieser Kaiser, gleichfalls auf arabischen Quellen, jedoch auch auf -eigenen Beobachtungen fußend, ein großes Interesse zu. So entstand -sein Werk über die Jagd mit Vögeln, in dem er an manchen Stellen den -zoologischen Betrachtungen eine anatomische Begründung zu geben -wußte[706]. Das Buch enthält eine gute Beschreibung des Vogelskeletts, -sowie eine Anatomie der Eingeweide. Es handelt von den mechanischen -Bedingungen des Fliegens, den Wanderungen der Vögel usw. Die Anleitung -zur anatomischen Untersuchung des Vogels verdankte der Kaiser wohl den -Gelehrten der medizinischen Schule zu Salerno. - -*Friedrich II.* soll auch als erster Herrscher die Zerlegung -menschlicher Leichen gestattet haben, weil er von der Überzeugung -durchdrungen war, daß nur dadurch eine Förderung der Heilkunde zu -erwarten sei. - - -Optik und Mechanik bei den Arabern. - -Wie schon erwähnt, wurde neben der Mathematik und der Astronomie -besonders die auf geometrischer Grundlage beruhende Optik von den -Arabern gepflegt. Das auf diesem Gebiete teils gesammelte, teils -erworbene Wissen ist uns am vollständigsten in dem Werke des im -11. Jahrhundert in Spanien lebenden Physikers *Alhazen* (*Ibn al -Haitam*) übermittelt worden[707]. Dieses Werk stand in hohem Ansehen -und verdient es, daß wir uns mit seinem Inhalt etwas eingehender -beschäftigen, um uns einen Begriff von den damaligen Kenntnissen zu -verschaffen. Zunächst handelt *Alhazen* von dem Organ des Sehens. Zwar -hatten sich schon die Alexandriner mit dem Bau des Auges befaßt. Die -Beschreibung, die uns *Alhazen* liefert, ist jedoch die erste, die -den Namen einer anatomischen verdient. Die noch heute gebräuchlichen -Bezeichnungen für die Hauptteile des Auges, wie Humor vitreus -(Glaskörper), Cornea (Hornhaut), Retina (Netzhaut) usw. gehen auf -*Alhazens* Optik zurück. - -Das Verhältnis von Linse und Netzhaut in seiner Bedeutung für das -Zustandekommen des Bildes zu erkennen, blieb allerdings späteren -Untersuchungen vorbehalten. Wie aus der beistehenden, der Ausgabe -*Risners* entnommenen Abbildung ersichtlich ist, verlegte *Alhazen* -die Linse in die Mitte des Auges. Dorthin sollten alle, die vordere -Wölbung des Auges senkrecht treffenden Strahlen gelangen. Nur diese -Strahlen vermitteln nach seiner Annahme das deutliche Sehen und werden -von der Linse empfunden[708]. Die Gesamtheit dieser Strahlen bildet die -Sehpyramide. Ihre Spitze liegt also im Mittelpunkte des Auges, während -ihre Grundfläche die Oberfläche des gesehenen Gegenstandes ist. - -[Illustration: Abb. 53. Alhazens Darstellung des Auges.] - -Im 2. Buche werden die 22 Eigenschaften untersucht, welche das Auge an -den Körpern unterscheide, nämlich Licht, Farbe, Entfernung, Gestalt, -Größe, Zahl, Bewegung, Ruhe, Durchsichtigkeit usw. - -Das Licht braucht nach *Alhazens* Annahme zu seiner Fortpflanzung Zeit. -Auch den optischen Täuschungen widmet er eine Betrachtung[709]. - -In der Behandlung der Reflexion und der Brechung, denen das Werk der -Hauptsache nach gewidmet ist, zeigt sich ein Fortschritt den Griechen -gegenüber[710]. Nicht nur ebene, sondern auch sphärische, zylindrische -und konische Konkav- und Konvexspiegel werden zur Erzeugung von -Bildern herangezogen und Lage und Größe der letzteren bestimmt. Für -sämtliche untersuchten Spiegel fand *Alhazen* das Reflexionsgesetz -bestätigt. Er kennt die Lage des Brennpunktes, den *Euklid* noch in den -Krümmungsmittelpunkt verlegt hatte. Auch mit der Tatsache, daß nicht -alle Strahlen in einem und demselben Punkte vereinigt werden, zeigt -sich *Alhazen* vertraut. Seine Messungen an der Brennkugel führten zu -dem Ergebnis, daß bei jeder glatten, durchsichtigen Kugel aus Glas -oder einer ähnlichen Masse die Strahlen in einer Entfernung von der -Kugel vereinigt werden, die etwa ein Viertel des Durchmessers beträgt. -Selbst die Eigenschaft des Rotationsparaboloids, die vom Brennpunkte -ausgehenden Strahlen parallel zu reflektieren, wird erörtert. In -*Alhazens* Optik[711] wird ferner auf die Erscheinung hingewiesen, -daß ein aus durchsichtigem Material verfertigtes Kugelsegment die -Gegenstände größer erscheinen läßt. - -[Illustration: Abb. 54. Alhazen untersucht die Brechung.] - -Hatte *Ptolemäos* gefunden, daß jedem Einfallswinkel ein bestimmter -Brechungswinkel entspricht, so fügte *Alhazen* die Erkenntnis hinzu, -daß der einfallende und der gebrochene Strahl mit dem Einfallslot in -einer Ebene liegen. Die ältere Annahme, daß das Verhältnis zwischen dem -Einfalls- und dem Brechungswinkel ein konstantes sei, erkennt *Alhazen* -nur für kleine Werte als richtig an. Bei seinen Untersuchungen über -die Brechung des Lichtes bediente er sich eines Apparates, der dem -von *Ptolemäos* (siehe S. 265) benutzten entspricht. Er nahm eine -kreisförmige Scheibe aus Kupfer, die einen Rand mit Gradeinteilung -besaß (siehe Abb. 54). In dem Rande befand sich eine Öffnung c. Eine -zweite Öffnung (d) war in einer nahe der Mitte der Scheibe gelegenen -Platte angebracht. Dieser Apparat wurde bis zum Mittelpunkt in die -Flüssigkeit getaucht. Fiel dann ein Lichtstrahl durch die beiden -Öffnungen c und d, so traf er die Flüssigkeit im Mittelpunkt der -Scheibe, auf deren Rand der Einfallswinkel und der Brechungswinkel -abgelesen werden konnten. - -Aus der Spiegelung und der Brechung erklärt *Alhazen* einige wichtige -astronomische Erscheinungen. So wird die Dämmerung auf die Reflexion -des Lichtes zurückgeführt. Die Tatsache, daß die Dämmerung nur so -lange dauert, bis die Sonne sich 19° unter dem Horizont befindet, -gibt *Alhazen* ein Mittel an die Hand, die Höhe unserer Atmosphäre zu -bestimmen[712]. Es sei M, so führt er aus, die äußerste Luftschicht, -welche den Strahl SM noch zu reflektieren vermag, und A der Ort des -Beobachters. Der Winkel *HMS*, den der Sonnenstrahl *SM* mit dem -Horizont bildet, beträgt dann 19°. Nach dem Reflexionsgesetz ist nun -*∡BMC* = *∡AMC*. Da ferner die Summe der drei Winkel bei M = 180° ist, -so ergibt sich für den Winkel *AMC* der Wert (180° - 19°)/2 = 80° 30'. -Da die Seite *AC* = r bekannt ist, so ist das rechtwinklige Dreieck ACM -bestimmt. Die gesuchte Höhe ergibt sich, wenn man aus den gegebenen -Stücken die Hypotenuse *MC* berechnet (*MC* = r : sin 80° 30') und -davon r abzieht. *MD* = h ist also = (r : sin 80° 30') - r. Diese Größe -beträgt nach der Berechnung *Alhazens* 52000 Schritt (5-6 Meilen), -während wir dafür 10 Meilen annehmen[713]. - -[Illustration: Abb. 55. Alhazen bestimmt die Höhe der Atmosphäre.] - -Gegen diese Berechnung läßt sich ein Einwand erheben, den *Alhazen* -selbst schon hätte machen können. Er wußte nämlich, daß ein -Lichtstrahl, der schräg in die Atmosphäre einfällt, keine gerade Linie -beschreibt, sondern, da er auf immer dichtere, das Licht in wachsendem -Maße brechende Schichten trifft, einen krummen Weg nimmt. Diese, mit -dem Namen der astronomischen Refraktion bezeichnete Erscheinung war -schon dem *Ptolemäos* bekannt. Man führte sie im Altertum jedoch nicht -auf die zunehmende Dichte der Atmosphäre, sondern auf die in ihr -enthaltenen Dünste zurück. Das Funkeln der Sterne rührt nach *Alhazen* -von raschen Änderungen in der Atmosphäre her, während die Erscheinung, -daß Mond und Sonne in der Nähe des Horizontes abgeplattet erscheinen, -aus der astronomischen Refraktion erklärt wird. - -Außer der »Optik« gibt es auch eine kleinere Abhandlung *Alhazens*, in -der er von der Durchsichtigkeit und über die Natur des Lichtes handelt. -Sie beginnt mit folgenden Worten[714]: »Die Behandlung des >Was< -des Lichtes gehört zu den Naturwissenschaften. Aber die Behandlung -des >Wie<, der Strahlung des Lichtes, bedarf der mathematischen -Wissenschaften wegen der Linien, auf denen sich das Licht ausbreitet. -Ebenso verhält es sich mit den durchsichtigen Körpern, in die das Licht -eindringt. Die Behandlung des >Was< ihrer Durchsichtigkeit gehört zu -den Naturwissenschaften und die Behandlung des >Wie<, der Ausbreitung -des Lichtes in ihnen, zu den mathematischen Wissenschaften.« Von -Interesse sind auch die in dieser Schrift entwickelten Ansichten über -den Grad der Durchsichtigkeit, für die es nach *Alhazen* keine Grenzen -gibt. - -Durch *Alhazen* wurde man besonders auf die vergrößernde Kraft -gläserner Kugelsegmente aufmerksam[715]. Es ist sehr wohl möglich, -daß sein Hinweis auf die Herstellung von Brillen geführt hat. Wenn -sich *Alhazen* auch auf die antiken Optiker stützt, so ragt er über -*Ptolemäos* als den letzten und bedeutendsten, den wir erwähnt haben, -doch hinaus. Während die frühere Geschichtsschreibung *Alhazen* nur -gering einschätzte[716], ist sein Verdienst und die Selbständigkeit, -die er in vielen Teilen seiner Schriften zeigt, durch die neuere -Forschung gewürdigt worden[717]. - -Neben der Optik wurde auch die Mechanik von den Arabern gepflegt. So -begegnen uns bei ihnen genauere Bestimmungen der spezifischen Gewichte. -Eine aus dem 12. Jahrhundert herrührende Tabelle[718] enthält folgende -Werte: - - Gold 19,05 (statt 19,26 nach neuerer Bestimmung), - Quecksilber 13,56 ( » 13,59 » » » ), - Kupfer 8,66 ( » 8,85 » » » ), - Blei 11,32 ( » 11,35 » » » ), - Seewasser 1,041 ( » 1,027 » » » ), - Blut 1,033 ( » 1,045 » » » ). - -Die Bestimmungen erfolgten vermittelst der Wage oder eines Gefäßes, das -die von einer gewogenen Menge des zu untersuchenden Körpers verdrängte -Menge Wassers zu finden gestattet. Für Flüssigkeiten bediente man sich -des Aräometers, das schon die späteren Alexandriner zu diesem Zwecke -benutzten[719]. - -Die Wägungen waren schon recht genau. Bei einem Gesamtgewicht von mehr -als zwei Kilogramm wurden noch 0,06 g angezeigt[720]. - -Diese Leistungen der Araber verdienen um so mehr Bewunderung, wenn man -bedenkt, daß zur selben Zeit das christliche Abendland meist noch von -scholastischen Zänkereien erfüllt war. So befindet sich z. B. in dem -Hauptwerk des *Thomas von Aquino*[721] unter mehreren hundert Kapiteln -nur ein einziges, das von den »natürlichen Wirkungen der Dinge« -handelt, während sich eine ganze Anzahl mit der Nahrung, der Verdauung -und dem Schlaf der Engel beschäftigen. Derselbe *Thomas von Aquino*, -den die Scholastiker als ihren großen Meister verehrten, erklärte das -Streben nach Erkenntnis der Dinge für Sünde, soweit es nicht auf die -Erkenntnis Gottes abziele[722]. - - -Die Chemie im arabischen Zeitalter. - -Große Verdienste haben sich die Araber auch um die Entwicklung -der Chemie erworben. Zwar wurde man schon lange vor ihnen durch -hüttenmännisches und gewerbliches Schaffen mit einer Reihe stofflicher -Veränderungen vertraut. Auch empfingen zweifelsohne die Araber die -erste Anregung zu ihrer Beschäftigung mit der Chemie in Syrien, -Mesopotamien und Ägypten, wo man zahlreiche Erfahrungen gesammelt -hatte. Bei den späteren Alexandrinern und den Arabern finden wir -indes die Beschäftigung mit den stofflichen Veränderungen losgelöst -von den alltäglichen Nützlichkeitszwecken und in den Dienst eines -Strebens gestellt, das einen Ansporn verlieh, wie es kein rein -wissenschaftliches Interesse in höherem Grade vermocht hätte. - -Zahlreiche, aus dem Orient stammende, chemische Kenntnisse gelangten -durch die Araber nach Spanien. Von hier aus wurden sie dem christlichen -Abendlande übermittelt, wo sie einen besonders günstigen Boden fanden. -Seit dem 13. Jahrhundert stand infolgedessen die alchimistische Kunst -in Frankreich, in Deutschland und in England in Blüte. Eine nicht -geringe Zahl von Kenntnissen, die sich auf das Verhalten und die -Verarbeitung der Metalle beziehen, war zweifelsohne im Abendlande -selbst aus dem Altertum ins Mittelalter hinüber gerettet worden. Man -darf daher die Rolle, welche die Araber gespielt haben, auch nicht zu -hoch einschätzen. So existiert noch heute ein Manuskript aus der Zeit -*Karls des Großen*[723], das den Titel »Compositiones ad tingenda« -führt und Vorschriften über das Färben von Mosaiken und Häuten, über -das Vergolden, das Löten usw. enthält. Unter den Manuskripten des 10. -Jahrhunderts ist man ferner mit einem größeren Werke über Färberei -(Mappae clavicula) bekannt geworden, das nach *Berthelot* keine Spur -von arabischer Beeinflussung zeigt. Die Vorschriften, welche diese -abendländischen Schriften des Mittelalters enthalten, sind vielmehr -oft wörtlich den griechischen Alchemisten entnommen. Die Mappae -clavicula enthält nämlich Vorschriften, die mit solchen der kürzlich -bekannt gewordenen antiken chemischen Urkunden (des Leydener und des -Stockholmer Papyrus, s. S. 279) wörtlich übereinstimmen. Die frühere -Meinung, daß man es in der Alchemie ausschließlich mit einer Schöpfung -der Araber zu tun habe, hat sich somit als unhaltbar erwiesen. Trotzdem -ist das Verdienst der Araber auf dem Gebiete der Alchemie nicht gering -einzuschätzen. Sie haben diese Wissenschaft, wie sie ihnen aus dem -Altertum überkommen war, nicht nur erhalten und verbreitet, sie haben -sie auch fortgeführt und wesentlich bereichert. - -Bereits im 8. und 9. Jahrhundert erlangte die arabische Literatur -über Alchemie einen bedeutenden Umfang. Etwas später haben die schon -erwähnten arabischen Gelehrten (s. S. 312) *Alfarabi* und *Avicenna* -neben vielem anderen auch über Alchemie geschrieben. *Avicenna*, den -spätere Alchemisten als einen ihrer Gewährsmänner ausgaben, erklärte, -Gold und Silber entständen unter dem Einfluß des Mondes und der Sonne -aus den Dünsten der Erde mit allen ihren besonderen Eigenschaften, die -kein Mensch künstlich nachzuahmen vermöge. Auch den astrologischen -Lehren gegenüber hat sich *Avicenna* skeptisch verhalten[724]. - -Über die chemischen Einzelkenntnisse der Araber erfahren wir manches -aus dem um 975 von *Abu Mansur* verfaßten »Buch der pharmakologischen -Grundsätze«[725]. *Abu Mansur* erwähnt z. B. die Anwendung des -Gipsverbandes bei Knochenbrüchen, ein Verfahren, das die neuere Medizin -erst im 19. Jahrhundert wieder aufnahm. Trinkbares Wasser, heißt es -an einer anderen Stelle des Buches, läßt sich durch Destillation von -Meerwasser in ähnlicher Weise bereiten, wie man Rosenwasser destilliert. - -Hatte man die Schwefelverbindungen des Arsens (Realgar und -Auripigment) schon im Altertum unterschieden, so bringt uns das -Buch *Abu Mansurs* eine der ersten Nachrichten über den weißen -Arsenik. Die Arsenikverbindungen werden als flüchtig und giftig, -aber als heilkräftig bezeichnet. Das Gleiche wird beim Quecksilber -hervorgehoben, das in Form von Salbe gegen Ungeziefer empfohlen wird. -Die mineralischen Säuren finden dagegen bei *Abu Mansur* noch keine -Erwähnung. Es ist daher wohl anzunehmen, daß sie zu seiner Zeit noch -nicht dargestellt waren. Die Salpetersäure und das Königswasser -begegnen uns in der Literatur des Mittelalters zuerst im 13. -Jahrhundert[726]. Diese chemischen Agentien können auch nicht viel -früher bekannt geworden sein, weil der Salpeter dem Altertum unbekannt -war und erst um 1200 durch die Araber als »Salz von China« nach Europa -gelangte. In China selbst ist dieses Salz zu explosiven Mischungen -wahrscheinlich nicht schon vor Beginn unserer Zeitrechnung, sondern -erst viel später angewendet worden[727]. - -Durch die Araber wurde auch der Anbau des Zuckerrohrs von Indien nach -den westlichen Kulturländern verbreitet. Das Zuckerrohr hatte man -durch den Zug *Alexanders des Großen* kennen gelernt. Die Bereitung des -festen Zuckers wurde erst mehrere hundert Jahre n. Chr. erfunden[728]. -Seit etwa 750 n. Chr. wurde das Zuckerrohr in Ägypten angebaut. Bald -nach der Entdeckung Amerikas wurde es nach St. Domingo verpflanzt. -So sehen wir, wie die Ausbreitung einer Pflanze, die uns eine der -wichtigsten organischen Verbindungen liefert, aufs engste mit dem Gange -der geschichtlichen Ereignisse verknüpft ist. - -Technisch und wissenschaftlich von großer Wichtigkeit, aber auch von -unheilvollen Folgen war die früher den arabischen Chemikern und Ärzten -zugeschriebene Entdeckung, daß sich durch Destillation aus dem Wein -der berauschende Stoff dieses Getränkes absondern läßt. Später nannte -man ihn *Al-kohol* und nahm ihn zum größten Unsegen für die Menschheit -unter die Arzneimittel auf[729]. Insbesondere wurde der Alkohol als -Vorbeugungsmittel gegen die großen Seuchen (Pest, schwarzer Tod) -betrachtet, die im Mittelalter Europa heimsuchten. - -Als der bedeutendste arabische Schriftsteller des alchemistischen -Zeitalters hat lange Zeit *Geber* gegolten, der während der ersten -Hälfte des 8. Jahrhunderts gelebt haben soll. Er wurde als der -Verfasser einer Anzahl Schriften genannt, die in lateinischer -Übersetzung auf uns gekommen seien[730]. Diese Schriften, insbesondere -das »Summa perfectionis magisterii« betitelte Hauptwerk, sind in der -Form, in der sie sich erhalten haben, im christlichen Europa etwa seit -dem 13. Jahrhundert bekannt. Nach den Untersuchungen[731] *Berthelots* -und *Steinschneiders* sind *Gebers* Person und seine Bedeutung in -geschichtlicher Hinsicht sehr in Dunkel gehüllt. Diejenigen arabischen -Originalschriften, als deren Verfasser er allenfalls angesehen werden -kann, enthalten nämlich wenig von dem Inhalt der später unter seinem -Namen gehenden lateinischen Übersetzungen. Eine Probe aus einer dieser -Schriften hat *Berthelot* mitgeteilt[732]. Danach handelt es sich -meist um marktschreierische Anpreisungen und unklare Darstellungen. -*Geber* empfiehlt in seinen Schriften, seine Mitteilungen geheim -zu halten. Er beruft sich oft auf seinen religiösen Standpunkt als -Muselmann, um dem etwaigen Verdacht, daß er übertreibe oder schwindele, -zu begegnen. Die Metalle vergleicht *Geber* mit lebenden Wesen, wie -es schon die alexandrinischen Alchemisten taten. Auch begegnet uns -bei ihm die Lehre, daß jedes Ding neben seinen äußeren, erkennbaren -noch geheime (okkulte) Eigenschaften habe. So sagt er »Das Blei ist -im Äußeren kalt und trocken und im Innern warm und feucht, während -das Gold warm und feucht ist im Äußern, dagegen kalt und trocken im -Innern«. Dem entspricht die Anschauung, die uns bei *Rhases* begegnet, -nach der das Kupfer in seinen verborgenen Eigenschaften Silber sei. Wem -es gelänge, die rote Farbe aus dem Kupfer auszuscheiden, der führe es -in das Silber, das es seiner verborgenen Natur nach sei, zurück. Eine -kurze Darstellung des Inhalts der Pseudo-*Geber*schen Schriften[733] -wird am besten über das Ziel und den Umfang der chemischen Kenntnisse -des späteren Mittelalters belehren, wenn sich auch, in Anbetracht -der großen Unvollständigkeit, in der die Literatur des Mittelalters -durchforscht ist, nicht sicher feststellen läßt, wieviel die -Verfasser jener Schriften selbständig gefunden und was sie früheren -Schriftstellern entlehnt haben. - -Die wichtigste Tatsache, die uns in den Pseudo-*Geber*schen Werken -begegnet, ist die, daß man mit der Salpetersäure, der Schwefelsäure -und dem Königswasser bekannt ist, während sich das Altertum nur im -Besitz der Essigsäure befand. Die erstgenannten Säuren erhielt man -durch Erhitzen von Salzen und Salzgemischen, eine Darstellungsart, die -für die Schwefelsäure bis zur Erfindung des englischen Verfahrens die -einzige blieb. Salpetersäure erhielt man durch Erhitzen eines Gemenges -von Salpeter und Vitriol. Ein Zusatz von Salmiak zur Salpetersäure -lieferte das Königswasser, dessen Eigenschaft, das Gold, den König der -Metalle, aufzulösen, den Alchemisten nicht entging. Die Herstellung -einer solchen Lösung hatte man lange angestrebt, weil man sich von ihr -die Heilung aller Krankheiten versprach. - -Auf Grund der Kenntnis der Mineralsäuren konnte sich nun eine -Chemie entwickeln, die auf nassem Wege verfuhr, während man bis -dahin vorzugsweise eine Chemie der Schmelzprozesse betrieben hatte. -So gelangte man durch Auflösen von Silber und anderen Metallen in -Salpetersäure zum Höllenstein und vielen Salzen, welche den Alten, wie -z. B. die Salze des Quecksilbers, nicht bekannt waren. Es bedarf kaum -der Erwähnung, daß die erhaltenen Verbindungen zunächst sehr unrein -waren. Doch kannte man auch schon die wichtigsten Verrichtungen, die -auf eine Reindarstellung der gewonnenen Präparate abzielten. Es waren -dies außer der Destillation, die man schon bei den Alexandrinern -erwähnt findet, vor allem das Umkristallisieren, die Sublimation und -das Filtrieren. Auch Wasserbäder und Öfen zu chemischem Gebrauch finden -sich in den Pseudo-*Geber*schen Werken beschrieben[734]. - -Mit dem chemischen Verhalten der Metalle waren die Verfasser jener -Werke weit besser als das Altertum bekannt; sie stellten z. B. aus den -Metallen eine Reihe von Sauerstoffverbindungen her. So finden wir bei -ihnen die erste Nachricht über die Gewinnung des Quecksilberoxyds[735], -einer Substanz, die in der späteren Entwicklung der Chemie die größte -Rolle gespielt hat. Nicht nur mit Sauerstoff, sondern auch mit Schwefel -wußte man die Metalle zu verbinden. Die entstandenen Sulfide fand -man schwerer als das zur Verwendung kommende Metall, während man -unrichtigerweise annahm, daß mit der Oxydation eine Verminderung des -Stoffes verbunden sei. - -Auch in der Kenntnis der Verbindungen der Leichtmetalle war -man in dieser Periode einen Schritt weiter gekommen. Pottasche -wurde durch Verbrennen von Weinstein, Soda nach dem bis zur -Einführung des Leblancprozesses üblichen Verfahren (Einäschern von -Seepflanzen) dargestellt. Durch einen Zusatz von Kalk machte man -die Lösungen dieser beiden Salze ätzend und erhielt so Kalilauge und -Natronlauge[736]. Letztere dienten zur Auflösung von Schwefel, der -aus der alkalischen Lösung durch Säuren in feinster Verteilung als -Schwefelmilch wieder ausgefällt wurde[737]. - -Die chemischen Einzelkenntnisse suchte man auch unter den Gesichtspunkt -einer Theorie (sie ist durch *E. v. Lippmann* in seiner »Alchemie« -als alexandrinisch nachgewiesen) zu bringen, die bei dem damals noch -herrschenden Mangel an Einsicht in den chemischen Prozeß die Wahrheit -allerdings noch gänzlich verfehlte. Die Metalle hielt man für Gemenge -von Quecksilber und Schwefel[738]. Der Schwefel (Sulphur) war in den -Metallen, wie in den brennbaren Substanzen überhaupt, der Träger -der Brennbarkeit. Er sollte den Metallen auch die Farbe verleihen. -Mercurius (Quecksilber) dagegen galt als derjenige Grundbestandteil, -der die Schmelzbarkeit, den Glanz und die Dehnbarkeit bedingte. Unter -dem Sulphur und dem Mercurius der Alchemisten muß man sich indessen -nicht den gemeinen Schwefel und das gewöhnliche Quecksilber vorstellen. -Diese Elemente bestanden nur vorwiegend aus Sulphur, beziehungsweise -Mercurius, waren aber nicht damit identisch. Der gemeine Schwefel und -der Sulphur der Alchemisten verhielten sich vielmehr zueinander etwa -wie die Steinkohle und das Element Kohlenstoff. In den edlen Metallen -sollte Mercurius überwiegen. Durch Abänderung des Verhältnisses dieser -vermeintlichen Bestandteile konnten die Metalle ineinander übergeführt -werden. So nahm das Kupfer eine Stelle zwischen Gold und Silber ein. -Es mußte sich daher leicht in das eine oder in das andere umwandeln -lassen. Durch Erhitzen mit Galmei[739] wurde es dem Golde, durch -Zusammenschmelzen mit Arsenik dem Silber angenähert. Die auf solche -Weise herbeigeführte Änderung der roten Farbe in Gelb und Weiß hielt -man für den Beginn des Überganges in ein anderes Metall[740]. Zinn war -reiner und enthielt mehr Mercurius als Blei. Daß letzteres sich durch -Zusatz von Quecksilber in Zinn umwandeln lasse, galt als Tatsache. Bei -allem weiteren Herumprobieren verfolgte man das Ziel, zunächst einen -Stoff herzustellen, mit dem die Metallverwandlung völlig gelingen -sollte. Diesen hypothetischen Stoff nannte man den Stein der Weisen. -Die späteren Alchemisten des christlichen Abendlandes legten ihm die -wunderbarsten Wirkungen bei. Da sie, wie auch die späteren arabischen -Alchemisten im wesentlichen den gleichen, soeben entwickelten -Ansichten huldigten und da zunächst auch keine bedeutende Vermehrung -der Einzelkenntnisse stattfand, so kann von einem nennenswerten -Fortschritt der Chemie im weiteren Verlaufe dieser Periode kaum die -Rede sein. Vielmehr fand zwischen den beiden Pseudowissenschaften, der -Alchemie und der Astrologie, eine immer größere Verschmelzung unter -gleichzeitiger Durchtränkung mit mystischen Elementen statt. - -Die Frage, woher das in den Pseudo-*Geber*schen Schriften enthaltene -Wissen stammt, das uns in ihnen gegen das Ende des 13. Jahrhunderts -»in völliger Vollendung und demnach als das Ergebnis einer längeren -Entwicklung« entgegentritt, gehört auch heute noch zu den dunkelsten in -der Geschichte der Chemie[741]. - - -Die Pflege der Naturbeschreibung und der Heilkunde. - -Wir wenden uns jetzt den Verdiensten zu, die sich die Araber um die -Erhaltung der alten naturgeschichtlichen Schriften erworben haben. Von -einem wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiete der Zoologie und der -Botanik kann im Zeitalter dieses Volkes nicht die Rede sein, zumal -die Araber vor anatomischen Untersuchungen geradezu einen Abscheu -hegten. Auf dem Gebiete der menschlichen Anatomie beschränkten sie sich -daher ganz auf *Aristoteles* und *Galen*, während sie sich bei der -Beschäftigung mit der Tier- und Pflanzenwelt, wie das spätere Altertum, -vorzugsweise von dem Bestreben leiten ließen, den Schatz der Heilmittel -kennen zu lernen und zu vermehren. - -Von dem gleichen Standpunkt aus wandten die Araber den Mineralien -ihr Interesse zu. Ein Bild von den mineralogischen Kenntnissen -und Anschauungen der Araber erhält man aus der im 13. Jahrhundert -entstandenen Kosmographie des *Ibn Mahmud al Qazwini*[742]. Danach -entstehen die durchsichtigen Mineralien aus Flüssigkeiten, die übrigen -aus der Mischung des Wassers mit der Erde. Das Wasser soll ebenso -zu Stein werden, wie sich Wasser aus der Luft verdichtet. »Wenn es -möglich ist«, sagt *Al Qazwini*, »daß das Wasser Luftform annimmt, -so muß es auch möglich sein, daß es die Form des Wassers ablegt und -diejenige der Erde annimmt.« Die Besprechung im einzelnen wird mit der -Bemerkung eingeleitet, daß nicht alle, sondern nur die wunderbarsten -Eigenschaften der Mineralien beschrieben werden sollen. Unter diesen -Eigenschaften sind vor allem Heil- und Zauberwirkungen verstanden. So -heißt es vom Bleiglanz: »*Aristoteles* sagt: Dies ist ein bekannter -Stein, der in vielen Gruben gewonnen wird. Es ist ein bleihaltiges -Mineral; als Augenpulver ist es gut für die Augen, es verschönt sie und -beseitigt das Fließen der Tränen.« Die Eigenschaften des Bergkristalls -werden mit folgenden Worten beschrieben: »Der Bergkristall ist eine -Art Glas, nur daß er härter ist. Die Könige benutzen Gefäße aus -Bergkristall auf Grund der Überzeugung, daß das Trinken daraus gesund -sei.« - -Die Darstellung des roten Quecksilberoxyds durch längeres Erhitzen des -Quecksilbers war bekannt. Die entstehende rote Masse wurde indessen für -künstlichen Zinnober gehalten. Der natürliche Zinnober entstehe dagegen -durch die Vereinigung von Quecksilber und Schwefel im Innern der Erde. -Unter den Eigenschaften des Alauns wird erwähnt, daß er Blutungen zum -Stillstand bringe. Weiter heißt es: »Wenn die Färber ein Kleid färben -wollen, tauchen sie es zuvor in Alaun. Die Farbe geht dann nie wieder -weg.« Besondere Zauberkräfte wurden dem Amethyst beigelegt: »Das ist -ein Stein, der das Feuer auslöscht, wenn er darin liegt. Legt man -ihn unter die Zunge und trinkt ein berauschendes Getränk darüber weg, -so steigen die Dünste nicht zu Kopf, und man wird nicht betrunken.« -Interessant ist, daß das Bohren mit Diamanten schon Erwähnung findet. -Die Werkleute befestigen nach *Al Qazwini* Stücke des Diamanten an -den Rand des Bohrers und bohren damit die harten Steine. Mit einem -auf geeignete Weise gefaßten Diamanten dringt ferner der Arzt in die -Harnröhre ein, um steinige Konkretionen zu zerbröckeln. Vom Magneten -wird berichtet: »Im indischen Ozean befindet sich eine Insel aus diesem -Mineral. Wenn die Schiffe in die Nähe gelangen und etwas an ihnen aus -Eisen ist, so fliegt es wie ein Vogel fort und heftet sich an den -Magneten.« Die Kosmographie *Al Qazwinis* gestattet auch einen Einblick -in die zoologischen Kenntnisse und Anschauungen der Araber. Auch auf -diesem Gebiete sind die letzteren im wesentlichen nur die Vermittler -zwischen dem Altertum und der neueren Zeit gewesen. Selbständige -Leistungen und neue Auffassungen lassen sich in den auf uns gekommenen -arabischen Schriften zoologischen Inhalts kaum nachweisen, wenn es auch -an einzelnen zutreffenden Bemerkungen nicht fehlt. So sagt *Al Qazwini* -an einer Stelle, jedes Tier besitze die Glieder, die zu seinem Körper -stimmen und solche Gelenke, welche zu seinen Bewegungen passen. Auch -sei die Haut so beschaffen, wie es der Schutz der Tiere erfordere. - -Die Einzelkenntnis der Tierformen erhielt durch die Araber eine -bedeutende Erweiterung, da sich ihre Forschungsreisen nach China, -Südasien, Ostafrika, ja selbst bis Sumatra und Java erstreckten. Wie in -den zur Zeit des Mittelalters im Abendlande entstandenen zoologischen -Schriften[743], so nahmen auch in den Kosmographien der Araber die -Tierfabeln einen großen Raum ein. Die Erzählung von dem Walfisch, der -für eine Insel gehalten wird, an welcher die Schiffe landen, begegnet -uns mit der Abänderung, daß die Rolle dieses Tieres bei den Arabern -eine riesige Seeschildkröte einnimmt. - -Neben den arabischen Bearbeitungen der Naturgeschichte der Tiere -sind die Übersetzungen der Werke des *Aristoteles* und des *Galen* -zu nennen. *Ibn Sina* (Avicenna), der zu Beginn des 11. Jahrhunderts -lebte, soll sämtliche Schriften des *Aristoteles* in 20 Bänden -erläutert haben. Ein Kommentar zu den von *Aristoteles* verfaßten -Büchern über die Tiere hat sich in lateinischer Übersetzung -erhalten[744]. Auch *Ibn Roschd* (Averroes), der gleich *Avicenna* -für die Philosophie des Mittelalters von hervorragender Bedeutung -war, schrieb Kommentare zu den naturgeschichtlichen Schriften des -*Aristoteles*. - -Rein botanische Werke entstanden bei den Arabern ebensowenig wie -bei den auf *Theophrast* folgenden griechischen Schriftstellern. -Die Pflanzenkunde verfolgte auch bei ihnen fast ausschließlich -praktische Zwecke, indem sie als Heilmittelkunde, Ackerbau oder -Gartenbaulehre auftrat. Gleichzeitig schleppte sie dabei einen immer -mehr anschwellenden, auf Nomenklatur und Synonymik hinauslaufenden Wust -philologischer Gelehrsamkeit mit sich. Von den Schriften griechischen -Ursprungs wurde besonders *Dioskurides* ins Arabische übersetzt und -kommentiert. Zu allgemeineren Betrachtungen über die Pflanze hat -sich wohl nur *Avicenna* erhoben. Letzterer unterschied drei Stufen -der Beseelung: die Pflanzen-, die Tier- und die Menschenseele. Der -Pflanzenseele schrieb er eine ernährende, eine auf das Wachstum -gerichtete und eine erzeugende Kraft zu. - -Unter den auf Landwirtschaft bezüglichen arabischen Schriften ist das -Werk von *Ibn Alawwâm* zu nennen, von dem noch mehrere vollständige -Handschriften vorhanden sind. Es entstand im 12. Jahrhundert in Spanien -und handelt vom Boden, von der Düngung und der Bewässerung, ferner von -der Baumzucht, vom Getreide- und vom Gartenbau[745]. Am genauesten wird -über die Baumzucht berichtet. Zahlreiche Arten der Veredelung werden -beschrieben und zum Teil durch Abbildungen erläutert. Ein besonderer -Abschnitt handelt von dem Alter der Bäume. Viele, die Pflanzen und -ihre Verbreitung betreffenden Mitteilungen finden sich auch in der -umfangreichen geographischen Literatur der Araber zerstreut. - -Im 14. Jahrhundert ragt das Reisewerk *Ibn Batutas*, das demjenigen -*Marco Polos* an die Seite gestellt werden kann, hervor[746]. Sein -Verfasser bereiste nicht nur die Mittelmeerländer, sondern gelangte -auch nach Indien und China. Es wird manche Pflanze der bereisten Länder -beschrieben und ihre Verwendung gewürdigt. Doch hat *Ibn Batuta* -seine Kenntnisse mehr auf den Marktplätzen als in der freien Natur -gesammelt, so daß der botanische Inhalt des Werkes dem geographischen -gegenüber an Bedeutung zurücktritt. - -Endlich ist noch zu erwähnen, daß im Anschluß an die Chemie und die -Botanik auch die Heilkunde bei den Arabern eifrig gefördert wurde. -Sie knüpften dabei an die ihnen von den Griechen (*Galen*) und von -den Indern übermittelten Kenntnisse an. Was sie neu schufen, war -insbesondere die Pharmazie, die im 8. Jahrhundert, in enger Verbindung -mit der Chemie, in den arabischen Ländern zuerst als selbständige -Wissenschaft aufkam[747]. Auch auf den Gebieten der Krankenpflege, -des Hospitalwesens und der Heilmittellehre ist manches auf die Araber -zurückzuführen. Da ihnen ihre Satzungen die Zergliederung von Leichen -verboten, blieben sie hinsichtlich der Anatomie auf *Galen* angewiesen. -Daß die Chirurgie bei ihnen dennoch Fortschritte machte, ist auf -indische Einflüsse zurückzuführen. Die Bearbeitung, welche *Galens* -Schriften durch *Ibn Sina* (Avicenna) erfuhr, erschien um das Jahr 1000 -unter dem Namen des »Kanon« und blieb für das Mittelalter maßgebend, -bis *Paracelsus* die Werke *Avicennas* den Flammen übergab. Auch -auf dem Gebiete der Augenheilkunde haben sich die Araber Verdienste -erworben. Zwar fußten sie auf der von den Griechen geschaffenen -Grundlage. Doch versahen sie diesen Teil der Medizin »mit eigenen -Zutaten« und gestalteten ihn »nach eigenem Plan«[748]. - -Nachdem die arabische Kultur ihren anregenden Einfluß auf das -christliche Abendland ausgeübt hatte, ging sie einem raschen Verfall -entgegen. Das mächtige Kalifat von Bagdad löste sich in eine Anzahl -kleinerer Reiche auf. Durch den im 13. Jahrhundert daherbrausenden -mongolischen Völkerstrom wurden aber auch sie vernichtet. »Bis -heute hat sich der Orient von den Schlägen jener grausigen Zeit -noch nicht wieder erholen können[749].« Ähnlich erging es der -maurischen Herrschaft in Spanien. Die kleinen Reiche mohammedanischen -Bekenntnisses, die sich dort gebildet hatten, wurden durch die von -Norden her vordringende christliche Bevölkerung unterjocht. Dadurch -wurde über die blühende Halbinsel zunächst der Fluch der Verödung -gebracht. Die fanatische Zerstörungswut, welche die ersten Christen, -wie auch die Araber im Beginn ihrer Laufbahn an den Schätzen der -Wissenschaft ausließen, schien wieder aufgelebt zu sein. Als nach der -Vereinigung von Kastilien und Aragon Granada fiel, ging z. B. die -dortige große Bibliothek mit ihren Hunderttausenden von Bänden in -Flammen auf, ein unersetzlicher Verlust, da sie zahlreiche arabische -Ausgaben der alten Schriftsteller enthielt. Nach der durch die Mongolen -herbeigeführten Vernichtung der arabischen Kultur in Vorderasien -fand die arabische Wissenschaft zwar Zufluchtsstätten in Syrien und -in Ägypten. Die arabische Literatur bildete aber seitdem kein Ganzes -mehr, sondern sie fristete nur noch in den einzelnen Ländern ein -Sonderdasein[750]. Die Astronomie sank zu einer Art Küsterdienst an -den Moscheen herab. Die Naturwissenschaften endeten in Zauberspuk und -Spielereien. Schließlich gerieten Syrien und Ägypten in die Hände der -osmanischen Sultane. Ein Glück war es noch immerhin, daß die Osmanen -während der Blüte ihrer Herrschaft im Gegensatz zu den sinnlos wütenden -Mongolen die Pflege der geistigen Güter nicht vernachlässigten. -*Muhammed*, der Eroberer Konstantinopels, hat sich sogar eingehender -mit wissenschaftlichen Dingen beschäftigt. Doch hatte damals der Orient -schon längst die Führung auf den Gebieten des geistigen Lebens an den -Occident, vor allem an Italien, abgetreten. - -Indessen nicht nur die Befehdung durch andere Staaten brachte die -Entwicklung der arabischen Kultur zum Stillstand. Es fehlte ihr -vielmehr, gleich allen übrigen, dem Orient entsprungenen älteren -Kulturen, an innerer Kraft, um dauernd Neues aus sich hervorzubringen. -So kam es, daß mit dem Nachlassen des arabischen Einflusses gegen -das Ende des Mittelalters der Orient aufhörte, in der allgemeinen -Geistesentwicklung eine Rolle zu spielen. Die Führung ging vielmehr um -jenen Zeitpunkt auf das Abendland mit seinen in Italien, Deutschland, -England und Frankreich nach der Völkerwanderung seßhaft gewordenen -Bewohnern germanischer Abstammung über. - - - - -9. Die Wissenschaften unter dem Einfluß der christlich-germanischen -Kultur. - - -Während die arabische Wissenschaft und Literatur vom 9. bis zum 12. -Jahrhundert einen fast ununterbrochenen Aufschwung nahm, finden wir -während dieses Zeitraums im Abendlande nur unbedeutende Reste einer -früheren Epoche und nur selten neue verheißungsvolle Ansätze. Was dort -an Kenntnissen und an Kunstübung vorhanden war, kann in der Hauptsache -nur als ein Überbleibsel der römischen Kulturwelt gelten, dem die -germanischen Völker zunächst wenig hinzuzufügen wußten. Kennzeichnend -für diese gesamte Periode in der Entwicklung des westlichen Europas -ist das Übergewicht der religiösen Vorstellungen auf geistigem Gebiete -und dasjenige der Kirche im gesamten öffentlichen Leben gegenüber -allen anderen Regungen und Institutionen. Alle Wissenschaften sollten -zur Erhöhung der Ehre Gottes beitragen. In Wahrheit dienten sie der -Kirche und ihren Machthabern. Die sieben freien Künste oder das Trivium -und das Quadrivium umfaßten die Summe des damaligen gelehrten Wissens -unter jenem einen und einzigen Gesichtspunkt. Grammatik trieb man, um -die Kirchensprache zu verstehen, Rhetorik, um sie anwenden zu können. -Die Arithmetik offenbarte in mystischer Deutung die Geheimnisse der -Zahlen. Die Hauptaufgabe der Astronomie bestand darin, den kirchlichen -Kalender festzustellen. Auch die unter den sieben freien Künsten -aufgeführte Musik verleugnete nicht ihren kirchlichen Charakter. Was -man im Mittelalter anfangs an astronomischen Kenntnissen besaß, waren -nur spärliche Reste der griechisch-römischen Literatur über diesen -Gegenstand. Zumal die germanischen Völker hatten nichts Eigenes auf dem -Gebiete der Astronomie geschaffen. Erst durch die Berührung mit den -Arabern trat hierin eine Änderung ein. - -Daß die Araber schon so frühzeitig wissenschaftliche astronomische -Kenntnisse besaßen, liegt daran, daß sie bald nach ihrem Auftreten in -der Geschichte mit dem wichtigsten astronomischen Werk des Altertums, -dem Almagest, bekannt geworden waren. Dadurch wurden sie in die Lage -gesetzt, die vorbildliche griechische Wissenschaft fortzuführen und -wesentlich zu bereichern. - -Die nördlichen Länder Europas, die sich im frühen Mittelalter -der Kultur erschlossen, lernten die Astronomie dagegen durch das -wissenschaftlich ganz unbedeutende Werk des *Martianus Capella* -kennen, das man dem Unterrichte im Quadrivium zugrunde legte. Es -vermittelte einige Kenntnisse über die Sternbilder, die Planeten, -die Sphärenharmonie, die Jahreszeiten usw., gab aber nirgends eine -Begründung, sondern überall nur Zusammenfassungen. Außerdem wurde -man mit einfachen astrologischen Texten griechischen Ursprungs durch -lateinische Vermittlung bekannt. Das selbstgewonnene Wissen war so -geringfügig, daß man nicht einmal zu Begriffen wie den Äquinoktien -und den Solstitien gelangt war[751]. Neben *Martianus Capella* war -*Plinius* in Geltung. Auf diese beiden stützten sich besonders *Isidor* -von Sevilla und *Rhabanus Maurus*. - -Erst nach und nach begann, von den Arabern angefacht, ein -wissenschaftlicher Geist sich in den nördlichen Ländern Europas -auszubreiten. Unter seinem Einfluß entstanden die Schriften des -gleich zu erwähnenden *Gerbert*, des späteren Papstes Sylvester -II. (940-1003). Auch ging man damals unter Benutzung der im -Altertum geschaffenen Armillen und Astrolabien zu eigenen messenden -Beobachtungen über. Auch mit der Sonnenuhr wurde der germanische -Kulturkreis erst durch die Alten bekannt. Zuerst geschah dies in -England und Irland im 7. Jahrhundert. In Deutschland verfertigte -*Gerbert* die erste Sonnenuhr für *Otto III.* Er schrieb auch ein -Buch über diesen Gegenstand. Erst seit dem 15. Jahrhundert wurden -in Deutschland die zahlreichen Sonnenuhren an Burgen und an Kirchen -angebracht, die oft noch heute erhalten sind. Sie bestanden aus einer -vertikalen Scheibe mit einem Gnomon, der mit ihr einen Winkel von 45° -bildete. - -Auch die Wagen, darunter die Schnellwagen, die in der Merowingerzeit -aufkamen und heute noch als Grabbeilagen gefunden werden, lassen schon -durch die Form erkennen, daß sie nach römischem Vorbild geschaffen -waren. - -Während das wissenschaftliche Denken in den Ländern einer neuen, auf -den Trümmern der Antike sich entwickelnden germanischen Kultur nur in -engster Anlehnung an die vom Altertum empfangenen spärlichen Dokumente -erfolgte, verhielt es sich mit den im Mittelalter emporblühenden -Gewerben wesentlich anders. Auf diesem Boden waren es nicht selten die -Kelten, deren Erbe die Germanen übernahmen und selbständig vermehrten. -Dies galt z. B. vom Bergbau, den die Kelten vor dem Eindringen der -Germanen in Mitteleuropa schon auf eine ziemlich hohe Stufe gebracht -hatten. In der Salzgewinnung trat kaum ein Rückgang ein. In der -frühesten Zeit gewann man Salz, indem man nach dem Zeugnis römischer -Schriftsteller brennendes Holz mit dem Wasser salzhaltiger Quellen -übergoß. Um den Besitz solcher Quellen führten germanische Stämme nicht -selten untereinander Kämpfe. Später dampfte man die Soole in irdenen -Töpfen ein; schließlich kam der Pfännereibetrieb auf. Seit der Zeit der -Merowinger wurde Salz in zahlreichen größeren Betrieben gewonnen. - -Bergbauliche Überreste, welche den Abbau der Erze bezeugen, reichen -bis in die vorgeschichtliche Zeit zurück. Nach *Tacitus* erzeugte -Deutschland indessen nur wenig Eisen und weder Gold noch Silber. -Urkundlich bezeugt wird der Abbau von Eisenerzlagern erst seit dem 8. -Jahrhundert, so der auf dem Wetzlarer Gebiet im Jahre 780. Er reicht -indessen viel weiter zurück. Auch Gold wird man früh in den Flüssen -der Alpen durch Waschen gewonnen haben. Zunächst gab es nur Tagebau. -Tiefbau war erst mit der Einrichtung größerer Betriebe möglich, und im -12. Jahrhundert war man mit der Herstellung von Schächten und Stollen -schon ziemlich vertraut. - -Das Ausschmelzen der Metalle aus den Erzen setzte die Gewinnung von -Holzkohle voraus. Mit ihrer Hilfe wurden die Eisenerze in Vertiefungen -oder auf besonderen Herden niedergeschmolzen. Man erhielt durch diesen, -als Rennarbeit bezeichneten Prozeß, der anfangs durch Gebläse mit -Handbetrieb unterhalten wurde, sogenannte Luppen von schmiedbarem -Eisen. Indem man die Vertiefung, um die Flamme zusammenzuhalten, mit -einer ringförmigen Mauer versah und diese nach und nach erhöhte, -entstanden die Hochöfen, die uns in ihrer Urgestalt etwa zu Beginn des -15. Jahrhunderts begegnen. Ihr Erzeugnis war das kohlenstoffreiche -Gußeisen, das erst durch weitere hüttenmännische Prozesse in -Schmiedeeisen umgewandelt werden mußte. - -Mit dem Abbau von Silber, Kupfer, Zinn und Blei wurde man in -Mitteleuropa erst verhältnismäßig spät bekannt. Der Goslarer Bergbau -auf Silber und Blei begann unter *Otto dem Ersten*[752]. Zinn wurde -in Böhmen etwa seit dem 13. Jahrhundert abgebaut. Um diese Zeit besaß -der Silberbergbau in Mitteleuropa schon eine große Ausdehnung. Er wurde -nicht nur am Harz, sondern auch in der Gegend von Meißen, in Freiberg, -im Jura und in den Alpen betrieben. - -Zwischen diesen Anfängen der metallurgischen Technik und der -Wissenschaft bestand zunächst nur eine sehr geringe Fühlung. Erst seit -dem 15. Jahrhundert, nachdem *Agricola* seine gelehrten Werke über -den Bergbau geschrieben hatte, begannen die Gelehrten sich diesem für -das Emporblühen der neueren Naturwissenschaft so wichtigen Gebiete -menschlicher Tätigkeit zuzuwenden. - -Die Elemente der Bildung, welche die Römer nach Frankreich, England -und Deutschland gebracht hatten, waren durch die Ereignisse der -Völkerwanderung zum größten Teile vernichtet worden. Als nach der -Beendigung der Wanderungen in Deutschland und im nördlichen Gallien -das Reich der Franken entstand, und die Ausbreitung des Christentums -durch diese politische Schöpfung sehr gefördert wurde, befanden sich -die genannten Länder daher wieder im Zustande tiefer Unkultur. Der -Gefahr einer Zersplitterung entging das neue Reich dadurch, daß es in -die Hände der Pippiniden gelangte. Diese setzten der Überschwemmung -Westeuropas durch die Araber einen Damm entgegen und begründeten -eine christlich-germanische Bildung in ihrem, sich immer gewaltiger -ausdehnenden Reiche. Durch die tatkräftige, persönliche Anteilnahme, -die *Karl der Große* trotz seiner zahlreichen Kriege für die -Wissenschaft bekundete, kam die geistige Entwicklung des Abendlandes in -etwas schnelleren Fluß. Insbesondere scheint sich nach der Eroberung -Italiens in dem Kaiser der Wunsch geregt zu haben, seinem eigenen Lande -literarische Hilfsmittel zuzuführen und dadurch das Wissen zu fördern. -Auch von Britannien her wurde die gelehrte Bildung in Deutschland -während jenes Zeitalters günstig beeinflußt. *Gregor der Große* hatte -um 600 nach diesem entlegenen Lande eine Anzahl Benediktinermönche -gesandt, und diese hatten dort durch Urbarmachen des Bodens und -Milderung der Sitten große Aufgaben gelöst, daneben aber auch die -Pflege der Wissenschaften nicht verabsäumt. Nachdem diese Mönche sich -auf solche Weise im nördlichen Europa einen Stützpunkt geschaffen, -traten sie belehrend und bekehrend unter den germanischen Stämmen -Mitteleuropas auf. Der hervorragendste unter ihnen war *Winfried* -oder *Bonifazius*[753]. Seine Schüler gründeten die Klosterschule zu -Fulda. Ein anderer britischer Mönch, *Alkuin*, unterwies den Kaiser -in gelehrten Dingen. Und so kam es, daß dieser, von dem günstigen -Einfluß der Mönche auf die besiegten Völker überzeugt, die Wirksamkeit -dieser Männer nach Kräften förderte. Gelehrte Ausländer wurden an -den Hof gezogen und eine Art Akademie gebildet, die indessen fast -ausschließlich aus Briten bestand. Die Schulen sollten nach der Absicht -*Karls* nicht ausschließlich der Erziehung der Geistlichen dienen, -sondern Bildung in weitere Kreise tragen. - -*Alkuin* wurde berufen, eine Palastschule zu leiten. Sie umfaßte -Schüler sehr verschiedenen Alters und Standes, die der Kaiser für -leitende Stellungen ausersehen hatte. Auf *Alkuin* ist wahrscheinlich -auch die Anordnung zurückzuführen, daß die Geistlichen ein bestimmtes -Maß von wissenschaftlichen Kenntnissen haben sollten. - -Den Gedanken, allgemeine Volksschulen zu gründen, hat der Kaiser -indessen noch nicht gehegt. Die Klosterschulen zu Fulda, zu St. Gallen -und Corvey wurden zu wissenschaftlichen Pflanzstätten ihrer Zeit und -ihres Landes. Der gelehrte Leiter der ersteren, *Rhabanus Maurus*, -welcher den Ehrennamen primus Germaniae praeceptor erhielt, hinterließ -ein Sammelwerk[754], das unter anderem einen Abriß der Naturkunde -bietet. Man erkennt, daß dieses Wissen weit geringer war als dasjenige -des Altertums. Der Abriß des *Rhabanus Maurus* enthält nämlich nichts -Eigenes, sondern fußt auf den Schriften der Alten, deren Inhalt in -verdorbener Darstellung wiedergegeben wird. - -Sein Werk verfaßte *Rhabanus Maurus* in der Absicht, wie er sagt, -nach Art der Alten über die Natur der Dinge und den Ursprung -ihrer Benennungen zu schreiben. Daraus wird die vorwiegend -grammatisch-philologische Behandlung erklärlich, die nicht nur -seinen Vorgängern anhaftete, sondern bis in die neuere Zeit hinein -überwog. Dadurch, daß *Rhabanus Maurus* ferner alle Dinge in Beziehung -zur biblischen Überlieferung brachte, kam in sein Werk jener -mystisch-allegorische Zug, der fast alle Schriften des Mittelalters -kennzeichnet. Die erste Hälfte handelt von Gott, den Engeln, vom -christlichen Leben und Gebräuchen. Im zweiten Teile ist von der -Astronomie, der Geographie, der Medizin und anderen Wissenschaften die -Rede. Ein Buch handelt in neun Kapiteln vom Ackerbau, vom Getreide, von -den Hülsenfrüchten, vom Weinstock, von den Bäumen, von den aromatischen -Kräutern und vom Gemüse. Es sind im ganzen etwa hundert Pflanzen, die -nach ihrem Vorkommen und ihren Eigenschaften betrachtet werden. - -Ein Seitenstück zu diesem botanischen Buche bildet das »Capitulare de -villis et cortis imperialibus«, eine ausführliche Verordnung über die -Verwaltung der kaiserlichen Güter. Es finden sich darin unter anderem -auch die Pflanzen verzeichnet, die in den Gärten des Kaisers gezogen -werden sollten. Das Capitulare de villis ist eine der wichtigsten -Quellen für die agrarischen Verhältnisse der Karolingischen Zeit. - -Vorgeschrieben war z. B. der Bau von Krapp und Waid zum Färben, sowie -der Anbau der Kardendistel, die bei der Bereitung des Tuches benutzt -wurde. An Bäumen sollten die kaiserlichen Domänen neben Apfel-, Birn- -und Kirschbäumen auch Kastanien, Pfirsiche, Mandel- und Maulbeerbäume, -den Lorbeer und den Nußbaum ziehen. - -Als das Frankenreich zerfiel und Kriege ohne Ende zwischen den -neu entstandenen Reichen, sowie Fehden im Innern und zur Abwehr -von außen herandrängender Feinde herrschten, wurden die geringen -wissenschaftlichen Ansätze welche insbesondere die Regierung des großen -Kaisers gezeitigt hatte, zum größten Teile wieder vernichtet. Vieles -ist gänzlich verloren gegangen, anderes besaß nicht mehr die Kraft zu -weiterer Entfaltung, weil das geistige Interesse durch den Wetteifer, -der zwischen der Theologie und der scholastischen Philosophie -entbrannte, völlig in Anspruch genommen wurde. - -Erwähnenswert für die Zeit zwischen *Karl dem Großen* und *Albertus -Magnus* ist *Hildegard*, die Äbtissin des Klosters zu Disibodenberg, -die meist als *Hildegard von Bingen* bezeichnet wird. Sie ist die -Verfasserin von vier Büchern »Physica«. Ihr Werk enthält nicht nur -die ersten Anfänge vaterländischer Tier- und Pflanzenkunde, sondern -es bietet überraschenderweise eine, nicht allein aus *Dioskurides* -geschöpfte, sondern auch aus der Überlieferung des Volkes -hervorgegangene Heilmittellehre. - -Die »Physica« wurden um 1150 geschrieben und enthalten viel -Selbstbeobachtetes. In der Hauptsache bieten sie eine Flora und Fauna -des Nahegebietes. Die Deutung der beschriebenen Arten, für welche die -zu jener Zeit beim Volke üblichen Namen gebraucht werden, ist meist -nicht leicht und häufig unsicher[755]. *Hildegard* hat fast alle -heutigen Obstarten, vor allem aber die im »Capitulare« aufgezählten -Pflanzen berücksichtigt und erweist sich weniger von den Alten -beeinflußt als zahlreiche Verfasser späterer botanischer Bücher. - -Auf das Zeitalter *Karls des Großen* folgte eine Periode, in welcher -das Abendland fast ausschließlich in der Bekämpfung des Orients -aufging. Dann erst setzte eine stetige Aufwärtsbewegung ein. Zwar -hatten die Kreuzzüge dem westlichen Europa manche Wunde geschlagen; -sie hatten aber auch den Gesichtskreis in ähnlicher Weise erweitert, -wie es zur Zeit des Griechentums die Züge Alexanders bewirkt hatten. -Waren ferner in den vorhergehenden Jahrhunderten geistige Anregungen -besonders von den mohammedanischen Bewohnern Spaniens ausgegangen, so -kam man jetzt mit der während des Stillstandes der germanischen Völker -ihre Blütezeit erlebenden islamitischen Kultur auch vom südlichen -Italien her in Berührung. Dieser Einfluß erstreckte sich nicht nur -auf den Norden der Halbinsel, sondern er wurde, zum Teil infolge der -Romfahrten, auch auf den nördlich der Alpen gelegenen Teil Europas -ausgedehnt. Auch von Byzanz und dem Orient selbst gelangten mannigfache -Anregungen nach Mittel- und Westeuropa. - -Wir haben im vorhergehenden Abschnitt erfahren, daß die Araber die -von den Griechen und den Indern empfangenen Kenntnisse nicht nur -zu erhalten, sondern auch weiterzuentwickeln und mit ihren eigenen -Geistesschöpfungen zu einer gewaltigen Literatur zu verschmelzen -verstanden. Diese arabische Literatur war während des späteren -Mittelalters, wenn auch meist in lateinischer Übersetzung, im -Abendlande die herrschende. Da der Hauptgegenstand der arabischen oder -aus arabischen Quellen entstandenen Schriften neben der Heilkunde die -Astronomie und die Mathematik war, so ist es begreiflich, daß sich zu -Beginn der Renaissance das Abendland zunächst diesen Wissenschaften -zuwandte. - -Die erste Bekanntschaft mit den von den Arabern gehüteten -Geistesschätzen machte das Abendland in dem seit 711 im -mohammedanischen Besitze befindlichen Spanien. Dorthin strömten aus -Frankreich, England und Mitteleuropa wissensdurstige Männer in großer -Zahl, um die erworbenen Kenntnisse später ihrer Heimat zuzuführen. -Unter diesen Männern seien *Gerbert*, der spätere Papst *Sylvester der -Zweite* und *Gerhard von Cremona* genannt. - -Durch *Gerbert* (940-1003) und seine Schüler lernte man unsere -heutigen, noch jetzt arabisch genannten Ziffern kennen[756]. - -*Gerhard von Cremona* (1114-1187) lieferte die erste Übersetzung des -Almagest, jenes von *Ptolemäos* verfaßten Hauptwerks der Astronomie, -das dieser Wissenschaft im Altertum und im Mittelalter ihre Bahnen -vorgezeichnet hat[757]. - -Auch die Elemente *Euklids* wurden aus dem Arabischen übersetzt[758]. -Das mathematische Werk *Ibn Musas* und die arabischen Schriften, die -sich auf *Aristoteles* bezogen, wurden durch *Johannes von Sevilla* -(um 1150) in lateinischer Übersetzung den Abendländern zugänglich -gemacht. Von der aristotelischen Philosophie empfing man allerdings -nur einen höchst verderbten Abklatsch. Dies wird begreiflich, wenn man -bedenkt, daß das griechische Original zuerst ins Arabische, dann ins -Castilianische und endlich ins Lateinische übersetzt, und daß ferner -manche schwierige Stelle nicht verstanden und infolgedessen unrichtig -wiedergegeben wurde. - -Nach Italien gelangten die mathematischen Kenntnisse der Araber um das -Jahr 1200 durch *Leonardo von Pisa*[759]. Die Geschichte dieses Mannes -und seines mathematischen Werkes zeigt uns, wie eng die Entwicklung und -die Ausbreitung der Wissenschaften mit den jeweiligen Kulturzuständen -verbunden sind. *Leonardos* Vaterstadt Pisa war um 1200, infolge -der im Zeitalter der Kreuzzüge entstandenen Beziehungen zum Orient, -die mächtigste Handelsstadt Italiens geworden. Ihr Reichtum hatte -mitgewirkt, um die ersten, noch heute jeden Besucher entzückenden -Schöpfungen der neueren italienischen Kunst entstehen zu lassen. Der -Handel entsprang praktischen Bedürfnissen und verfolgte materielle -Ziele. Er suchte daher jeden geistigen Fortschritt, insbesondere auf -dem Gebiete der Mathematik, unmittelbar nutzbringend zu machen. -Zu diesem Zwecke studierte *Leonardo*, der Sohn eines Pisaner -Handelsherrn, auf seinen Geschäftsreisen, die ihn nach Sizilien, -Griechenland, Ägypten und Syrien führten, die in jenen Ländern -gebräuchlichen Rechnungsweisen. So entstand um 1200 das mathematische -Hauptwerk des Mittelalters, *Leonardos* »Liber abaci«, mit dem die -Geschichte der Mathematik wohl einen neuen Zeitabschnitt beginnen -läßt[760]. - -In der Einleitung sagt *Leonardo*, die früheren Methoden seien -ihm, verglichen mit derjenigen der Inder, als ebensoviele Irrtümer -erschienen. Er habe daher das indische Verfahren seinem Werke zugrunde -gelegt, habe eigenes hinzugefügt, auch manches aus der geometrischen -Kunst des *Euklid* verwendet, damit das Geschlecht der Lateiner hinfort -nicht mehr unwissend in diesen Dingen befunden werde[761]. - -Die ersten Abschnitte handeln von den Grundoperationen mit ganzen -Zahlen und Brüchen. Zum ersten Male begegnet uns der Bruchstrich, der -auch als Zeichen für die Division gebraucht wird. An die ägyptische -Bruchrechnung erinnert die im Liber abaci vorkommende Zerlegung von -Brüchen in eine Summe von Stammbrüchen. Die weiteren Abschnitte -befassen sich mit Regel de tri, Gesellschafts- und Mischungsrechnung, -Potenzen und Wurzeln und endlich mit den Aufgaben der »Algebra und -Almukabala«, d. h. der Lehre von den Gleichungen, die im engen -Anschluß an *Ibn Musa* behandelt werden. Im einzelnen enthält das Buch -*Leonardos* auch manches, was dem Verfasser angehört; vor allem ist -dieser Herr über den von ihm behandelten Stoff, den er in eigener, -sicherer Auffassung seinen Landsleuten übermittelt. - -Gleichzeitig mit den mathematischen wurden auch naturwissenschaftliche -Kenntnisse von den Arabern dem Abendlande übermittelt. Infolgedessen -treten hier zu Beginn des 12. Jahrhunderts Männer auf, die sich der -Alchemie und der von den Arabern besonders gepflegten Optik widmeten. -Unter ihnen sind vor allem *Albertus Magnus* und *Roger Bacon* zu -nennen, mit denen wir uns noch eingehend beschäftigen werden. Nach dem -Vorbild der Araber wurde ferner die Heilkunde im 12. Jahrhundert in -Salerno wieder zu einer Wissenschaft erhoben, während die Behandlung -der Krankheiten in den christlichen Ländern bis dahin vorzugsweise eine -Domäne des frommen Aberglaubens gewesen war. - -Auf dem Gebiete der Optik verdient vor allem *Vitello* (Witelo) -Erwähnung. Er stammte aus Polen und schrieb in der zweiten Hälfte des -13. Jahrhunderts ein Werk über Optik, in dem er die Lehren *Alhazens* -in Verbindung mit den von *Euklid* und *Ptolemäos* herrührenden Sätzen -vortrug. *Vitellos* Werk wurde wiederholt gedruckt[762]. Es gehört zu -den umfangreichsten, die über Optik geschrieben sind, enthält aber -wenig Eigenes. Später hat *Kepler* seine optischen Untersuchungen an -*Vitello* angeknüpft und sie in einem »Zusätze zu Vitello« betitelten -Werk veröffentlicht[763]. - -Vergegenwärtigen wir uns, daß um 1200 der große, von den älteren -Völkern geschaffene Schatz von Anregungen und Keimen, die nur der -Weiterentwicklung harrten, den romanischen und den germanischen Völkern -durch die Verbreitung der arabischen Literatur zugänglich gemacht -war, so läßt es sich begreifen, daß dieser Zeitpunkt von der neueren -historischen Forschung wohl als ein Markstein in der Geschichte der -Wissenschaften hingestellt worden ist[764]. - -Von nicht geringem Einfluß war auch die Erweiterung des geographischen -Gesichtskreises durch die Reisen[765] des Venezianers *Marco Polo*. -*Marco Polo* gelangte bis nach Peking und im Süden bis nach Sumatra. -Er brachte viele Jahre (1275-1292) im Dienste eines mongolischen -Fürsten zu und richtete seine Aufmerksamkeit auf alles, was ihm in -den fremden Ländern begegnete. Seine Mitteilungen erstrecken sich -auf sämtliche drei Naturreiche. Er erwähnt zahlreiche Edelsteine und -Halbedelsteine. Durch ihn wurde erst allgemein bekannt, daß sich die -Steinkohle als Brennstoff verwenden läßt. Auch auf das Petroleum, -die Tusche, das Porzellan lenkte er die Aufmerksamkeit. Aus dem -Pflanzenreich erwähnt *Marco Polo* zahlreiche Drogen, Arzneimittel, -aromatische Stoffe, Farbhölzer, den Indigo usw. Die Verarbeitung des -Bambus, der Baumwolle und der Seide werden geschildert. Zahlreich sind -auch die Mitteilungen über die Fauna des ganzen asiatischen Kontinents. -Die Angaben erstrecken sich auf das Zebu, den Yack, verschiedene -Pferderassen, Elefant, Rhinozeros, Moschustier, menschenähnliche Affen, -Tiger, Schlangen usw. Von den Angaben über die Vogelwelt interessiert -besonders die Erwähnung eines Riesenvogels auf Madagaskar, dessen -Flügel sechzehn Schritt gespannt haben sollen[766]. - -Von großer Bedeutung für die Entwicklung der Wissenschaften in dieser -wie in jeder anderen Periode war auch das Emporblühen des Handels. Der -Handel hob sich insbesondere durch die enge Fühlung, in die Italien, -Deutschland und Frankreich sowohl unter sich wie mit dem Morgenlande -traten. Mit dem Handel blühte das Städtewesen empor. Der in den Städten -sich mehrende Wohlstand weckte die Teilnahme weiterer Kreise an -geistigen Dingen. Reiche Städte haben auch stets die Wissenschaften im -wohlverstandenen eigenen Interesse begünstigt. Gegen den Ausgang des -Mittelalters entwickelten sich solche Städte besonders in Italien, wo -in erster Linie Venedig, Pisa, Florenz und Genua zu nennen sind. Sie -besaßen staatliche Macht und führten, wenn auch unter gegenseitiger -Befehdung, durch das Streben, ihren Einfluß weithin auszudehnen, zur -regsten Entfaltung aller gewerblichen, kommerziellen und künstlerischen -Tätigkeit. In hoher Blüte stand z. B. die Kunst Metalle zu gießen -und Glas zu formen. Etwas später entstanden im Norden städtische -Gemeinwesen, die nicht nur Handelsemporien, sondern gleichzeitig die -Pflegestätten eines ganz neuen Geistes waren. Die gewaltige Hansa -und der rheinische Städtebund sind hier vor allem zu nennen. »Es -ist«, sagt *Ranke*, »eine prächtige, lebensvolle Entwicklung, die -sich damit anbahnt. Die Städte bilden eine Weltmacht, an welche die -bürgerliche Freiheit und die großen Staatsbildungen anknüpfen«[767]. -Als fernere Umstände, die für die gesamte Entwicklung von Bedeutung -waren, sind das Schwinden der Sklaverei, der Übergang von der Natural- -zur Geldwirtschaft[768] und endlich, vor allem für das Gebiet der -Geisteskultur, die Einführung der Papiererzeugung in Europa zu nennen, -alles Geschehnisse des 13. Jahrhunderts, in dem somit eine ganze -Reihe von Grundlagen für die gegen das Ende des Mittelalters vor sich -gehende Neugestaltung des staatlichen und geistigen Lebens geschaffen -wurde. Gleichzeitig begegnen uns der erste große Dichter der Neuzeit -in *Dante* und die ersten vorurteilsfreieren Denker des christlichen -Abendlandes in *Albertus Magnus* und *Roger Bacon*, deren Leben und -Wirken uns in den nächsten Abschnitten am besten in die Denkweise und -die wissenschaftlichen Bemühungen dieses Zeitraumes einführen werden. -Auch die bildnerische Kunst erlebte im 13. und 14. Jahrhundert ihre -Wiedergeburt. Zunächst geschah dies auf dem Boden Italiens. Es braucht -nur an die Schöpfungen *Nicolo Pisanos* und *Giottos* erinnert zu -werden[769], deren Erzeugnisse auf dem Gebiete der Bildhauerkunst und -der Malerei noch heute in ergreifender Weise Zeugnis von der Gewalt -jener künstlerischen Regungen des 13. und 14. Jahrhunderts ablegen, -die auch in den zahlreichen gotischen Domen jenes Zeitraums ihren -unvergänglichen Ausdruck fanden. - - -Die Wiederbelebung der alten Literatur. - -Die Schwelle des 13. Jahrhunderts bedeutet nach *Chamberlains* Ausdruck -den Zeitpunkt, an dem »die Menschheit unter der Führung der Germanen« -ein neues geistiges Leben begann. Aus diesem Grunde hält dieser -Verherrlicher der Kulturmission des Germanentums es für angezeigt, das -Jahr 1200 als die Grenzscheide zwischen dem Mittelalter und der neueren -Zeit zu betrachten. Jedenfalls erscheint es berechtigt, den Beginn der -Renaissance bis an die Schwelle des 13. Jahrhunderts zurückzuverlegen. - -Auch auf dem Gebiete des Bildungswesens fand die neue Zeit ihren -Ausdruck. Hochschulen nach dem Muster der arabischen gelehrten Schulen -entstanden in Neapel, Salerno und Bologna, darauf in Paris, Oxford -und Cambridge. Im 14. Jahrhundert folgte Deutschland mit der Gründung -der Universitäten zu Prag, Wien und Heidelberg. Zwar waren auch sie -anfangs vorwiegend Stätten scholastischen Gezänks. Die Gelehrten waren -jedoch vom klösterlichen Zwange befreit worden, ein Umstand, der für -die Folge von großer Bedeutung war. Um der Beengung zu entgehen, -welche die Kirche während des Mittelalters jeder wissenschaftlichen -Betätigung auferlegte, erfand man den Satz von der zwiefachen Wahrheit. -Man verstand darunter die Lehre, es könne etwas in kirchlichen Dingen -als wahr gelten, was in der Wissenschaft als falsch bewiesen sei. -Dieselbe Person durfte somit, je nachdem sie sich auf den Standpunkt -des Philosophen oder des Theologen stellte, ein und dieselbe Ansicht -für richtig halten und sie in demselben Atemzuge verdammen[770]. - -Man darf dieses auf den ersten Blick ganz unmoralisch erscheinende -Verhalten nicht allzusehr verurteilen. Gilt doch auch heute noch für -manchen der Satz, daß Glauben und Wissen als unvereinbare Gebiete -scharf zu trennen sind, während man sich auf der anderen Seite bemüht, -beide miteinander zu versöhnen. Man muß daher den zuerst in Paris -und in Padua aufkommenden Satz von der zwiefachen Wahrheit als den -ersten Versuch der Forschung ansehen, sich aus den Banden der Kirche -zu befreien. Diese Lehre ist, sagt einer ihrer Beurteiler[771], »ein -Denkmal des forschenden Geistes, sich ein freies, weites Gebiet zu -verschaffen«. Insbesondere gelangte der Geist der wiederauflebenden -Wissenschaften in zwei Männern zum Ausdruck, deren Lebensumstände und -Verdienste uns zunächst beschäftigen sollen. Es waren dies *Albertus -Magnus* in Deutschland und sein Zeitgenosse *Roger Bacon* in England. - -Beide Männer gehören dem 13. Jahrhundert an. Es war die Zeit des -großen Staufenkaisers Friedrichs des Zweiten und seines vergeblichen -Ringens mit dem Papsttum. In das 13. Jahrhundert fallen einerseits -die letzten Kreuzzüge und das Umsichgreifen der von fanatischen -Mönchen geübten Ketzergerichte, während auf der anderen Seite Handel -und Gewerbe, sowie die Schulen aufzublühen begannen. Auch auf dem -Gebiete des geistigen Werdens war diese Zeit erfüllt von Gegensätzen. -Bis gegen das 13. Jahrhundert hatte im Mittelalter ausschließlich -die Macht der Kirche und ihrer Dogmen gegolten. Die philosophischen -Schriften des Altertums, insbesondere die Logik des *Aristoteles*, -hatten Geltung, weil sie spitzfindigen, theologischen Streitigkeiten -zu dienen vermochten. Was indessen die naturwissenschaftlichen Werke -des *Aristoteles* anbetraf, so war fast jede Erinnerung an sie verloren -gegangen. Auch die Auffassung von der Natur war zu einem Zerrbilde -geworden. Hatten die älteren Kirchenväter sie zum Teil noch als einen -Spiegel göttlicher Weisheit angesehen, so hatte später eine geradezu -verächtliche Vorstellung Platz gegriffen. Die Natur erschien dem -Menschen des eigentlichen Mittelalters im trüben Widerschein einer -Teufelslehre, geeignet, ihn mit Sinnenlust zu umstricken und von -seiner, im Überirdischen ruhenden Bestimmung abzulenken. - -Man kann sich vorstellen, welchen Eindruck auf ein so geartetes -Geschlecht das überraschend schnell erfolgende Bekanntwerden der -naturgeschichtlichen Schriften des *Aristoteles* zu Beginn des 13. -Jahrhunderts ausüben mußte. In lateinischer, teils aus dem Arabischen, -teils aus griechischen Originalen geschöpfter Übersetzung, verbreiteten -sie sich bald über das ganze Abendland. Mit den griechischen Originalen -war man im Verlauf der späteren Kreuzzüge in Konstantinopel und an -anderen Orten des Orients bekannt geworden[772]. Wie ganz anders -stellte sich in diesen, die Gemüter wie eine neue Offenbarung -ergreifenden Werken die Welt dar. Sie war hier nicht die Inkarnation -des Bösen und die Quelle der Verdammnis, sondern »ein wunderbar -harmonisches, ineinander greifendes Geflecht vernünftiger Zwecke -und Mittel«[773], deren Erforschung als die würdigste Aufgabe des -denkenden Menschen hingestellt wurde. Daß die Kirche der geschilderten -Bewegung der Geister gegenüber nicht gleichgültig blieb, läßt sich -denken. So verfügte sie z. B. im Jahre 1209 in Paris, daß bei Strafe -der Exkommunikation weder die naturwissenschaftlichen Schriften des -*Aristoteles*, noch die Kommentare dazu, sei es öffentlich, sei es -insgeheim, gelesen werden dürften. - - -Albertus Magnus. - -Ein Mann war es vor allem, in welchem die Naturphilosophie des -*Aristoteles* einen begeisterten Vertreter fand. Das war *Albertus -Magnus*. Das Bild seines Lebens und Wirkens wird uns deshalb am besten -in den geschilderten Zeitraum zu versetzen vermögen. - -*Albertus Magnus*, dessen eigentlicher Name *Albert von Bollstätt* -lautet, wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts in einem schwäbischen -Städtchen geboren[774]. Er empfing seine Vorbildung in Padua. -Später lehrte er an der Dominikanerschule zu Köln, zeitweilig -auch an der Universität in Paris, wo sein Orden einige Lehrstühle -besetzen durfte. In die Zeit seines Kölner Aufenthaltes fallen die -Ausschachtungsarbeiten zur Fundamentierung des Domes. In Paris fand er -einen solchen Zulauf, daß kein Gebäude die Schar seiner Hörer zu fassen -vermochte. An Wissensdrang fehlte es im 13. Jahrhundert also nicht, -wohl aber an einem würdigen Gegenstand zur Befriedigung dieses Dranges. -Handelte es sich doch nur um Schriftwerke, die durch Übersetzungen -bekannt wurden. Ihr Inhalt war es, welcher das damalige Wissen -ausmachte. Jede selbständige Regung wurde durch einen Autoritätsglauben -niedergehalten, wie ihn kein Zeitalter in solchem Grade wieder besessen -hat. Verfolgung und Tod trafen denjenigen, der sich gegen diesen -Autoritätsglauben, der alles mit Blindheit geschlagen zu haben schien, -auflehnte. Man darf daher auch von *Albertus Magnus* nicht allzuviel -Eigenes erwarten, wenn er auch zu den hervorragendsten Gelehrten -gehört, die uns in der Geschichte des Mittelalters begegnen. Ihm ist es -vor allem zu danken, daß man auf dem Gebiete der Naturwissenschaften -wieder an die Schriften des Altertums anknüpfte. Und zwar begann man -auf den griechischen Texten zu fußen, die zum Teil um diese Zeit schon -von Konstantinopel aus in das Abendland gelangten, während man vorher -die arabischen Bearbeitungen in das Lateinische übertragen hatte, -eine zwiefache Hinüberleitung, durch welche der Inhalt entstellt und -unrichtig übermittelt worden war. - -Was man vor *Albertus Magnus* an Kenntnissen über die Tier- und -Pflanzenwelt besaß, verdiente kaum noch den Namen einer Zoologie und -Botanik. Einiges Interesse brachte man zwar den in der Bibel erwähnten -Geschöpfen entgegen, die in dem »Physiologus«, einem sehr verbreiteten, -in vielen Bearbeitungen vorhandenen Buche, behandelt wurden[775]. Es -enthielt indessen die unglaublichsten Fabeln. Trotzdem erfüllte der -Physiologus fast 1000 Jahre die Rolle eines elementaren zoologischen -Lehrbuches[776], wenn auch nicht eines solchen in unserem Sinne, da er -in den Schulen in erster Linie zu religiös erbaulichen Zwecken benutzt -wurde[777]. Berücksichtigt sind besonders Säugetiere und Vögel, ferner -einige Reptilien und Amphibien und nur ein Geschöpf aus der Reihe der -Gliedertiere, nämlich die Ameise. An Pflanzen kommen der Feigenbaum, -der Schierling und die Nießwurz in Betracht. Auch einige Mineralien -werden erwähnt; es sind der Diamant, der Achat, der »indische Stein«, -welcher die Wassersucht heilen sollte, und die feuerbringenden Steine. - -Noch dürftiger erscheint dieser Inhalt, wenn man bedenkt, daß der -Physiologus nicht etwa eine einigermaßen vollständige Schilderung -der erwähnten Geschöpfe enthält, sondern meist nur Hinweise auf -Bibelstellen, einzelne Züge aus der Lebensweise, Erzählungen und -Fabeln. So wird vom Panther erzählt, daß er bunt sei, nach der -Sättigung drei Tage schlafe, dann mit Gebrüll erwache und einen so -angenehmen Geruch verbreite, daß alle Tiere zu ihm kämen; nur der -Drache sei sein Feind. Der Prophet *Hosea* sage: Ich werde wie ein -Löwe sein dem Hause Juda und wie ein Panther dem Hause Ephraim usw. -An die meisten Tierfabeln werden moralische Bemerkungen geknüpft. Von -den Affen heißt es, man fange sie, indem man sie veranlasse, sich -die Augen mit Leim zu verschmieren. So jage uns der Teufel mit dem -Leim der Sünde. Wie der Biber sich die Hoden abbeiße, wenn man ihn -verfolge, so solle der Mensch seine bösen Leidenschaften austilgen -usw. Auch bloße Fabelwesen, wie die Sirenen und das in der Bibel -mehrfach erwähnte Einhorn, bilden einen Gegenstand verschiedener -Ausgaben des Physiologus. Welch gewaltiger Abstand zwischen dem -mittelalterlich-kirchlichen Naturwissen und demjenigen der Blütezeit -des griechischen Geisteslebens bestand, braucht nach dieser Probe nicht -weiter ausgeführt zu werden. - -Der älteste Physiologus entstand im 2. Jahrhundert n. Chr. in -Alexandrien. Auf dieser griechischen Schrift beruhen eine Anzahl -orientalischer Bearbeitungen der biblischen Zoologie. *Albertus -Magnus* schöpfte aus einem lateinischen Physiologus, der auch ins -Althochdeutsche und andere nordische Sprachen übersetzt wurde. In -erster Linie ist aber das zoologische Werk *Alberts*, das in 26 Bücher -zerfällt, eine Wiedergabe der zoologischen Schriften des *Aristoteles*. -Indessen verraten insbesondere die letzten Bücher eine größere -Selbständigkeit. Auch die Naturgeschichte des gleichfalls dem 13. -Jahrhundert angehörenden *Thomas von Cantimpré* hat *Albert* benutzt, -doch ist dasjenige, was er selbst uns bietet, weit durchgearbeiteter. -Daß sich bei ihm noch die alten anatomischen Unrichtigkeiten des -*Aristoteles* finden, darf nicht wundernehmen. So nennt er gleichfalls -die Sehnen Nerven und legt ihnen die eigentliche bewegende Kraft bei. -Er läßt sie aus dem Herzen entspringen, während er von den eigentlichen -Nerven noch keine Vorstellung hat[778]. - -*Albertus Magnus* hat eine sehr umfangreiche literarische Tätigkeit -entfaltet[779]. Eine allerdings nur mangelhafte Ausgabe seiner -sämtlichen Werke rührt von *Jammy* her; sie erschien in 21 -Foliobänden im Jahre 1651. Der 2., 5. und 6. Band enthalten die -naturwissenschaftlichen Schriften. Der 2. Band enthält neben einer -Wiedergabe der aristotelischen Physik die Grundzüge der Himmelskunde -und fünf Bücher über die Mineralien. Bemerkenswert ist, daß *Albert* -die Milchstraße für eine Anhäufung kleiner Sterne hielt, sowie seine -Meinung, das Erscheinen der Kometen könne nicht mit den Geschicken -einzelner Menschen verknüpft sein. Der 5. Band bringt Geographisches, -sowie die sieben Bücher über die Pflanzen. Hervorgehoben sei eine -Äußerung über die Antipoden. Nur rohe Unwissenheit, meint *Albertus*, -könne behaupten, daß diejenigen fallen müßten, die uns die Füße -zukehrten. Der 6. Band der Gesamtausgabe endlich umfaßt die 26 -zoologischen Bücher. - -Das Verdienst *Alberts* besteht darin, daß er über alle Dinge, über die -er aristotelische Schriften kannte, ausführlich schrieb. Dabei leiteten -ihn einerseits offener Sinn und liebevolle Hingabe an die Natur. -Andererseits beengte ihn das Streben, die Naturauffassung des Altertums -mit den Dogmen der katholischen Kirche in Einklang zu bringen. Aus -dieser Abhängigkeit sich zur Freiheit des Denkens durchzuringen, -war ihm nicht gegeben. Den Vortrag der aristotelischen Lehren wußte -*Albertus* mit seinen eigenen Ansichten in der Weise zu vereinigen, -daß er zunächst dem *Aristoteles* folgt und dann jedesmal hinzufügt, -er wolle eine Disgression einschalten. Als eine solche ist das ganze -zweite Buch der Botanik zu betrachten[780]. Es beginnt mit den Worten: -»Das alles -- nämlich den Inhalt des ersten Buches -- haben die alten -Naturforscher begründet. Doch scheint das etwas verworren zu sein. Ich -werde daher von neuem beginnen und die allgemeine Botanik nach der -Ordnung der Natur geben.