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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/5326-8.txt b/5326-8.txt new file mode 100644 index 0000000..9679a07 --- /dev/null +++ b/5326-8.txt @@ -0,0 +1,2045 @@ +The Project Gutenberg EBook of Venetianische Epigramme, by Johann Wolfgang Goethe +(#34 in our series by Johann Wolfgang Goethe) + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. 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You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Venetianische Epigramme + +Author: Johann Wolfgang Goethe + +Release Date: March, 2004 [EBook #5326] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on July 1, 2002] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: Windows Codepage 1252 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, VENETIANISCHE EPIGRAMME *** + + + + +This eBook was prepared by Gunther Olesch, originally created by +Helmut Schulze. + + +Johann Wolfgang Goethe + +Venetianische Epigramme + +1795 + + + + I-CIII +Von Goethe veröffentliche Epigramme (Text der zweiten Cotta-Ausgabe +der "Werke" von 1815) + + CIV-CLIV +Nachgelassene Epigramme (nach der Sophien-Ausgabe von 1914) + + CLV-CLXXXI +Entwürfe und Notizen (nach der Sophien-Ausgabe von 1914) + +<>: die spitzen Klammern enthalten unsichere Lesarten und Konjekturen + + + + I. + +Sarkophagen und Urnen verzierte der Heide mit Leben. +Faunen tanzen umher, mit der Bacchantinnen Chor +Machen sie bunte Reihe; der ziegengefüßete Pausback +Zwingt den heiseren Ton wild aus dem schmetternden Horn. +Cymbeln, Trommeln erklingen; wir sehen und hören den Marmor. +Flatternde Vögel! wie schmeckt herrlich dem Schnabel die Frucht! +Euch verscheuchet kein Lärm, noch weniger scheucht er den Amor, +Der in dem bunten Gewühl erst sich der Fackel erfreut. +So überwältiget Fülle den Tod; und die Asche da drinnen +Scheint, im stillen Bezirk, noch sich des Lebens zu freun. +So umgebe denn spät den Sarkophagen des Dichters +Diese Rolle, von ihm reichlich mit Leben geschmückt. + + + + II. + +Kaum an dem blaueren Himmel erblickt' ich die glänzende Sonne, +Reich, vom Felsen herab, Epheu zu Kränzen geschmückt, +Sah den emsigen Winzer die Rebe der Pappel verbinden, +Ueber die Wiege Virgils kam mir ein laulicher Wind: +Da gesellten die Musen sich gleich zum Freunde; wir pflogen +Abgeriss'nes Gespräch, wie es den Wanderer freut. + + + + III. + +Immer halt' ich die Liebste begierig im Arme geschlossen, +Immer drängt sich mein Herz fest an den Busen ihr an, +Immer lehnt mein Haupt an ihren Knieen, ich blicke +Nach dem lieblichen Mund, ihr nach den Augen hinauf. +Weichling! schölte mich Einer, und so verbringst du die Tage? +Ach, ich verbringe sie schlimm! Höre nur, wie mir geschieht: +Leider wend' ich den Rücken der einzigen Freude des Lebens; +Schon den zwanzigsten Tag schleppt mich der Wagen dahin. +Vetturine trotzen mir nun, es schmeichelt der Kämm'rer, +Und der Bediente vom Platz sinnet auf Lügen und Trug. +Will ich ihnen entgehn, so faßt mich der Meister der Posten, +Postillone sind Herrn, dann die Dogane dazu! +"Ich verstehe dich nicht! du widersprichst dir! du schienest +Paradiesisch zu ruhn, ganz, wie Rinaldo, beglückt." +Ach! ich verstehe mich wohl: es ist mein Körper auf Reisen, +Und es ruhet mein Geist stets der Geliebten im Schoß. + + + + IV. + +Das ist Italien, das ich verließ. Noch stäuben die Wege, +Noch ist der Fremde geprellt, stell' er sich, wie er auch will. +Deutsche Redlichkeit suchst du in allen Winkeln vergebens; +Leben und Weben ist hier, aber nicht Ordnung und Zucht; +Jeder sorgt nur für sich, mißtraut dem Andern, ist eitel, +Und die Meister des Staats sorgen nur wieder für sich. +Schön ist das Land; doch, ach! Faustinen find' ich nicht wieder. +Das ist Italien nicht mehr, das ich mit Schmerzen verließ. + + + + V. + +In der Gondel lag ich gestreckt und fuhr durch die Schiffe, +Die in dem großen Kanal, viele befrachtete, stehn. +Mancherley Waare findest du da für manches Bedürfniß, +Weizen, Wein und Gemüs, Scheite, wie leichtes Gesträuch. +Pfeilschnell drangen wir durch; da traf ein verlorener Lorber +Derb mir die Wangen. Ich rief: Daphne, verletzest du mich? +Lohn erwartet' ich eher! Die Nymphe lispelte lächelnd: +Dichter sünd'gen nicht schwer. Leist ist die Strafe. Nur zu! + + + + VI. + +Seh' ich den Pilgrim, so kann ich mich nie der Thränen enthalten. +O, wie beseliget uns Menschen ein falscher Begriff! + + + + VII. + +Eine Liebe hatt' ich, sie war mir lieber als Alles! +Aber ich hab' sie nicht mehr! Schweig', und ertrag' den Verlust! + + + + VIII. + +Diese Gondel verglich ich der sanft einschaukelnden Wiege, +Und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg. +Recht so! Zwischen der Wieg' und dem Sarg wir schwanken und schweben +Auf dem großen Kanal sorglos durch's Leben dahin. + + + + IX. + +Feyerlich sehn wir neben dem Doge den Nuncius gehen; +Sie begraben den Herrn, einer versiegelt den Stein. +Was der Doge sich denkt, ich weiß es nicht; aber der Andre +Lächelt über den Ernst dieses Gepränges gewiß. + + + + X. + +Warum treibt sich das Volk so, und schreit? Es will sich ernähren, +Kinder zeugen, und die nähren, so gut es vermag. +Merke dir, Reisender, das, und thue zu Hause desgleichen! +Weiter bringt es kein Mensch, stell' er sich, wie er auch will. + + + + XI. + +Wie sie klingeln, die Pfaffen! Wie angelegen sie's machen, +Daß man komme, nur ja plappre, wie gestern so heut! +Scheltet mir nicht die Pfaffen: sie kennen des Menschen Bedürfniß! +Denn wie ist er beglückt, plappert er morgen wie heut! + + + + XII. + +Mache der Schwärmer sich Schüler, wie Sand am Meere - der Sand ist +Sand, die Perle sey mein, du, o vernünftiger Freund! + + + + XIII. + +Süß den sprossenden Klee mit weichlichen Füßen im Frühling, +Und die Wolle des Lamms tasten mit zärtlicher Hand; +Süß voll Blüthen zu sehn die neulebendigen Zweige, +Dann das grünende Laub locken mit sehnendem Blick. +Aber süßer, mit Blumen dem Busen der Schäferinn