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If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Anweisung zum Weinbau an Gebäuden, Mauern, Lauben und Bäumen - Herausgegeben zu Ermunterung der Kinder zu edler Thätigkeit - -Author: Johann Gottfried Bornemann - -Release Date: September 8, 2016 [EBook #53013] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANWEISUNG ZUM WEINBAU AN *** - - - - -Produced by Thomas Westhoff, Harry Lamé and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -transcription was produced from images generously made -available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State -Library.) - - - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - =Text= entspricht Fettdruck, ~Text~ gesperrter Text, _Text_ antiqua - Text. - - Einige klare Fehler in Rechtschreibung, Interpunktion usw. sind - stillschweigend korrigiert worden. - - - - - Anweisung - zum - Weinbau - - an - - Gebäuden, Mauern, Lauben - und Bäumen. - - - Von - J. G. Bornemann. - - Leipzig, 1841, - Carl Heinrich Reclam. - - - - - Anweisung - zum - Weinbau - - an - - Gebäuden, Mauern, Lauben - und Bäumen, - - als eine sehr leichte, angenehme und nützliche Beschäftigung - für Erwachsene sowohl, als - auch für Kinder. - - Herausgegeben - zur Ermunterung der Kinder - zu - edler Thätigkeit - von - - Johann Gottfried Bornemann, - Schullehrer in Döbern bei Bitterfeld. - - Zweite verbesserte und vermehrte Auflage. - - Leipzig, 1841, - bei Carl Heinrich Reclam. - - - Kommt, ihr Kinder, lernet nun, - Was recht Nützliches zu thun! - Statt unnützer Tändeleien, - Laßt den Weinbau euch erfreuen! - Das ist ein Geschäft für euch. - Drum ergreift die Reben gleich! - Legt sie schicklich in die Erde, - Damit es ein Stöckchen werde. - Werdet ihr’s zwei Jahre pflegen, - Bringt’s im dritten euch schon Segen. - Das wird eine Freude seyn, - Wenn ihr sagen könnt: „der Wein, - Der dort an dem Hause pranget, - Hat durch mich die Höh’ erlanget.” - Seht, wie kahl stehn die Gebäude! - Macht euch doch die edle Freude, - Sie mit diesem schönen Grün - Hurtig ringsum zu umzieh’n! - Und wie werden süße Beeren - Euch wohlschmecken, kräftig nähren! - Eh’ ihr werdet Junggesellen, - Müssen alle leere Stellen, - Wo ja sonst nichts kann gedeih’n, - Von euch grün bepflanzet seyn. - Und ihr Mädchen merkt es euch! - Eh’ ihr seyd dem Weinstock gleich, - Müssen eure zarten Händchen - Viele, viele tausend Bändchen - An den Wein gebunden haben, - Wenn euch sollen Trauben laben. - Jeder der nur pflanzen kann, - Fange gleich den Weinbau an. - - - - -Vorwort. - - -Wir leben jetzt in einer Zeit, wo alles, was die Landwirthschaft -betrifft, beachtet und verbessert wird. Ich glaube aber, mit Recht -behaupten zu können, daß man besonders in unserer Gegend Eins bei weitem -noch nicht so beachtet hat, als es geschehen könnte und sollte. Dieß -Eine ist der Weinbau. Man scheint, ihn für ein Geschäft zu halten, das -bloß in wärmeren Gegenden mit großen Nutzen betrieben werden kann und -betrachtet dieses herrliche Product bloß als ein entbehrliches -Naschwerk, ohne zu bedenken, das es ein vortreffliches Sättigungs- und -Stärkungs-Mittel ist, und bei reichlicherer Anpflanzung auch wohl ein -nicht ganz unbedeutendes Erwerbsmittel werden könnte. Obschon hin und -wieder an passenden Orten Weinstöcke sich befinden, so giebt es doch -noch viele tausend leere und zu sonst weiter nichts brauchbare Stellen, -wo die herrlichsten Weinstöcke gedeihen würden. Und selbst unter denen, -die wir haben, giebt es viele, die man aus Unkunde vernachlässigt, so -daß sie bei weitem den Nutzen nicht bringen, den sie bringen würden, -wenn man sie richtig behandelte; welche Behandlung man sich gewöhnlich -weit mühsamer, schwieriger und kostspieliger vorstellt, als sie wirklich -ist. Ich selbst bin früher einer von denen gewesen, der seine zwei -Weinstöcke aus Unkunde vierzehn Jahre lang vernachlässigte. Nachdem ich -aber vor nunmehro 8 bis 9 Jahren die herrlichen Eigenschaften dieses -vortrefflichen Gewächses kennen gelernt, und diese zwei Stöcke in kurzer -Zeit bis auf viele Hunderte vermehrt habe, gehöre ich unter diejenigen, -die sich der Früchte ihres Fleißes erfreuen können. Denn die Zahl meiner -Weintrauben geht nun schon seit einigen Jahren alle Jahre weit in die -Tausende, und meine Kinder, die jetzt diese herrlichen Früchte genießen -können, so viel sie nur wollen, belachen es immer noch, daß sie sich -früher mit großer Freude in die einzelnen Beeren der vernachlässigten -Stöcke getheilt haben. Deshalb muß ich auch frei gestehen, daß mich nun -jeder Ort, wo Wein stehen könnte, und jeder aus Unkunde vernachlässigte -Stock, der oft bloß durch die Hand eines Kindes angepflanzt und richtig -behandelt werden könnte, von Herzen dauert, zumal wenn ich noch in -Erwägung bringe, welch’ ein herrliches Schutzmittel gegen Regen und -Sonnenhitze dieses vortreffliche Gewächs den Gebäuden ist. Denn die -Wände meines Schulhauses, die sonst bei Regenwetter von Nässe trieften, -berührt jetzt kein Tropfen mehr, und die Stuben, in welchen man es -früher im Sommer vor Hitze kaum aushalten konnte, sind jetzt kühlen -Lauben ähnlich geworden, durch deren Fenster sich überall die -Weintrauben hereindrängen. Mehrere in und außer meinem Wohnorte haben -mich nun gebeten, ihnen auch Weinstöcke anpflanzen und nach meiner Art -in Stand bringen zu helfen. Weil ich aber diese Bitte wegen Mangel an -Zeit nur sehr wenigen erfüllen kann, und deshalb schon oft ein -Undienstfertiger genannt worden bin: so habe ich mich entschlossen, -meine aufgeschriebenen, durch Erfahrung und aus Büchern erlangten -Kenntnisse in dieser Sache, durch den Druck bekannt zu machen, um -dadurch Jeden in Stand zu setzen, nach meiner Art zu verfahren. Es sind -zwar schon mehrere, diesen Gegenstand betreffende, aber nur zu große und -deßhalb theure Anweisungen vorhanden. Ich habe in meiner gegenwärtigen -Anweisung auf Kürze und Billigkeit Rücksicht genommen, und hege die -frohe Hoffnung, vielleicht dem Einen und dem Andern, der diese theuren -Anweisungen nicht kaufen kann, und auch dem, der sie kaufen kann oder -vielleicht schon hat, aber gern auch noch die Meinung Anderer zur -Vermehrung seiner Kenntnisse hört, durch diese kleine Schrift einen -Dienst zu erweisen. Möge der Herr der Natur, von dem ja aller Segen -kommt, auch dieses geringe Unternehmen für recht viele segensreich -machen, und es zu einem Mittel gebrauchen, durch welches der Gewerbfleiß -auch in unserer Gegend in dieser Hinsicht erhöht, und so manche leere -Stelle zum Wohle des Landes angebaut wird; dann fühlt sich hinlänglich -belohnt - - Geschrieben - im Sommer des Jahres 1835. - - der Verfasser. - - - - -Vorrede zur zweiten Auflage. - - -Obgleich mein Büchlein bei einigen Wenigen Widerspruch fand, so war doch -die Zahl derer, die mir ihren gütigen Beifall schenkten, weit größer, -und daher kommt es denn nun, daß mir die Freude zu Theil geworden ist, -die erste Auflage binnen vier Jahren vergriffen und eine zweite in’s -Leben treten zu sehen. Wenn man es nun Herrn ~Kecht~ in Berlin nicht -verargt, oder für Stolz auslegt, daß er in der Vorrede zur fünften -Auflage seines Buches über den Weinbau, mehrere Empfehlungen seines -Werkes hat abdrucken lassen, so wird man es ja auch mir nicht verargen, -oder für Stolz auslegen, wenn ich mich gedrungen fühle, in gegenwärtiger -Vorrede zur zweiten Auflage meines Büchleins, allen denen meinen -schuldigen Dank öffentlich abzustatten, die mein geringes Bemühen gnädig -und gütig anerkannt, und durch öffentliche Empfehlungen die Verbreitung -desselben befördert haben. Demüthigen Dank also erstens Dem, der mir und -meiner geringen Arbeit den Weg bahnte, und sie mit seinem göttlichen -Segen krönte. -- Für’s zweite spreche ich hier meinen unterthänigsten -Dank ~Einer Hochlöblichen Königl. Preuß. Regierung zu Merseburg~ aus, -die im 63sten Stücke des öffentlichen Anzeigers, vom Jahre 1836, unter -Nr. 850, durch eine allergnädigste Empfehlung den Absatz meines -Büchleins ungemein beförderte. Jene Empfehlung lautet wörtlich also: - - „Der Schullehrer in Döbern, Ephorie Delitzsch, ~Johann Gottfried - Bornemann~, hat eine Schrift herausgegeben: Anweisung zum Weinbau, an - Gebäuden, Mauern, Lauben und Bäumen u. s. w. 62 Seiten in Octav, - welche bei ~L. Meyner~ in Delitzsch gedruckt, und dort sowohl als bei - dem Verfasser für fünf Silbergroschen zu haben ist. Nach dem Urtheile - Sachverständiger, ist diese Schrift sehr wohlgelungen und verdient - empfohlen zu werden.” - - ~Merseburg~, den 9. August 1836. - -In der deshalb an Sr. Hochehrwürden, den sel. verstorbenen Herrn -Superintendent _Dr._ ~Rudel~ in Delitzsch ergangenen schriftlichen -Erklärung heißt es: - - „Die von Ew. Hochehrwürden unterm 2ten vorigen Monats eingereichte - Schrift des Schullehrers ~Bornemann~ in Döbern: Anweisung zum Weinbau, - haben wir von einem Sachverständigen prüfen lassen, und dieser hat sie - dem Inhalte nach, richtig und zweckmäßig abgefaßt befunden, und kann - eine Anzeige derselben in den öffentlichen Anzeiger aufgenommen - werden.” - - ~Merseburg~, den 9. August 1836. - - Königl. Regierung, Abtheilung für das - Kirchen- und Schulwesen. - -Unterthänigsten Dank daher meinen Hohen Vorgesetzten, die mein geringes -Bemühen so gnädig anerkannten. -- Dank allen den Edlen und Guten in der -Nähe und Ferne, die mich und mein Büchlein so liebevoll aufnahmen, und -sich die Verbreitung desselben angelegen seyn ließen. -- Dank den -Thätigen, die meinen Winken und Vorschlägen treulich folgten, und -unaufgefordert erklärten, das was sie nach Anleitung meines Büchleins -versuchten, auch in der That bewährt und richtig befunden zu haben. Dank -besonders noch den aufrichtigen Freunden, die mich auf das noch Fehlende -aufmerksam machten, und mich dadurch in den Stand setzten, es in dieser -zweiten