« - -Daß *Albertus* auch auf anderen Gebieten nach Selbständigkeit -strebte[781], bezeugen die Worte, mit denen er die spezielle Botanik -einleitet. Sie lauten: »Was ich hier schreibe, habe ich teils selbst -erfahren, teils verdanke ich es Leuten, von denen ich überzeugt bin, -daß sie nur das vorbringen, was sie selbst erfahren haben.« Bei dem -Wissen von den Einzelwesen handele es sich allein um Erfahrung, da hier -Vernunftschlüsse nicht möglich seien. Trotzdem finden sich, besonders -bei der Beschreibung der Tiere, dem Geist der Zeit entsprechend, manche -alten Fabeln wieder. - -Sein Werk über die Pflanzen schrieb *Albert* in Anlehnung an eine -Schrift[782], die damals für aristotelisch gehalten wurde. Es umfaßt -sieben umfangreiche Bücher und gehört zu den bedeutendsten älteren -Werken botanischen Inhalts. Von *Aristoteles*, dem Begründer der -Botanik, bis auf die Zeit *Alberts des Großen* war diese Wissenschaft -immer tiefer gesunken; mit *Albert* erstand sie »wie der Phönix aus -seiner Asche«[783]. Zuerst befaßt sich *Albert* mit den Grundzügen der -allgemeinen Botanik. Insbesondere beschäftigt er sich mit der Frage, -ob die Pflanze beseelt ist. Sie ist es, führt er aus, gleich jedem -Körper, der sich aus eigener Kraft bewegt. Ohne jene Bewegung sei kein -Wachstum, keine Ernährung und keine Fortpflanzung möglich. Auf diese -Funktionen beschränke sich indes die Tätigkeit der Pflanzenseele. -Diesem geringen Umfang ihrer Tätigkeit entspreche auch die geringe -äußere Verschiedenheit der Pflanzenteile, sowie das Vermögen der -Pflanze, aus jedem ihrer Teile wie aus dem Samen neues zu erzeugen. - -Bemerkenswert sind auch die Äußerungen *Alberts* über den Schlaf der -Pflanzen. Wenn die Pflanze während des Winters infolge der Kälte -zusammengezogen und ihr Saft und ihre Wärme nach innen zurückgedrängt -seien, so schlafe sie. Daß einige Pflanzen ihre Blüten abends -zusammenlegen und bei Tagesanbruch wieder öffnen, wird auch als Schlaf -gedeutet. - -Bezüglich der Sexualität räumt *Albert* den Pflanzen nur eine sehr -entfernte Ähnlichkeit mit den Tieren ein. Das Wachstum der Pflanzen, -so meint er im Hinblick auf die Eiche, die Zeder und andere Bäume, -scheine wie das der Mineralien an kein bestimmtes Maß gebunden zu -sein. Das Fehlen der Sinnes- und der Bewegungsorgane, durch die sich -das höhere tierische Leben bekunde, sei der Grund, weshalb die Wurzel, -als Mund der Pflanze, in die Erde gesenkt sei. Ströme die Nahrung -nicht von selbst herbei, umgäbe sie die Wurzel nicht unablässig, so -könne die Pflanze gar keine Nahrung zu sich nehmen. Würde ferner die -geringe Eigenwärme der Pflanze nicht von außen durch die Sonnenwärme -unterstützt, so würde jene allein nicht hinreichen, den eingesogenen -Nahrungsstoff zu verdauen und zum Wachstum und zur Fortpflanzung -geeignet zu machen. - -Da also die Pflanze ihre Nahrung auf weit einfachere Weise zu sich -nimmt und in sich verteilt wie das Tier, so hat sie nach *Albert* weder -Adern, noch einen Magen, sondern nur Poren, wie sie auch das Tier -unsichtbar auf seiner ganzen Oberfläche besitze. *Alberts* Kenntnisse -in der speziellen Botanik, die er im 6. Buche bekundet, sind nicht -gering. Doch teilt er mit vielen Schriftstellern des Altertums den -Glauben an eine Umwandlung der Pflanzen. So sollen sich infolge des -Alterns oder infolge mehr oder weniger guter Nahrung die Getreidearten -ineinander umwandeln können. Auch entständen durch die Fäulnis einer -Pflanze andere Arten. So überziehe sich ein kränkelnder Baum mit -Parasiten, namentlich mit Misteln. - -*Alberts* Darstellung der allgemeinen Botanik ist der erste Versuch -einer solchen. Denn was er in der Schrift des *Nikolaos* vorfand, -hat sein Unternehmen eher ungünstig beeinflußt als gefördert. -Es verstrichen Jahrhunderte, bevor ein zweites, dem seinigen -vergleichbares Werk erschien. »Die Fehler des letzteren verschuldete -sein Zeitalter, die Vorzüge gehören ihm allein an«[784]. In seiner -speziellen Botanik handelt *Albert* von den Bäumen und Sträuchern, -den Stauden und Kräutern. Die Anordnung ist die alphabetische. Die -Schärfe der Beobachtungen ist anzuerkennen. Beschreibungen von einer -Genauigkeit, wie sie uns im Altertum nicht begegnet, widmete er z. B. -der Esche und der Erle, dem Mohn, dem Borretsch und der Rose. - -Seit *Albertus Magnus* war man auch bestrebt, die von den Alten -beschriebenen Pflanzen wieder aufzufinden. Dies Bemühen war jedoch nur -von geringem Erfolg, da einmal die vorhandenen Beschreibungen meist -nicht hinlänglich genau waren, um danach die Arten feststellen zu -können, und da man ferner, ohne Berücksichtigung der geographischen -Verbreitung, die Pflanzen Griechenlands und Kleinasiens in Mitteleuropa -suchte. Immerhin war es ein großer Fortschritt, daß man sich mit -den Naturkörpern wieder unmittelbar zu beschäftigen begann. Die -Wiederbelebung der beschreibenden Naturwissenschaften war in erster -Linie die Folge eines solchen Bemühens. Dieses führte weiterhin zur -Anlegung von botanischen Gärten und zur Herausgabe von Kräuterbüchern, -den ersten botanischen Dingen, die uns an der Schwelle der neueren Zeit -begegnen. - -Von *Albert dem Großen* bis zur zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts -waren die Fortschritte auf dem Gebiete der Botanik im übrigen nur -gering[785]. Manche Nachricht über neue Pflanzen gelangte aus den durch -die Kreuzzüge dem Abendlande erschlossenen Ländern nach Europa, jedoch -ohne daß dadurch die wissenschaftliche Einsicht wesentlich gefördert -worden wäre. Auch durch die Reisen *Marco Polos* in Ostasien erfuhr die -spezielle Pflanzenkenntnis eine nicht unbeträchtliche Erweiterung, wenn -es sich naturgemäß in den Mitteilungen dieses Mannes auch in erster -Linie um solche Pflanzen handelte, die für den Handel in Betracht kamen. - -Wie die botanischen, so enthalten auch die zoologischen Schriften des -*Albertus* zahlreiche Angaben über eigene Beobachtungen. Insbesondere -gilt dies von der deutschen Tierwelt. Es finden sich z. B. recht gute -Schilderungen des Maulwurfs, der Spitzmaus, des Eichhörnchens und des -Igels. *Albert* führt fast alle deutschen Nager auf und zeichnet das -Treiben des Eichhörnchens ganz musterhaft. Sehr zutreffend beschreibt -er auch das Gebiß der Nagetiere. Erwähnung findet auch der Eisbär. Vom -Walroß wird erzählt, daß es lange Eckzähne besitze, und daß man seine -Haut zu Riemen zerschneide, die in Deutschland in den Handel kämen. -Ferner wird der Grönlandwal beschrieben und sein Fang geschildert. -Die Robben und die Delphine bezeichnet *Albert* als »Säugetiere mit -festen Knochen, lebenden Jungen und einer Luftröhre«. Er fügt hinzu: -»Die Angaben der Alten übergehe ich, denn sie stimmen mit denen -erfahrener Leute nicht überein.« Über die Gliedertiere macht *Albertus* -sogar die Angabe, daß sich beim Krebs und Skorpion ein dem Rückenmark -entsprechender Strang findet, der auf der Bauchseite durch den Körper -läuft. Das Treiben des Ameisenlöwen schildert er mit folgenden Worten: -»Der Ameisenlöwe ist nicht vorher eine Ameise, wie viele sagen. Denn -ich habe oft beobachtet und habe es häufig Freunden gezeigt, daß dieses -Tier Zeckengestalt hat. Es versteckt sich im Sande und gräbt darin eine -halbkugelförmige Höhle, in deren Pol sein Mund ist. Läuft nun eine -Ameise futtersuchend darüber, so fängt und frißt er sie. Dem haben wir -oft zugesehen«[786]. - -*Albertus Magnus* war auch einer der ersten, der sich in Deutschland -auf dem Gebiete der Chemie schriftstellerisch betätigte, ohne -sich jedoch über die Araber zu erheben. Daß unedle Metalle sich -in edle verwandeln lassen, war für ihn eine ausgemachte Sache. -Dies geht aus dem von ihm verfaßten Werk »De rebus metallicis et -mineralibus« mit Bestimmtheit hervor. *Albertus* glaubte auch an die -Darstellbarkeit eines Elixiers, das imstande sei, allen Metallen -die schönste Goldfarbe zu verleihen. Er warnte zwar vor scheinbaren -Umwandlungen, indessen wurden durch das hohe Ansehen, das er genoß, die -alchemistischen Bestrebungen gefördert[787]. - -Auszüge aus dem Werke »De rebus metallicis et mineralibus« sind durch -*Kopp* bekannt geworden[788]. Aus ihnen geht hervor, daß es sich -bei *Albertus Magnus* zum Teil um rein aristotelische, zum Teil um -arabische Meinungen und Anschauungen handelt. Er nimmt an, daß die -Metalle wie alles aus den vier Elementen zusammengesetzt sind. Bestehen -sie auch zunächst aus Schwefel und Quecksilber, so ist ersterer doch -wieder aus Luft und Feuer, das Quecksilber dagegen aus Wasser und Erde -entstanden. - - -Roger Bacon. - -Ein fast noch höheres Interesse als der »Doctor universalis«, wie -man *Albertus Magnus* nannte, beansprucht *Roger Bacon*, der »Doctor -mirabilis«. Seine Schriften umfassen nicht nur die Naturbeschreibung, -die Chemie und die Physik, sondern alle Wissenszweige, insbesondere -auch die Philosophie und die Theologie. Der englische Franziskanermönch -*Roger Bacon* ist ferner einer der ersten in der Reihe der Märtyrer, -welche die Geschichte seit der Zeit des Wiederauflebens der -Wissenschaften aufzuweisen hat. - -*Roger Bacon* wurde im Jahre 1214 geboren[789]. Er studierte in Paris -und dann in Oxford, wo er später ein Lehramt bekleidete. Von großem -Einfluß auf die Entwicklung *Bacons* war *Petrus Peregrinus*, der in -Paris lehrte und als Experimentator gerühmt wurde. *Bacon* sagt von -ihm, was dunkel sei, ziehe *Peregrinus* als Meister des Experiments -ans Tageslicht[790]. Auch daß dieser für seine Zeit seltene Mann -keine Wortgefechte liebte, sondern Beweise und Tatsachen verlangte, -war für *Peregrinus* charakteristisch und für *Bacon*, der das Wort -»Scientia experimentalis« prägte, von bestimmendem Einfluß[791]. -Schon *Gerbert*[792] hatte übrigens die Beschäftigung mit der Natur -als Gegengewicht gegen die scholastischen Streitereien empfohlen. -*Bacon* tat dasselbe, indes mit größerem Nachdruck[793]. Als Quellen -für seine Naturlehre benutzte *Bacon* die Griechen (*Aristoteles*, -*Euklid*, *Ptolemäos*), die Römer (*Plinius*, *Boëthius*, *Cassiodor*) -und die Araber. Unter den letzteren sind vor allem *Avicenna* (*Ibn -Sina*) und *Al Farabi* zu nennen. Das Werk des letzteren, das eine Art -Enzyklopädie darstellt, hatte *Gerhard von Cremona* unter dem Titel -»Liber de scientiis« ins Lateinische übersetzt. *Bacon* besaß nicht -nur die umfassende Gelehrsamkeit eines *Albertus Magnus*, sondern er -zeichnete sich vor diesem durch größere Klarheit und Freiheit des -Denkens aus. In seiner Schrift über die Nichtigkeit der Magie[794] -bekämpfte *Bacon* den Glauben an die Zauberei. Den Anhängern dieses -Glaubens verdankte er selbst gegen das Ende seines Lebens eine -zehnjährige Kerkerhaft. Sehr wahrscheinlich hat jedoch die Anklage auf -Zauberei seinem Orden nur als Vorwand gedient, um ihn daran zu hindern, -daß er fortfuhr, gegen die kirchlichen Mißstände zu eifern. Besaß doch -*Bacon* die Kühnheit, auf eine Reformation der Kirche an Haupt und -Gliedern, sowie auf eine kritische Behandlung der heiligen Schrift auf -Grund der Urtexte zu dringen. - -Daß die Menschen in früheren Jahrhunderten nicht viel anders gewesen -sind als heute, lassen folgende Stellen aus *Bacons* »Compendium studii -theologiae« erkennen: »Das Haupthindernis für das Studium der Weisheit -ist die unermeßliche Verderbnis, die in allen Ständen herrscht. Der -ganze Klerus ist dem Hochmut, der Unzucht und der Habsucht ergeben. Wo -Kleriker zusammenkommen, geben sie dem Laien Ärgernis. Die Fürsten und -Herren drücken und plündern sich gegenseitig und richten das ihnen -untertänige Volk durch Krieg und Steuern zugrunde. In den Königreichen -geht man nur auf Vergrößerung aus. Man kümmert sich nicht darum, ob -etwas mit Recht oder mit Unrecht erreicht wird, wenn man nur seinen -Plan durchsetzt. Die oberen Stände dienen nur dem Bauch und den -fleischlichen Lüsten. Das Volk wird durch dies schlechte Beispiel -aufgereizt und zu Haß und Treubruch veranlaßt, oder es wird durch das -schlechte Beispiel der Großen verdorben. Unzucht und Genußsucht sind -schlimmer, als man es schildern kann. Bei den Kaufleuten herrschen -List, Betrug, maßlose Falschheit usw.« So sieht *Bacons* Sittengemälde -aus dem 14. Jahrhundert aus. - -Was *Bacon* anstrebte, war eine freiere Gestaltung des religiösen -Lebens. Und zwar geschah dies fast zur selben Zeit, als die Albigenser -Südfrankreichs ihren Abfall von der Kirche schwer büßen mußten. Wenn -*Bacons* Mahnung auch verhallte und nicht imstande war, einen Sturm zu -entfesseln, wie ihn z. B. das Auftreten eines *Huß* zur Folge hatte, -so verdient *Bacon* doch unter den Vorboten der Reformationsbewegung -genannt zu werden. Daß er sich der Autorität des *Aristoteles* nicht -unbedingt unterwarf, war für die damalige Zeit ein nicht geringeres -Verbrechen. - -Andererseits vermag auch *Bacon* es nicht, sich gänzlich von den -Fesseln der griechischen Philosophie und der mittelalterlichen -Theologie zu befreien. So hält er mit *Aristoteles* an dem Glauben -fest, daß die Welt räumlich begrenzt sei. Er sucht auch dialektisch zu -beweisen, daß es nicht mehrere Welten oder gar eine unendliche Welt -geben könne. Erst viel später, bei *Giordano Bruno*, tritt uns der -Begriff des unendlichen Alls entgegen. Wie *Aristoteles*, so weist auch -*Bacon* mit dialektischen Gründen die Lehre vom Vakuum zurück, das die -von *Aristoteles* bekämpften Anhänger der Atomenlehre als notwendige -Voraussetzung für die Bewegung der Atome angenommen hatten[795]. -Als Herrin der Wissenschaften gilt *Bacon* nicht die Philosophie, -sondern die Theologie. Wenn ein Wissen, meint er, der heiligen Schrift -widerspricht, so ist es irrig[796]. Innerhalb dieser Beschränkung -verlangt er eine Erneuerung der Wissenschaften und eine Begründung -der Naturwissenschaften auf Beobachtung und Versuch. Manches, was -später, im 16. Jahrhundert, sein Namensvetter *Francis Bacon* -gesagt hat, klingt an die schon von *Roger Bacon* ausgesprochenen -Mahnungen und Forderungen an. »Diejenigen, die in den Wissenschaften -neue Bahnen einschlugen«, sagt *Roger Bacon*[797], »hatten alle Zeit -mit Widerspruch und Hindernissen zu kämpfen. Doch erstarkte die -Wahrheit und wird erstarken bis zu den Tagen des Antichrist.« Für -die Wissenschaft gibt es nach *Bacon* drei Wege, die Erfahrung, das -Experiment und den Beweis. Insbesondere wird die Mathematik gepriesen, -aber auch der Sprache, als dem formalen Ausdruck des Denkens, wird -die größte Bedeutung beigelegt. So heißt es bei ihm: »Wir müssen -bedenken, daß Worte den größten Eindruck ausüben. Fast alle Wunder -sind durch das Wort vollbracht worden. In den Worten äußert sich die -höchste Begeisterung. Deshalb haben Worte, welche tief gedacht, lebhaft -empfunden, gut berechnet und mit Nachdruck gesprochen werden, eine -bedeutende Gewalt.« - -Selbst wenn man annimmt, daß *Bacons* Wissen vollständig auf den alten -Schriftstellern und den Arabern beruhe, muß man doch zugeben[798], daß -er kein bloßer Kompilator war, sondern das Vorhandene zu prüfen, sich -anzueignen und selbständig wiederzugeben verstand. Sein Hauptverdienst -bleibt aber, daß er zu den ersten Männern zählt, die auf den Weg des -eigenen Forschens im Gegensatz zum Autoritätsglauben, hingewiesen -haben, wenn es ihm selbst auch noch an Mitteln gebrach, diesen Weg -unbeirrt zu verfolgen. Aus diesem Mangel an Befriedigung eines -vorhandenen Dranges entspringt eine gewisse Sehnsucht, die sich darin -ausspricht, daß *Bacons* Schriften mit häufigen Ausblicken auf eine -größere Herrschaft des Menschen über die Natur erfüllt sind[799]. -Dieser Grundzug seines Wesens wird uns im 17. Jahrhundert bei seinem -Namensvetter *Franz Bacon* wieder begegnen. Und es erscheint nicht -ausgeschlossen, daß letzterer *Roger* mehr zu verdanken hat, als er -durchblicken läßt[800]. Man kann dies als wahrscheinlich annehmen, ohne -damit den späteren *Bacon* etwa des Plagiats bezichtigen zu wollen. - -*Bacons* Hauptwerk führt den Titel »Opus majus«. Es wurde 1267 -vollendet und von *Bacon* dem Papste[801] gewidmet[802]. Im ersten -Teil des Opus majus spricht *Bacon* von den Hauptursachen der -herrschenden Unwissenheit. Als solche gelten ihm die Eitelkeit und der -Autoritätsglaube, die althergebrachten Vorurteile und die zahlreichen -unrichtigen und unzulänglichen Begriffe. Der zweite Abschnitt bietet -einen Überblick über die Fundamente, welche die Griechen und die Araber -geschaffen. Im Mittelpunkte dieser Darstellung steht selbstverständlich -*Aristoteles*, von dem in freimütiger Kritik gezeigt wird, daß seine -Schriften weder erschöpfend noch frei von Fehlern seien. Um die -bisherigen Leistungen würdigen zu können, fordert *Bacon* im dritten -Abschnitt das Studium der Urtexte an Stelle des bis dahin üblichen -Lesens lateinischer und arabischer Übersetzungen. Vor allem stellt -er diese Forderung in bezug auf die Bibel und die Schriften des -*Aristoteles* auf. Der vierte Abschnitt handelt von der Mathematik, -einschließlich der Astronomie und ihrer Anwendungen. *Bacon* erkannte -die Fehlerhaftigkeit des julianischen Kalenders und machte dem -Oberhaupt der Kirche Verbesserungsvorschläge. Der julianische Kalender, -so führt er aus, rechne das Jahr zu 365-1/4 Tagen. Es sei aber -erwiesen, daß es kürzer sei und in 130 Jahren ein Tag zuviel gerechnet -werde. - -Der nächste Abschnitt, der sich auf *Alhazen* stützt, handelt von der -Optik. Die Reflexionen durch parabolische Spiegel, sowie die Anatomie -und Physiologie des Auges sind so klar und treffend dargestellt, daß -diese Abschnitte besonders den fortgeschrittenen Standpunkt *Bacons* -erkennen lassen. Den eigentlichen Vorgang des Sehens verlegt er in das -Gehirn, mit der Begründung, daß sich nur so die Vereinigung der in den -beiden Augen entstehenden Sinneseindrücke zu einer einzigen Wahrnehmung -erklären lasse[803]. - -*Bacons* optische Kenntnisse gingen über diejenigen *Alhazens* hinaus. -So ist *Bacon* die sphärische Aberration bekannt, d. h. die Tatsache, -daß Strahlen, die parallel der Achse einfallen, sich nur dann in -einem Punkte schneiden, wenn sie den Spiegel in gleichem Abstände -vom optischen Mittelpunkte treffen. Auch mit der Brennkugel[804] -und den Konvexspiegeln befaßt er sich in Anlehnung an *Alhazen*. -Ferner untersucht *Bacon*, ob der Brennpunkt eines Hohlspiegels im -Kugelmittelpunkte oder im Halbierungspunkte des Radius liegt. Er -entscheidet sich für das letztere, also für die richtige Ansicht, -und bemerkt ganz zutreffend, eigentlich könne nicht von einem Punkte -der Strahlenvereinigung die Rede sein, sondern nur von einer kleinen -Stelle. Damit ist schon das Wesen der Katakaustik angedeutet[805]. - -Von der Fata morgana heißt es, sie werde von manchen für eine -teuflische Gaukelei gehalten, während sie aus natürlichen Ursachen zu -erklären sei. *Bacon* beschreibt ferner die Instrumente zur Bestimmung -des Durchmessers von Mond und Sonne. Die Größe der Erde stehe zur -Größe des Himmels und der übrigen Gestirne in gar keinem Verhältnis. -So sei die Sonne 170 mal so groß wie die Erde. Auch die Milchstraße -bestehe aus vielen, zusammengedrängten Sternen, deren Licht sich mit -dem der Sonne mische. Ebbe und Flut sollen dadurch zustande kommen, -daß die Mondstrahlen beim senkrechten Auffallen die Dünste aufsaugen, -auf deren Anwesenheit auch das Funkeln der Sterne zurückgeführt -wird. Die Erscheinung, daß eine Flutwelle auch auf der dem Monde -entgegengesetzten Seite der Erde entsteht, erklärt *Bacon* auf folgende -Weise. Er nimmt an, die Fixsternsphäre sei fest; daher werfe sie die -Strahlen des Mondes zurück. Diese reflektierten Strahlen treffen dann -die dem Monde entgegengesetzte Seite der Erde und rufen dort dieselbe -Erscheinung hervor, die sie beim direkten Einfallen erzeugen. Nach -dieser Vorstellung sind der Fixsternhimmel und somit die Welt räumlich -begrenzt. Hatte doch auch *Aristoteles* angenommen, daß die Fixsterne -ihr Licht von der Sonne erhalten. Der Gedanke von der Unendlichkeit des -Weltalls und der Vielzahl der Sonnen- und Weltsysteme konnte erst nach -der Begründung des Kopernikanischen Systems aufkommen. - -Der Regenbogen wird von *Bacon* in Anlehnung an *Aristoteles* und -*Avicenna* zu erklären gesucht. Daß der Regenbogen verschwindet, -sobald die Sonne sich 42° über den Horizont erhebt, ist *Bacon* -bekannt. Für das runde Sonnenbildchen, das entsteht, wenn die Sonne -durch unregelmäßige Öffnungen in dunkle Räume scheint, kann er keine -Erklärung finden. Das Licht erfordert nach seiner Meinung Zeit -und besteht nicht in einer Absonderung von Teilchen, da sonst die -leuchtenden Substanzen wie der Moschus sich verflüchtigen müßten. Zur -Erläuterung der Art, wie das Licht sich fortpflanzt, führt *Bacon* -folgenden, schon *Alhazen* bekannten Versuch an. Werden drei Lichter -vor die enge Öffnung eines Schirmes gestellt, so kreuzen sich die -Strahlen in dieser Öffnung. *Bacon* betrachtete dies als einen Beweis -dafür, daß sich die Spezies, d. h. dasjenige, worin er die Natur des -Lichtes erblickte, nicht vermischen. Wir würden dafür heute sagen, daß -die Lichtstrahlen, ohne sich gegenseitig zu stören, durch einen Punkt -hindurchgehen. - -Der sechste Abschnitt ist der Wissenschaft vom Experiment gewidmet. Er -beginnt mit den Worten: »Ohne eigene Erfahrung (Versuche) ist keine -tiefere Erkenntnis möglich«[806]. Das Experiment wird hier schon als -das wichtigste Mittel hingestellt, die Theorie zu stützen und sie zu -neuen Folgerungen zu führen. Den Schluß des Werkes (7. Teil) bilden -Betrachtungen über die Aufgabe der Wissenschaft, die Menschheit nicht -nur zur Erkenntnis, sondern auch zu höheren sittlichen Zielen zu -leiten. Von besonderem Interesse ist die Stellung, die *Bacon* der -Mathematik gegenüber einnimmt. Er nennt sie das Tor und den Schlüssel -der übrigen Wissenschaften. Die mathematischen Grundwahrheiten sind -seiner Meinung nach dem Menschen eingeboren. Nur durch die Mathematik -können wir zur vollen Wahrheit gelangen[807]. In den übrigen -Wissenschaften herrscht umso weniger Irrtum und Zweifel, je mehr wir -sie auf die Mathematik zu gründen verstehen[808]. - -*Bacons* Schriften sind von phantastischen Ausblicken in die Zukunft -erfüllt. So schreibt er: »Es können Wasserfahrzeuge gemacht werden, -welche rudern ohne Menschen, so daß sie, während ein einziger Mensch -sie regiert, mit einer größeren Schnelligkeit dahinfahren, als wenn sie -voll schiffbewegender Leute wären. Auch können Wagen gebaut werden, -die ohne Tiere mit einem unermeßlichen Ungestüm in Bewegung gesetzt -werden«[809]. Wie *Bacon* sich indessen die Ausführung dieser Gedanken -dachte, gibt er nicht an. Es würde daher verfehlt sein, wollte man -solchen Aussprüchen, wie es wohl geschehen ist, eine weitergehende -Bedeutung beimessen. - -Ferner finden sich Bemerkungen, auf Grund deren man *Bacon* die -Priorität hinsichtlich der Erfindung des Fernrohres zugeschrieben hat. -Da aber nicht erwiesen ist, daß Versuche oder auch nur eine klare -Einsicht in die Grundzüge der Konstruktion vorlagen, so sind solche -Ansprüche, die von englischer Seite herrühren, zurückzuweisen, ohne -daß hierdurch die Bedeutung des eigenartigen Mannes eine Schmälerung -erlitte. *Bacon* konnte in Wirklichkeit nicht einmal mit dem Gebrauch -der Brillen bekannt sein. Diese kamen wahrscheinlich erst um 1280 -auf[810]. Wohl die erste handschriftliche Erwähnung findet sich in -einem Briefe vom Jahre 1299. Jemand sagt dort, daß er ohne Brille, die -vor kurzem zum Besten alter Leute mit geschwächtem Sehvermögen erfunden -sei, weder lesen noch schreiben könne. - -Gleich allen seinen Zeitgenossen, war *Bacon* in dem Glauben an die -Möglichkeit der Metallveredelung befangen, wie er auch von dem Gedanken -durchdrungen war, daß die Gestirne einen Einfluß auf die Erde und das -Schicksal der Menschen ausüben. - -Die astrologischen Lehren, zu denen das 13. Jahrhundert im Anschluß -an das Altertum und an das frühe Mittelalter gelangt war, finden -sich daher bei *Bacon* in großer Ausführlichkeit entwickelt. Die -Astrologie hatte damals ihren Höhepunkt erreicht. Später büßte sie an -überzeugender Kraft ein, bis sie im 17. Jahrhundert aus der gelehrten -Bildung ganz verschwand. Man muß sich eigentlich wundern, daß sich bei -einem im übrigen so hervorragenden Geist wie *Bacon* keine Zweifel -regten. Da die astrologischen Lehren besonders geeignet sind, den Geist -des Mittelalters zu kennzeichnen, soll noch einiges daraus in der ihnen -von *Bacon* gegebenen Fassung Platz finden. - -Die Astrologen teilten den Himmel in zwölf »Häuser«. Jeder Planet -(Mond und Sonne eingerechnet) hat ein »Haus«, in dem er erschaffen -ist. Der Löwe ist das Haus der Sonne, der Krebs das des Mondes, die -Jungfrau dasjenige des Merkur usw. Jedem der fünf Planeten ist außerdem -noch eins der fünf übrigen Häuser zugeteilt. Jupiter und Venus sind -Glückssterne, Mars und Saturn Unglückssterne. - -Von großem Einfluß sind die Konjunktionen der Planeten, d. h. ihr -Zusammentreffen in einem und demselben Hause. Solche Konjunktionen -zeigen Thronwechsel, Hungersnot und ähnliche Ereignisse an. Sie wirken -auch auf den einzelnen Menschen. Zwar sollen sie nicht den Willen -bestimmen. Wohl aber sollen die Himmelskräfte den Körper und, bei dem -engen Zusammenhang von Leib und Seele, auch letztere beeinflussen. - -*Bacon* schloß sich auch den orientalischen Lehren an, nach welchen -bestimmte Planeten über gewissen Reichen dominieren, z. B. Saturn über -Indien, Jupiter über Babylon, Merkur über Ägypten, der Mond über Asien. -Vielleicht ist es auf astrologische Vorstellungen zurückzuführen, daß -der Halbmond das Abzeichen der Türkei geworden ist. - -Was den chemischen Inhalt der *Bacon*ischen Schriften[811] anbetrifft, -so verdient hervorgehoben zu werden, daß *Bacon* ein Gemenge erwähnt, -dessen Entzündung eine furchtbare Erschütterung hervorbringe. Als einen -Bestandteil dieses Gemenges nennt er Salpeter[812]. Offenbar haben wir -es hier mit dem Schießpulver zu tun, das um diese Zeit von Ostasien her -seinen Weg nach Europa gefunden hatte. Es wurde zuerst in Bergwerken -zum Sprengen gebraucht[813]. Seit dem 14. Jahrhundert führte das Pulver -eine Umwälzung in der Art der Kriegsführung herbei, die von großem -Einfluß auf die politische Gestaltung Europas wurde[814]. - -Gewissermaßen gehört *Bacon* auch zu den geistigen Urhebern der großen -Entdeckungsreisen. Er vertrat nämlich die Ansicht, Asien erstrecke -sich so weit nach Osten, daß seine östliche Küste durch eine kurze -Fahrt über den atlantischen Ozean erreicht werden könne. Diese Ansicht -*Bacons* nebst ihrer Begründung nahm *Pierre d'Ailly* in sein »Imago -mundi« betiteltes Werk[815] auf. Und es ist bekannt, daß *Columbus* -später insbesondere auch durch das Lesen dieses Werkes zu seiner Fahrt -nach Westen angeregt wurde[816]. - -Aus allem geht hervor, daß wir es in *Bacon* mit einem hochbedeutenden -Menschen zu tun haben, der in der Entwicklung der Wissenschaften eine -hervorragende Rolle gespielt und die Bewunderung, die man ihm gezollt, -verdient hat[817]. *Bacon* ist einer der wenigen, das Dunkel des -christlichen Mittelalters durchdringenden Sterne. Daß er sich nicht -völlig von den Vorurteilen seiner Zeit frei zu machen wußte, darf die -Anerkennung, die wir ihm spenden müssen, nicht beeinträchtigen. - - -Auswüchse des mitteltalterlichen Denkens. - -Auf dem Gebiete der Wissenschaften tritt die Eigenart des Mittelalters -besonders in den Bestrebungen der Astrologen und der Alchemisten -zutage. Astrologie und Alchemie sind Wörter, bei deren Klang man sich -sofort in jene Zeit, von der wir handeln, zurückversetzt fühlt. Nicht -nur die mit diesen Namen bezeichneten Pseudowissenschaften, sondern -mitunter auch Magie und Nekromantie waren damals Gegenstand von -Universitätsvorlesungen. - -Die größten alchemistischen Torheiten bezüglich der Wirkung der Materia -prima oder des Steins der Weisen gingen von *Raymundus Lullus* aus. -*Lullus*, der Doctor illuminatissimus, wurde um 1230 geboren. Seine -Schriften, oder vielmehr was an solchen unter seinem Namen ging, -fanden besonders im 14. Jahrhundert zahlreiche Leichtgläubige. Als -eine Ausgeburt der Phantasie des *Lullus* begegnet uns seine Lehre von -der Multiplikation. Der Stein der Weisen verwandelt danach zunächst -die 1000fache Menge Quecksilber in Materia prima. Und dies konnte -mehrfach wiederholt werden, bis nach einer gewissen Abschwächung der -verwandelnden Kraft die Materia prima die 1000fache Menge Quecksilber -in reines Gold verwandelte. In Anbetracht derartiger Übertreibungen des -alchemistischen Gedankens kann es nicht wundernehmen, wenn er sich zu -dem Ausspruch verstieg: »Mare tingerem, si Mercurius esset« (das Meer -würde ich in Gold verwandeln, wenn es aus Quecksilber bestände). - -Unter den Auswüchsen und Irrungen, die uns im Mittelalter begegnen, -sind neben der Alchemie, der Astrologie und der Magie der Hexenglauben -zu nennen. Auch von dieser so unheilvollen, in der Hand des kirchlichen -Fanatismus oft zur furchtbarsten Geißel[818] gewordenen Verirrung wurde -die Menschheit durch das Emporkommen einer naturwissenschaftlichen -Weltanschauung in Jahrhunderte dauerndem Kampf befreit. Zu den ersten, -die den Kampf gegen die Astrologie aufnahmen, zählt der in der zweiten -Hälfte des 15. Jahrhunderts lebende *Pico von Mirandola*. - -*Pico von Mirandola* gehörte den humanistischen Gelehrten an, die -im allgemeinen der Astrologie zugetan waren, da letztere ja dem -späteren Altertum entsprungen war. Gehörte doch selbst *Melanchthon* -zu ihren Anhängern, während *Luther* sich von den Sterndeutereien -abwandte und sie für grobe Lügen erklärte, denen gegenüber man bei -seinem einfachen Verstande bleiben müsse. Aus diesem heraus ist auch -*Pico von Mirandolas* Einspruch hervorgegangen. Will man sich von der -Trüglichkeit aller Wahrsagerei überzeugen, so frage man die Sterndeuter -und die Handlinienbeschauer zu gleicher Zeit und sehe, wie sie -einander widersprechen. Ihre Wetterprophezeiungen sind nicht minder -unzuverlässig. So und ähnlich lauten seine Gründe. Daß der Himmel die -allgemeine Ursache des irdischen Geschehens sei, erkennt *Pico* an. -Alles Besondere müsse aber aus den nächstliegenden Ursachen erklärt -werden. - -Über das Unheil, das die astrologische Lehre anrichtete, sagt *Pico*, -sie zerstöre die Philosophie, verfälsche die Heilkunde, untergrabe -die Religion, erzeuge den Aberglauben, begünstige die Abgötterei, -verunreinige die Sitten, verleumde den Himmel und mache den Menschen -zum unglücklichen Sklaven von Vorurteilen und Verführern. - -Schon ein Jahrhundert vor *Pico* hat einer der größten unter den -Humanisten, *Francesco Petrarca*, den Kampf gegen die Astrologie, die -Magie und andere Ausflüsse des Aberglaubens geführt. Sein Bemühen war -jedoch nicht minder erfolglos gewesen wie dasjenige seines Nachfolgers. -Beide Männer haben indessen das Verdienst, daß sie den späteren -Geschlechtern die Waffen in diesem Kampfe geschmiedet haben[819]. - -Mit ähnlichen überzeugenden Gründen, wie *Pico von Mirandola* die -Astrologie, bekämpfte der Arzt *Jacob Weyer* den Hexenglauben und -die damit im Zusammenhange stehenden Verfolgungen. Er wies z. B. -nach, daß das Alpdrücken eine Folge körperlicher Zustände sei und -nicht etwa durch einen Dämon veranlaßt werde. Er erkannte die Rolle, -welche die Phantasie, sowie die Neigung der Frauen zur Hysterie beim -Zustandekommen abergläubischer Vorstellungen spielt. Doch fand er nur -wenig Anhänger und zahlreiche Widersacher. Die angeblichen Hexen wurden -noch bis in das 18. Jahrhundert hinein von Geistlichen, Inquisitoren -und der fanatisierten Menge verfolgt und verbrannt. - -Das Heilmittel für all diese Gebrechen der Zeit konnten nur die -Naturwissenschaften sein. Sie waren zwar auf dem Marsche. Um die -Beseitigung von Aberglauben und Vorurteilen, sowie um Anerkennung als -Bildungsmittel für die breite Masse des Volkes mußten sie aber noch -lange, ja selbst bis auf den heutigen Tag ringen. - - -Die Naturwissenschaften im 14. Jahrhundert. - -Von den naturwissenschaftlichen Kenntnissen und Vorstellungen, die um -die Mitte des 14. Jahrhunderts herrschten, erhält man ein in mancher -Hinsicht zutreffendes Bild durch *Megenbergs* Buch der Natur. - -*Konrad von Megenberg* wurde um 1309 in der Maingegend geboren. Er -empfing seine Vorbildung in Deutschland und Paris, wo er den Doktorgrad -erwarb. Darauf lehrte er in Wien und schließlich wirkte er als -Kanonikus in Regensburg. Dort schrieb er sein Werk, das er um 1350 -bekannt gab[820]. Er starb in Jahre 1374. - -*Megenbergs* Hauptquelle ist eine von *Thomas von Cantimpré* um 1250 -verfaßte Schrift: Über die Natur der Dinge (De naturis rerum). Sie -bietet eine Übersicht über das damalige Wissen von den lebenden und -den leblosen Naturgegenständen. Und zwar ist *Cantimprés* Buch das -erste Werk dieser Art, welches das Mittelalter hervorbrachte[821]. -In zwanzig Büchern behandelt *Thomas* die Anatomie des Menschen, die -Tiere, die Pflanzen, die Metalle und Edelsteine, die vier Elemente -und das Himmelsgewölbe mit den sieben Planeten. Das Werk ist indessen -nicht auf eigene Anschauung gegründet, sondern aus den verschiedensten -Schriftstellern geschöpft. Am meisten benutzt sind *Aristoteles*, -*Galen* und *Plinius*. Aber auch *Theophrast*, *Isidor von Sevilla* -und die Kirchenväter werden herangezogen. - -*Megenbergs* Buch der Natur lehnt sich so eng an die besprochene -Schrift des *Thomas* an, daß es als eine gekürzte und dem Fortschritt -des seitdem verflossenen Jahrhunderts Rechnung tragende deutsche -Bearbeitung bezeichnet werden kann[822]. Doch hat *Megenberg*, wie -er ausdrücklich bemerkt, wenn ihn das Buch des *Thomas* im Stiche -ließ, auch andere Bücher benutzt. Dabei ist er durchaus kein bloßer -Kompilator. Er weist sogar manches, was *Thomas* unbeanstandet -aufnimmt, als unglaubwürdig zurück. Daß er trotzdem an Wunder, -Zauberei und Beschwörungen glaubt, muß man auf Rechnung des Geistes -seiner Zeit setzen. So ist das Buch *Megenbergs* eins der geeignetsten -Zeugnisse für das vor dem Wiederaufleben der Wissenschaften selbst -bei aufgeklärten Männern anzutreffende Fühlen und Denken. Einige -Mitteilungen aus dem Inhalt des Buches mögen dies des Näheren dartun. - -Der erste Abschnitt betrifft den Menschen. Es sind die Lehren des -*Aristoteles* und des *Galen*, die uns hier in derjenigen Gestalt -begegnen, die sie durch spätere Schriftsteller erfahren haben[823]. -Das Gehirn soll von Natur kalt, das Herz dagegen warm sein. Das -Gehirn liege oberhalb des Herzens, damit seine Kälte durch die Wärme -des Herzens gemildert werden könne. Die Natur lasse zuerst das Herz -entstehen und danach das Gehirn. Vom Auge heißt es, es sei von dünnen -Häuten umgeben. Diese umschlössen die kristallinische Feuchtigkeit, -auf welcher die Sehkraft beruhe. Der Sehnerv wird als eine hohle -Ader bezeichnet, deren Aufgabe es sei, den Augen die eigentliche -geistige Sinnestätigkeit zuzuführen. Man sieht, es sind verworrene -Vorstellungen, aus denen nicht ersichtlich ist, wie sich *Megenberg* -den Vorgang des Sehens eigentlich denkt. Über das Herz und die Lungen -äußert er sich mit folgenden Worten: Das Herz ist das erste Lebendige -und das letzte Organ, das stirbt. Es besitzt zwei Kammern, eine rechte -und eine linke. Sie bergen das Blut und die besonderen Geister, -welche das Leben bedingen. Die Geister und das Blut strömen durch -die Adern vom Herzen zu den übrigen Organen hin. Das Herz ist der -Lunge angelagert, weil die weiche Lunge durch ihre Tätigkeit, Luft -aufzunehmen, das Herz kühl halten kann, so daß es nicht in seiner -eigenen Hitze erstickt. Eine genauere Unterscheidung zwischen Adern, -Nerven und Sehnen findet auch bei *Megenberg* noch nicht statt. - -Der zweite Abschnitt handelt »von den Himmeln und den sieben -Planeten«. Außerhalb des Firmaments, an dem die Fixsterne befestigt -sind, unterscheidet *Megenberg* noch zwei Sphären, den Wälzer und -den Feuerhimmel. Nach innen folgen die sieben Planetenhimmel, von -denen jeder nur einen Stern trägt. Alles bewegt sich in verschiedenen -Zeiträumen um den Mittelpunkt der Welt, die Erde. Jeder Planet hat -seine besonderen Eigenschaften und Wirkungen. So ist Jupiter warm und -trocken. Deshalb macht er das Erdreich fruchtbar und bringt ein gutes -Jahr, wenn er in seiner vollen Kraft und günstigsten Stellung scheint. -Mars ist heiß und trocken; daher erhitzt er der Menschen Herz und macht -sie zornig. Der Sonne werden fünfzehn Eigenschaften zugeschrieben, die -dann in allegorischer Weise auf die heilige Jungfrau bezogen werden. - -Hinsichtlich der Kometen begegnen wir einer Auffassung, die von -*Aristoteles* bis zu *Tychos* und *Keplers* Zeiten die herrschende -blieb. Ein Komet ist danach kein eigentlicher Stern, sondern ein -»Feuer, das im obersten Luftreich brennt«. Genährt wird dieses -Feuer durch fettigen, der Erde entstammenden Dunst. Die Dauer des -Kometen hängt davon ab, wie lange dieser Dunst in hinreichender -Menge nachströmt. Betrachtete man die Kometen als atmosphärische -Erscheinungen, so war die Annahme, daß sie auf die Erde eine tiefere -Wirkung als die Gestirne ausüben, ganz folgerichtig. Der Komet muß für -das Land, dem er den Schweif zukehrt »ein Hungerjahr bringen, weil dem -Boden dort die Feuchtigkeit entzogen wird«. Die Milchstraße endlich -wird ganz zutreffend auf »zahlreiche, nahe beieinander befindliche -Sterne zurückgeführt, deren Schein vereint leuchtet«. - -*Megenberg* bespricht dann die atmosphärischen Vorgänge. Der Wind wird -nicht etwa als eine Bewegung der Luft in ihrer ganzen Masse aufgefaßt, -sondern als ein »angesammelter irdischer Dunst« betrachtet, der sich -durch die Luft bewegt. Aus dem irdischen fetten Dunst, der gegen die -Wolken stößt, sucht *Megenberg* auch Blitz und Donner zu erklären. -Die Kraft des Anpralls bewirke die Entzündung, d. h. den Blitz. Der -Regenbogen endlich wird als eine Spiegelung des Sonnenlichtes in den -Wolken aufgefaßt. Durch die Annahme von Dünsten im Innern der Erde -wird, unter Zurückweisung alter Fabeleien, auch das Erdbeben erklärt. -Auf die in den Höhlen der Gebirge befindlichen Dünste sollen die -Gestirne, besonders Mars und Jupiter in der Art wirken, daß sie ihren -Andrang gegen die Wände der einschließenden Hohlräume vermehren. -Dadurch komme eine Erschütterung der Erde zustande. *Megenberg* -berichtet dann über ein starkes Erdbeben, das 1348 in den Alpen und in -Süddeutschland verspürt wurde. In demselben Jahre wurde Europa durch -den schwarzen Tod heimgesucht, das »größte Sterben, das je nach oder -vielleicht auch vor Christi Geburt dagewesen«. Allein in Wien seien -an dieser Seuche 40000 Menschen in wenigen Monaten zugrunde gegangen. -*Megenberg* ist nun geneigt, zwischen dem Erdbeben und jener Krankheit -einen ursächlichen Zusammenhang anzunehmen. Bei dem Erdbeben entweiche -nämlich giftiger Dunst aus dem Innern der Erde. Das Weltbild, das sich -das Mittelalter nach dem Vorgange der Alten geschaffen und wie es uns -in *Megenbergs* Schrift entgegentritt, wird durch eine Schilderung -der Tiere, der Pflanzen und der wichtigsten anorganischen Naturkörper -vervollständigt. Auf die Beschreibung des Tieres im allgemeinen, die -ganz im Geiste und oft in wörtlicher Übereinstimmung mit *Aristoteles* -gehalten ist, folgen Mitteilungen über das Aussehen und die Lebensweise -der einzelnen Geschöpfe. Von einer systematischen Einteilung nach -irgend welchen wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist dabei noch -keine Rede. Die Anordnung ist vielmehr die alphabetische. Auch wird -über manches Tierwunder berichtet, das sich später als eine Ausgeburt -der Phantasie älterer Schriftsteller erwiesen hat. So wird auch die -alte Geschichte des Physiologus von dem Walfisch, dessen Rücken für -eine Insel gehalten wird, wieder aufgefrischt. Manche Bemerkung über -einheimische Tiere beruht auf eigener Beobachtung oder wenigstens auf -der Beobachtung Mitlebender. Doch fehlen auch nicht Angaben alter -Schriftsteller, die ohne Nachprüfung aufgenommen werden, so heißt es -beim Pferde, *Aristoteles* sage, aus dem Haare dieses Tieres entstehe -im Wasser ein Wurm. Nicht selten wird aber derartigen Mitteilungen ein -treuherziges: »Das glaube ich nicht« hinzugefügt, so der Erzählung des -*Plinius*, daß der Luchs durch eine Wand zu sehen vermöge. - -Die nächsten Abschnitte handeln -- gleichfalls in alphabetischer Folge --- von den Bäumen und von den Kräutern. Die Beschreibungen beschränken -sich auf den äußeren Habitus der ganzen Pflanze und das Aussehen der -Früchte. Im Mittelpunkt der Darstellung stehen die physiologischen -Wirkungen, die von den Pflanzen ausgehen. Zur Erklärung dieser -wunderbaren Wirkungen genügt nach *Megenberg* jedoch nicht die Mischung -der in den Kräutern enthaltenen Elemente, sondern er nimmt daneben den -Einfluß der Gestirne an. Oft komme auch der Einfluß der heiligen Worte -in Betracht, mit denen man Gott anrufe, und durch die man die Kräuter -beschwöre und segne, wie man ja auch das Weihwasser einsegne. - -Durch den göttlichen Willen haben auch die Steine wunderbare -Eigenschaften und Kräfte, vor allem besitzen sie einen segenbringenden -Einfluß. Manche Mineralien sind giftwidrig, ja sie zeigen sogar durch -Ausschwitzungen an, ob sich Gift in der Nähe befindet. Der Karneol -besänftigt den Zorn und stillt Blutungen. Offenbar wurde ihm seit -jeher diese Eigenschaft seiner roten Farbe wegen zugeschrieben. Auch -bei den übrigen Mineralien werden die Eigenschaften ganz obenhin -erwähnt, dagegen um so ausführlicher wird ihre Verwendung zu Amuletten -gewürdigt, ohne daß *Megenberg* Zweifel an der Richtigkeit der an -die Mineralien sich knüpfenden, damals herrschenden, abergläubischen -Vorstellungen kamen. - -Wir haben das Buch der Natur etwas eingehender gewürdigt, weil eine -derartige Probe lehrreicher ist als lange Betrachtungen über den Geist -des Mittelalters. Erst wenn wir uns den geistigen Besitz und das Fühlen -und Denken jener Zeit an einem Schriftsteller wie *Megenberg* oder -*Thomas von Cantimpré* vergegenwärtigt haben, können wir den Umschwung -ermessen, der mit dem Wiederaufleben der Wissenschaften eintrat und -der neueren mit *Koppernikus*, *Galilei* und *Kepler* anhebenden -Naturforschung den Weg bereiten half. - - - - -10. Das Wiederaufleben der Wissenschaften. - - -Bis zur Beendigung der Kreuzzüge hatte Westeuropa unter einer -überwiegend kirchlichen Führung gestanden. Probleme religiöser und -scholastisch-philosophischer Art nahmen während dieser Zeit das Denken -vorzugsweise in Anspruch. Das nunmehr eintretende Sinken der Hierarchie -hatte zur Folge, daß man sich auch anderen Gegenständen zuwandte. - -Es sind vor allem zwei mächtige neue Bewegungen von nie versiegender -Wirkung, welche die europäische Menschheit gegen den Ausgang des -Mittelalters ergreifen, die Wiederbelebung des klassischen Altertums -und die durch die Entdeckungsreisen erfolgende Ausdehnung des -geographischen Gesichtskreises über die gesamte Erde. - -Vorbereitet wurde der große geistige Umschwung, dessen Vorboten bis -in das 13. Jahrhundert zurückreichen, durch einen wirtschaftlichen -Vorgang, nämlich durch das Emporblühen des Städtewesens. Vor allem -sind hier Pisa, Florenz, Venedig und Genua zu nennen. Diese waren -durch den Handel zu Wohlstand und Macht und schließlich sogar zu einer -meerbeherrschenden Stellung gelangt. Die Berührung mit sämtlichen -Völkern des Mittelmeeres, das Emporblühen der Kunst und der Gewerbe, -kurz die Erweiterung des gesamten Gesichtskreises brachten es mit sich, -daß an diesen Stätten die Nacht des Mittelalters zuerst der Morgenröte -eines neuen, besseren Tages wich. - -Die ältere Geschichtsschreibung liebte es, die Renaissance als -ein fast blitzartiges Aufleuchten hinzustellen, wodurch das tiefe -Dunkel des Mittelalters verscheucht und von Italien aus das übrige -Europa allmählich erhellt worden sei. Es war dies die besonders -durch *Burkhardt*[824] vertretene Anschauung. *Burkhardt* stand -noch allzusehr unter dem Einflüsse *Vasaris*, des frühesten -Geschichtsschreibers der Renaissance. *Vasari*[825], der um die Mitte -des 16. Jahrhunderts schrieb, stand offenbar den von ihm geschilderten -Begebenheiten zeitlich noch zu nahe, um ein zutreffendes, allgemeines -Urteil fällen zu können. Auch war er bestrebt, die von ihm behandelte -Epoche der vorangehenden Zeit gegenüber in hellem Glanze hervortreten -zu lassen[826]. - -Die neuesten Forschungen über die Entwicklung des geistigen Lebens -und der Kunst lassen immer deutlicher erkennen, daß sich zwischen -Mittelalter und Renaissance keine scharfe Grenze ziehen läßt. Vielmehr -reicht die Bewegung, die wir mit dem Worte Renaissance kennzeichnen, -in ihren Anfängen bis in das 13. Jahrhundert zurück. Auch war sie -keineswegs auf den Boden Italiens beschränkt. Erlebte sie auch dort -ihre höchste Blüte, so begegnet uns die Wiedergeburt der Künste und -der Wissenschaften doch auch in Frankreich, in Deutschland und den -Niederlanden. Und zwar lassen sich auch in diesen Ländern das Streben -nach selbständiger Auffassung und eine dadurch bedingte Abkehr von der -bisherigen Denkweise, gewissermaßen eine allmähliche Umwertung der -Werte, bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Dennoch darf man, -im Gegensatz zur älteren historischen Schule (*Burkhardt*, *Voigt*, -*Libri*) nicht so weit gehen, die Renaissance »als das Resultat und -die feinste Blüte des Mittelalters« zu bezeichnen[827]. Ist doch die -Renaissance, die wenn auch lange vorbereitete, allmähliche Überwindung -derjenigen Momente, welche das christliche Mittelalter kennzeichnen. -Als diese im geistigen Leben des Mittelalters überwiegenden -Momente werden stets gelten müssen: erstens die Unterordnung der -wissenschaftlichen und künstlerischen Betätigung unter den Einfluß der -Kirche, ferner die Herrschaft der Autorität des geschriebenen Wortes -und drittens die Abkehr von realistischer und die Versenkung in die -spiritualistische Denkweise. - -Die Wiederbelebung der römischen und der griechischen Literatur -erfolgte seit dem 14. Jahrhundert in immer größerem Umfange und führte -zu einer wachsenden Vertiefung in den Geist der Antike. Es entstand -die Richtung, die man als den Humanismus bezeichnet. Brachte sie den -Naturwissenschaften auch keinen unmittelbaren Gewinn, so bewirkte -sie doch, daß mit den erwähnten mittelalterlichen Elementen, welche -das Denken bisher gefangen hielten, gebrochen und für die Behandlung -und die Darstellung wissenschaftlicher Gegenstände Vorbilder gewonnen -wurden. Es wurde, wie ein hervorragender Geschichtsschreiber der -Periode des Humanismus sagt[828], »die vergessene Tiefe der Vorzeit -heraufbeschworen und diese in ihren edelsten Schöpfungen noch einmal -durchlebt«. Das Land, wo der Humanismus seine erste Blüte erlebte, war -Italien. Dort waren nämlich die Scholastik, die romantische Poesie und -die gotische Baukunst nie zur vollständigen Herrschaft gelangt und -immer noch eine Erinnerung an das Altertum übrig geblieben, die endlich -im 15. Jahrhundert alle Geister ergriff und der Literatur ein neues -Leben einhauchte[829]. - -Auf dem Boden Italiens hatte die Berührung der antiken Welt mit -dem germanischen Elemente vorzugsweise stattgefunden. War Italien -dabei auch von vielen Völkern zertreten worden, so hatten sich doch -manche Reste und Vermächtnisse der alten Kultur in die neue Zeit -hinübergerettet. Die führenden Männer, denen wir die Wiederbelebung -dieser Keime verdanken, waren vor allem *Petrarka* und *Boccaccio*. -In den Beginn der großen literarischen Epoche, welche diese Männer -verkörpern, gehört der bewundertste Dichter der italienischen Nation, -*Dante*. Geboren wurde *Dante* 1265 in Florenz; er starb im Jahre -1321. *Dante* hat zwar von den besten römischen Dichtern, wie *Horaz*, -*Ovid* und *Vergil*, manche Anregung empfangen, doch gehört er noch -nicht zu den Erneuerern der alten Literatur. Seine Bildung beruht -vielmehr noch vorzugsweise auf dem Trivium und dem Quadrivium der -mittelalterlichen Philosophen. Der Geist, der aus *Dante* spricht, ist -aus der Vereinigung der Scholastik mit der provenzalischen Romantik -hervorgegangen. Und diesen Geist verrät auch sein geniales Meisterwerk, -die göttliche Komödie. Sie ist nicht nur als ein hervorragendes Werk -der Dichtkunst, sondern auch als eine Fundgrube für den Stand der -Kenntnisse zu Beginn des 14. Jahrhunderts zu schätzen[830]. Es war -nicht viel mehr als eine dunkle Ahnung, mit der *Dante* das Wesen der -Antike erfaßte, in ihre Tiefen ist er noch nicht eingedrungen. Das -geschah erst durch *Francesco Petrarka*[831]. - -*Petrarkas* Vater besaß einige Schriften *Ciceros*. Sie und die -Dichtungen *Vergils*, die das Mittelalter nie vergessen hatte, kamen -dem jungen *Petrarka* in die Hände und wurden von ihm weniger des -Inhalts als des Wohllauts der Sprache und des beredten Ausdrucks wegen -mit Begeisterung gelesen. Da man nur einen kleinen Teil der Schriften -*Ciceros* besaß -- die Briefe z. B. waren in Vergessenheit geraten ---, so begann *Petrarka*, als er heranwuchs, nach den verschollenen -Werken des von ihm so hoch verehrten Schriftstellers zu suchen. Sein -Umherstöbern in alten Klosterbibliotheken wurde mit Erfolg belohnt. -Er selbst begab sich ans Abschreiben und wußte zahlreiche Männer in -den Dienst seiner Bestrebungen zu stellen. Nach Spanien, Frankreich, -Deutschland und Britannien, ja selbst nach Griechenland sandte er die -Aufforderung, nach bestimmten, verschollenen Schriften zu forschen. -Oft fügte er seinen Bitten und Mahnungen auch Geldbeträge bei. Die -Schriften der Alten wurden aber nicht nur gesammelt und vervielfältigt, -man betrachtete sie auch als Muster für den Ausdruck und bemühte sich, -den eigenen Ausdruck danach zu vervollkommnen. - -*Petrarka* wandte sein Interesse nicht nur den Literaturwerken, sondern -auch allen übrigen antiken Überresten, wie Bauwerken, Münzen usw. zu, -an denen der Boden Italiens so reich ist. Auch auf die griechische -Kultur lenkten *Petrarka* und seine Nachfolger die Aufmerksamkeit des -Abendlandes. Zwar fehlte es im 14. Jahrhundert zunächst noch sehr an -der Kenntnis der griechischen Sprache. Hierin trat aber eine Änderung -nach dem Fall Konstantinopels ein, da viele griechische Flüchtlinge -infolge dieses Ereignisses sich nach Italien wandten. Der treueste -und eifrigste Jünger *Petrarkas* war *Giovanni Boccaccio*. Der Eifer -von den alten Schätzen zu sammeln, was noch zu retten war, wurde fast -durch die Besorgnis übertroffen, daß es schon zu spät sein möchte. Daß -diese Besorgnis sehr gerechtfertigt war, beweist *Boccaccios* Bericht -über seinen Besuch der Bibliothek zu Monte Cassino. Er fand sie in -einem vernachlässigten Raume und weder durch Schlösser noch durch Türen -abgesperrt. Als er die Codices öffnete, bemerkte er Verstümmelungen -aller Art. Weinend vor Unwillen verließ er den Raum. Seine Frage, warum -man die herrlichen Schätze so schmählich behandle, wurde von den -Mönchen dahin beantwortet, daß man das herausgeschnittene Pergament -zu Psaltern und Breven verwende, die an Frauen und Kinder verkauft -würden[832]. Und das geschah in Monte Cassino, einer Pflanzstätte der -Gelehrsamkeit. - - -Die Wissenschaften im Zeitalter des Humanismus. - -Auf die Zeit des Beginns des Humanismus folgte seine Ausbreitung. -Sie geschah besonders durch Wanderlehrer und durch die Gründung von -Gelehrtenrepubliken nach platonischem Muster. Es ist als eine große -Tat der ersten Humanisten zu betrachten, daß sie die Fürsten, vor -allem die Mediceer, ja den gesamten Adel des Landes, aber nicht minder -das wohlhabende Bürgertum der italienischen Stadtrepubliken für ihre -Bemühungen zu begeistern wußten. Dies war um so schwieriger, als ja zu -jener Zeit die beweglichen Lettern noch nicht der Wissenschaft Flügel -verliehen hatten, sondern die gehobenen literarischen Schätze noch -durch Abschreiben vervielfältigt werden mußten. Per Humanismus fand -auch an den Universitäten und bei den kirchlichen Machthabern eine -Heimstätte. Vor allem war es Papst *Nikolaus* V., der nach mediceischem -Vorbilde große Mittel für literarische Bestrebungen hergab. Auf seine -Anregung hin wandte man sich besonders der griechischen Literatur -zu. An Stelle der alten scholastischen Bearbeitungen traten jetzt -im Abendlande die wirklichen aristotelischen und platonischen -Schriften. Papst *Nikolaus*, dem es in erster Linie auf das Sammeln -der Bücher ankam, der Begründer der großen, dem Ansehen des Papsttums -entsprechenden vatikanischen Bibliothek, zog viele griechische Gelehrte -nach Rom und ließ nach dem Fall Konstantinopels durch reisende Händler -zahlreiche Bücher in Griechenland und in Kleinasien aufkaufen. Seitdem -die humanistischen Bestrebungen durch *Nikolaus V.* ihren Mittelpunkt -in Rom gefunden hatten, dehnte sich ihr Einfluß auch nördlich von -den Alpen aus. Mit den Gelehrten waren zahlreiche griechische Texte, -darunter z. B. die Werke des *Archimedes*, von Konstantinopel nach -Italien gelangt. Der Humanismus erlebte jetzt nicht nur hier die Zeit -seiner höchsten Blüte, sondern auch im übrigen Europa, vor allem in -Deutschland, wo er durch den Kardinal *Nicolaus von Cusa* besonders -Eingang fand, sowie in England. - -Hatte Papst *Nikolaus V.* die humanistischen Studien mehr aus -Liebhaberei und in der Absicht gefördert, Rom zum Mittelpunkt auch für -die geistigen Bestrebungen zu machen, so bestieg bald nach ihm in *Pius -II.*[833] ein wirklicher Humanist den päpstlichen Stuhl. Er wandte sich -der Geographie und der Geschichte zu, suchte beide Wissenschaften in -Beziehung zu setzen und schuf eine Kosmographie, die auch *Columbus* -angeregt hat[834]. - -*Pius II.* verdient um so mehr Anerkennung, als die übrigen -Humanisten dem wissenschaftlichen Vermächtnis des Altertums zunächst -wenig Interesse und Verständnis entgegenbrachten. Mathematik, -Naturwissenschaften und Medizin, kurz, strengere Wissenschaften fanden -nur geringe Beachtung. Der Humanismus war herrschende Mode geworden -und diese verlangte schöngeistige Leistungen. Das größte Gewicht -wurde bei allem literarischen Schaffen auf die Form gelegt, und durch -dieses Bestreben erlangte, wiederum unter der Führung *Petrarkas* und -*Boccaccios*, die heimatliche Sprache eine solche Vollendung, daß -*Galilei* und seine Schüler es vorzogen, in der Sprache ihres Landes -zu schreiben, während in Deutschland und den übrigen Ländern unter den -Gelehrten kaum jemand daran dachte, sich einer anderen Sprache als der -lateinischen zu bedienen. - -Trotz aller Bestrebungen der Päpste, Rom zum Mittelpunkt der -humanistischen Bestrebungen zu machen, gebührt Florenz der Ruhm, -nicht nur die Wiege, sondern in der Folge auch der bedeutendste Hort -des Humanismus gewesen zu sein. Die Geschicke von Florenz hingen -während des gesamten 15. Jahrhunderts auf das Engste mit der über -ungemessene Reichtümer verfügenden, gleichzeitig aber für Kunst und -Wissenschaft begeisterten Familie der Mediceer zusammen. In *Cosmo* und -in seinem Enkel *Lorenzo*, dem »Prächtigen«, fanden die Künstler und -die Gelehrten Gönner, die ihren Bestrebungen nicht nur eine jederzeit -offene Hand, sondern auch ein volles Verständnis entgegenbrachten. -*Cosmo* selbst war der Stifter einer Akademie, in der sich die -geistig und künstlerisch hervorragenden Männer aneinanderschlossen. -Dem Beispiele der Päpste und der Mediceer folgte, wie nicht anders -zu erwarten, alles, was Anspruch auf Reichtum und vornehme Herkunft -machte. Auch die Frauen nahmen einen hervorragenden Anteil an dieser -Bewegung, die ihre Kehrseite leider in den politischen und sittlichen -Zuständen des damaligen Italiens fand. Die Freude, welche jene Bewegung -in ihrer Lebensfülle hervorruft, wandelt sich in Anbetracht mancher -Ergebnisse der neueren Geschichtsforschung mitunter in das Gefühl -des Schauderns, während die älteren Schilderer jenes Zeitalters jene -Kehrseite zu wenig beachteten und in dem Gemälde, das sie uns von der -Renaissance entwarfen, nur die lichten Seiten hervortreten ließen[835]. - -Es war für die weitere Entwicklung des geistigen Lebens von der größten -Bedeutung, daß mit dem Einsetzen der humanistischen Strömung die -Erfindung des Buchdrucks und die Errichtung der ersten Universitäten -auf deutschem Boden zusammenfielen. Das Universitätswesen war -im 13. Jahrhundert in Spanien, Italien, Frankreich und England -herangeblüht. In Deutschland fehlte es zwar nicht an Privat-, Pfarr- -und Stadtschulen, eine weitergehende wissenschaftliche Bildung und -akademische Würden konnten aber nur im Auslande erlangt werden. Eine -Änderung trat erst ein, als *Karl IV.