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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - - - -Title: Reisen in den Philippinen - -Author: Andreas Fedor Jagor - -Release Date: October 19, 2016 [EBook #53322] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN IN DEN PHILIPPINEN *** - - - - -Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net/ for Project -Gutenberg (The digitized holdings of the Staatsbibliothek -zu Berlin are available free of charge for non-commercial -use by all interested parties worldwide.) - - - - - - - - - REISEN - IN DEN - PHILIPPINEN - - VON - - F. JAGOR - - MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN UND EINER KARTE. - - - - BERLIN - WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG. - 1873. - - - - - - - - -VORWORT. - - -Die Reise, von der die folgenden Blätter berichten, wurde in den -Jahren 1859 und 1860 unternommen, durch unvorherzusehende Umstände -aber plötzlich abgebrochen, lange bevor die gesteckten Ziele erreicht -waren. Der Wunsch, das Begonnene später fortzusetzen, ging nicht in -Erfüllung, veranlasste aber zu weiteren Studien, die dem Verfasser -manchen wenig bekannten Stoff lieferten und zugleich zeigten wie -spärlich und ungenau die Nachrichten über jenes schöne Land sind, -besonders über die Provinzen in denen er am längsten verweilte. - -Einige werthvolle Mittheilungen vorzüglich über Verwaltung, Steuer- und -Zollwesen verdankt der Verfasser dem spanischen Kolonialministerium, -das ihm bereitwillig die Benutzung seines Archives gestattete; -namentlich war ihm bei Entwurf der Geschichte des Handels, des Tributes -und der Tabakregie eine dort vorgefundene Denkschrift von D. Ormacheo: -Apuntes para la razon general, von Nutzen. Auch die Berliner und -Londoner Bibliotheken lieferten manchen Stoff, der z. Th. mühsam aus -dickleibigen öden Mönchschroniken herausgelesen werden musste. So -häufte sich umfangreiches Material, woraus die nachstehenden Blätter -das Wesentlichste in gedrängter Kürze mittheilen. - -Dem eigentlichen Reiseberichte liegen ausführliche an Ort und -Stelle gemachte Aufzeichnungen zu Grunde. Nach einem so langen -Zeitraum erschien es um so nöthiger, sich streng daran zu halten, -da das Gedächtniss gern ihm anvertraute Eindrücke und Erlebnisse zu -farbigen Bildern und interessanten Abenteuern umgestaltet, hier aber -nicht sowohl Unterhaltung als treue Schilderung beabsichtigt wird. - -Einiges, besonders aus dem zwanzigsten Kapitel ist bereits in Bastian -und Hartmann's Zeitschrift für Ethnologie mitgetheilt worden. - -Den wissenschaftlich werthvollsten Theil des Buches bilden zwei -Abhandlungen, welche der Verfasser der Freundschaft der Herren -Professoren Roth und Virchow verdankt. - -Wenige Länder der Welt sind so unbekannt und werden so selten besucht -wie die Philippinen und doch ist keines angenehmer zu bereisen, als -jenes verschwenderisch ausgestattete Inselreich; kaum irgendwo findet -der Naturforscher eine grössere Fülle ungehobener Schätze. Unbemittelte -würden aus dem Verkauf von Sammlungen ihre Reisekosten reichlich -decken. - - - - - -DRUCKFEHLER. - - - Seite 145 Z. 10 v. unten lies: Rayray statt Ragay. - ,, 173 Z. 15 v. unten lies: Oberleib statt Unterleib. - ,, 210 Anm. lies: Bd. XXV. 2269 statt 2269. - - - - - - - - -INHALT. - - - Seite - - Vorrede V - Verzeichniss der Bilder XI - Aussprache der Fremdwörter XIII - Erklärung häufig vorkommender Fremdwörter XIV - Maasse, Gewichte, Münzen XVI - - - Erstes Kapitel. - - Einleitende Bemerkungen. - - Meridiandifferenz, Handelsgebiet der Philippinen, Theilung - der Erde, erster Anblick Manila's, Erdbeben 1 - - - Zweites Kapitel. - - Rhede, Zollwesen, Geschichte des Handels, spanische - Kolonialpolitik, Reisen der Galeonen 7 - - - Drittes Kapitel. - - Manila, Leben in der Stadt und in den Vorstädten, - Hahnenkämpfe, Trachten der verschiedenen Klassen 18 - - - Viertes Kapitel. - - Stellung der Europäer und Eingeborenen in englischen, - holländischen und spanischen Kolonien, Einfluss der - spanischen Kolonialpolitik auf die Sitten der Eingeborenen, - Bequemlichkeit des Lebens, Kokospalme, Bambus 27 - - - Fünftes Kapitel. - - Geographisches, Meteorologisches, politische Eintheilung, - Volksmenge, Sprachen 39 - - - Sechstes Kapitel. - - Reise in Bulacan, häufige Feuersbrünste, Fruchtbarkeit, - Fischfang, Zigarrentaschen, spanische Priester, - Gastfreiheit, Räubereien 45 - - - Siebentes Kapitel. - - Provinz Laguna, Bancafahrt, Barren des Pasig, See von Bay, - Maare bei Calauan, Palmenwein, Reisen ohne Diener, Vulkan - Majaijai, Büffelfahrt 55 - - - Achtes Kapitel. - - Seereise nach Albay, Mariveles, Schifffahrt zwischen den - Inseln, San-Bernardino-Strasse, Vulkan Bulusan, Legaspi, - Sorsogon 63 - - - Neuntes Kapitel. - - Der Vulkan Mayon oder Albay und seine Ausbrüche 69 - - - Zehntes Kapitel. - - Cacao, Kaffee, Kirchweihfest, Leben in Daraga 76 - - - Eilftes Kapitel. - - Reise nach Bulusan und Sorsogon, Strassenbau, Seeräuber 87 - - - Zwölftes Kapitel. - - Reisen in Süd-Camarines, Gliederung der Provinz, spanische - Priester, Alkalden und Mandarine 94 - - - Dreizehntes Kapitel. - - Reisen in Süd-Camarines, (Fortsetzung), Batu-See, indische - Priester, Niederlassung von Wilden, Feier der Kreuzbulle, - Buhi-See, Vulkan Yriga, Ananasfasern, Pfeilgift, Blutegel, - Solfatare Ygabo, Kieselsprudel von Tibi 103 - - - Vierzehntes Kapitel. - - Lebensweise und Sitten der Bicolindier 118 - - - Funfzehntes Kapitel. - - Vorgeschichtliche Ueberreste, hoher Werth alter Gefässe, - Tropfsteinhöhlen im Yamtik, Reisen in Nord-Camarines, - Bergbau, Gold, Bleiglanz, Rothblei, Kupfer, Hüttenprozess - der Ygorroten, essbare Vogelnester 133 - - - Sechszehntes Kapitel. - - Reise längs der Küste von Camarines, Andringen des Meeres, - zerstörter Palmenwald, Pasacao, schlechte Strassen 152 - - - Siebenzehntes Kapitel. - - Der Ysarog und seine Bewohner 161 - - - Achtzehntes Kapitel. - - Ersteigung des Yriga und des Mazaraga, See- und - Strassenräuber, Wasserpflanzen von Berlin nach den - Philippinen, mein Diener Pepe 176 - - - Neunzehntes Kapitel. - - Reisen in Samar, Wetter, Beamtenwahl, Nordküste, - Catbalogan, Flattermakis, Schlangenbändiger, - Tertiärversteinerungen, Stromschnellen des Loquilocun, - Gespensterthier 185 - - - Zwanzigstes Kapitel. - - Reisen in Samar, Fortsetzung, Südsee-Insulaner durch - Stürme verschlagen, Todtenhöhlen und Leichenbestattung - der alten Bisayer, Krokodile, Ignazbohne, Kokosöl 203 - - - Einundzwanzigstes Kapitel. - - Insel Leyte, Heuschrecken, Solfatare, Schwefelgewinnung, - Bitosee, Krokodile 218 - - - Zweiundzwanzigstes Kapitel. - - Lebensweise und Sitten der Bisaya-Indier 227 - - - Dreiundzwanzigstes Kapitel. - - Die neuen Zollhäfen, Steinkohle in Cebu, Yloilo. - Aufschwung des Zuckerbaues 239 - - - Vierundzwanzigstes Kapitel. - - Abaca oder Manila-Hanf 245 - - - Fünfundzwanzigstes Kapitel. - - Das Tabakmonopol 257 - - - Sechsundzwanzigstes Kapitel. - - Die Chinesen 271 - - - Siebenundzwanzigstes Kapitel. - - Kurzer Abriss der Geschichte, Schlussbetrachtungen 280 - - - ANHANG. - - Kopfsteuer und Frohnden 293 - Bürgerliche Einrichtungen 298 - Ueber den Bodenkredit 303 - Die gemeinnützige Gesellschaft der Landesfreunde 307 - Einführung der Opium-Regie 309 - Beschreibung der Schiffe, Barangay genannt, die bei Ankunft - der Spanier in Gebrauch waren 311 - Das tagalische Vater Unser 312 - Das neue Zolldekret 312 - Handel mit China vor Ankunft der Spanier 314 - Handel mit China nach Ankunft der Spanier 315 - Flächeninhalt der grösseren Inseln des philippinischen - Archipels 317 - Uebersichtstabelle der meteorologischen Verhältnisse 318 - Uebersicht der Volksmenge, der Ortschaften u. s. w. in den - Philippinen 320 - Gleichzeitiger Ausbruch dreier Vulkane 1641 323 - Zusätze und Berichtigungen 329 - Abgekürzt zitirte Schriften 331 - Ueber die geologische Beschaffenheit der Philippinen von - J. Roth 333 - Ueber die älteren und neueren Bewohner der Philippinen von - Rudolf Virchow 335 - Index 378 - Karte des südlichen Theiles von Luzon und benachbarter Inseln. - - - - - - - - -VERZEICHNISS DER BILDER. - - -Um den Grad der Genauigkeit der einzelnen Bilder beurtheilen zu können, -ist durch Buchstaben die Art ihrer Herstellung angegeben. - - - c = Camera lucida, - p = Pause, - ph = Photographie, - r = reduzirt durch Camera lucida oder auf mechanischem Wege. - t = Originalzeichnung eines Tagalen. - z = freie Handzeichnung. - - -Der erste Buchstabe bezieht sich auf die Originalzeichnung, der -folgende auf die Reproduktion. - - Seite - - Barre des Pasig, Manila c. r. 7 - Lastboot (Casco) t. r. 17 - Haus mit Azotea am Pasig z. z. 18 - Bambushaus in der Vorstadt Trozo c. r. 20 - Tagalin ph. r. 24 - Tagalen ph. r. 25 - Elegante t. r. 25 - Kleines tagalisches Mädchen ph. p. 26 - Leben am Wasser (ph. c. z.) z. zu Seite 34 - Bambus z. p. 35 - Verarbeitung des Bambus 36 - Floss mit Senknetzen (Salambau) c. r. 37 - Fischerhütten bei Bulacan z. r. 45 - Berg Arayat z. r. 47 - Zubereitung der Zigarrentaschen z. 48 - Negrita (von Panay) ph. r. 51 - Aussicht von Jalajala auf die Insel Talim c. r. 52 - Vulkan Maquiling von ONO. z. 54 - Kirche und Convento, Majaijai c. r. 58 - Insel Talim mit dem Pik Soson-dalága von Majaijai c. r. 59 - Vulkan Majaijai c. r. zu Seite 61 - Negrito von Mariveles c. r. 63 - Tagalin in einer Hängematte z. z. 64 - Vulkan Bulusan z. r. zu Seite 66 - Vulkan Mayon c. r. zu Seite 69 - Krater des Mayon z. p. 70 - Zigarrentaschen-flechten z. z. 84 - Bícol-Naturforscher bei Regenwetter z. r. 86 - Stamm eines Feigenbaumes bei Bacon c. r. 88 - Dorfglocke in Camarines z. z. 96 - Dorf Batu c. r. 103 - Wilde vom Yriga c. z. zu Seite 106 - Vulkan Yriga von OSO. c. r. 110 - Vulkan Yriga von SW. c. r. 111 - Vulkan Malinao c. r. 114 - Kieselsprudel bei Tibi c. r. 114 - Der weisse Kegel c. r. 115 - Der rothe Kegel c. r. 117 - Pavava, eine Art Karren c. r. 118 - Der Pflug (Arado) und seine Bestandtheile c. r. 120 - Ackergeräth der Bicol-Indier c. r. 121 - Reismesser z. 121 - Thongefäss aus einer Muschelschicht z. 134 - Gebirge Bacacay von der Barre von Daet c. r. 139 - Indierin die Bulaqueña tanzend z. r. 140 - Kastell gegen Seeräuber c. r. 141 - Nester von Collocalia troglodytes c. r. 143 - Kupferner Kessel c. 146 - Gebirge Bacacay vom Tribunal von Labo c. r. 150 - Der Pik Colasi von der Visita Colasi z. r. 153 - Der Pik Colasi von der Visita Lalauigan z. r. 153 - Palmenwald durch die Brandung zerstört z. r. 155 - Vulkan Ysarog c. r. zu Seite 161 - Glockenturm von Calabanga c. r. 164 - Weberin vom Ysarog c. r. 166 - Bogen und Pfeile der Ygorroten vom Ysarog c. r. 169 - Ygorrote vom Ysarog c. p. 170 - Ygorroten-Mädchen vom Ysarog c. p. 171 - Cuadrillero z. z. 174 - Schiffahrt durch Sumpf z. z. 176 - Mazaraga c. r. 178 - Aussicht vom Mazaraga c. p. zu Seite 178 - Spanisch-tagalische Mestizin ph. p. 184 - Lauang c. r. 187 - Gobernadorcillo und Alguacil t. r. 189 - Kleines Bisaya-Mädchen z. z. 192 - Boot mit Ausriggern c. r. 193 - Visita Loquilocun c. r. 199 - Felsen im Meer bei Nipa-nipa z. z. 207 - Särge c. r. 209 - Buyohändlerin t. r. 217 - Hafen von Tacloban z. r. 218 - Gebirge in Leyte c. r. 220 - Hütte im Krater des Kasiboi c. r. 221 - Hütte auf einem Baum z. z. 223 - Bisaya-Indierin z. z. 227 - Alte Indierin rauchend t. r. 270 - Schiff aus dem 17. Jahrhundert z. z. 290 - Schädel r. Tafel 1. zu Seite 355 - Schädel r. Tafel 2. zu Seite 375 - Negritos vom nördlichen Luzon ph. p. zu Seite 375 - - - - - - - - -AUSSPRACHE DER FREMDWÖRTER. - - -Die spanischen und einheimischen Wörter, meist Ortsnamen, sind nach -spanischer Weise geschrieben. Die Aussprache ist wie im Deutschen, -mit folgenden Abweichungen: - - - spanisch c vor e und i wie th englisch, aber schärfer. - ,, ch wie tsch deutsch. - ,, g vor e und i wie ch ,, - ,, gu wie g ,, - ,, j wie ch ,, - ,, ll fast wie j ,, - ,, ñ wie nj ,, - ,, qu wie k ,, - ,, s wie ss ,, auch mitten im Wort. - ,, v fast wie b. - ,, y vor Vokalen wie j ,, - ,, y vor Konsonanten wie i. - ,, z wie c vor e und i. - - -In den philippinischen Namen ist e von i, o von u kaum zu -unterscheiden. - -In mehrsilbigen Wörtern ist der Tonfall meist durch einen Accent -angedeutet worden. - - - - - - - - -ERKLÄRUNG EINIGER HÄUFIG WIEDERKEHRENDER FREMDWÖRTER. - - -Abacá = Manila-Hanf, Faser der Musa textilis s. S. 245. - -Alkalde, Guvernör einer Provinz s. S. 100 Anm. - -Bánca, kleines Boot. - -Barangáy, Gruppe von 40 bis 50 Familien unter Verwaltung eines Cabeza -s. S. 292. - -Bólo, grosses Waldmesser. - -Búyo, ein Stück Arecanuss, eingefasst von einem mit gebranntem Kalk -bestrichenen zusammengerollten Blatt Betelpfeffer s. S. 126 Anm. - -Cabéza, Haupt, Häuptling. - -Casa reál, Wohnung des Alkalden oder Guvernörs, auch = Tribunal -s. S. 50. - -Camóte, süsse Kartoffel, Convolvulus Batatas s. S. 122. - -Castíla, werden die Spanier, auch wohl die Europäer im Allgemeinen -genannt. - -Cimarrón, in Freiheit lebender Eingeborener s. S. 106. - -Convénto, Wohnhaus des Pfarrers, nicht Kloster. - -Cuadrilléro, Steuersoldat, Polizeisoldat. - -dM. = M. - -Estánco, Laden in welchem von der Regierung monopolisirte Artikel -verkauft werden. - -Falúa, Feluke. - -Gábi, Caladium sp. div. mit essbaren Knollen. - -Gobernadorcíllo (Guvernörchen), Dorfschulze s. S. 189. - -Guinára, Gewebe von Abacá. - -Haciénda, Landgut, die Finanzverwaltung, der Staatsschatz. - -Indier, Indios, werden die Eingeborenen im Allgemeinen, besonders -aber die der spanischen Herrschaft unterworfenen im Gegensatz zu den -Cimarronen genannt. - -L, Légua Wegstunde, (20 = 1° des Aequators). - -£, Pfund Sterling. - -M, Meile, (15 = 1° des Aequators). - -Polísta, Frohnarbeiter. - -Pólos, Frohnden s. S. 292. - -Puéblo, Ortschaft. - -Principalía, inländischer Adel. - -R. C., Reál Cédula, Königliches Handbillet. - -R. D., Reál Decréto, vom Suverän selbst unterschrieben. - -R. O., Reál Órden, nur vom Minister gezeichnet. - -Sáya, Frauenrock von der Hüfte zum Knöchel reichend. - -Sm., Seemeile (60 = 1° des Aequators). - -Súndang, Waldmesser. - -Tápis, ein um den oberen Theil der Saya gewundenes Tuch. - -Teniénte, Lieutenant. - -Tribunál, auch Casa real genannt, Gemeindehaus. - -Tribúto, Kopfsteuer. - -Túba, gegohrener Palmensaft. - -Visíta, Filial einer Pfarre. - - - - - - - - -MAASSE, GEWICHTE UND MÜNZEN. - - -Seit Januar 1862 gelten in den Philippinen die folgenden Maasse, -Gewichte und Münzen. - - -Längenmaasse: - -1 Braza = 1 Doppelvara von Burgos = 1,671 Meter (= 5,3205 Rh.-Fuss) -1 Vara = 1 Vara (Elle) desgl. = 0,835 Meter (= 2,66 Rh.-Fuss) -1 pié = 1 pié (Fuss) desgl. = 0,278 Meter (= 0,89 Rh.-Fuss). - - -Wegemaasse: - -1 Legua (L.) sehr nahe 20,000 piés = 3 Seemeilen (Sm.) 20 L. = -60 Sm. = 15 geogr. oder deutsche Meilen (M.) = 69 engl. Meilen = -111,1 Kilometer. - - -Feldmaasse: - -1 Quiñon, (spr. Kinión) = 10 Balístas = 100 Loánes = 10,000 Brázas -cuadrádas = 27949,486 Quadrat-Meter = 2,79495 Hektar. 1 Hektar = -3577,833 Brazas cuadrádas = 0,35778 Quiñones = 3,5778 Balistas = -35,778 Loánes. - -Die hier zu Grunde gelegte Braza cuadr. ist die von 4 Varas cuadr. de -Burgos. 1 Quiñon = 10,946, also sehr nahe = 11 preuss. Morgen). - - -Getreidemaasse: - -1 Cabán (Caván) = 25 Gántas = 200 Chúpas = 800 Apatánes = 75 Liter = -1,35132 Fanégas de Castilla. - -Von 1. Januar 1862 gilt der am 1. Januar 1860 in Manila eingeführte -Caban als gesetzliches Maass für alle Provinzen. Er misst genau 75 -Liter oder in Form eines Würfels 422 mm. innerer Seite, oder 5990,96 -span. Kubikzoll. (Der Caban von 1859 hatte 80,00919 Liter.) - -(1 Ganta = 3 Liter, 1 Preuss. Metze = 3 Quart. 1 Ganta verhält sich -also zu 1 preuss. Metze (= 1/16 Scheffel) genau wie 1 Liter zu 1 -Quart. 1 Caban = 1,362 Scheffel. 1 Caban Reis wiegt 128 bis 137 -Pf. span. = 59 bis 63 Kilogr. - - -Flüssigkeitsmaasse: - -1 Ganta = 8 Chupa = 3 Liter. - -Die Tinája (grosser Thonkrug) ist ein willkürliches Maass und bedeutet -eine Anzahl Gantas, die in jedem Kontrakte besonders bestimmt wird -oder durch Gebrauch feststeht, z. B. 1 Tinája Cocosöl der Laguna = -16 Gantas. - - -Gewichte: - -1 Quintál = 1 Quintál de Castilla = 4 Arróbas = 46,009 Kilogramm. - -1 Arroba = 25 Libras (Pfund span.) = 11,502 Kilogr. - -1 Libra = 2 Marcos = 0,460 Kilogr. 1 Marco = 8 Onzas = 0,230 Kilogr. - -1 Onza = 16 Adarmes = 28,76 Gramm. 1 Adarme = 36 Granos = 1,80 Gramm. 1 -Grano = 0,05 Gramm. - - -Schwere Gewichte. - -1 Pico = 10 Chinántas = 100 Cátes = 1600 Tael = 137,500 Libras de -Castilla = 63,262 Kilogr. (1 Tael = 22000 Adarmes = 39,539243 Kilogr.) - -Der Píco (Pikul) ist kein festes Gewichtsmaass, er variirt selbst -in China. In Manila hat sich durch den Gebrauch das Verhältniss 1 -Píco = 137,5 Libras de Castilla festgestellt. In den chinesischen -Häfen und in Singapore haben die Engländer den Pikul = 133 1/3 Pfund -engl. eingeführt. 1 Píco von Manila = 140 Pf. engl., 1 Pikul (engl.) = -131,4 Libras de Castilla. - -1 (Schiffs)-Tonne, früher = 16 Picos (1012 Kilogramm), jetzt = 1000 -Kilogr.; dem Maasse nach = 1 Kubikmeter. - - -Gewicht für edle Metalle: - -1 Tael = 10 Mas = 100 Condrín = 754,75 Granos del Marco de Castilla = -37,68 Gramm. - - -Münzen: - -1 span. Dollar ($) = 2 Escúdos (Esc.) = 5 Pesetas = 8 Réales plata -(r.) = 160 Cuartos (cu.) = 100 Centésimos (ce). - -Im täglichen Verkehr wird nach Cuartos, im Grosshandel nach Centisimos -gerechnet. Der Escudo ist erst seit 1. Juli 1865 für alle amtlichen -Rechnungen in Spanien und den Kolonien eingeführt, um die spanische -Währung dem Dezimalsystem anzupassen. - -(In Spanien wird der Dollar in 20 Reales vellon (rv.) getheilt. 1 -Real vellon = 8,5 Cuartos, = 34 Maravedis.) - -Die in Manila 1861 errichtete Münze prägt Gold: 4 $, - 2 $, - 1 -$-Stücke, Silber: 0,5 $ = 1 Escudo; seit 1866 auch 0,2 $ = 4 rv., -- -0,1 $ = 2 rv. - -Der Kurs des $ pflegt zwischen 42 und 44 Silbergroschen zu schwanken. - -In den spanischen Kolonien bestehn keine Wuchergesetze. Alljährlich -wird in Spanien der gesetzliche Zinsfuss für Fälle, wo kein besonderer -Zins verabredet worden, festgestellt. - - - - - - - - -ERSTES KAPITEL - -EINLEITENDE BEMERKUNGEN - - MERIDIANDIFFERENZ.--HANDELSGEBIET DER PHILIPPINEN.--THEILUNG DER - ERDE.--ERSTER ANBLICK MANILA'S.--ERDBEBEN. - - -Wenn es in Madrid Mittag schlägt, so ist es in Manila, der Hauptstadt -der Philippinen, mehr als 8 Uhr Abends, genau 8h 18m 41s; d. h. Manila -liegt 124° 40' 15'' östl. von Madrid (7h 54m 35s von Paris. Conn. des -temps). Wenn früher aber Madrid Neujahr feierte, so war in Manila -erst Sylvester. - -Da Magellan, der die Philippinen 1521, bei jener denkwürdigen ersten -Weltumsegelung entdeckte, sich in derselben Richtung um die Erde -bewegte, wie die Sonne in ihrem scheinbaren täglichen Lauf, so hatte er -für jeden Grad, den er weiter nach Westen vordrang, vier Minuten später -Mittag, und als er die Philippinen erreichte, betrug der Unterschied -fast 16 Stunden. Er scheint dies aber nicht bemerkt zu haben, denn -Elcano, der Führer des einzigen geretteten Schiffes, wusste nicht, -als er zum Meridian seiner Abfahrt zurückkehrte, dass er nach der -Schiffsrechnung einen Tag weniger zählen musste, als in dem Hafen, den -er durch fortgesetztes Westwärtsfahren wieder erreicht hatte. [1] [2] - -In den Philippinen blieb jener Umstand gleichfalls unberücksichtigt; -deshalb war dort Sylvester, wenn in der übrigen Welt Neujahr begonnen -hatte, und so ging es fort bis Ende 1844, wo man sich, nach eingeholter -Genehmigung des Erzbischofs, entschloss, den Sylvestertag einmal -gänzlich zu überspringen. [3] Seitdem liegen die Philippinen nicht -mehr im fernsten Westen, sondern im fernen Osten, und sind ihrem -Mutterlande um 8 Stunden voraus. Ihr eigentliches Handelsgebiet ist -aber unser ferner Westen; von dort her wurden sie kolonisirt, und -Jahrhunderte lang, bis 1811, hatten sie fast keinen andern Verkehr -mit Europa als mittelbar, durch die jährliche Reise der Nao zwischen -Manila und Acapulco. Nun aber, wo endlich die östlichen Gestade des -stillen Meeres sich bevölkern und mit beispielloser Schnelligkeit -ihrer grossen Zukunft entgegen gehen, werden die Philippinen nicht -länger in ihrer bisherigen Abgeschlossenheit verharren können; denn -für die Westküste Amerika's liegt wohl keine tropische Kolonie Asiens -so günstig; auch für Australien kann ihnen nur in einigen Beziehungen -Niederländisch-Indien den Rang streitig machen. Auf den Handel mit -China dagegen, dessen Stapelplatz anfänglich Manila war, so wie mit -den westlicher, den atlantischen Häfen näher gelegenen Ländern Asiens, -unserm fernen Osten, wird es wohl immer mehr verzichten müssen. [4] - -Wenn sich die hier angedeuteten Verhältnisse verwirklichen, so würden -die Philippinen oder wenigstens ihr Handelsgebiet schliesslich doch -in den Bereich der westlichen Erdhälfte fallen, in welche sie die -berühmten spanischen Geographen zu Badajóz verwiesen. - -Nach der Bulle Alexanders VI., vom 4. Mai 1493, [5] welche die Erde -durch einen Meridian in zwei Hälften theilte, sollten die auf seiner -östlichen Seite zu entdeckenden heidnischen Länder den Portugiesen, die -auf der westlichen den Spaniern gehören. Die Philippinen konnten daher -von Letzteren nur unter der Voraussetzung in Besitz genommen werden, -dass sie auf der westlichen Hälfte lägen. Die Demarkazionslinie sollte -vom Nord- zum Südpol, 100 Leguas gen Abend und Mittag aller sogenannten -Azoren und Capverdischen Inseln verlaufen. Durch einen am 7. Juni -1494 zwischen Spanien und Portugal zu Tordesillas geschlossenen, -1506 von Julius II. bestätigten Vertrag wurde sie 370 Leguas West -der Capverdischen Inseln gezogen. - -Von den damals in Spanien und Portugal gebräuchlichen Leguas wurden 17 -1/2 auf einen Grad des Aequators gerechnet, im Parallel der Capverden -betrugen 370 Leguas 21° 55'; nimmt man dazu die Längendifferenz -zwischen der Westspitze dieser Inselgruppe und Cadix = 18° 48', so -erhält man 40° 43' W. und 139° 17' O. von Cadix (rund 47° W. 133° -O. Gr.) als die Grenzen der spanischen Erdhälfte. Aber die zur -damaligen Zeit vorhandenen Mittel waren für solche Ortsbestimmungen -völlig unzureichend. - -Die Breite wurde mit unvollkommenen Astrolabien oder hölzernen -Quadranten gemessen und nach sehr mangelhaften Tafeln berechnet; -die Abweichung der Magnetnadel war so gut wie unbekannt, ebenso das -Log. [6] Für brauchbare Längenbestimmungen waren weder die Methoden -noch die Instrumente erfunden. Unter solchen Umständen bewiesen 1524 zu -Badajóz die Spanier den protestirenden Portugiesen, dass die östliche -Grenzlinie die Gangesmündung schnitte, und sprachen sich dadurch den -Besitz der Gewürzinseln zu. - -In Wirklichkeit müsste die östliche Grenzlinie 46 1/2° weiter östlich -fallen; d. h. so weit wie von Berlin bis an die Küste von Labrador -oder den kleinen Altai, da im Parallel von Calcutta 46 1/2° = 2575 -See-M. Albo's Tagebuch giebt die Längendifferenz der östlichsten -Inseln des Archipels von Cap Fermoso (Magellan's Strasse) auf 106° -30' an, während sie 159° 25' beträgt. - -Die durch die Unsicherheit der östlichen Grenzlinie veranlassten -Streitigkeiten zwischen den Spaniern und Portugiesen, welche letztere -früher nach den Gewürzinseln gekommen waren, wurden 1529 durch einen -Vergleich beigelegt, indem Carl V. alle seine angemaassten Anrechte auf -die Molukken für die Summe von 350,000 Dukaten an Portugal abtrat. Die -Philippinen hatten damals keinen Werth. - - - -Von Hongkong nach Manila sind 650 Seemeilen, fast genau S.O., die in -3 bis 4 Tagen von dem Dampfschiff zurückgelegt werden, welches alle -14 Tage die Post-Verbindung zwischen der Kolonie und der übrigen Welt -herstellt. [7] - -Ohne diesen kleinen Dampfer würde man in Hongkong, in dessen Hafen -sich die Schiffe aller Nationen drängen, kaum vermuthen können, dass in -so grosser Nähe ein Inselstaat liegt, der durch glückliche Gliederung -und Fruchtbarkeit mehr als irgend ein andrer begünstigt scheint. - -Obgleich die Philippinen Spanien gehören, so findet doch zwischen -beiden Ländern fast kein Handel statt. Die Verbindung mit dem -Mutterlande war früher der Art, dass die Ankunft eines Schiffes mit -der spanischen Post durch Tedeum und Glockenläuten für die Vollbringung -einer so gewaltigen Reise gefeiert wurde. Bis Portugal an Spanien fiel, -war den Philippinen der Weg um Afrika verschlossen. Wie es mit der -Ueberlandreise stand, zeigt der Umstand, dass zwei Augustiner, die -1603 dem Könige eine wichtige Botschaft bringen sollten, und daher -den kürzeren Weg über Goa, die Türkei und Italien gewählt hatten, -Madrid erst nach drei Jahren erreichten. [8] - -Die bisher den Kaufleuten durch hohe Differenzialzölle aufgezwungene -spanische Flagge beförderte, trotz des Schutzzolles für nationale -Produkte, fast nur ausländische Waaren nach der Kolonie und die -Erzeugnisse der letzteren nach fremden Häfen. Der Verkehr mit Spanien -beschränkte sich auf den Transport von Beamten und Geistlichen und -deren gewohnten Lebensbedürfnissen, namentlich Nahrungsmitteln, -Wein, andren Flüssigkeiten (Caldos) und, einige französische Romane -ausgenommen, entsetzlich geistlosen Büchern: Geschichten von Heiligen -und Aehnlichem. - -Die Bay von Manila ist gross genug um alle Flotten Europa's -aufzunehmen; sie gilt für eine der schönsten der Welt. Der Anblick -des Landes entspricht aber, wenn man, wie der Verfasser, gegen Ende -der trocknen Jahreszeit ankommt, durchaus nicht den begeisterten -Schilderungen mancher Reisenden. Das kreisrunde, fünf Provinzen -begrenzende Wasserbecken von fast 120 Seemeilen Umfang ist in der -Gegend Manila's von flachen Ufern umgeben, hinter welchen sich ein eben -so flaches Gestadeland ausbreitet. Die karge Vegetation war von der -Sonne verdorrt, nur einige Bambusbüsche und Arecapalmen, in der Ferne -die blauen Berge von San Mateo unterbrachen die Einförmigkeit. Zur -Regenzeit, wenn unzählige, die Ebene durchschneidende Kanäle aus -ihren Ufern treten, bilden sich grosse zusammenhängende Wasserbecken, -bald darauf verwandelt sich Alles in ein üppig grünendes Reisfeld. - -Manila liegt zu beiden Seiten des Pásig. Die eigentliche Stadt von -Mauern und Wällen umschlossen, mit niedrigen Ziegeldächern und einigen -Thürmen, sah 1859 vom Meere aus einer alterthümlichen europäischen -Festung ähnlich. Vier Jahre später wurde sie durch ein Erdbeben zum -grössten Theil zerstört. - -Am 3. Juni 1863, als ganz Manila mit den Vorbereitungen zum -Frohnleichnamsfeste beschäftigt war, bebte nach einem Tage drückender -Hitze um 7 Uhr und 31 Minuten Abends plötzlich die Erde, die festesten -Gebäude bewegten sich, die Mauern barsten, die Balken brachen; das -furchtbare Geräusch dauerte eine halbe Minute. Dieser Zeitraum war -hinreichend, um die ganze Stadt in ein Ruinenfeld zu verwandeln, -und hunderte von Einwohnern lebendig zu begraben. Nach einem mir -mitgetheilten Briefe des General-Guvernörs wurden der Palast, die -Kathedrale, die Kasernen und alle öffentlichen Gebäude Manila's völlig -zertrümmert; die wenigen stehen gebliebenen Privathäuser drohten -einzustürzen. Spätere Berichte geben 400 Todte, 2000 Verwundete an -und schätzen den Verlust auf 8 Millionen Doll. 46 öffentliche und -570 Privat-Gebäude waren eingestürzt, 28 öffentliche und 528 private -waren dem Umsturz nahe, alle stehen gebliebenen Häuser mehr oder -weniger beschädigt. - -Um dieselbe Zeit fand in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen, -ein 40 Sekunden anhaltendes Erdbeben statt, das viele Gebäude umwarf. - -Drei Jahre nach diesem Ereignisse findet der Herzog von Alençon -(Luçon et Mindanao, Paris 1870 S. 38) noch überall dessen Spuren. Drei -Seiten des Hauptplatzes der Stadt, auf denen sich früher der Palast, -die Kathedrale, das Stadthaus erhoben, lagen da als Schutthaufen -mit Gesträuch bewachsen. Alle grossen öffentlichen Gebäude waren -»vorläufig« durch Holzbauten ersetzt, man dachte aber nicht daran, -etwas Bleibendes zu schaffen. - -Manila ist sehr häufigen Erdbeben ausgesetzt; am verhängnissvollsten -die von 1601, 1610 (30. Nov.), 1645 (30. Nov.), 1658 (20. Aug.), 1675, -1699, 1796, 1824, 1852, 1863. -- 1645 kamen 600 Personen um [9], nach -Andern sogar 3000, [10] die unter den Trümmern ihrer Häuser begraben -wurden. Von allen öffentlichen Gebäuden blieben nur das Kloster, -die Kirche der Augustiner und die der Jesuiten stehen. - -Kleine Erdstösse, welche plötzlich alle Hängelampen in Schwingung -versetzen, finden sehr oft statt und bleiben gewöhnlich unbeachtet. Die -Häuser sind mit Rücksicht auf diesen Umstand nur einstöckig, und der -lockere, vulkanische Tuff, aus dem sie gebaut, mag zur Milderung der -Stösse beitragen. Höchst unzweckmässig aber erscheinen unter solchen -Verhältnissen die schweren Ziegeldächer. Auch in den Provinzen sind -Erdstösse sehr häufig, richten aber, weil die Häuser nur aus Brettern -oder Bambus und Palmenblättern bestehn, gewöhnlich so wenig Schaden -an, dass sie gar nicht erwähnt werden. - - - Herr Alexis Perrey giebt in den Mém. de l'Acad. de Dijon 1860 - ein mit grossem Fleiss aus der ihm zugänglichen Literatur - zusammengestelltes Verzeichniss von Erdbeben, welche die - Philippinen und besonders Manila heimgesucht haben. Selbst - über die bedeutenderen sind die Nachrichten sehr spärlich, die - Daten oft schwankend. Von unerheblicheren sind nur einige wenige - angeführt, die von zufällig anwesenden wissenschaftlichen Männern - verzeichnet wurden. - - Ein sehr heftiges fand nach Aduarte (I. 141) 1610 statt. Ich - lasse die Uebersetzung der betreffenden Stelle abgekürzt folgen, - da ich es sonst nirgends erwähnt finde: - - Ende November dieses Jahres (1610) am St. Andreas-Tage fand in - diesen Inseln, von Manila bis an das äusserste Ende der Provinz - Neu-Segóvia (das ganze nördliche Luzon), eine Entfernung von 200 - Leguas, ein so furchtbares Erdbeben statt, wie man es nie erlebt - hatte; es that grossen Schaden im ganzen Lande, in der Provinz - Ilocos begrub es Palmbäume und liess nur die Blattkronen über der - Erde, Berge wurden durch die Gewalt des Erdbebens gegen einander - geschoben, viele Gebäude zerstört und Menschen getödtet. Am - meisten aber wüthete es in Neu-Segóvia, wo es Berge öffnete, - und neue Wasserbecken aufthat; die Erde spie grosse Haufen - Sand aus und schwankte der Art, dass die Leute, da sie nicht - aufrecht stehen konnten, sich auf die Erde setzten und am Boden - festbanden als wären sie in einem Schiff auf stürmischer See. In - dem von den Mendayas bewohnten Höhenzuge stürzte ein Berg ein, - zertrümmerte dabei ein Dorf und erschlug die Bewohner. Ein grosses - Stück Land am Fluss versank, so dass jetzt da, wo früher Hügel - meist von ansehnlicher Höhe gestanden, die Oberfläche fast dem - Wasserspiegel gleich ist. Im Flussbett war die Bewegung so stark, - dass sich Wellen erhoben wie im Meer oder als ob das Wasser von - fürchterlichem Winde gepeitscht würde. Die steinernen Gebäude - litten den meisten Schaden, unsere Kirche und Convento stürzten - ein .... - - - - - - - - -ZWEITES KAPITEL - - RHEDE. -- ZOLLWESEN. -- GESCHICHTE DES HANDELS. -- SPANISCHE - KOLONIALPOLITIK. -- REISEN DER GALEONEN. - - -Die Zollvisitation und die vielen, von den einheimischen -Subalternbeamten ohne alle Rücksichten nach dem Buchstaben gehandhabten -Förmlichkeiten erschienen dem neu Angekommenen um so lästiger, da er -eben erst in den englischen Freihäfen Ostasiens verkehrt hatte. Auf -die Bürgschaft eines angesehenen Kaufmanns wurde ihm nach 16 Stunden -als eine besondere Gunst die Landung gestattet, jedoch ohne das -kleinste Gepäckstückchen. - -Die Rhede ist im S.W. Monsun und zur Zeit der von Stürmen begleiteten -Monsunwechsel unsicher; dann suchen grössere Schiffe in dem 7 -SM. entfernten Cavite Schutz; im N.O. Monsun können sie 1/2 L. vom -Lande ankern. Fahrzeuge von weniger als 300 Tonnen gelangen über die -Barre in den Fluss Pásig, wo sie bis zur Brücke, unmittelbar am Ufer, -und bis in die Mitte des Flusses hinein, in dicht gedrängten Reihen -liegen, und durch ihre Anzahl sowohl, wie durch das zwischen ihnen -herrschende rege Treiben von der Lebhaftigkeit des Binnenhandels -zeugen. - -In jedem Regenmonsun führt der Pásig der Barre so viel Schlamm zu, dass -dessen Fortschaffung die Thätigkeit der aufgestellten Baggermaschine -wie es scheint vollauf in Anspruch nimmt. - -Die geringe Zahl von Schiffen auf der Rhede, besonders fremder Flaggen, -war um so auffallender, als, ausser Manila, kein Hafen des Archipels -mit dem Auslande verkehrte. Allerdings hatten seit 1855 noch drei -andere Häfen diese Berechtigung erhalten (später kam noch ein vierter -dazu), zur Zeit meiner Ankunft, März 1859, war aber noch keiner von -einem fremden Schiffe besucht worden; erst einige Wochen später traf -das erste englische Fahrzeug in Iloílo ein, um Zucker für Australien -zu laden. [11] - -Der Grund jener Erscheinung lag zum Theil in der geringen Entwicklung -des Landbaues, trotz der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens, -zum grösseren Theil aber wohl in veralteten, den Verkehr künstlich -beschränkenden Verordnungen. Die Zölle waren an und für sich nicht -sehr hoch: im Allgemeinen 7 Procent vom Werth für Schiffe unter -spanischer Flagge; für fremde Flaggen aber das Doppelte, und wenn -die Waaren spanischen Ursprungs, 3 Proc. für nationale, 8 Proc. für -fremde Flaggen. Letztere konnten daher in der Regel nur mit Ballast -einlaufen. [12] Da aber die Hauptbedürfnisse der Kolonie aus England -und dem Auslande eingeführt wurden, so mussten sie entweder für -spanische Fahrzeuge, welche fast dreifache Fracht berechnen (4-5 statt -1 1/2-2 Pf. Sterl. per Tonne), und nur in grossen Zwischenräumen in -englischen Häfen erscheinen, aufbewahrt, oder in fremden Schiffen -nach Singapore oder Hongkong geschickt werden, wo sie auf spanische -Schiffe umgeladen wurden. Ausserdem wurden selbst von Schiffen in -Ballast, und solchen, die ohne zu löschen oder Fracht einzunehmen, -wieder ausliefen, Tonnengelder erhoben, und wenn ein solches Fahrzeug -auch nur ein Päckchen landete, so wurde es nicht mehr als in Ballast -betrachtet, sondern nach einer viel höheren Taxe besteuert. Ein Schiff -musste also durchaus keine, oder so viel Ladung haben, dass es die -erhöhten Hafengelder decken konnte, was für ausländische wegen der -Differenzialzölle, die einem Verbote gleich wirkten, beinahe unmöglich -war. Fremde Fahrzeuge kamen daher fast immer nur in Ballast, und wenn -sie für einen bestimmten Zweck besonders herbeigerufen wurden. - -Die Kolonie exportirt fast nur Rohprodukte, die mit einem Ausfuhrzoll -von 3 Procent belastet waren; für die spanische Flagge betrug er -nur 1 Procent; da aber fast keine Ausfuhr nach Spanien stattfindet, -und spanische Schiffe, wegen ihrer theuren Frachten, vom Weltverkehr -ausgeschlossen sind, so war die Begünstigung für den Handel nur eine -scheinbare. [13] Diese ungeschickten, mit endlosen misstrauischen -Formen gehandhabten Zollgesetze verscheuchten alle frachtsuchenden -Schiffe vom Hafen, so dass Aufträge auf Landeserzeugnisse zuweilen -nicht ausgeführt erden konnten. So gering war der Schiffsverkehr, -dass der Gesammtertrag der hohen Hafengelder nach einem zehnjährigen -Durchschnitt kaum 10,000 Doll. erreichte. - -An und für sich ist die Lage Manila's für den Welthandel sehr günstig, -als Zentralpunkt zwischen Japan, China, Anam, den englischen und -holländischen Häfen des Archipels und Australien. [14] - -Während des N.O. Monsun, in unseren Wintermonaten, wo die Schiffe -vom indischen Archipel nach China, um einige Deckung zu haben, durch -die Gilolostrasse gehn, müssen sie überdies dicht an Manila vorbei, -und würden dort eine bequeme Station finden; namentlich aber liegen -die Philippinen wie bereits erwähnt, für die Westküste Amerikas -sehr günstig. - -Dass das spanische Ultramar-Ministerium diese Verhältnisse richtig -erkennt und ihnen Rechnung trägt, geht aus dem für die Zukunft der -Kolonie so wichtigen Dekret vom 5. April 1869 hervor, das wohl schon -früher erschienen wäre, wenn nicht die durch Schutzzölle verwöhnten -spanischen und kolonialen Schiffsrheder sich hartnäckig gegen eine -Neuerung gesträubt hätten, die ihre bisherigen Privilegien antastet -und sie zu grösserer Rührigkeit zwingt. - -Die bemerkenswerthesten Punkte dieser neuen Verordnung sind: -Ermässigung der Differenzialzölle und ihr gänzliches Erlöschen nach -zwei Jahren, Abschaffung aller Ausfuhrzölle und das Verschmelzen -mehrerer lästiger Hafengebühren in einen einzigen Hafenzoll. [15] - -Als die Spanier nach den Philippinen kamen, fanden sie die Eingeborenen -mit Seiden- und Baumwollenstoffen bekleidet, die von chinesischen -Schiffen im Austausch gegen Goldstaub, Sapanholz, [16] Holothurien, -essbare Vogelnester und Häute eingeführt wurden. [17] Auch mit Japan, -Cambodia, Siam, [18] den Molukken und dem malayischen Archipel standen -die Inseln in Verkehr; de Barros erwähnt Schiffe von Luzon, die 1511 -Malacca besuchten. [19] - -Durch die grössere Sicherheit, die mit den Spaniern in's Land kam, -mehr noch durch den von ihnen eröffneten Verkehr mit Amerika und -mittelbar mit Europa, nahm der Handel schnell zu und erstreckte sich -über Vorder-Indien bis an den persischen Meerbusen. Manila wurde zum -Stapelplatz für die Erzeugnisse Ostasiens und befrachtete damit die -Galeonen, die von 1565 an nach Neu-Spanien (zuerst nach Navidad, von -1602 ab nach Acapulco) fuhren und als Rückfracht vorzüglich Silber -brachten. [20] Die Kaufleute in Neu-Spanien und Peru fanden diesen -Handel gleichfalls so vortheilhaft, dass dadurch der Einfuhr aus dem -Mutterlande, dessen Fabrikate gegen die indischen Baumwollen und die -chinesischen Seidenstoffe nicht konkurriren konnten, grosser Abbruch -geschah. Die verwöhnten Monopolisten von Sevilla verlangten daher das -Aufgeben der Kolonie [21], die jährlich beträchtlicher Zuschüsse -bedurfte, das Mutterland in der Ausbeutung der amerikanischen -Besitzungen hinderte, und das Silber aus den Reichen Sr. Majestät -in die Hände der Heiden gelangen liess. Schon der Gründung der -Kolonie hatten sie grosse Hindernisse in den Weg gelegt. [22] Jenes -Verlangen scheiterte aber an dem Ehrgeiz der Krone und am Einfluss -der Geistlichkeit; doch wurde, den damals allgemein gültigen Ansichten -durchaus entsprechend [23], zu Gunsten des Mutterlandes den Kaufleuten -von Peru und Neu-Spanien verboten, Waaren aus China unmittelbar oder -über Manila zu beziehen. Den Bewohnern der Philippinen allein blieb -gestattet, chinesische Waaren in Amerika einzuführen, aber nur bis -zum Werthe von 250,000 Doll. jährlich, die Rückfracht ward auf 500,000 -Doll. beschränkt. [24] - -Später wurde erstere Summe auf 300,000 Doll. mit entsprechender -Rückfracht erhöht, den Spaniern aber untersagt, China zu besuchen, -so dass sie die Ankunft der Junken abwarten mussten. 1720 endlich -wurden chinesische Stoffe in allen spanischen Besitzungen beider -Welttheile gänzlich verboten. Eine Verordnung von 1734 (mit Zusätzen -von 1769) gestattete den Handel mit China auf's Neue und erhöhte -das Werthmaximum der Fracht nach Acapulco auf 500,000 Doll., die -Rückfracht auf 1,000,000 Doll. Silber. - -Nachdem endlich die auf Kosten der Staatskasse erhaltene Nao von -Acapulco ihre Reisen eingestellt (die letzte Galeon verliess Manila -1811 kehrte 1815 von Acapulco zurück), wurde der Handel mit Amerika -durch Kauffahrer betrieben, denen 1820 erlaubt ward, bis zu 750,000 -Doll. jährlich aus den Philippinen auszuführen und ausser Acapulco -auch San Blás, Guayaquíl und Calláo anzulaufen. Dieses Zugeständniss -war aber nicht ausreichend, um den Philippinischen Handel für -seine durch den Abfall Mexico's von Spanien erlittenen Verluste zu -entschädigen. Die Besitznahme Manila's durch die Engländer (1762) -hatte die Bewohner mit Gewerbserzeugnissen bekannt gemacht, welche -ihnen die Einfuhren von China und Indien nicht bieten konnten. Um -der Nachfrage zu genügen, wurden Ende 1764 spanische Kriegsschiffe -mit Produkten der spanischen Industrie (Wein, Esswaaren, Hüte, Tuche, -Kurzwaaren und Luxusgegenstände) nach der Kolonie gesandt. - -Die an den bequemen Acapulco-Handel gewöhnten Manila-Kaufleute -sträubten sich aber gewaltig gegen diese Neuerung, obgleich sie gute -Geschäfte dabei machten; denn die Krone kaufte die indischen und -chinesischen Waaren für die Rückfracht in Manila doppelt so theuer -als an den Ursprungsorten. 1784 traf das letzte jener Schiffe ein. [25] - -Europäischen Fahrzeugen war nach der englischen Invasion streng -verboten, Manila zu besuchen; da dieses aber die indischen Waaren nicht -entbehren mochte und sie nicht durch eigne Schiffe holen konnte, so -wurden sie in englischen und französischen Böden eingeführt, die einen -türkischen Namen und einen indischen Schein-Kapitän erhielten. [26] - -1785 erlangte die Compañia de Filipinas das Handelsmonopol zwischen -Spanien und der Kolonie, durfte sich aber nicht in den direkten Verkehr -zwischen Acapulco und Manila mischen. Sie wollte grosse Massen von -Kolonialprodukten, Seide, Indigo, Zimmet, Baumwolle, Pfeffer etc. für -die Ausfuhr erzielen (ähnlich wie es später durch das Kultursystem -in Java geschah); da sie aber nicht über Zwangsarbeit verfügte, so -misslang die plötzliche künstliche Steigerung des Landbaues vollkommen. - -Durch ihr falsches System und die Unfähigkeit ihrer Beamten erlitt -sie grosse Verluste (sie zahlte z. B. 13,5 Doll. für den Pico Pfeffer, -der 3-4 Doll. in Sumatra galt). - -1789 wurde fremden Schiffen gestattet, Waaren aus China und Indien -einzuführen, aber keine europäischen. 1809 erhielt ein englisches -Handelshaus Erlaubniss, sich in Manila niederzulassen. [27] 1814, -nach dem Friedensschluss mit Frankreich, ward es, unter mehr oder -weniger Beschränkungen, allen Fremden gestattet. [28] - -1820 wurde auf 10 Jahre der direkte Handel zwischen den Philippinen und -Spanien freigegeben, ohne Beschränkung für die Produkte der Kolonie, -vorausgesetzt, dass die Erzeugnisse Indiens und China's 50,000 -Doll. bei jeder Expedition nicht überstiegen. Von 1834 an, wo das -Privilegium der Philippinischen Kompanie erlosch, ist in Manila der -freie Verkehr mit dem Auslande gestattet, doch zahlten fremde Schiffe -doppelte Zölle. Seit 1855 sind noch vier neue Häfen dem Weltverkehr -geöffnet; 1869 ist der oben erwähnte freisinnige Tarif erlassen worden. - -Heute nach drei Jahrhunderten ungestörten Besitzes hat Manila in -jenen Meeren durchaus nicht mehr dieselbe Bedeutung, die es bald -nach Ankunft der Spanier errang. Die Verschliessung Japans und der -indo-chinesischen Reiche, besonders in Folge der Zudringlichkeit und -Anmaassung katholischer Missionäre, [29] der Abfall der Kolonien -an der Westküste Amerika's, vorzüglich aber das lange Festhalten -einer misstrauischen Handels- und Kolonial-Politik bis in die -Gegenwart, während bedeutende Emporien in günstigerer Lage mit -grossartigen Mitteln und nach freisinnigen Grundsätzen in Britisch- -und Niederländisch-Indien entstanden, -- alle diese Umstände haben -dies Ergebniss herbeigeführt und den China-Handel in andere Bahnen -geleitet. Die Ursachen liegen eben so klar zu Tage wie ihre Wirkung, -doch würde man irren, wenn man die befolgte Politik der Kurzsichtigkeit -zuschreiben wollte. Die Spanier hatten bei ihrer Kolonisation zum -Theil religiöse Zwecke im Auge, abgesehen davon fand aber die Krone -in der Verfügung über die äusserst einträglichen Kolonialämter einen -grossen Machtzuwachs. Sie selbst sowohl als ihre Begünstigten hatten -nur die unmittelbare Ausnutzung der Kolonien im Sinne, und weder -die Absicht noch die Kraft, den natürlichen Reichthum der Länder -durch Ackerbau und Handel zu erschliessen. Unzertrennlich von diesem -System war die strenge Ausschliessung der Fremden. [30] Mehr noch -als in Amerika schien es in den abgelegenen Philippinen nöthig, die -Eingeborenen gegen alle Berührung mit dem Auslande abzuschliessen, wenn -die Spanier im ungestörten Besitz der Kolonie bleiben wollten. Bei dem -erleichterten Verkehr der Gegenwart und den Ansprüchen des Welthandels -an die Produktionskraft eines so ausserordentlich fruchtbaren Gebietes -sind aber die früheren Schranken nicht mehr aufrecht zu halten, es -muss daher der kürzlich eingeführte freisinnige Zolltarif als eine -durchaus zeitgemässe Massregel begrüsst werden. - - - -Die mehrfach erwähnten Reisen der Galeonen zwischen Manila und -Acapulco nehmen eine so hervorragende Stelle in der Geschichte der -Philippinen ein und gewähren einen so interessanten Einblick in das -alte Kolonialsystem, dass sie wenigstens in ihren Hauptzügen kurz -geschildert zu werden verdienen. - -Zu Morga's Zeit, Ende des 16ten Jahrhunderts, kamen jährlich 30-40 -chinesische Junken nach Manila (gewöhnlich im März); Ende Juni ging die -Nao (oder Galeon) nach Acapulco ab. Der Acapulcohandel, dessen Geschäft -sich auf die dazwischen liegenden drei Monate im Jahr beschränkte, -war so gewinnbringend, bequem und sicher, dass die Spanier sich in -keine andere Unternehmungen einlassen mochten. - -Da der Raum des einzigen jährlichen Schiffes dem Zudrang durchaus nicht -entsprach, so vertheilte ihn der Guvernör nach seinem Dafürhalten, -und die Begünstigten trieben gewöhnlich nicht selbst Handel, sondern -übertrugen ihre Konzessionen an Kaufleute. - -Nach de Guignes [31] wurde der Frachtraum der Nao in 1500 Theile -getheilt, von denen eine grosse Anzahl den Klöstern, der Rest -bevorzugten Personen zufiel. In Wirklichkeit war der amtlich auf -600,000 Doll. beschränkte Werth der Ladung beträchtlich höher, und -diese bestand vorzugsweise in indischen und chinesischen Baumwollen- -und Seidenstoffen (unter andern 50,000 Paar seidene Strümpfe aus -China) und Goldschmuck. Die Rückfracht belief sich auf 2 bis 3 -Millionen Dollars. - -Alles war bei diesem Handel im Voraus bestimmt: Zahl, Form, -Grösse und Werth der Waarenballen, ja sogar ihr Verkaufspreis. Da -dieser dem doppelten Kostenpreis gleichkam, so entsprach die -Erlaubniss, Waaren für einen gewissen Betrag zu verschiffen, unter -gewöhnlichen Verhältnissen dem Geschenk eines solchen Betrages. Solche -Erlaubnissscheine (Boletas) wurden daher später zum grossen Theil an -Pensionäre, Offizierswittwen und als Gehaltszulagen an Beamte gegeben, -doch durften die also Begünstigten unmittelbar keinen Gebrauch -davon machen, denn zum Acapulcohandel waren nur die Mitglieder des -Consulado (einer Art Handelsgericht) berechtigt, die einen mehrjährigen -Aufenthalt im Lande und 8000 Doll. Kapital nachweisen mussten. - -Der Astronom Legentil [32] beschreibt ausführlich die zu seiner Zeit -geltenden Verordnungen und deren Umgehung: die Ladung war auf 1000 -Ballen, jeder zu 4 Pack [33] zum Werth von 250 Doll. festgesetzt. Die -Zahl der Ballen durfte nicht überschritten werden, sie enthielten -aber in der Regel mehr als 4 Pack, und ihr Werth überstieg den -vorgeschriebenen so sehr, dass eine Boleta 200-225 Doll. galt. Die -Beamten gaben wohl Acht, dass keine Güter ohne Boleta an Bord -geschmuggelt wurden; die Jagd auf letztere war daher zuweilen so -eifrig, dass Comyn später [34] für das Frachtrecht von Gütern, die -kaum 1000 Doll. werth waren, 500 Doll. bezahlen sah. Die Kaufleute -borgten das Geld für ihre Unternehmungen gewöhnlich von den obras pias, -frommen Stiftungen, welche bis auf die Gegenwart die Stelle von Banken -vertraten. [35] In der frühesten Zeit verliess die Nao Cavite im Juli, -ging mit S.W. Winden nordwärts über den Kalmengürtel hinaus, bis sie -in 38 oder 40° westliche Winde traf. [36] Später war den Schiffen -vorgeschrieben, mit den ersten S.W. Winden Cavite zu verlassen, -längs der Südküste von Luzon durch die San Bernardino-Strasse und -in 13° N.Breite [37] so weit östlich als möglich zu fahren, bis der -N.O. Passat sie zwang, in höheren Breiten N.W. Winde aufzusuchen. Dann -sollten sie, so lange als möglich, die Breite von 30°, [38] statt -wie früher 37° und mehr innehalten. Dem Kapitän war nicht erlaubt, -sogleich weiter nördlich zu gehn, obgleich er dann eine viel -schnellere und sichere Fahrt gehabt und das Gebiet des Regens früher -erreicht hätte. Und doch war namentlich letzteres für ihn von höchster -Wichtigkeit, denn die mit Gütern überfüllten Schiffe hatten nur wenig -Raum für Wasser übrig und waren, obgleich sie 4-600 Mann an Bord zu -haben pflegten, ausdrücklich auf den unterwegs aufzufangenden Regen -angewiesen und zu dem Ende mit besonderen Vorrichtungen von Matten -und Bambusrinnen versehen. [39] - -Wegen der Unbeständigkeit der Winde waren die Reisen in so niedrigen -Breiten äusserst beschwerlich und dauerten fünf Monate und darüber. Die -Furcht, das reiche, unbeholfene Schiff den kräftigen, zuweilen -stürmischen Winden höherer Breiten auszusetzen, scheint dieser -Vorschrift zu Grunde gelegen zu haben. - -Sobald die Schiffe an die grosse Sargassobank gelangten, schlugen -sie einen südlichen Kurs ein und liefen dann die Südspitze der -Californischen Halbinsel (San Lucas) an, wo Nachrichten und -Erfrischungen für sie bereit gehalten wurden. [40] In der ersten -Zeit aber müssen sie Amerika viel nördlicher, etwa bei Cap Mendocino -erreicht haben und in Sicht der Küste südlich gefahren sein, denn -als Vizcaino 1603 seine Entdeckungsreise von Mexico nach Californien -unternahm, fand er die bedeutenderen Berge und Caps, obgleich sie nie -von Europäern betreten waren, schon benannt, weil sie den Galeonen -als Landmarken gedient hatten. [41] - -Die Rückkehr nach den Philippinen war bequem und dauerte nur 40-60 -Tage. [42] Das Schiff verliess Acapulco im Februar oder März, lief -südwärts, bis es, gewöhnlich in 10 oder 11° N., den Passat traf, -mit dem es ohne Mühe nach den Ladronen, von da über Samar nach Manila -ging. [43] - -Eine Galeon oder Nao maass 1200-1500 Tonnen und führte 50-60 Kanonen, -letztere aber gewöhnlich im Schiffsraum, wenigstens bei der Reise -ostwärts. Auf der Heimkehr, wo es nicht an Platz mangelte, wurden -die Kanonen aufgestellt. - -Fray Gaspar (S. 436) erzählt von der Nao Sa. Ana, die Thomas Candish -1586 an der Küste von Californien kaperte und verbrannte: »Die -Unsrigen fuhren so sorglos, dass sie ihre Artillerie als Ballast -mit sich führten ... der Korsar machte eine so glückliche Reise, -dass er in London einlief mit Segeln von chinesischem Damast und -seidenem Tauwerk.« - -In Acapulco wurde die Ladung mit 100 Prozent Nutzen verkauft und in -Silber, Cochenille, Quecksilber etc. bezahlt. Der Gesammtwerth der -Rückfracht mochte 2-3 Millionen Doll. betragen [44], wovon 250,000 -bis 300,000 Doll. für Rechnung des Königs. - -Die Rückkehr des Schiffs in Manila, mit Silberdollars und neuen -Ankömmlingen beladen, war ein grosses Fest für die Kolonie. Ein -beträchtlicher Theil des ohne Anstrengung wie im Spiel gewonnenen -Geldes wurde gewöhnlich schnell verprasst; dann sank Alles wieder in -die gewohnte Leblosigkeit zurück. - -Oft aber gingen auch Schiffe verloren, da sie über die Grenzen -der Verordnungen und der Vorsicht, mit grosser Beeinträchtigung -ihrer Seetüchtigkeit beladen und schlecht geführt waren; denn -nicht Fähigkeit, sondern Gunst entschied bei dem Vergeben der sehr -einträglichen Stellen. [45] Mehrere Galeonen fielen englischen und -holländischen Kapern in die Hände. [46] Auch der Gewinn nahm immer mehr -ab, da die Compañia de Filipinas später das Recht erhielt, indische -Baumwollenstoffe, die einen Hauptbestandtheil der Ladung bildeten, -mit 6 Prozent Zoll über Veracruz in Neu-Spanien einzuführen, und -Engländer und Amerikaner diese und andre Waaren einschmuggelten. [47] -Schliesslich sei hier noch erwähnt, dass die spanischen Dollars -durch die Nao über Manila nach China und Hinterindien gelangten, -wo sie noch gegenwärtig Handelsmünze sind. - - - - - - - - -DRITTES KAPITEL - - MANILA. -- LEBEN IN DER STADT UND IN DEN VORSTÄDTEN. -- - HAHNENKÄMPFE. -- TRACHTEN DER VERSCHIEDENEN KLASSEN. - - -Die eigentliche Stadt Manila, hauptsächlich von Spaniern, Kreolen -und zu ihnen in unmittelbarer Beziehung stehenden Einheimischen -und Chinesen bewohnt, [48] liegt, von Mauern und breiten Gräben -umschlossen, am linken, südlichen Ufer des Pásig, eine Seite dem Meere -zukehrend; ein heisser, öder Ort, voll Klöster, Stifter, Kasernen, -Regierungsgebäude. Rücksicht auf Sicherheit, nicht auf Annehmlichkeit, -war bei der Gründung maassgebend. Manila erinnert an spanische -Provinzialstädte und ist nach Goa die älteste Stadt in Indien. Die -Fremden wohnen auf der Nordseite des Flusses, in Binóndo, dem Sitz des -Gross- und Kleinhandels, oder in den freundlichen angrenzenden Dörfern, -die ein zusammenhängendes Ganze bilden. Die Gesammtbevölkerung wird, -wohl mit Uebertreibung, auf 200,000 geschätzt. Eine hübsche, alte, -steinerne Brücke von zehn Bogen, in neuer Zeit auch eine eiserne -Hängebrücke, verbinden die beiden Ufer des Flusses. [49] - -Zwischen den Bewohnern von Manila und Binóndo findet sehr wenig Verkehr -statt. Das Leben in der eigentlichen Stadt soll nicht angenehm sein: -Stolz, Neid, Stellenjägerei, Kastenhass sind an der Tagesordnung; die -Spanier halten sich für besser als ihre Kreolen, welche wiederum jenen -vorwerfen, dass sie nur in die Kolonie kommen, um sich satt zu essen, -ebenso herrscht Hass und Neid zwischen Weissen und Mestizen. Aehnliche -Verhältnisse bestehn zwar in allen spanischen Kolonien und liegen im -Wesen der spanischen Kolonialpolitik, die immer bestrebt war, die -verschiedenen Rassen und Stände feindlich zu trennen, aus Furcht, -dass ihr Bündniss die Herrschaft des fernen Mutterlandes gefährde. [50] - -In Manila aber werden diese Zustände durch den Umstand gesteigert, -dass die Klasse der durch grossen Grundbesitz an das Land gefesselten -Pflanzer bisher fast gänzlich fehlte. Erst jetzt scheint die -steigende Nachfrage nach den Landesprodukten allmälig einen -erfreulichen Umschwung in dieser Beziehung herbeizuführen. Wie -aber der einem Glücksspiel vergleichbare Naohandel, früher die -einzige Quelle des Reichthums, auf die spanische Bevölkerung -wirkte, schildert treffend Murillo Velarde (p. 272): »Die Spanier, -die hierher kommen, betrachten diese Inseln nicht wie eine Heimath, -sondern wie ein Wirthshaus. Heirathen sie, so geschieht es zufällig; -wo giebt es eine Familie, die Generationen überdauerte? .. Der Vater -sammelt Schätze, der Sohn vergeudet, der Enkel bettelt. Die grössten -Kapitalien sind nicht beständiger als die Wogen des Meeres, auf denen -sie sich gründen.« - -Auch unter den Ausländern in Binóndo herrscht durchaus nicht so viel -Geselligkeit als in englischen oder holländischen Kolonien, und fast -kein Umgang mit den Spaniern, welche die Fremden beneiden und deren -im Lande gemachten Erwerb fast wie einen an ihnen, den Eigenthümern, -begangenen Raub betrachten. Dabei ist das Leben sehr theuer, theurer -als in Singapore und Batavia. Bei Vielen scheinen die Ausgaben in -grossem Missverhältniss zu ihrem amtlichen Gehalt zu stehn. - -Die zum Theil sehr geräumigen Häuser sind düster und hässlich, -mit Rücksicht auf das Klima schlecht ventilirt; statt luftiger -Jalousien schwere Schiebefenster, welche das Licht nicht durch Glas, -sondern durch dünne Austerschalen (Placuna placenta L.) einlassen, -die kaum zwei Zoll im Geviert haben und in Gitterrahmen von zolldicken -Latten sitzen. Das Erdgeschoss ist verständiger Weise, der grossen -Feuchtigkeit wegen, meist unbewohnt, zu Magazinen, Stallungen, -Diensträumen benutzt. - -Die anspruchslosen, in ihrer Art zweckmässigen Häuser von Brettern -oder Bambus und Palmenblättern stehn der Feuchtigkeit wegen auf -Pfählen, jedes für sich, der untere Raum gewöhnlich durch ein Gitter -eingefasst, dient als Stall oder Magazin; so war es schon zu Magellan's -Zeiten. Solche Häuser sind ausserordentlich leicht gebaut. Lapérouse -schätzt das Gesammtgewicht mancher mit vollständigem Mobiliar auf -weniger als 200 Pfund. - -Fast sämmtliche Häuser, sogar die Hütten der Eingeborenen, haben eine -Azotea, d. h. einen nicht überdachten Raum in gleicher Flucht mit -der Wohnung, der die Stelle von Hof und Balkon vertritt. Die Spanier -scheinen diese hübsche Einrichtung den Mauren entlehnt zu haben; die -Eingeborenen kannten sie aber wohl schon vor Ankunft der Europäer, -denn Morga (Bl. 140) erwähnt bereits dergl. »Batalanes«. In den -Vorstädten ist fast jede Hütte von einem Gärtchen umgeben. - -Das Trinkwasser ist mit Ausnahme des in Zisternen gesammelten, sehr -schlecht. Es wird etwas oberhalb der Stadt in flache Kähne geschöpft -und so den Haushaltungen zugeführt. Das Flusswasser ist oft ganz -grün von Conferven, häufig sieht man auch todte Hunde und Katzen -darin treiben, von grossen Pistien wie von Kopfsalat umgeben. In -der trocknen Jahreszeit werden die zahlreichen Kanäle der Vorstädte -stellenweis zu stagnirenden Kloaken, der Stadtgraben bietet bei jeder -Ebbe einen solchen Anblick. - -An Gelegenheit zu Vergnügungen ist Manila sehr arm. Während meines -Aufenthalts bestand kein spanisches Theater; tagalische Schauspiele -(Uebersetzungen) wurden zuweilen aufgeführt. Es gab keinen Klub, -keine lesbaren Bücher. Nicht einmal Zeitungsnachrichten belebten die -matte Unterhaltung; denn nachdem die alle vierzehn Tage aus Hongkong -eintreffenden Nachrichten durch die Priesterzensur gesichtet, blieb -zur Speisung der Lokalblätter wenig übrig als Madrider und Pariser -Hofnachrichten. [51] Nur die mit bunter Pracht gefeierten Kirchenfeste -unterbrachen zuweilen die Einförmigkeit. - -Das grösste Vergnügen der Eingebornen sind die Hahnenkämpfe, die -mit einer Leidenschaftlichkeit betrieben werden, welche jedem -Fremden sogleich auffallen muss. Fast alle Indier halten sich -Kampfhähne. Viele gehn nie aus, ohne ihren Liebling im Arm zu tragen; -sie zahlen zuweilen 50 Doll. und mehr dafür und überhäufen ihn mit -den zärtlichsten Liebkosungen. Man kann die Sucht für Hahnenkämpfe -wohl ein Nationallaster nennen, doch sollen sie erst durch die -Spanier oder die sie begleitenden Mexicaner eingeführt worden sein; -ebenso das in China zum Nationallaster gewordene Opiumrauchen durch -die Engländer. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass die Malayen die -Sitte in's Land brachten. Im östlichen Theil der Philippinen müssen -zu Pigafetta's Zeiten Hahnenkämpfe unbekannt gewesen sein. Er sah -die ersten Kampfhähne in Paláuan: »Sie haben grosse Hähne, die sie -aus einer Art von Aberglauben nicht essen, sie halten sie aber, um -sie kämpfen zu lassen; es werden dabei Wetten gemacht, deren Ertrag -der Eigenthümer des Siegers erhält.« [52] [53] - -Für Europäer ist das Schauspiel in hohem Grade widerwärtig: Der einen -Ring um den Kampfplatz bildende Zuschauerraum ist mit Eingeborenen -überfüllt, die aus allen Poren schwitzen, während ihre Gesichter von -hässlichen Leidenschaften auf's Höchste erregt sind. Die Hähne sind -je mit einem sehr scharfen, sichelförmigen, 3 Zoll langen Messer -bewaffnet, das tiefe Wunden reisst und immer den Tod des einen oder -beider Hähne durch grausame Verletzungen herbeiführt. Ein Hahn, -der aus Feigheit davonläuft, wird lebendig gerupft. Im Verhältniss -zu den Mitteln der Spieler werden unglaublich hohe Summen verwettet. - -Dass diese Hahnenkämpfe für ein so sehr zu Müssiggang und -Liederlichkeit geneigtes, nur den Regungen des Augenblicks folgendes -Volk im höchsten Grade entsittlichend wirken, liegt auf der Hand. Der -Lockung, ohne Arbeit Geld zu gewinnen, vermögen sie schwer zu -widerstehn; Viele werden durch die Leidenschaft des Spieles zu -Wucherschulden, Unterschlagungen und Diebstahl verleitet, auch zu -Strassenraub: die Land- und Seeräuberbanden, von denen weiter unten, -sollen zum grossen Theil aus ruinirten Spielern bestehn. [54] - -Alle Städte Hinterindiens übertrifft Manila durch angenehme -Frauengestalten, die seine Strassen beleben. Herr Mallat schildert -sie in glühenden Worten. Ein hübsches, phantasiereiches, in der -Lokalfarbe gehaltenes Bild des Strassenlebens findet man auch in den -sehr unterhaltenden Aventures d'un gentil'homme Breton. [55] - -Wie viele der hübschesten »India's« von ganz reinem Blute sind, ist -freilich nicht zu ermitteln. Manche sind sehr weiss, nähern sich dem -europäischen Typus und unterscheiden sich dadurch merklich von ihren -Stammesgenossen in den abgelegeneren Provinzen. - -Der unmittelbaren Umgebung Manila's fehlt es nicht an schönen Punkten, -ihr Besuch gehört aber nicht zum Ton, da Toilettenschau, nicht -Naturgenuss, Zweck des Spazierengehns ist. In der trockenen Jahreszeit -fahren Abends Alle, die es bezahlen können, auf staubigen Strassen nach -einem kürzlich angelegten Platz am Meer, von 1000 Fuss Breite, 200 Fuss -Länge, wo mehrere Mal in der Woche die recht gute Musik inländischer -Regimenter spielt, und gehen steif auf und ab. Die Spanier stecken alle -in Uniformen oder schwarzen Fracks. Wenn die Glocken zum Abendgebet -(Angelus) läuten, stehn Wagen, Reiter und Fussgänger plötzlich still, -Jedermann entblösst sein Haupt und scheint zu beten. - -Derselbe Guvernör, der die Promenade angelegt, hatte auch einen -botanischen Garten geschaffen. Zwar waren die wenigen von ihm dahin -versetzten Pflanzen, auf dem morastigen Boden der vollen Sonnengluth -preisgegeben, schnell wieder zu Grunde gegangen, aber der Platz -war eingezäunt, in Felder getheilt, mit Unkraut bewachsen und hatte -wenigstens einen Namen erhalten, gegenwärtig soll er besser im Stande -sein. [56] - -In der Umgegend von Manila sind die Kirchenfeste wohl des Besuchs der -Fremden werth, schon wegen der zahlreichen hübschen Indierinnen und -Mestizinnen, die sich Abends dort einfinden und in ihrem besten Putz -auf den festlich beleuchteten, mit Fahnen und Blumen geschmückten -Strassen spazieren gehn. Sie sind namentlich für den aus den -Malayenländern kommenden eine anmuthige Erscheinung. Die Indierin -ist sehr schön gewachsen, hat üppiges schwarzes Haar, grosse dunkle -Augen; der obere Theil des Körpers ist in inländische, oft kostbare -Stoffe von durchsichtiger Feinheit und tadelloser Weisse gehüllt, -und von der Hüfte abwärts in ein buntstreifiges, weitfaltiges Kleid -(Saya), dessen oberer Theil bis zum Knie durch ein dunkles Tuch, -Tapis, so fest zusammengehalten wird, dass die reichen, bunten Falten -der Saya daraus wie die Blumenblätter einer Granate hervorbrechen, -und die Mädchen nur ganz kurze Schritte machen können, was in -Verbindung mit den niedergeschlagenen Augen ihnen einen sehr sittsamen -Anstrich giebt. An den nackten Füssen tragen sie gestickte Pantoffeln -(Chinelas), so schmal, dass die kleine Zehe, die nicht Platz darin hat, -den Pantoffel von aussen festhalten muss. [57] - -Aermere Indierinnen kleiden sich nur in eine Saya und ein sogenanntes -Hemd, so kurz, dass es oft nicht bis zu dieser hinabreicht; in den -östlichen Inseln tragen selbst erwachsene Mädchen und Frauen ausser -einem katholischen Amulet gewöhnlich nur diese zwei Kleidungsstücke, -die namentlich nach dem Bade, bis sie die Sonne wieder getrocknet hat, -fast durchsichtig sind. - -Hut, Hose und darüber ein Hemd, beide aus grober Guinára, bilden die -Tracht der ärmeren Männer. Die Hemden der Reicheren sind mitunter -aus sehr theuren inländischen Geweben, von Ananas oder Bananenfasern -mit oder ohne seidene Streifen, auch ganz aus Jusi (chinesische -Floretseide), in welchem Falle sie nicht gewaschen und also nur -einmal getragen werden können. Der Hut, Salacót (ein Kugelsegment -aus inländischem Flechtwerk), dient als Regen- und Sonnenschirm, und -ist zuweilen bis zu beträchtlichem Werthe mit Silber beschlagen. Die -Principalia hat das Vorrecht, eine kurze Jacke über dem Hemde zu -tragen, und ist gewöhnlich auch an ihrer, zuweilen bis an's Drollige -streifenden Würde und ihrem vergilbten, in der Familie forterbenden -Zylinder-Hute kenntlich. Der einheimische Stutzer hat lackirte Schuhe -an den nackten Füssen, lange, enganliegende Hosen, schwarz oder -grellbunt gestreift; darüber ein gefaltetes, gestärktes Hemd von -europäischem Schnitt; auf dem Kopf einen zylindrischen Seidenhut, -in der Hand ein Stöckchen. Recht unanständig sieht es aus, wenn -bei Gala-Mahlzeiten die Dienerschaft in weissen gestärkten Hemden -über den Hosen erscheint, nie sind mir die Hässlichkeiten unserer -europäischen Kleidung mehr aufgefallen als in der Nachäffung durch -den Manila »Elegante«. - -Die Mestizinnen kleiden sich wie die Indierinnen, aber ohne Tapis, -an Europäer verheirathete tragen auch Schuhe und Strümpfe. Manche -Mestizinnen sind von grosser Schönheit, ihr Gang hat aber gewöhnlich -etwas Schleppendes, von der Gewohnheit, den Pantoffel zu schleifen. In -der Regel sind sie klug, wirtschaftlich, zu Handelsgeschäften sehr -geschickt, in Unterhaltung aber oft unbeholfen und langweilig. Mangel -an Bildung allein ist wohl nicht die Ursache, denn eine Andalusierin -hat ausser der Doctrina christiana auch nichts gelernt, und ist doch -in ihrer Jugend eines der reizendsten Wesen. Der Grund liegt wohl -eher in der Zwitterstellung der Mestizin: von den weissen Frauen wird -sie hochmüthig zurückgestossen, während sie selbst ihre mütterlichen -Verwandten verläugnet. Ihrem Auftreten fehlt die Sicherheit, der -richtige Takt, den die Süd-Europäerin in allen Lebensverhältnissen -zeigt. - -Die Mestizen, besonders die von Chinesen und Tagalinen, bilden den -reichsten, unternehmendsten Theil der einheimischen Bevölkerung; -sie kennen alle guten und schlechten Eigenschaften des Eingeborenen -und beuten sie rücksichtslos für ihre Zwecke aus. - - - - - - - - -VIERTES KAPITEL - - STELLUNG DER EUROPÄER UND EINGEBORENEN IN ENGLISCHEN, HOLLÄNDISCHEN - UND SPANISCHEN KOLONIEN. -- EINFLUSS DER SPANISCHEN KOLONIALPOLITIK - AUF DIE SITTEN DER EINGEBORENEN. BEQUEMLICHKEIT DES LEBENS. -- - KOKOSPALME, BAMBUS. - - -Ein schottischer Grosshändler, dem ich empfohlen war, bot mir mit so -überzeugender Liebenswürdigkeit sein Haus und seine Gastfreundschaft -an, dass ich nicht umhin konnte sie anzunehmen. Obgleich ich mich -dadurch unter dem Schutz eines der reichsten und geachtetsten Männer -der Stadt befand, verlangten dennoch die Miethskutscher für jede -Fahrt Vorausbezahlung. Dies Misstrauen liess auf die geringe Achtung -schliessen, die die Mehrzahl der hiesigen Europäer den Einheimischen -einflösst. Zahlreiche spätere Beobachtungen bestätigten diese -Vermuthung. Wie anders ist es in Java und Singapore! Die Ursache -lässt sich vielleicht erklären: - -Holländer können sich ebensowenig als Engländer in heissen Erdstrichen -akklimatisiren; sie beuten die Länder aus, in denen sie nur -vorübergehend weilen, jene durch Frohnden und Monopole, diese durch -Handel; in beiden Fällen genügen aber wenige, durch die Grösse ihrer -Unternehmungen oder ihre amtliche Stellung durch Reichthum und Bildung -hoch über der Masse der Bevölkerung stehende Individuen. In Java sind -überdies die Europäer der Mehrzahl nach Regierende, die Eingeborenen -Regierte; aber auch in Singapore, wo beide gesetzlich gleichstehn, -wissen sich die wenigen Weissen so entschieden auf der Höhe zu halten, -dass ihnen, wenn auch nicht durch das Gesetz, doch im Verkehr alle -Vorrechte einer höheren Kaste ohne Widerspruch eingeräumt werden. Die -Verschiedenheit der Religion vergrössert die Kluft. Endlich sprechen -dort alle Europäer die Landessprache, während die Eingeborenen die -der Fremden nicht verstehn. Die holländischen Beamten werden schon in -der Heimat in besonderen Schulen für den Dienst in Ostindien erzogen; -die Kunst mit den Eingeborenen umzugehen, die Aufrechthaltung des -»Prestige«, das für das eigentliche Geheimniss der holländischen -Macht gegenüber der zahlreichen einheimischen Bevölkerung gilt, -bildet einen wesentlichen Punkt in ihrer Erziehung. Daher richten -sich die Holländer im Verkehr mit den Eingeborenen, wie sehr sie -diese auch ausbeuten, streng nach den Regeln des herkömmlichen »Adat« -(alter Brauch), verletzen nicht das Ehrgefühl des Inländers und geben -sich auch im Umgang mit einander nicht leicht eine Blösse vor jenem, -für den sie ein verschlossenes Buch bleiben. - -In den Philippinen ist es umgekehrt. Mit Ausnahme derjenigen Beamten, -denen das Gesetz oder die bei jedem spanischen Ministerwechsel zum -Durchbruch kommende Aemtergier nur einen beschränkten Aufenhalt -gestattet, kehren wenige Spanier, die einmal die Kolonie betreten, -in ihr Vaterland heim; die Geistlichen dürfen nicht, die meisten der -übrigen können nicht zurück; ein nicht unbeträchtlicher Theil besteht -aus Subalternen, Soldaten und Seeleuten, politischen Verbrechern -und politisch Unbequemen, deren sich das Mutterland entledigt, auch -nicht selten aus Abenteurern, denen die Mittel zur Rückkehr fehlen und -wohl eben so sehr die Lust; denn wie herrlich ist ihr hiesiges Leben -im Vergleich zu dem, welches sie in ihrer Heimat führen müssten. Sie -kommen an ohne Kenntnisse des Landes, ganz unvorbereitet; Manche sind -so faul, dass sie nie die Sprache lernen, selbst wenn sie sich im -Lande verheirathen. Ihre Diener verstehen Spanisch, belauschen die -Gespräche und Handlungen, und kennen alle Geheimnisse ihrer meist -wenig diskreten Herren, während die Eingeborenen diesen ein Räthsel -bleiben, das sie auch schon aus Dünkel nicht zu entziffern versuchen. - -Dass die grosse Zahl der hiesigen, ungebildeten, über ihre Mittel -hinaus lebenden Spanier, die alle die Herrn spielen wollen, gleichviel -welche Stellung sie zu Haus einnahmen, das Ansehn der Europäer sehr -beeinträchtigen muss, ist leicht einzusehn. Die relative Stellung -des Indiers kann aber dabei nur gewinnen und schwerlich giebt es -eine Kolonie, in welcher sich die Eingeborenen im Ganzen genommen -behaglicher fühlen als in den Philippinen. Sie haben Religion, Sitten -und Gebräuche ihrer Herren angenommen, und fühlen sich, obwohl diesen -gesetzlich nicht gleichgestellt, doch nicht durch eine hohe Schranke -von ihnen geschieden, wie sie, ganz abgesehn von Java, die schroffe -Zurückhaltung der Engländer zwischen sich und den Eingeborenen aufbaut. - -Die gleiche Religion, der gemeinschaftliche Gottesdienst, das -Zusammenleben mit den Einheimischen, Alles trägt dazu bei, den -Europäer dem Indier näher zu bringen, wie auch das Vorhandensein -einer verhältnissmässig sehr zahlreichen Mestizenklasse bezeugt. - -Spanier und Portugiesen scheinen in der That die einzigen Europäer, -die in tropischen Ländern Wurzel schlagen, sich mit Eingeborenen auf -die Dauer fruchtbar vermischen können; wobei das Coelibat der Priester -begünstigend mitwirkt. [58] - -Den Mangel an Eigenthümlichkeit, der bei den Mestizen aus ihrer -Zwitterstellung hervorzugehn scheint, nimmt man auch an den Indiern -wahr. Stark ausgeprägte nationale Sitten, die man in einem so fernen -Lande wohl erwarten sollte, sucht man vergebens; immer von Neuem -merkt man den Leuten an, dass Alles angelernt und äusserlich ist. - -Wie der spanische Katholizismus im Mutterlande die hohe Kultur der -Mauren, in Peru die der Inka's mit Gewalt ausgerottet, so hat er hier, -was etwa an eigenthümlicher Gesittung vorhanden war, ebenso gründlich -zu beseitigen verstanden, indem er sich, um schnell Wurzel schlagen, -den bestehenden Formen und Missbräuchen in fast unglaublicher Weise -anschmiegte. [59] - -Die in der Kultur wenig vorgeschrittenen Philippiner nahmen schnell -die Aeusserlichkeiten der fremden Religion an, und zugleich -die Aeusserlichkeiten im Wesen ihrer neuen Herren; die eignen -Sitten lernten sie, als heidnisch und wild, verachten. Jetzt -singen sie andalusische Lieder und tanzen spanische Tänze, aber -wie! Alles äffen sie nach, ohne den Geist zu erfassen, aus dem es -hervorgegangen. Deshalb sind sie selbst und ihre Kunsterzeugnisse -meist langweilig und charakterlos, man möchte sagen unächt, trotz -der auf letztere zuweilen verwendeten grossen Geschicklichkeit und -Geduld. Diese beiden Eigenschaften werden übrigens bei allen wenig -fortgeschrittenen Nationen wahrgenommen; die bewunderte Geduld ist aber -oft nur Verschwendung von Zeit und Mühe, im Missverhältniss zum Zweck; -die grössere Anstelligkeit eine Folge der weniger vorgeschrittenen -Arbeitstheilung. - -Betritt man das Haus eines wohlhabenden Eingeborenen, der spanisch -spricht, so empfängt er uns mit denselben Redensarten wie sein Vorbild; -man hat aber dabei immer das Gefühl, dass sie nicht am Platz sind. In -den Ländern, wo die einheimische Bevölkerung ihren alten Sitten treu -geblieben, wird dies nie empfunden; selbst wenn uns nicht mit der -gebührenden Rücksicht begegnet werden sollte, bemerken wir es kaum, da -sich bei ganz verschiedenen gesellschaftlichen Formen, wie bei fremdem -Maass und Gewicht, nicht unmittelbar Vergleiche aufdrängen. -- Während -in Java und namentlich in Borneo und den Molukken die Gegenstände -des täglichen Gebrauchs häufig mit so feinem Gefühl für Form und -Farbe verziert sind, dass sie von unseren Künstlern als Muster der -Ornamentik gerühmt werden und den Beweis liefern, dass die Arbeit -mit Lust und Liebe und innigem Verständniss vollbracht wurde, ist in -den Philippinen von solchem Schönheitssinn wenig wahrzunehmen. Alles -ist Nachahmung oder liederlicher Nothbehelf. Selbst die wegen ihrer -Feinheit so berühmten, mit unglaublicher Geduld und nicht minderem -Geschick ausgeführten Piña-Stickereien sind in der Regel geistlose -Nachahmungen spanischer Muster. Zu ähnlichen Betrachtungen gelangt man -unwillkürlich, wenn man die Kunstprodukte der spanisch-amerikanischen -Völker mit denen der wilden Stämme vergleicht. Das ethnographische -Museum in Berlin bietet dazu Stoff in Fülle. - -Die Ruder bestehn in den Philippinen häufig aus einer Bambusstange, -an deren Ende ein Brett mit Rotangstreifen festgebunden ist; bricht -es unterwegs entzwei, um so besser; bis es geflickt ist, muss die -anstrengende Arbeit nothwendig unterbrochen werden. - -In Java sind die völlig regendichten Büffelkarren auf das -Mannichfaltigste und Geschmackvollste gemustert. In den Philippinen -wird der dachlose Karren gewöhnlich erst im letzten Augenblick -zusammengeflickt. Soll die Ladung durchaus vor Nässe geschützt werden, -so wirft man ein paar alte Matten darüber, mehr in der Absicht, die -Ansprüche des Castila zu beschwichtigen, als um den Regen abzuhalten. - -Engländer und Holländer bleiben Fremdlinge unter den Tropen, sie üben -keinen Einfluss auf die alten Gebräuche, die in der Landesreligion -gipfeln. Die Völker aber, die Spanien durch den Katholizismus -unterworfen, haben alles Ursprüngliche, Volksthümliche verloren; die -fremde Religion ist bei ihnen nicht in's Innere gedrungen, es fehlt -ihnen an moralischem Halt, und wohl kein zufälliges Zusammentreffen -ist es, dass sich alle diese Völker mehr oder weniger kennzeichnen -durch einen gewissen Mangel an Würde, grosse Leichtlebigkeit und -selbst Liederlichkeit. - -Abgesehn von diesem Mangel an nationalen Eigenthümlichkeiten und -überlieferten Gebräuchen, deren Vorhandensein vielen Ländern Ostasiens -einen Hauptreiz verleiht, ist der Eingeborne höchst anziehend als -Typus des Menschen unter bequemsten äussern Verhältnissen. Die -Willkürherrschaft der Häuptlinge und die Sklaverei wurden von den -Spaniern bald nach ihrer Ankunft abgeschafft, an Stelle der häufigen -Raubzüge und Kriege trat Ruhe und Sicherheit. Das spanische Regiment -ist in diesen Inseln im Ganzen immer milde gewesen, nicht weil die -Leyes de Indias so sehr wohlwollend, ja fast zärtlich für den Indier -lauten, den sie wie einen Minorennen behandeln, sondern weil die -Ursachen fehlten, die in Spanisch-Amerika trotz derselben Gesetze und -in den Kolonien anderer Völker so grosse Grausamkeiten veranlassten. - -Es war ein Glück für die Eingeborenen, dass ihre Inseln keine -Reichthümer an edlen Metallen und kostbaren Gewürzen besassen. Die -voluminösen Produkte des Ackerbau's konnten bei den ehemaligen -Verkehrsverhältnissen keine Ausfuhren bilden; es lohnte daher -nicht, sie nachdrücklich auszubeuten. Die wenigen in der Kolonie -lebenden Spanier fanden im Handel zwischen China und Mexico durch -die Nao (S. 10) ein so bequemes Mittel zum Gelderwerb, dass sie -sich fern hielten von allen wirthschaftlichen Unternehmungen, die -ihren eignen adelshochmüthigen Neigungen wenig entsprachen und die -angestrengte Arbeit der Eingeborenen erfordert hätten. Für Spanien, -dem schon übergrosse Besitzungen in Amerika eine erschöpfende -Menschensteuer auflegten, war es bei der damals so langwierigen, -gefahrvollen Schifffahrt unmöglich, in den Philippinen eine starke, -bewaffnete Macht zu halten. Die durch einige glänzende militärische -Unternehmungen eingeleitete Unterwerfung ward wesentlich durch Mithülfe -der Mönchsorden vollendet, deren Missionäre vorwiegend Klugheit und -Geduld anwenden mussten. So wurden die Philippinen zum grossen Theil -durch Conquista pacifica (Pacifacion, Poblacion) gewonnen. - -Die den Eingeborenen aufgelegten Abgaben waren so gering, dass -sie nicht entfernt für den Kolonialhaushalt genügten. Der Ausfall -wurde durch jährliche Zuschüsse aus Mexico gedeckt. An Erpressungen -gewissenloser Beamten hat es freilich nicht gefehlt. Grausamkeiten, -wie in den amerikanischen Bergwerksdistrikten oder in den Fabriken -von Quito werden aber von den Philippinen nicht gemeldet. - -Das unbebaute Land ist frei, gehört Jedem, der es urbar machen will, -fällt aber, wenn es zwei Jahre unbenutzt bleibt, wieder an die Krone -zurück. [60] Die einzige Abgabe, die der Indier zahlt, ist eine -Kopfsteuer, Tributo genannt, die ursprünglich vor drei Jahrhunderten -einen Dollar für je zwei Erwachsene betrug, was in einem Lande, -wo Alle früh heirathen und die Geschlechter gleich vertheilt sind, -fast gleichbedeutend mit Familie ist. Allmälig ist der volle Tribut -auf 2 1/16 Doll. erhöht worden. Ein Erwachsener zahlt also 1 1/32 -Doll. und zwar vom 16ten bis zum 60sten Lebensjahre, gleichviel ob -Mann oder Frau. Ausserdem hat der Mann 40 Tage Arbeit für öffentliche -Zwecke zu leisten. Diese Frohnden (Pólos y Servicios) zerfallen -in ordentliche und ausserordentliche; jene bestehn in Wacht- und -Botendienst, Reinhalten des Tribunals und anderen leichten Diensten, -diese in Strassenbau und ähnlichen zum Besten des Dorfes oder der -Provinz. Wie wenig aber diese Leistungen ausgenutzt werden, geht wohl -am besten daraus hervor, dass Jedermann sich davon loskaufen kann für -eine Summe, die im höchsten Falle nicht über 3 Doll. beträgt. Frauen -sind von persönlichen Leistungen frei. Die wichtigsten Einzelheiten -über den Tribut sind weiter unten in einem besonderen Kapitel, -vorzüglich nach amtlichen Quellen, die mir im Ultramar-Ministerium -zugänglich waren, kurz zusammengestellt. - -In andern Ländern, wo das Klima ebenso milde, der Boden ebenso -ergiebig, wird der Eingeborene von einheimischen Fürsten fast -erdrückt, von Ausländern rücksichtslos ausgebeutet oder vertilgt, -wenn er nicht schon eine höhere Zivilisationsstufe einnimmt. In -diesen abgelegenen, von der Natur so reich ausgestatteten Inseln, -wo der Druck von oben, der innere Trieb und jede äussere Anregung -fehlte, hat sich das behagliche Leben bei geringen Bedürfnissen in -voller Breite entfalten können. Von allen Ländern der Welt mögen die -Philippinen wohl den Anforderungen an ein Schlaraffenland am meisten -entsprechen. Wer das Dolce far niente nur von Neapel her kennt, hat -noch keinen Begriff davon; es gedeiht nur unter Palmen. Die folgenden -Reiseberichte werden Beispiele genug enthalten, um dies zu bekräftigen; -aber schon eine Fahrt auf dem Pásig giebt einen Vorgeschmack des -Lebens im Innern. Niedliche Bretterhäuser und Bambushütten, von -üppigster Laub- und Blüthenfülle umgeben, gruppiren sich malerisch -mit Arecapalmen und hohen gefiederten Bambusen am Ufer. Zuweilen -reichen die Zäune in den Fluss und grenzen Räume zur Entenzucht ab --- oder zum Baden. Der Saum des Wassers ist von Kähnen, Senknetzen, -Flössen, Fischapparaten und dergleichen eingenommen. Beladene Boote -ziehen den Fluss entlang und kleine Nachen schiessen zwischen Gruppen -von Badenden hindurch von einem Ufer zum andern. - -Am Lebhaftesten geht es bei den Tiendas zu, grossen, den javanischen -Warongs entsprechenden Schuppen, deren offene Seite aber dem Fluss, -der Hauptverkehrsstrasse, zugewendet ist. Sie üben eine mächtige -Anziehung auf die vorüberziehenden Schiffer, die dort ausser Speisen -und andern Lebensbedürfnissen gewöhnlich auch müssige Gesellschaft -beiderlei Geschlechts, Hazard-Spiel, Tuba, Betel und Tabak finden. - -Zuweilen sieht man einen Indier im Schlafe auf einem grossen Berg von -Kokosnüssen hockend mit der Ebbe den Fluss hinabtreiben. Strandet er, -so erwacht der Schläfer, macht sich mit Hülfe eines langen Bambus -wieder frei und treibt im Halbschlaf mit der Strömung weiter. Durch -einen Schlag mit dem Waldmesser ist es leicht, von der Faserhülle -der Nuss einen schmalen Streifen so weit zu lösen, als nöthig ist, -um sie mit einer andern zu verknüpfen; so wird ein Kranz gebildet, der -die in der Mitte lose aufgethürmten Nüsse umgürtet und zusammenhält. - -Wir haben freilich vollkommenere Transportmittel als Errungenschaft -Jahrtausende langer mühevoller Arbeit, hier aber kann der Mensch sehr -Vieles unmittelbar aus den Händen der Natur für seine Zwecke verwenden -und sich durch geringe Mühe verhältnissmässig grosses Behagen schaffen. - -Auf der Insel Talim im grossen See von Bay kauften meine Bootleute für -einige Cuartos mehrere Dutzend fast fusslanger Fische; diejenigen, -die sie nicht verzehren mochten, wurden gespalten, gesalzen und auf -dem Dach des Bootes in wenigen Stunden an der Sonne getrocknet. Als -die Fischer ihr beabsichtigtes Frühstück verkauft hatten, bückten sie -sich und füllten ihre Kochtöpfe mit Sumpfmuscheln (Paludina costata -Q. & G.), die sie händevoll vom Boden des flachen Wassers aufnahmen, -indem sie die todten zum Theil fortwarfen. - -Fast alle Ortschaften liegen am Wasser. Der Fluss ist eine von der -Natur gegebene, sich selbst erhaltende Strasse, auf welcher Lasten -bis an den Fuss der Berge befördert werden können. An seinem Ufer -und besonders an seiner breiten Mündung erheben sich auf Pfählen die -Hütten der Eingeborenen, Pfahlbauten von unmittelbar ersichtlicher -Zweckmässigkeit. Dort vorzugsweise ist der Sitz des Lebens, weil -es dort am bequemsten ist. Bei jeder Ebbe liefern die Fischreusen -mehr oder weniger reichliche Ausbeute; Weiber und Kinder holen dann, -ohne sich zu bücken, vermittelst ihrer Zehen, mit denen sie greifen -können, Zweischaler aus dem Schlamm, oder sammeln am Strande Krebse, -Seethiere, essbare Algen. - -Ein hübscher Anblick ist es, wenn Frauen, Männer und Kinder im -Schatten von Palmen baden und scherzen, Andere ihre Wassergefässe -füllen: geräumige Bambusen, die geschultert, oder Krüge, die auf dem -Kopf getragen werden, und wenn die Knaben auf dem breiten Rücken der -Büffel aufrecht stehend diese jubelnd in's Wasser reiten. - -Dort ist es auch wo die Kokospalme am besten gedeiht, die dem -Menschen nicht nur Speise und Trank, sondern auch das gesammte -Material für seine Hütte und allerlei Geräth liefert. Während -sie landeinwärts nur bei grosser Pflege spärlich Früchte trägt, -giebt sie am unmittelbaren Seestrande auf dem schlechtesten Boden -ohne menschliche Bemühung reichen Ertrag. (Im Treibhaus ist sie wohl -noch nie zur Blüte gekommen?). Thomson [61] hebt hervor, dass sie auf -solchem Standorte ihren Stamm gern über das Meer neigt, dessen Fluthen -die herabfallenden Früchte an öde Küsten und niedere Inseln tragen -und diese dadurch zu menschlichen Wohnsitzen geschickt machen. So -mag wohl die Kokospalme einen wesentlichen Antheil an dem maritimen -Vagabundenthum der malayischen und polynesischen Völkerschaften haben. - -Neben dem Kokoshain zieht sich ein Saum stammloser Nipapalmen hin, die -nur in brackischem Wasser wachsen [62]; ihre Blätter liefern die besten -Ataps zum Dachdecken. Aus ihrem Saft wird Zucker, Branntwein und Essig -bereitet. Schon Pigafetta fand vor 350 Jahren diese Gewerbe in vollem -Betriebe, sie scheinen auch heut noch auf die Philippinen beschränkt -zu sein. Auch derjenige Pandanus, aus dessen Blättern die weichsten -Matten geflochten werden, entfernt sich nicht weit vom Strande. - -Landeinwärts breiten sich Reisfelder aus, die durch jährlich -wiederkehrende Ueberschwemmungen eine Lage fruchtbaren Erdreichs aus -den Bergen erhalten und daher nie gedüngt werden. Der Büffel, das -Lieblingshausthier des Malayen, dasjenige welches er vorzugsweise -zum Feldbau zu benutzen pflegt, zieht diese Orte allen andern -vor; er liebt, sich im Schlamm zu wälzen und ist nicht zur Arbeit -tauglich, wenn er sich nicht häufig baden kann. Aus den Reisfeldern -an den Flussufern neben den Hütten erheben sich fein gefiederte -Bambusbüsche. Wie sehr dies Riesengras zur Bequemlichkeit des Lebens -der Tropenbewohner beiträgt, hat Verfasser in früheren Reiseskizzen -(S. 174) zu schildern versucht. Noch manche interessante Verwendungen -sind ihm seitdem bekannt geworden, deren Beschreibung hier nicht am -Ort wäre. [63] Es sei ihm aber vergönnt, noch nachträglich an einigen -Beispielen deutlich zu machen, mit wie einfachen Mitteln alle jene -vielfältigen Ergebnisse erzielt werden. Die Natur hat diese herrliche -Pflanze, die vielleicht alle andere auch an Schönheit übertrifft, -mit so vielen nützlichen Eigenschaften ausgestattet, und liefert -sie dem Menschen so fertig zum unmittelbaren Gebrauch in die Hand, -dass meist einige kecke Schnitte genügen, um die mannichfaltigsten -Geräthe daraus herzustellen. Der Bambus hat eine, im Verhältniss -zu seiner Leichtigkeit ausserordentlich grosse Festigkeit, bedingt -durch die Röhrenform und die in angemessenen Abständen vorhandenen -Zwischenwände. Wegen des Parallelismus und der Zähigkeit seiner -Fasern ist er sehr vollkommen und leicht spaltbar; gespalten aber, -von ausgezeichneter Biegsamkeit und Elastizität. Dem Reichthum an -Kieselerde verdankt er grosse Dauerbarkeit, und eine harte, glatte, -stets reine Oberfläche, deren Glanz und schöne Farbe im Gebrauch -zunehmen. Von besonderer Wichtigkeit endlich für Völker mit geringen -Verkehrsmitteln ist der Umstand, dass der Bambus in Fülle auf sehr -verschiedenen Standorten, in allen möglichen Dimensionen von wenigen -Millimetern bis zu zehn, fünfzehn Centimetern und mehr, ausnahmsweise -sogar von doppeltem Durchmesser, angetroffen wird, und überdies wegen -seiner unübertrefflichen Flössbarkeit selbst in jenen strassenarmen, -aber wasserreichen Ländern mit grösster Leichtigkeit fortgeschafft -werden kann. - -Ein Schlag mit dem Waldmesser reicht gewöhnlich aus, um ein starkes -Rohr zu fällen, entfernt man die dünnen Zwischenwände, so hat man -Röhren, deren Enden in einander geschoben werden können. Durch -einmaliges Spalten erhält man Rinnen, Tröge, Dachziegel; durch -mehrmaliges Latten, die wiederum bis in die feinsten Streifen und -Fäden, zur Anfertigung von Rahmen, Gestellen, Körben, Stricken, Matten -und feinen Geflechten zerlegt werden können. Zwei Schnitte in die -Seite geben ein rundes Loch, in welches ein Halm von entsprechendem -Durchmesser fest eingepasst werden kann (a). Macht man solchem -Ausschnitt gegenüber einen zweiten, so kann ein Halm durchgesteckt -werden (b), auf diese Weise werden Thüren wagerecht oder senkrecht -verschiebbar, oder um eine senkrechte oder wagerechte Axe mit oder -ohne Reibung drehbar, hergestellt. - -Zwei tiefere Schnitte gestatten das Rohr in einen Winkel (c) , oder -wenn sie weit genug auseinander, um einen andern Halm zu biegen, -z. B. für Dachfirsten (d), für Gestelle von Stühlen oder Tischen -(e), auf denen dann ein aufgeschlitztes, plattgedrücktes Rohr, statt -eines Brettes oder Bambus-Latten (f) mittelst Stuhlrohr befestigt -werden. Eben so leicht ist es eine längliche schmale Oeffnung -herzustellen zum Einpassen von Latten (g). - -Zwei Schnitte genügen beinahe, um eine Gabel oder Zange (h), einen -Haken (i) anzufertigen. - -Macht man ein durch Auflegen des Fingers verschliessbares Loch in die -Seite, dicht unter einem Knoten, so erhält man einen Heber und zugleich -ein Filtrum (k), wenn man über das offene Ende ein Läppchen bindet. - -Spaltet man ein abgestutztes Rohr bis auf einen Knoten in Streifen, die -man auseinander biegt und mit andern Streifen durchflicht, so erhält -man einen konischen Korb, der unter dem Knoten kurz abgeschnitten -als Tragkorb (l), langgestielt, mit Harz gefüllt als Signalfackel -dient. (m) Steckt man in solche spitzkegelförmige Körbe flachere von -gleichem Umfang, deren Knoten abgeschnitten oder durchstossen sind, so -erhält man Fangkörbe für Krabben und Fische. (n) Spaltet man aber einen -kurz über einem Knoten abgestutzten Halm so, dass nur ein Kranz kurzer -Zähne stehn bleibt, so hat man, wenn man die Scheidewand durchstösst, -einen Erdbohrer (o) und zugleich ein Brunnenrohr und so weiter -und endlos weiter. -- Als Beispiele sinnreicher Bambuskonstruktion -mögen ausser nachstehender, die Zeichnungen zu S. 177. 193. 210 der -Reiseskizzen dienen. - -Auch der im Innern reisende Fremde hat täglich neue Gelegenheit, die -Gastfreiheit der Natur in vollen Zügen zu geniessen. Die Luft ist so -gleichmässig warm, dass man mit Ausnahme eines Sonnenhutes und leichter -Schuhe alle Kleider entbehren könnte. Uebernachtet man im Freien, so -ist aus Palmen- oder Farnwedeln in kürzester Zeit eine Hütte gebaut. Im -kleinsten Dörfchen aber befindet sich ein Gemeindehaus (casa real), in -dem man wohnen kann und die nöthigen Lebensbedürfnisse zum Marktpreis -geliefert erhält. Auch ist dort immer eine Anzahl Semanéros (Leute, -die den Wochendienst haben) anwesend und gegen geringen Tagelohn -als Boten oder Träger zur Verfügung des Reisenden. Bei längerem -Verkehr zeigt sich, dass ihr Dienst hauptsächlich in Nichtsthun -besteht. Es ist mir vorgekommen, dass ich einen Mann, der mit den -übrigen Karten spielte und Tuba (frischer oder schwach gegohrener -Palmensaft) trank als Boten senden wollte, dieser sich aber, ohne im -Spiel inne zu halten, damit entschuldigte, dass er Gefangener sei; -so musste denn einer seiner Hüter den unbequemen Gang in der Hitze -machen. Die Gefangenen haben nicht zu klagen. Das einzige Unangenehme -sind die Rotangschläge, die für geringe Vergehn von den Lokalbehörden -freigiebig dutzendweis verordnet werden. Sie scheinen aber auf den -von Jugend auf dagegen abgehärteten Eingeborenen in den meisten Fällen -durchaus keinen andern Eindruck als den des unmittelbaren körperlichen -Schmerzes zu machen. Seine Bekannten stehn häufig um ihn, sehen zu -und fragen scherzend, wie es geschmeckt hat. - -Nach längerem Aufenthalt unter den ernsten, schweigsamen, würdevollen, -für ihre Ehre ängstlich besorgten, gegen Vornehmere unterwürfigen -Malayen empfindet man den Gegensatz im Charakter der hiesigen -Eingeborenen, die doch auch wesentlich malayischer Rasse sind, um -so greller. Er scheint eine natürliche Folge der oben skizzirten -spanischen Herrschaft: in Spanisch-Amerika begegnet man ähnlichen -Verhältnissen. Unter ihren einheimischen Häuptlingen mögen sich die -Eingeborenen in Folge der Rangunterschiede und des despotischen Druckes -wenig von den heutigen Malayen in ihrem Wesen unterschieden haben. - - - - - - - - -FÜNFTES KAPITEL - - GEOGRAPHISCHES. -- METEOROLOGISCHES. -- POLITISCHE EINTHEILUNG. -- - VOLKSMENGE. -- SPRACHEN. - - -Die Umgebung Manila's, der Pásig und der See von Bay, die jeder -Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf -einige kurze Aufzeichnungen über diese Gegenden beschränken und nur -über meine Reisen in den südöstlichen Provinzen Luzóns, Camarines -und Albay und den östlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte -ausführlicher berichten werde. Vorher dürfte es angemessen sein, -durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen -Verhältnisse zu verschaffen. - -Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und -trennt den nördlichen stillen Ozean von der China-See. Von den -Sulu-Inseln im Süden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich -durch 14 1/2 Breitengrade, von 5 bis 19 1/2° N., und wenn man die -Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21° N. Aber weder im -Süden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit -bis an diese äussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht überall -bis in das Innere der grössern Inseln erstreckt. Von Ost nach West -nehmen die Philippinen 9 Längengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit -2000, Mindanao mit mehr als 1500 quadr. M. Flächenraum sind zusammen -grösser als alle übrigen. Dann folgen der Grösse nach sieben Inseln: -Paláwan, Sámar, Panáy, Mindoro, Leyte, Negros, Cebú, deren erstere -250, letztere etwa 100 quadr. M. misst, Bojól, Masbáte, je halb so -gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande, -Felsen und Riffe. [64] - -Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage -und reiche Gliederung begünstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21° -N., durch 16 Breitengrade gewährt ihm eine Mannichfaltigkeit des -Klima's, welcher sich die niederländisch-indischen Besitzungen, deren -Hauptstreichen west-östlich ist, während sie nur wenige Breitengrade -zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem -Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene -Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrössert, -so dass die Produkte der heissen und gemässigten Zone, die Palme und -die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen. - -Die grösseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden -Buchten ausgedehnte Binnenseen und beträchtliche, auf weite Strecken -schiffbare Flüsse; der Archipel ist reich an sicheren Häfen und -unzähligen Zufluchtsorten für Schiffe; ein Umstand aber, der aus -dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der -glücklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose -Zahl kleiner Flüsse, die von den Bergen herabströmen und sich, -bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in -denen Küstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge -gelangen können um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des -Bodens ist unübertrefflich, Salz- und Süsswasser wimmelt von Fischen -und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes -Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis -Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch -als an Grösse überragt Luzon alle übrigen Inseln an Bedeutung, und -wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre -natürliche Vorzüge die schönste der gesammten Tropenwelt sein. - -Der Hauptkörper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter -Masse als längliches, 25 Meilen breites Viereck von 18° 40' N. bis -zur Bay von Manila (14° 30' N.) und sendet dann einen durch grosse -Seen und tiefe Buchten zerrissenen Ausläufer nach Osten, der westlich -und östlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale -Bänder mit der Hauptmasse zusammenhängt. Manche Spuren rezenter -Hebungen deuten an, dass beide Theile früher getrennt waren, zwei -selbstständige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stück, -fast so lang als das nördliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die -tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben, -in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann, -als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an -der eben erwähnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge -zusammenhängen. Zwei kleine Flüsschen, die in geringer Entfernung -von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten münden, -machen die Trennung fast vollständig und bilden zugleich die Grenze -zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die -westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz -Tayabas eingenommen. Die grössere östliche zerfällt in die Provinzen -Nord-Camarines, Süd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwähnte -Grenze von Tayábas, durch eine vom Südrande der Bucht von S. Miguél -östl. zur Küste gezogene Linie von Süd-Camarines getrennt. Den Ostrand -der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Süd-Camarines durch eine -Linie geschieden, die von Donzól an der Südküste, nordwärts über -den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordküste -läuft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhältnisse klar machen. - -In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden: -eine trockene, eine nasse. Den, den Süd- und -Westwinden offen -liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten -die Regenzeit. An den Nord- und -Ostküsten fallen die reichlichsten -Niederschläge in unseren Wintermonaten, während des NO.-Monsuns. Durch -die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese -allgemeinen Verhältnisse örtlich vielfach verändert. In Manila -dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun), -die Regenzeit während der übrigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten -regnet es im September; März und April sind häufig regenlos, Oktober -bis einschliesslich Februar kühl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde), -März, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende -September feucht und mässig warm. - -Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium -unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein -Auszug aus dem Jahresbericht für 1867 den ich Professor Dove's Güte -verdanke. [65] - -Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersäule betrug 1867: -755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.) - -1867: Der Unterschied zwischen den äussersten Barometerständen -überstieg nicht 13,96 Millimeter, und wäre viel geringer, hätten -nicht Stürme im Juli und September die Quecksilbersäule so sehr -herabgedrückt; die stündlichen Schwankungen betragen nur wenige -Millimeter. -- - -Täglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frühe bis gegen 9 -Uhr, fällt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr -Abends, von wo an es bis zum Morgen fällt. Die beiden Hauptströmungen -der Atmosphäre üben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers, -die nördliche macht ihn steigen (Normalhöhe 756mm) die südliche fallen -(Normalhöhe 753mm). - -Temperatur. Die Wärme wächst von Januar bis Ende Mai, und nimmt -dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27°.9 C. (0°.4 mehr als in -den Vorjahren). -- Die beobachtete höchste Temperatur betrug 37°.7 -C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19°.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6 -Uhr Vm.) -- Unterschied: 18°.3 C. - -Grösse der Thermometerschwankungen: Januar 13°.9. -- Februar 14°.2. -- -März 15°. -- April 14°.6. -- Mai 11°.1. -- Juni 9°.9. -- Juli 9°. -- -August 9°. -- September 10°. -- Oktober 11°.9. -- November 11°.8. -- -Dezember 11°.7. Kühlste Monate: November, Dezember, Januar mit -nördlichen Winden. -- Wärmste Monate: April und Mai. Ihre hohe -Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von -Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nächsten, die -Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen -Niederschläge und trüben Luft. Täglicher Gang: am kühlsten ist es von -6 bis 7 Uhr Vm., die Wärme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen -2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Während einiger Stunden -der Nacht bleibt die Temperatur fast unverändert, gegen Morgen fällt -sie schnell. - -Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmässig, -wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verändern; im Zeitraum -eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar -herrschen Nordwinde, im März und April südöstliche Winde, im Mai, -Juni, Juli, August, September südwestliche. Anfang Oktober schwanken -sie zwischen Südost und Südwest, und befestigen sich gegen Ende des -Monats in NO., wo sie während der beiden folgenden Monate ziemlich -beständig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder -Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das -Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge -geschützt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt; -aus demselben Grunde bläst der SW. dort auch stärker. - -Der Himmel ist gewöhnlich theilweise bedeckt, völlig heitere Tage -sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor. - -Regentage: 168. Am häufigsten und stärksten regnet es von Juni -bis Ende Oktober; der Regen fällt dann in Strömen, im Sept. allein -betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin -durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist -mehr als das Mittel). - -Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewöhnlichen Jahren -ist die Verdampfung den Niederschlägen ziemlich gleich (im Laufe des -Jahres nämlich, aber nicht in den einzelnen Monaten). - -Die mittlere tägliche Verdunstung war etwa 6,3mm. - -Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Stürmen begleitet, während -eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37 -bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls -erwähnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden -anrichtete, und 17 Schiffe auf's Land setzte.) - - - -Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt, -denen je ein Alcalde mayór 1., 2., 3. Klasse, oder de término, de -ascénso, de entráda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y -militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen -ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft geändert. - -Die Gesammtbevölkerung wird auf ungefähr 5 Millionen geschätzt. - -Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast -keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit -von Sprachen und Mundarten, von denen bisáya, tagálo, ilocáno, bícol, -pagasinán, pampángo die verbreitetsten sind. - - -Insel Luzon. - -============+=================+=========================================+=========+======= - Rang des | | | | -Verwaltungs-| | | | - | Namen. | Herrschende Dialekte. | Seelen- |Pueblo. - be- | be- | | | zahl. | -amten|zirks.| | | | -=====+======+=================+=========================================+=========+======= - G. | P. | Ábra | ilocano | 34,337 | 5 - A1. | P. | Albáy | bicol | 230,121 | 34 - A2. | P. | Bataán | tagalo, pampango | 44,794 | 10 - A1. | P. | Batángas | tagalo | 280,100 | - | D. | Benguét | igorrote, ilocano pangasinan | 8465 | - | D. | Bóntoc | suflin, ilocano, igorrote Bergdialekt | 7052 | - A1. | P. | Bulacán | tagalo | 240,341 | 23 - A1. | P. | Cagayán | ibanag, itanes, idayan, gaddan, ilocano,| | - | | | dadaya, apayao, malaneg | 64,437 | 16 - A2. | P. | Camarínes Norte | tagalo, bicol | 26,372 | 7 -A2(?)| P. | Camarínes Sur | bicol | 81,047 | 31 - A3. | P. | Cavíte | spanisch, tagalo | 109,501 | 17 - A1. | P. | Ilócos Norte | ilocano, tinguian | 134,767 | 12 - A1. | P. | Ilócos Sur | ilocano | 105,251 | 18 - C. | D. | Infánta | tagalo | 7813 | 2 - G. | P. | Isabéla | ibanag, gaddan, tagalo | 29,200 | 9 - A1. | P. | Lagúna | tagalo, spanisch | 121,251 | 26 - | D. | Lepánto | igorrote, ilocano | 8851 | 48 -3A1. | P. | Manila | tagalo, spanisch, chinesisch | 323,683 | 28 - C. | D. | Moróng | tagalo | 44,239 | 12 - A2. | P. | Nueva Écija | tagalo, pangasinan, pampango, ilocano | 84,520 | 12 - A3. | P. | Nueva Vizcáya | gaddan, ifugao, ibilao, ilongote | 32,961 | 8 - A1. | P. | Pampánga | pampango, ilocano | 193,423 | 24 - A1. | P. | Pangasinán | pangasinan, ilocano | 263,472 | 26 - | D. | Pórac | pampango | 6950 | 1 - C. | D. | Príncipe | tagalo, ilocano, ilongote | 3609 | 3 - | D. | Sáltan | gaddan | 6640 | - A2. | P. | Tayábas | tagalo, bicol | 93,918 | 17 - | D. | Tíagan | verschiedene igorroten Dialekte | 5723 | - G. | P. | Unión | ilocano | 88,024 | 11 - A2. | P. | Zambáles | zambal, ilocano, aeta, pampanga tagalo, | | - | | | pangasinan | 72,936 | 16 - -Inseln zwischen Luzon und Mindanao. - -G a3.| P. | Antíque (Panay) | bisaya | 88,874 | 13 -G a3.| P. | Bojól | bisaya | 187,327 | 2 - C. | | Burías | bicol | 1786 | 1 -G a3.| P. | Cápiz (Panay) | bisaya | 206,288 | 26 -G a2.| P. | Cebú | bisaya | 318,715 | 44 -G a3 | P. | Iloílo (Panay) | bisaya | 565,500 | 35 -G a3.| P. | Leíte | bisaya | 170,591 | 28 - | D. | Masbáte, Ticao. | bisaya | 12,457 | 9 - A2. | P. | Mindóro | tagalo | 23,054 | 10 -G a3.| P. | Négros | cebuano, panayano, bisaya | 144,923 | 31 - | D. | Romblón | bisaya | 21,579 | 4 -G a3.| P. | Sámar | bisaya | 146,539 | 28 - -Mindanao. - - | D. | Cotabatú | spanisch, manobo | 1103 | 1 -G a3.| D. | Misámis j | bisaya | 63,639 | 14 -G a3.| D. | Surigáo j | | 24,104 | 12 - | D. | Zamboánga j | mandaya, spanisch | 9608 | 2 -G a3.| | | | | - | D. | Daváo | bisaya | 1537 | - -Fernere Inseln. - -G a3.| P. | Batánes | ibanag | 8381 | 6 -G a3.| P. | Calamiánes | coyuvo, agutaino calamiano | 17,703 | 5 - G. | P. | (Mariánas) | chamorro, carolino | 5940 | 6 -=====+======+=================+=========================================+=========+======= - - -Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem kürzlich erschienenen -kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretärs der Philippinen -entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl -Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfügung stand, darf obigen -Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen -Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in -Europa keine Vorstellung hat. - -Beispielsweise führt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen -Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054; -Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen. - - - - - - - - -SECHSTES KAPITEL - - REISE IN BULACAN. -- HÄUFIGE FEUERSBRÜNSTE. -- FRUCHTBARKEIT. -- - FISCHFANG. -- ZIGARRENTASCHEN. -- SPANISCHE PRIESTER. -- - GASTFREIHEIT. -- RÄUBEREIEN. - - -Mein erster Ausflug ging nach der Provinz Bulacán, am Nordrande der Bay -von Manila. Zwei Stunden braucht der Dampfer bis zur Barre Binuánga, -(nicht Bincanga, -- Coello's Karte) und eine Stunde, um in einem -Arme des Pampánga-Delta's, zwischen flachen Rhizophoren-Ufern, -Bulacán, den Hauptort der Provinz, zu erreichen. Ausser mir war -kein Europäer an Bord, nur Tagalen, Mestizen und wenige Chinesen, -erstere namentlich durch Frauen vertreten, denen vorzugsweise die -Handelsgeschäfte obliegen, weil sie dazu viel geschickter sind als die -Männer. Man sieht daher in der Regel mehr Frauen als Männer auf der -Strasse, und es scheint allgemein angenommen, dass bei den Geburten die -weiblichen überwiegen. Nach den von mir durchgesehenen Kirchenbüchern -ergiebt sich aber, wenigstens für die östlichen Provinzen, eher das -Gegentheil. Am Landungsplatz erwartete uns eine Anzahl Caramáta's, -bunt bemalte, flache, zweirädrige Kasten mit Sonnendach versehn, und -mit zwei Pferden bespannt, von denen die wohlhabenderen Ankömmlinge -schnell nach allen Richtungen entführt werden. - -Die Stadt Bulacán hat 11 bis 12,000 Einwohner, war aber einen -Monat zuvor, mit Ausnahme der Kirche und weniger Steinhäuser, -abgebrannt. Alle Leute waren daher beschäftigt sich neue Häuser zu -bauen, die seltsamer-, aber zweckmässigerweise, wie beim Zeichnen, -mit dem Dach begonnen wurden. Lange Reihen Dächer aus Palmenblättern -und Bambus standen bereits fertig am Boden und dienten einstweilen als -Zelte. Dergleichen verheerende Feuersbrünste sind ungemein häufig. Die -mit wenigen Ausnahmen aus Holz und Bambus bestehenden Häuser werden in -der trocknen Jahreszeit völlig ausgedörrt, von der Sonne angeheizt; -mit dem Feuer wird sehr unvorsichtig umgegangen, an Löschanstalten -fehlt es gänzlich. Entsteht ein Brand an einem windigen Tage, so -ist in der Regel das ganze Dorf unrettbar verloren. Während meines -Aufenthalts in Bulacán brannte die Vorstadt S. Miguél bei Manila bis -auf das Haus eines befreundeten Schweizers ab, das seine Rettung nur -dem kräftigen Gebrauch einer Privatspritze und der Mithülfe eines -Bananengärtchens verdankte, deren saftstrotzende Stämme auf einer -Seite den Fortschritt der Flammen hemmten. - -Den Weg nach Calumpít, 3 L., legte ich im schönen Wagen eines -Gastfreundes zurück, auf sehr guter Strasse, unter Obstbäumen, Kokos- -und Arecapalmen. Der Anblick dieser fruchtbaren Provinz erinnert an -die reichsten Gebiete Java's, aber die hiesigen Pueblos verrathen -mehr Wohlstand als die dortigen Desas. Die Häuser sind substanzieller; -geräumige Bretterhäuser häufig, selbst Steinhäuser nicht selten, die -in jener Insel fast immer einen Beamten oder inländischen Fürsten -anzeigen. Während aber selbst der arme Javane sein Wohnkörbchen -zierlich flicht, die Strassen des Dorfes mit blühenden Hecken einfasst, -Alles Nettigkeit und Sauberkeit verräth, scheint hier weniger Sinn -dafür vorhanden. Auch fehlt den Dörfern der Alun-alun, jener schöne -sorgfältig gepflegte, von Waringibäumen beschattete Platz. [66] -Die Zahl und Manchfaltigkeit der Fruchtbäume, unter deren Laub die -javanischen Desas ganz verborgen liegen, ist selbst in dieser Provinz, -dem Garten der Philippinen, viel geringer als dort. Abends erreichte -ich Calumpít, als gerade eine hübsche Prozession mit vielen Fahnen -und Fackeln, unter wohlklingendem Gesang sich um die stattliche Kirche -bewegte, bei deren trefflichem Pfarrer Llanos ein Brief aus Madrid mir -die gastlichste Aufnahme verschaffte. Calumpít, ein wohlhabender Ort -von 12,250 E., liegt am Zusammenfluss des von O. kommenden Quíngoa mit -dem Pampánga, in einer sehr fruchtbaren, häufigen Ueberschwemmungen -ausgesetzten Ebene. Im Norden, etwa 6 Leguas NW. erhebt sich der -Arayat, ein hoher isolirter Kegelberg. Von Calumpít gesehn, zeigt sein -westlicher Abhang (a b) 20°, sein östlicher (e f) 25°, die Gipfelplatte -(b c) 4 bis 5° Neigung gegen den Horizont. - -Bei Calumpít sah ich einen Chinesen auf eigenthümliche Art Fische -fangen: queer durch das Bett eines Baches, der, fast versiegt, -nur noch einzelne Lachen bildete, war unterhalb einer solchen ein -Gitter enggesteckter Bambusen gezogen, dahinter ein niedriger Damm -errichtet. Mittelst einer langgestielten Wurfschaufel wurde das -stehngebliebene Wasser über den Damm geworfen. Die Schaufel war da, wo -der Stiel ansetzt, durch ein Seil an ein zehn Fuss hohes Bambusgestell -befestigt, dessen Federkraft die Arbeit erleichterte. Sobald die Pfütze -trocken gelegt, grub der Arbeiter ohne Mühe eine grosse Menge Dalags -(Ophiocephalus vagus. Peters.) aus dem Schlamm. Diese durch besondere -Apparate, vielleicht zum Luftathmen, jedenfalls zu längerem Verweilen -im Trocknen befähigten Fische sind in der nassen Jahreszeit in allen -Gräben und Pfützen und auf den Reisfeldern so häufig, dass sie mit -Knitteln todtgeschlagen werden. Bei dem Zurückweichen des Wassers -ziehn auch sie sich zurück, oder bohren sich nach Prof. Semper -tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie bis zum Anfang der -nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die -Nachstellungen des Menschen geschützt, im Winterschlaf zubringen. Der -Fangapparat des Chinesen schien den Gewohnheiten des Fisches wohl -angepasst. Der Umstand, dass nur auf der untern Seite der Wasserlache -ein Gitter gezogen war, und dass die Fische unmittelbar vor demselben -am dichtesten angetroffen wurden, scheint anzudeuten, dass sie auch -noch im Schlamm weiter wandern und sich in dem Maasse als die Bäche -und Gräben austrocknen in die grösseren Wasseransammlungen zurückziehn. - -Dem Quíngoa aufwärts, in östlicher Richtung, auf bequemer Strasse -folgend, durch wohlbebautes, üppig fruchtbares Gebiet, an zahlreichen -steinernen Kirchen und Kapellen vorüber, die sich mit den Palmen und -Bambusbüschen zu hübschen Bildern gruppiren, erreichte ich in Pater -Llano's Vierspänner den bedeutenden Ort Balívag, dessen Gewerbfleiss -weit über die Grenzen der Provinz hinaus berühmt ist. - -Ich besuchte mehrere Familien und fand überall freundliche -Aufnahme. Die Häuser waren von Brettern (casas de tabla), ruheten auf -Pfählen, fünf Fuss über dem Boden, und bestanden aus einem geräumigen -Wohnzimmer, an welches auf einer Seite die Küche, auf der andern ein -offner Raum, die Azotéa (s. S. 20) stösst; ein hohes luftiges Dach -von Palmenblättern erhob sich darüber, der Eingang war von der Azotéa, -die fast zur Hälfte vom Dach überragt wird. Der Fussboden bestand aus -zollbreiten Holzlatten mit halb so breiten Zwischenräumen. Stühle, -Tische und Bänke, ein Schrank und verschiedene kleine Luxusgegenstände, -Spiegel, eingerahmte getuschte Lithographien waren vorhanden. Die -Sauberkeit der Häuser sowohl als der Zustand der Möbel zeugten von -Ordnung und Wohlstand. - -Fast in jedem Hause fand ich Frauen mit Weben von Tápis beschäftigt, -die auf dem Markt von Manila den besten Ruf haben. Es sind schmale, -sehr dicht gewebte 6 Varas lange Seidenzeuge in dunkelbraunen -Farben mit schrägen weissen Streifen. Sie werden über dem Sarong -getragen. (Vergl. S. 24). - -Besonders berühmt ist Balívag aber wegen seiner Zigarrentaschen Petáca, -[67] die alle andern an Feinheit übertreffen. Sie bestehen nicht aus -Stroh, sondern aus feinen Streifen spanischen Rohres, und zwar aus -dem untern Ende der Blattstiele einer Calamusart, die angeblich nur -in der Provinz Neu-Écija wächst. Ein Bündel von hundert ausgesuchten -2 Fuss langen fingerdicken Stöcken kostet bis 6 r. Nachdem diese -Stöcke vier bis fünf mal der Länge nach gespalten, entfernt man -das innere Holz, so dass nur die äussere Haut übrig bleibt; die so -erhaltenen dünnen Streifen werden dann aus freier Hand zwischen einem -convexen Porzellanscherben und einem schräg dagegen gestellten Messer -durchgezogen, und schliesslich noch durch zwei schräg gegen einander -stehende Stahlklingen. Die Arbeit verlangt viel Geduld und Uebung; -bei der ersten Handhabung zerbricht durchschnittlich die Hälfte der -Fäden, bei der zweiten gewöhnlich mehr als die Hälfte, so dass kaum 20% -übrig bleiben. Für sehr feine Geflechte ist das Verhältniss noch weit -ungünstiger. Das Flechten geschieht über hölzerne Walzen. Eine Tasche -von mittlerer Feinheit, die an Ort und Stelle 2 Doll. kostet, kann bei -ununterbrochener Arbeit in sechs Tagen vollendet werden. Ausnahmsweise -feine, auf besondere Bestellung für Kenner angefertigt, werden mit -50 Doll. und mehr bezahlt. - -Von Balívag den Quíngoa aufwärts verfolgend, kommt man an vielen -Steinbrüchen vorbei, wo in Bänke gesonderter vulkanischer Tuff zu -Bausteinen ausgebeutet wird. Die mit hohen stacheligen Bambusen -besetzten Ufer waren 10 bis 12 Fuss hoch. In der Regenzeit tritt -der Fluss aus und überschwemmt weithin die Ebene, daher die vielen -Klappen grosser Süsswassermuscheln (Corbicula sp.) in der den Tuff -überlagernden Dammerde. Bei Tobóg, einer Visíta, halbwegs zwischen -Balívag und Angat, zeigen sich die ersten Hügel. Ihre flachen -Abhänge sind wie in Java terrassenförmig als Rieselfelder zum Reisbau -eingerichtet. Ausser bei Lúcban habe ich dergleichen Sawas in den -Philippinen nicht wahrgenommen. Viele kleine Zuckerfelder, deren -Produkt aber von den Eigenthümern noch recht ungeschickt verwerthet -wird, zeigen, dass die Vorbedingungen zum schwunghaften Betriebe des -Ackerbaus vorhanden sind. Streckenweis sind Schattendächer über die -Strasse gebaut mit Bänken zum Rasten; ich habe sie nur in dieser -Provinz gefunden. Man könnte sich in einem der dichtbevölkerten, -ertragreichsten Bezirke Java's glauben. - -Die Nacht brachte ich in einem Convento zu (so heissen in den -Philippinen die Wohnhäuser der Pfarrer). Es war äussert schmutzig, -der Geistliche, ein Augustiner, voll Bekehrungsgelüste. Ich hatte -ein langes geographisches Verhör zu bestehn über den Unterschied -zwischen Prusia und Rusia, ob das grosse Norimbergo die Hauptstadt -des Granducado oder des Imperio de Rusia sei? erfuhr dass die -Engländer auf dem Punkte stünden in den Schooss der christlichen -Kirche zurückzukehren, die »Andern« dann auch wohl bald nachfolgen -würden, und wurde trotz angelegentlicher Empfehlung des Pfarrers -Llanos recht schlecht aufgenommen. Später bin ich noch einmal zwei -jungen Kapuzinern in die Hände gefallen, die Bekehrungsübungen an mir -vornahmen, mich aber, abgesehn von dieser kleinen Zudringlichkeit, -auf's beste behandelten und verpflegten. Es gab sogar in Wasser -gesottene Gänseleberpastete, die ich an den fettumflossenen Trüffeln -schnell erkannte. Zur Strafe für ihre Zudringlichkeit enthüllte ich -meinen Wirthen nicht die richtige Gebrauchsanweisung, kaufte ihnen -die noch übrigen Blechbüchsen ab, und hatte später das Vergnügen -im Urwald Gänseleberpastete zu essen. Dies sind die beiden einzigen -Fälle, wo ich in solcher Weise belästigt worden, bei einem Aufenthalt -von mehr als anderthalb Jahren. - -Der mit einem Pass versehene Reisende ist übrigens durchaus nicht -auf die Gastfreundschaft der Pfarrer angewiesen, wie in manchen -abgelegeneren Gegenden Europa's. Jede Ortschaft, jedes Oertchen, hat -sein Gemeindehaus, Casa real oder Tribunal genannt, in welchem er -wohnen kann und Lebensmittel zum Marktpreis geliefert bekommt, ein -Umstand, der mir bei meinem ersten Ausflüge nicht bekannt war. Der -Reisende ist also in dieser Beziehung völlig unabhängig, wenigstens -in der Theorie; in der Praxis wird er freilich oftmals nicht umhin -können, in den abgelegneren Provinzen, im Convento zu wohnen, denn -der Pater, vielleicht der einzige Weisse auf viele Meilen in der -Runde, lässt sich schwerlich die Gelegenheit entgehn, einen seltenen -Gast einzufangen, ihm das beste Zimmer im Hause zu geben, und alles -aufzubieten, was Küche und Keller zu leisten vermögen. Alles wird -mit so aufrichtiger unverhohlener Freude über den Besuch dargeboten, -dass der Gast durchaus nicht das Gefühl hat, als würde er verpflichtet, -sondern umgekehrt die Ueberzeugung gewinnt, dass er seinem Gastfreunde -Vergnügen macht, wenn er seinen Besuch verlängert. Einmal, als ich -trotz der erhaltenen Einladung des Padre Cura darauf bestand, in's -Tribunal zu gehn, und mich darin eben niedergelassen hatte, erschien -alsbald der Pater mit den Ortsbehörden und dem Musikchor, die wegen -der Vorbereitung zu einem Kirchenfeste im Convento zufällig anwesend -waren, liess mich auf meinem Stuhle sitzend aufheben und mit Musik -und allgemeinem Jubel in sein Haus tragen. - -Am folgenden Tage besuchte ich eine NNO. von Angat gelegene Eisenhütte -Kúpang, von zwei mir aufgenöthigten Bewaffneten begleitet, da die -Gegend wegen Räubereien übel berüchtigt war. Nach einer Stunde -in nördlicher Richtung durchfurtheten wir den Banávon, damals ein -schmaler Bach, zwischen vorwiegend plutonischem Gerölle fliessend, -in der Regenzeit ein mehrere hundert Fuss breiter Strom, und -erreichten nach zwei Stunden die Eisenhütte, einen mitten im Walde -gelegenen grossen Schuppen, mit einem Hängeboden an einem Ende, der -dem Unternehmer, einem vor Jahren in Sámar gestrandeten Engländer, -und seiner Frau, einer hübschen Mestizin, zur Wohnung diente. Legte -ich mein Taschentuch, ein Bleistift oder sonst einen Gegenstand -aus der Hand, so wurde er sofort von der Frau eingeschlossen, um -ihn vor der Diebeswuth ihrer Diener zu schützen. Die armen Leute, -deren Unternehmung keinen Erfolg versprach, mussten ein trauriges -Leben führen. Zwei Jahre zuvor drangen 27 Räuber ein, plünderten -alles und warfen die Frau, die mit einer Magd allein im Hause war, -zum Fenster hinaus; sie kam ohne erhebliche Beschädigung davon, -die Magd aber, die vor Angst aus dem Fenster sprang, starb an den -erlittenen Verletzungen. Ohne Mühe gelang es die Räuber, Bergleute -und Bewohner von Angat, einzufangen, sie sassen damals bereits 2 -Jahre in Untersuchungshaft. - -Ich traf hier eine Negritofamilie, die mit den Leuten der Eisenhütte -in freundlichem Verkehr stand, und Nahrungsmittel gegen Waldprodukte -eintauschte. Der Mann begleitete mich auf die Jagd mit einem Bogen und -zwei Pfeilen bewaffnet, die Pfeile hatten zwei Zoll lange, lanzenartig -geformte eiserne Spitzen, deren eine mit Pfeilgift, einem schwarzen -Harz dick bestrichen war. Die Frauen nahmen Guitarren (tabaua) mit, -genau, wie die der Mintras auf der malayischen Halbinsel: fusslange -Bambusrohre, an welchen Saiten aus gespaltenem Stuhlrohr aufgespannt -waren. Auf nebenstehender Abbildung sind nicht diese Negritos, -von denen ich nur unvollkommene Zeichnungen besitze, sondern weiter -nördlich lebende, nach guten Photographien dargestellt. - -Um auf der Rückreise nicht wieder in dem leidigen Convento zu -übernachten, wo mein Diener mit meinen Sachen zurückgeblieben war, -folgte ich dem Rath der freundlichen Leute, spät abzureiten und erst -nach 10 Uhr dort einzutreffen. So konnte ich, da das Pfarrhaus um -10 Uhr verschlossen wird, ohne Anstoss bei einem ihnen befreundeten -reichen Mestizen einkehren. Um halb eilf erreichte ich das gastliche -Haus, und setzte mich zu den muntern Frauen, die gerade am Abendessen -waren. Da erscheint plötzlich auf der Schwelle des Hinterzimmers mein -Pfarrer nebst zwei andren Augustinern, die mit dem Hausherrn Karten -gespielt hatten, und indem sie mich mitschleppten, mein Glück priesen: -»denn wären Sie nur eine Minute später gekommen, so hätten Sie nicht -mehr in das Convento gekonnt.