schmeicheln; +Und dies vielfache Glück läßt mich entbehren der May. + + + + XIV. + +Diesem Ambos vergleich' ich das Land, den Hammer dem Herrscher: +Unter dem Volke das Blech, das in der Mitte sich krümmt. +Wehe dem armen Blech! wenn nur willkürliche Schläge +Ungewiß treffen, und nie fertig der Kessel erscheint. + + + + XV. + +Schüler macht sich der Schwärmer genug, und rühret die Menge, +Wenn der vernünftige Mann einzelne Liebende zählt. +Wunderthätige Bilder sind meist nur schlechte Gemählde: +Werke des Geist's und der Kunst sind für den Pöbel nicht da. + + + + XVI. + +Mache zum Herrscher sich der, der seinen Vortheil verstehet: +Doch wir wählten uns den, der sich auf unsern versteht. + + + + XVII. + +Noth lehrt beten, man sagt's; will einer es lernen, er gehe +Nach Italien! Noth findet der Fremde gewiß. + + + + XVIII. + +Welch ein heftig Gedränge nach diesem Laden! Wie emsig +Wägt man, empfängt man das Geld, reicht man die Waare dahin! +Schnupftaback wird hier verkauft. Das heißt sich selber erkennen! +Nieswurz holt sich das Volk, ohne Verordnung und Arzt. + + + XIX. + +Jeder Edle Venedigs kann Doge werden; das macht ihn +Gleich als Knaben so fein, eigen, bedächtig und stolz. +Darum sind die Oblaten so zart im katholischen Welschland; +Denn aus demselbigen Teig weihet der Priester den Gott. + + + + XX. + +Ruhig am Arsenal stehn zwey altgriechische Löwen; +Klein wird neben dem Paar Pforte, wie Thurm und Kanal. +Käme die Mutter der Götter herab, es schmiegten sich beyde +Vor den Wagen, und sie freuete sich ihres Gespanns. +Aber nun ruhen sie traurig; der neue geflügelte Kater +Schnurrt überall, und ihn nennet Venedig Patron. + + + + XXI. + +Emsig wallet der Pilger! Und wird er den Heiligen finden? +Hören und sehen den Mann, welcher die Wunder gethan? +Nein, es führte die Zeit ihn hinweg: du findest nur Reste, +Seinen Schedel, ein Paar seiner Gebeine verwahrt. +Pilgrime sind wir Alle, die wir Italien suchen; +Nur ein zerstreutes Gebein ehren wir gläubig und froh. + + + + XXII. + +Jupiter Pluvius, heut erscheinst du ein freundlicher Dämon; +Denn ein vielfach Geschenk gibst du in Einem Moment: +Gibst Venedig zu trinken, dem Lande grünendes Wachsthum; +Manches kleine Gedicht gibst du dem Büchelchen hier. + + + + XXIII. + +Gieße nur, tränke nur fort die rothbemäntelten Frösche, +Wäss're das durstende Land, daß es uns Broccoli schickt. +Nur durchwässer' mir nicht dies Büchlein; es sey mir ein Fläschchen +Reinen Araks, und Punsch mache sich jeder nach Lust. + + + + XXIV. + +Sanct Johannes im Koth heißt jene Kirche; Venedig +Nenn' ich mit doppeltem Recht heute Sankt Markus im Koth. + + + + XXV. + +Hast du Bajä gesehn, so kennst du das Meer und die Fische. +Hier ist Venedig; du kennst nun auch den Pfuhl und den Frosch. + + + + XXVI. + +Schläfst du noch immer? Nur still, und laß mich ruhen; erwach' ich, +Nun, was soll ich denn hier? Breit ist das Bette, doch leer. +Ist überall ja doch Sardinien, wo man allein schläft; +Tibur, Freund, überall, wo dich die Liebliche weckt. + + + + XXVII. + +Alle Neun, sie winkten mir oft, ich meine die Musen; +Doch ich achtet' es nicht, hatte das Mädchen im Schoß. +Nun verließ ich mein Liebchen; mich haben die Musen verlassen, +Und ich schielte, verwirrt, suchte nach Messer und Strick. +Doch von Göttern ist voll der Olymp; du kamst mich zu retten, +Langeweile! du bist Mutter der Musen gegrüßt. + + + + XXVIII. + +Welch ein Mädchen ich wünsche zu haben? Ihr fragt mich. Ich hab' sie, +Wie ich sie wünsche, das heißt, dünkt mich, mit Wenigem Viel. +An dem Meere ging ich, und suchte mir Muscheln. In einer +Fand ich ein Perlchen; es bleibt nun mir am Herzen verwahrt. + + + + XXIX. + +Vieles hab' ich versucht, gezeichnet, in Kupfer gestochen, +Oel gemahlt, in Thon hab' ich auch Manches gedruckt, +Unbeständig jedoch, und nichts gelernt noch geleistet; +Nur ein einzig Talent bracht' ich der Meisterschaft nah: +Deutsch zu schreiben. Und so verderb' ich unglücklicher Dichter +In dem schlechtesten Stoff leider nun Leben und Kunst. + + + + XXX. + +Schöne Kinder tragt ihr, und steht mit verdeckten Gesichtern, +Bettelt: das heißt, mit Macht reden ans männliche Herz. +Jeder wünscht sich ein Knäbchen, wie ihr das Dürftige zeiget, +Und ein Liebchen, wie man's unter dem Schleyer sich denkt. + + + + XXXI. + +Das ist dein eigenes Kind nicht, worauf du bettelst, und rührst mich; +O, wie rührt mich erst die, die mir mein eigenes bringt! + + + + XXXII. + +Warum leckst du dein Mäulchen, indem du mir eilig begegnest? +Wohl, dein Züngelchen sagt mir, wie gesprächig es sey. + + + + XXXIII. + +Sämmtliche Künste lernt und treibet der Deutsche; zu jeder +Zeigt er ein schönes Talent, wenn er sie ernstlich ergreift. +Eine Kunst nur treibt er, und will sie nicht lernen, die Dichtkunst. +Darum pfuscht er auch so; Freunde, wir haben's erlebt. + + + + XXXIV. a) + +Oft erklärt ihr euch als Freunde des Dichters, ihr Götter! +Gebt ihm auch, was er bedarf! Mäßiges braucht er, doch viel: +Erstlich freundliche Wohnung, dann leidlich zu essen, zu trinken +Gut; der Deutsche versteht sich auf den Nektar, wie ihr. +Dann geziemende Kleidung und Freunde, vertraulich zu schwatzen; +Dann ein Liebchen des Nachts, das ihn von Herzen begehrt. +Diese fünf natürlichen Dinge verlang' ich vor Allem. +Gebet mir ferner dazu Sprachen, die alten und neu'n, +Daß ich der Völker Gewerb' und ihre Geschichten vernehme; +Gebt mir ein reines Gefühl, was sie in Künsten gethan. +Ansehn gebt mir im Volke, verschafft bey Mächtigen Einfluß, +Oder was sonst noch bequem unter den Menschen erscheint; +Gut - schon dank' ich euch, Götter; ihr habt den glücklichsten Menschen +Ehstens fertig: denn ihr gönntet das Meiste mir schon. + + + + XXXIV. b) + +Klein ist unter den Fürsten Germaniens freylich der meine; +Kurz und schmal ist sein Land, mäßig nur, was er vermag. +Aber so wende nach innen, so wende nach außen die Kräfte +Jeder; da wär's ein Fest, Deutscher mit Deutschen zu seyn. +Doch was priesest du Ihn, den Thaten und