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-Project Gutenberg's Reisen in den Philippinen, by Andreas Fedor Jagor
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-
-
-
-Title: Reisen in den Philippinen
-
-Author: Andreas Fedor Jagor
-
-Release Date: October 19, 2016 [EBook #53322]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN IN DEN PHILIPPINEN ***
-
-
-
-
-Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed
-Proofreading Team at http://www.pgdp.net/ for Project
-Gutenberg (The digitized holdings of the Staatsbibliothek
-zu Berlin are available free of charge for non-commercial
-use by all interested parties worldwide.)
-
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-
- REISEN
- IN DEN
- PHILIPPINEN
-
- VON
-
- F. JAGOR
-
- MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN UND EINER KARTE.
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- BERLIN
- WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG.
- 1873.
-
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-VORWORT.
-
-
-Die Reise, von der die folgenden Blätter berichten, wurde in den
-Jahren 1859 und 1860 unternommen, durch unvorherzusehende Umstände
-aber plötzlich abgebrochen, lange bevor die gesteckten Ziele erreicht
-waren. Der Wunsch, das Begonnene später fortzusetzen, ging nicht in
-Erfüllung, veranlasste aber zu weiteren Studien, die dem Verfasser
-manchen wenig bekannten Stoff lieferten und zugleich zeigten wie
-spärlich und ungenau die Nachrichten über jenes schöne Land sind,
-besonders über die Provinzen in denen er am längsten verweilte.
-
-Einige werthvolle Mittheilungen vorzüglich über Verwaltung, Steuer- und
-Zollwesen verdankt der Verfasser dem spanischen Kolonialministerium,
-das ihm bereitwillig die Benutzung seines Archives gestattete;
-namentlich war ihm bei Entwurf der Geschichte des Handels, des Tributes
-und der Tabakregie eine dort vorgefundene Denkschrift von D. Ormacheo:
-Apuntes para la razon general, von Nutzen. Auch die Berliner und
-Londoner Bibliotheken lieferten manchen Stoff, der z. Th. mühsam aus
-dickleibigen öden Mönchschroniken herausgelesen werden musste. So
-häufte sich umfangreiches Material, woraus die nachstehenden Blätter
-das Wesentlichste in gedrängter Kürze mittheilen.
-
-Dem eigentlichen Reiseberichte liegen ausführliche an Ort und
-Stelle gemachte Aufzeichnungen zu Grunde. Nach einem so langen
-Zeitraum erschien es um so nöthiger, sich streng daran zu halten,
-da das Gedächtniss gern ihm anvertraute Eindrücke und Erlebnisse zu
-farbigen Bildern und interessanten Abenteuern umgestaltet, hier aber
-nicht sowohl Unterhaltung als treue Schilderung beabsichtigt wird.
-
-Einiges, besonders aus dem zwanzigsten Kapitel ist bereits in Bastian
-und Hartmann's Zeitschrift für Ethnologie mitgetheilt worden.
-
-Den wissenschaftlich werthvollsten Theil des Buches bilden zwei
-Abhandlungen, welche der Verfasser der Freundschaft der Herren
-Professoren Roth und Virchow verdankt.
-
-Wenige Länder der Welt sind so unbekannt und werden so selten besucht
-wie die Philippinen und doch ist keines angenehmer zu bereisen, als
-jenes verschwenderisch ausgestattete Inselreich; kaum irgendwo findet
-der Naturforscher eine grössere Fülle ungehobener Schätze. Unbemittelte
-würden aus dem Verkauf von Sammlungen ihre Reisekosten reichlich
-decken.
-
-
-
-
-
-DRUCKFEHLER.
-
-
- Seite 145 Z. 10 v. unten lies: Rayray statt Ragay.
- ,, 173 Z. 15 v. unten lies: Oberleib statt Unterleib.
- ,, 210 Anm. lies: Bd. XXV. 2269 statt 2269.
-
-
-
-
-
-
-
-
-INHALT.
-
-
-   Seite
-
- Vorrede V
- Verzeichniss der Bilder XI
- Aussprache der Fremdwörter XIII
- Erklärung häufig vorkommender Fremdwörter XIV
- Maasse, Gewichte, Münzen XVI
-
-
- Erstes Kapitel.
-
- Einleitende Bemerkungen.
-
- Meridiandifferenz, Handelsgebiet der Philippinen, Theilung
- der Erde, erster Anblick Manila's, Erdbeben 1
-
-
- Zweites Kapitel.
-
- Rhede, Zollwesen, Geschichte des Handels, spanische
- Kolonialpolitik, Reisen der Galeonen 7
-
-
- Drittes Kapitel.
-
- Manila, Leben in der Stadt und in den Vorstädten,
- Hahnenkämpfe, Trachten der verschiedenen Klassen 18
-
-
- Viertes Kapitel.
-
- Stellung der Europäer und Eingeborenen in englischen,
- holländischen und spanischen Kolonien, Einfluss der
- spanischen Kolonialpolitik auf die Sitten der Eingeborenen,
- Bequemlichkeit des Lebens, Kokospalme, Bambus 27
-
-
- Fünftes Kapitel.
-
- Geographisches, Meteorologisches, politische Eintheilung,
- Volksmenge, Sprachen 39
-
-
- Sechstes Kapitel.
-
- Reise in Bulacan, häufige Feuersbrünste, Fruchtbarkeit,
- Fischfang, Zigarrentaschen, spanische Priester,
- Gastfreiheit, Räubereien 45
-
-
- Siebentes Kapitel.
-
- Provinz Laguna, Bancafahrt, Barren des Pasig, See von Bay,
- Maare bei Calauan, Palmenwein, Reisen ohne Diener, Vulkan
- Majaijai, Büffelfahrt 55
-
-
- Achtes Kapitel.
-
- Seereise nach Albay, Mariveles, Schifffahrt zwischen den
- Inseln, San-Bernardino-Strasse, Vulkan Bulusan, Legaspi,
- Sorsogon 63
-
-
- Neuntes Kapitel.
-
- Der Vulkan Mayon oder Albay und seine Ausbrüche 69
-
-
- Zehntes Kapitel.
-
- Cacao, Kaffee, Kirchweihfest, Leben in Daraga 76
-
-
- Eilftes Kapitel.
-
- Reise nach Bulusan und Sorsogon, Strassenbau, Seeräuber 87
-
-
- Zwölftes Kapitel.
-
- Reisen in Süd-Camarines, Gliederung der Provinz, spanische
- Priester, Alkalden und Mandarine 94
-
-
- Dreizehntes Kapitel.
-
- Reisen in Süd-Camarines, (Fortsetzung), Batu-See, indische
- Priester, Niederlassung von Wilden, Feier der Kreuzbulle,
- Buhi-See, Vulkan Yriga, Ananasfasern, Pfeilgift, Blutegel,
- Solfatare Ygabo, Kieselsprudel von Tibi 103
-
-
- Vierzehntes Kapitel.
-
- Lebensweise und Sitten der Bicolindier 118
-
-
- Funfzehntes Kapitel.
-
- Vorgeschichtliche Ueberreste, hoher Werth alter Gefässe,
- Tropfsteinhöhlen im Yamtik, Reisen in Nord-Camarines,
- Bergbau, Gold, Bleiglanz, Rothblei, Kupfer, Hüttenprozess
- der Ygorroten, essbare Vogelnester 133
-
-
- Sechszehntes Kapitel.
-
- Reise längs der Küste von Camarines, Andringen des Meeres,
- zerstörter Palmenwald, Pasacao, schlechte Strassen 152
-
-
- Siebenzehntes Kapitel.
-
- Der Ysarog und seine Bewohner 161
-
-
- Achtzehntes Kapitel.
-
- Ersteigung des Yriga und des Mazaraga, See- und
- Strassenräuber, Wasserpflanzen von Berlin nach den
- Philippinen, mein Diener Pepe 176
-
-
- Neunzehntes Kapitel.
-
- Reisen in Samar, Wetter, Beamtenwahl, Nordküste,
- Catbalogan, Flattermakis, Schlangenbändiger,
- Tertiärversteinerungen, Stromschnellen des Loquilocun,
- Gespensterthier 185
-
-
- Zwanzigstes Kapitel.
-
- Reisen in Samar, Fortsetzung, Südsee-Insulaner durch
- Stürme verschlagen, Todtenhöhlen und Leichenbestattung
- der alten Bisayer, Krokodile, Ignazbohne, Kokosöl 203
-
-
- Einundzwanzigstes Kapitel.
-
- Insel Leyte, Heuschrecken, Solfatare, Schwefelgewinnung,
- Bitosee, Krokodile 218
-
-
- Zweiundzwanzigstes Kapitel.
-
- Lebensweise und Sitten der Bisaya-Indier 227
-
-
- Dreiundzwanzigstes Kapitel.
-
- Die neuen Zollhäfen, Steinkohle in Cebu, Yloilo.
- Aufschwung des Zuckerbaues 239
-
-
- Vierundzwanzigstes Kapitel.
-
- Abaca oder Manila-Hanf 245
-
-
- Fünfundzwanzigstes Kapitel.
-
- Das Tabakmonopol 257
-
-
- Sechsundzwanzigstes Kapitel.
-
- Die Chinesen 271
-
-
- Siebenundzwanzigstes Kapitel.
-
- Kurzer Abriss der Geschichte, Schlussbetrachtungen 280
-
-
- ANHANG.
-
- Kopfsteuer und Frohnden 293
- Bürgerliche Einrichtungen 298
- Ueber den Bodenkredit 303
- Die gemeinnützige Gesellschaft der Landesfreunde 307
- Einführung der Opium-Regie 309
- Beschreibung der Schiffe, Barangay genannt, die bei Ankunft
- der Spanier in Gebrauch waren 311
- Das tagalische Vater Unser 312
- Das neue Zolldekret 312
- Handel mit China vor Ankunft der Spanier 314
- Handel mit China nach Ankunft der Spanier 315
- Flächeninhalt der grösseren Inseln des philippinischen
- Archipels 317
- Uebersichtstabelle der meteorologischen Verhältnisse 318
- Uebersicht der Volksmenge, der Ortschaften u. s. w. in den
- Philippinen 320
- Gleichzeitiger Ausbruch dreier Vulkane 1641 323
- Zusätze und Berichtigungen 329
- Abgekürzt zitirte Schriften 331
- Ueber die geologische Beschaffenheit der Philippinen von
- J. Roth 333
- Ueber die älteren und neueren Bewohner der Philippinen von
- Rudolf Virchow 335
- Index 378
- Karte des südlichen Theiles von Luzon und benachbarter Inseln.
-
-
-
-
-
-
-
-
-VERZEICHNISS DER BILDER.
-
-
-Um den Grad der Genauigkeit der einzelnen Bilder beurtheilen zu können,
-ist durch Buchstaben die Art ihrer Herstellung angegeben.
-
-
- c = Camera lucida,
- p = Pause,
- ph = Photographie,
- r = reduzirt durch Camera lucida oder auf mechanischem Wege.
- t = Originalzeichnung eines Tagalen.
- z = freie Handzeichnung.
-
-
-Der erste Buchstabe bezieht sich auf die Originalzeichnung, der
-folgende auf die Reproduktion.
-
- Seite
-
- Barre des Pasig, Manila c. r. 7
- Lastboot (Casco) t. r. 17
- Haus mit Azotea am Pasig z. z. 18
- Bambushaus in der Vorstadt Trozo c. r. 20
- Tagalin ph. r. 24
- Tagalen ph. r. 25
- Elegante t. r. 25
- Kleines tagalisches Mädchen ph. p. 26
- Leben am Wasser (ph. c. z.) z. zu Seite 34
- Bambus z. p. 35
- Verarbeitung des Bambus 36
- Floss mit Senknetzen (Salambau) c. r. 37
- Fischerhütten bei Bulacan z. r. 45
- Berg Arayat z. r. 47
- Zubereitung der Zigarrentaschen z. 48
- Negrita (von Panay) ph. r. 51
- Aussicht von Jalajala auf die Insel Talim c. r. 52
- Vulkan Maquiling von ONO. z. 54
- Kirche und Convento, Majaijai c. r. 58
- Insel Talim mit dem Pik Soson-dalága von Majaijai c. r. 59
- Vulkan Majaijai c. r. zu Seite 61
- Negrito von Mariveles c. r. 63
- Tagalin in einer Hängematte z. z. 64
- Vulkan Bulusan z. r. zu Seite 66
- Vulkan Mayon c. r. zu Seite 69
- Krater des Mayon z. p. 70
- Zigarrentaschen-flechten z. z. 84
- Bícol-Naturforscher bei Regenwetter z. r. 86
- Stamm eines Feigenbaumes bei Bacon c. r. 88
- Dorfglocke in Camarines z. z. 96
- Dorf Batu c. r. 103
- Wilde vom Yriga c. z. zu Seite 106
- Vulkan Yriga von OSO. c. r. 110
- Vulkan Yriga von SW. c. r. 111
- Vulkan Malinao c. r. 114
- Kieselsprudel bei Tibi c. r. 114
- Der weisse Kegel c. r. 115
- Der rothe Kegel c. r. 117
- Pavava, eine Art Karren c. r. 118
- Der Pflug (Arado) und seine Bestandtheile c. r. 120
- Ackergeräth der Bicol-Indier c. r. 121
- Reismesser z. 121
- Thongefäss aus einer Muschelschicht z. 134
- Gebirge Bacacay von der Barre von Daet c. r. 139
- Indierin die Bulaqueña tanzend z. r. 140
- Kastell gegen Seeräuber c. r. 141
- Nester von Collocalia troglodytes c. r. 143
- Kupferner Kessel c. 146
- Gebirge Bacacay vom Tribunal von Labo c. r. 150
- Der Pik Colasi von der Visita Colasi z. r. 153
- Der Pik Colasi von der Visita Lalauigan z. r. 153
- Palmenwald durch die Brandung zerstört z. r. 155
- Vulkan Ysarog c. r. zu Seite 161
- Glockenturm von Calabanga c. r. 164
- Weberin vom Ysarog c. r. 166
- Bogen und Pfeile der Ygorroten vom Ysarog c. r. 169
- Ygorrote vom Ysarog c. p. 170
- Ygorroten-Mädchen vom Ysarog c. p. 171
- Cuadrillero z. z. 174
- Schiffahrt durch Sumpf z. z. 176
- Mazaraga c. r. 178
- Aussicht vom Mazaraga c. p. zu Seite 178
- Spanisch-tagalische Mestizin ph. p. 184
- Lauang c. r. 187
- Gobernadorcillo und Alguacil t. r. 189
- Kleines Bisaya-Mädchen z. z. 192
- Boot mit Ausriggern c. r. 193
- Visita Loquilocun c. r. 199
- Felsen im Meer bei Nipa-nipa z. z. 207
- Särge c. r. 209
- Buyohändlerin t. r. 217
- Hafen von Tacloban z. r. 218
- Gebirge in Leyte c. r. 220
- Hütte im Krater des Kasiboi c. r. 221
- Hütte auf einem Baum z. z. 223
- Bisaya-Indierin z. z. 227
- Alte Indierin rauchend t. r. 270
- Schiff aus dem 17. Jahrhundert z. z. 290
- Schädel r. Tafel 1. zu Seite 355
- Schädel r. Tafel 2. zu Seite 375
- Negritos vom nördlichen Luzon ph. p. zu Seite 375
-
-
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-
-
-
-
-AUSSPRACHE DER FREMDWÖRTER.
-
-
-Die spanischen und einheimischen Wörter, meist Ortsnamen, sind nach
-spanischer Weise geschrieben. Die Aussprache ist wie im Deutschen,
-mit folgenden Abweichungen:
-
-
- spanisch c vor e und i wie th englisch, aber schärfer.
- ,, ch wie tsch deutsch.
- ,, g vor e und i wie ch ,,
- ,, gu wie g ,,
- ,, j wie ch ,,
- ,, ll fast wie j ,,
- ,, ñ wie nj ,,
- ,, qu wie k ,,
- ,, s wie ss ,, auch mitten im Wort.
- ,, v fast wie b.
- ,, y vor Vokalen wie j ,,
- ,, y vor Konsonanten wie i.
- ,, z wie c vor e und i.
-
-
-In den philippinischen Namen ist e von i, o von u kaum zu
-unterscheiden.
-
-In mehrsilbigen Wörtern ist der Tonfall meist durch einen Accent
-angedeutet worden.
-
-
-
-
-
-
-
-
-ERKLÄRUNG EINIGER HÄUFIG WIEDERKEHRENDER FREMDWÖRTER.
-
-
-Abacá = Manila-Hanf, Faser der Musa textilis s. S. 245.
-
-Alkalde, Guvernör einer Provinz s. S. 100 Anm.
-
-Bánca, kleines Boot.
-
-Barangáy, Gruppe von 40 bis 50 Familien unter Verwaltung eines Cabeza
-s. S. 292.
-
-Bólo, grosses Waldmesser.
-
-Búyo, ein Stück Arecanuss, eingefasst von einem mit gebranntem Kalk
-bestrichenen zusammengerollten Blatt Betelpfeffer s. S. 126 Anm.
-
-Cabéza, Haupt, Häuptling.
-
-Casa reál, Wohnung des Alkalden oder Guvernörs, auch = Tribunal
-s. S. 50.
-
-Camóte, süsse Kartoffel, Convolvulus Batatas s. S. 122.
-
-Castíla, werden die Spanier, auch wohl die Europäer im Allgemeinen
-genannt.
-
-Cimarrón, in Freiheit lebender Eingeborener s. S. 106.
-
-Convénto, Wohnhaus des Pfarrers, nicht Kloster.
-
-Cuadrilléro, Steuersoldat, Polizeisoldat.
-
-dM. = M.
-
-Estánco, Laden in welchem von der Regierung monopolisirte Artikel
-verkauft werden.
-
-Falúa, Feluke.
-
-Gábi, Caladium sp. div. mit essbaren Knollen.
-
-Gobernadorcíllo (Guvernörchen), Dorfschulze s. S. 189.
-
-Guinára, Gewebe von Abacá.
-
-Haciénda, Landgut, die Finanzverwaltung, der Staatsschatz.
-
-Indier, Indios, werden die Eingeborenen im Allgemeinen, besonders
-aber die der spanischen Herrschaft unterworfenen im Gegensatz zu den
-Cimarronen genannt.
-
-L, Légua Wegstunde, (20 = 1° des Aequators).
-
-£, Pfund Sterling.
-
-M, Meile, (15 = 1° des Aequators).
-
-Polísta, Frohnarbeiter.
-
-Pólos, Frohnden s. S. 292.
-
-Puéblo, Ortschaft.
-
-Principalía, inländischer Adel.
-
-R. C., Reál Cédula, Königliches Handbillet.
-
-R. D., Reál Decréto, vom Suverän selbst unterschrieben.
-
-R. O., Reál Órden, nur vom Minister gezeichnet.
-
-Sáya, Frauenrock von der Hüfte zum Knöchel reichend.
-
-Sm., Seemeile (60 = 1° des Aequators).
-
-Súndang, Waldmesser.
-
-Tápis, ein um den oberen Theil der Saya gewundenes Tuch.
-
-Teniénte, Lieutenant.
-
-Tribunál, auch Casa real genannt, Gemeindehaus.
-
-Tribúto, Kopfsteuer.
-
-Túba, gegohrener Palmensaft.
-
-Visíta, Filial einer Pfarre.
-
-
-
-
-
-
-
-
-MAASSE, GEWICHTE UND MÜNZEN.
-
-
-Seit Januar 1862 gelten in den Philippinen die folgenden Maasse,
-Gewichte und Münzen.
-
-
-Längenmaasse:
-
-1 Braza = 1 Doppelvara von Burgos = 1,671 Meter (= 5,3205 Rh.-Fuss)
-1 Vara = 1 Vara (Elle) desgl. = 0,835 Meter (= 2,66 Rh.-Fuss)
-1 pié = 1 pié (Fuss) desgl. = 0,278 Meter (= 0,89 Rh.-Fuss).
-
-
-Wegemaasse:
-
-1 Legua (L.) sehr nahe 20,000 piés = 3 Seemeilen (Sm.) 20 L. =
-60 Sm. = 15 geogr. oder deutsche Meilen (M.) = 69 engl. Meilen =
-111,1 Kilometer.
-
-
-Feldmaasse:
-
-1 Quiñon, (spr. Kinión) = 10 Balístas = 100 Loánes = 10,000 Brázas
-cuadrádas = 27949,486 Quadrat-Meter = 2,79495 Hektar. 1 Hektar =
-3577,833 Brazas cuadrádas = 0,35778 Quiñones = 3,5778 Balistas =
-35,778 Loánes.
-
-Die hier zu Grunde gelegte Braza cuadr. ist die von 4 Varas cuadr. de
-Burgos. 1 Quiñon = 10,946, also sehr nahe = 11 preuss. Morgen).
-
-
-Getreidemaasse:
-
-1 Cabán (Caván) = 25 Gántas = 200 Chúpas = 800 Apatánes = 75 Liter =
-1,35132 Fanégas de Castilla.
-
-Von 1. Januar 1862 gilt der am 1. Januar 1860 in Manila eingeführte
-Caban als gesetzliches Maass für alle Provinzen. Er misst genau 75
-Liter oder in Form eines Würfels 422 mm. innerer Seite, oder 5990,96
-span. Kubikzoll. (Der Caban von 1859 hatte 80,00919 Liter.)
-
-(1 Ganta = 3 Liter, 1 Preuss. Metze = 3 Quart. 1 Ganta verhält sich
-also zu 1 preuss. Metze (= 1/16 Scheffel) genau wie 1 Liter zu 1
-Quart. 1 Caban = 1,362 Scheffel. 1 Caban Reis wiegt 128 bis 137
-Pf. span. = 59 bis 63 Kilogr.
-
-
-Flüssigkeitsmaasse:
-
-1 Ganta = 8 Chupa = 3 Liter.
-
-Die Tinája (grosser Thonkrug) ist ein willkürliches Maass und bedeutet
-eine Anzahl Gantas, die in jedem Kontrakte besonders bestimmt wird
-oder durch Gebrauch feststeht, z. B. 1 Tinája Cocosöl der Laguna =
-16 Gantas.
-
-
-Gewichte:
-
-1 Quintál = 1 Quintál de Castilla = 4 Arróbas = 46,009 Kilogramm.
-
-1 Arroba = 25 Libras (Pfund span.) = 11,502 Kilogr.
-
-1 Libra = 2 Marcos = 0,460 Kilogr. 1 Marco = 8 Onzas = 0,230 Kilogr.
-
-1 Onza = 16 Adarmes = 28,76 Gramm. 1 Adarme = 36 Granos = 1,80 Gramm. 1
-Grano = 0,05 Gramm.
-
-
-Schwere Gewichte.
-
-1 Pico = 10 Chinántas = 100 Cátes = 1600 Tael = 137,500 Libras de
-Castilla = 63,262 Kilogr. (1 Tael = 22000 Adarmes = 39,539243 Kilogr.)
-
-Der Píco (Pikul) ist kein festes Gewichtsmaass, er variirt selbst
-in China. In Manila hat sich durch den Gebrauch das Verhältniss 1
-Píco = 137,5 Libras de Castilla festgestellt. In den chinesischen
-Häfen und in Singapore haben die Engländer den Pikul = 133 1/3 Pfund
-engl. eingeführt. 1 Píco von Manila = 140 Pf. engl., 1 Pikul (engl.) =
-131,4 Libras de Castilla.
-
-1 (Schiffs)-Tonne, früher = 16 Picos (1012 Kilogramm), jetzt = 1000
-Kilogr.; dem Maasse nach = 1 Kubikmeter.
-
-
-Gewicht für edle Metalle:
-
-1 Tael = 10 Mas = 100 Condrín = 754,75 Granos del Marco de Castilla =
-37,68 Gramm.
-
-
-Münzen:
-
-1 span. Dollar ($) = 2 Escúdos (Esc.) = 5 Pesetas = 8 Réales plata
-(r.) = 160 Cuartos (cu.) = 100 Centésimos (ce).
-
-Im täglichen Verkehr wird nach Cuartos, im Grosshandel nach Centisimos
-gerechnet. Der Escudo ist erst seit 1. Juli 1865 für alle amtlichen
-Rechnungen in Spanien und den Kolonien eingeführt, um die spanische
-Währung dem Dezimalsystem anzupassen.
-
-(In Spanien wird der Dollar in 20 Reales vellon (rv.) getheilt. 1
-Real vellon = 8,5 Cuartos, = 34 Maravedis.)
-
-Die in Manila 1861 errichtete Münze prägt Gold: 4 $, - 2 $, - 1
-$-Stücke, Silber: 0,5 $ = 1 Escudo; seit 1866 auch 0,2 $ = 4 rv., --
-0,1 $ = 2 rv.
-
-Der Kurs des $ pflegt zwischen 42 und 44 Silbergroschen zu schwanken.
-
-In den spanischen Kolonien bestehn keine Wuchergesetze. Alljährlich
-wird in Spanien der gesetzliche Zinsfuss für Fälle, wo kein besonderer
-Zins verabredet worden, festgestellt.
-
-
-
-
-
-
-
-
-ERSTES KAPITEL
-
-EINLEITENDE BEMERKUNGEN
-
- MERIDIANDIFFERENZ.--HANDELSGEBIET DER PHILIPPINEN.--THEILUNG DER
- ERDE.--ERSTER ANBLICK MANILA'S.--ERDBEBEN.
-
-
-Wenn es in Madrid Mittag schlägt, so ist es in Manila, der Hauptstadt
-der Philippinen, mehr als 8 Uhr Abends, genau 8h 18m 41s; d. h. Manila
-liegt 124° 40' 15'' östl. von Madrid (7h 54m 35s von Paris. Conn. des
-temps). Wenn früher aber Madrid Neujahr feierte, so war in Manila
-erst Sylvester.
-
-Da Magellan, der die Philippinen 1521, bei jener denkwürdigen ersten
-Weltumsegelung entdeckte, sich in derselben Richtung um die Erde
-bewegte, wie die Sonne in ihrem scheinbaren täglichen Lauf, so hatte er
-für jeden Grad, den er weiter nach Westen vordrang, vier Minuten später
-Mittag, und als er die Philippinen erreichte, betrug der Unterschied
-fast 16 Stunden. Er scheint dies aber nicht bemerkt zu haben, denn
-Elcano, der Führer des einzigen geretteten Schiffes, wusste nicht,
-als er zum Meridian seiner Abfahrt zurückkehrte, dass er nach der
-Schiffsrechnung einen Tag weniger zählen musste, als in dem Hafen, den
-er durch fortgesetztes Westwärtsfahren wieder erreicht hatte. [1] [2]
-
-In den Philippinen blieb jener Umstand gleichfalls unberücksichtigt;
-deshalb war dort Sylvester, wenn in der übrigen Welt Neujahr begonnen
-hatte, und so ging es fort bis Ende 1844, wo man sich, nach eingeholter
-Genehmigung des Erzbischofs, entschloss, den Sylvestertag einmal
-gänzlich zu überspringen. [3] Seitdem liegen die Philippinen nicht
-mehr im fernsten Westen, sondern im fernen Osten, und sind ihrem
-Mutterlande um 8 Stunden voraus. Ihr eigentliches Handelsgebiet ist
-aber unser ferner Westen; von dort her wurden sie kolonisirt, und
-Jahrhunderte lang, bis 1811, hatten sie fast keinen andern Verkehr
-mit Europa als mittelbar, durch die jährliche Reise der Nao zwischen
-Manila und Acapulco. Nun aber, wo endlich die östlichen Gestade des
-stillen Meeres sich bevölkern und mit beispielloser Schnelligkeit
-ihrer grossen Zukunft entgegen gehen, werden die Philippinen nicht
-länger in ihrer bisherigen Abgeschlossenheit verharren können; denn
-für die Westküste Amerika's liegt wohl keine tropische Kolonie Asiens
-so günstig; auch für Australien kann ihnen nur in einigen Beziehungen
-Niederländisch-Indien den Rang streitig machen. Auf den Handel mit
-China dagegen, dessen Stapelplatz anfänglich Manila war, so wie mit
-den westlicher, den atlantischen Häfen näher gelegenen Ländern Asiens,
-unserm fernen Osten, wird es wohl immer mehr verzichten müssen. [4]
-
-Wenn sich die hier angedeuteten Verhältnisse verwirklichen, so würden
-die Philippinen oder wenigstens ihr Handelsgebiet schliesslich doch
-in den Bereich der westlichen Erdhälfte fallen, in welche sie die
-berühmten spanischen Geographen zu Badajóz verwiesen.
-
-Nach der Bulle Alexanders VI., vom 4. Mai 1493, [5] welche die Erde
-durch einen Meridian in zwei Hälften theilte, sollten die auf seiner
-östlichen Seite zu entdeckenden heidnischen Länder den Portugiesen, die
-auf der westlichen den Spaniern gehören. Die Philippinen konnten daher
-von Letzteren nur unter der Voraussetzung in Besitz genommen werden,
-dass sie auf der westlichen Hälfte lägen. Die Demarkazionslinie sollte
-vom Nord- zum Südpol, 100 Leguas gen Abend und Mittag aller sogenannten
-Azoren und Capverdischen Inseln verlaufen. Durch einen am 7. Juni
-1494 zwischen Spanien und Portugal zu Tordesillas geschlossenen,
-1506 von Julius II. bestätigten Vertrag wurde sie 370 Leguas West
-der Capverdischen Inseln gezogen.
-
-Von den damals in Spanien und Portugal gebräuchlichen Leguas wurden 17
-1/2 auf einen Grad des Aequators gerechnet, im Parallel der Capverden
-betrugen 370 Leguas 21° 55'; nimmt man dazu die Längendifferenz
-zwischen der Westspitze dieser Inselgruppe und Cadix = 18° 48', so
-erhält man 40° 43' W. und 139° 17' O. von Cadix (rund 47° W. 133°
-O. Gr.) als die Grenzen der spanischen Erdhälfte. Aber die zur
-damaligen Zeit vorhandenen Mittel waren für solche Ortsbestimmungen
-völlig unzureichend.
-
-Die Breite wurde mit unvollkommenen Astrolabien oder hölzernen
-Quadranten gemessen und nach sehr mangelhaften Tafeln berechnet;
-die Abweichung der Magnetnadel war so gut wie unbekannt, ebenso das
-Log. [6] Für brauchbare Längenbestimmungen waren weder die Methoden
-noch die Instrumente erfunden. Unter solchen Umständen bewiesen 1524 zu
-Badajóz die Spanier den protestirenden Portugiesen, dass die östliche
-Grenzlinie die Gangesmündung schnitte, und sprachen sich dadurch den
-Besitz der Gewürzinseln zu.
-
-In Wirklichkeit müsste die östliche Grenzlinie 46 1/2° weiter östlich
-fallen; d. h. so weit wie von Berlin bis an die Küste von Labrador
-oder den kleinen Altai, da im Parallel von Calcutta 46 1/2° = 2575
-See-M. Albo's Tagebuch giebt die Längendifferenz der östlichsten
-Inseln des Archipels von Cap Fermoso (Magellan's Strasse) auf 106°
-30' an, während sie 159° 25' beträgt.
-
-Die durch die Unsicherheit der östlichen Grenzlinie veranlassten
-Streitigkeiten zwischen den Spaniern und Portugiesen, welche letztere
-früher nach den Gewürzinseln gekommen waren, wurden 1529 durch einen
-Vergleich beigelegt, indem Carl V. alle seine angemaassten Anrechte auf
-die Molukken für die Summe von 350,000 Dukaten an Portugal abtrat. Die
-Philippinen hatten damals keinen Werth.
-
-
-
-Von Hongkong nach Manila sind 650 Seemeilen, fast genau S.O., die in
-3 bis 4 Tagen von dem Dampfschiff zurückgelegt werden, welches alle
-14 Tage die Post-Verbindung zwischen der Kolonie und der übrigen Welt
-herstellt. [7]
-
-Ohne diesen kleinen Dampfer würde man in Hongkong, in dessen Hafen
-sich die Schiffe aller Nationen drängen, kaum vermuthen können, dass in
-so grosser Nähe ein Inselstaat liegt, der durch glückliche Gliederung
-und Fruchtbarkeit mehr als irgend ein andrer begünstigt scheint.
-
-Obgleich die Philippinen Spanien gehören, so findet doch zwischen
-beiden Ländern fast kein Handel statt. Die Verbindung mit dem
-Mutterlande war früher der Art, dass die Ankunft eines Schiffes mit
-der spanischen Post durch Tedeum und Glockenläuten für die Vollbringung
-einer so gewaltigen Reise gefeiert wurde. Bis Portugal an Spanien fiel,
-war den Philippinen der Weg um Afrika verschlossen. Wie es mit der
-Ueberlandreise stand, zeigt der Umstand, dass zwei Augustiner, die
-1603 dem Könige eine wichtige Botschaft bringen sollten, und daher
-den kürzeren Weg über Goa, die Türkei und Italien gewählt hatten,
-Madrid erst nach drei Jahren erreichten. [8]
-
-Die bisher den Kaufleuten durch hohe Differenzialzölle aufgezwungene
-spanische Flagge beförderte, trotz des Schutzzolles für nationale
-Produkte, fast nur ausländische Waaren nach der Kolonie und die
-Erzeugnisse der letzteren nach fremden Häfen. Der Verkehr mit Spanien
-beschränkte sich auf den Transport von Beamten und Geistlichen und
-deren gewohnten Lebensbedürfnissen, namentlich Nahrungsmitteln,
-Wein, andren Flüssigkeiten (Caldos) und, einige französische Romane
-ausgenommen, entsetzlich geistlosen Büchern: Geschichten von Heiligen
-und Aehnlichem.
-
-Die Bay von Manila ist gross genug um alle Flotten Europa's
-aufzunehmen; sie gilt für eine der schönsten der Welt. Der Anblick
-des Landes entspricht aber, wenn man, wie der Verfasser, gegen Ende
-der trocknen Jahreszeit ankommt, durchaus nicht den begeisterten
-Schilderungen mancher Reisenden. Das kreisrunde, fünf Provinzen
-begrenzende Wasserbecken von fast 120 Seemeilen Umfang ist in der
-Gegend Manila's von flachen Ufern umgeben, hinter welchen sich ein eben
-so flaches Gestadeland ausbreitet. Die karge Vegetation war von der
-Sonne verdorrt, nur einige Bambusbüsche und Arecapalmen, in der Ferne
-die blauen Berge von San Mateo unterbrachen die Einförmigkeit. Zur
-Regenzeit, wenn unzählige, die Ebene durchschneidende Kanäle aus
-ihren Ufern treten, bilden sich grosse zusammenhängende Wasserbecken,
-bald darauf verwandelt sich Alles in ein üppig grünendes Reisfeld.
-
-Manila liegt zu beiden Seiten des Pásig. Die eigentliche Stadt von
-Mauern und Wällen umschlossen, mit niedrigen Ziegeldächern und einigen
-Thürmen, sah 1859 vom Meere aus einer alterthümlichen europäischen
-Festung ähnlich. Vier Jahre später wurde sie durch ein Erdbeben zum
-grössten Theil zerstört.
-
-Am 3. Juni 1863, als ganz Manila mit den Vorbereitungen zum
-Frohnleichnamsfeste beschäftigt war, bebte nach einem Tage drückender
-Hitze um 7 Uhr und 31 Minuten Abends plötzlich die Erde, die festesten
-Gebäude bewegten sich, die Mauern barsten, die Balken brachen; das
-furchtbare Geräusch dauerte eine halbe Minute. Dieser Zeitraum war
-hinreichend, um die ganze Stadt in ein Ruinenfeld zu verwandeln,
-und hunderte von Einwohnern lebendig zu begraben. Nach einem mir
-mitgetheilten Briefe des General-Guvernörs wurden der Palast, die
-Kathedrale, die Kasernen und alle öffentlichen Gebäude Manila's völlig
-zertrümmert; die wenigen stehen gebliebenen Privathäuser drohten
-einzustürzen. Spätere Berichte geben 400 Todte, 2000 Verwundete an
-und schätzen den Verlust auf 8 Millionen Doll. 46 öffentliche und
-570 Privat-Gebäude waren eingestürzt, 28 öffentliche und 528 private
-waren dem Umsturz nahe, alle stehen gebliebenen Häuser mehr oder
-weniger beschädigt.
-
-Um dieselbe Zeit fand in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen,
-ein 40 Sekunden anhaltendes Erdbeben statt, das viele Gebäude umwarf.
-
-Drei Jahre nach diesem Ereignisse findet der Herzog von Alençon
-(Luçon et Mindanao, Paris 1870 S. 38) noch überall dessen Spuren. Drei
-Seiten des Hauptplatzes der Stadt, auf denen sich früher der Palast,
-die Kathedrale, das Stadthaus erhoben, lagen da als Schutthaufen
-mit Gesträuch bewachsen. Alle grossen öffentlichen Gebäude waren
-»vorläufig« durch Holzbauten ersetzt, man dachte aber nicht daran,
-etwas Bleibendes zu schaffen.
-
-Manila ist sehr häufigen Erdbeben ausgesetzt; am verhängnissvollsten
-die von 1601, 1610 (30. Nov.), 1645 (30. Nov.), 1658 (20. Aug.), 1675,
-1699, 1796, 1824, 1852, 1863. -- 1645 kamen 600 Personen um [9], nach
-Andern sogar 3000, [10] die unter den Trümmern ihrer Häuser begraben
-wurden. Von allen öffentlichen Gebäuden blieben nur das Kloster,
-die Kirche der Augustiner und die der Jesuiten stehen.
-
-Kleine Erdstösse, welche plötzlich alle Hängelampen in Schwingung
-versetzen, finden sehr oft statt und bleiben gewöhnlich unbeachtet. Die
-Häuser sind mit Rücksicht auf diesen Umstand nur einstöckig, und der
-lockere, vulkanische Tuff, aus dem sie gebaut, mag zur Milderung der
-Stösse beitragen. Höchst unzweckmässig aber erscheinen unter solchen
-Verhältnissen die schweren Ziegeldächer. Auch in den Provinzen sind
-Erdstösse sehr häufig, richten aber, weil die Häuser nur aus Brettern
-oder Bambus und Palmenblättern bestehn, gewöhnlich so wenig Schaden
-an, dass sie gar nicht erwähnt werden.
-
-
- Herr Alexis Perrey giebt in den Mém. de l'Acad. de Dijon 1860
- ein mit grossem Fleiss aus der ihm zugänglichen Literatur
- zusammengestelltes Verzeichniss von Erdbeben, welche die
- Philippinen und besonders Manila heimgesucht haben. Selbst
- über die bedeutenderen sind die Nachrichten sehr spärlich, die
- Daten oft schwankend. Von unerheblicheren sind nur einige wenige
- angeführt, die von zufällig anwesenden wissenschaftlichen Männern
- verzeichnet wurden.
-
- Ein sehr heftiges fand nach Aduarte (I. 141) 1610 statt. Ich
- lasse die Uebersetzung der betreffenden Stelle abgekürzt folgen,
- da ich es sonst nirgends erwähnt finde:
-
- Ende November dieses Jahres (1610) am St. Andreas-Tage fand in
- diesen Inseln, von Manila bis an das äusserste Ende der Provinz
- Neu-Segóvia (das ganze nördliche Luzon), eine Entfernung von 200
- Leguas, ein so furchtbares Erdbeben statt, wie man es nie erlebt
- hatte; es that grossen Schaden im ganzen Lande, in der Provinz
- Ilocos begrub es Palmbäume und liess nur die Blattkronen über der
- Erde, Berge wurden durch die Gewalt des Erdbebens gegen einander
- geschoben, viele Gebäude zerstört und Menschen getödtet. Am
- meisten aber wüthete es in Neu-Segóvia, wo es Berge öffnete,
- und neue Wasserbecken aufthat; die Erde spie grosse Haufen
- Sand aus und schwankte der Art, dass die Leute, da sie nicht
- aufrecht stehen konnten, sich auf die Erde setzten und am Boden
- festbanden als wären sie in einem Schiff auf stürmischer See. In
- dem von den Mendayas bewohnten Höhenzuge stürzte ein Berg ein,
- zertrümmerte dabei ein Dorf und erschlug die Bewohner. Ein grosses
- Stück Land am Fluss versank, so dass jetzt da, wo früher Hügel
- meist von ansehnlicher Höhe gestanden, die Oberfläche fast dem
- Wasserspiegel gleich ist. Im Flussbett war die Bewegung so stark,
- dass sich Wellen erhoben wie im Meer oder als ob das Wasser von
- fürchterlichem Winde gepeitscht würde. Die steinernen Gebäude
- litten den meisten Schaden, unsere Kirche und Convento stürzten
- ein ....
-
-
-
-
-
-
-
-
-ZWEITES KAPITEL
-
- RHEDE. -- ZOLLWESEN. -- GESCHICHTE DES HANDELS. -- SPANISCHE
- KOLONIALPOLITIK. -- REISEN DER GALEONEN.
-
-
-Die Zollvisitation und die vielen, von den einheimischen
-Subalternbeamten ohne alle Rücksichten nach dem Buchstaben gehandhabten
-Förmlichkeiten erschienen dem neu Angekommenen um so lästiger, da er
-eben erst in den englischen Freihäfen Ostasiens verkehrt hatte. Auf
-die Bürgschaft eines angesehenen Kaufmanns wurde ihm nach 16 Stunden
-als eine besondere Gunst die Landung gestattet, jedoch ohne das
-kleinste Gepäckstückchen.
-
-Die Rhede ist im S.W. Monsun und zur Zeit der von Stürmen begleiteten
-Monsunwechsel unsicher; dann suchen grössere Schiffe in dem 7
-SM. entfernten Cavite Schutz; im N.O. Monsun können sie 1/2 L. vom
-Lande ankern. Fahrzeuge von weniger als 300 Tonnen gelangen über die
-Barre in den Fluss Pásig, wo sie bis zur Brücke, unmittelbar am Ufer,
-und bis in die Mitte des Flusses hinein, in dicht gedrängten Reihen
-liegen, und durch ihre Anzahl sowohl, wie durch das zwischen ihnen
-herrschende rege Treiben von der Lebhaftigkeit des Binnenhandels
-zeugen.
-
-In jedem Regenmonsun führt der Pásig der Barre so viel Schlamm zu, dass
-dessen Fortschaffung die Thätigkeit der aufgestellten Baggermaschine
-wie es scheint vollauf in Anspruch nimmt.
-
-Die geringe Zahl von Schiffen auf der Rhede, besonders fremder Flaggen,
-war um so auffallender, als, ausser Manila, kein Hafen des Archipels
-mit dem Auslande verkehrte. Allerdings hatten seit 1855 noch drei
-andere Häfen diese Berechtigung erhalten (später kam noch ein vierter
-dazu), zur Zeit meiner Ankunft, März 1859, war aber noch keiner von
-einem fremden Schiffe besucht worden; erst einige Wochen später traf
-das erste englische Fahrzeug in Iloílo ein, um Zucker für Australien
-zu laden. [11]
-
-Der Grund jener Erscheinung lag zum Theil in der geringen Entwicklung
-des Landbaues, trotz der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens,
-zum grösseren Theil aber wohl in veralteten, den Verkehr künstlich
-beschränkenden Verordnungen. Die Zölle waren an und für sich nicht
-sehr hoch: im Allgemeinen 7 Procent vom Werth für Schiffe unter
-spanischer Flagge; für fremde Flaggen aber das Doppelte, und wenn
-die Waaren spanischen Ursprungs, 3 Proc. für nationale, 8 Proc. für
-fremde Flaggen. Letztere konnten daher in der Regel nur mit Ballast
-einlaufen. [12] Da aber die Hauptbedürfnisse der Kolonie aus England
-und dem Auslande eingeführt wurden, so mussten sie entweder für
-spanische Fahrzeuge, welche fast dreifache Fracht berechnen (4-5 statt
-1 1/2-2 Pf. Sterl. per Tonne), und nur in grossen Zwischenräumen in
-englischen Häfen erscheinen, aufbewahrt, oder in fremden Schiffen
-nach Singapore oder Hongkong geschickt werden, wo sie auf spanische
-Schiffe umgeladen wurden. Ausserdem wurden selbst von Schiffen in
-Ballast, und solchen, die ohne zu löschen oder Fracht einzunehmen,
-wieder ausliefen, Tonnengelder erhoben, und wenn ein solches Fahrzeug
-auch nur ein Päckchen landete, so wurde es nicht mehr als in Ballast
-betrachtet, sondern nach einer viel höheren Taxe besteuert. Ein Schiff
-musste also durchaus keine, oder so viel Ladung haben, dass es die
-erhöhten Hafengelder decken konnte, was für ausländische wegen der
-Differenzialzölle, die einem Verbote gleich wirkten, beinahe unmöglich
-war. Fremde Fahrzeuge kamen daher fast immer nur in Ballast, und wenn
-sie für einen bestimmten Zweck besonders herbeigerufen wurden.
-
-Die Kolonie exportirt fast nur Rohprodukte, die mit einem Ausfuhrzoll
-von 3 Procent belastet waren; für die spanische Flagge betrug er
-nur 1 Procent; da aber fast keine Ausfuhr nach Spanien stattfindet,
-und spanische Schiffe, wegen ihrer theuren Frachten, vom Weltverkehr
-ausgeschlossen sind, so war die Begünstigung für den Handel nur eine
-scheinbare. [13] Diese ungeschickten, mit endlosen misstrauischen
-Formen gehandhabten Zollgesetze verscheuchten alle frachtsuchenden
-Schiffe vom Hafen, so dass Aufträge auf Landeserzeugnisse zuweilen
-nicht ausgeführt erden konnten. So gering war der Schiffsverkehr,
-dass der Gesammtertrag der hohen Hafengelder nach einem zehnjährigen
-Durchschnitt kaum 10,000 Doll. erreichte.
-
-An und für sich ist die Lage Manila's für den Welthandel sehr günstig,
-als Zentralpunkt zwischen Japan, China, Anam, den englischen und
-holländischen Häfen des Archipels und Australien. [14]
-
-Während des N.O. Monsun, in unseren Wintermonaten, wo die Schiffe
-vom indischen Archipel nach China, um einige Deckung zu haben, durch
-die Gilolostrasse gehn, müssen sie überdies dicht an Manila vorbei,
-und würden dort eine bequeme Station finden; namentlich aber liegen
-die Philippinen wie bereits erwähnt, für die Westküste Amerikas
-sehr günstig.
-
-Dass das spanische Ultramar-Ministerium diese Verhältnisse richtig
-erkennt und ihnen Rechnung trägt, geht aus dem für die Zukunft der
-Kolonie so wichtigen Dekret vom 5. April 1869 hervor, das wohl schon
-früher erschienen wäre, wenn nicht die durch Schutzzölle verwöhnten
-spanischen und kolonialen Schiffsrheder sich hartnäckig gegen eine
-Neuerung gesträubt hätten, die ihre bisherigen Privilegien antastet
-und sie zu grösserer Rührigkeit zwingt.
-
-Die bemerkenswerthesten Punkte dieser neuen Verordnung sind:
-Ermässigung der Differenzialzölle und ihr gänzliches Erlöschen nach
-zwei Jahren, Abschaffung aller Ausfuhrzölle und das Verschmelzen
-mehrerer lästiger Hafengebühren in einen einzigen Hafenzoll. [15]
-
-Als die Spanier nach den Philippinen kamen, fanden sie die Eingeborenen
-mit Seiden- und Baumwollenstoffen bekleidet, die von chinesischen
-Schiffen im Austausch gegen Goldstaub, Sapanholz, [16] Holothurien,
-essbare Vogelnester und Häute eingeführt wurden. [17] Auch mit Japan,
-Cambodia, Siam, [18] den Molukken und dem malayischen Archipel standen
-die Inseln in Verkehr; de Barros erwähnt Schiffe von Luzon, die 1511
-Malacca besuchten. [19]
-
-Durch die grössere Sicherheit, die mit den Spaniern in's Land kam,
-mehr noch durch den von ihnen eröffneten Verkehr mit Amerika und
-mittelbar mit Europa, nahm der Handel schnell zu und erstreckte sich
-über Vorder-Indien bis an den persischen Meerbusen. Manila wurde zum
-Stapelplatz für die Erzeugnisse Ostasiens und befrachtete damit die
-Galeonen, die von 1565 an nach Neu-Spanien (zuerst nach Navidad, von
-1602 ab nach Acapulco) fuhren und als Rückfracht vorzüglich Silber
-brachten. [20] Die Kaufleute in Neu-Spanien und Peru fanden diesen
-Handel gleichfalls so vortheilhaft, dass dadurch der Einfuhr aus dem
-Mutterlande, dessen Fabrikate gegen die indischen Baumwollen und die
-chinesischen Seidenstoffe nicht konkurriren konnten, grosser Abbruch
-geschah. Die verwöhnten Monopolisten von Sevilla verlangten daher das
-Aufgeben der Kolonie [21], die jährlich beträchtlicher Zuschüsse
-bedurfte, das Mutterland in der Ausbeutung der amerikanischen
-Besitzungen hinderte, und das Silber aus den Reichen Sr. Majestät
-in die Hände der Heiden gelangen liess. Schon der Gründung der
-Kolonie hatten sie grosse Hindernisse in den Weg gelegt. [22] Jenes
-Verlangen scheiterte aber an dem Ehrgeiz der Krone und am Einfluss
-der Geistlichkeit; doch wurde, den damals allgemein gültigen Ansichten
-durchaus entsprechend [23], zu Gunsten des Mutterlandes den Kaufleuten
-von Peru und Neu-Spanien verboten, Waaren aus China unmittelbar oder
-über Manila zu beziehen. Den Bewohnern der Philippinen allein blieb
-gestattet, chinesische Waaren in Amerika einzuführen, aber nur bis
-zum Werthe von 250,000 Doll. jährlich, die Rückfracht ward auf 500,000
-Doll. beschränkt. [24]
-
-Später wurde erstere Summe auf 300,000 Doll. mit entsprechender
-Rückfracht erhöht, den Spaniern aber untersagt, China zu besuchen,
-so dass sie die Ankunft der Junken abwarten mussten. 1720 endlich
-wurden chinesische Stoffe in allen spanischen Besitzungen beider
-Welttheile gänzlich verboten. Eine Verordnung von 1734 (mit Zusätzen
-von 1769) gestattete den Handel mit China auf's Neue und erhöhte
-das Werthmaximum der Fracht nach Acapulco auf 500,000 Doll., die
-Rückfracht auf 1,000,000 Doll. Silber.
-
-Nachdem endlich die auf Kosten der Staatskasse erhaltene Nao von
-Acapulco ihre Reisen eingestellt (die letzte Galeon verliess Manila
-1811 kehrte 1815 von Acapulco zurück), wurde der Handel mit Amerika
-durch Kauffahrer betrieben, denen 1820 erlaubt ward, bis zu 750,000
-Doll. jährlich aus den Philippinen auszuführen und ausser Acapulco
-auch San Blás, Guayaquíl und Calláo anzulaufen. Dieses Zugeständniss
-war aber nicht ausreichend, um den Philippinischen Handel für
-seine durch den Abfall Mexico's von Spanien erlittenen Verluste zu
-entschädigen. Die Besitznahme Manila's durch die Engländer (1762)
-hatte die Bewohner mit Gewerbserzeugnissen bekannt gemacht, welche
-ihnen die Einfuhren von China und Indien nicht bieten konnten. Um
-der Nachfrage zu genügen, wurden Ende 1764 spanische Kriegsschiffe
-mit Produkten der spanischen Industrie (Wein, Esswaaren, Hüte, Tuche,
-Kurzwaaren und Luxusgegenstände) nach der Kolonie gesandt.
-
-Die an den bequemen Acapulco-Handel gewöhnten Manila-Kaufleute
-sträubten sich aber gewaltig gegen diese Neuerung, obgleich sie gute
-Geschäfte dabei machten; denn die Krone kaufte die indischen und
-chinesischen Waaren für die Rückfracht in Manila doppelt so theuer
-als an den Ursprungsorten. 1784 traf das letzte jener Schiffe ein. [25]
-
-Europäischen Fahrzeugen war nach der englischen Invasion streng
-verboten, Manila zu besuchen; da dieses aber die indischen Waaren nicht
-entbehren mochte und sie nicht durch eigne Schiffe holen konnte, so
-wurden sie in englischen und französischen Böden eingeführt, die einen
-türkischen Namen und einen indischen Schein-Kapitän erhielten. [26]
-
-1785 erlangte die Compañia de Filipinas das Handelsmonopol zwischen
-Spanien und der Kolonie, durfte sich aber nicht in den direkten Verkehr
-zwischen Acapulco und Manila mischen. Sie wollte grosse Massen von
-Kolonialprodukten, Seide, Indigo, Zimmet, Baumwolle, Pfeffer etc. für
-die Ausfuhr erzielen (ähnlich wie es später durch das Kultursystem
-in Java geschah); da sie aber nicht über Zwangsarbeit verfügte, so
-misslang die plötzliche künstliche Steigerung des Landbaues vollkommen.
-
-Durch ihr falsches System und die Unfähigkeit ihrer Beamten erlitt
-sie grosse Verluste (sie zahlte z. B. 13,5 Doll. für den Pico Pfeffer,
-der 3-4 Doll. in Sumatra galt).
-
-1789 wurde fremden Schiffen gestattet, Waaren aus China und Indien
-einzuführen, aber keine europäischen. 1809 erhielt ein englisches
-Handelshaus Erlaubniss, sich in Manila niederzulassen. [27] 1814,
-nach dem Friedensschluss mit Frankreich, ward es, unter mehr oder
-weniger Beschränkungen, allen Fremden gestattet. [28]
-
-1820 wurde auf 10 Jahre der direkte Handel zwischen den Philippinen und
-Spanien freigegeben, ohne Beschränkung für die Produkte der Kolonie,
-vorausgesetzt, dass die Erzeugnisse Indiens und China's 50,000
-Doll. bei jeder Expedition nicht überstiegen. Von 1834 an, wo das
-Privilegium der Philippinischen Kompanie erlosch, ist in Manila der
-freie Verkehr mit dem Auslande gestattet, doch zahlten fremde Schiffe
-doppelte Zölle. Seit 1855 sind noch vier neue Häfen dem Weltverkehr
-geöffnet; 1869 ist der oben erwähnte freisinnige Tarif erlassen worden.
-
-Heute nach drei Jahrhunderten ungestörten Besitzes hat Manila in
-jenen Meeren durchaus nicht mehr dieselbe Bedeutung, die es bald
-nach Ankunft der Spanier errang. Die Verschliessung Japans und der
-indo-chinesischen Reiche, besonders in Folge der Zudringlichkeit und
-Anmaassung katholischer Missionäre, [29] der Abfall der Kolonien
-an der Westküste Amerika's, vorzüglich aber das lange Festhalten
-einer misstrauischen Handels- und Kolonial-Politik bis in die
-Gegenwart, während bedeutende Emporien in günstigerer Lage mit
-grossartigen Mitteln und nach freisinnigen Grundsätzen in Britisch-
-und Niederländisch-Indien entstanden, -- alle diese Umstände haben
-dies Ergebniss herbeigeführt und den China-Handel in andere Bahnen
-geleitet. Die Ursachen liegen eben so klar zu Tage wie ihre Wirkung,
-doch würde man irren, wenn man die befolgte Politik der Kurzsichtigkeit
-zuschreiben wollte. Die Spanier hatten bei ihrer Kolonisation zum
-Theil religiöse Zwecke im Auge, abgesehen davon fand aber die Krone
-in der Verfügung über die äusserst einträglichen Kolonialämter einen
-grossen Machtzuwachs. Sie selbst sowohl als ihre Begünstigten hatten
-nur die unmittelbare Ausnutzung der Kolonien im Sinne, und weder
-die Absicht noch die Kraft, den natürlichen Reichthum der Länder
-durch Ackerbau und Handel zu erschliessen. Unzertrennlich von diesem
-System war die strenge Ausschliessung der Fremden. [30] Mehr noch
-als in Amerika schien es in den abgelegenen Philippinen nöthig, die
-Eingeborenen gegen alle Berührung mit dem Auslande abzuschliessen, wenn
-die Spanier im ungestörten Besitz der Kolonie bleiben wollten. Bei dem
-erleichterten Verkehr der Gegenwart und den Ansprüchen des Welthandels
-an die Produktionskraft eines so ausserordentlich fruchtbaren Gebietes
-sind aber die früheren Schranken nicht mehr aufrecht zu halten, es
-muss daher der kürzlich eingeführte freisinnige Zolltarif als eine
-durchaus zeitgemässe Massregel begrüsst werden.
-
-
-
-Die mehrfach erwähnten Reisen der Galeonen zwischen Manila und
-Acapulco nehmen eine so hervorragende Stelle in der Geschichte der
-Philippinen ein und gewähren einen so interessanten Einblick in das
-alte Kolonialsystem, dass sie wenigstens in ihren Hauptzügen kurz
-geschildert zu werden verdienen.
-
-Zu Morga's Zeit, Ende des 16ten Jahrhunderts, kamen jährlich 30-40
-chinesische Junken nach Manila (gewöhnlich im März); Ende Juni ging die
-Nao (oder Galeon) nach Acapulco ab. Der Acapulcohandel, dessen Geschäft
-sich auf die dazwischen liegenden drei Monate im Jahr beschränkte,
-war so gewinnbringend, bequem und sicher, dass die Spanier sich in
-keine andere Unternehmungen einlassen mochten.
-
-Da der Raum des einzigen jährlichen Schiffes dem Zudrang durchaus nicht
-entsprach, so vertheilte ihn der Guvernör nach seinem Dafürhalten,
-und die Begünstigten trieben gewöhnlich nicht selbst Handel, sondern
-übertrugen ihre Konzessionen an Kaufleute.
-
-Nach de Guignes [31] wurde der Frachtraum der Nao in 1500 Theile
-getheilt, von denen eine grosse Anzahl den Klöstern, der Rest
-bevorzugten Personen zufiel. In Wirklichkeit war der amtlich auf
-600,000 Doll. beschränkte Werth der Ladung beträchtlich höher, und
-diese bestand vorzugsweise in indischen und chinesischen Baumwollen-
-und Seidenstoffen (unter andern 50,000 Paar seidene Strümpfe aus
-China) und Goldschmuck. Die Rückfracht belief sich auf 2 bis 3
-Millionen Dollars.
-
-Alles war bei diesem Handel im Voraus bestimmt: Zahl, Form,
-Grösse und Werth der Waarenballen, ja sogar ihr Verkaufspreis. Da
-dieser dem doppelten Kostenpreis gleichkam, so entsprach die
-Erlaubniss, Waaren für einen gewissen Betrag zu verschiffen, unter
-gewöhnlichen Verhältnissen dem Geschenk eines solchen Betrages. Solche
-Erlaubnissscheine (Boletas) wurden daher später zum grossen Theil an
-Pensionäre, Offizierswittwen und als Gehaltszulagen an Beamte gegeben,
-doch durften die also Begünstigten unmittelbar keinen Gebrauch
-davon machen, denn zum Acapulcohandel waren nur die Mitglieder des
-Consulado (einer Art Handelsgericht) berechtigt, die einen mehrjährigen
-Aufenthalt im Lande und 8000 Doll. Kapital nachweisen mussten.
-
-Der Astronom Legentil [32] beschreibt ausführlich die zu seiner Zeit
-geltenden Verordnungen und deren Umgehung: die Ladung war auf 1000
-Ballen, jeder zu 4 Pack [33] zum Werth von 250 Doll. festgesetzt. Die
-Zahl der Ballen durfte nicht überschritten werden, sie enthielten
-aber in der Regel mehr als 4 Pack, und ihr Werth überstieg den
-vorgeschriebenen so sehr, dass eine Boleta 200-225 Doll. galt. Die
-Beamten gaben wohl Acht, dass keine Güter ohne Boleta an Bord
-geschmuggelt wurden; die Jagd auf letztere war daher zuweilen so
-eifrig, dass Comyn später [34] für das Frachtrecht von Gütern, die
-kaum 1000 Doll. werth waren, 500 Doll. bezahlen sah. Die Kaufleute
-borgten das Geld für ihre Unternehmungen gewöhnlich von den obras pias,
-frommen Stiftungen, welche bis auf die Gegenwart die Stelle von Banken
-vertraten. [35] In der frühesten Zeit verliess die Nao Cavite im Juli,
-ging mit S.W. Winden nordwärts über den Kalmengürtel hinaus, bis sie
-in 38 oder 40° westliche Winde traf. [36] Später war den Schiffen
-vorgeschrieben, mit den ersten S.W. Winden Cavite zu verlassen,
-längs der Südküste von Luzon durch die San Bernardino-Strasse und
-in 13° N.Breite [37] so weit östlich als möglich zu fahren, bis der
-N.O. Passat sie zwang, in höheren Breiten N.W. Winde aufzusuchen. Dann
-sollten sie, so lange als möglich, die Breite von 30°, [38] statt
-wie früher 37° und mehr innehalten. Dem Kapitän war nicht erlaubt,
-sogleich weiter nördlich zu gehn, obgleich er dann eine viel
-schnellere und sichere Fahrt gehabt und das Gebiet des Regens früher
-erreicht hätte. Und doch war namentlich letzteres für ihn von höchster
-Wichtigkeit, denn die mit Gütern überfüllten Schiffe hatten nur wenig
-Raum für Wasser übrig und waren, obgleich sie 4-600 Mann an Bord zu
-haben pflegten, ausdrücklich auf den unterwegs aufzufangenden Regen
-angewiesen und zu dem Ende mit besonderen Vorrichtungen von Matten
-und Bambusrinnen versehen. [39]
-
-Wegen der Unbeständigkeit der Winde waren die Reisen in so niedrigen
-Breiten äusserst beschwerlich und dauerten fünf Monate und darüber. Die
-Furcht, das reiche, unbeholfene Schiff den kräftigen, zuweilen
-stürmischen Winden höherer Breiten auszusetzen, scheint dieser
-Vorschrift zu Grunde gelegen zu haben.
-
-Sobald die Schiffe an die grosse Sargassobank gelangten, schlugen
-sie einen südlichen Kurs ein und liefen dann die Südspitze der
-Californischen Halbinsel (San Lucas) an, wo Nachrichten und
-Erfrischungen für sie bereit gehalten wurden. [40] In der ersten
-Zeit aber müssen sie Amerika viel nördlicher, etwa bei Cap Mendocino
-erreicht haben und in Sicht der Küste südlich gefahren sein, denn
-als Vizcaino 1603 seine Entdeckungsreise von Mexico nach Californien
-unternahm, fand er die bedeutenderen Berge und Caps, obgleich sie nie
-von Europäern betreten waren, schon benannt, weil sie den Galeonen
-als Landmarken gedient hatten. [41]
-
-Die Rückkehr nach den Philippinen war bequem und dauerte nur 40-60
-Tage. [42] Das Schiff verliess Acapulco im Februar oder März, lief
-südwärts, bis es, gewöhnlich in 10 oder 11° N., den Passat traf,
-mit dem es ohne Mühe nach den Ladronen, von da über Samar nach Manila
-ging. [43]
-
-Eine Galeon oder Nao maass 1200-1500 Tonnen und führte 50-60 Kanonen,
-letztere aber gewöhnlich im Schiffsraum, wenigstens bei der Reise
-ostwärts. Auf der Heimkehr, wo es nicht an Platz mangelte, wurden
-die Kanonen aufgestellt.
-
-Fray Gaspar (S. 436) erzählt von der Nao Sa. Ana, die Thomas Candish
-1586 an der Küste von Californien kaperte und verbrannte: »Die
-Unsrigen fuhren so sorglos, dass sie ihre Artillerie als Ballast
-mit sich führten ... der Korsar machte eine so glückliche Reise,
-dass er in London einlief mit Segeln von chinesischem Damast und
-seidenem Tauwerk.«
-
-In Acapulco wurde die Ladung mit 100 Prozent Nutzen verkauft und in
-Silber, Cochenille, Quecksilber etc. bezahlt. Der Gesammtwerth der
-Rückfracht mochte 2-3 Millionen Doll. betragen [44], wovon 250,000
-bis 300,000 Doll. für Rechnung des Königs.
-
-Die Rückkehr des Schiffs in Manila, mit Silberdollars und neuen
-Ankömmlingen beladen, war ein grosses Fest für die Kolonie. Ein
-beträchtlicher Theil des ohne Anstrengung wie im Spiel gewonnenen
-Geldes wurde gewöhnlich schnell verprasst; dann sank Alles wieder in
-die gewohnte Leblosigkeit zurück.
-
-Oft aber gingen auch Schiffe verloren, da sie über die Grenzen
-der Verordnungen und der Vorsicht, mit grosser Beeinträchtigung
-ihrer Seetüchtigkeit beladen und schlecht geführt waren; denn
-nicht Fähigkeit, sondern Gunst entschied bei dem Vergeben der sehr
-einträglichen Stellen. [45] Mehrere Galeonen fielen englischen und
-holländischen Kapern in die Hände. [46] Auch der Gewinn nahm immer mehr
-ab, da die Compañia de Filipinas später das Recht erhielt, indische
-Baumwollenstoffe, die einen Hauptbestandtheil der Ladung bildeten,
-mit 6 Prozent Zoll über Veracruz in Neu-Spanien einzuführen, und
-Engländer und Amerikaner diese und andre Waaren einschmuggelten. [47]
-Schliesslich sei hier noch erwähnt, dass die spanischen Dollars
-durch die Nao über Manila nach China und Hinterindien gelangten,
-wo sie noch gegenwärtig Handelsmünze sind.
-
-
-
-
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-
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-
-DRITTES KAPITEL
-
- MANILA. -- LEBEN IN DER STADT UND IN DEN VORSTÄDTEN. --
- HAHNENKÄMPFE. -- TRACHTEN DER VERSCHIEDENEN KLASSEN.
-
-
-Die eigentliche Stadt Manila, hauptsächlich von Spaniern, Kreolen
-und zu ihnen in unmittelbarer Beziehung stehenden Einheimischen
-und Chinesen bewohnt, [48] liegt, von Mauern und breiten Gräben
-umschlossen, am linken, südlichen Ufer des Pásig, eine Seite dem Meere
-zukehrend; ein heisser, öder Ort, voll Klöster, Stifter, Kasernen,
-Regierungsgebäude. Rücksicht auf Sicherheit, nicht auf Annehmlichkeit,
-war bei der Gründung maassgebend. Manila erinnert an spanische
-Provinzialstädte und ist nach Goa die älteste Stadt in Indien. Die
-Fremden wohnen auf der Nordseite des Flusses, in Binóndo, dem Sitz des
-Gross- und Kleinhandels, oder in den freundlichen angrenzenden Dörfern,
-die ein zusammenhängendes Ganze bilden. Die Gesammtbevölkerung wird,
-wohl mit Uebertreibung, auf 200,000 geschätzt. Eine hübsche, alte,
-steinerne Brücke von zehn Bogen, in neuer Zeit auch eine eiserne
-Hängebrücke, verbinden die beiden Ufer des Flusses. [49]
-
-Zwischen den Bewohnern von Manila und Binóndo findet sehr wenig Verkehr
-statt. Das Leben in der eigentlichen Stadt soll nicht angenehm sein:
-Stolz, Neid, Stellenjägerei, Kastenhass sind an der Tagesordnung; die
-Spanier halten sich für besser als ihre Kreolen, welche wiederum jenen
-vorwerfen, dass sie nur in die Kolonie kommen, um sich satt zu essen,
-ebenso herrscht Hass und Neid zwischen Weissen und Mestizen. Aehnliche
-Verhältnisse bestehn zwar in allen spanischen Kolonien und liegen im
-Wesen der spanischen Kolonialpolitik, die immer bestrebt war, die
-verschiedenen Rassen und Stände feindlich zu trennen, aus Furcht,
-dass ihr Bündniss die Herrschaft des fernen Mutterlandes gefährde. [50]
-
-In Manila aber werden diese Zustände durch den Umstand gesteigert,
-dass die Klasse der durch grossen Grundbesitz an das Land gefesselten
-Pflanzer bisher fast gänzlich fehlte. Erst jetzt scheint die
-steigende Nachfrage nach den Landesprodukten allmälig einen
-erfreulichen Umschwung in dieser Beziehung herbeizuführen. Wie
-aber der einem Glücksspiel vergleichbare Naohandel, früher die
-einzige Quelle des Reichthums, auf die spanische Bevölkerung
-wirkte, schildert treffend Murillo Velarde (p. 272): »Die Spanier,
-die hierher kommen, betrachten diese Inseln nicht wie eine Heimath,
-sondern wie ein Wirthshaus. Heirathen sie, so geschieht es zufällig;
-wo giebt es eine Familie, die Generationen überdauerte? .. Der Vater
-sammelt Schätze, der Sohn vergeudet, der Enkel bettelt. Die grössten
-Kapitalien sind nicht beständiger als die Wogen des Meeres, auf denen
-sie sich gründen.«
-
-Auch unter den Ausländern in Binóndo herrscht durchaus nicht so viel
-Geselligkeit als in englischen oder holländischen Kolonien, und fast
-kein Umgang mit den Spaniern, welche die Fremden beneiden und deren
-im Lande gemachten Erwerb fast wie einen an ihnen, den Eigenthümern,
-begangenen Raub betrachten. Dabei ist das Leben sehr theuer, theurer
-als in Singapore und Batavia. Bei Vielen scheinen die Ausgaben in
-grossem Missverhältniss zu ihrem amtlichen Gehalt zu stehn.
-
-Die zum Theil sehr geräumigen Häuser sind düster und hässlich,
-mit Rücksicht auf das Klima schlecht ventilirt; statt luftiger
-Jalousien schwere Schiebefenster, welche das Licht nicht durch Glas,
-sondern durch dünne Austerschalen (Placuna placenta L.) einlassen,
-die kaum zwei Zoll im Geviert haben und in Gitterrahmen von zolldicken
-Latten sitzen. Das Erdgeschoss ist verständiger Weise, der grossen
-Feuchtigkeit wegen, meist unbewohnt, zu Magazinen, Stallungen,
-Diensträumen benutzt.
-
-Die anspruchslosen, in ihrer Art zweckmässigen Häuser von Brettern
-oder Bambus und Palmenblättern stehn der Feuchtigkeit wegen auf
-Pfählen, jedes für sich, der untere Raum gewöhnlich durch ein Gitter
-eingefasst, dient als Stall oder Magazin; so war es schon zu Magellan's
-Zeiten. Solche Häuser sind ausserordentlich leicht gebaut. Lapérouse
-schätzt das Gesammtgewicht mancher mit vollständigem Mobiliar auf
-weniger als 200 Pfund.
-
-Fast sämmtliche Häuser, sogar die Hütten der Eingeborenen, haben eine
-Azotea, d. h. einen nicht überdachten Raum in gleicher Flucht mit
-der Wohnung, der die Stelle von Hof und Balkon vertritt. Die Spanier
-scheinen diese hübsche Einrichtung den Mauren entlehnt zu haben; die
-Eingeborenen kannten sie aber wohl schon vor Ankunft der Europäer,
-denn Morga (Bl. 140) erwähnt bereits dergl. »Batalanes«. In den
-Vorstädten ist fast jede Hütte von einem Gärtchen umgeben.
-
-Das Trinkwasser ist mit Ausnahme des in Zisternen gesammelten, sehr
-schlecht. Es wird etwas oberhalb der Stadt in flache Kähne geschöpft
-und so den Haushaltungen zugeführt. Das Flusswasser ist oft ganz
-grün von Conferven, häufig sieht man auch todte Hunde und Katzen
-darin treiben, von grossen Pistien wie von Kopfsalat umgeben. In
-der trocknen Jahreszeit werden die zahlreichen Kanäle der Vorstädte
-stellenweis zu stagnirenden Kloaken, der Stadtgraben bietet bei jeder
-Ebbe einen solchen Anblick.
-
-An Gelegenheit zu Vergnügungen ist Manila sehr arm. Während meines
-Aufenthalts bestand kein spanisches Theater; tagalische Schauspiele
-(Uebersetzungen) wurden zuweilen aufgeführt. Es gab keinen Klub,
-keine lesbaren Bücher. Nicht einmal Zeitungsnachrichten belebten die
-matte Unterhaltung; denn nachdem die alle vierzehn Tage aus Hongkong
-eintreffenden Nachrichten durch die Priesterzensur gesichtet, blieb
-zur Speisung der Lokalblätter wenig übrig als Madrider und Pariser
-Hofnachrichten. [51] Nur die mit bunter Pracht gefeierten Kirchenfeste
-unterbrachen zuweilen die Einförmigkeit.
-
-Das grösste Vergnügen der Eingebornen sind die Hahnenkämpfe, die
-mit einer Leidenschaftlichkeit betrieben werden, welche jedem
-Fremden sogleich auffallen muss. Fast alle Indier halten sich
-Kampfhähne. Viele gehn nie aus, ohne ihren Liebling im Arm zu tragen;
-sie zahlen zuweilen 50 Doll. und mehr dafür und überhäufen ihn mit
-den zärtlichsten Liebkosungen. Man kann die Sucht für Hahnenkämpfe
-wohl ein Nationallaster nennen, doch sollen sie erst durch die
-Spanier oder die sie begleitenden Mexicaner eingeführt worden sein;
-ebenso das in China zum Nationallaster gewordene Opiumrauchen durch
-die Engländer. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass die Malayen die
-Sitte in's Land brachten. Im östlichen Theil der Philippinen müssen
-zu Pigafetta's Zeiten Hahnenkämpfe unbekannt gewesen sein. Er sah
-die ersten Kampfhähne in Paláuan: »Sie haben grosse Hähne, die sie
-aus einer Art von Aberglauben nicht essen, sie halten sie aber, um
-sie kämpfen zu lassen; es werden dabei Wetten gemacht, deren Ertrag
-der Eigenthümer des Siegers erhält.« [52] [53]
-
-Für Europäer ist das Schauspiel in hohem Grade widerwärtig: Der einen
-Ring um den Kampfplatz bildende Zuschauerraum ist mit Eingeborenen
-überfüllt, die aus allen Poren schwitzen, während ihre Gesichter von
-hässlichen Leidenschaften auf's Höchste erregt sind. Die Hähne sind
-je mit einem sehr scharfen, sichelförmigen, 3 Zoll langen Messer
-bewaffnet, das tiefe Wunden reisst und immer den Tod des einen oder
-beider Hähne durch grausame Verletzungen herbeiführt. Ein Hahn,
-der aus Feigheit davonläuft, wird lebendig gerupft. Im Verhältniss
-zu den Mitteln der Spieler werden unglaublich hohe Summen verwettet.
-
-Dass diese Hahnenkämpfe für ein so sehr zu Müssiggang und
-Liederlichkeit geneigtes, nur den Regungen des Augenblicks folgendes
-Volk im höchsten Grade entsittlichend wirken, liegt auf der Hand. Der
-Lockung, ohne Arbeit Geld zu gewinnen, vermögen sie schwer zu
-widerstehn; Viele werden durch die Leidenschaft des Spieles zu
-Wucherschulden, Unterschlagungen und Diebstahl verleitet, auch zu
-Strassenraub: die Land- und Seeräuberbanden, von denen weiter unten,
-sollen zum grossen Theil aus ruinirten Spielern bestehn. [54]
-
-Alle Städte Hinterindiens übertrifft Manila durch angenehme
-Frauengestalten, die seine Strassen beleben. Herr Mallat schildert
-sie in glühenden Worten. Ein hübsches, phantasiereiches, in der
-Lokalfarbe gehaltenes Bild des Strassenlebens findet man auch in den
-sehr unterhaltenden Aventures d'un gentil'homme Breton. [55]
-
-Wie viele der hübschesten »India's« von ganz reinem Blute sind, ist
-freilich nicht zu ermitteln. Manche sind sehr weiss, nähern sich dem
-europäischen Typus und unterscheiden sich dadurch merklich von ihren
-Stammesgenossen in den abgelegeneren Provinzen.
-
-Der unmittelbaren Umgebung Manila's fehlt es nicht an schönen Punkten,
-ihr Besuch gehört aber nicht zum Ton, da Toilettenschau, nicht
-Naturgenuss, Zweck des Spazierengehns ist. In der trockenen Jahreszeit
-fahren Abends Alle, die es bezahlen können, auf staubigen Strassen nach
-einem kürzlich angelegten Platz am Meer, von 1000 Fuss Breite, 200 Fuss
-Länge, wo mehrere Mal in der Woche die recht gute Musik inländischer
-Regimenter spielt, und gehen steif auf und ab. Die Spanier stecken alle
-in Uniformen oder schwarzen Fracks. Wenn die Glocken zum Abendgebet
-(Angelus) läuten, stehn Wagen, Reiter und Fussgänger plötzlich still,
-Jedermann entblösst sein Haupt und scheint zu beten.
-
-Derselbe Guvernör, der die Promenade angelegt, hatte auch einen
-botanischen Garten geschaffen. Zwar waren die wenigen von ihm dahin
-versetzten Pflanzen, auf dem morastigen Boden der vollen Sonnengluth
-preisgegeben, schnell wieder zu Grunde gegangen, aber der Platz
-war eingezäunt, in Felder getheilt, mit Unkraut bewachsen und hatte
-wenigstens einen Namen erhalten, gegenwärtig soll er besser im Stande
-sein. [56]
-
-In der Umgegend von Manila sind die Kirchenfeste wohl des Besuchs der
-Fremden werth, schon wegen der zahlreichen hübschen Indierinnen und
-Mestizinnen, die sich Abends dort einfinden und in ihrem besten Putz
-auf den festlich beleuchteten, mit Fahnen und Blumen geschmückten
-Strassen spazieren gehn. Sie sind namentlich für den aus den
-Malayenländern kommenden eine anmuthige Erscheinung. Die Indierin
-ist sehr schön gewachsen, hat üppiges schwarzes Haar, grosse dunkle
-Augen; der obere Theil des Körpers ist in inländische, oft kostbare
-Stoffe von durchsichtiger Feinheit und tadelloser Weisse gehüllt,
-und von der Hüfte abwärts in ein buntstreifiges, weitfaltiges Kleid
-(Saya), dessen oberer Theil bis zum Knie durch ein dunkles Tuch,
-Tapis, so fest zusammengehalten wird, dass die reichen, bunten Falten
-der Saya daraus wie die Blumenblätter einer Granate hervorbrechen,
-und die Mädchen nur ganz kurze Schritte machen können, was in
-Verbindung mit den niedergeschlagenen Augen ihnen einen sehr sittsamen
-Anstrich giebt. An den nackten Füssen tragen sie gestickte Pantoffeln
-(Chinelas), so schmal, dass die kleine Zehe, die nicht Platz darin hat,
-den Pantoffel von aussen festhalten muss. [57]
-
-Aermere Indierinnen kleiden sich nur in eine Saya und ein sogenanntes
-Hemd, so kurz, dass es oft nicht bis zu dieser hinabreicht; in den
-östlichen Inseln tragen selbst erwachsene Mädchen und Frauen ausser
-einem katholischen Amulet gewöhnlich nur diese zwei Kleidungsstücke,
-die namentlich nach dem Bade, bis sie die Sonne wieder getrocknet hat,
-fast durchsichtig sind.
-
-Hut, Hose und darüber ein Hemd, beide aus grober Guinára, bilden die
-Tracht der ärmeren Männer. Die Hemden der Reicheren sind mitunter
-aus sehr theuren inländischen Geweben, von Ananas oder Bananenfasern
-mit oder ohne seidene Streifen, auch ganz aus Jusi (chinesische
-Floretseide), in welchem Falle sie nicht gewaschen und also nur
-einmal getragen werden können. Der Hut, Salacót (ein Kugelsegment
-aus inländischem Flechtwerk), dient als Regen- und Sonnenschirm, und
-ist zuweilen bis zu beträchtlichem Werthe mit Silber beschlagen. Die
-Principalia hat das Vorrecht, eine kurze Jacke über dem Hemde zu
-tragen, und ist gewöhnlich auch an ihrer, zuweilen bis an's Drollige
-streifenden Würde und ihrem vergilbten, in der Familie forterbenden
-Zylinder-Hute kenntlich. Der einheimische Stutzer hat lackirte Schuhe
-an den nackten Füssen, lange, enganliegende Hosen, schwarz oder
-grellbunt gestreift; darüber ein gefaltetes, gestärktes Hemd von
-europäischem Schnitt; auf dem Kopf einen zylindrischen Seidenhut,
-in der Hand ein Stöckchen. Recht unanständig sieht es aus, wenn
-bei Gala-Mahlzeiten die Dienerschaft in weissen gestärkten Hemden
-über den Hosen erscheint, nie sind mir die Hässlichkeiten unserer
-europäischen Kleidung mehr aufgefallen als in der Nachäffung durch
-den Manila »Elegante«.
-
-Die Mestizinnen kleiden sich wie die Indierinnen, aber ohne Tapis,
-an Europäer verheirathete tragen auch Schuhe und Strümpfe. Manche
-Mestizinnen sind von grosser Schönheit, ihr Gang hat aber gewöhnlich
-etwas Schleppendes, von der Gewohnheit, den Pantoffel zu schleifen. In
-der Regel sind sie klug, wirtschaftlich, zu Handelsgeschäften sehr
-geschickt, in Unterhaltung aber oft unbeholfen und langweilig. Mangel
-an Bildung allein ist wohl nicht die Ursache, denn eine Andalusierin
-hat ausser der Doctrina christiana auch nichts gelernt, und ist doch
-in ihrer Jugend eines der reizendsten Wesen. Der Grund liegt wohl
-eher in der Zwitterstellung der Mestizin: von den weissen Frauen wird
-sie hochmüthig zurückgestossen, während sie selbst ihre mütterlichen
-Verwandten verläugnet. Ihrem Auftreten fehlt die Sicherheit, der
-richtige Takt, den die Süd-Europäerin in allen Lebensverhältnissen
-zeigt.
-
-Die Mestizen, besonders die von Chinesen und Tagalinen, bilden den
-reichsten, unternehmendsten Theil der einheimischen Bevölkerung;
-sie kennen alle guten und schlechten Eigenschaften des Eingeborenen
-und beuten sie rücksichtslos für ihre Zwecke aus.
-
-
-
-
-
-
-
-
-VIERTES KAPITEL
-
- STELLUNG DER EUROPÄER UND EINGEBORENEN IN ENGLISCHEN, HOLLÄNDISCHEN
- UND SPANISCHEN KOLONIEN. -- EINFLUSS DER SPANISCHEN KOLONIALPOLITIK
- AUF DIE SITTEN DER EINGEBORENEN. BEQUEMLICHKEIT DES LEBENS. --
- KOKOSPALME, BAMBUS.
-
-
-Ein schottischer Grosshändler, dem ich empfohlen war, bot mir mit so
-überzeugender Liebenswürdigkeit sein Haus und seine Gastfreundschaft
-an, dass ich nicht umhin konnte sie anzunehmen. Obgleich ich mich
-dadurch unter dem Schutz eines der reichsten und geachtetsten Männer
-der Stadt befand, verlangten dennoch die Miethskutscher für jede
-Fahrt Vorausbezahlung. Dies Misstrauen liess auf die geringe Achtung
-schliessen, die die Mehrzahl der hiesigen Europäer den Einheimischen
-einflösst. Zahlreiche spätere Beobachtungen bestätigten diese
-Vermuthung. Wie anders ist es in Java und Singapore! Die Ursache
-lässt sich vielleicht erklären:
-
-Holländer können sich ebensowenig als Engländer in heissen Erdstrichen
-akklimatisiren; sie beuten die Länder aus, in denen sie nur
-vorübergehend weilen, jene durch Frohnden und Monopole, diese durch
-Handel; in beiden Fällen genügen aber wenige, durch die Grösse ihrer
-Unternehmungen oder ihre amtliche Stellung durch Reichthum und Bildung
-hoch über der Masse der Bevölkerung stehende Individuen. In Java sind
-überdies die Europäer der Mehrzahl nach Regierende, die Eingeborenen
-Regierte; aber auch in Singapore, wo beide gesetzlich gleichstehn,
-wissen sich die wenigen Weissen so entschieden auf der Höhe zu halten,
-dass ihnen, wenn auch nicht durch das Gesetz, doch im Verkehr alle
-Vorrechte einer höheren Kaste ohne Widerspruch eingeräumt werden. Die
-Verschiedenheit der Religion vergrössert die Kluft. Endlich sprechen
-dort alle Europäer die Landessprache, während die Eingeborenen die
-der Fremden nicht verstehn. Die holländischen Beamten werden schon in
-der Heimat in besonderen Schulen für den Dienst in Ostindien erzogen;
-die Kunst mit den Eingeborenen umzugehen, die Aufrechthaltung des
-»Prestige«, das für das eigentliche Geheimniss der holländischen
-Macht gegenüber der zahlreichen einheimischen Bevölkerung gilt,
-bildet einen wesentlichen Punkt in ihrer Erziehung. Daher richten
-sich die Holländer im Verkehr mit den Eingeborenen, wie sehr sie
-diese auch ausbeuten, streng nach den Regeln des herkömmlichen »Adat«
-(alter Brauch), verletzen nicht das Ehrgefühl des Inländers und geben
-sich auch im Umgang mit einander nicht leicht eine Blösse vor jenem,
-für den sie ein verschlossenes Buch bleiben.
-
-In den Philippinen ist es umgekehrt. Mit Ausnahme derjenigen Beamten,
-denen das Gesetz oder die bei jedem spanischen Ministerwechsel zum
-Durchbruch kommende Aemtergier nur einen beschränkten Aufenhalt
-gestattet, kehren wenige Spanier, die einmal die Kolonie betreten,
-in ihr Vaterland heim; die Geistlichen dürfen nicht, die meisten der
-übrigen können nicht zurück; ein nicht unbeträchtlicher Theil besteht
-aus Subalternen, Soldaten und Seeleuten, politischen Verbrechern
-und politisch Unbequemen, deren sich das Mutterland entledigt, auch
-nicht selten aus Abenteurern, denen die Mittel zur Rückkehr fehlen und
-wohl eben so sehr die Lust; denn wie herrlich ist ihr hiesiges Leben
-im Vergleich zu dem, welches sie in ihrer Heimat führen müssten. Sie
-kommen an ohne Kenntnisse des Landes, ganz unvorbereitet; Manche sind
-so faul, dass sie nie die Sprache lernen, selbst wenn sie sich im
-Lande verheirathen. Ihre Diener verstehen Spanisch, belauschen die
-Gespräche und Handlungen, und kennen alle Geheimnisse ihrer meist
-wenig diskreten Herren, während die Eingeborenen diesen ein Räthsel
-bleiben, das sie auch schon aus Dünkel nicht zu entziffern versuchen.
-
-Dass die grosse Zahl der hiesigen, ungebildeten, über ihre Mittel
-hinaus lebenden Spanier, die alle die Herrn spielen wollen, gleichviel
-welche Stellung sie zu Haus einnahmen, das Ansehn der Europäer sehr
-beeinträchtigen muss, ist leicht einzusehn. Die relative Stellung
-des Indiers kann aber dabei nur gewinnen und schwerlich giebt es
-eine Kolonie, in welcher sich die Eingeborenen im Ganzen genommen
-behaglicher fühlen als in den Philippinen. Sie haben Religion, Sitten
-und Gebräuche ihrer Herren angenommen, und fühlen sich, obwohl diesen
-gesetzlich nicht gleichgestellt, doch nicht durch eine hohe Schranke
-von ihnen geschieden, wie sie, ganz abgesehn von Java, die schroffe
-Zurückhaltung der Engländer zwischen sich und den Eingeborenen aufbaut.
-
-Die gleiche Religion, der gemeinschaftliche Gottesdienst, das
-Zusammenleben mit den Einheimischen, Alles trägt dazu bei, den
-Europäer dem Indier näher zu bringen, wie auch das Vorhandensein
-einer verhältnissmässig sehr zahlreichen Mestizenklasse bezeugt.
-
-Spanier und Portugiesen scheinen in der That die einzigen Europäer,
-die in tropischen Ländern Wurzel schlagen, sich mit Eingeborenen auf
-die Dauer fruchtbar vermischen können; wobei das Coelibat der Priester
-begünstigend mitwirkt. [58]
-
-Den Mangel an Eigenthümlichkeit, der bei den Mestizen aus ihrer
-Zwitterstellung hervorzugehn scheint, nimmt man auch an den Indiern
-wahr. Stark ausgeprägte nationale Sitten, die man in einem so fernen
-Lande wohl erwarten sollte, sucht man vergebens; immer von Neuem
-merkt man den Leuten an, dass Alles angelernt und äusserlich ist.
-
-Wie der spanische Katholizismus im Mutterlande die hohe Kultur der
-Mauren, in Peru die der Inka's mit Gewalt ausgerottet, so hat er hier,
-was etwa an eigenthümlicher Gesittung vorhanden war, ebenso gründlich
-zu beseitigen verstanden, indem er sich, um schnell Wurzel schlagen,
-den bestehenden Formen und Missbräuchen in fast unglaublicher Weise
-anschmiegte. [59]
-
-Die in der Kultur wenig vorgeschrittenen Philippiner nahmen schnell
-die Aeusserlichkeiten der fremden Religion an, und zugleich
-die Aeusserlichkeiten im Wesen ihrer neuen Herren; die eignen
-Sitten lernten sie, als heidnisch und wild, verachten. Jetzt
-singen sie andalusische Lieder und tanzen spanische Tänze, aber
-wie! Alles äffen sie nach, ohne den Geist zu erfassen, aus dem es
-hervorgegangen. Deshalb sind sie selbst und ihre Kunsterzeugnisse
-meist langweilig und charakterlos, man möchte sagen unächt, trotz
-der auf letztere zuweilen verwendeten grossen Geschicklichkeit und
-Geduld. Diese beiden Eigenschaften werden übrigens bei allen wenig
-fortgeschrittenen Nationen wahrgenommen; die bewunderte Geduld ist aber
-oft nur Verschwendung von Zeit und Mühe, im Missverhältniss zum Zweck;
-die grössere Anstelligkeit eine Folge der weniger vorgeschrittenen
-Arbeitstheilung.
-
-Betritt man das Haus eines wohlhabenden Eingeborenen, der spanisch
-spricht, so empfängt er uns mit denselben Redensarten wie sein Vorbild;
-man hat aber dabei immer das Gefühl, dass sie nicht am Platz sind. In
-den Ländern, wo die einheimische Bevölkerung ihren alten Sitten treu
-geblieben, wird dies nie empfunden; selbst wenn uns nicht mit der
-gebührenden Rücksicht begegnet werden sollte, bemerken wir es kaum, da
-sich bei ganz verschiedenen gesellschaftlichen Formen, wie bei fremdem
-Maass und Gewicht, nicht unmittelbar Vergleiche aufdrängen. -- Während
-in Java und namentlich in Borneo und den Molukken die Gegenstände
-des täglichen Gebrauchs häufig mit so feinem Gefühl für Form und
-Farbe verziert sind, dass sie von unseren Künstlern als Muster der
-Ornamentik gerühmt werden und den Beweis liefern, dass die Arbeit
-mit Lust und Liebe und innigem Verständniss vollbracht wurde, ist in
-den Philippinen von solchem Schönheitssinn wenig wahrzunehmen. Alles
-ist Nachahmung oder liederlicher Nothbehelf. Selbst die wegen ihrer
-Feinheit so berühmten, mit unglaublicher Geduld und nicht minderem
-Geschick ausgeführten Piña-Stickereien sind in der Regel geistlose
-Nachahmungen spanischer Muster. Zu ähnlichen Betrachtungen gelangt man
-unwillkürlich, wenn man die Kunstprodukte der spanisch-amerikanischen
-Völker mit denen der wilden Stämme vergleicht. Das ethnographische
-Museum in Berlin bietet dazu Stoff in Fülle.
-
-Die Ruder bestehn in den Philippinen häufig aus einer Bambusstange,
-an deren Ende ein Brett mit Rotangstreifen festgebunden ist; bricht
-es unterwegs entzwei, um so besser; bis es geflickt ist, muss die
-anstrengende Arbeit nothwendig unterbrochen werden.
-
-In Java sind die völlig regendichten Büffelkarren auf das
-Mannichfaltigste und Geschmackvollste gemustert. In den Philippinen
-wird der dachlose Karren gewöhnlich erst im letzten Augenblick
-zusammengeflickt. Soll die Ladung durchaus vor Nässe geschützt werden,
-so wirft man ein paar alte Matten darüber, mehr in der Absicht, die
-Ansprüche des Castila zu beschwichtigen, als um den Regen abzuhalten.
-
-Engländer und Holländer bleiben Fremdlinge unter den Tropen, sie üben
-keinen Einfluss auf die alten Gebräuche, die in der Landesreligion
-gipfeln. Die Völker aber, die Spanien durch den Katholizismus
-unterworfen, haben alles Ursprüngliche, Volksthümliche verloren; die
-fremde Religion ist bei ihnen nicht in's Innere gedrungen, es fehlt
-ihnen an moralischem Halt, und wohl kein zufälliges Zusammentreffen
-ist es, dass sich alle diese Völker mehr oder weniger kennzeichnen
-durch einen gewissen Mangel an Würde, grosse Leichtlebigkeit und
-selbst Liederlichkeit.
-
-Abgesehn von diesem Mangel an nationalen Eigenthümlichkeiten und
-überlieferten Gebräuchen, deren Vorhandensein vielen Ländern Ostasiens
-einen Hauptreiz verleiht, ist der Eingeborne höchst anziehend als
-Typus des Menschen unter bequemsten äussern Verhältnissen. Die
-Willkürherrschaft der Häuptlinge und die Sklaverei wurden von den
-Spaniern bald nach ihrer Ankunft abgeschafft, an Stelle der häufigen
-Raubzüge und Kriege trat Ruhe und Sicherheit. Das spanische Regiment
-ist in diesen Inseln im Ganzen immer milde gewesen, nicht weil die
-Leyes de Indias so sehr wohlwollend, ja fast zärtlich für den Indier
-lauten, den sie wie einen Minorennen behandeln, sondern weil die
-Ursachen fehlten, die in Spanisch-Amerika trotz derselben Gesetze und
-in den Kolonien anderer Völker so grosse Grausamkeiten veranlassten.
-
-Es war ein Glück für die Eingeborenen, dass ihre Inseln keine
-Reichthümer an edlen Metallen und kostbaren Gewürzen besassen. Die
-voluminösen Produkte des Ackerbau's konnten bei den ehemaligen
-Verkehrsverhältnissen keine Ausfuhren bilden; es lohnte daher
-nicht, sie nachdrücklich auszubeuten. Die wenigen in der Kolonie
-lebenden Spanier fanden im Handel zwischen China und Mexico durch
-die Nao (S. 10) ein so bequemes Mittel zum Gelderwerb, dass sie
-sich fern hielten von allen wirthschaftlichen Unternehmungen, die
-ihren eignen adelshochmüthigen Neigungen wenig entsprachen und die
-angestrengte Arbeit der Eingeborenen erfordert hätten. Für Spanien,
-dem schon übergrosse Besitzungen in Amerika eine erschöpfende
-Menschensteuer auflegten, war es bei der damals so langwierigen,
-gefahrvollen Schifffahrt unmöglich, in den Philippinen eine starke,
-bewaffnete Macht zu halten. Die durch einige glänzende militärische
-Unternehmungen eingeleitete Unterwerfung ward wesentlich durch Mithülfe
-der Mönchsorden vollendet, deren Missionäre vorwiegend Klugheit und
-Geduld anwenden mussten. So wurden die Philippinen zum grossen Theil
-durch Conquista pacifica (Pacifacion, Poblacion) gewonnen.
-
-Die den Eingeborenen aufgelegten Abgaben waren so gering, dass
-sie nicht entfernt für den Kolonialhaushalt genügten. Der Ausfall
-wurde durch jährliche Zuschüsse aus Mexico gedeckt. An Erpressungen
-gewissenloser Beamten hat es freilich nicht gefehlt. Grausamkeiten,
-wie in den amerikanischen Bergwerksdistrikten oder in den Fabriken
-von Quito werden aber von den Philippinen nicht gemeldet.
-
-Das unbebaute Land ist frei, gehört Jedem, der es urbar machen will,
-fällt aber, wenn es zwei Jahre unbenutzt bleibt, wieder an die Krone
-zurück. [60] Die einzige Abgabe, die der Indier zahlt, ist eine
-Kopfsteuer, Tributo genannt, die ursprünglich vor drei Jahrhunderten
-einen Dollar für je zwei Erwachsene betrug, was in einem Lande,
-wo Alle früh heirathen und die Geschlechter gleich vertheilt sind,
-fast gleichbedeutend mit Familie ist. Allmälig ist der volle Tribut
-auf 2 1/16 Doll. erhöht worden. Ein Erwachsener zahlt also 1 1/32
-Doll. und zwar vom 16ten bis zum 60sten Lebensjahre, gleichviel ob
-Mann oder Frau. Ausserdem hat der Mann 40 Tage Arbeit für öffentliche
-Zwecke zu leisten. Diese Frohnden (Pólos y Servicios) zerfallen
-in ordentliche und ausserordentliche; jene bestehn in Wacht- und
-Botendienst, Reinhalten des Tribunals und anderen leichten Diensten,
-diese in Strassenbau und ähnlichen zum Besten des Dorfes oder der
-Provinz. Wie wenig aber diese Leistungen ausgenutzt werden, geht wohl
-am besten daraus hervor, dass Jedermann sich davon loskaufen kann für
-eine Summe, die im höchsten Falle nicht über 3 Doll. beträgt. Frauen
-sind von persönlichen Leistungen frei. Die wichtigsten Einzelheiten
-über den Tribut sind weiter unten in einem besonderen Kapitel,
-vorzüglich nach amtlichen Quellen, die mir im Ultramar-Ministerium
-zugänglich waren, kurz zusammengestellt.
-
-In andern Ländern, wo das Klima ebenso milde, der Boden ebenso
-ergiebig, wird der Eingeborene von einheimischen Fürsten fast
-erdrückt, von Ausländern rücksichtslos ausgebeutet oder vertilgt,
-wenn er nicht schon eine höhere Zivilisationsstufe einnimmt. In
-diesen abgelegenen, von der Natur so reich ausgestatteten Inseln,
-wo der Druck von oben, der innere Trieb und jede äussere Anregung
-fehlte, hat sich das behagliche Leben bei geringen Bedürfnissen in
-voller Breite entfalten können. Von allen Ländern der Welt mögen die
-Philippinen wohl den Anforderungen an ein Schlaraffenland am meisten
-entsprechen. Wer das Dolce far niente nur von Neapel her kennt, hat
-noch keinen Begriff davon; es gedeiht nur unter Palmen. Die folgenden
-Reiseberichte werden Beispiele genug enthalten, um dies zu bekräftigen;
-aber schon eine Fahrt auf dem Pásig giebt einen Vorgeschmack des
-Lebens im Innern. Niedliche Bretterhäuser und Bambushütten, von
-üppigster Laub- und Blüthenfülle umgeben, gruppiren sich malerisch
-mit Arecapalmen und hohen gefiederten Bambusen am Ufer. Zuweilen
-reichen die Zäune in den Fluss und grenzen Räume zur Entenzucht ab
--- oder zum Baden. Der Saum des Wassers ist von Kähnen, Senknetzen,
-Flössen, Fischapparaten und dergleichen eingenommen. Beladene Boote
-ziehen den Fluss entlang und kleine Nachen schiessen zwischen Gruppen
-von Badenden hindurch von einem Ufer zum andern.
-
-Am Lebhaftesten geht es bei den Tiendas zu, grossen, den javanischen
-Warongs entsprechenden Schuppen, deren offene Seite aber dem Fluss,
-der Hauptverkehrsstrasse, zugewendet ist. Sie üben eine mächtige
-Anziehung auf die vorüberziehenden Schiffer, die dort ausser Speisen
-und andern Lebensbedürfnissen gewöhnlich auch müssige Gesellschaft
-beiderlei Geschlechts, Hazard-Spiel, Tuba, Betel und Tabak finden.
-
-Zuweilen sieht man einen Indier im Schlafe auf einem grossen Berg von
-Kokosnüssen hockend mit der Ebbe den Fluss hinabtreiben. Strandet er,
-so erwacht der Schläfer, macht sich mit Hülfe eines langen Bambus
-wieder frei und treibt im Halbschlaf mit der Strömung weiter. Durch
-einen Schlag mit dem Waldmesser ist es leicht, von der Faserhülle
-der Nuss einen schmalen Streifen so weit zu lösen, als nöthig ist,
-um sie mit einer andern zu verknüpfen; so wird ein Kranz gebildet, der
-die in der Mitte lose aufgethürmten Nüsse umgürtet und zusammenhält.
-
-Wir haben freilich vollkommenere Transportmittel als Errungenschaft
-Jahrtausende langer mühevoller Arbeit, hier aber kann der Mensch sehr
-Vieles unmittelbar aus den Händen der Natur für seine Zwecke verwenden
-und sich durch geringe Mühe verhältnissmässig grosses Behagen schaffen.
-
-Auf der Insel Talim im grossen See von Bay kauften meine Bootleute für
-einige Cuartos mehrere Dutzend fast fusslanger Fische; diejenigen,
-die sie nicht verzehren mochten, wurden gespalten, gesalzen und auf
-dem Dach des Bootes in wenigen Stunden an der Sonne getrocknet. Als
-die Fischer ihr beabsichtigtes Frühstück verkauft hatten, bückten sie
-sich und füllten ihre Kochtöpfe mit Sumpfmuscheln (Paludina costata
-Q. & G.), die sie händevoll vom Boden des flachen Wassers aufnahmen,
-indem sie die todten zum Theil fortwarfen.
-
-Fast alle Ortschaften liegen am Wasser. Der Fluss ist eine von der
-Natur gegebene, sich selbst erhaltende Strasse, auf welcher Lasten
-bis an den Fuss der Berge befördert werden können. An seinem Ufer
-und besonders an seiner breiten Mündung erheben sich auf Pfählen die
-Hütten der Eingeborenen, Pfahlbauten von unmittelbar ersichtlicher
-Zweckmässigkeit. Dort vorzugsweise ist der Sitz des Lebens, weil
-es dort am bequemsten ist. Bei jeder Ebbe liefern die Fischreusen
-mehr oder weniger reichliche Ausbeute; Weiber und Kinder holen dann,
-ohne sich zu bücken, vermittelst ihrer Zehen, mit denen sie greifen
-können, Zweischaler aus dem Schlamm, oder sammeln am Strande Krebse,
-Seethiere, essbare Algen.
-
-Ein hübscher Anblick ist es, wenn Frauen, Männer und Kinder im
-Schatten von Palmen baden und scherzen, Andere ihre Wassergefässe
-füllen: geräumige Bambusen, die geschultert, oder Krüge, die auf dem
-Kopf getragen werden, und wenn die Knaben auf dem breiten Rücken der
-Büffel aufrecht stehend diese jubelnd in's Wasser reiten.
-
-Dort ist es auch wo die Kokospalme am besten gedeiht, die dem
-Menschen nicht nur Speise und Trank, sondern auch das gesammte
-Material für seine Hütte und allerlei Geräth liefert. Während
-sie landeinwärts nur bei grosser Pflege spärlich Früchte trägt,
-giebt sie am unmittelbaren Seestrande auf dem schlechtesten Boden
-ohne menschliche Bemühung reichen Ertrag. (Im Treibhaus ist sie wohl
-noch nie zur Blüte gekommen?). Thomson [61] hebt hervor, dass sie auf
-solchem Standorte ihren Stamm gern über das Meer neigt, dessen Fluthen
-die herabfallenden Früchte an öde Küsten und niedere Inseln tragen
-und diese dadurch zu menschlichen Wohnsitzen geschickt machen. So
-mag wohl die Kokospalme einen wesentlichen Antheil an dem maritimen
-Vagabundenthum der malayischen und polynesischen Völkerschaften haben.
-
-Neben dem Kokoshain zieht sich ein Saum stammloser Nipapalmen hin, die
-nur in brackischem Wasser wachsen [62]; ihre Blätter liefern die besten
-Ataps zum Dachdecken. Aus ihrem Saft wird Zucker, Branntwein und Essig
-bereitet. Schon Pigafetta fand vor 350 Jahren diese Gewerbe in vollem
-Betriebe, sie scheinen auch heut noch auf die Philippinen beschränkt
-zu sein. Auch derjenige Pandanus, aus dessen Blättern die weichsten
-Matten geflochten werden, entfernt sich nicht weit vom Strande.
-
-Landeinwärts breiten sich Reisfelder aus, die durch jährlich
-wiederkehrende Ueberschwemmungen eine Lage fruchtbaren Erdreichs aus
-den Bergen erhalten und daher nie gedüngt werden. Der Büffel, das
-Lieblingshausthier des Malayen, dasjenige welches er vorzugsweise
-zum Feldbau zu benutzen pflegt, zieht diese Orte allen andern
-vor; er liebt, sich im Schlamm zu wälzen und ist nicht zur Arbeit
-tauglich, wenn er sich nicht häufig baden kann. Aus den Reisfeldern
-an den Flussufern neben den Hütten erheben sich fein gefiederte
-Bambusbüsche. Wie sehr dies Riesengras zur Bequemlichkeit des Lebens
-der Tropenbewohner beiträgt, hat Verfasser in früheren Reiseskizzen
-(S. 174) zu schildern versucht. Noch manche interessante Verwendungen
-sind ihm seitdem bekannt geworden, deren Beschreibung hier nicht am
-Ort wäre. [63] Es sei ihm aber vergönnt, noch nachträglich an einigen
-Beispielen deutlich zu machen, mit wie einfachen Mitteln alle jene
-vielfältigen Ergebnisse erzielt werden. Die Natur hat diese herrliche
-Pflanze, die vielleicht alle andere auch an Schönheit übertrifft,
-mit so vielen nützlichen Eigenschaften ausgestattet, und liefert
-sie dem Menschen so fertig zum unmittelbaren Gebrauch in die Hand,
-dass meist einige kecke Schnitte genügen, um die mannichfaltigsten
-Geräthe daraus herzustellen. Der Bambus hat eine, im Verhältniss
-zu seiner Leichtigkeit ausserordentlich grosse Festigkeit, bedingt
-durch die Röhrenform und die in angemessenen Abständen vorhandenen
-Zwischenwände. Wegen des Parallelismus und der Zähigkeit seiner
-Fasern ist er sehr vollkommen und leicht spaltbar; gespalten aber,
-von ausgezeichneter Biegsamkeit und Elastizität. Dem Reichthum an
-Kieselerde verdankt er grosse Dauerbarkeit, und eine harte, glatte,
-stets reine Oberfläche, deren Glanz und schöne Farbe im Gebrauch
-zunehmen. Von besonderer Wichtigkeit endlich für Völker mit geringen
-Verkehrsmitteln ist der Umstand, dass der Bambus in Fülle auf sehr
-verschiedenen Standorten, in allen möglichen Dimensionen von wenigen
-Millimetern bis zu zehn, fünfzehn Centimetern und mehr, ausnahmsweise
-sogar von doppeltem Durchmesser, angetroffen wird, und überdies wegen
-seiner unübertrefflichen Flössbarkeit selbst in jenen strassenarmen,
-aber wasserreichen Ländern mit grösster Leichtigkeit fortgeschafft
-werden kann.
-
-Ein Schlag mit dem Waldmesser reicht gewöhnlich aus, um ein starkes
-Rohr zu fällen, entfernt man die dünnen Zwischenwände, so hat man
-Röhren, deren Enden in einander geschoben werden können. Durch
-einmaliges Spalten erhält man Rinnen, Tröge, Dachziegel; durch
-mehrmaliges Latten, die wiederum bis in die feinsten Streifen und
-Fäden, zur Anfertigung von Rahmen, Gestellen, Körben, Stricken, Matten
-und feinen Geflechten zerlegt werden können. Zwei Schnitte in die
-Seite geben ein rundes Loch, in welches ein Halm von entsprechendem
-Durchmesser fest eingepasst werden kann (a). Macht man solchem
-Ausschnitt gegenüber einen zweiten, so kann ein Halm durchgesteckt
-werden (b), auf diese Weise werden Thüren wagerecht oder senkrecht
-verschiebbar, oder um eine senkrechte oder wagerechte Axe mit oder
-ohne Reibung drehbar, hergestellt.
-
-Zwei tiefere Schnitte gestatten das Rohr in einen Winkel (c) , oder
-wenn sie weit genug auseinander, um einen andern Halm zu biegen,
-z. B. für Dachfirsten (d), für Gestelle von Stühlen oder Tischen
-(e), auf denen dann ein aufgeschlitztes, plattgedrücktes Rohr, statt
-eines Brettes oder Bambus-Latten (f) mittelst Stuhlrohr befestigt
-werden. Eben so leicht ist es eine längliche schmale Oeffnung
-herzustellen zum Einpassen von Latten (g).
-
-Zwei Schnitte genügen beinahe, um eine Gabel oder Zange (h), einen
-Haken (i) anzufertigen.
-
-Macht man ein durch Auflegen des Fingers verschliessbares Loch in die
-Seite, dicht unter einem Knoten, so erhält man einen Heber und zugleich
-ein Filtrum (k), wenn man über das offene Ende ein Läppchen bindet.
-
-Spaltet man ein abgestutztes Rohr bis auf einen Knoten in Streifen, die
-man auseinander biegt und mit andern Streifen durchflicht, so erhält
-man einen konischen Korb, der unter dem Knoten kurz abgeschnitten
-als Tragkorb (l), langgestielt, mit Harz gefüllt als Signalfackel
-dient. (m) Steckt man in solche spitzkegelförmige Körbe flachere von
-gleichem Umfang, deren Knoten abgeschnitten oder durchstossen sind, so
-erhält man Fangkörbe für Krabben und Fische. (n) Spaltet man aber einen
-kurz über einem Knoten abgestutzten Halm so, dass nur ein Kranz kurzer
-Zähne stehn bleibt, so hat man, wenn man die Scheidewand durchstösst,
-einen Erdbohrer (o) und zugleich ein Brunnenrohr und so weiter
-und endlos weiter. -- Als Beispiele sinnreicher Bambuskonstruktion
-mögen ausser nachstehender, die Zeichnungen zu S. 177. 193. 210 der
-Reiseskizzen dienen.
-
-Auch der im Innern reisende Fremde hat täglich neue Gelegenheit, die
-Gastfreiheit der Natur in vollen Zügen zu geniessen. Die Luft ist so
-gleichmässig warm, dass man mit Ausnahme eines Sonnenhutes und leichter
-Schuhe alle Kleider entbehren könnte. Uebernachtet man im Freien, so
-ist aus Palmen- oder Farnwedeln in kürzester Zeit eine Hütte gebaut. Im
-kleinsten Dörfchen aber befindet sich ein Gemeindehaus (casa real), in
-dem man wohnen kann und die nöthigen Lebensbedürfnisse zum Marktpreis
-geliefert erhält. Auch ist dort immer eine Anzahl Semanéros (Leute,
-die den Wochendienst haben) anwesend und gegen geringen Tagelohn
-als Boten oder Träger zur Verfügung des Reisenden. Bei längerem
-Verkehr zeigt sich, dass ihr Dienst hauptsächlich in Nichtsthun
-besteht. Es ist mir vorgekommen, dass ich einen Mann, der mit den
-übrigen Karten spielte und Tuba (frischer oder schwach gegohrener
-Palmensaft) trank als Boten senden wollte, dieser sich aber, ohne im
-Spiel inne zu halten, damit entschuldigte, dass er Gefangener sei;
-so musste denn einer seiner Hüter den unbequemen Gang in der Hitze
-machen. Die Gefangenen haben nicht zu klagen. Das einzige Unangenehme
-sind die Rotangschläge, die für geringe Vergehn von den Lokalbehörden
-freigiebig dutzendweis verordnet werden. Sie scheinen aber auf den
-von Jugend auf dagegen abgehärteten Eingeborenen in den meisten Fällen
-durchaus keinen andern Eindruck als den des unmittelbaren körperlichen
-Schmerzes zu machen. Seine Bekannten stehn häufig um ihn, sehen zu
-und fragen scherzend, wie es geschmeckt hat.
-
-Nach längerem Aufenthalt unter den ernsten, schweigsamen, würdevollen,
-für ihre Ehre ängstlich besorgten, gegen Vornehmere unterwürfigen
-Malayen empfindet man den Gegensatz im Charakter der hiesigen
-Eingeborenen, die doch auch wesentlich malayischer Rasse sind, um
-so greller. Er scheint eine natürliche Folge der oben skizzirten
-spanischen Herrschaft: in Spanisch-Amerika begegnet man ähnlichen
-Verhältnissen. Unter ihren einheimischen Häuptlingen mögen sich die
-Eingeborenen in Folge der Rangunterschiede und des despotischen Druckes
-wenig von den heutigen Malayen in ihrem Wesen unterschieden haben.
-
-
-
-
-
-
-
-
-FÜNFTES KAPITEL
-
- GEOGRAPHISCHES. -- METEOROLOGISCHES. -- POLITISCHE EINTHEILUNG. --
- VOLKSMENGE. -- SPRACHEN.
-
-
-Die Umgebung Manila's, der Pásig und der See von Bay, die jeder
-Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf
-einige kurze Aufzeichnungen über diese Gegenden beschränken und nur
-über meine Reisen in den südöstlichen Provinzen Luzóns, Camarines
-und Albay und den östlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte
-ausführlicher berichten werde. Vorher dürfte es angemessen sein,
-durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen
-Verhältnisse zu verschaffen.
-
-Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und
-trennt den nördlichen stillen Ozean von der China-See. Von den
-Sulu-Inseln im Süden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich
-durch 14 1/2 Breitengrade, von 5 bis 19 1/2° N., und wenn man die
-Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21° N. Aber weder im
-Süden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit
-bis an diese äussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht überall
-bis in das Innere der grössern Inseln erstreckt. Von Ost nach West
-nehmen die Philippinen 9 Längengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit
-2000, Mindanao mit mehr als 1500 quadr. M. Flächenraum sind zusammen
-grösser als alle übrigen. Dann folgen der Grösse nach sieben Inseln:
-Paláwan, Sámar, Panáy, Mindoro, Leyte, Negros, Cebú, deren erstere
-250, letztere etwa 100 quadr. M. misst, Bojól, Masbáte, je halb so
-gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande,
-Felsen und Riffe. [64]
-
-Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage
-und reiche Gliederung begünstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21°
-N., durch 16 Breitengrade gewährt ihm eine Mannichfaltigkeit des
-Klima's, welcher sich die niederländisch-indischen Besitzungen, deren
-Hauptstreichen west-östlich ist, während sie nur wenige Breitengrade
-zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem
-Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene
-Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrössert,
-so dass die Produkte der heissen und gemässigten Zone, die Palme und
-die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen.
-
-Die grösseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden
-Buchten ausgedehnte Binnenseen und beträchtliche, auf weite Strecken
-schiffbare Flüsse; der Archipel ist reich an sicheren Häfen und
-unzähligen Zufluchtsorten für Schiffe; ein Umstand aber, der aus
-dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der
-glücklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose
-Zahl kleiner Flüsse, die von den Bergen herabströmen und sich,
-bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in
-denen Küstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge
-gelangen können um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des
-Bodens ist unübertrefflich, Salz- und Süsswasser wimmelt von Fischen
-und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes
-Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis
-Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch
-als an Grösse überragt Luzon alle übrigen Inseln an Bedeutung, und
-wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre
-natürliche Vorzüge die schönste der gesammten Tropenwelt sein.
-
-Der Hauptkörper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter
-Masse als längliches, 25 Meilen breites Viereck von 18° 40' N. bis
-zur Bay von Manila (14° 30' N.) und sendet dann einen durch grosse
-Seen und tiefe Buchten zerrissenen Ausläufer nach Osten, der westlich
-und östlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale
-Bänder mit der Hauptmasse zusammenhängt. Manche Spuren rezenter
-Hebungen deuten an, dass beide Theile früher getrennt waren, zwei
-selbstständige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stück,
-fast so lang als das nördliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die
-tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben,
-in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann,
-als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an
-der eben erwähnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge
-zusammenhängen. Zwei kleine Flüsschen, die in geringer Entfernung
-von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten münden,
-machen die Trennung fast vollständig und bilden zugleich die Grenze
-zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die
-westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz
-Tayabas eingenommen. Die grössere östliche zerfällt in die Provinzen
-Nord-Camarines, Süd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwähnte
-Grenze von Tayábas, durch eine vom Südrande der Bucht von S. Miguél
-östl. zur Küste gezogene Linie von Süd-Camarines getrennt. Den Ostrand
-der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Süd-Camarines durch eine
-Linie geschieden, die von Donzól an der Südküste, nordwärts über
-den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordküste
-läuft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhältnisse klar machen.
-
-In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden:
-eine trockene, eine nasse. Den, den Süd- und -Westwinden offen
-liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten
-die Regenzeit. An den Nord- und -Ostküsten fallen die reichlichsten
-Niederschläge in unseren Wintermonaten, während des NO.-Monsuns. Durch
-die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese
-allgemeinen Verhältnisse örtlich vielfach verändert. In Manila
-dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun),
-die Regenzeit während der übrigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten
-regnet es im September; März und April sind häufig regenlos, Oktober
-bis einschliesslich Februar kühl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde),
-März, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende
-September feucht und mässig warm.
-
-Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium
-unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein
-Auszug aus dem Jahresbericht für 1867 den ich Professor Dove's Güte
-verdanke. [65]
-
-Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersäule betrug 1867:
-755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.)
-
-1867: Der Unterschied zwischen den äussersten Barometerständen
-überstieg nicht 13,96 Millimeter, und wäre viel geringer, hätten
-nicht Stürme im Juli und September die Quecksilbersäule so sehr
-herabgedrückt; die stündlichen Schwankungen betragen nur wenige
-Millimeter. --
-
-Täglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frühe bis gegen 9
-Uhr, fällt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr
-Abends, von wo an es bis zum Morgen fällt. Die beiden Hauptströmungen
-der Atmosphäre üben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers,
-die nördliche macht ihn steigen (Normalhöhe 756mm) die südliche fallen
-(Normalhöhe 753mm).
-
-Temperatur. Die Wärme wächst von Januar bis Ende Mai, und nimmt
-dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27°.9 C. (0°.4 mehr als in
-den Vorjahren). -- Die beobachtete höchste Temperatur betrug 37°.7
-C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19°.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6
-Uhr Vm.) -- Unterschied: 18°.3 C.
-
-Grösse der Thermometerschwankungen: Januar 13°.9. -- Februar 14°.2. --
-März 15°. -- April 14°.6. -- Mai 11°.1. -- Juni 9°.9. -- Juli 9°. --
-August 9°. -- September 10°. -- Oktober 11°.9. -- November 11°.8. --
-Dezember 11°.7. Kühlste Monate: November, Dezember, Januar mit
-nördlichen Winden. -- Wärmste Monate: April und Mai. Ihre hohe
-Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von
-Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nächsten, die
-Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen
-Niederschläge und trüben Luft. Täglicher Gang: am kühlsten ist es von
-6 bis 7 Uhr Vm., die Wärme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen
-2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Während einiger Stunden
-der Nacht bleibt die Temperatur fast unverändert, gegen Morgen fällt
-sie schnell.
-
-Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmässig,
-wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verändern; im Zeitraum
-eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar
-herrschen Nordwinde, im März und April südöstliche Winde, im Mai,
-Juni, Juli, August, September südwestliche. Anfang Oktober schwanken
-sie zwischen Südost und Südwest, und befestigen sich gegen Ende des
-Monats in NO., wo sie während der beiden folgenden Monate ziemlich
-beständig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder
-Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das
-Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge
-geschützt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt;
-aus demselben Grunde bläst der SW. dort auch stärker.
-
-Der Himmel ist gewöhnlich theilweise bedeckt, völlig heitere Tage
-sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor.
-
-Regentage: 168. Am häufigsten und stärksten regnet es von Juni
-bis Ende Oktober; der Regen fällt dann in Strömen, im Sept. allein
-betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin
-durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist
-mehr als das Mittel).
-
-Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewöhnlichen Jahren
-ist die Verdampfung den Niederschlägen ziemlich gleich (im Laufe des
-Jahres nämlich, aber nicht in den einzelnen Monaten).
-
-Die mittlere tägliche Verdunstung war etwa 6,3mm.
-
-Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Stürmen begleitet, während
-eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37
-bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls
-erwähnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden
-anrichtete, und 17 Schiffe auf's Land setzte.)
-
-
-
-Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt,
-denen je ein Alcalde mayór 1., 2., 3. Klasse, oder de término, de
-ascénso, de entráda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y
-militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen
-ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft geändert.
-
-Die Gesammtbevölkerung wird auf ungefähr 5 Millionen geschätzt.
-
-Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast
-keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit
-von Sprachen und Mundarten, von denen bisáya, tagálo, ilocáno, bícol,
-pagasinán, pampángo die verbreitetsten sind.
-
-
-Insel Luzon.
-
-============+=================+=========================================+=========+=======
- Rang des | | | |
-Verwaltungs-| | | |
- | Namen. | Herrschende Dialekte. | Seelen- |Pueblo.
- be- | be- | | | zahl. |
-amten|zirks.| | | |
-=====+======+=================+=========================================+=========+=======
- G. | P. | Ábra | ilocano | 34,337 | 5
- A1. | P. | Albáy | bicol | 230,121 | 34
- A2. | P. | Bataán | tagalo, pampango | 44,794 | 10
- A1. | P. | Batángas | tagalo | 280,100 |
- | D. | Benguét | igorrote, ilocano pangasinan | 8465 |
- | D. | Bóntoc | suflin, ilocano, igorrote Bergdialekt | 7052 |
- A1. | P. | Bulacán | tagalo | 240,341 | 23
- A1. | P. | Cagayán | ibanag, itanes, idayan, gaddan, ilocano,| |
- | | | dadaya, apayao, malaneg | 64,437 | 16
- A2. | P. | Camarínes Norte | tagalo, bicol | 26,372 | 7
-A2(?)| P. | Camarínes Sur | bicol | 81,047 | 31
- A3. | P. | Cavíte | spanisch, tagalo | 109,501 | 17
- A1. | P. | Ilócos Norte | ilocano, tinguian | 134,767 | 12
- A1. | P. | Ilócos Sur | ilocano | 105,251 | 18
- C. | D. | Infánta | tagalo | 7813 | 2
- G. | P. | Isabéla | ibanag, gaddan, tagalo | 29,200 | 9
- A1. | P. | Lagúna | tagalo, spanisch | 121,251 | 26
- | D. | Lepánto | igorrote, ilocano | 8851 | 48
-3A1. | P. | Manila | tagalo, spanisch, chinesisch | 323,683 | 28
- C. | D. | Moróng | tagalo | 44,239 | 12
- A2. | P. | Nueva Écija | tagalo, pangasinan, pampango, ilocano | 84,520 | 12
- A3. | P. | Nueva Vizcáya | gaddan, ifugao, ibilao, ilongote | 32,961 | 8
- A1. | P. | Pampánga | pampango, ilocano | 193,423 | 24
- A1. | P. | Pangasinán | pangasinan, ilocano | 263,472 | 26
- | D. | Pórac | pampango | 6950 | 1
- C. | D. | Príncipe | tagalo, ilocano, ilongote | 3609 | 3
- | D. | Sáltan | gaddan | 6640 |
- A2. | P. | Tayábas | tagalo, bicol | 93,918 | 17
- | D. | Tíagan | verschiedene igorroten Dialekte | 5723 |
- G. | P. | Unión | ilocano | 88,024 | 11
- A2. | P. | Zambáles | zambal, ilocano, aeta, pampanga tagalo, | |
- | | | pangasinan | 72,936 | 16
-
-Inseln zwischen Luzon und Mindanao.
-
-G a3.| P. | Antíque (Panay) | bisaya | 88,874 | 13
-G a3.| P. | Bojól | bisaya | 187,327 | 2
- C. | | Burías | bicol | 1786 | 1
-G a3.| P. | Cápiz (Panay) | bisaya | 206,288 | 26
-G a2.| P. | Cebú | bisaya | 318,715 | 44
-G a3 | P. | Iloílo (Panay) | bisaya | 565,500 | 35
-G a3.| P. | Leíte | bisaya | 170,591 | 28
- | D. | Masbáte, Ticao. | bisaya | 12,457 | 9
- A2. | P. | Mindóro | tagalo | 23,054 | 10
-G a3.| P. | Négros | cebuano, panayano, bisaya | 144,923 | 31
- | D. | Romblón | bisaya | 21,579 | 4
-G a3.| P. | Sámar | bisaya | 146,539 | 28
-
-Mindanao.
-
- | D. | Cotabatú | spanisch, manobo | 1103 | 1
-G a3.| D. | Misámis j | bisaya | 63,639 | 14
-G a3.| D. | Surigáo j | | 24,104 | 12
- | D. | Zamboánga j | mandaya, spanisch | 9608 | 2
-G a3.| | | | |
- | D. | Daváo | bisaya | 1537 |
-
-Fernere Inseln.
-
-G a3.| P. | Batánes | ibanag | 8381 | 6
-G a3.| P. | Calamiánes | coyuvo, agutaino calamiano | 17,703 | 5
- G. | P. | (Mariánas) | chamorro, carolino | 5940 | 6
-=====+======+=================+=========================================+=========+=======
-
-
-Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem kürzlich erschienenen
-kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretärs der Philippinen
-entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl
-Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfügung stand, darf obigen
-Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen
-Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in
-Europa keine Vorstellung hat.
-
-Beispielsweise führt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen
-Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054;
-Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen.
-
-
-
-
-
-
-
-
-SECHSTES KAPITEL
-
- REISE IN BULACAN. -- HÄUFIGE FEUERSBRÜNSTE. -- FRUCHTBARKEIT. --
- FISCHFANG. -- ZIGARRENTASCHEN. -- SPANISCHE PRIESTER. --
- GASTFREIHEIT. -- RÄUBEREIEN.
-
-
-Mein erster Ausflug ging nach der Provinz Bulacán, am Nordrande der Bay
-von Manila. Zwei Stunden braucht der Dampfer bis zur Barre Binuánga,
-(nicht Bincanga, -- Coello's Karte) und eine Stunde, um in einem
-Arme des Pampánga-Delta's, zwischen flachen Rhizophoren-Ufern,
-Bulacán, den Hauptort der Provinz, zu erreichen. Ausser mir war
-kein Europäer an Bord, nur Tagalen, Mestizen und wenige Chinesen,
-erstere namentlich durch Frauen vertreten, denen vorzugsweise die
-Handelsgeschäfte obliegen, weil sie dazu viel geschickter sind als die
-Männer. Man sieht daher in der Regel mehr Frauen als Männer auf der
-Strasse, und es scheint allgemein angenommen, dass bei den Geburten die
-weiblichen überwiegen. Nach den von mir durchgesehenen Kirchenbüchern
-ergiebt sich aber, wenigstens für die östlichen Provinzen, eher das
-Gegentheil. Am Landungsplatz erwartete uns eine Anzahl Caramáta's,
-bunt bemalte, flache, zweirädrige Kasten mit Sonnendach versehn, und
-mit zwei Pferden bespannt, von denen die wohlhabenderen Ankömmlinge
-schnell nach allen Richtungen entführt werden.
-
-Die Stadt Bulacán hat 11 bis 12,000 Einwohner, war aber einen
-Monat zuvor, mit Ausnahme der Kirche und weniger Steinhäuser,
-abgebrannt. Alle Leute waren daher beschäftigt sich neue Häuser zu
-bauen, die seltsamer-, aber zweckmässigerweise, wie beim Zeichnen,
-mit dem Dach begonnen wurden. Lange Reihen Dächer aus Palmenblättern
-und Bambus standen bereits fertig am Boden und dienten einstweilen als
-Zelte. Dergleichen verheerende Feuersbrünste sind ungemein häufig. Die
-mit wenigen Ausnahmen aus Holz und Bambus bestehenden Häuser werden in
-der trocknen Jahreszeit völlig ausgedörrt, von der Sonne angeheizt;
-mit dem Feuer wird sehr unvorsichtig umgegangen, an Löschanstalten
-fehlt es gänzlich. Entsteht ein Brand an einem windigen Tage, so
-ist in der Regel das ganze Dorf unrettbar verloren. Während meines
-Aufenthalts in Bulacán brannte die Vorstadt S. Miguél bei Manila bis
-auf das Haus eines befreundeten Schweizers ab, das seine Rettung nur
-dem kräftigen Gebrauch einer Privatspritze und der Mithülfe eines
-Bananengärtchens verdankte, deren saftstrotzende Stämme auf einer
-Seite den Fortschritt der Flammen hemmten.
-
-Den Weg nach Calumpít, 3 L., legte ich im schönen Wagen eines
-Gastfreundes zurück, auf sehr guter Strasse, unter Obstbäumen, Kokos-
-und Arecapalmen. Der Anblick dieser fruchtbaren Provinz erinnert an
-die reichsten Gebiete Java's, aber die hiesigen Pueblos verrathen
-mehr Wohlstand als die dortigen Desas. Die Häuser sind substanzieller;
-geräumige Bretterhäuser häufig, selbst Steinhäuser nicht selten, die
-in jener Insel fast immer einen Beamten oder inländischen Fürsten
-anzeigen. Während aber selbst der arme Javane sein Wohnkörbchen
-zierlich flicht, die Strassen des Dorfes mit blühenden Hecken einfasst,
-Alles Nettigkeit und Sauberkeit verräth, scheint hier weniger Sinn
-dafür vorhanden. Auch fehlt den Dörfern der Alun-alun, jener schöne
-sorgfältig gepflegte, von Waringibäumen beschattete Platz. [66]
-Die Zahl und Manchfaltigkeit der Fruchtbäume, unter deren Laub die
-javanischen Desas ganz verborgen liegen, ist selbst in dieser Provinz,
-dem Garten der Philippinen, viel geringer als dort. Abends erreichte
-ich Calumpít, als gerade eine hübsche Prozession mit vielen Fahnen
-und Fackeln, unter wohlklingendem Gesang sich um die stattliche Kirche
-bewegte, bei deren trefflichem Pfarrer Llanos ein Brief aus Madrid mir
-die gastlichste Aufnahme verschaffte. Calumpít, ein wohlhabender Ort
-von 12,250 E., liegt am Zusammenfluss des von O. kommenden Quíngoa mit
-dem Pampánga, in einer sehr fruchtbaren, häufigen Ueberschwemmungen
-ausgesetzten Ebene. Im Norden, etwa 6 Leguas NW. erhebt sich der
-Arayat, ein hoher isolirter Kegelberg. Von Calumpít gesehn, zeigt sein
-westlicher Abhang (a b) 20°, sein östlicher (e f) 25°, die Gipfelplatte
-(b c) 4 bis 5° Neigung gegen den Horizont.
-
-Bei Calumpít sah ich einen Chinesen auf eigenthümliche Art Fische
-fangen: queer durch das Bett eines Baches, der, fast versiegt,
-nur noch einzelne Lachen bildete, war unterhalb einer solchen ein
-Gitter enggesteckter Bambusen gezogen, dahinter ein niedriger Damm
-errichtet. Mittelst einer langgestielten Wurfschaufel wurde das
-stehngebliebene Wasser über den Damm geworfen. Die Schaufel war da, wo
-der Stiel ansetzt, durch ein Seil an ein zehn Fuss hohes Bambusgestell
-befestigt, dessen Federkraft die Arbeit erleichterte. Sobald die Pfütze
-trocken gelegt, grub der Arbeiter ohne Mühe eine grosse Menge Dalags
-(Ophiocephalus vagus. Peters.) aus dem Schlamm. Diese durch besondere
-Apparate, vielleicht zum Luftathmen, jedenfalls zu längerem Verweilen
-im Trocknen befähigten Fische sind in der nassen Jahreszeit in allen
-Gräben und Pfützen und auf den Reisfeldern so häufig, dass sie mit
-Knitteln todtgeschlagen werden. Bei dem Zurückweichen des Wassers
-ziehn auch sie sich zurück, oder bohren sich nach Prof. Semper
-tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie bis zum Anfang der
-nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die
-Nachstellungen des Menschen geschützt, im Winterschlaf zubringen. Der
-Fangapparat des Chinesen schien den Gewohnheiten des Fisches wohl
-angepasst. Der Umstand, dass nur auf der untern Seite der Wasserlache
-ein Gitter gezogen war, und dass die Fische unmittelbar vor demselben
-am dichtesten angetroffen wurden, scheint anzudeuten, dass sie auch
-noch im Schlamm weiter wandern und sich in dem Maasse als die Bäche
-und Gräben austrocknen in die grösseren Wasseransammlungen zurückziehn.
-
-Dem Quíngoa aufwärts, in östlicher Richtung, auf bequemer Strasse
-folgend, durch wohlbebautes, üppig fruchtbares Gebiet, an zahlreichen
-steinernen Kirchen und Kapellen vorüber, die sich mit den Palmen und
-Bambusbüschen zu hübschen Bildern gruppiren, erreichte ich in Pater
-Llano's Vierspänner den bedeutenden Ort Balívag, dessen Gewerbfleiss
-weit über die Grenzen der Provinz hinaus berühmt ist.
-
-Ich besuchte mehrere Familien und fand überall freundliche
-Aufnahme. Die Häuser waren von Brettern (casas de tabla), ruheten auf
-Pfählen, fünf Fuss über dem Boden, und bestanden aus einem geräumigen
-Wohnzimmer, an welches auf einer Seite die Küche, auf der andern ein
-offner Raum, die Azotéa (s. S. 20) stösst; ein hohes luftiges Dach
-von Palmenblättern erhob sich darüber, der Eingang war von der Azotéa,
-die fast zur Hälfte vom Dach überragt wird. Der Fussboden bestand aus
-zollbreiten Holzlatten mit halb so breiten Zwischenräumen. Stühle,
-Tische und Bänke, ein Schrank und verschiedene kleine Luxusgegenstände,
-Spiegel, eingerahmte getuschte Lithographien waren vorhanden. Die
-Sauberkeit der Häuser sowohl als der Zustand der Möbel zeugten von
-Ordnung und Wohlstand.
-
-Fast in jedem Hause fand ich Frauen mit Weben von Tápis beschäftigt,
-die auf dem Markt von Manila den besten Ruf haben. Es sind schmale,
-sehr dicht gewebte 6 Varas lange Seidenzeuge in dunkelbraunen
-Farben mit schrägen weissen Streifen. Sie werden über dem Sarong
-getragen. (Vergl. S. 24).
-
-Besonders berühmt ist Balívag aber wegen seiner Zigarrentaschen Petáca,
-[67] die alle andern an Feinheit übertreffen. Sie bestehen nicht aus
-Stroh, sondern aus feinen Streifen spanischen Rohres, und zwar aus
-dem untern Ende der Blattstiele einer Calamusart, die angeblich nur
-in der Provinz Neu-Écija wächst. Ein Bündel von hundert ausgesuchten
-2 Fuss langen fingerdicken Stöcken kostet bis 6 r. Nachdem diese
-Stöcke vier bis fünf mal der Länge nach gespalten, entfernt man
-das innere Holz, so dass nur die äussere Haut übrig bleibt; die so
-erhaltenen dünnen Streifen werden dann aus freier Hand zwischen einem
-convexen Porzellanscherben und einem schräg dagegen gestellten Messer
-durchgezogen, und schliesslich noch durch zwei schräg gegen einander
-stehende Stahlklingen. Die Arbeit verlangt viel Geduld und Uebung;
-bei der ersten Handhabung zerbricht durchschnittlich die Hälfte der
-Fäden, bei der zweiten gewöhnlich mehr als die Hälfte, so dass kaum 20%
-übrig bleiben. Für sehr feine Geflechte ist das Verhältniss noch weit
-ungünstiger. Das Flechten geschieht über hölzerne Walzen. Eine Tasche
-von mittlerer Feinheit, die an Ort und Stelle 2 Doll. kostet, kann bei
-ununterbrochener Arbeit in sechs Tagen vollendet werden. Ausnahmsweise
-feine, auf besondere Bestellung für Kenner angefertigt, werden mit
-50 Doll. und mehr bezahlt.
-
-Von Balívag den Quíngoa aufwärts verfolgend, kommt man an vielen
-Steinbrüchen vorbei, wo in Bänke gesonderter vulkanischer Tuff zu
-Bausteinen ausgebeutet wird. Die mit hohen stacheligen Bambusen
-besetzten Ufer waren 10 bis 12 Fuss hoch. In der Regenzeit tritt
-der Fluss aus und überschwemmt weithin die Ebene, daher die vielen
-Klappen grosser Süsswassermuscheln (Corbicula sp.) in der den Tuff
-überlagernden Dammerde. Bei Tobóg, einer Visíta, halbwegs zwischen
-Balívag und Angat, zeigen sich die ersten Hügel. Ihre flachen
-Abhänge sind wie in Java terrassenförmig als Rieselfelder zum Reisbau
-eingerichtet. Ausser bei Lúcban habe ich dergleichen Sawas in den
-Philippinen nicht wahrgenommen. Viele kleine Zuckerfelder, deren
-Produkt aber von den Eigenthümern noch recht ungeschickt verwerthet
-wird, zeigen, dass die Vorbedingungen zum schwunghaften Betriebe des
-Ackerbaus vorhanden sind. Streckenweis sind Schattendächer über die
-Strasse gebaut mit Bänken zum Rasten; ich habe sie nur in dieser
-Provinz gefunden. Man könnte sich in einem der dichtbevölkerten,
-ertragreichsten Bezirke Java's glauben.