« - - - - - - - - -SIEBENTES KAPITEL - - PROVINZ LAGUNA. -- BANCAFAHRT. -- BARREN DES PASIG. -- SEE VON - BAY. -- MAARE BEI CALAUAN. -- PALMENWEIN. -- REISEN OHNE DIENER. -- - VULKAN MAJAIJAI. -- BÜFFELFAHRT. - - -Meine zweite Reise führte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See -von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehöhlten -Baumstamm mit flach gewölbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so -niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch -jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes -Bambusgitter schützt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm -zum Lager. Jurien de la Gravière vergleicht die Banca treffend mit -einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass -ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt. [68] -Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je -5 r. zusammen 4 1/2 Thaler täglich erhielten, ein hoher Preis für die -trägen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der -Reis, den ein kräftiger Arbeiter täglich verzehrt, kostet selten mehr -als 1 bis 1 1/2 Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige), -die Zuspeise (Wasserthiere und Kräuter) einige Pfennige. Zahlreiche -Dörfer und Tienda's, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn -sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwänden -die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig -das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hülfe der -Nachtwächter, gelang es, sie einzeln aus den Häusern ihrer Freunde zu -holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf -Sandbänken festgesessen, gelangten wir in den von Hügeln und Bergen -umschlossenen See von Bay und erreichten früh morgens Jalajala. - -Der Pasig bildet einen natürlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen -der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Süsswassersee von 35 -Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna, -Cavite, umgrenzen. Früher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des -Sees gefahren sein [69], jetzt wird es durch Sandbänke verhindert; bei -den Barren von Napíndan und Tagúíg gerathen selbst sehr flache Boote -auf den Grund. [70] Würden die Barren fortgeräumt und die Manila mit -Binondo verbindende steinere Brücke in eine Drehbrücke verwandelt oder -durch einen Kanal umgangen, so könnten Küstenfahrer die Erzeugnisse -der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen, -einnehmen. Der Verkehr würde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken, -die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern -werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt -worden, ist aber nicht zur Ausführung gekommen. Die Versandung des -Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befördert, -deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begünstigt, -da sie eine kleine Abgabe davon erhebt. - -Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die östliche der beiden von -N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines -der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug -seiner hübschen Lage in der Nähe Manila's und den phantasiereichen -Schilderungen des früheren Besitzers de la Gironnière. Die Halbinsel -ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljährlich führen -die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und -vergrössern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und -stachligen bis 8' hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand -dient als Büffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder -bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den -dicht bewaldeten Sembrano, den höchsten Berg der Halbinsel begrenzt, -auf den übrigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand -ausgenommen ist das ganze Gebiet hügelig mit Gras und Baumgruppen -bewachsen, ein trefflicher Weideplatz für die ansehnlichen Heerden -(1000 Büffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande -der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs -Bewaffnete, die uns für Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf -die gehoffte Prämie verzichten mussten. - -Jalajala gegenüber, am Südrande des Sees von Bay liegt das Dörfchen -Los Baños, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling -benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen -zu Heilzwecken, [71] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer -des See's ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom -flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht -von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden. - -NW. von Los Baños liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee, -Dagátan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von -Dagát (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von -den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines, -aber Schaaren von Wasservögeln flogen auf, als ihre Einsamkeit -gestört wurde. - -Von Los Baños wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo, -nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde -(bianchetto) gewonnen wird, die geschlämmt in Manila zum Anstrich -dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mühe erlangter -Führer nach einer halben Stunde todtmüde stellte. Die eingezogenen -Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren -mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden. [72] - -Auf der Rückfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung -mit wenigen ärmlichen Hütten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald -und Gestrüpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga -(Mädchenbusen), ein Doleritberg mit schön geformter Kuppe. Am Strande -fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit völlig ausgebildeten -Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlüpften. - -Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewöhnlich später zur Geltung kommt -als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss -nach dem südlich vom See gelegenen Orte Caláuan zu gehn, der durch den -queer davor liegenden Maquiling geschützt den Einfluss des Regenmonsuns -erst später empfindet. In Caláuan traf ich Herrn v. la Gironnière, -den durch seine haarsträubend erzählten Abenteuer wohlbekannten -»Gentilhomme breton«, seit kurzem aus Europa zurückgekehrt um eine -grosse Zuckerfabrik zu gründen; sein Unternehmen misslang indessen. Das -Haus des seitdem verstorbenen rüstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei -Tracht und Bedürfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl -Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an -dem Geschäft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen -Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft -gelebt hatten. - -Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne -Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der -Strasse die nach S. Pablo führt, befindet sich die Llanura de Imúc, ein -von mehrere hundert Fuss hohen Wällen doleritischer Rapilli gebildetes -Kesselthal. Auf grossen Basaltblöcken kann man den Rand erklimmen, -alles übrige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine -verwilderte, vom früheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine -genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen. - -Nördlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wänden. Der Boden -ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der -Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu -bilden. Er dürfte daher leicht zu entwässern und urbar zu machen sein. - -Südwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt -der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin -viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrösse, erhebt sich ein -kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft -(in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstürzen -die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wände -ragen hundert Fuss über den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte -läuft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hälften, die nördliche ist -mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die südliche nimmt -ein See ein, dessen Spiegel zum grössten Theil von Pistien bedeckt -ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli. - -Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurück die auf einer 2 -Fuss mächtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrücke -liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten -nicht aus; sie sind aber alle ächt tropisch [73] und können nach -Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehören, die noch heut -an dieser Stelle wachsen. - -SO. davon etwa 1/2 Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg -führt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett -grosse vulkanische Blöcke. - -Der erste See Maycap, völlig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine -künstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand, -der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Südspitze des -S. Cristoval N. 73° O. Die gegen 80' hohen Wände erheben sich gen -W. zu dem Hügel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern -Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen. - -Daneben liegt ein andres Maar: Palákpakan, von ziemlich gleichem -Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wände, -30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70° -O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl -Fischapparate ragen daraus hervor. - -Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caláuan nach Píla, dann NO. nach -Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch -einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen -der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen -Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lässt sie -dann keine Früchte tragen, sondern fängt den aus der angeschnittenen -Blüthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein -Gährungsprodukt. [74] Da der Saft täglich zweimal gesammelt wird, und -die Blüthen unter der Blätterkrone 40 bis 50' über der Erde sitzen, -so sind in dieser Höhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf- -und Abkletterns Bambusen paarweis übereinander von einer Palme zur -andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich -an der obern festhält. - -Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der -Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier -und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah -durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda -abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafür zahlte, -dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb. - -Später traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen -Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn -machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5 -r. gekauft, (gewöhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen -für 2 r. zu haben). 35 Bäume geben im geringsten Falle täglich 36 Quart -Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Gährung und Destillation -6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Stärke erzielt werden. Zur -Bearbeitung genügt ein Mann, der für seine Leistungen die Hälfte -des Ertrages erhält: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6 -Cuartos. Der Kontrahent erhält also jährlich von 35 Bäumen, die im -Ankauf 21 7/8 Doll. kosten, 360 × 6/2 × 6 cuartos = 40 1/2 Doll., -nützt also sein Anlagekapital fast zu 200%. - -Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget -für 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr -schwierig und so unverhältnissmässig kostspielig, dass sie fast den -ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller -Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken -von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte -Beamte beeinträchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lähmte -die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes, -nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch -die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die -Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu -destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila -die Pferde damit tränkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen -endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862), -die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken -nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol -fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine -nach der Grösse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge -des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung -des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten) -eingeführt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen -haben, ist übrigens eine alte Gewohnheit. [75] Abgesehn davon ist -die Maassregel vom günstigsten Erfolge begleitet gewesen. - -In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385 -E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von -Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhüten mit -auffallend üppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem -spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. über Magdalena, wo die -Landschaft bergig wird nach Majaijái, indem sie vor letzterem Ort -(über 9000 E.) auf einer Brücke eine tiefe Schlucht überschreitet, -in welcher stattliche Baumfarne die grössere Meereshöhe (über 600') -andeuten. Das von den Jesuiten erbaute geräumige Convento Majaijái, -ist wegen seiner herrlichen Lage berühmt. Nach NW. dehnt sich der -See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel -Talim mit dem Vulcan Soson-dalága begrenzt. Vom Convento bis zum -See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von -Kokospalmen. Gen Süden wird der Abhang schnell steiler und hebt -sich zu einem mächtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten -zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajáo oder Majaijái, neben -welchem der S. Cristoval mit schöner glockenförmiger Kuppe hervorragt. - -Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschäftigt war, -begab ich mich über Lucban an die Ostküste nach Mauban, in tiefen -Tuffschluchten, an Lavablöcken vorüber dem Fuss des Majaijái -folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die -sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih -ziehende Gruppen. [76] - -Nach drei Stunden erreicht man Lúcban, einen wohlhabenden Ort -von 13,000 E. im NO. des Majaijái (ein Jahr darauf brannte es -gänzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes, -nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner -flechten feine Hüte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und -Pandanusmatten und treiben über Mauban einträglichen Handel mit den -Goldwäschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite -mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne. - -Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamón, der -Insel Alabát gegenüberliegt, führt im engen Thal des Rio Mápon -durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht -man Reisfelder in Terrassen wie in Java [77], in den Philippinen -eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bäume sind mit -Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus, -und einzelne grosse Fächerpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger -Fruchtkrone. - -Drei Leguas von Lucban drängt sich der Fluss an einem grossen, -aus prismatischen Säulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann -durch ein Konglomerat von nussgrossen völlig abgerundeten Geröllen aus -vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren -von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwärts -tritt das vulkanische Gerölle zurück, das Konglomerat besteht nur noch -aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert -mit Bänken von Thon und grobkörnigen Tuffen, in denen spärlich schlecht -erhaltene Blatt- und Muschelabdrücke vorkommen; doch gelang es eine -zwar plattgedrückte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu -finden. Diese Bänke mögen wohl 500' über dem Meeresspiegel liegen. - -Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, über den schon -ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlöcherten Bambusfloss, -das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und -jenseits in einer Sumpfpfütze strandete. - -Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit -Menschen gefüllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Würde, ein -kurzes Jäckchen über dem Hemd. An den Wänden standen bunt verzierte -Tische voll Obst und Gebäck, in der Mitte des Saales eine gedeckte -Tafel für 40 Personen. - -Ein Europäer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit -einigen Vorschüssen geflüchtet) gilt für einen Landstreicher; ich wurde -daher mit zudringlichen Fragen belästigt, liess sie aber unbeantwortet, -suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der -Küche einige gute Bissen aus den Fleischtöpfen, verzehrte sie von -vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern -Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal -mit Gästen füllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen -erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir -nicht möglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab -ich mich zu einem in Pueblo ansässigen Spanier, der mich, sobald mein -Pass das durch meinen Aufzug erschütterte Vertrauen hergestellt, auf -das liebenswürdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht -unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die -er für China mit Moláve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete. - -Auf der Rückkehr besuchte ich, wenig seitwärts vom Wege, zwischen -Mauban und Lucban, einen schönen Wasserfall Butúcan. Auf einer Sohle -von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, ähnlich -dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strömt zwischen dicht -bewachsenen hohen Tuffwänden ein wasserreicher Fluss und stürzt -plötzlich in eine angeblich 360' tiefe Schlucht, in der er weiter -fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so üppig, dass -man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall -hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java -(s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, über gewaltige -Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Fläche, die -wiederum vom mächtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat -sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben, -bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen -Wänden und stürzt dann jäh in die, von ihm selbst ausgewaschene -tiefe Schlucht. Strömender Regen verhinderte mich leider den -schönen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento -von Majaijái und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden -Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. »In -Majaijái dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, während welcher kaum ein -Tag vergeht, ohne dass es in Strömen giesst« (Estado geogr. S. 150). - -Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umständen nicht -ausführbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von -Majaijái ist der Banajáo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und -Montéro, zwei tüchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels -beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen -worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den -Vulkan Máyon in Albay, die Insel Políllo und bestimmten den Gipfel zu -7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700'. Der Krater enthielt -früher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730, -durch die in der Südwand entstandene Lücke abfloss. [78] - -Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch -tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caláuan erreicht; die -Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf -den folgenden Tag verschoben werden. Am nächsten Morgen waren keine -Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und -zwei Büffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff -nach Manila abgehn sollte. Ein Büffel war vorgespannt, der andre zur -Ablösung hinten angebunden. Da Büffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf -ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum -spürt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schläge -zum Aufstehn bewogen, geht er bedächtig, aber unaufhaltsam in eine nahe -Pfütze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mühe gelingt es den -Karren los zu machen und rückwärts wieder auf die Strasse zu schieben, -während die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepäck wird von -Neuem aufgeladen, die Büffel wieder in die ursprünglichen Stellen -eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Körpers in -das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Büffel folgt -langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich -ein besseres Gespann, mit dem ich spät Abends bei strömendem Regen -eine Häusergruppe Sa. Cruz gegenüber erreichte. Das Marktschiff -war abgegangen, alle Bemühungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem -Dorf zu erlangen, führten nur zu unverschämten Prellversuchen; -so ging ich denn in das geräumigste der Häuser, das ich von einer -Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde -mein Gesuch um Nachtquartier gewährt, ich liess Oel zur Beleuchtung -und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit, -die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschützer im Hause -blieben. Am nächsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von -Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um -über den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind -zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor -Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der äussersten -Südspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss -hoch über dem Wasserspiegel, Bänke mariner Muscheln, (hauptsächlich -Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben, -die noch heut an der Meeresküste sehr häufig sind; ein Zeichen dass -auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben. - - - - - - - - -ACHTES KAPITEL - - SEEREISE NACH ALBAY. -- MARIVELES. -- SCHIFFFAHRT ZWISCHEN - DEN INSELN. -- SAN BERNARDINO STRASSE. -- VULKAN BULUSAN. -- - LEGASPI. -- SORSOGON. - - -Gegen Ende August fuhr ich von Manila nach Albay in einem Schoner, -der Abacá gebracht hatte und in Ballast zurückkehrte. Wir liefen bei -gutem Wetter aus, aber am folgenden Tage mehrten sich die Anzeichen -eines herannahenden Sturmes in sehr bedenklicher Weise, der Kapitän -beschloss umzukehren und in dem kleinen sicheren Hafen von Marivéles, -einer Lücke im Südrand der Halbinsel Bataán, welche die Bay von -Manila westlich begrenzt, Schutz zu suchen. Wir erreichten ihn Nachts -zwei Uhr, nachdem wir vierzehn Stunden vor der Einfahrt gekreuzt -hatten. Hier mussten wir zwei Wochen vor Anker liegen, während es -fast ununterbrochen regnete und draussen stürmte. - -Ausflüge auf das Land mussten sich daher auf die unmittelbare Umgegend -beschränken. Leider erfuhr ich erst in den letzten Tagen, dass in -den Bergen eine Niederlassung von Negrito's bestehe, und erst kurz -vor der Abfahrt gelang es mir, einen Mann und eine Frau zu sehen und -zu zeichnen. Die Bevölkerung von Mariveles hat keinen guten Ruf. Das -Oertchen wird fast nur von Schiffern besucht, die dort bei schlechtem -Wetter einlaufen; die müssigen Mannschaften bringen dann die Zeit am -Lande mit Trinken und Spielen zu. Auffallend war die Schönheit und -weisse Farbe vieler jungen Mädchen, offenbar Mischlingen; wenn sie -auch offiziell als Tagalinnen gelten. Dieselbe Erscheinung nimmt man -in vielen Häfen und in der Umgebung von Manila wahr; in Gegenden, -die fast nicht von Spaniern besucht werden, ist die Bevölkerung -dunkler und von reinerer Rasse. - -Die Zahl der Schiffe, die hier Zuflucht suchten, stieg auf zehn, -darunter drei Schoner. Ein kleiner Pontin [79] versuchte jeden Morgen -auszulaufen, kaum aber hatte er sich die See draussen angesehen, -als er wieder umkehrte und von den übrigen mit höhnischem Jubel -begrüsst wurde. Der Hunger machte ihn so kühn. Die Mannschaft, -die ihre eigenen Produkte nach Manila gebracht, hatte den Erlös -der Ladung verspielt und war ohne Proviant ausgelaufen, in der -Hoffnung, ihre Heimat schnell wieder zu erreichen, was wohl auch -bei günstigem Winde gelungen wäre. Solche Fälle kommen nicht selten -vor. Mehrere Eingeborne miethen zusammen ein kleines Schiff, laden -ihre Erzeugnisse ein und fahren sie nach Manila zum Verkaufe. Die -Strasse zwischen den Inseln gleicht einem schönen breiten Strom mit -entzückenden Uferlandschaften voll kleiner Niederlassungen. Gegen -Abend finden die Seefahrer das Wetter häufig bedenklich und legen an, -um den Morgen zu erwarten. Die gastliche Küste bietet ihnen Fische, -Krabben, Muscheln in Fülle, häufig auch ungehütete Kokosnüsse; -- ist -sie bewohnt, um so besser. Die Gastfreundschaft zwischen den Indiern -ist sehr gross und umfassender als in Europa. Die Gäste vertheilen -sich in die einzelnen Hütten. Nach gemeinschaftlicher Mahlzeit, bei -der es nicht an Palmwein fehlt, werden die Matten auf den Boden des -Hauses ausgebreitet, die Lampe, eine grosse Schnecke mit Binsendocht, -verlöscht und Alles schläft zusammen. Als ich einmal nach fünftägiger -Fahrt in die Bay von Manila einlief, überholten wir ein Schiffchen, -das aus derselben Gegend wie ich, abgefahren war, um Kokosöl nach -Manila zu bringen und sechs Monat auf seinem Argonautenzuge zugebracht -hatte. Nicht selten wird dann die Ladung in der Hauptstadt verprasst, -wenn es nicht schon unterwegs geschehn. - -Als sich der Sturm endlich gelegt, verlassen wir Abends den Hafen von -Mariveles. Vor der Einfahrt liegt eine kleine vulkanische Felseninsel -aus säulenförmig abgesondertem Gestein von ganz auffallender -Aehnlichkeit mit der Cyclopen-Insel bei Trezza (Sizilien). Wie -dort, so auch hier eine spitze Pyramide, daneben ein kleines -flaches Eiland. Wir fahren die Küste von Cavite entlang bis zur -Punta Santiago, der SW. Spitze Luzon's, und wenden dann östlich, -in die schöne Seestrasse ein, die im Norden durch Luzon, im Süden -durch die Bisaya-Inseln begrenzt wird. Mit Sonnenaufgang enthüllt -sich ein herrliches Bild vor unseren Augen. Im Norden erhebt sich -der Vulkan Taal über das Flachland von Batangas, im Süden die dicht -bewaldete Felsen-Küste von Mindoro (anscheinend Kalk) mit ihrem Hafen -Porto Galera, dem eine kleine davor liegende Insel als Wellenbrecher -dient. Dichte Züge von Schiffen, die den Sturm in den Bisaya-Häfen -abgewartet, kommen uns, auf ihrem Wege nach Manila, entgegen. - -Denn dies ist die grosse Verkehrsstrasse des Archipels, die sich von -SO. nach NW. erstreckt, und das ganze Jahr fahrbar bleibt, da sie durch -den nach SO. ausgestreckten Arm Luzon's und die in gleicher Richtung -streichende Insel Sámar gegen den Anprall der NO. Stürme und gegen die -aus SW. durch die Bisayas geschützt ist. Die Inseln Mindóro, Panáy, -Negros, Cebú und Bojól folgen auf einander, bilden den südlichen Saum -der Strasse und bieten in ihren Zwischenräumen eben so viele nach -S. geöffnete Queergassen zur Mindoro See, die im W. von Paláuan, im -O. von Mindanao, im S. vom Sulu(Jólo)-Archipel begrenzt wird. Vor das -Ost-Ende lagern sich die Inseln Sámar und Leyte die nur drei schmale -Strassen zum grossen Ozean offen lassen: die Engen von S. Bernardino, -S. Juaníco und Surigáo. Mehrere grössere und unzählige kleine Inseln -liegen innerhalb dieser flüchtig angedeuteten Umrisse. - -Zwei grosse Buchten in der Südküste von Batángas bieten den Schiffen -Ankergrund, doch nur geringen Schutz, so dass diese bei schlechtem -Wetter nach Porto Galéra auf der gegenüber liegenden Insel Mindóro -flüchten. Taal, der Haupthafen der Provinz ist mit dem grossen -Binnensee von Taal oder Bombón durch einen nur 1 1/2 Leguas langen -Fluss verbunden, der früher schiffbar, jetzt so verschlämmt ist, -dass nur bei Fluth kleine Schiffe in den See gelangen können. Durch -Ausbaggern des Flüsschens liesse er sich in einen grossen Binnenhafen -verwandeln. Die Provinz Batángas liefert das beste Vieh nach Manila, -und führt Zucker und Kaffee (1865 16,000 Picul) aus. - -Auf Luzon steigen Reihen von Bergen auf, deren schöne Umrisse -vulkanischen Ursprung vermuthen lassen. Die südlichen Inseln scheinen -meist aus geschichtetem Gebirge zu bestehn. Sie endigen gewöhnlich in -schroffen, bis an den Rand bewaldeten Klippen. Der weithin sichtbare, -von allen Seiten gleiche, drehrunde Máyon oder Albáy bildet den -Hauptpunkt der Landschaft. Abends erscheint uns auf der südöstlichen -Spitze Luzon's der Bulusán, und alsbald wenden wir nördlich in die -enge San Bernardino Strasse, die Luzon von Samar trennt. - -Der Vulkan Bulusán, »der lange erloschen schien, 1852 aber wieder -zu dampfen begann« [80], wiederholt in überraschender Weise die -Formen des Vesuv. Wie dieser zeigt er zwei Spitzen, im Westen eine -glockenförmige Kuppe, den Eruptionskegel; im Osten, als Rest eines -grossen Ringgebirges einen hohen Bergzacken, der dem Monte Somma -entspricht; deutlich erkennt man daran die dem äussern Abhange -parallele Schichtung. Wie beim Vesuv steht der Eruptionskegel im -Mittelpunkte des alten Kraterwalles; der Zwischenraum, der ihn von -der gegenüberliegenden Bergwand trennt, der alte Kraterboden ist -beträchtlich grösser und viel unebener als das Atrio del Cavallo -am Vesuv. - -Die Strömung ist in der San Bernardino Strasse so stark, dass -wir zweimal ankern mussten, um nicht zurückzutreiben. Wir hatten -fortwährend vor uns den schönen Vulkan, mit dem Dörfchen Bulusán, -das auf seiner Ostseite in einem Kokoshain hart am Strande liegt. Mit -schwachen unstäten Winden mühsam gegen die Strömung kämpfend, gelangten -wir erst am folgenden Abend nach Legaspi, dem Hafen von Albay. - -Der Schiffskapitän war ein Spanier, und hatte sich bemüht die Reise so -schnell als möglich zu machen. Auf der Rückkehr von Leyte fuhr ich mit -einem eingeborenen Kapitän. Da diese Fahrt manche Eigenthümlichkeiten -darbot, so mögen des Vergleichs wegen einige bezeichnende Züge -derselben aus meinem Tagebuch Erwähnung finden: ... Der Kapitän wollte -Gemüse für mich mit nehmen, hat es aber »vergessen«. Er landet auf -einer kleinen Insel und kommt nach einiger Zeit mit einem grossen -Palmenkohl zurück, den er in Abwesenheit des Eigenthümers aus einer -zu dem Zweck gefällten Kokospalme geschält hat.... Ein andrer Theil -der Mannschaft war inzwischen nach einem Dörfchen, an der NW. Spitze -von Leyte gefahren, um Lebensmittel zu kaufen. Anstatt sich im Hafen -von Taclóban, vor der Abfahrt zu verproviantiren, ziehn die Schiffer -meist vor, es in irgend einem Dorf der schmalen Strasse zu thun, wo -es billiger als dort ist, und sie zugleich Gelegenheit haben sich ein -wenig am Lande umher zu treiben. Diese, kaum eine Seemeile breite, -durch dazwischen liegende Inseln stellenweis auf weniger als tausend -Fuss eingeengte San Juanico Strasse ist zwanzig Seemeilen lang; -die Schiffe brauchen aber zuweilen eine Woche um durchzufahren; denn -bei widrigen Winden und Strömungen wird geankert und ebenso Nachts -an schmalen Stellen. Gegen Abend meint unser Kapitän, der Himmel -sähe recht bedenklich aus; er läuft daher in die Bucht von Návo auf -Masbáte. Das Schiff geht vor Anker, er und ein Theil der Mannschaft -gehn an's Land. - -Am folgenden Tag war Sonntag, »der Himmel schien schon Nachmittags -recht bedenklich«, auch hatte der Kapitän Einkäufe zu machen. Das -Schiff ankerte vor Magdalena auf Masbáte, wo die Nacht zugebracht -wird. Am Montag fuhren wir mit günstigstem Winde in schneller Fahrt an -Marindúque und der südlich davor liegenden kleinen Felseninsel Elefante -vorbei. Elefante scheint der Rest eines Kraters, hat dieselbe Form -wie der Yriga, ist aber nicht halb so hoch, mit Futtergras bedeckt, -und hat Baumgruppen in den Schluchten. Es sollen tausend Stück -halbwilde Rinder darauf weiden. Ihr Preis ist 4 Doll., Fracht nach -Manila 4 Doll., dortiger Werth 16 Doll. Durch die Schiffer wird viel -Vieh gestohlen, da es fast ohne Aufsicht ist. Mein indischer Kapitän -bedauerte sehr, dass der günstige Wind ihm nicht zu landen gestatte --- vielleicht war ich ihm im Wege? »Das schöne Vieh! wie gut liessen -sich ein paar Köpfe für das Schiff einthun! Es hat kaum einen Herrn; -die reichen Eigenthümer wissen gar nicht, wie viel sie besitzen, -und der Bestand vermehrt sich fortwährend ohne ihr Zuthun.... Man -steckt sich ein paar Dollar in die Tasche, kommt ein Hirt, so giebt -man ihm einen Dollar, und der arme Mann ist glücklich; kommt Niemand, -um so besser, man kann auch allein fertig werden, ein Schuss oder eine -Wurfschlinge reichen hin«.... Ein Schiff »Luisa« kommt uns entgegen, -es macht ein sonderbares Manöver, bald hören wir lauten Jubel, denn -es ist ihm gelungen einen, von den Fischern von Marinduque auf den -Boden des Meeres hinab gelassenen Fischkasten zu stehlen, indem es -mittelst herabgelassener Haken, das Tau der Boye geschickt zu packen -wusste. Unser Kapitän ist ausser sich vor Neid. - -Legaspi ist der Haupthafen der Provinz Albay, weil er inmitten des -Abacágebietes liegt. Seine Rhede ist aber sehr unsicher; in den -Wintermonaten, weil sie den NO. Stürmen offen, nicht zu benutzen. - -Der NNO. ist der herrschende Wind an dieser Küste; der SW. ist -kaum zwei Monate, Juni und Juli, beständig. Die stärksten Stürme -finden zwischen Oktober und Januar statt. Sie beginnen meist mit -schwachem Westwind, von Regen begleitet, gehn nach N. oder S., und -erreichen ihre grösste Heftigkeit in NO. oder SO. Nach dem Sturm -tritt gewöhnlich Windstille ein, worauf der Wind des herrschenden -Monsun wieder zur Geltung kommt. Die leicht gebauten, elastischen -Häuser der Gegend widerstehen den Stürmen sehr gut, aber Dächer, -auch schadhafte Häuser werden häufig fortgerissen. Die Schifffahrt -zwischen Manila und Legáspi dauert höchstens von Januar bis Oktober, -während der Herbstmonate hört alle Wasserverbindung auf. Nur die -Briefpost kommt dann ziemlich regelmässig jede Woche an. Schweres -Gepäck kann in dieser Jahreszeit nicht anders befördert werden, -als auf grossem Umwege mit bedeutenden Kosten zur Südküste, von da -zu Schiffe nach Manila. Viel günstiger für die Schifffahrt liegt der -Hafen von Sorsogón, dessen nach Westen offene Bucht durch die quer -davor liegende Insel Bagaláo geschützt ist. Ausser der Sicherheit -hat er den Vortheil der schnelleren, nie unterbrochenen Verbindung -mit der Hauptstadt des Archipels, während die Schiffe von Legáspi, -in den Monaten, wo Schifffahrt überhaupt möglich bei jeder Reise das -östliche Ende Luzon's umkreisen müssen, bei der starken Strömung der -S. Bernardino Strasse, oft ein sehr schwieriges Unternehmen. Kleinere -Schiffe sind dann während sie ankern überdies in grosser Gefahr von -Seeräubern genommen zu werden. Aber Sorsogón hat kein so fruchtbares -Hinterland wie Legáspi. - -Ich brachte Empfehlungen an die beiden angesehensten Spanier der -Provinz mit. Sie nahmen mich auf das liebenswürdigste auf, und waren -mir, während der ganzen Dauer meines Aufenthalts in dieser Gegend, -von grösstem Nutzen. Auch hatte ich das Glück hier einen Alkalden -zu treffen, der dem Beamtenstande jedes Landes zur Zierde gereicht -haben würde. Von guter Familie, liebenswürdig im Umgang, ein ächter -Caballero. Um seine Rechtlichkeit zu bezeichnen wurde in Sámar von -ihm gesagt, mit einem Aktenbündel unter dem Arm sei er dort angekommen -und ebenso wieder abgegangen. - - - - - - - - -NEUNTES KAPITEL - - DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRÜCHE. - - -Durch Vermittelung meiner spanischen Freunde gelang es mir, -ein bequemes Haus in Darága zu miethen, [81] einem wohlhabenden -Pueblo von beinahe 20,000 E. am SSO. Fuss des Mayon 1 1/2 Leguas von -Legáspi. Dieser Vulkan galt für unersteiglich bis zwei junge Schotten, -Paton und Stewart, im April 1858 das Gegentheil bewiesen. [82] Nach -ihnen waren mehrere Eingeborene oben gewesen, aber kein Europäer. - -Ich brach am 25. Sept. Abends auf und übernachtete, auf Herrn Muñoz -Rath, in einer Hütte 1000 Fuss über dem Meere, um am folgenden Morgen -die Besteigung mit frischen Kräften zu beginnen. Aber zahlreiche -Müssiggänger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren -Lärm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig -erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel -wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem -man einige hundert Fuss weit durch 6' hohes Gras gestiegen, folgt -kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten; -auch diese hören bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein -kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie -bilden zuerst ein Gehölz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen -und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblöcken mühsam fortkommende -Bäumchen auflöst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach -allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure -und Wasser-Dämpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu -können, Mund und Nase mit Tüchern verbanden. - -An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders -heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen -wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht -der Verhältnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden -Dampfwolken es unmöglich machte die Breite der Klüfte zu übersehn. Die -Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mächtigen Bänken festen Gesteins, -unter einer von schwefliger Säure gebleichten Schlackenkruste. Viele -regellos umherliegende prismatische Blöcke zeigten, dass der Gipfel -früher höher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstösse -Lücken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe -Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814 -(s. unten) bisher widerstanden hatten. - -Später fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei -sehr klarem Wetter von Darága aus zu beobachten; es ergab sich dabei, -dass der Nordrand die Südseite überragte. (Vergl. d. Zeichnung.) - -An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen, -waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe -Salze abgesetzt hatten. Ueber 20' lange, von der Kuppe herabgeglittene -Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darága zugekehrten Seite -war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberfläche aus so feinen -lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die -Neigung dieses Stromes betrug über 30°, dennoch hat er unverkennbar -eine zusammenhängende Masse gebildet, es kamen Stücke von 5 bis 6' -Länge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter -liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stücke -zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600' tiefer, wo sich dieselbe -Lava über eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie -eine mehr als 40' lange zusammenhängende, nur durch kleine Sprünge -zerborstene Platte von 45° Neigung. - -Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als -es dunkel wurde. In der Hoffnung die Hütte zu erreichen, wo unsere -Lebensmittel zurückgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig -und müde zwischen grossen Felsblöcken umher und entschlossen uns -endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch -Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlässigkeit der Indier -veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute -waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer -Sachen im Biwuak zurückgelassener »sehr zuverlässiger Mann«, der den -Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen -zu kommen, war schon Vormittags nach Darága zurückgekehrt. Mein -Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm für mich trug, -verschwand plötzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand -mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten -die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als -unsere sehr dünnen Hüllen durchnässt waren, zum Zähneklappern. Mit -Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei -Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Hütte und erholten -uns nach 29stündigem Fasten. - -In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del -pais ist angeführt unter 4. September 1823: »Das Mitglied D. Antonio -Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. März und die Gesellschaft -befahl eine Denkmünze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und -besagten Siguenza und seine Gefährten zu belohnen.« In der Provinz -Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren, -denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung -des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrücklich erwähnt, -die Belohnung lässt es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt: -»Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu -seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, beträgt seine -Höhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter)« und Seite 143: er habe in -den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille -schlagen liess zu Ehren Siguenza's (und seiner Gefährten), der 1823 -den Krater des Vulkan's untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen -letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen -1592 zwei Mönche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff -des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam -nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den -Gipfel, da drei tiefe Schlünde ihm den Weg versperrten, aber auf die -blosse Erzählung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene -zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre »an den -Folgen der mannichfachen Temperaturen« denen er bei Besteigung des -Berges ausgesetzt gewesen. - -In manchen Büchern heisst es, der Berg sei beträchtlich hoch, in -andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo -man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht -erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Höhe nach den Messungen -des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen -Hydrographen wirklich ermittelte Höhe habe ich nirgends gefunden. Nach -meinen Barometermessungen beträgt die Meereshöhe der Gipfelplatte, -die aber noch von einzelnen Pfeilern überragt wird, 2374 Meter = -8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss. - - - Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey - verzeichnet, ist vom Februar 1616: »Anchoras suas 19. Februarij - ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua - sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis - montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure - (Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26 - Francf. 1620 Fol.« - - Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die - Ortschaft Malináo gänzlich zerstörte, und in Cagsáua, Camálig, - Budiáo, Guinobátan, Polángui und Ligáo grosse Verheerungen - anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil - II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug - aus dieser) entzündete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6 - Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide, - allmälig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom - Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu - sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October - spie der Vulcan während eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7 - Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens plötzlich nach - S. umsprang und dabei alle Hütten des Dorfes zerstörte, eine - so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tíbog und Albáy - mehrere Flüsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser - Wasserfülle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu - durchfurthen waren. . . . »Zwischen Bacacáy und Malináo betrug - die Breite der Flüsse über 80 Varas. Von Cemálig nach dem Innern - von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verändert, dass man die - Strassen nicht wieder erkennt. Malináo ist gänzlich zerstört, - fast alle Hütten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen - bedeckt; ein Drittel von Cagsáva ist gleichfalls vernichtet, - der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen - breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand - und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemálig, Guinobatam, - Liga und Bolangui noch grössere Verheerungen angerichtet. . . Im - SW. sind die Palmen und andere Bäume bis an ihre Wipfel begraben - worden. . . . In Albay wurden 18, in Malináo über 30 Leichname - gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere - Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . .« - - 1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg - schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses). - - Der Ausbruch vom 1. Febr. 1814 war aber bei weitem der - schlimmste. Al. Perrey S. 85 giebt einen Auszug aus der - Beschreibung eines Augenzeugen. [83] Um 8 Uhr Morgens warf der - Berg plötzlich eine dicke Säule von Steinen, Sand und Asche aus, - die sich schnell bis in die höchsten Luftschichten erhob. . . Die - Seiten des Vulkans verschleierten sich und verschwanden vor - unsern Blicken. Ein Feuerstrom stürzte vom Berge herab und - drohte uns zu vernichten. . . Alles floh und suchte die höchsten - Punkte auf. Das gewaltige Geräusch des Vulkans setzte alles in - Schrecken. Die Finsterniss nahm zu . . die Fliehenden wurden zum - Theil von den herabfallenden Steinen erschlagen. . . die Häuser - gewährten keinen Schutz, da die glühenden Steine sie in Brand - steckten. So wurden die blühendsten Ortschaften von Camarines - in Asche gelegt. Gegen 10 Uhr hörte das Herabfallen der grossen - Steine auf, ein Sandregen trat an die Stelle; um halb zwei Uhr - liess das Getöse etwas nach, der Himmel klärte sich allmälig - auf. . Der Boden war mit Leichen und Schwerverwundeten bedeckt, in - der Kirche von Budiáo waren 200, in einem Hause desselben Ortes 35 - Personen umgekommen. Fünf Ortschaften in Camarines sind gänzlich, - Albay zum grossen Theil zerstört. Zwölftausend Personen kamen - um, viele sind schwerverwundet, die Ueberlebenden haben alles - verloren. Der Anblick des Vulkans ist traurig und schrecklich, - seine vorher so malerischen, reich bebauten Abhänge sind mit Sand - bedeckt, furchtbar dürr . . die Schicht von Steinen und Sand ist - 10 bis 12 Varas dick. Wo früher das Dorf Budiáo stand, sind die - Kokosbäume bis an ihre Wipfel begraben. In den andern Dörfern - ist die Schicht nicht weniger als eine halbe Elle dick. . . Die - Spitze des Vulkans hat, so weit ich es beurtheilen kann, über - 120 Fuss an Höhe verloren, an der Südseite entdeckt man eine - ungeheure Oeffnung; drei andre Mündungen haben sich in geringer - Entfernung vom Hauptschlunde aufgethan; sie stossen noch Asche - und Rauch aus . . . die schönsten Ortschaften von Camarines und - der beste Theil der Provinz sind in eine unfruchtbare Sandwüste - verwandelt.« -- Im Estado geogr. ist ein Auszug aus der Schrift - eines andern Augenzeugen, Pater Franc. Tubino, aus Guinobátan - von 1816 enthalten; es heisst darin: Nach häufigen Erdstössen - am vorhergehenden Abend und starken Erschütterungen am Morgen - spie der Berg plötzlich aus seinem Rachen etwas wie Schnee aus, - das sich pyramidenförmig erhob, und die Gestalt eines schönen - Federbusches annahm. Da die Sonne hell schien, so gewährte die - vernichtende Erscheinung verschiedene schöne Anblicke. Der Berg - war an seinem Fuss schwarz, weiter aufwärts dunkel, in der Mitte - bunt, oben aschfarben. Während der Betrachtung des Schauspiels - wurde ein heftiger Erdstoss verspürt, gefolgt von starkem - Donner. Der Berg fuhr fort Lava mit Gewalt auszustossen, während - die Wolke, die er bildete, sich allmälig vergrösserte. Die Erde - wurde verdunkelt, die Luft brannte, man sah aus der Erde Blitze - und Funken kommen, die sich durchkreuzten und ein furchtbares - Gewitter bildeten. Darauf folgte unmittelbar ein Regen von - grossen, brennenden und verbrannten Steinen, die alles was sie - trafen vernichteten und verbrannten, bald darauf kleinere Steine, - Sand und Asche. Dies währte über drei Stunden, die Dunkelheit etwa - fünf. Die Städte Camálig, Cagsáua, Budiáo, die Hälfte von Albáy - und Guinobátan wurden verbrannt und zerstört. Die Dunkelheit - verbreitete sich sehr weit -- bis nach Manila und Ilócos, die - Asche soll, wie einige versichern, bis nach China geflogen, - der Donner in vielen Theilen des Archipels gehört worden sein. - - 1827 brach in Manila (Luzon) ein Vulkan aus, in der Provinz Albay, - der Ausbruch dauerte bis zum Februar 1828. (A. Perrey S. 93). - - Den Pfarrern der Ortschaften am Fuss des Mayon verdanke ich - folgende Mittheilungen über die Ausbrüche des Vulkans, deren - Zeugen sie gewesen sind: - - 1834 und 1835. In diesen beiden Jahren war der Berg fast - ununterbrochen in Thätigkeit. Aschenausbrüche wurden nicht - wahrgenommen, aber fast jede Nacht sah man glühende Lava - von der Spitze nach verschiedenen Richtungen in den oberen - Schluchten herabfliessen. Im Monat Mai 1835 fand ein sehr starker - Gipfel-Ausbruch statt, mit Aschen- und Steinregen; er begann um 6 - Uhr früh, dauerte aber nicht bis zum Abend; man sah abwechselnd - graue und weisse Säulen sich vom Gipfel erheben; in den grauen - Säulen konnte man grosse Steine erkennen, die Erscheinung war - von starkem Donner begleitet. - - Nach den Ausbrüchen von 1835 blieb der Berg ruhig bis 1845, - selbst Dampfwolken waren oft mehrere Monate lang nicht - wahrzunehmen. Nach Capt. Wilkes (U. S. Expl. Exp. V 283) wäre - zu vermuthen, dass auch 1839 ein Ausbruch statt fand: ... »aber - viele (Vulkane) rauchten, besonders der im Gebiete von Albay, - Ysarog genannt. Sein letzter Ausbruch fand 1839 statt, that aber - wenig Schaden im Verhältniss zu dem von 1814 ... er liegt 150 - Miles SO. von Manila und soll ein vollkommener Kegel sein.« -- - Statt des Ysarog ist hier der Mayon gemeint; die mit gesperrter - Schrift gedruckten Stellen passen nur auf diesen, der Ysarog - ist erloschen. Dieselbe Namenverwechselung wiederholt sich noch - zweifelloser bei Dana. (U. S. Expl. Exp. Geology. 541): »In der - SO. Ecke (von Luzon) steht der hohe Kegelberg Albay, von den - Eingeborenen Ysarog genannt.« -- Der fragliche Ausbruch kann wohl - nur unbedeutend gewesen sein, da die Pfarrer ihn nicht erwähnen. - - Am 21. Januar 1845 verkündete starkes Donnergeräusch einen - Gipfelausbruch, der indessen nur 10 Minuten währte. Eine - Viertelstunde darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, dauerte - abermals zehn Minuten und trat nach etwa einer Stunde zum dritten - Mal ein. Um 9 Uhr aber fand mit starkem Getöse ein Aschen-Ausbruch - statt, der zwei Stunden ohne Unterbrechung anhielt und in dem - Gebiet SW. vom Berge die Luft verfinsterte. In Darága blieb es - hell und man konnte die schöne Erscheinung, die in Guinobátan - Alles in Schrecken setzte, ungefährdet betrachten. Der Ausbruch - hielt noch einige Tage an, aber schwächer; bei Tage gewahrte man - eine dunkle Aschensäule, Nachts erschien sie glühend. Auch sah man - dann glühenden Sand in den Schluchten sich abwärts schieben; dies - Schauspiel währte eine Woche lang. Zugleich hörte man Nachts ein - Rauschen wie von einem Sturzbach; bei Tage war nur das Geräusch - der gegeneinander schlagenden Steine wahrzunehmen. Wegen des - herrschenden NO.-Windes fiel die Asche in Guinobátan, Ligáo - und Camálig nieder, wo es bei Tage so finster war, dass man mit - Laternen auf der Strasse ging. Auf dem Bergabhange überraschte - Büffel und Rinder kamen um, sonst waren keine Unglücksfälle - zu beklagen. - - 1846 starker Ausbruch an einem Nachmittage. Von Camálig aus (im - S.) erscheint der ganze Berg in eine Wolke gehüllt, darüber eine - schwarze Aschensäule. Mehrere Nächte starker Feuerschein am Gipfel. - - 1851 zwei Aschenausbrüche, beide unbedeutend, der zweite im Juni. - - 1853, 27. Juli (13. Juli nach Estado geogr. S. 318). Grosser - Ausbruch von zwölf Uhr Mittags bis drei Uhr. Er wird durch - starkes Donnern, aber ohne Erdstösse eingeleitet. Aus dem Gipfel - bricht eine hohe Aschensäule hervor, welche die Gestalt eines - Baumes annimmt; die Dörfer im Umkreise mehrerer Meilen werden - mit Asche bedeckt. Glühende Steine rollten bis an den Fuss des - Berges herab und zerstörten mehrere Häuser. 31 Menschen kamen in - einer Abacápflanzung um (33 nach Estado 318.). - - Ein heftiger Ausbruch soll am 22. März 1855 während eines - Erdbebens in Manila stattgefunden haben. (A. Perrey S. 105 nach - einer Mittheilung der Herren Meister und Kluge.) - - Nach Hochstetter (Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 36, S. 131) hat - der Mayon 1857 so viel Asche ausgeworfen, dass alle Bienen der - Umgegend getödtet wurden. - - 1858 war der Berg fast ununterbrochen thätig, doch fanden keine - grossen Ausbrüche statt, aber fast alle Nächte sah man am Gipfel - glühende Lava in den Schluchten. 1859 und 1860 konnte man fast jede - Nacht bei klarem Wetter einen Feuerschein am Gipfel wahrnehmen, - Ausbrüche fanden nicht statt. - - Erdbeben sind in dieser Provinz seltener als in Manila und - gewöhnlich wegen der Bauart der Häuser unschädlich. 1840 und 1846 - fanden zwei bedeutende statt, deren ersteres die Ortschaft Sorsogón - zum grösseren Theil zertrümmerte. Im Anhang zur engl. Uebersetzung - von Morga S. 373 wird ein furchtbares Erdbeben angeführt, das am - 19. Oct. 1865 in der Provinz Albay viel Hab und Gut zerstörte, - wobei die Orte Malináo und Tabáco von der See überschwemmt wurden. - - Nach einer in Nature enthaltenen Notiz aus Manila brach Mitte - Dezember 1871 der Mayon aus und spie mehrere Wochen lang Rauch, - Steine und Lava aus. - - - - - - - - -ZEHNTES KAPITEL - - CACAO. -- KAFFEE. -- KIRCHWEIHFEST. -- LEBEN IN DARAGA. - - -Ein herabspringender Stein hatte mich auf dem Mayon so erheblich am -Fusse verletzt, dass ich über einen Monat nicht ausgehn konnte. Unter -solchen Umständen war es sehr angenehm eine geräumige bequeme -Wohnung zu haben. Mein Häuschen lag an einem klaren Bach von einem -Garten umgeben, in welchem Kaffee, Cacao, Orangen, Bananen, Papayas -in üppiger Fülle zwischen hohem Unkraut wuchsen. Viele überreife -Cacaofrüchte waren unbenutzt abgefallen, ich liess die reifen sammeln, -rösten und mit gleicher Menge Zucker zu Chocolade verarbeiten, eine -Kunst, die hier in jeder grösseren Haushaltung verstanden wird; denn -Chocolade vertritt bekanntlich bei den Spaniern die Stelle des Thee's -und Kaffee's; auch die Mestizen und bemittelten Eingeborenen machen -starken Gebrauch davon. - -Der Cacaobaum stammt aus dem zentralen Amerika, reicht dort von 23° -N. bis 20° S. (von 30° N. bis 30° S. Rappt. Jury XI, 268), gedeiht aber -nur in den heissesten, feuchtesten Erdstrichen. Nach Karsten setzt er -bei einer mittleren Temperatur von unter 23°.3 C. schon keine Frucht -mehr an, von allen Kulturfrüchten verlangt er die grösste Wärmemenge. - -In die Philippinen wurde er von Acapulco aus eingeführt, entweder -nach Camarines 1670 durch einen Steuermann, Pedro Brabo de Lagunas, -oder nach Samar, unter Salcédo's Regierung (1663-1668) durch die -Jesuiten. [84] Seitdem hat er sich über einen grossen Theil der Inseln -verbreitet, und, obgleich wohl nie Gegenstand besonderer Pflege, ist -seine Frucht doch von vorzüglicher Beschaffenheit. Der Cacao von Albay -steht, wenn man den im Lande dafür gezahlten Preis als Maassstab gelten -lässt, dem Carácas wenigstens gleich, der in Europa den ersten Rang -behauptet und wegen seines hohen Preises gewöhnlich zu drei Vierteln -mit geringeren Sorten gemischt wird. [85] Man findet aber den Strauch -meist nur in kleinen Gärten, in unmittelbarer Nähe der Häuser, und -so gross ist die Trägheit der Indier, dass sie die Früchte häufig -verfaulen lassen, ohne die köstlichen Saamen zu nutzen, obgleich der -einheimische Cacao höher im Preise steht als der eingeführte. Auf -Cebú und Négros wird etwas mehr gebaut, aber lange nicht ausreichend -für den Bedarf der Kolonie, die das Fehlende gewöhnlich von Ternate -und Mindanao einführt. Den besten Cacao der Philippinen erzeugt -die kleine Insel Maripipi, NW. von Leyte; er ist schwer zu haben, -gewöhnlich schon voraus bestellt, das Liter wird gern mit 1 Dollar -bezahlt; der von Albay gilt 2 bis 2 1/2 Doll. die Ganta (3 Liter). - -Der Indier steckt die zum Keimen bestimmten Kerne gewöhnlich einzeln -mit etwas Erde in dütenförmig gefaltete Blätter und hängt sie unter -seinem Dache auf. Sie wachsen schnell und werden, um die Entwicklung -des Unkrauts zu hemmen, in sehr geringen Entfernungen von einander -(6' bis 7') ausgepflanzt. Diesem Verfahren ist es wohl zuzuschreiben, -dass sich die Pflanzen nur zu Sträuchern von 8 bis 10 Fuss Höhe -entwickeln, während sie in ihrem Vaterlande bis 30', manche Arten -selbst 40' hoch werden. (Nach Angabe des Paters von Borongan freilich -kommen auf einer kleinen Insel bei Guiuan ausserordentlich grosse -Cacaobäume vor.) Dennoch soll ein solcher Strauch, der schon im -3ten oder 4ten Jahre die ersten Früchte trägt, vom 5ten oder 6ten -Jahre an volle Ernten von je einer Ganta Cacao geben die, (wie oben -bemerkt), 2 bis 2 1/2 Doll. gilt, und immer Käufer findet. [86] Der -Nutzen einer in vollem Ertrage stehenden Pflanzung muss daher höchst -beträchtlich sein. Trotz dem ist es bisher nicht gelungen den Cacaobaum -im Grossen einzubürgern. Es heisst die ökonomische Gesellschaft habe -eine erhebliche Geldprämie für Jeden ausgesetzt, der eine Pflanzung -von 10,000 tragenden Bäumen aufweisen könnte, nur ein Einziger, der -verdiente Oidor Azoala, soll sie gewonnen, die Pflanzung aber trotz -der gebrachten Opfer wieder aufgegeben haben. (Im Bericht über die -Thätigkeit der Gesellschaft finde ich diese Prämie nicht erwähnt.) - -Das Haupthinderniss scheint in den fast alljährlich wiederkehrenden -gewaltigen Stürmen zu liegen, die zuweilen in einem Tage eine -ganze Pflanzung der nicht tief wurzelnden Bäumchen zerstören. 1856 -soll ein einziger Taifun mehrere bedeutende Plantagen kurz vor der -Ernte von Grund aus vernichtet und dadurch allgemeine Entmuthigung -hervorgerufen haben. [87] In Folge davon wurde eine Zeitlang die -steuerfreie Einführung von Cacao gestattet und man konnte den von -Guayaquíl für 15 Doll. den Quintál kaufen, während der einheimische -mehr als das doppelte galt. - -Der Baum hat auch viel durch feindliche Insekten zu leiden, durch -eine Krankheit deren Ursache unbekannt, [88] und wird, abgesehn von -andern Raubthieren, besonders von Ratten heimgesucht, die zuweilen in -solchen Schaaren einfallen, dass sie in einer Nacht die ganze Ernte -vernichten. Gutgehaltene Cacaopflanzungen werden von amerikanischen -Reisenden als sehr schön geschildert. In den Philippinen, wenigstens -in Ost-Luzon, zeigt der enggepflanzte, vernachlässigte, von Flechten -bedeckte Baum schon früh ein greisenhaftes Ansehn. Seine Lebensdauer -ist kurz. Die zuweilen fast fusslangen ovalen Blätter hängen vereinzelt -an den Zweigen, bilden keine dichte Krone, die Blüthen sind sehr -unscheinbar, nicht grösser als Lindenblüthen, röthlich gelb, -und brechen an langen Stielen einzeln, oder in kleinen Büscheln -unmittelbar aus dem Stamm oder den stärkeren Aesten hervor. Die -Frucht reift in sechs Monaten, wird 5 bis 8'' lang, gleicht einer -sehr warzigen Gurke und ist im reifen Zustand roth oder gelb. Zwei -Spielarten scheinen auf den Philippinen nur gebaut zu werden. [89] -Das Fleisch ist weiss, breiartig weich, schmeckt angenehm säuerlich, -und enthält in fünf Reihen anderthalb bis zwei Dutzend Kerne, die so -gross sind wie Mandeln und wie diese aus zwei Samenlappen und einem -kleinen Keim bestehen, dies sind die Cacaobohnen, geröstet und fein -gerieben geben sie Cacao, dieser mit Zucker und gewöhnlich auch mit -Gewürzen vermischt, Chocolade. Bis vor wenigen Jahren bereitete -fast jede Haushaltung in den Philippinen ihre Chocolade selbst, -nur aus Cacao und Zucker. Indier, die Chocolade geniessen, setzen -oft gerösteten Reis dazu. Jetzt ist in Manila eine Fabrik errichtet, -die Chocolade nach europäischer Art bereitet. Ein beliebter Zusatz -zur Chocolade in den örtlichen Provinzen sind geröstete Pilikerne. [90] - -Die Europäer lernten das aus dem Cacao bereitete Getränk zuerst -in Mexico unter dem Namen Chocolatl kennen. [91] Schon zur Zeit -Cortes', eines leidenschaftlichen Chocoladentrinkers, war der Baum -Gegenstand ausgedehnter Kultur. Die Cacaokerne vertraten bei den -Azteken die Stelle des Geldes, Montezúma empfing darin einen Theil -seines Tributes. Bei den alten Mexicanern genossen aber nur die -Reichen den Cacao ungemischt, die andern setzten, wegen des hohen -Werthes der Bohne als Münze, Mais- oder Mandioca-Mehl dazu. Noch -heut dienen in Zentral-Amerika die Cacaobohnen als Scheidemünze, -weil kein Kupfergeld vorhanden ist, die kleinste Silbermünze aber -1/2 Real beträgt. [92] Doch soll es im zentralen Amerika und am -Orinoco noch jetzt undurchdringliche Wälder geben, die fast ganz -aus wilden Cacaobäumen bestehn. [93] Ein Theil ihrer Früchte wird -auch gesammelt, ist aber von sehr geringem Werth. Schon an und für -sich weniger aromatisch als die kultivirten Sorten, können sie nicht -mit Sorgfalt zur rechten Zeit gepflückt und getrocknet werden und -verderben auf dem langen Transport durch die feuchten Wälder. - -Bis vor kurzem, als namentlich Franzosen sehr bedeutende Pflanzungen -in Zentral-Amerika anlegten, hatte der Ertrag in den amerikanischen -Produktionsländern seit Aufhebung der Sklaverei fast von Jahr zu Jahr -abgenommen. Obgleich nach F. Engel eine gedeihende Cacaopflanzung bei -geringer Mühe und Auslage mehr Ertrag giebt als jede andre tropische -Kultur, so sind auch dort die Ernten, die überdies erst nach 5 oder -6 Jahren beginnen, wegen der vielen Feinde der Pflanze nicht sicher, -die Kultur eignet sich daher nur für grössere Kapitalisten oder -ganz kleine Bauern, die den Baum in ihren Gärten ziehen. Die grossen -Pflanzungen sind aber nach Aufhebung der Sklaverei meist in Verfall -gekommen und die frei gewordenen Sklaven sind zu unbetriebsam. - -In Europa mundete die ursprüngliche Chocolade nicht allgemein; -sie fand erst später durch Zusatz von Zucker grössern Anklang. Das -übertriebene Lob ihrer Verehrer rief den erbitterten Widerspruch -der Gegner des neuen Getränks hervor, auch regten sich bei den -Geistlichen Gewissensskrupel wegen des Gebrauchs des nahrhaften Cacao -als Fastenspeise. Der Streit dauerte bis zum 17. Jahrhundert fort, -wo das Getränk in Spanien zum allgemeinen Bedürfniss wurde. [94] In -Spanien wurde der Cacao 1520 eingeführt, die Chocolade zuerst heimlich -bereitet, wegen des Monopols der Conquistadoren. 1580 war sie dort -schon in allgemeinem Gebrauch, in England aber so unbekannt, dass 1579 -ein englischer Kapitän eine weggenommene Ladung als nutzlos verbrannte -(Kottenkamp I., 579). Nach Italien kam sie 1606, nach Frankreich -wahrscheinlich durch Anna von Oesterreich. In London wurde 1657 das -erste Chocoladenhaus eröffnet. Deutschland folgte 1700 nach. [95] - -Mit dem Kaffee geht es in den Philippinen beinahe wie mit dem -Cacao. Der Strauch gedeiht vorzüglich, seine Frucht ist von so -ausgezeichnetem Geschmack, dass geringer Manila-Kaffee wie guter Java -bezahlt wird, dennoch ist die Kaffeeproduktion der Philippinen höchst -unbedeutend und verdiente bis vor Kurzem kaum der Erwähnung. Nach -dem Berichte eines Engländers von 1828 [96] war der Kaffeestrauch -vierzig Jahre vorher unbekannt, nur durch wenige Exemplare in -den Gärten Manila's vertreten. Von dort nach Laguna verpflanzt, -vermehrte er sich schnell durch Vermittelung eines kleinen Raubthiers -(Paradoxurus Musanga), das nur die reifsten Früchte nascht und -die harten Kerne (die Kaffeebohnen) unverdaut auswirft. [97] Die -Sociedad economica bemühte sich ihrerseits durch Ertheilung von -Preisen zur Anlage grösserer Kaffeepflanzungen zu ermuntern. 1837 -gewährte sie P. de la Gironnière eine Prämie von 1000 Doll., weil er -über 60,000 Kaffeepflanzen im Zustande der zweiten Ernte aufweisen -konnte, und in den folgenden Jahren noch vier Prämien an Andre für -dieselbe Leistung. Aber sobald die Prämien gewonnen waren, liess -man die Pflanzungen wieder verwildern. Daraus scheint hervorzugehn, -dass die Unternehmungen bei den damaligen Marktpreisen und künstlich -gesteigerten Frachten keinen hinreichenden Nutzen gewährten. - -Was patriotische Bestrebungen vergeblich versucht, scheint jetzt -die bedeutende Steigerung der Kaffeepreise bei gleichzeitiger -Erleichterung des Verkehrs allmälig zu bewirken: 1856 betrug die -Kaffeeausfuhr nicht über 7000 Picos, 1865: 37,588 P., 1871: 53,370 -Picos. Diese Steigerung giebt aber noch nicht das Maass für die Zunahme -der Pflanzungen, da diese in den ersten Jahren nach der Anlage keinen -Ertrag liefern. In Kurzem darf wohl mit Zuversicht eine höhere Ausfuhr -erwartet werden. Aber selbst diese dürfte nicht als Maassstab für die -Leistungsfähigkeit der Kolonie gelten. Erst wenn europäisches Kapital -grössere Pflanzungen an geeigneten Oertlichkeiten hervorruft, werden -die Philippinen den gebührenden Rang unter den Kaffee erzeugenden -Ländern einnehmen. - -Den besten Kaffee liefern die Provinzen Lagúna, Batángas und Cavíte, -den schlechtesten Mindanao; letzterer ist in Folge nachlässiger -Behandlung sehr unrein, enthält viele schwarze Bohnen beigemischt. Die -Mindanaobohnen sind gelblichweiss (pale), während die von Lagúna -grünlich und fast um die Hälfte kleiner sind als jene. - -Von Kennern wird der Manila-Kaffee sehr hoch geschätzt und stets -entsprechend bezahlt, obgleich er nicht so sauber aussieht als Ceylon -und manche andre sorgfältiger behandelte Sorten. Jedenfalls ist es -bemerkenswerth, dass Frankreich 1865, ausser 105,000 Frcs. Manila-Hanf, -fast nichts als Kaffee aus den Philippinen einführte, davon aber für -1,042,000 Frcs., d. h. mehr als ein Drittel der Gesammternte. [98] In -London wird Manila-Kaffee nicht besonders gewürdigt und nicht besser -als guter Native Ceylon (60 Schillinge pr. Cwt.) bezahlt, [99] weil er -dem englischen Geschmack nicht entspricht; dies ist aber kein Vorwurf -für den Kaffee, wie Jeder, der den englischen Kaffeegeschmack kennt, -einräumen wird. - -Einer der Hauptabnehmer wird mit der Zeit wohl Californien werden, -ein vortrefflicher Kunde der für gute Waare gern ermunternde -Preise zahlt. [100] 1868 galt der Kaffee in Manila selbst, mit sehr -geringen Schwankungen 16 Doll. per Pikul [101] (1871: 13 Doll. 50 -C.) d. h. nicht viel unter dem Londoner Marktpreise. In Java zahlt -die Regierung den zum Kaffeebau gezwungenen Eingeborenen 9 fl. 20 -c. (etwa 3 1/2 Doll. für den Pikul). - -Wie unbedeutend die oben angeführte Kaffeeproduktion im Verhältniss -zur Produktionskraft der Kolonie ist, ergiebt sich am besten aus dem -Vergleich mit der Ausfuhr anderer Länder. Nach Scherzer, Fachmännische -Berichte, 71, betrug 1868 die Kaffeeausfuhr von Brasilien 4,262,000 -Zoll-Ctr., Java und Sumatra 1,400,058, Ceylon 1,023,455 Zoll-Ctr. - -In meinen Reiseskizzen (S. 158) wurde die Abnahme der Kaffeeproduktion -in Java unter dem »Kultursystem,« die Zunahme derselben in Ceylon bei -freier Arbeit hervorgehoben und als Ertrag des Jahres 1858/59 67,500 -Tonnen für Java, 35,000 T. für Ceylon angegeben. Beide Ursachen -haben seitdem fortgewirkt und Niederländisch-Indien erzeugte 1866 -nur 56,000 T. (in 7 Jahren 11,000 T. weniger), Ceylon 36,000 T. (1000 -T. mehr). [102] - -Während meines gezwungenen Aufenthalts in Darága brachten mir -die Eingeborenen Muscheln und Käfer zum Kauf und eine Anzahl -meldeten sich um in meinen Dienst zu treten, da sie »Beruf zum -Naturforscher in sich fühlten«. Ich hatte ihrer endlich eine ganze -Küche voll. Täglich gingen sie aus, um Insekten zu sammeln; freilich -waren sie gewöhnlich nicht glücklich, desto munterer ging es aber -bei den Mahlzeiten zu. Fast täglich erhielt ich freundliche Besuche -von benachbarten Spaniern. Auch mehrere eingeborene Würdenträger und -Mestizen besuchten mich, selbst aus grösserer Ferne, nicht sowohl um -mich, als um meinen Hut zu sehn, dessen Ruf sich über die Grenzen -der Provinz verbreitet hatte. Er bestand aus Nito [103], hatte die -landesübliche zweckmässige Pilzform, war aber mit einer Spitze zum -Aufstecken einer kleinen stark leuchtenden Laterne versehn, auf deren -Oellampe, wenn unbenutzt ein dicht schliessender Deckel, wie bei einer -Löthrohrlampe geschraubt wurde, so dass man die Laterne in der Tasche -tragen konnte. Die Einrichtung erwies sich namentlich beim Reiten im -Dunkeln als höchst zweckmässig. - -Im benachbarten Puéblo, Tabaco, wurden aus demselben Stoff -Zigarrentaschen geflochten. Sie kommen wohl kaum in den Handel, -und werden nur auf vorherige Bestellung angefertigt. Um ein Dutzend -zu erhalten, muss man sich an ebensoviele Individuen wenden, und es -dauert günstigen Falles mehrere Monate, bis eine Tasche vollendet -wird. Der Stiel des Farn hat die Dicke eines Schwefelholzes, man sucht -möglichst lange Stücke zwischen zwei Blattansätzen aus, spaltet sie in -4 Theile und jedes Viertel durch Aufschlitzen und Zwischenklemmen des -Fingers noch einmal; dann nimmt der Arbeiter ein Messer in die fest -aufliegende linke Hand, den Daumen auf den Rücken, die Schärfe gegen -den Zeigefinger gerichtet, und zieht die Streifen so oft unter der -Klinge durch, bis sie von den innern, weniger zähen Theilen befreit -und hinreichend fein sind, eine viel Geduld und Geschick erfordernde -Arbeit. Geflochten wird über eine zwei Fuss lange zylindrische, -nach unten spitz zulaufende Holzform. In der Mitte der geraden -Endfläche steckt ein Stift um welchen das Geflecht beginnt; ist der -dem Durchmesser der Walze entsprechende Boden der Tasche vollendet, so -wird mittelst eines Stiftes eine kleine Holzscheibe auf den Boden der -Tasche gepresst, die ihn während des Flechtens der Seitenwand festhält. - -Meine erste Ausfahrt war zur Kirchweih nach Legáspi, wo die Indier -Abends Theater spielten. Ein aus politischen Gründen verbannter Spanier -hatte die Anordnung übernommen. Zu beiden Seiten der mit Palmenblättern -überdachten Bühne befanden sich erhöhte bedeckte Gallerien für die -Honoratioren; der dem grossen Publikum bestimmte mittlere Raum war -oben offen. Es wurde ein grosses Schauspiel aus der Persergeschichte -gegeben, in spanischer Sprache, mit Fantasiekostümen. Da das Theater an -einer lebhaften Strasse lag, die selbst einen Theil des Zuschauerraumes -bildete, so war der Lärm so gross, dass man nur hin und wieder ein -Wort vernehmen konnte. Die Schauspieler marschirten bei dem Hersagen -ihrer Rollen, deren Sinn sie nicht einmal sprachlich verstanden, -von einer Seite zur andern, indem sie die Arme auf und abbewegten; -am Rande der Bühne angekommen machten sie Kehrt und setzten ihren -Marsch in entgegengesetzter Richtung fort, wie Schiffe, die gegen -den Wind kreuzen; sie verzogen dabei keine Miene, und sprachen, -wie Automaten. Hätte man wenigstens den Text verstehn können, so -wäre der Kontrast desselben mit den maschinenartigen Bewegungen -gewiss drollig gewesen; Lärm, Hitze und Qualm waren aber so gross, -dass wir nur kurze Zeit blieben. - -Das Schauspiel sowohl als das ganze Fest trug das Gepräge -der Schlaffheit und Gleichgültigkeit, des unverstanden -Nachgeahmten. Vergleicht man die ausgelassene Fröhlichkeit bei den -Kirchweihen in Europa mit den ausdruckslosen starren Gesichtern der -Indier, so begreift man kaum warum dergleichen Feste mit so grossem -Aufwande von Zeit und Geld gefeiert werden. - -Derselbe Mangel an Fröhlichkeit wird von vielen Reisenden in noch -höherem Grade bei den Indianern Amerika's bemerkt und von einigen aus -einer geringeren Entwicklung des Nervensystems erklärt, daher auch der -wunderbare Gleichmuth jener beim Ertragen von Schmerz. Das Gesicht -des Indianers ist nach Tylor [104] so verschieden von dem unsrigen, -dass der Europäer erst nach Jahre langer Uebung seinen Ausdruck -deuten lernt. Beide Ursachen mögen zusammenwirken. Wenn aber auch -lebhafte Aeusserungen der Freude nicht wahrzunehmen waren, so findet -doch der Indier grosses Vergnügen schon an den wochenlang dauernden -Vorbereitungen zur Ausschmückung des Dorfes, noch grösseres bei dem -Feste selbst an den Prozessionen, bei denen jeder in seinem besten Putz -oder den Abzeichen seiner Würde erscheint. Der Kampf um den Vortritt, -um die Ehre eine Fahne zu tragen, erfüllt den also Begünstigten -mit dem höchsten Stolz und erregt den Neid der Uebrigen. Aus allen -nahegelegenen Ortschaften kommt Besuch, ganze Triumphbogen von Bambus -und Laubwerk werden von benachbarten Gemeinden, mit der Inschrift -Obsequio del puéblo de ... mitgebracht und aufgerichtet. Zuweilen -wird auch stark gezecht. Die Filipinos haben Vorliebe für geistige -Getränke; selbst junge Mädchen berauschen sich gelegentlich gern. Für -die Nacht finden die fremden Gäste die entgegenkommendste Aufnahme -in den Häusern des Pueblo. Ueberhaupt strahlt die Gastfreundschaft -bei solchen Gelegenheiten in hellem Licht. Jedes Haus steht Jedem -offen. In den grösseren Ortschaften fehlt es auch nicht an Bällen, -es tanzen aber gewöhnlich nur Spanier und Mestizen mit Mestizinnen; -blos ausnahmsweise wird eine begünstigte Indierin aufgefordert. Unter -sich pflegen die Eingeborenen selten zu tanzen; in Samar sah ich aber -einmal einen nicht ungraziösen, angeblich einheimischen Tanz aufführen, -zu dem »improvisirte« Strophen gesungen wurden: der Tänzer verglich -seine Dame mit einer Rose, und sie erwiderte, er möge sich hüten sie -zu berühren, da sie auch Dornen habe; was im Munde einer Andalusierin -reizend geklungen hätte, bei der Indierin aber nur den Ursprung der -Improvisation verrieth. - -Das müssige Leben in Darága gefiel meinen Dienern und ihren zahlreichen -Freunden so gut, dass sie es gern so lange als möglich geniessen -wollten. Sie wählten dazu oft sinnreiche Mittel. Zweimal, als alles -zum Aufbruch für den nächsten Morgen gerüstet war, wurden Nachts -meine Schuhe gestohlen. Ein andermal stahl man mir mein Pferd. Hat ein -Indier eine schwere Last zu befördern, oder einen anstrengenden Ritt zu -machen, so benutzt er dazu gern den wohlgenährten Gaul eines Castila, -und lässt ihn dann ungefüttert laufen, bis ihn jemand auffängt und -in das nächste Tribunal liefert. Dort wird er angebunden und muss -so lange hungern bis ihn sein Herr reklamirt und den angerichteten -Schaden ersetzt. Ich hatte einen Dollar zu zahlen, da mein Pferd, -obgleich es sehr verhungert that, in der Zwischenzeit für einen Dollar -Reis genascht haben sollte. - -Kleine Diebstähle kamen sehr häufig vor, werden aber, wie mich ein -freundlicher Gönner eines Abends belehrte, als ich ihm mein Elend -klagte, nur gegen neue Ankömmlinge verübt; lange dort angesessene -Leute, die sich der allgemeinen Achtung erfreun, sind solchen -Ungelegenheiten nicht ausgesetzt. Ich weiss nicht, ob ein schalkhafter -Eingeborener unsere Unterhaltung belauscht hatte, aber am nächsten -Morgen sandte der freundliche Herr, der mir oft aus der Noth geholfen -hatte, zu mir, und liess sich Chocolade, Zwieback und Eier holen, -da man ihm in der Nacht Speisekammer und Hühnerstall ausgeräumt hatte. - -Montag und Freitag Abend war Markt in Darága, -- bei gutem Wetter immer -ein hübscher Anblick. Man sah dann die Frauen, die fast ausschliesslich -den Verkauf besorgen, nett und sehr sauber gekleidet, in langen von -Fackeln glitzernden Reihen sitzen, und auf den Abhängen der Berge bei -Fackelschein nach allen Richtungen in ihre Wohnungen zurückkehren. Sie -tragen ihre Waaren, darunter viele selbst gewebte Stoffe von Seide, -Ananas- und Bananen-Fasern, auf dem Kopf; den jüngern fehlt es aber -selten an Liebhabern, die ihnen die Mühe abnehmen. - - - - - - - - -ELFTES KAPITEL - - REISE NACH BULUSAN UND SORSOGON. -- STRASSENBAU. -- SEERÄUBER. - - -Während ich in Darága das Zimmer hüten musste, blieb das Wetter fast -ununterbrochen schön und leider waren dies die letzten guten Tage, -auf die ich rechnen konnte, da der NO. Monsun, der Regenbringer für -diesen Theil des Archipels, im Oktober einzusetzen pflegt. Trotz -der vorgeschrittenen Jahreszeit machte ich noch einen Versuch den -Bulusán zu besteigen. Man fährt im Boot nach Bácon, im Busen von -Albáy (7 Leguas östl.), reitet von dort auf guter Strasse nach Gúbat -(3 Leguas) an der Ostküste, dann den Strand entlang, genau S. bis -Bulusán, und, wenn man will, bis Matnóg, dem letzten Dorf an der -Südost-Spitze Luzons. Ein alter erfahrener Indier hatte Boot und -Mannschaft besorgt und zehn Uhr Abends als die günstigste Zeit für -die Abfahrt bestimmt. Als wir aber eben abstossen wollten, rief er -uns zu, es seien vier Seeräuberboote in der Bay gesehn worden. Im Nu -war meine Mannschaft verschwunden, ich blieb allein im Dunkeln. Erst -nach vier Stunden gelang es mir, mit Hülfe eines Spaniers, sie wieder -herbei zu holen und zur Abfahrt zu bewegen. Um 9 Uhr erreichten -wir Bácon, von wo der Weg durch flache Gegend über S. Róque SW. in -einem spitzen Winkel nach Gúbat führt, zu beiden Seiten Reisfelder -mit einzelnen Hütten unter Kokos- und Arecapalmen. Zehn Minuten von -Bácon stehn drei prachtvolle Feigenbäume, die schönsten die ich in den -Philippinen gesehn, einer der Arten angehörend, die sich aus zahllosen -in einander geschlungenen und zusammengewachsenen Luftwurzeln, Stämme -von riesenhaftem Umfange und phantastischer Gliederung aufbauen. Sie -waren bedeckt mit ächten und unächten Parasiten, darunter eine -grosse Zahl blühender Orchideen. Der Boden besteht aus trachytischem -Gerölle. SW. von S. Roque gabelt sich die Strasse, ein Arm führt -S. nach Sorsogon, das wohlgeschützt in der NO. Ecke einer tiefen Bucht -liegt, der andre O. zu S. nach Gúbat. Hinter S. Róque bemerkt man viele -Abacápflanzungen in Waldlichtungen. Der letzte Theil des Weges ist -schlecht und führt über schlüpfrige Thonrücken (verwitterten Trachyt) -mit Gypskrystallen. Von Gúbat läuft die Strasse längs des Strandes. An -vielen Stellen stehn kleine verfallene oder verfallende viereckige -Thürme aus Korallenblöcken, von den Jesuiten zum Schutz gegen die -Moros aufgeführt. Moren werden hier die Seeräuber genannt, weil sie, -wie die ehemaligen Mauren in Spanien, Mohamedaner sind. Sie kommen -aus der Solosee, von Mindanao und der Nord-Westküste von Borneo. Die -Seeräuberei stand zur Zeit meiner Reise noch in voller Blüthe. Erst -Tags vorher hatten Piraten einige Leute fortgeschleppt, die nicht -weit von Gúbat mit Aufstellen einer Fischreuse beschäftigt waren. Dem -Strande parallel und in geringer Entfernung läuft ein Korallenriff, -das im SW. Monsun bei Ebbe stellenweis entblöst wird; zur Zeit aber -staute der NO. Wind die Wogen des stillen Ozeans so hoch an der Küste -auf, dass es nicht sichtbar wurde; es liefert den einen Bestandtheil -des Bodens, der zur Hälfte aus Kalk, und aus vulkanischem Sand -besteht. Die Stürme hatten nebst vielen andern Resten von Seethieren, -auch eine grosse Anzahl Schwämme ans Land geworfen, unter denen eine -unserem Badeschwamme des Mittelmeeres (Spongia officinalis L.) durchaus -ähnliche Art und wohl derselben Gattung angehörend. Sie fühlen sich -eben so weich an, sind dunkelbraun, über faustgross, halbkugelförmig, -nehmen mit derselben Leichtigkeit Wasser an und würden vielleicht einen -Handelsartikel bilden können. Proben davon befinden sich im Berliner -zoologischen Museum. Dem Strande zunächst wachsen verkümmerte Pandanus, -weiter landeinwärts Casuarinen; daran schliesst sich hoher Laubwald, -mit Abacápflanzungen in den häufigen Lichtungen. Die Strasse ist -recht gut; über viele der Flussmündungen führen überdachte, hölzerne -Brücken aus Molave, alle noch wohl erhalten. Von den steinernen Brücken -aber sind die Bogen fast ausnahmslos eingestürzt. Man setzt in einem -Nachen über, das Pferd folgt schwimmend. Ein paar tausend Fuss vor -Bulusán kommt man durch eine, mehrere hundert Fuss tiefe Schlucht -aus weissem Bimsteintuff. - -Der Ort wird so selten von Fremden besucht, dass das Tribunal sich mit -Neugierigen füllte, die mich betrachten wollten. Die Frauen hatten -den Ehrenplatz und kauerten in mehreren konzentrischen Linien auf -dem Boden, die Männer drängten sich hinter ihnen. Als ich in einem -von Bambusen nur undicht verschlossenen Schuppen ein Rieselbad nahm, -sah ich plötzlich durch alle Oeffnungen neugierige Augen auf mich -gerichtet; es waren ausschliesslich Frauen, die mich mit der grössten -Neugier betrachteten, sich ihre Bemerkungen mittheilten und durchaus -nicht gestört sein wollten. Ein andres Mal als ich in der Provinz -Laguna im Freien badete, lief eine Anzahl Weiber, alte, junge und -kleine Mädchen herbei, die mir zusahen, während des Ankleidens dicht -um mich hockten, mich aufmerksam besichtigten, und mit den Fingern auf -alle Einzelheiten wiesen, die zu besonderer Besprechung Anlass gaben. - -Den letzten Theil des Weges nach Bulusán hatte ich in Sturm und Regen -zurückgelegt; beide nahmen nach kurzer Pause während der Nacht zu, -ein Theil des Tribunals wurde abgedeckt. Am andern Morgen lagen -alle schadhafteren Häuser des Dorfes am Boden, eine grosse Menge -Dächer waren fortgeweht. Fast ohne Unterbrechung, wenn auch nicht -mit gleicher Heftigkeit, dauerte das Wetter während der 3 Tage meines -Aufenthaltes fort; den Vulkan, an dessen Fuss ich mich befand, bekam -ich nicht auf einen Augenblick zu sehn, und da die Sachverständigen -in dieser Jahreszeit gutes Wetter nicht in Aussicht stellen konnten, -wurde die Besteigung auf bessere Zeit verschoben und die Umkehr -beschlossen. Der ehemalige Alkalde Peñeranda soll den Berg etwa -15 Jahre früher bestiegen haben, nachdem angeblich 60 Menschen 2 -Monate lang beschäftigt gewesen, einen Weg zum Gipfel zu bahnen; die -Besteigung soll 2 Tage gedauert haben. Der Teniente, ein aufgeweckter -Indier, glaubt aber, dass in der trocknen Jahreszeit 4 Mann in 2 -Tagen einen schmalen Pfad öffnen könnten bis nahe zur Spitze, die -nur mit Leitern zu ersteigen sei. Am Tage nach meiner Ankunft traf -der Strassenbau-Inspector und ein Begleiter hier ein, beide bis auf -die Haut durchweht und durchnässt. Der freundliche Alkalde hatte sie -hergesandt zu meiner Unterstützung. Unter den obwaltenden Umständen -mussten sie unverrichteter Sache mit mir umkehren. - -Als ich auf der Rückreise kaum in Bacon angekommen, ertönte ein -Böllerschuss und Musiklärm: »Es kommt der Señor Alcalde.« -- Er fuhr in -offenem Wagen, umgeben von einer regellosen Reiterschaar, Eingeborene -und Spanier der Umgegend, erstere in festlich flatternden Hemden und -vergilbten Seidenhüten prangend. Der liebenswürdige Herr nahm mich -in seinem Wagen nach Sorsogon mit, das wir in einer Stunde erreichten. - -Die Provinz Albáy hat gute Strassen, sie werden aber schlecht -unterhalten, und müssen, wenn die Unthätigkeit der Verwaltung -fortdauert, allmälig wieder zu Grunde gehn. Der grösste Theil der -steinernen Brücken ist eingestürzt. Statt ihrer muss man eine Furth -oder ein Floss benutzen, oder in einem Nachen übersetzen und die -Pferde schwimmen lassen. Die Strassen wurden in den vierziger Jahren -durch den bereits erwähnten Alkalden Peñeranda, einen ehemaligen -Ingeniör-Offizier angelegt, dem der Ruhm gebührt, den Wohlstand der -Provinz sehr gefördert zu haben, indem er ihre damals unbedeutenden -Mittel mit Umsicht und Eifer zu nützlichen Anlagen verwendete. Er -wachte darüber, dass die schuldigen Frohnden wirklich geleistet oder -in Geld abgelöst wurden, und benutzte letzteres zur Beschaffung -von Werkzeug und Material. Vor ihm bestanden grosse Missbräuche, -indem die der Principalía Verwandten oder Befreundeten keine- oder -Scheinarbeiten verrichteten, und die Ablösungsgelder nicht in die -Gemeindekasse, sondern in die Tasche des Gobernadorcillos flossen, -oft unter Mitwissenschaft und Betheiligung des Alkalden. Auch heut -sind solche Missbräuche ganz allgemein in den Provinzen, wo die -Wachsamkeit des Alkalden es nicht verhindert. - -Bei der zahlreichen Bevölkerung und dem grossen Wohlstand, deren sich -die Provinz jetzt erfreut, wäre es ein leichtes die vorhandenen -Strassen zu erhalten und zu vervollständigen. An gutem Willen -fehlte es dem trefflichen damaligen Beamten gewiss nicht, aber ihm -waren die Hände gebunden. Die jetzigen Alkalden bleiben nur 3 Jahr -in einer Provinz (zu Peñerandas Zeit 6 Jahr), ihre Zeit wird fast -gänzlich durch die laufenden amtlichen und richterlichen Geschäfte -in Anspruch genommen; bevor sie ihre Provinz, deren Mittel und -Bedürfnisse einigermaassen kennen lernen, müssen sie dieselbe schon -wieder verlassen; so gross ist das Misstrauen der Regierung in ihre -eigenen Diener. Ihre Macht ist auf das äusserste Maass beschränkt, -sie haben fast keine Initiative. Unternehmen wie das Peñeranda'sche -durchzuführen, wäre heut nicht möglich. Die für Ablösung von Frohnden -eingehenden Gelder, die ausschliesslich zum Nutzen der betreffenden -Provinz verwendet werden sollten [105], müssen nach Manila abgeliefert -werden. Schlägt der Alkalde eine dringend nothwendige Verbesserung -vor, so hat er so viele Berichte, Eingaben, Anschläge einzureichen, -die häufig unbeantwortet bleiben, dass ihm gewöhnlich bald die Lust -zu allen Verbesserungsvorschlägen vergeht. Bedeutende Werke aber, -die grössere Ausgaben erfordern, werden fast ausnahmslos von der -Zentralstelle, als nicht dringend, zurückgewiesen. Der Grund liegt -nicht im bösen Willen der Kolonialregierung, sondern darin, dass -die Caja de Comunidad in Manila fast immer leer ist, da sich die -spanische Regierung in ihrer chronischen Finanznoth das Geld borgt -und nicht im Stande ist es zurückzuzahlen. - -Sorsogon hat 1840 bedeutend durch Erdstösse gelitten, die mit -Unterbrechungen 35 Tage lang anhielten. Ihre grösste Heftigkeit -erreichten sie am 21. März. Die Kirchen von Sorsogon und Casigúran -nebst den wenigen Steinhäusern wurden zertrümmert, 17 Menschen kamen -um und 200 wurden verletzt. Das Land senkte sich um 5 Fuss. - -Am folgenden Morgen begleitete ich den Alkalden in einer Falúa -mit 14 Rudern nach Casigúran, das genau S. von Sorsogon in der -Südostecke der 2 Leguas breiten Bucht liegt; die Ueberfahrt dauerte -1 1/2 Stunde. Das Wasserbecken ist so still wie ein Binnensee, fast -rings von Bergen umgeben und an der dem Meer geöffneten Westseite -durch die queer davor liegende Insel Bagaláo (nicht Bagatáo, wie -sie Coello nennt), geschützt. Unter der Mannschaft war es sehr laut, -da Jeder sich vor dem Señor Alcalde geltend machen wollte. Bei der -Landung: Böllerschuss, Musik, flatternde Hemden und Fahnen. Die -freundliche Einladung des Herrn T. ihn weiter zu begleiten, lehnte -ich ab, da für mich, ohne amtliche Geschäfte die Reise fast nur aus -Malzeiten, Zwischenmalzeiten und eingeschobenen Chocolates bestand -mit fortwährender Musik, Knallfeuerwerk und andrem Lärm. - -Im Jahre 1850 etwa ist an einer heut schon vom Meer verschlungenen -Stelle des Strandes, der so weit ich ihn untersuchen konnte, aus 5 bis -6 Fuss Thon über vulkanischem Sand mit Bimssteinbruchstücken besteht, -Quecksilber gefunden worden. Ein in dieser Gegend des Archipels -gestrandeter Engländer, derselbe, den ich in der Eisenhütte bei Angat -besuchte, hatte begonnen es zu sammeln, und durch Schlämmen des Sandes -etwa 2 Unzen gewonnen. Als aber der inländische Priester erfuhr, dass -Quecksilber Gift sei, schilderte er seinen Pfarrkindern, wie er mir -selbst erzählte, die Gefahren des neuen Erwerbszweiges in so grellen -Farben von der Kanzel herab, dass sie davon abliessen. Seitdem ist nie -wieder eine Spur von Quecksilber entdeckt worden; vielleicht stammte -es von einem zerbrochenen Barometer. Abends waren der Bulúsan in SO., -der Mayon in NW. auf kurze Zeit sichtbar. Casigúran liegt in einer -geraden Linie mit denselben. - -Die Zerstörung der Küsten bei Casigúran ist auffallend gross, -die Berichte darüber sehr abweichend. Nach dem Augenschein und den -mässigsten Angaben zu urtheilen, mag sie doch wohl seit einer Reihe -von Jahren jährlich eine Elle betragen. Im Norden ist die Bucht von -Sorsogon durch einen Bergrücken geschützt, der sich O. von Bacon -plötzlich verflacht, und dadurch dem Nordost eine schmale Gasse nach -dem Winkel der Bucht von Casigúran öffnet, wo zuweilen ein einziger -Sturm sehr bedeutende Verwüstungen in der aus Thon und Sand bestehenden -Küste hervorbringt. - -Als ich Abends wieder in Legáspi landete, erfuhr ich, dass der Alarm -wegen der Seeräuber, der meine Abreise verzögert hatte, in der That -begründet war. Aechte Moros waren es freilich wohl nicht, da solche -in jener Jahreszeit nicht in diese Gewässer gelangen können, sondern -Desertöre und Vagabunden aus der Umgegend, die in dieser maritimen -Provinz das Räuberhandwerk lieber zu Wasser als zu Lande treiben. Sie -hatten während meiner Reise eine Anzahl Räubereien verübt und Personen -fortgeschleppt. [106] - -Anfang November ist die Jahreszeit der Stürme. Die Schifffahrt zwischen -Albáy und Manila hat völlig aufgehört; selbst von der Südküste wagte -kein Schiff abzugehn. Am 9. läuft aber noch der verloren geglaubte -Casaisái ein; er hat starke Haverei gelitten, den grössten Theil -seiner Ladung über Bord geworfen. Schon zwölf Tage zuvor hatte er -die Strasse von S. Bernardino geklärt, als ein Sturm ihn zwischen -den Inseln Balicuátro zu ankern zwang. Einer der Passagiere, ein neu -angekommener Spanier, bestieg ein mit sieben Matrosen bemanntes Boot, -und fuhr auf vier Pancós zu, die bewegungslos vor der Küste lagen. Er -hielt sie für Fischer, es waren aber Seeräuber. Sie beschossen ihn, -als er weit genug von seinem Schiff war, seine Mannschaft warf sich -in's Wasser, wurde jedoch sammt ihm selbst gefangen genommen. Der -Kapitän fürchtend, dass die Räuber sein Schiff angreifen würden, -kappte das Ankertau, stach trotz des Sturmes wieder in See und entging -nur mit genauer Noth und arg zugerichtet gänzlichem Schiffbruch. - -Die Gefangenen werden in der Regel nicht umgebracht, sondern zum Rudern -benutzt. Europäer kommen aber selten mit dem Leben davon, da sie die -grossen Anstrengungen bei spärlichster Kost nicht ertragen. Man nimmt -ihnen die Kleider ab, überlässt sie fast nackt jedem Wetter und giebt -ihnen täglich kaum eine Hand voll Reis zur Beköstigung. - - - - - - - - -ZWÖLFTES KAPITEL - - REISEN IN SÜD-CAMARINES. -- GLIEDERUNG DER PROVINZ. -- SPANISCHE - PRIESTER. -- ALKALDEN UND MANDARINE. - - -In Albáy war vor Januar nicht auf besseres Wetter zu rechnen, -es stürmte und regnete täglich; ich ging daher in die westlich -davon gelegene Provinz Süd-Camarínes, die, durch hohe Berge an -ihrem NO. Rande gegen die herrschenden Winde geschützt, gutes -Wetter hatte. Abgesehn von der in NO. vorliegenden, nur durch eine -vom Ysaróg gebildete Landenge mit Camarínes verbundenen Halbinsel -Caramúan, streicht Camarínes NO. SW. und bildet eine im Mittel zehn -Leguas breite an mehreren Stellen von tiefen Buchten ausgezackte -Halbinsel. In ihrer nordöstlichen Hälfte liegt eine Reihe von -Vulkanen und Trachyt- und Doleritkuppen; der südwestliche Rand -besteht, so weit ich Gelegenheit hatte ihn zu untersuchen, aus Kalk, -anscheinend gehobene Korallenriffe. Zwischen beiden Bergzügen dehnt -sich ein vielfach gewundenes fruchtbares Thal aus, in welchem sich -die von den innern Abhängen herabfliessenden Gewässer sammeln und -einen schiffbaren Fluss, den Bicol, bilden, an welchem sich der Reihe -nach eine Anzahl blühender Ortschaften angesiedelt hat. So reichlich -ist die dem Bicol aus den östlichen Bergen zuströmende Wassermenge, -so gering die Neigung der Thalsohle, die ein fast ununterbrochenes -Reisfeld bildet, dass an vielen Stellen kleine Seen entstehn. Fast -jede Ortschaft hat einen solchen; der bedeutendste ist der Batu-See, -die kleinsten schrumpfen in der trocknen Jahreszeit zu blossen -Wasserpfützen ein. Von Südosten anfangend, liegen in dem nordöstlichen -Streifen die Vulkane Bulusán, Albay, Mazarága, Yriga, Ysaróg und, -jenseits der Bucht von S. Miguel, der Colási, in einer geraden Linie, -wie die ganze Landzunge selbst, von NW. nach SO. streichend. Der -Vulkan Buhi oder Malináo, auch Tikát genannt, tritt in NO. ein -wenig über diese Linie hinaus. Parallel dieser Vulkanenreihe sind -die Ortschaften der Provinz in der Mittellinie geordnet; der südliche -Streifen ist spärlich bewohnt, und sendet in seiner ganzen Erstreckung -nur wenige Bäche in das Thal, was auch dafür zu sprechen scheint, -dass er aus Kalk bestehe. Der vulkanische Bergwall hält, wie erwähnt, -die NO. Winde ab und verdichtet ihre Wasserdämpfe an seinem dem Meere -zugewandten Abhang, so dass der südwestlich davon liegende Theil der -Provinz während des NO. Monsuns trocken ist, während des SW. Monsuns -Regen hat. Die sogenannte trockene Jahreszeit, die für Süd-Camarínes -mit November beginnt, ist aber von häufigen Regenschauern unterbrochen; -verhältnissmässig trocken sind nur die Monate Januar bis Mai. Im Mai -und Juni findet der Monsunwechsel statt, der sich durch starke Gewitter -und Stürme aus SW. verkündet, die zuweilen eine bis zwei Wochen fast -ohne Unterbrechung dauern und von starkem Regenfall begleitet sind. Sie -leiten die eigentliche Regenzeit ein, die bis in den Oktober währt. - -Die Strasse führt um den Südostrand der Vulkane Máyon und Mazarága, -über die Ortschaften Camálig, Guinobátan, Ligáo, Oas, Polángui, -die alle in einer geraden Linie SO. NW. an einem Flüsschen, Quínali, -liegen, das nach Aufnahme zahlreicher Bäche bald hinter dem letzten Ort -schiffbar wird. Es stehn dort einige Hütten, die wie der Fluss selbst, -Quínali heissen. Eine ausgenommen, haben alle genannte Ortschaften -über 14,000 Seelen, doch liegen sie meist weniger als eine Legua -von einander entfernt. Die Conventos sind grosse stattliche Gebäude, -die damaligen Curas, grösstentheils ältere Leute, waren im höchsten -Grade gastfrei und liebenswürdig. Bei jedem musste eingekehrt werden, -worauf der Señor Padre anspannen liess und seinen Gast zum nächsten -Amtsbruder fuhr. In Polángui wollte ich ein Boot miethen, um nach dem -See von Batu zu fahren; es war aber keines vorhanden, nur zwei grosse -aus einem Baumstamm gezimmerte Barotos von 80 Fuss Länge lagen da, -mit Reis aus Camarínes beladen. Damit ich nicht aufgehalten werde, -kaufte der Padre den Inhalt des einen Bootes unter der Bedingung des -sofortigen Ausladens, so dass ich Nachmittags meine Reise fortsetzen -konnte. - -Steht der Reisende mit dem Cura gut, so kommt er nicht leicht in -Verlegenheit. Ich wollte einmal mit einem Pfarrer eine kleine Reise -gleich nach Tisch antreten, um 11 1/4 Uhr waren alle Vorbereitungen -fertig. Ich äusserte, dass es schade sei, die 3/4 Stunden bis zur -Malzeit zu warten. Gleich darauf schlug es 12; alle Arbeit im Dorfe -hörte auf; wir sowohl als unsere Träger setzten uns zu Tisch; es war -Mittag. Dem Glockenschläger war die Botschaft zugegangen: »Der Señor -Padre liesse ihm sagen, er schliefe gewiss wieder, es müsse längst -12 Uhr sein, denn der Señor Padre habe Hunger.« -- »Il est l'heure, -que Votre Majesté désire.« - -Die grosse Mehrzahl der Geistlichen in den östlichen Provinzen von -Luzon und Samar besteht aus Franziskaner-Mönchen (Religiosos menores -descalzos de la regular y mas estrecha observancia de nuestro Santo -Padre San Francisco en las Islas Filipinas de la Santa y Apostolica -Provincia de San Gregorio magno), die in besonderen Seminarien in -Spanien für die Mission in den Kolonien erzogen werden. Früher stand -ihnen frei, nach zehnjährigem Aufenthalt in den Philippinen in ihr -Vaterland zurückzukehren; seitdem aber in Spanien die Mönchsklöster -aufgehoben, ist ihnen dies nicht mehr gestattet, da sie gezwungen sein -würden, dort der Ordensregel zu entsagen und als Rentner zu leben. Sie -wissen, dass sie jetzt ihre Tage in der Kolonie beschliessen müssen -und richten sich danach ein. Bei ihrer Ankunft werden sie gewöhnlich -zu einem Priester in die Provinz gesandt, damit sie die Landessprache -erlernen, erhalten dann zunächst eine kleine, später eine einträgliche -Pfarre, in der sie meist bis an ihr Lebensende verbleiben. Der -grösste Theil dieser Männer ist aus den untersten Volksschichten -hervorgegangen. Zahlreiche, in Spanien vorhandene fromme Stiftungen -machen es dem Armen, der für seinen Sohn nicht die Schule zahlen kann, -möglich, ihn in das Seminar zu schicken, in welchem er ausser dem -besonderen Dienst, zu dem er abgerichtet wird, nichts lernt. Wären die -Mönche von feinerer Bildung, wie ein Theil der englischen Missionäre, -so würden sie wohl ebenso wenig Neigung haben sich unter das Volk zu -mischen und ebenso wenig Einfluss auf dasselbe erlangen wie diese in -der Regel. Die früheren Lebensgewohnheiten der spanischen Mönche, -ihr enger Gesichtskreis befähigen sie ganz besonders dazu, mit den -Eingeborenen zu leben. Gerade dadurch haben sie ihre Macht über -dieselben so fest begründet. - -Wenn dergleichen junge Leute eben frisch aus ihrer Pflanzschule -kommen, sind sie unglaublich beschränkt, unwissend, zuweilen auch -ungezogen, voll Dünkel, Ketzerhass und Bekehrungseifer. Allmälig -schleift sich diese rauhe Aussenseite ab; die geachtete Stellung, die -reichlichen Einkünfte, die sie geniessen, machen sie wohlwollend. Der -gesunde Menschenverstand und das Selbstvertrauen, die den niedern -spanischen Volksklassen eigen sind und sich bei Sancho Panza als -Guvernör so ergötzlich offenbaren, haben in dem einflussreichen, -verantwortlichen Posten, den der Cura einnimmt, volle Gelegenheit, -sich geltend zu machen. Sehr häufig ist der Cura der einzige Weisse -im Ort und meilenweit wohnt kein andrer Europäer. Er ist dann nicht -nur Seelsorger, sondern auch Vertreter der Regierung, das Orakel der -Indier, dessen Ausspruch namentlich in Allem, was sich auf Europa -und Zivilisation bezieht, ohne Appell ist; -- in allen wichtigen -Angelegenheiten wird er um Rath gefragt und hat Niemand, bei dem -er sich Rath holen kann. Unter solchen Verhältnissen kommen alle -seine geistigen Fähigkeiten zur vollen Entfaltung. Derselbe Mensch, -der in Spanien hinter dem Pflug hergegangen wäre, führt hier grosse -Unternehmungen aus; ohne technische Bildung, ohne wissenschaftliche -Hülfsmittel baut er Kirchen, Strassen, Brücken. So vorteilhaft aber -auch diese Verhältnisse für die Entwicklung der Fähigkeiten des -Geistlichen sind, so wäre es doch für die Bauten selbst besser, wenn -sie von Fachmännern ausgeführt würden; denn die Brücken stürzen gern -ein, die Kirchen sehn oft wie Schafställe aus, die anspruchsvolleren -haben zuweilen gar tolle Fassaden, und die Strassen verfallen bald -wieder; aber Jeder macht es eben so gut, wie er kann. Fast Allen -liegt das Wohl ihrer Ortschaft am Herzen, wenn auch der Eifer und -die eingeschlagenen Wege, auf denen sie dieses Ziel verfolgen, nach -den Persönlichkeiten sehr verschieden sind. Ich habe in Camarines -und Albáy viel Umgang mit den Curas gehabt und sie ausnahmlos -liebgewonnen. Sie sind in der Regel ohne allen Dünkel und in den -abgelegenen Orten so glücklich, wenn sie einmal Besuch erhalten, -dass sie Alles aufbieten, um ihrem Gast den Aufenthalt so angenehm -als irgend möglich zu machen. Das Leben in einem grossen Convento -hat viel Aehnlichkeit mit dem bei einem Gutsbesitzer im östlichen -Europa. Nichts kann zwangsloser sein. Man lebt so unabhängig wie im -Gasthaus, und manche Gäste betragen sich auch so, als wären sie in -einem solchen. Ich habe einen Subalternbeamten ankommen sehn, der ohne -Weiteres den Mayordomo vor sich beschied, sich ein Zimmer anweisen -liess, sein Essen bestellte und nur beiläufig fragte, ob der Pfarrer, -mit dem er doch nur ganz oberflächlich bekannt war, zu Hause sei. - -Häufig wird den Priestern in den Philippinen ihre grosse Liederlichkeit -vorgeworfen; das Convento stecke voll hübscher Mädchen, unter denen -der Cura wie ein Sultan lebe. Auf die eingeborenen Priester mag dies -oft passen; bei den zahlreichen spanischen Pfarrern, deren Gast ich -war, habe ich nicht ein einziges Mal etwas Anstössiges in dieser -Beziehung zu sehn bekommen, die Dienerschaft bestand nur aus Männern -und vielleicht einem oder zwei alten Weibern. Ribadeneyra behauptet -[107]: »Die Indier, welche sehn, wie die Barfüsslermönche ihre -Keuschheit bewahren, sind in ihren Gedanken dahin gekommen, sie nicht -für Menschen zu halten. . . . und obgleich der Teufel sich bemüht hat, -viele, bereits verstorbene, keusche Geistliche zu verführen und auch -solche, die noch leben, indem er sich der Frechheit einiger Indierinnen -als Werkzeug bediente, so sind sie dennoch zur grossen Beschämung der -Indierinnen und Satans siegreich geblieben.« Dieser Autor ist aber sehr -unzuverlässig, sagt er doch (Kap. III. S. 13), die Insel Cebu hiesse -mit anderem Namen Luzon! Jedenfalls passt seine Schilderung nicht -auf die heutigen Zustände. Der junge Geistliche lebt in seiner Pfarre -wie ein Gutsherr früherer Zeit; die Mädchen rechnen es sich für eine -Ehre an, mit ihm umzugehn, die Gelegenheit ist für ihn viel bequemer, -da er durch keine eifersüchtige Frau bewacht wird und als Beichtiger -und geistlicher Rathgeber beliebig mit den Frauen allein zu sein -Gelegenheit hat. [108] Die Beichte muss namentlich eine gefährliche -Klippe für ihn sein. Im Anhange zur tagalischen Grammatik, der in den -für das Publikum käuflichen Exemplaren fehlt, ist zur Bequemlichkeit -des jungen Pfarrers, welcher der Sprache noch nicht mächtig ist, eine -Reihe von Fragen enthalten, die er der Beichtenden vorlegen soll; -mehrere Seiten derselben beziehn sich auf den geschlechtlichen Umgang. - -Da die Alkalden nur drei Jahre in einer Provinz bleiben dürfen, die -Landessprache niemals verstehn, durch ihre amtlichen Geschäfte sehr -in Anspruch genommen sind und keine Zeit, gewöhnlich auch keine Lust -haben, die Eigenthümlichkeiten der Provinz, die sie verwalten, kennen -zu lernen, während der Cura in der Mitte seiner Pfarrkinder lebt, -sie genau kennt und auch ihnen gegenüber die Regierung vertritt, so -kommt es, dass er die wirkliche Behörde in seinem Distrikt ist. Die -Stellung der Geistlichen, den Regierungsbeamten gegenüber, spricht -sich auch in den Wohnungen aus. Die »Casas reales« meist klein, -schmucklos, oft baufällig entsprechen nicht dem Range des ersten -Beamten der Provinz; das Convento dagegen ist gewöhnlich ein sehr -geräumiges, stattliches, wohleingerichtetes Gebäude. Früher, als -die Guvernör-Stellen an Abenteurer verkauft wurden, die nur darauf -bedacht waren sich zu bereichern, war der Einfluss der Geistlichen -noch viel grösser als gegenwärtig. [109] Folgende Verordnungen deuten -ihre ehemalige Stellung besser an, als lange Beschreibungen: - - - »Obgleich einige frevelhafte Eingriffe (atentados) gerechten Grund - zum Kapitel X. der Ordonnanzen gegeben haben, worin der Guvernör - D. P. de Arandia befiehlt, dass die Alkalden und Justizbeamten - nicht anders als schriftlich mit den Missions-Geistlichen - verkehren, und sie nicht anders als in Begleitung besuchen sollen, - so wird dennoch verordnet, dass dies nicht also geschehn soll - . . . in der Voraussetzung, dass die Kirchenprälaten ihren ganzen - Eifer aufwenden werden, um ihre Untergebenen innerhalb der Grenzen - der Mässigung zu halten.« . . »Die Alkalden sollen dafür sorgen, - dass die Pfarrer und Diener der Religion besagte Gobernadorcillos - und Justizbeamte mit der nämlichen Achtung behandeln, ohne zu - gestatten, dass sie dieselben prügeln, züchtigen oder misshandeln - . . . noch sich bei Tische von ihnen bedienen lassen.« [110] - - -Die ehemaligen Alkalden, die ohne vorhergehende Uebung in amtlichen -Geschäften, oft ohne Bildung und Kenntnisse und ohne die zu einem -so verantwortlichen einflussreichen Amte erforderlichen geistigen -und moralischen Eigenschaften, ihre Stellen kauften oder sie durch -Gunst erwarben, empfingen vom Staat ein nominelles Gehalt und zahlten -ihm eine Patentsteuer für die Berechtigung Handel zu treiben. Nach -Arenas (S. 444) galt diese Patentsteuer als eine den Alkalden für -Uebertretung des Gesetzes auferlegte Geldstrafe: »denn da ihnen durch -verschiedene Gesetze [111] jede Art Handelsbetrieb untersagt war, so -geruhte S. Majestät dennoch, ihnen die Erlaubniss dazu zu ertheilen.« -[112] Dieser Unfug wurde erst durch R. D. 23. September und 30. Oktober -1844 aufgehoben. - -Die Alkalden waren Guvernöre und Richter, Befehlshaber der Truppen und -zugleich die einzigen Händler in ihrer Provinz. [113] Sie kauften in -Manila die Sachen, die in ihrer Provinz gebraucht wurden, gewöhnlich -mit Geld der obras pias; (s. S. 14, Anmerkung 17) denn sie selbst -kamen ohne alles Vermögen nach den Philippinen. Die Indier mussten -dem Alkalden ihre Produkte verkaufen und seine Waaren abnehmen zu -Preisen die er selbst feststellte. [114] Unter solchen Verhältnissen -waren die Priester die Einzigen, welche die Indier gegen diese -Blutsauger schützten, wenn sie nicht, was auch zuweilen vorkam, -mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten. - -Gegenwärtig sendet die Regierung Rechtskundige als Alkalden in die -Philippinen, die etwas besser besoldet sind, und nicht Handel treiben -dürfen. Ueberhaupt ist die Regierung bemüht den Einfluss der Curas -zu mindern, den der Zivilbehörden zu vermehren, was ihr indessen -nur sehr unvollkommen gelingen wird, wenn sie nicht die Amtsdauer -der Alkalden verlängert und letztere so stellt, dass sie nicht in -Versuchung kommen Nebenverdienste zu machen. [115] - -Ich finde in Huc [116] eine Stelle über die Folgen des schnellen -Beamtenwechsels in China, die manche zu beherzigende Winke enthält: - - - ... »Weil die Magistratur nicht mehr Personen anvertraut wird, - die Freunde der Gerechtigkeit sind, sieht man dies ehemals so - blühende und wohl regierte Reich von Tag zu Tag verfallen und - einer furchtbaren, vielleicht nahen Auflösung entgegeneilen. - - Wenn wir die Ursachen dieser allgemeinen Zersetzung, dieser - Verderbniss aufsuchen, die sichtlich alle Klassen der chinesischen - Gesellschaft auflöst, so glauben wir sie in einer wichtigen - Abänderung des alten Regierungssystems zu finden, welche die - Mantschu-Dynastie eingeführt hat. Es wurde bestimmt, dass kein - Mandarin sein Amt länger als drei Jahre an demselben Ort ausüben - dürfe, und dass Niemand in seiner eigenen Provinz Beamter sein - könne. Man erräth leicht den Gedanken, der ein solches Gesetz - ersann. Sobald die Mantschu-Tartaren sahen, dass sie Herren des - Reichs waren, erschraken sie über ihre geringe Zahl, die in dieser - unzähligen Menge von Chinesen wie verloren war ... Das Ansehn, - welches die hohen Beamten in den Provinzen genossen, konnte ihnen - grossen Einfluss geben um das Volk aufzureizen ... - - Die Magistratspersonen, die nur einige Jahre auf demselben Posten - verbleiben dürfen, leben darin wie Fremde, ohne sich um die - Bedürfnisse der von ihnen regierten Bevölkerung zu kümmern, kein - einziges Band verknüpft sie mit derselben, ihre ganze Sorge besteht - darin, so viel Geld als möglich zusammen zu schlagen, um später - an einem andern Orte dasselbe Geschäft von neuem zu beginnen, - bis sie endlich in ihre Heimat zurückkehren und ein Vermögen - geniessen können, das sie nach und nach in den verschiedenen - Provinzen erpresst haben ... Sie sind ja nur Vorübergehende -- - was schadet es? morgen ziehen sie an das andre Ende des Reichs, - wo sie das Schreien der von ihnen geplünderten Opfer nicht mehr - hören... So sind die Mandarinen selbstsüchtig und gegen das - Gemeinwohl gleichgültig geworden. Der Urgrundsatz der Monarchie ist - vernichtet, denn der Magistrat ist nicht mehr ein Familienvater, - der inmitten seiner Kinder lebt, sondern ein Marodör, der - ankommt, ohne dass man weiss woher, und wieder abzieht, niemand - weiss wohin? Daher stockt alles ... man sieht nicht mehr, - wie ehedem, jene grossen Unternehmungen ... Heut wird nicht - nur nichts Aehnliches ausgeführt, man lässt die Werke früherer - Dynastien gänzlich verfallen ... Der vorübergehende Mandarin - sagt sich: Wozu soll ich unternehmen was ich doch nicht vollenden - kann? warum sollte ich säen, damit ein Andrer ernte? ... Die - Mandarinen sind niemals mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit - vertraut. Am häufigsten sehn sie sich plötzlich inmitten einer - Bevölkerung versetzt, deren Sprache sie nicht verstehn. Wenn - die Mandarine in ihrem Mandarinat ankommen, so finden sie dort - fest angesessene Dolmetscher vor, subalterne Beamte, die, weil - sie mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut sind, ihre - Dienste unentbehrlich zu machen wissen; sie sind im Grunde die - eigentlichen Verwalter.« - - -In den Philippinen ist letzteres Amt unentbehrlich, da der Alkalde -nie die Landessprache versteht; zum Glück für Spanien muss es in -wichtigen Angelegenheiten der eingeborene Schreiber meist mit dem Cura -theilen, der in vielen Fällen die eigentliche Behörde ist. Er kennt -den Charakter der Insassen, und alle ihre Angelegenheiten, wobei ihm -der intime Verkehr mit den Frauen sehr zu Statten kommt. Wie mir 1867 -ein hoher Beamter in Madrid mittheilte, lag damals dem Minister ein -Antrag zur Erwägung vor, wodurch die Beschränkung der Amtsdauer auf -drei Jahre aufgehoben werden sollte. [117] Die ihr zu Grunde liegende -Furcht, dass der Beamte in einer entfernten Provinz zu mächtig, sein -Einfluss dem Mutterlande gefährlich werden könne, passt nicht mehr -in die heutigen Verhältnisse. Die Verkehrserleichterungen haben die -frühere Abgeschlossenheit der fernen Provinzen aufgehoben. Die neuen -Zollgesetze, die wachsende Nachfrage nach Kolonialprodukten, das den -Fremden gewährte Niederlassungsrecht müssen eine bedeutende Steigerung -des Landbaus, des Handels und einen entsprechenden Zuzug von Weissen -und Chinesen zur Folge haben. Dann wird an Stelle jener Bedenken -die Notwendigkeit treten, das Ansehn und den Einfluss der Beamten zu -heben, durch Verminderung ihrer Zahl, sorgfältige Wahl der Personen, -Beförderung nach Fähigkeit und Leistung, angemessene Besoldung und -langen Verbleib in einer Stelle. Voraussichtlich werden besonders -die Beziehungen mit Californien und Australien lebhaft werden. Aus -diesen freien Ländern werden freie Ideen eindringen. Der Wohlstand -der Mestizen wird beträchtlich zunehmen, um so ungeduldiger werden -sie die wirkliche oder eingebildete Zurücksetzung der Regierung, -den Hochmuth ungebildeter Spanier ertragen. Dann wird das Mutterland -ernstlich zu erwägen haben, ob es klug ist, die Kolonie ferner -durch Monopole und Geldentziehungen auszubeuten und einer unnützen, -hungrigen Beamtenschaar preiszugeben. [118] Englische und holländische -Kolonialbeamte werden für ihren schwierigen verantwortlichen Dienst -besonders ausgebildet, erlangen ihre Anstellung durch ein strenges -Examen in der Heimat, und rücken in der Kolonie nur allmälig je nach -ihren Fähigkeiten in die höheren Stellen ein. Wie ganz anders werden -die Philippinen mit Beamten versorgt. Ob es aber Spanien gelingen wird, -einen den neuen Verhältnissen gewachsenen Beamtenstand zu schaffen, -ist schwer vorauszusagen, werden doch in Spanien selbst die Aemter -nicht sowohl durch Befähigung und Verdienst als durch politische -Intriguen erlangt und eingebüsst. [119] - - - - - - - - -DREIZEHNTES KAPITEL - - REISEN IN SÜD-CAMARINES, FORTSETZUNG. -- BATU-SEE. -- INDISCHE - PRIESTER. -- NIEDERLASSUNG VON WILDEN. -- FEIER DER KREUZBULLE. -- - BUHI-SEE. -- VULKAN YRIGA. -- ANANASFASERN. -- PFEILGIFT. -- - BLUTEGEL. -- SOLFATARE YGABO. -- KIESELSPRUDEL VON TIBI. - - -Anderthalb Stunden nach der Abfahrt von Polángui erreichten wir den Ort -Bátu, in der NW. Ecke des gleichnamigen Sees. Die Leute, besonders die -Frauen fielen mir wegen ihrer Hässlichkeit und geringen Reinlichkeit -auf. Obgleich sie unmittelbar am See wohnen und täglich ihr Trinkwasser -daraus schöpfen, scheinen sie nur selten darin zu baden. Die Strassen -des Dorfes sind gleichfalls schmutzig und vernachlässigt, was zum -Theil wohl daran liegt, dass der Geistliche ein Eingeborner ist. - -Der Bátu-See nimmt im November, zu Ende des Regenmonsun, einen viel -grösseren Raum ein als in der trockenen Jahreszeit und ist dann, -besonders in der SW. Ecke, weit über seine flachen Ufer getreten. Eine -grosse Menge von Wasserpflanzen wächst an den seichteren Stellen, -namentlich aber ist eine zierliche Alge [120], nicht dicker als -Pferdehaar, aber sehr verästelt und endlos durch einander fortwachsend, -in so ungeheurer Fülle vorhanden, dass sie eine hinreichend starke -Decke bildet, um grosse Wasservögel zu tragen. Zu hunderten gehn -sie darauf spazieren und fressen kleine Fische und Garnelen, welche -zwischen den Maschen dieses Netzwerkes wimmeln und ihnen bequem zur -Beute fallen. Auch von den Eingeborenen werden letztere massenhaft -mit gestielten Netzen aus dem Wasser geschöpft und theils frisch, -theils wie alter Käse durch Fäulniss pikanter gemacht, zum Reis -gegessen. Diese kleinen Krebse sind durchaus nicht auf den Bátu-See -beschränkt. Im Süss- und Brackwasser des philippinischen und indischen -Archipels und hinterindischen Festlandes werden sie (oder verwandte -Arten) in zahllosen Mengen gefangen und bilden gesalzen, gedörrt, in -Salz- oder Gewürzbrühen eingemacht, auch in Form von Pasten wichtige -Nahrungsmittel oder Kondimente. Sie fehlen auf keinem Markte und sind -Gegenstand nicht unbedeutender Ausfuhr nach China. [121] Es gelang mir -nicht von den Wasservögeln zu schiessen, da das dichte Pflanzengewirr -den Nachen nicht hinreichend nahe kommen liess. - -Als ich denselben See im Februar wieder besuchte, fand ich sein Wasser -so bedeutend gefallen, dass ringsum ein breiter Saum trocken lag, -der an manchen Stellen über 100' maass. Das Algengewirr war bei dem -allmäligen Zurücktreten des Wassers zu einem dichten, zolldicken, von -der Sonne völlig gebleichten Filzteppich zusammengesunken, der sich -als ein einziges grosses Tuch rings um den Rand des Sees ausspannte -und über die Sträucher fort hing, die bei meinem ersten Besuch unter -Wasser standen. Nie habe ich etwas ähnliches gesehn oder erwähnt -gefunden. Der Stoff, der in Streifen von beliebiger Länge umsonst -zu haben war, erwies sich so vortrefflich zu Flintenpfropfen, zum -Ausstopfen von Vogelbälgen und zum Verpacken, dass ich eine grosse -Menge davon mitnahm. Diesmal war auch die Vogeljagd ergiebig. - -Der eingeborene Priester von Bátu klagt sehr über seine Pfarrkinder, -die ihm nichts zu verdienen geben: »Keine Messen Herr; ja dies ist ein -so elendes Nest, dass kaum Todesfälle vorkommen. In D. wo ich Coadjutor -war, hatten wir täglich unsere zwei Beerdigungen zu drei Dollar -das Stück, und Messen zu einem Dollar, mehr als wir lesen konnten; --- ausserdem Taufen und Trauungen, die doch auch etwas einbringen; -hier aber ist nichts, gar nichts zu verdienen.« Er hatte sich daher -mit Eifer auf den Handel gelegt. Die eingeborenen Geistlichen machen -ihrem Stande in der Regel wenig Ehre. Unglaublich unwissend, sehr -liederlich, nur in den Aeusserlichkeiten ihres Dienstes unterrichtet, -bringen sie einen grossen Theil ihrer Zeit mit Spielen, Trinken und -andern sündhaften Dingen zu. Sie bemühen sich nicht einmal den äussern -Anstand zu wahren, ausgenommen bei der Messe, die sie mit drolliger -Würde lesen, ohne ein Wort davon zu verstehn. Häufig sind Mädchen und -kleine Kinder im Convento, Alles isst mit den Fingern gemeinschaftlich -aus einer Schüssel. Der hiesige Priester stellte mir unaufgefordert -zwei hübsche Mädchen als seine beiden armen Schwestern vor, die er -trotz seiner grossen Dürftigkeit unterhielte; ihre Töchter wurden -aber von den Dienern ohne Scheu Töchter des Cura genannt. - -Der Grundsatz der spanischen Kolonialpolitik, eine Kaste durch die -andere in Schranken zu halten, damit keine zu mächtig werde, scheint -die Ursache, warum ein grosser Theil der Pfarrstellen mit Eingeborenen -besetzt wird (angeblich die Hälfte, nach einer gesetzlichen Bestimmung -die ich vergeblich gesucht habe). Die Klugheit dieser Maassregel mag -wohl zweifelhaft erscheinen. Der spanische Cura hat grossen Einfluss -in seiner Gemeinde und bildet vielleicht das einzige feste Band -zwischen der Kolonie und dem Mutterlande; in beiden Punkten gewährt der -einheimische Priester keinen Ersatz; er geniesst gewöhnlich selbst bei -seinen Landsleuten nur wenig Achtung; Anhänglichkeit an Spanien hat er -nicht, namentlich hasst und beneidet er seine spanischen Amtsbrüder, -die ihm die schlechtesten Stellen übrig lassen und ihn verachten. - -Von Bátu reitet man auf guter Strasse N. b. O. in einer halben -Stunde im Schritt nach Nábua. Das Land ist flach, zu beiden Seiten -Reisfelder; während aber in Bátu der Reis damals gepflanzt wurde, war -er in Nábua fast reif. Ich habe über diesen auffallenden Umstand keine -genügende Auskunft erhalten können und weiss den dadurch angedeuteten -schroffen klimatischen Unterschied zwischen zwei so nahe gelegenen, -durch keine hohe Bergwand getrennten Orten nicht zu erklären. Die -Menschen sind hässlich und schmutzig und unterscheiden sich darin -merklich von den Tagalen. Nábua (10,875 E.) wird von mehreren kleinen -Flüssen durchschnitten, die aus den Bergen in Osten kommend hier -einen kleinen See bilden, dessen Ausfluss bei Báo durch Aufnahme -von Bächen abermals zu einem See anschwillt und sich dann in den -Bícol ergiesst. Dicht vor der zweiten Brücke in Nábua wendet sich die -Strasse ostwärts und führt in gerader Linie nach Yriga, im Südwesten -des gleichnamigen Vulkanes belegen. - -Auf dem Abhange des letzteren besuchte ich eine kleine Niederlassung -heidnischer Eingeborenen. Von den Bewohnern der Ebene werden sie -abwechselnd Ygorroten, Cimarronen, Remontados, Infieles oder Montesinos -(Waldbewohner) genannt, keiner dieser Namen, mit Ausnahme der beiden -letzten passt aber recht auf sie; der erste kommt eigentlich Stämmen -im Norden der Insel zu, die für Mischlinge von Chinesen und Indiern -gelten. [122] Cimarron, französisch Marron, den amerikanischen -Sklavenkolonien entlehnt, bezeichnet dort einen entsprungenen in -Freiheit lebenden Negersklaven, hier einen Eingeborenen, welcher -die Bequemlichkeiten des Dorfes sammt seinen Steuern und Frohnden -gegen die Entbehrungen und die Unabhängigkeit des Lebens in der -Wildniss vertauscht hat. Die Bezeichnung Remontado (remonté) erklärt -sich selbst und ist gleichbedeutend mit Cimarron. Da der Gegensatz -zwischen jenen beiden Zuständen wegen der Milde des Klimas und der -Bedürfnisslosigkeit der Eingeborenen nicht entfernt so gross ist, -als er bei uns sein würde, so kommen solche Rücktritte öfter vor, -als man glauben sollte, gewöhnlich in Folge eines Vergehens oder einer -unbequemen Schuld, zuweilen aus blossem Widerwillen gegen Kopfsteuer -und Frohndienste. Der Indier hat eine ausgesprochene Neigung, sich -aus den Puéblos in die Einsamkeit zurückzuziehn, auf seinem Felde zu -wohnen; und nur dem vereinten Eifer der für die Kopfsteuer haftbaren -Dorfältesten und der Geistlichen, die, abgesehn von andern Interessen, -auch ihre nach der Kopfzahl berechneten Stipendien zu berücksichtigen -haben, gelingt es zu verhindern, dass sich die Puéblos in Visitas, -diese in Ranchos auflösen. Nachdem der Verkehr in andern Ranchos -desselben Berges meine ersten Eindrücke bekräftigt, möchte ich die -unabhängigen Bewohner des Yriga für Mischlinge von Indiern und Negrítos -halten. Die Hautfarbe ist dunkelbraun, nicht schwarz, wohl nicht -dunkler als bei Indianern, die sich der Sonne sehr aussetzen. Einige, -aber durchaus nicht Alle, haben krauses Haar. Während sowohl die in -grösseren Truppen zusammenlebenden Negrítos wie die von mir vereinzelt -bei Angat und Marivéles angetroffenen keinen Ackerbau treiben, fast -ohne Obdach im Freien hausen, sich von spontanen Naturerzeugnissen -nähren [123], wohnen die Halbwilden des Yriga in bequemen Hütten -und bauen verschiedene Knollengewächse und etwas Zuckerrohr. Reine -Negrítos kommen, so weit meine Erkundigungen reichen, in Camarines -nicht vor. Ein zum grossen Theil dicht bevölkertes Gebiet, aus dem sich -die höheren Berge nur in einzelnen Kuppen erheben, dürfte wohl kaum -für ein herumschweifendes Jägerleben ohne Feldbau die erforderlichen -Bedingungen darbieten. - -Die wenigen Ranchos des Yriga sind sehr zugänglich, sie stehn im -freundschaftlichsten Verkehr mit den Indiern; andern Falls wären -ihre Bewohner wohl längst ausgerottet. Trotz dieser nachbarlichen -Beziehungen hatten sie doch noch viel von ihrem ursprünglichen -Wesen bewahrt. Die Männer waren nackt bis auf ein Schamband, die -Weiber gleichfalls oder trugen einen Schurz, von der Hüfte bis zum -Knie reichend. [124] In dem grössten Rancho waren die Frauen sehr -dezent, nach Art der Indianerinnen bekleidet. Ihr Hausrath bestand -aus Bambusgeräth, Kokosschalen, einem irdenen Kochtopf, Bogen und -Pfeilen. Bei letzteren, die sehr sorgfältig gearbeitet, war der -Schaft aus Rohr, die Spitze aus einem scharfen Bambusschnitt oder aus -Palmenholz, dreispitzig oder einspitzig; im letzteren Fall war um die -Spitze oft eine spirale Rinne eingeschnitten; zur Schweinejagd werden -vergiftete Pfeile mit eiserner Spitze benutzt. Obgleich die Ygorroten -nicht Christen sind, hatten sie ihre Hütten mit Kreuzen verziert, die -ihnen als Talismane dienen. Wenn sie nichts nützten, meinte eine Alte, -würden die Castilas sie nicht überall anbringen. [125] Die grösste der -von mir besuchten Rancherien stand unter einem Kapitän, der aber nur -wenig Macht hatte. Auf meinen Wunsch rief er einige nackte Bursche -herbei, die müssig auf Baumstämmen hockten. Sie gehorchten ihm erst -nach langen Erörterungen. Kleine Geschenke, messingene Ohrringe -und Kämme für die Frauen, Zigarren für die Männer gewannen leicht -ihre Gunst. - -Nach einem vergeblichen Versuch den Yriga von hier aus bis zum Gipfel -zu besteigen, ging ich um seinen Südwestrand nach Buhi im Südwinkel -des Buhi-See's. Zehn Minuten nach der Abreise von Yriga kommt man an -eine Stelle, wo der Boden unter dem Hufschlag hohl klingt. Unzählige -kleine, im Mittel 50 Fuss hohe Hügel erheben sich aus der Ebene. Im -Norden erblickt man den grossen Krater des Yriga, dessen dem See -zugewendete Ostseite eingestürzt ist. Von Yriga her erscheint der -Vulkan als ein geschlossener Kegel. Der See hat etwa 1 1/2 Meilen -Umfang. Die Hügel bestehn an dieser Stelle aus Basalt, bei Buhi aus -grobgeschichteten Rapilli, die Schichten fallen gegen den Yriga ein, -der NW. davon liegt. Von einem der höchsten der Basalthügel betrachtet, -sieht es aus als wären diese kleinen Anhöhen Ueberreste eines grossen -ehemaligen Kraters, der, vielleicht durch Erdbeben zertrümmert, später -durch Erosion in diese zahlreichen kleinen Kuppen umgestaltet wurde. - -In Buhi liess der freundliche Pfarrer durch Trommelschlag verkünden, -dass der eben angekommene Fremde allerlei Thiere zu haben wünsche, -Thiere der Erde, der Luft und des Wassers, Thiere der Berge, der -Wälder und Felder, und alles baar bezahlen würde. Es wurden aber von -den zahlreich herbeiströmenden Neugierigen nur Thiere der Häuser und -der Leiber, Schaben, Tausendfüsse und andres Ungeziefer gebracht, die, -nachdem sie zu Einlasskarten gedient, als seltene Waare verwerthet -werden sollten. - -Am folgenden Tage sah ich einen bunten Aufzug: Voran die spanische -Fahne, welcher die Dorfpauke, 7×4 Reiter in kurzen Jacken und -flatternden Hemden, ein Dutzend Musikanten und schliesslich -als Hauptfigur der Träger einer rothseidenen Standarte folgten; -eine Ehre, die den Bevorzugten nicht wenig stolz macht und zu einem -Schmaus mit reichlichen Spenden von Kokoswein verpflichtet. Er sass -zu Pferde, affenartig aufgeputzt, auf dem Kopf einen Dreimaster, -der statt goldener Tressen, mit buntem Papier beklebt war, über -dem Frack eine papierene Weiberpelerine, kurze enge gelbe Hosen, -lange weisse Strümpfe und Schuhe. Rock und Hose waren gleichfalls -statt der Tressen mit Papier benäht. Auf ähnliche Weise war das von -zwei Cabezas geführte Pferd verziert. Nachdem der Zug sich durch die -Strassen des Dorfes bewegt, machte er vor der Kirche Halt. - -Dieses Fest wird alljährlich gefeiert zum Gedächtniss der von den -Päpsten dem Könige von Spanien gemachten Konzession, die Erträge -der Kreuzbulle für sich zu verwenden. Die spanische Krone besitzt -in Folge davon das Recht, verschiedene Ablässe, auch für schwere -Verbrechen, im Namen des Papstes zu ertheilen. Sie hat dieses Recht -gewissermassen im Grossen erworben und verschleisst ihren Kunden -die Indulte im Wege des Kleinhandels, früher durch die Pfarrer, seit -1851 im Estanco, zugleich mit andern von ihr monopolisirten Artikeln: -Tabak, Branntwein, Loterieloosen, Stempelpapier etc.; jedoch »unter -Mithülfe der Pfarrer«. [126] Ohne letztere würde das Geschäft wohl -wenig abwerfen. Die Einnahmen daraus haben immer sehr geschwankt; sie -betrugen 1819: 15,930 Doll., 1839: 36,390 Doll., und waren für 1860 -auf 58,954 veranschlagt; in den beiden Jahren 1844/45 aber stiegen -sie auf 292,115 Doll., weil die Ablassscheine damals den Familien -zwangsweise aufgenöthigt wurden, indem sie von den Barangayhäuptern -»unter Beihülfe und Ueberwachung der Pfarrer und Untersteuerbeamten«, -die dafür, bezüglich, 8% und 5% Prämie erhielten, in die einzelnen -Häuser vertheilt wurden; -- wohl eine der schamlosesten Anwendungen -des Repartimiento Systems. [127] - -Der Buhi-See (92 Meter Meereshöhe) ist malerisch schön, fast auf allen -Seiten von über tausend Fuss hohen Bergen umgeben; sein Westrand wird -von dem noch vorhandenen Theil des Yriga-Kraters gebildet. Wie mir -die Pfarrer der umliegenden Ortschaften mittheilten, soll der Vulkan -bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts ein geschlossener Kesselberg -gewesen, und als er bei einem grossen Ausbruch zur Hälfte einstürzte -der See entstanden sein. Uebereinstimmend damit heisst es im Estado -geogr. S. 247 (der wahrscheinlichen Quelle jener Mittheilungen): -Am 4. Januar 1641, einem denkwürdigen Tage, weil zur selben Stunde -alle damals in diesem Archipel bekannten Vulkane ausbrachen, stürzte -in der Provinz Camarínes ein grosser, von Ungläubigen bewohnter Berg -ein, und an seiner Stelle erschien ein schöner See, an welchen die -Bewohner des (damaligen) Dorfes Buhi übersiedelten, weshalb er fortan -Buhi-See genannt ward. - -A. Perrey (S. 48) führt einen Ausbruch vom Jahre 1628 in Camarínes an, -der gleichfalls auf jenes Ereigniss bezogen werden könnte: - -»1628 bebte die Erde; nach glaubwürdigen Zeugnissen, an einem Tage -vierzehnmal in Camarínes; viele Gebäude stürzten ein, ein grosser Berg -barst und es brach aus demselben eine solche Menge Wasser hervor, -dass in den überschwemmten Gefilden die Bäume ausgerissen, und eine -Stunde vom Meer (die direkte Entfernung zum Meer beträgt 2 1/2 Leguas), -die Ebene ganz mit Wasser bedeckt war.