Werke verkünden? +Und bestochen erschien deine Verehrung vielleicht; +Denn mir hat er gegeben, was Große selten gewähren, +Neigung, Muße, Vertraun, Felder und Garten und Haus. +Niemand braucht' ich zu danken als ihm, und Manches bedurft' ich, +Der ich mich auf den Erwerb schlecht, als ein Dichter, verstand. +Hat mich Europa gelobt, was hat mir Europa gegeben? +Nichts! Ich habe, wie schwer! meine Gedichte bezahlt. +Deutschland ahmte mich nach, und Frankreich mochte mich lesen. +England! freundlich empfingst du den zerrütteten Gast. +Doch was fördert es mich, daß auch sogar der Chinese +Mahlet, mit ängstlicher Hand, Werthern und Lotten auf Glas? +Niemals frug ein Kaiser nach mir, es hat sich kein König +Um mich bekümmert, und Er war mir August und Mäzen. + + + + XXXV. + +Eines Menschen Leben, was ist's? Doch Tausende können +Reden über den Mann, was er und wie er's gethan. +Weniger ist ein Gedicht; doch können es Tausend genießen, +Tausende tadeln. Mein Freund, lebe nur, dichte nur fort! + + + + XXXVI. + +Müde war ich geworden, nur immer Gemählde zu sehen, +Herrliche Schätze der Kunst, wie sie Venedig bewahrt. +Denn auch dieser Genuß verlangt Erholung und Muße; +Nach lebendigem Reiz suchte mein schmachtender Blick. +Gauklerinn! da ersah ich in dir zu den Bübchen das Urbild. +Wie sie Johannes Bellin reizend mit Flügeln gemahlt, +Wie sie Paul Veronese mit Bechern dem Bräutigam sendet, +Dessen Gäste, getäuscht, Wasser genießen für Wein. + + + + XXXVII. + +Wie, von der künstlichsten Hand geschnitzt, das liebe Figürchen, +Weich und ohne Gebein, wie die Moluska nur schwimmt! +Alles ist Glied, und Alles Gelenk, und Alles gefällig, +Alles nach Maßen gebaut, Alles nach Willkür bewegt. +Menschen hab' ich gekannt, und Thiere, so Vögel als Fische, +Manches besondre Gewürm, Wunder der großen Natur; +Und doch staun' ich dich an, Bettine, liebliches Wunder, +Die du Alles zugleich bist, und ein Engel dazu. + + + + XXXVIII. + +Kehre nicht, liebliches Kind, die Beinchen hinauf zu dem Himmel; +Jupiter sieht dich, der Schalk, und Ganymed ist besorgt. + + + + XXXIX. + +Wende die Füßchen zum Himmel nur ohne Sorge! Wir strecken +Arme betend empor; aber nicht schuldlos, wie du. + + + + XL. + +Seitwärts neigt sich dein Hälschen. Ist das ein Wunder? Es träget +Oft dich Ganze; du bist leicht, nur dem Hälschen zu schwer. +Mir ist sie gar nicht zuwider die schiefe Stellung des Köpfchens; +Unter schönerer Last beugte kein Nacken sich je. + + + + XLI. + +So verwirret mit dumpf willkürlich verwebten Gestalten, +Höllisch und trübe gesinnt, Breughel den schwankenden Blick; +So zerrüttet auch Dürer mit apokalyptischen Bildern, +Menschen und Grillen zugleich, unser gesundes Gehirn; +So erreget ein Dichter, von Sphinxen, Sirenen, Centauren +Singend mit Macht Neugier in dem verwunderten Ohr; +So beweget ein Traum den Sorglichen, wenn er zu greifen, +Vorwärts glaubet zu gehn, Alles veränderlich schwebt: +So verwirrt uns Bettine, die holden Glieder verwechselnd; +Doch erfreut sie uns gleich, wenn sie die Sohlen betritt. + + + + XLII. + +Gern überschreit' ich die Gränze, mit breiter Kreide gezogen. +Macht sie Bottegha, das Kind, drängt sie mich artig zurück. + + + + XLIII. + +"Ach! mit diesen Seelen, was macht er? Jesus Maria! +Bündelchen Wäsche sind das, wie man zum Brunnen sie trägt. +Wahrlich, sie fällt! Ich halt' es nicht aus! Komm, gehn wir! Wie zierlich! +Sieh nur, wie steht sie! wie leicht! Alles mit Lächeln und Lust!" +Altes Weib, du bewunderst mit Recht Bettinen; du scheinst mir +Jünger zu werden und schön, da dich mein Liebling erfreut. + + + + XLIV. + +Alles seh' ich so gerne von dir; doch seh' ich am liebsten, +Wenn der Vater behend über dich selber dich wirft, +Du dich im Schwung überschlägst und, nach dem tödtlichen Sprunge, +Wieder stehest und läufst, eben ob nichts wär' geschehn. + + + + XLV. + +Schon entrunzelt sich jedes Gesicht; die Furchen der Mühe, +Sorgen und Armuth fliehn, Glückliche glaubt man zu sehn. +Dir erweicht sich der Schiffer, und klopft dir die Wange; der Seckel +Thut sich dir kärglich zwar, aber er thut sich doch auf, +Und der Bewohner Venedigs entfaltet den Mantel, und reicht dir, +Eben als flehtest du laut bey den Mirakeln Antons, +Bey des Herrn fünf Wunden, dem Herzen der seligsten Jungfrau, +Bey der feurigen Qual, welche die Seelen durchfegt. +Jeder kleine Knabe, der Schiffer, der Höke, der Bettler +Drängt sich, und freut sich bey dir, daß er ein Kind ist, wie du. + + + + XLVI. + +Dichten ist ein lustig Metier; nur find' ich es theuer: +Wie dies Büchlein mir wächst, gehn die Zechinen mir fort. + + + + XLVII. + +"Welch ein Wahnsinn ergriff die Müßigen? Hältst du nicht inne? +Wird dies Mädchen ein Buch? Stimme was Klügeres an!" +Wartet, ich singe die Könige bald, die Großen der Erde, +Wenn ich ihr Handwerk einst besser begreife, wie jetzt. +Doch Bettinnen sing' ich indeß; denn Gaukler und Dichter +Sind gar nahe verwandt, suchen und finden sich gern. + + + + XLVIII. + +Böcke, zur Linken mit euch! so ordnet künftig der Richter: +Und ihr Schäfchen, ihr sollt ruhig zur Rechten mir stehn! +Wohl! Doch eines ist noch von ihm zu hoffen; dann sagt er: +Seyd, Vernünftige, mir grad' gegenüber gestellt! + + + + XLIX. + +Wißt ihr, wie ich gewiß zu Hunderten euch Epigramme +Fertige? Führet mich nur weit von der Liebsten hinweg! + + + + L. + +Alle Freyheits=Apostel, sie waren mir immer zuwider; +Willkür suchte doch nur Jeder am Ende für sich. +Willst du Viele befreyn, so wag' es Vielen zu dienen. +Wie gefährlich das sey; willst du es wissen? Versuch's! + + + + LI. + +Könige wollen das Gute, die Demagogen desgleichen, +Sagt man; doch irren sie sich: Menschen, ach, sind sie, wie wir. +Nie gelingt es der Menge, für sich zu wollen; wir wissens: +Doch wer verstehet, für uns Alle zu wollen; Er zeig's. + + + + LII. + +Jeglichen Schwärmer schlagt mir an's Kreuz im dreyßigsten Jahre; +Kennt er nur einmal die Welt, wird der Betrogne der Schelm. + + + + LIII. + +Frankreichs traurig Geschick, die