-
-Die Nacht brachte ich in einem Convento zu (so heissen in den
-Philippinen die Wohnhäuser der Pfarrer). Es war äussert schmutzig,
-der Geistliche, ein Augustiner, voll Bekehrungsgelüste. Ich hatte
-ein langes geographisches Verhör zu bestehn über den Unterschied
-zwischen Prusia und Rusia, ob das grosse Norimbergo die Hauptstadt
-des Granducado oder des Imperio de Rusia sei? erfuhr dass die
-Engländer auf dem Punkte stünden in den Schooss der christlichen
-Kirche zurückzukehren, die »Andern« dann auch wohl bald nachfolgen
-würden, und wurde trotz angelegentlicher Empfehlung des Pfarrers
-Llanos recht schlecht aufgenommen. Später bin ich noch einmal zwei
-jungen Kapuzinern in die Hände gefallen, die Bekehrungsübungen an mir
-vornahmen, mich aber, abgesehn von dieser kleinen Zudringlichkeit,
-auf's beste behandelten und verpflegten. Es gab sogar in Wasser
-gesottene Gänseleberpastete, die ich an den fettumflossenen Trüffeln
-schnell erkannte. Zur Strafe für ihre Zudringlichkeit enthüllte ich
-meinen Wirthen nicht die richtige Gebrauchsanweisung, kaufte ihnen
-die noch übrigen Blechbüchsen ab, und hatte später das Vergnügen
-im Urwald Gänseleberpastete zu essen. Dies sind die beiden einzigen
-Fälle, wo ich in solcher Weise belästigt worden, bei einem Aufenthalt
-von mehr als anderthalb Jahren.
-
-Der mit einem Pass versehene Reisende ist übrigens durchaus nicht
-auf die Gastfreundschaft der Pfarrer angewiesen, wie in manchen
-abgelegeneren Gegenden Europa's. Jede Ortschaft, jedes Oertchen, hat
-sein Gemeindehaus, Casa real oder Tribunal genannt, in welchem er
-wohnen kann und Lebensmittel zum Marktpreis geliefert bekommt, ein
-Umstand, der mir bei meinem ersten Ausflüge nicht bekannt war. Der
-Reisende ist also in dieser Beziehung völlig unabhängig, wenigstens
-in der Theorie; in der Praxis wird er freilich oftmals nicht umhin
-können, in den abgelegneren Provinzen, im Convento zu wohnen, denn
-der Pater, vielleicht der einzige Weisse auf viele Meilen in der
-Runde, lässt sich schwerlich die Gelegenheit entgehn, einen seltenen
-Gast einzufangen, ihm das beste Zimmer im Hause zu geben, und alles
-aufzubieten, was Küche und Keller zu leisten vermögen. Alles wird
-mit so aufrichtiger unverhohlener Freude über den Besuch dargeboten,
-dass der Gast durchaus nicht das Gefühl hat, als würde er verpflichtet,
-sondern umgekehrt die Ueberzeugung gewinnt, dass er seinem Gastfreunde
-Vergnügen macht, wenn er seinen Besuch verlängert. Einmal, als ich
-trotz der erhaltenen Einladung des Padre Cura darauf bestand, in's
-Tribunal zu gehn, und mich darin eben niedergelassen hatte, erschien
-alsbald der Pater mit den Ortsbehörden und dem Musikchor, die wegen
-der Vorbereitung zu einem Kirchenfeste im Convento zufällig anwesend
-waren, liess mich auf meinem Stuhle sitzend aufheben und mit Musik
-und allgemeinem Jubel in sein Haus tragen.
-
-Am folgenden Tage besuchte ich eine NNO. von Angat gelegene Eisenhütte
-Kúpang, von zwei mir aufgenöthigten Bewaffneten begleitet, da die
-Gegend wegen Räubereien übel berüchtigt war. Nach einer Stunde
-in nördlicher Richtung durchfurtheten wir den Banávon, damals ein
-schmaler Bach, zwischen vorwiegend plutonischem Gerölle fliessend,
-in der Regenzeit ein mehrere hundert Fuss breiter Strom, und
-erreichten nach zwei Stunden die Eisenhütte, einen mitten im Walde
-gelegenen grossen Schuppen, mit einem Hängeboden an einem Ende, der
-dem Unternehmer, einem vor Jahren in Sámar gestrandeten Engländer,
-und seiner Frau, einer hübschen Mestizin, zur Wohnung diente. Legte
-ich mein Taschentuch, ein Bleistift oder sonst einen Gegenstand
-aus der Hand, so wurde er sofort von der Frau eingeschlossen, um
-ihn vor der Diebeswuth ihrer Diener zu schützen. Die armen Leute,
-deren Unternehmung keinen Erfolg versprach, mussten ein trauriges
-Leben führen. Zwei Jahre zuvor drangen 27 Räuber ein, plünderten
-alles und warfen die Frau, die mit einer Magd allein im Hause war,
-zum Fenster hinaus; sie kam ohne erhebliche Beschädigung davon,
-die Magd aber, die vor Angst aus dem Fenster sprang, starb an den
-erlittenen Verletzungen. Ohne Mühe gelang es die Räuber, Bergleute
-und Bewohner von Angat, einzufangen, sie sassen damals bereits 2
-Jahre in Untersuchungshaft.
-
-Ich traf hier eine Negritofamilie, die mit den Leuten der Eisenhütte
-in freundlichem Verkehr stand, und Nahrungsmittel gegen Waldprodukte
-eintauschte. Der Mann begleitete mich auf die Jagd mit einem Bogen und
-zwei Pfeilen bewaffnet, die Pfeile hatten zwei Zoll lange, lanzenartig
-geformte eiserne Spitzen, deren eine mit Pfeilgift, einem schwarzen
-Harz dick bestrichen war. Die Frauen nahmen Guitarren (tabaua) mit,
-genau, wie die der Mintras auf der malayischen Halbinsel: fusslange
-Bambusrohre, an welchen Saiten aus gespaltenem Stuhlrohr aufgespannt
-waren. Auf nebenstehender Abbildung sind nicht diese Negritos,
-von denen ich nur unvollkommene Zeichnungen besitze, sondern weiter
-nördlich lebende, nach guten Photographien dargestellt.
-
-Um auf der Rückreise nicht wieder in dem leidigen Convento zu
-übernachten, wo mein Diener mit meinen Sachen zurückgeblieben war,
-folgte ich dem Rath der freundlichen Leute, spät abzureiten und erst
-nach 10 Uhr dort einzutreffen. So konnte ich, da das Pfarrhaus um
-10 Uhr verschlossen wird, ohne Anstoss bei einem ihnen befreundeten
-reichen Mestizen einkehren. Um halb eilf erreichte ich das gastliche
-Haus, und setzte mich zu den muntern Frauen, die gerade am Abendessen
-waren. Da erscheint plötzlich auf der Schwelle des Hinterzimmers mein
-Pfarrer nebst zwei andren Augustinern, die mit dem Hausherrn Karten
-gespielt hatten, und indem sie mich mitschleppten, mein Glück priesen:
-»denn wären Sie nur eine Minute später gekommen, so hätten Sie nicht
-mehr in das Convento gekonnt.«
-
-
-
-
-
-
-
-
-SIEBENTES KAPITEL
-
- PROVINZ LAGUNA. -- BANCAFAHRT. -- BARREN DES PASIG. -- SEE VON
- BAY. -- MAARE BEI CALAUAN. -- PALMENWEIN. -- REISEN OHNE DIENER. --
- VULKAN MAJAIJAI. -- BÜFFELFAHRT.
-
-
-Meine zweite Reise führte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See
-von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehöhlten
-Baumstamm mit flach gewölbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so
-niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch
-jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes
-Bambusgitter schützt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm
-zum Lager. Jurien de la Gravière vergleicht die Banca treffend mit
-einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass
-ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt. [68]
-Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je
-5 r. zusammen 4 1/2 Thaler täglich erhielten, ein hoher Preis für die
-trägen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der
-Reis, den ein kräftiger Arbeiter täglich verzehrt, kostet selten mehr
-als 1 bis 1 1/2 Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige),
-die Zuspeise (Wasserthiere und Kräuter) einige Pfennige. Zahlreiche
-Dörfer und Tienda's, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn
-sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwänden
-die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig
-das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hülfe der
-Nachtwächter, gelang es, sie einzeln aus den Häusern ihrer Freunde zu
-holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf
-Sandbänken festgesessen, gelangten wir in den von Hügeln und Bergen
-umschlossenen See von Bay und erreichten früh morgens Jalajala.
-
-Der Pasig bildet einen natürlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen
-der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Süsswassersee von 35
-Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna,
-Cavite, umgrenzen. Früher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des
-Sees gefahren sein [69], jetzt wird es durch Sandbänke verhindert; bei
-den Barren von Napíndan und Tagúíg gerathen selbst sehr flache Boote
-auf den Grund. [70] Würden die Barren fortgeräumt und die Manila mit
-Binondo verbindende steinere Brücke in eine Drehbrücke verwandelt oder
-durch einen Kanal umgangen, so könnten Küstenfahrer die Erzeugnisse
-der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen,
-einnehmen. Der Verkehr würde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken,
-die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern
-werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt
-worden, ist aber nicht zur Ausführung gekommen. Die Versandung des
-Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befördert,
-deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begünstigt,
-da sie eine kleine Abgabe davon erhebt.
-
-Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die östliche der beiden von
-N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines
-der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug
-seiner hübschen Lage in der Nähe Manila's und den phantasiereichen
-Schilderungen des früheren Besitzers de la Gironnière. Die Halbinsel
-ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljährlich führen
-die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und
-vergrössern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und
-stachligen bis 8' hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand
-dient als Büffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder
-bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den
-dicht bewaldeten Sembrano, den höchsten Berg der Halbinsel begrenzt,
-auf den übrigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand
-ausgenommen ist das ganze Gebiet hügelig mit Gras und Baumgruppen
-bewachsen, ein trefflicher Weideplatz für die ansehnlichen Heerden
-(1000 Büffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande
-der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs
-Bewaffnete, die uns für Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf
-die gehoffte Prämie verzichten mussten.
-
-Jalajala gegenüber, am Südrande des Sees von Bay liegt das Dörfchen
-Los Baños, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling
-benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen
-zu Heilzwecken, [71] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer
-des See's ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom
-flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht
-von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden.
-
-NW. von Los Baños liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee,
-Dagátan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von
-Dagát (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von
-den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines,
-aber Schaaren von Wasservögeln flogen auf, als ihre Einsamkeit
-gestört wurde.
-
-Von Los Baños wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo,
-nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde
-(bianchetto) gewonnen wird, die geschlämmt in Manila zum Anstrich
-dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mühe erlangter
-Führer nach einer halben Stunde todtmüde stellte. Die eingezogenen
-Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren
-mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden. [72]
-
-Auf der Rückfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung
-mit wenigen ärmlichen Hütten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald
-und Gestrüpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga
-(Mädchenbusen), ein Doleritberg mit schön geformter Kuppe. Am Strande
-fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit völlig ausgebildeten
-Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlüpften.
-
-Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewöhnlich später zur Geltung kommt
-als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss
-nach dem südlich vom See gelegenen Orte Caláuan zu gehn, der durch den
-queer davor liegenden Maquiling geschützt den Einfluss des Regenmonsuns
-erst später empfindet. In Caláuan traf ich Herrn v. la Gironnière,
-den durch seine haarsträubend erzählten Abenteuer wohlbekannten
-»Gentilhomme breton«, seit kurzem aus Europa zurückgekehrt um eine
-grosse Zuckerfabrik zu gründen; sein Unternehmen misslang indessen. Das
-Haus des seitdem verstorbenen rüstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei
-Tracht und Bedürfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl
-Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an
-dem Geschäft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen
-Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft
-gelebt hatten.
-
-Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne
-Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der
-Strasse die nach S. Pablo führt, befindet sich die Llanura de Imúc, ein
-von mehrere hundert Fuss hohen Wällen doleritischer Rapilli gebildetes
-Kesselthal. Auf grossen Basaltblöcken kann man den Rand erklimmen,
-alles übrige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine
-verwilderte, vom früheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine
-genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen.
-
-Nördlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wänden. Der Boden
-ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der
-Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu
-bilden. Er dürfte daher leicht zu entwässern und urbar zu machen sein.
-
-Südwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt
-der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin
-viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrösse, erhebt sich ein
-kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft
-(in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstürzen
-die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wände
-ragen hundert Fuss über den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte
-läuft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hälften, die nördliche ist
-mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die südliche nimmt
-ein See ein, dessen Spiegel zum grössten Theil von Pistien bedeckt
-ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli.
-
-Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurück die auf einer 2
-Fuss mächtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrücke
-liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten
-nicht aus; sie sind aber alle ächt tropisch [73] und können nach
-Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehören, die noch heut
-an dieser Stelle wachsen.
-
-SO. davon etwa 1/2 Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg
-führt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett
-grosse vulkanische Blöcke.
-
-Der erste See Maycap, völlig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine
-künstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand,
-der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Südspitze des
-S. Cristoval N. 73° O. Die gegen 80' hohen Wände erheben sich gen
-W. zu dem Hügel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern
-Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen.
-
-Daneben liegt ein andres Maar: Palákpakan, von ziemlich gleichem
-Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wände,
-30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70°
-O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl
-Fischapparate ragen daraus hervor.
-
-Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caláuan nach Píla, dann NO. nach
-Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch
-einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen
-der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen
-Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lässt sie
-dann keine Früchte tragen, sondern fängt den aus der angeschnittenen
-Blüthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein
-Gährungsprodukt. [74] Da der Saft täglich zweimal gesammelt wird, und
-die Blüthen unter der Blätterkrone 40 bis 50' über der Erde sitzen,
-so sind in dieser Höhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf-
-und Abkletterns Bambusen paarweis übereinander von einer Palme zur
-andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich
-an der obern festhält.
-
-Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der
-Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier
-und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah
-durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda
-abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafür zahlte,
-dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb.
-
-Später traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen
-Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn
-machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5
-r. gekauft, (gewöhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen
-für 2 r. zu haben). 35 Bäume geben im geringsten Falle täglich 36 Quart
-Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Gährung und Destillation
-6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Stärke erzielt werden. Zur
-Bearbeitung genügt ein Mann, der für seine Leistungen die Hälfte
-des Ertrages erhält: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6
-Cuartos. Der Kontrahent erhält also jährlich von 35 Bäumen, die im
-Ankauf 21 7/8 Doll. kosten, 360 × 6/2 × 6 cuartos = 40 1/2 Doll.,
-nützt also sein Anlagekapital fast zu 200%.
-
-Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget
-für 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr
-schwierig und so unverhältnissmässig kostspielig, dass sie fast den
-ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller
-Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken
-von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte
-Beamte beeinträchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lähmte
-die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes,
-nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch
-die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die
-Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu
-destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila
-die Pferde damit tränkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen
-endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862),
-die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken
-nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol
-fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine
-nach der Grösse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge
-des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung
-des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten)
-eingeführt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen
-haben, ist übrigens eine alte Gewohnheit. [75] Abgesehn davon ist
-die Maassregel vom günstigsten Erfolge begleitet gewesen.
-
-In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385
-E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von
-Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhüten mit
-auffallend üppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem
-spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. über Magdalena, wo die
-Landschaft bergig wird nach Majaijái, indem sie vor letzterem Ort
-(über 9000 E.) auf einer Brücke eine tiefe Schlucht überschreitet,
-in welcher stattliche Baumfarne die grössere Meereshöhe (über 600')
-andeuten. Das von den Jesuiten erbaute geräumige Convento Majaijái,
-ist wegen seiner herrlichen Lage berühmt. Nach NW. dehnt sich der
-See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel
-Talim mit dem Vulcan Soson-dalága begrenzt. Vom Convento bis zum
-See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von
-Kokospalmen. Gen Süden wird der Abhang schnell steiler und hebt
-sich zu einem mächtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten
-zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajáo oder Majaijái, neben
-welchem der S. Cristoval mit schöner glockenförmiger Kuppe hervorragt.
-
-Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschäftigt war,
-begab ich mich über Lucban an die Ostküste nach Mauban, in tiefen
-Tuffschluchten, an Lavablöcken vorüber dem Fuss des Majaijái
-folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die
-sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih
-ziehende Gruppen. [76]
-
-Nach drei Stunden erreicht man Lúcban, einen wohlhabenden Ort
-von 13,000 E. im NO. des Majaijái (ein Jahr darauf brannte es
-gänzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes,
-nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner
-flechten feine Hüte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und
-Pandanusmatten und treiben über Mauban einträglichen Handel mit den
-Goldwäschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite
-mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne.
-
-Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamón, der
-Insel Alabát gegenüberliegt, führt im engen Thal des Rio Mápon
-durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht
-man Reisfelder in Terrassen wie in Java [77], in den Philippinen
-eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bäume sind mit
-Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus,
-und einzelne grosse Fächerpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger
-Fruchtkrone.
-
-Drei Leguas von Lucban drängt sich der Fluss an einem grossen,
-aus prismatischen Säulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann
-durch ein Konglomerat von nussgrossen völlig abgerundeten Geröllen aus
-vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren
-von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwärts
-tritt das vulkanische Gerölle zurück, das Konglomerat besteht nur noch
-aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert
-mit Bänken von Thon und grobkörnigen Tuffen, in denen spärlich schlecht
-erhaltene Blatt- und Muschelabdrücke vorkommen; doch gelang es eine
-zwar plattgedrückte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu
-finden. Diese Bänke mögen wohl 500' über dem Meeresspiegel liegen.
-
-Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, über den schon
-ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlöcherten Bambusfloss,
-das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und
-jenseits in einer Sumpfpfütze strandete.
-
-Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit
-Menschen gefüllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Würde, ein
-kurzes Jäckchen über dem Hemd. An den Wänden standen bunt verzierte
-Tische voll Obst und Gebäck, in der Mitte des Saales eine gedeckte
-Tafel für 40 Personen.
-
-Ein Europäer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit
-einigen Vorschüssen geflüchtet) gilt für einen Landstreicher; ich wurde
-daher mit zudringlichen Fragen belästigt, liess sie aber unbeantwortet,
-suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der
-Küche einige gute Bissen aus den Fleischtöpfen, verzehrte sie von
-vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern
-Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal
-mit Gästen füllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen
-erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir
-nicht möglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab
-ich mich zu einem in Pueblo ansässigen Spanier, der mich, sobald mein
-Pass das durch meinen Aufzug erschütterte Vertrauen hergestellt, auf
-das liebenswürdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht
-unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die
-er für China mit Moláve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete.
-
-Auf der Rückkehr besuchte ich, wenig seitwärts vom Wege, zwischen
-Mauban und Lucban, einen schönen Wasserfall Butúcan. Auf einer Sohle
-von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, ähnlich
-dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strömt zwischen dicht
-bewachsenen hohen Tuffwänden ein wasserreicher Fluss und stürzt
-plötzlich in eine angeblich 360' tiefe Schlucht, in der er weiter
-fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so üppig, dass
-man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall
-hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java
-(s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, über gewaltige
-Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Fläche, die
-wiederum vom mächtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat
-sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben,
-bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen
-Wänden und stürzt dann jäh in die, von ihm selbst ausgewaschene
-tiefe Schlucht. Strömender Regen verhinderte mich leider den
-schönen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento
-von Majaijái und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden
-Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. »In
-Majaijái dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, während welcher kaum ein
-Tag vergeht, ohne dass es in Strömen giesst« (Estado geogr. S. 150).
-
-Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umständen nicht
-ausführbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von
-Majaijái ist der Banajáo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und
-Montéro, zwei tüchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels
-beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen
-worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den
-Vulkan Máyon in Albay, die Insel Políllo und bestimmten den Gipfel zu
-7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700'. Der Krater enthielt
-früher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730,
-durch die in der Südwand entstandene Lücke abfloss. [78]
-
-Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch
-tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caláuan erreicht; die
-Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf
-den folgenden Tag verschoben werden. Am nächsten Morgen waren keine
-Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und
-zwei Büffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff
-nach Manila abgehn sollte. Ein Büffel war vorgespannt, der andre zur
-Ablösung hinten angebunden. Da Büffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf
-ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum
-spürt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schläge
-zum Aufstehn bewogen, geht er bedächtig, aber unaufhaltsam in eine nahe
-Pfütze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mühe gelingt es den
-Karren los zu machen und rückwärts wieder auf die Strasse zu schieben,
-während die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepäck wird von
-Neuem aufgeladen, die Büffel wieder in die ursprünglichen Stellen
-eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Körpers in
-das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Büffel folgt
-langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich
-ein besseres Gespann, mit dem ich spät Abends bei strömendem Regen
-eine Häusergruppe Sa. Cruz gegenüber erreichte. Das Marktschiff
-war abgegangen, alle Bemühungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem
-Dorf zu erlangen, führten nur zu unverschämten Prellversuchen;
-so ging ich denn in das geräumigste der Häuser, das ich von einer
-Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde
-mein Gesuch um Nachtquartier gewährt, ich liess Oel zur Beleuchtung
-und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit,
-die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschützer im Hause
-blieben. Am nächsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von
-Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um
-über den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind
-zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor
-Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der äussersten
-Südspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss
-hoch über dem Wasserspiegel, Bänke mariner Muscheln, (hauptsächlich
-Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben,
-die noch heut an der Meeresküste sehr häufig sind; ein Zeichen dass
-auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben.
-
-
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-
-
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-
-ACHTES KAPITEL
-
- SEEREISE NACH ALBAY. -- MARIVELES. -- SCHIFFFAHRT ZWISCHEN
- DEN INSELN. -- SAN BERNARDINO STRASSE. -- VULKAN BULUSAN. --
- LEGASPI. -- SORSOGON.
-
-
-Gegen Ende August fuhr ich von Manila nach Albay in einem Schoner,
-der Abacá gebracht hatte und in Ballast zurückkehrte. Wir liefen bei
-gutem Wetter aus, aber am folgenden Tage mehrten sich die Anzeichen
-eines herannahenden Sturmes in sehr bedenklicher Weise, der Kapitän
-beschloss umzukehren und in dem kleinen sicheren Hafen von Marivéles,
-einer Lücke im Südrand der Halbinsel Bataán, welche die Bay von
-Manila westlich begrenzt, Schutz zu suchen. Wir erreichten ihn Nachts
-zwei Uhr, nachdem wir vierzehn Stunden vor der Einfahrt gekreuzt
-hatten. Hier mussten wir zwei Wochen vor Anker liegen, während es
-fast ununterbrochen regnete und draussen stürmte.
-
-Ausflüge auf das Land mussten sich daher auf die unmittelbare Umgegend
-beschränken. Leider erfuhr ich erst in den letzten Tagen, dass in
-den Bergen eine Niederlassung von Negrito's bestehe, und erst kurz
-vor der Abfahrt gelang es mir, einen Mann und eine Frau zu sehen und
-zu zeichnen. Die Bevölkerung von Mariveles hat keinen guten Ruf. Das
-Oertchen wird fast nur von Schiffern besucht, die dort bei schlechtem
-Wetter einlaufen; die müssigen Mannschaften bringen dann die Zeit am
-Lande mit Trinken und Spielen zu. Auffallend war die Schönheit und
-weisse Farbe vieler jungen Mädchen, offenbar Mischlingen; wenn sie
-auch offiziell als Tagalinnen gelten. Dieselbe Erscheinung nimmt man
-in vielen Häfen und in der Umgebung von Manila wahr; in Gegenden,
-die fast nicht von Spaniern besucht werden, ist die Bevölkerung
-dunkler und von reinerer Rasse.
-
-Die Zahl der Schiffe, die hier Zuflucht suchten, stieg auf zehn,
-darunter drei Schoner. Ein kleiner Pontin [79] versuchte jeden Morgen
-auszulaufen, kaum aber hatte er sich die See draussen angesehen,
-als er wieder umkehrte und von den übrigen mit höhnischem Jubel
-begrüsst wurde. Der Hunger machte ihn so kühn. Die Mannschaft,
-die ihre eigenen Produkte nach Manila gebracht, hatte den Erlös
-der Ladung verspielt und war ohne Proviant ausgelaufen, in der
-Hoffnung, ihre Heimat schnell wieder zu erreichen, was wohl auch
-bei günstigem Winde gelungen wäre. Solche Fälle kommen nicht selten
-vor. Mehrere Eingeborne miethen zusammen ein kleines Schiff, laden
-ihre Erzeugnisse ein und fahren sie nach Manila zum Verkaufe. Die
-Strasse zwischen den Inseln gleicht einem schönen breiten Strom mit
-entzückenden Uferlandschaften voll kleiner Niederlassungen. Gegen
-Abend finden die Seefahrer das Wetter häufig bedenklich und legen an,
-um den Morgen zu erwarten. Die gastliche Küste bietet ihnen Fische,
-Krabben, Muscheln in Fülle, häufig auch ungehütete Kokosnüsse; -- ist
-sie bewohnt, um so besser. Die Gastfreundschaft zwischen den Indiern
-ist sehr gross und umfassender als in Europa. Die Gäste vertheilen
-sich in die einzelnen Hütten. Nach gemeinschaftlicher Mahlzeit, bei
-der es nicht an Palmwein fehlt, werden die Matten auf den Boden des
-Hauses ausgebreitet, die Lampe, eine grosse Schnecke mit Binsendocht,
-verlöscht und Alles schläft zusammen. Als ich einmal nach fünftägiger
-Fahrt in die Bay von Manila einlief, überholten wir ein Schiffchen,
-das aus derselben Gegend wie ich, abgefahren war, um Kokosöl nach
-Manila zu bringen und sechs Monat auf seinem Argonautenzuge zugebracht
-hatte. Nicht selten wird dann die Ladung in der Hauptstadt verprasst,
-wenn es nicht schon unterwegs geschehn.
-
-Als sich der Sturm endlich gelegt, verlassen wir Abends den Hafen von
-Mariveles. Vor der Einfahrt liegt eine kleine vulkanische Felseninsel
-aus säulenförmig abgesondertem Gestein von ganz auffallender
-Aehnlichkeit mit der Cyclopen-Insel bei Trezza (Sizilien). Wie
-dort, so auch hier eine spitze Pyramide, daneben ein kleines
-flaches Eiland. Wir fahren die Küste von Cavite entlang bis zur
-Punta Santiago, der SW. Spitze Luzon's, und wenden dann östlich,
-in die schöne Seestrasse ein, die im Norden durch Luzon, im Süden
-durch die Bisaya-Inseln begrenzt wird. Mit Sonnenaufgang enthüllt
-sich ein herrliches Bild vor unseren Augen. Im Norden erhebt sich
-der Vulkan Taal über das Flachland von Batangas, im Süden die dicht
-bewaldete Felsen-Küste von Mindoro (anscheinend Kalk) mit ihrem Hafen
-Porto Galera, dem eine kleine davor liegende Insel als Wellenbrecher
-dient. Dichte Züge von Schiffen, die den Sturm in den Bisaya-Häfen
-abgewartet, kommen uns, auf ihrem Wege nach Manila, entgegen.
-
-Denn dies ist die grosse Verkehrsstrasse des Archipels, die sich von
-SO. nach NW. erstreckt, und das ganze Jahr fahrbar bleibt, da sie durch
-den nach SO. ausgestreckten Arm Luzon's und die in gleicher Richtung
-streichende Insel Sámar gegen den Anprall der NO. Stürme und gegen die
-aus SW. durch die Bisayas geschützt ist. Die Inseln Mindóro, Panáy,
-Negros, Cebú und Bojól folgen auf einander, bilden den südlichen Saum
-der Strasse und bieten in ihren Zwischenräumen eben so viele nach
-S. geöffnete Queergassen zur Mindoro See, die im W. von Paláuan, im
-O. von Mindanao, im S. vom Sulu(Jólo)-Archipel begrenzt wird. Vor das
-Ost-Ende lagern sich die Inseln Sámar und Leyte die nur drei schmale
-Strassen zum grossen Ozean offen lassen: die Engen von S. Bernardino,
-S. Juaníco und Surigáo. Mehrere grössere und unzählige kleine Inseln
-liegen innerhalb dieser flüchtig angedeuteten Umrisse.
-
-Zwei grosse Buchten in der Südküste von Batángas bieten den Schiffen
-Ankergrund, doch nur geringen Schutz, so dass diese bei schlechtem
-Wetter nach Porto Galéra auf der gegenüber liegenden Insel Mindóro
-flüchten. Taal, der Haupthafen der Provinz ist mit dem grossen
-Binnensee von Taal oder Bombón durch einen nur 1 1/2 Leguas langen
-Fluss verbunden, der früher schiffbar, jetzt so verschlämmt ist,
-dass nur bei Fluth kleine Schiffe in den See gelangen können. Durch
-Ausbaggern des Flüsschens liesse er sich in einen grossen Binnenhafen
-verwandeln. Die Provinz Batángas liefert das beste Vieh nach Manila,
-und führt Zucker und Kaffee (1865 16,000 Picul) aus.
-
-Auf Luzon steigen Reihen von Bergen auf, deren schöne Umrisse
-vulkanischen Ursprung vermuthen lassen. Die südlichen Inseln scheinen
-meist aus geschichtetem Gebirge zu bestehn. Sie endigen gewöhnlich in
-schroffen, bis an den Rand bewaldeten Klippen. Der weithin sichtbare,
-von allen Seiten gleiche, drehrunde Máyon oder Albáy bildet den
-Hauptpunkt der Landschaft. Abends erscheint uns auf der südöstlichen
-Spitze Luzon's der Bulusán, und alsbald wenden wir nördlich in die
-enge San Bernardino Strasse, die Luzon von Samar trennt.
-
-Der Vulkan Bulusán, »der lange erloschen schien, 1852 aber wieder
-zu dampfen begann« [80], wiederholt in überraschender Weise die
-Formen des Vesuv. Wie dieser zeigt er zwei Spitzen, im Westen eine
-glockenförmige Kuppe, den Eruptionskegel; im Osten, als Rest eines
-grossen Ringgebirges einen hohen Bergzacken, der dem Monte Somma
-entspricht; deutlich erkennt man daran die dem äussern Abhange
-parallele Schichtung. Wie beim Vesuv steht der Eruptionskegel im
-Mittelpunkte des alten Kraterwalles; der Zwischenraum, der ihn von
-der gegenüberliegenden Bergwand trennt, der alte Kraterboden ist
-beträchtlich grösser und viel unebener als das Atrio del Cavallo
-am Vesuv.
-
-Die Strömung ist in der San Bernardino Strasse so stark, dass
-wir zweimal ankern mussten, um nicht zurückzutreiben. Wir hatten
-fortwährend vor uns den schönen Vulkan, mit dem Dörfchen Bulusán,
-das auf seiner Ostseite in einem Kokoshain hart am Strande liegt. Mit
-schwachen unstäten Winden mühsam gegen die Strömung kämpfend, gelangten
-wir erst am folgenden Abend nach Legaspi, dem Hafen von Albay.
-
-Der Schiffskapitän war ein Spanier, und hatte sich bemüht die Reise so
-schnell als möglich zu machen. Auf der Rückkehr von Leyte fuhr ich mit
-einem eingeborenen Kapitän. Da diese Fahrt manche Eigenthümlichkeiten
-darbot, so mögen des Vergleichs wegen einige bezeichnende Züge
-derselben aus meinem Tagebuch Erwähnung finden: ... Der Kapitän wollte
-Gemüse für mich mit nehmen, hat es aber »vergessen«. Er landet auf
-einer kleinen Insel und kommt nach einiger Zeit mit einem grossen
-Palmenkohl zurück, den er in Abwesenheit des Eigenthümers aus einer
-zu dem Zweck gefällten Kokospalme geschält hat.... Ein andrer Theil
-der Mannschaft war inzwischen nach einem Dörfchen, an der NW. Spitze
-von Leyte gefahren, um Lebensmittel zu kaufen. Anstatt sich im Hafen
-von Taclóban, vor der Abfahrt zu verproviantiren, ziehn die Schiffer
-meist vor, es in irgend einem Dorf der schmalen Strasse zu thun, wo
-es billiger als dort ist, und sie zugleich Gelegenheit haben sich ein
-wenig am Lande umher zu treiben. Diese, kaum eine Seemeile breite,
-durch dazwischen liegende Inseln stellenweis auf weniger als tausend
-Fuss eingeengte San Juanico Strasse ist zwanzig Seemeilen lang;
-die Schiffe brauchen aber zuweilen eine Woche um durchzufahren; denn
-bei widrigen Winden und Strömungen wird geankert und ebenso Nachts
-an schmalen Stellen. Gegen Abend meint unser Kapitän, der Himmel
-sähe recht bedenklich aus; er läuft daher in die Bucht von Návo auf
-Masbáte. Das Schiff geht vor Anker, er und ein Theil der Mannschaft
-gehn an's Land.
-
-Am folgenden Tag war Sonntag, »der Himmel schien schon Nachmittags
-recht bedenklich«, auch hatte der Kapitän Einkäufe zu machen. Das
-Schiff ankerte vor Magdalena auf Masbáte, wo die Nacht zugebracht
-wird. Am Montag fuhren wir mit günstigstem Winde in schneller Fahrt an
-Marindúque und der südlich davor liegenden kleinen Felseninsel Elefante
-vorbei. Elefante scheint der Rest eines Kraters, hat dieselbe Form
-wie der Yriga, ist aber nicht halb so hoch, mit Futtergras bedeckt,
-und hat Baumgruppen in den Schluchten. Es sollen tausend Stück
-halbwilde Rinder darauf weiden. Ihr Preis ist 4 Doll., Fracht nach
-Manila 4 Doll., dortiger Werth 16 Doll. Durch die Schiffer wird viel
-Vieh gestohlen, da es fast ohne Aufsicht ist. Mein indischer Kapitän
-bedauerte sehr, dass der günstige Wind ihm nicht zu landen gestatte
--- vielleicht war ich ihm im Wege? »Das schöne Vieh! wie gut liessen
-sich ein paar Köpfe für das Schiff einthun! Es hat kaum einen Herrn;
-die reichen Eigenthümer wissen gar nicht, wie viel sie besitzen,
-und der Bestand vermehrt sich fortwährend ohne ihr Zuthun.... Man
-steckt sich ein paar Dollar in die Tasche, kommt ein Hirt, so giebt
-man ihm einen Dollar, und der arme Mann ist glücklich; kommt Niemand,
-um so besser, man kann auch allein fertig werden, ein Schuss oder eine
-Wurfschlinge reichen hin«.... Ein Schiff »Luisa« kommt uns entgegen,
-es macht ein sonderbares Manöver, bald hören wir lauten Jubel, denn
-es ist ihm gelungen einen, von den Fischern von Marinduque auf den
-Boden des Meeres hinab gelassenen Fischkasten zu stehlen, indem es
-mittelst herabgelassener Haken, das Tau der Boye geschickt zu packen
-wusste. Unser Kapitän ist ausser sich vor Neid.
-
-Legaspi ist der Haupthafen der Provinz Albay, weil er inmitten des
-Abacágebietes liegt. Seine Rhede ist aber sehr unsicher; in den
-Wintermonaten, weil sie den NO. Stürmen offen, nicht zu benutzen.
-
-Der NNO. ist der herrschende Wind an dieser Küste; der SW. ist
-kaum zwei Monate, Juni und Juli, beständig. Die stärksten Stürme
-finden zwischen Oktober und Januar statt. Sie beginnen meist mit
-schwachem Westwind, von Regen begleitet, gehn nach N. oder S., und
-erreichen ihre grösste Heftigkeit in NO. oder SO. Nach dem Sturm
-tritt gewöhnlich Windstille ein, worauf der Wind des herrschenden
-Monsun wieder zur Geltung kommt. Die leicht gebauten, elastischen
-Häuser der Gegend widerstehen den Stürmen sehr gut, aber Dächer,
-auch schadhafte Häuser werden häufig fortgerissen. Die Schifffahrt
-zwischen Manila und Legáspi dauert höchstens von Januar bis Oktober,
-während der Herbstmonate hört alle Wasserverbindung auf. Nur die
-Briefpost kommt dann ziemlich regelmässig jede Woche an. Schweres
-Gepäck kann in dieser Jahreszeit nicht anders befördert werden,
-als auf grossem Umwege mit bedeutenden Kosten zur Südküste, von da
-zu Schiffe nach Manila. Viel günstiger für die Schifffahrt liegt der
-Hafen von Sorsogón, dessen nach Westen offene Bucht durch die quer
-davor liegende Insel Bagaláo geschützt ist. Ausser der Sicherheit
-hat er den Vortheil der schnelleren, nie unterbrochenen Verbindung
-mit der Hauptstadt des Archipels, während die Schiffe von Legáspi,
-in den Monaten, wo Schifffahrt überhaupt möglich bei jeder Reise das
-östliche Ende Luzon's umkreisen müssen, bei der starken Strömung der
-S. Bernardino Strasse, oft ein sehr schwieriges Unternehmen. Kleinere
-Schiffe sind dann während sie ankern überdies in grosser Gefahr von
-Seeräubern genommen zu werden. Aber Sorsogón hat kein so fruchtbares
-Hinterland wie Legáspi.
-
-Ich brachte Empfehlungen an die beiden angesehensten Spanier der
-Provinz mit. Sie nahmen mich auf das liebenswürdigste auf, und waren
-mir, während der ganzen Dauer meines Aufenthalts in dieser Gegend,
-von grösstem Nutzen. Auch hatte ich das Glück hier einen Alkalden
-zu treffen, der dem Beamtenstande jedes Landes zur Zierde gereicht
-haben würde. Von guter Familie, liebenswürdig im Umgang, ein ächter
-Caballero. Um seine Rechtlichkeit zu bezeichnen wurde in Sámar von
-ihm gesagt, mit einem Aktenbündel unter dem Arm sei er dort angekommen
-und ebenso wieder abgegangen.
-
-
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-
-
-
-
-NEUNTES KAPITEL
-
- DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRÜCHE.
-
-
-Durch Vermittelung meiner spanischen Freunde gelang es mir,
-ein bequemes Haus in Darága zu miethen, [81] einem wohlhabenden
-Pueblo von beinahe 20,000 E. am SSO. Fuss des Mayon 1 1/2 Leguas von
-Legáspi. Dieser Vulkan galt für unersteiglich bis zwei junge Schotten,
-Paton und Stewart, im April 1858 das Gegentheil bewiesen. [82] Nach
-ihnen waren mehrere Eingeborene oben gewesen, aber kein Europäer.
-
-Ich brach am 25. Sept. Abends auf und übernachtete, auf Herrn Muñoz
-Rath, in einer Hütte 1000 Fuss über dem Meere, um am folgenden Morgen
-die Besteigung mit frischen Kräften zu beginnen. Aber zahlreiche
-Müssiggänger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren
-Lärm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig
-erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel
-wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem
-man einige hundert Fuss weit durch 6' hohes Gras gestiegen, folgt
-kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten;
-auch diese hören bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein
-kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie
-bilden zuerst ein Gehölz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen
-und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblöcken mühsam fortkommende
-Bäumchen auflöst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach
-allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure
-und Wasser-Dämpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu
-können, Mund und Nase mit Tüchern verbanden.
-
-An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders
-heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen
-wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht
-der Verhältnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden
-Dampfwolken es unmöglich machte die Breite der Klüfte zu übersehn. Die
-Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mächtigen Bänken festen Gesteins,
-unter einer von schwefliger Säure gebleichten Schlackenkruste. Viele
-regellos umherliegende prismatische Blöcke zeigten, dass der Gipfel
-früher höher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstösse
-Lücken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe
-Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814
-(s. unten) bisher widerstanden hatten.
-
-Später fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei
-sehr klarem Wetter von Darága aus zu beobachten; es ergab sich dabei,
-dass der Nordrand die Südseite überragte. (Vergl. d. Zeichnung.)
-
-An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen,
-waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe
-Salze abgesetzt hatten. Ueber 20' lange, von der Kuppe herabgeglittene
-Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darága zugekehrten Seite
-war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberfläche aus so feinen
-lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die
-Neigung dieses Stromes betrug über 30°, dennoch hat er unverkennbar
-eine zusammenhängende Masse gebildet, es kamen Stücke von 5 bis 6'
-Länge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter
-liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stücke
-zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600' tiefer, wo sich dieselbe
-Lava über eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie
-eine mehr als 40' lange zusammenhängende, nur durch kleine Sprünge
-zerborstene Platte von 45° Neigung.
-
-Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als
-es dunkel wurde. In der Hoffnung die Hütte zu erreichen, wo unsere
-Lebensmittel zurückgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig
-und müde zwischen grossen Felsblöcken umher und entschlossen uns
-endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch
-Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlässigkeit der Indier
-veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute
-waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer
-Sachen im Biwuak zurückgelassener »sehr zuverlässiger Mann«, der den
-Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen
-zu kommen, war schon Vormittags nach Darága zurückgekehrt. Mein
-Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm für mich trug,
-verschwand plötzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand
-mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten
-die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als
-unsere sehr dünnen Hüllen durchnässt waren, zum Zähneklappern. Mit
-Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei
-Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Hütte und erholten
-uns nach 29stündigem Fasten.
-
-In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del
-pais ist angeführt unter 4. September 1823: »Das Mitglied D. Antonio
-Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. März und die Gesellschaft
-befahl eine Denkmünze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und
-besagten Siguenza und seine Gefährten zu belohnen.« In der Provinz
-Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren,
-denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung
-des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrücklich erwähnt,
-die Belohnung lässt es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt:
-»Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu
-seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, beträgt seine
-Höhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter)« und Seite 143: er habe in
-den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille
-schlagen liess zu Ehren Siguenza's (und seiner Gefährten), der 1823
-den Krater des Vulkan's untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen
-letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen
-1592 zwei Mönche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff
-des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam
-nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den
-Gipfel, da drei tiefe Schlünde ihm den Weg versperrten, aber auf die
-blosse Erzählung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene
-zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre »an den
-Folgen der mannichfachen Temperaturen« denen er bei Besteigung des
-Berges ausgesetzt gewesen.
-
-In manchen Büchern heisst es, der Berg sei beträchtlich hoch, in
-andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo
-man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht
-erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Höhe nach den Messungen
-des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen
-Hydrographen wirklich ermittelte Höhe habe ich nirgends gefunden. Nach
-meinen Barometermessungen beträgt die Meereshöhe der Gipfelplatte,
-die aber noch von einzelnen Pfeilern überragt wird, 2374 Meter =
-8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss.
-
-
- Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey
- verzeichnet, ist vom Februar 1616: »Anchoras suas 19. Februarij
- ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua
- sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis
- montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure
- (Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26
- Francf. 1620 Fol.«
-
- Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die
- Ortschaft Malináo gänzlich zerstörte, und in Cagsáua, Camálig,
- Budiáo, Guinobátan, Polángui und Ligáo grosse Verheerungen
- anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil
- II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug
- aus dieser) entzündete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6
- Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide,
- allmälig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom
- Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu
- sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October
- spie der Vulcan während eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7
- Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens plötzlich nach
- S. umsprang und dabei alle Hütten des Dorfes zerstörte, eine
- so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tíbog und Albáy
- mehrere Flüsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser
- Wasserfülle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu
- durchfurthen waren. . . . »Zwischen Bacacáy und Malináo betrug
- die Breite der Flüsse über 80 Varas. Von Cemálig nach dem Innern
- von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verändert, dass man die
- Strassen nicht wieder erkennt. Malináo ist gänzlich zerstört,
- fast alle Hütten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen
- bedeckt; ein Drittel von Cagsáva ist gleichfalls vernichtet,
- der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen
- breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand
- und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemálig, Guinobatam,
- Liga und Bolangui noch grössere Verheerungen angerichtet. . . Im
- SW. sind die Palmen und andere Bäume bis an ihre Wipfel begraben
- worden. . . . In Albay wurden 18, in Malináo über 30 Leichname
- gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere
- Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . .«
-
- 1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg
- schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses).
-
- Der Ausbruch vom 1. Febr. 1814 war aber bei weitem der
- schlimmste. Al. Perrey S. 85 giebt einen Auszug aus der
- Beschreibung eines Augenzeugen. [83] Um 8 Uhr Morgens warf der
- Berg plötzlich eine dicke Säule von Steinen, Sand und Asche aus,
- die sich schnell bis in die höchsten Luftschichten erhob. . . Die
- Seiten des Vulkans verschleierten sich und verschwanden vor
- unsern Blicken. Ein Feuerstrom stürzte vom Berge herab und
- drohte uns zu vernichten. . . Alles floh und suchte die höchsten
- Punkte auf. Das gewaltige Geräusch des Vulkans setzte alles in
- Schrecken. Die Finsterniss nahm zu . . die Fliehenden wurden zum
- Theil von den herabfallenden Steinen erschlagen. . . die Häuser
- gewährten keinen Schutz, da die glühenden Steine sie in Brand
- steckten. So wurden die blühendsten Ortschaften von Camarines
- in Asche gelegt. Gegen 10 Uhr hörte das Herabfallen der grossen
- Steine auf, ein Sandregen trat an die Stelle; um halb zwei Uhr
- liess das Getöse etwas nach, der Himmel klärte sich allmälig
- auf. . Der Boden war mit Leichen und Schwerverwundeten bedeckt, in
- der Kirche von Budiáo waren 200, in einem Hause desselben Ortes 35
- Personen umgekommen. Fünf Ortschaften in Camarines sind gänzlich,
- Albay zum grossen Theil zerstört. Zwölftausend Personen kamen
- um, viele sind schwerverwundet, die Ueberlebenden haben alles
- verloren. Der Anblick des Vulkans ist traurig und schrecklich,
- seine vorher so malerischen, reich bebauten Abhänge sind mit Sand
- bedeckt, furchtbar dürr . . die Schicht von Steinen und Sand ist
- 10 bis 12 Varas dick. Wo früher das Dorf Budiáo stand, sind die
- Kokosbäume bis an ihre Wipfel begraben. In den andern Dörfern
- ist die Schicht nicht weniger als eine halbe Elle dick. . . Die
- Spitze des Vulkans hat, so weit ich es beurtheilen kann, über
- 120 Fuss an Höhe verloren, an der Südseite entdeckt man eine
- ungeheure Oeffnung; drei andre Mündungen haben sich in geringer
- Entfernung vom Hauptschlunde aufgethan; sie stossen noch Asche
- und Rauch aus . . . die schönsten Ortschaften von Camarines und
- der beste Theil der Provinz sind in eine unfruchtbare Sandwüste
- verwandelt.« -- Im Estado geogr. ist ein Auszug aus der Schrift
- eines andern Augenzeugen, Pater Franc. Tubino, aus Guinobátan
- von 1816 enthalten; es heisst darin: Nach häufigen Erdstössen
- am vorhergehenden Abend und starken Erschütterungen am Morgen
- spie der Berg plötzlich aus seinem Rachen etwas wie Schnee aus,
- das sich pyramidenförmig erhob, und die Gestalt eines schönen
- Federbusches annahm. Da die Sonne hell schien, so gewährte die
- vernichtende Erscheinung verschiedene schöne Anblicke. Der Berg
- war an seinem Fuss schwarz, weiter aufwärts dunkel, in der Mitte
- bunt, oben aschfarben. Während der Betrachtung des Schauspiels
- wurde ein heftiger Erdstoss verspürt, gefolgt von starkem
- Donner. Der Berg fuhr fort Lava mit Gewalt auszustossen, während
- die Wolke, die er bildete, sich allmälig vergrösserte. Die Erde
- wurde verdunkelt, die Luft brannte, man sah aus der Erde Blitze
- und Funken kommen, die sich durchkreuzten und ein furchtbares
- Gewitter bildeten. Darauf folgte unmittelbar ein Regen von
- grossen, brennenden und verbrannten Steinen, die alles was sie
- trafen vernichteten und verbrannten, bald darauf kleinere Steine,
- Sand und Asche. Dies währte über drei Stunden, die Dunkelheit etwa
- fünf. Die Städte Camálig, Cagsáua, Budiáo, die Hälfte von Albáy
- und Guinobátan wurden verbrannt und zerstört. Die Dunkelheit
- verbreitete sich sehr weit -- bis nach Manila und Ilócos, die
- Asche soll, wie einige versichern, bis nach China geflogen,
- der Donner in vielen Theilen des Archipels gehört worden sein.
-
- 1827 brach in Manila (Luzon) ein Vulkan aus, in der Provinz Albay,
- der Ausbruch dauerte bis zum Februar 1828. (A. Perrey S. 93).
-
- Den Pfarrern der Ortschaften am Fuss des Mayon verdanke ich
- folgende Mittheilungen über die Ausbrüche des Vulkans, deren
- Zeugen sie gewesen sind:
-
- 1834 und 1835. In diesen beiden Jahren war der Berg fast
- ununterbrochen in Thätigkeit. Aschenausbrüche wurden nicht
- wahrgenommen, aber fast jede Nacht sah man glühende Lava
- von der Spitze nach verschiedenen Richtungen in den oberen
- Schluchten herabfliessen. Im Monat Mai 1835 fand ein sehr starker
- Gipfel-Ausbruch statt, mit Aschen- und Steinregen; er begann um 6
- Uhr früh, dauerte aber nicht bis zum Abend; man sah abwechselnd
- graue und weisse Säulen sich vom Gipfel erheben; in den grauen
- Säulen konnte man grosse Steine erkennen, die Erscheinung war
- von starkem Donner begleitet.
-
- Nach den Ausbrüchen von 1835 blieb der Berg ruhig bis 1845,
- selbst Dampfwolken waren oft mehrere Monate lang nicht
- wahrzunehmen. Nach Capt. Wilkes (U. S. Expl. Exp. V 283) wäre
- zu vermuthen, dass auch 1839 ein Ausbruch statt fand: ... »aber
- viele (Vulkane) rauchten, besonders der im Gebiete von Albay,
- Ysarog genannt. Sein letzter Ausbruch fand 1839 statt, that aber
- wenig Schaden im Verhältniss zu dem von 1814 ... er liegt 150
- Miles SO. von Manila und soll ein vollkommener Kegel sein.« --
- Statt des Ysarog ist hier der Mayon gemeint; die mit gesperrter
- Schrift gedruckten Stellen passen nur auf diesen, der Ysarog
- ist erloschen. Dieselbe Namenverwechselung wiederholt sich noch
- zweifelloser bei Dana. (U. S. Expl. Exp. Geology. 541): »In der
- SO. Ecke (von Luzon) steht der hohe Kegelberg Albay, von den
- Eingeborenen Ysarog genannt.« -- Der fragliche Ausbruch kann wohl
- nur unbedeutend gewesen sein, da die Pfarrer ihn nicht erwähnen.
-
- Am 21. Januar 1845 verkündete starkes Donnergeräusch einen
- Gipfelausbruch, der indessen nur 10 Minuten währte. Eine
- Viertelstunde darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, dauerte
- abermals zehn Minuten und trat nach etwa einer Stunde zum dritten
- Mal ein. Um 9 Uhr aber fand mit starkem Getöse ein Aschen-Ausbruch
- statt, der zwei Stunden ohne Unterbrechung anhielt und in dem
- Gebiet SW. vom Berge die Luft verfinsterte. In Darága blieb es
- hell und man konnte die schöne Erscheinung, die in Guinobátan
- Alles in Schrecken setzte, ungefährdet betrachten. Der Ausbruch
- hielt noch einige Tage an, aber schwächer; bei Tage gewahrte man
- eine dunkle Aschensäule, Nachts erschien sie glühend. Auch sah man
- dann glühenden Sand in den Schluchten sich abwärts schieben; dies
- Schauspiel währte eine Woche lang. Zugleich hörte man Nachts ein
- Rauschen wie von einem Sturzbach; bei Tage war nur das Geräusch
- der gegeneinander schlagenden Steine wahrzunehmen. Wegen des
- herrschenden NO.-Windes fiel die Asche in Guinobátan, Ligáo
- und Camálig nieder, wo es bei Tage so finster war, dass man mit
- Laternen auf der Strasse ging. Auf dem Bergabhange überraschte
- Büffel und Rinder kamen um, sonst waren keine Unglücksfälle
- zu beklagen.
-
- 1846 starker Ausbruch an einem Nachmittage. Von Camálig aus (im
- S.) erscheint der ganze Berg in eine Wolke gehüllt, darüber eine
- schwarze Aschensäule. Mehrere Nächte starker Feuerschein am Gipfel.
-
- 1851 zwei Aschenausbrüche, beide unbedeutend, der zweite im Juni.
-
- 1853, 27. Juli (13. Juli nach Estado geogr. S. 318). Grosser
- Ausbruch von zwölf Uhr Mittags bis drei Uhr. Er wird durch
- starkes Donnern, aber ohne Erdstösse eingeleitet. Aus dem Gipfel
- bricht eine hohe Aschensäule hervor, welche die Gestalt eines
- Baumes annimmt; die Dörfer im Umkreise mehrerer Meilen werden
- mit Asche bedeckt. Glühende Steine rollten bis an den Fuss des
- Berges herab und zerstörten mehrere Häuser. 31 Menschen kamen in
- einer Abacápflanzung um (33 nach Estado 318.).
-
- Ein heftiger Ausbruch soll am 22. März 1855 während eines
- Erdbebens in Manila stattgefunden haben. (A. Perrey S. 105 nach
- einer Mittheilung der Herren Meister und Kluge.)
-
- Nach Hochstetter (Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 36, S. 131) hat
- der Mayon 1857 so viel Asche ausgeworfen, dass alle Bienen der
- Umgegend getödtet wurden.
-
- 1858 war der Berg fast ununterbrochen thätig, doch fanden keine
- grossen Ausbrüche statt, aber fast alle Nächte sah man am Gipfel
- glühende Lava in den Schluchten. 1859 und 1860 konnte man fast jede
- Nacht bei klarem Wetter einen Feuerschein am Gipfel wahrnehmen,
- Ausbrüche fanden nicht statt.
-
- Erdbeben sind in dieser Provinz seltener als in Manila und
- gewöhnlich wegen der Bauart der Häuser unschädlich. 1840 und 1846
- fanden zwei bedeutende statt, deren ersteres die Ortschaft Sorsogón
- zum grösseren Theil zertrümmerte. Im Anhang zur engl. Uebersetzung
- von Morga S. 373 wird ein furchtbares Erdbeben angeführt, das am
- 19. Oct. 1865 in der Provinz Albay viel Hab und Gut zerstörte,
- wobei die Orte Malináo und Tabáco von der See überschwemmt wurden.
-
- Nach einer in Nature enthaltenen Notiz aus Manila brach Mitte
- Dezember 1871 der Mayon aus und spie mehrere Wochen lang Rauch,
- Steine und Lava aus.
-
-
-
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-
-
-
-
-ZEHNTES KAPITEL
-
- CACAO. -- KAFFEE. -- KIRCHWEIHFEST. -- LEBEN IN DARAGA.
-
-
-Ein herabspringender Stein hatte mich auf dem Mayon so erheblich am
-Fusse verletzt, dass ich über einen Monat nicht ausgehn konnte. Unter
-solchen Umständen war es sehr angenehm eine geräumige bequeme
-Wohnung zu haben. Mein Häuschen lag an einem klaren Bach von einem
-Garten umgeben, in welchem Kaffee, Cacao, Orangen, Bananen, Papayas
-in üppiger Fülle zwischen hohem Unkraut wuchsen. Viele überreife
-Cacaofrüchte waren unbenutzt abgefallen, ich liess die reifen sammeln,
-rösten und mit gleicher Menge Zucker zu Chocolade verarbeiten, eine
-Kunst, die hier in jeder grösseren Haushaltung verstanden wird; denn
-Chocolade vertritt bekanntlich bei den Spaniern die Stelle des Thee's
-und Kaffee's; auch die Mestizen und bemittelten Eingeborenen machen
-starken Gebrauch davon.
-
-Der Cacaobaum stammt aus dem zentralen Amerika, reicht dort von 23°
-N. bis 20° S. (von 30° N. bis 30° S. Rappt. Jury XI, 268), gedeiht aber
-nur in den heissesten, feuchtesten Erdstrichen. Nach Karsten setzt er
-bei einer mittleren Temperatur von unter 23°.3 C. schon keine Frucht
-mehr an, von allen Kulturfrüchten verlangt er die grösste Wärmemenge.
-
-In die Philippinen wurde er von Acapulco aus eingeführt, entweder
-nach Camarines 1670 durch einen Steuermann, Pedro Brabo de Lagunas,
-oder nach Samar, unter Salcédo's Regierung (1663-1668) durch die
-Jesuiten. [84] Seitdem hat er sich über einen grossen Theil der Inseln
-verbreitet, und, obgleich wohl nie Gegenstand besonderer Pflege, ist
-seine Frucht doch von vorzüglicher Beschaffenheit. Der Cacao von Albay
-steht, wenn man den im Lande dafür gezahlten Preis als Maassstab gelten
-lässt, dem Carácas wenigstens gleich, der in Europa den ersten Rang
-behauptet und wegen seines hohen Preises gewöhnlich zu drei Vierteln
-mit geringeren Sorten gemischt wird. [85] Man findet aber den Strauch
-meist nur in kleinen Gärten, in unmittelbarer Nähe der Häuser, und
-so gross ist die Trägheit der Indier, dass sie die Früchte häufig
-verfaulen lassen, ohne die köstlichen Saamen zu nutzen, obgleich der
-einheimische Cacao höher im Preise steht als der eingeführte. Auf
-Cebú und Négros wird etwas mehr gebaut, aber lange nicht ausreichend
-für den Bedarf der Kolonie, die das Fehlende gewöhnlich von Ternate
-und Mindanao einführt. Den besten Cacao der Philippinen erzeugt
-die kleine Insel Maripipi, NW. von Leyte; er ist schwer zu haben,
-gewöhnlich schon voraus bestellt, das Liter wird gern mit 1 Dollar
-bezahlt; der von Albay gilt 2 bis 2 1/2 Doll. die Ganta (3 Liter).
-
-Der Indier steckt die zum Keimen bestimmten Kerne gewöhnlich einzeln
-mit etwas Erde in dütenförmig gefaltete Blätter und hängt sie unter
-seinem Dache auf. Sie wachsen schnell und werden, um die Entwicklung
-des Unkrauts zu hemmen, in sehr geringen Entfernungen von einander
-(6' bis 7') ausgepflanzt. Diesem Verfahren ist es wohl zuzuschreiben,
-dass sich die Pflanzen nur zu Sträuchern von 8 bis 10 Fuss Höhe
-entwickeln, während sie in ihrem Vaterlande bis 30', manche Arten
-selbst 40' hoch werden. (Nach Angabe des Paters von Borongan freilich
-kommen auf einer kleinen Insel bei Guiuan ausserordentlich grosse
-Cacaobäume vor.) Dennoch soll ein solcher Strauch, der schon im
-3ten oder 4ten Jahre die ersten Früchte trägt, vom 5ten oder 6ten
-Jahre an volle Ernten von je einer Ganta Cacao geben die, (wie oben
-bemerkt), 2 bis 2 1/2 Doll. gilt, und immer Käufer findet. [86] Der
-Nutzen einer in vollem Ertrage stehenden Pflanzung muss daher höchst
-beträchtlich sein. Trotz dem ist es bisher nicht gelungen den Cacaobaum
-im Grossen einzubürgern. Es heisst die ökonomische Gesellschaft habe
-eine erhebliche Geldprämie für Jeden ausgesetzt, der eine Pflanzung
-von 10,000 tragenden Bäumen aufweisen könnte, nur ein Einziger, der
-verdiente Oidor Azoala, soll sie gewonnen, die Pflanzung aber trotz
-der gebrachten Opfer wieder aufgegeben haben. (Im Bericht über die
-Thätigkeit der Gesellschaft finde ich diese Prämie nicht erwähnt.)
-
-Das Haupthinderniss scheint in den fast alljährlich wiederkehrenden
-gewaltigen Stürmen zu liegen, die zuweilen in einem Tage eine
-ganze Pflanzung der nicht tief wurzelnden Bäumchen zerstören. 1856
-soll ein einziger Taifun mehrere bedeutende Plantagen kurz vor der
-Ernte von Grund aus vernichtet und dadurch allgemeine Entmuthigung
-hervorgerufen haben. [87] In Folge davon wurde eine Zeitlang die
-steuerfreie Einführung von Cacao gestattet und man konnte den von
-Guayaquíl für 15 Doll. den Quintál kaufen, während der einheimische
-mehr als das doppelte galt.
-
-Der Baum hat auch viel durch feindliche Insekten zu leiden, durch
-eine Krankheit deren Ursache unbekannt, [88] und wird, abgesehn von
-andern Raubthieren, besonders von Ratten heimgesucht, die zuweilen in
-solchen Schaaren einfallen, dass sie in einer Nacht die ganze Ernte
-vernichten. Gutgehaltene Cacaopflanzungen werden von amerikanischen
-Reisenden als sehr schön geschildert. In den Philippinen, wenigstens
-in Ost-Luzon, zeigt der enggepflanzte, vernachlässigte, von Flechten
-bedeckte Baum schon früh ein greisenhaftes Ansehn. Seine Lebensdauer
-ist kurz. Die zuweilen fast fusslangen ovalen Blätter hängen vereinzelt
-an den Zweigen, bilden keine dichte Krone, die Blüthen sind sehr
-unscheinbar, nicht grösser als Lindenblüthen, röthlich gelb,
-und brechen an langen Stielen einzeln, oder in kleinen Büscheln
-unmittelbar aus dem Stamm oder den stärkeren Aesten hervor. Die
-Frucht reift in sechs Monaten, wird 5 bis 8'' lang, gleicht einer
-sehr warzigen Gurke und ist im reifen Zustand roth oder gelb. Zwei
-Spielarten scheinen auf den Philippinen nur gebaut zu werden. [89]
-Das Fleisch ist weiss, breiartig weich, schmeckt angenehm säuerlich,
-und enthält in fünf Reihen anderthalb bis zwei Dutzend Kerne, die so
-gross sind wie Mandeln und wie diese aus zwei Samenlappen und einem
-kleinen Keim bestehen, dies sind die Cacaobohnen, geröstet und fein
-gerieben geben sie Cacao, dieser mit Zucker und gewöhnlich auch mit
-Gewürzen vermischt, Chocolade. Bis vor wenigen Jahren bereitete
-fast jede Haushaltung in den Philippinen ihre Chocolade selbst,
-nur aus Cacao und Zucker. Indier, die Chocolade geniessen, setzen
-oft gerösteten Reis dazu. Jetzt ist in Manila eine Fabrik errichtet,
-die Chocolade nach europäischer Art bereitet. Ein beliebter Zusatz
-zur Chocolade in den örtlichen Provinzen sind geröstete Pilikerne. [90]
-
-Die Europäer lernten das aus dem Cacao bereitete Getränk zuerst
-in Mexico unter dem Namen Chocolatl kennen. [91] Schon zur Zeit
-Cortes', eines leidenschaftlichen Chocoladentrinkers, war der Baum
-Gegenstand ausgedehnter Kultur. Die Cacaokerne vertraten bei den
-Azteken die Stelle des Geldes, Montezúma empfing darin einen Theil
-seines Tributes. Bei den alten Mexicanern genossen aber nur die
-Reichen den Cacao ungemischt, die andern setzten, wegen des hohen
-Werthes der Bohne als Münze, Mais- oder Mandioca-Mehl dazu. Noch
-heut dienen in Zentral-Amerika die Cacaobohnen als Scheidemünze,
-weil kein Kupfergeld vorhanden ist, die kleinste Silbermünze aber
-1/2 Real beträgt. [92] Doch soll es im zentralen Amerika und am
-Orinoco noch jetzt undurchdringliche Wälder geben, die fast ganz
-aus wilden Cacaobäumen bestehn. [93] Ein Theil ihrer Früchte wird
-auch gesammelt, ist aber von sehr geringem Werth. Schon an und für
-sich weniger aromatisch als die kultivirten Sorten, können sie nicht
-mit Sorgfalt zur rechten Zeit gepflückt und getrocknet werden und
-verderben auf dem langen Transport durch die feuchten Wälder.
-
-Bis vor kurzem, als namentlich Franzosen sehr bedeutende Pflanzungen
-in Zentral-Amerika anlegten, hatte der Ertrag in den amerikanischen
-Produktionsländern seit Aufhebung der Sklaverei fast von Jahr zu Jahr
-abgenommen. Obgleich nach F. Engel eine gedeihende Cacaopflanzung bei
-geringer Mühe und Auslage mehr Ertrag giebt als jede andre tropische
-Kultur, so sind auch dort die Ernten, die überdies erst nach 5 oder
-6 Jahren beginnen, wegen der vielen Feinde der Pflanze nicht sicher,
-die Kultur eignet sich daher nur für grössere Kapitalisten oder
-ganz kleine Bauern, die den Baum in ihren Gärten ziehen. Die grossen
-Pflanzungen sind aber nach Aufhebung der Sklaverei meist in Verfall
-gekommen und die frei gewordenen Sklaven sind zu unbetriebsam.
-
-In Europa mundete die ursprüngliche Chocolade nicht allgemein;
-sie fand erst später durch Zusatz von Zucker grössern Anklang. Das
-übertriebene Lob ihrer Verehrer rief den erbitterten Widerspruch
-der Gegner des neuen Getränks hervor, auch regten sich bei den
-Geistlichen Gewissensskrupel wegen des Gebrauchs des nahrhaften Cacao
-als Fastenspeise. Der Streit dauerte bis zum 17. Jahrhundert fort,
-wo das Getränk in Spanien zum allgemeinen Bedürfniss wurde. [94] In
-Spanien wurde der Cacao 1520 eingeführt, die Chocolade zuerst heimlich
-bereitet, wegen des Monopols der Conquistadoren. 1580 war sie dort
-schon in allgemeinem Gebrauch, in England aber so unbekannt, dass 1579
-ein englischer Kapitän eine weggenommene Ladung als nutzlos verbrannte
-(Kottenkamp I., 579). Nach Italien kam sie 1606, nach Frankreich
-wahrscheinlich durch Anna von Oesterreich. In London wurde 1657 das
-erste Chocoladenhaus eröffnet. Deutschland folgte 1700 nach. [95]
-
-Mit dem Kaffee geht es in den Philippinen beinahe wie mit dem
-Cacao. Der Strauch gedeiht vorzüglich, seine Frucht ist von so
-ausgezeichnetem Geschmack, dass geringer Manila-Kaffee wie guter Java
-bezahlt wird, dennoch ist die Kaffeeproduktion der Philippinen höchst
-unbedeutend und verdiente bis vor Kurzem kaum der Erwähnung. Nach
-dem Berichte eines Engländers von 1828 [96] war der Kaffeestrauch
-vierzig Jahre vorher unbekannt, nur durch wenige Exemplare in
-den Gärten Manila's vertreten. Von dort nach Laguna verpflanzt,
-vermehrte er sich schnell durch Vermittelung eines kleinen Raubthiers
-(Paradoxurus Musanga), das nur die reifsten Früchte nascht und
-die harten Kerne (die Kaffeebohnen) unverdaut auswirft. [97] Die
-Sociedad economica bemühte sich ihrerseits durch Ertheilung von
-Preisen zur Anlage grösserer Kaffeepflanzungen zu ermuntern. 1837
-gewährte sie P. de la Gironnière eine Prämie von 1000 Doll., weil er
-über 60,000 Kaffeepflanzen im Zustande der zweiten Ernte aufweisen
-konnte, und in den folgenden Jahren noch vier Prämien an Andre für
-dieselbe Leistung. Aber sobald die Prämien gewonnen waren, liess
-man die Pflanzungen wieder verwildern. Daraus scheint hervorzugehn,
-dass die Unternehmungen bei den damaligen Marktpreisen und künstlich
-gesteigerten Frachten keinen hinreichenden Nutzen gewährten.
-
-Was patriotische Bestrebungen vergeblich versucht, scheint jetzt
-die bedeutende Steigerung der Kaffeepreise bei gleichzeitiger
-Erleichterung des Verkehrs allmälig zu bewirken: 1856 betrug die
-Kaffeeausfuhr nicht über 7000 Picos, 1865: 37,588 P., 1871: 53,370
-Picos. Diese Steigerung giebt aber noch nicht das Maass für die Zunahme
-der Pflanzungen, da diese in den ersten Jahren nach der Anlage keinen
-Ertrag liefern. In Kurzem darf wohl mit Zuversicht eine höhere Ausfuhr
-erwartet werden. Aber selbst diese dürfte nicht als Maassstab für die
-Leistungsfähigkeit der Kolonie gelten. Erst wenn europäisches Kapital
-grössere Pflanzungen an geeigneten Oertlichkeiten hervorruft, werden
-die Philippinen den gebührenden Rang unter den Kaffee erzeugenden
-Ländern einnehmen.
-
-Den besten Kaffee liefern die Provinzen Lagúna, Batángas und Cavíte,
-den schlechtesten Mindanao; letzterer ist in Folge nachlässiger
-Behandlung sehr unrein, enthält viele schwarze Bohnen beigemischt. Die
-Mindanaobohnen sind gelblichweiss (pale), während die von Lagúna
-grünlich und fast um die Hälfte kleiner sind als jene.
-
-Von Kennern wird der Manila-Kaffee sehr hoch geschätzt und stets
-entsprechend bezahlt, obgleich er nicht so sauber aussieht als Ceylon
-und manche andre sorgfältiger behandelte Sorten. Jedenfalls ist es
-bemerkenswerth, dass Frankreich 1865, ausser 105,000 Frcs. Manila-Hanf,
-fast nichts als Kaffee aus den Philippinen einführte, davon aber für
-1,042,000 Frcs., d. h. mehr als ein Drittel der Gesammternte. [98] In
-London wird Manila-Kaffee nicht besonders gewürdigt und nicht besser
-als guter Native Ceylon (60 Schillinge pr. Cwt.) bezahlt, [99] weil er
-dem englischen Geschmack nicht entspricht; dies ist aber kein Vorwurf
-für den Kaffee, wie Jeder, der den englischen Kaffeegeschmack kennt,
-einräumen wird.
-
-Einer der Hauptabnehmer wird mit der Zeit wohl Californien werden,
-ein vortrefflicher Kunde der für gute Waare gern ermunternde
-Preise zahlt. [100] 1868 galt der Kaffee in Manila selbst, mit sehr
-geringen Schwankungen 16 Doll. per Pikul [101] (1871: 13 Doll. 50
-C.) d. h. nicht viel unter dem Londoner Marktpreise. In Java zahlt
-die Regierung den zum Kaffeebau gezwungenen Eingeborenen 9 fl. 20
-c. (etwa 3 1/2 Doll. für den Pikul).
-
-Wie unbedeutend die oben angeführte Kaffeeproduktion im Verhältniss
-zur Produktionskraft der Kolonie ist, ergiebt sich am besten aus dem
-Vergleich mit der Ausfuhr anderer Länder. Nach Scherzer, Fachmännische
-Berichte, 71, betrug 1868 die Kaffeeausfuhr von Brasilien 4,262,000
-Zoll-Ctr., Java und Sumatra 1,400,058, Ceylon 1,023,455 Zoll-Ctr.
-
-In meinen Reiseskizzen (S. 158) wurde die Abnahme der Kaffeeproduktion
-in Java unter dem »Kultursystem,« die Zunahme derselben in Ceylon bei
-freier Arbeit hervorgehoben und als Ertrag des Jahres 1858/59 67,500
-Tonnen für Java, 35,000 T. für Ceylon angegeben. Beide Ursachen
-haben seitdem fortgewirkt und Niederländisch-Indien erzeugte 1866
-nur 56,000 T. (in 7 Jahren 11,000 T. weniger), Ceylon 36,000 T. (1000
-T. mehr). [102]
-
-Während meines gezwungenen Aufenthalts in Darága brachten mir
-die Eingeborenen Muscheln und Käfer zum Kauf und eine Anzahl
-meldeten sich um in meinen Dienst zu treten, da sie »Beruf zum
-Naturforscher in sich fühlten«. Ich hatte ihrer endlich eine ganze
-Küche voll. Täglich gingen sie aus, um Insekten zu sammeln; freilich
-waren sie gewöhnlich nicht glücklich, desto munterer ging es aber
-bei den Mahlzeiten zu. Fast täglich erhielt ich freundliche Besuche
-von benachbarten Spaniern. Auch mehrere eingeborene Würdenträger und
-Mestizen besuchten mich, selbst aus grösserer Ferne, nicht sowohl um
-mich, als um meinen Hut zu sehn, dessen Ruf sich über die Grenzen
-der Provinz verbreitet hatte. Er bestand aus Nito [103], hatte die
-landesübliche zweckmässige Pilzform, war aber mit einer Spitze zum
-Aufstecken einer kleinen stark leuchtenden Laterne versehn, auf deren
-Oellampe, wenn unbenutzt ein dicht schliessender Deckel, wie bei einer
-Löthrohrlampe geschraubt wurde, so dass man die Laterne in der Tasche
-tragen konnte. Die Einrichtung erwies sich namentlich beim Reiten im
-Dunkeln als höchst zweckmässig.
-
-Im benachbarten Puéblo, Tabaco, wurden aus demselben Stoff
-Zigarrentaschen geflochten. Sie kommen wohl kaum in den Handel,
-und werden nur auf vorherige Bestellung angefertigt. Um ein Dutzend
-zu erhalten, muss man sich an ebensoviele Individuen wenden, und es
-dauert günstigen Falles mehrere Monate, bis eine Tasche vollendet
-wird. Der Stiel des Farn hat die Dicke eines Schwefelholzes, man sucht
-möglichst lange Stücke zwischen zwei Blattansätzen aus, spaltet sie in
-4 Theile und jedes Viertel durch Aufschlitzen und Zwischenklemmen des
-Fingers noch einmal; dann nimmt der Arbeiter ein Messer in die fest
-aufliegende linke Hand, den Daumen auf den Rücken, die Schärfe gegen
-den Zeigefinger gerichtet, und zieht die Streifen so oft unter der
-Klinge durch, bis sie von den innern, weniger zähen Theilen befreit
-und hinreichend fein sind, eine viel Geduld und Geschick erfordernde
-Arbeit. Geflochten wird über eine zwei Fuss lange zylindrische,
-nach unten spitz zulaufende Holzform. In der Mitte der geraden
-Endfläche steckt ein Stift um welchen das Geflecht beginnt; ist der
-dem Durchmesser der Walze entsprechende Boden der Tasche vollendet, so
-wird mittelst eines Stiftes eine kleine Holzscheibe auf den Boden der
-Tasche gepresst, die ihn während des Flechtens der Seitenwand festhält.
-
-Meine erste Ausfahrt war zur Kirchweih nach Legáspi, wo die Indier
-Abends Theater spielten. Ein aus politischen Gründen verbannter Spanier
-hatte die Anordnung übernommen. Zu beiden Seiten der mit Palmenblättern
-überdachten Bühne befanden sich erhöhte bedeckte Gallerien für die
-Honoratioren; der dem grossen Publikum bestimmte mittlere Raum war
-oben offen. Es wurde ein grosses Schauspiel aus der Persergeschichte
-gegeben, in spanischer Sprache, mit Fantasiekostümen. Da das Theater an
-einer lebhaften Strasse lag, die selbst einen Theil des Zuschauerraumes
-bildete, so war der Lärm so gross, dass man nur hin und wieder ein
-Wort vernehmen konnte. Die Schauspieler marschirten bei dem Hersagen
-ihrer Rollen, deren Sinn sie nicht einmal sprachlich verstanden,
-von einer Seite zur andern, indem sie die Arme auf und abbewegten;
-am Rande der Bühne angekommen machten sie Kehrt und setzten ihren
-Marsch in entgegengesetzter Richtung fort, wie Schiffe, die gegen
-den Wind kreuzen; sie verzogen dabei keine Miene, und sprachen,
-wie Automaten. Hätte man wenigstens den Text verstehn können, so
-wäre der Kontrast desselben mit den maschinenartigen Bewegungen
-gewiss drollig gewesen; Lärm, Hitze und Qualm waren aber so gross,
-dass wir nur kurze Zeit blieben.
-
-Das Schauspiel sowohl als das ganze Fest trug das Gepräge
-der Schlaffheit und Gleichgültigkeit, des unverstanden
-Nachgeahmten. Vergleicht man die ausgelassene Fröhlichkeit bei den
-Kirchweihen in Europa mit den ausdruckslosen starren Gesichtern der
-Indier, so begreift man kaum warum dergleichen Feste mit so grossem
-Aufwande von Zeit und Geld gefeiert werden.
-
-Derselbe Mangel an Fröhlichkeit wird von vielen Reisenden in noch
-höherem Grade bei den Indianern Amerika's bemerkt und von einigen aus
-einer geringeren Entwicklung des Nervensystems erklärt, daher auch der
-wunderbare Gleichmuth jener beim Ertragen von Schmerz. Das Gesicht
-des Indianers ist nach Tylor [104] so verschieden von dem unsrigen,
-dass der Europäer erst nach Jahre langer Uebung seinen Ausdruck
-deuten lernt. Beide Ursachen mögen zusammenwirken. Wenn aber auch
-lebhafte Aeusserungen der Freude nicht wahrzunehmen waren, so findet
-doch der Indier grosses Vergnügen schon an den wochenlang dauernden
-Vorbereitungen zur Ausschmückung des Dorfes, noch grösseres bei dem
-Feste selbst an den Prozessionen, bei denen jeder in seinem besten Putz
-oder den Abzeichen seiner Würde erscheint. Der Kampf um den Vortritt,
-um die Ehre eine Fahne zu tragen, erfüllt den also Begünstigten
-mit dem höchsten Stolz und erregt den Neid der Uebrigen. Aus allen
-nahegelegenen Ortschaften kommt Besuch, ganze Triumphbogen von Bambus
-und Laubwerk werden von benachbarten Gemeinden, mit der Inschrift
-Obsequio del puéblo de ... mitgebracht und aufgerichtet. Zuweilen
-wird auch stark gezecht. Die Filipinos haben Vorliebe für geistige
-Getränke; selbst junge Mädchen berauschen sich gelegentlich gern. Für
-die Nacht finden die fremden Gäste die entgegenkommendste Aufnahme
-in den Häusern des Pueblo. Ueberhaupt strahlt die Gastfreundschaft
-bei solchen Gelegenheiten in hellem Licht. Jedes Haus steht Jedem
-offen. In den grösseren Ortschaften fehlt es auch nicht an Bällen,
-es tanzen aber gewöhnlich nur Spanier und Mestizen mit Mestizinnen;
-blos ausnahmsweise wird eine begünstigte Indierin aufgefordert. Unter
-sich pflegen die Eingeborenen selten zu tanzen; in Samar sah ich aber
-einmal einen nicht ungraziösen, angeblich einheimischen Tanz aufführen,
-zu dem »improvisirte« Strophen gesungen wurden: der Tänzer verglich
-seine Dame mit einer Rose, und sie erwiderte, er möge sich hüten sie
-zu berühren, da sie auch Dornen habe; was im Munde einer Andalusierin
-reizend geklungen hätte, bei der Indierin aber nur den Ursprung der
-Improvisation verrieth.
-
-Das müssige Leben in Darága gefiel meinen Dienern und ihren zahlreichen
-Freunden so gut, dass sie es gern so lange als möglich geniessen
-wollten. Sie wählten dazu oft sinnreiche Mittel. Zweimal, als alles
-zum Aufbruch für den nächsten Morgen gerüstet war, wurden Nachts
-meine Schuhe gestohlen. Ein andermal stahl man mir mein Pferd. Hat ein
-Indier eine schwere Last zu befördern, oder einen anstrengenden Ritt zu
-machen, so benutzt er dazu gern den wohlgenährten Gaul eines Castila,
-und lässt ihn dann ungefüttert laufen, bis ihn jemand auffängt und
-in das nächste Tribunal liefert. Dort wird er angebunden und muss
-so lange hungern bis ihn sein Herr reklamirt und den angerichteten
-Schaden ersetzt. Ich hatte einen Dollar zu zahlen, da mein Pferd,
-obgleich es sehr verhungert that, in der Zwischenzeit für einen Dollar
-Reis genascht haben sollte.
-
-Kleine Diebstähle kamen sehr häufig vor, werden aber, wie mich ein
-freundlicher Gönner eines Abends belehrte, als ich ihm mein Elend
-klagte, nur gegen neue Ankömmlinge verübt; lange dort angesessene
-Leute, die sich der allgemeinen Achtung erfreun, sind solchen
-Ungelegenheiten nicht ausgesetzt. Ich weiss nicht, ob ein schalkhafter
-Eingeborener unsere Unterhaltung belauscht hatte, aber am nächsten
-Morgen sandte der freundliche Herr, der mir oft aus der Noth geholfen
-hatte, zu mir, und liess sich Chocolade, Zwieback und Eier holen,
-da man ihm in der Nacht Speisekammer und Hühnerstall ausgeräumt hatte.
-
-Montag und Freitag Abend war Markt in Darága, -- bei gutem Wetter immer
-ein hübscher Anblick. Man sah dann die Frauen, die fast ausschliesslich
-den Verkauf besorgen, nett und sehr sauber gekleidet, in langen von
-Fackeln glitzernden Reihen sitzen, und auf den Abhängen der Berge bei
-Fackelschein nach allen Richtungen in ihre Wohnungen zurückkehren. Sie
-tragen ihre Waaren, darunter viele selbst gewebte Stoffe von Seide,
-Ananas- und Bananen-Fasern, auf dem Kopf; den jüngern fehlt es aber
-selten an Liebhabern, die ihnen die Mühe abnehmen.
-
-
-
-
-
-
-
-
-ELFTES KAPITEL
-
- REISE NACH BULUSAN UND SORSOGON. -- STRASSENBAU. -- SEERÄUBER.
-
-
-Während ich in Darága das Zimmer hüten musste, blieb das Wetter fast
-ununterbrochen schön und leider waren dies die letzten guten Tage,
-auf die ich rechnen konnte, da der NO. Monsun, der Regenbringer für
-diesen Theil des Archipels, im Oktober einzusetzen pflegt. Trotz
-der vorgeschrittenen Jahreszeit machte ich noch einen Versuch den
-Bulusán zu besteigen. Man fährt im Boot nach Bácon, im Busen von
-Albáy (7 Leguas östl.), reitet von dort auf guter Strasse nach Gúbat
-(3 Leguas) an der Ostküste, dann den Strand entlang, genau S. bis
-Bulusán, und, wenn man will, bis Matnóg, dem letzten Dorf an der
-Südost-Spitze Luzons. Ein alter erfahrener Indier hatte Boot und
-Mannschaft besorgt und zehn Uhr Abends als die günstigste Zeit für
-die Abfahrt bestimmt. Als wir aber eben abstossen wollten, rief er
-uns zu, es seien vier Seeräuberboote in der Bay gesehn worden. Im Nu
-war meine Mannschaft verschwunden, ich blieb allein im Dunkeln. Erst
-nach vier Stunden gelang es mir, mit Hülfe eines Spaniers, sie wieder
-herbei zu holen und zur Abfahrt zu bewegen. Um 9 Uhr erreichten
-wir Bácon, von wo der Weg durch flache Gegend über S. Róque SW. in
-einem spitzen Winkel nach Gúbat führt, zu beiden Seiten Reisfelder
-mit einzelnen Hütten unter Kokos- und Arecapalmen. Zehn Minuten von
-Bácon stehn drei prachtvolle Feigenbäume, die schönsten die ich in den
-Philippinen gesehn, einer der Arten angehörend, die sich aus zahllosen
-in einander geschlungenen und zusammengewachsenen Luftwurzeln, Stämme
-von riesenhaftem Umfange und phantastischer Gliederung aufbauen. Sie
-waren bedeckt mit ächten und unächten Parasiten, darunter eine
-grosse Zahl blühender Orchideen. Der Boden besteht aus trachytischem
-Gerölle. SW. von S. Roque gabelt sich die Strasse, ein Arm führt
-S. nach Sorsogon, das wohlgeschützt in der NO. Ecke einer tiefen Bucht
-liegt, der andre O. zu S. nach Gúbat. Hinter S. Róque bemerkt man viele
-Abacápflanzungen in Waldlichtungen. Der letzte Theil des Weges ist
-schlecht und führt über schlüpfrige Thonrücken (verwitterten Trachyt)
-mit Gypskrystallen. Von Gúbat läuft die Strasse längs des Strandes. An
-vielen Stellen stehn kleine verfallene oder verfallende viereckige
-Thürme aus Korallenblöcken, von den Jesuiten zum Schutz gegen die
-Moros aufgeführt. Moren werden hier die Seeräuber genannt, weil sie,
-wie die ehemaligen Mauren in Spanien, Mohamedaner sind. Sie kommen
-aus der Solosee, von Mindanao und der Nord-Westküste von Borneo. Die
-Seeräuberei stand zur Zeit meiner Reise noch in voller Blüthe. Erst
-Tags vorher hatten Piraten einige Leute fortgeschleppt, die nicht
-weit von Gúbat mit Aufstellen einer Fischreuse beschäftigt waren. Dem
-Strande parallel und in geringer Entfernung läuft ein Korallenriff,
-das im SW. Monsun bei Ebbe stellenweis entblöst wird; zur Zeit aber
-staute der NO. Wind die Wogen des stillen Ozeans so hoch an der Küste
-auf, dass es nicht sichtbar wurde; es liefert den einen Bestandtheil
-des Bodens, der zur Hälfte aus Kalk, und aus vulkanischem Sand
-besteht. Die Stürme hatten nebst vielen andern Resten von Seethieren,
-auch eine grosse Anzahl Schwämme ans Land geworfen, unter denen eine
-unserem Badeschwamme des Mittelmeeres (Spongia officinalis L.) durchaus
-ähnliche Art und wohl derselben Gattung angehörend. Sie fühlen sich
-eben so weich an, sind dunkelbraun, über faustgross, halbkugelförmig,
-nehmen mit derselben Leichtigkeit Wasser an und würden vielleicht einen
-Handelsartikel bilden können. Proben davon befinden sich im Berliner
-zoologischen Museum. Dem Strande zunächst wachsen verkümmerte Pandanus,
-weiter landeinwärts Casuarinen; daran schliesst sich hoher Laubwald,
-mit Abacápflanzungen in den häufigen Lichtungen. Die Strasse ist
-recht gut; über viele der Flussmündungen führen überdachte, hölzerne
-Brücken aus Molave, alle noch wohl erhalten. Von den steinernen Brücken
-aber sind die Bogen fast ausnahmslos eingestürzt. Man setzt in einem
-Nachen über, das Pferd folgt schwimmend. Ein paar tausend Fuss vor
-Bulusán kommt man durch eine, mehrere hundert Fuss tiefe Schlucht
-aus weissem Bimsteintuff.
-
-Der Ort wird so selten von Fremden besucht, dass das Tribunal sich mit
-Neugierigen füllte, die mich betrachten wollten. Die Frauen hatten
-den Ehrenplatz und kauerten in mehreren konzentrischen Linien auf
-dem Boden, die Männer drängten sich hinter ihnen. Als ich in einem
-von Bambusen nur undicht verschlossenen Schuppen ein Rieselbad nahm,
-sah ich plötzlich durch alle Oeffnungen neugierige Augen auf mich
-gerichtet; es waren ausschliesslich Frauen, die mich mit der grössten
-Neugier betrachteten, sich ihre Bemerkungen mittheilten und durchaus
-nicht gestört sein wollten. Ein andres Mal als ich in der Provinz
-Laguna im Freien badete, lief eine Anzahl Weiber, alte, junge und
-kleine Mädchen herbei, die mir zusahen, während des Ankleidens dicht
-um mich hockten, mich aufmerksam besichtigten, und mit den Fingern auf
-alle Einzelheiten wiesen, die zu besonderer Besprechung Anlass gaben.
-
-Den letzten Theil des Weges nach Bulusán hatte ich in Sturm und Regen
-zurückgelegt; beide nahmen nach kurzer Pause während der Nacht zu,
-ein Theil des Tribunals wurde abgedeckt. Am andern Morgen lagen
-alle schadhafteren Häuser des Dorfes am Boden, eine grosse Menge
-Dächer waren fortgeweht. Fast ohne Unterbrechung, wenn auch nicht
-mit gleicher Heftigkeit, dauerte das Wetter während der 3 Tage meines
-Aufenthaltes fort; den Vulkan, an dessen Fuss ich mich befand, bekam
-ich nicht auf einen Augenblick zu sehn, und da die Sachverständigen
-in dieser Jahreszeit gutes Wetter nicht in Aussicht stellen konnten,
-wurde die Besteigung auf bessere Zeit verschoben und die Umkehr
-beschlossen. Der ehemalige Alkalde Peñeranda soll den Berg etwa
-15 Jahre früher bestiegen haben, nachdem angeblich 60 Menschen 2
-Monate lang beschäftigt gewesen, einen Weg zum Gipfel zu bahnen; die
-Besteigung soll 2 Tage gedauert haben. Der Teniente, ein aufgeweckter
-Indier, glaubt aber, dass in der trocknen Jahreszeit 4 Mann in 2
-Tagen einen schmalen Pfad öffnen könnten bis nahe zur Spitze, die
-nur mit Leitern zu ersteigen sei. Am Tage nach meiner Ankunft traf
-der Strassenbau-Inspector und ein Begleiter hier ein, beide bis auf
-die Haut durchweht und durchnässt. Der freundliche Alkalde hatte sie
-hergesandt zu meiner Unterstützung. Unter den obwaltenden Umständen
-mussten sie unverrichteter Sache mit mir umkehren.
-
-Als ich auf der Rückreise kaum in Bacon angekommen, ertönte ein
-Böllerschuss und Musiklärm: »Es kommt der Señor Alcalde.« -- Er fuhr in
-offenem Wagen, umgeben von einer regellosen Reiterschaar, Eingeborene
-und Spanier der Umgegend, erstere in festlich flatternden Hemden und
-vergilbten Seidenhüten prangend. Der liebenswürdige Herr nahm mich
-in seinem Wagen nach Sorsogon mit, das wir in einer Stunde erreichten.
-
-Die Provinz Albáy hat gute Strassen, sie werden aber schlecht
-unterhalten, und müssen, wenn die Unthätigkeit der Verwaltung
-fortdauert, allmälig wieder zu Grunde gehn. Der grösste Theil der
-steinernen Brücken ist eingestürzt. Statt ihrer muss man eine Furth
-oder ein Floss benutzen, oder in einem Nachen übersetzen und die
-Pferde schwimmen lassen. Die Strassen wurden in den vierziger Jahren
-durch den bereits erwähnten Alkalden Peñeranda, einen ehemaligen
-Ingeniör-Offizier angelegt, dem der Ruhm gebührt, den Wohlstand der
-Provinz sehr gefördert zu haben, indem er ihre damals unbedeutenden
-Mittel mit Umsicht und Eifer zu nützlichen Anlagen verwendete. Er
-wachte darüber, dass die schuldigen Frohnden wirklich geleistet oder
-in Geld abgelöst wurden, und benutzte letzteres zur Beschaffung
-von Werkzeug und Material. Vor ihm bestanden grosse Missbräuche,
-indem die der Principalía Verwandten oder Befreundeten keine- oder
-Scheinarbeiten verrichteten, und die Ablösungsgelder nicht in die
-Gemeindekasse, sondern in die Tasche des Gobernadorcillos flossen,
-oft unter Mitwissenschaft und Betheiligung des Alkalden. Auch heut
-sind solche Missbräuche ganz allgemein in den Provinzen, wo die
-Wachsamkeit des Alkalden es nicht verhindert.
-
-Bei der zahlreichen Bevölkerung und dem grossen Wohlstand, deren sich
-die Provinz jetzt erfreut, wäre es ein leichtes die vorhandenen
-Strassen zu erhalten und zu vervollständigen. An gutem Willen
-fehlte es dem trefflichen damaligen Beamten gewiss nicht, aber ihm
-waren die Hände gebunden. Die jetzigen Alkalden bleiben nur 3 Jahr
-in einer Provinz (zu Peñerandas Zeit 6 Jahr), ihre Zeit wird fast
-gänzlich durch die laufenden amtlichen und richterlichen Geschäfte
-in Anspruch genommen; bevor sie ihre Provinz, deren Mittel und
-Bedürfnisse einigermaassen kennen lernen, müssen sie dieselbe schon
-wieder verlassen; so gross ist das Misstrauen der Regierung in ihre
-eigenen Diener. Ihre Macht ist auf das äusserste Maass beschränkt,
-sie haben fast keine Initiative. Unternehmen wie das Peñeranda'sche
-durchzuführen, wäre heut nicht möglich. Die für Ablösung von Frohnden
-eingehenden Gelder, die ausschliesslich zum Nutzen der betreffenden
-Provinz verwendet werden sollten [105], müssen nach Manila abgeliefert
-werden. Schlägt der Alkalde eine dringend nothwendige Verbesserung
-vor, so hat er so viele Berichte, Eingaben, Anschläge einzureichen,
-die häufig unbeantwortet bleiben, dass ihm gewöhnlich bald die Lust
-zu allen Verbesserungsvorschlägen vergeht. Bedeutende Werke aber,
-die grössere Ausgaben erfordern, werden fast ausnahmslos von der
-Zentralstelle, als nicht dringend, zurückgewiesen. Der Grund liegt
-nicht im bösen Willen der Kolonialregierung, sondern darin, dass
-die Caja de Comunidad in Manila fast immer leer ist, da sich die
-spanische Regierung in ihrer chronischen Finanznoth das Geld borgt
-und nicht im Stande ist es zurückzuzahlen.
-
-Sorsogon hat 1840 bedeutend durch Erdstösse gelitten, die mit
-Unterbrechungen 35 Tage lang anhielten. Ihre grösste Heftigkeit
-erreichten sie am 21. März. Die Kirchen von Sorsogon und Casigúran
-nebst den wenigen Steinhäusern wurden zertrümmert, 17 Menschen kamen
-um und 200 wurden verletzt. Das Land senkte sich um 5 Fuss.
-
-Am folgenden Morgen begleitete ich den Alkalden in einer Falúa
-mit 14 Rudern nach Casigúran, das genau S. von Sorsogon in der
-Südostecke der 2 Leguas breiten Bucht liegt; die Ueberfahrt dauerte
-1 1/2 Stunde. Das Wasserbecken ist so still wie ein Binnensee, fast
-rings von Bergen umgeben und an der dem Meer geöffneten Westseite
-durch die queer davor liegende Insel Bagaláo (nicht Bagatáo, wie
-sie Coello nennt), geschützt. Unter der Mannschaft war es sehr laut,
-da Jeder sich vor dem Señor Alcalde geltend machen wollte. Bei der
-Landung: Böllerschuss, Musik, flatternde Hemden und Fahnen. Die
-freundliche Einladung des Herrn T. ihn weiter zu begleiten, lehnte
-ich ab, da für mich, ohne amtliche Geschäfte die Reise fast nur aus
-Malzeiten, Zwischenmalzeiten und eingeschobenen Chocolates bestand
-mit fortwährender Musik, Knallfeuerwerk und andrem Lärm.
-
-Im Jahre 1850 etwa ist an einer heut schon vom Meer verschlungenen
-Stelle des Strandes, der so weit ich ihn untersuchen konnte, aus 5 bis
-6 Fuss Thon über vulkanischem Sand mit Bimssteinbruchstücken besteht,
-Quecksilber gefunden worden. Ein in dieser Gegend des Archipels
-gestrandeter Engländer, derselbe, den ich in der Eisenhütte bei Angat
-besuchte, hatte begonnen es zu sammeln, und durch Schlämmen des Sandes
-etwa 2 Unzen gewonnen. Als aber der inländische Priester erfuhr, dass
-Quecksilber Gift sei, schilderte er seinen Pfarrkindern, wie er mir
-selbst erzählte, die Gefahren des neuen Erwerbszweiges in so grellen
-Farben von der Kanzel herab, dass sie davon abliessen. Seitdem ist nie
-wieder eine Spur von Quecksilber entdeckt worden; vielleicht stammte
-es von einem zerbrochenen Barometer. Abends waren der Bulúsan in SO.,
-der Mayon in NW. auf kurze Zeit sichtbar. Casigúran liegt in einer
-geraden Linie mit denselben.
-
-Die Zerstörung der Küsten bei Casigúran ist auffallend gross,
-die Berichte darüber sehr abweichend. Nach dem Augenschein und den
-mässigsten Angaben zu urtheilen, mag sie doch wohl seit einer Reihe
-von Jahren jährlich eine Elle betragen. Im Norden ist die Bucht von
-Sorsogon durch einen Bergrücken geschützt, der sich O. von Bacon
-plötzlich verflacht, und dadurch dem Nordost eine schmale Gasse nach
-dem Winkel der Bucht von Casigúran öffnet, wo zuweilen ein einziger
-Sturm sehr bedeutende Verwüstungen in der aus Thon und Sand bestehenden
-Küste hervorbringt.
-
-Als ich Abends wieder in Legáspi landete, erfuhr ich, dass der Alarm
-wegen der Seeräuber, der meine Abreise verzögert hatte, in der That
-begründet war. Aechte Moros waren es freilich wohl nicht, da solche
-in jener Jahreszeit nicht in diese Gewässer gelangen können, sondern
-Desertöre und Vagabunden aus der Umgegend, die in dieser maritimen
-Provinz das Räuberhandwerk lieber zu Wasser als zu Lande treiben. Sie
-hatten während meiner Reise eine Anzahl Räubereien verübt und Personen
-fortgeschleppt. [106]
-
-Anfang November ist die Jahreszeit der Stürme. Die Schifffahrt zwischen
-Albáy und Manila hat völlig aufgehört; selbst von der Südküste wagte
-kein Schiff abzugehn. Am 9. läuft aber noch der verloren geglaubte
-Casaisái ein; er hat starke Haverei gelitten, den grössten Theil
-seiner Ladung über Bord geworfen. Schon zwölf Tage zuvor hatte er
-die Strasse von S. Bernardino geklärt, als ein Sturm ihn zwischen
-den Inseln Balicuátro zu ankern zwang. Einer der Passagiere, ein neu
-angekommener Spanier, bestieg ein mit sieben Matrosen bemanntes Boot,
-und fuhr auf vier Pancós zu, die bewegungslos vor der Küste lagen. Er
-hielt sie für Fischer, es waren aber Seeräuber. Sie beschossen ihn,
-als er weit genug von seinem Schiff war, seine Mannschaft warf sich
-in's Wasser, wurde jedoch sammt ihm selbst gefangen genommen. Der
-Kapitän fürchtend, dass die Räuber sein Schiff angreifen würden,
-kappte das Ankertau, stach trotz des Sturmes wieder in See und entging
-nur mit genauer Noth und arg zugerichtet gänzlichem Schiffbruch.
-
-Die Gefangenen werden in der Regel nicht umgebracht, sondern zum Rudern
-benutzt. Europäer kommen aber selten mit dem Leben davon, da sie die
-grossen Anstrengungen bei spärlichster Kost nicht ertragen. Man nimmt
-ihnen die Kleider ab, überlässt sie fast nackt jedem Wetter und giebt
-ihnen täglich kaum eine Hand voll Reis zur Beköstigung.
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-ZWÖLFTES KAPITEL
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- REISEN IN SÜD-CAMARINES. -- GLIEDERUNG DER PROVINZ. -- SPANISCHE
- PRIESTER. -- ALKALDEN UND MANDARINE.
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-In Albáy war vor Januar nicht auf besseres Wetter zu rechnen,
-es stürmte und regnete täglich; ich ging daher in die westlich
-davon gelegene Provinz Süd-Camarínes, die, durch hohe Berge an
-ihrem NO. Rande gegen die herrschenden Winde geschützt, gutes
-Wetter hatte. Abgesehn von der in NO. vorliegenden, nur durch eine
-vom Ysaróg gebildete Landenge mit Camarínes verbundenen Halbinsel
-Caramúan, streicht Camarínes NO. SW. und bildet eine im Mittel zehn
-Leguas breite an mehreren Stellen von tiefen Buchten ausgezackte
-Halbinsel. In ihrer nordöstlichen Hälfte liegt eine Reihe von
-Vulkanen und Trachyt- und Doleritkuppen; der südwestliche Rand
-besteht, so weit ich Gelegenheit hatte ihn zu untersuchen, aus Kalk,
-anscheinend gehobene Korallenriffe. Zwischen beiden Bergzügen dehnt
-sich ein vielfach gewundenes fruchtbares Thal aus, in welchem sich
-die von den innern Abhängen herabfliessenden Gewässer sammeln und
-einen schiffbaren Fluss, den Bicol, bilden, an welchem sich der Reihe
-nach eine Anzahl blühender Ortschaften angesiedelt hat. So reichlich
-ist die dem Bicol aus den östlichen Bergen zuströmende Wassermenge,
-so gering die Neigung der Thalsohle, die ein fast ununterbrochenes
-Reisfeld bildet, dass an vielen Stellen kleine Seen entstehn. Fast
-jede Ortschaft hat einen solchen; der bedeutendste ist der Batu-See,
-die kleinsten schrumpfen in der trocknen Jahreszeit zu blossen
-Wasserpfützen ein. Von Südosten anfangend, liegen in dem nordöstlichen
-Streifen die Vulkane Bulusán, Albay, Mazarága, Yriga, Ysaróg und,
-jenseits der Bucht von S. Miguel, der Colási, in einer geraden Linie,
-wie die ganze Landzunge selbst, von NW. nach SO. streichend. Der
-Vulkan Buhi oder Malináo, auch Tikát genannt, tritt in NO. ein
-wenig über diese Linie hinaus. Parallel dieser Vulkanenreihe sind
-die Ortschaften der Provinz in der Mittellinie geordnet; der südliche
-Streifen ist spärlich bewohnt, und sendet in seiner ganzen Erstreckung
-nur wenige Bäche in das Thal, was auch dafür zu sprechen scheint,
-dass er aus Kalk bestehe. Der vulkanische Bergwall hält, wie erwähnt,
-die NO. Winde ab und verdichtet ihre Wasserdämpfe an seinem dem Meere
-zugewandten Abhang, so dass der südwestlich davon liegende Theil der
-Provinz während des NO. Monsuns trocken ist, während des SW. Monsuns
-Regen hat. Die sogenannte trockene Jahreszeit, die für Süd-Camarínes
-mit November beginnt, ist aber von häufigen Regenschauern unterbrochen;
-verhältnissmässig trocken sind nur die Monate Januar bis Mai. Im Mai
-und Juni findet der Monsunwechsel statt, der sich durch starke Gewitter
-und Stürme aus SW. verkündet, die zuweilen eine bis zwei Wochen fast
-ohne Unterbrechung dauern und von starkem Regenfall begleitet sind. Sie
-leiten die eigentliche Regenzeit ein, die bis in den Oktober währt.
-
-Die Strasse führt um den Südostrand der Vulkane Máyon und Mazarága,
-über die Ortschaften Camálig, Guinobátan, Ligáo, Oas, Polángui,
-die alle in einer geraden Linie SO. NW. an einem Flüsschen, Quínali,
-liegen, das nach Aufnahme zahlreicher Bäche bald hinter dem letzten Ort
-schiffbar wird. Es stehn dort einige Hütten, die wie der Fluss selbst,
-Quínali heissen. Eine ausgenommen, haben alle genannte Ortschaften
-über 14,000 Seelen, doch liegen sie meist weniger als eine Legua
-von einander entfernt. Die Conventos sind grosse stattliche Gebäude,
-die damaligen Curas, grösstentheils ältere Leute, waren im höchsten
-Grade gastfrei und liebenswürdig. Bei jedem musste eingekehrt werden,
-worauf der Señor Padre anspannen liess und seinen Gast zum nächsten
-Amtsbruder fuhr. In Polángui wollte ich ein Boot miethen, um nach dem
-See von Batu zu fahren; es war aber keines vorhanden, nur zwei grosse
-aus einem Baumstamm gezimmerte Barotos von 80 Fuss Länge lagen da,
-mit Reis aus Camarínes beladen. Damit ich nicht aufgehalten werde,
-kaufte der Padre den Inhalt des einen Bootes unter der Bedingung des
-sofortigen Ausladens, so dass ich Nachmittags meine Reise fortsetzen
-konnte.
-
-Steht der Reisende mit dem Cura gut, so kommt er nicht leicht in
-Verlegenheit. Ich wollte einmal mit einem Pfarrer eine kleine Reise
-gleich nach Tisch antreten, um 11 1/4 Uhr waren alle Vorbereitungen
-fertig. Ich äusserte, dass es schade sei, die 3/4 Stunden bis zur
-Malzeit zu warten. Gleich darauf schlug es 12; alle Arbeit im Dorfe
-hörte auf; wir sowohl als unsere Träger setzten uns zu Tisch; es war
-Mittag. Dem Glockenschläger war die Botschaft zugegangen: »Der Señor
-Padre liesse ihm sagen, er schliefe gewiss wieder, es müsse längst
-12 Uhr sein, denn der Señor Padre habe Hunger.« -- »Il est l'heure,
-que Votre Majesté désire.«
-
-Die grosse Mehrzahl der Geistlichen in den östlichen Provinzen von
-Luzon und Samar besteht aus Franziskaner-Mönchen (Religiosos menores
-descalzos de la regular y mas estrecha observancia de nuestro Santo
-Padre San Francisco en las Islas Filipinas de la Santa y Apostolica
-Provincia de San Gregorio magno), die in besonderen Seminarien in
-Spanien für die Mission in den Kolonien erzogen werden. Früher stand
-ihnen frei, nach zehnjährigem Aufenthalt in den Philippinen in ihr
-Vaterland zurückzukehren; seitdem aber in Spanien die Mönchsklöster
-aufgehoben, ist ihnen dies nicht mehr gestattet, da sie gezwungen sein
-würden, dort der Ordensregel zu entsagen und als Rentner zu leben. Sie
-wissen, dass sie jetzt ihre Tage in der Kolonie beschliessen müssen
-und richten sich danach ein. Bei ihrer Ankunft werden sie gewöhnlich
-zu einem Priester in die Provinz gesandt, damit sie die Landessprache
-erlernen, erhalten dann zunächst eine kleine, später eine einträgliche
-Pfarre, in der sie meist bis an ihr Lebensende verbleiben. Der
-grösste Theil dieser Männer ist aus den untersten Volksschichten
-hervorgegangen. Zahlreiche, in Spanien vorhandene fromme Stiftungen
-machen es dem Armen, der für seinen Sohn nicht die Schule zahlen kann,
-möglich, ihn in das Seminar zu schicken, in welchem er ausser dem
-besonderen Dienst, zu dem er abgerichtet wird, nichts lernt. Wären die
-Mönche von feinerer Bildung, wie ein Theil der englischen Missionäre,
-so würden sie wohl ebenso wenig Neigung haben sich unter das Volk zu
-mischen und ebenso wenig Einfluss auf dasselbe erlangen wie diese in
-der Regel. Die früheren Lebensgewohnheiten der spanischen Mönche,
-ihr enger Gesichtskreis befähigen sie ganz besonders dazu, mit den
-Eingeborenen zu leben. Gerade dadurch haben sie ihre Macht über
-dieselben so fest begründet.
-
-Wenn dergleichen junge Leute eben frisch aus ihrer Pflanzschule
-kommen, sind sie unglaublich beschränkt, unwissend, zuweilen auch
-ungezogen, voll Dünkel, Ketzerhass und Bekehrungseifer. Allmälig
-schleift sich diese rauhe Aussenseite ab; die geachtete Stellung, die
-reichlichen Einkünfte, die sie geniessen, machen sie wohlwollend. Der
-gesunde Menschenverstand und das Selbstvertrauen, die den niedern
-spanischen Volksklassen eigen sind und sich bei Sancho Panza als
-Guvernör so ergötzlich offenbaren, haben in dem einflussreichen,
-verantwortlichen Posten, den der Cura einnimmt, volle Gelegenheit,
-sich geltend zu machen. Sehr häufig ist der Cura der einzige Weisse
-im Ort und meilenweit wohnt kein andrer Europäer. Er ist dann nicht
-nur Seelsorger, sondern auch Vertreter der Regierung, das Orakel der
-Indier, dessen Ausspruch namentlich in Allem, was sich auf Europa
-und Zivilisation bezieht, ohne Appell ist; -- in allen wichtigen
-Angelegenheiten wird er um Rath gefragt und hat Niemand, bei dem
-er sich Rath holen kann. Unter solchen Verhältnissen kommen alle
-seine geistigen Fähigkeiten zur vollen Entfaltung. Derselbe Mensch,
-der in Spanien hinter dem Pflug hergegangen wäre, führt hier grosse
-Unternehmungen aus; ohne technische Bildung, ohne wissenschaftliche
-Hülfsmittel baut er Kirchen, Strassen, Brücken. So vorteilhaft aber
-auch diese Verhältnisse für die Entwicklung der Fähigkeiten des
-Geistlichen sind, so wäre es doch für die Bauten selbst besser, wenn
-sie von Fachmännern ausgeführt würden; denn die Brücken stürzen gern
-ein, die Kirchen sehn oft wie Schafställe aus, die anspruchsvolleren
-haben zuweilen gar tolle Fassaden, und die Strassen verfallen bald
-wieder; aber Jeder macht es eben so gut, wie er kann. Fast Allen
-liegt das Wohl ihrer Ortschaft am Herzen, wenn auch der Eifer und
-die eingeschlagenen Wege, auf denen sie dieses Ziel verfolgen, nach
-den Persönlichkeiten sehr verschieden sind. Ich habe in Camarines
-und Albáy viel Umgang mit den Curas gehabt und sie ausnahmlos
-liebgewonnen. Sie sind in der Regel ohne allen Dünkel und in den
-abgelegenen Orten so glücklich, wenn sie einmal Besuch erhalten,
-dass sie Alles aufbieten, um ihrem Gast den Aufenthalt so angenehm
-als irgend möglich zu machen. Das Leben in einem grossen Convento
-hat viel Aehnlichkeit mit dem bei einem Gutsbesitzer im östlichen
-Europa. Nichts kann zwangsloser sein. Man lebt so unabhängig wie im
-Gasthaus, und manche Gäste betragen sich auch so, als wären sie in
-einem solchen. Ich habe einen Subalternbeamten ankommen sehn, der ohne
-Weiteres den Mayordomo vor sich beschied, sich ein Zimmer anweisen
-liess, sein Essen bestellte und nur beiläufig fragte, ob der Pfarrer,
-mit dem er doch nur ganz oberflächlich bekannt war, zu Hause sei.
-
-Häufig wird den Priestern in den Philippinen ihre grosse Liederlichkeit
-vorgeworfen; das Convento stecke voll hübscher Mädchen, unter denen
-der Cura wie ein Sultan lebe. Auf die eingeborenen Priester mag dies
-oft passen; bei den zahlreichen spanischen Pfarrern, deren Gast ich
-war, habe ich nicht ein einziges Mal etwas Anstössiges in dieser
-Beziehung zu sehn bekommen, die Dienerschaft bestand nur aus Männern
-und vielleicht einem oder zwei alten Weibern. Ribadeneyra behauptet
-[107]: »Die Indier, welche sehn, wie die Barfüsslermönche ihre
-Keuschheit bewahren, sind in ihren Gedanken dahin gekommen, sie nicht
-für Menschen zu halten. . . . und obgleich der Teufel sich bemüht hat,
-viele, bereits verstorbene, keusche Geistliche zu verführen und auch
-solche, die noch leben, indem er sich der Frechheit einiger Indierinnen
-als Werkzeug bediente, so sind sie dennoch zur grossen Beschämung der
-Indierinnen und Satans siegreich geblieben.« Dieser Autor ist aber sehr
-unzuverlässig, sagt er doch (Kap. III. S. 13), die Insel Cebu hiesse
-mit anderem Namen Luzon! Jedenfalls passt seine Schilderung nicht
-auf die heutigen Zustände. Der junge Geistliche lebt in seiner Pfarre
-wie ein Gutsherr früherer Zeit; die Mädchen rechnen es sich für eine
-Ehre an, mit ihm umzugehn, die Gelegenheit ist für ihn viel bequemer,
-da er durch keine eifersüchtige Frau bewacht wird und als Beichtiger
-und geistlicher Rathgeber beliebig mit den Frauen allein zu sein
-Gelegenheit hat. [108] Die Beichte muss namentlich eine gefährliche
-Klippe für ihn sein. Im Anhange zur tagalischen Grammatik, der in den
-für das Publikum käuflichen Exemplaren fehlt, ist zur Bequemlichkeit
-des jungen Pfarrers, welcher der Sprache noch nicht mächtig ist, eine
-Reihe von Fragen enthalten, die er der Beichtenden vorlegen soll;
-mehrere Seiten derselben beziehn sich auf den geschlechtlichen Umgang.
-
-Da die Alkalden nur drei Jahre in einer Provinz bleiben dürfen, die
-Landessprache niemals verstehn, durch ihre amtlichen Geschäfte sehr
-in Anspruch genommen sind und keine Zeit, gewöhnlich auch keine Lust
-haben, die Eigenthümlichkeiten der Provinz, die sie verwalten, kennen
-zu lernen, während der Cura in der Mitte seiner Pfarrkinder lebt,
-sie genau kennt und auch ihnen gegenüber die Regierung vertritt, so
-kommt es, dass er die wirkliche Behörde in seinem Distrikt ist. Die
-Stellung der Geistlichen, den Regierungsbeamten gegenüber, spricht
-sich auch in den Wohnungen aus. Die »Casas reales« meist klein,
-schmucklos, oft baufällig entsprechen nicht dem Range des ersten
-Beamten der Provinz; das Convento dagegen ist gewöhnlich ein sehr
-geräumiges, stattliches, wohleingerichtetes Gebäude. Früher, als
-die Guvernör-Stellen an Abenteurer verkauft wurden, die nur darauf
-bedacht waren sich zu bereichern, war der Einfluss der Geistlichen
-noch viel grösser als gegenwärtig. [109] Folgende Verordnungen deuten
-ihre ehemalige Stellung besser an, als lange Beschreibungen:
-
-
- »Obgleich einige frevelhafte Eingriffe (atentados) gerechten Grund
- zum Kapitel X. der Ordonnanzen gegeben haben, worin der Guvernör
- D. P. de Arandia befiehlt, dass die Alkalden und Justizbeamten
- nicht anders als schriftlich mit den Missions-Geistlichen
- verkehren, und sie nicht anders als in Begleitung besuchen sollen,
- so wird dennoch verordnet, dass dies nicht also geschehn soll
- . . . in der Voraussetzung, dass die Kirchenprälaten ihren ganzen
- Eifer aufwenden werden, um ihre Untergebenen innerhalb der Grenzen
- der Mässigung zu halten.« . . »Die Alkalden sollen dafür sorgen,
- dass die Pfarrer und Diener der Religion besagte Gobernadorcillos
- und Justizbeamte mit der nämlichen Achtung behandeln, ohne zu
- gestatten, dass sie dieselben prügeln, züchtigen oder misshandeln
- . . . noch sich bei Tische von ihnen bedienen lassen.« [110]
-
-
-Die ehemaligen Alkalden, die ohne vorhergehende Uebung in amtlichen
-Geschäften, oft ohne Bildung und Kenntnisse und ohne die zu einem
-so verantwortlichen einflussreichen Amte erforderlichen geistigen
-und moralischen Eigenschaften, ihre Stellen kauften oder sie durch
-Gunst erwarben, empfingen vom Staat ein nominelles Gehalt und zahlten
-ihm eine Patentsteuer für die Berechtigung Handel zu treiben. Nach
-Arenas (S. 444) galt diese Patentsteuer als eine den Alkalden für
-Uebertretung des Gesetzes auferlegte Geldstrafe: »denn da ihnen durch
-verschiedene Gesetze [111] jede Art Handelsbetrieb untersagt war, so
-geruhte S. Majestät dennoch, ihnen die Erlaubniss dazu zu ertheilen.«
-[112] Dieser Unfug wurde erst durch R. D. 23. September und 30. Oktober
-1844 aufgehoben.
-
-Die Alkalden waren Guvernöre und Richter, Befehlshaber der Truppen und
-zugleich die einzigen Händler in ihrer Provinz. [113] Sie kauften in
-Manila die Sachen, die in ihrer Provinz gebraucht wurden, gewöhnlich
-mit Geld der obras pias; (s. S. 14, Anmerkung 17) denn sie selbst
-kamen ohne alles Vermögen nach den Philippinen. Die Indier mussten
-dem Alkalden ihre Produkte verkaufen und seine Waaren abnehmen zu
-Preisen die er selbst feststellte. [114] Unter solchen Verhältnissen
-waren die Priester die Einzigen, welche die Indier gegen diese
-Blutsauger schützten, wenn sie nicht, was auch zuweilen vorkam,
-mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten.
-
-Gegenwärtig sendet die Regierung Rechtskundige als Alkalden in die
-Philippinen, die etwas besser besoldet sind, und nicht Handel treiben
-dürfen. Ueberhaupt ist die Regierung bemüht den Einfluss der Curas
-zu mindern, den der Zivilbehörden zu vermehren, was ihr indessen
-nur sehr unvollkommen gelingen wird, wenn sie nicht die Amtsdauer
-der Alkalden verlängert und letztere so stellt, dass sie nicht in
-Versuchung kommen Nebenverdienste zu machen. [115]
-
-Ich finde in Huc [116] eine Stelle über die Folgen des schnellen
-Beamtenwechsels in China, die manche zu beherzigende Winke enthält:
-
-
- ... »Weil die Magistratur nicht mehr Personen anvertraut wird,
- die Freunde der Gerechtigkeit sind, sieht man dies ehemals so
- blühende und wohl regierte Reich von Tag zu Tag verfallen und
- einer furchtbaren, vielleicht nahen Auflösung entgegeneilen.
-
- Wenn wir die Ursachen dieser allgemeinen Zersetzung, dieser
- Verderbniss aufsuchen, die sichtlich alle Klassen der chinesischen
- Gesellschaft auflöst, so glauben wir sie in einer wichtigen
- Abänderung des alten Regierungssystems zu finden, welche die
- Mantschu-Dynastie eingeführt hat. Es wurde bestimmt, dass kein
- Mandarin sein Amt länger als drei Jahre an demselben Ort ausüben
- dürfe, und dass Niemand in seiner eigenen Provinz Beamter sein
- könne. Man erräth leicht den Gedanken, der ein solches Gesetz
- ersann. Sobald die Mantschu-Tartaren sahen, dass sie Herren des
- Reichs waren, erschraken sie über ihre geringe Zahl, die in dieser
- unzähligen Menge von Chinesen wie verloren war ... Das Ansehn,
- welches die hohen Beamten in den Provinzen genossen, konnte ihnen
- grossen Einfluss geben um das Volk aufzureizen ...
-
- Die Magistratspersonen, die nur einige Jahre auf demselben Posten
- verbleiben dürfen, leben darin wie Fremde, ohne sich um die
- Bedürfnisse der von ihnen regierten Bevölkerung zu kümmern, kein
- einziges Band verknüpft sie mit derselben, ihre ganze Sorge besteht
- darin, so viel Geld als möglich zusammen zu schlagen, um später
- an einem andern Orte dasselbe Geschäft von neuem zu beginnen,
- bis sie endlich in ihre Heimat zurückkehren und ein Vermögen
- geniessen können, das sie nach und nach in den verschiedenen
- Provinzen erpresst haben ... Sie sind ja nur Vorübergehende --
- was schadet es? morgen ziehen sie an das andre Ende des Reichs,
- wo sie das Schreien der von ihnen geplünderten Opfer nicht mehr
- hören... So sind die Mandarinen selbstsüchtig und gegen das
- Gemeinwohl gleichgültig geworden. Der Urgrundsatz der Monarchie ist
- vernichtet, denn der Magistrat ist nicht mehr ein Familienvater,
- der inmitten seiner Kinder lebt, sondern ein Marodör, der
- ankommt, ohne dass man weiss woher, und wieder abzieht, niemand
- weiss wohin? Daher stockt alles ... man sieht nicht mehr,
- wie ehedem, jene grossen Unternehmungen ... Heut wird nicht
- nur nichts Aehnliches ausgeführt, man lässt die Werke früherer
- Dynastien gänzlich verfallen ... Der vorübergehende Mandarin
- sagt sich: Wozu soll ich unternehmen was ich doch nicht vollenden
- kann? warum sollte ich säen, damit ein Andrer ernte? ... Die
- Mandarinen sind niemals mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit
- vertraut. Am häufigsten sehn sie sich plötzlich inmitten einer
- Bevölkerung versetzt, deren Sprache sie nicht verstehn. Wenn
- die Mandarine in ihrem Mandarinat ankommen, so finden sie dort
- fest angesessene Dolmetscher vor, subalterne Beamte, die, weil
- sie mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut sind, ihre
- Dienste unentbehrlich zu machen wissen; sie sind im Grunde die
- eigentlichen Verwalter.«
-
-
-In den Philippinen ist letzteres Amt unentbehrlich, da der Alkalde
-nie die Landessprache versteht; zum Glück für Spanien muss es in
-wichtigen Angelegenheiten der eingeborene Schreiber meist mit dem Cura
-theilen, der in vielen Fällen die eigentliche Behörde ist. Er kennt
-den Charakter der Insassen, und alle ihre Angelegenheiten, wobei ihm
-der intime Verkehr mit den Frauen sehr zu Statten kommt. Wie mir 1867
-ein hoher Beamter in Madrid mittheilte, lag damals dem Minister ein
-Antrag zur Erwägung vor, wodurch die Beschränkung der Amtsdauer auf
-drei Jahre aufgehoben werden sollte. [117] Die ihr zu Grunde liegende
-Furcht, dass der Beamte in einer entfernten Provinz zu mächtig, sein
-Einfluss dem Mutterlande gefährlich werden könne, passt nicht mehr
-in die heutigen Verhältnisse. Die Verkehrserleichterungen haben die
-frühere Abgeschlossenheit der fernen Provinzen aufgehoben. Die neuen
-Zollgesetze, die wachsende Nachfrage nach Kolonialprodukten, das den
-Fremden gewährte Niederlassungsrecht müssen eine bedeutende Steigerung
-des Landbaus, des Handels und einen entsprechenden Zuzug von Weissen
-und Chinesen zur Folge haben. Dann wird an Stelle jener Bedenken
-die Notwendigkeit treten, das Ansehn und den Einfluss der Beamten zu
-heben, durch Verminderung ihrer Zahl, sorgfältige Wahl der Personen,
-Beförderung nach Fähigkeit und Leistung, angemessene Besoldung und
-langen Verbleib in einer Stelle. Voraussichtlich werden besonders
-die Beziehungen mit Californien und Australien lebhaft werden. Aus
-diesen freien Ländern werden freie Ideen eindringen. Der Wohlstand
-der Mestizen wird beträchtlich zunehmen, um so ungeduldiger werden
-sie die wirkliche oder eingebildete Zurücksetzung der Regierung,
-den Hochmuth ungebildeter Spanier ertragen. Dann wird das Mutterland
-ernstlich zu erwägen haben, ob es klug ist, die Kolonie ferner
-durch Monopole und Geldentziehungen auszubeuten und einer unnützen,
-hungrigen Beamtenschaar preiszugeben. [118] Englische und holländische
-Kolonialbeamte werden für ihren schwierigen verantwortlichen Dienst
-besonders ausgebildet, erlangen ihre Anstellung durch ein strenges
-Examen in der Heimat, und rücken in der Kolonie nur allmälig je nach
-ihren Fähigkeiten in die höheren Stellen ein. Wie ganz anders werden
-die Philippinen mit Beamten versorgt. Ob es aber Spanien gelingen wird,
-einen den neuen Verhältnissen gewachsenen Beamtenstand zu schaffen,
-ist schwer vorauszusagen, werden doch in Spanien selbst die Aemter
-nicht sowohl durch Befähigung und Verdienst als durch politische
-Intriguen erlangt und eingebüsst. [119]
-
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-DREIZEHNTES KAPITEL
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- REISEN IN SÜD-CAMARINES, FORTSETZUNG. -- BATU-SEE. -- INDISCHE
- PRIESTER. -- NIEDERLASSUNG VON WILDEN. -- FEIER DER KREUZBULLE. --
- BUHI-SEE. -- VULKAN YRIGA. -- ANANASFASERN. -- PFEILGIFT. --
- BLUTEGEL. -- SOLFATARE YGABO. -- KIESELSPRUDEL VON TIBI.
-
-
-Anderthalb Stunden nach der Abfahrt von Polángui erreichten wir den Ort
-Bátu, in der NW. Ecke des gleichnamigen Sees. Die Leute, besonders die
-Frauen fielen mir wegen ihrer Hässlichkeit und geringen Reinlichkeit
-auf. Obgleich sie unmittelbar am See wohnen und täglich ihr Trinkwasser
-daraus schöpfen, scheinen sie nur selten darin zu baden. Die Strassen
-des Dorfes sind gleichfalls schmutzig und vernachlässigt, was zum
-Theil wohl daran liegt, dass der Geistliche ein Eingeborner ist.
-
-Der Bátu-See nimmt im November, zu Ende des Regenmonsun, einen viel
-grösseren Raum ein als in der trockenen Jahreszeit und ist dann,
-besonders in der SW. Ecke, weit über seine flachen Ufer getreten. Eine
-grosse Menge von Wasserpflanzen wächst an den seichteren Stellen,
-namentlich aber ist eine zierliche Alge [120], nicht dicker als
-Pferdehaar, aber sehr verästelt und endlos durch einander fortwachsend,
-in so ungeheurer Fülle vorhanden, dass sie eine hinreichend starke
-Decke bildet, um grosse Wasservögel zu tragen. Zu hunderten gehn
-sie darauf spazieren und fressen kleine Fische und Garnelen, welche
-zwischen den Maschen dieses Netzwerkes wimmeln und ihnen bequem zur
-Beute fallen. Auch von den Eingeborenen werden letztere massenhaft
-mit gestielten Netzen aus dem Wasser geschöpft und theils frisch,
-theils wie alter Käse durch Fäulniss pikanter gemacht, zum Reis
-gegessen. Diese kleinen Krebse sind durchaus nicht auf den Bátu-See
-beschränkt. Im Süss- und Brackwasser des philippinischen und indischen
-Archipels und hinterindischen Festlandes werden sie (oder verwandte
-Arten) in zahllosen Mengen gefangen und bilden gesalzen, gedörrt, in
-Salz- oder Gewürzbrühen eingemacht, auch in Form von Pasten wichtige
-Nahrungsmittel oder Kondimente. Sie fehlen auf keinem Markte und sind
-Gegenstand nicht unbedeutender Ausfuhr nach China. [121] Es gelang mir
-nicht von den Wasservögeln zu schiessen, da das dichte Pflanzengewirr
-den Nachen nicht hinreichend nahe kommen liess.
-
-Als ich denselben See im Februar wieder besuchte, fand ich sein Wasser
-so bedeutend gefallen, dass ringsum ein breiter Saum trocken lag,
-der an manchen Stellen über 100' maass. Das Algengewirr war bei dem
-allmäligen Zurücktreten des Wassers zu einem dichten, zolldicken, von
-der Sonne völlig gebleichten Filzteppich zusammengesunken, der sich
-als ein einziges grosses Tuch rings um den Rand des Sees ausspannte
-und über die Sträucher fort hing, die bei meinem ersten Besuch unter
-Wasser standen. Nie habe ich etwas ähnliches gesehn oder erwähnt
-gefunden. Der Stoff, der in Streifen von beliebiger Länge umsonst
-zu haben war, erwies sich so vortrefflich zu Flintenpfropfen, zum
-Ausstopfen von Vogelbälgen und zum Verpacken, dass ich eine grosse
-Menge davon mitnahm. Diesmal war auch die Vogeljagd ergiebig.
-
-Der eingeborene Priester von Bátu klagt sehr über seine Pfarrkinder,
-die ihm nichts zu verdienen geben: »Keine Messen Herr; ja dies ist ein
-so elendes Nest, dass kaum Todesfälle vorkommen. In D. wo ich Coadjutor
-war, hatten wir täglich unsere zwei Beerdigungen zu drei Dollar
-das Stück, und Messen zu einem Dollar, mehr als wir lesen konnten;
--- ausserdem Taufen und Trauungen, die doch auch etwas einbringen;
-hier aber ist nichts, gar nichts zu verdienen.« Er hatte sich daher
-mit Eifer auf den Handel gelegt. Die eingeborenen Geistlichen machen
-ihrem Stande in der Regel wenig Ehre. Unglaublich unwissend, sehr
-liederlich, nur in den Aeusserlichkeiten ihres Dienstes unterrichtet,
-bringen sie einen grossen Theil ihrer Zeit mit Spielen, Trinken und
-andern sündhaften Dingen zu. Sie bemühen sich nicht einmal den äussern
-Anstand zu wahren, ausgenommen bei der Messe, die sie mit drolliger
-Würde lesen, ohne ein Wort davon zu verstehn. Häufig sind Mädchen und
-kleine Kinder im Convento, Alles isst mit den Fingern gemeinschaftlich
-aus einer Schüssel. Der hiesige Priester stellte mir unaufgefordert
-zwei hübsche Mädchen als seine beiden armen Schwestern vor, die er
-trotz seiner grossen Dürftigkeit unterhielte; ihre Töchter wurden
-aber von den Dienern ohne Scheu Töchter des Cura genannt.
-
-Der Grundsatz der spanischen Kolonialpolitik, eine Kaste durch die
-andere in Schranken zu halten, damit keine zu mächtig werde, scheint
-die Ursache, warum ein grosser Theil der Pfarrstellen mit Eingeborenen
-besetzt wird (angeblich die Hälfte, nach einer gesetzlichen Bestimmung
-die ich vergeblich gesucht habe). Die Klugheit dieser Maassregel mag
-wohl zweifelhaft erscheinen. Der spanische Cura hat grossen Einfluss
-in seiner Gemeinde und bildet vielleicht das einzige feste Band
-zwischen der Kolonie und dem Mutterlande; in beiden Punkten gewährt der
-einheimische Priester keinen Ersatz; er geniesst gewöhnlich selbst bei
-seinen Landsleuten nur wenig Achtung; Anhänglichkeit an Spanien hat er
-nicht, namentlich hasst und beneidet er seine spanischen Amtsbrüder,
-die ihm die schlechtesten Stellen übrig lassen und ihn verachten.
-
-Von Bátu reitet man auf guter Strasse N. b. O. in einer halben
-Stunde im Schritt nach Nábua. Das Land ist flach, zu beiden Seiten
-Reisfelder; während aber in Bátu der Reis damals gepflanzt wurde, war
-er in Nábua fast reif. Ich habe über diesen auffallenden Umstand keine
-genügende Auskunft erhalten können und weiss den dadurch angedeuteten
-schroffen klimatischen Unterschied zwischen zwei so nahe gelegenen,
-durch keine hohe Bergwand getrennten Orten nicht zu erklären. Die
-Menschen sind hässlich und schmutzig und unterscheiden sich darin
-merklich von den Tagalen. Nábua (10,875 E.) wird von mehreren kleinen
-Flüssen durchschnitten, die aus den Bergen in Osten kommend hier
-einen kleinen See bilden, dessen Ausfluss bei Báo durch Aufnahme
-von Bächen abermals zu einem See anschwillt und sich dann in den
-Bícol ergiesst. Dicht vor der zweiten Brücke in Nábua wendet sich die
-Strasse ostwärts und führt in gerader Linie nach Yriga, im Südwesten
-des gleichnamigen Vulkanes belegen.
-
-Auf dem Abhange des letzteren besuchte ich eine kleine Niederlassung
-heidnischer Eingeborenen. Von den Bewohnern der Ebene werden sie
-abwechselnd Ygorroten, Cimarronen, Remontados, Infieles oder Montesinos
-(Waldbewohner) genannt, keiner dieser Namen, mit Ausnahme der beiden
-letzten passt aber recht auf sie; der erste kommt eigentlich Stämmen
-im Norden der Insel zu, die für Mischlinge von Chinesen und Indiern
-gelten. [122] Cimarron, französisch Marron, den amerikanischen
-Sklavenkolonien entlehnt, bezeichnet dort einen entsprungenen in
-Freiheit lebenden Negersklaven, hier einen Eingeborenen, welcher
-die Bequemlichkeiten des Dorfes sammt seinen Steuern und Frohnden
-gegen die Entbehrungen und die Unabhängigkeit des Lebens in der
-Wildniss vertauscht hat. Die Bezeichnung Remontado (remonté) erklärt
-sich selbst und ist gleichbedeutend mit Cimarron. Da der Gegensatz
-zwischen jenen beiden Zuständen wegen der Milde des Klimas und der
-Bedürfnisslosigkeit der Eingeborenen nicht entfernt so gross ist,
-als er bei uns sein würde, so kommen solche Rücktritte öfter vor,
-als man glauben sollte, gewöhnlich in Folge eines Vergehens oder einer
-unbequemen Schuld, zuweilen aus blossem Widerwillen gegen Kopfsteuer
-und Frohndienste. Der Indier hat eine ausgesprochene Neigung, sich
-aus den Puéblos in die Einsamkeit zurückzuziehn, auf seinem Felde zu
-wohnen; und nur dem vereinten Eifer der für die Kopfsteuer haftbaren
-Dorfältesten und der Geistlichen, die, abgesehn von andern Interessen,
-auch ihre nach der Kopfzahl berechneten Stipendien zu berücksichtigen
-haben, gelingt es zu verhindern, dass sich die Puéblos in Visitas,
-diese in Ranchos auflösen. Nachdem der Verkehr in andern Ranchos
-desselben Berges meine ersten Eindrücke bekräftigt, möchte ich die
-unabhängigen Bewohner des Yriga für Mischlinge von Indiern und Negrítos
-halten. Die Hautfarbe ist dunkelbraun, nicht schwarz, wohl nicht
-dunkler als bei Indianern, die sich der Sonne sehr aussetzen. Einige,
-aber durchaus nicht Alle, haben krauses Haar. Während sowohl die in
-grösseren Truppen zusammenlebenden Negrítos wie die von mir vereinzelt
-bei Angat und Marivéles angetroffenen keinen Ackerbau treiben, fast
-ohne Obdach im Freien hausen, sich von spontanen Naturerzeugnissen
-nähren [123], wohnen die Halbwilden des Yriga in bequemen Hütten
-und bauen verschiedene Knollengewächse und etwas Zuckerrohr. Reine
-Negrítos kommen, so weit meine Erkundigungen reichen, in Camarines
-nicht vor. Ein zum grossen Theil dicht bevölkertes Gebiet, aus dem sich
-die höheren Berge nur in einzelnen Kuppen erheben, dürfte wohl kaum
-für ein herumschweifendes Jägerleben ohne Feldbau die erforderlichen
-Bedingungen darbieten.
-
-Die wenigen Ranchos des Yriga sind sehr zugänglich, sie stehn im
-freundschaftlichsten Verkehr mit den Indiern; andern Falls wären
-ihre Bewohner wohl längst ausgerottet. Trotz dieser nachbarlichen
-Beziehungen hatten sie doch noch viel von ihrem ursprünglichen
-Wesen bewahrt. Die Männer waren nackt bis auf ein Schamband, die
-Weiber gleichfalls oder trugen einen Schurz, von der Hüfte bis zum
-Knie reichend. [124] In dem grössten Rancho waren die Frauen sehr
-dezent, nach Art der Indianerinnen bekleidet. Ihr Hausrath bestand
-aus Bambusgeräth, Kokosschalen, einem irdenen Kochtopf, Bogen und
-Pfeilen. Bei letzteren, die sehr sorgfältig gearbeitet, war der
-Schaft aus Rohr, die Spitze aus einem scharfen Bambusschnitt oder aus
-Palmenholz, dreispitzig oder einspitzig; im letzteren Fall war um die
-Spitze oft eine spirale Rinne eingeschnitten; zur Schweinejagd werden
-vergiftete Pfeile mit eiserner Spitze benutzt. Obgleich die Ygorroten
-nicht Christen sind, hatten sie ihre Hütten mit Kreuzen verziert, die
-ihnen als Talismane dienen. Wenn sie nichts nützten, meinte eine Alte,
-würden die Castilas sie nicht überall anbringen. [125] Die grösste der
-von mir besuchten Rancherien stand unter einem Kapitän, der aber nur
-wenig Macht hatte. Auf meinen Wunsch rief er einige nackte Bursche
-herbei, die müssig auf Baumstämmen hockten. Sie gehorchten ihm erst
-nach langen Erörterungen. Kleine Geschenke, messingene Ohrringe
-und Kämme für die Frauen, Zigarren für die Männer gewannen leicht
-ihre Gunst.
-
-Nach einem vergeblichen Versuch den Yriga von hier aus bis zum Gipfel
-zu besteigen, ging ich um seinen Südwestrand nach Buhi im Südwinkel
-des Buhi-See's. Zehn Minuten nach der Abreise von Yriga kommt man an
-eine Stelle, wo der Boden unter dem Hufschlag hohl klingt. Unzählige
-kleine, im Mittel 50 Fuss hohe Hügel erheben sich aus der Ebene. Im
-Norden erblickt man den grossen Krater des Yriga, dessen dem See
-zugewendete Ostseite eingestürzt ist. Von Yriga her erscheint der
-Vulkan als ein geschlossener Kegel. Der See hat etwa 1 1/2 Meilen
-Umfang. Die Hügel bestehn an dieser Stelle aus Basalt, bei Buhi aus
-grobgeschichteten Rapilli, die Schichten fallen gegen den Yriga ein,
-der NW. davon liegt. Von einem der höchsten der Basalthügel betrachtet,
-sieht es aus als wären diese kleinen Anhöhen Ueberreste eines grossen
-ehemaligen Kraters, der, vielleicht durch Erdbeben zertrümmert, später
-durch Erosion in diese zahlreichen kleinen Kuppen umgestaltet wurde.
-
-In Buhi liess der freundliche Pfarrer durch Trommelschlag verkünden,
-dass der eben angekommene Fremde allerlei Thiere zu haben wünsche,
-Thiere der Erde, der Luft und des Wassers, Thiere der Berge, der
-Wälder und Felder, und alles baar bezahlen würde. Es wurden aber von
-den zahlreich herbeiströmenden Neugierigen nur Thiere der Häuser und
-der Leiber, Schaben, Tausendfüsse und andres Ungeziefer gebracht, die,
-nachdem sie zu Einlasskarten gedient, als seltene Waare verwerthet
-werden sollten.