« [128] Sonderbarer Weise aber -stimmt der in einer Note gegebene Originaltext nicht zu A. Perrey's -Uebersetzung. Jener erwähnt nichts vom Hervorbrechen des Wassers -aus dem Berge und sagt im Gegentheil, dass die von der ungeheuren -Gewalt umgestürzten Bäume am Strande auf eine Stunde weit die Stelle -des Meeres einnahmen, so dass auf dieser Strecke kein Wasser zu sehn -war. [129] - -Die Angabe im Estado geogr. muss deshalb Misstrauen erregen, -weil in dem amtlichen Bericht über das grosse Erdbeben von 1641 -die gleichzeitigen Ausbrüche dreier Vulkane, zweier im Süden des -Archipels, einer in Nord-Luzon ausführlich geschildert werden, -Camarínes aber ganz unerwähnt bleibt. Das Misstrauen wird durch den -Umstand vergrössert, dass derselbe Autor (Nierembergius), dem obige -Angabe über den Ausbruch von 1628 in Camarínes entlehnt ist, in einem -andern Werke einen ausführlichen Bericht über das Ereigniss von 1641 -giebt, ohne dabei dieser Provinz zu gedenken. [130] Bei der grossen -Gleichgültigkeit, mit welcher die Mönche Naturereignisse behandeln -(waren doch selbst die am Fuss des Albay wohnenden Pfarrer nicht -einmal über die Daten seiner letzten Ausbrüche einig), ist es nicht -unwahrscheinlich, dass der Ausbruch von 1641, bei welchem in Nord-Luzon -ein Berg einstürzte und ein See an die Stelle trat, im Lauf der Zeit -auf den Yriga übertragen wurde. - -Auch von Tambong aus, einer kleinen zu Buhi gehörigen Visita -am Seeufer, glückte es mir diesmal nicht die höchste Spitze -zu erreichen. Wir gelangten Abends auf den südlichen Zacken des -Kraterrandes (1041 Meter nach meiner Bar. Beob.), wo uns eine tiefe -Schlucht am weiteren Vordringen hinderte. Die Ygorroten verliessen -mich, die Indier weigerten sich zu bivuakiren um am folgenden Tage -die Reise fortzusetzen; ich musste umkehren. Spät Abends kamen -wir durch eine Kokospflanzung am Fuss des Berges und fanden Obdach -gegen ein Gewitter bei einer freundlichen Alten, der meine Diener -so viel vorlogen, dass wir trotz unseres Misserfolges, als der -Regen nachgelassen, mit Fackeln nach Tambong geleitet wurden und den -Palmenhain um den kleinen Weiler mit hellstrahlenden Freudenfeuern von -trocknen Kokosblättern zauberhaft schön erleuchtet fanden, zu Ehren der -»Conquistadores del Yriga«. Ich musste die Nacht in Tambong bleiben, -weil die Leute zu zaghaft oder zu faul waren über den bewegten See -zu fahren. - -Hier sah ich Ananasfasern für Gewebe bereiten. Den zu diesem Zweck -bestimmten Pflanzen wird gewöhnlich der Fruchttrieb ausgebrochen, -wodurch die Blätter an Länge und Breite beträchtlich zunehmen. Eine -Frau legt ein Brett auf den Boden, darauf ein Ananasblatt, die hohle -Seite nach Oben gekehrt; sie hockt an einem Ende des Brettes, hält -das Blatt mit den Zehen fest, und schabt mit einem Tellerscherben, -nicht mit der scharfen Bruchkante, sondern mit dem stumpfen Rande des -Umfangs die oberste Schicht des Blattes ab, die sich in Fetzen löst; -dadurch wird eine Lage grober Längsfasern entblöst, die Arbeiterin -fährt mit dem Nagel des Daumens darunter, hebt sie auf, zieht sie -in einem zusammenhängenden Streifen ab und schabt abermals bis eine -zweite feine Faserschicht blosgelegt ist; dann dreht sie das Blatt um, -schabt etwa eine Handbreit vom untern Ende der jetzt oben liegenden -Rückseite des Blattes bis zur Faserschicht ab, fasst diese mit der -Hand und zieht sie der ganzen Länge nach auf einmal vom Blattrücken -ab. Nachdem die Fasern gewaschen, um sie von dem noch daran haftenden -Parenchym zu reinigen, trocknet man sie an der Sonne. Später werden -sie mit einem gewöhnlichen Kamm wie Frauenhaar gekämmt, nach ihrer -Feinheit in vier Klassen sortirt, an einander geknüpft und ebenso -behandelt wie Lupifasern. [131] Auf diese rohe Weise gewinnt man -die Fäden für die berühmten Gewebe, Nipis de Piña, die von Kennern -für die feinsten der Welt gehalten werden. Zwei Hemden aus diesem -Stoff sind im Berliner ethnographischen Museum (unter 291 und 292), -feinere Gewebe im Gewerbe-Museum ausgestellt. In den Philippinen, -wo man die Feinheit der Arbeit am besten zu würdigen versteht, sind -reich gestickte Piñakleider mit mehr als 2000 Thaler das Stück bezahlt -worden. [132] - -In Buhi, das nicht hinreichend gegen den NO. gedeckt ist, regnete es -fast so viel wie in Darága. Ich hatte mit den Ygorroten ausgemacht, -dass sie einen Pfad durch das hohe Rohr bis zum Gipfel durchschlagen -sollten, es unterblieb aber wegen des anhaltenden Regens, und ich -entschloss mich über den Malinao zu steigen, längs der Küste in mein -Standquartier zurückzukehren und neu ausgerüstet den Bicolfluss bis -Naga hinabzufahren. - -Bevor wir uns trennten bereiteten die Ygorroten noch Pfeilgift für -mich, aus zwei Baumrinden, von denen sich Proben unter B. 103 und -B. 104 in der botanischen Sammlung der Berl. Universität befinden. Ich -bekam nur die Rinden zu sehn, weder Blätter noch Blüthen. Die -Bastschicht der Rinde B. 103 wurde zerklopft, ausgedrückt, angefeuchtet -und noch einmal ausgedrückt. Dies geschah mit der blossen Hand, die -aber nicht verletzt sein darf. Der Saft sieht wie dünne Erbsensuppe -aus, er wird in einem Topfscherben über schwachem Feuer eingedampft, -wobei er an den Rändern gerinnt. Das Coagulum löst sich durch -Umrühren wieder in der kochenden Flüssigkeit. Ist diese zu Syrupsdicke -eingedampft, so wird von der innern Oberfläche der Bastschicht B. 104 -eine geringe Menge, etwa 1/10 so viel als B. 103, abgeschabt und über -dem Topf ausgedrückt; dieser Saft ist dunkelbraun. Wenn das Gemenge -die Konsistenz einer zähen Salbe hat, so wird es mit einem Span aus -dem Scherben herausgekratzt und in einem mit Asche bestreuten Blatt -aufbewahrt. Zum Vergiften eines Pfeils verwendet man ein Stück von der -Grösse einer Haselnuss, das durch Erwärmen gleichmässig über die breite -eiserne Spitze vertheilt wird. Ein vergifteter Pfeil dient viele Male. - -Ende November verliess ich den schönen Buhi-See und fuhr, von seinem -östlichsten Winkel aus, eine kurze Strecke den kleinen Sapafluss hinauf -[133], dessen Anschwemmungen einen beträchtlichen Vorsprung im Umriss -des Sees bilden. Ueber eine feuchte Wiese gelangt man an den Abhang des -Malinao oder Buhi, der schlüpfrige Thon des untern Abhanges geht weiter -oben in vulkanischen Sand über. In dem sehr feuchten Wald wimmelte -es von kleinen Blutegeln; ich hatte sie nie zuvor in solcher Menge -angetroffen. Die Thierchen, ausgestreckt nicht dicker als Zwirnsfäden, -sind ausserordentlich behende, setzen sich an alle Stellen des Körpers -fest, dringen selbst in die Nase, in die Ohren, in die Augenlider und -saugen sich, wenn man sie nicht bemerkt, so voll, dass sie kugelrund -werden und wie kleine Kirschen aussehn. Während sie saugen empfindet -man keinen Schmerz, aber später jucken die angegriffenen Stellen oft -noch tagelang. [134] An einer Stelle bestand der Wald überwiegend aus -Feigenbäumen mit sechs Fuss langen, an dem Stamm und den dickeren -Aesten hängenden Fruchttrauben. Die Früchte von Kirschengrösse -sassen vereinzelt an den sparrigen holzigen Stielen. Zwischen den -Bäumen wucherten kletternde Farne, Aroideen, Orchideen. Nach fast -sechs Stunden erreichten wir um 12 1/2 Uhr die Passhöhe (841 Meter) -und stiegen am östlichen Abhang hinab. Der Wald ist auf der Ostseite -des Berges noch prächtiger als auf der westlichen. Von einer Lichtung -hatten wir eine Aussicht auf das Meer, die Insel Catanduanes und die -Ebene von Tabaco. Mit Sonnenuntergang langten wir in Tibi an, wo ich -mich in dem saubern, von starken Bambusen eingefassten Gefängniss -einquartierte, dem wohnlichsten Raum eines langen Schuppens, der -die Stelle des vor zwei Jahren durch Sturm zerstörten Tribunals -vertrat. Von Tibi hatte ich Gelegenheit den Malinao (auch Buhi und -Takít genannt,) zu zeichnen: der von dieser Seite als ein grosser -Vulkan mit deutlichem Krater erscheint, vom Buhi-See aus ist er als -ein solcher nicht mit voller Sicherheit zu erkennen. - -Nicht weit von Tibi, genau NO. vom Malinao, liegt eine schwache -Solfatara, Igabó genannt: in der Mitte einer rings von Bäumen umgebenen -Rasenfläche ist eine kahle Stelle von ovaler Form, nahe hundert Schritt -lang, 70 breit. Der ganze Raum ist mit kopfgrossen und grösseren, -durch Zersetzung abgerundeten Steinen bedeckt, beim Zerschlagen lösen -sich von der Oberfläche dünne konzentrische Schalen, der Kern ist grau -und besteht aus Trachyt. An einigen Stellen sprudelt aus dem Boden -heisses Wasser, das sich zu einem kleinen Bach sammelt, einige Weiber -waren beschäftigt ihre Mahlzeit zu kochen, indem sie mittelst eines -Netzes Caladiumschnitte in das dem Siedepunkt nahe Wasser hingen. An -der untern Fläche einiger Steine war ein wenig Schwefel sublimirt, -von Alaun kaum Spuren wahrnehmbar; in einer Vertiefung hatte sich -Kaolin angesammelt; es wird gelegentlich zum Anstrich benutzt. - -Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen -von Naglegbeng. [135] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und -fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten -Aggregatzuständen, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache -Kegel mit zylindrischen Aufsätzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit -geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bäumen entblösste Stelle -zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist, -wenige mit Rasen bewachsene Lücken ausgenommen, mit einer Kruste von -Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhängende Flächen -bildet, gewöhnlich aber durch vertikale Sprünge in fliesenartige -Platten zerborsten ist. An unzähligen Stellen dringt siedend heisses, -kieselsäurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich über -die Fläche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung -allmälig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt -regelmässig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel, -mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren -Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es läuft weniger Wasser -über, das schon in unmittelbarer Nähe des Beckenrandes verdampft und -in jedem Tropfen ein feines Körnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird -nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet -sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen äussere Seite, -weil das Wasser nicht völlig gleichmässig überfliesst, stalaktitisch -gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer -ist als die Verdampfung, so läuft kein Wasser mehr über den Rand; der -Sinter setzt sich dann bei der allmäligen Abkühlung des Wassers mit -der grössten Gleichmässigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem -Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hört die Sinterbildung -im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke -zu, und wenn der Kanal gänzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist, -so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes, -umgekehrt glockenförmiges Becken zurück. In der Abbildung des weissen -Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend -dargestellt, ein noch schönerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe -des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen -neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten -Widerstand findet, ohne den schönen von ihm aufgebauten Kegel zu -zerstören. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grössten -Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen -Teiche entstanden, erlangen die Dämpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist, -solche Spannkraft, dass sie die oberflächliche Kruste in konzentrisch -strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus -der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen -zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Höhe; -so entstehen ringförmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst -allmälig durch neue Absätze aus dem überströmenden Wasser bildet. An -den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem -»weissen« und dem »rothen«, sieht man diese Stufenbildung vollendet, -an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht, -nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das -Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter -Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung -stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in -der Vollendung. In der Nähe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen, -weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bändern wie bunte -Mergel einander überlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer -Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens -gefärbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen, -aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die -letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering, -sie liegen nicht an ihrer ursprünglichen Lagerstätte und würden nur -einen kleinen Theil der ursprünglichen Masse darstellen. Ganz ähnliche -Verhältnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel -mannichfaltiger, schöner, reiner als die Produkte der isländischen -Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von -Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter überzogen, dass -alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik könnte nicht -zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dünne Schichten -undurchsichtig weissen oder sehr schwach röthlichen Sinters mit Bändern -durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde -lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zähe -Masse dringenden Gasblasen Reihen dünnwandiger Zellen gebildet, so -dicht und regelmäsig, als wären sie organischen Ursprungs, die Zellen -sind leer oder mit Hyalith erfüllt, der zuweilen in ununterbrochenen -Strahlen die Sintermassen durchdringt. [136] An andren Stellen hat -sich der Sinter in dünnen konzentrischen Schalen um feste Körperchen -abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schön -wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels, -der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben dürfte. - - - - - - - - -VIERZEHNTES KAPITEL - - LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER. - - -Bei der zweiten Reise nach Camarínes, die ich im Februar unternahm, -fuhr ich zu Wasser von Polángui über Bátu bis Nága. Der Quináli, -der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss -wieder aus, und läuft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Miguél. Er -vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Albáy und -Camarínes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene -für die in Folge des Abacábau's sehr gestiegene Bevölkerung nicht -ausreicht und Camarínes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in -grossen Kähnen flussaufwärts bis Quináli geschafft und von dort in -Büffelkarren weiter verführt; die Boote gehn leer zurück. Die Breite -des sehr windungsreichen Bicol beträgt in der trocknen Jahreszeit am -Seeausfluss wenig über 60 Fuss und nimmt nur sehr allmälig zu. Die -Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend -ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen -und Wasservögel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster) -besonders häufig -- aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen -sie auf den Bäumen am Ufer, nur ihr dünner Hals und Kopf ragt wie -eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annähern des Bootes -stürzen sie jäh in's Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man -den dünnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle, -wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht -minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen. - -Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein -fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und -unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hügelzug, -zwei Stunden Büffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen -Korallenriff. Weiter stromabwärts wird die Gegend flacher, nur die -grossen Vulkane ragen über die von Reisfeldern eingenommene Ebene. - -In Nága, der Hauptstadt von Süd-Camarínes, stieg ich im Tribunal ab, -wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit über -die Grenzen seiner Provinz berühmten Administrador in sein Haus geholt -und mit Liebenswürdigkeit und Gefälligkeiten überhäuft. Der allgemein -beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu -bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu -machen und meine Zwecke zu fördern. - -Nága ist die Hauptstadt von Süd-Camarínes, Sitz eines Bischofs und der -Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cáceres -genannt zu Ehren des aus Cáceres gebürtigen General-Kapitäns -D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nága eine spanische -Stadt gründete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zählte sie gegen 100 -spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwärtig kaum ein Dutzend. Schon -Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika, -von allen in den Philippinen gegründeten Städten, mit Ausnahme -Manila's, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich -erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben, -darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen -Ansiedlern fehlt. Früher war Nága Hauptstadt des ganzen östlich von -Tayábas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevölkerung in -die drei Provinzen Nord- und Süd-Camarínes und Albáy zerlegt wurde. Die -Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Albáy und -Süd-Camarínes ziemlich willkürlich gezogen, während das Gesammtgebiet, -wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr -wird es auch wohl noch gegenwärtig im Zusammenhang Camarínes genannt; -am passendsten könnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist -von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch -seine Sprache, als durch manche Eigentümlichkeiten von seinen Nachbarn, -den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Süden und -Osten unterscheidet. - -Die Bicol sind auf das in Rede stehende Gebiet und einige kleine -unmittelbar davor liegende Inseln beschränkt. Ueber ihre Herkunft geben -die umfangreichen, inhaltlosen Geschichten spanischer Mönche keinen -Aufschluss. Morga hält sie für Eingeborene der Insel, dagegen sei durch -Ueberlieferung bekannt, dass die Bewohner von Manila und Umgebung von -vor Zeiten dort eingewanderten Malayen und Bewohnern anderer Inseln -und ferner Provinzen abstammen. [137] So wie ihre Sprache zwischen -der der Tagalen und Bisayer mitten innen steht, so scheinen die Bicols -selbst auch in ihren Fähigkeiten und Sitten einen Uebergang zwischen -beiden zu bilden, den Tagalen körperlich wie geistig im Allgemeinen -nachzustehn, den Bewohnern der östlichen Bisaya-Inseln überlegen zu -sein. Bicol wird nur in beiden Camarínes und Albáy auf Luzon, und -auf den Inseln Masbáte, Burías, Ticáo, Catanduánes und den kleinen -benachbarten Eilanden gesprochen. Am reinsten sprechen es die Bewohner -des Vulkanes Ysaróg und seiner unmittelbaren Umgebung. Von dort gen -Westen nimmt die Bicolsprache immer mehr tagalisch, nach Osten hin -bisaya auf, und geht allmälig, wohl noch ehe sie die Grenzen ihres -ethnographischen Gebietes erreicht, in diese beiden Nachbarsprachen -über. Es dürfte zweckmässig sein, die hervorragendsten Züge in der -Lebensweise der Bicolindier, deren Mehrzahl sie mit den Tagalen und -Bisayern gemein haben, hier an einander zu reihen. - -Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhältnisse und der -durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten -ist bereits S. 94 gegeben worden. - -Die Aussaat des Reises in Beeten beginnt in Süd-Camarínes im Juni oder -Juli, je nach dem Eintritt der Regenzeit; in künstlich berieselten -Feldern früher, weil die Frucht dann zu einer Zeit reift, wo ihr -Vorrath im Lande gering, ihr Preis hoch ist. Obgleich Rieselfelder -sehr wohl zwei Ernten jährlich liefern könnten, so werden sie doch -nur einmal bestellt. Im August wird umgepflanzt mit handbreiten -Zwischenräumen zwischen den Linien und den einzelnen Pflanzen, vier -Monate später ist der Reis reif. Die Felder werden nie gedüngt und nur -selten gepflügt, gewöhnlich lässt man durch einige Dutzend Büffel das -Unkraut und die Stoppeln in den schon durchweichten Boden eintreten, -der dann nur noch mit einer stachlichten Walze gerollt, oder mit dem -Sorod gelockert wird. Ausser den genannten Ackergeräthschaften, sind -noch die spanische Hacke (Azadón) und ein Rechen von Bambus (Kag-kag) -in Gebrauch. Bei der Ernte geht es eigenthümlich zu. Der Reis, welcher -zuerst reift, wird für 10% geschnitten, d. h. der Arbeiter empfängt für -seine Mühe das 10te Bündel vom Eigenthümer. Um diese Zeit ist der Reis -sehr knapp, oft ist Noth vorhanden und Arbeitskraft billig; je mehr -Felder aber in Reife kommen, um so theurer wird der Schnitterlohn, -er steigt auf 20, 30, 40 selbst 50%, ja die Behörden halten es -zuweilen für nöthig, die Leute durch Körper- und Gefängnissstrafe -zum Ernten zu zwingen, damit nicht ein grosser Theil auf dem Halm -verfaule. Dennoch geht in sehr fruchtbaren Jahren immer ein Theil -der Ernte verloren. Man schneidet den Reis Halm für Halm (wie in -Java), mit einem eigentümlich geformten Messer, oder in Ermangelung -eines solchen, mit der scharfrandigen Klappe einer in den Gräben der -Reisfelder lebenden Muschel [138]; man braucht sich nur zu bücken, -um sie aufzunehmen. - -Ein Quiñon bestes Reisland gilt 60-100 Dollars (8 bis 13 Thaler per -Morgen). Am theuersten sind Rieselfelder auf Anhöhen, die nicht wie die -Felder in der Ebene verheerenden Ueberschwemmungen ausgesetzt sind, -und so bewirtschaftet werden können, dass ihre Frucht zur Zeit der -höchsten Preise reift. - -Auf vier Topones (1 Topon = 1 Loan) pflanzt man 1 Ganta und erntet 100 -Manojos (Bündel), die je 1/2 Ganta Reis geben, also das fünfzigste -Korn. Man darf die alte Ganta von Naga wohl = 1 1/2 Gantas setzen, -dann berechnet sich der Ertrag auf 75 Cabanes per Quiñon, etwa 9 3/4 -Scheffel per Morgen, ungefähr soviel wie in Preussen. [139] In Büchern -werden gewöhnlich 250 Cabanes als Ertrag eines Quiñon angegeben, -als Durchschnitt wohl eine Uebertreibung. Die Ergiebigkeit der -Felder ist allerdings eine sehr verschiedene, aber wenn man erwägt, -dass die Aecker in den Philippinen nie gedüngt werden, sondern zur -Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit ausschliesslich auf den durch die -Ueberfluthungen aus den Bergen ihnen zugeführten Schlamm angewiesen -sind, so mögen obige Zahlen dem wirklichen Durchschnitt wohl eher -entsprechen. In Java beträgt in vielen Provinzen die Ernte nur 50 -Cabanes per Quiñon, in manchen freilich das Dreifache [140]; in China -bei sorgfältigster Kultur und reichlicher Düngung 180 Cabanes. [141] -Ausser Reis wird Camote (süsse Kartoffel, Convolvulus batatas) gebaut, -die wie Unkraut wuchert, ja sie wird zuweilen sogar angepflanzt, -um auf dem zum Kaffee-, Cacao- oder Abacábau bestimmten Boden das -Unkraut zu vertilgen. Sie breitet sich zu einem dichten Teppich -aus, und ist, da die Ausläufer Wurzel schlagen und Knollen bilden, -eine fast unversiegbare Vorrathskammer für den Besitzer, der das -ganze Jahr hindurch seinen Bedarf dem Felde entnehmen kann. Auch Gabi -(Caladium), Ubi (Dioscorea), Mais und zwei Arum-Arten sind Gegenstände -des Feldbaus. - -Nach der Reisernte werden Büffel, Pferde und Rinder auf die Felder -gelassen. Während des Reisbaues bleiben sie in den Gogonales, -Rohrsteppen, die namentlich dort entstehn, wo für den Bau von Bergreis -gelichtete Stellen wieder verlassen werden. Gogo ist der Name eines 7 -bis 8' hohen Rohres (Saccharum sp.). Transport findet dann fast nicht -statt, weil während der Regenzeit die Wege nicht benutzbar sind und -das Vieh nichts zu fressen fände. Der Indier füttert sein Vieh nicht; -er lässt es verhungern, wenn es sich nicht selbst erhalten kann. In -der nassen Jahreszeit kommt es nicht selten vor, dass ein Büffel, -während er den Karren zieht, vor Hunger zusammenstürzt. Ein Büffel -kostet 7-10 Dollars, ein Pferd 10-20, eine Kuh 6-8. Sehr schöne Pferde -bezahlt man mit 30-50 Dollars, ausnahmsweise sogar bis 80 Dollar, -doch werden die hiesigen Pferde in Manila nicht geschätzt, weil sie -nicht aushalten; das schlechte Wasser, das schlechte Heu und die -grössere Hitze daselbst, richten sie schnell zu Grunde, sonst würde -es vortheilhaft sein, Pferde in der guten Jahreszeit nach Manila zu -verschiffen, wo sie etwa das Doppelte kosten. Nach Morga (f. 130) gab -es weder Pferde noch Esel auf der Insel, bis die Spanier sie aus China -und Neu-Spanien einführten. [142] Erstere waren klein und bösartig; -auch aus Japan wurden Pferde bezogen, »nicht schnell aber stark mit -grossen Köpfen und dicker Mähne, wie Friesen aussehend«. [143] Die -Pferde vermehrten sich schnell, die im Lande geborenen, meist von -gekreuzter Rasse, schlugen gut ein. - -Das Rindvieh ist gewöhnlich in den Händen Einzelner. Es giebt in -Camarínes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stück besitzen, in der -Provinz ist es kaum verkäuflich, doch wird es seit einigen Jahren -mit Vortheil nach Manila ausgeführt. Das Rindvieh der Provinz ist -klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die -Kühe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Büffelfleisch dem -Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewöhnlich geniessen -sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kräuter zum Reis. - -Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingeführte Rasse von -Schafen hält sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich -von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut -auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewöhnlich bald sterben. In -Manila ist Hammelfleisch täglich zu haben, im Innern aber, wenigstens -in den östlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne -Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben -werden könnte. Man ist aber zu nachlässig, um die jungen Lämmer zu -hüten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn -sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt -zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien -mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner -Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch -wird von wohlhabenden Europäern nur dann gegessen, wenn das Schwein -von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhüten, dass -es sich herumtreibe, wird es gewöhnlich in einen Bambuskäfig, einen -weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet, -wenn es denselben ausfüllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu -essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in -manchen kleinen Häusern nur aus den Zwischenräumen der aus Bambuslatten -gebildeten Diele besteht und ernähren sich von seinen Abfällen, die -sie gierig verschlingen; häufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen, -Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt. - - - Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den - Philippinen fremden Sprachen angehören. Hund, Schwein, Ziege, - Büffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch; - Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen - eingeführt wurden, so waren die Ureinwohner übler daran, als die - Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicuña hatten. -- Auch - die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr, - Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die für Silber, Kupfer, - Zinn. Von den auf Gewerbe bezüglichen Wörtern sei ein Drittel - malayisch, von Handelsausdrücken die grosse Mehrzahl; auch die - Benennungen für Maasse, Gewichte, für den Kalender, soweit ein - solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwörter, die - Wörter für Schreiben, Lesen, Sprache, Erzählung. Dagegen ist nur - eine Minderzahl der Ausdrücke, die sich auf den Krieg beziehn, - dem malayischen entlehnt. - - Aus den ächt einheimischen Wörtern schliesst Crawfurd auf den - Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr - mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre - Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen - nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes - Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen- - und Abacá-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet - erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und böse Geister - und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren - sie den Bewohnern der Südsee voraus durch den Besitz von Gold, - Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund, - Schwein noch Huhn besassen. - - Lässt man die obige nur mit Hülfe mangelhafter sprachlicher Quellen - entworfene Skizze des vorchristlichen Kulturzustandes gelten und - vergleicht damit den gegenwärtigen, so ergiebt sich ein grosser - Fortschritt, den die Philippiner den Spaniern verdanken. Insofern - er die gesellschaftlichen Verhältnisse betrifft, ist er bereits - mehrfach im Text hervorgehoben worden. Die Spanier haben das - Pferd, das Rind, das Schaf, den Mais, den Kaffee, Rohrzucker, - Cacao, Sesam, Tabak, Indigo, viele Früchte und wohl auch die - Bataten eingeführt, die sie unter dem Namen Camotli in Mexico - vorfanden. [144] Daraus scheint die in den Philippinen allgemeine - Benennung Camote entstanden zu sein, die Crawfurd wohl irrthümlich - für einheimisch hält. (Wie mir Dr. Witmack mittheilt, neigt man - neuerdings zu der Ansicht, dass die Batate nicht nur in Amerika, - sondern auch in Ostindien heimisch sei, da sie im Sanskrit zwei - Namen habe: Sharkarakanda und Ruktaloo.) - - In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und - Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte - gemacht. Die Handwerke werden hauptsächlich von Chinesen betrieben. - - -Die Ausfuhr besteht in Reis und Abaca. Die Provinz führt etwa zweimal -so viel Reis aus als sie verzehrt, hauptsächlich nach Albay, das -zum Reisbau weniger geeignet, fast nur Abacá erzeugt. Ein Theil geht -nach Nord-Camarínes, das sehr bergig und wenig fruchtbar ist. Nach -Manila kann der Reis kaum verschifft werden, da eine Landstrasse nach -dem der Hauptstadt nahen Südrande der Provinz nicht vorhanden und der -Wassertransport vom Nordrande und dem ganzen östlichen Theil von Luzon -das Produkt zu sehr vertheuern würde. Die Einfuhr beschränkt sich -auf das Wenige, was chinesische Krämer einführen. Die Händler sind -fast alle Chinesen, sie allein besitzen Läden, in denen namentlich -Kleiderstoffe und Tücher, theils inländischer, theils europäischer -Fabrik, gestickte Frauenpantoffeln und unächte Schmucksachen zu haben -sind. Das Gesammtkapital, welches in diesen Läden steckt, erreicht -gewiss nicht 200,000 Dollar. In den übrigen Pueblos von Camarínes -giebt es keine chinesischen Handelsleute, sie müssen sich also aus -Naga versorgen. - -Das Land gehört dem Staat, wird aber einem Jeden, der es bebauen will, -umsonst überlassen; der Niessbrauch geht auf die Kinder über, und -hört nur dann auf, wenn der Boden zwei Jahre lang unbenutzt liegen -bleibt. Es steht dann der Behörde frei, zu Gunsten eines Andern -darüber zu verfügen. - -Jede Familie besitzt ihr eignes Haus. Gewöhnlich erbaut es der junge -Ehemann mit Hülfe seiner Freunde. An manchen Orten kostet es nicht -über 4 bis 5 Dollar; zur Noth kann er es auch selbst herstellen, -ohne Auslagen, ohne andres Handwerkzeug als das Waldmesser -(Bolo) und ohne andres Material, als Bambus, spanisches Rohr und -Palmblätter. Dergleichen Häuser, die wegen der Feuchtigkeit immer -auf Pfählen stehn, und oft nur einen einzigen überdachten Raum haben, -in welchem alle Verrichtungen vorgenommen werden, sind Ursache grosser -Liederlichkeit und schmutziger Gewohnheiten; die ganze Familie schläft -darin gemeinschaftlich und jeder Durchreisende ist ein willkommener -Gast. Ein schönes Haus von Brettern für die Familie eines Cabeza -mag gegen 100 Dollar kosten. Das Vermögen einer solchen Familie -an Immobilien, Möbeln, Schmuck u. s. w. (sie müssen jährlich ein -Inventarium einreichen) beläuft sich auf 100 bis 1000 Dollars. Einige -haben sogar über 10,000, der Reichste der ganzen Provinz wird auf -40,000 Dollars geschätzt. - -Im Allgemeinen lässt sich behaupten, dass jedes Pueblo seine -Bedürfnisse selbst erzeugt und wenig darüber hervorbringt. Für den -indolenten Indier, namentlich für den der östlichen Provinzen, ist -das Dorf, in dem er geboren worden, die Welt. Er verlässt es nur -unter dringenden Umständen. Uebrigens würde das von der Kopfsteuer -unzertrennliche strenge Passwesen der Reiselust, falls sie vorhanden -wäre, grosse Schwierigkeiten in den Weg legen. - -Der Indier isst täglich dreimal: um 7 Uhr Vormittags, 12 und 7 oder -8 Abends; die kräftigsten Arbeiter verzehren bei jeder Malzeit eine -Chupa Reis, gewöhnliche Individuen eine halbe zum Frühstück, eine -zum Mittag, eine halbe zum Abend, zusammen 2 Chupas. Jede Familie -erntet ihren Reisbedarf selbst und bewahrt ihn in Scheuern auf, oder -kauft ihn enthülst auf dem Markt, und dann gewöhnlich nur den Bedarf -eines Tages oder einer Malzeit auf einmal. Der mittlere Einzel-Preis -ist 3 Cuartos für 2 Chupas (14 Chupas del Rey für 1 r.). Für jede -einzelne Malzeit wird der Reisbedarf in einem hölzernen Mörser von -den Frauen gestossen um ihn zu enthülsen -- aus alter Gewohnheit, und -auch wohl aus Furcht, dass der Vorrath sonst zu schnell verschmaust -werden würde. Der Reis wird nur halb gar gekocht. Es scheint, dass -dies überall geschieht, wo er einen wesentlichen Theil der Nahrung -ausmacht; schon in Spanien und Italien ist dies wahrzunehmen. An -Würzen werden Salz und viel spanischer Pfeffer (Capsicum) genossen, -der, ursprünglich aus Amerika eingeführt, überall um die Häuser -wächst. Die Eingeborenen ziehn sogenanntes Steinsalz dem gemeinen -Kochsalz vor; es wird durch Eindampfen von Meerwasser erhalten, das -vorher durch Asche filtrirt worden. Eine Chinanta (12,6 Zoll-Pfund) -kostet 1 1/2 bis 2 r. Der Salzverbrauch ist äusserst gering. - -Die Genussmittel des Indiers sind Buyo [145] und Zigarren, eine Zigarre -kostet 1, ein Buyo 0,1 cu. Die Zigarre wird fast nie geraucht, sondern -in Stücke zerschnitten und mit dem Buyo gekaut, auch die Frauen kauen -Buyo und Tabak, aber gewöhnlich sehr mässig, sie färben sich auch -nicht die Zähne schwarz, wie die Malayen, die jungen und hübschen -putzen sich sogar dieselben fleissig mit der Hülle der Arecanuss, deren -parallel und eng neben einander liegende starre Fasern im Queerschnitt -eine vortreffliche Zahnbürste bilden, baden mehrere male täglich, und -übertreffen an Sauberkeit die Mehrzahl der Europäerinnen. Wohl jeder -Indier hält sich einen Kampfhahn; selbst wenn er nichts zu essen hat, -findet er Geld zum Hahnenkampf. - -Hausrath: Zum Kochen dient ein irdener Topf für 3-10 cu., beim -Reiskochen wird er mit einem Bananenblatt fest zugebunden, so dass -der Dampf einer sehr geringen Wassermenge hinreicht. Ein anderes -Küchengeräth ist bei Aermeren nicht vorhanden. Reichere haben auch -einige gusseiserne Pfannen, irdene Töpfe und Schüsseln. Der Heerd -besteht in den kleineren Häusern aus einer tragbaren irdenen Pfanne -oder einem flachen Kasten, oft einer alten Zigarrenkiste voll Sand, -mit drei Steinen, welche als Dreifuss dienen; in den grossen Häusern -hat der Heerd die Form einer Bettstelle, die statt einer Matratze mit -Sand oder Asche gefüllt ist. Das Wasser für kleine Haushaltungen wird -in dicken Bambusen geholt und aufbewahrt; Jedermann besitzt ausserdem -in seinem Bolo (Waldmesser) ein Universalinstrument, das er in einer -selbstgefertigten Holzscheide an einer aus Bastfaser nachlässig -zusammengedrehten Schnur um den Leib trägt. Dies und der Reismörser -(ein Holzklotz mit einer entsprechenden Vertiefung) sammt Stösser und -einige Körbe bilden das gesammte Hausgeräth einer ärmeren Familie; -zuweilen findet sich noch eine grosse Schnecke mit Binsendocht als -Lampe. Man schläft auf einer Matte von Pandanus oder Buri (Fächerpalme, -Corypha), wenn eine vorhanden, sonst auf den Bambusspliessen, womit -das Haus gedielt ist. Oel zur Beleuchtung wird von den Armen fast gar -nicht verwendet, sondern Harzfackeln, die je 1-2 Tage dauern und auf -dem Markt für 1/2 cu. verkauft werden. - -An Kleidung braucht eine Frau: Camisa de Guinara (kurzes Hemd von -Abacáfasern), ein Patadíon (Rock der von der Hüfte bis zum Knöchel -reicht), ein Tuch, einen Kamm. Ein Stück Guinara zu 1 r. giebt 2 -Hemden, die gröbsten Patadíon kosten 3 r., ein Tuch höchstens 1 r., -Kamm 2 cu, zusammen 4 Realen 12 cu = 24 Sgr. Die Frauen besserer Klasse -tragen Camisa 1 bis 2 r, Patadíon 6 r, Tuch 2-3 r., Kamm 2 cu. Der -Mann trägt Hemd 1 r, Hose 3 r, Hut (Tararura), aus spanischem Rohr, -10 cu, oder Salacot (grosser Regenhut, häufig verziert) wenigstens -2 r, oft mit Silberbeschlag bis zum Werthe von 50 Dollar. Es werden -jährlich wenigstens drei, wohl eher vier Anzüge verbraucht, die Frauen -pflegen aber fast den ganzen Bedarf für die Familie selbst zu weben. - -Arbeitslohn: Für den gewöhnlichen Arbeiter 1 r, kein Essen; Arbeitszeit -von 6-12 und von 2-6 Uhr. Die Frauen verrichten in der Regel keine -Feldarbeit, doch pflanzen sie den Reis um und helfen ihn ernten; -in beiden Fällen ist ihr Lohn gleich dem der Männer. Holz- und -Stein-Arbeiter erhalten 1,5 r. per Tag, Kalfaterer 1,75 r. - -Ein ziemlich gebräuchlicher Kontrakt bei dem Landbau ist der des -Tercio: der Eigenthümer überlässt das nackte, aber urbar gemachte Land -für den dritten Theil der Ernte. Einzelne Mestizen besitzen viele -Grundstücke, aber selten zusammenhängend, da sie ihnen gewöhnlich -als Schuldpfänder zu einem geringen Theil des Werthes zufallen. - -Verdienst einer kleinen Familie: Der Mann verdient täglich 1 r, die -Frau, wenn sie grobe Stoffe webt 1/4 r. und Essen (1 Stück Guinara -kostet 1/2 r. Weberlohn und erfordert 2 Tage Arbeit). Die geschickteste -Weberin feinerer Stoffe erhält für das Stück 12 r. Arbeitslohn; und -vollendet es in einem Monat, der aber wegen der vielen Feiertage -im allerhöchsten Fall gleich 24 Arbeitstagen zu rechnen ist, sie -verdient also 1/2 r. per Tag und Essen. Für das Aneinanderknüpfen -der Ananasfasern zur Piña-Weberei (Sugot genannt) wird nur 1/8 r. und -Essen bezahlt. - -In allen Pueblos sind Schulen vorhanden. Der Schullehrer wird von -der Regierung bezahlt, und erhält gewöhnlich 2 Dollars monatlich, -weder Wohnung noch Beköstigung. In grossen Pueblos steigt das Gehalt -auf 3 1/2 Dollars, davon muss aber ein Gehülfe besoldet werden. Die -Schulen stehen unter Aufsicht des Ortsgeistlichen. Es wird Lesen -und Schreiben gelehrt, die Vorschriften sind spanisch. Der Lehrer -soll eigentlich seine Schüler spanisch lehren, er versteht es aber -selbst nicht, andererseits verstehn die spanischen Beamten nicht -die Landessprache, die Priester aber haben keine Neigung an diesen -Zuständen zu ändern, die ihrer Macht sehr förderlich sind. Es können -fast nur solche Indier spanisch, die im Dienst von Europäern gewesen -sind. Gelesen wird in der Landessprache (bicol) zuerst eine Art -religiöser Fibel, später die Doctrina cristiana, das Lesebuch heisst -Casayayan. Durchschnittlich geht die Hälfte aller Kinder in die Schule, -gewöhnlich vom siebenten bis zehnten Jahr, sie lernen etwas lesen, -einige auch ein wenig schreiben, vergessen es aber bald wieder; nur -solche, die später als Schreiber Dienst nehmen, schreiben geläufig und -haben meist eine gute Handschrift. Einige Pfarrer dulden nicht, dass -Knaben und Mädchen dieselbe Schule besuchen, in diesem Fall besolden -sie noch eine besondere Lehrerin mit 1 Dollar monatlich. Rechnen -lernen die Indier sehr schwer, sie nehmen gewöhnlich Muscheln oder -Steine zur Hülfe, die sie in Häufchen legen und dann zählen. - -Die Frauen heirathen selten vor dem vierzehnten Jahre, -- zwölf -Jahre ist der gesetzliche Termin. Im Kirchenbuche von Polangui fand -ich eine Trauung (Januar 1837) verzeichnet zwischen einem Indier und -einer Indierin, die den ominösen Namen Hilaria Concepcion führte und -bei Vollziehung der Ehe, wie aus einer Randbemerkung hervorgeht, nur -9 Jahre und 10 Monate alt war. Es kommt vor, dass Leute ungetraut -zusammen leben, weil sie die Kosten der Trauung nicht zahlen -können. Mädchen, die als Geliebte von Europäern Kinder bekommen, -rechnen es sich fast zur Ehre. Noch mehr ist dies der Fall, wenn das -Kind vom Pfarrer ist; der Cura erhält immer seine Kinder, aber unter -angenommenen Namen. In Fällen ehelicher Untreue, die nicht selten -sind, wird die schuldige Frau gewöhnlich geprügelt, der Verführer -geht frei aus; fast nie gelangen Beschwerden an das Gericht. Die -Männer sind meist liederlich. Eine Frau brachte die Geliebte ihres -Mannes durch Zureden zum Geständniss ihrer Schuld, und schnitt ihr -darauf mit einer bereit gehaltenen Scheere das ganze Haupthaar ab; -dies ist das einzige Beispiel von Rache, das in den letzten Jahren -vorgekommen war. Europäerinnen, ja selbst Mestizinnen, lassen sich, -nach Versicherung ihrer Männer, nie mit Indiern ein. Die Frauen -werden im Allgemeinen gut behandelt, verrichten nur leichte Arbeit, -Nähen, Weben, Sticken, Besorgung des Haushalts; alle schwere Arbeit -mit Ausnahme des Reisstampfens fällt den Männern zu. Oeffentliche -Mädchen verkehren mit allen Frauen und verheirathen sich auch oft, -zuweilen bieten Väter ihre Töchter Europäern an, indem sie ein Darlehn -erbitten und die Tochter dafür als Näherin in's Haus bringen. - -Fälle von hohem Alter sind unter den Indiern, namentlich in Camarínes -häufig. Das Diario de Manila vom 13. März 1866 berichtet über einen -Alten in Darága (Albay) den ich wohl gekannt habe: Juan Jacob 1744 -geboren, 1764 verheirathet, 1845 verwittwet, hat bis 1840 viele -öffentliche Aemter bekleidet, hatte 13 Kinder, von denen 5 leben, -170 direkte Nachkommen, ist mit 122 Jahren noch rüstig, hat gute -Augen und Zähne; -- erhielt sieben mal die letzte Oelung! - -Die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes werden sorgfältig -aufbewahrt und unter dem Namen Triaca (Theriacum) als ein besonders -auch gegen den Biss von Schlangen und tollen Hunden wirksames -Universalheilmittel aufbewahrt. Es wird auf die Wunde gelegt und -zugleich eingenommen. - -Eine grosse Anzahl Kinder stirbt in den ersten beiden Wochen nach der -Geburt. Es fehlen darüber alle statistischen Daten, aber nach Ansicht -eines der ersten Aerzte in Manila kommt wenigstens ein Viertel um. Die -Ursache soll allein in der grossen Unreinlichkeit und schlechten -Luft liegen, da in den Stuben der Kranken und Wöchnerinnen Thüren -und Fenster so dicht verschlossen werden, dass vor Gestank und Hitze -Gesunde krank werden, Kranke schwer genesen. Früher verstopfte bei -Geburten der Mann alle Oeffnungen des Hauses, damit Patianac nicht -eindringe, ein böser Geist der den Wöchnerinnen Unheil bringt und -die Geburt zu hindern sucht. Der Gebrauch hat sich fort erhalten, -bei Vielen wohl auch der Aberglaube ohne eingestanden zu werden; -wo dieser erloschen, hat man in der Furcht vor Zugluft eine neue -Erklärung für einen alten Brauch gefunden: Beispiele solcher -Anpassungen finden sich bei allen Völkern. Eine sehr verbreitete -Krankheit ist die Krätze, doch soll sie nach Versicherung des bereits -erwähnten Arztes weniger allgemein sein, als Nichtärzte glauben, die -jene Bezeichnung auf Hautausschläge überhaupt anwenden; an solchen -haben die Eingeborenen in Folge schlechter Diät sehr zu leiden, -Bicolindier mehr als Tagalen. [146] Unter gewissen Verhältnissen, -welche die darüber befragten Aerzte nicht genauer zu bestimmen -vermochten, können die Eingeborenen weder Hunger noch Durst ertragen -(davon bin ich mehreremale Zeuge gewesen). Sie sollen, wenn sie in -solchem Zustande gezwungen sind, das Bedürfniss ungestillt vorüber -gehn zu lassen, bedenklich erkranken und oft an den Folgen sterben. - -Die krankhafte Sucht des Nachahmens, in Java Sakit-latar genannt, -kommt auch hier vor und heisst Mali-mali. In Java glauben Viele, dass -die Krankheit nur Verstellung sei, weil die angeblich damit Behafteten -es vortheilhaft finden, sich vor neu angekommenen Europäern sehn zu -lassen. Hier aber beobachtete ich ein Beispiel, bei dem wohl keine -Verstellung vorausgesetzt werden konnte; meine Begleiter benutzten -den krankhaften Zustand einer armen Alten, die uns begegnete, um auf -offener Strasse rohe Spässe mit ihr zu treiben. Die Alte ahmte alle -Bewegungen nach, wie von einem unwiderstehlichen Drang getrieben, -und äusserte zugleich ihren lebhaftesten Unwillen über die Leute, -die ihre Schwäche missbrauchten. - - - In R. Maak's Reise nach dem Amur (Puteshestie na Amur pg. 83) - heisst es: »Nicht gerade selten, leiden auch die Maniagrer an einer - höchst sonderbaren Nervenkrankheit, mit welcher wir schon gründlich - bekannt waren durch die Beschreibungen vieler Reisenden. [147] - Man begegnet dieser Krankheit bei der Mehrzahl der wilden Völker - Sibiriens, so wie auch bei den dort angesiedelten Russen. Im - Gebiete der Jakuten, wo dieses Leiden sehr häufig vorkommt, - sind die damit behafteten, sowohl bei den Russen als den Jakuten - unter dem Namen Emiura bekannt; hier aber (d. h. in dem Theile - Sibiriens, wo die Maniagri wohnen) werden dergleichen Kranke von - den Maniagrern »Olon«, von den Argurischen Kosaken »Olgandshi« - genannt. Die Anfälle der von mir hier besprochenen Krankheit - bestehn darin, dass ein daran leidender Mensch, wenn er in - Schrecken oder Bestürzung geräth, unbewusst und oftmals ohne das - geringste Schamgefühl alles nachahmt, was vor ihm geschieht. Wird - ein solcher Mensch geärgert, so geräth er in eine Raserei, die - sich dadurch äussert, dass er ein wildes Geschrei ausstösst, auf - andre Weise wüthet und sich sogar mit einem Messer oder irgend - einem andern Gegenstand, der ihm gerade in die Hände fällt, auf - diejenigen losstürzt, die ihn in diesen Zustand versetzten. Bei den - Maniagrern leiden vorzugsweise Frauenspersonen an dieser Krankheit, - besonders sehr alte; übrigens sind mir auch Beispiele von Männern - bekannt, welche damit behaftet waren. Bemerkenswerth ist, dass - die von diesem Leiden heimgesuchten Weiber dessen ungeachtet - kräftig waren, und sich in allen übrigen Beziehungen einer guten - Gesundheit erfreuten.« - - -Es ist vielleicht nur ein zufälliges Zusammentreffen, dass in -den Malayenländern Sakit latar und Amok, wenn auch nicht bei -demselben Individuum, doch bei denselben Völkern neben einander -bestehn. Beispiele von Amok scheinen auch in den Philippinen -vorzukommen. [148] Folgenden Bericht finde ich im Diario de Manila -vom 21. Februar 1866: In Cavite drang am 18. Februar ein Soldat vom -8. Regiment in das Haus eines Schullehrers, gerieth mit diesem in -Streit und erstach ihn, mit einem zweiten Dolchstoss tödtet er den Sohn -des Lehrers, stürzt auf die Strasse, ersticht zwei junge Mädchen von -10 bis 12 Jahren, verwundet eine Frau in der Seite, einen neunjährigen -Knaben im Arm, einen Kutscher (tödtlich) im Unterleib, ferner noch eine -Frau, einen Matrosen, drei Soldaten. An seiner Kaserne angekommen, -und von der Schildwache angehalten, stösst er sich selbst den Dolch -in die Brust . . . Leider steht der Fall nicht vereinzelt da . . . - -Es ist eine der grössten Beleidigungen über einen schlafenden -Eingeborenen zu schreiten, oder ihn schroff zu wecken. Sie wecken -einander, wenn es durchaus geschehen muss, mit der grössten Rücksicht -und ganz allmälig. [149] - -Der Geruchsinn ist bei den Indiern in so hohem Grade entwickelt, dass -sie im Stande sind durch Beriechen der Taschentücher zu erkennen, -welcher Person sie angehören, (Reisesk. pg. 39). Verliebte tauschen -beim Abschied Stücke getragener Wäsche aus, und schlürfen während -der Trennung den Geruch des geliebten Wesens ein, ebenso bei dem -Küssen. [150] - - - - - - - - -FUNFZEHNTES KAPITEL - - VORGESCHICHTLICHE UEBERRESTE. -- HOHER WERTH ALTER GEFÄSSE. -- - TROPFSTEINHÖHLEN IM YAMTIK. -- REISEN IN NORD-CAMARINES. -- - BERGBAU. -- GOLD. -- BLEIGLANZ. -- ROTHBLEI. -- KUPFER. -- - HÜTTENPROZESS DER YGORROTEN. -- ESSBARE VOGELNESTER. - - -Von Naga aus besuchte ich den Cura von Libmánan (Ligmanan), der -Dichtertalent und den Ruf eines Naturforschers besass. Er sammelte -und taufte hübsche Käfer und Muscheln, und widmete den zierlichsten -kleine Sonette. Er erzählte mir Folgendes: - -1851 wurde beim Anlegen einer Strasse etwas unterhalb Libmánan, -an einer Stelle Poro genannt, 100' vom Fluss entfernt, unter 4' -Dammerde ein Muschellager aufgegraben. Es bestand aus Cyrenen -(C. suborbicularis Busch.) einer zur Familie der Cycladen gehörigen -Gattung von Zweischalern, die nur in warmen Gewässern vorkommt und -namentlich in den brackischen der Philippinen ausserordentlich häufig -ist. Bei dieser Gelegenheit fand man in Tiefen von 1 1/2 bis 3 1/2 -Fuss zahlreiche Ueberreste früherer Bewohner: Schädel, Gerippe, -Knochen von Menschen und Thieren, ein Schenkelbein eines Kindes in -einer Spirale von Messingdraht steckend, mehrere Hirschgeweihe, schön -geformte Schüsseln und Gefässe, zum Theil bemalt, wahrscheinlich -chinesischen Ursprungs, gestreifte Armbänder aus einem weichen -gypsartigen kupferrothen Gestein, glänzend, als wären sie gefirnisst -[151]; kleine Messer von Kupfer, aber kein Eisengeräth, mehrere in -der Mitte durchbohrte breite, flache Steine; [152] auch einen Keil -aus verkieseltem Holz in einem gespaltenen Baumstamme steckend. Die -an einer Vertiefung noch deutlich zu erkennende Stelle dürfte, -bei planmässig fortgesetztem Nachgraben, noch manche interessante -Ergebnisse liefern. Was nicht unmittelbar zum Gebrauch geeignet, -wurde an Ort und Stelle vernichtet, das übrige verzettelt. Trotz -aller Bemühungen gelang es mir nur durch die Güte des Herrn Fociños -in Naga, ein kleines Gefäss zu erhalten. An der Mündung des Bígajo, -nicht weit von Libmánan sollen in eben solchem Muschellager ähnliche -Reste früherer Bewohner, und an der Mündung des Pérlos, westlich -von Sítio de Póro, 1840 eine Urne mit einem menschlichen Skelet -gefunden worden sein. Zur Zeit, als ich diese Angaben des Pfarrers -niederschrieb, waren weder ihm noch mir die in Europa bereits seit -einigen Jahren in den Pfahldörfern gemachten Entdeckungen geläufig, -sonst wären diese Aufzeichnungen wohl ausführlicher, vielleicht aber -weniger unbefangen ausgefallen. - - - Mr. W. A. Franks, der die Güte hatte das Gefäss zu untersuchen, - ist geneigt es für chinesisch zu halten und erklärt es für - sehr alt, ohne jedoch das Alter genauer feststellen zu können - (ähnlich sprach sich ein gelehrter Chinese der Burlingame'schen - Gesandtschaft aus). Ihm ist nur ein Stück, nämlich ein von Kämpfer - aus Japan mitgebrachter, im British Museum befindlicher Krug von - noch festerer Masse bekannt, dessen Farbe, Glasur und Glasurrisse - (Craquelés) genau mit dem meinigen übereinstimmen. Nach Kämpfer - fanden die Japanesen dergleichen Krüge im Meer, und schätzten - sie sehr hoch um ihren Thee darin aufzubewahren. - - Morga (f. 135) meldet: »Auf dieser Insel Luzon, besonders in - den Provinzen Manila, Pampánga, Pangasinán und Ylócos finden - sich bei den Eingeborenen sehr alte Thonkrüge von dunkelbrauner - Farbe und nicht von gutem Ansehn, einige von mittlerer Grösse, - und andre kleiner, mit Zeichen und Stempeln. Sie wissen nicht - anzugeben, woher sie dieselben erhielten noch zu welcher Zeit; - denn jetzt werden sie nicht mehr gebracht, noch werden sie in den - Inseln angefertigt; die Japanesen suchen und schätzen dieselben, - denn sie haben gefunden, dass die Wurzel eines Krautes, welches - sie Tscha (Thee) nennen und welche heiss getrunken wird als - grosse Delikatesse und Arznei, bei den Königen und Herren in - Japan, sich nicht hält und konservirt ausser in diesen Krügen, - die in ganz Japan so hoch geschätzt werden, dass es die grössten - Kostbarkeiten ihrer Wohnzimmer und Kabinette sind, und hat ein - solcher Krug einen hohen Werth und sie belegen sie auswendig mit - feinem, mit grosser Kunst getriebenem Golde und sie stecken sie - in Futterale von Brokat, und es giebt Krüge die auf 2000 Tael zu - 11 Realen, geschätzt und verkauft werden . . . Die Eingeborenen - dieser Inseln verkaufen sie an die Japanesen so hoch sie können, - und bemühen sich sie zu suchen, dieses Gewinnes halber, obgleich - jetzt wenige gefunden werden wegen des Eifers, mit dem man sie - aufgesucht hat.« - - Als Carletti 1597 von den Philippinen nach Japan kam, wurden - auf Befehl des Guvernörs sämmtliche Personen an Bord sorgfältig - untersucht und ward ihnen Todesstrafe angedroht, wenn sie zu - verheimlichen suchten »gewisse irdene Gefässe, die von den - Philippinen und andern Inseln jenes Meeres gebracht zu werden - pflegen,« da der König sie alle kaufen wollte . . . »Dergleichen - Gefässe gelten bis fünf-, sechs- ja bis zehntausend Scudi das - Stück, während man sie nicht auf einen Giulio (etwa 1/2 Paolo) - schätzen möchte.« -- 1615 traf Carletti einen als Gesandten von - Japan nach Rom geschickten Franziskaner, der ihm versicherte, - er habe einen der Könige von Japan 130,000 Scudi für ein solches - Gefäss zahlen sehn -- seine Gefährten bestätigten es. -- Auch - Carletti giebt als Grund des hohen Preises an, »dass sich das Blatt - Cia oder Thee, dessen Güte mit dem Alter zunähme, in jenen Krügen - besser konservire als in allen andern Gefässen. Die Japanesen - erkennen diese Gefässe sogleich an gewissen Schriftzeichen - und Stempeln. Sie sind sehr alt und sehr selten und kommen - nur aus Cambodia, Siam, Cochinchina, den Philippinen und andern - benachbarten Inseln. Nach dem Aussehn würde man sie auf drei oder - vier Quatrini (ein paar Dreier) schätzen ... es ist durchaus wahr, - dass der König und die Fürsten jenes Reiches eine sehr grosse - Zahl dieser Gefässe besitzen und sie als ihren köstlichsten - Schatz, höher als andere Kostbarkeiten schätzen -- dass sie mit - deren Besitz prahlen und aus Eitelkeit einander durch die Menge - derartiger Gefässe die sie besitzen zu überbieten suchen.« [153] - - Auch bei den Dayaks und den Malayen in Borneo werden von vielen - Reisenden Krüge erwähnt, die aus abergläubischen Ursachen sehr - übertrieben, zuweilen auf mehrere tausend Dollars geschätzt werden. - - St. John [154] erzählt, dass der Datu von Tamparuli (Borneo) Reis - im Werth von fast 700 £ für einen Krug hergab, und dass derselbe - Datu einen zweiten Krug von fast fabelhaftem Werth besässe, dieses - Gefäss sei etwa zwei Fuss hoch, dunkel olivengrün. Der Datu füllt - beide Krüge mit Wasser, setzt Kräuter und Blumen dazu, und debitirt - es an alle Kranke der Umgegend. Der berühmteste Krug in Borneo - ist aber wohl der des Sultans von Brunei, da er nicht nur alle - schätzbaren Eigenschaften der übrigen Krüge besitzt, sondern sogar - sprechen kann. St. John sah ihn nicht, da er immer im Frauengemach - verwahrt wird; der Sultan, ein glaubwürdiger Mann, erzählte ihm - aber sehr ernsthaft, dass der Krug in der Nacht vor dem Tode - seiner ersten Frau kläglich geheult habe und bei bevorstehenden - Unglücksfällen ähnliche Töne von sich gäbe. St. John ist geneigt - die räthselhafte Erscheinung aus einer vielleicht eigenthümlichen - Form der Mündung des Gefässes zu erklären, in welcher die darüber - hinstreichende Zugluft ähnlich wie bei der Aeolsharfe in tönende - Schwingungen versetzt wird. Gewöhnlich ist das Gefäss in Goldbrokat - eingewickelt und wird nur enthüllt, wenn es befragt werden soll, - daher kommt es vielleicht, dass es nur bei feierlicher Gelegenheit - spricht. St. John berichtet noch, dass früher sogar die Bisayer dem - Sultan Geschenke brachten und dafür etwas Wasser aus dem heiligen - Kruge erhielten um ihre Felder damit zu besprengen und sich dadurch - reiche Ernten zu sichern. Als man den Sultan fragte, ob er seinen - Krug wohl um 20,000 £ hergeben würde, antwortete er, dass kein - Gebot in der Welt ihn veranlassen könne sich davon zu trennen. - - Morga's Beschreibung passt weder auf das Gefäss von Libmánan - noch auf den Krug des British Museum, eher noch auf ein unserem - ethnographischen Museum vor Kurzem aus Japan zugegangenes - Gefäss. Dieses ist aus braunem Thon, unansehnlich, doch von - gefälliger Form, aus vielen Bruchstücken zusammengekittet, die - Fugen sind vergoldet und bilden auf dem dunklen Grunde eine Art - Netzwerk. Wie hoch dergleichen alte Töpfe, selbst einheimischen - Ursprungs noch heut in Japan geschätzt werden, zeigt das von einem - Dolmetscher des deutschen Konsulats verfasste Begleitschreiben: - »Dieses irdene Gefäss wurde in dem Porzellanfabrikorte Tschisuka - in der Landschaft Odori, im südlichen Idzumi gefunden, und ist - ein zu den tausend Gräbern gehöriger Gegenstand . . . dasselbe ist - von Giogiboosat (berühmtem Buddhisten-Priester) angefertigt, und - nachdem es dem Himmel verehrt, von ihm begraben worden. Nach den - Ueberlieferungen des Volkes wurde dieser Platz von Grabhügeln mit - einem Gedenksteine versehn, das ist jetzt tausend und mehr Jahre - her . . . Ich hielt mich zum Zweck meiner Studien lange Jahre - in dem Tempel Sookuk jenes Dorfes auf und fand das Gefäss. Ich - brachte dasselbe dem Oberpriester Shakudjo, der sehr erfreut - darüber war, und es immer wie ein Kleinod bei sich trug. Als er - starb, fiel es mir zu, doch konnte ich es nicht finden. Neulich - nun als Honkai Oberpriester wurde, sah ich es wieder, und es war - mir, als wäre ich dem Geiste Shokudjos wieder begegnet. Gross war - meine Erregung und staunend klatschte ich in die Hände, und so - oft ich das Kleinod betrachte, gedenke ich, dass es ein Zeichen - ist, dass der Geist Shokudjos in Honkai wieder auflebt. Deshalb - habe ich die Geschichte dieses Kleinods aufgeschrieben und gut - gewahrt. Fudji Kuz Dodjin«. - - Freiherr Alexander von Siebold macht mir noch folgende Mittheilung: - Der Werth, den die Japaner auf derartige Gefässe legen, beruht - auf deren Verwendung bei den geheimnissvollen Theegesellschaften - »Cha-no-yu«. Ueber den Ursprung dieser, den Europäern fast noch gar - nicht bekannten Verbindungen bestehen verschiedene Legenden, ihre - Hauptblüthezeit aber war unter der Regierung des Kaisers Taikosama, - der im Jahre 1588 die Gesellschaft der Cha-no-yu zu Kitano bei - Myako, mit neuen Statuten versehn, wieder einführte. Seine Zwecke - waren sowohl moralische als politische. In Folge der verheerenden - Religions- und Bürgerkriege war das ganze Volk entartet und - verwildert, aller Sinn für Künste und Wissenschaft untergegangen, - nur die rohe Kraft geachtet, an Stelle der Gesetze herrschte - das Faustrecht. Der tiefdenkende Taikosama begriff, dass er die - rohen Gemüther besänftigen, sie wieder an die Künste des Friedens - gewöhnen müsse, um seinem Lande den Wohlstand, sich und seinen - Nachkommen die Herrschaft zu sichern. In dieser Absicht rief er - die Gesellschaft Cha-no-yu auf's Neue in's Leben, versammelte - die Meister derselben und die Kenner ihrer Gebräuche um sich. - - Der Zweck der Cha-no-yu ist, den Menschen den Einflüssen des ihn - umgebenden irdischen Treibens zu entziehn, in seinem Innern das - Gefühl vollkommener Ruhe herzustellen, ihn zur Selbstbetrachtung - zu stimmen; sämmtliche Gebräuche des Cha-no-yu sind auf dieses - Ziel gerichtet. - - In luftige reine Gewänder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich - die Mitglieder der Cha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm, - nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens für - diese Versammlungen hergerichteten Pavillon geführt. Dieser besteht - aus den kostbarsten Holzarten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die - Gedanken abziehn könnte, ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine - mit Pflanzen dichtbewachsene Fenster nur spärlich beleuchtet, - und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehn kann. Die - Gäste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten, - werden vom Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen, - und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder - Unterschied des Ranges hört auf. Nun werden die alten Gefässe - unter feierlichen Zeremonien aus ihren kostbaren Umhüllungen - hervorgeholt, begrüsst und bewundert; mit eben so feierlichen - genau vorgeschriebenen Formeln wird das Wasser auf dem dazu - bestimmten Heerde gekocht, der Thee den Gefässen entnommen, und - in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus den grünen zu Staub - zerriebenen jungen Blättern des Theestrauchs, und wirkt sehr - aufregend. Unter tiefem Schweigen wird der Trank genossen, während - Weihrauch auf dem erhabenen Ehrenplatz »toko« brennt. Nachdem - sich der Geist gesammelt, beginnt die Unterhaltung, die sich - aber nur auf abstrakte Gegenstände erstrecken darf (Politik soll - indessen nicht immer ausgeschlossen bleiben). Der Preis der bei - diesen Versammlungen verwendeten Gefässe ist sehr bedeutend, - und stehn letztere im Werthe unseren theuersten Gemälden nicht - nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen - alten Gefässen, statt mit Ländereien, wie sonst üblich. Auch nach - der jüngsten Revolution wurden einige der hervorragendsten Daimios - (Fürsten) vom Mikado dafür, dass sie ihm zum Thron seiner Ahnen - verholfen, mit solchen Cha-no-yu-Gefässen belohnt. Die besten, die - ich gesehn, waren nicht schön, es waren alte, verwitterte, schwarze - oder dunkelbraune Krüge mit ziemlich breitem Halse zum Aufbewahren - des Thees, hohe Tassen aus Craquelé-Porzellan oder Steingut zum - Trinken des Aufgusses, tiefe breite Wasserbehälter, und alte - verrostete eiserne Kessel mit Ringen zum Wasserkochen, alles - höchst einfach von Ansehn, aber in die kostbarsten Seidenstoffe - eingewickelt und in vergoldeten Lackkasten aufbewahrt. Unter den - Schätzen des Mikado und des Taikun's, auch in einigen Tempeln - werden unter den höchsten Kostbarkeiten dergleichen alte Gefässe - mit Dokumenten über ihre Herkunft aufbewahrt. - - -Von Libmánan besuchte ich den SW. gelegenen Berg Yámtik (Amtik, Hantu) -[155], der aus Kalk besteht und viele Höhlen enthält. Flussaufwärts -6 Stunden W. und eine Stunde SSW. zu Fuss, bringen uns zu der kleinen -von 1000' hohen Kalkbergen umgebenen Visita Bícal, von wo man im Bett -eines Baches auf einer Sintertreppe zu einer kleinen Höhle emporsteigt, -in welcher Schaaren von Fledermäusen und grosse langarmige Spinnen -von der als giftig verrufenen Gattung Phrynus hausen. [156] - -Ein dicker, queer über den Weg liegender Baumstamm war von -einer kleinen Ameise seiner ganzen Ausdehnung nach in Zellen -zerfressen. Mehrere Eingeborene wagten gar nicht, die andern nur -schüchtern die Höhle zu betreten, nachdem sie einander die gegen -Calapnitan zu beobachtenden Rücksichten eingeschärft. [157] Eine -der Hauptregeln war, in der Höhle keinen Gegenstand zu nennen, ohne -hinzuzufügen: »Herrn Calapnitan's«, also nicht schlechtweg: Flinte, -Fackel, sondern Herrn C's Flinte, Fackel . . Tausend Schritt davon -liegt eine andre Höhle »San Vicente«, welche dieselben Insekten, -aber eine andre Art Fledermäuse enthält. Beide Höhlen waren nur von -geringer Ausdehnung, in Libmánan hatte man mir aber von einer sehr -grossen Tropfsteinhöhle gesprochen, deren Beschreibung, trotz aller -beigemischten Erdichtungen, wirkliche Anschauung zu Grunde liegen -musste. Die Führer stellten sich unwissend. Erst nach zweitägigem -Herumirren und vielen Erörterungen entschlossen sie sich, da ich -auf meinem Vorhaben bestand, zu dem Wagniss, und geleiteten mich zu -meinem grossen Erstaunen nach Calapnitans Höhle zurück, von welcher -eine enge, durch einen Felsenvorsprung verborgene Spalte in eine der -allerprachtvollsten Tropfsteinhöhlen der Welt führt. Ihr Boden ist -überall fest und bequem zu betreten, meist trocken. Sie läuft in viele -Zweige aus, deren Gesammtlänge wahrscheinlich über eine Meile beträgt, -und machte die Beschreibung, dass sie ganze Reihen von Königssälen -und Kathedralen mit Säulen, Kanzeln und Altären enthalte, nicht zu -Schanden. Knochen oder andre Reste waren darin nicht zu finden. Meine -Absicht später mit Arbeitern zurückzukehren um planmässig nachzugraben -kam nicht zur Ausführung. - -Den Gipfel des Berges zu erreichen, auf dem ein See befindlich sein -soll, »wo käme sonst das Wasser her?« gelang mir nicht. Zwei Tage -versuchten wir mit grossen Anstrengungen von verschiedenen Seiten -durch den dichten Wald zu dringen, der Führer, der in Libmánan -dem Cura versichert hatte, den Weg zu wissen, erklärte jetzt das -Gegentheil. Ich liess den bisher Unbelasteten nun zur Strafe einen -Theil des Gepäcks tragen, an der nächsten Wendung des Pfades aber warf -er es ab und entsprang, so dass wir zur Umkehr gezwungen wurden. In -diesen Wäldern sind Hirsche und Wildschweine sehr häufig. Sie bildeten -den Hauptbestandtheil unserer Malzeiten, zu denen sich, im Anfang -unseres Zuges, bis gegen 30 Personen einfanden, die angeblich in -den Zwischenzeiten Schnecken und Insekten mit erfolglosem Eifer für -mich suchten. - -Bei meiner Abreise aus Darága hatte ich einen muntern kleinen Jungen -mitgenommen, der »Beruf zum Naturforscher« fühlte. In Libmánan kam er -plötzlich abhanden, mit ihm zugleich ein Bund Schlüssel. Alles Suchen -war vergebens. Er war direkt nach Naga gegangen, hatte sich, durchs -Vorzeigen der entwendeten Schlüssel legitimirt, vom Mayordomo meines -Gastfreundes einen weissen Filzhut ausliefern lassen und war damit -verschwunden. Schon einmal hatte ich ihn, mit dem Hut sich im Spiegel -bewundernd, stehn sehn. Die Versuchung war zu gross für ihn gewesen. - -Anfang März hatte ich das Vergnügen den Administrador von Camarínes -und einen spanischen Oberst, die über Daet und Mauban zur Hauptstadt -reisten, nach Nord-Camarínes zu begleiten. Um 5 Nachm. verliessen wir -Butúngan am Bicolfluss, 2 Leguas unterhalb Naga, in einer Falúa von 12 -Rudern, mit einem Sechspfünder und zwei Vierpfündern ausgerüstet, von -Bewaffneten begleitet, und erreichten Cabusáo, am Ausfluss des Bícol, -bald nach 6, von wo wir gegen 9 in See gingen. Die Falúa gehörte der -Steuerverwaltung und hatte im Verein mit einer andern, unter dem Befehl -des Alkalden, die Nordküste der Provinz gegen Schmuggler und Seeräuber -zu schützen, die in dieser Jahreszeit in den Schlupfwinkeln der Bay -von San Miguél herum zu liegen pflegen. Zwei ähnliche Kanonenboote -versahn den Dienst an der Südküste der Provinz. - -Die Ufer des Bicolflusses sind auf beiden Seiten flach, und dehnen -sich zu weiten Reisfeldern aus; im Osten sieht man gleichzeitig die -schönen Vulkane Mayon, Yriga, Malinao und Ysarog. - -Mit Tagesanbruch erreichten wir die Barre von Daet und nach -zweistündigem Marsche die gleichnamige Hauptstadt der Provinz -Nord-Camarínes, wo wir im Hause des Alkalden, eines gebildeten -Navarresen, vortreffliche Aufnahme fanden. -- Nur der zahme Affe, -der auch die Gäste seines Herrn bewillkommnen sollte, wandte ihnen -mit angelernter unhöflicher Geberde den Rücken und ging auf die Thür -zu. Da stellte der Mayordomo einen Spiritusflakon mit einer kleinen -giftlosen Schlange auf die Schwelle, schnell sprang der Affe zurück -und verbarg sich zitternd hinter seinem Herrn. - -Abends war Ball, es waren aber keine Tänzer vorhanden, einige -eingeladene Indierinnen sassen im besten Putz schüchtern an einem -Ende des Saales und tanzten mit einander, wenn sie dazu aufgefordert -wurden, ohne von den Spaniern beachtet zu werden, die sich am andern -Ende unterhielten. - -Nachdem Festlichkeiten und Regengüsse die Abreise um zwei Tage -verzögert, brachen wir auf und trabten in einer Stunde mit den muthigen -Pferden des Alkalden auf ebener Landstrasse NW. nach Talisáy, in einer -andern Stunde nach Indang, wo Bad und Frühstück bereit standen. Bisher -hatte ich nie in der Provinz ein Badezimmer im Hause eines Spaniers -getroffen; bei Nordeuropäern fehlt es nie. Die Spanier scheinen Bäder -als eine Art Heilmittel zu betrachten, das nur mit Vorsicht gebraucht -werden darf, vielleicht halten es auch jetzt noch Manche für nicht -gut christlich; zur Inquisitionszeit galt bekanntlich häufiges Baden -für ein Kennzeichen der Mohren und war daher durchaus nicht ohne -Gefahr. Nur in Manila machen die am Pasig Wohnenden eine Ausnahme; -dort herrscht bei den Familien die Sitte, oder Unsitte mit den Freunden -des Hauses zusammen in geräumigen Verschlägen Flussbäder zu nehmen. - -In Indang endet die Strasse, wir fahren in zwei Kähnen flussabwärts -bis zur Barre, und erwarten an einer, durch die Liebenswürdigkeit des -Alkalden reich besetzten Tafel die von unsern Dienern auf schlechten -Wegen dahin gebrachten Pferde. An der öden Barre erhebt sich, von -zwei oder drei Fischerhütten und eben so vielen Casuarinen umgeben, -ein Kastell gegen die Moros, die zum Glück für dasselbe, selten -so weit westlich gehn, denn es besteht nur aus einer offnen, mit -Palmenblättern gedeckten Hütte, einer Art Sonnenschirm, auf 15' hohen -armdicken Stangen. Die dazu gehörigen Kanonen sollen, der Sicherheit -wegen, vergraben sein. Wir folgen dem Seeufer, das aus kalkigem -Sande besteht und mit einem Teppich kriechender Strandpflanzen in -voller Blüthe überzogen ist. Im Waldrande zur linken, viele blühende -Sträucher und Pandanus mit grossen scharlachrothen Früchten. Nach einer -Stunde überschreiten wir den Fluss Longos auf einer Fähre, und kommen -bald darauf an einen Sporn krystallinischen Gebirges, das uns den Weg -versperrt und als Punta Longos in's Meer ragt. Die Pferde klettern mit -Mühe hinüber, jenseits finden wir die Fluth schon so hoch gestiegen, -dass wir knietief im Wasser reiten. Nach Sonnenuntergang setzen wir -einzeln mit grossem Zeitaufwand in einer elenden Fähre über die breite -Mündung des Pulundága, wo ein angenehmer Waldweg über einen abermals -quer vor uns in's Meer fortsetzenden Bergsporn Malangúit uns in 15 -Minuten an die Mündung des Paracáli bringt. Die lange Brücke ist so -schadhaft, dass wir die Pferde vorsichtig, durch weite Zwischenräume -getrennt, hinüber leiten müssen; jenseits liegt der Ort Paracáli, -von wo meine Gefährten die Reise über Mauban nach Manila fortsetzen. - -Paracáli und Mambuláo sind zwei, allen Mineralogen wegen der dort -vorkommenden Rothbleierze wohlbekannte Oertlichkeiten. Am folgenden -Morgen kehrte ich nach Lóngos zurück. Es zählt nur wenige elende -Hütten, von Goldwäschern bewohnt, die fast nackt gehn; vielleicht -weil sie den grössten Theil des Tages im Wasser arbeiten: sie sind -aber auch sehr arm. - -Der Boden besteht aus Schutt, zersetzten Trümmern krystallinischen -Gesteins, reich an Quarzbruchstücken. Die Arbeiter machen Löcher in den -Boden 2 1/2 Fuss lang, 2 1/2 Fuss breit, bis 30 Fuss tief. 3 Fuss unter -der Oberfläche fängt das Gestein gewöhnlich an, goldhaltig zu werden, -der Gehalt nimmt bis 18 Fuss Tiefe zu und wird dann wieder geringer; -doch sind diese Verhältnisse sehr unzuverlässig, daher viele fruchtlose -Versuche. Das Gestein wird in Körben auf Bambusleitern aus den Löchern -herauf getragen, das Wasser in kleinen Eimern; in der Regenzeit ist -es aber nicht möglich die Löcher wasserfrei zu halten, da sie am -Bergabhang liegen und sich schneller füllen, als sie ausgeschöpft -werden können; der Mangel an Wasserhebevorrichtungen ist auch schuld, -dass die Gruben nicht tiefer gemacht werden. - -Das Pochen des goldhaltigen Gesteins geschieht zwischen zwei Steinen, -deren einer als Ambos, der andre als Hammer dient. Jener flach, in -der Mitte etwas vertieft, liegt am Boden, dieser von 4 × 8 × 8 Zoll, -also von etwa 25 Pfund Gewicht ist mit Rotang an der Spitze eines -schlanken Bäumchens befestigt, das schräg in einer Gabel liegt und am -entgegengesetzten Ende im Boden festgemacht ist. Der Arbeiter schnellt -den als Hammer dienenden Stein auf das goldhaltige Gestein und lässt -ihn durch die Federkraft des jungen Baumes wieder in die Höhe fahren. - -Eben so roh ist die Vorkehrung zum Zermahlen des gepochten Gesteines: -Aus der Mitte einer kreisförmigen Unterlage -- aus roh behauenen -Steinen, die mit einem Kranz eben solcher Steine eingefasst ist, -erhebt sich ein dicker Pfahl, oben mit einem eisernen Stift versehn, -um welchen ein in der Mitte horizontaler, an beiden Enden abwärts -gebogener Baum drehbar befestigt ist; durch zwei vorgespannte Büffel -in Bewegung gesetzt, schleift er mehrere schwere Steine, die durch -Rotang an ihn fest gebunden sind, im Kreise herum, und mahlt so das mit -Wasser gemischte vorher gepochte Gestein zu feinem Schlamm. (Bei den -mexicanischen Goldwäschern ist dieselbe Vorrichtung unter dem Namen -Rastra in Gebrauch.) Das Auswaschen des Schlammes geschieht durch -Frauen. Sie knieen auf einer Seite einer schmalen bis an den Rand -mit Wasser gefüllten Holzrinne, an deren entgegengesetzter Seite, -jeder Arbeiterin gegenüber, ein schräges nach abwärts geneigtes -Brett befestigt wird; die Rinne ist an diesen Stellen entsprechend -ausgeschnitten, so dass ein sehr dünner Wasserstreifen ununterbrochen -der ganzen Breite nach über das Brett fliesst. Die Arbeiterin vertheilt -den goldhaltigen Schlamm mit der Hand über das am untern Rande mit -einer Querleiste versehene Brett, der leichte Sand wird fortgewaschen, -es bleibt eine dunkle, hauptsächlich aus Eisen-Kiesen und -Erzen -bestehende Schicht zurück, die von Zeit zu Zeit mit einem flachen -Span aufgenommen, bei Seite gelegt, und zum Schluss des Tagewerks -in einer flachen Holzschüssel (batea), zuletzt in einer Kokosschale, -ausgewaschen wird, wobei sich im glücklichen Fall ein feines gelbes -Pulver am Rande zeigt. [158] Bei der letzten Wäsche wird dem Wasser -der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt -darin länger schweben als in blossem Wasser und lässt sich somit -leichter vom Goldpulver trennen. [159] - -Es ist noch zu erwähnen, dass der aus den Gruben kommende Schutt am -obern Ende der Wasserrinne gewaschen wird, damit der Sand, der den zum -Pochen bestimmten Steinen anhaftet, sein Gold in der Rinne oder auf dem -Waschbrett absetzen könne. Um das gewonnene Goldpulver zu einem Klumpen -zusammen zu schmelzen, in welcher Form es die Händler kaufen, wird -es in die Schale einer kleinen Herzmuschel (Cardium) gespült und von -einer Handvoll Holzkohlen umgeben, in einen Topfscherben gestellt. Eine -Frau bläst durch ein enges Bambusrohr auf die entzündeten Kohlen; -in einer Minute ist die Arbeit vollendet. [160] Nach vielfältigen -Erkundigungen soll der Ertrag per Kopf durchschnittlich nicht über 1 -1/2 r. täglich betragen. Weiter SO. von hier im Berg Malagúit sieht man -die Reste eines zu Grunde gegangenen spanischen Aktienunternehmens, -eine Schutthalde, eine 50' tiefe Grube, ein grosses zerfallenes -Haus und einen 4' breiten 6' hohen Stollen. Das Gebirge besteht aus -sehr zersetztem Gneiss mit Quarzgängen, im Stollen mit Ausnahme der -Quarzbänder fast reine Thonerde mit Sand. - -An den Wänden hafteten einige essbare Salanganennester, aber nicht -von derselben Art wie in den Höhlen der Südküste von Java. [161] Die -hiesigen, viel weniger werthvoll als jene, werden nur gelegentlich -für chinesische Händler gesammelt, die das Stück angeblich mit 5 -Cents bezahlen. Auch von den die Nester bauenden Vögeln, (Collocalia -troglodytes Gray) gelang es einige zu fangen. [162] Ringsum liegt eine -so grosse Zahl von Indiern bearbeiteter, dann verlassener kleiner -Gruben, halb oder ganz zerfallen, mehr oder weniger bewachsen, dass -man sich mit Vorsicht dazwischen bewegen muss. Einige Gruben werden -noch betrieben, ähnlich wie bei Longos, jedoch mit einigen kleinen -Verbesserungen. Die Gruben sind doppelt so gross als jene, das -Gestein wird mit einer Winde herauf gefördert, einem walzenförmigen -Bambusgerippe, das von einem auf einer höheren Bank sitzenden Jungen -mit den Füssen getreten wird. - -Zehn Minuten N. vom Dorf Malagúit liegt ein Berg, in welchem Bleiglanz -und Rothblei gewonnen worden sind. Das Gestein besteht aus sehr -zersetztem glimmerreichem Gneiss. Es ist ein über 100' langer Stollen -vorhanden. Das Gestein scheint sehr arm gewesen zu sein. - -Auf der Kuppe dieses selben Hügels, N. 30° W. vom Dorf, sind die -berühmten Rothbleierze gefunden worden. Die Grube war eingestürzt, -vom Regen zugeschwemmt, so dass nur noch eine flache Vertiefung -im Boden zu sehn war; nach langem Suchen gelang es zwischen dem -darauf wachsenden Gestrüpp einige kleine Bruchstücke zu finden, auf -denen noch Chrombleierz deutlich zu erkennen war. Kapitän Sabino, -der ehemalige Gobernadorcillo von Paracáli, ein wohlunterrichteter -Indier, der mich auf Veranlassung des Alkalden begleitete, hatte aber -vor einigen Jahren graben lassen um Probestücke für einen Spekulanten -zu erhalten, der darauf ein neues Aktienunternehmen in Spanien zu -gründen beabsichtigte. Die gefundenen Proben wurden indessen nicht -abgenommen, da Philippinische Bergwerksaktien inzwischen an der -Madrider Börse in Misskredit gerathen waren. Leider war, ausser -einigen kleinen Drusen, nur noch ein Kistchen voll Sand vorhanden, -bestimmt, zerklopft, als bunter Streusand verkauft zu werden. Durch -Aussieben wurde alles Brauchbare gerettet. - -Auf diesem Hügel kommt eine besonders schöne Fächerpalme vor; ihr -Stamm ist 30 bis 40' hoch, zylindrisch, dunkelbraun mit 1/4 Zoll -breiten weissen Ringen in Abständen von 4 Zoll; und in gleichen -Zwischenräumen kronenartige Bänder von 2 Zoll langen schwarzen -Stacheln; gegen die Blattkrone geht der Stamm in das reiche Braun -der gebrannten Sienna über. - -Von Paracali führt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt -abwechselnd am Seestrand und durch schönen Wald in 3 1/2 Stunde nach -Mambuláo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte -mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen -verschliessbaren. Zur grössern Sicherheit soll das Pulver in eine -Ecke getragen, mit einer Büffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht, -wie ich angeordnet; mein Diener hält dabei ein brennendes Talglicht, -sein Gehülfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen -Priester besuche, werde ich von einem jungen Mädchen freundlich -begrüsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks: -»tengo las sarnas« (ich habe die Krätze). Die in den Philippinen sehr -verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu -haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krätzflecke gesehn zu -haben. (Vergl. S. 130.) - -1/4 Legua NNO. stösst man auf die Ruinen einer andern -Aktienunternehmung, der Ancla de Oro. Schacht und Stollen waren -eingefallen und dicht bewachsen; von den beträchtlichen Gebäuden -standen nur noch wenige dem Einsturz nahe Reste. Ringsum waren Indier -beschäftigt auf ihre Weise einige Goldkörnchen zusammen zu lesen. Das -bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Gestein ist Gneiss, einige tausend -Schritt jenseits steht solcher deutlich krystallinisch an. - -1/2 Legua N. b. O. von Mambulao liegt der Bleiberg Diniánan. Auch -hier waren alle Werke eingestürzt, zugeschlämmt, bewachsen. Erst nach -langem Suchen wurden wenige Bruchstücke mit Spuren von Rothbleierz -aufgefunden. Dieser Berg besteht aus Hornblendegestein, an einer -Stelle sehr schöner grosskrystallinischer Hornblendeschiefer. - -1 1/2 Legua S. von Mambulao deutet eine flache Bodenvertiefung im -dichten Walde die Stelle einer ehemaligen Kupfergrube an, die 84' -tief gewesen sein soll. Kupfererze finden sich in Luzon an mehreren -Orten. Proben gediegen vorkommenden Kupfers erhielt ich von der Bucht -von Lúyang nördlich der Enseñada de Patág, in Caramúan. - -Sehr beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen kommen bei Mancayán, -im Distrikt Lepanto, im Zentralgebirge von Luzon zwischen Cagayán -und Ilócos vor und werden seit Mitte der 50er Jahre von einer -Aktiengesellschaft in Manila ausgebeutet. Das Unternehmen scheint -indessen bis jetzt ziemlich erfolglos. 1867 hatte die Gesellschaft ein -beträchtliches Anlagekapital verausgabt, Schmelzöfen und hydraulische -Betriebsmaschinen errichtet, es war ihr aber bis ganz vor Kurzem -wegen der örtlichen Schwierigkeiten, namentlich des Strassenmangels, -nicht gelungen Kupfer darzustellen. [163] - -1869 hörte ich in London, der Betrieb sei ganz aufgegeben worden; nach -den neuesten Nachrichten geht er zwar fort, die Aktionäre haben aber -nie eine Dividende in unserem Sinne erhalten, auch der Abschluss von -1872 ergiebt wieder Verlust oder wie die schönredenden Spanier sagen, -einen dividendo pasivo. - -Was den Europäern bisher nicht gelungen zu sein scheint, haben indessen -die wilden Ygorroten, die jenes unwegsame Gebirge bewohnen, schon seit -Jahrhunderten mit Erfolg und in verhältnissmässig grosser Ausdehnung -betrieben und dies ist um so bemerkenswerther als das Metall in jenem -Gebiete fast nur in Form von Kiesen vorkommt, die auch in Europa -nur durch umständliche Verfahren und nicht ohne Zuschlag verwerthet -werden könnten. - -Man schätzt das von 1840 bis 1855 durch die Ygorroten in den Handel -gebrachte Kupfer, theils roh, theils verarbeitet, auf jährlich -300 Picos; auch die Ausdehnung der unterirdischen Erdarbeiten und -die bedeutende Menge vorhandener Schlacken deuten auf einen lange -bestehenden beträchtlichen Betrieb. - -Die Zeichnung stellt einen von jenen wilden Stämmen angefertigten -kupfernen Kessel dar, der sich im Berliner ethnographischen Museum -befindet. Meyen, der ihn mitgebracht, berichtet, dass er von den -Negritos im Innern der Insel verfertigt sei, und zwar mit Hämmern von -Porphyr, da ihnen das Eisen fehle, in der Sammlung des General-Kapitäns -der Philippinen habe sich noch ein grosser flacher Kessel von 3 1/2 -Fuss Durchmesser befunden, der für nur 3 Dollar gekauft worden, -woraus zu schliessen sei, dass das Kupfer im Innern der Insel in -grossen Massen vorkommen müsse, vielleicht sogar gediegen, denn wie -sollten jene ganz rohen ungebildeten Neger die Kunst das Kupfer zu -schmelzen verstehn? Der Ort jener reichen Gruben war dem Guvernör noch -unbekannt, obgleich die von dort kommenden kupfernen Geräthschaften -nach einem amtlichen Berichte desselben Guvernörs (von 1833) schon -seit zwei Jahrhunderten in Manila gebräuchlich waren. Jetzt weiss -man, dass die Kupferschmiede nicht Negritos sondern Ygorroten sind -und zweifelt nicht, dass sie diese Kunst und die viel schwierigere, -metallisches Kupfer aus Kiesen darzustellen, wohl schon lange vor -Ankunft der Spanier übten; wahrscheinlich haben sie dieselbe von den -Chinesen oder Japanesen gelernt. Der Ober-Ingeniör Santos [164] und mit -ihm viele Andere sind der Ansicht, dass jener Volksstamm von Chinesen -oder Japanesen abstamme, von denen er nicht nur seine Gesichtszüge -(mehrere Reisende erwähnen die schiefstehenden Augen der Ygorroten), -seine Götzen und einige seiner Gebräuche, sondern auch die Kunst -Kupfer zu bereiten herleite. - -Jedenfalls ist die Thatsache, dass ein wildes, isolirt im Gebirge -lebendes Volk in der Hüttenkunde soweit vorgeschritten sei, von so -grossem Interesse, dass eine Beschreibung ihres Verfahrens nach Santos -(im wesentlichen nur eine Wiederholung einer früheren von Hernandez, -in der Revista minera I. 112.) gewiss willkommen sein wird. - - - Das gegenwärtig von der erwähnten Aktiengesellschaft, Sociedad - minero-metalurgica cantabro-filipina de Mancayan, erworbene - erzführende Gebiet war bei den Ygorroten in grössere oder kleinere - Parzellen, je nach der Volkszahl der anliegenden Dorfschaften - eingetheilt deren Grenzen eifersüchtig gehütet wurden. Das - Besitzthum eines jeden Dorfes war wiederum unter bestimmte - Familien vertheilt, weshalb jene Bergdistrikte noch heut den - Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung des Erzes bedienten - sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer - anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen - erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge den Fels zu - zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen - selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und höhete - den Boden auf, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme - der Holzstösse stets die Decke traf. Wegen der Beschaffenheit - des Gesteines und der Unvollkommenheiten des Verfahrens fanden - häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze wurden in reiche - und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres verschmolzen, - diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung unterworfen, - wobei nachdem sich ein Theil des Schwefels, Antimons und Arsen's - verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer und - Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln an - der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum grössten Theil - abgelöst werden konnten. [165] - - Die Oefen oder Schmelzvorrichtungen bestanden aus einer - runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten 0m[P2: 0m] 30 - Durchmesser bei 0m[P2: 0m] 15 Tiefe. Eine damit in Verbindung - stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse) - von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die - unteren Enden zweier ausgehöhlten Fichtenstämme eingepasst waren, - in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trocknem Grase oder Federn - bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten, und die für - das Schmelzen erforderliche Luft zuführten. - - Wenn die Ygorroten Schwarzkupfer oder gediegen Kupfer erblasen - hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem - sie einen Tiegel aus gutem feuerfesten Thon in Gestalt eines Helmes - aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward , das Metall in Formen - zu giessen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem der Ofen - hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18 bis 20 Kg. reichen oder - gerösteten Erzes, das nach Hernandez wiederholten Versuchen über - 20% Kupfer enthielt, und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich, - indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse also dem Luftzuge - ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die - aus losen zur Höhe von 0m50 übereinander geschichteten Steinen - bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene - Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe, - weisse und oraniengelbe von der theilweisen Verflüchtigung des - Schwefels Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach - Verlauf einer Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige - Säure bildete, und die Hitze den höchsten, bei diesem Verfahren - möglichen Grad erreicht hatte, das Blasen eingestellt und das - Produkt herausgenommen wurde. Dies bestand aus einer Schlacke - oder vielmehr aus den eingetragenen Erzstücken selbst, die wegen - des Kieselgehaltes des Ganggesteines sich bei der Zersetzung - des Schwefelmetalls in eine poröse Masse verwandelten (und sich - nicht verschlacken und kieselsaure Verbindungen eingehn konnten, - weil es sowohl an Basen als an der erforderlichen Hitze gebrach); - ferner aus einem sehr unreinen »Stein« von 4 bis 5 Kg. Gewicht - und etwa 50 bis 60% Kupfergehalt. - - Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12 bis 15 Stunden lang in - starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein grosser - Theil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben - Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und zwar - ebenfalls so, dass sie sich im Kontakt mit der Luft, die Kohlen - dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten, nachdem - sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken ein - Silikat von Eisen mit Antimon und Spuren von Arsen, einen »Stein« - von 70 bis 75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben - abhoben (Konzentrationsstein) indem sie die Abkühlungsflächen - benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse mehr - oder weniger entschwefelt war, eine grössere oder geringere Menge - (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück. - - Die durch diesen zweiten Prozess gewonnenen Konzentrationssteine - wurden abermals geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte, - damit sie nicht an einander schmelzen konnten bevor sie das Feuer - von den Unreinigkeiten befreit hatte. - - Das bei der zweiten Beschickung erhaltene Schwarzkupfer und die - bei eben dieser Operation niedergeschmolzenen Steine wurden in - demselben (durch Bruchsteine verengten und mit einem Schmelztiegel - versehenen) Ofen einer dritten Operation unterworfen, die eine - Schlacke von kieselsaurem Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte, - das in Thonformen ausgegossen wurde und in dieser Gestalt - in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer enthielt 92 bis 94% - Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre gelbe Farbe - gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben Metalles, und - das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche entstandene Oxyd, - das sich stets bildete trotz der angewandten Vorsichtsmaasregel, - die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit grünen Zweigen zu - peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von Kesseln, Pfeifen - und anderem häuslichen Geräth oder Schmuck dienen sollte, die - von den Ygorroten mit so grosser Geschicklichkeit und Geduld - ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozess unterworfen, - der sich nur dadurch von dem vorhergehenden unterschied, dass - man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom vermehrte, in - dem Maasse als der Schmelzprozess sich seinem Ende näherte, was - die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch Oxydation zur - Folge hatte. Durch wiederholte Versuche fand Santos, dass selbst - bei Erzen von 20% mittlerem Gehalt nur 8 bis 10% Schwarzkupfer aus - der dritten Operation erzielt wurden, so dass also in den Schlacken - oder porösen Quarzen der ersten Operation 8 bis 12% zurückblieben. - - -Es war schwierig zur Rückreise nach Paracáli die nöthigen -Transportmittel für mein Gepäck zu erlangen, da die Wege durch -anhaltende Regen so aufgeweicht waren, dass Niemand sein Vieh hergeben -mochte. In Mambuláo ist der Einfluss der westlich angrenzenden -Provinz schon sehr wahrnehmbar: Tagalisch wird fast besser als Bicol -verstanden; unter der Bevölkerung macht sich das tagalische Element -durch hübsche Frauen geltend, die mit ihrer Familie von Lucban und -Mauban hierherkommen um Handel zu treiben. Sie kaufen das Gold auf -und führen dagegen Stoffe und andre Waaren ein. Das gewonnene Gold -ist in der Regel 15 bis 16 karätig; der Strich entscheidet über -den Feingehalt. Die Händler zahlen durchschnittlich für die Unze 11 -Dollar, wenn es aber wie gewöhnlich, in geringeren Mengen als eine -Unze feilgeboten wird, nur 10 Dollar [166]; sie wägen mit kleinen -römischen Wagen und stehn nicht im Ruf grosser Rechtlichkeit. - -Nord-Camarínes ist spärlich bewohnt, in den Bergbaudistrikten hat -die Bevölkerung abgenommen, seitdem die vielen durch Aktienschwindel -künstlich in's Leben gerufenen Unternehmungen zu Grunde gegangen. Die -Goldwäscher sind meist liederlich und verschuldet, sie hoffen -fortwährend auf reiche Funde, die nur äusserst selten vorkommen -und dann gewöhnlich gleich verprasst werden, daher findet man auch -Champagner und andre Luxusgegenstände in den Läden der sehr ärmlichen -Dörfer. - -Malagúit und Matángo sollen in der trocknen Jahreszeit durch einen -ziemlich guten Weg verbunden sein, jetzt trennte eine Schlammpfütze, -in welcher die Pferde bis zum Bauch einsanken, beide Ortschaften. - -In Lábo, einem Dörfchen am rechten Ufer des Laboflusses, der -dem gleichnamigen Berge entspringt, wiederholen sich die oben -mehrfach geschilderten Verhältnisse: schnellverschwindende Spuren -der Werke früherer Aktiengesellschaften, dazwischen kleine von -Indiern bearbeitete Gruben. Rothblei ist hier nicht gefunden -worden, aber Gold und besonders »Platina«, das sich aber durch -Besichtigung einiger Proben als Bleiglanz erweist. Der Berg Labo -scheint nach seiner Glockenform und den Geschieben im Flussbett aus -Hornblendetrachyt zu bestehn. 1/2 Legua WSW. durch fusstiefen Schlamm -watend erreichen wir den Berg Dallas, wo ehemals Bleiglanz und Gold -von einer Aktiengesellschaft, jetzt Gold von wenigen Indiern auf die -mehrfach erwähnte Weise gewonnen wurde. - -Es gelang mir weder in dieser Provinz noch in Manila näheres über -die Geschichte der vielen verunglückten Bergbauunternehmungen -zu erfahren. So viel aber scheint festzustehn, dass sie nur von -Spekulanten in's Leben gerufen, niemals mit genügenden Mitteln -sachkundig betrieben worden sind und verfallen mussten sobald die -Spekulanten ihre Aktien untergebracht hatten. - -Ausser dem wenigen von den Indiern auf so unergiebige Weise gewonnenen -Golde, liefert Nord-Camarínes jetzt kein Metall. Anfänglich erhob -der König von Spanien ein Fünftel, dann einen Zehnten vom Golde, -später hörte die Abgabe auf. Zu Morgas Zeit betrug der Zehnten -durchschnittlich 10,000 Doll. (»denn viel wird verheimlicht«), die -Ausbeute also über 100,000 Doll. Gemelli Carreri (S. 443) erfuhr vom -Guvernör von Manila, dass jährlich 200,000 Doll. Werth an Gold, ohne -Hülfe von Feuer oder Quecksilber gesammelt werde, und dass Paracáli -besonders goldreich sei. Zur Schätzung der gegenwärtigen Erträge fehlen -mir alle Daten. Die auf viele Anfragen erhaltenen Antworten verdienen -keine Erwähnung. Sehr gering sind die Erträge jedenfalls, sowohl -wegen der Unvollkommenheit des Verfahrens, als der Unbeständigkeit der -Arbeit, denn die Indier arbeiten nur, wenn die Noth sie dazu zwingt. - -In einem Nachen kehrte ich stromabwärts nach Indang zurück, einem -verhältnissmässig blühenden Ort, mit geringerer Bevölkerung, aber -bedeutenderem Handel als Daet; die Ausfuhr besteht vorzüglich aus -Abaca, die Einfuhr aus Reis. - -Nach den Mittheilungen eines alten Schiffers, der viele Jahre lang an -dieser Küste fährt, herrschen dieselben Winde von Daet bis zum Cap -Engaño, der NO. Spitze Luzons: Von Oktober bis März der Nordost, -hier der Regen-Monsun, mit Nordwinden beginnend, die von kurzer -Dauer sind und bald in NO. übergehn; im Januar und Februar treten -Ostwinde ein und beschliessen den Monsun; die stärksten Regen fallen -von Oktober bis Januar, im Oktober kommen zuweilen Taifune vor. Sie -fangen an mit N. oder NO., gehn nach NW. wo sie am heftigsten sind, -dann durch N. und O. zuweilen bis SO. und selbst S. -- März, April, -mitunter auch Anfang Mai wehen Wechselwinde, sie leiten den SW.-Monsun, -die von Regenschauern unterbrochene trockene Jahreszeit ein. Am -trockensten sind April und Mai. Gewitter kommen von Juni bis November, -am häufigsten im August vor. Im SW.-Monsun ist das Meer sehr ruhig, -in der Mitte des NO.-Monsuns hört alle Schifffahrt an der Ostküste -auf. In der Umgegend von Balér wird der Reis im Oktober gesäet, -im März oder April geerntet. Bergreis wird nicht gebaut. - - - - - - - - -SECHSZEHNTES KAPITEL - - REISE LÄNGS DER KÜSTE VON CAMARINES. -- ANDRINGEN DES MEERES. -- - ZERSTÖRTER PALMENWALD. -- PASACAO. -- SCHLECHTE STRASSEN. - - -Von Daét sandte ich mein Gepäck in einem Schoner nach Cabusáo und -setzte den Weg dahin zu Fuss, an der Küste, dem Westrande der Bay -von S. Miguél, fort. Wir fuhren in einem Boote über die Flussmündung, -die Pferde folgten schwimmend, wurden aber bald wegen Untauglichkeit -zurückgelassen. An der nächsten Flussmündung Sácavin war das Wasser so -hoch, dass sich die Träger nackt auszogen und das Gepäck auf dem Kopfe -hinübertrugen: in einfacher Jacke und Hose von Kattun fand ich diese -Vorsicht überflüssig; es ist im Gegentheil bei hoher gleichmässiger -Temperatur nach meiner Erfahrung erfrischend und zuträglich in nassen -Kleidern zu gehn, auch spart man dadurch manchen Sprung über Gräben, -manchen Umweg um Pfützen, die man, einmal durchnässt, nicht mehr -fürchtet. Nachdem wir noch acht kleine Flüsse durchwatet, mussten wir -den Strand verlassen und auf steilen schlüpfrigen Waldpfaden den Weg -nach Colási fortsetzen, das gerade in der Mitte des Westrandes der -Bay liegt. Der Seestrand war sehr schön: statt eines einförmigen, -bei Ebbe übelriechenden Rhizophorensaumes, der dort nie fehlt, -wo das Land in's Meer hineinwächst, reichen hier die Wellen an -den Fuss der alten Waldbäume, deren viele unterwaschen sind. Am -bemerkenswerthesten war ein Saum alter stattlicher, mit Orchideen -und andern Epiphyten behangener Barringtonien, prachtvolle Bäume -wenn sie in Blüthe stehn und die 5 Zoll langen rothen Staubfäden mit -goldgelben Antheren wie Quasten von den Zweigen herabhängen; durch ihre -faustgrossen Früchte sind sie dem Fischer zwiefach nützlich, der sie -ihres geringen spezifischen Gewichtes wegen zum Flottiren der Netze, -zerklopft zum Betäuben der Fische verwendet. Die vordersten Bäume -standen schief gegen das Meer geneigt, und sind wohl schon längst -verschlungen, gleich vielen andern, deren Wrack noch aus dem Wasser -hervorragte. Die Zerstörung dieser Küste scheint sehr beträchtlich zu -sein. Unter den kletternden Palmen war eine eigenthümliche Art sehr -häufig, deren armdicker Stamm sich blätterlos am Boden hinschleppte -oder in Bögen über die Aeste hing, und nur an seinem Ende eine -Blattkrone trug. Eine andre, vom Habitus gewöhnlicher Calamus, hatte -Caryota-Blätter. Wildschweine sind hier sehr häufig; ein Jäger bot -uns deren zwei, das Stück zu einem Real an. - -Die Richtung der seit der Spitze von Daét NNW. SSO. streichenden -flachen Küste wird hier durch den nach O. hinaus tretenden kleinen -Pik von Colási unterbrochen, der so schnell wachsen soll, dass alle -älteren Leute ihn niedriger gekannt haben wollen. In der Visita Colási, -am Nordabhange des Gebirges, ist das Meer so wild, dass kein Boot sich -halten kann. Die Bewohner treiben zwar Fischfang, ihre Fahrzeuge liegen -aber am Südabhange des Berges, in der geschützten Bucht Lalauígan, -die wir nach dreistündigem Marsche über das Joch erreichten. - -Ein hier gemiethetes vierruderiges Baroto wollte uns, da das Wetter -günstig, in zwei Stunden nach Cabusáo, dem Hafen von Naga bringen, -aber der Wind schlug um, es stürmte; durchnässt, nicht ohne Haverei, -flüchteten wir nach Barcelonéta, einer im Drittel der Entfernung -gelegenen Visita. Auch der hier angetroffene einsichtsvolle Teniente -von Colási bestätigte das schnelle Wachsen des kleinen Piks. - -Gegen meinen Wunsch den Berg zu besteigen wurden grosse Schwierigkeiten -geltend gemacht; schwerlich könne es in den nächsten Wochen geschehn, -weil Alle mit Vorbereitungen zum Osterfest beschäftigt seien. Da -mich diese Einwendungen nicht überzeugten, so fand sich am nächsten -Morgen ein triftigerer Grund. Inländische Schuhe sind im Schlamm, -namentlich zu Pferde, wohl zu brauchen; beim Bergsteigen aber, auf -rauhem Boden, halten sie nicht einen Tag. Das einzige noch übrige Paar -starker europäischer Schuhe, das ich für besondere Zwecke aufgespart, -hatte mein Bedienter, der nicht gern Berge stieg, verschenkt, weil -er fürchtete sie möchten viel zu schwer für mich sein. - -Von Barcelonéta bis Cabusáo behält der Strand denselben Charakter -wie zwischen Daét und Colási. Seine Richtung ist aber NS. Der Boden, -sandiger Thon, ist mit einer dicken Schicht zerbrochener Zweischaler -bedeckt. Der Weg war sehr beschwerlich, da die hohe Fluth uns zwang -zwischen Bäumen und dichtem Unterholz zu klettern. Unterwegs trafen -wir eine unternehmende Familie, die von Daét abgefahren, um Kokosnüsse -nach Naga zu bringen, hier Schiffbruch gelitten hatte. [167] Von 5 -Tinajas Oel hatten sie nur eine, die Nüsse aber alle gerettet. Sie -lebten in einer kleinen schnell erbauten Hütte, von Kokosnüssen, Reis, -Fischen und Muscheln, auf günstigen Wind zur Rückkehr wartend. Es giebt -hier eine grosse Manchfaltigkeit von Strandvögeln, aber meine Flinte -ging nicht los, obgleich sie mein Diener, in Aussicht auf die Jagd, -mit besonderer Sorgfalt geputzt hatte; die Ladung konnte, da er beim -Putzen den Ladestock verloren, erst in Cabusáo herausgezogen werden, -wobei sich ergab, dass beide Läufe unten bis über das Zündloch voll -Sand waren. - -Das Gestade war noch schöner als am vorigen Tage, namentlich an -einer Stelle, wo die Brandung gegen einen Wald von Fächerpalmen -(Corypha sp.) anprallte. An der dem Meer zugekehrten Seite standen -die Bäume, ihrer Kronen beraubt, in Gruppen oder Reihen, oder lagen -umgestürzt, wie Säulen gewaltiger Tempelruinen (einige derselben -hatten drei Fuss Durchmesser). Der Anblick erinnerte unmittelbar an -Pompeji. Ich konnte mir die Ursache der Kahlheit der Stämme nicht -erklären, bis ich mitten unter den Palmen eine Hütte entdeckte, in -welcher zwei Männer bemüht waren den Wogen in ihrem Zerstörungswerk -zuvor zu kommen, durch Bereitung von Zucker (tunguleh). Zu dem Zweck -wird nach Entfernung der Blätter, da diese Palme terminal blüht, das -obere Ende des Stammes queer abgeschnitten, die Schnittfläche ist -ein wenig (etwa 5°) gegen den Horizont geneigt und nach dem untern -Rand hin zu einer sehr flachen Rinne ausgetieft. Der Saft quillt aus -der ganzen Schnittfläche, mit Ausnahme der durchschnittenen äussern -Blattstiele, sammelt sich in der flachen Rinne und wird von da auf -einem zwei Zoll breiten, vier Zoll langen Stück Bananenblatt in ein -am Stamm hängendes Bambusrohr geleitet. Um den hervorquellenden Saft -gegen Regen zu schützen, ist jeder angezapfte Baum mit einer Kappe -aus einem dütenförmig zusammengebogenen Palmenblatt bedeckt. Der -Saft hat einen schwachen, angenehm aromatischen Beigeschmack von -Karamell. Ein Baum liefert täglich im Durchschnitt vier Bambusen -voll Tuba, die Bambusen haben gegen 3 1/2 Zoll innern Durchmesser, -und sind, wenn sie abgenommen werden, etwa 18 Zoll hoch gefüllt, -dies gäbe etwas über 10 Quart täglich. - -Der Ertrag der einzelnen Bäume ist indessen sehr ungleich; er -lässt allmälig nach und hört nach 2, höchstens 3 Monaten gänzlich -und für immer auf [168]; aber das Verhältniss der frisch und vor -längerer Zeit angeschnittenen bleibt dasselbe, mithin auch der -Durchschnittsertrag. Der Saft von 37 Palmen liefert bei jedem -Einsammeln, nachdem er in einer eisernen Pfanne abgedampft, -eine, täglich also vier, wöchentlich 28 gantas oder 2 1/3 tinájas -Zucker, der an Ort und Stelle 2 1/2 Doll. die tinája gilt. Diese, -von den Leuten selbst herrührenden Angaben stellen das Verhältniss -vielleicht etwas ungünstiger dar, als in der Wirklichkeit; doch kann, -nach der Ansicht eines kundigen Mestizen der Unterschied nicht sehr -bedeutend sein. Lässt man obige Zahlen gelten, so würde ein jeder -dieser herrlichen Bäume etwa 1 2/3 Doll., und nach Abrechnung des -Arbeiterlohns (1 r. per Tag) etwa 1 2/3 Thaler geben, freilich nicht -viel, doch mag es zum Troste dienen, dass er ohne die Dazwischenkunft -des Menschen bald der Brandung anheim fiele, und selbst gegen alle -äussern Feinde geschützt, nach einmaligem Fruchttragen verdorren muss. - -Cabusáo liegt im Südwinkel der Bucht von S. Miguél, die fast rings -von hohen Bergen umgeben, den Schiffen einen sichern Ankerplatz -gewährt. -- Von hier begab ich mich über Naga an die Südküste. Vier -Leguas von Naga, im Busen von Ragay, am Südrande Luzons, liegt der -kleine, aber tiefe Hafen von Pasacáo. In zwei Stunden erreicht man -zu Wasser die halbwegs liegende Visita Pamplóna, von wo der Weg -zu Lande fortgesetzt wird. Der noch vorhandene Rest der früheren -Strasse befand sich in erbärmlichem Zustande, selbst in der damals -trocknen Jahreszeit kaum passirbar; die Brücken über die vielen kleinen -Gräben waren eingestürzt, an manchen Stellen lagen grosse Steine und -Baumstämme queer über den Weg, die, vor Jahren zum Ausbessern der -Brücken herbeigeschafft, unbenutzt liegen blieben und seitdem die -Strasse sperrten. - -In Quitang, zwischen Pamplóna und Pasacáo, wo sich zwei Bäche -zu einem, bei letztem Orte mündenden Flüsschen vereinigen, hatte -ein junger Franzose eine Hacienda gegründet. Er war zufrieden und -hoffnungsvoll, und lobte namentlich den Fleiss und guten Willen seiner -Leute. Ausländer scheinen in der Regel mit den Eingeborenen besser -auszukommen, als Spanier, wohl weil sie weniger Ansprüche machen. Unter -letzteren sind namentlich solche aus den untern Klassen sehr geneigt -ungerechtfertigte Anforderungen zu stellen und bitter zu klagen, -wenn sie nicht für jede Arbeit sofort die nöthigen Hände finden, zu -Lohnsätzen, die dem gesteigerten Werthe der Produkte durchaus nicht -entsprechen. Ginge es nach ihnen, so müssten die Eingeborenen von -Amtswegen gezwungen werden für sie zu arbeiten. [169] - -Freilich ist der Indier unabhängiger als der europäische Arbeiter, weil -er bedürfnissloser, und als geborener Grundbesitzer nicht gezwungen -ist, sich als Tagelöhner eines Anderen sein Brod zu erwerben, dennoch -ist es fraglich, ob, in Bezug auf Löhne, irgend eine Kolonie dem -Pflanzer günstigere Verhältnisse darbietet, als die Philippinen. In -Holländisch Indien, wo Privatindustrie durch das Regierungsmonopol -fast ausgeschlossen, erhalten freie Arbeiter 1/3 Gulden, etwas -mehr als 1 r., den üblichen Lohn in den wohlhabenden Provinzen der -Philippinen (in den ärmeren beträgt er nur die Hälfte) und die Javanen -kommen den Filipinos weder an Kraft, noch an Intelligenz und Geschick -gleich. Wie hoch der Tagelohn in allen ehemaligen Sklavenstaaten ist, -ist bekannt. Mauritius und Ceylon müssen um Zucker und Kaffee zu bauen, -fremde Arbeiter mit grossen Unkosten einführen und theuer bezahlen, -und stehn sich dennoch gut dabei. - -Von Quitang bis Pasacáo ist der Weg noch schlechter als vorher und -doch ist dies die wichtigste Strasse der Provinz! Bevor man Pasacáo -erreicht, sieht man an den Entblössungen der Kalkwände deutliche -Zeichen, dass sie früher vom Meer bespült wurden. Pasacáo liegt -malerisch am Ende des vom Itulán durchflossenen Thales, welches -sich von Pamplona zwischen bewaldeten Kalkbergen bis an's Meer -erstreckt. Die Ebben sind hier höchst unregelmässig. Von Mittag -bis Abend war kein Unterschied wahrzunehmen, und als die Abnahme -eben sichtbar wurde, stieg die Fluth schon wieder. Unmittelbar -südlich vor der Ortschaft war eine von den Wellen unterwaschene -Bergwand von 2000' Höhe und über 1000' Breite zwei Jahre vorher -herabgerutscht. Der Fels besteht aus einer zähen Kalkbreccie voll -Muschel- und Korallenbruchstücken; ich konnte es aber ohne Schuhe -auf dem scharfen Gestein nicht lange genug aushalten, um es näher -zu untersuchen. - -Aus demselben Grunde musste auch von dieser Seite die schon von -Libmánan vergeblich versuchte Besteigung des Yamtik unterbleiben. Statt -dessen fuhr ich in Begleitung des gefälligen französischen Pflanzers -im Boot nordwestlich die Küste entlang. Unser Nachen schwebte über -Korallengärten hin, von prachtvoll gefärbten Fischen umschwärmt. Nach -zwei Stunden erreichten wir eine Höhle im Kalk »Suminabáng«, -so niedrig, dass man sich nur kriechend darin bewegen konnte. Sie -enthielt einige Schwalben und Fledermäuse. Am Flusse Calebáyan, -jenseits der Punta Tanáun schlugen wir in einem einzeln stehenden -Schuppen unser Nachtlager auf. Hier wird das Kalkgebirge durch -einen am linken Ufer des Flüsschens isolirt stehenden Felsen aus -hornblendereichem krystallinischen Gestein unterbrochen, er ist, -ausser an der, dem Wasser zugekehrten Seite, ringsum von Kalk umgeben. - -Die umliegenden Berge sollen von Wildschweinen wimmeln: unter dem -Strohdach unserer Hütte, die gelegentlichen Jägern zum Obdach dient, -waren über 150 Unterkiefer als Jagdtrophäen aufgesteckt. Der Ort, -an dem wir uns befanden, erschien wie zur Viehzucht geschaffen, -sanfte mit Futtergras und einzelnen Baumgruppen bewachsen, von Bächen -durchrieselte Abhänge, ziehn sich vom Meere aus in die Höhe und -werden von einer steilen Felsenmauer im Halbkreis eingefasst. Das Vieh -würde dort Gras, Wasser, Schatten und den Schutz einer geschlossenen -Umwallung finden. Längs der Küste hinfahrend, hatten wir eine Reihe -solcher Oertlichkeiten bemerkt, sie sind aber völlig unbenutzt, aus -Mangel an Unternehmungsgeist, und aus Furcht vor Seeräubern. Sobald -unser Abendbrot bereitet war, löschten wir das Feuer sorgsam aus, damit -es den Meerstrolchen nicht als Signal diene, und hielten Nachtwachen. - -Am folgenden Morgen wollten wir eine nie zuvor betretene Höhle -besuchen, fanden aber zu unserm Erstaunen keine eigentliche Höhle, -sondern nur eine wenige Fuss tiefe Höhlenpforte; weithin sichtbar, muss -sie den Jägern oft aufgefallen sein, doch hatte sich, wie unsere über -die Täuschung erstaunten Begleiter versicherten, aus abergläubischer -Scheu bisher Niemand hineingewagt. - -Wie mehrfach erwähnt, ist die nördliche Küste von Camarínes im -NO. Monsun fast unnahbar, während die durch vorliegende Inseln -gedeckte Südküste immer zugänglich bleibt. Die fruchtbarsten Gebiete -der östlichen Provinzen, die im Sommer ihre Erzeugnisse durch die -nördlichen Häfen ausführen, bleiben im Winter oft Monate lang von -allem Verkehr mit der Hauptstadt abgeschlossen, weil kein Weg über den -schmalen Landstreifen zur Südküste führt. Wie viel die Natur für die -Erleichterung des Verkehrs gethan, wie wenig die Menschen, wird recht -deutlich, wenn man den eben geschilderten Zustand der Strasse nach -Pasacao, in Zusammenhang mit den östlichen Verhältnissen betrachtet, -wie sie die Karte zeigt. - -Zwei Flüsse, der eine von NW., der andre von SO. kommend, beide -schiffbar, bevor sie die Grenzen der Provinz erreichen, fliessen -mitten durch dieselbe, in einer, wenn man die Windungen nicht -berücksichtigt, mit den Küsten gleichlaufenden Linie und senden, -nachdem sie zusammengetroffen, ihre Wasser gemeinschaftlich durch den -Aestuar von Cabusáo in die Bay von S. Miguél. Die ganze Provinz wird -also in ihrer Mittellinie von zwei schiffbaren Flüssen durchströmt, die -in Bezug auf den Verkehr nur Einen bilden. Von ihrem Vereinigungspunkt, -an der schmalsten Stelle der Provinz, beträgt die Entfernung bis zur -Südküste nur 3 Leguas. - -Der Hafen von Cabusáo im Grunde der Bucht von S. Miguél ist aber im -NO. Monsun nicht zugänglich und hat den Nachtheil nur auf dem grossen -Umwege um den ganzen östlichen Theil Luzons mit Manila zu verkehren. An -der Südküste dagegen liegt der Hafen von Pasacáo, in welchen ein, über -eine Meile weit schiffbares Flüsschen mündet, so dass die Entfernung -zwischen dieser Wasserstrasse und dem nächsten Punkte des Bicolflusses -wenig über eine Meile beträgt. Die 1847 von einem thätigen Alkalden -angelegte, bis 1852 erhaltene, beide Meere verbindende Strasse war -aber zur Zeit meines Besuches so schlecht, dass der Pico Abacá auf -dieser kurzen Strecke in der trocknen Jahrszeit 2 r. Fracht zahlte, -in der nassen aber selbst für den doppelten Preis nicht befördert -werden konnte. [170] - -Es liessen sich viele ähnliche Beispiele anführen: 1861 berichtet -der engl. Vize-Konsul, dass in Yloilo der Pico-Zucker um mehr als 2 -r. vertheuert wird (so viel als die Fracht von Yloilo nach Manila -beträgt) durch den schlechten Zustand der Strasse zwischen zwei -Dörfern, die nur 1 Legua auseinander liegen. - -Wären die Inseln nicht, abgesehn vom Seetransport, so ausserordentlich -begünstigt durch unzählige Flüsse mit schiffbaren Mündungen, so würde -ein noch viel grösserer Theil ihrer Produkte nicht zu verwerthen -sein. Die Eingeborenen haben kein Verlangen nach Strassen, die sie -selbst durch Frohnarbeit bauen, und nachdem sie vollendet, durch -Frohnarbeit erhalten müssen, auch die Lokalbehörden nicht, denn wo -keine Strassen gebaut werden, sind die Frohnden um so leichter für -Privatzwecke zu nützen. Eben so wenig sind die Curas in der Regel der -Anlage von Verkehrswegen günstig, durch welche Handel, Wohlstand und -Aufklärung in's Land dringen, ihre Autorität untergraben wird. Ja -die Regierung selbst begünstigte bis vor Kurzem solche Zustände, -denn schlechte Strassen gehören zum Wesen der alten spanischen -Kolonialpolitik, die immer darauf bedacht war, die einzelnen -Provinzen ihrer grossen überseeischen Besitzungen zu isoliren, -das Gefühl der nationalen Gemeinschaft nicht aufkommen zu lassen, -um sie desto leichter vom fernen Mutterlande aus beherrschen zu können. - -In Spanien selbst sieht es übrigens nicht viel besser aus; es fehlt -dort so sehr an Verkehrswegen, dass z. B. die Waaren von Santandér -nach Barcelóna den Seeweg um die ganze iberische Halbinsel dem -direkten, zum Theil mit Eisenbahn versehenen Wege vorziehn. [171] -In Estremadura wurden die Schweine mit Weizen gefüttert (lebendes -Schweinefleisch kann ohne Strassen transportirt werden), während -gleichzeitig die Seehäfen fremdes Getreide einführten. [172] Der Grund -dieser Zustände liegt auch dort weniger in den zerrütteten Finanzen, -als in der Regierungsmaxime, die einzelnen Provinzen zu isoliren. - - - - - - - - -SIEBENZEHNTES KAPITEL - - DER YSAROG UND SEINE BEWOHNER. - - -In der Mitte von Camarínes erhebt sich der Ysarog (sprich Issaró), -zwischen den Meerbusen von San Miguél und Lagonóy. Während sein -östlicher Abhang fast das Meer erreicht, ist er gegen Westen durch -einen breiten Streifen fruchtbaren Schwemmlandes von der Bucht von -S. Miguél getrennt. Sein Umfang beträgt wenigstens 12 Leguas, seine -Höhe 1966 Meter. [173] An seiner Basis sehr flach, schwillt er allmälig -zu 16°, weiter oben zu 21° Neigung und wölbt sich, von Westen gesehn, -zu einer flachen, domförmigen Kuppe. Betrachtet man ihn aber von der -Ostseite, so gewahrt man ein durch eine grosse Schlucht zerrissenes -Ringgebirge. Auf Coello's Karte ist diese Schlucht irrthümlich als -von S. nach N. streichend dargestellt; ihre Richtung ist WO. Gerade -vor ihrer Oeffnung liegt, 1/2 Legua S. von Goa, das winzige Dörfchen -Rungus; nach welchem sie benannt wird. Die äusseren Seiten des Berges -und die Trümmer seines grossen Kraters sind mit undurchdringlichem Wald -bedeckt. Von seinen vulkanischen Ausbrüchen meldet die Ueberlieferung -nichts. - -Die höheren Abhänge dienen einem kleinen Volksstamme zum Wohnsitz, -der in fast gänzlicher Abgeschlossenheit von den Bewohnern der -Ebene, seine Selbstständigkeit und die Sitten einer früheren Zeit -bewahrt hat. Gelegentlich mögen wohl einzelne Cimarronen (s. S. 106) -zugezogen sein, doch hatte sich kein solcher Fall in der Erinnerung -erhalten. Die Bewohner des Ysaróg werden gewöhnlich, wenn auch -missbräuchlich, Ygorroten genannt, dieser Name ist hier beibehalten, -da ihre Nationalität noch nicht genügend festgestellt ist. Sie selbst -sind überzeugt, dass ihre Vorfahren immer dort gehaust haben. Sie sind -es, die nach dem Urtheil der Pfarrer von Camarínes die Bicolsprache -am reinsten sprechen (s. S. 120). Ihre Sitten und Gebräuche sind in -vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, -sehr ähnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, -welche noch heut bei den Dayaks in Borneo herrschen. [174] Diese -Umstände lassen vermuthen, dass sie der letzte Rest eines Stammes -seien, der seine Unabhängigkeit gegen die spanische Herrschaft und -wahrscheinlich auch gegen die kleinen Tyrannen behauptet hat, die -vor Ankunft der Europäer in der Ebene herrschten. Als Juan de Salcedo -seinen Siegeszug um das nördliche Luzon unternahm (s. unten), fand er -überall an den Flussmündungen seefahrende, unter vielen Häuptlingen -lebende Völkerschaften, die nach kurzem Kampf der höhern Mannszucht -und besseren Bewaffnung der Spanier erlagen oder sich freiwillig -der überlegneren Rasse unterwarfen; es gelang ihm aber nicht, die -unabhängigen Stämme im Innern zu besiegen. Noch heut giebt es solche -auf allen grösseren Inseln der Philippinen-Gruppe. - -Aehnliche Zustände findet man vieler Orten im indischen Archipel: -die Handel und Seeraub treibenden Malayen besitzen das Gestade, -dort herrscht auch ihre Sprache; die Eingeborenen sind von ihnen -unterjocht oder in die Wälder gedrängt, deren Unzugänglichkeit ihnen -ein kümmerliches aber unabhängiges Leben sichert. [175] - -Um den Widerstand der wilden Stämme zu brechen, verbot die spanische -Regierung ihren Unterthanen bei Strafe von 100 Schlägen und zwei -Jahr Zwangsarbeit, »Handel zu treiben und Umgang zu pflegen mit -den Heiden in den Bergen, die seiner katholischen Majestät keinen -Tribut zahlen; denn wenn diese ihr Gold, Wachs u. s. w. gegen andere -Bedürfnisse austauschen können, so werden sie sich nie bekehren.