*, gestützt auf Erfahrungen, -die er selbst in Paris gemacht hatte, die erste deutsche Universität -in Prag (1348) begründete. Noch in demselben Jahrhundert wurden die -Universitäten zu Wien (1365) und Heidelberg (1386) ins Leben gerufen. -Auch die norddeutschen Städte wollten nicht zurückstehen. Unter ihnen -sind vor allem Köln und Erfurt zu nennen, weil sie gleichfalls noch im -14. Jahrhundert in ihren Mauern Hochschulen gründeten. - -Die wissenschaftliche Bedeutung dieser Institute war, mit heutigem -Maßstabe gemessen, allerdings noch gering. Ihre wichtigste Aufgabe -erblickten sie in der Vorbildung der Geistlichkeit. Im Zusammenhange -damit war im Universitätswesen der geistliche Einfluß der überwiegende. -Die freie Forschung sollte sich an diesen Stätten erst allmählich und -mit Überwindung des hartnäckigsten Widerstandes entwickeln. Im 15. -Jahrhundert und weit darüber hinaus übte Hand in Hand mit der Kirche -die scholastische Philosophie eine fast unbestrittene, jedes freiere -Geistesleben einengende Herrschaft aus. Der Universitätsunterricht -regte nicht zum Forschen an, sondern er vermittelte wesentlich durch -Diktate und Disputierübungen Wortglauben und Autoritätsdünkel. - -Durch das Eindringen des Humanismus in Deutschland wurden die deutschen -Universitäten wesentlich gehoben. Sie übernahmen die Pflege jener -neuen Richtung, wodurch ein freierer Zug in die bisherigen Stätten -scholastischen Gezänkes, theologischer Disputierwut und Unduldsamkeit -kam. Am erfreulichsten trat dieser günstige Einfluß in der Um- und -Fortbildung des Unterrichts in die Erscheinung. Man schuf bessere -Lehrbücher, ersetzte das Diktieren und Auswendiglernen durch fleißige -Lektüre der durch bessere Textkritik geläuterten, alten Schriften und -kehrte mit offenerem Blick zu den Erscheinungen zurück, die Natur- -und Menschenleben darboten. Auch das Emporblühen einer volkstümlichen -Kunst wirkte in dem Deutschland des 15. Jahrhunderts befreiend und -fördernd[836]. Erlebte doch Deutschland damals in *Albrecht Dürer* -eine Verbindung von Kunst und Wissenschaft, wie wir sie in Italien an -*Lionardo da Vinci* bewundern. - -Die hervorragendsten unter den Humanisten Mitteleuropas waren -*Agricola*, *Erasmus von Rotterdam*, dem wir die erste griechische -Ausgabe des Neuen Testaments verdanken, *Reuchlin*, der die hebräischen -Studien ins Leben rief, und *Melanchthon*. Letzterer entfaltete -eine ähnliche Tätigkeit wie *Rhabanus Maurus* und hat deshalb in -der Geschichte des Bildungswesens gleichfalls den Ehrentitel eines -Praeceptor Germaniae erhalten. Er setzte sich vor allem das Ziel, -in der Philosophie eine Reformation durch das Zurückgehen auf die -echten Schriften des *Aristoteles* zu bewirken, wie sie Luther in der -Theologie dadurch herbeizuführen suchte, daß er einzig und allein -das reine Evangelium als die wahre Quelle des religiösen Glaubens -hinstellte[837]. - -In Deutschland wurde *Wittenberg* zum Mittelpunkt des Humanismus. Von -hier ging auch, durch letzteren gefördert, diejenige freiere Gestaltung -des religiösen Lebens aus, die für das mittlere und nördliche Europa -einen Aufschwung von nie gesehenem Umfang einleiten sollte. Hatte -doch bis dahin die hierarchische Gewalt nicht nur die Normen für -den Glauben, sondern alle weltlichen Einrichtungen und Anschauungen -beherrscht. Daß diese Gewalt ins Wanken geriet, mußte nicht nur -in den Zuständen jener Zeit, sondern auch im Reiche der Gedanken -eine unermeßliche Veränderung hervorbringen[838]. Zu diesen beiden -Elementen, der Renaissance, die erst wieder »das Auge für den Menschen -und für die Dinge öffnete«[839] und als das Grundelement bezeichnet -werden muß, und zu der Reformation trat die Naturwissenschaft hinzu, -um im Verein mit ihnen die Weltanschauung und die Welt von Grund aus -umzugestalten. An die Stelle der Lehre wurde die Forschung und an die -Stelle des Himmels die veredelte Weltlichkeit gesetzt. Die Verheißung -lautete nicht mehr »Unsterblichkeit«, sondern »ewiger Ruhm«[840]. - -Der Angriff des Humanismus gegen die Scholastik ging besonders von -*Erasmus von Rotterdam* aus. Er machte den Kampf gegen die Scholastiker -der Klöster und der Universitäten zu seiner Lebensaufgabe. Sein »Lob -der Narrheit« ist voll Spott und Bitterkeit gegen die Fesseln, welche -die Philosophie und die Theologie jener Zeit beengten und jede freie -Regung erstickten[841]. Das Büchlein, das in zahllosen Auflagen -erschien und in viele Sprachen übersetzt wurde, hat besonders dazu -beigetragen, dem 16. Jahrhundert eine antiklerikale Richtung zu -geben[842]. Mit dem populären Angriff verband *Erasmus* den gelehrten. -Wie die Humanisten Italiens forderte er, man solle die Wissenschaften -aus den Schriften des Altertums erlernen, so die Naturgeschichte aus -*Plinius*, die Erdbeschreibung aus *Platon*, die Gottesgelehrtheit -nicht aus den Kirchenvätern, sondern aus dem neuen Testamente, -usw. Es war also noch kein Kampf gegen den Autoritätsglauben, der -mit den Humanisten anhob, sondern zunächst nur ein Zurückgehen auf -ursprüngliche, reinere Quellen. Indes schon diese Wandlung, obgleich so -maßvoll in ihren Zielen, ging nicht ohne den heftigsten Widerstand von -seiten der kirchlichen Scholastiker vor sich. - -Mit welcher Erbitterung gekämpft wurde, zeigt uns der Lebensgang eines -*Hutten*. Daß es den Führern an Siegeszuversicht und an Begeisterung -für die große Sache nicht fehlte, bekundet uns derselbe *Hutten* durch -sein Wort: »O Jahrhundert, die Studien blühen, die Geister erwachen; es -ist eine Lust zu leben«[843]. Dieses Erwachen der Geister machte sich -zunächst weniger durch Neuschöpfungen geltend, als dadurch, daß man -den Unterricht naturgemäßer gestaltete und auf wertvolleren Grundlagen -errichtete, sowie vor allem dadurch, daß das ausschließlich kirchliche -Denken, die »hierarchische Weltansicht«, wenn auch nicht gebrochen, so -doch eingeschränkt und daneben wenigstens die Duldung anders gearteter -Ansichten erkämpft wurde. - -Fast unvermittelt schloß sich an das Zeitalter des Humanismus für die -Naturwissenschaften die Periode an, die auch den alten Schriftstellern -keine unbedingte Autorität zuerkannte, mit dem Glauben brach und -an seine Stelle die freie, unabhängige Forschung setzte. Diese -Periode wird in Deutschland vor allem durch *Koppernikus* und durch -*Paracelsus*, sowie durch die Begründung der neueren Naturbeschreibung -(*Brunfels*, *Bock*, *Gesner* und *Agricola*) eröffnet. Mit dem Wirken -dieser Männer werden wir uns in den nächsten Abschnitten eingehend zu -befassen haben. - -Die Wiederbelebung der Wissensschätze des Altertums kam auf -naturwissenschaftlichem Gebiete vor allem der Astronomie zu gute, für -welche selbst die Kirche immer ein, wenn auch zunächst nur praktisches, -Interesse bewiesen hatte. Kleriker wie Laien waren nämlich ängstlich -darauf bedacht, eine Verschiebung der Fasttage auf profane Tage, -wie sie jede Unvollkommenheit des Kalenders mit sich bringen mußte, -zu vermeiden. So waren, um ein Beispiel zu erwähnen, die Begleiter -*Magelhaens* in hohem Grade bestürzt, als sich nach der ersten -Weltumsegelung bei ihrem Eintreffen in Spanien aus der Schiffsrechnung -ergab, daß man um einen Tag hinter dem Kalender zurückgeblieben war und -infolgedessen zu unrechter Zeit gefastet hatte. Anfangs glaubte man -an einen Irrtum, bis man die Notwendigkeit einer solchen Erscheinung -einsah und infolgedessen später die Datumsgrenze einführte[844]. - - -Nicolaus von Cusa. - -Bei der Wiederbelebung der naturwissenschaftlichen Forschung spielte -in diesem Zeitalter der Kardinal *Nicolaus von Cusa* eine bedeutende -Rolle. Wie einst *Roger Bacon*, so machte er[845] Vorschläge zur -Verbesserung des Kalenders, sowie der alfonsinischen Tafeln, ohne -jedoch damit durchzudringen. *Nicolaus von Cusa* wurde im Jahre 1401 -zu Cues an der Mosel als Sohn eines armen Fischers geboren. Seiner -Begabung wegen fand er Unterstützung, studierte in Padua und zeichnete -sich durch große, mit gewandtem Wesen vereinigte Gelehrsamkeit aus. -In päpstlichem Auftrage reiste er nach Konstantinopel und brachte von -dort wertvolle griechische Manuskripte nach Italien. Hier war er auch -mit dem fast gleichaltrigen *Paolo Toscanelli* (geb. 1397 zu Florenz) -bekannt geworden, welcher, durch die alten Schriftsteller angeregt, die -beobachtende Astronomie auf europäischem Boden zu neuem Leben erweckte. -*Toscanelli* hatte im Dome zu Florenz einen Gnomon angebracht, mit -dem er die Kulmination der Sonne auf die Sekunde genau zu ermitteln -vermochte. Die Einrichtung bestand in einer Platte, die sich 270 Fuß -über dem Boden des Domes befand. Sie besaß eine Öffnung, durch welche -ein Sonnenstrahl auf den Boden fiel. *Nicolaus von Cusa* zählte zu -den Schülern *Toscanellis*, der auch eine, leider verloren gegangene, -Seekarte entwarf. Sie ist sehr wahrscheinlich von *Behaim* bei der -Anfertigung seines Globus verwertet worden. Zur Zeit *Toscanellis* -kamen wahrscheinlich auch die ersten in Kupfer gestochenen Karten auf. -Daran schlossen sich noch vor Ablauf des 15. Jahrhunderts die ersten in -Holz geschnittenen und gedruckten Karten[846]. - -In Italien wurde *Nicolaus von Cusa* mit den aristotelischen Schriften -im griechischen Original bekannt, und zwar geschah dies zu einer Zeit, -als man in Deutschland nur die arabisch-lateinischen Bearbeitungen -des *Aristoteles* kannte. Die Folge war, daß *Nicolaus* sich um die -Ausbreitung des Humanismus in seiner deutschen Heimat sehr verdient -gemacht hat. Im Verein mit dem Papste *Nicolaus* V. bemühte er sich, -griechische Werke durch Übersetzung ins Lateinische zugänglicher zu -machen. So hat er an der Herausgabe des *Archimedes* auf Grund des -griechischen Originals hervorragenden Anteil genommen. Bei seiner -Beschäftigung mit Mathematik, Mechanik und Astronomie knüpfte er -überall an *Euklid*, *Archimedes* und andere alte Schriftsteller an. Er -war es auch, der zuerst unter den Neueren die eingewurzelte Ansicht, -daß die Erde der Mittelpunkt der Welt sei, erschütterte. Nach seiner -Lehre ist sie ein Gestirn und befindet sich, wie alles in der Natur, in -Bewegung. - -Gleich einer Stelle aus dem Dialog des *Galilei* mutet es uns an, wenn -*Nicolaus von Cusa*[847] schreibt: »Es ist jetzt klar, daß die Erde -sich wirklich bewegt, wenn wir es gleich nicht bemerken, da wir die -Bewegung nur durch den Vergleich mit etwas Unbeweglichem wahrnehmen.« -Auf den Gedanken, daß die Fixsterne ein solches Unbewegliches sind, -kam *Nicolaus von Cusa* indessen nicht. Er würde sonst den Kern der -koppernikanischen Lehre vorweg genommen haben. »Wüßte jemand nicht,« -so fährt er fort, »daß das Wasser fließt und sähe er das Ufer nicht, -wie würde er, wenn er in einem auf dem Wasser dahingleitenden Schiffe -steht, bemerken, daß das Schiff sich bewegt? Da es daher jedem, er -mag auf der Erde, der Sonne oder einem anderen Sterne sich befinden, -vorkommen wird, als stände er im unbeweglichen Mittelpunkte, während -alles um ihn her sich bewege, so würde er in der Sonne, im Monde, im -Mars stehend, immer wieder andere Pole angeben.« - -Die Bewegung der Erde um die Sonne hat *Nicolaus von Cusa* indessen -noch nicht gelehrt. Auch gründen sich seine Behauptungen oft mehr auf -allgemeine Überlegungen, denn auf Beobachtungen und mathematische -Schlüsse. Blieb somit sein System[848] auch weit von der Wahrheit -entfernt, so wurde doch zum erstenmal an der durch tausendjähriges -Bestehen geheiligten Autorität des *Ptolemäos* gerüttelt und der großen -Umwälzung, die 100 Jahre später durch *Koppernikus* auf dem Gebiete der -Astronomie eintrat, vorgearbeitet[849]. - -Auch um die Kartographie hat *Nicolaus von Cusa* sich Verdienste -erworben. Sogar der Versuch, eine Weltkarte zu entwerfen, rührt von -ihm her. Er bediente sich dabei der Kegelprojektion. Seine Karte, die -während der Renaissancezeit sehr geschätzt wurde, ist noch in mehreren -Exemplaren erhalten[850]. - -Auch mit mechanischen Dingen hat sich *Nicolaus von Cusa* beschäftigt. -So erdachte er zur Bestimmung der Tiefe eines Gewässers ein Bathometer. -Eine leichte Kugel sollte mit einem Gewichte beschwert und dadurch -zum Untersinken gebracht werden. Beim Berühren des Bodens sollte sich -das Gewicht loslösen und die Kugel emporsteigen. Aus dem für beide -Bewegungen erforderlichen Zeitaufwand konnte man dann die Tiefe des -Gewässers berechnen. *Nicolaus von Cusa* ist einer der ersten gewesen, -der verlangte, man solle bei allen Untersuchungen messend verfahren. -Er knüpft diese Bemerkung an seine Betrachtungen über die Wage[851] -und erläutert sie durch Beispiele. So heißt es, man könne leicht -feststellen, ob die Pflanzen ihre Nahrung aus der Luft oder aus dem -Boden bekämen. Man brauche nur die Samen und die erforderliche Menge -Erde abzuwägen und die Wägung nach dem Heranwachsen der Pflanze zu -wiederholen. Solche Anregungen blieben jedoch zunächst noch vereinzelt. -Sie wurden oft von denen, die sie aussprachen, nicht einmal verfolgt. -So sollten noch zwei Jahrhunderte verfließen, bis *Stephan Hales* -als der Erste die Methode des Wägens und des Messens in ausgedehnten -Versuchsreihen auf pflanzenphysiologische Vorgänge anwandte. - - -Lionardo da Vinci. - -Ein ähnliches Verhältnis wie zwischen dem *Cusaner* und *Koppernikus* -begegnet uns auf dem Boden Italiens zwischen *Lionardo da Vinci* und -*Galilei*. *Lionardo da Vinci* wurde im Jahre 1452 in der Nähe von -Florenz geboren. (Er starb 1519.) Da er frühzeitig künstlerische -Begabung zeigte, führte ihn sein Vater einem Meister zu, bei dem -er malen und modellieren, sowie Metall gießen und Gold schmieden -lernte. Ein späterer Kunsthistoriker[852] erzählt, *Lionardo* sei die -Darstellung einer kleinen Nebenfigur auf dem Gemälde dieses Meisters -in solchem Grade gelungen, daß letzterer sich verschworen habe, keinen -Pinsel mehr anzurühren, weil ihn ein Knabe übertroffen. Im beginnenden -Mannesalter entwickelte *Lionardo* eine Vielseitigkeit sondergleichen. -Er vereinigte mit körperlichen Vorzügen ungewöhnliche Verstandesschärfe -und Genialität des künstlerischen Wirkens. Als Architekt, Bildhauer und -Maler hat er Werke von unübertroffener Schönheit geschaffen[853]. - -Der Herzog *Ludwig Sforza* zog *Lionardo* nach Mailand. Den Anlaß dazu -bot ein Sieg, den letzterer als Violinspieler in einem musikalischen -Wettstreit errungen hatte. Und wie lohnte der Künstler die fürstliche -Gunst! Er beteiligte sich mit Eifer an dem Bau des Mailänder -Domes und gründete, indem er schon damals seine Vorliebe für die -mathematisch-naturwissenschaftliche Richtung bekundete, eine Art -Akademie. Auch die Schöpfung des Abendmahles, jenes Kolossalgemäldes, -durch das sich *Lionardo* mit *Raphael* und *Michel Angelo* auf eine -Stufe stellte, fällt in die Zeit seines Aufenthalts in Mailand. - -Später sehen wir *Lionardo da Vinci* an verschiedenen Orten seines -Vaterlandes als Ingenieur und Architekt mit Arbeiten großen Umfangs, -wie Kanalbauten[854], der Anlage von Befestigungswerken, sowie der -Anfertigung von Maschinen aller Art -- selbst Flugmaschinen fehlen -nicht -- beschäftigt. Aus dieser, auf das Praktische gerichteten -Tätigkeit erklärt es sich, daß er viel über mechanische Probleme -nachgedacht und Schriften darüber verfaßt hat, die allerdings infolge -ungünstiger Umstände die Entwicklung der Wissenschaften wenig -beeinflußt und erst in neuerer Zeit ihre Würdigung gefunden haben[855]. -Diese Aufzeichnungen enthalten nämlich manche bemerkenswerten Ansätze, -die zu den Arbeiten *Galileis* hinüberleiten. - -Zwölf Codices von *Lionardos* Manuskripten werden in der Bibliothek -der französischen Akademie aufbewahrt. Vorher befanden sie sich in -der Ambrosianischen Bibliothek zu Mailand. Von dort wurden sie 1796 -von den Franzosen nach Paris gebracht, wo sie *Venturi* eingehend -studierte. Er bezeichnete die dreizehn Folianten mit den Buchstaben A -bis N. Im Jahre 1815 erhielt die Ambrosiana den Codex atlanticus (N), -der sich besonders mit technischen Dingen befaßt, zurück. Mit der -Veröffentlichung dieses wertvollen Nachlasses wurde erst 1881 begonnen: -Les manuscrits de *Lionarde de Vinci*, publiés en facsimilés avec -transcription littérale, traduction française etc. Im Druck erschienen -war vor dem Ende des 19. Jahrhunderts nur *Lionardos* Abhandlung über -die Malkunst (1651). - -*Lionardos* wissenschaftliche und technische Bedeutung wurde -anfangs kaum beachtet. Erst nachdem *Libri* und *Venturi* darauf -hingewiesen hatten, fand *Lionardo* auch auf diesen Gebieten die -verdiente Anerkennung, die allerdings nicht selten in ein kritikloses -Überschätzen ausartete[856]. - -Unter den alten Schriftstellern, auf welchen *Lionardo da Vinci* fußt, -ist besonders *Heron* zu nennen. Er findet sich im Codex Atlanticus -auch zitiert. *W. Schmidt* wies darauf hin, daß manche Ausführungen -*Lionardos* augenfällig mit solchen der *Heron*schen Pneumatik -übereinstimmen (Math. Bibl. [3.] III. 180-187). - -Eine genauere Untersuchung über die Quellen, welche *Lionardo* benutzt -hat, verdankt man dem französischen Physiker *P. Duhem* (Études sur -*Léonard de Vinci*, ceux qu'il a lus et ceux qui l'ont lu. Paris -1906.). Danach hat *da Vinci* weit mehr gelesen, als es den Anschein -hat. Er zitiert nämlich sehr selten. Infolgedessen kann man seine -Quellen nur schwer ermitteln. - -Nach *Duhem* (Études sur *Léonard de Vinci*, Troisième série. Paris -1913) und nach den »Origines de la Statique« (2 Bde. Paris 1905/6) -desselben Verfassers hat die Scholastik auf dem Gebiete der Mechanik -weit mehr geleistet als man bisher anzunehmen geneigt war. *Duhem* -kommt zu dem Ergebnis, daß die dynamischen Lehren, die im 14. -Jahrhundert insbesondere von französischen Scholastikern ausgingen, die -Grundlagen gebildet haben, auf der *Galilei* und seine unmittelbaren -Vorgänger weiter arbeiten konnten. Bei der Beurteilung der Ergebnisse -*Duhems* darf aber nicht vergessen werden, daß der französische -Historiker dazu neigt, dasjenige besonders hoch einzuschätzen, was -für das eigene Land und Volk als rühmlich gelten kann. Unter den -Scholastikern, die zu richtigen dynamischen Vorstellungen gelangten, -ist auch *Albert von Sachsen* zu nennen. Er erkannte etwa 1368, daß der -freie Fall ein Beispiel für die gleichförmig beschleunigte Bewegung -sei. Man darf dabei aber nicht vergessen, daß es den Scholastikern mehr -um spekulative Definitionen als um die Untersuchung physikalischer -Vorgänge zu tun war[857]. - -Auf dem Gebiete der Mechanik stützte sich *Lionardo* auf *Heron*, -*Vitruv* und auf die mittelalterlichen Lehrbücher des *Jordanus -Nemorarius* und anderer. Die Lehre vom Erdschwerpunkt und die -Gleichgewichtstheorie der Meere läßt sich auf *Albert von Sachsen* -zurückführen, den *Lionardo* auch gelegentlich zitiert. Bezüglich der -Erklärung von Ebbe und Flut stützt sich *Lionardo* auf den Scholastiker -*Themon*. Andererseits hat *Lionardo* aber auch einen nachweisbaren -Einfluß auf *Roberval*, *Cardano*, *Palissy* und andere ausgeübt[858]. - -Bekannt ist *Lionardos* Ausspruch, daß die Mechanik das Paradies der -mathematischen Wissenschaften sei, weil man durch die Mechanik erst -zu den Früchten dieser Wissenschaften gelange. *Lionardo da Vinci* -handelt aber auch nach diesem Ausspruch, dessen Bedeutung erst die -nächsten Jahrhunderte in vollem Maße gewürdigt haben. So untersucht -er die Wirkung des Hebels für den Fall, daß die Kräfte in beliebiger -Richtung auf ihn wirken. Die Rolle und das Rad an der Welle werden auf -den Hebel zurückgeführt. Seine auf das Praktische gerichtete Tätigkeit -brachte es mit sich, daß er theoretisch und durch Versuche den -Einfluß untersuchte, den der Reibungswiderstand auf die Bewegung der -Maschinen ausübt. Es sind die ersten genaueren Untersuchungen dieser -Art, die uns bei *Lionardo* begegnen. Ferner werden der freie Fall und -der Fall auf der schiefen Ebene in Betracht gezogen, wenn auch hier -*Galilei* die erschöpfende Behandlung vorbehalten blieb. In einigen -Äußerungen *Lionardos* lassen sich schon die Keime des Trägheits- und -des Energiegesetzes erkennen; so, wenn er sagt, jedes Ding »trachte in -seinem gegebenen Zustande zu verharren« oder der bewegte Körper besitze -»Wirkungsfähigkeit« und »wuchte in der Richtung seiner Bewegung«. - -Für die einfachen Maschinen sprach *Lionardo* schon das Prinzip aus, -daß die im Gleichgewicht befindlichen Kräfte sich umgekehrt wie die -virtuellen Geschwindigkeiten verhalten[859]. Seine klare Auffassung des -Beharrungsvermögens bezeugen folgende Sätze[860]: »Keine vernunftlose -Sache bewegt sich von selbst.« »Jeder Impuls neigt zu ewiger Dauer.« - -Ferner stellt *Lionardo* die Möglichkeit des Perpetuum mobile[861] in -Abrede und entwickelt unter Ablehnung aller Wunder- und Geheimkräfte, -insbesondere der scholastischen qualitates occultae, den Kraftbegriff -in einem fast modernen Sinne. So heißt es bei *Lionardo da Vinci*: -»Kraft ist Ursache der Bewegung und die Bewegung ist die Ursache der -Kraft«. Wenn er letztere eine geistige Wesenheit nennt, die sich mit -den schweren Körpern verbinde, so erläutert er dies mit folgenden -Worten: »Geistig, sage ich, weil in ihr unsichtbares Leben ist, weil -der Körper, in dem sie geboren wird, weder in der Form noch im Gewichte -wächst. Die berührte Saite einer Laute bewegt ein wenig eine andere -gleiche Saite von gleicher Stimme einer anderen Laute. Du wirst dies -sehen durch Auflegen eines Strohhalmes auf die zweite Saite[862].« - -[Illustration: Abb. 56. Lionardos Hygrometer.] - -Beobachtungen, die *Lionardo* beim Wägen hygroskopischer Substanzen -machte, führten ihn zur Konstruktion eines, wenn auch noch recht -unvollkommenen Hygrometers. An den Enden eines zweiarmigen Hebels -brachte er zwei gleich schwere Kugeln an, von denen die eine mit -Wachs, die zweite dagegen mit Baumwolle überzogen war. Nahm die -Feuchtigkeit der Luft zu, so sank die zweite Kugel. Der Ausschlag -konnte auf einer ringförmigen Skala abgelesen werden. - -Ein Seitenstück zu diesem Feuchtigkeitsmesser ist der von *Lionardo* -abgebildete und beschriebene Windmesser[863]. Er besteht aus einem -mit Gradeinteilung versehenen Quadranten, der, wie aus der Abbildung -ersichtlich ist, mit einer beweglichen Platte verbunden wird. Diese -wird durch den Wind gehoben, so daß man die jeweilige Stärke des Windes -auf der Gradeinteilung ablesen kann. Die gleiche Einrichtung besaß das -fast 200 Jahre später erfundene Pendelanemometer *Hookes*, der bisher -als der Erfinder dieses Instrumentes galt[864]. - -[Illustration: Abb. 57. Lionardos Windmesser.] - -Auch die Theorie der Reibung und das schwierige Gebiet der -Festigkeitslehre[865] beschäftigten *Lionardo da Vinci*, der auf fast -allen Gebieten der Naturwissenschaft Anschauungen entwickelte, die -ihn als einen seine Zeit und deren Denken überragenden Geist erkennen -lassen. - -So spricht er sich über die Rolle, welche die Luft bei der Verbrennung -und der Atmung spielt, mit folgenden Worten aus: »Wo eine Flamme -entsteht, da erzeugt sich ein Luftstrom um sie. Dieser dient dazu, -die Flamme zu erhalten. Das Feuer zerstört ohne Unterlaß die Luft, -durch die es unterhalten wird. Sobald die Luft nicht geeignet ist, die -Flamme zu unterhalten, kann in ihr kein Geschöpf leben. Die Flamme -disponiert zuerst die Materie, aus der sie entsteht, und kann sich dann -davon ernähren. Indem sie Nahrung für die Flamme wird, formt sie sich -in sie um.« Daß *Lionardo* mit diesen Erklärungen fast überall den -wahren Sachverhalt traf, setzt geradezu in Erstaunen. Um das Zuströmen -der Luft zu erhöhen und dadurch die Leuchtkraft zu vergrößern, erfand -*Lionardo* den Lampenzylinder. Auch die Idee des Fallschirmes, »mit -dem sich ein Mensch aus beliebiger Höhe herunterlassen könne«, ist auf -*Lionardo* zurückzuführen. Der Gedanke wurde erst dreihundert Jahre -später verwirklicht[866]. - -Auf die Versteinerungen und andere geologische Dinge, z. B. die -Entstehung der Schichten durch Ablagerung, sowie auf mineralogische -Fragen war *Lionardo* gelegentlich der Wasserbauten, die er als -Ingenieur ausführte, aufmerksam geworden. - -Die Versteinerungen, die man, entgegen den Lehren der Alten, immer noch -meist für Naturspiele hielt, wurden von ihm als Überreste von Lebewesen -gedeutet. - -Um *Lionardo* voll zu würdigen, muß man bedenken, daß er einem vom -Mystizismus noch ganz durchdrungenen Zeitalter angehörte. So mußte er -in seinen Betrachtungen über die Versteinerungen besonders die Ansicht -zurückweisen, daß die Versteinerungen als Naturspiele unter dem Einfluß -der Sterne hervorgebracht seien. Auch zwei andere Vorstellungen seiner -Zeit, die Quadratur des Zirkels und das Perpetuum mobile, bekämpfte -*Lionardo* schon mit wissenschaftlichen Gründen. - -Seine Tätigkeit als Künstler hat ihn veranlaßt, sich eingehend mit -anatomischen Studien zu befassen. Zu diesem Zwecke setzte er sich mit -einem Arzte in Verbindung[867]. Die Frucht der gemeinsamen Tätigkeit -des Künstlers und des Naturforschers sind etwa 800 Bilder, die wir -als die ersten, naturgetreuen anatomischen Zeichnungen ansprechen -müssen[868]. Sie betreffen vor allem das Knochen- und das Muskelsystem. -Doch sind auch Abbildungen der inneren Organe (Herz, Leber usw.) -vorhanden. - -*Lionardo* war wohl der erste, der sich eingehender mit Untersuchungen -über die Mechanik des Körpers beschäftigte. Er studierte die Beugung -und Streckung der Glieder, sowie das Gehen ganz im Sinne der heutigen -Physiologie. Ferner setzte er auseinander, wie die Beschäftigung auf -die Haltung wirkt, und welche Muskeln beim Werfen, Heben, Tragen usw. -in Betracht kommen. Mit Vorliebe belehrte er sich und seine Schüler -auf dem Fechtboden über die verschiedenen Bewegungen des Körpers. Aus -künstlerischem Drange hat sich *Lionardo* auch mit der Anatomie des -Pferdes beschäftigt[869]. - -Eine der wichtigsten unter den wissenschaftlichen Grundlagen der -Kunst hat *Lionardo* erst geschaffen. Das ist die Lehre von der -Perspektive, um die sich außer ihm auch die Brüder *van Eyck* und -*Battista Alberti* verdient gemacht haben. Daß die Alten mit den Lehren -der Perspektive nicht vertraut waren, haben schon *Lessing*[870] und -*Lambert* nachgewiesen. *Lambert* pries *Lionardo* als »den ersten, -der an die Verfeinerung der Malkunst und an die Perspektive gedacht« -habe. Dem Verfahren lag folgender Gedanke zugrunde. Bringt man zwischen -das Auge und den Gegenstand, den man perspektivisch richtig zeichnen -will, eine durchsichtige Tafel, so wird jeder Lichtstrahl die Tafel in -einem bestimmten Punkte schneiden. Die Gesamtheit dieser Schnittpunkte -gibt uns das perspektivische Bild, und die Lehre von der Perspektive -läuft darauf hinaus, wie man ein solches Bild zeichnet, ohne die zur -Erläuterung dienende Tafel zu benutzen. - -Vom Auge handelt *Lionardo* eingehender im Manuskript D[871]. Seine -Ausführungen betreffen die Größe des Gesichtswinkels und den Vorgang -des Sehens. Aus Versuchen wird geschlossen, daß der Gesichtssinn -seinen Sitz in den Endigungen des Sehnerven habe (Manuskript D. S. 3). -Zu dieser Erkenntnis war übrigens auch schon *Roger Bacon* gelangt. -Im Manuskript C wird die Lehre vom Schatten durch viele Zeichnungen -erläutert. Hier wie überall finden sich nur Ansätze. Ihre Bedeutung -liegt darin, daß stets experimentell und geometrisch verfahren, und -daß jedes Problem frei von vorgefaßten Meinungen in Angriff genommen -wird. - -Bemerkenswert sind auch *Lionardos* gelegentliche Äußerungen über -astronomische Gegenstände. Von der Erde heißt es, sie müsse den -Bewohnern des Mondes und anderer Gestirne als Himmelskörper erscheinen, -auch befinde sie sich nicht im Mittelpunkt der Sonnenbahn, ebensowenig -wie sie die Mitte des Weltalls einnehme. »Die Erde«, heißt es an einer -Stelle[872], »ist ein Stern ähnlich wie der Mond.« Und ferner: »Mache -Gläser, um den Mond groß zu sehen«[873]. - -[Illustration: Abb. 58. Lionardos Erläuterung des Sehens[874].] - -Das Sehen führt *Lionardo* darauf zurück, daß das Auge nach Art einer -Camera obscura Bilder hervorbringe. Er erläutert dies in folgender -Weise: »Man lasse durch eine kleine Öffnung (Abb. 58, M) das Bild eines -beleuchteten Gegenstandes in ein dunkles Zimmer treten. Dann fange man -dieses Bild auf einem weißen Papier, das man in dem dunklen Raum nahe -der Öffnung anbringt, auf. Man wird dann den Gegenstand auf dem Papier -in seiner wirklichen Gestalt und Farbe sehen, aber viel kleiner und -umgekehrt. Es sei ABCDE der von der Sonne erleuchtete Gegenstand. ST -sei der Schirm, der die Strahlen auffängt. Weil die Strahlen gerade -sind, wird der von A ausgehende nach K, der von E ausgehende nach F -gelangen. Dasselbe findet bei der Pupille statt«. Dazu bemerkt er -noch beim Studium der Natur des Auges[875]: »Hier sind die Figuren, -die Farben, alle Wirkungen des Weltalls in einem Punkt gesammelt, und -dieser Punkt ist ein solches Wunder! O staunenswerte Notwendigkeit! Du -zwingst mit deinem Gesetz alle Wirkungen, auf kürzestem Wege an ihren -Ursachen teilzuhaben. Schreibe in deiner Anatomie, wie in dem winzigen -Raume des Auges das Bild der sichtbaren Dinge wiedergeboren wird und -sich in seiner Ausdehnung wiederherstellt«. - -Ähnlich tief empfunden zeigt sich die Darstellung *Lionardos* an vielen -Stellen seiner Aufzeichnungen. Man wird an die später von *Fechner* -entwickelten Anschauungen erinnert, wenn man bei *Lionardo da Vinci* -liest, die Erde sei gleichsam ein organisches Wesen, das Meer ihr Herz -und das Wasser ihr Blut. Und wenn er schließlich das Wasser als den -»Kärrner der Natur« bezeichnet, so dürfte der moderne Geologe kaum -einen treffenderen Ausdruck für die Rolle des flüssigen Elementes -finden. - -Die Sonne hielt *Lionardo* für einen sehr heißen Weltkörper. Auch wußte -er das sogenannte aschfarbene Licht des Mondes, das wir neben der -leuchtenden Sichel wahrnehmen, aus dem Wiederschein des von der Sonne -auf die Erde gelangenden Lichtes zu erklären[876]. - -Leider haben sich die Aufzeichnungen *Lionardo da Vincis* nirgends zu -einer abgeschlossenen, in sich abgerundeten Leistung verdichtet. Es -sind meist geistreiche, treffende Einzeleinfälle, die erst die neuere -Zeit voll Staunen über die Eigenart des Menschen, dem sie entstammen, -der Vergessenheit entrissen hat. Die gelehrte Zunft würde ihn wohl -schwerlich verstanden und gewürdigt haben. Für sie galt in erster -Linie die Autorität, die *Lionardo* mit den Worten geißelt: »Wer sich -auf die Autorität beruft, verwendet nicht seinen Geist, sondern sein -Gedächtnis«. »Das Experiment irrt nie«, ruft er den Zeitgenossen zu, -»sondern es irren nur eure Urteile«. Auf den Weg, den seiner Meinung -nach die Forschung zu gehen hat, weist *Lionardo* mit folgenden Worten -hin: »Der Interpret der Wunderwerke der Natur ist die Erfahrung. Sie -täuscht niemals; es ist nur unsere Auffassung, die zuweilen sich selbst -täuscht. Wir müssen die Erfahrung in der Verschiedenheit der Fälle und -der Umstände solange zu Rate ziehen, bis wir daraus eine allgemeine -Regel ziehen können. Wenngleich die Natur mit der Ursache beginnt und -mit dem Experiment endet, so müssen wir doch den entgegengesetzten Weg -verfolgen, d. h. wir beginnen mit dem Experiment und müssen mit diesem -die Ursache untersuchen«[877]. - -Diese Worte bekunden, daß *Lionardo* schon ein Jahrhundert vor -*Francis Bacon* die Induktion für die allein sichere Methode der -Naturwissenschaft hielt. Auf Grund dieser Erkenntnis vermochte er -es, einen bewunderungswürdig tiefen Einblick in die Natur zu tun. -Die Vorstellungen, zu denen er gelangte, blieben leider in seinen -Manuskripten vergraben, sonst würde sein Einfluß auf die Entwicklung -der neueren Naturwissenschaft ein ganz anderer gewesen sein, worauf -schon *A. v. Humboldt* hinwies. - -Haben Männer wie *Lionardo da Vinci*[878] und *Nicolaus von Cusa* auch -keine derartigen Grundlagen für die weitere Entwicklung geschaffen, -wie *Koppernikus* und *Galilei*, welche das zur Ausführung brachten, -wozu jenen das volle Vermögen fehlte, so erkennen wir doch aus der -Betrachtung, die wir ihnen widmeten, daß das Wirken der großen -Begründer der Wissenschaft kein unvermitteltes ist und keineswegs -mit dem bisher Erstrebten und Erreichten außer Beziehung steht. Jene -Großen haben häufig das, was ihre Zeitgenossen zwar ahnten, aber nur -unvollkommen zum Ausdruck zu bringen vermochten, in voller Klarheit -erfaßt und so begründet, daß es zum unveräußerlichen Besitz der -Menschheit wurde. Auf dieser Errungenschaft bauten dann bescheidenere -Kräfte weiter, bis ihr unverdrossenes Mühen, das für den Fortgang der -Entwicklung aber unumgänglich nötig ist und nicht gering geachtet -werden darf, wieder einem der Großen auf dem Gebiete der Wissenschaft -den Weg geebnet. So hatte auch die Astronomie, bevor *Koppernikus* sein -Wirken begann, in Deutschland eine besondere Pflege durch *Peurbach* -und *Regiomontan* gefunden. Diese Männer, die ihrerseits wieder an die -Alten anknüpften, haben *Koppernikus* besonders dadurch vorgearbeitet, -daß sie die Beobachtungskunst förderten. - - -Das Wiedererwachen der astronomischen Wissenschaft. - -Die Astronomie war zwar durch *Cusa* und *Toscanelli* zu neuem Leben -erweckt worden. An Einsicht und an Kenntnissen standen diese Männer -jedoch tief unter *Hipparch* und *Ptolemäos*. Die astronomische -Wissenschaft mußte zunächst wieder auf diejenige Höhe gebracht -werden, die sie im Altertum zur Zeit der Alexandriner besaß. Daß dies -geschah, war vor allem das Verdienst *Peurbachs*, des Begründers -der beobachtenden und rechnenden Astronomie im Abendlande[879]. -*Georg Peurbach* wurde im Jahre 1423 in Oberösterreich geboren. Als -Zwanzigjähriger war er in Rom mit *Nicolaus von Cusa* in Berührung -gekommen. Um 1450 kehrte er nach Wien, wo er studiert hatte, zurück und -erhielt dort den Lehrstuhl für Astronomie und Mathematik. - -*Peurbach* übersetzte den Almagest. Er erkannte, daß eine Verbesserung -der vorhandenen Planetentafeln die erste Bedingung für jeden weiteren -Fortschritt der Astronomie sei. Die Abweichungen, die sich zwischen -den alfonsinischen Tafeln[880] und *Peurbachs* Beobachtungen ergaben, -erreichten für den Mars z. B. Werte von mehreren Graden. Auch die -trigonometrischen Tafeln des Almagest erfuhren durch *Peurbach* eine -wesentliche Verbesserung, indem er statt der Sehne den Sinus einführte -und eine Berechnung für alle Werte von 10 zu 10 Sekunden unter -Zugrundelegung eines Radius von 60000 Einheiten lieferte. - -[Illustration: Abb. 59. Peurbachs Quadratum geometricum[881].] - -Für seine astronomischen Messungen benutzte *Peurbach* das »Quadratum -geometricum« (s. Abb. 59). Dies ist ein quadratischer Rahmen, an dem -ein bewegliches Lineal mit Dioptervorrichtungen angebracht ist. Die -Seiten des Quadrats waren in 120 Abschnitte eingeteilt. Auf diese -Weise ließ sich die Tangente des beobachteten Winkels mit ziemlicher -Genauigkeit ablesen. - -Mit dem Almagest, dem Hauptwerk der griechischen Astronomie, war das -Abendland zuerst durch die im 10. und 11. Jahrhundert in Spanien -entstandenen arabischen Hochschulen bekannt geworden. Der Almagest, -die Schriften des *Euklid* und des *Aristoteles* wurden von hier -aus den Hochschulen des christlichen Abendlandes in lateinischer -Übersetzung zugänglich. Durch diese Übertragung und die Vermengung -mit Zutaten aller Art hatte der ursprüngliche Text natürlich manche -Änderung erlitten und dadurch viel von seinem Werte eingebüßt. Auch -die Astronomie der Griechen hatte durch die Araber keine wesentliche -Förderung, dagegen eine Vermengung mit astrologischen Zutaten erfahren -und so an wissenschaftlichem Gehalt Einbuße erlitten. Es war daher -ein wichtiges Ereignis, daß im 15. Jahrhundert das astronomische Werk -des *Ptolemäos* von Griechenland nach Italien gelangte. *Peurbach* -war zwar auf das griechische Manuskript aufmerksam geworden[882]. -Er benutzte aber dennoch den aus dem Arabischen ins Lateinische -übersetzten minderwertigen Text, da er die griechische Sprache nicht -verstand. Erst sein begabter Schüler, sein Nachfolger auf dem Wiener -Lehrstuhl, *Johann Müller* aus Königsberg[883], genannt *Regiomontanus* -(1436-1476) fußte auf dem griechischen Text des Almagest. Er gab im -Jahre 1475 neue Tafeln heraus, die nicht nur für die Astronomie, -sondern auch für die Entdeckungsreisen jener Zeit ein wichtiges -Hilfsmittel wurden. - -*Regiomontan* war ferner in Deutschland einer der ersten, der das -Studium der Algebra förderte. Auch soll er die alte Hypothese von -der Erdbewegung, die ihm schon wenigstens 60 Jahre vor *Koppernikus* -zu gleicher Zeit mit *Cusa* »in den Sinn gekommen sei, zum besseren -Verständnis der Astronomie wieder hervorgeholt haben«[884]. In -mechanischen Dingen, erzählt sein Biograph[885] weiter, war er -einer der ersten, der »eine künstliche Einrichtung mit Rädern, durch -welche die eigentliche Bewegung der Sterne wiedergegeben wurde, zu -vieler Verwunderung anfertigte«. Ferner stellte *Regiomontan* einen -parabolischen Brennspiegel von fünf Fuß Durchmesser aus Metall her. -*Regiomontans* Tafeln wurden von ihm als »Ephemeriden« bezeichnet. Sie -erschienen 1473, umfaßten den Zeitraum von 1474-1560 und enthielten -für Sonne und Mond die Längen- und außerdem für den Mond die -Breitenangaben. Ferner boten sie ein Verzeichnis der für die Zeit von -1475-1530 zu erwartenden Finsternisse. - -Große Verdienste hat sich *Regiomontan* auch um die Trigonometrie, -die wichtigste Hilfswissenschaft der Astronomie, erworben. Er war es, -der die Tangensfunktion, mit welcher die Araber gleichfalls schon -vertraut waren, im Abendlande einführte. Ein weiterer Fortschritt -bestand darin, daß er sich der dezimalen Teilung bediente, indem -er für seine Tangententafeln den Radius r = 100000 zugrunde legte. -Unzweifelhaft schöpfte *Regiomontan* bei seiner Darstellung der -Trigonometrie auch aus arabischen Quellen. Doch ist der Zusammenhang -im einzelnen nicht mehr nachzuweisen, da er in der Darstellung wie in -der Fortbildung des empfangenen Wissenstoffes sehr selbständig verfuhr. -Sein trigonometrisches Hauptwerk »De triangulis« entstand 1464. Durch -letzteres lernte das Abendland den Sinussatz und die Tangensfunktion -kennen. Auch entwickelte *Regiomontan* als erster darin den allgemeinen -sphärischen Cosinussatz. - -*Regiomontans* Tafeln waren in den Händen von *Bartholomäos Diaz*, -sowie in denen *Vasco da Gamas* auf seinem Wege nach Ostindien. Sie -halfen *Columbus* den neuen Weltteil entdecken. *Amerigo Vespucci* -benutzte sie, um 1499 Längenbestimmungen in Südamerika auszuführen. -So sehen wir, wie dasjenige, was der stille Gelehrte in einsamen -Nachtwachen erdacht und erforscht, die kühnen Seefahrer und -Konquistadoren befähigte, dem europäischen Teil der Menschheit die Erde -in ihrem ganzen Umfange zu erschließen. Trotz der schon um das Jahr -1200 erfolgten Einführung des Kompasses wagten nämlich die Portugiesen, -selbst nachdem Heinrich der Seefahrer die Entdeckungsreisen organisiert -hatte, zunächst nicht, von der Küstenschiffahrt abzugehen. Viele Jahre -kamen ihre Fahrzeuge nicht über Kap Bojador hinaus, weil man dort ein -Riff sah, dessen Brandung sich weit hinaus ins Meer erstreckte. Dem -Ungewissen, das die Wasserwüste des atlantischen Ozeans in sich barg, -vermochte man erst zu begegnen, nachdem die Astronomie der Schiffahrt -die zur Ortsbestimmung geeigneten Hilfsmittel verliehen hatte. - -Zu diesen gehörte in erster Linie der Kreuz- oder Jakobsstab (siehe -Abb. 60), ein Werkzeug, das zum Messen von Winkeln auf bewegter -See geeigneter war als die von *Ptolemäos* und *Koppernikus* -benutzten Instrumente, unter denen das mit Kreisteilung versehene -Astrolabium[886] und das parallaktische Lineal an erster Stelle zu -nennen sind[887]. Der Kreuz- oder Jakobsstab mit verschiebbarem -Querriegel, den *Regiomontan* benutzte, besaß eine Länge von 2-1/2 -Metern. Seine Anwendung hat man bis ins 14. Jahrhundert zurück -verfolgen können. Waren die erwähnten Meßinstrumente fest aufgestellt -und von hinlänglicher Größe, so ließen sich ziemlich scharfe Messungen -damit anstellen. *Tycho*, dessen Arbeiten infolge ihrer Genauigkeit -die Entdeckungen *Keplers* erst ermöglichten, berichtet, an seinen -Astrolabien noch eine sechstel Bogenminute abgelesen zu haben. - -[Illustration: Abb. 60. Der Kreuzstab[888].] - -Wahrscheinlich hat der Nürnberger *Martin Behaim* (1459 bis 1506), dem -man den ersten neueren Erdglobus verdankt, den Kreuzstab nach Portugal -gebracht und letzteren zu Messungen auf bewegter See empfohlen[889]. -Aus Abbildung 61 ersehen wir den Gebrauch dieses Instrumentes. Der -Querstab a wurde so lange verschoben, bis das am Ende des Längsstabes b -befindliche Auge die beiden Gegenstände, deren Winkelabstand gefunden -werden sollte, über die Enden von a anvisierte; b trug eine Skala, von -der man unmittelbar die jeder Stellung entsprechenden Winkel ablesen -konnte. Mit einiger Zuverlässigkeit vermochte man indes um diese Zeit -nur die geographische Breite zu bestimmen. Hinsichtlich der Länge mußte -man sich mit einem Abschätzen begnügen. Die enge Beziehung, in welche -zu Beginn des neueren Zeitalters die Astronomie zur Nautik trat, war -beiden Gebieten sehr förderlich. Während der nächsten Jahrhunderte -wurde die Mitarbeit der Astronomen außerdem durch hohe Belohnungen -angeregt, welche die Schiffahrt treibenden Nationen auf die Lösung -praktisch wichtiger Aufgaben setzten. Geister ersten Ranges, wie -*Galilei* und *Euler*, verschmähten es nicht, ihre Arbeit in den Dienst -dieser Sache zu stellen. - -[Illustration: Abb. 61. Schematische Erläuterung des Kreuzstabes.] - -Den ersten, noch erhaltenen Globus, fertigte *Behaim* 1492 an[890]. -Erhalten sind auch noch Globen aus den Jahren 1515, 1520 und -1532. *Mercator* machte aus der Herstellung vorzüglicher Erd- und -Himmelsgloben schon ein Gewerbe. Zu seinen Abnehmern gehörten Kaiser -Karl V. und andere Fürsten. Von *Mercator* herrührende Globen finden -sich noch in Duisburg, Nürnberg, Weimar und Wien[891]. - -Das Duisburger Museum, das sich bemüht, die Werke *Mercators* entweder -im Original oder in Nachbildungen zu erwerben, besitzt einen von -ihm verfertigten Erd- und Himmelsglobus. Sie wurden 1908 bei einem -toskanischen Edelmann gefunden und gelangten durch Kauf in den Besitz -des Museums. Der Erdglobus stammt aus dem Jahre 1541, der andere -ist 1551 hergestellt. Auf ihm sind die Sternbilder farbenprächtig -ausgeführt. Während die früheren Globen aus Holz oder Metall verfertigt -waren, benutzte *Mercator* eine Mischung aus Gips, Sägespänen und Leim, -die er auf eine aus Stäben hergestellte Hohlkugel auftrug. - -Die Anregung zu den Entdeckungsreisen ist nicht nur auf die -Fortschritte der Astronomie und die Bedürfnisse des Handels, sondern -auch auf die Lektüre der alten Schriftsteller zurückzuführen. -Insbesondere gilt dies von *Columbus*. Die von den Alten -herrührenden Nachrichten, welche die allmähliche Ausdehnung ihres -geographischen Horizontes erkennen lassen, waren ihm durch das -Weltbuch *Alliacos*[892] geläufig geworden. Je weiter die Alten die -östlichen Grenzen Asiens hinaus verlegt hatten, um so größer war die -Wahrscheinlichkeit, daß eine Fahrt nach Westen bald zu bewohnten -Ländern führen würde. - -Dieser Gedanke erfüllte außer *Columbus* besonders den italienischen -Astronomen *Toscanelli*, dessen Lieblingsprojekt die Verbindung -Europas und Asiens auf dem Seewege nach Westen war. *Toscanelli* -war der Meinung, daß die asiatische Küste höchstens 120 Längengrade -von Lissabon entfernt sein könne. Er stand mit *Columbus* in -Briefwechsel und hat ihn in einem Schreiben vom 25. VI. 1474 von -der Durchführbarkeit des Gedankens, der ihn erfüllte, zu überzeugen -gewußt. Nach allem, was an eigenen und fremden Überlegungen, von -denen sich *Columbus* leiten ließ, bekannt geworden, muß man seine -Entdeckungsreisen über die früheren Unternehmungen dieser Art stellen. -Welche Schwierigkeiten es zu überwinden galt, braucht hier nicht -des näheren erörtert zu werden. Erinnert sei nur an die Versammlung -zu Salamanca, welche den Plan des *Columbus* prüfen sollte. Was mag -letzterer wohl empfunden haben, als man ihm entgegenhielt, wenn es auch -gelingen sollte, zu den seiner Ansicht nach vorhandenen Gegenfüßlern -hinunter zu fahren, so würde es doch unmöglich sein, wieder nach -Spanien hinauf zu gelangen? - -Daß sich trotz des gelehrten, am Buchstaben klebenden Dünkels, der -nicht etwa nur diese Versammlung erfüllte, das Neue siegreich Bahn -brach, ist vor allem der Erfindung der Buchdruckerkunst, sowie dem -Umstande zu verdanken, daß man im Latein eine Weltsprache besaß, die -einen raschen Austausch der Gedanken zwischen den Angehörigen aller -Völker ermöglichte. - -Es war um 1450, als *Gutenberg* das erste, mit beweglichen Lettern -hergestellte Buch herausgab. In Paris, in Nürnberg und an anderen Orten -entstanden darauf große Druckereien, die für die damalige gelehrte -Welt arbeiteten. Mit der Ausbreitung des Buchdruckes verringerte sich -allmählich der Abstand zwischen dem zunftmäßigen Gelehrten- und dem -Laientum. Die Errungenschaften des Forschens und Denkens wurden immer -mehr zu einem Gemeingut. - -Eins der glänzendsten Beispiele für die Vereinigung geistigen und -gewerblichen Schaffens und für das Zusammengehen des gebildeten -Bürgertums mit Künstlern und Gelehrten bot vor allem Nürnberg, -wo vorübergehend auch *Regiomontan* und *Behaim* wirkten. Für -*Regiomontan* errichtetete ein Nürnberger Kaufherr mit fürstlicher -Freigebigkeit eine Sternwarte, die von hervorragenden Mechanikern mit -Astrolabien, Armillarsphären und anderen astronomischen Instrumenten -ausgerüstet wurde. Öffentliche Vorträge belebten das Interesse für -die Mathematik und die Naturwissenschaften. Eine im Jahre 1470, kurz -vor der Ankunft *Regiomontans* in Nürnberg gegründete Druckerei wurde -bald die bedeutendste in Deutschland[893]. *Behaim* übermittelte die -gewonnenen astronomischen Kenntnisse den seefahrenden Völkern. Er hielt -sich von 1480-1484 in Portugal auf, zur Zeit, als auch *Columbus* dort -weilte, und stand den Portugiesen bei ihren Unternehmungen zur Seite. -Es ist sehr wahrscheinlich, daß *Diaz*, *Columbus* und *da Gama* ihm -die Bekanntschaft mit den Ephemeriden *Regiomontans*, sowie manche -Belehrung über die Kunst, nach der Beobachtung der Sterne zu segeln, -verdanken[894]. - -Man darf jedoch neben den gelehrten Deutschen, die hier, wie so oft -in der Entwicklung der Wissenschaften, wohl den Gedanken, aber nicht -die Tat brachten, den Portugiesen *Pedro Nunez* aus Coimbra nicht -vergessen. Er war es, der zuerst ein Werk schuf, in dem die Nautik auf -wissenschaftliche Grundlagen gestellt wurde (De arte atque ratione -navigandi). Er war es ferner, der die Genauigkeit der Ablesung an den -astronomischen Instrumenten verbesserte. Der Nonius wird nach ihm -fälschlich so benannt. Der Erfinder dieser Einrichtung ist *Pierre -Vernier* (1580-1637). - - -Die Wiederbelebung der Naturbeschreibung. - -Auch die beschreibenden Naturwissenschaften, die Zoologie und die -Botanik, erfuhren gegen den Anfang des Mittelalters manche Förderung. -Das Wiederaufleben der alten Literatur, insbesondere das Bekanntwerden -mit den zoologischen Schriften des *Aristoteles*, den man vorher ja nur -aus arabischen und lateinischen Bearbeitungen kannte, war auch hier -von Einfluß. Noch wichtiger war es aber, daß man sich immer mehr mit -offenen Sinnen der eigenen Beobachtung zuwandte und nach naturgetreuer -Darstellung des Gesehenen strebte. Erinnert sei nur an die oben -erwähnten anatomischen Abbildungen *Lionardo da Vincis*. Die Ausdehnung -des geographischen Gesichtskreises führte dazu, daß man schon gegen -den Ausgang des Mittelalters mit zahlreichen neuen Tieren und Pflanzen -bekannt wurde. Das Wiederaufleben des wissenschaftlichen Sinnes machte -sich auf dem Gebiete der Botanik nicht nur durch die zunehmende Neigung -für eigenes Beobachten, sondern auch durch das allmähliche Zurücktreten -der Rücksicht auf die Nutzanwendung der Pflanzen geltend. Das -Beobachtungsvermögen wurde insbesondere durch zwei Umstände gefördert. -Es waren dies die Einrichtung botanischer Gärten und die Anfertigung -von Herbarien. - -Den ersten botanischen Garten der neueren Zeit legte ein venetianischer -Arzt[895] im Jahre 1333 an, nachdem ihm die Republik dazu einen wüsten -Platz überlassen hatte. Der erste Universitätsgarten begegnet uns in -Padua. Er wurde 1545 gegründet. Einige Jahre später folgte Pisa. Und -noch während des 16. Jahrhundert ahmten viele Universitäten des übrigen -Europas das von Italien gegebene Beispiel nach[896]. - -Nicht minder wichtig für die Erweckung selbsttätiger Beobachtung -und Forschung war das Aufkommen der Herbarien. Ein eigentlicher -Erfinder dieser Einrichtung läßt sich wohl nicht angeben. Die ersten -Nachrichten über umfangreichere Sammlungen getrockneter Pflanzen -stammen aus dem 16. Jahrhundert[897]. Die älteste Anweisung zur -Einrichtung von Herbarien begegnet uns nach *Meyer* (Gesch. der -Botanik. Bd. IV. S. 267) indes erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts. -»Im Winter«, heißt es dort, »muß man, da fast alle Pflanzen umkommen, -die Wintergärten betrachten. So nenne ich die Bücher, in denen man -getrocknete Pflanzen, auf Papier geklebt, verwahrt.« - -Ein weiteres Mittel, die Beobachtung anzuregen, war das Abbilden von -Pflanzen und anderen Naturkörpern. Zwar, das Altertum hatte sich -dieses Mittels ebenso bedient wie der Pflanzengärten. Kennt man doch -noch heute mit Abbildungen versehene Ausgaben des *Dioskurides*, die -aus dem 6. Jahrhundert stammen. Während des Mittelalters hatte die -philologische Gelehrsamkeit und der Autoritätsglauben indessen die -Wissenschaft in solchem Maße überwuchert, daß die Kunst, das Studium -der Natur durch Abbildungen zu fördern, erst wieder zu neuem Leben -erweckt werden mußte. - -Zu den ältesten gedruckten Büchern mit Abbildungen von Naturkörpern -gehört auch *Konrad Megenbergs* »Buch der Natur«, auf das wir schon -an anderer Stelle eingegangen sind. *Megenbergs* Buch enthält -in Holzschnitt hergestellte, charakteristische Abbildungen von -Säugetieren, Vögeln, Bäumen und Kräutern, unter denen sich z. B. -Ranunculus acris, Viola odorata, Convallaria majalis und andere recht -gut erkennen lassen. Allerdings fehlt es bei der Beschreibung der -Meeresungeheuer, der wunderlichen Menschen und anderer Dinge nicht -an Abbildungen, die nur als fratzenhafte Phantasieerzeugnisse gelten -können. - -Erwähnenswert ist auch der gegen 1485 erschienene »Ortus sanitatis« -(Garten der Gesundheit), der zahlreiche, oft nachträglich kolorierte -Abbildungen enthält, von denen manche der Natur ziemlich nahe kommen, -während die Abbildungen exotischer Pflanzen meist erfunden sind[898]. - -Wir haben hiermit die Betrachtung desjenigen Zeitabschnitts beendet, -in dem das Wiederaufleben der Wissenschaften anhob. Zwar stützte -man sich noch auf allen Gebieten auf die seit der Mitte des 15. -Jahrhunderts aus reinerer Quelle fließenden Kenntnisse der Alten. Doch -gab man sich nicht mehr wie früher gänzlich der Autorität gefangen. -Selbstbeobachten, eigenes Forschen wurde in den hervorragendsten Köpfen -dieses Zeitalters zum Losungswort. Und wenn auch noch kein neues -Gebäude der Wissenschaften erstand, so wurde doch auf allen Gebieten -mit den Vorarbeiten begonnen und die Tätigkeit des nachfolgenden -Zeitalters erst ermöglicht, dessen Aufgabe es war, die Fundamente der -neueren Naturwissenschaft zu legen. - -Wenn wir uns die hier skizzierte Entwicklung vergegenwärtigen, welche -die Wissenschaft seit ihrem Wiederaufleben im 14. und 15. Jahrhundert -genommen, so sehen wir, daß sie nicht mehr in solchem Maße wie früher -von den Geschicken eines oder einiger Völker abhängt, sondern daß -ihr Gang stetiger und weniger als bisher durch gewaltsame Ereignisse -der äußeren Geschichte beeinflußt erscheint. Die Geschichte der -Wissenschaften ist auch in der Folge nicht so eng mit dem Gange der -Weltgeschichte verknüpft wie in den früheren Perioden, in denen wir -häufig genötigt waren, das Verständnis der Wissenschaftsgeschichte -durch Heranziehen der allgemeinen Geschichte zu erschließen. - - - - -11. Die Begründung des heliozentrischen Weltsystems durch -Koppernikus[899]. - - -Das 16. Jahrhundert war auf allen Gebieten eine Zeit der Vorbereitung. -Nur zögernd und langsam, gleichsam tastend, entwickelte sich während -dieses Zeitraumes die neuere Methode der Naturforschung. Das 17. -Jahrhundert bietet uns dagegen das Schauspiel eines nie vorher -gesehenen Siegeslaufes unter der Führung eines *Galilei*, *Kepler* -und *Newton*. Nunmehr vollzog sich die innige Verschmelzung der -Naturwissenschaften mit der Mathematik, sowie die Ausgestaltung einer -streng induktiven Forschungsweise. Durch diese beiden Momente wurde -ein Umschwung herbeigeführt, wie ihn die Geschichte der Wissenschaften -nicht wieder erlebt hat. - -Das wichtigste Ereignis des 16. Jahrhunderts ist die Aufstellung -des heliozentrischen Weltsystems durch *Koppernikus* und die -hierdurch herbeigeführte Umgestaltung des gesamten Weltbildes. -*Nicolaus Koppernikus* wurde am 19. Februar (alten Stils) des Jahres -1473 in Thorn geboren. Polen und Deutsche haben sich um den Ruhm -gestritten, ihn zu den Ihren zählen zu dürfen. Ein solcher Streit -ist müßig. *Koppernikus* war einer der großen Geister, die durch ihr -Wirken der Welt gehören. Tatsache ist, daß Thorn zur Zeit seiner -Geburt unter polnischer Oberhoheit stand, im übrigen aber, was den -gebildeten Teil der Bevölkerung anbetraf, eine deutsche Stadt war. -Die Mutter des *Koppernikus* ist deutscher Abkunft gewesen. Über -die Stammeszugehörigkeit des Vaters läßt sich dagegen keine sichere -Entscheidung treffen. Soviel ist jedoch gewiß, daß *Koppernikus* selbst -in seinem Fühlen und Denken ein Deutscher war und sich in allen -Dokumenten, die auf uns gelangt sind, wenn er nicht Latein schrieb, der -deutschen Sprache bediente. - -Nachdem *Koppernikus* das Vaterhaus verlassen, bereitete er sich in -Krakau für den medizinischen Beruf vor. Bei der Vielseitigkeit, mit -der man in früheren Jahrhunderten die Universitätsstudien betrieb, -wurde er indes auch mit der Mathematik und mit der Astronomie vertraut. -Auf letzterem Gebiete genoß die Universität Wien, wo *Peurbach* und -*Regiomontan* gelehrt hatten, einen vorzüglichen Ruf. Dorthin begab -sich deshalb nach Beendigung seiner medizinischen Studien der spätere -Reformator der astronomischen Wissenschaft. Zum Glück für letztere -war *Koppernikus* nicht gezwungen, sofort dem ärztlichen Berufe -nachzugehen. Er war nämlich dadurch günstig gestellt, daß sein Oheim -mütterlicherseits, der Bischof von Ermeland, sich seiner annahm und -ihm später eine Domherrenstelle des Frauenburger Kapitels verschaffte. -Von 1495-1505 hielt sich *Koppernikus* meist in Italien auf. Dort -war im Zeitalter der Renaissance die Astronomie emporgeblüht. In -Florenz war unter den Mediceern die erste Akademie nach platonischem -Vorbild entstanden. Sternwarten wurden errichtet und Lehrstellen -geschaffen. In Italien hatte auch *Nicolaus von Cusa* seine Anregungen -empfangen und sie von dort nach Deutschland verpflanzt. Diesem Vorbild -folgte *Koppernikus*, indem er sich in Italien fast ein Jahrzehnt -in der praktischen Astronomie vervollkommnete. Doch ist aus diesem -langen Abschnitt seines Lebens, der für die Entwicklung seiner -wissenschaftlichen Vorstellungen ohne Zweifel von großer Bedeutung -gewesen ist, sehr wenig bekannt geworden. Auch von den astronomischen -Hilfsmitteln, deren sich *Koppernikus* bediente, weiß man nur wenig. -Jedenfalls besaßen sie keinen hohen Grad von Genauigkeit. Wie die -astronomischen Instrumente im Zeitalter des *Koppernikus* beschaffen -waren, erfahren wir aus dem von dem Astronomen *Apian*[900] um jene -Zeit verfaßten »Instrument-Buch«. - -Der Gedanke, der seinem System zugrunde liegt, bemächtigte sich des -*Koppernikus*, sobald er in der Blütezeit des Mannesalters selbständig -forschend an die Natur herantrat. Diesen Gedanken zu verfolgen und -zu begründen, erschien ihm als eine Aufgabe, wohl wert, sein ganzes -übriges Leben in stiller Forscherarbeit ihr zu widmen. Seit der im -Jahre 1505 erfolgten Rückkehr aus Italien bis zu seinem Tode am 24. Mai -des Jahres 1543 blieb er deshalb, von einigen kleinen Reisen abgesehen, -in seinem Bistum. Ein beschauliches Leben hat *Koppernikus* jedoch in -dieser Zurückgezogenheit nicht geführt. Die Zeit, welche ihm die mit -dem Domherrnamt verbundenen Pflichten übrig ließen, war der Armenpraxis -in Frauenburg und der sorgfältigen Ausarbeitung jenes großen Werkes -gewidmet, in dem er seine Theorie, sowie die jahrelangen Beobachtungen, -auf die er sie stützte, niedergelegt hat. - -Das für die neuere Astronomie grundlegende Hauptwerk des *Koppernikus* -erhielt den Titel »Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper«. In -der an den Papst gerichteten Vorrede wird der Anlaß zu dem Werke und -seine Geschichte mitgeteilt. Wir erfahren daraus, daß die Schrift »bis -in das vierte Jahrneunt hinein«[901] verborgen blieb, bis sie zum -Druck gelangte. Obgleich *Koppernikus* um das Jahr 1530 den Ausbau der -heliozentrischen Lehre beendet hatte, schwankte er, ob er mit seinen -Ansichten an die Öffentlichkeit treten sollte. »Die Verachtung«, sagt -er, »die ich wegen der Neuheit und der scheinbaren Widersinnigkeit -meiner Meinung zu befürchten hatte, bewog mich fast, das fertige Werk -beiseite zu legen.« - -Jedoch hatten befreundete Astronomen, sowie Geistliche, die sich mit -Astronomie beschäftigten, Kenntnis von dem Werk erhalten. Ihrem Drängen -nach Veröffentlichung setzte *Koppernikus* nicht nur aus dem erwähnten -Grunde anfangs Widerstand entgegen, sondern er zögerte auch, weil ihn -der Wunsch beseelte, wirklich Besseres an die Stelle des Vorhandenen -zu setzen. Kam es ihm doch vor allem darauf an, der beobachtenden -Astronomie einen Dienst zu erweisen und ihr das neue Lehrgebäude in -einem solch vollkommenen Zustande zu übermitteln, daß es an die Stelle -des alten, mit den praktischen Bedürfnissen eng verwachsenen Systems -treten konnte. Von einem völligen Gelingen blieb *Koppernikus*, wie -er wohl selbst am besten wußte, indes noch weit entfernt. Auch mochte -er wohl ahnen, welchen Sturm sein Versuch entfesseln sollte. Galt es -doch, einer seit Jahrtausenden geheiligten Anschauung den Boden zu -entziehen[902] und an ihre Stelle eine neue Lehre zu setzen, welche -der bisher den wesentlichsten Teil der Welt ausmachenden Erde eine nur -bescheidene Stelle unter zahllosen Körpern gleichen, ja selbst höheren -Ranges einräumte. Ganz zu geschweigen der Gefahr, der eine solche -Neuerung ausgesetzt war, als ketzerisch verdammt zu werden. - -Erst ein Jahr vor seinem Tode vermochte man *Koppernikus* zur -Herausgabe seiner »Kreisbewegungen«[903] zu bestimmen. *Osiander*, -welcher den in Nürnberg erfolgenden Druck des Buches überwachte, hielt -es, ohne von *Koppernikus* hierzu ermächtigt zu sein, für geraten, -in einer besonderen Einleitung das Ganze als eine bloße Hypothese -hinzustellen. Wenn die Wissenschaft Hypothesen ersinne, so beanspruche -sie damit keineswegs, daß man nun auch davon überzeugt sei. Sie -wolle nur eine Grundlage für ihre Berechnungen schaffen. Hypothesen -brauchten also nicht einmal wahrscheinlich zu sein. Es genüge vielmehr, -daß sie eine Rechnung ermöglichen, die zu den Beobachtungen paßt. -Mit diesen Ausführungen hat *Osiander* dasjenige, was wir heute als -bloße Arbeitshypothese bezeichnen, durchaus richtig gekennzeichnet. -Daß eine Abschwächung seiner Lehre jedoch durchaus nicht im Sinne -des Verfassers lag, geht aus der von *Koppernikus* herrührenden -Vorrede deutlich genug hervor. Er sei, sagt er, entgegen der Meinung -der Astronomen, ja beinahe gegen den gemeinen Menschenverstand -dazu gekommen, sich eine Bewegung der Erde vorzustellen. Zu dieser -Annahme habe ihn der Umstand veranlaßt, daß die Astronomen bei -ihren Untersuchungen sich über die Bewegungen der Himmelskörper gar -nicht einig seien und die Gestalt der Welt und die Symmetrie ihrer -Teile bisher nicht hätten finden können. Man habe zur Erklärung der -astronomischen Erscheinungen die verschiedensten Arten von Bewegungen -angenommen. Die einen bedienten sich nur der konzentrischen, die -anderen der exzentrischen und epizyklischen[904] Kreise. Doch sei das -Erstrebte dadurch nicht erreicht worden. Endlich habe er durch viele -und fortgesetzte Beobachtungen gefunden, daß, wenn die Bewegungen der -übrigen Wandelsterne auf einen Kreislauf der Erde bezogen, und dieser -dem Kreislauf jedes Gestirns zugrunde gelegt werde, nicht nur die -Erscheinungen der Wandelsterne daraus folgten, sondern daß dann auch -die Gesetze und Größen der Gestirne und ihre Bahnen so zusammenhingen, -daß in keinem Teile des Systems ohne Verwirrung der übrigen Teile und -des ganzen Weltalls irgend etwas geändert werden könne. Die Astronomen -möchten die neue Lehre prüfen, und er zweifle nicht, daß sie ihm -beipflichten würden. Damit aber Gelehrte und Ungelehrte sähen, daß er -durchaus niemandes Urteil scheue, so wolle er sein Werk lieber dem -Papste als irgend einem andern widmen. - -Die Anregung zu seinem System empfing *Koppernikus* offenbar aus -den Schriften der Alten. Nachdem er über die Unzulänglichkeit der -bestehenden Theorien nachgedacht, durchforschte er alle Schriften, -deren er habhaft werden konnte, um festzustellen, ob nicht irgend -jemand einmal andere Ansichten als die herrschenden über die Bewegungen -der Weltkörper geäußert habe. Da fand er denn zuerst bei *Cicero*, -daß *Nicetas* geglaubt habe, die Erde bewege sich. Nachher fand er -auch bei *Plutarch*, daß andere ebenfalls dieser Meinung gewesen -seien. Hierdurch veranlaßt, fing er an, über die Bewegung der Erde -nachzudenken, obgleich diese Ansicht ihm zuerst selbst widersinnig zu -sein schien. - -Indessen nicht nur unbestimmte Meinungen, sondern auch einen recht -brauchbaren Ansatz zu seiner Theorie fand *Koppernikus* bei den Alten -vor. Es war ihm nämlich die Meinung einiger alten Schriftsteller -begegnet, daß Venus und Merkur sich um die Sonne als ihren Mittelpunkt -bewegten und deswegen von ihr nicht weiter fortgehen könnten, als es -die Kreise ihrer Bahnen erlaubten. *Koppernikus* nennt *Martianus -Capella* (5. Jahrhundert nach Chr. Geb.) als seinen Gewährsmann. Es -heißt bei ihm: »Venus und Merkur bewegen sich nicht um die Erde, die -nicht für alle Planetenbahnen den Mittelpunkt bildet, wenngleich sie -unzweifelhaft der Mittelpunkt der Welt ist. Beide Planeten gehen zwar -täglich auf und unter, sie bewegen sich aber um die Sonne. In dieser, -die viel größer als die Erde ist, haben sie ihren Bahnmittelpunkt.« -*Martianus Capella* verlegte gleich anderen Berichterstattern den -Ursprung der erwähnten Lehre nach Ägypten. Neuere Forschungen haben -jedoch den Beweis geliefert, daß sie auf *Herakleides Pontikos*, einen -Schüler *Platons*, zurückzuführen ist[905]. *Herakleides* war auch -darin ein Vorläufer des *Koppernikus*, daß er die tägliche, scheinbare -Bewegung der Himmelkugel aus einer Drehung der Erde von West nach -Ost erklärte. Ihre Fortsetzung fanden diese Lehren durch *Aristarch -von Samos*. *Aristarch*[906] setzte die Sonne, die er für 300 mal -so groß wie die Erde hielt, in den Mittelpunkt und ließ die Erde -sich in jährlichem Umlauf um die Sonne bewegen. Die heliozentrische -Weltansicht war dem Altertum also wohl bekannt. Sie fand sogar den -Beifall vieler, trug indes ihrem Urheber, ganz ähnlich, wie es später -den ersten erklärten Anhängern des koppernikanischen Systems erging, -von gegnerischer Seite eine Anklage wegen Gottlosigkeit ein. Doch -konnte die heliozentrische Theorie im Altertum nicht recht Wurzel -schlagen, da sie noch nicht imstande war, den Anforderungen der -praktischen Astronomie zu genügen. Letztere erblickte ihre Aufgabe ja -weniger darin, die beobachteten Bewegungen der Sonne, des Mondes und -der Planeten zu erklären, als sie genau zu messen und im voraus zu -bestimmen. - -Indem nun *Koppernikus* von der Ansicht des *Martianus Capella* ausging -und Saturn, Jupiter und Mars auf denselben Mittelpunkt, die Sonne -nämlich, bezog, gleichzeitig aber die große Ausdehnung der Bahnen der -genannten Planeten berücksichtigte, die außer den Bahnen des Merkur -und der Venus auch die der Erde umschließen, gelangte er zu seiner -Erklärung der Planetenbewegung. Es stehe nämlich fest, führt er des -weiteren aus, daß Saturn, Jupiter und Mars der Erde immer dann am -nächsten seien, wenn sie des Abends aufgingen, d. h. wenn sie in -Opposition zur Sonne ständen, oder die Erde sich zwischen ihnen und -der Sonne befinde. Dagegen seien Mars und Jupiter am weitesten von der -Erde entfernt, wenn sie des Abends untergingen, wir also die Sonne -zwischen ihnen und der Erde hätten. Dies beweise hinreichend, daß -der Mittelpunkt ihrer Bahn die Sonne und somit derselbe sei, um den -auch Venus und Merkur kreisen. Da somit alle Planeten sich um einen -Mittelpunkt bewegen, sei es notwendig, daß der Raum, der zwischen dem -Kreise der Venus und dem des Mars übrig bleibe, die Erde mit dem sie -begleitenden Monde aufnehme. Er scheue sich daher nicht, zu behaupten, -daß die Erde mit dem sie umkreisenden Monde zwischen den Planeten -einen großen Kreis in jährlicher Bewegung um die Sonne durchlaufe. Auf -solche Weise finde die Bewegung der Sonne in der Bewegung der Erde ihre -Erklärung. Die Welt aber sei so groß, daß die Entfernung der Planeten -von der Sonne, mit der Fixsternsphäre verglichen, verschwindend klein -sei. Er halte dies alles für leichter begreiflich, als wenn der -Geist durch eine fast endlose Menge von Kreisen verwirrt werde, was -diejenigen herbeiführten, welche die Erde in den Mittelpunkt der Welt -setzten. - -[Illustration: Abb. 62. Das koppernikanische Weltsystem. - -(Aus Koppernikus' Werk über die Bewegung der Weltkörper.)] - -*Koppernikus* bringt dann die vorstehend wiedergegebene Abbildung (62) -seines Weltsystems und erläutert sie mit folgenden Worten: »Die erste -und höchste von allen Sphären ist diejenige der Fixsterne, die sich -selbst und alles übrige enthält und daher unbeweglich ist. Es folgt der -äußerste Planet, Saturn[907], der in 30 Jahren seinen Lauf vollendet; -hierauf Jupiter mit einem zwölfjährigen Umlauf; dann Mars, der in zwei -Jahren seine Bahn beschreibt. Die vierte Stelle nimmt der jährliche -Kreislauf ein, in dem die Erde mit der Mondbahn enthalten ist. An -fünfter Stelle kreist Venus in neun Monaten. Den sechsten Platz nimmt -Merkur ein, der in einem Zeitraum von 80 Tagen seinen Umlauf vollendet. -In der Mitte aber von allem steht die Sonne. Denn wer möchte in diesem -schönsten Tempel diese Leuchte an einen anderen oder besseren Ort -setzen?