Auflage nachfolgen zu lassen. Einiges werde ich im Eingange -erwähnen, und das Uebrige dem Büchlein selbst, da, wo es hingehört, -einverleiben. - -Zum Schlusse dieser Vorrede bitte ich die Freunde der Wahrheit und -Aufrichtigkeit herzlich, mir jeden vielleicht auch in dieser zweiten -Auflage vorkommenden Irrthum bestens anzuzeigen. Ich werde diese mir -dadurch erzeigte Gefälligkeit mit dem größten Danke erkennen. - -Möchte doch der Wunsch des Verfassers, durch diese kleine Schrift den -Trieb zum Weinbaue in allen, ja auch schon in den Kindern zu wecken und -zu stärken, im reichen Maaße erfüllt, und jede bis jetzt noch leere und -doch für den Weinbau nutzbare Stelle zum Wohle der Menschheit und zur -Verschönerung des Landes angebaut werden. - -Möge der Geber alles Guten auch dieser zweiten Auflage seinen Segen zu -Theil werden lassen, damit sie recht Vielen noch faßlicher und -nützlicher werde, als die erste es war. Und wenn dann erfüllt ist, was -im vorstehenden Gedichte steht: - - „Es müssen alle leere Stellen - „Wo ja sonst nichts kann gedeih’n - „Von Euch grün bepflanzet seyn, - -dann wird sich für seine darauf gewendete Mühe hinlänglich belohnt -fühlen - - Geschrieben - im Sommer des Jahres - 1840. - - der - Verfasser. - - - - -Inhalt: - - - Seite - 1. Zum Weinbau schickliche Oerter 1 - 2. Anpflanzung der Schnittlinge 2 - 3. Zeit der Anpflanzung von Schnittlingen 3 - 4. Art des Legens der Schnittlinge 3 - 5. Raum der Schnittlinge 5 - 6. Vom Begießen und Düngen des Weinstockes 6 - 7. Das Setzen der Schnittlinge mit dem Pfahl-Eisen 10 - 8. Vom Begießen und erstem Beschneiden der Schnittlinge 11 - 9. Vom Anpflanzen der Wurzlinge 12 - 10. Vom ersten Beschneiden der Wurzlinge 15 - 11. Vom Zudecken der Schnittlinge, Wurzlinge und aller anderer - Weinstöcke überhaupt 16 - 12. Vom Aufdecken der Weinstöcke im Frühjahre 18 - 13. Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Sommer 19 - 14. Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Herbste 21 - 15. Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Sommer 23 - 16. Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Herbste 25 - 17. Vom Verbrechen oder Kappen 26 - 18. Natürliche Ursachen des Nachtheils vom allzufrühen Verbrechen 28 - 19. Nutzen des Nichtverbrechens oder Kappens 31 - 20. Regelmäßiges Verlängern der Weinstöcke 33 - 21. Umzäunung der Weinstöcke 34 - 22. Vom Untersetzen der Weinstöcke 36 - 23. Vom Verjüngen der alten Weinstöcke 37 - 24. Vom ersten Anbinden oder Heften im Frühjahre 41 - 25. Von den Reserve-Augen und ihren Ruthen 43 - 26. Vom zweiten, dritten und vierten Anbinden oder Heften 43 - 27. Das natürliche Anheften vermittelst der Gabeln 46 - 28. Von der richtigen Lage der Ruthen 47 - 29. Von der richtigen Lage der Trauben 48 - 30. Vom Abbrechen der Blätter zum Gebrauche 50 - 31. Einrichtungen zur Erleichterung des mühsam scheinenden - Begießens 52 - 32. Reinigung des Weingartens 54 - 33. Das Erretten einiger Ruthen und Trauben vom Verderben im - Frühjahre 56 - 34. Vom Anpflanzen der Weinstöcke im Freien oder an Bäumen 57 - 35. Schutzmittel gegen die späten Fröste im Mai und Juni 58 - 36. Behandlung der im Winter erfrornen Stöcke 60 - 37. Vom Senken oder Vermehren der Stocke 62 - 38. Vom Verpflanzen der Senker 65 - - - - -Eingang. - - -Der ersten Auflage meines Büchleins fehlte es vorzüglich an einer -vorausgehenden kurzen Uebersicht und Benennung der einzelnen Theile des -Weinstocks. Sie folgen also hiermit: - -Für das zunächst vom Stamme des Weinstocks ausgehende alte Holz, was man -beim Baume Zacken oder Ast nennt, habe ich in keinem Buche eine fest -angenommene richtige Benennung gefunden. In gegenwärtiger Anweisung ist -es mit dem Namen: „Zweig von altem Holze” oder „Ast” bezeichnet. (=§. 9= -und =23=.) Mir scheint es aber jetzt, als ob man diese Theile des -Stockes mit Recht „Arme” oder auch „Kanal, Saftkanal” nennen könnte. Ich -übergebe diese Benennung den geneigten Lesern zur Prüfung. Denn, wenn -man den an diesen Aesten stehenden Theilen die Namen „Zapfen und -Schenkel” gab, weil sie mit denselben einige Aehnlichkeit haben, so kann -man ja eben so gut auch diese Aeste, die durchaus nicht mit den Reben -verwechselt werden dürfen, „Arme” nennen, denn sie sind ja ebenfalls -denselben ähnlich. Auf diese Weise wären demnach die Haupt- und -Neben-Theile eines Weinstockes in der gehörigen Ordnung folgende: - - 1) Die Wurzeln, =§. 9=. An diesen befindet sich - - 2) Der Stamm oder Stock, =§. 37=. An demselben sind - - 3) Die Aeste, oder richtiger gesagt, die Arme, =§. 23=. Daran stehen - - 4) _a._, die Zapfen, _b._, die Schenkel, _c._, die Reben, =§. 14=. An - diesen dreien sind - - 5) _a._, die Augen, _b._, die im Frühjahre aus denselben kommenden - Fruchtruthen und _c._, die Zugruthen, =§. 28=. An den Frucht- und - Zugruthen befinden sich - - 6) _a._, die Blätter, =§. 30=. _b._, die Trauben, =§. 33=. _c._, die - Gabeln, =§. 27=, und _d._, die Seitenruthen oder der Geitz, =§. 13=. - Die aus dem alten Holze des Stockes und aus seinen Armen kommenden - Ruthen nennt man - - 7) Wasserruthen, =§. 30=. Und die dicht neben manchen Augen noch - stehenden Augen, heißen: - - 8) Reserve-Augen, =§. 25=. - - - - -1. - -Zum Weinbau schickliche Oerter. - - -Wenn man Weinstöcke an einem Gebäude oder an einer Wand anpflanzen will, -so muß man die Morgen- oder Mittags-Seite dazu wählen. In warmen Sommern -und Herbsten gedeihen sie auch auf der Abend-Seite; bei sehr günstiger -Witterung sogar auch auf der Nacht-Seite, zumal wenn man den Stock mit -seinen Wurzeln auf die Morgen-Seite setzt, und die Reben nachher um die -Ecken des Gebäudes herum auf die Nacht-Seite zieht. Bringt man aber die -Wurzeln auf die Nacht-Seite, so ist’s gut, wenn man den Erdboden, wo die -Wurzeln liegen, oben 2 Finger breit mit Pferdemist oder Sand bedeckt; -beides hält die Kälte ab und vermehrt die Wärme des Bodens; und darauf -kommt es beim Weine vorzüglich an, daß der Boden, wo die Wurzeln liegen, -recht erwärmt wird; es fördert sein Wachsthum und bringt ihn zeitig zur -Reife, obschon der obere Theil des Stockes nicht so viel Sonne hat. Auch -muß man beim Setzen der Stöcke auf der Nacht-Seite die Erde, womit die -Wurzeln bedeckt werden, reichlich mit Sand vermischen, und den obern -Theil des Bodens so einrichten, daß nicht zu viel Wasser darauf stehen -bleibt. Es läßt sich aber leicht denken, daß die Nacht-Seite eines -solchen Gebäudes auch ganz frei seyn muß, und daß sowohl in der Nähe -als auch selbst in weiterer Entfernung kein Baum oder sonst ein anderer -Gegenstand stehen darf, welche den früh und Abends dahin fallenden -Sonnenstrahlen den Zugang verhindern, und den Weinstöcken Licht und -Wärme entziehen würden, die dieselben hier noch weniger als auf der -Morgen-, Mittags- und Abend-Seite entbehren können. Jedoch muß man von -den, auf der Nacht-Seite stehenden Stöcken nie den großen Nutzen -erwarten, welchen man sich von den auf den andern Seiten stehenden -Stöcken versprechen kann. - - - - -2. - -Anpflanzung der Schnittlinge. - - -Kann man keine Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, bekommen, so nimmt -man Schnittlinge, d. h. die im Herbste beim Beschneiden vom Stocke -abgeschnittenen überflüssigen Ruthen, schneidet davon die schwachen -Spitzen oben ab, so daß der Schnittling ohngefähr eine Elle lang bleibt. -Sollte die Ruthe mehr, als eine Elle gutes starkes Holz haben, so kann -man aus derselben zwei und mehr Schnittlinge machen. Es können diese -Schnittlinge auch 5 bis 6 Viertel Elle lang seyn; länger aber nicht, -weil sonst das Einlegen in die Erde unbequem ist, und viel Raum -erfordert. Auch können sie kürzer seyn, als eine Elle. Ich habe welche -gelegt, die nur zwei Augen hatten, wovon das eine in die Erde kam und -die Wurzeln trieb, das andere über der Erde stand, aus welchem die Ruthe -emporschoß. Je kürzer sie aber sind, desto sparsamer wachsen sie. - - - - -3. - -Zeit der Anpflanzung von Schnittlingen. - - -Diese Schnittlinge kann man nun gleich im Herbste, sobald sie vom Stocke -abgeschnitten sind, in die Erde bringen, dahin, wo der aus denselben -entstehende Stock künftig seinen Platz haben soll. Sie können aber auch -an einem kühlen, feuchten Orte, z. B. im Grase, mit etwas Gras, Heu oder -Stroh bedeckt, mehrere Wochen lang aufbewahrt, und dann von Zeit zu Zeit -gesteckt werden. Man kann sie auch bis zum Frühjahre aufbewahren, und -dann an Ort und Stelle legen. Dann müssen sie aber in ein Bund zusammen -gebunden, eine halbe Elle tief in die Erde gelegt und ganz mit Erde -bedeckt werden. Im Frühjahre muß man sie aber zeitig heraus nehmen und -verpflanzen, ehe die Augen anfangen zu treiben, sonst kann man dieselben -leicht verletzen, und sie erleiden auch durch das Herausnehmen und -Weiterpflanzen eine nachtheilige Störung im Wachsthume. Deßhalb ist es -am Besten, sie gleich im Herbste einzeln an Ort und Stelle zu bringen. -Manche rathen an, diese Schnittlinge erst 8 bis 14 Tage in laues Wasser -zu werfen, ehe man sie pflanzt. Ich habe das mit einigen gethan, mit -andern nicht, und es wuchs die eine Art so gut, wie die andere. - - - - -4. - -Art des Legens der Schnittlinge. - - -Zum Legen der Schnittlinge mache man eine Grube oder einen Graben längs -des Gebäudes, eine halbe Elle breit und eben so tief, in der Richtung, -daß nachher das vom Dache herabfließende Regen-Wasser gerade auf die -Grube fällt. In diese Grube lege man nun die Schnittlinge, und beuge das -obere Ende aufwärts, daß es mit einem Auge aus der Erde hervorragt, wenn -die Grube zugeschüttet ist, und die obere Spitze des Schnittlings nach -dem Gebäude schräg hin zeigt. Man muß die empor gebogene Spitze mit -einem in die Erde gesteckten Häkchen oder einer Gabel befestigen, damit -sie ihre Richtung behält. Das zweite Auge muß so zu stehen kommen, daß -beim Zuschütten der Grube einen bis