-
-Am folgenden Tage sah ich einen bunten Aufzug: Voran die spanische
-Fahne, welcher die Dorfpauke, 7×4 Reiter in kurzen Jacken und
-flatternden Hemden, ein Dutzend Musikanten und schliesslich
-als Hauptfigur der Träger einer rothseidenen Standarte folgten;
-eine Ehre, die den Bevorzugten nicht wenig stolz macht und zu einem
-Schmaus mit reichlichen Spenden von Kokoswein verpflichtet. Er sass
-zu Pferde, affenartig aufgeputzt, auf dem Kopf einen Dreimaster,
-der statt goldener Tressen, mit buntem Papier beklebt war, über
-dem Frack eine papierene Weiberpelerine, kurze enge gelbe Hosen,
-lange weisse Strümpfe und Schuhe. Rock und Hose waren gleichfalls
-statt der Tressen mit Papier benäht. Auf ähnliche Weise war das von
-zwei Cabezas geführte Pferd verziert. Nachdem der Zug sich durch die
-Strassen des Dorfes bewegt, machte er vor der Kirche Halt.
-
-Dieses Fest wird alljährlich gefeiert zum Gedächtniss der von den
-Päpsten dem Könige von Spanien gemachten Konzession, die Erträge
-der Kreuzbulle für sich zu verwenden. Die spanische Krone besitzt
-in Folge davon das Recht, verschiedene Ablässe, auch für schwere
-Verbrechen, im Namen des Papstes zu ertheilen. Sie hat dieses Recht
-gewissermassen im Grossen erworben und verschleisst ihren Kunden
-die Indulte im Wege des Kleinhandels, früher durch die Pfarrer, seit
-1851 im Estanco, zugleich mit andern von ihr monopolisirten Artikeln:
-Tabak, Branntwein, Loterieloosen, Stempelpapier etc.; jedoch »unter
-Mithülfe der Pfarrer«. [126] Ohne letztere würde das Geschäft wohl
-wenig abwerfen. Die Einnahmen daraus haben immer sehr geschwankt; sie
-betrugen 1819: 15,930 Doll., 1839: 36,390 Doll., und waren für 1860
-auf 58,954 veranschlagt; in den beiden Jahren 1844/45 aber stiegen
-sie auf 292,115 Doll., weil die Ablassscheine damals den Familien
-zwangsweise aufgenöthigt wurden, indem sie von den Barangayhäuptern
-»unter Beihülfe und Ueberwachung der Pfarrer und Untersteuerbeamten«,
-die dafür, bezüglich, 8% und 5% Prämie erhielten, in die einzelnen
-Häuser vertheilt wurden; -- wohl eine der schamlosesten Anwendungen
-des Repartimiento Systems. [127]
-
-Der Buhi-See (92 Meter Meereshöhe) ist malerisch schön, fast auf allen
-Seiten von über tausend Fuss hohen Bergen umgeben; sein Westrand wird
-von dem noch vorhandenen Theil des Yriga-Kraters gebildet. Wie mir
-die Pfarrer der umliegenden Ortschaften mittheilten, soll der Vulkan
-bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts ein geschlossener Kesselberg
-gewesen, und als er bei einem grossen Ausbruch zur Hälfte einstürzte
-der See entstanden sein. Uebereinstimmend damit heisst es im Estado
-geogr. S. 247 (der wahrscheinlichen Quelle jener Mittheilungen):
-Am 4. Januar 1641, einem denkwürdigen Tage, weil zur selben Stunde
-alle damals in diesem Archipel bekannten Vulkane ausbrachen, stürzte
-in der Provinz Camarínes ein grosser, von Ungläubigen bewohnter Berg
-ein, und an seiner Stelle erschien ein schöner See, an welchen die
-Bewohner des (damaligen) Dorfes Buhi übersiedelten, weshalb er fortan
-Buhi-See genannt ward.
-
-A. Perrey (S. 48) führt einen Ausbruch vom Jahre 1628 in Camarínes an,
-der gleichfalls auf jenes Ereigniss bezogen werden könnte:
-
-»1628 bebte die Erde; nach glaubwürdigen Zeugnissen, an einem Tage
-vierzehnmal in Camarínes; viele Gebäude stürzten ein, ein grosser Berg
-barst und es brach aus demselben eine solche Menge Wasser hervor,
-dass in den überschwemmten Gefilden die Bäume ausgerissen, und eine
-Stunde vom Meer (die direkte Entfernung zum Meer beträgt 2 1/2 Leguas),
-die Ebene ganz mit Wasser bedeckt war.« [128] Sonderbarer Weise aber
-stimmt der in einer Note gegebene Originaltext nicht zu A. Perrey's
-Uebersetzung. Jener erwähnt nichts vom Hervorbrechen des Wassers
-aus dem Berge und sagt im Gegentheil, dass die von der ungeheuren
-Gewalt umgestürzten Bäume am Strande auf eine Stunde weit die Stelle
-des Meeres einnahmen, so dass auf dieser Strecke kein Wasser zu sehn
-war. [129]
-
-Die Angabe im Estado geogr. muss deshalb Misstrauen erregen,
-weil in dem amtlichen Bericht über das grosse Erdbeben von 1641
-die gleichzeitigen Ausbrüche dreier Vulkane, zweier im Süden des
-Archipels, einer in Nord-Luzon ausführlich geschildert werden,
-Camarínes aber ganz unerwähnt bleibt. Das Misstrauen wird durch den
-Umstand vergrössert, dass derselbe Autor (Nierembergius), dem obige
-Angabe über den Ausbruch von 1628 in Camarínes entlehnt ist, in einem
-andern Werke einen ausführlichen Bericht über das Ereigniss von 1641
-giebt, ohne dabei dieser Provinz zu gedenken. [130] Bei der grossen
-Gleichgültigkeit, mit welcher die Mönche Naturereignisse behandeln
-(waren doch selbst die am Fuss des Albay wohnenden Pfarrer nicht
-einmal über die Daten seiner letzten Ausbrüche einig), ist es nicht
-unwahrscheinlich, dass der Ausbruch von 1641, bei welchem in Nord-Luzon
-ein Berg einstürzte und ein See an die Stelle trat, im Lauf der Zeit
-auf den Yriga übertragen wurde.
-
-Auch von Tambong aus, einer kleinen zu Buhi gehörigen Visita
-am Seeufer, glückte es mir diesmal nicht die höchste Spitze
-zu erreichen. Wir gelangten Abends auf den südlichen Zacken des
-Kraterrandes (1041 Meter nach meiner Bar. Beob.), wo uns eine tiefe
-Schlucht am weiteren Vordringen hinderte. Die Ygorroten verliessen
-mich, die Indier weigerten sich zu bivuakiren um am folgenden Tage
-die Reise fortzusetzen; ich musste umkehren. Spät Abends kamen
-wir durch eine Kokospflanzung am Fuss des Berges und fanden Obdach
-gegen ein Gewitter bei einer freundlichen Alten, der meine Diener
-so viel vorlogen, dass wir trotz unseres Misserfolges, als der
-Regen nachgelassen, mit Fackeln nach Tambong geleitet wurden und den
-Palmenhain um den kleinen Weiler mit hellstrahlenden Freudenfeuern von
-trocknen Kokosblättern zauberhaft schön erleuchtet fanden, zu Ehren der
-»Conquistadores del Yriga«. Ich musste die Nacht in Tambong bleiben,
-weil die Leute zu zaghaft oder zu faul waren über den bewegten See
-zu fahren.
-
-Hier sah ich Ananasfasern für Gewebe bereiten. Den zu diesem Zweck
-bestimmten Pflanzen wird gewöhnlich der Fruchttrieb ausgebrochen,
-wodurch die Blätter an Länge und Breite beträchtlich zunehmen. Eine
-Frau legt ein Brett auf den Boden, darauf ein Ananasblatt, die hohle
-Seite nach Oben gekehrt; sie hockt an einem Ende des Brettes, hält
-das Blatt mit den Zehen fest, und schabt mit einem Tellerscherben,
-nicht mit der scharfen Bruchkante, sondern mit dem stumpfen Rande des
-Umfangs die oberste Schicht des Blattes ab, die sich in Fetzen löst;
-dadurch wird eine Lage grober Längsfasern entblöst, die Arbeiterin
-fährt mit dem Nagel des Daumens darunter, hebt sie auf, zieht sie
-in einem zusammenhängenden Streifen ab und schabt abermals bis eine
-zweite feine Faserschicht blosgelegt ist; dann dreht sie das Blatt um,
-schabt etwa eine Handbreit vom untern Ende der jetzt oben liegenden
-Rückseite des Blattes bis zur Faserschicht ab, fasst diese mit der
-Hand und zieht sie der ganzen Länge nach auf einmal vom Blattrücken
-ab. Nachdem die Fasern gewaschen, um sie von dem noch daran haftenden
-Parenchym zu reinigen, trocknet man sie an der Sonne. Später werden
-sie mit einem gewöhnlichen Kamm wie Frauenhaar gekämmt, nach ihrer
-Feinheit in vier Klassen sortirt, an einander geknüpft und ebenso
-behandelt wie Lupifasern. [131] Auf diese rohe Weise gewinnt man
-die Fäden für die berühmten Gewebe, Nipis de Piña, die von Kennern
-für die feinsten der Welt gehalten werden. Zwei Hemden aus diesem
-Stoff sind im Berliner ethnographischen Museum (unter 291 und 292),
-feinere Gewebe im Gewerbe-Museum ausgestellt. In den Philippinen,
-wo man die Feinheit der Arbeit am besten zu würdigen versteht, sind
-reich gestickte Piñakleider mit mehr als 2000 Thaler das Stück bezahlt
-worden. [132]
-
-In Buhi, das nicht hinreichend gegen den NO. gedeckt ist, regnete es
-fast so viel wie in Darága. Ich hatte mit den Ygorroten ausgemacht,
-dass sie einen Pfad durch das hohe Rohr bis zum Gipfel durchschlagen
-sollten, es unterblieb aber wegen des anhaltenden Regens, und ich
-entschloss mich über den Malinao zu steigen, längs der Küste in mein
-Standquartier zurückzukehren und neu ausgerüstet den Bicolfluss bis
-Naga hinabzufahren.
-
-Bevor wir uns trennten bereiteten die Ygorroten noch Pfeilgift für
-mich, aus zwei Baumrinden, von denen sich Proben unter B. 103 und
-B. 104 in der botanischen Sammlung der Berl. Universität befinden. Ich
-bekam nur die Rinden zu sehn, weder Blätter noch Blüthen. Die
-Bastschicht der Rinde B. 103 wurde zerklopft, ausgedrückt, angefeuchtet
-und noch einmal ausgedrückt. Dies geschah mit der blossen Hand, die
-aber nicht verletzt sein darf. Der Saft sieht wie dünne Erbsensuppe
-aus, er wird in einem Topfscherben über schwachem Feuer eingedampft,
-wobei er an den Rändern gerinnt. Das Coagulum löst sich durch
-Umrühren wieder in der kochenden Flüssigkeit. Ist diese zu Syrupsdicke
-eingedampft, so wird von der innern Oberfläche der Bastschicht B. 104
-eine geringe Menge, etwa 1/10 so viel als B. 103, abgeschabt und über
-dem Topf ausgedrückt; dieser Saft ist dunkelbraun. Wenn das Gemenge
-die Konsistenz einer zähen Salbe hat, so wird es mit einem Span aus
-dem Scherben herausgekratzt und in einem mit Asche bestreuten Blatt
-aufbewahrt. Zum Vergiften eines Pfeils verwendet man ein Stück von der
-Grösse einer Haselnuss, das durch Erwärmen gleichmässig über die breite
-eiserne Spitze vertheilt wird. Ein vergifteter Pfeil dient viele Male.
-
-Ende November verliess ich den schönen Buhi-See und fuhr, von seinem
-östlichsten Winkel aus, eine kurze Strecke den kleinen Sapafluss hinauf
-[133], dessen Anschwemmungen einen beträchtlichen Vorsprung im Umriss
-des Sees bilden. Ueber eine feuchte Wiese gelangt man an den Abhang des
-Malinao oder Buhi, der schlüpfrige Thon des untern Abhanges geht weiter
-oben in vulkanischen Sand über. In dem sehr feuchten Wald wimmelte
-es von kleinen Blutegeln; ich hatte sie nie zuvor in solcher Menge
-angetroffen. Die Thierchen, ausgestreckt nicht dicker als Zwirnsfäden,
-sind ausserordentlich behende, setzen sich an alle Stellen des Körpers
-fest, dringen selbst in die Nase, in die Ohren, in die Augenlider und
-saugen sich, wenn man sie nicht bemerkt, so voll, dass sie kugelrund
-werden und wie kleine Kirschen aussehn. Während sie saugen empfindet
-man keinen Schmerz, aber später jucken die angegriffenen Stellen oft
-noch tagelang. [134] An einer Stelle bestand der Wald überwiegend aus
-Feigenbäumen mit sechs Fuss langen, an dem Stamm und den dickeren
-Aesten hängenden Fruchttrauben. Die Früchte von Kirschengrösse
-sassen vereinzelt an den sparrigen holzigen Stielen. Zwischen den
-Bäumen wucherten kletternde Farne, Aroideen, Orchideen. Nach fast
-sechs Stunden erreichten wir um 12 1/2 Uhr die Passhöhe (841 Meter)
-und stiegen am östlichen Abhang hinab. Der Wald ist auf der Ostseite
-des Berges noch prächtiger als auf der westlichen. Von einer Lichtung
-hatten wir eine Aussicht auf das Meer, die Insel Catanduanes und die
-Ebene von Tabaco. Mit Sonnenuntergang langten wir in Tibi an, wo ich
-mich in dem saubern, von starken Bambusen eingefassten Gefängniss
-einquartierte, dem wohnlichsten Raum eines langen Schuppens, der
-die Stelle des vor zwei Jahren durch Sturm zerstörten Tribunals
-vertrat. Von Tibi hatte ich Gelegenheit den Malinao (auch Buhi und
-Takít genannt,) zu zeichnen: der von dieser Seite als ein grosser
-Vulkan mit deutlichem Krater erscheint, vom Buhi-See aus ist er als
-ein solcher nicht mit voller Sicherheit zu erkennen.
-
-Nicht weit von Tibi, genau NO. vom Malinao, liegt eine schwache
-Solfatara, Igabó genannt: in der Mitte einer rings von Bäumen umgebenen
-Rasenfläche ist eine kahle Stelle von ovaler Form, nahe hundert Schritt
-lang, 70 breit. Der ganze Raum ist mit kopfgrossen und grösseren,
-durch Zersetzung abgerundeten Steinen bedeckt, beim Zerschlagen lösen
-sich von der Oberfläche dünne konzentrische Schalen, der Kern ist grau
-und besteht aus Trachyt. An einigen Stellen sprudelt aus dem Boden
-heisses Wasser, das sich zu einem kleinen Bach sammelt, einige Weiber
-waren beschäftigt ihre Mahlzeit zu kochen, indem sie mittelst eines
-Netzes Caladiumschnitte in das dem Siedepunkt nahe Wasser hingen. An
-der untern Fläche einiger Steine war ein wenig Schwefel sublimirt,
-von Alaun kaum Spuren wahrnehmbar; in einer Vertiefung hatte sich
-Kaolin angesammelt; es wird gelegentlich zum Anstrich benutzt.
-
-Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen
-von Naglegbeng. [135] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und
-fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten
-Aggregatzuständen, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache
-Kegel mit zylindrischen Aufsätzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit
-geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bäumen entblösste Stelle
-zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist,
-wenige mit Rasen bewachsene Lücken ausgenommen, mit einer Kruste von
-Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhängende Flächen
-bildet, gewöhnlich aber durch vertikale Sprünge in fliesenartige
-Platten zerborsten ist. An unzähligen Stellen dringt siedend heisses,
-kieselsäurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich über
-die Fläche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung
-allmälig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt
-regelmässig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel,
-mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren
-Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es läuft weniger Wasser
-über, das schon in unmittelbarer Nähe des Beckenrandes verdampft und
-in jedem Tropfen ein feines Körnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird
-nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet
-sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen äussere Seite,
-weil das Wasser nicht völlig gleichmässig überfliesst, stalaktitisch
-gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer
-ist als die Verdampfung, so läuft kein Wasser mehr über den Rand; der
-Sinter setzt sich dann bei der allmäligen Abkühlung des Wassers mit
-der grössten Gleichmässigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem
-Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hört die Sinterbildung
-im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke
-zu, und wenn der Kanal gänzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist,
-so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes,
-umgekehrt glockenförmiges Becken zurück. In der Abbildung des weissen
-Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend
-dargestellt, ein noch schönerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe
-des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen
-neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten
-Widerstand findet, ohne den schönen von ihm aufgebauten Kegel zu
-zerstören. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grössten
-Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen
-Teiche entstanden, erlangen die Dämpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist,
-solche Spannkraft, dass sie die oberflächliche Kruste in konzentrisch
-strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus
-der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen
-zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Höhe;
-so entstehen ringförmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst
-allmälig durch neue Absätze aus dem überströmenden Wasser bildet. An
-den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem
-»weissen« und dem »rothen«, sieht man diese Stufenbildung vollendet,
-an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht,
-nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das
-Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter
-Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung
-stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in
-der Vollendung. In der Nähe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen,
-weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bändern wie bunte
-Mergel einander überlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer
-Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens
-gefärbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen,
-aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die
-letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering,
-sie liegen nicht an ihrer ursprünglichen Lagerstätte und würden nur
-einen kleinen Theil der ursprünglichen Masse darstellen. Ganz ähnliche
-Verhältnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel
-mannichfaltiger, schöner, reiner als die Produkte der isländischen
-Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von
-Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter überzogen, dass
-alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik könnte nicht
-zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dünne Schichten
-undurchsichtig weissen oder sehr schwach röthlichen Sinters mit Bändern
-durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde
-lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zähe
-Masse dringenden Gasblasen Reihen dünnwandiger Zellen gebildet, so
-dicht und regelmäsig, als wären sie organischen Ursprungs, die Zellen
-sind leer oder mit Hyalith erfüllt, der zuweilen in ununterbrochenen
-Strahlen die Sintermassen durchdringt. [136] An andren Stellen hat
-sich der Sinter in dünnen konzentrischen Schalen um feste Körperchen
-abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schön
-wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels,
-der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben dürfte.
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-VIERZEHNTES KAPITEL
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- LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER.
-
-
-Bei der zweiten Reise nach Camarínes, die ich im Februar unternahm,
-fuhr ich zu Wasser von Polángui über Bátu bis Nága. Der Quináli,
-der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss
-wieder aus, und läuft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Miguél. Er
-vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Albáy und
-Camarínes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene
-für die in Folge des Abacábau's sehr gestiegene Bevölkerung nicht
-ausreicht und Camarínes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in
-grossen Kähnen flussaufwärts bis Quináli geschafft und von dort in
-Büffelkarren weiter verführt; die Boote gehn leer zurück. Die Breite
-des sehr windungsreichen Bicol beträgt in der trocknen Jahreszeit am
-Seeausfluss wenig über 60 Fuss und nimmt nur sehr allmälig zu. Die
-Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend
-ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen
-und Wasservögel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster)
-besonders häufig -- aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen
-sie auf den Bäumen am Ufer, nur ihr dünner Hals und Kopf ragt wie
-eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annähern des Bootes
-stürzen sie jäh in's Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man
-den dünnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle,
-wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht
-minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen.
-
-Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein
-fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und
-unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hügelzug,
-zwei Stunden Büffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen
-Korallenriff. Weiter stromabwärts wird die Gegend flacher, nur die
-grossen Vulkane ragen über die von Reisfeldern eingenommene Ebene.
-
-In Nága, der Hauptstadt von Süd-Camarínes, stieg ich im Tribunal ab,
-wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit über
-die Grenzen seiner Provinz berühmten Administrador in sein Haus geholt
-und mit Liebenswürdigkeit und Gefälligkeiten überhäuft. Der allgemein
-beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu
-bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu
-machen und meine Zwecke zu fördern.
-
-Nága ist die Hauptstadt von Süd-Camarínes, Sitz eines Bischofs und der
-Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cáceres
-genannt zu Ehren des aus Cáceres gebürtigen General-Kapitäns
-D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nága eine spanische
-Stadt gründete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zählte sie gegen 100
-spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwärtig kaum ein Dutzend. Schon
-Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika,
-von allen in den Philippinen gegründeten Städten, mit Ausnahme
-Manila's, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich
-erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben,
-darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen
-Ansiedlern fehlt. Früher war Nága Hauptstadt des ganzen östlich von
-Tayábas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevölkerung in
-die drei Provinzen Nord- und Süd-Camarínes und Albáy zerlegt wurde. Die
-Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Albáy und
-Süd-Camarínes ziemlich willkürlich gezogen, während das Gesammtgebiet,
-wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr
-wird es auch wohl noch gegenwärtig im Zusammenhang Camarínes genannt;
-am passendsten könnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist
-von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch
-seine Sprache, als durch manche Eigentümlichkeiten von seinen Nachbarn,
-den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Süden und
-Osten unterscheidet.
-
-Die Bicol sind auf das in Rede stehende Gebiet und einige kleine
-unmittelbar davor liegende Inseln beschränkt. Ueber ihre Herkunft geben
-die umfangreichen, inhaltlosen Geschichten spanischer Mönche keinen
-Aufschluss. Morga hält sie für Eingeborene der Insel, dagegen sei durch
-Ueberlieferung bekannt, dass die Bewohner von Manila und Umgebung von
-vor Zeiten dort eingewanderten Malayen und Bewohnern anderer Inseln
-und ferner Provinzen abstammen. [137] So wie ihre Sprache zwischen
-der der Tagalen und Bisayer mitten innen steht, so scheinen die Bicols
-selbst auch in ihren Fähigkeiten und Sitten einen Uebergang zwischen
-beiden zu bilden, den Tagalen körperlich wie geistig im Allgemeinen
-nachzustehn, den Bewohnern der östlichen Bisaya-Inseln überlegen zu
-sein. Bicol wird nur in beiden Camarínes und Albáy auf Luzon, und
-auf den Inseln Masbáte, Burías, Ticáo, Catanduánes und den kleinen
-benachbarten Eilanden gesprochen. Am reinsten sprechen es die Bewohner
-des Vulkanes Ysaróg und seiner unmittelbaren Umgebung. Von dort gen
-Westen nimmt die Bicolsprache immer mehr tagalisch, nach Osten hin
-bisaya auf, und geht allmälig, wohl noch ehe sie die Grenzen ihres
-ethnographischen Gebietes erreicht, in diese beiden Nachbarsprachen
-über. Es dürfte zweckmässig sein, die hervorragendsten Züge in der
-Lebensweise der Bicolindier, deren Mehrzahl sie mit den Tagalen und
-Bisayern gemein haben, hier an einander zu reihen.
-
-Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhältnisse und der
-durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten
-ist bereits S. 94 gegeben worden.
-
-Die Aussaat des Reises in Beeten beginnt in Süd-Camarínes im Juni oder
-Juli, je nach dem Eintritt der Regenzeit; in künstlich berieselten
-Feldern früher, weil die Frucht dann zu einer Zeit reift, wo ihr
-Vorrath im Lande gering, ihr Preis hoch ist. Obgleich Rieselfelder
-sehr wohl zwei Ernten jährlich liefern könnten, so werden sie doch
-nur einmal bestellt. Im August wird umgepflanzt mit handbreiten
-Zwischenräumen zwischen den Linien und den einzelnen Pflanzen, vier
-Monate später ist der Reis reif. Die Felder werden nie gedüngt und nur
-selten gepflügt, gewöhnlich lässt man durch einige Dutzend Büffel das
-Unkraut und die Stoppeln in den schon durchweichten Boden eintreten,
-der dann nur noch mit einer stachlichten Walze gerollt, oder mit dem
-Sorod gelockert wird. Ausser den genannten Ackergeräthschaften, sind
-noch die spanische Hacke (Azadón) und ein Rechen von Bambus (Kag-kag)
-in Gebrauch. Bei der Ernte geht es eigenthümlich zu. Der Reis, welcher
-zuerst reift, wird für 10% geschnitten, d. h. der Arbeiter empfängt für
-seine Mühe das 10te Bündel vom Eigenthümer. Um diese Zeit ist der Reis
-sehr knapp, oft ist Noth vorhanden und Arbeitskraft billig; je mehr
-Felder aber in Reife kommen, um so theurer wird der Schnitterlohn,
-er steigt auf 20, 30, 40 selbst 50%, ja die Behörden halten es
-zuweilen für nöthig, die Leute durch Körper- und Gefängnissstrafe
-zum Ernten zu zwingen, damit nicht ein grosser Theil auf dem Halm
-verfaule. Dennoch geht in sehr fruchtbaren Jahren immer ein Theil
-der Ernte verloren. Man schneidet den Reis Halm für Halm (wie in
-Java), mit einem eigentümlich geformten Messer, oder in Ermangelung
-eines solchen, mit der scharfrandigen Klappe einer in den Gräben der
-Reisfelder lebenden Muschel [138]; man braucht sich nur zu bücken,
-um sie aufzunehmen.
-
-Ein Quiñon bestes Reisland gilt 60-100 Dollars (8 bis 13 Thaler per
-Morgen). Am theuersten sind Rieselfelder auf Anhöhen, die nicht wie die
-Felder in der Ebene verheerenden Ueberschwemmungen ausgesetzt sind,
-und so bewirtschaftet werden können, dass ihre Frucht zur Zeit der
-höchsten Preise reift.
-
-Auf vier Topones (1 Topon = 1 Loan) pflanzt man 1 Ganta und erntet 100
-Manojos (Bündel), die je 1/2 Ganta Reis geben, also das fünfzigste
-Korn. Man darf die alte Ganta von Naga wohl = 1 1/2 Gantas setzen,
-dann berechnet sich der Ertrag auf 75 Cabanes per Quiñon, etwa 9 3/4
-Scheffel per Morgen, ungefähr soviel wie in Preussen. [139] In Büchern
-werden gewöhnlich 250 Cabanes als Ertrag eines Quiñon angegeben,
-als Durchschnitt wohl eine Uebertreibung. Die Ergiebigkeit der
-Felder ist allerdings eine sehr verschiedene, aber wenn man erwägt,
-dass die Aecker in den Philippinen nie gedüngt werden, sondern zur
-Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit ausschliesslich auf den durch die
-Ueberfluthungen aus den Bergen ihnen zugeführten Schlamm angewiesen
-sind, so mögen obige Zahlen dem wirklichen Durchschnitt wohl eher
-entsprechen. In Java beträgt in vielen Provinzen die Ernte nur 50
-Cabanes per Quiñon, in manchen freilich das Dreifache [140]; in China
-bei sorgfältigster Kultur und reichlicher Düngung 180 Cabanes. [141]
-Ausser Reis wird Camote (süsse Kartoffel, Convolvulus batatas) gebaut,
-die wie Unkraut wuchert, ja sie wird zuweilen sogar angepflanzt,
-um auf dem zum Kaffee-, Cacao- oder Abacábau bestimmten Boden das
-Unkraut zu vertilgen. Sie breitet sich zu einem dichten Teppich
-aus, und ist, da die Ausläufer Wurzel schlagen und Knollen bilden,
-eine fast unversiegbare Vorrathskammer für den Besitzer, der das
-ganze Jahr hindurch seinen Bedarf dem Felde entnehmen kann. Auch Gabi
-(Caladium), Ubi (Dioscorea), Mais und zwei Arum-Arten sind Gegenstände
-des Feldbaus.
-
-Nach der Reisernte werden Büffel, Pferde und Rinder auf die Felder
-gelassen. Während des Reisbaues bleiben sie in den Gogonales,
-Rohrsteppen, die namentlich dort entstehn, wo für den Bau von Bergreis
-gelichtete Stellen wieder verlassen werden. Gogo ist der Name eines 7
-bis 8' hohen Rohres (Saccharum sp.). Transport findet dann fast nicht
-statt, weil während der Regenzeit die Wege nicht benutzbar sind und
-das Vieh nichts zu fressen fände. Der Indier füttert sein Vieh nicht;
-er lässt es verhungern, wenn es sich nicht selbst erhalten kann. In
-der nassen Jahreszeit kommt es nicht selten vor, dass ein Büffel,
-während er den Karren zieht, vor Hunger zusammenstürzt. Ein Büffel
-kostet 7-10 Dollars, ein Pferd 10-20, eine Kuh 6-8. Sehr schöne Pferde
-bezahlt man mit 30-50 Dollars, ausnahmsweise sogar bis 80 Dollar,
-doch werden die hiesigen Pferde in Manila nicht geschätzt, weil sie
-nicht aushalten; das schlechte Wasser, das schlechte Heu und die
-grössere Hitze daselbst, richten sie schnell zu Grunde, sonst würde
-es vortheilhaft sein, Pferde in der guten Jahreszeit nach Manila zu
-verschiffen, wo sie etwa das Doppelte kosten. Nach Morga (f. 130) gab
-es weder Pferde noch Esel auf der Insel, bis die Spanier sie aus China
-und Neu-Spanien einführten. [142] Erstere waren klein und bösartig;
-auch aus Japan wurden Pferde bezogen, »nicht schnell aber stark mit
-grossen Köpfen und dicker Mähne, wie Friesen aussehend«. [143] Die
-Pferde vermehrten sich schnell, die im Lande geborenen, meist von
-gekreuzter Rasse, schlugen gut ein.
-
-Das Rindvieh ist gewöhnlich in den Händen Einzelner. Es giebt in
-Camarínes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stück besitzen, in der
-Provinz ist es kaum verkäuflich, doch wird es seit einigen Jahren
-mit Vortheil nach Manila ausgeführt. Das Rindvieh der Provinz ist
-klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die
-Kühe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Büffelfleisch dem
-Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewöhnlich geniessen
-sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kräuter zum Reis.
-
-Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingeführte Rasse von
-Schafen hält sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich
-von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut
-auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewöhnlich bald sterben. In
-Manila ist Hammelfleisch täglich zu haben, im Innern aber, wenigstens
-in den östlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne
-Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben
-werden könnte. Man ist aber zu nachlässig, um die jungen Lämmer zu
-hüten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn
-sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt
-zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien
-mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner
-Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch
-wird von wohlhabenden Europäern nur dann gegessen, wenn das Schwein
-von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhüten, dass
-es sich herumtreibe, wird es gewöhnlich in einen Bambuskäfig, einen
-weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet,
-wenn es denselben ausfüllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu
-essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in
-manchen kleinen Häusern nur aus den Zwischenräumen der aus Bambuslatten
-gebildeten Diele besteht und ernähren sich von seinen Abfällen, die
-sie gierig verschlingen; häufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen,
-Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt.
-
-
- Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den
- Philippinen fremden Sprachen angehören. Hund, Schwein, Ziege,
- Büffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch;
- Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen
- eingeführt wurden, so waren die Ureinwohner übler daran, als die
- Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicuña hatten. -- Auch
- die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr,
- Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die für Silber, Kupfer,
- Zinn. Von den auf Gewerbe bezüglichen Wörtern sei ein Drittel
- malayisch, von Handelsausdrücken die grosse Mehrzahl; auch die
- Benennungen für Maasse, Gewichte, für den Kalender, soweit ein
- solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwörter, die
- Wörter für Schreiben, Lesen, Sprache, Erzählung. Dagegen ist nur
- eine Minderzahl der Ausdrücke, die sich auf den Krieg beziehn,
- dem malayischen entlehnt.
-
- Aus den ächt einheimischen Wörtern schliesst Crawfurd auf den
- Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr
- mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre
- Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen
- nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes
- Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen-
- und Abacá-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet
- erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und böse Geister
- und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren
- sie den Bewohnern der Südsee voraus durch den Besitz von Gold,
- Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund,
- Schwein noch Huhn besassen.
-
- Lässt man die obige nur mit Hülfe mangelhafter sprachlicher Quellen
- entworfene Skizze des vorchristlichen Kulturzustandes gelten und
- vergleicht damit den gegenwärtigen, so ergiebt sich ein grosser
- Fortschritt, den die Philippiner den Spaniern verdanken. Insofern
- er die gesellschaftlichen Verhältnisse betrifft, ist er bereits
- mehrfach im Text hervorgehoben worden. Die Spanier haben das
- Pferd, das Rind, das Schaf, den Mais, den Kaffee, Rohrzucker,
- Cacao, Sesam, Tabak, Indigo, viele Früchte und wohl auch die
- Bataten eingeführt, die sie unter dem Namen Camotli in Mexico
- vorfanden. [144] Daraus scheint die in den Philippinen allgemeine
- Benennung Camote entstanden zu sein, die Crawfurd wohl irrthümlich
- für einheimisch hält. (Wie mir Dr. Witmack mittheilt, neigt man
- neuerdings zu der Ansicht, dass die Batate nicht nur in Amerika,
- sondern auch in Ostindien heimisch sei, da sie im Sanskrit zwei
- Namen habe: Sharkarakanda und Ruktaloo.)
-
- In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und
- Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte
- gemacht. Die Handwerke werden hauptsächlich von Chinesen betrieben.
-
-
-Die Ausfuhr besteht in Reis und Abaca. Die Provinz führt etwa zweimal
-so viel Reis aus als sie verzehrt, hauptsächlich nach Albay, das
-zum Reisbau weniger geeignet, fast nur Abacá erzeugt. Ein Theil geht
-nach Nord-Camarínes, das sehr bergig und wenig fruchtbar ist. Nach
-Manila kann der Reis kaum verschifft werden, da eine Landstrasse nach
-dem der Hauptstadt nahen Südrande der Provinz nicht vorhanden und der
-Wassertransport vom Nordrande und dem ganzen östlichen Theil von Luzon
-das Produkt zu sehr vertheuern würde. Die Einfuhr beschränkt sich
-auf das Wenige, was chinesische Krämer einführen. Die Händler sind
-fast alle Chinesen, sie allein besitzen Läden, in denen namentlich
-Kleiderstoffe und Tücher, theils inländischer, theils europäischer
-Fabrik, gestickte Frauenpantoffeln und unächte Schmucksachen zu haben
-sind. Das Gesammtkapital, welches in diesen Läden steckt, erreicht
-gewiss nicht 200,000 Dollar. In den übrigen Pueblos von Camarínes
-giebt es keine chinesischen Handelsleute, sie müssen sich also aus
-Naga versorgen.
-
-Das Land gehört dem Staat, wird aber einem Jeden, der es bebauen will,
-umsonst überlassen; der Niessbrauch geht auf die Kinder über, und
-hört nur dann auf, wenn der Boden zwei Jahre lang unbenutzt liegen
-bleibt. Es steht dann der Behörde frei, zu Gunsten eines Andern
-darüber zu verfügen.
-
-Jede Familie besitzt ihr eignes Haus. Gewöhnlich erbaut es der junge
-Ehemann mit Hülfe seiner Freunde. An manchen Orten kostet es nicht
-über 4 bis 5 Dollar; zur Noth kann er es auch selbst herstellen,
-ohne Auslagen, ohne andres Handwerkzeug als das Waldmesser
-(Bolo) und ohne andres Material, als Bambus, spanisches Rohr und
-Palmblätter. Dergleichen Häuser, die wegen der Feuchtigkeit immer
-auf Pfählen stehn, und oft nur einen einzigen überdachten Raum haben,
-in welchem alle Verrichtungen vorgenommen werden, sind Ursache grosser
-Liederlichkeit und schmutziger Gewohnheiten; die ganze Familie schläft
-darin gemeinschaftlich und jeder Durchreisende ist ein willkommener
-Gast. Ein schönes Haus von Brettern für die Familie eines Cabeza
-mag gegen 100 Dollar kosten. Das Vermögen einer solchen Familie
-an Immobilien, Möbeln, Schmuck u. s. w. (sie müssen jährlich ein
-Inventarium einreichen) beläuft sich auf 100 bis 1000 Dollars. Einige
-haben sogar über 10,000, der Reichste der ganzen Provinz wird auf
-40,000 Dollars geschätzt.
-
-Im Allgemeinen lässt sich behaupten, dass jedes Pueblo seine
-Bedürfnisse selbst erzeugt und wenig darüber hervorbringt. Für den
-indolenten Indier, namentlich für den der östlichen Provinzen, ist
-das Dorf, in dem er geboren worden, die Welt. Er verlässt es nur
-unter dringenden Umständen. Uebrigens würde das von der Kopfsteuer
-unzertrennliche strenge Passwesen der Reiselust, falls sie vorhanden
-wäre, grosse Schwierigkeiten in den Weg legen.
-
-Der Indier isst täglich dreimal: um 7 Uhr Vormittags, 12 und 7 oder
-8 Abends; die kräftigsten Arbeiter verzehren bei jeder Malzeit eine
-Chupa Reis, gewöhnliche Individuen eine halbe zum Frühstück, eine
-zum Mittag, eine halbe zum Abend, zusammen 2 Chupas. Jede Familie
-erntet ihren Reisbedarf selbst und bewahrt ihn in Scheuern auf, oder
-kauft ihn enthülst auf dem Markt, und dann gewöhnlich nur den Bedarf
-eines Tages oder einer Malzeit auf einmal. Der mittlere Einzel-Preis
-ist 3 Cuartos für 2 Chupas (14 Chupas del Rey für 1 r.). Für jede
-einzelne Malzeit wird der Reisbedarf in einem hölzernen Mörser von
-den Frauen gestossen um ihn zu enthülsen -- aus alter Gewohnheit, und
-auch wohl aus Furcht, dass der Vorrath sonst zu schnell verschmaust
-werden würde. Der Reis wird nur halb gar gekocht. Es scheint, dass
-dies überall geschieht, wo er einen wesentlichen Theil der Nahrung
-ausmacht; schon in Spanien und Italien ist dies wahrzunehmen. An
-Würzen werden Salz und viel spanischer Pfeffer (Capsicum) genossen,
-der, ursprünglich aus Amerika eingeführt, überall um die Häuser
-wächst. Die Eingeborenen ziehn sogenanntes Steinsalz dem gemeinen
-Kochsalz vor; es wird durch Eindampfen von Meerwasser erhalten, das
-vorher durch Asche filtrirt worden. Eine Chinanta (12,6 Zoll-Pfund)
-kostet 1 1/2 bis 2 r. Der Salzverbrauch ist äusserst gering.
-
-Die Genussmittel des Indiers sind Buyo [145] und Zigarren, eine Zigarre
-kostet 1, ein Buyo 0,1 cu. Die Zigarre wird fast nie geraucht, sondern
-in Stücke zerschnitten und mit dem Buyo gekaut, auch die Frauen kauen
-Buyo und Tabak, aber gewöhnlich sehr mässig, sie färben sich auch
-nicht die Zähne schwarz, wie die Malayen, die jungen und hübschen
-putzen sich sogar dieselben fleissig mit der Hülle der Arecanuss, deren
-parallel und eng neben einander liegende starre Fasern im Queerschnitt
-eine vortreffliche Zahnbürste bilden, baden mehrere male täglich, und
-übertreffen an Sauberkeit die Mehrzahl der Europäerinnen. Wohl jeder
-Indier hält sich einen Kampfhahn; selbst wenn er nichts zu essen hat,
-findet er Geld zum Hahnenkampf.
-
-Hausrath: Zum Kochen dient ein irdener Topf für 3-10 cu., beim
-Reiskochen wird er mit einem Bananenblatt fest zugebunden, so dass
-der Dampf einer sehr geringen Wassermenge hinreicht. Ein anderes
-Küchengeräth ist bei Aermeren nicht vorhanden. Reichere haben auch
-einige gusseiserne Pfannen, irdene Töpfe und Schüsseln. Der Heerd
-besteht in den kleineren Häusern aus einer tragbaren irdenen Pfanne
-oder einem flachen Kasten, oft einer alten Zigarrenkiste voll Sand,
-mit drei Steinen, welche als Dreifuss dienen; in den grossen Häusern
-hat der Heerd die Form einer Bettstelle, die statt einer Matratze mit
-Sand oder Asche gefüllt ist. Das Wasser für kleine Haushaltungen wird
-in dicken Bambusen geholt und aufbewahrt; Jedermann besitzt ausserdem
-in seinem Bolo (Waldmesser) ein Universalinstrument, das er in einer
-selbstgefertigten Holzscheide an einer aus Bastfaser nachlässig
-zusammengedrehten Schnur um den Leib trägt. Dies und der Reismörser
-(ein Holzklotz mit einer entsprechenden Vertiefung) sammt Stösser und
-einige Körbe bilden das gesammte Hausgeräth einer ärmeren Familie;
-zuweilen findet sich noch eine grosse Schnecke mit Binsendocht als
-Lampe. Man schläft auf einer Matte von Pandanus oder Buri (Fächerpalme,
-Corypha), wenn eine vorhanden, sonst auf den Bambusspliessen, womit
-das Haus gedielt ist. Oel zur Beleuchtung wird von den Armen fast gar
-nicht verwendet, sondern Harzfackeln, die je 1-2 Tage dauern und auf
-dem Markt für 1/2 cu. verkauft werden.
-
-An Kleidung braucht eine Frau: Camisa de Guinara (kurzes Hemd von
-Abacáfasern), ein Patadíon (Rock der von der Hüfte bis zum Knöchel
-reicht), ein Tuch, einen Kamm. Ein Stück Guinara zu 1 r. giebt 2
-Hemden, die gröbsten Patadíon kosten 3 r., ein Tuch höchstens 1 r.,
-Kamm 2 cu, zusammen 4 Realen 12 cu = 24 Sgr. Die Frauen besserer Klasse
-tragen Camisa 1 bis 2 r, Patadíon 6 r, Tuch 2-3 r., Kamm 2 cu. Der
-Mann trägt Hemd 1 r, Hose 3 r, Hut (Tararura), aus spanischem Rohr,
-10 cu, oder Salacot (grosser Regenhut, häufig verziert) wenigstens
-2 r, oft mit Silberbeschlag bis zum Werthe von 50 Dollar. Es werden
-jährlich wenigstens drei, wohl eher vier Anzüge verbraucht, die Frauen
-pflegen aber fast den ganzen Bedarf für die Familie selbst zu weben.
-
-Arbeitslohn: Für den gewöhnlichen Arbeiter 1 r, kein Essen; Arbeitszeit
-von 6-12 und von 2-6 Uhr. Die Frauen verrichten in der Regel keine
-Feldarbeit, doch pflanzen sie den Reis um und helfen ihn ernten;
-in beiden Fällen ist ihr Lohn gleich dem der Männer. Holz- und
-Stein-Arbeiter erhalten 1,5 r. per Tag, Kalfaterer 1,75 r.
-
-Ein ziemlich gebräuchlicher Kontrakt bei dem Landbau ist der des
-Tercio: der Eigenthümer überlässt das nackte, aber urbar gemachte Land
-für den dritten Theil der Ernte. Einzelne Mestizen besitzen viele
-Grundstücke, aber selten zusammenhängend, da sie ihnen gewöhnlich
-als Schuldpfänder zu einem geringen Theil des Werthes zufallen.
-
-Verdienst einer kleinen Familie: Der Mann verdient täglich 1 r, die
-Frau, wenn sie grobe Stoffe webt 1/4 r. und Essen (1 Stück Guinara
-kostet 1/2 r. Weberlohn und erfordert 2 Tage Arbeit). Die geschickteste
-Weberin feinerer Stoffe erhält für das Stück 12 r. Arbeitslohn; und
-vollendet es in einem Monat, der aber wegen der vielen Feiertage
-im allerhöchsten Fall gleich 24 Arbeitstagen zu rechnen ist, sie
-verdient also 1/2 r. per Tag und Essen. Für das Aneinanderknüpfen
-der Ananasfasern zur Piña-Weberei (Sugot genannt) wird nur 1/8 r. und
-Essen bezahlt.
-
-In allen Pueblos sind Schulen vorhanden. Der Schullehrer wird von
-der Regierung bezahlt, und erhält gewöhnlich 2 Dollars monatlich,
-weder Wohnung noch Beköstigung. In grossen Pueblos steigt das Gehalt
-auf 3 1/2 Dollars, davon muss aber ein Gehülfe besoldet werden. Die
-Schulen stehen unter Aufsicht des Ortsgeistlichen. Es wird Lesen
-und Schreiben gelehrt, die Vorschriften sind spanisch. Der Lehrer
-soll eigentlich seine Schüler spanisch lehren, er versteht es aber
-selbst nicht, andererseits verstehn die spanischen Beamten nicht
-die Landessprache, die Priester aber haben keine Neigung an diesen
-Zuständen zu ändern, die ihrer Macht sehr förderlich sind. Es können
-fast nur solche Indier spanisch, die im Dienst von Europäern gewesen
-sind. Gelesen wird in der Landessprache (bicol) zuerst eine Art
-religiöser Fibel, später die Doctrina cristiana, das Lesebuch heisst
-Casayayan. Durchschnittlich geht die Hälfte aller Kinder in die Schule,
-gewöhnlich vom siebenten bis zehnten Jahr, sie lernen etwas lesen,
-einige auch ein wenig schreiben, vergessen es aber bald wieder; nur
-solche, die später als Schreiber Dienst nehmen, schreiben geläufig und
-haben meist eine gute Handschrift. Einige Pfarrer dulden nicht, dass
-Knaben und Mädchen dieselbe Schule besuchen, in diesem Fall besolden
-sie noch eine besondere Lehrerin mit 1 Dollar monatlich. Rechnen
-lernen die Indier sehr schwer, sie nehmen gewöhnlich Muscheln oder
-Steine zur Hülfe, die sie in Häufchen legen und dann zählen.
-
-Die Frauen heirathen selten vor dem vierzehnten Jahre, -- zwölf
-Jahre ist der gesetzliche Termin. Im Kirchenbuche von Polangui fand
-ich eine Trauung (Januar 1837) verzeichnet zwischen einem Indier und
-einer Indierin, die den ominösen Namen Hilaria Concepcion führte und
-bei Vollziehung der Ehe, wie aus einer Randbemerkung hervorgeht, nur
-9 Jahre und 10 Monate alt war. Es kommt vor, dass Leute ungetraut
-zusammen leben, weil sie die Kosten der Trauung nicht zahlen
-können. Mädchen, die als Geliebte von Europäern Kinder bekommen,
-rechnen es sich fast zur Ehre. Noch mehr ist dies der Fall, wenn das
-Kind vom Pfarrer ist; der Cura erhält immer seine Kinder, aber unter
-angenommenen Namen. In Fällen ehelicher Untreue, die nicht selten
-sind, wird die schuldige Frau gewöhnlich geprügelt, der Verführer
-geht frei aus; fast nie gelangen Beschwerden an das Gericht. Die
-Männer sind meist liederlich. Eine Frau brachte die Geliebte ihres
-Mannes durch Zureden zum Geständniss ihrer Schuld, und schnitt ihr
-darauf mit einer bereit gehaltenen Scheere das ganze Haupthaar ab;
-dies ist das einzige Beispiel von Rache, das in den letzten Jahren
-vorgekommen war. Europäerinnen, ja selbst Mestizinnen, lassen sich,
-nach Versicherung ihrer Männer, nie mit Indiern ein. Die Frauen
-werden im Allgemeinen gut behandelt, verrichten nur leichte Arbeit,
-Nähen, Weben, Sticken, Besorgung des Haushalts; alle schwere Arbeit
-mit Ausnahme des Reisstampfens fällt den Männern zu. Oeffentliche
-Mädchen verkehren mit allen Frauen und verheirathen sich auch oft,
-zuweilen bieten Väter ihre Töchter Europäern an, indem sie ein Darlehn
-erbitten und die Tochter dafür als Näherin in's Haus bringen.
-
-Fälle von hohem Alter sind unter den Indiern, namentlich in Camarínes
-häufig. Das Diario de Manila vom 13. März 1866 berichtet über einen
-Alten in Darága (Albay) den ich wohl gekannt habe: Juan Jacob 1744
-geboren, 1764 verheirathet, 1845 verwittwet, hat bis 1840 viele
-öffentliche Aemter bekleidet, hatte 13 Kinder, von denen 5 leben,
-170 direkte Nachkommen, ist mit 122 Jahren noch rüstig, hat gute
-Augen und Zähne; -- erhielt sieben mal die letzte Oelung!
-
-Die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes werden sorgfältig
-aufbewahrt und unter dem Namen Triaca (Theriacum) als ein besonders
-auch gegen den Biss von Schlangen und tollen Hunden wirksames
-Universalheilmittel aufbewahrt. Es wird auf die Wunde gelegt und
-zugleich eingenommen.
-
-Eine grosse Anzahl Kinder stirbt in den ersten beiden Wochen nach der
-Geburt. Es fehlen darüber alle statistischen Daten, aber nach Ansicht
-eines der ersten Aerzte in Manila kommt wenigstens ein Viertel um. Die
-Ursache soll allein in der grossen Unreinlichkeit und schlechten
-Luft liegen, da in den Stuben der Kranken und Wöchnerinnen Thüren
-und Fenster so dicht verschlossen werden, dass vor Gestank und Hitze
-Gesunde krank werden, Kranke schwer genesen. Früher verstopfte bei
-Geburten der Mann alle Oeffnungen des Hauses, damit Patianac nicht
-eindringe, ein böser Geist der den Wöchnerinnen Unheil bringt und
-die Geburt zu hindern sucht. Der Gebrauch hat sich fort erhalten,
-bei Vielen wohl auch der Aberglaube ohne eingestanden zu werden;
-wo dieser erloschen, hat man in der Furcht vor Zugluft eine neue
-Erklärung für einen alten Brauch gefunden: Beispiele solcher
-Anpassungen finden sich bei allen Völkern. Eine sehr verbreitete
-Krankheit ist die Krätze, doch soll sie nach Versicherung des bereits
-erwähnten Arztes weniger allgemein sein, als Nichtärzte glauben, die
-jene Bezeichnung auf Hautausschläge überhaupt anwenden; an solchen
-haben die Eingeborenen in Folge schlechter Diät sehr zu leiden,
-Bicolindier mehr als Tagalen. [146] Unter gewissen Verhältnissen,
-welche die darüber befragten Aerzte nicht genauer zu bestimmen
-vermochten, können die Eingeborenen weder Hunger noch Durst ertragen
-(davon bin ich mehreremale Zeuge gewesen). Sie sollen, wenn sie in
-solchem Zustande gezwungen sind, das Bedürfniss ungestillt vorüber
-gehn zu lassen, bedenklich erkranken und oft an den Folgen sterben.
-
-Die krankhafte Sucht des Nachahmens, in Java Sakit-latar genannt,
-kommt auch hier vor und heisst Mali-mali. In Java glauben Viele, dass
-die Krankheit nur Verstellung sei, weil die angeblich damit Behafteten
-es vortheilhaft finden, sich vor neu angekommenen Europäern sehn zu
-lassen. Hier aber beobachtete ich ein Beispiel, bei dem wohl keine
-Verstellung vorausgesetzt werden konnte; meine Begleiter benutzten
-den krankhaften Zustand einer armen Alten, die uns begegnete, um auf
-offener Strasse rohe Spässe mit ihr zu treiben. Die Alte ahmte alle
-Bewegungen nach, wie von einem unwiderstehlichen Drang getrieben,
-und äusserte zugleich ihren lebhaftesten Unwillen über die Leute,
-die ihre Schwäche missbrauchten.
-
-
- In R. Maak's Reise nach dem Amur (Puteshestie na Amur pg. 83)
- heisst es: »Nicht gerade selten, leiden auch die Maniagrer an einer
- höchst sonderbaren Nervenkrankheit, mit welcher wir schon gründlich
- bekannt waren durch die Beschreibungen vieler Reisenden. [147]
- Man begegnet dieser Krankheit bei der Mehrzahl der wilden Völker
- Sibiriens, so wie auch bei den dort angesiedelten Russen. Im
- Gebiete der Jakuten, wo dieses Leiden sehr häufig vorkommt,
- sind die damit behafteten, sowohl bei den Russen als den Jakuten
- unter dem Namen Emiura bekannt; hier aber (d. h. in dem Theile
- Sibiriens, wo die Maniagri wohnen) werden dergleichen Kranke von
- den Maniagrern »Olon«, von den Argurischen Kosaken »Olgandshi«
- genannt. Die Anfälle der von mir hier besprochenen Krankheit
- bestehn darin, dass ein daran leidender Mensch, wenn er in
- Schrecken oder Bestürzung geräth, unbewusst und oftmals ohne das
- geringste Schamgefühl alles nachahmt, was vor ihm geschieht. Wird
- ein solcher Mensch geärgert, so geräth er in eine Raserei, die
- sich dadurch äussert, dass er ein wildes Geschrei ausstösst, auf
- andre Weise wüthet und sich sogar mit einem Messer oder irgend
- einem andern Gegenstand, der ihm gerade in die Hände fällt, auf
- diejenigen losstürzt, die ihn in diesen Zustand versetzten. Bei den
- Maniagrern leiden vorzugsweise Frauenspersonen an dieser Krankheit,
- besonders sehr alte; übrigens sind mir auch Beispiele von Männern
- bekannt, welche damit behaftet waren. Bemerkenswerth ist, dass
- die von diesem Leiden heimgesuchten Weiber dessen ungeachtet
- kräftig waren, und sich in allen übrigen Beziehungen einer guten
- Gesundheit erfreuten.«
-
-
-Es ist vielleicht nur ein zufälliges Zusammentreffen, dass in
-den Malayenländern Sakit latar und Amok, wenn auch nicht bei
-demselben Individuum, doch bei denselben Völkern neben einander
-bestehn. Beispiele von Amok scheinen auch in den Philippinen
-vorzukommen. [148] Folgenden Bericht finde ich im Diario de Manila
-vom 21. Februar 1866: In Cavite drang am 18. Februar ein Soldat vom
-8. Regiment in das Haus eines Schullehrers, gerieth mit diesem in
-Streit und erstach ihn, mit einem zweiten Dolchstoss tödtet er den Sohn
-des Lehrers, stürzt auf die Strasse, ersticht zwei junge Mädchen von
-10 bis 12 Jahren, verwundet eine Frau in der Seite, einen neunjährigen
-Knaben im Arm, einen Kutscher (tödtlich) im Unterleib, ferner noch eine
-Frau, einen Matrosen, drei Soldaten. An seiner Kaserne angekommen,
-und von der Schildwache angehalten, stösst er sich selbst den Dolch
-in die Brust . . . Leider steht der Fall nicht vereinzelt da . . .
-
-Es ist eine der grössten Beleidigungen über einen schlafenden
-Eingeborenen zu schreiten, oder ihn schroff zu wecken. Sie wecken
-einander, wenn es durchaus geschehen muss, mit der grössten Rücksicht
-und ganz allmälig. [149]
-
-Der Geruchsinn ist bei den Indiern in so hohem Grade entwickelt, dass
-sie im Stande sind durch Beriechen der Taschentücher zu erkennen,
-welcher Person sie angehören, (Reisesk. pg. 39). Verliebte tauschen
-beim Abschied Stücke getragener Wäsche aus, und schlürfen während
-der Trennung den Geruch des geliebten Wesens ein, ebenso bei dem
-Küssen. [150]
-
-
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-
-
-
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-FUNFZEHNTES KAPITEL
-
- VORGESCHICHTLICHE UEBERRESTE. -- HOHER WERTH ALTER GEFÄSSE. --
- TROPFSTEINHÖHLEN IM YAMTIK. -- REISEN IN NORD-CAMARINES. --
- BERGBAU. -- GOLD. -- BLEIGLANZ. -- ROTHBLEI. -- KUPFER. --
- HÜTTENPROZESS DER YGORROTEN. -- ESSBARE VOGELNESTER.
-
-
-Von Naga aus besuchte ich den Cura von Libmánan (Ligmanan), der
-Dichtertalent und den Ruf eines Naturforschers besass. Er sammelte
-und taufte hübsche Käfer und Muscheln, und widmete den zierlichsten
-kleine Sonette. Er erzählte mir Folgendes:
-
-1851 wurde beim Anlegen einer Strasse etwas unterhalb Libmánan,
-an einer Stelle Poro genannt, 100' vom Fluss entfernt, unter 4'
-Dammerde ein Muschellager aufgegraben. Es bestand aus Cyrenen
-(C. suborbicularis Busch.) einer zur Familie der Cycladen gehörigen
-Gattung von Zweischalern, die nur in warmen Gewässern vorkommt und
-namentlich in den brackischen der Philippinen ausserordentlich häufig
-ist. Bei dieser Gelegenheit fand man in Tiefen von 1 1/2 bis 3 1/2
-Fuss zahlreiche Ueberreste früherer Bewohner: Schädel, Gerippe,
-Knochen von Menschen und Thieren, ein Schenkelbein eines Kindes in
-einer Spirale von Messingdraht steckend, mehrere Hirschgeweihe, schön
-geformte Schüsseln und Gefässe, zum Theil bemalt, wahrscheinlich
-chinesischen Ursprungs, gestreifte Armbänder aus einem weichen
-gypsartigen kupferrothen Gestein, glänzend, als wären sie gefirnisst
-[151]; kleine Messer von Kupfer, aber kein Eisengeräth, mehrere in
-der Mitte durchbohrte breite, flache Steine; [152] auch einen Keil
-aus verkieseltem Holz in einem gespaltenen Baumstamme steckend. Die
-an einer Vertiefung noch deutlich zu erkennende Stelle dürfte,
-bei planmässig fortgesetztem Nachgraben, noch manche interessante
-Ergebnisse liefern. Was nicht unmittelbar zum Gebrauch geeignet,
-wurde an Ort und Stelle vernichtet, das übrige verzettelt. Trotz
-aller Bemühungen gelang es mir nur durch die Güte des Herrn Fociños
-in Naga, ein kleines Gefäss zu erhalten. An der Mündung des Bígajo,
-nicht weit von Libmánan sollen in eben solchem Muschellager ähnliche
-Reste früherer Bewohner, und an der Mündung des Pérlos, westlich
-von Sítio de Póro, 1840 eine Urne mit einem menschlichen Skelet
-gefunden worden sein. Zur Zeit, als ich diese Angaben des Pfarrers
-niederschrieb, waren weder ihm noch mir die in Europa bereits seit
-einigen Jahren in den Pfahldörfern gemachten Entdeckungen geläufig,
-sonst wären diese Aufzeichnungen wohl ausführlicher, vielleicht aber
-weniger unbefangen ausgefallen.
-
-
- Mr. W. A. Franks, der die Güte hatte das Gefäss zu untersuchen,
- ist geneigt es für chinesisch zu halten und erklärt es für
- sehr alt, ohne jedoch das Alter genauer feststellen zu können
- (ähnlich sprach sich ein gelehrter Chinese der Burlingame'schen
- Gesandtschaft aus). Ihm ist nur ein Stück, nämlich ein von Kämpfer
- aus Japan mitgebrachter, im British Museum befindlicher Krug von
- noch festerer Masse bekannt, dessen Farbe, Glasur und Glasurrisse
- (Craquelés) genau mit dem meinigen übereinstimmen. Nach Kämpfer
- fanden die Japanesen dergleichen Krüge im Meer, und schätzten
- sie sehr hoch um ihren Thee darin aufzubewahren.
-
- Morga (f. 135) meldet: »Auf dieser Insel Luzon, besonders in
- den Provinzen Manila, Pampánga, Pangasinán und Ylócos finden
- sich bei den Eingeborenen sehr alte Thonkrüge von dunkelbrauner
- Farbe und nicht von gutem Ansehn, einige von mittlerer Grösse,
- und andre kleiner, mit Zeichen und Stempeln. Sie wissen nicht
- anzugeben, woher sie dieselben erhielten noch zu welcher Zeit;
- denn jetzt werden sie nicht mehr gebracht, noch werden sie in den
- Inseln angefertigt; die Japanesen suchen und schätzen dieselben,
- denn sie haben gefunden, dass die Wurzel eines Krautes, welches
- sie Tscha (Thee) nennen und welche heiss getrunken wird als
- grosse Delikatesse und Arznei, bei den Königen und Herren in
- Japan, sich nicht hält und konservirt ausser in diesen Krügen,
- die in ganz Japan so hoch geschätzt werden, dass es die grössten
- Kostbarkeiten ihrer Wohnzimmer und Kabinette sind, und hat ein
- solcher Krug einen hohen Werth und sie belegen sie auswendig mit
- feinem, mit grosser Kunst getriebenem Golde und sie stecken sie
- in Futterale von Brokat, und es giebt Krüge die auf 2000 Tael zu
- 11 Realen, geschätzt und verkauft werden . . . Die Eingeborenen
- dieser Inseln verkaufen sie an die Japanesen so hoch sie können,
- und bemühen sich sie zu suchen, dieses Gewinnes halber, obgleich
- jetzt wenige gefunden werden wegen des Eifers, mit dem man sie
- aufgesucht hat.«
-
- Als Carletti 1597 von den Philippinen nach Japan kam, wurden
- auf Befehl des Guvernörs sämmtliche Personen an Bord sorgfältig
- untersucht und ward ihnen Todesstrafe angedroht, wenn sie zu
- verheimlichen suchten »gewisse irdene Gefässe, die von den
- Philippinen und andern Inseln jenes Meeres gebracht zu werden
- pflegen,« da der König sie alle kaufen wollte . . . »Dergleichen
- Gefässe gelten bis fünf-, sechs- ja bis zehntausend Scudi das
- Stück, während man sie nicht auf einen Giulio (etwa 1/2 Paolo)
- schätzen möchte.« -- 1615 traf Carletti einen als Gesandten von
- Japan nach Rom geschickten Franziskaner, der ihm versicherte,
- er habe einen der Könige von Japan 130,000 Scudi für ein solches
- Gefäss zahlen sehn -- seine Gefährten bestätigten es. -- Auch
- Carletti giebt als Grund des hohen Preises an, »dass sich das Blatt
- Cia oder Thee, dessen Güte mit dem Alter zunähme, in jenen Krügen
- besser konservire als in allen andern Gefässen. Die Japanesen
- erkennen diese Gefässe sogleich an gewissen Schriftzeichen
- und Stempeln. Sie sind sehr alt und sehr selten und kommen
- nur aus Cambodia, Siam, Cochinchina, den Philippinen und andern
- benachbarten Inseln. Nach dem Aussehn würde man sie auf drei oder
- vier Quatrini (ein paar Dreier) schätzen ... es ist durchaus wahr,
- dass der König und die Fürsten jenes Reiches eine sehr grosse
- Zahl dieser Gefässe besitzen und sie als ihren köstlichsten
- Schatz, höher als andere Kostbarkeiten schätzen -- dass sie mit
- deren Besitz prahlen und aus Eitelkeit einander durch die Menge
- derartiger Gefässe die sie besitzen zu überbieten suchen.« [153]
-
- Auch bei den Dayaks und den Malayen in Borneo werden von vielen
- Reisenden Krüge erwähnt, die aus abergläubischen Ursachen sehr
- übertrieben, zuweilen auf mehrere tausend Dollars geschätzt werden.
-
- St. John [154] erzählt, dass der Datu von Tamparuli (Borneo) Reis
- im Werth von fast 700 £ für einen Krug hergab, und dass derselbe
- Datu einen zweiten Krug von fast fabelhaftem Werth besässe, dieses
- Gefäss sei etwa zwei Fuss hoch, dunkel olivengrün. Der Datu füllt
- beide Krüge mit Wasser, setzt Kräuter und Blumen dazu, und debitirt
- es an alle Kranke der Umgegend. Der berühmteste Krug in Borneo
- ist aber wohl der des Sultans von Brunei, da er nicht nur alle
- schätzbaren Eigenschaften der übrigen Krüge besitzt, sondern sogar
- sprechen kann. St. John sah ihn nicht, da er immer im Frauengemach
- verwahrt wird; der Sultan, ein glaubwürdiger Mann, erzählte ihm
- aber sehr ernsthaft, dass der Krug in der Nacht vor dem Tode
- seiner ersten Frau kläglich geheult habe und bei bevorstehenden
- Unglücksfällen ähnliche Töne von sich gäbe. St. John ist geneigt
- die räthselhafte Erscheinung aus einer vielleicht eigenthümlichen
- Form der Mündung des Gefässes zu erklären, in welcher die darüber
- hinstreichende Zugluft ähnlich wie bei der Aeolsharfe in tönende
- Schwingungen versetzt wird. Gewöhnlich ist das Gefäss in Goldbrokat
- eingewickelt und wird nur enthüllt, wenn es befragt werden soll,
- daher kommt es vielleicht, dass es nur bei feierlicher Gelegenheit
- spricht. St. John berichtet noch, dass früher sogar die Bisayer dem
- Sultan Geschenke brachten und dafür etwas Wasser aus dem heiligen
- Kruge erhielten um ihre Felder damit zu besprengen und sich dadurch
- reiche Ernten zu sichern. Als man den Sultan fragte, ob er seinen
- Krug wohl um 20,000 £ hergeben würde, antwortete er, dass kein
- Gebot in der Welt ihn veranlassen könne sich davon zu trennen.
-
- Morga's Beschreibung passt weder auf das Gefäss von Libmánan
- noch auf den Krug des British Museum, eher noch auf ein unserem
- ethnographischen Museum vor Kurzem aus Japan zugegangenes
- Gefäss. Dieses ist aus braunem Thon, unansehnlich, doch von
- gefälliger Form, aus vielen Bruchstücken zusammengekittet, die
- Fugen sind vergoldet und bilden auf dem dunklen Grunde eine Art
- Netzwerk. Wie hoch dergleichen alte Töpfe, selbst einheimischen
- Ursprungs noch heut in Japan geschätzt werden, zeigt das von einem
- Dolmetscher des deutschen Konsulats verfasste Begleitschreiben:
- »Dieses irdene Gefäss wurde in dem Porzellanfabrikorte Tschisuka
- in der Landschaft Odori, im südlichen Idzumi gefunden, und ist
- ein zu den tausend Gräbern gehöriger Gegenstand . . . dasselbe ist
- von Giogiboosat (berühmtem Buddhisten-Priester) angefertigt, und
- nachdem es dem Himmel verehrt, von ihm begraben worden. Nach den
- Ueberlieferungen des Volkes wurde dieser Platz von Grabhügeln mit
- einem Gedenksteine versehn, das ist jetzt tausend und mehr Jahre
- her . . . Ich hielt mich zum Zweck meiner Studien lange Jahre
- in dem Tempel Sookuk jenes Dorfes auf und fand das Gefäss. Ich
- brachte dasselbe dem Oberpriester Shakudjo, der sehr erfreut
- darüber war, und es immer wie ein Kleinod bei sich trug. Als er
- starb, fiel es mir zu, doch konnte ich es nicht finden. Neulich
- nun als Honkai Oberpriester wurde, sah ich es wieder, und es war
- mir, als wäre ich dem Geiste Shokudjos wieder begegnet. Gross war
- meine Erregung und staunend klatschte ich in die Hände, und so
- oft ich das Kleinod betrachte, gedenke ich, dass es ein Zeichen
- ist, dass der Geist Shokudjos in Honkai wieder auflebt. Deshalb
- habe ich die Geschichte dieses Kleinods aufgeschrieben und gut
- gewahrt. Fudji Kuz Dodjin«.
-
- Freiherr Alexander von Siebold macht mir noch folgende Mittheilung:
- Der Werth, den die Japaner auf derartige Gefässe legen, beruht
- auf deren Verwendung bei den geheimnissvollen Theegesellschaften
- »Cha-no-yu«. Ueber den Ursprung dieser, den Europäern fast noch gar
- nicht bekannten Verbindungen bestehen verschiedene Legenden, ihre
- Hauptblüthezeit aber war unter der Regierung des Kaisers Taikosama,
- der im Jahre 1588 die Gesellschaft der Cha-no-yu zu Kitano bei
- Myako, mit neuen Statuten versehn, wieder einführte. Seine Zwecke
- waren sowohl moralische als politische. In Folge der verheerenden
- Religions- und Bürgerkriege war das ganze Volk entartet und
- verwildert, aller Sinn für Künste und Wissenschaft untergegangen,
- nur die rohe Kraft geachtet, an Stelle der Gesetze herrschte
- das Faustrecht. Der tiefdenkende Taikosama begriff, dass er die
- rohen Gemüther besänftigen, sie wieder an die Künste des Friedens
- gewöhnen müsse, um seinem Lande den Wohlstand, sich und seinen
- Nachkommen die Herrschaft zu sichern. In dieser Absicht rief er
- die Gesellschaft Cha-no-yu auf's Neue in's Leben, versammelte
- die Meister derselben und die Kenner ihrer Gebräuche um sich.
-
- Der Zweck der Cha-no-yu ist, den Menschen den Einflüssen des ihn
- umgebenden irdischen Treibens zu entziehn, in seinem Innern das
- Gefühl vollkommener Ruhe herzustellen, ihn zur Selbstbetrachtung
- zu stimmen; sämmtliche Gebräuche des Cha-no-yu sind auf dieses
- Ziel gerichtet.
-
- In luftige reine Gewänder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich
- die Mitglieder der Cha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm,
- nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens für
- diese Versammlungen hergerichteten Pavillon geführt. Dieser besteht
- aus den kostbarsten Holzarten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die
- Gedanken abziehn könnte, ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine
- mit Pflanzen dichtbewachsene Fenster nur spärlich beleuchtet,
- und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehn kann. Die
- Gäste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten,
- werden vom Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen,
- und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder
- Unterschied des Ranges hört auf. Nun werden die alten Gefässe
- unter feierlichen Zeremonien aus ihren kostbaren Umhüllungen
- hervorgeholt, begrüsst und bewundert; mit eben so feierlichen
- genau vorgeschriebenen Formeln wird das Wasser auf dem dazu
- bestimmten Heerde gekocht, der Thee den Gefässen entnommen, und
- in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus den grünen zu Staub
- zerriebenen jungen Blättern des Theestrauchs, und wirkt sehr
- aufregend. Unter tiefem Schweigen wird der Trank genossen, während
- Weihrauch auf dem erhabenen Ehrenplatz »toko« brennt. Nachdem
- sich der Geist gesammelt, beginnt die Unterhaltung, die sich
- aber nur auf abstrakte Gegenstände erstrecken darf (Politik soll
- indessen nicht immer ausgeschlossen bleiben). Der Preis der bei
- diesen Versammlungen verwendeten Gefässe ist sehr bedeutend,
- und stehn letztere im Werthe unseren theuersten Gemälden nicht
- nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen
- alten Gefässen, statt mit Ländereien, wie sonst üblich. Auch nach
- der jüngsten Revolution wurden einige der hervorragendsten Daimios
- (Fürsten) vom Mikado dafür, dass sie ihm zum Thron seiner Ahnen
- verholfen, mit solchen Cha-no-yu-Gefässen belohnt. Die besten, die
- ich gesehn, waren nicht schön, es waren alte, verwitterte, schwarze
- oder dunkelbraune Krüge mit ziemlich breitem Halse zum Aufbewahren
- des Thees, hohe Tassen aus Craquelé-Porzellan oder Steingut zum
- Trinken des Aufgusses, tiefe breite Wasserbehälter, und alte
- verrostete eiserne Kessel mit Ringen zum Wasserkochen, alles
- höchst einfach von Ansehn, aber in die kostbarsten Seidenstoffe
- eingewickelt und in vergoldeten Lackkasten aufbewahrt. Unter den
- Schätzen des Mikado und des Taikun's, auch in einigen Tempeln
- werden unter den höchsten Kostbarkeiten dergleichen alte Gefässe
- mit Dokumenten über ihre Herkunft aufbewahrt.
-
-
-Von Libmánan besuchte ich den SW. gelegenen Berg Yámtik (Amtik, Hantu)
-[155], der aus Kalk besteht und viele Höhlen enthält. Flussaufwärts
-6 Stunden W. und eine Stunde SSW. zu Fuss, bringen uns zu der kleinen
-von 1000' hohen Kalkbergen umgebenen Visita Bícal, von wo man im Bett
-eines Baches auf einer Sintertreppe zu einer kleinen Höhle emporsteigt,
-in welcher Schaaren von Fledermäusen und grosse langarmige Spinnen
-von der als giftig verrufenen Gattung Phrynus hausen. [156]
-
-Ein dicker, queer über den Weg liegender Baumstamm war von
-einer kleinen Ameise seiner ganzen Ausdehnung nach in Zellen
-zerfressen. Mehrere Eingeborene wagten gar nicht, die andern nur
-schüchtern die Höhle zu betreten, nachdem sie einander die gegen
-Calapnitan zu beobachtenden Rücksichten eingeschärft. [157] Eine
-der Hauptregeln war, in der Höhle keinen Gegenstand zu nennen, ohne
-hinzuzufügen: »Herrn Calapnitan's«, also nicht schlechtweg: Flinte,
-Fackel, sondern Herrn C's Flinte, Fackel . . Tausend Schritt davon
-liegt eine andre Höhle »San Vicente«, welche dieselben Insekten,
-aber eine andre Art Fledermäuse enthält. Beide Höhlen waren nur von
-geringer Ausdehnung, in Libmánan hatte man mir aber von einer sehr
-grossen Tropfsteinhöhle gesprochen, deren Beschreibung, trotz aller
-beigemischten Erdichtungen, wirkliche Anschauung zu Grunde liegen
-musste. Die Führer stellten sich unwissend. Erst nach zweitägigem
-Herumirren und vielen Erörterungen entschlossen sie sich, da ich
-auf meinem Vorhaben bestand, zu dem Wagniss, und geleiteten mich zu
-meinem grossen Erstaunen nach Calapnitans Höhle zurück, von welcher
-eine enge, durch einen Felsenvorsprung verborgene Spalte in eine der
-allerprachtvollsten Tropfsteinhöhlen der Welt führt. Ihr Boden ist
-überall fest und bequem zu betreten, meist trocken. Sie läuft in viele
-Zweige aus, deren Gesammtlänge wahrscheinlich über eine Meile beträgt,
-und machte die Beschreibung, dass sie ganze Reihen von Königssälen
-und Kathedralen mit Säulen, Kanzeln und Altären enthalte, nicht zu
-Schanden. Knochen oder andre Reste waren darin nicht zu finden. Meine
-Absicht später mit Arbeitern zurückzukehren um planmässig nachzugraben
-kam nicht zur Ausführung.
-
-Den Gipfel des Berges zu erreichen, auf dem ein See befindlich sein
-soll, »wo käme sonst das Wasser her?« gelang mir nicht. Zwei Tage
-versuchten wir mit grossen Anstrengungen von verschiedenen Seiten
-durch den dichten Wald zu dringen, der Führer, der in Libmánan
-dem Cura versichert hatte, den Weg zu wissen, erklärte jetzt das
-Gegentheil. Ich liess den bisher Unbelasteten nun zur Strafe einen
-Theil des Gepäcks tragen, an der nächsten Wendung des Pfades aber warf
-er es ab und entsprang, so dass wir zur Umkehr gezwungen wurden. In
-diesen Wäldern sind Hirsche und Wildschweine sehr häufig. Sie bildeten
-den Hauptbestandtheil unserer Malzeiten, zu denen sich, im Anfang
-unseres Zuges, bis gegen 30 Personen einfanden, die angeblich in
-den Zwischenzeiten Schnecken und Insekten mit erfolglosem Eifer für
-mich suchten.
-
-Bei meiner Abreise aus Darága hatte ich einen muntern kleinen Jungen
-mitgenommen, der »Beruf zum Naturforscher« fühlte. In Libmánan kam er
-plötzlich abhanden, mit ihm zugleich ein Bund Schlüssel. Alles Suchen
-war vergebens. Er war direkt nach Naga gegangen, hatte sich, durchs
-Vorzeigen der entwendeten Schlüssel legitimirt, vom Mayordomo meines
-Gastfreundes einen weissen Filzhut ausliefern lassen und war damit
-verschwunden. Schon einmal hatte ich ihn, mit dem Hut sich im Spiegel
-bewundernd, stehn sehn. Die Versuchung war zu gross für ihn gewesen.
-
-Anfang März hatte ich das Vergnügen den Administrador von Camarínes
-und einen spanischen Oberst, die über Daet und Mauban zur Hauptstadt
-reisten, nach Nord-Camarínes zu begleiten. Um 5 Nachm. verliessen wir
-Butúngan am Bicolfluss, 2 Leguas unterhalb Naga, in einer Falúa von 12
-Rudern, mit einem Sechspfünder und zwei Vierpfündern ausgerüstet, von
-Bewaffneten begleitet, und erreichten Cabusáo, am Ausfluss des Bícol,
-bald nach 6, von wo wir gegen 9 in See gingen. Die Falúa gehörte der
-Steuerverwaltung und hatte im Verein mit einer andern, unter dem Befehl
-des Alkalden, die Nordküste der Provinz gegen Schmuggler und Seeräuber
-zu schützen, die in dieser Jahreszeit in den Schlupfwinkeln der Bay
-von San Miguél herum zu liegen pflegen. Zwei ähnliche Kanonenboote
-versahn den Dienst an der Südküste der Provinz.
-
-Die Ufer des Bicolflusses sind auf beiden Seiten flach, und dehnen
-sich zu weiten Reisfeldern aus; im Osten sieht man gleichzeitig die
-schönen Vulkane Mayon, Yriga, Malinao und Ysarog.
-
-Mit Tagesanbruch erreichten wir die Barre von Daet und nach
-zweistündigem Marsche die gleichnamige Hauptstadt der Provinz
-Nord-Camarínes, wo wir im Hause des Alkalden, eines gebildeten
-Navarresen, vortreffliche Aufnahme fanden. -- Nur der zahme Affe,
-der auch die Gäste seines Herrn bewillkommnen sollte, wandte ihnen
-mit angelernter unhöflicher Geberde den Rücken und ging auf die Thür
-zu. Da stellte der Mayordomo einen Spiritusflakon mit einer kleinen
-giftlosen Schlange auf die Schwelle, schnell sprang der Affe zurück
-und verbarg sich zitternd hinter seinem Herrn.
-
-Abends war Ball, es waren aber keine Tänzer vorhanden, einige
-eingeladene Indierinnen sassen im besten Putz schüchtern an einem
-Ende des Saales und tanzten mit einander, wenn sie dazu aufgefordert
-wurden, ohne von den Spaniern beachtet zu werden, die sich am andern
-Ende unterhielten.
-
-Nachdem Festlichkeiten und Regengüsse die Abreise um zwei Tage
-verzögert, brachen wir auf und trabten in einer Stunde mit den muthigen
-Pferden des Alkalden auf ebener Landstrasse NW. nach Talisáy, in einer
-andern Stunde nach Indang, wo Bad und Frühstück bereit standen. Bisher
-hatte ich nie in der Provinz ein Badezimmer im Hause eines Spaniers
-getroffen; bei Nordeuropäern fehlt es nie. Die Spanier scheinen Bäder
-als eine Art Heilmittel zu betrachten, das nur mit Vorsicht gebraucht
-werden darf, vielleicht halten es auch jetzt noch Manche für nicht
-gut christlich; zur Inquisitionszeit galt bekanntlich häufiges Baden
-für ein Kennzeichen der Mohren und war daher durchaus nicht ohne
-Gefahr. Nur in Manila machen die am Pasig Wohnenden eine Ausnahme;
-dort herrscht bei den Familien die Sitte, oder Unsitte mit den Freunden
-des Hauses zusammen in geräumigen Verschlägen Flussbäder zu nehmen.
-
-In Indang endet die Strasse, wir fahren in zwei Kähnen flussabwärts
-bis zur Barre, und erwarten an einer, durch die Liebenswürdigkeit des
-Alkalden reich besetzten Tafel die von unsern Dienern auf schlechten
-Wegen dahin gebrachten Pferde. An der öden Barre erhebt sich, von
-zwei oder drei Fischerhütten und eben so vielen Casuarinen umgeben,
-ein Kastell gegen die Moros, die zum Glück für dasselbe, selten
-so weit westlich gehn, denn es besteht nur aus einer offnen, mit
-Palmenblättern gedeckten Hütte, einer Art Sonnenschirm, auf 15' hohen
-armdicken Stangen. Die dazu gehörigen Kanonen sollen, der Sicherheit
-wegen, vergraben sein. Wir folgen dem Seeufer, das aus kalkigem
-Sande besteht und mit einem Teppich kriechender Strandpflanzen in
-voller Blüthe überzogen ist. Im Waldrande zur linken, viele blühende
-Sträucher und Pandanus mit grossen scharlachrothen Früchten. Nach einer
-Stunde überschreiten wir den Fluss Longos auf einer Fähre, und kommen
-bald darauf an einen Sporn krystallinischen Gebirges, das uns den Weg
-versperrt und als Punta Longos in's Meer ragt. Die Pferde klettern mit
-Mühe hinüber, jenseits finden wir die Fluth schon so hoch gestiegen,
-dass wir knietief im Wasser reiten. Nach Sonnenuntergang setzen wir
-einzeln mit grossem Zeitaufwand in einer elenden Fähre über die breite
-Mündung des Pulundága, wo ein angenehmer Waldweg über einen abermals
-quer vor uns in's Meer fortsetzenden Bergsporn Malangúit uns in 15
-Minuten an die Mündung des Paracáli bringt. Die lange Brücke ist so
-schadhaft, dass wir die Pferde vorsichtig, durch weite Zwischenräume
-getrennt, hinüber leiten müssen; jenseits liegt der Ort Paracáli,
-von wo meine Gefährten die Reise über Mauban nach Manila fortsetzen.
-
-Paracáli und Mambuláo sind zwei, allen Mineralogen wegen der dort
-vorkommenden Rothbleierze wohlbekannte Oertlichkeiten. Am folgenden
-Morgen kehrte ich nach Lóngos zurück. Es zählt nur wenige elende
-Hütten, von Goldwäschern bewohnt, die fast nackt gehn; vielleicht
-weil sie den grössten Theil des Tages im Wasser arbeiten: sie sind
-aber auch sehr arm.
-
-Der Boden besteht aus Schutt, zersetzten Trümmern krystallinischen
-Gesteins, reich an Quarzbruchstücken. Die Arbeiter machen Löcher in den
-Boden 2 1/2 Fuss lang, 2 1/2 Fuss breit, bis 30 Fuss tief. 3 Fuss unter
-der Oberfläche fängt das Gestein gewöhnlich an, goldhaltig zu werden,
-der Gehalt nimmt bis 18 Fuss Tiefe zu und wird dann wieder geringer;
-doch sind diese Verhältnisse sehr unzuverlässig, daher viele fruchtlose
-Versuche. Das Gestein wird in Körben auf Bambusleitern aus den Löchern
-herauf getragen, das Wasser in kleinen Eimern; in der Regenzeit ist
-es aber nicht möglich die Löcher wasserfrei zu halten, da sie am
-Bergabhang liegen und sich schneller füllen, als sie ausgeschöpft
-werden können; der Mangel an Wasserhebevorrichtungen ist auch schuld,
-dass die Gruben nicht tiefer gemacht werden.
-
-Das Pochen des goldhaltigen Gesteins geschieht zwischen zwei Steinen,
-deren einer als Ambos, der andre als Hammer dient. Jener flach, in
-der Mitte etwas vertieft, liegt am Boden, dieser von 4 × 8 × 8 Zoll,
-also von etwa 25 Pfund Gewicht ist mit Rotang an der Spitze eines
-schlanken Bäumchens befestigt, das schräg in einer Gabel liegt und am
-entgegengesetzten Ende im Boden festgemacht ist. Der Arbeiter schnellt
-den als Hammer dienenden Stein auf das goldhaltige Gestein und lässt
-ihn durch die Federkraft des jungen Baumes wieder in die Höhe fahren.
-
-Eben so roh ist die Vorkehrung zum Zermahlen des gepochten Gesteines:
-Aus der Mitte einer kreisförmigen Unterlage -- aus roh behauenen
-Steinen, die mit einem Kranz eben solcher Steine eingefasst ist,
-erhebt sich ein dicker Pfahl, oben mit einem eisernen Stift versehn,
-um welchen ein in der Mitte horizontaler, an beiden Enden abwärts
-gebogener Baum drehbar befestigt ist; durch zwei vorgespannte Büffel
-in Bewegung gesetzt, schleift er mehrere schwere Steine, die durch
-Rotang an ihn fest gebunden sind, im Kreise herum, und mahlt so das mit
-Wasser gemischte vorher gepochte Gestein zu feinem Schlamm. (Bei den
-mexicanischen Goldwäschern ist dieselbe Vorrichtung unter dem Namen
-Rastra in Gebrauch.) Das Auswaschen des Schlammes geschieht durch
-Frauen. Sie knieen auf einer Seite einer schmalen bis an den Rand
-mit Wasser gefüllten Holzrinne, an deren entgegengesetzter Seite,
-jeder Arbeiterin gegenüber, ein schräges nach abwärts geneigtes
-Brett befestigt wird; die Rinne ist an diesen Stellen entsprechend
-ausgeschnitten, so dass ein sehr dünner Wasserstreifen ununterbrochen
-der ganzen Breite nach über das Brett fliesst. Die Arbeiterin vertheilt
-den goldhaltigen Schlamm mit der Hand über das am untern Rande mit
-einer Querleiste versehene Brett, der leichte Sand wird fortgewaschen,
-es bleibt eine dunkle, hauptsächlich aus Eisen-Kiesen und -Erzen
-bestehende Schicht zurück, die von Zeit zu Zeit mit einem flachen
-Span aufgenommen, bei Seite gelegt, und zum Schluss des Tagewerks
-in einer flachen Holzschüssel (batea), zuletzt in einer Kokosschale,
-ausgewaschen wird, wobei sich im glücklichen Fall ein feines gelbes
-Pulver am Rande zeigt. [158] Bei der letzten Wäsche wird dem Wasser
-der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt
-darin länger schweben als in blossem Wasser und lässt sich somit
-leichter vom Goldpulver trennen. [159]
-
-Es ist noch zu erwähnen, dass der aus den Gruben kommende Schutt am
-obern Ende der Wasserrinne gewaschen wird, damit der Sand, der den zum
-Pochen bestimmten Steinen anhaftet, sein Gold in der Rinne oder auf dem
-Waschbrett absetzen könne. Um das gewonnene Goldpulver zu einem Klumpen
-zusammen zu schmelzen, in welcher Form es die Händler kaufen, wird
-es in die Schale einer kleinen Herzmuschel (Cardium) gespült und von
-einer Handvoll Holzkohlen umgeben, in einen Topfscherben gestellt. Eine
-Frau bläst durch ein enges Bambusrohr auf die entzündeten Kohlen;
-in einer Minute ist die Arbeit vollendet. [160] Nach vielfältigen
-Erkundigungen soll der Ertrag per Kopf durchschnittlich nicht über 1
-1/2 r. täglich betragen. Weiter SO. von hier im Berg Malagúit sieht man
-die Reste eines zu Grunde gegangenen spanischen Aktienunternehmens,
-eine Schutthalde, eine 50' tiefe Grube, ein grosses zerfallenes
-Haus und einen 4' breiten 6' hohen Stollen. Das Gebirge besteht aus
-sehr zersetztem Gneiss mit Quarzgängen, im Stollen mit Ausnahme der
-Quarzbänder fast reine Thonerde mit Sand.
-
-An den Wänden hafteten einige essbare Salanganennester, aber nicht
-von derselben Art wie in den Höhlen der Südküste von Java. [161] Die
-hiesigen, viel weniger werthvoll als jene, werden nur gelegentlich
-für chinesische Händler gesammelt, die das Stück angeblich mit 5
-Cents bezahlen. Auch von den die Nester bauenden Vögeln, (Collocalia
-troglodytes Gray) gelang es einige zu fangen. [162] Ringsum liegt eine
-so grosse Zahl von Indiern bearbeiteter, dann verlassener kleiner
-Gruben, halb oder ganz zerfallen, mehr oder weniger bewachsen, dass
-man sich mit Vorsicht dazwischen bewegen muss. Einige Gruben werden
-noch betrieben, ähnlich wie bei Longos, jedoch mit einigen kleinen
-Verbesserungen. Die Gruben sind doppelt so gross als jene, das
-Gestein wird mit einer Winde herauf gefördert, einem walzenförmigen
-Bambusgerippe, das von einem auf einer höheren Bank sitzenden Jungen
-mit den Füssen getreten wird.
-
-Zehn Minuten N. vom Dorf Malagúit liegt ein Berg, in welchem Bleiglanz
-und Rothblei gewonnen worden sind. Das Gestein besteht aus sehr
-zersetztem glimmerreichem Gneiss. Es ist ein über 100' langer Stollen
-vorhanden. Das Gestein scheint sehr arm gewesen zu sein.
-
-Auf der Kuppe dieses selben Hügels, N. 30° W. vom Dorf, sind die
-berühmten Rothbleierze gefunden worden. Die Grube war eingestürzt,
-vom Regen zugeschwemmt, so dass nur noch eine flache Vertiefung
-im Boden zu sehn war; nach langem Suchen gelang es zwischen dem
-darauf wachsenden Gestrüpp einige kleine Bruchstücke zu finden, auf
-denen noch Chrombleierz deutlich zu erkennen war. Kapitän Sabino,
-der ehemalige Gobernadorcillo von Paracáli, ein wohlunterrichteter
-Indier, der mich auf Veranlassung des Alkalden begleitete, hatte aber
-vor einigen Jahren graben lassen um Probestücke für einen Spekulanten
-zu erhalten, der darauf ein neues Aktienunternehmen in Spanien zu
-gründen beabsichtigte. Die gefundenen Proben wurden indessen nicht
-abgenommen, da Philippinische Bergwerksaktien inzwischen an der
-Madrider Börse in Misskredit gerathen waren. Leider war, ausser
-einigen kleinen Drusen, nur noch ein Kistchen voll Sand vorhanden,
-bestimmt, zerklopft, als bunter Streusand verkauft zu werden. Durch
-Aussieben wurde alles Brauchbare gerettet.
-
-Auf diesem Hügel kommt eine besonders schöne Fächerpalme vor; ihr
-Stamm ist 30 bis 40' hoch, zylindrisch, dunkelbraun mit 1/4 Zoll
-breiten weissen Ringen in Abständen von 4 Zoll; und in gleichen
-Zwischenräumen kronenartige Bänder von 2 Zoll langen schwarzen
-Stacheln; gegen die Blattkrone geht der Stamm in das reiche Braun
-der gebrannten Sienna über.
-
-Von Paracali führt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt
-abwechselnd am Seestrand und durch schönen Wald in 3 1/2 Stunde nach
-Mambuláo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte
-mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen
-verschliessbaren. Zur grössern Sicherheit soll das Pulver in eine
-Ecke getragen, mit einer Büffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht,
-wie ich angeordnet; mein Diener hält dabei ein brennendes Talglicht,
-sein Gehülfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen
-Priester besuche, werde ich von einem jungen Mädchen freundlich
-begrüsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks:
-»tengo las sarnas« (ich habe die Krätze). Die in den Philippinen sehr
-verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu
-haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krätzflecke gesehn zu
-haben. (Vergl. S. 130.)
-
-1/4 Legua NNO. stösst man auf die Ruinen einer andern
-Aktienunternehmung, der Ancla de Oro. Schacht und Stollen waren
-eingefallen und dicht bewachsen; von den beträchtlichen Gebäuden
-standen nur noch wenige dem Einsturz nahe Reste. Ringsum waren Indier
-beschäftigt auf ihre Weise einige Goldkörnchen zusammen zu lesen. Das
-bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Gestein ist Gneiss, einige tausend
-Schritt jenseits steht solcher deutlich krystallinisch an.
-
-1/2 Legua N. b. O. von Mambulao liegt der Bleiberg Diniánan. Auch
-hier waren alle Werke eingestürzt, zugeschlämmt, bewachsen. Erst nach
-langem Suchen wurden wenige Bruchstücke mit Spuren von Rothbleierz
-aufgefunden. Dieser Berg besteht aus Hornblendegestein, an einer
-Stelle sehr schöner grosskrystallinischer Hornblendeschiefer.
-
-1 1/2 Legua S. von Mambulao deutet eine flache Bodenvertiefung im
-dichten Walde die Stelle einer ehemaligen Kupfergrube an, die 84'
-tief gewesen sein soll. Kupfererze finden sich in Luzon an mehreren
-Orten. Proben gediegen vorkommenden Kupfers erhielt ich von der Bucht
-von Lúyang nördlich der Enseñada de Patág, in Caramúan.
-
-Sehr beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen kommen bei Mancayán,
-im Distrikt Lepanto, im Zentralgebirge von Luzon zwischen Cagayán
-und Ilócos vor und werden seit Mitte der 50er Jahre von einer
-Aktiengesellschaft in Manila ausgebeutet. Das Unternehmen scheint
-indessen bis jetzt ziemlich erfolglos. 1867 hatte die Gesellschaft ein
-beträchtliches Anlagekapital verausgabt, Schmelzöfen und hydraulische
-Betriebsmaschinen errichtet, es war ihr aber bis ganz vor Kurzem
-wegen der örtlichen Schwierigkeiten, namentlich des Strassenmangels,
-nicht gelungen Kupfer darzustellen. [163]
-
-1869 hörte ich in London, der Betrieb sei ganz aufgegeben worden; nach
-den neuesten Nachrichten geht er zwar fort, die Aktionäre haben aber
-nie eine Dividende in unserem Sinne erhalten, auch der Abschluss von
-1872 ergiebt wieder Verlust oder wie die schönredenden Spanier sagen,
-einen dividendo pasivo.
-
-Was den Europäern bisher nicht gelungen zu sein scheint, haben indessen
-die wilden Ygorroten, die jenes unwegsame Gebirge bewohnen, schon seit
-Jahrhunderten mit Erfolg und in verhältnissmässig grosser Ausdehnung
-betrieben und dies ist um so bemerkenswerther als das Metall in jenem
-Gebiete fast nur in Form von Kiesen vorkommt, die auch in Europa
-nur durch umständliche Verfahren und nicht ohne Zuschlag verwerthet
-werden könnten.
-
-Man schätzt das von 1840 bis 1855 durch die Ygorroten in den Handel
-gebrachte Kupfer, theils roh, theils verarbeitet, auf jährlich
-300 Picos; auch die Ausdehnung der unterirdischen Erdarbeiten und
-die bedeutende Menge vorhandener Schlacken deuten auf einen lange
-bestehenden beträchtlichen Betrieb.
-
-Die Zeichnung stellt einen von jenen wilden Stämmen angefertigten
-kupfernen Kessel dar, der sich im Berliner ethnographischen Museum
-befindet. Meyen, der ihn mitgebracht, berichtet, dass er von den
-Negritos im Innern der Insel verfertigt sei, und zwar mit Hämmern von
-Porphyr, da ihnen das Eisen fehle, in der Sammlung des General-Kapitäns
-der Philippinen habe sich noch ein grosser flacher Kessel von 3 1/2
-Fuss Durchmesser befunden, der für nur 3 Dollar gekauft worden,
-woraus zu schliessen sei, dass das Kupfer im Innern der Insel in
-grossen Massen vorkommen müsse, vielleicht sogar gediegen, denn wie
-sollten jene ganz rohen ungebildeten Neger die Kunst das Kupfer zu
-schmelzen verstehn? Der Ort jener reichen Gruben war dem Guvernör noch
-unbekannt, obgleich die von dort kommenden kupfernen Geräthschaften
-nach einem amtlichen Berichte desselben Guvernörs (von 1833) schon
-seit zwei Jahrhunderten in Manila gebräuchlich waren. Jetzt weiss
-man, dass die Kupferschmiede nicht Negritos sondern Ygorroten sind
-und zweifelt nicht, dass sie diese Kunst und die viel schwierigere,
-metallisches Kupfer aus Kiesen darzustellen, wohl schon lange vor
-Ankunft der Spanier übten; wahrscheinlich haben sie dieselbe von den
-Chinesen oder Japanesen gelernt. Der Ober-Ingeniör Santos [164] und mit
-ihm viele Andere sind der Ansicht, dass jener Volksstamm von Chinesen
-oder Japanesen abstamme, von denen er nicht nur seine Gesichtszüge
-(mehrere Reisende erwähnen die schiefstehenden Augen der Ygorroten),
-seine Götzen und einige seiner Gebräuche, sondern auch die Kunst
-Kupfer zu bereiten herleite.
-
-Jedenfalls ist die Thatsache, dass ein wildes, isolirt im Gebirge
-lebendes Volk in der Hüttenkunde soweit vorgeschritten sei, von so
-grossem Interesse, dass eine Beschreibung ihres Verfahrens nach Santos
-(im wesentlichen nur eine Wiederholung einer früheren von Hernandez,
-in der Revista minera I. 112.) gewiss willkommen sein wird.
-
-
- Das gegenwärtig von der erwähnten Aktiengesellschaft, Sociedad
- minero-metalurgica cantabro-filipina de Mancayan, erworbene
- erzführende Gebiet war bei den Ygorroten in grössere oder kleinere
- Parzellen, je nach der Volkszahl der anliegenden Dorfschaften
- eingetheilt deren Grenzen eifersüchtig gehütet wurden. Das
- Besitzthum eines jeden Dorfes war wiederum unter bestimmte
- Familien vertheilt, weshalb jene Bergdistrikte noch heut den
- Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung des Erzes bedienten
- sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer
- anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen
- erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Fels zu
- zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen
- selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und höhete
- den Boden auf, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme
- der Holzstösse stets die Decke traf. Wegen der Beschaffenheit
- des Gesteines und der Unvollkommenheiten des Verfahrens fanden
- häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze wurden in reiche
- und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres verschmolzen,
- diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung unterworfen,
- wobei nachdem sich ein Theil des Schwefels, Antimons und Arsen's
- verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer und
- Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln an
- der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum grössten Theil
- abgelöst werden konnten. [165]
-
- Die Oefen oder Schmelzvorrichtungen bestanden aus einer
- runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten 0m[P2: 0m] 30
- Durchmesser bei 0m[P2: 0m] 15 Tiefe. Eine damit in Verbindung
- stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse)
- von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die
- unteren Enden zweier ausgehöhlten Fichtenstämme eingepasst waren,
- in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trocknem Grase oder Federn
- bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten, und die für
- das Schmelzen erforderliche Luft zuführten.
-
- Wenn die Ygorroten Schwarzkupfer oder gediegen Kupfer erblasen
- hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem
- sie einen Tiegel aus gutem feuerfesten Thon in Gestalt eines Helmes
- aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward , das Metall in Formen
- zu giessen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem der Ofen
- hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18 bis 20 Kg. reichen oder
- gerösteten Erzes, das nach Hernandez wiederholten Versuchen über
- 20% Kupfer enthielt, und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich,
- indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse also dem Luftzuge
- ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die
- aus losen zur Höhe von 0m50 übereinander geschichteten Steinen
- bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene
- Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe,
- weisse und oraniengelbe von der theilweisen Verflüchtigung des
- Schwefels Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach
- Verlauf einer Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige
- Säure bildete, und die Hitze den höchsten, bei diesem Verfahren
- möglichen Grad erreicht hatte, das Blasen eingestellt und das
- Produkt herausgenommen wurde. Dies bestand aus einer Schlacke
- oder vielmehr aus den eingetragenen Erzstücken selbst, die wegen
- des Kieselgehaltes des Ganggesteines sich bei der Zersetzung
- des Schwefelmetalls in eine poröse Masse verwandelten (und sich
- nicht verschlacken und kieselsaure Verbindungen eingehn konnten,
- weil es sowohl an Basen als an der erforderlichen Hitze gebrach);
- ferner aus einem sehr unreinen »Stein« von 4 bis 5 Kg. Gewicht
- und etwa 50 bis 60% Kupfergehalt.
-
- Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12 bis 15 Stunden lang in
- starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein grosser
- Theil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben
- Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und zwar
- ebenfalls so, dass sie sich im Kontakt mit der Luft, die Kohlen
- dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten, nachdem
- sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken ein
- Silikat von Eisen mit Antimon und Spuren von Arsen, einen »Stein«
- von 70 bis 75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben
- abhoben (Konzentrationsstein) indem sie die Abkühlungsflächen
- benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse mehr
- oder weniger entschwefelt war, eine grössere oder geringere Menge
- (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück.
-
- Die durch diesen zweiten Prozess gewonnenen Konzentrationssteine
- wurden abermals geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte,
- damit sie nicht an einander schmelzen konnten bevor sie das Feuer
- von den Unreinigkeiten befreit hatte.
-
- Das bei der zweiten Beschickung erhaltene Schwarzkupfer und die
- bei eben dieser Operation niedergeschmolzenen Steine wurden in
- demselben (durch Bruchsteine verengten und mit einem Schmelztiegel
- versehenen) Ofen einer dritten Operation unterworfen, die eine
- Schlacke von kieselsaurem Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte,
- das in Thonformen ausgegossen wurde und in dieser Gestalt
- in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer enthielt 92 bis 94%
- Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre gelbe Farbe
- gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben Metalles, und
- das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche entstandene Oxyd,
- das sich stets bildete trotz der angewandten Vorsichtsmaasregel,
- die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit grünen Zweigen zu
- peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von Kesseln, Pfeifen
- und anderem häuslichen Geräth oder Schmuck dienen sollte, die
- von den Ygorroten mit so grosser Geschicklichkeit und Geduld
- ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozess unterworfen,
- der sich nur dadurch von dem vorhergehenden unterschied, dass
- man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom vermehrte, in
- dem Maasse als der Schmelzprozess sich seinem Ende näherte, was
- die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch Oxydation zur
- Folge hatte. Durch wiederholte Versuche fand Santos, dass selbst
- bei Erzen von 20% mittlerem Gehalt nur 8 bis 10% Schwarzkupfer aus
- der dritten Operation erzielt wurden, so dass also in den Schlacken
- oder porösen Quarzen der ersten Operation 8 bis 12% zurückblieben.
-
-
-Es war schwierig zur Rückreise nach Paracáli die nöthigen
-Transportmittel für mein Gepäck zu erlangen, da die Wege durch
-anhaltende Regen so aufgeweicht waren, dass Niemand sein Vieh hergeben
-mochte. In Mambuláo ist der Einfluss der westlich angrenzenden
-Provinz schon sehr wahrnehmbar: Tagalisch wird fast besser als Bicol
-verstanden; unter der Bevölkerung macht sich das tagalische Element
-durch hübsche Frauen geltend, die mit ihrer Familie von Lucban und
-Mauban hierherkommen um Handel zu treiben. Sie kaufen das Gold auf
-und führen dagegen Stoffe und andre Waaren ein. Das gewonnene Gold
-ist in der Regel 15 bis 16 karätig; der Strich entscheidet über
-den Feingehalt. Die Händler zahlen durchschnittlich für die Unze 11
-Dollar, wenn es aber wie gewöhnlich, in geringeren Mengen als eine
-Unze feilgeboten wird, nur 10 Dollar [166]; sie wägen mit kleinen
-römischen Wagen und stehn nicht im Ruf grosser Rechtlichkeit.
-
-Nord-Camarínes ist spärlich bewohnt, in den Bergbaudistrikten hat
-die Bevölkerung abgenommen, seitdem die vielen durch Aktienschwindel
-künstlich in's Leben gerufenen Unternehmungen zu Grunde gegangen. Die
-Goldwäscher sind meist liederlich und verschuldet, sie hoffen
-fortwährend auf reiche Funde, die nur äusserst selten vorkommen
-und dann gewöhnlich gleich verprasst werden, daher findet man auch
-Champagner und andre Luxusgegenstände in den Läden der sehr ärmlichen
-Dörfer.
-
-Malagúit und Matángo sollen in der trocknen Jahreszeit durch einen
-ziemlich guten Weg verbunden sein, jetzt trennte eine Schlammpfütze,
-in welcher die Pferde bis zum Bauch einsanken, beide Ortschaften.
-
-In Lábo, einem Dörfchen am rechten Ufer des Laboflusses, der
-dem gleichnamigen Berge entspringt, wiederholen sich die oben
-mehrfach geschilderten Verhältnisse: schnellverschwindende Spuren
-der Werke früherer Aktiengesellschaften, dazwischen kleine von
-Indiern bearbeitete Gruben. Rothblei ist hier nicht gefunden
-worden, aber Gold und besonders »Platina«, das sich aber durch
-Besichtigung einiger Proben als Bleiglanz erweist. Der Berg Labo
-scheint nach seiner Glockenform und den Geschieben im Flussbett aus
-Hornblendetrachyt zu bestehn. 1/2 Legua WSW. durch fusstiefen Schlamm
-watend erreichen wir den Berg Dallas, wo ehemals Bleiglanz und Gold
-von einer Aktiengesellschaft, jetzt Gold von wenigen Indiern auf die
-mehrfach erwähnte Weise gewonnen wurde.
-
-Es gelang mir weder in dieser Provinz noch in Manila näheres über
-die Geschichte der vielen verunglückten Bergbauunternehmungen
-zu erfahren. So viel aber scheint festzustehn, dass sie nur von
-Spekulanten in's Leben gerufen, niemals mit genügenden Mitteln
-sachkundig betrieben worden sind und verfallen mussten sobald die
-Spekulanten ihre Aktien untergebracht hatten.
-
-Ausser dem wenigen von den Indiern auf so unergiebige Weise gewonnenen
-Golde, liefert Nord-Camarínes jetzt kein Metall. Anfänglich erhob
-der König von Spanien ein Fünftel, dann einen Zehnten vom Golde,
-später hörte die Abgabe auf. Zu Morgas Zeit betrug der Zehnten
-durchschnittlich 10,000 Doll. (»denn viel wird verheimlicht«), die
-Ausbeute also über 100,000 Doll. Gemelli Carreri (S. 443) erfuhr vom
-Guvernör von Manila, dass jährlich 200,000 Doll. Werth an Gold, ohne
-Hülfe von Feuer oder Quecksilber gesammelt werde, und dass Paracáli
-besonders goldreich sei. Zur Schätzung der gegenwärtigen Erträge fehlen
-mir alle Daten. Die auf viele Anfragen erhaltenen Antworten verdienen
-keine Erwähnung. Sehr gering sind die Erträge jedenfalls, sowohl
-wegen der Unvollkommenheit des Verfahrens, als der Unbeständigkeit der
-Arbeit, denn die Indier arbeiten nur, wenn die Noth sie dazu zwingt.
-
-In einem Nachen kehrte ich stromabwärts nach Indang zurück, einem
-verhältnissmässig blühenden Ort, mit geringerer Bevölkerung, aber
-bedeutenderem Handel als Daet; die Ausfuhr besteht vorzüglich aus
-Abaca, die Einfuhr aus Reis.
-
-Nach den Mittheilungen eines alten Schiffers, der viele Jahre lang an
-dieser Küste fährt, herrschen dieselben Winde von Daet bis zum Cap
-Engaño, der NO. Spitze Luzons: Von Oktober bis März der Nordost,
-hier der Regen-Monsun, mit Nordwinden beginnend, die von kurzer
-Dauer sind und bald in NO. übergehn; im Januar und Februar treten
-Ostwinde ein und beschliessen den Monsun; die stärksten Regen fallen
-von Oktober bis Januar, im Oktober kommen zuweilen Taifune vor. Sie
-fangen an mit N. oder NO., gehn nach NW. wo sie am heftigsten sind,
-dann durch N. und O. zuweilen bis SO. und selbst S. -- März, April,
-mitunter auch Anfang Mai wehen Wechselwinde, sie leiten den SW.-Monsun,
-die von Regenschauern unterbrochene trockene Jahreszeit ein. Am
-trockensten sind April und Mai. Gewitter kommen von Juni bis November,
-am häufigsten im August vor. Im SW.-Monsun ist das Meer sehr ruhig,
-in der Mitte des NO.-Monsuns hört alle Schifffahrt an der Ostküste
-auf. In der Umgegend von Balér wird der Reis im Oktober gesäet,
-im März oder April geerntet. Bergreis wird nicht gebaut.
-
-
-
-
-
-
-
-
-SECHSZEHNTES KAPITEL
-
- REISE LÄNGS DER KÜSTE VON CAMARINES. -- ANDRINGEN DES MEERES. --
- ZERSTÖRTER PALMENWALD. -- PASACAO. -- SCHLECHTE STRASSEN.
-
-
-Von Daét sandte ich mein Gepäck in einem Schoner nach Cabusáo und
-setzte den Weg dahin zu Fuss, an der Küste, dem Westrande der Bay
-von S. Miguél, fort. Wir fuhren in einem Boote über die Flussmündung,
-die Pferde folgten schwimmend, wurden aber bald wegen Untauglichkeit
-zurückgelassen. An der nächsten Flussmündung Sácavin war das Wasser so
-hoch, dass sich die Träger nackt auszogen und das Gepäck auf dem Kopfe
-hinübertrugen: in einfacher Jacke und Hose von Kattun fand ich diese
-Vorsicht überflüssig; es ist im Gegentheil bei hoher gleichmässiger
-Temperatur nach meiner Erfahrung erfrischend und zuträglich in nassen
-Kleidern zu gehn, auch spart man dadurch manchen Sprung über Gräben,
-manchen Umweg um Pfützen, die man, einmal durchnässt, nicht mehr
-fürchtet. Nachdem wir noch acht kleine Flüsse durchwatet, mussten wir
-den Strand verlassen und auf steilen schlüpfrigen Waldpfaden den Weg
-nach Colási fortsetzen, das gerade in der Mitte des Westrandes der
-Bay liegt. Der Seestrand war sehr schön: statt eines einförmigen,
-bei Ebbe übelriechenden Rhizophorensaumes, der dort nie fehlt,
-wo das Land in's Meer hineinwächst, reichen hier die Wellen an
-den Fuss der alten Waldbäume, deren viele unterwaschen sind. Am
-bemerkenswerthesten war ein Saum alter stattlicher, mit Orchideen
-und andern Epiphyten behangener Barringtonien, prachtvolle Bäume
-wenn sie in Blüthe stehn und die 5 Zoll langen rothen Staubfäden mit
-goldgelben Antheren wie Quasten von den Zweigen herabhängen; durch ihre
-faustgrossen Früchte sind sie dem Fischer zwiefach nützlich, der sie
-ihres geringen spezifischen Gewichtes wegen zum Flottiren der Netze,
-zerklopft zum Betäuben der Fische verwendet. Die vordersten Bäume
-standen schief gegen das Meer geneigt, und sind wohl schon längst
-verschlungen, gleich vielen andern, deren Wrack noch aus dem Wasser
-hervorragte. Die Zerstörung dieser Küste scheint sehr beträchtlich zu
-sein. Unter den kletternden Palmen war eine eigenthümliche Art sehr
-häufig, deren armdicker Stamm sich blätterlos am Boden hinschleppte
-oder in Bögen über die Aeste hing, und nur an seinem Ende eine
-Blattkrone trug. Eine andre, vom Habitus gewöhnlicher Calamus, hatte
-Caryota-Blätter. Wildschweine sind hier sehr häufig; ein Jäger bot
-uns deren zwei, das Stück zu einem Real an.
-
-Die Richtung der seit der Spitze von Daét NNW. SSO. streichenden
-flachen Küste wird hier durch den nach O. hinaus tretenden kleinen
-Pik von Colási unterbrochen, der so schnell wachsen soll, dass alle
-älteren Leute ihn niedriger gekannt haben wollen. In der Visita Colási,
-am Nordabhange des Gebirges, ist das Meer so wild, dass kein Boot sich
-halten kann. Die Bewohner treiben zwar Fischfang, ihre Fahrzeuge liegen
-aber am Südabhange des Berges, in der geschützten Bucht Lalauígan,
-die wir nach dreistündigem Marsche über das Joch erreichten.
-
-Ein hier gemiethetes vierruderiges Baroto wollte uns, da das Wetter
-günstig, in zwei Stunden nach Cabusáo, dem Hafen von Naga bringen,
-aber der Wind schlug um, es stürmte; durchnässt, nicht ohne Haverei,
-flüchteten wir nach Barcelonéta, einer im Drittel der Entfernung
-gelegenen Visita. Auch der hier angetroffene einsichtsvolle Teniente
-von Colási bestätigte das schnelle Wachsen des kleinen Piks.
-
-Gegen meinen Wunsch den Berg zu besteigen wurden grosse Schwierigkeiten
-geltend gemacht; schwerlich könne es in den nächsten Wochen geschehn,
-weil Alle mit Vorbereitungen zum Osterfest beschäftigt seien. Da
-mich diese Einwendungen nicht überzeugten, so fand sich am nächsten
-Morgen ein triftigerer Grund. Inländische Schuhe sind im Schlamm,
-namentlich zu Pferde, wohl zu brauchen; beim Bergsteigen aber, auf
-rauhem Boden, halten sie nicht einen Tag. Das einzige noch übrige Paar
-starker europäischer Schuhe, das ich für besondere Zwecke aufgespart,
-hatte mein Bedienter, der nicht gern Berge stieg, verschenkt, weil
-er fürchtete sie möchten viel zu schwer für mich sein.
-
-Von Barcelonéta bis Cabusáo behält der Strand denselben Charakter
-wie zwischen Daét und Colási. Seine Richtung ist aber NS. Der Boden,
-sandiger Thon, ist mit einer dicken Schicht zerbrochener Zweischaler
-bedeckt. Der Weg war sehr beschwerlich, da die hohe Fluth uns zwang
-zwischen Bäumen und dichtem Unterholz zu klettern. Unterwegs trafen
-wir eine unternehmende Familie, die von Daét abgefahren, um Kokosnüsse
-nach Naga zu bringen, hier Schiffbruch gelitten hatte. [167] Von 5
-Tinajas Oel hatten sie nur eine, die Nüsse aber alle gerettet. Sie
-lebten in einer kleinen schnell erbauten Hütte, von Kokosnüssen, Reis,
-Fischen und Muscheln, auf günstigen Wind zur Rückkehr wartend. Es giebt
-hier eine grosse Manchfaltigkeit von Strandvögeln, aber meine Flinte
-ging nicht los, obgleich sie mein Diener, in Aussicht auf die Jagd,
-mit besonderer Sorgfalt geputzt hatte; die Ladung konnte, da er beim
-Putzen den Ladestock verloren, erst in Cabusáo herausgezogen werden,
-wobei sich ergab, dass beide Läufe unten bis über das Zündloch voll
-Sand waren.
-
-Das Gestade war noch schöner als am vorigen Tage, namentlich an
-einer Stelle, wo die Brandung gegen einen Wald von Fächerpalmen
-(Corypha sp.) anprallte. An der dem Meer zugekehrten Seite standen
-die Bäume, ihrer Kronen beraubt, in Gruppen oder Reihen, oder lagen
-umgestürzt, wie Säulen gewaltiger Tempelruinen (einige derselben
-hatten drei Fuss Durchmesser). Der Anblick erinnerte unmittelbar an
-Pompeji. Ich konnte mir die Ursache der Kahlheit der Stämme nicht
-erklären, bis ich mitten unter den Palmen eine Hütte entdeckte, in
-welcher zwei Männer bemüht waren den Wogen in ihrem Zerstörungswerk
-zuvor zu kommen, durch Bereitung von Zucker (tunguleh). Zu dem Zweck
-wird nach Entfernung der Blätter, da diese Palme terminal blüht, das
-obere Ende des Stammes queer abgeschnitten, die Schnittfläche ist
-ein wenig (etwa 5°) gegen den Horizont geneigt und nach dem untern
-Rand hin zu einer sehr flachen Rinne ausgetieft. Der Saft quillt aus
-der ganzen Schnittfläche, mit Ausnahme der durchschnittenen äussern
-Blattstiele, sammelt sich in der flachen Rinne und wird von da auf
-einem zwei Zoll breiten, vier Zoll langen Stück Bananenblatt in ein
-am Stamm hängendes Bambusrohr geleitet. Um den hervorquellenden Saft
-gegen Regen zu schützen, ist jeder angezapfte Baum mit einer Kappe
-aus einem dütenförmig zusammengebogenen Palmenblatt bedeckt. Der
-Saft hat einen schwachen, angenehm aromatischen Beigeschmack von
-Karamell. Ein Baum liefert täglich im Durchschnitt vier Bambusen
-voll Tuba, die Bambusen haben gegen 3 1/2 Zoll innern Durchmesser,
-und sind, wenn sie abgenommen werden, etwa 18 Zoll hoch gefüllt,
-dies gäbe etwas über 10 Quart täglich.
-
-Der Ertrag der einzelnen Bäume ist indessen sehr ungleich; er
-lässt allmälig nach und hört nach 2, höchstens 3 Monaten gänzlich
-und für immer auf [168]; aber das Verhältniss der frisch und vor
-längerer Zeit angeschnittenen bleibt dasselbe, mithin auch der
-Durchschnittsertrag. Der Saft von 37 Palmen liefert bei jedem
-Einsammeln, nachdem er in einer eisernen Pfanne abgedampft,
-eine, täglich also vier, wöchentlich 28 gantas oder 2 1/3 tinájas
-Zucker, der an Ort und Stelle 2 1/2 Doll. die tinája gilt. Diese,
-von den Leuten selbst herrührenden Angaben stellen das Verhältniss
-vielleicht etwas ungünstiger dar, als in der Wirklichkeit; doch kann,
-nach der Ansicht eines kundigen Mestizen der Unterschied nicht sehr
-bedeutend sein. Lässt man obige Zahlen gelten, so würde ein jeder
-dieser herrlichen Bäume etwa 1 2/3 Doll., und nach Abrechnung des
-Arbeiterlohns (1 r. per Tag) etwa 1 2/3 Thaler geben, freilich nicht
-viel, doch mag es zum Troste dienen, dass er ohne die Dazwischenkunft
-des Menschen bald der Brandung anheim fiele, und selbst gegen alle
-äussern Feinde geschützt, nach einmaligem Fruchttragen verdorren muss.
-
-Cabusáo liegt im Südwinkel der Bucht von S. Miguél, die fast rings
-von hohen Bergen umgeben, den Schiffen einen sichern Ankerplatz
-gewährt. -- Von hier begab ich mich über Naga an die Südküste. Vier
-Leguas von Naga, im Busen von Ragay, am Südrande Luzons, liegt der
-kleine, aber tiefe Hafen von Pasacáo. In zwei Stunden erreicht man
-zu Wasser die halbwegs liegende Visita Pamplóna, von wo der Weg
-zu Lande fortgesetzt wird. Der noch vorhandene Rest der früheren
-Strasse befand sich in erbärmlichem Zustande, selbst in der damals
-trocknen Jahreszeit kaum passirbar; die Brücken über die vielen kleinen
-Gräben waren eingestürzt, an manchen Stellen lagen grosse Steine und
-Baumstämme queer über den Weg, die, vor Jahren zum Ausbessern der
-Brücken herbeigeschafft, unbenutzt liegen blieben und seitdem die
-Strasse sperrten.
-
-In Quitang, zwischen Pamplóna und Pasacáo, wo sich zwei Bäche
-zu einem, bei letztem Orte mündenden Flüsschen vereinigen, hatte
-ein junger Franzose eine Hacienda gegründet. Er war zufrieden und
-hoffnungsvoll, und lobte namentlich den Fleiss und guten Willen seiner
-Leute. Ausländer scheinen in der Regel mit den Eingeborenen besser
-auszukommen, als Spanier, wohl weil sie weniger Ansprüche machen. Unter
-letzteren sind namentlich solche aus den untern Klassen sehr geneigt
-ungerechtfertigte Anforderungen zu stellen und bitter zu klagen,
-wenn sie nicht für jede Arbeit sofort die nöthigen Hände finden, zu
-Lohnsätzen, die dem gesteigerten Werthe der Produkte durchaus nicht
-entsprechen. Ginge es nach ihnen, so müssten die Eingeborenen von
-Amtswegen gezwungen werden für sie zu arbeiten. [169]
-
-Freilich ist der Indier unabhängiger als der europäische Arbeiter, weil
-er bedürfnissloser, und als geborener Grundbesitzer nicht gezwungen
-ist, sich als Tagelöhner eines Anderen sein Brod zu erwerben, dennoch
-ist es fraglich, ob, in Bezug auf Löhne, irgend eine Kolonie dem
-Pflanzer günstigere Verhältnisse darbietet, als die Philippinen. In
-Holländisch Indien, wo Privatindustrie durch das Regierungsmonopol
-fast ausgeschlossen, erhalten freie Arbeiter 1/3 Gulden, etwas
-mehr als 1 r., den üblichen Lohn in den wohlhabenden Provinzen der
-Philippinen (in den ärmeren beträgt er nur die Hälfte) und die Javanen
-kommen den Filipinos weder an Kraft, noch an Intelligenz und Geschick
-gleich. Wie hoch der Tagelohn in allen ehemaligen Sklavenstaaten ist,
-ist bekannt. Mauritius und Ceylon müssen um Zucker und Kaffee zu bauen,
-fremde Arbeiter mit grossen Unkosten einführen und theuer bezahlen,
-und stehn sich dennoch gut dabei.
-
-Von Quitang bis Pasacáo ist der Weg noch schlechter als vorher und
-doch ist dies die wichtigste Strasse der Provinz! Bevor man Pasacáo
-erreicht, sieht man an den Entblössungen der Kalkwände deutliche
-Zeichen, dass sie früher vom Meer bespült wurden. Pasacáo liegt
-malerisch am Ende des vom Itulán durchflossenen Thales, welches
-sich von Pamplona zwischen bewaldeten Kalkbergen bis an's Meer
-erstreckt. Die Ebben sind hier höchst unregelmässig. Von Mittag
-bis Abend war kein Unterschied wahrzunehmen, und als die Abnahme
-eben sichtbar wurde, stieg die Fluth schon wieder. Unmittelbar
-südlich vor der Ortschaft war eine von den Wellen unterwaschene
-Bergwand von 2000' Höhe und über 1000' Breite zwei Jahre vorher
-herabgerutscht. Der Fels besteht aus einer zähen Kalkbreccie voll
-Muschel- und Korallenbruchstücken; ich konnte es aber ohne Schuhe
-auf dem scharfen Gestein nicht lange genug aushalten, um es näher
-zu untersuchen.
-
-Aus demselben Grunde musste auch von dieser Seite die schon von
-Libmánan vergeblich versuchte Besteigung des Yamtik unterbleiben. Statt
-dessen fuhr ich in Begleitung des gefälligen französischen Pflanzers
-im Boot nordwestlich die Küste entlang. Unser Nachen schwebte über
-Korallengärten hin, von prachtvoll gefärbten Fischen umschwärmt. Nach
-zwei Stunden erreichten wir eine Höhle im Kalk »Suminabáng«,
-so niedrig, dass man sich nur kriechend darin bewegen konnte. Sie
-enthielt einige Schwalben und Fledermäuse. Am Flusse Calebáyan,
-jenseits der Punta Tanáun schlugen wir in einem einzeln stehenden
-Schuppen unser Nachtlager auf. Hier wird das Kalkgebirge durch
-einen am linken Ufer des Flüsschens isolirt stehenden Felsen aus
-hornblendereichem krystallinischen Gestein unterbrochen, er ist,
-ausser an der, dem Wasser zugekehrten Seite, ringsum von Kalk umgeben.
-
-Die umliegenden Berge sollen von Wildschweinen wimmeln: unter dem
-Strohdach unserer Hütte, die gelegentlichen Jägern zum Obdach dient,
-waren über 150 Unterkiefer als Jagdtrophäen aufgesteckt. Der Ort,
-an dem wir uns befanden, erschien wie zur Viehzucht geschaffen,
-sanfte mit Futtergras und einzelnen Baumgruppen bewachsen, von Bächen
-durchrieselte Abhänge, ziehn sich vom Meere aus in die Höhe und
-werden von einer steilen Felsenmauer im Halbkreis eingefasst. Das Vieh
-würde dort Gras, Wasser, Schatten und den Schutz einer geschlossenen
-Umwallung finden. Längs der Küste hinfahrend, hatten wir eine Reihe
-solcher Oertlichkeiten bemerkt, sie sind aber völlig unbenutzt, aus
-Mangel an Unternehmungsgeist, und aus Furcht vor Seeräubern. Sobald
-unser Abendbrot bereitet war, löschten wir das Feuer sorgsam aus, damit
-es den Meerstrolchen nicht als Signal diene, und hielten Nachtwachen.
-
-Am folgenden Morgen wollten wir eine nie zuvor betretene Höhle
-besuchen, fanden aber zu unserm Erstaunen keine eigentliche Höhle,
-sondern nur eine wenige Fuss tiefe Höhlenpforte; weithin sichtbar, muss
-sie den Jägern oft aufgefallen sein, doch hatte sich, wie unsere über
-die Täuschung erstaunten Begleiter versicherten, aus abergläubischer
-Scheu bisher Niemand hineingewagt.
-
-Wie mehrfach erwähnt, ist die nördliche Küste von Camarínes im
-NO. Monsun fast unnahbar, während die durch vorliegende Inseln
-gedeckte Südküste immer zugänglich bleibt. Die fruchtbarsten Gebiete
-der östlichen Provinzen, die im Sommer ihre Erzeugnisse durch die
-nördlichen Häfen ausführen, bleiben im Winter oft Monate lang von
-allem Verkehr mit der Hauptstadt abgeschlossen, weil kein Weg über den
-schmalen Landstreifen zur Südküste führt. Wie viel die Natur für die
-Erleichterung des Verkehrs gethan, wie wenig die Menschen, wird recht
-deutlich, wenn man den eben geschilderten Zustand der Strasse nach
-Pasacao, in Zusammenhang mit den östlichen Verhältnissen betrachtet,
-wie sie die Karte zeigt.
-
-Zwei Flüsse, der eine von NW., der andre von SO. kommend, beide
-schiffbar, bevor sie die Grenzen der Provinz erreichen, fliessen
-mitten durch dieselbe, in einer, wenn man die Windungen nicht
-berücksichtigt, mit den Küsten gleichlaufenden Linie und senden,
-nachdem sie zusammengetroffen, ihre Wasser gemeinschaftlich durch den
-Aestuar von Cabusáo in die Bay von S. Miguél. Die ganze Provinz wird
-also in ihrer Mittellinie von zwei schiffbaren Flüssen durchströmt, die
-in Bezug auf den Verkehr nur Einen bilden. Von ihrem Vereinigungspunkt,
-an der schmalsten Stelle der Provinz, beträgt die Entfernung bis zur
-Südküste nur 3 Leguas.
-
-Der Hafen von Cabusáo im Grunde der Bucht von S. Miguél ist aber im
-NO. Monsun nicht zugänglich und hat den Nachtheil nur auf dem grossen
-Umwege um den ganzen östlichen Theil Luzons mit Manila zu verkehren. An
-der Südküste dagegen liegt der Hafen von Pasacáo, in welchen ein, über
-eine Meile weit schiffbares Flüsschen mündet, so dass die Entfernung
-zwischen dieser Wasserstrasse und dem nächsten Punkte des Bicolflusses
-wenig über eine Meile beträgt. Die 1847 von einem thätigen Alkalden
-angelegte, bis 1852 erhaltene, beide Meere verbindende Strasse war
-aber zur Zeit meines Besuches so schlecht, dass der Pico Abacá auf
-dieser kurzen Strecke in der trocknen Jahrszeit 2 r. Fracht zahlte,
-in der nassen aber selbst für den doppelten Preis nicht befördert
-werden konnte. [170]
-
-Es liessen sich viele ähnliche Beispiele anführen: 1861 berichtet
-der engl. Vize-Konsul, dass in Yloilo der Pico-Zucker um mehr als 2
-r. vertheuert wird (so viel als die Fracht von Yloilo nach Manila
-beträgt) durch den schlechten Zustand der Strasse zwischen zwei
-Dörfern, die nur 1 Legua auseinander liegen.
-
-Wären die Inseln nicht, abgesehn vom Seetransport, so ausserordentlich
-begünstigt durch unzählige Flüsse mit schiffbaren Mündungen, so würde
-ein noch viel grösserer Theil ihrer Produkte nicht zu verwerthen
-sein. Die Eingeborenen haben kein Verlangen nach Strassen, die sie
-selbst durch Frohnarbeit bauen, und nachdem sie vollendet, durch
-Frohnarbeit erhalten müssen, auch die Lokalbehörden nicht, denn wo
-keine Strassen gebaut werden, sind die Frohnden um so leichter für
-Privatzwecke zu nützen. Eben so wenig sind die Curas in der Regel der
-Anlage von Verkehrswegen günstig, durch welche Handel, Wohlstand und
-Aufklärung in's Land dringen, ihre Autorität untergraben wird. Ja
-die Regierung selbst begünstigte bis vor Kurzem solche Zustände,
-denn schlechte Strassen gehören zum Wesen der alten spanischen
-Kolonialpolitik, die immer darauf bedacht war, die einzelnen
-Provinzen ihrer grossen überseeischen Besitzungen zu isoliren,
-das Gefühl der nationalen Gemeinschaft nicht aufkommen zu lassen,
-um sie desto leichter vom fernen Mutterlande aus beherrschen zu können.
-
-In Spanien selbst sieht es übrigens nicht viel besser aus; es fehlt
-dort so sehr an Verkehrswegen, dass z. B. die Waaren von Santandér
-nach Barcelóna den Seeweg um die ganze iberische Halbinsel dem
-direkten, zum Theil mit Eisenbahn versehenen Wege vorziehn. [171]
-In Estremadura wurden die Schweine mit Weizen gefüttert (lebendes
-Schweinefleisch kann ohne Strassen transportirt werden), während
-gleichzeitig die Seehäfen fremdes Getreide einführten. [172] Der Grund
-dieser Zustände liegt auch dort weniger in den zerrütteten Finanzen,
-als in der Regierungsmaxime, die einzelnen Provinzen zu isoliren.
-
-
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-
-
-
-
-SIEBENZEHNTES KAPITEL
-
- DER YSAROG UND SEINE BEWOHNER.
-
-
-In der Mitte von Camarínes erhebt sich der Ysarog (sprich Issaró),
-zwischen den Meerbusen von San Miguél und Lagonóy. Während sein
-östlicher Abhang fast das Meer erreicht, ist er gegen Westen durch
-einen breiten Streifen fruchtbaren Schwemmlandes von der Bucht von
-S. Miguél getrennt. Sein Umfang beträgt wenigstens 12 Leguas, seine
-Höhe 1966 Meter. [173] An seiner Basis sehr flach, schwillt er allmälig
-zu 16°, weiter oben zu 21° Neigung und wölbt sich, von Westen gesehn,
-zu einer flachen, domförmigen Kuppe. Betrachtet man ihn aber von der
-Ostseite, so gewahrt man ein durch eine grosse Schlucht zerrissenes
-Ringgebirge. Auf Coello's Karte ist diese Schlucht irrthümlich als
-von S. nach N. streichend dargestellt; ihre Richtung ist WO. Gerade
-vor ihrer Oeffnung liegt, 1/2 Legua S. von Goa, das winzige Dörfchen
-Rungus; nach welchem sie benannt wird. Die äusseren Seiten des Berges
-und die Trümmer seines grossen Kraters sind mit undurchdringlichem Wald
-bedeckt. Von seinen vulkanischen Ausbrüchen meldet die Ueberlieferung
-nichts.
-
-Die höheren Abhänge dienen einem kleinen Volksstamme zum Wohnsitz,
-der in fast gänzlicher Abgeschlossenheit von den Bewohnern der
-Ebene, seine Selbstständigkeit und die Sitten einer früheren Zeit
-bewahrt hat. Gelegentlich mögen wohl einzelne Cimarronen (s. S. 106)
-zugezogen sein, doch hatte sich kein solcher Fall in der Erinnerung
-erhalten. Die Bewohner des Ysaróg werden gewöhnlich, wenn auch
-missbräuchlich, Ygorroten genannt, dieser Name ist hier beibehalten,
-da ihre Nationalität noch nicht genügend festgestellt ist. Sie selbst
-sind überzeugt, dass ihre Vorfahren immer dort gehaust haben. Sie sind
-es, die nach dem Urtheil der Pfarrer von Camarínes die Bicolsprache
-am reinsten sprechen (s. S. 120). Ihre Sitten und Gebräuche sind in
-vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden,
-sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen,
-welche noch heut bei den Dayaks in Borneo herrschen. [174] Diese
-Umstände lassen vermuthen, dass sie der letzte Rest eines Stammes
-seien, der seine Unabhängigkeit gegen die spanische Herrschaft und
-wahrscheinlich auch gegen die kleinen Tyrannen behauptet hat, die
-vor Ankunft der Europäer in der Ebene herrschten. Als Juan de Salcedo
-seinen Siegeszug um das nördliche Luzon unternahm (s. unten), fand er
-überall an den Flussmündungen seefahrende, unter vielen Häuptlingen
-lebende Völkerschaften, die nach kurzem Kampf der höhern Mannszucht
-und besseren Bewaffnung der Spanier erlagen oder sich freiwillig
-der überlegneren Rasse unterwarfen; es gelang ihm aber nicht, die
-unabhängigen Stämme im Innern zu besiegen. Noch heut giebt es solche
-auf allen grösseren Inseln der Philippinen-Gruppe.
-
-Aehnliche Zustände findet man vieler Orten im indischen Archipel:
-die Handel und Seeraub treibenden Malayen besitzen das Gestade,
-dort herrscht auch ihre Sprache; die Eingeborenen sind von ihnen
-unterjocht oder in die Wälder gedrängt, deren Unzugänglichkeit ihnen
-ein kümmerliches aber unabhängiges Leben sichert. [175]
-
-Um den Widerstand der wilden Stämme zu brechen, verbot die spanische
-Regierung ihren Unterthanen bei Strafe von 100 Schlägen und zwei
-Jahr Zwangsarbeit, »Handel zu treiben und Umgang zu pflegen mit
-den Heiden in den Bergen, die seiner katholischen Majestät keinen
-Tribut zahlen; denn wenn diese ihr Gold, Wachs u. s. w. gegen andere
-Bedürfnisse austauschen können, so werden sie sich nie bekehren.« [176]
-Vielleicht hat gerade dies Gesetz dazu beigetragen, die Wilden, trotz
-ihrer geringen Kopfzahl, Jahrhunderte lang vor gänzlicher Ausrottung
-zu schützen; denn freier Verkehr zwischen einem Volke auf der Stufe
-des Ackerbaus und einem, das hauptsächlich von der Jagd lebt, führt
-häufig zur Vernichtung des letzteren.
-
-Dennoch hat die Zahl der Ygorroten des Ysarog sehr abgenommen durch
-Todtschlägereien zwischen den einzelnen Ranchos, und durch die
-Raubzüge, welche bis vor Kurzem die Steuerbeamten alljährlich im
-Interesse des Regierungsmonopols gegen die Tabakfelder der Ygorroten
-unternahmen. Einzelne sind auch »pazifizirt« (zu Christenthum und
-Tribut bekehrt worden), in welchem Falle sie sich in kleinen Weilern
-mit zerstreuten Hütten niederlassen müssen, wo sie gelegentlich
-vom Geistlichen des nächsten Ortes besucht werden können. Um ihnen
-den Uebertritt zu erleichtern, werden von dergleichen neugewonnenen
-Unterthanen eine Zeitlang geringere Steuern erhoben.
-
-Ich hatte die Besteigung des Berges auf den Eintritt der trockenen
-Jahreszeit verschoben, erfuhr aber in Naga, dass mein Wunsch dann
-kaum ausführbar sein dürfte, weil um diese Zeit die schon erwähnten
-Expeditionen gegen die Ranchos des Berges stattzufinden pflegen. Da
-die Wilden nicht begreifen konnten, warum sie nicht auf ihrem eigenen
-Felde eine ihnen zum Bedürfniss gewordene Pflanze bauen sollten,
-so sahen sie in den Cuadrilleros nicht Beamte eines zivilisirten
-Staates, sondern Räuber, gegen welche sie sich nach Kräften wehren
-mussten, und das Auftreten dieser trug nicht wenig dazu bei, jene
-in ihrem Irrthum zu bestärken; denn sie begnügten sich nicht die
-Tabakpflanzungen zu zerstören; die Hütten wurden niedergebrannt,
-die Fruchtbäume umgehauen, die Felder verwüstet. Solche Raubzüge
-gingen nie ohne Blutvergiessen ab und arteten oft in einen kleinen
-Krieg aus, der dann von den Bergbewohnern noch lange nachher, auch
-gegen ganz unbetheiligte Personen, Indier und Europäer, fortgesetzt
-wurde. Anfangs April sollte die diesjährige Expedition stattfinden;
-die Ygorroten waren daher in grosser Aufregung und hatten einige Tage
-vorher einen jungen wehrlosen Spanier in der Nähe von Mabotobóto, am
-Fuss des Berges, ermordet, indem sie ihn mit einem vergifteten Pfeil
-zu Boden streckten, und ihm dann noch 21 Wunden mit dem Waldmesser
-beibrachten.
-
-Glücklicher Weise traf bald darauf ein Gegenbefehl von Manila ein,
-wo man sich allmälig von der Schädlichkeit solcher Gewaltmassregeln
-überzeugt zu haben schien. Es war nicht zu zweifeln, dass diese
-Nachricht sich schnell unter den Ranchos verbreiten würde und auf den
-Rath des Kommandanten, dem sehr gegen seine Neigung die Führung des
-Zuges zugefallen sein würde, zögerte ich nicht, die zu erwartende
-günstige Stimmung für meine Zwecke zu benutzen. In der neuesten
-Zeit hat die Regierung das verständige Mittel ergriffen, den Tabak,
-den die Ygorroten freiwillig bauen, nach dem allgemeinen Satze zu
-bezahlen und sie wo möglich zur Anlage neuer Felder zu ermuntern,
-statt die vorhandenen zu zerstören.