« - -»So lenkt in der Tat die Sonne, auf dem königlichen Throne sitzend, -die sie umkreisende Familie der Gestirne. Wir finden also in dieser -Anordnung einen harmonischen Zusammenhang, wie er anderweitig nicht -gefunden werden kann. Denn hier kann man bemerken, warum das Vor- und -Zurückgehen beim Jupiter größer erscheint als beim Saturn und kleiner -als beim Mars und wiederum bei der Venus größer als beim Merkur. -Außerdem, warum Saturn, Jupiter und Mars, wenn sie des Abends aufgehen, -der Erde näher sind als bei ihrem Verschwinden in den Strahlen der -Sonne. Vorzüglich aber scheint Mars, wenn er des Nachts am Himmel -steht, an Größe dem Jupiter gleich zu sein, während er bald darauf -unter den Sternen zweiter Größe gefunden wird. Und dies alles ergibt -sich aus derselben Ursache, nämlich aus der Bewegung der Erde. Daß aber -an den Fixsternen nichts davon in die Erscheinung tritt, ist ein Beweis -für die unermeßliche Entfernung dieser Sterne, eine Entfernung, welche -selbst die Bahn der Erde oder das Abbild dieser Bahn am Himmel für -unsere Augen verschwinden läßt[908].« - -Die Grundlagen seines Systems hat *Koppernikus* am klarsten in einem -»kurzen Abriß«[909] niedergeschrieben, den er wahrscheinlich schon bald -nach 1530 verfaßte. Er stellt diese Grundlagen in folgenden Sätzen -zusammen: - - 1. Es gibt nur einen Mittelpunkt für die Gestirne und ihre Bahnen. - - 2. Der Erdmittelpunkt ist nicht auch der Mittelpunkt für die Welt, - sondern nur für die Mondbahn und für die Schwere. - - 3. Alle Planeten bewegen sich um die im Mittelpunkte ihrer Bahnen - stehende Sonne. In sie fällt also der Weltmittelpunkt. - - 4. Der Abstand Erde -- Sonne ist gegenüber dem Durchmesser des - Fixsternhimmels verschwindend klein. - - 5. Was als eine Bewegung am Himmel erscheint, leitet sich von einer - Bewegung der Erde her. Sie dreht sich nämlich täglich völlig um ihre - Axe. Dabei behalten ihre beiden Pole dauernd dieselbe Lage bei. - - 6. Was uns als eine Bewegung der Sonne erscheint, leitet sich auch - nicht von diesem Gestirn, sondern von der Erde und ihrer Bahn her, in - der sie sich um die Sonne ebenso bewegt, wie die übrigen Planeten es - tun. - - 7. Das Vorschreiten und Zurückbleiben der Planeten ist nicht ihre - eigene, sondern nur eine Folge der Erdbewegung. - -Wie die ältere, so entsprach auch die neuere, von *Koppernikus* -entwickelte Theorie den Beobachtungen bei weitem nicht in dem Maße, als -ihr Begründer anfangs hoffen mochte. Es lag das daran, daß er gleich -den Alten daran festhielt, die Bewegung der Himmelskörper erfolge -gleichmäßig und im Kreise. *Aristoteles* hatte dies gelehrt. Für ihn -und alle, die sich nach ihm mit der Astronomie befaßten, *Koppernikus* -eingeschlossen, war dies ein von vornherein feststehender Satz. Die -Welt ist kugelförmig, die Erde ist gleichfalls kugelförmig, die -Bewegung der Himmelskörper erfolgt gleichmäßig, ununterbrochen und im -Kreise. So lauten die Überschriften der wichtigsten Abschnitte des -koppernikanischen Werkes. Und warum verhält es sich so? Weil Kreis -und Kugel die vollkommensten Formen sind und kein Grund für eine -ungleichförmige Bewegung vorliegt, lautet die Antwort. Auch *Kepler* -war, wie wir sehen werden, anfangs in dem erwähnten Vorurteil befangen. -Ihm gelang es aber, sich davon frei zu machen. Als er eingesehen, -daß die Beobachtungen sich mit den hergebrachten Anschauungen nicht -in Einklang bringen ließen, machte er die Annahme, daß sich die -Planeten nicht in Kreisen, sondern in Ellipsen bewegen und daß ihre -Bewegung ungleichförmig sei. Jetzt waren alle Widersprüche, in denen -die heliozentrische Theorie sich den Beobachtungen gegenüber befand, -gelöst, und diese Theorie damit erst lebensfähig geworden. Was ihr -Begründer gut zu erklären wußte, waren vor allem das scheinbare -Zurückgehen und Stillstehen der Planeten, sowie die Veränderungen -in der scheinbaren Größe dieser Himmelskörper, die besonders beim -Mars beträchtlich sind. Zur Erklärung anderer Ungleichmäßigkeiten -blieb jedoch nichts weiter übrig, als auf die Epizyklentheorie -unter Beibehaltung der Sonne als Mittelpunkt des ganzen Systems -zurückzugreifen. - -Wir erkennen, daß eine neue Wahrheit bei ihrer Entdeckung selten -vollendet ist. Sie geht gewöhnlich nicht aus dem Hirn eines einzelnen, -sondern als Errungenschaft des Geistes einer Zeit aus den Bemühungen -mehrerer, oft sogar zahlreicher Forscher und Denker hervor. - - -Aufnahme und Ausbreitung der heliozentrischen Lehre. - -Für die Richtigkeit seines Weltsystems konnte *Koppernikus* noch keine -schlagenden Beweise, sondern lediglich die größere Einfachheit ins Feld -führen. Dem Einwand, daß die jährliche Bewegung der Erde sich in einer -scheinbaren Veränderung der Fixsternörter offenbaren müsse, wußte er -nur dadurch zu begegnen, daß er diese Himmelskörper in eine Entfernung -versetzte, gegen welche der Durchmesser der Erdbahn verschwindend -klein sei. Das Einzige, was *Koppernikus* den Angriffen seiner Gegner -gegenüberstellen konnte, waren Gründe der Vernunft. »Es ist«, sagt er, -»wahrscheinlicher, daß die Erde sich um ihre Achse dreht, als daß alle -Planeten mit ihren verschiedenen Entfernungen, alle herumschweifenden -Kometen und das unendliche Heer der Fixsterne dieselbe regelmäßige -vierundzwanzigstündige Bewegung um die Erde ausführen«. - -Eigentliche Beweise, sowohl für die Drehung als auch für den Umlauf -der Erde, haben erst spätere Jahrhunderte gebracht und dadurch die -koppernikanische Lehre auf den Rang einer unumstößlichen Wahrheit -erhoben[910]. Neben ihrer Einfachheit konnte *Koppernikus* für seine -Theorie wie *Aristarch* auch den Umstand ins Feld führen, daß die -Sonne der bei weitem größere Weltkörper sei. Das Größenverhältnis von -Mond, Erde, Sonne ist nach *Koppernikus* gleich 1 : 43 : 6937[911]. -Ferner nahm *Koppernikus* die Entfernung der Sonne auf Grund von -Beobachtungen, die nach dem von *Aristarch* herrührenden Verfahren -angestellt wurden, zu 1197 Erdhalbmessern an. Auch dieses Ergebnis -blieb weit hinter der Wahrheit zurück. Erst im 18. Jahrhundert -fand man durch Messungen, welche die Vorübergänge der Venus vor -der Sonnenscheibe zum Ausgang nahmen, einen zuverlässigen Wert für -jenes Grundmaß der Astronomie. Dieser übertraf den von *Koppernikus* -angegebenen Wert fast um das Zwanzigfache. - -Das Erscheinen der »Kreisbewegungen«, deren erste Druckbogen -*Koppernikus* noch auf dem Sterbebette gelesen haben soll, veranlaßte -durchaus nicht einen solchen Aufruhr unter den Geistern, wie -man es in Anbetracht der Wichtigkeit der darin ausgesprochenen -Ansichten wohl hätte erwarten können. Dies hatte mehrere Gründe. Die -zeitgenössische Astronomie beachtete die Neuerung wenig. Einige dem -*Koppernikus* befreundete Astronomen ausgenommen, hielt man an der -*ptolemäischen* Lehre fest, zu der man überdies in jener Zeit, die -noch keine Lehrfreiheit kannte, verpflichtet war. Ferner gaben die dem -neuen System noch anhaftenden Unvollkommenheiten den berufsmäßigen -Astronomen, denen der praktische Wert ausschlaggebend sein mußte, ein -gewisses Recht, zunächst das Hergebrachte in Geltung zu belassen. -Brachte doch das heliozentrische System dem rechnenden Astronomen -zunächst kaum nennenswerte Vorteile. *Koppernikus* hatte es verstanden, -seine Neuerung in einer alles Polemische ausschließenden Weise -vorzutragen und jedes Hinüberspielen auf das Gebiet biblischer und -religiöser Anschauungen zu vermeiden. So kam es, daß auch die Kirche, -die von einer astronomischen Neuerung wohl eine Verbesserung ihres -Kalenders erhoffte, das Buch, dem ja sogar eine Widmung an den Papst -voranging, duldete und dem Gegensatz kein Gewicht beilegte, in den es, -vom Standpunkt des starren Wortglaubens aus betrachtet, zur biblischen -Überlieferung trat. - -»Es scheint mir,« schrieb *Koppernikus* in jener Widmung, »daß die -Kirche aus meinen Arbeiten einigen Nutzen ziehen kann. War doch -unter *Leo* X. die Verbesserung des Kalenders nicht möglich, weil -die Größe des Jahres und die Bewegung der Sonne und des Mondes nicht -genau bestimmt waren. Ich habe gesucht, diese näher zu bestimmen. -Was ich darin geleistet habe, überlasse ich dem Urteile Deiner -Heiligkeit und der gelehrten Mathematiker.« Der großen Masse, selbst -der Gebildeten, fehlte bei der damals herrschenden Unkenntnis in -naturwissenschaftlichen Dingen durchaus das Vermögen, mit eigenem -Urteil an die neue Lehre heranzutreten. Deshalb läßt sich die -Äußerung *Luthers* wohl entschuldigen, der da meinte: »Der Narr will -die ganze Astronomie umkehren. Aber die heilige Schrift sagt uns, -daß Josua die Sonne stillstehen hieß und nicht die Erde.« Daran, daß -diese Neuerung auf dem Gebiete der Astronomie der Kirche schaden, -geschweige denn das religiöse Gefühl beeinträchtigen könnte, hat -*Luther* schwerlich gedacht. Etwas ängstlicher war schon *Melanchthon*, -der auch mehr Verständnis für das Unerhörte jener Neuerung besaß. -Selbst ein eifriger Astrologe, hatte er das Gebäude der damaligen -Astronomie in seinem Lehrbuch der Physik zur Darstellung gebracht. -Die neue heliozentrische Ansicht hielt er für so gottlos, daß er -sie zu unterdrücken empfahl[912]. Auch der viel später lebende -*Francis Bacon*, den übertriebene Schilderungen als den Begründer der -neueren Naturwissenschaft gefeiert haben, war ein erklärter Gegner -des *Koppernikus*, und zwar zu einer Zeit, als die Frage nach der -Richtigkeit des heliozentrischen Systems die Geister bewegte. Erst -damals, im Zeitalter *Galileis*, nahm die Kirche zu dieser Frage -entschieden Stellung und verbot die »Kreisbewegungen«. Der bezügliche -Erlaß stammt aus dem Jahre 1616 und wurde amtlich erst 1822 wieder -aufgehoben, nachdem sein Bestehen jedoch fast in Vergessenheit geraten -war. Er lautet: »Die heilige Kongregation[913] hat in Erfahrung -gebracht, daß die falsche, der Heiligen Schrift völlig widersprechende -Lehre der Pythagoreer, von der Bewegung der Erde, wie sie *Koppernikus* -und einige andere vorgetragen haben, gegenwärtig verbreitet und -vielfach angenommen wird. Damit sich eine derartige Lehre nicht zum -Schaden der katholischen Wahrheit ausbreitet, beschloß die heilige -Kongregation daß die Bücher des *Koppernikus* und alle anderen, die -dasselbe lehren, bis zur Verbesserung zu verbieten sind. Sie werden -daher alle durch diesen Erlaß verboten und verdammt.« - -Zu den ersten Anhängern der koppernikanischen Lehre gehörte der -Dominikanermönch *Giordano Bruno*[914], *Spinozas* Vorläufer in der -Begründung einer pantheistischen Weltanschauung. Seinen divinatorischen -Blicken erweiterte sich das Fixsterngewölbe zu einem in Raum und Zeit -unendlichen Universum. *Bruno* war auch der erste, der die Fixsterne -als Sonnen und als Mittelpunkte ungezählter, dem unseren gleichartiger -Planetensysteme ansah. - -Er hat manches intuitiv vorweggenommen, was erst spätere Zeiten auf -Grund der Beobachtung sichergestellt haben. So nahm er an, daß nicht -nur die Erde, sondern auch die Sonne um ihre Axe rotiere. Von der -Erde behauptet er, daß sie an den Polen abgeplattet sein müsse. Die -Präzession der Nachtgleichen erklärte er mit folgenden Werten: »Bei den -unabsehbar mannigfaltig ineinandergreifenden Bewegungen der Weltkörper -kann es nicht ausbleiben, daß auch die scheinbar festesten Punkte ihre -gegenseitige Lage nach und nach verschieben. Die Erde wird also ihre -Lage zum Himmelspol verändern[915]«. Die Kometen betrachtete *Bruno* -als eine besondere Gattung der Planeten. Da die Kometen ganz ohne Regel -erschienen, so sei auch die Zahl der unsere Sonne umkreisenden Planeten -noch nicht festgestellt[916]. Die Welten und die Weltsysteme endlich -sind nach *Bruno* stetigen Änderungen unterworfen. Ewig ist nur die der -Welt zu Grunde liegende schaffende Energie. Darin spricht sich schon -eine gewisse Ahnung des Gesetzes von der Erhaltung der Energie aus. -*Brunos* lange als Schwärmerei betrachtete Lehre von der Beseeltheit -nicht nur der All-Materie, sondern auch der individuellen Beseeltheit -der einzelnen Weltkörper hat neuerdings *Fechner* zur Anerkennung zu -bringen gesucht. - -Daß die Erde selbst ein lebendes Wesen ist, schloß *Bruno* aus ihrer -Bewegung und daraus, daß sie lebende Wesen hervorbringt. Auch die -übrigen Weltkörper sind belebt und ein Schauplatz des Lebens. Daß sich -letzteres in denselben Formen wie auf der Erde offenbart, darf man -allerdings nicht annehmen. - -Man hat *Bruno* als den ersten monistischen Philosophen der neueren -Zeit zu betrachten. In seinen Schriften kam die geistige Eigenart der -italienischen Renaissance besonders zum Ausdruck. Der Lebensauffassung -jener Zeit entsprach auch seine, im Gegensatz zum Christentum stehende -Lehre vom heroischen Affekt. Die neue astronomische Ansicht, die sich -ihm und den Aufgeklärten unter seinen Zeitgenossen eröffnete, hat er im -Sinne der »Schönheitsherrlichkeit der Welt« verwertet[917]. - -*Giordano Brunos* Reformation des Himmels: Lo spaccio (Die Vertreibung) -della bestia trionfante (verdeutscht und erläutert von *L. Kuhlenbeck*, -Leipzig 1889), ist eine Moralphilosophie, die an die Betrachtung -der wichtigsten Sternbilder anknüpft. Die in italienischer Sprache -erschienenen Werke *Brunos* gab *P. de Lagarde* (Göttingen 1888) -heraus. Die astronomische Weltanschauung betrifft besonders das Werk -Del infinito Universo et de i mondi[918]. Einige charakteristische -Sätze aus diesem Werk mögen uns noch etwas eingehender mit *Brunos* -Vorstellungen bekannt machen: »In dem unermeßlichen zusammenhängenden -Raum, der alles in sich hegt und trägt, gibt es unzählige, dieser Welt -ähnliche Weltkörper. Von ihnen ist der eine nicht mehr in der Mitte des -Universums als der andere. Als unendliches All ist es ohne Mitte und -ohne Umfang. Wie um unsere Sonne sieben Wandelsterne kreisen, so gibt -es weitere Sonnen, die Mittelpunkte für andere Planetensysteme sind. -Jeder dieser Weltkörper dreht sich um sein eigenes Zentrum. Trotzdem -erscheint er seinen Bewohnern als eine stillstehende Welt, um die sich -alle übrigen Gestirne drehen. In Wahrheit gibt es so viel Welten wie -wir Fixsterne sehen. Sie befinden sich alle in dem einen Himmel, dem -einen Allumfasser, wie unsere Welt, die wir bewohnen.« - -Daß es unendlich viele Einzelwelten geben müsse, folgert *Bruno* aus -dem Wesen Gottes, dem er ein unendliches Können zuschreibt. - - -Astronomie und wissenschaftliche Erdkunde. - -In engster Beziehung zur Astronomie hat sich die wissenschaftliche -Erdkunde, d. h. eine Erdkunde, die mehr sein wollte, als eine bloße -Beschreibung der Länder und ihrer Erzeugnisse, entwickelt. Sie fand -in dem auf *Koppernikus* folgenden Zeitalter in Deutschland einen -hervorragenden Vertreter in *Gerhard Kremer* oder *Mercator*, wie -er sich selbst, nach damaliger Sitte seinen Namen latinisierend, -nannte[919] und in *Sebastian Münster*. - -*Münster* verfaßte eine »Cosmographia, Beschreibung aller Länder«. Die -darin enthaltenen Karten haben die Grundlage gebildet, von der die -Kartographie in Deutschland ihren Ausgang nahm[920]. - -*Mercator* wurde 1512 in einem flandrischen Städtchen geboren, wo sich -seine, aus Jülich stammenden Eltern vorübergehend aufhielten. Als -Arbeitsfeld wählte er, angeregt durch *Gemma Frisius*[921], mit dem er -während seiner Studienzeit verkehrte, die mathematische Geographie, -als deren Neubegründer er von vielen Seiten anerkannt wurde[922]. -Mit der Anfertigung von Landkarten, Globen und astronomischen -Instrumenten erwarb sich *Mercator* seinen Unterhalt. Von 1552 bis zu -seinem 1594 erfolgenden Tode lebte er in Duisburg, wo er neben seiner -wissenschaftlichen Tätigkeit mathematischen Unterricht am Gymnasium -erteilte. - -Sein erstes größeres Werk war ein Erdglobus, auf dessen Verfertigung er -ein und ein halbes Jahr verwendete. Zehn Jahre später (1551) lieferte -*Mercator* einen großen Himmelglobus. Zu seinen Verehrern zählte auch -*Karl V.* Dieser Monarch nahm an den Fortschritten der Astronomie und -Geographie solch lebhaften Anteil, daß er während der Belagerung einer -Festung mit *Apianus* ein Gespräch über diese Wissenschaften führen -konnte, während die Kugeln rechts und links von ihnen einschlugen. - -Mit *Apianus* und *Mercator* beginnt für die Kartographie eine neue -Zeit. Vor ihnen hatte man sich mit einem Abschätzen der Entfernungen -und mit Itinerarien begnügt, sowie sich abgemüht, das neu erworbene -Wissen mit dem des *Ptolemäos* in Einklang zu bringen. Jetzt entstanden -Karten, die auf genaueren Vermessungen beruhten. Unter diesen sind vor -allem *Apians*[923] »Bayrische Landtafeln« zu nennen. Sie erschienen -1568 auf 24 Blättern (Holzschnitt; Maßstab 1 : 144000) und gelten als -das topograhische Meisterwerk des 16. Jahrhunderts. Kein Land wurde in -jener Zeit mit gleicher Treue dargestellt. - -Was *Apian* für ein engbegrenztes Stück der Erde leistete, strebte der -belgische Geograph *Ortelius*[924] für den gesamten Erdkreis an. In -seinem »Theatrum orbis terrarum« (53 Karten in Kupferstich, Antwerpen -1570) schuf er ein Werk, das sich von *Ptolemäos* freimachte. Die -Mehrzahl jener von *Ortelius* herausgegebenen 53 Karten war nach den -besten Arbeiten anderer Kartographen verfertigt. - -Fast zu selben Zeit (1569) vollendete *Mercator* seine große Weltkarte. -Es war dies ein für die Geschichte der Erdkunde und der Nautik -hochbedeutsames Ereignis. Von diesem Zeitpunkt, sagt *Mercators* -Biograph, datiert die Reform der Kartographie, die kein zweites Werk -von gleicher Bedeutung zu verzeichnen hat. Die Vorschriften, die -*Mercator* den Seefahrern für die Benutzung seiner Karte gab, gelten -auch heute noch[925]. - -Ein für jene Zeit großes Verdienst erwarb sich *Mercator* dadurch, daß -er die damals noch in hohem Ansehen stehende Geographie des *Ptolemäos* -an Stelle der ungenauen Karten älterer Geographen mit Karten versah, -die sich den Angaben des *Ptolemäos* genau anschlossen. Eine Sammlung -von Karten europäischer Länder vereint mit Karten einzelner Erdteile -und Übersichten der ganzen Erde veranstaltete *Mercator* mit seinem -Sohne[926]. Sie erschien 1595 unter dem von *Mercator* gewählten -Titel »Atlas«[927], der seitdem für derartige Sammlungen gang und gäbe -geblieben ist. - -Die Grundsätze der Kartographie entwickelte *Mercator*[928] so klar, -wie es kein anderer vor ihm vermocht hatte. Er war der erste, der die -Bedingungen, die jede Projektionsart voraussetzt, genauer untersuchte, -und den Begriff der Konformität aufstellte, d. h. der Forderung, daß -eine ebene Figur die größtmögliche Ähnlichkeit mit der Kugelfläche -erhalten müsse. Da die Alten immer nur Teile der Erdoberfläche -darzustellen hatten, und ihre Projektionsarten dieser Aufgabe -anpaßten, war *Mercator*, als es galt, die ganze Erde kartographisch -darzustellen, vor eine ganz neue Aufgabe gestellt. Er löste sie durch -das nach ihm benannte Verfahren in der trefflichsten, für den Gebrauch -geeignetsten Weise. »Wenn,« sagt *Mercator* in der Erläuterung, die er -seiner Weltkarte hinzufügt, »von den vier Beziehungen, die zwischen -zwei Orten in Ansehung ihrer gegenseitigen Lage stattfinden, nämlich -Breitenunterschied, Längenunterschied, Richtung und Entfernung, auch -nur zwei berücksichtigt werden, so treffen auch die übrigen genau zu, -und es kann nach keiner Seite hin ein Fehler begangen werden, wie -dies bei den gewöhnlichen Seekarten so vielfach und zwar um so mehr, -je höher die Breiten sind, der Fall sein muß.« *Mercator* erzielte -diesen Vorteil dadurch, daß er die Erdoberfläche auf einen die Erde im -Äquator berührenden Zylinder projizierte, dessen Achse der Erdachse -parallel ist. Die Ausbreitung, welche dadurch die Längengrade nach -den Polen hin erfahren, wird durch eine in demselben Verhältnis -stattfindende Ausdehnung der Breitengrade ausgeglichen. Eine solche -Karte ist winkeltreu, d. h. sie gibt die Winkel so wieder, wie sie -auf der Erdoberfläche erscheinen; sie wahrt auch die Formähnlichkeit -(Konformität) der Ländergestalten[929] sie ist jedoch nicht -flächentreu, da ihr Maßstab mit der Entfernung vom Äquator wächst. - - - - -12. Die ersten Ansätze zur Neubegründung der anorganischen -Naturwissenschaften. - - -Wie auf dem astronomischen, so machte sich auch auf den übrigen -Gebieten der Naturwissenschaft während des 16. Jahrhunderts das -Bestreben geltend, die Fesseln der Autorität zu sprengen und -Beobachtung und Nachdenken an ihre Stelle zu setzen. Eine zweite -epochemachende Tat, die sich derjenigen des *Koppernikus* an die Seite -stellen ließe, haben wir jedoch in dieser Periode nicht zu verzeichnen. - -Als Physiker ist unter den Zeitgenossen des *Koppernikus* vor allem -*Maurolykus* (1494-1575) zu nennen. Er lehrte in Messina und entstammte -einer derjenigen Familien, die nach der Eroberung Konstantinopels -diese Stadt verlassen hatten, um sich den Verfolgungen der Türken zu -entziehen. *Maurolykus* machte sich um die Mathematik verdient, indem -er in einem umfangreichen Sammelwerke alles das zusammenfaßte, was -er selbst an mathemathischem Wissen den griechischen und arabischen -Schriftstellern verdankte. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich -durch die Herausgabe der archimedischen Werke, sowie von Schriften -des *Apollonios*, dessen Lehre von den Kegelschnitten durch ihn sogar -erweitert wurde. Sein mathematisches Können betätigte *Maurolykus* -ferner auf dem Gebiete der Optik, das sich von jeher für die -mathematische Behandlung besonders geeignet erwiesen hatte. Sein -optisches Werk, das er »Über Licht und Schatten« betitelte[930], -enthält manchen Fortschritt und viele Richtigstellungen früherer -Irrtümer. *Maurolykus* ist z. B. der erste Physiker, der die Wirkung -der Linse im Auge erklärt, indem er dartut, daß sich die Strahlen -hinter der Linse schneiden. Die Kurz- und Übersichtigkeit leitet er -aus einem übermäßigen oder zu geringen Grad der Linsenkrümmung ab. -Wenn er damit auch nicht ganz das Wesen der Sache traf, da man heute -Unregelmäßigkeiten in den Abmessungen des Augapfels als den Grund -dieser Mängel betrachtet, so erschloß sich doch ein theoretisches -Verständnis der Brillen, die schon seit dem 13. Jahrhundert im Gebrauch -waren. - -Ein schönes Beispiel, wie verschieden ein und dasselbe Problem in -aristotelischem Sinne und im Geiste der neueren, den wissenschaftlichen -Grundsätzen sich erschließenden Zeit behandelt wurde, bietet die -Erklärung des runden Sonnenbildchens. Es ist eine allbekannte -Erscheinung, daß die Sonnenstrahlen, die durch eine unregelmäßig -gestaltete Öffnung senkrecht auf eine ebene Fläche fallen, dort ein -kreisförmiges Bild hervorrufen. Die Aristoteliker waren mit ihrer -Erklärung, welche die Hohlheit des nicht durch genügende Induktion -gestützten philosophischen Denkens treffend dartut, bald fertig. Sie -schrieben die Erscheinung einer »Zirkularnatur« des Sonnenlichtes zu, -setzten also an Stelle der Erklärung ein Wort, welches das bezeichnet, -was zu erläutern ist. Geht man dagegen von der Tatsache aus, daß -jeder Punkt der Sonnenoberfläche Licht aussendet und ein Bild von der -Gestalt der Öffnung gibt, so werden die unzähligen Bilder, die sich -teilweise decken, insgesamt ein Flächengebilde entstehen lassen, das -sich als eine Projektion des leuchtenden Körpers darstellt. Daher muß -das Bildchen bei einer Sonnenfinsternis, der Gestalt der Sonnenscheibe -entsprechend, sichelförmig erscheinen, wie es die Beobachtung auch -dartut[931]. - -Die Erklärung des kreisförmigen Sonnenbildchens aus der »zirkulären -Natur« des Sonnenlichtes ist ein treffendes Beispiel für das, was man -eine »verborgene Qualität«, eine »qualitas occulta« genannt hat. Solch -unbestimmte Begriffe führten die Aristoteliker während des ganzen -Mittelalters, oft genug einer einzigen Erscheinung wegen, ein, wenn -sie eine aus den Tatsachen entspringende Erklärung nicht zu geben -vermochten. - -Etwas später fällt die Wirksamkeit des Italieners *Johann Baptista -Porta* (1538-1615). Dieser Mann ist typisch für diejenige Stufe einer -Disziplin, auf der sie noch nicht zu strengerer Wissenschaftlichkeit -gelangt ist. Wir finden bei *Porta* und seinen Zeitgenossen, die -sich mit physikalischen und chemischen Dingen beschäftigen, eine -Verquickung von Richtigem und Unrichtigem, von Klarheit mit Mystik und -Aberglauben, die heute, nachdem das Niveau der gesamten Bildung ein so -viel höheres geworden ist, eigentümlich anmutet. Das Streben dieser -Männer nach größerer Einsicht ging ferner mit einem marktschreierischen -Treiben Hand in Hand, durch das sie ihr eigenes Ansehen und das ihrer -Wissenschaft den Zeitgenossen gegenüber heben wollten. - -Das Buch, in dem *Porta*, ganz dem Geschmacke seiner Zeit -entsprechend, die Naturwissenschaften behandelt, ist »Die natürliche -Magie« betitelt[932]. Es ähnelt in manchen Teilen einem modernen -Zauberbuche, da es dem Verfasser nicht selten darauf ankommt, den -Leser zu unterhalten oder durch das Überraschende der Erscheinung in -Verwunderung zu setzen. Wichtig ist, daß *Porta* in seinem Buche eine -von ihm getroffene Verbesserung der Camera obscura beschreibt. Bis -dahin hatte man bei diesem Apparat das Licht durch eine Öffnung auf -einen dahinter befindlichen Schirm fallen lassen. *Porta* brachte in -der vergrößerten Öffnung eine Linse an, wodurch die Bilder bedeutend an -Schärfe gewannen[933]. - -Von Interesse ist ferner eine von *Porta* herrührende Einrichtung, -den Dampf zum Heben von Wasser zu benutzen. Das Wasser befindet sich -in einem Gefäß; der Dampf drückt auf die Oberfläche des Wassers und -treibt es durch ein heberartiges, bis auf den Boden tauchendes Rohr aus -dem Behälter heraus. Eine derartige Vorrichtung, die gegen das Dampfrad -*Herons* keinen wesentlichen Fortschritt bedeutet, als die erste -Stufe der Dampfmaschine zu bezeichnen, ist nicht gerechtfertigt. Doch -läßt sich nicht verkennen, daß man durch die von *Heron* und *Porta* -beschriebenen Versuche mit der Wirkung gespannter Dämpfe vertraut -wurde, und daß dadurch der Gedanke, diese Wirkung auf die einfachen -Maschinen der Mechanik zu übertragen, allmählich heranreifte. Erst von -diesem Fortschritt an, den wir später zu betrachten haben, kann von -einer eigentlichen Dampfmaschine die Rede sein. - -Es zeigt sich hier wie auch bei *Galilei* und anderen Forschern, daß -die Physik der Gase und der Flüssigkeiten im 17. Jahrhundert besonders -infolge der Anregungen ausgebaut wurde, die man dem Altertum in -*Herons* Schriften verdankte[934]. So schuf *Porta* eine »Pneumatik«, -die zwar keine bloße Wiedergabe der »Pneumatik« *Herons* ist, indessen -auf ihn zurückgeht[935]. Auch *Schwenter* (s. folg. Seite) hat in -seinen »Erquickstunden« manche Angaben *Herons*, besonders diejenigen, -die in *Herons* Druckwerken enthalten sind, verwertet. Dasselbe gilt -von *Schott*, dem Freunde *Guerickes*, und seiner 1657 erschienenen -»Mechanica hydraulico-pneumatica«. Sogar *de Caus*, dem die Franzosen -die Erfindung der Dampfmaschine zuschreiben möchten, geht auf *Heron* -zurück[936]. Selbst die Wasserkünste der fürstlichen Gärten des 17. -Jahrhunderts sind teilweise den von *Heron* ausgehenden Anregungen zu -verdanken. - -Auch den magnetischen Erscheinungen wandte man jetzt eine größere -Aufmerksamkeit zu. Indessen gerade dieses Gebiet wurde von *Porta* -und Männern verwandten Geistes noch außerordentlich mit Mystik und -Aberglauben verwoben. Mit der Deklination, deren Größe *Porta* für -Italien gleich 9° östlich angibt, war man schon vor *Columbus* -bekannt geworden. Letzterer machte die Beobachtung, daß sich die -Deklination (sie war damals im ganzen Gebiete des Mittelmeeres -östlich) bei einer Reise nach Westen verringerte und schließlich -in eine westliche überging. Auf Grund dieser Erkenntnis suchte sich -*Columbus* auf seiner zweiten Reise, wenn die Schiffsrechnung unsicher -war, durch einen Vergleich der Deklinationen zu orientieren. Es war -dies der erste, später oft wiederholte Versuch, die Deklination zur -Auffindung der geographischen Länge zu verwerten. Eine brauchbare -Lösung des Längenproblems, das schon *Hipparch* und *Ptolemäos* große -Schwierigkeiten bereitet hatte, sollte jedoch nicht auf diesem Wege, -sondern erst durch die Erfindung genauer Chronometer ermöglicht werden. -Das zweite Element des tellurischen Magnetismus, die Erscheinung -nämlich, daß die um eine horizontale Achse drehbare Nadel eine geneigte -Lage einnimmt, hat zuerst der Engländer *Norman* genauer beobachtet. -Er gab im Jahre 1576 die Größe dieser, als Inklination bezeichneten -Neigung für London zu 71° 50' an[937]. Auf die wechselnde Intensität -des Erdmagnetismus wurde man dann gegen das Ende des 18. Jahrhunderts -aufmerksam, so daß erst seit dieser Zeit eine allseitige, auch das -Quantitative in der Erscheinung berücksichtigende Kenntnis dieser -Naturkraft Platz greifen konnte. - -Unter den Männern, die etwas später die Naturwissenschaften ganz -im Geiste *Portas* behandelten, ist *Daniel Schwenter* zu nennen -(geboren 1585; gestorben 1636 als Professor der Mathematik in -Altdorf). Sein bekanntes Werk, »Die mathematischen und philosophischen -Erquickstunden«[938], ist ein würdiges Seitenstück zu *Portas* »Magia -naturalis« und erscheint besonders geeignet, um den Standpunkt, den -die Naturwissenschaften zumal in Deutschland vor der großen, durch -*Galilei*, *Kepler* und ihre Mitarbeiter hervorgerufenen Umwälzung -einnahmen, erkennen zu lassen. - -Bezeichnend ist zunächst, daß *Schwenter* es für nötig hält, die -Beschäftigung mit der Natur gegen den Vorwurf zu verteidigen, es -handele sich dabei um eine unnütze, ja kindliche Tätigkeit. Ein Kind, -sagt er, werfe wohl einen Stein ins Wasser und freue sich über die -vielen Kreise. Das sei eine kindliche Freude. Die Ursache dieser -Erscheinung nachzuweisen, sei dagegen kein Kinderwerk. Einige Beispiele -mögen dartun, wie unzulänglich und unbestimmt die Ansichten waren, die -man an der Schwelle des 17. Jahrhunderts noch hegte. Wir werden dann -den großen Fortschritt, den die Wissenschaft um jene Zeit durch die -Begründung der induktiven Forschungsweise erfuhr, um so besser würdigen -können. So ist das ganze Wissen *Schwenters* über die Fallbewegung in -folgenden Sätzen enthalten[939]: »Wenn ein Körper fällt, so bewegt -er sich um so geschwinder, je näher er der Erde kommt. Je höher der -Körper herabfällt, eine um so größere Gewalt besitzt er. Denn alles was -schwer ist, eilt nach der Philosophen Meinung unverhindert zu seinem -natürlichen Ort, d. i. zum Zentrum der Erde, wie der Mensch, der in -sein Vaterland zurückkehrt, um so begieriger ist, je näher er kommt, -und daher um so mehr eilt. Dazu kommt noch eine andere natürliche -Ursache. Die Luft nämlich, die von der Kugel zerteilt wird, eilt über -der Kugel geschwind wieder zusammen und treibt sie immer stärker an. -Was aber schon bewegt ist, läßt sich leichtlich weiter und geschwinder -bewegen«. Ein Fortschritt dem *Aristoteles* gegenüber ist in diesen -Auffassungen nirgends zu bemerken. Im Gegenteil, man muß sie als rein -aristotelisch bezeichnen. Nicht minder gilt dies von *Schwenters* -Auffassung der Wurfbewegung. Er setzt sie aus drei Bewegungen -zusammen, die er als genötigte, als gemischte und als natürliche -Bewegung bezeichnet. Danach treibt z. B. das Pulver die Kugel in einer -genötigten Bewegung schräg aufwärts, bis der höchste Punkt der Flugbahn -erreicht wird. Dann fängt, »nachdem eine solche gewalttätige Bewegung -schier ihr Ende nehmen will, die gemischte Bewegung durch einen Bogen -an«. Endlich gehe die Kugel in die natürliche Bewegung über und falle -senkrecht auf die Erde. Aus dieser Theorie sucht *Schwenter* die -Erfahrungstatsache abzuleiten, daß die größte Schußweite bei einem -Winkel von 45° erzielt wird. - -Interessant sind auch die Bemerkungen über den senkrechten Schuß. Er -verleihe dem Geschoß weit mehr Gewalt als der horizontale Schuß, »weil -das Feuer von Natur über sich begehre«. Wenn ferner das Geschütz in die -Höhe gerichtet werde, so presse die Kugel das Pulver und widerstrebe -der Gewalt des Pulvers auch mehr. Dadurch werde bewirkt, daß sich das -Pulver gleichsam erzürne, ehe es die Kugel austreibe. Endlich werde -eine schwere Kugel, welche widerstreben könne, viel weiter getrieben -als eine leichte, z. B. eine solche von Holz, die nicht widerstreben -könne. - -Die Tatsache, daß die Kugel beim senkrechten Schuß in der Nähe des -Geschützes wieder niederfällt, wird als Beweismittel gegen die -koppernikanische Lehre verwertet[940]: »So die Kugel 2 Minuten in der -Luft bleibt, müßte indessen der Böller 30 deutsche Meilen gelaufen -sein. Dies ist unmöglich, denn man würde dann keine Kugel mehr finden«. -Die Koppernikaner, sagt *Schwenter*, seien zwar der Ansicht, die Luft -bewege sich mit der Erde und zwar mit der gleichen Geschwindigkeit wie -die Erde. Die empor geworfene Kugel müsse daher von der Luft getrieben -nicht weit von dem Böller niederfallen. »Es ist aber«, fügt *Schwenter* -hinzu, »nicht glaublich, ja unmöglich, daß die Luft imstande ist, eine -schwere Kugel in solch kurzer Zeit 30 Meilen fortzutreiben.« Diese -Schwierigkeit stand der Annahme des koppernikanischen Systems also noch -100 Jahre nach seiner Aufstellung im Wege. Sie konnte erst durch die -allgemeine Anerkennung des Beharrungsgesetzes gehoben werden. - -In dem optischen Teil werden die Camera obscura, das Glasprisma, die -Lichtbrechung und der Regenbogen abgehandelt. Trotzdem *Schwenter* -den letzteren auch an Springbrunnen und an mit Regentropfen -bedeckten Spinnengeweben beobachtet hat, hält er ihn dennoch für ein -übernatürliches Werk. Der Regenbogen ist für ihn »ein Spiegel, in -dem der menschliche Verstand seine Unwissenheit am hellen Tage sehen -kann«. Die Physiker hätten »durch ihr vielfältiges Nachsinnen nichts -anderes darin gefunden, als daß sie noch das Wenigste, so in der Natur -verborgen sei, ausspekuliert hätten«. - -Gelegentlich der von ihm für glaubwürdig gehaltenen Erzählung von -den Brennspiegeln des *Archimedes* bemerkt *Schwenter*, daß man auch -durch eine Anzahl flacher Spiegel Pulver entzünden könne, wenn man die -Sonnenstrahlen durch die Spiegel sämtlich auf einen Punkt werfe. - -In dem Abschnitt, der von der Wärme handelt, beschreibt *Schwenter* -auch ein Instrument, mit dem man den Grad der Hitze und der Kälte -messen könne. Er bringt in ein Gefäß mit langem Halse etwas Wasser und -kehrt das Gefäß dann unter Wasser um, so daß die Flüssigkeit einen Teil -des Halses füllt. Im Winter, sagt *Schwenter*, steigt das Wasser hoch -herauf, so daß es fast den ganzen Hohlraum füllt; im Sommer dagegen -sinkt es tief herab. - -*Schwenter* ist noch mit *Porta* der Ansicht, daß sich das Wasser durch -einen Heber über hohe Berge leiten lasse. Man solle, meint er, eine -Röhre über den Berg legen und an der höchsten Stelle der Röhre einen -Trichter anbringen. Verstopfe man dann die beiden Mündungen der Röhre, -so könne man sie ganz mit Wasser füllen. Nach diesen Vorbereitungen -sei es nur nötig, die Mündungen gleichzeitig zu öffnen. Das Wasser -werde dann fort und fort aus dem Behälter, in den man die eine Mündung -getaucht, durch die Röhre ausströmen, wenn nur die zweite Mündung -tiefer gelegen sei. Jeder Versuch würde *Porta* und *Schwenter* gelehrt -haben, daß über einen »Berg« von 10 Metern Höhe das Wasser nicht durch -einen Heber geführt werden kann. - -Daß *Schwenter* indessen fremde Angaben auch nachprüft, geht aus -manchen Stellen seiner Schrift hervor. So hat ihm jemand mitgeteilt, -das Wasser steige aus einem tiefer befindlichen Gefäß in ein höher -gelegenes, wenn man beide Gefäße durch einen wollenen Faden verbinde. -*Schwenter* bemerkt dazu: »Ich finde durch den Versuch, daß diese Kunst -nicht angeht, denn es ist damit wie mit einem Heber beschaffen. Das -Wasser läuft nämlich nicht durch das wollene Band, wenn sein Ende nicht -tiefer liegt als der Wasserspiegel, in den das andere Ende eintaucht«. - -Wir haben *Schwenters* Werk etwas ausführlicher behandelt, nicht -etwa, weil es die Wissenschaft durch neue Gedanken oder Entdeckungen -bereichert hätte, sondern weil wenige von den in Deutschland zu Beginn -des 17. Jahrhunderts verfaßten Schriften über das gesamte Gebiet der -Naturlehre so geeignet sind, uns eine Vorstellung von dem Wissensstand -und den Anschauungen zu geben, die damals herrschten. Im gleichen Sinne -wie *Porta* und *Schwenter* wirkten während der ersten Hälfte des 17. -Jahrhunderts in Deutschland *Athanasius Kircher*, *Kaspar Schott* und -andere Männer. Sie alle waren Gelehrte von oft polyhistorischem Wissen, -die uns wohl dickleibige, zur Beurteilung jener Zeit wichtige Folianten -hinterlassen, die Wissenschaft selbst aber weder durch neue Ideen, noch -durch Entdeckungen bereichert haben. Insbesondere der gelehrte Jesuit -*Kircher* verdient mehr als bloße Erwähnung. - -*Athanasius Kircher* wurde in der Nähe von Fulda im Jahre 1601 geboren. -Er wirkte als Professor der Mathematik zunächst an der Universität -Würzburg, später in Rom, wo er 1680 starb. Von *Kirchers* zahlreichen -Schriften sind besonders drei hervorzuheben, weil sie uns einen -Einblick in den damaligen Zustand der Naturwissenschaften gewähren. -Es ist das Werk vom Licht und vom Schatten (Ars magna lucis et umbrae -1646), ferner ein Werk über den Magnetismus (Magnes, sive de arte -magnetica 1643) und drittens die für die Entwicklung der geologischen -Vorstellungen wichtige Schrift über »Die unterirdische Welt« (Mundus -subterraneus 1664). - -In dem optischen Werke *Kirchers* wird u. a. schon auf die Fluoreszenz -hingewiesen. *Kircher* nahm sie an dem wässerigen Auszug wahr, den man -aus einem mexikanischen Holz, dem »Nierenholz«, herstellt[941]. Diese -Lösung zeigte im auffallenden Lichte eine tiefblaue Farbe, während die -Flüssigkeit beim Hindurchblicken farblos wie Brunnenwasser aussah. -Unter Umständen erschien sie auch grün oder rötlich. Eine Erklärung -dieser auffallenden Erscheinung vermochte *Kircher* nicht zu geben. - -Sehr ausführlich handelt er von dem bononischen (Bologneser) -Leuchtstein. Ein Alchemist hatte den in der Nähe von Bologna -vorkommenden Schwerspat unter Beimengung reduzierender Mittel im Ofen -erhitzt und wahrgenommen, daß der Rückstand im Dunkeln leuchtet, wenn -er vorher von der Sonne beschienen wurde. Die Entdeckung[942] erregte, -wie begreiflich, das größte Aufsehen. Auch *Galilei* beschäftigte sich -damit. Er meinte, sie spreche deutlich gegen die Ansicht, daß das -Licht eine unkörperliche Qualität sei, weil der Stein das Sonnenlicht -aufnehme, als ob es ein Körper wäre, und es nach und nach wieder -zurückgebe. *Kircher* ist derselben Meinung. Er stellte den Bologneser -Stein her, indem er den Spat mit Eiweiß und Leinöl mischte und das -Gemenge glühte. - -Überraschende Entdeckungen sind fast immer in ihrer Tragweite -überschätzt und zu kühnen, nicht stichhaltigen Erklärungen verwertet -worden. Dies gilt auch von dem Bologneser Leuchtstein. So schrieb -*Kircher* dem Auge die gleichen Eigenschaften zu, die dieser Stein -besitzt, um die von ihm zuerst geschilderten physiologischen oder -subjektiven Farben zu erklären. Gemeint ist die Erscheinung, daß das -Auge, nachdem es längere Zeit auf farbige Gegenstände und dann auf eine -weiße Fläche gerichtet wird, die Umrisse jener Gegenstände in gewissen -Farben erblickt. Dies sollte daher rühren, daß das Auge, wie der -Leuchtstein, das Licht einsauge und es allmählich wieder ausstrahle. -Ein Zeitgenosse *Kirchers* suchte sogar das graue Licht des von der -Sonne nicht beleuchteten Teiles der Mondoberfläche durch die Annahme zu -erklären, daß auch der Mond ein Bologneser Stein sei. - -Von gutem Beobachtungsvermögen zeugen *Kirchers* Bemerkungen über den -Farbenwechsel des Chamäleons. Er brachte das Tier auf weiße und rote -Tücher und zeigte, daß sein Farbenwechsel dadurch beeinflußt wird. - -Bei *Kircher* begegnet uns ferner eine genaue Beschreibung der Laterna -magica. Man hat ihn daher als den Erfinder dieses Apparats bezeichnet, -wahrscheinlich aber mit Unrecht[943]. *Kircher* bediente sich schon -der transparenten Glasbilder. Ein erbauliches Beispiel für seinen -theologischen Eifer möge nicht unerwähnt bleiben. Die Zauberlaterne -erscheint ihm nämlich als ein vortreffliches Mittel, Gottlose durch -Vorführung des Teufels auf den rechten Weg zurückzubringen. - -*Kirchers* Werk über den Magneten steht hinter der viel früher -erschienenen, den gleichen Gegenstand behandelnden Schrift des -Engländers *Gilbert* weit zurück. Hervorzuheben ist *Kirchers* -Verfahren, mittelst der Wage die Tragkraft des Magneten zu bestimmen. -Auch stellt er die durch Jesuitenmissionäre im Auslande gemachten -Beobachtungen über Größe und Änderungen der Deklination in einer -Tabelle zusammen. Wie kritiklos indessen auch auf diesem Gebiete -*Kircher* und *Schwenter* häufig verfahren, geht daraus hervor, daß -sie die alte Fabel, daß der Magnet durch gewisse Pflanzen seine Kraft -verliere, ohne Nachprüfung aufnehmen. Der Magnet verliert, sagt -*Schwenter*, durch Feuer und durch Knoblauch seine Kraft. »Wie die -Erfahrung bezeugt« setzt er sogar hinzu. - -Wie *Schwenter* handelt *Kircher* im übrigen bei der Besprechung der -magnetischen Erscheinungen oft von Spielereien, deren Schilderung mit -starken Übertreibungen und Fabeln aller Art durchsetzt ist. Beide -Schriftsteller erörtern beispielsweise die Möglichkeit, vermittelst -des Magneten eine Art Telegraphie zu bewerkstelligen. Zwei Personen, -von denen die eine in Paris, die andere in Rom sein könne, müsse -man mit kräftigen Magneten ausrüsten. Bei genügender Stärke werde -der eine Magnet auf den anderen zu wirken vermögen. Es sei dann -nur erforderlich, unter jeder Nadel eine Scheibe mit Buchstaben -anzubringen. Der Sprechende habe nur seine Nadel auf die verschiedenen -Buchstaben einzustellen, um die Nadel des Empfängers zu den gleichen -Einstellungen zu veranlassen. Kurz, es ist der Grundgedanke des -Zeigertelegraphen, der uns hier entwickelt wird. Nur schade, daß das -Mittel zur Übertragung nicht ausreichte. Das sah auch *Schwenter* ein, -denn er fügt hinzu: »Die Invention ist schön, aber ich achte nicht -davor, daß ein Magnet solcher Tugend auf der Welt gefunden werde.« - -Das bedeutendste Ereignis der folgenden Periode ist die Begründung -der Dynamik durch *Galilei*. Auch dies geschah nicht unvermittelt. -Fanden sich schon bei *Lionardo da Vinci* klare, wenn auch noch nicht -hinreichend durchgearbeitete Begriffe auf diesem Gebiete der Physik, -z. B. bezüglich des Fallens über die schiefe Ebene[944] vor, so mehren -sich die Ansätze, je weiter wir uns dem Auftreten *Galileis* nähern. -Vor allem greift eine bessere, schon auf physikalischen Grundsätzen -beruhende Auffassung der Wurfbewegung Platz. Man erkennt, daß die -Bahn des geworfenen Körpers eine einzige krumme Linie ist, nicht -aber aus geraden und krummen Stücken besteht, wie die Peripatetiker -behaupteten, sowie daß die größte Wurfweite bei einem Elevationswinkel -von 45° erzielt wird[945]. Auch die Meinung der Aristoteliker, daß -ein Körper um so schneller falle, je schwerer er ist, wird schon vor -*Galilei*, der sie glänzend widerlegt, durch den Italiener *Tartaglia* -erschüttert. Dieser lehrte, daß Körper von verschiedenem Gewicht -beim freien Fall in gleichen Zeiten gleiche Strecken zurücklegen, -sowie daß ein im Kreise geschwungener Gegenstand beim Aufhören der -Zentralbewegung sich in tangentialer Richtung fortbewegt. - -Obwohl man solche Vorarbeiten als die Anzeichen des beginnenden -Umschwunges hoch bewerten muß, ist doch erst *Galilei* als der -eigentliche Begründer der Dynamik zu betrachten, weil durch ihn wie mit -einem Schlage fast alles beseitigt wurde, was jener Wissenschaft an -Verschwommenheit und aristotelischer Betrachtungsweise noch anhaftete. - -Für die Chemie sollte ein entsprechender Fortschritt noch lange -auf sich warten lassen. Zwar wurde er hier durch anerkennenswerte -Leistungen weit mehr vorbereitet als die fast unvermittelt uns -entgegentretenden Errungenschaften *Galileis*. Die Umgestaltung zur -exakten Wissenschaft vollzog sich aber trotzdem auf dem Gebiete der -Chemie erst im Verlauf des 18. Jahrhunderts. Während nämlich die -Grundlagen der Mathematik, der Astronomie und der Statik der neueren -Epoche schon in wissenschaftlicher Gestalt vom Altertum überliefert -wurden, war die Alchemie, deren Grundlagen zwar auch im Altertum, wenn -auch erst in den letzten Jahrhunderten dieses Zeitraums entstanden, -doch im wesentlichen ein Erzeugnis des Mittelalters und, dem Hange -jener Zeit entsprechend, durch mystische Zusätze stark getrübt. Wie -*Roger Bacon* und *Albertus Magnus* wandelten die Vertreter der -Chemie zu Beginn der neueren Zeit noch ganz in den vom Mittelalter -vorgezeichneten Bahnen. An den Stein der Weisen, dessen Herstellung -nach wie vor das Hauptziel aller Bemühungen blieb, knüpfte man die -abenteuerlichsten Hoffnungen. Der Stein sollte nicht nur, wie bei den -älteren Alchemisten, beim Zusammenschmelzen mit unedlen Metallen Gold -erzeugen, und zwar unbegrenzte Mengen, oder wenigstens 1000 × 1000 -Teile, sondern er sollte auch das Leben verlängern, dem Alter die -Jugend zurückgeben und alle Krankheiten heilen. Doch begegnen uns diese -Vorstellungen auch schon in weit früherer Zeit[946]. - -Von der Überzeugung, daß die Darstellung der Materia prima gelungen, -und Gold mit ihrer Hilfe dargestellt sei, war man übrigens fest -durchdrungen. Die Alchemie erlangte sogar eine gewisse politische -Bedeutung. An den Fürstenhöfen besaßen Männer, die sich angeblich im -Besitze des Geheimnisses befanden, großen Einfluß. Nachdem z. B. die -englische Regierung die Gelehrten und die Geistlichen aufgefordert -hatte, die Hilfe Gottes zu erflehen, damit die Herstellung des Steins -der Weisen endlich gelinge und man die Staatsschulden bezahlen -könne[947], gedieh die Sache bald darauf schon weiter. Dasselbe Land -nahm nämlich keinen Anstand, aus alchemistischem Golde geprägte -Münzen in Umlauf zu bringen. Doch war man, zumal in den geschädigten -Nachbarländern, aufgeklärt genug, um bald zu erkennen, daß es sich hier -um eine arge Täuschung handelte[948]. - -So bildete denn während des langen Zeitraums von mehr als einem -Jahrtausend das Suchen nach Gold[949] die treibende Kraft für die -chemische Wissenschaft. Denn als eine Wissenschaft müssen wir die -Chemie auf jener Entwicklungsstufe gelten lassen, wenn auch als eine -rein empirisch betriebene. Wurden doch während dieses ausgedehnten -Zeitraums eine unübersehbare Fülle von Tatsachen über das chemische -Verhalten der Körper beobachtet, eine Unzahl neuer Verbindungen -hergestellt, die wichtigsten chemischen Operationen ausgebildet, kurz -eine breite Grundlage geschaffen, die für die spätere Errichtung -eines Lehrgebäudes ganz unerläßlich war. Wir dürfen ferner bei der -Beurteilung der Alchemisten nicht vergessen, daß viele von ihnen von -einem heißen, wenn auch noch unklaren Streben nach dem Eindringen -in die für sie mit dem tiefen Schleier des Geheimnisvollen und -Unerklärlichen verhüllte Natur erfüllt waren und weiter, daß auch heute -noch die Hoffnung auf materiellen Gewinn oder wenigstens auf Nutzen -für das Gemeinwohl für sehr viele wissenschaftliche Unternehmungen, -insbesondere für diejenigen, welche der Staat mit seinen Mitteln -fördert, die wichtigste Triebfeder ist. - -Zu den eifrigsten Beschützern der Alchemisten und der Astrologen -gehörte der deutsche Kaiser *Rudolf II.*, der auf den Lebensgang des -großen *Kepler* einen solch tiefgreifenden Einfluß ausgeübt hat. Als -*Rudolf II.* im Jahre 1612 starb, fand man in seinem Nachlaß große -Mengen Gold und Silber, die als Erzeugnisse der alchemistischen Kunst -betrachtet wurden. Wenige Jahre später berichtet *van Helmont*, -ein Mann, von dessen Ehrlichkeit in wissenschaftlichen Dingen wir -überzeugt sein dürfen, der aber ein ganz unklarer Phantast war, daß es -ihm gelungen sei, acht Unzen Quecksilber mit 1/4 Gran der gesuchten -Substanz, die auf eine etwas mysteriöse Weise in seine Hände gelangt -war, in Gold zu verwandeln. - -Unter den ersten, die sich von der Alchemie, wie auch von der -Astrologie, abwandten, ist der an anderer Stelle wegen seiner -Verdienste um die Geologie genannte Franzose *Palissy* (1510 bis 1590) -zu nennen. Für seinen Zeitgenossen *Rabelais* waren die Astrologen -und die Alchemisten sogar ein unerschöpflicher Gegenstand beißenden -Spottes. Etwa zur selben Zeit wandte sich auch *Lionardo da Vinci* -gegen die »lügnerische und verderbliche Kunst der Alchemie und ihre -betrügerischen Anhänger«. Er bestritt, daß Schwefel und Quecksilber -Bestandteile der Metalle seien und erklärte die künstliche Darstellung -des Goldes für ebenso unmöglich wie die Quadratur des Kreises und das -Perpetuum mobile[950]. - -Daß die alchemistischen Bestrebungen stets von neuem Nahrung fanden, -und sich bis in das 18. Jahrhundert[951] hinein fortsetzen konnten, so -daß wir auf sie noch zurückkommen müssen, darf unter solchen Umständen -nicht wundernehmen. Die Chemie erhielt jedoch in dieser Periode, wenn -sich ihr Gesamtcharakter zunächst auch wenig änderte, eine Anregung, -die für ihre weitere Entwicklung von Bedeutung werden sollte. Als -zweite wichtige, die Erzeugung des Steines der Weisen immer mehr in den -Hintergrund drängende Aufgabe wurde es nämlich betrachtet, geeignete -Präparate zum Heilen der Krankheiten herzustellen. Es beginnt damit das -Zeitalter der medizinischen oder Jatrochemie. - -Der Hauptvertreter der Jatrochemie war *Paracelsus*. Dieser merkwürdige -Mann, dessen Lebenslauf hier nicht eingehender betrachtet werden kann, -wenn er auch ein Stück Kulturgeschichte zu entrollen geeignet ist, -wurde im Jahre 1493 zu Einsiedeln in der Schweiz geboren. *Theophrastus -Paracelsus* (von Hohenheim) bekleidete eine Zeitlang eine Professur -in Basel, führte jedoch im übrigen ein unstätes Leben, bis er 1541 -gänzlich mittellos starb. Sein ganzes Auftreten kennzeichnet ihn als -einen Vertreter des reformatorischen Geistes jener Zeit, der sich -keineswegs auf das kirchliche Gebiet beschränkte. Insbesondere wandte -sich *Paracelsus* gegen die anerkannten wissenschaftlichen Autoritäten, -die bislang auf dem Gebiete der Chemie und dem der Medizin gegolten -hatten. *Paracelsus* spricht es unumwunden aus, daß der wahre Zweck der -Chemie nicht darin bestehe, Gold zu machen, sondern daß es ihre Aufgabe -sei, Arzneien zu bereiten, die man bis dahin nach dem Vorgange *Galens* -fast ausschließlich dem Pflanzenreiche entnommen hatte. In etwas -theatralischer Weise übergab *Paracelsus*, als er seine Vorlesungen -in Basel gegen alles Herkommen in deutscher Sprache eröffnete, ältere -Werke, deren Inhalt er bekämpfte, den Flammen. Und zwar geschah dies, -bald nachdem *Luther* die Brücke dadurch hinter sich vernichtet hatte, -daß er die päpstliche Bannbulle öffentlich verbrannte. - -*Paracelsus* hat bis vor kurzem als umherschweifender, dem Trunke -ergebener Charlatan gegolten. Die neuere *Paracelsus*forschung[952] hat -mit dieser Auffassung gebrochen. Der Wandertrieb des *Paracelsus* ist -aus einer gründlichen Abkehr vom herkömmlichen Bücherstudium und aus -seinem Triebe zur Naturerkenntnis zu erklären. *Paracelsus* begründet -sein ihm oft zum Vorwurf gemachtes Verhalten mit folgenden Worten: »Mir -ist not, daß ich mich verantworte von wegen meines Landfahrens. Daß ich -so gar nirgends bleiblich bin, zeichnet den Weg derer, die den Büchern -den Rücken wenden und in die Natur hinaustreten. Mein Wandern hat mir -wohl erschlossen, daß keinem sein Meister im Haus wachset noch seinen -Lehrer hinter dem Ofen hat. Die Künste sind nicht verschlossen in Eines -Vaterland, sondern ausgeteilt durch die ganze Welt, sie sind nicht in -einem Menschen oder an einem Ort, sie müssen zusammengeklaubt werden -und gesucht, da sie sind. Die Kunst geht keinem nach, aber ihr muß -nachgegangen werden. Wie mag hinter dem Ofen ein guter Kosmographus -wachsen oder ein Geograph?« An einer andern Stelle sagt er: »Die -Weisheit ist eine Gabe Gottes. Da er sie hingibt, in demselbigen soll -man sie suchen. Also auch da er die Kunst hinlegt, da soll sie gesucht -werden ... Die Schrift wird erforschet durch ihre Buchstaben, die Natur -aber von Land zu Land, so oft ein Land so oft ein Blatt. Also ist Codex -Naturae, also muß man ihre Blätter umkehren«[953]. - -*Paracelsus* verhielt sich den Anhängern *Luthers* und *Zwinglis* -gegenüber ebenso ablehnend wie gegen das Papsttum und seine Lehre. Er -stand über den kirchlichen Streitereien seiner Zeit. Seine Frömmigkeit -war eine rein menschliche, sein Herz erfüllt von der Liebe zum -Nächsten. Diese solle die Berufstätigkeit des Arztes durchdringen[954]. - -Am größten ist der Einfluß des *Paracelsus* auf die damalige, häufig -nur auf verderbter Überlieferung der alten Literatur beruhende -Heilkunde gewesen. Die Werke *Galens*, das hervorragendste Erzeugnis -der antiken Heilwissenschaft, hatten nämlich einen großen Umweg -gemacht, um nach Mitteleuropa zu gelangen. Die Araber hatten sie -überliefert. Die Erläuterungen waren vorzugsweise in Spanien und -Italien entstanden, und schließlich waren *Galens* Werke noch in -jenes barbarische Latein übertragen, das vor dem Emporblühen des -Humanismus die Schriftsprache der mitteleuropäischen Universitäten war. -Als Lehrbuch wurde besonders der um das Jahr 1000 entstandene Kanon -des *Avicenna* (Ibn Sina) benutzt, ein umfangreiches Werk, welches -das Ganze der antiken und frühmittelalterlichen Chemie und Medizin -umfaßte[955]. - -Diesem Zustande machte *Paracelsus* durch sein kühnes Auftreten -ein Ende. Er war es, der zuerst die in bloßer Buchgelehrsamkeit -erstarrte Heilkunde wieder als reine Erfahrungswissenschaft auffassen -lehrte[956]. Im Verkehr mit Bergleuten, Handwerkern und den auf -sich angewiesenen, der Natur noch unbefangen gegenüberstehenden -Bewohnern einsamer Wälder und Gebirge sammelte er seine Kenntnisse. -Der Natur müsse man nachgehen von Land zu Land, und die Augen, die -»an der Erfahrenheit Lust« hätten, seien die wahren Professoren. -In *Paracelsus* lebte ein tiefer Geist, der aber »von dem einen -Punkte, den er ergriffen, die Welt erobern zu können meinte: viel zu -weit ausgreifend, selbstgenügsam, trotzig und phantastisch«[957]. -Auf die wunderlichen medizinischen Vorstellungen des *Paracelsus* -näher einzugehen, nach denen z. B. eine schaffende Kraft alle -Lebenstätigkeiten regelt, ihrerseits aber wieder in einem engen -Zusammenhange mit den Gestirnen steht, verbietet sich von selbst. Die -Verbindung der Heilkunde mit der Chemie ergibt sich nach *Paracelsus* -daraus, daß die Krankheiten auf Änderungen in der chemischen -Zusammensetzung des Körpers zurückzuführen seien. Chemisch wirksame -Mittel müßten also den normalen Zustand wieder herbeiführen können. -Alle Krankheiten sind von diesem Gesichtspunkte aus entweder durch -Zufuhr oder durch Beseitigung des im gegebenen Falle in Betracht -kommenden Elementes heilbar. Fieber wird auf ein Überwiegen von Sulfur -(Schwefel), Gicht auf die Ausscheidung von Mercurius (Quecksilber) -zurückgeführt, Elemente, die nach der Lehre des *Paracelsus* neben -Sal (Salz) die Grundbestandteile aller Dinge sind. Kupfervitriol, -Quecksilberchlorid, die schon vor *Paracelsus* als Heilmittel -empfohlenen Verbindungen des Antimons und zahlreiche andere, teils -giftige, teils ungiftige Präparate wandern damit in das Arsenal der -ärztlichen Heilmittel. Aus den oben genannten drei Elementen sind nach -*Paracelsus* alle Mineralien, Pflanzen und Tiere zusammengesetzt. -Es ist im wesentlichen die alte, auf die aristotelischen Elemente -zurückzuführende Lehre der Alchemisten. Der Sulfur war für -*Paracelsus* das Prinzip der Verbrennlichkeit, Mercurius bedingte die -Verflüchtigung, Sal endlich galt als der feuerbeständige Anteil, der -nach dem Verbrennen übrig bleibt. - -Seit dem Zeitalter der Jatrochemie entwickelt sich der Stand der -chemisch vorgebildeten Pharmazeuten, aus dem manches für den weiteren -Ausbau der Wissenschaft bedeutende Talent hervorgegangen ist. Waren -doch seit dem Verschwinden der schwarzen Küche der Adepten bis gegen -das Ende des 18. Jahrhunderts die Apotheken vorzugsweise diejenigen -Stätten, von denen die praktische Beschäftigung mit der Chemie und die -Fortbildung dieser Wissenschaft ihren Ausgang nahmen. - -Schon Kaiser *Friedrich II.* erließ eine Verordnung, nach der die -Arznei genau nach Vorschrift des Arztes und zwar zu einem bestimmten -Preise herzustellen war. In Deutschland entstanden die ersten -eigentlichen Apotheken erst gegen die Mitte des 13. Jahrhunderts. Die -Einrichtung breitete sich indessen nur langsam aus, denn die Gründung -der ersten Apotheke in Berlin erfolgte erst im Jahre 1488. Weit später -folgten die nordischen Länder (Schweden 1552)[958]. - -Mit der Entwicklung der Chemie ist das Emporblühen der Mineralogie -stets eng verknüpft gewesen. Um 1500 begegnet uns das erste, sogar -deutsch geschriebene mineralogische Lehrbuch, das nicht ein bloßer -Abklatsch der aus dem Altertum überkommenen Werke ist, sondern -Selbständigkeit und Beobachtungsgabe verrät. Es führt den Namen -»Bergbüchlein«[959] und wurde dem lange Zeit als Verfasser zahlreicher -chemischer Schriften geltenden *Basilius Valentinus* zugeschrieben. Wir -haben es indessen bei diesem nicht mit einer historischen, sondern mit -einer erst später (um 1600) erdichteten Persönlichkeit zu tun. - -Auch *Paracelsus* schrieb über die Mineralien. Als der eigentliche -Vater der neueren Mineralogie ist jedoch *Georg Bauer* zu betrachten. -Er wurde 1494 in Zwickau geboren, wo er auch einige Jahre als -Rektor einer Schule vorstand, und nannte sich, nach der damaligen -Gelehrtenmode seinen Namen latinisierend, *Agricola*. Später studierte -er in Leipzig und Italien Heilkunde und wirkte von 1527 an zuerst in -Joachimstal, später in Chemnitz als Arzt. Er starb im Jahre 1555. - -Das Interesse für den Bergbau und das Hüttenwesen seiner Heimat -bewogen *Agricola*, die Zeit, welche der Beruf ihm übrig ließ, auf -die Beobachtung jener Zweige der Gewerbtätigkeit zu verwenden und -alles, was er vorfand, mit den mineralogischen Kenntnissen der -Alten, deren Schriften ihm bekannt waren, zu vergleichen. *Agricolas* -Aufmerksamkeit wurde auch dadurch auf die Mineralogie gelenkt, daß in -der alten Literatur metallische Heilmittel erwähnt werden, deren man -sich besonders bei äußeren Krankheiten bediente. Er sammelte daher -alle mineralogischen Kenntnisse der Alten in der Hoffnung, damit -seinen, im gewerblichen Leben stehenden Zeitgenossen nützen zu können. -Zu seinem Erstaunen ward er aber gewahr, daß ohne jedes Zutun der -zunftmäßigen Wissenschaft in den deutschen Gebirgsländern eine Kenntnis -der Metalle, Mineralien und Gesteine, sowie der metallurgischen -Prozesse entstanden war, die eine neue, den Alten fast unbekannte Welt -bedeutete. Es galt nur, die Erfahrungen, Entdeckungen und Erfindungen, -die man im Verlauf des Mittelalters gemacht hatte, in der Sprache der -Gelehrten darzustellen, um so eine neue Wissenschaft den früheren -anzureihen. »Dies getan zu haben und zwar mit eigener Einsicht und dem -unabhängigen Eifer, der allein wissenschaftliche Erfolge zu sichern -vermag, ist *Agricolas* Verdienst. Er hatte das Glück, nicht Anfänge -oder zweifelhafte Versuche, sondern erprobte und zusammenhängende -Kenntnisse, beinahe Systeme der Mineralogie und der Metallurgie -darbieten zu können, die eine Grundlage der späteren Studien geworden -sind[960].« - -Als überzeugter Anhänger der Alchemie kann *Agricola* nicht betrachtet -werden. Jedenfalls sprach er sich offen gegen ihre Grundlehre aus, daß -die Metalle aus Sulfur und Mercurius beständen. Auch äußerte er sich -über die Möglichkeit der Metallverwandlung sehr zurückhaltend. Die -Ergebnisse seiner Bemühungen legte *Agricola* in mehreren Schriften -nieder, die, wie *Werner*, der Lehrer *Alexanders von Humboldt* und -*Leopolds von Buch* dankbar anerkannte, das Fundament der Mineralogie -bis zur neuesten, insbesondere durch die drei genannten Forscher -begründeten Epoche dieser Wissenschaft gewesen sind. Das bedeutendste -unter den Werken *Agricolas* ist das erst im Jahre 1556 vier Monate -nach dem Tode des Verfassers erschienene Bergwerksbuch[961]. Es bietet -ein vollständiges Bild des damaligen Berg- und Hüttenwesens, sowie -der Probierkunde und enthält zahlreiche treffliche Holzschnitte, die -nicht nur die hüttenmännischen Prozesse, sondern auch geologische -Einzelheiten, wie Erzgänge, Durchsetzungen, Verwerfungen usw. -darstellen. - -[Illustration: Abb. 63. Hüttenwerk nach Agricola.] - -Die Verwendung des Kompasses zu bergmännischen Zwecken wird in dem -Buche zum ersten Male geschildert. *Agricola* bringt auch eine -Abbildung des bergmännischen Kompasses. Das Verfahren, mit seiner Hilfe -Gruben anzulegen nennt er Marktscheidern. Etwas später begegnet uns die -erste ausführliche Anleitung zu dieser Kunst[962]. - -Die maschinellen Einrichtungen, die *Agricola* beschreibt, -unterscheiden sich nur wenig von den aus dem Altertum bekannten. -Doch tritt schon deutlich das Bemühen hervor, an die Stelle der -Menschenkraft diejenige der Tiere oder der unorganischen Natur zu -setzen. Die Pumpen z. B. werden durch Wasserkraft betrieben, ebenso -größere Hämmer, wie die aus *Agricolas* Werk herrührende Abb. 63 -erkennen läßt. Die Ventilationsapparate werden durch den Wind in -Bewegung gesetzt usw. Man faßte also im Mittelalter die großen -Aufgaben, welche der Technik harrten, schon ins Auge, wenn auch die -Lösungen, zu denen man gelangte, noch recht unvollkommen waren[963]. - -Von den neueren metallurgischen Verfahrungsweisen erwähnt *Agricola* -auch den Amalgamationsprozeß, der für die Ausbeutung der neuentdeckten, -an Gold und Silber reichen Länder Amerikas später eine solch große -Bedeutung gewinnen sollte. Zwar war man schon im Altertum mit dem -Verhalten des Quecksilbers gegen Gold und Silber bekannt. Die -Verwendung des erstgenannten Metalles zur Gewinnung der Edelmetalle -aus dem Muttergestein blieb jedoch der Neuzeit vorbehalten. Erfunden -ist das Amalgamationsverfahren in Deutschland[964]. In großem Maßstabe -wurde es aber zuerst in Mexiko[965] und in Peru[966] angewandt. -*D'Acosta* beschrieb es in seiner Natur- und Sittengeschichte -Indiens[967], die uns auch über die ersten Entdeckungen auf botanischem -und zoologischem Gebiete Auskunft gibt. Das Silbererz wurde der -Einwirkung von Kochsalz und Quecksilber ausgesetzt und das gewonnene -Amalgam durch Erhitzen zerlegt. *Agricola* bringt auch Mitteilungen -über das Erdöl[968]. - -Zu der Zeit, als *Agricola* schrieb, glaubte man noch allgemein, die -Welt sei noch heute im wesentlichen in dem Zustande, in dem Gott sie -erschaffen habe. War es doch kein geringes Wagnis, dem in der Bibel -enthaltenen Schöpfungsbericht zu widersprechen, an dem selbst die -Gebildeten damals blindlings festhielten[969]. Dem gegenüber vertrat -*Agricola* die Anschauung, daß die Gesteine und die Mineralien den -Naturkräften ihren Ursprung verdanken. Durch welche Kräfte er sich die -Berge entstanden denkt, schildert er mit folgenden Worten[970]: »Da wir -sehen, daß die Gänge durch das Gestein der Gebirge gehen, so muß ich -zunächst die Entstehung der letzteren und darauf den Ursprung der Gänge -auseinandersetzen. Die Hügel und die Berge werden durch zwei Ursachen -hervorgebracht, nämlich durch den Andrang der Gewässer und durch die -Kraft der Winde. Zerstört und aufgelöst werden die Hügel und die Berge -durch drei Ursachen, denn zu den beiden soeben genannten kommt noch die -innere Glut der Erde hinzu. - -Daß die Gewässer die meisten Berge erzeugen, liegt klar vor Augen. -Sie spülen zunächst die weiche Erde fort. Dann reißen sie die härtere -Erde weg und endlich wälzen sie die Steine herab. Indem sie auf diese -Weise Höhlungen hervorrufen, bewirken sie in vielen Menschenaltern, -daß das stehenbleibende Land bedeutend hervorragt. Von dem steilen -Abhang solcher Hervorragungen werden dann durch häufige Regengüsse -erdige Massen so lange abgelöst, bis sich ein steiler Abhang in -einen geneigten verwandelt.« *Agricola* schildert somit schon ganz -zutreffend den talbildenden Vorgang, den man als Erosion bezeichnet, -sowie die Abtragung der Gebirge. Hätte er schon eine Vorstellung von -der gebirgsbildenden Tätigkeit des Vulkanismus gehabt, so würden seine -Anschauungen sich den heutigen noch mehr genähert haben. Er fährt dann -fort: »Auch die Vertiefungen, die jetzt die Meere aufnehmen, waren -einst nicht sämtlich vorhanden. An vielen Stellen war Land, bevor die -Kraft der Winde das in der Brandung aufbrausende Meer in das Land -hineintrieb. In gleicher Weise zerstört auch der Andrang der Gewässer -die Hügel und die Berge vollständig. Obgleich all diese Veränderungen -in großem Maße stattfinden, bemerkt man sie gewöhnlich nicht, da sie -infolge der langen Zeiträume, die sie beanspruchen, aus dem Gedächtnis -der Menschen schwinden.« - -Diese Worte erinnern an diejenigen des *Aristoteles* (S. 124), den -*Agricola* an vielen Stellen seiner Schriften zitiert. - -Auch *Avicenna* (S. 312) hat eine Theorie der Entstehung der Gebirge -gegeben, die mit derjenigen *Agricolas* fast übereinstimmt, weil beide -direkt oder durch Vermittlung auf dieselben alten Schriftsteller -zurückgingen. Über die Ansichten *Avicennas* berichtet *Lyell*[971]. - -Danach erwähnt *Avicenna* als Ursache der Gebirgsbildung die Erdbeben, -durch die »Land erhoben wird und einen Berg bildet«. Eine weitere -Ursache ist nach ihm wie nach *Agricola* »die Aushöhlung durch Wasser, -wodurch Hohlräume entstehen und bewirkt wird, daß das angrenzende Land -hervorragt und ein Gebirge bildet«. - -Die zur Zeit des Wiederauflebens der Wissenschaften unter dem Einfluß -der antiken Schriftsteller entstandenen geologischen Elemente fanden -ihre Fortsetzung besonders durch *Steno*, von dem an einer späteren -Stelle die Rede sein wird. - -Ein Jahrzehnt vor dem Erscheinen des Bergwerksbuches veröffentlichte -*Agricola* sein grundlegendes Buch über die Mineralien[972]. In diesem -Werk begründete er das erste, auf den äußerlichen Kennzeichen beruhende -Verfahren zum Bestimmen der Mineralien. Trotz aller Unvollkommenheiten -verdient es doch Beachtung, weil die späteren Versuche von dem -System *Agricolas* ausgingen. *Agricola* berücksichtigt Farbe, -Glanz, Durchsichtigkeit, Geschmack, Geruch und die Wirkung auf den -Tastsinn (Fettigkeit, Glätte, Rauhigkeit usw.). Ferner kommen für ihn -als Mittel zur genauen Beschreibung der Mineralien die Zähigkeit, -Biegsamkeit, Schwere und Spaltbarkeit in Betracht. Seine Angaben über -die Gestalt der Mineralien sind noch sehr unbestimmt. Er unterscheidet -tafelförmige, eckige (drei- bis sechseckige und vieleckige) und -gewissen Gegenständen ähnliche Mineralien (pfeilförmig, sternförmig, -linsenförmig usw.). Die Brauchbarkeit dieser Übersicht wurde für -spätere Mineralogen dadurch erhöht, daß jedes der erwähnten Kennzeichen -nicht nur angegeben, sondern durch typische Mineralien erläutert und -auf diese Weise gute Vergleichspunkte geschaffen wurden. - -Schon während des Altertums hatte man die Versteinerungen von den -Mineralien unterschieden und erstere ganz richtig als die Überreste -organischer Wesen gedeutet. Im Mittelalter dagegen war man auf Grund -der aristotelischen Lehre von der elternlosen Zeugung niederer Tiere zu -der sonderbaren Vorstellung gelangt, daß die Versteinerungen einem im -Erdinnern wirkenden Bildungstrieb, einer vis plastica oder formativa, -ihren Ursprung verdankten[973]. Es dauerte Jahrhunderte, bis die im -15. Jahrhundert wieder auflebende Wissenschaft sich von dieser Lehre -frei zu machen wußte. Ihren letzten Ausläufern begegnen wir sogar -noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts. Nach *Agricolas* Auffassung -waren also die Versteinerungen Überreste von Organismen. Insbesondere -macht *Agricola* diesen Ursprung für fossiles Holz, Blattabdrücke, -Knochen und die bekannten Fischabdrücke des Mannsfelder Kupferschiefers -geltend. Dagegen hält er die in den Gesteinen eingeschlossenen -Muscheln, Ammonshörner und Belemniten für »verhärtete Wassergemenge.