zwei Finger breit Erde darauf zu -liegen kommt. Sollte das obere Auge zu Schaden kommen, so schafft man -die wenige Erde vom zweiten hinweg, daß dieses die Ruthe treiben kann. -Bleibt aber das obere Auge unverletzt, so läßt man das zweite in der -Erde, damit es die Wurzel vermehren hilft; denn alle in der Erde -liegende Augen treiben Wurzeln. Sollte das zweite Auge aus der Erde -emportreiben, so kann man es wachsen lassen; man bekommt alsdann zwei -Ruthen an diesem Stocke. Ich lasse es aber gewöhnlich nicht zu, sondern -beuge es sanft um und bedecke es mit Erde, daß es unter- oder seit-wärts -gehen und Wurzeln treiben muß; die eine Ruthe wird alsdann kräftiger. -Nur muß man sie wohl in Acht nehmen; denn wird sie abgebrochen, so ist -leicht der Stock verloren, da sie nur selten noch einmal und nie so -stark wieder treibt. In dieser Hinsicht wäre es freilich besser, zwei -Ruthen zu lassen. Wenn dann die eine verloren ginge, so bliebe doch noch -die andere. Man thut dieß aber bei Schnittlingen nicht gern, weil sie -noch zu wenig Kraft zur Ernährung zweier Ruthen haben. Man verwahrt -lieber die eine Ruthe so, daß sie nicht beschädigt werden kann. - - - - -5. - -Raum der Schnittlinge. - - -Eine Spanne weit von der empor gebogenen Spitze des ersten Schnittlings -kann nun schon wieder der zweite eingelegt werden, dessen oberes Ende -man wieder eben so umbeugt, und mit einem Haken befestigt, und eine -Spanne von diesem der dritte, und so fort der vierte, fünfte u. s. w., -bis der ganze Graben der Länge nach voll ist. Auf diese Weise kommen die -Stöcke eine bis zwei Ellen weit zu stehen. -- Ich weiß wohl, daß Manche -sagen, dieß sey zu enge, ein Weinstock brauche einen Raum von 8 Ellen. -Allein es können 10 Jahre vergehen, ehe er diesen Raum gebraucht, und -während dieser Zeit wird dann ein großer Theil des Spaliers kahl; da -hingegen nach meiner Art zu pflanzen gleich in den ersten zwei Jahren -das ganze Spalier grün wird, und im dritten und in den folgenden Jahren -überall Trauben hat. Auch lassen sich die dicht stehenden Stöcke, wenn -sie größer werden, so behandeln, daß sie alle am Spaliere Raum haben. - -Ich lasse nämlich von den vielen Stöcken gleich vom Anfange an den einen -höher gehen, als den andern. Auf welche Art ich dieß bewirke, werde ich -in der Folge zeigen. Freilich dürfte diese Behandlungsweise nur an hohen -Spalieren, bei übersetzten Gebäuden anwendbar seyn; an niederen nicht -so gut; an solchen müßte man sie allerdings etwas weiter auseinander -pflanzen. Da nun die Weinstöcke, gleich allen anderen Bäumen, von Jahr -zu Jahr höher gehen, so daß das alte kahle Holz unten immer länger wird -und die Ruthen immer weiter hinauf kommen, so geschieht es, daß bei -Stöcken, welche zu weit auseinander stehen, unten am Spaliere bloß -kahles, blätterloses Holz zu sehen ist. Ich bedecke dieses jedesmal mit -den niedrig stehenden Ruthen der kurz gehaltenen Stöcke, von denen der -eine länger ist, als der andere, und so geschieht es, daß mein Spalier -von unten bis oben grün aussieht und Trauben trägt, wodurch natürlich -die Anzahl derselben bedeutend vermehrt wird. -- Man macht zwar auch den -Einwurf, es hätten diese dichtstehenden Stöcke mit ihren Wurzeln in der -Erde nicht Raum und Frucht genug. Allein meine dichtstehenden Stöcke -tragen eine Menge Trauben, wie man sie selten an einem Stocke findet, -und müssen daher Raum und Frucht genug haben. Sollten sie ja nach -Verlauf mehrerer Jahre wegen ihrer Größe nicht mehr Raum genug haben, so -ist’s ja auch noch Zeit, einige wieder heraus zu nehmen und weiter zu -verpflanzen. - - - - -6. - -Vom Begießen und Düngen des Weinstockes. - - -Man muß nur gleich beim Legen der Weinstöcke dafür sorgen, daß solche -Frucht haben können. Deßhalb mache ich den Graben zum Einlegen nicht -ganz dicht au das Gebäude, sondern ½, auch ¾ Elle weit davon ab, so daß -die Traufe mitten auf den Graben, und also auf die Stelle fallen muß, wo -die Wurzeln liegen. Beim Zuschütten des Grabens mache ich nach dem -Gebäude zu auf die frei gelassene halbe Elle festen Bodens ein schräges -Dämmchen, welches das Wasser vom Gebäude ableitet und auf die Wurzeln -führt. Auf diese Weise bleibt es an der Wand immer trocken, und wird -wenigstens nicht so naß, daß es dem Gebäude schaden könnte. In dieses -schräge Dämmchen beuge ich nun gleich beim Legen die Spitzen der -Schnittlinge, so daß die Stöcke dicht am Gebäude zu stehen scheinen und -an demselben in die Höhe gehen können. -- Auf der andern Seite der Grube -mache ich gleich beim Zuschütten ein eben so schräges Dämmchen, daß aber -natürlich seine hohe Seite nach Außen haben muß, und so entsteht auf der -eine halbe Elle breiten Grube eine Vertiefung, in welcher das -Regenwasser und alle andere Flüssigkeiten, die man zur Beförderung des -Wachsthums dahin gießt, stehen bleiben und auf die Wurzeln eindringen -müssen. Es ist sehr gut, wenn diese Vertiefung um das ganze Gebäude -herum wagerecht ist; denn auf diese Weise bekommen alle Stöcke gleiche -Frucht. Nur von den Seiten des Gebäudes nach den Giebeln zu mache ich -die Vertiefung etwas schräg, damit die sonst an den Seiten sich -vermehrende Traufe nach den Giebeln fließt, wo gewöhnlich, besonders am -Morgengiebel, weniger Regen hinkommt. Sollte bei anhaltendem Regen des -Wassers in der Vertiefung zu viel werden, so darf man nur in das -Dämmchen an der Außenseite eine kleine Oeffnung machen, um es abfließen -zu lassen. Stehen aber die Stöcke auf trockenem sandigen Boden und ist -kein Teich oder sonstiger Wasserbehälter in der Nähe, aus welchem sie -Frucht ziehen können, so bekommen sie auch nicht leicht zu viel Nässe. --- Ich habe in trockenen Sommern einem Weinspaliere von 24 Ellen Länge -jeden Mittwoch und jeden Sonnabend 100 Eimer Wasser gegeben; -vorausgesetzt, das solches auf trockenem, sandigen Boden stand. Auf -feuchten Boden dürfte natürlich nicht so viel nöthig sein. Bei Stöcken -auf solchem Boden bedurfte ich noch nicht der Hälfte Wasser, und dennoch -wurden die Trauben eben so gut, als jene. Es kommt auch viel auf das -Alter des Stockes an. Ein solcher, der seine Wurzeln schon in der Länge -und Tiefe weit ausgebreitet hat, gedeihet oft mit seinen Ruthen und -Trauben auch auf sandigem Boden, ohne begossen zu werden. Wenn der Stock -an den Spitzen der Ruthen welk wird, nicht mehr treibt, und sogar die -Trauben anfangen zu welken, dann ist’s hohe Zeit, ihn zu begießen; -besser aber ist’s, man läßt es so weit nicht kommen. Es war dieß bei -meinen Stöcken einige Mal der Fall; ich begoß, und sah binnen 24 -Stunden, daß die schon ganz hingewelkten Trauben alle wieder frisch -wurden. Unterläßt man nun das Gießen nie, so erleidet der Stock keine -Störung, und die Trauben kommen zeitig zur Reife. Folgen häufige Regen, -so ist natürlich das Gießen nicht nöthig. -- Am liebsten begieße ich mit -dem von der Sonne erwärmten Teich- oder Pfützenwasser, besonders -solchem, welches recht schlammig ist; denn dadurch erhalten die Stöcke -zugleich eine herrliche Düngung; keinen andern Dünger, als solches -Schlammwasser gebe ich meinen Stöcken, und sie gedeihen dabei -vortrefflich. Mistjauche halte ich für zu scharf. Auch Waschwasser, -welches mit Lauge vermischt ist, taugt nichts; wohl aber das Wasser, in -welchem die Wäsche gespühlt worden ist, das zwar Seife, doch keine zu -starke Lauge enthält. In Ermangelung solchen Wassers habe ich aber auch -bei großer Trockenheit meine Stöcke mit kaltem Brunnenwasser begossen, -um zu sehen, ob es ihnen schaden würde; habe aber keinen Nachtheil -gefunden. Doch ist ihnen jenes dienlicher, als dieses. Beim öfteren -Begießen geschieht es nun, daß die Grube verschlämmt, und nicht mehr die -gehörige wagerechte Richtung behält; diese muß man dann immer wieder -herzustellen suchen. Weil nun in der Grube zwar die Wurzeln des Stockes -liegen, er selbst aber nicht aus derselben hervorragt, sondern in das -Dämmchen an der Wand geleitet ist, so läßt sich dieses auch mit einer -Schippe ganz bequem machen; denn so breit ist gewöhnlich an meinen -Weinspalieren die Grube, daß ich mit einer solchen darin hinfahren kann, -so daß sie einem glatten Fußsteige ähnlich sieht, auf welchem man sehr -bequem um das Spalier herumgehen kann. Was aus der Grube geräumt wird, -werfe ich auf das Dämmchen an der Mauer; dadurch wird es in gutem Stande -erhalten und die in demselben liegenden Thauwurzeln bekommen zugleich -eine herrliche Düngung, denn es ist ja größtentheils hineingespühlter -Schlamm. Häuft sich derselbe zu sehr an, so verstärke ich damit auch -das Dämmchen an der Außenseite. Außerdem aber bediene ich mich zur -Verstärkung desselben anderer Erde, wenn es nöthig seyn sollte. - - - - -7. - -Das Setzen der Schnittlinge mit dem Pfahl-Eisen. - - -Die oben erwähnten Schnittlinge können auch noch auf eine andere Art -gesteckt werden. Wenn man nämlich einen Ort hat, wo man nicht gern einen -solchen Graben machen will und kann, und der Boden an sich schon nicht -zu fest ist, so nimmt man einen Pfahl oder ein Pfahl-Eisen, stößt damit -ein Loch senkrecht so tief, als der Schnittling lang ist, stellt alsdann -denselben hinein, doch so, daß das obere Auge heraussteht und das andere -einen bis zwei Finger breit tief in die Erde kommt. Sind es mehrere -Schnittlinge, die ein längeres Spalier bilden sollen, so kann man auch -den Löchern gleich mit dem Pfahle oder Pfahl-Eisen oben eine schräge -Richtung, nach dem innern Dämmchen zu, geben, um nachher beim Setzen das -obere Ende des Schnittlings eben dieser Richtung fähig zu machen. Auch -hier versteht sich das Anheften mit einem Häkchen von selbst. Nun nimmt -man gute klare Erde, und reibt dieselbe langsam zwischen beiden Händen -über dem Loche, bis dasselbe mit Erde angefüllt ist. Ein Andrücken -derselben ist hier nicht nöthig, könnte sogar den sämmtlich aufwärts -stehenden Augen