« [176] -Vielleicht hat gerade dies Gesetz dazu beigetragen, die Wilden, trotz -ihrer geringen Kopfzahl, Jahrhunderte lang vor gänzlicher Ausrottung -zu schützen; denn freier Verkehr zwischen einem Volke auf der Stufe -des Ackerbaus und einem, das hauptsächlich von der Jagd lebt, führt -häufig zur Vernichtung des letzteren. - -Dennoch hat die Zahl der Ygorroten des Ysarog sehr abgenommen durch -Todtschlägereien zwischen den einzelnen Ranchos, und durch die -Raubzüge, welche bis vor Kurzem die Steuerbeamten alljährlich im -Interesse des Regierungsmonopols gegen die Tabakfelder der Ygorroten -unternahmen. Einzelne sind auch »pazifizirt« (zu Christenthum und -Tribut bekehrt worden), in welchem Falle sie sich in kleinen Weilern -mit zerstreuten Hütten niederlassen müssen, wo sie gelegentlich -vom Geistlichen des nächsten Ortes besucht werden können. Um ihnen -den Uebertritt zu erleichtern, werden von dergleichen neugewonnenen -Unterthanen eine Zeitlang geringere Steuern erhoben. - -Ich hatte die Besteigung des Berges auf den Eintritt der trockenen -Jahreszeit verschoben, erfuhr aber in Naga, dass mein Wunsch dann -kaum ausführbar sein dürfte, weil um diese Zeit die schon erwähnten -Expeditionen gegen die Ranchos des Berges stattzufinden pflegen. Da -die Wilden nicht begreifen konnten, warum sie nicht auf ihrem eigenen -Felde eine ihnen zum Bedürfniss gewordene Pflanze bauen sollten, -so sahen sie in den Cuadrilleros nicht Beamte eines zivilisirten -Staates, sondern Räuber, gegen welche sie sich nach Kräften wehren -mussten, und das Auftreten dieser trug nicht wenig dazu bei, jene -in ihrem Irrthum zu bestärken; denn sie begnügten sich nicht die -Tabakpflanzungen zu zerstören; die Hütten wurden niedergebrannt, -die Fruchtbäume umgehauen, die Felder verwüstet. Solche Raubzüge -gingen nie ohne Blutvergiessen ab und arteten oft in einen kleinen -Krieg aus, der dann von den Bergbewohnern noch lange nachher, auch -gegen ganz unbetheiligte Personen, Indier und Europäer, fortgesetzt -wurde. Anfangs April sollte die diesjährige Expedition stattfinden; -die Ygorroten waren daher in grosser Aufregung und hatten einige Tage -vorher einen jungen wehrlosen Spanier in der Nähe von Mabotobóto, am -Fuss des Berges, ermordet, indem sie ihn mit einem vergifteten Pfeil -zu Boden streckten, und ihm dann noch 21 Wunden mit dem Waldmesser -beibrachten. - -Glücklicher Weise traf bald darauf ein Gegenbefehl von Manila ein, -wo man sich allmälig von der Schädlichkeit solcher Gewaltmassregeln -überzeugt zu haben schien. Es war nicht zu zweifeln, dass diese -Nachricht sich schnell unter den Ranchos verbreiten würde und auf den -Rath des Kommandanten, dem sehr gegen seine Neigung die Führung des -Zuges zugefallen sein würde, zögerte ich nicht, die zu erwartende -günstige Stimmung für meine Zwecke zu benutzen. In der neuesten -Zeit hat die Regierung das verständige Mittel ergriffen, den Tabak, -den die Ygorroten freiwillig bauen, nach dem allgemeinen Satze zu -bezahlen und sie wo möglich zur Anlage neuer Felder zu ermuntern, -statt die vorhandenen zu zerstören. - -Am nächsten Nachmittag ritt ich von Naga ab. Die Pueblos Mogaráo, -Canáman, Quipáyo und Calabánga folgen in diesem fruchtbaren Gebiet -so dicht auf einander, dass sie eine fast ununterbrochene Reihe -von Häusern mit Gärten bilden. Calabánga liegt 1/2 Legua vom Meer, -zwischen zwei Flussmündungen, deren südlichste 60' breit und tief -genug für grosse Lastboote ist. [177] - -Um den Fuss des Ysaróg wendet sich die Strasse NO. dann O. Bald hören -die blühenden Hecken auf; es folgt eine grosse, kahle Ebene, aus der -sich zahlreiche flache Hügel erheben. Hügel und Ebene dienten damals -als Viehweiden: vom August bis Januar sind sie mit Reis bestellt. Nur -hin und wieder sieht man kleine Batatenfelder. Nach vier Stunden -erreichten wir das Dörfchen Maguíring (Manguirin), dessen Kirche, -ein dem Einsturz naher Schuppen, auf einem solchen kahlen Hügel -stand und an ihrer Verwahrlosung erkennen liess, dass der Priester -ein Eingeborener sei. - -Dieser Hügel, wie alle übrigen, die ich untersuchte, bestand aus -Schutt vom Ysaróg, mehr oder weniger zersetzten hornblendereichen -Trachyttrümmern, deren Zwischenräume durch rothen Sand ausgefüllt -waren. Die Zahl der Flüsse, die der Ysarog in die Buchten von S. Miguél -und Lagonóy sendet, ist ausserordentlich gross: Auf der Strecke -hinter Maguíring zählte ich in 3/4 Stunden 5 ansehnliche, d. h. über -zwanzig Fuss breite Aestuarien, dann bis Góa noch 26, zusammen 31; -es sind aber mehr, da ich die kleinsten nicht aufzeichnete; und doch -beträgt die Entfernung zwischen Maguíring und Góa, in gerader Linie, -nicht über 3 Meilen. Dies lässt auf die enorme Menge von Wasserdampf -schliessen, mit welcher dieser mächtige Kondensator gespeist wird. Bei -keinem andern Berge ist mir diese Erscheinung in so auffallender -Weise entgegengetreten. Ein sehr bemerkenswerther Umstand ist die -Schnelligkeit, mit welcher die wasserreichen Bäche in Aestuarien -übergehn, die sie befähigen Lastboote, zuweilen selbst Schiffe zu -tragen, in einem Alter, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, wo ihre -auf die spärlichen Niederschläge in nördlichen Breiten angewiesenen -Verwandten kaum die Bedeutung eines Mühlbachs erlangt haben. Diese -Gewässer erscheinen der Breite nach als kleine Flüsse, ihrem Wesen -nach bestehn sie nur aus einem Bache bis zum Fuss des Berges und -einer Flussmündung in der Ebene; der Mittellauf fehlt ihnen. - -Die Landschaft gleicht hier dem merkwürdigen, von Junghuhn -beschriebenen Hügelgebiete des Gelungúng [178] in ganz auffallender -Weise; doch ist der Ursprung dieser Anhöhen einigermaassen von dem -der javanischen verschieden, denn letztere verdanken ihre Entstehung -dem Ausbruch von 1822, und schon die grosse, ihnen zugekehrte Lücke -in der Kraterwand des Gelungúng zeigt deutlich, woher die Stoffe -zu ihrem Aufbau kamen; die grössere Kraterschlucht des Ysaróg ist -aber nach O. geöffnet und steht daher zu den zahllosen Hügeln im -Nordwesten des Berges in keiner Beziehung. Hinter Maguíring rücken sie -dichter zusammen, ihre Kuppen werden flacher, ihre Seiten steiler, -sie gehn allmälig in einen sanft geneigten Abhang über, zerrissen -von unzähligen Klüften, auf deren Boden eben so viele Bäche thätig -sind, die eckigen Umrisse dieser kleinen Inseln in jene abgerundeten -Hügel umzuformen. Der dritte Fluss hinter Maguíring ist bedeutender -als die früheren; am sechsten liegt eine grössere Visita, Borobód, -am zehnten die von Ragáy. Die Reisfelder haben mit dem Hügelland -aufgehört: auf dem durch tiefe Rinnen wohldränirten Abhange wachsen -nur wildes Rohr und einzelne Baumgruppen. An vielen Weilern vorüber, -deren Hütten so vereinzelt und versteckt liegen, dass man sie wohl -übersehn kann, gelangten wir um 5 Uhr nach Tagúnton, von wo eine, für -Büffelkarren fahrbare, zum Transport des in der Umgegend gewonnenen -Abaca's dienende Strasse nach Goa führt. In diesem Ort, den wir Abends -erreichten, miethete ich in Folge eines Ruhranfalles ein Häuschen, -in dem ich fast vier Wochen lag, da mir keine andre Heilmittel als -Hunger und Ruhe zur Verfügung standen. - -Während dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft einiger neu bekehrten -Ygorroten, und gewann ihr Vertrauen, ohne sie wäre es mir später -schwerlich gelungen den Berg zu ersteigen und ihre Stammesgenossen -ungefährdet in ihren Ranchos aufzusuchen. [179] Als ich endlich -Goa verlassen konnte, begleiteten mich meine Freunde zunächst nach -ihrer Niederlassung, wo ich leicht die nöthige Zahl Begleiter fand, -da ich schon vorher empfohlen war und erwartet wurde, um die für mich -gesammelten Thiere und Pflanzen in Empfang zu nehmen. - -Am folgenden Morgen wurde die Besteigung begonnen. Schon bevor wir -den ersten Rancho erreichten, konnte ich mich überzeugen, welch -guter Ruf mir vorausging: der Hausherr kam uns entgegen, und führte -uns auf einem engen Pfade zu seiner Hütte, nachdem er die schräg aus -dem Boden ragenden, aber mit Reisig und Blättern geschickt verdeckten -Fusslanzen daraus entfernt hatte. [180] Eine mit Weben beschäftigte -Frau setzte auf meinen Wunsch ihre Arbeit fort. Der Webestuhl war von -der allereinfachsten Art, das obere Ende, der Kettenbaum, der in einem -Stück Bambus besteht, wird an zwei Bäumen oder Pfählen befestigt; -die Weberin sitzt auf dem Boden und hakt in die beiden eingekerbten -Enden einer schmalen Latte, welche die Stelle des Zeugbaums vertritt, -einen hölzernen Bügel, in dessen Wölbung ihr Rücken passt. Indem -sie die Füsse gegen zwei Pflöcke im Boden stemmt und den Rücken -krümmt, spannt sie vermittelst des Bügels das Zeug straff. Statt -des Weberschiffchens dient eine Netznadel, länger als die Breite -des Gewebes, die nur mit Ueberwindung bedeutender Reibung und nicht -immer ohne Kettenfäden zu zerreissen, durchgeschoben werden kann. Eine -messerartig zugeschärfte Latte aus hartem Holz (Caryota) vertritt das -Schlaggestell und wird nach jedesmaligem Anschlag auf die hohe Kante -gestellt. Dann wird der Kamm vorgeschoben, ein Faden durchgesteckt, -festgeschlagen und so fort. Das Gewebe bestand aus Abacáfäden, die -nicht gesponnen, sondern an einander geknüpft werden. - -Die von mir betretenen Hütten verdienen keine besondere Beschreibung: -aus Palmenblättern und Bambus zusammengefügt, unterscheiden sie sich -nicht wesentlich von den Wohnungen armer Indier. In der Nähe waren -kleine Felder mit Bataten, Mais, Caladium und Zuckerrohr bepflanzt; -prachtvolle Baumfarne umgaben sie; einer der höchsten, den ich zu dem -Zwecke umhauen liess, maass: Stamm 9m 30, Krone 2m 12, Gesammtlänge -11m 42 (36' 38 Rh.). - -Ein junger Bursche machte Musik auf einer Art Laute, Baringbau genannt; -sie bestand aus dem trocknen Schaft einer Scitaminee, die statt der -Sehne (Saite) durch eine dünne Ranke bogenförmig gespannt war. In -der Mitte des Bogens war eine halbe Kokosschale befestigt, die beim -Spielen gegen den Bauch gesetzt wird und als Resonanzboden dient. Die -Saite gab, mit einem Stäbchen geschlagen, einen angenehm summenden -Ton, (Lyra und Plectrum in einfachster Form). Einige begleiteten den -Musiker auf Maultrommeln aus Bambus, genau wie die der Mintras auf -der Malayischen Halbinsel. Ein Andrer spielte auf einer Guitarre, -die er zwar selbst, aber nach einem europäischen Muster gemacht -hatte. Ausser Bogen, Pfeilen und Kochtopf enthielt die Hütte kein -Geräth. Wer Kleider besass, trug sie am Leibe. Die Frauen fand ich so -dezent gekleidet wie christliche Indierinnen, sie trugen überdies ein -Waldmesser. Als ein Zeichen vollkommenen Vertrauens führte man mich -in die wohl verborgenen, durch Fusslanzen vertheidigten Tabakfelder, -die mir sorgfältig gepflegt schienen. - -Was ich im Verkehr mit diesen Leuten bisher erfahren hatte und noch -erfuhr, fasse ich kurz zusammen: Sie wohnen auf den höheren Abhängen -des Berges, wohl nie unter 1500', jede Familie für sich. Wie viel -ihrer noch vorhanden sein mögen, ist schwer zu ermitteln, da unter -ihnen nur geringer Verkehr besteht. Auf dem zum Gebiete von Goa -gehörigen Theile des Berges wird ihre Anzahl auf etwa 50 Männer -und 20 Weiber mit Inbegriff der Kinder geschätzt. Vor 20 Jahren war -die Bevölkerung zahlreicher. Ihre Nahrung besteht ausser etwas Gabi -(Caladium), vorzüglich aus Bataten. Auch ein wenig Mais wird gebaut, -etwas Ubi (Dioscorea) und eine geringe Menge Zuckerrohr zum Kauen. - -Zur Anlage eines Batatenfeldes wird ein Stück Wald gelichtet, der Boden -mit dem stumpfen Waldmesser gelockert, in diesen werden Knollen oder -Ableger gepflanzt. Schon nach 3 bis 4 Monaten beginnt die Ernte und -dauert ununterbrochen fort, da die auf dem Boden kriechende Pflanze -Wurzeln schlägt und Knollen bildet. Nach 2 Jahren hat aber der Ertrag -so abgenommen, dass man die alten Pflanzen ausreisst, um für neue, -aus den Ausläufern entstandene Ableger Platz zu machen. Das Feld wird -weder gewechselt oder mit andern Früchten bebaut, noch gedüngt. Ein -Stück Land, 50 Brazas lang, 30 breit, genügt für den Unterhalt -einer Familie. Nur in der nassen Jahreszeit versagt zuweilen diese -Hülfsquelle, dann wird Gabi genossen, das auf trocknem und feuchtem -Boden ziemlich gleich gut zu wachsen scheint, aber nicht so lohnend ist -wie Bataten. Die jungen Schösslinge des Gabi werden in Entfernungen von -einer Vara gepflanzt und dürfen, wenn man sie ausgiebig nutzen will, -nicht vor einem Jahre ausgebeutet werden. Jede Familie mag wöchentlich -ein oder zwei Wildschweine erlegen. Hirsche sind selten, doch erhielt -ich ein schönes Geweih; ihr Fell wird nicht benutzt. Zur Jagd dienen -Bogen mit Pfeilen und Lanzen (s. Zeichnung) theils giftfrei theils -vergiftet. Jeder Rancho hält Hunde, die hauptsächlich von Bataten -leben, auch Katzen um die Felder gegen Ratten zu schützen. Einiges -Geflügel ist ebenfalls vorhanden, aber keine Kampfhähne, die in den -Hütten der Indier fast nie fehlen. Hahnenkämpfe sind erst durch die -Spanier in die Philippinen eingeführt worden; die Ysarogbewohner sind -noch frei von dieser Leidenschaft. - -Ihre geringen Bedürfnisse an Erzeugnissen einer fortgeschritteneren -Zivilisation erlangen sie durch den Verkauf der freiwilligen -Produkte ihrer Wälder, hauptsächlich Wachs und Harze: Pili [181], -Apnik, Dagiangan (eine Art Copal) und etwas Abacá. Wachs, das wegen -der Kirchenfeierlichkeiten sehr begehrt ist, wird mit 1/2 Dollar -das Katti bezahlt; die Harze gelten durchschnittlich 1/2 Realen die -Chinanta. Der Handel findet auf die Weise statt, dass ein Indier, der -mit den Ygorroten im Verkehr steht, mit diesen einen Lieferungsvertrag -schliesst; die Ygorroten sammeln die Produkte und bringen sie an -einen bestimmten Ort, wo die Indier sie aufnehmen, nachdem sie den -dafür bedungenen Preis niedergelegt haben. - -Aerzte, Zauberer oder Leute, denen geheime Kräfte zugetraut werden, -kennt man nicht; jeder hilft sich selbst. Um über ihre religiösen -Ansichten in's Klare zu kommen, würde längerer Verkehr nöthig sein; -sie glauben an einen Gott, oder sagen es wenigstens, wenn sie von -Christen zudringlich befragt werden, auch haben sie dem Katholizismus -manche äusserliche Gebräuche aufs Gerathewohl entlehnt, die sie wie -Zauberformeln anwenden. - -Jagd und schwere Arbeit ist Sache des Mannes wie in den Philippinen -allgemein. Die fast allen rohen Völkern eigene, aber auch noch bei -manchen Nationen Europa's (namentlich Basken, Walachen, Portugiesen) -bestehende Sitte, die Frau als Lastthier zu nützen, scheint in den -Philippinen schon zur Zeit der spanischen Entdeckung verschollen -gewesen zu sein; auch bei den Wilden des Ysarog verrichten die Weiber -nur leichte Arbeit und werden gut behandelt. Jede Familie erhält -ihre Greise und Arbeitsunfähigen. -- Als herrschende Krankheiten -wurden mir angegeben Kopfweh und Fieber, als Heilmittel: braun -gerösteter Reis, der gestossen mit Wasser zu Brei angerührt, genossen -wird. Bei starkem Kopfweh macht sich der Leidende Einschnitte in die -Stirn. Rührt die Krankheit davon her, dass jemand erhitzt zu viel -Wasser trank, so trinkt er grosse Mengen warmen Wassers, hatte er -aber in solchem Zustande zu viel Kokoswasser getrunken, so trinkt er -warmes Kokoswasser. Ihre Muskelkraft ist gering; mehr als 50 Pfund -Gewicht vermögen sie nicht eine grössere Strecke weit zu tragen. - -Ausser Jagd und Feldbau beschränken sich ihre Gewerbe auf die -Anfertigung ziemlich roher Waffen, wozu sie das Eisen, falls solches -dazu erforderlich, von den Indiern kaufen, und auf die von den Frauen -verfertigten groben Gewebe und Flechtarbeiten. Jeder Familienvater -ist Herrscher in seinem Hause und erkennt über sich keine höhere -Gewalt an. In Fällen von Krieg mit benachbarten Stämmen, oder bei den -Raubzügen der Steuerbeamten, stellt sich der Tapferste an die Spitze, -die andern folgen ihm, so lange sie eben mögen; Wahl eines Anführers -findet nicht statt. - -Sie sind meist friedliebend und ehrlich unter einander; doch stehlen -die Faulen zuweilen Feldfrüchte. Wird der Dieb ertappt, so straft -ihn der Bestohlene mit Rotangschlägen, ohne Rache dafür fürchten -zu müssen. Stirbt jemand, so ziehn die nächsten Verwandten aus, um -den Tod durch den Tod irgend eines Andern zu vergelten. Für einen -gestorbenen Mann soll eigentlich ein Mann, für eine Frau eine Frau, -für ein Kind ein Kind erschlagen werden, man pflegt aber das erste -sich zufällig darbietende Opfer zu tödten, ausser wenn es ein Freund -ist. In neuer Zeit soll dieser Brauch immer mehr in Verfall kommen, -da es Männern von einigem Ansehn häufiger als früher gelingt, den -Todesfall als ein unvermeidliches Geschick darzustellen, in welchem -Falle die Verwandten ihn nicht zu sühnen brauchen. Es gelingt dies -namentlich, wenn der Verstorbene eine gleichgültige Person war, stirbt -aber ein geliebtes Kind oder Weib, so wird gewöhnlich auch jetzt noch -Rache dafür genommen. Tödtet ein Mann eine Frau aus einem andern Hause, -so sucht der nächste Verwandte der Erschlagenen eine Frau aus dem Hause -des Mörders zu tödten; dem Mörder thut er nichts. Der Leichnam des als -Todtenopfer Erschlagenen wird nicht verscharrt, auch wird ihm nicht -der Kopf abgeschnitten. Die Familie des Erschlagenen sucht den Tod -am Mörder zu rächen; dies ist das ehrenvollste; ist der Mörder aber -zu stark, so wird zur Vergeltung irgend ein Schwächerer erschlagen, -daher vielleicht die geringe Verhältnisszahl der Frauen. - -Vielweiberei ist gestattet, aber selbst die Tapfersten und -Geschicktesten haben fast nie mehr als eine Frau. Ein junger Mann, -der heirathen will, beauftragt seinen Vater mit dem Vater der -Braut den Preis zu verabreden, der in neuer Zeit sehr gestiegen -ist (durchschnittlich 10 Waldmesser zu 4 bis 6 r. und 10 bis -12 Doll. baar). Um eine so hohe Summe durch Verkauf von Wachs, -Harz und Abacá zu beschaffen, braucht der Bräutigam oft zwei -Jahre. Das Brautgeld geht theils an den Vater, theils an die nächsten -Verwandten. Jeder der Letzteren erhält einen gleichen Antheil. Sind -ihrer Viele, so bleibt fast nichts für den Vater übrig, der einen -grossen Schmaus zu geben hat, bei welcher Gelegenheit viel Palmenwein -getrunken wird. - -Ein Mann, der gegen ein Mädchen Gewalt braucht, wird von deren Eltern -getödtet. Ist ihm das Mädchen zu Willen gewesen und der Vater erfährt -es, so verabredet er mit jenem einen Tag, an welchem er den Brautschatz -bringen soll; weigert er sich, so wird er von den Verwandten gefangen, -an einen Baum gebunden und mit Rohr gepeitscht. Ehebruch findet -fast nie statt; kommt er dennoch vor, so muss entweder die Frau -den Brautschatz zurückerstatten, wodurch sie frei wird, oder der -Verführer, dem die Frau dann folgt. Der Ehemann hat nicht das Recht, -sie zurückzuhalten, wenn er das Geld annimmt, wohl aber, wenn er -dasselbe ausschlägt. Der letzte Fall soll aber nie vorkommen, da sich -der Mann für dasselbe Geld eine neue Frau kaufen könne. - -Nachmittags erreichten wir, 973 Meter über Uacloy, etwa 1134m -Meereshöhe, eine grosse Schlucht »Basira« zwischen hohen, steilen, -bewaldeten Wänden, sie streicht SO. -- NW., ihre Sohle hat 33° Neigung, -besteht aus einer nackten Felsbank und veranlasst nach jedem heftigen -Regen einen Wasserfall, da sie schroff abbricht. Hier wurde biwuakirt; -die Ygorroten bauten in der kürzesten Zeit eine Hütte und waren -ausgelassen munter. Bei Tagesanbruch zeigte das Thermometer 13,9° R. - -Der Weg zum Gipfel ist sehr beschwerlich wegen des schlüpfrigen -Thonbodens und des zähen Pflanzengewirres, die letzten 500 Fuss -aber sind unerwartet bequem, denn die sehr steile Spitze ist mit -einem überaus dichten Wuchs von blätterarmen, knorrigen, bemoosten -Thibaudien, Rhododendren und andrem Krüppelholz bestanden, deren -zahlreiche starke Aeste in geringer Höhe über dem Boden und ihm -parallel verlaufend, ein enges sicheres Gitterwerk bilden, auf dem -man, wie auf einer schwach geneigten Leiter emporsteigt. Die Spitze, -die wir erreichten, ist der auf der Zeichnung sichtbare höchste Zacken -der hufeisenförmigen Bergwand, welche die grosse Schlucht von Rungus -im Norden begrenzt. Die Kuppe hat wohl kaum 50 Schritt Durchmesser, -sie ist so dicht mit Bäumen bestanden wie ich ähnliches nie gesehn: -wir hatten nicht Raum zum Stehn. Meine rüstigen Gastfreunde gingen -aber, obgleich ihnen die Arbeit einen Pfad durch den Wald zu schlagen, -grosse Mühe verursacht hatte, sogleich an's Werk, kappten Aeste und -baueten daraus auf den Wipfeln der abgestutzten Bäume eine Warte, von -wo aus ich eine weite Rundsicht und Gelegenheit zu Peilungen gehabt -haben würde, wäre nicht alles in dichten Nebel gehüllt gewesen. Nur -auf Augenblicke erschienen die nächsten Vulkane, die Bucht von -S. Miguel und einige Binnenseen. Gleich nach Sonnenuntergang zeigte -das Thermometer 12°5 R. - -Auch am folgenden Morgen blieb es trübe, und als gegen 10 Uhr -die Wolken immer dichter wurden, traten wir den Rückweg an. Ich -wollte die Nacht in einem Rancho zubringen, um am nächsten Tage eine -Solfatara zu besuchen, die eine Tagereise weiter gelegen sein soll; -meine Begleiter waren aber von den Strapazen so angegriffen, dass -sie wenigstens einige Tage Rast verlangten. - -Ausser Calamus bemerkte ich keine Palmen auf dem oberen Abhange, -Baumfarne sehr häufig, und eine ausserordentliche Fülle von -Orchideen. An einer Stelle waren alle Bäume in bequemer Höhe mit -blühenden Aërides behangen, man hätte sie mühelos zu tausenden sammeln -können, die schönste Pflanze war eine Medinella, von so weichem Gewebe, -dass es nicht möglich war sie einzulegen. - -Eine Viertelstunde NO. von Uacloy sprudelt eine starke kohlensaure -Quelle (28° R.) aus dem Boden und setzt reichlich Kalksinter -ab. Brennende Fackeln verlöschten schnell, und ein mit einer -Zigarrenkiste zugedecktes Huhn starb in wenigen Minuten, beides zum -grössten Erstaunen der Ygorroten, denen diese Erscheinungen bisher -unbekannt geblieben waren. - -Meine armen Gastfreunde, die mich nach Uacloy zurückbegleitet hatten, -fühlten sich auch noch am zweiten Rasttage so müde, dass sie zu -keiner Unternehmung tauglich waren. Mit nacktem Kopf und Oberleib -hockten sie sich in die glühende Sonne, um dem Körper die Wärme -wieder zuzuführen, die er durch das Biwuak auf dem Gipfel verloren -hatte; Wein aber mochten sie nicht trinken. Als ich sie endlich am -nächsten Tage verliess, waren wir so gute Freunde geworden, dass man -mir ein gezähmtes Wildschwein zum Geschenk aufnöthigen wollte. Ein -Trupp Männer und Frauen begleiteten mich, bis sie die Dächer von -Maguíring schimmern sahen, worauf sie nach herzlichem Abschiede in -ihre Wälder zurückkehrten. - -Die aus Goa mitgenommenen Indier hatten sich bei der Expedition so -faul und mürrisch gezeigt, dass fast die ganze Arbeit einen Pfad -durch den Wald zu schlagen, den Ygorroten zugefallen war; selbst das -Trinkwasser hatten die indischen Träger aus Faulheit fortgeschüttet, -die Ygorroten mussten für unser Biwuak auf dem Gipfel aus ziemlicher -Entfernung frisches holen. Bei allen beschwerlichen Märschen bin ich -immer besser mit Cimarronen, als mit Indiern ausgekommen. Jene fand ich -gefällig, zuverlässig, thätig, ortskundig, während diese gewöhnlich -die entgegengesetzten Eigenschaften zeigten. Es wäre aber ungerecht -daraus auf das beiderseitige Wesen schliessen zu wollen; denn die -Wilden sind im Walde zu Hause, was sie thun, geschieht freiwillig, der -Fremde wird, wenn er ihr Vertrauen besitzt, als Gast behandelt. Die -Indier aber sind gezwungene Begleiter, Polistas, die selbst wenn -man ihnen höheren Tagelohn giebt, von ihrem Standpunkte aus ganz -richtig handeln, wenn sie so wenig als möglich thun. Es ist für sie -durchaus kein Vergnügen, ihr Dorf zu verlassen, um als Gepäckträger -oder Wegbahner anstrengende Märsche in unwegsame Gebiete zu machen, -und unter Entbehrungen im Freien zu kampiren. Für sie, mehr noch als -für den europäischen Bauer, ist Ruhe die angenehmste Erholung. Je -weniger Bequemlichkeit Jemand zu Haus geniesst, um so schwerer -verzichtet er darauf. In Europa kann man dieselbe Beobachtung machen. - -Da die Ygorroten, um nicht das Monopol der Hacienda zu beeinträchtigen, -keine Kokospalmen zur Bereitung von Wein, Essig und Branntwein -haben durften, so überreichten sie mir eine Bittschrift, damit -ich ihnen diese Gunst erwirken möchte. Das Dokument ist von einem -indischen Schreiber so drollig konfus verfasst, dass ich es als Probe -philippinischen Kanzleistils mittheile [182]: Es hatte übrigens den -besten Erfolg, da den Bittstellern doppelt so viel bewilligt wurde -als sie erbaten. - -Der SW. Monsun dauert in dieser Gegend (Gebiet von Goa) von April -bis Oktober. Der April ist sehr windstill (navegacion de señoras) am -beständigsten sind die SW.-Winde von Juni bis August, am trockensten -März, April, Mai. Der NO.-Monsun herrscht von Oktober bis Ende -Februar. März und Anfang April Wechselwinde, Oktober bis Dezember -ist die Zeit der Stürme: »San Francisco (4. Okt.) bringt schlechtes -Wetter«. Der Reis wird im September gepflanzt, im Februar geerntet. - - - - - - - - -ACHTZEHNTES KAPITEL - - ERSTEIGUNG DES YRIGA UND DES MAZARAGA. -- SEE- UND - STRASSENRÄUBER. -- WASSERPFLANZEN VON BERLIN NACH DEN - PHILIPPINEN. -- MEIN DIENER PEPE. - - -Vom Ysaróg kehrte ich über Naga und Nábua zum Yriga zurück, den es -mir endlich zu ersteigen gelang. - -Der Häuptling der Montesinos hatte täglich Rationen für zweiundzwanzig -Mann erhalten, mit denen er angeblich einen Weg zum Gipfel bahnte. Als -er aber am Abend des dritten Tages selbst nach Yriga kam, um neue -Vorräthe zu holen, da die Arbeit noch einige Zeit erfordere, erklärte -ich, dass ich am folgenden Morgen versuchen würde den Berg zu besteigen -und forderte ihn zum Führen auf. Er willigte ein, verschwand aber -Nachts sammt seinem Begleiter, da die Indier im Tribunal sich das -Vergnügen gemacht hatten, ihnen schwere Strafen in Aussicht zu stellen -falls die Leistung nicht den Arbeitstagen entspräche. Nach vergeblichem -Bemühn um einen andern Führer, verliessen wir Buhi Nachmittags, und -übernachteten im Rancho, wo man uns früher so freundlich aufgenommen -hatte. Die Feuer brannten noch, aber die Bewohner waren bei unserer -Annäherung geflüchtet. Am folgenden Morgen um 6 Uhr begann die -Besteigung. Nachdem wir mit Benutzung der früher von uns gebahnten -Pfade den Wald durchschritten, ging es durch 3 bis 4 Fuss hohes Gras -mit scharfschneidenden Blättern, dann folgte 7 bis 8' hohes Rohr, -vom Habitus unseres Arundo phragmites (es stand aber nicht in Blüthe), -das den ganzen oberen Theil des Berges bis zum Rande einnimmt; nur in -den Schluchten reichten die Bäume hoch hinauf. In den untern Gehängen -waren sie mit Aroideen und Farnen, gegen den Gipfel zu mit Flechten -und Moosen bedeckt. Ich fand hier eine schöne neue eigenthümlich -gestaltete Orchidee. [183] Die Cimarronen hatten etwas Rohr umgehauen, -weiter bahnten wir uns mit Waldmessern den Weg und erreichten schon -um 10 Uhr die Spitze. Es war sehr trübe. Auf einen klaren Abend -oder Morgen hoffend, liess ich eine Hütte bauen, wozu das Rohr sehr -geeignet war. Für sich selbst ein Obdach zu errichten und Brennholz zum -Wachtfeuer herbeizuschaffen, waren die Indier zu faul. Sie kauerten, -um sich zu erwärmen, dicht an einander gedrückt auf dem Boden, assen -kalten Reis und dursteten dazu, da keiner Wasser holen wollte. Von -zwei Wasserträgern, die ich mitgenommen, hatte der Eine sein Wasser -unterwegs »aus Versehn« verschüttet, der Andre es unten ausgegossen, -»weil er geglaubt, dass wir es nicht brauchen würden«. - -Ich fand die höchste Spitze des Yriga 1212 Meter, 1120 Meter über -dem Spiegel des Buhi-See's. Von Buhi ging ich nach Bátu. - -Der Batu-See (111 Meter Meereshöhe) war seit meinem letzten Besuch -im Februar noch tiefer gesunken, der Algenteppich hatte an Breite -beträchtlich zugenommen, sein oberer Rand war an vielen Stellen -zerfetzt, der untere ging allmälig in einen dicken Wulst faulender -Wasserpflanzen über (Charen, Algen, Pontederien, Valisnerien, Pistien -u. s. w.), der den Wasserspiegel ringsum einfasste und nur durch -einzelne Lücken an das Ufer zu gelangen gestattete. Queer vor der -Mündung des Quinali in den See lag eine Barre von schwarzem Moder, in -welcher einige schmale Wasserrinnen die weichsten Stellen anzeigten. Da -wir mit einem grösseren Boote nicht über die Barre gelangen konnten, -so wurden zwei kleine schmale Nachen durch einen Bambusrost verbunden, -und mit einem Sonnendach versehn. Vermittelst dieser Vorrichtung, -die von 3 kräftigen Büffeln gezogen wurde, während die Mannschaft mit -sichtlichem Behagen und lautem Jubel knietief im schwarzen Schlamm -watend, schieben half, gelangten wir, wie auf einem Schlitten über -das Hinderniss in den Fluss, der bei meinem ersten Besuch an vielen -Stellen die Felder überfluthete, so dass die Hütten der Eingeborenen -wie Schiffe aus dem Wasser ragten und jetzt (im Juni) nicht einmal -sein Bett ausfüllte. Wir mussten daher die Schlittenfahrt bis dicht -vor Quinali fortsetzen. - -In Ligáo stieg ich bei einem befreundeten Spanier ab, da seit meinem -letzten Besuch ein grosser Theil der Ortschaft sammt Tribunal und -Convento abgebrannt war. Nachdem die nöthigen Vorbereitungen getroffen, -ging ich Abends nach Barayong, einem kleinen Cimarronen-Rancho, am -Fuss des Mazarága, mit dessen Insassen ich am folgenden Morgen den -Berg bestieg. Auch die Frauen begleiteten uns eine gute Strecke und -erhielten die Gesellschaft in munterer Laune. Unterwegs wurde einem -zu dem Zweck mitgenommenen Indier eine Bambuse voll Wasser zum Tragen -übergeben, er warf sie fort, und lief davon, eine Alte trat für ihn -ein und schleppte das Wasser unverdrossen bis auf den Gipfel. Dieser -Berg war feuchter, als alle die ich je bestiegen, den Semeru in -Java etwa ausgenommen. Auf halbem Wege fand ich einige angefaulte -Rafflesien. [184] Zwei elend aussehende Cimarronenhunde jagten -uns einen jungen Hirsch zu, den einer der Leute durch einen Schlag -mit dem Waldmesser erlegte. Im Drittel der Höhe hörte der Pfad auf, -doch war es nicht schwierig durch den Wald zu gelangen, der mit Rohr -dicht bewachsene obere Theil des Berges verursachte wiederum grosse -Schwierigkeiten. Gegen zwölf erreichten wir die Gipfelplatte, die von -keinem Krater durchbohrt, flach gewölbt, fast horizontal, und dicht mit -Rohr bestanden ist. Ihre Höhe ergab sich = 1354 Meter. In kurzer Zeit -bauten die unermüdlichen Cimarronen eine schöne grosse Rohrhütte: ein -Zimmer für mich und das Gepäck, einen grossen Vorsaal für die Leute, -ein besonderes Haus für die Küche. Leider war das Rohr so nass, dass -es nicht brannte. Um etwas Brennholz zum Reiskochen zu haben, wurden -dicke Aeste aus dem Walde geholt, und ihr verhältnissmässig trockner -Kern mühsam herausgeschält. Die Schwefelhölzer waren so feucht, dass -der Phosphor sich beim Reiben ablöste; auf Löschpapier gesammelt, -mit dem geschwefeltem Ende des Zündholzes geknetet, ward er trocken, -und entzündete sich durch die Reibung. Von anstehendem festem Gestein -war nicht eine Spur zu sehn. Alles, von da ab wo der Pfad aufhörte, -war dicht bewachsen, der Boden mit einer hohen Schicht feuchter -Walderde bedeckt. Der folgende Morgen war hell und gestattete eine -weite Rundsicht, aber noch ehe ich sie fertig gezeichnet, ward es -wieder trübe, und als nach mehrstündigem Warten der Himmel sich mit -dichten Regenwolken bezog, traten wir den Rückweg an. - -Auf dem Gipfel schwärmten viele Schmetterlinge umher. Wir konnten -aber nur wenige fangen, da das Gehn zwischen den hohen Rohrstoppeln -für nackte Füsse sehr beschwerlich war: von zwei Paar, aus Manila -bezogenen neuen Schuhen hatten sich, noch ehe ich die Spitze erreichte, -die nur leicht angehefteten Sohlen abgelöst, so dass ich den Weg nach -Ligao barfuss zurücklegen musste. - -Am folgenden Tage ging mein spanischer Gastfreund zweimal nach dem -Tribunal, um mir die zur Beförderung meiner Sammlungen nöthigen -Büffelkarren zu verschaffen. Seine höflichen Bitten blieben ohne -Erfolg; dem Befehl des Cura, der den Gobernadorcillo zu sich in's -Haus beschied, wurde sogleich gehorcht. Für spanische Privatleute -haben die einheimischen Behörden in der Regel wenig Rücksichten, -sie begegnen ihnen nicht selten mit deutlicher Geringschätzung. Eine -amtliche Empfehlung des Alkalden ist gewöhnlich wirksam, aber nicht -in allen Provinzen, denn manche Alkalden schaden ihrem Ansehn, indem -sie zur Förderung ihrer persönlichen Interessen die Mithülfe oder -Verschwiegenheit der einheimischen Behörden in Anspruch nehmen. - -Ich schoss hier einige Paníkes, grosse Fledermäuse, mit Flügeln -von fast fünf Fuss Spannweite, die im Tagesschlaf an den Aesten -eines Baumes hingen (s. Reisesk. S. 216), darunter zwei Mütter -mit unversehrten säugenden Jungen. Es sah rührend aus, wie sich -die Thierchen fester und fester an den Körper der sterbenden Alten -klammerten und auch noch nach erfolgtem Tode sie zärtlich zu herzen -schienen; der anscheinenden Innigkeit lag aber nur Selbstsucht -zu Grunde, denn als ihr Milchvorrath erschöpft, wurden die Alten -rücksichtslos, wie leere Schläuche behandelt. Sobald die Jungen -abgenommen wurden, frassen sie Bananen und lebten mehrere Tage lang -bis ich sie in Spiritus steckte. - -Früh Morgens ritt ich auf dem Gaule des Pfarrers nach Legaspi, und -Abends durch tiefen Schlamm zum Alkalden nach Albay. Wir befanden uns -jetzt (Juni) mitten in der sogenannten trocknen Jahreszeit, es regnet -aber fast täglich. Der Weg zwischen Albay und Legaspi war schlechter -als je. Während meines Besuches ging vom Kommandanten der Falúas an -der Südküste die Meldung ein, dass er zwei Seeräuberboote verfolgte -als plötzlich sechs andre erschienen, um ihm den Rückweg abzuschneiden, -weshalb er schleunig umkehrte. Die Falúas sind zwar stark bemannt, und -mit Kanonen versehn, aber die von den Ortschaften der Küste gestellte -Mannschaft ist gänzlich ungeübt im Gebrauch der Feuerwaffen, und hat -solche Furcht vor den Moros, dass sie, wenn nur die geringste Hoffnung -zur Flucht vorhanden, mit allen Kräften das Land zu erreichen sucht -um davon zu laufen. Die Küstenorte, ohne andre Waffen als hölzerne -Piken, waren den Seeräubern völlig preisgegeben, die in Catanduánes, -Biri, und mehreren kleinen Inseln festen Stand gefasst hatten und -ungestraft Schiffe kaperten oder am Lande Menschen raubten. Fast -täglich wurden neue Räubereien und Mordthaten aus den Stranddörfern -gemeldet. Die während des Raubzuges zum Rudern verwendeten Gefangenen -werden schliesslich als Sklaven verkauft. Bei der Theilung sollen -je zwei dem Dato, der die Schiffe ausgerüstet, einer der Mannschaft -zufallen. [185] Zwar sind die Küstenfahrer in diesen Gewässern -grösstentheils mit Geschützen versehn, doch liegen diese gewöhnlich -im Schiffsraum, da Niemand an Bord damit umzugehn weiss. Sind die -Kanonen auf Deck befestigt, so fehlen die Kugeln oder das Pulver, aber -der Kapitän verspricht es das nächste Mal besser einzurichten. [186] -Der Alkalde berichtete die Thaten der Seeräuber mit jeder Post nach -Manila, wies auf die grossen dem Handel zugefügten Verluste, und auf -die Pflicht der Regierung ihre Unterthanen zu schützen, um so mehr, als -diesen keine Feuerwaffen gestattet sind. [187] Von den Bisaya-Inseln -ertönten dieselben Hülferufe. Die Regierung war aber machtlos gegen das -Uebel. Wurden die Klagen gar zu laut, so sandte sie in die am meisten -heimgesuchten Gewässer ein Dampfboot, das fast nie einen Seeräuber zu -sehn bekam, obgleich diese dicht vor und hinter ihm ihr Wesen trieben. - -In der Hauptstadt Samars traf ich später einen Regierungsdampfer, -der seit vierzehn Tagen vergeblich gegen Piraten kreuzte; denn -diese, gewöhnlich schon durch ihre Spione gewarnt, sehn den -Rauch des Dampfbootes früh genug, um mit ihren flachen Kähnen zu -entschlüpfen. Die Offiziere wussten von vornherein, dass ihre Fahrt -schwerlich andern Erfolg haben würde, als den geschädigten Provinzen -zu zeigen, dass ihr Nothschrei nicht unbeachtet blieb. [188] - -Es waren indessen damals schon 20 kleine Dampfkanonenboote von geringem -Tiefgang in England bestellt und ihrer Vollendung nahe, sie wurden in -Stücken um das Kap transportirt, die ersten beiden trafen bald darauf -in Manila ein, die übrigen folgten, und es gelang ihnen den Archipel -auf einige Zeit von dieser schweren Plage fast zu befreien [189], -wenigstens von den ächten Moros, die jährlich aus der Solosee meist -von der Insel Tavi-tavi kamen, im Mai nach den Bisayas gelangten, -und dann ihre Raubzüge im Archipel fortsetzten, bis der Wechsel -des Monsun im Oktober oder November sie zur Rückkehr zwang. [190] -In den Philippinen erhielten sie neuen Zuwachs durch Vagabunden, -Desertöre, entlassene Sträflinge, ruinirte Spieler. Aus denselben -Elementen werden auch die Banden von Strassenräubern (Tulisánes) -gespeist, die zuweilen sehr zahlreich auftreten und Streiche von -ausserordentlicher Keckheit ausführen. Nicht lange vor meiner Ankunft -waren sie in eine Vorstadt Manila's eingefallen und hatten in den -Strassen mit dem Militär gekämpft. Ein Theil des letzteren pflegt -regelmässig durch den Dienst gegen Tulisanes in Anspruch genommen zu -werden. Die Räuber sollen in der Regel gegen ihre Opfer nicht grausam -sein, wenn kein Widerstand geleistet wird. [191] - -In Legaspi fand ich mehrere Kisten mit Blechfuttern, die mit -der Ueberlandpost nach 16 Monaten, statt nach 7 Wochen, für mich -angekommen waren, da sie von Berlin über Triest versandt, wegen des -italienischen Krieges dort liegen geblieben. Ihr fast ausschliesslich -zum Gebrauch in den Philippinen bestimmter Inhalt war mir jetzt -zum grössten Theil überflüssig. In einer Kiste befanden sich zwei -mit Glasstöpseln verschlossene Fläschchen, die eine mit feuchtem -Kohlenpulver, die andre mit feuchtem Lehm gefüllt, beide enthielten -Samen von Victoria regia und Knollen rother und blauer Nymphäen. Die -in der ersten Flasche waren verdorben -- wie sich erwarten liess; -aber in der mit feuchtem Lehm gefüllten hatten zwei Knollen 1/2 Zoll -lange Keime getrieben und sahen ganz gesund aus. Ich pflanzte sie -sogleich; in einigen Tagen entwickelten sie kräftige Blätter. Eine -dieser schönen, ursprünglich für den Buitenzorger Garten in Java -bestimmten Pflanzen blieb in Legaspi, die andre sandte ich nach -Manila, wo ich sie später in voller Blüthe wieder sah. Im Kohlenpulver -hatten zwei Victoriakerne über einen Zoll lange Wurzeln gemacht, -die aber abgefault, vielleicht auch bei der Zollrevision abgerissen -und dann gefault waren, denn der Hals des Fläschchens war zerbrochen; -das Kohlenpulver sah aus als wäre darin gerührt worden. Ich theilte dem -Inspektor des Berliner botanischen Gartens den glänzenden Erfolg seiner -Verpackungsart mit; er machte eine zweite Sendung direkt nach Java, -die im besten Zustande ankam, so dass nicht nur die Victoria, sondern -auch die von einem afrikanischen Vater und einer asiatischen Mutter -in Berlin erzeugten rothen Teichrosen jetzt die Wasserbecken Java's -(letztere Pflanzen vielleicht auch die der Philippinen) schmücken. - -Wegen der anhaltenden Regen benutzte ich zwei Backöfen, um meine -Sammlungen vor dem Einpacken zu trocknen. Mein Diener verbrannte den -grössten Theil, so dass der Rest in einer geräumigen Kiste Platz fand, -die ich für einen Dollar erstand. Leider fehlte der Deckel. Um diesen -zu beschaffen, musste ich zuerst einen Zimmermann, der wegen einer -kleinen Schuld gefangen sass, frei machen, dann Vorschuss geben, um ein -Brett zu kaufen und Vorschuss um das versetzte Handwerkzeug auszulösen; -die endlich begonnene Arbeit wurde mehrere Male unterbrochen, weil -ältere Vorschüsse ungestümer Gläubiger durch Arbeit getilgt werden -mussten. Nach fünf Tagen war der Deckel fertig; er kostete drei Dollar, -hielt aber nicht lange, denn schon in Manila musste er durch einen -neuen ersetzt werden. - -In Legaspi fand ich Gelegenheit einen kleinen Schoner nach der Insel -Samar zu benutzen, die SO. von Luzon, jenseits der 3 Leguas breiten -S. Bernardino-Strasse liegt. Im Augenblick der Abreise verliess mich -mein Diener »um ein wenig von den Strapazen auszuruhn« -- zu meinem -grossen Bedauern, -- denn Pepe war gutmüthig, sehr anstellig und immer -guter Laune. Er hatte in seinem Geburtsorte Cavite, wo viele spanische -Soldaten und Seeleute leben, diesen manches abgesehn, und wurde -scherzweis Español de Cavite genannt. Das Herumstreichen von einer -Ortschaft zur andern gefiel ihm sehr, er machte schnell Bekanntschaft, -und wusste sich bei den Frauen beliebt zu machen; denn er besass viele -gesellige Talente, verstand auch Guitarre zu spielen und Büffelkühe -zu melken. Kamen wir in ein Pueblo, wo eine Mestizin oder gar eine -»Landestochter« (Kreolin) wohnte, so requirirte er, wenn es anging, -sogleich eine milchende Büffelkuh, molk sie, brachte der Señora einen -Theil der Milch und hielt, unter dem Vorgeben der Dolmetscher meiner -Gesinnungen zu sein, eine so höfliche wohlgesetzte Rede, pries die -Schönheit und Anmuth der Dame und liess sich mit demüthigster Miene -so ungeheuerliche Reiseabenteuer abfragen, dass Ritter und Knappe -in hellem Glanze strahlten. Das Geschenk war immer willkommen, (und -brachte uns manch Körbchen Orangen ein); denn Büffelmilch ist zur -Chocolade sehr beliebt, es kommt aber, wie es scheint, nur selten -jemand auf den Einfall eine Kuh zu melken. Leider mochte Pepe nicht -Berge steigen, und bekam Bauchweh, wenn er mich begleiten sollte, -oder er verschenkte meine starken Schuhe oder liess sie stehlen; die -einheimischen aber blieben unangetastet; denn er wusste wohl, dass -sie fast nur zum Reiten taugen, woran auch er Freude hatte. In meiner -Gesellschaft arbeitete er schnell und gern, aber allein langweilte -es ihn, er fand überall Freunde, die ihn abhielten; dann liess er bei -dem Abbalgen der Vögel das Fleisch in den Beinen sitzen, so dass sie -verfaulten und fortgeworfen werden mussten. Noch unangenehmer war ihm -das Packen, darum that er es so schnell als möglich, doch nicht immer -mit genügender Sorgfalt, wie einmal, wo er Schuhe, Arsenikseife, -Zeichnungen und Chocolade in ein Tuch zusammenband. Trotz solcher -kleinen Mängel war er mir sehr nützlich und angenehm. Nach einer so -unzivilisirten Insel, wie Samar, ging er aber nicht gern, und als er -gar seinen Lohn für acht Monate auf einmal erhielt, und plötzlich ein -kleiner Kapitalist war, konnte er der Versuchung nicht widerstehn, -ein wenig von den Strapazen auszuruhn. - - - - - - - - -NEUNZEHNTES KAPITEL - - REISEN IN SAMAR. -- WETTER. -- BEAMTENWAHL. -- NORDKÜSTE. -- - CATBALOGAN. -- FLATTERMAKIS. -- SCHLANGENBÄNDIGER. -- - TERTIÄRVERSTEINERUNGEN. -- STROMSCHNELLEN DES LOQUILOCUN. -- - GESPENSTERTHIER. - - -Die Insel Sámar, von beinahe rhombischem Umriss, mit wenig ausgezackten -Rändern, erstreckt sich NW.--SO. von 12° 37' bis 10° 54' N., ist im -Mittel 22 M. lang und halb so breit; ihr Flächenraum beträgt über 220 -quadr. M. Im Süden wird sie durch die schmale San Juanico-Strasse -von der Insel Leyte getrennt, mit welcher sie früher zu einer Provinz -vereinigt war. Jetzt steht jede Insel unter einem besondern Guvernör. - -Von ältern Schriftstellern wird die Insel Tendaya, Ybabáo, auch Achan -und Philippina genannt, später hiess die östliche Seite Ybabáo, -die westliche Sámar, welches jetzt die amtliche Benennung für die -ganze Insel ist; das östliche Gestade wird als die Contracosta -unterschieden. [192] - -Der NO. Monsun überwiegt hier, wie an den Ostküsten Luzon's, an -Dauer und Stärke den SW.-Monsun, dessen Gewalt durch die südwestlich -liegenden Inseln gebrochen wird; während die NO. Winde mit ihrer ganzen -Kraft und der Wucht ihrer im grossen Ozean aufgesogenen Wassermasse -gegen die Küsten dieser östlichen Inseln anprallen. Im Oktober treten -zwischen NW. und NO. schwankende, vorherrschend nördliche Winde ein, -Mitte November wird der Nordost beständig und dauert, nur selten -von Nord unterbrochen, bis zum April. Dies ist auch die Regenzeit; -am nassesten sind Dezember und Januar, wo es zuweilen vierzehn Tage -ohne Unterbrechung regnen soll. An der Nordküste bei Láuang dauert die -Regenzeit von Oktober bis Ende Dezember. Januar bis April sind trocken; -Mai, Juni, Juli Regen; August, September trocken. Es giebt also dort -zwei nasse und zwei trockene Jahreszeiten. Von Oktober bis Januar -kommen zuweilen heftige Stürme vor (Baguios = Taifun); sie beginnen -gewöhnlich mit Nordwind, gehen nach Nordwest, von schwachem Regen -begleitet, dann zurück nach N., mit zunehmender Stärke nach NO. und -O., wo sie ihre grösste Gewalt erreichen, und dann mit schwachem -Winde nach Süden übergehen; zuweilen aber drehen sie schnell durch -Ost nach Süd und erlangen erst dort ihre grösste Kraft. - -Von Ende März bis Mitte Juni herrschen unbeständige östliche Winde -(NO. O. SO.) mit sehr hoher See an der Ostküste. Der Mai ist gewöhnlich -windstill. Im Mai und Juni häufige Gewitter, welche den SW.-Monsun -einleiten, der in den Monaten Juli, August, September zur Geltung -kommt, aber nie so beständig ist, wie der NO.. Die genannten drei -Monate bilden die trockene Jahreszeit, sie wird aber von häufigen -Gewittern unterbrochen. Es vergeht wohl keine Woche regenlos. In -manchen Jahren findet an jedem Nachmittage ein Gewitter statt. In -dieser Jahreszeit können Schiffe an der Ostküste anlegen; während -des NO.-Monsun ist Schifffahrt dort nicht möglich. Diese allgemeinen -Verhältnisse sind manchen örtlichen Abweichungen, namentlich an -der Süd- und Westküste unterworfen, wo die Regelmässigkeit der -Luftströmungen durch die davor liegenden, bergigen Inseln gestört -wird. Nach dem Estado geogr. 1855 S. 345 tritt alljährlich bei dem -Monsunwechsel, im September oder Oktober eine ausserordentlich -(unter Umständen 60 bis 70 Fuss) hohe Fluth ein, Dolo genannt, -die sich mit furchtbarer Gewalt gegen die Ost- und Südküste wirft, -grossen Schaden anrichtet, aber eine Gezeit nicht überdauert. Das -Klima von Samar und Leyte scheint an den Küsten sehr gesund zu sein -und zu den zuträglichsten des Archipels zu gehören. Ruhr, Durchfall -und Fieber kommen seltener vor als in Luzon; auch Europäer sollen -ihren Anfällen hier weniger ausgesetzt sein als dort. - -Samar ist fast nur an seinen Rändern von zivilisirten Indiern bewohnt, -und zwar von Bisayern, die durch Sprache und Sitten etwa in demselben -Grade von den Bicols verschieden sind, wie diese von den Tagalen. Im -Innern fehlen Strassen und Dörfer beinahe gänzlich; es ist mit dichtem -Walde bedeckt und dient unabhängigen Stämmen zum Aufenthalt, die etwas -Ackerbau treiben (Knollengewächse und Bergreis), und die Produkte des -Waldes sammeln, namentlich Harze, Honig und Wachs, woran die Insel -sehr reich ist. - -Am 3ten Juli verliesen wir Legáspi, schlichen, durch häufige -Windstillen aufgehalten, am Nordrande von Albáy bis zur Punta Montúfar, -dann an der kleinen Insel Viri vorbei, und erreichten Láuang erst -am 5ten Abends. Das Gebirge von Bácon (Pocdol bei Coello), das mir -auf früheren Reisen durch Nacht oder Nebel verborgen geblieben, -zeigte sich im Vorüberfahren deutlich als ein Kegelberg, daneben -ragte eine sehr schroffe tiefgefurchte Bergwand auf, anscheinend der -Rest eines Ringgebirges. Nachdem der Steuermann, ein alter, aus der -Gegend gebürtiger Indier, der die Reise schon oftmals gemacht, uns -zuerst nach einem falschen Hafen gefahren, setzte er das Schiff auf -der Barre fest, obgleich hinreichend Wasser vorhanden war, um bequem -in den Hafen einzulaufen. - -Die Ortschaft Láuang (Láhuan) von mehr als 4500 Einwohnern, liegt -zusammengedrängt auf dem 40 Fuss hohen Südwestrande der gleichnamigen -kleinen Insel, durch einen Arm des Catúbig von Sámar getrennt. Nach -einer verbreiteten Ueberlieferung lag der Ort früher auf Sámar -selbst, inmitten seiner noch heut dort vorhandenen Reisfelder, bis -wiederholte Ueberfälle von Seeräubern die Einwohner bewogen sich -trotz der damit verbundenen Unbequemlichkeiten zu ihrem Schutz auf -der Südkante der steil aus dem Meer emporsteigenden kleinen Insel -anzusiedeln. [193] Diese besteht aus fast horizontalen, 8 bis 12 Zoll -dicken Tuffbänken. Die an der Fluthgrenze von den Wellen fortwährend -benagten Schichten veranlassen die obern Bänke abzubrechen, so dass -die ziemlich gleich dicken, durch vertikale Sprünge zerklüfteten -Schichtenköpfe wie Festungsmauern erscheinen. Die Kirche und das -Convento haben des beschränkten Raumes wegen jeden flachen Absatz -des Felsens in verschiedenen Höhen benutzen, sich der Oertlichkeit -anbequemen müssen und sind daher, wohl ohne Absicht des Erbauers, -ganz malerisch geworden. - -Der Ort liegt hübsch, die Häuser sind aber nicht, wie sonst häufig, -von kleinen Gärten umgeben, es herrscht grosser Wassermangel und übler -Geruch. Zwei oder drei spärliche Quellen, fast im Meeresniveau, liefern -ein trübes, brackisches Wasser, mit dem die trägen Leute sich begnügen, -so lange es eben ausreicht. Wohlhabende lassen ihr Wasser von Samar -holen, wozu auch die Aermeren zuweilen durch das Versiegen der Quellen -gezwungen werden. Zum Baden reicht das Quellwasser nicht aus, Seebäder -sind nicht beliebt, die Leute sind daher sehr schmutzig. Ihre Kleidung -ist dieselbe wie in Luzon, die Frauen tragen aber keinen Tapis, sondern -nur Camisa (ein kurzes, die Brüste kaum deckendes Hemd) und Saya, meist -aus grober, störriger Guinara, die hässliche Falten bildet und wenn -nicht schwarz gefärbt, sehr durchscheinend ist. Schmutz und dezentes -Wesen schützen aber mehr als dichte Gewänder. Die Bewohner von Láuang -stehen wohl mit Recht in dem Ruf sehr träge zu sein. Ihr Gewerbfleiss -beschränkt sich fast auf etwas Landbau, selbst der Fischfang wird so -vernachlässigt, dass es häufig an Fischen mangelt. Eigene Schifffahrt -ist kaum vorhanden, obgleich es keine Landstrassen giebt. Der Handel -wird meist durch Schiffer aus Catbalógan betrieben, die den Ueberschuss -der Ernten gegen andere Erzeugnisse eintauschen. - -Vom Convento überblickt man einen Theil der Insel Samar, deren -Bergformen die Fortsetzung der flachen Schichtung anzeigen. In der -Mitte der Landschaft ragt in Entfernung einiger Meilen ein in der -Geschichte der Gegend berühmter Tafelberg hervor. Dorthin hatten sich -die Eingeborenen des nahen Dorfs Palápat, nachdem sie ihren Pfarrer, -einen zu lüsternen Jesuitenpater, ermordet, zurückgezogen und Jahre -lang mit den Spaniern Guerillakrieg geführt, bis sie endlich durch -Verrath überwältigt wurden. - -Das Innere der Insel ist schwierig zu bereisen, da keine Wege -vorhanden sind; die Küsten werden sehr von Seeräubern heimgesucht. In -den letzten vierzehn Tagen waren mehrere Pontins und vier mit Abacá -beladene Schoner gekapert, die Mannschaft zum Theil grausam ermordet, -ihre Leichname zerstückelt worden, -- eine Abweichung vom Brauch, -denn gewöhnlich werden die Gefangenen während der Dauer des Raubzuges -zum Rudern benutzt und später in den Inseln der Solosee als Sklaven -verkauft. Es war gut, dass wir den Piraten nicht begegnet, denn -obgleich wir vier kleine Kanonen an Bord führten, verstand Niemand -ihre Behandlung. [194] - -Der zur Leitung der Wahlen für die Gemeindeämter erwartete Guvernör -sandte, durch Krankheit verhindert, einen Stellvertreter. Da die Wahlen -alljährlich im ganzen Lande nach derselben Vorschrift vollzogen werden, -so mag diese, der ich beiwohnte, als Beispiel beschrieben werden: -Sie findet im Gemeindehaus statt; am Tisch sitzt der Guvernör (oder -sein Vertreter), ihm zur Rechten der Pfarrer, links der Schreiber, -der zugleich Dolmetscher ist. Sämmtliche Cabezas de Barangay, der -Gobernadorcíllo und die es früher gewesen, haben auf Bänken Platz -genommen. Es werden zuerst durch das Loos je 6 von den Cabézas, -und von den Gobernadorcillo's zu Wählern ernannt; der fungirende -Gobernadorcíllo ist der dreizehnte, die Uebrigen verlassen den -Saal. Nachdem der Vorsitzende die Statuten verlesen und die Wähler -zur gewissenhaften Erfüllung ihrer Pflicht ermahnt, treten diese -einzeln an den Tisch und schreiben drei Namen auf einen Zettel. Wer die -meisten Stimmen hat, wird, wenn weder Pfarrer noch Wähler begründeten -Einspruch erheben, sofort zum Gobernadorcíllo für das kommende Jahr -ernannt, vorbehaltlich der Bestätigung der Oberbehörde in Manila, -die wohl immer erfolgt, denn schon der Einfluss des Cura würde eine -missliebige Wahl verhindern. Auf dieselbe Weise findet die Wahl der -übrigen Beamten statt, nachdem zuvor der neue Gobernadorcillo in -den Saal gerufen, damit er etwaige triftige Einwendungen gegen seine -aus der Wahl hervorgehende künftige Beamten machen könne. Die ganze -Handlung ging mit grosser Ruhe und Würde vor sich. [195] - -Am folgenden Morgen fuhr ich in Gesellschaft des gefälligen Pfarrers, -dem sich fast alle Knaben des Dorfes anschlossen, in einem grossen Boot -nach Samar über. Von elf kräftigen Gepäckträgern, die der Vertreter des -Guvernörs für mich ausgewählt hatte, bemächtigten sich vier einiger -Kleinigkeiten und eilten damit voraus, drei andere verbargen sich im -Gebüsch, vier waren schon in Láuang davongelaufen. Das Gepäck wurde -auseinandergenommen, unter die zurückgeholten vier Träger und die zum -Vergnügen mitgegangenen kleinen Jungen vertheilt. Wir folgten dem -Seestrand in westlicher Richtung und erreichten sehr verspätet die -nächsten Visitas, wo es dem Cura nach vieler Mühe gelang, die fehlenden -Träger zu ersetzen. Westlich von der Mündung des Pambújan springt -eine Landzunge in's Meer, ein Lieblingsaufenthalt der Seeräuber, da -sie dort im Walde verborgen, den Strand übersehen können, der sich -zu beiden Seiten in weiten Bogen ausdehnt und die einzige Strasse -zwischen Láuang und Catárman bildet. Schon viele Menschen sind hier -geraubt worden und nur mit genauer Noth war der mich bis hierher -begleitende Pater vor einigen Wochen dieser Gefahr entgangen. - -Der letzte Theil der Tagereise verlief sehr munter. Ein vorausgesandter -Bote hatte an allen Flussmündungen Kähne stellen lassen; da man in -diesem Gebiet kaum andre Europäer kennt, als Geistliche, so wurde -ich in der Dunkelheit für einen Kapuziner im Reiseanzug gehalten, -die Männer leuchteten mir mit Fackeln bei der Ueberfahrt, die Frauen -drängten sich heran um mir die Hand zu küssen. Ich übernachtete -unterwegs und gelangte am folgenden Tage nach Catárman (Caladman auf -Coellos Karte), einem reinlichen, geräumigen Ort von 6358 Seelen, an -der Mündung des gleichnamigen Flusses. Sechs Pontins aus Catbalógan -lagen dort um Reis für Albáy zu laden. Die Bewohner der Nordküste -sind zu schlechte Seefahrer, um ihre Produkte selbst auszuführen; -sie überlassen es den Leuten aus Catbalógan, die, weil es ihnen an -Reisfeldern mangelt, gezwungen sind, ihre Thätigkeit auf anderen -Gebieten zu entfalten. - -Früher mündete der Fluss von Catárman weiter östlich und war sehr -verschlämmt. Im Jahre 1851 bahnte er sich in dem lockeren, aus -Quarzsand und Muscheltrümmern bestehenden Boden nach anhaltendem, -heftigen Regen einen neuen, kürzeren Ausgang zum Meer, den jetzigen -Hafen, in welchem Schiffe von 200 Tonnen unmittelbar am Lande laden -können, zerstörte aber dabei den grössten Theil des Dorfes, auch die -steinerne Kirche und Priesterwohnung. In dem neuen Convento sind zwei -Säle, der eine von 16,2×8,8, der andre von 9×7,6 Schritt Inhalt, -mit Brettern aus einem einzigen Ast eines Dipterocarpus (guiso) -gedielt. Den Schritt = 30 Zoll, die Dicke der Bretter mit Inbegriff -der Abfälle zu einem Zoll angenommen, entspricht dies einem festen -Holzblock, so hoch wie ein Tisch (2 1/2'), ebenso breit und 18' lang, -etwa 110 Cubikfuss. [196] Die Häuser sind von Gärten umgeben, zum Theil -auch nur von Einzäunungen, in denen Unkraut wuchert. Bei dem Neubau -des Dorfes nach der grossen Wasserfluth wurde die Anlage von Gärten -befohlen; es fehlt aber oft der Fleiss, sie zu erhalten. Südlich vom -Dorf dehnen sich Weideplätze aus, mit feinem kurzem Grase bewachsen, -doch ist mit Ausnahme einiger dem Cura gehörenden Rinder und Schafe, -kein Vieh vorhanden. - -Immer noch ohne Diener, fuhr ich mit meinem Gepäck in zwei kleinen -Kähnen den Fluss hinauf, an dessen beiden Seiten sich Reisfelder -und Kokoshaine ausbreiten, die aber, durch einen dichten Saum von -Nipapalmen und hohem Rohr verborgen, nur durch gelegentliche Lücken -sichtbar sind. Die zuerst flachen, sandigen Ufer werden allmälig -steiler, bald zeigt sich anstehendes Gestein, feste Bänke von -sandigem Thon, mit seltenen Spuren undeutlicher Versteinerungen. Eine -kleine Muschel [197] hat an der Wassergrenze so zahlreiche Löcher -in die Thonbänke gebohrt, dass diese wie Honigwaben aussehn. Um -12 kochten wir unsern Reis in einer einzeln stehenden Hütte bei -freundlichen Leuten. Die Frauen, die wir in zerlumpten, schwarzen -Guináragewändern überraschten, zogen sich beschämt zurück und -erschienen bald darauf in sauberen bunten Sayas, messingenen Ohrringen -und Schildkrötenkämmen. Als ich ein kleines nacktes Mädchen zeichnete, -nöthigte die Mutter sie ein Hemd anzuziehn. Um 2 bestiegen wir die -Boote wieder, ruderten die ganze Nacht und erreichten um 9 Vormittags -eine kleine Visita, Cobocóbo. Nach Abzug der zweistündigen Mittagsrast -hatten die Leute 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet und waren guter -Dinge, wenn auch etwas müde. - -Um 2 1/2 Uhr traten wir den Landweg über die Salta Sangley -(Chinesensprung) nach Tragbúcan an, welches in gerader Richtung etwa -eine Meile entfernt, an der Stelle liegt, wo der an der Westküste bei -Punta Hibáton mündende Calbáyot für Nachen schiffbar wird. Mittelst -dieser beiden Flüsse und des kurzen aber beschwerlichen Landwegs -besteht eine Verbindung zwischen den bedeutenden Ortschaften Catárman -an der Nordküste und Calbáyot an der Westküste. Der Landweg, im besten -Falle ein schmaler, von der Sonne nicht beschienener Pfad im dichten -Walde, oft nur eine Richtung, führt über schlüpfrige Thonrücken, -verschwindet in den Schlammpfützen der dazwischen liegenden Niederungen -und läuft zuweilen im Bett der Bäche hin. Die Wasserscheide zwischen -dem Catárman und Calbáyot wird von der genannten Salta Sangley, -einem flachen, aus Thon- und Sandsteinbänken bestehenden, nach -beiden Seiten treppenförmig absteigenden Rücken gebildet, von der -das oben angesammelte Wasser in kleinen Kaskaden herabfällt. An den -schwierigsten Stellen sind rohe Bambusleitern angebracht. Ich zählte 15 -Bäche auf der NO. Seite, die den Catárman speisen und etwa ebenso viele -Zuflüsse des Calbáyot auf der SW. Seite. Um 5 Uhr 40 Minuten erreichten -wir den höchsten Punkt der Salta Sangley (etwa 90' Meereshöhe). Um 6 -Uhr 30 Minuten einen Fluss, den oberen Lauf des Calbáyot, in dessen -Bett wir wanderten, bis die zunehmende Tiefe uns zwang, im Dunkeln -unsern Weg mühsam durch das Unterholz an seinem Rande zu bahnen; -um 8 Uhr befanden wir uns der Visita Tragbúcan gegenüber. - -Der Fluss war hier bereits 6 Fuss tief, ein Nachen nicht -vorhanden. Nach langem Rufen, Bitten und Drohen entschlossen sich -die durch einen Revolverschuss aus dem Schlafe geschreckten Leute ein -Bambusfloss zu bauen, auf dem sie uns und unser Gepäck übersetzten. Das -nur aus wenigen ärmlichen Hütten bestehende Oertchen liegt hübsch, -von bewaldeten Hügeln umgeben, auf einer Sandplatte 50 Fuss über dem -schilfbesäumten Fluss. - -Dank der Rührigkeit des mich begleitenden Teniente von Catárman war -in aller Frühe ein Boot herbeigeschafft worden, so dass wir um 7 -Uhr die Reise fortsetzen konnten. Die Ufer blieben 20 bis 40 Fuss -hoch. Ausgenommen das Schreien einiger Nashornvögel, die auf den -höchsten Bäumen von Ast zu Ast flatterten, nahmen wir keinen Laut, -keine Spur von Thierleben wahr. Um 11 1/2 Uhr gelangten wir an eine -kleine Visita, Taibágo, um 1 Uhr 35 Minuten an eine ähnliche, Magubáy, -und nach zweistündiger Mittagsrast, um 5 Uhr an eine Stromschnelle, die -wir geschickt, fast ohne Wasser zu schöpfen, hinabglitten. Der bisher -im Mittel 30 Fuss breite, wegen vieler hineingestürzter Baumstämme -schwierig zu befahrende Fluss wird hier doppelt so breit. Gegen 11 Uhr -Nachts erreichten wir das Meer und ruderten bei völliger Windstille -1 Legua weit die Küste entlang nach Calbáyot, dessen Convento eine -herrliche Aussicht auf die davorliegenden Inseln gewährt. - -Ein Gewittersturm zwang uns, die Fahrt nach der 7 Leguas entfernten -Hauptstadt Catbalógan (oder Catbalónga) auf den Nachmittag zu -verschieben. Wir fuhren in einem langen, aus einem Baumstamme -gezimmerten, mit Ausriggern versehenen Boote am Strande hin, an welchem -sich eine Reihe niedriger bewaldeter Hügel mit vielen kleinen Visitas -hinzieht, und umschifften mit einbrechender Dunkelheit die Spitze -Napalísan, einen Felsen aus trachytischem Konglomerat, der durch -senkrechte Klüfte mit abgerundeten Kanten in eine Reihe thurmartiger -Vorsprünge gegliedert, 60 Fuss hoch wie eine Ritterburg aus dem Meere -hervorragt. Nachts erreichten wir Catbalógan, die Hauptstadt der Insel -(6000 E.) in der Mitte des Westrandes gelegen, in einer kleinen von -Eilanden und Landzungen malerisch umgebenen Bucht, schwer zugänglich -und dennoch wenig geschützt. -- Nicht Ein Fahrzeug ankerte im Hafen. - -Die Häuser, darunter viele von Brettern, sind zierlicher als in -Camarínes, die Leute zwar träge, aber bescheidener, ehrlicher, -gutmüthiger und von reineren Sitten als die Bewohner Süd-Luzon's. Durch -die gefällige Verwendung des Guvernörs erhielt ich schnell eine -geräumige Wohnung und einen Diener, der Spanisch verstand. Auch traf -ich hier einen sehr intelligenten Indier, der sich grosse Fertigkeit in -den verschiedensten Handwerken angeeignet hatte. Mit dem einfachsten -Werkzeug besserte er manches an meinen Instrumenten und Apparaten, -deren Zweck er schnell begriff, zur vollständigen Zufriedenheit aus -und gab viele Proben bedeutender geistiger Fähigkeit. - -In Samar sind Flattermakis oder Lemure, Káguang der Bisayer, -Galeopithecus, nicht selten. Die Thiere, von der Grösse einer -Hauskatze, gehören zu den Vierhändern, sind aber, ähnlich wie die -fliegenden Eichhörnchen, mit einer am Halse entspringenden, über -Vorder-, Hinterglieder und Schwanz reichenden Flatterhaut versehn, -vermittelst welcher sie von einem Baum zum andern in einem sehr -stumpfen Winkel gleiten können. [198] Körper und Flatterhaut sind mit -einem sehr zarten kurzen Pelz bekleidet, der dem Chinchilla an Feinheit -und Weiche wohl kaum nachsteht, und deshalb sehr gesucht ist. Während -meiner Anwesenheit trafen zum Geschenk für den Pfarrer sechs lebende -Káguangs ein (drei hellgraue, ein dunkelbrauner, zwei graubraune, -alle mit kleinen weissen unregelmässig vertheilten Flecken), von -denen ich ein Weibchen mit ihrem Jungen erhielt. - -Es schien ein harmloses ungeschicktes Thier. Als es von seinen -Fesseln befreit war, blieb es am Boden liegen, alle vier Glieder -von sich gestreckt, die Erde mit dem Bauch berührend und hüpfte dann -in kurzen schwerfälligen Sprüngen, ohne sich dabei emporzurichten, -nach der nächsten Wand, die aus gehobelten Brettern bestand. Dort -angekommen tastete es lange mit den einwärts gebogenen scharfen -Krallen seiner Vorderhände umher, bis ihm endlich die Unmöglichkeit -an jener Stelle emporzuklettern klar geworden. Gelang es ihm in -einer Ecke oder mit Benutzung einer gelegentlichen Spalte, einige -Fuss aufwärts zu klimmen, so fiel es alsbald wieder herab, weil es -die verhältnissmässig sichere Stellung seiner Hinterglieder aufgab, -bevor die Krallen der vorderen festen Halt gefunden hatten; es nahm -aber keinen Schaden, da die Jähheit des Falles durch die schnell -ausgespannte Flughaut gebrochen wurde. Diese mit unerschütterlicher -Beharrlichkeit fortgesetzten Versuche zeigten einen auffallenden -Mangel an Urtheil, das Thier muthete sich viel mehr zu, als es -ausführen konnte; daher blieben seine Bemühungen erfolglos, stets -aber fiel es ohne sich zu verletzen, Dank dem Fallschirm, womit die -Natur es ausgestattet hatte. Wäre der Káguang nicht gewöhnt sich so -ganz und gar auf diese bequeme Vorrichtung zu verlassen, so hätte -er wohl seinen Verstand mehr gebrauchen, seine Kräfte richtiger -beurtheilen gelernt. Das Thier hatte seine fruchtlosen Versuche so -oft wiederholt, dass ich es nicht weiter beachtete, -- nach einiger -Zeit war es verschwunden. Ich fand es in einem dunklen Winkel unter -dem Dache wieder, wo es wahrscheinlich die Nacht erwarten wollte, -um seine Flucht fortzusetzen. Offenbar war es ihm gelungen den -oberen Rand der Bretterwand zu erreichen und zwischen dieser und -der festaufliegenden elastischen Decke aus Bambusgeflecht seinen -Körper durchzuzwängen. Das arme Geschöpf, das ich voreilig für dumm -und ungeschickt gehalten, hatte unter den gegebenen Umständen die -grösstmögliche Geschicklichkeit, Klugheit und Beharrlichkeit gezeigt. - -Ein zum Besuch anwesender Padre aus Calbígan versprach mir so viele -Wunder in seinem Gebiet, -- eine Fülle der seltsamsten Thiere, höchst -unzivilisirte Cimarronen, -- dass ich ihn am folgenden Tage auf -seiner Heimreise begleitete. Eine Stunde nach der Abfahrt erreichten -wir die kleine Insel Majáva, die aus steil aufgerichteten Schichten -eines festen, feinkörnigen vulkanischen Tuffes mit kleinen glänzenden -Hornblendekrystallen besteht. Die Insel Buat (Coello's Karte) wird -von unsern Schiffern Tubígan genannt. In 3 Stunden gelangen wir -nach Umáuas, einem Filial von Calbígan. Es liegt 50 Fuss über dem -Meer in einer Bucht, vor welcher sich, wie so oft an dieser Küste, -eine Reihe kleiner malerischer Inseln hinzieht, 4 Leguas genau -S. von Catbalógan. Calbígan aber, das wir gegen Abend erreichten, -liegt von Reisfeldern umgeben 2 Leguas NNO. von Umáuas, 40 Fuss -hoch über dem gleichnamigen Fluss, fast anderthalb Leguas von dessen -Mündung. An den Ufern des Calbígan ist ein Baum mit schön violblauen -Blüthenrispen besonders häufig, er liefert das geschätzteste Bauholz -der Philippinen, das dem Teak gleichgeachtet und wie dieses zu -den Verbenaceen gehört. Sein inländischer Name ist Molave. (Vitex -geniculata Blanco.) [199] - -Nach der Versicherung glaubwürdiger Männer soll es in hiesiger Gegend -Schlangenbändiger geben. Sie pfeifen die Schlangen angeblich aus ihren -Schlupfwinkeln herbei, lassen sie nach ihrem Willen sich bewegen oder -innehalten und hantiren sie nach Belieben, ohne von ihnen verletzt -zu werden. Den berühmtesten derselben hatten aber die Seeräuber -vor Kurzem fortgeschleppt, ein zweiter war zu den Cimarronen in -die Berge entwichen, ein dritter, dessen Ruf nicht recht begründet -schien, begleitete mich bei meinen Ausflügen, entsprach aber nicht -den Schilderungen seiner Freunde. Zwei Giftschlangen [200], die -wir unterwegs trafen, fing er, indem er sie geschickt, unmittelbar -hinter dem Kopf packte, so dass sie wehrlos waren, und wenn er -ihnen still zu liegen befahl, so setzte er ihnen zuvor den Fuss -auf den Nacken. Ich verletzte mir auf der Jagd, an einem im Schlamm -verborgenen spitzen Ast, den Fuss so erheblich, dass ich unverrichteter -Sache nach Catbalógan zurückkehren musste. Die Bewohner von Calbígan -gelten für thätiger und umsichtiger als die übrigen der Westküste, -auch ihre Ehrlichkeit wird gerühmt. Ich fand sie sehr anstellig, -das Sammeln und Zubereiten von Pflanzen und Thieren schien ihnen -Freude zu machen, gern hätte ich einen Diener von hier mitgenommen; -sie trennen sich aber so schwer von ihrem Dorf, dass alle Bemühungen -des Pfarrers, einen zur Mitreise zu bewegen, erfolglos blieben. - -In geringer Entfernung NW. von Catbalógan gewahrt man bei Ebbe in -weniger als 2 Faden Tiefe einen der üppigsten Korallengärten. Auf -einem bunten Teppich von Kalkpolypen und Schwämmen erheben sich wie -Staudengewächse Gruppen von lederartigen, fingerdicken Stielen, deren -oberes Ende dicht mit Polypen besetzt ist (Sarcophyton pulmo Esp.), die -ihre in den schönsten Farben schillernden Tentakelrosen weit geöffnet -haben, so dass sie wie Blumen in voller Blüthe erscheinen. Sehr grosse -Serpeln strecken aus ihren Kalkröhren zierliche rothe, blaue und gelbe -Fühlerkronen heraus, dazwischen wuchern fein gefiederte Plumularien; -kleine Fische von wunderbar prächtigen Farben tummeln sich in diesen -Nixengärten. - -Nachdem Stürme und die Flucht meines Dieners, der das ihm anvertraute -Geld beim Hahnenkampf verspielt hatte, mich einige Tage in der -Hauptstadt aufgehalten, fuhr ich die Bucht hinauf, die sich im S. von -Catbalógan, WO. bis Paránas erstreckt. Der Nordrand derselben besteht -aus NS. streichenden, gleich hohen, regelmässigen, von W. sanft -ansteigenden, nach O. steil abfallenden Erdwogen, die gegen das Meer -scharf abschneiden; 9 kleine Dörfchen liegen an dieser Küste zwischen -Catbalógan und Paránas, sie ziehn sich unter Kokos- und Betelpalmen -in vereinzelten Häusergruppen von den Mulden aus die westlichen, -sanften Abhänge hinauf und endigen, indem sie den Gipfel erreichen, -mit einem kleinen Castillo, das schwerlich Schutz gegen die Seeräuber, -aber fast immer einen hübschen landschaftlichen Punkt gewährt. Vor -dem Südrande der Bucht und nach SW. hin sieht man viele kleine Inseln -und bewaldete Felsen, im Hintergrunde die Berge von Leyte, sich zu -immer wechselnden Veduten verschieben. - -Da die Leute bei schwüler Hitze, völliger Windstille und fast -wolkenlosem Himmel beinahe so viel schliefen als ruderten, so -erreichten wir erst Nachmittags Paránas, ein sauberes zwischen 20 -und 150 Fuss Meereshöhe an einem Abhang gelegenes Dorf. Die am Meere -senkrechten Wände bestehn aus grauen gegen das Land einfallenden -Thonbänken, und werden überlagert von einer Schicht Muscheltrümmer, -deren Zwischenräume mit Thon ausgefüllt sind; über dieser liegt eine -festere, durch Kalk verkittete Breccie, aus eben solchen Bruchstücken -bestehend. In den Thonbänken finden sich wohlerhaltene Versteinerungen, -in Farbe, Habitus, und Vorkommen manchen deutschen Tertiärbildungen -zum Verwechseln ähnlich; die Breccien sind gleichfalls fossil, -vielleicht auch tertiär; jedenfalls liess sich die Identität der -wenigen darin erkennbaren Cerithien, Pecten und Venus mit lebenden -Arten nicht feststellen. [201] - -Am folgenden Morgen fuhr ich nördlich in einem schmalen Kanal -durch einen stinkenden Rhizophorensumpf und setzte dann die Reise -zu Lande nach einem kleinen, im Walde gelegenen Dörfchen Loquilócun -fort. Halbwegs durchfurtheten wir einen 20' breiten, OW. strömenden -Fluss, mit steilen durch Leitern zugänglich gemachten Uferwänden. - -Da ich noch immer lahmte (Fusswunden heilen sehr schwer in heissen -Ländern), liess ich mich einen Theil des Weges auf landesübliche Weise -tragen: der Reisende liegt in einer an einem Bambusrahmen befestigten -Hängematte; eine III versinnlicht die Vorrichtung: der mittlere Strich -stellt die Hängematte, der Rest den Rahmen dar, dessen hervorragende -Enden vier rüstige Polistas auf die Schultern nehmen. Etwa alle zehn -Minuten werden die Träger durch andre abgelöst. Zum Schutz gegen -Sonne und Regen ist der Rahmen mit einem leichten Pandanusdach versehn. - -Die Wege, die man nach Analogie von Unmensch und Unwetter Unwege nennen -könnte, waren ziemlich so schlecht, wie die bei der Salta-Sangley; -mit Ausnahme des zuweilen bequemen Seestrandes scheinen in Samar keine -bessere vorhanden. Nach 3 Stunden gelangten wir an den Loquilócun, -der von Norden kommend, dort seinen südlichsten Punkt erreicht, dann -NO. dem grossen Ozean zufliesst. Ich fand hier durch die liebenswürdige -Fürsorge des Guvernörs zwei kleine Nachen bereit, die durch je zwei -in den äussersten Spitzen hockende Männer mit bewundernswürdiger -Gewandtheit getrieben zwischen den Baumstämmen und Felsen im Bett des -reissenden Bergstromes durchschlüpften. Unter lautem Jauchzen glitten -beide Kähne einen 1 1/2 Fuss hohen Fall hinab, ohne Wasser zu schöpfen. - -Das Dörfchen Loquilócun liegt in drei Häusergruppen auf drei -Hügeln. Die Bewohner waren sehr freundlich, gefällig, bescheiden -und so erfolgreich im Sammeln, dass mein mitgeführter Weingeist -schnell verbraucht war; in Catbalógan konnten meine Boten nur -einige Flaschen auftreiben, und meine eignen Vorräthe waren durch -ungeschickte Zuvorkommenheit eines zu gefälligen Freundes in falscher -Richtung gesandt, und erreichten mich erst nach Monaten wieder; -der in Samar käufliche Palmenwein war zu schwach. Täglich fuhren -ein oder zwei Nachen aus, um für mich zu fischen, doch erhielt ich -nur wenige Individuen, die fast ebenso vielen Arten und Gattungen -angehörten. Wahrscheinlich hat der Missbrauch, die Fische durch -Vergiftung des Wassers zu tödten (es wird hier die zerklopfte Frucht -einer Barringtonia dazu verwendet) den Fluss so fischleer gemacht. - -Nach einigen Tagen verliessen wir das Oertchen um 9 Uhr 30 Minuten -Vormittags, enggepackt in zwei kleinen Nachen, und waren, als wir um -1 Uhr 7 Minuten Dini, eine bewohnte Hütte im Walde erreichten, über 40 -Stromschnellen von 1 bis 1 1/2 Fuss und mehr Tiefe hinabgestiegen. Die -bedeutendsten derselben haben Namen, die auf der Coelloschen Karte -richtig angegeben sind. Folgendes sind ihre Abstände nach der Uhr: -10 Uhr enge Felsenschlucht, an deren Ende das Wasser mehrere Fuss tief -in ein grösseres Becken stürzt. Die Kähne, die bisher mit wunderbarer -Geschicklichkeit, wie gewandte Pferde zwischen allen Hindernissen -des Flussbettes und über alle Sprudel und Schwellen, fast ohne Wasser -zu schöpfen, geglitten, werden ausgeladen, es bleiben nur 2 Mann in -jedem Nachen zurück, die laut jauchzend hinabschiessen, wobei sich -die Kähne bis an den Rand füllen. - -Dem Wasserfall gegenüber war eine Schuttbank angeschwemmt, in welcher -sich, ausser Trümmern des anstehenden Gesteins, sehr abgeschliffene -Gerölle von Porphyr und Jaspis, auch einige Stücke Kohle mit vielem -Schwefelkies fanden, die wohl zur Regenzeit weiter oberhalb in -den Fluss gelangen; ihr Ursprung war den Schiffern unbekannt. -- -11 Uhr 56 Minuten bis 12 Uhr: ununterbrochene Reihe von Schnellen, -die mit grösster Gewandtheit, ohne Wasser zu schöpfen, überwunden -wurden. Etwas tiefer, um 12 Uhr 3 Minuten nahmen wir so viel Wasser -ein, dass wir landen und ausschöpfen mussten. Um 12 Uhr 15 Minuten die -Fahrt fortgesetzt, der Fluss war nun durchschnittlich 60 Fuss breit. Im -Waldrande machen sich eine kaum 10' hohe, schlanke Palme durch -ihre Häufigkeit und viele Phalaenopsis durch seltene Blüthenpracht -bemerklich. Weder Vögel noch Affen noch Schlangen wurden wahrgenommen, -doch sollen grosse, bis schenkeldicke Python nicht selten sein. - -Um 12 Uhr 36 Minuten gelangten wir an eine der schwierigsten Stellen, -eine Reihe von Schwellen mit vielen aus dem Wasser aufragenden Felsen, -zwischen welchen die in vollem Schuss befindlichen Nachen mit schnellen -Wendungen glücklich durchschlüpfen. Das Wagstück wurde von beiden -Mannschaften mit gleicher Meisterschaft unter äusserster Anspannung -ihrer Kräfte ausgeführt. -- 1 Uhr 17 Minuten Ankunft bei Dini, dem -bedeutendsten Wasserfall der ganzen Strecke. Hier mussten die Kähne -mit Zuhülfenahme der von den hohen Waldbäumen wie Taue herabhängenden -Lianen aus dem Wasser gezogen und über die Felsen geschleppt werden. -- -2 Uhr 21 Minuten Fortsetzung der Reise. -- 2 Uhr 28 Minuten bis 2 Uhr -30 Minuten eine unregelmässige, aus vielen Stufen gebildete Treppe -hinabgestiegen, viel Wasser geschöpft. Bisher floss der Loquilócun in -einem Felsenbett mit meist steilen Ufern, zuweilen auf lange Strecken -unter einem dichten Laubgewölbe, von welchem mächtige Ranken und -mehr als Klafter lange zierliche Farne herabhingen. Hier öffnet sich -die Gegend etwas; es zeigen sich flache Hügel mit niedrigem Gebüsch, -im NW. höhere bewaldete Berge. Während der letzten zwei Stunden von -einem Sturzregen begleitet, erreichen wir um 5 Uhr 30 Minuten ein -einzelnes Haus mit freundlichen Leuten, wo Nachtquartier gemacht wird. - -Am folgenden Morgen wurde die Fahrt stromabwärts fortgesetzt. Nach -10 Minuten glitten wir den letzten Wasserfall hinunter, zwischen -weissen marmorartigen mit herrlichstem Pflanzenwuchs beladenen -Kalkfelsen. Ganze Aeste voll Phalaenopsis (P. Aphrodite -Reichb. fls.) ragten über den Fluss; wie grosse prächtige -Schmetterlinge schwebten ihre Blüthen über der schäumenden Fluth. Zwei -Stunden später ist der Strom 200' breit geworden und schleicht, -nachdem er von Loquilócun eine 50 Meter hohe Treppe herabgesprungen, -in gemächlichen Windungen durch flaches Schwemmland der Ostküste zu, -ein breites Aestuar bildend, an dessen rechtem Ufer, eine halbe Legua -vom Meer entfernt, die Ortschaft Jubásan oder Paríc (2300 Seelen) -liegt; sie giebt dem untern Lauf des Stromes ihren Namen. Hier -verliessen mich die trefflichen Männer von Loquilócun, um die sehr -beschwerliche Rückfahrt anzutreten. - -Durch Sturm aufgehalten konnte ich mich erst am folgenden Tage -nach Túbig (2858 E.), südlich von Paríc, einschiffen. Immer noch -an anstrengenden Märschen verhindert, fuhr ich im Ruderboot die -Küste entlang von Túbig nach Boróngan (7685 E.), bei dessen eben -so intelligentem als gefälligen Pfarrer ich einige Tage verweilte, -und setzte dann die Fahrt nach Guíuan (auch Guiuang, Guiguan) fort, -der bedeutendsten Ortschaft Samars (10781 E.), auf einer schmalen -von der SO. Spitze der Insel ins Meer ragenden Landzunge gelegen. - -Dicht am Strande bricht bei letzterem Ort aus fünf bis sechs Oeffnungen -eine wasserreiche, schwach nach Schwefelwasserstoff riechende Quelle -aus, die während der Fluth vom Meer bedeckt, bei Ebbe frei liegt, -so dass sie dann kaum merklich salzig schmeckt. Zur Untersuchung -des Wassers wurde durch Einsenken eines hohen bodenlosen Topfes ein -Brunnen geschaffen und nachdem das Wasser eine halbe Stunde lang -übergeflossen, eine Probe genommen, die leider später abhanden -kam. Wärme des Quellwassers 8 Uhr Vorm.: 27°7., der Luft: 28°7, -des Meerwassers: 31°2 C. Die Quelle dient den Frauen zum Färben -ihrer Sarongs. Die mit dem Absud einer gerbestoffreichen Rinde -getränkten Stoffe (Abacázeuge erhalten zuvor eine Kalkmilchbeize) -werden, nachdem sie an der Sonne getrocknet, bei Ebbe in die Quelle -gelegt, während der Fluth herausgenommen, getrocknet, in Rindenabsud -getaucht und nass wieder in die Quelle gelegt; dies wird drei Tage -lang wiederholt. Das Ergebniss ist ein dauerhaftes, aber hässliches -Dintenschwarz (gallussaures Eisenoxyd). - -In Loquilócun und Borongan hatte ich Gelegenheit, zwei lebende -Gespensterthiere [202] zu kaufen. Diese äusserst zierlichen, seltsamen, -zu den Halbaffen gehörenden Thierchen sollen, wie man in Luzon und -Leyte versicherte, nur in Samar vorkommen und ausschliesslich von -Holzkohle leben. Mein erster Mago musste anfänglich etwas hungern, denn -Pflanzenkost verschmähte er, in Bezug auf Insekten war er wählerisch; -lebende Heuschrecken frass er mit grossem Behagen. [203] Es sah -äusserst drollig aus, wie das Thier, wenn es bei Tage gefüttert wurde, -aufrecht stehend, auf seine beiden dünnen Beine und den kahlen Schwanz -gestützt, den grossen kugelrunden, mit gewaltigen gelben Uhuaugen -versehenen Kopf nach allen Richtungen bewegte, wie eine Blendlaterne -auf einem Statif mit Kugelgelenk. Nur allmälig gelang es ihm, seine -Augen auf den dargebotenen Gegenstand richtig einzustellen; hatte es -ihn aber endlich wahrgenommen, so reckte es plötzlich beide Aermchen -seitwärts, etwas nach hinten aus, wie ein Kind, das sich freut, griff -schnell zu, mit Händen und Maul zugleich, und verzehrte bedächtig die -Beute. Bei Tage war der Mago schläfrig, blödsichtig, und wenn man ihn -störte, mürrisch; mit abnehmendem Tageslicht erweiterte sich seine -Pupille, Nachts bewegte er sich lebhaft und behend mit geräuschlosen -schnellen Sprüngen, am liebsten seitwärts. Er wurde bald zahm, starb -aber leider nach einigen Wochen. Das zweite Thierchen am Leben zu -erhalten, gelang mir auch nur kurze Zeit. - - - - - - - - -ZWANZIGSTES KAPITEL - - REISEN IN SAMAR, FORTSETZUNG. -- SÜDSEE-INSULANER DURCH STÜRME - VERSCHLAGEN. -- TODTENHÖHLEN UND LEICHENBESTATTUNG DER ALTEN - BISAYER. -- KROKODILE. -- IGNAZBOHNE. -- KOKOSÖL. - - -In Guíuan erhielt ich Besuch von Mikronesiern, die seit vierzehn -Tagen beschäftigt waren, bei Sulángan auf der schmalen Landzunge -SO. von Guiuan nach Perlmuscheln zu tauchen, und eigens zu dem Zweck -die gefahrvolle Reise unternommen hatten. [204] - -Sie waren aus Uleai (Uliai 7°20 N. 143°57 O. Gr.) in fünf Booten, -jedes mit 9 Mann Besatzung ausgelaufen, jedes Boot enthielt 40 Kürbis -voll Wasser, Kokosnüsse und Bataten. Jeder Mann bekam täglich eine -Kokosnuss und zwei in der Asche der Kokosschalen gebackene Bataten. Sie -fingen einige Fische unterwegs und sammelten Regenwasser auf. Bei -Tage steuerten sie nach der Sonne, Nachts nach den Sternen. Ein Sturm -zerstreute die Boote. Zwei derselben gingen sammt der Mannschaft -vor den Augen der Uebrigen zu Grunde, nur eines, wahrscheinlich das -einzige gerettete, erreichte zwei Wochen nach der Abfahrt Tandag an -der Ostküste von Mindanao. In Tandag blieben die Leute zwei Wochen, -verrichteten Feldarbeit für Tagelohn und fuhren dann nordwärts die -Küste entlang nach Cántilang 8°25' N., Banóuan (bei Coello irrthümlich -Bancuan) 9°1' N., Taganáan 9°25' N., von da nach Surigáo an der -Nordspitze von Mindanáo und dann mit Ostwind in zwei Tagen gerade -aus nach Guíuan. In der deutschen Uebersetzung von Capt. Salmon's -Historie der orientalischen Inseln ... Altona 1733 heisst es Seite 63: - - - »Man hat neuerlicher Zeit noch etliche andere Inseln Ostwerts von - den Philippinischen entdecket und selbigen den Namen der neuen - Philippinischen beigeleget, weil sie in der Nachbarschaft der alten - und bereits beschriebenen liegen. Der Pater Clan (Clain) giebet - in einem Brief aus Manila, welcher den Philosophical transactions - ist einverleibet worden, folgenden Bericht von denselben: Es - trug sich zu, als er in der Stadt Guivam auf der Insel Samar war, - dass er daselbst 29 Palaos (es waren 30, einer starb bald darauf - in Guiuan) oder Einwohner von gewissen erst neulich entdeckten - Inseln antraff, welche von den östlichen Winden, welche hier - vom December bis an den Majum wehen, dahin waren verschlagen - worden. Sie hatten 70 Tage lang nach ihrem Bericht vor dem Winde - geseegelt, ohne einiges Land in's Gesicht zu bekommen, bis sie vor - Guivam angeländet waren. Als sie aus ihrem Vaterlande geseegelt, - waren ihrer zwey Boote gestopft voll, und mit ihren Weibern und - Kindern, in allen 35 Seelen gewesen: unterschiedliche aber waren - von dem unter Weges erlittenen Ungemach crepiret. Als einer von - Guivam zu ihnen an Bord kommen wolte, wurden sie in eine solche - Angst gesetzet, dass alle Kerls, die in dem einen Fahrzeug waren, - mit ihren Weibern und Kindern über Bord sprungen. Wiewohl sie - doch zuletzt am besten zu seyn befunden in den Hafen einzulaufen, - so dass sie den 28. Decembris 1696 ans Land kamen. Sie assen - Cocusnüsse und Wurzeln; welche ihnen mildiglich zugetragen, und - geschenckt wurden: aber den gekochten Reis, die allgemeine Speise - der asiatischen Völcker, wollen sie gar nicht einmal kosten. Zwo - Weiber welche vormals aus denselben Inseln dahin verschlagen waren, - dieneten ihnen zu Dollmetscherinnen .... - - ... Die Leute des Landes gehen halb nacket und die Männer schildern - (malen) ihre Leiber mit Flecken und machen allerhand Figuren darauf - ... So lange sie auf der See waren, lebten sie von Fischen welche - sie in einer gewissen Art von Fischkörben fiengen, die einen - weiten Mund hatten, unten aber spitz zuliefen und hinter ihren - Booten hergeschleppt wurden. Das Regenwasser so sie etwa auffingen - (oder wie in dem Brief selber stehet, in den Schalen der Cocusnüsse - aufhuben) diente ihnen zum Getränk. Als sie vor den Pater sollten - gebracht werden, welchen sie wegen der Hochachtung, die man ihm - erwiess, für den Gouverneur hielten, färbeten sie ihren Leib ganz - gelb, welches sie für den grössten Staat halten in welchem sie - für ansehnlichen Leuten erscheinen können. Im Tauchen sind sie - sehr erfahren und finden unterweilen Perln in den Muscheln, die - sie herauf bringen, welche sie aber als unnütze Dinge wegwerfen.« - - -Eine der wichtigsten Stellen in Pater Clains Brief hat Capt. Salmon -ausgelassen: »Der älteste dieser Fremdlinge war schon einmal an die -Küste der Provinz Caragan auf einer unserer Inseln (Mindanao) geworfen -worden, da er aber nur Ungläubige gefunden hatte, die in den Bergen und -auf dem öden Strande wohnen, war er in sein Vaterland zurückgekehrt.« - -In einem Briefe des Pater Cantova an den Pater d'Aubenton, -Agdana (d. h. Agaña, Mariannen) 20. März 1722, der die Carolinen- -und Paláosinseln beschreibt, heisst es: »das vierte Gebiet liegt -westlich. Yap (9° 25' N. 138°1' O. Gr.) [205] welches die Hauptinsel -ist, hat über 40 Leguas Umfang ... Ausser den verschiedenen Wurzeln, -die bei den Eingeborenen der Insel die Stelle des Brodes vertreten, -findet man Bataten, welche sie Camotes nennen und welche sie -von den Philippinen erhalten haben, wie mir einer von unseren -Carolinen-Indiern mittheilt, der von dieser Insel gebürtig ist. Er -erzählt, dass sein Vater, Namens Coorr ... drei seiner Brüder und er -selbst durch den Sturm nach einer der Provinzen in den Philippinen -verschlagen wurden, welche man Bisayas nennt, dass ein Missionär -unserer Gesellschaft (Jesu) sie freundlich aufnahm ... dass sie nach -ihrer Insel zurückkehrend, Samen verschiedener Pflanzen dahin brachten, -unter andern Bataten, die sich so sehr vermehrten, dass sie genug -hatten, um die andern Inseln dieses Archipels damit zu versehn« -... Murillo Velarde (f. 378) erwähnt, dass 1708 einige vom Winde -verschlagene Paláos in Palapag (Nordküste von Samar) ankamen. Ich -hatte später Gelegenheit in Manila eine Gesellschaft von Paláos und -Carolinen-Insulanern zu photographiren, die ein Jahr zuvor durch Stürme -an die Küste von Samar geworfen worden waren. Dies sind, abgesehn von -der freiwilligen Reise, sechs ungesucht sich darbietende Beispiele von -Mikronesiern, die nach den Philippinen verschlagen wurden. Es würde -vielleicht nicht schwer sein noch mehrere aufzufinden, aber wie oft -mögen vor und nach Ankunft der Spanier Fahrzeuge von jenen Inseln in -den Bereich der NO. Stürme gerathen und von diesen unwiderstehlich an -die Ostküsten der Philippinen getrieben worden sein, ohne dass die -Kunde davon aufbewahrt blieb. [206] Wie am Westrande des Archipels -der lange Verkehr mit China, Japan, Hinterindien und später mit -Europa den Typus der Rasse beeinflusst zu haben scheint, so mögen -wohl auch am Ostrande polynesische Beziehungen in ähnlicher Weise -gewirkt haben. Auch der Umstand, dass die Bewohner der Ladronen [207] -und die Bisayer [208] die Kunst besassen ihre Zähne schwarz zu färben, -scheint auf frühen Verkehr der Bisayer und Polynesier zu deuten. [209] - -In Guiuan schiffte ich mich auf einem unangenehm schwankenden, offenen, -nur mit einem drei mal drei Fuss grossen Sonnendach versehenen Boote -nach Tacloban, der Hauptstadt von Leyte, ein. Ein Windstoss brachte -uns in einige Gefahr, sonst hatten wir fortwährend Windstille, so -dass die ganze Strecke rudernd zurückgelegt werden musste. Die Fahrt -war für die durch kein Dach geschützte Mannschaft sehr ermüdend -(Wärme in der Sonne 35°R., des Wassers 25°R.) und dauerte 31 -Stunden, mit kleinen Unterbrechungen für die Malzeiten; denn die -Leute kürzten freiwillig die Pausen ab, um bald nach Taclóban zu -kommen, das in lebhaftem Verkehr mit Manila steht und für die an -der unzugänglichen Ostküste lebenden Männer den Reiz einer üppigen -Hauptstadt hatte. Es ist fraglich, ob das Meer irgendwo eine Stelle -von so eigenthümlicher Schönheit bespült, als die enge Strasse, die -Samar von Leyte trennt. Nach Westen hin ist sie von steilen Tuffbänken -eingefasst, die keine Mangrove-Sümpfe an ihrem Rande dulden. Dort -tritt der hohe Urwald in seiner ganzen Erhabenheit unmittelbar an den -Strand, nur stellenweis von Kokoshainen unterbrochen, in deren scharf -gezeichneten Schatten einzelne Hütten liegen. Die dem Meer zugekehrten -steileren Hügel und viele kleine Felseninseln sind mit Kastellen -aus Korallenblöcken gekrönt. Am östlichen Eingang der Enge besteht -die Südküste von Samar aus weissem, marmorartigen, wenn auch sehr -jungem Kalk, der an vielen Stellen steile Klippen bildet. [210] Bei -Nipa-Nipa, einem kleinen Weiler 2 Leguas O. von Basey, setzen sie im -Meere fort, in einer Reihe malerischer, über hundert Fuss hoher Felsen, -die oben domförmig abgerundet, dicht bewachsen, an der Basis ringsum -vom Seewasser benagt, wie riesige Pilze aus der Fluth hervorragen. Es -weht über dieser Oertlichkeit ein eigenthümlicher Zauberhauch, dessen -Wirkung auf den eingeborenen Schiffer um so mächtiger sein muss, wenn -er den draussen vom Nordost gepeitschten Wogen glücklich entronnen, -plötzlich diesen geschützten stillen Ort erreicht. Kein Wunder, -dass die fromme Einbildungskraft die Stätte mit Geistern bevölkerte. - -In den Höhlen dieser Felsen setzten die alten Pintados die Leichname -ihrer Helden und Aeltesten bei in wohlverschlossenen Särgen, umgeben -von den Gegenständen, die ihnen im Leben am werthvollsten waren. Auch -Sklaven wurden bei ihrem Begräbniss geopfert, damit es ihnen in der -Schattenwelt nicht an Bedienung fehle. [211] Die zahlreichen Särge, -Geräthschaften, Waffen und Geschmeide, welche diese Höhlen enthielten, -waren durch Aberglauben geschützt Jahrhunderte lang unangetastet -geblieben. Kein Nachen wagte vorüber zu fahren, ohne ein aus der -heidnischen Zeit fortgeerbtes religiöses Zeremoniell gegen die -Höhlengeister zu beobachten, die in dem Rufe standen, Unterlassungen -durch Sturm und Schiffbruch zu bestrafen. - -Vor etwa 30 Jahren beschloss ein eifriger junger Geistlicher, dem -diese heidnischen Gebräuche ein Gräuel waren, sie mit der Wurzel -auszurotten. In mehreren Booten, wohlausgerüstet mit Kreuzen, Fahnen, -Heiligenbildern und allem beim Austreiben der Teufel bewährten -Apparat, unternahm er den Zug gegen die Geisterfelsen, die unter -Musik, Gebeten und Knallfeuerwerk erklommen wurden. Nachdem zuvor -ein ganzer Eimer voll Weihwasser zur Betäubung der bösen Geister in -die Höhle geschleudert worden, drang der unerschrockene Priester -mit gefälltem Kreuze ein, gefolgt von seinen durch das Beispiel -angefeuerten Getreuen. Ein glänzender Sieg belohnte den wohlangelegten -und muthig ausgeführten Plan; die Särge wurden zertrümmert, die Gefässe -zerschlagen, die Skelete in's Meer geworfen. Mit gleichem Erfolg wurden -die übrigen Höhlen erstürmt. Die Ursache des Aberglaubens ist nun -zwar vernichtet, dieser selbst hat sich aber, wenn auch abgeschwächt, -bis heut erhalten. - -Durch den Pfarrer von Basey erfuhr ich später, dass in einem Felsen -noch Ueberreste vorhanden seien, und einige Tage darauf überraschte -mich der liebenswürdige Mann mit mehreren Schädeln und einem -Kindersarg, die er von dort hatte bringen lassen. Trotz des grossen -Ansehens, das er bei seinen Pfarrkindern genoss, hatte er doch seine -ganze Beredsamkeit aufbieten müssen, um die muthigsten zu einem so -kühnen Wagstücke zu bewegen. Ein Boot mit 16 Ruderern bemannt war -zu dem Zweck ausgerüstet worden; mit weniger Mannschaft hatte man -die Reise nicht zu unternehmen gewagt. Während der Heimfahrt brach -ein Gewitter aus; die Schiffer betrachteten es als eine Strafe für -ihren Frevel und nur die Furcht, die Sache noch schlimmer zu machen, -verhinderte sie, Sarg und Schädel in's Meer zu werfen. Zum Glück waren -sie dem Lande nahe und ruderten mit aller Kraft demselben zu. Als -sie angekommen waren, musste ich selbst die Gegenstände aus dem Boote -holen, da kein Eingeborener sie anrühren mochte. - -Trotzdem gelang es am folgenden Morgen einige entschlossene Leute zu -finden, die mich nach den Höhlen begleiteten. In den beiden ersten, -die wir untersuchten, fand sich nichts; eine dritte enthielt mehrere -zertrümmerte Särge, einige Schädel, und Scherben von glasirtem, -roh bemalten Steingut, es war aber nicht möglich auch nur zwei -zusammengehörende Stücke zu finden. Ein enges Loch führte aus der -grossen Höhle in einen dunklen, so kleinen Raum, dass man mit der -brennenden Fackel kaum einige Sekunden hintereinander darin verweilen -konnte. Dieser Umstand mag die Ursache gewesen sein, weshalb sich dort -in einem sehr verrotteten, von Bohrwürmern zerfressenen Sarge ein -wohl erhaltenes Skelet befand, oder eher eine Mumie, denn an vielen -Stellen war das Gerippe noch mit ausgetrockneter Muskelfaser und Haut -bekleidet. Es lag auf einer immer noch erkennbaren Pandanusmatte, unter -dem Kopf ein mit Pflanzen ausgestopftes, mit Pandanusmatte überzogenes -Kissen. Auch Reste von gewebten Stoffen waren noch vorhanden. Die Särge -waren von dreierlei Gestalt, ohne alle Verzierungen. Die von der ersten -Form aus vortrefflichem Molave-Holz (s. S. 196) zeigten keine Spur -von Wurmstich oder Vermoderung, während die übrigen bis zum Zerfallen -zerstört waren, die dritte Art, die häufigste, unterschied sich von der -ersten nur durch weniger geschweifte Formen und schlechtes Material. - -Kein Märchen hätte eine verzauberte Königsgruft mit einem passenderen -Zugang ausstatten können, als den zur letzten dieser Höhlen: mit -senkrechten Marmorwänden erhebt sich der Felsen aus dem Meer; nur -an einer Stelle gewahrt man die kaum zwei Fuss hohe Oeffnung eines -natürlichen Stollens, durch welchen der Nachen plötzlich in einen -geräumigen, fast kreisrunden, vom Himmel überwölbten Hof gelangt, -dessen vom Meer bedeckten Boden ein Korallengarten schmückt. Die -steilen Wände sind dicht mit Lianen, Farnen und Orchideen behangen, -vermittelst deren man zur Höhle, 60 Fuss über dem Wasserspiegel -emporklimmt. Um die Situation noch märchenhafter zu machen, fanden wir -gleich beim Eintritt in die Grotte auf einem grossen 2 Fuss über den -Boden ragenden Felsblock eine Seeschlange, die uns ruhig anstarrte, -aber getödtet werden musste, weil sie wie alle ächte Seeschlangen -giftig war. Schon zweimal hatte ich dieselbe Art in Felsenritzen -im Trockenen gefunden, wo sie die Ebbe zurückgelassen haben mochte; -auffallend war es aber sie hier in solcher Meereshöhe anzutreffen. -- -Jetzt ruht sie, als Platurus fasciatus Daud., im zoologischen Museum -der Berliner Universität. - -In Guíuan hatte ich Gelegenheit, vier aus solcher Höhle stammende -reich bemalte chinesische Schüsseln zu kaufen und einen goldenen -Ring zu zeichnen; er bestand aus dünnem Goldblech, das zuerst zu -einer Röhre mit klaffender Naht von der Dicke eines Federkiels, -dann zu einem nicht völlig schliessenden Reifen von Thalergrösse -zusammengebogen war. Die Schüsseln wurden in Manila gestohlen. - -Aehnliche Todtenhöhlen befinden sich noch an manchen andern Orten -in dieser Gegend: auf der Insel Andog bei Borongan (bis vor Kurzem -enthielt sie Schädel); auch bei Batinguitan 3 Stunden von Borongan -an den Ufern eines kleinen Baches; bei Guíuan auf der kleinen, -wegen der stürmischen See schwer zugänglichen Insel Monhon. -- Bei -Catúbig sind goldene Geschmeide gefunden, aber in moderne Schmucksachen -umgearbeitet worden. In der ganzen Gegend berühmt ist jedoch eine Höhle -bei Lánang wegen der darin enthaltenen flachgedrückten Riesenschädel -ohne Kopfnähte. [212] [213] Es wird nicht uninteressant sein die -geschilderten Verhältnisse mit den Berichten älterer Schriftsteller -zu vergleichen, weshalb hier einige Auszüge folgen mögen: - - - Mas (Informe I. 21) beschreibt ohne Quellenangabe die von den - alten Bewohnern des Archipels bei der Todtenbestattung befolgten - Gebräuche: sie balsamirten ihre Todten zuweilen mit aromatischen - Stoffen ein ... und legten die Vornehmen in eine Kiste, die - aus einem ausgehöhlten Baumstamme mit gut zugepasstem Deckel - bestand.... Der Sarg wurde nach dem von dem Verstorbenen vor seinem - Dahinscheiden ausgesprochenen Willen entweder in den obersten - Raum des Hauses, wo sie Sachen von Werth verbargen, oder unter - dem Wohnhause in eine Art Gruft gestellt, die nicht zugedeckt, - aber mit einem Gitter umgeben wurde; oder in ein abgelegenes Feld, - oder auf einen erhabenen Ort oder Felsen am Ufer eines Flusses, - auf dass er von den Frommen verehrt werde. Sie stellten eine - Wache dabei auf, damit während einer gewissen Zeit kein Boot - vorüberführe, und der Todte nicht die Lebenden nach sich zöge. - - Nach Gaspar (S. 169.) wurden die Todten in Tücher gewickelt, - in einen groben, aus einem Holzblock ausgehöhlten Kasten gelegt, - mit Juwelen und goldenen Ringen und einigen Goldblechen über Mund - und Augen und unter ihren Häusern mit Mundvorräthen, Schüsseln - und Näpfen begraben. Auch pflegten sie Sklaven mit den Vornehmsten - zu bestatten, um letztere in der andern Welt bedienen zu lassen. - - »Ihr Hauptgötzendienst bestand darin, diejenigen ihrer Ahnen, - die sich am meisten durch Muth und Geist hervorgethan hatten, - anzubeten und für Götter zu halten.... Sie nannten sie humalagar, - welches dasselbe ist was man lateinisch Manes nennt.... Die Greise - selbst starben in dieser Eitelkeit, deshalb wählten sie einen - ausgezeichneten Ort, wie Einer auf der Insel Leyte, der sich - am Rand des Meeres beisetzen liess, damit die vorüberfahrenden - Schiffer ihn als Gott anerkannten und sich ihm empfahlen.« - (Thévenot Religieux S. 2.) - - »Sie legten sie (die Todten) nicht in die Erde, sondern in - Särge von sehr hartem unzerstörbaren Holz ... man opferte ihnen - Sklaven und Sklavinnen, damit es ihnen in der andern Welt nicht - an Bedienung fehle. Starb eine Person von Bedeutung, so wurde - dem ganzen Volk Stillschweigen auferlegt, das je nach dem Range - des Verstorbenen dauerte und unter gewissen Umständen erst dann - aufhörte, wenn seine Verwandte viele Andre getödtet hatten, - um den Geist des Todten zu versöhnen.« (ibid. S. 7). - - »Aus diesem Grunde (um als Götter verehrt zu werden) wählten - die Aeltesten unter ihnen zum Begräbniss einen bemerkenswerthen - Ort im Gebirge, und besonders auf Vorgebirgen, die in das - Meer hineinragen, damit sie von den Schiffern verehrt würden.« - (Gemelli Careri S. 449). - - -Von Taclóban, das ich des bequemen Tribunals wegen und weil es gut -verproviantirt ist, zum Standquartier wählte, kehrte ich am folgenden -Tage nach Samar zurück, zunächst nach Basey, Taclóban gegenüber. Die -Leute von Basey sind wegen ihrer Trägheit und geringen Begabung -in ganz Samar berüchtigt, sollen sich aber von den Bewohnern von -Taclóban durch Sittenreinheit vortheilhaft auszeichnen. Basey liegt -im Delta des nach ihm benannten Flusses. Wir fuhren einen schmalen -Arm hinauf in den Hauptstrom, der sich mit sehr geringem Gefälle -durch die Ebene windet; daher reicht das brackische Wasser und der -es begleitende Nipapalmensaum mehrere Leguas landeinwärts. Hinter -demselben breiten sich Kokospflanzungen aus, zwischen welchen die aus -dem engen Felsenbett des obern Flusslaufes zuweilen hervorbrechenden -Wasserfluthen (avenídas) grosse Zerstörungen anrichten, wie die -verstümmelten Palmen zeigen, die von ihrem Standort fortgerissen, -mitten aus dem Fluss emporragen. Nach fünfstündigem Rudern gelangten -wir aus dem Flachland in ein enges Thal mit steilen Marmorwänden, -die immer mehr zusammenrücken und höher werden. Sie sind an vielen -Stellen unterwaschen, zerklüftet, übereinandergestürzt, und bilden -mit ihren kahlen Seitenwänden einen schönen Gegensatz zu dem blauen -Himmel, der klaren grünlichen Fluth und den üppigen Lianen, die sich -an allen Unebenheiten wo sie haften können festgesetzt haben und in -langen Guirlanden über die Felsen hängen. - -Der Strom wird so reissend und so seicht, dass die Leute aussteigen -und das Boot über das steinige Bett ziehn. Auf diese Weise gelangen -wir durch einen zwölf Fuss hohen, von zwei gegeneinander gestürzten -Felsen gebildeten Spitzbogen in ein ovales stilles Wasserbecken, -rings umgeben von 60 bis 70 Fuss hohen, nach innen einspringenden -Kalkwänden, auf deren oberem Rande ein Ring von Bäumen nur gedämpftes -Sonnenlicht durch dichtes Laub schimmern lässt. Dem niedrigen -Eingangsthor gegenüber erhebt sich eine prachtvolle 50 bis 60 Fuss -hohe, mit Tropfsteinen reich verzierte Felsenpforte, durch welche -man den in Sonne gebadeten oberen Lauf des Flusses noch eine Strecke -weit überblickt. In der linken Wand des ovalen Hofes, 40 Fuss über -dem Wasserspiegel, öffnet sich eine leicht zu ersteigende Höhle von -100 Fuss Länge; sie endet mit einer schmalen Pforte durch die man auf -einen von Tropfsteinen getragenen altanartigen Vorsprung tritt. Von -dort überblickt man sowohl die Landschaft, als den Felsenkessel und -erkennt letzteren als den Rest einer Tropfsteinhöhle deren Decke -eingestürzt ist. Die Schönheit und Eigenthümlichkeit des Orts wird -auch von den Eingeborenen empfunden, er heisst Sogóton (eigentlich -eine Bucht im Meer). In dem sehr harten marmorartigen Kalk waren Spuren -von Zweischalern und Seeigelstacheln in Menge wahrzunehmen, es gelang -aber nicht, bestimmbare Reste herauszuschlagen. Der Fluss liess sich -noch eine kurze Strecke weiter aufwärts verfolgen. In seinem Bett -kommen Gerölle von krystallinischen Talk- und Chloritgesteinen vor. - -Mit vieler Mühe wurden einige kleine Fische erlangt; darunter eine -interessante lebendig gebärende neue Art. [214] Eine verwandte -Art (H. fluviatilis Bleeker), die ich zwei Jahre früher in einer -Kalkhöhle auf Nusa Kumbangan bei Java fand, enthielt gleichfalls -lebende Junge. Das zum Fischen verwendete Netz schien der Oertlichkeit, -einem seichten Fluss voll Geschiebe, wohl angepasst: ein feinmaschiges, -länglich viereckiges Netz, mit den langen Seiten an zwei Bambusstangen -befestigt, die unten mit einer Art von Holzschuhen (krummen aufwärts -nach vorn gerichteten Schnäbeln) versehn waren. Der Fischer packt -die obern Enden der Stangen und schiebt das schräg gehaltene Netz vor -sich hin, das mittelst seiner Schnabelschuhe über die Steine gleitet, -während ein Anderer ihm die Fische entgegentreibt. - -Am rechten Ufer unterhalb der Höhle kommen 20 Fuss über dem -Wasserspiegel Bänke von fossilen Pectunculus, Tapes, Placuna vor, die -zum Theil kaum an der Zunge haften, also sehr rezent sein müssen. Ich -übernachtete in einer kleinen, schnell erbauten Hütte und versuchte -am folgenden Tage vergeblich flussaufwärts bis an die Grenze des -krystallinischen Gesteins zu gelangen. Nachmittags traten wir die -Rückfahrt nach Basey an, das wir Nachts erreichten. - -Basey liegt etwa 50' über dem Meer, auf einer Thonbank, die im Westen -des Orts in einen mehrere hundert Fuss hohen Hügel mit steilen Wänden -übergeht. Ich fand darin in 25 bis 30' Meereshöhe dieselben rezenten -Muschelbänke wie bei der Tropfsteinhöhle Sogóton. Nach den Aussagen -des Cura und Anderer scheint in dieser Gegend eine schnelle Hebung -der Küsten stattzufinden: vor 30 Jahren konnten Schiffe bei Fluth in -3 Faden Wasser am Lande anlegen, jetzt beträgt die Tiefe dort nicht -viel über einen Faden. Dicht vor Basey liegen zwei kleine Inseln, -Genamók und Tapontónan, die gegenwärtig bei tiefster Ebbe durch eine -Sandbank verbunden erscheinen. Noch vor zwanzig Jahren war eine solche -nicht wahrnehmbar. Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt, -wäre zunächst zu ermitteln, wieviel zu diesen Niveauveränderungen -die Strömungen, wieviel vulkanische Hebungen beigetragen haben, die -nach der nahen thätigen Solfatara auf Leyte zu schliessen immerhin -beträchtlich sein mögen. - -Im Baseyfluss sollen nach Versicherung des Pfarrers Krokodile von -über 30 Fuss Länge vorkommen, und solche von mehr als 20' häufig -sein. Der gefällige Pater versprach mir eines von wenigstens 24 -Fuss, dessen Skelet ich gern mitgenommen hätte, und sandte einige -Leute aus, die im Fangen dieser Thiere so geübt sind, dass sie zu -dem Zweck nach entfernten Orten geholt werden. Ihre Fangvorrichtung, -die ich aber nicht selbst sah, besteht in einem leichten Bambusfloss -mit einem Gerüst, auf welchem mehrere Fuss über dem Wasser ein Hund -oder eine Katze angebunden ist. Längs der Seite des Thieres ist -ein starker eiserner Haken angebracht, der vermittelst Abacáfasern -an dem schwimmenden Bambus befestigt ist. Hat das Krokodil den -Köder und damit zugleich den Haken verschlungen, so bemüht es -sich vergeblich loszukommen; denn die Nachgiebigkeit des Flosses -verhindert das Zerreissen, die eigne Elastizität das Durchbeissen -des Faserbündels. Das Floss dient zugleich als Boye für das gefangene -Thier. Nach Angabe der Jäger hausen die grossen Krokodile entfernt von -menschlichen Wohnungen, am liebsten unter dichtem Gebüsch, in weichem -Sumpf, worin ihr schleppender Bauch Spuren zurücklässt, die sie dem -Kundigen verrathen. Nach einer Woche meldete der Pfarrer, seine Leute -hätten drei Krokodile eingeliefert, deren grösstes aber nur achtzehn -Fuss mässe, er habe keines für mich behalten, da er eines von 30 Fuss -zu erlangen hoffe. Seine Erwartung ging aber nicht in Erfüllung. - -In der Umgegend von Basey wächst die im Süden Samar's und wohl noch -auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders -häufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich -sie ohne meinen Willen dort eingeführt. Ihr Verbreitungsbezirk ist -sehr beschränkt. Meine Bemühungen sie nach dem botanischen Garten von -Buitenzorg zu übersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte, -während meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga für mich eintreffende -grössere Pflanzen wurden von einem meiner Gönner seinem eignen Garten -einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen -später abhanden. Alle Versuche, die über ganz Ostasien als Medikament -verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere, -angeblich um sie gegen Verderben zu schützen (vielleicht auch um das -Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden. - - - Nach Flückinger [215] enthält die kürbisartige Beerenfrucht - des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos - Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse, - unregelmässig eiförmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie - Brechnüsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen - wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt; - (später auch in den Brechnüssen). Jene enthalten davon doppelt - soviel als diese, nämlich 1 1/2%, da sie aber viermal so theuer - sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt. - - In den Philippinen ist die gefährliche Drogue unter dem Namen - Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes - Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwähnt es - und führt 13 verschiedene Verwendungen an. -- Dr. Rosenthal, - (Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: »In Indien hat man - sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet«. Papecta - ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey's Indigenous drugs of - India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache - Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. -- Auch als - Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco - (Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft - in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch - warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon - sehr viele Todesfälle veranlasste. Man solle sie nicht in den - Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod, - wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von - Tabáco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842, - um sich gegen die Cholera zu schützen, damit begonnen, von Zeit - zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmälig - daran gewöhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich - wohl und schrieb seine Gesundheit und Rüstigkeit gern jener - Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken - mit Erfolg der wässerige Absud in geringer Menge als Zusatz zum - Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an - den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet. - - Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wässerigen Auszug des kouo-kouo - (Faba Ign. amar.) sowohl für den innerlichen als äusserlichen - Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine - grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Früher galt die - giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) für ein - Zaubermittel; so erzählt Pater Camel [216], die Catbalogan- - oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog - (die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse - getragen, schütze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und - Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel könne dem Träger - nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das - durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Träger - beschütze, sondern denjenigen tödte, der ihm das Gift beibringen - wolle. Camel führt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der - Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt. - - -Auf der südlichen Hälfte des östlichen Küstensaumes, von Boróngan über -Lánang bis Guíuan, sind beträchtliche Kokospflanzungen vorhanden, -die in höchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt -werden. Von Boróngan und seinen Visitas gehn jährlich 12000 Krüge -Kokosöl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nüsse -würden wenigstens zu 8000 Krügen ausreichen. Da 1000 Nüsse 3 1/2 Krug -geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jährlich 6,000,000 -Nüsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nüssen angenommen, 120,000 -volltragende Kokospalmen nöthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in -dem oben erwähnten Gebiete mehrere Millionen betrage, dürfte wohl -übertrieben sein. - -Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der -holzigen Schale der Nuss in groben Spänen herausgeraspelten Kern -der Fäulniss überlässt. Zu Behältern dienen schadhaft gewordene, -im Freien auf Pfählen stehende Kähne, aus deren Spalten das Oel in -darunter gestellte Krüge abtropft. Schliesslich werden die Späne noch -gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein -so schlechtes, dunkelbraunes, dickflüssiges, ranziges Produkt, dass -in Manila der Krug nur 2 1/4 Dollar gilt, während besser bereitetes -6 Dollar kostet. [217] - -Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Boróngan eine Fabrik -errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch -zwei Büffel gedrehter Göpel setzt durch Zahnräder und Treibriemen -eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines -Zitronenbohrers und bestehn aus fünf an ihrem Aussenrande gezähnten -eisernen Blättern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen -und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des -Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende -Bewegung mittheilt, ragt aber über dieselbe hinaus. Der Arbeiter -ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Händen, hält ihre innere -mit dem ölhaltigen Kern gefütterte Wölbung gegen die rotirende Raspel, -die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett -geschützten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drückt. Die -feinen Späne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behältern liegen, -damit sich die Zellenwände theilweise zersetzen. Man presst sie dann -leicht in Handpressen, fängt die aus 1/3 Oel 2/3 Wasser bestehende -Flüssigkeit in Kübeln auf, schöpft nach 6 Stunden das oben schwimmende -Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt, -bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden -erfordert. Um das Oel schnell abzukühlen, damit es sich nicht bräune, -giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt -schnell das Feuer. Die gepressten Späne werden abermals 6 Stunden -der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide -Operationen noch zweimal wiederholt worden, hängt man das Geraspel in -Säcken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst -Klemmschrauben so viel als möglich aus, indem man es mehrere Male -umschüttelt. Der Rückstand dient als Schweinefutter. Das aus den -Säcken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum -Abkühlen des zuerst erhaltenen benutzt. [218] - -Die Fabrik machte 1500 Tinájas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom -Dezember bis Februar können wegen der hohen See keine Nüsse zugeführt -werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten -nicht gelungen, während dieser Zeit Nüsse aus der nächsten Umgegend -in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu -können, oder in der guten Jahreszeit Vorräthe für die Wintermonate -zu sammeln, obgleich er den verhältnissmässig hohen Preis von drei -Dollar für das Tausend zahlte. - -Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten, -erzielten sie aus 1000 Nüssen 3 1/2 Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3 -r. weniger als ihnen für die rohen Nüsse geboten wurde. Diese vom -Fabrikanten herrührenden Angaben sind vielleicht übertrieben, im -Wesentlichen mögen sie aber doch wohl begründet sein. Wer in den -Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu -beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnüsse für 1 -cuarto = 960 für 1 Dollar; dies ist dort ihr gewöhnlicher Preis. [219] -Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur -Antwort, dass die Nüsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im -ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber, -dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern -bereit ist, so beutet er diesen Umstand rücksichtslos für Einmal aus, -ohne daran zu denken, sich eine regelmässige Einnahmequelle zu sichern. - -In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen -Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte -oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche) -gewöhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorübergehende schwatzt mit -der Verkäuferin, wägt die Brode in der Hand, nascht davon und geht -vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem -Kram nach Hause zurück, um es am nächsten Tage ebenso zu machen. - -Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere -mich aber, dass wenigstens in zwei Fällen der Preis des Zuckers in -solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging übrigens -den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren -einzeln billiger als im Grossen. - -In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit -die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen; -in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der -Unzuverlässigkeit der Arbeit wird die Regelmässigkeit in der Lieferung -von Rohstoffen nicht nur durch Trägheit und Launenhaftigkeit, sondern -auch durch Neid und Misstrauen gestört. Die Indier sehen es in der -Regel nicht gern, wenn sich ein Europäer unter ihnen niederlässt, um -mit Erfolg die lokalen Reichthümer auszubeuten, die sie selbst nicht -ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den -Ausländern gegenüber, die ihnen durch Kapital, Geschäftskenntniss und -Thätigkeit gewöhnlich sehr überlegen sind. Ausser dem Neide spielt -auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als -der Castila dem Eingeborenen einflösst. Es kommen noch heut Fälle -genug vor, die dieses Gefühl durchaus rechtfertigen. Früher aber, -als die verkommensten Subjekte Guvernörstellen kaufen konnten und -ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbräuche -stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei -den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat. - - - - - - - - -EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL - - INSEL LEYTE. -- HEUSCHRECKEN. -- SOLFATARA. -- - SCHWEFELGEWINNUNG. -- BITOSEE. -- KROKODILE. - - -Die Insel Leyte, zwischen 9° 49' und 11° 34' N., und 124° 7' und 125° -9' O. Gr., ist über 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170 -quadr. M. Flächeninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwähnt, -nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt -Taclóban oder Taclóbang liegt am östlichen Eingang dieser Strasse, -hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila; -daher ist sie zum Stapelplatz für Leyte, Biliran, Süd- und Ost-Samar -geworden. [220] - -Auch der hiesige Guvernör erwies mir viel liebenswürdige -Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den -spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so -unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, über die Missstände -der Verwaltung sprechen. - -Am Tage nach meiner Ankunft in Taclóban entstand Nachmittags ein -Geräusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte -sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke über den Ort. [221] -Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich -gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzählen und bemerke -nur, dass der über 500 Schritt breite, gegen 50' tiefe Schwarm, dessen -Ende sich im Walde verlor, für nicht sehr bedeutend galt. Er brachte -Munterkeit statt Bestürzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemüht mit -Laken, Netzen, Fahnen möglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um -sie wie Dampier erzählt »in einer irdenen Pfanne über Feuer zu rösten, -bis ihre Beine und Flügel abfallen, und ihre Köpfe und Rücken die Farbe -gesottener Krebse annehmen«, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt -haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen. [222] - -Die Heuschrecken sind eine der grössten Plagen der Philippinen -und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion -ultramarina IV. 604 enthält ein besonderes Gesetz über die Vertilgung -dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevölkerung -der betroffenen Ortschaften in grösster Anzahl unter Leitung der -Behörden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel -zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift -enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche -Leistungen bei öffentlichen Nothständen, stehn die Heuschrecken -zwischen den Seeräubern und Feuersbrünsten in der Mitte. Von allen -ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher -Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso -unzureichend wie anderwärts erweisen, sei nur eines hier erwähnt: -Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin -(Gracula sp.) einzuführen, »der aus Instinkt Heuschrecken frisst«. Im -Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China -ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311 -Dollar für Martinvögel verausgabt. - -Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagámi (in Leyte giebt es -Strassen) von Taclóban südlich nach Pálos und Tanáuan, zwei blühenden -Orten an der Ostküste. Kaum 1/2 Legua von letzterem ragt unmittelbar -am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von -krystallinischem Gestein hervor, graugrüner quarziger Chloritschiefer, -aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges würdiger -Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem -Frühstück im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am -folgenden Tage nach Buráuen. [223] - -Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen -stellenweis den dichten Wald, das Land ist spärlich bewohnt, die -Menschen scheinen aufgeweckter und sind schöner und reinlicher als -in Samar. Südlich von Buráuen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan, -an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel -für die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer -Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf führte, auf -Büffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen -der Schenkel auf dem breiten Rücken der riesigen philippinischen Büffel -ermüdend. Eine Viertelstunde hinter Buráuen überschritten wir den -SW. NO. fliessenden 100' breiten Dagúitan, dessen Bett voll grosser -vulkanischer Blöcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem -breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150' breiten, beide -letztere, Arme des Buráuen; sie fliessen WO. und münden bei Dulag. Der -zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden. - -Wir übernachteten in einer Hütte am nördlichen Abhang des Manacagan, -welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind -unaufgefordert geräumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So -erfordert es die Landessitte, wenn der Raum für beide Theile zu -klein ist -- dafür wird keine Entschädigung beansprucht und wohl nur -selten gewährt. - -Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und überstiegen um 6 Uhr -30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem -Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine -Flüsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag -die Küste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Süden die grosse -weisse Schutthalde des Berges Dánan durch die Bäume schimmern. Um 9 -Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter -südlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird. - -Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen -bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o -sublimirter, der in seinen Zwischenräumen noch viel Kondensationswasser -enthält, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem -die überwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon -Kokosöl, - -6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6 -Arroben Inhalt und schmilzt unter beständigem Umrühren. Nachdem -der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschöpft, wird -neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis -3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon -durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hölzerne Kasten -gegossen, zu Blöcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hälfte des -verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den ölgetränkten -Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen -Bambusgittern wirft. Das Oel tröpfelt in eine darunter befindliche -geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis -des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1 1/2 und 4 1/2 Dollar -per Pico. Ich sah die mit Thon gefüllten Gestelle, aus denen das -Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit -angesehn, und weiss nicht zu erklären, weshalb das Oel zugesetzt -wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen -und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen -scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt, -den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der -im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von -Kohle aus dem Oele schwarz gefärbt und würde erst durch Destillation -gereinigt werden müssen. Von einer solchen erwähnten indessen die -Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht -vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe. - -Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12' -breiter heisser Bach (50°R.), der an seinen Rändern Kieselsinter -absetzt. - -Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200' hohen -Wänden; der Pflanzenwuchs hört allmälig auf, das Gestein ist -blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefärbt. An -zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem -Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter -biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an -der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren -von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss früher -viel thätiger gewesen sein als gegenwärtig; die durch Zersetzung des -Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag -gegen 1000' breit und wohl fünfmal so lang sein; am östlichen Ende -ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpfützen vorhanden, und rings -um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwühlten Boden stösst, -Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich, -sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bändern über -einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus. - -Im Süden, dem Joch, das nach Buráuen führt, gerade gegenüber sieht man -in einer Höhle im weissen zersetzten Gestein ein 25' breites Becken, -aus welchem kieselsäurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich -ausfliesst. Die Decke der Höhle ist mit Tropfsteinen behangen, die -mit gediegenem Schwefel überzogen sind oder gänzlich daraus bestehn. - -Am oberen Abhange des Berges Dánan, nahe am Gipfel setzt sich so -viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdämpfen ab, dass er mit -Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die kühlende -atmosphärische Luft geschützten Spalten schmilzt er zu dicken braunen -Krusten zusammen. Die Solfatara des Dánan liegt genau S. von jener -unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der -Kieselsäure zurückbleibende Thonerde wird durch den Regen in das -Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grösster Theil -von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan, -sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen -Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verändert, fand ich etwa 500 -Schritte lang, 100 breit. Von der Höhe der Solfatara erblickt man -durch eine Kluft genau S. einen etwas grösseren Süsswasser-See von -bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jaruánan. Die Nacht wurde in einem -verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am -folgenden Morgen stiegen wir über das Bergjoch im Süden, dicht neben -der Solfatara des Dánan vorbei, in 1/2 Stunde zum See Jaruánan hinab. - -Dieser See, so wie der Malaksan flösst den Eingeborenen wegen der -bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara abergläubische Furcht -ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder -Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu -können, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine -Begleiter ungefährdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne -Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen -und grossem Jubel, als wollten sie sich für die lange Zurückhaltung -entschädigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die -Sondirungen ergaben für den mittleren Theil des Beckens, das am -Südrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe; -die grösste Länge des Sees beträgt gegen 800 Varas (668 Meter), die -Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein über den -Bergrücken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurückkehrten, -kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorüber: -drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher -Höhe abgestutzte Aeste trugen eine Hütte von Bambus und Palmenblättern, -8' im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in -Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und -unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden, -in dem Betel verkauft wurde. - -Am Tage nach meiner Rückkehr in Buráuen fuhr mich ein gefälliger -spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute -fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dúlag, das gerade westlich -am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3 -Leguas) beträgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guíuan, -die Südspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland, -und weiter südlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen -Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521) -erblickte. In Dúlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise -nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Beförderungsmittel -und des Proviants und mehr noch die rücksichtsvolle Berathung aller -Vorschläge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in -Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot) -südwärts die Küste entlang zur Mündung des Rio Mayo, der nach der Karte -und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir -fuhren in einem Nachen aufwärts, wurden aber an der ersten Hütte -belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu -erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch -Mangel einheitlicher Leitung herbeigeführte Abenteuer verzögerten -unsere Ankunft in Abúyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs -zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss -zu überschreiten. Die Entfernung des letztern von Abúyog, auf -Coello's Karte zu gross angegeben, beträgt nach einer Messung des -Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag. [224] - -Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen -über den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende -Angaben über die Entfernung, Alle stimmten aber überein, den Weg dahin -abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens -zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste. - -Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an -den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwärts -zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen -Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer über den Strom gestürzte -Bäume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde -wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse führte. Hier bauten wir -Bambusflösse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen -halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir -fanden ihn mit grünen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien -und 6 bis 7' hohen breitblättrigen Riedgräsern fasste ihn ein, in -S. und W. erheben sich niedrige Hügel, von der Mitte erscheint er -fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an -(4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abúyog kann nur wenig über -1 Legua betragen. Mit Hülfe einer aus Lianen zusammengeknüpften -Schnur und alliniirter Stäbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas = -977 Met. (die breiteste Stelle dürfte wenig über 1000 Met. betragen); -die Länge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf -1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben -ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern -hätte ich die Verhältnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit, -Unzugänglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres -Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen. - -Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber -eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm -und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Hütte, deren Insassen -zwar als Cimarronen jedoch in Fülle und mit grösserer Bequemlichkeit -als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische -waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu würzen, -und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren. - -Die Häufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung -einer eigenthümlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf -von deren Annäherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur -geleitet zu werden. Ein über tausend Fuss langes aus Bananenstreifen -zusammengeknüpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das -eine Ende ist an einer mit Wasser gefüllten, über dem Schlafplatz -des Jägers aufgehängten Kokosschale befestigt. Berührt ein Schwein -das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser über den Schläfer -ausgeschüttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten -lässt, zu seiner Beute führt. Die Hauptbeschäftigung unserer -Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass -die rohesten Vorrichtungen genügten. Nicht einmal ein Nachen war -vorhanden, sondern nur lose zusammengefügte Bambusflösse, auf denen -die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend, -zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge -und in so beträchtlicher Grösse wie in diesem See gesehn habe. Einige -schwammen an der Oberfläche mit ihrem Rücken aus dem Wasser ragend -langsam herum. Auffallend war die völlige Sorglosigkeit, mit welcher -selbst zwei kleine Mädchen angesichts der grossen Ungethüme im Wasser -wateten. Zum Glück scheinen letztere sich mit ihren reichlichen -Fischrationen zu begnügen. Es sollen vier Arten Fische im See -vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine. [225] - -Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller -Frühe betrunken. Dies führte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der -Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl -verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben -damit einträglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die -Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften -Farben geschildert hatte. [226] Wir fuhren auf unsern Flössen bis -zur Stelle zurück, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa -1500', gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16' hohes wildes Rohr -(Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blüthenbüscheln und -fuhren zur Barre, von wo wir nach 1 1/2 stündigem Marsche Abuyog -erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande -nach Buráuen zurück, wo wir Nachts eintrafen, früher als unsere -Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten -schlafend antrafen. - -Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein -Verkauf unter gewissen Beschränkungen den Bauern gestattet. Neuerdings -war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen, -und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so äusserst niedrigen -Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehört hatte. Da aber die -Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte, -so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnächst der Zwangsbau -eingeführt werden würde, wie es auf ähnliche Weise an andern Orten -geschehen war. -- Die Ostküste von Leyte soll sich heben, während -an der Westseite das Meer die Küste zerstört, bei Ormog soll es in -6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein. - - - - - - - - -ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL - - LEBENSWEISE UND SITTEN DER BISAYA-INDIER. - - -Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte -(andre habe ich nicht näher kennen gelernt) gehören Einem Stamme -an. [227] Sie sind körperlich und geistig, in Charakter, Tracht, -Sitten und Gebräuchen so ähnlich, dass meine ursprünglich an -verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch -Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen, -die ein vollständigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine -Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten -zu lassen. - -Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele -Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Dörfern, sondern -unabhängig in den Wäldern leben. Ich habe leider keinen persönlichen -Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern -Samar's über sie erfahren, ist zu unzuverlässig, um wiederholt zu -werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder -ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre -Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie -bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht -absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen, -gern einige verstümmelte katholische Gebete herzusagen, die sie für -wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige -lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfüllen aber -sonst keine christlichen oder bürgerlichen Pflichten. Sie sind sehr -friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten -Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben -sammt Tribut und Frohnden übertreten, sind äusserst selten. Umgekehrt -ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wälder zurückziehn, -um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer -als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast -pflanzlichen Leben, das sie führen, nicht leicht in den Fall kommen, -ihr Dorf verlassen zu müssen, das mehr noch als in Luzon für sie die -Welt bedeutet. - -Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo -grössere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod -(hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lässt man das -Reisfeld in der Regenzeit nur von Büffeln durchtreten. Man säet an der -Westküste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von -November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis -vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalógan -sind nur sehr wenige bewässerte Reisfelder (Tubigan, von Tubig, -Wasser) vorhanden, deren Ertrag für das Bedürfniss nicht ausreicht, das -Fehlende wird aus andern Küstenplätzen der Insel ergänzt; Catbalógan -führt dagegen Abaca, Kokosöl, Wachs, Balate (essbare Holothurien), -getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostküste säet -man von November bis Januar und erntet sechs Monate später. Während -der übrigen sechs Monate dient das Feld als Weide für das Vieh; an -manchen Orten findet auch während dieser Monate, also von Juli bis -Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht -häufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren. - -Käufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewöhnlich wird es -durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei -Catbalógan war bestes Reisland mit 1 Dollar für eine Ganta Aussaat, -und an der Nordküste bei Láuang ein Feld, das jährlich 100 Cabanes -trägt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1 -Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quiñon, so -kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3 1/3 Thaler, im zweiten -3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und -Boden und empfängt als Zins die Hälfte der Ernte. [228] Der Reisbau -in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen, -durch die Abacákultur verdrängt, da die Guvernöre als sie noch Handel -treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder -und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird -gewöhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise -per Caban verkauft. Dergleichen Verträge pflegen selbst im Falle -der Vorausbezahlung pünktlich erfüllt zu werden. Bleibt ein Bauer im -Rückstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem -Händler bei der nächsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere. - -Bergreis (bei Catbalógan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert -kein andres Ackergeräth als das Waldmesser, um den Boden etwas -aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Löcher in Entfernungen von -6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskörnern zu machen. Man säet -von Mai bis Juni, jätet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm -für Halm. Der Schnitter empfängt 1/2 Real Tagelohn und Kost. Der -Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das -Land kostet nichts, der Arbeitslohn beträgt gegen 5 Realen per Ganta -Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der -Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel höher. Der Boden -wird nur ein einziges Mal für trocknen Reis benutzt; nach der Ernte -pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis -wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhältniss von 9 zu 8. - -Nächst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas), -Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Paláuán (ein grosses Arum mit -gefingerten Blättern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr -gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewöhnlich, -wenn der Reisbau vorüber ist, da während desselben wenig Arbeitskräfte -verfügbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lässt man in der -Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Ausläufer vermehren -und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhält man aber, -wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Für 1/2 Real erhält man -8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa für 3 bis 6 Sgr. [229] - -Abacá, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur -Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast -gar nicht ausgebeutet. - -Tabak wird auch gebaut; er durfte früher im Lande verkauft, muss -jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden. - -In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein -harziges Oel, Baláo oder Malapájo gewonnen; man erhält es von einem -Dipterocarpus (Apíton), einem der höchsten Bäume des Waldes, indem -man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlägt, -es beckenartig aushöhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften -Zuflusskanäle wieder zu öffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte -Oel wird täglich ausgeschöpft und ohne weitere Vorbereitung in den -Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung -des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaoöl getauchte -Nägel sollen, wie glaubwürdige Leute versicherten, noch nach zehn -Jahren völlig rostfrei sein. Hauptsächlich wird Balao als Firniss für -Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden; -es schützt auch die Hölzer gegen Termiten und andre Insekten. Das -Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das -Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur -in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsböden verwendet -man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosöl in -solchem Verhältniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken -Schleim bildet. Der Anstrich hält sich ein Jahr. [230] Wachs wird von -den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jährlich 200 bis 300 -Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico beträgt; in Manila ist -der Preis gewöhnlich 5 bis 10 Dollar höher; doch schwankt er sehr, -da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitäten und in sehr -unregelmässigen Zwischenräumen einkommt. - -Viehzucht ist trotz des üppigen Graswuchses und der Abwesenheit -reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Büffel sind -sehr selten und sollen spät, angeblich erst in diesem Jahrhundert, -eingeführt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den -Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser), -so wird der Büffel nur gebraucht, um alljährlich einmal den Boden des -Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der -Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in -der Nähe. Nur gelegentlich werden mehrere Büffel vor einen grossen -Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl -ist daher äusserst gering. Büffel, welche Reisland gut durchtreten, -werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar für -einen Büffelstier, 5 bis 6 Dollar für eine Büffelkuh. Rindvieh -wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr -geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb -verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei -Dollar für Jungvieh, fünf bis sechs Dollar für eine Kuh mag etwa der -Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren -drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar, -also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar -nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch -nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus -unter günstigen Verhältnissen von einem fetten Thiere für drei bis -vier Dollar erlöst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzüglich, -vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden -und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen, -benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu träge, um selbst Schafe zu -halten, und essen lieber das ganze Jahr täglich Hühnerfleisch. Auch -Shanghai-Schafe, die der Guvernör in Taclóban eingeführt hatte, -gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet -1/2 r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel -mehr. Man kauft sechs bis acht Hühner oder 30 Eier für einen Real. - -Eine Familie von Vater, Mutter und fünf Kindern braucht täglich nicht -ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hülse), welcher enthülst ungefähr -12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa 1/2 -r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben -10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. für Zuspeise -(Fische, Krabben, Kräuter, etc.), die aber gewöhnlich von den Kindern -gesammelt werden, endlich für Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3 -Blatt für 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und -Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak -wird in Leyte weniger genossen als in Samar. - -An Kleidungsstücken verwendet ein Mann jährlich: 4 grobe Hemden von -Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2 1/2 r., 2 Kopftücher -zu 1 1/2 r. (Hüte werden an der Süd- und Westküste nicht getragen) -und für die Kirchweih gewöhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1 -Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. -- Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas -von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1 -oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tücher zu 1 1/2 bis -2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen, -zu 2 r. und mehr nöthig. - -Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu -wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4 -Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterröcke (nabuas), 2 -Stück zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur -einmal angeschafft werden. In den ärmeren Ortschaften, in Láuang z. B., -werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann: -3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stück Guinara zu 2 r. geschnitten -werden; einen Salacot (Hut) gewöhnlich eigener Anfertigung, Werth -1/2 r. Eine Frau braucht jährlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas, -mit Einschluss einer feineren für das Fest, 8 r. Unterröcke werden -nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hälfte der -obigen Preise veranschlagt werden. - -Hausrath: Ein Kochtopf -- die Kochtöpfe, aus unglasirtem gebrannten -Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an -Reiskörnern ist ihr Preis; [231] -- mehrere Bambusrohre; Teller, -7 Stück à 2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.; -Kokosschalen statt der Gläser; einige kleine Töpfe, zusammen 1/2 r.; -1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grösseres Waldmesser) 1 Dollar; -1 Scheere (für die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung -selbst aus Bambus zusammenfügt, veranlasst keine baare Auslagen. - -Der Tagelohn unter den Eingeborenen beträgt 1/2 r., keine -Beköstigung. Europäer müssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie -nicht durch Begünstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen -niedrigen Tagelohn erhalten können, der dann ordnungsmässig in die -Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r., -die besten 3 r. täglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und -von 2 bis 6 Uhr Abends. - -Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu -machen versteht; es müssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und -die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht -angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe -betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es -werden Guinara fabrizirt, d. h. Abacázeuge, auch etwas Piña und -gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und -ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen -Häusern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden. - -An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute, -salzen und trocknen die Fische und tauschen dafür Reis ein. In den -Hauptstädten wird gewöhnlich für baares Geld gekauft; im Innern sind -Gewebe und getrocknete Fische sehr gebräuchliche Tauschmittel. Geld ist -dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers -in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung -an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalógan und -Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die -Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Küstenschifffahrt -östlich bis Guíuan, nördlich bis Catarman, selten bis Láuang statt. Die -Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden, -da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur -gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Küsten- und Flussschifffahrt -besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam, -Lasten können nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Träger, -der 1 1/2 r. ohne Kost erhält, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6 -Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe -Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1 1/2 Arrobas -trägt ein kräftiger Mann täglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang. - -Märkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will, -sucht es in den einzelnen Häusern; auf dieselbe Weise bietet der -Verkäufer seine Waaren an. - -Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und -den Dollar monatlich mit 1 r. (12 1/2 % pro Monat) verzinsen. Mehr -als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur -bis zu dieser Summe haftbar ist. Im östlichen und nördlichen Samar -sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen -Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den übrigen Bewohnern -des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen, -sondern nur Waaren zu einem Real per Monat für jeden Dollar des -Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so -wird ihm häufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der -Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn für die blosse Beköstigung dienen -muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein -Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen -in Catbalógan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die -Schuld zu tilgen, und an der Ostküste ein hübsches junges Mädchen, -das wegen einer väterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren -bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wüstlings stand. Man -zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bäumen; die vor -etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfändet, seitdem -vom Gläubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen -Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur -mit vieler Mühe, gegen Zahlung der ursprünglichen Schuld das Eigenthum -zurückzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren -2 1/2 Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jährlicher Frohnden -loszukaufen, und dann seinem Gläubiger ein ganzes Jahr lang dient, -weil er nicht im Stande ist, das Geld pünktlich zurückzuzahlen. [232] - -Die Bewohner von Samar und Leyte sind träger, nicht so reinlich als die -von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurückzustehn, -als diese hinter den Tagalen. Bei Taclóban, wo lebhafter Verkehr mit -Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen; -die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind -die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmüthig, folgsam und -friedfertig. Schimpfreden oder Thätlichkeiten kommen fast nie vor; -wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An -der Nord- und Westküste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen, -aber nicht an der Ostküste und in Leyte. Die äusserliche Frömmigkeit -ist überall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die -Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten -vorzüglich die häuslichen Geschäfte und sind zum Theil sehr geschickt -im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten -zu. Das Ansehen der Eltern und des ältesten Bruders ist sehr gross; -die jüngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen -und Kinder werden sehr gut behandelt. - -Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen -Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt, -wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist, -wie bei den Bewohnern von Samar. [233] - -Anstalten der Wohlthätigkeit sind auf keiner der beiden Inseln -vorhanden. Jede Familie erhält ihre Armen und Krüppel und behandelt -sie gut. In Catbalógan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000 -Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfänger (in Albay fehlte es nicht -an Bettlern). In Láuang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit -ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen -wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar -wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche -Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer -pünktlich bezahlt werden. Räubereien kommen auf Samar fast nie vor, -Diebstahl höchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos, -sie leisten nicht viel weniger als in Camarínes. - -Unter den öffentlichen Vergnügungen stehn die Hahnenkämpfe obenan, -werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den -Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen übersetztes Schauspiel, -gewöhnlich religiösen Inhalts aufgeführt, die Kosten werden durch -freiwillige Beiträge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der -Bevölkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge -Mädchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern -die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nächte -hintereinander, so lange Speisen und Getränke ausreichen. Der Freier -muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die -Braut heimführen kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er -speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die -Zuspeise selbst zu beschaffen. [234] Zu Ende der Dienstzeit baut -er mit Hülfe seiner Verwandten und Freunde das Haus für die neu zu -gründende Familie. - -Ehebruch ist häufig, Eifersucht selten und führt nie zu -Gewaltthätigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewöhnlich -zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt für den Einen und Trostworten -für den Anderen Alles wieder in's Geleise bringt. Ehefrauen -sind leichter zugänglich als Mädchen, aber auch diesen wird die -Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum -geschmälert. Mädchen unter väterlicher Gewalt werden in der Regel -streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlängern. Der -äussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den -Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthümliche Ansicht, dass -die Zahl der Frauen die der Männer übersteige (vergl. S. 45). Mütter -von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebären 12 bis 13 Kinder; -es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder -8 Kindern sind äusserst selten. - -Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen, -das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trägt, haben Viele -auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu -untersuchen, das einem sehr kühnen Verbrecher abgenommen worden -war. Es bestand aus einem Unzenfläschchen, vollgestopft mit feinen, -anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen -Stämmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und -muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig; -sobald ihm aber das Fläschchen entrissen war, gab er allen Widerstand -auf und liess sich binden. Fast in jedem grössern Dorf giebt es eine -oder mehrere Asuán-Familien, die allgemein gefürchtet und gemieden, -wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander -verheirathen können. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu -sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? -- Der Glaube ist sehr -allgemein und festgewurzelt. Darüber zur Rede gestellt antworteten -alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die -Asuánen jetzt noch Menschen frässen, aber ohne Zweifel hätten ihre -Vorfahren es gethan. [235] - -Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei -ihren Tänzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne -Geist, meist obszön. Denkmäler früherer Zivilisation haben sich nicht -erhalten. »Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte -sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit.« -(Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwähnt zwar, dass der König -von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel -zerstören liess, es mögen indessen wohl nur Bauten sehr vergänglicher -Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein -grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Götter in eigens erbauten -mit Blumen und Lampen geschmückten Laubhütten verehrten. Sie nannten -diese Hütten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen) -»und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder -einem Tempel ähnlich sieht«. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri, -(S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren -hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen -Anito genannte Götter an [236]; es gab auch einen See-Anito und -einen für das Haus, um die Kinder zu behüten. Unter diese Anitos -wurden ihre Grossväter und Urgrossväter versetzt, die sie in allen -Nöthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedächtniss bewahrten sie kleine -hässliche Bildsäulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie -Liche oder Laravan nannten. Auch zählten sie zu ihren Göttern Alle, -die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getödtet, oder von Krokodilen -gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf -einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die -von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: »Sie sind von Holz, konkav -oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geöffnet, auch die Beine, -die Füsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier -gewaltigen Zähnen, Eberstosszähnen ähnlich, und sind ganz bemalt. [237] - -Zum Schluss eine kurze Nachricht über die Religion der alten -Bisayer nach Fr. Gaspar (Conq. 169): Den Teufel oder Genius, dem -sie opferten, nannten sie Divata was einen Gegensatz der Gottheit, -einen gegen dieselbe Empörten zu bezeichnen scheint ... die Hölle -nannten sie Solad, den Himmel (in ihrer gebildetsten Sprache) Ologan -... die Seelen der Verstorbenen gehn auf einen Berg in der Provinz -Oton, welcher Medias heisst, wo sie sehr gut bewirthet und bedient -werden. Erschaffung der Welt: Ein Geier schwebt zwischen Wasser und -Himmel, findet keine Stätte, um sich zu setzen, das Wasser steigt -gen Himmel. Der Himmel wird zornig, erschafft Inseln. Der Geier -spaltet einen Bambus, daraus entstehn Mann und Frau, sie zeugen viele -Kinder und treiben sie als ihre Zahl zu gross geworden, mit Schlägen -aus. Einige verbergen sich in der Kammer, dies werden die Datos, -einige in der Küche, das werden die Sklaven, die übrigen gehn die -Treppe hinab und werden das Volk. - - - - - - - - -DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL - - DIE NEUEN ZOLLHÄFEN. -- STEINKOHLE IN CEBU. -- YLOILO. -- - AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES. - - -1830 wurden versuchsweise sieben neue Häfen geöffnet, wegen grosser -Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung -eines Zollamtes in Zamboánga, SW. Spitze von Mindanáo. 1855 wurden Suál -im Golf von Lingayen, einer der sichersten Häfen auf der Westküste -Luzon's und Yloílo auf Panay, 1863 Cebú auf der gleichnamigen Insel -für den direkten Verkehr mit dem Auslande geöffnet. - -Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zamboánga errichtet, das -die Seeräuberzüge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte, -sie aber doch sehr einschränkte. [238] Bis 1848 sollen von den Moros -jährlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein. [239] -Der Gründung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als -kommerzielle Rücksichten zu Grunde: man wollte den Seeräuberstaaten -der Solosee einen leicht zugänglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte -öffnen. Der Handel ist bis jetzt höchst unbedeutend; die Ausfuhr -besteht hauptsächlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der -wegen seiner nachlässigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee -gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers -(Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare -Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch -Chinesen betrieben, welche allein die dafür erforderliche Geduld, -Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen. - -Suál ist besonders für Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher -vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in -obigen Ländern die Ernten gut ausgefallen, trieb Suál nur Küstenhandel. - -Cebú, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der -Regierung und des Bischofs für die Bisayas, in 48 Stunden von Manila -im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so günstige Lage für den -östlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo für den westlichen und -wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojól erhält -es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abacá, von -Misámis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist -von Samar 26, von Leyte 7 1/2 von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt. - -Die Insel Cebú hat 75 quadr. M. Flächeninhalt, ein hohes Gebirge -durchzieht sie von N. bis Süd und scheidet die Ost- von der -Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschätzt, 4533 auf die -quadr. M. Die Bewohner sind friedfertig und gefügig, Diebstähle kommen -sehr selten, Räubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau, -Fischerei und Weberei für den eignen Gebrauch. Cebú produzirt Zucker, -Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber -der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land -vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingeführt. - -Die Insel besitzt beträchtliche Kohlenlager, deren nachdrückliche -Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret -vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist. [240] Während in Luzon und -Panay das Land grösstentheils Eigenthum der Bauern, gehört es in -Cebú meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen -Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer -wissen die Bauern durch wucherische Vorschüsse in Abhängigkeit zu -erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau -auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des -Archipels. [241] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050 -Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abacá nach -England, 112,000 Dollar Abacá nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak -nach Spanien. Die Einfuhr fremder Güter findet über Manila statt, -grösstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhäusern in -Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar, -davon 150,000 Dollar für englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr -der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989 -Dollar geschätzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein -Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgeführt. Früher kauften -die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische -Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach -Wegfall der hohen Maklergebühren, höhere Preise erhalten. Diesem der -Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmälige -Zunahme des Ackerbaues hauptsächlich zuzuschreiben. - -Yloilo ist der wichtigste der neu eröffneten Häfen, Zentralpunkt der -Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney -schätzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und -den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jährlich. Der -Hafen ist ausgezeichnet, völlig geschützt durch eine queer davor -gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe) -unmittelbar am Strande. Wegen der Barre müssen tiefgehende Schiffe -ihre Ladung ausserhalb derselben vervollständigen. Vor Eröffnung -der neuen Häfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre für die Ausfuhr -bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre ausländischen -Bedürfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen -der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr -erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht -N. Loney's geht hervor, wie günstig die Eröffnung von Yloilo schon -nach so wenigen Jahren auf die davon zunächst betroffenen Provinzen -der Inseln Panay und Negros gewirkt hat. - -Die höheren Preise, die für direkt ausgeführten Zucker gezahlt werden -konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschäfts, im Vergleich zu -dem früher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des -Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antíque und -Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als -möglich vergrössert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der -Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mühle; -bei den vorhandenen hölzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch -die Walzen gegangen, 30% Saft zurück. Jetzt verdrängen eiserne, durch -Dampf oder Büffel getriebene Pressen die hölzernen. Ihre Anschaffung -wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert, -da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhäuser auf -Kredit kaufen können. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen -Pfannen werden bessere aus Europa eingeführt. Mehrere grosse, -mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerüstete, durch Dampf -betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger -Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflüge, -Karren und Ackergeräthe werden immer häufiger. Diese Veränderungen -zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des über 200 -Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich -Ausländer niederlassen können. Ohne Letztere und die durch sie -herbeigeführten Krediterleichterungen wäre der schnelle Aufschwung -Yloilo's nicht möglich gewesen, denn die Handelshäuser der Hauptstadt -können ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders, -als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die früher -mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermögen, -seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Güter direkt in die Provinz -senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhändlern gegenüber -zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil -auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen -entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden, -da es auf jener Insel an Händen fehlt. - -Ausländer können jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und -vollgültige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch -Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes möglich -war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch -»Denuncia« erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den -betreffenden einheimischen Behörden das Stück Land, das er bebauen -will, und erhält, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen -Schein darüber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne -andre Kosten als Stempel und Gebühren den Besitztitel ausfertigt. - -Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nöthige Kapital zum -erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre -urbar gemachten Felder an europäische Kapitalisten und bilden so einen -Vortrab für bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt -aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begünstigen. - -Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus -werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken -in Negros an Flüssen, die hinreichend tief für flache Lastboote -sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren -verdoppelt. [242] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so -lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben. - -Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo -und selten über 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75 -bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist -das Geschäft lohnend. [243] - -Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen -Mestizen, 20 Europäer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere -mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug -2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind -»Acsa« (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthümer überlässt -ein Stück Land sammt Zugvieh und Ackergeräth zur Bearbeitung an einen -Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mühle zu liefern hat und -einen Theil (gewöhnlich ein Drittel) für sich erhält. In Negros wird -violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird -nicht gedüngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die -grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich; -Stoffe von Piña und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von -Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedürfnissen wird der Fleiss -steigen. - -Wie schon mehrfach erwähnt, scheinen Californien, Japan, China, -Australien die naturgemässen Hauptabnehmer für die Kolonial-Produkte -der Philippinen. Gegenwärtig freilich ist England der beste Kunde, -aber mehr als die Hälfte seiner Rechnung ist für Zucker, in Folge -eigenthümlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird -hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten -von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu können; die übrigen drei -Viertel müssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen, -trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise -von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte -Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen -Raffinör, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, während reinerer -10 bis 12 Sh. kostet. [244] - -So prämiirt das englische Zollgesetz die schlechte -Zuckerfabrikation. Dasselbe that bis 1862 die Kolonial-Regierung, -indem sie den Fabriken nicht gestattete ihre Molassen zu Rum zu -destilliren (s. S. 58). Man hatte daher wenig Lust, dem Zucker mit -Unkosten einen nicht zu verwerthenden Körper zu entziehn. Unter -normalen Verhältnissen deckt die Rumfabrikation nicht nur die Kosten -der Reinigung, sie liefert auch einen erheblichen Gewinn. - - - - - - - - -VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL - - ABACA ODER MANILA-HANF. - - -Eines der interessantesten Erzeugnisse jener Inseln ist der sogenannte -Manila-Hanf, von den Franzosen, die aber fast keinen Gebrauch davon -machen, wegen des seidenartigen Glanzes Pflanzenseide genannt. Bei -den Eingeborenen heisst die Faser Bandála, im Handel gewöhnlich -Abacá, wie die Pflanze von der sie gewonnen wird. Letztere ist eine -in den Philippinen ursprünglich wild wachsende Banane, auch árbol -de cáñamo (Hanfbaum) genannt, Musa textilis Lin. Sie unterscheidet -sich im allgemeinen Anblick nicht merklich von der essbaren Banane, -M. paradisiaca, einer der allerwichtigsten Kulturpflanzen warmer -Erdstriche, die als beliebte Zierpflanze unserer Treibhäuser Jedermann -bekannt ist. Ob die an andern Orten des indischen Archipels wild -wachsenden Musen (M. troglodytarum, M. sylvestris und andere), -häufig auch M. textilis genannt, derselben Art angehören, ist noch -nicht festgestellt. - -Die Musen sind nur krautartige Pflanzen, der scheinbare Stamm besteht -aus Blattstielen von mondsichelförmigem Querschnitt, die einander -umschliessend den dünnen zentralen Blüthenschaft umgeben. Diese -Blattstiele stecken voll Bastfasern und werden deshalb vielfach statt -Bindfadens benutzt, bilden aber keinen Handelsartikel. Als solcher -dienen bis jetzt ausschliesslich die in dem südöstlichen Theil der -Philippinen gewonnenen Abacáfasern. - -Besonders geeignet für den Anbau dieser Pflanze sind die Provinzen -Süd-Camarines und Albay, die Inseln Samar und Leyte und die umliegenden -Eilande, auch Cebu; ein Theil des »Cebu-Hanfs« kommt aber von -Mindanao. Auf Negros gedeiht die Bastbanane nur im Süden, nicht im -Norden, und Yloilo, das die meisten Abacá-Gewebe (Guináras) erzeugt, -muss den Rohstoff von den östlicheren Distrikten einführen, da er -auf der Insel Panay nicht gedeiht (In Capiz wächst wohl etwas Abacá, -es ist aber von geringem Werth). Alle Versuche den Abacábau auch in -den westlichen und nördlicheren Provinzen heimisch zu machen -- es -soll an ernstlichen Bemühungen nicht gefehlt haben -- sind bisher -misslungen; die Pflanzen wurden kaum zwei Fuss hoch, ihr Ertrag -deckte die Unkosten nicht. Als Ursache des Fehlschlagens gilt die -dort mehrere Monate dauernde trockne Jahreszeit; in den östlichen -Provinzen fallen das ganze Jahr reichliche Niederschläge. - -Der grosse Nutzen, den der Manilahanf seit einigen Jahren den -Produzenten abwirft, ermuthigt aber zu immer neuen Versuchen, -und so wird sich wohl bald zeigen, ob der Abacábau wirklich an sein -bisheriges enges Gebiet gebunden ist, während die essbaren Arten sich -innerhalb der Wendekreise über die ganze Erde verbreitet haben. Auf -den vulkanischen Bergen des westlichen Java wächst eine wilde Musa in -grosser Ueppigkeit, die Regierung hat sie aber nicht zum Gegenstand -nachhaltiger Kulturversuche gemacht, und der Privatunternehmungsgeist -ist dort bis jetzt durch das »Kultursystem« gefesselt. In verschiedenen -Schriften wird angegeben, dass im Norden von Celébes Abacá gewonnen -werde. Bickmore sagt aber ausdrücklich, dass die von den Residenten -mit grosser Anstrengung gemachten Versuche wieder aufgegeben wurden, -weil der Kaffeebau sich lohnender erwies. [245] Guadalupe soll auf -vorhergehende Bestellung Abacá (Fasern von M. textilis?) liefern -können. [246] Pondichery und Guadalupe sollen Abacágewebe und -Französisch-Guiana Stoffe von Fasern essbarer Bananen ausgestellt -haben. [247] [248] Alles dies sind aber nur Versuche. - -Nach Royle [249] übertrifft die Abacáfaser den russischen Hanf an -Festigkeit, Leichtigkeit, Tragkraft und Billigkeit, und steht ihm -nur darin nach, dass die daraus gefertigten Taue bei Regenwetter -steif werden, was aber an der Art des Verspinnens liegen und durch -zweckmässige Behandlung zu vermeiden sein soll. [250] In der That -werden diese Uebelstände jetzt z. Th. durch bessere Bereitung des -Rohstoffs in Manila vermittelst geeigneter Maschinen beseitigt. Den -Vortheil grösserer Billigkeit hat das Abacá gegenwärtig nicht mehr, -da die Nachfrage viel schneller zunimmt, als sie befriedigt werden -kann. Während es 1859 in London 22 bis 25 £ per Tonne galt, kostete -es 1868 45 bis 50 £, russischer Hanf 31 £, es war also in 9 Jahren -auf das Doppelte gestiegen. - -In Albay werden etwa zwölf Abarten von Bastbananen gebaut, deren -Wahl sich nach der Beschaffenheit des Bodens richtet. Die Kultur -ist äusserst einfach und von den Jahreszeiten unabhängig. Am besten -gerathen die Pflanzungen auf den Abhängen vulkanischer Berge, -woran Albay und Camarines so reich sind, auf Waldlichtungen, in -denen jedoch schattengebende Bäume in Entfernungen von etwa 60 Fuss -stehn bleiben. Auf offenen Flächen gelingen sie weniger, in Sumpfland -gar nicht. - -Zur Anlage einer neuen Pflanzung werden gewöhnlich junge Triebe -benutzt, die in solcher Fülle aus der Wurzel sprossen, dass jedes -Individuum bald zu einem Busch wird. Auf gutem Boden lässt man daher -Abstände von wenigstens 10 Fuss zwischen den Pflanzen, auf geringerem -6 Fuss. Die ganze Arbeit beschränkt sich auf gelegentliche Vertilgung -des Unkrautes und Unterholzes während der ersten Zeit; später wuchern -die Pflanzen so üppig, dass sie keine andere neben sich aufkommen -lassen, dann sind auch schattengebende Bäume nicht mehr nöthig, -da die jungen Triebe unter den wedelartigen Blättern der alten -hinreichenden Schutz gegen die Sonnengluth finden. Nur in seltenen -Fällen, bei Uebersiedelung in entfernte Gebiete, werden Pflanzen -aus Samen gezogen. Zu dem Zwecke schneidet man die Früchte ab und -trocknet sie, doch dürfen sie nicht überreif sein, da die Kerne sonst -nicht keimen. Letztere haben die Grösse von Pfefferkörnern (bei den -essbaren Arten sind sie fast bis zum Verschwinden verkümmert). Zwei -Tage vor dem Aussäen werden die Kerne aus der Frucht genommen, über -Nacht in Wasser gelegt, am folgenden Tage im Schatten getrocknet, am -dritten Tage ausgesäet, in zolltiefe Löcher, auf frisch umgegrabenen -hinreichend beschatteten Waldboden, mit 6 Zoll Abstand zwischen den -Pflanzen und Reihen. Nach einem Jahre pflanzt man die dann etwa 2' -hohen Sämlinge um und behandelt sie weiter wie Wurzeltriebe. Während -viele essbare Bananen schon nach einem Jahre Früchte tragen, einige -sogar schon nach 6 Monaten, braucht die Abacá im Durchschnitt 3 Jahre -bis zur Bastreife, wenn sie aus Wurzeltrieben; vier Jahre, wenn sie -aus ein Jahr alten Sämlingen gezogen wird; unter den günstigsten -Verhältnissen 2 Jahre. - -Bei der ersten Ernte schneidet man von jedem Busch nur einen Stamm, -später nimmt der Nachwuchs so schnell zu, dass alle paar Monate -geschnitten werden kann; [251] nach einigen Jahren wird die Pflanzung -so dicht, dass es kaum möglich ist, durchzudringen. Am besten ist der -Bast zur Zeit, wo die Blüthe ansetzt, doch wird, wenn die Faser hoch -im Preise steht, dieser Zeitpunkt nicht immer abgewartet. - -Pflanzen, die geblüht haben, werden gar nicht ausgebeutet, angeblich -weil ihre Faser zu schwach ist. Eine so zartfühlende Rücksicht für -den unbekannten Konsumenten jenseits des Weltmeers trotz dringender -Nachfrage und mangelnder Aufsicht wäre befremdend. Auch ist kein -Grund ersichtlich, weshalb die Faser schwächer werden sollte durch -den Vorgang der Fruchtbildung, der doch nur zu den Gefässzellen in -Beziehung steht, die Umwandlung ihres Inhalts in lösliche Stoffe -und ihre allmälige Entleerung zur Folge hat, während die Faserzellen -dadurch nicht beeinflusst werden. Diese nehmen im Gegentheil mit dem -Alter der Pflanze an Festigkeit zu; haften aber, weil die entleerten -Zellen, durch Ablagerung harziger Stoffe an einander kleben, so fest -zusammen, dass es nicht möglich sein würde, sie ohne sehr vermehrten -Kraftaufwand und unzerrissen zu gewinnen. So mag die irrige Meinung -entstanden sein. Durch vorheriges Rösten, wie beim Hanf, liessen -sich vielleicht auch die alten Pflanzen verwerthen, jedoch nicht ohne -beträchtliche Erhöhung des Arbeitslohns, der schon jetzt den grössten -Theil der Darstellungskosten ausmacht. [252] - -Um den Bast zu erhalten, wird der Stamm dicht über dem Boden -abgeschnitten und von den Blättern und äussern Hüllen befreit; dann -löst man die einzelnen Blattstiele in Streifen ab, macht auf der -innern, konkaven Seite einen Querschnitt durch die Haut und reisst -sie sammt dem daran haftenden fleischigen Theil (dem Parenchym) ab, -so dass nur die äussere Haut möglichst rein zurückbleibt. Oder man -löst den Bast von dem unzertheilten Stamm. Zu dem Zweck macht der -Arbeiter einen schrägen Einschnitt in die Haut am untern Ende des -Stammes, fährt mit dem Messer unter den Zipfel, zieht einen möglichst -breiten Streifen der ganzen Länge nach ab, und wiederholt dies so -lange es lohnt. Dies Verfahren, ausgiebiger, aber zeitraubender als -das zuerst beschriebene und daher nur selten angewendet, heisst: -jagot, jenes: luni. Die Baststreifen werden dann unter einem drei -Zoll hohen, sechs Zoll langen Messer durchgezogen, das mit einem -Ende an einem elastischen Stock so befestigt ist, dass die Klinge -senkrecht über einem geglätteten Block schwebt, und am andern Ende, -dem Griff, mittelst einer an einem Trittbrett angebrachten Schnur -fest aufgedrückt werden kann. Der Arbeiter zieht die mehr oder -weniger gereinigten Bastreifen zwischen Block und Messer durch, -von der Mitte anfangend erst nach der einen, dann nach der andern -Seite. Das Messer darf nicht schartig oder gar sägenförmig gezähnt -sein, wie Padre Blanco angiebt. [253] - -In Lohn arbeitend liefern 3 Mann gewöhnlich 25 Pfd. per Tag. Einer -haut den Stamm um, löst die Blätter ab und trägt zu; ein Zweiter, -häufig ein Knabe, bereitet die Streifen, der Dritte zieht sie unter -dem Messer durch. Es kommt vor, dass einzelne Pflanzen bis 2 Pfund -Fasern liefern; der günstigste Durchschnitt beträgt wohl nur selten -ein Pfund, auf schlechtem Boden kaum den sechsten Theil. Der Besitzer -beutet die Pflanzung entweder selbst aus, oder durch Tagelöhner oder, -bei sehr niedrigen Marktpreisen, indem er den Arbeitern die Hälfte -des Ertrages überlässt. In diesem Fall soll ein tüchtiger Arbeiter -einen Pico in der Woche liefern können. Legt man den bei meiner -Anwesenheit ausnahmsweise niedrigen Preis, 16,5 r. für den Pico zu -Grunde, so gewinnt der Arbeiter in 6 Tagen den halben Betrag = 8,25 -r., täglich 1,375 r. Der Tagelohn war damals 0,5 r. und Beköstigung = -0,25 r., zusammen 0,75 r. - - - im Tagelohn: auf halben Antheil: - -Der Arbeiter verdiente also täglich 0,75 r. 1,375 r. -Der Arbeitslohn per Pico betrug 12,6 r. 8,25 r. -Der Nutzen des Pflanzers -nach Abzug des Arbeiterlohns 3,9 r. 8,25 r. - - -Die Ränder der Blattstiele, die viel feinere Fasern enthalten als -die Mitte, werden in zollbreiten Streifen besonders abgelöst und -mit starkem Druck mehrere Male unter dem Messer durchgezogen. Ihr -Produkt heisst Lúpis, steht hoch im Preise und wird zu feinen -inländischen Geweben benutzt, während die Bandála hauptsächlich zu -Tauwerk dient. [254] Das Lupis wird nach der Feinheit der Fasern in -vier Klassen sortirt (1o Binani, 2o Totogna, 3o Sogotan, 4o Cadaclan) -indem man ein Bündel davon in die linke Hand nimmt, und mit der rechten -die drei ersten Sorten in die Zwischenräume der vier Finger einreiht, -die vierte zwischen Daum und Zeigefinger behält. Diese letztere ist -für sehr feine Gewebe nicht mehr verwendbar, und wird daher häufig -mit der Bandála verkauft. Nachdem die feinen Sorten im Reis-Mörser -gestampft worden, um die Fasern geschmeidiger zu machen, werden diese -einzeln an einander geknüpft und zum Weben verwendet. - -Gewöhnlich wird die erste Sorte als Einschlag mit der zweiten -als Kette, die dritte als Kette mit der zweiten als Einschlag -verarbeitet. Dergleichen Gewebe sind fast so schön, wie Ananas-Stoffe -(Nipis de piña), kommen den feinsten Batisten an Feinheit gleich, -sind trotz der vielen kleinen vom Verknüpfen der Fasern herrührenden -Knötchen, die man bei genauerer Beschauung entdeckt, noch klarer, -auch starrer, und haben einen wärmeren gelblichen Ton. [255] In Bezug -auf diese letzten drei Eigenschaften, Klarheit, Starrheit und Farbe, -verhalten sie sich zum Batist etwa wie Pauspapier zu Seidenpapier. - -Die Herstellung solcher Stoffe auf sehr unvollkommenen Webstühlen -ist äusserst mühsam, da die nicht gesponnenen, sondern geknoteten -Fasern häufig reissen. Die feinsten Zeuge verlangen einen so grossen -Aufwand von Geschick, Geduld und Zeit, und steigen dadurch so sehr -im Preise, dass sie in Europa der billigen Maschinenarbeit gegenüber -keine Käufer finden würden. Selbst ihr schöner warmer Ton wird ihnen -von den an stark gebläute Wäsche gewohnten Europäerinnen zum Vorwurf -gemacht. Im Lande dagegen werden sie von den reichen Mestizinnen, -welche die Arbeit zu würdigen verstehn, sehr hoch bezahlt. - -Die Fasern der innern Blattstiele, die weicher, aber nicht so -stark sind als die der äussern, heissen Tupus und werden mit der -Bandála verkauft, oder zu inländischen Geweben, besonders zu Tapis -benutzt. Auch die Bandála dient zu Geweben, und in dem Theil des -Archipels, wo die Abacákultur einheimisch, besteht oft der ganze Anzug -beider Geschlechter nur aus grober Guinára. Noch gröbere starrere -Zeuge werden für den europäischen Markt bereitet, als Krinoline, -oder zum Fassonniren für Putzmacherinnen. - -Schon vor Ankunft der Spanier trugen die Eingeborenen Stoffe von -Abacá. Einen wichtigen Ausfuhrartikel bildet es erst seit einigen -Jahrzehnten. Dies ist zum grossen Theil dem Unternehmungsgeist -zweier amerikanischen Häuser zu danken und wurde nicht ohne viel -Beharrlichkeit und beträchtliche Geldopfer erreicht. - -Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der -Fasern Mühe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur -gegen Noth geschützte Eingeborene diese Mühe, wenn der Marktpreis -nicht sehr lockend ist. Auf regelmässige Lieferungen wäre bei niedrigen -Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Händlern -nicht eine Handhabe böte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht -ihnen Vorschüsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen -von Bandála aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des -Gläubigers tilgen müssen. [256] So lange das Produkt hoch im Preise -steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit -der Indier, Trägheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfähigkeit der nicht -kaufmännisch geschulten Zwischenhändler zuweilen beträchtliche Verluste -vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der -Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu -umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhändler -deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch müssen sie -liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld -besitzen. Dann führen die Indier bittre Klage über die Agenten, -die sie durch Vorschüsse unter wucherischen Bedingungen zu harter -unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewöhnlich Kreolen und -Mestizen) klagen über die schlauen habgierigen Fremden, die sich -nicht entblöden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu -locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich -verlieren beträchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine -der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebüsst, soll es den -an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen -sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen, -selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und -durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle früher -dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und -Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie -und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches -Recht, sind sehr neidisch auf die »fremden Eindringlinge, die sich -auf ihre Unkosten bereichern« und legen ihnen jedes Hinderniss in den -Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so müssten alle Fremde aus dem -Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden. [257] - -In derselben Weise werden die Chinesen als tüchtige zuverlässige -Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grössere -Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind -bisher durch die inländischen Arbeiter vereitelt worden, die jene -nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung -vertreiben. Auch den Kolonialbehörden wird vorgeworfen, dass sie die -Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthätigkeiten -beschützen. Dass bisher in den Philippinen grössere Unternehmungen in -der Regel nicht glückten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen -abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich -jenen Umständen zugeschrieben. Manche freilich erklären die Misserfolge -aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn -sie pünktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint -allmälig zu der Einsicht gekommen, dass die natürlichen Hülfsquellen -der Kolonie nicht erschlossen werden können ohne das Kapital und den -Unternehmungsgeist der Ausländer. Sie hinderte daher in neuer Zeit -ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden -endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden. - -Die nächste Zukunft scheint sich für die Abacákultur sehr glänzend -zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der -ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptsächlich in Amerika -verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwährend -im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abacá zum -Werth von 397,995 Dollar ausgeführt wurden, wonach sich der Werth per -Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmälig und hielt -sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte während des Krimkrieges, -der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Höhe -von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste, -deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen -normalen Verhältnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3 1/2 Dollar -herabdrückte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen -auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis -1860, sind seitdem allmälig gestiegen (nur während des amerikanischen -Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie während -des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie -fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwächst. 1866 -kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre -vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9 1/2 Dollar für ordinäre -Sorten. »Die Produktion hat in manchen Provinzen die äusserste Grenze -erreicht, eine Steigerung derselben ist für das Erste wenigstens -nicht möglich, da die ganze männliche Bevölkerung bereits an der -Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafür, dass reichlicher Lohn die -Faulheit der Eingeborenen zu überwinden vermag«. [258] - -Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu -bestätigen. - - -Nach 1861 1864 1866 1868 1870 1871 - -Grossbritanien 198,954 226,258 96,000 125,540 131,180 143,498 -N.-Amerik. Atlant. -Häfen 158,610 249,106 280,000 294,728 327,728 285,112 -Californien 6600 9426 14,200 15,900 22,500 -Europa Continent 901 1134 200 244 640 -Australien 16 5194 21,144 11,434 6716 -Singapore 2648 1932 3646 1202 2992 -China 5531 302 882 2294 - ======= ======= ======= ======= ======= ======= -Total 273,269 493,352 406,682 460,558 488,560 463,752 - - Balanza Preuss. Belg. Engl. Marktbericht - mercantil. Konsul- Konsul- Konsul- T. H. & Co. - Bericht. Bericht. Bericht. - - -Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer -zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen -ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe für den Bedarf -der Familie werden aber gewöhnlich im Hause selbst angefertigt. - -Als Surrogat für Abacá kommt seit einigen Jahren in zunehmender -Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den -Handel. Es sieht ungefähr so aus wie Abacá, entbehrt aber den schönen -Seidenglanz, ist schwächer, kostet 5 bis 10 £ per Ton weniger, wird -nur zu Tauwerk verwendet; seine Abfälle sind zur Papierfabrikation -gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz über den -Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen -davon wesentlich abweichenden ausführlichen Aufsatz mit Abbildungen -der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden -Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in -London über seine Herkunft herrscht, dürfte ein kurzer Auszug daraus -willkommen sein. Der Bericht erwähnt die grössere Schönheit der -Abacáfaser, aber nicht ihre grössere Festigkeit. [259] - - - Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel) - benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan's - und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur - Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan - wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus - der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten - Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente, - kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit - Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci - (spr. yachki, yax = grün, ki = agave), die zweite im Range, sie - wird nur für feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac = - weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich - die Fasern für die Ausfuhr, jede Pflanze jährlich 25 Blätter = - 25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, ähnlich No. 3, - aber gröber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Blätter klein, - daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein) - weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich - Fourcroya cubensis, Blätter schmal, 4 bis 5' lang. - - Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die - Gewinnung der Faser aus den Blättern und ihr Verspinnen zu Tauwerk - geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise - aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgeübt, - Abkömmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico - mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand. - - Der Sesalbau soll jährlich 95% Nutzen abwerfen. Ein Mecate = - 576 quadr. Varas enthält 64 Pflanzen, giebt 64 Pfd. reine Faser, - Werth 3 Doll. 84 C., nach Abzug der Kosten (1 Doll. 71) 2 Doll. 13 - C. Gewinn. Die Ernten beginnen 4 bis 5 Jahre nach Anlage der - Pflanzung und halten 50 bis 60 Jahre an. - - -Da es in tropischen Ländern kaum eine Hütte ohne Bananen giebt, so sind -schon Viele auf den Gedanken gekommen, dass es sehr vortheilhaft sein -würde, die Fasern dieser Pflanzen zu verwerthen, die jetzt gänzlich -verloren gehn und für den blossen Arbeitslohn zu haben wären, denn die -geringe Mühe des Anbaus vergelten die Bananen schon auf's reichlichste -durch ihren Fruchtertrag. [260] Für die Philippinen würde diese -Voraussetzung unter den bestehenden Verhältnissen wohl nicht zutreffen, -da es nicht einmal lohnt den Bast der ächten Abacápflanzen zu gewinnen, -sobald diese Früchte getragen haben. Die Faser der essbaren Arten -wäre doch wohl nur als Papierstoff zu gebrauchen, ihre Gewinnung -würde mehr kosten als die der ächten Bandála (s. S. 248). - -Im Sitzungsbericht der Society of Arts, London 11. Mai 1860 wird -eine von F. Burke in Montserrat erfundene Maschine zur Erzielung von -Bananen- und andern endogenen Pflanzenfasern besprochen. Während -frühere Maschinen der Faser parallel wirkten, arbeitet jene queer -gegen dieselben, wodurch sie vorzüglich rein erhalten werden; man -soll damit von der Banane 7 bis 9 % Faserstoff gewinnen. Die Tropical -Fibre Company hatte solche Maschinen nach Demarara, auch nach Java und -andern Orten gesandt in der Absicht, die Fasern der essbaren Bananen -zu Gespinnst und Papierstoff zu verwerthen. Auch lagen bereits Proben -also gewonnener Fasern aus Java vor, deren Werth für den Spinner auf 20 -bis 25 £ geschätzt wurde.(?) Es scheinen aber diese vielversprechenden -Versuche noch nirgends zu nachdrücklichem Betriebe geführt zu haben, -wenigstens wird in den mir zu Händen gekommenen Konsularberichten -nichts davon erwähnt. Bei der Bandalagewinnung in den Philippinen -hat sich die Erfindung nicht Eingang verschafft; selbst noch in -seinem neuesten Bericht (Aug. 1869) klagt der englische Konsul, dass -alle bisher von den Ingeniören ersonnenen Maschinen sich als völlig -unbrauchbar erwiesen. - -Der Nutzung des Bastes essbarer Bananen steht aber in den Philippinen -auch noch der Umstand entgegen, dass diese Pflanzen dort, nicht wie -an manchen Orten in Amerika, in grossen Gärten, sondern vereinzelt -um die Hütten gezogen werden; die Heranschaffung des Rohmaterials, -der Lokaltransport und die hohe Schiffsfracht würden den doch -immer nur mässig guten Stoff für Europa zu sehr vertheuern, -wenigstens wohl auf 10 £ per Tonne, während Spartogras (Lygaeum -spartum Loeffl.), das seit einigen Jahren in steigender Menge als -Papierstoff eingeführt wird, in London nur 5 £ die Tonne kostet. [261] -Einen andern billigen Papierstoff liefern die Kaffeesäcke aus Jute -(Corchorus capsularis). Sie dienen namentlich zur Darstellung festen -braunen Packpapiers, da es noch nicht gelingen will, die Faser zu -bleichen. Nach P. Symmonds verwenden die Vereinigten Staaten in -neuester Zeit viel Bambus. Ein sehr gutes Zeug soll die Rinde der -Adansonia digitata geben; besondere Beachtung aber verdiene der -Neu-Seeland-Flachs, da sich daraus gefertigtes Papier wegen seiner -grossen Zähigkeit vorzüglich für Werthpapiere eigne. - -Es darf indessen nicht übersehen werden, dass die zur Papierbereitung -verwendeten Lumpen von Leinen- und Baumwollenstoffen, die das -vorzüglichste Papier geben, ebenfalls für die blosse Mühe des -Einsammelns zu haben sind, dass sie die Kosten ihrer Herstellung schon -in der Form von Kleiderstoffen gedeckt, und sogar durch die Abnutzung -und durch vieles Waschen eine weitere Zubereitung erhalten haben, -die sie zur Papierbereitung geeigneter macht. - -Je mehr übrigens die Papierfabrikation fortschreitet, um so mehr -verdrängen einheimische Holzfasern, namentlich Holz und Stroh, -die schon gegenwärtig recht gute Pasten geben, jeden aus der Ferne -eingeführten Rohstoff. Dass England so viel Sparto bezieht, hat -wohl mit darin seinen Grund, dass es nur sehr wenig Stroh erzeugt, -weil es einen grossen Theil seines Getreidebedarfs in Körnern vom -Auslande empfängt. - - - - - - - - -FÜNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL - - DAS TABAKMONOPOL. - - -Für die Regierung ist der Tabak das wichtigste aller Landesprodukte; -sie hat den Anbau der Pflanze, ihre Verarbeitung und den Debit zum -Gegenstande eines umfassenden, rücksichtslos geübten Monopols gemacht -und zieht daraus einen beträchtlichen Theil ihrer Einkünfte. [262] -Soviel sich auch gegen die Zweckmässigkeit und Moralität mancher -anderer Einnahmequellen des Kolonialbudgets (Kopfsteuer, Spiel- und -Opiumpacht, Handel mit Brantwein und Ablasscheinen) einwenden lässt, -keine ist so gehässig und verderblich wie das Tabakmonopol. - -Oftmals ist im Laufe dieser Reiseberichte die Milde der spanischen -Regierung in den Philippinen gerühmt worden; in grellem Widerspruch -damit steht das Verfahren der Tabakregie: Sie nimmt den Bauern ohne -jegliche Entschädigung die Aecker, die sie zum Anbau notwendiger -Nahrungsmittel urbar gemacht hatten, zwingt sie durch harte -Körperstrafen auf dem konfiszirten Eigenthum ein Produkt zu bauen, das -sehr viel Mühe verlangt und unsichere Ernten giebt; sie klassifizirt -die gewonnenen Blätter willkürlich ohne Appell und zahlt dafür im -günstigsten Fall einen von ihr selbst festgestellten nominellen Preis --- im günstigsten Fall; ein solcher ist aber seit einer Reihe von -Jahren nicht mehr vorgekommen, Spanien bleibt jetzt regelmässig den -unglücklichen Bauern jenen kärglichen Lohn Jahre lang schuldig; die -Regierung prämiirt die Beamten, die von der verarmten Bevölkerung der -Tabakdistrikte höhere Erträge erpressen, und belohnt Denunzianten, die -ihr zum Tabakbau geeignete Felder nachweisen, indem sie die Spione an -Stelle der Eigenthümer in den Besitz der denunzirten Ländereien setzt. - -Zur Begründung dieser Anschuldigungen mögen hier einige §§. der in -Kraft bestehenden General-Instruktion [263] und weiter unten einige -Auszüge aus dem amtlichen Berichte des General-Intendanten Agius an -den Kolonial-Minister folgen: [264] - - - Kap. XXV. §. 329. Die Zwangskultur in Cagayan, Neu-Vizcaya, Gapan, - Ygorrotes und Abra bleibt bestehn. - - §. 331. Die General-Direktion der Regie ist ermächtigt, die - Zwangsarbeit auf andere Provinzen auszudehnen, oder da aufzuheben, - wo solche eingeführt ist ... sie darf diese Instruktionen ganz - oder theilweise umändern, - - §. 332 die Preise erhöhen oder herabsetzen. - - §. 337. Ansprüche oder Prozesse, die über den Besitz von - Tabakländereien vor den gewöhnlichen Gerichten anhängig sind, - hindern nicht, dass solche Ländereien zum Tabakbau verwendet - werden, im Gegentheil soll der Besitzer verpflichtet sein, sie - mit Tabak zu bebauen oder durch einen Stellvertreter bebauen zu - lassen; geschieht es nicht, so ernennt der Alkalde oder Richter - einen solchen Stellvertreter. - - §. 351. Die Kollektoren haben »Denuncias« d. h. Anzeigen, dass - zum Tabakbau fähiges Land brach liege, auch Privatländereien - betreffend, entgegenzunehmen, und falls der Boden zum Tabakbau - geeignet ist, den Besitzer zur Bestellung desselben, vorzugsweise - mit Tabak, aufzufordern. Nach Ablauf einer gewissen Frist wird - das Land dem Denunzianten übergeben. Durch diese Verfügung geht - der Besitz dem Eigenthümer zwar nicht verloren, doch verliert er - auf 3 Jahre alle Rechte und allen Niessbrauch. - - Kap. XXVII. §. 357. Eine Hauptpflicht der Kollektoren ist die - grösstmögliche Ausdehnung des Tabakbaus auf alle geeigneten - Ländereien, besonders aber auf den fruchbarsten, zuträglichsten - Boden. Ländereien, die obgleich zum Tabakbau passend, vorher - mit Reis oder Korn bestellt waren, sollen so weit thunlich durch - Waldlichtungen ersetzt werden, um Theuerungen möglichst vorzubeugen - und das Interesse der Eingeborenen mit dem der Renta in Einklang - zu bringen. - - §. 361. Damit die Eingeborenen, ohne die Arbeiten, welche der - Tabak verlangt, zu vernachlässigen, auch die zu ihrem Unterhalt - nöthigen Feldarbeiten verrichten können, wird die Grösse des von - je zwei Individuen zu bebauenden Tabaklandes auf 8000 quadr. Varas - (= 2 1/5 Morgen) festgesetzt. - - §. 362. Durch Alter oder Krankheit Unfähige und Wittwen - trifft obige Vorschrift nicht, sie sollen sich mit dem Pfarrer - verständigen, der jedem so viel Arbeit überweisen wird, als - seine noch vorhandenen Kräfte oder die Zahl der noch kleinen - Kinder gestatten. - - §. 369. Ein Kollektor, der von seinem Gebiet 1000 Fardos mehr - als in den früheren Jahren abliefert, erhält für den Ueberschuss - doppelte Gratifikation; doch nur wenn sich das Verhältniss der - Blätter I. Klasse zu den übrigen nicht verringert hat. - - §. 370. Desgleichen wenn die Menge im Ganzen nicht abgenommen - und die der Blätter I. Klasse um 1/3 zugenommen hat. - - Es folgen §§. welche die Gratifikationen der Lokalbehörden regeln. - - §. 379. Alljährlich hat jeder Gobernadorcillo eine vom Pfarrer - revidirte Liste sämmtlicher Ortsangehöriger beiderlei Geschlechts - und der Kinder einzureichen, die alt genug sind um auf dem Felde - zu helfen. - - §. 430. Die Beamten sollen die Einwanderung nach Cagayan und - Neu-Biscaya fördern und werden sogar angewiesen mit 5 Dollar - die Schulden solcher Individuen zu bezahlen, die ihre Provinz - schuldenhalber nicht verlassen dürfen. - - §. 436. »denn da durch Verordnungen des Buen Gobierno bestimmt - ist, dass ein Indier nicht in Anspruch genommen werden kann für - eine Summe die 5 Dollar übersteigt, und von einem Darlehn oder - einer einfachen Schuld herrührt, so kann die Beanspruchung einer - höheren Summe kein Hinderniss für die Auswanderung sein.« - - §. 437. Die Hacienda bestreitet die Reisekosten und den Unterhalt - der Einwanderer von Ilocos, - - §. 438. schiesst ihnen die Mittel zur Beschaffung von Vieh, - Geräth etc. bis zur ersten Ernte vor (obgleich der Indier nur - für 5 Dollar haftbar ist!). - - §. 439. Solche Vorschüsse sind zwar persönlich, aber das ganze Dorf - haftet dafür im Falle des Todes oder der Flucht des Schuldners. - - -Der Tabak (Nicotiana tabacum L.) wurde in die Philippinen, bald nach -Ankunft der Spanier durch Missionäre eingeführt, die den Samen aus -Mexico mitbrachten. [265] Der Boden, das Klima, der Anklang, den sein -Genuss bei den Eingeborenen fand, wirkten zusammen, um ihm schnell -grosse Verbreitung zu verschaffen. Nach dem Tabak von Cuba (und einigen -türkischen Gewächsen) [266] soll er der beste sein und in der Kolonie -behaupten Sachverständige, dass er selbst jenen bald übertreffen würde, -wenn die darauf begründeten Gewerbe frei wären. Dass Güte und Menge des -Produktes unter solchen Umständen beträchtlich zunehmen würden, wird -wohl kein Unbefangener bezweifeln; manche verstockte Beamte behaupten -freilich das Gegentheil. Es kann sich nur um die Frage handeln, bis zu -welchem Grade die an eine solche Maassregel geknüpften Erwartungen in -Erfüllung gehen würden, wobei allerdings nicht übersehen werden darf, -dass gerade die Sachverständigen, vielleicht zu grosse Hoffnungen -an die Abschaffung eines Systems knüpfen, das sie verhindert ihre -Fachkenntniss zu verwerthen. - -Thatsache ist aber, dass schon jetzt der heimlich gebaute Tabak, -trotz aller vom verbotenen Betriebe unzertrennlichen Mängel, selbst -von den Regiebeamten ihrem eigenen Fabrikat vorgezogen, von Vielen dem -Habana gleichgeschätzt wird und dass die Regie-Zigarren der Philippinen -in ganz Ostasien die beliebtesten sind. Reiche Kaufleute sogar, für -welche der Preisunterschied nicht in Betracht kommt, ziehen in der -Regel die Manila- den Habana-Zigarren vor. - -Nach Agius, (Memoria 1871.) dürfte der philippinische Tabak auf den -europäischen Märkten keinen andern Nebenbuhler haben, als den der -Vuelta abajo von Cuba, und müsste in den Häfen von Asien und Ozeanien -ohne Rivalen dastehen, (weil der Habana auf der langen Reise nach -jenen Ländern an Güte einbüsst), während er jetzt von Jahr zu Jahr -an Ruf verliert. - -Wenn es den Manila-Zigarren bisher nicht gelingen wollte, sich in -Europa einzubürgern, so liegt die Schuld daran, dass sie unter dem -Einfluss der Zwangsarbeit und der Insolvenz des Kolonial-Fiscus -immer schlechter werden, während das Produkt anderer Tabakländer, -in Folge der freien Konkurrenz sich verbessert. Ein wenig leidet ihr -Ruf wohl auch durch den sehr verbreiteten irrigen Glauben, dass sie -Opium enthalten. - -Wie sehr die Produktion durch Freigebung des Gewerbes zunehmen würde, -zeigt unter anderen das Beispiel von Cuba: Zur Zeit als die Regierung -den Tabak dort monopolisirte, reichten die Ernten nur ein einziges Mal -zur Deckung des innern Bedarfs, während sie gegenwärtig alle Märkte -der Welt versehen. [267] Höchst beachtenswerth in diesem Punkte -ist auch der Ausspruch des General-Kapitäns de la Gándara [268], -in einer Denkschrift die Maassregeln zur Verschärfung des Monopols -vorschlägt: »ginge der Tabakbau an das Privatgewerbe über, so würde -dieses vielleicht in wenigen Jahren dahin gelangen, fast alle Märkte -der Welt zu beherrschen.« Fast sämmtliche Inseln erzeugen Tabak; nach -der Güte des Produktes nehmen die Tabakgebiete folgenden Rang ein: -1o Cagayan und Ysabel, 2o Ygorrotes, 3o Insel Mindanao, 4o Bisayas, -5o Neu-Écija. - -Aus R. O. 20. Nov. 1625 (Razon general 11) ist ersichtlich, -dass schon damals der Verkauf von Betel, Palmwein, Tabak -u. s. w. Regierungsmonopol war. Es wurde aber wohl nicht streng -durchgeführt. Das Tabakmonopol in seinem jetzigen Umfang, welches -das ganze Gewerbe von der Aussaat der Pflanze bis zum Verkauf der -fertigen Produkte in die Hände der Regierung legt, ist erst durch den -General-Kapitän José Basco y Bargas eingeführt. R. O. 9. Jan. 1780 -(bestätigt durch R. D. 13. Dec. 1781) verfügt, dass die Tabakregie, -so wie in allen spanischen Besitzungen in dieser und jener Welt -(de uno y otro mundo), auch auf die Philippinen ausgedehnt werden soll. - -Bis zur Verwaltung dieses sehr eifrigen Guvernörs, zweihundert Jahre -lang, empfing die Kolonie jährlich Zuschüsse aus Neu-Spanien (Situado -de Nueva España). Um die spanischen Finanzen von dieser Last zu -befreien, führte Basco, den damals herrschenden national-ökonomischen -Ansichten entsprechend, die unmittelbare Ausbeutung der natürlichen -Hülfsquellen durch den Staat, ein Vorbild des fünfzig Jahre später -in Java gegründeten »Kultursystems« ein. In den Philippinen waren die -Verhältnisse dafür aber weniger günstig. Abgesehn von der geringeren -Unterwürfigkeit der Bevölkerung, lagen zwei Haupthindernisse im -Widerstand der Priester und im Mangel zuverlässiger Beamten. Von allen -durch Basco künstlich in's Leben gerufenen ländlichen Gewerben hat -sich nur die Indigobereitung als Privatindustrie, der Tabakbau als -Regierungsmonopol erhalten. [269] - -Zunächst beschränkte Basco das Monopol auf die unmittelbar um die -Hauptstadt gelegenen Provinzen, in welchen der Tabakbau allen, von -der Regierung nicht besonders dazu ermächtigten und verpflichteten -Personen bei strenger Strafe verboten wurde. [270] In den übrigen -Provinzen blieb der Anbau Jedem gestattet, doch durfte das Produkt -nach Abzug des Selbstverbrauchs nur an die Regierung verkauft werden. - -In den Bisayas kauften die Alkalden den Tabak für die Regierung und -lieferten ihn zu vorher festgesetzten Preisen an die k. Fabriken -in Manila; es war ihnen gestattet die Ueberschüsse der k. Kassen -zu diesem Zwecke zu benutzen. Ein schlechteres System hätte kaum -ersonnen werden können: der nur auf seinen Privatvortheil bedachte -Beamte duldete keinen Konkurrenten in seiner Provinz, benutzte seine -amtliche Gewalt, um den Produzenten auf das härteste zu drücken, und -hemmte dadurch die Produktion; die k. Kassen aber erlitten häufige -Verluste durch Bankerotte, da die Alkalden, welche 600 Dollar Gehalt -bezogen, und für die Berechtigung Handel treiben zu dürfen, eine -Patentsteuer von 100 bis 300 Dollar entrichteten, sich, um schnell -reich zu werden, in die gewagtesten Unternehmungen einliessen. Erst -1814 ward diesem Unwesen ein Ende gemacht. Alsbald stiegen auch die -Tabaklieferungen aus den Bisayas, da die Konkurrenz der Privathändler, -denen nun erst thatsächlich der Ankauf zufiel, obgleich ihn das Gesetz -schon seit 1839 gestattete, dem Pflanzer höhere Preise verschaffte, -als ihm die Habsucht des monopolisirenden Alkalden gewährte. - -Gegenwärtig gelten im Allgemeinen folgende Bestimmungen, an deren -Einzelheiten aber fortwährend geändert wird: Durch R. D. 5. Sept. 1865 -wird der Tabakbau in allen Provinzen gestattet, doch darf der Ertrag -nur an die Regierung zu einem von ihr festgesetzten Preise verkauft -werden. Der Aufkauf geschieht in Luzon und den angrenzenden Inseln nach -Fardos [271] durch Colleccion, d. h. direkt durch die Finanzbeamten, -welche den Bau der Pflanze von der Aussaat an zu leiten haben; in den -Bisayas durch Acopio, indem Regiebeamte den ihnen angebotenen Tabak -vom Bauer oder vom Spekulanten und zwar nach Quintales aufkaufen. - -In den Bisayas und in Mindanao ist Jedem erlaubt, Zigarren für seinen -eignen Bedarf selbst zu fabriziren, doch darf er keinen Handel damit -treiben. Dort werden den Tabakbauern auch Vorschüsse gemacht. In Luzon -und den benachbarten Inseln theilt die Regierung Samen und Sämlinge -aus. In Luzon und den Nachbar-Inseln darf auf Land, das zum Tabakbau -geeignet ist, nichts andres als Tabak gepflanzt werden. - -Da die Finanzverwaltung den Tabak nicht, wie freie Konkurrenz thun -würde, nach seinem wirklichen Werthe klassifiziren kann, so hat sie -den Ausweg ergriffen, die Preise nach der Blattgrösse festzusetzen; -auch soll die auf Erziehung der Pflanze verwendete Sorgfalt bis zu -einem gewissen Grade die Grösse der Blätter bedingen, die demnach -wenigstens ein Kennzeichen für die sorgsame Behandlung, wenn auch -nicht gerade für die Güte ist. [272] - -Wohl weiss man in Madrid, wie sehr das Tabakmonopol das Gedeihen -der Kolonie hemmt, die betroffene Bevölkerung drückt; dennoch sind -bisher die Regierungsmaassregeln darauf gerichtet gewesen, immer -höhere Einnahmen aus dieser bedenklichen Steuerquelle zu erpressen. - -R. O. 14. Januar 1866 befiehlt den Tabakbau in den Philippinen -so viel als irgend möglich auszudehnen um dem Bedarf der Kolonie, -des Mutterlandes und der Ausfuhr zu genügen, ohne dass Rücksichten -untergeordneter Art, die einer späteren Lösung vorbehalten bleiben -können, diese unbegrenzte Ausbreitung hemmen oder verzögern. In -der bereits zitirten Memoria schlägt der General-Kapitän »Reformen« -vor, die an die Geschichte der Gans mit den goldenen Eiern erinnern -(Pfropfen neuer Monopole auf die schon bestehenden, Ausbeutung durch -Generalpächter) und glaubt dadurch in weniger als drei Jahren den -Tabakertrag von 182,102 Quintales (Mittel der Jahre 1860/67) auf -600,000 und selbst 800,000 Q. steigern zu können. Einstweilen aber -solle die Regierung, um höhere Preise zu erzielen, ihren Tabak selbst -nach den Konsumtionsländern exportiren und dort verkaufen. Im Jahre -1868 ist dieser Vorschlag wirklich ausgeführt worden, der nach London -gesandte fand einen so guten Markt, dass in Folge davon verordnet -wurde, fortan in Manila keinen Tabak unter 25 Dollar p. Quintal -loszuschlagen. [273] Diese Bestimmung kann sich aber nur auf Tabak -der ersten drei Klassen beziehen, deren relative Menge in dem Maasse -abnimmt, als der Druck auf die Bevölkerung gesteigert wird. Selbst -aus den de la Gándara's Denkschrift beigefügten Tabellen ergiebt sich -dies deutlich: Während die Gesammternte von 1867 (176,018 Quintales) -nicht viel unter dem Mittel der Jahre 1860/67 (182,102 Q.) bleibt, -ist der Tabak I. Klasse von mehr als 13,000 Q. 1862, auf weniger als -5000 Q. 1867, gesunken. - -Die IV., V., VI. Klasse, die früher grösstentheils verbrannt wurden, -jetzt aber einen nicht unbeträchtlichen Theil der Gesammternte bilden, -sind im freien Verkehr geradezu unverkäuflich und können nur als -»Geschenk« für Spanien verwendet werden, das alljährlich unter dem -Titel atenciones a la peninsula über 100,000 Zentner empfängt. Wäre -die Kolonie aber nicht gezwungen, die Hälfte der Fracht für ihr -Geschenk zu bezahlen, so würde Spanien genöthigt sein, sich diese -»Aufmerksamkeiten« zu verbitten, denn nach dem Ausspruch des Chefs -der Regie ist jener Tabak grössten Theils von solcher Beschaffenheit, -dass er zu keinem Preise Käufer finden würde, da sein Werth weder die -Unkosten des Zolles noch der Fracht zu decken vermöchte. Dennoch ist -dieser Tabaktribut eine grosse Last für das Kolonialbudget, das trotz -seines Defizits nicht nur den Tabak zu beschaffen, sondern auch die -Verpackung, den Lokaltransport und die Hälfte der Fracht nach Europa -zu tragen hat. - -Vom März 1871, der goldenen Zeit, im Fall de la Gándara's Vorschläge -ausgeführt worden, seine Verheissungen in Erfüllung gegangen wären, -liegt ein trefflicher Bericht des General-Intendanten der Hacienda -an den Kolonial-Minister vor (s. S. 258 Anmerkung), der als Chef der -Regie die Schäden dieses Verwaltungszweiges schonungslos aufdeckt, -und auf die schleunige Aufhebung des Monopols dringt. Zunächst -wird auf amtliche Beläge gestützt, der Beweis geführt, dass der -Gewinn am Tabakmonopol viel geringer sei, als gewöhnlich angenommen -wird. Das Mittel sämmtlicher Einnahmen der Tabakregie für die 5 Jahre -1865/69 betrug nach amtlichen Rechnungen 5,367,262 Dollar, (für die -Jahre 1866/70 nur 5,240,935 Dollar) die Ausgaben sind nicht genau -festzustellen, weil darüber keine Berechnungen vorhanden sind, addirt -man aber die im Kolonialbudget aufgeführten betreffenden Ausgaben -zusammen, so erhält man 3,717,322 Dollar, wovon 1,812,250 Dollar -für Ankauf des Rohtabaks. Zu obigen die Tabakregie ausschliesslich -treffenden Ausgaben müssen aber noch verschiedene andere Posten -gerechnet werden, an denen dieser Verwaltungszweig betheiligt ist, -die sogar gänzlich oder zum grössten Theil wegfallen würden, wenn der -Staat das Tabakmonopol aufgäbe. Die Summe der Unkosten muss wenigsten -auf 4 Millionen Dollar veranschlagt werden, so dass dem Staate nur -ein Reingewinn von etwa 1,367,000 Dollar verbliebe, aber selbst auf -diesen ist in Zukunft nicht zu rechnen, denn wenn die Regierung -nicht schleunigst diesen Gewerbebetrieb aufgiebt, so wird sie zu -sehr bedeutenden unabweisbaren Ausgaben gezwungen sein. Namentlich -müssten dann Fabriken und Magazine neu errichtet, oder verbesserte -Maschinen gekauft, die Gehalte bedeutend erhöht, vor Allem aber -Mittel geschafft werden, nicht nur um die enorme Summe von 1,600,000 -Dollar zu zahlen, welche die Regierung den Bauern für die Ernten von -1869 und 70 schuldet, sondern auch um die Baarzahlung der künftigen -Ernten sicher zu stellen, »denn dies ist die einzige Möglichkeit, -den Verfall des Tabakbaus in den betreffenden Provinzen in dem Maasse, -als das Elend seiner unglücklichen Bewohner zunimmt, zu verhindern.« - -Nachdem Agius nachgewiesen, wie gering in Wirklichkeit jene -Ueberschüsse sind, wegen welcher die Regierung die Zukunft der -Kolonie preisgiebt, schildert er die aus dem Monopol hervorgehenden -Uebelstände, von denen ich hier nur einige in zusammengedrängter -Kürze zur Ergänzung des Eingangs Gesagten anführe: - -Die Bevölkerung der Tabakdistrikte, die nach Aufhebung der Regie die -reichste und glücklichste des gesammten Archipels sein würde, befindet -sich im tiefsten Elend. Sie wird grausamer behandelt als die Sklaven -von Cuba, die, wenn auch aus selbstsüchtiger Absicht, gut genährt und -verpflegt werden, während erstere die Produkte der Zwangsarbeit dem -Staate hergeben muss zu einem von ihm willkürlich bestimmten Preise, -einem Preise den er zahlt, wenn die immer schwierige und bedrängte -Lage des Schatzes es gestattet. Häufig fehlt es an Nahrungsmitteln, -da ihr Anbau verboten ist. Die unglückliche Bevölkerung, die keine -andere Mittel besitzt, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu befriedigen, -ist gezwungen mit ungeheuren Verlusten die Schuldverschreibungen eines -Schuldners zu veräussern, welcher ihm die Frucht der Zwangsarbeit zwar -abkauft, aber nicht bezahlt. Wegen eines so geringfügigen Nutzens -(1 1/3 Million) wird die Bevölkerung der reichsten Provinzen in -furchtbares Elend gestürzt, tiefgehender Hass zwischen Regierten und -Regierenden erzeugt, ununterbrochener Krieg zwischen Behörden und -Unterthanen. Es wird eine höchst gefährliche Klasse von Schmugglern -erzogen, die sich schon jetzt nicht auf blosses Schmuggeln beschränken, -und um die sich bei der ersten Gelegenheit die übrigen Unzufriedenen -wie um einen festen Kern schaaren werden. Die Regiebeamten werden -grober Bestechungen und Betrügereien beschuldigt, die wahr oder -unwahr grosses Aergerniss geben und zunehmende Missachtung der -Kolonialverwaltung sowohl, als des gesammten spanischen Volks -erzeugen. [274] - -Dass obige Denkschrift nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt -worden, scheint anzudeuten, dass man sich in Spanien allmälig -auch in weiteren Kreisen von der Unhaltbarkeit des Tabakmonopols -überzeugt. Trotz der vernichtenden Kritik von kompetentester Stelle -ist es aber dennoch fraglich, ob es aufgehoben werden wird, so lange es -auch nur Scheinerträge giebt. Im Kolonialministerium sind die gerügten -Schäden längst bekannt, aber wegen der häufigen Ministerwechsel und -der zunehmenden Geldnoth, welche die Regierenden, so lange sie im -Amte sind, zur rücksichtslosen Ausbeutung aller greifbaren Mittel -zwingt, unterbleiben selbst die dringendsten Reformen, wenn dadurch -augenblickliche Ausfälle entstehn. In Bezug auf das Tabakmonopol -pflegt man sich überdies mit der Hoffnung zu trösten, dass zunehmende -Nachfrage die Preise fortwährend steigern, einige besonders gute Ernten -und günstige Konjunkturen die Kolonialkasse von ihren Verlegenheiten -befreien würden, dann wolle man gern die Tabakregie aufgeben. - -Ein Umstand der in haushälterisch verwalteten Staaten zur -Beseitigung, des Monopols treiben würde, in Spanien aber vielleicht -gerade umgekehrt wirkt, ist das zahlreiche Beamtenheer, welches die -Tabakregie erfordert. Der Unzahl von Stellenjägern gegenüber muss es -den jeweiligen Ministern sehr willkommen sein, Gelegenheit zu haben, -ihren Kreaturen einträgliche Posten zu verschaffen, oder unbequeme -Personen auf eine ehrenvolle, für das Mutterland kostenfreie Art zu den -Antipoden senden zu können. (Die Kolonie muss nicht nur die Besoldung, -sondern auch die Kosten für die Hin- und Rückreise tragen.) Jedenfalls -machen sie so reichlichen Gebrauch davon, dass zuweilen in Manila neue -Aemter erfunden werden müssen, um die Ankömmlinge unterzubringen. [275] - -Zur Zeit meiner Anwesenheit konnten die k. Fabriken nicht so viel -Zigarren liefern als der Handel verlangte und es trat der sonderbare -Fall ein, dass die Grosshändler, welche die Zigarren in bedeutenden -Posten auf den Regierungs-Auktionen kauften, mehr dafür zahlten, als -dieselben Zigarren, einzeln gekauft, im Estanco kosteten. Um nun zu -verhindern, dass die Kaufleute ihren Bedarf den Estancos entnähmen, -war für diese ein Maximum festgesetzt, das kein Käufer überschreiten -durfte und eine komplizirte Kontrolle mit Spionage hatte darüber zu -wachen, dass Niemand durch verschiedene Boten in verschiedenen Estancos -grössere Mengen zusammenkaufte. Im Fall der Entdeckung konfiszirte -man dem Uebertreter den ganzen Vorrath. Jedem stand frei Zigarren -im Estanco zu kaufen, Niemand aber durfte einem Bekannten eine Kiste -Zigarren zum Kostenpreise ablassen. - -Mehrere Spanier, mit denen ich über diese auffallende Maassregel -sprach, billigten sie ganz entschieden, da ihnen sonst die Fremden -alle Zigarren fortholen würden, und sie nicht einmal in ihrer eignen -Kolonie eine preiswürdige Zigarre rauchen könnten. Es war aber, -wie ich später erfuhr, noch ein zweiter, triftigerer Grund für diese -Verordnung vorhanden. Da die Regierung in ihren Kassen die Goldunze -zu 16 Dollar Silber annahm, während sie im Handel weniger galt und -die Silberprämie einmal sogar auf 33 % gestiegen war, da ausserdem -wegen der unzureichenden Menge von Kupfergeld für den kleinen Verkehr, -die Scheidemünze abermals eine Prämie gegen den Silberdollar genoss, -so zwar, dass man bei jedem Einkauf der nicht wenigstens einen halben -Dollar betrug, 5 bis 15 % Abzug erlitt, wenn man einen Dollar gab, so -war es vortheilhaft im Estanco für eine Goldunze Zigarren zu kaufen, -und diese in kleineren Posten, wenn auch zum nominellen Preise des -Estanco wieder zu verkaufen, denn beide Prämien zusammen konnten im -extremen Falle 33 % + 10 % = 43 % betragen. [276] - -Eine Beschreibung des Tabakbaues nach eigener Anschauung kann ich -nicht geben; ich lasse einen kurzen Auszug aus der amtlichen Anweisung -(Cartilla agricola) folgen. - - - Anweisung wie die Samenbeete anzulegen. Ein geeignetes Stück - Land wird vierseitig abgegrenzt, zwei oder dreimal gepflügt, - von Unkraut und Wurzeln gesäubert, etwas abschüssig gemacht, - mit einem flachen Graben umgeben, durch Abzugsgräben in Beete von - zwei Fuss Breite getheilt. Die Erde auf demselben muss sehr fein, - fast zu Pulver zerrieben werden, sonst würde sie mit dem äusserst - feinen Tabaksamen nicht in innige Berührung kommen. Der Same - wird gewaschen, zum Ablaufen des Wassers in Tüchern aufgehängt, - Tags darauf, mit gleicher Menge Asche gemischt, auf die Beete - gestreut. Von der sorgfältigen Ausführung dieser Arbeit hängt - der spätere Erfolg ab. Nach einer Woche keimt der Same, die Beete - müssen sehr rein gehalten, bei trocknem Wetter täglich besprengt, - durch Decken mit Dornen gegen Geflügel und andre Thiere, durch - leichte Matten gegen Stürme und starke Regen geschützt werden. Nach - etwa zwei Monaten haben die fünf bis sechs Zoll hohen Pflanzen - gewöhnlich vier bis sechs Blätter und werden umgesetzt. Dies - geschieht, da die Samenbeete im September angelegt werden, Anfang - oder Mitte November. Eine zweite Aussaat findet am 15. Oktober - statt, sowohl aus Vorsicht gegen mögliche Misserfolge, als um - Pflanzen für die Niederungen zu erhalten. - - Von dem für den Tabak zuträglichsten Boden und seiner Bestellung; - vom Umpflanzen der Sämlinge. Man wähle Boden von mittlerem Korn, - ziemlich schwer; besonders empfiehlt sich der kalkhaltige, wenn er - reichlich mit verwesten Pflanzenresten gemischt und nicht weniger - als zwei Fuss tief ist, denn je tiefer die Wurzel eindringt, um so - höher erhebt sich die Pflanze. Daher sind in Cagayan diejenigen - Ländereien für den Tabakbau am besten, die alle Jahre durch die - Ueberschwemmungen des dortigen grossen Stromes unter Wasser - gesetzt werden, und alljährlich neue Schichten fruchtbaren - Schlammes erhalten. Auf solchem Boden angelegte Pflanzungen - unterscheiden sich daher sehr merklich von höher belegenen, - nicht also begünstigten. In jenen schiessen die Pflanzen, - sobald sie Wurzel geschlagen, schnell empor, in diesen wachsen - sie langsam und erreichen nur mittlere Höhe; dort entwickeln - sie in Menge grosse starke saftreiche Blätter, die eine reiche - Ernte versprechen, hier bleiben die Blätter kleiner und wachsen - spärlich. Aber die Niederungen sind Ueberschwemmungen ausgesetzt, - besonders im Januar und Februar, selbst noch im März, wenn - der Tabak schon umgepflanzt und ziemlich hoch geworden ist. In - solchem Falle ist alles rettungslos verloren, namentlich wenn - die Ueberschwemmungen zu einer Zeit eintreten, wann es zu spät - ist neue Pflanzungen anzulegen. Desshalb müssen auch hochgelegene - Felder bebaut werden, die bei gehöriger Pflege vielleicht denselben - Ertrag geben würden. Solche Felder sollten im Oktober drei bis - viermal gepflügt und 2 bis 3 mal geeggt werden. Die Felder in - den Niederungen können wegen der Ueberschwemmungen nicht vor Ende - Dezember oder Mitte Januar gepflügt werden, ihre Bearbeitung ist - dann leicht und einfach. Man wählt nun die stärksten Pflanzen in - den Saatbeeten aus, und versetzt sie mit Ballen in Entfernungen - von einer Elle in den zubereiteten Boden. - - Von der auf die Pflanzen zu verwendenden Sorgfalt. Im Osten jeder - Pflanze ist ein kleiner Schirm aus zwei Erdschollen aufzurichten, - damit sie gegen die Morgensonne geschützt, den Thau länger - geniesse. Sorgfältige Vertilgung des Unkrauts, Entfernung der - wilden Triebe. Besonders gefährlich ist auch ein Wurm der zuweilen - in Menge erscheint. Kurz vor der Reife sind Regen sehr schädlich, - denn um diese Zeit ist die Pflanze nicht mehr im Stande, die für - den Tabak so wesentliche gummiartige Substanz auszuscheiden, - die in Wasser löslich, ihr durch den Regen entzogen wird. Der - dem Unwetter preisgegebene Tabak bleibt immer ohne Saft, ohne - Güte und ist voll weisser Flecke, ein sicheres Zeichen seiner - schlechten Beschaffenheit. Der Schaden ist um so grösser, je - näher der Tabak seiner Reife. Die auf den Boden hängenden Blätter - faulen, und werden entfernt. Ist der Untergrund nicht tief genug, - so vergilbt eine gut gepflegte Pflanzung und vertrocknet fast. In - nassen Jahren kommt dies nicht leicht vor, da die Wurzeln dann - auch in geringer Tiefe hinreichende Feuchtigkeit finden. - - Abschneiden und Behandeln der Blätter im Trockenschuppen. Die - obersten Blätter reifen zuerst, sie sind dann dunkelgelb und - spröde. In dem Maasse als sie zeitigen, werden sie geschnitten, - in Bündel gesammelt, in bedeckten Karren nach den Schuppen - gebracht. An nassen, selbst an trüben Tagen, wenn die Sonne den - nächtlichen Thau nicht völlig verdampft, darf nicht geschnitten - werden. In den Schuppen zieht man die Blätter auf Schnüre oder - gespaltenes spanisches Rohr mit genügenden Zwischenräumen zum - Lüften und Trocknen. Die trocknen Blätter werden in Haufen - gelegt, die nicht zu gross sein dürfen, und öfter umgepackt. Es - muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass sie sich nicht zu - sehr erhitzen und zu stark gähren. Diese für die Güte des Tabaks - äusserst wichtige Behandlung verlangt grosse Aufmerksamkeit und - Geschicklichkeit und muss so lange fortgesetzt werden, bis die - Blätter nur noch einen aromatischen Tabakgeruch wahrnehmen lassen. - - Das nöthige Geschick für diese Hantirung ist aber nur durch lange - Uebung, nicht durch Vorschriften zu erwerben. - - - - - - - - -SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL - - DIE CHINESEN. - - -Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevölkerung zu sprechen, -den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden, -da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues -kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein dürfte. Von -jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen, -weder Feindseligkeit der Bevölkerung, noch Bedrückungen und Verbote -seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlächtereien -vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei -seetüchtigsten Provinzen China's musste schon früh den Verkehr -zwischen beiden Ländern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als -N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen -können. In einigen älteren Schriftstellern findet sich sogar die -Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft -unterworfen waren [277] und Pater Gaubil (Lettres édifiantes) erwähnt, -dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu -verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan's Ankunft -selbst im äussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den -Grabhöhlen gefundenen Porzellanschüsseln und Thongefässe zeigen, dass -der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln -des Archipels erstreckte. Für die junge spanische Kolonie bildete er -die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes -Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu fürchten, -dass die Junken ihre Frachten den Holländern bringen würden, wenn man -ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie -nicht ohne die Sangleyes bestehn, [278] die alljährlich in grosser -Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krämer, Handwerker, -Gärtner, Fischer über Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren -die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier -unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten, -die sie früher betrieben hatten (Morga). - -Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemüht, die Zahl der Chinesen -auf das äusserste Maass zu beschränken; denn damals wie heut wurden -letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen -Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich -wurden; den Geistlichen waren sie ein Gräuel als verstockte Heiden -»deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum -zu machen«; die Regierung aber fürchtete sie wegen ihres festen -Zusammenhaltens und als Angehörige des grossen Reiches, dessen -bedenkliche Nähe dem kleinen Häuflein Spanier Verderben drohte. [279] -Zum Glück für letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende -Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze -frei werdenden bösen Mächte brachten die Kolonie in äusserste Gefahr. - -Bei dem Angriff des grossen Seeräubers Limahong 1574 entging sie -nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte -ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter -dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich -von Gold sei? Man hielt sie für Spione und schloss aus ihrer -sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die -Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schürten das -Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen; -Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile fürchteten -sich vor einander und rüsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an, -unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000, -nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss -getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus -dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernör von Manila -hervor. Das merkwürdige Dokument zeigt in so überraschender Weise, -wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des -Kapitels in wörtlicher Uebersetzung mittheile. - -Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der -Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern -Lebensbedürfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder -so zugenommen, dass ein Gesetz [280] sie auf 6000 beschränkt, »denn -diese reichen aus für die Bebauung des Bodens«; zugleich wird als -Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitäns -gerügt, der für die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8 -Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevölkerung auf 30,000 (nach -Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000 -niedergemacht. »Die sonst so gleichgültigen Eingeborenen zeigten den -grössten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen -dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern.« [281] - -Schnell füllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lücke -wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den -chinesischen Seeräuber Kog-seng, der über 80 bis 100,000 Mann gebot -und Formosa bereits den Holländern entrissen hatte. Er forderte die -Philippinen zur Unterwerfung auf; sein plötzlicher Tod rettete die -Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch -gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird -in ihrem Ghetto niedergemetzelt [282], andre vertrieben, einige -stürzen sich vor Schreck in's Wasser, oder erhängen sich; eine -grosse Zahl flüchtet in kleinen Booten nach Formosa [283]. 1709 -hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Höhe erreicht, dass -sie der Empörung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit -Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste -der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller -preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: »denn unter dem Vorwande -des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und -rücksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so -betrügen sie die Philippinen jährlich um ungeheure Summen.« Sonnerat -klagt aber, dass Künste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt -hätten; zum Glück, fügt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des -Verbotes, durch Bestechung der Guvernöre und Beamten zurück. - -Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von -den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmännisches -Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der -von Europa eingeführten Waaren ist ausschliesslich in ihren Händen, -den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen für die Ausfuhr -theilen sie etwa zur Hälfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt -nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte -nach Manila zu führen. - -1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur -Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen -Verbannungsdekrete ausgeführt. Da aber das Privatinteresse der -Beamten mit dem der kreolischen Krämer nicht zusammenfällt, so -»strömen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei« -und machen bei der Invasion der Engländer (1762) gemeinschaftliche -Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Señor Anda [284], »dass alle -Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehängt werden sollen, -welcher Befehl sehr allgemein ausgeführt wird«. [285] Die letzte -grössere Chinesen-Schlächterei fand 1819 statt, als die Fremden im -Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu -haben; auch der grösste Theil der Europäer fiel damals in Manila der -Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont. - -Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den -chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des -Eingeborenen stören; daher waren die beschränkenden Gesetze besonders -gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau möchte man Chinesen wohl -zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewöhnlich. - -Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila -binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete dürfen in ihrem Parian -einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll -ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die -ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar, -Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen -aber 2, bezüglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden. - -1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die -Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen -lässt. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern ausländischen -Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der -General-Kapitän Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzuführen, -indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der -Abgaben verspricht. [286] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand -um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewöhnlich bald -dem Handel zu. - -In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen -geschlachtet oder vertrieben; man begnügt sich damit, ihre Thätigkeit -durch drückende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen -Händlern in Pangasinán ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12 -bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jährlich für Beschickung -der Wochenmärkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bücher -fortan spanisch zu führen (engl. Kons. Ber. 1869). - -Die Chinesen bleiben wie überall, so auch in den Philippinen, -ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie übertreten, ist nur -äusserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen -Rücksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen -sammt ihrer Frau, in Manila zurück. Sehr viele aber gründen Familien, -sind gute Hausväter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten, -fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevölkerung. - -Durch den härtesten Lebenskampf in ihrer übervölkerten Heimat erstarkt, -scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfähigkeit -ungeschwächt zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss, -Genügsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rücksichtslosigkeit -in bürgerlichen Geschäften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie -allmälig den Handel an sich. In allen Ländern Hinterindiens verdrängen -sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und -mehr auch ihre europäischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und -erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe. - -Die Auswanderung aus dem mit Menschen überfüllten Riesenreich hat -kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie -sich als ein gewaltiger Strom zunächst über die tropischen Länder -des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen, -die Neid oder ohnmächtige Vorsicht ihr entgegenstellen. - -Auf dem hinterindischen Festlande, in der Südsee, im indischen -Archipel, in den Südstaaten Amerika's scheinen die Chinesen bestimmt, -mit der Zeit jedes andere Element zu verdrängen, oder fruchtbare -Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrücken. - -In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen -begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen -Arbeitern betrieben, da europäische unerfüllbare Ansprüche stellen. - -Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser -Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika -knüpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu -werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfähigkeit dieser beiden -grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale -ihre Kräfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch -ihre thatkräftigsten Individuen vertreten. [287] Der Kampf wird mit -Anstrengung aller Kräfte geführt, denn kein anderes Land belohnt -die Arbeit mit so hohen Prämien. Die Bedingungen sind aber nicht -gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg, -die Behörde schützt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tückischen -Morde gesteigerte Misshandlungen des Pöbels, der sie als bescheidene -Arbeiter tödtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung -stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptsächlich -von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingeniöre die -Arbeiter aller anderen Nationalitäten durch Fleiss, Nüchternheit -und gutes Betragen übertrafen; was ihnen etwa an Körperkraft abging, -ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die -einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869 -in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch -keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgeführt wurden, und -zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission genügenden -Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie -ausführbar. [288] - -Im Gebiete der höchsten geistigen Thätigkeit ist das Uebergewicht -der Europäer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der bürgerlichen -Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben, -scheint der Preis den Chinesen zu gebühren. Auch bis zu uns dürfte -sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit -entbrannten Kampfe früher oder später fühlbar machen und maasslos -wachsenden Ansprüchen Schranken setzen. - -Dem amerikanischen Staatsmanne drängt die sich mehrende chinesische -Einwanderung schon gegenwärtig Fragen von höchster sozialer und -politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gänzlich -fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhältnisse -üben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den -andern Bürgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich -mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche -Rückwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die -Zustände in China üben? - -Diese Probleme, die hier nur vorübergehend angedeutet werden können, -hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and -Asia London 1870 behandelt. - - - -Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuñia, -Guvernör der Philippinen. - - - »An den grossen General-Kapitän von Luzon. Da ich in Erfahrung - gebracht, dass die Chinesen, die in das Königreich Luzon gingen, - um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden - sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tödtungen geforscht - und den König gebeten, Gerechtigkeit zu üben gegen diejenigen, - die so grosses Uebel veranlasst, damit künftig Abhülfe geschafft - werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen - Jahren, bevor ich als königlicher Kommissar hierher gekommen, ist - ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit - Erlaubniss des Königs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen, - um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er - fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den König) - diesen Betrüger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge - Gerechtigkeit die in China geübt wird. - - Es war zur Zeit des Ex-Vizekönigs und Eunuchen, als Tioneg und - sein Begleiter Namens Yanglion die erwähnte Unwahrheit sprachen, - und ich bat später den König, dass er sich alle Papiere in der - Angelegenheit Tioneg's übersenden und besagten Tioneg sammt den - Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwähnten - Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg - gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den König und sagte, - dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier - den Verdacht geschöpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie - deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht hätten; - und der König that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten - Yanglion, indem er befahl ihn zu tödten; und dem Tioneg befahl - er den Kopf abzuschlagen und in einen Käfig zu stecken, und - die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine - Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem König, damit er - befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer - andern; nämlich, dass zwei englische Schiffe an diese Küsten von - Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefährliche Sache - für China, und dass der König entscheide, was in diesen beiden - so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir - an den König, dass er Befehl geben möge, die beiden Chinesen zu - bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwähnten Dinge dem König - geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe, - die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so - solle man ihnen unverzüglich befehlen, von dort nach Luzon zu - gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie möchten Schelmen - und Lügnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzüglich - die beiden Chinesen umbringen, welche den Engländern den Hafen - gezeigt hätten, und in allem übrigen, was wir ihm geschrieben, - wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft - empfangen, der Vizekönig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt - diese unsere Botschaften an den Guvernör von Luzon, damit seiner - Herrlichkeit kund werde die Grösse des Königs von China und des - Königreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was - Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernör von Luzon - wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird, - welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte; - und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen, - welches zur Regierung von China gehört, sind sie damit nicht zu - Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden, - und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die - von Luzon von Hörensagen wohl wissen. - - Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lüge - Tioneg's so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele - von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem König anheim zu - stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tödtungen; und wir sagten: - das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und - war vor Alters nur ein Wohnsitz für Teufel und Schlangen und weil - (seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen - dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich - so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet, - indem sie Mauern aufgeführt, Häuser und Gärten angelegt, und andre - Dinge von grossem Nutzen für die Castillas; und da dies also ist, - warum haben die Castillas nicht Rücksicht auf diese Dinge genommen, - und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen - grausam zu tödten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den König - über die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns, - da er über die oben erwähnten Dinge zornig war, und sagte: aus - drei Gründen sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg - zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit - langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite - Grund war, weil man nicht wissen könne, ob die Castillas oder die - Chinesen den Sieg erlangen würden, und der dritte und letzte Grund, - weil die Leute, welche die Castillas getödtet hatten, schlechtes - Volk wären und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und - Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China - zurückgekehrt, welche Leute, so sagte der König, er wenig achte, - aus den oben erwähnten Gründen; und er befahl nur dem Vizekönig, - dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu - schicken, damit die von Luzon wissen, dass der König von China - ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit, - denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine - Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lüge Tioneg's - bestraft hat. Und da die Spanier weise und verständig sind, - wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen - umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darüber empfinden und - milde sind gegen die Chinesen, die übrig geblieben? Denn wenn die - Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die - vom Kriege übrig geblieben, zurückkehren, und das schuldige Geld - erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen - worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Königreich und - jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht, - so wird der König nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im - Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen, - mit Soldaten und Verwandten der Getödteten bemannt und mit den - übrigen Leuten und Königreichen, welche Tribut an China zahlen, und - sie werden Krieg führen ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf - wird man das Königreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut - an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadór - am zwölften des zweiten Monats.« - - - - Einen denkwürdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief - des Herrschers von Japan: - - Brief Daifusama's, des Herrschers von Japan, an den Guvernör Don - Pedro de Acuña im Jahre 1605. Ich habe von Eurer Herrlichkeit - zwei (Briefe) erhalten und alle Gaben und Geschenke, entsprechend - dem Verzeichniss. Unter dem was ich erhalten, war der Wein aus - Trauben gemacht; ich habe mich daran sehr erfreut. In früheren - Jahren bat Eure Herrlichkeit, dass sechs Schiffe kommen dürften, - und im vergangenen Jahre bat sie um vier, welche Bitten ich immer - gewährte. Das aber erregt mein grosses Missfallen, dass unter - den vier Schiffen, um die E. H. bittet, eines von Antonio ist, - welcher die Reise gemacht, ohne dass ich es befohlen; dies war - eine Sache von grosser Keckheit, und eine Geringschätzung für - mich. Will E. H. etwa das Schiff, das sie nach Japan senden - möchte, ohne meine Erlaubniss senden? Abgesehen davon haben - E. H. und Andre vielemal wegen der Sekten in Japan verhandelt - und viele Dinge diese betreffend erbeten, welches ich eben so - wenig gestatten kann; denn dieses Gebiet heisst Xincoco, welches - bedeutet »den Götzen geweiht«, die seit unsern Vorfahren bis heut - mit höchsten Lobpreisungen verehrt worden sind, deren Thaten ich - allein nicht ungeschehn machen und vernichten kann. Weshalb es - in keiner Weise statthaft ist, dass in Japan Euer Gesetz (Lehre) - verbreitet und gepredigt werde; und wenn E. H. Freundschaft halten - will mit diesen Reichen von Japan und mit mir, so thue sie das - was ich will, und das was mir nicht gefällt, das thue sie niemals. - - Endlich haben mir Viele gesagt, dass viele Japanesen, schlechte, - verdorbene Menschen, die in jenes Königreich gehn und viele - Jahre dort bleiben, darauf nach Japan zurückkehren, welches - meinen grossen Unwillen erregt; und deshalb gestatte E. H. von - jetzt fortan nicht, dass einer von den Japanesen in dem Schiffe - mitkomme, welches hierher geht und in den übrigen Dingen wolle - E. H. mit Ueberlegung und Vorsicht verfahren und solcher Art, - dass sie fortan nicht mein Missfallen errege. - - - - - - - - -SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL - - KURZER ABRISS DER GESCHICHTE. -- SCHLUSSBETRACHTUNGEN. - - -Die Philippinen wurden von Magellan am 16. März 1521, dem -S. Lazarus-Tage entdeckt, [289] aber erst 1564, nachdem mehrere -frühere Versuche fehlgeschlagen, gelang es Legaspi, der mit fünf -Schiffen von Neu-Spanien auslief, den Archipel für Philipp II. in -Besitz zu nehmen. Der Entdecker hatte die Inseln nach dem heiligen -Lazarus getauft, dieser Name wurde indessen nicht gebräuchlich; die -Spanier nannten sie hartnäckig die westlichen, islas del poniente -(s. S. 2), die Portugiesen islas del oriente; Legaspi gab ihnen ihren -gegenwärtigen Namen zu Ehren Philipps II., der ihnen seinerseits den -später wieder verschollenen Titel Neu-Castilien beilegte. [290] -Zunächst nahm Legaspi Cebu, dann Panay in Besitz, erst sechs -Jahre später (1571) eroberte er Manila, damals ein von Palissaden -umgebenes Dorf und begann sofort den Bau einer befestigten Stadt. Die -Unterwerfung der übrigen Gebiete geschah so schnell, dass sie bei -Legaspis Tode (Aug. 1572) im Wesentlichen vollendet war. Zahlreiche -wilde Stämme im Innern, die Muhamedaner-Staaten Mindanaos und -der Sulugruppe haben bis heut ihre Unabhängigkeit bewahrt. Der -Charakter der Bevölkerung sowohl als ihre politischen Einrichtungen -begünstigten die Besitznahme. Es gab kein mächtiges Reich, keine alte -Dynastie, keine einflussreiche Priesterkaste zu überwältigen, keine -nationalstolzen Ueberlieferungen zu unterdrücken. Die Eingeborenen -waren Heiden oder seit Kurzem oberflächlich zum Islam bekehrt und -lebten unter vielen kleinen Häuptlingen, die mit grosser Willkür -herrschten, einander befehdeten und leicht überwunden wurden. Eine -solche Gemeinschaft hiess Barangay; sie bildet noch heut, wenn auch -in sehr veränderter Form, die Grundlage der Gemeindeverfassung. - -Die Spanier beschränkten die Gewalt der eingeborenen Häuptlinge, -hoben die Sklaverei auf und verwandelten den Erbadel in einen -Dienstadel; sie führten aber alle diese Veränderungen mit Vorsicht, -sehr allmälig aus. [291] Die alten Gebräuche sofern sie nicht -gegen das natürliche Recht verstiessen, blieben zunächst bestehn und -hatten bei Prozessen Gesetzeskraft; in Kriminalsachen galt spanisches -Recht. Heut haben die Cabezas de Barangay ausser dem Titel Don und -der Befreiung von Kopfsteuer und Frohnden keine Vorrechte; sie sind, -abgesehn von Ausnahmen, zu unbesoldeten, aber mit ihrem Privatvermögen -haftbaren Steuereinnehmern geworden, -- eine Maasregel, deren Klugheit -bezweifelt werden mag; denn abgesehn davon, dass sie die Häuptlinge zu -Unterschleifen und Erpressungen verleitet, entfremdet sie der Regierung -eine Klasse von Eingeborenen, die eine Stütze ihrer Macht sein könnte. - -Wenn die vorgefundenen Verhältnisse die Eroberung ausserordentlich -erleichterten, so scheinen auch die ersten Guvernöre und ihre -Begleiter, die der Zeit angehörten, wo Spanien reich an Helden war, -sich durch Muth und Klugheit ausgezeichnet zu haben. Legaspi besass -beide Eigenschaften in hohem Grade. Angelockt wurden jene kühnen -Abenteurer, wie in Amerika, durch Privilegien, die ihnen die Krone -gewährte, und durch gehofften, zum Glück für das Land aber nicht -bestätigten Goldreichthum. In Luzon, so meldet Hernando Riquel [292], -sind viele Goldminen, an vielen Orten, die von Spaniern gesehn wurden; -das Erz ist so reichlich, dass ich nicht darüber schreibe, damit ich -nicht in den Verdacht der Uebertreibung komme; aber ich schwöre als -Christ, dass auf dieser Insel mehr Gold ist als Eisen in Biscaya. Von -der Krone erhielten sie keinen Sold, aber das förmliche Recht die -von ihnen eroberten Länder auszubeuten. Einige unternahmen solche -Eroberungszüge für eigene Rechnung, andere waren zur Verfügung des -Guvernörs und wurden von ihm je nach Verdienst mit Kommenden, Aemtern -und Benefizien (Encomiéndas, ofícios y aprovechamiéntos) belohnt. - -Die Kommenden wurden anfänglich für drei Generationen gewährt -(in Neu-Spanien für vier), aber sehr bald auf zwei Generationen -beschränkt; denn schon di los Rios [293] hebt dies als eine der -Krone sehr nachtheilige Maassregel hervor, »da sich nur wenige bereit -finden Sr. Majestät zu dienen, indem ihre Enkel in das äusserste Elend -gerathen.