« - -Auch in Frankreich und in Italien, wo es geringere Schwierigkeiten bot, -die Ähnlichkeit fossiler Konchylien mit noch jetzt in den benachbarten -Meeren lebenden Arten zu erkennen, neigten aufgeklärte Zeitgenossen -*Agricolas* der richtigen Annahme zu, daß die Versteinerungen -organischen Ursprungs seien. Erst als die Geologie ihr Hauptziel in -der Deutung des mosaischen Schöpfungsberichtes erblickte und die -Versteinerungen für die wichtigsten Zeugen der Sintflut ausgab, fand -diese Lehre allgemeinen Anklang. Die heute geltende Ansicht findet -sich wohl zuerst bei *Lionardo da Vinci* und vor allem bei dem in -Verona lebenden Arzt *Fracastoro* (1483-1553) ganz klar ausgesprochen. -Als man in Verona, bei der Errichtung von Bauten, Muscheln aus dem -Erdinnern zutage förderte, erklärte *Fracastoro*, daß es sich hier -weder um die Schöpfungen einer vis plastica noch um Zeugen der Sintflut -handeln könne. Etwaige Beweisstücke einer allgemeinen Überflutung -müßten nämlich, wie er ausführt, die Oberfläche der Erde bedecken, -während die gefundenen Dokumente tief im Boden gefunden seien. Als -einzige Annahme bleibe übrig, daß die Versteinerungen von Geschöpfen -herrühren, die an der Stelle, wo sie sich befinden, früher gelebt haben -und so erkennen lassen, daß das Meer einst dort wogte, wo jetzt festes -Land ist. - -Um die Mitte des 16. Jahrhunderts begegnen uns auch die ersten, -mit Abbildungen versehenen Werke über Versteinerungen, unter denen -dasjenige *Gesners*, des deutschen *Plinius*, hervorzuheben ist[974]. -Allerdings gelangte auch er hinsichtlich der Versteinerungen zu keiner -klaren Ansicht. Er vergleicht sie zwar mit Pflanzen und Tieren, ohne -sie indessen bestimmt als Überreste organischer Wesen anzusprechen[975]. - -Den Standpunkt *Fracastoros* vertrat unter den Schriftstellern, die -im 16. Jahrhundert über Gegenstände der Geologie schrieben, vor -allem der Franzose *Bernhard Palissy*. In einem, klares Denken und -vorurteilsfreie Beobachtung bezeugenden Werke weist er darauf hin[976], -daß manche Versteinerungen den noch jetzt lebenden Tieren und Pflanzen -gleichen und offenbar an Orten entstanden sind, die früher vom Meere -oder von süßem Wasser bedeckt waren[977]. - -Die häufig anzutreffende Annahme, daß *Lionardo da Vinci*, *Fracastoro* -und *Palissy* lediglich durch eigenes, vorurteilsfreies Denken zu -richtigen Vorstellungen über die Versteinerungen und den Wechsel von -Meer und Land gekommen seien, ist nicht zutreffend. Auch diese Männer -empfingen die Anregung zu ihren Spekulationen ganz offenbar aus den -Schriften der Alten, besonders aus den Büchern des *Aristoteles*, -welche der Neuzeit die Vorstellungen übermittelten, zu denen die -griechischen Forscher, besonders *Demokrit*, in geologischen Dingen -gelangt waren. *Palissy* bedient sich in seinem »Discours admirable« -betitelten Buche der Form des Dialogs. Seine eigenen Ansichten legt er -der »Praxis«, die gegnerischen der »Theorie« in den Mund. Auf einen -Einwurf der »Theorie« antwortet *Palissy*: »Wie wäre es möglich, daß -Holz sich in Stein verwandelt, wenn es sich nicht längere Zeit in -mineralhaltigen Gewässern befunden hätte. Wären letztere nicht ebenso -flüssig und fein wie die gewöhnlichen, so hätten sie nicht in das Holz -eindringen und es in allen seinen Teilen durchtränken können, ohne ihm -irgendwie seine ursprüngliche Form zu nehmen. Wie das Holz, so wurden -auch die Muscheln in Stein verwandelt, ohne ihre Form zu verlieren«. - -*Palissy* war ein einfacher Töpfer. Er hatte indessen bei dem gelehrten -*Cardanus* gelesen, daß die Schalen der Muscheln an vielen Orten -dadurch versteinert seien, daß die Substanz sich änderte, während -die Form erhalten blieb[978]. Wie es kommt, daß die versteinerten -Organismen sich nicht nur an der Oberfläche der Erde finden, sondern -das ganze Gebirge durchsetzen, schildert *Palissy* zutreffend mit -folgenden Worten: »Die versteinerten Organismen wurden an demselben -Orte erzeugt, an dem wir sie finden und zwar zu einer Zeit, während -sich an der Stelle der Felsen nur Schlamm und Wasser vorfand. Letzterer -ist seitdem mit den Organismen versteinert. Und zwar versteinerten -die Erde und der Schlamm durch dieselbe Kraft, die auch die Fossilien -erzeugt hat, nämlich durch die alles durchdringenden Minerallösungen.« -In einem Punkte urteilt *Palissy* richtiger als *Cardanus*. Letzterer -glaubte nämlich mit den meisten Gelehrten seiner Zeit, soweit sie nicht -die Versteinerungen für bloße Naturspiele oder »Schöpfungsübungen -Gottes« hielten, die versteinerten Organismen seien Überbleibsel einer -die gesamte Erde bis zu den Spitzen der Berge bedeckenden Flut, also -gewissermaßen Zeugen der Sintflut. Gegen diese Ansicht wendet sich -*Palissy* mit dem Hinweis darauf, daß sich die Fossilien nicht nur an -der Oberfläche der Erde befänden, sondern auch an den tiefsten Stellen, -an die man durch das Ausbrechen der Steine gelange. »Durch welches -Tor«, fragt er seine Gegner, »drang denn das Meer ein, um die Fossilien -in das Innere der dichtesten Felsen zu tragen?« - - - - -13. Die ersten Ansätze zur Neubegründung der organischen -Naturwissenschaften. - - -Nicht nur für die anorganischen Naturwissenschaften, einschließlich -der Mineralogie und der Geologie, wurden im 16. Jahrhundert Grundlagen -geschaffen, auf denen sich mit Erfolg weiter bauen ließ, sondern das -Gleiche gilt auch von den übrigen Gebieten der Naturbeschreibung, -der Botanik, der Zoologie, sowie der Lehre vom Bau und von den -Verrichtungen des menschlichen Körpers. Diese Gebiete wurden zunächst -durch das Bekanntwerden der auf sie bezüglichen Schriften der Alten zu -neuem Leben erweckt. Dann trat aber für sie noch ein zweiter günstiger -Umstand hinzu. Infolge der Entdeckungsreisen und durch die daran sich -anknüpfenden neuen Handelsverbindungen wurde nämlich die europäische -Menschheit mit einer solchen Fülle neuer Naturerzeugnisse bekannt, wie -es nie zuvor in gleichem Maße geschehen war. - - -Naturbeschreibung und Entdeckungsreisen. - -Die Geschichte der Entdeckungsreisen gilt schon in der üblichen, -mehr das Persönliche und Zufällige schildernden Darstellung als -eine der fesselndsten Episoden der Weltgeschichte. Sie gewinnt aber -außerordentlich an allgemeinem Interesse, wenn wir sie in ursächliche -Beziehung zu dem Gange der wissenschaftlichen Entwicklung setzen. -Letztere ist es, welche die Entdeckungsreisen bedingt hat, um -andererseits durch sie auch wieder den gewaltigsten Impuls zu empfangen. - -Wir haben schon an anderer Stelle erfahren, daß die Schiffahrt gegen -den Ausgang des Mittelalters durch die Einführung des Kompasses, -sowie die Entwicklung der Astronomie und der auf astronomischen -Prinzipien beruhenden nautischen Instrumente viel von ihren Gefahren -und Zufälligkeiten verloren hatte. Infolgedessen vermochte die Nautik -sich auch weitere Ziele zu stecken. Da der Verkehr zu Lande mit den -südlichen und östlichen Teilen Asiens, die ja schon im Altertum in -den Gesichtskreis der Europäer getreten waren und für Europa gegen -den Ausgang des Mittelalters immer mehr an Bedeutung gewannen, in -hohem Grade mühsam, kostspielig und gefährlich war, so regte sich in -weiterschauenden Männern der Gedanke, ob jene asiatischen Länder nicht -durch eine Fahrt nach Westen oder durch eine Umschiffung Afrikas zu -erreichen seien. Dieser Gedanke fand den günstigsten Boden in Portugal -und Spanien, die durch ihre Lage mehr als Italien auf das offene -Meer hinausgewiesen waren und durch das Übergewicht, das Venedig im -Mittelmeere ausübte, auf neue Wege für ihren Handel hingedrängt wurden. - -In Portugal wurde dieses Streben besonders durch *Heinrich* »*den -Seefahrer*«[979] unterstützt. Um diesen scharten sich gelehrte -und kühne Männer, unter anderen der Geograph und Astronom *Martin -Behaim*[980] aus Nürnberg. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts begann das -Vordringen entlang der Westküste Afrikas. Das Auftauchen bewaldeter -Vorgebirge zerstörte zunächst das mittelalterliche Vorurteil, daß in -der Nähe des Äquators alles Leben von der Glut der Sonne versengt sei. -Ferner bemerkte man, daß die Küste Afrikas immer weiter nach Osten -zurückweicht, wodurch die Hoffnung, einen östlichen Seeweg nach Indien -zu entdecken, neue Nahrung empfing. Durch *Bartholomeo Diaz*, der -1486 die Südspitze des dunklen Erdteils erreichte, und durch *Vasco -da Gama*, der 1498 nach der Umschiffung Afrikas in Ostindien landete, -wurde diese Hoffnung endlich verwirklicht. Rasch breiteten sich die -Herrschaft und der Handel der Portugiesen über das südliche Asien und -die im Südosten dieses Kontinentes gelegenen Inseln aus. - -Mit welcher Fülle von neuen Naturerzeugnissen die europäische -Menschheit dadurch bekannt wurde, kann hier nur angedeutet werden. -An den Küsten und auf den Inseln Ostafrikas fielen besonders die -gewaltigen Dracaenen und der riesige Brotfruchtbaum (Adansonia -digitata) auf. In Ceylon gelangte man in den Besitz der Zimtwälder. Man -wurde mit der wunderbaren maledivischen Nuß, mit dem Gewürznelkenbaum -und denjenigen Pflanzen bekannt, welche die Muskatnüsse, den Kampfer, -Benzoe, Indigo, Strychnin usw. liefern. In nicht geringerem Maße wurde -die Wissenschaft durch die Entdeckung zahlreicher neuer Tierformen -bereichert. Und der gelehrte *Clusius* (geb. zu Arras 1526) unternahm -es, das Wichtigste über die neuen fremdländischen Naturerzeugnisse -zusammenzustellen[981]. Bei *Clusius* begegnen uns zum ersten Male, in -Abbildungen und Beschreibungen, der fliegende Hund, der Molukkenkrebs, -die gewaltigen, plumpen, zur Ordnung der Waltiere gehörenden Sirenen, -der heute ausgestorbene Dodo, jener unbeholfene Vogel, den *Vasco da -Gama* auf den Mascarenen in so großer Menge antraf. Auch die Bewohner -Amerikas, seine Faultiere, Gürteltiere und Kolibris und endlich die -so abenteuerlich gestalteten Fische, die das Meer der Tropen beleben, -schildert *Clusius*. - -Den Portugiesen wurde der indische Handel durch die Niederländer -entrissen, deren Seegeltung so machtvoll emporwuchs, nachdem sie das -spanische Joch abgeschüttelt hatten. Die wissenschaftliche Erforschung -der neuentdeckten Länder nahm unter diesem Volke, das auch daheim -den regsten wissenschaftlichen Sinn bekundete, einen bedeutenden -Aufschwung. War doch auch *Clusius* ein Niederländer. - -Der Gedanke, durch eine Seefahrt nach Westen die Küsten Ost- und -Südasiens zu erreichen, tauchte im Renaissancezeitalter zuerst in dem -Florentiner Astronomen *Toscanelli* (1397-1482) auf. Dieser Mann, der -auch durch seine Einwirkung auf *Nicolaus von Cusa* zum Wiederaufleben -der Astronomie in Deutschland beigetragen hatte, wußte den großen -Genuesen, dem Europa die Entdeckung der westlichen Hemisphäre verdankt, -für seinen Gedanken zu erwärmen. Dennoch sollten zehn Jahre nach -dem Tode *Toscanellis* verfließen, bis *Columbus* nach Überwindung -zahlloser Schwierigkeiten in Westindien landete. Schon auf der ersten -Reise wurde man mit dem Tabak, der Yamswurzel und dem Mais bekannt. -Bald folgte die Entdeckung der Ananas, von Agave Americana, Theobroma -Cacao, der Batate, der Sonnenblume, von Manihot und zahlreichen -anderen, wichtigen und charakteristischen amerikanischen Pflanzen. - -Nachdem *Cabot* (1497) das nordamerikanische Festland, *Cabral* -(1500) Brasilien entdeckt hatten, und *Cortez* und *Pizzaro* erobernd -in das Innere des neuen Kontinentes eingedrungen waren, begann eine -sorgfältige naturgeschichtliche Erforschung der entdeckten Länder. -Vor allem waren es gelehrte Kleriker, die sich dieser Aufgabe mit -Eifer und Erfolg widmeten. So schrieb der Jesuit *d'Acosta* eine -»Natur- und Sittengeschichte der Indier«, in der auch die gewaltigen -fossilen Knochen Südamerikas Erwähnung finden. *d'Acosta* hielt sie für -Überreste von Riesen und erörtert ganz ernsthaft die Frage, wie die -Tiere Amerikas nach ihrem heutigen Wohnsitz gelangten, da sie doch in -der Arche Noahs eingeschlossen gewesen seien. - -Mit noch größerem Eifer als den Pflanzen und den Tieren wandte man -sich den Bodenschätzen der neu entdeckten Länder zu. In Mexiko und -Peru wurde der Bergbau bald mit so großem Erfolge betrieben, daß -die Einfuhr des dort gewonnenen Edelmetalls in Europa umgestaltend -auf die wirtschaftlichen Verhältnisse dieses Erdteils wirkte. Auf -die Erschließung des neuen Kontinentes folgte ein Austausch seiner -Erzeugnisse mit denjenigen der alten Welt. So wird der Tabak schon -1559 in Portugal gebaut[982], um in Europa zunächst als Mittel gegen -Geschwüre Verwendung zu finden. Zu den ersten, die ihn rauchten, -gehörte der große Naturforscher *Gesner*. Die neue Welt empfing dagegen -u. a. den Kaffeebaum, das Zuckerrohr und die Obstarten. - -Hand in Hand mit der unendlichen Bereicherung, welche die Wissenschaft -durch die Entdeckungsreisen erfuhr, ging ein Aufschwung der gesamten -Kultur und eine Erweiterung des gesamten Gesichtskreises, wie ihn -kein früheres oder späteres Zeitalter erfahren. Der Handel hörte -auf, das Privilegium einiger mächtigen süd- und mitteleuropäischen -Städte zu sein und wurde Welthandel. Die Mittelmeerländer waren nicht -fürder eine Welt für sich, sondern die ganze Erde wurde zu einer -Domäne der weißen Rasse. Und innerhalb dieser Rasse erlangte endlich -immer mehr das germanische Element das Übergewicht. Waren doch die -Völker germanischen Stammes den Romanen an Tatkraft überlegen, an -Intelligenz mindestens gleichwertig, und endlich durch ihre Wohnsitze -am offenen Weltmeer auf die Fortentwicklung des durch die Entdecker -und Konquistadoren eröffneten Welthandels ganz besonders hingewiesen. -Alles Momente, welche in Verbindung mit der im nördlichen Europa -entstehenden Glaubens- und Gewissensfreiheit, die Verpflanzung der in -Italien wiedergeborenen Wissenschaft nach Mittel- und Nordwesteuropa -ganz besonders begünstigten. - - -Die Erneuerung der Botanik. - -Wir wenden uns nach diesen allgemeineren Ausführungen den organischen -Naturwissenschaften im einzelnen zu. Daß man im Zeitalter der -Renaissance und der Entdeckungsreisen die Augen öffnen lernte und die -Fesseln des Autoritätsglaubens und der Büchergelehrsamkeit abstreifte, -ist für die weitere Entwicklung der beschreibenden Naturwissenschaften -von großem Einfluß gewesen. Waren diese Wissenszweige früher nur -nebenbei und meist zu Heilzwecken gepflegt worden, so bot sich jetzt -eine solche Fülle von neuem Material, daß die Tätigkeit derjenigen, -die sich der Naturbeschreibung widmeten, dadurch vollauf in Anspruch -genommen wurde. Damit trat die Beziehung dieser Fächer zur Heilkunde, -ihrer eigenen Bedeutung gegenüber, allmählich zurück. - -Besonders für die Botanik trat im 16. Jahrhundert der Zeitpunkt ein, -in dem dieser Wissenszweig sich über die Grenzen der Heilmittellehre -hinaus entwickelte, da man die Pflanzen ihrer selbst wegen zu -betrachten begann[983]. Auch wurde mit dem lange herrschenden -Vorurteil gebrochen, als hätten die Alten schon die ganze Fülle der -Pflanzenwelt erschöpft. Der Trieb nach eigener wissenschaftlicher -Betätigung äußerte sich auf botanischem Gebiete in diesem Zeitalter -vor allem darin, daß eine Anzahl von Spezialfloren mit Abbildungen, -die sogenannten Kräuterbücher, entstanden. In weiten Kreisen wurde -diesen Erzeugnissen des emporblühenden Buchgewerbes Interesse -entgegengebracht. Infolgedessen verwandten die Verleger die größte -Sorgfalt auf die Ausstattung der Kräuterbücher mit musterhaften -Abbildungen. Und in dem Maße, wie die Kunst des Holzschnittes auf -diesem Gebiete Fortschritte machte, nahm auch die Fähigkeit des -Beschreibens mit zutreffenden Worten einen Aufschwung. Infolge der -wachsenden Pflanzenkenntnis und der Verschärfung der Beobachtung wurde -aber auch die natürliche Verwandtschaft immer mehr durchgefühlt, so daß -man häufig zur Vereinigung verwandter Arten zu Gattungen, ja selbst -ähnlicher Gattungen zu familienähnlichen Gruppen gelangte. Einen -Ansatz zu dieser Art von Systematik hatte zwar schon das Altertum zu -verzeichnen, indem z. B. *Theophrast* verschiedene Arten von Eichen, -Fichten usw. zusammenfaßte. Da jedoch die allgemeine Botanik, abgesehen -von dem vereinzelt gebliebenen Bemühen des *Albertus Magnus*, keine -Fortschritte gemacht hatte, so verfuhr man bei diesen ersten Schritten -an der Schwelle der Neuzeit mehr intuitiv, ohne imstande zu sein, die -gewonnenen Begriffe durch klare Definitionen festzuhalten. - -Der im vorstehenden kurz gekennzeichnete Fortschritt der Botanik ist -vor allem das Verdienst einiger deutschen Gelehrten, die man wohl als -die Väter der Pflanzenkunde bezeichnet hat. Sie heißen *Brunfels*, -*Bock* und *Fuchs*. Mit demselben Rechte, mit dem man *Agricola* den -Vater der neueren Mineralogie genannt hat, kann man die Genannten -als die Begründer der neueren Botanik bezeichnen. Ihre Kräuterbücher -wurden dadurch veranlaßt, daß die kommentatorischen Bemühungen, die -man auf die botanischen Werke der Alten verwendet hatte, aus mehreren -Gründen gescheitert waren. Bei dem Glauben an die Unfehlbarkeit der -Alten war man nämlich an ihre botanischen Schriften in der Meinung -herangetreten, daß die darin abgehandelten Pflanzen das gesamte -Pflanzenreich darstellten. Des weiteren suchte man die von den Alten -beschriebenen Pflanzen, ohne von der geographischen Verbreitung -eine klare Vorstellung zu besitzen, in Mitteleuropa, wo sie bei der -bedeutenden Verschiedenheit der Floren Griechenlands und Deutschlands -nur zum kleinsten Teil gefunden werden konnten. Erst als man die -Unhaltbarkeit jener Voraussetzungen einsah, verlegte man sich auf das -genaue Beschreiben derjenigen Gewächse, die man in der Heimat vorfand. - -An der Spitze der neueren Botaniker steht *Otto Brunfels*. *Brunfels* -wurde um 1490 in der Nähe von Mainz geboren und empfing dort gelehrten -Unterricht. Nachdem er einige Zeit ein Schulamt bekleidet, erwarb -er die Würde eines Doktors der Medizin[984]. Sein Hauptverdienst -um die Botanik besteht darin, mit Hilfe eines hervorragenden -Künstlers die erste Sammlung naturgetreuer, künstlerisch vollendeter -Pflanzenabbildungen herausgegeben zu haben. Das Werk erschien unter -dem Titel »Herbarum vivae eicones« im Jahre 1532. Es enthielt mehrere -hundert Abbildungen in so sicheren Umrissen, daß die dargestellten -Pflanzen gar nicht verkannt werden konnten. Es handelte sich dabei in -erster Linie um die wildwachsenden, häufiger vorkommenden Pflanzen der -oberrheinischen Tiefebene. - -Der Text, den *Brunfels* diesen Abbildungen beigegeben, ist von -geringerem Wert. Er lehnt sich noch in der Hauptsache an die älteren -Schriftsteller an und ist bestrebt, die heimatlichen Pflanzen -mit den von *Dioskurides*, *Plinius* und *Galen* beschriebenen -zu identifizieren. *Brunfels* gab seinem Kräuterbuche folgende -Einrichtung. Unter jede Abbildung setzte er zuerst einen deutschen -Namen. Hinzugefügt wurden dann die lateinischen und die griechischen -Benennungen, sowie Angaben aus *Theophrast*, *Dioskurides*, *Plinius* -usw. Den Schluß bildeten Mitteilungen über die Wirkungen der Pflanzen. - -Gewisse Versuche, die heimatlichen Pflanzen naturgetreu abzubilden, -wurden übrigens in Deutschland schon vor *Brunfels* im 15. Jahrhundert -gemacht. Vorbildlich war nach dieser Richtung vor allem die Kunst eines -*Albrecht Dürer* (1471-1528). Die Pflanzendarstellungen, die sich auf -seinen Gemälden, sowie denjenigen mancher älteren deutschen Künstler -finden, waren recht naturgetreu. *Dürer* liebte es, auf seinen Bildern -als Beiwerk Pflanzen und Tiere zu malen. Er folgte darin einem damals -herrschenden Brauche. Im ganzen hat *Dürer* etwa 180 verschiedene -Pflanzen und Tiere dargestellt. Zumal im reiferen Alter des Künstlers -zeigen diese Bilder, wie z. B. Veilchen, Pfingstrosen, Lilien usw., -einen unübertrefflichen Grad von Naturwahrheit. »*Dürer* gebührt daher -in der Geschichte der naturkundlichen Illustration, die freilich erst -geschrieben werden muß, ein dauernder Ehrenplatz«[985]. - -Kunst und Wissenschaft wetteiferten somit darin, die Naturkunde wieder -auf eigene Beobachtung zu gründen und sich von den überkommenen -Schriften der Alten, die bis zum 15. Jahrhundert als einzige Quelle -dem Studium zugrunde gelegt wurden, frei zu machen. Daß trotzdem der -neueren Wissenschaft nur nach und nach die Flügel wuchsen, hat die -verschiedensten Gründe. - -Ein Mitarbeiter des *Brunfels* ist *Hieronymus Bock*[986]. *Bock* wurde -1498 in der Nähe von Zweibrücken geboren, studierte alte Sprachen -und wurde durch den Pfalzgrafen von Zweibrücken mit der Aufsicht über -dessen Garten betraut. Zu gleicher Zeit bekleidete er die Stelle eines -Lehrers. *Bock* stellte botanische Wanderungen in der Eifel, dem -Hunsrück, den Vogesen, dem Jura, den Schweizer Alpen an und beobachtete -überall die dort wachsenden Pflanzen mit der größten Sorgfalt. Sein -Fehler, dem jedoch sein Zeitgenosse *Fuchs*, wie wir gleich hören -werden, entgegentrat, bestand darin, daß er den von ihm aufgefundenen -Pflanzen griechische und lateinische Namen der alten Botaniker -beilegte, mit welchen diese ganz andere, in Südeuropa heimische -Gewächse bezeichnet hatten. - -*Bock* wagt sogar den Versuch einer natürlichen Anordnung und stellt -zum Beispiel die Lippenblüter, die Kompositen und die meisten -Kreuzblüter zusammen. Das Werk, das ihn in der Geschichte der Botanik -unsterblich gemacht hat, führt den Titel »New Kreutterbuch«[987]. Es -erschien zuerst im Jahre 1539, und zwar ohne Abbildungen, während die -späteren Auflagen mit solchen versehen waren. Die Abbildungen *Bocks* -bleiben hinter denjenigen des *Brunfels* zurück, dafür hat es aber -*Bock* in der Kunst des Beschreibens viel weiter gebracht als jener, -so daß er sich den Ruhm erwarb, er vermöge in seinen Beschreibungen -die Natur wirklich zu malen. Vor allem versteht es *Bock*, den ganzen -Habitus der Pflanze vortrefflich zu beschreiben, während er auf die -Beschreibung der Blumen und Früchte geringere Sorgfalt verwendet. -Auch berücksichtigt er keine Pflanze, die er nicht selbst gesehen, -»soviel derselben im Teutschen Land ihm zu handen gestoßen«. Auch das -Vorkommen und die Zeit des Blühens der beschriebenen Pflanzen findet -man berücksichtigt. Ferner erklärt sich *Bock* entschieden gegen die -alphabetische Anordnung, durch welche ähnliche Pflanzen getrennt -würden. Im ganzen hat *Bock* sechshundert Pflanzen beschrieben. - -Als Probe möge hier seine Beschreibung der Ackerwinde (Convolvulus -arvensis) und der Zaunwinde (Convolvulus sepium) Platz finden. -Sie lautet: »Zwei gemeine Windenkräuter wachsen in unserem Land -allenthalben mit weißen Schellen- oder Glockenblumen. Das größte sucht -seine Wohnung gern bei den Zäunen, kriecht über sich, wickelt und -windet sich. Das kleine Glockenkraut (C. arvensis) ist dem großen in -der Wurzel, den runden Stengeln, den Blättern und den Glocken gleich, -in allen Dingen aber dünner und kürzer. Etliche Glockenblumen an diesem -Gewächs werden ganz weiß, etliche schön leibfarben, mit braunroten -Strömlein gemalt. Diese wachsen in dürren Wiesen und Gärten. Es schadet -dadurch, daß es mit seinem Kriechen und Umwickeln andere Gartenkräuter -zu Boden drückt. Auch ist es schwer auszurotten«. - -Die Anordnung der Pflanzen in den Kräuterbüchern war meist die -alphabetische. Allmählich entwickelte sich aber auf Grund der zahllosen -Einzelbeobachtungen das Gefühl für die Zusammengehörigkeit des -Ähnlichen und damit die Voraussetzung zur Begründung eines natürlichen -Systems. So wurden bald die Nadelhölzer, die Lippenblüter, die -Korbblüter und andere Familien als natürliche Gruppen herausgefühlt, -ein großer Fortschritt gegen die Einteilung in Bäume, Sträucher und -Kräuter, der wir im Altertum zumeist begegnen. Das medizinische -Element nahm jedoch in den Kräuterbüchern immer noch einen breiten -Raum ein, wie es auch bei der Anlage botanischer Gärten maßgebend -war. Naiv genug mutet uns noch manches in den Kräuterbüchern, diesen -Erstlingserzeugnissen der neueren botanischen Wissenschaft an. So -beginnt *Bock* mit folgenden Worten: »Nach Erkundigung aller Geschrift -erfindet sichs klar, daß der allmächtige Gott und Schöpfer der -allererste Gärtner, Pflanzer und Baumann aller Gewächse ist.« Sodann -wird *Adam* als der zweite Botaniker gepriesen, weil er alle Pflanzen -mit ihrem rechten Namen belegt habe. Auf ihn folgen die Botaniker -*Kain*, *Noah* usw. - -Als dritter in der Reihe der Begründer der neueren Botanik ist der -Bayer *Leonhard Fuchs* zu nennen. Er wurde 1501 geboren, studierte wie -seine Vorgänger Medizin und alte Sprachen und gab im Jahre 1542 seine -berühmte »Historia stirpium«, eine Beschreibung vieler in Deutschland -wild wachsender Pflanzen heraus, zu denen noch etwa 100 Gartenpflanzen -kamen. Das Werk stellt sich denjenigen von *Bock* und *Brunfels* als -ebenbürtig an die Seite. *Fuchs* war ein sehr gelehrter Mann. Seine -eindringende Gelehrsamkeit ließ ihn die Mängel, die den arabischen -Schriften über Medizin und Botanik und ihren lateinischen Nachahmungen -anhafteten, klar erkennen. Er drang deshalb darauf, daß man in der -Medizin auf die griechischen Urschriften, in der Botanik aber auf -die Natur selbst zurückgehen solle. Letzteres erschien ihm als der -einzige Ausweg, aus der Verwirrung herauszukommen, welche durch die -Übertragung der alten Pflanzennamen auf die heimatlichen Gewächse -entstanden war[988]. - -Unter den Botanikern des 16. Jahrhunderts ist auch der Niederländer -*Dodonaeus* zu nennen, wie denn überhaupt die Niederländer frühzeitig -unter den Neubegründern der Naturwissenschaften und der Philosophie -hervorragten, eine Erscheinung die sicherlich in der geographischen -Lage des Wohnsitzes und in der staatlichen und religiösen Entwicklung -dieses Volkes begründet ist. - -*Dodonaeus* wurde 1517 in Mecheln geboren. Sein Hauptwerk[989], -»Die Naturgeschichte der Gewächse«, erschien im Jahre 1583. Was -*Dodonaeus* unter den zeitgenössischen Botanikern besonders hervorhob, -war das bewußte Streben, eine wissenschaftliche Anordnung der -Pflanzen zu finden. Zwar blieb es bei einem rohen Versuch, doch hat -er viele Gattungen und Familien und manche wenig ins Auge fallende -verwandtschaftliche Beziehungen der Pflanzen schon erkannt. Die -Pflanzen, die er beschreibt, gehören teils der heimatlichen Flora an, -teils sind sie den Gärten entnommen, die von den Niederländern schon -damals sehr gepflegt und infolge der ausgedehnten Handelsbeziehungen -dieses Volkes mit mancher seltenen Art versehen wurden[990]. Selbst -*Dodonaeus* vergleicht noch die ihm vorliegenden Pflanzen mit den -von den alten Schriftstellern erwähnten. Doch hindert ihn das nicht, -seine eigenen Beschreibungen auf genaue und eingehende Beobachtungen -zu stützen, so daß seine Beschreibungen ausführlicher als diejenigen -irgendeines seiner Vorgänger ausgefallen sind. - -Weit vielseitiger und vorgeschrittener als die genannten Männer war der -große Polyhistor *Konrad Gesner*, ein Mann, der für sein Zeitalter -etwa die Bedeutung besaß, wie sie *Albert dem Großen* für das 13. -Jahrhundert beizumessen ist. *Konrad Gesner* wurde im Jahre 1516 in -Zürich als der Sohn eines armen Kürschners geboren. Er erhielt jedoch -mit Unterstützung seines Oheims eine gute Schulbildung. Sein Oheim, -der ein großer Gartenfreund war, erweckte auch in dem jungen *Gesner* -die Liebe zur Naturwissenschaft. *Gesner* studierte in Straßburg und -Paris Medizin und Naturwissenschaften. Bedenkt man, daß derselbe -Mann auch praktischer Arzt war und eine Zeitlang eine Professur der -griechischen Sprache bekleidete, so erhalten wir einen Begriff von -der vielseitigen Gelehrsamkeit, die uns in der auf das Emporblühen -des Humanismus folgenden Zeit so häufig begegnet. Seine Neigung zur -universalen Bildung brachte ihn mit den mannigfaltigsten älteren -und neueren Schriftwerken in Berührung[991]. Zunächst verwaltete -*Gesner* ein Lehramt. Dann ließ er sich als Arzt in Zürich nieder, -wo er gleichzeitig eine Professur für Philosophie bekleidete. Erst -1558 erhielt er die sichere und besser besoldete Professur für -Naturgeschichte. Aber schon wenige Jahre später, im Dezember 1565 wurde -er durch die Pest dahingerafft. - -Das Lebenswerk *Gesners* ist eine große Naturgeschichte der Pflanzen -und Tiere, ein Unternehmen, das Zeit und Kräfte des Einzelnen trotz -unermüdlicher Arbeit bei weitem überstieg. Für die Naturgeschichte der -Pflanzen hat *Gesner* im wesentlichen nur die Abbildungen, etwa 1500 -an der Zahl, gesammelt und gezeichnet oder zeichnen lassen. Das große -Verdienst, das er sich trotzdem um die Botanik erworben hat, besteht -darin, daß uns in seinen Abbildungen zum ersten Male genaue Zeichnungen -der Blütenteile und der Früchte begegnen, die seine Vorgänger fast ganz -vernachlässigt hatten[992]. - -Aus *Gesners* Briefen geht hervor, daß er diesen Teilen der Pflanze -besonderen Wert beilegte, wenn es sich um die Verwandtschaft handelte. -Er unterscheidet auch mit klaren Worten Gattungen und Arten. »Ich -halte dafür«, sagt er, »daß es fast keine Pflanzen gibt, die nicht -eine Gattung bilden, welche wieder in zwei oder mehr Arten zu -teilen ist«[993]. Auch der Begriff der Spielart begegnet uns schon -bei *Gesner*. Als ihm einst ein Zweig von Ilex aquifolium gesandt -wurde, dessen Blätter nur eine Spitze aufwiesen, bat er den Einsender -festzustellen, ob diese Abweichung konstant sei oder nicht. - -Der Gedanke, medizinisch wertvolle und auch andere Pflanzen nicht, -nur vom Zufall geleitet, im Freien zu suchen, sondern sie in Gärten -anzubauen, um dadurch jederzeit über sie verfügen zu können, -begegnet uns zu allen Zeiten. Von den Gärten, welche *Theophrast* -und *Mithridates* unterhalten haben sollen, können wir uns keine -Vorstellung mehr machen. Besser sind wir durch die Kapitularien -über die Gärten zur Zeit *Karls des Großen* unterrichtet[994]. Von -dem Kalifen *Abdurrahman I.* wird erzählt, daß er einen botanischen -Garten bei Cordova anlegen und ihn mit Gewächsen Asiens bepflanzen -ließ[995]. Die Gärten, die in Salerno und in Venedig im 14. Jahrhundert -entstanden, dienten wohl nur medizinischen Zwecken. Den venetianischen -Garten legte ein Arzt an, um »die für seine Kunst erforderlichen -Kräuter zur Hand zu haben«[996]. Ein im eigentlichen Sinne botanisches -Forschungsmittel von höchstem Werte wurde aus solchen Gärten erst, -als man sie seit der Mitte des 16. Jahrhunderts als ein notwendiges -Lehrmittel der Universitäten zu betrachten anfing und gleichzeitig die -Botanik über eine bloße Heilmittellehre hinaushob. - -Die ersten Universitätsgärten entstanden in Padua und Pisa[997]. -In Pisa waren es die Mediceer, die Land für einen solchen Garten -zur Verfügung stellten und dafür sogar Samen und Pflanzen im fernen -Orient sammeln ließen. Bald darauf erhielten auch Florenz und -Bologna botanische Gärten. In Venedig sorgten die Cornaros und die -Morosinis durch ihren weitverzweigten Handel und die Anlage von -Gärten gleichfalls für die Belebung des botanischen Interesses. -Nachdem die reichen italienischen Handelsstädte ein solch rühmliches -Beispiel in der Pflege der mit ihren Interessen Hand in Hand gehenden -Naturwissenschaft gegeben, wollten auch die übrigen Länder in der -Betätigung dieses Sinnes nicht zurückstehen. So entstanden denn in -Montpellier, in Bern, Basel, Straßburg, Antwerpen, Leipzig, Nürnberg -und an manchen anderen Orten, teils in Verbindung mit Universitäten, -teils aus privaten Mitteln, noch im 16. Jahrhundert Einrichtungen, die -als botanische Gärten bezeichnet werden können. - -Etwa zur selben Zeit begegnet uns zum erstenmale das Verfahren, -Pflanzen zu pressen und in Herbarien auf Papier geklebt aufzubewahren. -Das Herbarium *Bauhins* (1550-1624) wird noch heute in Basel -gezeigt[998]. Als der Erfinder der Herbarien gilt *Luca Ghini*, der von -1534-1544 in Bologna lehrte[999]. - - -Die Erneuerung der Zoologie. - -Wie auf botanischem, so regte sich auch auf zoologischem Gebiete das -Bestreben, über das von den Alten überlieferte Maß an Kenntnissen -hinauszuschreiten und die bekannten Tierformen, deren Zahl sich durch -Entdeckungsreisen immerfort vergrößerte, auf Grund eigener Beobachtung -zu beschreiben und mit möglichster Naturtreue darzustellen. So -entstanden mehrere umfassende Werke, wie diejenigen des Schweizers -*Konrad Gesner* (1516-1565) und des Italieners *Aldrovandi* (1522-1607). - -Weit größer als in der Botanik war *Gesners* Einfluß auf die -Entwicklung der Zoologie. Hier gebührt ihm das große Verdienst, zum -ersten Male die zu seiner Zeit bekannten Tierformen vom Standpunkte -des Naturforschers aus geschildert zu haben. Dies geschah in seiner -großen, vom Jahre 1551 ab erschienenen Geschichte der Tiere (Historiae -animalium lib. V). Von den fünf Foliobänden behandelt der erste die -Säugetiere, der zweite die eierlegenden Vierfüßer, der dritte die Vögel -und der vierte die Fische und Wassertiere. Ein fünfter, die Insekten -behandelnder Band wurde aus *Gesners* Nachlaß zusammengestellt. -*Gesner*, dem sein Vaterland das erste Naturalienkabinett verdankt, -beschrieb in seinem Werke den äußeren Bau der Tiere unter -Berücksichtigung ihres Vorkommens, ihrer Lebensweise, des Nutzens, den -sie gewähren usw. Seine Anordnung ist die alphabetische, was in bezug -auf Systematik gegen *Aristoteles*, der die großen natürlichen Gruppen, -wie wir sahen, schon erkannt hatte, einen offenbaren Rückschritt -bedeutet. Doch macht sich bei *Gesner* das Bestreben geltend, die -Zoologie von den gerade auf diesem Gebiete so sehr überwuchernden -Fabeln zu reinigen. Letztere werden zwar gewissenhaft angeführt, doch -geschieht dies nicht, ohne daß Bedenken dagegen erhoben werden. - -Während *Albert der Große* das zoologische Wissen im engen Anschluß an -die dem Abendlande übermittelten naturwissenschaftlichen Schriften des -*Aristoteles* wiederzugeben suchte, ging *Gesners* Plan dahin, unter -Einschränkung des in den mittelalterlichen Schriften überwuchernden, -philologischen Verbalismus, alles was man zu seiner Zeit vom Tierreich -wußte, zusammenfassend darzustellen. Gleichzeitig suchte er jede -Tierform, die er zum Gegenstande seiner Betrachtung machte, unter -Berücksichtigung der Medizin und der Kulturgeschichte zu schildern. -War auch die Anordnung, die er innerhalb der großen, natürlichen, -schon *Aristoteles* geläufigen Gruppen befolgte, die alphabetische, -so erkennt er doch selbst an, daß ein solches Verfahren sich nur aus -Gründen der Bequemlichkeit empfiehlt und naturwissenschaftlich von -keinem Wert sei. Jedes Geschöpf wird in *Gesners* Geschichte der -Tiere nach folgenden Gesichtspunkten behandelt. Der erste Abschnitt -gilt der Nomenklatur. Der zweite ist der wertvollste; er betrifft das -Vorkommen und bringt die Beschreibung des Tieres. Dann folgt eine -Schilderung der biologischen Erscheinungen unter Berücksichtigung der -Krankheiten. Hieran schließt sich eine Schilderung des seelischen -Lebens, d. h. der dem Instinkt entspringenden Handlungen. Die folgenden -Abschnitte handeln dann von dem Nutzen der Tiere, insbesondere ihrer -Jagd, Haltung und Zähmung, ferner von ihrer Nahrung, den Heilmitteln, -die sie etwa darbieten usw. Mitunter fehlen auch nicht die Fabeln, -Wundergeschichten und Weissagungen, die man von jeher an manche -Tierarten geknüpft hatte. Solche Mitteilungen gibt *Gesner* indessen -mehr der Vollständigkeit halber und nicht etwa kritiklos wie manche -seiner Vorgänger. Dabei versäumt er selten, das Unwahrscheinliche -zurückzuweisen oder wenigstens seinem Zweifel Ausdruck zu verleihen. -Besteht doch der große Fortschritt, der sich bei *Gesner* geltend -macht, darin, daß er seine Beschreibungen nach planmäßiger Beobachtung -abfaßte, während man vor ihm die eigene Beobachtung nur gelegentlich -zur Bestätigung der überlieferten Angaben anwandte und diesen stets den -ausschlaggebenden Wert beimaß. Ferner beschränkt sich *Gesner* nicht -auf eine Beschreibung des äußeren Körperbaues, sondern er geht auch auf -anatomische Eigentümlichkeiten ein. Doch werden diese noch nicht durch -Vergleichen in Beziehung gesetzt, so daß es an einer wissenschaftlichen -Verwertung der anatomischen Kenntnisse zur festeren Begründung -natürlicher Gruppen bei *Gesner* noch fehlt. - -In bezug auf die Abbildungen ragt sein Werk über alle früheren -zoologischen Schriften hervor. Unter den Künstlern, die ihm zur Seite -standen, ist *Albrecht Dürer* zu nennen. - -Beruht das Werk *Gesners* auch zum größten Teile auf der Verarbeitung -des zu seiner Zeit vorhandenen zoologischen Wissens, so ist ihm deshalb -doch nicht etwa der Vorwurf der bloßen Kompilation zu machen. »Das -Talent zu einer solchen«, sagt *Ranke*[1000], »ist nicht so häufig, wie -man meint. Soll sie der Wissenschaft dienen, so muß sie nicht allein -aus vielseitiger Lektüre hervorgehen, sondern auf echtem Interesse und -eigener Kunde beruhen und durch feste Gesichtspunkte geregelt sein. Ein -Talent dieser Art von der größten Befähigung war *Konrad Gesner*«. - -*Gesner* ist als der früheste deutsche Zoologe zu bezeichnen. Sein Werk -über das Tierreich[1001] ist die Grundlage für die neuere Zoologie -geworden. *Gesners* Grundsatz war, nichts zu wiederholen und nichts -fortzulassen. Da ein einzelner die unermeßliche Arbeit nicht bewältigen -konnte, setzte er zahlreiche einheimische und auswärtige Hilfskräfte -in Bewegung. War somit auch sein Werk in erster Linie die Leistung -eines geschickten, seinen Stoff beherrschenden Sammlers, so ist doch -sein Nutzen für das Leben nicht minder wie für die Wissenschaft ein -bedeutender gewesen. Dem Menschen hat *Gesner* keinen Platz innerhalb -des Tierreiches angewiesen. - -Auf dem Boden Italiens erstand *Gesner* ein gleichstrebender Genosse in -dem etwas jüngeren *Aldrovandi*. Auch er versuchte eine enzyklopädische -Darstellung der Tierkunde, die zwar im ganzen die Arbeit *Gesners* -nicht erreicht, in Hinsicht auf die anatomischen Verhältnisse und die -Anordnung indessen einen Fortschritt darbietet[1002]. Den Versuch -einer mehr systematischen, auf die großen aristotelischen Gruppen -zurückgehenden Anordnung des Tierreichs hatte in der Zeit zwischen dem -Erscheinen des *Gesner*schen Werkes und desjenigen *Aldrovandis* mit -gutem Erfolge der Engländer *Edward Wotton* (geboren in Oxford 1492) -gemacht. Auf dieser Grundlage konnte *Aldrovandi* fußen. *Wotton* gab -im Jahre 1552 eine Schrift »Über die Verschiedenheiten der Tiere«[1003] -heraus, die nicht nur eine allgemeine Schilderung des tierischen -Organismus und seiner Teile enthält, sondern auch eine auf den -Grundzügen der natürlichen Verwandtschaft beruhende Übersicht bietet. -Gleich *Aristoteles* beginnt *Wotton* die Reihe der blutführenden -Tiere mit dem Menschen. Es begegnen uns die Gruppen der Einhufer, der -Zweihufer und der Spaltfüßer. Die eierlegenden Vierfüßer werden mit -den Schlangen zusammengefaßt. Die niederen Tiere werden in Insekten, -Weichtiere (Kopffüßer), Krustentiere, Schaltiere und Pflanzentiere -eingeteilt. Zu letzteren rechnet *Wotton* schon die Seesterne, Medusen, -Holothurien und Schwämme. - -*Wotton* machte also, im Anschluß allerdings an *Aristoteles*, zum -ersten Male unter den Neueren den Versuch einer naturgemäßen Einteilung -des gesamten Tierreichs, und hierin folgte ihm *Aldrovandi*, der im -Jahre 1599 die Herausgabe seines großen zoologischen Werkes begann. -Es sollte zwar die ganze Naturgeschichte umfassen, doch konnte -*Aldrovandi* selbst nur fünf Bände erscheinen lassen, nämlich drei -Bände über die Vögel, einen Band über die Insekten und endlich einen -Band über die »übrigen Blutlosen«. Die weiteren Bände wurden von -anderen Zoologen herausgegeben. - -*Aldrovandi* konnte infolge der ausgedehnten Entdeckungsreisen seines -Zeitalters manche Tierform berücksichtigen, die *Gesner* noch nicht -kannte, doch verfuhr er im allgemeinen mehr kompilatorisch und weniger -kritisch als sein großer Vorgänger. Trotz seines Strebens nach besserer -systematischer Gruppierung bringt er es noch fertig, die Fledermaus -und den Strauß zu einer Abteilung der »Vögel mittlerer Natur« zu -vereinigen, während schon *Wotton* die Fledermäuse den Säugetieren -zugerechnet hatte. - -Ein weiterer, wichtiger Fortschritt auf zoologischem Gebiete bestand -darin, daß man sich nicht mehr auf das Beschreiben der äußeren Form -beschränkte, sondern in den Bau der Tiere einzudringen suchte. Wir -finden bei *Aldrovandi* schon Abbildungen des Skeletts, der Muskulatur, -sowie der Eingeweide. So wird z. B. das Skelett des Adlers abgebildet. -Beim Huhn sind mehrere, allerdings nur ungenaue Zeichnungen zur -Erläuterung des inneren Baues beigegeben. Das Skelett der Fledermaus -und des Straußes finden sich gleichfalls unter den Zeichnungen, die -mitunter anatomische Einzelheiten, wie die Zunge mit ihrer Muskulatur -beim Spechte, das Brustbein des Schwans und anderes mehr betreffen. Die -Muskulatur wird bei mehreren Vögeln genauer beschrieben. - -Groß waren die Opfer, welche die Naturhistoriker jener Zeit mitunter -bringen mußten, um ihre Pläne zu verwirklichen. So beschäftigte -*Aldrovandi*, wie er in der Vorrede mitteilt, zur Herstellung seiner -Originalfiguren 30 Jahre einen Maler gegen ein Gehalt von 200 -Goldstücken. Außerdem setzte er noch mehrere Zeichner und Holzschneider -in Tätigkeit. Das Verdienst von Männern wie *Gesner* und *Aldrovandi* -ist darum besonders hoch zu schätzen, weil sie zuerst Klarheit und -Übersicht in dem immer mehr anschwellenden zoologischen Material zu -schaffen suchten und in weiteren Kreisen ein lebhaftes Interesse für -die Tierkunde und damit für die Naturkunde im allgemeinen erweckten. - - -Das Wiederaufleben der Anatomie. - -Das Wiederaufleben der Anatomie läßt sich bis in das 13. Jahrhundert -zurückverfolgen. Ein besonderes Interesse wandte der freigeistige -Staufenkaiser *Friedrich II.*[1004] diesen Wissenszweigen zu. Er -verfaßte eine Schrift über die Falken[1005], ließ ausländische Tiere -nach Europa kommen und gestattete die anatomische Untersuchung -menschlicher Leichen. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurden -diese Zergliederungen zu medizinischen und rein wissenschaftlichen -Zwecken immer häufiger ausgeübt. Wurde schon dadurch der Sinn für die -Natur erschlossen und das Studium von der bloßen Buchgelehrsamkeit -abgelenkt, so steigerte sich das Interesse für die Anatomie dadurch um -ein Bedeutendes, daß nicht nur die Gelehrten, sondern auch die großen -Künstler der Renaissance mit offenem Auge und frei von Vorurteilen in -den Wunderbau des Organismus einzudringen suchten. Hier ist vor allem, -als einer der größten unter ihnen, *Lionardo da Vinci* zu nennen. Seine -anatomischen Zeichnungen sind von einer derartigen Vollendung und -Treue, daß sie alles bisher auf diesem Gebiete Geleistete übertrafen. -Die Zeit für eine Neubegründung der Anatomie, ohne Rücksicht auf die -Autorität *Galens* und aufgebaut auf selbständige Erforschung der -Natur, war also gekommen. Diese Neubegründung erfolgte durch die -Italiener *Fallopio* († 1562) und *Eustachio* († 1571)[1006], vor allem -aber durch den Niederländer *Vesal*. Letzterer ist als der eigentliche -Begründer der wissenschaftlichen Anatomie des Menschen zu nennen. - -*Andreas Vesal* (1514-1564) war der Sprößling einer aus Wesel -stammenden deutschen Ärztefamilie. Er wurde in Brüssel geboren. -Schon als Knabe wandte sich der spätere Professor der Anatomie und -Chirurgie und Leibarzt Kaiser *Karls V.* der anatomischen Untersuchung -kleinerer Tiere zu. In den letzten Jahrhunderten des Mittelalters -hatten zwar hin und wieder Zergliederungen menschlicher Leichen -stattgefunden; man verfolgte dabei indes keinen anderen Zweck als den, -die Lehren *Galens*, der eine unbedingte Autorität genoß, als richtig -zu bestätigen. Wie schwierig es selbst später war, sich Material zum -Studium der Anatomie zu verschaffen, geht unter anderem daraus hervor, -daß der junge *Vesal*, um in den Besitz eines menschlichen Skeletts zu -gelangen, einen Gehenkten mit Gefahr seines Lebens vom Galgen entwenden -mußte. - -Ähnlich lagen die Verhältnisse in Deutschland. So galt es als eine -Aufsehen erregende Neuerung, daß im Jahre 1526 ein Anatom einen -menschlichen Kopf zergliederte[1007]. Es blieb aber zunächst bei -solchen gelegentlichen Versuchen, die Anatomie auf die Untersuchung -von Leichen zu gründen. Erst *Vesal* brach gänzlich mit den -alten Vorurteilen, indem er das Lehrgebäude der Anatomie von -Grund aus und sogleich in fast unübertrefflicher Weise als reine -Erfahrungswissenschaft errichtete. - -Sein großes Hauptwerk führt den Titel »Über den Bau des menschlichen -Körpers«. Als es erschien, hatte *Vesal* noch nicht das dreißigste -Lebensjahr überschritten. Durch scharfe Erfassung und klare Wiedergabe -des Gegenstandes, durch Ursprünglichkeit des Inhalts und Schönheit -der sprachlichen Darstellung ragt sein Werk weit über alle ähnlichen -Erzeugnisse jener Periode hervor und erregte die höchste Bewunderung -der späteren Jahrhunderte. Die meisterhaften Abbildungen des Werkes, -die besonders zu seiner großen Verbreitung beitrugen, rühren von -einem Schüler[1008] *Tizians* her. Um dem Leser einen Begriff von -ihrer naturgetreuen Ausführung zu geben, ist in der nachfolgenden -Abbildung 64 eine der zahlreichen, das Muskelsystem betreffenden Tafeln -wiedergegeben. - -Das Abhängigkeitsverhältnis, in das *Vesal* zum Hofe *Karls V.* geriet, -hat ihn leider gehindert, seine Untersuchungen zu vollenden. Auch hatte -er am Hofe von den Anhängern *Galens* zu leiden[1009]. - -Im Beginn seiner Laufbahn hatte *Vesal* mehrere Male in Padua die -Anatomie nach *Galen* vorgetragen, sich dann aber entschieden davon -losgesagt. Seine wissenschaftliche Überzeugung über die anerkannte -Autorität zu setzen, war damals kein geringes Wagnis. Freunde hatten -ihn vor der Herausgabe seines großen Werkes gewarnt. Als es erschienen -war, erhob sich zunächst ein Sturm der Entrüstung. Man erklärte -*Vesal* für einen wahnsinnigen Ketzer. Das Buch wurde der Inquisition -vorgelegt. *Vesal* verließ deshalb Italien. Später lebte er in Spanien -als Leibarzt *Philipp des Zweiten*. Schließlich wurde er, vielleicht -infolge neuer Verfolgungen seitens der Inquisition, schwermütig[1010]. - -*Vesal* beschränkte sich keineswegs auf den Menschen, sondern er flocht -zahlreiche Hinweise auf die Anatomie der Tiere in seine Darstellung -ein. Es war das um so weniger zu verwundern, als er ja von der -anatomischen Untersuchung der Tiere ausgegangen und sich erst später -der Anatomie des Menschen zugewandt hatte. *Vesals* Hauptwerk erschien -1543[1011]. Die sieben Bücher behandeln: 1. Das Skelett. 2. Bänder und -Muskeln. 3. Gefäße. 4. Nerven. 5. Eingeweide. 6. Herz. 7. Gehirn und -Sinnesorgane. - -Große Verdienste um die Fortbildung der Anatomie auf der von *Vesal* -geschaffenen Grundlage hat sich auch *Eustachio* erworben. Doch ist -bezeichnend, daß dieser, obgleich auch ihm die Abweichungen seiner -Befunde von den Angaben *Galens* klar zutage lagen, lieber eine -Veränderlichkeit des Körperbaues annehmen als der gefeierten Autorität -des Altertums Abbruch tun wollte. - -[Illustration: Abb. 64. Abbildung aus Vesals De humani corporis -fabrica. 1543. - -(Zweite, das Muskelsystem betreffende Tafel.)] - -Vor dem Auftreten eines *Vesal* und *Eustachio* waren bei dem großen -Mangel auf eigener Anschauung beruhender anatomischer Kenntnisse -erfolgreiche chirurgische Eingriffe kaum möglich. Erst nach der durch -diese Männer bewirkten Erneuerung der Anatomie konnte sich aus den bis -dahin üblichen, rohen, ja oft barbarischen Operationsverfahren eine auf -wissenschaftlicher Grundlage beruhende Chirurgie entwickeln. Daß dies -geschah, war vor allem das Verdienst von *Ambroise Paré* (1517-1590), -der sich den Ehrennamen eines Reformators dieses Zweiges der Medizin -verdient hat. - -*Paré* war gleich *Vesal* Militärchirurg und als solcher dem -Stande der gelehrten Ärzte verhaßt, zumal er kein Latein verstand. -Sein hervorragendes Buch über Schußwunden (1545) ist das erste in -französischer Sprache geschriebene wissenschaftliche medizinische -Werk[1012]. *Paré* wandte bei Amputationen zuerst das Verfahren des -Abbindens der Arterien an. Vor ihm hatte man sich der Cauterisation -mittelst des Glüheisens bedient. Auch der Gebrauch des Bruchbandes -ist auf *Paré* zurückzuführen. Die Feindschaft der Ärztezunft -wurde besonders heftig, als *Paré* die Wirksamkeit einiger der -gebräuchlichsten Arzneien anzweifelte. Trotzdem wurde *Paré* vom Könige -sehr geschätzt. Er soll einer der wenigen Hugenotten gewesen sein, die -der König in der Bartholomäusnacht zu schonen befahl. - -Die Erkenntnis, daß sich ein volles Verständnis der Form erst -durch das Studium ihrer Entwicklung erschließen läßt, begegnet uns -gleichfalls schon im 16. Jahrhundert, wenn sich auch diese Erkenntnis -erst in späteren Perioden, gestützt auf die Verschärfung, welche -der Gesichtssinn durch das Mikroskop erfuhr, allseitig Bahn brechen -konnte. So wird die Entwicklung des Hühnchens im Ei, ein Problem, das -schon *Aristoteles* beschäftigt hatte, zum Gegenstand eingehender -Untersuchungen gemacht. Dies geschah durch den verdienten italienischen -Anatomen *Fabricio*[1013]. Er bemerkte auch, daß sich die Klappen der -Venen nach dem Herzen zu öffnen. Diese Entdeckung hat nebst anderen, -die Organe des Kreislaufs betreffenden Beobachtungen[1014] einen -der größten Fortschritte des 17. Jahrhunderts, die Entdeckung des -Blutkreislaufs durch *Harvey* nämlich, vorbereitet. - -Hiermit schließt der erste Teil dieser Schilderung, die von den -Anfängen bis gegen den Ausgang des 16. Jahrhunderts geführt hat. Der -zweite Band wird die Begründung der neueren Naturwissenschaft, die etwa -mit der Schwelle des 17. Jahrhunderts anhebt, zur Darstellung bringen. - - - - -Verzeichnis der im I. Bande enthaltenen Abbildungen. - - - -----------------------------------------+------------------------------- - Figur | aus - =========================================+=============================== - 1. Gleichschenkliges Dreieck | - | - 2. Geometrische Elemente aus | Cantor, Bd. I. 1880, S. 58, - altägyptischen Verzierungen | Abb. 6 u. 7. - | - 3. Keilschriftprobe | - | - 4. Babylonischer Grenzstein | - | - 5. Der Tierkreis von Dendera | - | - 6. Altbabylonisches Gewicht | nach Layard. - | - 7. Wage, einem altägyptischen Totenbuche | Ibel, Die Wage im Altertum und - entnommen | Mittelalter. - | - 8. Gewinnung von Eisen nach | A. de Rochas, Les origines de - altägyptischen Wandgemälden | la science et ses premières - | applications. - | - 9. Geometrische Konstruktionen der Inder | - | - 10. Die Quadratur des Kreises bei den | - Indern | - | - 11. Radkarte der Erde | - | - 12. Der Satz des Hippokrates | - | - 13. Konstruktion zur Lösung des | Cantor, Geschichte der - delischen Problems | Mathematik. Bd. I. 1880. - | Fig. 34. - | - 14. Der Tragbalken des Aristoteles | - | - 15. Der Satz vom Parallelogramm der | - Kräfte | - | - 16. Der Embryo des glatten Hais des | Claus, Lehrbuch der Zoologie. - Aristoteles | 1883. S. 677. - | - 17. Vorrichtung zum Heben großer Lasten | Heronausgabe von Schmidt. Op. - | II. 1 Fig. 62. - | - 18. Das Verhalten des Hohlspiegels nach | Euklidausgabe von Heiberg und - Euklid | Menge. Bd. 7. - | - 19. Die Spiegelung an einem Konkav- und | desgl. - einem Konvex-Spiegel nach der | - Darstellung Euklids | - | - 20. Das zum Messen der Sonnenhöhe | Schaubach, Geschichte der - dienende Instrument der Alten | griechischen Astronomie. - | Tab. III Fig. 2. - | - 21. Die Gradmessung des Eratosthenes | - | - 22. Aristarchs Verfahren, die | - Entfernungen des Mondes und der Sonne| - zu bestimmen | - | - 23. Breitenbestimmung mit dem Gnomon | Peschel, Geschichte d. - | Erdkunde 1877. S. 44. - 24. Stereographische und orthographische | - Projektion | - | - 25. Die Feuerspritze nach Heron | Herons Pneumatik. Ausgabe v. - | Schmidt. Bd. I. Fig. 29. - | - 26. Heron verwendet den Dampf zum | Herons Pneumatik. Ausgabe v. - Betreiben einer maschinellen | Schmidt. - Einrichtung | - | - 27. Der Heronsball | desgl. - | - 28. Herons Abbildung eines Hebers | desgl. - | - 29. Herons Automat zum Öffnen der Tempel | Mach, Prinzipien der - | Wärmelehre. Leipzig 1896. - | S. 5. - | - 30. Wasserorgel | - | - 31. Philons Thermoskop | Heronausgabe v. Schmidt. - | Fig. 115. - | - 32. Philons Saugkerze | desgl. - | - 33. Herons Flaschenzug | Opera omnia. Ausgabe v. - | Schmidt. Bd. II. S. 102. - | - 34. Herons Wegmesser | - | - 35. Herons Winkelmeßapparat | Jahrbuch des kaiserl. - | deutschen archäolog. - | Instituts. Bd. XIV 1899. - | 3. Heft. - | - 36. Herons Vermessung eines Feldes | Herons Opera omnia. Ausgabe - | v. Schmidt. - | - 37. Herons Tunnelaufgabe | desgl. - | - 38. Der Meßapparat der Römer | Neue Jahrbücher f. d. klass. - | Altertum. Bd. 13 (1904). - | - 39. Die Rekonstruktion der Groma | desgl. - | - 40. Peutingers Karte | - | - 41. Römisches Hebezeug | Gerland u. Traumüller, - | Geschichteder physikal. - | Experimentierkunst. 1899. - | Fig. 58. - | - 42. Römische Schnellwagen | desgl. - | - 43. Chirurgische Instrumente | - | - 44. Zur Erläuterung der Epizyklentheorie | - | - 45. Das parallaktische Lineal | Montucla, Histoire des - | mathématiques. Bd. I. - | S. 307. - | - 46. Solstitial-Armille des Ptolemäos | Repsold, Zur Geschichte der - | astronomischen Meßwerkzeuge. - 47. Ptolemäos mißt die Brechungswinkel | - | - 48. Destillierapparat | - | - 49. Probe aus dem Stockholmer Papyrus | - | - 50. Albirunis Bestimmung des Erdumfanges | Archiv für Geschichte der - | Naturwissenschaften und der - | Technik. Bd. I. S. 66. - | - 51. Trigonometrische Berechnungen | - | - 52. Einführung der Tangensfunktion | - | - 53. Alhazens Darstellung des Auges | Gerland u. Traumüller, - | Geschichte der physikal. - | Experimentierkunst. Fig. 62. - | - 54. Alhazen untersucht die Brechung | Gerland u. Traumüller, - | Geschichte der physikal. - | Experimentierkunst. Fig. 65. - | - 55. Alhazen bestimmt die Höhe der | - Atmosphäre | - | - 56. Lionardo da Vincis Hygrometer | Gerland u. Traumüller. Fig. - | 99. - | - 57. Lionardos Windmesser | - | - 58. Lionardos Erläuterung des Sehens | - | - 59. Peurbachs Quadratum geometricum | Repsold, Zur Geschichte der - | astronomischen Meßwerkzeuge. - | Fig. 7. - | - 60. Der Kreuzstab | Repsold, a. a. O. Fig. 12. - | - 61. Schematische Erläuterung des | - Kreuzstabes | - | - 62. Das Koppernikanische Weltsystem | Aus Koppernikus Werk über die - | Bewegung der Weltkörper. - | - 63. Hüttenwerk nach Agricola | - | - 64. Das Muskelsystem darstellende Tafel | Aus Vesals Werk: De humani - | corporis fabrica. - - - - -Namen- und Sachverzeichnis. - - - A. - - Abendstern, 25. - - Aberration, sphärische, 358. - - Abu Mansur, 321. - - Acosta D', 440, 449. - - Ägyptische Bauwerke, 3. - - Ägyptische Kultur, 2. - - Äquinoktialpunkte, 36. - - Agricola, 437, 443. - - Ahmes, 7, 11. - - Akustik, 115. - - Alaun, 50. - - Albattani, 304, 306. - - Albertus Magnus, 346-353, 443. - - Albiruni, 303. - - Alchemie, 278, 353, 363, 431, 432. - - Alchemistische Theorien, 325. - - Aldrovandi, 460, 461. - - Alfarabi, 312. - - Alfons von Kastilien, 251. - - Alfragani, 304. - - Algebra, 57, 253, 311. - - Alhazen, 314, 315, 316, 357. - - Alkmäon, 101. - - Alkohol, 322. - - Alkuin, 336. - - Alliaco, 398. - - Almagest, 33, 255, 302. - - Altäre, 53. - - Altertum, Verfall, 283. - - Amalgamationsprozeß, 440. - - Amulette, 300. - - Anatomie, 59, 102, 206, 235, 326, 366, 462, 463, 464. - - Anaxagoras, 76, 77, 98. - - Anaximander, 36, 67, 79, 90, 100, 269. - - Antipoden, 118, 227, 289. - - Apianus, 404, 418. - - Apokatastasis, 243. - - Apollonios, 248. - - Apotheken, 48, 60, 437. - - Arabische Kultur, 331. - - Archimedes, 218. - - Aristarch von Samos, 92, 93, 122, 408. - - Aristophanes, 89. - - Aristoteles, 28, 69, 73, 74, 78, 97-151, 233, 345, 355. - - Aristoteliker, 421. - - Armillen, 255, 256. - - Arsenik, 321. - - Aryabhatta, 52, 58. - - Arzneipflanzen, 230. - - Asklepiades, 208. - - Astrolabium, 306, 396. - - Astrologie, 16, 24, 31, 364. - - Astronomie, 20, 332, 393. - - --, griechische, 80. - - --, Ursprung, 20. - - --, Wiedererwachen, 393. - - Astronomische Meßwerkzeuge, 256. - - --, Urkunden, 26. - - Asymptoten, 86. - - Atmosphäre, Höhe, 317. - - Atome, 71, 75, 241. - - Attalos, 240. - - Aufgang, heliakischer, 22. - - Auge, 315, 389, 420. - - Augustin, 289, 287. - - Averroes, 313. - - Avicenna, 270, 312, 321, 435, 442, 443. - - - B. - - Bacon, Francis, 414. - - Bacon, Roger, 353-362. - - Bartholomeo Diaz, 447. - - Bäume, 230. - - Baumzucht, 329. - - Bazillentheorie, 223. - - Behaim, 396, 397, 447. - - Benedikt von Nursia, 271. - - Bergbau, 334, 437, 440. - - Bernstein, 268. - - Berosos, 368. - - Bessarion, 394. - - Bibel, 18. - - Bibliothek, alexandrinische, 297. - - Bibliotheken, 301, 302. - - Blitzableiter, 269. - - Blütenteile, 456. - - Blutkreislauf, 234. - - Boccaccio, 372, 373. - - Bock, 458. - - Boëthius, 293. - - Bologneser Leuchtstein, 429. - - Botanik, Erneuerung, 450. - - Botanische Gärten, 400, 457. - - Brahmagupta, 52, 56, 310. - - Brechung, 260, 265, 316. - - Brennglas, 58. - - Brennkugel, 358. - - Brennspiegel, 58, 395, 428. - - Brillen, 318, 360. - - Bronze, 42. - - Brüche, 19. - - Brunfels, 451, 452. - - Brunnenaufgabe, 205. - - Buffon, 231. - - Bussole, 308. - - - C. - - Caesar, 213. - - Camera obscura, 423, 426. - - Capitulare de villis, 337. - - Cardanus, 74, 445. - - Cassiodor, 292. - - Cato, 210, 239. - - Celsus, 223. - - Celtes, 214. - - Chaldäer, 32, 33, 37, 89. - - Chemes, 274. - - China, 60. - - Chinesische Astronomie, 61. - - Chirurgie, 48, 466. - - Chronometer, 424. - - Cicero, 210, 407. - - Clusius, 448. - - Columbus, 261, 362, 375, 398, 423, 424, 448. - - - D. - - Damianos, 266. - - Dämmerung, 317. - - Dante, 372. - - Datumsgrenze, 379. - - De Caus, 423. - - Deklination, 423. - - Delisches Problem, 85. - - Demokrit, 71, 73, 75, 78, 99. - - Destillation, 50, 321. - - Destillierapparat, 276. - - Deszendenzlehre, Keime, 100. - - Diamanten, 328. - - Dionysios der Große, 287. - - Diophant, 56, 57, 253, 254. - - Dioptra, 201, 203. - - Dioskurides, 231, 238, 245, 337, 401. - - Dodonaeus, 455. - - Doppelelle, babylonische, 38. - - Doppelstunden, 24. - - Dreiecksberechnung, 11. - - Dreiteilung eines Winkels, 84. - - Dürer, 377, 452, 460. - - Dynamik, Begründung, 430. - - - E. - - Einhardt, 302. - - Eisen, 41. - - Ekliptik, Schiefe, 90. - - Elemente, 70, 436. - - Ellipse, 87. - - Elmsfeuer, 269. - - Emissar, 204. - - Empedokles, 70, 76, 97-99. - - Entdeckungsreisen, 362, 398, 448, 449. - - Enzyklopädie, 292. - - Ephemeriden, 395. - - Epikur, 75, 100. - - Epizyklentheorie, 120, 249, 250. - - Erasistratos, 206, 233. - - Erasmus v. Rotterdam, 378. - - Eratosthenes, 255. - - Erdbeben, 368. - - Erde, Bewegung, 381. - - --, Gestalt, 96, 117, 227, 289. - - Erdkern, 70. - - Eudemos, 81, 95. - - Eudoxos, 78, 119, 120, 248. - - Euklid, 82. - - Eutokios, 85. - - Evektion, 247. - - Exhaustionsmethode, 84. - - Experimente, 79, 235, 356, 359, 391. - - - F. - - Fabricio, 466. - - Fallversuche, 412. - - Farbenwechsel, 429. - - Färber, 327. - - Färberei, 280, 320. - - Fechner, 415. - - Feldmeßkunst, 200, 211. - - Fernrohr, 360. - - Feuervergoldung, 280. - - Fibonacci, 339. - - Finsternisse, 65. - - Flaschenzug, 198. - - Flavio Gioja, 308. - - Fluorescenz, 428. - - Fracastoro, 444. - - Francesco Petrarca, 364. - - Friedrich II., 313, 437, 462. - - Fuchs, 454. - - - G. - - Galen, 233-237, 239, 270. - - Galle, 103. - - Gas, 277. - - Gassendi, 75. - - Geber, 322. - - Gebirgsbildung, 442. - - Gegenerde, 94. - - Geld, 14. - - Geminos, 31. - - Gemma Frisius, 417. - - Geologie, 70, 391, 411. - - Geometrie, 6, 53, 66. - - Gerbert, 333. - - Gerhard von Cremona, 338. - - Germanentum, 290. - - Gesner, 447, 449, 455, 460. - - Gewichte, 38. - - Gewichtsstücke, 39. - - Gewitter, 269, 367. - - Gezeiten, 358. - - Gift, 240. - - Gilbert, 424. - - Giordano Bruno, 415. - - Glas, 44, 244. - - Gleichungen, 9, 56, 254, 311, 340. - - Globus, 120, 397, 417. - - Gnomon, 36, 61, 67, 89, 380. - - Gold, 43. - - Gradmesser, 303. - - Grenzstein, 26. - - Groma, 212. - - Guldinsche Regel, 264. - - - H. - - Hammurabi, 45. - - Harmonie, 80. - - Harmonie der Sphären, 91. - - Hartmann, 424. - - Haustiere, 49. - - Hebelgesetz, 113. - - Heber, 194, 427. - - Hebezeug, römisches, 216. - - Heilkunde, Anfänge, 45, 101, 236, 294, 314, 330, 435. - - Heilmittel, 46, 60. - - Heilvorschriften, 46. - - Hekataeos, 67. - - Hellenismus, 209. - - Helmont, van, 433. - - Herakleides Pontikos, 78, 92, 93, 94, 96. - - Heraklit, 70. - - Herbarien, 401, 458. - - Hermes Trismegistos, 275. - - Herodot, 6, 36, 45, 89, 262. - - Heron, 58, 193, 205, 257. - - Herophilos, 206, 233. - - Herons Automaten, 195. - - Herons Ball, 193. - - Herons Dampfkugel, 193. - - Heronsche Formel, 203. - - Hesiod, 68, 96. - - Hettiter, 16. - - Hexenglauben, 364. - - Hieroglyphenschrift, 3. - - Hildegard von Bingen, 337. - - Himmelsgebäude, 118. - - Himmelsgloben, 120, 306. - - Hipparch, 37, 122, 248, 251. - - Hippias von Elis, 87. - - Hippokrates von Chios, 83, 84, 89. - - Hippokrates aus Kos, 102. - - Hochöfen, 234. - - Höllenstein, 324. - - Homer, 96. - - Horaz, 239. - - Humanismus, 372, 374. - - Humboldt, 232. - - Hutten, 378. - - Hüttenwesen, 437. - - Hygrometer, 386. - - Hyperbel, 86, 87. - - - J. - - Jahr, 88. - - Jatrochemie, 433, 434. - - Ibn al Haitam, 314. - - Ibn Alawwâm, 329. - - Ibn Batuta, 329. - - Ibn Junis, 306. - - Ibn Musa, 311. - - Ibn Roschd, 329. - - Ibn Sina, 298, 312, 328, 330. - - Indien, 51. - - Indigo, 245. - - Ingenieur, 217, 218. - - Ingenieurmechanik, 13, 215. - - Inhaltsbestimmungen, 11. - - Inklination, 424. - - Insekten, 230. - - Instrumente, chirurgische, 236. - - Johannes von Sevilla, 339. - - Jordanus Nemorarius, 430. - - Irrationalität, 83. - - Isidor von Sevilla, 294. - - Islamitische Kultur, 338. - - Jupiter, 34. - - - K. - - Kaiserzeit, 219. - - Kalender, 88, 89, 213, 357. - - Kanäle, 13. - - Karl der Große, 335. - - Karten, 380. - - Kartographie, 259, 381, 417, 419. - - Katakaustik, 358. - - Kegelschnitte, 86. - - Keilschriftfunde, 16, 17, 25. - - Kepler, 92, 411. - - Kirchenväter, 286. - - Kircher, 427-429. - - Knochenbrüche, 48. - - Königswasser, 321. - - Kombinationslehre, 57. - - Kometen, 61, 121, 243, 367. - - Kompaß, 61. - - Konformität, 419. - - Konjunktionen, 34, 361. - - Koppernikus, 403-414. - - Krankheiten, 101. - - Kräuterbücher, 453, 454. - - Kreis, 5, 7. - - Kreta, 63. - - Ktesibios, 257. - - Kugel, 87. - - Kulturpflanzen, 49. - - Kupfer, 14, 42, 43. - - - L. - - Lactantius, 287, 288. - - Länderkunde, 261. - - Landwirtschaft, 238. - - Längenbestimmungen, 395. - - Längenproblem, 424. - - Laterna magica, 429. - - Leidener Papyros, 279. - - Leonardo von Pisa, 339. - - Leukipp, 71, 73. - - Levi ben Gerson, 396. - - Liber Abaci, 340. - - Licht, 318. - - Lionardo da Vinci, 382-392, 400. - - Literatur, babylonisch-assyrische, 18. - - Literatur, indische, 52. - - Luca Ghini, 458. - - Lucretius Carus, 74, 100, 240, 242, 268. - - Luft, 194. - - Lunulae Hippokratis, 83. - - Luther, 414. - - - M. - - Magie, 422. - - Magnet, 268, 429, 430. - - Mago, 238. - - Marco Polo, 329, 341. - - Marcus Graecus, 310. - - Marinus, 259, 262, 263. - - Martianus Capella, 294, 333, 407, 408. - - Maschinen, 385. - - Maße, 38. - - Mathematik, Anfänge, 7. - - --, griechische, 78. - - Maurolykus, 420, 421. - - Mechanik, 111, 218, 385. - - Mediceer, 375. - - Megenberg, 232, 365, 368, 369, 401. - - Melanchthon, 414. - - Menächmos, 87. - - Menelaos, 252. - - Mensch, 226. - - Mercator, 397, 417, 418, 419. - - Meßapparat, 212. - - Metallurgie, Anfänge, 40. - - Metallveredelung, 278. - - Meteoriten, 77. - - Metrologie, 38. - - Milchstraße, 358. - - Mine, 38. - - Mineralien, 327, 369, 442. - - Mineralogie, Neubegründung, 438. - - Mönchstum, 291. - - Mond, 37, 88, 90. - - Mondbewegung, 31, 35. - - Monddistanzen, 404. - - Mondfinsternis, 33. - - Morgenstern, 25. - - Musik, 293. - - Münster, 417. - - - N. - - Naturalienkabinett, 458. - - Naturerklärung, 71. - - -- philosophie, 69. - - Nestorianer, 299, 300. - - Nicetas, 407. - - Nicolaus von Cusa, 379, 382. - - Nikolaus V., 374. - - Nippurtafeln, 17. - - Nonius, 400. - - Norman, 424. - - Null, 56. - - Nullmeridian, 258. - - - O. - - Obelisk, 14. - - Observatorium, 5. - - Oenopides, 89. - - Olympiodor, 277. - - Optik, 341. - - Opus majus, 357. - - Osiander, 406. - - - P. - - Paläontologie, Anfänge, 443. - - Palissy, 438, 444, 445. - - Pappos, 198, 264. - - Papyrus Ebers, 48. - - -- Rhind, 7. - - Parabel, 86, 87. - - Paracelsus, 42, 434-436. - - Parallaktisches Lineal, 255. - - Parallelogrammgesetz, 114. - - Paré, 466. - - Peregrinus, 353. - - Perpetuum mobile, 386. - - Perspektive, 389. - - Petrarka, 372, 373. - - Peurbach, 393. - - Peutingers Karte, 214. - - Pflanzenabbildungen, 451. - - -- beschreibungen, 351, 453. - - -- kenntnis, 47, 59, 97. - - Pflanzen, Anordnung, 455. - - --, Beseelung, 70. - - --, Nahrung, 382. - - --, Schlaf, 350. - - --, Sexualität, 350. - - Philolaos, 92, 93, 94. - - Philon, 197. - - Philons Saugkerze, 197. - - Phönizier, 63. - - Phosphoreszenz, 428. - - Physiologie, 388. - - Physiologus, 347. - - Pico von Mirandola, 363. - - Pierre d'Ailly, 362. - - Pius II., 375. - - Planeten, 32, 34, 66, 90, 91, 114, 247, 248, 251. - - Platon, 78, 85, 92, 95, 96, 102, 118, 119, 248, 268. - - Plattkarte, 268. - - Plinius, 206, 210, 218, 220-232, 239, 244, 245, 268, 270. - - Plinius der Jüngere, 221. - - Plutarch, 407. - - Pneuma, 207. - - Polyeder, reguläre, 82. - - Pompeji, 240, 243. - - Pomponios Mela, 220, 226. - - Positionssystem, 56. - - Präzession der Nachtgleichen, 122, 252, 415. - - Projektionsart, 262. - - Proklos, 81. - - Prokop, 289. - - Proportionen, 82. - - Pseudo-Demokritos, 281, 278. - - -- -Gebersche Schriften, 323. - - Ptolemäos, 35, 246-266. - - Pyramiden, 4, 12, 87. - - Pythagoras, 79-82, 101. - - Pythagoreer, 80, 91. - - Pythagoreischer Lehrsatz, 9, 53. - - - Q. - - Qazwini, 327. - - Quadratrix, 87. - - Quadratum geometricum, 393. - - Quadratur des Kreises, 54, 84. - - Quadrivium, 332. - - Quecksilber, 272. - - Quecksilberoxyd, 324, 327. - - Quellen, 242. - - - R. - - Radkarte der Erde, 67. - - Raymundus Lullus, 363. - - Rechenkunst, 20, 56. - - Reformation, 355, 377. - - Refraktion, atmosphärische, 266, 318. - - Regenbogen, 359, 428. - - Regiomontanus, 394, 395, 399. - - Reguläre Körper, 81. - - Reihen, 9, 56. - - Renaissance, 334, 371. - - Rennarbeit, 334. - - Rhabanus Maurus, 289, 336. - - Rhases, 323. - - Römer, 208. - - Rudolf II., 433. - - - S. - - Salpeter, 300. - - -- säure, 321, 323. - - Salzgewinnung, 334. - - Saros, 37, 65. - - Sehen, 116, 315, 389, 390. - - Sehstrahlen, 267. - - Seife, 245. - - Seilspannen, 54. - - Seneca, 242, 243, 261. - - Sexagesimalsystem, 18. - - Sinus, 59. - - Sirius, 22. - - Snellius, 268. - - Sonnenbewegung, 247. - - -- bildchen, 421. - - -- jahr, 22. - - -- uhren, 62, 215, 333. - - Sosigenes, 213. - - Spektrum, 242. - - Spezifische Gewichte, 318. - - Sphären, homozentrische, 118. - - Sphärenmusik, 121. - - Spiegel, parabolische, 357. - - Spielart, 456. - - Sumerer, 15. - - Summierungsformel, 10. - - Susruta, 59, 64, 115. - - - Sch. - - Schall, 243. - - Schaltjahr, 29. - - Schattenmessung, 67. - - Schießpulver, 59, 310, 361. - - Schnellwagen, 217. - - Schott, 427. - - Schwenter, 424, 427. - - - St. - - Städtewesen, 342. - - Stein der Weisen, 275, 326, 431. - - Sterne, Zahl, 229. - - Sternwarte, 399. - - Stereometrie, 87. - - Stockholmer Papyrus, 279, 320. - - Strabon, 206, 259, 260. - - - T. - - Tacitus, 221. - - Tafeln von Senkereh, 19. - - Tartaglia, 431. - - Telegraphen, 430. - - Tell el Amarna-Tafeln, 16. - - Thales, 64, 65, 67, 79. - - Theophrast, 97, 107, 230. - - Thermoskop, 197. - - Thomas von Cantimpré, 348, 365. - - Tiefenmesser, 382. - - Tiere, Anordnung, 461. - - --, Naturgeschichte, 459, 460. - - Tierfabeln, 328, 347. - - Tierformen, 328. - - -- kreis von Dendera, 27. - - -- kreisbilder, 25, 36. - - -- system, koisches, 103. - - -- zeichnungen, 452. - - Timäos, 95, 102. - - Töpferei, 44. - - Toscanelli, 380, 448. - - Tragbalken, 113. - - Transmutation, 275. - - Treibhäuser, 244. - - Trigonometrie, 4, 37, 58, 253, 305, 395. - - Trivium, 332. - - Tunnelaufgabe, 204. - - -- bauten, 203. - - Tycho, 95, 122. - - Tyrische Weltkarte, 262. - - - U. - - Universitäten, 344, 376. - - Universum, unendliches, 416. - - Untergang, heliakischer, 22. - - - V. - - Variation, 250. - - Varro, 222, 223, 292. - - Vasari, 371. - - Vasco da Gama, 447. - - Vedas, 53. - - Venus, 25, 35. - - Verbrennung, 387. - - Vermessung des römischen Reiches, 213. - - Vernier, 400. - - Versteinerungen, 260, 380, 443, 445. - - Vesal, 366, 463. - - Vesuvausbruch, 221. - - Virgil, 224. - - Vitello, 341. - - Vitruv, 95, 215, 216, 244, 261. - - Vögel, 314. - - Vulkane, 248, 260. - - - W. - - Wagen, 39, 333, 382. - - Walfisch, 368. - - Waltiere, 99. - - Wasserbäder, 324. - - -- orgel, 196. - - -- uhren, 23, 257, 302. - - Wegmesser, 199. - - Weltanschauung, heliozentrische, 93. - - -- bild des Mittelalters, 367. - - -- entstehungslehre, 68, 72. - - -- karte, 381, 418. - - -- system, heliozentrisches, 402, 409 bis 413. - - Weyer, Jacob, 364. - - Wiederkehr, stete, 121. - - Windmesser, 387. - - Winkelmeßinstrumente, 255. - - Wirbelbewegung, 77. - - Wissenschaften, ihr Verfall, 285. - - Wohnungshygiene, 47. - - Wotton, 461. - - Wurfbewegung, 425, 430. - - Würfelverdoppelung, 85. - - Wurzeln, 57. - - - Z. - - Zahlenmystik, 80. - - Zahnkaries, 46. - - Zahnradübertragung, 199. - - Zeitmessung, 23. - - Zellentheorie, 224. - - Zentralfeuer, 93. - - Ziffernsystem, indisches, 305. - - Zink, 42, 271. - - Zinn, 42, 271. - - Zitterrochen, 270. - - Zoologie, Anfänge, 99, 458. - - Zosimos, 274, 276, 277. - - Zucker, 322. - - Zweckbegriff, 73, 74. - - - - -Ergänzungen, Zusätze und Berichtigungen[1015]. - -(Aufgenommen, soweit der Raum es erlaubte.) - - -Zu S. 2: In Anmerkung 2 muß es heißen »Siehe auch *A. Wiedemann* (Wi)«. - -Zu S. 11: Bezügl. der Dreiecksberechnung ist die Hypothese zu beachten, -die *M. Simon* in seiner Geschichte der Mathematik im Altertum 1909 auf -S. 46 gibt. Danach würde es sich nicht um gleichschenklige, sondern um -rechtwinklige Dreiecke handeln (Wü). - -Zu S. 14: Über die ältere Geschichte der Metalle findet sich eine sehr -ausführliche Darstellung in dem Anhang zur »Alchemie« von *Lippmanns*. -Kupfer wurde danach in Ägypten schon in der Steinzeit zu Geräten -verwandt (S. 539). Silber und Eisen lernte man erst später kennen (Li). - -Zu S. 15: Die Herkunft der Sumerer ist nicht sicher festgestellt. Sie -sind nicht semitischen Ursprungs und hatten schon vor 3000 eine hohe -Kulturstufe erreicht, u. a. besaßen sie eine ausgebildete Schrift, die -Keilschrift (Li). - -Zu S. 19: vergleiche man *E. Hoppe*, Mathematik und Astronomie im -klassischen Altertum S. 17 u. f. (Wü). - -Zu S. 19: Es verdiente schon hier erwähnt zu werden, daß die Araber -neben dem Sexagesimalsystem auch das Dezimalsystem benutzt haben (Wi). - -Zu S. 31 (Dauer des synodischen Monats): Die genaue Übereinstimmung -beruht darauf, daß eine sehr große Anzahl von Umläufen genommen wurde -und nicht etwa darauf, daß die Beobachtungen bis auf Sekunden genau -waren. Es wäre wohl angebracht, hierauf besonders hinzuweisen (Wi). - -Zu S. 38, unten: Die Übereinstimmung ist sicher Zufall. Sie rührt -daher, daß die menschliche Elle rund 1/2 m lang ist. Die Assyriologen -haben aber stets die Neigung zum Geheimnisvollen gehabt (Wi). - -Zu S. 43 Anm. 3: Man vergleiche damit die von derjenigen *Wilsers* zum -Teil abweichende Ansicht, die *E. von Lippmann* in seiner »Alchemie« -über die ältere Geschichte des Kupfers entwickelt. Die Meinungen der -Forscher gehen hier, zumal was das Auftauchen von Kupfer in Nord- und -Mitteleuropa betrifft, noch stark auseinander. - -Zu S. 50, Anm. 2: Nach *E. v. Lippmann* hat sich die Destillation aus -unvollkommenen Anfängen entwickelt, so daß sich bestimmte Angaben -über ihren Ursprung nicht machen lassen. Die ältesten Abbildungen und -Beschreibungen von Destillierapparaten finden sich in Schriften, die -angeblich im 1. Jahrh. n. Chr. entstanden sind (»Alchemie«, S. 46-48). - -Zu S. 60 (Ayur-Veda): Die Entstehung der Veden fällt in die Zeit von -1500 bis 500 v. Chr. Das Wort Veda bedeutet das Wissen. - -Zu S. 67: Über seine Methode der Schattenmessung für beliebige Winkel -vergleiche man *E. Hoppe*, Math. u. Astr. i. klass. Altertum (Wü). -Danach hat *Thales* (nach *Plutarch*) seinen Stab bei irgendeiner -Sonnenhöhe in den Endpunkt des Schattens gesteckt und gelehrt, daß die -Schattenlänge des Stabes sich zur Schattenlänge der Pyramide verhalte -wie die Länge des Stabes zur Höhe der Pyramide. - -Zu S. 80, unten: Näheres über die fünf regelmäßigen Körper (platonische -Körper) siehe bei *E. v. Lippmann* (Alchemie, S. 127). - -Zu S. 90: Die früheren Angaben über die Schiefe der Ekliptik sind -nach *v. Lippmanns* Mitteilung vermutlich babylonischer Herkunft. Ob -tatsächlich chinesische Astronomen schon um 1100 v. Chr. den ziemlich -richtigen Wert von 23° 52' für die Schiefe der Ekliptik kannten, bleibe -dahingestellt (Li). - -Zu S. 113: Über die Frage der Echtheit der »mechanischen Probleme« -siehe die Anm. auf S. 128. - -Auf S. 115 heißt es richtiger 2 : 1 statt 1 : 2. - -Zu S. 116: Das Wort Rückschritt ist hier nicht zeitlich zu nehmen, -da *Leukipp* und *Demokrit* ihre Vorstellungen vor *Aristoteles* -entwickelten. - -Zu S. 123: Das Nordlicht ist auch in unseren Zeiten, wenn auch sehr -selten im südlichen Europa beobachtet worden. - -Zu S. 128, Anm. 2: Mit Recht warnt auch *E. Wiedemann* davor, solchen -Vorahnungen und Andeutungen einen zu hohen Wert beizumessen. »Ich -stehe«, bemerkt er, »ihnen sehr skeptisch gegenüber, denn man kann im -Altertum alles finden, positiv und negativ«. - -Zu S. 156: Bezüglich des 14. und 15. Buches der »Elemente«, die nicht -von *Euklid* herrühren, findet man das Nähere in *E. Hoppes* Mathematik -und Astronomie im klassischen Altertum 1911, S. 314 u. f. (Wü). - -Zu S. 171 (*Archimedi*sches Prinzip): Hierzu sind die Dissertationen -von Th. *Ibel*, Die Wage im Altertum und Mittelalter, Erlangen 1908 -und von *H. Bauerreiß* »Zur Geschichte des spezifischen Gewichtes im -Altertum und Mittelalter«, Erlangen 1914 zu vergleichen (Wi). - -Zu S. 178, Anm. 2: Nach *Hoppe*, Math. u. Astr. i. klass. Altertum, S. -283, beläuft sich der Wert des griechischen Stadiums auf 185,136 m und -derjenige des kleinen pharaonischen Stadiums auf 174,5 m. Siehe auch -Decourdemanche, Traité pr. d. poids et mesures. 