schädlich werden; es wird dieselbe durch das nachherige -Begießen von selbst fest, und man muß, wenn es mit der Zeit oben an Erde -fehlen sollte, etwas nachfüllen. Die auf diese Art gepflanzten Stöcke -halten bei trockener Witterung lange aus, da ihre unteren Wurzeln tief -in die feuchte Erde hinunter treiben. Bei ganz hartem festen Boden -dürfte jedoch diese Art der Anpflanzung nicht anwendbar seyn. Daß auch -hier des Begießens wegen oben an den Stöcken eine mit Dämmchen umgebene -Vertiefung bleiben muß, versteht sich von selbst. Ich kann diese Art der -Anpflanzung um so mehr empfehlen, da ich sie mehrere Jahre lang erprobt -und gut befunden habe. - - - - -8. - -Vom Begießen und ersten Beschneiden der Schnittlinge. - - -Eine Hauptsache ist nun, daß solche Schnittlinge, sie mögen auf diese -oder jene Art gepflanzt worden seyn, besonders im ersten Sommer, -immerwährend feucht gehalten werden; alsdann treiben die mehresten schon -im ersten Jahre eine Ruthe von 1 bis 2 Ellen. Unterläßt man das -Begießen, oder fährt damit nicht regelmäßig fort, so daß sie bald zu -naß, bald wieder zu trocken stehen, so wird, besonders wenn wenig Regen -fallen sollte, selten einer davon fortkommen. Wer, wegen Mangel an Zeit, -nicht oft genug nach seinen Schnittlingen sehen kann, thut wohl, wenn er -die an denselben angebrachte Vertiefung zwischen den Dämmchen mit -strohigem Kuhmiste, in welchem jedoch wenig Koth hängen darf, anfüllt; -unter demselben halt sich natürlich die Feuchtigkeit länger. Es kann -derselbe den ganzen Sommer durch liegen bleiben, und immer wieder darauf -gegossen werden. Nur muß man vorher erst untersuchen, ob der Boden -darunter trocken und also das Begießen nöthig ist. Denn oft ist der -obere Theil des Mistes trocken und der untere ist immer noch feucht. Man -kann diese Befeuchtungs-Methode überhaupt auch bei allen -frischgepflanzten Weinstöcken anwenden. Die Ruthe nun, welche die -Schnittlinge im ersten Sommer getrieben haben, muß im nächsten Herbste -bis auf 2, höchstens 3 Augen weggeschnitten werden, und das über -derselben stehende alte Holz wird ebenfalls glatt und dicht über der -Ruthe weggeschnitten. Sollte man einem Schnittlinge zwei Ruthen gelassen -haben, so wird die schwächere, wenn sie zu schwach ist, ganz -weggeschnitten; im anderen Falle kann man ihr ein Auge lassen, mehr aber -nicht. - - - - -9. - -Vom Anpflanzen der Wurzlinge. - - -Wenn man Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, pflanzen will, so wähle -man solche, die nicht zu langes, altes Holz haben, sonst hat man -unbequemes Stecken, indem dasselbe bis auf eine Viertel-Elle in die Erde -gelegt werden muß; die Stöcke kommen außerdem nicht gut fort, und wenn -es auch geschähe, so wachsen sie sparsam, und haben ~mit~ demselben ein -schlechtes Ansehen, sind auch in wenigen Jahren über das Spalier -hinausgewachsen. Die beste Zeit zur Anpflanzung derselben ist, wie bei -den Schnittlingen, der Herbst; doch kann es auch im Frühjahre -geschehen, aber nur zeitig, ehe die Augen anfangen zu schwellen. Ist die -Erde nicht gefroren, so kann man den ganzen Winter über pflanzen. Das an -den Wurzlingen befindliche junge Holz, die Ruthe, muß bis auf 2, -höchstens 3 Augen, und zwar 2 bis 3 Finger breit über dem dritten Auge, -weggeschnitten werden. Sind mehr Ruthen daran, so werden diese ganz -dicht am alten Holze weggeschnitten; der Stock hat sonst mehr zu -treiben, als er Kraft besitzt, weil er im ersten Jahre mit dem Anwurzeln -zu thun hat. Auch die zu langen Wurzeln muß man abkürzen, und -beschädigte bis an den Schaden wegschneiden. Sollte der Wurzling mehrere -Zweige von altem Holze haben, so zieht man sie auseinander, so daß sie -ohngefähr eine bis anderthalb Elle weit von einander zu stehen kommen. -Auf diese Weise werden aus einem Stocke zwei bis drei, oft noch mehr, -wenn genug kurze und lange Zweige daran sind, daß sie in gehöriger Weite -von einander entfernt werden können, und diese Stöcke hängen dann in der -Erde an einer gemeinschaftlichen Wurzel, welche sich aber noch dadurch -vermehrt, daß alles in der Erde liegende alte Holz Wurzeln treibt, -wodurch schon im ersten Sommer jeder Stock seine eigenen Wurzeln -bekommt. Man kann auch, wenn der Wurzling zu langes altes Holz haben -sollte, dasselbe so weit wegschneiden, daß es nur eine Viertel-Elle aus -der Erde hervorragt. Auch dieses alte Holz, ohne eine Ruthe mit Augen, -schlägt aus, wiewohl etwas später. Ich habe sogar den unteren Theil des -Senkers, an dem ich einige Wurzeln ließ, gesteckt, und mit dem Ende, wo -ich den Senker vom Stocke abgeschnitten hatte, aus der Erde hervorgehen -lassen, also den Stock verkehrt gesteckt, und die auf diese Art -gepflanzten Stöcke wuchsen eben so gut, als die anderen. Die Grube zu -den Wurzlingen wird eben so gemacht, wie bei den Schnittlingen. Sollten -die Wurzeln groß seyn, so muß dieselbe natürlich etwas breiter werden, -wenn nämlich diese so gewachsen und so stark sind, daß man sie nicht gut -in der Grube lang hin ziehen kann. Dieß kann leicht der Fall werden, -wenn der Wurzling mehrere Zweige an der Stelle hat, wo die Haupt-Wurzel -hin zu liegen kommt. Die Wurzeln macht man mit den Händen recht -sorgfältig aus einander, und drückt die zuerst darauf geworfene wenige -klare Erde etwas mit der Hand und den ausgebreiteten Fingern an sie an, -nicht aber mit dem Fuße fest getreten; dieß verwandelt diese lockere -weiche Erde leicht in einen, den zarten Wurzeln schädlichen Kloß. Die -übrige, zur Ausfüllung der Grube nöthige Erde braucht gar nicht fest -getreten zu werden, sie senkt sich mit der Zeit von selbst. Auch bei -diesen Wurzlingen muß beim Zuschütten der Grube ebenso verfahren werden, -wie bei den Schnittlingen. Es muß nämlich oben auf der Grube eben eine -solche Vertiefung bleiben, damit das Wasser stehen bleiben kann. Und -auch diese müssen, sowie die Schnittlinge, im ersten Sommer immer feucht -gehalten, doch nicht zu häufig begossen werden. Auch müssen sie, gleich -jenen, mit den aus der Erde hervorragenden Enden in das an der Mauer -gemachte Dämmchen geleitet seyn, damit sie beim Reinigen der Vertiefung -kein Hinderniß verursachen. Alle auf diese Art gepflanzten und -gepflegten Stöcke wachsen gewiß. Mir ist von mehreren Hunderten, die ich -bereits pflanzte, auch nicht ein Einziger eingegangen. Nur Einer fing -einst an zu kränkeln und nicht ~ein~ Auge kam zum Aufbrechen. Ich ließ -ihm Zeit bis nach Pfingsten, begoß fleißig, aber er kam nicht. Nun nahm -ich denselben wieder heraus, und fand, daß solcher durch zu vieles -Begießen gelitten hatte, denn seine Wurzeln standen gleichsam im -Schlamme. Ich schüttelte die nasse Erde von den Wurzeln ab, räumte die -Schlamm-Erde aus der Grube heraus und setzte denselben wieder in lockere -bloß frische Erde ein. Nach 3 Tagen schwollen die Augen, und er trieb -noch in denselben Sommer schöne kräftige Ruthen. -- Dieß möge Jedermann -zur Belehrung dienen. - - - - -10. - -Vom ersten Beschneiden der Wurzlinge. - - -Die an diesen Wurzlingen im ersten Sommer gewachsenen Ruthen müssen im -nächsten Herbste, die schwächsten dicht am Stocke, die stärkeren bis auf -1, die noch stärkeren bis auf 2, und die stärksten bis auf 3 Augen -weggeschnitten werden. Dieß ist durchaus nöthig; denn läßt man alles im -ersten Sommer gewachsene Holz stehen, so treiben im nächsten Jahre alle -daran befindliche Augen nur schwache Ruthen, weil die noch zu geringe -Kraft des Stockes sich zu sehr vertheilt; derselbe würde dann in kurzer -Zeit einem Dornenbüschchen ähnlich sehen, nie Trauben bringen und wohl -gar erkranken und eingehen. Schneidet man aber das überflüssige Holz auf -die hier beschriebene Weise ab, so geht im nächsten Jahre die ganze -Kraft des Stockes in die wenigen Augen, und treibt einige schöne, starke -Ruthen. - - - - -11. - -Vom Zudecken der Schnittlinge, Wurzlinge und aller anderer Weinstöcke -überhaupt. - - -Die im Herbste gepflanzten Schnittlinge, Wurzlinge und alle andere -Weinstöcke müssen nun, ehe der Winter kommt, zugedeckt werden, damit sie -nicht erfrieren. Es geschieht dieß zwar nicht jeden Winter; wenn die -Kälte nicht zu heftig wird, so halten sie aus. Da man dieß aber nicht -vorher wissen kann, so ist es besser, man unterzieht sich der kleinen -Mühe; und wenn auch die ~Wurzeln~, wie bekannt, nicht erfrieren, so -würden doch dadurch die Stöcke um 3 Jahre zurückgesetzt werden. -- Bei -den Schnittlingen ist das Zudecken sehr leicht. Man stecke um jeden -Schnittling einige Stückchen Holz die etwas höher sind, als der -Schnittling selbst, so daß um ihn herum gleichsam ein kleiner Zaun, etwa -eine Spanne im Durchmesser, entsteht. Diesen Raum fülle man mit -trockenem Laube, Heu oder klarem Stroh aus, und der Schnittling wird -nicht erfrieren, wenn es auch noch so kalt würde. Den Wurzling, wenn er -zu hoch seyn sollte, beuge man auf die Erde, befestige ihn mit einem -Haken an dieselbe, und umstecke und bedecke ihn eben so. Das -Niederbeugen und Umstecken muß gleich beim Beschneiden geschehen, weil -man da noch in die Erde kann und der Stock sich gut beugen läßt; das -Zudecken aber wird dann erst nöthig, wenn es anfängt, zu frieren. Denn -so lange es nicht friert, ist es für jeden Weinstock besser, wenn er -unbedeckt liegt. Ich lege deßhalb alle meine Stöcke im Herbste, nachdem -sie beschnitten und vielleicht von einem Regen durchnäßt worden sind, -zwar auf die Erde nieder, decke sie aber erst dann zu, wenn es zu -frieren anfängt. Zum Bedecken nehme ich auch hier nur die oben genannten -Gegenstände. Mit Mist darf man durchaus nicht zudecken; derselbe -verursacht zu viel Wärme, durch welche Fäulniß entsteht; und von Erde, -welche von Vielen für die beste Decke gehalten wird, werden die Stöcke -unansehnlich; auch verfaulen bei gelinden Wintern leicht mehrere Augen, -und die Mäuse können ungehindert den Stöcken großen Schaden zufügen, -weil man nicht so leicht nach denselben sehen und die Mäuse vertreiben -kann. Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß die Weinstöcke nur einer ganz -leichten Decke bedürfen, um nicht zu erfrieren. Früher bediente ich mich -des schlechten unbrauchbaren Heues zu denselben. In Ermangelung dessen -nahm ich im vergangenen Winter langes Roggenstroh, mit welchem es sich -noch bequemer machte. Man setzt es mit den Sturzen auf die Erde, lehnt -die in die Höhe stehenden Aehren an die Mauer und schiebt sie unter die -erste oder zweite Stange des Spaliers. Sollte es ein langes Spalier -seyn, so muß man eine Querstange anzubringen suchen, damit es von einem -etwanigen Sturmwinde nicht mit fortgeführt werden kann. Der von der -Traufe herabfallende Regen gleitet recht gut daran hernieder in die -Gußrinne zwischen den Dämmchen, giebt den Wurzeln die Winterfrucht und -der Stock selbst bleibt unter dem Strohe trocken; denn dadurch, daß -solches schräg steht, können bei warmen Wintertagen die Sonnenstrahlen -recht gut wirken; auch kann die Luft das unter dem geraden Strohe hohle -Weinlager recht durchstreichen, welches beides die Fäulniß verhindert -und den Mäusen die Gelegenheit entzieht, ihre Winternester darin zu -bauen. Ueberdieß hat mich auch noch die Erfahrung gelehrt, daß das -Stroh, wie an andern Gewächsen, also auch hier, gleichsam ein -Frostableiter ist. Drei Finger breit Stroh ist zu den Decken -hinreichend. Wo wegen Mangel an Raum das Herunterlegen und Zudecken mit -Stroh nicht möglich ist, muß man sich freilich blos des Umwindens mit -Stroh bedienen, das aber mühsamer ist. Wo das Zudecken mit Stroh -unbequemer ist als mit Erde, da möchte ich lieber Sand für Erde -anrathen. Ich habe es versucht, und solchen besser befunden als Erde. -Die Stöcke halten sich darunter trockner und reinlicher, und ein -Verfaulen der Augen ist dabei nicht so leicht zu befürchten. - - - - -12. - -Vom Aufdecken der Weinstöcke im Frühjahre. - - -Im Frühjahre decke man dieselben nicht zu zeitig auf; späte Fröste -können leicht den schon aufgeschwollenen und im Aufbrechen stehenden -Augen schaden. Man lasse aber auch die Decke nicht zu lange liegen, -sonst bringt die dadurch entstehende Wärme die Augen eher zum Treiben, -als es ihrer Natur nach geschehen kann, und man ist beim Anbinden nicht -im Stande, die weichen Triebe alle vor Verletzung zu bewahren. Auch sind -dieselben nun nicht an die natürliche Luft gewöhnt, und können daher -leicht durch Frost Schaden leiden. Wären diese Nachtheile nicht zu -befürchten, so würde ich rathen, die Decke lange darauf liegen zu -lassen, solche nach und nach zu verschwächern, und endlich ganz -wegzunehmen. -- Durch das Stroh wirkt am Tage die warme Frühjahrs-Sonne, -und des Nachts schützt dasselbe die Stöcke vor den kalten -Frühlingslüften. Die Augen kommen dadurch zeitiger zum Treiben und die -Trauben erscheinen früher. Freilich würde man sich dann beim Anbinden -sehr in Acht nehmen müssen; auch dürfte diese Behandlungsweise bei -großen, holzreichen Stöcken nicht so gut anwendbar seyn, als bei -kleineren. - - - - -13. - -Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Sommer. - - -Alle Ruthen, die im zweiten Sommer an den Schnitt- und Wurzlingen -gewachsen sind, läßt man ungestört treiben, heftet und henkelt sie -gehörig an, daß sie bei Sturm und Regen oder durch ihre eigene Schwere -nicht abbrechen können; kneipt aber nicht wie Einige zu thun pflegen, -die an den Blättern heraustreibenden Seitenruthen, den sogenannten -Geiz, ab, sondern schneidet dieselben erst im Herbste beim Beschneiden -dicht weg, doch so, daß man das dabei stehende Auge nicht verletzt. -Einige meinen zwar, diese Seitenruthen raubten der Hauptruthe die Kraft; -dieß ist aber nicht der Fall, sondern sie führen derselben vielmehr -Nahrung zu und schützen und nähren besonders das Auge, an welchem sie -stehen. Sollten an diesen jungen Stöcken außer den aus den Augen -treibenden Ruthen auch noch mehrere aus dem alten Holze kommen, was bei -gut bewurzelten Stöcken und auf gutem Boden wohl manchmal der Fall seyn -könnte, so daß ihrer zu viel würden; so kann man wohl dem -allerschwächsten die Spitze nehmen, die stärkern aber lasse man gehen. -Sie rauben den Hauptruthen nicht zu viel Kraft, sondern bleiben von -selbst zurück, und im Herbste lassen sie sich oft, wie ich in der Folge -zeigen werde, zur Vergrößerung des Stockes gut benutzen, besonders wenn -derselbe gleich von unten an erweitert werden soll. Durch das richtige -Beschneiden im ersten Herbste sind die Stöcke schon in einen solchen -Zustand versetzt, daß sie nicht leicht mehr Ruthen treiben, als sie -ernähren können. Einige Schnitt- und Wurzlinge jedoch, die mir im -zweiten Sommer zu lange und schwache Ruthen und Seitenruthen trieben, -brachten mich auf den Gedanken, einen Versuch zu machen, ob man sie -nicht durch Abkneipen der Spitzen zwingen könnte, sich unten mehr zu -verstärken. Ich nahm nun von den Ruthen so viel weg, daß sie bloß noch -von einer halben bis höchstens zu einer Elle lang blieben, und die -Seitenruthen drei bis vier Blätter behielten, und der Erfolg entsprach -ganz meiner Erwartung. Die Ruthen wurden stärker und kräftiger und die -Seitenruthen nahmen nun nicht so viel Raum weg. - - - - -14. - -Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Herbste. - - -Ganz schwachen Wuchs schneidet man dicht am Stocke weg; Stummel dürfen -nicht stehen bleiben, sie vertrocknen mit der Zeit und machen den Stock -unansehnlich. Bei glatt weggeschnittenen aber verwächset die Wunde. -Etwas stärkere Ruthen schneidet man weg bis auf 1 Auge, noch stärkere -bis auf 2 und 3 Augen. Man nennt dieß Zapfen. Die allerstärksten Ruthen -werden nicht länger, als eine Viertel-, höchstens eine halbe Elle lang -gelassen, und diese nennt man Schenkel, wenn nämlich die Augen so dicht -stehen, daß auf der angegebenen Länge sich mehr als 3 Augen befinden. -Bei Ruthen, wo die Augen weitläuftig stehen, müßte man sich allerdings -nach denselben richten, und ihrer 4, 5 bis 6 stehen lassen, obschon -dadurch der Schenkel nun länger würde, als eine Viertel- oder eine halbe -Elle. Es müßte eine sehr gute, starke und kräftige Ruthe seyn, wenn man -sie im zweiten Jahre schon eine bis anderthalb Elle lang lassen sollte, -so daß sich an ihr mehr, als 6 Augen befänden; denn diese nennt man -nicht mehr Schenkel, sondern Reben, und solche Reben läßt man gewöhnlich -erst im dritten Jahre stehen. Es ist ein Hauptfehler, wenn man in dem -zweiten Jahre die Ruthen zu lang läßt, oder wohl gar nicht abschneidet. -Der Stock bekommt dann im nächsten Jahre eine Menge schwachen Wuchs, den -er nicht gehörig ernähren kann, und Trauben bringt er selten. Da -hingegen die kurzen Schenkel in dem folgenden dritten Jahre schon -Trauben bringen. Auch wird der Stock durch das Nichtbeschneiden in -wenigen Jahren zu schnell hoch und behält unten schwaches Holz, da er -hingegen beim Kurz-Beschneiden sich nach und nach gleich von unten an -verstärkt, kräftige Wurzeln treibt, und mit den Jahren erst seine -gehörige kraftvolle Höhe und Stärke erreicht. Es ist sehr wohlgethan, -wenn man auch die Stöcke auf diese Art erzieht, die eigentlich später -ihre größere Ausbreitung am zweiten Stockwerke des Gebäudes erhalten -sollen, weil, z. B. in Städten, am ersten Stockwerke, wegen der Fenster, -kein Raum dazu vorhanden ist. Sie erhalten dadurch einige niedere Zweige -oder Aeste, mit denen man ja auch hier den Raum unter und neben den -Fenstern bekleiden kann. Zum Schlusse dieses Kapitels muß ich nochmals -ausführlich wiederholen, was schon im 9. §. kürzlich gesagt worden ist. -Alle Schnitte am jungen Holze müssen 3 bis 4 Finger, wohl oft eine Hand -breit über dem Auge geschehen. Dieses Holz über dem Auge vertrocknet im -nächsten Sommer und wird im folgenden Herbste dicht über der aus diesem -Auge entstandenen Ruthe weggeschnitten. Schneidet man aber zu dicht über -dem Auge, so vertrocknet dasselbe leicht, und die aus demselben zu -erwartende Ruthe mit den Trauben ist verloren. - - - - -15. - -Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Sommer. - - -Im dritten Sommer treiben nun die Zapfen und Schenkel schöne kräftige -Ruthen, die Schenkel an denselben auch zugleich Trauben. Die Zapfen -bringen gewöhnlich hier, sowie auch an älteren und größeren Stöcken, -keine Trauben, sondern treiben bloß gute Ruthen. Es müßte ein sehr -kräftiger, auf sehr gutem Boden stehender Stock seyn, wenn er auch an -den Zapfen Trauben haben sollte. Bei einigen von meinen, auf solchem -Boden stehenden Stöcken ist dieß schon oft geschehen. Bisweilen kann -sich’s aber auch zutragen, daß ein Zapfen den Erwartungen nicht -entspricht, sondern statt einer starken, eine schwache Ruthe treibt, -wohl gar schlecht wächst oder vertrocknet. Geschieht dieß, so wird er im -nächsten Herbste entweder glatt weg, oder wieder zum Zapfen geschnitten. -Ich habe Fälle erlebt, daß aus dem wieder zum Zapfen geschnittenen -Zapfen erst im nächsten Jahre die kräftigere Ruthe kam. Auch muß ich zur -Belehrung Anderer hier noch eine Erfahrung anführen, die ich einst an -einem Stocke gemacht habe. Es trieb derselbe im ersten Sommer sehr -schwache Ruthen, obschon es ein Wurzling war. Ich schnitt zwei derselben -zu Zapfen, die dritte ganz weg; sie trieben im 2ten Jahre wieder -schwache Ruthen, die zu keinem Schenkel zu gebrauchen waren. Ich schnitt -alle bis auf zwei weg, aus denen ich wieder Zapfen machte. Im 3ten Jahre -wurde eine Ruthe so stark daß sie im Herbste einen leidlichen Schenkel -gab, die übrigen wurden wieder nur Zapfen. Aber alle zeigten im 4ten -Jahre schwachen Wuchs, und gaben keine Trauben. Ich schnitt nochmals -Alles zu Zapfen. Im 5ten Jahre trieb der Weinstock die schönsten Ruthen, -aus welchen ich im Herbste Zapfen, Schenkel und Reben machen konnte, die -das folgende 6ste Jahr Trauben brachten. Jetzt ist es ein kräftiger -Stock, der viel Trauben trägt, aber noch nicht höher, als etwas über 2 -Ellen, weil er bei dieser Behandlungsweise nur allmählig steigen, aber -sich desto besser bewurzeln konnte. Hätte ich ihn nach den gewöhnlichen -Regeln schneller in die Höhe wachsen lassen, so würde er wahrscheinlich -am Ende eingegangen seyn. Die Ursache seines langsamen Vorrückens war -Schwäche der Wurzeln und ein unfruchtbarer Boden, der sich nicht gut -verbessern ließ. Nachdem aber dieselben durch das immerwährende scharfe -Beschneiden sich verlängert und verstärkt hatten, und also ihre Nahrung -nun weiter herholen konnten, war er in den Stand gesetzt, Früchte zu -tragen. Dieß Beispiel zur Belehrung für denjenigen, dem es vielleicht -einmal eben so ergehen könnte. -- An den in diesem Sommer wachsenden -Ruthen wird nun ebenfalls, wie im vorigen Sommer, weiter nichts gethan, -als daß sie gehörig angeheftet werden, damit sie Sturm und Regen oder -die eigene Schwere nicht niederbeugen und zerbrechen können. Sollten -aber auch hier wieder einige zu schwachen und langen Wuchs machen, so -kann man sie ebenfalls nach der zu Ende des =13. §.