Großen mögen's bedenken; +Aber bedenken fürwahr sollen es Kleine noch mehr. +Große gingen zu Grunde: doch wer beschützte die Menge +Gegen die Menge? Da war Menge der Menge Tyrann. + + + + LIV. + +Tolle Zeiten hab' ich erlebt, und hab' nicht ermangelt, +Selbst auch thöricht zu seyn, wie es die Zeit mir gebot. + + + + LV. + +Sage, thun wir nicht recht? Wir müssen den Pöbel betrügen. +Sieh nur, wie ungeschickt, sieh nur, wie wild er sich zeigt! +Ungeschickt und wild sind alle rohen Betrognen; +Seyd nur redlich, und so führt ihn zum Menschlichen an. + + + + LVI. + +Fürsten prägen so oft auf kaum versilbertes Kupfer +Ihr bedeutendes Bild; lange betrügt sich das Volk. +Schwärmer prägen den Stempel des Geist's auf Lügen und Unsinn; +Wem der Probierstein fehlt, hält sie für redliches Gold. + + + + LVII. + +Jene Menschen sind toll, so sagt ihr von heftigen Sprechern, +Die wir in Frankreich laut hören auf Straßen und Markt. +Mir auch scheinen sie toll; doch redet ein Toller in Freyheit +Weise Sprüche, wenn, ach! Weisheit im Sklaven verstummt. + + + + LVIII. + +Lange haben die Großen der Franzen Sprache gesprochen, +Halb nur geachtet den Mann, dem sie vom Munde nicht floß. +Nun lallt alles Volk entzückt die Sprache der Franken. +Zürnet, Mächtige, nicht! Was ihr verlangtet, geschieht. + + + + LIX. + +"Seyd doch nicht so frech, Epigramme!" Warum nicht? Wir sind nur +Ueberschriften; die Welt hat die Kapitel des Buchs. + + + + LX. + +Wie dem hohen Apostel ein Tuch voll Thiere gezeigt ward, +Rein und unrein, zeigt, Lieber, das Büchlein sich dir. + + + + LXI. + +Ein Epigramm, ob wohl es gut sey? Kannst du's entscheiden? +Weiß man doch eben nicht stets, was er sich dachte, der Schalk. + + + + LXII. + +Um so gemeiner es ist, und näher dem Neide, der Mißgunst; +Um so mehr begreifst du das Gedichtchen gewiß. + + + + LXIII. + +Chloe schwöret, sie liebt mich; ich glaub's nicht. Aber sie liebt dich! +Sagt mir ein Kenner. Schon gut; glaubt' ich's, da wär es vorbey. + + + + LXIV. + +Niemand liebst du, und mich, Philarchos liebst du so heftig. +Ist denn kein anderer Weg, mich zu bezwingen, als der? + + + + LXV. + +Ist denn so groß das Geheimniß,was Gott und der Mensch und die Welt sey? +Nein! Doch Niemand hört's gerne; da bleibt es geheim. + + + + LXVI. + +Vieles kann ich ertragen. Die meisten beschwerlichen Dinge +Duld' ich mit ruhigem Muth, wie es ein Gott mir gebeut. +Wenige sind mir jedoch wie Gift und Schlange zuwider; +Viere: Rauch des Tabacks, Wanzen und Knoblauch und † + + + + LXVII. + +Längst schon hätt' ich euch gern von jenen Thierchen gesprochen, +Die so zierlich und schnell fahren dahin und daher. +Schlängelchen scheinen sie gleich, doch viergefüßet; sie laufen, +Kriechen und schleichen, und leicht schleppen die Schwänzchen sie nach. +Seht, hier sind sie! und hier! Nun sind sie verschwunden! Wo sind sie? +Welche Ritze, welch Kraut nahm die Entfliehenden auf? +Wollt ihr mir's künftig erlauben, so nenn' ich die Thierchen Lacerten; +Denn ich brauche sie noch oft als gefälliges Bild. + + + + LXVIII. + +Wer Lacerten gesehn, der kann sich die zierlichen Mädchen +Denken, die über den Platz fahren dahin und daher. +Schnell und beweglich sind sie, und gleiten, stehen und schwatzen, +Und es rauscht das Gewand hinter den Eilenden drein. +Sieh, hier ist sie! und hier! Verlierst du sie einmal, so suchst du +Sie vergebens; so bald kommt sie nicht wieder hervor. +Wenn du aber die Winkel nicht scheust, nicht Gäßchen und Treppchen, +Folg' ihr, wie sie dich lockt, in die Spelunke hinein! + + + + LXIX. + +Was Spelunke nun sey, verlangt ihr zu wissen? Da wird ja +Fast zum Lexikon dies epigrammatische Buch. +Dunkele Häuser sind's in engen Gäßchen; zum Kaffee +Führt dich die Schöne, und sie zeigt sich geschäftig, nicht du. + + + + LXX. + +Zwey der feinsten Lacerten, sie hielten sich immer zusammen; +Eine beynahe zu groß, eine beynahe zu klein. +Siehst du Beyde zusammen, so wird die Wahl dir unmöglich; +Jede besonders, sie schien einzig die Schönste zu seyn. + + + + LXXI. + +Heilige Leute, sagt man, sie wollten besonders dem Sünder +Und der Sünderin wohl. Geht's mir doch eben auch so. + + + + LXXII. + +Wär' ich ein häusliches Weib, und hätte, was ich bedürfte, +Treu seyn wollt' ich und froh, herzen und küssen den Mann. +So sang, unter andern gemeinen Liedern, ein Dirnchen +Mir in Venedig, und nie hört' ich ein frömmer Gebet. + + + + LXXIII. + +Wundern kann es mich nicht, daß Menschen die Hunde so lieben, +Denn ein erbärmlicher Schuft ist, wie der Mensch, so der Hund. + + + + LXXIV. + +Frech wohl bin ich geworden; es ist kein; Wunder, Ihr Götter, +Wißt, und wißt nicht allein, daß ich auch fromm bin und treu. + + + + LXXV. + +Hast du nicht gute Gesellschaft gesehn? Es zeigt uns dein Büchlein +Fast nur Gaukler und Volk, ja was noch niedriger ist. +Gute Gesellschaft hab' ich gesehn, man nennt sie die gute, +Wenn sie zum kleinsten Gedicht keine Gelegenheit gibt. + + + + LXXVI. + +Was mit mir das Schicksal gewollt? Es wäre verwegen, +Das zu fragen; denn meist will es mit Vielen nicht viel. +Einen Dichter zu bilden, die Absicht wär' ihm gelungen, +Hätte die Sprache sich nicht unüberwindlich gezeigt. + + + + LXXVII. + +Mit Botanik gibst du dich ab? mit Optik? Was thust du? +Ist es nicht schönrer Gewinn, rühren ein zärtliches Herz? +Ach, die zärtlichen Herzen! Ein Pfuscher vermag sie zu rühren; +Sey es mein einziges Glück, dich zu berühren, Natur! + + + + LXXVIII. + +Weiß hat Newton gemacht aus allen Farben. Gar Manches +Hat er euch weis gemacht, das ihr ein Sekulum glaubt. + + + + LXXIX. + +"Alles erklärt sich wohl," so sagt mir ein Schüler, "aus jenen +Theorien, die uns weislich der Meister gelehrt." +Habt ihr einmal das Kreuz von Holze tüchtig gezimmert, +Passt ein lebendiger Leib freylich zur Strafe daran. + + + + LXXX. + +Wenn auf beschwerlichen Reisen ein Jüngling zur Liebsten sich windet, +Hab' er dies Büchlein; es ist reizend und tröstlich zugleich. +Und erwartet dereinst ein Mädchen den