1909. p. 134 (Wü). - -Zu S. 183, Anm. 1: Da der Hang zur Astrologie zu dem Bilde, das man -sich im übrigen von *Hipparch* als kühlem Forscher macht, wenig -paßt, so hat man seine Beschäftigung mit astrologischen Dingen wohl -angezweifelt. Sie kann aber heute für ihn wie auch für Ptolemäos als -erwiesen betrachtet werden. - -Zu S. 189: Ob *Hipparch* die stereographische Projektion kannte, ist -nach *Hoppe*, Math. u. Astron. i. klass. Altertum nicht sicher (Wü). -Siehe dort S. 325. - -Zu S. 200: Schreibweise ist Theodolit. Die Herkunft des Wortes ist -unbekannt. - -Zu S. 215: Ausführliches über die Uhren findet sich bei *E. Wiedemann* -und *J. Würschmidt* (Wü). - -Zu S. 228, Anm. 1: *Günther* und mit ihm auch *Würschmidt* und -andere bevorzugen die Schreibweise Copernicus. Siehe indessen die -Anm. 1 auf S. 403. Die erwünschte Einigung in solchen Dingen ist -kaum herbeizuführen, da in der gesamten Literatur die verschiedenen -Schreibweisen nebeneinanderlaufen. - -Zu S. 251, Anm. 1: Der *Heiberg*sche Text ist dem von *Halma* -vorzuziehen (Wi). - -Zu S. 256: Über die Geschichte des Astrolabs berichtet ausführlich -*Josef Frank* in den Sitzungsberichten der physikalisch-medizinischen -Sozietät zu Erlangen (Bd. 50. 51. 1918/19). Die Abhandlung ist durch -eine Anzahl Abbildungen erläutert. - -Das ursprünglich für die Aufnahme der Sterne bestimmte Instrument -erhielt allmählich verschiedene Abänderungen, die alle als Astrolabien -bezeichnet werden und sich in den älteren astronomischen Werken -abgebildet finden. - -[Illustration: Einfachste Form eines Astrolabiums nach *Peschel*. - -(Gesch. d. Erdk. S. 386.)] - -Zu S. 261: Ob der Verfasser der Naturales quaestiones mit dem Tragöden -*Seneca* identisch ist, steht immer noch nicht fest (Li). - -Zu S. 264, Anm. 2: Nach *E. Wiedemann* ist die »Optik« des *Ptolemäos* -vor *Govi* wohl auch von anderen, z. B. *Venturi*, bemerkt worden. - -Zu S. 271: Über die Kenntnis und Verwendung von Zink und Zinn im -Altertum siehe *von Lippmanns* »Alchemie« v. S. 577-600. - -Zu S. 274: Über die ersten Erwähnungen der Chemie und ihres Namens -sowie über die Herkunft des Namens Chemie handelt *E. v. Lippmann* sehr -ausführlich in seiner »Alchemie« S. 282-314. Etwas Sicheres läßt sich -danach über die Herkunft des Namens »Chemie« nicht feststellen. - -Auch *v. Lippmann* gibt als älteste Quelle für das Vorkommen des Namens -»Chemie« Zosimos an. Dieser gehört danach schon dem 3. Jahrhundert -an. Er schrieb eine Anzahl griechischer Werke, die, wenn auch in -entstellter Form, zum Teil noch erhalten sind und ausdrücklich die -Chemie als Kunst des Gold- und Silbermachens erwähnen (Chem. Ztg. 1914, -S. 685). Die Ableitung des Wortes Chemie von Chemes findet sich nach -*v. Lippmann* bei Zosimos jedoch nicht. - -Zu S. 275: Ebenso unsicher wie die Ableitungen des Wortes »Chemie« sind -alle Nachrichten über den »Stein der Philosophen« oder »der Weisen«. -Nach *von Lippmann* kommt diese Bezeichnung zuerst in Schriften vor, -die wahrscheinlich im 1. nachchristlichen Jahrhundert entstanden sind -(»Alchemie« S. 51). - -Zu S. 277: Dunkel sind nach *v. Lippmann* auch die mystischen -Beziehungen zwischen der Alchemie und der Astrologie, wie sie sich in -der auf S. 277 gegebenen Zusammenstellung der Metalle mit bestimmten -Planeten ausgesprochen finden. - -Z. S. 303: *Al Biruni* (973-1048 etwa) war Mathematiker, Astronom und -Geograph. Er hat besonders wissenschaftliche Beziehungen der arabischen -Welt zu Indien vermittelt. - -Meisterhaft schilderte *Al Biruni* die Dämmerungserscheinungen, unter -denen auch das Zodiakallicht deutlich erkennbar ist. - -Die kupferrote Mondfarbe, die bei einer totalen Mondfinsternis infolge -des Erdscheins auftritt, vermochten weder *Al Biruni* noch die übrigen -arabischen Astronomen zu erklären. (Nach Meyerhofs Sammelbericht; S. S. -314.) - -Zu S. 304: *Albattanis* Werk wurde von *Nallino* arabisch und -lateinisch in trefflicher Bearbeitung herausgegeben (Wi). - -Z. S. 310: Zu *Marcus Graecus'* Schrift schreibt *v. Lippmann*: »Sie -ist erst um 1250 verfaßt. *Berthelots* Angabe, *Marcus Graecus* habe -den Salpeter gekannt, ist ganz unhaltbar. *Diels* ist ihm mit Unrecht -gefolgt«. (Li.) - -Z. S. 310, unten: Man kann ein ganzes Verzeichnis der Umschreibungen -des Namens *Alchwarizmi* zusammenstellen. *Ruska* (Zur ältesten -arabischen Algebra und Rechenkunst, Heidelberg 1917) führt etwa ein -Dutzend solcher Umschreibungen an. - -Der vollständige Name lautet Muhammed ibn Musa Alchwarizmi. - -Z. S. 311: Ausführlicher über *Ibn Musa* handelt die Schrift von -*Ruska*: Zur ältesten arabischen Algebra und Rechenkunst, Heidelberg -1917 (Sitzungsber. d. Heidelb. Akad. d. Wissensch.). - -Nach *Ruska* sind über die Grundlagen der arabischen Algebra viele sich -ausschließende Ansichten geäußert worden. Eine genauere Vergleichung -der Texte und der Übersetzungen war danach nötig. Eine Algebra im -heutigen Sinne hat *Ibn Musa* nicht geschrieben. Sein Buch will -weiter nichts sein, als eine auf zahlreiche Musterbeispiele gestützte -Einführung in das angewandte Rechnen (a. a. O. S. 7). Woher *Ibn Musa* -seinen Stoff hat, deutet er nirgends an. - -Die verschiedenen Übersetzungen der Ausdrücke algabr und almukabalah -vermögen keine klare Vorstellung von ihrem mathematischen Sinn zu -geben. *Cantor* spricht von Wiederherstellung und Gegenüberstellung, -*Ruska* dagegen von Ergänzung und Ausgleichung. In dem Abschnitt, der -von den sechs Formen der Gleichungen handelt, wird nämlich gesagt, daß -jede andere Gleichung durch das erwähnte Verfahren auf eine der sechs -Normalformen gebracht werden könne. - -Zu S. 314: Bezüglich der Optik der Araber kommt der neueste Standpunkt -in *Meyerhofs* zusammenfassenden Abhandlungen zum Ausdruck (Wi): -Siehe *M. Meyerhof*, »Die Optik der Araber« i. d. Zeitschrift f. -ophthalmologische Optik. Berlin, Verlag v. J. Springer 1920. - -Z. S. 314: In Ergänzung der im vorliegenden Werk gegebenen Darstellung -sei nach diesem Sammelbericht noch auf folgendes hingewiesen: - -Die Verfasser der seit dem 8. Jahrhundert in arabischer Sprache -entstandenen Literatur waren zum allergeringsten Teile Araber, dagegen -vorwiegend Perser, Syrer, Ägypter, Mesopotamier, und zwar nicht nur -Mohammedaner, sondern auch Christen und Juden. - -Die bedeutendste optische Schrift der Araber, der Thesaurus Opticae -des *Alhazen* (Ibn al-Haitham) ist zwar seit dem 13. Jahrhundert der -abendländischen Welt bekannt. Die genauere Erforschung der arabischen -Optik auf Grund der Übersetzung der Urtexte erfolgte jedoch erst in den -letzten Jahrzehnten und zwar auf ophthalmologischem Gebiete durch *J. -Hirschberg*, auf physikalischem durch *E. Wiedemann*. Leider ist der -arabische Urtext der Optik *Alhazens* trotz aller Bemühungen bisher -noch nicht gefunden worden. - -Die Lebensgeschichte *Alhazens* ist von *E. Wiedemann* getreulich nach -den arabischen Gelehrtenbiographien dargestellt worden. (Archiv f. d. -Gesch. d. Naturw. u. d. Technik 1910. 3, S. 1-53.) - -Die Übersetzung ins Lateinische, welche der *Risner*'schen Ausgabe -zugrunde liegt, ist vermutlich im 13. Jahrhundert entstanden. - -Eine genauere Inhaltsangabe der 7 Bücher gibt *M. Meyerhof* in seinem -Sammelbericht in der Zeitschr. f. ophthalmolog. Optik. VIII (1920) Heft -3. - -Z. S. 315: Bei der Darstellung der Anatomie des Auges stützt sich -*Alhazen* im wesentlichen auf *Galen*. Wie er unterscheidet er 3 -Feuchtigkeiten (Kammerwasser, Linse, Glaskörper) und 4 Häute. Die Linse -verlegt auch *Alhazen* in den Mittelpunkt des Auges. - -Z. S. 316: Im Gegensatz zu den meisten Griechen und seinen arabischen -Fachgenossen stellt *Alhazen* vollbewußt die Theorie auf, daß das Sehen -durch Strahlen zustande kommt, die in gerader Linie vom Gegenstande zum -Auge hinziehen (*Meyerhof*, a. a. O. S. 42). - -Z. S. 317: Daß das Licht zu seiner Fortpflanzung Zeit gebraucht, glaubt -*Alhazen* daraus schließen zu dürfen, daß die Farben des Farbenkreisels -(der schon *Ptolemäos* bekannt war) bei rascher Umdrehung nicht mehr -einzeln unterschieden werden (a. a. O. S. 43). - -Z. S. 318: Daß die Gestirne in der Nähe des Horizontes größer -erscheinen als im Zenit erklärt *Alhazen* als eine optische Täuschung. -Diese entstehe dadurch, daß das Auge die Größe der Gegenstände nach -derjenigen des Gesichtswinkels und der mutmaßlichen Entfernung -schätzt. Letztere erscheint am Horizont wegen der dazwischen -liegenden Gegenstände größer. Aus dem gleichen Grunde erscheine das -Himmelsgewölbe abgeplattet (a. a. O. S. 45). - -Die erste Erwähnung der Dunkelkammer findet sich in der von *E. -Wiedemann* übersetzten Schrift *Alhazens* »Über die Gestalt des -Schattens«. Es heißt dort nämlich: »Tritt das Licht der Sonne zur Zeit -ihrer Verfinsterung aus einem engen runden Loche heraus und gelangt zu -einer gegenüber liegenden Wand, so hat das Bild Sichelgestalt«. Den -Beweis gibt *Alhazen* durch eine ausführliche Abhandlung (Übersetzt v. -*E. Wiedemann*). Sein Kommentator *Kemal al-Din*, der etwa 300 Jahre -später lebte, entwickelt die Theorie der Camera sehr eingehend. *J. -Würschmidt* nimmt an, daß die abendländischen Gelehrten die Erfahrungen -der Araber über die Dunkelkammer übernahmen. - -Die Tatsache, daß bei einer Sonnenfinsternis hinter einer engen Öffnung -ein sichelförmiges Bild der Sonne entsteht, war schon im Altertum -bekannt. - -In seiner Schrift »Über Brennspiegel nach Kegelschnitten« -(herausgegeben von *J. L. Heiberg* und *E. Wiedemann*, Bibl. math. III. -Folge, Bd. 10, Heft 3) erwähnt *Alhazen* die Beobachtung der Alten, -daß Spiegel von der Form eines Umdrehungsparaboloids alle Strahlen in -einem Punkte vereinigen und wirksamer sind, als alle anderen Spiegel. -Die Entdeckung soll von *Diokles* um 350 v. Chr. gemacht worden -sein. *Alhazen* vermißt die theoretische Konstruktion, die er dann -vollständig gibt. Indessen hatte schon *Appollonios* die richtige Lage -des Brennpunktes bei paraboloiden Hohlspiegeln festgestellt. - -Z. B. 318: Einen guten Überblick über den Stand, den die Augenheilkunde -bei den Arabern erreicht hatte, gibt eine von *C. Prüfer* und *M. -Meyerhof* in der Zeitschrift »Der Islam« (6. Jahrg. 3. Heft 1915) -herausgegebene ausführliche Abhandlung über diesen Gegenstand. - -Z. S. 319: Daraus, daß in dieser Tabelle der Alkohol fehlt, schließt -von *Lippmann*, daß man um 1120 den Alkohol noch nicht kannte. Nach ihm -ist dieser gar keine arabische Entdeckung, sondern eine verhältnismäßig -späte abendländische. Bisher war man allgemein der Ansicht, daß der -Alkohol schon seit dem 9. Jahrhundert den Arabern bekannt gewesen sei. - -Über die Geschichte des Aräometers siehe auch *v. Lippmanns* Abhandlung -in der Chemiker-Zeitg. 1912, Nr. 68. - -Z. S. 319: »Über Wagen bei den Arabern« handelt *E. Wiedemann* -(Sitzsber. d. Phys. Mediz. Soziet. in Erlangen Bd. 37, 1905, S. 388 -u. f.). *Wiedemann* berichtet dort von der Verwendung physikalischer -Kenntnisse zu allerhand Betrügereien. So stellte man Wagen her, deren -Balken hohl war und etwas Quecksilber enthielt. In einem arabischen -Werk, das eine Reihe von Taschenspielerkunststücken schildert, heißt -es: »Soll das Gold leicht erscheinen, so läßt man das Quecksilber nach -der Seite der Gewichte fließen«. Auch dadurch wurde betrogen, daß der -Bankier einen Ring trug, in dem sich ein Magnetstein befand. Diesen -brachte er beim Wägen in geeigneter Weise an die eiserne Zunge der -Wage. Daß derartige Betrügereien recht alt waren, geht auch daraus -hervor, daß schon der Koran dagegen eifert. - -Zu S. 318 und 327: *Al Qazwini* und *Al Khazini* sind zwei verschiedene -arabische Schriftsteller. *Al Khazini* lebte um 1130. Von ihm rühren -die sehr genauen Bestimmungen einer Anzahl von spezifischen Gewichten -her. *Al Qazwini*, der Verfasser des Steinbuches, lebte etwa hundert -Jahre später. Er schrieb eine große Erdbeschreibung: »Die Wunder der -Schöpfung und die Denkmäler der Länder«. Sein vollständiger Name -lautet: *Zakarija ibn Muhammad ibn Mahmud al-Qazwini*. - -Die arabischen Steinbücher enthalten auch Vorschriften zur Gravierung -von Planetenbildern auf die den einzelnen Planeten zugeteilten Steine. -Bei jedem der sieben Planeten wird angegeben, bei welcher Konstellation -das genau beschriebene Planetenbild in den dem Planeten geweihten Stein -graviert werden soll und welche Wirkung das Amulett hat, wenn noch -gewisse rituelle Vorschriften erfüllt werden. Dem Saturn entspricht -ein Stein in einem Ring aus Blei, dem Mars ein Stein in einem Ring aus -Eisen usw. Näheres bei *J. Ruska*, Griechische Planetendarstellungen -in arabischen Steinbüchern. (Sitzgsber. d. Heidelb. Akad. d. Wiss., -Heidelberg 1919.) - -Zu S. 320, 8. Z. v. oben: Neben Spanien verdient Sizilien Erwähnung, da -auch von hier aus die arabische Wissenschaft dem Abendlande übermittelt -wurde (Wi). - -Z. S. 322: Über *Geber* berichtet ausführlicher und dem Ergebnis der -neuesten Forschungen entsprechend *v. Lippmann* in seiner »Alchemie«. - -Zu S. 322: Nach *v. Lippmann* ist der Alkohol eine Erfindung des -Abendlandes, die vermutlich erst im 11. Jahrhundert gemacht wurde -und zwar wahrscheinlich in Italien (Alchemie 472). Das Wort »Kohol« -bezeichnet ursprünglich ein sehr feines Pulver. Al ist der arabische -Artikel. Näheres siehe bei *v. Lippmann*, Chemiker-Zeitung 1913, S. -1313, ebd. 1917, S. 865. - -Z. S. 325: Es sei bemerkt, daß die Gleichungen unter 2) nur zur -Erläuterung dienen. Die Salzsäure, durch die hier die Zerlegung bewirkt -wird, war damals noch nicht bekannt. - -Z. S. 326: Wunderbare Wirkungen wurden dem Stein der Weisen indessen -auch schon von den frühesten griechischen Alchemisten beigelegt (Li). - -Zu S. 327, unten: Es muß jedoch anerkannt werden, daß die Araber recht -gute botanische Kenntnisse besaßen (Wi). - -Z. S. 330: Über die medizinischen Kenntnisse bei den Arabern hat -ausführlich G. Seidel in den Sitzungsber. d. phys. med. Sozietät in -Erlangen berichtet (Bd. 47, S. 1915). - -Z. S. 352: Die *Albertus Magnus* zugeschriebenen, eigentlich -alchemistischen Werke sind nach v. *Lippmann* Fälschungen. - -Zu S. 390: Inbezug auf die Optik *Lionardos* sei auf *Werners* in -Erlangen erschienene Dissertation hingewiesen. *Werner* weist nach, -daß sich in den optischen Studien *Lionardo da Vincis* zahlreiche -Andeutungen finden, die auf seine Bekanntschaft mit den Schriften -*Alhazens* schließen lassen. - -Zu S. 401: »Ortus« wird im Mittelalter häufig statt »Hortus« gebraucht. - - - - -Fußnoten: - -[1] *Berthold* hat diese Arbeit nicht vollendet. Sie wurde später -*Gerland* (-1800) und *Würschmidt* (1800-1900) übertragen. - -[2] Die Verwandtschaft des Ägyptischen mit dem Semitischen wurde -besonders durch *Erman* dargetan, der die ältesten Verbalformen -verglich und zahlreiche Übereinstimmungen auffand. Daß der -altägyptische Typus von dem der Neger stark abweicht, hat *Virchow* -durch die Untersuchung der Königsmumien nachgewiesen (Ber. d. Berl. -Akad. von 1888). - -[3] Siehe auch *Wiedemann*, Ägyptische Geschichte 1884. S. 22, sowie -*E. Meyer*, Geschichte des Altertums 1. Bd. 1909. S. 44. - -[4] Näheres über den Namen und über die Geographie des alten Ägyptens -findet man in *Paulys* Realencykl. d. klass. Altertumswiss. Bd. I. S. -978. - -[5] *G. Maspero*, Gesch. d. morgenländischen Völker im Altertum. -Leipzig 1877. S. 63. - -[6] So entstand z. B. aus der Eule [Symbol: Eule], die in der -Hieroglyphenschrift _m_ bedeutet, das Zeichen [Symbol: ähnlich einer -3] (hieratisch) und schließlich [Symbol: geschwungener, nach rechts -geneigter Halbkreis] (demotisch). Der demotischen Schrift bediente man -sich in der griechisch-römischen Zeit besonders im Verkehr. - -[7] Z. B. *Athanasius Kircher* (1601-1680), der sich auch um die -Naturwissenschaften verdient gemacht hat (s. a. anderen Stellen dieses -Werkes). - -[8] *E. Meyer*, Geschichte des Altertums. 1909. I. Band. S. 54. Siehe -auch an späterer Stelle dieses Bandes. - -[9] Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft. 1904. S. -386. - -[10] Nach *Nissen* und *Lockyer*. Siehe die Abhandlung *Charliers* -i. d. Zeitschr. der morgenl. Gesellschaft. 1904. S. 386 u. f. Danach -wiederholte sich ähnliches bei den älteren christlichen Kirchen. Ihre -Achse wurde mitunter gegen den Punkt des Horizontes gerichtet, an -welchem die Sonne am Gedenktage des Heiligen der betreffenden Kirche -unterging. *Charlier* will auf diese Weise das Alter von Kirchen auf -astronomischem Wege bestimmt haben. - -[11] *M. Cantor*, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik. Bd. I -(1880). S. 59. - -[12] *G. Maspero*, Geschichte der morgenländischen Völker im Altertum. -Übersetzt von *R. Pietschmann*. Leipzig 1877. S. 54. - -[13] Um ihre Entzifferung hat sich zuerst *Thomas Young* und später -*Champollion* die größten Verdienste erworben. - -[14] *Lepsius*, Denkmäler II. 50. - -[15] In Tell el-Amarna in Mittelägypten. - -[16] *Herodot* II. 109. - -[17] H. *Hankel*, Die Entwicklung der Mathematik in den letzten -Jahrhunderten. Tübingen 1869. - -[18] Der Papyrus Rhind des Britischen Museums in London, den der -Schreiber *Ahmes* des Hyksoskönigs Ra-a-us verfaßte. Die Entstehung -dieser Schrift fällt zwischen 1700 und 2000 v. Chr. Das Dokument wurde -übersetzt und erläutert herausgegeben von *Eisenlohr*, Leipzig 1877. -Eine eingehende Besprechung seines Inhalts findet sich in M. *Cantors* -Vorlesungen über Geschichte der Mathematik. Leipzig 1880. Bd. I. S. -19-52. - -[19] J. *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. I. S. 52. - -[20] *Eisenlohr*, Ein mathematisches Handbuch der alten Ägypter (2. -Ausgabe). S. 46-48. - -[21] Schak im 38. und 40. Band der Zeitschrift für ägyptische Sprache. - -[22] *Cantor* im Archiv für Mathematik und Physik. 8. Bd. 1904. - -[23] *Cantor*, Vorlesungen über Gesch. d. Mathem. Bd. I (1880). S. 37. - -[24] Näheres über das Verfahren und die erhaltenen Exemplare siehe bei -*Cantor*, Vorlesungen über Gesch. d. Mathem. Bd. I. S. 43-45; 109-112 -usw. - -[25] *Cantor*, Bd. I. S. 46. - -[26] *Eisenlohr*, Papyrus. S. 125. - -[27] *Cantor*, Bd. I. S. 58. Abb. 6 u. 7. - -[28] *M. Cantor*, Vorlesungen über Gesch. d. Mathem. Bd. I. S. 59. - -[29] *Cantor*, a. a. O. Bd. I. S. 59. Siehe auch S. 9. - -[30] Er lautet Seqt. Siehe *Cantor*, Gesch. d. Mathem. Bd. I S. 52, -sowie *Eisenlohr*, a. a. O. S. 135 (Anm. 3). - -[31] *Tropfke*, Gesch. d. Elementarmathematik. Bd. I. S. 74. - -[32] *C. Merkel*, Die Ingenieurtechnik im Altertum. Berlin. J. -Springer. 1900. An dies größere Werk lehnen sich die »Bilder aus der -Ingenieurtechnik« an, die *Merkel* als 60. Bändchen der Sammlung »Aus -Natur und Geisteswelt« veröffentlichte (B. G. Teubner. Leipzig 1904). - -[33] Ist doch bekannt, welche Mühe es kostete, den Obelisken von -Heliopolis auf dem Platze vor der Peterskirche in Rom mit Hilfe -zahlreicher Göpel und Flaschenzüge aufzurichten. Dieser Obelisk ist -eine einzige Steinmasse von über 300000 kg Gewicht. Näheres siehe bei -*Beck* in seinen Beiträgen zur Geschichte des Maschinenbaus. Berlin -1899. S. 192. - -[34] Siehe »Der alte Orient.« I., herausgegeben von der -vorderasiatischen Gesellschaft. - -[35] Ort zwischen Kairo und Theben, wo eine Anzahl Keilschrifttafeln -entdeckt wurden. Sie befinden sich zum Teil im Museum der -vorderasiatischen Altertümer in Berlin. In einem der Briefe (um 1400 v. -Chr.) findet sich die erste Erwähnung Jerusalems. Die Berliner Sammlung -enthält auch zahlreiche Tafeln der ältesten babylonischen Zeit (3000 v. -Chr.). Bei ihrer Auffindung waren die Schriftzüge durch Auflagerungen -unkenntlich; nach Anwendung verschiedener Reinigungsverfahren traten -sie mit voller Deutlichkeit hervor. Erwähnenswert ist auch ein -sumerisch-babylonisches Wörterbuch. - -Von den Tell el-Amarna-Tafeln gelangten etwa 200 nach Berlin; die -wertvollsten sind in London. Siehe auch *C. Niebuhr*, Die Amarna-Zeit. -»Der Orient« I. 2. Heft. Berlin 1899. - -[36] Hettitische Schriftdenkmäler wurden in Nordsyrien und in -Boghaz-Kiri (Kappadozien) gefunden. Sie bilden einen Teil der -Berliner Sammlung vorderasiatischer Altertümer. Die Hettiter haben -Bedeutendes auf dem Gebiete der Metallurgie geleistet. Es ist nicht -unwahrscheinlich, daß durch sie metallurgische Kenntnisse, z. B. die -Art der Gewinnung des Eisens, nach Ägypten und nach Babylonien gelangt -sind (*E. Reyer*, Altorientalische Metallurgie. Zeitschrift der -orientalischen Gesellschaft. 1884. S. 149). - -[37] *Merkel*, »Die Ingenieurtechnik des Altertums«, enthält darüber -und über den Wasserbau der übrigen alten Völker (Chinesen, Griechen, -Römer) das Nähere. - -[38] *F. X. Kugler*, Sternkunde und Sterndienst in Babel. Münster 1907. -Der Inhalt der astrologischen Keilschriftfunde wurde im III. Bande -des Londoner Inschriftenwerkes veröffentlicht. Die Übersetzung der -astronomischen Keilschrifttafeln begann 1874. - -[39] *Bezold*, Ninive und Babylon, Monographien zur Weltgeschichte. -1903. Mit 102 Abbildungen. - -[40] *A. H. Layard*, Niniveh and its remains (1848). - -[41] Die Nippurtexte wurden unter der Oberleitung *Hilprechts* -veröffentlicht: The Babylonian expedition of the university of -Pennsylvania, Philadelphia. - -[42] Siehe S. 19. - -[43] Beispiele führt *Cantor* Bd. I. S. 71 in größerer Zahl an. -So heißt es Samuel I. 18: Saul hat tausend geschlagen, David aber -zehntausend. Und an anderer Stelle: Tausend mal tausend dienten ihm -(Daniel 7. 10). - -[44] Auf den Tafeln sind die Zahlen selbstverständlich ohne Zeichen -nebeneinander gestellt. - -Unter den neubabylonischen Tafeln der Berliner Sammlung findet sich -der Grundriß eines größeren Gebäudes. Auf diesem Grundriß sind die -Abmessungen durch Zahlen nach dem Sexagesimalsystem verzeichnet, z. B. -11 · 60 + 40 (= 700). - -[45] Nach *E. v. Lippmann* ist es sogar sehr unwahrscheinlich. - -[46] Siehe auch *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. I. -S. 76. - -[47] *Theo Smyrnaeus* (ed. Ed. Hiller). Leipzig 1878. S. 177. - -[48] *Wilhelm Spiegelberg*, Orientalistische Literaturzeitung, 1902. -S. 6. Es fand sich unter einer großen Menge Ostraka (durch Einritzen -beschriebene Tonscherben), welche die Straßburger Bibliothek erwarb, -und wurde von *Spiegelberg* entziffert. Der Text ist demotisch. - -[49] Geht ein Gestirn gleichzeitig mit der Sonne auf, so spricht -man von seinem heliakischen oder Frühaufgang. Dabei ist der wahre -Frühaufgang, der wohl ermittelt, aber nicht beobachtet werden kann, von -dem sichtbaren Frühaufgang zu unterscheiden. Letzterer Zeitpunkt tritt -ein, wenn das Gestirn schon etwas vor dem Aufgang der Sonne erscheint, -so daß es in der Dämmerung wahrzunehmen ist. Der Zeitunterschied -beläuft sich auf etwa 20 Tage. Ähnlich liegen die Verhältnisse beim -heliakischen Untergang. - -[50] Der Beginn der ersten ägyptischen Kalenderordnung wird in -das Jahr 4241 v. Chr. verlegt. (*E. Meyer*, Ägypten zur Zeit -der Pyramidenerbauer. Leipzig 1908. Sendschrift der deutschen -Orientgesellschaft.) - -[51] Der Sirius (Sothis) galt daher als der Stern der Isis, welche -die Überschwemmung dadurch bewirkte, daß sie, die große Naturgöttin, -eine Träne in den Strom fallen ließ. Siehe auch die Abhandlung »Die -Nilschwelle« von *W. Capelle* in den neuen Jahrbüchern f. d. klass. -Altertum. 1914. S. 317. - -[52] Näheres über die Sothisperiode und andere im Altertum -gebräuchliche Ären, d. h. der Einrichtung, die Jahre von einem -allgemein anerkannten, festen Zeitpunkt ab zu rechnen, enthält *Paulys* -Real-Encycl. d. klass. Altertumswissensch. unter »Aera« (1898. S. 606). - -[53] *Ideler*, Über die Sternkunde der Chaldäer. Abhandlungen der -Berliner Akad. d. Wissensch. 1814/15. S. 214. - -Wie die alten Astronomen hierbei verfuhren, hat *Pappus* in seinem -Kommentar zum V. Buche des Almagest geschildert. - -[54] *K. F. Ginzel*, Die astronomischen Kenntnisse der Babylonier. In -den Beiträgen zur alten Geschichte. Bd. I (1902). S. 350. - -[55] Vielleicht haben die Babylonier die Wasserwägung auf den Durchgang -der Sonne durch den Meridian bezogen und so den durch die Schiefe der -Sphäre bedingten Fehler vermieden. - -[56] Siehe *K. F. Ginzel* a. a. O. S. 351. - -[57] *E. Meyer*, Geschichte des Altertums. Bd. III. 1901. S. 132. - -[58] Arabischer Name des astronomischen Hauptwerkes von *Ptolemäos*. - -[59] *E. Meyer*, Geschichte des Altertums. Bd. I. S. 527. - -[60] *C. Bezold*, Die Astrologie der Babylonier in Bolls Sternglaube -und Sterndeutung. B. G. Teubner, Leipzig. 1918. S. 9. - -[61] So erscheinen die Plejaden in der Siebenzahl auf der Stele -(Grabsäule) eines Königs des 7. vorchristlichen Jahrhunderts. - -[62] *E. Meyer*, Geschichte des Altertums. I (2). S. 369. - -[63] *Ginzel*, Die astronomischen Kenntnisse der Babylonier. - -[64] Eine ausführliche Abhandlung von *Rieß* über die Astrologie im -Altertum enthält *Paulys* Reallexik. d. klass. Altert. Bd. II (1896). -S. 1802. - -[65] *A. H. Sayce*, The astronomy and astrology of the Babylonians with -translations. London 1874. Siehe auch *Cantor* I. S. 38 (3. Aufl. 1907). - -[66] Nach *Simplicius*, Kommentar zu Aristoteles »De coelo«. - -[67] *Wolf*, Geschichte der Astronomie. S. 10. - -[68] *H. Suter*, Die Geschichte der mathematischen Wissenschaften. -Zürich 1873. S. 18. - -[69] *R. Lepsius*, Das bilingue Dekret von Kanopus. Berlin 1866. Die -betreffende Inschrift wurde von *Lepsius* im Jahre 1866 in Unterägypten -gefunden. - -[70] Die aus dem Altertum auf uns überkommenen Nachrichten über -die Astronomie der Babylonier hat *Ideler* zusammengestellt: Über -die Sternkunde der Chaldäer (Abhandlungen der Berliner Akademie d. -Wissensch. v. 1814/15). - -Die in *Idelers* Schrift zusammengestellten und erläuterten Fragmente -waren bis zur Entzifferung der Keilschriftfunde, also bis 1870 etwa, -die wichtigste Quelle für die Geschichte der babylonischen Astronomie. - -[71] *F. Boll*, Astronomische Beobachtungen im Altertum. Neue -Jahrbücher f. d. klass. Altert. 1917. S. 17. - -[72] Siehe *Ginzel*, »Die astronomischen Kenntnisse der Babylonier -und ihre kulturhistorische Bedeutung«; in den Beiträgen zur alten -Geschichte (Klio). 1 Bd. (1901). - -[73] Nach *Ginzel* a. a. O. S. 191. - -[74] Siehe *Ginzel* a. a. O. (Klio). - -[75] »Was auf diesem Gebiete die Assyriologie geleistet, gehört zu den -erstaunlichsten Ergebnissen der Altertumsforschung und bildet einen der -größten Triumphe der Keilschriftenentzifferung« (*Bezold*, Ninive und -Babylon 1903. S. 89). Unter den Männern, welche die Astronomie und die -Keilschriftenkunde in einer Person vereinigen, ist besonders *F. X. -Kugler* zu nennen. - -[76] Nach *Kugler*. - -[77] *F. X. Kugler*, Sternkunde und Sterndienst in Babel. Münster 1907. - -[78] Nach *Ginzel*, Die astronomischen Kenntnisse der Babylonier. - -[79] *Ginzel*, Die astronomischen Kenntnisse der Babylonier. - -[80] Wie *Geminos* mitteilt. Wann *Geminos* lebte, ist nicht genau -bekannt (100 v.-100 n. Chr.). Er stammte aus Rhodos und schrieb eine -Einführung in die Astronomie (εἰσαγωγὴ εἰς τὰ φαινόμενα). Eine Ausgabe -mit deutscher Übersetzung veröffentlichte *K. Manitius*. Leipzig 1898. - -[81] Wie die Bewegung der Gestirne, so galt auch das Verhalten -gewisser Tiere als Omen. In Babylon hat, nach dem Inhalt mancher -Keilschrifttexte zu urteilen, der Skorpion in dieser Hinsicht eine -Rolle gespielt, wie sie heute beim Volke noch der Spinne zugeschrieben -wird. Aus dem Verhalten der Skorpione suchte man z. B. das Schicksal -der Heere oder den Verlauf öffentlicher Angelegenheiten vorherzusagen. -(Mitteilungen zur Gesch. d. Medizin und der Naturwissensch. 1906. S. -326.) - -[82] Siehe *Diodors* von Sizilien historische Bibliothek, übersetzt von -*J. F. Wurm*. Stuttgart 1827. Buch II. Kap. 30. - -[83] Eingehender handelt von der kulturgeschichtlichen Bedeutung der -babylonischen und der ägyptischen Priesterschaft *E. Meyer* im 1. Bande -(1,_{2}) seiner Geschichte des Altertums. - -[84] Nach *Kugler*, Sternkunde und Sterndienst in Babel. -Assyriologische, astronomische und, astralmythologische Untersuchungen. -I. Buch: Entwicklung der babylonischen Planetenkunde von ihren Anfängen -bis auf Christus. Münster 1907. S. 41. - -[85] Siehe *Kugler*, Sternkunde und Sterndienst in Babel. Münster 1907. - -[86] *Kugler*, Im Bannkreis Babels. S. 57. - -[87] *Wolff*, Geschichte der Astronomie. S. 10. - -[88] *Berosos* war Priester in Babylon. Er gibt selbst an, daß er unter -Alexander, dem Sohne Philipps, gelebt habe. Näheres siehe in *Christ*, -Geschichte der griechischen Literatur. 1889. S. 412. - -[89] *K. A. v. Zittel*, Geschichte der Geologie u. Paläontologie. 1899. -S. 2. - -Die Aufzeichnungen des *Berosos* (*Christ*, a. a. O.) erregten bei den -Juden und den Christen besonderes Interesse durch die mit der Bibel -übereinstimmenden, jetzt auch durch Keilschrifttexte bestätigten Mythen -von der Sündflut, dem Turmbau zu Babel usw. - -[90] Nach *Ginzel*, Das astronomische Wissen der Babylonier. (Klio. -1901.) - -[91] Nach einer von *H. Winckler* aufgestellten, jedoch sehr -fragwürdigen Ansicht. Nach *Winckler* begann das babylonische Jahr -mit dem Frühlingsäquinoktium. Nun wandern die Äquinoktialpunkte in -26000 Jahren durch den ganzen Tierkreis. Der Frühlingspunkt verweilt -somit in jedem Tierkreisbild etwa 2000 Jahre. In Anbetracht des großen -Zeitraums, über den sich die babylonischen Beobachtungen erstreckten, -konnte die Wanderung der Äquinoktien den Babyloniern nach *Winckler* -nicht entgehen. Als ihre Beobachtungen, soweit Urkunden darüber -vorliegen, begannen, befand sich der Frühlingspunkt im Stier. Im 8. -Jahrhundert v. Chr. war die Frühjahrssonne in den Widder getreten, -während sie jetzt schon in den Fischen steht. Damit hängt vielleicht -zusammen, daß die Aufzählung der Sternbilder in dem bekannten Verse: -Sunt aries taurus ... mit dem Widder beginnt. Daß die Namen der -Tierkreisbilder zum Teil mit babylonischen Benennungen zusammenfallen, -weist darauf hin, daß sie, wenn auch auf Umwegen, von den Babyloniern -auf uns gelangt sind. (S. auch *Bezold*, Ninive u. Babylon. 1903.) - -[92] *F. H. Kugler*, Im Bannkreis Babels. Münster 1910. - -[93] *Ginzel*, Das astronomische Wissen der Babylonier (Klio. 1901. S. -209). - -[94] Dies entspricht auch einer Angabe des *Josephus* (Antiquit. I, 8). -Siehe auch *Kugler* a. a. O. S. 117. - -[95] *A. Boeckh*, Metrologische Untersuchungen über Gewichte, Münzfüße -und Maße des Altertums in ihrem Zusammenhange. Berlin 1838. - -[96] Siehe den Artikel »Gewichte« von *Lehmann-Haupt* in Paulys -Reallexikon der klass. Altertumskunde. Supplement-Bd. III. (1918.) S. -588-654. - -[97] *Lehmann* ist geneigt, hier eine absichtliche Verknüpfung -anzunehmen. Beiträge zur alten Geschichte. Bd. I. (1902.) S. 355. - -[98] *C. F. Lehmann*, Über die Beziehungen zwischen Zeit- und -Raummessung im babylonischen Sexagesimalsystem (Klio. Bd. I. S. 381 u. -f.). - -[99] Von anderer Seite wird bestritten, daß die alten Babylonier schon -das Gewicht aus dem Längenmaß abgeleitet hätten und auf das Bedenkliche -derartiger Spekulationen, wie sie *Lehmann* und besonders *Winckler* -(s. S. 36) anstellten, hingewiesen. Siehe u. a. *E. Meyer*, Geschichte -d. Altertums. 1909. S. 518. - -[100] Das Medizinalgewicht, das der Verfasser des Papyrus Ebers seinen -Rezepten als Einheit zugrunde legt, betrug nach *F. Hultsch* (Griech. -u. röm. Metr. 1882, S. 374 u. 376) ungefähr 6 g und das kleinste -Gewicht namens pek 0,71 g. Vgl. *R. Lepsius*, Abhandl. d. Berliner -Akademie, 1871. S. 41-43 und *F. Chabas*, Recherches sur les poids, -mésures et monnaies des anc. Egypt. Paris 1876. S. 21, 38. - -[101] Näheres über die Geschichte der Wage, der Gewichte und des Wägens -enthält die Schrift: *Th. Ibel*, Die Wage im Altertum und Mittelalter. -Erlangen 1908. - -[102] *Lepsius*, Die Metalle in den ägyptischen Inschriften. Abhandl. -d. Akademie d. Wissensch. zu Berlin. 1871. S. 111. - -[103] *A. Rössing*, Geschichte der Metalle. 1901. - -[104] *A. de Rochas*, Les origines de la science et ses premières -applications. - -[105] *Rössing*, Geschichte der Metalle. S. 11. - -[106] Die erste schriftliche Erwähnung findet das Zink bei -*Paracelsus*. Er nannte es »ein gar fremdes Metall, sonderlich -seltsamer als die anderen«. - -[107] Neuerdings hat man Gegenstände aus ziemlich reinem Zinn in -spätägyptischen Gräbern gefunden. Die Römer unterschieden es als -Plumbum candidum von dem Blei, das sie als Plumbum nigrum bezeichneten. - -[108] *Rössing*, a. a. O. S. 3. In manchen untersuchten Bronzen -ist das Zinn ganz oder zum Teil durch Antimon ersetzt. Entweder -wurde dieses Metall in Form von Antimonerz bei der Verhüttung -der Kupfererze zugesetzt oder man war im Altertum schon mit der -Gewinnung des metallischen Antimons vertraut. Die letztere Ansicht -vertritt *Helm*. Siehe den Jahresbericht über die Fortschritte der -klassischen Altertumswissenschaft 1902. III. S. 26-82. (*Stadlers* -Literaturbericht.) - -Einen bei den Ausgrabungen in Sakkara zutage geförderten Bronzebarren -von der Form, wie ihn die alten Abbildungen zeigen, untersuchte -*Berthelot* (Comptes Rendus 1905. S. 183), Quelques métaux trouvés dans -les fouilles archéologiques en Egypte. Dieser Barren enthielt 87,5% -Kupfer und 11,47% Zinn. Der Rest bestand aus Blei und Patina. - -[109] *E. Gerland* im Archiv f. d. Gesch. d. Naturw. u. d. Technik. -1910. S. 304. - -[110] Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und der -Naturwissenschaften. 1909. S. 300. - -[111] *L. Wilser* in den Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und -der Naturwissenschaften. 1907. S. 487. Nach *A. Ludwig* stammt das Wort -aus dem Hebräischen (Zeitschr. f. d. Kunde des Morgenlandes. 1905. Bd. -XIX. S. 239-240). - -[112] *Rössing*, Geschichte der Metalle. S. 14, sowie die Abhandlung -Eisen und Stahl in Indien von Dr. *E. Schultze* im Archiv f. d. Gesch. -d. Naturw. u. d. Technik. 1910. S. 350. - -[113] *A. H. Layard*, Niniveh and its remains. London 1849. - -[114] *A. C. Kisa*, Die Erfindung des Glasblasens. Jahrbuch für -Altertumskunde I. S. 1. - -[115] *Herodot* II. 84. - -[116] *Kodex Hammurabis.* Siehe Mitteilungen z. Geschichte d. -Medizin u. d. Naturwissenschaften. 1903. Heft 1. S. 90. *Hammurabi* -(*Chammurabi*) regierte von 1958-1916. Er hat die herrschenden -Rechtsgrundsätze zusammengestellt. Das Gesetzbuch *Hammurabis* wurde -1901 gefunden. - -[117] Die Staroperation, der man bisher ein Alter von etwa 2000 Jahren -zuschrieb, ist infolge dieser Erwähnung in der Gesetzessammlung -*Hammurabis* um weitere 2000 Jahre zurückzudatieren. Siehe *H. -Magnus*, Zur Kenntnis der im Gesetzbuche des *Hammurabi* erwähnten -Augenoperationen. Deutsche med. Wochenschrift. 1903. Nr. 23. - -Es läßt sich mit Bestimmtheit annehmen, daß diese Gesetze schon vor -ihrer Kodifizierung durch lange Zeiträume hindurch Geltung besaßen. Der -118. Paragraph der Sammlung *Hammurabis* lautet: - -»Wenn ein Chirurg jemandem eine schwere Wunde mit dem kupfernen -Skorpionpfriemen macht und den Menschen tötet oder den Star eines -Menschen mit dem kupfernen Skorpionpfriemen öffnet und das Auge des -Menschen wird zerstört, seine Hände soll man ihm abhauen.« - -[118] *Diodor*, I. 82, 3. - -[119] In einem altbabylonischen Texte wird Bilsenkraut als »die -Pflanze, welche die Glieder lähmt« und »Fett vom Baume« (Harz) -empfohlen. Mitteil. z. Gesch. d. Med. u. d. Naturwissensch. 1904. S. -221. - -[120] *F. v. Oefele*, Zwei medizinische Keilschrifttexte in Urschrift, -Umschrift und Übersetzung. (Mitteil. zur Gesch. der Med. u. d. -Naturwissensch. 1904. S. 217 u. f.) - -[121] *H. A. Nielsen*, Die Straßenhygiene im Altertum. Arch. f. -Hygiene. Bd. 43 (1902). S. 85-115. - -[122] Eine Liste der in Ägypten und in Palästina angebauten Pflanzen -enthält die Abhandlung von *Warburg*, »Geschichte und Entwicklung der -angewandten Botanik« (Berichte der Deutschen botanischen Gesellschaft. -1901. S. 153). Für Ägypten kommen unter anderen in Betracht: drei -Weizenarten, zwei Gerstenarten, Knoblauch, Porree, Schalotten, -Lein, Papyrus, Ölbaum, Weinstock, Dattel, Feige, Melonen, Kürbis, -Artischocke, Spargel, Rettich, Ackererbse, Pferdebohne, Linse, Kohl, -Fenchel, Anis, Absynth, Schlafmohn, Rizinus, Granatapfel. Die meisten -dieser Pflanzen wurden auch in Palästina angebaut, wo man auch schon -das Pfropfen verstand. Als Werkzeuge sind der Pflug, die Egge, Sicheln, -Hecheln und Dreschbretter nachgewiesen. - -[123] Im Papyrus Ebers finden sich einige Andeutungen, die erkennen -lassen, daß die alten Ägypter die Heilung von Wunden durch Nähte -förderten. Die erste Beschreibung dieses Verfahrens findet sich bei -*Celsus*. Siehe *Gurlts* Geschichte der Chirurgie, sowie *Erhardt*, -Die in der Chirurgie gebräuchlichen Nähte und Knoten in historischer -Darstellung. (*Volkmanns* klin. Vorträge Nr. 580/81.) - -[124] Tierärztliches Zentralblatt. 1903. Nr. 18. - -[125] *R. Burckhardt*, Geschichte d. Zoologie. S. 12. Leipzig, -Göschensche Buchhandlung. 1907. - -[126] *Eduard Meyer*, Ägypten zur Zeit der Pyramidenerbauer. Leipzig -1908. (Sendschrift der deutschen Orientgesellschaft.) - -[127] *v. Hehn*, Kulturpflanzen und Haustiere in ihrem Übergange aus -Asien. Berlin 1902. S. 520. - -[128] *Gerland* und *Traumüller*, Geschichte der physikalischen -Experimentierkunst. Engelmann, Leipzig 1899. S. 9. - -[129] *Meyer*, Geschichte der Chemie. S. 16. - -[130] Ein ausführlicher Artikel über Industrie und Handel im Altertum -findet sich im 9. Bande von Paulys Reallexikon, S. 1381-1535. Der -Verfasser ist *Gummerus*. - -[131] Von den Vorstellungen der Alten über Indien handelt sehr -ausführlich *Wecker* in Paulys Reallexik. d. klass. Altert. Bd. IX. -(1914). S. 1264-1325. Die beste Darstellung der antiken Kenntnisse über -Indien findet sich in der »Geographie« des *Ptolemäos* (s. a. spät. -Stelle). - -[132] Nach *Arrian*. - -[133] *Lassen*, Indische Altertumskunde. II. 511. - -[134] *Cantor*, I. 509. - -[135] *Bürk* in der Zeitschrift der Deutschen morgenländischen -Gesellschaft. Bd. 55 u. 56. - -[136] Kap. I. 4. in der Zeitschrift der Deutschen morgenländischen -Gesellschaft. 56. Bd. (1902.) S. 328. - -[137] Die Konstruktion von Altären unter Verwendung rechtwinkliger -Dreiecke, deren Seiten sich wie ganze Zahlen verhalten, geht vielleicht -in das 8. vorchristliche Jahrhundert zurück. Mitteil. z. Geschichte d. -Medizin u. Naturwissenschaften. 1906. S. 473. - -[138] Vor allem des Apastamba Sulbasutra. - -[139] Siehe *Zeuthens* Bemerkungen in der Biblioth. mathem. (3. Folge). -V. 97-112. - -[140] *Cantor*, Über die älteste indische Mathematik. Arch. f. Math. -und Physik. 1904. - -[141] Ap. Sulb. Sutra. III. 2. Zeitschr. d. morgenl. Gesellsch. Bd. 55 -u. 56. Abhandlung *Bürks*. - -[142] Siehe S. 19. - -[143] *Cantor*, Über die älteste indische Mathematik i. Arch. f. Math. -u. Phys. 8. Bd. (1904). - -[144] Siehe S. 6. - -[145] *Cantor*, a. a. O. S. 71. - -[146] *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. I. S. 98. - -[147] Siehe *Arneth*, Die Geschichte der reinen Mathematik. S. 143. - -[148] *Cantor*, Geschichte der Mathematik. Bd. I. S. 540. - -[149] Sie findet sich bei *Aryabhatta* (geb. 476 n. Chr.), dem ältesten -indischen Astronomen, dessen Schriften auf unsere Zeit gekommen sind. - -[150] Das Nirukta. - -[151] *Roth*, »Indische Feuerzeuge«. Zeitschrift der morgenländischen -Gesellschaft. 1889. - -[152] *Aristophanes*, Wolken. v. 766 u. f. *Aristophanes* erzählt -dort, ein Schuldner habe seinen Gläubiger dadurch geprellt, daß er die -Wachstafel, welche die Forderung enthielt, mittelst einer der Linsen -geschmolzen habe, die zum Erzeugen von Feuer gebraucht würden. - -[153] Über die »Schießpulverfrage im alten Indien«, siehe die -Mitteilungen zur Gesch. d. Med. u. d. Naturwissensch. 1905. S. 1 u. f. - -[154] *Hoernle*, Studies in the Medicine of ancient India. Oxford 1907. - -[155] *E. v. Lippmann*, Abhandlungen und Vorträge. 1906. - -[156] *Berendes*, Das Apothekenwesen, seine Entstehung und -geschichtliche Entwicklung. Stuttgart 1907. - -[157] Ein Sanskrittext, der sich gegen den Genuß des Fleisches, der -gegohrenen Getränke und gegen die geschlechtliche Liebe wendet, findet -sich in der Zeitschrift der deutschen morgenländischen Gesellschaft, -Jahrg. 1907, in der Übersetzung wiedergegeben. - -[158] *S. Hirschberg*, Der Starstich der Inder. Zeitschr. f. prakt. -Augenheilk. Januarheft 1909. - -[159] *Lindner*, Weltgeschichte. Bd. I. S. 413. - -[160] Siehe auch *W. Förster*, Die Astronomie des Altertums und -Mittelalters. Berlin 1876. - -[161] *Wolff*, Geschichte der Astronomie. S. 11. - -[162] Der Jesuitenorden, dem ja neben der Verteidigung auch die -Verbreitung des katholischen Glaubens oblag, ließ sich schon im 16. -Jahrhundert in den außereuropäischen Ländern nieder. In China gewann -er besonderen Einfluß dadurch, daß er für die Kalenderrechnung, die -dort sehr in Unordnung geraten war, eine Neuordnung auf astronomischer -Grundlage schuf. Eine solche Neuordnung war deshalb sehr wichtig, weil -man eine verworrene Zeitrechnung als ein ungünstiges Omen für die -Verwaltung und damit die Zukunft des Staates ansah. - -[163] *Baden-Powell*, History of natural philosophy. London 1834. S. 11. - -[164] Siehe auch *H. Löschner*, Über Sonnenuhren. Beiträge zu ihrer -Geschichte und Konstruktion nebst Aufstellung einer Fehlertheorie. Graz -1905. - -[165] Mitteilungen zur Gesch. der Medizin und der Naturwissenschaften. -1908. S. 351. - -[166] Näheres enthält die Abhandlung *R. Ehrenfelds* in den -Mitteilungen zur Gesch. der Medizin und der Naturwissenschaften. 1908. -S. 144 u. f. - -[167] Auch *H. Winckler* wendet sich in einer Abhandlung über die -Bedeutung der Phönizier für die Kulturen des Mittelmeeres (Zeitschr. -f. Sozialwissenschaft. 1903. Bd. IV. Nr. 6 u. 7) gegen die Auffassung, -als ob die Phönizier die Buchstabenschrift erfunden hätten. Er ist -der Ansicht, daß sich das Verständigungsmittel geistigen Lebens an -dessen Mittelpunkt entwickelt haben wird und die phönizische Schrift -im Anschluß an die Keilschriftliteratur entwickelt ist. Übrigens haben -auch die arischen Perser die zu monumentalen Inschriften beibehaltene -Keilschrift zu einer Buchstabenschrift umgestaltet (*L. Wilser* in den -Mitteil. z. Gesch. d. Med. u. Naturwissensch. 1905. S 32). Die ältesten -uns erhaltenen Inschriften im griechischen Alphabet und in griechischer -Sprache gehen kaum über den Anfang des 7. vorchristlichen Jahrhunderts -hinaus. Siehe *Beloch*, Griechische Geschichte. Bd. I. 2. S. 2. 1913. - -[168] *K. Suter*, Geschichte der mathemat. Wissenschaften. Zürich 1878. - -[169] Im Archiv für Geschichte der Philosophie (1902. S. 311) hat -*Peithmann* in einer Abhandlung über die Naturphilosophie vor Sokrates -neuerdings die Anschauung zu begründen versucht, daß *Thales* -sich nicht als Philosoph, sondern nur als Astronom und Ingenieur -verdient gemacht habe. Nach *Peithmann* hat es den Anschein, daß erst -Aristoteles den Thales unverdientermaßen zu einem Philosophen gemacht -hat. Die Ansicht wird nach *v. Lippmann* jedoch nicht allgemein -anerkannt. - -[170] *Cantor*, Geschichte der Mathematik. Leipzig 1880. Bd. I. S. 113. - -[171] A. a. O. S. 114. - -[172] Ein Verzeichnis der von den antiken Schriftstellern erwähnten -Finsternisse findet sich in *Paulys* Reallexikon der klass. -Altertumswiss. im 6. Bande auf S. 2352-2364. Dort findet sich auch -(S. 2339-2364) ein ausführlicher, von *Boll* verfaßter Beitrag -über die Finsternisse. Die erste verbürgte Nachricht betrifft eine -Mondfinsternis, die am 19. 3. 721 in Babylon beobachtet wurde. - -[173] Siehe oben S. 35. - -[174] *Thales* hat die am 18. Mai 603 eingetretene große -Sonnenfinsternis wahrscheinlich in Ägypten beobachtet. Er konnte -deshalb damit rechnen, daß etwas mehr als 18 Jahre später eine neue -Finsternis stattfinden würde. Sie fand denn auch am 22. Mai 585 statt -(*H. Diels*, Antike Technik. 1914. S. 3). Siehe auch *J. Zech*, -Astronomische Untersuchungen über die wichtigsten Finsternisse, welche -von den Schriftstellern des Altertums erwähnt werden. Leipzig 1853. - -[175] Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum. 1911. S. 5. - -[176] Nach *Plutarch*, Vol. III, pag. 174, ed. Didot, sowie nach -*Plinius* XXXVI. 12. - -[177] *A. Forbiger*, Handbuch der alten Geographie. I. 44. - -[178] *Aristot.*, Metaphys. I, 3. - -[179] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen. Bd. I. (5. Aufl.) S. 35. - -[180] *E. Meyer*, Alte Geschichte. Bd. IV. 1901. S. 199. - -[181] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen. 5. Aufl. Bd. I. S. 769. - -[182] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. I (1854). S. 45. - -[183] *Zeller*, Über die griechischen Vorgänger Darwins. Abhandlungen -d. kgl. Akademie d. Wissensch. zu Berlin. 1878. S. 115. - -[184] *E. Meyer* a. a. O. - -[185] So heißt es bei *Plutarch*, Strom. VII. Dox. Gr. S. 581. - -[186] S. auch *Windelband*, Die Lehre vom Zufall. Berlin 1870. - -[187] *A. Brieger*, Die Urbewegung der Atome und die Weltentstehung bei -Leukipp und Demokrit. Halle 1884. - -[188] *E. Meyer*, Alte Geschichte. Bd. V. 1902. S. 340. - -[189] Gesammelt durch *Mullach*, Berlin 1843. (Völlig veraltet; s. auch -Diels' »Vorsokratiker«). - -Ist auch die Zahl der authentischen Fragmente nur klein, so sind wir -über *Demokrits* Lehren doch besser unterrichtet als über die Ansichten -zahlreicher anderen Philosophen. Man hat mit Recht bemerkt, daß er -eifriger ausgeschrieben als abgeschrieben wurde (*F. A. Lange*, Gesch. -d. Materialismus. 1873. Bd. I. S. 11). Zumal durch *Aristoteles* und -durch *Lukrez* sind wir mit *Demokrits* Anschauungen ziemlich genau -bekannt. Selbst in der Überlieferung erscheinen sie als »so klar und -folgerichtig, daß sich das kleinste Bruchstück mit Leichtigkeit dem -Ganzen einfügen läßt« (*Lange*, a. a. O.). - -[190] *Lucretius Carus*, De rerum natura. S. an späterer Stelle dies. -Buches. - -[191] 5. Buch. 181-194. - -[192] 5. Buch. 419 u. f. - -[193] *Cardanus*, De subtilitate. lib. XI. (Cardani operum tom. III. -Lugduni 1663. p. 549.) Auf diese Stelle machte mich *Leopold Löwenheim* -aufmerksam. Siehe auch die von ihm herausgegebene Schrift: Die -Wissenschaft Demokrits und ihr Einfluß auf die moderne Naturwiss. Von -*Louis Löwenheim*. Berlin 1914. - -[194] Über diese Zusammenhänge siehe auch die soeben erwähnte Schrift -*Löwenheims*. - -Über den Einfluß, den die demokritischen Anschauungen auf die weitere -Entwicklung der Wissenschaften ausgeübt haben, wurden von *Louis -Löwenheim* eingehende Untersuchungen angestellt. *Löwenheims* Arbeit -ist bisher nur im Auszuge (s. S. 74 Anm. 2) veröffentlicht. Sie ist -dem Verfasser nach dem Erscheinen seines Werkes durch den Sohn des -verstorbenen Forschers im Manuskript zugestellt worden, um bei einer -neuen Auflage berücksichtigt zu werden. Dies konnte an mehreren Stellen -dieses Bandes geschehen. - -[195] *Fr. Schultze* in der Zeitschrift Kosmos. 1877. 8. u. 9. Heft. - -[196] Siehe auch *H. C. Liepmann*, Die Mechanik der -Leukipp-Demokritischen Atome. Leipzig 1885. - -[197] *Schaubach*, Anaxagorae fragmenta. Lipsiae 1817. *Mullachius*, -Fragm. phil. graec. Parisiis. I u. II. 1860-1867. Vor allem aber -*Diels'* »Vorsokratiker«. - -[198] D. h. Vernunft, hier Weltvernunft. - -[199] Es besaß die Größe eines Mühlsteins und wird auch von *Plutarch* -und *Plinius* erwähnt. - -[200] *Anaxagoras* nahm an, daß die Sonne mehrere Male so groß sei -wie der Peloponnes und daß der Mond ihr an Größe etwa gleich komme. -Letzterer sei wie die Erde ein Wohnsitz lebender Wesen. - -[201] *Lange*, Geschichte des Materialismus. Bd. I. S. 57. - -[202] Man darf den hier gerügten Mangel der Alten aber auch nicht -übertreiben, wie es z. B. *Du Bois Reymond* (Kulturgeschichte und -Naturwissenschaft) getan hat. Daß das Experiment auch im Altertum -eine Rolle spielte, und zumal bei den Alexandrinern zu wichtigen -Ergebnissen führte, darf nicht verkannt werden. Im Mittelalter -waren insbesondere die Araber bemüht, die ihnen von den Griechen -übermittelten Wissenschaften durch experimentelle Untersuchungen weiter -auszubauen. Siehe auch *E. Wiedemann*, Über das Experiment im Altertum -und Mittelalter (Unterrichtsblätter für Mathem. und Naturwissensch. -1906. Nr. 4-6). - -[203] *Cantor*, Geschichte der Mathematik. 1880. Bd. I. 128 u. 158. - -[204] Näheres siehe bei *Diels*, Antike Technik, S. 21. - -[205] *H. Vogt*, Die Geometrie des Pythagoras. Siehe Bibl. math. (3. -Folge) 9. Bd. S. 15 u. f. Danach sind neuerdings auch Zweifel erhoben, -ob Pythagoras mit der Konstruktion der fünf regulären Körper schon -vertraut gewesen. Auch mit dem Begriff des Irrationalen wurden die -Griechen wahrscheinlich erst viel später bekannt. - -[206] Die Griechen haben schon über die Entwicklung der Mathematik -geschrieben. Eudemos, ein Schüler des Aristoteles, verfaßte eine -Geschichte der Astronomie und der Geometrie, die bis auf wenige, auch -die erwähnten Angaben über Thales enthaltende Bruchstücke verloren -gegangen ist. Ferner schrieb Theophrast von Eresos eine Geschichte der -Mathematik. Sie ist leider ganz verloren gegangen (*Suter*, Geschichte -der mathematischen Wissenschaften. 1873. S. 21). Die Fragmente des -Eudemos wurden von *L. Spengel* gesammelt und herausgegeben: Eudemi -fragmenta, quae supersunt. Berlin 1866. Zu erwähnen ist auch Menon. Er -war gleichfalls ein Schüler des Aristoteles und schrieb eine Geschichte -der Medizin. Die erhaltenen Bruchstücke veröffentlichte *Diels* (Suppl. -Arist. III, 1. Berlin 1893). - -[207] *Tropfke*, Geschichte der Mathematik. II. S. 5. - -[208] *Proclos*, ed. *Friedlein*. S. 379. - -[209] *Tropfke*, II. 88. - -[210] Nach Angaben von *Platon* (Timäos) und *Vitruv* (De -architectura). Näheres siehe *Tropfke*. II. 400. - -[211] H. *Vogt*, Die Entdeckungsgeschichte des Irrationalen. Biblioth. -mathemat. 10. Bd. S 97. - -[212] Siehe *Paulys* Reallex. d. klass. Altert. Bd. VIII. - -[213] Über Hippokrates siehe *Brettschneider*, Die Geometrie und die -Geometer vor Euklid. Leipzig 1870. - -[214] Antiphon um 430 v. Chr. Siehe *Cantor*, Vorlesungen zur -Geschichte der Mathematik. I. 172. (1880.) - -[215] Die wichtigsten Mitteilungen über die verschiedenen Wege, wie -die Alten das delische Problem lösten, verdanken wir dem *Eutokios*, -welcher die Schriften des *Archimedes* kommentierte, *Archimedes*, ed. -*Heiberg*, III., S. 104. - -[216] Diese Konstruktion, welche Eutokios in seinen Erläuterungen zu -*Archimedes* bringt, wird *Platon* zugeschrieben. *Archimedes*, ed. -*Heiberg*, III., S. 66-70. - -[217] Näheres bringt die von *Cantor* (Bd. I. S. 199) nach Eutokios -gegebene Darstellung der von Menächmos gefundenen Sätze. - -[218] Ging man ähnlich wie bei der Ableitung der Parabel vor, stellte -aber die Bedingung, daß von den an die Gerade anzutragenden Rechtecken -stets ein Stück übrig bleibt, so ergab sich als geometrischer Ort -die Ellipse (ἐλλείπειν heißt übrig bleiben). Überragten dagegen die -Rechtecke die Gerade, so ergab sich die Hyperbel (ὑπερβάλλειν heißt -überragen). - -[219] Hippias von Elis. - -[220] Näheres *Cantor*, I. 167. - -[221] *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. II. S. 5. - -[222] Beide Sätze werden Platons Schüler Eudoxos von Knidos -zugeschrieben. - -[223] Diese Entdeckung wird auf *Aristaeos* (um 320 v. Chr.), der -ebenfalls der platonischen Schule angehörte, zurückgeführt. Er soll -auch das erste Werk über die Kegelschnitte geschrieben haben. *Cantor* -I, 211. - -[224] Eine ausführliche Darstellung mit zahlreichen Literaturangaben -enthält *Paulys* Realenzykl. f. d. klass. Altertum in Bd. II. (1896.) -S. 1828-1862. Sie rührt von *Hultsch* her. - -[225] *F. Cumont*, Babylon und die griechische Astronomie. Neue -Jahrbücher f. d. klass. Altertum. 1911. S. 1. - -[226] *Aristophanes*, Wolken. 615-619. - -[227] Es ist wahrscheinlich, daß *Meton* sich hierzu der Tabellen -bediente, welche die Chaldäer Jahrhunderte vorher für die Mondbewegung -und die Finsternisse entworfen hatten. - -[228] Das Wichtigste über die Hilfsmittel, welche im Altertum für die -Zeitmessung zur Verfügung standen, bringt die Realenzykl. d. klass. -Altertumswiss. von *Pauly-Wissowa-Kroll* (8. Bd. Sp. 2416-2433) in dem -Beitrag »Horologium« von *A. Rehm*. - -[229] Der Name Ekliptik (ἑκλειπτικός κύκλος) ist im Altertum erst spät -in Gebrauch gekommen. - -[230] Um 560 v. Chr. Siehe auch *Darmstädter*, Handbuch der Geschichte -der Naturwissenschaften. - -[231] Derartigen Versuchen, die Abstände der Planeten in eine -mathematische Regel zu fassen, begegnet man bis ins 18. Jahrhundert -(Titiussche Regel; 1766). - -[232] *August Boeckh*, Philolaos des Pythagoreers Lehren nebst den -Bruchstücken seines Werkes. Berlin, Vossische Buchhandlung. 1819. - -[233] *Schiaparelli*, Die Vorläufer des Kopernikus im Altertum. 1873. -Übersetzt von *Curtze*. - -[234] Dies gilt z. B. von Anaxagoras, der nach der Begründung der -pythagoreischen Schule lebte. - -[235] *Schiaparelli*, a. a. O. S. 7. - -[236] *Platon* erklärte im »Timäos«: »Vom Ganzen, welches kugelförmig -ist, zu behaupten, daß es einen Ort unten, den anderen oben habe, ziemt -keinem Verständigen« (siehe »Timäos«, 62 u. 63). - -[237] Er lebte etwa von 390-310 und war den Pythagoreern in mancher -Hinsicht geistesverwandt. Er verfaßte zahlreiche Schriften, von -denen nur die Titel und Fragmente bekannt sind. Letztere den Titeln -zuzuweisen, ist schwierig und oft nicht möglich. Über *Herakleides* -siehe auch *Gomperz*, Griechische Denker. I, 98. - -[238] Siehe die spätere Darstellung und Abbildung des Tychonischen -Systems. - -[239] *Vitruv*, De architectura. Von den meisten Schriftstellern wird -der Ursprung dieser Lehre den Ägyptern zugeschrieben. *Koppernikus* -selbst kannte sie durch *Martianus Capella* (siehe an späterer Stelle -bei *Koppernikus*). - -[240] *Platons* »Timäos«. 38. - -[241] Siehe S. 93. - -[242] Ein ausführlicher, von *Boll* herrührender Beitrag über die -Fixsterne findet sich in *Paulys* Realenzyklopädie f. d. klass. Altert. -VI. Bd. S. 2407-2431. - -[243] *Platons* Phaedon. cap. 58. Leipzig, Wilhelm Engelmann. 1852. - -[244] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. I. S. 5. - -[245] Ausg. v. *Sturz*, Vers 160-163. Seine Worte lauten: »Jetzt -zuvörderst vernimm des Alls vierfältige Wurzeln: Feuer und Wasser und -Erd' und des Äthers unendliche Höhe. Daraus ward, was da war, was da -sein wird, oder was nun ist.« - -[246] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. I. S. 51. - -[247] *Plut.* V. cap. 26. - -[248] *Aristoteles*, De gen. animalium. Bd. I. S. 23. - -[249] *Aristoteles*, De part. anim. I. S. 640a. - -[250] *Aristoteles*, De generatione animalium. V. 8. - -[251] *Diogenes Laertius* IX. 47. - -[252] *E. Dacqué*, Der Deszendenzgedanke u. seine Geschichte. München -1903. - -[253] Die auf *Epikur* und *Demokrit* zurückzuführenden Verse des -*Lucretius* lauten folgendermaßen: - -Denn wer nur immer sich jetzo erfreut der belebenden Lüfte, Den hat -entweder List oder Stärke beschützt oder Schnelle Seit seiner frühesten -Jugend und so sein Geschlecht stets erhalten. Viele jedoch existieren, -die unserem Schutz es verdanken, Daß sie erhalten blieben, dem sichern -Verderben entrissen. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --- -- -- -- -- -- -- Denen jedoch von alledem nichts die Natur hat -gegeben, Daß sie aus eigener Kraft vermochten ihr Leben zu fristen, -Diese sind selber zur Beute geworden. - - - -[254] *E. Meyer*, Geschichte d. Altert. Bd. IV. 1901. S. 205. - -[255] Über die den *Alkmäon* betreffenden Fragmente siehe die Angaben -von *Meyer* in seiner Geschichte des Altertums Bd. IV. 1901. S. 207. - -[256] *Th. Beck*, Hippokrates' Erkenntnisse. Jena 1907. - -[257] *Platons* Protagoras. Kap. III. - -[258] *Hippokrates* aus Kos lebte um 400 v. Chr. - -[259] Als Corpus Hippocraticum sind der Nachwelt etwa 100 griechische -und 30 lateinische Schriften übermittelt worden. Mit völliger -Sicherheit lassen sich nur wenige Bücher auf *Hippokrates* selbst -zurückführen. Man hat übrigens nie alle für echt gehalten. Näheres -siehe in dem sehr ausführlichen Beitrag über Hippokrates in *Paulys* -Reallexik. d. klass. Altert. Bd. VIII (1913). S. 1801-1852. - -[260] *Beck*, Hippokrates' Erkenntnisse. Jena 1907. Das Werk enthält -außer einer Untersuchung über die Entstehung und die Bedeutung der -Hippokratischen Sammlung eine Auslese der wertvollsten Stellen mit -Bezugnahme auf die moderne Heilkunde. - -[261] *Haeser*, Geschichte der Medizin. Bd. I (1875). S. 141. - -Nach den Ansichten, die *Platon* im »Timäos« entwickelt, bewirkt das -Herz die Verknüpfung der Adern. Es ist die Quelle des durch alle -Glieder heftig herumgetriebenen Blutes. Zur Abkühlung des Herzens -dienen die Lungen. - -[262] In der lateinischen Fassung von *Schiller* seinen »Räubern« als -Motto vorangestellt: Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat. Quae -ferrum non sanat, ignis sanat. - -[263] R. *Burckhardt*, Geschichte der Zoologie. S. 18. - -[264] *Stahr*, Das Leben des Aristoteles, als I. Teil von *Stahrs* -Aristotelia. Halle 1830. - -[265] Sein Vater *Nikomachos* war Leibarzt des Königs Amyntas von -Mazedonien. - -[266] *E. Meyer*, Gesch. d. Altertums. V. Bd. 1902. S. 338. - -[267] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen. Bd. II, 2. S. 172. - -[268] Ein Talent hatte in Reichsmünze den Wert von etwa 4700 Mark. - -[269] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen. Bd. II, 2. S. 33. - -[270] *Heller*, Geschichte der Physik. Bd. I. S. 48. - -[271] Gedruckt wurden die Schriften des *Aristoteles* zuerst im Jahre -1473 in Rom, und zwar in lateinischer Übersetzung. 1493 erschien die -erste gedruckte griechische Ausgabe. Augenblicklich gilt als beste die -im Auftrage der Berliner Akademie der Wissenschaften veranstaltete -Ausgabe von *Bekker*. Eine griechisch-deutsche (unvollendete) Ausgabe -rührt von *Prantl* her. Sie erschien in Leipzig bei Wilhelm Engelmann -und wurde der hier gegebenen Darstellung der aristotelischen Lehren -besonders zugrunde gelegt. - -[272] Diese Schrift ist indessen als nichtaristotelisch erkannt. - -[273] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen. - -[274] Ein Beispiel dafür findet sich nach Eucken in de gener. et corr. -(328,_{23}). *Aristoteles* meint dort, wenn ein großes Quantum mit -einem sehr kleinen vereinigt werde, so entstehe keine Mischung, sondern -das kleinere schlüge in das größere um. So werde ein Tropfen Wein in -zehntausend Maß Wasser geradezu zu Wasser. - -[275] Eine Zusammenstellung der auf die Mathematik bezüglichen Stellen -hat schon *Biancani* veröffentlicht: Aristoteles loca mathematica. 1615. - -[276] *E. Haas*, Grundfragen der antiken Dynamik (Archiv f. d. -Geschichte d. Naturwiss. u. d. Technik. 1908. 1. Heft). - -[277] Mit *Haas* a. a. O. (Archiv f. d. Geschichte d. Naturwiss. u. -Technik. 1908. S. 47.) - -[278] Besonders bei *Plutarch* und bei *Lukrez*. - -[279] *Haas* a. a. O. S. 44. - -[280] Daher lautet der Titel des Werkes auch »Quaestiones mechanicae«. - -[281] Mechanische Probleme. Ausg. von *Poselger* 1881. S. 34. - -[282] *Haas*, Antike Lichttheorien (Archiv für Geschichte d. Philos. -20. Bd. 1907. 3. Heft.) - -[283] *Aristoteles*, Über die Sinne. Kap. II. - -[284] *Wilde*, Über die Optik der Griechen. Berlin 1832. - -[285] Die aristotelische Schrift über die Farben gilt allerdings nach -neueren Untersuchungen als unecht. - -[286] *Haas*, a. a. O. S. 386. - -*Platon* hatte die Lehre von den Sehstrahlen und den Abbildern zu einer -Theorie der Zusammenstrahlung (Synergie) verschmolzen. - -[287] *Wolff*, Geschichte der Astronomie, S. 42. - -[288] Nach der Ausgabe von *Prantl*. - -[289] Nach *Diog. Laertius* VIII, 26, der aber wenig zuverlässig ist. - -[290] Nach der Übersetzung von *Prantl*, *Aristoteles'* vier Bücher -über das Himmelsgebäude. Leipzig 1857. Verlag von W. Engelmann. S. -180-181. - -[291] De coelo II, 4. - -[292] *Schiaparelli*, Le sfere omocentriche di Eudosso, di Calippo e -d'Aristotele. Mailand 1876; deutsch von *Horn*. Abhandl. z. Gesch. d. -Math. 1. Heft. - -[293] Siehe *Wolff*, Geschichte der Astronomie. S. 195. - -[294] Siehe *Martin Behaim*, 1492. - -[295] De coelo II, 7. - -[296] De coelo II, 8. - -[297] De coelo II, 9. - -[298] De coelo II, 8. - -[299] *Kaiser*, Der Sternenhimmel. Berlin 1850. - -[300] Daß *Nietzsche* dieser ἀποκατάστασις genannten Lehre einen -besonderen Wert beilegte, ist bekannt genug. - -[301] E. v. *Lasaulx*, Die Geologie der Griechen und Römer. München -1851. S. 32. - -[302] Auch im Neuen Testament findet sich ein Anklang an diese Lehre -(Apostelgeschichte 3. 21). - -[303] S. *Günther*, Die antike Apokatastasis. Sitzungsber. d. k. bayer. -Akad. d. Wissensch. math. phys. Kl. 1916. S. 83-111. - -[304] Kap. 4 u. 5. - -[305] *Arist.*, Meteor. I, 14. - -[306] Ähnliche Anschauungen entwickelten auch *Strabon* und -*Eratosthenes*. S. a. spät. Stelle. *Strabon* knüpfte seine Theorien -an seine Kenntnis der vulkanischen Erscheinungen an, während -*Eratosthenes* von der Beobachtung von Versteinerungen im Innern der -Kontinente ausging. - -[307] Die Begründung, die *Aristoteles* hierfür gibt, sei übergangen. -Er spricht von der Blütezeit und dem Alter der einzelnen Teile der -Erdoberfläche. - -[308] *Aristoteles* führt dann des Näheren aus, weshalb die Erinnerung -an solche Vorgänge selbst im Gedächtnis der Völker, die vor dem -eindringenden Meere zurückwichen oder in neuentstandene Länder -einwanderten, nicht festgehalten worden ist. - -[309] *Barthélemy St. Hilaire* erklärt diese Darlegungen des -Aristoteles in der Vorrede zu seinem Werke »Météorologie d'Aristote«. -Paris 1863, für geradezu bewunderungswürdig. - -[310] *Ovid* hat diesen Gedanken in seinen »Metamorphosen« in -poetischer Form zum Ausdruck gebracht (XV, 260 u. f.). Es heißt dort: - -260 So auch hat gar oft sich gewendet der Gegenden Schicksal. Ich -sah selber als Meer, was fester und trockener Boden Vormals war; ich -sah aus Wogen gewordene Länder. Fern ab lagen vom Meer in der See -einheimische Muscheln, 265 Und man entdeckte sogar auf Gebirgshöhen -Anker der Vorzeit. Was erst Ebene war, das schuf der Gewässer -Herabsturz Um zum Tal, und der Berg ward niedergeschwemmt in die -Fläche. Vordem sumpfiges Land ist lechzend von trockenem Sande, 269 -Während von stehendem Sumpf feucht ist, was früher gedürstet. - -Zu 265: *Pomponius Mela* berichtet, im Innern Numidiens seien »Reste -von Schnecken, von den Fluten abgeschliffenes und von Strandsteinen -nicht unterscheidbares Gestein, in Felsen haftende Anker(?), sowie -andere Zeichen dafür gefunden worden, daß einst das Meer bis in diese -Gegend gereicht habe«. - -[311] Diodori bibliotheca historica I, 39. Dieser Darstellung der -geologischen Ansichten *Demokrits* ist die oben erwähnte Schrift -*Löwenheims* (siehe S. 75) zugrunde gelegt. - -[312] *Aristoteles* bemerkt an dieser Stelle, daß er es lächerlich -finde, wenn einige annehmen, die Sonne werde durch die feuchten Dünste -ernährt und mache deswegen ihren Umlauf, da ihr nicht immer dieselben -Orte die Nahrung liefern könnten. - -[313] So sagt *Plutarch*: »Die Insel Pharos, die einst eine Tagfahrt -von Ägypten entfernt war, ist jetzt ein Teil des Landes. Sie bewegte -sich aber nicht an das Land heran, sondern das dazwischen liegende Meer -wich vor dem, festes Land bildenden Flusse zurück.« Weiter bemerkt -*Plutarch*: »Ägypten war nämlich ein Meer. Daher findet man noch jetzt -viele Muscheln in den Schächten und auf den Bergen. Alle Quellen und -Brunnen haben salziges und bitteres Wasser als Rest des ehemaligen -Meeres« (*Plutarch*, »Über Isis und Osiris«, herausgegeben von Parthey, -Berlin 1850. S. 70 u. 71). - -[314] Auch *Platon* entwickelte schon die Lehre von den vier Elementen, -sowie Ansichten über die Stoffe, aus denen sich die Mineralien, die -Pflanzen und die Tiere zusammensetzen. Alchemistische Vorstellungen -begegnen uns bei *Platon* und bei *Aristoteles* noch nicht, dennoch -sind ihre Lehren von der Natur der Stoffe von großem Einfluß auf -die Entstehung der Alchemie gewesen. Näheres hierüber enthält die -Abhandlung O. E. v. *Lippmanns*, Chemisches und Physikalisches aus -*Platon* (Journal für praktische Chemie, Bd. 76. S. 513 u. f.). Siehe -auch v. *Lippmanns* Abhandlungen und Vorträge zur Gesch. d. Naturwiss. -Bd. II, Leipzig 1913. - -[315] Von den chemischen Kenntnissen des *Aristoteles* und seinen -Vorstellungen handelt E. v. *Lippmann* im Archiv für die Gesch. der -Naturwiss. u. d. Technik. 1910. Bd. 2. S. 235-300. - -[316] Nach der »Physik«, nach »Entstehen und Vergehen« und der -Schrift »Über das Himmelsgebäude«. Die betreffenden Stellen hat O. -E. v. *Lippmann* im zweiten Bande des Archivs für die Gesch. d. -Naturwissensch. u. d. Technik zusammengestellt. Dort findet man auf S. -235-300 eine große Zahl weiterer, die Hauptgedanken des *Aristoteles* -wiedergebender Zitate. - -[317] Mechanische Probleme. S. 9 u. 32. Die in dieser Schrift -entwickelten allgemeinen Ansichten entsprechen denjenigen der älteren -peripatetischen Schule. Trotzdem wird die Schrift nicht für echt -aristotelisch gehalten, weil die Probleme und Lösungen im einzelnen auf -praktische Anwendungen hinzielen. Dies gilt nämlich als unaristotelisch -und entspricht mehr der Richtung *Stratons*, der nach dem Tode des -*Theophrast* die Leitung der peripatetischen Schule übernommen hatte. -Über grundlegende kritische und erklärende Ausgaben siehe *Paulys* -Reallex. der klass. Altertumswiss. II. Bd. (1896) S. 1012-1055 -(Aristoteles). - -[318] »Physik« VIII, 1 und »Metaphysik« XII, 6. - -Man darf solche Vorahnungen nicht zu hoch einschätzen, vor allem aber -sie nicht den neuzeitlichen Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung -als gleichwertig zur Seite stellen. Andererseits läßt sich auch nicht -in Abrede stellen, daß sie häufig durch die Jahrhunderte hindurch -anregend und befruchtend gewirkt haben. Man vergleiche z. B. hierzu die -Beziehungen des *Koppernikus* zu den alten Schriftstellern. - -[319] *Aristoteles*, Politik. I, 8. - -[320] *Aristoteles*, Zwei Bücher über Entstehen und Vergehen. -Übersetzung von *Prantl.* Leipzig, W. Engelmann. 1857. S. 451. - -[321] A. a. O. S. 437. - -[322] *Aristoteles'* Tierkunde, kritisch berichtigter Text mit -deutscher Übersetzung, sachlicher und sprachlicher Erklärung und -vollständigem Index von H. *Aubert* und Fr. *Wimmer*. 2 Bände. Mit 7 -lithograph. Tafeln. Gr. 8. Leipzig, Verlag von Wilh. Engelmann. 1868. - -[323] *Aristoteles*, Teile der Tiere. III, 4. - -[324] Als Probe für die Art, wie *Aristoteles* die anatomischen -Verhältnisse betrachtet, möge folgende Stelle aus seiner Schrift über -die Teile der Tiere dienen (*Aristoteles*, Vier Bücher über die Teile -der Tiere. Griechisch und Deutsch; herausgegeben von *Franzius*. -Leipzig, W. Engelmann. 1853): - -»Da das Blut eine Flüssigkeit ist, so muß notwendig ein Gefäß da sein, -für welchen Zweck die Natur die Adern bildete. Für diese muß notwendig -ein einziger Anfang sein. Denn, wenn es sein kann, ist einer besser als -viele. Das Herz aber ist der Anfang der Adern, denn sie entspringen -offenbar aus diesem, nicht aber gehen sie durch das Herz hindurch, und -dessen Beschaffenheit als eines verwandten Teiles ist aderartig.« - - - -[325] *Aristoteles*, 5 Bücher von der Zeugung und Entwicklung der -Tiere, übersetzt und erklärt von H. *Aubert* und Fr. *Wimmer*. Leipzig, -Verlag von W. Engelmann. 1860. - -[326] Nach einem von O. *Lenz* in seiner Zoologie der Griechen und -Römer mitgeteilten Auszug. S. dort S. 519. - -[327] *Lenz*, a. a. O. S. 137. - -[328] Zwischen der von *Aristoteles* erwähnten harten und weichen Haut -(dura und pia mater) befindet sich noch die sehr zarte Spinnwebenhaut -(Arachnoïdea). - -[329] S. *Günther*, Geschichte der antiken Naturwissenschaft. Handbuch -der klass. Altertumswissensch. Bd. V. 1. Abt. S. 100. Selbst den -Elefanten, der bald darauf zu Kriegszwecken in die Mittelmeerländer -eingeführt wurde, kannte *Aristoteles* nur vom Hörensagen (*Beloch*, -Griech. Geschichte). - -[330] Er unterscheidet Knorpelfische (Haie) und Grätenfische. - -[331] Vgl. J. *Müller*, Über den glatten Hai des Aristoteles. Abhandl. -der Berliner Akademie. 1840. - -[332] *Claus*, Lehrbuch der Zoologie. 1883. S. 677. - -[333] Der Name Insekten, welcher heute die sechsfüßigen Arthropoden -bezeichnet, wurde von *Aristoteles* in viel weiterem Sinne gebraucht; -er rechnete auch die Spinnentiere, sowie die Tausendfüßler und -Eingeweidewürmer, kurz alle Geschöpfe mit Einschnitten rings um den -Körper, zu den Insekten. - -[334] Im dritten Buch der Schrift »Über die Teile der Tiere«. - -[335] H. *Stadler* zieht einen Vergleich mit dieser Betrachtungsweise -des Aristoteles und derjenigen moderner Biologen (Biologie und -Teleologie, in den neuen Jahrbüchern für das klass. Altert. 1910. -S. 147). Als Beispiel führt er folgende Stelle aus dem Lehrbuch der -Zoologie von *Schmeil* an: »Schließt die Katze das Maul, so greifen -die Zähne des Oberkiefers dicht an denen des Unterkiefers entlang. -Da die Zähne aneinander vorbeigleiten, reiben sich ihre Kronen nicht -ab, sie bleiben also stets scharf und schneidend, wie dies für ein -Raubtier notwendig ist. Wenn die Katze gähnt, sieht man, daß ihr -Maul weit gespalten ist. Sie vermag daher ihre Zähne tief in das -Opfer einzuschlagen.« Ähnlich drückt sich auch *Goethe* in seiner -Metamorphose der Tiere aus (siehe *Dannemann*, Aus der Werkstatt großer -Forscher, 3. Aufl. W. Engelmann 1908. S. 4). - -[336] Tierkunde I, 69. - -[337] De anima. I, 4 u. 5. - -[338] Eine Sammlung dieser Fragmente aristotelischer Pflanzenkunde gab -*Wimmer* heraus. Fr. *Wimmer*, phytologiae Aristotelicae fragmenta. -Breslau 1838. Eine Übersetzung dieser Fragmente findet sich in E. -*Meyer*, Geschichte der Botanik, Bd. I. S. 94 u. f. - -[339] Histor. animal VIII. cap. 1. - -[340] De anima. cap. 6. - -[341] De part. animal. 4, 5. - -[342] De animalibus II. cap. 1. - -[343] De part. animal. II. cap. 3. - -[344] Politic. VII. cap. 16. - -[345] *Diogenes Laert.* 5, 38, 51. - -*Diogenes Laertios* schrieb im 3. Jahrhundert n. Chr. »Zehn Bücher über -das Leben, die Lehren und Aussprüche der in der Philosophie berühmten -Männer«. Das Werk ist indessen nur oberflächlich und wenig zuverlässig. - -Von *Plutarch* rührt eine Schrift her, die unter dem Titel »Über -die Meinungen der Philosophen« bekannt ist. Wahrscheinlich ist das -Vorhandene nur ein Auszug einer Schrift des *Plutarch*. - -Trotz ihrer Unvollkommenheiten sind die erwähnten Schriften wichtige -Quellen, weil sie über manches berichten, was anderweitig nicht mehr -festgestellt werden kann. - -[346] *Diogenes* 39, 37. - -[347] *Cicero*, tuscul. disput. 3. 28. - -[348] *Diogenes* führt 227 Titel an. - -[349] *Zeller*, Philos. der Griechen. II. 2. S. 642. - -[350] Über die Schriften des *Theophrast* siehe auch *W. Christ*, -Griechische Literaturgeschichte. Nördlingen 1889. S. 435 u. f. - -[351] *Theophrast*, Naturgeschichte der Gewächse, übersetzt und -erläutert von *K. Sprengel*. 1822. Die Hauptausgabe seiner Werke rührt -von *Wimmer* her. Breslau und Leipzig 1842-1862. Theophrasti Eresii -Opera, quae supersunt, omnia. -- *Theophrast* fußt auf Schriften -anderer, die jedoch nicht auf uns gelangt sind. - -[352] Eine Untersuchung über die einigermaßen sicher zu bestimmenden -Pflanzen des *Theophrast* findet sich in *Sprengels* Geschichte der -Botanik. I. S. 58-90. - -[353] *Strabon* sagt von den Nachrichten der Griechen über Indien: Was -sie sahen, erkannten sie nur auf den Feldzügen im Vorbeigehen. Buch 15. -Ausgabe von *Grosskurd*. Bd. III. S. 108. - -[354] *H. Bretzl*, Botanische Forschungen des Alexanderzuges. Mit 11 -Abb. und 4 Karten. Gedruckt mit Unterstützung der Kgl. Gesellschaft der -Wissenschaften zu Göttingen. Leipzig, B. G. Teubner. 1903. 412 Seiten. - -[355] ἱστορίαι τῶν φυτῶν. - -[356] Hist. plant. IV. 7, 8. Siehe *Bretzl* a. a. O. S. 121. - -[357] Die Wirkung der Pflanzen auf den Menschen wird im 9. Buch -geschildert, das aber gerade in diesen Teilen unecht ist (*H. Stadler*, -Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum. 1911. S. 86). - -[358] Gesch. der Pflanzen. 1, 5. - -[359] Von den Ursachen der Pflanzen. 2, 14. - -[360] Gesch. d. Pflanzen. 8, 2. - -[361] *O. Warburg*, Berichte der Deutsch. bot. Gesellschaft XIX (1901). -S. 153. - -[362] Ursache d. Pflanzen. I. 5, 5. - -[363] Περὶ λίθων. *Theophrasti* Eresii Opera. Griechisch und lateinisch -von *F. Wimmer*. - -[364] *Beloch*, Griechische Geschichte. I, 1. S 212. - -[365] *Böckh*, Abhandlungen der Berliner Akademie. 1814/15. S. 104. Die -von den Athenern aufgehäuften Schlacken enthalten noch 10% Blei und -0,004% Silber; sie werden neuerdings wieder auf diese beiden Metalle -verarbeitet. (Siehe *Dammer*, Handbuch der chemischen Technologie. -1895. II. Band. S. 549.) - -[366] *H. Fühner*, Beiträge zur Geschichte der Edelsteinmedizin. -Berichte der Deutschen pharmazeutischen Gesellschaft. 1901. S. 435 u. -f. 1902. S. 86 u. f. - -Siehe auch *Lenz*, Mineralogie der alten Griechen und Römer. 1861. - -[367] Siehe das Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde von *O. -Schrader* unter »Bergwerk«. - -[368] *C. v. Ernst*, Über den Bergbau im Laurion. Berg- und -Hüttenmännisches Jahrbuch der k. k. Bergakademien zu Leoben und -Pribram. 1902. Die Abhandlung stützt sich auf das Gutachten Cordellas, -der Jahrzehnte lang die Wiederaufnahme und den Betrieb der Bergwerke -des Laurions leitete. - -[369] Der Meister derjenigen, die Wissenschaft treiben. - -[370] Auch in der neuesten Phase der Biologie begegnet uns eine -Wiederbelebung aristotelischer Gedanken. Siehe an späterer Stelle (Bd. -IV). - -[371] *J. Tyndall*, Religion und Wissenschaft. Autorisierte -Übersetzung. Hamburg 1874. - -[372] *Aubert* und *Wimmer*. - -[373] *Cantor*, Vorlesungen über Geschichte der Mathematik. Bd. I. S. -223. Leipzig 1880. - -[374] Genaueres über die alexandrinische Bibliothek und die übrigen -Bibliotheken des Altertums findet man in *Paulys* Reallexikon d. klass. -Altertums. Bd. III (1899). S. 405 u. f. - -[375] *Euklid* ist oft mit einem Zeitgenossen *Platons*, *Euklid* von -Megara, verwechselt worden. - -[376] Vgl. auch *Cantor*, Euklid und sein Jahrhundert (Leipzig 1867). -Eine neuere Ausgabe sämtlicher Werke Euklids rührt von *Heiberg* und -*Menge* her (Leipzig 1883-1896). - -[377] *Heiberg*, Euklidstudien. S. 88. - -[378] Siehe die merkwürdige Anwendung, die später *Kepler* von den fünf -regelmäßigen Körpern zur Begründung einer astronomischen Lehre machte. - -[379] *H. Hankel*, Die Entwicklung der Mathematik in den letzten -Jahrhunderten. - -[380] *Tropfke*, Gesch. d. Elementarmath. Bd. II. S. 3. - -[381] Mehrere Handschriften enthalten noch ein 14. und 15. Buch. Sie -werden indessen nicht *Euklid*, sondern *Hypsikles* von Alexandria (um -150-120) zugeschrieben. Wahrscheinlich rührt aber nur das erste Buch -von ihm her. Beide handeln von den regelmäßigen Körpern. Näheres siehe -bei *Cantor*, Gesch. d. Math. I (1907). S. 358. - -[382] Einen ausführlichen Beitrag über *Archimedes* bringt *Hultsch* in -*Paulys* Realenzykl. d. klass. Altert. Bd. II (1896). S. 507. - -[383] *Hippokrates* stammte aus Chios. Er lebte in der zweiten Hälfte -des 5. vorchristlichen Jahrhunderts in Athen. - -[384] Siehe S. 83. - -[385] Nach *Cantor* (Gesch. d. Mathem. Bd. I. S. 253) ist es -wahrscheinlich, daß er von niederer Abkunft war. - -[386] *W. Schmidt*, Aus der antiken Mechanik (Jahrbuch für das -klassische Altertum). Bd. 13 (1904). S. 329. - -Die Abbildung (Abb. 17 S. 159) ist der Heronausgabe von *Schmidt* -entnommen (Op. II, 1. Fig. 62). - -[387] *O. Spieß*, Archimedes von Syrakus. Mitteilungen zur Geschichte -der Mediz. u. Naturwiss. III. Bd. S. 230. - -Siehe auch *Cicero*, De rep. I, 14 und die Abhandlung von *F. Hultsch*, -Über den Himmelsglobus des Archimedes, in Schlömilchs Zeitschr. H. -XXII. A. 106-108. - -[388] *Polybios*, Geschichte. Übersetzt von *Haakh*. Stuttgart 1868. 8. -Buch. Kapitel 5-9. *Plutarchos*: Marcellus 14-19. - -[389] *Cicero* erzählt diese Begebenheit (Tusculanae disputationes V. -23) mit folgenden Worten: »Als ich in Sizilien Quästor war, fand ich -das Grab des *Archimedes*, das die Syrakusaner selbst nicht kannten. -Mir waren nämlich einige kleine Verse in der Erinnerung, die man auf -dem Grabmal eingemeißelt hatte. Die Verse weisen darauf hin, daß sich -an dem oberen Teile des Monumentes eine Kugel mit einem Zylinder -befindet. Nun bemerkte ich unter den vielen Gräbern, die sich vor dem -nach Agrigent führenden Tor befinden, eine kleine Säule, die nur wenig -aus dem Gestrüpp hervorragte und auf der sich das Bild einer Kugel mit -einem Zylinder befand. Sogleich sagte ich zu den Syrakusanern, von -denen mich die vornehmsten begleiteten, dies sei das gesuchte Grabmal. -Wir ließen den Platz mit Hacken erschließen und säubern. Darauf -erschien auf der Vorderseite des Sockels jene Inschrift. Die vornehmste -und einst so gelehrte Stadt Großgriechenlands besäße also keine -Kenntnis von dem Grabe ihres größten Denkers, wenn nicht ein Fremder es -ihren Bürgern gezeigt hätte.« - -[390] De republica I, 22. - -[391] So urteilt auch *H. Diels* in dem *Archimedes* gewidmeten -Abschnitt seines Buches »Antike Technik«. - -[392] *Archimedes'* von Syrakus vorhandene Werke. Aus dem Griechischen -übersetzt und mit erläuternden und kritischen Anmerkungen begleitet von -*Ernst Nizze*. Stralsund 1824. Eine neuere Archimedesausgabe rührt von -*Heiberg* her. Sie erschien im Jahre 1880: *J. L. Heiberg*, Archimedis -opera omnia cum comentariis Eutocii. Leipzig, bei B. G. Teubner. Eine -neue erweiterte Ausgabe erfolgte 1910. - -*Eutokios*, der einen Teil der Archimedischen Schriften kommentierte, -lebte zur Zeit *Justinians* (um 550 n. Chr.). - -[393] Nach *Simplicius*. Siehe auch die Abhandlung von *W. Schmidt* -über Isoperimetrie im Altertum (Bibl. math. 1901. S. 5). - -[394] *Hippias* von Elis lebte um 420 v. Chr. Seine unter dem Namen der -Quadratrix bekannte Linie ließ *Hippias* durch die Verbindung einer -drehenden mit einer fortschreitenden Bewegung entstehen. Mit Hilfe -dieser Linie hoffte man zur Quadratur des Kreises zu gelangen. Näheres -bei *Cantor*, Gesch. d. Math. I (1907). S. 197. - -[395] *Heiberg* entdeckte sie in einem in Konstantinopel aufbewahrten -Palimpsest und veröffentlichte sie in der Zeitschrift »Hermes«. Berlin -1907. S. 235 u. f. - -In der neuen Archimedesausgabe von *Heiberg* (1913) findet sich die -»Methodenlehre« mit lateinischer Übersetzung (Bd. II. S. 427). Eine -deutsche Übersetzung veröffentlichte *Heiberg* mit *Zeuthen* in der -Bibl. mathem. III. Folge. VII (1907). S. 322 u. f. - -[396] *Heiberg*, a. a. O. S. 302. - -[397] Des *Apollonios* Schrift über die Kegelschnitte wurde 1861 -in deutscher Bearbeitung von *H. Balsam* herausgegeben. Die in -der Ursprache erhaltenen Schriften gab *Heiberg* heraus (Leipzig -1891-1893). Das Werk über die Kegelschnitte umfaßt 8 Bücher. Die -ersten vier sind in der Ursprache, Buch 5-7 in arabischer Übersetzung -erhalten. Das achte dagegen ist verlorengegangen. Eine gute Bearbeitung -rührt von dem englischen Astronomen *Halley* her (1710), der das Werk -unter Beifügung des griechischen Textes, soweit er vorhanden war, ins -Lateinische übersetzte und verlorengegangene Teile zu rekonstruieren -suchte. - -[398] Die ersten Ansätze zur Erforschung der Kegelschnitte finden sich -schon bei dem im 4. Jahrhundert v. Chr. lebenden *Menächmos*. - -[399] Das 5. Buch. - -[400] Daß *Archimedes* bei Volum- und Flächenbestimmungen sich schon -einer dem Verfahren *Cavalieris* entsprechenden Infinitesimalmethode -bediente, und zwar neben den üblichen Beweisverfahren, hat die -Entdeckung des »Ephodion« bewiesen (s. S. 164). - -[401] *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. I. S. 253. - -[402] Eine gekürzte Wiedergabe enthält *Dannemann*, Aus der Werkstatt -großer Forscher. Verlag von Wilhelm Engelmann. Leipzig 1908. S. 10. - -[403] δός μοι ποῦ στῶ καὶ κινῶ τὴν γὴν (*Pappus* VIII, 11, ed. -*Hultsch*). - -[404] Archimedes' Werke. Ausgabe von *Nizze*. S. 26 ff. - -[405] Die erwähnten hydrostatischen Grundgesetze finden sich in -*Archimedes*' erstem Buch von den schwimmenden Körpern. Siehe die -Archimedesausgabe von *Nizze*. S. 225-228. - -[406] *Vitruvius*, de architectura IX. Übersetzt von *V. Reber*. -Stuttgart 1865. - -[407] *Euklids* Optik und Katoptrik wurde 1557 zu Paris griechisch und -lateinisch herausgegeben. Eine neuere Ausgabe von *Gregory* erschien im -Jahre 1703. Die Hauptausgabe rührt von *Heiberg* und *Menge* her. Bibl. -Teubn. 1883. - -[408] 30. Theorem der Katoptrik *Euklids*. - -[409] *Euklids* Optik und Katoptrik findet sich im 7. Bande der -Gesamtausgabe von *Heiberg* und *Menge*. - -[410] Gesamtausgabe Bd. 7. S. 343. Siehe auch die Abhandlung von -*Würschmidt* in den Commemoration Essays, Oxford 1914. - -[411] *E. Wiedemann*, Über das Experiment im Altertum und Mittelalter -(Vortrag). - -[412] Gesamtausgabe Bd. 7. - -[413] 7. Erfahrungssatz der Katoptrik. - -[414] Eigentlich müßte man Sehstrahlen sagen, da nach der Vorstellung -*Euklids* die Strahlen aus dem Auge kommen. - -[415] Von *Smith* und *Helmholtz*. - -[416] Nach *Stadler* handelt es sich hier nicht um eine Insel, sondern -um Skandinavien (Jahrbücher f. d. klass. Altert. 1911. S. 86). Auch -Island oder die Shetlandsinseln galten wohl für Thule. Siehe *Peschels* -Geschichte der Erdkunde. 1877. S. 2. - -[417] Genauere Angaben über die räumliche Begrenzung der griechischen -und der römischen Erdkunde enthält der erste Abschnitt von *Peschels* -Geschichte der Erdkunde. - -[418] Die von ihm erhaltenen Fragmente gab M. *Fuhr* heraus. Darmstadt -1841. - -[419] *Beloch*, Griechische Geschichte. Bd. III. 1. Abt. S. 476 (1904). - -[420] *Plin.* lib. II. cap. 65. *Plinius* verweist an dieser Stelle -auch auf die Angaben *Dikäarchs*. - -Aus der Angabe des *Aristoteles* würde sich für den Kaukasus eine Höhe -von etwa 70000 m ergeben haben. - -[421] A. *Gercke* und E. *Norden*, Einleitung in die -Altertumswissenschaft. II. Bd. S. 314. B. G. Teubner. 1912. - -[422] Siehe *Bernhardy*, Eratosthenica, Berlin 1822, eine Sammlung von -Bruchstücken der Schriften des Eratosthenes. *Eratosthenes* starb um -194 v. Chr. *Bernhardys* Schrift ist veraltet. Doch fehlt eine neuere -zusammenhängende Darstellung aller Fragmente. Ferner H. *Berger*, Die -geographischen Fragmente des Eratosthenes. Leipzig 1880. - -[423] Siehe S. 180. - -[424] Siehe auch *Günther*, Die Erdmessung des Eratosthenes (in der -Deutschen Rundschau für Geographie und Statistik. III. Band). - -[425] 3 Am ersten Nilkatarakt, fast unter dem nördlichen Wendekreis -gelegen (das heutige Assuan). - -[426] Alexandria liegt um 3° 14' westlich von Syene. - -[427] Das Skaphium. Siehe *Schaubach*, Geschichte der griechischen -Astronomie. Tab. III. Fig. 2. - -[428] S. *Cantor*, Bd. I. S. 283. - -[429] Näheres siehe bei *Lepsius*, Das Stadium und die Gradmessung des -Eratosthenes auf Grundlage der ägyptischen Maße, in der Zeitschrift -für ägyptische Sprache u. Altertumskunde. 1877. 1. Heft. S. 3-8. Nach -*Lepsius* kann es keinem Zweifel unterliegen, daß das Stadium des -*Eratosthenes* eine Länge von 180 Metern besaß. A. a. O. S. 7. Dies war -die Länge des griechischen Stadiums. Das ägyptische Stadium belief sich -auf 179 Meter. - -[430] Siehe S. 93. - -[431] Siehe S. 95. - -[432] *Koppernikus*, De revolutionibus I, 10. - -[433] Siehe an späterer Stelle dieses Bandes. - -[434] G. *Bilfinger*, Die antiken Stundenangaben. Stuttgart 1888. S. 74. - -[434] *Aristarchos*, Über die Größen und Entfernungen der Sonne und -des Mondes. Übersetzt und erläutert von A. *Nokk*. Als Beilage zu dem -Freiburger Lyzeumsprogramm von 1854. - -*Aristarchs* Schrift wurde durch eine 1488 erschienene lateinische -Übersetzung bekannt. Den griechischen Text hat erst 1688 *Wallis* nach -einem Manuskript veröffentlicht. Erneut wurde der griechische Text dann -1856 durch E. *Nizze* herausgegeben. Eine Ausgabe des griechischen -Textes mit deutscher Übersetzung wird von K. *Manitius* vorbereitet. - -[436] *Aristarch*, Über die Größen usw., Lehrsatz 15-18. - -[437] Des *Archimedes* Sandesrechnung (*Dannemann*, Aus der Werkstatt -großer Forscher. S. 13). - -[438] Über *Hipparch* handelt ein Artikel von A. *Rehm* in der -Realenzyklopädie des klassischen Altertums von *Pauly-Wissowa-Kroll*. -8. Bd. Sp. 1666-1681. - -*Hipparchs* »Geographische Fragmente« wurden von H. *Berger* gesammelt -und bearbeitet; eine weitere Sammlung von Fragmenten liegt bisher nicht -vor. Daß sich wissenschaftliche Bedeutung wohl mit astrologischen -Vorstellungen vereinigen läßt, hat *Hipparch* ähnlich wie später -*Kepler* bewiesen. Im Original erhalten ist von *Hipparch* nur ein -Jugendwerk von geringerer Bedeutung (Τῶν Ἀρατοῦ καὶ Εὐδόξου φαινομένων -ἐξηγησέων βιβλία). - -[439] J. *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. II. S. 223. - -[440] Der neue Stern trat, wie auch aus chinesischen Berichten -hervorgeht, im Sternbilde des Skorpions auf. - -[441] *F. Boll*, Die Sternkataloge des Hipparch und des Ptolemäos -(Bibl. math. Jahrg. 1901. S. 185). Nach *Boll* umfaßte *Hipparchs* -Katalog 850 Sterne. - -[442] Die Erscheinung erklärt sich daraus, daß die Erdachse innerhalb -eines Zeitraums von etwa 26000 Jahren einen Kegelmantel beschreibt. -Infolgedessen ändert der Himmelsäquator, der sich als eine Projektion -des Erdäquators darstellt, gleichfalls seine Lage innerhalb derselben -Periode. Der Vorgang wird als Präzession oder Vorrücken der -Nachtgleichen bezeichnet, weil dabei der Frühlings- und der Herbstpunkt -langsam ihren Ort im Sinne der täglichen Umdrehung ändern. - -[443] Mitteilungen zur Gesch. d. Mediz. u. d. Naturwissenschaften. Nr. -53 (1913). S. 431. - -[444] Siehe auch S. 121 dieses Bandes. - -[445] *Hipparch* nahm die Dauer des tropischen Jahres zu 365 Tagen 5 -Stunden 55' an, während sie in Wahrheit 365 Tage 5 Stunden 48' 51'' -beträgt. - -[446] Die mittlere Entfernung zwischen den Mittelpunkten von Mond und -Erde beträgt 60,27 Halbmesser des Erdäquators oder 384400 km. - -[447] Durch den in Jever geborenen *Hildericus*. Eine spätere Ausgabe -besorgte 1819 *Halma* im Anschluß an seine Ptolemäosausgabe. - -[448] Genaueres über diese Messungen siehe in *Peschels* Geschichte der -Erdkunde. München 1877. S. 43-45. - -[449] Die stereographische Projektion wurde auch von *Ptolemäos* -empfohlen. Ob *Hipparch* sie kannte, ist nach *Hoppe* nicht sicher. - -[450] Die Erfindung der Feuerspritze wird dem *Ktesibios* (um 150 v. -Chr.) zugeschrieben. Siehe *Vitruvius*, De architectura X, 7. - -[451] 1795 in der Nähe von Civitavecchia ausgegraben. - -[452] Einen sehr ausführlichen Artikel über *Heron* enthält *Paulys* -Realenzyklopädie f. d. klass. Altert. Bd. VIII (1913). S. 992-1080. - -[453] Herons von Alexandria Pneumatica et Automata. Griechisch und -deutsch herausgegeben von *Wilhelm Schmidt*. Teubner, Leipzig 1899. - -*Herons* »Pneumatik« wurde 1575 durch *Commandinus* aus dem -Griechischen ins Lateinische übersetzt und im Druck herausgegeben -(Heronis Alexandrini Spiritualium liber. A *Federico Commandino* -Urbinate. Ex Graeco nuper in Latinum conversus. Urbini 1575). Der -Urtext wurde zuerst 1693 von *Thévenot* veröffentlicht. - -[454] *W. Schmidt*, Aus der antiken Mechanik. Neue Jahrbücher für das -klassische Altertum. Bd. 13 (1904). S. 329. - -[455] *W. Schmidt*, Die Geschichte des Thermoskops (Abhandl. z. Gesch. -d. Mathem. Bd. VIII. S. 161-173). - -[456] Durch *Carra de Vaux*. Dieser gilt jedoch als wenig zuverlässig. - -[457] Heronis Alexandrini Opera quae supersunt omnia. Leipzig, B. G. -Teubner. Bd. I: Druckwerke und Automatentheater, griechisch und deutsch -herausgegeben von *W. Schmidt*. 1899. Bd. II: Herons Mechanik und -Katoptrik, herausgegeben und erläutert von *L. Nix* und *W. Schmidt*. -1901. Bd. III: Herons Vermessungslehre und Dioptra, griechisch und -deutsch von *H. Schoene*. 1903. - -[458] *Baldo v. Urbino*. - -[459] Ausgabe von *Schmidt*. S. 24. - -[460] Ausgabe von *Schmidt*. S. 29. - -[461] Heronis Alexandrini spiritualium liber. Amstelodami 1680. Siehe -auch *Mach*, Die Prinzipien der Wärmelehre. Leipzig 1896. S. 5. - -[462] Das »Klavier« der alten Römer (Mitteil. zur Geschichte d. -Medizin u. Naturwiss. 1905. S. 342). Der Bau der Wasserorgeln hat -sich während des Mittelalters im oströmischen Reich erhalten, so daß -die Konstruktion nicht, wie man früher annahm, gegen den Ausgang des -Mittelalters von neuem entdeckt werden mußte. - -[463] *Schmidt*, a. a. O. S. 133. - -[464] Heronis Alexandrini opera, ed. *Schmidt*. S. 475. - -[465] Ausgabe von *Schmidt*. Abb. 115. - -[466] Pappi Alexandrini collectionis lib. VIII, ed. *F. Hultsch*. -Berlin 1878. Über die vor kurzem entdeckte arabische Bearbeitung der -Mechanik *Herons* siehe die folgende Seite. - -[467] Ausgabe von *Schmidt*. Bd. II. S. 102. - -[468] *Papp*. Kap. X. Heron, Opera omnia, Ausgabe v. *Schmidt*. Bd. II. -1. Teil. S. 259. - -[469] *Diels*, Ant. Technik, Abb. 28. - -[470] Näheres über derartige antike Automaten enthält *Diels'* Antike -Technik im 3. Abschnitt. Leipzig, B. G. Teubner. 1914. - -[471] Von *Carra de Vaux* im Journal asiatique X, 1-2. Von dem -griechischen Text sind nur einige Fragmente vorhanden. Bd. II der Opera -omnia (Ausg. v. *Schmidt*) enthält die Übersetzung der Mechanik nach -der arabischen Bearbeitung dieser Schrift *Herons*. Die Katoptrik wurde -nach einem lateinischen Text übersetzt. - -[472] Journal asiatique IX, 2. S. 264 u. f. - -[473] Eine gute Übersicht über das physikalische Wissen *Herons* bietet -die Programmabhandlung von *F. Knauff*, Sophiengymnasium, Berlin. -Ostern 1900. - -[474] Der griechische Text wurde 1858 von *Venturi* und *Vincent* mit -französischer Übersetzung herausgegeben, und zwar in den Notices et -extraits des manuscrits de la bibliothèque impériale XIX, 2. Paris -1858. Dioptra heißt etwa Sehrohr oder Instrument zum Visieren durch -zwei sich gegenüberstehende Öffnungen (siehe die Abb. 35). - -[475] Sie rührt von *Hermann Schöne* her und wurde im Jahrbuch des -Kaiserl. deutschen archäolog. Institutes (Bd. XIV. 1899. Heft 3) -veröffentlicht. - -[476] Siehe Abschn. 25 des *Heron*schen Werkes sowie *Cantor*, -Geschichte der Mathematik. Bd. I. S. 324. - -[477] Siehe *Cantor*, Geschichte der Mathematik. I (1907). S. 382 u. f. - -[478] Heronis Alexandrini Opera, quae supersunt omnia. Ausgabe von -*Schmidt*. Bd. I-III. Leipzig 1889, 1900, 1903. Die »Metrika« finden -sich im III. Bande; sie wurden von *R. Schöne* 1896 entdeckt. - -[479] Siehe S. 200. Anm. 3. - -[480] *Diels*, Antike Technik. S. 9. - -[481] *E. Merkel*, Die Ingenieurtechnik im Altertum. 1899. S. 151. - -[482] *F. Zink*, Die Entwicklung der Entwässerungen mit offenen -Gräben und Drainagen von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. -- -Drainierungsanlagen mit Tonröhren wurden in Babylonien schon um 1900 v. -Chr. hergestellt. - -[483] *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. I. S. 98. - -[484] *Haas*, Antike Lichttheorien, im Archiv für Geschichte d. -Philosophie. 20. Bd. (1907). S. 356. - -[485] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. I. S. 215. - -[486] Einen ausführlichen Beitrag über *Erasistratos* enthält *Paulys* -Realenzyklopädie f. d. klass. Altertum. Bd. VI (1909). S. 333. Er rührt -von *Wellmann* her. - -[487] Wie *Diels* (Antike Technik, S. 24) angibt, maß *Herophilos* den -Puls seiner Kranken mit Hilfe einer Taschenwasseruhr. - -[488] *Haeser*, Geschichte der Medizin. Bd. I. S. 233. - -[489] *Lindner*, Weltgeschichte. Bd. I. S. 26. - -[490] Nach einem Ausspruch *Cantors* (Gesch. d. Math. Bd. I. S. 45). - -[491] *Cicero*, Tuscul. disput. Lib. I. 2, 5. - -[492] Siehe *Cantor*, Röm. Agrimensoren. Leipzig 1875. - -[493] Die betreffende Grabschrift wurde im XIV. Bande der II. Serie der -Abhandlungen der Turiner Akademie veröffentlicht. - -[494] Siehe *Cantor*, Bd. I. S. 456. - -[495] In der Nähe von Regensburg. - -[496] Näheres siehe bei *Schmidt*, Neue Jahrbücher f. d. klassische -Altertum. Bd. 13 (1904). S. 329. Ferner Bibl. math. 3. Folge. 4. Bd. -Die Frage, ob die römischen Feldmesser von *Heron* abhängig waren, wird -von *Schmidt* außer Betracht gelassen. - -[497] Siehe S. 4 dieses Bandes. - -[498] *Plinius*, Hist. nat. III. 2. - -[499] Ihr früherer Besitzer hieß *Peutinger*. Er lebte im Anfang des -16. Jahrhunderts in Augsburg und erhielt die Karte von *Konrad Celtes*, -der sie 1500 aufgefunden hatte. Entworfen wurde die Karte im Jahre 375 -n. Chr. *Celtes* war einer der bedeutendsten Humanisten Deutschlands. -Er bevorzugte die Realien des Altertums gegenüber den literarischen -Erzeugnissen. - -[500] Eine neuere Ausgabe der Karte mit Erläuterungen rührt von *K. -Miller* her. Stuttgart 1916. - -[501] *Plinius*, VII. 60. Siehe auch *Bilfinger*, Die antiken -Stundenangaben. Stuttgart 1888. S. 75. - -[502] *H. Löschner*, Über Sonnenuhren. Beiträge zu ihrer Geschichte und -Konstruktion. Graz 1905. Das Buch enthält zahlreiche Quellenangaben. - -[503] *C. Merkel*, Die Ingenieurmechanik im Altertum. Mit 261 Abbild. -Springer, Berlin 1903. - -[504] *Vitruvius*, Zehn Bücher über die Architektur. Übersetzt von -*Reber*. Stuttgart 1865. - -[505] Beherzigenswert sind die Worte, welche *Diels* an sie knüpft, -wenn er sagt, es sei der Archimedische Punkt der Pädagogik, in der -Jugend weltoffene Anschauung und praktische Fertigkeit, verbunden mit -Wissen und wissenschaftlicher Einsicht, zu wecken (Antike Technik, -1914. S. 32). - -[506] *Terquem*, La science romaine à l'époque d'Auguste. Paris 1885. -S. 75. Fig. 9. - -[507] *Gerland* und *Traumüller*, Geschichte der physikalischen -Experimentierkunst. S. 56. Leipzig 1899. W. Engelmann. - -[508] *C. Köhne*, Die Ausbildung der Ingenieure in der römischen -Kaiserzeit. Mitteil. z. Gesch. d. Medizin u. d. Naturw. 1907. S. 17. - -[509] Epistol. III, 5. - -[510] Epistol. III, 5. - -[511] Siehe Abschnitt 7 dieses Bandes. - -[512] Rerum rustic. libri tres. I. 12, 2. - -[513] Siehe S. 100 dieses Bandes. - -[514] *Haeser*, Lehrbuch der Gesch. d. Medizin. Jena 1875. 1. Bd. S. -254. - -[515] *Cornelius Celsus*, Über die Grundfragen der Medizin, als 3. -Band von *Voigtländers* Quellenbüchern herausgegeben von Dr. *Th. -Meyer-Steineg*. *Celsus* war kein Arzt, wenn er auch eins der besten -medizinischen Werke geschrieben hat. Er wurde wahrscheinlich in Verona -geboren und starb in Rom. - -[516] Siehe *Heeger*, Zur Geschichte der Blutstillung im Altertum und -Mittelalter (Wiener klin. Wochenschrift 1910. S. 1006 u. 1079). Über -*Parés* Verfahren der Arterienunterbindung siehe später. - -[517] *Pron*, Les maladies de l'estomac et du foie et leur traitement -dans Celse. La France Médic. 1910. S. 374. - -[518] Seine Vaterstadt war Prusa in Bithynien. - -[519] *Montigny*, Quaestiones in Plinii nat. hist. de animalibus -libros. 1844, und *Müntzer*, Beiträge zur Quellenkritik der Naturgesch. -des Plinius. 1897. - -[520] In einem *Plinius* gewidmeten Bande der »Klassiker der -Naturwissenschaft und Technik«, die bei Eugen Diederichs in -Jena erscheinen, habe ich dasjenige aus der »Naturgeschichte« -zusammengestellt, was besonders geeignet ist, von dem -wissenschaftlichen Geist des Altertums, soweit er sich in *Plinius* -spiegelt, und den Errungenschaften jener Zeit ein Bild zu geben. -Die Herausgabe ist durch den Krieg verzögert worden, wird aber -voraussichtlich im nächsten Jahre erfolgen. - -[521] Eine Handschrift, nach der die übrigen angefertigt wurden, findet -sich im Vatikan. Ein von Dr. *H. Philipp* herrührender Auszug erschien -als 11. und 31. Band von Voigtländers Quellenbüchern. - -[522] Als Beispiel diene der 6. Abschnitt von *Dannemann*, Aus der -Werkstatt großer Forscher. Leipzig, W. Engelmann. 1908. - -[523] *Plinius*, VII. 1. - -[524] Einen ausführlichen Artikel über Gartenbau im allgemeinen enthält -*Paulys* Realenzyklopädie f. d. klass. Altert. im VII. Bande auf S. -768-841. - -[525] *Plinius*, Naturgeschichte. II. 65. - -[526] *Plinius*, Naturgeschichte. II. 75. - -[527] *Koppernikus* erwähnt, er habe bei *Cicero* und *Plutarch* -gelesen, daß die heliozentrische Lehre im Altertum Anhänger gefunden -habe. *Copernicus*, De revolutionibus (Ausg. v. *Curtze*). S. 6. - -[528] *Plinius*, Naturgeschichte. II. 40. - -[529] A. a. O. II. 99. - -[530] A. a. O. II. 97. - -[531] A. a. O. XI. 3. - -[532] Nach *H. Bretzl*, Die botanischen Forschungen des Alexanderzuges. -Leipzig 1903. Siehe auch S. 142 dieses Bandes. - -[533] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. 4 Bände. 1854. - -[534] *v. Humboldt*, Kosmos. Bd. II. 1847. S. 230. - -[535] *Galen* fußte besonders auf *Erasistratos*, einem der -bedeutendsten Anatomen der vorchristlichen Zeit (geb. 280 v. Chr.), -der auch den Bau des Gehirns untersucht haben soll. Sein Zeitgenosse -*Herophilos* lieferte eine genaue Beschreibung des Auges. - -[536] *A. Hirsch*, Geschichte d. Medizin. S. 10. - -[537] *H. Haeser*, Lehrbuch d. Gesch. d. Medizin. Jena 1853. Bd. I. S. -154. - -[538] *Galen* meint, daß man den belebenden Bestandteil der Luft, den -er als Pneuma bezeichnet, später noch entdecken werde. - -[539] *Galen* war ein außerordentlich fruchtbarer und vielseitiger -Schriftsteller. Man kennt (nach *Christ*, Geschichte der griech. -Literatur, S. 630) mehr als 350 *Galen*sche Schriften, von denen 118 -echte und 45 zweifelhafte erhalten sind. Die meisten sind medizinischen -Inhalts. Geschätzt war vor allem eine kurz gefaßte Therapeutik -(τέχνη ἰατρική), die im Mittelalter unter dem Namen »Mikrotechnikum« -bekannt war. Außerdem hat *Galen* auch Schriften philosophischen und -grammatischen Inhalts verfaßt, z. B. Kommentare zu *Platons* »Timaeos«, -zu *Aristoteles* und zu *Theophrast*. Die Hauptausgabe der *Galen*schen -Schriften ist die Aldina (1525; ed. *Chartrier*, Paris 1679). Eine -ausführliche Darstellung der Bedeutung *Galens* enthält *Paulys* -Realenzyklopädie des klass. Altert. Bd. VII. S. 578-591. - -[540] *Galenos.* Sieben Bücher Anatomie des Galen. ΑΝΑΤΟΜΙΚΩΝ -ΕΓΧΕΙΡΗΣΕΩΝ ΒΙΒΛΙΟΝ Θ - ΕΙ. Zum ersten Male veröffentlicht nach den -Handschriften einer *arabischen Übersetzung* des 9. Jahrh. n. Chr., -ins Deutsche übertragen und kommentiert von Dr. med. *Max Simon*. I. -Band: *Arabischer Text*. Einleitung zum Sprachgebrauch, Glossar mit -2 Faksimiletafeln. LXXXI u. 362 S. gr. 8^o u. 2 Tafeln. II. Band: -*Deutscher Text*. Kommentar, Einleitung zur Anatomie des *Galen*. Sach- -und Namenregister. -- Leipzig, J. C. Hinrichs, 1906. LXVIII u. 366 S. -gr. 8^o. - -Die ersten 8 Bücher von *Galens* Anatomie und ein Stück des 9. Buches -sind im griechischen Urtext bekannt. In ihnen werden die Gliedmaßen, -Kopf, Hals, Rumpf, die Organe der Verdauung und die Atmungswerkzeuge -beschrieben. Das 9.-15. Buch, die *Simon* nach der arabischen -Handschrift herausgegeben hat, waren bisher so gut wie unbekannt. -Das 9. Buch bringt die Beschreibung des Gehirns. Im 10. werden die -Augen, die Zunge und die Speiseröhre, im 11. der Kehlkopf, im 12. die -Geschlechtsorgane beschrieben. Buch 13 handelt von den Gefäßen, Buch -14 und 15 von den Nerven. Es handelt sich in diesen sieben Büchern -fast überall um eigene anatomische Untersuchungen am lebenden und -toten Tiere, wobei stets auf den Menschen bezuggenommen wird. An -manchen Stellen wird der berühmte alexandrinische Anatom *Erasistratos* -zitiert. Ausdrücklich wird gefordert, daß jeder, der über Anatomie -liest, es nicht versäumen solle, die einzelnen Dinge am Tierkörper mit -eigenen Augen anzusehen. - -[541] Bd. II der Ausgabe von *Simon*. S. 45. - -[542] Bd. II der Ausgabe von *Simon*. S. 94. - -Der häufig anzutreffende Zusatz *Klaudios* zu *Galenos* ist nicht -berechtigt. Der große Arzt ist nicht *Klaudios Galenos*, sondern -nur *Galenos* zu benennen. Siehe Mitteil. zur Gesch. d. Med. u. d. -Naturwissenschaft. 1902. S. 3. - -[543] *H. Haeser*, Geschichte der Medizin. Bd. I (1875). S. 364. - -Unter anderem hat *Galen* schon versucht, sich eine Vorstellung von -dem Sitz der einzelnen Funktionen des Gehirns zu machen, indem er die -Gehirnmasse schichtenweise abtrug. Siehe *Falk*, Galens Lehre vom -Nervensystem. Leipzig 1871. - -[544] Näheres siehe *Gerster-Braunfels*, Abriß der Geschichte der -Jatrohygiene vom Altertum durchs deutsche Mittelalter bis zur Neuzeit. - -[545] *Dioskorides* lebte im 1. Jahrhundert n. Chr. Die authentische -Namensform ist *Dioskurides*; *Dioskorides* ist aber die allgemein -übliche. Er war Grieche und besuchte als Arzt im Gefolge römischer -Heere viele Länder. Seine Werke wurden griechisch und lateinisch -von *Sprengel* herausgegeben. Leipzig 1829. (Diese Ausgabe ist -völlig überholt durch die neuere von *Wellmann*.) Sie sind in vielen -Handschriften erhalten. Berühmt ist der mit Abbildungen versehene Kodex -der Wiener Bibliothek aus dem 6. Jahrhundert, der in Konstantinopel -für Maximilian II. erworben wurde. (Siehe *W. Christ*, Geschichte der -griechischen Literatur. München 1889. S. 629.) Zu beachten ist auch -der Artikel über *Dioskorides* von *M. Wellmann* in *Pauly-Wissowas* -Realenzyklopädie. V. 1131. - -[546] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. II. S. 113. - -[547] Bd. II. S. 94. - -[548] *O. Warburg*, Geschichte der angewandten Botanik (Berichte der -Deutsch. bot. Gesellsch. XIX [1901]. S. 159). - -[549] *Warburg*, a. a. O. -- Das Wichtigste über den Ackerbau -bei den alten Völkern enthält der Artikel »Ackerbau« in *Paulys* -Realenzyklopädie der klass. Altertumswiss. 1894. S. 261 u. f. - -[550] *Seneca* erwähnt solche Beete als neuere Erfindung. - -[551] *Cato*, De re rustica. Eine treffliche Ausgabe rührt von *Keil* -(1892) her. *Cato* starb 149 v. Chr. - -[552] Auch *Marcus Terentius Varro*, der zur Zeit *Ciceros* lebte, -schrieb ein Buch über die Landwirtschaft. Näheres siehe unter den -Quellen des *Plinius*. *Varros* »De re rustica« wurde 1884 gleichfalls -von *Keil* herausgegeben. - -[553] *L. Wittmack*, Die in Pompeji gefundenen pflanzlichen -Reste. *Englers* Botanische Jahrbücher. 33. Bd. (1903). S. 38-63. -Identifiziert wurden unter anderem: Allium Cepa, Amygdalus communis, -Castanea vesca, Corylus Avellana, Iuglans regia, Lens esculenta, Olea -europaea, Panicum italicum, Panicum miliaceum, Phoenix dactylifera, -Pinus Picea, Pisum sativum, Prunus persica, Triticum vulgare, Vicia -Faba, Vitis vinifera. - -Es handelt sich bei diesen Resten um Samen und Früchte. - -Auf den Wandgemälden Pompejis sind etwa 50 Pflanzen dargestellt, die -sich identifizieren ließen, während dies bei manchen nicht möglich -war. *Comes*, Darstellung der Pflanzen in den Malereien von Pompeji. -Stuttgart 1895. - -[554] *Plutarch*, Vita Demetrii. - -[555] *Vergil* widmete *Lukrez* die Worte: »Felix, qui potuit rerum -cognoscere causas«, ein Ausspruch, der später auf *Newton* angewandt -wurde. Siehe *Vergils* Georgica II, 490. - -[556] Lucretius. Deutsch von *Max Seydel*. München, R. Oldenbourg, -1881. 2. Gesang, V. 258 u. f. - -[557] Nach *Vitruv* dagegen werden die Quellen durch das in den Boden -sickernde Regenwasser gespeist. - -[558] allerdings wohl vielfach interpolierten. - -[559] Quaest. natur. 1, 6. - -[560] *Plinius*, Hist. nat. 37, 5. Diese Stelle ist jedoch unklar und -ihre Deutung nur unsicher. - -[561] *Poggendorffs* Ergänzungsband 4. S. 452. - -[562] Nach einer Mitteilung des *Berosos*. - -[563] *Seneca*, Quaestiones VII. 22 u. 23. - -[564] *A. v. Zittel*, Geschichte der Geologie und Paläontologie. 1899. -S. 10. - -[565] *Vitruv*, De architectura 8, 3. - -[566] Die chemischen Kenntnisse des *Plinius* in *E. v. Lippmanns* -Abhandlungen u. Vorträge zur Geschichte der Naturwissenschaften. -Leipzig 1906. Im 2. Bande der Abhandlungen und Vorträge von *Lippmanns* -(Leipzig 1913) findet sich in der zweiten Abteilung Wichtiges über die -chemischen und physikalischen Kenntnisse der Griechen zusammengestellt. - -[567] *Plinius* 36, _{64}. - -[568] *Plinius* 36, _{66} u. _{67}. - -[569] Jahresbericht über die Fortschr. d. klass. Altertumswiss. 1902. -Bd. III. S. 26-82 (*Stadlers* Bericht). - -[570] *E. v. Meyer*, Geschichte der Chemie. 1914. S. 17. - -[571] *E. v. Lippmann*, Abhandlungen u. Vorträge z. Gesch. d. -Naturwissenschaften. Leipzig 1906. S. 56. - -[572] Die bekannten Erzählungen über das »Auflösen« der glühend -gemachten Felsen mit Essig durch *Hannibal*, u. dgl., gehen jedoch -nach *v. Lippmann* auf die rein abergläubische Vorstellung zurück, daß -der Essig von äußerster Kälte sei und daß deshalb das Zusammentreffen -dieses Extrems mit der Glut des Feuers auch ganz außergewöhnliche -Wirkungen bedinge. - -[573] Über die alexandrinischen Bücherschätze und deren Schicksale -siehe auch *Ritschel*, Breslau 1838, sowie *F. Schemmel*, Die -Hochschule von Alexandrien im 4. u. 5. Jahrh. n. Chr. Neue Jahrbücher -f. d. klass. Altertum. 1909. S. 438. Nach der dort gegebenen -Darstellung wurde die große Bibliothek mit ihren 400000 Bänden erst 272 -n. Chr. zerstört. - -[574] *Johannes Frischauf*, Grundriß der theoretischen Astronomie und -der Geschichte der Planetentheorien. 2. Auflage. Leipzig 1903. S. 104. -Die Änderung der Geschwindigkeit der scheinbaren Sonnenbewegung erklärt -sich daraus, daß die Erde im Winter der Sonne näher ist als im Sommer. - -[575] *Frischauf*, a. a. O. S. 103. - -[576] Durch *Kalippos*. - -[577] Der exzentrische, mit dem Epizykel verbundene Kreis wurde als der -deferierende Kreis bezeichnet. - -[578] Aus dem arabischen Artikel und dem ersten Wort des griechischen -Titels (ἡ μεγίστη σύνταξις) entstanden. Die Übersetzung ins Arabische -fand spätestens um 827 statt. Seit dem 12. Jahrhundert wurde der -Almagest wiederholt ins Lateinische übertragen. Eine ungenügende -Ausgabe des griechischen Textes nebst einer Übersetzung ins -Französische veranstaltete *Halma* (2 Bde., Paris 1813-1816). Eine -griechisch-lateinische Ausgabe besorgten *Wilberg* und *Grashof*, -Essen 1838-1845. Unter den neueren Schriftstellern, die den Almagest -zugänglich gemacht haben, ist neben *Heiberg* besonders *Manitius* -zu nennen (Des Claudius Ptolemaeus Handbuch der Astronomie. Aus dem -Griechischen übersetzt und mit erklärenden Anmerkungen versehen von -*Karl Manitius*. Leipzig 1912. B. G. Teubner). - -[579] Die Zahl der mit bloßem Auge sichtbaren Fixsterne beläuft -sich auf 4-5000. *Hipparch* stellte das erste wissenschaftliche -Fixsternverzeichnis mit Angabe der Positionen und der -Größenverhältnisse auf. - -[580] Es bildet das 7. Buch des Almagest und wurde 1795, übersetzt -und erläutert, herausgegeben von *J. E. Bode*: J. E. Bode, Claudius -Ptolemäus' Beobachtung und Beschreibung der Gestirne. Berlin 1795. - -[581] Die beste Ausgabe rührt von *Halley* her. Sie erschien in Oxford -im Jahre 1758. - -[582] Eine lateinische Übersetzung von *Xylander* (Basel 1575) -vermittelte zuerst die Kenntnis von *Diophants* Werken. - -[583] *M. Cantor*, Geschichte der Mathematik. Bd. I. S. 402. - -[584] *Diophant*, lib. VI. 19. Näheres siehe *Cantor*, I. S. 407. - -[585] *H. Hankel*, Die Entwicklung der Mathematik in den letzten -Jahrhunderten. S. 10. - -[586] Die erste brauchbare Ausgabe rührt von *Halley* her. Sie erschien -in Oxford im Jahre 1758. - -[587] Aus *Repsold*, Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge. -1908. - -[588] D. h. Sternfasser. Über noch vorhandene Astrolabien gibt der -Bericht über die Ausstellung im South Kensington Museum (Berlin 1877. -S. 394 u. f.) Auskunft. - -Nach dem Almagest (V, 1) war das von *Ptolemäos* benutzte Astrolab -eine Art Armillarsphäre, da es aus einem System teils fester, teils -beweglicher, mit Absehen (Dioptern) versehener Ringe bestand. - -[589] Im einzelnen hat dies neuerdings *Repsold* dargetan. S. S. 256. - -[590] *Repsold*, a. a. O. S. 6. - -[591] *Diels*, Antike Technik. S. 25. In dem noch erhaltenen Turm der -Winde in Athen befand sich eine Wasseruhr, während außen eine Sonnenuhr -und eine Wetterfahne angebracht waren. Unter dem Gesimse sind die -acht Hauptwinde allegorisch dargestellt. Auf sie zeigt der Pfeil der -Wetterfahne je nach der Richtung des herrschenden Windes. - -[592] Herausgegeben von *Nobbe*. 3 Bde., Leipzig 1843-1845. Eine -deutsche Übersetzung findet sich im 1. Bande der »alten Geographie« von -*Georgii* (Stuttgart 1838) auf dem Titel als Anhang angekündigt, ist -aber nie erschienen. Eine Übersetzung der Kapitel 21-24 findet sich im -Jahresbericht des Kgl. Gymnasiums zu Chemnitz von 1909. Sie rührt von -*Th. Schöne* her. - -[593] *C. Ritter*, Geschichte der Erdkunde u. d. Entdeckungen. Berlin -1861. - -[594] Siehe S. 189. - -[595] So hatte *Marinus* die Längenausdehnung der den Alten bekannten -Welt (von den glückseligen Inseln bis zur Südostküste Chinas) auf 225° -angegeben. *Ptolemäos* beschränkte diese Ausdehnung auf 180°. Ihr -tatsächlicher Wert ist 140°. - -[596] Siehe die Abhandlung von *Th. Schöne* über »Die Gradnetze -des Ptolemäos im ersten Buche seiner Geographie.« Chemnitz 1909 -(Programmbeilage des Kgl. Gymnasiums). - -[597] *Strabons* Erdbeschreibung, übersetzt von *Forbiger*, Stuttgart -1856-1862. Eine neuere Ausgabe veranstaltete *Meineke*, Leipzig 1866. - -Siehe *A. v. Humboldt*, Examen critique de l'histoire de la géographie. -I. 152-154. *Strabon* war griechischer Abstammung, lebte indes meist -in Rom. Er wurde 63 v. Chr. geboren und lernte einen großen Teil des -römischen Weltreichs durch eigene Anschauung kennen; er schrieb in -griechischer Sprache. - -[598] Im 3. Abschnitt seines I. Buches. - -[599] *Eratosthenes* erblickte auch in den Salzseen der Landenge von -Suez den Beweis dafür, daß diese Landenge früher vom Meere bedeckt war. - -[600] *Vitruvius*, De architectura VIII, 1. - -[601] *Seneca*, Naturales quaestiones III, 5 und 28. *Seneca*, -römischer Dichter und Philosoph, lebte von 4 v. Chr. bis 65 n. Chr. -Eine Übersetzung seiner Werke veranstalteten *Moser* und *Pauly*, -Stuttgart 1828-1855. Eine neuere Ausgabe rührt von *Haase* her -(Teubner, 1893 und 1895). - -[602] *L. v. Ranke*, Weltgeschichte III, 313. - -[603] *O. Peschel*, Geschichte der Erdkunde. S. 12. - -[604] *C. Ritter*, Gesch. der Erdkunde und Entdeckungen. Berlin 1861. - -[605] *Marinus* aus Tyrus lebte im 2. Jahrhundert n. Chr. kurz vor -*Ptolemäos*. Er bemühte sich, für jeden Ort die Länge und die Breite -festzustellen. - -[606] Die in den auf uns gekommenen Handschriften »der Geographie« -enthaltenen Karten rühren allerdings nicht von *Ptolemäos* selbst, -sondern von einem jüngeren Zeitgenossen her, der die vorhandenen Karten -einer Durchsicht und Verbesserung unterzog. - -[607] Eine Ausgabe mit lateinischer Übersetzung gab *Fr. Hultsch* -heraus. Berlin 1875-1878. Im Jahre 1871 erschien das VII. und VIII. -Buch mit deutscher Übersetzung von *Gerhardt*. - -[608] Über die eigentümlichen Schicksale der »Optik« des *Ptolemäos* -berichtet *Wilde* in seiner Geschichte der Optik, Bd. I. S. 51 u. f. -Danach war das Werk *Roger Bacon*, *Regiomontan* und auch noch zu -Anfang des 17. Jahrhunderts bekannt. Dann galt es lange als verloren, -bis es vor einigen Jahrzehnten in einer lateinischen Übersetzung aus -dem Arabischen wiederentdeckt wurde. Eine kritische Ausgabe besorgte -*Gilberto Govi*: L'ottica di Claudio Tolemeo. Torino 1885. - -[609] Die Werte in Klammern sind aus dem Brechungsindex n = 1,3335 -berechnet (nach *J. Hirschberg*, Zeitschr. f. Psychologie u. -Physiologie der Sinnesorgane. XVI. S. 331). - -[610] *Alhazen* im 7. Buche seiner Optik. Siehe an späterer Stelle -dieses Bandes. - -[611] Sie wurde griechisch und deutsch von *R. Schöne* herausgegeben -(Berlin 1897). - -[612] So heißt es bei *Aristoteles* (de anima I. 2): »Auch *Thales* -scheint die Seele für etwas Bewegendes gehalten zu haben, da er von dem -Magneten sagt, daß er eine Seele besitze, weil er das Eisen bewegt.« - -[613] *Lukrez* VI, v. 1043-1044. *Lukrez* lebte von 98 bis 55 v. Chr. -Seine aus sechs Büchern bestehende Schrift »De rerum natura« befaßt -sich mit den Grundlehren der Physik, der Psychologie und der Ethik. Von -den Ausgaben sei hier diejenige *Lachmanns* erwähnt. 4. Aufl. Berlin -1871. Eine Übersetzung rührt von *Seydel* (München 1881) her. - -[614] *Lukrez* VI, v. 1005-1006. - -[615] Eingehend berichtet über die Kenntnisse der Alten auf dem Gebiete -der magnetischen und elektrischen Erscheinungen unter Anführung -zahlreicher Literaturstellen *A. v. Urbanitzky* im 34. Bande der -Elektrotechnischen Bibliothek. Wien, A. Hartlebens Verlag, 1887. - -[616] *Plinius*, Naturgeschichte, Buch 37, Kap. 12. - -[617] So erwähnt *Theophrast* in seinem Buche über die Steine einen -Edelstein, welcher durch Reiben elektrisch werde. - -[618] *Plinius*, Naturgeschichte, Buch 2, Kap. 50 u. 55. - -[619] *Plinius*, Naturgeschichte, Buch 2, Kap. 37. - -[620] *R. Hennig* im Archiv f. Gesch. d. Naturw. u. Technik. Bd. II. -Heft 1. - -[621] *Oppian*, de piscat. 2. 43. - -[622] *Plinius*, 32, 1 u. 2. - -[623] *Aelian*, 9, 14. - -[624] Galeni opera, ed. *C. S. Kühne*. Bd. XII. S. 365. - -[625] *Meyer*, Gesch. d. Chemie. S. 16. - -[626] Siehe auch *Berthelot*, Les origines de l'Alchimie. Paris 1885. -*Berthelot* gilt als einseitig und durch neuere Forschungen, vor allem -die *v. Lippmanns*, überholt. - -[627] Neuerdings hat man Gegenstände aus ziemlich reinem Zinn in -ägyptischen Gräbern gefunden. - -[628] Liquor aeternus, venenum rerum omnium. - -[629] Der Urtext dieser Schriften nebst französischer Übersetzung wurde -von *Berthelot* in den Jahren 1887 und 1888 unter dem Titel »Collection -des anciens alchimistes grecs« veröffentlicht. - -*Berthelot* (Die Chemie im Altertum u. Mittelalter. Deutsch von -*Kalliwoda* und *Strunz*. 1909. S. 5) hat Texte griechischer Chemiker, -sowie diejenigen von syrischen und arabischen veröffentlicht und -zugänglich gemacht, darunter auch Handschriften, die bis dahin in den -Bibliotheken von Paris, London und Leyden vergraben und vergessen waren. - -Etwas anders, wie auf dieser Seite angegeben, stellt sich der Beginn -der Alchemie nach *v. Lippmann* dar. Näheres darüber siehe im Anhange -und in *v. Lippmanns* »Alchemie«. - -[630] *Diels*, Antike Technik. S. 111. - -[631] Siehe die hiervon abweichende Meinung *v. Lippmanns* in dessen -»Alchemie«. - -[632] *Berthelot* a. a. O. S. 20. - -[633] Einen Beitrag über *Hermes Trismegistos* enthält *Paulys* -Realenzyklopädie d. klass. Altert. im VIII. Bande auf S. 792-822. - -[634] *Kopp*, Beiträge zur Geschichte der Alchemie. S. 377. - -[635] *Berthelot*, Collection des anciens alchemistes grecs. Paris 1888. - -[636] *Berthelot*, Collection des anciens alchemistes grecs. II. 272 u. -274. - -[637] *Berthelot*, Collect. II. 276. - -[638] Eine ihm zugeschriebene Abhandlung führt den Titel: »Der -alexandrinische Philosoph über Zosimos, Hermes und die Philosophen.« - -[639] In ähnlicher Weise wurden die 12 Edelsteine, die man unterschied, -den 12 Tierkreisbildern zugeteilt. »Alle irdischen Dinge und alles -irdische Geschehen waren in himmlischen Vorbildern vorgezeichnet« -(*M. Berthelot*, Die Chemie im Altertum u. Mittelalter. Deutsch von -*Kalliwoda* u. *Strunz*. 1909. XV). Nach *E. v. Lippmann* sind manche -der von *Berthelot* herrührenden Angaben einseitig und unzuverlässig. -Siehe *v. Lippmanns* »Alchemie«. - -[640] Die in syrischer Sprache übermittelten Lehren *Demokrits* sind in -einigen in England befindlichen Manuskripten vorhanden. Näheres darüber -siehe in *E. v. Lippmanns* Entstehung und Ausbreitung der Alchemie. -Berlin 1919. S. 40 u. f. - -[641] *E. v. Lippmann*, Alchemie. S. 31. - -[642] Ausführlicher bei *E. v. Lippmann*, Alchemie. S. 32. - -[643] Stockholmer Papyrus (Ausg. v. *Lagercrantz*). S. 4. - -[644] Eine Drachme = 4-1/2 g. - -[645] Eine genaue Analyse des Inhalts beider Papyri gibt *E. v. -Lippmann* in seiner Alchemie auf S. 1-26. Nach *Diels*, Antike Technik -S. 21, läuft die Vermehrung der Metalle nicht etwa lediglich auf -Betrug, sondern ursprünglich auf die Vorstellung hinaus, daß das Metall -sich ähnlich vermehren lassen müsse wie ein in die Erde gepflanztes -Samenkorn. - -[646] So sagt *H. v. Mohl* in einer 1863 gehaltenen Rede von den Alten: -»Sie blieben in den Naturwissenschaften auf einer durchaus kindlichen -Stufe und bieten ein Beispiel dafür, daß der höchste philosophische -Scharfsinn unfähig ist, in den Naturwissenschaften etwas zu leisten, -wenn er sich nicht auf die genaue Erforschung der Körper stützt.« Wie -*Mohl*, so urteilten die meisten Naturforscher während des größten -Teiles des 19. Jahrhunderts. Erst in den letzten Jahrzehnten, nachdem -der Sinn für die Geschichte der Wissenschaften bei ihren Vertretern -lebendiger wurde, ist man anderer Ansicht geworden. Und der ganze Gang -unserer bisherigen Betrachtung hat zur Genüge gezeigt, daß ein Urteil, -wie dasjenige *v. Mohls*, in seiner Allgemeinheit wenigstens, nicht -zutrifft. - -[647] *Lindner*, Weltgeschichte. I. 34. - -[648] Dieser richtete sich nur gegen die Heiden, nicht aber gegen -Christen, Juden und Parsen (Bem. von *E. Wiedemann*). - -[649] *Lindner*, Weltgeschichte seit der Völkerwanderung. I. 96. - -[650] *K. Lasswitz*, Geschichte der Atomistik. Bd. I. S. 12. - -[651] *Tertullian*, De praescr. haeretic. cap. 7. - -[652] Bedeutende Fragmente dieser Schrift sind als Bestandteile der -Werke von *Eusebius* auf uns gekommen (Ausgabe von *Dindorf*, Leipzig -1867. Bd. II. S. 321). Eine Übersetzung dieser Fragmente enthält: -*Georg Roch*, Die Schrift des alexandrinischen Bischofs Dionysios des -Großen »Über die Natur«. Leipzig 1882. - -[653] So sagt *Lasswitz* in seiner trefflichen Darstellung der -Atomistik im Mittelalter (*K. Lasswitz*, Gesch. d. Atomistik. Bd. I. S. -29). - -[654] Nach *v. Lippmann* bestritten die Kirchenväter, daß die Sterne -die Ereignisse bewirken. Daß letztere dagegen durch die Bewegungen der -Gestirne angezeigt würden, hielt man wohl für möglich. - -[655] *Lindner*, Weltgeschichte. Bd. I. S. 305. - -[656] Erlassen auf der Kirchenversammlung zu Paris vom Jahre 1209. -Siehe auch *v. Humboldts* Kosmos II. S. 31, sowie die bezügliche -Anmerkung. - -[657] *Libri*, Histoire des sciences mathématiques en Italie. Bd. I. S. -82. - -[658] Variarum (epistolarum) libri XII. - -[659] De artibus ac disciplinis liberalium literarum. - -[660] Siehe den Abschnitt über die Quellen des *Plinius*, S. 222 dies. -Bds. - -[661] De consolatione philosophiae. Herausgeg. von *Peiper* 1871. - -[662] *Cassiodorus*, Varia I. 45. - -[663] *Boëthius*, Fünf Bücher über Musik. Deutsch von *Oscar Paul*, -Leipzig 1880. - -[664] Siehe an späterer Stelle dieses Bandes. - -[665] Ich verdanke darüber Herrn Prof. *E. Wiedemann* folgende -Bemerkung: Es scheint, als ob ein Ereignis, das sich in Persien -abgespielt hat, auf Ägypten übertragen wurde. *Ibn Khaldun*, ein -arabischer Historiker, bemerkt: Wir wissen, daß die Mohammedaner bei -der Eroberung Persiens eine Unzahl von Büchern vorfanden und daß ihr -Feldherr *Saad Ibn Abi Waggâs* beim Kalifen *Omar* anfragte, ob diese -Bücher mit der Beute an die Gläubigen zu verteilen seien. *Omar* -antwortete: »Wirf sie ins Wasser. Enthalten sie etwas, was zur Wahrheit -führt, so haben wir von Gott, was uns noch besser dahin leitet. -Enthalten sie aber Falsches, so sind wir derselben ledig.« Infolge -dieses Befehles vernichtete man die Bücher durch Wasser oder Feuer. - -[666] Genaueres über das wechselnde Schicksal der in Alexandrien -aufbewahrten Bücherschätze siehe bei *Ritschl*, S. 188, Anm. 1. - -[667] *Wüstenfeld*, Die Akademien der Araber und ihre Lehrer. Göttingen -1837. - -[668] S. 304. - -[669] Die Nestorianer waren um 450 aus dem byzantinischen Reich -vertrieben worden. Durch sie wurden die Araber mit den syrischen -Übersetzungen astrologischer und alchemistischer Schriften bekannt. -Eine selbständige alchemistische Literatur als Fortsetzung der -griechischen und syrischen schufen die Araber wohl erst während -der Herrschaft der Abbasiden (750-1258). Man kann wohl mit *E. v. -Lippmann* (Alchemie S. 357) annehmen, daß die Araber, sobald sie auf -das Treiben der Goldmacher aufmerksam wurden, sich der Alchemie nicht -aus wissenschaftlichem Interesse zuwandten, sondern weil sie durch die -Aussicht auf Gewinn dazu verlockt wurden. - -[670] *M. Berthelot*, Die Chemie im Altertum und im Mittelalter. -Herausgegeben von *E. Kalliwoda* und *F. Strunz*. Leipzig und Wien -1909. *Berthelots* Buch ist nach *E. v. Lippmann* zum Teil wenig -zuverlässig. - -[671] Siehe *v. Lippmann*, Über das Feuerbuch des *Marcus Graecus* in -der »Alchemie«. 1919. S. 477 u. f. - -[672] Das Manuskript befindet sich im Britischen Museum. Näheres siehe -in *v. Lippmanns* »Alchemie«. - -[673] Sie befindet sich in Cambridge. Siehe *Berthelot* a. a. O. S. 43. - -[674] *Nestorios* war in Syrien geboren. Er war ein Anhänger des -*Anastasios*, dessen Lehre für Ketzerei erklärt wurde. - -[675] Unter diesen ist die Schule zu Nisibis zu nennen und die Akademie -von Dschondisabur, die bereits im 6. Jahrhundert in hoher Blüte stand. - -[676] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. III. S. 107. - -[677] *Heller*, Geschichte der Physik. 1882. Bd. I. S. 160. - -[678] Über die Zeiteinteilung und den Uhrenbau der Araber haben *E. -Wiedemann* und *F. Hauser* eine sehr ausführliche Darstellung gegeben: -Über die Uhren im Bereich der islamischen Kultur. E. Harras, Halle -1915. 272 S. -- Nach *Wiedemann* und *Hauser* ist *Einhards* Erzählung -nicht ganz zutreffend. - -[679] *S. Günther*, Studien zur Geschichte der mathematischen und -physikalischen Geographie. 1877. S. 59. - -[680] *Peschel*, Geschichte der Erdkunde. 1877. S. 122. - -[681] *E. Wiedemann*, Bestimmungen des Erdumfanges von *Al Beruni* -(Archiv für Geschichte der Naturwiss. u. der Technik). I. Bd. (1908). -S. 66. - -[682] *E. Wiedemann* a. a. O. S. 69. - -[683] *Abul Wafa* (940-998). Siehe *v. Braunmühl*, Vorlesungen über -Geschichte der Trigonometrie. S. 55. - -[684] *Repsold*, Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge. -Leipzig 1908. S. 11. - -[685] *Sédillot*, Mémoire sur les instrumens astronomiques des Arabes. -Paris 1841. - -[686] *C. Brockelmann*, Geschichte der arabischen Literatur. 1898/1902. -Bd. I. S. 222. - -[687] *C. Brockelmann*, Bd. I. S. 220. - -[688] *C. Brockelmann*, Gesch. d. arabischen Literatur. Bd. I (1898). -S. 215. - -[689] *Klaproth*, Sur l'invention de la Boussole. 