= gegebenen Regel -behandeln. - - - - -16. - -Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Herbste. - - -Im nächsten Herbste wird nun ebenfalls wieder so beschnitten, wie im -vorigen. Alle schwachen Ruthen schneidet man dicht am Stocke ganz weg, -die stärkeren bis auf 1, 2 oder 3 Augen zu Zapfen; die noch stärkeren -bis auf ¼, ½ oder ¾ Elle zu Schenkeln, die allerstärksten hingegen, von -1 Elle an, bis auf 5, 6, 7 Viertel, höchstens bis auf 2 Ellen lang zu -Reben. Länger darf keine Rebe seyn. Wenn es auch die allerschönste, -stärkste und kräftigste Ruthe wäre, so darf doch nicht mehr, als -höchstens 2 Ellen lang davon stehen bleiben. Was daraus wird, wenn man -sie länger, oder vielleicht gar so lang läßt, als sie gewachsen sind, -weiß ich aus Erfahrung. Die untersten Augen bleiben ganz weg, die -folgenden treiben schwache Rüthchen ohne Trauben, und die noch höheren -schwache Ruthen mit kleinen, magern Träubchen. Erst dann, je weiter es -nach oben kommt, sieht man starke Ruthen mit schönen Trauben, und man -hat den Nachtheil, daß der Stock in wenigen Jahren langes, altes, kahles -Holz hat, eine unförmliche Höhe erreicht, und an den Spalieren keinen -Platz findet. Schneidet man sie aber nach der hier vorgeschriebenen Art, -so treibt jedes Auge eine Ruthe, und jede derselben bringt eine, zwei -bis drei, auch vier Trauben, je nachdem die Art ist. Zwar sind auch hier -gewöhnlich die untersten Ruthen mit ihren Trauben etwas magerer als die -obersten; aber es ist doch keine fruchtlos. Es giebt indeß einige -Weinsorten, die hiervon eine Ausnahme machen, und auch an langen Reben -von unten an bis oben aus starke Ruthen mit Trauben bringen. Solche -lassen eine Ausnahme zu und man kann dieselben länger machen. - - - - -17. - -Vom Verbrechen oder Kappen. - - -Einige lehren nun, man solle alle diese Ruthen, sobald die letzte Traube -da sey, zwei Blätter weit über dieser Traube, verbrechen oder abkneipen, -(kappen, nach dem gewöhnlichen Winzer- oder Gärtner-Ausdruck). Nur -~eine~ davon, welche man zur Zugruthe für das nächste Jahr brauchen und -deshalb im Herbste aus derselben eine Rebe machen wollte, solle man -wachsen lassen, und zwar an jedem Zapfen, jedem Schenkel und jeder Rebe -die unterste. Im Herbste solle man dann, dicht an dieser Zugruthe, alles -über derselben stehende Holz mit den verbrochenen und nun von Trauben -entledigten Fruchtruthen wegschneiden. Durch das Verbrechen der obern -Ruthen ginge nun die Kraft in die Trauben und in die unterste Ruthe, und -diese würde um desto stärker. Allerdings wäre dieß sehr gut, wenn es so -ginge. Bei einigen Weinsorten kann dieß auch der Fall seyn, und wo es so -ist, da rathe ich, auch so zu verfahren. Allein ich habe es an meinen -und andern Stöcken versucht, und es ging nicht so; ich fand vielmehr, -daß der Weinstock, sowie fast alle andere Gewächse seine Kraft nach oben -wirft, und da die stärksten Ruthen und Trauben treibt. Ich verbrach die -obern starken Ruthen alle und ließ nur die unterste schwächste Ruthe zur -Zugruthe unverbrochen, in der Hoffnung, es sollte, wie man mir ja gesagt -und versichert hatte, nun die Kraft zurück in die unterste Ruthe gehen; -allein es geschah nicht, sie blieb schwach und die obersten verbrochenen -fingen immer wieder an, an den Spitzen neue Ruthen anzusetzen und zu -treiben. Ich brach nach der gegebenen Regel auch diese wieder weg, um -so, wie man mir gelehrt hatte, den Stock gleichsam zu zwingen, seine -Kraft nach unten zu werfen; aber es geschah nicht, die unterste blieb -schwach, und die obern fingen durch das beständige Stören im Wachsthume -sogar an, zu kränkeln. Im nächsten Herbste empfand ich erst den großen -Nachtheil, der aus dieser Behandlungsweise entstanden war. Ich hatte gar -keine Zugruthe, aus der ich eine kräftige Rebe hätte machen können. Die -unterste, dazu bestimmte, war zu schwach, und die obersten waren zu kurz -und durch das beständige Stören erkrankt, so daß mir nichts übrig blieb, -als elende Zapfen und ganz kurze Schenkel. Auch habe ich eben nicht -bemerkt, daß durch das Verbrechen die Trauben kräftiger geworden wären. -Es blieb vielmehr bei den nun einmal angeschaffenen Eigenschaften dieses -Gewächses; unten schwächere Ruthen mit kleineren Trauben, und nach oben -zu immer stärkere Ruthen mit immer größern Trauben. Ich entschloß mich -daher, in den folgenden Jahren auch gar nichts zu verbrechen, und habe -gefunden, daß dieß weit besser ist, und daß man auch dadurch des -wirklich langweiligen und mühsamen Geschäfts des Verbrechens überhoben -wird. Ich that nun weiter nichts, als daß ich die treibenden Ruthen von -Zeit zu Zeit anheftete, damit sie nicht von Sturm und Regen umgebrochen -werden konnten. Nun bemerkte ich, daß an jedem Zapfen, Schenkel und -jeder Rebe allemal die untersten Ruthen die schwächsten waren und -blieben, die höhern stärker wurden und die obersten am stärksten waren. -So erhielten auf diese Weise der Zapfen eine, der Schenkel zwei und die -Rebe drei starke Ruthen an seinem obern Ende. Die Trauben waren eben so -gut, wie im vorigen Jahre, wo ich verbrochen hatte, und zwar richteten -sie sich nach der Ruthe; je stärker diese war, desto größer waren auch -die Trauben. Die obersten starken, langen, unverbrochenen Ruthen hatten -die schönsten Trauben. Es war also durch das Forttreiben der Ruthen -keine Kraft verloren gegangen. Wenn der Stock richtig beschnitten worden -ist, und er in trockenen Sommern gehörig begossen wird, so treibt er -schöne lange Ruthen und nährt auch seine vielen Trauben. - - - - -18. - -Natürliche Ursachen des Nachtheils vom allzufrühen Verbrechen. - - -Daß das allzufrühe Verbrechen Schaden bringt, ist nach meinen wiederholt -gemachten Beobachtungen und Erfahrungen unverkennbar. Denn Schaden muß -es thun, weil man ja der Natur dadurch geradezu entgegen arbeitet. Es -zeigt sich an dem starken, fetten, flüchtigen Wuchse, den der Weinstock -im Frühlinge macht, ganz deutlich, daß es ihm jetzt vorzüglich darum zu -thun ist, seinen Kindern, (den Trauben), die er nebenbei mit erzeugt, -eine dauerhafte, feste Wohnung, (haltbare Ruthen), zu erbauen. Das -langsame Vorrücken und Verstärken der Trauben in dieser Zeit ist ein -klarer Beweis, daß der Stock sich jetzt weniger um sie, mehr aber um die -Ruthen bemüht. Ist die Zeit der Blüthe vorüber, so bemerkt man ein -schnelles Wachsthum der Trauben und ein langsames Treiben der Ruthen. -Bei meinem blauen Weine hört der Trieb der Fruchtruthen um diese Zeit -gänzlich auf; nur die Zugruthen treiben langsam fort. Das Haus ist nun -fertig; jetzt bemüht er sich um Erziehung der Kinder, die es bewohnen -sollen. Breche ich nun den zarten, fetten Wuchs gleich nach dem -Erscheinen der letzten Traube zwei Blätter weit über derselben weg, so -hindere ich den Stock gewaltsam in seinem Wirken und zwinge ihn, etwas -anderes zu thun, als er jetzt thun will. Davon zeugen auch die kräftigen -Triebe, die immer wieder aus den verbrochenen Ruthen empor schießen. Der -Stock streitet gegen seinen Verderber. Des Nachtheils noch nicht einmal -zu gedenken, daß man sich dadurch mancher Traube beraubt. Ich habe -solche Spätlingskinder oft genug an meinen Weinstöcken gesehen, die ich -im vorigen Jahre durch allzu frühes Verbrechen in der Erzeugung erstickt -hatte. Soll es nun einmal verbrochen seyn, so kann ich dasselbe nicht -eher anrathen, als einige Wochen nach der Blüthenzeit, wenn die Beeren -bereits schon die Größe einer Erbse erlangt haben, und man ganz gewiß -ist, daß nun keine Traube weiter kommt; auch nicht etwa dicht über den -Trauben, sondern bloß an den äußersten Spitzen der Ruthen, die im -Herbste beim Beschneiden einmal weggeschnitten werden müssen, so daß die -Ruthe ohngefähr so lang bleibt, als ich sie im nächsten Herbste zu -brauchen gedenke. Ich winde diese Spitzen zuweilen, zur Befestigung der -Ruthen, um das Spalier oder um das alte Holz des Stockes. Jetzt werde -ich auch nicht so viel zu verbrechen finden, denn die meisten Ruthen -haben schon im Wachsthume nachgelassen. Nur die Zugruthen, die gar nicht -verbrochen werden dürfen, schießen fort. Eine um diese Zeit verbrochene -Ruthe wird auch selten wieder einen neuen Trieb an der Spitze ansetzen, -Beweis genug, daß ihr Wachsthum zu Ende ist, es müßte denn ein Stock auf -gar zu fetten Boden stehen. An diesem kann man dann mit dem Verbrechen -etwas strenger verfahren; aber ebenfalls nur an den äußersten Spitzen. -Solche zu zeitig verbrochene Ruthen fangen auch oft an, zu kränkeln, und -sterben nebst ihren Trauben bald ab oder bleiben wenigstens elend. Man -will den Stock zwingen, seine Kraft in die Trauben zu werfen; er will -aber