-
-Am nächsten Nachmittag ritt ich von Naga ab. Die Pueblos Mogaráo,
-Canáman, Quipáyo und Calabánga folgen in diesem fruchtbaren Gebiet
-so dicht auf einander, dass sie eine fast ununterbrochene Reihe
-von Häusern mit Gärten bilden. Calabánga liegt 1/2 Legua vom Meer,
-zwischen zwei Flussmündungen, deren südlichste 60' breit und tief
-genug für grosse Lastboote ist. [177]
-
-Um den Fuss des Ysaróg wendet sich die Strasse NO. dann O. Bald hören
-die blühenden Hecken auf; es folgt eine grosse, kahle Ebene, aus der
-sich zahlreiche flache Hügel erheben. Hügel und Ebene dienten damals
-als Viehweiden: vom August bis Januar sind sie mit Reis bestellt. Nur
-hin und wieder sieht man kleine Batatenfelder. Nach vier Stunden
-erreichten wir das Dörfchen Maguíring (Manguirin), dessen Kirche,
-ein dem Einsturz naher Schuppen, auf einem solchen kahlen Hügel
-stand und an ihrer Verwahrlosung erkennen liess, dass der Priester
-ein Eingeborener sei.
-
-Dieser Hügel, wie alle übrigen, die ich untersuchte, bestand aus
-Schutt vom Ysaróg, mehr oder weniger zersetzten hornblendereichen
-Trachyttrümmern, deren Zwischenräume durch rothen Sand ausgefüllt
-waren. Die Zahl der Flüsse, die der Ysarog in die Buchten von S. Miguél
-und Lagonóy sendet, ist ausserordentlich gross: Auf der Strecke
-hinter Maguíring zählte ich in 3/4 Stunden 5 ansehnliche, d. h. über
-zwanzig Fuss breite Aestuarien, dann bis Góa noch 26, zusammen 31;
-es sind aber mehr, da ich die kleinsten nicht aufzeichnete; und doch
-beträgt die Entfernung zwischen Maguíring und Góa, in gerader Linie,
-nicht über 3 Meilen. Dies lässt auf die enorme Menge von Wasserdampf
-schliessen, mit welcher dieser mächtige Kondensator gespeist wird. Bei
-keinem andern Berge ist mir diese Erscheinung in so auffallender
-Weise entgegengetreten. Ein sehr bemerkenswerther Umstand ist die
-Schnelligkeit, mit welcher die wasserreichen Bäche in Aestuarien
-übergehn, die sie befähigen Lastboote, zuweilen selbst Schiffe zu
-tragen, in einem Alter, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, wo ihre
-auf die spärlichen Niederschläge in nördlichen Breiten angewiesenen
-Verwandten kaum die Bedeutung eines Mühlbachs erlangt haben. Diese
-Gewässer erscheinen der Breite nach als kleine Flüsse, ihrem Wesen
-nach bestehn sie nur aus einem Bache bis zum Fuss des Berges und
-einer Flussmündung in der Ebene; der Mittellauf fehlt ihnen.
-
-Die Landschaft gleicht hier dem merkwürdigen, von Junghuhn
-beschriebenen Hügelgebiete des Gelungúng [178] in ganz auffallender
-Weise; doch ist der Ursprung dieser Anhöhen einigermaassen von dem
-der javanischen verschieden, denn letztere verdanken ihre Entstehung
-dem Ausbruch von 1822, und schon die grosse, ihnen zugekehrte Lücke
-in der Kraterwand des Gelungúng zeigt deutlich, woher die Stoffe
-zu ihrem Aufbau kamen; die grössere Kraterschlucht des Ysaróg ist
-aber nach O. geöffnet und steht daher zu den zahllosen Hügeln im
-Nordwesten des Berges in keiner Beziehung. Hinter Maguíring rücken sie
-dichter zusammen, ihre Kuppen werden flacher, ihre Seiten steiler,
-sie gehn allmälig in einen sanft geneigten Abhang über, zerrissen
-von unzähligen Klüften, auf deren Boden eben so viele Bäche thätig
-sind, die eckigen Umrisse dieser kleinen Inseln in jene abgerundeten
-Hügel umzuformen. Der dritte Fluss hinter Maguíring ist bedeutender
-als die früheren; am sechsten liegt eine grössere Visita, Borobód,
-am zehnten die von Ragáy. Die Reisfelder haben mit dem Hügelland
-aufgehört: auf dem durch tiefe Rinnen wohldränirten Abhange wachsen
-nur wildes Rohr und einzelne Baumgruppen. An vielen Weilern vorüber,
-deren Hütten so vereinzelt und versteckt liegen, dass man sie wohl
-übersehn kann, gelangten wir um 5 Uhr nach Tagúnton, von wo eine, für
-Büffelkarren fahrbare, zum Transport des in der Umgegend gewonnenen
-Abaca's dienende Strasse nach Goa führt. In diesem Ort, den wir Abends
-erreichten, miethete ich in Folge eines Ruhranfalles ein Häuschen,
-in dem ich fast vier Wochen lag, da mir keine andre Heilmittel als
-Hunger und Ruhe zur Verfügung standen.
-
-Während dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft einiger neu bekehrten
-Ygorroten, und gewann ihr Vertrauen, ohne sie wäre es mir später
-schwerlich gelungen den Berg zu ersteigen und ihre Stammesgenossen
-ungefährdet in ihren Ranchos aufzusuchen. [179] Als ich endlich
-Goa verlassen konnte, begleiteten mich meine Freunde zunächst nach
-ihrer Niederlassung, wo ich leicht die nöthige Zahl Begleiter fand,
-da ich schon vorher empfohlen war und erwartet wurde, um die für mich
-gesammelten Thiere und Pflanzen in Empfang zu nehmen.
-
-Am folgenden Morgen wurde die Besteigung begonnen. Schon bevor wir
-den ersten Rancho erreichten, konnte ich mich überzeugen, welch
-guter Ruf mir vorausging: der Hausherr kam uns entgegen, und führte
-uns auf einem engen Pfade zu seiner Hütte, nachdem er die schräg aus
-dem Boden ragenden, aber mit Reisig und Blättern geschickt verdeckten
-Fusslanzen daraus entfernt hatte. [180] Eine mit Weben beschäftigte
-Frau setzte auf meinen Wunsch ihre Arbeit fort. Der Webestuhl war von
-der allereinfachsten Art, das obere Ende, der Kettenbaum, der in einem
-Stück Bambus besteht, wird an zwei Bäumen oder Pfählen befestigt;
-die Weberin sitzt auf dem Boden und hakt in die beiden eingekerbten
-Enden einer schmalen Latte, welche die Stelle des Zeugbaums vertritt,
-einen hölzernen Bügel, in dessen Wölbung ihr Rücken passt. Indem
-sie die Füsse gegen zwei Pflöcke im Boden stemmt und den Rücken
-krümmt, spannt sie vermittelst des Bügels das Zeug straff. Statt
-des Weberschiffchens dient eine Netznadel, länger als die Breite
-des Gewebes, die nur mit Ueberwindung bedeutender Reibung und nicht
-immer ohne Kettenfäden zu zerreissen, durchgeschoben werden kann. Eine
-messerartig zugeschärfte Latte aus hartem Holz (Caryota) vertritt das
-Schlaggestell und wird nach jedesmaligem Anschlag auf die hohe Kante
-gestellt. Dann wird der Kamm vorgeschoben, ein Faden durchgesteckt,
-festgeschlagen und so fort. Das Gewebe bestand aus Abacáfäden, die
-nicht gesponnen, sondern an einander geknüpft werden.
-
-Die von mir betretenen Hütten verdienen keine besondere Beschreibung:
-aus Palmenblättern und Bambus zusammengefügt, unterscheiden sie sich
-nicht wesentlich von den Wohnungen armer Indier. In der Nähe waren
-kleine Felder mit Bataten, Mais, Caladium und Zuckerrohr bepflanzt;
-prachtvolle Baumfarne umgaben sie; einer der höchsten, den ich zu dem
-Zwecke umhauen liess, maass: Stamm 9m 30, Krone 2m 12, Gesammtlänge
-11m 42 (36' 38 Rh.).
-
-Ein junger Bursche machte Musik auf einer Art Laute, Baringbau genannt;
-sie bestand aus dem trocknen Schaft einer Scitaminee, die statt der
-Sehne (Saite) durch eine dünne Ranke bogenförmig gespannt war. In
-der Mitte des Bogens war eine halbe Kokosschale befestigt, die beim
-Spielen gegen den Bauch gesetzt wird und als Resonanzboden dient. Die
-Saite gab, mit einem Stäbchen geschlagen, einen angenehm summenden
-Ton, (Lyra und Plectrum in einfachster Form). Einige begleiteten den
-Musiker auf Maultrommeln aus Bambus, genau wie die der Mintras auf
-der Malayischen Halbinsel. Ein Andrer spielte auf einer Guitarre,
-die er zwar selbst, aber nach einem europäischen Muster gemacht
-hatte. Ausser Bogen, Pfeilen und Kochtopf enthielt die Hütte kein
-Geräth. Wer Kleider besass, trug sie am Leibe. Die Frauen fand ich so
-dezent gekleidet wie christliche Indierinnen, sie trugen überdies ein
-Waldmesser. Als ein Zeichen vollkommenen Vertrauens führte man mich
-in die wohl verborgenen, durch Fusslanzen vertheidigten Tabakfelder,
-die mir sorgfältig gepflegt schienen.
-
-Was ich im Verkehr mit diesen Leuten bisher erfahren hatte und noch
-erfuhr, fasse ich kurz zusammen: Sie wohnen auf den höheren Abhängen
-des Berges, wohl nie unter 1500', jede Familie für sich. Wie viel
-ihrer noch vorhanden sein mögen, ist schwer zu ermitteln, da unter
-ihnen nur geringer Verkehr besteht. Auf dem zum Gebiete von Goa
-gehörigen Theile des Berges wird ihre Anzahl auf etwa 50 Männer
-und 20 Weiber mit Inbegriff der Kinder geschätzt. Vor 20 Jahren war
-die Bevölkerung zahlreicher. Ihre Nahrung besteht ausser etwas Gabi
-(Caladium), vorzüglich aus Bataten. Auch ein wenig Mais wird gebaut,
-etwas Ubi (Dioscorea) und eine geringe Menge Zuckerrohr zum Kauen.
-
-Zur Anlage eines Batatenfeldes wird ein Stück Wald gelichtet, der Boden
-mit dem stumpfen Waldmesser gelockert, in diesen werden Knollen oder
-Ableger gepflanzt. Schon nach 3 bis 4 Monaten beginnt die Ernte und
-dauert ununterbrochen fort, da die auf dem Boden kriechende Pflanze
-Wurzeln schlägt und Knollen bildet. Nach 2 Jahren hat aber der Ertrag
-so abgenommen, dass man die alten Pflanzen ausreisst, um für neue,
-aus den Ausläufern entstandene Ableger Platz zu machen. Das Feld wird
-weder gewechselt oder mit andern Früchten bebaut, noch gedüngt. Ein
-Stück Land, 50 Brazas lang, 30 breit, genügt für den Unterhalt
-einer Familie. Nur in der nassen Jahreszeit versagt zuweilen diese
-Hülfsquelle, dann wird Gabi genossen, das auf trocknem und feuchtem
-Boden ziemlich gleich gut zu wachsen scheint, aber nicht so lohnend ist
-wie Bataten. Die jungen Schösslinge des Gabi werden in Entfernungen von
-einer Vara gepflanzt und dürfen, wenn man sie ausgiebig nutzen will,
-nicht vor einem Jahre ausgebeutet werden. Jede Familie mag wöchentlich
-ein oder zwei Wildschweine erlegen. Hirsche sind selten, doch erhielt
-ich ein schönes Geweih; ihr Fell wird nicht benutzt. Zur Jagd dienen
-Bogen mit Pfeilen und Lanzen (s. Zeichnung) theils giftfrei theils
-vergiftet. Jeder Rancho hält Hunde, die hauptsächlich von Bataten
-leben, auch Katzen um die Felder gegen Ratten zu schützen. Einiges
-Geflügel ist ebenfalls vorhanden, aber keine Kampfhähne, die in den
-Hütten der Indier fast nie fehlen. Hahnenkämpfe sind erst durch die
-Spanier in die Philippinen eingeführt worden; die Ysarogbewohner sind
-noch frei von dieser Leidenschaft.
-
-Ihre geringen Bedürfnisse an Erzeugnissen einer fortgeschritteneren
-Zivilisation erlangen sie durch den Verkauf der freiwilligen
-Produkte ihrer Wälder, hauptsächlich Wachs und Harze: Pili [181],
-Apnik, Dagiangan (eine Art Copal) und etwas Abacá. Wachs, das wegen
-der Kirchenfeierlichkeiten sehr begehrt ist, wird mit 1/2 Dollar
-das Katti bezahlt; die Harze gelten durchschnittlich 1/2 Realen die
-Chinanta. Der Handel findet auf die Weise statt, dass ein Indier, der
-mit den Ygorroten im Verkehr steht, mit diesen einen Lieferungsvertrag
-schliesst; die Ygorroten sammeln die Produkte und bringen sie an
-einen bestimmten Ort, wo die Indier sie aufnehmen, nachdem sie den
-dafür bedungenen Preis niedergelegt haben.
-
-Aerzte, Zauberer oder Leute, denen geheime Kräfte zugetraut werden,
-kennt man nicht; jeder hilft sich selbst. Um über ihre religiösen
-Ansichten in's Klare zu kommen, würde längerer Verkehr nöthig sein;
-sie glauben an einen Gott, oder sagen es wenigstens, wenn sie von
-Christen zudringlich befragt werden, auch haben sie dem Katholizismus
-manche äusserliche Gebräuche aufs Gerathewohl entlehnt, die sie wie
-Zauberformeln anwenden.
-
-Jagd und schwere Arbeit ist Sache des Mannes wie in den Philippinen
-allgemein. Die fast allen rohen Völkern eigene, aber auch noch bei
-manchen Nationen Europa's (namentlich Basken, Walachen, Portugiesen)
-bestehende Sitte, die Frau als Lastthier zu nützen, scheint in den
-Philippinen schon zur Zeit der spanischen Entdeckung verschollen
-gewesen zu sein; auch bei den Wilden des Ysarog verrichten die Weiber
-nur leichte Arbeit und werden gut behandelt. Jede Familie erhält
-ihre Greise und Arbeitsunfähigen. -- Als herrschende Krankheiten
-wurden mir angegeben Kopfweh und Fieber, als Heilmittel: braun
-gerösteter Reis, der gestossen mit Wasser zu Brei angerührt, genossen
-wird. Bei starkem Kopfweh macht sich der Leidende Einschnitte in die
-Stirn. Rührt die Krankheit davon her, dass jemand erhitzt zu viel
-Wasser trank, so trinkt er grosse Mengen warmen Wassers, hatte er
-aber in solchem Zustande zu viel Kokoswasser getrunken, so trinkt er
-warmes Kokoswasser. Ihre Muskelkraft ist gering; mehr als 50 Pfund
-Gewicht vermögen sie nicht eine grössere Strecke weit zu tragen.
-
-Ausser Jagd und Feldbau beschränken sich ihre Gewerbe auf die
-Anfertigung ziemlich roher Waffen, wozu sie das Eisen, falls solches
-dazu erforderlich, von den Indiern kaufen, und auf die von den Frauen
-verfertigten groben Gewebe und Flechtarbeiten. Jeder Familienvater
-ist Herrscher in seinem Hause und erkennt über sich keine höhere
-Gewalt an. In Fällen von Krieg mit benachbarten Stämmen, oder bei den
-Raubzügen der Steuerbeamten, stellt sich der Tapferste an die Spitze,
-die andern folgen ihm, so lange sie eben mögen; Wahl eines Anführers
-findet nicht statt.
-
-Sie sind meist friedliebend und ehrlich unter einander; doch stehlen
-die Faulen zuweilen Feldfrüchte. Wird der Dieb ertappt, so straft
-ihn der Bestohlene mit Rotangschlägen, ohne Rache dafür fürchten
-zu müssen. Stirbt jemand, so ziehn die nächsten Verwandten aus, um
-den Tod durch den Tod irgend eines Andern zu vergelten. Für einen
-gestorbenen Mann soll eigentlich ein Mann, für eine Frau eine Frau,
-für ein Kind ein Kind erschlagen werden, man pflegt aber das erste
-sich zufällig darbietende Opfer zu tödten, ausser wenn es ein Freund
-ist. In neuer Zeit soll dieser Brauch immer mehr in Verfall kommen,
-da es Männern von einigem Ansehn häufiger als früher gelingt, den
-Todesfall als ein unvermeidliches Geschick darzustellen, in welchem
-Falle die Verwandten ihn nicht zu sühnen brauchen. Es gelingt dies
-namentlich, wenn der Verstorbene eine gleichgültige Person war, stirbt
-aber ein geliebtes Kind oder Weib, so wird gewöhnlich auch jetzt noch
-Rache dafür genommen. Tödtet ein Mann eine Frau aus einem andern Hause,
-so sucht der nächste Verwandte der Erschlagenen eine Frau aus dem Hause
-des Mörders zu tödten; dem Mörder thut er nichts. Der Leichnam des als
-Todtenopfer Erschlagenen wird nicht verscharrt, auch wird ihm nicht
-der Kopf abgeschnitten. Die Familie des Erschlagenen sucht den Tod
-am Mörder zu rächen; dies ist das ehrenvollste; ist der Mörder aber
-zu stark, so wird zur Vergeltung irgend ein Schwächerer erschlagen,
-daher vielleicht die geringe Verhältnisszahl der Frauen.
-
-Vielweiberei ist gestattet, aber selbst die Tapfersten und
-Geschicktesten haben fast nie mehr als eine Frau. Ein junger Mann,
-der heirathen will, beauftragt seinen Vater mit dem Vater der
-Braut den Preis zu verabreden, der in neuer Zeit sehr gestiegen
-ist (durchschnittlich 10 Waldmesser zu 4 bis 6 r. und 10 bis
-12 Doll. baar). Um eine so hohe Summe durch Verkauf von Wachs,
-Harz und Abacá zu beschaffen, braucht der Bräutigam oft zwei
-Jahre. Das Brautgeld geht theils an den Vater, theils an die nächsten
-Verwandten. Jeder der Letzteren erhält einen gleichen Antheil. Sind
-ihrer Viele, so bleibt fast nichts für den Vater übrig, der einen
-grossen Schmaus zu geben hat, bei welcher Gelegenheit viel Palmenwein
-getrunken wird.
-
-Ein Mann, der gegen ein Mädchen Gewalt braucht, wird von deren Eltern
-getödtet. Ist ihm das Mädchen zu Willen gewesen und der Vater erfährt
-es, so verabredet er mit jenem einen Tag, an welchem er den Brautschatz
-bringen soll; weigert er sich, so wird er von den Verwandten gefangen,
-an einen Baum gebunden und mit Rohr gepeitscht. Ehebruch findet
-fast nie statt; kommt er dennoch vor, so muss entweder die Frau
-den Brautschatz zurückerstatten, wodurch sie frei wird, oder der
-Verführer, dem die Frau dann folgt. Der Ehemann hat nicht das Recht,
-sie zurückzuhalten, wenn er das Geld annimmt, wohl aber, wenn er
-dasselbe ausschlägt. Der letzte Fall soll aber nie vorkommen, da sich
-der Mann für dasselbe Geld eine neue Frau kaufen könne.
-
-Nachmittags erreichten wir, 973 Meter über Uacloy, etwa 1134m
-Meereshöhe, eine grosse Schlucht »Basira« zwischen hohen, steilen,
-bewaldeten Wänden, sie streicht SO. -- NW., ihre Sohle hat 33° Neigung,
-besteht aus einer nackten Felsbank und veranlasst nach jedem heftigen
-Regen einen Wasserfall, da sie schroff abbricht. Hier wurde biwuakirt;
-die Ygorroten bauten in der kürzesten Zeit eine Hütte und waren
-ausgelassen munter. Bei Tagesanbruch zeigte das Thermometer 13,9° R.
-
-Der Weg zum Gipfel ist sehr beschwerlich wegen des schlüpfrigen
-Thonbodens und des zähen Pflanzengewirres, die letzten 500 Fuss
-aber sind unerwartet bequem, denn die sehr steile Spitze ist mit
-einem überaus dichten Wuchs von blätterarmen, knorrigen, bemoosten
-Thibaudien, Rhododendren und andrem Krüppelholz bestanden, deren
-zahlreiche starke Aeste in geringer Höhe über dem Boden und ihm
-parallel verlaufend, ein enges sicheres Gitterwerk bilden, auf dem
-man, wie auf einer schwach geneigten Leiter emporsteigt. Die Spitze,
-die wir erreichten, ist der auf der Zeichnung sichtbare höchste Zacken
-der hufeisenförmigen Bergwand, welche die grosse Schlucht von Rungus
-im Norden begrenzt. Die Kuppe hat wohl kaum 50 Schritt Durchmesser,
-sie ist so dicht mit Bäumen bestanden wie ich ähnliches nie gesehn:
-wir hatten nicht Raum zum Stehn. Meine rüstigen Gastfreunde gingen
-aber, obgleich ihnen die Arbeit einen Pfad durch den Wald zu schlagen,
-grosse Mühe verursacht hatte, sogleich an's Werk, kappten Aeste und
-baueten daraus auf den Wipfeln der abgestutzten Bäume eine Warte, von
-wo aus ich eine weite Rundsicht und Gelegenheit zu Peilungen gehabt
-haben würde, wäre nicht alles in dichten Nebel gehüllt gewesen. Nur
-auf Augenblicke erschienen die nächsten Vulkane, die Bucht von
-S. Miguel und einige Binnenseen. Gleich nach Sonnenuntergang zeigte
-das Thermometer 12°5 R.
-
-Auch am folgenden Morgen blieb es trübe, und als gegen 10 Uhr
-die Wolken immer dichter wurden, traten wir den Rückweg an. Ich
-wollte die Nacht in einem Rancho zubringen, um am nächsten Tage eine
-Solfatara zu besuchen, die eine Tagereise weiter gelegen sein soll;
-meine Begleiter waren aber von den Strapazen so angegriffen, dass
-sie wenigstens einige Tage Rast verlangten.
-
-Ausser Calamus bemerkte ich keine Palmen auf dem oberen Abhange,
-Baumfarne sehr häufig, und eine ausserordentliche Fülle von
-Orchideen. An einer Stelle waren alle Bäume in bequemer Höhe mit
-blühenden Aërides behangen, man hätte sie mühelos zu tausenden sammeln
-können, die schönste Pflanze war eine Medinella, von so weichem Gewebe,
-dass es nicht möglich war sie einzulegen.
-
-Eine Viertelstunde NO. von Uacloy sprudelt eine starke kohlensaure
-Quelle (28° R.) aus dem Boden und setzt reichlich Kalksinter
-ab. Brennende Fackeln verlöschten schnell, und ein mit einer
-Zigarrenkiste zugedecktes Huhn starb in wenigen Minuten, beides zum
-grössten Erstaunen der Ygorroten, denen diese Erscheinungen bisher
-unbekannt geblieben waren.
-
-Meine armen Gastfreunde, die mich nach Uacloy zurückbegleitet hatten,
-fühlten sich auch noch am zweiten Rasttage so müde, dass sie zu
-keiner Unternehmung tauglich waren. Mit nacktem Kopf und Oberleib
-hockten sie sich in die glühende Sonne, um dem Körper die Wärme
-wieder zuzuführen, die er durch das Biwuak auf dem Gipfel verloren
-hatte; Wein aber mochten sie nicht trinken. Als ich sie endlich am
-nächsten Tage verliess, waren wir so gute Freunde geworden, dass man
-mir ein gezähmtes Wildschwein zum Geschenk aufnöthigen wollte. Ein
-Trupp Männer und Frauen begleiteten mich, bis sie die Dächer von
-Maguíring schimmern sahen, worauf sie nach herzlichem Abschiede in
-ihre Wälder zurückkehrten.
-
-Die aus Goa mitgenommenen Indier hatten sich bei der Expedition so
-faul und mürrisch gezeigt, dass fast die ganze Arbeit einen Pfad
-durch den Wald zu schlagen, den Ygorroten zugefallen war; selbst das
-Trinkwasser hatten die indischen Träger aus Faulheit fortgeschüttet,
-die Ygorroten mussten für unser Biwuak auf dem Gipfel aus ziemlicher
-Entfernung frisches holen. Bei allen beschwerlichen Märschen bin ich
-immer besser mit Cimarronen, als mit Indiern ausgekommen. Jene fand ich
-gefällig, zuverlässig, thätig, ortskundig, während diese gewöhnlich
-die entgegengesetzten Eigenschaften zeigten. Es wäre aber ungerecht
-daraus auf das beiderseitige Wesen schliessen zu wollen; denn die
-Wilden sind im Walde zu Hause, was sie thun, geschieht freiwillig, der
-Fremde wird, wenn er ihr Vertrauen besitzt, als Gast behandelt. Die
-Indier aber sind gezwungene Begleiter, Polistas, die selbst wenn
-man ihnen höheren Tagelohn giebt, von ihrem Standpunkte aus ganz
-richtig handeln, wenn sie so wenig als möglich thun. Es ist für sie
-durchaus kein Vergnügen, ihr Dorf zu verlassen, um als Gepäckträger
-oder Wegbahner anstrengende Märsche in unwegsame Gebiete zu machen,
-und unter Entbehrungen im Freien zu kampiren. Für sie, mehr noch als
-für den europäischen Bauer, ist Ruhe die angenehmste Erholung. Je
-weniger Bequemlichkeit Jemand zu Haus geniesst, um so schwerer
-verzichtet er darauf. In Europa kann man dieselbe Beobachtung machen.
-
-Da die Ygorroten, um nicht das Monopol der Hacienda zu beeinträchtigen,
-keine Kokospalmen zur Bereitung von Wein, Essig und Branntwein
-haben durften, so überreichten sie mir eine Bittschrift, damit
-ich ihnen diese Gunst erwirken möchte. Das Dokument ist von einem
-indischen Schreiber so drollig konfus verfasst, dass ich es als Probe
-philippinischen Kanzleistils mittheile [182]: Es hatte übrigens den
-besten Erfolg, da den Bittstellern doppelt so viel bewilligt wurde
-als sie erbaten.
-
-Der SW. Monsun dauert in dieser Gegend (Gebiet von Goa) von April
-bis Oktober. Der April ist sehr windstill (navegacion de señoras) am
-beständigsten sind die SW.-Winde von Juni bis August, am trockensten
-März, April, Mai. Der NO.-Monsun herrscht von Oktober bis Ende
-Februar. März und Anfang April Wechselwinde, Oktober bis Dezember
-ist die Zeit der Stürme: »San Francisco (4. Okt.) bringt schlechtes
-Wetter«. Der Reis wird im September gepflanzt, im Februar geerntet.
-
-
-
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-
-
-
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-ACHTZEHNTES KAPITEL
-
- ERSTEIGUNG DES YRIGA UND DES MAZARAGA. -- SEE- UND
- STRASSENRÄUBER. -- WASSERPFLANZEN VON BERLIN NACH DEN
- PHILIPPINEN. -- MEIN DIENER PEPE.
-
-
-Vom Ysaróg kehrte ich über Naga und Nábua zum Yriga zurück, den es
-mir endlich zu ersteigen gelang.
-
-Der Häuptling der Montesinos hatte täglich Rationen für zweiundzwanzig
-Mann erhalten, mit denen er angeblich einen Weg zum Gipfel bahnte. Als
-er aber am Abend des dritten Tages selbst nach Yriga kam, um neue
-Vorräthe zu holen, da die Arbeit noch einige Zeit erfordere, erklärte
-ich, dass ich am folgenden Morgen versuchen würde den Berg zu besteigen
-und forderte ihn zum Führen auf. Er willigte ein, verschwand aber
-Nachts sammt seinem Begleiter, da die Indier im Tribunal sich das
-Vergnügen gemacht hatten, ihnen schwere Strafen in Aussicht zu stellen
-falls die Leistung nicht den Arbeitstagen entspräche. Nach vergeblichem
-Bemühn um einen andern Führer, verliessen wir Buhi Nachmittags, und
-übernachteten im Rancho, wo man uns früher so freundlich aufgenommen
-hatte. Die Feuer brannten noch, aber die Bewohner waren bei unserer
-Annäherung geflüchtet. Am folgenden Morgen um 6 Uhr begann die
-Besteigung. Nachdem wir mit Benutzung der früher von uns gebahnten
-Pfade den Wald durchschritten, ging es durch 3 bis 4 Fuss hohes Gras
-mit scharfschneidenden Blättern, dann folgte 7 bis 8' hohes Rohr,
-vom Habitus unseres Arundo phragmites (es stand aber nicht in Blüthe),
-das den ganzen oberen Theil des Berges bis zum Rande einnimmt; nur in
-den Schluchten reichten die Bäume hoch hinauf. In den untern Gehängen
-waren sie mit Aroideen und Farnen, gegen den Gipfel zu mit Flechten
-und Moosen bedeckt. Ich fand hier eine schöne neue eigenthümlich
-gestaltete Orchidee. [183] Die Cimarronen hatten etwas Rohr umgehauen,
-weiter bahnten wir uns mit Waldmessern den Weg und erreichten schon
-um 10 Uhr die Spitze. Es war sehr trübe. Auf einen klaren Abend
-oder Morgen hoffend, liess ich eine Hütte bauen, wozu das Rohr sehr
-geeignet war. Für sich selbst ein Obdach zu errichten und Brennholz zum
-Wachtfeuer herbeizuschaffen, waren die Indier zu faul. Sie kauerten,
-um sich zu erwärmen, dicht an einander gedrückt auf dem Boden, assen
-kalten Reis und dursteten dazu, da keiner Wasser holen wollte. Von
-zwei Wasserträgern, die ich mitgenommen, hatte der Eine sein Wasser
-unterwegs »aus Versehn« verschüttet, der Andre es unten ausgegossen,
-»weil er geglaubt, dass wir es nicht brauchen würden«.
-
-Ich fand die höchste Spitze des Yriga 1212 Meter, 1120 Meter über
-dem Spiegel des Buhi-See's. Von Buhi ging ich nach Bátu.
-
-Der Batu-See (111 Meter Meereshöhe) war seit meinem letzten Besuch
-im Februar noch tiefer gesunken, der Algenteppich hatte an Breite
-beträchtlich zugenommen, sein oberer Rand war an vielen Stellen
-zerfetzt, der untere ging allmälig in einen dicken Wulst faulender
-Wasserpflanzen über (Charen, Algen, Pontederien, Valisnerien, Pistien
-u. s. w.), der den Wasserspiegel ringsum einfasste und nur durch
-einzelne Lücken an das Ufer zu gelangen gestattete. Queer vor der
-Mündung des Quinali in den See lag eine Barre von schwarzem Moder, in
-welcher einige schmale Wasserrinnen die weichsten Stellen anzeigten. Da
-wir mit einem grösseren Boote nicht über die Barre gelangen konnten,
-so wurden zwei kleine schmale Nachen durch einen Bambusrost verbunden,
-und mit einem Sonnendach versehn. Vermittelst dieser Vorrichtung,
-die von 3 kräftigen Büffeln gezogen wurde, während die Mannschaft mit
-sichtlichem Behagen und lautem Jubel knietief im schwarzen Schlamm
-watend, schieben half, gelangten wir, wie auf einem Schlitten über
-das Hinderniss in den Fluss, der bei meinem ersten Besuch an vielen
-Stellen die Felder überfluthete, so dass die Hütten der Eingeborenen
-wie Schiffe aus dem Wasser ragten und jetzt (im Juni) nicht einmal
-sein Bett ausfüllte. Wir mussten daher die Schlittenfahrt bis dicht
-vor Quinali fortsetzen.
-
-In Ligáo stieg ich bei einem befreundeten Spanier ab, da seit meinem
-letzten Besuch ein grosser Theil der Ortschaft sammt Tribunal und
-Convento abgebrannt war. Nachdem die nöthigen Vorbereitungen getroffen,
-ging ich Abends nach Barayong, einem kleinen Cimarronen-Rancho, am
-Fuss des Mazarága, mit dessen Insassen ich am folgenden Morgen den
-Berg bestieg. Auch die Frauen begleiteten uns eine gute Strecke und
-erhielten die Gesellschaft in munterer Laune. Unterwegs wurde einem
-zu dem Zweck mitgenommenen Indier eine Bambuse voll Wasser zum Tragen
-übergeben, er warf sie fort, und lief davon, eine Alte trat für ihn
-ein und schleppte das Wasser unverdrossen bis auf den Gipfel. Dieser
-Berg war feuchter, als alle die ich je bestiegen, den Semeru in
-Java etwa ausgenommen. Auf halbem Wege fand ich einige angefaulte
-Rafflesien. [184] Zwei elend aussehende Cimarronenhunde jagten
-uns einen jungen Hirsch zu, den einer der Leute durch einen Schlag
-mit dem Waldmesser erlegte. Im Drittel der Höhe hörte der Pfad auf,
-doch war es nicht schwierig durch den Wald zu gelangen, der mit Rohr
-dicht bewachsene obere Theil des Berges verursachte wiederum grosse
-Schwierigkeiten. Gegen zwölf erreichten wir die Gipfelplatte, die von
-keinem Krater durchbohrt, flach gewölbt, fast horizontal, und dicht mit
-Rohr bestanden ist. Ihre Höhe ergab sich = 1354 Meter. In kurzer Zeit
-bauten die unermüdlichen Cimarronen eine schöne grosse Rohrhütte: ein
-Zimmer für mich und das Gepäck, einen grossen Vorsaal für die Leute,
-ein besonderes Haus für die Küche. Leider war das Rohr so nass, dass
-es nicht brannte. Um etwas Brennholz zum Reiskochen zu haben, wurden
-dicke Aeste aus dem Walde geholt, und ihr verhältnissmässig trockner
-Kern mühsam herausgeschält. Die Schwefelhölzer waren so feucht, dass
-der Phosphor sich beim Reiben ablöste; auf Löschpapier gesammelt,
-mit dem geschwefeltem Ende des Zündholzes geknetet, ward er trocken,
-und entzündete sich durch die Reibung. Von anstehendem festem Gestein
-war nicht eine Spur zu sehn. Alles, von da ab wo der Pfad aufhörte,
-war dicht bewachsen, der Boden mit einer hohen Schicht feuchter
-Walderde bedeckt. Der folgende Morgen war hell und gestattete eine
-weite Rundsicht, aber noch ehe ich sie fertig gezeichnet, ward es
-wieder trübe, und als nach mehrstündigem Warten der Himmel sich mit
-dichten Regenwolken bezog, traten wir den Rückweg an.
-
-Auf dem Gipfel schwärmten viele Schmetterlinge umher. Wir konnten
-aber nur wenige fangen, da das Gehn zwischen den hohen Rohrstoppeln
-für nackte Füsse sehr beschwerlich war: von zwei Paar, aus Manila
-bezogenen neuen Schuhen hatten sich, noch ehe ich die Spitze erreichte,
-die nur leicht angehefteten Sohlen abgelöst, so dass ich den Weg nach
-Ligao barfuss zurücklegen musste.
-
-Am folgenden Tage ging mein spanischer Gastfreund zweimal nach dem
-Tribunal, um mir die zur Beförderung meiner Sammlungen nöthigen
-Büffelkarren zu verschaffen. Seine höflichen Bitten blieben ohne
-Erfolg; dem Befehl des Cura, der den Gobernadorcillo zu sich in's
-Haus beschied, wurde sogleich gehorcht. Für spanische Privatleute
-haben die einheimischen Behörden in der Regel wenig Rücksichten,
-sie begegnen ihnen nicht selten mit deutlicher Geringschätzung. Eine
-amtliche Empfehlung des Alkalden ist gewöhnlich wirksam, aber nicht
-in allen Provinzen, denn manche Alkalden schaden ihrem Ansehn, indem
-sie zur Förderung ihrer persönlichen Interessen die Mithülfe oder
-Verschwiegenheit der einheimischen Behörden in Anspruch nehmen.
-
-Ich schoss hier einige Paníkes, grosse Fledermäuse, mit Flügeln
-von fast fünf Fuss Spannweite, die im Tagesschlaf an den Aesten
-eines Baumes hingen (s. Reisesk. S. 216), darunter zwei Mütter
-mit unversehrten säugenden Jungen. Es sah rührend aus, wie sich
-die Thierchen fester und fester an den Körper der sterbenden Alten
-klammerten und auch noch nach erfolgtem Tode sie zärtlich zu herzen
-schienen; der anscheinenden Innigkeit lag aber nur Selbstsucht
-zu Grunde, denn als ihr Milchvorrath erschöpft, wurden die Alten
-rücksichtslos, wie leere Schläuche behandelt. Sobald die Jungen
-abgenommen wurden, frassen sie Bananen und lebten mehrere Tage lang
-bis ich sie in Spiritus steckte.
-
-Früh Morgens ritt ich auf dem Gaule des Pfarrers nach Legaspi, und
-Abends durch tiefen Schlamm zum Alkalden nach Albay. Wir befanden uns
-jetzt (Juni) mitten in der sogenannten trocknen Jahreszeit, es regnet
-aber fast täglich. Der Weg zwischen Albay und Legaspi war schlechter
-als je. Während meines Besuches ging vom Kommandanten der Falúas an
-der Südküste die Meldung ein, dass er zwei Seeräuberboote verfolgte
-als plötzlich sechs andre erschienen, um ihm den Rückweg abzuschneiden,
-weshalb er schleunig umkehrte. Die Falúas sind zwar stark bemannt, und
-mit Kanonen versehn, aber die von den Ortschaften der Küste gestellte
-Mannschaft ist gänzlich ungeübt im Gebrauch der Feuerwaffen, und hat
-solche Furcht vor den Moros, dass sie, wenn nur die geringste Hoffnung
-zur Flucht vorhanden, mit allen Kräften das Land zu erreichen sucht
-um davon zu laufen. Die Küstenorte, ohne andre Waffen als hölzerne
-Piken, waren den Seeräubern völlig preisgegeben, die in Catanduánes,
-Biri, und mehreren kleinen Inseln festen Stand gefasst hatten und
-ungestraft Schiffe kaperten oder am Lande Menschen raubten. Fast
-täglich wurden neue Räubereien und Mordthaten aus den Stranddörfern
-gemeldet. Die während des Raubzuges zum Rudern verwendeten Gefangenen
-werden schliesslich als Sklaven verkauft. Bei der Theilung sollen
-je zwei dem Dato, der die Schiffe ausgerüstet, einer der Mannschaft
-zufallen. [185] Zwar sind die Küstenfahrer in diesen Gewässern
-grösstentheils mit Geschützen versehn, doch liegen diese gewöhnlich
-im Schiffsraum, da Niemand an Bord damit umzugehn weiss. Sind die
-Kanonen auf Deck befestigt, so fehlen die Kugeln oder das Pulver, aber
-der Kapitän verspricht es das nächste Mal besser einzurichten. [186]
-Der Alkalde berichtete die Thaten der Seeräuber mit jeder Post nach
-Manila, wies auf die grossen dem Handel zugefügten Verluste, und auf
-die Pflicht der Regierung ihre Unterthanen zu schützen, um so mehr, als
-diesen keine Feuerwaffen gestattet sind. [187] Von den Bisaya-Inseln
-ertönten dieselben Hülferufe. Die Regierung war aber machtlos gegen das
-Uebel. Wurden die Klagen gar zu laut, so sandte sie in die am meisten
-heimgesuchten Gewässer ein Dampfboot, das fast nie einen Seeräuber zu
-sehn bekam, obgleich diese dicht vor und hinter ihm ihr Wesen trieben.
-
-In der Hauptstadt Samars traf ich später einen Regierungsdampfer,
-der seit vierzehn Tagen vergeblich gegen Piraten kreuzte; denn
-diese, gewöhnlich schon durch ihre Spione gewarnt, sehn den
-Rauch des Dampfbootes früh genug, um mit ihren flachen Kähnen zu
-entschlüpfen. Die Offiziere wussten von vornherein, dass ihre Fahrt
-schwerlich andern Erfolg haben würde, als den geschädigten Provinzen
-zu zeigen, dass ihr Nothschrei nicht unbeachtet blieb. [188]
-
-Es waren indessen damals schon 20 kleine Dampfkanonenboote von geringem
-Tiefgang in England bestellt und ihrer Vollendung nahe, sie wurden in
-Stücken um das Kap transportirt, die ersten beiden trafen bald darauf
-in Manila ein, die übrigen folgten, und es gelang ihnen den Archipel
-auf einige Zeit von dieser schweren Plage fast zu befreien [189],
-wenigstens von den ächten Moros, die jährlich aus der Solosee meist
-von der Insel Tavi-tavi kamen, im Mai nach den Bisayas gelangten,
-und dann ihre Raubzüge im Archipel fortsetzten, bis der Wechsel
-des Monsun im Oktober oder November sie zur Rückkehr zwang. [190]
-In den Philippinen erhielten sie neuen Zuwachs durch Vagabunden,
-Desertöre, entlassene Sträflinge, ruinirte Spieler. Aus denselben
-Elementen werden auch die Banden von Strassenräubern (Tulisánes)
-gespeist, die zuweilen sehr zahlreich auftreten und Streiche von
-ausserordentlicher Keckheit ausführen. Nicht lange vor meiner Ankunft
-waren sie in eine Vorstadt Manila's eingefallen und hatten in den
-Strassen mit dem Militär gekämpft. Ein Theil des letzteren pflegt
-regelmässig durch den Dienst gegen Tulisanes in Anspruch genommen zu
-werden. Die Räuber sollen in der Regel gegen ihre Opfer nicht grausam
-sein, wenn kein Widerstand geleistet wird. [191]
-
-In Legaspi fand ich mehrere Kisten mit Blechfuttern, die mit
-der Ueberlandpost nach 16 Monaten, statt nach 7 Wochen, für mich
-angekommen waren, da sie von Berlin über Triest versandt, wegen des
-italienischen Krieges dort liegen geblieben. Ihr fast ausschliesslich
-zum Gebrauch in den Philippinen bestimmter Inhalt war mir jetzt
-zum grössten Theil überflüssig. In einer Kiste befanden sich zwei
-mit Glasstöpseln verschlossene Fläschchen, die eine mit feuchtem
-Kohlenpulver, die andre mit feuchtem Lehm gefüllt, beide enthielten
-Samen von Victoria regia und Knollen rother und blauer Nymphäen. Die
-in der ersten Flasche waren verdorben -- wie sich erwarten liess;
-aber in der mit feuchtem Lehm gefüllten hatten zwei Knollen 1/2 Zoll
-lange Keime getrieben und sahen ganz gesund aus. Ich pflanzte sie
-sogleich; in einigen Tagen entwickelten sie kräftige Blätter. Eine
-dieser schönen, ursprünglich für den Buitenzorger Garten in Java
-bestimmten Pflanzen blieb in Legaspi, die andre sandte ich nach
-Manila, wo ich sie später in voller Blüthe wieder sah. Im Kohlenpulver
-hatten zwei Victoriakerne über einen Zoll lange Wurzeln gemacht,
-die aber abgefault, vielleicht auch bei der Zollrevision abgerissen
-und dann gefault waren, denn der Hals des Fläschchens war zerbrochen;
-das Kohlenpulver sah aus als wäre darin gerührt worden. Ich theilte dem
-Inspektor des Berliner botanischen Gartens den glänzenden Erfolg seiner
-Verpackungsart mit; er machte eine zweite Sendung direkt nach Java,
-die im besten Zustande ankam, so dass nicht nur die Victoria, sondern
-auch die von einem afrikanischen Vater und einer asiatischen Mutter
-in Berlin erzeugten rothen Teichrosen jetzt die Wasserbecken Java's
-(letztere Pflanzen vielleicht auch die der Philippinen) schmücken.
-
-Wegen der anhaltenden Regen benutzte ich zwei Backöfen, um meine
-Sammlungen vor dem Einpacken zu trocknen. Mein Diener verbrannte den
-grössten Theil, so dass der Rest in einer geräumigen Kiste Platz fand,
-die ich für einen Dollar erstand. Leider fehlte der Deckel. Um diesen
-zu beschaffen, musste ich zuerst einen Zimmermann, der wegen einer
-kleinen Schuld gefangen sass, frei machen, dann Vorschuss geben, um ein
-Brett zu kaufen und Vorschuss um das versetzte Handwerkzeug auszulösen;
-die endlich begonnene Arbeit wurde mehrere Male unterbrochen, weil
-ältere Vorschüsse ungestümer Gläubiger durch Arbeit getilgt werden
-mussten. Nach fünf Tagen war der Deckel fertig; er kostete drei Dollar,
-hielt aber nicht lange, denn schon in Manila musste er durch einen
-neuen ersetzt werden.
-
-In Legaspi fand ich Gelegenheit einen kleinen Schoner nach der Insel
-Samar zu benutzen, die SO. von Luzon, jenseits der 3 Leguas breiten
-S. Bernardino-Strasse liegt. Im Augenblick der Abreise verliess mich
-mein Diener »um ein wenig von den Strapazen auszuruhn« -- zu meinem
-grossen Bedauern, -- denn Pepe war gutmüthig, sehr anstellig und immer
-guter Laune. Er hatte in seinem Geburtsorte Cavite, wo viele spanische
-Soldaten und Seeleute leben, diesen manches abgesehn, und wurde
-scherzweis Español de Cavite genannt. Das Herumstreichen von einer
-Ortschaft zur andern gefiel ihm sehr, er machte schnell Bekanntschaft,
-und wusste sich bei den Frauen beliebt zu machen; denn er besass viele
-gesellige Talente, verstand auch Guitarre zu spielen und Büffelkühe
-zu melken. Kamen wir in ein Pueblo, wo eine Mestizin oder gar eine
-»Landestochter« (Kreolin) wohnte, so requirirte er, wenn es anging,
-sogleich eine milchende Büffelkuh, molk sie, brachte der Señora einen
-Theil der Milch und hielt, unter dem Vorgeben der Dolmetscher meiner
-Gesinnungen zu sein, eine so höfliche wohlgesetzte Rede, pries die
-Schönheit und Anmuth der Dame und liess sich mit demüthigster Miene
-so ungeheuerliche Reiseabenteuer abfragen, dass Ritter und Knappe
-in hellem Glanze strahlten. Das Geschenk war immer willkommen, (und
-brachte uns manch Körbchen Orangen ein); denn Büffelmilch ist zur
-Chocolade sehr beliebt, es kommt aber, wie es scheint, nur selten
-jemand auf den Einfall eine Kuh zu melken. Leider mochte Pepe nicht
-Berge steigen, und bekam Bauchweh, wenn er mich begleiten sollte,
-oder er verschenkte meine starken Schuhe oder liess sie stehlen; die
-einheimischen aber blieben unangetastet; denn er wusste wohl, dass
-sie fast nur zum Reiten taugen, woran auch er Freude hatte. In meiner
-Gesellschaft arbeitete er schnell und gern, aber allein langweilte
-es ihn, er fand überall Freunde, die ihn abhielten; dann liess er bei
-dem Abbalgen der Vögel das Fleisch in den Beinen sitzen, so dass sie
-verfaulten und fortgeworfen werden mussten. Noch unangenehmer war ihm
-das Packen, darum that er es so schnell als möglich, doch nicht immer
-mit genügender Sorgfalt, wie einmal, wo er Schuhe, Arsenikseife,
-Zeichnungen und Chocolade in ein Tuch zusammenband. Trotz solcher
-kleinen Mängel war er mir sehr nützlich und angenehm. Nach einer so
-unzivilisirten Insel, wie Samar, ging er aber nicht gern, und als er
-gar seinen Lohn für acht Monate auf einmal erhielt, und plötzlich ein
-kleiner Kapitalist war, konnte er der Versuchung nicht widerstehn,
-ein wenig von den Strapazen auszuruhn.
-
-
-
-
-
-
-
-
-NEUNZEHNTES KAPITEL
-
- REISEN IN SAMAR. -- WETTER. -- BEAMTENWAHL. -- NORDKÜSTE. --
- CATBALOGAN. -- FLATTERMAKIS. -- SCHLANGENBÄNDIGER. --
- TERTIÄRVERSTEINERUNGEN. -- STROMSCHNELLEN DES LOQUILOCUN. --
- GESPENSTERTHIER.
-
-
-Die Insel Sámar, von beinahe rhombischem Umriss, mit wenig ausgezackten
-Rändern, erstreckt sich NW.--SO. von 12° 37' bis 10° 54' N., ist im
-Mittel 22 M. lang und halb so breit; ihr Flächenraum beträgt über 220
-quadr. M. Im Süden wird sie durch die schmale San Juanico-Strasse
-von der Insel Leyte getrennt, mit welcher sie früher zu einer Provinz
-vereinigt war. Jetzt steht jede Insel unter einem besondern Guvernör.
-
-Von ältern Schriftstellern wird die Insel Tendaya, Ybabáo, auch Achan
-und Philippina genannt, später hiess die östliche Seite Ybabáo,
-die westliche Sámar, welches jetzt die amtliche Benennung für die
-ganze Insel ist; das östliche Gestade wird als die Contracosta
-unterschieden. [192]
-
-Der NO. Monsun überwiegt hier, wie an den Ostküsten Luzon's, an
-Dauer und Stärke den SW.-Monsun, dessen Gewalt durch die südwestlich
-liegenden Inseln gebrochen wird; während die NO. Winde mit ihrer ganzen
-Kraft und der Wucht ihrer im grossen Ozean aufgesogenen Wassermasse
-gegen die Küsten dieser östlichen Inseln anprallen. Im Oktober treten
-zwischen NW. und NO. schwankende, vorherrschend nördliche Winde ein,
-Mitte November wird der Nordost beständig und dauert, nur selten
-von Nord unterbrochen, bis zum April. Dies ist auch die Regenzeit;
-am nassesten sind Dezember und Januar, wo es zuweilen vierzehn Tage
-ohne Unterbrechung regnen soll. An der Nordküste bei Láuang dauert die
-Regenzeit von Oktober bis Ende Dezember. Januar bis April sind trocken;
-Mai, Juni, Juli Regen; August, September trocken. Es giebt also dort
-zwei nasse und zwei trockene Jahreszeiten. Von Oktober bis Januar
-kommen zuweilen heftige Stürme vor (Baguios = Taifun); sie beginnen
-gewöhnlich mit Nordwind, gehen nach Nordwest, von schwachem Regen
-begleitet, dann zurück nach N., mit zunehmender Stärke nach NO. und
-O., wo sie ihre grösste Gewalt erreichen, und dann mit schwachem
-Winde nach Süden übergehen; zuweilen aber drehen sie schnell durch
-Ost nach Süd und erlangen erst dort ihre grösste Kraft.
-
-Von Ende März bis Mitte Juni herrschen unbeständige östliche Winde
-(NO. O. SO.) mit sehr hoher See an der Ostküste. Der Mai ist gewöhnlich
-windstill. Im Mai und Juni häufige Gewitter, welche den SW.-Monsun
-einleiten, der in den Monaten Juli, August, September zur Geltung
-kommt, aber nie so beständig ist, wie der NO.. Die genannten drei
-Monate bilden die trockene Jahreszeit, sie wird aber von häufigen
-Gewittern unterbrochen. Es vergeht wohl keine Woche regenlos. In
-manchen Jahren findet an jedem Nachmittage ein Gewitter statt. In
-dieser Jahreszeit können Schiffe an der Ostküste anlegen; während
-des NO.-Monsun ist Schifffahrt dort nicht möglich. Diese allgemeinen
-Verhältnisse sind manchen örtlichen Abweichungen, namentlich an
-der Süd- und Westküste unterworfen, wo die Regelmässigkeit der
-Luftströmungen durch die davor liegenden, bergigen Inseln gestört
-wird. Nach dem Estado geogr. 1855 S. 345 tritt alljährlich bei dem
-Monsunwechsel, im September oder Oktober eine ausserordentlich
-(unter Umständen 60 bis 70 Fuss) hohe Fluth ein, Dolo genannt,
-die sich mit furchtbarer Gewalt gegen die Ost- und Südküste wirft,
-grossen Schaden anrichtet, aber eine Gezeit nicht überdauert. Das
-Klima von Samar und Leyte scheint an den Küsten sehr gesund zu sein
-und zu den zuträglichsten des Archipels zu gehören. Ruhr, Durchfall
-und Fieber kommen seltener vor als in Luzon; auch Europäer sollen
-ihren Anfällen hier weniger ausgesetzt sein als dort.
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-Samar ist fast nur an seinen Rändern von zivilisirten Indiern bewohnt,
-und zwar von Bisayern, die durch Sprache und Sitten etwa in demselben
-Grade von den Bicols verschieden sind, wie diese von den Tagalen. Im
-Innern fehlen Strassen und Dörfer beinahe gänzlich; es ist mit dichtem
-Walde bedeckt und dient unabhängigen Stämmen zum Aufenthalt, die etwas
-Ackerbau treiben (Knollengewächse und Bergreis), und die Produkte des
-Waldes sammeln, namentlich Harze, Honig und Wachs, woran die Insel
-sehr reich ist.
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-Am 3ten Juli verliesen wir Legáspi, schlichen, durch häufige
-Windstillen aufgehalten, am Nordrande von Albáy bis zur Punta Montúfar,
-dann an der kleinen Insel Viri vorbei, und erreichten Láuang erst
-am 5ten Abends. Das Gebirge von Bácon (Pocdol bei Coello), das mir
-auf früheren Reisen durch Nacht oder Nebel verborgen geblieben,
-zeigte sich im Vorüberfahren deutlich als ein Kegelberg, daneben
-ragte eine sehr schroffe tiefgefurchte Bergwand auf, anscheinend der
-Rest eines Ringgebirges. Nachdem der Steuermann, ein alter, aus der
-Gegend gebürtiger Indier, der die Reise schon oftmals gemacht, uns
-zuerst nach einem falschen Hafen gefahren, setzte er das Schiff auf
-der Barre fest, obgleich hinreichend Wasser vorhanden war, um bequem
-in den Hafen einzulaufen.
-
-Die Ortschaft Láuang (Láhuan) von mehr als 4500 Einwohnern, liegt
-zusammengedrängt auf dem 40 Fuss hohen Südwestrande der gleichnamigen
-kleinen Insel, durch einen Arm des Catúbig von Sámar getrennt. Nach
-einer verbreiteten Ueberlieferung lag der Ort früher auf Sámar
-selbst, inmitten seiner noch heut dort vorhandenen Reisfelder, bis
-wiederholte Ueberfälle von Seeräubern die Einwohner bewogen sich
-trotz der damit verbundenen Unbequemlichkeiten zu ihrem Schutz auf
-der Südkante der steil aus dem Meer emporsteigenden kleinen Insel
-anzusiedeln. [193] Diese besteht aus fast horizontalen, 8 bis 12 Zoll
-dicken Tuffbänken. Die an der Fluthgrenze von den Wellen fortwährend
-benagten Schichten veranlassen die obern Bänke abzubrechen, so dass
-die ziemlich gleich dicken, durch vertikale Sprünge zerklüfteten
-Schichtenköpfe wie Festungsmauern erscheinen. Die Kirche und das
-Convento haben des beschränkten Raumes wegen jeden flachen Absatz
-des Felsens in verschiedenen Höhen benutzen, sich der Oertlichkeit
-anbequemen müssen und sind daher, wohl ohne Absicht des Erbauers,
-ganz malerisch geworden.
-
-Der Ort liegt hübsch, die Häuser sind aber nicht, wie sonst häufig,
-von kleinen Gärten umgeben, es herrscht grosser Wassermangel und übler
-Geruch. Zwei oder drei spärliche Quellen, fast im Meeresniveau, liefern
-ein trübes, brackisches Wasser, mit dem die trägen Leute sich begnügen,
-so lange es eben ausreicht. Wohlhabende lassen ihr Wasser von Samar
-holen, wozu auch die Aermeren zuweilen durch das Versiegen der Quellen
-gezwungen werden. Zum Baden reicht das Quellwasser nicht aus, Seebäder
-sind nicht beliebt, die Leute sind daher sehr schmutzig. Ihre Kleidung
-ist dieselbe wie in Luzon, die Frauen tragen aber keinen Tapis, sondern
-nur Camisa (ein kurzes, die Brüste kaum deckendes Hemd) und Saya, meist
-aus grober, störriger Guinara, die hässliche Falten bildet und wenn
-nicht schwarz gefärbt, sehr durchscheinend ist. Schmutz und dezentes
-Wesen schützen aber mehr als dichte Gewänder. Die Bewohner von Láuang
-stehen wohl mit Recht in dem Ruf sehr träge zu sein. Ihr Gewerbfleiss
-beschränkt sich fast auf etwas Landbau, selbst der Fischfang wird so
-vernachlässigt, dass es häufig an Fischen mangelt. Eigene Schifffahrt
-ist kaum vorhanden, obgleich es keine Landstrassen giebt. Der Handel
-wird meist durch Schiffer aus Catbalógan betrieben, die den Ueberschuss
-der Ernten gegen andere Erzeugnisse eintauschen.
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-Vom Convento überblickt man einen Theil der Insel Samar, deren
-Bergformen die Fortsetzung der flachen Schichtung anzeigen. In der
-Mitte der Landschaft ragt in Entfernung einiger Meilen ein in der
-Geschichte der Gegend berühmter Tafelberg hervor. Dorthin hatten sich
-die Eingeborenen des nahen Dorfs Palápat, nachdem sie ihren Pfarrer,
-einen zu lüsternen Jesuitenpater, ermordet, zurückgezogen und Jahre
-lang mit den Spaniern Guerillakrieg geführt, bis sie endlich durch
-Verrath überwältigt wurden.
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-Das Innere der Insel ist schwierig zu bereisen, da keine Wege
-vorhanden sind; die Küsten werden sehr von Seeräubern heimgesucht. In
-den letzten vierzehn Tagen waren mehrere Pontins und vier mit Abacá
-beladene Schoner gekapert, die Mannschaft zum Theil grausam ermordet,
-ihre Leichname zerstückelt worden, -- eine Abweichung vom Brauch,
-denn gewöhnlich werden die Gefangenen während der Dauer des Raubzuges
-zum Rudern benutzt und später in den Inseln der Solosee als Sklaven
-verkauft. Es war gut, dass wir den Piraten nicht begegnet, denn
-obgleich wir vier kleine Kanonen an Bord führten, verstand Niemand
-ihre Behandlung. [194]
-
-Der zur Leitung der Wahlen für die Gemeindeämter erwartete Guvernör
-sandte, durch Krankheit verhindert, einen Stellvertreter. Da die Wahlen
-alljährlich im ganzen Lande nach derselben Vorschrift vollzogen werden,
-so mag diese, der ich beiwohnte, als Beispiel beschrieben werden:
-Sie findet im Gemeindehaus statt; am Tisch sitzt der Guvernör (oder
-sein Vertreter), ihm zur Rechten der Pfarrer, links der Schreiber,
-der zugleich Dolmetscher ist. Sämmtliche Cabezas de Barangay, der
-Gobernadorcíllo und die es früher gewesen, haben auf Bänken Platz
-genommen. Es werden zuerst durch das Loos je 6 von den Cabézas,
-und von den Gobernadorcillo's zu Wählern ernannt; der fungirende
-Gobernadorcíllo ist der dreizehnte, die Uebrigen verlassen den
-Saal. Nachdem der Vorsitzende die Statuten verlesen und die Wähler
-zur gewissenhaften Erfüllung ihrer Pflicht ermahnt, treten diese
-einzeln an den Tisch und schreiben drei Namen auf einen Zettel. Wer die
-meisten Stimmen hat, wird, wenn weder Pfarrer noch Wähler begründeten
-Einspruch erheben, sofort zum Gobernadorcíllo für das kommende Jahr
-ernannt, vorbehaltlich der Bestätigung der Oberbehörde in Manila,
-die wohl immer erfolgt, denn schon der Einfluss des Cura würde eine
-missliebige Wahl verhindern. Auf dieselbe Weise findet die Wahl der
-übrigen Beamten statt, nachdem zuvor der neue Gobernadorcillo in
-den Saal gerufen, damit er etwaige triftige Einwendungen gegen seine
-aus der Wahl hervorgehende künftige Beamten machen könne. Die ganze
-Handlung ging mit grosser Ruhe und Würde vor sich. [195]
-
-Am folgenden Morgen fuhr ich in Gesellschaft des gefälligen Pfarrers,
-dem sich fast alle Knaben des Dorfes anschlossen, in einem grossen Boot
-nach Samar über. Von elf kräftigen Gepäckträgern, die der Vertreter des
-Guvernörs für mich ausgewählt hatte, bemächtigten sich vier einiger
-Kleinigkeiten und eilten damit voraus, drei andere verbargen sich im
-Gebüsch, vier waren schon in Láuang davongelaufen. Das Gepäck wurde
-auseinandergenommen, unter die zurückgeholten vier Träger und die zum
-Vergnügen mitgegangenen kleinen Jungen vertheilt. Wir folgten dem
-Seestrand in westlicher Richtung und erreichten sehr verspätet die
-nächsten Visitas, wo es dem Cura nach vieler Mühe gelang, die fehlenden
-Träger zu ersetzen. Westlich von der Mündung des Pambújan springt
-eine Landzunge in's Meer, ein Lieblingsaufenthalt der Seeräuber, da
-sie dort im Walde verborgen, den Strand übersehen können, der sich
-zu beiden Seiten in weiten Bogen ausdehnt und die einzige Strasse
-zwischen Láuang und Catárman bildet. Schon viele Menschen sind hier
-geraubt worden und nur mit genauer Noth war der mich bis hierher
-begleitende Pater vor einigen Wochen dieser Gefahr entgangen.
-
-Der letzte Theil der Tagereise verlief sehr munter. Ein vorausgesandter
-Bote hatte an allen Flussmündungen Kähne stellen lassen; da man in
-diesem Gebiet kaum andre Europäer kennt, als Geistliche, so wurde
-ich in der Dunkelheit für einen Kapuziner im Reiseanzug gehalten,
-die Männer leuchteten mir mit Fackeln bei der Ueberfahrt, die Frauen
-drängten sich heran um mir die Hand zu küssen. Ich übernachtete
-unterwegs und gelangte am folgenden Tage nach Catárman (Caladman auf
-Coellos Karte), einem reinlichen, geräumigen Ort von 6358 Seelen, an
-der Mündung des gleichnamigen Flusses. Sechs Pontins aus Catbalógan
-lagen dort um Reis für Albáy zu laden. Die Bewohner der Nordküste
-sind zu schlechte Seefahrer, um ihre Produkte selbst auszuführen;
-sie überlassen es den Leuten aus Catbalógan, die, weil es ihnen an
-Reisfeldern mangelt, gezwungen sind, ihre Thätigkeit auf anderen
-Gebieten zu entfalten.
-
-Früher mündete der Fluss von Catárman weiter östlich und war sehr
-verschlämmt. Im Jahre 1851 bahnte er sich in dem lockeren, aus
-Quarzsand und Muscheltrümmern bestehenden Boden nach anhaltendem,
-heftigen Regen einen neuen, kürzeren Ausgang zum Meer, den jetzigen
-Hafen, in welchem Schiffe von 200 Tonnen unmittelbar am Lande laden
-können, zerstörte aber dabei den grössten Theil des Dorfes, auch die
-steinerne Kirche und Priesterwohnung. In dem neuen Convento sind zwei
-Säle, der eine von 16,2×8,8, der andre von 9×7,6 Schritt Inhalt,
-mit Brettern aus einem einzigen Ast eines Dipterocarpus (guiso)
-gedielt. Den Schritt = 30 Zoll, die Dicke der Bretter mit Inbegriff
-der Abfälle zu einem Zoll angenommen, entspricht dies einem festen
-Holzblock, so hoch wie ein Tisch (2 1/2'), ebenso breit und 18' lang,
-etwa 110 Cubikfuss. [196] Die Häuser sind von Gärten umgeben, zum Theil
-auch nur von Einzäunungen, in denen Unkraut wuchert. Bei dem Neubau
-des Dorfes nach der grossen Wasserfluth wurde die Anlage von Gärten
-befohlen; es fehlt aber oft der Fleiss, sie zu erhalten. Südlich vom
-Dorf dehnen sich Weideplätze aus, mit feinem kurzem Grase bewachsen,
-doch ist mit Ausnahme einiger dem Cura gehörenden Rinder und Schafe,
-kein Vieh vorhanden.
-
-Immer noch ohne Diener, fuhr ich mit meinem Gepäck in zwei kleinen
-Kähnen den Fluss hinauf, an dessen beiden Seiten sich Reisfelder
-und Kokoshaine ausbreiten, die aber, durch einen dichten Saum von
-Nipapalmen und hohem Rohr verborgen, nur durch gelegentliche Lücken
-sichtbar sind. Die zuerst flachen, sandigen Ufer werden allmälig
-steiler, bald zeigt sich anstehendes Gestein, feste Bänke von
-sandigem Thon, mit seltenen Spuren undeutlicher Versteinerungen. Eine
-kleine Muschel [197] hat an der Wassergrenze so zahlreiche Löcher
-in die Thonbänke gebohrt, dass diese wie Honigwaben aussehn. Um
-12 kochten wir unsern Reis in einer einzeln stehenden Hütte bei
-freundlichen Leuten. Die Frauen, die wir in zerlumpten, schwarzen
-Guináragewändern überraschten, zogen sich beschämt zurück und
-erschienen bald darauf in sauberen bunten Sayas, messingenen Ohrringen
-und Schildkrötenkämmen. Als ich ein kleines nacktes Mädchen zeichnete,
-nöthigte die Mutter sie ein Hemd anzuziehn. Um 2 bestiegen wir die
-Boote wieder, ruderten die ganze Nacht und erreichten um 9 Vormittags
-eine kleine Visita, Cobocóbo. Nach Abzug der zweistündigen Mittagsrast
-hatten die Leute 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet und waren guter
-Dinge, wenn auch etwas müde.
-
-Um 2 1/2 Uhr traten wir den Landweg über die Salta Sangley
-(Chinesensprung) nach Tragbúcan an, welches in gerader Richtung etwa
-eine Meile entfernt, an der Stelle liegt, wo der an der Westküste bei
-Punta Hibáton mündende Calbáyot für Nachen schiffbar wird. Mittelst
-dieser beiden Flüsse und des kurzen aber beschwerlichen Landwegs
-besteht eine Verbindung zwischen den bedeutenden Ortschaften Catárman
-an der Nordküste und Calbáyot an der Westküste. Der Landweg, im besten
-Falle ein schmaler, von der Sonne nicht beschienener Pfad im dichten
-Walde, oft nur eine Richtung, führt über schlüpfrige Thonrücken,
-verschwindet in den Schlammpfützen der dazwischen liegenden Niederungen
-und läuft zuweilen im Bett der Bäche hin. Die Wasserscheide zwischen
-dem Catárman und Calbáyot wird von der genannten Salta Sangley,
-einem flachen, aus Thon- und Sandsteinbänken bestehenden, nach
-beiden Seiten treppenförmig absteigenden Rücken gebildet, von der
-das oben angesammelte Wasser in kleinen Kaskaden herabfällt. An den
-schwierigsten Stellen sind rohe Bambusleitern angebracht. Ich zählte 15
-Bäche auf der NO. Seite, die den Catárman speisen und etwa ebenso viele
-Zuflüsse des Calbáyot auf der SW. Seite. Um 5 Uhr 40 Minuten erreichten
-wir den höchsten Punkt der Salta Sangley (etwa 90' Meereshöhe). Um 6
-Uhr 30 Minuten einen Fluss, den oberen Lauf des Calbáyot, in dessen
-Bett wir wanderten, bis die zunehmende Tiefe uns zwang, im Dunkeln
-unsern Weg mühsam durch das Unterholz an seinem Rande zu bahnen;
-um 8 Uhr befanden wir uns der Visita Tragbúcan gegenüber.
-
-Der Fluss war hier bereits 6 Fuss tief, ein Nachen nicht
-vorhanden. Nach langem Rufen, Bitten und Drohen entschlossen sich
-die durch einen Revolverschuss aus dem Schlafe geschreckten Leute ein
-Bambusfloss zu bauen, auf dem sie uns und unser Gepäck übersetzten. Das
-nur aus wenigen ärmlichen Hütten bestehende Oertchen liegt hübsch,
-von bewaldeten Hügeln umgeben, auf einer Sandplatte 50 Fuss über dem
-schilfbesäumten Fluss.
-
-Dank der Rührigkeit des mich begleitenden Teniente von Catárman war
-in aller Frühe ein Boot herbeigeschafft worden, so dass wir um 7
-Uhr die Reise fortsetzen konnten. Die Ufer blieben 20 bis 40 Fuss
-hoch. Ausgenommen das Schreien einiger Nashornvögel, die auf den
-höchsten Bäumen von Ast zu Ast flatterten, nahmen wir keinen Laut,
-keine Spur von Thierleben wahr. Um 11 1/2 Uhr gelangten wir an eine
-kleine Visita, Taibágo, um 1 Uhr 35 Minuten an eine ähnliche, Magubáy,
-und nach zweistündiger Mittagsrast, um 5 Uhr an eine Stromschnelle, die
-wir geschickt, fast ohne Wasser zu schöpfen, hinabglitten. Der bisher
-im Mittel 30 Fuss breite, wegen vieler hineingestürzter Baumstämme
-schwierig zu befahrende Fluss wird hier doppelt so breit. Gegen 11 Uhr
-Nachts erreichten wir das Meer und ruderten bei völliger Windstille
-1 Legua weit die Küste entlang nach Calbáyot, dessen Convento eine
-herrliche Aussicht auf die davorliegenden Inseln gewährt.
-
-Ein Gewittersturm zwang uns, die Fahrt nach der 7 Leguas entfernten
-Hauptstadt Catbalógan (oder Catbalónga) auf den Nachmittag zu
-verschieben. Wir fuhren in einem langen, aus einem Baumstamme
-gezimmerten, mit Ausriggern versehenen Boote am Strande hin, an welchem
-sich eine Reihe niedriger bewaldeter Hügel mit vielen kleinen Visitas
-hinzieht, und umschifften mit einbrechender Dunkelheit die Spitze
-Napalísan, einen Felsen aus trachytischem Konglomerat, der durch
-senkrechte Klüfte mit abgerundeten Kanten in eine Reihe thurmartiger
-Vorsprünge gegliedert, 60 Fuss hoch wie eine Ritterburg aus dem Meere
-hervorragt. Nachts erreichten wir Catbalógan, die Hauptstadt der Insel
-(6000 E.) in der Mitte des Westrandes gelegen, in einer kleinen von
-Eilanden und Landzungen malerisch umgebenen Bucht, schwer zugänglich
-und dennoch wenig geschützt. -- Nicht Ein Fahrzeug ankerte im Hafen.
-
-Die Häuser, darunter viele von Brettern, sind zierlicher als in
-Camarínes, die Leute zwar träge, aber bescheidener, ehrlicher,
-gutmüthiger und von reineren Sitten als die Bewohner Süd-Luzon's. Durch
-die gefällige Verwendung des Guvernörs erhielt ich schnell eine
-geräumige Wohnung und einen Diener, der Spanisch verstand. Auch traf
-ich hier einen sehr intelligenten Indier, der sich grosse Fertigkeit in
-den verschiedensten Handwerken angeeignet hatte. Mit dem einfachsten
-Werkzeug besserte er manches an meinen Instrumenten und Apparaten,
-deren Zweck er schnell begriff, zur vollständigen Zufriedenheit aus
-und gab viele Proben bedeutender geistiger Fähigkeit.
-
-In Samar sind Flattermakis oder Lemure, Káguang der Bisayer,
-Galeopithecus, nicht selten. Die Thiere, von der Grösse einer
-Hauskatze, gehören zu den Vierhändern, sind aber, ähnlich wie die
-fliegenden Eichhörnchen, mit einer am Halse entspringenden, über
-Vorder-, Hinterglieder und Schwanz reichenden Flatterhaut versehn,
-vermittelst welcher sie von einem Baum zum andern in einem sehr
-stumpfen Winkel gleiten können. [198] Körper und Flatterhaut sind mit
-einem sehr zarten kurzen Pelz bekleidet, der dem Chinchilla an Feinheit
-und Weiche wohl kaum nachsteht, und deshalb sehr gesucht ist. Während
-meiner Anwesenheit trafen zum Geschenk für den Pfarrer sechs lebende
-Káguangs ein (drei hellgraue, ein dunkelbrauner, zwei graubraune,
-alle mit kleinen weissen unregelmässig vertheilten Flecken), von
-denen ich ein Weibchen mit ihrem Jungen erhielt.
-
-Es schien ein harmloses ungeschicktes Thier. Als es von seinen
-Fesseln befreit war, blieb es am Boden liegen, alle vier Glieder
-von sich gestreckt, die Erde mit dem Bauch berührend und hüpfte dann
-in kurzen schwerfälligen Sprüngen, ohne sich dabei emporzurichten,
-nach der nächsten Wand, die aus gehobelten Brettern bestand. Dort
-angekommen tastete es lange mit den einwärts gebogenen scharfen
-Krallen seiner Vorderhände umher, bis ihm endlich die Unmöglichkeit
-an jener Stelle emporzuklettern klar geworden. Gelang es ihm in
-einer Ecke oder mit Benutzung einer gelegentlichen Spalte, einige
-Fuss aufwärts zu klimmen, so fiel es alsbald wieder herab, weil es
-die verhältnissmässig sichere Stellung seiner Hinterglieder aufgab,
-bevor die Krallen der vorderen festen Halt gefunden hatten; es nahm
-aber keinen Schaden, da die Jähheit des Falles durch die schnell
-ausgespannte Flughaut gebrochen wurde. Diese mit unerschütterlicher
-Beharrlichkeit fortgesetzten Versuche zeigten einen auffallenden
-Mangel an Urtheil, das Thier muthete sich viel mehr zu, als es
-ausführen konnte; daher blieben seine Bemühungen erfolglos, stets
-aber fiel es ohne sich zu verletzen, Dank dem Fallschirm, womit die
-Natur es ausgestattet hatte. Wäre der Káguang nicht gewöhnt sich so
-ganz und gar auf diese bequeme Vorrichtung zu verlassen, so hätte
-er wohl seinen Verstand mehr gebrauchen, seine Kräfte richtiger
-beurtheilen gelernt. Das Thier hatte seine fruchtlosen Versuche so
-oft wiederholt, dass ich es nicht weiter beachtete, -- nach einiger
-Zeit war es verschwunden. Ich fand es in einem dunklen Winkel unter
-dem Dache wieder, wo es wahrscheinlich die Nacht erwarten wollte,
-um seine Flucht fortzusetzen. Offenbar war es ihm gelungen den
-oberen Rand der Bretterwand zu erreichen und zwischen dieser und
-der festaufliegenden elastischen Decke aus Bambusgeflecht seinen
-Körper durchzuzwängen. Das arme Geschöpf, das ich voreilig für dumm
-und ungeschickt gehalten, hatte unter den gegebenen Umständen die
-grösstmögliche Geschicklichkeit, Klugheit und Beharrlichkeit gezeigt.
-
-Ein zum Besuch anwesender Padre aus Calbígan versprach mir so viele
-Wunder in seinem Gebiet, -- eine Fülle der seltsamsten Thiere, höchst
-unzivilisirte Cimarronen, -- dass ich ihn am folgenden Tage auf
-seiner Heimreise begleitete. Eine Stunde nach der Abfahrt erreichten
-wir die kleine Insel Majáva, die aus steil aufgerichteten Schichten
-eines festen, feinkörnigen vulkanischen Tuffes mit kleinen glänzenden
-Hornblendekrystallen besteht. Die Insel Buat (Coello's Karte) wird
-von unsern Schiffern Tubígan genannt. In 3 Stunden gelangen wir
-nach Umáuas, einem Filial von Calbígan. Es liegt 50 Fuss über dem
-Meer in einer Bucht, vor welcher sich, wie so oft an dieser Küste,
-eine Reihe kleiner malerischer Inseln hinzieht, 4 Leguas genau
-S. von Catbalógan. Calbígan aber, das wir gegen Abend erreichten,
-liegt von Reisfeldern umgeben 2 Leguas NNO. von Umáuas, 40 Fuss
-hoch über dem gleichnamigen Fluss, fast anderthalb Leguas von dessen
-Mündung. An den Ufern des Calbígan ist ein Baum mit schön violblauen
-Blüthenrispen besonders häufig, er liefert das geschätzteste Bauholz
-der Philippinen, das dem Teak gleichgeachtet und wie dieses zu
-den Verbenaceen gehört. Sein inländischer Name ist Molave. (Vitex
-geniculata Blanco.) [199]
-
-Nach der Versicherung glaubwürdiger Männer soll es in hiesiger Gegend
-Schlangenbändiger geben. Sie pfeifen die Schlangen angeblich aus ihren
-Schlupfwinkeln herbei, lassen sie nach ihrem Willen sich bewegen oder
-innehalten und hantiren sie nach Belieben, ohne von ihnen verletzt
-zu werden. Den berühmtesten derselben hatten aber die Seeräuber
-vor Kurzem fortgeschleppt, ein zweiter war zu den Cimarronen in
-die Berge entwichen, ein dritter, dessen Ruf nicht recht begründet
-schien, begleitete mich bei meinen Ausflügen, entsprach aber nicht
-den Schilderungen seiner Freunde. Zwei Giftschlangen [200], die
-wir unterwegs trafen, fing er, indem er sie geschickt, unmittelbar
-hinter dem Kopf packte, so dass sie wehrlos waren, und wenn er
-ihnen still zu liegen befahl, so setzte er ihnen zuvor den Fuss
-auf den Nacken. Ich verletzte mir auf der Jagd, an einem im Schlamm
-verborgenen spitzen Ast, den Fuss so erheblich, dass ich unverrichteter
-Sache nach Catbalógan zurückkehren musste. Die Bewohner von Calbígan
-gelten für thätiger und umsichtiger als die übrigen der Westküste,
-auch ihre Ehrlichkeit wird gerühmt. Ich fand sie sehr anstellig,
-das Sammeln und Zubereiten von Pflanzen und Thieren schien ihnen
-Freude zu machen, gern hätte ich einen Diener von hier mitgenommen;
-sie trennen sich aber so schwer von ihrem Dorf, dass alle Bemühungen
-des Pfarrers, einen zur Mitreise zu bewegen, erfolglos blieben.
-
-In geringer Entfernung NW. von Catbalógan gewahrt man bei Ebbe in
-weniger als 2 Faden Tiefe einen der üppigsten Korallengärten. Auf
-einem bunten Teppich von Kalkpolypen und Schwämmen erheben sich wie
-Staudengewächse Gruppen von lederartigen, fingerdicken Stielen, deren
-oberes Ende dicht mit Polypen besetzt ist (Sarcophyton pulmo Esp.), die
-ihre in den schönsten Farben schillernden Tentakelrosen weit geöffnet
-haben, so dass sie wie Blumen in voller Blüthe erscheinen. Sehr grosse
-Serpeln strecken aus ihren Kalkröhren zierliche rothe, blaue und gelbe
-Fühlerkronen heraus, dazwischen wuchern fein gefiederte Plumularien;
-kleine Fische von wunderbar prächtigen Farben tummeln sich in diesen
-Nixengärten.
-
-Nachdem Stürme und die Flucht meines Dieners, der das ihm anvertraute
-Geld beim Hahnenkampf verspielt hatte, mich einige Tage in der
-Hauptstadt aufgehalten, fuhr ich die Bucht hinauf, die sich im S. von
-Catbalógan, WO. bis Paránas erstreckt. Der Nordrand derselben besteht
-aus NS. streichenden, gleich hohen, regelmässigen, von W. sanft
-ansteigenden, nach O. steil abfallenden Erdwogen, die gegen das Meer
-scharf abschneiden; 9 kleine Dörfchen liegen an dieser Küste zwischen
-Catbalógan und Paránas, sie ziehn sich unter Kokos- und Betelpalmen
-in vereinzelten Häusergruppen von den Mulden aus die westlichen,
-sanften Abhänge hinauf und endigen, indem sie den Gipfel erreichen,
-mit einem kleinen Castillo, das schwerlich Schutz gegen die Seeräuber,
-aber fast immer einen hübschen landschaftlichen Punkt gewährt. Vor
-dem Südrande der Bucht und nach SW. hin sieht man viele kleine Inseln
-und bewaldete Felsen, im Hintergrunde die Berge von Leyte, sich zu
-immer wechselnden Veduten verschieben.
-
-Da die Leute bei schwüler Hitze, völliger Windstille und fast
-wolkenlosem Himmel beinahe so viel schliefen als ruderten, so
-erreichten wir erst Nachmittags Paránas, ein sauberes zwischen 20
-und 150 Fuss Meereshöhe an einem Abhang gelegenes Dorf. Die am Meere
-senkrechten Wände bestehn aus grauen gegen das Land einfallenden
-Thonbänken, und werden überlagert von einer Schicht Muscheltrümmer,
-deren Zwischenräume mit Thon ausgefüllt sind; über dieser liegt eine
-festere, durch Kalk verkittete Breccie, aus eben solchen Bruchstücken
-bestehend. In den Thonbänken finden sich wohlerhaltene Versteinerungen,
-in Farbe, Habitus, und Vorkommen manchen deutschen Tertiärbildungen
-zum Verwechseln ähnlich; die Breccien sind gleichfalls fossil,
-vielleicht auch tertiär; jedenfalls liess sich die Identität der
-wenigen darin erkennbaren Cerithien, Pecten und Venus mit lebenden
-Arten nicht feststellen. [201]
-
-Am folgenden Morgen fuhr ich nördlich in einem schmalen Kanal
-durch einen stinkenden Rhizophorensumpf und setzte dann die Reise
-zu Lande nach einem kleinen, im Walde gelegenen Dörfchen Loquilócun
-fort. Halbwegs durchfurtheten wir einen 20' breiten, OW. strömenden
-Fluss, mit steilen durch Leitern zugänglich gemachten Uferwänden.
-
-Da ich noch immer lahmte (Fusswunden heilen sehr schwer in heissen
-Ländern), liess ich mich einen Theil des Weges auf landesübliche Weise
-tragen: der Reisende liegt in einer an einem Bambusrahmen befestigten
-Hängematte; eine III versinnlicht die Vorrichtung: der mittlere Strich
-stellt die Hängematte, der Rest den Rahmen dar, dessen hervorragende
-Enden vier rüstige Polistas auf die Schultern nehmen. Etwa alle zehn
-Minuten werden die Träger durch andre abgelöst. Zum Schutz gegen
-Sonne und Regen ist der Rahmen mit einem leichten Pandanusdach versehn.
-
-Die Wege, die man nach Analogie von Unmensch und Unwetter Unwege nennen
-könnte, waren ziemlich so schlecht, wie die bei der Salta-Sangley;
-mit Ausnahme des zuweilen bequemen Seestrandes scheinen in Samar keine
-bessere vorhanden. Nach 3 Stunden gelangten wir an den Loquilócun,
-der von Norden kommend, dort seinen südlichsten Punkt erreicht, dann
-NO. dem grossen Ozean zufliesst. Ich fand hier durch die liebenswürdige
-Fürsorge des Guvernörs zwei kleine Nachen bereit, die durch je zwei
-in den äussersten Spitzen hockende Männer mit bewundernswürdiger
-Gewandtheit getrieben zwischen den Baumstämmen und Felsen im Bett des
-reissenden Bergstromes durchschlüpften. Unter lautem Jauchzen glitten
-beide Kähne einen 1 1/2 Fuss hohen Fall hinab, ohne Wasser zu schöpfen.
-
-Das Dörfchen Loquilócun liegt in drei Häusergruppen auf drei
-Hügeln. Die Bewohner waren sehr freundlich, gefällig, bescheiden
-und so erfolgreich im Sammeln, dass mein mitgeführter Weingeist
-schnell verbraucht war; in Catbalógan konnten meine Boten nur
-einige Flaschen auftreiben, und meine eignen Vorräthe waren durch
-ungeschickte Zuvorkommenheit eines zu gefälligen Freundes in falscher
-Richtung gesandt, und erreichten mich erst nach Monaten wieder;
-der in Samar käufliche Palmenwein war zu schwach. Täglich fuhren
-ein oder zwei Nachen aus, um für mich zu fischen, doch erhielt ich
-nur wenige Individuen, die fast ebenso vielen Arten und Gattungen
-angehörten. Wahrscheinlich hat der Missbrauch, die Fische durch
-Vergiftung des Wassers zu tödten (es wird hier die zerklopfte Frucht
-einer Barringtonia dazu verwendet) den Fluss so fischleer gemacht.
-
-Nach einigen Tagen verliessen wir das Oertchen um 9 Uhr 30 Minuten
-Vormittags, enggepackt in zwei kleinen Nachen, und waren, als wir um
-1 Uhr 7 Minuten Dini, eine bewohnte Hütte im Walde erreichten, über 40
-Stromschnellen von 1 bis 1 1/2 Fuss und mehr Tiefe hinabgestiegen. Die
-bedeutendsten derselben haben Namen, die auf der Coelloschen Karte
-richtig angegeben sind. Folgendes sind ihre Abstände nach der Uhr:
-10 Uhr enge Felsenschlucht, an deren Ende das Wasser mehrere Fuss tief
-in ein grösseres Becken stürzt. Die Kähne, die bisher mit wunderbarer
-Geschicklichkeit, wie gewandte Pferde zwischen allen Hindernissen
-des Flussbettes und über alle Sprudel und Schwellen, fast ohne Wasser
-zu schöpfen, geglitten, werden ausgeladen, es bleiben nur 2 Mann in
-jedem Nachen zurück, die laut jauchzend hinabschiessen, wobei sich
-die Kähne bis an den Rand füllen.
-
-Dem Wasserfall gegenüber war eine Schuttbank angeschwemmt, in welcher
-sich, ausser Trümmern des anstehenden Gesteins, sehr abgeschliffene
-Gerölle von Porphyr und Jaspis, auch einige Stücke Kohle mit vielem
-Schwefelkies fanden, die wohl zur Regenzeit weiter oberhalb in
-den Fluss gelangen; ihr Ursprung war den Schiffern unbekannt. --
-11 Uhr 56 Minuten bis 12 Uhr: ununterbrochene Reihe von Schnellen,
-die mit grösster Gewandtheit, ohne Wasser zu schöpfen, überwunden
-wurden. Etwas tiefer, um 12 Uhr 3 Minuten nahmen wir so viel Wasser
-ein, dass wir landen und ausschöpfen mussten. Um 12 Uhr 15 Minuten die
-Fahrt fortgesetzt, der Fluss war nun durchschnittlich 60 Fuss breit. Im
-Waldrande machen sich eine kaum 10' hohe, schlanke Palme durch
-ihre Häufigkeit und viele Phalaenopsis durch seltene Blüthenpracht
-bemerklich. Weder Vögel noch Affen noch Schlangen wurden wahrgenommen,
-doch sollen grosse, bis schenkeldicke Python nicht selten sein.
-
-Um 12 Uhr 36 Minuten gelangten wir an eine der schwierigsten Stellen,
-eine Reihe von Schwellen mit vielen aus dem Wasser aufragenden Felsen,
-zwischen welchen die in vollem Schuss befindlichen Nachen mit schnellen
-Wendungen glücklich durchschlüpfen. Das Wagstück wurde von beiden
-Mannschaften mit gleicher Meisterschaft unter äusserster Anspannung
-ihrer Kräfte ausgeführt. -- 1 Uhr 17 Minuten Ankunft bei Dini, dem
-bedeutendsten Wasserfall der ganzen Strecke. Hier mussten die Kähne
-mit Zuhülfenahme der von den hohen Waldbäumen wie Taue herabhängenden
-Lianen aus dem Wasser gezogen und über die Felsen geschleppt werden. --
-2 Uhr 21 Minuten Fortsetzung der Reise. -- 2 Uhr 28 Minuten bis 2 Uhr
-30 Minuten eine unregelmässige, aus vielen Stufen gebildete Treppe
-hinabgestiegen, viel Wasser geschöpft. Bisher floss der Loquilócun in
-einem Felsenbett mit meist steilen Ufern, zuweilen auf lange Strecken
-unter einem dichten Laubgewölbe, von welchem mächtige Ranken und
-mehr als Klafter lange zierliche Farne herabhingen. Hier öffnet sich
-die Gegend etwas; es zeigen sich flache Hügel mit niedrigem Gebüsch,
-im NW. höhere bewaldete Berge. Während der letzten zwei Stunden von
-einem Sturzregen begleitet, erreichen wir um 5 Uhr 30 Minuten ein
-einzelnes Haus mit freundlichen Leuten, wo Nachtquartier gemacht wird.
-
-Am folgenden Morgen wurde die Fahrt stromabwärts fortgesetzt. Nach
-10 Minuten glitten wir den letzten Wasserfall hinunter, zwischen
-weissen marmorartigen mit herrlichstem Pflanzenwuchs beladenen
-Kalkfelsen. Ganze Aeste voll Phalaenopsis (P. Aphrodite
-Reichb. fls.) ragten über den Fluss; wie grosse prächtige
-Schmetterlinge schwebten ihre Blüthen über der schäumenden Fluth. Zwei
-Stunden später ist der Strom 200' breit geworden und schleicht,
-nachdem er von Loquilócun eine 50 Meter hohe Treppe herabgesprungen,
-in gemächlichen Windungen durch flaches Schwemmland der Ostküste zu,
-ein breites Aestuar bildend, an dessen rechtem Ufer, eine halbe Legua
-vom Meer entfernt, die Ortschaft Jubásan oder Paríc (2300 Seelen)
-liegt; sie giebt dem untern Lauf des Stromes ihren Namen. Hier
-verliessen mich die trefflichen Männer von Loquilócun, um die sehr
-beschwerliche Rückfahrt anzutreten.
-
-Durch Sturm aufgehalten konnte ich mich erst am folgenden Tage
-nach Túbig (2858 E.), südlich von Paríc, einschiffen. Immer noch
-an anstrengenden Märschen verhindert, fuhr ich im Ruderboot die
-Küste entlang von Túbig nach Boróngan (7685 E.), bei dessen eben
-so intelligentem als gefälligen Pfarrer ich einige Tage verweilte,
-und setzte dann die Fahrt nach Guíuan (auch Guiuang, Guiguan) fort,
-der bedeutendsten Ortschaft Samars (10781 E.), auf einer schmalen
-von der SO. Spitze der Insel ins Meer ragenden Landzunge gelegen.
-
-Dicht am Strande bricht bei letzterem Ort aus fünf bis sechs Oeffnungen
-eine wasserreiche, schwach nach Schwefelwasserstoff riechende Quelle
-aus, die während der Fluth vom Meer bedeckt, bei Ebbe frei liegt,
-so dass sie dann kaum merklich salzig schmeckt. Zur Untersuchung
-des Wassers wurde durch Einsenken eines hohen bodenlosen Topfes ein
-Brunnen geschaffen und nachdem das Wasser eine halbe Stunde lang
-übergeflossen, eine Probe genommen, die leider später abhanden
-kam. Wärme des Quellwassers 8 Uhr Vorm.: 27°7., der Luft: 28°7,
-des Meerwassers: 31°2 C. Die Quelle dient den Frauen zum Färben
-ihrer Sarongs. Die mit dem Absud einer gerbestoffreichen Rinde
-getränkten Stoffe (Abacázeuge erhalten zuvor eine Kalkmilchbeize)
-werden, nachdem sie an der Sonne getrocknet, bei Ebbe in die Quelle
-gelegt, während der Fluth herausgenommen, getrocknet, in Rindenabsud
-getaucht und nass wieder in die Quelle gelegt; dies wird drei Tage
-lang wiederholt. Das Ergebniss ist ein dauerhaftes, aber hässliches
-Dintenschwarz (gallussaures Eisenoxyd).
-
-In Loquilócun und Borongan hatte ich Gelegenheit, zwei lebende
-Gespensterthiere [202] zu kaufen. Diese äusserst zierlichen, seltsamen,
-zu den Halbaffen gehörenden Thierchen sollen, wie man in Luzon und
-Leyte versicherte, nur in Samar vorkommen und ausschliesslich von
-Holzkohle leben. Mein erster Mago musste anfänglich etwas hungern, denn
-Pflanzenkost verschmähte er, in Bezug auf Insekten war er wählerisch;
-lebende Heuschrecken frass er mit grossem Behagen. [203] Es sah
-äusserst drollig aus, wie das Thier, wenn es bei Tage gefüttert wurde,
-aufrecht stehend, auf seine beiden dünnen Beine und den kahlen Schwanz
-gestützt, den grossen kugelrunden, mit gewaltigen gelben Uhuaugen
-versehenen Kopf nach allen Richtungen bewegte, wie eine Blendlaterne
-auf einem Statif mit Kugelgelenk. Nur allmälig gelang es ihm, seine
-Augen auf den dargebotenen Gegenstand richtig einzustellen; hatte es
-ihn aber endlich wahrgenommen, so reckte es plötzlich beide Aermchen
-seitwärts, etwas nach hinten aus, wie ein Kind, das sich freut, griff
-schnell zu, mit Händen und Maul zugleich, und verzehrte bedächtig die
-Beute. Bei Tage war der Mago schläfrig, blödsichtig, und wenn man ihn
-störte, mürrisch; mit abnehmendem Tageslicht erweiterte sich seine
-Pupille, Nachts bewegte er sich lebhaft und behend mit geräuschlosen
-schnellen Sprüngen, am liebsten seitwärts. Er wurde bald zahm, starb
-aber leider nach einigen Wochen. Das zweite Thierchen am Leben zu
-erhalten, gelang mir auch nur kurze Zeit.
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-ZWANZIGSTES KAPITEL
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- REISEN IN SAMAR, FORTSETZUNG. -- SÜDSEE-INSULANER DURCH STÜRME
- VERSCHLAGEN. -- TODTENHÖHLEN UND LEICHENBESTATTUNG DER ALTEN
- BISAYER. -- KROKODILE. -- IGNAZBOHNE. -- KOKOSÖL.
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-In Guíuan erhielt ich Besuch von Mikronesiern, die seit vierzehn
-Tagen beschäftigt waren, bei Sulángan auf der schmalen Landzunge
-SO. von Guiuan nach Perlmuscheln zu tauchen, und eigens zu dem Zweck
-die gefahrvolle Reise unternommen hatten. [204]
-
-Sie waren aus Uleai (Uliai 7°20 N. 143°57 O. Gr.) in fünf Booten,
-jedes mit 9 Mann Besatzung ausgelaufen, jedes Boot enthielt 40 Kürbis
-voll Wasser, Kokosnüsse und Bataten. Jeder Mann bekam täglich eine
-Kokosnuss und zwei in der Asche der Kokosschalen gebackene Bataten. Sie
-fingen einige Fische unterwegs und sammelten Regenwasser auf. Bei
-Tage steuerten sie nach der Sonne, Nachts nach den Sternen. Ein Sturm
-zerstreute die Boote. Zwei derselben gingen sammt der Mannschaft
-vor den Augen der Uebrigen zu Grunde, nur eines, wahrscheinlich das
-einzige gerettete, erreichte zwei Wochen nach der Abfahrt Tandag an
-der Ostküste von Mindanao. In Tandag blieben die Leute zwei Wochen,
-verrichteten Feldarbeit für Tagelohn und fuhren dann nordwärts die
-Küste entlang nach Cántilang 8°25' N., Banóuan (bei Coello irrthümlich
-Bancuan) 9°1' N., Taganáan 9°25' N., von da nach Surigáo an der
-Nordspitze von Mindanáo und dann mit Ostwind in zwei Tagen gerade
-aus nach Guíuan. In der deutschen Uebersetzung von Capt. Salmon's
-Historie der orientalischen Inseln ... Altona 1733 heisst es Seite 63:
-
-
- »Man hat neuerlicher Zeit noch etliche andere Inseln Ostwerts von
- den Philippinischen entdecket und selbigen den Namen der neuen
- Philippinischen beigeleget, weil sie in der Nachbarschaft der alten
- und bereits beschriebenen liegen. Der Pater Clan (Clain) giebet
- in einem Brief aus Manila, welcher den Philosophical transactions
- ist einverleibet worden, folgenden Bericht von denselben: Es
- trug sich zu, als er in der Stadt Guivam auf der Insel Samar war,
- dass er daselbst 29 Palaos (es waren 30, einer starb bald darauf
- in Guiuan) oder Einwohner von gewissen erst neulich entdeckten
- Inseln antraff, welche von den östlichen Winden, welche hier
- vom December bis an den Majum wehen, dahin waren verschlagen
- worden. Sie hatten 70 Tage lang nach ihrem Bericht vor dem Winde
- geseegelt, ohne einiges Land in's Gesicht zu bekommen, bis sie vor
- Guivam angeländet waren. Als sie aus ihrem Vaterlande geseegelt,
- waren ihrer zwey Boote gestopft voll, und mit ihren Weibern und
- Kindern, in allen 35 Seelen gewesen: unterschiedliche aber waren
- von dem unter Weges erlittenen Ungemach crepiret. Als einer von
- Guivam zu ihnen an Bord kommen wolte, wurden sie in eine solche
- Angst gesetzet, dass alle Kerls, die in dem einen Fahrzeug waren,
- mit ihren Weibern und Kindern über Bord sprungen. Wiewohl sie
- doch zuletzt am besten zu seyn befunden in den Hafen einzulaufen,
- so dass sie den 28. Decembris 1696 ans Land kamen. Sie assen
- Cocusnüsse und Wurzeln; welche ihnen mildiglich zugetragen, und
- geschenckt wurden: aber den gekochten Reis, die allgemeine Speise
- der asiatischen Völcker, wollen sie gar nicht einmal kosten. Zwo
- Weiber welche vormals aus denselben Inseln dahin verschlagen waren,
- dieneten ihnen zu Dollmetscherinnen ....
-
- ... Die Leute des Landes gehen halb nacket und die Männer schildern
- (malen) ihre Leiber mit Flecken und machen allerhand Figuren darauf
- ... So lange sie auf der See waren, lebten sie von Fischen welche
- sie in einer gewissen Art von Fischkörben fiengen, die einen
- weiten Mund hatten, unten aber spitz zuliefen und hinter ihren
- Booten hergeschleppt wurden. Das Regenwasser so sie etwa auffingen
- (oder wie in dem Brief selber stehet, in den Schalen der Cocusnüsse
- aufhuben) diente ihnen zum Getränk. Als sie vor den Pater sollten
- gebracht werden, welchen sie wegen der Hochachtung, die man ihm
- erwiess, für den Gouverneur hielten, färbeten sie ihren Leib ganz
- gelb, welches sie für den grössten Staat halten in welchem sie
- für ansehnlichen Leuten erscheinen können. Im Tauchen sind sie
- sehr erfahren und finden unterweilen Perln in den Muscheln, die
- sie herauf bringen, welche sie aber als unnütze Dinge wegwerfen.«
-
-
-Eine der wichtigsten Stellen in Pater Clains Brief hat Capt. Salmon
-ausgelassen: »Der älteste dieser Fremdlinge war schon einmal an die
-Küste der Provinz Caragan auf einer unserer Inseln (Mindanao) geworfen
-worden, da er aber nur Ungläubige gefunden hatte, die in den Bergen und
-auf dem öden Strande wohnen, war er in sein Vaterland zurückgekehrt.«
-
-In einem Briefe des Pater Cantova an den Pater d'Aubenton,
-Agdana (d. h. Agaña, Mariannen) 20. März 1722, der die Carolinen-
-und Paláosinseln beschreibt, heisst es: »das vierte Gebiet liegt
-westlich. Yap (9° 25' N. 138°1' O. Gr.) [205] welches die Hauptinsel
-ist, hat über 40 Leguas Umfang ... Ausser den verschiedenen Wurzeln,
-die bei den Eingeborenen der Insel die Stelle des Brodes vertreten,
-findet man Bataten, welche sie Camotes nennen und welche sie
-von den Philippinen erhalten haben, wie mir einer von unseren
-Carolinen-Indiern mittheilt, der von dieser Insel gebürtig ist. Er
-erzählt, dass sein Vater, Namens Coorr ... drei seiner Brüder und er
-selbst durch den Sturm nach einer der Provinzen in den Philippinen
-verschlagen wurden, welche man Bisayas nennt, dass ein Missionär
-unserer Gesellschaft (Jesu) sie freundlich aufnahm ... dass sie nach
-ihrer Insel zurückkehrend, Samen verschiedener Pflanzen dahin brachten,
-unter andern Bataten, die sich so sehr vermehrten, dass sie genug
-hatten, um die andern Inseln dieses Archipels damit zu versehn«
-... Murillo Velarde (f. 378) erwähnt, dass 1708 einige vom Winde
-verschlagene Paláos in Palapag (Nordküste von Samar) ankamen. Ich
-hatte später Gelegenheit in Manila eine Gesellschaft von Paláos und
-Carolinen-Insulanern zu photographiren, die ein Jahr zuvor durch Stürme
-an die Küste von Samar geworfen worden waren. Dies sind, abgesehn von
-der freiwilligen Reise, sechs ungesucht sich darbietende Beispiele von
-Mikronesiern, die nach den Philippinen verschlagen wurden. Es würde
-vielleicht nicht schwer sein noch mehrere aufzufinden, aber wie oft
-mögen vor und nach Ankunft der Spanier Fahrzeuge von jenen Inseln in
-den Bereich der NO. Stürme gerathen und von diesen unwiderstehlich an
-die Ostküsten der Philippinen getrieben worden sein, ohne dass die
-Kunde davon aufbewahrt blieb. [206] Wie am Westrande des Archipels
-der lange Verkehr mit China, Japan, Hinterindien und später mit
-Europa den Typus der Rasse beeinflusst zu haben scheint, so mögen
-wohl auch am Ostrande polynesische Beziehungen in ähnlicher Weise
-gewirkt haben. Auch der Umstand, dass die Bewohner der Ladronen [207]
-und die Bisayer [208] die Kunst besassen ihre Zähne schwarz zu färben,
-scheint auf frühen Verkehr der Bisayer und Polynesier zu deuten. [209]
-
-In Guiuan schiffte ich mich auf einem unangenehm schwankenden, offenen,
-nur mit einem drei mal drei Fuss grossen Sonnendach versehenen Boote
-nach Tacloban, der Hauptstadt von Leyte, ein. Ein Windstoss brachte
-uns in einige Gefahr, sonst hatten wir fortwährend Windstille, so
-dass die ganze Strecke rudernd zurückgelegt werden musste. Die Fahrt
-war für die durch kein Dach geschützte Mannschaft sehr ermüdend
-(Wärme in der Sonne 35°R., des Wassers 25°R.) und dauerte 31
-Stunden, mit kleinen Unterbrechungen für die Malzeiten; denn die
-Leute kürzten freiwillig die Pausen ab, um bald nach Taclóban zu
-kommen, das in lebhaftem Verkehr mit Manila steht und für die an
-der unzugänglichen Ostküste lebenden Männer den Reiz einer üppigen
-Hauptstadt hatte. Es ist fraglich, ob das Meer irgendwo eine Stelle
-von so eigenthümlicher Schönheit bespült, als die enge Strasse, die
-Samar von Leyte trennt. Nach Westen hin ist sie von steilen Tuffbänken
-eingefasst, die keine Mangrove-Sümpfe an ihrem Rande dulden. Dort
-tritt der hohe Urwald in seiner ganzen Erhabenheit unmittelbar an den
-Strand, nur stellenweis von Kokoshainen unterbrochen, in deren scharf
-gezeichneten Schatten einzelne Hütten liegen. Die dem Meer zugekehrten
-steileren Hügel und viele kleine Felseninseln sind mit Kastellen
-aus Korallenblöcken gekrönt. Am östlichen Eingang der Enge besteht
-die Südküste von Samar aus weissem, marmorartigen, wenn auch sehr
-jungem Kalk, der an vielen Stellen steile Klippen bildet. [210] Bei
-Nipa-Nipa, einem kleinen Weiler 2 Leguas O. von Basey, setzen sie im
-Meere fort, in einer Reihe malerischer, über hundert Fuss hoher Felsen,
-die oben domförmig abgerundet, dicht bewachsen, an der Basis ringsum
-vom Seewasser benagt, wie riesige Pilze aus der Fluth hervorragen. Es
-weht über dieser Oertlichkeit ein eigenthümlicher Zauberhauch, dessen
-Wirkung auf den eingeborenen Schiffer um so mächtiger sein muss, wenn
-er den draussen vom Nordost gepeitschten Wogen glücklich entronnen,
-plötzlich diesen geschützten stillen Ort erreicht. Kein Wunder,
-dass die fromme Einbildungskraft die Stätte mit Geistern bevölkerte.
-
-In den Höhlen dieser Felsen setzten die alten Pintados die Leichname
-ihrer Helden und Aeltesten bei in wohlverschlossenen Särgen, umgeben
-von den Gegenständen, die ihnen im Leben am werthvollsten waren. Auch
-Sklaven wurden bei ihrem Begräbniss geopfert, damit es ihnen in der
-Schattenwelt nicht an Bedienung fehle. [211] Die zahlreichen Särge,
-Geräthschaften, Waffen und Geschmeide, welche diese Höhlen enthielten,
-waren durch Aberglauben geschützt Jahrhunderte lang unangetastet
-geblieben. Kein Nachen wagte vorüber zu fahren, ohne ein aus der
-heidnischen Zeit fortgeerbtes religiöses Zeremoniell gegen die
-Höhlengeister zu beobachten, die in dem Rufe standen, Unterlassungen
-durch Sturm und Schiffbruch zu bestrafen.
-
-Vor etwa 30 Jahren beschloss ein eifriger junger Geistlicher, dem
-diese heidnischen Gebräuche ein Gräuel waren, sie mit der Wurzel
-auszurotten. In mehreren Booten, wohlausgerüstet mit Kreuzen, Fahnen,
-Heiligenbildern und allem beim Austreiben der Teufel bewährten
-Apparat, unternahm er den Zug gegen die Geisterfelsen, die unter
-Musik, Gebeten und Knallfeuerwerk erklommen wurden. Nachdem zuvor
-ein ganzer Eimer voll Weihwasser zur Betäubung der bösen Geister in
-die Höhle geschleudert worden, drang der unerschrockene Priester
-mit gefälltem Kreuze ein, gefolgt von seinen durch das Beispiel
-angefeuerten Getreuen. Ein glänzender Sieg belohnte den wohlangelegten
-und muthig ausgeführten Plan; die Särge wurden zertrümmert, die Gefässe
-zerschlagen, die Skelete in's Meer geworfen. Mit gleichem Erfolg wurden
-die übrigen Höhlen erstürmt. Die Ursache des Aberglaubens ist nun
-zwar vernichtet, dieser selbst hat sich aber, wenn auch abgeschwächt,
-bis heut erhalten.
-
-Durch den Pfarrer von Basey erfuhr ich später, dass in einem Felsen
-noch Ueberreste vorhanden seien, und einige Tage darauf überraschte
-mich der liebenswürdige Mann mit mehreren Schädeln und einem
-Kindersarg, die er von dort hatte bringen lassen. Trotz des grossen
-Ansehens, das er bei seinen Pfarrkindern genoss, hatte er doch seine
-ganze Beredsamkeit aufbieten müssen, um die muthigsten zu einem so
-kühnen Wagstücke zu bewegen. Ein Boot mit 16 Ruderern bemannt war
-zu dem Zweck ausgerüstet worden; mit weniger Mannschaft hatte man
-die Reise nicht zu unternehmen gewagt. Während der Heimfahrt brach
-ein Gewitter aus; die Schiffer betrachteten es als eine Strafe für
-ihren Frevel und nur die Furcht, die Sache noch schlimmer zu machen,
-verhinderte sie, Sarg und Schädel in's Meer zu werfen. Zum Glück waren
-sie dem Lande nahe und ruderten mit aller Kraft demselben zu. Als
-sie angekommen waren, musste ich selbst die Gegenstände aus dem Boote
-holen, da kein Eingeborener sie anrühren mochte.
-
-Trotzdem gelang es am folgenden Morgen einige entschlossene Leute zu
-finden, die mich nach den Höhlen begleiteten. In den beiden ersten,
-die wir untersuchten, fand sich nichts; eine dritte enthielt mehrere
-zertrümmerte Särge, einige Schädel, und Scherben von glasirtem,
-roh bemalten Steingut, es war aber nicht möglich auch nur zwei
-zusammengehörende Stücke zu finden. Ein enges Loch führte aus der
-grossen Höhle in einen dunklen, so kleinen Raum, dass man mit der
-brennenden Fackel kaum einige Sekunden hintereinander darin verweilen
-konnte. Dieser Umstand mag die Ursache gewesen sein, weshalb sich dort
-in einem sehr verrotteten, von Bohrwürmern zerfressenen Sarge ein
-wohl erhaltenes Skelet befand, oder eher eine Mumie, denn an vielen
-Stellen war das Gerippe noch mit ausgetrockneter Muskelfaser und Haut
-bekleidet. Es lag auf einer immer noch erkennbaren Pandanusmatte, unter
-dem Kopf ein mit Pflanzen ausgestopftes, mit Pandanusmatte überzogenes
-Kissen. Auch Reste von gewebten Stoffen waren noch vorhanden. Die Särge
-waren von dreierlei Gestalt, ohne alle Verzierungen. Die von der ersten
-Form aus vortrefflichem Molave-Holz (s. S. 196) zeigten keine Spur
-von Wurmstich oder Vermoderung, während die übrigen bis zum Zerfallen
-zerstört waren, die dritte Art, die häufigste, unterschied sich von der
-ersten nur durch weniger geschweifte Formen und schlechtes Material.
-
-Kein Märchen hätte eine verzauberte Königsgruft mit einem passenderen
-Zugang ausstatten können, als den zur letzten dieser Höhlen: mit
-senkrechten Marmorwänden erhebt sich der Felsen aus dem Meer; nur
-an einer Stelle gewahrt man die kaum zwei Fuss hohe Oeffnung eines
-natürlichen Stollens, durch welchen der Nachen plötzlich in einen
-geräumigen, fast kreisrunden, vom Himmel überwölbten Hof gelangt,
-dessen vom Meer bedeckten Boden ein Korallengarten schmückt. Die
-steilen Wände sind dicht mit Lianen, Farnen und Orchideen behangen,
-vermittelst deren man zur Höhle, 60 Fuss über dem Wasserspiegel
-emporklimmt. Um die Situation noch märchenhafter zu machen, fanden wir
-gleich beim Eintritt in die Grotte auf einem grossen 2 Fuss über den
-Boden ragenden Felsblock eine Seeschlange, die uns ruhig anstarrte,
-aber getödtet werden musste, weil sie wie alle ächte Seeschlangen
-giftig war. Schon zweimal hatte ich dieselbe Art in Felsenritzen
-im Trockenen gefunden, wo sie die Ebbe zurückgelassen haben mochte;
-auffallend war es aber sie hier in solcher Meereshöhe anzutreffen. --
-Jetzt ruht sie, als Platurus fasciatus Daud., im zoologischen Museum
-der Berliner Universität.
-
-In Guíuan hatte ich Gelegenheit, vier aus solcher Höhle stammende
-reich bemalte chinesische Schüsseln zu kaufen und einen goldenen
-Ring zu zeichnen; er bestand aus dünnem Goldblech, das zuerst zu
-einer Röhre mit klaffender Naht von der Dicke eines Federkiels,
-dann zu einem nicht völlig schliessenden Reifen von Thalergrösse
-zusammengebogen war. Die Schüsseln wurden in Manila gestohlen.
-
-Aehnliche Todtenhöhlen befinden sich noch an manchen andern Orten
-in dieser Gegend: auf der Insel Andog bei Borongan (bis vor Kurzem
-enthielt sie Schädel); auch bei Batinguitan 3 Stunden von Borongan
-an den Ufern eines kleinen Baches; bei Guíuan auf der kleinen,
-wegen der stürmischen See schwer zugänglichen Insel Monhon. -- Bei
-Catúbig sind goldene Geschmeide gefunden, aber in moderne Schmucksachen
-umgearbeitet worden. In der ganzen Gegend berühmt ist jedoch eine Höhle
-bei Lánang wegen der darin enthaltenen flachgedrückten Riesenschädel
-ohne Kopfnähte. [212] [213] Es wird nicht uninteressant sein die
-geschilderten Verhältnisse mit den Berichten älterer Schriftsteller
-zu vergleichen, weshalb hier einige Auszüge folgen mögen:
-
-
- Mas (Informe I. 21) beschreibt ohne Quellenangabe die von den
- alten Bewohnern des Archipels bei der Todtenbestattung befolgten
- Gebräuche: sie balsamirten ihre Todten zuweilen mit aromatischen
- Stoffen ein ... und legten die Vornehmen in eine Kiste, die
- aus einem ausgehöhlten Baumstamme mit gut zugepasstem Deckel
- bestand.... Der Sarg wurde nach dem von dem Verstorbenen vor seinem
- Dahinscheiden ausgesprochenen Willen entweder in den obersten
- Raum des Hauses, wo sie Sachen von Werth verbargen, oder unter
- dem Wohnhause in eine Art Gruft gestellt, die nicht zugedeckt,
- aber mit einem Gitter umgeben wurde; oder in ein abgelegenes Feld,
- oder auf einen erhabenen Ort oder Felsen am Ufer eines Flusses,
- auf dass er von den Frommen verehrt werde. Sie stellten eine
- Wache dabei auf, damit während einer gewissen Zeit kein Boot
- vorüberführe, und der Todte nicht die Lebenden nach sich zöge.
-
- Nach Gaspar (S. 169.) wurden die Todten in Tücher gewickelt,
- in einen groben, aus einem Holzblock ausgehöhlten Kasten gelegt,
- mit Juwelen und goldenen Ringen und einigen Goldblechen über Mund
- und Augen und unter ihren Häusern mit Mundvorräthen, Schüsseln
- und Näpfen begraben. Auch pflegten sie Sklaven mit den Vornehmsten
- zu bestatten, um letztere in der andern Welt bedienen zu lassen.
-
- »Ihr Hauptgötzendienst bestand darin, diejenigen ihrer Ahnen,
- die sich am meisten durch Muth und Geist hervorgethan hatten,
- anzubeten und für Götter zu halten.... Sie nannten sie humalagar,
- welches dasselbe ist was man lateinisch Manes nennt.... Die Greise
- selbst starben in dieser Eitelkeit, deshalb wählten sie einen
- ausgezeichneten Ort, wie Einer auf der Insel Leyte, der sich
- am Rand des Meeres beisetzen liess, damit die vorüberfahrenden
- Schiffer ihn als Gott anerkannten und sich ihm empfahlen.«
- (Thévenot Religieux S. 2.)
-
- »Sie legten sie (die Todten) nicht in die Erde, sondern in
- Särge von sehr hartem unzerstörbaren Holz ... man opferte ihnen
- Sklaven und Sklavinnen, damit es ihnen in der andern Welt nicht
- an Bedienung fehle. Starb eine Person von Bedeutung, so wurde
- dem ganzen Volk Stillschweigen auferlegt, das je nach dem Range
- des Verstorbenen dauerte und unter gewissen Umständen erst dann
- aufhörte, wenn seine Verwandte viele Andre getödtet hatten,
- um den Geist des Todten zu versöhnen.« (ibid. S. 7).
-
- »Aus diesem Grunde (um als Götter verehrt zu werden) wählten
- die Aeltesten unter ihnen zum Begräbniss einen bemerkenswerthen
- Ort im Gebirge, und besonders auf Vorgebirgen, die in das
- Meer hineinragen, damit sie von den Schiffern verehrt würden.«
- (Gemelli Careri S. 449).
-
-
-Von Taclóban, das ich des bequemen Tribunals wegen und weil es gut
-verproviantirt ist, zum Standquartier wählte, kehrte ich am folgenden
-Tage nach Samar zurück, zunächst nach Basey, Taclóban gegenüber. Die
-Leute von Basey sind wegen ihrer Trägheit und geringen Begabung
-in ganz Samar berüchtigt, sollen sich aber von den Bewohnern von
-Taclóban durch Sittenreinheit vortheilhaft auszeichnen. Basey liegt
-im Delta des nach ihm benannten Flusses. Wir fuhren einen schmalen
-Arm hinauf in den Hauptstrom, der sich mit sehr geringem Gefälle
-durch die Ebene windet; daher reicht das brackische Wasser und der
-es begleitende Nipapalmensaum mehrere Leguas landeinwärts. Hinter
-demselben breiten sich Kokospflanzungen aus, zwischen welchen die aus
-dem engen Felsenbett des obern Flusslaufes zuweilen hervorbrechenden
-Wasserfluthen (avenídas) grosse Zerstörungen anrichten, wie die
-verstümmelten Palmen zeigen, die von ihrem Standort fortgerissen,
-mitten aus dem Fluss emporragen. Nach fünfstündigem Rudern gelangten
-wir aus dem Flachland in ein enges Thal mit steilen Marmorwänden,
-die immer mehr zusammenrücken und höher werden. Sie sind an vielen
-Stellen unterwaschen, zerklüftet, übereinandergestürzt, und bilden
-mit ihren kahlen Seitenwänden einen schönen Gegensatz zu dem blauen
-Himmel, der klaren grünlichen Fluth und den üppigen Lianen, die sich
-an allen Unebenheiten wo sie haften können festgesetzt haben und in
-langen Guirlanden über die Felsen hängen.
-
-Der Strom wird so reissend und so seicht, dass die Leute aussteigen
-und das Boot über das steinige Bett ziehn. Auf diese Weise gelangen
-wir durch einen zwölf Fuss hohen, von zwei gegeneinander gestürzten
-Felsen gebildeten Spitzbogen in ein ovales stilles Wasserbecken,
-rings umgeben von 60 bis 70 Fuss hohen, nach innen einspringenden
-Kalkwänden, auf deren oberem Rande ein Ring von Bäumen nur gedämpftes
-Sonnenlicht durch dichtes Laub schimmern lässt. Dem niedrigen
-Eingangsthor gegenüber erhebt sich eine prachtvolle 50 bis 60 Fuss
-hohe, mit Tropfsteinen reich verzierte Felsenpforte, durch welche
-man den in Sonne gebadeten oberen Lauf des Flusses noch eine Strecke
-weit überblickt. In der linken Wand des ovalen Hofes, 40 Fuss über
-dem Wasserspiegel, öffnet sich eine leicht zu ersteigende Höhle von
-100 Fuss Länge; sie endet mit einer schmalen Pforte durch die man auf
-einen von Tropfsteinen getragenen altanartigen Vorsprung tritt. Von
-dort überblickt man sowohl die Landschaft, als den Felsenkessel und
-erkennt letzteren als den Rest einer Tropfsteinhöhle deren Decke
-eingestürzt ist. Die Schönheit und Eigenthümlichkeit des Orts wird
-auch von den Eingeborenen empfunden, er heisst Sogóton (eigentlich
-eine Bucht im Meer). In dem sehr harten marmorartigen Kalk waren Spuren
-von Zweischalern und Seeigelstacheln in Menge wahrzunehmen, es gelang
-aber nicht, bestimmbare Reste herauszuschlagen. Der Fluss liess sich
-noch eine kurze Strecke weiter aufwärts verfolgen. In seinem Bett
-kommen Gerölle von krystallinischen Talk- und Chloritgesteinen vor.
-
-Mit vieler Mühe wurden einige kleine Fische erlangt; darunter eine
-interessante lebendig gebärende neue Art. [214] Eine verwandte
-Art (H. fluviatilis Bleeker), die ich zwei Jahre früher in einer
-Kalkhöhle auf Nusa Kumbangan bei Java fand, enthielt gleichfalls
-lebende Junge. Das zum Fischen verwendete Netz schien der Oertlichkeit,
-einem seichten Fluss voll Geschiebe, wohl angepasst: ein feinmaschiges,
-länglich viereckiges Netz, mit den langen Seiten an zwei Bambusstangen
-befestigt, die unten mit einer Art von Holzschuhen (krummen aufwärts
-nach vorn gerichteten Schnäbeln) versehn waren. Der Fischer packt
-die obern Enden der Stangen und schiebt das schräg gehaltene Netz vor
-sich hin, das mittelst seiner Schnabelschuhe über die Steine gleitet,
-während ein Anderer ihm die Fische entgegentreibt.
-
-Am rechten Ufer unterhalb der Höhle kommen 20 Fuss über dem
-Wasserspiegel Bänke von fossilen Pectunculus, Tapes, Placuna vor, die
-zum Theil kaum an der Zunge haften, also sehr rezent sein müssen. Ich
-übernachtete in einer kleinen, schnell erbauten Hütte und versuchte
-am folgenden Tage vergeblich flussaufwärts bis an die Grenze des
-krystallinischen Gesteins zu gelangen. Nachmittags traten wir die
-Rückfahrt nach Basey an, das wir Nachts erreichten.
-
-Basey liegt etwa 50' über dem Meer, auf einer Thonbank, die im Westen
-des Orts in einen mehrere hundert Fuss hohen Hügel mit steilen Wänden
-übergeht. Ich fand darin in 25 bis 30' Meereshöhe dieselben rezenten
-Muschelbänke wie bei der Tropfsteinhöhle Sogóton. Nach den Aussagen
-des Cura und Anderer scheint in dieser Gegend eine schnelle Hebung
-der Küsten stattzufinden: vor 30 Jahren konnten Schiffe bei Fluth in
-3 Faden Wasser am Lande anlegen, jetzt beträgt die Tiefe dort nicht
-viel über einen Faden. Dicht vor Basey liegen zwei kleine Inseln,
-Genamók und Tapontónan, die gegenwärtig bei tiefster Ebbe durch eine
-Sandbank verbunden erscheinen. Noch vor zwanzig Jahren war eine solche
-nicht wahrnehmbar. Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt,
-wäre zunächst zu ermitteln, wieviel zu diesen Niveauveränderungen
-die Strömungen, wieviel vulkanische Hebungen beigetragen haben, die
-nach der nahen thätigen Solfatara auf Leyte zu schliessen immerhin
-beträchtlich sein mögen.
-
-Im Baseyfluss sollen nach Versicherung des Pfarrers Krokodile von
-über 30 Fuss Länge vorkommen, und solche von mehr als 20' häufig
-sein. Der gefällige Pater versprach mir eines von wenigstens 24
-Fuss, dessen Skelet ich gern mitgenommen hätte, und sandte einige
-Leute aus, die im Fangen dieser Thiere so geübt sind, dass sie zu
-dem Zweck nach entfernten Orten geholt werden. Ihre Fangvorrichtung,
-die ich aber nicht selbst sah, besteht in einem leichten Bambusfloss
-mit einem Gerüst, auf welchem mehrere Fuss über dem Wasser ein Hund
-oder eine Katze angebunden ist. Längs der Seite des Thieres ist
-ein starker eiserner Haken angebracht, der vermittelst Abacáfasern
-an dem schwimmenden Bambus befestigt ist. Hat das Krokodil den
-Köder und damit zugleich den Haken verschlungen, so bemüht es
-sich vergeblich loszukommen; denn die Nachgiebigkeit des Flosses
-verhindert das Zerreissen, die eigne Elastizität das Durchbeissen
-des Faserbündels. Das Floss dient zugleich als Boye für das gefangene
-Thier. Nach Angabe der Jäger hausen die grossen Krokodile entfernt von
-menschlichen Wohnungen, am liebsten unter dichtem Gebüsch, in weichem
-Sumpf, worin ihr schleppender Bauch Spuren zurücklässt, die sie dem
-Kundigen verrathen. Nach einer Woche meldete der Pfarrer, seine Leute
-hätten drei Krokodile eingeliefert, deren grösstes aber nur achtzehn
-Fuss mässe, er habe keines für mich behalten, da er eines von 30 Fuss
-zu erlangen hoffe. Seine Erwartung ging aber nicht in Erfüllung.
-
-In der Umgegend von Basey wächst die im Süden Samar's und wohl noch
-auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders
-häufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich
-sie ohne meinen Willen dort eingeführt. Ihr Verbreitungsbezirk ist
-sehr beschränkt. Meine Bemühungen sie nach dem botanischen Garten von
-Buitenzorg zu übersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte,
-während meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga für mich eintreffende
-grössere Pflanzen wurden von einem meiner Gönner seinem eignen Garten
-einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen
-später abhanden. Alle Versuche, die über ganz Ostasien als Medikament
-verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere,
-angeblich um sie gegen Verderben zu schützen (vielleicht auch um das
-Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden.
-
-
- Nach Flückinger [215] enthält die kürbisartige Beerenfrucht
- des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos
- Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse,
- unregelmässig eiförmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie
- Brechnüsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen
- wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt;
- (später auch in den Brechnüssen). Jene enthalten davon doppelt
- soviel als diese, nämlich 1 1/2%, da sie aber viermal so theuer
- sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt.
-
- In den Philippinen ist die gefährliche Drogue unter dem Namen
- Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes
- Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwähnt es
- und führt 13 verschiedene Verwendungen an. -- Dr. Rosenthal,
- (Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: »In Indien hat man
- sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet«. Papecta
- ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey's Indigenous drugs of
- India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache
- Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. -- Auch als
- Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco
- (Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft
- in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch
- warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon
- sehr viele Todesfälle veranlasste. Man solle sie nicht in den
- Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod,
- wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von
- Tabáco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842,
- um sich gegen die Cholera zu schützen, damit begonnen, von Zeit
- zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmälig
- daran gewöhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich
- wohl und schrieb seine Gesundheit und Rüstigkeit gern jener
- Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken
- mit Erfolg der wässerige Absud in geringer Menge als Zusatz zum
- Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an
- den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet.
-
- Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wässerigen Auszug des kouo-kouo
- (Faba Ign. amar.) sowohl für den innerlichen als äusserlichen
- Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine
- grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Früher galt die
- giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) für ein
- Zaubermittel; so erzählt Pater Camel [216], die Catbalogan-
- oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog
- (die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse
- getragen, schütze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und
- Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel könne dem Träger
- nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das
- durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Träger
- beschütze, sondern denjenigen tödte, der ihm das Gift beibringen
- wolle. Camel führt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der
- Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt.
-
-
-Auf der südlichen Hälfte des östlichen Küstensaumes, von Boróngan über
-Lánang bis Guíuan, sind beträchtliche Kokospflanzungen vorhanden,
-die in höchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt
-werden. Von Boróngan und seinen Visitas gehn jährlich 12000 Krüge
-Kokosöl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nüsse
-würden wenigstens zu 8000 Krügen ausreichen. Da 1000 Nüsse 3 1/2 Krug
-geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jährlich 6,000,000
-Nüsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nüssen angenommen, 120,000
-volltragende Kokospalmen nöthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in
-dem oben erwähnten Gebiete mehrere Millionen betrage, dürfte wohl
-übertrieben sein.
-
-Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der
-holzigen Schale der Nuss in groben Spänen herausgeraspelten Kern
-der Fäulniss überlässt. Zu Behältern dienen schadhaft gewordene,
-im Freien auf Pfählen stehende Kähne, aus deren Spalten das Oel in
-darunter gestellte Krüge abtropft. Schliesslich werden die Späne noch
-gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein
-so schlechtes, dunkelbraunes, dickflüssiges, ranziges Produkt, dass
-in Manila der Krug nur 2 1/4 Dollar gilt, während besser bereitetes
-6 Dollar kostet. [217]
-
-Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Boróngan eine Fabrik
-errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch
-zwei Büffel gedrehter Göpel setzt durch Zahnräder und Treibriemen
-eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines
-Zitronenbohrers und bestehn aus fünf an ihrem Aussenrande gezähnten
-eisernen Blättern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen
-und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des
-Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende
-Bewegung mittheilt, ragt aber über dieselbe hinaus. Der Arbeiter
-ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Händen, hält ihre innere
-mit dem ölhaltigen Kern gefütterte Wölbung gegen die rotirende Raspel,
-die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett
-geschützten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drückt. Die
-feinen Späne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behältern liegen,
-damit sich die Zellenwände theilweise zersetzen. Man presst sie dann
-leicht in Handpressen, fängt die aus 1/3 Oel 2/3 Wasser bestehende
-Flüssigkeit in Kübeln auf, schöpft nach 6 Stunden das oben schwimmende
-Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt,
-bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden
-erfordert. Um das Oel schnell abzukühlen, damit es sich nicht bräune,
-giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt
-schnell das Feuer. Die gepressten Späne werden abermals 6 Stunden
-der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide
-Operationen noch zweimal wiederholt worden, hängt man das Geraspel in
-Säcken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst
-Klemmschrauben so viel als möglich aus, indem man es mehrere Male
-umschüttelt. Der Rückstand dient als Schweinefutter. Das aus den
-Säcken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum
-Abkühlen des zuerst erhaltenen benutzt. [218]
-
-Die Fabrik machte 1500 Tinájas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom
-Dezember bis Februar können wegen der hohen See keine Nüsse zugeführt
-werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten
-nicht gelungen, während dieser Zeit Nüsse aus der nächsten Umgegend
-in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu
-können, oder in der guten Jahreszeit Vorräthe für die Wintermonate
-zu sammeln, obgleich er den verhältnissmässig hohen Preis von drei
-Dollar für das Tausend zahlte.
-
-Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten,
-erzielten sie aus 1000 Nüssen 3 1/2 Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3
-r. weniger als ihnen für die rohen Nüsse geboten wurde. Diese vom
-Fabrikanten herrührenden Angaben sind vielleicht übertrieben, im
-Wesentlichen mögen sie aber doch wohl begründet sein. Wer in den
-Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu
-beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnüsse für 1
-cuarto = 960 für 1 Dollar; dies ist dort ihr gewöhnlicher Preis. [219]
-Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur
-Antwort, dass die Nüsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im
-ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber,
-dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern
-bereit ist, so beutet er diesen Umstand rücksichtslos für Einmal aus,
-ohne daran zu denken, sich eine regelmässige Einnahmequelle zu sichern.
-
-In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen
-Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte
-oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche)
-gewöhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorübergehende schwatzt mit
-der Verkäuferin, wägt die Brode in der Hand, nascht davon und geht
-vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem
-Kram nach Hause zurück, um es am nächsten Tage ebenso zu machen.
-
-Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere
-mich aber, dass wenigstens in zwei Fällen der Preis des Zuckers in
-solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging übrigens
-den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren
-einzeln billiger als im Grossen.
-
-In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit
-die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen;
-in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der
-Unzuverlässigkeit der Arbeit wird die Regelmässigkeit in der Lieferung
-von Rohstoffen nicht nur durch Trägheit und Launenhaftigkeit, sondern
-auch durch Neid und Misstrauen gestört. Die Indier sehen es in der
-Regel nicht gern, wenn sich ein Europäer unter ihnen niederlässt, um
-mit Erfolg die lokalen Reichthümer auszubeuten, die sie selbst nicht
-ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den
-Ausländern gegenüber, die ihnen durch Kapital, Geschäftskenntniss und
-Thätigkeit gewöhnlich sehr überlegen sind. Ausser dem Neide spielt
-auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als
-der Castila dem Eingeborenen einflösst. Es kommen noch heut Fälle
-genug vor, die dieses Gefühl durchaus rechtfertigen. Früher aber,
-als die verkommensten Subjekte Guvernörstellen kaufen konnten und
-ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbräuche
-stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei
-den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat.
-
-
-
-
-
-
-
-
-EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL
-
- INSEL LEYTE. -- HEUSCHRECKEN. -- SOLFATARA. --
- SCHWEFELGEWINNUNG. -- BITOSEE. -- KROKODILE.
-
-
-Die Insel Leyte, zwischen 9° 49' und 11° 34' N., und 124° 7' und 125°
-9' O. Gr., ist über 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170
-quadr. M. Flächeninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwähnt,
-nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt
-Taclóban oder Taclóbang liegt am östlichen Eingang dieser Strasse,
-hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila;
-daher ist sie zum Stapelplatz für Leyte, Biliran, Süd- und Ost-Samar
-geworden. [220]
-
-Auch der hiesige Guvernör erwies mir viel liebenswürdige
-Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den
-spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so
-unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, über die Missstände
-der Verwaltung sprechen.
-
-Am Tage nach meiner Ankunft in Taclóban entstand Nachmittags ein
-Geräusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte
-sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke über den Ort. [221]
-Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich
-gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzählen und bemerke
-nur, dass der über 500 Schritt breite, gegen 50' tiefe Schwarm, dessen
-Ende sich im Walde verlor, für nicht sehr bedeutend galt. Er brachte
-Munterkeit statt Bestürzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemüht mit
-Laken, Netzen, Fahnen möglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um
-sie wie Dampier erzählt »in einer irdenen Pfanne über Feuer zu rösten,
-bis ihre Beine und Flügel abfallen, und ihre Köpfe und Rücken die Farbe
-gesottener Krebse annehmen«, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt
-haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen. [222]
-
-Die Heuschrecken sind eine der grössten Plagen der Philippinen
-und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion
-ultramarina IV. 604 enthält ein besonderes Gesetz über die Vertilgung
-dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevölkerung
-der betroffenen Ortschaften in grösster Anzahl unter Leitung der
-Behörden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel
-zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift
-enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche
-Leistungen bei öffentlichen Nothständen, stehn die Heuschrecken
-zwischen den Seeräubern und Feuersbrünsten in der Mitte. Von allen
-ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher
-Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso
-unzureichend wie anderwärts erweisen, sei nur eines hier erwähnt:
-Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin
-(Gracula sp.) einzuführen, »der aus Instinkt Heuschrecken frisst«. Im
-Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China
-ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311
-Dollar für Martinvögel verausgabt.
-
-Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagámi (in Leyte giebt es
-Strassen) von Taclóban südlich nach Pálos und Tanáuan, zwei blühenden
-Orten an der Ostküste. Kaum 1/2 Legua von letzterem ragt unmittelbar
-am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von
-krystallinischem Gestein hervor, graugrüner quarziger Chloritschiefer,
-aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges würdiger
-Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem
-Frühstück im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am
-folgenden Tage nach Buráuen. [223]
-
-Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen
-stellenweis den dichten Wald, das Land ist spärlich bewohnt, die
-Menschen scheinen aufgeweckter und sind schöner und reinlicher als
-in Samar. Südlich von Buráuen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan,
-an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel
-für die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer
-Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf führte, auf
-Büffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen
-der Schenkel auf dem breiten Rücken der riesigen philippinischen Büffel
-ermüdend. Eine Viertelstunde hinter Buráuen überschritten wir den
-SW. NO. fliessenden 100' breiten Dagúitan, dessen Bett voll grosser
-vulkanischer Blöcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem
-breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150' breiten, beide
-letztere, Arme des Buráuen; sie fliessen WO. und münden bei Dulag. Der
-zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden.
-
-Wir übernachteten in einer Hütte am nördlichen Abhang des Manacagan,
-welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind
-unaufgefordert geräumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So
-erfordert es die Landessitte, wenn der Raum für beide Theile zu
-klein ist -- dafür wird keine Entschädigung beansprucht und wohl nur
-selten gewährt.
-
-Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und überstiegen um 6 Uhr
-30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem
-Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine
-Flüsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag
-die Küste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Süden die grosse
-weisse Schutthalde des Berges Dánan durch die Bäume schimmern. Um 9
-Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter
-südlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird.
-
-Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen
-bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o
-sublimirter, der in seinen Zwischenräumen noch viel Kondensationswasser
-enthält, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem
-die überwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon
-Kokosöl,
-
-6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6
-Arroben Inhalt und schmilzt unter beständigem Umrühren. Nachdem
-der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschöpft, wird
-neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis
-3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon
-durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hölzerne Kasten
-gegossen, zu Blöcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hälfte des
-verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den ölgetränkten
-Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen
-Bambusgittern wirft. Das Oel tröpfelt in eine darunter befindliche
-geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis
-des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1 1/2 und 4 1/2 Dollar
-per Pico. Ich sah die mit Thon gefüllten Gestelle, aus denen das
-Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit
-angesehn, und weiss nicht zu erklären, weshalb das Oel zugesetzt
-wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen
-und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen
-scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt,
-den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der
-im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von
-Kohle aus dem Oele schwarz gefärbt und würde erst durch Destillation
-gereinigt werden müssen. Von einer solchen erwähnten indessen die
-Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht
-vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe.
-
-Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12'
-breiter heisser Bach (50°R.), der an seinen Rändern Kieselsinter
-absetzt.
-
-Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200' hohen
-Wänden; der Pflanzenwuchs hört allmälig auf, das Gestein ist
-blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefärbt. An
-zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem
-Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter
-biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an
-der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren
-von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss früher
-viel thätiger gewesen sein als gegenwärtig; die durch Zersetzung des
-Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag
-gegen 1000' breit und wohl fünfmal so lang sein; am östlichen Ende
-ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpfützen vorhanden, und rings
-um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwühlten Boden stösst,
-Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich,
-sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bändern über
-einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus.
-
-Im Süden, dem Joch, das nach Buráuen führt, gerade gegenüber sieht man
-in einer Höhle im weissen zersetzten Gestein ein 25' breites Becken,
-aus welchem kieselsäurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich
-ausfliesst. Die Decke der Höhle ist mit Tropfsteinen behangen, die
-mit gediegenem Schwefel überzogen sind oder gänzlich daraus bestehn.
-
-Am oberen Abhange des Berges Dánan, nahe am Gipfel setzt sich so
-viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdämpfen ab, dass er mit
-Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die kühlende
-atmosphärische Luft geschützten Spalten schmilzt er zu dicken braunen
-Krusten zusammen. Die Solfatara des Dánan liegt genau S. von jener
-unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der
-Kieselsäure zurückbleibende Thonerde wird durch den Regen in das
-Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grösster Theil
-von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan,
-sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen
-Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verändert, fand ich etwa 500
-Schritte lang, 100 breit. Von der Höhe der Solfatara erblickt man
-durch eine Kluft genau S. einen etwas grösseren Süsswasser-See von
-bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jaruánan. Die Nacht wurde in einem
-verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am
-folgenden Morgen stiegen wir über das Bergjoch im Süden, dicht neben
-der Solfatara des Dánan vorbei, in 1/2 Stunde zum See Jaruánan hinab.