Liebsten, sie halte +Dieses Büchlein, und nur, kommt er, so werfe sie's weg. + + + + LXXXI. + +Gleich den Winken des Mädchens, des eilenden, welche verstohlen +Im Vorbeygehn nur freundlich mir streifet den Arm, +So vergönnt, ihr Musen, dem Reisenden kleine Gedichte: +O, behaltet dem Freund größere Gunst noch bevor! + + + + LXXXII. + +Wenn, in Wolken und Dünste verhüllt, die Sonne nur trübe +Stunden sendet; wie still wandeln die Pfade wir fort! +Dränget Regen den Wandrer! wie ist uns des ländlichen Daches +Schirm willkommen! Wie sanft ruht sich's in stürmischer Nacht! +Aber die Göttinn kehret zurück! Schnell scheuche die Nebel +Von der Stirne hinweg! Gleiche der Mutter Natur! + + + + LXXXIII. + +Willst du mit reinem Gefühl der Liebe Freuden genießen, +O, laß Frechheit und Ernst ferne vom Herzen dir seyn. +D i e will Amorn verjagen, und d e r gedenkt ihn zu fesseln; +Beyden das Gegentheil lächelt der schelmische Gott. + + + + LXXXIV. + +Göttlicher Morpheus, umsonst bewegst du die lieblichen Mohne; +Bleibt das Auge doch wach, wenn mir es Amor nicht schließt. + + + + LXXXV. + +Liebe flößest du ein, und Begier; ich fühl' es, und brenne. +Liebenswürdige, nun flöße Vertrauen mir ein! + + + + LXXXVI. + +Ha! ich kenne dich, Amor, so gut als einer! Da bringst du +Deine Fackel, und sie leuchtet im Dunkel uns vor. +Aber du führest uns bald verworrene Pfade; wir brauchten +Deine Fackel erst recht, ach! und die falsche erlischt. + + + + LXXXVII. + +Eine einzige Nacht an deinem Herzen! - Das Andre +Gibt sich. Es trennet uns noch Amor in Nebel und Nacht. +Ja, ich erlebe den Morgen, an dem Aurora die Freunde +Busen an Busen belauscht, Phöbus, der Frühe, sie weckt. + + + + LXXXVIII. + +Ist es dir Ernst, so zaudre nun länger nicht; mache mich glücklich! +Wolltest du scherzen? Es sey, Liebchen, des Scherzes genug! + + + + LXXXIX. + +Daß ich schweige, verdrießt dich? Was soll ich reden? Du merkest +Auf der Seufzer, des Blicks leise Beredsamkeit nicht. +Eine Göttinn vermag der Lippe Siegel zu lösen; +Nur Aurora, sie weckt einst dir am Busen mich auf. +Ja, dann töne mein Hymnus den frühen Göttern entgegen, +Wie das Memnonische Bild lieblich Geheimnisse sang. + + + + XC. + +Welch ein lustiges Spiel! Es windet am Faden die Scheibe, +Die von der Hand entfloh, eilig sich wieder herauf! +Seht, so schein' ich Herz, bald dieser Schönen, bald jener +Zuzuwerfen; doch gleich kehrt es im Fluge zurück. + + + + XCI. + +O, wie achtet' ich sonst auf alle Zeiten des Jahres; +Grüßte den kommenden Lenz, sehnte dem Herbste mich nach! +Aber nun ist nicht Sommer noch Winter, seit mich Beglückten +Amors Fittig bedeckt, ewiger Frühling umschwebt. + + + + XCII. + +Sage, wie lebst du? Ich lebe! und wären hundert und hundert +Jahre dem Menschen gegönnt, wünscht' ich mir morgen, wie heut. + + + + XCIII. + +Götter, wie soll ich euch danken! Ihr habt mir Alles gegeben, +Was der Mensch sich erfleht; nur in der Regel fast nichts. + + + + XCIV. + +In der Dämmerung des Morgens den höchsten Gipfel erklimmen, +Frühe den Botes des Tags grüßen, dich, freundlichen Stern! +Ungeduldig die Blicke der Himmelsfürstinn erwarten, +Wonne des Jünglings, wie oft locktest du Nachts mich heraus! +Nun erscheint ihr mir, Boten des Tags, ihr himmlischen Augen +Meiner Geliebten, und stets kommt mir die Sonne zu früh. + + + + XCV. + +Du erstaunest, und zeigst mir das Meer; es scheinet zu brennen. +Wie bewegt sich die Fluth flammend um's nächtliche Schiff! +Mich verwundert es nicht, das Meer gebar Aphroditen, +Und entsprang nicht aus ihr uns eine Flamme, der Sohn? + + + + XCVI. + +Glänzen sah ich das Meer, und blinken die liebliche Welle; +Frisch mit günstigem Wind zogen die Segel dahin. +Keine Sehnsucht fühlte mein Herz; es wendete rückwärts, +Nach dem Schnee des Gebirgs, bald sich der schmachtende Blick. +Südwärts liegen der Schätze, wie viel! Doch einer im Norden +Zieht, ein großer Magnet, unwiderstehlich zurück. + + + + XCVII. + +Ach! mein Mädchen verreis't! Sie steigt zu Schiffe! - Mein König, +Aeolus! mächtiger Fürst! halte die Stürme zurück! +Thörichter! ruft mir der Gott: befürchte nicht wüthende Stürme: +Fürchte den Hauch, wenn sanft Amor die Flügel bewegt! + + + + XCVIII. + +Arm und kleiderlos war, als ich sie geworben, das Mädchen; +Damals gefiel sie mir nackt, wie sie mir jetzt noch gefällt. + + + + XCIX. + +Oftmals hab' ich geirrt, und habe mich wieder gefunden, +Aber glücklicher nie; nun ist dies Mädchen mein Glück! +Ist auch dieses ein Irrthum, so schont mich, ihr klügeren Götter, +Und benehmt mir ihn erst drüben am kalten Gestad. + + + + C. + +Traurig, Midas, war dein Geschick: in bebenden Händen +Fühltest du, hungriger Greis, schwere verwandelte Kost. +Mir, im ähnlichen Fall, geht's lust'ger; denn was ich berühre, +Wird mir unter der Hand gleich ein behendes Gedicht. +Holde Musen, ich sträube mich nicht; nur daß ihr mein Liebchen, +Drück' ich es fest an die Brust, nicht mir zum Mährchen verkehrt? + + + + CI. + +Ach, mein Hals ist ein wenig geschwollen! so sagte die Beste +Aengstlich. - Stille, mein Kind! still! und vernehme das Wort: +Dich hat die Hand der Venus berührt; sie deutet die leise, +Daß sie das Körperchen bald, ach! unaufhaltsam verstellt. +Bald verdirbt sie die schlanke Gestalt, die zierlichen Brüstchen. +Alles schwillt nun; es paßt nirgends das neuste Gewand. +Sey nur ruhig! es deutet die fallende Blüthe dem Gärtner, +Daß die liebliche Frucht schwellend im Herbste gedeiht. + + + + CII. + +Wonniglich ist's, die Geliebte verlangend im Arme zu halten, +Wenn ihr klopfendes Herz Liebe zuerst dir gesteht. +Wonniglicher, das Pochen des Neulebendigen fühlen, +Das in dem lieblichen Schoß immer sich nährend bewegt. +Schon versucht es die Sprünge der raschen Jugend; es klopfet +Ungeduldig schon an, sehnt sich nach himmlischem Licht. +Harre noch wenige Tage! Auf allen Pfaden des Lebens +Führen die Horen dich streng, wie es das Schicksal gebeut. +Widerfahre dir, was dir auch will, du wachsender Jüngling - +Liebe bildete dich; werde dir Liebe zu Theil! + + + + CIII. + +Und so tändelt' ich mir, von allen Freunden geschieden, +In der neptunischen Stadt Tage wie Stunden hinweg. +Alles, was ich erfuhr, ich würzt' es mit süßer Erinn'rung, +Würzt' es mit Hoffnung; sie sind lieblichste Würzen der Welt. + + + + CIV. + +Sauber hat du dein Volck erlöst durch Wunder und Leiden +Nazarener! Wohin soll es dein Häufchen, wohin? +Leben sollen sie doch und Kinder zeugen doch christlich, +Leider dem früheren Reiz dienet die schädliche Hand. +Will der Jüngling dem Uebel entgehn, sich selbst nicht verderben, +Bringet Lais ihm nur brennende Quaalen für Lust. +Komm noch einmal herab du Gott der Schöpfung und leide, +Komm, erlöse dein Volck von dem gedoppelten Weh! +Thu ein Wunder und rein'ge die Quellen der Freud und des Lebens +Paulus will ich dir seyn, Stephanus wie du's gebeutst. + + + + CV. + +Heraus mit dem Theile des Herrn! heraus mit dem Theile des Gottes! +Rief ein unglücklich Geschöpf blind für hysterischer Wuth, +Als, die heiligen Reste Gründonnerstag Abends zu zeigen, +In Sanct Markus ein Schelm über der Bühne sich wies. +Armes Mädchen was soll dir ein Theil des gekreuzigten Gottes? +Rufe den heilsamern Theil jenes von Lampsacus her. + + + + CVI. + +Wundern kann es mich nicht daß unser Herr Christus mit <Dirnen> +Gern und mit Sündern gelebt, gehts mir doch eben auch so. + + + + CVII. + +"Warum willst du den Christen des Glaubens selige Wonne +Grausam rauben?" Nicht ich, niemand vermag es zu thun. +Steht doch deutlich geschrieben: die Heyden toben vergeblich. +Seht, ich erfülle die Schrift, lest und erbaut euch an mir. + + + + CVIII. + +Krebse mit nacktem Hintern, die leere Muscheln sich suchten, +Sie bewohnen und sie wähnen ihr eigenes Haus, +Sind mir seltne Geschöpfe, sie sind so klug als bedürftig; +Manches kam mir in Sinn, als ich am Ufer sie sah. +Christ und Mensch ist eins! Sagt Lavater! Richtig! Die Christen +Decken die nackende Schaam weislich mit Menschenvernunft. + + + + CIX. + +In ein Puppenspiel hatt' ich mich Knabe verliebet, +Lange zog es mich an biß ich es endlich zerschlug. +So griff Lavater iung nach der gekreuzigten Puppe. +Herz' er betrogen sie noch wenn ihm der Athem entgeht! + + + + CX. + +G u t e n schreibt er, das glaub ich, die Menschen müssen wohl gut seyn +Die das alberne Zeug lesen und glauben an ihn. +W e i s e n denckt er zu schreiben, die Weisen mag ich nicht kennen: +Ist das Weisheit, bey Gott, bin ich mit Freuden ein Thor. + + + + CXI. + +Dich betrügt der Staatsmann, der Pfaffe, der Lehrer der Sitten, +Und dieß Kleeblatt wie tief betest du Pöbel es an. +Leider läßt sich noch kaum was rechtes denken und sagen +Das nicht grimmig den Staat, Götter und Sitten verlezt. + + + + CXII. + +Was auch Helden gethan, was Kluge gelehrt, es verachtet's +Wähnender christlicher Stolz neben den Wundern des Herrn. +Und doch schmückt er sich selbst und seinen nackten Erlöser +Mit dem besten heraus was uns der Heide verlies. +So versammelt der Pfaffe die edlen leuchtenden Kerzen +Um das gestempelte Brod das er zum Gott sich geweiht. + + + + CXIII. + +Viele folgten dir gläubig und haben des irdischen Lebens +Rechte Wege verfehlt, wie es dir selber erging. +Folgen mag ich dir nicht; ich möchte dem Ende der Tage +Als ein vernünftiger Mann, als ein vergnügter mich nahn. +Heute gehorch ich dir doch und wähle den Pfad ins Gebirge, +Dießmal schwärmst du wohl nicht, König der Juden leb wohl. + + + + CXIV. + +Offen steht das Grab! Welch herrlich Wunder! +Auferstanden! - Wer's glaubt! Schelmen, ihr trugt ihn ja weg. + + + + CXV. + +Was vom Kristenthum gilt, gilt von den Stoikern, freyen +Menschen geziemet es nicht Krist oder Stoiker seyn. + + + + CXVI. + +Juden und Heiden hinaus! so duldet der christliche Schwärmer. +Christ und Heide verflucht! murmelt ein jüdischer Bart. +Mit den Christen an Spies und mit den Juden ins Feuer! +Singet ein türckisches Kind Christen und Juden zum Spott. +Welcher ist der klügste? Entscheide! Aber sind diese +Narren in deinem Palast, Gottheit, so geh ich vorbey. + + + + CXVII. + +Höllengespenster seyd ihr und keine Christen ihr Schreyer +Die ihr den lieblichen Schlaf mir von den Augen verscheucht. +Warum macht der Pfaffe soviele tausend Gebärden +Und verscheuchet euch nicht wieder zur Hölle zurück? + + + + CXVIII. + +Wenn ein verständiger Koch ein artig Gastmal bereitet, +Mischt er unter die Kost vieles und vieles zugleich. +So genießet auch ihr dieß Büchlein und kaum unterscheidet +Alles ihr was ihr genießt. Nun es bekomm euch nur wohl. + + + + CXIX. + +Sagt, wem geb' ich dieß Büchlein? Der Fürstin die mirs gegeben, +Die uns Italien noch jetzt in Germanien schafft. + + + + CXX. + +"Wagst du Deutsch zu schreiben unziemliche Sachen!" - Mein Guter +Deutsch dem kleinen Bezirk leider ist griechisch der Welt. + + + + CXXI. + +Aus zu eklem Geschmack verbrannte Nauger Martialen. +Wirfst du das Silber hinweg, weil es nicht Gold ist? Pedant! + + + + CXXII. + +Mehr hat Horaz nicht gewollt, er fand es, weniger wollen +Kann man mit größerm Verdienst und man erhält auch nicht das. + + + + CXXIII. + +Wie der Mensch das Pfuschen so liebt! Fast glaub ich dem Mythus, +Der mir erzählet ich sey selbst ein verpfuschtes Geschöpf. + + + + CXXIV. + +Das gemeine lockt jeden: siehst du in Kürze von vielen +Etwas geschehen, sogleich dencke nur: dieß ist gemein. + + + + CXXV. + +Wären der Welt die Augen zu öffnen! - Das könnte geschehen! +Besser du suchest dir selbst und du erfindest dein Theil. + + + + CXXVI. + +Helden herrlich zu seyn beschädigen tausende. Tadelt +Nicht den Dichter der auch wie ein Eroberer denkt. + + + + CXXVII. + +Wenn du schelten willst, so wolle kein Heiliger scheinen, +Denn ein rechtlicher Mann schweigt und verzeihet uns gern. + + + + CXXVIII. + +Unglückselige Frösche die ihr Venedig bewohnet! +Springt ihr zum Wasser heraus, springt ihr auf hartes Gestein. + + + + CXXIX. + +Einen zierlichen Käfig erblickt ich, hinter dem Gitter +Regten sich emsig und rasch Mädchen des süßen Gesangs. +Mädchen wissen sonst nur uns zu ermüden, Venedig +Heil dir daß du sie auch uns zu erquicken ernährst. + + + + CXXX. + +Alle Weiber sind Waare, mehr oder weniger kostet +Sie den begierigen Mann der sich zum Handel entschließt. +Glücklich ist die Beständige die den Beständigen findet, +Einmal nur sich verkauft und auch nur einmal gekauft wird. + + + + CXXXI. + +Hat dich Hymen geflohn? Hast du ihn gemieden? - Was sag ich? +Hymen! köstlich ist er, aber zu ernsthaft für mich. +Aus dem Ehbett darf man nicht schwätzen und Dichter sind schwatzhaft. +Freye Liebe sie läßt frey uns die Zunge, den Muth. + + + + CXXXII. + +Jungfer! ruf ich das Mädchen, ist, Jungfer, der Herr nicht zu Hause? +Aber sie hört nicht, der Ruf schlägt ihr am Ohr nicht an. + + + + CXXXIII. + +Vier gefällige Kinder hast du zum Glauben erzogen +Alter Gauckler und schickst nun sie zum Sammlen umher. +Meine Güter trag ich bey mir! so sagte der Weise, +Meine Güter, sagst du, hab ich mir selber gemacht. + + + + CXXXIV. + +Amerikanerinn nennst du das Töchterchen alter Phantaste, +Glücklicher! hast du sie nicht hier in Europa gemacht? + + + + CXXXV. + +Ich empfehle mich euch! Seyd wacker, sagst du und reichest +Mir das Tellerchen dar, lächelst und dankest gar schön. +Ach empfohlen bist du genug und wärst du nur älter, +Wacker wollten wir seyn, wach biß zum Krähen des Hahns. + + + + CXXXVI. + +Zürnet nicht ihr Frauen daß wir das Mädchen bewundern: +Ihr genießet des Nachts was sie am Abend erregt. + + + + CXXXVII. + +Was ich am meisten besorge: Bettina wird immer geschickter, +Immer beweglicher wird jegliches Gliedchen an ihr; +Endlich bringt sie das Züngelchen noch in zierliche <Fötzchen> +Spielt mit dem artigen Selbst, achtet die Männer nicht viel. + + + + CXXXVIII. + +Auszuspannen befiehlt der Vater die zierlichen Schenkel, +Kindisch der liebliche Theil <sinkt auf> den Teppich herab. +Ach wer einst zuerst dich liebet, er findet die Blüte +Schon verschwunden, sie nahm frühe das Handwerk hinweg. + + + + CXXXIX. + +Caffé wollen wir trinken mein Fremder! - da meynt sie branliren; +Hab ich doch, Freunde, mit Recht immer den Caffé gehaßt. + + + + CXL. + +Seyd ihr ein Fremder, mein Herr? bewohnt ihr Venedig? so fragten +Zwey Lacerten die mich in die Spelunke gelockt. +Rathet! - Ihr seyd ein Franzos! ein Napolitaner! Sie schwatzten +Hin und wieder und schnell schlürften sie Kaffe hinein. +Thun wir etwas! Sagte die Schönste, sie setzte die Tasse +Nieder, ich fühlte sogleich ihre geschäftige Hand. +Sacht ergriff ich und hielte sie fest; da streckte die zweyte +Zierliche Fingerchen aus und ich verwehrt es auch ihr. +Ach! es ist ein Fremder! so riefen sie beyde; sie scherzten +Baten Geschencke sich aus, die ich doch sparsam verlieh. +Drauf bezeichneten sie mir die entferntere Wohnung +Und zu dem wärmeren Spiel spätere Stunden der Nacht. +Kannten diese Geschöpfe sogleich den Fremden am Weigern, +O so wißt ihr warum blaß der Venetier schleicht. + + + + CXLI. + +Gieb mir statt "Der <Schwanz>" ein ander Wort o Priapus +Denn ich Deutscher ich bin übel als Dichter geplagt. +Griechisch nennt ich dich Phallos, das klänge doch prächtig den Ohren, +Und lateinisch ist auch Mentula leidlich ein Wort. +Mentula käme von Mens, der <Schwanz> ist etwas von hinten, +Und nach hinten war mir niemals ein froher Genuß. + + + + CXLII. + +Camper der iüngere trug in Rom die Lehre des Vaters +Von den Thieren uns vor wie die Natur sie erschuf, +Bäuche nahm und gab, dann Hälse, Pfoten und Schwänze. +Alles gebrochenes Deutsch so wie geerbter Begriff. +Endlich sagt' er: "Vierfüßiges Thier wir haben's vollendet +Und es bleibet uns nur, Freunde, das Vöglen zurück!" +Armer Camper du hast ihn gebüst den Irrthum der Sprache, +Denn acht Tage darnach lagst du und schlucktest Merkur. + + + + CXLIII. + +Knaben liebt ich wohl auch, doch lieber sind mir die Mädchen, +Hab ich als Mädchen sie satt, dient sie als Knabe mir noch. + + + + CXLIV. + +Köstliche Ringe besitz ich! Gegrabne fürtreffliche Steine +Hoher Gedanken und Styls fasset ein lauteres Gold. +Theurer bezahlt man die Ringe geschmückt mit feurigen Steinen, +Blinken hast du sie oft über dem Spieltisch gesehn. +Aber ein Ringelchen kenn ich, das hat sich anders gewaschen, +Das Hans Carvel einmal traurig im Alter besas. +Unklug schob er den kleinsten der zehen Finger ins Ringchen, +Nur der größte gehört, würdig, der eilfte, hinein. + + + + CXLV. + +Alle sagen mir, Kind, daß du mich betriegest, +O betriege mich nur immer und immer so fort. + + + + CXLVI. + +Welche Hoffnung ich habe? Nur eine die heut mich beschäftigt, +Morgen mein Liebchen zu sehn das ich acht Tage nicht sah. + + + + CXLVII. + +Alles was ihr wollt, ich bin euch wie immer gewärtig +Freunde, doch leider allein schlafen, ich halt es nicht aus. + + + + CXLVIII. + +Nackend willst du nicht neben mir liegen, du süße Geliebte, +Schamhaft hältst du dich noch mir im Gewande verhüllt. +Sag mir: begehr ich dein Kleid? begehr ich den lieblichen Körper? +Nun, die Schaam ist ein Kleid! zwischen Verliebten hinweg! + + + + CXLIX. + +Lange sucht ich ein Weib mir, ich suchte, da fand ich nur Dirnen, +Endlich erhascht ich dich mir Dirnchen, da fand ich ein Weib. + + + + CL. + +Eine Liebe wünscht ich und konnte sie niemals gewinnen. +Wünschen läßt sich noch wohl, aber verdienen nicht gleich. + + + + CLI. + +Fürchte nicht, liebliches Mädchen, die Schlange die dir begegnet! +Eva kannte sie schon, frage den Pfarrer mein Kind. + + + + CLII. + +Ob erfüllt sey was Moses und was die Propheten gesprochen +An dem heiligen Christ, Freunde, das weiß ich nicht recht. +Aber das weiß ich: erfüllt sind Wünsche, Sehnsucht und Träume, +Wenn das liebliche Kind süß mir am Busen entschläft. + + + + CLIII. + +Weit und schön ist die Welt, doch o wie dank ich dem Himmel +Daß ein Gärtchen beschränkt, zierlich mein eigen gehört. +Bringet mich wieder nach Hause! was hat ein Gärtner zu reisen? +Ehre bringt's ihm und Glück, wenn er sein Gärtchen versorgt. + + + + CLIV. + +Ach! sie neiget das Haupt die holde Knospe, wer gießet +Eilig erquickendes Naß neben die Wurzel ihr hin? +Daß sie froh sich entfalte, die schönen Stunden der Blüthe +Nicht zu frühe vergehn, endlich auch reife die Frucht. +Aber auch mir - mir sinket das Haupt von Sorgen und Mühe. +Liebes Mädchen! Ein Glas schäumenden Weines herbei. + + + + CLV. + +In dem engsten der Gäßchen es drängte sich kaum durch die Mauern +Saß mir ein Mädchen im Weg als ich Venedig durchlief. +Sie war reizend, der Ort, ich ließ mich Fremder verführen +Ach ein weiter Canal that sich dem Forschenden auf. +Hättest du Mädchen wie deine Canäle Venedig und <Fötzchen> +Wie die Gäßchen in dir, wärst du die herrlichste Stadt. + + + + CLVI. + +Ein ander Handwerck und doch wer möchte dich nicht hier am Strande sehen + + + + CLVII. + +Laß die Quellen die <trocknen> und suche die Quelle +Lieblich fließt sie im Thal die Quelle der Liebe +Dürstend lehnt sich der Wanderer zu seiten der Quelle +Löscht die brennende Qual und eilt gestärckt +<Danckbar> weiter zum Ziel und segnet die Quelle + + + + CLVIII. + +Glücklich wer einst dich genießt wenn du das Wachsthum vollendet +dem du die Schenckelchen zart über den Körper legst + + + + CLIX. + +Was ist oben was unten an dir was vorne was hinten? +Voller Gefahr scheint jede Bewegung Sorge +Und so zierlich du's machst wünscht die Gefahr man erneut. + + + + CLX. + +Wär ich ein Mahler mit lauter Bettinen +Wollt ich den Himmel mit lauter Bettinen bevölckern + + + + CLXI. + +Wär ich ein Maler du solltest als Engelchen überall seyn + + + + CLXII. + +Ach wie herzt' ich den Knaben den lieben sittlichen Eros +Heute war er der Sohn der himmelgebohrenen Göttin +Drückt ihn sanft an mein Herz und wir vermischten die Thränen + + + + CLXIII. + +Aus zu gutem Geschmack verbrennst du, Nauger, Martialen, +Lieber Nauger dein Gedicht leider verbrännte Catull. + + + + CLXIV. + +Einst wendeten <im verdrus> die Grazien sich nach Norden +Schaudernd kamen durch schnee die zierlichen <Dirnen> +Eine Thüre fanden sie offen, sie eilten und wollten +Sich der Gastfreundschaft erfreuen +<Truncken> tritt ein Mann in die Thüre: wer seyd ihr +Fort riss er <...> <Schleyer> mit h<...> nicht auf +Bitter ist Schnee uns, doch bittrer der Anblick des Mannes + + + + CLXV. + +Meister der Schalckheit ihr alte verruchte verwegene Heiden +Schildert die Buben + + + + CLXVI. + +Ungern brauch ich meinen Gedichten die anderen Sprachen. +Wäre es sicher! so arm sieht sie <anmaßlich> +Aber bald wird mirs unmöglich, ich habe der Distichen viele, +Manches sagt ich noch nicht weil es die Sylbe verbot. +Wenn du es Leser erlaubst, so brauch ich manchmal ein Wörtchen +Deutscher Leser erlaube mir nun bey fremden zu +Du verstehst <ja> doch alle Sprachen geschickt +Fremde Sprachen verstehst du, o deutscher Leser, in einem +Kleinen Gedichte verstehst du wohl auch ein fremdes Wort. + + + + CLXVII. + +So führt der Tonkünstler uns durch viele Töne biß er uns wieder +zurück mit dem Grundton befriedigt + + + + CLXVIII. + +Was ich geschrieben habe das hab ich vertraulich den <Deutschen> +Hingelegt und nun steht es die ewige Zeit. +Manches hab ich gefehlt in meinem Leben, doch keinen +Hab ich belistet. + + + + CLXIX. + +So seht nur wie gefährlich es ist <unser> Büchlein zu lesen + + + + CLXX. + +Immer glaubt ich gut<müthig> von anderen etwas zu lernen, +Vierzig Jahr war ich alt, da mich der Irrthum verließ. +Thöricht war ich immer daß andre zu lehren ich glaubte +Lehre jeden du selbst, Schicksal, wie er es bedarf. + + + + CLXXI. + +Leben hab ich gelernt, fristet mir Götter die Zeit. + + + + CLXXII. + +Achte hatt ich gesetzt, nun ist die n e u n e gezogen +Sieh wie nah ich schon war, immer flieht mich die Zahl. +Und so klagen die Menschen, die sich dem Zufall vertrauen +<Jeder schaffe sein Glück aber es kostet auch Kraft!> + + + + CLXXIII. + +Zum Erdulden ists gut ein Krist zu seyn nicht zu <wancken> +Und so machte sich auch diese Lehre zuerst <ein kristlicher Schwärmer> + + + + CLXXIV. + +Thörig war es ein Brod zu vergotten wir beten doch alle +Unser täglich Brod gib uns <heut.> + + + + CLXXV. + +Pfaffe möcht ich seyn im Glauben und Götter verzehren +Die ich mit eigener Hand <einmal> mir täglich erzeugt +Pilger möcht ich seyn und glauben daß Schritte nach Schritten +Der v <[unausgeführt]> +Nur nicht Lavater seyn und Sinn mit Unsinn vermischen +Denn so glauben das heißt sündgen am heiligen Geist + + + + CLXXVI. + +Stiften die Christen mit Heil viel unheil so stiften die Büchlein +Heidnisch durch Unheil viel Heil. Aber noch eile dich nicht, +Laß mich erst noch hienieden, es kann die Barcke passiren +Nimmt sie mich diesmal schon mit, nun so leb wohl in die Welt. + + + + CLXXVII. + +Was ist Reisen? ist fröhlich<es> Leben + + + + CLXXVIII. + +Sagen wir doch Zitrone, es ist ein fremdes Gewächs +Und die <Lacerte> sie wächst neben der <Alge> nicht leicht + + + + CLXXIX. + +Brachtet ihr iene Löwen hierher vom großen Pireus +Uns zu zeigen daß hier eben Pireus nicht sey. + + + + CLXXX. + +Immer hab ich dich heilige Sonne mit Freude verehret +Wenn du aus trübem Gewölck oder nach Nebel mir kamst, +Niemals aber so fröhlich als im Venetischen <Pfule> +Wenn du nach Regen erscheinst freudig die Gondel dir dampft. + + + + CLXXXI. + +Masten stehen gedrängt an Masten, es trocknet die Segel +In dem Sonnenschein ruhig der Schiffer an dem Gestade der Stadt. +Deine Paläste zeigen sich hier du edles Venedig +Alles verschwindet dem Blicke Bettine wenn du kleine +Tische und Leuchter besteigst und Masten und zwischen Hin <...> +Du Bettina dich zeigst alles verschwindet dem Blick + +End of "Venetianische Epigramme" by Johann Wolfgang von Goethe + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, VENETIANISCHE EPIGRAMME *** + +This file should be named 5326-8.txt or 5326-8.zip + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04 + +Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. 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