« Nach dem Tode des Belehnten fielen die Encomiendas an den -Staat zurück, der Guvernör verfügte von neuem darüber. Das ganze -Land war übrigens gleich Anfangs in Encomiendas getheilt worden, -deren bei Weitem grössten Theil die Krone zur Bestreitung ihrer -Ausgaben behielt. Dergleichen Lehne bestanden in einem mehr oder -weniger grossen Gebiet, dessen Bewohner dem Komthur (Encomendéro) -Tribut zahlen mussten; letzterer wurde aber in Produkten des Landbaues -zu einem vom Lehnsherrn selbst festgesetzten sehr geringen Werth -erhoben und mit grossem Vortheil an die Chinesen verkauft. Auch -begnügten sich die Lehnsherren nicht mit diesen Einnahmen, sondern -hielten die Eingeborenen als Sklaven, bis es durch R. C. und Breve -des Papstes [294] verboten wurde. »Kaffern- und -Negersklaven, welche -die Portugiesen über Indien einführten«, blieben noch gestattet. [295] - -Die alten Komthure beuteten ihre Lehne rücksichtslos aus. Schon -vom Interims-Guvernör Labezares (1572-75) meldet Zuniga (S. 115), -dass er die Bisayas besuchte und die Habgier der Encomendéros -zügelte, so dass sie wenigstens während seiner Anwesenheit in ihren -Erpressungen nachliessen. Gegen Ende von Lasánde's Regierung (1575-80) -bricht heftiger Streit zwischen Priestern und Komthuren aus, erstere -predigen gegen die Bedrückungen der letzteren und berichten darüber -an Philipp II., der König befiehlt die Indier zu schützen, da die -Habsucht ihrer Lehnsherren alle Schranken übersteige. Es ward nun -den Eingeborenen freigestellt ihren Tribut in Geld oder in natura -zu entrichten. In Folge dieser wohlmeinenden Verordnung scheinen -Ackerbau und Gewerbfleiss abgenommen zu haben, »da die Indier ohne -Zwang nicht über das äusserste Bedürfniss arbeiten mochten«. - -In Kürze mögen hier noch die Thaten Juán's de Salcédo erwähnt werden, -des ausgezeichnetsten jener Conquistadoren. Von seinem Grossvater -Legaspi mit 45 spanischen Soldaten unterstützt, rüstete er auf eigene -Kosten eine Expedition aus, schiffte sich im Mai 1572 in Manila ein, -zog die ganze Westküste der Insel hinauf, lief in alle, seinen kleinen -Schiffen zugänglichen Buchten und wurde an den meisten Orten von den -Eingeborenen gut aufgenommen. Grösseren Widerstand fand er gewöhnlich, -wenn er in das Innere drang, doch unterwarfen sich auch viele Stämme -des Binnenlandes, und als er die NW.-Spitze Luzon's, Kap Bogeadór -erreichte, erkannten die ausgedehnten Gebiete, welche gegenwärtig -die Provinzen Zambáles, Pangasinán, Nord- und Süd-Ylócos bilden, die -spanische Herrschaft an. Die Ermüdung seiner Soldaten zwang Salcédo -zur Umkehr. In Bígan, der jetzigen Hauptstadt von Süd-Ylócos, baut -er ein Fort und lässt darin seinen Lieutenant mit 25 Mann zurück, er -selbst aber kehrt um, begleitet von nur 17 Soldaten in drei kleinen -Fahrzeugen. So erreicht er den Cagayánfluss an der Nordküste, und fährt -denselben hinauf bis die grosse Zahl feindlicher Eingeborener ihn zur -Rückkehr an das Meer zwingt. Die Reise an der Ostküste fortsetzend, -gelangt er endlich nach Paracali, von da zu Lande an den See von Bay, -dort schifft er sich auf einem Nachen nach Manila ein, schlägt um -und wird, dem Ertrinken nahe, durch vorüberfahrende Indier gerettet. - -Inzwischen war Legaspi gestorben; von Labezares, der provisorisch die -Regierung führte, erfährt Salcédo kränkende Zurücksetzung. Als er -über seine Neider gesiegt, wird ihm die Unterwerfung von Camarines -aufgetragen, die er in kurzer Zeit vollbringt. 1574 kehrt er nach -Ylócos zurück, um seinen Soldaten Encomiendas auszutheilen und die ihm -zufallenden zu übernehmen. Noch mit dem Bau von Bígan beschäftigt, -sieht er die Flotte des grossen chinesischen Seeräubers Limahón, -der sich der Kolonie bemächtigen wollte, 62 Schiffe mit zahlreicher -Mannschaft, an der Küste vorüberfahren. Sofort eilt er mit allen -in der Nachbarschaft zusammengerafften Anhängern nach Manila, wo er -an Stelle des bereits gefallenen Maestro de Campo zum Befehlshaber -der Truppen ernannt, die Chinesen aus der von ihnen zerstörten Stadt -vertreibt. Sie ziehn sich nach Pangasinán zurück, Salcedo verbrennt -ihre Flotte; nur mit genauer Noth gelingt es ihnen zu entkommen. - -1576 starb dieser »Cortes der Philippinen«. (Zuñiga) - -Abgesehen von den Geistlichen, bestanden die ersten Ankömmlinge nur -aus Beamten, Land- und Seesoldaten (Morga 159); ihnen fiel daher -auch der hohe Gewinn am Chinahandel zu. Manila war der Stapelplatz -desselben und zog einen grossen Theil des hinterindischen an sich, -den die Portugiesen durch ihre Grausamkeiten aus Malacca verscheucht -hatten. Die Portugiesen sassen zwar in Macao und in den Molukken, es -fehlte ihnen aber die von den Chinesen fast ausschliesslich begehrte -Remesse, das Silber nämlich, das Manila aus Neu-Spanien erhielt. - -1580 fiel überdies Portugal mit allen seinen Kolonien an die spanische -Krone. Der Zeitraum von diesem Ereigniss bis zum Abfall Portugals -(1580-1640) bezeichnet zugleich die höchste relative Machtstellung -der Philippinen. Der Guvernör von Manila gebot über einen Theil -von Mindanao, Sulu, die Molukken, Formosa, und die ursprünglich -portugiesischen Besitzungen in Malacca und Vorderindien. »Alles was -vom Kap v. Sincapura bis Japan liegt, hängt von Luzon ab; seine Schiffe -befahren die Meere, gehn nach China, nach Neu-Spanien, und treiben so -reichen Handel, dass man ihn, wenn er frei wäre, den bedeutendsten -der Welt nennen könnte.« (Grav 30). »Es ist unglaublich, welchen -Ruhm diese Inseln der spanischen Krone verleihen. Der Guvernör der -Philippinen unterhandelte mit den Königen von Cambodia, Japan, -China, ersterer war sein Verbündeter, letzterer sein Freund, -sowie der von Japan. Er erklärte Krieg und Frieden ohne Befehl -aus dem fernen Spanien abzuwarten.« -- Aber schon begannen die -Niederländer den Kampf, den sie gegen Philipp II. führten, in jenen -fernen Erdwinkel zu tragen, und bereits 1610 klagt di los Rios, -dass er seit 30 Jahren das Land wegen der Fortschritte der Holländer -sehr verändert fände. Auch die Moros von Mindanao und Sulu wurden, -von den Niederländern unterstützt, immer unbequemer (Carillo 3). Mit -dem Abfall Portugals gingen auch die portugiesischen Kolonien wieder -verloren. Die spanische Politik, das Priesterregiment, der Neid der -spanischen Kaufleute und Gewerbetreibenden that das Uebrige um die -Entwickelung des Ackerbaus und des Verkehrs zu hemmen -- vielleicht -zum Glück für die Eingeborenen. - -Die spätere Geschichte der Philippinen ist in ihren Einzelheiten eben -so uninteressant und unerfreulich als die der spanisch-amerikanischen -Besitzungen. Fruchtlose Expeditionen gegen Seeräuber, Streitigkeiten -zwischen den geistlichen und weltlichen Behörden, bilden den -Hauptstoff. [296] - -»Als die ersten Zeiten des Glaubens und Waffenruhmes vorüber waren, -ergriff elende Selbstsucht die Gemüther, Veruntreuungen wurden zur -Regel, die meisten derjenigen, die später nach diesen entlegenen -Besitzungen gingen, pflegten aus der Hefe der Nation zu bestehen. [297] --- Die spanischen Schriftsteller sind voll von Schilderungen jener -traurigen Gesellschaft, die hier nicht wiederholt zu werden brauchen. - -Von äussern Feinden, ausgenommen von Seeräubern, ist die Kolonie kaum -belästigt worden. In frühester Zeit unternahmen die Holländer einige -Angriffe gegen die Bisayas. 1762 (im Kriege über den Bourbonischen -Familienpakt) erschien plötzlich eine englische Flotte vor Manila und -bemächtigte sich ohne Mühe der überraschten Stadt. Die Chinesen hielten -zu den Engländern, unter den Indiern bricht ein grosser Aufstand aus, -die Kolonie von einem schwachen Erzbischof interimistisch regiert, -schwebt in grosser Gefahr. Einem energischen Patrioten, dem Kanonikus -Anda gelingt es aber, die Indier der Provinz gegen die Fremden -aufzureizen. Von den Geistlichen eifrig geschürt, wächst der Widerstand -so, dass die thatsächlich in der Stadt eingeschlossenen Engländer froh -sind, abziehen zu können, als im folgenden Jahre die Nachricht des -Friedensschlusses aus Europa eintrifft. Inzwischen hatten die durch -die Invasion hervorgerufenen Aufstände sehr an Ausdehnung gewonnen; -erst 1765 gelang es durch Aufhetzen der verschiedenen Stämme gegen -einander, ihrer Herr zu werden. Die Provinz Ylocos soll dabei 269,270 -Personen, die Hälfte ihrer Bevölkerung, verloren haben. (Zuñiga). - -Härten und Taktlosigkeiten der Regierung und ihrer Werkzeuge, auch -abergläubische Missverständnisse haben unter den Eingeborenen manchen -Aufstand hervorgerufen, wohl keinen indessen von ernster Gefahr für -die spanische Herrschaft. Die Unruhen blieben immer auf einzelne -Gebiete beschränkt, denn die Eingeborenen bilden keine einheitliche -Nation, weder das Band Einer Sprache, noch das gemeinsamer Interessen -verbindet die verschiedenen Stämme, die staatliche Gemeinschaft reicht -bei ihnen kaum über die Grenzen des Dorfes und seiner Filiale. - -Ein für die ferne Metropole viel bedenklicheres Element als die -gleichgültigen, der augenblicklichen Eingebung folgenden, politisch -zerrissenen, ziellosen Indier sind die Mestizen und Kreolen, -deren Unzufriedenheit mit ihrer Zahl, ihrem Wohlstande und ihrem -Selbstgefühl zunimmt. Schon die 1823 ausgebrochene Militärrevolte, -deren Hauptanstifter zwei Kreolen waren, hätte leicht verhängnissvoll -für Spanien enden können. Viel gefährlicher nicht nur für die -spanische Herrschaft, sondern für die gesammte europäische Bevölkerung -scheint der jüngste von Mestizen ausgegangene Aufstand gewesen zu -sein: Am 20. Januar 1872 zwischen 8 und 9 Uhr Abends empörten sich -in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen, die Artillerie, die -Marine-Soldaten und die Zeughauswache und machten ihre Offiziere -nieder. Ein Lieutenant, der die Kunde nach Manila bringen wollte, -fiel einem Haufen von Eingeborenen in die Hände; erst am nächsten -Morgen gelangte die Nachricht nach der Hauptstadt. Sofort wurden die -verfügbaren Truppen abgesandt, aber erst nach heftigem Kampfe glückte -es am folgenden Tage die Zitadelle zu erstürmen. Ein furchtbares -Blutbad folgte, alles wurde nieder gemacht, niemand verschont. In -Manila wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. - -Nicht Ein Europäer war unter den Verschworenen, aber viele Mestizen, -darunter eine Anzahl Geistlicher und Advokaten. Wenn die unter dem -Eindruck des Schreckens geschriebenen ersten Berichte vielleicht auch -manches übertreiben, so stimmen doch amtliche sowohl als Privatbriefe -überein, das Komplot als lange geplant, weitverzweigt und wohl angelegt -zu schildern. Die gesammte Flotte und ein zahlreiches Truppenkorps -befand sich damals auf dem Feldzuge gegen Solo abwesend (s. S. 181), -ein Theil der Garnison von Manila sollte sich gleichzeitig mit der -von Cavite erheben, und Tausende von Eingeborenen waren bereit sich -auf die caras blancas (die weissen Gesichter) zu stürzen und alle zu -ermorden. Das Scheitern des Komplots war, wie es scheint, nur einem -glücklichen Zufall zu danken, dem Umstände nämlich, dass ein Theil der -Verschworenen einige bei Gelegenheit eines Kirchenfestes abgebrannte -Raketen für das verabredete Signal hielt und zu früh losbrach. - - - -Zum Schluss sei es gestattet, einige meist schon im Text zerstreut -vorkommende Bemerkungen über das Verhältniss der Philippinen zum -Auslande zusammenzustellen und kurze Betrachtungen daran zu knüpfen. - -Spanien gebührt der Ruhm, die auf niederer Kulturstufe vorgefundene, -von kleinen Kriegen zerfleischte, der Willkür preisgegebene Bevölkerung -in verhältnissmässig hohem Grade zivilisirt, ihre Lage erheblich -verbessert zu haben. Wohl mögen die gegen äussere Feinde geschützten, -von milden Gesetzen regierten Bewohner jener herrlichen Inseln im -Ganzen genommen während der letzten Jahrhunderte behaglicher gelebt -haben als die irgend eines andern tropischen Landes unter einheimischer -oder europäischer Herrschaft. Die Ursache lag zum Theil an den mehrfach -erörterten eigentümlichen Verhältnissen, welche die Eingeborenen -vor rücksichtsloser Ausbeutung schützten. Einen wesentlichen Antheil -an dem Erfolge hatten aber auch die Mönche. Aus dem niederen Volke -hervorgegangen, an Armuth und Entbehrungen gewöhnt, waren sie auf den -nahen Verkehr mit den Eingeborenen angewiesen und daher besonders -geeignet ihnen die fremde Religion und Sitte für den praktischen -Gebrauch anzupassen. Auch als sie später reiche Pfarren besassen -und ihr frommer Eifer in dem Maasse nachliess als ihre Einkünfte -zunahmen, hatten sie den wesentlichsten Antheil an der Gestaltung -der geschilderten Zustände mit ihren Licht- und Schattenseiten; -denn ohne eigene Familie und ohne feinere Bildung blieb ihnen der -intime Umgang mit den Landeskindern Bedürfniss, und selbst ihr -hochmüthiger Widerstand gegen die weltlichen Behörden kam in der -Regel den Eingeborenen zu Statten. - -Die alten Zustände sind aber unter den veränderten Bedingungen der -Gegenwart nicht mehr haltbar. Die Kolonie kann nicht länger gegen -Aussen abgeschlossen werden. Jede Verkehrserleichterung ist ein Riss -in das alte System und führt nothwendig zu weiteren freisinnigen -Reformen. Je mehr fremdes Kapital und fremde Ideen eindringen, -Wohlstand, Aufklärung und Selbstgefühl zunehmen, um so ungeduldiger -werden die vorhandenen Misstände ertragen. - -England mag seine Besitzungen unbekümmert dem Auslande öffnen, -Fremde den Nationalen gleichstellen; die britischen Kolonien sind -durch das Band gegenseitiger Vortheile, Erzeugung von Rohstoffen mit -englischem Kapital, Austausch derselben gegen englische Fabrikate -an das Mutterland gebunden, Englands Reichthum ist so gross, seine -Einrichtungen zum Betriebe des Welthandels so vollkommen, dass die -Ausländer in den britischen Besitzungen zumeist Agenten des englischen -Handels werden, dessen altgewohnte Geleise selbst ein Aufhören des -politischen Verbandes kaum merklich verrücken dürfte. Anders ist es -mit Spanien, das die Kolonie wie ein ererbtes Gut besitzt, ohne sie -zweckmässig bewirthschaften zu können. - -Schonungslos gehandhabte Regierungsmonopole, kränkende Zurücksetzung -der Kreolen und reichen Mestizen und das Beispiel der Vereinigten -Staaten waren die Hauptveranlassungen des Abfalls der amerikanischen -Besitzungen. Dieselben Ursachen drohen auch in den Philippinen. Von -den Monopolen ist hinreichend im Text die Rede gewesen. Mestizen und -Kreolen werden zwar nicht wie ehemals in Amerika von allen Aemtern -ausgeschlossen, fühlen sich aber tief verletzt und geschädigt -durch die Schaaren von Stellenjägern, welche die häufigen -Madrider Ministerwechsel nach Manila führen. Auch der Einfluss -des amerikanischen Elementes ist wenigstens am Horizonte erkennbar -und wird mehr in den Vorgrund treten, wenn die Beziehungen beider -Länder zunehmen. Gegenwärtig sind diese noch gering, der Handel folgt -einstweilen seinen alten Bahnen, die nach England und den atlantischen -Häfen der Union führen. - -Wer indessen versuchen will sich über die künftigen Geschicke der -Philippinen ein Urtheil zu bilden, darf nicht einseitig ihr Verhältniss -zu Spanien ins Auge fassen, er wird auch die gewaltigen Veränderungen -berücksichtigen müssen, die sich seit einigen Jahrzehnten auf jener -Seite unseres Planeten vollziehn. Zum ersten male in der Weltgeschichte -beginnen die Riesenreiche zu beiden Seiten des Riesenmeeres in -unmittelbaren Verkehr zu treten: Russland, für sich allein grösser als -zwei Welttheile zusammengenommen, China das ein Drittel aller Menschen -in seinen engen Grenzen einschliesst, Amerika mit Kulturboden genug -um fast die dreifache Gesammtbevölkerung der Erde zu ernähren. -- -Russlands künftige Rolle im stillen Ozean entzieht sich zur Zeit jeder -Schätzung. Der Verkehr der beiden andern Mächte wird voraussichtlich -um so folgenschwerer sein, als der Ausgleich zwischen unermesslichem -Bedürfniss an menschlichen Arbeitskräften einerseits und entsprechend -grossem Ueberfluss daran auf der andern Seite ihm zur Aufgabe fallen -wird. (s. S. 176). - -Die Welt der Alten war der Rand des Mittelmeeres, unserem -Welthandel genügten der atlantische und indische Ozean. Erst wenn -das stille Meer vom lebhaften Verkehr seiner Gestade wiederhallt, -wird von Welthandel und Weltgeschichte im wahren Sinne die Rede -sein können. Der Anfang dazu ist gemacht. Vor nicht langer Zeit war -der grosse Ozean eine Wasserwüste, den die einzige Nao alljährlich -Einmal in beiden Richtungen durchzog. Von 1603 bis 1769 hatte kaum ein -Schiff Californien besucht, jenes Wunderland, das vor 25 Jahren, mit -Ausnahme weniger Stellen des Küstensaumes, eine unbekannte Einöde war, -heut mit blühenden Städten bedeckt, von Eisenbahnen durchschnitten, -dessen Hauptstadt unter den Häfen der Union bereits den dritten -Rang einnimmt, schon jetzt ein Zentralpunkt des Welthandels, und -wahrscheinlich bestimmt bei Erschliessung des grossen Ozeans, eine -der Hauptrollen zu übernehmen. - -In dem Maasse aber als die Schifffahrt der amerikanischen Westküste -den Einfluss des amerikanischen Elementes über die Südsee ausbreitet, -wird der bestrickende Zauber, den die grosse Republik auf die -spanischen Kolonien übt [298], nicht verfehlen sich auch in den -Philippinen geltend zu machen. Die Amerikaner scheinen berufen, die -von den Spaniern gelegten Keime zur vollen Entfaltung zu bringen. Als -Conquistadoren der Neuzeit, Vertreter des freien Bürgerthums im -Gegensatz zum Ritterthum folgen sie mit der Axt und dem Pfluge des -Pioniers, wo jene mit Kreuz und Schwert vorangegangen. - -Ein beträchtlicher Theil des spanischen Amerika's gehört bereits -den Vereinigten Staaten an und hat seitdem eine Bedeutung erlangt, -die weder unter der spanischen Herrschaft noch während der auf sie und -aus ihr folgenden Anarchie geahnt werden konnte. Auf die Dauer kann das -spanische System nicht neben dem amerikanischen bestehn. Während jenes -die Kolonien durch unmittelbare Ausbeutung, zu Gunsten bevorzugter -Klassen, die Metropole durch Entziehung der besten Kräfte, bei ohnehin -schwacher Bevölkerung erschöpft, zieht Amerika aus allen Ländern die -thatkräftigsten Elemente an sich, die auf seinem Boden von jeglicher -Fessel befreit, rastlos vorwärtsstrebend, seine Macht und seinen -Einfluss immer weiter ausdehnen. Die Philippinen werden der Einwirkung -der beiden grossen Nachbarreiche um so weniger entgehn, als weder sie -noch ihre Metropole sich im Zustande stabilen Gleichgewichtes befinden. - -Für die Eingeborenen scheint es wünschenswerth, dass die oben -ausgesprochenen Ansichten nicht schnell zu Thatsachen werden, denn -ihre bisherige Erziehung hat sie nicht genügend vorbereitet um den -Wettkampf mit jenen rastlos schaffenden, rücksichtslosesten Völkern -zu bestehn; sie haben ihre Jugend verträumt. - - - - - - - - -ANHANG. - - -KOPFSTEUER UND FROHNDEN. - -(Tributo, Polos y servicios.) - - -Der Tribut ist eine ehemals auch in Amerika bestehende Kopfsteuer, -welche die der spanischen Herrschaft unterworfenen Eingeborenen -zahlen. Die gleich nach der Eroberung eingeführte Steuer hatte -ursprünglich einen doppelten Zweck: 1. Dotirung von Encomiendas zu -Gunsten von Spaniern, denen für hervorragende Verdienste um die Krone -eine Anzahl Indier überwiesen wurde, die ihnen Tribut zahlen mussten; -2. Bildung eines Fonds zur Bestreitung der Kolonial-Verwaltung. - -Ein ganzer Tribut umfasst immer zwei Personen, gewöhnlich Mann und -Frau, und ist daher ziemlich gleichbedeutend mit Familiensteuer. Die -Einwohnerzahl der Ortschaften wird nach Tributen angegeben; früher -wurden auf einen Tribut (wohl zu niedrig) 4 1/2 Seelen gerechnet, -gegenwärtig 6 Seelen, was eher zu hoch sein dürfte. Ein Einzelner -bezahlt einen halben Tribut. - -Ursprünglich betrug ein voller Tribut 1 Dollar = 8 r., 1611 wurde -er auf 10 Realen erhöht (1 1/2 r. Zuschlag für das Heer, 1/2 r. für -den Klerus [299]) und, trotz mehrfacher Gegenverordnungen, von den -Provinzialbehörden meist in Produkten erhoben -- zu ihrem Nutzen, -aber zum Schaden der einheimischen Bevölkerung und der Regierung; -da die Einnehmer nur wenn der Markt ungünstig war, die Produkte mit -grossen Unkosten belastet nach Manila schickten, wo die Fülle sie noch -werthloser machte. Erst 1841 wurden Baarzahlungen allgemein eingeführt. - -Seit 1852 beträgt ein Tribut 12 r. (in einigen Distrikten gelten -besondre Bestimmungen). Dazu kommen noch: Sanctorum 3 r., Comunidad -1 r., Recargo 1/2 r, so dass die Gesammtabgabe 16 1/2 r. oder für -den Einzelnen 1 Dollar + 1/4 r. beträgt. - -Sanctorum ist für den Kultus, wird aber an die Regierung entrichtet, -welche die Pfarrer nach dem Maassstabe von 180 Dollar für 500 Tributos -besoldet. - -Comunidad ist ein Zuschlag zum Gemeindefond (s. unten, Bürgerliche -Einrichtungen). - -Recargo ist ein seit Aufhebung des Brantweinmonopols eingeführter -Zuschlag zur Deckung des dadurch veranlassten Ausfalls. -- In Mindanao -und den Bisayas wird kein Zuschlag erhoben. - -Nach Agius (Memoria, Documento 5) steuert der einzelne Tributant jetzt -6.25 r. + 0.55 r. Recargo, zusammen 6.s, abgesehen von Sanctorum und -Comunidad. Die Bewohner von Abra, Ilocos, Union, zahlen ausserdem -noch 1 1/2 bis 2 1/4 r. für die Bewilligung ihren Tabak ausserhalb -des Estanco's kaufen zu dürfen. - -Jeder Eingeborene ohne Unterschied des Geschlechts ist tributpflichtig -vom zurückgelegten 18. Jahre an, wenn unter väterlicher Gewalt, -vom 16. falls selbstständig. - -Ausgenommen sind die Nachkommen der ersten Christen auf Cebu, -Neubekehrte (letztere gänzlich oder für eine Reihe von Jahren), -Gobernadorcillos und ihre Frauen, Barangay-Vorsteher, ihre Frauen -und »Erstgeborene«. So heissen die vom Barangay-Vorsteher erwählten -Assistenten, die zur Annahme des Amtes gezwungen und gleichfalls -mit ihrem Vermögen haftbar sind, weshalb auch ihr Eigenthum jährlich -inventarisirt wird (s. S. 181). »Manche ziehn sechs Monate und selbst -ein Jahr Gefängniss solchem Ehrenamte vor«. (Barrantes 51. Anm.) - -Ferner sind befreit Beamte mit festem Solde nebst Frau und Kindern -unter väterlicher Gewalt; Mestizen und Abkömmlinge von Spaniern; -Indierinnen die sich mit Chinesen verheirathen, weil sie auch als -Wittwen wie Mestizinnen bezahlen, und verschiedene Andre; endlich -Eingeborene die über 60 Jahre alt sind; arbeitsunfähige Krüppel; -Kranke bis zu ihrer Wiederherstellung. - -Reservados: Die durch Privilegium (spanische Mestizen), durch Alter -oder Krankheit von der Kopfsteuer Befreiten zahlen 1/2 Realen per -Kopf an die Regierung, wofür diese die Unkosten für ihr Seelenheil -übernimmt, angeblich mit einem Schaden von 1/2 r. für den Kopf, da -der Pfarrer für die Seele des Reservado dieselben Sporteln erhält, -wie für die des Tributanten. - -Mestizen von einem Chinesen und einer Indierin zahlen seit 1852 -jährlich 3 Dollar an Tribut, früher weniger. - -Die mit einem solchen Mestizen verheirathete Indierin steuert -wie dieser während der Ehe, als Wittwe aber nur wie eine -Indierin. Mestizen, die wie Eingeborene eigenhändig Feldbau treiben, -zahlen auch nur wie diese. Die Mestizen bilden eigene Barangays, -wenn ihrer 25 bis 30 Tributos zusammenwohnen, andernfalls gehören -sie zu dem nächst gelegenen Barangay der Eingeborenen. - -Jeder Chinese (Landbauer ausgenommen, von welchen nur 12 r. erhoben -werden) zahlt seit 1852 6 Dollar Kopfsteuer und ausserdem eine -Gewerbesteuer von 100 Dollar, 60 Dollar, 30 Dollar oder 12 -Dollar. [300] - -Der Gesammtertrag der Kopfsteuer ergab - - - 1862 1867 - - Indier 1,740,637 Dollar 1,814,850 Dollar - Mestizen 141,206 - 149,900 - - Chinesen 100,356 - 117,550 - - Ungläubige 11,998 - 11,750 - - ========= ========= - 1,994,197 Dollar 2,094,050 Dollar - - -Der Tribut wird von den Alkalden oder Guvernören der Provinzen -durch die Barangay-Vorsteher erhoben, »unter der wirksamen Mithülfe -des frommen und fiskalischen Eifers der Pfarrer«, die ein direktes -Interesse an der Zunahme der Kopfsteuer haben, da ihre Stipendien -sich danach beziffern. - -Jeder Barangay-Vorsteher hat in der Regel 45 bis 50 Tribute einzuziehn -und in die Hauptkasse der Provinz abzuliefern. Für Erhebung der -Kopfsteuer erhält er 1 1/2%, der Gobernadorcillo 1/2% und der Deputirte -der Hacienda (d. h. der Alkalde oder Provinzial-Guvernör) 3%. - -Die Barangay-Hauptmannschaften sind erblich und wählbar, bedürfen -aber in beiden Fällen der Bestätigung der Hacienda, die nur den -zuverlässigsten und wohlhabendsten Leuten ertheilt wird. Die -Amtsdauer ist drei Jahre, nach deren Ablauf dasselbe Individuum -wieder gewählt, aber niemals, ausser in Folge gesetzlich begründeter -Ursachen, abgesetzt werden kann. In Wirklichkeit ist das Amt freilich -oft ein gezwungenes, (s. oben). Der Cabeza wird von der Regierung -ernannt und wählt sich einen »Erstgeborenen«. Den Cabeza liegt ausser -Eintreibung der Kopfsteuer das Aufrechthalten der guten Ordnung unter -den Tributanten ihres Barangay ob. Sie haben auch alle Leistungen, -welche die Gemeinschaft treffen, unter die Mitglieder derselben zu -vertheilen und diese gesetzlich zu vertreten. Der Tribut wird jährlich -in drei Raten entrichtet, es finden dabei grosse Unterschleife, -Ungerechtigkeiten und Bedrückungen seitens der Einnehmer statt. - -Ausser dem Tribut hat jeder Indier jährlich 40 Tage öffentlicher -Arbeiten zu leisten (Pólos y servicios), eine Woche Dienst im Tribunal -(Tanoría), eine Woche Nachtwachen (Guárdia). Die Pólos y servicios -bestehn in Arbeiten und Leistungen für Staats- und Gemeinde-Zwecke -(Strassen- und Brückenbau, Botendienst u. s. w.). [301] Da die -Arbeitskräfte aber nur zum Theil zur Verwendung kommen, so sind die -Frohnden in Geld ablösbar; im Allgemeinen für 3 Dollar. Die Summe -ändert sich nach dem Wohlstande der Provinz; in den ärmeren beträgt -sie 2 Dollar, in einigen sogar nur 1 Dollar (42 1/2 Silbergr. für -40 Arbeitstage). - -Die Tanoría besteht in einer Woche Dienst im Tribunal, der sich in -der Regel auf Reinhaltung des Gebäudes, Bewachung der Gefangenen und -ähnliche leichte Leistungen beschränkt. Die Semanéros müssen aber -eine Woche im Gemeindehause anwesend und verfügbar sein. Auch von der -Tanoría kann man sich loskaufen für 3 r.; von den Nachtwachen für 1 -3/4 r. - -Von allen persönlichen Leistungen befreit sind die Principales (und -ihre Familien) nämlich Ex-Gobernadorcillos, Juéces-mayores und Cabezas -von wenigstens 10 Jahren Amtsthätigkeit. Sie bilden einen inländischen -Adel und werden »Don« titulirt. - -Ein Gesetz vom 3. Novbr. 1863 (L. ult. III.) bestimmt zwar, dass alle -männlichen Einwohner der Philippinen, Europäer oder Eingeborene, -Spanier oder Ausländer, jährlich vier und zwanzig Tage persönliche -Dienste zu verrichten oder deren Ablösung in Geld zu bewirken -haben. Dieses Gesetz ist aber nicht zur Ausführung gekommen; Europäer -sind von allen Abgaben frei. Mestizen von einem Spanier und einer -Indierin gleichfalls, zahlen aber 7 r. Sanctorum und 1/2 r. Diezmo -für die Regierung. Mit der Zahlung der Mestizen, namentlich der -Mestizinnen wird es indessen nicht genau genommen. - -Noch grössere Missbräuche als bei Einziehung des Tributes finden -bei Vertheilung der Frohnden und ihrer Ablösung in Geld statt; -da hierbei eine genaue Kontrolle um so weniger möglich ist, als die -Vertheilung und Ueberwachung der Arbeit gänzlich von den inländischen -Ortsbehörden, die immer zusammenhalten, abhängt. Ueberdies wagt ein -Plebejer nicht leicht gegen seinen Cabeza zu klagen. Häufig sollen -auch spanische Beamte sich an jenen Unterschleifen und ihren Erträgen -betheiligen. Sehr allgemein ist die missbräuchliche Verwendung der -Polistas zu Privatdiensten. - -Die Gemeindeverfassung der Philippinen [302], welche die Spanier bei -ihrer Ankunft schon vorgebildet fanden und geschickt abänderten, -indem sie die erblichen Häuptlinge mehr und mehr durch einen -Adel ersetzten, der nur im Regierungsdienst erworben werden kann, -dessen Mitglieder zwar von den Eingeborenen, aber doch nur nach den -Wünschen der Regierung gewählt werden, ist gewiss im Ganzen als eine -glückliche Umgestaltung vorgefundener Verhältnisse zu betrachten. Die -Regierung verkehrt nur mittelbar durch diesen unbesoldeten Adel mit -den Eingeborenen; ihm liegt die Gemeindeverwaltung, die Polizei, die -Eintreibung der Steuern ob. Das von Manchen übermässig gepriesene -System hat aber auch grosse Nachtheile: die von ihren Genossen -gewählten inländischen Beamten, welche von der spanischen Regierung -keine Besoldung erhalten, keine Dienstbeförderung, zu erwarten haben, -stehn dieser sehr unabhängig gegenüber und der Verband ist um so -loser, als die spanischen Beamten so schnell wechseln, dass es ihnen, -wenn nicht an den übrigen Eigenschaften, schon an Zeit mangelt, -um das Vertrauen, die Zuneigung und Achtung der Eingeborenen zu -erwerben. Da die unbesoldeten Cabezas überdies mit ihrem Vermögen für -die Kopfsteuer ihrer Barangays haften, so werden sie leicht verleitet, -sich durch Unterschleife gegen mögliche Ausfälle vorweg reichlich zu -decken. Ein noch grösserer Uebelstand ist es, dass die Polizei während -der Amtsdauer zwar von Kopfsteuer und Frohnden befreit bleibt, übrigens -aber weder von der Gemeinde, noch von der Regierung besoldet wird, -und daher freigebigen Uebertretern des Gesetzes sehr zugänglich ist. - -Als der Tribut bei Gründung der Kolonie eingeführt wurde, um zur -Deckung der Verwaltungskosten beizutragen, war in den Philippinen -kein besteuerbares Eigenthum vorhanden; seine Beibehaltung unter den -gegenwärtigen Verhältnissen erscheint weder geschickt noch gerecht. Die -Steuer nimmt keine Rücksicht auf die Erwerbsfähigkeit, ja sie trifft -nicht einmal den Armen und den Reichen gleich, sondern lässt Letztern -gewöhnlich frei. - -Nur diejenigen Europäer, die Ländereien besitzen, zahlen davon eine dem -Zehnten des angeblichen Bruttoertrages entsprechende Abgabe (diezmos -prediales). Der Gesammtertrag dieser Abgabe übersteigt nicht 7000 -Dollar jährlich! Andrerseits berechnet Herr Agius (General-Intendant -der Hacienda) die Summe, welche der Staat den Krüppeln, Altersschwachen -und andern auf die öffentliche Wohlthätigkeit angewiesenen Individuen -abpresst, auf 12,600 Dollar. - -Schon lange wünschen die einsichtsvolleren Beamten den Tribut -durch eine Steuer auf Grundbesitz und Gewerbe zu ersetzen, und alle -davon Betroffenen vom Tribut zu befreien. Die Ausführung einer so -heilsamen Maassregel ist aber unmöglich, so lange die Verhältnisse -des Grundbesitzes nicht geordneter sind. Auch fehlen nicht nur alle -statistischen Daten, sondern auch die Personen, von denen das mangelnde -Material in irgend zuverlässiger Weise beschafft werden könnte. Die -Schwierigkeit wird noch bedeutend dadurch vermehrt, dass wenige -Spanier die Landessprachen, wenige Eingeborene spanisch verstehn, -dass letztere im höchsten Grade misstrauisch sind und sich der Lüge -fast instinktmässig als einer immer bereiten Schutzwehr gegen Jeden -bedienen, der sie ausfragen will. Um so schwieriger würde es sein, -richtige Angaben zu erlangen, wenn es sich um ihren Geldbeutel handelt. - -Ein Hinderniss sonderbarer Art, für eine Volkszählung in den -Philippinen ist das fast gänzliche Fehlen aller Familiennamen und -die geringe Manchfaltigkeit der angenommenen Namen. Früher scheint -das Uebel noch grösser gewesen zu sein, wie aus folgendem Dekret des -General-Kapitäns vom Novbr. 1849 (Leg. ult. I. 449) hervorgeht: - -»Die Indier haben gewöhnlich keine Familiennamen, nehmen beliebige -Namen meist von Heiligen an, wodurch die Polizei-Kontrolle und das -Einsammeln des Tributes erschwert werden. Es werden daher an die -Provinzialbehörden Verzeichnisse passender Namen geschickt, auch -solcher aus dem Mineral-, Pflanzen- und Thierreich damit jeder -Familie eines Pueblo ein Name ertheilt werde, den sie zu führen -und zu behalten hat. Die Eingeborenen welche bereits Familiennamen -besitzen, behalten dieselben. Solche, die schon vier Generationen -hindurch einen Heiligennamen geführt haben, können ihn behalten, -ausgenommen sind aber Namen wie Sa. Cruz und los Santos u. s. w., -die wegen ihrer grossen Häufigkeit Anlass zu Verwirrungen geben.« - - - - - - - - -BÜRGERLICHE EINRICHTUNGEN. - -(Nach einem handschriftlichen Aufsatz im Ultramar-Ministerium.) - - -Es würde eine sehr eingehende Durchforschung der im -Kolonial-Ministerium vorhandenen Präjudizien nöthig sein, um alle -diejenigen, welche sich [L. ult. III. 64.] auf die bürgerlichen -Einrichtungen der Philippinen beziehen, vor Augen zu haben, und selbst -dann würde man vielleicht nicht dazu gelangen, sie vollständig kennen -zu lernen, da die provinzielle Einheit kaum besteht und die städtische, -mit der alleinigen Ausnahme von Manila, gänzlich unbekannt ist. Da -aber diese Notizen nur zum Zweck haben in grossen Zügen zu schildern, -welche Einrichtungen dort in Bezug auf lokale Fonds sowohl in ihrem -Bestande, als in ihrer Verwaltung und Verwendung gelten, so soll -hier nur summarisch besprochen werden, aus welchen Elementen das -Ayuntamiento (Gemeinderath) der Hauptstadt besteht und durch welche -Beamten in den übrigen Ortschaften (pueblos) der Mangel städtischer -Körperschaften ersetzt wird. Das Ayuntamiento von Manila besteht -aus zwei Alkalden und zwölf Regidoren, welche letztere unabsetzbar -waren, bis durch R. C. 3. Dez. 1677 verfügt wurde, dass sie aus der -freien Wahl der abtretenden Kapitulare (d. h. Regidoren) hervorgehn -sollten. Diese am 1. Januar unter dem Vorsitz eines K. Rathes des -obersten Gerichtshofes vereinigt, ernennen auch die beiden Alkalden, -den Einen aus zwölf im Voraus bezeichneten Eingesessenen, nach -Bestätigung ihrer Befähigung durch eine von der Ober-Zivilbehörde -genehmigte Ausfertigung, den Andern aus den Regidoren, die den -neuen Gemeinderath bilden sollen. Falls sich bis Mitternacht die -Regidoren nicht über die Ernennung der Alkalden einigen können, so -[L. ult. III. 129.] erfolgt dieselbe durch die Ober-Zivilbehörde; -wenn letztere aus triftigen Gründen glauben sollte, den zu ihrer -Kenntniss gebrachten Ernennungen die Bestätigung versagen zu müssen, -so setzt sie ihre Gründe dem Ayuntamiento auseinander, damit dasselbe -beschliesse, was ihm sachgemäss scheint. - -Zur besseren Verwaltung der verschiedenen städtischen Geschäfte -und Leistungen werden diese unter die Regidoren vertheilt; drei -der letzteren versehn die Aemter des Alferez real, Procurador und -Obrero mayor. Zwei sind deputirt für öffentliche Feste, zwei für die -Polizei, zwei andre für die Verproviantirung. Es würde natürlich -erscheinen, dass das Ayuntamiento über alle Angelegenheiten der -Stadtgemeinde zu erkennen hätte: dies ist indessen nicht der Fall, -denn nur die Angelegenheiten innerhalb der Stadtmauern gehören zu -seinem Wirkungskreise, die übrigen zu dem des Ober-Alkalden von -Tondo (jetzt Provinz Manila). Der Gobernador-Corregidor von Manila -(ein durch R. D. Sept. 1859 gestiftetes Amt) führt den Vorsitz im -Ayuntamiento, die Friedensrichter der Vorstädte handeln hinsichtlich -der Zivilverwaltung als seine Abgeordnete. Er führt die Beschlüsse -besagter Körperschaft aus, und sorgt für Alles was sich auf städtische -Polizei, Zufuhren, städtische Anlagen bezieht, ernennt auf Vorschlag -des Ayuntamiento die Beamten desselben, vertritt es vor Gericht und -bringt dessen Vorlagen an die Oberbehörde. Seine Befugnisse darf er -auf einen der Alkalden oder Regidoren übertragen. Als Zivil-Guvernör -führt er die Anordnungen der Oberbehörde aus, ordnet den Gesetzen -entsprechend alle Maasregeln an, welche die persönliche Sicherheit, -das Eigenthum und die Erhaltung der öffentlichen Ordnung betreffen, -ertheilt Pässe und Erlaubnisscheine zur Führung von Waffen, unterstützt -mit allen Kräften die Einziehung des Tributes und vollstreckt die in -der Polizei-Ordnung festgesetzten Strafen. Diese Strafen dürfen nach -R. D. 29. Sept. 1862 im Einzelfalle nicht übersteigen 600 Esc., wenn -sie die Ober-Zivilbehörde, 300 Esc., wenn sie die Guvernöre von Manila, -Bisaya, Mindanao, und 100 Esc. wenn sie die politisch-militärischen -Guvernöre der Provinzen oder die Ober-Alkalden verhängen. Das Maximum -der Arrest- oder Gefängnissstrafe soll 2 Monate sein, wenn sie von -den obersten Behörden, einen Monat, wenn sie von den zweiten, 15 Tage, -wenn sie von den dritten verfügt wird. - -Ursprung der Lokalfonds. Zur Bestreitung der örtlichen Bedürfnisse in -den Philippinen dienen die [Leg. ult. III. 136.] Fondos de Propios, -Arbitrios y Comunidad, Gemeinde- Eigenthum- und Gefälle-Gelder. Die -ersteren bestehn aus jeder Art beweglicher und unbeweglicher Güter -und Gerechtsame, deren Eigenthum oder Niessbrauch den Städten, -Ortschaften und Weilern gehört. Sie zerfallen je nach ihrem Ursprung -in provinzielle und örtliche und werden demnach zu den Lasten einer -Provinz oder einer bestimmten Oertlichkeit verwendet. Arbitrios -nennt man das Produkt der Abgaben für Schlachtvieh, Stempel, Wagen, -Reitpferde, Wege und Brücken, Fähren, Billards u. s. w. Von diesen -Abgaben sind einige zur Bildung eines Provinzialfonds bestimmt, andre, -wie der Loskauf von den persönlichen Leistungen (Polos y servicios), -Wege- und Fährgelder und andre kleine Einnahmen, werden besondern -Ortschaften oder Oertlichkeiten überwiesen. Früher hatten auch einige -Abgaben den Zweck, ausschliesslich zur Deckung bestimmter Leistungen -zu dienen, sie hiessen especiales; aber durch R. O. 21. Oct. 1858 -wurde ihre Einzahlung in die k. Kassen angeordnet. Seitdem fällt -ihre Erhebung sowohl, als die Leistungen, zu welchen sie bestimmt -waren, der Verwaltungsbehörde zur Last. Zu dieser Klasse gehörten die -Gebühren für Lagerhäuser, Reinigung des Hafens, Haverei, Leuchtthurm, -der Aufschlag auf Reis u. s. w. - -Die Fondos de comunidad (Gemeinde-Fonds) entspringen aus dem Zuschlag -zum Tribut, welchen die k. Kassen erheben. Dieser Zuschlag beträgt -1/2 Real für Eingeborene und Mestizen von Chinesen, und 2 r. für -Chinesen. Aus den Fonds der Propios und Arbitrios wird eine einzige -Masse gebildet, die ohne Unterschied zur Bestreitung der Ausgaben -der lokalen, allgemeinen oder provinzialen Verwaltung, oder der der -Pueblos dient, so weit das Kapital eines jeden dieser Verbände reicht. - -Die Fonds der Gemeindekassen dagegen sind von denen der Propios und -Arbitrios gänzlich getrennt und haben eine besondere Verwendung; sie -tragen mit dem Staate (hier so viel als k. Kasse) und den Propios -und Arbitrios je zu einem Drittheil die Kosten der Erbauung und -Instandhaltung der Casas reales (R. O. 24. Mai 1855), betheiligen -sich an der Unterhaltung der allgemeinen Asyle und Krankenhäuser, -kommen den Steuerzahlern bei allgemeinen Nothständen zu Hülfe und -entrichten für dieselben den Tribut, wenn diese ihn aus eben dieser -Ursache nicht zahlen können. Sollte indessen die Kasse der Propios -und Arbitrios einer Provinz oder einer Ortschaft zur Bestreitung -ihrer Ausgaben nicht hinreichen, so ergänzt die General-Kasse des -Verwaltungszweiges das Fehlende; eben so wie diese, wenn sie nicht -hinreichendes Kapital besitzt, um ihre Ausgaben zu decken, von den -Gemeindekassen unter Bedingung der Rückzahlung unterstützt wird. - -Die General-Kasse, welcher, wie erwähnt, die allgemeinen Ausgaben der -Verwaltung zur Last fallen, besteht aus zwei Theilen: erstens dem -Kapital der Gemeindekassen, deren Verpflichtungen angeführt worden -sind, zweitens aus den Erträgen dieses Kapitals und der zwei Prozente -von den jährlichen Einnahmen der drei Zweige. - -Obgleich in der Regel die Lokal-Kassen 2/3 der Unkosten für die -Wohnungen [Leg. ult. III. 480, I. 219.] der Provinzial-Guvernöre -trugen, wurde durch R. O. 4. und 21. Januar 1863 verfügt, dass -genannte Beamte diese Unkosten aus den 2 Prozenten zu bestreiten -hätten, welche sie für Erhebung der Abgaben erhalten. - -Desgleichen wurde verordnet, dass sowohl der Unterhalt als der -Transport armer Gefangener aus den Munizipal-Fonds bestritten werde -(R. O. 2. Oct. 1859); [Leg. ult. II. 11 & 113.] durch eine andre -bereits angeführte R. O. 24. März 1855 wird verfügt, dass die -[Leg. ult. IV. 260.] Ausgaben für Erbauung und Instandhaltung der -Gefängnisse von den Ortschaften aus den Fonds der Propios und Arbitrios -bestritten werden, und in Ermangelung solcher aus den Gemeindekassen; -durch R. D. 20. Dec. 1863 wird befohlen, dass die Normalschule -von Manila aus der Zentralkasse der Propios und Arbitrios und die -Provinzialschulen aus dem Lokalbudget erhalten werden. [303] - -Verwaltung der lokalen Fonds. Seit Publikation der R. O. 2. April -1846 galt in der Verwaltung der Grundsatz, dass die Fonds der Propios, -Arbitrios und Comunidad auf die lokalen Bedürfnisse verwendet werden -und eine von den Staatsfonds getrennte, der Verwaltungsbehörde -anvertraute Masse bilden. Folge davon war die Bildung (R. O. 17. März -1854 und 1. August 1856) einer Sektion für Propios und Arbitrios -in der Verwaltung der Tribute und einer Sektion in der Kanzlei der -Ober-Zivil-Regierung, indem zugleich vorläufige Bestimmungen für die -gute Verwaltung dieser Fonds erlassen wurden. - -[Leg. ult. III. 135.] Später gingen laut Verfügung vom 30. Aug. 1858 -sowohl die Propios y arbitrios als die Gemeindefonds in die -Verwaltung der Ober-Zivilbehörde über; es wurde eine dirigirende -Junta der lokalen Verwaltung gebildet, welche unter dem Vorsitze -jener Behörde, aus dem Staatsanwalt und einem Rath des obersten -Gerichtshofes, dem General-Administrator des Tributes und dem Direktor -der Lokalverwaltung bestand, mit dem zuerst genannten Beamten -als Schriftführer. Zugleich wurde das Personal des Letzteren und -eine Rechenkammer für die Lokalverwaltung, durch Umformen der im -Sekretariat der Ober-Zivilbehörde und der General-Verwaltung des -Tributs vorhandenen Sektionen geschaffen. - -[Leg. ult. III. 137.] Die Obliegenheiten dieser Direktion bestehn in -Ermittelung der Propios und Arbitrios der einzelnen Ortschaften und -Provinzen, der Abgaben für den Gemeindefonds, und der auf diesen Fonds -ruhenden Lasten; in Erforschung angemessener Veränderungen in diesen -Abgaben, Revision der veranschlagten Einnahmen und Ausgaben, welche -die Ortschaften und Chefs der Provinzen nach diesen Voranschlägen -entwerfen und endlich in Ausarbeitung und Einreichung eines -allgemeinen Planes (formar los generales) an die Zivil-Regierung, -damit diese nach erfolgter Bestätigung durch die dirigirende -Junta der lokalen Verwaltung, der obersten Behörde Abschrift davon -ertheile. Die Bestätigung ist der Rechenkammer (tribunal de cuentas) -der Inseln vorzulegen, welcher die monatlichen (halbjährlichen -laut R. O. 5. Okt. 1863) und die jährlichen Rechnungen zur Prüfung -einzureichen sind, auf dass sie mit beiden gemäss Instruktion vom -31. Okt. 1859 (bestätigt durch R. O. 19. Mai 1861) verfahre. - -Desgleichen hat die genannte Direktion die Versteigerung der -verpachtungsfähigen Abgaben zu verfügen, welche die Ober-Zivilbehörde -bestätigen oder verwerfen kann. Auch wird diese Behörde der höchsten -Regierung die Einführung neuer Abgaben oder die Abänderung bestehender, -wenn es angemessen erscheint, vortragen indem sie einstweilen den -Ausfall einiger Provinzen, vorbehaltlich der gelegentlichen Rückgewähr, -aus den Ueberschüssen anderer deckt. Nach R. O. 29. April 1860 muss, -so oft ein Werk mit den lokalen Fonds ausgeführt werden soll, vorher -der betreffende Anschlag gemacht werden, und wird die Ober-Zivilbehörde -durch R. O. 23. Juli 1861 und 6. Juli 1863 ermächtigt, nach Vernehmung -des Verwaltungsrathes Ausgaben zu bewilligen, welche 20,000 Dollar für -Einmal und 10,000 Dollar, wenn es sich um wiederkehrende Anweisungen -handelt, nicht übersteigen, und sollen die Arbeiten in derselben -Form wie die aus Staatsgeldern bezahlten, in öffentlicher Lizitation -vergeben und die Regierung davon in Kenntniss gesetzt werden, jedoch -ohne die Akten einzusenden, wie R. O. 24. Juli 1862 vorschrieb. Falls -diese Behörde von dem Ermessen der dirigirenden Lokalbehörde abweicht, -bleibt die Ausgabe bis zur Erlangung der k. Genehmigung, welche -ebenfalls nöthig ist für Alles was eine fortdauernde Belastung dieser -lokalen Fonds herbeiführt, schweben. - -[Leg. ult. I. 164.] Durch andre R. O. 1. Aug. 1861 wurde die Bildung -einer von der Regierungs-Kanzlei abhängigen Sektion genehmigt, -welche in Angelegenheiten der Verwaltung der Propios und Arbitrios -und der Ueberschüsse der General-Kasse befindet, und ward ihr -aufgetragen eine Verordnung für die gute Verwaltung besagter -Gelder zu entwerfen. In der Absicht diese zu sichern, und da die -Kassen der Ortschaften, wo sie aufbewahrt wurden, keine Gewähr -boten, verfügte die [Leg. ult. III. 224.] oberste Zivilbehörde -(19. April 1858) ihre Zentralisirung in den Hauptstädten -der Provinzen zu Lasten der Ober-Alkalden und politischen -Militär-Guvernöre. [Leg. ult. III. 215.] (Der Alkalde mayor sammelt -die Gelder und schickt sie an die Haupt-Kasse in Manila.) Später -(R. O. 21. Oct. 1858) ward verfügt, dass die Einnahmen aus den -Zweigen der sogenannten Agenos und der Propios und Arbitrios in den -öffentlichen Schatz flössen. Für diese Dienstleistung behält der -Staat 20 % von den Propios (der Staat erhebt auch in Spanien 20 % von -jedem Verkauf eines Gemeinde-Grundstücks oder andern Propios) und 10 % -von den Arbitrios und Gemeindegeldern der Ortschaften und Provinzen. - -Ausserdem beziehn die Chefs der Provinzen, welche Bürgschaft geleistet -haben, (R. O. 21. Dez. 1860) 2 % und die Gobernadorcillos 1/2 % für die -Mühe der Erhebung. In Folge dieser Maasregel trägt der Staatsschatz die -Unkosten für die Direktion und die Rechenkammer der lokalen Verwaltung. - -[Leg. ult. III. 256.] Voranschläge. Damit die Veranschlagung der -Einnahmen und Ausgaben nach festen Regeln erfolge, sind solche durch -R. O. 18. Mai 1861 aufgestellt und sollen jene nach den einzelnen -Provinzen, und zwar die für die Propios und Arbitrios getrennt von -denen für die Gemeindekassen entworfen werden. Letztere Fonds sind -für die besonderen Erfordernisse der Ortschaften bestimmt, die der -Propios und Arbitrios für die der Provinzen und Distrikte. Die -Einnahmen zerfallen in ordentliche und ausserodentliche je nach -ihrer Art; die Ausgaben in nothwendige und freiwillige. Zunächst -bestimmte die oberste Zivilbehörde über die Klassifikation der -ersteren, unbeschadet der einzuholenden Bestätigung Ihrer Majestät -und der jährlichen Einsendung ihrer Voranschläge (im Monat Juli) -zur Kenntnissnahme der höchsten Regierung. Später wurde angeordnet, -dass die Veranschlagungen klar und in's Einzelne gehend abgefasst -sein, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht übersteigen, und dass -am Schluss jedes Geschäftsjahres die Ueberschüsse der Gemeinde-, -Propios und Arbitrios-Gelder in die betreffende Zentralkasse des -Zweiges fliessen sollen. - -Die Verordnung des Intendanten von 1786 verfügt (Art. 47), dass jede -Ortschaft ihre jährlichen Ueberschüsse aus den Propios und Arbitrios -oder Gemeindegütern zum Ankauf von Immobilien und zinsbaren Anlagen -verwende, um unnöthige Gefälle (Arbitrios) zu beseitigen oder, falls -keine vorhanden, genannte Ueberschüsse zur Förderung nützlicher -Anstalten für den Ort oder die Provinz zu benutzen. - -Bisher sind die Regeln über die Verwendung besagter Ueberschüsse noch -nicht festgestellt worden; R. O. 18. März 1861 bestimmt nur, dass sie -zentralisirt und über ihre Anlegung durch die Ober-Zivil-Verwaltung -oder die Staatsregierung je nach Umständen, und gemäss den in Kraft -bestehenden Vorschriften verfügt werden soll. [304] - - - - - - - - -UEBER DEN BODENKREDIT. - -(Nach Aufsätzen im Diario de Manila, Dezember 1866.) - - -Ausgenommen einige grosse, durch Schenkungen in früherer Zeit -erworbene Besitzungen ist das Grundeigenthum meist durch das Recht -der Besitzergreifung und Urbarmachung entstanden, welches noch -jetzt durch die Gesetze von Indien (Leyes de India) zu Gunsten -der Eingeborenen anerkanntes Gemeinderecht ist. In Ausübung dieses -Gemeinderechts nimmt der Eingeborene das zu seiner Wohnung und zum -Feldbau benöthigte unbenutzte Land in Besitz und verliert es nur dann, -wenn er es zwei Jahre lang nicht bearbeitet. Abgesehn von diesen -geborenen und trotzdem sehr armen Grundeigenthümern, ist Grundbesitz -gesetzlich auf folgende Weise zu erwerben: durch Kauf eines bestimmten -Flächenraumes unbenutzten Kronlandes vom Staat; durch wirklichen Kauf -von den Eingeborenen welche Ländereien besitzen; durch Verträge, pactos -de retro genannt, die mit den Eingeborenen geschlossen werden; durch -Verpfändung oder Hypothezirung von Schuldverschreibungen, welche eben -diese Eingeborenen besonders bei Handelsgeschäften einzugehn pflegen. - -Das erste Mittel sollte eine Quelle von Reichthümern sein, ist es -aber aus verschiedenen Gründen nicht. Nur Wenige sind heut mit der -Gesetzgebung über unbebautes Kronland vertraut, die aus einer Unzahl -einzelner Beschlüsse besteht und ein kasuistisches, unzusammenhängendes -verwirrtes Durcheinander bildet. Es wurde daher durch R. O. 1864 -der Entwurf einer Verordnung für den Verkauf unbenutzter Ländereien -befohlen, und müssen wir annehmen, dass diese Arbeit ziemlich weit -vorgeschritten sei ... Nach einer Beschreibung der dabei stattfindenden -Weitläufigkeiten heisst es weiter: das Ergebniss war, dass nach Verlauf -von 2 oder 3 Jahren, wenn es gelang den Widerstand der Ortschaft zu -besiegen, in deren Gerichtsbezirk das beanspruchte (pedido) Land lag, -die betreffende Person einen Besitztitel darüber ausgefertigt erhielt, -gegen Erlegung der unbedeutenden Summe von 4 r. für den Quiñon (weniger -als 2 sgr. für den Morgen), einer Summe die nicht sowohl die Bedeutung -eines Kaufpreises, als einer Anerkennung des Besitzes hatte. Diese -Bestimmung war in Anbetracht der grossen Unkosten erlassen, welche -das Ausroden und Urbarmachen in den Philippinen verursacht. Durch -R. O. 1857 würde das Angebot für unbebautes Kronland auf 50 Doll. per -Quiñon festgesetzt, und konnte der Zuschlag (concesion) nicht ohne -vorhergehende öffentliche Lizitation erfolgen. Von jener Zeit an -hielten sich Privatleute von derartigen Gesuchen fern: zu den alten -Uebelständen gesellte sich der hohe Preis und die Gefahr überboten -zu werden und dadurch Mühe und Kosten für Untersuchung des Terrains -zu verlieren. 1859 wurde das Dekret abgeändert, der alte Preis von 4 -r. per Quiñon als Angebot wieder eingeführt; dieses Dekret ist aber -noch nicht publizirt. - -Damit dem Ackerbau Kapitalien zufliessen, ohne welche er sich unmöglich -entfalten, Korn und Kolonialwaaren für die Ausfuhr erzeugen kann, -ist es durchaus nöthig alle Hindernisse zu beseitigen, die Vermögende -abschrecken. Unter diesen Hindernissen stehn in erster Reihe die -Lokalgerichtsbarkeit bei Bewilligung unbebauter Kronländer; in zweiter -die Hindernisse, welche Nationalen sowohl als Ausländern, die in -Landgemeinden Niederlassungs- und Bürgerrecht (radicacion y vecindad) -erwerben wollen, in den Weg gelegt werden. Ausser der Schwierigkeit -grosse Besitzungen zu erwerben, sind noch andre vorhanden. Der -Pflanzer kann leicht Arbeiter finden, denen er bedeutende Vorschüsse an -Kleidern, Korn, Vieh und Geld machen muss; aber die Indier halten ihre -Kontrakte schlecht; die dem Pflanzer zu Gebot stehenden gesetzlichen -Mittel, um sie zur Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen zu -zwingen, sind so schwerfällig und so verderblich wie das Aufgeben -des Rechtes selbst. Wenn der Alkalde nicht thätig ist und guten -Willen zeigt, so ziehn die Pflanzer gewöhnlich vor, ihre Ansprüche -nicht geltend zu machen; sie tragen den Verlust und manche werden -dadurch bewogen ihre Unternehmungen aufzugeben. Dieser Krebsschaden der -Landwirtschaft wird verschwinden, sobald jeder Indier einen Bürgerbrief -(cedula de vecindad) besitzt. Ist das erste Jahr überstanden, so sind -später Stürme, Heuschrecken, Handelskrisen, die den Preis der Produkte -herabdrücken, zu gewärtigen. In solchen Fällen wird es für den Pflanzer -zum grossen Uebelstand, dass kein Kredit vorhanden. Hypotheken giebt es -nicht, wenigstens keine obligatorische Hypothekenregister; daher wagt -Niemand sein Geld auf dergleichen Grundstücke auszuleihn, oder thut es -nur gegen erdrückende Wucherzinsen. Eine Besserung in dieser Beziehung -wird in den Philippinen von der grossen und kleinen Landwirthschaft, -vom Handelsstand, vom grossen und kleinen Besitz dringend verlangt; -sie würde dem Pacto de retro so wie den wucherischen Verträgen, die -in Luzon tacalanan, in Bisaya alili heissen (Darlehn auf den Ertrag -der nächsten Ernte) und denen an vielen Orten das herrschende Elend, -das Zurückbleiben zugeschrieben werden muss, für immer ein Ziel setzen. - -Es müssen klare, schnell ausführbare Bestimmungen erlassen werden, -durch welche die mit den Kolonen geschlossenen Verträge zur Wahrheit -werden; den Eigenthümern muss durch Eintragung ihrer Grundstücke -in ein Hypothekenbuch die Möglichkeit gegeben werden, Darlehen ohne -andre Sicherheit unter mässigen Bedingungen zu erlangen. - -Pacto de retro ist eine der gebräuchlichsten Formen durch welche -ländliche Besitzungen aus den Händen der Eingeborenen an Andre -übergehn. Ein beträchtlicher Theil von Pampánga, Bataán, Manila, -Laguna, Batángas und anderen Provinzen hat innerhalb weniger Jahre -auf diese Weise die Besitzer gewechselt. Auf diese Weise erwerben -gewöhnlich die unbeschreiblich schlauen und sparsamen Mestizen ihre -Ländereien, deren Kultur sie dann verbessern; was aber nicht hindert -dass dieser Gebrauch für den Volkswohlstand verderblich ist. - -Der Eingeborene, der ein Stück Land durch Urbarmachung und -Besitzergreifung, aber fast nie oder sehr selten durch Kauf -von einem andern Eigenthümer inne hat, bietet, wenn er sich in -drückender Geldnoth befindet, sein Land zum Pfande für ein vom -Kapitalisten begehrtes Darlehn, da er aber keine Urkunde besitzt, -um sein gutes Recht zu beweisen und zu zeigen, dass es von allen -Lasten und Verpflichtungen frei ist, so ist keine Grundlage für ein -hypothekarisches Darlehn unter billigen Bedingungen vorhanden. - -Der Kapitalist sucht daher seine Sicherheit im unmittelbaren -Besitz. Die Hypothek verwandelt sich in ein antichretisches Pfand -(prenda pretoria), und da es sehr schwer ist, oder wenigstens sehr -selten vorkommt, dass der Indier, der das Geld empfängt, es freiwillig -zur festgesetzten Zeit zurückzahlt, und es nicht im Interesse des -Darleihers liegt, ihn zur Zahlung zu zwingen, so geschieht es, dass -für die einem hypothekarischen Darlehn entsprechende Summe, d. h. für -den halben oder drittel Werth des Pfandes, das Grundstück definitiv -den Besitzer wechselt; nicht selten geschieht es, dass der ehemalige -Eigenthümer dann als Kolon (Arbeiter, thatsächlich Schuldsklave) auf -dem Grundstück verbleibt. Häufig wird der Indier in Folge seiner Sucht -für Hahnenkämpfe und Hasardspiele zu dergleichen Kontrakten verleitet. - -Die Landesgesetze verlangen, dass die Indier in Ortschaften leben, -ihre Gehöfte zu Dörfern vereinigen, damit sie überwacht und ihre -Leistungen erhoben werden können. Unter gewöhnlichen Umständen -baut sich der Indier eine Hütte auf seinem Acker, wo er zur Zeit -der Feldarbeiten wohnt, und geht Samstag Abend nach dem Dorf um -am Sonntag die Messe zu hören. Sein Feld hat für ihn keinen grossen -Werth, da er immer wieder ein andres Stück urbar machen kann; so gross -ist der Ueberfluss an Land bei allen von der Hauptstadt entfernten -Ortschaften. Die Leichtigkeit, mit der ein Grundstück aufgegeben, -ein andres in Besitz genommen werden kann, ist der Entwicklung des -Landbaus sehr schädlich. Ein kleiner Grundbesitzer, der ohne Jemand um -Erlaubniss zu fragen ein wüstes Stückchen Land mit Reis oder Bataten -bepflanzt hat, erhebt ein Geschrei, wenn es von einer Kuh oder einem -Pferde, das seit Jahren dort graste, betreten wird, und lässt sich, -da das Gesetz zu seinen Gunsten lautet, vom Eigenthümer des Viehs -einen oftmals imaginären Schadenersatz zahlen, während doch der -Schaden von demjenigen getragen werden sollte, der sein Feld baut, -ohne es einzuhegen. - -Derselbe kleine Eigenthümer macht zu seinen Gunsten alle Vorrechte -und Gerechtsame eines ganzen Dorfes voll Indier geltend, wenn ein -vermögender Mann in seiner Nachbarschaft eine Pflanzung anlegen -will. Oft findet der zu solcher Anlage entschlossene Kapitalist, -dass in dem vorher völlig unbebauten oder wüsten, gegen Zahlung einer -gewissen Summe nach langen Weitläufigkeiten von der Hacienda erworbenen -Gebiete einige Indier ein Saatfeld angelegt haben und durch Zeugnisse, -die mit Unterschriften bedeckt aus dem Tribunal kommen, bekräftigen, -dass sie dieselben von ihren Vätern geerbt und nie unterlassen haben, -sie zu bearbeiten. - -Eine Abhülfe dieser Missbräuche würde in der Begrenzung des Gebietes -und der Gerichtsbarkeit der Gemeinden liegen, so dass zum Behuf -der Vermehrung des ländlichen Eigenthums, für die Insassen eines -Pueblo so viel Land frei bliebe, als sie gegenwärtig vernünftiger -Weise beanspruchen können; mehr oder weniger, als die sogenannte -Gemeinde-Feldmark (legua comunal), deren übrigens kein Gesetz Erwähnung -thut. Alles übrige im Gerichtsbezirk belegene Land müsste aber für -Kronland erklärt, alle gegenwärtig ausserhalb des Gemeindegebiets -belegene Besitzungen für rechtsgültig erworben; in der Folge aber -alles nicht nach den vorgeschriebenen Regeln Besessene für ungültig -erklärt werden; innerhalb des Gemeindebezirkes oder rechtmässigen -Eigenthums der Ortschaften, welches nicht über die Schallweite -der Kirchenglocke hinausreichen darf, muss dem einheimischen Bauer -gestattet sein, ausserhalb des Pueblo in Mitten des von ihm bebauten -Landes zu wohnen; und nur falls er letzteres veräussert oder aufgiebt, -muss er gezwungen sein, im Pueblo zu leben; die Eingeborenen müssen -innerhalb des Gemeindegebietes neue Grundstücke urbar machen und -erwerben können, indem sie einen kleinen Erbzins an die Gemeinde-Kasse, -oder eine mässige Summe für Einmal erlegen. - -Dergleichen Beleihungen müssen von der Gesammtheit der Dorfältesten -(Principales) mit voller Oeffentlichkeit, unter Mitwirkung des Pfarrers -erfolgen und in ein von jedem Pueblo zu haltendes Buch eingetragen -werden; sie dürfen nie mehr Raum umfassen, als der Bewerber mit seinen -eignen Büffeln bearbeiten kann. - -Wenn solche Beleihungen von Staatsländereien nicht über ein Quiñon -betragen, so sollen sie nach vorgeschriebenen Formen vom Alkalden -der Provinz, wenn von grösserem Umfange, in der Hauptstadt der -Kolonie ausgefertigt werden. Alle aber müssen in das Grundbuch -der betreffenden Provinz und des betreffenden Pueblo eingetragen -werden. Die zur Begünstigung der Eingeborenen und zur Förderung der -Viehzucht erlassenen, aber das Gegentheil bewirkenden Bestimmungen -müssen aufgehoben werden. - -Der Landbau bedarf, wie jedes andre Gewerbe keines Schutzes, als -Klarheit und Sicherheit in seinen Lebensbedingungen. -- - - - - - - - - -DIE GEMEINNÜTZIGE GESELLSCHAFT DER LANDESFREUNDE. - -(Sociedád de los Amígos del país.) - - -Der Schöpfer des Tabakmonopols Basco y Vargas, der durch künstliche -Reizmittel die Trägheit der Kolonisten zu überwinden und Sinn -für das Gemeinwohl zu erwecken hoffte, gründete 1781 die Sociedád -económica de los Amígos del país zur Förderung des Ackerbaus und der -Gewerbe. Die von der Gesellschaft selbst 1860 veröffentlichten Akten -über ihren Ursprung und ihre denkwürdigen Thaten (hechos notables) -sind so bezeichnend für die Erfolglosigkeit derartiger Bestrebungen -in einer Kolonie, wo es gänzlich an Gemeinsinn fehlt, dass ein Auszug -gerechtfertigt scheint. - -Bald nachdem die Gesellschaft ihre Statuten entworfen, gerieth ihr -Eifer in's Stocken und 1797 fasste ihr Präsident auf eigene Hand den -Beschluss, die Sitzungen einzustellen und das 6000 Dollar betragende -Gesellschaftsvermögen dem Handelsgericht zu übergeben. Erst 1820 gelang -es einem Generalkapitän, sie wieder in's Leben zu rufen. Bei ihrer -Stiftung war der Gesellschaft das Vorrecht eingeräumt worden, in der -Nao von Acapulco (siehe S. 14) bis zum Betrage von 2 Tonnen Handel -zu treiben oder dieses Privilegium zu verkaufen. Der daraus erzielte -Gewinn war bei der Wiedereröffnung auf 41,749 Dollar, beinahe 60,000 -Thaler, angewachsen. Die wiederentstandene Gesellschaft revidirte -ihre Statuten, theilte sich in 4 Sektionen: Naturgeschichte, Ackerbau, -Gewerbe, Handel, jede mit Vizedirektor, Vizezensor, Vizeschatzmeister, -und stellte abermals ihre Thätigkeit ein. 1822 ermunterte sie sich noch -einmal und gab auch während einer Reihe von Jahren fast alljährlich -einige Lebenszeichen s. S. 219. Neuerdings ist sie indessen wiederum -müde geworden, denn in ihrer Sitzung vom 24. August 1866 beschloss -sie, ihr Vermögen als patriotisches Geschenk den von der Bombardirung -Callao's zurückkehrenden Schiffen darzubringen, und »diese besonders -günstige Gelegenheit zu benutzen, um einen Akt patriotischer -Aufopferung zu begehn und dem Staate einen Dienst zu leisten«. - -Die Gesellschaft besitzt 25 bis 30,000 Dollar; aber Reichthum -macht Sorgen. »Von diesem Vermögen, dessen genauer Betrag den -Mitgliedern unbekannt, ist seit vielen Jahren nicht die geringste -Summe auf Förderung des Gemeinwohls verwendet worden, obgleich die -Gesellschaft nur zu diesem Zweck besteht. Der grösste Theil der für -die Sitzungen bestimmten Zeit geht gewöhnlich mit Fragen, betreffend -die Anlage und Einziehung dieser Kapitalien, verloren. Förmlichkeiten -und Rechnungsführung haben Jahre lang die ganze Aufmerksamkeit der -Gesellschaft beschäftigt. Auch ist es vorgekommen, dass einige mit dem -Zensorenamte beehrte Mitglieder die Schlüssel der Kasse nicht annehmen -wollten, welche letztere seit vielen Jahren nicht geöffnet werden -konnte wegen der Schwierigkeit, die übrigen Inhaber der Schlüssel -(conclaveros) zu vereinigen.« - -Der damalige eifrige Generalkapitän Don Jose de la Gandara tadelte -die Gesellschaft in einer Ansprache vom 17. Januar 1867 für ihren -patriotischen Beschluss und forderte sie auf, ihr Geld zur Gründung -eines botanischen Gartens verbunden mit einer Ackerbauschule -zu verwenden und eine zur Verbreitung im Auslande bestimmte -Denkschrift auszuarbeiten, worin die Fruchtbarkeit der Philippinen, -die Leichtigkeit mit welcher dort Pflanzungen angelegt werden könnten, -hervorgehoben werde, um Familien, welche das nöthige Kapital und -praktische Kenntnisse besitzen, zur Einwanderung zu veranlassen. - -Die wahrscheinlich aus einem sehr ausgebildeten Schicklichkeitsgefühl -hervorgegangene Kunst, für etwas, das man zu thun oder zu unterlassen -entschlossen, einen schönen Beweggrund aufzufinden, offenbart sich -öfter in amtlichen spanischen Dokumenten. Auch das folgende Stück -über Einführung der Opium-Regie kann als Beispiel dienen. - - - - - - - - -EINFÜHRUNG DER OPIUM-REGIE. - - -Die Opium-Regie ist seit 1. Januar 1844 in den Philippinen eingeführt, -nachdem die Mehrheit einer zur Berathung dieser Maasregel berufenen -Junta sich dafür ausgesprochen hatte. In der Einleitung zu dem -betreffenden Gesetz (Autos acordados I. 392) lobt der Generalkapitän -diese Mehrheit und tadelt die dissentirende Minderheit, die sich, -durch veraltete Vorurtheile und gemeine Ueberlieferungen irre geleitet, -gegen alle Verbesserungen, selbst die nützlichsten, sträubt, während -die Fortschritte der Volkswirthschaft und das Beispiel der zivilisirten -Nationen dergleichen Bedenken längst beseitigt haben. In einem Bericht -des Consejo pleno an den Generalkapitän vom 22. September 1864 über -dieselbe Angelegenheit heisst es (im Auszuge): Nachdem der Rath alle -Gründe für und gegen die Opium-Regie wohlerwogen, kommt er zu dem -Schluss, dass das Opiumrauchen zu erlauben sei.... Zuerst werden die -gegen die Maasregel sprechenden Ansichten von eilf bedeutenden Aerzten, -Volkswirthen und Gesellschaften angeführt; gegen alle diese Autoritäten -aber giebt der Ausspruch des spanischen Konsuls in China [305] den -Ausschlag, wonach die Chinesen, die nach Belieben Opium rauchen, -dennoch stark und arbeitskräftig sind. Auch sei das Opium in der -Türkei, in ganz Britisch-Indien, Cochinchina und China gesetzlich -erlaubt. Ferner sage Dr. Pedro Mata in seiner Medicina legal y -toxicologia 1846, welche in den medizinischen Anstalten Spaniens -als Lehrbuch diene, geistige Getränke, gewisse Medikamente und zu -angestrengtes Studiren führten zur Impotenz; das Opium erwähne er aber -nicht. Der Consejo schliesst weiter: führte das Opium zur Impotenz, -so würden es die reichen Chinesen gewiss nicht rauchen; in Europa -seien mehrere Personen von grossen Fähigkeiten Opiumraucher gewesen, -Opium sei nicht schlimmer als Brantwein, verbiete man das Eine, -so müsse man auch das Andere verbieten ... - -In der Antwort des Generalkapitäns auf diesen Bericht heisst -es unter Anderem ... Beim Abwägen der Gründe für und gegen die -Zulassung des Opiums hat der Rath die Zeugnisse gegen diese Maasregel -angeführt und ihnen andere, wenigstens so achtbare aber »amtlichere« -gegenübergestellt ... Sicherlich, wenn das Opium gegen die Religion, -die Moral, die Humanität verstiesse, so würden Nationen wie Frankreich -und England, die einen so hohen Rang in der allgemeinen Zivilisation -einnehmen, es nicht gestatten; da aber das Gegentheil stattfindet, -so müsse man natürlich zu dem Schluss kommen, dass jene aller -wichtigsten und heiligsten Dinge nicht, wie Manche andeuten möchten, -davon betroffen werden; der Türkei und China's solle hier gar nicht -gedacht werden ... - -Weiter heisst es: »Da keine Statistik vorhanden ist, welche nachweist, -dass Chinesen in Singapore vom Opiumgebrauch gestorben sind, so müssen -die Gründe der Opiumgegner offenbar übertrieben sein, und kann man -ihre, der Renta nachtheilige Meinung nicht gelten lassen. Wäre das -Opium so giftig, wie sie sagen, so müssten die Chinesen daran zu -Dutzenden sterben, was jedoch nicht zutrifft« ... »Es sind aber auch -wichtige politische Gründe für die Gestattung vorhanden: Die Chinesen -sind jedenfalls in unsern Archipel gekommen in der Voraussetzung, -dass sie hier Opium rauchen dürfen; wollte man nun das Opium plötzlich -verbieten, wie in den früheren Eingaben vorgeschlagen worden, und -die Uebertreter mit Geld- und Gefängnissstrafen belegen, wie dies -vor Einführung dieser Renta geschehn, so würden die meisten Chinesen -in die Gefängnisse kommen oder auswandern, was gewiss nicht recht und -billig wäre und auf keinen Fall geschehen darf. Eine so unzweckmässige -Maasregel wäre gerade gegenwärtig höchst unpolitisch. Wir wollen -mit China Verträge schliessen zur Erleichterung des Handels; -was würde die chinesische Regierung sagen, wenn wir mit ihren -Unterthanen also umgingen? ... Für unsere Kassen ist die Opiumrente -unentbehrlich. Dennoch tritt diese Erwägung ganz in den Hintergrund -gegen die volkswirthschaftliche und politische Frage, betreffend -die Einwanderung der Chinesen, für welche der Opiumgebrauch eine -Lebensnothwendigkeit ist ..« - -Durch Gesetz vom 29. September 1864 wird die Beibehaltung der -Opium-Regie genehmigt. Mestizen und Indier dürfen nicht Opium rauchen. - -In einer vertraulichen »Comunicacion« des Generalkapitäns de la Gandara -an den Kolonial-Minister, Februar 1867, die mir im Ultramar-Ministerium -vorgelegt worden, klagt derselbe, dass das Opiumrauchen sehr -zugenommen habe, was grossentheils den ungeschickten Maasregeln oder -der Unehrlichkeit der Beamten zuzuschreiben sei. Entweder um die -Einnahmen aus dieser unlautern Steuerquelle zu vermehren, oder aus -Eigennutz haben jene Beamten ausser den 478 öffentlichen Opiumläden -(Fumaderos) »wahren Heerden der Immoralität und immer mit Chinesen -angefüllt«, Hunderten von chinesischen Privaten die Erlaubniss -verkauft, zu Hause Opium zu rauchen, was durchaus dem Gesetz und den -Absichten der Regierung widerspricht. - -Nach dem Presupuesto betrug die Einnahme der Opium-Regie 1860 98,000 -Esc., 1865/66 140,000 Esc. und 1866/67 207,000 Esc. Wie wenig -Opium die Chinesen brauchten, bevor es ihnen von den Engländern -aufgedrungen wurde, zeigt folgende Stelle aus dem Briefe des Pater -Parennin v. 20. Sept. 1740: »Was die indischen Gummi betrifft, so -machen die chinesischen Aerzte und Chirurgen fast keinen Gebrauch -davon. Ich glaube nicht, dass in Pekin in einem ganzen Jahre ein -halbes Pfund Yapien (Opium) verwendet wird.« (Lettres édifiantes). - - - - - - - - -BESCHREIBUNG DER SCHIFFE, BARANGAY GENANNT, DIE BEI ANKUNFT DER -SPANIER IN GEBRAUCH WAREN. - -Nach Morga 128 v. - - -Ihre Schiffe und Fahrzeuge sind von vielerlei Art, denn in den -Flüssen und ihren Mündungen gebrauchen sie sehr grosse Kähne aus -Einem Baumstamm und Bancas von Planken mit einem Kiel, und Vireyes -und Barangayes welches schnelle, leichte Schiffe sind, niedrig von -Bord, mit hölzernen Bolzen zusammengefügt, hinten so spitz wie vorn, -zu beiden Seiten viele Ruderer fassend, die mit Paddeln und Rudern -ausserhalb Bord rudern und den Schlag nach dem Schall einiger andern -regeln, welche in ihrer Sprache passende Dinge singen, wodurch sie -sich verständigen ob das Rudern beschleunigt oder verlangsamt werden -soll. Ueber den Ruderern ist eine Gallerie aus Bambus welche die -streitbaren Männer trägt, ohne jene zu belästigen, und auf welche eine, -der Grösse des Fahrzeuges entsprechende Schiffsmannschaft steigt. Von -da wird das Segel, welches viereckig und von Segeltuch ist, an einem -Krahn aufgezogen, der aus zwei grossen Bambusen besteht, und als -Mast dient. Wenn das Schiff gross ist, hat es auch einen Vormast -von derselben Gestalt; und beide Krähne haben ihr Takelwerk, um die -Masten auf die Gallerie niederzulassen, wenn der Wind entgegen ist, -und Steuermänner auf dem Hintertheil um es zu lenken. Es trägt noch -ein Gerüst von Bambus auf der Gallerie, über welches wenn die Sonne -scheint oder wenn es regnet, ein Zelt von Matten, Kayanes genannt, -gespannt wird, die aus Palmenblättern sehr dick und dicht geflochten -sind, wodurch das ganze Schiff und die Mannschaft desselben bedeckt -und geschützt wird. Es ist noch ein andres Gestell aus dicken Bambusen -auf beiden Seiten des Schiffes in seiner ganzen Länge angebracht, -und stark befestigt, welches das Wasser eben berührt ohne im Rudern -zu hindern und als Gegengewicht dient, damit das Schiff nicht kentern -oder scheitern kann, wie hoch auch die See gehe, und wie stark der -Wind in das Segel blase. Es kommt vor, dass sich das Schiff mit Wasser -füllt, sein ganzer Rumpf, (denn sie sind ohne Verdeck) und bis es -ausgeschöpft ist zwischen zwei Wassern schwimmt, ohne unterzugehn, -wegen der Gegengewichte (Ausrigger). - - - - - - - - -DAS TAGALISCHE VATER UNSER. - - - Ama namin sung ma sa langit ca, sambahin ang ngala -Vater unser der bist im Himmel du, werde geheiligt der Name - - mo, napa sa amin ang cahavian mo. sundin ang loob mo -dein, komme zu uns das Reich dein. geschehe der Wille dein - - aqui sa lupa para nang sa langit, Bigyan mo -desgleichen auf Erden so wie im Himmel, werde gegeben von dir - -cami ngaion nang amin canin sa arao arao at patavarin -uns jetzt von unserem Brod von Tag (für) Tag und werden vergeben - - mo cami nang aming manga otang pava nang pagpapatravar -von dir wir von unseren Schulden ebenso wie vergeben - -namin sa nangag caca otang sa amin at hovag mo caming - wir denen welche haben Schulden an uns und nicht von dir wir - - ipahintolot sa tocso at iadya mo -werden gelassen fallen in Versuchung und werden erlöst von dir - -cami sa dilan masama. -wir von allen Uebeln. Amen. - - - - - - - - -DAS NEUE ZOLLDEKRET. - -Zu S. 9. - - -Das Seite 9 gepriesene freisinnige Zolldekret ist bereits durch -ein anderes ersetzt, das wiederum Differenzialzölle einführt und die -wichtigsten Erzeugnisse der Kolonie mit Ausfuhrabgaben beschwert. Gegen -die alte Zollordnung ist die neue am 1. Juli 1872 in Kraft getretene -immerhin ein bedeutender Fortschritt. Ihre Hauptzüge sind: Vereinfachte -Nomenklatur; statt 766 zählt der Tarif nur noch 122 zollpflichtige -Artikel auf. -- Erhebung des Zolles vom Gewicht statt vom Taxwerth -der Waaren (für einige Artikel sind ad valorem Zölle beibehalten). -- -Zollfreiheit spanischer Waaren, in spanischen Schiffen, -- Zollrabatt -für fremde Waaren in spanischen Schiffen. Der Rabatt beträgt 25%, -soll nach je 2 Jahren um 5% ermässigt werden und Juli 1879 aufhören -(vorausgesetzt natürlich, dass bis dahin der Einfluss der spanischen -Rheder aufgehört hat). -- Baumwollengarne ohne Unterschied der -Nummern, der Zahl der Drähte (und der Farbe) zahlen 10 Cents per -Kg. -- Eiserne sowohl als hölzerne Fahrzeuge können gegen Erlegung -einer Abgabe eingeführt werden. -- Zollfreiheit für allen Bedarf -zu Schiffbau- und -Ausbesserung, wogegen die Prämie für grössere -in Manila gebaute Schiffe wegfällt. -- Die wichtigsten Ausfuhrzölle -sind: Zucker 14 Cents, Abaca 20 Cents, Indigo 100 Cents, flüssiger -desgl. 10 Cents, Reis 5 Cents, Kaffee 30 Cents, Farbehölzer 4 Cents -per 100 Kg. (durchschnittlich etwa 2% vom Werth.) -- - -Alle Abgaben für Leuchtthurm, Hafenreinigung u. s. w. werden in eine -einzige, nach dem Tonnengehalte der ausgeladenen Güter zu entrichtende -Ausladegebühr umgewandelt. Schiffe in Noth und solche die ihre Fracht -in andere Fahrzeuge umladen, oder löschen um sie wieder einzunehmen, -sind frei, Dampfboote die periodisch verkehren gleichfalls. Die Einfuhr -hölzerner und eiserner Schiffe ist gegen Erlegung eines Eingangszolles -gestattet. Jedes spanische Schiff kann in jedem fremden Platz frei -gekielholt und besichtigt werden. - -Einige Erläuterungen werden die Wichtigkeit der im neuen Tarif -enthaltenen Reformen deutlicher machen: - - - Der Zoll auf weisse, schwarze und rosa Baumwollengarne betrug 40 - Proz. vom Werth in spanischen, 50 Prozent in Schiffen fremder - Flagge. Dieser hohe Zoll war vor mehr als 30 Jahren eingeführt - worden zum Schutz einer kaum vorhandenen, später aber durch - Zuckerpflanzungen fast ganz verdrängten Baumwollenkultur und einer, - von einem Mestizen eingerichteten Maschinenspinnerei, die aber - bald darauf wieder einging. Der Zoll blieb fortbestehn und traf - gerade den blühendsten Gewerbzweig der Philippinen, die Weberei; - er würde ihn vernichtet haben, wenn die Kaufleute nicht Mittel - gefunden hätten, die Zölle zu umgehen. Das spanische Sprichwort - sagt: »Quien hizo la ley, hizo la trampa« (wer das Gesetz macht, - macht auch das Schlupfloch). Garne von gewissen Farben zahlten nur - den allgemeinen Zoll von 7, beziehungsweise 14 Prozent. Man färbte - daher die Garne in England so, dass die Farbe leicht auszuwaschen - war, oder umgab einen Ballen weisser Garne mit einer Kruste - gefärbter, oder webte Stoffe mit so losem, spärlichem Einschlag, - dass die Kettenfäden leicht herausgezogen und als Garn benutzt - werden konnten. 50 Prozent Steuer konnten die Garne nicht tragen, - daher wurde fast nicht ein Stück zu diesem Satz eingeführt. Schon - Dampier bemerkt: »die Spanier können und wollen schmuggeln so - gut als irgend eine Nation, die ich kenne.« (Pinkerton XI. 3). - - Ein anderer Uebelstand war, dass die Zölle nicht nach dem - jeweiligen Werthe der Waaren, sondern nach einem vor mehr als 30 - Jahren festgesetzten, in den meisten Fällen höheren Werth, als - heut, berechnet wurden. Auch hiervon hatte die Regierung keinen - Vortheil, denn da solche Gegenstände, für welche im Tarif keine - Werthbestimmung enthalten war, wirklich abgeschätzt wurden, so - benutzten die Kaufleute diesen Umstand, um zu hohe Schätzungen - zu umgehen. Waren z. B. feste Werthe für Shirting von 36'' und - 37'' Breite angegeben, so wurden solche von 36 1/2'' eingeführt, - deren Zoll nach den wirklich geltenden Marktpreisen viel geringer - ausfiel. - - Zum Schutz des ganz unbedeutenden, einheimischen Schiffsbaues - durfte kein hölzerner Dampfer von weniger als 400 Tonnen - eingeführt werden, ein sehr schlimmes Gesetz für eine Kolonie, - in welcher fast der ganze Verkehr zu Wasser stattfindet, deren - schmale Meeresstrassen das Kreuzen gegen den Wind sehr erschweren; - es kam einem Verbot gleich da grosse Dampfer den gegenwärtigen - Bedürfnissen des Verkehrs nicht entsprechen. Die kleinen aber - können in unzählige Flussmündungen und Buchten dringen, um - Produkte zu holen oder vor einem plötzlichen Sturm Schutz zu - suchen. Eiserne Dampfschiffe mussten eine hohe Summe zahlen für - das Recht, die spanische Flagge zu führen. - - Sehr verderblich für den Wohlstand der Kolonie ist die - Wiedereinführung der durch R. D. 5. April 1869 aufgehobenen - Differenzial- und Ausfuhrzölle. Von ersteren hat ausser den - spanischen und kolonialen Rhedern Niemand Vortheil. Handel zwischen - den Philippinen und dem Mutterlande ist kaum vorhanden. Nach der - Balanza mercantil betrug 1863 zwischen Spanien und den Ländern - östlich vom Kap, die Einfuhr in Spanien 650,000 Doll., die Ausfuhr - weniger als 500,000 Doll., zusammen 1,150,000 Doll., wovon 61,000 - Doll. nach englischen und holländischen Besitzungen. Nach den - Philippinen gehen vorzüglich Bücher und Papier 150,000 Doll., - Gemüse, Früchte, Eingemachtes 168,000 Doll., Spirituosen 125,000 - Doll. (Diario 23. 7. 66.) - - -Die überwiegende Menge der Einfuhren kommt aus England, aber ein -beträchtlicher Theil derselben (von Einigen wird er auf die Hälfte -geschätzt) ist deutschen und schweizer Ursprunges. Unmittelbar aus -deutschen Häfen wird nichts verschifft, da die spanischen Schiffe, -denen bis jetzt allein die Einfuhr zufällt, nur in England laden. - -Die Differenzialzölle waren es, welche die Peninsular- und -Oriental-Company veranlassten, den Postdienst, den sie so regelmässig -im Anschluss an die grosse Ueberland-Post besorgt hatte, trotz des -Zuschusses von der Kolonial-Regierung, aufzugeben. Aus demselben Grunde -weigerten sich die Messageries impériales den Dienst zu übernehmen. Die -Regierung übertrug ihn ihren eignen Dampfern, die denselben aber, -wenigstens im Anfange, auf eine Weise versahen, dass die Kaufleute -vorzogen, sogar ihre Briefe mit Segelschiffen zu senden. Packete, -ja selbst Muster, wurden gar nicht befördert; häufig auch keine -Passagiere. Damals kam es auch vor, dass ein Kapitän, der mehrere Tage -in Hongkong auf eine verspätete Ueberland-Post gewartet hatte, in dem -Augenblicke wo sie eintraf, als stolzer Castilier nach Hause dampfte, -ohne die Briefe und den übrigen geschäftlichen Plunder mitzunehmen. - -Die Ausfuhrzölle hätten längst aufgehoben werden sollen. Schon wegen -der durch die Differenzialzölle verteuerten Manilafrachten konnten die -Landeserzeugnisse nur schwer mit denen anderer Kolonien konkurriren, -welche durch Kapital, verbesserte Produktionsmethoden, westlichere -Lage und freisinnigere Handelspolitik bevorzugt waren. - -Mehr aber als die Ausfuhrzölle wirkte vielleicht die ärgerliche Art -ihrer Erhebung nachtheilig auf den Verkehr. Dieser Umstand wurde im -Vergleich zur Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der die Schiffer -in Singapore und China abgefertigt werden, doppelt empfunden und hat -den Hafen von Manila in Verruf gebracht. - - - - - - - - -HANDEL MIT CHINA VOR ANKUNFT DER SPANIER. - -Zu S. 9. - - -Vor Ankunft der Spanier scheint der Handel zwischen Manila und -China unbedeutend gewesen zu sein. Alonzo Barrera (Sevilla 1574; -Hakluyt Morga 390) berichtet aus Manila: »seit einem Jahre wo das -Lager auf der Insel Luzon aufgeschlagen, sind drei Schiffe aus China -angekommen, welche einige Güter von dort brachten wie ihre Gewohnheit -ist . . da sie alle Jahre nach diesen Inseln kommen um zu handeln« -. . sie brachten aber nur Kleinigkeiten in geringer Menge; denn -die Moren gebrauchen hauptsächlich grosse Krüge, grobe Thonwaaren, -Eisen und Kupfer, dieses in Fülle; die Häuptlinge einige Stück Seide, -feines Porzellan, feine Thonwaaren. - - - - - - - - -HANDEL MIT CHINA NACH ANKUNFT DER SPANIER. - -Zu S. 10. - - -Morga (Bl. 161 v.) giebt folgendes interessante Verzeichniss der zu -seiner Zeit von den Chinesen eingeführten Waaren: - -»Diese (chinesischen) Schiffe kommen an mit Waaren beladen und -bringen grosse Kaufleute, denen sie zugehören, und Diener und -Agenten Anderer, die in China verbleiben. Und sie kommen von dort -mit Erlaubniss und Bewilligung ihrer Vizekönige und Mandarine, und -was sie gewöhnlich mitbringen und an die Spanier verkaufen, ist: -Rohseide in Ballen, feine (Seide) von zwei Strähnen (?) und andere -von geringerem Gehalt; feine Stickseide, weiss und von allen Farben -in kleinen Strähnen, viel Sammet, glatt und gestickt, von allerlei -Art und allen Farben und Mustern, und Goldstickerei auf Goldgrund, -Stoffe und Brokate von Gold und Silber auf Seide von verschiedenen -Farben und Mustern; viele Gold- und Silberfäden in Strähnen, auf -Zwirn und Seide, aber der Ueberzug von Gold und Silber ist falsch -und auf Papier (diese Goldfäden bestehen aus einem schmalen Streifen -Goldpapier, das spiralförmig um einen Faden gerollt ist; im Deutschen -Gewerbe-Museum in Berlin sind solche Stickereien ausgestellt), Damast, -Atlas, Taffet und Govarane, Picote (dies kann Stoff aus Ziegenhaar -oder sehr glänzendes Seidenzeug heissen) und andere Zeuge von allen -Farben, einige feiner und besser als die andern; eine grosse Menge -Grasleinen (aus den Fasern der Boehmeria nivea) und weisse baumwollene -Decken verschiedener Gattungen und Sorten zu allen Zwecken; Bisam, -Benzoe, Elfenbein, viele Verzierungen für Betten, Vorhänge, Decken und -Gardinen, auf Sammet gestickt; Damast und Govaran in Schattirungen, -Tischdecken, Kissen und Teppiche, dergleichen Pferdegeschirre und -mit Glasperlen und Samenperlen gestickt; einige Perlen, Rubine, -Saphire und Krystallsteine; Becken, Kessel und andere Gefässe von -Kupfer und Gusseisen; viele Nägel von allen Sorten, Eisenblech, -Zinn, Blei, Salpeter und Pulver; Weizenmehl, Konfekt von Orangen -und von Pfirsich; Skorzoneren, Birnen, Muskatnuss, Ingwer und andre -chinesische Früchte; Schinken und Rauchfleisch, lebendige Hühner von -guter Rasse und sehr schöne Kapaune, viel frisches Obst, Orangen von -allen Sorten, sehr gute Kastanien, Wallnüsse, Birnen und Chicueyes, -frische und getrocknete, welches eine sehr köstliche Frucht ist -[306]; viel feinen Zwirn von allen Sorten, Nähnadeln, Nippssachen, -Kästchen und Schreibzeuge, Bettstellen, Tische und Stühle, Bänke, -vergoldet und mit Marmor eingelegt, mit vielen Verzierungen; zahme -Büffel, Gänse wie Schwäne, Pferde, einige Maulthiere und Esel, und -selbst Vögel in Käfigen, deren einige sprechen und andre singen, -und sie lassen sie tausend Kunststückchen machen; und tausenderlei -andre Spielereien und Flittern von geringem Werth und Preis, die von -den Spaniern geschätzt werden; ausserdem viel feine Thonwaaren von -allerlei Art, Canganes und Sines; schwarze und blaue Umschlagetücher; -Tacley, d. h. Glasperlen von allen Sorten, aufgezogene Karniole und -allerlei andre Perlen auf Schnüren, und Steine in allen Farben; -Pfeffer und andre Gewürze und Kuriositäten; sie alle aufzählen, -hiesse nie fertig werden, und viel Papier würde dazu nicht ausreichen. - - - - - - - - -HAUPT-AUSFUHR-ARTIKEL AUS DEN HÄFEN MANILA, CEBU UND YLOILO, 1871. - - -=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+================== - |Atlantische | Gross- |Californien.|Kontinent|Australien.|Singapore.|China, Japan,| - |Häfen der |Britanien.| | von | | | Molucken | Total. - |Ver. Staaten.| | | Europa. | | | und Habana. | -=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== - | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1870 - | | | | | | | | | -Abacá Picos | 285112 | 143498 | 22500 | 640 | 6716 | 2992 | 2294 | 463752 | 488560 -Zucker ,, | 545929 | 555907 | 99844 | 57476 | 139787 | ,, | 491 | 1399434 | 1251416 -Sapanholz ,, | 10520 | 5301 | 320 | 660 | ,, | 1631 | 58050 | 76482 | 176924 -Zigarren Tausende | 1453 | 10080 | 378 | 13 | 2930 | 35089 | 26849 | 76792 | 77526 -Kaffee Picos | 1451 | 31434 | 3700 | 10653 | ,, | 1415 | 4717 | 53370 | 34120 -Tauwerk ,, | ,, | 220 | 484 | 87 | 114 | 2640 | 8389 | 11934 | 11307 -Indigo Quintales | 3390 | 1715 | ,, | ,, | ,, | 186 | ,, | 5291 | 5662 -Blätter-Tabak Picos | ,, | 27773 | ,, | 25775 | ,, | ,, | ,, | 53548 | 136680 -Perlmutter ,, | 2037 | 503 | ,, | ,, | ,, | ,, | 45 | 2585 | 3022 -Schildpatt Kattis | ,, | 100 | ,, | ,, | ,, | ,, | 902 | 1002 | 1043 -Häute Picos | 777 | 1053 | ,, | ,, | ,, | 325 | 971 | 3126 | 3859 -Desgl. Abfälle ,, | 5833 | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 1908 | 7741 | 4303 -Almáciga-Harz ,, | ,, | 9506 | ,, | ,, | ,, | 309 | ,, | 9815 | 11028 -Cowries | | | | | | | | | - (Cypraea moneta) ,, | ,, | 1577 | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 1577 | 3887 -Reis Cabans | ,, | ,, | 1805 | 6370 | ,, | 130 | 28522 | 36807 | 28560 -Flüssiger Indigo Quintales | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 416 | 19328 | 19744 | 14262 -=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== - Uebersicht Abaca. | 1869 | 293692 | 94568 | 22000 | 60 | 13458 | 2396 | 174 | 426348 - der | 1868 | 294728 | 130060 | 14200 | 200 | 21144 | 3646 | 1102 | 465080 - Ausfuhr | 1867 | 287570 | 113030 | 17602 | 1318 | 12100 | 2398 | 786 | 435804 - von | 1866 | 278888 | 96432 | 15120 | 1614 | 12244 | 1250 | 1156 | 406704 - | 1865 | 289444 | 79316 | 13600 | 3342 | 9550 | 1100 | 1445 | 397797 - ========+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== - Zucker | 1869 | 343959 | 512578 | 120741 | 6992 | 115239 | 136 | 1436 | 1101081 - | 1868 | 185613 | 819462 | 44050 | 10559 | 96980 | ,, | 28627 | 1185291 - | 1867 | 98502 | 507432 | 81783 | 28610 | 121871 | ,, | 194758 | 1032956 - | 1866 | 85842 | 470676 | 131749 | 10959 | 57709 | 88 | 120444 | 877467 - | 1865 | 68640 | 324676 | 131235 | 15026 | 184686 | ,, | 158568 | 882826 -=============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== - - - - - - - - -FLÄCHENINHALT DER GRÖSSEREN INSELN DES PHILIPPINISCHEN ARCHIPELS [307]. - -Zu S. 39. - -==================+=======================+============+==================== - | Berechnet nach | | Nach dem Anuario - | | der | Nach | estadistico de - | Coello's | hydrogra- | Engelhardt | España 1858. - | Karte | phischen | [308] | Behm's geograph. - | | Karte | | Jahrbuch I. 1869. - | q. M. | q. M. | q. M. | q. M. | q. Kilom. -==================+===========+===========+============+=========+========== -Luzon | 1934.2 | 1932.9 | 1937.31 | 2014.8 | 110.940 -Mindanáo | 1569.9 | 1625.7 | | 1538.8 | 84.730 -Paláuan (Parágua) | 265.8 | 235.4 | | 251.5 | 13.850 -Sámar | 236.5 | 228 | 229.50 | 221.1 | 12.175 -Panáy | 223.2 | 317.4 | 233 | 214.1 | 11.790 -Mindóro | 185.3 | 182 | 188 | 175.3 | 9.650 -Négros | 163.7 | 227.8 | 174.33 | 158.1 | 8.705 -Léyte | 168.9 | 163.3 | 192 | 172.5 | 9.500 -Cebú | 104.2 | 76.1 | 88.8 | 107.6 | 5.925 -Bojól | 55.9 | 55.9 | 59.6 | 59 | 3.250 -Masbáte | 62.3 | 55.6 | | | 3.637 -Catanduánes | 30.4 | 29.7 | | | -Políllo | 14.2 | 16.8 | | | -Marindúque | 14.1 | 13.8 | | | -Táblas | 13.2 | 15.2 | | | -Burías | 11.3 | 8.6 | | | -Ticáo | 6.8 | 6.4 | | | -==================+=======================+============+==================== -Der ganze Archipel| 5293[309] | 5392.7 | | 5368 | 295.585 - - - - - - - - -1867 ÜBERSICHTS-TABELLE DER METEOROLOGISCHEN VERHÄLTNISSE - -zu S. 41. - - -Luftdruck: Mittel 755,50 Millimeter. -Maximum 760,75 Millimeter. (13. Dez.) -Minimum 746,77 Millimeter. (24. Sept.) -Aeusserster Unterschied 13,96 Millimeter. - -Luftwärme: Mittel 27°.9 C. -Maximum 37°.7 C. (15. Apr.) -Minimum 19°.4 C. (14. Dez. 30. Jan.) -Aeusserster Unterschied 18°.3 C. - -Feuchtigkeit der Luft: Mittel 63,93% -Maximum 97,81% (21. Aug.) -Minimum 22,12% (16. Mai). -Aeusserster Unterschied 75,69%. - -Regenmenge 3072,8mm -Regentage 168 -Mittlere Verdunstung in 24 Stunden 6,3mm. -Gesammt-Verdunstung 2307,3mm. -Heitere Tage 49 -theilweis heitere 144 -bedeckt 172 -Winde NO 554 -Winde SO 561 -Winde SW 512 -Winde NW 453 -Mittlere Geschwindigkeit der Winde in der Sekunde - NO 2,1 Meter. - SO 3,1 Meter. - SW 3,6 Meter. - NW 2,8 Meter. - - -Mittel der Jahre 1865/1869. - - - Januar. Februar. März. April. Mai. Juni. Juli. August. September. Oktober. November. Dezember. - mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. - -Barometer: 757,19 756,78 756,58 755,30 751,5 753,95 753,50 753,07 752,02 754,78 755,75 756,37 -Spannkraft der -Dämpfe: 14,71 14,27 15,53 16,25 18,48 20,42 20,70 20,92 21,77 18,53 17,41 15,24 -Trockene Luft. -(Barometerstand -minus -Spannkraft der -Dämpfe): 742,48 742,51 741,05 739,05 734,69 734,32 733,33 732,89 729,75 733,08 736,25 738,87 -Regen: 24,2 13,46 14,56 16,46 110,3 243,08 255,08 281,22 723,42 236,9 143,97 11,47 2074,84 - (1867: 3072,8). -Verdunstung: 17,18 18,25 250,35 273,32 217,67 243,33 171,27 186,77 163,53 196,7 189,0 201,35 2402,14. - - ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° ° -Temperatur °C. 26,39 27,02 28,6 30,1 29,25 27,85 27,38 27,95 27,48 28,1 26,83 26,33 - - - - - - - - -UEBERSICHT DER VOLKSMENGE, DER ORTSCHAFTEN U. S. W. IN DEN PHILIPPINEN. - -Vergl. S. 43. - -(Nach den neuesten amtlichen Erhebungen mitgetheilt von -Dr. A. B. Meyer.) - - -Unter den Ortschaften sind 81 Rancherien (Ansiedelungen) Neubekehrter -mitgezählt. Die Seelenzahl ist (abgesehn von Schreibfehlern), = 6 -mal Zahl der Tribute angenommen. Früher galt 4 mal Zahl der Tribute = -Seelenzahl. (S. 43). - -Ein Plan zur bessern Eintheilung der Philippinen liegt der Madrider -Regierung vor. Er lautet: §. 1. Das Gebiet der philippinischen Inseln -wird in 18 Provinzen getheilt, die nach ihrer Wichtigkeit in drei -Rangstufen zerfallen. Die Inseln Mindanao, Basilan, Iolo, Samales, -Balabac werden nach besondern Gesetzen regiert und sind in obiger -Eintheilung nicht einbegriffen (die spanische Herrschaft ist nämlich -in jenen Gebieten, mit Ausnahme einiger Distrikte Mindanao's, nichts -weniger als begründet). §. 2. Provinzen I. Klasse sind: Manila, Yloilo, -Cebú, Ilócos und Cagayán. II. Klasse: Pangasinán, Pampánga, Lagúna, -Cavíte, Batángas, Albáy, Neu-Écija. III. Klasse: Bulacán, Camarínes, -Cápiz, Négros, Leyte und Mariánas. §. 3. Die heut bestehenden, im -vorgehenden § nicht aufgeführten Provinzen werden mit den neu zu -errichtenden verschmolzen. §. 4. Die Provinzen können in so viele -Distrikte getheilt werden als ihre zweckmässige Verwaltung erfordert. - - -Insel Luzon. - -Namen der Provinzen. Zahl - der der der Seelen. Tribute. - Ortschaften Frohnarbeiter - (Pueblos.) (polistas.) - -Abra 8 4678 6211 37266 -Albáy 38 44050 56915 1/2 341493 -Bataán 12 10865 11227 67362 -Batángas 21 64482 72084 432504 -Bulacán 24 45783 57719 1/2 346317 -Cagayán 19 19059 19066 114396 -Camarínes Norte 9 6327 7087 1/2 42525 -Camarínes Sur 34 29558 72336 434016 -Cavíte 19 26031 28865 1/2 173193 -Ilócos Norte 15 30449 36673 220038 -Ilócos Sur 21 38821 44205 1/2 265233 -Isabéla 9 5461 7844 1/2 47067 -Lagúna 28 29921 36072 1/2 216435 -Lepánto 81 9384 . . 56088 -Manila 29 44138 59058 354348 -Moróng 12 11333 12180 73080 -Nueva Écija 23 28780 27887 1/2 167325 -Nueva Vizcáya 6 3399 3578 1/2 21471 -Pampánga 29 36409 50094 1/2 300567 -Pangasinán 30 65036 71948 1/2 431691 -Tayábas 17 20856 25880 155280 -Unión 13 18885 22242 133452 -Zambáles 23 16284 18174 109044 - -Inseln zwischen Luzon und Mindanao. - -Antíque 19 15231 21981 131886 -Bojól 36 18853 47252 1/2 283515 -Burías 1 420 405 2430 -Cápiz 32 29780 45382 272292 -Cebú 51 35369 71226 427356 -Iloílo 41 80325 108068 648408 -Leyte 43 46069 47582 1/2 285495 -Masbáte und Ticáo 9 2573 2865 17190 -Mindóro 18 9630 11821 10926 -Négros 43 32204 42645 1/2 255873 -Romblón 9 4909 5689 1/2 34137 -Sámar 35 41363 41677 250062 - -Mindanao. - -Cotabatú 1 200 200 1200 -Misámis 32 12574 16733 100398 -Surigáo 28 12295 12295 73770 -Zamboánga 2 2303 2429 14574 -Daváo 1 332 310 1860 -Basilán 1 95 100 600 -Fernere Inseln. -Batánes 6 2000 2000 12000 -Calamiánes 5 940 4531 1/2 27189 - === ======= ========= ========= - 933 957,427 1,232,544 7,451,352 - - -Von den S. 43 genannten Distrikten sind einige in vorstehender Liste -als Provinzen erwähnt, andre scheinen ihre Selbstständigkeit verloren -zu haben. Bei Mindanao ist die kleine Insel Basilan selbstständig -aufgeführt, die früher zur Verwaltung von Zamboánga gehörte. Unter -den Ferneren Inseln fehlt die Bevölkerung der Mariannen; in einer -Anmerkung wird sie auf 8 bis 9000 geschätzt, indem man wahrscheinlich -die Zahl der Tribute mit 6 statt mit 4 multiplizirte. - - - - - - - - -BEVÖLKERUNG VON MINDANAO. - -Die folgenden Angaben sind noch weniger verlässlich, als die obigen, -aus amtlicher Quelle stammenden, auch nicht mehr ganz neu. - - -1) Ungläubige: - -Negritos, zerstreut in den Wäldern (unsicher ob -unvermischt) etwa 10,000 -Manobos, in der Nähe von Butuan ,, 10,000 -Manguangas, von Tingog bis Misámis und in den Wäldern -bis an den See von Buhayen oder Maguindanao ,, 80,000 -Mandayas, von Linao bis an die Seen von Liguasin und -Butuan ,, 40,000 -Mischlinge aus den beiden letzten in der Nähe des -Meerbusens von Davao ,, 7000 -Guiangas und Bagobos, vom Vulkan Apo (?) bis an die -Ebenen des Meerbusens von Davao ,, 12,000 -Tagacaolos, Sanguiles, Bilanes, vom Vulkan Apo bis an -die SO.-Küste ,, 76,000 -Subanos, von Mísamis bis Zamboanga ,, 70,000 - ------- - ,, 305,000 -2) Moros (Mohamedaner): - -Meerbusen von Davao 6000; Meerbusen von -Sarangani 15,000 ,, 21,000 -Am Fluss Painan und an den Seen im Süden ,, 45,000 -Bay von Illana bis Sibugnay 30,000; Bay von Sindangan -und Iligan 40,000 ,, 70,000 -Misamis nach Osten 10,000; See v. Buhayen und an den -aus dems. fliessenden Flüssen 60,000 in 30 Orten ,, 70,000 -Im Innern, im Süden der Prov. Misamis viele Ungläubige -welche zum Islam hinneigen ,, 30,000 - ------- - ,, 541,000 - -3) Christen in 64 Ortschaften: ,, 191,802 - ======= - Zusammen ,, 732,802 - - - - - - - - -GLEICHZEITIGER AUSBRUCH DREIER VULKANE 1641. - -(Zu S. 110.) - - -Die über dieses Ereigniss vorhandenen Angaben sind sehr -ungenügend. A. Perrey giebt S. 53 eine ausführliche Beschreibung -nach J. E. Nierembergius, dessen Obras filosoficas einen Abdruck des -amtlichen Originalberichtes enthalten. Da letzterer äusserst selten -(ich verdanke seine Mittheilung dem Professor Don P. de Gayangos), -und auch Perrey's Documents (Mém. Acad. Dijon) wenig verbreitet sind, -so lasse ich eine genaue Uebersetzung der wesentlichen Stellen jenes -interessanten Schriftstückes folgen; das Nebensächliche ist abgekürzt -oder ausgelassen. Wo Perrey's Uebersetzung nicht mit dem Originaltexte -übereinstimmt (unwesentliche Abweichungen sind nicht hervorgehoben), -ist der spanische Text sowohl als der französische in [] beigefügt. - -Der Titel lautet: - -Succeso raro de tres Volcanes dos de fuego, y uno de agua, que -rebentaron a 4 de Enero deste año de 641 a un mismo tiempo, en -diferentes partes de estas islas Filipinas, con grande estruendo por -los ayres, como de artilleria y mosquetaria. - -Averiguado por orden y comission del Señor Don Fray Pedro Arçe obispo -de Zebu y Gobernador del Arçobispaso de Manila JHS en la compañia de -Jesus. Manila Año MDCXXXXI por Raymundo Magisa. - -Ende Dezember 1640 fiel zweimal Asche bei Zamboanga und bedeckte die -Felder leicht wie Reif. Am 1. Januar legte ein von Manila nach Ternate -bestimmtes Geschwader mit Hülfstruppen dort an. Am 3. Januar um 7 Uhr -Nachm. vernahm man plötzlich in Zamboanga ein anscheinend 1/2 Stunde -entferntes Geräusch, das Besorgniss erregte. Es klang wie Arkebusier- -und Artilleriefeuer, man glaubte ein Feind wolle die Küste beunruhigen, -und bereitete sich darauf vor. Der General der Ruderflotte sandte -ein leichtes Boot aus um zu sehn ob es etwa eines der Schiffe des -Hülfsgeschwaders sei, das zu Grunde ginge: es fand nichts. - -Am folgenden Tage, dem 4. gegen 9 Uhr Vm. [el dia siguiente a 4, -como a las 9 de la mañana -- le lendemain à quatre heures et à -neuf heures du matin] nahm das (vermeintliche) Geschützfeuer so -zu, dass man fürchtete das Hülfsgeschwader sei auf holländische -Galeonen gestossen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde. -- Aber bald -überzeugte man sich, dass das Geräusch von einem Vulkan herrühre, der -sich aufgethan; denn gegen Mittag sah man von Süden her eine grosse -Finsterniss hereinbrechen, die sich allmälig über jene Hemisphäre -verbreitete und das ganze Gesichtsfeld verdeckte, so dass man sich um 1 -Uhr NM. in wahrer Nacht, und um 2 Uhr in so dichter Finsterniss befand, -dass man nicht die Hand vor Augen sehn konnte . . . grosse Bestürzung, -Alles läuft in die Kirchen, betet und beichtet, zündet Kerzen an. - -Diese Finsterniss, während welcher im ganzen Gesichtskreis kein Licht -wahrzunehmen, dauerte bis 2 Uhr Morgens, als sich etwas Mondschein -blicken liess [se commenzo a descubrir alguna claridad de la luna -- -ce ne fut qu'alors qu'on commença à découvrir la Laguna] zur grossen -Freude der Spanier und Indier die befürchtet hatten, unter der Menge -von Asche begraben zu werden, welche seit 2 Uhr [que desde las dos --- qui dès le deux] begonnen hatte auf sie herabzufallen. Dieselbe -Nacht brachte zur selben Stunde auch das Geschwader in Verwirrung, -welches der Küste von Mindanao folgend, sich bereits unfern Cap -San Agustin befand, in der Nähe einer Insel Sanguil genannt (Pater -Nieremberger schreibt Sanguiz) wo der Vulkan [el volcan -- un volcan] -ausgebrochen war. Für sie wurde es früher Nacht als in Zamboánga, -denn um 10 Uhr Vormittags befanden sie sich in so dichter Dunkelheit -und schrecklicher Finsterniss, dass sie den Tag des jüngsten Gerichts -gekommen glaubten. Es begann so viele Steine, Erde und Asche zu regnen, -dass sich die Schiffe in Gefahr sahen und genöthigt waren Licht -anzuzünden, und sich schnell der schweren Last von Erde und Asche zu -entledigen; und die Galera nahm ihr Zelt ab und zündete Laternen an, -als ob es Nacht wäre. Man beobachtete geraume Zeit von den Schiffen -aus, wie aus besagter Insel Sanguil schnell nach einander feurige -Federbüsche und Säulen hervorbrachen die sich gen Himmel erhoben -und im Herabfallen die benachbarten Wälder in Brand steckten. Die -Finsterniss verbreitete sich über den grössten Theil besagter Insel -Mindanao, welche sehr gross ist, die Asche flog bis nach Zebu, Panay -und andern umliegenden Inseln, und besonders nach der von Jolo, die -wohl mehr als vierzig Leguas von Sanguil, wo der Vulkan ausgebrochen, -entfernt sein mag; und obgleich man zur Zeit wegen der Finsterniss -und des Aufruhrs des Wetters, in Jolo nicht wahrnahm, wo das was vom -Himmel herabstürzte, herkam, so bemerkte man, als es hell wurde, -dass um dieselbe Zeit wo in Mindanao und Sanguil der erste Vulkan -ausgebrochen [y aunque entonces por la escuridad y revolucion del -tiempo, no repararon en Jolo de donde les venia lo, que el cielo -arrojava, despues de sereno advertieron que al mismo tiempo que -en Mindanao y Sanguil avia rebentado el primer volcan -- quoique -l'obscurité eut empêché les navires d'observer ce qui se passait -alors à l'île d' Jolo (die Schiffe waren ja über 100 Leguas von Jolo -entfernt!) au dessus de laquelle le ciel paraissait tout rouge, ils ont -appris depuis, que dans le même moment, où le premier volcan faisait -éruption à Sanguiz et lançait ses cendres jusqu' á Mindanao] sich auch -dort die Elemente empört, und noch ein zweiter Vulkan aufgethan hatte, -auf einer kleinen Insel, welche der Barre des Hauptflusses von Jolo, -wo sich unser Presidio befindet, gegenüber liegt. Dort öffnete sich -(wie später festgestellt) die Erde unter grossen Erschütterungen -und spie feurige Flammen aus und dazwischen Bäume und grosse Steine -[Llamas de fuego y entre ellas -- des flammes de feu, qui entraînèrent -avec elles des arbres]. So gross war der Aufruhr der Elemente, dass -er, durch die Eingeweide der Erde bis in die des Meeres dringend, -durch eben den Mund, der sich auf dem Lande aufgethan, eine Menge -grosser Muscheln und verschiedene andre Dinge ausspie, die das Meer -auf seinem Boden erzeugt. Heute steht die Mündung dieses Vulkans offen; -sie ist sehr weit, und hat die ganze Umgebung jener Insel verbrannt. - -Aber was am meisten Bewunderung erregt, ist, dass in der Provinz -Ilocos, auf der Insel Manila, die wenigstens 150 Leguas in gerader -Linie von der Stelle entfernt ist, an demselben Tage und zur selben -Stunde, wo die erwähnten beiden Feuervulkane ausbrachen, in einigen -Ortschaften der Igoloten, welche letztere noch ungläubig sind, ein -anderer Sturm stattfand und der dritte Vulkan ausbrach, welcher von -Wasser war und so furchtbar, wie man aus einem Kapitel des Briefes von -Fray Gonzalo de Palma, General Procurators der Augustiner, ersehn wird, -welches im Wesentlichen lautet: Bei den Igoloten, die in Bezug auf die -Ilocos fünf Tagereisen weiter östlich landeinwärts wohnen, erlitt die -Erde am 4. Januar ein so furchtbares und erschreckliches Erdbeben wie -der vorausgegangene wüthende Orkan es angekündigt. Die Erde verschlang -3 Berge von denen einer, an dessen Abhang drei Ortschaften lagen, -unzugänglich war. Diese ganze aus ihren Grundfesten gerissene Masse -flog in die Luft zugleich mit vielem Wasser, so dass die Lücke einen -weiten See bildete ohne irgend ein Zeichen zurückzulassen, weder der -Ortschaften noch der hohen Berge, die dort gestanden hatten. Wind und -Wasser zersprengten die Eingeweide der Erde mit so ausserordentlicher -Wuth, dass Bäume und Berge (montes) in Bruchstücken zwölf Piken hoch -geschleudert wurden und bei dem Aneinanderstossen in der Luft und -im Herabfallen ein so furchtbares Geräusch machten, dass es viele -Stunden weit gehört wurde. - -Nach langen religiös-abergläubischen Erörterungen heisst es weiter: - -Das letzte ausserordentlichste und allgemeinste Wunder dieses -4. Januartages ist das in diesem Briefe hervorgehobene Getöse, -welches zwischen 9 und 10 Uhr in der Luft entstand und nicht nur -in Manila und den wohl 130 Leguas entfernten Provinzen Ilocos und -Cagayan, sondern auch in sämmtlichen philippinischen Inseln und den -Molukken gehört wurde. Und es drang bis in das Festland von Asien, in -die Reiche von Cochinchina, Champa, Cambodia, wie durch verschiedene -Geistliche und andre glaubwürdige Personen, die aus diesen Reichen -nach Manila gekommen, kund wurde. Eine Entfernung die wohl einen Kreis -von mehr als 300 Leguas Durchmesser und 900 Leguas Umfang bildet, -und in dieser ganzen Entfernung hörte man das Geräusch gleichmässig an -demselben Punkte und demselben Orte. Alle vermutheten, dass es starkes -Artillerie- und Gewehrfeuer sei, und glaubwürdige Leute fügen hinzu, -dass sie einen Schall wie von Trommeln unterschieden [discernieron -sonido como de caxas de guerra -- distingaient le son comme celui -de boîtes d'artifice] und alle hörten es solcher Art, und in solcher -Entfernung, dass sie meinten es sei 2 oder 3 Leguas von der Stelle wo -sie sich befanden. In Manila wähnten sie, es sei im Hafen von Cavite, -und in Cavite, dass es in Manila sei, . . . und es wurden Depeschen von -einem Ort zum andern gesandt. . . . Und so geschah es in allen Inseln, -Städten und Ortschaften innerhalb des Umkreises von 900 Leguas, -eine wunderbare Sache, die, wie es scheint die Grenzen der Natur -überschreitet und den Grundsätzen der Philosophie widerstrebt . . . - -Es folgen wieder abergläubische Betrachtungen, darunter eine von -chronologischem Interesse: Da nämlich Malacca, das am 13. Januar von -den Holländern erobert wurde, am 4. schon hart bedrängt war, so meinten -viele, als sie später die Kunde erhielten, der Himmel habe durch die -Vulkane Lärm schlagen lassen, um die Spanier auf den grossen Schaden -aufmerksam zu machen den der Verlust dieser vornehmen Stadt allen jenen -Archipelen, Küsten und davorliegenden Inseln bringen würde. Auch wird -angeführt dass der 5. Januar in Macao dem 4. in Manila entspricht, -weil die Portugiesen von W. nach O., die Spanier von O. nach W. nach -ihren indischen Kolonien gehn. Die Missionäre von Cochinchina gaben -nämlich den 5. Januar als Datum der Ausbrüche. - -Perrey kommt zu dem Schluss, dass Nieremberg's Sanguiz ident sei -mit Sanguil oder Sanguir (man findet auch Sangin, Sangi, Sanghir, -Sangir, Sangil, Sanguili) und dass derjenige der drei Ausbrüche der -das Geschwader in Gefahr brachte, auf der Insel Sanguir stattfand, -die etwa 36 Leguas S. von Mindanao liegt. Die erste Annahme wird -durch den Originalbericht bestätigt, gegen die zweite aber erheben -sich manche Bedenken. Dafür scheint der Name der Insel zu sprechen -und ihre Lage zwischen Zamboanga und Ternate. - -Aber nur gar zu häufig sind in jenen Ländern verschiedene -Oertlichkeiten mit demselben Namen benannt, wodurch grosse Verwirrung -entsteht. (Ein auffallendes Beispiel davon wird am Schluss dieses -Artikels mitgetheilt.) Auch auf der Insel Mindanao ist zweifellos -wenigstens ein Vulkan Sanguil vorhanden den indessen verschiedene -Schriftsteller an verschiedene Stellen versetzen. Im Originaltext -heisst es nicht, wie in der Uebersetzung, dass der erste Vulkan in -Sanguil ausbrach und seine Asche bis Mindanao schleuderte, sondern -dass er in Mindanao und Sanguil ausbrach, eine schwer zu verstehende -Stelle, die aber nach Ansicht spanischer Autoritäten nur bedeuten -kann: »in Mindanao und zwar in Sanguil«. Der Umstand, dass unter -den Bewohnern von Mindanao Sanguiles aufgeführt werden (s. unten), -lässt vermuthen, dass noch heut ein Gebiet Sanguil dort vorhanden ist. - -Nach Berghaus (Hydro-geog. Mem. 62) liegt der Vulkan Sanguili auf der -Halbinsel Sarangani, der Südspitze Mindanao's; auf einer M. S. Karte -aus Forster's Nachlass (Neue berichtigte und verbesserte Karte der -Philippinischen Inseln 1772, K. Bibliothek Berlin) ist ein Vulkan -Sanguil ungefähr an der Stelle eingetragen wo Berghaus den Gunong -Tibangan setzt, etwa 6° 30' N., 124° 30' O. Gr. Nach Magisa liegt der -Vulkan auf einer Insel (?) Sanguil bei Kap San Agustin, welches nach -Allg. Historie (s. unten) Kap Serangani sein kann; nach Perrey auf -der Insel Gross-Sangir. Nach Combes im Gerichtsbezirk von Mindanao -(was sich nach Semper nicht auf den südlichen Theil der Insel beziehen -kann), der Vulkan aber, der (1641) den furchtbaren Ausbruch hatte, -im Gerichtsbezirk von Buhayen, 60 Leguas von Zamboanga, was recht gut -auf den der Südspitze Mindanaos, Kap Sarangani passt. Nach Murillo -Velarde S. 124 giebt es in Sanguil, welches im Süden von Mindanao -liegt, einen Vulkan. Prof. Semper identifizirt S. 5 und auf seiner -Karte den Sanguil mit dem Serangani, bezweifelt aber die Identität -in einer Anmerkung S. 92. - -Gegen Perreys zweite Annahme spricht ferner der Umstand, dass sich -das Geschwader längs der Küste bewegte. Befand es sich wirklich bei -Kap S. Agustin so war es sehr aus seinem Kurs gekommen, wofür kein -Grund ersichtlich ist, da Stürme vor dem Ausbruch nicht gemeldet -werden. Dem angegebenen Kurse würde es besser entsprechen, dass sich -das Geschwader zur Zeit des Ausbruches an der Südspitze von Mindanao -bei Kap Sarangani in unmittelbarer Nähe des dortigen Vulkanes befand -und dass die Namen der Kaps verwechselt sind. Auch in der Allgemeinen -Historie der Reisen, XVIII, 391 ist zu lesen, dass das unter 5° -30' N. liegende Kap den Namen Sarangan oder des heiligen Augustin -trage. Indessen weder in dem einen, noch in dem andern Fall konnte sich -das Geschwader gleichzeitig in solcher Nähe der 52, bezüglich 36 Leguas -entfernten Insel Gross-Sanguir und der über 100 Leguas entlegenen Insel -Jolo befinden um von ersterer aus mit Erde und Steinen beschüttet zu -werden und wahrnehmen zu können was auf letzterer vorging. - -Perrey führt zwar auch noch einen dritten Grund an, den Umstand -nämlich, dass sich in Zamboanga die Finsterniss von Süden aus -verbreitete; die Insel Gross-Sanguir liegt aber SO. Wahrscheinlicher -ist es, dass der in Zamboanga beobachtete Aschenregen von Jolo kam, -wo gleichzeitig ein Ausbruch stattfand. Dr. Neumayer macht mich darauf -aufmerksam, dass der Januar in jenen Meeren frei von Stürmen ist, dass -in den Berichten nur lokale Stürme und Unwetter erwähnt werden, das zur -Zeit herrschende Windsystem, der NO.-Monsun, also wohl nicht allgemein -gestört war. Die Asche des Joloausbruches konnte also wie solches bei -andern gewaltigen Eruptionen vorgekommen, durch den untern Luftstrom -in den darüber SW. oder WSW. wehenden Aequatorialstrom geschleudert -und von diesem nach Zamboanga und den Bisayas getragen werden. - -Gegen Perrey's Annahme muss es auch Bedenken erregen, dass Valentyn -Beschrijving der Moluccos S. 2 in Oud en Nieuw Oost Indie der eine -ausführliche Beschreibung der Insel Gross-Sanguir giebt, und alle -späteren holländischen Schriftsteller keinen früheren Ausbruch dort -erwähnen als den von 1711. Doch war die Insel den Holländern lange -bekannt: 1625 hatten sie das Schiff Trouw daselbst verloren, 1664, -nur 23 Jahre nach den drei gleichzeitigen Ausbrüchen kam überdies -Ternate und damit auch die Insel Sanguir in ihren Besitz. - -Am wahrscheinlichsten ist wohl der Vulkan auf der südlichsten -Spitze Mindanao's (Halbinsel Sarangani) als der Heerd des Ausbruchs -anzunehmen, doch ist es nach dem Bericht des Jesuiten Magisa nicht -möglich den Ort mit Bestimmtheit festzustellen. Die Position des -Geschwaders ist unklar, die Richtung in welcher es die Erscheinungen -beobachtete nicht angegeben. Die angeführten Entfernungen bekannter -Punkte, meist um die Hälfte zu gering, zeigen nur dass diese Angaben -werthlos sind. Der Verfasser berichtet vom Hörensagen, seinem Stande -und seiner Zeit entsprechend, nicht geologisch sondern theologisch. - -Durch eine ähnliche Betrachtung muss man sich trösten wenn in der -sechsbändigen Historia de los P. P. Dominicos en las islas filipinas -(Madrid 1870) mit Stolz hervorgehoben wird, dass allein Aduarte -(der Dominikaner war) ein am 30. November stattgefundenes grosses -Erdbeben beschreibe und dann seine Schilderung abgedruckt wird, -jedoch mit der Jahrszahl 1619 statt 1610 (s. S. 6). - -In Geschichten von Mönchsorden sind solche Irrthümer häufig und -ziemlich unschädlich. Schlimmer ist es wenn sehr gelesene Zeitungen -falsche Angaben in einer Form verbreiten, die den Stempel höchster -Zuverlässigkeit trägt. - -Die Illustrated London News 7. Oktober 1871 giebt die Abbildung eines -neuen auf der Insel Camiguin in den Philippinen entstandenen Vulkanes -und dazu folgende Erläuterung: »Der ehrenwerthe F. C. P. Vereker, -Lieutenant zur See, Kommandör des zu hydrographischen Aufnahmen -detachirten K. Grossbrit. Schiffes Nassau erfreut uns mit einer -Skizze des vulkanischen Ausbruchs auf der kleinen Insel Camiguin, -einer der nördlichsten der Philippinen in 19° N. und etwa 122° O. Gr. - -Darauf folgt eine kurze Beschreibung des Ausbruches vom 1. Mai -1871 ohne Angabe des Datums . . Als der Nassau den Vulkan im Juli -besuchte war er noch thätig, grosse Massen Dampf und Rauch drangen -aus den Seiten und dem Gipfel, hin und wieder wurden auch Steine -ausgeworfen. Zwei Offiziere die den Vulkan ersteigen wollten, mussten -es wegen der Hitze des Bodens aufgeben. - -Der Bericht hat einen fast amtlichen Klang, ist aber dennoch falsch; -denn die gesperrt gedruckte Stelle ist vom Redaktör nach eigenem -Ermessen eingeschoben, die vom Nassau besuchte und skizzirte Insel -Camiguin liegt 9° N. 124° 20' O. Gr., d. h. über 200 Leguas von der -gleichnamigen Insel der Babuyanesgruppe entfernt, nach welcher der -Redaktör das Ereigniss verlegt. - -Nach Berichten aus Manila besteht sie aus drei Bergrücken: Catarman, -Sigay und Maginog. Schon am 17. Februar wurden heftige Erdstösse -mit starkem unterirdischen Geräusch wahrgenommen. Am 1. Mai 1871 -bemerkten die Bewohner des kleinen Bergdorfes Catarman eine aus dem -Boden aufsteigende Rauchsäule; um 7 Uhr NM. desselben Tages hörten sie -plötzlich einen lauten Knall, und sahen sich von einer Wolke von Feuer -und Steinen umgeben. Einige die sich in grösserer Entfernung befanden, -wurden von dieser Wolke erreicht und an verschiedenen Stellen des -Körpers verbrüht und verbrannt. Alles flüchtete an die Küste um die -Insel zu verlassen, es waren aber nur wenige Fahrzeuge vorhanden. Die -Zahl der Opfer muss sehr beträchtlich gewesen sein. Noch am 12. spie -der Vulkan aus fünf Oeffnungen Rauch und Flammen aus. - -Es scheint auf dem Gipfel des Berges von Catarman ein Kratersee -vorhanden gewesen zu sein, dessen Wasserstand grossen Schwankungen -unterlag. Zuweilen trocknete der See ein, einigemale floss er über -und überschwemmte die Umgebung, so namentlich in den Jahren 1827 und -1862. Häufig wurde er durch Gasausströmungen in Wallung versetzt. Ein -eigentlicher Ausbruch hatte in geschichtlicher Zeit nicht statt -gefunden. - - - - - - - - -ZUSÄTZE UND BERICHTIGUNGEN - -nach Dr. A. B. Meyer und einigen andern kürzlich aus den Philippinen -zurückgekehrten Freunden. - - - -Zu S. 4. Es existirt jetzt direkte Dampfschiffahrt zwischen Spanien -und Manila, die Gesellschaft ist eine englische, die Schiffe gehn von -Liverpool nach Spanien und durch den Suezkanal nach Manila; es sind -grosse Dampfer von 2-3000 Tons. Diese Linie wird jetzt meist zu Aus- -und Heimreisen von den spanischen Beamten benutzt. - -Zu S. 4 Anm. 5. Auch zwischen Singapore und Manila ist jetzt eine -direkte Dampfschiffverbindung vorhanden. Alle 14 Tage trägt ein -Schiff die Post von Manila nach Singapore und bringt die europäische -zurück. Dieses ist jetzt auch die meist benutzte Passagierlinie: -Die Ueberfahrt soll in 6 Tagen gemacht werden. Die Regierung -zahlt der Gesellschaft 5000 Doll. für jede Reise, übt aber kein -Aufsichtsrecht. Die Schiffe sind oft nicht seetüchtig. Dr. A. B. M. war -13 Tage statt 6 unterwegs. Sein Schiff musste zwei Tage in den -Cuyo-Inseln Schutz suchen und wurde auf der nächsten Fahrt im Hafen -von Labuan, den es mit Mühe erreichte, kondemnirt. Ausserdem gehn noch -von Zeit zu Zeit Handelsdampfschiffe zwischen verschiedenen Häfen -Chinas (Amoy, Hongkong etc.) und Manila. Die Passagierbeförderung -mit spanischen Kriegsschiffen hat daher ganz aufgehört. - -S. 5 unten. Noch 1872 sieht man sehr viele Trümmerhaufen an den -verschiedensten Orten in Manila und Vorstädten, herrührend von dem -Erdbeben von 1863. Der Hauptplatz ist noch in demselben Zustande, -wie auch die Brücke »an deren Herstellung (s. Anm. S. 19) ich zweifle«. - - -Zu Seite 6. Erdbeben in den Philippinen von Oktober 1871 bis März 1872. - - - 1871: 8-9. Oktober Mindanao, Pollok; es entstanden neue - Schwefelquellen. - 1871: 8-14. Dezember Mindanao, Cotabatu zerstört. - 1871: Dezember Provinz Albay, Ausbrüche des Mayon. - 1872: Januar ,, Albay, desgleichen. - 1872: 29. Januar ,, Manila 7 Uhr Nm. O. W. schwach. - 1872: 29. ,, ,, Zambales O. W. stark. - 1872: 7. Februar ,, Camarines sur 2 Mal. - 1872: 5. März ,, Manila 9 Uhr Vm. - 1872: 6. ,, ,, Laguna 9 Uhr Vm. (vielleicht auch am 5.) - 1872: 22. ,, ,, Manila, stark. - 1872: 22. ,, ,, Batangas. - - -In der Epoca vom 20. und 21. März 1872 werden die Erdbeben von -Pollok und Cotabatu als furchtbar in ihren Wirkungen geschildert. Am -8. Dezember 1871 um 6 Uhr 10 Minuten Nachm. war Cotabatu ein fröhliches -Dorf, um 6 Uhr 20 Minuten ein Schutthaufen. Ein viel heftigeres -Erdbeben fand am 9. um 7 1/2 Uhr Vorm. statt, die Erde schien zu -kochen; dies wiederholte sich noch 5 Mal. - -Zu S. 23. Botanischer Garten. »Er ist in demselben Zustand wie Sie -ihn sahen. Der Direktor bekommt zwar 2000 Dollar Gehalt oder mehr, -aber seine einzige Thätigkeit besteht darin, Blumen zu Sträussen -zu ziehen. Der grössere Theil des Bodens ist mit Mais und Bananen -bestanden. Wieder ein Beweis für den Mangel an Kontrolle«. - -Zu S. 59. »Die Strasse zwischen Majaijai und Lucban und zwischen -Lucban und Mauban ist jetzt in so schlechtem Zustande, dass ich sie -nur mit Lebensgefahr passirte, und dennoch herrscht zwischen Mauban -und St. Cruz sehr viel Handel und Verkehr«. - -Zu S. 61. »Der Wasserfall ist zwischen Lucban und Majaijai, nicht -zwischen Mauban und Lucban. -- Ich machte eine grosse Anzahl von -Versuchen dort um durch Herabwerfen von Steinen die Höhe des Falles -zu messen und fand das Mittel von 5 Secunden. Darnach würde die Höhe -390'5 betragen«. - -Zu S. 76. »Die Philippinen produziren jetzt mehr Cacao und genügend -für ihren eignen Gebrauch, so dass die Sendungen von Ternate sehr -schlechte Preise erzielen. Nur durch die Rückfracht von Zigarren können -die Kaufleute sich bezahlt machen. Der Cacao muss aber auf Celebes und -Batjan fast ebenso theuer eingekauft werden, wie er in Manila verkauft -wird. Von Ternate kommt er nur indirekt; Kaufleute von Ternate senden -Schiffe nach Batjan, nach der Bucht von Tomini (Celebes) und nach -den Togian oder Schildpattinseln in der Bucht von Tomini und tauschen -dort Cacao ein, den sie entweder direkt nach Manila schicken oder an -Manilahändler in Ternate oder Menado verkaufen. Die Anpflanzungen in -der Bucht von Tomini und auf den Togianinseln sah ich, sie sind in sehr -schlechtem Zustand und die Ausfuhr dürfte in kurzer Zeit ganz aufhören, -wenn die Verhältnisse sich nicht ändern. Der Celebes-Cacao ist von -besonderer Güte, leidet aber seit Jahren ebenfalls an einer Krankheit«. - -Zu S. 123. Hammelfleisch ist in Manila nicht täglich zu haben, -sondern nur wenn jemand Hammel aus Shanghai kommen lässt. - -Zu S. 251. Das Vorschuss-System schleicht sich wieder ein und wird -schwerlich dauernd zu beseitigen sein, so lange es an regelmäßiger, -stätiger Lohnarbeit mangelt. Daran wird es aber wohl immer fehlen so -lange jedermann Eigenthümer sein kann. - - - - - - - - -ABGEKÜRZT ZITIRTE SCHRIFTEN. - - -Aduarte Historia de la provincia del S. Rosario de Filipinas, - Zaragoza 1693. - -Albo in Navarrete. - -Anson R. Walter, A Voyage round the world in the years - 1740-1744 by G. Anson. London 1748. - -Apuntes D. de Ormacheo, Islas filipinas, Apuntes para la - razon general de su hacienda. Madrid 1858. - -Arenas com. Memoria sobre el comercio de las Filipinas 1838. - -Arenas hist. Memorias historicas y estadisticas de - Filipinas. Manila 1850. - -Autos acordados Coleccion de autos acordados de la real Audiencia - chancilleria de Filipinas. Manila 1861-65. - -Carillo Relation des isles philippines faite par l'amirante - D. Hieronimo de Banuelos y Carillo in Thévenot. - -v. Chamisso Bemerkungen und Ansichten auf einer Entdeckungsreise. - -Combes Historia de las islas de Mindanao. Madrid 1667. - -Comyn Tomas de Comyn, Estado de las Islas Filipinas en - 1810. Madrid 1820. - -Crawfurd A descriptive Dictionary of the Indian islands. London - 1856. - -De Guignes Voyage à Péking, Manille .. 1784-1801. Paris 1808. - -Depons Reise in den östlichen Theil von Terra firma 1801-4 - deutsch von Wyland. - -di los Rios Relation et mémorial de l'estat des isles philippines - et des isles molucques par F. di los Rios in Thévenot. - -Estado geog. Estado geografico, topografico, estadistico, historico - -- religioso .. por Huerta .. convento de San Francisco. - Manila 1855. - -Fray Gaspar Fray Gaspar de S. Augustin Conquistas de las Islas - Philipinas. Madrid 1698. - -Gemelli Careri A voyage round the world in Awnshaw & Churchill, - a Collection of travels vol IV. London 1704. - -Grav Grav y Monfalcon Mémoire pour le commerce des - philippines in Thévenot. - -Hernandez F. 