das jetzt noch nicht. Man lasse ihm deßhalb seinen Willen; er wird -allein schon thun, was man erzwingen will, wenn seine Zeit gekommen seyn -wird. Man verbricht ja die Ruthen auch an den Bäumen nicht, und sie -ernähren doch beides, ihre Früchte und Ruthen. -- Dieß ist meine, auf -Erfahrung gegründete Ansicht in dieser Sache. Wer mich eines Bessern -belehren kann, dem will ich für seinen Unterricht danken und seiner -Belehrung folgen. - - - - -19. - -Nutzen des Nichtverbrechens oder Kappens. - - -In den letztern Jahren nun, in welchen ich meine Weinstöcke gar nicht, -oder doch nur wenig und spät verbrochen habe, hatte ich im Herbste gutes -Beschneiden, denn es fehlte mir nicht an Ruthen, aus denen sich etwas -Gutes machen ließ. Nun schnitt ich, wie ich schon mehrmals gesagt habe, -an jedem Zapfen, Schenkel und jeder Rebe die untersten schwachen Ruthen -ganz weg, die folgenden machte ich zu Zapfen, die nächsten zu Schenkeln, -und die obersten zu Reben. Und so haben meine Stöcke immer schöne und -starke Reben, denn die stärksten Ruthen werden dazu benutzt. Auf diese -Weise erhält gewöhnlich jeder Zapfen eine Rebe von der Ruthe des -obersten Auges; denn die beiden untern Augen, wenn er deren drei gehabt -hat, haben gewöhnlich schwachen Wuchs, welcher ganz weggeschnitten wird. -Es trifft auch zuweilen, daß ein Zapfen lauter schwachen Wuchs hat. Dann -schneidet man solchen entweder wieder zu Zapfen, oder man schneidet, wie -schon einmal gesagt worden ist, den ganzen Zapfen mit allen seinen -schwachen Ruthen weg. An den Schenkeln finde ich nun nach meiner -Behandlungsweise unten einige schwache Ruthen. Diese schneide ich ganz -weg, die folgende stärkere giebt einen Zapfen, die nächste einen -Schenkel von einer Viertel-Elle, die folgende einen von einer halben -Elle und darüber, und die oberste oder die beiden obersten geben eine -oder zwei Reben von einer Elle und darüber, so daß ein solcher Schenkel -nun, wenn er von mittler Länge ist, nach dem Beschneiden einen Zapfen, -zwei Schenkel von verschiedener Länge und zwei Reben, ebenfalls von -verschiedener Länge hat. An der Rebe habe ich nun die meisten Ruthen. -Die untersten schwächsten werden ebenfalls ganz weggeschnitten. Aus den -nächsten mache ich ein, auch zwei Zapfen; aus den folgenden einen, zwei -bis drei Schenkel, und aus den obersten stärksten, deren gewöhnlich drei -sind, drei Reben, alle von verschiedener Länge. Denn das muß ich -überhaupt bemerken, daß nicht alle Zapfen, Schenkel und Reben gleiche -Länge haben dürfen. Darum habe ich auch gleich im Anfange gesagt, ein -Zapfen kann ein, zwei, auch drei Augen haben, die Schenkel können ¼, ½, -¾ Elle lang seyn, und die Reben können aus einer Länge von einer Elle, -5, 6, 7 Viertel- bis 2 Ellen bestehen. Je nachdem die Ruthe stark oder -schwach ist, macht man auch Zapfen, Schenkel und Reben lang oder kurz. -Zuweilen trifft es sich auch, daß an einem Schenkel oder einer Rebe die -oberste, oder zwei der obersten Ruthen verkrüppeln und schwächer -bleiben, als die unter ihnen stehenden; ja durch das Treiben mehrerer -kleinen Seiten- und Wasserruthen des dabei stehenden alten Holzes -gleichsam zu einem Strauche werden. Ist dieß der Fall, so schneidet man -das obere alte Holz mit seinen verkrüppelten, schwache Ruthen ganz weg -und bestimmt die unter ihm stehenden zu Reben, Schenkeln oder Zapfen, -wozu sie, vermöge ihrer Stärke am tauglichsten sind. Und sollte einmal, -was auch geschehen kann, an einem Schenkel oder einer Rebe Alles -verkrüppeln, so wird er im Herbste ganz weggeschnitten. Dasselbe kann -und muß auch geschehen, wenn der Stock mit den Jahren des Holzes zu viel -bekommen sollte. Man schneidet dann natürlich die schlechtesten weg. -Davon wird aber in einem der nächsten Kapitel beim Untersetzen ein -Mehreres gesagt werden. - - - - -20. - -Regelmäßiges Verlängern der Weinstöcke. - - -Aus dem bisher Gesagten wird nun Jeder leicht einsehen können, daß nach -meiner Behandlungsweise die Stöcke von Jahr zu Jahr regelmäßig höher -steigen. Es hat demnach ein nach meiner Art gepflanzter Weinstock im -ersten Herbste, wenn er gesteckt wird, eine Höhe von ¼ bis ½ Elle. Im -zweiten Herbste, nach dem erstmaligen Beschneiden, ist er kaum einige -Zoll länger, weil der Wuchs des ersten Jahres bei dem ersten Beschneiden -jedesmal zu Zapfen geschnitten wird. Im dritten Herbste, nach dem -zweiten Beschneiden, ist er ohngefähr 1 Elle hoch. Im vierten Herbste, -nach dem dritten Beschneiden, hat er eine Länge von 2 Ellen und so kommt -er in jedem folgenden Jahre allemal um 2 Ellen höher. Hierbei richte ich -es nun gleich in den erstern Jahren und jedem folgenden beim Beschneiden -so ein, daß von meinen dichtstehenden Stöcken immer einer früher in die -Höhe kommen muß, als der andere. Dieß geschieht dadurch, daß ich die -Zapfen, Schenkel und Reben an dem einen immer etwas länger mache, als an -dem andern. Auf diese Weise bekomme ich jedes Jahr in der Tiefe, Mitte -und Höhe junges Holz, mit dem ich das alte bedecken kann. Und deßhalb -sieht mein ganzes Spalier von unten an bis oben grün aus, und trägt von -der Erde bis in die äußerste Spitze hinauf Trauben. - - - - -21. - -Umzäunung der Weinstöcke. - - -Freilich müssen solche Stöcke aber auch gegen Vieh und andere Feinde -durch eine Umzäunung geschützt seyn, und diese wird sich wohl an den -meisten Orten anbringen lassen, da sie nicht breiter, als höchstens 2 -Ellen zu seyn braucht, so daß man darinnen gehen kann. Sollte nicht so -viel Raum vorhanden seyn, so ist eine Elle breit hinreichend. Man muß -aber die Umzäunung alsdann so einrichten, daß sie, gleich den -Thorflügeln aufgemacht werden kann, wenn es an dem Stocke etwas zu thun -giebt. Diese Art dürfte auch in Städten anwendbar seyn, denn ich kann -nicht einsehen, warum man nicht auch hier den Weinstock gleich von der -Erde an sollte benutzen können. Welch’ ein schöner, breiter und oft auch -hoher Raum ist da nicht oft von der Erde an bis an die untersten -Fenster, und selbst zwischen denselben giebt es oft sehr breite Stellen, -an welchen man Reben in die Höhe ziehen könnte, die dann mit ihren -Ruthen und Trauben dem Bewohner durch die Fenster begrüßen, den Zimmern -in heißen Sommertagen eine wohlthätige Kühlung gewähren, zur Zeit der -Blüthe einen erquickenden Geruch verbreiten, und zur Zeit der -Traubenreife bei geöffneten Fenstern freundlich zum Genusse einladen -dürften. Einige, denen ich diesen Vorschlag einstens machte, äußerten -zwar die Bedenklichkeit, es würde der Wein an diesen niedern Stellen -wohl vor räuberischen Thieren, schwerlich aber vor diebischen -Menschenhänden zu schützen seyn. Mit dieser Furcht suchte man mich -freilich auch zu erfüllen, als ich meine, mitten in dem Dorfe stehende -Schulwohnung mit Weinstöcken umpflanzte; aber ich muß es den Bewohnern -meines Ortes öffentlich zum Ruhme nachsagen, sie haben mir nichts -entwendet. In Städten aber, wo Fenster bei Fenster und Tag und Nacht -weit mehr reges Leben auf den Gassen ist, als auf dem Lande, dürfte ja -der Dieb wohl noch viel weniger Gelegenheit haben. Laßt uns nur Alle -jeden schicklichen Ort mit Weinstöcken bepflanzen und jede müßige Stunde -dazu benutzen, so wird Niemand mehr nöthig haben, zu stehlen; denn Jeder -hat dann selbst genug für sich und -- den Dürftigen, die keine -Gelegenheit zur Anpflanzung haben, wird man gern eine Traube mittheilen. -Es ist in der That Unrecht, daß man die schönen hohen Wohnungen, -Scheunen und Stallgebäude in den Städten und auf dem Lande nicht -überall, wo es irgend geht, mit diesem herrlichen Grün bekleidet. -Freilich macht der Anfang eine kleine Mühe und in der Folge alle Jahr -ein wenig Arbeit; allein, wer diese scheuet, den möchte man wohl an das -allbekannte Sprüchlein erinnern: Wer nicht will arbeiten, (am -Weinstocke), der soll auch nicht essen (von den Trauben). - - - - -22. - -Vom Untersetzen der Weinstöcke. - - -Hierbei kommt es darauf an, wie hoch man wegen der Höhe des Spaliers die -Stöcke ziehen kann und will. Hat der zuerst emporkommende Stock die Höhe -des Spaliers erreicht, so daß man im nächsten Jahre dessen über das -Spalier hinausgehende Reben nicht mehr anheften könnte, so muß er nun -untersetzt oder abgeschnitten werden. Abschneiden kann man ihn gleich -unten, etwa eine Viertel-Elle über der Erde. Auch dieses alte Holz ohne -Augen schlägt wieder aus. Man nennt diese Ruthen, sowie überhaupt alle -Ruthen, die aus dem alten Holze kommen, Wasserruthen. Ich thue das aber -beim Untersetzen gewöhnlich nicht, sondern gehe an jedem Zweige oder -Aste des Stockes von der Erde an in die Höhe, bis dahin, wo ein jeder -Zweig oder Ast junges Holz, d. h. eine Ruthe, hat. Gerade über dieser -Ruthe schneide ich weg und die Ruthe selbst schneide ich zum Zapfen. So -behält der untersetzte Stock mehrere Zweige oder Aeste von verschiedener -Länge; diese treiben im nächsten Sommer schöne, starke Ruthen, haben -aber selten Trauben, weil der Stock in diesem Jahre zu sehr mit neuem -Wuchse beschäftigt ist. Im folgenden Jahre bringen sie jedoch der -Trauben viele. Ein so untersetzter Stock dient nun wieder zur untern -oder mittlern Bekleidung des Spaliers, je nachdem er länger oder kürzer -gemacht worden ist. Ist an einer Stelle zur niedrigsten Bekleidung -keiner mehr vorhanden, so muß man in dieser Gegend Einen auf vorhin -beschriebene Art eine Viertel-Elle über der Erde wegschneiden. Während -dessen kommt wieder ein anderer in die Höhe, bei dem dann wieder in -einem andern Jahre das Untersetzen nöthig ist. Und so habe ich fast -jedes Jahr Stöcke zu untersetzen. Auf diese Weise fehlt es nun meinem -Spaliere an keinem Orte, und in keinem Jahre weder an Reben, noch -Trauben. Auch glaube ich, es nun so deutlich dargelegt zu haben, daß -mich ein Jeder wird verstehen können. Da man beim Beschneiden, wenn es -ordentlich werden soll, viel