1834. - -Neuere Untersuchungen verlegen die chinesischen Angaben über den Kompaß -bis ins 4. Jahrhundert v. Chr. zurück. Siehe *E. Gerland*, Der Kompaß -bei den Arabern und im christlichen Mittelalter. Die Chinesen benutzten -den Kompaß zuerst bei Landreisen; auf Seereisen wurde er wohl nicht vor -dem 3. Jahrhundert n. Chr. gebraucht. - -[690] *Heller*, Geschichte der Physik. Bd. I. S. 210. - -[691] La Bible von *Guyot de Provins*. - -[692] Von *Alexander Neckam*. Die betreffende Stelle lautet: »Nautae -enim mare legentes, cum beneficium claritatis solis in tempore nubilo -non sentiunt, aut etiam cum caligine nocturnarum tenebrarum mundus -obvolvitur, et ignorant in quem mundi cardinem prova tendat, acum -super magnetem ponunt, quae circulariter circumvolvitur usque dum ejus -motu cessante cuspis ipsius septentrionalem plagam respiciat.« Siehe -*Hellmann*, Die Anfänge der magnetischen Beobachtungen. Zeitschrift -der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Bd. 32. Berlin 1907. In -der Übersetzung lautet die Stelle: »Wenn die Seeleute bei nebligem -Wetter die Sonne nicht sehen oder bei Nacht nicht wissen, nach welcher -Himmelsrichtung das Schiff sich bewegt, so bringen sie eine Nadel über -einem Magneten an. Diese dreht sich so lange, bis ihre Spitze, nachdem -die Nadel zur Ruhe gekommen ist, nach Norden zeigt.« - -[693] *A. Breusing*, Flavio Gioja und der Schiffskompaß. In der -Zeitschr. d. Gesellsch. f. Erdkunde zu Berlin. Bd. IV. 1869. - -[694] Siehe *E. Wiedemann*, Zur Geschichte des Kompasses bei den -Arabern. Verhandl. d. Deutschen physik. Gesellschaft zu Berlin. 1907. -Bd. 9. S. 764-773. *Wiedemann* gibt darin unter anderem eine Stelle aus -dem Jahre 1232 an, aus der hervorgeht, daß man dem Eisen durch Reiben -mit dem Magnetstein die Eigenschaft gab, sich in die Nord-Südrichtung -einzustellen. - -[695] Nach der Übersetzung von *E. Wiedemann*. - -[696] Von den Verbesserungen, welche der Kompaß in der neuesten Zeit -erfuhr, wird an späterer Stelle die Rede sein. - -[697] Das Manuskript befindet sich in Paris. - -[698] *Marcus Graecus*, Liber ignium. *Berthelot*, Chimie au moyen âge. -Bd. I. S. 108. - -[699] Näheres darüber siehe bei *Diels*, Antike Technik. S. 97 u. f. -Die obige nach *Diels*, der wieder *Berthelot* gefolgt ist, gegebene -Darstellung wird von *E. v. Lippmann* bestritten. (Siehe dessen -Abhandlungen und Vorträge Bd. I.) Nach *v. Lippmann* ist *Marcus -Graecus*' Schrift erst um 1250 verfaßt. Siehe auch die neueste Schrift -von *Ruska* über diesen Gegenstand. Näheres siehe im Anhang des -vorliegenden Bandes und in *v. Lippmanns* »Alchemie« S. 477 u. f. - -[700] So pflegte *Ibn al Haitam* (*Alhazen*) in jedem Jahre den Euklid -und den Almagest abzuschreiben, um von dem Erlös zu leben. Siehe *E. -Wiedemann*, Ibn al Haitam, ein arabischer Gelehrter. Leipzig 1906. S. -152. - -[701] Die Übersetzung wurde 1857 in der Bibliothek zu Cambridge -entdeckt und bildet das I. Heft der von dem Fürsten *Boncompagni* -herausgegebenen Trattati d'aritmetica. - -[702] Trattati d'aritmetica I. 8. - -[703] *Alfarabi* verfaßte eine enzyklopädische Darstellung der -Wissenschaften, die arabisch und in lateinischen Übersetzungen erhalten -ist (De scientiis). Näheres enthält die Abhandlung von *E. Wiedemann*, -Beiträge zur Geschichte der Naturwissenschaften. XI. Erlangen 1907. -(Sitzungsberichte der physikalisch-medizinischen Sozietät in Erlangen. -39. Bd.) - -[704] Dieser erschien, ins Lateinische übersetzt, im Druck zuerst in -Venedig im Jahre 1493. - -[705] *E. Renan*, Averroes et l'Averroisme. Paris 1852. - -[706] Reliqua librorum Friderici II. imperatoris de arte venandi -cum avibus. Ed. *J. G. Schneider*. T. I. II. Lipsiae 1788/89. Siehe -auch *Carus*, Geschichte der Zoologie. München 1872. S. 206, und -*Burkhardt*, Geschichte der Zoologie. Leipzig 1907. S. 45. - -[707] Opticae thesaurus Alhazeni Arabis libri VII, nunc primum editi -a *Frederico Risnero*. Basileae 1572. Vergleiche auch *Schnaase*, Die -Optik Alhazens. Programm des Friedrichs-Gymnasiums zu Stargard. 1889. -*Alhazens* vollständiger Name lautet Abû Alî Muhammed ben el Hasan -ibn el Haitam el Basri. Eine arabische, mit Abbildungen versehene -Handschrift seines Werkes wird in Leyden aufbewahrt. *Risners* -Übersetzung ist eine gekürzte, indes getreue Wiedergabe des Originals. - -Über eine spätere arabische Bearbeitung von *Alhazens* Optik hat *E. -Wiedemann* ausführlich berichtet. Siehe das Archiv f. d. Geschichte d. -Naturwiss. u. d. Technik. 1912. S. 1-53. - -[708] Diese Ansicht begründet er fälschlich damit, daß die Zerstörung -der Linse eine Vernichtung der Sehkraft zur Folge habe, während die -Verletzungen anderer Teile des Auges seiner Meinung nach eine solche -Wirkung nicht hervorbringen. - -[709] Im 3. Buche seiner Optik. - -[710] Siehe auch *Schnaases* »Alhazen« in den Schriften der Danziger -Gesellschaft. N. Folge. Bd. VII. S. 140. - -[711] Optic. Thes. VII. 48. - -[712] In einem Anhange zum Optic. Thesaur. - -[713] *Alhazen* nahm den Erdumfang gleich 4800 (statt 5400) Meilen an. - -[714] Zeitschr. d. morgenl. Gesellsch. 1882. *Baarmann,* »Über das -Licht« von *Ibn al Haitam*. - -[715] Optic. Thesaur. VII. 48. Siehe auch *Schnaase*, »Alhazen«, in den -Schriften der Danziger Natf. Gesellschaft. N. Folge. Bd. VII. S. 140. - -[716] *Montucla* z. B. - -[717] Besonders durch *Schnaase* und *E. Wiedemann*. - -[718] Die Tabelle findet sich bei *Al Khazini* her, der im Jahre -1137 ein die »Wage der Weisheit« betiteltes Buch verfaßte. Siehe -*Wiedemanns* Annalen. Bd. 20. S. 539. - -[719] Näheres siehe *Gerland* und *Traumüller*, Geschichte der -physikalischen Experimentierkunst. Leipzig, Wilh. Engelmann. 1899. S. -71 u. f. - -[720] *E. Wiedemann*, Über das Experiment im Altertum und Mittelalter -(Vortrag). - -[721] Starb 1274. - -[722] Summa theologiae. Venet. 1593. T. XI. p. 407. - -[723] In der Bibliothek zu Lucca. Siehe *Berthelot* a. a. O. S. 28. - -[724] *E. v. Lippmann*, Alchemie. S. 405. - -[725] Eine Übersetzung erschien in den »Historischen Studien«, Jahrg. -1893. Einen Auszug brachte *E. v. Lippmann* unter der Überschrift -»Chemie vor tausend Jahren« in der Zeitschrift f. angewandte Chemie. -1901. H. 26; siehe auch dessen Abhandlungen und Vorträge. - -[726] Näheres siehe bei *E. v. Lippmann*, Abhandlungen und Vorträge zur -Geschichte der Naturwissenschaften. Leipzig 1906. S. 139. - -[727] *E. v. Lippmann* a. a. O. S. 132. - -[728] Nach *E. v. Lippmann* (a. a. O. S. 263) in der Zeit zwischen 300 -und 600 n. Chr. Geb. - -[729] Über die Ergebnisse der neuesten Untersuchungen, die *v. -Lippmann* hierüber angestellt hat, siehe den Anhang dieses Bandes. - -[730] Deutsche Ausgaben erschienen 1710 in Erfurt und 1751 in Wien. -Eine Aufzählung der Schriften *Gebers* siehe bei *Wüstenfeld*, -Geschichte der arabischen Ärzte und Naturforscher. 1840. S. 12 u. 13. - -[731] Siehe auch *E. v. Lippmann* in der Zeitschrift f. angewandte -Chemie. 1901. H. 26. - -[732] *Berthelot* a. a. O. S. 61. - -[733] Die wichtigsten sind die »Summa perfectionis magisterii«, -die Schrift »de inventione veritatis« und die »Alchimia Geberi«. -In der letzteren wird die Zubereitung der Salpetersäure und des -Königswassers beschrieben. Nach *Berthelot* ist es unrichtig, wenn -man annimmt, die genauere Kenntnis unserer Mineralsäuren und ihrer -Salze sei auf die arabischen Autoren des 12. und 13. Jahrhunderts -zurückzuführen. Vielmehr wurden die »komplizierten und umständlichen -Darstellungsmethoden von damals erst im lateinischen Abendland im Laufe -des 14. und 15. Jahrhunderts entwirrt«. - -Die Ergebnisse der Forschungen *Berthelots* erscheinen in neuester -Zeit durch die von *E. v. Lippmann* in seiner »Alchemie« über *Geber* -veröffentlichten Untersuchungen in mancher Hinsicht anfechtbar. Siehe -den Anhang des vorliegenden Bandes. - -[734] Siehe auch die Abhandlung von *E. Wiedemann*, Über chemische -Apparate bei den Arabern; erschienen in *Diergart*, Beiträge aus der -Geschichte der Chemie. - -[735] *H. Kopp*, Geschichte der Chemie. Bd. I. S. 53. - -[736] Na_{2}CO_{3} + Ca(OH)_{2} = 2 NaOH + CaCO_{3}. - -[737] - -6 KOH + 12 S = K_{2}S_{2}O_{3} + 2 K_{2}S_{5} + 3 H_{2}O -K_{2}S_{2}O_{3} + 2 HCl = 2 KCl + SO_{2} + S + H_{2}O K_{2}S_{5} + 2 -HCl = 2 KCl + H_{2}S + 4 S. - - - -[738] In den echten Schriften *Gebers* ist nach *Berthelot* diese -Theorie noch nirgends erwähnt (a. a. O. S. 65). - -[739] Die Kenntnis des metallischen Zinks läßt sich nicht weiter als -bis gegen den Ausgang des Mittelalters zurückverfolgen. Nach *E. v. -Lippmann* (siehe dessen »Alchemie«) ist das metallische Zink sogar erst -in der Neuzeit bekannt geworden. Die Legierung von Kupfer und Zink, das -Messing, war dagegen schon zur römischen Kaiserzeit bekannt. Mitteil. -z. Gesch. d. Med. u. d. Naturwissensch. 1903. S. 150 u. 174. - -[740] Zur Erläuterung diene folgende von *Berthelot* (a. a. O. S. 66) -wiedergegebene Stelle: »Das Kupfer wird von einem trüben und dicken -Quecksilber und einem trüben und roten Schwefel erzeugt. -- Das Zinn -wird von einem klaren Quecksilber, das kurze Zeit mit einem weißen und -klaren Schwefel gekocht wird, erzeugt. Wenn die Kochung von langer -Dauer ist, gewinnt man Silber usw. Diese Erzeugung der Metalle wird im -Schoß der Erde allerdings in dem langen Zeitraum von hundert Jahren -vollendet, aber die Kunst kann die Vollendung abkürzen. Sie wird also -in einigen Stunden oder in einigen Minuten in Erfüllung gehen.« - -[741] *E. v. Lippmann*, Alchemie. 1919. S. 487. Ferner *Stillmann* und -*Sudhoff*. - -[742] Eine unvollendet gebliebene Übersetzung wurde nach der -*Wüstenfeld*schen Textausgabe von *H. Ethé* im Jahre 1868 -herausgegeben. Den Abschnitt, der von den Steinen handelt, hat (1895) -*J. Ruska* übersetzt und erläutert. Er wurde hier zugrunde gelegt. - -[743] Siehe über den »Physiologus« an späterer Stelle. - -[744] Siehe *Carus*, Geschichte der Zoologie. S. 173. - -[745] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. III. S. 263. - -[746] Ins Englische übersetzt von *S. Lee*. London 1829. - -Ins Französische von *Defremerie* u. *Sanguinetti*. Paris 1854. Neue -Aufl. ebd. 1913. - -[747] Näheres enthält: *Berendes*, Das Apothekenwesen, seine Entstehung -und geschichtliche Entwicklung. Stuttgart 1907. S. 61. - -[748] Siehe *Hirschberg*, Über das älteste arabische Lehrbuch der -Augenheilkunde (Berichte der Berliner Akademie der Wissenschaften. -1903). - -Ferner *J. Hirschberg*, Geschichte der Augenheilkunde. Zweites Buch. -1. Abteil. Geschichte der Augenheilkunde bei den Arabern. Leipzig, W. -Engelmann. 1905. - -[749] *C. Brockelmann*, Gesch. d. arab. Literatur. Bd. II (1902). S. 3. - -[750] *C. Brockelmann* a. a. O. Bd. II. S. 6. - -[751] *F. Boll* im Reallexikon der germanischen Altertumskunde von -*Hoops* (1911-1918) unter »Astronomie«. - -[752] *Hoops*, Reallexikon des german. Altertums. - -[753] Er wurde 754 in Friesland erschlagen und in Fulda beigesetzt. - -[754] De Universo libri. XXII. - -[755] *L. Geisenheyner*, Über die Physika der heiligen Hildegard -und die in ihr enthaltene älteste Naturgeschichte des Nahegaues. -Berichte über die Versammlungen des Botan. und des Zoolog. Vereins f. -Rheinland-Westfalen. 1911. Bonn. Vgl. auch die Veröffentlichungen von -*Ch. Singer*, Oxford (siehe Mitteil. z. Gesch. d. Med. 1919. S. 338). - -[756] *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. I. S. 13. - -[757] Vgl. *H. Würschmidt*, Archiv f. Gesch. d. Mathem. 1913. - -[758] Durch den englischen Mönch *Atelhart* um 1120. - -[759] Auch *Fibonacci* oder *Bonacci* genannt. Fibonacci bedeutet Sohn -Bonaccis (filius Bonacci). - -[760] *Cantor*, Bd. II. S. 3. - -[761] Eine ausführliche Inhaltsangabe des Liber abaci gibt *Cantor* in -seiner Geschichte der Mathematik. Bd. II. S. 7-32. - -[762] Am bekanntesten ist die Ausgabe von *F. Risner*. Basel 1572. - -[763] Ad Vitellonem Paralipomena, quibus astronomiae pars optica -traditur. Francof. 1604. - -[764] So auch von *Cantor* in seiner großen Geschichte der Mathematik. - -[765] Die Reisen des Venezianers *Marco Polo* im 13. Jahrhundert. Zum -ersten Male vollständig nach den besten Ausgaben deutsch mit einem -Kommentar, von *Aug. Bürck*. Leipzig 1845. - -[766] Reste und Eier riesiger, ausgestorbener Vögel sind bekanntlich -später in Madagaskar gefunden worden (Äpyornis). Ein Auszug über die -zoologischen Angaben *Marco Polos* findet sich in *Carus*, Geschichte -der Zoologie. München 1872. S. 197 u. f. - -Unter dem Titel »Chemisches bei Marco Polo« hat *E. v. Lippmann* eine -Abhandlung in der Zeitschrift für angewandte Chemie veröffentlicht. -1908. 34. Heft. - -[767] Die Gründung der Städte bedeutet eine der fruchtbarsten -Errungenschaften des Mitteltalters. Dadurch erfolgte eine Loslösung -der Arbeit von der Scholle. Vor der Entwicklung der Städtefreiheiten -besaß im Mittelalter niemand Rechte und ausgiebige Lebensquellen, der -nicht mit der Scholle verknüpft war. Siehe *Grupp* im 2. Bande seiner -Kulturgeschichte d. Mittelalters. - -[768] Der älteste bekannt gewordene Geldwechsel stammt aus dem Jahre -1207. Siehe *Grupp*, Kulturgeschichte d. Mittelalters. 1894. Bd. II. S. -56. Im Orient waren Wechsel, Geldanweisungen und Abrechnungsanstalten -weit älter. - -[769] Beide gehören der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts an. - -[770] Diese Lehre war aber nicht allgemein angenommen. (Bemerkung von -*Würschmidt*.) - -[771] *M. Maywald*, Die Lehre von der zwiefachen Wahrheit, ein Beitrag -zur Geschichte der scholastischen Philosophie. Berlin 1861. Siehe auch -*J. Tyndall*, Religion und Wissenschaft, sowie *Langes* Geschichte des -Materialismus. - -[772] *Jourdain*, Geschichte der aristotelischen Schriften im -Mittelalter, übersetzt von *Ad. Stahr*. Halle 1831. - -[773] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. - -[774] In Lauingen. Als Geburtsjahr ist neuerdings mit großer -Wahrscheinlichkeit das Jahr 1207 nachgewiesen (*Enders* im Histor. -Jahrbuch der Görresgesellschaft. 1910. S. 293). - -[775] Siehe auch *Peters*, Der griechische Physiologus und seine -orientalischen Übersetzungen. Berlin 1898. Das genannte Werk enthält -auch eine Geschichte der merkwürdigen Schrift. - -[776] *M. Goldstaub*, Der Physiologus und seine Weiterbildung, -besonders in der lateinischen und byzantinischen Literatur. Philologus, -1901. Supplementband 8, 3. - -[777] *H. Stadler*, Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum. 1911. S. 86. - -[778] *Carus*, Geschichte der Zoologie. S. 231. - -[779] Eingehender wird *Albertus Magnus* gewürdigt in *E. Meyer*, -Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 9-84. Vgl. auch *Fellner*, Albertus -Magnus als Botaniker. Wien 1881. - -Eine kritische Ausgabe der botanischen Schriften rührt von *E. Meyer* -und *K. Jessen* her: Alberti Magni de vegetabilibus libri VII. Berlin -1867. - -[780] *H. Stadler*, Albertus Magnus als selbständiger Naturforscher -(Forschungen zur Geschichte Bayerns. Bd. 14. S. 95-114). - -[781] *H. Stadler* a. a. O. - -[782] Des *Nikolaos Damaskenos*. - -[783] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 40. - -Anzuerkennen waren jedoch die Verdienste der Araber um die Botanik. -(Bem. von *E. Wiedemann*.) - -[784] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. - -[785] Auch nach *Warburg* (Berichte der Deutschen botan. Gesellschaft. -1901. S. 153) hat das Mittelalter weder für die wissenschaftliche, -noch für die angewandte Botanik neue Bahnen erschlossen, wenn auch die -Araber auf dem Gebiete der Heilmittellehre manche neue Tatsache fanden. - -[786] Nach *H. Stadler*, Albertus Magnus von Cöln als Naturforscher und -das Kölner Autogramm seiner Tiergeschichte. Leipzig 1908. - -Nach der Kölner Handschrift, welche nach *Stadler* von den vorhandenen -Handschriften die beste ist, hat der Genannte eine Ausgabe der -Tiergeschichte des *Albertus Magnus* veranstaltet: Albertus Magnus, De -animalibus libri XXVI. Nach der Cölner Urschrift. Erster Band, Buch -I-XII enthaltend. Münster i. W., Aschendorff. 1916. - -[787] Die *Albertus Magnus* zugeschriebenen, eigentlich alchemistischen -Werke sind nach *E. v. Lippmann* als Fälschungen zu betrachten. - -[788] *Kopp*, Beiträge z. Geschichte der Chemie. 3, 64 u. f. - -[789] Das Geburtsjahr steht nicht fest. Die Angaben schwanken zwischen -1210 und 1214. Doch nimmt man wohl meist 1214 an. (Feier in Oxford -1914. Vgl. »Die Roger Bacon-Commem.«.) - -[790] *Sebastian Vogl*, Die Physik Roger Bacons. Inaug.-Dissertation. -Erlangen 1906. - -[791] Von *Peregrinus* ist noch eine Schrift über den Magneten -erhalten. *Peregrinus* unterschied die Pole des Magneten und wies die -Anziehung der ungleichnamigen Pole nach. - -[792] *Gerbert* war in Frankreich geboren. Er besuchte die arabischen -Hochschulen in Sevilla und Cordova und wurde im Jahre 999 zum Papst -gewählt; als solcher führte er den Namen *Sylvester II.* - -[793] *Vogl* a. a. O. - -[794] Epistola de secretis artis et naturae operibus atque nullitate -magiae. 1260. Eine Ausgabe dieser Schrift erschien im Jahre 1542 in -Paris. - -Ausführlich über *Bacon* handelt *Siebert*, Roger Bacon, sein Leben und -seine Philosophie. Marburg 1861. - -[795] *Bacon*, Opus tert. cap. 43. Siehe auch *K. Werner*, Die -Kosmologie und allgemeine Naturlehre des Roger Baco. Wien 1879. - -[796] Opus majus cap. 1. - -[797] Opus majus cap. 13. - -[798] *Vogl*, Die Physik Roger Bacons. - -[799] *Bacon* erklärt die Förderung des geistigen und materiellen -Wohlseins als Zweck sämtlicher Wissenschaften. Doch gibt es nach -*Bacon* ein noch höheres Ziel, das er in dem Wort ausspricht: »Humana -nihil valent nisi applicentur ad divina« (Opus majus p. 108). - -[800] *Döring*, Die beiden Bacon (Archiv für Geschichte der -Philosophie. 1904. S. 341). - -[801] *Clemens* IV. - -[802] Eine Neuausgabe veranstaltete *J. H. Bridges*. London 1897-1909. -3 Bände. Das Werk enthält den lateinischen Text und eine ausführliche -Analyse jedes Kapitels in englischer Sprache, ferner eine Einleitung -über das Leben und die Bedeutung *Bacons*. - -Eine ältere unzuverlässige Ausgabe wurde von *Jebb* (London 1733) -herausgegeben. - -Zur Feier des 700. Geburtstags *Bacons* erschien 1914 ein -Erinnerungsband, der Abhandlungen über *Bacons* wissenschaftliche -Tätigkeit und Bedeutung enthält (Oxford, Clarendon press, 1914). -Genannt seien: *F. Picavet* (Paris), La place de Roger Bacon parmi les -philosophes du XIII^e siècle. -- *E. Smith* (New York), The place of R. -Bacon in the history of mathematics. -- *E. Wiedemann* (Erlangen), R. -Bacon und seine Verdienste um die Optik. -- *Pierre Duhem* (Bordeaux), -Roger Bacon et l'horreur du vide. -- *Pattison Muir* (Cambridge), Roger -Bacon, his relations to alchemie and chemistry. - -[803] »Visio non completur in oculis, sed in nervo« heißt es bei ihm -(Opus majus V cap. 2). - -[804] Die Brennkugel erwähnen schon *Aristoteles* und *Plinius*. - -[805] *J. Würschmidt*, Roger Bacons Art des wissenschaftlichen -Arbeitens, dargestellt nach seiner Schrift »De speculis« (Roger Bacon -Commemoration Essays IX). - -[806] Sine experientia nihil sufficienter sciri potest. - -[807] Opus majus IV cap. 3. - -[808] Ein Wort, das lebhaft an *Kants* späteren, oft zitierten -Ausspruch erinnert. - -[809] De secretis operibus artis et naturae, cap. 4. - -[810] Als Erfinder wird ein *Salvino degli Armati* in Florenz genannt. -Nach anderer Nachricht ist *Alexander de Spina* als Erfinder der -Brillen zu betrachten. Beide Angaben sind unrichtig. Soviel ist jedoch -sicher, daß die ersten Brillen in Italien gemacht wurden und daß dies -gegen das Ende des 13. Jahrhunderts geschah (*Wilde*, Optik. Bd. I. S. -96). - -Daß der geschliffene Smaragd, mittels dessen *Nero* die Zirkusspiele -besah, ein Spiegel war, hat schon *Lessing* nachzuweisen gesucht: -*Lessing*, Antiquarische Briefe. 45. Die Erzählung kommt bei *Plinius* -vor (Nat. hist. XXXVII. S. 84. Sillig). - -[811] Sie werden neuerdings als nicht echt betrachtet (*E. v. -Lippmann*). - -[812] Nach einer Untersuchung von *H. W. L. Hime* (R. B. Essays, Oxford -1914) hat er aus Salpeter, Kohlenpulver und Schwefel eine explosible -Mischung wohl zufällig hergestellt und die Explosion des Gemisches -beobachtet. Die Zusammensetzung des Gemisches hat er anagrammatisch -mitgeteilt, wohl um das Geheimnis nicht allgemein zugänglich zu machen -und Schwierigkeiten bei der kurz zuvor gegründeten Inquisition wegen -dieser gefährlichen Kunst zu vermeiden. (*J. Würschmidt*, Mon.-Hefte f. -d. nat. Unterr. 1915, 264.) - -[813] Nach *E. v. Lippmann* ist dies jedoch nicht zutreffend. - -[814] Die Feuerwaffe wurde sehr wahrscheinlich in Deutschland erfunden. -Ihr Erfinder ist nicht bekannt. Sicher ist nur, daß sich die neue -Erfindung im 14. Jahrhundert schnell durch ganz Europa bis nach Asien -verbreitete. *Ariost* wütet im »Orlando furioso« gegen die »verruchte, -dumme Teufelskunst«, von der er sagt: - -»Durch dich ging jeder Waffenruhm verloren, Die Ritterehre ward zum -eitlen Dunst!« - - - -[815] Das Buch war eine der Enzyklopädien des Mittelalters. Es entstand -im Anfang des 15. Jahrhunderts. *Columbus* wurde dadurch mit der -Ansicht des *Aristoteles* und des *Strabon* bekannt, daß die Ostküste -Asiens durch eine Fahrt nach Westen zu erreichen sein müsse. - -[816] *Tschackert*, Peter von Ailly. Gotha 1877. S. 335. - -[817] Siehe *K. Werner*, Die Kosmologie und allgemeine Naturlehre des -Roger Baco. Wien 1879. - -[818] »Seit die Inquisition ihre Ketzerverfolgungen anfing und -seit fanatische Pfaffenwut alle selbständigen Gedanken auszurotten -trachtete, fielen vier Jahrhunderte lang zahlreiche Schlachtopfer in -ganz Europa.« *M. Carrierre*, Die philosophische Weltanschauung der -Reformationszeit. Stuttg. 1847. S. 87. - -[819] Näheres über *Pico von Mirandola* siehe bei *M. Carrierre*, Die -philosophische Weltanschauung der Reformationszeit. 1847. - -[820] Es wurde 1862 nach den Handschriften von *Fr. Pfeiffer* -veröffentlicht. Die neueste auszugsweise Bearbeitung rührt von *H. -Schulz* her: *Conrad von Megenberg*, Das Buch der Natur. Die erste -Naturgeschichte in deutscher Sprache. In neuhochdeutscher Sprache -bearbeitet und mit Anmerkungen versehen von *H. Schulz*. Greifswald -1897. - -[821] Es sind noch zahlreiche Handschriften vorhanden, so in Breslau, -Wolfenbüttel, Gotha, Paris, London usw. Siehe *Carus*, Geschichte der -Zoologie. S. 214. - -Über das Verhältnis *Konrads von Megenbergs* zu *Thomas* schreibt -*H. Stadler* bei der Besprechung der ersten Auflage dieses Werkes -in den Neuen Jahrbüchern f. d. klass. Altert. 1911. S. 86: »Es ist -natürlich bei *Konrad von Megenberg* nicht an eine direkte Benutzung -des *Aristoteles*, *Galen*, *Plinius* oder gar des *Theophrast*, den -kein mittelalterlicher Autor wirklich kennt, zu denken, sondern alle -diese Autorenzitate *Megenbergs* stammen aus *Thomas von Cantimpré*.« -Es existieren neben den vollständigen Handschriften (in Paris und -München) des Werkes dieses Autors gekürzte. »Eine Handschrift letzterer -Form übersetzte *Konrad* und fügte gelegentlich eine naive Kritik, eine -erweiterte Moralisation und auch einige wenige sachliche Bemerkungen -hinzu.« - -[822] Daß es eine große Verbreitung fand, beweisen die zahlreichen -Handschriften, die sich noch heute besonders in Süddeutschland finden. -Auch erschien es bis 1500 sechsmal im Druck. - -*Megenbergs* »Buch der Natur« ist eine Übersetzung des *Thomas von -Cantimpré* und darf nicht als selbständige Arbeit betrachtet werden -(*H. Stadler*, *Albertus Magnus*, *Thomas von Cantimpré* und *Vinzenz -von Beauvais*, Natur und Kultur. 1906. S. 86-90). - -[823] Siehe Ausgabe von *Schulz*, Vorrede. VI. - -[824] *J. Burkhardt*, Die Kultur der Renaissance in Italien. -*Derselbe*, Geschichte der Renaissance in Italien. - -[825] *Giorgio Vasari*, Vite di più eccellente pittori, scultori ed -architetti. Florenz 1550. Dasselbe deutsch 1832-1849. 6 Bände. - -[826] *W. Goetz*, Mittelalter und Renaissance. Historische Zeitschrift. -Bd. 98 (1907). S. 30. - -[827] *W. Goetz* a. a. O. S. 50. - -[828] *G. Voigt* im Vorwort zu seinem Werke: Die Wiederbelebung des -klassischen Altertums. Berlin 1859. - -[829] *Ranke*, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. I. -S. 174 u. f. - -[830] Siehe auch *Libri*, Histoire des sciences mathématiques en -Italie. Bd. II. S. 173. - -[831] *G. Voigt*, Die Wiederbelebung des klassischen Altertums. Berlin -1859. - -[832] *G. Voigt* nach *Benvenuti Insolensis* Comment. in *Dantes* -Comoed. - -[833] Auch unter dem Namen *Enea Silvio* bekannt. - -[834] *Lindner*, Weltgeschichte. Bd. IV. S. 277. - -[835] *Lindner*, Weltgeschichte. Bd. IV. S. 291. - -[836] *Lindner*, Weltgeschichte. Bd. IV. S. 314. - -[837] *Lange*, Geschichte des Materialismus. Bd. I. S. 189. - -[838] *J. Ranke*, Die Geschichte des Zeitalters d. Reformation. Bd. IV. -S. 4. - -[839] *A. Harnack*, Geschichte d. Akademie d. Wissensch. zu Berlin. S. -3. - -[840] *A. Harnack* a. a. O. S. 3. - -[841] Das »Lob der Narrheit« (Encomium moriae) fand in *Holbein* einen -seiner Bedeutung würdigen Illustrator. - -[842] *Ranke* a. a. O. S. 178. - -[843] Das Wort, mit dem *Hutten* sein Denkschreiben an den Humanisten -*Pirkheimer* schloß. - -[844] *Peschel*, Geschichte der Erdkunde. 1877. S. 386. - -[845] Auf dem Konzil zu Basel im Jahre 1437. - -[846] Das Original der ersten gedruckten Karte von Deutschland befindet -sich im Germanischen Museum in Nürnberg. Die Karte (1491) rührt -von *Nicolaus von Cusa* her. Die erste in Holz geschnittene Karte -(Weltkarte) stammt aus dem Jahre 1475. - -[847] De docta ignorantia. II. 1 u. 2. - -[848] Nach diesem System wurde der Erde eine dreifache Bewegung -beigelegt, diejenige um ihre Achse, um zwei im Äquator befindliche Pole -und die Bewegung um die Weltpole. - -[849] Über »*Nicolaus von Cusa* und seine Beziehungen zur -mathematischen und physischen Geographie« äußert sich *Günther* in den -Jahrbüchern über die Fortschritte der Mathematik (Jahrg. 1899) mit -folgenden Worten: »Er zertrümmerte die Kristallsphären der Griechen, -verkündete die Wesensgleichheit der Erde mit anderen Weltkörpern, -lehrte die Bewegung der Erde und entwarf als erster unter den Neueren -eine Landkarte in richtigem geometrischen Netz.« - -[850] *Max Jacobi*, Das Weltgebäude des Kardinals Nicolaus von Cusa. -Ein Beitrag zur Geschichte der Naturphilosophie und Kosmologie in der -Frührenaissance. Berlin 1904. - -[851] De staticis experimentis dialogus. - -[852] *Vasari*. - -[853] *Lindner*, Weltgeschichte. Bd. IV. S. 288. - -[854] Er schuf den Kanal von Martesano, welcher den Tessin mit der Adda -verbindet. - -[855] *Libri*, Histoire des sciences mathématiques en Italie. T. -III. *Dühring*, Kritische Geschichte der allgemeinen Prinzipien der -Mechanik. Berlin 1873. S. 12 ff. - -[856] Vgl. *H. Grothe*, Leonardo da Vinci als Ingenieur und Philosoph. -Berlin 1874. - -[857] *H. Wieleitner*, Das Gesetz vom freien Fall in der Scholastik, -bei Descartes und Galilei. Mitteilungen zur Gesch. d. Medizin u. d. -Naturwiss. Nr. 58. S. 488. - -[858] Siehe auch *Fritz Schuster*, Zur Mechanik Leonardo da Vincis -(Hebelgesetz, Rolle, Tragfähigkeit von Ständern und Trägern). In.-Diss. -Erlangen 1915. 153 Seiten. - -[859] Siehe auch *E. v. Lippmann* in der Zeitschrift f. Naturwissensch. -72. Bd. S. 291. Siehe auch dessen Abhandlungen u. Vorträge. - -[860] Eine Zusammenstellung der wichtigsten Sätze aus dem großen, von -der französischen Akademie herausgegebenen Manuskriptenwerk *Lionardo -da Vincis* hat *Marie Herzfeld* unter dem Titel »Leonardo da Vinci, der -Denker, Forscher und Poet« herausgegeben. Jena 1906. - -Das Buch *M. Herzfelds* enthält 745 Notizen *Lionardos*, die nach -bestimmten Gesichtspunkten geordnet sind: Über die Wissenschaft; Von -der Natur, ihren Kräften und Gesetzen; Sonne, Mond und Erde; Menschen, -Tiere und Pflanzen; Philosophische Gedanken; Aphorismen, Allegorien; -Entwürfe zu Briefen; Allegorische Naturgeschichte; Fabeln; Schöne -Schwänke; Prophezeiungen. Bei jeder Notiz ist auf die betreffende -Manuskriptstelle hingewiesen. - -[861] Auch gegen die alchemistischen Bestrebungen wendet sich -*Lionardo*. - -[862] Manuskript A. Fol. 22 v. - -[863] Siehe *F. M. Feldhaus*, Leonardo, der Techniker u. Erfinder. E. -Diederichs, Jena 1913. Mit 9 Tafeln und 131 Abbildungen im Text. S. 118. - -[864] *L. Darmstädter*, Handbuch zur Geschichte der Naturwissenschaften -u. der Technik. Berlin 1908. S. 136. Dort wird das Jahr 1667 als das -Jahr der Erfindung angegeben. - -[865] Siehe *F. M. Feldhaus*, Leonardo, der Techniker und Erfinder. - -[866] Durch *Lenormand* im Jahre 1783. - -[867] *E. v. Lippmann*, da Vinci (Abhandl. u. Vortr. 1906. S. 346). - -[868] Eingehender handelt von der »Anatomie des Lionardo da Vinci« *M. -Roth* im Archiv für Anatomie u. Physiologie. Jahrg. 1907. Anat. Abteil. -Suppl.-Bd. S. 1-122. - -[869] Mit den biologischen Kenntnissen und Anschauungen *Lionardo -da Vincis* befaßt sich *de Toni* in seiner Schrift »La Biologia in -Leonardo da Vinci«. Discorso letto nell' adunanza solenne del R. -Istituto Veneto, il 24 maggio 1903. *De Toni* erblickt den Ausgang -der zahllosen Studien *Lionardos* in der Künstlernatur, die sich -in die Gegenstände vertieft, um sie der Wirklichkeit entsprechend -darzustellen. In *Lionardos* anatomischen Tafeln sind nach *de Toni* -die Muskeln stellenweise so genau abgebildet, wie in den besten -modernen Werken. - -Das gleiche Thema behandelt *M. Holl* in der Inaugurationsrede »Ein -Biologe aus der Wende des 15. Jahrhunderts«. Graz 1905. *Holl* -weist besonders auf die methodischen Grundsätze *Lionardos* hin und -erwähnt als solche seine vergleichende Methode, die Anwendung des -Experiments, die Bezugnahme auf die Funktionen des Organismus und die -Altersveränderung der Organe usw. - -[870] Im »Laokoon« und in den »Briefen antiquarischen Inhalts«. - -[871] Les manuscrits de *Léonard de Vinci*. Paris 1881. - -[872] Manuskript F. Fol. 69. - -[873] Manuskript CA. Fol. 190v. - -[874] *Gerland* u. *Traumüller*, Abb. 100. - -[875] Manuskript CA. Fol. 345v. in der Übersetzung von *M. Herzfeld* -auf S. 42. - -[876] Nach *E. Wiedemann* hat *Lionardo da Vinci* sehr viel von den -Arabern übernommen und ist sein schriftlicher Nachlaß zum großen Teile -eine Sammlung von Notizen. - -[877] Manuskript E. Fol. 55 v. - -[878] *Max Jacobi*, Nicolaus von Cusa und Lionardo da Vinci, zwei -Vorläufer des Nicolaus Coppernicus. Altpr. Monatsschr. Bd. 39. Heft 3 -u. 4. - -[879] Einen Vorläufer besaß *Peurbach* in *Johann von Gmunden* (1380 -bis 1442), der vor *Peurbach* an der Wiener Hochschule lehrte und -wohl als der Vater der deutschen Astronomie bezeichnet wurde. Nach -*E. v. Lippmann* erhob die Universität Protest gegen diese erstmalige -Einrichtung einer Professur für Mathematik. Dieser Protest wurde aber -durch den einsichtigen Kaiser *Maximilian* I. abschlägig beschieden. - -[880] *Alfons X. von Kastilien* hatte um 1250 die ptolemäischen -Planetentafeln durch neue Tafeln ersetzen lassen. - -[881] *Repsold*, Zur Gesch. der astronomischen Meßwerkzeuge. W. -Engelmann, Leipzig 1907. Abt. 7. -- Vgl. hierzu *Gerbert* (*J. -Würschmidt*, Archiv f. Gesch. d. Math. 1919), der gleichfalls sich des -Quadratum geometr. bediente. Er hatte es zweifellos von den Arabern -übernommen. - -[882] Die Anregung empfing *Peurbach* durch den großen Humanisten -*Bessarion* (um 1500), durch dessen Vermittlung zahlreiche Werke aus -Konstantinopel nach Italien gelangten. - -[883] Es handelt sich um einen kleinen Ort dieses Namens in -Unterfranken. - -[884] So berichtet *Doppelmayr* in seinem Werk »Historische -Nachrichten« von den Nürnberger Mathematicis und Künstlern. 1730. S. 22. - -[885] Siehe *Doppelmayr* a. a. O. - -[886] Ein mit Gradteilung und Dioptern versehener Ring, in dem sich -eine drehbare, gleichfalls mit Dioptern versehene Scheibe befindet. -Eine derartige Vorrichtung wurde schon von *Hipparch* zum Messen von -Winkeln benutzt. - -[887] *Montucla*, Histoire des mathémat. Paris. An VII. Tome I. p. 307. - -[888] *Repsold*, Zur Gesch. der astronomischen Meßwerkzeuge. W. -Engelmann, Leipzig 1907. - -Als Erfinder des Jakobsstabes gilt der Astronom *Levi ben Gerson*. Er -hat dadurch (1325) ein bequemes Mittel für Ortsbestimmungen auf See -geschaffen. - -[889] *Breusing* in der Zeitschrift für Erdkunde. Berlin 1868. Über -*Behaims* Globus, sowie andere Globen aus dem Zeitalter der großen -Entdeckungsreisen siehe: *Matteo Fiorini*, Erd- und Himmelsgloben, ihre -Geschichte und Konstruktion; frei bearbeitet von *S. Günther*. Leipzig -1895. Kapitel V. Globen fertigten auch schon die Araber an, z. B. -*Edrisi* im 12. Jahrhundert. - -[890] Eine Abbildung enthält das Werk von *Ghillany*: »Geschichte des -Seefahrers M. Behaim«. Nürnberg 1853. - -[891] Plastische Darstellungen der Erde fertigte man übrigens auch -schon im Altertum an (s. *Peschels* Gesch. d. Erdk. 1877. S. 51), und -die Araber stellten Himmelsgloben her. - -[892] *Pierre d'Ailly* (*Petrus de Alliaco*) lebte von 1350 bis 1420. -Er war ein hoher kirchlicher Würdenträger. In seinem Weltbuch (Imago -mundi) findet sich die antike, von *Roger Bacon* wiederholte Ansicht, -Asien erstrecke sich so weit nach Osten, daß seine Küste von Spanien -aus in wenigen Tagen zu erreichen sei (*Tschackert*, Peter von Ailly. -Gotha 1877. S. 335). - -[893] *Doppelmayr*, Historische Nachrichten von den Nürnberger -Mathematikern und Künstlern. 1730. - -[894] *E. F. Apelt*, Die Reformation der Sternkunde von N. v. Cusa bis -auf Kepler. Jena 1852. S. 58. *Behaims* Verdienst um die Entwicklung -und die Übermittelung der wissenschaftlichen Nautik wird heute geringer -eingeschätzt. Siehe die Mitteilungen z. Geschichte d. Medizin u. d. -Naturwiss. Nr. 60. S. 21. - -[895] *E. Meyer*, Geschichte d. Botanik. Bd. IV. S. 255. Zoologische -Gärten finden sich schon bei den Arabern (*E. Wiedemann*). - -[896] Der Leydener Garten wurde 1577, der Heidelberger 1593 -eingerichtet. - -[897] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 273, ist geneigt, -den Italiener *Luca Ghini*, der in Bologna lehrte, als den Erfinder der -Herbarien zu betrachten. - -In Leyden ist noch ein Herbarium von *Rauwolf* vorhanden, der 1573 in -den Orient reiste. (Mitteilung von *E. Wiedemann*.) - -[898] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 284. - -[899] Es ist archivalisch festgestellt, daß der Name *Koppernigk* -lautete. Das Titelblatt des 1543 in Nürnberg gedruckten Werkes enthält -zwar den Namen *Copernicus*. Es scheint hier aber ein Versehen des -Herausgebers (Rheticus) vorzuliegen. Die richtige Schreibweise -würde *Coppernicus* oder *Koppernikus* lauten. Siehe *Max Jacobi*, -»Koppernikus oder Kopernikus«. Artikel in der »Täglichen Rundschau« v. -14. 8. 1907. - -[900] *Apian* lebte von 1495-1552. Er wurde von Kaiser *Karl V.* -hoch geschätzt und verfertigte für diesen eine Maschine, durch deren -Bewegung man den Lauf der Planeten darstellen konnte. Auch empfahl er -dunkle Gläser zur Beobachtung der Sonne, in der Hoffnung, auf diese -Weise den Vorübergang von Venus und Merkur sehen zu können. Auch der -Vorschlag, die Monddistanzen zum Bestimmen der geographischen Länge zu -benutzen, rührt von *Apian* her (Cosmographia § 5). - -[901] Anspielung auf das *Horaz*ische nonumque prematur in annum. - -[902] »Dem Reformator«, sagt *Schiaparelli* (Die Vorläufer des -Koppernikus im Altertum, S. 87), »der ein wesentlich neues Weltschema -zur Geltung bringen wollte, konnte es nicht genügen, nur eine -allgemeine Idee auseinanderzusetzen, sondern ihm fiel die Pflicht zu, -seine Idee bis zu demselben Grade der Vollendung auszuarbeiten, bis zu -dem *Ptolemäos* die seinige gebracht hatte.« - -[903] *Nicolai Copernici Torinensis*, De revolutionibus orbium -coelestium, libri VI. Eine Übersetzung von *C. L. Menzzer* hat der -Koppernikus-Verein zu Thorn im Jahre 1879 herausgegeben. - -[904] In dem Bestreben, die ungleichförmig erscheinenden Bewegungen -der Planeten auf gleichförmige Bewegungen zurückzuführen, nahm man -an, diese Himmelskörper beschrieben Kreise, deren Mittelpunkt sich -gleichzeitig der Peripherie eines zweiten Kreises entlang bewege; die -so entstandenen Linien nennt man Epizyklen. - -[905] Siehe S. 180 u. f. d. Bds. - -[906] *Schiaparelli*, Die Vorläufer des Koppernikus im Altertum, -übersetzt von *M. Curtze*. - -[907] Die außerhalb des Saturn befindlichen Planeten Uranus und Neptun -wurden erst 1781, beziehungsweise 1846 entdeckt. - -[908] Die hierin liegende Schwierigkeit wurde erst von *Bessel* -gehoben, der nachwies, daß die Fixsterne in der Tat infolge der -jährlichen Bewegung der Erde ihren Ort, wenn auch in sehr geringem -Maße, verändern. - -[909] Die Schrift galt lange als verschollen. Sie wurde erst im -19. Jahrhundert wieder entdeckt und (1878) herausgegeben. Näheres -siehe in dem von *A. Kistner* herrührenden Bd. 39 von Voigtländers -Quellenbüchern. - -[910] Die Drehung der Erde wurde durch Fallversuche, sowie den -*Foucault*schen Pendelversuch nachgewiesen, während die Fortbewegung im -Raume aus der Aberration und der Fixsternparallaxe geschlossen wurde. - -[911] Anstatt 1 : 49 : 1300000. - -[912] In seiner, sechs Jahre nach dem Tode des *Koppernikus* -veröffentlichten Schrift »Initia doctrinae physicae 1549« (Die -Anfangsgründe der Naturlehre) beschuldigt *Melanchthon* den -*Koppernikus*, daß er lediglich zur Befriedigung seiner Eitelkeit -Irrlehren, die schon das Altertum als bloße Gedankenspiele erkannt -habe, verbreitete (*L. Prowe*, Nicolaus Coppernicus. Bd. I, 2. S. -232). In den späteren Auflagen seiner »Naturlehre« hat *Melanchthon* -diesen Vorwurf zwar abgeschwächt, den ablehnenden Standpunkt gegen die -heliozentrische Lehre aber beibehalten. *Melanchthon* ließ sich von -der Überzeugung leiten, daß auch in den Fragen der Naturwissenschaft -die Bibel maßgebend sei. Siehe die Abhandlung von *E. Wohlwill*: -»Melanchthon und Copernicus«. Mitteil. z. Gesch. d. Med. u. d. Naturw. -1904. S. 260 u. f. - -[913] Die kirchliche Behörde, der das Zensoramt oblag und die -mißliebige Bücher auf den Index, d. h. das Verzeichnis der verbotenen -Bücher setzte. - -[914] *Giordano Bruno* wurde zu Nola im Jahre 1548 geboren. Er -durchwanderte lehrend Europa, geriet jedoch mit den herrschenden -kirchlichen Dogmen in Widerspruch und wurde, weil er nicht widerrufen -wollte, 1600 von der Inquisition zu Rom den Flammen übergeben. Siehe -*Landsbeck*, Bruno, der Märtyrer der neuen Weltanschauung. Leipzig 1890. - -[915] De Immenso. L. III. c. 5. - -[916] Wie klein erscheint *Hegel* dagegen, der aus spekulativen Gründen -annahm, daß es nicht mehr als 7 Planeten geben *könne*. - -[917] *Dilthey*, G. Bruno und Spinoza. Archiv der Philosophie. 1894. S. -269 u. f. - -[918] Übersetzt von *Kuhlenbeck* 1893. - -[919] *Breusing*, Gerhard Kremer, genannt Merkator, der deutsche -Geograph. Duisburg 1869. - -*H. Averdunk* und *J. Müller-Reinhard*, Gerhard Mercator und die -Geographen unter seinen Nachkommen. J. Perthes, Gotha 1914. VIII u. 188 -S. - -[920] Die »Kosmographie« erschien 1544 in Basel (zuletzt 1628). Sie kam -auch lateinisch (1550), französisch, italienisch usw. heraus. - -[921] Professor der Medizin und der Astronomie in Löwen; lebte von 1535 -bis 1577. - -[922] Siehe *Breusings* zitierte Schrift S. 35. - -[923] *Philipp Apian* (1531-1589), Sohn des Astronomen *Peter Apian* -(zu deutsch *Bienewitz*). - -[924] 1526-1598. - -[925] Nova et aucta orbis terrae descriptio ad usum navigantium -emendata accommodata. Duisburgi mense Augusto, 1569. Auf 8 Blättern, im -ganzen 1,26 m hoch und 2 m breit. Die Karte wurde nach den Originalen -in der Stadtbibliothek zu Breslau im Jahre 1891 von der Gesellschaft -für Erdkunde in Berlin herausgegeben. - -[926] *Rumold Mercator.* - -[927] Atlas sive cosmographicae meditationes de Fabrica mundi et -fabricati figura. Duysburgi Clivorum 1595. - -[928] In seiner Schrift »Über die geographische Kunst«. - -[929] Die Bedingung der Konformität aufgestellt zu haben, gilt -gewöhnlich als ein Verdienst *Lamberts* (siehe a. a. St.). *Mercator* -spricht sie aber fast mit denselben Worten aus. Die Bedingung der -Konformität ist dann erfüllt, wenn das Verhältnis zwischen den Breiten- -und Längengraden überall auf der Karte gewahrt bleibt. - -[930] *Maurolykus*, De lumine et umbra. Venedig 1575. - -[931] Die Erklärung des *Maurolykus* beruht gleichfalls auf der -geradlinigen Fortpflanzung des Lichtes; jeder Punkt der Öffnung wird -dabei als die Spitze eines von der Sonne ausgehenden Strahlenkegels -betrachtet, der auf der andern Seite der Öffnung seine Fortsetzung -findet. - -[932] *J. P. Portae Neapolitani*, Magia naturalis. 1553 (nicht mehr -vorhanden). 1560. 1589. - -[933] Eine Beschreibung der schon viel älteren Lochkamera findet -sich auch bei *Lionardo da Vinci*. Sie lautet: »Wenn die Bilder von -beleuchteten Gegenständen durch ein kleines Loch in ein sehr dunkles -Zimmer fallen, so sieht man diese Bilder im Innern des Zimmers auf -weißem Papier, das in einiger Entfernung von dem Loche aufgestellt ist, -in voller Form und Farbe. Sie sind aber in der Größe verringert und -stehen auf dem Kopfe.« Die Umkehrung des Bildes leitete *Lionardo da -Vinci* ganz richtig von dem Gang der Lichtstrahlen ab. - -Von früheren abendländischen Gelehrten haben sich *Vitello*, *Peckham* -und *Roger Bacon* mit der Abbildung der Sonne durch verschieden -gestaltete Öffnungen beschäftigt; im 14. Jahrhundert hat sich *Levi -ben Gerson* der Camera obscura zu Beobachtungen bei Sonnen- und -Mondfinsternissen bedient, *Maurolykus* im 15. Jahrhundert eine -genügend richtige Abbildung der Sonne durch eine enge Öffnung gegeben. - -Von den arabischen Gelehrten hat schon *Alkindi* (750-800) den -Strahlengang für den Fall der Lochkamera untersucht, dann haben der -große *Ihn al Haitam* und sein ebenfalls bedeutender Kommentator *Kamâl -al Dîn* die Theorie ausführlich entwickelt. (*J. Würschmidt*, Zeitschr. -f. math. u. naturwiss. Unters. 1915, 466.) - -[934] *W. Schmidt*, Heron von Alexandrien im 17. Jahrhundert. In den -Abhandlungen z. Gesch. d. Mathem. 8. Heft (1898). S. 195. - -[935] *Porta*, Pneumaticorum libri tres. Neapoli 1601. - -[936] Seine Vorrichtung, mit Hilfe gespannter Dämpfe Wasser zu heben, -kann noch nicht als Dampfmaschine bezeichnet werden. Außerdem ist es -zweifelhaft, ob *de Caus* ein Franzose oder ein Deutscher war. - -[937] *Gilbert*, De magnete. I, 1. Von dem Deutschen *Georg Hartmann* -(1489-1564) rührt eine noch ältere, aber ganz ungenaue Beobachtung der -Inklination her (9 Grad anstatt etwa 70 Grad). - -[938] Deliciae physico-mathematicae. Nach dem Tode *Schwenters* -erschienen. Eine Übersetzung rührt von *Harsdörffer* her. - -[939] A. a. O. 3. Teil XIX. - -[940] A. a. O. 11. Teil XVIII. - -[941] Dieses Holz hatten Jesuiten in Mexiko kennen gelernt; es wurde -Nierenholz (lignum nephriticum) genannt, weil man es gegen Nieren- und -Blasenkrankheiten anwandte. - -Ausführlicher hat *G. Berthold* über die Geschichte der Fluoreszenz in -*Poggendorffs* Annalen der Physik und Chemie, Bd. 158 (1876) S. 620, -berichtet. Danach rührt die älteste Nachricht über die Fluoreszenz -eines Aufgusses des lignum nephriticum von *Monardes* (16. Jahrh.) -her. Auch *Boyle*, *Grimaldi*, *Newton* und andere haben sich mit dem -Phänomen beschäftigt. *Newton* hat zuerst den Aufguß in homogenem -Lichte untersucht. Eingehender geschah dies durch *E. Wünsch* (Versuche -und Beobachtungen über die Farben. Leipzig 1792). Bei *Musschenbroek* -findet sich die Bemerkung, daß Erdöl dieselbe Erscheinung zeige wie -der Aufguß des Nierenholzes (Introductio ad philos. nat. 1762. Bd. -II. S. 739). *Goethe* beschrieb sie an dem Aufguß der frischen Rinde -der Roßkastanie (Nachträge zur Farbenlehre. Nr. 10). Da indessen die -Erklärung dieser Erscheinung nicht gelang, geriet sie in Vergessenheit, -bis sie um die Mitte des 19. Jahrhunderts zum Gegenstande sehr -eingehender Experimentaluntersuchungen gemacht wurde. (Siehe Bd. IV.) - -[942] Sie soll um 1630 erfolgt sein. - -[943] Siehe *Wilde*, Geschichte der Optik. Bd. I. S. 294. - -[944] Schon im 13. Jahrhundert versuchte der Deutsche *Jordanus -Nemorarius*, mechanische Probleme auf dynamischem Wege zu lösen (Liber -Jordani Nemorarii de ponderibus. Herausgegeben von *Peter Apian*, -1533). Näheres siehe *Gerland* und *Traumüller*, Geschichte der -physikalischen Experimentierkunst. Leipzig, W. Engelmann. 1899. S. 78 -u. f. - -[945] *Tartaglia*, Nuova scienza (Venedig 1537). - -[946] Nach *v. Lippmann*. - -[947] Dies geschah im Jahre 1423. - -[948] Übrigens betrieb Karl VII. von Frankreich, dem die Engländer den -Thron zugunsten ihres Königs Heinrich VI. streitig machten, dieselbe -Art von Falschmünzerei. - -Siehe auch *H. Schelenz*: »Hermes und seine Kunst, Alchemie in -England«. Pharmazeutische Post. Wien 1902. Nr. 6. Danach wurde im Jahre -1440 einer englischen Firma sogar das Privileg zur Herstellung von -künstlichem Gold gegeben. Doch sank dadurch der Wert der englischen -Goldmünzen um die Hälfte. Nach *v. Lippmann* handelte es sich um -gefälschte Münzen. - -[949] Es lehrte, sagt *Chamberlain* treffend, schärfer beobachten, -verdoppelte die Erfindungsgabe, flößte die kühnsten Hypothesen ein -und schenkte endlose Ausdauer und Todesverachtung (*Chamberlain*, -Grundlagen. S. 756). - -[950] Siehe in *v. Lippmanns* Werk »Die Alchemie« (1919) den Abschnitt, -der von der Alchemie nach 1300 handelt (S. 495 u. f.). - -[951] Vereinzelt selbst bis ins 19. Jahrhundert. So entstand 1894 in -Paris eine Société hermétique und bald darauf eine Société alchimique. -Fristeten diese Regungen ihr Dasein immer wieder durch ihre Verbindung -mit Mystik und Okkultismus, so erhielten sie neue Nahrung durch die -Umwandlungen, die man am Radium und den radioaktiven Stoffen entdeckte. - -[952] Besonders die Studien *Sudhoffs*. - -[953] Siehe *F. Strunz*, Theophrastus Paracelsus, sein Leben und -seine Persönlichkeit. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte der deutschen -Renaissance. Leipzig, E. Diederichs. 1903. - -[954] Siehe *E. Sudhoffs* Bericht über die neuesten Wertungen -*Hohenheims* in den Mitteil. z. Gesch. d. Medizin u. Naturwiss. 1904. -S. 475. - -[955] Im Druck erschien es zuerst 1493 und zuletzt in Basel in fünf -Bänden 1523, also kurz bevor *Paracelsus* dort auftrat. - -[956] Voll Selbstbewußtsein sprach er einst das Wort: »Engländer, -Franzosen, Italiener, ihr mir nach, nicht ich euch!« - -[957] *Strunz* a. a. O. - -[958] Über die Anfänge des Apothekenwesens im frühen Mittelalter siehe -S. 294 d. Bds. - -[959] Es wurde im Jahre 1505 veröffentlicht. Der Titel lautet: »Ein -wolgeordnet vñ nutzlich büchlin wie man Bergwerck sůchen und finden -sol / von allerley Metall / mit seinen figuren / nach gelegenheyt, -des gebijrges / artlych angezeygt / Mit anhangenden Bercknamen / den -anfahenden Bergleuten vast dienstlich.« In dem Buch spricht »Daniel der -Bergner stendig / zum jungen Knappjo«. Einen Abdruck dieses seltenen -Werkes hat die »Zeitschrift für Bergrecht« in Band XXVI gebracht. - -Siehe die Besprechung von *O. Vogel* in den Mitteilungen z. Gesch. d. -Medizin u. d. Naturwiss. 1909. S. 299. Ferner *W. Jacobi*, Das älteste -Lehrbuch für den Bergbau. Der Erzbergbau. 1909. Heft 3. S. 52. - -[960] *Beckmann*, Geschichte der Erfindungen. Bd. III. - -Siehe auch *Ranke*, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. -Bd. V. S. 348. - -[961] *Agricolas* Bergwerksbuch. Übersetzt von *Bechius* 1621. -Vgl. auch *Agricolas* mineralogische Schriften, übersetzt und -mit Anmerkungen von *E. Lehmann*. Freiburg 1816. Der Titel des -Originalwerkes lautet: De re metallica libri XII. 1556. Ein Jahr nach -dem Erscheinen von *Agricolas* »De re metallica« wurde eine deutsche -Übersetzung von *Ph. Beck* unter dem Titel »Vom Bergwerk XII Bücher« -herausgegeben. Sie erlebte mehrere Auflagen (1580, 1621). Eine neuere -deutsche Übersetzung gibt es nicht, wohl aber eine vorzügliche -englische vom Jahre 1912 (*O. Vogel*, Stahl und Eisen. Jahrg. 1916. S. -405). - -[962] Vom Marktscheiden, kurzer und gründlicher Unterricht durch *E. -Reinhard*. Erfurt 1574. - -[963] Über die Anregungen, die der Bergbau im Laufe der -Kulturgeschichte der Naturwissenschaft und der Technik gegeben hat, -berichtete *E. Gerland* im Archiv für Geschichte der Naturwissensch. u. -der Technik. Jahrg. 1910. S. 301 u. f. - -[964] *Lindner*, Gesch. Bd. IV. S. 431. - -[965] Seit 1566. - -[966] Seit 1574. - -[967] Historia natural y moral de las Indias. - -[968] Näheres siehe in den Mitteilungen z. Gesch. d. Med. u. d. -Naturwiss. Nr. 59. S. 592. - -[969] Diejenigen Stellen der Bibel, welche der Entwicklung der Geologie -besonders hinderlich waren, lauten nach der Ausgabe von *E. Kautzsch*, -Die Heilige Schrift des Alten Testaments, 1896, S. 1 und S. 750: - -Da sprach Gott: Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an -einem Ort, so daß das Trockne sichtbar wird. Und so geschah es, und -Gott nannte das Trockne Erde, die Ansammlung der Gewässer aber nannte -er Meer. (Die Schöpfung der Welt. Text S. 1.) - -Ehe die Berge geboren, und die Erde und der Erdkreis >hervorgebracht -wurden< und von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du, o Gott. (Text S. 750. Ps. -90.) - -[970] *Agricola*, De ortu et causis subterraneorum. Basileae 1546. -Liber tertius, p. 36. - -[971] Principles of geology. 11. Aufl. Bd. I. London 1872. S. 27-28. - -[972] *Georgius Agricola*, De natura fossilium. Basel 1546. - -[973] Als Begründer dieser irrigen Ansicht ist *Avicenna* (980-1037) zu -betrachten. Auch *Albertus Magnus* huldigte ihr. Doch meinte er, Tiere -und Pflanzen könnten auch wohl an solchen Orten zu Stein erhärten, wo -eine steinmachende Kraft vorhanden sei. (*Zittel*, Geschichte d. Geol. -u. Paläont. 1899. S. 15.) - -[974] *Konrad Gesner*, De omni rerum fossilium genere. 1565. - -[975] *Zittel*, Geschichte der Geologie und Paläontologie. 1899. S. 18. - -[976] *Palissy*, Discours admirable de la nature des eaux et fontaines, -des métaux, des sels et salines, des pierres, des terres, du feu et -des émaux. Paris 1580. Nach *E. v. Lippmann* wird seine Originalität -neuerdings stark bezweifelt. - -[977] *Zittel*, a. a. O. S. 22. - -[978] Nach *Löwenheim* stimmen *Palissy* und *Cardanus* mitunter fast -wörtlich überein. Siehe S. 74 u. 75. - -[979] Den jüngsten Sohn König *Johanns des Ersten*. - -[980] Siehe S. 399. - -[981] Exoticorum libri X. - -[982] *Sprengel*, Geschichte der Botanik. Bd. I. S. 352. - -[983] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 290. - -[984] Eine ausführliche Schilderung des Lebenslaufes von *Brunfels* und -seiner Verdienste um die Botanik enthält die Abhandlung von *F. W. E. -Roth*: »Otto Brunfels, 1489-1534, ein deutscher Botaniker«. Botanische -Zeitung 1901. S. 191 u. f. *Brunfels* trat als Kartäusermönch mit -den bedeutendsten Humanisten, darunter mit *Ulrich von Hutten*, in -Verbindung. Mit Hilfe des letzteren entfloh *Brunfels* dem Kloster, -um offen als Lutheraner aufzutreten. Später wirkte er als Lehrer am -Gymnasium in Straßburg. Er starb im Jahre 1534, nachdem er einige Jahre -vorher die medizinische Doktorwürde erworben hatte. - -[985] *S. Killermann*, Dürers Pflanzen- und Tierzeichnungen und ihre -Bedeutung für die Naturgeschichte. Heft 119 der Studien zur deutschen -Kunstgeschichte. Mit 22 Tafeln. Straßburg 1910. - -[986] *Brunfels* lernte, wahrscheinlich im Jahre 1533, die Sammlungen -*Bocks* kennen und veranlaßte ihn zur Herausgabe des Kräuterbuches. - -[987] *Hieronymus Bock* (1498-1554), New Kreuterbuch von Underscheidt, -Würkung und Namen der Kreuter, so in teutschen Landen wachsen. - -[988] Einige der von *Fuchs* zum ersten Male abgebildeten deutschen -Arten seien hier aufgezählt: Ligustrum vulgare, Salvia pratensis, -Hordeum vulgare, Avena sativa, Convolvulus arvensis, Lysimachia -Nummularia, Cyclamen europaeum, Lilium candidum, Paris quadrifolia, -Daphne Merzereum, Saponaria officinalis, Euphorbia Cyparissias, Prunus -spinosa, Clematis Vitalba, Ranunculus acris, Digitalis purpurea, -Genista tinctoria, Orchis Morio, Equisetum arvense, Pteris aquilina usw. - -[989] Dodonaei stirpium historiae pemptades sex sive libri XXX. -Antwerpiae, ex officina Christophori Plantini, 1583, in fol. - -[990] Von der Einführung amerikanischer Pflanzen handelt *S. -Killermann* in der Naturwiss. Wochenschrift. 1909. S. 193. Danach -ist der Mais in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach Europa -gekommen. Die Agave americana wurde nach *Caesalpin* 1561 eingeführt. -Weitere Angaben finden sich über Nicotiana tabacum, Solanum tuberosum, -Capsicum annuum usw. - -Mitgebracht hat den Mais übrigens schon *Columbus*, wie er (nach *E. v. -Lippmann*) selbst bezeugt. - -[991] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. III. S. 325. - -[992] *Conradi Gesneri*, Opera botanica. 2 Bde. Nürnberg 1751-1771. -Dieser Nachlaß *Gesners* wurde also erst lange nach seinem Tode -herausgegeben (durch *Schmiedel*). - -[993] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 334. - -[994] Siehe S. 337. - -[995] *A. v. Humboldt*, Kosmos. Bd. II. S. 256. - -[996] Pro herbis necessariis artis suae. - -[997] 1540 und 1547. - -[998] *E. Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. IV. S. 270. - -[999] *H. Schelenz*, Über Kräutersammlungen und das älteste deutsche -Herbarium. Verhandlungen der Versammlung deutscher Naturforscher und -Ärzte. 1906. II. 2. - -[1000] L. *Ranke*, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. 5. -Bd. 4. Aufl. S. 346. - -[1001] *Conradi Gesneri*, Historiae animalium libri, opus philosophis, -medicis, grammaticis, philologis, poetis et omnibus rerum linguarumque -variarum studiosis utilissimum simul jucundissimumque. - -[1002] *Ulisse Aldrovandi* wurde 1522 in Bologna geboren. Er gründete -dort 1567 einen botanischen Garten. Sein Nachfolger in der Leitung -dieses Gartens war der Botaniker *Caesalpin*. *Aldrovandi*, Opera -omnia. 13 Bde. - -[1003] De differentiis animalium. - -[1004] Nach *Dantes* Inferno ruht Friedrich II. in einem feurigen Grabe. - -[1005] Siehe S. 313. - -[1006] *Eustachio* lieferte unter anderem eine genaue Untersuchung des -Gehörorgans und entdeckte dabei den Steigbügel (um 1546). Hammer und -Amboß waren schon früher aufgefunden (um 1480). *Haeser*, Geschichte -der Medizin. Bd. II. S. 61. - -[1007] *L. v. Ranke*, Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. -Bd. V. S. 345. - -[1008] Namens *Johann Stephan von Calcar*. Jedoch ist dessen -Autorschaft nicht sichergestellt. Siehe Mitteilungen z. Geschichte d. -Medizin u. d. Naturwiss. 1903. S. 282. - -[1009] *Sprengel*, Geschichte der Arzneikunde. Bd. III. § 46-78. - -[1010] *Wunderlich*, Geschichte der Medizin. Stuttgart 1859. S. 70. - -[1011] De humani corporis fabrica libri VII. Basel 1543. - -[1012] *Wunderlich*, Geschichte der Medizin. Stuttgart 1859. - -[1013] *Fabricio ab Aquapendente* (1537-1619), De formatione ovi. - -[1014] Zum Beispiel, daß die Herzscheidewand, durch die *Galen* das -Blut aus dem rechten in den linken Ventrikel hindurchtreten ließ, -undurchdringlich ist. - -[1015] Sie rühren zum größten Teile von *E. Wiedemann* (Wi), *E. v. -Lippmann* (Li) und *J. Würschmidt* (Wü) her. - - - - -Einige Auszüge aus den Besprechungen der ersten Auflage. - - -Des Verfassers Grundriß einer Geschichte der Naturwissenschaften -hat in zweiter Auflage *G. W. A. Kahlbaum* (I, 160 und III, 75) -in anerkennendster Weise besprochen und zugleich die Gefühle -ausgesprochen, die angesichts der Erfolge dieses Werkes jeden -Historiker der Naturwissenschaften beseelen müssen. Aus den -gleichen Gründen begrüßen wir es heute freudigst, daß unser -Gesellschaftsmitglied und Mitarbeiter den zweiten Teil dieses Buches zu -einem vierbändigen Werke ausgestalten will und davon bereits den ersten -Band vorzulegen vermag. - - (H. Stadler in den Mitteilungen zur Geschichte der Medizin und - der Naturwissenschaften, Bd. X, 2. Heft.) - - -Der soeben erschienene 2. Band dieses großen Werkes behandelt die Zeit -von Galilei bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, also jene Epoche, in -welcher die Grundlagen der neueren Naturwissenschaften gelegt wurden. -Auch in diesem Bande hat sich der Verfasser mit Erfolg bemüht, eine -Darstellung zu schaffen, die nicht nur dem Historiker dient, sondern -für jeden anregend ist, der sich überhaupt für die Naturwissenschaften -interessiert. - - (Kölnische Zeitung, 20. Februar 1911.) - - -Ähnlich wie *Cantors* Vorlesungen über Geschichte der Mathematik -ein »standard work« allerersten Ranges bleiben werden, so wird -auch *Dannemanns* Werk von bleibendem Wert sein, das für den -Geschichtsforscher wie für den Mediziner, für den Lehrer wie für den -Techniker großen Nutzen haben und dessen Lektüre für jeden, der sich -für die Naturwissenschaften interessiert, eine Quelle hohen Genusses -bilden wird. - - (Monatsschrift für höhere Schulen, 1911, 6. Heft.) - - -Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll, die überraschende -Belesenheit des Autors oder seine Gabe, selbst die schwierigsten -Probleme wissenschaftlicher Forschung nicht nur dem Kenner, sondern -auch dem interessierten Laien leichtfaßlich in ernst-vornehmer Form -vorzutragen. - - (Pharmazeutische Zeitung, 1911, Nr. 13.) - - -Besonders dankenswert erscheint, wie *Dannemann* in allen diesen -Wissenschaften die verbindenden großen Gedanken herauszuschälen -weiß, die im hohen Maße geeignet sind, die Vertreter der einzelnen -naturwissenschaftlichen Disziplinen vor Einseitigkeit zu bewahren. - - (Ärztliche Rundschau, 1910, XX. Jahrgang, Nr. 47.) - - -Dem Techniker, dem Lehrer, dem Arzte, jedem, der sich lebhafter -für Naturwissenschaften interessiert, vor allem also auch unseren -Studierenden, dürfte das Buch eine unerschöpfliche Quelle des Genusses -und der Anregung sein. Einen ganz besonderen Wert besitzt das Werk -dadurch, daß es gewissermaßen den Rahmen für *Ostwalds* Klassiker der -exakten Wissenschaften abgibt und so die Beziehungen aufweist, durch -welche die einzelnen Gebiete sich gegenseitig beeinflußt haben. - -Für die Hebung der Kultur unseres Volkes kann dieses Buch, das die -Wissenschaft und ihre Erfolge als etwas Werdendes vorstellt, von -größtem Nutzen sein, da es die Erfolge fortschrittlichen Denkens -gegenüber den Schwächen dogmatischer Gesinnung aufs deutlichste -vergegenwärtigt. - - (Prometheus, 26. November 1910, XXII. Jahrgang.) - - -L'ouvrage me paraît excellent; il a d'ailleurs une qualité -inappréciable; c'est de n'avoir pas d'équivalent. - - (Revue générale des Sciences. Paris 15. III. 1912.) - - -Das Gesamtwerk, dessen Inhalt durch gute Register und -Literaturverzeichnisse übersichtlich zusammengehalten wird, liegt nun, -auch in äußerlich schönem Gewande, vollständig vor; es gehört fraglos -zu den *besten, bestgeschriebenen, originellsten und nutzbringendsten -der neueren naturwissenschaftlichen Literatur* und ist mehr als jedes -andere geeignet, den immer unheilvoller hervortretenden Folgen der -völligen Zersplitterung unter den Naturforschern abzuhelfen und deren -allgemeine Fortbildung wieder zu heben. Es gereicht dem Verfasser zur -Ehre, nicht minder aber auch der ganzen deutschen Literatur. - - (Prof. Dr. *E. O. von Lippmann* in der Chemiker-Zeitung 1913.) - - -Seit Jahren empfehle ich meinen Hörern in der einführenden Vorlesung -über experimentelle Chemie das *Dannemann*sche ausgezeichnete, noch -nicht nach Gebühr verbreitete Werk »Die Naturwissenschaften in ihrer -Entwicklung und in ihrem Zusammenhange«. - - (Dr. *A. Stock*, Prof. a. d. Univ. Berlin und am - Kaiser-Wilh.-Inst. Dahlem, in d. Monatsschrift f. d. chem. u. - biol. Unterr. 1920.) - - -Druck von Breitkopf & Härtel in Leipzig. - - - - -Von dem Verfasser erschienen ferner: - - -=Leitfaden für die Übungen im chemischen Unterricht der oberen Klassen -höherer Lehranstalten.= 6. Aufl. B. G. Teubner, Leipzig 1920. - - -=Aus der Werkstatt großer Forscher.= 430 Seiten. 3. Aufl. Leipzig 1908. -Wilhelm Engelmann. - -Gebunden M. 9.-- und 50% V.-T.-Z. - -»Es sei jeder, der sich bisher noch nicht mit diesem vortrefflichen -Werke bekannt gemacht hat, darauf hingewiesen, die sehr wertvolle -Bekanntschaft nicht länger hinauszuschieben.« - - (Prof. Dr. =Wilh. Ostwald=.) - - -=Der naturwissenschaftliche Unterricht auf praktisch-heuristischer -Grundlage.= Hannover 1907. Hahnsche Buchhandlung. Geh. M. 6.--, geb. M. -6.80. - - -»Das Werk entwickelt in recht überzeugender Weise die Bedeutung und die -Grundzüge des praktisch-heuristischen Verfahrens. -- Der Arbeit kann -das Verdienst nicht vorenthalten werden, mit Gründlichkeit und Energie -für eine gute Sache eingetreten zu sein.« - - (=J. Norrenberg=, in der =Zeitschrift für lateinloses Schulwesen - 1908=.) - - -=Naturlehre für höhere Lehranstalten, auf Schülerübungen gegründet.= -Hannover 1908. Hahnsche Buchhandlung. - -»Der Verfasser hat so alle Momente vereinigt, die zur Erteilung eines -zeitgemäßen Unterrichts von Belang sind und zwar so, daß zu dem neuen -Plane ein Übergang von dem bestehenden her möglich ist.« - - (=Deutsche Literaturzeitung. 1909, Nr. 5.=) - - -=Handbuch für den physikalischen Unterricht.= J. Beltz, Langensalza -1919. - -»Was in diesem Buche gesagt wird, faßt alle lebenskräftigen -Reformgedanken der letzten Jahre in geschickter Weise zusammen.« - - (=R. Winderlich=, i. d. =Ztschr. f. d. math. u. naturw. Unterr.=) - - - - -VERLAG VON WILHELM ENGELMANN IN LEIPZIG - - -=Geschichte der physikalischen Experimentierkunst= von Prof. Dr. =E. -Gerland= und Prof. Dr. =F. Traumüller=. - -Mit 425 Abbildungen zum größten Teil in Wiedergabe nach den -Originalwerken. (XVI und 442 Seiten, gr. 8.) - - Geheftet M. 14.--. In Halbfranz gebunden M. 17.--. - -_Aus den Besprechungen_: - -»Das treffliche Buch darf weder in der Bibliothek einer mittleren oder -höheren Lehranstalt, noch in der eines Experimentalphysikers fehlen.« - - (=Monatshefte f. Mathematik und Physik. 1900. Heft 1.=) - -»Eine eingehende Kenntnis der Geschichte der Physik läßt den Lehrer -erst den wahren Wert der einzelnen Tatsachen, Begriffe und Theorien -erkennen, liefert ihm überaus dankbare Mittel, den Unterricht kräftig -zu beleben, und macht ihn auf die Schwierigkeiten aufmerksam, die der -menschliche Geist bei dem ersten Eindringen in die einzelnen Gebiete -der Physik zu überwältigen hat. Das vorliegende Werk erschließt in -trefflicher Weise ein neues und wichtiges Gebiet der Geschichte der -Physik; es darf in der Hausbibliothek keines Lehrers fehlen, dem sein -Unterricht und die ihm anvertraute wissensdurstige Jugend am Herzen -liegt.« - - (=Hahn-Machenheimer, Zeitschr. f. d. physik. u. chem. Unterricht. - März 1900. Heft 2.=) - - -=Zur Geschichte der astronomischen Meßwerkzeuge= von Purbach bis -Reichenbach 1450-1830 von =Joh. A. Repsold=. 1. Band. Mit 171 -Abbildungen (VIII und 132 Seiten gr. 8). M. 16.--. - -_Aus den Besprechungen_: - -»Das Buch, das sich überall als eine reiche Quelle der Belehrung über -die Zweckdienlichkeit und die sachgemäße Verwendung der Instrumente, -sowie über die Vorteile und Nachteile der einzelnen Konstruktionen -darbietet, wird gewiß nicht verfehlen einen dauernden, großen Nutzen -für die Wissenschaft zu stiften.« - - (=Astronomische Nachrichten, Bd. 177, Nr. 6.=) - -»Ein höchst interessantes, lehrreiches Werk ist es, das der Verfasser, -der wie kein anderer dazu berufen war, es zu schreiben, den Mechanikern -und Astronomen darbietet.« - - (=Zeitschrift für Instrumentenkunde. XXVIII. Jahrg., Sept. 1908.=) - - -Auf vorstehende Preise 50% Verleger-Teuerungszuschlag. - - - - -Bei der Transkription vorgenommene Änderungen und weitere Anmerkungen: - -In der Legende zu Abb. 5: in "Ste = Steinbock;" das "e" ergänzt (da -Abkürzung so im Bild enthalten). - -In "Die Art, wie die Ägypter Eisen herstellten, ist aus vorstehender -Abbildung ersichtlich" stand "darstellten" statt "herstellten". - -Statt Boncompagni stand Boncampagni. - -In "woher das in den Pseudo-*Geber*schen Schriften enthaltene Wissen -stammt, das uns in ihnen gegen das Ende des 13. Jahrhunderts »in -völliger Vollendung und demnach als das Ergebnis einer längeren -Entwicklung« entgegentritt": « hinter "entgegentritt" entfernt. - -In "Nur durch die Mathematik können wir zur vollen Wahrheit gelangen": -"zur" war "zu". - -In "die Renaissance »als das Resultat und die feinste Blüte des -Mittelalters« zu bezeichnen": « nach "Mittelalters" hinzugefügt. - -In "Von anderer Seite wird bestritten, daß die alten Babylonier schon -das Gewicht aus dem Längenmaß abgeleitet hätten" stand "Zeit" statt -"Seite". - -In "König *Attalos* von Pergamon, so erzählt uns *Plutarch*[1016], -baute giftige Gewächse an": "an" hinzugefügt. - -In "Eine Ausgabe mit lateinischer Übersetzung gab *Fr. Hultsch* heraus. -Berlin 1875-1878" stand als Enddatum 1875 statt 1878. - -In "Die Stellung, welche die Araber diesen Werken gegenüber einnahmen," -Komma hinter "Araber" entfernt. - -In "Man fand die Länge des Grades gleich 56 und bei einer zweiten -Messung gleich 56-2/3 arabischen Meilen[1017] oder gleich etwa 113040 -m, woraus sich der Erdumfang zu 40700 km berechnet." stand bei der -letzten Angabe "m" statt "km", was aber nicht zur dargestellten -Berechnung passt. - -In "Die neue astronomische Ansicht, die sich ihm und den Aufgeklärten -unter seinen Zeitgenossen eröffnete, hat er im Sinne der -»Schönheitsherrlichkeit der Welt« verwertet" fehlte das beendende -Anführungszeichen, ergänzt hinter "Welt". - -Fußnote 772: Seitenzahl im Original nicht lesbar. - -Anführungszeichen eingefügt vor: "Der G nächste Träger bei A ist das -Bewegte, der andere Träger bei B ist das Bewegende.", um Zitat zu -vervollständigen. - -Anführungszeichen eingefügt vor: "Man lasse durch eine kleine Öffnung -(Abb. 58, M) das Bild eines beleuchteten Gegenstandes in ein dunkles -Zimmer treten.", um Zitat zu vervollständigen. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Naturwissenschaften in ihrer -Entwicklung und in ihrem Zusamme, by Friedrich Dannemann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE NATURWISSENSCHAFTEN IN *** - -***** This file should be named 53428-0.txt or 53428-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/4/2/53428/ - -Produced by Peter Becker, Heike Leichsenring and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - |