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Hofmann [311], Meyen [312], Sainz de -Baranda [313], Chevalier [314], Dana [315] sind zunächst zu nennen -die Aufzählung der Vulkane durch L. von Buch in seinem Werke über -die Canarischen Inseln, die Berichte von Hochstetter's [316] bei -Gelegenheit der Novara-Reise, der Aufsatz von Richthofen's über das -Vorkommen der Nummulitenformation [317], die Aufsätze von C. Semper -[318] und dessen 6 Skizzen: die Philippinen und ihre Bewohner. Würzburg -1869. Im Folgenden habe ich versucht, Alles zusammenzustellen, was -sich aus den bisherigen Beobachtungen ergiebt. - -Als einem Stück des grossen Vulkangürtels des stillen Meeres hat sich -schon früh die Aufmerksamkeit den Vulkanen der Philippinen zugewandt, -dem Verbindungsgliede der Reihe Kurilen-Japan-Formosa und der Reihe, -welche über Mindanao und die Sangirinseln in die Molucken fortsetzend -dort einen Zweig westlich nach Java hinsendet, einen anderen nach -Osten, die seit L. von Buch sogenannte westaustralische, bis nach -Neuseeland sich erstreckende Reihe. Viel geringer ist die Kenntniss -der auf den Philippinen vorhandenen neptunischen Ablagerungen, und -auch hier werden nur wenige Beiträge dazu geliefert. - -Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in -den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer -junge, z. Th. sicher tertiäre (eocäne) und reichlich noch jüngere -Ablagerungen folgen, gehobene Küstenbänke und Korallenriffe mit -den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen -Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollständig an und reichen -zu beträchtlichen Höhen, nach Dana's Angabe bei Punta S. Diego, -S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshöhe. Dass die Hebung noch jetzt -fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt, -erscheint aber höchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein -Theil der vulkanischen Gesteine jünger als der Nummulitenkalk, -welcher mit den »Trachyten« grobe Breccien bildet und von ihnen -eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen -jüngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thätigkeit -bis jetzt fortdauert. Die letztere äussert sich in heftigen und -häufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau -der Insel Java. - -Von älteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten -Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen -im Norden Luzon's und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas höheres -Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt -[319] Granit im nördlichen Theile von Luzon erwähnt, wurden von Herrn -Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine -durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer [320]. - -Wie überall, wo die vulkanische Thätigkeit noch heut in grösserem -Maassstabe auftritt, wo also Ausbrüche von Lava aus den Feuerbergen -stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene -Vulkane, entweder ganz unthätig oder in dem Zwischenzustande -der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den -Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lässt, dass es an -modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten --- diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen -- und Doleriten in -der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerüst, -wofür namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei -manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen -über die Zeit und die Grösse der Ausbrüche, ja über die Thatsache, -ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden. - -Abgesehen von Mindanao [321] und Negros, auf welcher Insel Semper den -nach seiner Schätzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der -Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der -Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nördlich von -Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin -(zwischen Mindanao und Siquijor) thätige Vulkane bekannt. Auf Camiguin -fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167) -am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten hätten auf -Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin -war von dem grössten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai -um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetöse und heftigen Stössen -ein über dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und -Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Länge von etwa -1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr -Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht -die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thätig. - -Auf der Insel Babuyan Claro liegt »ein wie es scheint in beständiger -Eruption begriffener Vulkan« [322] und auf der südöstlichsten Insel -der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf -den östlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper -wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines -früheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700 -Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch -aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hälfte -eingestürzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch -Aufschüttung vergrösserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort -1857 ein starker Ausbruch statt. - -Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter -dem Cabo Engaño (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan -aufgefunden, den Monte Cagua [323]. Semper sah ihn im October 1860 -von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen -Raum zusammengedrängten Vulkanen, getrennt von einander durch weite -Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden, -liegen die übrigen drei noch thätigen Vulkane Luzon's: der Taal, -der Albay oder Mayon und auf der äussersten Südspitze der Insel -der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen -entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort -gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen. - -Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie -sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol, -welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten -gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge -Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene -Vulkane oder ungeöffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der -Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt, -an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man -keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Südspitze der Insel -beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay -gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nördlich -der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden -der mächtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und -der Pic von Colasi zu nennen; südlich der Laguna de Bay der Majayjay, -der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen südlich gelegene -Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling -[324], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten -die heissen Schwefelquellen von los Baños, der Kesselsee Dagatan, der -Schlammvulkan von Nataños, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen -ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit -zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordöstlich vom Majayjay finden sich -zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der -Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die -Obsidianströme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort -einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird -westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles, -letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von -Kotzebue [325] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt -mächtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di -Bombon vom Meer trennen. - -Ob die bei S. Mateo und die östlich zwischen Antipolo und Bosoboso -mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt -bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk -zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehören, -ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch über dem Meere -erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff -der 3150 Fuss hohe »trachytische« Doppelkegel des Monte Arayat auf, -an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen -Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Tomás steigen, isolirt -von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der -M. Cujaput. Gehören diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan -(NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen -Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir -[326] (ob am Südcap von Mindanao oder auf der südlich gelegenen -Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan -auf der Insel Sulu [327] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte -Santo Tomás am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich -bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero's Messung -ist er 6948 Fuss hoch. - -Ein Versuch, die Vulkane, die thätigen wie die erloschenen, auf -ein oder mehrere Spaltensysteme zurückzuführen, scheitert an der -mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der -übrigen Inseln. Dass die Nord-Südrichtung vorwiegend erscheint, -folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette. - -Von den thätigen Vulkanen Luzon's ist der kaum 840 Fuss hohe Taal, -der demnach zu den niedrigsten [328] thätigen Vulkanen gehört, -ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel -in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus -welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von -Chamisso [329] fand den Vulkan 1818 schwach thätig, E. Hofmann 1825, -Wilkes [330] 1842 sahen ihn in voller Thätigkeit. Delamarche [331], der -ihn am 25. October 1842 unthätig fand, hat eine genaue Beschreibung des -Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den -Krater beständig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine -Erhöhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt, -überall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und -ähnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bäche kochenden -Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit -kochendem milchweissem Wasser erfüllt, es entstiegen ihm schweflige -Dämpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am -Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender -regelmässiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am -Südende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt -nach L. von Buch [332] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse -kleine Feldspäthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen -mit triklinen Feldspathen gehört, lässt sich nach den vorliegenden, -stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist -es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch -hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem später -viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavaströme scheint der Berg -seit langer Zeit nicht gegeben zu haben. - -Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur -Aschenausbrüche und die sie begleitenden zerstörenden Schlammströme, -sondern auch Ströme von Lava. Seine Hauptausbrüche fallen in die -Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der -Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfüllt mit heissen -schwefligsauren Dämpfen. - -Wie überall mit thätigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit -ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer -erwähnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die -Rede. Diese graugrünen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen, -bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen -Stellen 40 bis 60 Fuss mächtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose -(Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer, -leicht ritzbarer Grundmasse eckige, bräunlich-graue Bimsteinstücke -umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrücke und verkieselte -Hölzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nähe der -thätigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung -der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen -Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt -oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen, -cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und -die Grösse der eingeschlossenen Gesteinstrümmer. Wo sie und die Tuffe -durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus -ihnen Thone ausgewaschen, die, im nächsten Verband stehend, bisweilen -mächtige Ablagerungen bilden. - -Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom südlichen -Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehörigen Tuffen -sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander -sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem -Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit -und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspäthe wird -zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und -der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen -kieselsäurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten -ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt -noch sparsamer grüner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der -Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami -und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr ähnlichem, porphyrischem -Habitus. Zu den Doleriten gehören die Laven des Albay, Yriga, -Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben -dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle -Glimmerblättchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren -die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstücke -in jenen sich finden, so gehören doch grössere Ablagerungen rein aus -Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und -Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen -kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden -Halbinsel Binangonan säulig zerklüftete Obsidianströme. Ob überhaupt -in dem genannten Gebiet ächte Sanidintrachyte auftreten, erscheint -zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lässt sich -ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als über die chronologische -Folge der einzelnen vulkanischen Berge. - -Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die -Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es -liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine, -die in Java so häufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar, -wie die Uebergänge beweisen, von Amphibolandesit. - -Als höchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der -häufigen Fumarolenthätigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff, -resp. schwefliger Säure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind; -daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun, -Alunogen, Bianchetto; je nach der Stärke und der Dauer der Einwirkung -die vollständige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in -schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklärt sich aus dem -Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso -wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und -die Röthung des Rückstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch -Bunsen's schöne Versuche erläuterte Bildung von Schwefelkies, dessen -Verwitterung die Zerstörung der Gebirsgsarten unterstützt. Dagegen -mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht -löslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint -doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem -Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet, -wozu die (freilich oft grobkörnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten -scheinen. Zahlreich dagegen sind Absätze von Kieselsinter, Opal -und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thätigkeit, aus -Kohlensäure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, ähnlich wie -in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming -u. s. w., Absätze, die ihre Erläuterung in den Arbeiten Bunsen's über -Island finden. Auf denselben Ursprung müssen auch die Jaspisvorkommen -der vulkanischen Gegenden zurückgeführt werden. Geisirähnliche -Erscheinungen wurden nicht beobachtet. - -Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen -darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, räumlich sind -sie untergeordnet gegenüber den krystallinischen Schiefern und -den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer, -Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von -den ersteren beobachtet. Im nördlichen Theil von Luzon sind -sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate -(N. von S. Mateo) feinkörnigen Hornblendeschiefer, auf dem der -Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwähnten Goldwäschen -im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls -auf krystallinische Schiefer, ähnlich wie die Eisenerze bei Angat -(Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz -Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostküste der Provinz Camarines -norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und -den dazu gehörigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen -gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich -auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan -zusammensetzen. An der Südküste derselben Provinz bei Pasacao treten -Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der -Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte -bei Tanauan (Ostküste) sind sie ebenfalls beobachtet. - -Nach Sainz de Baranda tritt Serpentin auf in Mindanao bei Camahat, -Provinz Caraga und bei Pigtao, Provinz Misamis. Am Westende bei -la Caldera (NW. von Zamboanga) sah Dana Geschiebe von Hornblende -und Talkschiefer, auf der Insel Lubang (SW. von Manila) Talk- und -Chloritschiefer, die nach der Insel Mindoro fortsetzen und dort -in Serpentin übergehen. In S. José, Westküste von Panay, sah Dana -Geschiebe von Talkschiefer und Quarz. Nach Meyen (l. c. 245) ist -Talkschiefer auf Cebu besonders häufig. - -Nach ihrer Zertrümmerung und Verwitterung gaben die krystallinischen -Schiefer das Material zu sedimentären Absätzen, welche, mehr oder -minder sandig und thonig, und petrographisch zwischen Thonlagern und -Sandsteinen schwankend, die Mineralien der ursprünglichen Gesteine, -zunächst Quarz, Feldspath, Glimmer, Magneteisen erkennen lassen. - -Die Angaben über das Vorkommen älterer Eruptivgesteine auf den -Philippinen erscheinen wenig genau. In Nordluzon wird Granit und -Porphyr angegeben. In Pual (Sual der Karte, 16° 10' N. B. am Golf von -Lingayen) wechsellagern nach Callery [333] Euphotid, Serpentin und -Petrosilex. Itier [334] fand bei Angat (Provinz Bulacan) Geschiebe -von Diorit, Mandelsteinen, Spiliten, Epidot und Porphyren. - -Unter den Sedimenten treten neben Kalken Sandsteine und Thonschichten -hervor, deren Ursprung, wie erwähnt, z. Th. auf krystallinische -Schiefer, z. Th. auf vulkanische Tuffe zurückzuführen ist. Die von -Semper beobachtete schnelle Umwandlung der gehobenen, weithin sich -erstreckenden Korallenbänke in sehr harten, dichten Korallenkalk -lehrt, dass die dichten spröden Kalke wenigstens nicht überall, -wie von Richthofen annimmt, diese Umwandlung den »Trachyten« -verdanken. In manchen der dichten Kalke lassen sich noch Spuren der -Korallen auffinden, obwohl in Folge der Umwandlung die Erhaltung der -organischen Reste in den Kalken eine sehr schlechte ist. Bei Binangonan -(N. der Laguna de Bay) fand von Richthofen in den dort gebrochenen -Kalken neben undeutlichen Austern zahlreiche Nummuliten [335]. Im Kalk -von S. Mateo suchte Meyen vergeblich nach Versteinerungen. Zwischen -beiden Punkten sah von Richthofen den Kalk zwischen Antipolo -und Bosoboso einen allseitig schroff ansteigenden, zerklüfteten, -oben verebneten Berg bilden. Wahrscheinlich bestehen aus demselben -Kalke die schroffen Gipfel der Sierra de Zambales (NW. der Pampanga, -NW. Manila). Callery (l. c.) sah 4 Lieues von Sual ein zwei Lieues -breites Band von Grobkalk und Travertin horizontal auf dem Euphotid -lagern. Er fand im Grobkalk die decapoden Kruster Portunus leucodon -Desmarest und Noptacus Latreillei. Im Thal von Benguet und in der -Provinz Batangas (Nordluzon), an der Nord- und Ostküste von Luzon, -an der Ostküste von Camiguin (Babuyanes) fand Semper Korallenkalk. - -An der Westseite der grossen Cordillere in Nordluzon sammelte Semper -in etwa 800 Fuss Meereshöhe mitten im Lande mürbe Sandsteine mit -marinen Muscheln (Conus sp.), im Oberlauf des Agno (Nordluzon) -in etwa 400 Fuss Meereshöhe Korallen in einem porphyrischen -Gestein, dessen Hauptbestandtheile granitische und trachytische -Rollsteine waren [336]. An der Südspitze des westlichen Theils von -Mindanao bei Zamboanga fand v. Richthofen in den Kalken Massen -von Austernschalen. Daneben kommen dort unreine Sandsteine mit -Pflanzenabdrücken, blaue Kalkmergel und dunkle weiche Schiefer -vor. Auch an manchen anderen Punkten enthalten Thone und Sandsteine -Blattabdrücke; die Sandsteine führen bisweilen Braunkohle: bei -Mauban ist sie kiesig und kommt auch in der Gegend von Aringay nach -D. José de Santos (Citat bei Semper) vor. Auch in Caramuan soll -Kohle sich finden. In Samar wurde bei Loquilocun angeschwemmte -Braunkohle gefunden; auf Cebu findet sich im Gebiet von Naga im -Gebirge Alpaco (Revista minera 1863. 17. 244) Braunkohle; ebenso -nach von Richthofen auf Mindanao östlich von Zamboanga im Seno de -Sibugey, nach Sainz de Baranda auf der Insel Siargao (Nordostende von -Mindanao). Die Sedimente sind also nur z. Th. marinen Ursprungs. Als -Vergleich für die Sedimente möchte die durch von Hochstetter -(Novara-Reise. Geol. Theil. Bd. II.) aufgestellte Gliederung in Java -heranzuziehen sein. - -Von den auf den Philippinen vorkommenden Erzen gehören die Eisenerze -den krystallinischen Schiefern an: das Magneteisen am Fuss der -Sierra de Bacacay (S. von Paracali) und die Eisenerze in der Nähe -von Angat-Kupang, Provinz Bulacan. Ueber das reiche Vorkommen -von Kupfererzen in Nordluzon ist nichts Genaueres bekannt. Sehr -beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen liegen dort bei Mancayan -im Distrikt Lepanto zwischen Cagayan und Ylocos. Nach Zerrenner -(Berg- und Hüttenm. Zeit. 28. 105 und 113. 1869) kommt dort auf -Quarzgängen in Trachytporphyr Kupferkies mit Enargit vor. In Spanischen -Schriften wird das Gestein als Trapp bezeichnet. Auf der Insel Lubang -(SW. von Manila) enthalten nach Dana die Talk- und Chloritschiefer -Kupferkies. Quarzgänge, die in den krystallinischen Schiefern, zumeist -in Talkschiefer und Serpentin auftreten, führen neben Schwefelkies, -Bleiglanz und Kupferkies gediegen Gold und Chrombleispath. So -wenigstens ist das Vorkommen bei Mambulao und Paracali (Provinz -Camarines norte, Luzon). Das Vorkommen entspricht also ganz dem -uralischen von Beresowsk. - -Goldhaltige Sande, reich an Magneteisen, aus krystallinischen -Schiefern werden an vielen Orten gewaschen. Nach Sainz de Baranda -[337] kommt Gold ausser auf Luzon auch in Mindanao, Sibuyan, Panay, -Dinagat vor; Quecksilber angeblich in Leyte; Kupfer (cobre nativo -en polvo finisimo y pirita de cobre) auf Mindanao. Er giebt ferner -schöne Krystalle von Rutil auf der Insel Bigat an, wohl ein Beweis -für das Vorkommen krystallinischer Schiefer. - -Nach dieser allgemeinen Uebersicht ist in dem Folgenden die specielle -Beschreibung der von Herrn Dr. Jagor gesammelten Gesteine gegeben. - - - - -I. Luzon. - -Provinz Bulacan. - -Das Ufer des Rio Quingoa bei Angat (N. von Bulacan) bilden feste, -gelbgraue, conglomeratische Tuffe mit grösseren grauweissen -Bimsteinstücken, kleineren dunklen Schlacken- und Lavastückchen, -einzelnen triklinen Feldspathen, Augiten und Magneteisen. Sie sind -bisweilen fest genug um als Bausteine zu dienen und werden bei Tubagan -und Buenavista (zwischen Balinag und Angat) gebrochen. An einzelnen -Stellen wird das Gestein etwas dunkler durch Zunahme der Schlacken- -und Lavastücke. - -Der Bach Banavon zeigt N. von Angat nach Kupang hin viele Gerölle eines -Kalkes mit Korallenresten und eines sehr verwitterten, plutonischen, -Quarzbänder führenden Gesteins [338] .. In der Nähe kommen Eisenerze -vor. - -An den Uferbänken des Rio Quingoa bei Calumpit (W. von Angat) lässt -sich auf lange Strecken hin ein Thonabsatz mit Cyrena verfolgen. - - - -Provinz Bataan. - -Die grossen Blöcke, welche an der Küste von Mariveles südlich vom -Dorf liegen, sind Doleritlaven, äusserst ähnlich den jüngsten Laven -des Aetna und der Insel Stromboli. In etwas poröser, feinkörniger, -bläulichgrauer Grundmasse sind trikline Feldspathe, Augit, Magneteisen -und Olivin ausgeschieden. Vorzugsweise sind die Augite von bedeutender -Grösse. Ein Quarzkorn wurde als Einschluss beobachtet. - -Man darf wohl annehmen, dass die ganze Gebirgskette, zu welcher der -Pico Butilao, die Sierra de Mariveles, die Insel Corregidor und der -südlich gelegene Pico de Loro gehören, aus demselben Gesteine besteht. - -Nach Chevalier (l. c. 222) findet sich bei Mariveles eine Bank -faserigen, röthlichen Aragonites über den Laven. - - - -Provinz Laguna. - -Das Südende der Halbinsel Jalajala, welche in die Laguna de Bay -hineinragt, wird von festen gelbgrauen Tuffen gebildet, welche graue -Bimstein- und Lavastücke einschliessen. Die grösseren Lavastücke -enthalten in matter, feinkörniger, von Parallelrissen durchzogener -Grundmasse trikline Feldspathe und wenige grüne, durch Verwitterung -braun gewordene Augite. Magneteisen ist nur sparsam vorhanden, Olivin -auch unter dem Mikroskop nicht zu finden. Diese Tuffe streichen h. 12 -und fallen 20° W. - -Der Westabhang des in Nordsüdrichtung durch die Halbinsel fortlaufenden -Bergrückens wird von ähnlichen Tuffen und durch Schwefelwasserstoff -zersetzten Doleriten gebildet, ähnlich denen der nahen Insel -Talim. In den Tuffen kommen an beiden Punkten bis 3/4 Zoll grosse, -mandel- bis kugelförmige, concentrisch schalige Gebilde vor, welche -ganz aus denselben hellgelbgrauen Tuffen bestehen und keinen festen -Kern zeigen. Die auf der Höhe des Joches frischen, dunkelblaugrauen, -Feldspath, Augit und Magneteisen führenden Dolerite sind weiter abwärts -an vielen Punkten durch Schwefelwasserstoff zersetzt und bisweilen -mit rothen, durch Eisenoxyd gefärbten Bändern durchzogen. Schliesslich -werden sie vollständig gebleicht und in eine thonige Masse umgeändert, -aus welcher Natronkarbonat reichlich Kieselsäure löset. In den -ersten Stadien der Zersetzung lassen sich bisweilen noch einzelne -kleine frische Feldspäthe und grössere grüne Augite erkennen oder -man sieht einen unzersetzten Augitkern in weicher gelber Hülle; -endlich sind die Augite vollständig in eine gelbe, weiche Masse -umgewandelt. In den gebleichten und zersetzten Gesteinen findet -sich Schwefelkies in feinen Pünktchen, oder in den Spalten dünne, -bisweilen faserige Gypslagen, deren Bildung aus dem Kalkgehalt der -Augite und des Feldspathes sich erklärt. Die aus diesen zersetzten -Gesteinen ablaufenden Gewässer setzen reichlich Vitriolocker (basisch -schwefelsaures wasserhaltiges Eisenoxyd) ab, und das Wasser des -Baches schmeckt adstringirend. Aus diesen Gesteinen hat spätere -Einwirkung von Alkalibikarbonat enthaltenden Lösungen Eisenkiesel -geliefert, welche aus einem Gemenge von gelben und blutrothem Quarz -bestehen, aber auch noch etwas Opal führen. Ebenso kommen grosse -Blöcke grauweissen dichten Quarzes mit Schwefelkiespartien vor, deren -Drusen Quarzkrystalle enthalten. Weiter abwärts findet sich rothbrauner -Jaspis mit Drusen und Adern, welche mit Quarzkrystallen erfüllt sind. - -Man sieht 1/4 Meile ONO. von der Hacienda auf dem Tuff grobes -vulkanisches Geröll 3-4 Fuss mächtig lagern, darüber folgt 5 Fuss -Dammerde. Das ist die Formation der Strandebene, zwischen der -Hügelkette und der Laguna. Endlich sieht man auf der Westseite der -Südspitze der Halbinsel Muschelbänke, und zwar 15 Fuss über das -jetzige Niveau der Laguna gehoben. Von den Arten, welche alle den -lebenden angehören, und von Dr. von Martens bestimmt wurden, ist neben -Tapes virgineus L. Phil. Cerithium moniliferum Kien. sehr häufig. Am -Strande der Insel Talim erhebt sich eine 20 Fuss hohe Tuffbank, -auf dem Plateau wurden nur Tuffe gesehen. Am Strande liegen grosse -vulkanische Blöcke gereihet. Diese Dolerite enthalten in dichter -blaugrauer Grundmasse triklinen glasigen Feldspath, grünen Augit -und Magneteisen. Das keineswegs frische Gestein führt zahlreiche -grosse rundliche Hohlräume, welche theilweise mit Eisenoxydhydrat -(aus ausgelaugtem Eisenkarbonat entstanden) erfüllt sind. Spuren von -Schwefelkies, den auch G. Rose in den Gesteinen von Talim beobachtete, -deuten auf Einwirkung von Schwefelwasserstoff hin und erklären den -Absatz von Eisenverbindungen; von Hochstetter beobachtete auf der nur -durch einen schmalen Canal von der Insel Talim getrennten Halbinsel -von Binangonan säulenförmig zerklüftete Obsidianströme. - -Der Dolerit, welcher 1/4 Meile südlich von los Baños (Südufer der -Laguna) als Geröll im Bach Malauin vorkommt, also weiter oben ansteht, -enthält in feinkörniger, dunkelblaugrauer, mit feinen Parallelrissen -durchzogener Grundmasse glasigen triklinen Feldspath, grünen Augit, -einige dunkle z. Th. sechsseitige Glimmerblättchen, etwas Magneteisen -und Olivin. Die Längsaxe der 3-4 Millimeter langen Feldspathe ist -meist nach derselben Richtung orientirt. Der zugehörige, graugelbe, -wenig feste, feinkörnige Tuff, welcher die Uferbank des Baches Malauin -bildet, enthält neben erbsengrossen, rundlichen, grauen Bimsteinstücken -sparsam rundum krystallisirte grüne Augite, zahlreiche Augittrümmer, -triklinen Feldspath, Olivin, Glimmer und Magneteisen. - -Die frischen Dolerite des Schlammvulkans Nataños, 2 1/2 Leguas -S. von Los Baños, sind von derselben Beschaffenheit wie die von dort -erwähnten, nur etwas dunkler gefärbt, wohl eine Wirkung des etwas -grösseren Gehaltes an Magneteisen. Wie die z. Th. vollständig -gebleichten Gesteine bezeugen, wurde die Zersetzung durch -Schwefelwasserstoff bewirkt. An manchen Stellen ist das Gestein in -eine bröckliche, thonige, gelbgraue oder auch durch Eisenoxyd braun -gefärbte Masse umgewandelt, in deren Hohlräumen und Klüften Opal sich -findet. Auf dem Gestein hat das Wasser rindenförmigen Sinter abgesetzt, -dessen Oberfläche wellig ist. Die blaugrauen Lagen des zunächst aus -löslicher, wasserhaltiger Kieselsäure und geringen Mengen basisch -schwefelsauren Eisenoxydes bestehenden Sinters wechsellagern mit -eisenreicheren rothgelben Lagen. Die blaugraue Farbe rührt von feinem -eingemengtem Gesteinsstaub her, wie man sich durch Behandlung mit Säure -und Alkali überzeugt. Der Sinter ist demnach ähnlich zusammengesetzt -wie der von Bickell untersuchte Kieseltuff von Island; eine weitere -Bestätigung für die an beiden Orten ähnlich vor sich gehenden -Prozesse. Das eben erwähnte gelbgraue zersetzte Gestein giebt an -Wasser Gyps, das rothbraune Gestein an Salzsäure eine reichliche -Menge Schwefelsäure ab, das Eisen ist also als basisch schwefelsaure -Verbindung vorhanden. - -Nördlich vom Schlammsee von Nataños bildet graublauer, etwas rissiger -Dolerit die Ufer des Baches Malauin. Die Risse sind mit gelbbraunem, -kurzfaserigem Bimstein ausgekleidet. In der feinkörnigen Grundmasse -ist glasiger trikliner Feldspath, grüner Augit, etwas Olivin und -Magneteisen ausgeschieden. - -Den Rand des kleinen Kesselsees Dagatan bei los Baños bildet ein -lockerer, grauer, grobkörniger Tuff, der neben kleinen Doleritstücken -Feldspath und Augit führt. Grosse, lose, wahrscheinlich vom Berge -Maquiling herabgerollte Doleritblöcke, zusammengesetzt wie die von -Nataños, sind durch Schwefelwasserstoff gebleicht und enthalten -Hyalith in den Klüften. - -Von C. Semper am Maquiling gesammelte Handstücke zeigen, dass dort -Schwefelwasserstofffumarolen und nach ihnen alkalische Bikarbonate -enthaltende, Kieselsäure lösende und absetzende Quellen in grossem -Maassstabe thätig sind. Dafür legen gebleichte, z. Th. mit Eisen -durchzogene, und bis zu Bianchetto zersetzte Tuffe und Gesteine, -Bildung von Gyps, z. Th. in schönen Krystallen, atlasglänzender -faseriger Alunogen und Alaun, Absätze von Kieselsinter und weissem -Opal sicheres Zeugniss ab. - -Südlich von los Baños bei Calauan liegt ein Eruptionskrater, dessen -Wände mehrere hundert Fuss hoch sind, (Llanura de Imuc) mit einer -Kaffeepflanzung des Herrn Scott. Vom Südwestrand und vom Boden des -Kraters liegen Rapilli vor: bis zollgrosse, unregelmässig begrenzte -Bruchstücke schlackiger Doleritlava, welche triklinen Feldspath, Augit -und Magneteisen erkennen lassen. Die zugehörigen, feinkörnigen, grauen -Doleritlavaströme von der gewöhnlichen mineralogischen Beschaffenheit -und ohne Glimmer bilden neben der Hacienda eine 100 Fuss hohe Felswand, -in welcher neben compakteren rissigen auch poröse Laven vorkommen. Die -zugehörigen, feinkörnigen, grauen, zwei Fuss mächtigen Tuffe mit -Blattabdrücken von lebenden tropischen Pflanzen, deren Arten sich -jedoch nicht sicher bestimmen lassen, liegen horizontal ausgebreitet -in der Ebene von Calauan. Sie werden von 3 Fuss Dammerde bedeckt und -ruhen auf einer über 5 Fuss mächtigen Thonschicht. - -Der obere Rand des zur Hälfte von einem See eingenommenen, 100 Fuss -tiefen Kraters Mar de Tigui (neben der Strasse von Calauan nach -dem südlich gelegenen San Pablo) wird von Lapilli gebildet, die -den oben beschriebenen gleichen. Das Plateau, in welchem der Krater -aufgebrochen ist, besteht aus einem feinkörnigen, gelbbraunen Tuff, -in dem einige stark verwitterte Gesteinsstücke zu erkennen sind. - -Die Tuffe, welche den Krater Maïcap, eine Legua SO. von Calauan, und -den Krater Palacpacan bilden, sind grobkörniger, enthalten zahlreiche -Doleritstücke, z. Th. bimsteinartig aufgebläht und lassen einzelne -glasige trikline Feldspathe und grüne Augite erkennen. Beide Krater -enthalten Seen. - -Weiter östlich am Wasserfall Butucan am Abhang des Vulkans Banajao -bei dem Dorf Majayjay tritt zwischen zwei mächtige Tuffmassen -eingeschaltet eine schwache Bank eines dem Piperno ähnlichen -Gesteins auf. Unregelmässig begrenzte Streifen schwarzen Obsidians, -dessen dünne Splitter gelbbraun durchsichtig sind, durchziehen ein -feinkörniges, gelbgraues Gestein, in dem man einzelne Stückchen grauen -feldspathhaltigen Gesteins, trikline Feldspathe, etwas dunklen Glimmer -und grünen Augit erkennt. Man darf wohl annehmen, dass dieses Gestein -durch Eindringen einer feurigflüssigen Masse in die Tuffe entstand. - - - -Provinz Tayabas. - -An der neuen Strasse, welche am rechten Ufer des Flusses Mapon von -Lucban nach Mauban führt, stehen, bevor sie den Fluss erreicht, -in grosse prismatische Blöcke abgesondert feinkörnige, compakte, -dunkelblaugraue Dolerite an. Ihre Grundmasse enthält ausgeschieden -zahlreiche kleine trikline Feldspathe, etwas Augit und reichlich -Olivin. Das Gestein wirkt stark auf die Magnetnadel. Weiter am Weg -finden sich stark verwitterte, wenig feste, graue bis gelbgraue, -sehr feinerdige, thonige Tuffe, welche, ausser undeutlichen Resten, -Blattabdrücke und nach der Bestimmung des Herrn Dr. von Martens Melania -asperata Lam. var. M. dactylus Lea enthalten. Diese Melania stimmt am -meisten mit lebenden Exemplaren aus Samar (Loquilocun) überein. Sie -kommt auch auf Luzon, Mindanao, Guimares, Leyte vor. Diese Tuffe -wechsellagern mit Kalkgeröllen, welche an einigen Stellen durch -grobkrystallinischen Kalkspath zu grobem Kalkconglomerat verkittet -sind. Hie und da sieht man in dem feinkörnigen gelblichgrauen Kalk -undeutliche organische Reste. Inmitten der verwitterten Tuffe und der -Kalkgeröllbänke kommt ein lockeres hellfarbiges Gestein vor, dessen -Kalkbindemittel abgerundete erbsen- bis nussgrosse Kalkstücke und -die Mineralien des vulkanischen Gesteins verkittet. Unter den oben -angeführten verwitterten Tuffen liegen etwas gröbere und festere, -grünlichgraue Tuffe mit Kalkbindemittel, in denen Feldspath, Augit, -Olivin, z. Th. in verwittertem Zustande, zu erkennen sind. Dieselben -Tuffe liegen weiter östlich auch über den verwitterten Tuffen. - - - -Provinz Camarines norte. - -An der Nordostküste der Provinz wird der Landstrich zwischen Paracali -und Mambulao von Gneissen und Hornblendeschiefern gebildet, in denen -Quarzgänge mit reicher Erzführung auftreten. Der Berg 1/4 Legua -N. von Mambulao und der Berg NNO. von Mambulao, durch den Bach vom -Berg Dinaan getrennt, bestehen aus Gneiss, in welchem die weissen, -aus feinkörnigem Quarz und Feldspath gemischten Lagen mit einzelnen -weissen Orthoklasen und triklinen Feldspathen durch schwache, nicht -continuirliche und wechselnd breite Lagen von tombakbraunem Glimmer -gesondert werden. Das Gestein soll goldhaltig sein. - -Der Berg 1/2 Legua NW. von Paracali, der Berg Dinaan und der -Strich zwischen Paracali und Mambulao werden von Hornblendeschiefer -gebildet. Das frische Gestein des Berges Dinaan ist dunkel gefärbt -durch die überwiegende, ziemlich grobkörnige Hornblende, in welcher -schmale, nicht zusammenhängende Lagen meist kleinkrystallinischen, -weissen, triklinen Feldspathes weisse unterbrochne Streifen -bilden. Ausserdem tritt noch etwas Schwefelkies und brauner Glimmer -auf. Aus dem Pulver zieht der Magnetstab kein Magneteisen aus. Das -verwitterte Gestein, dessen Streichen zwischen Paracali und Mambulao -als ostwestlich, dessen Fallen als 40° nach Süd bestimmt wurde, ist -graugrün, weich, reichlich mit Magneteisen durchzogen, und bald als -serpentinhaltiger Talkschiefer, bald als talkhaltiger Serpentinschiefer -umgebildet. Den Ursprung aus Hornblende verräth der Kalküberzug der -Klüfte. Gelblichgrüne, weiche, scharf begrenzte Partien scheinen -verwitterte Feldspäthe zu sein. - -In diesen Serpentingesteinen vorzugsweise (ob im Gneiss ebenfalls steht -nicht fest) treten Quarzgänge auf, z. Th. mit schönen Quarzdrusen, -meist mit Schwefelkies, oft mit Kupferkies und Bleiglanz und -den Verwitterungsprodukten dieser Mineralien (wie Brauneisen, -manganhaltiges und mit Salzsäure und Chlor entwickelndes Eisenoxyd, -Kupferindig u. s. w.), in denen Gold dendritisch vorkommt. Aus den -zelligen verwitterten und dann eisenschüssig gewordenen Quarzgängen -wird das Gold durch Waschen gewonnen. - -Von denselben Mineralien begleitete und durchaus ähnliche Quarzgänge -(z. B. am Berge Dinaan) führen Chrombleispath [339]. Dieser ist nicht -selten mit einem zeisiggrünen, amorphen, pulverigen Ueberzuge von -Vauquelinit versehen. Das Vorkommen entspricht also dem Uralischen. - -Bisweilen nimmt der Gehalt an Kupferkies so sehr zu, dass das Kupfer -den Betrieb der Gruben bedingt; an anderen Stellen überwiegt der -Bleiglanz. - -Am Strande zwischen Paracali und Mambulao bildet sich aus zertrümmerten -Muschelschalen, Korallentrümmern, einzelnen Quarzen ein Conglomerat. - -Oestlich von Paracali bei Lungos steht weisser, specksteinartiger -Talkschiefer an, dessen früheren Eisen- und Kupfergehalt, wohl in Form -von Kiesen, braune und grüne Färbungen einiger Partien beweisen. Die -Indier waschen daraus Gold. Bei Lungos treten goldführende Quarze -auf, ebenso wird aus dem magneteisenreichen Sande des Strandes Gold -gewaschen. - -Nach den in der Visita Colasi im Bach Colasi gesammelten Geschieben -besteht der grosse Berg Colasi (nicht der kleine Pic von Colasi) aus -Amphibolandesiten. In grauer, feinkörniger, fast dichter Grundmasse -liegen neben triklinen Feldspathen grosse, braune, sparsame Hornblenden -und etwas Magneteisen. Die Gesteine sind sehr wenig frisch, stärker -verwitterte nehmen einen röthlichen Schein an. Aus denselben Gesteinen -besteht der Hügel, welcher die südlich, etwa auf dem Drittel des -Weges nach Cabusáo gelegene Visita Barceloneta trägt. Sie gehören -demnach mit den Gesteinen des NW. liegenden Labo in dieselbe Gruppe. - -Die Grenze der an der Nordwestküste beobachteten krystallinischen -Schiefer mit den Tuffen des südlich weiter landeinwärts gelegenen -Vulkanes Labo wird etwa zwischen Indan und Labo zu suchen sein. Der -Labofluss führt dort neben zertrümmerten krystallinischen Schiefern die -Mineralien des vulkanischen Gesteins: glasigen triklinen Feldspath, -Hornblende und kleine Geschiebe von Amphibolandesit. Im Fluss selbst -stehen feste, rothbraune Tuffe an mit meist zersetzten, gebleichten -Amphibolandesitstückchen, aber auch mit rundlichen Quarzgeschieben -und einzelnen rundum auskrystallisirten Hornblenden. Der Tuff macht -nicht den Eindruck eines umgelagerten, auf sekundärer Lagerstätte -befindlichen Gesteins. - -An dem zweiten Aestuar zwischen der Barre von Daët und Colasi, -gleich hinter dem Rio Fungbo, treten Felsen an's Meer, die bis dahin -flache, mit zertrümmerten Muscheln bedeckte Küste steigt an. Es sind -vulkanische, gelbgraue, lockere Tuffe gemengt mit Muscheltrümmern. - -Geschiebe des Flusses Labo, in Pueblo Labo gesammelt, geben Auskunft -über die Zusammensetzung des 1 1/2 Tagereisen südlich liegenden -Berges Labo. - -Es sind zunächst Amphibolandesite. In weissgrauer, etwas bimsteinig -aufgeblähter, den Ausscheidungen etwa das Gleichgewicht haltender -Grundmasse liegen rundliche oder doch schlecht begrenzte glasige -trikline Feldspäthe, deren Längsaxe bis 6 Millimeter erreicht, -in etwas grösserer Menge als die etwas kleineren dunkelbraunen -Hornblenden. Ausserdem sind einzelne grössere Blättchen tombakbrauner -Glimmer vorhanden, Augit, Titanit und Olivin scheinen nicht -aufzutreten. In einigen Handstücken tritt die Hornblende fast ganz -zurück, die blaugraue dichte Grundmasse wird stark überwiegend -und sieht z. Th. wie durch Fumarolenwirkung zersetzt aus. In noch -anderen Handstücken liegen in gelbbrauner, schaumiger, reichlicher -Grundmasse grössere, glasige, trikline Feldspäthe neben kleineren -sparsamen braunen Hornblenden und einzelnen grossen tombakbraunen -Glimmerblättchen, die z. Th. eine Veränderung der Farbe durch erhöhte -Temperatur erlitten haben. Endlich finden sich vereinzelt ganz dichte, -schwärzlichgraue Gesteine, in denen man mit der Loupe kaum noch die -Gemengtheile unterscheiden kann. Vermöge der Uebergänge lassen sich -diese Gesteine als dichte Amphibolandesite auffassen. - -Das Vorkommen dichter weissgrauer, röthlicher und graublauer -Quarzmassen mit einzelnen Quarzkörnern deutet hin auf Absatz heisser -Kieselquellen. - -Das 1/2 Legua SSW. vom Pueblo Labo im Bach am Hügel Dalas vorkommende -Gestein ist durch die Verwitterung des darin reichlich vorhandenen -Schwefelkieses ziemlich unkenntlich geworden. Man darf es wohl für -Gneiss nehmen; für quarz- und feldspathhaltigen Hornblendeschiefer -die ebenfalls durch verwitterte Schwefelkiese zersetzte, behufs -der Goldgewinnung am Berge Dalas geförderten Gesteine. Der daselbst -geförderte Sand enthält neben Schwefelkies nicht wenig Bleiglanz und -Blende. Aus einer andern jetzt verlassenen Grube Lugas wurde zum Zweck -der Gold- und Bleigewinnung ein blaugrauer Thon gefördert, der neben -Schwefelkies verwitterte Kupferkiese enthält. Festere Gesteinsstücke -eben daher sind reich an Bleiglanz. - - - -Provinz Camarines sur. - -Die Umgebung des Vulkans Ysarog ist ausgezeichnet durch das Auftreten -von Amphibolandesiten. Es sind hellfarbige, mit nur sehr wenig -Grundmasse ausgebildete, feldspathreiche, etwas poröse Gesteine -mit grösseren oder kleineren, ziemlich unregelmässig begrenzten, -dunkelbraunen Hornblenden, etwas Magneteisen und wenig Olivin. An -manchen Punkten wie z. B. an dem Hügel, auf dem die Kirche von -Maguiring steht, findet sich neben der Hornblende sparsam grüner -Augit vor. Die Uferwände des Flusses Goa am Fuss des Ysarog werden -von sehr lockeren, bimsteinartig aufgeblähten, einzelne Augite -führenden, röthlichgrauen Amphibolandesiten gebildet, die leicht -zu einem röthlichweissen Sande zerfallen. Dieser Sand füllt die -Zwischenräume zwischen den grösseren Gesteinsstücken aus; dasselbe -Gestein kommt auch am Fuss des Ysarog bei Raï-Raï und Uacloy vor. Aus -den sehr zersetzten, lockeren, porösen, gelblichen Gesteinen bei der -Visita Uacloy tritt eine heisse Quelle hervor, welche eisenhaltigen, -bräunlichweissen Kalksinter absetzt. Die Schluchten zwischen Maguiring -und Raï-Raï, welche die hügelige Ebene zerschneiden, enthalten -dieselben lockeren zersetzten Gesteine, die jedoch nicht das Ansehen -von Tuffen haben. Aus dem Fluss von Uacloy liegen graue, feste, -wenig poröse Amphibolandesite vor, welche neben brauner Hornblende -etwas grünen Augit führen, deren Zersetzung oder Verwitterung jene -lockeren Gesteinsmassen geliefert haben wird. Von der halben Höhe -des Ysarog bis zum Gipfel herrscht dasselbe hellgrüne, schwach poröse -Gestein, das neben brauner Hornblende untergeordnet grünen Augit und -etwas Olivin erkennen lässt. Es erscheint nicht wahrscheinlich, wenn -auch möglich, dass die Analyse der Feldspathe aus den Gesteinen des -Ysarog neben dem herrschenden glasigen triklinen Feldspathe Sanidin -nachweisen würde. Mit diesem Nachweis würde die Einordnung des Gesteins -unter die Amphibolandesite fraglich werden und eine Näherung an die -Trachyte gegeben sein. - -Die gewaltige Bergmasse des Ysarog nimmt den ganzen Raum zwischen -der Bai von S. Miguel und dem Meerbusen von Lagonoy in einer Breite -von 18 Seemeilen ein oder hat nach v. Hochstetter den Isthmus erst -gebildet, indem sie die Insel, welche einst die wahrscheinlich aus -krystallinischen Schiefern bestehende Sierra di Caramuan [340] bildete, -mit Südcamarines verband. - -Weiter südlich vom Ysarog folgt der am See von Buhi gelegene erloschene -Vulkan von Yriga. Der isolirte Hügel westlich von Yriga an der -Strasse nach Nabua besteht aus blaugrauem, etwas porösem Dolerit, -in dessen feinkörniger Grundmasse neben kleinen, triklinen, glasigen -Feldspathen reichlich gelblicher Olivin, ausserdem grüner Augit und -Magneteisen ausgeschieden ist. Der Augit kommt in den Rapilli in -losen rundum ausgebildeten Krystallen vor, welche durch die grade -Endfläche (ähnlich wie die Krystalle vom Bufaure und vom Forstberg) -ausgezeichnet sind. Manche dieser Krystalle sind in der Richtung -der Hauptaxe so stark verkürzt, dass die Krystalle fast als Tafeln -erscheinen, in denen die Säulenflächen deutlich, aber klein ausgebildet -sind. Die bald compakten, bald porösen Doleritlaven des Vulkans Yriga -sind z. Th. ärmer an Olivin, die Feldspäthe erreichen jedoch grössere -Dimensionen. An einigen dieser Laven ist die Oberfläche stellenweise -geschmolzen, so dass man auf Wirkungen des Blitzes geführt wird. Die -etwas schlackigen Laven von der Visita Tambong am See Buhi zeichnen -sich durch reichliche und grosse Olivine aus. Rothe Doleritschlacken -mit triklinen Feldspäthen und grünen Augiten bilden eine Wand von -250 Fuss unter dem Gipfel des Yriga, den ziemlich frische, compakte, -graubraune, an Olivin reiche Dolerite zusammensetzen. Die Blöcke auf -dem westlichen höchsten Zacken des Kraterrandes sind grobkörniger -und poröser. - -Aus denselben Doleriten, meist mit grossen Augiten und kleineren -triklinen Feldspäthen bei wechselndem Gehalt an Olivin, bestehen die -vielen kleinen etwa 50 Fuss hohen Hügel zwischen Yriga und Buhi. Am -Wege zwischen diesen beiden Orten tritt weisser Bimsteintuff auf, -welcher sparsam unregelmässig begrenzte, dunkle Glimmerblättchen -enthält. Der Feldspath scheint Sanidin zu sein und somit das -Gestein dem Trachyt anzugehören. Die Hügel nächst Buhi bestehen -aus grobgeschichteten Rapilli, die gegen den Ysarog einfallen, sich -also auf ein anderes Eruptionscentrum beziehen. In dem am Ostfuss des -Yriga liegenden See von Buhi wird die Felsinsel von einem hellgrauen, -porösen, feinkörnigen Gestein gebildet, in dessen überwiegender -Grundmasse neben brauner Hornblende grüner Augit, Olivin, Magneteisen -und trikliner Feldspath sichtbar ist. Die im grossen Ganzen nach -Einer und derselben Richtung langgestreckten Poren des Gesteins, -das von den übrigen des Yriga abweicht, sind oft mit dünnen Tafeln -triklinen Feldspathes ausgekleidet. Dünnschliffe zeigen die Grundmasse -überwiegend aus dem Feldspath zusammengesetzt, daneben Hornblende, -Augit, Olivin und Magneteisen. - -In Folge des Hornblendegehaltes findet sich im Sande des Strandes -des Buhisees Hornblende neben Augit. - -Der Bergrücken zwischen Buhi und Tibi d. h. der Abhang des erloschenen -Vulkans Malinao oder Buhi besteht aus Dolerit, welcher am Joch frisch, -weiter abwärts nach Südwest hin sehr stark durch Schwefelwasserstoff -zersetzt auftritt. Sie werden nach Buhi hin von vulkanischen, -z. Th. zersetzten Sanden bedeckt. Der frische, nicht sehr feste, -hellgraue, etwas poröse, feinkörnige Dolerit zeigt triklinen Feldspath, -grünen Augit, etwas Olivin und Magneteisen. In den ziemlich groben -vulkanischen Sanden findet sich ausserdem noch braune Hornblende, -die in dem Dolerit nicht zu sehen ist. Einzelne Augite des Sandes -sind rundum auskrystallisirt. Die durch Schwefelwasserstoff zersetzten -Dolerite haben durch das ausgeschiedene Eisenoxyd einen röthlichweissen -Schein erhalten. Die Grundmasse und die Feldspathe sind viel stärker -angegriffen als die Augite, welche ihre grüne Farbe noch bewahrt -haben. Von Olivin ist in ihnen nichts mehr zu sehen. - -An der Südwestküste der Provinz sind westlich von Pasacao bei -Calbajan die krystallinischen Schiefer wieder beobachtet. Sie treten -hier als sehr grobkörnige, nicht schiefrige Gesteine auf, welche -aus vorherrschender, schwarzer, sehr schön spaltbarer Hornblende, -weisslichgrauem, nicht sehr deutlich spaltbarem, triklinem Feldspath, -etwas Magneteisen und Schwefelkies bestehen. Der Feldspath zersetzt -sich mit kochender Salzsäure behandelt vollständig, gehört also den -basischen an, gelatinirt jedoch nicht. - -Neben diesem grobkörnigen Hornblendegneiss kommt feinkörniger, ebenso -zusammengesetzter, ebenfalls nicht schiefriger Hornblendegneiss -vor. Andere verwitterte Gesteine eben daher, im Niveau der Ebbe und -Flut wunderbar zerfressen, bestehen aus dichtem Feldspath mit etwas -Quarz; die Spalten sind mit Kalkspath erfüllt. Darauf legt sich -ein junges Conglomerat mit Kalkbindemittel, das von zertrümmerten -Conchylien herrührt. Man erkennt darin weisse rundliche Quarze, -Hornblendeschiefer, Kalkstückchen und einzelne braune Glimmerblättchen. - -Oestlich des Höhenzuges, welcher an der Südwestseite der Provinz -hinzieht, tritt (N. von Pasacao) am Ufer des Flusses Libmanan -zwischen Libmanan und Naga ein gelblichweisses, lockeres Gestein -auf. Nach Abschlämmung des reichlichen Thones bleiben gelblichbraune -Glimmerblättchen, etwas Magneteisen, sparsam grüner Augit, etwas -mehr braune Hornblende und durchsichtige Quarzsplitter zurück. In der -Umgebung von Libmanan stehen mürbe, gelblichgraue vulkanische Tuffe an, -in denen Hornblende und Feldspath hervortritt. Diese Beschaffenheit -weiset auf den Ysarog als Ursprungsort hin. - -SW. von Libmanan bietet der aus grauweissem, kleinkrystallinischem -Kalkstein bestehende Berg Iamtik viele Tropfsteinhöhlen dar. Die -Uferbänke des Flusses Bicol bei Visita Sibucat bestehen aus mürben, -gelbbraunen, vulkanischen Tuffen mit Geschieben an Amphibolandesit, -unter denen wiederum das eben angeführte mürbe, gelblichgraue Gestein -liegt. Es ist hier viel thonreicher als zwischen Naga und Libmanan, -der Rückstand nach Abschlämmung des Thones ist daher viel geringer -und besteht aus Hornblende, Glimmer, Magneteisen, etwas grünem -Augit und Quarzsplittern. Weiter oben stehen am Rio Bicol Thone -mit Muschelresten an. Der ziemlich feste, fein poröse, gelbweisse, -rundliche Massen von weissem feinkörnigem Kalkspath führende Kalkstein, -der am Kalkofen Palsong (zwischen Naga und Batu) gesammelte Kalkstein -steht SSW. an und enthält undeutliche Versteinerungen, von denen sich -manche mit Wahrscheinlichkeit auf Abdrücke der Korallenzweige der -noch im indischen Ocean lebenden Gattung Seriatopora beziehen lassen. - -Ein angeblich von Montecillo bei Libon (S. vom See von Batu) -herrührender, gelblichgrauer, feinerdiger, bituminöser Kalkstein -führt ktenoide Fischschuppen. Er wird auf dem Rio Quinali als Baustein -verführt. - - - -Provinz Albay. - -Die durch die schwache Solfatara von Igabo (NO. vom Gipfel des oben -angeführten erloschenen Vulkans Buhi oder Malinao gelegen und etwa -250 Fuss im Durchmesser haltend) zersetzten, völlig abgerundeten -und schalig gewordenen Steine, welche den ganzen Boden der Solfatara -bedecken, bestehen, wie die frischen Kerne der Steine zeigen, aus einem -hellgrauen Dolerit. Er führt neben überwiegendem triklinem Feldspath -grünen Augit, sparsam Olivin und dunkeln Glimmer. Schliesslich wird -das Gestein zu einem weissen, mit Eisenoxyd durchzogenen oder rothen -Kaolin zersetzt, in welchem Schwefel und Gyps sich findet. - -Der bei Tibi liegende Kieselbrunnen Naglegbeng liefert sehr schöne -Kieselsinter, z. Th. mit Blattabdrücken. In dem lockeren porösen -Gestein kommen einzelne Anhäufungen von Hyalith vor. Nach einer -gefälligen Analyse von Herrn Professor Rammelsberg enthält das -Wasser in 100000 Theilen 7,5 Kieselsäure, 25,4 Kalk mit Spuren von -Eisen, 0,2 Magnesia, eine reichliche Menge von Chloriden, aber keine -Sulphate. Das Wasser hatte eine geringe Menge (0,02) Kieselsäure -(ohne organische Formen) in der Flasche abgesetzt. Manche der -Kieselsinterabsätze bilden schalige Röhren, deren rundliche Enden -der Oberfläche das Aussehen eines Erbsensteines geben. Man darf ihre -Bildung wohl von aufsteigenden Gasblasen ableiten. Wo sie schliesslich -mit gelblichweissem Hyalith erfüllt werden, geben sie dem Absatz eine -gewisse Aehnlichkeit mit Korallenbildungen, die freilich verschwindet, -wenn die ganze Bildung in Hyalith umgesetzt ist. Bei stärkerem Erhitzen -sieht man in der scheinbar homogenen Hyalithmasse die ursprünglichen -Röhren wieder hervortreten, indem ihre Färbung eine etwas andere ist -als die der Füllmasse. - -Von den Doleriten des Mazaraga S. von Malinao und N. vom Vulkan -Albay liegen von der halben Höhe entnommen compakte, bräunlichgraue, -feinkörnige, feldspathreiche, an Olivin und Augit arme Gesteine -vor. Die etwas porösen, sonst ähnlich beschaffenen Dolerite des Gipfels -sind gebleicht und zersetzt durch saure Fumarolen. Die Rapilli eines -grossen Barranco weisen grössere trikline Feldspathe, z. Th. rundum -krystallisirte Augite, aber kaum Olivin auf. - - - -Insel S. Miguel. - -Die östlich von Malinao und Tabaco gelegene Insel S. Miguel -zeigt an der Südküste einen sehr schmalen, mit vulkanischem Sand -bedeckten Küstenstreifen. Der Sand besteht entweder vorzugsweise aus -Magneteisen mit wenig Augit und Olivin oder aus Feldspath, grünem, -z. Th. rundum auskrystallisirtem Augit, etwas Olivin und Magneteisen, -dessen Oktaeder bisweilen deutliche Granatoederflächen zeigen. Um den -ganzen Strand bilden grosse Blöcke von frischem, compaktem, hellgrauem -Amphibolandesit, weiter NW. von blaugrauem compaktem Dolerit einen -Saum. Der Andesit zeigt in feinkörniger Grundmasse neben zahlreichen, -grossen, braunen Hornblenden glasige trikline Feldspathe, einzelne -Augite und Magneteisen. Das Gestein gleicht ganz dem des Ysarog. Der -Dolerit enthält in der feinkörnigen Grundmasse vorzugsweise triklinen -Feldspath neben grünem Augit und etwas Magneteisen. - -Hinter dem Küstenstreifen erheben sich Bänke eines wenig festen, -grüngelben, sandigen, etwas thonigen, tuffähnlichen Gesteins -mit Kalkcement. Ausser bimsteinartigen grauweissen Partien -sieht man Feldspath, gelbe und dunkle Glimmerblättchen, etwas -Magneteisen. Im Rückstand nach Behandlung mit Säure erkennt man -etwas Augit und Stückchen eines grauen dichten, feldspathführenden -Gesteins. Eingelagert in diese Bänke sind bläulichgraue, -ziemlich homogene und feste Thonbänke mit einzelnen gelblichen -Glimmerschuppen. Sie werden in Tabaco als Fliesen benutzt, die -oberste, weisse, 2 Fuss mächtige, einzelne gelbe Glimmerschuppen und -Bimsteinfragmente führende Bank als Baustein. Nach oben geht diese Bank -in einen gelbe Glimmerschuppen, Stückchen grauen feldspathhaltigen -Gesteins, glasigen Feldspath und weisse Bimsteinfragmente führenden, -wenig festen, weissen Tuff über, der auch weiter nordwestlich mit -faustgrossen Geschieben ansteht. Alle diese wechsellagernden Thon- -und Tuffbänke streichen h. 4 und fallen nach Nord. - -Weiter südöstlich stehen ältere, gelblichgraue, feste Thonbänke mit -einzelnen gelblichen Glimmerschuppen an. - -Die Mitte der Insel besteht aus eisenschüssigem Sand und aus Kies. An -der Nordküste liegen Sande, vulkanische Blöcke und thonige Bänke -ähnlich wie an der Südküste. - -Ueber den Ursprungsort der vulkanischen Gesteine von S. Miguel lässt -sich vorläufig nichts Genaueres angeben. - -Der östlich vom Mazaraga gelegene, noch thätige Vulkan Albay oder Mayon -hat hell- bis dunkelgraue, compakte bis poröse Doleritlaven geliefert, -welche in der feinkörnigen Grundmasse hellgrauen triklinen Feldspath, -grünen Augit, etwas Olivin und Magneteisen zeigen. Sie sind z. Th. den -Doleriten von Mariveles und also auch denen des Aetna zum Verwechseln -ähnlich. Durch grösseren Gehalt an Feldspath wird das Gestein -bisweilen heller, ebenso sinkt die Menge des Olivins bisweilen auf -ein Minimum. Die Laven des Gipfels sind durch die mächtigen Fumarolen --- heisse Wasserdämpfe und Schwefelwasserstoff -- stark zersetzt; -Gyps findet sich daher dort in reichlicher Menge. Eine Varietät von -faseriger bimsteinähnlicher Struktur gemengt mit zersetzten Silikaten -analysirte de la Trobe, Rammelsberg Handb. d. Mineralchemie 263. Das -untere Ende eines nahe am Gipfel beginnenden Lavastroms, liegt etwa am -obersten Viertel des Berges. Es hat sich hier etwas aufgestauet und -beim Erkalten in concentrisch schalige Bänke von etwa 1 Fuss Stärke -abgesondert. Die Kluftflächen stehen senkrecht auf dem unterliegenden -Gestein und gehen, Bogen bildend, allmählich in 20-30° Neigung gegen -den Horizont über. Der grobe vulkanische Sand vom Südabhang zeigt nur -Bruchstücke von Feldspath, Augit, Olivin, Magneteisen, keine rundum -ausgebildeten Krystalle; daneben finden sich kleine Schlackenstücke und -in geringer Menge Scherbchen braunen vulkanischen Glases. Am Südfuss -des Vulkans bei Camalig treten durch Schwefelwasserstoff gebleichte -und mit Gyps erfüllte Gesteine auf. - -Der isolirte Hügel zwischen Legaspi, Daraga und Albay besteht -aus dunkelem, etwas schlackigem Dolerit von der gewöhnlichen -Zusammensetzung. Unter den Lapilli von der Oberfläche des Hügels -finden sich häufig lose, rundum auskrystallisirte Augite in der -gewöhnlichen Form. Diese, die gewöhnlichen Augitzwillinge und mit -Flächen versehene Olivine kommen, mit triklinem Feldspath verbunden, -in einzelnen festeren helleren Gesteinsstücken vor, aus denen die -losen Krystalle wahrscheinlich durch Verwitterung hervorgehen. In -einem Wasserriss des Hügels stehen rothe schlackige Dolerite an mit -kleinen verwitterten Feldspathen und grossen grünen Augiten. - -Auf der schmalen Landzunge zwischen dem Meerbusen am Albay und -von Sorsogon liegt der wahrscheinlich vulkanische Berg Pocdol, -der etwa die Mitte zwischen den thätigen Vulkanen Albay und Bulusan -einnimmt. Um Bacon, östlich von Pocdol, liegt vulkanischer Schutt -und Thon, letzterer Zersetzungsprodukt durch vulkanische Gase. Die -gypsführenden Thone aus dem grossen Bergrücken zwischen Bacon -und dem südöstlichen gelegenen Gubat lassen schliessen, dass dort -doleritische Tuffe durch Fumarolenthätigkeit zersetzt wurden. Vor -dem thätigen, wenigstens dampfenden Vulkan Bulusan wurden an 100 Fuss -hohe Bimsteintuffe beobachtet. - - - -II. Samar. - -Im Rio Catarman (Nordküste der Insel [341]) stehen zwischen Catarman -und Cobo-Cobo Bänke eines ziemlich festen, eisenschüssigen hellbraunen, -kalkfreien Thones an mit Resten verkohlter Pflanzen und zahlreichen -Bohrlöchern, welche nach Dr. von Martens von der noch oft in den -Bohrlöchern vorhandenen Modiola striatula Hanley herrühren. Nach dem -Abschlämmen hinterlassen die Thone wechselnde Mengen eines Rückstandes, -der aus Quarz, zum Theil in eisenschüssigen, rundlichen Körnern und -eckigen Splittern, etwas Magneteisen, weissem, braunem und grünem -Glimmer, und aus Feldspath besteht. Einzelne eisenhaltige, braune, -fast rein sandige Lagen von ziemlich grobem Korn zeigen dieselbe -Zusammensetzung. Aehnliche, aber grünliche, sandige Schichten stehen -weiter oberhalb im Rio Catarman an. Nach Behandlung mit Salzsäure sieht -man im Rückstand neben etwas Magneteisen reichlich weissen Quarz, -hie und da mit etwas dunkelem Glimmer, ferner Feldspath, weisse und -dunkle Glimmerblättchen. An der weiter südlichen Salta Sangley kommen -blaugraue Thone mit sandigen, grünlichen Lagen vor, welche die eben -angeführten Mineralien enthalten. Aus dem weiter südlich und nahe -der Salta Sangley entspringenden Fluss, der von Visita Tragbukan -nach Calbayog führt, liegen, dem Ursprung des Flusses entnommen, -gerundete mürbe Geschiebe eines ganz verwitterten Gesteins vor. Man -erkennt in ihnen weissen und etwas dunkeln Glimmer und erhält nach -Abschlämmen des Thones einen Rückstand mit zum Theil eisenschüssigem -Quarz, Feldspath und etwas Magneteisen. Darnach rühren diese Geschiebe -wohl von Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer her. - -Weiter flussabwärts unterhalb der Visita Tragbukan stehen wieder -grüne und braune, eisenschüssige, wenig feste Sandsteine von grobem -Korn und der angeführten Beschaffenheit an, welche Bänke wie die oben -genannten von verwittertem Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer -herzuleiten sind. In allen diesen Thon- und Sandsteinlagen ist kein -grösseres Gesteinsbruchstück zu finden, das weitere Auskunft gäbe. - -Noch weiter unten folgen braune, feinerdige, feste, kalkhaltige -Thonbänke mit undeutlichen Versteinerungen. Der Rückstand nach -Behandlung mit Säure zeigt nur einige Glimmerblättchen und Quarzkörner. - -Weiter südöstlich an der Küste treten bei Catbalogan und auf der nahen -Insel Majava vulkanische Tuffe auf. Die letzteren sind ziemlich fest, -wenig thonig, grobkörnig und grünlich grau. Sie enthalten neben -den zahlreichen Augitbruchstücken einige rundum auskrystallisirte -Augite, reichlich Magneteisen, weissen Feldspath und sparsam kleine -Gesteinsstücke, welche ident sind mit einzelnen vorliegenden grösseren -Gesteinstrümmern. Das graue, dichte und compakte Gestein enthält -in Feldspathgrundmasse zahlreiche grüne Augite und Magneteisen -ausgeschieden. Nach Behandlung mit kochender Salzsäure wird die -Grundmasse weiss und ist stark angegriffen. Dieses Verhalten und die -sehr sparsamen, kleinen, triklinen Feldspathe des Gesteins zeigen, -dass man einen porphyrisch ausgebildeten Dolerit oder Pyroxenandesit -vor sich hat. Ein denselben Conglomeratblöcken entnommenes gerundetes -Geschiebe führt in dichter brauner Grundmasse grünen Augit. Die -zahlreichen rundlichen Hohlräume sind mit Strahlzeolith und Opal -erfüllt, die Tuffe streichen h. 2,5 und fallen 80° N. - -Bei Catbalogan stehen graue und braune, etwas thonige, zum Theil sehr -feinsandige Bänke an. Das Pulver gibt an den Magnetstab Magneteisen -ab. Sie enthalten sparsam triklinen Feldspath, Augit und Bimstein -ähnliche Trümmer, bisweilen auch Bruchstücke eines ganz dunkeln, -dichten Gesteins, in welchem einzelne trikline Feldspathe zu erkennen -sind. Im Anschluss an das Vorkommen von Majava darf man diese Bildungen -wohl betrachten als aus doleritischen Gesteinen entstanden. - -Diese Bänke werden von z. Th. mürbem gelblichgrauem, feinkörnigem -Kalkstein überlagert. Er hinterlässt nach Behandlung mit Salzsäure -einen aus vielen thonigen Partikeln, etwas Feldspath, Augit und -Magneteisen und kleinen, grauen Gesteinstheilchen bestehenden -Rückstand; z. Th. sind die Kalke, welche h. 5-5 1/2 streichen und 35° -N. einfallen, dicht, fest, weisslichgrau. Die unteren Schichten sind -aus vulkanischen Tuffen und Kalk gemengt. - -Hart am Meeresstrande bei dem am Ostende der Bucht gelegenen Paranas -sieht man harte Muschelbreccie, durch Kalk verkittete Muscheltrümmer, -in grossen zertrümmerten Schollen auf weicheren Bänken derselben Art -liegen. Aus letzteren lässt sich unter den vielen Bruchstücken nach -Dr. von Martens die im indischen Ocean lebende Plicatula depressa -Lam. erkennen. Die unter diesen horizontal ausgebreiteten Schichten -liegenden gelblichgrauen Thone fallen landeinwärts. Von ihren -ziemlich wohlerhaltenen Muscheln und Pteropoden lässt sich nach -Herrn Dr. von Martens ein Theil bestimmen als den noch im indischen -Ocean lebenden Gattungen Yoldia, Pleurotoma, Cuvieria, Creseis, -Dentalium angehörig. Die Pleurotoma-Art stimmt mit keiner lebenden -überein. Mit lebenden Arten stimmen überein: Venus (Hemitapes) -hiantina Lam.; Venus squamosa L.; Arca (Scapharca) Cecillei Phil.; -Arca inaequivalvis Brug. var. [342]; Arca chalcanthum Rv.?; Corbula -crassa Rv.; Natica unifasciata Lam. var. lurida Phil. - -Im Walde zwischen Paranas und dem nach NO. landeinwärts gelegenen -Loquilocun stehen Felsen an aus einem festen, graulichweissen, -mit Kalkspathadern durchzogenen, breccienartigen Kalkstein, in -dem undeutliche organische Reste, wohl von Korallen, zu erkennen -sind. Im Loquilocunfluss, der seinen Lauf nach NO. an die Ostküste -der Insel richtet, stehen unterhalb der Visita Loquilocun in grossen -ungeschichteten Massen stark verwitterte, mürbere, bräunlichgelbe -Kalke an. Die bei der sechsten Stromschnelle unterhalb Loquilocun -angeschwemmte, schwefelkiesreiche, mit Gyps durchzogene Kohle gleicht -den Hölzern der Braunkohle. Sie lässt die Holzstruktur mit blossem -Auge erkennen und giebt ein braunes Pulver. - -Aus einer grossen Anschwemmung von Kies und Geröllen gegenüber der -Stromschnelle unterhalb Loquilocun, wo zum ersten Mal die Kähne -entleert und das Gepäck über Land getragen werden muss, liegen -vor: ein stark verändertes, mit Epidot durchzogenes, körniges, -rothgraues Gestein, in dem neben Quarz und triklinem Feldspath -ziemlich viel Magneteisenpunkte zu sehen sind; es macht nicht den -Eindruck eines Eruptivgesteins und möchte der feldspathigen Reihe -der Hornblendeschiefer angehören; ein blaugraues, porphyrisches -Gestein, dessen glasige, nicht doppelbrechende Grundmasse mit -kleinen Sphärulithen erfüllt ist und sparsam kleine Quarzkörner und -Magneteisen neben grösseren mattweissen Feldspathen enthält. Nur -an einem der Krystalle liess sich mit Sicherheit trikline Streifung -erkennen. Ist wohl das Gestein ein jungeruptives, so bleibt doch die -weitere Bezeichnung zweifelhaft; immerhin ist das Auftreten von Quarz -in der glasigen Grundmasse von Interesse. Als Einschlüsse kann man -die Quarzkörner nicht auffassen. Ferner milchweisser Achat, der einer -Mandelsteinerfüllung angehört hat, wie die Oberfläche nachweiset; -rothbrauner Jaspis mit feinen Quarzadern durchzogen. - -Geschiebe aus dem Baseyflusse (Südküste der Insel) an der Grotte -Sogoton gesammelt bestehen aus einem alten Eruptivgestein. Es führt -in feinkörniger, dunkelgraugrüner Grundmasse mattweisse trikline -Feldspathe, sparsam Magneteisen und einige undeutliche grünliche -Krystalle, die man für Augit halten darf. Nach diesem Bestande und dem -Verhalten des Gesteins und der Feldspathe gegen kochende Salzsäure -wird man das Gestein den Oligoklasaugitporphyren zuzählen. Das -neben demselben vorkommende, rothbraune, eisenschüssige, mit Säuren -brausende, mürbe Gestein mit einem durch Säure ganz zersetzbaren -Feldspath mag ein Tuff eines ähnlichen Porphyrs sein. Im Bett des -Flusses Sogoton N. von Basey finden sich Gerölle von Talk- und -Chloritgesteinen. - -Die Grotte Sogoton wird von Kalkfelsen gebildet, in denen man Spuren -von Zweischalern und Echinitenstacheln erkennt. Vor der Grotte -liegen 20 Fuss hoch über dem Fluss am rechten Ufer Bänke mit marinen -Muscheln. Es sind noch lebende Arten; nach Herrn Dr. von Martens Venus -(Hemitapes) hiantina Lam., Arca (Scapharca) Cecillei Phil., Arca -uropygmelana Bory; Placuna placenta L. Die Schalen haften z. Th. kaum -an der Zunge, die Ablagerung muss also sehr recent sein. An einer der -kleinen Inseln bei Nipa-Nipa (Basey) finden sich in den 60 Fuss hoch -über dem Meer liegenden, gehobenen Muschelbänken nach Herrn Dr. von -Martens die noch lebenden Arten: Chama sulfurea Rv., Pinna cf. nigrina -Lam. Ostrea denticulata Born; O. Cornucopiae Chemn.; O. rosacea -Desh. Am Strand westlich von Basey steht ein lockeres Aggregat von -Muscheltrümmern mit einzelnen gerundeten, kleinen Geschieben an. - - - -III. Leyte. - -Von der Ostküste der Nordspitze der Insel liegen aus der Gegend -von Dagami und Tanauan Gesteine vor. Am Joch des Berges Dagami -steht frischer Amphibolandesit an. Die fast compakte, feinkörnige, -graulichweisse Grundmasse, welche sich durch Verwitterung bräunlichgrau -färbt, enthält zahlreiche, grosse braune Hornblendesäulen, -kleinere trikline glasige Feldspathe, etwas Magneteisen; die in -dünnen Splittern grünlich durchscheinende Hornblende schliesst oft -Feldspath ein. Das Gestein gleicht dem vom Ysarog vollständig. Daran -schliesst sich nördlich ein Rapilliberg und weiter unten vulkanischer -Sand. Am Ostfuss des Dagami liegt eine Solfatara, aus welcher ein -Bach mit 50° R. hervortritt. Den Rand des Baches umsäumen röthliche -Kieselsinterkrusten, deren Oberfläche ästige Fortsätze trägt: ähnliche, -mit braunem basisch schwefelsaurem Eisenoxyd überzogene Absätze -finden sich am Rande des Kieselsprudels Nol. In den einerseits bis zu -Bianchetto, andererseits zu Thon zersetzten Gesteinen der Solfatara -fehlt es nicht an Ueberzügen von basisch schwefelsaurem Eisen und an -Ablagerungen von Schwefelkrystallen. Die weniger zersetzten Gesteine -zeigen noch Ueberzüge von Gyps. Neben den fast intakten Hornblenden -zeigt sich die Grundmasse viel stärker angegriffen als Magneteisen -und Feldspath. - -Die Solfatara am Berg Danaan zeigt dieselben Erscheinungen: einen -Kieselsprudel, Schwefelabsätze und Alaunbildung in den gebleichten und -zersetzten Amphibolandesiten. Am Meer bei Tanauan südlich vom Pueblo -stehen jenseits des Aestuars graugrüne quarzige Chloritschiefer an, -in welchen Epidotadern auftreten. - - - - - - - - -UEBER ALTE UND NEUE SCHÄDEL VON DEN PHILIPPINEN - -von Rud. Virchow. - -(Hierzu Taf. I-III.) - - -Herr Jagor hatte die grosse Güte, mir die von ihm auf den Philippinen -gesammelten und von dort mitgebrachten Schädel zur Bearbeitung zu -überlassen. Ich legte die erste Reihe derselben in der Sitzung der -Berliner anthropologischen Gesellschaft am 15. Januar 1870 vor und -bemerkte darüber Folgendes: - -»Als Herr Jagor mir die Mittheilung machte, dass er eine grössere -Anzahl von Schädeln von den Philippinen mitgebracht habe, welche -er meiner Untersuchung unterbreiten wolle, machte ich mich alsbald -daran, um wenigstens Einiges über ihre anatomische Beschaffenheit -seinem Vortrage hinzufügen zu können. Der erste Blick zeigte, -dass eine der seltensten künstlichen Verunstaltungen des Schädels, -welche überhaupt bekannt ist, in ausgezeichneten Exemplaren hier -vorliegt, und dass diese Schädel ein ganz besonderes Interesse in -Anspruch nehmen. Ein Theil von ihnen hat wesentlich dieselbe Form, -welche sich im nordwestlichen Nordamerika findet, und unter dem -Namen des Flachkopfes (Flathead) bekannt ist. Namentlich einer der -von Herrn Jagor mitgebrachten Schädel aus der Höhle von Lanang ist -ein Flachkopf von musterhafter Ausbildung; er ist von oben und vorn -her flachgedrückt, wie ein Kuchen, und von den weit nach hinten -geschobenen Seitenbeinhöckern (Tubera parietalia) läuft das fast -ganz abgeplattete Hinterhaupt in einer Ebene schräg nach unten gegen -das grosse Hinterhauptsloch (Taf. I. fig. 3-4). Einige der anderen -Schädel verhalten sich ähnlich, wenngleich ihre Verunstaltung keinen -so hohen Grad erreicht hat. - -Dass auf den Inseln Asiens ähnliche Gebräuche geherrscht haben, wie -in Amerika, ist allerdings, wie sich bei genauerer Nachforschung -gezeigt hat, von einzelnen Schriftstellern berichtet, indess ist -die Thatsache doch so verborgen geblieben, namentlich ist sie so -wenig durch authentische Funde belegt worden, dass davon auch in den -Werken der Specialschriftsteller kaum die Rede ist. Nur Thévenot, -dessen Werk [343] am Ende des 16. Jahrhunderts erschienen ist, lässt -einen Geistlichen in einer Beschreibung der Philippinen berichten, -dass die Eingebornen auf einigen dieser Inseln die Gewohnheit hätten, -den Kopf ihrer neugebornen Kinder zwischen zwei Bretter zu legen und -so zusammenzupressen, dass er nicht mehr rund bliebe, sondern sich in -die Länge ausdehne. Er fügt hinzu, dass sie auch die Stirn abplatteten, -indem sie glaubten, dass diese Form ein besonderer Zug von Schönheit -sei. Eine genauere Betrachtung der vorliegenden Schädel ergiebt in -der That deutlich die doppelte Compression, welche einerseits schräg -von hinten und unten her, andererseits von vorn und oben her auf den -Schädel ausgeübt ist, und man braucht sich diese beiden Druckflächen -nur verlängert zu denken, so bekommt man die nach vorn zusammengehende -Stellung der Druckbretter, welche noch heute bei gewissen wilden -Stämmen der nordamerikanischen Westküste im Gebrauch ist. - -Die Sache hat gegenwärtig eine ganz besondere Bedeutung, weil die -Zahl der Fundstellen solcher verunstalteter Schädel im Laufe der -letzten Jahre immer grösser geworden ist, und zwar auch in Europa. Was -insbesondere Deutschland anbetrifft, so sind am meisten bekannt die -in der Nähe von Wien gefundenen difformen Schädel, über welche lange -und gelehrte Streitigkeiten stattgefunden haben, indem die eine Partei -meinte, es handele sich um Awarenschädel, möglicher Weise um direkte -Ueberreste der alten Hunnen, während auf der anderen Seite sogar -die Frage auftauchte, ob nicht bei der grossen Aehnlichkeit, welche -diese Schädel mit gewissen Peruaner-Schädeln zeigen, anzunehmen sei, -dass durch die Beziehungen der alten Habsburger zu Peru Schädel von -da nach Deutschland gekommen und hier verloren gegangen sein könnten. - -Diese letzte Frage, die immerhin discussionsfähig war, hat ihren Boden -gänzlich verloren, seitdem in den letzten Zeiten ähnliche Funde auch -an anderen Orten Europas gemacht worden sind. Nachdem schon Blumenbach -in seiner berühmten Schrift De generis humani varietate nativa, 1776, -p. 63 eines derartigen Schädels aus einem Göttinger Grabe gedacht -hat, ist neulich von Hrn. Ecker in Freiburg im ersten Bande des -Archives für Anthropologie S. 75 ein solcher Fund aus Rheinhessen -genauer beschrieben worden. Der Schädel wurde gefunden in der Nähe -von Niederolm, zwischen Mainz und Alzey, innerhalb einer grösseren -Gräberreihe, welche dort aufgedeckt worden ist. Diese Beschreibung hat -Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, auf einen schon früher von ihm -in seinen Crania britannica bezeichneten Schädel aufmerksam zu machen -(Archiv f. Anthropologie II. S. 17), welcher auf einem seiner Meinung -nach angelsächsischen Kirchhofe zu Harnham bei Salisbury, Wiltshire, -aufgefunden worden ist. - -Es wird daher wohl kaum noch zweifelhaft sein können, dass in der That -auch in Europa einheimische Stämme ähnliche Gebräuche gehabt haben, -und wenn wir nun auf der anderen Seite das Gebiet dieser Difformitäten -sich weit über die bisher gekannten Grenzen auf die Inseln Ostasiens -ausdehnen sehen, -- bisher war Tahiti der von Osten her am meisten -vorspringende Punkt, von welchem derartige Schädel bekannt waren, --- wenn wir sehen, dass dasselbe Verfahren auf den Philippinen geübt -worden ist, so wird man sich wohl darein finden müssen, anzunehmen, -dass durch eine gewisse Uebereinstimmung des menschlichen Geistes, -wie sie uns auch sonst oft genug überrascht, derartige Gebräuche -sich an den verschiedensten Orten festgestellt haben, ohne dass man -daraus Folgerungen auf einen direkten Zusammenhang der Völker ziehen -darf, und ohne dass man, was meiner Meinung nach das Wichtigste ist, -von dem Vorkommen gewisser Schädel-Difformitäten berechtigt ist auf -die Abstammung der Völkerschaften und auf prähistorische Wanderung -derselben zurückzuschliessen. Ich betone dies namentlich gegenüber -den Ausführungen des Herrn Gosse (Mém. de la soc. d'anthrop. de -Paris. 1861 T. II. p. 567), welcher aus gewissen übereinstimmenden -Verunstaltungen der Schädelform darthun will, dass von Florida eine -alte Bevölkerung in Mexiko eingewandert sei und sich später bis nach -Peru ausgebreitet habe. - -Von besonderem Interesse sind die sehr ähnlichen Schädel, welche in -der Krim gefunden worden sind, und die Herr v. Baer zum Gegenstande -einer besonderen Abhandlung [344] gemacht hat. Es ist dies eine -klassische Gegend, denn schon Hippokrates hat uns Nachrichten von einer -Völkerschaft an der östlichen Ecke des schwarzen Meeres hinterlassen, -welche er Makrocephalen nennt, die sich nach seiner Aussage durch die -Gestalt ihres Schädels vor allen anderen Völkern auszeichnete. Durch -Anlegung von Binden und Maschinen zwangen sie, wie er sagt, schon -den Kopf des neugebornen Kindes, in die Länge zu wachsen, und zwar -deshalb, weil sie die Länge des Kopfes für ein Zeichen des Adels -hielten. Nach Hippokrates haben verschiedene andere Schriftsteller -über diese Völkerschaft berichtet. - -Ueberall, von wo wir seitdem Nachrichten über die Entstehung dieser -Difformität erhalten haben, kommen sie darin überein, dass die -neugebornen Kinder entweder auf ein Brett gelegt werden und ihnen dann -durch Binden der Kopf gegen dasselbe angezogen wird, oder dass ihr Kopf -zwischen zwei Bretter gezwängt und dadurch ein Druck auf zwei Punkte -desselben ausgeübt wird, oder endlich, dass an bestimmte Stellen des -Kopfes Compressen angelegt und darüber Binden in allerlei Zirkeltouren -um den Kopf herumgeführt werden, so dass durch die Compresse eine -Abplattung, durch die Binden circuläre Eindrücke hervorgebracht werden. - -Die ersten ikonographischen Mittheilungen über diese Verhältnisse -hat der berühmte amerikanische Reisende Catlin veröffentlicht; bei -ihm finden wir auch Abbildungen der Compressionsmaschine. In seiner -Beschreibung der Chinook's an der Westküste Nordamerikas zeichnet er -auf der einen Tafel eine flachköpfige Dame, welche ihr neugebornes -Kind im Druckapparate hält, auf der nächstfolgenden Tafel ein kleines -kahnartiges Werkzeug, in welchem das Kind eingewickelt liegt, und -welches so eingerichtet ist, dass es auf den Rücken gehängt werden -kann, um so die Wanderungen mitzumachen, welche diese wenig sesshaften -Völkerschaften unternehmen. - -Dass ähnliche, wenn auch nicht so complicirte, aber doch nicht minder -wirksame Operationen noch gegenwärtig in Europa vorgenommen werden, -ist namentlich durch verschiedene Beobachtungen in südfranzösischen -Departements festgestellt worden. Man kennt 3-4 solche Gegenden, -wo noch gegenwärtig durch Druckeinwirkungen der Kopf der Neugebornen -verunstaltet wird. Da nun auch in verschiedenen Gegenden Deutschland's -ähnliche Schädel gefunden worden sind, so erlaube ich mir ganz -besonders die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt zu lenken, da es -wünschenswerth wäre, darauf Acht zu geben, ob etwa Rückstände dieser -Gebräuche auch in der norddeutschen Bevölkerung anzutreffen sind, -worauf eine Notiz bei Blumenbach (De generis humani varietate nativa, -p. 60) speciell für Hamburg hindeutet. - -Nachdem wir die Analogie der difformen Schädel von den Philippinen mit -denen der Chinooks und verschiedener anderer flachköpfiger Bevölkerung -constatirt haben, so fragt es sich: Was mag der Volksstamm, welchem -diese Schädel angehörten, für eine primäre Gestaltung des Schädels -besessen haben? wie würden diese Schädel ausgesehen haben, wenn sie -nicht künstlich missgestaltet worden wären? - -In dieser Beziehung bemerke ich, dass Herr Gosse, ein Genfer -Arzt, der eine sehr verdienstvolle Abhandlung über die künstliche -Verunstaltung des Schädels [345] geschrieben hat, die schon von -Hippokrates aufgestellte Meinung wiederholt hat, es könne sich -allmählich eine erbliche Fortpflanzung dieser Form einstellen, und es -bedürfe in der Folge der Generationen nicht mehr einer ausgiebigen -Einwirkung, um sie zu erzeugen; sie erhalte sich von selbst auf dem -Wege der Heredität. Dagegen sprechen alle sonstigen Erfahrungen: bei -Catlin sind Chinook-Indianer abgebildet aus der neueren Zeit, wo diese -Bräuche nicht mehr herrschen, deren Schädel sich nicht difform zeigt; -ja, unter den östlicheren Stämmen Amerika's giebt es einzelne, wie die -Choctaws, die ursprünglich mitten in dem jetzt cultivirten Nordamerika -gewohnt haben, unter denen früher ähnliche Sitten herrschten, und -in deren Gräbern man noch abgeflachte Schädel gefunden hat, bei -denen jedoch jetzt jede Spur dieser Schädelform geschwunden ist, -nachdem sie die Compression aufgegeben haben. Dazu kommt, dass in -manchen Stämmen die Verunstaltung ein Vorzug der männlichen und zwar -der adeligen männlichen Bevölkerung war und dass ausser den Sklaven -auch die Frauen davon ausgeschlossen waren, -- ein Umstand, welcher -der Vererbungstheorie keineswegs günstig ist. Man darf daher nirgends -annehmen, dass sich diese Difformität von selber fortgepflanzt hat, -und es wird überall, wo man sie antrifft, die Frage aufgeworfen -werden müssen: giebt es Schädel, aus welchen man die ursprüngliche -Form erkennen kann? - -Für die Erörterung dieser Frage an den Philippinen-Schädeln ist -ein Umstand von besonderem Nutzen. Ausser dem Eingangs erwähnten -Muster-Schädel gehören noch 4 andere demselben Fundorte an. Sie -sind sämmtlich in der Höhle bei Lanang unter Verhältnissen gefunden, -welche ein grosses Alter andeuten. Ich erwähne zuerst einen ringsum -mit starken Kalkmassen incrustirten und dadurch colossal vergrösserten -Schädel, welcher ein ganz formidables Aussehen darbietet und als -richtiger fossiler Schädel erscheint. Trotz der Kalkmassen, die ihn -umhüllen, kann man sehr wohl erkennen, dass er wesentlich derselben -abgeplatteten Form angehört oder ihr jedenfalls sehr nahe steht. An -einem dritten Schädel dagegen ist keine Spur jener künstlichen Form -vorhanden, so dass durchaus kein Zweifel darüber bestehen kann, dass -er niemals einem Druckverfahren unterlegen hat, und da er an derselben -Stelle mit den anderen gefunden worden ist, so ist meiner Meinung nach -auf dies Verhältniss ein grosser Werth zu legen. Endlich die letzten -beiden Schädel, obwohl sie deutliche Spuren der Abplattung an sich -tragen, zeigen dieselbe doch in abnehmendem Maasse, so dass man, wenn -man einen nach dem andern mit jenem ersten vergleicht, eine ziemlich -regelmässige Stufenfolge der Verunstaltung erkennt. Ich habe von diesen -letzteren Schädeln den Kalküberzug grossentheils abgesprengt, worauf -sich ergab, dass man schon auf eine mehr natürliche Form gelangt, -welche weit davon entfernt ist, eine augenfällige Aehnlichkeit mit -den Chinook-Köpfen darzubieten; freilich der schnelle und ebene Abfall -des Hinterhauptes deutet immer noch darauf hin, dass eine künstliche -Einwirkung stattgefunden hat (Taf. I, fig. 1-2). - -Noch wichtiger ist es, dass aus einer anderen und zwar aus einer von -der eben erwähnten ziemlich entfernten Lokalität, nämlich aus der -von Herrn Jagor (Zeitschrift für Ethnologie I. S. 80) beschriebenen -Felsklippe von Nipa-Nipa, welche in der Strasse zwischen Samar und -Leyte gelegen ist, zwei andere Schädel (Taf. I, fig. 5-6) von ihm -mitgebracht worden sind, von denen der eine dieselbe Verunstaltung, -wie die besprochenen, in hohem Maasse darbietet (fig. 6). Ich erwähne -nur aus der Mittheilung des Herrn Jagor, dass vom Meere aus eine -Art Thor in die Klippe hineingeht, durch welches man in eine innere -Bucht gelangt, die von steilen Felswänden umgeben ist; an einer der -letzteren befindet sich hoch über dem Meere die schwer zugängliche -Höhle, aus welcher die Schädel genommen sind. - -Auch an diesen beiden Schädeln aus der Höhle von Nipa-Nipa zeigt sich -eine entschiedene Differenz: an dem einen bemerken wir eine positive -Abplattung, einen steilen Abfall, von den Tubera parietalia nach unten, -wie er niemals an einem natürlichen Schädel vorkommt (Taf. I, fig. 5), -und von unmittelbar derselben Lokalität rührt ein anderer Schädel von -übrigens ganz ähnlicher Färbung und Beschaffenheit der Knochen her, -der vielleicht einer leichten Abplattung unterlegen hat, worauf eine -gewisse Verschiebung nach der einen Seite hin deutet, der aber im -Uebrigen ganz offenbar dem gewöhnlichen oder ursprünglichen Zustande -sich nähert (Taf. I, fig. 6). - -Auf diese Weise kann man, wie mir scheint, seinen Weg von den künstlich -erzeugten zu den ursprünglichen Verhältnissen zurückfinden, und es -ist möglich, zu Schädelformen zu gelangen, bei welchen man wenigstens -annähernd richtig gewisse Verhältnisszahlen aufstellen kann, welche -zur Vergleichung mit anderen Befunden dienen dürfen. Unsere Zuversicht -in die Richtigkeit der Schlussfolgerungen ist um so grösser, als die -Zahlen beider Beobachtungsreihen sich gegenseitig controliren. - -Für diejenigen, welche nicht Anatomen sind, bemerke ich, dass es -in neuerer Zeit Gebrauch geworden ist, die ethnologisch wichtigsten -Maassverhältnisse des Schädels zunächst in der Weise zu bestimmen, -das man Verhältnisszahlen zwischen Länge, Breite und Höhe des Schädels -sucht, in der Art dass die Länge = 100 gesetzt und Breite und Höhe -darnach reducirt werden. Der Kürze wegen kann man die gefundene -procentische Zahl für die Breite als Breitenindex, diejenige für die -Höhe als Höhenindex bezeichnen. Das Verhältniss von Höhe zu Breite wird -gleichfalls auf eine Breite von 100 berechnet und die Zahl für die Höhe -als Breitenhöhenindex aufgeführt. Thut man dies nun an den am wenigsten -difformen Schädeln der Philippinen, so kommt man immer noch auf einen -Breitenindex, welcher nach den bisher bekannten Erfahrungen für die -ostasiatische Inselbevölkerung ganz unerhört ist. Bei dem einen relativ -normalen Schädel aus der Höhle von Nipa-Nipa beträgt der Breitenindex -89,1, der Höhenindex 78,9, der Breitenhöhenindex 88,5; bei dem -einen Lanang-Schädel ist der Breitenindex 80,1, der Höhenindex 77,8, -der Breitenhöhenindex 97,1. Solche Breitenverhältnisse sind überall -ungewöhnlich; z. B. die äusserste Grenze der Breitenverhältnisse in -Europa finden wir bei den Lappen, wo sie zwischen 82 und 83 schwankt. - -Es ergiebt sich zunächst aus diesen Verhältnissen in ganz -unzweifelhafter Weise, dass diese in ausgezeichnetem Sinne -brachycephale Bevölkerung, die doch, wie es scheint, einer lange -vergangenen [346] Zeit angehört, nichts zu thun hat mit den -Negritos, insofern diese, soviel bis jetzt angenommen wird, mit -den Melanesiern in Beziehung stehen, welche sich alle auszeichnen -durch die relativ geringe Breite ihres Schädels im Vergleich zu einer -relativ beträchtlichen Länge. Einige andere polynesische Stämme sind -geradezu ausgezeichnet durch die geringe Breite des Schädels bei -einer ungewöhnlichen Höhe und Länge (Hypsistenocephali). - -Man ist daher für unsere Schädel darauf angewiesen, andere -Verwandtschaften aufzusuchen, und die nächste Frage, welche sich -hier aufwirft, ist die: ist es eine malaische Bevölkerung gewesen, -mit der wir es zu thun haben? Auch für die malaische Rasse im Ganzen -liegen die angeführten Verhältnisse ausser aller Erfahrung. Es giebt -allerdings ein paar Punkte im Gebiete der Malaien, an welchen erheblich -breite Schädel gefunden worden sind. Welcker (Archiv für Anthropologie -II. S. 154-156) hat die extremsten Verhältnisse an den von Madura, -einer nördlich von Java gelegenen Insel, hergebrachten Schädeln -nachgewiesen, bei denen aber doch solche Verhältnisse nicht vorkommen, -wie wir sie hier vor uns finden. Nach seinen Mittheilungen betrug der -Breitenindex der Maduresen, der übrigens dem Höhenindex gleich war, -82 [347]. Nächstdem stehen in der Liste von Welcker die Menadaresen -mit einem Breitenindex von 80 und einem Höhenindex von 81. Für die -Javanesen berechnet er einen Breitenindex von 79, während freilich -andere Autoren 82-84 haben. Immerhin ist durch die neuere Untersuchung -constatirt, dass innerhalb der malaischen Reihe eine gewisse Breite -der Schwankungen nach Stämmen existirt, und dass man bei einzelnen -derselben zu Breitenindices kommt, welche denen der Lappen nahezu -analog sind. - -Unter den vorliegenden Schädeln stammt nur einer, derjenige nämlich, -welchen Herr Jagor am Ysarog auf der Insel Luzon ausgegraben hat, -nach den Nachrichten, welche er erhielt, von einem der heutigen -Eingebornen; es war bekannt, dass der betreffende Mann, ein Cimarrone, -durch einen Hieb am Hinterhaupte sein Leben verloren hat. Dieser -Schädel ist unglücklicherweise der einzige unter den von Herrn Jagor -mitgebrachten, von welchem man sicher ist, dass er einer noch jetzt -bestehenden Race angehört, und da wir auch sonst wenig Nachrichten über -die Craniologie der Philippinen [348] haben, so bin ich nicht in der -Lage, etwas Bestimmtes über seine Stellung zu sagen. Sein Breitenindex -beträgt 76,9, der Höhenindex 76,1, der Breitenhöhenindex 98,9, die -Capacität 1315 Cub.-Cm. Auch wenn man die einzelnen Schädelknochen -mit denen der Lanang- und Nipa-Nipa-Schädel vergleicht, so sind -seine Verhältnisse so wesentlich abweichend, dass in der That keine -Beziehungen des modernen Schädels zu den Höhlen-Schädeln aufgefunden -werden können. Dagegen kann ich allerdings nach den sonst vorliegenden -Messungen sagen, dass der Cimarronen-Schädel eine gewisse Aehnlichkeit -mit Malaien-Schädeln von den benachbarten Sunda-Inseln, namentlich -mit Dajak-Schädeln [349] darbietet. - -Es bleibt aber noch eine Reihe von Schädeln, 6 an der Zahl, -zu betrachten, welche zwar sämmtlich aus einer anderen Höhle -genommen sind, als die bisher besprochenen, aber doch von demselben -Felsencomplex von Nipa-Nipa stammen, in welchem die eine der -vorhin erwähnten Höhlen liegt. Diese Schädel (Taf. II, fig. 1-3) -haben namentlich durch die häufige Erhaltung der Unterkiefer einen -besonderen Werth. Sie gehören ihrer ganzen Erscheinung nach einer -anderen Kategorie an und machen, namentlich durch ihre gute Erhaltung, -den Eindruck einer mehr modernen Gruppe. Für das chronologische -Datum, welches man ihnen beilegen kann, tragen sie noch ein besonderes -Indicium an sich: es sind nämlich zwei derselben exquisit syphilitisch, -so dass sie wirklich als Musterspecimina in einem pathologischen -Museum aufgestellt zu werden verdienen. An dem einen findet sich eine -Durchbohrung des harten Gaumens und eine Zerstörung im Umfange des -Naseneinganges an dem Oberkiefer und den Nasenbeinen, welche jedoch -offenbar geheilt gewesen ist; der andere (Taf. II. fig. 3) bietet -ein mustergültiges Beispiel von Caries sicca, welche die Gegend der -Stirn einnimmt und von da auf die Nasenwurzel übergreift, so dass -kein Zweifel sein kann, dass es sich um eine chronische Periostitis -gummosa des Stirnbeines und der Nasenbeine gehandelt hat. - -Nun giebt es freilich über das Alter der Syphilis verschiedene -Meinungen, indess ist bis jetzt weder die Meinung aufgestellt worden, -dass die Syphilis ursprünglich auf den Philippinen geherrscht habe, -noch ist irgend eine Thatsache an einem alten Schädel entdeckt worden, -welche darthäte, dass syphilitische Veränderungen in der alten Zeit -bestanden hätten. Man wird also immerhin annehmen können, dass diese -Schädel erst zu einer Zeit in die Höhle gebracht worden sind, als schon -ein längerer Contact mit europäischen Völkern stattgefunden hatte, -also wahrscheinlich nach dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Andererseits -darf man nicht wohl annehmen, dass eine christianisirte Bevölkerung -noch diese Höhle benutzt habe, da, wie Herr Jagor berichtet, die -christlichen Priester mit grosser Heftigkeit gegen diese Ueberreste -gewüthet haben. Es lässt sich daher wohl mit ziemlicher Sicherheit -schliessen, dass die Zeit, innerhalb deren diese Leichen in der Höhle -von Nipa-Nipa deponirt worden sind, nicht allzu lange nach demjenigen -Zeitpunkte zu suchen ist, in welchem eine häufigere Beziehung mit -Europäern hergestellt worden war, und man wird vielleicht annehmen -dürfen, dass die Schädel dem Ende des 16. oder dem Anfange des -17. Jahrhunderts angehören; denn diese Zeit ist es, wo die spanische -Herrschaft sich ausbreitete, und es ist nicht wahrscheinlich, dass -derartige Bestattungs-Gebräuche von dieser Zeit ab gerade unter der -Küstenbevölkerung, von der ein grosser Theil vorher muhamedanisirt -worden war, weiter fortbestanden haben. - -Da nun die Stämme, welche an der Küste ihren Sitz haben, mit denjenigen -im Innern des Landes in loserer Berührung stehen, so wird in der Regel -wohl der Fundort der Schädel dem Sitze der Bevölkerung, von welcher -sie stammen, entsprechen. Handelt es sich also, wie bei der Höhle von -Nipa-Nipa, um eine Küsten-Lokalität, so wird man auch annehmen können, -dass der betreffende Volksstamm an der Küste gewohnt hat. Es liegt -daher nahe zu schliessen, dass diese Gruppe von Schädeln eine Beziehung -zu den noch jetzt vorhandenen Stämmen der Küste hat, und in der That, -wenn man diese Schädel betrachtet und damit die Physiognomien der -Leute auf den Abbildungen des Herrn Jagor vergleicht, so zeigen sich -gerade bei den Bisayos gewisse Eigenschaften, welche an allen diesen -Schädeln wiederkehren: die verhältnissmässige Kürze bei relativer -Breite der Schädel findet sich bei der Vergleichung der Profil- -und Frontalansichten der Bisayerinnen leicht wieder; dazu kommt -die charakteristische Bildung der Stirn- und Nasengegend, die von -der kaukasischen gänzlich verschieden ist, insofern die stärkste -Wölbung der Stirn gerade da liegt, wo bei uns eine flache Vertiefung -(Glabella) besteht; endlich sind die ungewöhnliche Niedrigkeit der -Nase und der stark prognathe Zustand der Kiefer überall deutlich zu -erkennen. Wenn man die Profile mit einander vergleicht, so ist so viel -Aehnlichkeit vorhanden, wie man überhaupt zwischen einem Schädel und -einem lebendigen Gesichte nur erwarten kann. - -Auch diese Schädel besitzen eine ungewöhnliche Breite; sie haben -im Mittel gerechnet einen Breitenindex von 83,3 bei einer Höhe -von 76,5, ein nach den Messungen von Davis und Schetelig auch -bei Bisayos-Schädeln gefundenes Verhältniss, welches sonst noch -von keiner andern hinterasiatischen Bevölkerung bekannt ist. Noch -weniger findet es sich bei der Bevölkerung der polynesischen Inseln; -in Australien, Neukaledonien, Neuseeland, Tahiti treten ganz andere -Stammeseigenthümlichkeiten hervor, so dass dieser Theil der Bevölkerung -der Philippinen als ein ganz eigenthümlicher und charakteristischer -erscheint. Ich bemerke zu ihrer Charakteristik noch, dass sie eine -Höhlung von durchschnittlich 1282 Cub.-Cm. Inhalt besitzen, dass der -Breitenhöhenindex ihrer Orbitae 94,7, der Höhenbreitenindex ihrer -Nasen 41,3 und der Breitenhöhenindex ihrer Schädel überhaupt 91,7 -beträgt. Auch ist erwähnenswerth, dass weder an diesen Schädeln, noch -an den übrigen etwas von künstlicher Feilung der Zähne zu bemerken ist, -die doch sonst bei Malaien so häufig vorkommt und die auch auf den -Philippinen von Thévenot noch erwähnt wird. Nur an einzelnen zeigen -die Zähne die Betelfärbung. - -Ich verzichte auf die weiteren Details der Schädelfrage; ich will nur -noch auf ein besonders wichtiges Verhältniss hinweisen. Wenn es sich -feststellen lassen sollte, dass innerhalb des Gebietes der malaischen -Rasse eine in so eminentem Grade brachycephalische Bevölkerung an einer -verhältnissmässig gut gegen fremde Einwanderung geschützten Stelle sich -lange erhalten hat, während nicht bloss auf den benachbarten Inseln -(Borneo, Java, Sumatra) eine sich mehr den Dolichocephalen annähernde -Bevölkerung vorkommt, sondern auch dicht daneben im Innern von Luzon -noch jetzt nicht civilisirte, dolichocephalische Stämme leben, wie -der beschriebene Cimarronen-Schädel zu beweisen scheint, so würde man -anerkennen müssen, dass in einer und derselben Rasse die äussersten -Schwankungen der Schädelformen vorkommen, und es würde damit ein sehr -erheblicher Einwand gegeben sein gegen die Bemühungen, ganzen Rassen -durch die Aufstellung der Breitenindices ihre Stelle anzuweisen; -es würde vielmehr auf das Unzweideutigste dargethan sein, dass nur -durch eine grössere Menge von Vergleichungszahlen die ethnologische -Position eines Schädels gefunden werden kann. - -Es sind endlich noch zwei Schädel zu erwähnen, welche von den bisher -besprochenen wesentlich verschieden sind. Der eine ist in der zweiten -Höhle von Nipa-Nipa unmittelbar bei einem Holzsarge gefunden worden, -welchen Herr Jagor mitgebracht hat, und in welchem noch ein zum Theil -mit mumificirten Resten von Weichtheilen und Fetzen zerfallender -Bekleidung bedecktes, jedoch schädelloses Skelet liegt [350]. Dieser -Schädel zeichnet sich durch eine grössere Längenentwicklung aus, -aber nichtsdestoweniger beträgt sein Breitenindex 80,2 (bei einem -Höhenindex von 76); er schliesst sich auch sonst in vielfacher -Beziehung, namentlich wegen seiner beträchtlichen Capacität von 1450 -Cub.-Cm., der zuerst besprochenen Gruppe an. Der andere Schädel ist -ungewöhnlich klein; seine Capacität beträgt nur 1160 Cub.-Cm. Er ist -nebst anderen Knochen in einem Walde auf Samar, 1 Legua landeinwärts -von Borangan, ausgegraben worden und von unbekannter Abkunft. Manches -trennt ihn in seiner Entwicklung von den anderen Schädeln, aber auch -sein Breitenindex beträgt 79,3 bei einem Höhenindex von 75,7. - -Diese ziemlich grosse Reihe untereinander verschiedener Schädel hat -jedoch, von dem Cimarronen abgesehen, in sich eine nähere Beziehung, -als sie zu irgend einer der benachbarten Rassen hat, und wenngleich -die einzelnen Gruppen wieder so viele Differenzen haben, dass ich wohl -geneigt bin, anzunehmen, dass die Stämme, von welchen sie stammen, -unter sehr verschiedenen Verhältnissen gelebt haben müssen, so wird man -doch nicht umhin können, sie einer grösseren Familie zuzurechnen. Von -den beiden Hauptgruppen der Höhlenschädel kann man sagen, dass die -aus der zweiten Nipa-Nipa-Höhle, welche durchweg geringere Dimensionen -haben, den Eindruck einer zarteren, sesshaften und mehr civilisirten -Bevölkerung machen, während an den Schädeln aus der ersten Nipa-Nipa- -und denen aus der Lanang-Höhle sich eine grosse Energie, eine gewisse -Massenhaftigkeit und Kräftigkeit der Entwicklung zeigt, welche einem -mehr wilden Volke anzugehören scheint. - -Was die Grössenverhältnisse betrifft, so zeigt der erste Blick, dass -die Schädel der letzteren Gruppe bei ihrer grossen Breite auch eine -relativ grosse Höhe haben. Auch die künstliche Verunstaltung hebt dies -Verhältniss nicht ganz auf, denn selbst der am stärksten abgeplattete -Schädel hat bei einem Breitenindex von 94,8 noch immer einen Höhenindex -von 80. Dies begründet einen wesentlichen Unterschied von den -Chinook-Schädeln. Mit dieser Grösse hängt zusammen die beträchtliche -Capacität der Philippinen-Flachköpfe. Die in der That makrocephalen -Schädel von Lanang besitzen eine durchschnittliche Capacität von -1510 Cub.-Cm., die aus der ersten Höhle von Nipa-Nipa von 1380, -während die mehr runden Schädel aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa, -wie erwähnt, im Durchschnitt nur 1282 Cub.-Cm. fassen. Es sind dies -Grössen-Differenzen, deren Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. - -Ich will für diesmal nicht genauer darauf eingehen, inwiefern die -künstlichen Veränderungen des Schädels einen Einfluss auf das Gehirn -haben. Ganz kurz erwähne ich, dass derselbe Herr Gosse, welcher die -schon erwähnte Monographie geschrieben hat, die Meinung vertritt, -welche sich hauptsächlich auf tahitische Tradition stützt, dass -es möglich sei, durch die Gestaltung des Schädels den psychischen -Eigenschaften eines Individuums eine ganz bestimmte Richtung zu -geben. Es wird nämlich erzählt, dass man auf Tahiti zwei Arten von -Deformation des Schädels erzeugt habe; den Kriegern habe man die Stirn -eingedrückt, dagegen, wie sich ein Redner in der anthropologischen -Gesellschaft zu Paris ausdrückte, den Senatoren das Hinterhaupt. Herr -Gosse erklärt dies so, dass man beabsichtigt habe, bei den Kriegern -die energischen Eigenschaften des hinteren, bei den Staatsmännern -die mehr intellektuellen Eigenschaften des vorderen Abschnitts des -Gehirns ganz besonders zur Ausbildung zu bringen, und er ist ernsthaft -der Meinung, dass dieser Versuch als Muster für moderne Pädagogik -empfehlenswerth sei. Ich kann dieser Ansicht nicht beistimmen, -insofern die Erfahrung ergiebt, dass auch das Gehirn so gut wie -der Schädel dislocirt werden kann, dass also das Vorderhirn sich -zurückschiebt, wenn die Stirn zurückgedrängt wird, und ebenso die -hinteren Theile des Gehirns sich vorschieben bei einer Abflachung der -hinteren Partie des Schädels. Wie ich früher nachgewiesen habe, pflegt -einer Verkürzung des Schädels eine compensatorische Verbreiterung und -umgekehrt zu entsprechen. Es kann wohl kein Zweifel darüber bestehen, -dass eine Abflachung einzelner Schädeltheile an sich eine Verminderung -der Hirnmasse nicht zur nothwendigen Folge hat, und es stimmt damit -überein die Angabe namhafter Beobachter, dass die Flatheads in der -That keinen Mangel an Intelligenz wahrnehmen lassen.« - -Diese Mittheilung hatte das glückliche Ergebniss, die Aufmerksamkeit -auf die so lange vernachlässigte Craniologie jener entfernten Inseln -zu lenken. Zunächst erhielt unsere anthropologische Gesellschaft von -dem holländischen Residenten in Gorontalo auf Celebes, Hrn. Riedel die -Mittheilung, dass noch gegenwärtig bei den Bewohnern der Landschaften -Buool, Kaidipan und Bolaangitam die Sitte der künstlichen Verunstaltung -des Schädels bei den neugebornen Kindern geübt wird (Zeitschr. für -Ethnologie Bd. III. S. 110. Taf. V.). Sodann besprach Hr. Barnard -Davis eingehender die Negrito-Schädel. Da mir selbst inzwischen neues -Material zugegangen war, so machte ich in der Sitzung der Gesellschaft -am 10. Dezember 1870 folgende weiteren Mittheilungen: - -»Die interessanten Mittheilungen aus Celebes, welche uns heute -von Hrn. Riedel zugegangen sind, haben dargethan, dass mein erster -Bericht über die Philippinen-Schädel in der Sitzung vom 15. Januar -1870 zu rechter Zeit die Aufmerksamkeit auf ein Gebiet gelenkt hat, -welches gerade in ethnologischer Beziehung die höchste Wichtigkeit -hat und welches doch noch so wenig erforscht ist. Nichts konnte mehr -überraschend sein, als dass für eine Weltgegend, aus der seit länger -als zwei Jahrhunderten keine Nachricht über künstliche Verunstaltungen -der Schädel zu uns gelangt ist, durch eine in Europa ausgeführte -craniologische Untersuchung die Thatsache des Fortbestehens einer -solchen Sitte gleichsam erschlossen worden ist. Leider benimmt uns -der Brief des Hrn. Riedel alle Aussicht, entsprechende Schädel von -Celebes zu erhalten, denn er besagt, dass die dortige Volkssitte dem -zu sehr widerstrebe. Wir werden uns daher vor der Hand noch an die -Philippinen-Schädel halten müssen. - -Glücklicherweise habe ich seit der Zeit, wo ich zuerst über -die Philippinen zu sprechen die Ehre hatte, Gelegenheit gehabt, -meine Erfahrungen zu vervollständigen. Zunächst hatte Hr. Jagor -noch eine gewisse Zahl zertrümmerter Schädel aus einer grossen -Höhle von Caramuan auf der Insel Luzon. Dieselben waren so vielfach -zerbröckelt, dass es kaum möglich schien, daraus etwas zu machen. Es -ist mir jedoch gelungen, den grösseren Theil der Stücke wieder -zusammenzusetzen und auf diese Weise wenigstens die vorderen -Hälften von drei Schädeln, mit Einschluss des grössten Theils des -Gesichtes, wiederherzustellen. Dieselben sind von etwas verschiedener -Beschaffenheit: zwei (E. 319-20) sind mit einer rauhen Kalkschicht -überzogen, welche an vielen Punkten durch Eisenbeimischung bräunlich -erscheint; die Knochen selbst sind sehr brüchig, kleben an der Zunge -und sehen auf dem Bruche kreidig aus; ein anderer (E. 318) ist viel -glatter, die Knochen selbst sind tief braun geworden, ja am rechten -Theil der Stirn sehen sie vollständig grünlich aus. - -Alle drei zeigen sehr deutliche Spuren künstlicher Abplattung. Es ist -dadurch das Vorkommen dieses Gebrauches, welchen wir bis dahin nur -von der Insel Samar kannten, auch für die Insel Luzon dargethan. Am -stärksten ist die Abplattung an den beiden erstgenannten. Bei -dem einen (E. 319) ist freilich nur der Vorderkopf vorhanden, -indess beginnt die Abflachung sofort hinter den Superciliarbogen; -die Stirnhöcker sind fast ganz verschwunden, die Stirn selbst sehr -breit und erst kurz vor der Kranznaht endet die künstlich hergestellte -Fläche mit einer rundlichen Wölbung. Obwohl nicht so stark, so doch -ungleich mehr charakteristisch ist der zweite Schädel (E. 320), -bei welchem glücklicherweise die Basis cranii und der Anfang der -Hinterhauptsschuppe erhalten sind. Hier lässt sich deutlich die -doppelte Abplattung erkennen: eine ziemlich steile hintere und eine -schräg zurückgehende vordere. Bei dem dritten Schädel (E. 318) ist die -Stirn so rundlich gewölbt, dass man ohne Kenntniss der anderen Formen -schwerlich eine Abplattung vermuthen würde, obgleich doch auch hier -die Breite der Stirn und die geringe Prominenz der Stirnhöcker sehr -auffällig sind. Dagegen lässt sich am Hinterhaupte, trotzdem dass der -Schädelgrund fehlt, eine sehr starke, steil abfallende Deformation -erkennen, welche eine fast winklige Einbiegung der Seitenwandbeine -hervorgebracht hat. Ganz besonders interessant ist jedoch das Stirnbein -eines etwa zweijährigen Kindes, welches aus derselben Höhle stammt, -äusserlich gleichfalls einen gelbbraunen Beschlag zeigt, übrigens -sehr stark an der Zunge klebende Oberflächen besitzt. Innerlich -zeigt dasselbe sogenannte osteophytische Auflagerungen als Zeichen -einer inneren Entzündung und dem entsprechend ist es verhältnissmässig -dick. Ganz deutlich lassen sich die Spuren der Abplattung erkennen. Bis -zu den niederen Höckern ist die Stirn wenig verändert; oberhalb -derselben weicht sie aber sofort, fast unter einem Winkel, zurück, -und was besonders charakteristisch ist, kurz vor der Kranznaht liegt -eine stärkere Wölbung, von der aus gegen die Naht zu die Fläche sich -wieder senkt. - -Ob diese Schädel einer Zeit und einem Stamme angehört haben, -wage ich nicht zu entscheiden. Der erstgenannte zeigt eine -solche Uebereinstimmung mit einem der früher von mir beschriebenen -Höhlenschädel aus Lanang (Z. 842), dass ihre Zusammengehörigkeit kaum -bezweifelt werden kann. Aehnlich verhält sich der zweite Schädel von -Caramuan (E. 320), der mit einem Schädel aus der Höhle von Nipa-Nipa -(Z. 873) parallel gestellt werden kann. Dagegen gleicht der dritte -Schädel (E. 318) weit mehr den neueren Schädeln aus der grossen Höhle -von Nipa-Nipa, welche Zeichen der Syphilis tragen. Namentlich stimmt -mit diesen die Gesichtsbildung sehr überein. Dasselbe gilt von dem -kindlichen Stirnbein, sowie von einem zarten Unterkiefer (E. 322), -der vielleicht zu dem Schädel E. 318 gehört und der sich durch den -colossalen Prognathismus seines Mittelstückes auszeichnet, während ein -anderer, nach Form und Incrustation zu E. 319 gehöriger Unterkiefer -von grosser Stärke ganz wenig prognath ist und eine ganz andere, -weit geräumigere Ausrundung zeigt. - -Ich möchte es daher für wahrscheinlich halten, dass auch in der -Höhle von Caramuan längere Zeit hindurch Beerdigungen stattgefunden -haben und dass daselbst neben einander Personen verschiedener Stämme -niedergesetzt worden sind. Was die Form der Abplattung betrifft, -so entspricht sie in hohem Grade einer peruanischen, wie ich später -darthun werde; keines der Beispiele erreicht jedoch die Verhältnisse, -welche wir früher an Beispielen aus der Höhle von Lanang kennen -gelernt haben. -- - -Eine zweite Gruppe von Philippinen-Schädeln wurde mir durch die Güte -des Hrn. Dr. Schetelig, der gleichfalls längere Zeit in Asien war, zur -Verfügung gestellt. Es sind dies 8 Schädel, grossentheils gut erhalten, -darunter 4 mit Unterkiefern; zu dem einen gehört ein vollständiges -Skelet. In Verbindung mit den von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädeln -ergiebt diese Sammlung ein recht bedeutendes Material. - -Nach den Mittheilungen des Hrn. Schetelig stammt der grössere Theil -seiner Schädel, nämlich 5, von Kirchhöfen. Er bemerkt in seinem -Briefe, dass man dort in den spanischen Ländern die Sitte habe, die -Gräber alle 3 Jahre zu leeren, falls nicht die erforderliche Zahl -von Seelenmessen gelesen oder die Kirchhofsteuer jährlich entrichtet -werde. Wie es scheint, häuft man dann die Schädel auf, wie es auch -in manchen katholischen Ländern Europas geschieht. Dann unterliegen -sie natürlich manchen atmosphärischen Einflüssen. Hr. Schetelig -verweist auf diese wegen der Verschiedenheit in dem äusseren Verhalten -der Schädel. Ich hatte namentlich die Frage aufgeworfen, ob nicht -einer dieser Schädel, der äusserlich mit einer weissen, hier und da -grünlichen Incrustation überzogen ist, gleichfalls aus der Kalkschicht -einer Höhle stamme; er hat es aber in Abrede gestellt. Vier Schädel -sind von ihm im Mai 1867 in Tabaco (Provinz Albay, Luzon) gesammelt; -nach seiner Angabe sind es ganz bestimmt Bicol-Schädel. Darunter -ist ein jugendlicher, wahrscheinlich weiblicher, mit noch nicht -hervorgetretenen Weisheitszähnen und noch offener Synchondrosis -spheno-occipitalis. Ein anderer Schädel, mit einer gut erhaltenen -Sutura frontalis, scheint einem erwachsenen Weibe angehört zu -haben. (Es ist der oben erwähnte incrustirte.) Der fünfte (April -1867) stammt ebenfalls von einem Kirchhofe und zwar aus Tibi, einem -Orte in der Nähe von Tabaco; Hr. Schetelig erklärt ihn auch für -einen Bicol-Schädel. Sodann finden sich zwei, an der Oberfläche -stark veränderte, sehr leichte und vielfach verletzte Schädel, -welche als Cimarronen-Schädel [351] bezeichnet sind, aus der Nähe -von Albay; auch sie stammen aus der Erde. Hr. Schetelig schreibt sie -einer Mischlingsrace von Negritos und Bicols zu. Endlich der letzte -Schädel ist derjenige, welcher das grösste Interesse beansprucht, -insofern er einem Negrito-Häuptling angehört haben soll. Dazu ist -auch das in seinen Haupttheilen erhaltene Skelet vorhanden. - -In seinem Vortrage vom 15. Januar hatte Hr. Jagor erwähnt, dass im -Innern und an der Nordostküste der Insel Luzon noch ein schwarzer -Menschenstamm von kleiner Statur und mit krausem Haar existirt, -der ganz verschieden von den Küstenvölkern ist, von denen wiederum -verschiedene Stämme (Tagalen, Bicols, Bisayos u. s. w.) unterschieden -werden. Die ethnologische Stellung jener sogenannten Negritos -war bis jetzt völlig dunkel geblieben. Gewöhnlich hat man sie den -Papuas zugerechnet. In diesem Sinne hatte sich auch Hr. Semper (Die -Philippinen und ihre Bewohner. Würzb. 1869. S. 48) ausgesprochen, -indem er zugleich eine eingehende Schilderung von ihnen entwarf. Seine -Angaben sowohl, als die in unserer Gesellschaft gemachten Mittheilungen -haben Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, in dem Journal of -Anthropology (Lond. 1870, Oct., p. 139) eine kritische Besprechung -über die Negrito-Frage zu veranstalten. Er betont darin mit Recht, -dass alle früheren Angaben über diese Rasse willkürlich gewesen seien, -weil man sich nur auf Aeusserlichkeiten eingelassen habe und daraus -allerlei verwandtschaftliche Verhältnisse mit anderen ostasiatischen -und australischen Völkern hergeleitet habe. Er macht auch mir, und -wohl mit Recht, den Vorwurf, dass ich mich von diesem Vorurtheile -habe leiten lassen; ich muss wenigstens anerkennen, dass nach dem, -was er selbst über Negrito-Schädel von Luzon berichtet, und nach -dem, was die von Hrn. Schetelig mitgebrachten Schädel ergeben, keine -Beziehung zwischen den Schwarzen der Philippinen und denen Melanesiens -und Australiens aufrecht erhalten werden kann. Ihre Schädel sind -ganz verschieden von einander, und, wenn sie als massgebend angesehen -werden dürfen, so kann auf sonstige verwandtschaftliche Verhältnisse -kein Werth mehr gelegt werden. - -Diese Frage hat aber ein überaus grosses wissenschaftliches Interesse, -da nach den bisherigen Vorstellungen es in der That nahe lag, wie -auch Hr. Semper angenommen hat, in den Negritos das Urvolk der Insel -zu sehen, welches sich im Innern der Gebirge noch erhalten habe, -nachdem es durch eine spätere Einwanderung von den Küsten mehr und -mehr zurückgedrängt sei. Erinnert man sich, dass auf den benachbarten -Inseln anthropoide Affen vorkommen, die in ganz ähnlicher Weise in die -Gebirge zurückgedrängt sind, so kann sich leicht der Gedanke daran -schliessen, dass im Sinne der Descendenztheorie gerade hier eine -Uebergangs-Rasse construirt werden dürfe. Allein schon Hr. Jagor -hat sein Bedenken über jene Auffassung der Negritos ausgedrückt, -und Hr. Davis schliesst aus den von mir gegebenen Beschreibungen -der Höhlen-Schädel, dass eben so viel Grund vorhanden sei, gewisse -weisse Stämme, welche sich von der malaischen Rasse unterschieden, -mindestens neben den Negritos als autochthon anzunehmen. - -Es scheint mir, dass dies zu weit gegangen ist. Nachdem Hr. Jagor -dargethan hat, ein wie weiter Seeverkehr von Alters her zwischen -den Inselgruppen stattgefunden hat, welcher mit den gebrechlichsten -Fahrzeugen bewerkstelligt wurde, so wird man sich dem Gedanken -Forster's nicht verschliessen können, dass die Wahrscheinlichkeit -eines Zurückdrängens der Urbevölkerung in die Gebirge durch eine -eingewanderte Küstenbevölkerung nahe liegt. Mag man immerhin -zwei Aboriginer-Stämme annehmen, so kann dies doch zunächst -nur soviel heissen, dass das Küstenvolk schon vor sehr langer -Zeit eingewandert ist und dass im historischen Sinne beide als -Urbevölkerung gelten müssen. Ich will jedoch zugestehen, dass dies -lauter Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind, denen man, ehe man nicht -genauere Kenntniss über die Einzelheiten hat, keinen zu grossen Werth -beilegen darf. - -Hr. Davis hat in seiner Besprechung einen Negrito-Schädel -von Panay auf Luzon abbilden lassen, und er erwähnt, dass er -ausserdem noch zwei andere besitze. Er findet, was übrigens -schon d'Omalius d'Halloy (Des races humaines ou éléments -d'ethnographie. Brux. 1869. p. 103.) angenommen hatte, am meisten -Uebereinstimmung mit den Schädeln der Andamanen-Insulaner, jedoch -auch Verschiedenheiten genug, um beide Rassen von einander zu -trennen. Seiner Abbildung nach zu urtheilen, hat der von Hrn. Schetelig -mitgebrachte Schädel in seinem Kopftheile manche Aehnlichkeit mit dem -von Hrn. Davis erwähnten, aber die Gesichtsbildung erscheint ziemlich -verschieden. Der letztere hat einen starken Unterkiefer und ist sehr -bedeutend prognath; der erstere zeigt, trotz einer gewissen Verletzung -am Oberkiefer, das Gegentheil. - -Hier kommt nun freilich die schwierige Frage nach der Reinheit der Race -in Betracht. Hr. Dr. Schetelig theilt mir mit: »Ich habe das Skelet -dieses mir von seinem Stamme verkauften Häuptlings eigenhändig am -Abhange des malerischen ausgestorbenen Vulkans von Buhi, des Arituktuk -[352] ausgegraben. Der Stamm ist, wie die meisten der sogenannten -Negritostämme, nicht mehr rein-melanesisch, sondern beträchtlich mit -Bicol-Elementen versetzt. Doch haben die Leute noch sehr krauses Haar, -das keine Eigenthümlichkeit der Malaien bildet.« Hr. Davis giebt -über die Herkunft seiner Negritos-Schädel nichts Genaueres an. Es -ist das um so mehr zu bedauern, als dieselben unter sich verschieden -sind. Zwei davon sind dolichocephal und einer brachycephal, so dass der -eigentliche Rassen-Typus schwer gefolgert werden kann. Hr. Davis selbst -schwankt daher über die Bedeutung der Form. Es liegt auf der Hand, -dass, wenn es sich um einen exquisit dolichocephalen Typus handelte, -die Aehnlichkeit mit den übrigen schwarzen Rassen gross sein würde. - -Was nun den Schädel von Arituktuk (oder Yriga) betrifft, so gehört er -einem ausgewachsenen, aber wahrscheinlich jüngeren Manne an. Es fand -sich freilich an dem zugehörigen Skelet, dass die Knorpelfuge zwischen -dem Handgriffe des Brustbeins und dem Körper desselben noch offen war, -allein dies war die einzige Stelle, welche sich so verhielt. Ausserdem -war ein mit beträchtlicher Verkürzung (um 3,5 Centim.) geheilter -Knochenbruch am rechten Oberschenkel vorhanden. Nicht unwahrscheinlich -trägt der überaus zarte und gracile Knochenbau einen Theil der Schuld -an der Fraktur. Die Knochen sind nämlich durchweg wenig ausgebildet -[353] und von nahezu kindlichem Aussehen. Zugleich zeigen einzelne -leichte Krümmungen, jedenfalls stärkere, als wir sonst zu sehen gewohnt -sind, so dass mancher, namentlich der französischen Ethnologen, auf -eine rachitische Form derselben zurückzugehen geneigt sein möchte. Ich -will in dieser Beziehung besonders darauf aufmerksam machen, dass -bei den Debatten über die prähistorische Bevölkerung Frankreichs -vor allen anderen Knochen das Schienbein die Aufmerksamkeit auf sich -gezogen hat. Auch bei der Negrito-Tibia hat die seitlich comprimirte -Form ihrer oberen Hälfte etwas sehr Auffälliges. Der Knochen ist hier -fast so platt, wie eine Säbelscheide; er hat eine hintere Crista, -welche beinahe so beschaffen ist, wie sonst die vordere. Dagegen ist -die Fossa supracondyloidea humeri undurchbohrt. Besonders abweichend -von den bekannten Formen ist die Gestalt des vorderen Randes des -Darmbeines; hier steht die Spina ant. inferior so stark nach innen -(hinten) und die über ihr liegende Incisura iliaca minor ist so -beträchtlich, dass dadurch eine ganz specifische Bildung entsteht. - -Der Schädel besitzt dem entsprechend eine nur mässige Capacität; er hat -nur 1350 Ccm. Gehalt, immerhin genug, um ihn von den Australierschädeln -zu trennen. Seine Gestalt ist eine ziemlich gleichmässig rundliche: -die Stirn ist voll, der Scheitel hoch gewölbt, die Schläfengegend -ausgelegt, die Hinterhauptsschuppe stark gerundet. An letzterer -findet sich rechts ein besonderer Processus paracondyloideus mit -überknorpelter Gelenkfläche; da der Atlas leider fehlt, so lässt -sich nicht genau sagen, in welcher Weise die Verbindung mit dem -Querfortsatze des Atlas stattgefunden hat. Bei der Messung hat der -Schädel sich als wesentlich brachycephal ergeben; der Breiten-Index -beträgt 83,4 bei einem Höhen-Index von 77,10 (Höhe zu Breite = 93,2 -: 100). Obwohl er sich in diesen Verhältnissen den früher von mir -vorgelegten Philippinen-Schädeln, namentlich den jüngeren aus der -Höhle von Nipa-Nipa nähert, so bietet er doch Manches dar, was ihn von -jenen unterscheidet. Insbesondere ist die Bildung des Gesichtsskelets -höchst abweichend; nur einer der früheren Schädel (Z. 865) steht -ihm näher. Ich erwähne hier vor Allem die ungewöhnliche Zartheit der -Knochen des Gesichts, die selbst, wenn man eine jugendliche Entwicklung -annehmen wollte, sehr auffällig sein würde. Wenn man jedoch die -Zähne vergleicht, so ergiebt sich eine sehr merkliche Abschleifung -der Schneide- und Mahlzähne, welche beweist, dass das Individuum -nicht im Jugendalter gewesen ist. Ausserdem sind die Synchondrosis -spheno-occipitalis vollständig, der untere Abschnitt der Sutura -coronaria links und die unteren Abschnitte der Sutura lambdoides -beiderseits verknöchert; der Processus styloides rechts hat eine -ungewöhnliche Länge und Stärke; alle Muskelinsertionen sind durch tiefe -Unebenheiten, Gruben und Vorsprünge bezeichnet; die Superciliargegend -ist durch dicke und poröse Wülste ausgezeichnet, welche über der Nase -zusammengehen. Nimmt man zu diesen anatomischen Merkmalen die Angabe -des Hrn. Schetelig, dass der Mann ein Häuptling gewesen sei, so wird -kein Zweifel bleiben können, dass dieser Schädel einem vollkommen -ausgewachsenen Individuum angehörte. Keiner von den anderen Schädeln -hat eine so verkümmerte Gesichtsbildung, wie dieser; sie erinnert fast -an die von mir beschriebene Physiognomie des Lappengesichts. Die ganze -Höhe (Nasenwurzel bis Kinn) beträgt nur 103 Millim., die Höhe der Nase -46, die mediane Höhe des Unterkiefers 25, der Maxillar-Durchmesser -60. Nur die Orbita (37,4 breit und 34,6 hoch) ist stark entwickelt und -ihre mehr quer-viereckige Gestalt unterscheidet sie wesentlich von -den Augenhöhlen aller anderen Philippinen-Schädel. Dem entsprechend -ist auch die Nasenwurzel schmal, der Nasenrücken scharf vortretend -und scheinbar eine Adlernase andeutend. Der Oberkiefer hat leider in -der Mitte des Alveolarrandes einen kleinen Defect; trotzdem kann man -ziemlich sicher erkennen, das nur ein sehr geringer Prognathismus -des Oberkiefers vorhanden war. Am Unterkiefer fehlt derselbe -gänzlich. Dies ist wohl der grösste Unterschied von den vorliegenden -Bicol-Schädeln. Es ist weiterhin in der Schädelbildung dieses -Mannes auffallend, so wenig Uebereinstimmung mit den gewöhnlichen -Verhältnissen der wilden Rassen zu finden: die Plana semicircularia -reichen nicht weit hinauf, die obere Wölbung zwischen den Ansätzen -der Schläfenmuskeln ist sehr gross, die Jochbeine treten nicht sehr -stark hervor, der Kieferast ist von geringer Stärke. Es lässt sich -daher nicht verkennen, dass die ganze Form den äusseren Verhältnissen -nach nichts Wildes an sich trägt, und wenn man hinzunimmt, dass auch -die Länge der Schädelknochen ziemlich gute Verhältnisse darbietet, so -muss man sagen, dass die Schädelform sich deutlich den civilisirten -annähert. Schon aus diesem Grunde muss eine mögliche Verwandtschaft -mit der australischen Rasse entschieden abgelehnt werden. Andererseits -ist es gewiss bemerkenswerth, dass in Beziehung auf die Zartheit der -Gesichtsbildung wohl die jüngeren Schädel aus der Nipa-Nipa-Höhle -eine gewisse Uebereinstimmung darbieten, aber keineswegs die -Kirchhofsschädel von Tabaco und Tibi. Bei allen diesen ist das -Gesichtsskelet sehr stark entwickelt, namentlich die Jochbeine sehr -vorspringend, der Oberkiefer und die Nasenwurzel breit, das Gesicht -hoch und vor allen Dingen ein überaus starker Prognathismus des Ober- -und Unterkiefers, so dass besonders am Oberkiefer der Alveolarfortsatz -sich fast der horizontalen Stellung nähert. Selbst der jugendliche, -im Ganzen sehr zarte und kleine Schädel von Tabaco zeigt in Beziehung -auf die Gesichtsbildung die grösste Differenz, und namentlich die -vorspringenden Zähne bilden den geraden Gegensatz gegenüber den -Verhältnissen bei dem Arituktuk-Schädel. Bei den Bicols ist in der -That eine affenartige Construction der Fresswerkzeuge vorhanden. - -Im Uebrigen bilden diese Kirchhofs-Schädel eine vortreffliche -Ergänzung des von Hrn. Jagor mitgebrachten Materials, insofern sie -uns die Osteologie der neueren Bevölkerung kennen lehren. Alle fünf -bieten unter sich eine grosse Uebereinstimmung dar: neben einem höchst -auffälligen Prognathismus zeigen sie eine Brachycephalie, so stark, -wie wir sie nur irgend an ostasiatischen Völkern kennen. Der Schädel -von Tibi hat einen Breitenindex von 80,2 bei einem Höhenindex von 78,5; -die 4 Schädel von Tabaco haben Breiten-Indices von 81,1 -- 83,3 -- -83,1 --84,6 bei Höhen-Indices von 79,7 -- 82,4 -- 80,5 -- 80,5. Dabei -hat der Tibi-Schädel eine Capacität von 1595, die Tabaco-Schädel -von 1505, 1330, 1350 und der jugendliche von 1290 Ccm. Dem -entsprechend beträgt die Circumferenz bei dem Tibi-Schädel 514, -bei den Tabaco-Schädeln 514, 490, 478, 495. Sämmtliche Schädel sind -schön gewölbt, haben volle Stirnen und Schläfen, sehr hohe und stark -ausgelegte Hinterhauptsschuppen und grosse Plana semicircularia. Ueber -ihre Gesichtsbildung habe ich schon vorher gesprochen und die relative -Grösse und namentlich Breite derselben hervorgehoben. Der Tibi-Schädel -hat einen formidablen Unterkiefer von 18,5 Centim. Umfang und 34,5 -Centim. medianer Höhe. - -Vergleichen wir nun diese Bicol-Schädel mit den früher beschriebenen -Höhlen-Schädeln, so zeigt sich eine nicht geringe Aehnlichkeit zwischen -dem Schädel von Tibi und dem von Hrn. Jagor neben einem Holzsarge -in der Höhle Nipa-Nipa gefundenen, während die Tabaco-Schädel den -jüngeren und zum Theil syphilitischen Schädeln der Nipa-Nipa-Höhle -näher stehen. Nur der weibliche Tabaco-Schädel schliesst sich an -die mehr brachycephalen Schädel aus der anderen Höhle von Nipa-Nipa -(Z. 873. 874), welche Spuren künstlicher Missstaltung zeigen, und es -ist bemerkenswerth, dass gerade bei ihm gleichfalls derartige Zeichen -hervortreten. Das Hinterhaupt fällt nämlich unmittelbar hinter den -Tubera parietalia ab, die Gegend der hinteren seitlichen Fontanellen -ist abgeplattet, und daher die Hinterhauptsgruben für das Kleinhirn -und für die Hinterlappen des Grosshirns stärker vorgewölbt. Die -gleiche seitliche Compression zeigt auch der Mädchenschädel von Tabaco. - -Ein noch erhöhtes Interesse haben die Cimarronen-Schädel von Albay, -welche ihrem äusseren Ansehen nach älter sind und einige Analogie mit -den Schädeln von Lanang bieten, welche Hr. Jagor mitgebracht hat. Die -beiden sind allerdings unter sich sehr verschieden. Ob diese Differenz -sich nur durch das verschiedene Geschlecht erklärt, ist mir in hohem -Maasse zweifelhaft; handelt es sich um ein Mischvolk, so liesse sich -die Vererbung wohl mit mehr Recht anrufen. Der Schädel des Weibes -(Omang) ist kurz und breit, der des Mannes (Baringeag) breit und lang; -beide lassen aber deutlich eine künstliche Deformation erkennen. - -Der weibliche Schädel schliesst sich einerseits den Lanang-Formen, -andererseits dem weiblichen Tabaco-Schädel und den ihm verwandten -Nipa-Nipa-Formen an. Er hat einen Breitenindex von 87, einen -Höhenindex von 79,7, eine Circumferenz von 488, eine Capacität von -1380. Das Gesicht ist breit, die Nase abgeplattet, der Oberkieferrand -stark vorspringend. Dabei zeigt sich eine starke Veränderung -des Hinterhauptes, welche aber anders ist als die an den alten -Flachschädeln von Lanang. Während an diesen eine einfache Abplattung -der Stirn und des Hinterhauptes vorhanden ist, bemerkt man bei der -Cimarrona, ähnlich wie bei dem Tabaco-Weibe, jedoch viel stärker, dass -jederseits ein seitlicher Druck von hinten und oben her eingewirkt -hat; ja, es ist sehr merkwürdig zu sehen, wie der Druck nur auf die -Gegend ausgeübt worden ist, wo die Lambda-Naht mit der Mastoidal- -und Schuppen-Naht zusammenstösst, also dort, wo die seitliche hintere -Fontanelle liegt. Die Folge davon ist gewesen, dass sich nach drei -Richtungen, nach oben in der Mitte, nach unten rechts und links, -also gleichsam kleeblattförmig, kuglige Protuberanzen gebildet haben, -welche offenbar dadurch entstanden sind, dass das comprimirte Gehirn -genöthigt gewesen ist, sich anderweit Raum zu verschaffen. Es ist -dies eine sehr auffällige Form. Sehr bezeichnend ist übrigens, dass -der laterale Druck ausserdem noch schief gewesen ist, rechts stärker, -als links, so dass das ganze Hinterhaupt dadurch verschoben worden ist. - -Der männliche Schädel (Baringeag) ist lang und entschieden -dolichocephal. Bei ihm beträgt der Breitenindex 75,4, der -Höhenindex 77,7, der grösste Umfang 515, die Capacität 1470. Alle -Muskelansätze sind sehr stark, das Gesicht eher etwas schmal, -der Nasenrücken gleichfalls schmal, der Kieferrand jedoch stark -vorspringend. Dieser Schädel bietet entschiedene Beziehungen mit -dem von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädel eines Ygorroten vom Berge -Ysarog, der 1856 mit einem Taco (Waldmesser) erschlagen war. Auch -bei ihm muss man annehmen, dass ein seitlicher Druck stattgefunden -hat; denn es erstreckt sich jederseits von den Tubera parietalia -eine ganz steil abfallende Seitenfläche herab, und es sind ausserdem -ähnliche, wenngleich kleinere kuglige Vortreibungen an der Schuppe des -Hinterhaupts. Die obere ist nur dadurch maskirt, dass eine ungewöhnlich -starke Protuberantia occipitalis externa darüber sitzt. - -Ich bin daher der Meinung, dass man in beiden Fällen, trotz -ihrer ursprünglichen Verschiedenheit, genöthigt ist anzunehmen, -dass eine gewisse Deformation stattgefunden hat, welche jedoch -wesentlich anders angelegt gewesen ist, wie bei den Flachköpfen -von Lanang. Stammen sie, wie Hr. Schetelig angiebt, gleichfalls von -einem Negrito-Mischvolk, so wird man kaum zweifeln können, dass der -dolichocephalische Mannesschädel dem erblichen Typus der Ygorroten -entspricht, dass dagegen der brachycephale Weiberschädel und der -Häuptlingsschädel, obwohl unter einander nicht wenig verschieden, -sich mehr dem Bicol-Typus annähern. Was in dem einen oder andern -Falle speciell Negrito-Eigenthümlichkeit ist, kann ich nicht sagen; -indess möchte bis auf Weiteres der Häuptlingsschädel als der reinere -angesehen werden dürfen, zumal da die Architectur des Skelets im -Ganzen mit den Beschreibungen der Reisenden von der äusseren Gestalt -der Negritos am meisten harmonirt. - -Werfen wir nunmehr einen kurzen Rückblick auf die gewonnenen -Resultate, so zeigt sich uns, mit Ausnahme zweier dolichocephaler -Schädel von Cimarronen, eine durchweg brachycephale Reihe mit mehr -oder weniger ausgesprochenem Prognathismus. Am meisten tritt dieser in -den Hintergrund bei dem auch sonst in vielen Beziehungen abweichenden -Schädel des sogenannten Negrito-Häuptlings. Die modernen Bicol-Schädel -füllen dagegen die früher bemerkte Lücke zwischen den älteren und mehr -oder weniger deformirten Lanang-Schädeln und den offenbar jüngeren, -durch Syphilis ausgezeichneten Schädeln von Nipa-Nipa, zumal wenn -man die Höhlenschädel von Caramuan hinzunimmt. Eine durchgehende -Verwandtschaft lässt sich nicht verkennen. Höchst auffällig bleibt -dabei die grosse Verschiedenheit in der Gesammt-Architectur. Die -Lanang-Schädel zeigen einen sehr starkknochigen, die jüngeren -Nipa-Nipa-Schädel einen ebenso ausgeprägt schwachknochigen Stamm. Die -modernen Bicols stehen auch hier in der Mitte, so dass man nicht mehr -berechtigt ist, wie früher, aus der blossen Zartheit der Formen auf -einen Fortschritt in der Civilisation zu schliessen. Möglicherweise -dürfen wir in dem schwachknochigen Stamme den Bisayer-Typus annehmen, -indess fehlt es für diese feineren Entscheidungen noch immer an dem -nöthigen Material, das erst von weiteren Zusendungen erwartet werden -darf. Für einen wirklichen Stammes-Unterschied spricht natürlich -auch die verschiedene Art der Abplattung, welche wir constatirt -haben. Während die Höhlenschädel von Lanang und Caramuan eine -vordere und hintere Abplattung erfahren haben, zeigen die modernen -Kirchhofsschädel eine seitliche, so dass die Beschreibung von Thevénot -im Ganzen weit mehr für sie zutrifft. - -Ich habe noch zu erwähnen, dass Hr. Davis in Beziehung auf das Alter -der Funde, die ich früher besprochen habe, einen Zweifel aufgeworfen -hat, der dahin führen würde, die fraglichen Schädel um ein Jahrhundert -jünger zu machen. Ich hatte nämlich angenommen, dass die Flachschädel -spätestens dem Ende des 16. Jahrhunderts angehören möchten. Ich -war dabei auf die einzige Nachricht über künstliche Verunstaltung -des Schädels, welche uns noch erhalten ist, die von Thévenot [354] -zurückgegangen. Hr. Davis sagt nun, dass das Buch von Thévenot -zwischen 1663 und 1672 erschienen sei, und er folgert daraus, dass die -Schädel erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammten. Ich muss hier -allerdings einen Fehler zugestehen: ich war verleitet dadurch, dass -ein sonst sehr zuverlässiger Autor, Gosse (Annales d'hygiène publique -et de médecine légale. 1855. Juill. p. 375.) folgendes Citat giebt: -Relations de divers voyages curieux, par Melchisédec Thévenot. Nouvelle -édition, 2 vol. in-fol., Paris 1591. Ich habe mich nun überzeugt, -dass Melchisedek Thévenot († 1692) erst gegen 1620 geboren, das Citat -von Gosse also offenbar falsch ist. Indessen folgt daraus doch noch -keineswegs, dass die fragliche Beobachtung erst der zweiten Hälfte des -17. Jahrhunderts angehört. Thévenot giebt in seinem grossen Sammelwerk -den Bericht eines Geistlichen, der 18 Jahre auf den Philippinen -gelebt hatte. Letzterer spricht an einer Stelle davon, dass »vor drei -Jahren die Einnahme der Insel Mindanao durch Don Sebastian Hurtado de -Corcuera erfolgt sei« (p. 3.) Diese Einnahme muss nach einem folgenden -Berichte (p. 15) um das Jahr 1636 geschehen sein: es ergiebt sich -also, dass der Geistliche in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts -schrieb. Damit stimmt auch die Bemerkung am Schlusse der Relation, -wonach dieselbe die Uebersetzung einer 1638 in Mexico gedruckten -spanischen Schrift ist. Nun findet sich aber darin ausser der Angabe, -dass die Leute ihren Kindern die Köpfe verdrückten, noch der andere -Gebrauch erwähnt, dass sie die Zähne feilten und mit schwarzem und -glänzendem oder feuerfarbenem Firniss färbten [355], und da keiner der -von Hrn. Jagor mitgebrachten Schädel diese Zeichen darbot, so hatte ich -geschlossen, dass die Leichen beigesetzt sein müssten zu einer Zeit, -als diese noch jetzt auf den benachbarten Inseln sehr verbreitete -Sitte noch nicht bestand. Denn es schien mir weniger wahrscheinlich, -dass die Leute eine derartige Sitte schnell aufgegeben haben sollten, -als dass dieselbe erst später von den benachbarten Malaien importirt -worden sei. Indess muss ich zugestehen, dass auch diese Argumente -zweifelhafter Natur sind, und nachdem wir durch Hrn. Riedel erfahren -haben, dass auf einer benachbarten Insel die Deformirung der Schädel -noch heute betrieben wird, so liegt die Frage nahe, ob nicht auch -die Lanang-Schädel einer neueren Zeit angehören, als ich angenommen -hatte. Immerhin ist es bemerkenswerth, dass jene starke Abplattung, -wie sie sich bei den Schädeln aus der Höhle von Lanang findet, unter -der ganzen Reihe der übrigen Schädel nicht wiederkehrt, und wenn man -dazu die übrigen, sehr bemerkenswerthen Charaktere der Lanang-Schädel -nimmt, so halte ich es immer noch für sehr wahrscheinlich, dass sie -ein hohes Alter haben. - -Zum Schlüsse will ich noch auf einen Punkt aufmerksam machen, -worauf ich bei einer späteren Besprechung der Peruanerschädel noch -zurückkommen werde. Es findet sich nämlich bei dem Mädchen-Schädel -von Tabaco, der auch deutliche Zeichen der seitlichen Abplattung -darbietet, jenes grosse Schalt-Stück zwischen den Scheitelbeinen und -der Hinterhauptsschuppe (Os epactale) vor, welches man mit dem Namen -Os incae belegt hat. Dasselbe ist fast vollkommen dreieckig und misst -an der Basis 115, an den Schenkeln 76-78 Millim. Ich urgire dieses -Vorkommen deshalb, weil in der neueren Zeit durch Gosse (Bull. de -la soc. d'anthropol. de Paris 1860, Vol. I. p. 549. Mémoires de la -même soc. T. I. p. 165) und Jacquart (Bullet. 1865. T. VI. p. 720) -der Bedeutung dieses Knochens meiner Meinung nach etwas zu wenig -Werth beigelegt worden ist. Man hat sich bemüht zu zeigen, dass diese -Trennung in einer einfachen Entwicklungs-Hemmung beruhe, weil in -einer früheren Zeit des Fötallebens diese Trennung stets vorhanden -sei. Allein daraus folgt meiner Meinung nach nichts Erhebliches für -die Bedeutung eines solchen Vorkommens nach der Geburt. Ich habe -in der letzten Zeit eine grosse Anzahl von Schädeln neugeborner -Kinder maceriren lassen; es war kein einziger darunter, bei welchem -eine solche Trennung noch existirte. Diese ist eine solche Rarität, -dass jedesmal, wo sie vorkommt, die Frage nach der Ursache derselben -aufgeworfen werden muss. Nun ist es doch nicht gering anzuschlagen, -dass unter 8 Philippinen-Schädeln sich einer mit einem solchen Beine -befindet. Noch bedeutungsvoller wird dieser Fund dadurch, dass auch -unter den von Hrn. Jagor mitgebrachten 16 Schädeln ein gleicher ist und -zwar einer aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa auf Samar (Z. 865). Er -gehört einem erwachsenen, kräftigen Manne an. Der Zwischenknochen ist -50 Millim. hoch, an der Basis 115, an den Schenkeln 25-28 Millim. lang, -reicht bis dicht über die Protuberantia occipitalis externa und ist -hier durch eine starke Zackennaht abgesetzt. Was aber noch merkwürdiger -ist, der einzige Negrito- oder Aita-Schädel von Manila, der sich in der -anthropologischen Gallerie des Jardin des Plantes zu Paris befindet, -besitzt nach Jacquart gleichfalls ein Os epactale. - -Das Alles mag Zufall sein, aber es wäre doch ein sonderbarer Zufall. So -hat man auch Zweifel über die Bedeutung des Os incae bei den Peruanern -aufgestellt. Wir haben neulich aus Peru zwei alte Schädel bekommen; -einer davon hat das Schaltbein in vollster Ausbildung. Nirgends -sonst, soweit es uns bekannt ist, zeigt sich dasselbe in einer -solchen Häufigkeit, und ich möchte daher wohl annehmen, dass hier -eine ethnologische Eigenthümlichkeit hervortritt, die nicht als eine -gewöhnliche und nichtssagende Erscheinung aufgefasst werden darf. Es -wird ein Gegenstand unserer späteren Betrachtung sein, wie dieses -Vorkommen zu erklären ist und ob daraus irgend welche Aufschlüsse in -Bezug auf die Völkerbeziehungen über den stillen Ocean zu gewinnen -sind«. - -Seit der Zeit dieses Vortrages ist nun das Material noch ungleich -mehr angewachsen, indem Hr. Dr. A. B. Meyer eine grössere Anzahl von -Philippinen-Schädeln und Skeleten mitgebracht und der Gesellschaft -überlassen hat. In der Sitzung vom 15. Juni 1872 konnte ich -über 6 Negrito-Skelete und einen Ygorrotenschädel berichten -(Correspondenzblatt der deutschen anthropologischen Gesellschaft -1872. No. 8). Eine spätere Sendung brachte hauptsächlich moderne -Schädel von einem Kirchhof bei Manila. - -Von diesen Objekten stimmt zunächst der Ygorrotenschädel mit dem durch -Herrn Jagor überbrachten vom Ysarog (und dem einen Cimarronen-Schädel -von Albay aus der Sammlung des Hrn. Schetelig) am meisten überein, -obwohl er in einem noch viel höheren Maasse lang und zugleich schmal -ist. Er besitzt einen Breitenindex von 68,8 bei einem Höhenindex -von 73,1, ist also in höchstem Grade dolichocephal und zugleich -niedrig. Die Verhältnisse der drei Schädel werden am besten durch -eine Zusammenstellung der Zahlen sich ergeben: - - - Breitenindex. Höhenindex. Capacität. - - Cimarrone vom Ysarog 76,9 76,1 1315 - Cimarrone vom Albay 75,4 77,7 1470 - Ygorrote (Meyer) 68,8 73,1 1400 - - -Sehr bemerkenswerth sind bei dem letztern Schädel ferner der -geringe Prognathismus des Alveolarrandes, die verhältnissmässig -hohen Augenhöhlen, die hohe Nase mit schmaler Wurzel und der -starke Wulst über der letzteren. Giebt dieser Wulst dem Schädel den -Ausdruck einer gewissen Wildheit, so wird diese gesteigert durch -die stark abstehenden Jochbogen und die bedeutend hinaufgerückten -Plana temporalia, deren Abstand, über den Schädel gemessen, an der -Kranznaht nur 105 Millim. beträgt: also eine colossale Entwickelung -der Kaumuskeln. Es bestätigt sich demnach die Existenz einer wilden -dolichocephalen Rasse, welche den Hypsistenocephalen der Inseln -Polynesiens und der Sundagruppe näher steht. - -Die Negrito-Schädel sind davon gänzlich verschieden. Ich beschränke -mich darauf, die entsprechenden Zahlen für 4 derselben zu geben: - - - Breitenindex. Höhenindex. Capacität. - - I. 90,6 77,6 1310 - II. 80,8 75,6 1200 - III. 83,8 77,8 1250 - IV. 86,7 82,3 1150 - - - -Von diesen ist No. II. ein männlicher und, wie mir scheint, -verhältnissmässig typischer Schädel, während vornämlich bei -No. I. künstliche Deformation bemerklich ist. Man sieht hier eine -ausgezeichnet brachycephale Rasse, deren Schädel eine mässige Höhe -und durchschnittlich eine geringe Capacität besitzen. Zugleich -sind sie stark prognath, jedoch betrifft die Vorschiebung mehr -die Alveolarfortsätze, während die Ansatzstelle des unteren -Nasenstachels dem grossen Hinterhauptsloche näher liegt, als -die Nasenwurzel. Letztere befindet sich fast senkrecht unter der -Nasenwurzel. - -Die Zusammengehörigkeit dieser Negritoschädel wird in deutlichster -Weise dargelegt durch ein höchst characteristisches Zeichen, -nämlich durch die vermittelst Feilung in eine Sägenform gebrachten -Zahnreihen. Es sind die Zähne, namentlich die vorderen und von diesen -wieder am meisten die des Oberkiefers seitlich abgefeilt, so dass sie -in scharfe Spitzen, wie Raubthierzähne, auslaufen, -- eine Art der -Feilung, welche der bisher bekannten malaischen gerade widerstreitet, -indem diese auf der vorderen Fläche der Zähne stattfindet und zugleich -der untere Rand der letzteren geebnet wird. Höchst merkwürdig ist es, -dass beide Arten der Feilung schon von dem alten Thévenot angegeben -sind: les vns rendent les dents égales, les autres les affilent en -pointes, en leur donnant la figure d'une scie. Nur von der mit Gold -gefüllten Oeffnung in der oberen Zahnreihe, welche er gleichfalls -beschreibt, ist nichts wahrzunehmen. Indess mag das längst aufgegeben -sein, da Gold unter den Negritos wohl eine Seltenheit ist. Jedenfalls -stammen die Schädel, welche Hr. Dr. Meyer selbst unter grosser Gefahr -auf dem ihm bekannt gewordenen Begräbnissplatze eines Negrito-Stammes -in der Provinz Bataan (Zambales), im Nordwesten von Luzon, ausgegraben -hat, aus neuer Zeit [356]. - -Spuren künstlicher Verunstaltung finden sich an der Mehrzahl der -Schädel, jedoch erreichen sie auch nicht entfernt das Maass, wie -diejenigen an den Höhlenschädeln von Lanang und Caramuan. In der Regel -ist das Hinterhaupt sehr steil und die Seitenwandbeine sind dicht -hinter den Tubera parietalia fast rechtwinklig herab gebogen. Nur der -eine und zwar männliche Schädel zeigt gar nichts von Deformation: -sein Hinterhaupt springt stark vor, und zwar findet sich die -stärkste Vorwölbung an der Schuppe oberhalb der Linea nuchae suprema -(vgl. Taf. II, fig. 5-6). Wenn dieser letztere Schädel gegenüber -den weiblichen und deformirten (Taf. II, fig. 4) als der am meisten -typische angesehen werden darf, so könnte es doch sein, dass ihm an -einer andern Stelle die künstliche Verunstaltung nicht fehle. Er zeigt -nämlich eine ungemein breite und platte Nasenwurzel, und die Nasenbeine -sind seitlich mit den Processus nasales des Oberkiefers verwachsen. Da -sich dieselbe Synostose noch bei einem andern Negrito-Schädel findet, -so entsteht die Frage, ob hier eine blosse Rassen-Eigenthümlichkeit -oder ein pathologisches Ereigniss vorliegt. Wenn nun an sich der -ganze Habitus der Stelle diesen Eindruck hervorbringt, so hat mich -eine Mittheilung des französischen Missionärs Montrouzier noch -mehr für diese Ansicht gewonnen. Derselbe berichtet nämlich, dass -in ganz Neu-Caledonien nach der Geburt eines Kindes Wasser heiss -gemacht, die Finger in dasselbe getaucht und mit denselben die Nase -des Neugebornen zerquetscht wird. Freilich ist von den Philippinen -bis jetzt nichts Aehnliches bekannt, aber vielleicht wird es damit, -wie mit der Schädelverunstaltung, gehen. - -Ich muss endlich noch eine besondere Eigenthümlichkeit der -Negrito-Schädel erwähnen, nämlich die ausgezeichnet ogivale Form, -welche sowohl in der Stirn-, als Hinterhaupts-Ansicht bemerkbar -wird und welche auch in den Photographien (Taf. III.) zu Tage -tritt. Namentlich bei der männlichen Bevölkerung ist die dachförmige -Gestalt des Vorderkopfes leicht erkennbar. Die Glabella ist an diesen -Schädeln ungewöhnlich voll, die Stirnhöcker schwach entwickelt, in der -Mitte öfter die Andeutung einer Crista frontalis. Damit hängt zusammen -die auffällige Höhe der Plana temporalia, welche sich bei dem Manne -(Taf. II, fig. 5 und 6) bis über die Tubera parietalia erstrecken -und hinter der Kranznaht nur 95 Millim. von einander entfernt sind. - -Es lässt sich daher nicht verkennen, dass der Schädeltypus der Negritos -etwas Bestiales, wenn man will, etwas Affenartiges an sich hat. Die -grosse Breite der unteren Theile der Nase, welche in den Photographien -(vergl. die Tafel III.) so auffällig hervortritt, trägt nicht wenig -dazu bei, den Eindruck der Hässlichkeit zu erhöhen. Hr. de la Gironière -(Aventures d'un gentilhomme breton aux îles Philippines. Paris 1855 -p. 321) mag daher wohl einen ersten Eindruck, richtig wiedergeben, -wenn er in seiner lebhaften und etwas übertreibenden Weise sagt: -Les hommes -- me paraissaient plutôt une grande famille de singes -que des créatures humaines. - -Um das osteologische Bild zu vervollständigen, will ich noch -hervorheben, was auch die übrigen Skeletknochen bezeugen und -alle Reisende berichten, dass die Negritos von niedrigem und -gracilem Bau sind. Ihre Schienbeine sind seitlich abgeplattet, wie -zusammengedrückt. Ihre Oberarmbeine haben öfters ein Loch über den -Gelenktheilen der Ellenbeuge und zeigen überdiess eine andere Drehung -in der Continuität, als die europäischen. Kurz, alles vereinigt sich, -um uns das Bild einer niedrigeren Entwickelung zu geben, aber einer -Entwickelung, welche weder mit derjenigen der afrikanischen Neger, -noch mit denen der Papuas und der Australneger, soviel bis jetzt -ersichtlich, irgend eine Aehnlichkeit zeigt. - -Wenn wir nun, nachdem wir im Innern der Philippinen sowohl -dolichocephale, als brachycephale wilde Stämme kennen gelernt haben, -zu der Küstenbevölkerung zurückkehren, so möchte ich zuerst daran -erinnern, dass nach dem Zeugnisse der verschiedensten Reisenden hier -zahlreiche, durch Einwanderung bedingte Kreuzungen stattgefunden -haben. Namentlich werden chinesische und japanesische Beimischungen -als sehr einflussreich geschildert. Es wird daher nothwendig sein, -hier sehr vorsichtig zu sein, und ich möchte namentlich darauf -aufmerksam machen, dass auch Mischungen zwischen der wahrscheinlich -malaiischen Küstenbevölkerung und den erwähnten Bergstämmen sorgfältig -in Betracht gezogen werden müssen. Gerade in dieser Beziehung dürften -die von Hrn. Jagor mitgebrachten Höhlenschädel von Samar sowohl wegen -ihres Alters, als auch wegen der Küstenlage der Höhlen und der mehr -südlichen Lage dieser Insel eine besondere Bedeutung beanspruchen, -da sie vermuthlich reineren Elementen der Bevölkerung angehörten, -als die Kirchhofsschädel, nach denen wir die heutige Küstenbevölkerung -meist zu beurtheilen haben. - -Auf den beigegebenen Tafeln sind geometrische Linearzeichnungen der 3 -Höhlengruppen von der Insel Samar zusammengestellt, welche ausreichen -werden, um ein übersichtliches Bild dieser Küstenschädel zu geben und -deren Vergleichung mit den Negrito-Schädeln anschaulich zu machen. Es -sind dies folgende: - -1) Aus der Höhle von Lanang ist auf Taf. I, fig. 3-4 (z. 841) -der am meisten verdrückte Flachkopf, fig. 1-2 (z. 839) ein nur -massig veränderter Schädel abgebildet. Es sind dies Beispiele eines -ungewöhnlich grossköpfigen und wahrscheinlich starken Stammes, welcher, -obgleich brachycephal, doch nur mässig prognath ist und am weitesten -von den Negritos abweicht. - -2) Aus der ersten Höhle von Nipa-Nipa stammen zwei Schädel Taf. I, -fig. 5 (z. 873) und fig. 6 (z. 874), beide stark brachycephal und -mehr prognath, beide, namentlich fig. 6 beträchtlich, von hinten -her abgeplattet. - -3) Aus der zweiten Höhle von Nipa-Nipa zwei Schädel Taf. II, fig. 1-2 -(z. 867) und fig. 3 (z. 870). Sie gehören jenem zarten und mehr -kleinköpfigen, brachycephalen und eminent prognathen Stamme an, -unter dem die Syphilis verbreitet war. - -Ich stelle auch hier, wie früher, einige Zahlen zusammen, indem -ich zugleich die modernen, von Hrn. Schetelig mitgebrachten -Kirchhofsschädel berücksichtige: - - - Lanang Breitenindex. Höhenindex. Capacität. - - No. 839 93,0 78,6 1510 - No. 841 94,8 80,0 1470 - Nipa-Nipa B. - No. 873 89,1 78,9 1360 - No. 874 96,2 83,6 1400 - Nipa-Nipa A. - No. 867 78,4 74,5 1210 - No. 870 86,6 77,0 1351 - Tabaco - No. III. 83,3 82,4 1320 - No. IV. 81,1 79,7 1505 - Tibi 80,2 78,5 1595 - - -Man ersieht leicht, dass die Brachycephalie durch die ganze Reihe -durchgeht und dass auch die Höhe verhältnissmässig überall beträchtlich -ist. Am meisten schwankt die Capacität, weniger jedoch in den einzelnen -Gruppen der Höhlenschädel, als unter den modernen. Eine endgültige -Entscheidung über die Stellung der verschiedenen Gruppen zu einander -dürfte daher noch immer verfrüht sein. Die Schwierigkeit, welche durch -die künstliche Deformation so vieler diese Schädel herbeigeführt wird, -ist zu gross, um für die einzelnen Gruppen sichere gesetzliche Normen -zu finden. Wie ich schon früher anführte, so zeigen die Indices für -die modernen Kirchhofs-Schädel, welche von Bicols stammen, am meisten -Uebereinstimmung mit den Höhlenschädeln von Nipa-Nipa A, welche jedoch -weit hinter ihnen zurückbleiben in Bezug auf die Capacität. Allein -die hier in Betracht kommenden Höhlenschädel sind auch am wenigsten -durch künstliche Verunstaltung betroffen und es liegt daher nahe, dass -jeder von ihnen den Typus deutlicher wiedergiebt, als die Schädel -der beiden anderen Höhlengruppen. Hoffentlich wird eine weitere -Durchforschung des nun reichlicher zuströmenden Materials bald eine -vollständigere Darlegung gestatten, und so eines der interessantesten -ethnographischen Gebiete klar legen. - - - - - - - - -ANMERKUNGEN - - -[1] Navarrete IV. 97. Obs.2a. - -[2] Nach Albo's Schiffsjournal wurde er den Unterschied an den -Capverdischen Inseln gewahr, am 9. Juli 1522. »y este dia fue -miercoles, y este dia tienen ellos por jueves.« - -[3] In einer Anmerkung zu Seite 18 der meisterhaften englischen -Uebersetzung Morga's finde ich die auffallende Angabe, dass -gleichzeitig eine ähnliche Berichtigung in Macao vorgenommen wurde, -wo die Portugiesen, die von Osten gekommen waren, den entgegengesetzten -Fehler von einem Tage hatten. - -[4] Zu Ende des 16ten Jahrhunderts belief sich die Abgabe von den aus -China eingeführten Waaren auf 40,000 Doll., die Einfuhr also wenigstens -auf 1 1/3 Million. 1810 nach 250-jähriger ungestörter Herrschaft der -Spanier war letztere auf 1.150.000 Doll. gesunken. Seit dem steigt -sie allmälig und betrug 1861: 2.130.000 Doll. - -[5] Navarrete IV. 54. Obs. 1a. - -[6] Nach Gehler's Phys. Lex. VI, 450 wird das Log zuerst von Purchas -auf einer Reise nach Ostindien 1608 erwähnt. Pigafetta führt es nicht -an in seinem Trattato di Navigazione, aber S. 45 seiner Erzählung -heisst es: Secondo la misura che facevamo del viaggio colla cadena -a poppa, noi percorrevamo 60 a 70 leghe al giorno. Das wäre so viel -wie unsere schnellsten Dampfer, 10 Knoten. - -[7] Die europäische Post geht über Singapore und Hongkong nach -Manila. Ersteres ist von beiden Orten etwa gleich entfernt. Man konnte -die Briefe also eben so schnell in den Philippinen haben als in China, -wenn man sie direkt aus Singapore holte. In diesem Falle würde aber -die Dampfverbindung mit Hongkong beibehalten werden müssen, doch ist -bis jetzt der Verkehr noch zu unentwickelt, um die doppelte Ausgabe -tragen zu können. - -Nach dem Bericht des engl. Konsuls (Mai 1870) läuft gegenwärtig -ausser dem Regierungsschiff auch ein Privat-Dampfer zwischen Hongkong -und Manila. Die Zahl der Passagiere nach China betrug 1868: 441 -Europäer. 3048 Chinesen, zusammen 3489. Nach Manila 330 Europäer, -4664 Chinesen, zusammen 4994. Der Fahrpreis ist 80 Doll. für Europäer, -20 Doll. für Chinesen. - -[8] Zuñiga, Mavers I. 225. - -[9] Zuñiga XVIII, M. Velarde f. 139. - -[10] Capt. Salmon, Goch. S. 33. - -[11] Die Oeffnung dieser Häfen hat sich so erspriesslich erwiesen, dass -darüber einige interessante Thatsachen in einem besonderen Kapitel -mitgetheilt werden sollen, -- grösstentheils nach mündlichen und -schriftlichen Bemerkungen des vor drei Jahren verstorbenen englischen -Vizekonsuls N. Loney und nach späteren Konsulatsberichten. - -[12] 1868 liefen 112 fremde Schiffe von 74,054 Tonnen, 93 spanische -von 26,762 Tonnen in Manila ein; erstere kamen fast alle in Ballast, -und verliessen den Hafen mit Ladung; letztere kamen und gingen -beladen. (Ber. d. engl. Konsuls 1869.) - -[13] 1868 14,013,108 Doll. Gesammtausfuhr, England 4,857,000 Doll., -das ganze übrige Europa 102,477 Doll., wobei freilich der von der -Kolonie nach Spanien gesandte Tabakstribut (3,169,114 Doll.) nicht -mitgerechnet wird (Ber. engl. Kons. 1869). - -[14] Lapérouse nennt Manila die vielleicht am glücklichsten gelegene -Stadt der Welt. - -[15] Näheres über das Zollwesen s. im Anhange. - -[16] Sapán oder Sibucao, Caesalpinia Sappan. Das Fernambuk- oder -Brasilholz, dem das Kaiserreich Brasilien seinen Namen verdankt, -kommt von C. echinata und C. brasiliensis. (Die älteste Karte -von Amerika bemerkt vom Lande des Brasil[holzes]: hier giebt es -weiter nichts brauchbares als Brasil.) Das Sapan der Philippinen ist -reicher an Farbstoff als die übrigen ostasiatischen, steht aber dem -von Brasilien nach. In neuer Zeit hat es seinen Ruf verloren, da es -aus Unverstand häufig zu früh geschnitten wird. Es geht vorzüglich -nach China, dient zum Rothfärben und -drucken. Das vorher mit Alaun -gebeizte Zeug wird dort zum Schluss in ein schwach alkoholhaltiges -Alkalibad getaucht. Das in den Kleidern der ärmeren Chinesen so -häufige Braunroth ist mit Sapan dargestellt. - -[17] Ein interessantes Verzeichniss der zu jener Zeit von den Chinesen -eingeführten Waaren findet sich im Anhang. - -[18] Schon damals gingen grosse Mengen kleiner Muscheln (Cypraea -moneta) nach Siam, wo sie noch heut als Münze dienen. - -[19] Berghaus Geo-hydrogr. Memoir. - -[20] Manila wurde erst 1571 gegründet, aber schon 1565 glückte -es Urdaneta, Legaspi's Steuermann, den Rückweg durch das Stille -Meer zu finden, indem er in höheren nördlichen Breiten N.W. Winde -aufsuchte. Genau genommen war übrigens Urdaneta nicht der Erste, dem -die Rückfahrt gelang; denn eines der fünf Schiffe Legaspi's, unter dem -Befehl Don Alonso de Arellano's, das einen Mulatten, Lope Martin, als -Steuermann an Bord hatte, trennte sich von der Flotte, nachdem diese -die Inseln erreicht, und kehrte nach Neu-Spanien auf einem nördlichen -Kurs zurück, um die für diese Entdeckung ausgesetzte Belohnung zu -verdienen, was durch das baldige Eintreffen Urdaneta's vereitelt wurde. - -[21] Grav. No. 6. - -[22] Vgl. Kottenkamp I. 1594. - -[23] Gestützt auf Leyes de India 1a u. 6a, C. 4, L. 9. - -[24] Zuerst wurde nur die Einfuhr durch Festsetzung eines Werthmaximums -beschränkt, die Manila-Kaufleute halfen sich durch Angabe viel zu -geringer Werthe; um diesem Missbrauch ein Ende zu machen, wurde ein -Maximum für Silberausfuhr festgesetzt. Nach Mas (Informe I, 3, 60) -betrug aber das geschmuggelte Silber sechs bis acht Mal soviel. - -[25] Informe Hist. 2. - -[26] Informe I. 4. 6. - -[27] Lapérouse (358) erwähnt 1787 ein französisches Handelshaus -(Sebis), das seit mehreren Jahren in Manila etablirt war. - -[28] Informe, Comercio 2. - -[29] R. Cocks to Thos. Wilson (Calendar of State Papers (India) -No. 823) . . »the English will obtain a trade in China, so they bring -not in any padrese (as they term them) which the Chinese cannot abide -to hear of, because heretofore they came in such swarms and are always -begging without shame.« - -[30] Noch 1857 werden ältere, gegen die Niederlassung von Ausländern -gerichtete strenge Erlasse durch ein Gesetz (L. ult. II 512) -erneut. Eine R. O. von 1844 (L. ult. II 465) verbietet, Fremde unter -irgend welchem Vorwande das Innere der Kolonie betreten zu lassen. - -[31] Pinkerton XI, 85. - -[32] II, 201. - -[33] Von 5 × 2 1/2 × 1 1/2 = 18,75 span. Cub.-Fuss (St. Croix II, 360). - -[34] Comercio exterior 47. - -[35] Die Obras pias sind fromme Vermächtnisse, bei denen in der Regel -bestimmt war, dass zwei Drittel zu kaufmännischen Unternehmungen im -Seehandel gegen Zinsen ausgeliehen werden sollten, bis durch die -Prämien, die für das Risiko nach Acapulco 50 Prozent, nach China -25 Prozent, nach Indien 35 Prozent betrugen, das ursprüngliche -Kapital auf eine gewisse Summe angewachsen war, deren Zinsen dann, -für das Seelenheil des Stifters, zu frommen oder wohlthätigen Zwecken -verwendet wurden. (Arenas hist. 397.) Ein Drittel blieb gewöhnlich als -Reservefond zurück, zur Deckung etwaiger Verluste. (Diese Reservefonds -sind längst von der Regierung als Zwangsanleihen für sich in Anspruch -genommen, »werden aber noch als vorhanden angesehn.«) - -Als der Acapulcohandel ein Ende nahm, konnten die Kapitalien nicht mehr -nach der Bestimmung der Stifter angelegt werden, und wurden anderweitig -auf Zinsen ausgeliehen. Durch R. O. 3. Novbr. 1854 (Leg. ult. II, 205) -wird eine Junta administradora eingesetzt, um die Gelder der Obras -pias zu verwalten. Das Gesammtkapital der fünf Stiftungen (eigentlich -nur vier, da eine derselben kein Kapital mehr besitzt) beträgt etwas -weniger als 1 Million Dollars. Der aus den Darlehen erzielte Gewinn -wird nach Höhe des Einlagekapitals vertheilt, welches aber nicht mehr -baar vorhanden ist, weil die Regierung darüber verfügt hat. - -[36] Thevenot Religeux 12. - -[37] 14-15° Morga 171. - -[38] Nach Legentil 32-34°. - -[39] De Guignes, Pinkerton XI, Anson X. - -[40] Anson X. - -[41] Edmund Randolph, Hist. of California. - -[42] Zu Morga's Zeit 70 Tage bis zu den Ladronen, 10-12 Tage bis Cap -Espiritu Santo, 8 Tage bis Manila. - -[43] Eine sehr gute Beschreibung der Naofahrten findet man in Anson -Kap. X. Dasselbe Werk enthält die Kopie einer an Bord der Cavadonga -erbeuteten Seekarte, auf welcher die Reise dieser Galeon von den -Philippinen nach Acapulco und zurück eingetragen ist. - -[44] de Guignes. - -[45] Dem Befehlshaber, der den Titel General hatte, war ein Kapitän -untergeordnet, dessen Gewinn auf jeder Reise 40,000 Doll. betrug. Für -den Steuermann belief sich der Nutzen auf 20,000 Doll. Der erste -Lieutenant (Maestre) hatte 9 Prozent vom Verkauf der Waaren und löste -daraus und aus seinem besonderen Handel über 350,000 Doll. (Arenas -hist. 394.) - -[46] Die von Anson erbeutete Ladung betrug 1,313,000 Doll., abgesehen -von 35,682 Unzen Feinsilber und Cochenille. Die von Drake mitten -im Frieden zwischen England und Spanien geraubte 1 1/2 Millionen -Doll. Th. Candish (s. oben) verbrannte die reiche Ladung der Sa. Ana, -da er keinen Raum mehr für sie hatte. - -[47] So fand z. B. 1786 die Nao S. Andrés, die für 2 Millionen -Doll. Fracht enthielt, keinen Markt in Acapulco; ebenso erging es -1787 der S. José, und 1789 abermals der S. Andrés. (Informe 1. 4. 33.) - -[48] 1855: 586 Spanier aus Europa, 1378 Kreolen, 6323 Indier -und Mestizen, 332 Chinesen, 2 Hamburger, 1 Portugiese, 1 -Afrikaner. (Com. centr. de Estadistica. Heft I.) - -[49] Das Erdbeben von 1863 zerstörte die alte Brücke, sie wird jetzt -wieder hergestellt; die Pfeiler sind vollendet, das eiserne Gerüst -soll demnächst aus Europa eintreffen (April 1872). - -[50] Vergl. Roscher's Kolonien. - -[51] Folgende Maasse werden einen Schluss auf den Gehalt der Zeitungen -erlauben: ich wähle nicht das Boletin oficial, da es zu amtlichen -Ankündigungen bestimmt ist und diesen gegenüber sein sonstiger Inhalt -nicht in Betracht kommt. Die mir vorliegende Nummer des wöchentlich -6 mal erscheinenden Comercio (vom 29. Nov. 1858) hat 4 Seiten, deren -bedruckter Raum je 11×17, im Ganzen also 748 Quadratzoll beträgt. Sie -vertheilen sich wie folgt: - -Titel, 27 1/2 Quadratzoll; Aufsatz über die Volksmenge in Spanien, -aus einem Buche abgedruckt, 102 1/2 Quadratzoll. -- Unter dem Titel: -Nachrichten aus Europa, ein Artikel, abgedruckt aus den Anales de la -Caridad, über die Zunahme der Barmherzigkeit und des katholischen -Unterrichts in Frankreich, 40 1/2 Quadratzoll; über die Kunst und -ihren Ursprung (allgemeine Redensarten), 1. Abschnitt, 70 Quadratzoll; -Auszug aus dem amtlichen Blatt, 20 1/2 Quadratzoll; alte Anekdote, 59 -Quadratzoll. -- Religiöser Theil: dieser zerfällt in eine amtliche und -eine nichtamtliche Abtheilung, in der ersten werden die Heiligen des -Tages und die des folgenden, sowie die Kirchenfeste bekannt gemacht; -der zweite Theil enthält die Anzeige einer glänzenden Prozession und -den 1sten Abschnitt einer 3 Jahre früher, bei Gelegenheit desselben -Festes gehaltenen Predigt, »die so schön war, dass sie den Lesern -unverkürzt mitgetheilt werden soll«, 99 Quadratzoll. -- Stück eines -alten Romans in vielen Kapiteln, 154 und Anzeigen, 175, zusammen 748 -Quadratzoll. In den letzten Jahren enthielten die Zeitungen zuweilen -gediegene Aufsätze, jedoch nur äusserst selten. - -[52] Pigafetta 111. - -[53] In den Ordenanzas de Buen Gobierno von Hurtado Corcuero, -Mitte des 17ten Jahrhunderts, werden Kampfhähne nicht erwähnt. 1779 -wurden sie zuerst als Steuerquelle ausgebeutet; 1781 verpachtete -die Regierung das Recht, Eintrittsgelder zu den Galleras (von Gallo, -Hahn) zu erheben für 14,798 Doll. jährlich. 1863 ist der Ertrag der -Galleras mit 106,000 Doll. im Budget ausgeworfen. - -[54] Es giebt eine besondere Verordnung von 100 §§. über die -Hahnenkämpfe (Madrid, 21. März 1861). § 1 bestimmt, dass die Kämpfe, -da sie eine Staatseinnahme bilden, nur auf öffentlichen Schauplätzen -stattfinden dürfen; § 6. sie sind an Sonn- und Festtagen zu gestatten; -§ 7. von Schluss der Hauptmesse bis Sonnenuntergang; § 12. mehr -als 50 Doll. dürfen nicht auf einmal gewettet werden. § 38. Jeder -Hahn darf nur ein Messer und zwar am linken Sporn tragen. § 52. Der -Kampf ist beendet, wenn beide Hähne oder einer derselben stirbt, -oder wenn einer von beiden aus Feigheit davonläuft. In Daily News -vom 30. Juni 1869 findet sich die Notiz, dass in Leeds, fünf Männer -jeder zu 2 Monaten Gefängniss verurtheilt wurden, weil sie sechs, -mit metallenen Sporen bewaffnete Kampfhähne gegen einander hatten -kämpfen lassen. Danach scheint in England das früher sehr beliebte -Schauspiel nicht mehr gestattet zu sein. - -[55] Der Pflanzer de la Gironière hat den Rohstoff, Al. Dumas angeblich -die Ausschmückung dazu geliefert. - -[56] Botanische Gärten scheinen unter Spaniern nicht zu -gedeihen. Chamisso (S. 71) klagt, dass zu seiner Zeit von dem vom -gelehrten Cuellar bei Cavite angelegten botanischen Garten keine -Spur mehr vorhanden war. Der Madrider Garten ist in einem traurigen -Zustande, die Glashäuser stehen meist leer. Auch der von einem reichen -Patrioten in Orotava (Teneriffa) mit grossen Kosten geschaffene, der -als Akklimatisations-Station wichtige Dienste leisten könnte, geht -schnell zu Grunde. Es soll alljährlich eine nicht unbeträchtliche Summe -dafür im Budget ausgeworfen werden, von der aber nur selten Spuren bis -Orotava gelangen. Bei meiner Anwesenheit 1867 hatte der Gärtner seit -22 Monaten keinen Gehalt bekommen, alle Arbeiter waren entlassen, sogar -der unumgänglich nöthige Zufluss des Wassers war eingestellt worden. - -[57] Proben im Berl. ethnogr. Mus. No. 294. 295. - -[58] Bertillon (Acclimatement & Acclimatation, Dict. encycl. des -sc. méd.) schreibt die Fähigkeit der Spanier, sich in heissen Ländern -zu akklimatisiren, vorzüglich ihrer starken Vermischung mit syrischem -und afrikanischem Blut zu: die alten Iberer scheinen aus Chaldaea über -Afrika gekommen zu sein, Phoenizier und Carthager hatten blühende -Kolonien in Spanien, in neuerer Zeit haben die Mauren Jahrhunderte -lang das Land besessen und grossen Glanz entfaltet, was der Kreuzung -förderlich sein musste. So hat sich zu drei Malen afrikanisches Blut -reichlich mit spanischem gemischt. Das heisse Klima der Halbinsel -mag wohl auch dazu beitragen, ihre Bewohner für das Leben in den -Tropenländern geschickt zu machen. Unvermischten Indo-Europäern ist -es nie gelungen, am Südrande des Mittelmeers sich fortzupflanzen, -noch weniger in heisseren Ländern. - -In Martinique, wo 8-9000 Weisse von der Ausbeutung 125,000 Farbiger -in Fülle leben, nimmt die Bevölkerung trotzdem nicht zu, sondern -ab. Die französischen Kreolen haben die Eigenschaft verloren, -sich im Verhältniss der vorhandenen Lebensmittel zu erhalten und -zu vermehren. Familien, die nicht von Zeit zu Zeit durch Zuführung -neuen europäischen Blutes gestärkt werden, erlöschen in drei bis -vier Generationen. Ebenso geht es in den englischen Antillen, nicht -aber in den spanischen, obwohl Klima und natürliche Verhältnisse -dieselben sind. Nach Ramon de la Sagra ist die Zahl der Todesfälle -unter den Kreolen geringer, die der Geburten grösser als in Spanien; -die Sterblichkeit bei der Garnison aber sehr bedeutend. Danach -scheint bei der spanischen Rasse eine ächte Akklimatisation durch -Auswahl stattzufinden: die ungeeigneten Individuen sterben, die -andern gedeihen. - -[59] Ueber die in Amerika zu demselben Zweck angewendeten Mittel -bemerkt Depons S. 171: »Man ist von jeher davon überzeugt gewesen, -dass man der christlichen Religion auf keine andre Weise bei den -Indianern Eingang verschaffen könnte, als wenn man ihre eigenen -Neigungen und Gewohnheiten mit dem Christenthum vermischte; dies ist -so weit gegangen, dass sogar in früheren Zeiten die Theologen die -Frage aufgeworfen haben, ob es wohl erlaubt wäre, Menschenfleisch zu -essen? Das allersonderbarste aber hierbei ist, dass die Frage wirklich -zu Gunsten der Anthropophagen entschieden worden ist.« - -[60] Thatsächlich ist urbares Land freilich immer in festen Händen -und an manchen Orten hoch im Preise. Bei Manila und in Bulacán ist -der Morgen schon vor Jahren über 150 Thaler bezahlt worden. - -[61] Journ. Ind. Arch. IV. 307. - -[62] Im Buitenzorger Garten, Java, sah Verfasser einige in Süsswasser -gezogene Exemplare. - -[63] Boyle (Adventures among the Dayaks, S. 67) fand sogar pneumatische -Feuerzeuge aus Bambus bei den Dayaks in Gebrauch, Bastian traf -solche in Birma. Auch sah Boyle einen Dayak etwas Zunder auf einen -Porzellanscherben legen, ihn mit dem Daumen fest halten und einen -scharfen Schlag damit gegen ein Bambusrohr führen: der Zunder fing -Feuer. Dieselbe Art Feuer zu schlagen beobachtete Wallace in Ternate. - -[64] Eine Berechnung des Flächeninhalts der einzelnen Inseln befindet -sich im Anhange. - -[65] Eine Uebersichtstabelle der Witterungsverhältnisse, und eine -zweite, enthaltend die aus fünfjährigen Beobachtungen (1865-69) -gewonnenen Mittel, befinden sich im Anhange. - -[66] Reiseskizzen S. 143. - -[67] Nach Tylor (Anahuac 227) petlatl (mexikan.) eine Matte, in den -Philippinen: petate; petla-calli mexikanisch. Mattenhaus, davon petaca, -geflochtene Zigarrentasche. - -[68] Voyage en Chine II, 33. - -[69] Informe II, 37. - -[70] Nach dem Berichte eines Ingeniörs sind die Barren dadurch -entstanden, dass der Rio S. Mateo, der bald nach dem Ausfluss des -Pasig aus der Laguna rechtwinklig auf diesen stösst, ihm in der -Regenzeit eine grosse Menge Schlamm zuführt, welcher durch die dann -herrschenden SW. Winde aufgestaut wird. Es würde daher wenig nützen -die Barre fortzuräumen, ohne zugleich durch Ablenkung der S. Mateo -in den See, die Ursache ihrer Entstehung zu beseitigen. - -[71] .. »ils se baignent aussi dans leurs maladies et ont des sources -d'eau chaude pour cet effet, particulièrement au bord de l'Estang du -Roy (Laguna del Rey statt de Bay offenbar in Folge eines Lesefehlers) -qui est dans l'île de Manille.« Thévenot, Religieux. - -[72] »Vom Maquiling bis zu der Stelle Bacon genannt, die im Osten -von Los Baños liegt, kann man kaum 30 Schritte gehn, ohne auf sehr -verschiedenartige Wasserbäche zu stossen: sehr heisse, lauwarme, -natürliche und sehr kalte. In einer in unserm Archiv aufbewahrten -Beschreibung dieser Ortschaft, vom Jahre 1739 heisst es: dass SSO. 1/4 -S. vom Dorf ein Hügel Natognos liegt, auf dessen Platte eine Stelle -von 400 quadr. Fuss in fortwährender Bewegung ist wegen des heftig -ausströmenden Dampfes. Der von den Dämpfen durchdrungene Körper ist -eine ausserordentlich weisse Erde, die zuweilen 1 bis 1 1/2 Ellen -hoch geschleudert wird, und wenn sie die Kälte fühlt, in kleinen -Stücken herabfällt.« (Estado geogr. 1865). - -[73] Laurineen, Scitamineen, Fächerpalmen, Dombeyaceen, Araliaceen. - -[74] Pigafetta sagt (S. 55), dass man, um den Kokoswein zu gewinnen, -den Wipfel der Palme bis auf das Mark (den Trieb), durchbohrte und den -aus der Wunde quellenden Saft auffing. Nach Regnaud (Hist. nat. du -cocotier p. 120) befolgen die Neger von St. Thomas noch heut ein -ähnliches Verfahren, das dem Baum sehr schädlich ist und ein weniger -gutes Produkt liefern soll. - -Hernandez, I, 344, beschreibt ein eigenthümliches Verfahren, um aus -der Sacsac-Palme, deren kurze Charakteristik so ziemlich auf Arenga -saccharifera zu passen scheint, Wein, Honig und Sago zu gewinnen. Sie -wird dicht an der Blattkrone gekappt, der Stamm, jedoch nur so weit -er zart ist, ausgehöhlt, in der Vertiefung sammelt sich der süsse -Saft. Ist aller Saft abgezapft, so lässt man den Baum vertrocknen, -zerschneidet ihn dann in dünne Stücke, die an der Sonne gedörrt zu -Mehl zerrieben werden. - -[75] Schon Pigafetta erzählt, dass die Eingeborenen aus den Kokospalmen -Oel, Essig, Wein und Milch bereiteten und viel Kokoswein tranken, -die Könige berauschten sich mehreremale bei den Gelagen. - -[76] In der Londoner Illustrirten Zeitung von Ende 1857 oder Anfang -1858 befindet sich eine drastische Darstellung des Reisens auf dieser -Strasse von einem talentvollen Künstler unter dem Titel: a macadamized -road in Manilla. - -[77] Vergl. Reiseskizzen. - -[78] Erd und Pickering. (U. S. Expl. Exp. V 314,) fanden die Höhe = -6500' engl. also 7143' span., bei ihren unvollkommenen Hülfsmitteln -kein unbefriedigendes Resultat. - -Im Estado geogr. Manila 1865 S. 150 wird ohne Quellenangabe die Höhe = -7030' 7'' gesetzt. An derselben Stelle heisst es: »der grosse Vulkan -ist seit 1730 erloschen, in welchem Jahre sein letzter Ausbruch -stattfand; er barst an der Südseite, stiess Ströme von Wasser und -brennender Lava aus und Steine von ungeheurer Grösse, deren Spuren -bis zum Dorf Sariaya zu verfolgen sind. Der Krater mag gegen eine -Legua im Umfang haben, ist im Norden höher, hat im Innern die Form -einer Eischale; diese Vertiefung scheint die Hälfte der Berghöhe -zu betragen.« - -[79] Von Ponte, Verdeck, zweimastige Schiffe mit Mattensegeln von -etwa 100 Tonnen. - -[80] Estado geogr. S. 314. - -[81] Amtlich Cagsáua genannt, denn das alte, höher am Berge belegene -durch den Ausbruch von 1814 zerstörte Cagsáua wurde an dieser Stelle -wieder aufgebaut, wo früher ein unbedeutendes Oertchen, Darága stand. - -[82] Wie mir Herr Paton brieflich mittheilt, hatte man ihnen in Albay -das Unternehmen als unausführbar dargestellt. Weder einem Spanier -noch einem Indier sei es jemals gelungen den Gipfel zu erreichen, -sie würden trotz aller Vorsichtsmaassregeln vom Sande verschüttet -werden. Von einem grossen Reiterzuge begleitet, brachen sie um 5 Uhr -auf und gelangten bis an den Fuss des Schlackenkegels, von wo sie -in Begleitung zweier Landsleute, die aber unterwegs zurückblieben, -den Berg zu erklimmen begannen. Auf halber Höhe rastend, sahen sie -in häufigen Gipfelausbrüchen ausgestossene glühende Lava den Berg -hinabgleiten. Mit grosser Anstrengung erreichten sie zwischen 2 und -3 Uhr den Gipfel, konnten aber wegen der schwefligen Gase nur 2 oder -3 Minuten verweilen. Beim Hinabsteigen erfrischten sie sich durch -Nahrungsmittel, die ihnen Herr Muñoz entgegen gesandt, und gelangten -Abends nach Albay, wo sie während der paar Tage ihres Aufenthalts -als Helden gefeiert wurden, und über ihre »Conquista« ein amtliches -Beglaubigungsschreiben erhielten, für welches sie mehrere Dollar zu -erlegen hatten. - -[83] Francisco Aragoneses Suceso espantoso y memorable acaecido en -la provincia de Camarines el dia 1de Febrero 1814. - -[84] Blanco Flora 420. - -[85] [Der Cacaoverbrauch in Europa beträgt jährlich 36 bis 40 Millionen -Pfd. (Humboldt schätzte ihn 1818 auf 23 Millionen Pfund--H. und Bonpl -Reise III., 206), wovon 1/3 für Frankreich, dessen Bedarf sich von 1853 -(6,215,000 Pfd.) bis 1866 (12,973,534 Pfd., Werth 2,681,000 Thaler) -mehr als verdoppelt hat. Venezuela liefert den feinsten Cacao für den -europäischen Markt: Porto Cabello und Carácas; am besten und theuersten -ist der Carácas in 4 Sorten: 1° Chuao, 2° Ghoroni, 3° O'Cumar, 4° -Rio chico; sie werden auf vorzüglich gepflegten Pflanzungen von lange -dort angesiedelten Basken gewonnen. - -England verbraucht den in seinen eigenen Kolonien erzeugten Cacao, -obgleich der Zoll (1 d. per Pfund) für alle gleich ist; Spanien, -das bedeutend konsumirt, bezieht seinen Bedarf besonders aus Cuba, -Portorico, auch Ecuadór, Mexico, Trinidad. Sehr beträchtliche neue -Pflanzungen sind neuerdings in Nicaragua von Franzosen angelegt -worden: 250,000 Bäume von denen 60,000 1867 schon trugen. (Rapp. du -Jury XI, 268.) - -Mehr noch als die feinsten Venezuéla-Sorten sind die Bohnen von -Soconusco (Zentr.-Amer.) und Esmeraldas (Ecuadór) geschätzt; sie werden -aber im Lande selbst verbraucht, kommen kaum in den Handel. Deutschland -begnügt sich mit geringeren Sorten; Guayaquíl, der im Mittel etwa halb -soviel als Carácas kostet, wird bei uns am meisten, mehr als von allen -übrigen Sorten zusammen, eingeführt. (Vergl. A. Mitscherlich S. 39-46, -wo reiches Material über den Cacaohandel in übersichtlicher Kürze -zusammengestellt ist.) - -[86] [Nach C. Scherzer, Central-Amerika p. 554 giebt der Baum 20 Jahre -lang je 30 bis 40 Loth Ertrag; 1000 Pflanzen 1250 Pfund Cacao = 250 -Doll. (zu 20 Doll. der Zentner) also 1 Baum 1/4 Doll. -- Mitscherlich -nimmt 4 bis 6 Pfd. frische Bohnen als den mittleren Ertrag an. Ein -Liter Cacaobohnen wiegt lufttrocken 630 Gr., geröstet und geschält -610 Gr. (Jordan und Timäus). - -[87] 1727 zerstörte ein Orkan die durch langjährige Bemühungen -geschaffenen bedeutenden Cacaopflanzungen von Martinique mit einem -Schlage; dasselbe geschah auf Trinidad. Mitscherlich S. 14. - -[88] F. Engel (Unsere Zeit 1. Dez. 67) nennt auch eine Krankheit -(Mancha), welche in Amerika an der Wurzelbasis mit Zerstörung der -Cambiumschicht beginnend, den Baum schnell tödtet und sich so rasch -verbreitet, dass ganze Cacaowälder niedergehauen und in Weideplätze -für das Vieh verwandelt wurden, um ihr Einhalt zu thun. Selbst -in den begünstigsten Gebieten wurden nach langem ruhigen Besitz -in einer einzigen Nacht kurz vor der Ernte, tausende von Bäumen -durch diese Krankheit getödtet. Ein fast ebenso gefährlicher, den -Anbau einschränkender Feind ist eine Motte, deren Larve die fertigen -Cacaobohnen gänzlich zerstört; man kennt nur ein Mittel sie zu tödten, -Kälte und Luftzug. Schon Humboldt führt an, dass Cacaobohnen, die -über den kalten Kamm der Cordilleren geführt wurden, auf immer von -dieser Plage frei blieben. - -[89] G. Bernoulli (Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten -von Theobroma. Zürich 1869) führt im Ganzen 18 Arten an; für die -Philippinen nur eine: Theobroma Cacao, Lin., nach Blüthen und Früchten -aus meinem Garten in Darága bestimmt. - -[90] Pili, ein Canarium, dessen Species wohl noch nicht genügend -feststeht, ist in Süd-Luzon, Samar und Leyte sehr verbreitet, es fehlt -dort wohl in keinem Dorfe. (Die vom Verfasser eingesandten Blüthen -sind im Berliner Herbar bei dessen vielen Wanderungen von einem Ort -zum andern aus massig geräumigen in immer engere Lokalitäten verlegt -worden.) - -Die Frucht von der Grösse einer Pflaume, aber spitzer, enthält eine -harte Mandel, deren Kern roh, in Syrup eingemacht, oder kandirt -genossen wird, wie Pinienkerne, denen sie im Geschmack sehr ähnlich -ist. Die von Pigafetta (S. 55) auf Jomonjol angetroffenen grossen -Bäume mit Früchten »etwas kleiner als Mandeln, Pinienkernen ähnlich«, -sind wohl Pili gewesen. Aus den Kernen wird ein Oel gepresst, dem aus -süssen Mandeln vergleichbar. Aus Einschnitten des Stammes erhält man -reichlich ein weiches, angenehm riechendes, weisses Harz, das unter dem -Namen Piliharz, oder Brea blanca, im Lande zum Kalfatern der Schiffe, -mit Reishülsen durchknetet zu Fackeln verwendet wird. Auch als Pflaster -steht es bei Rheumatischen in gutem Ruf. Seit etwa zwanzig Jahren -kommt es nach Europa. Die ersten Sendungen brachten grossen Gewinn, -da das in seiner Heimath sehr billige Produkt bei uns als ein neues -beliebtes Elemiharz Stellung nahm. - -[91] Der allgemeine Name war aber Cacahoa-atl (Cacao-Wasser), Chocolatl -bezeichnete eine besondere Sorte. F. Hernandez (opera omnia II, 155, -vergl. auch E. Nierembergius Cap. XV.) kannte bei den Azteken vier -Cacaoarten, (eine fünfte Pflanze, die er nennt, lieferte wohl nur ein -Surrogat) und beschreibt vier Sorten daraus bereiteter Tränke, deren -dritte Chocolatl hies, und angeblich auf folgende Weise bereitet wurde: -Gleiche Maasstheile von Fruchtkernen des Baumes Pochotl (Bombax ceiba) -und cacahoatl (Cacao) wurden fein gerieben, in einem irdenen Gefäss -erhitzt, das oben sich ansammelnde Fett abgesondert. Zum Rückstand -setzte man gequollenen zermalmten Mais, und bereitete daraus einen -Trank, der warm genossen wurde, nachdem das vorher abgesonderte Fett -wieder beigemischt worden. - -[92] M. Wagner, Centr. Amer. 146. - -[93] Rappt. du Jury XI. - -[94] Näheres bei Mitscherlich und F. Engel. - -[95] Berthold Seemann (Nicaragua pg. Ausland 16.7.67) berichtet von -einem Baum mit fingerförmigen Blättern und kleinen runden Kernen, -die zuweilen von Indianern zum Verkauf angeboten werden. Man macht -Chocolade daraus, die an Wohlgeschmack die gewöhnliche aus Cacao -bereitete übertrifft. Der Baum wird gewiss mit der Zeit von Europäern -in grosser Menge angepflanzt werden. - -[96] Remarks on the Philippine Islands, Calcutta 1828. - -[97] Reiseskizzen S. 157. - -[98] Bericht des franz. Konsuls v. 1866. - -[99] Mysore und Mokka erzielen die höchsten Preise: ersterer 80 bis -90 Sch., Mocca, wenn 5 bis 6 Jahr alt, bis 120 Schilling. - -[100] Kaffeeeinfuhr in S. Francisco 1865, 66, 67 = 3 1/2, 8, 10 -Million Pfd., davon 2, 4, 5 Million Pfd. Manila-Kaffee. 1868 soll -England die grösste Menge Kaffee eingeführt haben. - -[101] Rappt. Cons. Belge. - -[102] Kaffee ist ein so vorzüglichstes Getränk und wird so selten gut -bereitet, dass folgende von Sachverständigen gegebene Winke [Rappt. du -Jury] gewiss nicht unwillkommen sein werden: 1) Wahl guter Sorten, -2) Mischung derselben im besten, durch Erfahrung festgestellten -Verhältniss, 3) Vollständiges Austrocknen der Bohnen, da sonst der -während des Brennens aus ihnen entwickelte Wasserdampf einen Theil des -Aromas mit fortreisst, 4) Brennen in heisser Luft, wobei der Hitzegrad -genau bemessen werden kann. Jede Sorte muss für sich gebrannt werden, -5) schnelles Abkühlen der Bohnen. Wer seinen Kaffee aus einer allen -diesen Bedingungen entsprechenden Quelle beziehn kann, thut wohl am -besten, die gebrannten Bohnen in Tagesrationen zu kaufen. Mit Ausnahme -der 4ten sind aber die obigen Vorschriften in jeder Haushaltung zu -erfüllen, und die kleinen in Berlin käuflichen Brennapparate, die -ohne Unbequemlichkeit, sehr geringe Mengen über der Spiritusflamme zu -rösten und dabei zu überwachen gestatten, bieten einigen Ersatz. Der -Vorschrift 3. genügt man am besten, wenn man den Kaffee vor dem -Gebrauch mehrere Jahre lang an einem trocknen Orte aufbewahrt. - -[103] Lygodium circinatum (?) Swartz, nicht ein kletternder, sondern -ein wirklich rankender Farn, wohl die einzige Gattung in der Familie. - -[104] Anahuac p. 24. - -[105] Siehe Anhang Bürgerliche Einrichtungen. - -[106] Nach amtlichen, in der Alkaldie erhaltenen Nachrichten 21 -Menschen in den beiden letzten Wochen. - -[107] Histor. de las islas. Cap. XI. - -[108] St. Croix (II, 157) erzählt, dass sich zu seiner Zeit die Curas -von jungen Mädchen bedienen liessen. Ein Franziskaner am See von Bay -hatte deren zwanzig zu seiner Verfügung, von denen ihm immer zwei -zur Seite waren. - -[109] »Die Mönche sind Herren in den Provinzen . . . regieren dort -als Herrscher . . . sind so unumschränkt, dass kein Spanier sich dort -niederzulassen wagt. . . Die Mönche würden ihm zu viele Schwierigkeiten -bereiten. Legentil 1, 183. - -[110] Leg. ult. I, 266 §§. 87, 89. - -[111] Namentlich durch No. 26 Tit. 6, 54 Tit. 16, Bch. II. und 5 -Tit. 2 Recop. - -[112] R. C. 17. Juli 1754. - -[113] St. Croix II, 124. - -[114] St. Croix II, 336. - -[115] Die Alkaldien zerfallen in 3 Rangstufen: entrada, ascenso, -termino. (R. O. 31 März 1837 Tit. I, 1.) In jeder dient der Alkalde -3 Jahre. (Tit. II, Art. 11, 12, 13) Niemand darf unter irgend einem -Vorwand in der Magistratur der Provinzen von Asien länger als 10 -Jahre dienen. (Art. 16.) - -[116] Chine I, 360. - -[117] Das Gesetz rührt aus der frühesten Zeit der Kolonisation -Amerika's her, daneben bestanden noch eine Anzahl argwöhnischer -Vorkehrungen, um zu verhindern, dass die höheren Beamten in ein -freundschaftliches Verhältniss zu den Kolonisten träten. Weder sie -noch ihre Söhne durften in der Kolonie heirathen, liegende Gründe -erwerben etc. vergl. Kottenkamp I, 509. - -[118] Ein Weltgeistlicher in den Philippinen erzählte mir ganz -unbefangen, was ihn zur Wahl seines Berufes veranlasst habe. Als -Unteroffizier spielte er einst Karten auf einem schattigen Balkon: -»Seht, rief einer seiner Kameraden, wie die Esel dort schwitzen, -damit wir hier faulenzen können,« indem er auf die Bauern wies, die -in voller Sonnengluth den Acker bestellten. Der glückliche Gedanke die -Esel für sich arbeiten zu lassen, machte einen so tiefen Eindruck auf -ihn, dass er sofort beschloss, Geistlicher zu werden, wobei ihm sein -ehemaliger Besuch einer lateinischen Schule zu Statten kam. Derselbe -Gedanke hat wohl auch manchen mittellosen Caballero zur Wahl des -Beamtenstandes geführt. Die geringe Achtung der bürgerlichen Arbeit -in Spanien und Portugal, die Aussicht auf Nebenverdienste namentlich -in den Kolonien tragen das Ihrige dazu bei. - -[119] Ausbeutung des Staates durch die Parteien, Ausbeutung der -Parteien durch die Personen . . . das eigentliche Geheimniss aller -Revolutionen, ein über alle Maassen widerwärtiger Aemterkrieg . . . Man -mag nicht arbeiten und will doch glänzend leben. Man kann es nur auf -Kosten des Staats, den man gewissenlos ausbeutet. . . Es gab Orte wo -(nach Vertreibung Isabela's) das Amt eines Alkalden dreimal an einem -Tage gewechselt wurde. . . (Preuss. Jahrb. Januar 1869.) - -[120] Nach Grunow, der sie bestimmt hat, Cladophora anisogona -Kützing. = Conferva anisogona Montagne. - -[121] Giebel und Siewert Ztschrft. f.d. ges. Naturw. 1870 Bd. 1, -377 enthält einen interessanten Aufsatz von Rob. Pott über Javanische -Fleisch-, Fisch- und Krebsextrakte. - -[122] Dr. Semper, der sie nach eigner Anschauung schildert (Skizzen -57), scheint bei den Ygorroten eine solche Mischung nicht anzunehmen. - -[123] S. Semper 52. - -[124] Genau eben so fand Pigafetta die Musikmädchen des Königs -von Cebu ganz nackt oder mit einem Schurz aus Baumrinde bekleidet -(S. 82). Die Hofdamen trugen ausser Hut und kurzem Schleier nur ein -kleines Schamband. (S. 89.) - -[125] Aus denselben Gründen haben vielleicht die Chinesen bei ihrem -ersten Verkehr mit den Portugiesen den später wieder aufgegebenen -Gebrauch der Kreuze angenommen. Pigafetta (187) bemerkt: Die Chinesen -sind weiss und tragen Kleider, sie essen von Tischen, wie wir. Sie -haben Kreuze, man weiss aber nicht wozu. - -[126] »Die Kirchenprälaten sollen ihren Untergebenen ausdrücklich -vorschreiben, den Indiern häufig zu predigen, und sie zu überreden -... dass es Pflicht der Gerechtigkeit und des Gewissens sei, ihren -Tribut zu zahlen, und dass sie eine Fülle von Ablass gewinnen, -indem sie die heilige Kreuz-Bulle kaufen, ... wegen der geringen -Aufklärung und Wissenschaft besagter Indier über diese beiden, für -ihre Erlösung eben so wichtigen, als dem Sinne unseres katholischen -Monarchen entsprechenden Punkte.« Leg. ult. I, 266 §. 90. - -[127] Der Ursprung dieser Bullen liegt in den von den Päpsten -des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts zu Gunsten derjenigen -Personen erlassenen geistlichen Gnaden, die sich persönlich oder -durch Spenden an den Kreuzzügen betheiligten. Julius II. überliess -die Einnahmen daraus auf drei Jahre den spanischen Königen, spätere -Päpste verlängerten den Termin; 1750 erhielt Ferdinand VI. für sich und -seine Nachfolger das Recht die Erträge der Kreuzbulle selbstständig zu -erheben und zu verausgaben. Die Kreuzbulle besteht in einer Bulle für -Lebende (de vivos), deren Besitzer durch jeden Priester sogar wegen -verheimlichter Verbrechen frei gesprochen werden können; einer Bulle -für Todte (de difuntos) zur schnelleren Erlösung aus dem Fegefeuer; -einer Bulle den Genuss von Milch, Eiern und Fleisch an Fasttagen -gestattend (de lacticinios), Abfindungsbullen (de composicion), wodurch -u. a. Diebe, Betrüger, Erbschleicher, Alle, die fremdes Gut nehmen oder -behalten, wenn ihnen der eigentliche Besitzer unbekannt ist, Buhler, -solche die um Geld falsches Urtheil sprechen, Frauen, die für Geld -Ehebruch treiben, falsche Zeugen u.s.w. vollkommenen Ablass erhalten, -und das schlecht erlangte Gut in gutem Glauben und mit ruhigem Gewissen -als rechtmässig erworbenes Eigenthum behalten dürfen. Doch dürfen -jene Verbrechen nicht begangen sein mit der Absicht, sich durch den -Kauf der Bulle von der Schuld frei zu machen; denn in solchem Falle -müsste der Kasse der heiligen Kreuzbulle das Ganze herausgegeben -werden. Nach dem ersten amplifizirten spanischen Text des päpstlichen -Kommissars genügte ein Ablasschein von 2 r. für Veruntreuungen bis -zur Höhe von 2000 Maravedis. Für solche von über 100,000 Maravedis -war mit dem Kommissar zu akkordiren. (R. P. And. Mendo Bullae Sanctae -Crucis Elucidatio.). Seit 1801 gilt in den Philippinen ein bedeutend -höherer Tarif. - -[128] En 1628, d'après des rapports dignes de foi, la terre trembla -14 fois le même jour dans les Camarínes; beaucoup d'édifices furent -renversés, une grande montagne se fendit et il en sortit une telle -quantité d'eau, que dans les campagnes inondées les arbres furent -arrachés et qu'à une lieue de la mer la plaine était toute couverte -d'eau. - -[129] Apud Camarines quoque terram eodem die quatuor decies -contremuisse, fide dignis testimoniis renuntiatum est: multa interim -aedificia diruta. Ingentem montem medium crepuisse immani hiatu, -ex immensa vi excussisse arbores per oras pelagi, ita ut leucam -occuparent aequoris, nec humor per illud intervallum appareret. Accidit -hoc anno 1638. S. Eusebius Nierembergius, Historia Naturae lib. XVI, -383. Antwerpiae 1635 Fol. (1638 ist bei Perrey, nicht aber im Original -verdruckt für 1628). - -[130] Siehe Anhang: Succeso raro. - -[131] Siehe weiter unten bei Abacá. - -[132] Im Fort William, Calcutta, angestellte Versuche haben -die ausserordentliche Festigkeit der Ananasfaser dargethan. Ein -Kabel von 8 Cm. Umfang zerriss erst bei einem Gewicht von 2850 -Kilogr. (Rappt. Exp. Lond. II. 62.) - -[133] Sapa heisst flach. - -[134] Hooker (Himalayan Journ. I, 167) schreibt der ausserordentlichen -Häufigkeit dieser Annulaten in Sikkim den Tod vieler Thiere zu, -auch das für Rinderpest geltende Viehsterben, wenn es nach einer -sehr nassen Jahreszeit eintritt, in deren Folge die Blutegel in -unglaublichen Mengen erscheinen . . . Es ist eine bekannte Thatsache, -dass diese Würmer Tage lang in den Nasenlöchern, im Schlund und Magen -von Menschen gelebt, unsägliche Schmerzen und den Tod veranlasst haben. - -[135] Gemelli Careri erwähnt sie schon. - -[136] In ausserordentlicher Schönheit und Ausdehnung fand ich diese -Aggregationsform bei den grossen Kieselablagerungen von Steamboat -Springs, Nevada Territory. - -[137] Arenas (Memorias 5. 9) glaubt, dass vielleicht die alten -Jahrbücher der Chinesen, da dieses Volk schon früh mit dem Archipel -verkehrte, Aufschluss über die Herkunft seiner heutigen Bewohner -enthalten. »Ist dies aber nicht der Fall, so dürfen wir nicht danach -forschen, denn Gott will uns den Ursprung dieser Indier verbergen, -und seine Beschlüsse müssen wir achten«. - -[138] Wahrscheinlich Anodonta purpurea Val. nach v. Martens. - -[139] Das Mittel der Durchschnittsernten in den zwölf preussischen -Provinzen ist 9,211 Scheffel Getreide per Morgen. (Nassau und -Hohenzollern nur 7,98 und 7,19). - -[140] 650 Pfund per Bünder. -- De Rijst, Maatsch. tot nut S. 13. - -[141] Scherzer, Fachmännische Berichte A. 91. - -[142] Mehr als hundert Jahre später berichtet Pater Taillandier: -»die Spanier haben aus Amerika Kühe, Pferde und Schafe kommen lassen, -aber diese Thiere können dort nicht leben, wegen der Feuchtigkeit und -der Ueberschwemmungen.« Letzteres soll sich wohl nur auf die Schafe -beziehen. -- (Taillandier au père Willard, Lettres édifiantes.) - -[143] Gegenwärtig sollen die chinesischen Pferde plump, grossköpfig, -buschig, behaart, die japanischen zierlich, ausdauernd, den arabischen -ähnlich sein. Gute Manilapferde entsprechen letzterem Typus und werden -in den chinesischen Hafenplätzen von den Europäern sehr geschätzt. - -[144] Vergl. Hernandez Opera omnia; Torquemada, Monarchia Indica. - -[145] Buyo nennt man in den Philippinen die mundgerechte Zurichtung -des Betels. Ein Blatt Betelpfeffer (Chavica betel) von der Form und -Grösse eines Bohnenblattes, wird mit einem erbsengrossen Stückchen -gebrannten Kalkes bestrichen, und von beiden Rändern nach der -Mittellinie hin zusammengerollt; dann wird das eine Ende der Rolle -in das andere gesteckt, so dass ein Ring entsteht; in diesen wird -ein flaches Stück Arecanuss von entsprechender Grösse eingepasst. - -[146] Im Lande glaubt man, dass Fleisch von Schweinen, die sich auf -die S. 124 angegebene Weise nähren, oft diese Krankheit hervorrufe; -ein befreundeter Physiologe vermuthet die Ursache eher in reichlichem -Genuss sehr fetten Schweinefleisches -- Indier essen aber gewöhnlich -nicht viel Fleisch und die Schweine sind selten sehr fett. - -[147] Vergl. A. Erman Reise um die Erde durch -Nordasien. Abth. I. Bd. 3, S. 191. - -[148] Nach Semper S. 69 in Zamboanga und Basilan. - -[149] Die Scheu den Schlafenden zu wecken beruht wohl auf dem sehr -verbreiteten Aberglauben, dass im Traume die Seele den Körper verlasse -(zahlreiche Beisp. davon in Bastian's Werken). Bei den Tinguianes -(Nord-Luzon) lautet der ärgste aller Flüche: mögest Du schlafend -sterben (Informe I, 14). - -[150] Lewin, (Chittagong Hill tracts 1869. S. 46,) erzählt von den -dortigen Bergvölkern: »Ihre Art zu küssen ist sonderbar: statt Lippe -an Lippe zu pressen, legen sie Mund und Nase auf die Wange, und ziehn -den Athem stark ein. In ihrer Sprache heisst es nicht: Gieb mir einen -Kuss, sondern: rieche mich.« - -[151] Vielleicht Topfstein, der in China zur Anfertigung billigen -Schmucks dient; gypsartig bezieht sich wohl nur auf den Härtegrad. - -[152] In der Christy'schen Sammlung in London sah ich an einer -Vorrichtung aus den Schifferinseln einen derartigen Stein geschickt -verwendet, um Vorräthe gegen Ratten und Mäuse zu schützen: man zieht -eine Schnur durch den Stein, befestigt das eine Ende derselben an der -Decke der Wohnung, hängt am andern die aufzubewahrenden Gegenstände -auf. Ein Knoten in der Mitte der Schnur verhindert ihn weiter -hinabzugleiten, jede Berührung bringt ihn aus dem Gleichgewicht, es -ist den Ratten nicht möglich über ihn fort zu klettern. Eine ähnliche -auf den Viti-Inseln gebräuchliche Vorrichtung, aber von Holz, ist im -Atlas zu Dumont d'Urville Voy. au Pole sud I. 95 abgebildet. - -[153] Carletti Viaggi 2. 11. - -[154] Life in the Forests of the Far East 1. 300. - -[155] Nach Pater Camel (Philos. transact. London vol. XXVI. pg. 246): -hantu schwarze Ameise von der Grösse einer Wespe, amtig kleinere -schwarze, hantic rothe Ameise. - -[156] Nach Dr. Gerstäcker wahrscheinlich Phrynus Grayi Walck -Gerv., lebendig gebärend. S. Sitzungsb. Ges. Naturf. Freunde -Berl. 18. März 1862 und Abbildung und Beschreibung in G. H. Bronn -Ord. Class. Bd. V. 184. - -[157] Calapnit, tagal. und bicol: die Fledermaus, Calapnitan also wohl: -Herr der Fledermäuse. - -[158] Von mehreren in der Berliner Bergakademie untersuchten Proben -Goldsand enthielt nur eine 0,014 Gold, auch in einer Probe des auf -dem Schlammbrett zurückgebliebenen schweren Sandes fand sich kein Gold. - -[159] Der Gogo ist eine in den Philippinen sehr häufige kletternde -Mimose (Entada purseta) mit grossen Schoten; der zerklopfte Stamm wird -wie die chilenische Seifenrinde (Quillaja saponaria) beim Waschen -verwendet und für manche Zwecke, z. B. beim Baden und Waschen des -Haupthaares der Seife vorgezogen. - -[160] Ein auf diese Weise gewonnenes Goldkügelchen bestand nach einer -in der Berliner Bergakademie angestellten Analyse aus: - - Gold 77,4 - Silber 19,0 - Eisen 0,5 - Kieselerde 3,0 - Verlust 0,1 - ===== - 100,0 - -war also über 18 karätig. - -[161] S. Reiseskizzen S. 198. - -[162] Nest und Vogel sind in Gray's genera of birds abgebildet; -das Nest entspricht aber nicht den hier gefundenen. Diese sind -halbkugelförmig und bestehn zum grossen Theil aus Coir (Kokosfaser); -wahrscheinlich von Menschenhand zubereitet, das ganze Innere ist -mit einem unregelmässigen Netzwerk feiner Fäden der glutinösen, -essbaren Substanz überzogen, ebenso der obere Rand, der von -der Mitte nach den Seiten hin, allmälig anschwillt und sich zu -zwei einander berührenden flügelartigen Fortsätzen ausbreitet, -womit das Nest an der Wand festgeheftet ist. -- Die Zeichnung ist -in 1/3 Grösse der Originale ausgeführt die sich unter B 3333 im -Berl. Zool. Mus. befinden. Dr. v. Martens vermuthet, die Bezeichnung -Salangane komme von langayan, Schwalbe, und dem malayischen Praefix -sa und bedeute eigentlich das Nest als etwas von der Schwalbe -herrührendes. (Journ. f. Ornith. Jan. 66. S. 19). - -[163] Spanischer Katalog der Pariser Ausstellung 1867. - -[164] Informe sobre las minas de Cobre, Manila 62. - -[165] Nach dem Katalog kommen folgende Erze vor: Buntkupfererz -(cobre gris abigarrado), Arsenkupfer (c. gris arsenical), Kupferglas -(c. vitreo), Kupferkies (pirita de cobre), gediegen Kupfer (mata -cobriza), Schwarzkupfer (c. negro). Die am häufigsten auftretenden -Erze haben folgende Zusammensetzung, A nach einer in der Escuela de -Minas in Madrid analysirten Probe, B nach Santos' Analysen, Mittel -mehrerer verschiedenen Stellen entnommener Proben: - - A B - - Kieselsäure 25,800 47,06 - Schwefel 31,715 44,44 - Kupfer 24,640 16,64 - Antimon 8,206 5,12 - Arsen 7,539 4,65 - Eisen 1,837 1,84 - Kalk Spuren - (Verlust) 0,263 0,25 - ======= ====== - 100,000 100,00 - -[166] Nach den bei uns geltenden Preisen würde sich der Werth auf -etwa 12 Dollar berechnen, der Werth der analysirten Probe (S. 143) -auf 14 1/4 Dollar. - -[167] In Daét galten damals 6 Nüsse 1 cuarto, in Naga, das zu Wasser -nur 15 Leguas entfernt, hofften die Leute 2 für 9 c. zu verkaufen -(das 27fache); eine Nuss kostete damals in Naga 2 c., 12mal so viel -als in Daét. - -[168] Seitlich blühende Palmen können eine lange Reihe von Jahren -ununterbrochen oder indem man sie zeitweis Früchte tragen lässt, -abgezapft werden. - -[169] N. Loney versichert in einem seiner trefflichen Berichte, dass es -bei angemessener Bezahlung nie an Arbeitern fehle. Als beispielsweise -zum Ausladen von Schiffen in Yloilo viele Leute auf einmal gebraucht -wurden, lockte die geringe Lohnerhöhung von 1 auf 1 1/4 r. deren -mehr herbei als beschäftigt werden konnten. Der belgische Konsul -berichtet seinerseits, dass in den Provinzen, wo das Abaca wächst, -die gesammte männliche Bevölkerung bei dieser Kultur betheiligt ist -in Folge einer geringen Lohnerhöhung. - -[170] Ein unvollendeter Kanal soll vom Bicol- zum Pasacaofluss führen, -wie man glaubt vor Zeiten von Chinesen gegraben, deren Schiffe dort -zahlreich verkehrten. (Arenas S. 140.) - -[171] La Situation économique de l'Espagne, Delmarre pg. 7. - -[172] Lesage Coup d'oeil, in Journ. des Economistes Sept. 68. - -[173] Nach meinen Barometermessungen: - - Goa am Nordabhang des Ysarog 32m. - Uaclóy, Ygorroten-Ansiedlung 161m. - Schlucht Basira 1134m. - Gipfel des Ysarog 1966m. - -[174] Ein von einem erschlagenen Ygorroten herrührender Schädel -hat nach Prof. Virchow's Untersuchung eine gewisse Aehnlichkeit mit -Malayen-Schädeln von den benachbarten Sundainseln, namentlich mit -Dayakschädeln. - -[175] Pigafetta fand Amboina von Mohren (Muhamedanern) und Heiden -bewohnt »aber die ersten sitzen am Seegestade, die zweiten im -Innern«. Im Hafen von Brune (Borneo) sah er zwei Städte, eine von -Mohren, und eine, grösser als jene und ganz in Salzwasser stehend, -von Heiden bewohnt. Wie der Herausgeber bemerkt, fand Sonnerat später -(Voy. aux Indes) dass die Heiden vom Meer verdrängt, sich in die -Berge zurückgezogen hatten. - -[176] Leg. ult. I. 256 §. 75. - -[177] Auf Coello's Karte sind diese Verhältnisse falsch angegeben. - -[178] Java, seine Gestalt, .. II. 125. - -[179] Auch ein intelligenter Mestize besuchte mich öfter während -meiner Krankheit. Nach seiner Aussage wird dicht bei Caramúan ausser -dem bereits S. 145 erwähnten Kupfer, an drei Stellen Kohle gefunden; -auch Gold und Eisen soll vorhanden sein. Demselben Manne verdanke -ich auch die von Prof. Virchow im Anhange besprochenen Schädel -von Caramúan, die angeblich aus einer Höhle bei Umang, 1 Legua von -Caramúan stammen. Auch auf der Spitze der Halbinsel, bei der Visita -Paniniman und auf einer kleinen Insel, dicht bei der Visita Guiálo, -sollen ähnliche Schädel vorkommen. - -[180] Sie bestehn aus Bambus. - -[181] Der wild wachsende Pili hat ungeniessbare Früchte. Vergl. Anm. 48 -S. 79. - -[182] Sor Inspector por S. M. - -Nosotros dos Capnes actuales de Rancerias de Lalud y Uacloy -comprension del pueblo de Goa prova de Camarines Sur. Ante los pies -de vmd postramos y decimos. Que portan de plorable estado en que nos -hallabamos de la infedelidad recienpoblados esta visitas de Rancerias -ya nos Contentamos bastantemente eu su felis ilegada y suvida de este -eminente monte de Ysarog loque havia con quiztado industriamente -de V. bajo mis consuelos, y alibios para poder con seguir a doce -ponos (i. e. arboles) de cocales de mananguiteria para Nuestro uso y -alogacion a los demas. Ygorotes, o montesinos q. no quieren vendirnos; -eta utilidad publica y reconocer a Dios y a la soberana Reyna y Sora -Doña Isabel 2a (que Dios Gue) Y por intento. - -A. V. pedimos, y suplicamos con humildad secirva, proveer y mandar, -si es gracia segun lo q. imploramos etc. Domingo Tales †. Jose -Laurenciano †. - -[183] Dendrobium ceraula n. sp. Reichenbach fil. - -[184] Rafflesia Cumingii R. Brown nach Dr. Kuhn. - -[185] Nach E. Bernaldez (Guerra al Sur) betrug die Zahl der innerhalb -30 Jahren geraubten und getödteten Spanier und Indier 20,000. - -[186] Die reichbeladene Nao machte es eben so. s. S. 16. - -[187] Auszug aus einem Brief des Alkalden an den Generalkapitän -20. Juni 60: - -Seit 10 Tagen liegen zehn Seeräuberboote ungestört auf der Insel -S. Miguel, 2 Leguas von Tabaco, und unterbrechen den Verkehr mit -der Insel Catanduanes und dem östlichen Theil von Albay .. sie haben -viele Räubereien begangen, 6 Menschen fortgeschleppt .. Es ist ihnen -nichts anzuhaben, da es den Dörfern gänzlich an Feuerwaffen fehlt; -die beiden einzigen Falúas sind in der San Bernardino-Strasse durch -Stürme zurückgehalten. - -Brief vom 25. Juni: Ausser den obigen Seeräuberbooten sind 4 grosse -Pancos und 4 kleine Vintas in der Bernardino-Strasse erschienen -... ihre Besatzung beträgt 450 bis 500 Mann, sie haben ... zusammen -16 Menschen getödtet, 10 geraubt, 1 Schiff gekapert. - -[188] Zu Chamissos Zeit war es schlimmer: »Die Expeditionen auf -bewaffneten Booten, die von Manila aus geschickt werden um gegen den -Feind (die Seeräuber) zu kreuzen, ... fröhnen nur dem Schleichhandel -und Christen und Mauren weichen dabei einander aus mit gleichem Fleiss -(v. Ch. Bemerkungen und Ansichten S. 73). Mas (I. IV. 43) berichtet -dasselbe nach Notizen aus dem General-Sekretariat in Manila und fügt -hinzu, dass die Kreuzer sogar die ihnen anvertrauten königl. Waffen und -Munitionen verkauften, wovon viel in die Hände der Mohren gelangte. Die -Alkalden sollten die Befehlshaber der Kreuzer, diese die Alkalden -überwachen, sie machten aber gewöhnlich gemeinschaftliche Sache. -- -Lapérouse erzählt sogar (II. S. 357), dass die Alkalden eine sehr -grosse Anzahl der von den Seeräubern (in den Philippinen) gemachten -Sklaven kauften, so dass diese nicht nach Batavia gebracht zu werden -brauchten, wo sie viel weniger galten. - -[189] Nach dem Diario de Manila 14. März 1866 hat die Seeräuberei -zwar abgenommen, aber nicht aufgehört. Paragua, Calamiánes, Mindoro, -Mindanao, die Bisayas, haben noch darunter zu leiden. Häufig werden -auch Räubereien und Menschenraub von Handelsprauen ausgeführt, wenn -die Gelegenheit günstig. Solche Gelegenheitspiraten sind am schwersten -auszurotten. Nach meinen neuesten Berichten ist die Seeräuberei wieder -im Zunehmen. - -[190] Die Spanier versuchten die Eroberung der Suluinseln 1628, 1629, -1637, 1731, 1746. Später haben häufig Expeditionen stattgefunden, -um Repressalien zu üben. Auch im Oktober 1871 wurde eine grosse -Expedition gegen Sulu ausgesandt, um die in neuer Zeit wieder -sehr überhand nehmende Seeräuberei zu bändigen, ein oder zwei -Jahre vorher hatten sich die Piraten bis in die Nähe von Manila -gewagt. Im April dieses Jahres (1872) kehrte die Flotte aber wiederum -unverrichteter Sache nach Manila zurück. Die Spanier hatten zu dieser -Unternehmung fast die ganze Seemacht der Kolonie, vierzehn Schiffe, -meist Kanonendampfer, aufgeboten; sie bombardirten die Hauptstadt, -ohne besonderen Schaden anzurichten, die Moros zogen sich in's Innere -zurück und erwarteten die Spanier, die indessen nicht zu landen wagten, -mit einem wohl ausgerüsteten Heer von 5000 Mann. Nach monatelanger -Unthätigkeit brannten die Spanier einen wehrlosen Küstenplatz nieder, -verübten dabei viele Grausamkeiten, zogen sich aber zurück, als die -Krieger zum Kampfe heranrückten. Die Häfen des Suluarchipels sind -jetzt durch Dekret dem Handel verschlossen, doch ist es fraglich ob -alle Schiffer dies berücksichtigen werden. Vor nicht langer Zeit hat -der Sultan von Sulu dem Könige von Preussen die Oberherrschaft über -sein Gebiet angetragen, sein Anerbieten ist abgelehnt worden. - -[191] Das Diario de Manila vom 9. Juni 1866 berichtet: Gestern hat -die durch Verordnung vom 3. August 1865 eingesetzte Militärkommission -ihre Thätigkeit eingestellt. Es funktioniren wieder die ordentlichen -Gerichte. Die zahlreichen Banden von 30, 40 und mehr, bis an die -Zähne bewaffneten Individuen, die ihre Spuren von Blut und Feuer an -den Thoren von Manila und an so vielen andern Orten zurückgelassen, -sind vernichtet ... Mehr als 50 Räuber haben ihr Verbrechen am Galgen -gebüsst, 140 sind zum Presidio (Zwangsarbeit) oder zu andern Strafen -verurtheilt worden. - -[192] Nach Arenas (Memorias 2 1) hiess Albay früher Ibalon; Tayabas, -Calilaya; Batangas, Comintan; Negros, Buglas; Cebu, Sogbu; Mindoro, -Mait; Samar, Ybabao; Basilan, Taguima, Mindanao wird von B. de la -Torre Cesarea; Samar in R. Dudleo, Arcano del mare (Florenz 1761) -Camlaia genannt. In Hondiv's his map of the Indian Ilands, (Purchas -605) wird Luzon Luconia; Samar, Achan; Leyte, Sabura; Camarines, Nebui -genannt. In Albo's Tagebuch heisst Cebu Suba, Leyte Seilani. Pigafetta -erwähnt eine Stadt Cingapola auf Zubu, Leyte ist auf seiner Karte im -Norden Baybay, im Süden Ceylon benannt. - -[193] Im Estado geogr. der Franziskaner, Manila 1855, ist nichts -davon erwähnt. - -[194] Kleine Schiffe, die keine Kanonen haben, sollen Krüge, mit Wasser -und den Früchten der Arenga sacharifera gefüllt an Bord nehmen, in -der Absicht mit der ätzenden, heftiges Brennen verursachenden Brühe, -die Seeräuber bei einem etwaigen Angriffe zu bespritzen. Dumont -d'Urville erzählt, dass die Bewohner von Solo bei seinem Besuch die -Brunnen mit dergleichen Früchten vergiftet hatten. Die in Zucker -eingemachten Kerne sind ein angenehmes Konfekt. - -[195] Es wurden noch gewählt ein Teniente mayór (Stellvertreter -des Gobernadorcillo), ein Juéz mayór (Oberrichter) für die Felder, -immer ein Excapitan, ein zweiter Richter für die Polizei, ein dritter -Richter für Streitigkeiten, die das Vieh betreffen, ein zweiter und -dritter Teniente und erster und zweiter Polizeidiener; endlich noch -für jede Visita ein Teniente, ein Richter, ein Polizeidiener. Alle -drei Richter können Excapitano's sein, kein Excapitan kann Teniente -werden. Der erste Teniente muss aus der Principalía sein; die übrigen -können dieser oder der Plebe angehören; die Polizeidiener (Alguacíls) -sind immer aus letzterer. - -[196] G. Squier (States of Central Amerika 192) erwähnt einen -Mahagonyblock, 17 Fuss lang, der im unteren Queerschnitt 5 Fuss 6 -Zoll im Geviert, im Ganzen 550 Cubikfuss maass. - -[197] Nach Dr. v. Martens: Modiola striatula Hanley, der denselben -Zweischaler auch zu Singapore in Brackwasser bedeutend grösser -fand. Reeve bildet die von Cumming in den Philippinen, ohne nähere -Ortsangabe gesammelte Art auch grösser ab (38 mm), die vom Catarman -hat 17mm. - -[198] In Sumatra sah Wallace in der Dämmerung einen Lemur einen -Baumstamm hinauf laufen, und dann in schiefer Richtung durch die Luft -nach einem andern Stamm gleiten, den er nahe dem Boden erreichte; -die Entfernung beider Bäume betrug 210 Fuss, der Höhenunterschied -nicht über 35 oder 40 Fuss, also weniger als 1 : 5. (Malay Archipelago -I. 211.) - -[199] Die dem Berliner Herbar eingesandten Exemplare sind nicht -aufzufinden. - -[200] Nach W. Peters Tropidolaenus philippinensis Gray. - -[201] v. Martens erkannte unter den Tertiär-Muscheln der Thonbänke -die noch jetzt im indischen Ozean lebenden Arten Venus (Hemitapes) -hiantina Lam., V. squamosa L., Arca cecillei Phil., A. inaequivalvis -Brug., A. chalcanthum Rv. und die Gattungen Yoldia, Pleurotoma, -Cuvieria, Dentalium; ohne ihre Uebereinstimmung mit lebenden Arten -verbürgen zu können. - -[202] Tarsius spectrum Tem., in der Landessprache: Mago. - -[203] Schon der alte Pater Camel führt an, dass das Thierchen -angeblich nur von Kohlen lebe, dies sei indessen ein Irrthum, es -frässe Ficus indica (worunter hier wohl Bananen zu verstehn) und -andere Früchte. (Camel de quadruped. Philos. trans. 1706/7 London). -- -Auch über den Kaguang (s. S. 194) giebt Camel einen interessanten -noch heut passenden Bericht. ibid. 2. S. 2197. - -[204] Nachstehende Mittheilung ist zuerst in den Sitzungsberichten -der Berliner Anthropologischen Ges. erschienen, nur waren meine -Besucher dort Paláosinsulaner genannt. Da aber Prof. Semper, der -längere Zeit auf den eigentlichen Paláos (Pelew)-Inseln zugebracht -hat, im Corresp.-Bl. f. Anthropol. 1871 No. 2 mit Recht hervorhebt, -dass Uliai zur Gruppe der Carolinen gehöre, so habe ich hier den -allgemeineren Ausdruck Mikronesier gewählt, obwohl jene Männer, -über deren Herkunft aus Uliai kein Zweifel bestand, sich nicht -Carolinen-Insulaner, sondern Paláos nannten. Wie mir Dr. Gräffe -mittheilt, der viele Jahre in Mikronesien verweilte, ist Paláos ein -ähnlich loser Begriff wie Kanaka und so viele andere und bezeichnet -durchaus nicht ausschliesslich die Bewohner der Pelewgruppe. - -[205] Dumont d'Urville, Voy. pole sud. V. 206 bemerkt, dass die -Eingeborenen ihre Insel Gouap oder Ouap, aber niemals Yap nennen, -und dass der Ackerbau dort alles übertreffe, was er je in der Südsee -gesehn hatte. - -[206] Die Reisen der Polynesier wurden auch durch die Tyrannei -der siegreichen Parteien veranlasst, welche die Ueberwundenen zur -Auswanderung zwangen (Ausland 29. Jan. 70.). - -[207] Pigafetta S. 51. - -[208] Morga f. 127. - -[209] »Die Bisayer überziehn ihre Zähne mit glänzend schwarzem oder -feuerfarbenem Firniss, und so werden ihre Zähne schwarz oder roth wie -Zinnober, und in der oberen Reihe machen sie eine kleine Oeffnung und -füllen sie mit Gold, das auf dem schwarzen oder rothen Grunde um so -mehr glänzt« (Thévenot, Religieux 54). Ein König aus Mindanao, der -Magellan auf Massana besucht: »in ogni dente haveva tre machie d'oro, -che parevano fosseno legati con oro«, woraus Ramusio gemacht hat: -in ciascun dito avea tre anelli d'oro. (Pigafetta S. 66). Vergl. auch -Carletti Viaggi 1. 153. - -[210] In einer dieser Klippen, 60 Fuss über dem Meer, fanden sich -Muschelbänke: Ostrea, Pinna, Chama .. nach Dr. v. M.: O. denticulata -Bron., O. cornu copiae Chemn., O. rosacea Desh., Chama sulfurea Reeve, -Pinna nigrina Lam.(?). - -[211] Im Athenaeum 7. Jan. 71 ist nach Capt. Ullmann eine Todtenfeier -(Tiwa) der Dayaks beschrieben, die in vielen Punkten mit der der -alten Bisayer übereinstimmt. Der Sarg wird vom nächsten männlichen -Anverwandten aus einem Baumstamme ausgehöhlt, so eng, dass der -Leichnam hineingepresst werden muss, damit nicht bald darauf ein andres -Familienglied sterbe, um die Lücke zu füllen. Es werden möglichst viele -Habseligkeiten auf den Todten gehäuft, um seinen Reichthum darzuthun, -und sein Ansehn in der Geisterstadt zu erhöhen, unter den Sarg wird -ein Gefäss mit Reis, eines mit Wasser gestellt. - -Eine der Hauptfeierlichkeiten des Tiwa bestand vormals (auch jetzt -noch an einigen Orten) in Menschenopfern. Wo die holländische -Regierung gebietet, können solche nicht stattfinden, es werden aber -zuweilen Büffel oder Schweine auf grausame Weise getödtet, mit deren -Blut die Hohepriesterin Stirn, Brust und Arme des Familienhauptes -bemalt. Aehnliche Opfer von Sklaven oder Schweinen mit eigenthümlichen -Zeremonien durch Priesterinnen (Catalona's) fanden bei den alten -Philippinern statt. (s. Informe I. 2. 16.) - -[212] Ein Aufsatz von Professor Virchow über die von mir aus den -Philippinen mitgebrachten Schädel befindet sich im Anhange. - -[213] In dem Kapitel de Monstris et quasi monstris ... des Pater -Camel, Lond. Philos. Trans. Bd. XXV. p. 2269 wird erwähnt, dass in -den Bergen zwischen Guíuan und Borongan Fusstapfen, dreimal so gross, -als die gewöhnlicher Menschen, gefunden worden seien. Vielleicht -haben die sehr breit gedrückten, mit einer dicken Kalksinterkruste -überzogenen Schädel von Lánang, die Riesenschädel, Veranlassung zur -Sage der Riesenfussspuren gegeben. - -[214] Hemiramphus viviparus W. Peters (Berl. Monatsb. 16. März 1865). - -[215] Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs S. 608. - -[216] Philos. trans. 1699 No. 249. S. 44, 87. - -[217] In Boróngan kostet die Tinája von 12 Gantas 6 r. (ein Quart -etwa 10 Pfennige), das Gefäss 2 r., die Fracht nach Manila 3 r., -oder wenn der Produzent als Matrose mitgeht, 2 1/2 r. Der Preis in -Manila bezieht sich auf die Tinája von 16 Gantas. - -[218] Frisch bereitetes Kokosöl dient zum Kochen, es wird aber schnell -ranzig. Als Brennöl findet es sehr allgemeine Verwendung. In Europa, -wo es selten flüssig erscheint, da es erst bei 16° R. schmilzt, -dient es zur Darstellung von Kerzen, besonders aber von Seife, wozu -es vorzüglich geeignet; denn Kokosseife ist sehr hart, glänzend-weiss -und leichter als alle andre Seifen in Salzwasser löslich. In neuerer -Zeit wird auch der ölhaltige Kern unter dem Namen Copperah, namentlich -aus Brasilien in England eingeführt und heiss ausgepresst. - -[219] In Legaspi, dem besuchtesten, im Sommer leicht zugänglichen -Hafen kostete im Juni 1 Kokosnuss 8 bis 10 c., d. h. 50 bis 60 mal -so viel als in Daet oder Buhi, Plätze die leicht zu erreichen sind. - -[220] Auf Pigafetta's Karte ist Leyte in zwei Theile getheilt, -der nördliche heisst Baibay, der südliche Ceylon. Als Magellan in -Massana (Limasana) nach den bedeutendsten Handelsplätzen der Gegend -fragt, nennt man ihm Ceylon (d. h. Leyte), Calagan (Caraga) und Zubu -(Cebu). Pigaf. 70. - -[221] Nach Dr. Gerstäcker: Oedipoda subfasciata de Haan, Acridium -manilense Meyen. Meyen's Name, den die Systematiker übersehn haben -müssen, hat die Priorität vor dem de Haan's, müsste aber in Oedipoda -manilensis umgeändert werden, da die Art nicht zur Gattung Acridium -im modernen Sinne gehört. Sie kommt auch in Luzon und in Timor vor -und ist nahe verwandt mit unserer europäischen Wanderheuschrecke, -Oedipoda migratoria. - -[222] Nachdem sich der König zurückgezogen, .. »wurde Zuckerwerk und -Kuchen in Fülle gebracht, auch gebratene Heuschrecken, die den Gästen -als grosse Delikatessen aufgenöthigt wurden«. (Col. Fytche Mission -to Mandalay Parlament. Papers June 1869.) - -[223] Die Namen dieser beiden Ortschaften sind auf Coello's Karte -vertauscht, Buráuen liegt S. von Dagami. - -[224] 950 Brazas südlich vom Kastel von Abuyog mündet ein kleiner -Fluss. - -[225] Gobius Giuris Buch. Ham - -[226] Der See hatte damals nur einen Ausfluss; in der nassen Jahreszeit -mag er aber wohl mit dem Mayo in Verbindung stehn, da sein NO-Rand -ganz flach ist. - -[227] Pintados oder Bisayos, nach einem einheimischen Worte, -welches dasselbe bedeutet, sollen die Bewohner der Inseln zwischen -Luzon und Mindanao von den Spaniern genannt worden sein, weil sie -die Gewohnheit hatten sich zu tatuiren. Crawfurd (Dict. 339) meint, -diese Thatsache stehe nicht fest, sicherlich werde sie von Pigafetta -nicht erwähnt. Pigafetta sagt aber S. 80: Egli (il re di Zubu) era -... dipinto in differente guisi col fuoco. -- Purchas (Pilgrimage -fol. I. 603): the king of Zubut had his skinne painted with a hot iron -pensill, und Morga f. 4: traen todo el cuerpo labrado con fuego. Danach -scheinen sie sich nach Art der Papuas, durch Einbrennen von Flecken und -Streifen in die Haut, tatuirt zu haben. Aber an einer andern Stelle -(f. 138) berichtet Morga: Sie unterscheiden sich (von den Bewohnern -Luzons) durch ihr Haar, das die Männer zu einem Zopf schneiden -nach der alten spanischen Art und bemalen ihre Körper mit vielen -Mustern ohne das Gesicht zu berühren. Der Gebrauch des Tatuirens, -der mit Einführung des Christenthums aufgehört zu haben scheint, -denn schon der oft zitirte Geistliche (Thévenot S. 4) erwähnt ihn als -verschollen, kann aber nicht für ein Kennzeichen der Bisayer gelten; -Stämme des nördlichen Luzons tatuiren sich noch heut. - -[228] Mezzeria, (Italien), Metayer, (Frankreich). - -[229] Bei uns kostet der Scheffel Kartoffeln durchschnittlich auf -dem Lande 10, in der Stadt 20 Sgr. - -[230] In China wird aus den Samen von Vernicia montana ein Oel -gewonnen, das durch Zusatz von Alaun, Bleiglätte und Steatit bei -gelinder Wärme leicht in einen kostbaren Firniss übergeht, der, -mit Harz vermischt, zum Wasserdichtmachen der Schiffsböden verwendet -wird. (P. Champion Indust. anc. et mod. de l'Emp. Chinois 114.) - -[231] Petzholdt (Kaukasus I, 203) erwähnt, dass in Bosslewi so viel -Maiskörner als ein Thongefäss fassen kann, seinen Preis bestimmen. - -[232] Wie allgemein derartige Missbräuche, geht aus einem auf dem -Papier vorhandenen, aber nicht in die Praxis gedrungenen Gesetz von -1848 (Leg. ult. I. 144) hervor, welches wucherische Kontrakte mit -Dienern oder Gehülfen verbietet, und diejenigen mit strengen Strafen -bedroht, die unter dem Vorwande, Vorschüsse geleistet, oder Schulden -oder die Kopfsteuer, oder Ablösung von Frohnden gezahlt zu haben, -Eingeborene oder ganze Familien in immerwährender Abhängigkeit bei -sich erhalten, und ihre Schuld fortwährend erhöhen, indem sie ihnen -für ihre Leistungen keinen hinreichenden Lohn gewähren. - -[233] Früher scheinen sie anders gewesen zu sein: »Diese Bisayer sind -Leute, dem Ackerbau weniger zugethan, gewandt in der Schifffahrt, -lüstern nach Krieg und Seezügen, wegen der Plünderungen und Prisen, -welche sie Mangubas nennen, was dasselbe ist, wie Ausziehn um zu -stehlen.« Morga f. 138. - -[234] Der Missbrauch dauert fort, obwohl ein strenges Gesetz ihn -verbietet und die Alkalden, welche unterlassen es anzuwenden mit -100 Dollar Geldbusse für jeden einzelnen Fall bedroht werden. In -manchen Provinzen zahlt der Bräutigam, ausser der Aussteuer, eine -Entschädigung an die Mutter der Braut für die von letzterer genossene -Muttermilch (Bigay susu). Nach Colin (Labor evangelico S. 129) betrug -der Penhimuyat, das Geschenk, welches die Mutter für die Nachtwachen -und Sorgen bei Erziehung der Braut empfing, ein Fünftel der Aussteuer. - -[235] Eigentliche Menschenfresser werden in den Philippinen von den -alten Schriftstellern nicht erwähnt. Pigafetta (S. 127) hat gehört, -dass an einem Fluss, am Cap Benuian (N.-Spitze von Mindanao), Leute -wohnen, die von ihren gefangenen Feinden nur das Herz und zwar mit -Zitronensaft essen. Dr. Semper (Philippinen 62) fand denselben Brauch -mit Ausnahme des Zitronensaftes an der Ostküste von Mindanao. - -[236] Der Anito kommt bei den Völkern des malayischen Archipels -als Antu vor, der Anito der Philippinen ist aber wesentlich ein -Schutzgeist, der malayische Antu mehr dämonischer Art. - -[237] Mir sind dergleichen Götzenbilder nie vor Augen gekommen. Die -in Bastian und Hartmann's Zeitschrift für Ethnologie B. I. Tafel -VIII. abgebildeten »Idole aus den Philippinen«, deren Originale -sich im Berliner ethnographischen Museum befinden, sind zwar in den -Philippinen erworben, gehören aber nach A. W. Franks unzweifelhaft -den Salomons-Inseln an. Im Katalog des Prager Museums Abth. II-VIII -S. 46 sind aufgeführt: vier hölzerne Götzenköpfe von den Philippinen, -welche der böhmische Naturforscher Thaddäus Hänke, der im Auftrage -des Königs von Spanien im Jahre 1817 die Südseeinseln bereiste, -mitgebracht hat. Die auf meinen Wunsch von der Direktion des Museums -gütigst hergestellten Photographien entsprechen aber durchaus nicht -obiger Beschreibung, deuten vielmehr auf die Westküste von Amerika, das -Hauptfeld der Thätigkeit Hänke's. Auch die aus seinen nachgelassenen -Papieren hervorgegangenen Reliquiae botanicae geben keinen Aufschluss -über die Herkunft jener Idole. - -[238] Als beispielsweise wegen des erwarteten Angriffes von Cogseng -(s. unten), alle verfügbaren Kräfte, auch die von Zamboánga, um Manila -zusammengezogen worden waren, fielen die Moros mit 60 Schiffen über -die Inseln her, während sonst ihre Ausrüstungen 6 bis 8 Schiffe nicht -zu übersteigen pflegten. Torrubia S. 363. - -[239] Hakl. Morga Append. 360. - -[240] Nach der Revista minera, Madrid 1866 XVII. 244 sind die Kohlen -vom Berge Alpacó, im Gebiet von Nága in Cebú, trocken, rein und fast -frei von Schwefelkiesen; sie brennen leicht und mit starker Flamme. Bei -den, im Laboratorium der Bergschule zu Madrid angestellten Versuchen -gaben sie 4% Asche und eine Heizkraft von 4825 Calorien, d. h. durch -Verbrennung von 1 Gewichtstheil wurden 4825 Gewichtstheile Wasser um 1° -C. erwärmt -- gute Steinkohle giebt 6000 Cal. Die ersten Kohlengruben -in Cebú wurden im Massángathal betrieben, die Arbeiten aber 1859, -nachdem bedeutende Kosten darauf verwendet, wieder eingestellt. Später -entdeckte man im Thal von Alpacó und im Berg Oling bei Nága vier -Schichten von beträchtlicher Mächtigkeit.... »Die Kohle von Cebu ist -anerkannt besser, als die von Australien und Labuan, besitzt aber -nicht hinreichende Heizkraft um ungemischt für längere Seereisen -verwendet zu werden.« - -Nach dem Katalog der Produkte der Philippinen (Manila 1866) haben die -Kohlenschichten in Cebú an vielen Stellen des NS. durch die ganze Insel -streichenden Gebirges eine durchschnittliche Mächtigkeit von 2 m. Die -Kohle ist von mittlerer Güte, sie wird in den Regierungsdampfern, -mit Cardiffkohle gemischt, verbrannt. Ihr Preis in Cebú ist -durchschnittlich 6 Dollar per Tonne. - -[241] Engl. Konsular Bericht 217. - -[242] In Jaró hat sich der Pachtzins in 6 Jahren verdreifacht, Vieh, -das 1860 10 Dollar galt, kostete 1866 25 Dollar. Grundstücke an der -Ria von Yloilo sind in wenigen Jahren von 100 Dollar auf 500, sogar -auf 800 Dollar gestiegen (Diario Febr. 1867). - -[243] 1855 führte Yloilo, einschliesslich 3000 Picos von Negros, 11,700 -Picos aus, 1860 schon 90,000 P., 1863: 176,000 P. (in 27 ausländischen -Schiffen), 1866: 250,000 P., 1871: 312,379 Picos von beiden Inseln. - -[244] Der für den englischen Markt bestimmte Zucker kostete in -Manila 1868/69 15 bis 16 £ per Ton und stellt sich in London auf -20 £. Best gereinigter, wie ihn Manila für Australien bereitet, -wäre in London wegen des höheren Zolles nur 3 £ per Ton mehr werth, -aber 5 £ theurer als der schlechte, der mithin eine Prämie von 2 £ -geniesst. Manila exportirt hauptsächlich den Zucker von Pangasinán, -Pampánga und Lagúna. (Nach Privatberichten.) - -[245] The Islands of the East-Indian Archip. 1868. S. 340. - -[246] Catalogue de l'Expos. perman. des Colonies françaises -1867. S. 80. - -[247] Rapport du Jury, Exp. 1867 IV. 102. - -[248] Die Indier Süd-Amerika's verwenden angeblich schon lange die -Bananenfaser zur Anfertigung von Kleiderstoffen (The Technologist -Sept. 1865 S. 89. ohne Quellenangabe.) und in Lu-tschu soll von der -Banane fast nur die Faser benutzt werden. (Faits commerciaux No. 1514 -S. 36.) - -[249] Fibrous plants of India. - -[250] Das Abacá nimmt auch keinen Theer an, und kann daher nur zu -laufendem nicht zu stehendem Tauwerk gebraucht werden. - -[251] Eine Pflanzung im vollen Betriebe liefert jährlich 30 Zentner -Bandála vom Preuss. Morgen. Vom Morgen Lein gewinnt man nur 2 bis -4 Ztr. reinen Flachs, 2 bis 8 Ztr. Samen. Lein kann aber, da er den -Boden erschöpft, nicht alle Jahre gebaut werden. - -[252] Wie mir Dr. Wittmack mittheilt, kann man auch vom Hanf nur -Fasern oder Samen gewinnen, da der reife Hanf zu spröde, grobe Fasern -besitzt. Beim Flachsbau wird freilich häufig Same und Faser verwerthet, -doch sind dann beide von geringer Güte. - -[253] Flora de Filipinas. - -[254] Lupis wurde 1868 in London 100 £ per Tonne bezahlt, jedoch nur -in geringer Menge, etwa 5 Tons jährlich, eingeführt und angeblich in -Frankreich zu einer besonderen Art von Unterröcken verwendet; die Mode -soll bald wieder aufgehört haben. Quitol, eine geringe Sorte Lupis, -soll 75 £ bezahlt worden sein. - -[255] Die Starrheit ist allen Fasern von Monokotyledonen eigen, -weil sie aus dickwandigeren Zellen bestehn, während die eigentlichen -Bastfasern der Dikotyledonen (Flachs z. B.) geschmeidiger sind. - -[256] Auch bei andern Ackerbauerzeugnissen pflegen Mestizen und -Indier sich die Arbeit ihrer Landsleute zu sichern, indem sie diesen -Vorschüsse machen und sie erneuern, bevor die alten abgetragen -sind. So gerathen Unbesonnene immer tiefer in Schulden und werden -thatsächlich zu Sklaven ihrer Gläubiger, wenn es ihnen nicht gelingt, -zu entfliehn. Dasselbe findet bei Antheilkontrakten statt, wo der -Grundbesitzer dem Bauer Boden, Ackergeräth und Zugvieh zu liefern -hat, oft schiesst er dann auch noch Kleidung und Nahrungsmittel für -die ganze Familie vor; bei Theilung der Ernte deckt der Antheil des -Bauers nicht seine Schuld. Gesetzlich sind die Indier freilich nur -bis zu 5 Dollar haftbar, ein besonderes Gesetz verbietet überdies -ausdrücklich dergleichen wucherische Geschäfte, sie sind aber allgemein -in Gebrauch. s. S. 234 Anm. 127. - -[257] Dieser Neid hätte beinahe die Schliessung der neuen Häfen -(s. Kap. 23) bald nach ihrer Eröffnung zur Folge gehabt. - -[258] Rapport Consulaire Belge XIV. 68. - -[259] Im Agricultural Report für 1869, S. 232 wird eine andre Faser -sehr gepriesen, die von einer dem Sesal sehr nahe verwandten Pflanze -(Bromelia sylvestris) stammt, vielleicht nur eine Abart derselben; -ihren einheimischen Namen jxtle soll sie wegen der Aehnlichkeit ihrer -flachen, stacheligen Blätter mit den gezähnten Obsidianmessern (iztli) -der Azteken erhalten haben. - -[260] Die Bananen sind bekanntlich eine der allerwerthvollsten Pflanzen -für den Menschen, sie liefern unreif Stärkemehl, reif eine angenehme -nahrhafte Frucht, die selbst in Menge genossen weder widerlich wird, -noch nachtheilige Folgen hat. Einige der besten essbaren Abarten tragen -schon Früchte 5 oder 6 Monate nachdem sie gepflanzt worden und treiben -immer neue Schösse aus der Wurzel, so dass sie eine unausgesetzte -Fruchtfolge geben und die Mühe des Menschen fast auf das Umhauen der -alten Pflanzen und das Pflücken der Früchte beschränkt ist. Die breiten -Blätter gewähren andern jungen Pflanzen den in tropischen Ländern so -nöthigen Schatten, werden vielfach in der Haushaltung verwendet und -manche Hütte hat es nur ihrem Bananengärtchen zu danken, wenn sie -die Feuersbrunst übersteht, die gelegentlich das Dorf in Asche legt. - -Ich möchte hier auf einen Irrthum aufmerksam machen, der einige -Verbreitung erlangt hat. In Bischof Pallegoix's trefflichem Werke -Description du royaume Thai on Siam I. 144 heisst es: L'arbre à vernis, -qui est une espèce de bananier et que les Siamois appellent rak, -fournit ce beau vernis qu'on admire dans les petits meubles qu'on -apporte de Chine. -- Als ich in Bangkok den fast neunzigjährigen -liebenswürdigen Greis über diese auffallende Angabe zur Rede stellte, -meinte er kopfschüttelnd, das könne er nicht geschrieben haben; -- -ich zeigte ihm die Stelle. -- »Ma foi j'ai dit une bêtise; -- j'en -ai dit bien d'autres«, flüsterte er mir in's Ohr, indem er die Hand -vorhielt, als fürchtete er behorcht zu werden. - -[261] 1862 bezog England aus Spanien 156 Tons, 1863: 18,074 t., 1866: -66,913 t., 1868: 95,000 t. Die Lumpeneinfuhr fiel von 24,000 t., 1866; -auf 17,000 t., 1868. In Algier wächst auch sehr viel Sparto (Alfa), der -Transport nach Frankreich ist aber zu theuer, um es dort zu verwenden. - -[262] Der englische Konsul schätzt die Einnahme aus diesem -Monopol für das Jahr 1866/67 auf 8,418,939 Dollar, sämmtliche -Ausgaben auf 4,519,866, den Reinertrag also auf 3,899,075 Dollar. Im -Kolonialbudget für 1867 war der Gewinn am Tabak auf 2,627,976 Dollar, -die Gesammtausgaben der Kolonie, nach Abzug der durch die Tabakregie -veranlassten, auf 7,033,576 veranschlagt. Nach den amtlichen Tabellen -des Chefs der Regie, Manila 1871 betrugen die Gesammteinnahmen der -Tabakregie in den Jahren 1865/69 durchschnittlich 5,367,262 Doll., -die wegen mangelnder Spezialrechnungen nicht genau festzustellenden -Ausgaben wenigstens 4 Million Dollar, so dass nur ein Reingewinn von -1,367,262 verbleibt. - -[263] Instruccion general para la direccion, administracion y -intervencion de las rentas estancadas 1849. - -[264] Memória sobre el desestanco del tabaco en las islas filipinas -.. Don J. S. Agius Binondo (Manila) 1871. - -[265] Von den Philippinen scheint der Tabak nach China gekommen zu -sein: »Die von Wang-tao entdeckten Notizen lassen keinen Zweifel, dass -er zuerst in Süd-China im 16. und 17. Jahrhundert von den Philippinen -aus eingeführt wurde; wahrscheinlich über Japan. (Notes & Queries China -und Japan, May 31 67.) Nach Schlegel, Batavia, wurde er 1573-91 von -den Portugiesen nach Japan gebracht, und verbreitete sich in China -so schnell, dass schon 1638 der Verkauf mit der Strafe des Köpfens -bedroht wurde. Nach N. & Q. Chin. Jap. 31 Juli 67, war der Gebrauch -des Tabaks 1641 im Mantchu-Heer allgemein. In einem chinesischen Werk -Naturgeschichtliche Miscellen heisst es: Yen-t'sao (die Rauchpflanze) -wurde gegen Ende der Regierung Wan-li zwischen 1573-1620 in Fukien -eingeführt und auch Tan-pa-ku (von Tombaku) genannt. - -[266] West-Cuba erzeugt den besten Tabak, die berühmte Vuelta abajo -400,000 Ztnr. zu 20 bis 140 Thlr. Ausgewählte Sorten werden bis zu 800 -selbst 1000 Thlr. p. Zentner bezahlt. Cuba produzirt 640,000 Ztnr. Die -in Paris 1867 ausgestellten Zigarren waren im Werth von 35 bis 570 -Thlr. das Tausend. Die jährliche Zigarren-Ausfuhr wird auf 500 Million -geschätzt. (Rappt. Jury V. 375) ... In Jenidje-Karasu (Salonich) -werden jährlich 17,500 Ztnr. gewonnen, wovon 2500 erster Qualität, -2 Thlr. 12 Sgr. die Oka (etwa 1 Thaler das Pfd.) gelten. Ausgewählte -Sorten werden bis 5 Thlr. per Pfd. und höher bezahlt. Salaheddin Bey -La Turquie à l'Exposition S. 91. - -[267] In Cuba ist die Tabakindustrie durchaus frei. Der -ausserordentliche Aufschwung des Gewerbes, die zunehmende Güte der -Waare werden zum grossen Theil dem regen Wetteifer der Fabrikanten -zugeschrieben, die von der Regierung keinen andern Schutz als den -ihrer Fabrikzeichen erhalten. (Rappt. Jury 67. V. 375.) - -[268] Handschriftlicher Bericht an den Kolonial-Minister, März 1868. - -[269] Basco führte auch den Seidenbau ein und pflanzte in Camarínes -4 1/2 Million Maulbeerbäume, die man alsbald nach seinem Rücktritt -wieder eingehn liess. - -[270] Nach Lapérouse rief diese Maassregel auf allen Punkten der -Insel Empörungen hervor, die durch bewaffnete Macht unterdrückt werden -mussten. Ebenso veranlasste das um dieselbe Zeit in Amerika eingeführte -Monopol gefährliche Aufstände, brachte Venezuela an den Bettelstab -und wurde eine Hauptursache des späteren Abfalls der Kolonien. - -[271] Ein Fardo (Pack) enthält 40 Manos (Bund). 1 Mano = 10 Manojítos, -1 Manojíto = 10 Blätter. Reglement §. 7. - -[272] Reglement für alle Sammelstellen von Luzon: §. 1. Der Tabak -wird nach vier Klassen bezahlt. §. 2. Zur I. Klasse gehören Blätter -von wenigstens 18 Zoll von Burgos (0m 418) Länge, zur II. solche -von 18 bis 14 Zoll (0m 325), zur III. von 14 bis 10 Zoll (0m 232) -zur IV. Blätter von wenigstens 7 Zoll (0m 163); kleinere werden nicht -angenommen. (Letztere Beschränkung ist jetzt aufgehoben. Da sich die -Qualität des Tabaks in den Händen der Regie immer mehr verschlechtert, -so sind jetzt noch zwei geringere Klassen (V. und VI.) eingeführt). -- - - -Ein Fardo I. Kl. wiegt 60 Pfd. und wurde von der Regierung (1867) bezahlt 9 Doll 50 C. -,, ,, II. Kl. ,, 46 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 6 ,, - C. -,, ,, III. Kl. ,, 33 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 2 ,, 75 C. -,, ,, IV. Kl. ,, 18 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 1 ,, - C. - - -(Bericht engl. Kons.) - -Folgende Tabelle giebt die von der Regierung fabrizirten Sorten, -und die Preise, zu welchen sie 1867 im Estanco zu haben waren. - - -Menas (Klassen). Folgenden PREIS Zahl der - Habana-Klassen einer von 1000 einer Zigarren - assimilirt. Arroba Zigarren Zigarre in einer - Doll. Doll. Cents. Arroba. - -Imperiales derselben Klasse 37,50 30 4,80 -Prima veguéro do. do. 37,50 30 4,80 -Segunda do. Regalía 26 -Prima superiór - filipino Regalía 26 -Segunda do. do. ohne Assimilirung 38 19 3,4 -Tercéra do. do. Lóndres 15 -Prima filipino Superiór habano 21 15 2,40 1400 -Segunda do. Segunda superiór - habano 24 8,57 1/8 1,37 3/8 2800 -Prima corládo derselben Klasse 21 15 2,40 1400 -Segunda do. derselben Klasse 24 8,57 1/8 1,37 3/8 2800 -Mista Segunda batído 20,50 -Prima batído lárga ohne Assimilirung 18,75 1,66 2/3 1800 -Segunda do. do. do. do. 18,75 0,80 3750 - - -[273] Es gehn im Mittel 407 1/2 Million Zigarren und 1,041,000 -Kg. Rohtabak jährlich in's Ausland, zusammen dem Gewichte nach etwa -56,000 Quintales, abgesehn von dem geschenkten Tabak. - -[274] ... Der in diese Lage gebrachte Bauer findet es schwer seine -Familie zu erhalten, ist gezwungen Geld zu übertriebenen Zinsen zu -borgen und geräth immer tiefer in Schulden und Elend .. die Furcht -vor Geld- und Körperstrafen, mehr als die Aussicht auf hohe Preise, -ist die Haupttriebfeder, durch welche die Lieferungen aufrecht erhalten -werden können .. (Bericht des engl. Konsuls.) - -[275] Von Dezember 1853 bis November 1854 hatte die Kolonie -4 General-Kapitäne (2 effektive und 2 provisorische). 1850 soll -ein neu ernannter Oidor, (Mitglied des obersten Gerichtshofes) mit -seiner Familie den Weg nach Manila um das Kap genommen und bei seiner -Ankunft bereits seinen inzwischen über Suez gereisten Nachfolger im -Amte getroffen haben. Solche Zustände werden nicht befremden, wenn -man damit vergleicht, wie es in Spanien selbst zugeht. Nach einem -Aufsatz in der Revue nationale April 1867 hat Spanien von 1834 bis -1862, d. h. seit dem Regierungsantritt Isabella's 4 Konstitutionen, -28 Parlamente, 47 Premierminister, 529 Minister mit Portefeuilles, -darunter 68 Minister des Innern gehabt, so dass jeder der letztern -durchschnittlich nur 6 Monate im Amte war. Die Finanzminister sollen -seit 10 Jahren nicht länger als 2 Monate geblieben sein. Seitdem und -namentlich seit 1868 erfolgen die Wechsel viel schneller. - -[276] Der Grund des hohen Silberagios lag darin, dass die Chinesen -alle spanischen und mexikanischen Dollar aufkauften, um sie nach -China auszuführen, wo sie mehr gelten als andre Dollar, weil sie, -von den Reisen der Nao her, seit alten Zeiten bekannt sind und -auch in den innern Provinzen Kurs haben. (Am höchsten werden dort -Carlos III. bezahlt). Eine seitdem in Manila errichtete Münzanstalt, -die sich selbst erhält, wenn sie auch der Regierung keinen andern -Nutzen abwirft, hat jenen Uebelstand gänzlich beseitigt. Die Chinesen -pflegen das Silber und Gold gewöhnlich als Geld mit ausländischem -Gepräge nach Manila zu bringen, indem sie Landesprodukte dafür kaufen, -die einheimischen Kaufleute lassen es umprägen. Anfänglich waren in -Manila fast nur Silberunzen vorhanden, Goldunzen äusserst selten. Das -hohe Agio, das sie genossen, hatte eine so starke Einfuhr zur Folge, -dass sich das Verhältniss umkehrte, in den Regierungskassen wurde -aber die Goldunze immer der Silberunze gleich gerechnet. - -[277] »Es haben vor der Zeit diese Insulen alle in gemein gehört -vnder die kron China, sie haben sich aber umb gewisse vrsachen daruon -abgesondert, Dannen her kein Regiment oder Policey ordnung vnder -ihnen war, vnd diejenige welche am mächtigsten waren, behielten -die Oberhandt, lebten vndereinander wie dz Viehe ... Die von China -treiben in den Insuln gross Gewerb«. (J. H. Lindschotten 1596, deutsch -Gebr. Brey Frkft. 1613 S. 58). Vergl. auch The Dutch memor. Embassies -I. 140; Morga Hakl. 18, Anm.; Purchas 602; Don Juan Grav y Monfalcon -Mem. al Rey No. 6; Calendar of State Papers, China & Japan No. 266; -Manrique Itinerario de las Misiones, Roma 1653 S. 282. - -[278] In den Philippinen werden die Chinesen gewöhnlich Sangleyes -genannt. Nach Professor Schott: sang-lúi (im Süden szang-lói auch -senng-lói) mercatorum ordo; sang heissen besonders die ambulanten -Händler, im Gegensatz zu den Kù, tabernarii. - -[279] .. Es ist ein schlechtes lasterhaftes Volk, .. und da -ihrer so viele, und sie grosse Esser sind, so vertheuern sie die -Lebensmittel und verzehren sie ... es ist wahr, dass die Stadt ohne -die Chinesen nicht bestehn kann, denn sie sind die Arbeiter in allen -Beschäftigungen, sie sind sehr fleissig und schaffen um geringen Lohn, -aber dafür würde eine geringere Anzahl ausreichen. (Morga f. 349.) - -[280] Recopilacion Lib. IV. Tit. XVIII. ley 1. - -[281] Informe I, III. 73. - -[282] Die Chinesen durften nicht in der Stadt, sondern nur in einem -besondern Bezirk Parian wohnen. - -[283] Velarde 274. - -[284] s. folgendes Kapitel. - -[285] Zuniga XVI. - -[286] Autos acordados II. 272. 279. - -[287] Kein einzelnes Volk in Europa kann sich auch nur entfernt mit -der Bevölkerung Californiens messen, die aus allen Ländern auserlesen, -in den ersten Jahren wenigstens nur aus strebsamsten Männern in der -Fülle ihrer Kraft bestand, ohne Greise, ohne Weiber, ohne Kinder, -- -deren Thätigkeit in einem Lande, wo alles geschaffen werden musste, (da -auf hunderte von Meilen kein zivilisirter Nachbar wohnte) und wo alles -Schaffen märchenhaften Gewinn brachte, auf die äusserste Grenze des -Möglichen gesteigert war. Ohne hier auf Einzelheiten ihrer Leistungen -einzugehn, mag nur daran erinnert werden, dass sie in 25 Jahren einen -mächtigen Staat gegründet, dessen Ruf die ganze Welt erfüllt, an dessen -Rändern ringsum junge Territorien kräftig aufsprossen, deren zwei schon -zu Staaten herangewachsen sind. Nachdem die Californischen Goldgräber -die Konfiguration des Bodens ganzer Provinzen geändert, indem sie -mit Titanengewalt die Erdmassen ausgedehnter Hügellandschaften ins -Meer schwemmten, um sich durch sinnreich ersonnene Vorrichtungen -die feinsten darin enthaltenen Goldstäubchen anzueignen, setzen sie -die Welt jetzt in Erstaunen als Ackerbauer, deren Erzeugnisse auf -die fernsten Märkte gehn und überall unbestritten den ersten Rang -einnehmen. So Grosses hat ein Volk geleistet, dessen Gesammtzahl -heut wohl kaum eine halbe Million übersteigt, und dennoch wird es -ihm nicht leicht, den Wettkampf mit den Chinesen zu bestehn. - -[288] Sämmtliche Schienen in einer Gesammtlänge von fast 103,000 Fuss -Rh. und von 20,000 Ztr. Gericht wurden von acht Chinesen gelegt, die -in Gruppen von vier Mann einander ablösten. Aus zehntausend Arbeitern -waren sie als die tüchtigsten ausgewählt. - -[289] Am 27. April fiel Magellan, von einem vergifteten Pfeil -getroffen, auf der kleinen Insel Mactan, vor dem Hafen von Cebu. Sein -Lieutenant Sebastian de Elcano umschiffte das Kap der guten Hoffnung, -brachte am 6. September 1522 eines der fünf Schiffe, mit denen Magellan -1519 aus San Lúcar ausgelaufen, und 18 Mann, darunter Pigafetta, -nach demselben Hafen zurück und vollendete so die erste Weltreise, -in 3 Jahren weniger 14 Tagen. - -[290] Morga f. 5. -- Nach späteren Schriftstellern sollen sie schon -von Villalobos 1543 also benannt worden sein. - -[291] Nach Morga (f. 140 v.) gab es in jenen Inseln weder Könige -noch Herren, sondern in jeder Insel und Provinz viele Vornehme, -deren Anhänger und Unterthanen in Quartiere (Barrios) und Familien -eingetheilt waren. Solchen Häuptlingen wurden Abgaben von der Ernte -(Buiz) und Frohnden geleistet, ihre Verwandten aber waren von den -Leistungen der Plebejer (Timauas) befreit. Die Häuptlingschaften waren -erblich, der Adel ging auch auf die Frauen über. Zeichnete sich ein -Häuptling besonders aus, so folgten ihm die Uebrigen, behielten aber -die Herrschaft über ihre durch besondere Beamte verwaltete Barangays. - -Ueber das unter den Eingeborenen bestehende System der Sklaverei -berichtet Morga (f. 141 -- abgekürzt): Die Bewohner dieser Inseln -zerfallen in drei Klassen: Adelige, Timauas oder Plebejer, und Sklaven -der Adeligen und der Timauas. Es giebt verschiedene Arten von Sklaven, -einige in ganzer Sklaverei (Saguiguilires); sie dienen im Hause, -ihre Kinder desgleichen. Andre bewohnen mit ihren Familien eigene -Häuser und leisten ihrem Herrn Dienste zur Saat- und Erntezeit, -auch als Ruderknechte und beim Hausbau etc. Sie müssen kommen so oft -sie gerufen werden, und diese Dienste leisten ohne Bezahlung oder -Entschädigung, sie heissen Namamahayes, ihre Verpflichtungen gehn -auf ihre Nachkommen über. Von diesen Saguiguilires und Namamahayes -sind einige Vollsklaven, andre Halbsklaven und andere Viertelsklaven. - -Wenn nämlich der Vater oder die Mutter frei war, so wird der einzige -Sohn halb frei und halb Sklave; bei mehreren Söhnen erbt der erste den -Stand des Vaters, der zweite den der Mutter, bei unpaarigen Kindern, -ist das letzte halb frei und halb Sklave; die Nachkommen solcher -Halbsklaven mit einem oder einer Freien sind Viertelsklaven. Die -Halbsklaven, gleichviel ob Saguiguilires oder Namamahayes, dienen -ihrem Herrn einen um den andern Monat. Halb- und Viertelsklaven -können auf Grund des freien Theiles, der in ihnen ist, ihren Herrn -zwingen sie für einen festgesetzten Preis frei zu lassen. Vollsklaven -haben dieses Recht nicht. Ein Namamahaya gilt halb so viel als ein -Saguiguilir. Alle Sklaven sind Eingeborene. - -f. 143 v.: Eine Sklavin, die von ihrem Herrn Kinder hatte, wurde -dadurch frei sammt diesen Kindern. Letztere galten aber nicht für -wohlgeboren, nahmen nicht an der Erbschaft Theil, auch die Vorrechte -des Adels, falls der Vater diesem Stande angehörte, gingen nicht auf -sie über. - -[292] Sehr wahrhafte und gewisse Beschreibung von dem, was -neulich bekannt geworden über die neuen Inseln des Westens ... von -H. R. Sekretär der Regierung dieser Inseln. Sevilla 1574. Morga -Hakl. 389. - -[293] Relation et Mém. de l'estat des isles Ph. Thévenot 28. - -[294] Bulle Gregor XIV. 18. Apr. 1591. - -[295] Morga Hakl. 328. - -[296] v. Chamisso (Bemerkungen und Ansichten S. 72) weiss es dem -Uebersetzer des Zuñiga Dank, dass er ihn der Pflicht überhoben bei -dieser eklen Geschichte zu verweilen; doch ist Zuñiga's Erzählung immer -noch verhältnissmässig kurz und sachlich; die mit Recht abgekürzte -engl. Uebersetzung enthält viele Fehler. - -[297] Herzog von Almodovar Informe I. III. 199. - -[298] Ich erlaube mir ein Beispiel anzuführen: Als ich mich 1861 an der -Westküste von Mexico befand, bestand der zur Zeit durch die Invasion -europäischer Mächte vereitelte Plan ein Dutzend nordamerikanischer -Hinterwäldlerfamilien im Yaquithal (Sonora), einer Oase in der Wüste, -anzusiedeln. Grosse einheimische Hacendéros erwarteten die Ankunft -dieser Einwanderer, um sich unter ihrem Schutz anzusiedeln. Der -Bodenwerth war nach Verlautbarung des Projektes beträchtlich gestiegen. - -[299] Morga f. 156. - -[300] 1867 wurde die Zahl der gewerbesteuerpflichtigen Chinesen auf -2589 geschätzt, davon gehörten 30 zur 1ten, 517 zur 2ten, 812 zur -3ten, 746 zur 4ten Steuerklasse. Von einer Gesammtbevölkerung von -18600 waren etwa 525 Landbauer. (Engl. Kons. 1869.) - -[301] Zu Morga's Zeit wurde den spanischen Beamten und Geistlichen -wöchentlich eine Anzahl Leute zugewiesen (Polistas), die ihnen für -geringen Lohn (1/4 r. täglich und Reis) häusliche Dienste verrichten -mussten.. Alle übrigen, Spaniern geleisteten Dienste, auch bei der -Schifffahrt, bei Bauten u. s. w. waren freiwillig und nach Verabredung -zahlbar. (Morga 156 v.) - -[302] Crawfurd (Dict. 345) verweist auf die Aehnlichkeit der Barangays -mit den angelsächsischen Hundreds and tithings. - -[303] Diese Zentralkasse (caja central = caja del ramo = caja -real) enthält zu Zeiten bis 40 Millionen Realen (fast 3 Millionen -Thlr.). Dieser, aus den Ueberschüssen entstandenen Kasse entlehnt -die spanische Regierung Geld, wenn sie es gebraucht, beispielsweise -war der Bestand der Kommunalkasse im Oktober 1866 = 83,137 Esc., -der der Propios und Arbitrios = 413,534 Esc., zusammen = 4,966,710 -Realen. Eine mir zur Einsicht mitgetheilte R. O. vom 6. März 1866 -befahl Anstalt zu treffen, um eine vom Staatsschatz geschuldete Summe -von 2,250,364 Realen an die Zentralkasse der Kolonie zurückzuzahlen. - -[304] Die Verordnung von 1786 ist nie zur Ausführung gekommen, -weil sie dem Wesen der spanischen Kolonialpolitik widerspricht; -thatsächlich werden solche Ueberschüsse nach Madrid gesandt und -dort zur Deckung der dringendsten Bedürfnisse verwendet. In den -Philippinen wird fast nichts, wie bereits mehrfach erwähnt, für -produktive Anlagen verausgabt. - -[305] (Sinibaldo Mas) La Chine et les puissances chrétiennes, -Paris 1861. - -[306] Vermuthlich Lei-tschi, Nephelium litchi Wight. - -[307] Es schien angemessen hier nur den Flächeninhalt der grösseren -Inseln zu geben. Die mehrere Seiten umfassende, von einem Hülfsarbeiter -des Generalstabes, auf Grundlage der Coello'schen und der spanischen -hydrographischen Karte ausgeführten Berechnungen sämmtlicher Inseln -haben nur für Geographen Interesse, und sollen daher unverkürzt in -einem der nächsten Hefte der Berliner Zeitschrift der Gesellschaft -für Erdkunde erscheinen. - -[308] F. B. Engelhardt, Der Flächenraum der einzelnen Staaten in -Europa und der übrigen Länder auf der Erde. Berlin 1853. - -[309] Rechnet man hierzu, wie im Anuario, die thatsächlich unabhängigen -Inseln Basilan 23.2, Sulu 14.5, Taui-taui etc., zusammen 27.5 -quadr. M., so erhält man 6365.5 quadr. M. - -[310] Bemerkungen und Ansichten auf der Entdeckungsreise von O. von -Kotzebue 1821. - -[311] Geognostische Beobachtungen auf der Reise von O. von Kotzebue -1829. - -[312] Reise um die Erde. Berlin 1835. - -[313] Constitucion geognostica de las Islas filipinas. Anales de -minas. 2. 197-212. 1841. Spätere Bände habe ich nicht einsehen können. - -[314] Voyage de la Bonite. Géologie. Paris 1844. - -[315] U. S. Exploring expedition under the command of -C. Wilkes. Geology by Dana. Philadelphia 1849. - -[316] Wiener Akad. Ber. 36. 121. 1859. - -[317] Zs. geol. Ges. 14. 358. 1862. - -[318] Zs. f. allgem. Erdkunde. N. F. 10. 249. 1861 u. 13. 81. 1862. - -[319] Kosmos. Bd. 4. 405. - -[320] Auch auf Java fand L. Horner (J. Miner. 1838. 2) in einigen -der Südsee zufallenden Flüssen »granitische, syenitische und -dioritische Gesteine«, über welche ich bei Junghuhn keine Angabe -finde. Vgl. Jahrb. geol. Reichsaust. 9. 291 und 294. 1858. - -[321] Die Lage des Serangani in oder bei Mindanao erscheint nicht -sicher festgestellt. Ob der Vulkan von Davao, an der Bai von Davao -oder Tagloc, und der von Sujut (O. der Bai von Ilana) thätig sind -oder nicht, ist ungewiss. Von einem Vulkan auf der zwischen Mindanao -und Negros gelegenen Insel Siquijor oder de Fuegos ist nichts Genaues -bekannt. - -[322] Semper Skizzen, p. 14. - -[323] Horsburgh (Citat in Berghaus, geohydrographischem Memoir von -den Philippinen 1832) spricht von einer Lava oder Cap islet genannten -Insel mit Lavamassen, nördlich vom Cabo Engaño. Bezieht sich diese -Angabe auf Camiguin? - -[324] Vom Mainit, der eng verbunden zu sein scheint mit dem Maquiling, -sagt de la Gironière (Citat in Perrey Documents sur les tremblements -de terre dans l'archipel des Philippines), dass er bisweilen Flammen -und Rauch ausstösst. Dieser Berg wäre demnach in die Reihe der thätigen -Vulkane zu stellen. - -[325] Entdeckungsreise. II. 137. - -[326] Vgl. auch Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 6. 71. 1859. - -[327] Dana l. c. 545 sah dort Blöcke zelliger Lava und graue Tuffe, -denen von Manila ähnlich. - -[328] A. von Humboldt. Kosmos IV. 522 u. 287. - -[329] S. die Abbildung in Choris Voyage pittoresque. 1820. - -[330] U. S. Explor. Expedition V. 317. - -[331] Bull. soc. géogr. 19. 79. 1842, im Auszuge in d'Archiac -hist. d. progrès de la géologie. 1. 544. 1847. - -[332] Description physique des îles Canaries. Paris 1836. 437. - -[333] Citat bei Chevalier p. 227. - -[334] d'Archiac histoire de la géologie 3. 520. - -[335] Die Nummuliten von Borneo beschrieb Verbeek im -Jahrb. Miner. 1871. 1. - -[336] Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 13. 86. - -[337] l. c. 204. - -[338] Vgl. die Angabe von Itier. S. 7. - -[339] Vgl. die krystallographischen Bestimmungen von -Dauber. Wien. Akad. Ber. 42. 26. - -[340] Es liegt dort gewonnenes Kupfer vor. - -[341] Weiter östlich sollen 6 Stunden von Lauang flussaufwärts bei -Binontuan marmorartige Kalke anstehen. - -[342] Die Zähne sind etwas zahlreicher und schmaler als bei -A. inaequivalvis Brug. - -[343] M. Thévenot, Rélations de divers voyages curieux. Paris -1591. (Wie später angeführt wird, war die Jahreszahl irrig.) - -[344] Die Makrocephalen im Boden der Krym und Oesterreichs. Mém. de -l'acad. imp. des sciences de St. Pétersbourg. Sér. VII. T. II. No. 6. - -[345] L. A. Gosse, Essai sur les déformations artificielles du -crâne. Annal. d'hygiène publique et de méd. légale. Paris 1855. Juill. - -[346] Da seit Thévenot kein neuerer Autor von der Flathead-Mode auf -den Philippinen spricht, so wird man diese Schädel mindestens nicht -hinter das 16. Jahrhundert verlegen. Die Kalkincrustation konnte sich -in einigen Jahrhunderten ganz wohl gebildet haben, doch ist es auch -denkbar, dass nach ihrer Bildung die Schädel beliebig lange unverändert -bleiben, und dass sie dennoch einer sehr viel älteren Zeit angehören. - -[347] Für zwei Schädel von Madura bei J. van der Hoeven -(Catal. craniorum p. 38) berechne ich den Breitenindex zu 80,4 und -78,4, den Höhenindex zu 79,7 und 84,6. - -[348] Meyen (Nova -Act. Acad. Leop. Car. 1834. Vol. XVI. suppl. I. p. 47), der auch -den Schädel einer Tagalin von Manila abbildet, rechnet diesen Stamm -nebst den Bewohnern der Carolinen, Marianen u. s. w. zur Rasse der -Oceanier. Schetelig (Transact. Ethnol. Soc. 1868. VII.) stellt die -Luzonesen bestimmt zu den Malaien. Nach seinen Messungen hat ihr -Schädel einen Breitenindex von 83,5 bei einem Höhenindex von 77; -Davis habe bei Bisayer-Schädeln 80 und 79 berechnet. - -[349] Welcker berechnet für diese einen Breitenindex von 75 bei einem -Höhenindex von 77. Einer der Dajak-Schädel bei van der Hoeven hat -einen Breitenindex von 75,2, ein zweiter von 78,7. - -[350] Schädel und Skelet gehören jedoch offenbar nicht zusammen. - -[351] Der eine trägt die Inschrift Semarrona Ilamada Omang, der andere -Semarron Ilamado Baringeag (?). - -[352] Die von Hrn. Jagor geäusserte Meinung, dass dieser Berg identisch -mit dem Vulkan Yriga sein müsse, der in der Provinz Camarines auf -Luzon am See Bugi oder Buhi liegt, ist später von Hrn. Schetelig -bestätigt worden. In einem früheren Briefe nennt Hr. Schetelig den -Häuptling Capitän Juan Galapnid. - -[353] Das Os femoris ist 38 Centim. lang, die Tibia 30,5, das Os -humeri 27, der Radius 21. - -[354] Die Stelle steht in Relations de divers voyages curieux, Paris -1664, II., und zwar in der Relation des Isles Philipines, faite -par un religieux qui y a demeuré 18 ans, p. 6. Es heisst daselbst: -ils auoient accoustumé dans quelques-unes de ces Isles, de mettre -entre-deux ais la teste de leurs enfans, quand ils venoient au monde, -et la pressoient ainsi, afin qu'elle ne demeura pas ronde, mais -qu'elle s'estendit en long; ils luy applatissoient aussi le front, -croyant que c'estoit un trait de beauté de l'auoir ainsi. - -[355] Pour ce qui est des dents, elles (les femmes) imitent en tout -les hommes: ils se les liment dès leur plus tendre jeunesse, les vns -les rendent par là esgales, les autres les affilent en pointes, en -leur donnant la figure d'une scie, et ils couvrent d'un vernis noir -et lustré, ou de couleur de feu, et ainsi leurs dents deuiennent -noires ou rouges comme du vermillon; et dans le rang d'en haut, -ils font vne petite ouuerture qu'ils remplissent d'or, qui brille -d'avantage sur le fond noir ou rouge de ces vernis. - -[356] Nach einer Mittheilung des Hrn. Semper feilen nur die Negritos -von Mariveles und der Nachbarbezirke die Zähne in der angegebenen -Weise. Bei den übrigen Negrito-Stämmen, welche er besuchte, fand er -diese Sitte nicht. - - - - - - -End of Project Gutenberg's Reisen in den Philippinen, by Andreas Fedor Jagor - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK REISEN IN DEN PHILIPPINEN *** - -***** This file should be named 53322-8.txt or 53322-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/3/2/53322/ - -Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net/ for Project -Gutenberg (The digitized holdings of the Staatsbibliothek -zu Berlin are available free of charge for non-commercial -use by all interested parties worldwide.) - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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