-
-Dieser See, so wie der Malaksan flösst den Eingeborenen wegen der
-bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara abergläubische Furcht
-ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder
-Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu
-können, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine
-Begleiter ungefährdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne
-Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen
-und grossem Jubel, als wollten sie sich für die lange Zurückhaltung
-entschädigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die
-Sondirungen ergaben für den mittleren Theil des Beckens, das am
-Südrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe;
-die grösste Länge des Sees beträgt gegen 800 Varas (668 Meter), die
-Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein über den
-Bergrücken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurückkehrten,
-kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorüber:
-drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher
-Höhe abgestutzte Aeste trugen eine Hütte von Bambus und Palmenblättern,
-8' im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in
-Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und
-unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden,
-in dem Betel verkauft wurde.
-
-Am Tage nach meiner Rückkehr in Buráuen fuhr mich ein gefälliger
-spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute
-fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dúlag, das gerade westlich
-am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3
-Leguas) beträgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guíuan,
-die Südspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland,
-und weiter südlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen
-Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521)
-erblickte. In Dúlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise
-nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Beförderungsmittel
-und des Proviants und mehr noch die rücksichtsvolle Berathung aller
-Vorschläge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in
-Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot)
-südwärts die Küste entlang zur Mündung des Rio Mayo, der nach der Karte
-und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir
-fuhren in einem Nachen aufwärts, wurden aber an der ersten Hütte
-belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu
-erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch
-Mangel einheitlicher Leitung herbeigeführte Abenteuer verzögerten
-unsere Ankunft in Abúyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs
-zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss
-zu überschreiten. Die Entfernung des letztern von Abúyog, auf
-Coello's Karte zu gross angegeben, beträgt nach einer Messung des
-Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag. [224]
-
-Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen
-über den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende
-Angaben über die Entfernung, Alle stimmten aber überein, den Weg dahin
-abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens
-zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste.
-
-Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an
-den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwärts
-zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen
-Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer über den Strom gestürzte
-Bäume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde
-wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse führte. Hier bauten wir
-Bambusflösse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen
-halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir
-fanden ihn mit grünen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien
-und 6 bis 7' hohen breitblättrigen Riedgräsern fasste ihn ein, in
-S. und W. erheben sich niedrige Hügel, von der Mitte erscheint er
-fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an
-(4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abúyog kann nur wenig über
-1 Legua betragen. Mit Hülfe einer aus Lianen zusammengeknüpften
-Schnur und alliniirter Stäbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas =
-977 Met. (die breiteste Stelle dürfte wenig über 1000 Met. betragen);
-die Länge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf
-1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben
-ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern
-hätte ich die Verhältnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit,
-Unzugänglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres
-Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen.
-
-Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber
-eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm
-und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Hütte, deren Insassen
-zwar als Cimarronen jedoch in Fülle und mit grösserer Bequemlichkeit
-als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische
-waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu würzen,
-und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren.
-
-Die Häufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung
-einer eigenthümlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf
-von deren Annäherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur
-geleitet zu werden. Ein über tausend Fuss langes aus Bananenstreifen
-zusammengeknüpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das
-eine Ende ist an einer mit Wasser gefüllten, über dem Schlafplatz
-des Jägers aufgehängten Kokosschale befestigt. Berührt ein Schwein
-das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser über den Schläfer
-ausgeschüttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten
-lässt, zu seiner Beute führt. Die Hauptbeschäftigung unserer
-Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass
-die rohesten Vorrichtungen genügten. Nicht einmal ein Nachen war
-vorhanden, sondern nur lose zusammengefügte Bambusflösse, auf denen
-die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend,
-zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge
-und in so beträchtlicher Grösse wie in diesem See gesehn habe. Einige
-schwammen an der Oberfläche mit ihrem Rücken aus dem Wasser ragend
-langsam herum. Auffallend war die völlige Sorglosigkeit, mit welcher
-selbst zwei kleine Mädchen angesichts der grossen Ungethüme im Wasser
-wateten. Zum Glück scheinen letztere sich mit ihren reichlichen
-Fischrationen zu begnügen. Es sollen vier Arten Fische im See
-vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine. [225]
-
-Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller
-Frühe betrunken. Dies führte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der
-Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl
-verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben
-damit einträglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die
-Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften
-Farben geschildert hatte. [226] Wir fuhren auf unsern Flössen bis
-zur Stelle zurück, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa
-1500', gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16' hohes wildes Rohr
-(Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blüthenbüscheln und
-fuhren zur Barre, von wo wir nach 1 1/2 stündigem Marsche Abuyog
-erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande
-nach Buráuen zurück, wo wir Nachts eintrafen, früher als unsere
-Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten
-schlafend antrafen.
-
-Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein
-Verkauf unter gewissen Beschränkungen den Bauern gestattet. Neuerdings
-war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen,
-und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so äusserst niedrigen
-Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehört hatte. Da aber die
-Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte,
-so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnächst der Zwangsbau
-eingeführt werden würde, wie es auf ähnliche Weise an andern Orten
-geschehen war. -- Die Ostküste von Leyte soll sich heben, während
-an der Westseite das Meer die Küste zerstört, bei Ormog soll es in
-6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein.
-
-
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-ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL
-
- LEBENSWEISE UND SITTEN DER BISAYA-INDIER.
-
-
-Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte
-(andre habe ich nicht näher kennen gelernt) gehören Einem Stamme
-an. [227] Sie sind körperlich und geistig, in Charakter, Tracht,
-Sitten und Gebräuchen so ähnlich, dass meine ursprünglich an
-verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch
-Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen,
-die ein vollständigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine
-Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten
-zu lassen.
-
-Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele
-Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Dörfern, sondern
-unabhängig in den Wäldern leben. Ich habe leider keinen persönlichen
-Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern
-Samar's über sie erfahren, ist zu unzuverlässig, um wiederholt zu
-werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder
-ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre
-Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie
-bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht
-absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen,
-gern einige verstümmelte katholische Gebete herzusagen, die sie für
-wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige
-lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfüllen aber
-sonst keine christlichen oder bürgerlichen Pflichten. Sie sind sehr
-friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten
-Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben
-sammt Tribut und Frohnden übertreten, sind äusserst selten. Umgekehrt
-ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wälder zurückziehn,
-um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer
-als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast
-pflanzlichen Leben, das sie führen, nicht leicht in den Fall kommen,
-ihr Dorf verlassen zu müssen, das mehr noch als in Luzon für sie die
-Welt bedeutet.
-
-Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo
-grössere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod
-(hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lässt man das
-Reisfeld in der Regenzeit nur von Büffeln durchtreten. Man säet an der
-Westküste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von
-November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis
-vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalógan
-sind nur sehr wenige bewässerte Reisfelder (Tubigan, von Tubig,
-Wasser) vorhanden, deren Ertrag für das Bedürfniss nicht ausreicht, das
-Fehlende wird aus andern Küstenplätzen der Insel ergänzt; Catbalógan
-führt dagegen Abaca, Kokosöl, Wachs, Balate (essbare Holothurien),
-getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostküste säet
-man von November bis Januar und erntet sechs Monate später. Während
-der übrigen sechs Monate dient das Feld als Weide für das Vieh; an
-manchen Orten findet auch während dieser Monate, also von Juli bis
-Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht
-häufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren.
-
-Käufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewöhnlich wird es
-durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei
-Catbalógan war bestes Reisland mit 1 Dollar für eine Ganta Aussaat,
-und an der Nordküste bei Láuang ein Feld, das jährlich 100 Cabanes
-trägt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1
-Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quiñon, so
-kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3 1/3 Thaler, im zweiten
-3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und
-Boden und empfängt als Zins die Hälfte der Ernte. [228] Der Reisbau
-in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen,
-durch die Abacákultur verdrängt, da die Guvernöre als sie noch Handel
-treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder
-und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird
-gewöhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise
-per Caban verkauft. Dergleichen Verträge pflegen selbst im Falle
-der Vorausbezahlung pünktlich erfüllt zu werden. Bleibt ein Bauer im
-Rückstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem
-Händler bei der nächsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere.
-
-Bergreis (bei Catbalógan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert
-kein andres Ackergeräth als das Waldmesser, um den Boden etwas
-aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Löcher in Entfernungen von
-6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskörnern zu machen. Man säet
-von Mai bis Juni, jätet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm
-für Halm. Der Schnitter empfängt 1/2 Real Tagelohn und Kost. Der
-Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das
-Land kostet nichts, der Arbeitslohn beträgt gegen 5 Realen per Ganta
-Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der
-Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel höher. Der Boden
-wird nur ein einziges Mal für trocknen Reis benutzt; nach der Ernte
-pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis
-wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhältniss von 9 zu 8.
-
-Nächst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas),
-Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Paláuán (ein grosses Arum mit
-gefingerten Blättern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr
-gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewöhnlich,
-wenn der Reisbau vorüber ist, da während desselben wenig Arbeitskräfte
-verfügbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lässt man in der
-Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Ausläufer vermehren
-und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhält man aber,
-wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Für 1/2 Real erhält man
-8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa für 3 bis 6 Sgr. [229]
-
-Abacá, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur
-Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast
-gar nicht ausgebeutet.
-
-Tabak wird auch gebaut; er durfte früher im Lande verkauft, muss
-jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden.
-
-In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein
-harziges Oel, Baláo oder Malapájo gewonnen; man erhält es von einem
-Dipterocarpus (Apíton), einem der höchsten Bäume des Waldes, indem
-man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlägt,
-es beckenartig aushöhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften
-Zuflusskanäle wieder zu öffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte
-Oel wird täglich ausgeschöpft und ohne weitere Vorbereitung in den
-Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung
-des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaoöl getauchte
-Nägel sollen, wie glaubwürdige Leute versicherten, noch nach zehn
-Jahren völlig rostfrei sein. Hauptsächlich wird Balao als Firniss für
-Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden;
-es schützt auch die Hölzer gegen Termiten und andre Insekten. Das
-Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das
-Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur
-in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsböden verwendet
-man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosöl in
-solchem Verhältniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken
-Schleim bildet. Der Anstrich hält sich ein Jahr. [230] Wachs wird von
-den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jährlich 200 bis 300
-Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico beträgt; in Manila ist
-der Preis gewöhnlich 5 bis 10 Dollar höher; doch schwankt er sehr,
-da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitäten und in sehr
-unregelmässigen Zwischenräumen einkommt.
-
-Viehzucht ist trotz des üppigen Graswuchses und der Abwesenheit
-reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Büffel sind
-sehr selten und sollen spät, angeblich erst in diesem Jahrhundert,
-eingeführt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den
-Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser),
-so wird der Büffel nur gebraucht, um alljährlich einmal den Boden des
-Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der
-Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in
-der Nähe. Nur gelegentlich werden mehrere Büffel vor einen grossen
-Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl
-ist daher äusserst gering. Büffel, welche Reisland gut durchtreten,
-werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar für
-einen Büffelstier, 5 bis 6 Dollar für eine Büffelkuh. Rindvieh
-wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr
-geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb
-verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei
-Dollar für Jungvieh, fünf bis sechs Dollar für eine Kuh mag etwa der
-Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren
-drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar,
-also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar
-nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch
-nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus
-unter günstigen Verhältnissen von einem fetten Thiere für drei bis
-vier Dollar erlöst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzüglich,
-vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden
-und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen,
-benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu träge, um selbst Schafe zu
-halten, und essen lieber das ganze Jahr täglich Hühnerfleisch. Auch
-Shanghai-Schafe, die der Guvernör in Taclóban eingeführt hatte,
-gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet
-1/2 r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel
-mehr. Man kauft sechs bis acht Hühner oder 30 Eier für einen Real.
-
-Eine Familie von Vater, Mutter und fünf Kindern braucht täglich nicht
-ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hülse), welcher enthülst ungefähr
-12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa 1/2
-r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben
-10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. für Zuspeise
-(Fische, Krabben, Kräuter, etc.), die aber gewöhnlich von den Kindern
-gesammelt werden, endlich für Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3
-Blatt für 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und
-Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak
-wird in Leyte weniger genossen als in Samar.
-
-An Kleidungsstücken verwendet ein Mann jährlich: 4 grobe Hemden von
-Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2 1/2 r., 2 Kopftücher
-zu 1 1/2 r. (Hüte werden an der Süd- und Westküste nicht getragen)
-und für die Kirchweih gewöhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1
-Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. -- Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas
-von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1
-oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tücher zu 1 1/2 bis
-2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen,
-zu 2 r. und mehr nöthig.
-
-Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu
-wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4
-Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterröcke (nabuas), 2
-Stück zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur
-einmal angeschafft werden. In den ärmeren Ortschaften, in Láuang z. B.,
-werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann:
-3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stück Guinara zu 2 r. geschnitten
-werden; einen Salacot (Hut) gewöhnlich eigener Anfertigung, Werth
-1/2 r. Eine Frau braucht jährlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas,
-mit Einschluss einer feineren für das Fest, 8 r. Unterröcke werden
-nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hälfte der
-obigen Preise veranschlagt werden.
-
-Hausrath: Ein Kochtopf -- die Kochtöpfe, aus unglasirtem gebrannten
-Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an
-Reiskörnern ist ihr Preis; [231] -- mehrere Bambusrohre; Teller,
-7 Stück à 2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.;
-Kokosschalen statt der Gläser; einige kleine Töpfe, zusammen 1/2 r.;
-1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grösseres Waldmesser) 1 Dollar;
-1 Scheere (für die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung
-selbst aus Bambus zusammenfügt, veranlasst keine baare Auslagen.
-
-Der Tagelohn unter den Eingeborenen beträgt 1/2 r., keine
-Beköstigung. Europäer müssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie
-nicht durch Begünstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen
-niedrigen Tagelohn erhalten können, der dann ordnungsmässig in die
-Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r.,
-die besten 3 r. täglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und
-von 2 bis 6 Uhr Abends.
-
-Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu
-machen versteht; es müssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und
-die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht
-angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe
-betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es
-werden Guinara fabrizirt, d. h. Abacázeuge, auch etwas Piña und
-gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und
-ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen
-Häusern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden.
-
-An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute,
-salzen und trocknen die Fische und tauschen dafür Reis ein. In den
-Hauptstädten wird gewöhnlich für baares Geld gekauft; im Innern sind
-Gewebe und getrocknete Fische sehr gebräuchliche Tauschmittel. Geld ist
-dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers
-in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung
-an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalógan und
-Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die
-Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Küstenschifffahrt
-östlich bis Guíuan, nördlich bis Catarman, selten bis Láuang statt. Die
-Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden,
-da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur
-gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Küsten- und Flussschifffahrt
-besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam,
-Lasten können nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Träger,
-der 1 1/2 r. ohne Kost erhält, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6
-Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe
-Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1 1/2 Arrobas
-trägt ein kräftiger Mann täglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang.
-
-Märkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will,
-sucht es in den einzelnen Häusern; auf dieselbe Weise bietet der
-Verkäufer seine Waaren an.
-
-Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und
-den Dollar monatlich mit 1 r. (12 1/2 % pro Monat) verzinsen. Mehr
-als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur
-bis zu dieser Summe haftbar ist. Im östlichen und nördlichen Samar
-sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen
-Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den übrigen Bewohnern
-des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen,
-sondern nur Waaren zu einem Real per Monat für jeden Dollar des
-Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so
-wird ihm häufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der
-Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn für die blosse Beköstigung dienen
-muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein
-Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen
-in Catbalógan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die
-Schuld zu tilgen, und an der Ostküste ein hübsches junges Mädchen,
-das wegen einer väterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren
-bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wüstlings stand. Man
-zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bäumen; die vor
-etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfändet, seitdem
-vom Gläubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen
-Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur
-mit vieler Mühe, gegen Zahlung der ursprünglichen Schuld das Eigenthum
-zurückzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren
-2 1/2 Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jährlicher Frohnden
-loszukaufen, und dann seinem Gläubiger ein ganzes Jahr lang dient,
-weil er nicht im Stande ist, das Geld pünktlich zurückzuzahlen. [232]
-
-Die Bewohner von Samar und Leyte sind träger, nicht so reinlich als die
-von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurückzustehn,
-als diese hinter den Tagalen. Bei Taclóban, wo lebhafter Verkehr mit
-Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen;
-die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind
-die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmüthig, folgsam und
-friedfertig. Schimpfreden oder Thätlichkeiten kommen fast nie vor;
-wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An
-der Nord- und Westküste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen,
-aber nicht an der Ostküste und in Leyte. Die äusserliche Frömmigkeit
-ist überall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die
-Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten
-vorzüglich die häuslichen Geschäfte und sind zum Theil sehr geschickt
-im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten
-zu. Das Ansehen der Eltern und des ältesten Bruders ist sehr gross;
-die jüngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen
-und Kinder werden sehr gut behandelt.
-
-Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen
-Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt,
-wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist,
-wie bei den Bewohnern von Samar. [233]
-
-Anstalten der Wohlthätigkeit sind auf keiner der beiden Inseln
-vorhanden. Jede Familie erhält ihre Armen und Krüppel und behandelt
-sie gut. In Catbalógan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000
-Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfänger (in Albay fehlte es nicht
-an Bettlern). In Láuang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit
-ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen
-wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar
-wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche
-Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer
-pünktlich bezahlt werden. Räubereien kommen auf Samar fast nie vor,
-Diebstahl höchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos,
-sie leisten nicht viel weniger als in Camarínes.
-
-Unter den öffentlichen Vergnügungen stehn die Hahnenkämpfe obenan,
-werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den
-Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen übersetztes Schauspiel,
-gewöhnlich religiösen Inhalts aufgeführt, die Kosten werden durch
-freiwillige Beiträge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der
-Bevölkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge
-Mädchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern
-die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nächte
-hintereinander, so lange Speisen und Getränke ausreichen. Der Freier
-muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die
-Braut heimführen kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er
-speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die
-Zuspeise selbst zu beschaffen. [234] Zu Ende der Dienstzeit baut
-er mit Hülfe seiner Verwandten und Freunde das Haus für die neu zu
-gründende Familie.
-
-Ehebruch ist häufig, Eifersucht selten und führt nie zu
-Gewaltthätigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewöhnlich
-zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt für den Einen und Trostworten
-für den Anderen Alles wieder in's Geleise bringt. Ehefrauen
-sind leichter zugänglich als Mädchen, aber auch diesen wird die
-Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum
-geschmälert. Mädchen unter väterlicher Gewalt werden in der Regel
-streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlängern. Der
-äussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den
-Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthümliche Ansicht, dass
-die Zahl der Frauen die der Männer übersteige (vergl. S. 45). Mütter
-von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebären 12 bis 13 Kinder;
-es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder
-8 Kindern sind äusserst selten.
-
-Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen,
-das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trägt, haben Viele
-auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu
-untersuchen, das einem sehr kühnen Verbrecher abgenommen worden
-war. Es bestand aus einem Unzenfläschchen, vollgestopft mit feinen,
-anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen
-Stämmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und
-muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig;
-sobald ihm aber das Fläschchen entrissen war, gab er allen Widerstand
-auf und liess sich binden. Fast in jedem grössern Dorf giebt es eine
-oder mehrere Asuán-Familien, die allgemein gefürchtet und gemieden,
-wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander
-verheirathen können. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu
-sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? -- Der Glaube ist sehr
-allgemein und festgewurzelt. Darüber zur Rede gestellt antworteten
-alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die
-Asuánen jetzt noch Menschen frässen, aber ohne Zweifel hätten ihre
-Vorfahren es gethan. [235]
-
-Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei
-ihren Tänzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne
-Geist, meist obszön. Denkmäler früherer Zivilisation haben sich nicht
-erhalten. »Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte
-sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit.«
-(Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwähnt zwar, dass der König
-von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel
-zerstören liess, es mögen indessen wohl nur Bauten sehr vergänglicher
-Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein
-grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Götter in eigens erbauten
-mit Blumen und Lampen geschmückten Laubhütten verehrten. Sie nannten
-diese Hütten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen)
-»und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder
-einem Tempel ähnlich sieht«. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri,
-(S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren
-hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen
-Anito genannte Götter an [236]; es gab auch einen See-Anito und
-einen für das Haus, um die Kinder zu behüten. Unter diese Anitos
-wurden ihre Grossväter und Urgrossväter versetzt, die sie in allen
-Nöthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedächtniss bewahrten sie kleine
-hässliche Bildsäulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie
-Liche oder Laravan nannten. Auch zählten sie zu ihren Göttern Alle,
-die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getödtet, oder von Krokodilen
-gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf
-einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die
-von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: »Sie sind von Holz, konkav
-oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geöffnet, auch die Beine,
-die Füsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier
-gewaltigen Zähnen, Eberstosszähnen ähnlich, und sind ganz bemalt. [237]
-
-Zum Schluss eine kurze Nachricht über die Religion der alten
-Bisayer nach Fr. Gaspar (Conq. 169): Den Teufel oder Genius, dem
-sie opferten, nannten sie Divata was einen Gegensatz der Gottheit,
-einen gegen dieselbe Empörten zu bezeichnen scheint ... die Hölle
-nannten sie Solad, den Himmel (in ihrer gebildetsten Sprache) Ologan
-... die Seelen der Verstorbenen gehn auf einen Berg in der Provinz
-Oton, welcher Medias heisst, wo sie sehr gut bewirthet und bedient
-werden. Erschaffung der Welt: Ein Geier schwebt zwischen Wasser und
-Himmel, findet keine Stätte, um sich zu setzen, das Wasser steigt
-gen Himmel. Der Himmel wird zornig, erschafft Inseln. Der Geier
-spaltet einen Bambus, daraus entstehn Mann und Frau, sie zeugen viele
-Kinder und treiben sie als ihre Zahl zu gross geworden, mit Schlägen
-aus. Einige verbergen sich in der Kammer, dies werden die Datos,
-einige in der Küche, das werden die Sklaven, die übrigen gehn die
-Treppe hinab und werden das Volk.
-
-
-
-
-
-
-
-
-DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL
-
- DIE NEUEN ZOLLHÄFEN. -- STEINKOHLE IN CEBU. -- YLOILO. --
- AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES.
-
-
-1830 wurden versuchsweise sieben neue Häfen geöffnet, wegen grosser
-Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung
-eines Zollamtes in Zamboánga, SW. Spitze von Mindanáo. 1855 wurden Suál
-im Golf von Lingayen, einer der sichersten Häfen auf der Westküste
-Luzon's und Yloílo auf Panay, 1863 Cebú auf der gleichnamigen Insel
-für den direkten Verkehr mit dem Auslande geöffnet.
-
-Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zamboánga errichtet, das
-die Seeräuberzüge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte,
-sie aber doch sehr einschränkte. [238] Bis 1848 sollen von den Moros
-jährlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein. [239]
-Der Gründung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als
-kommerzielle Rücksichten zu Grunde: man wollte den Seeräuberstaaten
-der Solosee einen leicht zugänglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte
-öffnen. Der Handel ist bis jetzt höchst unbedeutend; die Ausfuhr
-besteht hauptsächlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der
-wegen seiner nachlässigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee
-gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers
-(Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare
-Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch
-Chinesen betrieben, welche allein die dafür erforderliche Geduld,
-Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen.
-
-Suál ist besonders für Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher
-vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in
-obigen Ländern die Ernten gut ausgefallen, trieb Suál nur Küstenhandel.
-
-Cebú, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der
-Regierung und des Bischofs für die Bisayas, in 48 Stunden von Manila
-im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so günstige Lage für den
-östlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo für den westlichen und
-wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojól erhält
-es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abacá, von
-Misámis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist
-von Samar 26, von Leyte 7 1/2 von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt.
-
-Die Insel Cebú hat 75 quadr. M. Flächeninhalt, ein hohes Gebirge
-durchzieht sie von N. bis Süd und scheidet die Ost- von der
-Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschätzt, 4533 auf die
-quadr. M. Die Bewohner sind friedfertig und gefügig, Diebstähle kommen
-sehr selten, Räubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau,
-Fischerei und Weberei für den eignen Gebrauch. Cebú produzirt Zucker,
-Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber
-der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land
-vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingeführt.
-
-Die Insel besitzt beträchtliche Kohlenlager, deren nachdrückliche
-Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret
-vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist. [240] Während in Luzon und
-Panay das Land grösstentheils Eigenthum der Bauern, gehört es in
-Cebú meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen
-Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer
-wissen die Bauern durch wucherische Vorschüsse in Abhängigkeit zu
-erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau
-auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des
-Archipels. [241] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050
-Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abacá nach
-England, 112,000 Dollar Abacá nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak
-nach Spanien. Die Einfuhr fremder Güter findet über Manila statt,
-grösstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhäusern in
-Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar,
-davon 150,000 Dollar für englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr
-der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989
-Dollar geschätzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein
-Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgeführt. Früher kauften
-die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische
-Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach
-Wegfall der hohen Maklergebühren, höhere Preise erhalten. Diesem der
-Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmälige
-Zunahme des Ackerbaues hauptsächlich zuzuschreiben.
-
-Yloilo ist der wichtigste der neu eröffneten Häfen, Zentralpunkt der
-Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney
-schätzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und
-den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jährlich. Der
-Hafen ist ausgezeichnet, völlig geschützt durch eine queer davor
-gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe)
-unmittelbar am Strande. Wegen der Barre müssen tiefgehende Schiffe
-ihre Ladung ausserhalb derselben vervollständigen. Vor Eröffnung
-der neuen Häfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre für die Ausfuhr
-bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre ausländischen
-Bedürfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen
-der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr
-erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht
-N. Loney's geht hervor, wie günstig die Eröffnung von Yloilo schon
-nach so wenigen Jahren auf die davon zunächst betroffenen Provinzen
-der Inseln Panay und Negros gewirkt hat.
-
-Die höheren Preise, die für direkt ausgeführten Zucker gezahlt werden
-konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschäfts, im Vergleich zu
-dem früher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des
-Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antíque und
-Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als
-möglich vergrössert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der
-Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mühle;
-bei den vorhandenen hölzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch
-die Walzen gegangen, 30% Saft zurück. Jetzt verdrängen eiserne, durch
-Dampf oder Büffel getriebene Pressen die hölzernen. Ihre Anschaffung
-wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert,
-da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhäuser auf
-Kredit kaufen können. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen
-Pfannen werden bessere aus Europa eingeführt. Mehrere grosse,
-mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerüstete, durch Dampf
-betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger
-Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflüge,
-Karren und Ackergeräthe werden immer häufiger. Diese Veränderungen
-zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des über 200
-Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich
-Ausländer niederlassen können. Ohne Letztere und die durch sie
-herbeigeführten Krediterleichterungen wäre der schnelle Aufschwung
-Yloilo's nicht möglich gewesen, denn die Handelshäuser der Hauptstadt
-können ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders,
-als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die früher
-mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermögen,
-seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Güter direkt in die Provinz
-senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhändlern gegenüber
-zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil
-auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen
-entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden,
-da es auf jener Insel an Händen fehlt.
-
-Ausländer können jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und
-vollgültige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch
-Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes möglich
-war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch
-»Denuncia« erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den
-betreffenden einheimischen Behörden das Stück Land, das er bebauen
-will, und erhält, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen
-Schein darüber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne
-andre Kosten als Stempel und Gebühren den Besitztitel ausfertigt.
-
-Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nöthige Kapital zum
-erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre
-urbar gemachten Felder an europäische Kapitalisten und bilden so einen
-Vortrab für bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt
-aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begünstigen.
-
-Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus
-werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken
-in Negros an Flüssen, die hinreichend tief für flache Lastboote
-sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren
-verdoppelt. [242] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so
-lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben.
-
-Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo
-und selten über 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75
-bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist
-das Geschäft lohnend. [243]
-
-Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen
-Mestizen, 20 Europäer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere
-mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug
-2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind
-»Acsa« (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthümer überlässt
-ein Stück Land sammt Zugvieh und Ackergeräth zur Bearbeitung an einen
-Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mühle zu liefern hat und
-einen Theil (gewöhnlich ein Drittel) für sich erhält. In Negros wird
-violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird
-nicht gedüngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die
-grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich;
-Stoffe von Piña und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von
-Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedürfnissen wird der Fleiss
-steigen.
-
-Wie schon mehrfach erwähnt, scheinen Californien, Japan, China,
-Australien die naturgemässen Hauptabnehmer für die Kolonial-Produkte
-der Philippinen. Gegenwärtig freilich ist England der beste Kunde,
-aber mehr als die Hälfte seiner Rechnung ist für Zucker, in Folge
-eigenthümlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird
-hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten
-von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu können; die übrigen drei
-Viertel müssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen,
-trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise
-von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte
-Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen
-Raffinör, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, während reinerer
-10 bis 12 Sh. kostet. [244]
-
-So prämiirt das englische Zollgesetz die schlechte
-Zuckerfabrikation. Dasselbe that bis 1862 die Kolonial-Regierung,
-indem sie den Fabriken nicht gestattete ihre Molassen zu Rum zu
-destilliren (s. S. 58). Man hatte daher wenig Lust, dem Zucker mit
-Unkosten einen nicht zu verwerthenden Körper zu entziehn. Unter
-normalen Verhältnissen deckt die Rumfabrikation nicht nur die Kosten
-der Reinigung, sie liefert auch einen erheblichen Gewinn.
-
-
-
-
-
-
-
-
-VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL
-
- ABACA ODER MANILA-HANF.
-
-
-Eines der interessantesten Erzeugnisse jener Inseln ist der sogenannte
-Manila-Hanf, von den Franzosen, die aber fast keinen Gebrauch davon
-machen, wegen des seidenartigen Glanzes Pflanzenseide genannt. Bei
-den Eingeborenen heisst die Faser Bandála, im Handel gewöhnlich
-Abacá, wie die Pflanze von der sie gewonnen wird. Letztere ist eine
-in den Philippinen ursprünglich wild wachsende Banane, auch árbol
-de cáñamo (Hanfbaum) genannt, Musa textilis Lin. Sie unterscheidet
-sich im allgemeinen Anblick nicht merklich von der essbaren Banane,
-M. paradisiaca, einer der allerwichtigsten Kulturpflanzen warmer
-Erdstriche, die als beliebte Zierpflanze unserer Treibhäuser Jedermann
-bekannt ist. Ob die an andern Orten des indischen Archipels wild
-wachsenden Musen (M. troglodytarum, M. sylvestris und andere),
-häufig auch M. textilis genannt, derselben Art angehören, ist noch
-nicht festgestellt.
-
-Die Musen sind nur krautartige Pflanzen, der scheinbare Stamm besteht
-aus Blattstielen von mondsichelförmigem Querschnitt, die einander
-umschliessend den dünnen zentralen Blüthenschaft umgeben. Diese
-Blattstiele stecken voll Bastfasern und werden deshalb vielfach statt
-Bindfadens benutzt, bilden aber keinen Handelsartikel. Als solcher
-dienen bis jetzt ausschliesslich die in dem südöstlichen Theil der
-Philippinen gewonnenen Abacáfasern.
-
-Besonders geeignet für den Anbau dieser Pflanze sind die Provinzen
-Süd-Camarines und Albay, die Inseln Samar und Leyte und die umliegenden
-Eilande, auch Cebu; ein Theil des »Cebu-Hanfs« kommt aber von
-Mindanao. Auf Negros gedeiht die Bastbanane nur im Süden, nicht im
-Norden, und Yloilo, das die meisten Abacá-Gewebe (Guináras) erzeugt,
-muss den Rohstoff von den östlicheren Distrikten einführen, da er
-auf der Insel Panay nicht gedeiht (In Capiz wächst wohl etwas Abacá,
-es ist aber von geringem Werth). Alle Versuche den Abacábau auch in
-den westlichen und nördlicheren Provinzen heimisch zu machen -- es
-soll an ernstlichen Bemühungen nicht gefehlt haben -- sind bisher
-misslungen; die Pflanzen wurden kaum zwei Fuss hoch, ihr Ertrag
-deckte die Unkosten nicht. Als Ursache des Fehlschlagens gilt die
-dort mehrere Monate dauernde trockne Jahreszeit; in den östlichen
-Provinzen fallen das ganze Jahr reichliche Niederschläge.
-
-Der grosse Nutzen, den der Manilahanf seit einigen Jahren den
-Produzenten abwirft, ermuthigt aber zu immer neuen Versuchen,
-und so wird sich wohl bald zeigen, ob der Abacábau wirklich an sein
-bisheriges enges Gebiet gebunden ist, während die essbaren Arten sich
-innerhalb der Wendekreise über die ganze Erde verbreitet haben. Auf
-den vulkanischen Bergen des westlichen Java wächst eine wilde Musa in
-grosser Ueppigkeit, die Regierung hat sie aber nicht zum Gegenstand
-nachhaltiger Kulturversuche gemacht, und der Privatunternehmungsgeist
-ist dort bis jetzt durch das »Kultursystem« gefesselt. In verschiedenen
-Schriften wird angegeben, dass im Norden von Celébes Abacá gewonnen
-werde. Bickmore sagt aber ausdrücklich, dass die von den Residenten
-mit grosser Anstrengung gemachten Versuche wieder aufgegeben wurden,
-weil der Kaffeebau sich lohnender erwies. [245] Guadalupe soll auf
-vorhergehende Bestellung Abacá (Fasern von M. textilis?) liefern
-können. [246] Pondichery und Guadalupe sollen Abacágewebe und
-Französisch-Guiana Stoffe von Fasern essbarer Bananen ausgestellt
-haben. [247] [248] Alles dies sind aber nur Versuche.
-
-Nach Royle [249] übertrifft die Abacáfaser den russischen Hanf an
-Festigkeit, Leichtigkeit, Tragkraft und Billigkeit, und steht ihm
-nur darin nach, dass die daraus gefertigten Taue bei Regenwetter
-steif werden, was aber an der Art des Verspinnens liegen und durch
-zweckmässige Behandlung zu vermeiden sein soll. [250] In der That
-werden diese Uebelstände jetzt z. Th. durch bessere Bereitung des
-Rohstoffs in Manila vermittelst geeigneter Maschinen beseitigt. Den
-Vortheil grösserer Billigkeit hat das Abacá gegenwärtig nicht mehr,
-da die Nachfrage viel schneller zunimmt, als sie befriedigt werden
-kann. Während es 1859 in London 22 bis 25 £ per Tonne galt, kostete
-es 1868 45 bis 50 £, russischer Hanf 31 £, es war also in 9 Jahren
-auf das Doppelte gestiegen.
-
-In Albay werden etwa zwölf Abarten von Bastbananen gebaut, deren
-Wahl sich nach der Beschaffenheit des Bodens richtet. Die Kultur
-ist äusserst einfach und von den Jahreszeiten unabhängig. Am besten
-gerathen die Pflanzungen auf den Abhängen vulkanischer Berge,
-woran Albay und Camarines so reich sind, auf Waldlichtungen, in
-denen jedoch schattengebende Bäume in Entfernungen von etwa 60 Fuss
-stehn bleiben. Auf offenen Flächen gelingen sie weniger, in Sumpfland
-gar nicht.
-
-Zur Anlage einer neuen Pflanzung werden gewöhnlich junge Triebe
-benutzt, die in solcher Fülle aus der Wurzel sprossen, dass jedes
-Individuum bald zu einem Busch wird. Auf gutem Boden lässt man daher
-Abstände von wenigstens 10 Fuss zwischen den Pflanzen, auf geringerem
-6 Fuss. Die ganze Arbeit beschränkt sich auf gelegentliche Vertilgung
-des Unkrautes und Unterholzes während der ersten Zeit; später wuchern
-die Pflanzen so üppig, dass sie keine andere neben sich aufkommen
-lassen, dann sind auch schattengebende Bäume nicht mehr nöthig,
-da die jungen Triebe unter den wedelartigen Blättern der alten
-hinreichenden Schutz gegen die Sonnengluth finden. Nur in seltenen
-Fällen, bei Uebersiedelung in entfernte Gebiete, werden Pflanzen
-aus Samen gezogen. Zu dem Zwecke schneidet man die Früchte ab und
-trocknet sie, doch dürfen sie nicht überreif sein, da die Kerne sonst
-nicht keimen. Letztere haben die Grösse von Pfefferkörnern (bei den
-essbaren Arten sind sie fast bis zum Verschwinden verkümmert). Zwei
-Tage vor dem Aussäen werden die Kerne aus der Frucht genommen, über
-Nacht in Wasser gelegt, am folgenden Tage im Schatten getrocknet, am
-dritten Tage ausgesäet, in zolltiefe Löcher, auf frisch umgegrabenen
-hinreichend beschatteten Waldboden, mit 6 Zoll Abstand zwischen den
-Pflanzen und Reihen. Nach einem Jahre pflanzt man die dann etwa 2'
-hohen Sämlinge um und behandelt sie weiter wie Wurzeltriebe. Während
-viele essbare Bananen schon nach einem Jahre Früchte tragen, einige
-sogar schon nach 6 Monaten, braucht die Abacá im Durchschnitt 3 Jahre
-bis zur Bastreife, wenn sie aus Wurzeltrieben; vier Jahre, wenn sie
-aus ein Jahr alten Sämlingen gezogen wird; unter den günstigsten
-Verhältnissen 2 Jahre.
-
-Bei der ersten Ernte schneidet man von jedem Busch nur einen Stamm,
-später nimmt der Nachwuchs so schnell zu, dass alle paar Monate
-geschnitten werden kann; [251] nach einigen Jahren wird die Pflanzung
-so dicht, dass es kaum möglich ist, durchzudringen. Am besten ist der
-Bast zur Zeit, wo die Blüthe ansetzt, doch wird, wenn die Faser hoch
-im Preise steht, dieser Zeitpunkt nicht immer abgewartet.
-
-Pflanzen, die geblüht haben, werden gar nicht ausgebeutet, angeblich
-weil ihre Faser zu schwach ist. Eine so zartfühlende Rücksicht für
-den unbekannten Konsumenten jenseits des Weltmeers trotz dringender
-Nachfrage und mangelnder Aufsicht wäre befremdend. Auch ist kein
-Grund ersichtlich, weshalb die Faser schwächer werden sollte durch
-den Vorgang der Fruchtbildung, der doch nur zu den Gefässzellen in
-Beziehung steht, die Umwandlung ihres Inhalts in lösliche Stoffe
-und ihre allmälige Entleerung zur Folge hat, während die Faserzellen
-dadurch nicht beeinflusst werden. Diese nehmen im Gegentheil mit dem
-Alter der Pflanze an Festigkeit zu; haften aber, weil die entleerten
-Zellen, durch Ablagerung harziger Stoffe an einander kleben, so fest
-zusammen, dass es nicht möglich sein würde, sie ohne sehr vermehrten
-Kraftaufwand und unzerrissen zu gewinnen. So mag die irrige Meinung
-entstanden sein. Durch vorheriges Rösten, wie beim Hanf, liessen
-sich vielleicht auch die alten Pflanzen verwerthen, jedoch nicht ohne
-beträchtliche Erhöhung des Arbeitslohns, der schon jetzt den grössten
-Theil der Darstellungskosten ausmacht. [252]
-
-Um den Bast zu erhalten, wird der Stamm dicht über dem Boden
-abgeschnitten und von den Blättern und äussern Hüllen befreit; dann
-löst man die einzelnen Blattstiele in Streifen ab, macht auf der
-innern, konkaven Seite einen Querschnitt durch die Haut und reisst
-sie sammt dem daran haftenden fleischigen Theil (dem Parenchym) ab,
-so dass nur die äussere Haut möglichst rein zurückbleibt. Oder man
-löst den Bast von dem unzertheilten Stamm. Zu dem Zweck macht der
-Arbeiter einen schrägen Einschnitt in die Haut am untern Ende des
-Stammes, fährt mit dem Messer unter den Zipfel, zieht einen möglichst
-breiten Streifen der ganzen Länge nach ab, und wiederholt dies so
-lange es lohnt. Dies Verfahren, ausgiebiger, aber zeitraubender als
-das zuerst beschriebene und daher nur selten angewendet, heisst:
-jagot, jenes: luni. Die Baststreifen werden dann unter einem drei
-Zoll hohen, sechs Zoll langen Messer durchgezogen, das mit einem
-Ende an einem elastischen Stock so befestigt ist, dass die Klinge
-senkrecht über einem geglätteten Block schwebt, und am andern Ende,
-dem Griff, mittelst einer an einem Trittbrett angebrachten Schnur
-fest aufgedrückt werden kann. Der Arbeiter zieht die mehr oder
-weniger gereinigten Bastreifen zwischen Block und Messer durch,
-von der Mitte anfangend erst nach der einen, dann nach der andern
-Seite. Das Messer darf nicht schartig oder gar sägenförmig gezähnt
-sein, wie Padre Blanco angiebt. [253]
-
-In Lohn arbeitend liefern 3 Mann gewöhnlich 25 Pfd. per Tag. Einer
-haut den Stamm um, löst die Blätter ab und trägt zu; ein Zweiter,
-häufig ein Knabe, bereitet die Streifen, der Dritte zieht sie unter
-dem Messer durch. Es kommt vor, dass einzelne Pflanzen bis 2 Pfund
-Fasern liefern; der günstigste Durchschnitt beträgt wohl nur selten
-ein Pfund, auf schlechtem Boden kaum den sechsten Theil. Der Besitzer
-beutet die Pflanzung entweder selbst aus, oder durch Tagelöhner oder,
-bei sehr niedrigen Marktpreisen, indem er den Arbeitern die Hälfte
-des Ertrages überlässt. In diesem Fall soll ein tüchtiger Arbeiter
-einen Pico in der Woche liefern können. Legt man den bei meiner
-Anwesenheit ausnahmsweise niedrigen Preis, 16,5 r. für den Pico zu
-Grunde, so gewinnt der Arbeiter in 6 Tagen den halben Betrag = 8,25
-r., täglich 1,375 r. Der Tagelohn war damals 0,5 r. und Beköstigung =
-0,25 r., zusammen 0,75 r.
-
-
- im Tagelohn: auf halben Antheil:
-
-Der Arbeiter verdiente also täglich 0,75 r. 1,375 r.
-Der Arbeitslohn per Pico betrug 12,6 r. 8,25 r.
-Der Nutzen des Pflanzers
-nach Abzug des Arbeiterlohns 3,9 r. 8,25 r.
-
-
-Die Ränder der Blattstiele, die viel feinere Fasern enthalten als
-die Mitte, werden in zollbreiten Streifen besonders abgelöst und
-mit starkem Druck mehrere Male unter dem Messer durchgezogen. Ihr
-Produkt heisst Lúpis, steht hoch im Preise und wird zu feinen
-inländischen Geweben benutzt, während die Bandála hauptsächlich zu
-Tauwerk dient. [254] Das Lupis wird nach der Feinheit der Fasern in
-vier Klassen sortirt (1o Binani, 2o Totogna, 3o Sogotan, 4o Cadaclan)
-indem man ein Bündel davon in die linke Hand nimmt, und mit der rechten
-die drei ersten Sorten in die Zwischenräume der vier Finger einreiht,
-die vierte zwischen Daum und Zeigefinger behält. Diese letztere ist
-für sehr feine Gewebe nicht mehr verwendbar, und wird daher häufig
-mit der Bandála verkauft. Nachdem die feinen Sorten im Reis-Mörser
-gestampft worden, um die Fasern geschmeidiger zu machen, werden diese
-einzeln an einander geknüpft und zum Weben verwendet.
-
-Gewöhnlich wird die erste Sorte als Einschlag mit der zweiten
-als Kette, die dritte als Kette mit der zweiten als Einschlag
-verarbeitet. Dergleichen Gewebe sind fast so schön, wie Ananas-Stoffe
-(Nipis de piña), kommen den feinsten Batisten an Feinheit gleich,
-sind trotz der vielen kleinen vom Verknüpfen der Fasern herrührenden
-Knötchen, die man bei genauerer Beschauung entdeckt, noch klarer,
-auch starrer, und haben einen wärmeren gelblichen Ton. [255] In Bezug
-auf diese letzten drei Eigenschaften, Klarheit, Starrheit und Farbe,
-verhalten sie sich zum Batist etwa wie Pauspapier zu Seidenpapier.
-
-Die Herstellung solcher Stoffe auf sehr unvollkommenen Webstühlen
-ist äusserst mühsam, da die nicht gesponnenen, sondern geknoteten
-Fasern häufig reissen. Die feinsten Zeuge verlangen einen so grossen
-Aufwand von Geschick, Geduld und Zeit, und steigen dadurch so sehr
-im Preise, dass sie in Europa der billigen Maschinenarbeit gegenüber
-keine Käufer finden würden. Selbst ihr schöner warmer Ton wird ihnen
-von den an stark gebläute Wäsche gewohnten Europäerinnen zum Vorwurf
-gemacht. Im Lande dagegen werden sie von den reichen Mestizinnen,
-welche die Arbeit zu würdigen verstehn, sehr hoch bezahlt.
-
-Die Fasern der innern Blattstiele, die weicher, aber nicht so
-stark sind als die der äussern, heissen Tupus und werden mit der
-Bandála verkauft, oder zu inländischen Geweben, besonders zu Tapis
-benutzt. Auch die Bandála dient zu Geweben, und in dem Theil des
-Archipels, wo die Abacákultur einheimisch, besteht oft der ganze Anzug
-beider Geschlechter nur aus grober Guinára. Noch gröbere starrere
-Zeuge werden für den europäischen Markt bereitet, als Krinoline,
-oder zum Fassonniren für Putzmacherinnen.
-
-Schon vor Ankunft der Spanier trugen die Eingeborenen Stoffe von
-Abacá. Einen wichtigen Ausfuhrartikel bildet es erst seit einigen
-Jahrzehnten. Dies ist zum grossen Theil dem Unternehmungsgeist
-zweier amerikanischen Häuser zu danken und wurde nicht ohne viel
-Beharrlichkeit und beträchtliche Geldopfer erreicht.
-
-Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der
-Fasern Mühe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur
-gegen Noth geschützte Eingeborene diese Mühe, wenn der Marktpreis
-nicht sehr lockend ist. Auf regelmässige Lieferungen wäre bei niedrigen
-Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Händlern
-nicht eine Handhabe böte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht
-ihnen Vorschüsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen
-von Bandála aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des
-Gläubigers tilgen müssen. [256] So lange das Produkt hoch im Preise
-steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit
-der Indier, Trägheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfähigkeit der nicht
-kaufmännisch geschulten Zwischenhändler zuweilen beträchtliche Verluste
-vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der
-Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu
-umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhändler
-deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch müssen sie
-liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld
-besitzen. Dann führen die Indier bittre Klage über die Agenten,
-die sie durch Vorschüsse unter wucherischen Bedingungen zu harter
-unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewöhnlich Kreolen und
-Mestizen) klagen über die schlauen habgierigen Fremden, die sich
-nicht entblöden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu
-locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich
-verlieren beträchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine
-der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebüsst, soll es den
-an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen
-sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen,
-selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und
-durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle früher
-dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und
-Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie
-und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches
-Recht, sind sehr neidisch auf die »fremden Eindringlinge, die sich
-auf ihre Unkosten bereichern« und legen ihnen jedes Hinderniss in den
-Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so müssten alle Fremde aus dem
-Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden. [257]
-
-In derselben Weise werden die Chinesen als tüchtige zuverlässige
-Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grössere
-Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind
-bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene
-nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung
-vertreiben. Auch den Kolonialbehörden wird vorgeworfen, dass sie die
-Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthätigkeiten
-beschützen. Dass bisher in den Philippinen grössere Unternehmungen in
-der Regel nicht glückten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen
-abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich
-jenen Umständen zugeschrieben. Manche freilich erklären die Misserfolge
-aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn
-sie pünktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint
-allmälig zu der Einsicht gekommen, dass die natürlichen Hülfsquellen
-der Kolonie nicht erschlossen werden können ohne das Kapital und den
-Unternehmungsgeist der Ausländer. Sie hinderte daher in neuer Zeit
-ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden
-endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden.
-
-Die nächste Zukunft scheint sich für die Abacákultur sehr glänzend
-zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der
-ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptsächlich in Amerika
-verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwährend
-im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abacá zum
-Werth von 397,995 Dollar ausgeführt wurden, wonach sich der Werth per
-Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmälig und hielt
-sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte während des Krimkrieges,
-der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Höhe
-von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste,
-deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen
-normalen Verhältnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3 1/2 Dollar
-herabdrückte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen
-auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis
-1860, sind seitdem allmälig gestiegen (nur während des amerikanischen
-Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie während
-des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie
-fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwächst. 1866
-kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre
-vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9 1/2 Dollar für ordinäre
-Sorten. »Die Produktion hat in manchen Provinzen die äusserste Grenze
-erreicht, eine Steigerung derselben ist für das Erste wenigstens
-nicht möglich, da die ganze männliche Bevölkerung bereits an der
-Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafür, dass reichlicher Lohn die
-Faulheit der Eingeborenen zu überwinden vermag«. [258]
-
-Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu
-bestätigen.
-
-
-Nach 1861 1864 1866 1868 1870 1871
-
-Grossbritanien 198,954 226,258 96,000 125,540 131,180 143,498
-N.-Amerik. Atlant.
-Häfen 158,610 249,106 280,000 294,728 327,728 285,112
-Californien 6600 9426 14,200 15,900 22,500
-Europa Continent 901 1134 200 244 640
-Australien 16 5194 21,144 11,434 6716
-Singapore 2648 1932 3646 1202 2992
-China 5531 302 882 2294
- ======= ======= ======= ======= ======= =======
-Total 273,269 493,352 406,682 460,558 488,560 463,752
-
- Balanza Preuss. Belg. Engl. Marktbericht
- mercantil. Konsul- Konsul- Konsul- T. H. & Co.
- Bericht. Bericht. Bericht.
-
-
-Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer
-zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen
-ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe für den Bedarf
-der Familie werden aber gewöhnlich im Hause selbst angefertigt.
-
-Als Surrogat für Abacá kommt seit einigen Jahren in zunehmender
-Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den
-Handel. Es sieht ungefähr so aus wie Abacá, entbehrt aber den schönen
-Seidenglanz, ist schwächer, kostet 5 bis 10 £ per Ton weniger, wird
-nur zu Tauwerk verwendet; seine Abfälle sind zur Papierfabrikation
-gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz über den
-Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen
-davon wesentlich abweichenden ausführlichen Aufsatz mit Abbildungen
-der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden
-Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in
-London über seine Herkunft herrscht, dürfte ein kurzer Auszug daraus
-willkommen sein. Der Bericht erwähnt die grössere Schönheit der
-Abacáfaser, aber nicht ihre grössere Festigkeit. [259]
-
-
- Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel)
- benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan's
- und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur
- Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan
- wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus
- der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten
- Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente,
- kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit
- Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci
- (spr. yachki, yax = grün, ki = agave), die zweite im Range, sie
- wird nur für feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac =
- weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich
- die Fasern für die Ausfuhr, jede Pflanze jährlich 25 Blätter =
- 25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, ähnlich No. 3,
- aber gröber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Blätter klein,
- daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein)
- weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich
- Fourcroya cubensis, Blätter schmal, 4 bis 5' lang.
-
- Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die
- Gewinnung der Faser aus den Blättern und ihr Verspinnen zu Tauwerk
- geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise
- aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgeübt,
- Abkömmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico
- mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand.
-
- Der Sesalbau soll jährlich 95% Nutzen abwerfen. Ein Mecate =
- 576 quadr. Varas enthält 64 Pflanzen, giebt 64 Pfd. reine Faser,
- Werth 3 Doll. 84 C., nach Abzug der Kosten (1 Doll. 71) 2 Doll. 13
- C. Gewinn. Die Ernten beginnen 4 bis 5 Jahre nach Anlage der
- Pflanzung und halten 50 bis 60 Jahre an.
-
-
-Da es in tropischen Ländern kaum eine Hütte ohne Bananen giebt, so sind
-schon Viele auf den Gedanken gekommen, dass es sehr vortheilhaft sein
-würde, die Fasern dieser Pflanzen zu verwerthen, die jetzt gänzlich
-verloren gehn und für den blossen Arbeitslohn zu haben wären, denn die
-geringe Mühe des Anbaus vergelten die Bananen schon auf's reichlichste
-durch ihren Fruchtertrag. [260] Für die Philippinen würde diese
-Voraussetzung unter den bestehenden Verhältnissen wohl nicht zutreffen,
-da es nicht einmal lohnt den Bast der ächten Abacápflanzen zu gewinnen,
-sobald diese Früchte getragen haben. Die Faser der essbaren Arten
-wäre doch wohl nur als Papierstoff zu gebrauchen, ihre Gewinnung
-würde mehr kosten als die der ächten Bandála (s. S. 248).
-
-Im Sitzungsbericht der Society of Arts, London 11. Mai 1860 wird
-eine von F. Burke in Montserrat erfundene Maschine zur Erzielung von
-Bananen- und andern endogenen Pflanzenfasern besprochen. Während
-frühere Maschinen der Faser parallel wirkten, arbeitet jene queer
-gegen dieselben, wodurch sie vorzüglich rein erhalten werden; man
-soll damit von der Banane 7 bis 9 % Faserstoff gewinnen. Die Tropical
-Fibre Company hatte solche Maschinen nach Demarara, auch nach Java und
-andern Orten gesandt in der Absicht, die Fasern der essbaren Bananen
-zu Gespinnst und Papierstoff zu verwerthen. Auch lagen bereits Proben
-also gewonnener Fasern aus Java vor, deren Werth für den Spinner auf 20
-bis 25 £ geschätzt wurde.(?) Es scheinen aber diese vielversprechenden
-Versuche noch nirgends zu nachdrücklichem Betriebe geführt zu haben,
-wenigstens wird in den mir zu Händen gekommenen Konsularberichten
-nichts davon erwähnt. Bei der Bandalagewinnung in den Philippinen
-hat sich die Erfindung nicht Eingang verschafft; selbst noch in
-seinem neuesten Bericht (Aug. 1869) klagt der englische Konsul, dass
-alle bisher von den Ingeniören ersonnenen Maschinen sich als völlig
-unbrauchbar erwiesen.
-
-Der Nutzung des Bastes essbarer Bananen steht aber in den Philippinen
-auch noch der Umstand entgegen, dass diese Pflanzen dort, nicht wie
-an manchen Orten in Amerika, in grossen Gärten, sondern vereinzelt
-um die Hütten gezogen werden; die Heranschaffung des Rohmaterials,
-der Lokaltransport und die hohe Schiffsfracht würden den doch
-immer nur mässig guten Stoff für Europa zu sehr vertheuern,
-wenigstens wohl auf 10 £ per Tonne, während Spartogras (Lygaeum
-spartum Loeffl.), das seit einigen Jahren in steigender Menge als
-Papierstoff eingeführt wird, in London nur 5 £ die Tonne kostet. [261]
-Einen andern billigen Papierstoff liefern die Kaffeesäcke aus Jute
-(Corchorus capsularis). Sie dienen namentlich zur Darstellung festen
-braunen Packpapiers, da es noch nicht gelingen will, die Faser zu
-bleichen. Nach P. Symmonds verwenden die Vereinigten Staaten in
-neuester Zeit viel Bambus. Ein sehr gutes Zeug soll die Rinde der
-Adansonia digitata geben; besondere Beachtung aber verdiene der
-Neu-Seeland-Flachs, da sich daraus gefertigtes Papier wegen seiner
-grossen Zähigkeit vorzüglich für Werthpapiere eigne.
-
-Es darf indessen nicht übersehen werden, dass die zur Papierbereitung
-verwendeten Lumpen von Leinen- und Baumwollenstoffen, die das
-vorzüglichste Papier geben, ebenfalls für die blosse Mühe des
-Einsammelns zu haben sind, dass sie die Kosten ihrer Herstellung schon
-in der Form von Kleiderstoffen gedeckt, und sogar durch die Abnutzung
-und durch vieles Waschen eine weitere Zubereitung erhalten haben,
-die sie zur Papierbereitung geeigneter macht.
-
-Je mehr übrigens die Papierfabrikation fortschreitet, um so mehr
-verdrängen einheimische Holzfasern, namentlich Holz und Stroh,
-die schon gegenwärtig recht gute Pasten geben, jeden aus der Ferne
-eingeführten Rohstoff. Dass England so viel Sparto bezieht, hat
-wohl mit darin seinen Grund, dass es nur sehr wenig Stroh erzeugt,
-weil es einen grossen Theil seines Getreidebedarfs in Körnern vom
-Auslande empfängt.
-
-
-
-
-
-
-
-
-FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL
-
- DAS TABAKMONOPOL.
-
-
-Für die Regierung ist der Tabak das wichtigste aller Landesprodukte;
-sie hat den Anbau der Pflanze, ihre Verarbeitung und den Debit zum
-Gegenstande eines umfassenden, rücksichtslos geübten Monopols gemacht
-und zieht daraus einen beträchtlichen Theil ihrer Einkünfte. [262]
-Soviel sich auch gegen die Zweckmässigkeit und Moralität mancher
-anderer Einnahmequellen des Kolonialbudgets (Kopfsteuer, Spiel- und
-Opiumpacht, Handel mit Brantwein und Ablasscheinen) einwenden lässt,
-keine ist so gehässig und verderblich wie das Tabakmonopol.
-
-Oftmals ist im Laufe dieser Reiseberichte die Milde der spanischen
-Regierung in den Philippinen gerühmt worden; in grellem Widerspruch
-damit steht das Verfahren der Tabakregie: Sie nimmt den Bauern ohne
-jegliche Entschädigung die Aecker, die sie zum Anbau notwendiger
-Nahrungsmittel urbar gemacht hatten, zwingt sie durch harte
-Körperstrafen auf dem konfiszirten Eigenthum ein Produkt zu bauen, das
-sehr viel Mühe verlangt und unsichere Ernten giebt; sie klassifizirt
-die gewonnenen Blätter willkürlich ohne Appell und zahlt dafür im
-günstigsten Fall einen von ihr selbst festgestellten nominellen Preis
--- im günstigsten Fall; ein solcher ist aber seit einer Reihe von
-Jahren nicht mehr vorgekommen, Spanien bleibt jetzt regelmässig den
-unglücklichen Bauern jenen kärglichen Lohn Jahre lang schuldig; die
-Regierung prämiirt die Beamten, die von der verarmten Bevölkerung der
-Tabakdistrikte höhere Erträge erpressen, und belohnt Denunzianten, die
-ihr zum Tabakbau geeignete Felder nachweisen, indem sie die Spione an
-Stelle der Eigenthümer in den Besitz der denunzirten Ländereien setzt.
-
-Zur Begründung dieser Anschuldigungen mögen hier einige §§. der in
-Kraft bestehenden General-Instruktion [263] und weiter unten einige
-Auszüge aus dem amtlichen Berichte des General-Intendanten Agius an
-den Kolonial-Minister folgen: [264]
-
-
- Kap. XXV. §. 329. Die Zwangskultur in Cagayan, Neu-Vizcaya, Gapan,
- Ygorrotes und Abra bleibt bestehn.
-
- §. 331. Die General-Direktion der Regie ist ermächtigt, die
- Zwangsarbeit auf andere Provinzen auszudehnen, oder da aufzuheben,
- wo solche eingeführt ist ... sie darf diese Instruktionen ganz
- oder theilweise umändern,
-
- §. 332 die Preise erhöhen oder herabsetzen.
-
- §. 337. Ansprüche oder Prozesse, die über den Besitz von
- Tabakländereien vor den gewöhnlichen Gerichten anhängig sind,
- hindern nicht, dass solche Ländereien zum Tabakbau verwendet
- werden, im Gegentheil soll der Besitzer verpflichtet sein, sie
- mit Tabak zu bebauen oder durch einen Stellvertreter bebauen zu
- lassen; geschieht es nicht, so ernennt der Alkalde oder Richter
- einen solchen Stellvertreter.
-
- §. 351. Die Kollektoren haben »Denuncias« d. h. Anzeigen, dass
- zum Tabakbau fähiges Land brach liege, auch Privatländereien
- betreffend, entgegenzunehmen, und falls der Boden zum Tabakbau
- geeignet ist, den Besitzer zur Bestellung desselben, vorzugsweise
- mit Tabak, aufzufordern. Nach Ablauf einer gewissen Frist wird
- das Land dem Denunzianten übergeben. Durch diese Verfügung geht
- der Besitz dem Eigenthümer zwar nicht verloren, doch verliert er
- auf 3 Jahre alle Rechte und allen Niessbrauch.
-
- Kap. XXVII. §. 357. Eine Hauptpflicht der Kollektoren ist die
- grösstmögliche Ausdehnung des Tabakbaus auf alle geeigneten
- Ländereien, besonders aber auf den fruchbarsten, zuträglichsten
- Boden. Ländereien, die obgleich zum Tabakbau passend, vorher
- mit Reis oder Korn bestellt waren, sollen so weit thunlich durch
- Waldlichtungen ersetzt werden, um Theuerungen möglichst vorzubeugen
- und das Interesse der Eingeborenen mit dem der Renta in Einklang
- zu bringen.
-
- §. 361. Damit die Eingeborenen, ohne die Arbeiten, welche der
- Tabak verlangt, zu vernachlässigen, auch die zu ihrem Unterhalt
- nöthigen Feldarbeiten verrichten können, wird die Grösse des von
- je zwei Individuen zu bebauenden Tabaklandes auf 8000 quadr. Varas
- (= 2 1/5 Morgen) festgesetzt.
-
- §. 362. Durch Alter oder Krankheit Unfähige und Wittwen
- trifft obige Vorschrift nicht, sie sollen sich mit dem Pfarrer
- verständigen, der jedem so viel Arbeit überweisen wird, als
- seine noch vorhandenen Kräfte oder die Zahl der noch kleinen
- Kinder gestatten.
-
- §. 369. Ein Kollektor, der von seinem Gebiet 1000 Fardos mehr
- als in den früheren Jahren abliefert, erhält für den Ueberschuss
- doppelte Gratifikation; doch nur wenn sich das Verhältniss der
- Blätter I. Klasse zu den übrigen nicht verringert hat.
-
- §. 370. Desgleichen wenn die Menge im Ganzen nicht abgenommen
- und die der Blätter I. Klasse um 1/3 zugenommen hat.
-
- Es folgen §§. welche die Gratifikationen der Lokalbehörden regeln.
-
- §. 379. Alljährlich hat jeder Gobernadorcillo eine vom Pfarrer
- revidirte Liste sämmtlicher Ortsangehöriger beiderlei Geschlechts
- und der Kinder einzureichen, die alt genug sind um auf dem Felde
- zu helfen.
-
- §. 430. Die Beamten sollen die Einwanderung nach Cagayan und
- Neu-Biscaya fördern und werden sogar angewiesen mit 5 Dollar
- die Schulden solcher Individuen zu bezahlen, die ihre Provinz
- schuldenhalber nicht verlassen dürfen.
-
- §. 436. »denn da durch Verordnungen des Buen Gobierno bestimmt
- ist, dass ein Indier nicht in Anspruch genommen werden kann für
- eine Summe die 5 Dollar übersteigt, und von einem Darlehn oder
- einer einfachen Schuld herrührt, so kann die Beanspruchung einer
- höheren Summe kein Hinderniss für die Auswanderung sein.«
-
- §. 437. Die Hacienda bestreitet die Reisekosten und den Unterhalt
- der Einwanderer von Ilocos,
-
- §. 438. schiesst ihnen die Mittel zur Beschaffung von Vieh,
- Geräth etc. bis zur ersten Ernte vor (obgleich der Indier nur
- für 5 Dollar haftbar ist!).
-
- §. 439. Solche Vorschüsse sind zwar persönlich, aber das ganze Dorf
- haftet dafür im Falle des Todes oder der Flucht des Schuldners.
-
-
-Der Tabak (Nicotiana tabacum L.) wurde in die Philippinen, bald nach
-Ankunft der Spanier durch Missionäre eingeführt, die den Samen aus
-Mexico mitbrachten. [265] Der Boden, das Klima, der Anklang, den sein
-Genuss bei den Eingeborenen fand, wirkten zusammen, um ihm schnell
-grosse Verbreitung zu verschaffen. Nach dem Tabak von Cuba (und einigen
-türkischen Gewächsen) [266] soll er der beste sein und in der Kolonie
-behaupten Sachverständige, dass er selbst jenen bald übertreffen würde,
-wenn die darauf begründeten Gewerbe frei wären. Dass Güte und Menge des
-Produktes unter solchen Umständen beträchtlich zunehmen würden, wird
-wohl kein Unbefangener bezweifeln; manche verstockte Beamte behaupten
-freilich das Gegentheil. Es kann sich nur um die Frage handeln, bis zu
-welchem Grade die an eine solche Maassregel geknüpften Erwartungen in
-Erfüllung gehen würden, wobei allerdings nicht übersehen werden darf,
-dass gerade die Sachverständigen, vielleicht zu grosse Hoffnungen
-an die Abschaffung eines Systems knüpfen, das sie verhindert ihre
-Fachkenntniss zu verwerthen.
-
-Thatsache ist aber, dass schon jetzt der heimlich gebaute Tabak,
-trotz aller vom verbotenen Betriebe unzertrennlichen Mängel, selbst
-von den Regiebeamten ihrem eigenen Fabrikat vorgezogen, von Vielen dem
-Habana gleichgeschätzt wird und dass die Regie-Zigarren der Philippinen
-in ganz Ostasien die beliebtesten sind. Reiche Kaufleute sogar, für
-welche der Preisunterschied nicht in Betracht kommt, ziehen in der
-Regel die Manila- den Habana-Zigarren vor.
-
-Nach Agius, (Memoria 1871.) dürfte der philippinische Tabak auf den
-europäischen Märkten keinen andern Nebenbuhler haben, als den der
-Vuelta abajo von Cuba, und müsste in den Häfen von Asien und Ozeanien
-ohne Rivalen dastehen, (weil der Habana auf der langen Reise nach
-jenen Ländern an Güte einbüsst), während er jetzt von Jahr zu Jahr
-an Ruf verliert.
-
-Wenn es den Manila-Zigarren bisher nicht gelingen wollte, sich in
-Europa einzubürgern, so liegt die Schuld daran, dass sie unter dem
-Einfluss der Zwangsarbeit und der Insolvenz des Kolonial-Fiscus
-immer schlechter werden, während das Produkt anderer Tabakländer,
-in Folge der freien Konkurrenz sich verbessert. Ein wenig leidet ihr
-Ruf wohl auch durch den sehr verbreiteten irrigen Glauben, dass sie
-Opium enthalten.
-
-Wie sehr die Produktion durch Freigebung des Gewerbes zunehmen würde,
-zeigt unter anderen das Beispiel von Cuba: Zur Zeit als die Regierung
-den Tabak dort monopolisirte, reichten die Ernten nur ein einziges Mal
-zur Deckung des innern Bedarfs, während sie gegenwärtig alle Märkte
-der Welt versehen. [267] Höchst beachtenswerth in diesem Punkte
-ist auch der Ausspruch des General-Kapitäns de la Gándara [268],
-in einer Denkschrift die Maassregeln zur Verschärfung des Monopols
-vorschlägt: »ginge der Tabakbau an das Privatgewerbe über, so würde
-dieses vielleicht in wenigen Jahren dahin gelangen, fast alle Märkte
-der Welt zu beherrschen.« Fast sämmtliche Inseln erzeugen Tabak; nach
-der Güte des Produktes nehmen die Tabakgebiete folgenden Rang ein:
-1o Cagayan und Ysabel, 2o Ygorrotes, 3o Insel Mindanao, 4o Bisayas,
-5o Neu-Écija.
-
-Aus R. O. 20. Nov. 1625 (Razon general 11) ist ersichtlich,
-dass schon damals der Verkauf von Betel, Palmwein, Tabak
-u. s. w. Regierungsmonopol war. Es wurde aber wohl nicht streng
-durchgeführt. Das Tabakmonopol in seinem jetzigen Umfang, welches
-das ganze Gewerbe von der Aussaat der Pflanze bis zum Verkauf der
-fertigen Produkte in die Hände der Regierung legt, ist erst durch den
-General-Kapitän José Basco y Bargas eingeführt. R. O. 9. Jan. 1780
-(bestätigt durch R. D. 13. Dec. 1781) verfügt, dass die Tabakregie,
-so wie in allen spanischen Besitzungen in dieser und jener Welt
-(de uno y otro mundo), auch auf die Philippinen ausgedehnt werden soll.
-
-Bis zur Verwaltung dieses sehr eifrigen Guvernörs, zweihundert Jahre
-lang, empfing die Kolonie jährlich Zuschüsse aus Neu-Spanien (Situado
-de Nueva España). Um die spanischen Finanzen von dieser Last zu
-befreien, führte Basco, den damals herrschenden national-ökonomischen
-Ansichten entsprechend, die unmittelbare Ausbeutung der natürlichen
-Hülfsquellen durch den Staat, ein Vorbild des fünfzig Jahre später
-in Java gegründeten »Kultursystems« ein. In den Philippinen waren die
-Verhältnisse dafür aber weniger günstig. Abgesehn von der geringeren
-Unterwürfigkeit der Bevölkerung, lagen zwei Haupthindernisse im
-Widerstand der Priester und im Mangel zuverlässiger Beamten. Von allen
-durch Basco künstlich in's Leben gerufenen ländlichen Gewerben hat
-sich nur die Indigobereitung als Privatindustrie, der Tabakbau als
-Regierungsmonopol erhalten. [269]
-
-Zunächst beschränkte Basco das Monopol auf die unmittelbar um die
-Hauptstadt gelegenen Provinzen, in welchen der Tabakbau allen, von
-der Regierung nicht besonders dazu ermächtigten und verpflichteten
-Personen bei strenger Strafe verboten wurde. [270] In den übrigen
-Provinzen blieb der Anbau Jedem gestattet, doch durfte das Produkt
-nach Abzug des Selbstverbrauchs nur an die Regierung verkauft werden.
-
-In den Bisayas kauften die Alkalden den Tabak für die Regierung und
-lieferten ihn zu vorher festgesetzten Preisen an die k. Fabriken
-in Manila; es war ihnen gestattet die Ueberschüsse der k. Kassen
-zu diesem Zwecke zu benutzen. Ein schlechteres System hätte kaum
-ersonnen werden können: der nur auf seinen Privatvortheil bedachte
-Beamte duldete keinen Konkurrenten in seiner Provinz, benutzte seine
-amtliche Gewalt, um den Produzenten auf das härteste zu drücken, und
-hemmte dadurch die Produktion; die k. Kassen aber erlitten häufige
-Verluste durch Bankerotte, da die Alkalden, welche 600 Dollar Gehalt
-bezogen, und für die Berechtigung Handel treiben zu dürfen, eine
-Patentsteuer von 100 bis 300 Dollar entrichteten, sich, um schnell
-reich zu werden, in die gewagtesten Unternehmungen einliessen. Erst
-1814 ward diesem Unwesen ein Ende gemacht. Alsbald stiegen auch die
-Tabaklieferungen aus den Bisayas, da die Konkurrenz der Privathändler,
-denen nun erst thatsächlich der Ankauf zufiel, obgleich ihn das Gesetz
-schon seit 1839 gestattete, dem Pflanzer höhere Preise verschaffte,
-als ihm die Habsucht des monopolisirenden Alkalden gewährte.
-
-Gegenwärtig gelten im Allgemeinen folgende Bestimmungen, an deren
-Einzelheiten aber fortwährend geändert wird: Durch R. D. 5. Sept. 1865
-wird der Tabakbau in allen Provinzen gestattet, doch darf der Ertrag
-nur an die Regierung zu einem von ihr festgesetzten Preise verkauft
-werden. Der Aufkauf geschieht in Luzon und den angrenzenden Inseln nach
-Fardos [271] durch Colleccion, d. h. direkt durch die Finanzbeamten,
-welche den Bau der Pflanze von der Aussaat an zu leiten haben; in den
-Bisayas durch Acopio, indem Regiebeamte den ihnen angebotenen Tabak
-vom Bauer oder vom Spekulanten und zwar nach Quintales aufkaufen.
-
-In den Bisayas und in Mindanao ist Jedem erlaubt, Zigarren für seinen
-eignen Bedarf selbst zu fabriziren, doch darf er keinen Handel damit
-treiben. Dort werden den Tabakbauern auch Vorschüsse gemacht. In Luzon
-und den benachbarten Inseln theilt die Regierung Samen und Sämlinge
-aus. In Luzon und den Nachbar-Inseln darf auf Land, das zum Tabakbau
-geeignet ist, nichts andres als Tabak gepflanzt werden.
-
-Da die Finanzverwaltung den Tabak nicht, wie freie Konkurrenz thun
-würde, nach seinem wirklichen Werthe klassifiziren kann, so hat sie
-den Ausweg ergriffen, die Preise nach der Blattgrösse festzusetzen;
-auch soll die auf Erziehung der Pflanze verwendete Sorgfalt bis zu
-einem gewissen Grade die Grösse der Blätter bedingen, die demnach
-wenigstens ein Kennzeichen für die sorgsame Behandlung, wenn auch
-nicht gerade für die Güte ist. [272]
-
-Wohl weiss man in Madrid, wie sehr das Tabakmonopol das Gedeihen
-der Kolonie hemmt, die betroffene Bevölkerung drückt; dennoch sind
-bisher die Regierungsmaassregeln darauf gerichtet gewesen, immer
-höhere Einnahmen aus dieser bedenklichen Steuerquelle zu erpressen.
-
-R. O. 14. Januar 1866 befiehlt den Tabakbau in den Philippinen
-so viel als irgend möglich auszudehnen um dem Bedarf der Kolonie,
-des Mutterlandes und der Ausfuhr zu genügen, ohne dass Rücksichten
-untergeordneter Art, die einer späteren Lösung vorbehalten bleiben
-können, diese unbegrenzte Ausbreitung hemmen oder verzögern. In
-der bereits zitirten Memoria schlägt der General-Kapitän »Reformen«
-vor, die an die Geschichte der Gans mit den goldenen Eiern erinnern
-(Pfropfen neuer Monopole auf die schon bestehenden, Ausbeutung durch
-Generalpächter) und glaubt dadurch in weniger als drei Jahren den
-Tabakertrag von 182,102 Quintales (Mittel der Jahre 1860/67) auf
-600,000 und selbst 800,000 Q. steigern zu können. Einstweilen aber
-solle die Regierung, um höhere Preise zu erzielen, ihren Tabak selbst
-nach den Konsumtionsländern exportiren und dort verkaufen. Im Jahre
-1868 ist dieser Vorschlag wirklich ausgeführt worden, der nach London
-gesandte fand einen so guten Markt, dass in Folge davon verordnet
-wurde, fortan in Manila keinen Tabak unter 25 Dollar p. Quintal
-loszuschlagen. [273] Diese Bestimmung kann sich aber nur auf Tabak
-der ersten drei Klassen beziehen, deren relative Menge in dem Maasse
-abnimmt, als der Druck auf die Bevölkerung gesteigert wird. Selbst
-aus den de la Gándara's Denkschrift beigefügten Tabellen ergiebt sich
-dies deutlich: Während die Gesammternte von 1867 (176,018 Quintales)
-nicht viel unter dem Mittel der Jahre 1860/67 (182,102 Q.) bleibt,
-ist der Tabak I. Klasse von mehr als 13,000 Q. 1862, auf weniger als
-5000 Q. 1867, gesunken.
-
-Die IV., V., VI. Klasse, die früher grösstentheils verbrannt wurden,
-jetzt aber einen nicht unbeträchtlichen Theil der Gesammternte bilden,
-sind im freien Verkehr geradezu unverkäuflich und können nur als
-»Geschenk« für Spanien verwendet werden, das alljährlich unter dem
-Titel atenciones a la peninsula über 100,000 Zentner empfängt. Wäre
-die Kolonie aber nicht gezwungen, die Hälfte der Fracht für ihr
-Geschenk zu bezahlen, so würde Spanien genöthigt sein, sich diese
-»Aufmerksamkeiten« zu verbitten, denn nach dem Ausspruch des Chefs
-der Regie ist jener Tabak grössten Theils von solcher Beschaffenheit,
-dass er zu keinem Preise Käufer finden würde, da sein Werth weder die
-Unkosten des Zolles noch der Fracht zu decken vermöchte. Dennoch ist
-dieser Tabaktribut eine grosse Last für das Kolonialbudget, das trotz
-seines Defizits nicht nur den Tabak zu beschaffen, sondern auch die
-Verpackung, den Lokaltransport und die Hälfte der Fracht nach Europa
-zu tragen hat.
-
-Vom März 1871, der goldenen Zeit, im Fall de la Gándara's Vorschläge
-ausgeführt worden, seine Verheissungen in Erfüllung gegangen wären,
-liegt ein trefflicher Bericht des General-Intendanten der Hacienda
-an den Kolonial-Minister vor (s. S. 258 Anmerkung), der als Chef der
-Regie die Schäden dieses Verwaltungszweiges schonungslos aufdeckt,
-und auf die schleunige Aufhebung des Monopols dringt. Zunächst
-wird auf amtliche Beläge gestützt, der Beweis geführt, dass der
-Gewinn am Tabakmonopol viel geringer sei, als gewöhnlich angenommen
-wird. Das Mittel sämmtlicher Einnahmen der Tabakregie für die 5 Jahre
-1865/69 betrug nach amtlichen Rechnungen 5,367,262 Dollar, (für die
-Jahre 1866/70 nur 5,240,935 Dollar) die Ausgaben sind nicht genau
-festzustellen, weil darüber keine Berechnungen vorhanden sind, addirt
-man aber die im Kolonialbudget aufgeführten betreffenden Ausgaben
-zusammen, so erhält man 3,717,322 Dollar, wovon 1,812,250 Dollar
-für Ankauf des Rohtabaks. Zu obigen die Tabakregie ausschliesslich
-treffenden Ausgaben müssen aber noch verschiedene andere Posten
-gerechnet werden, an denen dieser Verwaltungszweig betheiligt ist,
-die sogar gänzlich oder zum grössten Theil wegfallen würden, wenn der
-Staat das Tabakmonopol aufgäbe. Die Summe der Unkosten muss wenigsten
-auf 4 Millionen Dollar veranschlagt werden, so dass dem Staate nur
-ein Reingewinn von etwa 1,367,000 Dollar verbliebe, aber selbst auf
-diesen ist in Zukunft nicht zu rechnen, denn wenn die Regierung
-nicht schleunigst diesen Gewerbebetrieb aufgiebt, so wird sie zu
-sehr bedeutenden unabweisbaren Ausgaben gezwungen sein. Namentlich
-müssten dann Fabriken und Magazine neu errichtet, oder verbesserte
-Maschinen gekauft, die Gehalte bedeutend erhöht, vor Allem aber
-Mittel geschafft werden, nicht nur um die enorme Summe von 1,600,000
-Dollar zu zahlen, welche die Regierung den Bauern für die Ernten von
-1869 und 70 schuldet, sondern auch um die Baarzahlung der künftigen
-Ernten sicher zu stellen, »denn dies ist die einzige Möglichkeit,
-den Verfall des Tabakbaus in den betreffenden Provinzen in dem Maasse,
-als das Elend seiner unglücklichen Bewohner zunimmt, zu verhindern.«
-
-Nachdem Agius nachgewiesen, wie gering in Wirklichkeit jene
-Ueberschüsse sind, wegen welcher die Regierung die Zukunft der
-Kolonie preisgiebt, schildert er die aus dem Monopol hervorgehenden
-Uebelstände, von denen ich hier nur einige in zusammengedrängter
-Kürze zur Ergänzung des Eingangs Gesagten anführe:
-
-Die Bevölkerung der Tabakdistrikte, die nach Aufhebung der Regie die
-reichste und glücklichste des gesammten Archipels sein würde, befindet
-sich im tiefsten Elend. Sie wird grausamer behandelt als die Sklaven
-von Cuba, die, wenn auch aus selbstsüchtiger Absicht, gut genährt und
-verpflegt werden, während erstere die Produkte der Zwangsarbeit dem
-Staate hergeben muss zu einem von ihm willkürlich bestimmten Preise,
-einem Preise den er zahlt, wenn die immer schwierige und bedrängte
-Lage des Schatzes es gestattet. Häufig fehlt es an Nahrungsmitteln,
-da ihr Anbau verboten ist. Die unglückliche Bevölkerung, die keine
-andere Mittel besitzt, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen,
-ist gezwungen mit ungeheuren Verlusten die Schuldverschreibungen eines
-Schuldners zu veräussern, welcher ihm die Frucht der Zwangsarbeit zwar
-abkauft, aber nicht bezahlt. Wegen eines so geringfügigen Nutzens
-(1 1/3 Million) wird die Bevölkerung der reichsten Provinzen in
-furchtbares Elend gestürzt, tiefgehender Hass zwischen Regierten und
-Regierenden erzeugt, ununterbrochener Krieg zwischen Behörden und
-Unterthanen. Es wird eine höchst gefährliche Klasse von Schmugglern
-erzogen, die sich schon jetzt nicht auf blosses Schmuggeln beschränken,
-und um die sich bei der ersten Gelegenheit die übrigen Unzufriedenen
-wie um einen festen Kern schaaren werden. Die Regiebeamten werden
-grober Bestechungen und Betrügereien beschuldigt, die wahr oder
-unwahr grosses Aergerniss geben und zunehmende Missachtung der
-Kolonialverwaltung sowohl, als des gesammten spanischen Volks
-erzeugen. [274]
-
-Dass obige Denkschrift nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt
-worden, scheint anzudeuten, dass man sich in Spanien allmälig
-auch in weiteren Kreisen von der Unhaltbarkeit des Tabakmonopols
-überzeugt. Trotz der vernichtenden Kritik von kompetentester Stelle
-ist es aber dennoch fraglich, ob es aufgehoben werden wird, so lange es
-auch nur Scheinerträge giebt. Im Kolonialministerium sind die gerügten
-Schäden längst bekannt, aber wegen der häufigen Ministerwechsel und
-der zunehmenden Geldnoth, welche die Regierenden, so lange sie im
-Amte sind, zur rücksichtslosen Ausbeutung aller greifbaren Mittel
-zwingt, unterbleiben selbst die dringendsten Reformen, wenn dadurch
-augenblickliche Ausfälle entstehn. In Bezug auf das Tabakmonopol
-pflegt man sich überdies mit der Hoffnung zu trösten, dass zunehmende
-Nachfrage die Preise fortwährend steigern, einige besonders gute Ernten
-und günstige Konjunkturen die Kolonialkasse von ihren Verlegenheiten
-befreien würden, dann wolle man gern die Tabakregie aufgeben.
-
-Ein Umstand der in haushälterisch verwalteten Staaten zur
-Beseitigung, des Monopols treiben würde, in Spanien aber vielleicht
-gerade umgekehrt wirkt, ist das zahlreiche Beamtenheer, welches die
-Tabakregie erfordert. Der Unzahl von Stellenjägern gegenüber muss es
-den jeweiligen Ministern sehr willkommen sein, Gelegenheit zu haben,
-ihren Kreaturen einträgliche Posten zu verschaffen, oder unbequeme
-Personen auf eine ehrenvolle, für das Mutterland kostenfreie Art zu den
-Antipoden senden zu können. (Die Kolonie muss nicht nur die Besoldung,
-sondern auch die Kosten für die Hin- und Rückreise tragen.) Jedenfalls
-machen sie so reichlichen Gebrauch davon, dass zuweilen in Manila neue
-Aemter erfunden werden müssen, um die Ankömmlinge unterzubringen. [275]
-
-Zur Zeit meiner Anwesenheit konnten die k. Fabriken nicht so viel
-Zigarren liefern als der Handel verlangte und es trat der sonderbare
-Fall ein, dass die Grosshändler, welche die Zigarren in bedeutenden
-Posten auf den Regierungs-Auktionen kauften, mehr dafür zahlten, als
-dieselben Zigarren, einzeln gekauft, im Estanco kosteten. Um nun zu
-verhindern, dass die Kaufleute ihren Bedarf den Estancos entnähmen,
-war für diese ein Maximum festgesetzt, das kein Käufer überschreiten
-durfte und eine komplizirte Kontrolle mit Spionage hatte darüber zu
-wachen, dass Niemand durch verschiedene Boten in verschiedenen Estancos
-grössere Mengen zusammenkaufte. Im Fall der Entdeckung konfiszirte
-man dem Uebertreter den ganzen Vorrath. Jedem stand frei Zigarren
-im Estanco zu kaufen, Niemand aber durfte einem Bekannten eine Kiste
-Zigarren zum Kostenpreise ablassen.
-
-Mehrere Spanier, mit denen ich über diese auffallende Maassregel
-sprach, billigten sie ganz entschieden, da ihnen sonst die Fremden
-alle Zigarren fortholen würden, und sie nicht einmal in ihrer eignen
-Kolonie eine preiswürdige Zigarre rauchen könnten. Es war aber,
-wie ich später erfuhr, noch ein zweiter, triftigerer Grund für diese
-Verordnung vorhanden. Da die Regierung in ihren Kassen die Goldunze
-zu 16 Dollar Silber annahm, während sie im Handel weniger galt und
-die Silberprämie einmal sogar auf 33 % gestiegen war, da ausserdem
-wegen der unzureichenden Menge von Kupfergeld für den kleinen Verkehr,
-die Scheidemünze abermals eine Prämie gegen den Silberdollar genoss,
-so zwar, dass man bei jedem Einkauf der nicht wenigstens einen halben
-Dollar betrug, 5 bis 15 % Abzug erlitt, wenn man einen Dollar gab, so
-war es vortheilhaft im Estanco für eine Goldunze Zigarren zu kaufen,
-und diese in kleineren Posten, wenn auch zum nominellen Preise des
-Estanco wieder zu verkaufen, denn beide Prämien zusammen konnten im
-extremen Falle 33 % + 10 % = 43 % betragen. [276]
-
-Eine Beschreibung des Tabakbaues nach eigener Anschauung kann ich
-nicht geben; ich lasse einen kurzen Auszug aus der amtlichen Anweisung
-(Cartilla agricola) folgen.
-
-
- Anweisung wie die Samenbeete anzulegen. Ein geeignetes Stück
- Land wird vierseitig abgegrenzt, zwei oder dreimal gepflügt,
- von Unkraut und Wurzeln gesäubert, etwas abschüssig gemacht,
- mit einem flachen Graben umgeben, durch Abzugsgräben in Beete von
- zwei Fuss Breite getheilt. Die Erde auf demselben muss sehr fein,
- fast zu Pulver zerrieben werden, sonst würde sie mit dem äusserst
- feinen Tabaksamen nicht in innige Berührung kommen. Der Same
- wird gewaschen, zum Ablaufen des Wassers in Tüchern aufgehängt,
- Tags darauf, mit gleicher Menge Asche gemischt, auf die Beete
- gestreut. Von der sorgfältigen Ausführung dieser Arbeit hängt
- der spätere Erfolg ab. Nach einer Woche keimt der Same, die Beete
- müssen sehr rein gehalten, bei trocknem Wetter täglich besprengt,
- durch Decken mit Dornen gegen Geflügel und andre Thiere, durch
- leichte Matten gegen Stürme und starke Regen geschützt werden. Nach
- etwa zwei Monaten haben die fünf bis sechs Zoll hohen Pflanzen
- gewöhnlich vier bis sechs Blätter und werden umgesetzt. Dies
- geschieht, da die Samenbeete im September angelegt werden, Anfang
- oder Mitte November. Eine zweite Aussaat findet am 15. Oktober
- statt, sowohl aus Vorsicht gegen mögliche Misserfolge, als um
- Pflanzen für die Niederungen zu erhalten.
-
- Von dem für den Tabak zuträglichsten Boden und seiner Bestellung;
- vom Umpflanzen der Sämlinge. Man wähle Boden von mittlerem Korn,
- ziemlich schwer; besonders empfiehlt sich der kalkhaltige, wenn er
- reichlich mit verwesten Pflanzenresten gemischt und nicht weniger
- als zwei Fuss tief ist, denn je tiefer die Wurzel eindringt, um so
- höher erhebt sich die Pflanze. Daher sind in Cagayan diejenigen
- Ländereien für den Tabakbau am besten, die alle Jahre durch die
- Ueberschwemmungen des dortigen grossen Stromes unter Wasser
- gesetzt werden, und alljährlich neue Schichten fruchtbaren
- Schlammes erhalten. Auf solchem Boden angelegte Pflanzungen
- unterscheiden sich daher sehr merklich von höher belegenen,
- nicht also begünstigten. In jenen schiessen die Pflanzen,
- sobald sie Wurzel geschlagen, schnell empor, in diesen wachsen
- sie langsam und erreichen nur mittlere Höhe; dort entwickeln
- sie in Menge grosse starke saftreiche Blätter, die eine reiche
- Ernte versprechen, hier bleiben die Blätter kleiner und wachsen
- spärlich. Aber die Niederungen sind Ueberschwemmungen ausgesetzt,
- besonders im Januar und Februar, selbst noch im März, wenn
- der Tabak schon umgepflanzt und ziemlich hoch geworden ist. In
- solchem Falle ist alles rettungslos verloren, namentlich wenn
- die Ueberschwemmungen zu einer Zeit eintreten, wann es zu spät
- ist neue Pflanzungen anzulegen. Desshalb müssen auch hochgelegene
- Felder bebaut werden, die bei gehöriger Pflege vielleicht denselben
- Ertrag geben würden. Solche Felder sollten im Oktober drei bis
- viermal gepflügt und 2 bis 3 mal geeggt werden. Die Felder in
- den Niederungen können wegen der Ueberschwemmungen nicht vor Ende
- Dezember oder Mitte Januar gepflügt werden, ihre Bearbeitung ist
- dann leicht und einfach. Man wählt nun die stärksten Pflanzen in
- den Saatbeeten aus, und versetzt sie mit Ballen in Entfernungen
- von einer Elle in den zubereiteten Boden.
-
- Von der auf die Pflanzen zu verwendenden Sorgfalt. Im Osten jeder
- Pflanze ist ein kleiner Schirm aus zwei Erdschollen aufzurichten,
- damit sie gegen die Morgensonne geschützt, den Thau länger
- geniesse. Sorgfältige Vertilgung des Unkrauts, Entfernung der
- wilden Triebe. Besonders gefährlich ist auch ein Wurm der zuweilen
- in Menge erscheint. Kurz vor der Reife sind Regen sehr schädlich,
- denn um diese Zeit ist die Pflanze nicht mehr im Stande, die für
- den Tabak so wesentliche gummiartige Substanz auszuscheiden,
- die in Wasser löslich, ihr durch den Regen entzogen wird. Der
- dem Unwetter preisgegebene Tabak bleibt immer ohne Saft, ohne
- Güte und ist voll weisser Flecke, ein sicheres Zeichen seiner
- schlechten Beschaffenheit. Der Schaden ist um so grösser, je
- näher der Tabak seiner Reife. Die auf den Boden hängenden Blätter
- faulen, und werden entfernt. Ist der Untergrund nicht tief genug,
- so vergilbt eine gut gepflegte Pflanzung und vertrocknet fast. In
- nassen Jahren kommt dies nicht leicht vor, da die Wurzeln dann
- auch in geringer Tiefe hinreichende Feuchtigkeit finden.
-
- Abschneiden und Behandeln der Blätter im Trockenschuppen. Die
- obersten Blätter reifen zuerst, sie sind dann dunkelgelb und
- spröde. In dem Maasse als sie zeitigen, werden sie geschnitten,
- in Bündel gesammelt, in bedeckten Karren nach den Schuppen
- gebracht. An nassen, selbst an trüben Tagen, wenn die Sonne den
- nächtlichen Thau nicht völlig verdampft, darf nicht geschnitten
- werden. In den Schuppen zieht man die Blätter auf Schnüre oder
- gespaltenes spanisches Rohr mit genügenden Zwischenräumen zum
- Lüften und Trocknen. Die trocknen Blätter werden in Haufen
- gelegt, die nicht zu gross sein dürfen, und öfter umgepackt. Es
- muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass sie sich nicht zu
- sehr erhitzen und zu stark gähren. Diese für die Güte des Tabaks
- äusserst wichtige Behandlung verlangt grosse Aufmerksamkeit und
- Geschicklichkeit und muss so lange fortgesetzt werden, bis die
- Blätter nur noch einen aromatischen Tabakgeruch wahrnehmen lassen.
-
- Das nöthige Geschick für diese Hantirung ist aber nur durch lange
- Uebung, nicht durch Vorschriften zu erwerben.
-
-
-
-
-
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-
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-SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL
-
- DIE CHINESEN.
-
-
-Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevölkerung zu sprechen,
-den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden,
-da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues
-kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein dürfte. Von
-jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen,
-weder Feindseligkeit der Bevölkerung, noch Bedrückungen und Verbote
-seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlächtereien
-vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei
-seetüchtigsten Provinzen China's musste schon früh den Verkehr
-zwischen beiden Ländern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als
-N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen
-können. In einigen älteren Schriftstellern findet sich sogar die
-Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft
-unterworfen waren [277] und Pater Gaubil (Lettres édifiantes) erwähnt,
-dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu
-verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan's Ankunft
-selbst im äussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den
-Grabhöhlen gefundenen Porzellanschüsseln und Thongefässe zeigen, dass
-der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln
-des Archipels erstreckte. Für die junge spanische Kolonie bildete er
-die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes
-Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu fürchten,
-dass die Junken ihre Frachten den Holländern bringen würden, wenn man
-ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie
-nicht ohne die Sangleyes bestehn, [278] die alljährlich in grosser
-Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krämer, Handwerker,
-Gärtner, Fischer über Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren
-die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier
-unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten,
-die sie früher betrieben hatten (Morga).
-
-Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemüht, die Zahl der Chinesen
-auf das äusserste Maass zu beschränken; denn damals wie heut wurden
-letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen
-Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich
-wurden; den Geistlichen waren sie ein Gräuel als verstockte Heiden
-»deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum
-zu machen«; die Regierung aber fürchtete sie wegen ihres festen
-Zusammenhaltens und als Angehörige des grossen Reiches, dessen
-bedenkliche Nähe dem kleinen Häuflein Spanier Verderben drohte. [279]
-Zum Glück für letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende
-Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze
-frei werdenden bösen Mächte brachten die Kolonie in äusserste Gefahr.
-
-Bei dem Angriff des grossen Seeräubers Limahong 1574 entging sie
-nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte
-ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter
-dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich
-von Gold sei? Man hielt sie für Spione und schloss aus ihrer
-sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die
-Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schürten das
-Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen;
-Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile fürchteten
-sich vor einander und rüsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an,
-unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000,
-nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss
-getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus
-dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernör von Manila
-hervor. Das merkwürdige Dokument zeigt in so überraschender Weise,
-wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des
-Kapitels in wörtlicher Uebersetzung mittheile.
-
-Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der
-Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern
-Lebensbedürfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder
-so zugenommen, dass ein Gesetz [280] sie auf 6000 beschränkt, »denn
-diese reichen aus für die Bebauung des Bodens«; zugleich wird als
-Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitäns
-gerügt, der für die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8
-Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevölkerung auf 30,000 (nach
-Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000
-niedergemacht. »Die sonst so gleichgültigen Eingeborenen zeigten den
-grössten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen
-dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern.« [281]
-
-Schnell füllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lücke
-wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den
-chinesischen Seeräuber Kog-seng, der über 80 bis 100,000 Mann gebot
-und Formosa bereits den Holländern entrissen hatte. Er forderte die
-Philippinen zur Unterwerfung auf; sein plötzlicher Tod rettete die
-Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch
-gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird
-in ihrem Ghetto niedergemetzelt [282], andre vertrieben, einige
-stürzen sich vor Schreck in's Wasser, oder erhängen sich; eine
-grosse Zahl flüchtet in kleinen Booten nach Formosa [283]. 1709
-hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Höhe erreicht, dass
-sie der Empörung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit
-Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste
-der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller
-preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: »denn unter dem Vorwande
-des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und
-rücksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so
-betrügen sie die Philippinen jährlich um ungeheure Summen.« Sonnerat
-klagt aber, dass Künste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt
-hätten; zum Glück, fügt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des
-Verbotes, durch Bestechung der Guvernöre und Beamten zurück.
-
-Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von
-den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmännisches
-Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der
-von Europa eingeführten Waaren ist ausschliesslich in ihren Händen,
-den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen für die Ausfuhr
-theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt
-nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte
-nach Manila zu führen.
-
-1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur
-Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen
-Verbannungsdekrete ausgeführt. Da aber das Privatinteresse der
-Beamten mit dem der kreolischen Krämer nicht zusammenfällt, so
-»strömen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei«
-und machen bei der Invasion der Engländer (1762) gemeinschaftliche
-Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Señor Anda [284], »dass alle
-Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehängt werden sollen,
-welcher Befehl sehr allgemein ausgeführt wird«. [285] Die letzte
-grössere Chinesen-Schlächterei fand 1819 statt, als die Fremden im
-Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu
-haben; auch der grösste Theil der Europäer fiel damals in Manila der
-Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont.
-
-Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den
-chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des
-Eingeborenen stören; daher waren die beschränkenden Gesetze besonders
-gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau möchte man Chinesen wohl
-zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewöhnlich.
-
-Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila
-binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete dürfen in ihrem Parian
-einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll
-ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die
-ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar,
-Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen
-aber 2, bezüglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden.
-
-1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die
-Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen
-lässt. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern ausländischen
-Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der
-General-Kapitän Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzuführen,
-indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der
-Abgaben verspricht. [286] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand
-um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewöhnlich bald
-dem Handel zu.
-
-In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen
-geschlachtet oder vertrieben; man begnügt sich damit, ihre Thätigkeit
-durch drückende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen
-Händlern in Pangasinán ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12
-bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jährlich für Beschickung
-der Wochenmärkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bücher
-fortan spanisch zu führen (engl. Kons. Ber. 1869).
-
-Die Chinesen bleiben wie überall, so auch in den Philippinen,
-ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie übertreten, ist nur
-äusserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen
-Rücksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen
-sammt ihrer Frau, in Manila zurück. Sehr viele aber gründen Familien,
-sind gute Hausväter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten,
-fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevölkerung.
-
-Durch den härtesten Lebenskampf in ihrer übervölkerten Heimat erstarkt,
-scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfähigkeit
-ungeschwächt zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss,
-Genügsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rücksichtslosigkeit
-in bürgerlichen Geschäften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie
-allmälig den Handel an sich. In allen Ländern Hinterindiens verdrängen
-sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und
-mehr auch ihre europäischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und
-erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe.
-
-Die Auswanderung aus dem mit Menschen überfüllten Riesenreich hat
-kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie
-sich als ein gewaltiger Strom zunächst über die tropischen Länder
-des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen,
-die Neid oder ohnmächtige Vorsicht ihr entgegenstellen.
-
-Auf dem hinterindischen Festlande, in der Südsee, im indischen
-Archipel, in den Südstaaten Amerika's scheinen die Chinesen bestimmt,
-mit der Zeit jedes andere Element zu verdrängen, oder fruchtbare
-Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrücken.
-
-In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen
-begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen
-Arbeitern betrieben, da europäische unerfüllbare Ansprüche stellen.
-
-Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser
-Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika
-knüpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu
-werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfähigkeit dieser beiden
-grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale
-ihre Kräfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch
-ihre thatkräftigsten Individuen vertreten. [287] Der Kampf wird mit
-Anstrengung aller Kräfte geführt, denn kein anderes Land belohnt
-die Arbeit mit so hohen Prämien. Die Bedingungen sind aber nicht
-gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg,
-die Behörde schützt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tückischen
-Morde gesteigerte Misshandlungen des Pöbels, der sie als bescheidene
-Arbeiter tödtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung
-stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptsächlich
-von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingeniöre die
-Arbeiter aller anderen Nationalitäten durch Fleiss, Nüchternheit
-und gutes Betragen übertrafen; was ihnen etwa an Körperkraft abging,
-ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die
-einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869
-in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch
-keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgeführt wurden, und
-zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission genügenden
-Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie
-ausführbar. [288]
-
-Im Gebiete der höchsten geistigen Thätigkeit ist das Uebergewicht
-der Europäer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der bürgerlichen
-Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben,
-scheint der Preis den Chinesen zu gebühren. Auch bis zu uns dürfte
-sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit
-entbrannten Kampfe früher oder später fühlbar machen und maasslos
-wachsenden Ansprüchen Schranken setzen.
-
-Dem amerikanischen Staatsmanne drängt die sich mehrende chinesische
-Einwanderung schon gegenwärtig Fragen von höchster sozialer und
-politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gänzlich
-fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhältnisse
-üben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den
-andern Bürgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich
-mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche
-Rückwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die
-Zustände in China üben?
-
-Diese Probleme, die hier nur vorübergehend angedeutet werden können,
-hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and
-Asia London 1870 behandelt.
-
-
-
-Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuñia,
-Guvernör der Philippinen.
-
-
- »An den grossen General-Kapitän von Luzon. Da ich in Erfahrung
- gebracht, dass die Chinesen, die in das Königreich Luzon gingen,
- um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden
- sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tödtungen geforscht
- und den König gebeten, Gerechtigkeit zu üben gegen diejenigen,
- die so grosses Uebel veranlasst, damit künftig Abhülfe geschafft
- werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen
- Jahren, bevor ich als königlicher Kommissar hierher gekommen, ist
- ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit
- Erlaubniss des Königs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen,
- um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er
- fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den König)
- diesen Betrüger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge
- Gerechtigkeit die in China geübt wird.
-
- Es war zur Zeit des Ex-Vizekönigs und Eunuchen, als Tioneg und
- sein Begleiter Namens Yanglion die erwähnte Unwahrheit sprachen,
- und ich bat später den König, dass er sich alle Papiere in der
- Angelegenheit Tioneg's übersenden und besagten Tioneg sammt den
- Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwähnten
- Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg
- gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den König und sagte,
- dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier
- den Verdacht geschöpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie
- deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht hätten;
- und der König that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten
- Yanglion, indem er befahl ihn zu tödten; und dem Tioneg befahl
- er den Kopf abzuschlagen und in einen Käfig zu stecken, und
- die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine
- Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem König, damit er
- befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer
- andern; nämlich, dass zwei englische Schiffe an diese Küsten von
- Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefährliche Sache
- für China, und dass der König entscheide, was in diesen beiden
- so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir
- an den König, dass er Befehl geben möge, die beiden Chinesen zu
- bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwähnten Dinge dem König
- geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe,
- die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so
- solle man ihnen unverzüglich befehlen, von dort nach Luzon zu
- gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie möchten Schelmen
- und Lügnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzüglich
- die beiden Chinesen umbringen, welche den Engländern den Hafen
- gezeigt hätten, und in allem übrigen, was wir ihm geschrieben,
- wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft
- empfangen, der Vizekönig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt
- diese unsere Botschaften an den Guvernör von Luzon, damit seiner
- Herrlichkeit kund werde die Grösse des Königs von China und des
- Königreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was
- Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernör von Luzon
- wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird,
- welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte;
- und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen,
- welches zur Regierung von China gehört, sind sie damit nicht zu
- Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden,
- und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die
- von Luzon von Hörensagen wohl wissen.
-
- Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lüge
- Tioneg's so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele
- von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem König anheim zu
- stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tödtungen; und wir sagten:
- das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und
- war vor Alters nur ein Wohnsitz für Teufel und Schlangen und weil
- (seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen
- dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich
- so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet,
- indem sie Mauern aufgeführt, Häuser und Gärten angelegt, und andre
- Dinge von grossem Nutzen für die Castillas; und da dies also ist,
- warum haben die Castillas nicht Rücksicht auf diese Dinge genommen,
- und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen
- grausam zu tödten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den König
- über die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns,
- da er über die oben erwähnten Dinge zornig war, und sagte: aus
- drei Gründen sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg
- zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit
- langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite
- Grund war, weil man nicht wissen könne, ob die Castillas oder die
- Chinesen den Sieg erlangen würden, und der dritte und letzte Grund,
- weil die Leute, welche die Castillas getödtet hatten, schlechtes
- Volk wären und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und
- Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China
- zurückgekehrt, welche Leute, so sagte der König, er wenig achte,
- aus den oben erwähnten Gründen; und er befahl nur dem Vizekönig,
- dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu
- schicken, damit die von Luzon wissen, dass der König von China
- ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit,
- denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine
- Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lüge Tioneg's
- bestraft hat. Und da die Spanier weise und verständig sind,
- wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen
- umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darüber empfinden und
- milde sind gegen die Chinesen, die übrig geblieben? Denn wenn die
- Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die
- vom Kriege übrig geblieben, zurückkehren, und das schuldige Geld
- erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen
- worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Königreich und
- jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht,
- so wird der König nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im
- Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen,
- mit Soldaten und Verwandten der Getödteten bemannt und mit den
- übrigen Leuten und Königreichen, welche Tribut an China zahlen, und
- sie werden Krieg führen ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf
- wird man das Königreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut
- an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadór
- am zwölften des zweiten Monats.«
-
-
-
- Einen denkwürdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief
- des Herrschers von Japan:
-
- Brief Daifusama's, des Herrschers von Japan, an den Guvernör Don
- Pedro de Acuña im Jahre 1605. Ich habe von Eurer Herrlichkeit
- zwei (Briefe) erhalten und alle Gaben und Geschenke, entsprechend
- dem Verzeichniss. Unter dem was ich erhalten, war der Wein aus
- Trauben gemacht; ich habe mich daran sehr erfreut. In früheren
- Jahren bat Eure Herrlichkeit, dass sechs Schiffe kommen dürften,
- und im vergangenen Jahre bat sie um vier, welche Bitten ich immer
- gewährte. Das aber erregt mein grosses Missfallen, dass unter
- den vier Schiffen, um die E. H. bittet, eines von Antonio ist,
- welcher die Reise gemacht, ohne dass ich es befohlen; dies war
- eine Sache von grosser Keckheit, und eine Geringschätzung für
- mich. Will E. H. etwa das Schiff, das sie nach Japan senden
- möchte, ohne meine Erlaubniss senden? Abgesehen davon haben
- E. H. und Andre vielemal wegen der Sekten in Japan verhandelt
- und viele Dinge diese betreffend erbeten, welches ich eben so
- wenig gestatten kann; denn dieses Gebiet heisst Xincoco, welches
- bedeutet »den Götzen geweiht«, die seit unsern Vorfahren bis heut
- mit höchsten Lobpreisungen verehrt worden sind, deren Thaten ich
- allein nicht ungeschehn machen und vernichten kann. Weshalb es
- in keiner Weise statthaft ist, dass in Japan Euer Gesetz (Lehre)
- verbreitet und gepredigt werde; und wenn E. H. Freundschaft halten
- will mit diesen Reichen von Japan und mit mir, so thue sie das
- was ich will, und das was mir nicht gefällt, das thue sie niemals.
-
- Endlich haben mir Viele gesagt, dass viele Japanesen, schlechte,
- verdorbene Menschen, die in jenes Königreich gehn und viele
- Jahre dort bleiben, darauf nach Japan zurückkehren, welches
- meinen grossen Unwillen erregt; und deshalb gestatte E. H. von
- jetzt fortan nicht, dass einer von den Japanesen in dem Schiffe
- mitkomme, welches hierher geht und in den übrigen Dingen wolle
- E. H. mit Ueberlegung und Vorsicht verfahren und solcher Art,
- dass sie fortan nicht mein Missfallen errege.
-
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-
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-SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL
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- KURZER ABRISS DER GESCHICHTE. -- SCHLUSSBETRACHTUNGEN.
-
-
-Die Philippinen wurden von Magellan am 16. März 1521, dem
-S. Lazarus-Tage entdeckt, [289] aber erst 1564, nachdem mehrere
-frühere Versuche fehlgeschlagen, gelang es Legaspi, der mit fünf
-Schiffen von Neu-Spanien auslief, den Archipel für Philipp II. in
-Besitz zu nehmen. Der Entdecker hatte die Inseln nach dem heiligen
-Lazarus getauft, dieser Name wurde indessen nicht gebräuchlich; die
-Spanier nannten sie hartnäckig die westlichen, islas del poniente
-(s. S. 2), die Portugiesen islas del oriente; Legaspi gab ihnen ihren
-gegenwärtigen Namen zu Ehren Philipps II., der ihnen seinerseits den
-später wieder verschollenen Titel Neu-Castilien beilegte. [290]
-Zunächst nahm Legaspi Cebu, dann Panay in Besitz, erst sechs
-Jahre später (1571) eroberte er Manila, damals ein von Palissaden
-umgebenes Dorf und begann sofort den Bau einer befestigten Stadt. Die
-Unterwerfung der übrigen Gebiete geschah so schnell, dass sie bei
-Legaspis Tode (Aug. 1572) im Wesentlichen vollendet war. Zahlreiche
-wilde Stämme im Innern, die Muhamedaner-Staaten Mindanaos und
-der Sulugruppe haben bis heut ihre Unabhängigkeit bewahrt. Der
-Charakter der Bevölkerung sowohl als ihre politischen Einrichtungen
-begünstigten die Besitznahme. Es gab kein mächtiges Reich, keine alte
-Dynastie, keine einflussreiche Priesterkaste zu überwältigen, keine
-nationalstolzen Ueberlieferungen zu unterdrücken. Die Eingeborenen
-waren Heiden oder seit Kurzem oberflächlich zum Islam bekehrt und
-lebten unter vielen kleinen Häuptlingen, die mit grosser Willkür
-herrschten, einander befehdeten und leicht überwunden wurden. Eine
-solche Gemeinschaft hiess Barangay; sie bildet noch heut, wenn auch
-in sehr veränderter Form, die Grundlage der Gemeindeverfassung.
-
-Die Spanier beschränkten die Gewalt der eingeborenen Häuptlinge,
-hoben die Sklaverei auf und verwandelten den Erbadel in einen
-Dienstadel; sie führten aber alle diese Veränderungen mit Vorsicht,
-sehr allmälig aus. [291] Die alten Gebräuche sofern sie nicht
-gegen das natürliche Recht verstiessen, blieben zunächst bestehn und
-hatten bei Prozessen Gesetzeskraft; in Kriminalsachen galt spanisches
-Recht. Heut haben die Cabezas de Barangay ausser dem Titel Don und
-der Befreiung von Kopfsteuer und Frohnden keine Vorrechte; sie sind,
-abgesehn von Ausnahmen, zu unbesoldeten, aber mit ihrem Privatvermögen
-haftbaren Steuereinnehmern geworden, -- eine Maasregel, deren Klugheit
-bezweifelt werden mag; denn abgesehn davon, dass sie die Häuptlinge zu
-Unterschleifen und Erpressungen verleitet, entfremdet sie der Regierung
-eine Klasse von Eingeborenen, die eine Stütze ihrer Macht sein könnte.
-
-Wenn die vorgefundenen Verhältnisse die Eroberung ausserordentlich
-erleichterten, so scheinen auch die ersten Guvernöre und ihre
-Begleiter, die der Zeit angehörten, wo Spanien reich an Helden war,
-sich durch Muth und Klugheit ausgezeichnet zu haben. Legaspi besass
-beide Eigenschaften in hohem Grade. Angelockt wurden jene kühnen
-Abenteurer, wie in Amerika, durch Privilegien, die ihnen die Krone
-gewährte, und durch gehofften, zum Glück für das Land aber nicht
-bestätigten Goldreichthum. In Luzon, so meldet Hernando Riquel [292],
-sind viele Goldminen, an vielen Orten, die von Spaniern gesehn wurden;
-das Erz ist so reichlich, dass ich nicht darüber schreibe, damit ich
-nicht in den Verdacht der Uebertreibung komme; aber ich schwöre als
-Christ, dass auf dieser Insel mehr Gold ist als Eisen in Biscaya. Von
-der Krone erhielten sie keinen Sold, aber das förmliche Recht die
-von ihnen eroberten Länder auszubeuten. Einige unternahmen solche
-Eroberungszüge für eigene Rechnung, andere waren zur Verfügung des
-Guvernörs und wurden von ihm je nach Verdienst mit Kommenden, Aemtern
-und Benefizien (Encomiéndas, ofícios y aprovechamiéntos) belohnt.
-
-Die Kommenden wurden anfänglich für drei Generationen gewährt
-(in Neu-Spanien für vier), aber sehr bald auf zwei Generationen
-beschränkt; denn schon di los Rios [293] hebt dies als eine der
-Krone sehr nachtheilige Maassregel hervor, »da sich nur wenige bereit
-finden Sr. Majestät zu dienen, indem ihre Enkel in das äusserste Elend
-gerathen.« Nach dem Tode des Belehnten fielen die Encomiendas an den
-Staat zurück, der Guvernör verfügte von neuem darüber. Das ganze
-Land war übrigens gleich Anfangs in Encomiendas getheilt worden,
-deren bei Weitem grössten Theil die Krone zur Bestreitung ihrer
-Ausgaben behielt. Dergleichen Lehne bestanden in einem mehr oder
-weniger grossen Gebiet, dessen Bewohner dem Komthur (Encomendéro)
-Tribut zahlen mussten; letzterer wurde aber in Produkten des Landbaues
-zu einem vom Lehnsherrn selbst festgesetzten sehr geringen Werth
-erhoben und mit grossem Vortheil an die Chinesen verkauft. Auch
-begnügten sich die Lehnsherren nicht mit diesen Einnahmen, sondern
-hielten die Eingeborenen als Sklaven, bis es durch R. C. und Breve
-des Papstes [294] verboten wurde. »Kaffern- und -Negersklaven, welche
-die Portugiesen über Indien einführten«, blieben noch gestattet. [295]
-
-Die alten Komthure beuteten ihre Lehne rücksichtslos aus. Schon
-vom Interims-Guvernör Labezares (1572-75) meldet Zuniga (S. 115),
-dass er die Bisayas besuchte und die Habgier der Encomendéros
-zügelte, so dass sie wenigstens während seiner Anwesenheit in ihren
-Erpressungen nachliessen. Gegen Ende von Lasánde's Regierung (1575-80)
-bricht heftiger Streit zwischen Priestern und Komthuren aus, erstere
-predigen gegen die Bedrückungen der letzteren und berichten darüber
-an Philipp II., der König befiehlt die Indier zu schützen, da die
-Habsucht ihrer Lehnsherren alle Schranken übersteige. Es ward nun
-den Eingeborenen freigestellt ihren Tribut in Geld oder in natura
-zu entrichten. In Folge dieser wohlmeinenden Verordnung scheinen
-Ackerbau und Gewerbfleiss abgenommen zu haben, »da die Indier ohne
-Zwang nicht über das äusserste Bedürfniss arbeiten mochten«.
-
-In Kürze mögen hier noch die Thaten Juán's de Salcédo erwähnt werden,
-des ausgezeichnetsten jener Conquistadoren. Von seinem Grossvater
-Legaspi mit 45 spanischen Soldaten unterstützt, rüstete er auf eigene
-Kosten eine Expedition aus, schiffte sich im Mai 1572 in Manila ein,
-zog die ganze Westküste der Insel hinauf, lief in alle, seinen kleinen
-Schiffen zugänglichen Buchten und wurde an den meisten Orten von den
-Eingeborenen gut aufgenommen. Grösseren Widerstand fand er gewöhnlich,
-wenn er in das Innere drang, doch unterwarfen sich auch viele Stämme
-des Binnenlandes, und als er die NW.-Spitze Luzon's, Kap Bogeadór
-erreichte, erkannten die ausgedehnten Gebiete, welche gegenwärtig
-die Provinzen Zambáles, Pangasinán, Nord- und Süd-Ylócos bilden, die
-spanische Herrschaft an. Die Ermüdung seiner Soldaten zwang Salcédo
-zur Umkehr. In Bígan, der jetzigen Hauptstadt von Süd-Ylócos, baut
-er ein Fort und lässt darin seinen Lieutenant mit 25 Mann zurück, er
-selbst aber kehrt um, begleitet von nur 17 Soldaten in drei kleinen
-Fahrzeugen. So erreicht er den Cagayánfluss an der Nordküste, und fährt
-denselben hinauf bis die grosse Zahl feindlicher Eingeborener ihn zur
-Rückkehr an das Meer zwingt. Die Reise an der Ostküste fortsetzend,
-gelangt er endlich nach Paracali, von da zu Lande an den See von Bay,
-dort schifft er sich auf einem Nachen nach Manila ein, schlägt um
-und wird, dem Ertrinken nahe, durch vorüberfahrende Indier gerettet.
-
-Inzwischen war Legaspi gestorben; von Labezares, der provisorisch die
-Regierung führte, erfährt Salcédo kränkende Zurücksetzung. Als er
-über seine Neider gesiegt, wird ihm die Unterwerfung von Camarines
-aufgetragen, die er in kurzer Zeit vollbringt. 1574 kehrt er nach
-Ylócos zurück, um seinen Soldaten Encomiendas auszutheilen und die ihm
-zufallenden zu übernehmen. Noch mit dem Bau von Bígan beschäftigt,
-sieht er die Flotte des grossen chinesischen Seeräubers Limahón,
-der sich der Kolonie bemächtigen wollte, 62 Schiffe mit zahlreicher
-Mannschaft, an der Küste vorüberfahren. Sofort eilt er mit allen
-in der Nachbarschaft zusammengerafften Anhängern nach Manila, wo er
-an Stelle des bereits gefallenen Maestro de Campo zum Befehlshaber
-der Truppen ernannt, die Chinesen aus der von ihnen zerstörten Stadt
-vertreibt. Sie ziehn sich nach Pangasinán zurück, Salcedo verbrennt
-ihre Flotte; nur mit genauer Noth gelingt es ihnen zu entkommen.
-
-1576 starb dieser »Cortes der Philippinen«. (Zuñiga)
-
-Abgesehen von den Geistlichen, bestanden die ersten Ankömmlinge nur
-aus Beamten, Land- und Seesoldaten (Morga 159); ihnen fiel daher
-auch der hohe Gewinn am Chinahandel zu. Manila war der Stapelplatz
-desselben und zog einen grossen Theil des hinterindischen an sich,
-den die Portugiesen durch ihre Grausamkeiten aus Malacca verscheucht
-hatten. Die Portugiesen sassen zwar in Macao und in den Molukken, es
-fehlte ihnen aber die von den Chinesen fast ausschliesslich begehrte
-Remesse, das Silber nämlich, das Manila aus Neu-Spanien erhielt.
-
-1580 fiel überdies Portugal mit allen seinen Kolonien an die spanische
-Krone. Der Zeitraum von diesem Ereigniss bis zum Abfall Portugals
-(1580-1640) bezeichnet zugleich die höchste relative Machtstellung
-der Philippinen. Der Guvernör von Manila gebot über einen Theil
-von Mindanao, Sulu, die Molukken, Formosa, und die ursprünglich
-portugiesischen Besitzungen in Malacca und Vorderindien. »Alles was
-vom Kap v. Sincapura bis Japan liegt, hängt von Luzon ab; seine Schiffe
-befahren die Meere, gehn nach China, nach Neu-Spanien, und treiben so
-reichen Handel, dass man ihn, wenn er frei wäre, den bedeutendsten
-der Welt nennen könnte.« (Grav 30). »Es ist unglaublich, welchen
-Ruhm diese Inseln der spanischen Krone verleihen. Der Guvernör der
-Philippinen unterhandelte mit den Königen von Cambodia, Japan,
-China, ersterer war sein Verbündeter, letzterer sein Freund,
-sowie der von Japan. Er erklärte Krieg und Frieden ohne Befehl
-aus dem fernen Spanien abzuwarten.« -- Aber schon begannen die
-Niederländer den Kampf, den sie gegen Philipp II. führten, in jenen
-fernen Erdwinkel zu tragen, und bereits 1610 klagt di los Rios,
-dass er seit 30 Jahren das Land wegen der Fortschritte der Holländer
-sehr verändert fände. Auch die Moros von Mindanao und Sulu wurden,
-von den Niederländern unterstützt, immer unbequemer (Carillo 3). Mit
-dem Abfall Portugals gingen auch die portugiesischen Kolonien wieder
-verloren. Die spanische Politik, das Priesterregiment, der Neid der
-spanischen Kaufleute und Gewerbetreibenden that das Uebrige um die
-Entwickelung des Ackerbaus und des Verkehrs zu hemmen -- vielleicht
-zum Glück für die Eingeborenen.
-
-Die spätere Geschichte der Philippinen ist in ihren Einzelheiten eben
-so uninteressant und unerfreulich als die der spanisch-amerikanischen
-Besitzungen. Fruchtlose Expeditionen gegen Seeräuber, Streitigkeiten
-zwischen den geistlichen und weltlichen Behörden, bilden den
-Hauptstoff. [296]
-
-»Als die ersten Zeiten des Glaubens und Waffenruhmes vorüber waren,
-ergriff elende Selbstsucht die Gemüther, Veruntreuungen wurden zur
-Regel, die meisten derjenigen, die später nach diesen entlegenen
-Besitzungen gingen, pflegten aus der Hefe der Nation zu bestehen. [297]
--- Die spanischen Schriftsteller sind voll von Schilderungen jener
-traurigen Gesellschaft, die hier nicht wiederholt zu werden brauchen.
-
-Von äussern Feinden, ausgenommen von Seeräubern, ist die Kolonie kaum
-belästigt worden. In frühester Zeit unternahmen die Holländer einige
-Angriffe gegen die Bisayas. 1762 (im Kriege über den Bourbonischen
-Familienpakt) erschien plötzlich eine englische Flotte vor Manila und
-bemächtigte sich ohne Mühe der überraschten Stadt. Die Chinesen hielten
-zu den Engländern, unter den Indiern bricht ein grosser Aufstand aus,
-die Kolonie von einem schwachen Erzbischof interimistisch regiert,
-schwebt in grosser Gefahr. Einem energischen Patrioten, dem Kanonikus
-Anda gelingt es aber, die Indier der Provinz gegen die Fremden
-aufzureizen. Von den Geistlichen eifrig geschürt, wächst der Widerstand
-so, dass die thatsächlich in der Stadt eingeschlossenen Engländer froh
-sind, abziehen zu können, als im folgenden Jahre die Nachricht des
-Friedensschlusses aus Europa eintrifft. Inzwischen hatten die durch
-die Invasion hervorgerufenen Aufstände sehr an Ausdehnung gewonnen;
-erst 1765 gelang es durch Aufhetzen der verschiedenen Stämme gegen
-einander, ihrer Herr zu werden. Die Provinz Ylocos soll dabei 269,270
-Personen, die Hälfte ihrer Bevölkerung, verloren haben. (Zuñiga).
-
-Härten und Taktlosigkeiten der Regierung und ihrer Werkzeuge, auch
-abergläubische Missverständnisse haben unter den Eingeborenen manchen
-Aufstand hervorgerufen, wohl keinen indessen von ernster Gefahr für
-die spanische Herrschaft. Die Unruhen blieben immer auf einzelne
-Gebiete beschränkt, denn die Eingeborenen bilden keine einheitliche
-Nation, weder das Band Einer Sprache, noch das gemeinsamer Interessen
-verbindet die verschiedenen Stämme, die staatliche Gemeinschaft reicht
-bei ihnen kaum über die Grenzen des Dorfes und seiner Filiale.
-
-Ein für die ferne Metropole viel bedenklicheres Element als die
-gleichgültigen, der augenblicklichen Eingebung folgenden, politisch
-zerrissenen, ziellosen Indier sind die Mestizen und Kreolen,
-deren Unzufriedenheit mit ihrer Zahl, ihrem Wohlstande und ihrem
-Selbstgefühl zunimmt. Schon die 1823 ausgebrochene Militärrevolte,
-deren Hauptanstifter zwei Kreolen waren, hätte leicht verhängnissvoll
-für Spanien enden können. Viel gefährlicher nicht nur für die
-spanische Herrschaft, sondern für die gesammte europäische Bevölkerung
-scheint der jüngste von Mestizen ausgegangene Aufstand gewesen zu
-sein: Am 20. Januar 1872 zwischen 8 und 9 Uhr Abends empörten sich
-in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen, die Artillerie, die
-Marine-Soldaten und die Zeughauswache und machten ihre Offiziere
-nieder. Ein Lieutenant, der die Kunde nach Manila bringen wollte,
-fiel einem Haufen von Eingeborenen in die Hände; erst am nächsten
-Morgen gelangte die Nachricht nach der Hauptstadt. Sofort wurden die
-verfügbaren Truppen abgesandt, aber erst nach heftigem Kampfe glückte
-es am folgenden Tage die Zitadelle zu erstürmen. Ein furchtbares
-Blutbad folgte, alles wurde nieder gemacht, niemand verschont. In
-Manila wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen.
-
-Nicht Ein Europäer war unter den Verschworenen, aber viele Mestizen,
-darunter eine Anzahl Geistlicher und Advokaten. Wenn die unter dem
-Eindruck des Schreckens geschriebenen ersten Berichte vielleicht auch
-manches übertreiben, so stimmen doch amtliche sowohl als Privatbriefe
-überein, das Komplot als lange geplant, weitverzweigt und wohl angelegt
-zu schildern. Die gesammte Flotte und ein zahlreiches Truppenkorps
-befand sich damals auf dem Feldzuge gegen Solo abwesend (s. S. 181),
-ein Theil der Garnison von Manila sollte sich gleichzeitig mit der
-von Cavite erheben, und Tausende von Eingeborenen waren bereit sich
-auf die caras blancas (die weissen Gesichter) zu stürzen und alle zu
-ermorden. Das Scheitern des Komplots war, wie es scheint, nur einem
-glücklichen Zufall zu danken, dem Umstände nämlich, dass ein Theil der
-Verschworenen einige bei Gelegenheit eines Kirchenfestes abgebrannte
-Raketen für das verabredete Signal hielt und zu früh losbrach.
-
-
-
-Zum Schluss sei es gestattet, einige meist schon im Text zerstreut
-vorkommende Bemerkungen über das Verhältniss der Philippinen zum
-Auslande zusammenzustellen und kurze Betrachtungen daran zu knüpfen.
-
-Spanien gebührt der Ruhm, die auf niederer Kulturstufe vorgefundene,
-von kleinen Kriegen zerfleischte, der Willkür preisgegebene Bevölkerung
-in verhältnissmässig hohem Grade zivilisirt, ihre Lage erheblich
-verbessert zu haben. Wohl mögen die gegen äussere Feinde geschützten,
-von milden Gesetzen regierten Bewohner jener herrlichen Inseln im
-Ganzen genommen während der letzten Jahrhunderte behaglicher gelebt
-haben als die irgend eines andern tropischen Landes unter einheimischer
-oder europäischer Herrschaft. Die Ursache lag zum Theil an den mehrfach
-erörterten eigentümlichen Verhältnissen, welche die Eingeborenen
-vor rücksichtsloser Ausbeutung schützten. Einen wesentlichen Antheil
-an dem Erfolge hatten aber auch die Mönche. Aus dem niederen Volke
-hervorgegangen, an Armuth und Entbehrungen gewöhnt, waren sie auf den
-nahen Verkehr mit den Eingeborenen angewiesen und daher besonders
-geeignet ihnen die fremde Religion und Sitte für den praktischen
-Gebrauch anzupassen. Auch als sie später reiche Pfarren besassen
-und ihr frommer Eifer in dem Maasse nachliess als ihre Einkünfte
-zunahmen, hatten sie den wesentlichsten Antheil an der Gestaltung
-der geschilderten Zustände mit ihren Licht- und Schattenseiten;
-denn ohne eigene Familie und ohne feinere Bildung blieb ihnen der
-intime Umgang mit den Landeskindern Bedürfniss, und selbst ihr
-hochmüthiger Widerstand gegen die weltlichen Behörden kam in der
-Regel den Eingeborenen zu Statten.
-
-Die alten Zustände sind aber unter den veränderten Bedingungen der
-Gegenwart nicht mehr haltbar. Die Kolonie kann nicht länger gegen
-Aussen abgeschlossen werden. Jede Verkehrserleichterung ist ein Riss
-in das alte System und führt nothwendig zu weiteren freisinnigen
-Reformen. Je mehr fremdes Kapital und fremde Ideen eindringen,
-Wohlstand, Aufklärung und Selbstgefühl zunehmen, um so ungeduldiger
-werden die vorhandenen Misstände ertragen.
-
-England mag seine Besitzungen unbekümmert dem Auslande öffnen,
-Fremde den Nationalen gleichstellen; die britischen Kolonien sind
-durch das Band gegenseitiger Vortheile, Erzeugung von Rohstoffen mit
-englischem Kapital, Austausch derselben gegen englische Fabrikate
-an das Mutterland gebunden, Englands Reichthum ist so gross, seine
-Einrichtungen zum Betriebe des Welthandels so vollkommen, dass die
-Ausländer in den britischen Besitzungen zumeist Agenten des englischen
-Handels werden, dessen altgewohnte Geleise selbst ein Aufhören des
-politischen Verbandes kaum merklich verrücken dürfte. Anders ist es
-mit Spanien, das die Kolonie wie ein ererbtes Gut besitzt, ohne sie
-zweckmässig bewirthschaften zu können.
-
-Schonungslos gehandhabte Regierungsmonopole, kränkende Zurücksetzung
-der Kreolen und reichen Mestizen und das Beispiel der Vereinigten
-Staaten waren die Hauptveranlassungen des Abfalls der amerikanischen
-Besitzungen. Dieselben Ursachen drohen auch in den Philippinen. Von
-den Monopolen ist hinreichend im Text die Rede gewesen. Mestizen und
-Kreolen werden zwar nicht wie ehemals in Amerika von allen Aemtern
-ausgeschlossen, fühlen sich aber tief verletzt und geschädigt
-durch die Schaaren von Stellenjägern, welche die häufigen
-Madrider Ministerwechsel nach Manila führen. Auch der Einfluss
-des amerikanischen Elementes ist wenigstens am Horizonte erkennbar
-und wird mehr in den Vorgrund treten, wenn die Beziehungen beider
-Länder zunehmen. Gegenwärtig sind diese noch gering, der Handel folgt
-einstweilen seinen alten Bahnen, die nach England und den atlantischen
-Häfen der Union führen.
-
-Wer indessen versuchen will sich über die künftigen Geschicke der
-Philippinen ein Urtheil zu bilden, darf nicht einseitig ihr Verhältniss
-zu Spanien ins Auge fassen, er wird auch die gewaltigen Veränderungen
-berücksichtigen müssen, die sich seit einigen Jahrzehnten auf jener
-Seite unseres Planeten vollziehn. Zum ersten male in der Weltgeschichte
-beginnen die Riesenreiche zu beiden Seiten des Riesenmeeres in
-unmittelbaren Verkehr zu treten: Russland, für sich allein grösser als
-zwei Welttheile zusammengenommen, China das ein Drittel aller Menschen
-in seinen engen Grenzen einschliesst, Amerika mit Kulturboden genug
-um fast die dreifache Gesammtbevölkerung der Erde zu ernähren. --
-Russlands künftige Rolle im stillen Ozean entzieht sich zur Zeit jeder
-Schätzung. Der Verkehr der beiden andern Mächte wird voraussichtlich
-um so folgenschwerer sein, als der Ausgleich zwischen unermesslichem
-Bedürfniss an menschlichen Arbeitskräften einerseits und entsprechend
-grossem Ueberfluss daran auf der andern Seite ihm zur Aufgabe fallen
-wird. (s. S. 176).
-
-Die Welt der Alten war der Rand des Mittelmeeres, unserem
-Welthandel genügten der atlantische und indische Ozean. Erst wenn
-das stille Meer vom lebhaften Verkehr seiner Gestade wiederhallt,
-wird von Welthandel und Weltgeschichte im wahren Sinne die Rede
-sein können. Der Anfang dazu ist gemacht. Vor nicht langer Zeit war
-der grosse Ozean eine Wasserwüste, den die einzige Nao alljährlich
-Einmal in beiden Richtungen durchzog. Von 1603 bis 1769 hatte kaum ein
-Schiff Californien besucht, jenes Wunderland, das vor 25 Jahren, mit
-Ausnahme weniger Stellen des Küstensaumes, eine unbekannte Einöde war,
-heut mit blühenden Städten bedeckt, von Eisenbahnen durchschnitten,
-dessen Hauptstadt unter den Häfen der Union bereits den dritten
-Rang einnimmt, schon jetzt ein Zentralpunkt des Welthandels, und
-wahrscheinlich bestimmt bei Erschliessung des grossen Ozeans, eine
-der Hauptrollen zu übernehmen.
-
-In dem Maasse aber als die Schifffahrt der amerikanischen Westküste
-den Einfluss des amerikanischen Elementes über die Südsee ausbreitet,
-wird der bestrickende Zauber, den die grosse Republik auf die
-spanischen Kolonien übt [298], nicht verfehlen sich auch in den
-Philippinen geltend zu machen. Die Amerikaner scheinen berufen, die
-von den Spaniern gelegten Keime zur vollen Entfaltung zu bringen. Als
-Conquistadoren der Neuzeit, Vertreter des freien Bürgerthums im
-Gegensatz zum Ritterthum folgen sie mit der Axt und dem Pfluge des
-Pioniers, wo jene mit Kreuz und Schwert vorangegangen.
-
-Ein beträchtlicher Theil des spanischen Amerika's gehört bereits
-den Vereinigten Staaten an und hat seitdem eine Bedeutung erlangt,
-die weder unter der spanischen Herrschaft noch während der auf sie und
-aus ihr folgenden Anarchie geahnt werden konnte. Auf die Dauer kann das
-spanische System nicht neben dem amerikanischen bestehn. Während jenes
-die Kolonien durch unmittelbare Ausbeutung, zu Gunsten bevorzugter
-Klassen, die Metropole durch Entziehung der besten Kräfte, bei ohnehin
-schwacher Bevölkerung erschöpft, zieht Amerika aus allen Ländern die
-thatkräftigsten Elemente an sich, die auf seinem Boden von jeglicher
-Fessel befreit, rastlos vorwärtsstrebend, seine Macht und seinen
-Einfluss immer weiter ausdehnen. Die Philippinen werden der Einwirkung
-der beiden grossen Nachbarreiche um so weniger entgehn, als weder sie
-noch ihre Metropole sich im Zustande stabilen Gleichgewichtes befinden.
-
-Für die Eingeborenen scheint es wünschenswerth, dass die oben
-ausgesprochenen Ansichten nicht schnell zu Thatsachen werden, denn
-ihre bisherige Erziehung hat sie nicht genügend vorbereitet um den
-Wettkampf mit jenen rastlos schaffenden, rücksichtslosesten Völkern
-zu bestehn; sie haben ihre Jugend verträumt.
-
-
-
-
-
-
-
-
-ANHANG.
-
-
-KOPFSTEUER UND FROHNDEN.
-
-(Tributo, Polos y servicios.)
-
-
-Der Tribut ist eine ehemals auch in Amerika bestehende Kopfsteuer,
-welche die der spanischen Herrschaft unterworfenen Eingeborenen
-zahlen. Die gleich nach der Eroberung eingeführte Steuer hatte
-ursprünglich einen doppelten Zweck: 1. Dotirung von Encomiendas zu
-Gunsten von Spaniern, denen für hervorragende Verdienste um die Krone
-eine Anzahl Indier überwiesen wurde, die ihnen Tribut zahlen mussten;
-2. Bildung eines Fonds zur Bestreitung der Kolonial-Verwaltung.
-
-Ein ganzer Tribut umfasst immer zwei Personen, gewöhnlich Mann und
-Frau, und ist daher ziemlich gleichbedeutend mit Familiensteuer. Die
-Einwohnerzahl der Ortschaften wird nach Tributen angegeben; früher
-wurden auf einen Tribut (wohl zu niedrig) 4 1/2 Seelen gerechnet,
-gegenwärtig 6 Seelen, was eher zu hoch sein dürfte. Ein Einzelner
-bezahlt einen halben Tribut.
-
-Ursprünglich betrug ein voller Tribut 1 Dollar = 8 r., 1611 wurde
-er auf 10 Realen erhöht (1 1/2 r. Zuschlag für das Heer, 1/2 r. für
-den Klerus [299]) und, trotz mehrfacher Gegenverordnungen, von den
-Provinzialbehörden meist in Produkten erhoben -- zu ihrem Nutzen,
-aber zum Schaden der einheimischen Bevölkerung und der Regierung;
-da die Einnehmer nur wenn der Markt ungünstig war, die Produkte mit
-grossen Unkosten belastet nach Manila schickten, wo die Fülle sie noch
-werthloser machte. Erst 1841 wurden Baarzahlungen allgemein eingeführt.
-
-Seit 1852 beträgt ein Tribut 12 r. (in einigen Distrikten gelten
-besondre Bestimmungen). Dazu kommen noch: Sanctorum 3 r., Comunidad
-1 r., Recargo 1/2 r, so dass die Gesammtabgabe 16 1/2 r. oder für
-den Einzelnen 1 Dollar + 1/4 r. beträgt.
-
-Sanctorum ist für den Kultus, wird aber an die Regierung entrichtet,
-welche die Pfarrer nach dem Maassstabe von 180 Dollar für 500 Tributos
-besoldet.
-
-Comunidad ist ein Zuschlag zum Gemeindefond (s. unten, Bürgerliche
-Einrichtungen).
-
-Recargo ist ein seit Aufhebung des Brantweinmonopols eingeführter
-Zuschlag zur Deckung des dadurch veranlassten Ausfalls. -- In Mindanao
-und den Bisayas wird kein Zuschlag erhoben.
-
-Nach Agius (Memoria, Documento 5) steuert der einzelne Tributant jetzt
-6.25 r. + 0.55 r. Recargo, zusammen 6.s, abgesehen von Sanctorum und
-Comunidad. Die Bewohner von Abra, Ilocos, Union, zahlen ausserdem
-noch 1 1/2 bis 2 1/4 r. für die Bewilligung ihren Tabak ausserhalb
-des Estanco's kaufen zu dürfen.
-
-Jeder Eingeborene ohne Unterschied des Geschlechts ist tributpflichtig
-vom zurückgelegten 18. Jahre an, wenn unter väterlicher Gewalt,
-vom 16. falls selbstständig.
-
-Ausgenommen sind die Nachkommen der ersten Christen auf Cebu,
-Neubekehrte (letztere gänzlich oder für eine Reihe von Jahren),
-Gobernadorcillos und ihre Frauen, Barangay-Vorsteher, ihre Frauen
-und »Erstgeborene«. So heissen die vom Barangay-Vorsteher erwählten
-Assistenten, die zur Annahme des Amtes gezwungen und gleichfalls
-mit ihrem Vermögen haftbar sind, weshalb auch ihr Eigenthum jährlich
-inventarisirt wird (s. S. 181). »Manche ziehn sechs Monate und selbst
-ein Jahr Gefängniss solchem Ehrenamte vor«. (Barrantes 51. Anm.)
-
-Ferner sind befreit Beamte mit festem Solde nebst Frau und Kindern
-unter väterlicher Gewalt; Mestizen und Abkömmlinge von Spaniern;
-Indierinnen die sich mit Chinesen verheirathen, weil sie auch als
-Wittwen wie Mestizinnen bezahlen, und verschiedene Andre; endlich
-Eingeborene die über 60 Jahre alt sind; arbeitsunfähige Krüppel;
-Kranke bis zu ihrer Wiederherstellung.
-
-Reservados: Die durch Privilegium (spanische Mestizen), durch Alter
-oder Krankheit von der Kopfsteuer Befreiten zahlen 1/2 Realen per
-Kopf an die Regierung, wofür diese die Unkosten für ihr Seelenheil
-übernimmt, angeblich mit einem Schaden von 1/2 r. für den Kopf, da
-der Pfarrer für die Seele des Reservado dieselben Sporteln erhält,
-wie für die des Tributanten.
-
-Mestizen von einem Chinesen und einer Indierin zahlen seit 1852
-jährlich 3 Dollar an Tribut, früher weniger.
-
-Die mit einem solchen Mestizen verheirathete Indierin steuert
-wie dieser während der Ehe, als Wittwe aber nur wie eine
-Indierin. Mestizen, die wie Eingeborene eigenhändig Feldbau treiben,
-zahlen auch nur wie diese. Die Mestizen bilden eigene Barangays,
-wenn ihrer 25 bis 30 Tributos zusammenwohnen, andernfalls gehören
-sie zu dem nächst gelegenen Barangay der Eingeborenen.
-
-Jeder Chinese (Landbauer ausgenommen, von welchen nur 12 r. erhoben
-werden) zahlt seit 1852 6 Dollar Kopfsteuer und ausserdem eine
-Gewerbesteuer von 100 Dollar, 60 Dollar, 30 Dollar oder 12
-Dollar. [300]
-
-Der Gesammtertrag der Kopfsteuer ergab
-
-
- 1862 1867
-
- Indier 1,740,637 Dollar 1,814,850 Dollar
- Mestizen 141,206 - 149,900 -
- Chinesen 100,356 - 117,550 -
- Ungläubige 11,998 - 11,750 -
- ========= =========
- 1,994,197 Dollar 2,094,050 Dollar
-
-
-Der Tribut wird von den Alkalden oder Guvernören der Provinzen
-durch die Barangay-Vorsteher erhoben, »unter der wirksamen Mithülfe
-des frommen und fiskalischen Eifers der Pfarrer«, die ein direktes
-Interesse an der Zunahme der Kopfsteuer haben, da ihre Stipendien
-sich danach beziffern.
-
-Jeder Barangay-Vorsteher hat in der Regel 45 bis 50 Tribute einzuziehn
-und in die Hauptkasse der Provinz abzuliefern. Für Erhebung der
-Kopfsteuer erhält er 1 1/2%, der Gobernadorcillo 1/2% und der Deputirte
-der Hacienda (d. h. der Alkalde oder Provinzial-Guvernör) 3%.
-
-Die Barangay-Hauptmannschaften sind erblich und wählbar, bedürfen
-aber in beiden Fällen der Bestätigung der Hacienda, die nur den
-zuverlässigsten und wohlhabendsten Leuten ertheilt wird. Die
-Amtsdauer ist drei Jahre, nach deren Ablauf dasselbe Individuum
-wieder gewählt, aber niemals, ausser in Folge gesetzlich begründeter
-Ursachen, abgesetzt werden kann. In Wirklichkeit ist das Amt freilich
-oft ein gezwungenes, (s. oben). Der Cabeza wird von der Regierung
-ernannt und wählt sich einen »Erstgeborenen«. Den Cabeza liegt ausser
-Eintreibung der Kopfsteuer das Aufrechthalten der guten Ordnung unter
-den Tributanten ihres Barangay ob. Sie haben auch alle Leistungen,
-welche die Gemeinschaft treffen, unter die Mitglieder derselben zu
-vertheilen und diese gesetzlich zu vertreten. Der Tribut wird jährlich
-in drei Raten entrichtet, es finden dabei grosse Unterschleife,
-Ungerechtigkeiten und Bedrückungen seitens der Einnehmer statt.
-
-Ausser dem Tribut hat jeder Indier jährlich 40 Tage öffentlicher
-Arbeiten zu leisten (Pólos y servicios), eine Woche Dienst im Tribunal
-(Tanoría), eine Woche Nachtwachen (Guárdia). Die Pólos y servicios
-bestehn in Arbeiten und Leistungen für Staats- und Gemeinde-Zwecke
-(Strassen- und Brückenbau, Botendienst u. s. w.). [301] Da die
-Arbeitskräfte aber nur zum Theil zur Verwendung kommen, so sind die
-Frohnden in Geld ablösbar; im Allgemeinen für 3 Dollar. Die Summe
-ändert sich nach dem Wohlstande der Provinz; in den ärmeren beträgt
-sie 2 Dollar, in einigen sogar nur 1 Dollar (42 1/2 Silbergr. für
-40 Arbeitstage).
-
-Die Tanoría besteht in einer Woche Dienst im Tribunal, der sich in
-der Regel auf Reinhaltung des Gebäudes, Bewachung der Gefangenen und
-ähnliche leichte Leistungen beschränkt. Die Semanéros müssen aber
-eine Woche im Gemeindehause anwesend und verfügbar sein. Auch von der
-Tanoría kann man sich loskaufen für 3 r.; von den Nachtwachen für 1
-3/4 r.
-
-Von allen persönlichen Leistungen befreit sind die Principales (und
-ihre Familien) nämlich Ex-Gobernadorcillos, Juéces-mayores und Cabezas
-von wenigstens 10 Jahren Amtsthätigkeit. Sie bilden einen inländischen
-Adel und werden »Don« titulirt.
-
-Ein Gesetz vom 3. Novbr. 1863 (L. ult. III.) bestimmt zwar, dass alle
-männlichen Einwohner der Philippinen, Europäer oder Eingeborene,
-Spanier oder Ausländer, jährlich vier und zwanzig Tage persönliche
-Dienste zu verrichten oder deren Ablösung in Geld zu bewirken
-haben. Dieses Gesetz ist aber nicht zur Ausführung gekommen; Europäer
-sind von allen Abgaben frei. Mestizen von einem Spanier und einer
-Indierin gleichfalls, zahlen aber 7 r. Sanctorum und 1/2 r. Diezmo
-für die Regierung. Mit der Zahlung der Mestizen, namentlich der
-Mestizinnen wird es indessen nicht genau genommen.
-
-Noch grössere Missbräuche als bei Einziehung des Tributes finden
-bei Vertheilung der Frohnden und ihrer Ablösung in Geld statt;
-da hierbei eine genaue Kontrolle um so weniger möglich ist, als die
-Vertheilung und Ueberwachung der Arbeit gänzlich von den inländischen
-Ortsbehörden, die immer zusammenhalten, abhängt. Ueberdies wagt ein
-Plebejer nicht leicht gegen seinen Cabeza zu klagen. Häufig sollen
-auch spanische Beamte sich an jenen Unterschleifen und ihren Erträgen
-betheiligen. Sehr allgemein ist die missbräuchliche Verwendung der
-Polistas zu Privatdiensten.
-
-Die Gemeindeverfassung der Philippinen [302], welche die Spanier bei
-ihrer Ankunft schon vorgebildet fanden und geschickt abänderten,
-indem sie die erblichen Häuptlinge mehr und mehr durch einen
-Adel ersetzten, der nur im Regierungsdienst erworben werden kann,
-dessen Mitglieder zwar von den Eingeborenen, aber doch nur nach den
-Wünschen der Regierung gewählt werden, ist gewiss im Ganzen als eine
-glückliche Umgestaltung vorgefundener Verhältnisse zu betrachten. Die
-Regierung verkehrt nur mittelbar durch diesen unbesoldeten Adel mit
-den Eingeborenen; ihm liegt die Gemeindeverwaltung, die Polizei, die
-Eintreibung der Steuern ob. Das von Manchen übermässig gepriesene
-System hat aber auch grosse Nachtheile: die von ihren Genossen
-gewählten inländischen Beamten, welche von der spanischen Regierung
-keine Besoldung erhalten, keine Dienstbeförderung, zu erwarten haben,
-stehn dieser sehr unabhängig gegenüber und der Verband ist um so
-loser, als die spanischen Beamten so schnell wechseln, dass es ihnen,
-wenn nicht an den übrigen Eigenschaften, schon an Zeit mangelt,
-um das Vertrauen, die Zuneigung und Achtung der Eingeborenen zu
-erwerben. Da die unbesoldeten Cabezas überdies mit ihrem Vermögen für
-die Kopfsteuer ihrer Barangays haften, so werden sie leicht verleitet,
-sich durch Unterschleife gegen mögliche Ausfälle vorweg reichlich zu
-decken. Ein noch grösserer Uebelstand ist es, dass die Polizei während
-der Amtsdauer zwar von Kopfsteuer und Frohnden befreit bleibt, übrigens
-aber weder von der Gemeinde, noch von der Regierung besoldet wird,
-und daher freigebigen Uebertretern des Gesetzes sehr zugänglich ist.
-
-Als der Tribut bei Gründung der Kolonie eingeführt wurde, um zur
-Deckung der Verwaltungskosten beizutragen, war in den Philippinen
-kein besteuerbares Eigenthum vorhanden; seine Beibehaltung unter den
-gegenwärtigen Verhältnissen erscheint weder geschickt noch gerecht. Die
-Steuer nimmt keine Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit, ja sie trifft
-nicht einmal den Armen und den Reichen gleich, sondern lässt Letztern
-gewöhnlich frei.
-
-Nur diejenigen Europäer, die Ländereien besitzen, zahlen davon eine dem
-Zehnten des angeblichen Bruttoertrages entsprechende Abgabe (diezmos
-prediales). Der Gesammtertrag dieser Abgabe übersteigt nicht 7000
-Dollar jährlich! Andrerseits berechnet Herr Agius (General-Intendant
-der Hacienda) die Summe, welche der Staat den Krüppeln, Altersschwachen
-und andern auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesenen Individuen
-abpresst, auf 12,600 Dollar.
-
-Schon lange wünschen die einsichtsvolleren Beamten den Tribut
-durch eine Steuer auf Grundbesitz und Gewerbe zu ersetzen, und alle
-davon Betroffenen vom Tribut zu befreien. Die Ausführung einer so
-heilsamen Maassregel ist aber unmöglich, so lange die Verhältnisse
-des Grundbesitzes nicht geordneter sind. Auch fehlen nicht nur alle
-statistischen Daten, sondern auch die Personen, von denen das mangelnde
-Material in irgend zuverlässiger Weise beschafft werden könnte. Die
-Schwierigkeit wird noch bedeutend dadurch vermehrt, dass wenige
-Spanier die Landessprachen, wenige Eingeborene spanisch verstehn,
-dass letztere im höchsten Grade misstrauisch sind und sich der Lüge
-fast instinktmässig als einer immer bereiten Schutzwehr gegen Jeden
-bedienen, der sie ausfragen will. Um so schwieriger würde es sein,
-richtige Angaben zu erlangen, wenn es sich um ihren Geldbeutel handelt.
-
-Ein Hinderniss sonderbarer Art, für eine Volkszählung in den
-Philippinen ist das fast gänzliche Fehlen aller Familiennamen und
-die geringe Manchfaltigkeit der angenommenen Namen. Früher scheint
-das Uebel noch grösser gewesen zu sein, wie aus folgendem Dekret des
-General-Kapitäns vom Novbr. 1849 (Leg. ult. I. 449) hervorgeht:
-
-»Die Indier haben gewöhnlich keine Familiennamen, nehmen beliebige
-Namen meist von Heiligen an, wodurch die Polizei-Kontrolle und das
-Einsammeln des Tributes erschwert werden. Es werden daher an die
-Provinzialbehörden Verzeichnisse passender Namen geschickt, auch
-solcher aus dem Mineral-, Pflanzen- und Thierreich damit jeder
-Familie eines Pueblo ein Name ertheilt werde, den sie zu führen
-und zu behalten hat. Die Eingeborenen welche bereits Familiennamen
-besitzen, behalten dieselben. Solche, die schon vier Generationen
-hindurch einen Heiligennamen geführt haben, können ihn behalten,
-ausgenommen sind aber Namen wie Sa. Cruz und los Santos u. s. w.,
-die wegen ihrer grossen Häufigkeit Anlass zu Verwirrungen geben.«
-
-
-
-
-
-
-
-
-BÜRGERLICHE EINRICHTUNGEN.
-
-(Nach einem handschriftlichen Aufsatz im Ultramar-Ministerium.)
-
-
-Es würde eine sehr eingehende Durchforschung der im
-Kolonial-Ministerium vorhandenen Präjudizien nöthig sein, um alle
-diejenigen, welche sich [L. ult. III. 64.] auf die bürgerlichen
-Einrichtungen der Philippinen beziehen, vor Augen zu haben, und selbst
-dann würde man vielleicht nicht dazu gelangen, sie vollständig kennen
-zu lernen, da die provinzielle Einheit kaum besteht und die städtische,
-mit der alleinigen Ausnahme von Manila, gänzlich unbekannt ist. Da
-aber diese Notizen nur zum Zweck haben in grossen Zügen zu schildern,
-welche Einrichtungen dort in Bezug auf lokale Fonds sowohl in ihrem
-Bestande, als in ihrer Verwaltung und Verwendung gelten, so soll
-hier nur summarisch besprochen werden, aus welchen Elementen das
-Ayuntamiento (Gemeinderath) der Hauptstadt besteht und durch welche
-Beamten in den übrigen Ortschaften (pueblos) der Mangel städtischer
-Körperschaften ersetzt wird. Das Ayuntamiento von Manila besteht
-aus zwei Alkalden und zwölf Regidoren, welche letztere unabsetzbar
-waren, bis durch R. C. 3. Dez. 1677 verfügt wurde, dass sie aus der
-freien Wahl der abtretenden Kapitulare (d. h. Regidoren) hervorgehn
-sollten. Diese am 1. Januar unter dem Vorsitz eines K. Rathes des
-obersten Gerichtshofes vereinigt, ernennen auch die beiden Alkalden,
-den Einen aus zwölf im Voraus bezeichneten Eingesessenen, nach
-Bestätigung ihrer Befähigung durch eine von der Ober-Zivilbehörde
-genehmigte Ausfertigung, den Andern aus den Regidoren, die den
-neuen Gemeinderath bilden sollen. Falls sich bis Mitternacht die
-Regidoren nicht über die Ernennung der Alkalden einigen können, so
-[L. ult. III. 129.] erfolgt dieselbe durch die Ober-Zivilbehörde;
-wenn letztere aus triftigen Gründen glauben sollte, den zu ihrer
-Kenntniss gebrachten Ernennungen die Bestätigung versagen zu müssen,
-so setzt sie ihre Gründe dem Ayuntamiento auseinander, damit dasselbe
-beschliesse, was ihm sachgemäss scheint.
-
-Zur besseren Verwaltung der verschiedenen städtischen Geschäfte
-und Leistungen werden diese unter die Regidoren vertheilt; drei
-der letzteren versehn die Aemter des Alferez real, Procurador und
-Obrero mayor. Zwei sind deputirt für öffentliche Feste, zwei für die
-Polizei, zwei andre für die Verproviantirung. Es würde natürlich
-erscheinen, dass das Ayuntamiento über alle Angelegenheiten der
-Stadtgemeinde zu erkennen hätte: dies ist indessen nicht der Fall,
-denn nur die Angelegenheiten innerhalb der Stadtmauern gehören zu
-seinem Wirkungskreise, die übrigen zu dem des Ober-Alkalden von
-Tondo (jetzt Provinz Manila). Der Gobernador-Corregidor von Manila
-(ein durch R. D. Sept. 1859 gestiftetes Amt) führt den Vorsitz im
-Ayuntamiento, die Friedensrichter der Vorstädte handeln hinsichtlich
-der Zivilverwaltung als seine Abgeordnete. Er führt die Beschlüsse
-besagter Körperschaft aus, und sorgt für Alles was sich auf städtische
-Polizei, Zufuhren, städtische Anlagen bezieht, ernennt auf Vorschlag
-des Ayuntamiento die Beamten desselben, vertritt es vor Gericht und
-bringt dessen Vorlagen an die Oberbehörde. Seine Befugnisse darf er
-auf einen der Alkalden oder Regidoren übertragen. Als Zivil-Guvernör
-führt er die Anordnungen der Oberbehörde aus, ordnet den Gesetzen
-entsprechend alle Maasregeln an, welche die persönliche Sicherheit,
-das Eigenthum und die Erhaltung der öffentlichen Ordnung betreffen,
-ertheilt Pässe und Erlaubnisscheine zur Führung von Waffen, unterstützt
-mit allen Kräften die Einziehung des Tributes und vollstreckt die in
-der Polizei-Ordnung festgesetzten Strafen. Diese Strafen dürfen nach
-R. D. 29. Sept. 1862 im Einzelfalle nicht übersteigen 600 Esc., wenn
-sie die Ober-Zivilbehörde, 300 Esc., wenn sie die Guvernöre von Manila,
-Bisaya, Mindanao, und 100 Esc. wenn sie die politisch-militärischen
-Guvernöre der Provinzen oder die Ober-Alkalden verhängen. Das Maximum
-der Arrest- oder Gefängnissstrafe soll 2 Monate sein, wenn sie von
-den obersten Behörden, einen Monat, wenn sie von den zweiten, 15 Tage,
-wenn sie von den dritten verfügt wird.
-
-Ursprung der Lokalfonds. Zur Bestreitung der örtlichen Bedürfnisse in
-den Philippinen dienen die [Leg. ult. III. 136.] Fondos de Propios,
-Arbitrios y Comunidad, Gemeinde- Eigenthum- und Gefälle-Gelder. Die
-ersteren bestehn aus jeder Art beweglicher und unbeweglicher Güter
-und Gerechtsame, deren Eigenthum oder Niessbrauch den Städten,
-Ortschaften und Weilern gehört. Sie zerfallen je nach ihrem Ursprung
-in provinzielle und örtliche und werden demnach zu den Lasten einer
-Provinz oder einer bestimmten Oertlichkeit verwendet. Arbitrios
-nennt man das Produkt der Abgaben für Schlachtvieh, Stempel, Wagen,
-Reitpferde, Wege und Brücken, Fähren, Billards u. s. w. Von diesen
-Abgaben sind einige zur Bildung eines Provinzialfonds bestimmt, andre,
-wie der Loskauf von den persönlichen Leistungen (Polos y servicios),
-Wege- und Fährgelder und andre kleine Einnahmen, werden besondern
-Ortschaften oder Oertlichkeiten überwiesen. Früher hatten auch einige
-Abgaben den Zweck, ausschliesslich zur Deckung bestimmter Leistungen
-zu dienen, sie hiessen especiales; aber durch R. O. 21. Oct. 1858
-wurde ihre Einzahlung in die k. Kassen angeordnet. Seitdem fällt
-ihre Erhebung sowohl, als die Leistungen, zu welchen sie bestimmt
-waren, der Verwaltungsbehörde zur Last. Zu dieser Klasse gehörten die
-Gebühren für Lagerhäuser, Reinigung des Hafens, Haverei, Leuchtthurm,
-der Aufschlag auf Reis u. s. w.
-
-Die Fondos de comunidad (Gemeinde-Fonds) entspringen aus dem Zuschlag
-zum Tribut, welchen die k. Kassen erheben. Dieser Zuschlag beträgt
-1/2 Real für Eingeborene und Mestizen von Chinesen, und 2 r. für
-Chinesen. Aus den Fonds der Propios und Arbitrios wird eine einzige
-Masse gebildet, die ohne Unterschied zur Bestreitung der Ausgaben
-der lokalen, allgemeinen oder provinzialen Verwaltung, oder der der
-Pueblos dient, so weit das Kapital eines jeden dieser Verbände reicht.
-
-Die Fonds der Gemeindekassen dagegen sind von denen der Propios und
-Arbitrios gänzlich getrennt und haben eine besondere Verwendung; sie
-tragen mit dem Staate (hier so viel als k. Kasse) und den Propios
-und Arbitrios je zu einem Drittheil die Kosten der Erbauung und
-Instandhaltung der Casas reales (R. O. 24. Mai 1855), betheiligen
-sich an der Unterhaltung der allgemeinen Asyle und Krankenhäuser,
-kommen den Steuerzahlern bei allgemeinen Nothständen zu Hülfe und
-entrichten für dieselben den Tribut, wenn diese ihn aus eben dieser
-Ursache nicht zahlen können. Sollte indessen die Kasse der Propios
-und Arbitrios einer Provinz oder einer Ortschaft zur Bestreitung
-ihrer Ausgaben nicht hinreichen, so ergänzt die General-Kasse des
-Verwaltungszweiges das Fehlende; eben so wie diese, wenn sie nicht
-hinreichendes Kapital besitzt, um ihre Ausgaben zu decken, von den
-Gemeindekassen unter Bedingung der Rückzahlung unterstützt wird.
-
-Die General-Kasse, welcher, wie erwähnt, die allgemeinen Ausgaben der
-Verwaltung zur Last fallen, besteht aus zwei Theilen: erstens dem
-Kapital der Gemeindekassen, deren Verpflichtungen angeführt worden
-sind, zweitens aus den Erträgen dieses Kapitals und der zwei Prozente
-von den jährlichen Einnahmen der drei Zweige.
-
-Obgleich in der Regel die Lokal-Kassen 2/3 der Unkosten für die
-Wohnungen [Leg. ult. III. 480, I. 219.] der Provinzial-Guvernöre
-trugen, wurde durch R. O. 4. und 21. Januar 1863 verfügt, dass
-genannte Beamte diese Unkosten aus den 2 Prozenten zu bestreiten
-hätten, welche sie für Erhebung der Abgaben erhalten.
-
-Desgleichen wurde verordnet, dass sowohl der Unterhalt als der
-Transport armer Gefangener aus den Munizipal-Fonds bestritten werde
-(R. O. 2. Oct. 1859); [Leg. ult. II. 11 & 113.] durch eine andre
-bereits angeführte R. O. 24. März 1855 wird verfügt, dass die
-[Leg. ult. IV. 260.] Ausgaben für Erbauung und Instandhaltung der
-Gefängnisse von den Ortschaften aus den Fonds der Propios und Arbitrios
-bestritten werden, und in Ermangelung solcher aus den Gemeindekassen;
-durch R. D. 20. Dec. 1863 wird befohlen, dass die Normalschule
-von Manila aus der Zentralkasse der Propios und Arbitrios und die
-Provinzialschulen aus dem Lokalbudget erhalten werden. [303]
-
-Verwaltung der lokalen Fonds. Seit Publikation der R. O. 2. April
-1846 galt in der Verwaltung der Grundsatz, dass die Fonds der Propios,
-Arbitrios und Comunidad auf die lokalen Bedürfnisse verwendet werden
-und eine von den Staatsfonds getrennte, der Verwaltungsbehörde
-anvertraute Masse bilden. Folge davon war die Bildung (R. O. 17. März
-1854 und 1. August 1856) einer Sektion für Propios und Arbitrios
-in der Verwaltung der Tribute und einer Sektion in der Kanzlei der
-Ober-Zivil-Regierung, indem zugleich vorläufige Bestimmungen für die
-gute Verwaltung dieser Fonds erlassen wurden.
-
-[Leg. ult. III. 135.] Später gingen laut Verfügung vom 30. Aug. 1858
-sowohl die Propios y arbitrios als die Gemeindefonds in die
-Verwaltung der Ober-Zivilbehörde über; es wurde eine dirigirende
-Junta der lokalen Verwaltung gebildet, welche unter dem Vorsitze
-jener Behörde, aus dem Staatsanwalt und einem Rath des obersten
-Gerichtshofes, dem General-Administrator des Tributes und dem Direktor
-der Lokalverwaltung bestand, mit dem zuerst genannten Beamten
-als Schriftführer. Zugleich wurde das Personal des Letzteren und
-eine Rechenkammer für die Lokalverwaltung, durch Umformen der im
-Sekretariat der Ober-Zivilbehörde und der General-Verwaltung des
-Tributs vorhandenen Sektionen geschaffen.
-
-[Leg. ult. III. 137.] Die Obliegenheiten dieser Direktion bestehn in
-Ermittelung der Propios und Arbitrios der einzelnen Ortschaften und
-Provinzen, der Abgaben für den Gemeindefonds, und der auf diesen Fonds
-ruhenden Lasten; in Erforschung angemessener Veränderungen in diesen
-Abgaben, Revision der veranschlagten Einnahmen und Ausgaben, welche
-die Ortschaften und Chefs der Provinzen nach diesen Voranschlägen
-entwerfen und endlich in Ausarbeitung und Einreichung eines
-allgemeinen Planes (formar los generales) an die Zivil-Regierung,
-damit diese nach erfolgter Bestätigung durch die dirigirende
-Junta der lokalen Verwaltung, der obersten Behörde Abschrift davon
-ertheile. Die Bestätigung ist der Rechenkammer (tribunal de cuentas)
-der Inseln vorzulegen, welcher die monatlichen (halbjährlichen
-laut R. O. 5. Okt. 1863) und die jährlichen Rechnungen zur Prüfung
-einzureichen sind, auf dass sie mit beiden gemäss Instruktion vom
-31. Okt. 1859 (bestätigt durch R. O. 19. Mai 1861) verfahre.
-
-Desgleichen hat die genannte Direktion die Versteigerung der
-verpachtungsfähigen Abgaben zu verfügen, welche die Ober-Zivilbehörde
-bestätigen oder verwerfen kann. Auch wird diese Behörde der höchsten
-Regierung die Einführung neuer Abgaben oder die Abänderung bestehender,
-wenn es angemessen erscheint, vortragen indem sie einstweilen den
-Ausfall einiger Provinzen, vorbehaltlich der gelegentlichen Rückgewähr,
-aus den Ueberschüssen anderer deckt. Nach R. O. 29. April 1860 muss,
-so oft ein Werk mit den lokalen Fonds ausgeführt werden soll, vorher
-der betreffende Anschlag gemacht werden, und wird die Ober-Zivilbehörde
-durch R. O. 23. Juli 1861 und 6. Juli 1863 ermächtigt, nach Vernehmung
-des Verwaltungsrathes Ausgaben zu bewilligen, welche 20,000 Dollar für
-Einmal und 10,000 Dollar, wenn es sich um wiederkehrende Anweisungen
-handelt, nicht übersteigen, und sollen die Arbeiten in derselben
-Form wie die aus Staatsgeldern bezahlten, in öffentlicher Lizitation
-vergeben und die Regierung davon in Kenntniss gesetzt werden, jedoch
-ohne die Akten einzusenden, wie R. O. 24. Juli 1862 vorschrieb. Falls
-diese Behörde von dem Ermessen der dirigirenden Lokalbehörde abweicht,
-bleibt die Ausgabe bis zur Erlangung der k. Genehmigung, welche
-ebenfalls nöthig ist für Alles was eine fortdauernde Belastung dieser
-lokalen Fonds herbeiführt, schweben.
-
-[Leg. ult. I. 164.] Durch andre R. O. 1. Aug. 1861 wurde die Bildung
-einer von der Regierungs-Kanzlei abhängigen Sektion genehmigt,
-welche in Angelegenheiten der Verwaltung der Propios und Arbitrios
-und der Ueberschüsse der General-Kasse befindet, und ward ihr
-aufgetragen eine Verordnung für die gute Verwaltung besagter
-Gelder zu entwerfen. In der Absicht diese zu sichern, und da die
-Kassen der Ortschaften, wo sie aufbewahrt wurden, keine Gewähr
-boten, verfügte die [Leg. ult. III. 224.] oberste Zivilbehörde
-(19. April 1858) ihre Zentralisirung in den Hauptstädten
-der Provinzen zu Lasten der Ober-Alkalden und politischen
-Militär-Guvernöre. [Leg. ult. III. 215.] (Der Alkalde mayor sammelt
-die Gelder und schickt sie an die Haupt-Kasse in Manila.) Später
-(R. O. 21. Oct. 1858) ward verfügt, dass die Einnahmen aus den
-Zweigen der sogenannten Agenos und der Propios und Arbitrios in den
-öffentlichen Schatz flössen. Für diese Dienstleistung behält der
-Staat 20 % von den Propios (der Staat erhebt auch in Spanien 20 % von
-jedem Verkauf eines Gemeinde-Grundstücks oder andern Propios) und 10 %
-von den Arbitrios und Gemeindegeldern der Ortschaften und Provinzen.
-
-Ausserdem beziehn die Chefs der Provinzen, welche Bürgschaft geleistet
-haben, (R. O. 21. Dez. 1860) 2 % und die Gobernadorcillos 1/2 % für die
-Mühe der Erhebung. In Folge dieser Maasregel trägt der Staatsschatz die
-Unkosten für die Direktion und die Rechenkammer der lokalen Verwaltung.
-
-[Leg. ult. III. 256.] Voranschläge. Damit die Veranschlagung der
-Einnahmen und Ausgaben nach festen Regeln erfolge, sind solche durch
-R. O. 18. Mai 1861 aufgestellt und sollen jene nach den einzelnen
-Provinzen, und zwar die für die Propios und Arbitrios getrennt von
-denen für die Gemeindekassen entworfen werden. Letztere Fonds sind
-für die besonderen Erfordernisse der Ortschaften bestimmt, die der
-Propios und Arbitrios für die der Provinzen und Distrikte. Die
-Einnahmen zerfallen in ordentliche und ausserodentliche je nach
-ihrer Art; die Ausgaben in nothwendige und freiwillige. Zunächst
-bestimmte die oberste Zivilbehörde über die Klassifikation der
-ersteren, unbeschadet der einzuholenden Bestätigung Ihrer Majestät
-und der jährlichen Einsendung ihrer Voranschläge (im Monat Juli)
-zur Kenntnissnahme der höchsten Regierung. Später wurde angeordnet,
-dass die Veranschlagungen klar und in's Einzelne gehend abgefasst
-sein, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen, und dass
-am Schluss jedes Geschäftsjahres die Ueberschüsse der Gemeinde-,
-Propios und Arbitrios-Gelder in die betreffende Zentralkasse des
-Zweiges fliessen sollen.
-
-Die Verordnung des Intendanten von 1786 verfügt (Art. 47), dass jede
-Ortschaft ihre jährlichen Ueberschüsse aus den Propios und Arbitrios
-oder Gemeindegütern zum Ankauf von Immobilien und zinsbaren Anlagen
-verwende, um unnöthige Gefälle (Arbitrios) zu beseitigen oder, falls
-keine vorhanden, genannte Ueberschüsse zur Förderung nützlicher
-Anstalten für den Ort oder die Provinz zu benutzen.
-
-Bisher sind die Regeln über die Verwendung besagter Ueberschüsse noch
-nicht festgestellt worden; R. O. 18. März 1861 bestimmt nur, dass sie
-zentralisirt und über ihre Anlegung durch die Ober-Zivil-Verwaltung
-oder die Staatsregierung je nach Umständen, und gemäss den in Kraft
-bestehenden Vorschriften verfügt werden soll. [304]
-
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-UEBER DEN BODENKREDIT.
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-(Nach Aufsätzen im Diario de Manila, Dezember 1866.)
-
-
-Ausgenommen einige grosse, durch Schenkungen in früherer Zeit
-erworbene Besitzungen ist das Grundeigenthum meist durch das Recht
-der Besitzergreifung und Urbarmachung entstanden, welches noch
-jetzt durch die Gesetze von Indien (Leyes de India) zu Gunsten
-der Eingeborenen anerkanntes Gemeinderecht ist. In Ausübung dieses
-Gemeinderechts nimmt der Eingeborene das zu seiner Wohnung und zum
-Feldbau benöthigte unbenutzte Land in Besitz und verliert es nur dann,
-wenn er es zwei Jahre lang nicht bearbeitet. Abgesehn von diesen
-geborenen und trotzdem sehr armen Grundeigenthümern, ist Grundbesitz
-gesetzlich auf folgende Weise zu erwerben: durch Kauf eines bestimmten
-Flächenraumes unbenutzten Kronlandes vom Staat; durch wirklichen Kauf
-von den Eingeborenen welche Ländereien besitzen; durch Verträge, pactos
-de retro genannt, die mit den Eingeborenen geschlossen werden; durch
-Verpfändung oder Hypothezirung von Schuldverschreibungen, welche eben
-diese Eingeborenen besonders bei Handelsgeschäften einzugehn pflegen.
-
-Das erste Mittel sollte eine Quelle von Reichthümern sein, ist es
-aber aus verschiedenen Gründen nicht. Nur Wenige sind heut mit der
-Gesetzgebung über unbebautes Kronland vertraut, die aus einer Unzahl
-einzelner Beschlüsse besteht und ein kasuistisches, unzusammenhängendes
-verwirrtes Durcheinander bildet. Es wurde daher durch R. O. 1864
-der Entwurf einer Verordnung für den Verkauf unbenutzter Ländereien
-befohlen, und müssen wir annehmen, dass diese Arbeit ziemlich weit
-vorgeschritten sei ... Nach einer Beschreibung der dabei stattfindenden
-Weitläufigkeiten heisst es weiter: das Ergebniss war, dass nach Verlauf
-von 2 oder 3 Jahren, wenn es gelang den Widerstand der Ortschaft zu
-besiegen, in deren Gerichtsbezirk das beanspruchte (pedido) Land lag,
-die betreffende Person einen Besitztitel darüber ausgefertigt erhielt,
-gegen Erlegung der unbedeutenden Summe von 4 r. für den Quiñon (weniger
-als 2 sgr. für den Morgen), einer Summe die nicht sowohl die Bedeutung
-eines Kaufpreises, als einer Anerkennung des Besitzes hatte. Diese
-Bestimmung war in Anbetracht der grossen Unkosten erlassen, welche
-das Ausroden und Urbarmachen in den Philippinen verursacht. Durch
-R. O. 1857 würde das Angebot für unbebautes Kronland auf 50 Doll. per
-Quiñon festgesetzt, und konnte der Zuschlag (concesion) nicht ohne
-vorhergehende öffentliche Lizitation erfolgen. Von jener Zeit an
-hielten sich Privatleute von derartigen Gesuchen fern: zu den alten
-Uebelständen gesellte sich der hohe Preis und die Gefahr überboten
-zu werden und dadurch Mühe und Kosten für Untersuchung des Terrains
-zu verlieren. 1859 wurde das Dekret abgeändert, der alte Preis von 4
-r. per Quiñon als Angebot wieder eingeführt; dieses Dekret ist aber
-noch nicht publizirt.
-
-Damit dem Ackerbau Kapitalien zufliessen, ohne welche er sich unmöglich
-entfalten, Korn und Kolonialwaaren für die Ausfuhr erzeugen kann,
-ist es durchaus nöthig alle Hindernisse zu beseitigen, die Vermögende
-abschrecken. Unter diesen Hindernissen stehn in erster Reihe die
-Lokalgerichtsbarkeit bei Bewilligung unbebauter Kronländer; in zweiter
-die Hindernisse, welche Nationalen sowohl als Ausländern, die in
-Landgemeinden Niederlassungs- und Bürgerrecht (radicacion y vecindad)
-erwerben wollen, in den Weg gelegt werden. Ausser der Schwierigkeit
-grosse Besitzungen zu erwerben, sind noch andre vorhanden. Der
-Pflanzer kann leicht Arbeiter finden, denen er bedeutende Vorschüsse an
-Kleidern, Korn, Vieh und Geld machen muss; aber die Indier halten ihre
-Kontrakte schlecht; die dem Pflanzer zu Gebot stehenden gesetzlichen
-Mittel, um sie zur Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen zu
-zwingen, sind so schwerfällig und so verderblich wie das Aufgeben
-des Rechtes selbst. Wenn der Alkalde nicht thätig ist und guten
-Willen zeigt, so ziehn die Pflanzer gewöhnlich vor, ihre Ansprüche
-nicht geltend zu machen; sie tragen den Verlust und manche werden
-dadurch bewogen ihre Unternehmungen aufzugeben. Dieser Krebsschaden der
-Landwirtschaft wird verschwinden, sobald jeder Indier einen Bürgerbrief
-(cedula de vecindad) besitzt. Ist das erste Jahr überstanden, so sind
-später Stürme, Heuschrecken, Handelskrisen, die den Preis der Produkte
-herabdrücken, zu gewärtigen. In solchen Fällen wird es für den Pflanzer
-zum grossen Uebelstand, dass kein Kredit vorhanden. Hypotheken giebt es
-nicht, wenigstens keine obligatorische Hypothekenregister; daher wagt
-Niemand sein Geld auf dergleichen Grundstücke auszuleihn, oder thut es
-nur gegen erdrückende Wucherzinsen. Eine Besserung in dieser Beziehung
-wird in den Philippinen von der grossen und kleinen Landwirthschaft,
-vom Handelsstand, vom grossen und kleinen Besitz dringend verlangt;
-sie würde dem Pacto de retro so wie den wucherischen Verträgen, die
-in Luzon tacalanan, in Bisaya alili heissen (Darlehn auf den Ertrag
-der nächsten Ernte) und denen an vielen Orten das herrschende Elend,
-das Zurückbleiben zugeschrieben werden muss, für immer ein Ziel setzen.
-
-Es müssen klare, schnell ausführbare Bestimmungen erlassen werden,
-durch welche die mit den Kolonen geschlossenen Verträge zur Wahrheit
-werden; den Eigenthümern muss durch Eintragung ihrer Grundstücke
-in ein Hypothekenbuch die Möglichkeit gegeben werden, Darlehen ohne
-andre Sicherheit unter mässigen Bedingungen zu erlangen.
-
-Pacto de retro ist eine der gebräuchlichsten Formen durch welche
-ländliche Besitzungen aus den Händen der Eingeborenen an Andre
-übergehn. Ein beträchtlicher Theil von Pampánga, Bataán, Manila,
-Laguna, Batángas und anderen Provinzen hat innerhalb weniger Jahre
-auf diese Weise die Besitzer gewechselt. Auf diese Weise erwerben
-gewöhnlich die unbeschreiblich schlauen und sparsamen Mestizen ihre
-Ländereien, deren Kultur sie dann verbessern; was aber nicht hindert
-dass dieser Gebrauch für den Volkswohlstand verderblich ist.
-
-Der Eingeborene, der ein Stück Land durch Urbarmachung und
-Besitzergreifung, aber fast nie oder sehr selten durch Kauf
-von einem andern Eigenthümer inne hat, bietet, wenn er sich in
-drückender Geldnoth befindet, sein Land zum Pfande für ein vom
-Kapitalisten begehrtes Darlehn, da er aber keine Urkunde besitzt,
-um sein gutes Recht zu beweisen und zu zeigen, dass es von allen
-Lasten und Verpflichtungen frei ist, so ist keine Grundlage für ein
-hypothekarisches Darlehn unter billigen Bedingungen vorhanden.
-
-Der Kapitalist sucht daher seine Sicherheit im unmittelbaren
-Besitz. Die Hypothek verwandelt sich in ein antichretisches Pfand
-(prenda pretoria), und da es sehr schwer ist, oder wenigstens sehr
-selten vorkommt, dass der Indier, der das Geld empfängt, es freiwillig
-zur festgesetzten Zeit zurückzahlt, und es nicht im Interesse des
-Darleihers liegt, ihn zur Zahlung zu zwingen, so geschieht es, dass
-für die einem hypothekarischen Darlehn entsprechende Summe, d. h. für
-den halben oder drittel Werth des Pfandes, das Grundstück definitiv
-den Besitzer wechselt; nicht selten geschieht es, dass der ehemalige
-Eigenthümer dann als Kolon (Arbeiter, thatsächlich Schuldsklave) auf
-dem Grundstück verbleibt. Häufig wird der Indier in Folge seiner Sucht
-für Hahnenkämpfe und Hasardspiele zu dergleichen Kontrakten verleitet.
-
-Die Landesgesetze verlangen, dass die Indier in Ortschaften leben,
-ihre Gehöfte zu Dörfern vereinigen, damit sie überwacht und ihre
-Leistungen erhoben werden können. Unter gewöhnlichen Umständen
-baut sich der Indier eine Hütte auf seinem Acker, wo er zur Zeit
-der Feldarbeiten wohnt, und geht Samstag Abend nach dem Dorf um
-am Sonntag die Messe zu hören. Sein Feld hat für ihn keinen grossen
-Werth, da er immer wieder ein andres Stück urbar machen kann; so gross
-ist der Ueberfluss an Land bei allen von der Hauptstadt entfernten
-Ortschaften. Die Leichtigkeit, mit der ein Grundstück aufgegeben,
-ein andres in Besitz genommen werden kann, ist der Entwicklung des
-Landbaus sehr schädlich. Ein kleiner Grundbesitzer, der ohne Jemand um
-Erlaubniss zu fragen ein wüstes Stückchen Land mit Reis oder Bataten
-bepflanzt hat, erhebt ein Geschrei, wenn es von einer Kuh oder einem
-Pferde, das seit Jahren dort graste, betreten wird, und lässt sich,
-da das Gesetz zu seinen Gunsten lautet, vom Eigenthümer des Viehs
-einen oftmals imaginären Schadenersatz zahlen, während doch der
-Schaden von demjenigen getragen werden sollte, der sein Feld baut,
-ohne es einzuhegen.
-
-Derselbe kleine Eigenthümer macht zu seinen Gunsten alle Vorrechte
-und Gerechtsame eines ganzen Dorfes voll Indier geltend, wenn ein
-vermögender Mann in seiner Nachbarschaft eine Pflanzung anlegen
-will. Oft findet der zu solcher Anlage entschlossene Kapitalist,
-dass in dem vorher völlig unbebauten oder wüsten, gegen Zahlung einer
-gewissen Summe nach langen Weitläufigkeiten von der Hacienda erworbenen
-Gebiete einige Indier ein Saatfeld angelegt haben und durch Zeugnisse,
-die mit Unterschriften bedeckt aus dem Tribunal kommen, bekräftigen,
-dass sie dieselben von ihren Vätern geerbt und nie unterlassen haben,
-sie zu bearbeiten.
-
-Eine Abhülfe dieser Missbräuche würde in der Begrenzung des Gebietes
-und der Gerichtsbarkeit der Gemeinden liegen, so dass zum Behuf
-der Vermehrung des ländlichen Eigenthums, für die Insassen eines
-Pueblo so viel Land frei bliebe, als sie gegenwärtig vernünftiger
-Weise beanspruchen können; mehr oder weniger, als die sogenannte
-Gemeinde-Feldmark (legua comunal), deren übrigens kein Gesetz Erwähnung
-thut. Alles übrige im Gerichtsbezirk belegene Land müsste aber für
-Kronland erklärt, alle gegenwärtig ausserhalb des Gemeindegebiets
-belegene Besitzungen für rechtsgültig erworben; in der Folge aber
-alles nicht nach den vorgeschriebenen Regeln Besessene für ungültig
-erklärt werden; innerhalb des Gemeindebezirkes oder rechtmässigen
-Eigenthums der Ortschaften, welches nicht über die Schallweite
-der Kirchenglocke hinausreichen darf, muss dem einheimischen Bauer
-gestattet sein, ausserhalb des Pueblo in Mitten des von ihm bebauten
-Landes zu wohnen; und nur falls er letzteres veräussert oder aufgiebt,
-muss er gezwungen sein, im Pueblo zu leben; die Eingeborenen müssen
-innerhalb des Gemeindegebietes neue Grundstücke urbar machen und
-erwerben können, indem sie einen kleinen Erbzins an die Gemeinde-Kasse,
-oder eine mässige Summe für Einmal erlegen.
-
-Dergleichen Beleihungen müssen von der Gesammtheit der Dorfältesten
-(Principales) mit voller Oeffentlichkeit, unter Mitwirkung des Pfarrers
-erfolgen und in ein von jedem Pueblo zu haltendes Buch eingetragen
-werden; sie dürfen nie mehr Raum umfassen, als der Bewerber mit seinen
-eignen Büffeln bearbeiten kann.
-
-Wenn solche Beleihungen von Staatsländereien nicht über ein Quiñon
-betragen, so sollen sie nach vorgeschriebenen Formen vom Alkalden
-der Provinz, wenn von grösserem Umfange, in der Hauptstadt der
-Kolonie ausgefertigt werden. Alle aber müssen in das Grundbuch
-der betreffenden Provinz und des betreffenden Pueblo eingetragen
-werden. Die zur Begünstigung der Eingeborenen und zur Förderung der
-Viehzucht erlassenen, aber das Gegentheil bewirkenden Bestimmungen
-müssen aufgehoben werden.
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-Der Landbau bedarf, wie jedes andre Gewerbe keines Schutzes, als
-Klarheit und Sicherheit in seinen Lebensbedingungen. --
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-DIE GEMEINNÜTZIGE GESELLSCHAFT DER LANDESFREUNDE.
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-(Sociedád de los Amígos del país.)
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-Der Schöpfer des Tabakmonopols Basco y Vargas, der durch künstliche
-Reizmittel die Trägheit der Kolonisten zu überwinden und Sinn
-für das Gemeinwohl zu erwecken hoffte, gründete 1781 die Sociedád
-económica de los Amígos del país zur Förderung des Ackerbaus und der
-Gewerbe. Die von der Gesellschaft selbst 1860 veröffentlichten Akten
-über ihren Ursprung und ihre denkwürdigen Thaten (hechos notables)
-sind so bezeichnend für die Erfolglosigkeit derartiger Bestrebungen
-in einer Kolonie, wo es gänzlich an Gemeinsinn fehlt, dass ein Auszug
-gerechtfertigt scheint.
-
-Bald nachdem die Gesellschaft ihre Statuten entworfen, gerieth ihr
-Eifer in's Stocken und 1797 fasste ihr Präsident auf eigene Hand den
-Beschluss, die Sitzungen einzustellen und das 6000 Dollar betragende
-Gesellschaftsvermögen dem Handelsgericht zu übergeben. Erst 1820 gelang
-es einem Generalkapitän, sie wieder in's Leben zu rufen. Bei ihrer
-Stiftung war der Gesellschaft das Vorrecht eingeräumt worden, in der
-Nao von Acapulco (siehe S. 14) bis zum Betrage von 2 Tonnen Handel
-zu treiben oder dieses Privilegium zu verkaufen. Der daraus erzielte
-Gewinn war bei der Wiedereröffnung auf 41,749 Dollar, beinahe 60,000
-Thaler, angewachsen. Die wiederentstandene Gesellschaft revidirte
-ihre Statuten, theilte sich in 4 Sektionen: Naturgeschichte, Ackerbau,
-Gewerbe, Handel, jede mit Vizedirektor, Vizezensor, Vizeschatzmeister,
-und stellte abermals ihre Thätigkeit ein. 1822 ermunterte sie sich noch
-einmal und gab auch während einer Reihe von Jahren fast alljährlich
-einige Lebenszeichen s. S. 219. Neuerdings ist sie indessen wiederum
-müde geworden, denn in ihrer Sitzung vom 24. August 1866 beschloss
-sie, ihr Vermögen als patriotisches Geschenk den von der Bombardirung
-Callao's zurückkehrenden Schiffen darzubringen, und »diese besonders
-günstige Gelegenheit zu benutzen, um einen Akt patriotischer
-Aufopferung zu begehn und dem Staate einen Dienst zu leisten«.
-
-Die Gesellschaft besitzt 25 bis 30,000 Dollar; aber Reichthum
-macht Sorgen. »Von diesem Vermögen, dessen genauer Betrag den
-Mitgliedern unbekannt, ist seit vielen Jahren nicht die geringste
-Summe auf Förderung des Gemeinwohls verwendet worden, obgleich die
-Gesellschaft nur zu diesem Zweck besteht. Der grösste Theil der für
-die Sitzungen bestimmten Zeit geht gewöhnlich mit Fragen, betreffend
-die Anlage und Einziehung dieser Kapitalien, verloren. Förmlichkeiten
-und Rechnungsführung haben Jahre lang die ganze Aufmerksamkeit der
-Gesellschaft beschäftigt. Auch ist es vorgekommen, dass einige mit dem
-Zensorenamte beehrte Mitglieder die Schlüssel der Kasse nicht annehmen
-wollten, welche letztere seit vielen Jahren nicht geöffnet werden
-konnte wegen der Schwierigkeit, die übrigen Inhaber der Schlüssel
-(conclaveros) zu vereinigen.«
-
-Der damalige eifrige Generalkapitän Don Jose de la Gandara tadelte
-die Gesellschaft in einer Ansprache vom 17. Januar 1867 für ihren
-patriotischen Beschluss und forderte sie auf, ihr Geld zur Gründung
-eines botanischen Gartens verbunden mit einer Ackerbauschule
-zu verwenden und eine zur Verbreitung im Auslande bestimmte
-Denkschrift auszuarbeiten, worin die Fruchtbarkeit der Philippinen,
-die Leichtigkeit mit welcher dort Pflanzungen angelegt werden könnten,
-hervorgehoben werde, um Familien, welche das nöthige Kapital und
-praktische Kenntnisse besitzen, zur Einwanderung zu veranlassen.
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-Die wahrscheinlich aus einem sehr ausgebildeten Schicklichkeitsgefühl
-hervorgegangene Kunst, für etwas, das man zu thun oder zu unterlassen
-entschlossen, einen schönen Beweggrund aufzufinden, offenbart sich
-öfter in amtlichen spanischen Dokumenten. Auch das folgende Stück
-über Einführung der Opium-Regie kann als Beispiel dienen.
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-EINFÜHRUNG DER OPIUM-REGIE.
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-Die Opium-Regie ist seit 1. Januar 1844 in den Philippinen eingeführt,
-nachdem die Mehrheit einer zur Berathung dieser Maasregel berufenen
-Junta sich dafür ausgesprochen hatte. In der Einleitung zu dem
-betreffenden Gesetz (Autos acordados I. 392) lobt der Generalkapitän
-diese Mehrheit und tadelt die dissentirende Minderheit, die sich,
-durch veraltete Vorurtheile und gemeine Ueberlieferungen irre geleitet,
-gegen alle Verbesserungen, selbst die nützlichsten, sträubt, während
-die Fortschritte der Volkswirthschaft und das Beispiel der zivilisirten
-Nationen dergleichen Bedenken längst beseitigt haben. In einem Bericht
-des Consejo pleno an den Generalkapitän vom 22. September 1864 über
-dieselbe Angelegenheit heisst es (im Auszuge): Nachdem der Rath alle
-Gründe für und gegen die Opium-Regie wohlerwogen, kommt er zu dem
-Schluss, dass das Opiumrauchen zu erlauben sei.... Zuerst werden die
-gegen die Maasregel sprechenden Ansichten von eilf bedeutenden Aerzten,
-Volkswirthen und Gesellschaften angeführt; gegen alle diese Autoritäten
-aber giebt der Ausspruch des spanischen Konsuls in China [305] den
-Ausschlag, wonach die Chinesen, die nach Belieben Opium rauchen,
-dennoch stark und arbeitskräftig sind. Auch sei das Opium in der
-Türkei, in ganz Britisch-Indien, Cochinchina und China gesetzlich
-erlaubt. Ferner sage Dr. Pedro Mata in seiner Medicina legal y
-toxicologia 1846, welche in den medizinischen Anstalten Spaniens
-als Lehrbuch diene, geistige Getränke, gewisse Medikamente und zu
-angestrengtes Studiren führten zur Impotenz; das Opium erwähne er aber
-nicht. Der Consejo schliesst weiter: führte das Opium zur Impotenz,
-so würden es die reichen Chinesen gewiss nicht rauchen; in Europa
-seien mehrere Personen von grossen Fähigkeiten Opiumraucher gewesen,
-Opium sei nicht schlimmer als Brantwein, verbiete man das Eine,
-so müsse man auch das Andere verbieten ...
-
-In der Antwort des Generalkapitäns auf diesen Bericht heisst
-es unter Anderem ... Beim Abwägen der Gründe für und gegen die
-Zulassung des Opiums hat der Rath die Zeugnisse gegen diese Maasregel
-angeführt und ihnen andere, wenigstens so achtbare aber »amtlichere«
-gegenübergestellt ... Sicherlich, wenn das Opium gegen die Religion,
-die Moral, die Humanität verstiesse, so würden Nationen wie Frankreich
-und England, die einen so hohen Rang in der allgemeinen Zivilisation
-einnehmen, es nicht gestatten; da aber das Gegentheil stattfindet,
-so müsse man natürlich zu dem Schluss kommen, dass jene aller
-wichtigsten und heiligsten Dinge nicht, wie Manche andeuten möchten,
-davon betroffen werden; der Türkei und China's solle hier gar nicht
-gedacht werden ...
-
-Weiter heisst es: »Da keine Statistik vorhanden ist, welche nachweist,
-dass Chinesen in Singapore vom Opiumgebrauch gestorben sind, so müssen
-die Gründe der Opiumgegner offenbar übertrieben sein, und kann man
-ihre, der Renta nachtheilige Meinung nicht gelten lassen. Wäre das
-Opium so giftig, wie sie sagen, so müssten die Chinesen daran zu
-Dutzenden sterben, was jedoch nicht zutrifft« ... »Es sind aber auch
-wichtige politische Gründe für die Gestattung vorhanden: Die Chinesen
-sind jedenfalls in unsern Archipel gekommen in der Voraussetzung,
-dass sie hier Opium rauchen dürfen; wollte man nun das Opium plötzlich
-verbieten, wie in den früheren Eingaben vorgeschlagen worden, und
-die Uebertreter mit Geld- und Gefängnissstrafen belegen, wie dies
-vor Einführung dieser Renta geschehn, so würden die meisten Chinesen
-in die Gefängnisse kommen oder auswandern, was gewiss nicht recht und
-billig wäre und auf keinen Fall geschehen darf. Eine so unzweckmässige
-Maasregel wäre gerade gegenwärtig höchst unpolitisch. Wir wollen
-mit China Verträge schliessen zur Erleichterung des Handels;
-was würde die chinesische Regierung sagen, wenn wir mit ihren
-Unterthanen also umgingen? ... Für unsere Kassen ist die Opiumrente
-unentbehrlich. Dennoch tritt diese Erwägung ganz in den Hintergrund
-gegen die volkswirthschaftliche und politische Frage, betreffend
-die Einwanderung der Chinesen, für welche der Opiumgebrauch eine
-Lebensnothwendigkeit ist ..«
-
-Durch Gesetz vom 29. September 1864 wird die Beibehaltung der
-Opium-Regie genehmigt. Mestizen und Indier dürfen nicht Opium rauchen.
-
-In einer vertraulichen »Comunicacion« des Generalkapitäns de la Gandara
-an den Kolonial-Minister, Februar 1867, die mir im Ultramar-Ministerium
-vorgelegt worden, klagt derselbe, dass das Opiumrauchen sehr
-zugenommen habe, was grossentheils den ungeschickten Maasregeln oder
-der Unehrlichkeit der Beamten zuzuschreiben sei. Entweder um die
-Einnahmen aus dieser unlautern Steuerquelle zu vermehren, oder aus
-Eigennutz haben jene Beamten ausser den 478 öffentlichen Opiumläden
-(Fumaderos) »wahren Heerden der Immoralität und immer mit Chinesen
-angefüllt«, Hunderten von chinesischen Privaten die Erlaubniss
-verkauft, zu Hause Opium zu rauchen, was durchaus dem Gesetz und den
-Absichten der Regierung widerspricht.
-
-Nach dem Presupuesto betrug die Einnahme der Opium-Regie 1860 98,000
-Esc., 1865/66 140,000 Esc. und 1866/67 207,000 Esc. Wie wenig
-Opium die Chinesen brauchten, bevor es ihnen von den Engländern
-aufgedrungen wurde, zeigt folgende Stelle aus dem Briefe des Pater
-Parennin v. 20. Sept. 1740: »Was die indischen Gummi betrifft, so
-machen die chinesischen Aerzte und Chirurgen fast keinen Gebrauch
-davon. Ich glaube nicht, dass in Pekin in einem ganzen Jahre ein
-halbes Pfund Yapien (Opium) verwendet wird.« (Lettres édifiantes).
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-BESCHREIBUNG DER SCHIFFE, BARANGAY GENANNT, DIE BEI ANKUNFT DER
-SPANIER IN GEBRAUCH WAREN.
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-Nach Morga 128 v.
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-Ihre Schiffe und Fahrzeuge sind von vielerlei Art, denn in den
-Flüssen und ihren Mündungen gebrauchen sie sehr grosse Kähne aus
-Einem Baumstamm und Bancas von Planken mit einem Kiel, und Vireyes
-und Barangayes welches schnelle, leichte Schiffe sind, niedrig von
-Bord, mit hölzernen Bolzen zusammengefügt, hinten so spitz wie vorn,
-zu beiden Seiten viele Ruderer fassend, die mit Paddeln und Rudern
-ausserhalb Bord rudern und den Schlag nach dem Schall einiger andern
-regeln, welche in ihrer Sprache passende Dinge singen, wodurch sie
-sich verständigen ob das Rudern beschleunigt oder verlangsamt werden
-soll. Ueber den Ruderern ist eine Gallerie aus Bambus welche die
-streitbaren Männer trägt, ohne jene zu belästigen, und auf welche eine,
-der Grösse des Fahrzeuges entsprechende Schiffsmannschaft steigt. Von
-da wird das Segel, welches viereckig und von Segeltuch ist, an einem
-Krahn aufgezogen, der aus zwei grossen Bambusen besteht, und als
-Mast dient. Wenn das Schiff gross ist, hat es auch einen Vormast
-von derselben Gestalt; und beide Krähne haben ihr Takelwerk, um die
-Masten auf die Gallerie niederzulassen, wenn der Wind entgegen ist,
-und Steuermänner auf dem Hintertheil um es zu lenken. Es trägt noch
-ein Gerüst von Bambus auf der Gallerie, über welches wenn die Sonne
-scheint oder wenn es regnet, ein Zelt von Matten, Kayanes genannt,
-gespannt wird, die aus Palmenblättern sehr dick und dicht geflochten
-sind, wodurch das ganze Schiff und die Mannschaft desselben bedeckt
-und geschützt wird. Es ist noch ein andres Gestell aus dicken Bambusen
-auf beiden Seiten des Schiffes in seiner ganzen Länge angebracht,
-und stark befestigt, welches das Wasser eben berührt ohne im Rudern
-zu hindern und als Gegengewicht dient, damit das Schiff nicht kentern
-oder scheitern kann, wie hoch auch die See gehe, und wie stark der
-Wind in das Segel blase. Es kommt vor, dass sich das Schiff mit Wasser
-füllt, sein ganzer Rumpf, (denn sie sind ohne Verdeck) und bis es
-ausgeschöpft ist zwischen zwei Wassern schwimmt, ohne unterzugehn,
-wegen der Gegengewichte (Ausrigger).
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-DAS TAGALISCHE VATER UNSER.
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- Ama namin sung ma sa langit ca, sambahin ang ngala
-Vater unser der bist im Himmel du, werde geheiligt der Name
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- mo, napa sa amin ang cahavian mo. sundin ang loob mo
-dein, komme zu uns das Reich dein. geschehe der Wille dein
-
- aqui sa lupa para nang sa langit, Bigyan mo
-desgleichen auf Erden so wie im Himmel, werde gegeben von dir
-
-cami ngaion nang amin canin sa arao arao at patavarin
-uns jetzt von unserem Brod von Tag (für) Tag und werden vergeben
-
- mo cami nang aming manga otang pava nang pagpapatravar
-von dir wir von unseren Schulden ebenso wie vergeben
-
-namin sa nangag caca otang sa amin at hovag mo caming
- wir denen welche haben Schulden an uns und nicht von dir wir
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- ipahintolot sa tocso at iadya mo
-werden gelassen fallen in Versuchung und werden erlöst von dir
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-cami sa dilan masama.
-wir von allen Uebeln. Amen.
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-DAS NEUE ZOLLDEKRET.
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-Zu S. 9.
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-Das Seite 9 gepriesene freisinnige Zolldekret ist bereits durch
-ein anderes ersetzt, das wiederum Differenzialzölle einführt und die
-wichtigsten Erzeugnisse der Kolonie mit Ausfuhrabgaben beschwert. Gegen
-die alte Zollordnung ist die neue am 1. Juli 1872 in Kraft getretene
-immerhin ein bedeutender Fortschritt. Ihre Hauptzüge sind: Vereinfachte
-Nomenklatur; statt 766 zählt der Tarif nur noch 122 zollpflichtige
-Artikel auf. -- Erhebung des Zolles vom Gewicht statt vom Taxwerth
-der Waaren (für einige Artikel sind ad valorem Zölle beibehalten). --
-Zollfreiheit spanischer Waaren, in spanischen Schiffen, -- Zollrabatt
-für fremde Waaren in spanischen Schiffen. Der Rabatt beträgt 25%,
-soll nach je 2 Jahren um 5% ermässigt werden und Juli 1879 aufhören
-(vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin der Einfluss der spanischen
-Rheder aufgehört hat). -- Baumwollengarne ohne Unterschied der
-Nummern, der Zahl der Drähte (und der Farbe) zahlen 10 Cents per
-Kg. -- Eiserne sowohl als hölzerne Fahrzeuge können gegen Erlegung
-einer Abgabe eingeführt werden. -- Zollfreiheit für allen Bedarf
-zu Schiffbau- und -Ausbesserung, wogegen die Prämie für grössere
-in Manila gebaute Schiffe wegfällt. -- Die wichtigsten Ausfuhrzölle
-sind: Zucker 14 Cents, Abaca 20 Cents, Indigo 100 Cents, flüssiger
-desgl. 10 Cents, Reis 5 Cents, Kaffee 30 Cents, Farbehölzer 4 Cents
-per 100 Kg. (durchschnittlich etwa 2% vom Werth.) --
-
-Alle Abgaben für Leuchtthurm, Hafenreinigung u. s. w. werden in eine
-einzige, nach dem Tonnengehalte der ausgeladenen Güter zu entrichtende
-Ausladegebühr umgewandelt. Schiffe in Noth und solche die ihre Fracht
-in andere Fahrzeuge umladen, oder löschen um sie wieder einzunehmen,
-sind frei, Dampfboote die periodisch verkehren gleichfalls. Die Einfuhr
-hölzerner und eiserner Schiffe ist gegen Erlegung eines Eingangszolles
-gestattet. Jedes spanische Schiff kann in jedem fremden Platz frei
-gekielholt und besichtigt werden.
-
-Einige Erläuterungen werden die Wichtigkeit der im neuen Tarif
-enthaltenen Reformen deutlicher machen:
-
-
- Der Zoll auf weisse, schwarze und rosa Baumwollengarne betrug 40
- Proz. vom Werth in spanischen, 50 Prozent in Schiffen fremder
- Flagge. Dieser hohe Zoll war vor mehr als 30 Jahren eingeführt
- worden zum Schutz einer kaum vorhandenen, später aber durch
- Zuckerpflanzungen fast ganz verdrängten Baumwollenkultur und einer,
- von einem Mestizen eingerichteten Maschinenspinnerei, die aber
- bald darauf wieder einging. Der Zoll blieb fortbestehn und traf
- gerade den blühendsten Gewerbzweig der Philippinen, die Weberei;
- er würde ihn vernichtet haben, wenn die Kaufleute nicht Mittel
- gefunden hätten, die Zölle zu umgehen. Das spanische Sprichwort
- sagt: »Quien hizo la ley, hizo la trampa« (wer das Gesetz macht,
- macht auch das Schlupfloch). Garne von gewissen Farben zahlten nur
- den allgemeinen Zoll von 7, beziehungsweise 14 Prozent. Man färbte
- daher die Garne in England so, dass die Farbe leicht auszuwaschen
- war, oder umgab einen Ballen weisser Garne mit einer Kruste
- gefärbter, oder webte Stoffe mit so losem, spärlichem Einschlag,
- dass die Kettenfäden leicht herausgezogen und als Garn benutzt
- werden konnten. 50 Prozent Steuer konnten die Garne nicht tragen,
- daher wurde fast nicht ein Stück zu diesem Satz eingeführt. Schon
- Dampier bemerkt: »die Spanier können und wollen schmuggeln so
- gut als irgend eine Nation, die ich kenne.« (Pinkerton XI. 3).
-
- Ein anderer Uebelstand war, dass die Zölle nicht nach dem
- jeweiligen Werthe der Waaren, sondern nach einem vor mehr als 30
- Jahren festgesetzten, in den meisten Fällen höheren Werth, als
- heut, berechnet wurden. Auch hiervon hatte die Regierung keinen
- Vortheil, denn da solche Gegenstände, für welche im Tarif keine
- Werthbestimmung enthalten war, wirklich abgeschätzt wurden, so
- benutzten die Kaufleute diesen Umstand, um zu hohe Schätzungen
- zu umgehen. Waren z. B. feste Werthe für Shirting von 36'' und
- 37'' Breite angegeben, so wurden solche von 36 1/2'' eingeführt,
- deren Zoll nach den wirklich geltenden Marktpreisen viel geringer
- ausfiel.
-
- Zum Schutz des ganz unbedeutenden, einheimischen Schiffsbaues
- durfte kein hölzerner Dampfer von weniger als 400 Tonnen
- eingeführt werden, ein sehr schlimmes Gesetz für eine Kolonie,
- in welcher fast der ganze Verkehr zu Wasser stattfindet, deren
- schmale Meeresstrassen das Kreuzen gegen den Wind sehr erschweren;
- es kam einem Verbot gleich da grosse Dampfer den gegenwärtigen
- Bedürfnissen des Verkehrs nicht entsprechen. Die kleinen aber
- können in unzählige Flussmündungen und Buchten dringen, um
- Produkte zu holen oder vor einem plötzlichen Sturm Schutz zu
- suchen. Eiserne Dampfschiffe mussten eine hohe Summe zahlen für
- das Recht, die spanische Flagge zu führen.
-
- Sehr verderblich für den Wohlstand der Kolonie ist die
- Wiedereinführung der durch R. D. 5. April 1869 aufgehobenen
- Differenzial- und Ausfuhrzölle. Von ersteren hat ausser den
- spanischen und kolonialen Rhedern Niemand Vortheil. Handel zwischen
- den Philippinen und dem Mutterlande ist kaum vorhanden. Nach der
- Balanza mercantil betrug 1863 zwischen Spanien und den Ländern
- östlich vom Kap, die Einfuhr in Spanien 650,000 Doll., die Ausfuhr
- weniger als 500,000 Doll., zusammen 1,150,000 Doll., wovon 61,000
- Doll. nach englischen und holländischen Besitzungen. Nach den
- Philippinen gehen vorzüglich Bücher und Papier 150,000 Doll.,
- Gemüse, Früchte, Eingemachtes 168,000 Doll., Spirituosen 125,000
- Doll. (Diario 23. 7. 66.)
-
-
-Die überwiegende Menge der Einfuhren kommt aus England, aber ein
-beträchtlicher Theil derselben (von Einigen wird er auf die Hälfte
-geschätzt) ist deutschen und schweizer Ursprunges. Unmittelbar aus
-deutschen Häfen wird nichts verschifft, da die spanischen Schiffe,
-denen bis jetzt allein die Einfuhr zufällt, nur in England laden.
-
-Die Differenzialzölle waren es, welche die Peninsular- und
-Oriental-Company veranlassten, den Postdienst, den sie so regelmässig
-im Anschluss an die grosse Ueberland-Post besorgt hatte, trotz des
-Zuschusses von der Kolonial-Regierung, aufzugeben. Aus demselben Grunde
-weigerten sich die Messageries impériales den Dienst zu übernehmen. Die
-Regierung übertrug ihn ihren eignen Dampfern, die denselben aber,
-wenigstens im Anfange, auf eine Weise versahen, dass die Kaufleute
-vorzogen, sogar ihre Briefe mit Segelschiffen zu senden. Packete,
-ja selbst Muster, wurden gar nicht befördert; häufig auch keine
-Passagiere. Damals kam es auch vor, dass ein Kapitän, der mehrere Tage
-in Hongkong auf eine verspätete Ueberland-Post gewartet hatte, in dem
-Augenblicke wo sie eintraf, als stolzer Castilier nach Hause dampfte,
-ohne die Briefe und den übrigen geschäftlichen Plunder mitzunehmen.
-
-Die Ausfuhrzölle hätten längst aufgehoben werden sollen. Schon wegen
-der durch die Differenzialzölle verteuerten Manilafrachten konnten die
-Landeserzeugnisse nur schwer mit denen anderer Kolonien konkurriren,
-welche durch Kapital, verbesserte Produktionsmethoden, westlichere
-Lage und freisinnigere Handelspolitik bevorzugt waren.
-
-Mehr aber als die Ausfuhrzölle wirkte vielleicht die ärgerliche Art
-ihrer Erhebung nachtheilig auf den Verkehr. Dieser Umstand wurde im
-Vergleich zur Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der die Schiffer
-in Singapore und China abgefertigt werden, doppelt empfunden und hat
-den Hafen von Manila in Verruf gebracht.
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-HANDEL MIT CHINA VOR ANKUNFT DER SPANIER.
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-Zu S. 9.
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-Vor Ankunft der Spanier scheint der Handel zwischen Manila und
-China unbedeutend gewesen zu sein. Alonzo Barrera (Sevilla 1574;
-Hakluyt Morga 390) berichtet aus Manila: »seit einem Jahre wo das
-Lager auf der Insel Luzon aufgeschlagen, sind drei Schiffe aus China
-angekommen, welche einige Güter von dort brachten wie ihre Gewohnheit
-ist . . da sie alle Jahre nach diesen Inseln kommen um zu handeln«
-. . sie brachten aber nur Kleinigkeiten in geringer Menge; denn
-die Moren gebrauchen hauptsächlich grosse Krüge, grobe Thonwaaren,
-Eisen und Kupfer, dieses in Fülle; die Häuptlinge einige Stück Seide,
-feines Porzellan, feine Thonwaaren.
-
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-HANDEL MIT CHINA NACH ANKUNFT DER SPANIER.
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-Zu S. 10.
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-Morga (Bl. 161 v.) giebt folgendes interessante Verzeichniss der zu
-seiner Zeit von den Chinesen eingeführten Waaren:
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-»Diese (chinesischen) Schiffe kommen an mit Waaren beladen und
-bringen grosse Kaufleute, denen sie zugehören, und Diener und
-Agenten Anderer, die in China verbleiben. Und sie kommen von dort
-mit Erlaubniss und Bewilligung ihrer Vizekönige und Mandarine, und
-was sie gewöhnlich mitbringen und an die Spanier verkaufen, ist:
-Rohseide in Ballen, feine (Seide) von zwei Strähnen (?) und andere
-von geringerem Gehalt; feine Stickseide, weiss und von allen Farben
-in kleinen Strähnen, viel Sammet, glatt und gestickt, von allerlei
-Art und allen Farben und Mustern, und Goldstickerei auf Goldgrund,
-Stoffe und Brokate von Gold und Silber auf Seide von verschiedenen
-Farben und Mustern; viele Gold- und Silberfäden in Strähnen, auf
-Zwirn und Seide, aber der Ueberzug von Gold und Silber ist falsch
-und auf Papier (diese Goldfäden bestehen aus einem schmalen Streifen
-Goldpapier, das spiralförmig um einen Faden gerollt ist; im Deutschen
-Gewerbe-Museum in Berlin sind solche Stickereien ausgestellt), Damast,
-Atlas, Taffet und Govarane, Picote (dies kann Stoff aus Ziegenhaar
-oder sehr glänzendes Seidenzeug heissen) und andere Zeuge von allen
-Farben, einige feiner und besser als die andern; eine grosse Menge
-Grasleinen (aus den Fasern der Boehmeria nivea) und weisse baumwollene
-Decken verschiedener Gattungen und Sorten zu allen Zwecken; Bisam,
-Benzoe, Elfenbein, viele Verzierungen für Betten, Vorhänge, Decken und
-Gardinen, auf Sammet gestickt; Damast und Govaran in Schattirungen,
-Tischdecken, Kissen und Teppiche, dergleichen Pferdegeschirre und
-mit Glasperlen und Samenperlen gestickt; einige Perlen, Rubine,
-Saphire und Krystallsteine; Becken, Kessel und andere Gefässe von
-Kupfer und Gusseisen; viele Nägel von allen Sorten, Eisenblech,
-Zinn, Blei, Salpeter und Pulver; Weizenmehl, Konfekt von Orangen
-und von Pfirsich; Skorzoneren, Birnen, Muskatnuss, Ingwer und andre
-chinesische Früchte; Schinken und Rauchfleisch, lebendige Hühner von
-guter Rasse und sehr schöne Kapaune, viel frisches Obst, Orangen von
-allen Sorten, sehr gute Kastanien, Wallnüsse, Birnen und Chicueyes,
-frische und getrocknete, welches eine sehr köstliche Frucht ist
-[306]; viel feinen Zwirn von allen Sorten, Nähnadeln, Nippssachen,
-Kästchen und Schreibzeuge, Bettstellen, Tische und Stühle, Bänke,
-vergoldet und mit Marmor eingelegt, mit vielen Verzierungen; zahme
-Büffel, Gänse wie Schwäne, Pferde, einige Maulthiere und Esel, und
-selbst Vögel in Käfigen, deren einige sprechen und andre singen,
-und sie lassen sie tausend Kunststückchen machen; und tausenderlei
-andre Spielereien und Flittern von geringem Werth und Preis, die von
-den Spaniern geschätzt werden; ausserdem viel feine Thonwaaren von
-allerlei Art, Canganes und Sines; schwarze und blaue Umschlagetücher;
-Tacley, d. h. Glasperlen von allen Sorten, aufgezogene Karniole und
-allerlei andre Perlen auf Schnüren, und Steine in allen Farben;
-Pfeffer und andre Gewürze und Kuriositäten; sie alle aufzählen,
-hiesse nie fertig werden, und viel Papier würde dazu nicht ausreichen.
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-HAUPT-AUSFUHR-ARTIKEL AUS DEN HÄFEN MANILA, CEBU UND YLOILO, 1871.
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-=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+==================
- |Atlantische | Gross- |Californien.|Kontinent|Australien.|Singapore.|China, Japan,|
- |Häfen der |Britanien.| | von | | | Molucken | Total.
- |Ver. Staaten.| | | Europa. | | | und Habana. |
-=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
- | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1870
- | | | | | | | | |
-Abacá Picos | 285112 | 143498 | 22500 | 640 | 6716 | 2992 | 2294 | 463752 | 488560
-Zucker ,, | 545929 | 555907 | 99844 | 57476 | 139787 | ,, | 491 | 1399434 | 1251416
-Sapanholz ,, | 10520 | 5301 | 320 | 660 | ,, | 1631 | 58050 | 76482 | 176924
-Zigarren Tausende | 1453 | 10080 | 378 | 13 | 2930 | 35089 | 26849 | 76792 | 77526
-Kaffee Picos | 1451 | 31434 | 3700 | 10653 | ,, | 1415 | 4717 | 53370 | 34120
-Tauwerk ,, | ,, | 220 | 484 | 87 | 114 | 2640 | 8389 | 11934 | 11307
-Indigo Quintales | 3390 | 1715 | ,, | ,, | ,, | 186 | ,, | 5291 | 5662
-Blätter-Tabak Picos | ,, | 27773 | ,, | 25775 | ,, | ,, | ,, | 53548 | 136680
-Perlmutter ,, | 2037 | 503 | ,, | ,, | ,, | ,, | 45 | 2585 | 3022
-Schildpatt Kattis | ,, | 100 | ,, | ,, | ,, | ,, | 902 | 1002 | 1043
-Häute Picos | 777 | 1053 | ,, | ,, | ,, | 325 | 971 | 3126 | 3859
-Desgl. Abfälle ,, | 5833 | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 1908 | 7741 | 4303
-Almáciga-Harz ,, | ,, | 9506 | ,, | ,, | ,, | 309 | ,, | 9815 | 11028
-Cowries | | | | | | | | |
- (Cypraea moneta) ,, | ,, | 1577 | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 1577 | 3887
-Reis Cabans | ,, | ,, | 1805 | 6370 | ,, | 130 | 28522 | 36807 | 28560
-Flüssiger Indigo Quintales | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 416 | 19328 | 19744 | 14262
-=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
- Uebersicht Abaca. | 1869 | 293692 | 94568 | 22000 | 60 | 13458 | 2396 | 174 | 426348
- der | 1868 | 294728 | 130060 | 14200 | 200 | 21144 | 3646 | 1102 | 465080
- Ausfuhr | 1867 | 287570 | 113030 | 17602 | 1318 | 12100 | 2398 | 786 | 435804
- von | 1866 | 278888 | 96432 | 15120 | 1614 | 12244 | 1250 | 1156 | 406704
- | 1865 | 289444 | 79316 | 13600 | 3342 | 9550 | 1100 | 1445 | 397797
- ========+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
- Zucker | 1869 | 343959 | 512578 | 120741 | 6992 | 115239 | 136 | 1436 | 1101081
- | 1868 | 185613 | 819462 | 44050 | 10559 | 96980 | ,, | 28627 | 1185291
- | 1867 | 98502 | 507432 | 81783 | 28610 | 121871 | ,, | 194758 | 1032956
- | 1866 | 85842 | 470676 | 131749 | 10959 | 57709 | 88 | 120444 | 877467
- | 1865 | 68640 | 324676 | 131235 | 15026 | 184686 | ,, | 158568 | 882826
-=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+========
-
-
-
-
-
-
-
-
-FLÄCHENINHALT DER GRÖSSEREN INSELN DES PHILIPPINISCHEN ARCHIPELS [307].
-
-Zu S. 39.
-
-==================+=======================+============+====================
- | Berechnet nach | | Nach dem Anuario
- | | der | Nach | estadistico de
- | Coello's | hydrogra- | Engelhardt | España 1858.
- | Karte | phischen | [308] | Behm's geograph.
- | | Karte | | Jahrbuch I. 1869.
- | q. M. | q. M. | q. M. | q. M. | q. Kilom.
-==================+===========+===========+============+=========+==========
-Luzon | 1934.2 | 1932.9 | 1937.31 | 2014.8 | 110.940
-Mindanáo | 1569.9 | 1625.7 | | 1538.8 | 84.730
-Paláuan (Parágua) | 265.8 | 235.4 | | 251.5 | 13.850
-Sámar | 236.5 | 228 | 229.50 | 221.1 | 12.175
-Panáy | 223.2 | 317.4 | 233 | 214.1 | 11.790
-Mindóro | 185.3 | 182 | 188 | 175.3 | 9.650
-Négros | 163.7 | 227.8 | 174.33 | 158.1 | 8.705
-Léyte | 168.9 | 163.3 | 192 | 172.5 | 9.500
-Cebú | 104.2 | 76.1 | 88.8 | 107.6 | 5.925
-Bojól | 55.9 | 55.9 | 59.6 | 59 | 3.250
-Masbáte | 62.3 | 55.6 | | | 3.637
-Catanduánes | 30.4 | 29.7 | | |
-Políllo | 14.2 | 16.8 | | |
-Marindúque | 14.1 | 13.8 | | |
-Táblas | 13.2 | 15.2 | | |
-Burías | 11.3 | 8.6 | | |
-Ticáo | 6.8 | 6.4 | | |
-==================+=======================+============+====================
-Der ganze Archipel| 5293[309] | 5392.7 | | 5368 | 295.585
-
-
-
-
-
-
-
-
-1867 ÜBERSICHTS-TABELLE DER METEOROLOGISCHEN VERHÄLTNISSE
-
-zu S. 41.
-
-
-Luftdruck: Mittel 755,50 Millimeter.
-Maximum 760,75 Millimeter. (13. Dez.)
-Minimum 746,77 Millimeter. (24. Sept.)
-Aeusserster Unterschied 13,96 Millimeter.
-
-Luftwärme: Mittel 27°.9 C.
-Maximum 37°.7 C. (15. Apr.)
-Minimum 19°.4 C. (14. Dez. 30. Jan.)
-Aeusserster Unterschied 18°.3 C.
-
-Feuchtigkeit der Luft: Mittel 63,93%
-Maximum 97,81% (21. Aug.)
-Minimum 22,12% (16. Mai).
-Aeusserster Unterschied 75,69%.
-
-Regenmenge 3072,8mm
-Regentage 168
-Mittlere Verdunstung in 24 Stunden 6,3mm.
-Gesammt-Verdunstung 2307,3mm.
-Heitere Tage 49
-theilweis heitere 144
-bedeckt 172
-Winde NO 554
-Winde SO 561
-Winde SW 512
-Winde NW 453
-Mittlere Geschwindigkeit der Winde in der Sekunde
- NO 2,1 Meter.
- SO 3,1 Meter.
- SW 3,6 Meter.
- NW 2,8 Meter.
-
-
-Mittel der Jahre 1865/1869.
-
-
- Januar. Februar. März. April. Mai. Juni. Juli. August. September. Oktober. November. Dezember.
- mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm.
-
-Barometer: 757,19 756,78 756,58 755,30 751,5 753,95 753,50 753,07 752,02 754,78 755,75 756,37
-Spannkraft der
-Dämpfe: 14,71 14,27 15,53 16,25 18,48 20,42 20,70 20,92 21,77 18,53 17,41 15,24
-Trockene Luft.
-(Barometerstand
-minus
-Spannkraft der
-Dämpfe): 742,48 742,51 741,05 739,05 734,69 734,32 733,33 732,89 729,75 733,08 736,25 738,87
-Regen: 24,2 13,46 14,56 16,46 110,3 243,08 255,08 281,22 723,42 236,9 143,97 11,47 2074,84
- (1867: 3072,8).
-Verdunstung: 17,18 18,25 250,35 273,32 217,67 243,33 171,27 186,77 163,53 196,7 189,0 201,35 2402,14.
-
- ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° °
-Temperatur °C. 26,39 27,02 28,6 30,1 29,25 27,85 27,38 27,95 27,48 28,1 26,83 26,33
-
-
-
-
-
-
-
-
-UEBERSICHT DER VOLKSMENGE, DER ORTSCHAFTEN U. S. W. IN DEN PHILIPPINEN.
-
-Vergl. S. 43.
-
-(Nach den neuesten amtlichen Erhebungen mitgetheilt von
-Dr. A. B. Meyer.)
-
-
-Unter den Ortschaften sind 81 Rancherien (Ansiedelungen) Neubekehrter
-mitgezählt. Die Seelenzahl ist (abgesehn von Schreibfehlern), = 6
-mal Zahl der Tribute angenommen. Früher galt 4 mal Zahl der Tribute =
-Seelenzahl. (S. 43).
-
-Ein Plan zur bessern Eintheilung der Philippinen liegt der Madrider
-Regierung vor. Er lautet: §. 1. Das Gebiet der philippinischen Inseln
-wird in 18 Provinzen getheilt, die nach ihrer Wichtigkeit in drei
-Rangstufen zerfallen. Die Inseln Mindanao, Basilan, Iolo, Samales,
-Balabac werden nach besondern Gesetzen regiert und sind in obiger
-Eintheilung nicht einbegriffen (die spanische Herrschaft ist nämlich
-in jenen Gebieten, mit Ausnahme einiger Distrikte Mindanao's, nichts
-weniger als begründet). §. 2. Provinzen I. Klasse sind: Manila, Yloilo,
-Cebú, Ilócos und Cagayán. II. Klasse: Pangasinán, Pampánga, Lagúna,
-Cavíte, Batángas, Albáy, Neu-Écija. III. Klasse: Bulacán, Camarínes,
-Cápiz, Négros, Leyte und Mariánas. §. 3. Die heut bestehenden, im
-vorgehenden § nicht aufgeführten Provinzen werden mit den neu zu
-errichtenden verschmolzen. §. 4. Die Provinzen können in so viele
-Distrikte getheilt werden als ihre zweckmässige Verwaltung erfordert.
-
-
-Insel Luzon.
-
-Namen der Provinzen. Zahl
- der der der Seelen. Tribute.
- Ortschaften Frohnarbeiter
- (Pueblos.) (polistas.)
-
-Abra 8 4678 6211 37266
-Albáy 38 44050 56915 1/2 341493
-Bataán 12 10865 11227 67362
-Batángas 21 64482 72084 432504
-Bulacán 24 45783 57719 1/2 346317
-Cagayán 19 19059 19066 114396
-Camarínes Norte 9 6327 7087 1/2 42525
-Camarínes Sur 34 29558 72336 434016
-Cavíte 19 26031 28865 1/2 173193
-Ilócos Norte 15 30449 36673 220038
-Ilócos Sur 21 38821 44205 1/2 265233
-Isabéla 9 5461 7844 1/2 47067
-Lagúna 28 29921 36072 1/2 216435
-Lepánto 81 9384 . . 56088
-Manila 29 44138 59058 354348
-Moróng 12 11333 12180 73080
-Nueva Écija 23 28780 27887 1/2 167325
-Nueva Vizcáya 6 3399 3578 1/2 21471
-Pampánga 29 36409 50094 1/2 300567
-Pangasinán 30 65036 71948 1/2 431691
-Tayábas 17 20856 25880 155280
-Unión 13 18885 22242 133452
-Zambáles 23 16284 18174 109044
-
-Inseln zwischen Luzon und Mindanao.
-
-Antíque 19 15231 21981 131886
-Bojól 36 18853 47252 1/2 283515
-Burías 1 420 405 2430
-Cápiz 32 29780 45382 272292
-Cebú 51 35369 71226 427356
-Iloílo 41 80325 108068 648408
-Leyte 43 46069 47582 1/2 285495
-Masbáte und Ticáo 9 2573 2865 17190
-Mindóro 18 9630 11821 10926
-Négros 43 32204 42645 1/2 255873
-Romblón 9 4909 5689 1/2 34137
-Sámar 35 41363 41677 250062
-
-Mindanao.
-
-Cotabatú 1 200 200 1200
-Misámis 32 12574 16733 100398
-Surigáo 28 12295 12295 73770
-Zamboánga 2 2303 2429 14574
-Daváo 1 332 310 1860
-Basilán 1 95 100 600
-Fernere Inseln.
-Batánes 6 2000 2000 12000
-Calamiánes 5 940 4531 1/2 27189
- === ======= ========= =========
- 933 957,427 1,232,544 7,451,352
-
-
-Von den S. 43 genannten Distrikten sind einige in vorstehender Liste
-als Provinzen erwähnt, andre scheinen ihre Selbstständigkeit verloren
-zu haben. Bei Mindanao ist die kleine Insel Basilan selbstständig
-aufgeführt, die früher zur Verwaltung von Zamboánga gehörte. Unter
-den Ferneren Inseln fehlt die Bevölkerung der Mariannen; in einer
-Anmerkung wird sie auf 8 bis 9000 geschätzt, indem man wahrscheinlich
-die Zahl der Tribute mit 6 statt mit 4 multiplizirte.
-
-
-
-
-
-
-
-
-BEVÖLKERUNG VON MINDANAO.
-
-Die folgenden Angaben sind noch weniger verlässlich, als die obigen,
-aus amtlicher Quelle stammenden, auch nicht mehr ganz neu.
-
-
-1) Ungläubige:
-
-Negritos, zerstreut in den Wäldern (unsicher ob
-unvermischt) etwa 10,000
-Manobos, in der Nähe von Butuan ,, 10,000
-Manguangas, von Tingog bis Misámis und in den Wäldern
-bis an den See von Buhayen oder Maguindanao ,, 80,000
-Mandayas, von Linao bis an die Seen von Liguasin und
-Butuan ,, 40,000
-Mischlinge aus den beiden letzten in der Nähe des
-Meerbusens von Davao ,, 7000
-Guiangas und Bagobos, vom Vulkan Apo (?) bis an die
-Ebenen des Meerbusens von Davao ,, 12,000
-Tagacaolos, Sanguiles, Bilanes, vom Vulkan Apo bis an
-die SO.-Küste ,, 76,000
-Subanos, von Mísamis bis Zamboanga ,, 70,000
- -------
- ,, 305,000
-2) Moros (Mohamedaner):
-
-Meerbusen von Davao 6000; Meerbusen von
-Sarangani 15,000 ,, 21,000
-Am Fluss Painan und an den Seen im Süden ,, 45,000
-Bay von Illana bis Sibugnay 30,000; Bay von Sindangan
-und Iligan 40,000 ,, 70,000
-Misamis nach Osten 10,000; See v. Buhayen und an den
-aus dems. fliessenden Flüssen 60,000 in 30 Orten ,, 70,000
-Im Innern, im Süden der Prov. Misamis viele Ungläubige
-welche zum Islam hinneigen ,, 30,000
- -------
- ,, 541,000
-
-3) Christen in 64 Ortschaften: ,, 191,802
- =======
- Zusammen ,, 732,802
-
-
-
-
-
-
-
-
-GLEICHZEITIGER AUSBRUCH DREIER VULKANE 1641.
-
-(Zu S. 110.)
-
-
-Die über dieses Ereigniss vorhandenen Angaben sind sehr
-ungenügend. A. Perrey giebt S. 53 eine ausführliche Beschreibung
-nach J. E. Nierembergius, dessen Obras filosoficas einen Abdruck des
-amtlichen Originalberichtes enthalten. Da letzterer äusserst selten
-(ich verdanke seine Mittheilung dem Professor Don P. de Gayangos),
-und auch Perrey's Documents (Mém. Acad. Dijon) wenig verbreitet sind,
-so lasse ich eine genaue Uebersetzung der wesentlichen Stellen jenes
-interessanten Schriftstückes folgen; das Nebensächliche ist abgekürzt
-oder ausgelassen. Wo Perrey's Uebersetzung nicht mit dem Originaltexte
-übereinstimmt (unwesentliche Abweichungen sind nicht hervorgehoben),
-ist der spanische Text sowohl als der französische in [] beigefügt.
-
-Der Titel lautet:
-
-Succeso raro de tres Volcanes dos de fuego, y uno de agua, que
-rebentaron a 4 de Enero deste año de 641 a un mismo tiempo, en
-diferentes partes de estas islas Filipinas, con grande estruendo por
-los ayres, como de artilleria y mosquetaria.
-
-Averiguado por orden y comission del Señor Don Fray Pedro Arçe obispo
-de Zebu y Gobernador del Arçobispaso de Manila JHS en la compañia de
-Jesus. Manila Año MDCXXXXI por Raymundo Magisa.
-
-Ende Dezember 1640 fiel zweimal Asche bei Zamboanga und bedeckte die
-Felder leicht wie Reif. Am 1. Januar legte ein von Manila nach Ternate
-bestimmtes Geschwader mit Hülfstruppen dort an. Am 3. Januar um 7 Uhr
-Nachm. vernahm man plötzlich in Zamboanga ein anscheinend 1/2 Stunde
-entferntes Geräusch, das Besorgniss erregte. Es klang wie Arkebusier-
-und Artilleriefeuer, man glaubte ein Feind wolle die Küste beunruhigen,
-und bereitete sich darauf vor. Der General der Ruderflotte sandte
-ein leichtes Boot aus um zu sehn ob es etwa eines der Schiffe des
-Hülfsgeschwaders sei, das zu Grunde ginge: es fand nichts.
-
-Am folgenden Tage, dem 4. gegen 9 Uhr Vm. [el dia siguiente a 4,
-como a las 9 de la mañana -- le lendemain à quatre heures et à
-neuf heures du matin] nahm das (vermeintliche) Geschützfeuer so
-zu, dass man fürchtete das Hülfsgeschwader sei auf holländische
-Galeonen gestossen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde. -- Aber bald
-überzeugte man sich, dass das Geräusch von einem Vulkan herrühre, der
-sich aufgethan; denn gegen Mittag sah man von Süden her eine grosse
-Finsterniss hereinbrechen, die sich allmälig über jene Hemisphäre
-verbreitete und das ganze Gesichtsfeld verdeckte, so dass man sich um 1
-Uhr NM. in wahrer Nacht, und um 2 Uhr in so dichter Finsterniss befand,
-dass man nicht die Hand vor Augen sehn konnte . . . grosse Bestürzung,
-Alles läuft in die Kirchen, betet und beichtet, zündet Kerzen an.
-
-Diese Finsterniss, während welcher im ganzen Gesichtskreis kein Licht
-wahrzunehmen, dauerte bis 2 Uhr Morgens, als sich etwas Mondschein
-blicken liess [se commenzo a descubrir alguna claridad de la luna --
-ce ne fut qu'alors qu'on commença à découvrir la Laguna] zur grossen
-Freude der Spanier und Indier die befürchtet hatten, unter der Menge
-von Asche begraben zu werden, welche seit 2 Uhr [que desde las dos
--- qui dès le deux] begonnen hatte auf sie herabzufallen. Dieselbe
-Nacht brachte zur selben Stunde auch das Geschwader in Verwirrung,
-welches der Küste von Mindanao folgend, sich bereits unfern Cap
-San Agustin befand, in der Nähe einer Insel Sanguil genannt (Pater
-Nieremberger schreibt Sanguiz) wo der Vulkan [el volcan -- un volcan]
-ausgebrochen war. Für sie wurde es früher Nacht als in Zamboánga,
-denn um 10 Uhr Vormittags befanden sie sich in so dichter Dunkelheit
-und schrecklicher Finsterniss, dass sie den Tag des jüngsten Gerichts
-gekommen glaubten. Es begann so viele Steine, Erde und Asche zu regnen,
-dass sich die Schiffe in Gefahr sahen und genöthigt waren Licht
-anzuzünden, und sich schnell der schweren Last von Erde und Asche zu
-entledigen; und die Galera nahm ihr Zelt ab und zündete Laternen an,
-als ob es Nacht wäre. Man beobachtete geraume Zeit von den Schiffen
-aus, wie aus besagter Insel Sanguil schnell nach einander feurige
-Federbüsche und Säulen hervorbrachen die sich gen Himmel erhoben
-und im Herabfallen die benachbarten Wälder in Brand steckten. Die
-Finsterniss verbreitete sich über den grössten Theil besagter Insel
-Mindanao, welche sehr gross ist, die Asche flog bis nach Zebu, Panay
-und andern umliegenden Inseln, und besonders nach der von Jolo, die
-wohl mehr als vierzig Leguas von Sanguil, wo der Vulkan ausgebrochen,
-entfernt sein mag; und obgleich man zur Zeit wegen der Finsterniss
-und des Aufruhrs des Wetters, in Jolo nicht wahrnahm, wo das was vom
-Himmel herabstürzte, herkam, so bemerkte man, als es hell wurde,
-dass um dieselbe Zeit wo in Mindanao und Sanguil der erste Vulkan
-ausgebrochen [y aunque entonces por la escuridad y revolucion del
-tiempo, no repararon en Jolo de donde les venia lo, que el cielo
-arrojava, despues de sereno advertieron que al mismo tiempo que
-en Mindanao y Sanguil avia rebentado el primer volcan -- quoique
-l'obscurité eut empêché les navires d'observer ce qui se passait
-alors à l'île d' Jolo (die Schiffe waren ja über 100 Leguas von Jolo
-entfernt!) au dessus de laquelle le ciel paraissait tout rouge, ils ont
-appris depuis, que dans le même moment, où le premier volcan faisait
-éruption à Sanguiz et lançait ses cendres jusqu' á Mindanao] sich auch
-dort die Elemente empört, und noch ein zweiter Vulkan aufgethan hatte,
-auf einer kleinen Insel, welche der Barre des Hauptflusses von Jolo,
-wo sich unser Presidio befindet, gegenüber liegt. Dort öffnete sich
-(wie später festgestellt) die Erde unter grossen Erschütterungen
-und spie feurige Flammen aus und dazwischen Bäume und grosse Steine
-[Llamas de fuego y entre ellas -- des flammes de feu, qui entraînèrent
-avec elles des arbres]. So gross war der Aufruhr der Elemente, dass
-er, durch die Eingeweide der Erde bis in die des Meeres dringend,
-durch eben den Mund, der sich auf dem Lande aufgethan, eine Menge
-grosser Muscheln und verschiedene andre Dinge ausspie, die das Meer
-auf seinem Boden erzeugt. Heute steht die Mündung dieses Vulkans offen;
-sie ist sehr weit, und hat die ganze Umgebung jener Insel verbrannt.
-
-Aber was am meisten Bewunderung erregt, ist, dass in der Provinz
-Ilocos, auf der Insel Manila, die wenigstens 150 Leguas in gerader
-Linie von der Stelle entfernt ist, an demselben Tage und zur selben
-Stunde, wo die erwähnten beiden Feuervulkane ausbrachen, in einigen
-Ortschaften der Igoloten, welche letztere noch ungläubig sind, ein
-anderer Sturm stattfand und der dritte Vulkan ausbrach, welcher von
-Wasser war und so furchtbar, wie man aus einem Kapitel des Briefes von
-Fray Gonzalo de Palma, General Procurators der Augustiner, ersehn wird,
-welches im Wesentlichen lautet: Bei den Igoloten, die in Bezug auf die
-Ilocos fünf Tagereisen weiter östlich landeinwärts wohnen, erlitt die
-Erde am 4. Januar ein so furchtbares und erschreckliches Erdbeben wie
-der vorausgegangene wüthende Orkan es angekündigt. Die Erde verschlang
-3 Berge von denen einer, an dessen Abhang drei Ortschaften lagen,
-unzugänglich war. Diese ganze aus ihren Grundfesten gerissene Masse
-flog in die Luft zugleich mit vielem Wasser, so dass die Lücke einen
-weiten See bildete ohne irgend ein Zeichen zurückzulassen, weder der
-Ortschaften noch der hohen Berge, die dort gestanden hatten. Wind und
-Wasser zersprengten die Eingeweide der Erde mit so ausserordentlicher
-Wuth, dass Bäume und Berge (montes) in Bruchstücken zwölf Piken hoch
-geschleudert wurden und bei dem Aneinanderstossen in der Luft und
-im Herabfallen ein so furchtbares Geräusch machten, dass es viele
-Stunden weit gehört wurde.
-
-Nach langen religiös-abergläubischen Erörterungen heisst es weiter:
-
-Das letzte ausserordentlichste und allgemeinste Wunder dieses
-4. Januartages ist das in diesem Briefe hervorgehobene Getöse,
-welches zwischen 9 und 10 Uhr in der Luft entstand und nicht nur
-in Manila und den wohl 130 Leguas entfernten Provinzen Ilocos und
-Cagayan, sondern auch in sämmtlichen philippinischen Inseln und den
-Molukken gehört wurde. Und es drang bis in das Festland von Asien, in
-die Reiche von Cochinchina, Champa, Cambodia, wie durch verschiedene
-Geistliche und andre glaubwürdige Personen, die aus diesen Reichen
-nach Manila gekommen, kund wurde. Eine Entfernung die wohl einen Kreis
-von mehr als 300 Leguas Durchmesser und 900 Leguas Umfang bildet,
-und in dieser ganzen Entfernung hörte man das Geräusch gleichmässig an
-demselben Punkte und demselben Orte. Alle vermutheten, dass es starkes
-Artillerie- und Gewehrfeuer sei, und glaubwürdige Leute fügen hinzu,
-dass sie einen Schall wie von Trommeln unterschieden [discernieron
-sonido como de caxas de guerra -- distingaient le son comme celui
-de boîtes d'artifice] und alle hörten es solcher Art, und in solcher
-Entfernung, dass sie meinten es sei 2 oder 3 Leguas von der Stelle wo
-sie sich befanden. In Manila wähnten sie, es sei im Hafen von Cavite,
-und in Cavite, dass es in Manila sei, . . . und es wurden Depeschen von
-einem Ort zum andern gesandt. . . . Und so geschah es in allen Inseln,
-Städten und Ortschaften innerhalb des Umkreises von 900 Leguas,
-eine wunderbare Sache, die, wie es scheint die Grenzen der Natur
-überschreitet und den Grundsätzen der Philosophie widerstrebt . . .
-
-Es folgen wieder abergläubische Betrachtungen, darunter eine von
-chronologischem Interesse: Da nämlich Malacca, das am 13. Januar von
-den Holländern erobert wurde, am 4. schon hart bedrängt war, so meinten
-viele, als sie später die Kunde erhielten, der Himmel habe durch die
-Vulkane Lärm schlagen lassen, um die Spanier auf den grossen Schaden
-aufmerksam zu machen den der Verlust dieser vornehmen Stadt allen jenen
-Archipelen, Küsten und davorliegenden Inseln bringen würde. Auch wird
-angeführt dass der 5. Januar in Macao dem 4. in Manila entspricht,
-weil die Portugiesen von W. nach O., die Spanier von O. nach W. nach
-ihren indischen Kolonien gehn. Die Missionäre von Cochinchina gaben
-nämlich den 5. Januar als Datum der Ausbrüche.
-
-Perrey kommt zu dem Schluss, dass Nieremberg's Sanguiz ident sei
-mit Sanguil oder Sanguir (man findet auch Sangin, Sangi, Sanghir,
-Sangir, Sangil, Sanguili) und dass derjenige der drei Ausbrüche der
-das Geschwader in Gefahr brachte, auf der Insel Sanguir stattfand,
-die etwa 36 Leguas S. von Mindanao liegt. Die erste Annahme wird
-durch den Originalbericht bestätigt, gegen die zweite aber erheben
-sich manche Bedenken. Dafür scheint der Name der Insel zu sprechen
-und ihre Lage zwischen Zamboanga und Ternate.
-
-Aber nur gar zu häufig sind in jenen Ländern verschiedene
-Oertlichkeiten mit demselben Namen benannt, wodurch grosse Verwirrung
-entsteht. (Ein auffallendes Beispiel davon wird am Schluss dieses
-Artikels mitgetheilt.) Auch auf der Insel Mindanao ist zweifellos
-wenigstens ein Vulkan Sanguil vorhanden den indessen verschiedene
-Schriftsteller an verschiedene Stellen versetzen. Im Originaltext
-heisst es nicht, wie in der Uebersetzung, dass der erste Vulkan in
-Sanguil ausbrach und seine Asche bis Mindanao schleuderte, sondern
-dass er in Mindanao und Sanguil ausbrach, eine schwer zu verstehende
-Stelle, die aber nach Ansicht spanischer Autoritäten nur bedeuten
-kann: »in Mindanao und zwar in Sanguil«. Der Umstand, dass unter
-den Bewohnern von Mindanao Sanguiles aufgeführt werden (s. unten),
-lässt vermuthen, dass noch heut ein Gebiet Sanguil dort vorhanden ist.
-
-Nach Berghaus (Hydro-geog. Mem. 62) liegt der Vulkan Sanguili auf der
-Halbinsel Sarangani, der Südspitze Mindanao's; auf einer M. S. Karte
-aus Forster's Nachlass (Neue berichtigte und verbesserte Karte der
-Philippinischen Inseln 1772, K. Bibliothek Berlin) ist ein Vulkan
-Sanguil ungefähr an der Stelle eingetragen wo Berghaus den Gunong
-Tibangan setzt, etwa 6° 30' N., 124° 30' O. Gr. Nach Magisa liegt der
-Vulkan auf einer Insel (?) Sanguil bei Kap San Agustin, welches nach
-Allg. Historie (s. unten) Kap Serangani sein kann; nach Perrey auf
-der Insel Gross-Sangir. Nach Combes im Gerichtsbezirk von Mindanao
-(was sich nach Semper nicht auf den südlichen Theil der Insel beziehen
-kann), der Vulkan aber, der (1641) den furchtbaren Ausbruch hatte,
-im Gerichtsbezirk von Buhayen, 60 Leguas von Zamboanga, was recht gut
-auf den der Südspitze Mindanaos, Kap Sarangani passt. Nach Murillo
-Velarde S. 124 giebt es in Sanguil, welches im Süden von Mindanao
-liegt, einen Vulkan. Prof. Semper identifizirt S. 5 und auf seiner
-Karte den Sanguil mit dem Serangani, bezweifelt aber die Identität
-in einer Anmerkung S. 92.
-
-Gegen Perreys zweite Annahme spricht ferner der Umstand, dass sich
-das Geschwader längs der Küste bewegte. Befand es sich wirklich bei
-Kap S. Agustin so war es sehr aus seinem Kurs gekommen, wofür kein
-Grund ersichtlich ist, da Stürme vor dem Ausbruch nicht gemeldet
-werden. Dem angegebenen Kurse würde es besser entsprechen, dass sich
-das Geschwader zur Zeit des Ausbruches an der Südspitze von Mindanao
-bei Kap Sarangani in unmittelbarer Nähe des dortigen Vulkanes befand
-und dass die Namen der Kaps verwechselt sind. Auch in der Allgemeinen
-Historie der Reisen, XVIII, 391 ist zu lesen, dass das unter 5°
-30' N. liegende Kap den Namen Sarangan oder des heiligen Augustin
-trage. Indessen weder in dem einen, noch in dem andern Fall konnte sich
-das Geschwader gleichzeitig in solcher Nähe der 52, bezüglich 36 Leguas
-entfernten Insel Gross-Sanguir und der über 100 Leguas entlegenen Insel
-Jolo befinden um von ersterer aus mit Erde und Steinen beschüttet zu
-werden und wahrnehmen zu können was auf letzterer vorging.
-
-Perrey führt zwar auch noch einen dritten Grund an, den Umstand
-nämlich, dass sich in Zamboanga die Finsterniss von Süden aus
-verbreitete; die Insel Gross-Sanguir liegt aber SO. Wahrscheinlicher
-ist es, dass der in Zamboanga beobachtete Aschenregen von Jolo kam,
-wo gleichzeitig ein Ausbruch stattfand. Dr. Neumayer macht mich darauf
-aufmerksam, dass der Januar in jenen Meeren frei von Stürmen ist, dass
-in den Berichten nur lokale Stürme und Unwetter erwähnt werden, das zur
-Zeit herrschende Windsystem, der NO.-Monsun, also wohl nicht allgemein
-gestört war. Die Asche des Joloausbruches konnte also wie solches bei
-andern gewaltigen Eruptionen vorgekommen, durch den untern Luftstrom
-in den darüber SW. oder WSW. wehenden Aequatorialstrom geschleudert
-und von diesem nach Zamboanga und den Bisayas getragen werden.
-
-Gegen Perrey's Annahme muss es auch Bedenken erregen, dass Valentyn
-Beschrijving der Moluccos S. 2 in Oud en Nieuw Oost Indie der eine
-ausführliche Beschreibung der Insel Gross-Sanguir giebt, und alle
-späteren holländischen Schriftsteller keinen früheren Ausbruch dort
-erwähnen als den von 1711. Doch war die Insel den Holländern lange
-bekannt: 1625 hatten sie das Schiff Trouw daselbst verloren, 1664,
-nur 23 Jahre nach den drei gleichzeitigen Ausbrüchen kam überdies
-Ternate und damit auch die Insel Sanguir in ihren Besitz.
-
-Am wahrscheinlichsten ist wohl der Vulkan auf der südlichsten
-Spitze Mindanao's (Halbinsel Sarangani) als der Heerd des Ausbruchs
-anzunehmen, doch ist es nach dem Bericht des Jesuiten Magisa nicht
-möglich den Ort mit Bestimmtheit festzustellen. Die Position des
-Geschwaders ist unklar, die Richtung in welcher es die Erscheinungen
-beobachtete nicht angegeben. Die angeführten Entfernungen bekannter
-Punkte, meist um die Hälfte zu gering, zeigen nur dass diese Angaben
-werthlos sind. Der Verfasser berichtet vom Hörensagen, seinem Stande
-und seiner Zeit entsprechend, nicht geologisch sondern theologisch.
-
-Durch eine ähnliche Betrachtung muss man sich trösten wenn in der
-sechsbändigen Historia de los P. P. Dominicos en las islas filipinas
-(Madrid 1870) mit Stolz hervorgehoben wird, dass allein Aduarte
-(der Dominikaner war) ein am 30. November stattgefundenes grosses
-Erdbeben beschreibe und dann seine Schilderung abgedruckt wird,
-jedoch mit der Jahrszahl 1619 statt 1610 (s. S. 6).
-
-In Geschichten von Mönchsorden sind solche Irrthümer häufig und
-ziemlich unschädlich. Schlimmer ist es wenn sehr gelesene Zeitungen
-falsche Angaben in einer Form verbreiten, die den Stempel höchster
-Zuverlässigkeit trägt.
-
-Die Illustrated London News 7. Oktober 1871 giebt die Abbildung eines
-neuen auf der Insel Camiguin in den Philippinen entstandenen Vulkanes
-und dazu folgende Erläuterung: »Der ehrenwerthe F. C. P. Vereker,
-Lieutenant zur See, Kommandör des zu hydrographischen Aufnahmen
-detachirten K. Grossbrit. Schiffes Nassau erfreut uns mit einer
-Skizze des vulkanischen Ausbruchs auf der kleinen Insel Camiguin,
-einer der nördlichsten der Philippinen in 19° N. und etwa 122° O. Gr.
-
-Darauf folgt eine kurze Beschreibung des Ausbruches vom 1. Mai
-1871 ohne Angabe des Datums . . Als der Nassau den Vulkan im Juli
-besuchte war er noch thätig, grosse Massen Dampf und Rauch drangen
-aus den Seiten und dem Gipfel, hin und wieder wurden auch Steine
-ausgeworfen. Zwei Offiziere die den Vulkan ersteigen wollten, mussten
-es wegen der Hitze des Bodens aufgeben.
-
-Der Bericht hat einen fast amtlichen Klang, ist aber dennoch falsch;
-denn die gesperrt gedruckte Stelle ist vom Redaktör nach eigenem
-Ermessen eingeschoben, die vom Nassau besuchte und skizzirte Insel
-Camiguin liegt 9° N. 124° 20' O. Gr., d. h. über 200 Leguas von der
-gleichnamigen Insel der Babuyanesgruppe entfernt, nach welcher der
-Redaktör das Ereigniss verlegt.
-
-Nach Berichten aus Manila besteht sie aus drei Bergrücken: Catarman,
-Sigay und Maginog. Schon am 17. Februar wurden heftige Erdstösse
-mit starkem unterirdischen Geräusch wahrgenommen. Am 1. Mai 1871
-bemerkten die Bewohner des kleinen Bergdorfes Catarman eine aus dem
-Boden aufsteigende Rauchsäule; um 7 Uhr NM. desselben Tages hörten sie
-plötzlich einen lauten Knall, und sahen sich von einer Wolke von Feuer
-und Steinen umgeben. Einige die sich in grösserer Entfernung befanden,
-wurden von dieser Wolke erreicht und an verschiedenen Stellen des
-Körpers verbrüht und verbrannt. Alles flüchtete an die Küste um die
-Insel zu verlassen, es waren aber nur wenige Fahrzeuge vorhanden. Die
-Zahl der Opfer muss sehr beträchtlich gewesen sein. Noch am 12. spie
-der Vulkan aus fünf Oeffnungen Rauch und Flammen aus.
-
-Es scheint auf dem Gipfel des Berges von Catarman ein Kratersee
-vorhanden gewesen zu sein, dessen Wasserstand grossen Schwankungen
-unterlag. Zuweilen trocknete der See ein, einigemale floss er über
-und überschwemmte die Umgebung, so namentlich in den Jahren 1827 und
-1862. Häufig wurde er durch Gasausströmungen in Wallung versetzt. Ein
-eigentlicher Ausbruch hatte in geschichtlicher Zeit nicht statt
-gefunden.
-
-
-
-
-
-
-
-
-ZUSÄTZE UND BERICHTIGUNGEN
-
-nach Dr. A. B. Meyer und einigen andern kürzlich aus den Philippinen
-zurückgekehrten Freunden.
-
-
-
-Zu S. 4. Es existirt jetzt direkte Dampfschiffahrt zwischen Spanien
-und Manila, die Gesellschaft ist eine englische, die Schiffe gehn von
-Liverpool nach Spanien und durch den Suezkanal nach Manila; es sind
-grosse Dampfer von 2-3000 Tons. Diese Linie wird jetzt meist zu Aus-
-und Heimreisen von den spanischen Beamten benutzt.
-
-Zu S. 4 Anm. 5. Auch zwischen Singapore und Manila ist jetzt eine
-direkte Dampfschiffverbindung vorhanden. Alle 14 Tage trägt ein
-Schiff die Post von Manila nach Singapore und bringt die europäische
-zurück. Dieses ist jetzt auch die meist benutzte Passagierlinie:
-Die Ueberfahrt soll in 6 Tagen gemacht werden. Die Regierung
-zahlt der Gesellschaft 5000 Doll. für jede Reise, übt aber kein
-Aufsichtsrecht. Die Schiffe sind oft nicht seetüchtig. Dr. A. B. M. war
-13 Tage statt 6 unterwegs. Sein Schiff musste zwei Tage in den
-Cuyo-Inseln Schutz suchen und wurde auf der nächsten Fahrt im Hafen
-von Labuan, den es mit Mühe erreichte, kondemnirt. Ausserdem gehn noch
-von Zeit zu Zeit Handelsdampfschiffe zwischen verschiedenen Häfen
-Chinas (Amoy, Hongkong etc.) und Manila. Die Passagierbeförderung
-mit spanischen Kriegsschiffen hat daher ganz aufgehört.
-
-S. 5 unten. Noch 1872 sieht man sehr viele Trümmerhaufen an den
-verschiedensten Orten in Manila und Vorstädten, herrührend von dem
-Erdbeben von 1863. Der Hauptplatz ist noch in demselben Zustande,
-wie auch die Brücke »an deren Herstellung (s. Anm. S. 19) ich zweifle«.
-
-
-Zu Seite 6. Erdbeben in den Philippinen von Oktober 1871 bis März 1872.
-
-
- 1871: 8-9. Oktober Mindanao, Pollok; es entstanden neue
- Schwefelquellen.
- 1871: 8-14. Dezember Mindanao, Cotabatu zerstört.
- 1871: Dezember Provinz Albay, Ausbrüche des Mayon.
- 1872: Januar ,, Albay, desgleichen.
- 1872: 29. Januar ,, Manila 7 Uhr Nm. O. W. schwach.
- 1872: 29. ,, ,, Zambales O. W. stark.
- 1872: 7. Februar ,, Camarines sur 2 Mal.
- 1872: 5. März ,, Manila 9 Uhr Vm.
- 1872: 6. ,, ,, Laguna 9 Uhr Vm. (vielleicht auch am 5.)
- 1872: 22. ,, ,, Manila, stark.
- 1872: 22. ,, ,, Batangas.
-
-
-In der Epoca vom 20. und 21. März 1872 werden die Erdbeben von
-Pollok und Cotabatu als furchtbar in ihren Wirkungen geschildert. Am
-8. Dezember 1871 um 6 Uhr 10 Minuten Nachm. war Cotabatu ein fröhliches
-Dorf, um 6 Uhr 20 Minuten ein Schutthaufen. Ein viel heftigeres
-Erdbeben fand am 9. um 7 1/2 Uhr Vorm. statt, die Erde schien zu
-kochen; dies wiederholte sich noch 5 Mal.
-
-Zu S. 23. Botanischer Garten. »Er ist in demselben Zustand wie Sie
-ihn sahen. Der Direktor bekommt zwar 2000 Dollar Gehalt oder mehr,
-aber seine einzige Thätigkeit besteht darin, Blumen zu Sträussen
-zu ziehen. Der grössere Theil des Bodens ist mit Mais und Bananen
-bestanden. Wieder ein Beweis für den Mangel an Kontrolle«.
-
-Zu S. 59. »Die Strasse zwischen Majaijai und Lucban und zwischen
-Lucban und Mauban ist jetzt in so schlechtem Zustande, dass ich sie
-nur mit Lebensgefahr passirte, und dennoch herrscht zwischen Mauban
-und St. Cruz sehr viel Handel und Verkehr«.
-
-Zu S. 61. »Der Wasserfall ist zwischen Lucban und Majaijai, nicht
-zwischen Mauban und Lucban. -- Ich machte eine grosse Anzahl von
-Versuchen dort um durch Herabwerfen von Steinen die Höhe des Falles
-zu messen und fand das Mittel von 5 Secunden. Darnach würde die Höhe
-390'5 betragen«.
-
-Zu S. 76. »Die Philippinen produziren jetzt mehr Cacao und genügend
-für ihren eignen Gebrauch, so dass die Sendungen von Ternate sehr
-schlechte Preise erzielen. Nur durch die Rückfracht von Zigarren können
-die Kaufleute sich bezahlt machen. Der Cacao muss aber auf Celebes und
-Batjan fast ebenso theuer eingekauft werden, wie er in Manila verkauft
-wird. Von Ternate kommt er nur indirekt; Kaufleute von Ternate senden
-Schiffe nach Batjan, nach der Bucht von Tomini (Celebes) und nach
-den Togian oder Schildpattinseln in der Bucht von Tomini und tauschen
-dort Cacao ein, den sie entweder direkt nach Manila schicken oder an
-Manilahändler in Ternate oder Menado verkaufen. Die Anpflanzungen in
-der Bucht von Tomini und auf den Togianinseln sah ich, sie sind in sehr
-schlechtem Zustand und die Ausfuhr dürfte in kurzer Zeit ganz aufhören,
-wenn die Verhältnisse sich nicht ändern. Der Celebes-Cacao ist von
-besonderer Güte, leidet aber seit Jahren ebenfalls an einer Krankheit«.
-
-Zu S. 123. Hammelfleisch ist in Manila nicht täglich zu haben,
-sondern nur wenn jemand Hammel aus Shanghai kommen lässt.
-
-Zu S. 251. Das Vorschuss-System schleicht sich wieder ein und wird
-schwerlich dauernd zu beseitigen sein, so lange es an regelmäßiger,
-stätiger Lohnarbeit mangelt. Daran wird es aber wohl immer fehlen so
-lange jedermann Eigenthümer sein kann.
-
-
-
-
-
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-
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-ABGEKÜRZT ZITIRTE SCHRIFTEN.
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-
-
-
-
-
-
-
-
-UEBER DIE GEOLOGISCHE BESCHAFFENHEIT DER PHILIPPINEN
-
-von J. Roth.
-
-
-Mit Ausnahme von Java -- Dank zunächst den Untersuchungen Junghuhn's --
-ist die Kenntniss der geologischen Beschaffenheit der ostasiatischen
-Inselwelt eine geringe. Sie beschränkt sich auf einzelne Angaben
-und vereinzelte Punkte. In diesem Betracht ist daher jeder neue
-Beitrag willkommen zu heissen. Die von Herrn Dr. Jagor 1859 und
-1860 auf einer Reise durch die Philippinen gesammelten und mir
-zur Untersuchung mitgetheilten Gesteine gestatten Einiges schärfer
-anzugeben als es bisher geschehen konnte. Die geologische Literatur
-über die Philippinen ist nicht überreich. Ausser einzelnen Angaben
-von A. von Chamisso [310], E. Hofmann [311], Meyen [312], Sainz de
-Baranda [313], Chevalier [314], Dana [315] sind zunächst zu nennen
-die Aufzählung der Vulkane durch L. von Buch in seinem Werke über
-die Canarischen Inseln, die Berichte von Hochstetter's [316] bei
-Gelegenheit der Novara-Reise, der Aufsatz von Richthofen's über das
-Vorkommen der Nummulitenformation [317], die Aufsätze von C. Semper
-[318] und dessen 6 Skizzen: die Philippinen und ihre Bewohner. Würzburg
-1869. Im Folgenden habe ich versucht, Alles zusammenzustellen, was
-sich aus den bisherigen Beobachtungen ergiebt.
-
-Als einem Stück des grossen Vulkangürtels des stillen Meeres hat sich
-schon früh die Aufmerksamkeit den Vulkanen der Philippinen zugewandt,
-dem Verbindungsgliede der Reihe Kurilen-Japan-Formosa und der Reihe,
-welche über Mindanao und die Sangirinseln in die Molucken fortsetzend
-dort einen Zweig westlich nach Java hinsendet, einen anderen nach
-Osten, die seit L. von Buch sogenannte westaustralische, bis nach
-Neuseeland sich erstreckende Reihe. Viel geringer ist die Kenntniss
-der auf den Philippinen vorhandenen neptunischen Ablagerungen, und
-auch hier werden nur wenige Beiträge dazu geliefert.
-
-Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in
-den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer
-junge, z. Th. sicher tertiäre (eocäne) und reichlich noch jüngere
-Ablagerungen folgen, gehobene Küstenbänke und Korallenriffe mit
-den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen
-Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollständig an und reichen
-zu beträchtlichen Höhen, nach Dana's Angabe bei Punta S. Diego,
-S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshöhe. Dass die Hebung noch jetzt
-fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt,
-erscheint aber höchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein
-Theil der vulkanischen Gesteine jünger als der Nummulitenkalk,
-welcher mit den »Trachyten« grobe Breccien bildet und von ihnen
-eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen
-jüngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thätigkeit
-bis jetzt fortdauert. Die letztere äussert sich in heftigen und
-häufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau
-der Insel Java.
-
-Von älteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten
-Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen
-im Norden Luzon's und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas höheres
-Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt
-[319] Granit im nördlichen Theile von Luzon erwähnt, wurden von Herrn
-Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine
-durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer [320].
-
-Wie überall, wo die vulkanische Thätigkeit noch heut in grösserem
-Maassstabe auftritt, wo also Ausbrüche von Lava aus den Feuerbergen
-stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene
-Vulkane, entweder ganz unthätig oder in dem Zwischenzustande
-der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den
-Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lässt, dass es an
-modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten
--- diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen -- und Doleriten in
-der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerüst,
-wofür namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei
-manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen
-über die Zeit und die Grösse der Ausbrüche, ja über die Thatsache,
-ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden.
-
-Abgesehen von Mindanao [321] und Negros, auf welcher Insel Semper den
-nach seiner Schätzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der
-Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der
-Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nördlich von
-Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin
-(zwischen Mindanao und Siquijor) thätige Vulkane bekannt. Auf Camiguin
-fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167)
-am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten hätten auf
-Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin
-war von dem grössten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai
-um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetöse und heftigen Stössen
-ein über dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und
-Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Länge von etwa
-1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr
-Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht
-die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thätig.
-
-Auf der Insel Babuyan Claro liegt »ein wie es scheint in beständiger
-Eruption begriffener Vulkan« [322] und auf der südöstlichsten Insel
-der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf
-den östlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper
-wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines
-früheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700
-Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch
-aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hälfte
-eingestürzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch
-Aufschüttung vergrösserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort
-1857 ein starker Ausbruch statt.
-
-Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter
-dem Cabo Engaño (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan
-aufgefunden, den Monte Cagua [323]. Semper sah ihn im October 1860
-von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen
-Raum zusammengedrängten Vulkanen, getrennt von einander durch weite
-Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden,
-liegen die übrigen drei noch thätigen Vulkane Luzon's: der Taal,
-der Albay oder Mayon und auf der äussersten Südspitze der Insel
-der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen
-entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort
-gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen.
-
-Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie
-sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol,
-welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten
-gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge
-Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene
-Vulkane oder ungeöffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der
-Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt,
-an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man
-keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Südspitze der Insel
-beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay
-gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nördlich
-der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden
-der mächtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und
-der Pic von Colasi zu nennen; südlich der Laguna de Bay der Majayjay,
-der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen südlich gelegene
-Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling
-[324], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten
-die heissen Schwefelquellen von los Baños, der Kesselsee Dagatan, der
-Schlammvulkan von Nataños, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen
-ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit
-zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordöstlich vom Majayjay finden sich
-zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der
-Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die
-Obsidianströme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort
-einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird
-westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles,
-letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von
-Kotzebue [325] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt
-mächtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di
-Bombon vom Meer trennen.
-
-Ob die bei S. Mateo und die östlich zwischen Antipolo und Bosoboso
-mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt
-bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk
-zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehören,
-ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch über dem Meere
-erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff
-der 3150 Fuss hohe »trachytische« Doppelkegel des Monte Arayat auf,
-an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen
-Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Tomás steigen, isolirt
-von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der
-M. Cujaput. Gehören diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan
-(NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen
-Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir
-[326] (ob am Südcap von Mindanao oder auf der südlich gelegenen
-Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan
-auf der Insel Sulu [327] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte
-Santo Tomás am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich
-bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero's Messung
-ist er 6948 Fuss hoch.
-
-Ein Versuch, die Vulkane, die thätigen wie die erloschenen, auf
-ein oder mehrere Spaltensysteme zurückzuführen, scheitert an der
-mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der
-übrigen Inseln. Dass die Nord-Südrichtung vorwiegend erscheint,
-folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette.
-
-Von den thätigen Vulkanen Luzon's ist der kaum 840 Fuss hohe Taal,
-der demnach zu den niedrigsten [328] thätigen Vulkanen gehört,
-ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel
-in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus
-welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von
-Chamisso [329] fand den Vulkan 1818 schwach thätig, E. Hofmann 1825,
-Wilkes [330] 1842 sahen ihn in voller Thätigkeit. Delamarche [331], der
-ihn am 25. October 1842 unthätig fand, hat eine genaue Beschreibung des
-Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den
-Krater beständig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine
-Erhöhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt,
-überall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und
-ähnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bäche kochenden
-Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit
-kochendem milchweissem Wasser erfüllt, es entstiegen ihm schweflige
-Dämpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am
-Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender
-regelmässiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am
-Südende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt
-nach L. von Buch [332] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse
-kleine Feldspäthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen
-mit triklinen Feldspathen gehört, lässt sich nach den vorliegenden,
-stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist
-es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch
-hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem später
-viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavaströme scheint der Berg
-seit langer Zeit nicht gegeben zu haben.
-
-Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur
-Aschenausbrüche und die sie begleitenden zerstörenden Schlammströme,
-sondern auch Ströme von Lava. Seine Hauptausbrüche fallen in die
-Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der
-Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfüllt mit heissen
-schwefligsauren Dämpfen.
-
-Wie überall mit thätigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit
-ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer
-erwähnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die
-Rede. Diese graugrünen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen,
-bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen
-Stellen 40 bis 60 Fuss mächtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose
-(Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer,
-leicht ritzbarer Grundmasse eckige, bräunlich-graue Bimsteinstücke
-umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrücke und verkieselte
-Hölzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nähe der
-thätigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung
-der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen
-Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt
-oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen,
-cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und
-die Grösse der eingeschlossenen Gesteinstrümmer. Wo sie und die Tuffe
-durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus
-ihnen Thone ausgewaschen, die, im nächsten Verband stehend, bisweilen
-mächtige Ablagerungen bilden.
-
-Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom südlichen
-Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehörigen Tuffen
-sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander
-sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem
-Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit
-und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspäthe wird
-zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und
-der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen
-kieselsäurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten
-ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt
-noch sparsamer grüner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der
-Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami
-und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr ähnlichem, porphyrischem
-Habitus. Zu den Doleriten gehören die Laven des Albay, Yriga,
-Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben
-dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle
-Glimmerblättchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren
-die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstücke
-in jenen sich finden, so gehören doch grössere Ablagerungen rein aus
-Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und
-Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen
-kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden
-Halbinsel Binangonan säulig zerklüftete Obsidianströme. Ob überhaupt
-in dem genannten Gebiet ächte Sanidintrachyte auftreten, erscheint
-zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lässt sich
-ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als über die chronologische
-Folge der einzelnen vulkanischen Berge.
-
-Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die
-Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es
-liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine,
-die in Java so häufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar,
-wie die Uebergänge beweisen, von Amphibolandesit.
-
-Als höchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der
-häufigen Fumarolenthätigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff,
-resp. schwefliger Säure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind;
-daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun,
-Alunogen, Bianchetto; je nach der Stärke und der Dauer der Einwirkung
-die vollständige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in
-schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklärt sich aus dem
-Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso
-wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und
-die Röthung des Rückstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch
-Bunsen's schöne Versuche erläuterte Bildung von Schwefelkies, dessen
-Verwitterung die Zerstörung der Gebirsgsarten unterstützt. Dagegen
-mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht
-löslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint
-doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem
-Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet,
-wozu die (freilich oft grobkörnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten
-scheinen. Zahlreich dagegen sind Absätze von Kieselsinter, Opal
-und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thätigkeit, aus
-Kohlensäure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, ähnlich wie
-in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming
-u. s. w., Absätze, die ihre Erläuterung in den Arbeiten Bunsen's über
-Island finden. Auf denselben Ursprung müssen auch die Jaspisvorkommen
-der vulkanischen Gegenden zurückgeführt werden. Geisirähnliche
-Erscheinungen wurden nicht beobachtet.
-
-Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen
-darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, räumlich sind
-sie untergeordnet gegenüber den krystallinischen Schiefern und
-den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer,
-Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von
-den ersteren beobachtet. Im nördlichen Theil von Luzon sind
-sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate
-(N. von S. Mateo) feinkörnigen Hornblendeschiefer, auf dem der
-Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwähnten Goldwäschen
-im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls
-auf krystallinische Schiefer, ähnlich wie die Eisenerze bei Angat
-(Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz
-Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostküste der Provinz Camarines
-norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und
-den dazu gehörigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen
-gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich
-auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan
-zusammensetzen. An der Südküste derselben Provinz bei Pasacao treten
-Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der
-Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte
-bei Tanauan (Ostküste) sind sie ebenfalls beobachtet.
-
-Nach Sainz de Baranda tritt Serpentin auf in Mindanao bei Camahat,
-Provinz Caraga und bei Pigtao, Provinz Misamis. Am Westende bei
-la Caldera (NW. von Zamboanga) sah Dana Geschiebe von Hornblende
-und Talkschiefer, auf der Insel Lubang (SW. von Manila) Talk- und
-Chloritschiefer, die nach der Insel Mindoro fortsetzen und dort
-in Serpentin übergehen. In S. José, Westküste von Panay, sah Dana
-Geschiebe von Talkschiefer und Quarz. Nach Meyen (l. c. 245) ist
-Talkschiefer auf Cebu besonders häufig.
-
-Nach ihrer Zertrümmerung und Verwitterung gaben die krystallinischen
-Schiefer das Material zu sedimentären Absätzen, welche, mehr oder
-minder sandig und thonig, und petrographisch zwischen Thonlagern und
-Sandsteinen schwankend, die Mineralien der ursprünglichen Gesteine,
-zunächst Quarz, Feldspath, Glimmer, Magneteisen erkennen lassen.
-
-Die Angaben über das Vorkommen älterer Eruptivgesteine auf den
-Philippinen erscheinen wenig genau. In Nordluzon wird Granit und
-Porphyr angegeben. In Pual (Sual der Karte, 16° 10' N. B. am Golf von
-Lingayen) wechsellagern nach Callery [333] Euphotid, Serpentin und
-Petrosilex. Itier [334] fand bei Angat (Provinz Bulacan) Geschiebe
-von Diorit, Mandelsteinen, Spiliten, Epidot und Porphyren.
-
-Unter den Sedimenten treten neben Kalken Sandsteine und Thonschichten
-hervor, deren Ursprung, wie erwähnt, z. Th. auf krystallinische
-Schiefer, z. Th. auf vulkanische Tuffe zurückzuführen ist. Die von
-Semper beobachtete schnelle Umwandlung der gehobenen, weithin sich
-erstreckenden Korallenbänke in sehr harten, dichten Korallenkalk
-lehrt, dass die dichten spröden Kalke wenigstens nicht überall,
-wie von Richthofen annimmt, diese Umwandlung den »Trachyten«
-verdanken. In manchen der dichten Kalke lassen sich noch Spuren der
-Korallen auffinden, obwohl in Folge der Umwandlung die Erhaltung der
-organischen Reste in den Kalken eine sehr schlechte ist. Bei Binangonan
-(N. der Laguna de Bay) fand von Richthofen in den dort gebrochenen
-Kalken neben undeutlichen Austern zahlreiche Nummuliten [335]. Im Kalk
-von S. Mateo suchte Meyen vergeblich nach Versteinerungen. Zwischen
-beiden Punkten sah von Richthofen den Kalk zwischen Antipolo
-und Bosoboso einen allseitig schroff ansteigenden, zerklüfteten,
-oben verebneten Berg bilden. Wahrscheinlich bestehen aus demselben
-Kalke die schroffen Gipfel der Sierra de Zambales (NW. der Pampanga,
-NW. Manila). Callery (l. c.) sah 4 Lieues von Sual ein zwei Lieues
-breites Band von Grobkalk und Travertin horizontal auf dem Euphotid
-lagern. Er fand im Grobkalk die decapoden Kruster Portunus leucodon
-Desmarest und Noptacus Latreillei. Im Thal von Benguet und in der
-Provinz Batangas (Nordluzon), an der Nord- und Ostküste von Luzon,
-an der Ostküste von Camiguin (Babuyanes) fand Semper Korallenkalk.
-
-An der Westseite der grossen Cordillere in Nordluzon sammelte Semper
-in etwa 800 Fuss Meereshöhe mitten im Lande mürbe Sandsteine mit
-marinen Muscheln (Conus sp.), im Oberlauf des Agno (Nordluzon)
-in etwa 400 Fuss Meereshöhe Korallen in einem porphyrischen
-Gestein, dessen Hauptbestandtheile granitische und trachytische
-Rollsteine waren [336]. An der Südspitze des westlichen Theils von
-Mindanao bei Zamboanga fand v. Richthofen in den Kalken Massen
-von Austernschalen. Daneben kommen dort unreine Sandsteine mit
-Pflanzenabdrücken, blaue Kalkmergel und dunkle weiche Schiefer
-vor. Auch an manchen anderen Punkten enthalten Thone und Sandsteine
-Blattabdrücke; die Sandsteine führen bisweilen Braunkohle: bei
-Mauban ist sie kiesig und kommt auch in der Gegend von Aringay nach
-D. José de Santos (Citat bei Semper) vor. Auch in Caramuan soll
-Kohle sich finden. In Samar wurde bei Loquilocun angeschwemmte
-Braunkohle gefunden; auf Cebu findet sich im Gebiet von Naga im
-Gebirge Alpaco (Revista minera 1863. 17. 244) Braunkohle; ebenso
-nach von Richthofen auf Mindanao östlich von Zamboanga im Seno de
-Sibugey, nach Sainz de Baranda auf der Insel Siargao (Nordostende von
-Mindanao). Die Sedimente sind also nur z. Th. marinen Ursprungs. Als
-Vergleich für die Sedimente möchte die durch von Hochstetter
-(Novara-Reise. Geol. Theil. Bd. II.) aufgestellte Gliederung in Java
-heranzuziehen sein.
-
-Von den auf den Philippinen vorkommenden Erzen gehören die Eisenerze
-den krystallinischen Schiefern an: das Magneteisen am Fuss der
-Sierra de Bacacay (S. von Paracali) und die Eisenerze in der Nähe
-von Angat-Kupang, Provinz Bulacan. Ueber das reiche Vorkommen
-von Kupfererzen in Nordluzon ist nichts Genaueres bekannt. Sehr
-beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen liegen dort bei Mancayan
-im Distrikt Lepanto zwischen Cagayan und Ylocos. Nach Zerrenner
-(Berg- und Hüttenm. Zeit. 28. 105 und 113. 1869) kommt dort auf
-Quarzgängen in Trachytporphyr Kupferkies mit Enargit vor. In Spanischen
-Schriften wird das Gestein als Trapp bezeichnet. Auf der Insel Lubang
-(SW. von Manila) enthalten nach Dana die Talk- und Chloritschiefer
-Kupferkies. Quarzgänge, die in den krystallinischen Schiefern, zumeist
-in Talkschiefer und Serpentin auftreten, führen neben Schwefelkies,
-Bleiglanz und Kupferkies gediegen Gold und Chrombleispath. So
-wenigstens ist das Vorkommen bei Mambulao und Paracali (Provinz
-Camarines norte, Luzon). Das Vorkommen entspricht also ganz dem
-uralischen von Beresowsk.
-
-Goldhaltige Sande, reich an Magneteisen, aus krystallinischen
-Schiefern werden an vielen Orten gewaschen. Nach Sainz de Baranda
-[337] kommt Gold ausser auf Luzon auch in Mindanao, Sibuyan, Panay,
-Dinagat vor; Quecksilber angeblich in Leyte; Kupfer (cobre nativo
-en polvo finisimo y pirita de cobre) auf Mindanao. Er giebt ferner
-schöne Krystalle von Rutil auf der Insel Bigat an, wohl ein Beweis
-für das Vorkommen krystallinischer Schiefer.
-
-Nach dieser allgemeinen Uebersicht ist in dem Folgenden die specielle
-Beschreibung der von Herrn Dr. Jagor gesammelten Gesteine gegeben.
-
-
-
-
-I. Luzon.
-
-Provinz Bulacan.
-
-Das Ufer des Rio Quingoa bei Angat (N. von Bulacan) bilden feste,
-gelbgraue, conglomeratische Tuffe mit grösseren grauweissen
-Bimsteinstücken, kleineren dunklen Schlacken- und Lavastückchen,
-einzelnen triklinen Feldspathen, Augiten und Magneteisen. Sie sind
-bisweilen fest genug um als Bausteine zu dienen und werden bei Tubagan
-und Buenavista (zwischen Balinag und Angat) gebrochen. An einzelnen
-Stellen wird das Gestein etwas dunkler durch Zunahme der Schlacken-
-und Lavastücke.
-
-Der Bach Banavon zeigt N. von Angat nach Kupang hin viele Gerölle eines
-Kalkes mit Korallenresten und eines sehr verwitterten, plutonischen,
-Quarzbänder führenden Gesteins [338] .. In der Nähe kommen Eisenerze
-vor.
-
-An den Uferbänken des Rio Quingoa bei Calumpit (W. von Angat) lässt
-sich auf lange Strecken hin ein Thonabsatz mit Cyrena verfolgen.
-
-
-
-Provinz Bataan.
-
-Die grossen Blöcke, welche an der Küste von Mariveles südlich vom
-Dorf liegen, sind Doleritlaven, äusserst ähnlich den jüngsten Laven
-des Aetna und der Insel Stromboli. In etwas poröser, feinkörniger,
-bläulichgrauer Grundmasse sind trikline Feldspathe, Augit, Magneteisen
-und Olivin ausgeschieden. Vorzugsweise sind die Augite von bedeutender
-Grösse. Ein Quarzkorn wurde als Einschluss beobachtet.
-
-Man darf wohl annehmen, dass die ganze Gebirgskette, zu welcher der
-Pico Butilao, die Sierra de Mariveles, die Insel Corregidor und der
-südlich gelegene Pico de Loro gehören, aus demselben Gesteine besteht.
-
-Nach Chevalier (l. c. 222) findet sich bei Mariveles eine Bank
-faserigen, röthlichen Aragonites über den Laven.
-
-
-
-Provinz Laguna.
-
-Das Südende der Halbinsel Jalajala, welche in die Laguna de Bay
-hineinragt, wird von festen gelbgrauen Tuffen gebildet, welche graue
-Bimstein- und Lavastücke einschliessen. Die grösseren Lavastücke
-enthalten in matter, feinkörniger, von Parallelrissen durchzogener
-Grundmasse trikline Feldspathe und wenige grüne, durch Verwitterung
-braun gewordene Augite. Magneteisen ist nur sparsam vorhanden, Olivin
-auch unter dem Mikroskop nicht zu finden. Diese Tuffe streichen h. 12
-und fallen 20° W.
-
-Der Westabhang des in Nordsüdrichtung durch die Halbinsel fortlaufenden
-Bergrückens wird von ähnlichen Tuffen und durch Schwefelwasserstoff
-zersetzten Doleriten gebildet, ähnlich denen der nahen Insel
-Talim. In den Tuffen kommen an beiden Punkten bis 3/4 Zoll grosse,
-mandel- bis kugelförmige, concentrisch schalige Gebilde vor, welche
-ganz aus denselben hellgelbgrauen Tuffen bestehen und keinen festen
-Kern zeigen. Die auf der Höhe des Joches frischen, dunkelblaugrauen,
-Feldspath, Augit und Magneteisen führenden Dolerite sind weiter abwärts
-an vielen Punkten durch Schwefelwasserstoff zersetzt und bisweilen
-mit rothen, durch Eisenoxyd gefärbten Bändern durchzogen. Schliesslich
-werden sie vollständig gebleicht und in eine thonige Masse umgeändert,
-aus welcher Natronkarbonat reichlich Kieselsäure löset. In den
-ersten Stadien der Zersetzung lassen sich bisweilen noch einzelne
-kleine frische Feldspäthe und grössere grüne Augite erkennen oder
-man sieht einen unzersetzten Augitkern in weicher gelber Hülle;
-endlich sind die Augite vollständig in eine gelbe, weiche Masse
-umgewandelt. In den gebleichten und zersetzten Gesteinen findet
-sich Schwefelkies in feinen Pünktchen, oder in den Spalten dünne,
-bisweilen faserige Gypslagen, deren Bildung aus dem Kalkgehalt der
-Augite und des Feldspathes sich erklärt. Die aus diesen zersetzten
-Gesteinen ablaufenden Gewässer setzen reichlich Vitriolocker (basisch
-schwefelsaures wasserhaltiges Eisenoxyd) ab, und das Wasser des
-Baches schmeckt adstringirend. Aus diesen Gesteinen hat spätere
-Einwirkung von Alkalibikarbonat enthaltenden Lösungen Eisenkiesel
-geliefert, welche aus einem Gemenge von gelben und blutrothem Quarz
-bestehen, aber auch noch etwas Opal führen. Ebenso kommen grosse
-Blöcke grauweissen dichten Quarzes mit Schwefelkiespartien vor, deren
-Drusen Quarzkrystalle enthalten. Weiter abwärts findet sich rothbrauner
-Jaspis mit Drusen und Adern, welche mit Quarzkrystallen erfüllt sind.
-
-Man sieht 1/4 Meile ONO. von der Hacienda auf dem Tuff grobes
-vulkanisches Geröll 3-4 Fuss mächtig lagern, darüber folgt 5 Fuss
-Dammerde. Das ist die Formation der Strandebene, zwischen der
-Hügelkette und der Laguna. Endlich sieht man auf der Westseite der
-Südspitze der Halbinsel Muschelbänke, und zwar 15 Fuss über das
-jetzige Niveau der Laguna gehoben. Von den Arten, welche alle den
-lebenden angehören, und von Dr. von Martens bestimmt wurden, ist neben
-Tapes virgineus L. Phil. Cerithium moniliferum Kien. sehr häufig. Am
-Strande der Insel Talim erhebt sich eine 20 Fuss hohe Tuffbank,
-auf dem Plateau wurden nur Tuffe gesehen. Am Strande liegen grosse
-vulkanische Blöcke gereihet. Diese Dolerite enthalten in dichter
-blaugrauer Grundmasse triklinen glasigen Feldspath, grünen Augit
-und Magneteisen. Das keineswegs frische Gestein führt zahlreiche
-grosse rundliche Hohlräume, welche theilweise mit Eisenoxydhydrat
-(aus ausgelaugtem Eisenkarbonat entstanden) erfüllt sind. Spuren von
-Schwefelkies, den auch G. Rose in den Gesteinen von Talim beobachtete,
-deuten auf Einwirkung von Schwefelwasserstoff hin und erklären den
-Absatz von Eisenverbindungen; von Hochstetter beobachtete auf der nur
-durch einen schmalen Canal von der Insel Talim getrennten Halbinsel
-von Binangonan säulenförmig zerklüftete Obsidianströme.
-
-Der Dolerit, welcher 1/4 Meile südlich von los Baños (Südufer der
-Laguna) als Geröll im Bach Malauin vorkommt, also weiter oben ansteht,
-enthält in feinkörniger, dunkelblaugrauer, mit feinen Parallelrissen
-durchzogener Grundmasse glasigen triklinen Feldspath, grünen Augit,
-einige dunkle z. Th. sechsseitige Glimmerblättchen, etwas Magneteisen
-und Olivin. Die Längsaxe der 3-4 Millimeter langen Feldspathe ist
-meist nach derselben Richtung orientirt. Der zugehörige, graugelbe,
-wenig feste, feinkörnige Tuff, welcher die Uferbank des Baches Malauin
-bildet, enthält neben erbsengrossen, rundlichen, grauen Bimsteinstücken
-sparsam rundum krystallisirte grüne Augite, zahlreiche Augittrümmer,
-triklinen Feldspath, Olivin, Glimmer und Magneteisen.
-
-Die frischen Dolerite des Schlammvulkans Nataños, 2 1/2 Leguas
-S. von Los Baños, sind von derselben Beschaffenheit wie die von dort
-erwähnten, nur etwas dunkler gefärbt, wohl eine Wirkung des etwas
-grösseren Gehaltes an Magneteisen. Wie die z. Th. vollständig
-gebleichten Gesteine bezeugen, wurde die Zersetzung durch
-Schwefelwasserstoff bewirkt. An manchen Stellen ist das Gestein in
-eine bröckliche, thonige, gelbgraue oder auch durch Eisenoxyd braun
-gefärbte Masse umgewandelt, in deren Hohlräumen und Klüften Opal sich
-findet. Auf dem Gestein hat das Wasser rindenförmigen Sinter abgesetzt,
-dessen Oberfläche wellig ist. Die blaugrauen Lagen des zunächst aus
-löslicher, wasserhaltiger Kieselsäure und geringen Mengen basisch
-schwefelsauren Eisenoxydes bestehenden Sinters wechsellagern mit
-eisenreicheren rothgelben Lagen. Die blaugraue Farbe rührt von feinem
-eingemengtem Gesteinsstaub her, wie man sich durch Behandlung mit Säure
-und Alkali überzeugt. Der Sinter ist demnach ähnlich zusammengesetzt
-wie der von Bickell untersuchte Kieseltuff von Island; eine weitere
-Bestätigung für die an beiden Orten ähnlich vor sich gehenden
-Prozesse. Das eben erwähnte gelbgraue zersetzte Gestein giebt an
-Wasser Gyps, das rothbraune Gestein an Salzsäure eine reichliche
-Menge Schwefelsäure ab, das Eisen ist also als basisch schwefelsaure
-Verbindung vorhanden.
-
-Nördlich vom Schlammsee von Nataños bildet graublauer, etwas rissiger
-Dolerit die Ufer des Baches Malauin. Die Risse sind mit gelbbraunem,
-kurzfaserigem Bimstein ausgekleidet. In der feinkörnigen Grundmasse
-ist glasiger trikliner Feldspath, grüner Augit, etwas Olivin und
-Magneteisen ausgeschieden.
-
-Den Rand des kleinen Kesselsees Dagatan bei los Baños bildet ein
-lockerer, grauer, grobkörniger Tuff, der neben kleinen Doleritstücken
-Feldspath und Augit führt. Grosse, lose, wahrscheinlich vom Berge
-Maquiling herabgerollte Doleritblöcke, zusammengesetzt wie die von
-Nataños, sind durch Schwefelwasserstoff gebleicht und enthalten
-Hyalith in den Klüften.
-
-Von C. Semper am Maquiling gesammelte Handstücke zeigen, dass dort
-Schwefelwasserstofffumarolen und nach ihnen alkalische Bikarbonate
-enthaltende, Kieselsäure lösende und absetzende Quellen in grossem
-Maassstabe thätig sind. Dafür legen gebleichte, z. Th. mit Eisen
-durchzogene, und bis zu Bianchetto zersetzte Tuffe und Gesteine,
-Bildung von Gyps, z. Th. in schönen Krystallen, atlasglänzender
-faseriger Alunogen und Alaun, Absätze von Kieselsinter und weissem
-Opal sicheres Zeugniss ab.
-
-Südlich von los Baños bei Calauan liegt ein Eruptionskrater, dessen
-Wände mehrere hundert Fuss hoch sind, (Llanura de Imuc) mit einer
-Kaffeepflanzung des Herrn Scott. Vom Südwestrand und vom Boden des
-Kraters liegen Rapilli vor: bis zollgrosse, unregelmässig begrenzte
-Bruchstücke schlackiger Doleritlava, welche triklinen Feldspath, Augit
-und Magneteisen erkennen lassen. Die zugehörigen, feinkörnigen, grauen
-Doleritlavaströme von der gewöhnlichen mineralogischen Beschaffenheit
-und ohne Glimmer bilden neben der Hacienda eine 100 Fuss hohe Felswand,
-in welcher neben compakteren rissigen auch poröse Laven vorkommen. Die
-zugehörigen, feinkörnigen, grauen, zwei Fuss mächtigen Tuffe mit
-Blattabdrücken von lebenden tropischen Pflanzen, deren Arten sich
-jedoch nicht sicher bestimmen lassen, liegen horizontal ausgebreitet
-in der Ebene von Calauan. Sie werden von 3 Fuss Dammerde bedeckt und
-ruhen auf einer über 5 Fuss mächtigen Thonschicht.
-
-Der obere Rand des zur Hälfte von einem See eingenommenen, 100 Fuss
-tiefen Kraters Mar de Tigui (neben der Strasse von Calauan nach
-dem südlich gelegenen San Pablo) wird von Lapilli gebildet, die
-den oben beschriebenen gleichen. Das Plateau, in welchem der Krater
-aufgebrochen ist, besteht aus einem feinkörnigen, gelbbraunen Tuff,
-in dem einige stark verwitterte Gesteinsstücke zu erkennen sind.
-
-Die Tuffe, welche den Krater Maïcap, eine Legua SO. von Calauan, und
-den Krater Palacpacan bilden, sind grobkörniger, enthalten zahlreiche
-Doleritstücke, z. Th. bimsteinartig aufgebläht und lassen einzelne
-glasige trikline Feldspathe und grüne Augite erkennen. Beide Krater
-enthalten Seen.
-
-Weiter östlich am Wasserfall Butucan am Abhang des Vulkans Banajao
-bei dem Dorf Majayjay tritt zwischen zwei mächtige Tuffmassen
-eingeschaltet eine schwache Bank eines dem Piperno ähnlichen
-Gesteins auf. Unregelmässig begrenzte Streifen schwarzen Obsidians,
-dessen dünne Splitter gelbbraun durchsichtig sind, durchziehen ein
-feinkörniges, gelbgraues Gestein, in dem man einzelne Stückchen grauen
-feldspathhaltigen Gesteins, trikline Feldspathe, etwas dunklen Glimmer
-und grünen Augit erkennt. Man darf wohl annehmen, dass dieses Gestein
-durch Eindringen einer feurigflüssigen Masse in die Tuffe entstand.
-
-
-
-Provinz Tayabas.
-
-An der neuen Strasse, welche am rechten Ufer des Flusses Mapon von
-Lucban nach Mauban führt, stehen, bevor sie den Fluss erreicht,
-in grosse prismatische Blöcke abgesondert feinkörnige, compakte,
-dunkelblaugraue Dolerite an. Ihre Grundmasse enthält ausgeschieden
-zahlreiche kleine trikline Feldspathe, etwas Augit und reichlich
-Olivin. Das Gestein wirkt stark auf die Magnetnadel. Weiter am Weg
-finden sich stark verwitterte, wenig feste, graue bis gelbgraue,
-sehr feinerdige, thonige Tuffe, welche, ausser undeutlichen Resten,
-Blattabdrücke und nach der Bestimmung des Herrn Dr. von Martens Melania
-asperata Lam. var. M. dactylus Lea enthalten. Diese Melania stimmt am
-meisten mit lebenden Exemplaren aus Samar (Loquilocun) überein. Sie
-kommt auch auf Luzon, Mindanao, Guimares, Leyte vor. Diese Tuffe
-wechsellagern mit Kalkgeröllen, welche an einigen Stellen durch
-grobkrystallinischen Kalkspath zu grobem Kalkconglomerat verkittet
-sind. Hie und da sieht man in dem feinkörnigen gelblichgrauen Kalk
-undeutliche organische Reste. Inmitten der verwitterten Tuffe und der
-Kalkgeröllbänke kommt ein lockeres hellfarbiges Gestein vor, dessen
-Kalkbindemittel abgerundete erbsen- bis nussgrosse Kalkstücke und
-die Mineralien des vulkanischen Gesteins verkittet. Unter den oben
-angeführten verwitterten Tuffen liegen etwas gröbere und festere,
-grünlichgraue Tuffe mit Kalkbindemittel, in denen Feldspath, Augit,
-Olivin, z. Th. in verwittertem Zustande, zu erkennen sind. Dieselben
-Tuffe liegen weiter östlich auch über den verwitterten Tuffen.
-
-
-
-Provinz Camarines norte.
-
-An der Nordostküste der Provinz wird der Landstrich zwischen Paracali
-und Mambulao von Gneissen und Hornblendeschiefern gebildet, in denen
-Quarzgänge mit reicher Erzführung auftreten. Der Berg 1/4 Legua
-N. von Mambulao und der Berg NNO. von Mambulao, durch den Bach vom
-Berg Dinaan getrennt, bestehen aus Gneiss, in welchem die weissen,
-aus feinkörnigem Quarz und Feldspath gemischten Lagen mit einzelnen
-weissen Orthoklasen und triklinen Feldspathen durch schwache, nicht
-continuirliche und wechselnd breite Lagen von tombakbraunem Glimmer
-gesondert werden. Das Gestein soll goldhaltig sein.
-
-Der Berg 1/2 Legua NW. von Paracali, der Berg Dinaan und der
-Strich zwischen Paracali und Mambulao werden von Hornblendeschiefer
-gebildet. Das frische Gestein des Berges Dinaan ist dunkel gefärbt
-durch die überwiegende, ziemlich grobkörnige Hornblende, in welcher
-schmale, nicht zusammenhängende Lagen meist kleinkrystallinischen,
-weissen, triklinen Feldspathes weisse unterbrochne Streifen
-bilden. Ausserdem tritt noch etwas Schwefelkies und brauner Glimmer
-auf. Aus dem Pulver zieht der Magnetstab kein Magneteisen aus. Das
-verwitterte Gestein, dessen Streichen zwischen Paracali und Mambulao
-als ostwestlich, dessen Fallen als 40° nach Süd bestimmt wurde, ist
-graugrün, weich, reichlich mit Magneteisen durchzogen, und bald als
-serpentinhaltiger Talkschiefer, bald als talkhaltiger Serpentinschiefer
-umgebildet. Den Ursprung aus Hornblende verräth der Kalküberzug der
-Klüfte. Gelblichgrüne, weiche, scharf begrenzte Partien scheinen
-verwitterte Feldspäthe zu sein.
-
-In diesen Serpentingesteinen vorzugsweise (ob im Gneiss ebenfalls steht
-nicht fest) treten Quarzgänge auf, z. Th. mit schönen Quarzdrusen,
-meist mit Schwefelkies, oft mit Kupferkies und Bleiglanz und
-den Verwitterungsprodukten dieser Mineralien (wie Brauneisen,
-manganhaltiges und mit Salzsäure und Chlor entwickelndes Eisenoxyd,
-Kupferindig u. s. w.), in denen Gold dendritisch vorkommt. Aus den
-zelligen verwitterten und dann eisenschüssig gewordenen Quarzgängen
-wird das Gold durch Waschen gewonnen.
-
-Von denselben Mineralien begleitete und durchaus ähnliche Quarzgänge
-(z. B. am Berge Dinaan) führen Chrombleispath [339]. Dieser ist nicht
-selten mit einem zeisiggrünen, amorphen, pulverigen Ueberzuge von
-Vauquelinit versehen. Das Vorkommen entspricht also dem Uralischen.
-
-Bisweilen nimmt der Gehalt an Kupferkies so sehr zu, dass das Kupfer
-den Betrieb der Gruben bedingt; an anderen Stellen überwiegt der
-Bleiglanz.
-
-Am Strande zwischen Paracali und Mambulao bildet sich aus zertrümmerten
-Muschelschalen, Korallentrümmern, einzelnen Quarzen ein Conglomerat.
-
-Oestlich von Paracali bei Lungos steht weisser, specksteinartiger
-Talkschiefer an, dessen früheren Eisen- und Kupfergehalt, wohl in Form
-von Kiesen, braune und grüne Färbungen einiger Partien beweisen. Die
-Indier waschen daraus Gold. Bei Lungos treten goldführende Quarze
-auf, ebenso wird aus dem magneteisenreichen Sande des Strandes Gold
-gewaschen.
-
-Nach den in der Visita Colasi im Bach Colasi gesammelten Geschieben
-besteht der grosse Berg Colasi (nicht der kleine Pic von Colasi) aus
-Amphibolandesiten. In grauer, feinkörniger, fast dichter Grundmasse
-liegen neben triklinen Feldspathen grosse, braune, sparsame Hornblenden
-und etwas Magneteisen. Die Gesteine sind sehr wenig frisch, stärker
-verwitterte nehmen einen röthlichen Schein an. Aus denselben Gesteinen
-besteht der Hügel, welcher die südlich, etwa auf dem Drittel des
-Weges nach Cabusáo gelegene Visita Barceloneta trägt. Sie gehören
-demnach mit den Gesteinen des NW. liegenden Labo in dieselbe Gruppe.
-
-Die Grenze der an der Nordwestküste beobachteten krystallinischen
-Schiefer mit den Tuffen des südlich weiter landeinwärts gelegenen
-Vulkanes Labo wird etwa zwischen Indan und Labo zu suchen sein. Der
-Labofluss führt dort neben zertrümmerten krystallinischen Schiefern die
-Mineralien des vulkanischen Gesteins: glasigen triklinen Feldspath,
-Hornblende und kleine Geschiebe von Amphibolandesit. Im Fluss selbst
-stehen feste, rothbraune Tuffe an mit meist zersetzten, gebleichten
-Amphibolandesitstückchen, aber auch mit rundlichen Quarzgeschieben
-und einzelnen rundum auskrystallisirten Hornblenden. Der Tuff macht
-nicht den Eindruck eines umgelagerten, auf sekundärer Lagerstätte
-befindlichen Gesteins.
-
-An dem zweiten Aestuar zwischen der Barre von Daët und Colasi,
-gleich hinter dem Rio Fungbo, treten Felsen an's Meer, die bis dahin
-flache, mit zertrümmerten Muscheln bedeckte Küste steigt an. Es sind
-vulkanische, gelbgraue, lockere Tuffe gemengt mit Muscheltrümmern.
-
-Geschiebe des Flusses Labo, in Pueblo Labo gesammelt, geben Auskunft
-über die Zusammensetzung des 1 1/2 Tagereisen südlich liegenden
-Berges Labo.
-
-Es sind zunächst Amphibolandesite. In weissgrauer, etwas bimsteinig
-aufgeblähter, den Ausscheidungen etwa das Gleichgewicht haltender
-Grundmasse liegen rundliche oder doch schlecht begrenzte glasige
-trikline Feldspäthe, deren Längsaxe bis 6 Millimeter erreicht,
-in etwas grösserer Menge als die etwas kleineren dunkelbraunen
-Hornblenden. Ausserdem sind einzelne grössere Blättchen tombakbrauner
-Glimmer vorhanden, Augit, Titanit und Olivin scheinen nicht
-aufzutreten. In einigen Handstücken tritt die Hornblende fast ganz
-zurück, die blaugraue dichte Grundmasse wird stark überwiegend
-und sieht z. Th. wie durch Fumarolenwirkung zersetzt aus. In noch
-anderen Handstücken liegen in gelbbrauner, schaumiger, reichlicher
-Grundmasse grössere, glasige, trikline Feldspäthe neben kleineren
-sparsamen braunen Hornblenden und einzelnen grossen tombakbraunen
-Glimmerblättchen, die z. Th. eine Veränderung der Farbe durch erhöhte
-Temperatur erlitten haben. Endlich finden sich vereinzelt ganz dichte,
-schwärzlichgraue Gesteine, in denen man mit der Loupe kaum noch die
-Gemengtheile unterscheiden kann. Vermöge der Uebergänge lassen sich
-diese Gesteine als dichte Amphibolandesite auffassen.
-
-Das Vorkommen dichter weissgrauer, röthlicher und graublauer
-Quarzmassen mit einzelnen Quarzkörnern deutet hin auf Absatz heisser
-Kieselquellen.
-
-Das 1/2 Legua SSW. vom Pueblo Labo im Bach am Hügel Dalas vorkommende
-Gestein ist durch die Verwitterung des darin reichlich vorhandenen
-Schwefelkieses ziemlich unkenntlich geworden. Man darf es wohl für
-Gneiss nehmen; für quarz- und feldspathhaltigen Hornblendeschiefer
-die ebenfalls durch verwitterte Schwefelkiese zersetzte, behufs
-der Goldgewinnung am Berge Dalas geförderten Gesteine. Der daselbst
-geförderte Sand enthält neben Schwefelkies nicht wenig Bleiglanz und
-Blende. Aus einer andern jetzt verlassenen Grube Lugas wurde zum Zweck
-der Gold- und Bleigewinnung ein blaugrauer Thon gefördert, der neben
-Schwefelkies verwitterte Kupferkiese enthält. Festere Gesteinsstücke
-eben daher sind reich an Bleiglanz.
-
-
-
-Provinz Camarines sur.
-
-Die Umgebung des Vulkans Ysarog ist ausgezeichnet durch das Auftreten
-von Amphibolandesiten. Es sind hellfarbige, mit nur sehr wenig
-Grundmasse ausgebildete, feldspathreiche, etwas poröse Gesteine
-mit grösseren oder kleineren, ziemlich unregelmässig begrenzten,
-dunkelbraunen Hornblenden, etwas Magneteisen und wenig Olivin. An
-manchen Punkten wie z. B. an dem Hügel, auf dem die Kirche von
-Maguiring steht, findet sich neben der Hornblende sparsam grüner
-Augit vor. Die Uferwände des Flusses Goa am Fuss des Ysarog werden
-von sehr lockeren, bimsteinartig aufgeblähten, einzelne Augite
-führenden, röthlichgrauen Amphibolandesiten gebildet, die leicht
-zu einem röthlichweissen Sande zerfallen. Dieser Sand füllt die
-Zwischenräume zwischen den grösseren Gesteinsstücken aus; dasselbe
-Gestein kommt auch am Fuss des Ysarog bei Raï-Raï und Uacloy vor. Aus
-den sehr zersetzten, lockeren, porösen, gelblichen Gesteinen bei der
-Visita Uacloy tritt eine heisse Quelle hervor, welche eisenhaltigen,
-bräunlichweissen Kalksinter absetzt. Die Schluchten zwischen Maguiring
-und Raï-Raï, welche die hügelige Ebene zerschneiden, enthalten
-dieselben lockeren zersetzten Gesteine, die jedoch nicht das Ansehen
-von Tuffen haben. Aus dem Fluss von Uacloy liegen graue, feste,
-wenig poröse Amphibolandesite vor, welche neben brauner Hornblende
-etwas grünen Augit führen, deren Zersetzung oder Verwitterung jene
-lockeren Gesteinsmassen geliefert haben wird. Von der halben Höhe
-des Ysarog bis zum Gipfel herrscht dasselbe hellgrüne, schwach poröse
-Gestein, das neben brauner Hornblende untergeordnet grünen Augit und
-etwas Olivin erkennen lässt. Es erscheint nicht wahrscheinlich, wenn
-auch möglich, dass die Analyse der Feldspathe aus den Gesteinen des
-Ysarog neben dem herrschenden glasigen triklinen Feldspathe Sanidin
-nachweisen würde. Mit diesem Nachweis würde die Einordnung des Gesteins
-unter die Amphibolandesite fraglich werden und eine Näherung an die
-Trachyte gegeben sein.
-
-Die gewaltige Bergmasse des Ysarog nimmt den ganzen Raum zwischen
-der Bai von S. Miguel und dem Meerbusen von Lagonoy in einer Breite
-von 18 Seemeilen ein oder hat nach v. Hochstetter den Isthmus erst
-gebildet, indem sie die Insel, welche einst die wahrscheinlich aus
-krystallinischen Schiefern bestehende Sierra di Caramuan [340] bildete,
-mit Südcamarines verband.
-
-Weiter südlich vom Ysarog folgt der am See von Buhi gelegene erloschene
-Vulkan von Yriga. Der isolirte Hügel westlich von Yriga an der
-Strasse nach Nabua besteht aus blaugrauem, etwas porösem Dolerit,
-in dessen feinkörniger Grundmasse neben kleinen, triklinen, glasigen
-Feldspathen reichlich gelblicher Olivin, ausserdem grüner Augit und
-Magneteisen ausgeschieden ist. Der Augit kommt in den Rapilli in
-losen rundum ausgebildeten Krystallen vor, welche durch die grade
-Endfläche (ähnlich wie die Krystalle vom Bufaure und vom Forstberg)
-ausgezeichnet sind. Manche dieser Krystalle sind in der Richtung
-der Hauptaxe so stark verkürzt, dass die Krystalle fast als Tafeln
-erscheinen, in denen die Säulenflächen deutlich, aber klein ausgebildet
-sind. Die bald compakten, bald porösen Doleritlaven des Vulkans Yriga
-sind z. Th. ärmer an Olivin, die Feldspäthe erreichen jedoch grössere
-Dimensionen. An einigen dieser Laven ist die Oberfläche stellenweise
-geschmolzen, so dass man auf Wirkungen des Blitzes geführt wird. Die
-etwas schlackigen Laven von der Visita Tambong am See Buhi zeichnen
-sich durch reichliche und grosse Olivine aus. Rothe Doleritschlacken
-mit triklinen Feldspäthen und grünen Augiten bilden eine Wand von
-250 Fuss unter dem Gipfel des Yriga, den ziemlich frische, compakte,
-graubraune, an Olivin reiche Dolerite zusammensetzen. Die Blöcke auf
-dem westlichen höchsten Zacken des Kraterrandes sind grobkörniger
-und poröser.
-
-Aus denselben Doleriten, meist mit grossen Augiten und kleineren
-triklinen Feldspäthen bei wechselndem Gehalt an Olivin, bestehen die
-vielen kleinen etwa 50 Fuss hohen Hügel zwischen Yriga und Buhi. Am
-Wege zwischen diesen beiden Orten tritt weisser Bimsteintuff auf,
-welcher sparsam unregelmässig begrenzte, dunkle Glimmerblättchen
-enthält. Der Feldspath scheint Sanidin zu sein und somit das
-Gestein dem Trachyt anzugehören. Die Hügel nächst Buhi bestehen
-aus grobgeschichteten Rapilli, die gegen den Ysarog einfallen, sich
-also auf ein anderes Eruptionscentrum beziehen. In dem am Ostfuss des
-Yriga liegenden See von Buhi wird die Felsinsel von einem hellgrauen,
-porösen, feinkörnigen Gestein gebildet, in dessen überwiegender
-Grundmasse neben brauner Hornblende grüner Augit, Olivin, Magneteisen
-und trikliner Feldspath sichtbar ist. Die im grossen Ganzen nach
-Einer und derselben Richtung langgestreckten Poren des Gesteins,
-das von den übrigen des Yriga abweicht, sind oft mit dünnen Tafeln
-triklinen Feldspathes ausgekleidet. Dünnschliffe zeigen die Grundmasse
-überwiegend aus dem Feldspath zusammengesetzt, daneben Hornblende,
-Augit, Olivin und Magneteisen.
-
-In Folge des Hornblendegehaltes findet sich im Sande des Strandes
-des Buhisees Hornblende neben Augit.
-
-Der Bergrücken zwischen Buhi und Tibi d. h. der Abhang des erloschenen
-Vulkans Malinao oder Buhi besteht aus Dolerit, welcher am Joch frisch,
-weiter abwärts nach Südwest hin sehr stark durch Schwefelwasserstoff
-zersetzt auftritt. Sie werden nach Buhi hin von vulkanischen,
-z. Th. zersetzten Sanden bedeckt. Der frische, nicht sehr feste,
-hellgraue, etwas poröse, feinkörnige Dolerit zeigt triklinen Feldspath,
-grünen Augit, etwas Olivin und Magneteisen. In den ziemlich groben
-vulkanischen Sanden findet sich ausserdem noch braune Hornblende,
-die in dem Dolerit nicht zu sehen ist. Einzelne Augite des Sandes
-sind rundum auskrystallisirt. Die durch Schwefelwasserstoff zersetzten
-Dolerite haben durch das ausgeschiedene Eisenoxyd einen röthlichweissen
-Schein erhalten. Die Grundmasse und die Feldspathe sind viel stärker
-angegriffen als die Augite, welche ihre grüne Farbe noch bewahrt
-haben. Von Olivin ist in ihnen nichts mehr zu sehen.
-
-An der Südwestküste der Provinz sind westlich von Pasacao bei
-Calbajan die krystallinischen Schiefer wieder beobachtet. Sie treten
-hier als sehr grobkörnige, nicht schiefrige Gesteine auf, welche
-aus vorherrschender, schwarzer, sehr schön spaltbarer Hornblende,
-weisslichgrauem, nicht sehr deutlich spaltbarem, triklinem Feldspath,
-etwas Magneteisen und Schwefelkies bestehen. Der Feldspath zersetzt
-sich mit kochender Salzsäure behandelt vollständig, gehört also den
-basischen an, gelatinirt jedoch nicht.
-
-Neben diesem grobkörnigen Hornblendegneiss kommt feinkörniger, ebenso
-zusammengesetzter, ebenfalls nicht schiefriger Hornblendegneiss
-vor. Andere verwitterte Gesteine eben daher, im Niveau der Ebbe und
-Flut wunderbar zerfressen, bestehen aus dichtem Feldspath mit etwas
-Quarz; die Spalten sind mit Kalkspath erfüllt. Darauf legt sich
-ein junges Conglomerat mit Kalkbindemittel, das von zertrümmerten
-Conchylien herrührt. Man erkennt darin weisse rundliche Quarze,
-Hornblendeschiefer, Kalkstückchen und einzelne braune Glimmerblättchen.
-
-Oestlich des Höhenzuges, welcher an der Südwestseite der Provinz
-hinzieht, tritt (N. von Pasacao) am Ufer des Flusses Libmanan
-zwischen Libmanan und Naga ein gelblichweisses, lockeres Gestein
-auf. Nach Abschlämmung des reichlichen Thones bleiben gelblichbraune
-Glimmerblättchen, etwas Magneteisen, sparsam grüner Augit, etwas
-mehr braune Hornblende und durchsichtige Quarzsplitter zurück. In der
-Umgebung von Libmanan stehen mürbe, gelblichgraue vulkanische Tuffe an,
-in denen Hornblende und Feldspath hervortritt. Diese Beschaffenheit
-weiset auf den Ysarog als Ursprungsort hin.
-
-SW. von Libmanan bietet der aus grauweissem, kleinkrystallinischem
-Kalkstein bestehende Berg Iamtik viele Tropfsteinhöhlen dar. Die
-Uferbänke des Flusses Bicol bei Visita Sibucat bestehen aus mürben,
-gelbbraunen, vulkanischen Tuffen mit Geschieben an Amphibolandesit,
-unter denen wiederum das eben angeführte mürbe, gelblichgraue Gestein
-liegt. Es ist hier viel thonreicher als zwischen Naga und Libmanan,
-der Rückstand nach Abschlämmung des Thones ist daher viel geringer
-und besteht aus Hornblende, Glimmer, Magneteisen, etwas grünem
-Augit und Quarzsplittern. Weiter oben stehen am Rio Bicol Thone
-mit Muschelresten an. Der ziemlich feste, fein poröse, gelbweisse,
-rundliche Massen von weissem feinkörnigem Kalkspath führende Kalkstein,
-der am Kalkofen Palsong (zwischen Naga und Batu) gesammelte Kalkstein
-steht SSW. an und enthält undeutliche Versteinerungen, von denen sich
-manche mit Wahrscheinlichkeit auf Abdrücke der Korallenzweige der
-noch im indischen Ocean lebenden Gattung Seriatopora beziehen lassen.
-
-Ein angeblich von Montecillo bei Libon (S. vom See von Batu)
-herrührender, gelblichgrauer, feinerdiger, bituminöser Kalkstein
-führt ktenoide Fischschuppen. Er wird auf dem Rio Quinali als Baustein
-verführt.
-
-
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-Provinz Albay.
-
-Die durch die schwache Solfatara von Igabo (NO. vom Gipfel des oben
-angeführten erloschenen Vulkans Buhi oder Malinao gelegen und etwa
-250 Fuss im Durchmesser haltend) zersetzten, völlig abgerundeten
-und schalig gewordenen Steine, welche den ganzen Boden der Solfatara
-bedecken, bestehen, wie die frischen Kerne der Steine zeigen, aus einem
-hellgrauen Dolerit. Er führt neben überwiegendem triklinem Feldspath
-grünen Augit, sparsam Olivin und dunkeln Glimmer. Schliesslich wird
-das Gestein zu einem weissen, mit Eisenoxyd durchzogenen oder rothen
-Kaolin zersetzt, in welchem Schwefel und Gyps sich findet.
-
-Der bei Tibi liegende Kieselbrunnen Naglegbeng liefert sehr schöne
-Kieselsinter, z. Th. mit Blattabdrücken. In dem lockeren porösen
-Gestein kommen einzelne Anhäufungen von Hyalith vor. Nach einer
-gefälligen Analyse von Herrn Professor Rammelsberg enthält das
-Wasser in 100000 Theilen 7,5 Kieselsäure, 25,4 Kalk mit Spuren von
-Eisen, 0,2 Magnesia, eine reichliche Menge von Chloriden, aber keine
-Sulphate. Das Wasser hatte eine geringe Menge (0,02) Kieselsäure
-(ohne organische Formen) in der Flasche abgesetzt. Manche der
-Kieselsinterabsätze bilden schalige Röhren, deren rundliche Enden
-der Oberfläche das Aussehen eines Erbsensteines geben. Man darf ihre
-Bildung wohl von aufsteigenden Gasblasen ableiten. Wo sie schliesslich
-mit gelblichweissem Hyalith erfüllt werden, geben sie dem Absatz eine
-gewisse Aehnlichkeit mit Korallenbildungen, die freilich verschwindet,
-wenn die ganze Bildung in Hyalith umgesetzt ist. Bei stärkerem Erhitzen
-sieht man in der scheinbar homogenen Hyalithmasse die ursprünglichen
-Röhren wieder hervortreten, indem ihre Färbung eine etwas andere ist
-als die der Füllmasse.
-
-Von den Doleriten des Mazaraga S. von Malinao und N. vom Vulkan
-Albay liegen von der halben Höhe entnommen compakte, bräunlichgraue,
-feinkörnige, feldspathreiche, an Olivin und Augit arme Gesteine
-vor. Die etwas porösen, sonst ähnlich beschaffenen Dolerite des Gipfels
-sind gebleicht und zersetzt durch saure Fumarolen. Die Rapilli eines
-grossen Barranco weisen grössere trikline Feldspathe, z. Th. rundum
-krystallisirte Augite, aber kaum Olivin auf.
-
-
-
-Insel S. Miguel.
-
-Die östlich von Malinao und Tabaco gelegene Insel S. Miguel
-zeigt an der Südküste einen sehr schmalen, mit vulkanischem Sand
-bedeckten Küstenstreifen. Der Sand besteht entweder vorzugsweise aus
-Magneteisen mit wenig Augit und Olivin oder aus Feldspath, grünem,
-z. Th. rundum auskrystallisirtem Augit, etwas Olivin und Magneteisen,
-dessen Oktaeder bisweilen deutliche Granatoederflächen zeigen. Um den
-ganzen Strand bilden grosse Blöcke von frischem, compaktem, hellgrauem
-Amphibolandesit, weiter NW. von blaugrauem compaktem Dolerit einen
-Saum. Der Andesit zeigt in feinkörniger Grundmasse neben zahlreichen,
-grossen, braunen Hornblenden glasige trikline Feldspathe, einzelne
-Augite und Magneteisen. Das Gestein gleicht ganz dem des Ysarog. Der
-Dolerit enthält in der feinkörnigen Grundmasse vorzugsweise triklinen
-Feldspath neben grünem Augit und etwas Magneteisen.
-
-Hinter dem Küstenstreifen erheben sich Bänke eines wenig festen,
-grüngelben, sandigen, etwas thonigen, tuffähnlichen Gesteins
-mit Kalkcement. Ausser bimsteinartigen grauweissen Partien
-sieht man Feldspath, gelbe und dunkle Glimmerblättchen, etwas
-Magneteisen. Im Rückstand nach Behandlung mit Säure erkennt man
-etwas Augit und Stückchen eines grauen dichten, feldspathführenden
-Gesteins. Eingelagert in diese Bänke sind bläulichgraue,
-ziemlich homogene und feste Thonbänke mit einzelnen gelblichen
-Glimmerschuppen. Sie werden in Tabaco als Fliesen benutzt, die
-oberste, weisse, 2 Fuss mächtige, einzelne gelbe Glimmerschuppen und
-Bimsteinfragmente führende Bank als Baustein. Nach oben geht diese Bank
-in einen gelbe Glimmerschuppen, Stückchen grauen feldspathhaltigen
-Gesteins, glasigen Feldspath und weisse Bimsteinfragmente führenden,
-wenig festen, weissen Tuff über, der auch weiter nordwestlich mit
-faustgrossen Geschieben ansteht. Alle diese wechsellagernden Thon-
-und Tuffbänke streichen h. 4 und fallen nach Nord.
-
-Weiter südöstlich stehen ältere, gelblichgraue, feste Thonbänke mit
-einzelnen gelblichen Glimmerschuppen an.
-
-Die Mitte der Insel besteht aus eisenschüssigem Sand und aus Kies. An
-der Nordküste liegen Sande, vulkanische Blöcke und thonige Bänke
-ähnlich wie an der Südküste.
-
-Ueber den Ursprungsort der vulkanischen Gesteine von S. Miguel lässt
-sich vorläufig nichts Genaueres angeben.
-
-Der östlich vom Mazaraga gelegene, noch thätige Vulkan Albay oder Mayon
-hat hell- bis dunkelgraue, compakte bis poröse Doleritlaven geliefert,
-welche in der feinkörnigen Grundmasse hellgrauen triklinen Feldspath,
-grünen Augit, etwas Olivin und Magneteisen zeigen. Sie sind z. Th. den
-Doleriten von Mariveles und also auch denen des Aetna zum Verwechseln
-ähnlich. Durch grösseren Gehalt an Feldspath wird das Gestein
-bisweilen heller, ebenso sinkt die Menge des Olivins bisweilen auf
-ein Minimum. Die Laven des Gipfels sind durch die mächtigen Fumarolen
--- heisse Wasserdämpfe und Schwefelwasserstoff -- stark zersetzt;
-Gyps findet sich daher dort in reichlicher Menge. Eine Varietät von
-faseriger bimsteinähnlicher Struktur gemengt mit zersetzten Silikaten
-analysirte de la Trobe, Rammelsberg Handb. d. Mineralchemie 263. Das
-untere Ende eines nahe am Gipfel beginnenden Lavastroms, liegt etwa am
-obersten Viertel des Berges. Es hat sich hier etwas aufgestauet und
-beim Erkalten in concentrisch schalige Bänke von etwa 1 Fuss Stärke
-abgesondert. Die Kluftflächen stehen senkrecht auf dem unterliegenden
-Gestein und gehen, Bogen bildend, allmählich in 20-30° Neigung gegen
-den Horizont über. Der grobe vulkanische Sand vom Südabhang zeigt nur
-Bruchstücke von Feldspath, Augit, Olivin, Magneteisen, keine rundum
-ausgebildeten Krystalle; daneben finden sich kleine Schlackenstücke und
-in geringer Menge Scherbchen braunen vulkanischen Glases. Am Südfuss
-des Vulkans bei Camalig treten durch Schwefelwasserstoff gebleichte
-und mit Gyps erfüllte Gesteine auf.
-
-Der isolirte Hügel zwischen Legaspi, Daraga und Albay besteht
-aus dunkelem, etwas schlackigem Dolerit von der gewöhnlichen
-Zusammensetzung. Unter den Lapilli von der Oberfläche des Hügels
-finden sich häufig lose, rundum auskrystallisirte Augite in der
-gewöhnlichen Form. Diese, die gewöhnlichen Augitzwillinge und mit
-Flächen versehene Olivine kommen, mit triklinem Feldspath verbunden,
-in einzelnen festeren helleren Gesteinsstücken vor, aus denen die
-losen Krystalle wahrscheinlich durch Verwitterung hervorgehen. In
-einem Wasserriss des Hügels stehen rothe schlackige Dolerite an mit
-kleinen verwitterten Feldspathen und grossen grünen Augiten.
-
-Auf der schmalen Landzunge zwischen dem Meerbusen am Albay und
-von Sorsogon liegt der wahrscheinlich vulkanische Berg Pocdol,
-der etwa die Mitte zwischen den thätigen Vulkanen Albay und Bulusan
-einnimmt. Um Bacon, östlich von Pocdol, liegt vulkanischer Schutt
-und Thon, letzterer Zersetzungsprodukt durch vulkanische Gase. Die
-gypsführenden Thone aus dem grossen Bergrücken zwischen Bacon
-und dem südöstlichen gelegenen Gubat lassen schliessen, dass dort
-doleritische Tuffe durch Fumarolenthätigkeit zersetzt wurden. Vor
-dem thätigen, wenigstens dampfenden Vulkan Bulusan wurden an 100 Fuss
-hohe Bimsteintuffe beobachtet.
-
-
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-II. Samar.
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-Im Rio Catarman (Nordküste der Insel [341]) stehen zwischen Catarman
-und Cobo-Cobo Bänke eines ziemlich festen, eisenschüssigen hellbraunen,
-kalkfreien Thones an mit Resten verkohlter Pflanzen und zahlreichen
-Bohrlöchern, welche nach Dr. von Martens von der noch oft in den
-Bohrlöchern vorhandenen Modiola striatula Hanley herrühren. Nach dem
-Abschlämmen hinterlassen die Thone wechselnde Mengen eines Rückstandes,
-der aus Quarz, zum Theil in eisenschüssigen, rundlichen Körnern und
-eckigen Splittern, etwas Magneteisen, weissem, braunem und grünem
-Glimmer, und aus Feldspath besteht. Einzelne eisenhaltige, braune,
-fast rein sandige Lagen von ziemlich grobem Korn zeigen dieselbe
-Zusammensetzung. Aehnliche, aber grünliche, sandige Schichten stehen
-weiter oberhalb im Rio Catarman an. Nach Behandlung mit Salzsäure sieht
-man im Rückstand neben etwas Magneteisen reichlich weissen Quarz,
-hie und da mit etwas dunkelem Glimmer, ferner Feldspath, weisse und
-dunkle Glimmerblättchen. An der weiter südlichen Salta Sangley kommen
-blaugraue Thone mit sandigen, grünlichen Lagen vor, welche die eben
-angeführten Mineralien enthalten. Aus dem weiter südlich und nahe
-der Salta Sangley entspringenden Fluss, der von Visita Tragbukan
-nach Calbayog führt, liegen, dem Ursprung des Flusses entnommen,
-gerundete mürbe Geschiebe eines ganz verwitterten Gesteins vor. Man
-erkennt in ihnen weissen und etwas dunkeln Glimmer und erhält nach
-Abschlämmen des Thones einen Rückstand mit zum Theil eisenschüssigem
-Quarz, Feldspath und etwas Magneteisen. Darnach rühren diese Geschiebe
-wohl von Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer her.
-
-Weiter flussabwärts unterhalb der Visita Tragbukan stehen wieder
-grüne und braune, eisenschüssige, wenig feste Sandsteine von grobem
-Korn und der angeführten Beschaffenheit an, welche Bänke wie die oben
-genannten von verwittertem Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer
-herzuleiten sind. In allen diesen Thon- und Sandsteinlagen ist kein
-grösseres Gesteinsbruchstück zu finden, das weitere Auskunft gäbe.
-
-Noch weiter unten folgen braune, feinerdige, feste, kalkhaltige
-Thonbänke mit undeutlichen Versteinerungen. Der Rückstand nach
-Behandlung mit Säure zeigt nur einige Glimmerblättchen und Quarzkörner.
-
-Weiter südöstlich an der Küste treten bei Catbalogan und auf der nahen
-Insel Majava vulkanische Tuffe auf. Die letzteren sind ziemlich fest,
-wenig thonig, grobkörnig und grünlich grau. Sie enthalten neben
-den zahlreichen Augitbruchstücken einige rundum auskrystallisirte
-Augite, reichlich Magneteisen, weissen Feldspath und sparsam kleine
-Gesteinsstücke, welche ident sind mit einzelnen vorliegenden grösseren
-Gesteinstrümmern. Das graue, dichte und compakte Gestein enthält
-in Feldspathgrundmasse zahlreiche grüne Augite und Magneteisen
-ausgeschieden. Nach Behandlung mit kochender Salzsäure wird die
-Grundmasse weiss und ist stark angegriffen. Dieses Verhalten und die
-sehr sparsamen, kleinen, triklinen Feldspathe des Gesteins zeigen,
-dass man einen porphyrisch ausgebildeten Dolerit oder Pyroxenandesit
-vor sich hat. Ein denselben Conglomeratblöcken entnommenes gerundetes
-Geschiebe führt in dichter brauner Grundmasse grünen Augit. Die
-zahlreichen rundlichen Hohlräume sind mit Strahlzeolith und Opal
-erfüllt, die Tuffe streichen h. 2,5 und fallen 80° N.
-
-Bei Catbalogan stehen graue und braune, etwas thonige, zum Theil sehr
-feinsandige Bänke an. Das Pulver gibt an den Magnetstab Magneteisen
-ab. Sie enthalten sparsam triklinen Feldspath, Augit und Bimstein
-ähnliche Trümmer, bisweilen auch Bruchstücke eines ganz dunkeln,
-dichten Gesteins, in welchem einzelne trikline Feldspathe zu erkennen
-sind. Im Anschluss an das Vorkommen von Majava darf man diese Bildungen
-wohl betrachten als aus doleritischen Gesteinen entstanden.
-
-Diese Bänke werden von z. Th. mürbem gelblichgrauem, feinkörnigem
-Kalkstein überlagert. Er hinterlässt nach Behandlung mit Salzsäure
-einen aus vielen thonigen Partikeln, etwas Feldspath, Augit und
-Magneteisen und kleinen, grauen Gesteinstheilchen bestehenden
-Rückstand; z. Th. sind die Kalke, welche h. 5-5 1/2 streichen und 35°
-N. einfallen, dicht, fest, weisslichgrau. Die unteren Schichten sind
-aus vulkanischen Tuffen und Kalk gemengt.
-
-Hart am Meeresstrande bei dem am Ostende der Bucht gelegenen Paranas
-sieht man harte Muschelbreccie, durch Kalk verkittete Muscheltrümmer,
-in grossen zertrümmerten Schollen auf weicheren Bänken derselben Art
-liegen. Aus letzteren lässt sich unter den vielen Bruchstücken nach
-Dr. von Martens die im indischen Ocean lebende Plicatula depressa
-Lam. erkennen. Die unter diesen horizontal ausgebreiteten Schichten
-liegenden gelblichgrauen Thone fallen landeinwärts. Von ihren
-ziemlich wohlerhaltenen Muscheln und Pteropoden lässt sich nach
-Herrn Dr. von Martens ein Theil bestimmen als den noch im indischen
-Ocean lebenden Gattungen Yoldia, Pleurotoma, Cuvieria, Creseis,
-Dentalium angehörig. Die Pleurotoma-Art stimmt mit keiner lebenden
-überein. Mit lebenden Arten stimmen überein: Venus (Hemitapes)
-hiantina Lam.; Venus squamosa L.; Arca (Scapharca) Cecillei Phil.;
-Arca inaequivalvis Brug. var. [342]; Arca chalcanthum Rv.?; Corbula
-crassa Rv.; Natica unifasciata Lam. var. lurida Phil.
-
-Im Walde zwischen Paranas und dem nach NO. landeinwärts gelegenen
-Loquilocun stehen Felsen an aus einem festen, graulichweissen,
-mit Kalkspathadern durchzogenen, breccienartigen Kalkstein, in
-dem undeutliche organische Reste, wohl von Korallen, zu erkennen
-sind. Im Loquilocunfluss, der seinen Lauf nach NO. an die Ostküste
-der Insel richtet, stehen unterhalb der Visita Loquilocun in grossen
-ungeschichteten Massen stark verwitterte, mürbere, bräunlichgelbe
-Kalke an. Die bei der sechsten Stromschnelle unterhalb Loquilocun
-angeschwemmte, schwefelkiesreiche, mit Gyps durchzogene Kohle gleicht
-den Hölzern der Braunkohle. Sie lässt die Holzstruktur mit blossem
-Auge erkennen und giebt ein braunes Pulver.
-
-Aus einer grossen Anschwemmung von Kies und Geröllen gegenüber der
-Stromschnelle unterhalb Loquilocun, wo zum ersten Mal die Kähne
-entleert und das Gepäck über Land getragen werden muss, liegen
-vor: ein stark verändertes, mit Epidot durchzogenes, körniges,
-rothgraues Gestein, in dem neben Quarz und triklinem Feldspath
-ziemlich viel Magneteisenpunkte zu sehen sind; es macht nicht den
-Eindruck eines Eruptivgesteins und möchte der feldspathigen Reihe
-der Hornblendeschiefer angehören; ein blaugraues, porphyrisches
-Gestein, dessen glasige, nicht doppelbrechende Grundmasse mit
-kleinen Sphärulithen erfüllt ist und sparsam kleine Quarzkörner und
-Magneteisen neben grösseren mattweissen Feldspathen enthält. Nur
-an einem der Krystalle liess sich mit Sicherheit trikline Streifung
-erkennen. Ist wohl das Gestein ein jungeruptives, so bleibt doch die
-weitere Bezeichnung zweifelhaft; immerhin ist das Auftreten von Quarz
-in der glasigen Grundmasse von Interesse. Als Einschlüsse kann man
-die Quarzkörner nicht auffassen. Ferner milchweisser Achat, der einer
-Mandelsteinerfüllung angehört hat, wie die Oberfläche nachweiset;
-rothbrauner Jaspis mit feinen Quarzadern durchzogen.
-
-Geschiebe aus dem Baseyflusse (Südküste der Insel) an der Grotte
-Sogoton gesammelt bestehen aus einem alten Eruptivgestein. Es führt
-in feinkörniger, dunkelgraugrüner Grundmasse mattweisse trikline
-Feldspathe, sparsam Magneteisen und einige undeutliche grünliche
-Krystalle, die man für Augit halten darf. Nach diesem Bestande und dem
-Verhalten des Gesteins und der Feldspathe gegen kochende Salzsäure
-wird man das Gestein den Oligoklasaugitporphyren zuzählen. Das
-neben demselben vorkommende, rothbraune, eisenschüssige, mit Säuren
-brausende, mürbe Gestein mit einem durch Säure ganz zersetzbaren
-Feldspath mag ein Tuff eines ähnlichen Porphyrs sein. Im Bett des
-Flusses Sogoton N. von Basey finden sich Gerölle von Talk- und
-Chloritgesteinen.
-
-Die Grotte Sogoton wird von Kalkfelsen gebildet, in denen man Spuren
-von Zweischalern und Echinitenstacheln erkennt. Vor der Grotte
-liegen 20 Fuss hoch über dem Fluss am rechten Ufer Bänke mit marinen
-Muscheln. Es sind noch lebende Arten; nach Herrn Dr. von Martens Venus
-(Hemitapes) hiantina Lam., Arca (Scapharca) Cecillei Phil., Arca
-uropygmelana Bory; Placuna placenta L. Die Schalen haften z. Th. kaum
-an der Zunge, die Ablagerung muss also sehr recent sein. An einer der
-kleinen Inseln bei Nipa-Nipa (Basey) finden sich in den 60 Fuss hoch
-über dem Meer liegenden, gehobenen Muschelbänken nach Herrn Dr. von
-Martens die noch lebenden Arten: Chama sulfurea Rv., Pinna cf. nigrina
-Lam. Ostrea denticulata Born; O. Cornucopiae Chemn.; O. rosacea
-Desh. Am Strand westlich von Basey steht ein lockeres Aggregat von
-Muscheltrümmern mit einzelnen gerundeten, kleinen Geschieben an.
-
-
-
-III. Leyte.
-
-Von der Ostküste der Nordspitze der Insel liegen aus der Gegend
-von Dagami und Tanauan Gesteine vor. Am Joch des Berges Dagami
-steht frischer Amphibolandesit an. Die fast compakte, feinkörnige,
-graulichweisse Grundmasse, welche sich durch Verwitterung bräunlichgrau
-färbt, enthält zahlreiche, grosse braune Hornblendesäulen,
-kleinere trikline glasige Feldspathe, etwas Magneteisen; die in
-dünnen Splittern grünlich durchscheinende Hornblende schliesst oft
-Feldspath ein. Das Gestein gleicht dem vom Ysarog vollständig. Daran
-schliesst sich nördlich ein Rapilliberg und weiter unten vulkanischer
-Sand. Am Ostfuss des Dagami liegt eine Solfatara, aus welcher ein
-Bach mit 50° R. hervortritt. Den Rand des Baches umsäumen röthliche
-Kieselsinterkrusten, deren Oberfläche ästige Fortsätze trägt: ähnliche,
-mit braunem basisch schwefelsaurem Eisenoxyd überzogene Absätze
-finden sich am Rande des Kieselsprudels Nol. In den einerseits bis zu
-Bianchetto, andererseits zu Thon zersetzten Gesteinen der Solfatara
-fehlt es nicht an Ueberzügen von basisch schwefelsaurem Eisen und an
-Ablagerungen von Schwefelkrystallen. Die weniger zersetzten Gesteine
-zeigen noch Ueberzüge von Gyps. Neben den fast intakten Hornblenden
-zeigt sich die Grundmasse viel stärker angegriffen als Magneteisen
-und Feldspath.
-
-Die Solfatara am Berg Danaan zeigt dieselben Erscheinungen: einen
-Kieselsprudel, Schwefelabsätze und Alaunbildung in den gebleichten und
-zersetzten Amphibolandesiten. Am Meer bei Tanauan südlich vom Pueblo
-stehen jenseits des Aestuars graugrüne quarzige Chloritschiefer an,
-in welchen Epidotadern auftreten.
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-
-UEBER ALTE UND NEUE SCHÄDEL VON DEN PHILIPPINEN
-
-von Rud. Virchow.
-
-(Hierzu Taf. I-III.)
-
-
-Herr Jagor hatte die grosse Güte, mir die von ihm auf den Philippinen
-gesammelten und von dort mitgebrachten Schädel zur Bearbeitung zu
-überlassen. Ich legte die erste Reihe derselben in der Sitzung der
-Berliner anthropologischen Gesellschaft am 15. Januar 1870 vor und
-bemerkte darüber Folgendes:
-
-»Als Herr Jagor mir die Mittheilung machte, dass er eine grössere
-Anzahl von Schädeln von den Philippinen mitgebracht habe, welche
-er meiner Untersuchung unterbreiten wolle, machte ich mich alsbald
-daran, um wenigstens Einiges über ihre anatomische Beschaffenheit
-seinem Vortrage hinzufügen zu können. Der erste Blick zeigte,
-dass eine der seltensten künstlichen Verunstaltungen des Schädels,
-welche überhaupt bekannt ist, in ausgezeichneten Exemplaren hier
-vorliegt, und dass diese Schädel ein ganz besonderes Interesse in
-Anspruch nehmen. Ein Theil von ihnen hat wesentlich dieselbe Form,
-welche sich im nordwestlichen Nordamerika findet, und unter dem
-Namen des Flachkopfes (Flathead) bekannt ist. Namentlich einer der
-von Herrn Jagor mitgebrachten Schädel aus der Höhle von Lanang ist
-ein Flachkopf von musterhafter Ausbildung; er ist von oben und vorn
-her flachgedrückt, wie ein Kuchen, und von den weit nach hinten
-geschobenen Seitenbeinhöckern (Tubera parietalia) läuft das fast
-ganz abgeplattete Hinterhaupt in einer Ebene schräg nach unten gegen
-das grosse Hinterhauptsloch (Taf. I. fig. 3-4). Einige der anderen
-Schädel verhalten sich ähnlich, wenngleich ihre Verunstaltung keinen
-so hohen Grad erreicht hat.
-
-Dass auf den Inseln Asiens ähnliche Gebräuche geherrscht haben, wie
-in Amerika, ist allerdings, wie sich bei genauerer Nachforschung
-gezeigt hat, von einzelnen Schriftstellern berichtet, indess ist
-die Thatsache doch so verborgen geblieben, namentlich ist sie so
-wenig durch authentische Funde belegt worden, dass davon auch in den
-Werken der Specialschriftsteller kaum die Rede ist. Nur Thévenot,
-dessen Werk [343] am Ende des 16. Jahrhunderts erschienen ist, lässt
-einen Geistlichen in einer Beschreibung der Philippinen berichten,
-dass die Eingebornen auf einigen dieser Inseln die Gewohnheit hätten,
-den Kopf ihrer neugebornen Kinder zwischen zwei Bretter zu legen und
-so zusammenzupressen, dass er nicht mehr rund bliebe, sondern sich in
-die Länge ausdehne. Er fügt hinzu, dass sie auch die Stirn abplatteten,
-indem sie glaubten, dass diese Form ein besonderer Zug von Schönheit
-sei. Eine genauere Betrachtung der vorliegenden Schädel ergiebt in
-der That deutlich die doppelte Compression, welche einerseits schräg
-von hinten und unten her, andererseits von vorn und oben her auf den
-Schädel ausgeübt ist, und man braucht sich diese beiden Druckflächen
-nur verlängert zu denken, so bekommt man die nach vorn zusammengehende
-Stellung der Druckbretter, welche noch heute bei gewissen wilden
-Stämmen der nordamerikanischen Westküste im Gebrauch ist.
-
-Die Sache hat gegenwärtig eine ganz besondere Bedeutung, weil die
-Zahl der Fundstellen solcher verunstalteter Schädel im Laufe der
-letzten Jahre immer grösser geworden ist, und zwar auch in Europa. Was
-insbesondere Deutschland anbetrifft, so sind am meisten bekannt die
-in der Nähe von Wien gefundenen difformen Schädel, über welche lange
-und gelehrte Streitigkeiten stattgefunden haben, indem die eine Partei
-meinte, es handele sich um Awarenschädel, möglicher Weise um direkte
-Ueberreste der alten Hunnen, während auf der anderen Seite sogar
-die Frage auftauchte, ob nicht bei der grossen Aehnlichkeit, welche
-diese Schädel mit gewissen Peruaner-Schädeln zeigen, anzunehmen sei,
-dass durch die Beziehungen der alten Habsburger zu Peru Schädel von
-da nach Deutschland gekommen und hier verloren gegangen sein könnten.
-
-Diese letzte Frage, die immerhin discussionsfähig war, hat ihren Boden
-gänzlich verloren, seitdem in den letzten Zeiten ähnliche Funde auch
-an anderen Orten Europas gemacht worden sind. Nachdem schon Blumenbach
-in seiner berühmten Schrift De generis humani varietate nativa, 1776,
-p. 63 eines derartigen Schädels aus einem Göttinger Grabe gedacht
-hat, ist neulich von Hrn. Ecker in Freiburg im ersten Bande des
-Archives für Anthropologie S. 75 ein solcher Fund aus Rheinhessen
-genauer beschrieben worden. Der Schädel wurde gefunden in der Nähe
-von Niederolm, zwischen Mainz und Alzey, innerhalb einer grösseren
-Gräberreihe, welche dort aufgedeckt worden ist. Diese Beschreibung hat
-Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, auf einen schon früher von ihm
-in seinen Crania britannica bezeichneten Schädel aufmerksam zu machen
-(Archiv f. Anthropologie II. S. 17), welcher auf einem seiner Meinung
-nach angelsächsischen Kirchhofe zu Harnham bei Salisbury, Wiltshire,
-aufgefunden worden ist.
-
-Es wird daher wohl kaum noch zweifelhaft sein können, dass in der That
-auch in Europa einheimische Stämme ähnliche Gebräuche gehabt haben,
-und wenn wir nun auf der anderen Seite das Gebiet dieser Difformitäten
-sich weit über die bisher gekannten Grenzen auf die Inseln Ostasiens
-ausdehnen sehen, -- bisher war Tahiti der von Osten her am meisten
-vorspringende Punkt, von welchem derartige Schädel bekannt waren,
--- wenn wir sehen, dass dasselbe Verfahren auf den Philippinen geübt
-worden ist, so wird man sich wohl darein finden müssen, anzunehmen,
-dass durch eine gewisse Uebereinstimmung des menschlichen Geistes,
-wie sie uns auch sonst oft genug überrascht, derartige Gebräuche
-sich an den verschiedensten Orten festgestellt haben, ohne dass man
-daraus Folgerungen auf einen direkten Zusammenhang der Völker ziehen
-darf, und ohne dass man, was meiner Meinung nach das Wichtigste ist,
-von dem Vorkommen gewisser Schädel-Difformitäten berechtigt ist auf
-die Abstammung der Völkerschaften und auf prähistorische Wanderung
-derselben zurückzuschliessen. Ich betone dies namentlich gegenüber
-den Ausführungen des Herrn Gosse (Mém. de la soc. d'anthrop. de
-Paris. 1861 T. II. p. 567), welcher aus gewissen übereinstimmenden
-Verunstaltungen der Schädelform darthun will, dass von Florida eine
-alte Bevölkerung in Mexiko eingewandert sei und sich später bis nach
-Peru ausgebreitet habe.
-
-Von besonderem Interesse sind die sehr ähnlichen Schädel, welche in
-der Krim gefunden worden sind, und die Herr v. Baer zum Gegenstande
-einer besonderen Abhandlung [344] gemacht hat. Es ist dies eine
-klassische Gegend, denn schon Hippokrates hat uns Nachrichten von einer
-Völkerschaft an der östlichen Ecke des schwarzen Meeres hinterlassen,
-welche er Makrocephalen nennt, die sich nach seiner Aussage durch die
-Gestalt ihres Schädels vor allen anderen Völkern auszeichnete. Durch
-Anlegung von Binden und Maschinen zwangen sie, wie er sagt, schon
-den Kopf des neugebornen Kindes, in die Länge zu wachsen, und zwar
-deshalb, weil sie die Länge des Kopfes für ein Zeichen des Adels
-hielten. Nach Hippokrates haben verschiedene andere Schriftsteller
-über diese Völkerschaft berichtet.
-
-Ueberall, von wo wir seitdem Nachrichten über die Entstehung dieser
-Difformität erhalten haben, kommen sie darin überein, dass die
-neugebornen Kinder entweder auf ein Brett gelegt werden und ihnen dann
-durch Binden der Kopf gegen dasselbe angezogen wird, oder dass ihr Kopf
-zwischen zwei Bretter gezwängt und dadurch ein Druck auf zwei Punkte
-desselben ausgeübt wird, oder endlich, dass an bestimmte Stellen des
-Kopfes Compressen angelegt und darüber Binden in allerlei Zirkeltouren
-um den Kopf herumgeführt werden, so dass durch die Compresse eine
-Abplattung, durch die Binden circuläre Eindrücke hervorgebracht werden.
-
-Die ersten ikonographischen Mittheilungen über diese Verhältnisse
-hat der berühmte amerikanische Reisende Catlin veröffentlicht; bei
-ihm finden wir auch Abbildungen der Compressionsmaschine. In seiner
-Beschreibung der Chinook's an der Westküste Nordamerikas zeichnet er
-auf der einen Tafel eine flachköpfige Dame, welche ihr neugebornes
-Kind im Druckapparate hält, auf der nächstfolgenden Tafel ein kleines
-kahnartiges Werkzeug, in welchem das Kind eingewickelt liegt, und
-welches so eingerichtet ist, dass es auf den Rücken gehängt werden
-kann, um so die Wanderungen mitzumachen, welche diese wenig sesshaften
-Völkerschaften unternehmen.
-
-Dass ähnliche, wenn auch nicht so complicirte, aber doch nicht minder
-wirksame Operationen noch gegenwärtig in Europa vorgenommen werden,
-ist namentlich durch verschiedene Beobachtungen in südfranzösischen
-Departements festgestellt worden. Man kennt 3-4 solche Gegenden,
-wo noch gegenwärtig durch Druckeinwirkungen der Kopf der Neugebornen
-verunstaltet wird. Da nun auch in verschiedenen Gegenden Deutschland's
-ähnliche Schädel gefunden worden sind, so erlaube ich mir ganz
-besonders die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt zu lenken, da es
-wünschenswerth wäre, darauf Acht zu geben, ob etwa Rückstände dieser
-Gebräuche auch in der norddeutschen Bevölkerung anzutreffen sind,
-worauf eine Notiz bei Blumenbach (De generis humani varietate nativa,
-p. 60) speciell für Hamburg hindeutet.
-
-Nachdem wir die Analogie der difformen Schädel von den Philippinen mit
-denen der Chinooks und verschiedener anderer flachköpfiger Bevölkerung
-constatirt haben, so fragt es sich: Was mag der Volksstamm, welchem
-diese Schädel angehörten, für eine primäre Gestaltung des Schädels
-besessen haben? wie würden diese Schädel ausgesehen haben, wenn sie
-nicht künstlich missgestaltet worden wären?
-
-In dieser Beziehung bemerke ich, dass Herr Gosse, ein Genfer
-Arzt, der eine sehr verdienstvolle Abhandlung über die künstliche
-Verunstaltung des Schädels [345] geschrieben hat, die schon von
-Hippokrates aufgestellte Meinung wiederholt hat, es könne sich
-allmählich eine erbliche Fortpflanzung dieser Form einstellen, und es
-bedürfe in der Folge der Generationen nicht mehr einer ausgiebigen
-Einwirkung, um sie zu erzeugen; sie erhalte sich von selbst auf dem
-Wege der Heredität. Dagegen sprechen alle sonstigen Erfahrungen: bei
-Catlin sind Chinook-Indianer abgebildet aus der neueren Zeit, wo diese
-Bräuche nicht mehr herrschen, deren Schädel sich nicht difform zeigt;
-ja, unter den östlicheren Stämmen Amerika's giebt es einzelne, wie die
-Choctaws, die ursprünglich mitten in dem jetzt cultivirten Nordamerika
-gewohnt haben, unter denen früher ähnliche Sitten herrschten, und
-in deren Gräbern man noch abgeflachte Schädel gefunden hat, bei
-denen jedoch jetzt jede Spur dieser Schädelform geschwunden ist,
-nachdem sie die Compression aufgegeben haben. Dazu kommt, dass in
-manchen Stämmen die Verunstaltung ein Vorzug der männlichen und zwar
-der adeligen männlichen Bevölkerung war und dass ausser den Sklaven
-auch die Frauen davon ausgeschlossen waren, -- ein Umstand, welcher
-der Vererbungstheorie keineswegs günstig ist. Man darf daher nirgends
-annehmen, dass sich diese Difformität von selber fortgepflanzt hat,
-und es wird überall, wo man sie antrifft, die Frage aufgeworfen
-werden müssen: giebt es Schädel, aus welchen man die ursprüngliche
-Form erkennen kann?
-
-Für die Erörterung dieser Frage an den Philippinen-Schädeln ist
-ein Umstand von besonderem Nutzen. Ausser dem Eingangs erwähnten
-Muster-Schädel gehören noch 4 andere demselben Fundorte an. Sie
-sind sämmtlich in der Höhle bei Lanang unter Verhältnissen gefunden,
-welche ein grosses Alter andeuten. Ich erwähne zuerst einen ringsum
-mit starken Kalkmassen incrustirten und dadurch colossal vergrösserten
-Schädel, welcher ein ganz formidables Aussehen darbietet und als
-richtiger fossiler Schädel erscheint. Trotz der Kalkmassen, die ihn
-umhüllen, kann man sehr wohl erkennen, dass er wesentlich derselben
-abgeplatteten Form angehört oder ihr jedenfalls sehr nahe steht. An
-einem dritten Schädel dagegen ist keine Spur jener künstlichen Form
-vorhanden, so dass durchaus kein Zweifel darüber bestehen kann, dass
-er niemals einem Druckverfahren unterlegen hat, und da er an derselben
-Stelle mit den anderen gefunden worden ist, so ist meiner Meinung nach
-auf dies Verhältniss ein grosser Werth zu legen. Endlich die letzten
-beiden Schädel, obwohl sie deutliche Spuren der Abplattung an sich
-tragen, zeigen dieselbe doch in abnehmendem Maasse, so dass man, wenn
-man einen nach dem andern mit jenem ersten vergleicht, eine ziemlich
-regelmässige Stufenfolge der Verunstaltung erkennt. Ich habe von diesen
-letzteren Schädeln den Kalküberzug grossentheils abgesprengt, worauf
-sich ergab, dass man schon auf eine mehr natürliche Form gelangt,
-welche weit davon entfernt ist, eine augenfällige Aehnlichkeit mit
-den Chinook-Köpfen darzubieten; freilich der schnelle und ebene Abfall
-des Hinterhauptes deutet immer noch darauf hin, dass eine künstliche
-Einwirkung stattgefunden hat (Taf. I, fig. 1-2).
-
-Noch wichtiger ist es, dass aus einer anderen und zwar aus einer von
-der eben erwähnten ziemlich entfernten Lokalität, nämlich aus der
-von Herrn Jagor (Zeitschrift für Ethnologie I. S. 80) beschriebenen
-Felsklippe von Nipa-Nipa, welche in der Strasse zwischen Samar und
-Leyte gelegen ist, zwei andere Schädel (Taf. I, fig. 5-6) von ihm
-mitgebracht worden sind, von denen der eine dieselbe Verunstaltung,
-wie die besprochenen, in hohem Maasse darbietet (fig. 6). Ich erwähne
-nur aus der Mittheilung des Herrn Jagor, dass vom Meere aus eine
-Art Thor in die Klippe hineingeht, durch welches man in eine innere
-Bucht gelangt, die von steilen Felswänden umgeben ist; an einer der
-letzteren befindet sich hoch über dem Meere die schwer zugängliche
-Höhle, aus welcher die Schädel genommen sind.
-
-Auch an diesen beiden Schädeln aus der Höhle von Nipa-Nipa zeigt sich
-eine entschiedene Differenz: an dem einen bemerken wir eine positive
-Abplattung, einen steilen Abfall, von den Tubera parietalia nach unten,
-wie er niemals an einem natürlichen Schädel vorkommt (Taf. I, fig. 5),
-und von unmittelbar derselben Lokalität rührt ein anderer Schädel von
-übrigens ganz ähnlicher Färbung und Beschaffenheit der Knochen her,
-der vielleicht einer leichten Abplattung unterlegen hat, worauf eine
-gewisse Verschiebung nach der einen Seite hin deutet, der aber im
-Uebrigen ganz offenbar dem gewöhnlichen oder ursprünglichen Zustande
-sich nähert (Taf. I, fig. 6).
-
-Auf diese Weise kann man, wie mir scheint, seinen Weg von den künstlich
-erzeugten zu den ursprünglichen Verhältnissen zurückfinden, und es
-ist möglich, zu Schädelformen zu gelangen, bei welchen man wenigstens
-annähernd richtig gewisse Verhältnisszahlen aufstellen kann, welche
-zur Vergleichung mit anderen Befunden dienen dürfen. Unsere Zuversicht
-in die Richtigkeit der Schlussfolgerungen ist um so grösser, als die
-Zahlen beider Beobachtungsreihen sich gegenseitig controliren.
-
-Für diejenigen, welche nicht Anatomen sind, bemerke ich, dass es
-in neuerer Zeit Gebrauch geworden ist, die ethnologisch wichtigsten
-Maassverhältnisse des Schädels zunächst in der Weise zu bestimmen,
-das man Verhältnisszahlen zwischen Länge, Breite und Höhe des Schädels
-sucht, in der Art dass die Länge = 100 gesetzt und Breite und Höhe
-darnach reducirt werden. Der Kürze wegen kann man die gefundene
-procentische Zahl für die Breite als Breitenindex, diejenige für die
-Höhe als Höhenindex bezeichnen. Das Verhältniss von Höhe zu Breite wird
-gleichfalls auf eine Breite von 100 berechnet und die Zahl für die Höhe
-als Breitenhöhenindex aufgeführt. Thut man dies nun an den am wenigsten
-difformen Schädeln der Philippinen, so kommt man immer noch auf einen
-Breitenindex, welcher nach den bisher bekannten Erfahrungen für die
-ostasiatische Inselbevölkerung ganz unerhört ist. Bei dem einen relativ
-normalen Schädel aus der Höhle von Nipa-Nipa beträgt der Breitenindex
-89,1, der Höhenindex 78,9, der Breitenhöhenindex 88,5; bei dem
-einen Lanang-Schädel ist der Breitenindex 80,1, der Höhenindex 77,8,
-der Breitenhöhenindex 97,1. Solche Breitenverhältnisse sind überall
-ungewöhnlich; z. B. die äusserste Grenze der Breitenverhältnisse in
-Europa finden wir bei den Lappen, wo sie zwischen 82 und 83 schwankt.
-
-Es ergiebt sich zunächst aus diesen Verhältnissen in ganz
-unzweifelhafter Weise, dass diese in ausgezeichnetem Sinne
-brachycephale Bevölkerung, die doch, wie es scheint, einer lange
-vergangenen [346] Zeit angehört, nichts zu thun hat mit den
-Negritos, insofern diese, soviel bis jetzt angenommen wird, mit
-den Melanesiern in Beziehung stehen, welche sich alle auszeichnen
-durch die relativ geringe Breite ihres Schädels im Vergleich zu einer
-relativ beträchtlichen Länge. Einige andere polynesische Stämme sind
-geradezu ausgezeichnet durch die geringe Breite des Schädels bei
-einer ungewöhnlichen Höhe und Länge (Hypsistenocephali).
-
-Man ist daher für unsere Schädel darauf angewiesen, andere
-Verwandtschaften aufzusuchen, und die nächste Frage, welche sich
-hier aufwirft, ist die: ist es eine malaische Bevölkerung gewesen,
-mit der wir es zu thun haben? Auch für die malaische Rasse im Ganzen
-liegen die angeführten Verhältnisse ausser aller Erfahrung. Es giebt
-allerdings ein paar Punkte im Gebiete der Malaien, an welchen erheblich
-breite Schädel gefunden worden sind. Welcker (Archiv für Anthropologie
-II. S. 154-156) hat die extremsten Verhältnisse an den von Madura,
-einer nördlich von Java gelegenen Insel, hergebrachten Schädeln
-nachgewiesen, bei denen aber doch solche Verhältnisse nicht vorkommen,
-wie wir sie hier vor uns finden. Nach seinen Mittheilungen betrug der
-Breitenindex der Maduresen, der übrigens dem Höhenindex gleich war,
-82 [347]. Nächstdem stehen in der Liste von Welcker die Menadaresen
-mit einem Breitenindex von 80 und einem Höhenindex von 81. Für die
-Javanesen berechnet er einen Breitenindex von 79, während freilich
-andere Autoren 82-84 haben. Immerhin ist durch die neuere Untersuchung
-constatirt, dass innerhalb der malaischen Reihe eine gewisse Breite
-der Schwankungen nach Stämmen existirt, und dass man bei einzelnen
-derselben zu Breitenindices kommt, welche denen der Lappen nahezu
-analog sind.
-
-Unter den vorliegenden Schädeln stammt nur einer, derjenige nämlich,
-welchen Herr Jagor am Ysarog auf der Insel Luzon ausgegraben hat,
-nach den Nachrichten, welche er erhielt, von einem der heutigen
-Eingebornen; es war bekannt, dass der betreffende Mann, ein Cimarrone,
-durch einen Hieb am Hinterhaupte sein Leben verloren hat. Dieser
-Schädel ist unglücklicherweise der einzige unter den von Herrn Jagor
-mitgebrachten, von welchem man sicher ist, dass er einer noch jetzt
-bestehenden Race angehört, und da wir auch sonst wenig Nachrichten über
-die Craniologie der Philippinen [348] haben, so bin ich nicht in der
-Lage, etwas Bestimmtes über seine Stellung zu sagen. Sein Breitenindex
-beträgt 76,9, der Höhenindex 76,1, der Breitenhöhenindex 98,9, die
-Capacität 1315 Cub.-Cm. Auch wenn man die einzelnen Schädelknochen
-mit denen der Lanang- und Nipa-Nipa-Schädel vergleicht, so sind
-seine Verhältnisse so wesentlich abweichend, dass in der That keine
-Beziehungen des modernen Schädels zu den Höhlen-Schädeln aufgefunden
-werden können. Dagegen kann ich allerdings nach den sonst vorliegenden
-Messungen sagen, dass der Cimarronen-Schädel eine gewisse Aehnlichkeit
-mit Malaien-Schädeln von den benachbarten Sunda-Inseln, namentlich
-mit Dajak-Schädeln [349] darbietet.
-
-Es bleibt aber noch eine Reihe von Schädeln, 6 an der Zahl,
-zu betrachten, welche zwar sämmtlich aus einer anderen Höhle
-genommen sind, als die bisher besprochenen, aber doch von demselben
-Felsencomplex von Nipa-Nipa stammen, in welchem die eine der
-vorhin erwähnten Höhlen liegt. Diese Schädel (Taf. II, fig. 1-3)
-haben namentlich durch die häufige Erhaltung der Unterkiefer einen
-besonderen Werth. Sie gehören ihrer ganzen Erscheinung nach einer
-anderen Kategorie an und machen, namentlich durch ihre gute Erhaltung,
-den Eindruck einer mehr modernen Gruppe. Für das chronologische
-Datum, welches man ihnen beilegen kann, tragen sie noch ein besonderes
-Indicium an sich: es sind nämlich zwei derselben exquisit syphilitisch,
-so dass sie wirklich als Musterspecimina in einem pathologischen
-Museum aufgestellt zu werden verdienen. An dem einen findet sich eine
-Durchbohrung des harten Gaumens und eine Zerstörung im Umfange des
-Naseneinganges an dem Oberkiefer und den Nasenbeinen, welche jedoch
-offenbar geheilt gewesen ist; der andere (Taf. II. fig. 3) bietet
-ein mustergültiges Beispiel von Caries sicca, welche die Gegend der
-Stirn einnimmt und von da auf die Nasenwurzel übergreift, so dass
-kein Zweifel sein kann, dass es sich um eine chronische Periostitis
-gummosa des Stirnbeines und der Nasenbeine gehandelt hat.
-
-Nun giebt es freilich über das Alter der Syphilis verschiedene
-Meinungen, indess ist bis jetzt weder die Meinung aufgestellt worden,
-dass die Syphilis ursprünglich auf den Philippinen geherrscht habe,
-noch ist irgend eine Thatsache an einem alten Schädel entdeckt worden,
-welche darthäte, dass syphilitische Veränderungen in der alten Zeit
-bestanden hätten. Man wird also immerhin annehmen können, dass diese
-Schädel erst zu einer Zeit in die Höhle gebracht worden sind, als schon
-ein längerer Contact mit europäischen Völkern stattgefunden hatte,
-also wahrscheinlich nach dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Andererseits
-darf man nicht wohl annehmen, dass eine christianisirte Bevölkerung
-noch diese Höhle benutzt habe, da, wie Herr Jagor berichtet, die
-christlichen Priester mit grosser Heftigkeit gegen diese Ueberreste
-gewüthet haben. Es lässt sich daher wohl mit ziemlicher Sicherheit
-schliessen, dass die Zeit, innerhalb deren diese Leichen in der Höhle
-von Nipa-Nipa deponirt worden sind, nicht allzu lange nach demjenigen
-Zeitpunkte zu suchen ist, in welchem eine häufigere Beziehung mit
-Europäern hergestellt worden war, und man wird vielleicht annehmen
-dürfen, dass die Schädel dem Ende des 16. oder dem Anfange des
-17. Jahrhunderts angehören; denn diese Zeit ist es, wo die spanische
-Herrschaft sich ausbreitete, und es ist nicht wahrscheinlich, dass
-derartige Bestattungs-Gebräuche von dieser Zeit ab gerade unter der
-Küstenbevölkerung, von der ein grosser Theil vorher muhamedanisirt
-worden war, weiter fortbestanden haben.
-
-Da nun die Stämme, welche an der Küste ihren Sitz haben, mit denjenigen
-im Innern des Landes in loserer Berührung stehen, so wird in der Regel
-wohl der Fundort der Schädel dem Sitze der Bevölkerung, von welcher
-sie stammen, entsprechen. Handelt es sich also, wie bei der Höhle von
-Nipa-Nipa, um eine Küsten-Lokalität, so wird man auch annehmen können,
-dass der betreffende Volksstamm an der Küste gewohnt hat. Es liegt
-daher nahe zu schliessen, dass diese Gruppe von Schädeln eine Beziehung
-zu den noch jetzt vorhandenen Stämmen der Küste hat, und in der That,
-wenn man diese Schädel betrachtet und damit die Physiognomien der
-Leute auf den Abbildungen des Herrn Jagor vergleicht, so zeigen sich
-gerade bei den Bisayos gewisse Eigenschaften, welche an allen diesen
-Schädeln wiederkehren: die verhältnissmässige Kürze bei relativer
-Breite der Schädel findet sich bei der Vergleichung der Profil-
-und Frontalansichten der Bisayerinnen leicht wieder; dazu kommt
-die charakteristische Bildung der Stirn- und Nasengegend, die von
-der kaukasischen gänzlich verschieden ist, insofern die stärkste
-Wölbung der Stirn gerade da liegt, wo bei uns eine flache Vertiefung
-(Glabella) besteht; endlich sind die ungewöhnliche Niedrigkeit der
-Nase und der stark prognathe Zustand der Kiefer überall deutlich zu
-erkennen. Wenn man die Profile mit einander vergleicht, so ist so viel
-Aehnlichkeit vorhanden, wie man überhaupt zwischen einem Schädel und
-einem lebendigen Gesichte nur erwarten kann.
-
-Auch diese Schädel besitzen eine ungewöhnliche Breite; sie haben
-im Mittel gerechnet einen Breitenindex von 83,3 bei einer Höhe
-von 76,5, ein nach den Messungen von Davis und Schetelig auch
-bei Bisayos-Schädeln gefundenes Verhältniss, welches sonst noch
-von keiner andern hinterasiatischen Bevölkerung bekannt ist. Noch
-weniger findet es sich bei der Bevölkerung der polynesischen Inseln;
-in Australien, Neukaledonien, Neuseeland, Tahiti treten ganz andere
-Stammeseigenthümlichkeiten hervor, so dass dieser Theil der Bevölkerung
-der Philippinen als ein ganz eigenthümlicher und charakteristischer
-erscheint. Ich bemerke zu ihrer Charakteristik noch, dass sie eine
-Höhlung von durchschnittlich 1282 Cub.-Cm. Inhalt besitzen, dass der
-Breitenhöhenindex ihrer Orbitae 94,7, der Höhenbreitenindex ihrer
-Nasen 41,3 und der Breitenhöhenindex ihrer Schädel überhaupt 91,7
-beträgt. Auch ist erwähnenswerth, dass weder an diesen Schädeln, noch
-an den übrigen etwas von künstlicher Feilung der Zähne zu bemerken ist,
-die doch sonst bei Malaien so häufig vorkommt und die auch auf den
-Philippinen von Thévenot noch erwähnt wird. Nur an einzelnen zeigen
-die Zähne die Betelfärbung.
-
-Ich verzichte auf die weiteren Details der Schädelfrage; ich will nur
-noch auf ein besonders wichtiges Verhältniss hinweisen. Wenn es sich
-feststellen lassen sollte, dass innerhalb des Gebietes der malaischen
-Rasse eine in so eminentem Grade brachycephalische Bevölkerung an einer
-verhältnissmässig gut gegen fremde Einwanderung geschützten Stelle sich
-lange erhalten hat, während nicht bloss auf den benachbarten Inseln
-(Borneo, Java, Sumatra) eine sich mehr den Dolichocephalen annähernde
-Bevölkerung vorkommt, sondern auch dicht daneben im Innern von Luzon
-noch jetzt nicht civilisirte, dolichocephalische Stämme leben, wie
-der beschriebene Cimarronen-Schädel zu beweisen scheint, so würde man
-anerkennen müssen, dass in einer und derselben Rasse die äussersten
-Schwankungen der Schädelformen vorkommen, und es würde damit ein sehr
-erheblicher Einwand gegeben sein gegen die Bemühungen, ganzen Rassen
-durch die Aufstellung der Breitenindices ihre Stelle anzuweisen;
-es würde vielmehr auf das Unzweideutigste dargethan sein, dass nur
-durch eine grössere Menge von Vergleichungszahlen die ethnologische
-Position eines Schädels gefunden werden kann.
-
-Es sind endlich noch zwei Schädel zu erwähnen, welche von den bisher
-besprochenen wesentlich verschieden sind. Der eine ist in der zweiten
-Höhle von Nipa-Nipa unmittelbar bei einem Holzsarge gefunden worden,
-welchen Herr Jagor mitgebracht hat, und in welchem noch ein zum Theil
-mit mumificirten Resten von Weichtheilen und Fetzen zerfallender
-Bekleidung bedecktes, jedoch schädelloses Skelet liegt [350]. Dieser
-Schädel zeichnet sich durch eine grössere Längenentwicklung aus,
-aber nichtsdestoweniger beträgt sein Breitenindex 80,2 (bei einem
-Höhenindex von 76); er schliesst sich auch sonst in vielfacher
-Beziehung, namentlich wegen seiner beträchtlichen Capacität von 1450
-Cub.-Cm., der zuerst besprochenen Gruppe an. Der andere Schädel ist
-ungewöhnlich klein; seine Capacität beträgt nur 1160 Cub.-Cm. Er ist
-nebst anderen Knochen in einem Walde auf Samar, 1 Legua landeinwärts
-von Borangan, ausgegraben worden und von unbekannter Abkunft. Manches
-trennt ihn in seiner Entwicklung von den anderen Schädeln, aber auch
-sein Breitenindex beträgt 79,3 bei einem Höhenindex von 75,7.
-
-Diese ziemlich grosse Reihe untereinander verschiedener Schädel hat
-jedoch, von dem Cimarronen abgesehen, in sich eine nähere Beziehung,
-als sie zu irgend einer der benachbarten Rassen hat, und wenngleich
-die einzelnen Gruppen wieder so viele Differenzen haben, dass ich wohl
-geneigt bin, anzunehmen, dass die Stämme, von welchen sie stammen,
-unter sehr verschiedenen Verhältnissen gelebt haben müssen, so wird man
-doch nicht umhin können, sie einer grösseren Familie zuzurechnen. Von
-den beiden Hauptgruppen der Höhlenschädel kann man sagen, dass die
-aus der zweiten Nipa-Nipa-Höhle, welche durchweg geringere Dimensionen
-haben, den Eindruck einer zarteren, sesshaften und mehr civilisirten
-Bevölkerung machen, während an den Schädeln aus der ersten Nipa-Nipa-
-und denen aus der Lanang-Höhle sich eine grosse Energie, eine gewisse
-Massenhaftigkeit und Kräftigkeit der Entwicklung zeigt, welche einem
-mehr wilden Volke anzugehören scheint.
-
-Was die Grössenverhältnisse betrifft, so zeigt der erste Blick, dass
-die Schädel der letzteren Gruppe bei ihrer grossen Breite auch eine
-relativ grosse Höhe haben. Auch die künstliche Verunstaltung hebt dies
-Verhältniss nicht ganz auf, denn selbst der am stärksten abgeplattete
-Schädel hat bei einem Breitenindex von 94,8 noch immer einen Höhenindex
-von 80. Dies begründet einen wesentlichen Unterschied von den
-Chinook-Schädeln. Mit dieser Grösse hängt zusammen die beträchtliche
-Capacität der Philippinen-Flachköpfe. Die in der That makrocephalen
-Schädel von Lanang besitzen eine durchschnittliche Capacität von
-1510 Cub.-Cm., die aus der ersten Höhle von Nipa-Nipa von 1380,
-während die mehr runden Schädel aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa,
-wie erwähnt, im Durchschnitt nur 1282 Cub.-Cm. fassen. Es sind dies
-Grössen-Differenzen, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf.
-
-Ich will für diesmal nicht genauer darauf eingehen, inwiefern die
-künstlichen Veränderungen des Schädels einen Einfluss auf das Gehirn
-haben. Ganz kurz erwähne ich, dass derselbe Herr Gosse, welcher die
-schon erwähnte Monographie geschrieben hat, die Meinung vertritt,
-welche sich hauptsächlich auf tahitische Tradition stützt, dass
-es möglich sei, durch die Gestaltung des Schädels den psychischen
-Eigenschaften eines Individuums eine ganz bestimmte Richtung zu
-geben. Es wird nämlich erzählt, dass man auf Tahiti zwei Arten von
-Deformation des Schädels erzeugt habe; den Kriegern habe man die Stirn
-eingedrückt, dagegen, wie sich ein Redner in der anthropologischen
-Gesellschaft zu Paris ausdrückte, den Senatoren das Hinterhaupt. Herr
-Gosse erklärt dies so, dass man beabsichtigt habe, bei den Kriegern
-die energischen Eigenschaften des hinteren, bei den Staatsmännern
-die mehr intellektuellen Eigenschaften des vorderen Abschnitts des
-Gehirns ganz besonders zur Ausbildung zu bringen, und er ist ernsthaft
-der Meinung, dass dieser Versuch als Muster für moderne Pädagogik
-empfehlenswerth sei. Ich kann dieser Ansicht nicht beistimmen,
-insofern die Erfahrung ergiebt, dass auch das Gehirn so gut wie
-der Schädel dislocirt werden kann, dass also das Vorderhirn sich
-zurückschiebt, wenn die Stirn zurückgedrängt wird, und ebenso die
-hinteren Theile des Gehirns sich vorschieben bei einer Abflachung der
-hinteren Partie des Schädels. Wie ich früher nachgewiesen habe, pflegt
-einer Verkürzung des Schädels eine compensatorische Verbreiterung und
-umgekehrt zu entsprechen. Es kann wohl kein Zweifel darüber bestehen,
-dass eine Abflachung einzelner Schädeltheile an sich eine Verminderung
-der Hirnmasse nicht zur nothwendigen Folge hat, und es stimmt damit
-überein die Angabe namhafter Beobachter, dass die Flatheads in der
-That keinen Mangel an Intelligenz wahrnehmen lassen.«
-
-Diese Mittheilung hatte das glückliche Ergebniss, die Aufmerksamkeit
-auf die so lange vernachlässigte Craniologie jener entfernten Inseln
-zu lenken. Zunächst erhielt unsere anthropologische Gesellschaft von
-dem holländischen Residenten in Gorontalo auf Celebes, Hrn. Riedel die
-Mittheilung, dass noch gegenwärtig bei den Bewohnern der Landschaften
-Buool, Kaidipan und Bolaangitam die Sitte der künstlichen Verunstaltung
-des Schädels bei den neugebornen Kindern geübt wird (Zeitschr. für
-Ethnologie Bd. III. S. 110. Taf. V.). Sodann besprach Hr. Barnard
-Davis eingehender die Negrito-Schädel. Da mir selbst inzwischen neues
-Material zugegangen war, so machte ich in der Sitzung der Gesellschaft
-am 10. Dezember 1870 folgende weiteren Mittheilungen:
-
-»Die interessanten Mittheilungen aus Celebes, welche uns heute
-von Hrn. Riedel zugegangen sind, haben dargethan, dass mein erster
-Bericht über die Philippinen-Schädel in der Sitzung vom 15. Januar
-1870 zu rechter Zeit die Aufmerksamkeit auf ein Gebiet gelenkt hat,
-welches gerade in ethnologischer Beziehung die höchste Wichtigkeit
-hat und welches doch noch so wenig erforscht ist. Nichts konnte mehr
-überraschend sein, als dass für eine Weltgegend, aus der seit länger
-als zwei Jahrhunderten keine Nachricht über künstliche Verunstaltungen
-der Schädel zu uns gelangt ist, durch eine in Europa ausgeführte
-craniologische Untersuchung die Thatsache des Fortbestehens einer
-solchen Sitte gleichsam erschlossen worden ist. Leider benimmt uns
-der Brief des Hrn. Riedel alle Aussicht, entsprechende Schädel von
-Celebes zu erhalten, denn er besagt, dass die dortige Volkssitte dem
-zu sehr widerstrebe. Wir werden uns daher vor der Hand noch an die
-Philippinen-Schädel halten müssen.
-
-Glücklicherweise habe ich seit der Zeit, wo ich zuerst über
-die Philippinen zu sprechen die Ehre hatte, Gelegenheit gehabt,
-meine Erfahrungen zu vervollständigen. Zunächst hatte Hr. Jagor
-noch eine gewisse Zahl zertrümmerter Schädel aus einer grossen
-Höhle von Caramuan auf der Insel Luzon. Dieselben waren so vielfach
-zerbröckelt, dass es kaum möglich schien, daraus etwas zu machen. Es
-ist mir jedoch gelungen, den grösseren Theil der Stücke wieder
-zusammenzusetzen und auf diese Weise wenigstens die vorderen
-Hälften von drei Schädeln, mit Einschluss des grössten Theils des
-Gesichtes, wiederherzustellen. Dieselben sind von etwas verschiedener
-Beschaffenheit: zwei (E. 319-20) sind mit einer rauhen Kalkschicht
-überzogen, welche an vielen Punkten durch Eisenbeimischung bräunlich
-erscheint; die Knochen selbst sind sehr brüchig, kleben an der Zunge
-und sehen auf dem Bruche kreidig aus; ein anderer (E. 318) ist viel
-glatter, die Knochen selbst sind tief braun geworden, ja am rechten
-Theil der Stirn sehen sie vollständig grünlich aus.
-
-Alle drei zeigen sehr deutliche Spuren künstlicher Abplattung. Es ist
-dadurch das Vorkommen dieses Gebrauches, welchen wir bis dahin nur
-von der Insel Samar kannten, auch für die Insel Luzon dargethan. Am
-stärksten ist die Abplattung an den beiden erstgenannten. Bei
-dem einen (E. 319) ist freilich nur der Vorderkopf vorhanden,
-indess beginnt die Abflachung sofort hinter den Superciliarbogen;
-die Stirnhöcker sind fast ganz verschwunden, die Stirn selbst sehr
-breit und erst kurz vor der Kranznaht endet die künstlich hergestellte
-Fläche mit einer rundlichen Wölbung. Obwohl nicht so stark, so doch
-ungleich mehr charakteristisch ist der zweite Schädel (E. 320),
-bei welchem glücklicherweise die Basis cranii und der Anfang der
-Hinterhauptsschuppe erhalten sind. Hier lässt sich deutlich die
-doppelte Abplattung erkennen: eine ziemlich steile hintere und eine
-schräg zurückgehende vordere. Bei dem dritten Schädel (E. 318) ist die
-Stirn so rundlich gewölbt, dass man ohne Kenntniss der anderen Formen
-schwerlich eine Abplattung vermuthen würde, obgleich doch auch hier
-die Breite der Stirn und die geringe Prominenz der Stirnhöcker sehr
-auffällig sind. Dagegen lässt sich am Hinterhaupte, trotzdem dass der
-Schädelgrund fehlt, eine sehr starke, steil abfallende Deformation
-erkennen, welche eine fast winklige Einbiegung der Seitenwandbeine
-hervorgebracht hat. Ganz besonders interessant ist jedoch das Stirnbein
-eines etwa zweijährigen Kindes, welches aus derselben Höhle stammt,
-äusserlich gleichfalls einen gelbbraunen Beschlag zeigt, übrigens
-sehr stark an der Zunge klebende Oberflächen besitzt. Innerlich
-zeigt dasselbe sogenannte osteophytische Auflagerungen als Zeichen
-einer inneren Entzündung und dem entsprechend ist es verhältnissmässig
-dick. Ganz deutlich lassen sich die Spuren der Abplattung erkennen. Bis
-zu den niederen Höckern ist die Stirn wenig verändert; oberhalb
-derselben weicht sie aber sofort, fast unter einem Winkel, zurück,
-und was besonders charakteristisch ist, kurz vor der Kranznaht liegt
-eine stärkere Wölbung, von der aus gegen die Naht zu die Fläche sich
-wieder senkt.
-
-Ob diese Schädel einer Zeit und einem Stamme angehört haben,
-wage ich nicht zu entscheiden. Der erstgenannte zeigt eine
-solche Uebereinstimmung mit einem der früher von mir beschriebenen
-Höhlenschädel aus Lanang (Z. 842), dass ihre Zusammengehörigkeit kaum
-bezweifelt werden kann. Aehnlich verhält sich der zweite Schädel von
-Caramuan (E. 320), der mit einem Schädel aus der Höhle von Nipa-Nipa
-(Z. 873) parallel gestellt werden kann. Dagegen gleicht der dritte
-Schädel (E. 318) weit mehr den neueren Schädeln aus der grossen Höhle
-von Nipa-Nipa, welche Zeichen der Syphilis tragen. Namentlich stimmt
-mit diesen die Gesichtsbildung sehr überein. Dasselbe gilt von dem
-kindlichen Stirnbein, sowie von einem zarten Unterkiefer (E. 322),
-der vielleicht zu dem Schädel E. 318 gehört und der sich durch den
-colossalen Prognathismus seines Mittelstückes auszeichnet, während ein
-anderer, nach Form und Incrustation zu E. 319 gehöriger Unterkiefer
-von grosser Stärke ganz wenig prognath ist und eine ganz andere,
-weit geräumigere Ausrundung zeigt.
-
-Ich möchte es daher für wahrscheinlich halten, dass auch in der
-Höhle von Caramuan längere Zeit hindurch Beerdigungen stattgefunden
-haben und dass daselbst neben einander Personen verschiedener Stämme
-niedergesetzt worden sind. Was die Form der Abplattung betrifft,
-so entspricht sie in hohem Grade einer peruanischen, wie ich später
-darthun werde; keines der Beispiele erreicht jedoch die Verhältnisse,
-welche wir früher an Beispielen aus der Höhle von Lanang kennen
-gelernt haben. --
-
-Eine zweite Gruppe von Philippinen-Schädeln wurde mir durch die Güte
-des Hrn. Dr. Schetelig, der gleichfalls längere Zeit in Asien war, zur
-Verfügung gestellt. Es sind dies 8 Schädel, grossentheils gut erhalten,
-darunter 4 mit Unterkiefern; zu dem einen gehört ein vollständiges
-Skelet. In Verbindung mit den von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädeln
-ergiebt diese Sammlung ein recht bedeutendes Material.
-
-Nach den Mittheilungen des Hrn. Schetelig stammt der grössere Theil
-seiner Schädel, nämlich 5, von Kirchhöfen. Er bemerkt in seinem
-Briefe, dass man dort in den spanischen Ländern die Sitte habe, die
-Gräber alle 3 Jahre zu leeren, falls nicht die erforderliche Zahl
-von Seelenmessen gelesen oder die Kirchhofsteuer jährlich entrichtet
-werde. Wie es scheint, häuft man dann die Schädel auf, wie es auch
-in manchen katholischen Ländern Europas geschieht. Dann unterliegen
-sie natürlich manchen atmosphärischen Einflüssen. Hr. Schetelig
-verweist auf diese wegen der Verschiedenheit in dem äusseren Verhalten
-der Schädel. Ich hatte namentlich die Frage aufgeworfen, ob nicht
-einer dieser Schädel, der äusserlich mit einer weissen, hier und da
-grünlichen Incrustation überzogen ist, gleichfalls aus der Kalkschicht
-einer Höhle stamme; er hat es aber in Abrede gestellt. Vier Schädel
-sind von ihm im Mai 1867 in Tabaco (Provinz Albay, Luzon) gesammelt;
-nach seiner Angabe sind es ganz bestimmt Bicol-Schädel. Darunter
-ist ein jugendlicher, wahrscheinlich weiblicher, mit noch nicht
-hervorgetretenen Weisheitszähnen und noch offener Synchondrosis
-spheno-occipitalis. Ein anderer Schädel, mit einer gut erhaltenen
-Sutura frontalis, scheint einem erwachsenen Weibe angehört zu
-haben. (Es ist der oben erwähnte incrustirte.) Der fünfte (April
-1867) stammt ebenfalls von einem Kirchhofe und zwar aus Tibi, einem
-Orte in der Nähe von Tabaco; Hr. Schetelig erklärt ihn auch für
-einen Bicol-Schädel. Sodann finden sich zwei, an der Oberfläche
-stark veränderte, sehr leichte und vielfach verletzte Schädel,
-welche als Cimarronen-Schädel [351] bezeichnet sind, aus der Nähe
-von Albay; auch sie stammen aus der Erde. Hr. Schetelig schreibt sie
-einer Mischlingsrace von Negritos und Bicols zu. Endlich der letzte
-Schädel ist derjenige, welcher das grösste Interesse beansprucht,
-insofern er einem Negrito-Häuptling angehört haben soll. Dazu ist
-auch das in seinen Haupttheilen erhaltene Skelet vorhanden.
-
-In seinem Vortrage vom 15. Januar hatte Hr. Jagor erwähnt, dass im
-Innern und an der Nordostküste der Insel Luzon noch ein schwarzer
-Menschenstamm von kleiner Statur und mit krausem Haar existirt,
-der ganz verschieden von den Küstenvölkern ist, von denen wiederum
-verschiedene Stämme (Tagalen, Bicols, Bisayos u. s. w.) unterschieden
-werden. Die ethnologische Stellung jener sogenannten Negritos
-war bis jetzt völlig dunkel geblieben. Gewöhnlich hat man sie den
-Papuas zugerechnet. In diesem Sinne hatte sich auch Hr. Semper (Die
-Philippinen und ihre Bewohner. Würzb. 1869. S. 48) ausgesprochen,
-indem er zugleich eine eingehende Schilderung von ihnen entwarf. Seine
-Angaben sowohl, als die in unserer Gesellschaft gemachten Mittheilungen
-haben Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, in dem Journal of
-Anthropology (Lond. 1870, Oct., p. 139) eine kritische Besprechung
-über die Negrito-Frage zu veranstalten. Er betont darin mit Recht,
-dass alle früheren Angaben über diese Rasse willkürlich gewesen seien,
-weil man sich nur auf Aeusserlichkeiten eingelassen habe und daraus
-allerlei verwandtschaftliche Verhältnisse mit anderen ostasiatischen
-und australischen Völkern hergeleitet habe. Er macht auch mir, und
-wohl mit Recht, den Vorwurf, dass ich mich von diesem Vorurtheile
-habe leiten lassen; ich muss wenigstens anerkennen, dass nach dem,
-was er selbst über Negrito-Schädel von Luzon berichtet, und nach
-dem, was die von Hrn. Schetelig mitgebrachten Schädel ergeben, keine
-Beziehung zwischen den Schwarzen der Philippinen und denen Melanesiens
-und Australiens aufrecht erhalten werden kann. Ihre Schädel sind
-ganz verschieden von einander, und, wenn sie als massgebend angesehen
-werden dürfen, so kann auf sonstige verwandtschaftliche Verhältnisse
-kein Werth mehr gelegt werden.
-
-Diese Frage hat aber ein überaus grosses wissenschaftliches Interesse,
-da nach den bisherigen Vorstellungen es in der That nahe lag, wie
-auch Hr. Semper angenommen hat, in den Negritos das Urvolk der Insel
-zu sehen, welches sich im Innern der Gebirge noch erhalten habe,
-nachdem es durch eine spätere Einwanderung von den Küsten mehr und
-mehr zurückgedrängt sei. Erinnert man sich, dass auf den benachbarten
-Inseln anthropoide Affen vorkommen, die in ganz ähnlicher Weise in die
-Gebirge zurückgedrängt sind, so kann sich leicht der Gedanke daran
-schliessen, dass im Sinne der Descendenztheorie gerade hier eine
-Uebergangs-Rasse construirt werden dürfe. Allein schon Hr. Jagor
-hat sein Bedenken über jene Auffassung der Negritos ausgedrückt,
-und Hr. Davis schliesst aus den von mir gegebenen Beschreibungen
-der Höhlen-Schädel, dass eben so viel Grund vorhanden sei, gewisse
-weisse Stämme, welche sich von der malaischen Rasse unterschieden,
-mindestens neben den Negritos als autochthon anzunehmen.
-
-Es scheint mir, dass dies zu weit gegangen ist. Nachdem Hr. Jagor
-dargethan hat, ein wie weiter Seeverkehr von Alters her zwischen
-den Inselgruppen stattgefunden hat, welcher mit den gebrechlichsten
-Fahrzeugen bewerkstelligt wurde, so wird man sich dem Gedanken
-Forster's nicht verschliessen können, dass die Wahrscheinlichkeit
-eines Zurückdrängens der Urbevölkerung in die Gebirge durch eine
-eingewanderte Küstenbevölkerung nahe liegt. Mag man immerhin
-zwei Aboriginer-Stämme annehmen, so kann dies doch zunächst
-nur soviel heissen, dass das Küstenvolk schon vor sehr langer
-Zeit eingewandert ist und dass im historischen Sinne beide als
-Urbevölkerung gelten müssen. Ich will jedoch zugestehen, dass dies
-lauter Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind, denen man, ehe man nicht
-genauere Kenntniss über die Einzelheiten hat, keinen zu grossen Werth
-beilegen darf.
-
-Hr. Davis hat in seiner Besprechung einen Negrito-Schädel
-von Panay auf Luzon abbilden lassen, und er erwähnt, dass er
-ausserdem noch zwei andere besitze. Er findet, was übrigens
-schon d'Omalius d'Halloy (Des races humaines ou éléments
-d'ethnographie. Brux. 1869. p. 103.) angenommen hatte, am meisten
-Uebereinstimmung mit den Schädeln der Andamanen-Insulaner, jedoch
-auch Verschiedenheiten genug, um beide Rassen von einander zu
-trennen. Seiner Abbildung nach zu urtheilen, hat der von Hrn. Schetelig
-mitgebrachte Schädel in seinem Kopftheile manche Aehnlichkeit mit dem
-von Hrn. Davis erwähnten, aber die Gesichtsbildung erscheint ziemlich
-verschieden. Der letztere hat einen starken Unterkiefer und ist sehr
-bedeutend prognath; der erstere zeigt, trotz einer gewissen Verletzung
-am Oberkiefer, das Gegentheil.
-
-Hier kommt nun freilich die schwierige Frage nach der Reinheit der Race
-in Betracht. Hr. Dr. Schetelig theilt mir mit: »Ich habe das Skelet
-dieses mir von seinem Stamme verkauften Häuptlings eigenhändig am
-Abhange des malerischen ausgestorbenen Vulkans von Buhi, des Arituktuk
-[352] ausgegraben. Der Stamm ist, wie die meisten der sogenannten
-Negritostämme, nicht mehr rein-melanesisch, sondern beträchtlich mit
-Bicol-Elementen versetzt. Doch haben die Leute noch sehr krauses Haar,
-das keine Eigenthümlichkeit der Malaien bildet.« Hr. Davis giebt
-über die Herkunft seiner Negritos-Schädel nichts Genaueres an. Es
-ist das um so mehr zu bedauern, als dieselben unter sich verschieden
-sind. Zwei davon sind dolichocephal und einer brachycephal, so dass der
-eigentliche Rassen-Typus schwer gefolgert werden kann. Hr. Davis selbst
-schwankt daher über die Bedeutung der Form. Es liegt auf der Hand,
-dass, wenn es sich um einen exquisit dolichocephalen Typus handelte,
-die Aehnlichkeit mit den übrigen schwarzen Rassen gross sein würde.
-
-Was nun den Schädel von Arituktuk (oder Yriga) betrifft, so gehört er
-einem ausgewachsenen, aber wahrscheinlich jüngeren Manne an. Es fand
-sich freilich an dem zugehörigen Skelet, dass die Knorpelfuge zwischen
-dem Handgriffe des Brustbeins und dem Körper desselben noch offen war,
-allein dies war die einzige Stelle, welche sich so verhielt. Ausserdem
-war ein mit beträchtlicher Verkürzung (um 3,5 Centim.) geheilter
-Knochenbruch am rechten Oberschenkel vorhanden. Nicht unwahrscheinlich
-trägt der überaus zarte und gracile Knochenbau einen Theil der Schuld
-an der Fraktur. Die Knochen sind nämlich durchweg wenig ausgebildet
-[353] und von nahezu kindlichem Aussehen. Zugleich zeigen einzelne
-leichte Krümmungen, jedenfalls stärkere, als wir sonst zu sehen gewohnt
-sind, so dass mancher, namentlich der französischen Ethnologen, auf
-eine rachitische Form derselben zurückzugehen geneigt sein möchte. Ich
-will in dieser Beziehung besonders darauf aufmerksam machen, dass
-bei den Debatten über die prähistorische Bevölkerung Frankreichs
-vor allen anderen Knochen das Schienbein die Aufmerksamkeit auf sich
-gezogen hat. Auch bei der Negrito-Tibia hat die seitlich comprimirte
-Form ihrer oberen Hälfte etwas sehr Auffälliges. Der Knochen ist hier
-fast so platt, wie eine Säbelscheide; er hat eine hintere Crista,
-welche beinahe so beschaffen ist, wie sonst die vordere. Dagegen ist
-die Fossa supracondyloidea humeri undurchbohrt. Besonders abweichend
-von den bekannten Formen ist die Gestalt des vorderen Randes des
-Darmbeines; hier steht die Spina ant. inferior so stark nach innen
-(hinten) und die über ihr liegende Incisura iliaca minor ist so
-beträchtlich, dass dadurch eine ganz specifische Bildung entsteht.
-
-Der Schädel besitzt dem entsprechend eine nur mässige Capacität; er hat
-nur 1350 Ccm. Gehalt, immerhin genug, um ihn von den Australierschädeln
-zu trennen. Seine Gestalt ist eine ziemlich gleichmässig rundliche:
-die Stirn ist voll, der Scheitel hoch gewölbt, die Schläfengegend
-ausgelegt, die Hinterhauptsschuppe stark gerundet. An letzterer
-findet sich rechts ein besonderer Processus paracondyloideus mit
-überknorpelter Gelenkfläche; da der Atlas leider fehlt, so lässt
-sich nicht genau sagen, in welcher Weise die Verbindung mit dem
-Querfortsatze des Atlas stattgefunden hat. Bei der Messung hat der
-Schädel sich als wesentlich brachycephal ergeben; der Breiten-Index
-beträgt 83,4 bei einem Höhen-Index von 77,10 (Höhe zu Breite = 93,2
-: 100). Obwohl er sich in diesen Verhältnissen den früher von mir
-vorgelegten Philippinen-Schädeln, namentlich den jüngeren aus der
-Höhle von Nipa-Nipa nähert, so bietet er doch Manches dar, was ihn von
-jenen unterscheidet. Insbesondere ist die Bildung des Gesichtsskelets
-höchst abweichend; nur einer der früheren Schädel (Z. 865) steht
-ihm näher. Ich erwähne hier vor Allem die ungewöhnliche Zartheit der
-Knochen des Gesichts, die selbst, wenn man eine jugendliche Entwicklung
-annehmen wollte, sehr auffällig sein würde. Wenn man jedoch die
-Zähne vergleicht, so ergiebt sich eine sehr merkliche Abschleifung
-der Schneide- und Mahlzähne, welche beweist, dass das Individuum
-nicht im Jugendalter gewesen ist. Ausserdem sind die Synchondrosis
-spheno-occipitalis vollständig, der untere Abschnitt der Sutura
-coronaria links und die unteren Abschnitte der Sutura lambdoides
-beiderseits verknöchert; der Processus styloides rechts hat eine
-ungewöhnliche Länge und Stärke; alle Muskelinsertionen sind durch tiefe
-Unebenheiten, Gruben und Vorsprünge bezeichnet; die Superciliargegend
-ist durch dicke und poröse Wülste ausgezeichnet, welche über der Nase
-zusammengehen. Nimmt man zu diesen anatomischen Merkmalen die Angabe
-des Hrn. Schetelig, dass der Mann ein Häuptling gewesen sei, so wird
-kein Zweifel bleiben können, dass dieser Schädel einem vollkommen
-ausgewachsenen Individuum angehörte. Keiner von den anderen Schädeln
-hat eine so verkümmerte Gesichtsbildung, wie dieser; sie erinnert fast
-an die von mir beschriebene Physiognomie des Lappengesichts. Die ganze
-Höhe (Nasenwurzel bis Kinn) beträgt nur 103 Millim., die Höhe der Nase
-46, die mediane Höhe des Unterkiefers 25, der Maxillar-Durchmesser
-60. Nur die Orbita (37,4 breit und 34,6 hoch) ist stark entwickelt und
-ihre mehr quer-viereckige Gestalt unterscheidet sie wesentlich von
-den Augenhöhlen aller anderen Philippinen-Schädel. Dem entsprechend
-ist auch die Nasenwurzel schmal, der Nasenrücken scharf vortretend
-und scheinbar eine Adlernase andeutend. Der Oberkiefer hat leider in
-der Mitte des Alveolarrandes einen kleinen Defect; trotzdem kann man
-ziemlich sicher erkennen, das nur ein sehr geringer Prognathismus
-des Oberkiefers vorhanden war. Am Unterkiefer fehlt derselbe
-gänzlich. Dies ist wohl der grösste Unterschied von den vorliegenden
-Bicol-Schädeln. Es ist weiterhin in der Schädelbildung dieses
-Mannes auffallend, so wenig Uebereinstimmung mit den gewöhnlichen
-Verhältnissen der wilden Rassen zu finden: die Plana semicircularia
-reichen nicht weit hinauf, die obere Wölbung zwischen den Ansätzen
-der Schläfenmuskeln ist sehr gross, die Jochbeine treten nicht sehr
-stark hervor, der Kieferast ist von geringer Stärke. Es lässt sich
-daher nicht verkennen, dass die ganze Form den äusseren Verhältnissen
-nach nichts Wildes an sich trägt, und wenn man hinzunimmt, dass auch
-die Länge der Schädelknochen ziemlich gute Verhältnisse darbietet, so
-muss man sagen, dass die Schädelform sich deutlich den civilisirten
-annähert. Schon aus diesem Grunde muss eine mögliche Verwandtschaft
-mit der australischen Rasse entschieden abgelehnt werden. Andererseits
-ist es gewiss bemerkenswerth, dass in Beziehung auf die Zartheit der
-Gesichtsbildung wohl die jüngeren Schädel aus der Nipa-Nipa-Höhle
-eine gewisse Uebereinstimmung darbieten, aber keineswegs die
-Kirchhofsschädel von Tabaco und Tibi. Bei allen diesen ist das
-Gesichtsskelet sehr stark entwickelt, namentlich die Jochbeine sehr
-vorspringend, der Oberkiefer und die Nasenwurzel breit, das Gesicht
-hoch und vor allen Dingen ein überaus starker Prognathismus des Ober-
-und Unterkiefers, so dass besonders am Oberkiefer der Alveolarfortsatz
-sich fast der horizontalen Stellung nähert. Selbst der jugendliche,
-im Ganzen sehr zarte und kleine Schädel von Tabaco zeigt in Beziehung
-auf die Gesichtsbildung die grösste Differenz, und namentlich die
-vorspringenden Zähne bilden den geraden Gegensatz gegenüber den
-Verhältnissen bei dem Arituktuk-Schädel. Bei den Bicols ist in der
-That eine affenartige Construction der Fresswerkzeuge vorhanden.
-
-Im Uebrigen bilden diese Kirchhofs-Schädel eine vortreffliche
-Ergänzung des von Hrn. Jagor mitgebrachten Materials, insofern sie
-uns die Osteologie der neueren Bevölkerung kennen lehren. Alle fünf
-bieten unter sich eine grosse Uebereinstimmung dar: neben einem höchst
-auffälligen Prognathismus zeigen sie eine Brachycephalie, so stark,
-wie wir sie nur irgend an ostasiatischen Völkern kennen. Der Schädel
-von Tibi hat einen Breitenindex von 80,2 bei einem Höhenindex von 78,5;
-die 4 Schädel von Tabaco haben Breiten-Indices von 81,1 -- 83,3 --
-83,1 --84,6 bei Höhen-Indices von 79,7 -- 82,4 -- 80,5 -- 80,5. Dabei
-hat der Tibi-Schädel eine Capacität von 1595, die Tabaco-Schädel
-von 1505, 1330, 1350 und der jugendliche von 1290 Ccm. Dem
-entsprechend beträgt die Circumferenz bei dem Tibi-Schädel 514,
-bei den Tabaco-Schädeln 514, 490, 478, 495. Sämmtliche Schädel sind
-schön gewölbt, haben volle Stirnen und Schläfen, sehr hohe und stark
-ausgelegte Hinterhauptsschuppen und grosse Plana semicircularia. Ueber
-ihre Gesichtsbildung habe ich schon vorher gesprochen und die relative
-Grösse und namentlich Breite derselben hervorgehoben. Der Tibi-Schädel
-hat einen formidablen Unterkiefer von 18,5 Centim. Umfang und 34,5
-Centim. medianer Höhe.
-
-Vergleichen wir nun diese Bicol-Schädel mit den früher beschriebenen
-Höhlen-Schädeln, so zeigt sich eine nicht geringe Aehnlichkeit zwischen
-dem Schädel von Tibi und dem von Hrn. Jagor neben einem Holzsarge
-in der Höhle Nipa-Nipa gefundenen, während die Tabaco-Schädel den
-jüngeren und zum Theil syphilitischen Schädeln der Nipa-Nipa-Höhle
-näher stehen. Nur der weibliche Tabaco-Schädel schliesst sich an
-die mehr brachycephalen Schädel aus der anderen Höhle von Nipa-Nipa
-(Z. 873. 874), welche Spuren künstlicher Missstaltung zeigen, und es
-ist bemerkenswerth, dass gerade bei ihm gleichfalls derartige Zeichen
-hervortreten. Das Hinterhaupt fällt nämlich unmittelbar hinter den
-Tubera parietalia ab, die Gegend der hinteren seitlichen Fontanellen
-ist abgeplattet, und daher die Hinterhauptsgruben für das Kleinhirn
-und für die Hinterlappen des Grosshirns stärker vorgewölbt. Die
-gleiche seitliche Compression zeigt auch der Mädchenschädel von Tabaco.
-
-Ein noch erhöhtes Interesse haben die Cimarronen-Schädel von Albay,
-welche ihrem äusseren Ansehen nach älter sind und einige Analogie mit
-den Schädeln von Lanang bieten, welche Hr. Jagor mitgebracht hat. Die
-beiden sind allerdings unter sich sehr verschieden. Ob diese Differenz
-sich nur durch das verschiedene Geschlecht erklärt, ist mir in hohem
-Maasse zweifelhaft; handelt es sich um ein Mischvolk, so liesse sich
-die Vererbung wohl mit mehr Recht anrufen. Der Schädel des Weibes
-(Omang) ist kurz und breit, der des Mannes (Baringeag) breit und lang;
-beide lassen aber deutlich eine künstliche Deformation erkennen.
-
-Der weibliche Schädel schliesst sich einerseits den Lanang-Formen,
-andererseits dem weiblichen Tabaco-Schädel und den ihm verwandten
-Nipa-Nipa-Formen an. Er hat einen Breitenindex von 87, einen
-Höhenindex von 79,7, eine Circumferenz von 488, eine Capacität von
-1380. Das Gesicht ist breit, die Nase abgeplattet, der Oberkieferrand
-stark vorspringend. Dabei zeigt sich eine starke Veränderung
-des Hinterhauptes, welche aber anders ist als die an den alten
-Flachschädeln von Lanang. Während an diesen eine einfache Abplattung
-der Stirn und des Hinterhauptes vorhanden ist, bemerkt man bei der
-Cimarrona, ähnlich wie bei dem Tabaco-Weibe, jedoch viel stärker, dass
-jederseits ein seitlicher Druck von hinten und oben her eingewirkt
-hat; ja, es ist sehr merkwürdig zu sehen, wie der Druck nur auf die
-Gegend ausgeübt worden ist, wo die Lambda-Naht mit der Mastoidal-
-und Schuppen-Naht zusammenstösst, also dort, wo die seitliche hintere
-Fontanelle liegt. Die Folge davon ist gewesen, dass sich nach drei
-Richtungen, nach oben in der Mitte, nach unten rechts und links,
-also gleichsam kleeblattförmig, kuglige Protuberanzen gebildet haben,
-welche offenbar dadurch entstanden sind, dass das comprimirte Gehirn
-genöthigt gewesen ist, sich anderweit Raum zu verschaffen. Es ist
-dies eine sehr auffällige Form. Sehr bezeichnend ist übrigens, dass
-der laterale Druck ausserdem noch schief gewesen ist, rechts stärker,
-als links, so dass das ganze Hinterhaupt dadurch verschoben worden ist.
-
-Der männliche Schädel (Baringeag) ist lang und entschieden
-dolichocephal. Bei ihm beträgt der Breitenindex 75,4, der
-Höhenindex 77,7, der grösste Umfang 515, die Capacität 1470. Alle
-Muskelansätze sind sehr stark, das Gesicht eher etwas schmal,
-der Nasenrücken gleichfalls schmal, der Kieferrand jedoch stark
-vorspringend. Dieser Schädel bietet entschiedene Beziehungen mit
-dem von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädel eines Ygorroten vom Berge
-Ysarog, der 1856 mit einem Taco (Waldmesser) erschlagen war. Auch
-bei ihm muss man annehmen, dass ein seitlicher Druck stattgefunden
-hat; denn es erstreckt sich jederseits von den Tubera parietalia
-eine ganz steil abfallende Seitenfläche herab, und es sind ausserdem
-ähnliche, wenngleich kleinere kuglige Vortreibungen an der Schuppe des
-Hinterhaupts. Die obere ist nur dadurch maskirt, dass eine ungewöhnlich
-starke Protuberantia occipitalis externa darüber sitzt.
-
-Ich bin daher der Meinung, dass man in beiden Fällen, trotz
-ihrer ursprünglichen Verschiedenheit, genöthigt ist anzunehmen,
-dass eine gewisse Deformation stattgefunden hat, welche jedoch
-wesentlich anders angelegt gewesen ist, wie bei den Flachköpfen
-von Lanang. Stammen sie, wie Hr. Schetelig angiebt, gleichfalls von
-einem Negrito-Mischvolk, so wird man kaum zweifeln können, dass der
-dolichocephalische Mannesschädel dem erblichen Typus der Ygorroten
-entspricht, dass dagegen der brachycephale Weiberschädel und der
-Häuptlingsschädel, obwohl unter einander nicht wenig verschieden,
-sich mehr dem Bicol-Typus annähern. Was in dem einen oder andern
-Falle speciell Negrito-Eigenthümlichkeit ist, kann ich nicht sagen;
-indess möchte bis auf Weiteres der Häuptlingsschädel als der reinere
-angesehen werden dürfen, zumal da die Architectur des Skelets im
-Ganzen mit den Beschreibungen der Reisenden von der äusseren Gestalt
-der Negritos am meisten harmonirt.
-
-Werfen wir nunmehr einen kurzen Rückblick auf die gewonnenen
-Resultate, so zeigt sich uns, mit Ausnahme zweier dolichocephaler
-Schädel von Cimarronen, eine durchweg brachycephale Reihe mit mehr
-oder weniger ausgesprochenem Prognathismus. Am meisten tritt dieser in
-den Hintergrund bei dem auch sonst in vielen Beziehungen abweichenden
-Schädel des sogenannten Negrito-Häuptlings. Die modernen Bicol-Schädel
-füllen dagegen die früher bemerkte Lücke zwischen den älteren und mehr
-oder weniger deformirten Lanang-Schädeln und den offenbar jüngeren,
-durch Syphilis ausgezeichneten Schädeln von Nipa-Nipa, zumal wenn
-man die Höhlenschädel von Caramuan hinzunimmt. Eine durchgehende
-Verwandtschaft lässt sich nicht verkennen. Höchst auffällig bleibt
-dabei die grosse Verschiedenheit in der Gesammt-Architectur. Die
-Lanang-Schädel zeigen einen sehr starkknochigen, die jüngeren
-Nipa-Nipa-Schädel einen ebenso ausgeprägt schwachknochigen Stamm. Die
-modernen Bicols stehen auch hier in der Mitte, so dass man nicht mehr
-berechtigt ist, wie früher, aus der blossen Zartheit der Formen auf
-einen Fortschritt in der Civilisation zu schliessen. Möglicherweise
-dürfen wir in dem schwachknochigen Stamme den Bisayer-Typus annehmen,
-indess fehlt es für diese feineren Entscheidungen noch immer an dem
-nöthigen Material, das erst von weiteren Zusendungen erwartet werden
-darf. Für einen wirklichen Stammes-Unterschied spricht natürlich
-auch die verschiedene Art der Abplattung, welche wir constatirt
-haben. Während die Höhlenschädel von Lanang und Caramuan eine
-vordere und hintere Abplattung erfahren haben, zeigen die modernen
-Kirchhofsschädel eine seitliche, so dass die Beschreibung von Thevénot
-im Ganzen weit mehr für sie zutrifft.
-
-Ich habe noch zu erwähnen, dass Hr. Davis in Beziehung auf das Alter
-der Funde, die ich früher besprochen habe, einen Zweifel aufgeworfen
-hat, der dahin führen würde, die fraglichen Schädel um ein Jahrhundert
-jünger zu machen. Ich hatte nämlich angenommen, dass die Flachschädel
-spätestens dem Ende des 16. Jahrhunderts angehören möchten. Ich
-war dabei auf die einzige Nachricht über künstliche Verunstaltung
-des Schädels, welche uns noch erhalten ist, die von Thévenot [354]
-zurückgegangen. Hr. Davis sagt nun, dass das Buch von Thévenot
-zwischen 1663 und 1672 erschienen sei, und er folgert daraus, dass die
-Schädel erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammten. Ich muss hier
-allerdings einen Fehler zugestehen: ich war verleitet dadurch, dass
-ein sonst sehr zuverlässiger Autor, Gosse (Annales d'hygiène publique
-et de médecine légale. 1855. Juill. p. 375.) folgendes Citat giebt:
-Relations de divers voyages curieux, par Melchisédec Thévenot. Nouvelle
-édition, 2 vol. in-fol., Paris 1591. Ich habe mich nun überzeugt,
-dass Melchisedek Thévenot († 1692) erst gegen 1620 geboren, das Citat
-von Gosse also offenbar falsch ist. Indessen folgt daraus doch noch
-keineswegs, dass die fragliche Beobachtung erst der zweiten Hälfte des
-17. Jahrhunderts angehört. Thévenot giebt in seinem grossen Sammelwerk
-den Bericht eines Geistlichen, der 18 Jahre auf den Philippinen
-gelebt hatte. Letzterer spricht an einer Stelle davon, dass »vor drei
-Jahren die Einnahme der Insel Mindanao durch Don Sebastian Hurtado de
-Corcuera erfolgt sei« (p. 3.) Diese Einnahme muss nach einem folgenden
-Berichte (p. 15) um das Jahr 1636 geschehen sein: es ergiebt sich
-also, dass der Geistliche in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
-schrieb. Damit stimmt auch die Bemerkung am Schlusse der Relation,
-wonach dieselbe die Uebersetzung einer 1638 in Mexico gedruckten
-spanischen Schrift ist. Nun findet sich aber darin ausser der Angabe,
-dass die Leute ihren Kindern die Köpfe verdrückten, noch der andere
-Gebrauch erwähnt, dass sie die Zähne feilten und mit schwarzem und
-glänzendem oder feuerfarbenem Firniss färbten [355], und da keiner der
-von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädel diese Zeichen darbot, so hatte ich
-geschlossen, dass die Leichen beigesetzt sein müssten zu einer Zeit,
-als diese noch jetzt auf den benachbarten Inseln sehr verbreitete
-Sitte noch nicht bestand. Denn es schien mir weniger wahrscheinlich,
-dass die Leute eine derartige Sitte schnell aufgegeben haben sollten,
-als dass dieselbe erst später von den benachbarten Malaien importirt
-worden sei. Indess muss ich zugestehen, dass auch diese Argumente
-zweifelhafter Natur sind, und nachdem wir durch Hrn. Riedel erfahren
-haben, dass auf einer benachbarten Insel die Deformirung der Schädel
-noch heute betrieben wird, so liegt die Frage nahe, ob nicht auch
-die Lanang-Schädel einer neueren Zeit angehören, als ich angenommen
-hatte. Immerhin ist es bemerkenswerth, dass jene starke Abplattung,
-wie sie sich bei den Schädeln aus der Höhle von Lanang findet, unter
-der ganzen Reihe der übrigen Schädel nicht wiederkehrt, und wenn man
-dazu die übrigen, sehr bemerkenswerthen Charaktere der Lanang-Schädel
-nimmt, so halte ich es immer noch für sehr wahrscheinlich, dass sie
-ein hohes Alter haben.
-
-Zum Schlüsse will ich noch auf einen Punkt aufmerksam machen,
-worauf ich bei einer späteren Besprechung der Peruanerschädel noch
-zurückkommen werde. Es findet sich nämlich bei dem Mädchen-Schädel
-von Tabaco, der auch deutliche Zeichen der seitlichen Abplattung
-darbietet, jenes grosse Schalt-Stück zwischen den Scheitelbeinen und
-der Hinterhauptsschuppe (Os epactale) vor, welches man mit dem Namen
-Os incae belegt hat. Dasselbe ist fast vollkommen dreieckig und misst
-an der Basis 115, an den Schenkeln 76-78 Millim. Ich urgire dieses
-Vorkommen deshalb, weil in der neueren Zeit durch Gosse (Bull. de
-la soc. d'anthropol. de Paris 1860, Vol. I. p. 549. Mémoires de la
-même soc. T. I. p. 165) und Jacquart (Bullet. 1865. T. VI. p. 720)
-der Bedeutung dieses Knochens meiner Meinung nach etwas zu wenig
-Werth beigelegt worden ist. Man hat sich bemüht zu zeigen, dass diese
-Trennung in einer einfachen Entwicklungs-Hemmung beruhe, weil in
-einer früheren Zeit des Fötallebens diese Trennung stets vorhanden
-sei. Allein daraus folgt meiner Meinung nach nichts Erhebliches für
-die Bedeutung eines solchen Vorkommens nach der Geburt. Ich habe
-in der letzten Zeit eine grosse Anzahl von Schädeln neugeborner
-Kinder maceriren lassen; es war kein einziger darunter, bei welchem
-eine solche Trennung noch existirte. Diese ist eine solche Rarität,
-dass jedesmal, wo sie vorkommt, die Frage nach der Ursache derselben
-aufgeworfen werden muss. Nun ist es doch nicht gering anzuschlagen,
-dass unter 8 Philippinen-Schädeln sich einer mit einem solchen Beine
-befindet. Noch bedeutungsvoller wird dieser Fund dadurch, dass auch
-unter den von Hrn. Jagor mitgebrachten 16 Schädeln ein gleicher ist und
-zwar einer aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa auf Samar (Z. 865). Er
-gehört einem erwachsenen, kräftigen Manne an. Der Zwischenknochen ist
-50 Millim. hoch, an der Basis 115, an den Schenkeln 25-28 Millim. lang,
-reicht bis dicht über die Protuberantia occipitalis externa und ist
-hier durch eine starke Zackennaht abgesetzt. Was aber noch merkwürdiger
-ist, der einzige Negrito- oder Aita-Schädel von Manila, der sich in der
-anthropologischen Gallerie des Jardin des Plantes zu Paris befindet,
-besitzt nach Jacquart gleichfalls ein Os epactale.
-
-Das Alles mag Zufall sein, aber es wäre doch ein sonderbarer Zufall. So
-hat man auch Zweifel über die Bedeutung des Os incae bei den Peruanern
-aufgestellt. Wir haben neulich aus Peru zwei alte Schädel bekommen;
-einer davon hat das Schaltbein in vollster Ausbildung. Nirgends
-sonst, soweit es uns bekannt ist, zeigt sich dasselbe in einer
-solchen Häufigkeit, und ich möchte daher wohl annehmen, dass hier
-eine ethnologische Eigenthümlichkeit hervortritt, die nicht als eine
-gewöhnliche und nichtssagende Erscheinung aufgefasst werden darf. Es
-wird ein Gegenstand unserer späteren Betrachtung sein, wie dieses
-Vorkommen zu erklären ist und ob daraus irgend welche Aufschlüsse in
-Bezug auf die Völkerbeziehungen über den stillen Ocean zu gewinnen
-sind«.
-
-Seit der Zeit dieses Vortrages ist nun das Material noch ungleich
-mehr angewachsen, indem Hr. Dr. A. B. Meyer eine grössere Anzahl von
-Philippinen-Schädeln und Skeleten mitgebracht und der Gesellschaft
-überlassen hat. In der Sitzung vom 15. Juni 1872 konnte ich
-über 6 Negrito-Skelete und einen Ygorrotenschädel berichten
-(Correspondenzblatt der deutschen anthropologischen Gesellschaft
-1872. No. 8). Eine spätere Sendung brachte hauptsächlich moderne
-Schädel von einem Kirchhof bei Manila.
-
-Von diesen Objekten stimmt zunächst der Ygorrotenschädel mit dem durch
-Herrn Jagor überbrachten vom Ysarog (und dem einen Cimarronen-Schädel
-von Albay aus der Sammlung des Hrn. Schetelig) am meisten überein,
-obwohl er in einem noch viel höheren Maasse lang und zugleich schmal
-ist. Er besitzt einen Breitenindex von 68,8 bei einem Höhenindex
-von 73,1, ist also in höchstem Grade dolichocephal und zugleich
-niedrig. Die Verhältnisse der drei Schädel werden am besten durch
-eine Zusammenstellung der Zahlen sich ergeben:
-
-
- Breitenindex. Höhenindex. Capacität.
-
- Cimarrone vom Ysarog 76,9 76,1 1315
- Cimarrone vom Albay 75,4 77,7 1470
- Ygorrote (Meyer) 68,8 73,1 1400
-
-
-Sehr bemerkenswerth sind bei dem letztern Schädel ferner der
-geringe Prognathismus des Alveolarrandes, die verhältnissmässig
-hohen Augenhöhlen, die hohe Nase mit schmaler Wurzel und der
-starke Wulst über der letzteren. Giebt dieser Wulst dem Schädel den
-Ausdruck einer gewissen Wildheit, so wird diese gesteigert durch
-die stark abstehenden Jochbogen und die bedeutend hinaufgerückten
-Plana temporalia, deren Abstand, über den Schädel gemessen, an der
-Kranznaht nur 105 Millim. beträgt: also eine colossale Entwickelung
-der Kaumuskeln. Es bestätigt sich demnach die Existenz einer wilden
-dolichocephalen Rasse, welche den Hypsistenocephalen der Inseln
-Polynesiens und der Sundagruppe näher steht.
-
-Die Negrito-Schädel sind davon gänzlich verschieden. Ich beschränke
-mich darauf, die entsprechenden Zahlen für 4 derselben zu geben:
-
-
- Breitenindex. Höhenindex. Capacität.
-
- I. 90,6 77,6 1310
- II. 80,8 75,6 1200
- III. 83,8 77,8 1250
- IV. 86,7 82,3 1150
-
-
-
-Von diesen ist No. II. ein männlicher und, wie mir scheint,
-verhältnissmässig typischer Schädel, während vornämlich bei
-No. I. künstliche Deformation bemerklich ist. Man sieht hier eine
-ausgezeichnet brachycephale Rasse, deren Schädel eine mässige Höhe
-und durchschnittlich eine geringe Capacität besitzen. Zugleich
-sind sie stark prognath, jedoch betrifft die Vorschiebung mehr
-die Alveolarfortsätze, während die Ansatzstelle des unteren
-Nasenstachels dem grossen Hinterhauptsloche näher liegt, als
-die Nasenwurzel. Letztere befindet sich fast senkrecht unter der
-Nasenwurzel.
-
-Die Zusammengehörigkeit dieser Negritoschädel wird in deutlichster
-Weise dargelegt durch ein höchst characteristisches Zeichen,
-nämlich durch die vermittelst Feilung in eine Sägenform gebrachten
-Zahnreihen. Es sind die Zähne, namentlich die vorderen und von diesen
-wieder am meisten die des Oberkiefers seitlich abgefeilt, so dass sie
-in scharfe Spitzen, wie Raubthierzähne, auslaufen, -- eine Art der
-Feilung, welche der bisher bekannten malaischen gerade widerstreitet,
-indem diese auf der vorderen Fläche der Zähne stattfindet und zugleich
-der untere Rand der letzteren geebnet wird. Höchst merkwürdig ist es,
-dass beide Arten der Feilung schon von dem alten Thévenot angegeben
-sind: les vns rendent les dents égales, les autres les affilent en
-pointes, en leur donnant la figure d'une scie. Nur von der mit Gold
-gefüllten Oeffnung in der oberen Zahnreihe, welche er gleichfalls
-beschreibt, ist nichts wahrzunehmen. Indess mag das längst aufgegeben
-sein, da Gold unter den Negritos wohl eine Seltenheit ist. Jedenfalls
-stammen die Schädel, welche Hr. Dr. Meyer selbst unter grosser Gefahr
-auf dem ihm bekannt gewordenen Begräbnissplatze eines Negrito-Stammes
-in der Provinz Bataan (Zambales), im Nordwesten von Luzon, ausgegraben
-hat, aus neuer Zeit [356].
-
-Spuren künstlicher Verunstaltung finden sich an der Mehrzahl der
-Schädel, jedoch erreichen sie auch nicht entfernt das Maass, wie
-diejenigen an den Höhlenschädeln von Lanang und Caramuan. In der Regel
-ist das Hinterhaupt sehr steil und die Seitenwandbeine sind dicht
-hinter den Tubera parietalia fast rechtwinklig herab gebogen. Nur der
-eine und zwar männliche Schädel zeigt gar nichts von Deformation:
-sein Hinterhaupt springt stark vor, und zwar findet sich die
-stärkste Vorwölbung an der Schuppe oberhalb der Linea nuchae suprema
-(vgl. Taf. II, fig. 5-6). Wenn dieser letztere Schädel gegenüber
-den weiblichen und deformirten (Taf. II, fig. 4) als der am meisten
-typische angesehen werden darf, so könnte es doch sein, dass ihm an
-einer andern Stelle die künstliche Verunstaltung nicht fehle. Er zeigt
-nämlich eine ungemein breite und platte Nasenwurzel, und die Nasenbeine
-sind seitlich mit den Processus nasales des Oberkiefers verwachsen. Da
-sich dieselbe Synostose noch bei einem andern Negrito-Schädel findet,
-so entsteht die Frage, ob hier eine blosse Rassen-Eigenthümlichkeit
-oder ein pathologisches Ereigniss vorliegt. Wenn nun an sich der
-ganze Habitus der Stelle diesen Eindruck hervorbringt, so hat mich
-eine Mittheilung des französischen Missionärs Montrouzier noch
-mehr für diese Ansicht gewonnen. Derselbe berichtet nämlich, dass
-in ganz Neu-Caledonien nach der Geburt eines Kindes Wasser heiss
-gemacht, die Finger in dasselbe getaucht und mit denselben die Nase
-des Neugebornen zerquetscht wird. Freilich ist von den Philippinen
-bis jetzt nichts Aehnliches bekannt, aber vielleicht wird es damit,
-wie mit der Schädelverunstaltung, gehen.
-
-Ich muss endlich noch eine besondere Eigenthümlichkeit der
-Negrito-Schädel erwähnen, nämlich die ausgezeichnet ogivale Form,
-welche sowohl in der Stirn-, als Hinterhaupts-Ansicht bemerkbar
-wird und welche auch in den Photographien (Taf. III.) zu Tage
-tritt. Namentlich bei der männlichen Bevölkerung ist die dachförmige
-Gestalt des Vorderkopfes leicht erkennbar. Die Glabella ist an diesen
-Schädeln ungewöhnlich voll, die Stirnhöcker schwach entwickelt, in der
-Mitte öfter die Andeutung einer Crista frontalis. Damit hängt zusammen
-die auffällige Höhe der Plana temporalia, welche sich bei dem Manne
-(Taf. II, fig. 5 und 6) bis über die Tubera parietalia erstrecken
-und hinter der Kranznaht nur 95 Millim. von einander entfernt sind.
-
-Es lässt sich daher nicht verkennen, dass der Schädeltypus der Negritos
-etwas Bestiales, wenn man will, etwas Affenartiges an sich hat. Die
-grosse Breite der unteren Theile der Nase, welche in den Photographien
-(vergl. die Tafel III.) so auffällig hervortritt, trägt nicht wenig
-dazu bei, den Eindruck der Hässlichkeit zu erhöhen. Hr. de la Gironière
-(Aventures d'un gentilhomme breton aux îles Philippines. Paris 1855
-p. 321) mag daher wohl einen ersten Eindruck, richtig wiedergeben,
-wenn er in seiner lebhaften und etwas übertreibenden Weise sagt:
-Les hommes -- me paraissaient plutôt une grande famille de singes
-que des créatures humaines.
-
-Um das osteologische Bild zu vervollständigen, will ich noch
-hervorheben, was auch die übrigen Skeletknochen bezeugen und
-alle Reisende berichten, dass die Negritos von niedrigem und
-gracilem Bau sind. Ihre Schienbeine sind seitlich abgeplattet, wie
-zusammengedrückt. Ihre Oberarmbeine haben öfters ein Loch über den
-Gelenktheilen der Ellenbeuge und zeigen überdiess eine andere Drehung
-in der Continuität, als die europäischen. Kurz, alles vereinigt sich,
-um uns das Bild einer niedrigeren Entwickelung zu geben, aber einer
-Entwickelung, welche weder mit derjenigen der afrikanischen Neger,
-noch mit denen der Papuas und der Australneger, soviel bis jetzt
-ersichtlich, irgend eine Aehnlichkeit zeigt.
-
-Wenn wir nun, nachdem wir im Innern der Philippinen sowohl
-dolichocephale, als brachycephale wilde Stämme kennen gelernt haben,
-zu der Küstenbevölkerung zurückkehren, so möchte ich zuerst daran
-erinnern, dass nach dem Zeugnisse der verschiedensten Reisenden hier
-zahlreiche, durch Einwanderung bedingte Kreuzungen stattgefunden
-haben. Namentlich werden chinesische und japanesische Beimischungen
-als sehr einflussreich geschildert. Es wird daher nothwendig sein,
-hier sehr vorsichtig zu sein, und ich möchte namentlich darauf
-aufmerksam machen, dass auch Mischungen zwischen der wahrscheinlich
-malaiischen Küstenbevölkerung und den erwähnten Bergstämmen sorgfältig
-in Betracht gezogen werden müssen. Gerade in dieser Beziehung dürften
-die von Hrn. Jagor mitgebrachten Höhlenschädel von Samar sowohl wegen
-ihres Alters, als auch wegen der Küstenlage der Höhlen und der mehr
-südlichen Lage dieser Insel eine besondere Bedeutung beanspruchen,
-da sie vermuthlich reineren Elementen der Bevölkerung angehörten,
-als die Kirchhofsschädel, nach denen wir die heutige Küstenbevölkerung
-meist zu beurtheilen haben.
-
-Auf den beigegebenen Tafeln sind geometrische Linearzeichnungen der 3
-Höhlengruppen von der Insel Samar zusammengestellt, welche ausreichen
-werden, um ein übersichtliches Bild dieser Küstenschädel zu geben und
-deren Vergleichung mit den Negrito-Schädeln anschaulich zu machen. Es
-sind dies folgende:
-
-1) Aus der Höhle von Lanang ist auf Taf. I, fig. 3-4 (z. 841)
-der am meisten verdrückte Flachkopf, fig. 1-2 (z. 839) ein nur
-massig veränderter Schädel abgebildet. Es sind dies Beispiele eines
-ungewöhnlich grossköpfigen und wahrscheinlich starken Stammes, welcher,
-obgleich brachycephal, doch nur mässig prognath ist und am weitesten
-von den Negritos abweicht.
-
-2) Aus der ersten Höhle von Nipa-Nipa stammen zwei Schädel Taf. I,
-fig. 5 (z. 873) und fig. 6 (z. 874), beide stark brachycephal und
-mehr prognath, beide, namentlich fig. 6 beträchtlich, von hinten
-her abgeplattet.
-
-3) Aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa zwei Schädel Taf. II, fig. 1-2
-(z. 867) und fig. 3 (z. 870). Sie gehören jenem zarten und mehr
-kleinköpfigen, brachycephalen und eminent prognathen Stamme an,
-unter dem die Syphilis verbreitet war.
-
-Ich stelle auch hier, wie früher, einige Zahlen zusammen, indem
-ich zugleich die modernen, von Hrn. Schetelig mitgebrachten
-Kirchhofsschädel berücksichtige:
-
-
- Lanang Breitenindex. Höhenindex. Capacität.
-
- No. 839 93,0 78,6 1510
- No. 841 94,8 80,0 1470
- Nipa-Nipa B.
- No. 873 89,1 78,9 1360
- No. 874 96,2 83,6 1400
- Nipa-Nipa A.
- No. 867 78,4 74,5 1210
- No. 870 86,6 77,0 1351
- Tabaco
- No. III. 83,3 82,4 1320
- No. IV. 81,1 79,7 1505
- Tibi 80,2 78,5 1595
-
-
-Man ersieht leicht, dass die Brachycephalie durch die ganze Reihe
-durchgeht und dass auch die Höhe verhältnissmässig überall beträchtlich
-ist. Am meisten schwankt die Capacität, weniger jedoch in den einzelnen
-Gruppen der Höhlenschädel, als unter den modernen. Eine endgültige
-Entscheidung über die Stellung der verschiedenen Gruppen zu einander
-dürfte daher noch immer verfrüht sein. Die Schwierigkeit, welche durch
-die künstliche Deformation so vieler diese Schädel herbeigeführt wird,
-ist zu gross, um für die einzelnen Gruppen sichere gesetzliche Normen
-zu finden. Wie ich schon früher anführte, so zeigen die Indices für
-die modernen Kirchhofs-Schädel, welche von Bicols stammen, am meisten
-Uebereinstimmung mit den Höhlenschädeln von Nipa-Nipa A, welche jedoch
-weit hinter ihnen zurückbleiben in Bezug auf die Capacität. Allein
-die hier in Betracht kommenden Höhlenschädel sind auch am wenigsten
-durch künstliche Verunstaltung betroffen und es liegt daher nahe, dass
-jeder von ihnen den Typus deutlicher wiedergiebt, als die Schädel
-der beiden anderen Höhlengruppen. Hoffentlich wird eine weitere
-Durchforschung des nun reichlicher zuströmenden Materials bald eine
-vollständigere Darlegung gestatten, und so eines der interessantesten
-ethnographischen Gebiete klar legen.
-
-
-
-
-
-
-
-
-ANMERKUNGEN
-
-
-[1] Navarrete IV. 97. Obs.2a.
-
-[2] Nach Albo's Schiffsjournal wurde er den Unterschied an den
-Capverdischen Inseln gewahr, am 9. Juli 1522. »y este dia fue
-miercoles, y este dia tienen ellos por jueves.«
-
-[3] In einer Anmerkung zu Seite 18 der meisterhaften englischen
-Uebersetzung Morga's finde ich die auffallende Angabe, dass
-gleichzeitig eine ähnliche Berichtigung in Macao vorgenommen wurde,
-wo die Portugiesen, die von Osten gekommen waren, den entgegengesetzten
-Fehler von einem Tage hatten.
-
-[4] Zu Ende des 16ten Jahrhunderts belief sich die Abgabe von den aus
-China eingeführten Waaren auf 40,000 Doll., die Einfuhr also wenigstens
-auf 1 1/3 Million. 1810 nach 250-jähriger ungestörter Herrschaft der
-Spanier war letztere auf 1.150.000 Doll. gesunken. Seit dem steigt
-sie allmälig und betrug 1861: 2.130.000 Doll.
-
-[5] Navarrete IV. 54. Obs. 1a.
-
-[6] Nach Gehler's Phys. Lex. VI, 450 wird das Log zuerst von Purchas
-auf einer Reise nach Ostindien 1608 erwähnt. Pigafetta führt es nicht
-an in seinem Trattato di Navigazione, aber S. 45 seiner Erzählung
-heisst es: Secondo la misura che facevamo del viaggio colla cadena
-a poppa, noi percorrevamo 60 a 70 leghe al giorno. Das wäre so viel
-wie unsere schnellsten Dampfer, 10 Knoten.
-
-[7] Die europäische Post geht über Singapore und Hongkong nach
-Manila. Ersteres ist von beiden Orten etwa gleich entfernt. Man konnte
-die Briefe also eben so schnell in den Philippinen haben als in China,
-wenn man sie direkt aus Singapore holte. In diesem Falle würde aber
-die Dampfverbindung mit Hongkong beibehalten werden müssen, doch ist
-bis jetzt der Verkehr noch zu unentwickelt, um die doppelte Ausgabe
-tragen zu können.
-
-Nach dem Bericht des engl. Konsuls (Mai 1870) läuft gegenwärtig
-ausser dem Regierungsschiff auch ein Privat-Dampfer zwischen Hongkong
-und Manila. Die Zahl der Passagiere nach China betrug 1868: 441
-Europäer. 3048 Chinesen, zusammen 3489. Nach Manila 330 Europäer,
-4664 Chinesen, zusammen 4994. Der Fahrpreis ist 80 Doll. für Europäer,
-20 Doll. für Chinesen.
-
-[8] Zuñiga, Mavers I. 225.
-
-[9] Zuñiga XVIII, M. Velarde f. 139.
-
-[10] Capt. Salmon, Goch. S. 33.
-
-[11] Die Oeffnung dieser Häfen hat sich so erspriesslich erwiesen, dass
-darüber einige interessante Thatsachen in einem besonderen Kapitel
-mitgetheilt werden sollen, -- grösstentheils nach mündlichen und
-schriftlichen Bemerkungen des vor drei Jahren verstorbenen englischen
-Vizekonsuls N. Loney und nach späteren Konsulatsberichten.
-
-[12] 1868 liefen 112 fremde Schiffe von 74,054 Tonnen, 93 spanische
-von 26,762 Tonnen in Manila ein; erstere kamen fast alle in Ballast,
-und verliessen den Hafen mit Ladung; letztere kamen und gingen
-beladen. (Ber. d. engl. Konsuls 1869.)
-
-[13] 1868 14,013,108 Doll. Gesammtausfuhr, England 4,857,000 Doll.,
-das ganze übrige Europa 102,477 Doll., wobei freilich der von der
-Kolonie nach Spanien gesandte Tabakstribut (3,169,114 Doll.) nicht
-mitgerechnet wird (Ber. engl. Kons. 1869).
-
-[14] Lapérouse nennt Manila die vielleicht am glücklichsten gelegene
-Stadt der Welt.
-
-[15] Näheres über das Zollwesen s. im Anhange.
-
-[16] Sapán oder Sibucao, Caesalpinia Sappan. Das Fernambuk- oder
-Brasilholz, dem das Kaiserreich Brasilien seinen Namen verdankt,
-kommt von C. echinata und C. brasiliensis. (Die älteste Karte
-von Amerika bemerkt vom Lande des Brasil[holzes]: hier giebt es
-weiter nichts brauchbares als Brasil.) Das Sapan der Philippinen ist
-reicher an Farbstoff als die übrigen ostasiatischen, steht aber dem
-von Brasilien nach. In neuer Zeit hat es seinen Ruf verloren, da es
-aus Unverstand häufig zu früh geschnitten wird. Es geht vorzüglich
-nach China, dient zum Rothfärben und -drucken. Das vorher mit Alaun
-gebeizte Zeug wird dort zum Schluss in ein schwach alkoholhaltiges
-Alkalibad getaucht. Das in den Kleidern der ärmeren Chinesen so
-häufige Braunroth ist mit Sapan dargestellt.
-
-[17] Ein interessantes Verzeichniss der zu jener Zeit von den Chinesen
-eingeführten Waaren findet sich im Anhang.
-
-[18] Schon damals gingen grosse Mengen kleiner Muscheln (Cypraea
-moneta) nach Siam, wo sie noch heut als Münze dienen.
-
-[19] Berghaus Geo-hydrogr. Memoir.
-
-[20] Manila wurde erst 1571 gegründet, aber schon 1565 glückte
-es Urdaneta, Legaspi's Steuermann, den Rückweg durch das Stille
-Meer zu finden, indem er in höheren nördlichen Breiten N.W. Winde
-aufsuchte. Genau genommen war übrigens Urdaneta nicht der Erste, dem
-die Rückfahrt gelang; denn eines der fünf Schiffe Legaspi's, unter dem
-Befehl Don Alonso de Arellano's, das einen Mulatten, Lope Martin, als
-Steuermann an Bord hatte, trennte sich von der Flotte, nachdem diese
-die Inseln erreicht, und kehrte nach Neu-Spanien auf einem nördlichen
-Kurs zurück, um die für diese Entdeckung ausgesetzte Belohnung zu
-verdienen, was durch das baldige Eintreffen Urdaneta's vereitelt wurde.
-
-[21] Grav. No. 6.
-
-[22] Vgl. Kottenkamp I. 1594.
-
-[23] Gestützt auf Leyes de India 1a u. 6a, C. 4, L. 9.
-
-[24] Zuerst wurde nur die Einfuhr durch Festsetzung eines Werthmaximums
-beschränkt, die Manila-Kaufleute halfen sich durch Angabe viel zu
-geringer Werthe; um diesem Missbrauch ein Ende zu machen, wurde ein
-Maximum für Silberausfuhr festgesetzt. Nach Mas (Informe I, 3, 60)
-betrug aber das geschmuggelte Silber sechs bis acht Mal soviel.
-
-[25] Informe Hist. 2.
-
-[26] Informe I. 4. 6.
-
-[27] Lapérouse (358) erwähnt 1787 ein französisches Handelshaus
-(Sebis), das seit mehreren Jahren in Manila etablirt war.
-
-[28] Informe, Comercio 2.
-
-[29] R. Cocks to Thos. Wilson (Calendar of State Papers (India)
-No. 823) . . »the English will obtain a trade in China, so they bring
-not in any padrese (as they term them) which the Chinese cannot abide
-to hear of, because heretofore they came in such swarms and are always
-begging without shame.«
-
-[30] Noch 1857 werden ältere, gegen die Niederlassung von Ausländern
-gerichtete strenge Erlasse durch ein Gesetz (L. ult. II 512)
-erneut. Eine R. O. von 1844 (L. ult. II 465) verbietet, Fremde unter
-irgend welchem Vorwande das Innere der Kolonie betreten zu lassen.
-
-[31] Pinkerton XI, 85.
-
-[32] II, 201.
-
-[33] Von 5 × 2 1/2 × 1 1/2 = 18,75 span. Cub.-Fuss (St. Croix II, 360).
-
-[34] Comercio exterior 47.
-
-[35] Die Obras pias sind fromme Vermächtnisse, bei denen in der Regel
-bestimmt war, dass zwei Drittel zu kaufmännischen Unternehmungen im
-Seehandel gegen Zinsen ausgeliehen werden sollten, bis durch die
-Prämien, die für das Risiko nach Acapulco 50 Prozent, nach China
-25 Prozent, nach Indien 35 Prozent betrugen, das ursprüngliche
-Kapital auf eine gewisse Summe angewachsen war, deren Zinsen dann,
-für das Seelenheil des Stifters, zu frommen oder wohlthätigen Zwecken
-verwendet wurden. (Arenas hist. 397.) Ein Drittel blieb gewöhnlich als
-Reservefond zurück, zur Deckung etwaiger Verluste. (Diese Reservefonds
-sind längst von der Regierung als Zwangsanleihen für sich in Anspruch
-genommen, »werden aber noch als vorhanden angesehn.«)
-
-Als der Acapulcohandel ein Ende nahm, konnten die Kapitalien nicht mehr
-nach der Bestimmung der Stifter angelegt werden, und wurden anderweitig
-auf Zinsen ausgeliehen. Durch R. O. 3. Novbr. 1854 (Leg. ult. II, 205)
-wird eine Junta administradora eingesetzt, um die Gelder der Obras
-pias zu verwalten. Das Gesammtkapital der fünf Stiftungen (eigentlich
-nur vier, da eine derselben kein Kapital mehr besitzt) beträgt etwas
-weniger als 1 Million Dollars. Der aus den Darlehen erzielte Gewinn
-wird nach Höhe des Einlagekapitals vertheilt, welches aber nicht mehr
-baar vorhanden ist, weil die Regierung darüber verfügt hat.
-
-[36] Thevenot Religeux 12.
-
-[37] 14-15° Morga 171.
-
-[38] Nach Legentil 32-34°.
-
-[39] De Guignes, Pinkerton XI, Anson X.
-
-[40] Anson X.
-
-[41] Edmund Randolph, Hist. of California.
-
-[42] Zu Morga's Zeit 70 Tage bis zu den Ladronen, 10-12 Tage bis Cap
-Espiritu Santo, 8 Tage bis Manila.
-
-[43] Eine sehr gute Beschreibung der Naofahrten findet man in Anson
-Kap. X. Dasselbe Werk enthält die Kopie einer an Bord der Cavadonga
-erbeuteten Seekarte, auf welcher die Reise dieser Galeon von den
-Philippinen nach Acapulco und zurück eingetragen ist.
-
-[44] de Guignes.
-
-[45] Dem Befehlshaber, der den Titel General hatte, war ein Kapitän
-untergeordnet, dessen Gewinn auf jeder Reise 40,000 Doll. betrug. Für
-den Steuermann belief sich der Nutzen auf 20,000 Doll. Der erste
-Lieutenant (Maestre) hatte 9 Prozent vom Verkauf der Waaren und löste
-daraus und aus seinem besonderen Handel über 350,000 Doll. (Arenas
-hist. 394.)
-
-[46] Die von Anson erbeutete Ladung betrug 1,313,000 Doll., abgesehen
-von 35,682 Unzen Feinsilber und Cochenille. Die von Drake mitten
-im Frieden zwischen England und Spanien geraubte 1 1/2 Millionen
-Doll. Th. Candish (s. oben) verbrannte die reiche Ladung der Sa. Ana,
-da er keinen Raum mehr für sie hatte.
-
-[47] So fand z. B. 1786 die Nao S. Andrés, die für 2 Millionen
-Doll. Fracht enthielt, keinen Markt in Acapulco; ebenso erging es
-1787 der S. José, und 1789 abermals der S. Andrés. (Informe 1. 4. 33.)
-
-[48] 1855: 586 Spanier aus Europa, 1378 Kreolen, 6323 Indier
-und Mestizen, 332 Chinesen, 2 Hamburger, 1 Portugiese, 1
-Afrikaner. (Com. centr. de Estadistica. Heft I.)
-
-[49] Das Erdbeben von 1863 zerstörte die alte Brücke, sie wird jetzt
-wieder hergestellt; die Pfeiler sind vollendet, das eiserne Gerüst
-soll demnächst aus Europa eintreffen (April 1872).
-
-[50] Vergl. Roscher's Kolonien.
-
-[51] Folgende Maasse werden einen Schluss auf den Gehalt der Zeitungen
-erlauben: ich wähle nicht das Boletin oficial, da es zu amtlichen
-Ankündigungen bestimmt ist und diesen gegenüber sein sonstiger Inhalt
-nicht in Betracht kommt. Die mir vorliegende Nummer des wöchentlich
-6 mal erscheinenden Comercio (vom 29. Nov. 1858) hat 4 Seiten, deren
-bedruckter Raum je 11×17, im Ganzen also 748 Quadratzoll beträgt. Sie
-vertheilen sich wie folgt:
-
-Titel, 27 1/2 Quadratzoll; Aufsatz über die Volksmenge in Spanien,
-aus einem Buche abgedruckt, 102 1/2 Quadratzoll. -- Unter dem Titel:
-Nachrichten aus Europa, ein Artikel, abgedruckt aus den Anales de la
-Caridad, über die Zunahme der Barmherzigkeit und des katholischen
-Unterrichts in Frankreich, 40 1/2 Quadratzoll; über die Kunst und
-ihren Ursprung (allgemeine Redensarten), 1. Abschnitt, 70 Quadratzoll;
-Auszug aus dem amtlichen Blatt, 20 1/2 Quadratzoll; alte Anekdote, 59
-Quadratzoll. -- Religiöser Theil: dieser zerfällt in eine amtliche und
-eine nichtamtliche Abtheilung, in der ersten werden die Heiligen des
-Tages und die des folgenden, sowie die Kirchenfeste bekannt gemacht;
-der zweite Theil enthält die Anzeige einer glänzenden Prozession und
-den 1sten Abschnitt einer 3 Jahre früher, bei Gelegenheit desselben
-Festes gehaltenen Predigt, »die so schön war, dass sie den Lesern
-unverkürzt mitgetheilt werden soll«, 99 Quadratzoll. -- Stück eines
-alten Romans in vielen Kapiteln, 154 und Anzeigen, 175, zusammen 748
-Quadratzoll. In den letzten Jahren enthielten die Zeitungen zuweilen
-gediegene Aufsätze, jedoch nur äusserst selten.
-
-[52] Pigafetta 111.
-
-[53] In den Ordenanzas de Buen Gobierno von Hurtado Corcuero,
-Mitte des 17ten Jahrhunderts, werden Kampfhähne nicht erwähnt. 1779
-wurden sie zuerst als Steuerquelle ausgebeutet; 1781 verpachtete
-die Regierung das Recht, Eintrittsgelder zu den Galleras (von Gallo,
-Hahn) zu erheben für 14,798 Doll. jährlich. 1863 ist der Ertrag der
-Galleras mit 106,000 Doll. im Budget ausgeworfen.
-
-[54] Es giebt eine besondere Verordnung von 100 §§. über die
-Hahnenkämpfe (Madrid, 21. März 1861). § 1 bestimmt, dass die Kämpfe,
-da sie eine Staatseinnahme bilden, nur auf öffentlichen Schauplätzen
-stattfinden dürfen; § 6. sie sind an Sonn- und Festtagen zu gestatten;
-§ 7. von Schluss der Hauptmesse bis Sonnenuntergang; § 12. mehr
-als 50 Doll. dürfen nicht auf einmal gewettet werden. § 38. Jeder
-Hahn darf nur ein Messer und zwar am linken Sporn tragen. § 52. Der
-Kampf ist beendet, wenn beide Hähne oder einer derselben stirbt,
-oder wenn einer von beiden aus Feigheit davonläuft. In Daily News
-vom 30. Juni 1869 findet sich die Notiz, dass in Leeds, fünf Männer
-jeder zu 2 Monaten Gefängniss verurtheilt wurden, weil sie sechs,
-mit metallenen Sporen bewaffnete Kampfhähne gegen einander hatten
-kämpfen lassen. Danach scheint in England das früher sehr beliebte
-Schauspiel nicht mehr gestattet zu sein.
-
-[55] Der Pflanzer de la Gironière hat den Rohstoff, Al. Dumas angeblich
-die Ausschmückung dazu geliefert.
-
-[56] Botanische Gärten scheinen unter Spaniern nicht zu
-gedeihen. Chamisso (S. 71) klagt, dass zu seiner Zeit von dem vom
-gelehrten Cuellar bei Cavite angelegten botanischen Garten keine
-Spur mehr vorhanden war. Der Madrider Garten ist in einem traurigen
-Zustande, die Glashäuser stehen meist leer. Auch der von einem reichen
-Patrioten in Orotava (Teneriffa) mit grossen Kosten geschaffene, der
-als Akklimatisations-Station wichtige Dienste leisten könnte, geht
-schnell zu Grunde. Es soll alljährlich eine nicht unbeträchtliche Summe
-dafür im Budget ausgeworfen werden, von der aber nur selten Spuren bis
-Orotava gelangen. Bei meiner Anwesenheit 1867 hatte der Gärtner seit
-22 Monaten keinen Gehalt bekommen, alle Arbeiter waren entlassen, sogar
-der unumgänglich nöthige Zufluss des Wassers war eingestellt worden.
-
-[57] Proben im Berl. ethnogr. Mus. No. 294. 295.
-
-[58] Bertillon (Acclimatement & Acclimatation, Dict. encycl. des
-sc. méd.) schreibt die Fähigkeit der Spanier, sich in heissen Ländern
-zu akklimatisiren, vorzüglich ihrer starken Vermischung mit syrischem
-und afrikanischem Blut zu: die alten Iberer scheinen aus Chaldaea über
-Afrika gekommen zu sein, Phoenizier und Carthager hatten blühende
-Kolonien in Spanien, in neuerer Zeit haben die Mauren Jahrhunderte
-lang das Land besessen und grossen Glanz entfaltet, was der Kreuzung
-förderlich sein musste. So hat sich zu drei Malen afrikanisches Blut
-reichlich mit spanischem gemischt. Das heisse Klima der Halbinsel
-mag wohl auch dazu beitragen, ihre Bewohner für das Leben in den
-Tropenländern geschickt zu machen. Unvermischten Indo-Europäern ist
-es nie gelungen, am Südrande des Mittelmeers sich fortzupflanzen,
-noch weniger in heisseren Ländern.
-
-In Martinique, wo 8-9000 Weisse von der Ausbeutung 125,000 Farbiger
-in Fülle leben, nimmt die Bevölkerung trotzdem nicht zu, sondern
-ab. Die französischen Kreolen haben die Eigenschaft verloren,
-sich im Verhältniss der vorhandenen Lebensmittel zu erhalten und
-zu vermehren. Familien, die nicht von Zeit zu Zeit durch Zuführung
-neuen europäischen Blutes gestärkt werden, erlöschen in drei bis
-vier Generationen. Ebenso geht es in den englischen Antillen, nicht
-aber in den spanischen, obwohl Klima und natürliche Verhältnisse
-dieselben sind. Nach Ramon de la Sagra ist die Zahl der Todesfälle
-unter den Kreolen geringer, die der Geburten grösser als in Spanien;
-die Sterblichkeit bei der Garnison aber sehr bedeutend. Danach
-scheint bei der spanischen Rasse eine ächte Akklimatisation durch
-Auswahl stattzufinden: die ungeeigneten Individuen sterben, die
-andern gedeihen.
-
-[59] Ueber die in Amerika zu demselben Zweck angewendeten Mittel
-bemerkt Depons S. 171: »Man ist von jeher davon überzeugt gewesen,
-dass man der christlichen Religion auf keine andre Weise bei den
-Indianern Eingang verschaffen könnte, als wenn man ihre eigenen
-Neigungen und Gewohnheiten mit dem Christenthum vermischte; dies ist
-so weit gegangen, dass sogar in früheren Zeiten die Theologen die
-Frage aufgeworfen haben, ob es wohl erlaubt wäre, Menschenfleisch zu
-essen? Das allersonderbarste aber hierbei ist, dass die Frage wirklich
-zu Gunsten der Anthropophagen entschieden worden ist.«
-
-[60] Thatsächlich ist urbares Land freilich immer in festen Händen
-und an manchen Orten hoch im Preise. Bei Manila und in Bulacán ist
-der Morgen schon vor Jahren über 150 Thaler bezahlt worden.
-
-[61] Journ. Ind. Arch. IV. 307.
-
-[62] Im Buitenzorger Garten, Java, sah Verfasser einige in Süsswasser
-gezogene Exemplare.
-
-[63] Boyle (Adventures among the Dayaks, S. 67) fand sogar pneumatische
-Feuerzeuge aus Bambus bei den Dayaks in Gebrauch, Bastian traf
-solche in Birma. Auch sah Boyle einen Dayak etwas Zunder auf einen
-Porzellanscherben legen, ihn mit dem Daumen fest halten und einen
-scharfen Schlag damit gegen ein Bambusrohr führen: der Zunder fing
-Feuer. Dieselbe Art Feuer zu schlagen beobachtete Wallace in Ternate.
-
-[64] Eine Berechnung des Flächeninhalts der einzelnen Inseln befindet
-sich im Anhange.
-
-[65] Eine Uebersichtstabelle der Witterungsverhältnisse, und eine
-zweite, enthaltend die aus fünfjährigen Beobachtungen (1865-69)
-gewonnenen Mittel, befinden sich im Anhange.
-
-[66] Reiseskizzen S. 143.
-
-[67] Nach Tylor (Anahuac 227) petlatl (mexikan.) eine Matte, in den
-Philippinen: petate; petla-calli mexikanisch. Mattenhaus, davon petaca,
-geflochtene Zigarrentasche.
-
-[68] Voyage en Chine II, 33.
-
-[69] Informe II, 37.
-
-[70] Nach dem Berichte eines Ingeniörs sind die Barren dadurch
-entstanden, dass der Rio S. Mateo, der bald nach dem Ausfluss des
-Pasig aus der Laguna rechtwinklig auf diesen stösst, ihm in der
-Regenzeit eine grosse Menge Schlamm zuführt, welcher durch die dann
-herrschenden SW. Winde aufgestaut wird. Es würde daher wenig nützen
-die Barre fortzuräumen, ohne zugleich durch Ablenkung der S. Mateo
-in den See, die Ursache ihrer Entstehung zu beseitigen.
-
-[71] .. »ils se baignent aussi dans leurs maladies et ont des sources
-d'eau chaude pour cet effet, particulièrement au bord de l'Estang du
-Roy (Laguna del Rey statt de Bay offenbar in Folge eines Lesefehlers)
-qui est dans l'île de Manille.« Thévenot, Religieux.
-
-[72] »Vom Maquiling bis zu der Stelle Bacon genannt, die im Osten
-von Los Baños liegt, kann man kaum 30 Schritte gehn, ohne auf sehr
-verschiedenartige Wasserbäche zu stossen: sehr heisse, lauwarme,
-natürliche und sehr kalte. In einer in unserm Archiv aufbewahrten
-Beschreibung dieser Ortschaft, vom Jahre 1739 heisst es: dass SSO. 1/4
-S. vom Dorf ein Hügel Natognos liegt, auf dessen Platte eine Stelle
-von 400 quadr. Fuss in fortwährender Bewegung ist wegen des heftig
-ausströmenden Dampfes. Der von den Dämpfen durchdrungene Körper ist
-eine ausserordentlich weisse Erde, die zuweilen 1 bis 1 1/2 Ellen
-hoch geschleudert wird, und wenn sie die Kälte fühlt, in kleinen
-Stücken herabfällt.« (Estado geogr. 1865).
-
-[73] Laurineen, Scitamineen, Fächerpalmen, Dombeyaceen, Araliaceen.
-
-[74] Pigafetta sagt (S. 55), dass man, um den Kokoswein zu gewinnen,
-den Wipfel der Palme bis auf das Mark (den Trieb), durchbohrte und den
-aus der Wunde quellenden Saft auffing. Nach Regnaud (Hist. nat. du
-cocotier p. 120) befolgen die Neger von St. Thomas noch heut ein
-ähnliches Verfahren, das dem Baum sehr schädlich ist und ein weniger
-gutes Produkt liefern soll.
-
-Hernandez, I, 344, beschreibt ein eigenthümliches Verfahren, um aus
-der Sacsac-Palme, deren kurze Charakteristik so ziemlich auf Arenga
-saccharifera zu passen scheint, Wein, Honig und Sago zu gewinnen. Sie
-wird dicht an der Blattkrone gekappt, der Stamm, jedoch nur so weit
-er zart ist, ausgehöhlt, in der Vertiefung sammelt sich der süsse
-Saft. Ist aller Saft abgezapft, so lässt man den Baum vertrocknen,
-zerschneidet ihn dann in dünne Stücke, die an der Sonne gedörrt zu
-Mehl zerrieben werden.
-
-[75] Schon Pigafetta erzählt, dass die Eingeborenen aus den Kokospalmen
-Oel, Essig, Wein und Milch bereiteten und viel Kokoswein tranken,
-die Könige berauschten sich mehreremale bei den Gelagen.
-
-[76] In der Londoner Illustrirten Zeitung von Ende 1857 oder Anfang
-1858 befindet sich eine drastische Darstellung des Reisens auf dieser
-Strasse von einem talentvollen Künstler unter dem Titel: a macadamized
-road in Manilla.
-
-[77] Vergl. Reiseskizzen.
-
-[78] Erd und Pickering. (U. S. Expl. Exp. V 314,) fanden die Höhe =
-6500' engl. also 7143' span., bei ihren unvollkommenen Hülfsmitteln
-kein unbefriedigendes Resultat.
-
-Im Estado geogr. Manila 1865 S. 150 wird ohne Quellenangabe die Höhe =
-7030' 7'' gesetzt. An derselben Stelle heisst es: »der grosse Vulkan
-ist seit 1730 erloschen, in welchem Jahre sein letzter Ausbruch
-stattfand; er barst an der Südseite, stiess Ströme von Wasser und
-brennender Lava aus und Steine von ungeheurer Grösse, deren Spuren
-bis zum Dorf Sariaya zu verfolgen sind. Der Krater mag gegen eine
-Legua im Umfang haben, ist im Norden höher, hat im Innern die Form
-einer Eischale; diese Vertiefung scheint die Hälfte der Berghöhe
-zu betragen.«
-
-[79] Von Ponte, Verdeck, zweimastige Schiffe mit Mattensegeln von
-etwa 100 Tonnen.
-
-[80] Estado geogr. S. 314.
-
-[81] Amtlich Cagsáua genannt, denn das alte, höher am Berge belegene
-durch den Ausbruch von 1814 zerstörte Cagsáua wurde an dieser Stelle
-wieder aufgebaut, wo früher ein unbedeutendes Oertchen, Darága stand.
-
-[82] Wie mir Herr Paton brieflich mittheilt, hatte man ihnen in Albay
-das Unternehmen als unausführbar dargestellt. Weder einem Spanier
-noch einem Indier sei es jemals gelungen den Gipfel zu erreichen,
-sie würden trotz aller Vorsichtsmaassregeln vom Sande verschüttet
-werden. Von einem grossen Reiterzuge begleitet, brachen sie um 5 Uhr
-auf und gelangten bis an den Fuss des Schlackenkegels, von wo sie
-in Begleitung zweier Landsleute, die aber unterwegs zurückblieben,
-den Berg zu erklimmen begannen. Auf halber Höhe rastend, sahen sie
-in häufigen Gipfelausbrüchen ausgestossene glühende Lava den Berg
-hinabgleiten. Mit grosser Anstrengung erreichten sie zwischen 2 und
-3 Uhr den Gipfel, konnten aber wegen der schwefligen Gase nur 2 oder
-3 Minuten verweilen. Beim Hinabsteigen erfrischten sie sich durch
-Nahrungsmittel, die ihnen Herr Muñoz entgegen gesandt, und gelangten
-Abends nach Albay, wo sie während der paar Tage ihres Aufenthalts
-als Helden gefeiert wurden, und über ihre »Conquista« ein amtliches
-Beglaubigungsschreiben erhielten, für welches sie mehrere Dollar zu
-erlegen hatten.
-
-[83] Francisco Aragoneses Suceso espantoso y memorable acaecido en
-la provincia de Camarines el dia 1de Febrero 1814.
-
-[84] Blanco Flora 420.
-
-[85] [Der Cacaoverbrauch in Europa beträgt jährlich 36 bis 40 Millionen
-Pfd. (Humboldt schätzte ihn 1818 auf 23 Millionen Pfund--H. und Bonpl
-Reise III., 206), wovon 1/3 für Frankreich, dessen Bedarf sich von 1853
-(6,215,000 Pfd.) bis 1866 (12,973,534 Pfd., Werth 2,681,000 Thaler)
-mehr als verdoppelt hat. Venezuela liefert den feinsten Cacao für den
-europäischen Markt: Porto Cabello und Carácas; am besten und theuersten
-ist der Carácas in 4 Sorten: 1° Chuao, 2° Ghoroni, 3° O'Cumar, 4°
-Rio chico; sie werden auf vorzüglich gepflegten Pflanzungen von lange
-dort angesiedelten Basken gewonnen.
-
-England verbraucht den in seinen eigenen Kolonien erzeugten Cacao,
-obgleich der Zoll (1 d. per Pfund) für alle gleich ist; Spanien,
-das bedeutend konsumirt, bezieht seinen Bedarf besonders aus Cuba,
-Portorico, auch Ecuadór, Mexico, Trinidad. Sehr beträchtliche neue
-Pflanzungen sind neuerdings in Nicaragua von Franzosen angelegt
-worden: 250,000 Bäume von denen 60,000 1867 schon trugen. (Rapp. du
-Jury XI, 268.)
-
-Mehr noch als die feinsten Venezuéla-Sorten sind die Bohnen von
-Soconusco (Zentr.-Amer.) und Esmeraldas (Ecuadór) geschätzt; sie werden
-aber im Lande selbst verbraucht, kommen kaum in den Handel. Deutschland
-begnügt sich mit geringeren Sorten; Guayaquíl, der im Mittel etwa halb
-soviel als Carácas kostet, wird bei uns am meisten, mehr als von allen
-übrigen Sorten zusammen, eingeführt. (Vergl. A. Mitscherlich S. 39-46,
-wo reiches Material über den Cacaohandel in übersichtlicher Kürze
-zusammengestellt ist.)
-
-[86] [Nach C. Scherzer, Central-Amerika p. 554 giebt der Baum 20 Jahre
-lang je 30 bis 40 Loth Ertrag; 1000 Pflanzen 1250 Pfund Cacao = 250
-Doll. (zu 20 Doll. der Zentner) also 1 Baum 1/4 Doll. -- Mitscherlich
-nimmt 4 bis 6 Pfd. frische Bohnen als den mittleren Ertrag an. Ein
-Liter Cacaobohnen wiegt lufttrocken 630 Gr., geröstet und geschält
-610 Gr. (Jordan und Timäus).
-
-[87] 1727 zerstörte ein Orkan die durch langjährige Bemühungen
-geschaffenen bedeutenden Cacaopflanzungen von Martinique mit einem
-Schlage; dasselbe geschah auf Trinidad. Mitscherlich S. 14.
-
-[88] F. Engel (Unsere Zeit 1. Dez. 67) nennt auch eine Krankheit
-(Mancha), welche in Amerika an der Wurzelbasis mit Zerstörung der
-Cambiumschicht beginnend, den Baum schnell tödtet und sich so rasch
-verbreitet, dass ganze Cacaowälder niedergehauen und in Weideplätze
-für das Vieh verwandelt wurden, um ihr Einhalt zu thun. Selbst
-in den begünstigsten Gebieten wurden nach langem ruhigen Besitz
-in einer einzigen Nacht kurz vor der Ernte, tausende von Bäumen
-durch diese Krankheit getödtet. Ein fast ebenso gefährlicher, den
-Anbau einschränkender Feind ist eine Motte, deren Larve die fertigen
-Cacaobohnen gänzlich zerstört; man kennt nur ein Mittel sie zu tödten,
-Kälte und Luftzug. Schon Humboldt führt an, dass Cacaobohnen, die
-über den kalten Kamm der Cordilleren geführt wurden, auf immer von
-dieser Plage frei blieben.
-
-[89] G. Bernoulli (Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten
-von Theobroma. Zürich 1869) führt im Ganzen 18 Arten an; für die
-Philippinen nur eine: Theobroma Cacao, Lin., nach Blüthen und Früchten
-aus meinem Garten in Darága bestimmt.
-
-[90] Pili, ein Canarium, dessen Species wohl noch nicht genügend
-feststeht, ist in Süd-Luzon, Samar und Leyte sehr verbreitet, es fehlt
-dort wohl in keinem Dorfe. (Die vom Verfasser eingesandten Blüthen
-sind im Berliner Herbar bei dessen vielen Wanderungen von einem Ort
-zum andern aus massig geräumigen in immer engere Lokalitäten verlegt
-worden.)
-
-Die Frucht von der Grösse einer Pflaume, aber spitzer, enthält eine
-harte Mandel, deren Kern roh, in Syrup eingemacht, oder kandirt
-genossen wird, wie Pinienkerne, denen sie im Geschmack sehr ähnlich
-ist. Die von Pigafetta (S. 55) auf Jomonjol angetroffenen grossen
-Bäume mit Früchten »etwas kleiner als Mandeln, Pinienkernen ähnlich«,
-sind wohl Pili gewesen. Aus den Kernen wird ein Oel gepresst, dem aus
-süssen Mandeln vergleichbar. Aus Einschnitten des Stammes erhält man
-reichlich ein weiches, angenehm riechendes, weisses Harz, das unter dem
-Namen Piliharz, oder Brea blanca, im Lande zum Kalfatern der Schiffe,
-mit Reishülsen durchknetet zu Fackeln verwendet wird. Auch als Pflaster
-steht es bei Rheumatischen in gutem Ruf. Seit etwa zwanzig Jahren
-kommt es nach Europa. Die ersten Sendungen brachten grossen Gewinn,
-da das in seiner Heimath sehr billige Produkt bei uns als ein neues
-beliebtes Elemiharz Stellung nahm.
-
-[91] Der allgemeine Name war aber Cacahoa-atl (Cacao-Wasser), Chocolatl
-bezeichnete eine besondere Sorte. F. Hernandez (opera omnia II, 155,
-vergl. auch E. Nierembergius Cap. XV.) kannte bei den Azteken vier
-Cacaoarten, (eine fünfte Pflanze, die er nennt, lieferte wohl nur ein
-Surrogat) und beschreibt vier Sorten daraus bereiteter Tränke, deren
-dritte Chocolatl hies, und angeblich auf folgende Weise bereitet wurde:
-Gleiche Maasstheile von Fruchtkernen des Baumes Pochotl (Bombax ceiba)
-und cacahoatl (Cacao) wurden fein gerieben, in einem irdenen Gefäss
-erhitzt, das oben sich ansammelnde Fett abgesondert. Zum Rückstand
-setzte man gequollenen zermalmten Mais, und bereitete daraus einen
-Trank, der warm genossen wurde, nachdem das vorher abgesonderte Fett
-wieder beigemischt worden.
-
-[92] M. Wagner, Centr. Amer. 146.
-
-[93] Rappt. du Jury XI.
-
-[94] Näheres bei Mitscherlich und F. Engel.
-
-[95] Berthold Seemann (Nicaragua pg. Ausland 16.7.67) berichtet von
-einem Baum mit fingerförmigen Blättern und kleinen runden Kernen,
-die zuweilen von Indianern zum Verkauf angeboten werden. Man macht
-Chocolade daraus, die an Wohlgeschmack die gewöhnliche aus Cacao
-bereitete übertrifft. Der Baum wird gewiss mit der Zeit von Europäern
-in grosser Menge angepflanzt werden.
-
-[96] Remarks on the Philippine Islands, Calcutta 1828.
-
-[97] Reiseskizzen S. 157.
-
-[98] Bericht des franz. Konsuls v. 1866.
-
-[99] Mysore und Mokka erzielen die höchsten Preise: ersterer 80 bis
-90 Sch., Mocca, wenn 5 bis 6 Jahr alt, bis 120 Schilling.
-
-[100] Kaffeeeinfuhr in S. Francisco 1865, 66, 67 = 3 1/2, 8, 10
-Million Pfd., davon 2, 4, 5 Million Pfd. Manila-Kaffee. 1868 soll
-England die grösste Menge Kaffee eingeführt haben.
-
-[101] Rappt. Cons. Belge.
-
-[102] Kaffee ist ein so vorzüglichstes Getränk und wird so selten gut
-bereitet, dass folgende von Sachverständigen gegebene Winke [Rappt. du
-Jury] gewiss nicht unwillkommen sein werden: 1) Wahl guter Sorten,
-2) Mischung derselben im besten, durch Erfahrung festgestellten
-Verhältniss, 3) Vollständiges Austrocknen der Bohnen, da sonst der
-während des Brennens aus ihnen entwickelte Wasserdampf einen Theil des
-Aromas mit fortreisst, 4) Brennen in heisser Luft, wobei der Hitzegrad
-genau bemessen werden kann. Jede Sorte muss für sich gebrannt werden,
-5) schnelles Abkühlen der Bohnen. Wer seinen Kaffee aus einer allen
-diesen Bedingungen entsprechenden Quelle beziehn kann, thut wohl am
-besten, die gebrannten Bohnen in Tagesrationen zu kaufen. Mit Ausnahme
-der 4ten sind aber die obigen Vorschriften in jeder Haushaltung zu
-erfüllen, und die kleinen in Berlin käuflichen Brennapparate, die
-ohne Unbequemlichkeit, sehr geringe Mengen über der Spiritusflamme zu
-rösten und dabei zu überwachen gestatten, bieten einigen Ersatz. Der
-Vorschrift 3. genügt man am besten, wenn man den Kaffee vor dem
-Gebrauch mehrere Jahre lang an einem trocknen Orte aufbewahrt.
-
-[103] Lygodium circinatum (?) Swartz, nicht ein kletternder, sondern
-ein wirklich rankender Farn, wohl die einzige Gattung in der Familie.
-
-[104] Anahuac p. 24.
-
-[105] Siehe Anhang Bürgerliche Einrichtungen.
-
-[106] Nach amtlichen, in der Alkaldie erhaltenen Nachrichten 21
-Menschen in den beiden letzten Wochen.
-
-[107] Histor. de las islas. Cap. XI.
-
-[108] St. Croix (II, 157) erzählt, dass sich zu seiner Zeit die Curas
-von jungen Mädchen bedienen liessen. Ein Franziskaner am See von Bay
-hatte deren zwanzig zu seiner Verfügung, von denen ihm immer zwei
-zur Seite waren.
-
-[109] »Die Mönche sind Herren in den Provinzen . . . regieren dort
-als Herrscher . . . sind so unumschränkt, dass kein Spanier sich dort
-niederzulassen wagt. . . Die Mönche würden ihm zu viele Schwierigkeiten
-bereiten. Legentil 1, 183.
-
-[110] Leg. ult. I, 266 §§. 87, 89.
-
-[111] Namentlich durch No. 26 Tit. 6, 54 Tit. 16, Bch. II. und 5
-Tit. 2 Recop.
-
-[112] R. C. 17. Juli 1754.
-
-[113] St. Croix II, 124.
-
-[114] St. Croix II, 336.
-
-[115] Die Alkaldien zerfallen in 3 Rangstufen: entrada, ascenso,
-termino. (R. O. 31 März 1837 Tit. I, 1.) In jeder dient der Alkalde
-3 Jahre. (Tit. II, Art. 11, 12, 13) Niemand darf unter irgend einem
-Vorwand in der Magistratur der Provinzen von Asien länger als 10
-Jahre dienen. (Art. 16.)
-
-[116] Chine I, 360.
-
-[117] Das Gesetz rührt aus der frühesten Zeit der Kolonisation
-Amerika's her, daneben bestanden noch eine Anzahl argwöhnischer
-Vorkehrungen, um zu verhindern, dass die höheren Beamten in ein
-freundschaftliches Verhältniss zu den Kolonisten träten. Weder sie
-noch ihre Söhne durften in der Kolonie heirathen, liegende Gründe
-erwerben etc. vergl. Kottenkamp I, 509.
-
-[118] Ein Weltgeistlicher in den Philippinen erzählte mir ganz
-unbefangen, was ihn zur Wahl seines Berufes veranlasst habe. Als
-Unteroffizier spielte er einst Karten auf einem schattigen Balkon:
-»Seht, rief einer seiner Kameraden, wie die Esel dort schwitzen,
-damit wir hier faulenzen können,« indem er auf die Bauern wies, die
-in voller Sonnengluth den Acker bestellten. Der glückliche Gedanke die
-Esel für sich arbeiten zu lassen, machte einen so tiefen Eindruck auf
-ihn, dass er sofort beschloss, Geistlicher zu werden, wobei ihm sein
-ehemaliger Besuch einer lateinischen Schule zu Statten kam. Derselbe
-Gedanke hat wohl auch manchen mittellosen Caballero zur Wahl des
-Beamtenstandes geführt. Die geringe Achtung der bürgerlichen Arbeit
-in Spanien und Portugal, die Aussicht auf Nebenverdienste namentlich
-in den Kolonien tragen das Ihrige dazu bei.
-
-[119] Ausbeutung des Staates durch die Parteien, Ausbeutung der
-Parteien durch die Personen . . . das eigentliche Geheimniss aller
-Revolutionen, ein über alle Maassen widerwärtiger Aemterkrieg . . . Man
-mag nicht arbeiten und will doch glänzend leben. Man kann es nur auf
-Kosten des Staats, den man gewissenlos ausbeutet. . . Es gab Orte wo
-(nach Vertreibung Isabela's) das Amt eines Alkalden dreimal an einem
-Tage gewechselt wurde. . . (Preuss. Jahrb. Januar 1869.)
-
-[120] Nach Grunow, der sie bestimmt hat, Cladophora anisogona
-Kützing. = Conferva anisogona Montagne.
-
-[121] Giebel und Siewert Ztschrft. f.d. ges. Naturw. 1870 Bd. 1,
-377 enthält einen interessanten Aufsatz von Rob. Pott über Javanische
-Fleisch-, Fisch- und Krebsextrakte.
-
-[122] Dr. Semper, der sie nach eigner Anschauung schildert (Skizzen
-57), scheint bei den Ygorroten eine solche Mischung nicht anzunehmen.
-
-[123] S. Semper 52.
-
-[124] Genau eben so fand Pigafetta die Musikmädchen des Königs
-von Cebu ganz nackt oder mit einem Schurz aus Baumrinde bekleidet
-(S. 82). Die Hofdamen trugen ausser Hut und kurzem Schleier nur ein
-kleines Schamband. (S. 89.)
-
-[125] Aus denselben Gründen haben vielleicht die Chinesen bei ihrem
-ersten Verkehr mit den Portugiesen den später wieder aufgegebenen
-Gebrauch der Kreuze angenommen. Pigafetta (187) bemerkt: Die Chinesen
-sind weiss und tragen Kleider, sie essen von Tischen, wie wir. Sie
-haben Kreuze, man weiss aber nicht wozu.
-
-[126] »Die Kirchenprälaten sollen ihren Untergebenen ausdrücklich
-vorschreiben, den Indiern häufig zu predigen, und sie zu überreden
-... dass es Pflicht der Gerechtigkeit und des Gewissens sei, ihren
-Tribut zu zahlen, und dass sie eine Fülle von Ablass gewinnen,
-indem sie die heilige Kreuz-Bulle kaufen, ... wegen der geringen
-Aufklärung und Wissenschaft besagter Indier über diese beiden, für
-ihre Erlösung eben so wichtigen, als dem Sinne unseres katholischen
-Monarchen entsprechenden Punkte.« Leg. ult. I, 266 §. 90.
-
-[127] Der Ursprung dieser Bullen liegt in den von den Päpsten
-des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts zu Gunsten derjenigen
-Personen erlassenen geistlichen Gnaden, die sich persönlich oder
-durch Spenden an den Kreuzzügen betheiligten. Julius II. überliess
-die Einnahmen daraus auf drei Jahre den spanischen Königen, spätere
-Päpste verlängerten den Termin; 1750 erhielt Ferdinand VI. für sich und
-seine Nachfolger das Recht die Erträge der Kreuzbulle selbstständig zu
-erheben und zu verausgaben. Die Kreuzbulle besteht in einer Bulle für
-Lebende (de vivos), deren Besitzer durch jeden Priester sogar wegen
-verheimlichter Verbrechen frei gesprochen werden können; einer Bulle
-für Todte (de difuntos) zur schnelleren Erlösung aus dem Fegefeuer;
-einer Bulle den Genuss von Milch, Eiern und Fleisch an Fasttagen
-gestattend (de lacticinios), Abfindungsbullen (de composicion), wodurch
-u. a. Diebe, Betrüger, Erbschleicher, Alle, die fremdes Gut nehmen oder
-behalten, wenn ihnen der eigentliche Besitzer unbekannt ist, Buhler,
-solche die um Geld falsches Urtheil sprechen, Frauen, die für Geld
-Ehebruch treiben, falsche Zeugen u.s.w. vollkommenen Ablass erhalten,
-und das schlecht erlangte Gut in gutem Glauben und mit ruhigem Gewissen
-als rechtmässig erworbenes Eigenthum behalten dürfen. Doch dürfen
-jene Verbrechen nicht begangen sein mit der Absicht, sich durch den
-Kauf der Bulle von der Schuld frei zu machen; denn in solchem Falle
-müsste der Kasse der heiligen Kreuzbulle das Ganze herausgegeben
-werden. Nach dem ersten amplifizirten spanischen Text des päpstlichen
-Kommissars genügte ein Ablasschein von 2 r. für Veruntreuungen bis
-zur Höhe von 2000 Maravedis. Für solche von über 100,000 Maravedis
-war mit dem Kommissar zu akkordiren. (R. P. And. Mendo Bullae Sanctae
-Crucis Elucidatio.). Seit 1801 gilt in den Philippinen ein bedeutend
-höherer Tarif.
-
-[128] En 1628, d'après des rapports dignes de foi, la terre trembla
-14 fois le même jour dans les Camarínes; beaucoup d'édifices furent
-renversés, une grande montagne se fendit et il en sortit une telle
-quantité d'eau, que dans les campagnes inondées les arbres furent
-arrachés et qu'à une lieue de la mer la plaine était toute couverte
-d'eau.
-
-[129] Apud Camarines quoque terram eodem die quatuor decies
-contremuisse, fide dignis testimoniis renuntiatum est: multa interim
-aedificia diruta. Ingentem montem medium crepuisse immani hiatu,
-ex immensa vi excussisse arbores per oras pelagi, ita ut leucam
-occuparent aequoris, nec humor per illud intervallum appareret. Accidit
-hoc anno 1638. S. Eusebius Nierembergius, Historia Naturae lib. XVI,
-383. Antwerpiae 1635 Fol. (1638 ist bei Perrey, nicht aber im Original
-verdruckt für 1628).
-
-[130] Siehe Anhang: Succeso raro.
-
-[131] Siehe weiter unten bei Abacá.
-
-[132] Im Fort William, Calcutta, angestellte Versuche haben
-die ausserordentliche Festigkeit der Ananasfaser dargethan. Ein
-Kabel von 8 Cm. Umfang zerriss erst bei einem Gewicht von 2850
-Kilogr. (Rappt. Exp. Lond. II. 62.)
-
-[133] Sapa heisst flach.
-
-[134] Hooker (Himalayan Journ. I, 167) schreibt der ausserordentlichen
-Häufigkeit dieser Annulaten in Sikkim den Tod vieler Thiere zu,
-auch das für Rinderpest geltende Viehsterben, wenn es nach einer
-sehr nassen Jahreszeit eintritt, in deren Folge die Blutegel in
-unglaublichen Mengen erscheinen . . . Es ist eine bekannte Thatsache,
-dass diese Würmer Tage lang in den Nasenlöchern, im Schlund und Magen
-von Menschen gelebt, unsägliche Schmerzen und den Tod veranlasst haben.
-
-[135] Gemelli Careri erwähnt sie schon.
-
-[136] In ausserordentlicher Schönheit und Ausdehnung fand ich diese
-Aggregationsform bei den grossen Kieselablagerungen von Steamboat
-Springs, Nevada Territory.
-
-[137] Arenas (Memorias 5. 9) glaubt, dass vielleicht die alten
-Jahrbücher der Chinesen, da dieses Volk schon früh mit dem Archipel
-verkehrte, Aufschluss über die Herkunft seiner heutigen Bewohner
-enthalten. »Ist dies aber nicht der Fall, so dürfen wir nicht danach
-forschen, denn Gott will uns den Ursprung dieser Indier verbergen,
-und seine Beschlüsse müssen wir achten«.
-
-[138] Wahrscheinlich Anodonta purpurea Val. nach v. Martens.
-
-[139] Das Mittel der Durchschnittsernten in den zwölf preussischen
-Provinzen ist 9,211 Scheffel Getreide per Morgen. (Nassau und
-Hohenzollern nur 7,98 und 7,19).
-
-[140] 650 Pfund per Bünder. -- De Rijst, Maatsch. tot nut S. 13.
-
-[141] Scherzer, Fachmännische Berichte A. 91.
-
-[142] Mehr als hundert Jahre später berichtet Pater Taillandier:
-»die Spanier haben aus Amerika Kühe, Pferde und Schafe kommen lassen,
-aber diese Thiere können dort nicht leben, wegen der Feuchtigkeit und
-der Ueberschwemmungen.« Letzteres soll sich wohl nur auf die Schafe
-beziehen. -- (Taillandier au père Willard, Lettres édifiantes.)
-
-[143] Gegenwärtig sollen die chinesischen Pferde plump, grossköpfig,
-buschig, behaart, die japanischen zierlich, ausdauernd, den arabischen
-ähnlich sein. Gute Manilapferde entsprechen letzterem Typus und werden
-in den chinesischen Hafenplätzen von den Europäern sehr geschätzt.
-
-[144] Vergl. Hernandez Opera omnia; Torquemada, Monarchia Indica.
-
-[145] Buyo nennt man in den Philippinen die mundgerechte Zurichtung
-des Betels. Ein Blatt Betelpfeffer (Chavica betel) von der Form und
-Grösse eines Bohnenblattes, wird mit einem erbsengrossen Stückchen
-gebrannten Kalkes bestrichen, und von beiden Rändern nach der
-Mittellinie hin zusammengerollt; dann wird das eine Ende der Rolle
-in das andere gesteckt, so dass ein Ring entsteht; in diesen wird
-ein flaches Stück Arecanuss von entsprechender Grösse eingepasst.
-
-[146] Im Lande glaubt man, dass Fleisch von Schweinen, die sich auf
-die S. 124 angegebene Weise nähren, oft diese Krankheit hervorrufe;
-ein befreundeter Physiologe vermuthet die Ursache eher in reichlichem
-Genuss sehr fetten Schweinefleisches -- Indier essen aber gewöhnlich
-nicht viel Fleisch und die Schweine sind selten sehr fett.
-
-[147] Vergl. A. Erman Reise um die Erde durch
-Nordasien. Abth. I. Bd. 3, S. 191.
-
-[148] Nach Semper S. 69 in Zamboanga und Basilan.
-
-[149] Die Scheu den Schlafenden zu wecken beruht wohl auf dem sehr
-verbreiteten Aberglauben, dass im Traume die Seele den Körper verlasse
-(zahlreiche Beisp. davon in Bastian's Werken). Bei den Tinguianes
-(Nord-Luzon) lautet der ärgste aller Flüche: mögest Du schlafend
-sterben (Informe I, 14).
-
-[150] Lewin, (Chittagong Hill tracts 1869. S. 46,) erzählt von den
-dortigen Bergvölkern: »Ihre Art zu küssen ist sonderbar: statt Lippe
-an Lippe zu pressen, legen sie Mund und Nase auf die Wange, und ziehn
-den Athem stark ein. In ihrer Sprache heisst es nicht: Gieb mir einen
-Kuss, sondern: rieche mich.«
-
-[151] Vielleicht Topfstein, der in China zur Anfertigung billigen
-Schmucks dient; gypsartig bezieht sich wohl nur auf den Härtegrad.
-
-[152] In der Christy'schen Sammlung in London sah ich an einer
-Vorrichtung aus den Schifferinseln einen derartigen Stein geschickt
-verwendet, um Vorräthe gegen Ratten und Mäuse zu schützen: man zieht
-eine Schnur durch den Stein, befestigt das eine Ende derselben an der
-Decke der Wohnung, hängt am andern die aufzubewahrenden Gegenstände
-auf. Ein Knoten in der Mitte der Schnur verhindert ihn weiter
-hinabzugleiten, jede Berührung bringt ihn aus dem Gleichgewicht, es
-ist den Ratten nicht möglich über ihn fort zu klettern. Eine ähnliche
-auf den Viti-Inseln gebräuchliche Vorrichtung, aber von Holz, ist im
-Atlas zu Dumont d'Urville Voy. au Pole sud I. 95 abgebildet.
-
-[153] Carletti Viaggi 2. 11.
-
-[154] Life in the Forests of the Far East 1. 300.
-
-[155] Nach Pater Camel (Philos. transact. London vol. XXVI. pg. 246):
-hantu schwarze Ameise von der Grösse einer Wespe, amtig kleinere
-schwarze, hantic rothe Ameise.
-
-[156] Nach Dr. Gerstäcker wahrscheinlich Phrynus Grayi Walck
-Gerv., lebendig gebärend. S. Sitzungsb. Ges. Naturf. Freunde
-Berl. 18. März 1862 und Abbildung und Beschreibung in G. H. Bronn
-Ord. Class. Bd. V. 184.
-
-[157] Calapnit, tagal. und bicol: die Fledermaus, Calapnitan also wohl:
-Herr der Fledermäuse.
-
-[158] Von mehreren in der Berliner Bergakademie untersuchten Proben
-Goldsand enthielt nur eine 0,014 Gold, auch in einer Probe des auf
-dem Schlammbrett zurückgebliebenen schweren Sandes fand sich kein Gold.
-
-[159] Der Gogo ist eine in den Philippinen sehr häufige kletternde
-Mimose (Entada purseta) mit grossen Schoten; der zerklopfte Stamm wird
-wie die chilenische Seifenrinde (Quillaja saponaria) beim Waschen
-verwendet und für manche Zwecke, z. B. beim Baden und Waschen des
-Haupthaares der Seife vorgezogen.
-
-[160] Ein auf diese Weise gewonnenes Goldkügelchen bestand nach einer
-in der Berliner Bergakademie angestellten Analyse aus:
-
- Gold 77,4
- Silber 19,0
- Eisen 0,5
- Kieselerde 3,0
- Verlust 0,1
- =====
- 100,0
-
-war also über 18 karätig.
-
-[161] S. Reiseskizzen S. 198.
-
-[162] Nest und Vogel sind in Gray's genera of birds abgebildet;
-das Nest entspricht aber nicht den hier gefundenen. Diese sind
-halbkugelförmig und bestehn zum grossen Theil aus Coir (Kokosfaser);
-wahrscheinlich von Menschenhand zubereitet, das ganze Innere ist
-mit einem unregelmässigen Netzwerk feiner Fäden der glutinösen,
-essbaren Substanz überzogen, ebenso der obere Rand, der von
-der Mitte nach den Seiten hin, allmälig anschwillt und sich zu
-zwei einander berührenden flügelartigen Fortsätzen ausbreitet,
-womit das Nest an der Wand festgeheftet ist. -- Die Zeichnung ist
-in 1/3 Grösse der Originale ausgeführt die sich unter B 3333 im
-Berl. Zool. Mus. befinden. Dr. v. Martens vermuthet, die Bezeichnung
-Salangane komme von langayan, Schwalbe, und dem malayischen Praefix
-sa und bedeute eigentlich das Nest als etwas von der Schwalbe
-herrührendes. (Journ. f. Ornith. Jan. 66. S. 19).
-
-[163] Spanischer Katalog der Pariser Ausstellung 1867.
-
-[164] Informe sobre las minas de Cobre, Manila 62.
-
-[165] Nach dem Katalog kommen folgende Erze vor: Buntkupfererz
-(cobre gris abigarrado), Arsenkupfer (c. gris arsenical), Kupferglas
-(c. vitreo), Kupferkies (pirita de cobre), gediegen Kupfer (mata
-cobriza), Schwarzkupfer (c. negro). Die am häufigsten auftretenden
-Erze haben folgende Zusammensetzung, A nach einer in der Escuela de
-Minas in Madrid analysirten Probe, B nach Santos' Analysen, Mittel
-mehrerer verschiedenen Stellen entnommener Proben:
-
- A B
-
- Kieselsäure 25,800 47,06
- Schwefel 31,715 44,44
- Kupfer 24,640 16,64
- Antimon 8,206 5,12
- Arsen 7,539 4,65
- Eisen 1,837 1,84
- Kalk Spuren
- (Verlust) 0,263 0,25
- ======= ======
- 100,000 100,00
-
-[166] Nach den bei uns geltenden Preisen würde sich der Werth auf
-etwa 12 Dollar berechnen, der Werth der analysirten Probe (S. 143)
-auf 14 1/4 Dollar.
-
-[167] In Daét galten damals 6 Nüsse 1 cuarto, in Naga, das zu Wasser
-nur 15 Leguas entfernt, hofften die Leute 2 für 9 c. zu verkaufen
-(das 27fache); eine Nuss kostete damals in Naga 2 c., 12mal so viel
-als in Daét.
-
-[168] Seitlich blühende Palmen können eine lange Reihe von Jahren
-ununterbrochen oder indem man sie zeitweis Früchte tragen lässt,
-abgezapft werden.
-
-[169] N. Loney versichert in einem seiner trefflichen Berichte, dass es
-bei angemessener Bezahlung nie an Arbeitern fehle. Als beispielsweise
-zum Ausladen von Schiffen in Yloilo viele Leute auf einmal gebraucht
-wurden, lockte die geringe Lohnerhöhung von 1 auf 1 1/4 r. deren
-mehr herbei als beschäftigt werden konnten. Der belgische Konsul
-berichtet seinerseits, dass in den Provinzen, wo das Abaca wächst,
-die gesammte männliche Bevölkerung bei dieser Kultur betheiligt ist
-in Folge einer geringen Lohnerhöhung.
-
-[170] Ein unvollendeter Kanal soll vom Bicol- zum Pasacaofluss führen,
-wie man glaubt vor Zeiten von Chinesen gegraben, deren Schiffe dort
-zahlreich verkehrten. (Arenas S. 140.)
-
-[171] La Situation économique de l'Espagne, Delmarre pg. 7.
-
-[172] Lesage Coup d'oeil, in Journ. des Economistes Sept. 68.
-
-[173] Nach meinen Barometermessungen:
-
- Goa am Nordabhang des Ysarog 32m.
- Uaclóy, Ygorroten-Ansiedlung 161m.
- Schlucht Basira 1134m.
- Gipfel des Ysarog 1966m.
-
-[174] Ein von einem erschlagenen Ygorroten herrührender Schädel
-hat nach Prof. Virchow's Untersuchung eine gewisse Aehnlichkeit mit
-Malayen-Schädeln von den benachbarten Sundainseln, namentlich mit
-Dayakschädeln.
-
-[175] Pigafetta fand Amboina von Mohren (Muhamedanern) und Heiden
-bewohnt »aber die ersten sitzen am Seegestade, die zweiten im
-Innern«. Im Hafen von Brune (Borneo) sah er zwei Städte, eine von
-Mohren, und eine, grösser als jene und ganz in Salzwasser stehend,
-von Heiden bewohnt. Wie der Herausgeber bemerkt, fand Sonnerat später
-(Voy. aux Indes) dass die Heiden vom Meer verdrängt, sich in die
-Berge zurückgezogen hatten.
-
-[176] Leg. ult. I. 256 §. 75.
-
-[177] Auf Coello's Karte sind diese Verhältnisse falsch angegeben.
-
-[178] Java, seine Gestalt, .. II. 125.
-
-[179] Auch ein intelligenter Mestize besuchte mich öfter während
-meiner Krankheit. Nach seiner Aussage wird dicht bei Caramúan ausser
-dem bereits S. 145 erwähnten Kupfer, an drei Stellen Kohle gefunden;
-auch Gold und Eisen soll vorhanden sein. Demselben Manne verdanke
-ich auch die von Prof. Virchow im Anhange besprochenen Schädel
-von Caramúan, die angeblich aus einer Höhle bei Umang, 1 Legua von
-Caramúan stammen. Auch auf der Spitze der Halbinsel, bei der Visita
-Paniniman und auf einer kleinen Insel, dicht bei der Visita Guiálo,
-sollen ähnliche Schädel vorkommen.
-
-[180] Sie bestehn aus Bambus.
-
-[181] Der wild wachsende Pili hat ungeniessbare Früchte. Vergl. Anm. 48
-S. 79.
-
-[182] Sor Inspector por S. M.
-
-Nosotros dos Capnes actuales de Rancerias de Lalud y Uacloy
-comprension del pueblo de Goa prova de Camarines Sur. Ante los pies
-de vmd postramos y decimos. Que portan de plorable estado en que nos
-hallabamos de la infedelidad recienpoblados esta visitas de Rancerias
-ya nos Contentamos bastantemente eu su felis ilegada y suvida de este
-eminente monte de Ysarog loque havia con quiztado industriamente
-de V. bajo mis consuelos, y alibios para poder con seguir a doce
-ponos (i. e. arboles) de cocales de mananguiteria para Nuestro uso y
-alogacion a los demas. Ygorotes, o montesinos q. no quieren vendirnos;
-eta utilidad publica y reconocer a Dios y a la soberana Reyna y Sora
-Doña Isabel 2a (que Dios Gue) Y por intento.
-
-A. V. pedimos, y suplicamos con humildad secirva, proveer y mandar,
-si es gracia segun lo q. imploramos etc. Domingo Tales †. Jose
-Laurenciano †.
-
-[183] Dendrobium ceraula n. sp. Reichenbach fil.
-
-[184] Rafflesia Cumingii R. Brown nach Dr. Kuhn.
-
-[185] Nach E. Bernaldez (Guerra al Sur) betrug die Zahl der innerhalb
-30 Jahren geraubten und getödteten Spanier und Indier 20,000.
-
-[186] Die reichbeladene Nao machte es eben so. s. S. 16.
-
-[187] Auszug aus einem Brief des Alkalden an den Generalkapitän
-20. Juni 60:
-
-Seit 10 Tagen liegen zehn Seeräuberboote ungestört auf der Insel
-S. Miguel, 2 Leguas von Tabaco, und unterbrechen den Verkehr mit
-der Insel Catanduanes und dem östlichen Theil von Albay .. sie haben
-viele Räubereien begangen, 6 Menschen fortgeschleppt .. Es ist ihnen
-nichts anzuhaben, da es den Dörfern gänzlich an Feuerwaffen fehlt;
-die beiden einzigen Falúas sind in der San Bernardino-Strasse durch
-Stürme zurückgehalten.
-
-Brief vom 25. Juni: Ausser den obigen Seeräuberbooten sind 4 grosse
-Pancos und 4 kleine Vintas in der Bernardino-Strasse erschienen
-... ihre Besatzung beträgt 450 bis 500 Mann, sie haben ... zusammen
-16 Menschen getödtet, 10 geraubt, 1 Schiff gekapert.
-
-[188] Zu Chamissos Zeit war es schlimmer: »Die Expeditionen auf
-bewaffneten Booten, die von Manila aus geschickt werden um gegen den
-Feind (die Seeräuber) zu kreuzen, ... fröhnen nur dem Schleichhandel
-und Christen und Mauren weichen dabei einander aus mit gleichem Fleiss
-(v. Ch. Bemerkungen und Ansichten S. 73). Mas (I. IV. 43) berichtet
-dasselbe nach Notizen aus dem General-Sekretariat in Manila und fügt
-hinzu, dass die Kreuzer sogar die ihnen anvertrauten königl. Waffen und
-Munitionen verkauften, wovon viel in die Hände der Mohren gelangte. Die
-Alkalden sollten die Befehlshaber der Kreuzer, diese die Alkalden
-überwachen, sie machten aber gewöhnlich gemeinschaftliche Sache. --
-Lapérouse erzählt sogar (II. S. 357), dass die Alkalden eine sehr
-grosse Anzahl der von den Seeräubern (in den Philippinen) gemachten
-Sklaven kauften, so dass diese nicht nach Batavia gebracht zu werden
-brauchten, wo sie viel weniger galten.
-
-[189] Nach dem Diario de Manila 14. März 1866 hat die Seeräuberei
-zwar abgenommen, aber nicht aufgehört. Paragua, Calamiánes, Mindoro,
-Mindanao, die Bisayas, haben noch darunter zu leiden. Häufig werden
-auch Räubereien und Menschenraub von Handelsprauen ausgeführt, wenn
-die Gelegenheit günstig. Solche Gelegenheitspiraten sind am schwersten
-auszurotten. Nach meinen neuesten Berichten ist die Seeräuberei wieder
-im Zunehmen.
-
-[190] Die Spanier versuchten die Eroberung der Suluinseln 1628, 1629,
-1637, 1731, 1746. Später haben häufig Expeditionen stattgefunden,
-um Repressalien zu üben. Auch im Oktober 1871 wurde eine grosse
-Expedition gegen Sulu ausgesandt, um die in neuer Zeit wieder
-sehr überhand nehmende Seeräuberei zu bändigen, ein oder zwei
-Jahre vorher hatten sich die Piraten bis in die Nähe von Manila
-gewagt. Im April dieses Jahres (1872) kehrte die Flotte aber wiederum
-unverrichteter Sache nach Manila zurück. Die Spanier hatten zu dieser
-Unternehmung fast die ganze Seemacht der Kolonie, vierzehn Schiffe,
-meist Kanonendampfer, aufgeboten; sie bombardirten die Hauptstadt,
-ohne besonderen Schaden anzurichten, die Moros zogen sich in's Innere
-zurück und erwarteten die Spanier, die indessen nicht zu landen wagten,
-mit einem wohl ausgerüsteten Heer von 5000 Mann. Nach monatelanger
-Unthätigkeit brannten die Spanier einen wehrlosen Küstenplatz nieder,
-verübten dabei viele Grausamkeiten, zogen sich aber zurück, als die
-Krieger zum Kampfe heranrückten. Die Häfen des Suluarchipels sind
-jetzt durch Dekret dem Handel verschlossen, doch ist es fraglich ob
-alle Schiffer dies berücksichtigen werden. Vor nicht langer Zeit hat
-der Sultan von Sulu dem Könige von Preussen die Oberherrschaft über
-sein Gebiet angetragen, sein Anerbieten ist abgelehnt worden.
-
-[191] Das Diario de Manila vom 9. Juni 1866 berichtet: Gestern hat
-die durch Verordnung vom 3. August 1865 eingesetzte Militärkommission
-ihre Thätigkeit eingestellt. Es funktioniren wieder die ordentlichen
-Gerichte. Die zahlreichen Banden von 30, 40 und mehr, bis an die
-Zähne bewaffneten Individuen, die ihre Spuren von Blut und Feuer an
-den Thoren von Manila und an so vielen andern Orten zurückgelassen,
-sind vernichtet ... Mehr als 50 Räuber haben ihr Verbrechen am Galgen
-gebüsst, 140 sind zum Presidio (Zwangsarbeit) oder zu andern Strafen
-verurtheilt worden.
-
-[192] Nach Arenas (Memorias 2 1) hiess Albay früher Ibalon; Tayabas,
-Calilaya; Batangas, Comintan; Negros, Buglas; Cebu, Sogbu; Mindoro,
-Mait; Samar, Ybabao; Basilan, Taguima, Mindanao wird von B. de la
-Torre Cesarea; Samar in R. Dudleo, Arcano del mare (Florenz 1761)
-Camlaia genannt. In Hondiv's his map of the Indian Ilands, (Purchas
-605) wird Luzon Luconia; Samar, Achan; Leyte, Sabura; Camarines, Nebui
-genannt. In Albo's Tagebuch heisst Cebu Suba, Leyte Seilani. Pigafetta
-erwähnt eine Stadt Cingapola auf Zubu, Leyte ist auf seiner Karte im
-Norden Baybay, im Süden Ceylon benannt.
-
-[193] Im Estado geogr. der Franziskaner, Manila 1855, ist nichts
-davon erwähnt.
-
-[194] Kleine Schiffe, die keine Kanonen haben, sollen Krüge, mit Wasser
-und den Früchten der Arenga sacharifera gefüllt an Bord nehmen, in
-der Absicht mit der ätzenden, heftiges Brennen verursachenden Brühe,
-die Seeräuber bei einem etwaigen Angriffe zu bespritzen. Dumont
-d'Urville erzählt, dass die Bewohner von Solo bei seinem Besuch die
-Brunnen mit dergleichen Früchten vergiftet hatten. Die in Zucker
-eingemachten Kerne sind ein angenehmes Konfekt.
-
-[195] Es wurden noch gewählt ein Teniente mayór (Stellvertreter
-des Gobernadorcillo), ein Juéz mayór (Oberrichter) für die Felder,
-immer ein Excapitan, ein zweiter Richter für die Polizei, ein dritter
-Richter für Streitigkeiten, die das Vieh betreffen, ein zweiter und
-dritter Teniente und erster und zweiter Polizeidiener; endlich noch
-für jede Visita ein Teniente, ein Richter, ein Polizeidiener. Alle
-drei Richter können Excapitano's sein, kein Excapitan kann Teniente
-werden. Der erste Teniente muss aus der Principalía sein; die übrigen
-können dieser oder der Plebe angehören; die Polizeidiener (Alguacíls)
-sind immer aus letzterer.
-
-[196] G. Squier (States of Central Amerika 192) erwähnt einen
-Mahagonyblock, 17 Fuss lang, der im unteren Queerschnitt 5 Fuss 6
-Zoll im Geviert, im Ganzen 550 Cubikfuss maass.
-
-[197] Nach Dr. v. Martens: Modiola striatula Hanley, der denselben
-Zweischaler auch zu Singapore in Brackwasser bedeutend grösser
-fand. Reeve bildet die von Cumming in den Philippinen, ohne nähere
-Ortsangabe gesammelte Art auch grösser ab (38 mm), die vom Catarman
-hat 17mm.
-
-[198] In Sumatra sah Wallace in der Dämmerung einen Lemur einen
-Baumstamm hinauf laufen, und dann in schiefer Richtung durch die Luft
-nach einem andern Stamm gleiten, den er nahe dem Boden erreichte;
-die Entfernung beider Bäume betrug 210 Fuss, der Höhenunterschied
-nicht über 35 oder 40 Fuss, also weniger als 1 : 5. (Malay Archipelago
-I. 211.)
-
-[199] Die dem Berliner Herbar eingesandten Exemplare sind nicht
-aufzufinden.
-
-[200] Nach W. Peters Tropidolaenus philippinensis Gray.
-
-[201] v. Martens erkannte unter den Tertiär-Muscheln der Thonbänke
-die noch jetzt im indischen Ozean lebenden Arten Venus (Hemitapes)
-hiantina Lam., V. squamosa L., Arca cecillei Phil., A. inaequivalvis
-Brug., A. chalcanthum Rv. und die Gattungen Yoldia, Pleurotoma,
-Cuvieria, Dentalium; ohne ihre Uebereinstimmung mit lebenden Arten
-verbürgen zu können.
-
-[202] Tarsius spectrum Tem., in der Landessprache: Mago.
-
-[203] Schon der alte Pater Camel führt an, dass das Thierchen
-angeblich nur von Kohlen lebe, dies sei indessen ein Irrthum, es
-frässe Ficus indica (worunter hier wohl Bananen zu verstehn) und
-andere Früchte. (Camel de quadruped. Philos. trans. 1706/7 London). --
-Auch über den Kaguang (s. S. 194) giebt Camel einen interessanten
-noch heut passenden Bericht. ibid. 2. S. 2197.
-
-[204] Nachstehende Mittheilung ist zuerst in den Sitzungsberichten
-der Berliner Anthropologischen Ges. erschienen, nur waren meine
-Besucher dort Paláosinsulaner genannt. Da aber Prof. Semper, der
-längere Zeit auf den eigentlichen Paláos (Pelew)-Inseln zugebracht
-hat, im Corresp.-Bl. f. Anthropol. 1871 No. 2 mit Recht hervorhebt,
-dass Uliai zur Gruppe der Carolinen gehöre, so habe ich hier den
-allgemeineren Ausdruck Mikronesier gewählt, obwohl jene Männer,
-über deren Herkunft aus Uliai kein Zweifel bestand, sich nicht
-Carolinen-Insulaner, sondern Paláos nannten. Wie mir Dr. Gräffe
-mittheilt, der viele Jahre in Mikronesien verweilte, ist Paláos ein
-ähnlich loser Begriff wie Kanaka und so viele andere und bezeichnet
-durchaus nicht ausschliesslich die Bewohner der Pelewgruppe.
-
-[205] Dumont d'Urville, Voy. pole sud. V. 206 bemerkt, dass die
-Eingeborenen ihre Insel Gouap oder Ouap, aber niemals Yap nennen,
-und dass der Ackerbau dort alles übertreffe, was er je in der Südsee
-gesehn hatte.
-
-[206] Die Reisen der Polynesier wurden auch durch die Tyrannei
-der siegreichen Parteien veranlasst, welche die Ueberwundenen zur
-Auswanderung zwangen (Ausland 29. Jan. 70.).
-
-[207] Pigafetta S. 51.
-
-[208] Morga f. 127.
-
-[209] »Die Bisayer überziehn ihre Zähne mit glänzend schwarzem oder
-feuerfarbenem Firniss, und so werden ihre Zähne schwarz oder roth wie
-Zinnober, und in der oberen Reihe machen sie eine kleine Oeffnung und
-füllen sie mit Gold, das auf dem schwarzen oder rothen Grunde um so
-mehr glänzt« (Thévenot, Religieux 54). Ein König aus Mindanao, der
-Magellan auf Massana besucht: »in ogni dente haveva tre machie d'oro,
-che parevano fosseno legati con oro«, woraus Ramusio gemacht hat:
-in ciascun dito avea tre anelli d'oro. (Pigafetta S. 66). Vergl. auch
-Carletti Viaggi 1. 153.
-
-[210] In einer dieser Klippen, 60 Fuss über dem Meer, fanden sich
-Muschelbänke: Ostrea, Pinna, Chama .. nach Dr. v. M.: O. denticulata
-Bron., O. cornu copiae Chemn., O. rosacea Desh., Chama sulfurea Reeve,
-Pinna nigrina Lam.(?).
-
-[211] Im Athenaeum 7. Jan. 71 ist nach Capt. Ullmann eine Todtenfeier
-(Tiwa) der Dayaks beschrieben, die in vielen Punkten mit der der
-alten Bisayer übereinstimmt. Der Sarg wird vom nächsten männlichen
-Anverwandten aus einem Baumstamme ausgehöhlt, so eng, dass der
-Leichnam hineingepresst werden muss, damit nicht bald darauf ein andres
-Familienglied sterbe, um die Lücke zu füllen. Es werden möglichst viele
-Habseligkeiten auf den Todten gehäuft, um seinen Reichthum darzuthun,
-und sein Ansehn in der Geisterstadt zu erhöhen, unter den Sarg wird
-ein Gefäss mit Reis, eines mit Wasser gestellt.
-
-Eine der Hauptfeierlichkeiten des Tiwa bestand vormals (auch jetzt
-noch an einigen Orten) in Menschenopfern. Wo die holländische
-Regierung gebietet, können solche nicht stattfinden, es werden aber
-zuweilen Büffel oder Schweine auf grausame Weise getödtet, mit deren
-Blut die Hohepriesterin Stirn, Brust und Arme des Familienhauptes
-bemalt. Aehnliche Opfer von Sklaven oder Schweinen mit eigenthümlichen
-Zeremonien durch Priesterinnen (Catalona's) fanden bei den alten
-Philippinern statt. (s. Informe I. 2. 16.)
-
-[212] Ein Aufsatz von Professor Virchow über die von mir aus den
-Philippinen mitgebrachten Schädel befindet sich im Anhange.
-
-[213] In dem Kapitel de Monstris et quasi monstris ... des Pater
-Camel, Lond. Philos. Trans. Bd. XXV. p. 2269 wird erwähnt, dass in
-den Bergen zwischen Guíuan und Borongan Fusstapfen, dreimal so gross,
-als die gewöhnlicher Menschen, gefunden worden seien. Vielleicht
-haben die sehr breit gedrückten, mit einer dicken Kalksinterkruste
-überzogenen Schädel von Lánang, die Riesenschädel, Veranlassung zur
-Sage der Riesenfussspuren gegeben.
-
-[214] Hemiramphus viviparus W. Peters (Berl. Monatsb. 16. März 1865).
-
-[215] Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs S. 608.
-
-[216] Philos. trans. 1699 No. 249. S. 44, 87.
-
-[217] In Boróngan kostet die Tinája von 12 Gantas 6 r. (ein Quart
-etwa 10 Pfennige), das Gefäss 2 r., die Fracht nach Manila 3 r.,
-oder wenn der Produzent als Matrose mitgeht, 2 1/2 r. Der Preis in
-Manila bezieht sich auf die Tinája von 16 Gantas.
-
-[218] Frisch bereitetes Kokosöl dient zum Kochen, es wird aber schnell
-ranzig. Als Brennöl findet es sehr allgemeine Verwendung. In Europa,
-wo es selten flüssig erscheint, da es erst bei 16° R. schmilzt,
-dient es zur Darstellung von Kerzen, besonders aber von Seife, wozu
-es vorzüglich geeignet; denn Kokosseife ist sehr hart, glänzend-weiss
-und leichter als alle andre Seifen in Salzwasser löslich. In neuerer
-Zeit wird auch der ölhaltige Kern unter dem Namen Copperah, namentlich
-aus Brasilien in England eingeführt und heiss ausgepresst.
-
-[219] In Legaspi, dem besuchtesten, im Sommer leicht zugänglichen
-Hafen kostete im Juni 1 Kokosnuss 8 bis 10 c., d. h. 50 bis 60 mal
-so viel als in Daet oder Buhi, Plätze die leicht zu erreichen sind.
-
-[220] Auf Pigafetta's Karte ist Leyte in zwei Theile getheilt,
-der nördliche heisst Baibay, der südliche Ceylon. Als Magellan in
-Massana (Limasana) nach den bedeutendsten Handelsplätzen der Gegend
-fragt, nennt man ihm Ceylon (d. h. Leyte), Calagan (Caraga) und Zubu
-(Cebu). Pigaf. 70.
-
-[221] Nach Dr. Gerstäcker: Oedipoda subfasciata de Haan, Acridium
-manilense Meyen. Meyen's Name, den die Systematiker übersehn haben
-müssen, hat die Priorität vor dem de Haan's, müsste aber in Oedipoda
-manilensis umgeändert werden, da die Art nicht zur Gattung Acridium
-im modernen Sinne gehört. Sie kommt auch in Luzon und in Timor vor
-und ist nahe verwandt mit unserer europäischen Wanderheuschrecke,
-Oedipoda migratoria.
-
-[222] Nachdem sich der König zurückgezogen, .. »wurde Zuckerwerk und
-Kuchen in Fülle gebracht, auch gebratene Heuschrecken, die den Gästen
-als grosse Delikatessen aufgenöthigt wurden«. (Col. Fytche Mission
-to Mandalay Parlament. Papers June 1869.)
-
-[223] Die Namen dieser beiden Ortschaften sind auf Coello's Karte
-vertauscht, Buráuen liegt S. von Dagami.
-
-[224] 950 Brazas südlich vom Kastel von Abuyog mündet ein kleiner
-Fluss.
-
-[225] Gobius Giuris Buch. Ham
-
-[226] Der See hatte damals nur einen Ausfluss; in der nassen Jahreszeit
-mag er aber wohl mit dem Mayo in Verbindung stehn, da sein NO-Rand
-ganz flach ist.
-
-[227] Pintados oder Bisayos, nach einem einheimischen Worte,
-welches dasselbe bedeutet, sollen die Bewohner der Inseln zwischen
-Luzon und Mindanao von den Spaniern genannt worden sein, weil sie
-die Gewohnheit hatten sich zu tatuiren. Crawfurd (Dict. 339) meint,
-diese Thatsache stehe nicht fest, sicherlich werde sie von Pigafetta
-nicht erwähnt. Pigafetta sagt aber S. 80: Egli (il re di Zubu) era
-... dipinto in differente guisi col fuoco. -- Purchas (Pilgrimage
-fol. I. 603): the king of Zubut had his skinne painted with a hot iron
-pensill, und Morga f. 4: traen todo el cuerpo labrado con fuego. Danach
-scheinen sie sich nach Art der Papuas, durch Einbrennen von Flecken und
-Streifen in die Haut, tatuirt zu haben. Aber an einer andern Stelle
-(f. 138) berichtet Morga: Sie unterscheiden sich (von den Bewohnern
-Luzons) durch ihr Haar, das die Männer zu einem Zopf schneiden
-nach der alten spanischen Art und bemalen ihre Körper mit vielen
-Mustern ohne das Gesicht zu berühren. Der Gebrauch des Tatuirens,
-der mit Einführung des Christenthums aufgehört zu haben scheint,
-denn schon der oft zitirte Geistliche (Thévenot S. 4) erwähnt ihn als
-verschollen, kann aber nicht für ein Kennzeichen der Bisayer gelten;
-Stämme des nördlichen Luzons tatuiren sich noch heut.
-
-[228] Mezzeria, (Italien), Metayer, (Frankreich).
-
-[229] Bei uns kostet der Scheffel Kartoffeln durchschnittlich auf
-dem Lande 10, in der Stadt 20 Sgr.
-
-[230] In China wird aus den Samen von Vernicia montana ein Oel
-gewonnen, das durch Zusatz von Alaun, Bleiglätte und Steatit bei
-gelinder Wärme leicht in einen kostbaren Firniss übergeht, der,
-mit Harz vermischt, zum Wasserdichtmachen der Schiffsböden verwendet
-wird. (P. Champion Indust. anc. et mod. de l'Emp. Chinois 114.)
-
-[231] Petzholdt (Kaukasus I, 203) erwähnt, dass in Bosslewi so viel
-Maiskörner als ein Thongefäss fassen kann, seinen Preis bestimmen.
-
-[232] Wie allgemein derartige Missbräuche, geht aus einem auf dem
-Papier vorhandenen, aber nicht in die Praxis gedrungenen Gesetz von
-1848 (Leg. ult. I. 144) hervor, welches wucherische Kontrakte mit
-Dienern oder Gehülfen verbietet, und diejenigen mit strengen Strafen
-bedroht, die unter dem Vorwande, Vorschüsse geleistet, oder Schulden
-oder die Kopfsteuer, oder Ablösung von Frohnden gezahlt zu haben,
-Eingeborene oder ganze Familien in immerwährender Abhängigkeit bei
-sich erhalten, und ihre Schuld fortwährend erhöhen, indem sie ihnen
-für ihre Leistungen keinen hinreichenden Lohn gewähren.
-
-[233] Früher scheinen sie anders gewesen zu sein: »Diese Bisayer sind
-Leute, dem Ackerbau weniger zugethan, gewandt in der Schifffahrt,
-lüstern nach Krieg und Seezügen, wegen der Plünderungen und Prisen,
-welche sie Mangubas nennen, was dasselbe ist, wie Ausziehn um zu
-stehlen.« Morga f. 138.
-
-[234] Der Missbrauch dauert fort, obwohl ein strenges Gesetz ihn
-verbietet und die Alkalden, welche unterlassen es anzuwenden mit
-100 Dollar Geldbusse für jeden einzelnen Fall bedroht werden. In
-manchen Provinzen zahlt der Bräutigam, ausser der Aussteuer, eine
-Entschädigung an die Mutter der Braut für die von letzterer genossene
-Muttermilch (Bigay susu). Nach Colin (Labor evangelico S. 129) betrug
-der Penhimuyat, das Geschenk, welches die Mutter für die Nachtwachen
-und Sorgen bei Erziehung der Braut empfing, ein Fünftel der Aussteuer.
-
-[235] Eigentliche Menschenfresser werden in den Philippinen von den
-alten Schriftstellern nicht erwähnt. Pigafetta (S. 127) hat gehört,
-dass an einem Fluss, am Cap Benuian (N.-Spitze von Mindanao), Leute
-wohnen, die von ihren gefangenen Feinden nur das Herz und zwar mit
-Zitronensaft essen. Dr. Semper (Philippinen 62) fand denselben Brauch
-mit Ausnahme des Zitronensaftes an der Ostküste von Mindanao.
-
-[236] Der Anito kommt bei den Völkern des malayischen Archipels
-als Antu vor, der Anito der Philippinen ist aber wesentlich ein
-Schutzgeist, der malayische Antu mehr dämonischer Art.
-
-[237] Mir sind dergleichen Götzenbilder nie vor Augen gekommen. Die
-in Bastian und Hartmann's Zeitschrift für Ethnologie B. I. Tafel
-VIII. abgebildeten »Idole aus den Philippinen«, deren Originale
-sich im Berliner ethnographischen Museum befinden, sind zwar in den
-Philippinen erworben, gehören aber nach A. W. Franks unzweifelhaft
-den Salomons-Inseln an. Im Katalog des Prager Museums Abth. II-VIII
-S. 46 sind aufgeführt: vier hölzerne Götzenköpfe von den Philippinen,
-welche der böhmische Naturforscher Thaddäus Hänke, der im Auftrage
-des Königs von Spanien im Jahre 1817 die Südseeinseln bereiste,
-mitgebracht hat. Die auf meinen Wunsch von der Direktion des Museums
-gütigst hergestellten Photographien entsprechen aber durchaus nicht
-obiger Beschreibung, deuten vielmehr auf die Westküste von Amerika, das
-Hauptfeld der Thätigkeit Hänke's. Auch die aus seinen nachgelassenen
-Papieren hervorgegangenen Reliquiae botanicae geben keinen Aufschluss
-über die Herkunft jener Idole.
-
-[238] Als beispielsweise wegen des erwarteten Angriffes von Cogseng
-(s. unten), alle verfügbaren Kräfte, auch die von Zamboánga, um Manila
-zusammengezogen worden waren, fielen die Moros mit 60 Schiffen über
-die Inseln her, während sonst ihre Ausrüstungen 6 bis 8 Schiffe nicht
-zu übersteigen pflegten. Torrubia S. 363.
-
-[239] Hakl. Morga Append. 360.
-
-[240] Nach der Revista minera, Madrid 1866 XVII. 244 sind die Kohlen
-vom Berge Alpacó, im Gebiet von Nága in Cebú, trocken, rein und fast
-frei von Schwefelkiesen; sie brennen leicht und mit starker Flamme. Bei
-den, im Laboratorium der Bergschule zu Madrid angestellten Versuchen
-gaben sie 4% Asche und eine Heizkraft von 4825 Calorien, d. h. durch
-Verbrennung von 1 Gewichtstheil wurden 4825 Gewichtstheile Wasser um 1°
-C. erwärmt -- gute Steinkohle giebt 6000 Cal. Die ersten Kohlengruben
-in Cebú wurden im Massángathal betrieben, die Arbeiten aber 1859,
-nachdem bedeutende Kosten darauf verwendet, wieder eingestellt. Später
-entdeckte man im Thal von Alpacó und im Berg Oling bei Nága vier
-Schichten von beträchtlicher Mächtigkeit.... »Die Kohle von Cebu ist
-anerkannt besser, als die von Australien und Labuan, besitzt aber
-nicht hinreichende Heizkraft um ungemischt für längere Seereisen
-verwendet zu werden.«
-
-Nach dem Katalog der Produkte der Philippinen (Manila 1866) haben die
-Kohlenschichten in Cebú an vielen Stellen des NS. durch die ganze Insel
-streichenden Gebirges eine durchschnittliche Mächtigkeit von 2 m. Die
-Kohle ist von mittlerer Güte, sie wird in den Regierungsdampfern,
-mit Cardiffkohle gemischt, verbrannt. Ihr Preis in Cebú ist
-durchschnittlich 6 Dollar per Tonne.
-
-[241] Engl. Konsular Bericht 217.
-
-[242] In Jaró hat sich der Pachtzins in 6 Jahren verdreifacht, Vieh,
-das 1860 10 Dollar galt, kostete 1866 25 Dollar. Grundstücke an der
-Ria von Yloilo sind in wenigen Jahren von 100 Dollar auf 500, sogar
-auf 800 Dollar gestiegen (Diario Febr. 1867).
-
-[243] 1855 führte Yloilo, einschliesslich 3000 Picos von Negros, 11,700
-Picos aus, 1860 schon 90,000 P., 1863: 176,000 P. (in 27 ausländischen
-Schiffen), 1866: 250,000 P., 1871: 312,379 Picos von beiden Inseln.
-
-[244] Der für den englischen Markt bestimmte Zucker kostete in
-Manila 1868/69 15 bis 16 £ per Ton und stellt sich in London auf
-20 £. Best gereinigter, wie ihn Manila für Australien bereitet,
-wäre in London wegen des höheren Zolles nur 3 £ per Ton mehr werth,
-aber 5 £ theurer als der schlechte, der mithin eine Prämie von 2 £
-geniesst. Manila exportirt hauptsächlich den Zucker von Pangasinán,
-Pampánga und Lagúna. (Nach Privatberichten.)
-
-[245] The Islands of the East-Indian Archip. 1868. S. 340.
-
-[246] Catalogue de l'Expos. perman. des Colonies françaises
-1867. S. 80.
-
-[247] Rapport du Jury, Exp. 1867 IV. 102.
-
-[248] Die Indier Süd-Amerika's verwenden angeblich schon lange die
-Bananenfaser zur Anfertigung von Kleiderstoffen (The Technologist
-Sept. 1865 S. 89. ohne Quellenangabe.) und in Lu-tschu soll von der
-Banane fast nur die Faser benutzt werden. (Faits commerciaux No. 1514
-S. 36.)
-
-[249] Fibrous plants of India.
-
-[250] Das Abacá nimmt auch keinen Theer an, und kann daher nur zu
-laufendem nicht zu stehendem Tauwerk gebraucht werden.
-
-[251] Eine Pflanzung im vollen Betriebe liefert jährlich 30 Zentner
-Bandála vom Preuss. Morgen. Vom Morgen Lein gewinnt man nur 2 bis
-4 Ztr. reinen Flachs, 2 bis 8 Ztr. Samen. Lein kann aber, da er den
-Boden erschöpft, nicht alle Jahre gebaut werden.
-
-[252] Wie mir Dr. Wittmack mittheilt, kann man auch vom Hanf nur
-Fasern oder Samen gewinnen, da der reife Hanf zu spröde, grobe Fasern
-besitzt. Beim Flachsbau wird freilich häufig Same und Faser verwerthet,
-doch sind dann beide von geringer Güte.
-
-[253] Flora de Filipinas.
-
-[254] Lupis wurde 1868 in London 100 £ per Tonne bezahlt, jedoch nur
-in geringer Menge, etwa 5 Tons jährlich, eingeführt und angeblich in
-Frankreich zu einer besonderen Art von Unterröcken verwendet; die Mode
-soll bald wieder aufgehört haben. Quitol, eine geringe Sorte Lupis,
-soll 75 £ bezahlt worden sein.
-
-[255] Die Starrheit ist allen Fasern von Monokotyledonen eigen,
-weil sie aus dickwandigeren Zellen bestehn, während die eigentlichen
-Bastfasern der Dikotyledonen (Flachs z. B.) geschmeidiger sind.
-
-[256] Auch bei andern Ackerbauerzeugnissen pflegen Mestizen und
-Indier sich die Arbeit ihrer Landsleute zu sichern, indem sie diesen
-Vorschüsse machen und sie erneuern, bevor die alten abgetragen
-sind. So gerathen Unbesonnene immer tiefer in Schulden und werden
-thatsächlich zu Sklaven ihrer Gläubiger, wenn es ihnen nicht gelingt,
-zu entfliehn. Dasselbe findet bei Antheilkontrakten statt, wo der
-Grundbesitzer dem Bauer Boden, Ackergeräth und Zugvieh zu liefern
-hat, oft schiesst er dann auch noch Kleidung und Nahrungsmittel für
-die ganze Familie vor; bei Theilung der Ernte deckt der Antheil des
-Bauers nicht seine Schuld. Gesetzlich sind die Indier freilich nur
-bis zu 5 Dollar haftbar, ein besonderes Gesetz verbietet überdies
-ausdrücklich dergleichen wucherische Geschäfte, sie sind aber allgemein
-in Gebrauch. s. S. 234 Anm. 127.
-
-[257] Dieser Neid hätte beinahe die Schliessung der neuen Häfen
-(s. Kap. 23) bald nach ihrer Eröffnung zur Folge gehabt.
-
-[258] Rapport Consulaire Belge XIV. 68.
-
-[259] Im Agricultural Report für 1869, S. 232 wird eine andre Faser
-sehr gepriesen, die von einer dem Sesal sehr nahe verwandten Pflanze
-(Bromelia sylvestris) stammt, vielleicht nur eine Abart derselben;
-ihren einheimischen Namen jxtle soll sie wegen der Aehnlichkeit ihrer
-flachen, stacheligen Blätter mit den gezähnten Obsidianmessern (iztli)
-der Azteken erhalten haben.
-
-[260] Die Bananen sind bekanntlich eine der allerwerthvollsten Pflanzen
-für den Menschen, sie liefern unreif Stärkemehl, reif eine angenehme
-nahrhafte Frucht, die selbst in Menge genossen weder widerlich wird,
-noch nachtheilige Folgen hat. Einige der besten essbaren Abarten tragen
-schon Früchte 5 oder 6 Monate nachdem sie gepflanzt worden und treiben
-immer neue Schösse aus der Wurzel, so dass sie eine unausgesetzte
-Fruchtfolge geben und die Mühe des Menschen fast auf das Umhauen der
-alten Pflanzen und das Pflücken der Früchte beschränkt ist. Die breiten
-Blätter gewähren andern jungen Pflanzen den in tropischen Ländern so
-nöthigen Schatten, werden vielfach in der Haushaltung verwendet und
-manche Hütte hat es nur ihrem Bananengärtchen zu danken, wenn sie
-die Feuersbrunst übersteht, die gelegentlich das Dorf in Asche legt.
-
-Ich möchte hier auf einen Irrthum aufmerksam machen, der einige
-Verbreitung erlangt hat. In Bischof Pallegoix's trefflichem Werke
-Description du royaume Thai on Siam I. 144 heisst es: L'arbre à vernis,
-qui est une espèce de bananier et que les Siamois appellent rak,
-fournit ce beau vernis qu'on admire dans les petits meubles qu'on
-apporte de Chine. -- Als ich in Bangkok den fast neunzigjährigen
-liebenswürdigen Greis über diese auffallende Angabe zur Rede stellte,
-meinte er kopfschüttelnd, das könne er nicht geschrieben haben; --
-ich zeigte ihm die Stelle. -- »Ma foi j'ai dit une bêtise; -- j'en
-ai dit bien d'autres«, flüsterte er mir in's Ohr, indem er die Hand
-vorhielt, als fürchtete er behorcht zu werden.
-
-[261] 1862 bezog England aus Spanien 156 Tons, 1863: 18,074 t., 1866:
-66,913 t., 1868: 95,000 t. Die Lumpeneinfuhr fiel von 24,000 t., 1866;
-auf 17,000 t., 1868. In Algier wächst auch sehr viel Sparto (Alfa), der
-Transport nach Frankreich ist aber zu theuer, um es dort zu verwenden.
-
-[262] Der englische Konsul schätzt die Einnahme aus diesem
-Monopol für das Jahr 1866/67 auf 8,418,939 Dollar, sämmtliche
-Ausgaben auf 4,519,866, den Reinertrag also auf 3,899,075 Dollar. Im
-Kolonialbudget für 1867 war der Gewinn am Tabak auf 2,627,976 Dollar,
-die Gesammtausgaben der Kolonie, nach Abzug der durch die Tabakregie
-veranlassten, auf 7,033,576 veranschlagt. Nach den amtlichen Tabellen
-des Chefs der Regie, Manila 1871 betrugen die Gesammteinnahmen der
-Tabakregie in den Jahren 1865/69 durchschnittlich 5,367,262 Doll.,
-die wegen mangelnder Spezialrechnungen nicht genau festzustellenden
-Ausgaben wenigstens 4 Million Dollar, so dass nur ein Reingewinn von
-1,367,262 verbleibt.
-
-[263] Instruccion general para la direccion, administracion y
-intervencion de las rentas estancadas 1849.
-
-[264] Memória sobre el desestanco del tabaco en las islas filipinas
-.. Don J. S. Agius Binondo (Manila) 1871.
-
-[265] Von den Philippinen scheint der Tabak nach China gekommen zu
-sein: »Die von Wang-tao entdeckten Notizen lassen keinen Zweifel, dass
-er zuerst in Süd-China im 16. und 17. Jahrhundert von den Philippinen
-aus eingeführt wurde; wahrscheinlich über Japan. (Notes & Queries China
-und Japan, May 31 67.) Nach Schlegel, Batavia, wurde er 1573-91 von
-den Portugiesen nach Japan gebracht, und verbreitete sich in China
-so schnell, dass schon 1638 der Verkauf mit der Strafe des Köpfens
-bedroht wurde. Nach N. & Q. Chin. Jap. 31 Juli 67, war der Gebrauch
-des Tabaks 1641 im Mantchu-Heer allgemein. In einem chinesischen Werk
-Naturgeschichtliche Miscellen heisst es: Yen-t'sao (die Rauchpflanze)
-wurde gegen Ende der Regierung Wan-li zwischen 1573-1620 in Fukien
-eingeführt und auch Tan-pa-ku (von Tombaku) genannt.
-
-[266] West-Cuba erzeugt den besten Tabak, die berühmte Vuelta abajo
-400,000 Ztnr. zu 20 bis 140 Thlr. Ausgewählte Sorten werden bis zu 800
-selbst 1000 Thlr. p. Zentner bezahlt. Cuba produzirt 640,000 Ztnr. Die
-in Paris 1867 ausgestellten Zigarren waren im Werth von 35 bis 570
-Thlr. das Tausend. Die jährliche Zigarren-Ausfuhr wird auf 500 Million
-geschätzt. (Rappt. Jury V. 375) ... In Jenidje-Karasu (Salonich)
-werden jährlich 17,500 Ztnr. gewonnen, wovon 2500 erster Qualität,
-2 Thlr. 12 Sgr. die Oka (etwa 1 Thaler das Pfd.) gelten. Ausgewählte
-Sorten werden bis 5 Thlr. per Pfd. und höher bezahlt. Salaheddin Bey
-La Turquie à l'Exposition S. 91.
-
-[267] In Cuba ist die Tabakindustrie durchaus frei. Der
-ausserordentliche Aufschwung des Gewerbes, die zunehmende Güte der
-Waare werden zum grossen Theil dem regen Wetteifer der Fabrikanten
-zugeschrieben, die von der Regierung keinen andern Schutz als den
-ihrer Fabrikzeichen erhalten. (Rappt. Jury 67. V. 375.)
-
-[268] Handschriftlicher Bericht an den Kolonial-Minister, März 1868.
-
-[269] Basco führte auch den Seidenbau ein und pflanzte in Camarínes
-4 1/2 Million Maulbeerbäume, die man alsbald nach seinem Rücktritt
-wieder eingehn liess.
-
-[270] Nach Lapérouse rief diese Maassregel auf allen Punkten der
-Insel Empörungen hervor, die durch bewaffnete Macht unterdrückt werden
-mussten. Ebenso veranlasste das um dieselbe Zeit in Amerika eingeführte
-Monopol gefährliche Aufstände, brachte Venezuela an den Bettelstab
-und wurde eine Hauptursache des späteren Abfalls der Kolonien.
-
-[271] Ein Fardo (Pack) enthält 40 Manos (Bund). 1 Mano = 10 Manojítos,
-1 Manojíto = 10 Blätter. Reglement §. 7.
-
-[272] Reglement für alle Sammelstellen von Luzon: §. 1. Der Tabak
-wird nach vier Klassen bezahlt. §. 2. Zur I. Klasse gehören Blätter
-von wenigstens 18 Zoll von Burgos (0m 418) Länge, zur II. solche
-von 18 bis 14 Zoll (0m 325), zur III. von 14 bis 10 Zoll (0m 232)
-zur IV. Blätter von wenigstens 7 Zoll (0m 163); kleinere werden nicht
-angenommen. (Letztere Beschränkung ist jetzt aufgehoben. Da sich die
-Qualität des Tabaks in den Händen der Regie immer mehr verschlechtert,
-so sind jetzt noch zwei geringere Klassen (V. und VI.) eingeführt). --
-
-
-Ein Fardo I. Kl. wiegt 60 Pfd. und wurde von der Regierung (1867) bezahlt 9 Doll 50 C.
-,, ,, II. Kl. ,, 46 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 6 ,, - C.
-,, ,, III. Kl. ,, 33 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 2 ,, 75 C.
-,, ,, IV. Kl. ,, 18 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 1 ,, - C.
-
-
-(Bericht engl. Kons.)
-
-Folgende Tabelle giebt die von der Regierung fabrizirten Sorten,
-und die Preise, zu welchen sie 1867 im Estanco zu haben waren.
-
-
-Menas (Klassen). Folgenden PREIS Zahl der
- Habana-Klassen einer von 1000 einer Zigarren
- assimilirt. Arroba Zigarren Zigarre in einer
- Doll. Doll. Cents. Arroba.
-
-Imperiales derselben Klasse 37,50 30 4,80
-Prima veguéro do. do. 37,50 30 4,80
-Segunda do. Regalía 26
-Prima superiór
- filipino Regalía 26
-Segunda do. do. ohne Assimilirung 38 19 3,4
-Tercéra do. do. Lóndres 15
-Prima filipino Superiór habano 21 15 2,40 1400
-Segunda do. Segunda superiór
- habano 24 8,57 1/8 1,37 3/8 2800
-Prima corládo derselben Klasse 21 15 2,40 1400
-Segunda do. derselben Klasse 24 8,57 1/8 1,37 3/8 2800
-Mista Segunda batído 20,50
-Prima batído lárga ohne Assimilirung 18,75 1,66 2/3 1800
-Segunda do. do. do. do. 18,75 0,80 3750
-
-
-[273] Es gehn im Mittel 407 1/2 Million Zigarren und 1,041,000
-Kg. Rohtabak jährlich in's Ausland, zusammen dem Gewichte nach etwa
-56,000 Quintales, abgesehn von dem geschenkten Tabak.
-
-[274] ... Der in diese Lage gebrachte Bauer findet es schwer seine
-Familie zu erhalten, ist gezwungen Geld zu übertriebenen Zinsen zu
-borgen und geräth immer tiefer in Schulden und Elend .. die Furcht
-vor Geld- und Körperstrafen, mehr als die Aussicht auf hohe Preise,
-ist die Haupttriebfeder, durch welche die Lieferungen aufrecht erhalten
-werden können .. (Bericht des engl. Konsuls.)
-
-[275] Von Dezember 1853 bis November 1854 hatte die Kolonie
-4 General-Kapitäne (2 effektive und 2 provisorische). 1850 soll
-ein neu ernannter Oidor, (Mitglied des obersten Gerichtshofes) mit
-seiner Familie den Weg nach Manila um das Kap genommen und bei seiner
-Ankunft bereits seinen inzwischen über Suez gereisten Nachfolger im
-Amte getroffen haben. Solche Zustände werden nicht befremden, wenn
-man damit vergleicht, wie es in Spanien selbst zugeht. Nach einem
-Aufsatz in der Revue nationale April 1867 hat Spanien von 1834 bis
-1862, d. h. seit dem Regierungsantritt Isabella's 4 Konstitutionen,
-28 Parlamente, 47 Premierminister, 529 Minister mit Portefeuilles,
-darunter 68 Minister des Innern gehabt, so dass jeder der letztern
-durchschnittlich nur 6 Monate im Amte war. Die Finanzminister sollen
-seit 10 Jahren nicht länger als 2 Monate geblieben sein. Seitdem und
-namentlich seit 1868 erfolgen die Wechsel viel schneller.
-
-[276] Der Grund des hohen Silberagios lag darin, dass die Chinesen
-alle spanischen und mexikanischen Dollar aufkauften, um sie nach
-China auszuführen, wo sie mehr gelten als andre Dollar, weil sie,
-von den Reisen der Nao her, seit alten Zeiten bekannt sind und
-auch in den innern Provinzen Kurs haben. (Am höchsten werden dort
-Carlos III. bezahlt). Eine seitdem in Manila errichtete Münzanstalt,
-die sich selbst erhält, wenn sie auch der Regierung keinen andern
-Nutzen abwirft, hat jenen Uebelstand gänzlich beseitigt. Die Chinesen
-pflegen das Silber und Gold gewöhnlich als Geld mit ausländischem
-Gepräge nach Manila zu bringen, indem sie Landesprodukte dafür kaufen,
-die einheimischen Kaufleute lassen es umprägen. Anfänglich waren in
-Manila fast nur Silberunzen vorhanden, Goldunzen äusserst selten. Das
-hohe Agio, das sie genossen, hatte eine so starke Einfuhr zur Folge,
-dass sich das Verhältniss umkehrte, in den Regierungskassen wurde
-aber die Goldunze immer der Silberunze gleich gerechnet.
-
-[277] »Es haben vor der Zeit diese Insulen alle in gemein gehört
-vnder die kron China, sie haben sich aber umb gewisse vrsachen daruon
-abgesondert, Dannen her kein Regiment oder Policey ordnung vnder
-ihnen war, vnd diejenige welche am mächtigsten waren, behielten
-die Oberhandt, lebten vndereinander wie dz Viehe ... Die von China
-treiben in den Insuln gross Gewerb«. (J. H. Lindschotten 1596, deutsch
-Gebr. Brey Frkft. 1613 S. 58). Vergl. auch The Dutch memor. Embassies
-I. 140; Morga Hakl. 18, Anm.; Purchas 602; Don Juan Grav y Monfalcon
-Mem. al Rey No. 6; Calendar of State Papers, China & Japan No. 266;
-Manrique Itinerario de las Misiones, Roma 1653 S. 282.
-
-[278] In den Philippinen werden die Chinesen gewöhnlich Sangleyes
-genannt. Nach Professor Schott: sang-lúi (im Süden szang-lói auch
-senng-lói) mercatorum ordo; sang heissen besonders die ambulanten
-Händler, im Gegensatz zu den Kù, tabernarii.
-
-[279] .. Es ist ein schlechtes lasterhaftes Volk, .. und da
-ihrer so viele, und sie grosse Esser sind, so vertheuern sie die
-Lebensmittel und verzehren sie ... es ist wahr, dass die Stadt ohne
-die Chinesen nicht bestehn kann, denn sie sind die Arbeiter in allen
-Beschäftigungen, sie sind sehr fleissig und schaffen um geringen Lohn,
-aber dafür würde eine geringere Anzahl ausreichen. (Morga f. 349.)
-
-[280] Recopilacion Lib. IV. Tit. XVIII. ley 1.
-
-[281] Informe I, III. 73.
-
-[282] Die Chinesen durften nicht in der Stadt, sondern nur in einem
-besondern Bezirk Parian wohnen.
-
-[283] Velarde 274.
-
-[284] s. folgendes Kapitel.
-
-[285] Zuniga XVI.
-
-[286] Autos acordados II. 272. 279.
-
-[287] Kein einzelnes Volk in Europa kann sich auch nur entfernt mit
-der Bevölkerung Californiens messen, die aus allen Ländern auserlesen,
-in den ersten Jahren wenigstens nur aus strebsamsten Männern in der
-Fülle ihrer Kraft bestand, ohne Greise, ohne Weiber, ohne Kinder, --
-deren Thätigkeit in einem Lande, wo alles geschaffen werden musste, (da
-auf hunderte von Meilen kein zivilisirter Nachbar wohnte) und wo alles
-Schaffen märchenhaften Gewinn brachte, auf die äusserste Grenze des
-Möglichen gesteigert war. Ohne hier auf Einzelheiten ihrer Leistungen
-einzugehn, mag nur daran erinnert werden, dass sie in 25 Jahren einen
-mächtigen Staat gegründet, dessen Ruf die ganze Welt erfüllt, an dessen
-Rändern ringsum junge Territorien kräftig aufsprossen, deren zwei schon
-zu Staaten herangewachsen sind. Nachdem die Californischen Goldgräber
-die Konfiguration des Bodens ganzer Provinzen geändert, indem sie
-mit Titanengewalt die Erdmassen ausgedehnter Hügellandschaften ins
-Meer schwemmten, um sich durch sinnreich ersonnene Vorrichtungen
-die feinsten darin enthaltenen Goldstäubchen anzueignen, setzen sie
-die Welt jetzt in Erstaunen als Ackerbauer, deren Erzeugnisse auf
-die fernsten Märkte gehn und überall unbestritten den ersten Rang
-einnehmen. So Grosses hat ein Volk geleistet, dessen Gesammtzahl
-heut wohl kaum eine halbe Million übersteigt, und dennoch wird es
-ihm nicht leicht, den Wettkampf mit den Chinesen zu bestehn.
-
-[288] Sämmtliche Schienen in einer Gesammtlänge von fast 103,000 Fuss
-Rh. und von 20,000 Ztr. Gericht wurden von acht Chinesen gelegt, die
-in Gruppen von vier Mann einander ablösten. Aus zehntausend Arbeitern
-waren sie als die tüchtigsten ausgewählt.
-
-[289] Am 27. April fiel Magellan, von einem vergifteten Pfeil
-getroffen, auf der kleinen Insel Mactan, vor dem Hafen von Cebu. Sein
-Lieutenant Sebastian de Elcano umschiffte das Kap der guten Hoffnung,
-brachte am 6. September 1522 eines der fünf Schiffe, mit denen Magellan
-1519 aus San Lúcar ausgelaufen, und 18 Mann, darunter Pigafetta,
-nach demselben Hafen zurück und vollendete so die erste Weltreise,
-in 3 Jahren weniger 14 Tagen.
-
-[290] Morga f. 5. -- Nach späteren Schriftstellern sollen sie schon
-von Villalobos 1543 also benannt worden sein.
-
-[291] Nach Morga (f. 140 v.) gab es in jenen Inseln weder Könige
-noch Herren, sondern in jeder Insel und Provinz viele Vornehme,
-deren Anhänger und Unterthanen in Quartiere (Barrios) und Familien
-eingetheilt waren. Solchen Häuptlingen wurden Abgaben von der Ernte
-(Buiz) und Frohnden geleistet, ihre Verwandten aber waren von den
-Leistungen der Plebejer (Timauas) befreit. Die Häuptlingschaften waren
-erblich, der Adel ging auch auf die Frauen über. Zeichnete sich ein
-Häuptling besonders aus, so folgten ihm die Uebrigen, behielten aber
-die Herrschaft über ihre durch besondere Beamte verwaltete Barangays.
-
-Ueber das unter den Eingeborenen bestehende System der Sklaverei
-berichtet Morga (f. 141 -- abgekürzt): Die Bewohner dieser Inseln
-zerfallen in drei Klassen: Adelige, Timauas oder Plebejer, und Sklaven
-der Adeligen und der Timauas. Es giebt verschiedene Arten von Sklaven,
-einige in ganzer Sklaverei (Saguiguilires); sie dienen im Hause,
-ihre Kinder desgleichen. Andre bewohnen mit ihren Familien eigene
-Häuser und leisten ihrem Herrn Dienste zur Saat- und Erntezeit,
-auch als Ruderknechte und beim Hausbau etc. Sie müssen kommen so oft
-sie gerufen werden, und diese Dienste leisten ohne Bezahlung oder
-Entschädigung, sie heissen Namamahayes, ihre Verpflichtungen gehn
-auf ihre Nachkommen über. Von diesen Saguiguilires und Namamahayes
-sind einige Vollsklaven, andre Halbsklaven und andere Viertelsklaven.
-
-Wenn nämlich der Vater oder die Mutter frei war, so wird der einzige
-Sohn halb frei und halb Sklave; bei mehreren Söhnen erbt der erste den
-Stand des Vaters, der zweite den der Mutter, bei unpaarigen Kindern,
-ist das letzte halb frei und halb Sklave; die Nachkommen solcher
-Halbsklaven mit einem oder einer Freien sind Viertelsklaven. Die
-Halbsklaven, gleichviel ob Saguiguilires oder Namamahayes, dienen
-ihrem Herrn einen um den andern Monat. Halb- und Viertelsklaven
-können auf Grund des freien Theiles, der in ihnen ist, ihren Herrn
-zwingen sie für einen festgesetzten Preis frei zu lassen. Vollsklaven
-haben dieses Recht nicht. Ein Namamahaya gilt halb so viel als ein
-Saguiguilir. Alle Sklaven sind Eingeborene.
-
-f. 143 v.: Eine Sklavin, die von ihrem Herrn Kinder hatte, wurde
-dadurch frei sammt diesen Kindern. Letztere galten aber nicht für
-wohlgeboren, nahmen nicht an der Erbschaft Theil, auch die Vorrechte
-des Adels, falls der Vater diesem Stande angehörte, gingen nicht auf
-sie über.
-
-[292] Sehr wahrhafte und gewisse Beschreibung von dem, was
-neulich bekannt geworden über die neuen Inseln des Westens ... von
-H. R. Sekretär der Regierung dieser Inseln. Sevilla 1574. Morga
-Hakl. 389.
-
-[293] Relation et Mém. de l'estat des isles Ph. Thévenot 28.
-
-[294] Bulle Gregor XIV. 18. Apr. 1591.
-
-[295] Morga Hakl. 328.
-
-[296] v. Chamisso (Bemerkungen und Ansichten S. 72) weiss es dem
-Uebersetzer des Zuñiga Dank, dass er ihn der Pflicht überhoben bei
-dieser eklen Geschichte zu verweilen; doch ist Zuñiga's Erzählung immer
-noch verhältnissmässig kurz und sachlich; die mit Recht abgekürzte
-engl. Uebersetzung enthält viele Fehler.
-
-[297] Herzog von Almodovar Informe I. III. 199.
-
-[298] Ich erlaube mir ein Beispiel anzuführen: Als ich mich 1861 an der
-Westküste von Mexico befand, bestand der zur Zeit durch die Invasion
-europäischer Mächte vereitelte Plan ein Dutzend nordamerikanischer
-Hinterwäldlerfamilien im Yaquithal (Sonora), einer Oase in der Wüste,
-anzusiedeln. Grosse einheimische Hacendéros erwarteten die Ankunft
-dieser Einwanderer, um sich unter ihrem Schutz anzusiedeln. Der
-Bodenwerth war nach Verlautbarung des Projektes beträchtlich gestiegen.
-
-[299] Morga f. 156.
-
-[300] 1867 wurde die Zahl der gewerbesteuerpflichtigen Chinesen auf
-2589 geschätzt, davon gehörten 30 zur 1ten, 517 zur 2ten, 812 zur
-3ten, 746 zur 4ten Steuerklasse. Von einer Gesammtbevölkerung von
-18600 waren etwa 525 Landbauer. (Engl. Kons. 1869.)
-
-[301] Zu Morga's Zeit wurde den spanischen Beamten und Geistlichen
-wöchentlich eine Anzahl Leute zugewiesen (Polistas), die ihnen für
-geringen Lohn (1/4 r. täglich und Reis) häusliche Dienste verrichten
-mussten.. Alle übrigen, Spaniern geleisteten Dienste, auch bei der
-Schifffahrt, bei Bauten u. s. w. waren freiwillig und nach Verabredung
-zahlbar. (Morga 156 v.)
-
-[302] Crawfurd (Dict. 345) verweist auf die Aehnlichkeit der Barangays
-mit den angelsächsischen Hundreds and tithings.
-
-[303] Diese Zentralkasse (caja central = caja del ramo = caja
-real) enthält zu Zeiten bis 40 Millionen Realen (fast 3 Millionen
-Thlr.). Dieser, aus den Ueberschüssen entstandenen Kasse entlehnt
-die spanische Regierung Geld, wenn sie es gebraucht, beispielsweise
-war der Bestand der Kommunalkasse im Oktober 1866 = 83,137 Esc.,
-der der Propios und Arbitrios = 413,534 Esc., zusammen = 4,966,710
-Realen. Eine mir zur Einsicht mitgetheilte R. O. vom 6. März 1866
-befahl Anstalt zu treffen, um eine vom Staatsschatz geschuldete Summe
-von 2,250,364 Realen an die Zentralkasse der Kolonie zurückzuzahlen.
-
-[304] Die Verordnung von 1786 ist nie zur Ausführung gekommen,
-weil sie dem Wesen der spanischen Kolonialpolitik widerspricht;
-thatsächlich werden solche Ueberschüsse nach Madrid gesandt und
-dort zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse verwendet. In den
-Philippinen wird fast nichts, wie bereits mehrfach erwähnt, für
-produktive Anlagen verausgabt.
-
-[305] (Sinibaldo Mas) La Chine et les puissances chrétiennes,
-Paris 1861.
-
-[306] Vermuthlich Lei-tschi, Nephelium litchi Wight.
-
-[307] Es schien angemessen hier nur den Flächeninhalt der grösseren
-Inseln zu geben. Die mehrere Seiten umfassende, von einem Hülfsarbeiter
-des Generalstabes, auf Grundlage der Coello'schen und der spanischen
-hydrographischen Karte ausgeführten Berechnungen sämmtlicher Inseln
-haben nur für Geographen Interesse, und sollen daher unverkürzt in
-einem der nächsten Hefte der Berliner Zeitschrift der Gesellschaft
-für Erdkunde erscheinen.
-
-[308] F. B. Engelhardt, Der Flächenraum der einzelnen Staaten in
-Europa und der übrigen Länder auf der Erde. Berlin 1853.
-
-[309] Rechnet man hierzu, wie im Anuario, die thatsächlich unabhängigen
-Inseln Basilan 23.2, Sulu 14.5, Taui-taui etc., zusammen 27.5
-quadr. M., so erhält man 6365.5 quadr. M.
-
-[310] Bemerkungen und Ansichten auf der Entdeckungsreise von O. von
-Kotzebue 1821.
-
-[311] Geognostische Beobachtungen auf der Reise von O. von Kotzebue
-1829.
-
-[312] Reise um die Erde. Berlin 1835.
-
-[313] Constitucion geognostica de las Islas filipinas. Anales de
-minas. 2. 197-212. 1841. Spätere Bände habe ich nicht einsehen können.
-
-[314] Voyage de la Bonite. Géologie. Paris 1844.
-
-[315] U. S. Exploring expedition under the command of
-C. Wilkes. Geology by Dana. Philadelphia 1849.
-
-[316] Wiener Akad. Ber. 36. 121. 1859.
-
-[317] Zs. geol. Ges. 14. 358. 1862.
-
-[318] Zs. f. allgem. Erdkunde. N. F. 10. 249. 1861 u. 13. 81. 1862.
-
-[319] Kosmos. Bd. 4. 405.
-
-[320] Auch auf Java fand L. Horner (J. Miner. 1838. 2) in einigen
-der Südsee zufallenden Flüssen »granitische, syenitische und
-dioritische Gesteine«, über welche ich bei Junghuhn keine Angabe
-finde. Vgl. Jahrb. geol. Reichsaust. 9. 291 und 294. 1858.
-
-[321] Die Lage des Serangani in oder bei Mindanao erscheint nicht
-sicher festgestellt. Ob der Vulkan von Davao, an der Bai von Davao
-oder Tagloc, und der von Sujut (O. der Bai von Ilana) thätig sind
-oder nicht, ist ungewiss. Von einem Vulkan auf der zwischen Mindanao
-und Negros gelegenen Insel Siquijor oder de Fuegos ist nichts Genaues
-bekannt.
-
-[322] Semper Skizzen, p. 14.
-
-[323] Horsburgh (Citat in Berghaus, geohydrographischem Memoir von
-den Philippinen 1832) spricht von einer Lava oder Cap islet genannten
-Insel mit Lavamassen, nördlich vom Cabo Engaño. Bezieht sich diese
-Angabe auf Camiguin?
-
-[324] Vom Mainit, der eng verbunden zu sein scheint mit dem Maquiling,
-sagt de la Gironière (Citat in Perrey Documents sur les tremblements
-de terre dans l'archipel des Philippines), dass er bisweilen Flammen
-und Rauch ausstösst. Dieser Berg wäre demnach in die Reihe der thätigen
-Vulkane zu stellen.
-
-[325] Entdeckungsreise. II. 137.
-
-[326] Vgl. auch Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 6. 71. 1859.
-
-[327] Dana l. c. 545 sah dort Blöcke zelliger Lava und graue Tuffe,
-denen von Manila ähnlich.
-
-[328] A. von Humboldt. Kosmos IV. 522 u. 287.
-
-[329] S. die Abbildung in Choris Voyage pittoresque. 1820.
-
-[330] U. S. Explor. Expedition V. 317.
-
-[331] Bull. soc. géogr. 19. 79. 1842, im Auszuge in d'Archiac
-hist. d. progrès de la géologie. 1. 544. 1847.
-
-[332] Description physique des îles Canaries. Paris 1836. 437.
-
-[333] Citat bei Chevalier p. 227.
-
-[334] d'Archiac histoire de la géologie 3. 520.
-
-[335] Die Nummuliten von Borneo beschrieb Verbeek im
-Jahrb. Miner. 1871. 1.
-
-[336] Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 13. 86.
-
-[337] l. c. 204.
-
-[338] Vgl. die Angabe von Itier. S. 7.
-
-[339] Vgl. die krystallographischen Bestimmungen von
-Dauber. Wien. Akad. Ber. 42. 26.
-
-[340] Es liegt dort gewonnenes Kupfer vor.
-
-[341] Weiter östlich sollen 6 Stunden von Lauang flussaufwärts bei
-Binontuan marmorartige Kalke anstehen.
-
-[342] Die Zähne sind etwas zahlreicher und schmaler als bei
-A. inaequivalvis Brug.
-
-[343] M. Thévenot, Rélations de divers voyages curieux. Paris
-1591. (Wie später angeführt wird, war die Jahreszahl irrig.)
-
-[344] Die Makrocephalen im Boden der Krym und Oesterreichs. Mém. de
-l'acad. imp. des sciences de St. Pétersbourg. Sér. VII. T. II. No. 6.
-
-[345] L. A. Gosse, Essai sur les déformations artificielles du
-crâne. Annal. d'hygiène publique et de méd. légale. Paris 1855. Juill.
-
-[346] Da seit Thévenot kein neuerer Autor von der Flathead-Mode auf
-den Philippinen spricht, so wird man diese Schädel mindestens nicht
-hinter das 16. Jahrhundert verlegen. Die Kalkincrustation konnte sich
-in einigen Jahrhunderten ganz wohl gebildet haben, doch ist es auch
-denkbar, dass nach ihrer Bildung die Schädel beliebig lange unverändert
-bleiben, und dass sie dennoch einer sehr viel älteren Zeit angehören.
-
-[347] Für zwei Schädel von Madura bei J. van der Hoeven
-(Catal. craniorum p. 38) berechne ich den Breitenindex zu 80,4 und
-78,4, den Höhenindex zu 79,7 und 84,6.
-
-[348] Meyen (Nova
-Act. Acad. Leop. Car. 1834. Vol. XVI. suppl. I. p. 47), der auch
-den Schädel einer Tagalin von Manila abbildet, rechnet diesen Stamm
-nebst den Bewohnern der Carolinen, Marianen u. s. w. zur Rasse der
-Oceanier. Schetelig (Transact. Ethnol. Soc. 1868. VII.) stellt die
-Luzonesen bestimmt zu den Malaien. Nach seinen Messungen hat ihr
-Schädel einen Breitenindex von 83,5 bei einem Höhenindex von 77;
-Davis habe bei Bisayer-Schädeln 80 und 79 berechnet.
-
-[349] Welcker berechnet für diese einen Breitenindex von 75 bei einem
-Höhenindex von 77. Einer der Dajak-Schädel bei van der Hoeven hat
-einen Breitenindex von 75,2, ein zweiter von 78,7.
-
-[350] Schädel und Skelet gehören jedoch offenbar nicht zusammen.
-
-[351] Der eine trägt die Inschrift Semarrona Ilamada Omang, der andere
-Semarron Ilamado Baringeag (?).
-
-[352] Die von Hrn. Jagor geäusserte Meinung, dass dieser Berg identisch
-mit dem Vulkan Yriga sein müsse, der in der Provinz Camarines auf
-Luzon am See Bugi oder Buhi liegt, ist später von Hrn. Schetelig
-bestätigt worden. In einem früheren Briefe nennt Hr. Schetelig den
-Häuptling Capitän Juan Galapnid.
-
-[353] Das Os femoris ist 38 Centim. lang, die Tibia 30,5, das Os
-humeri 27, der Radius 21.
-
-[354] Die Stelle steht in Relations de divers voyages curieux, Paris
-1664, II., und zwar in der Relation des Isles Philipines, faite
-par un religieux qui y a demeuré 18 ans, p. 6. Es heisst daselbst:
-ils auoient accoustumé dans quelques-unes de ces Isles, de mettre
-entre-deux ais la teste de leurs enfans, quand ils venoient au monde,
-et la pressoient ainsi, afin qu'elle ne demeura pas ronde, mais
-qu'elle s'estendit en long; ils luy applatissoient aussi le front,
-croyant que c'estoit un trait de beauté de l'auoir ainsi.
-
-[355] Pour ce qui est des dents, elles (les femmes) imitent en tout
-les hommes: ils se les liment dès leur plus tendre jeunesse, les vns
-les rendent par là esgales, les autres les affilent en pointes, en
-leur donnant la figure d'une scie, et ils couvrent d'un vernis noir
-et lustré, ou de couleur de feu, et ainsi leurs dents deuiennent
-noires ou rouges comme du vermillon; et dans le rang d'en haut,
-ils font vne petite ouuerture qu'ils remplissent d'or, qui brille
-d'avantage sur le fond noir ou rouge de ces vernis.
-
-[356] Nach einer Mittheilung des Hrn. Semper feilen nur die Negritos
-von Mariveles und der Nachbarbezirke die Zähne in der angegebenen
-Weise. Bei den übrigen Negrito-Stämmen, welche er besuchte, fand er
-diese Sitte nicht.
-
-
-
-
-
-
-End of Project Gutenberg's Reisen in den Philippinen, by Andreas Fedor Jagor
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN IN DEN PHILIPPINEN ***
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