gegen den Daumen schneiden muß, so ist es -nöthig, denselben durch einen Ueberzug von starkem, festen Leder zu -schützen. Auch ist ein spitziges Messer beim Beschneiden das beste, weil -man damit bequem in alle Winkel kann. - - - - -23. - -Vom Verjüngen der Weinstöcke. - - -Man kann die alten Stöcke auch noch auf eine andere Weise verkürzen, -nämlich durch das Verjüngen oder Jungmachen. Dazu gehört aber, wie sich -gleich zeigen wird, mehr Raum und Mühe. Man nimmt nämlich das alte, -lange Holz vom Spaliere herunter, legt es von demselben ab- oder -seitwärts in einen oder einige dazu gemachte, eine halbe Elle tiefe und -breite Graben, beugt es in einiger Entfernung wieder um, nach dem -Spaliere zu, so daß das ganze alte Holz in die Erde kommt, und nur die -äußersten Enden, mit dem zu einem Zapfen geschnittenen jungen Holze am -Spaliere wieder aus derselben hervorragen. Auf diese Weise werden aber -oft aus einem Stocke sehr viele; so viel er nämlich Zweige oder Aeste -hat. Man müßte denn einige, für die kein Raum vorhanden wäre, -abschneiden. Bei weniger Raum ist natürlich das Untersetzen besser, als -das Verjüngen. Ich habe dasselbe bei einigen meiner Bekannten, die mich -baten, ihre in Unordnung gerathenen Weinstöcke in Augenschein zu nehmen, -an einem ganzen am Giebel eines Hauses angebrachten Spaliere anwenden -müssen. Zum Verjüngen war hier nicht der geringste Raum. Die Stöcke -selbst aber hatten eine solche Menge altes, langes Holz mit schwachen -Ruthen, daß dieselben von der Erde an bis in die äußerste Spitze des -Hauses einer durch und durch verwachsenen dicken Dornenhecke glichen, an -welchem von unten an bis an den Bodenraum gar kein junger Wuchs mehr zu -finden war. Ich legte Hand an das Werk, und als ich fertig war, reichten -sämmtliche Stöcke kaum bis an das Fenster, was höchstens eine Elle hoch -war. Und im nächsten Sommer trieben diese alten kraftvollen Stöcke so -viel schöne starke Wasserruthen, sogar mit Trauben, (was in diesem Jahre -eigentlich noch nicht zu erwarten war, aber durch die starke Kraft der -Stöcke bewirkt wurde,) daß mehrere verbrochen werden mußten, weil sie -nicht alle Raum hatten. Im nächsten Herbste wurde wieder gehörig -beschnitten, nämlich Zapfen, Schenkel und Reben nicht länger gelassen, -als ich es schon angegeben habe. Im darauf folgenden Jahre ging die -Zahl der Trauben weit in die Hunderte, und nach Verlauf von 4 Jahren, in -die Tausende. - -So verfährt man mit alten, in Unordnung gerathenen Stöcken durch das -Untersetzen, wenn das Verjüngen wegen Mangels an Raum nicht möglich ist. -Durch das Verjüngen aber kann man sich, wenn Raum genug vorhanden ist, -auch noch andere Vortheile verschaffen. Man kann nämlich von einigen -alten langen Zweigen oder Aesten ein Gegenspalier anlegen, das man so -weit vom Hauptspaliere entfernen kann, als die Aeste des Stockes lang -sind. Auch kann man dadurch ferner eine Menge Stöcke erzeugen; diese -stehen aber nicht in gleicher Linie, sondern zerstreut durch einander, -und bilden gleichsam einen Weinberg. Dieß geschieht nämlich, wenn man -jeden vom Hauptstocke abgenommenen Zweig oder Ast, so lang er ist, in -die Erde legt, und nur das äußerste Ende desselben mit dem daran -befindlichen Zapfen hervorragen läßt. Auch ist das Verjüngen sehr -anwendbar, wenn ein Gebäude, woran Weinstöcke stehen, vergrößert werden -soll. Man braucht nämlich dann solche nicht heraus zu nehmen und weiter -zu pflanzen; wenn nur sonst die Erweiterung des Gebäudes nicht länger -ist, als die Zweige oder Aeste der Stöcke sind, sondern man legt sie so -lang in die Erde, daß sie an der Außenseite der neu aufzuführenden Mauer -wieder hervorragen. Man kann sie auch dadurch noch verlängern, daß man -die oberen Ruthen recht lang läßt, und nur die äußerste schwache Spitze -wegnimmt. Von diesen lang gelassenen und nachher mit in die Erde -gelegten Ruthen brauchen nur ein, zwei oder drei Augen hervorzustehen; -sie bilden dann wieder einen neuen Stock. Dadurch kommt nun die -Hauptwurzel des Stockes mit denjenigen, welche in Zukunft an den in die -Erde gelegten Zweigen oder Aesten entstehen, unter das Gebäude, und -haben, wenn es eine Stube ist, ein sehr warmes, und ist es ein Stall, -ein sehr fruchtbares Lager, und die Wurzeln, die der Stock außerhalb der -Mauer treibt, bekommen ihr Lager wieder in der am Gebäude hin unter der -Traufe zum Begießen befindlichen Vertiefung. -- Alle durchs Verjüngen -erniedrigten Stöcke haben einen vorzüglichen starken Trieb, wegen der -vielen zerstreut liegenden Wurzeln, die aus allen Richtungen dem Stocke -Frucht zuführen. Das Untersetzen muß wegen des Verblutens durchaus im -Herbste geschehen. Das Verjüngen aber kann außerdem auch im Frühjahre, -ja sogar mitten im Sommer, wenn die Menge der Ruthen nicht daran -hindert, vorgenommen werden. Wenn Umstände es im Sommer nöthig machen -sollten, so müßte man die Ruthen, welche ihr Lager in der Erde bekommen -würden, zu Zapfen schneiden, und nur die äußerste oder zwei derselben, -jedoch unverbrochen, aus der Erde hervorgehen lassen. Wäre der Stock -nicht zu weit zu leiten, so daß nur sein unteres altes, kahles Holz in -die Erde käme, so kann man alle daran befindliche Ruthen mit ihren -Trauben unverändert lassen. Sie gedeihen an der neuen Stelle eben so -gut, oft noch besser, indem der Stock, obgleich er neue Wurzeln treibt, -doch durch das Einlegen zugleich auch neue Nahrung bekommt. Ich fand -einst bei einem Bekannten zu Johannis einen alten, im Grase hin und her -liegenden Stock. Ich ließ das Gras abhauen, dann den Boden umgraben, -legte das alte Holz in die Erde und ließ nur die Spitzen der schwachen -elenden Ruthen an der Wand hin aus der Erde hervorragen. Es sah aus wie -eine Reihe zarter Nelkensenker. Binnen vier Wochen waren sie gegen 3 -Ellen lang, und jetzt, nach Verlauf von ohngefähr sechs Jahren, ist es -ein Spalier, an welchem jährlich 2 bis 3000 Trauben hängen. Auf diese -Weise kann man also auch verdorbene Weinstöcke wieder in Ordnung -bringen. - - - - -24. - -Vom ersten Anbinden oder Heften im Frühlinge. - - -Eine Hauptsache beim Weinbau ist nun ferner das Anbinden oder Heften im -Frühjahre. Am besten ist hierzu der Bast von Linden oder Rüstern. -Bindfaden und andere ihm ähnliche Bänder taugen nicht dazu, weil sie -Einschnitte in das Holz machen. Ich habe in Ermangelung des Linden- und -Rüstern-Bastes, es auch mit dem weidenen und fichtenen versucht, und es -gelang vortrefflich. Ich schälte nämlich meine im Winter gehauenen -weidenen 3 Ellen langen Brennholzstücke und einige zum Bauen bestimmte -Fichten ab. Dieß gab Streifen mitunter von einer Hand breit und noch -breitere. Von diesen ließ ich die obere graue Schale mit einem Messer -abstreifen, alsdann ließen sich die den breiten Lederriemen ähnlich -sehenden Stücke in mehrere lange schwache Faden reißen. Dieß macht man, -wenn man es gleich verbrauchen will. Ist dieß nicht der Fall, so läßt -man diese breiten Streifen, um sie vor dem Verstocken zu sichern, -trocknen. Sie werden hierdurch freilich so hart, daß sie oft bei der -geringsten Berührung brechen; allein man darf sie nur eine Stunde vor -ihrem Gebrauche in das Wasser werfen, so werden sie wieder so -geschmeidig, als ob sie eben vom Baume geschält wären. Freilich muß man -sie während der Arbeit in einem Gefäße mit Wasser liegen haben, und nur -immer so viel heraus nehmen, als man für die erste Viertel-Stunde -gebraucht. Sobald der Wein damit angebunden ist, wird der Bast freilich -wieder trocken, aber er reißt nicht mehr. Auf diese Weise hat man also -nicht nöthig, des Bastes wegen grünende und wachsende Bäume zu -beschädigen. Beim Anbinden selbst nun muß man die Aeste des Stockes mit -ihren Zapfen, Schenkeln und Reben so weit auseinander bringen, als es -nur immer möglich ist. Das alte Holz der Aeste kann zwar dicht neben und -über einander liegen; die Schenkel und Reben selbst aber dürfen nicht -dichter zusammen kommen, als eine Viertel-Elle. Hat man Raum genug, so -kann man sie auch noch weiter von einander bringen. Sowohl das junge, -als das alte Holz muß nicht durchaus gerade in die Höhe gezogen werden, -sondern beides kann seitwärts schräge zu liegen kommen, je nachdem es -sich schickt. Fangen später die Augen an zu treiben, so hat jede Ruthe -gehörigen Raum und Sonne. - - - - -25. - -Von den Reserve-Augen und ihren Ruthen. - - -Bisweilen trifft es sich auch, daß zwei Ruthen an einer Stelle -entstehen, besonders bei starken, auf gutem Boden stehenden Stöcken. Es -befindet sich nämlich hinter jedem Auge noch eins, oft zwei; man nennt -sie Reserve-Augen. Diese Reserve-Augen fangen gewöhnlich im Frühjahre -mit den Haupt-Augen zugleich an, zu treiben. Sind nun die Stöcke noch -jung und schwach und haben magern Boden, so bleibt endlich das -Reserve-Auge sitzen. Haben aber, wie gesagt, die Stöcke Kraft und guten -Boden, so treiben diese Reserve-Augen mit den Haupt-Augen zugleich fort, -und auch diese aus den Reserve-Augen entstandenen Reserve-Ruthen bringen -ihre Trauben. Ich habe einmal in einem guten Weinjahre an den meisten -Hauptruthen drei und an den Reserve-Ruthen zwei, und also fünf Trauben -auf einer Stelle gehabt. An einigen Stöcken hatten sogar die Hauptruthen -4 und die Reserve-Ruthen 3 Trauben. - - - - -26. - -Vom zweiten, dritten und vierten Anbinden oder Heften. - - -Wenn nun die Ruthen länger werden, so muß man sie anheften, damit sie -sich nicht umbeugen und von Wind- und Regenstürmen abgebrochen werden. -Es ist auch dieses Anheften um der Trauben willen nöthig, weil dieselben -sonst, wenn sie zu groß und schwer werden, mit der Ruthe zugleich -abbrechen können. Daher muß man auch die untern Fruchtruthen anbinden, -ob sie gleich gewöhnlich nicht so lang werden, als die obern Zugruthen, -welche oft mehrere Male angebunden werden müssen. Denn zwar nicht die -Last der Länge, wohl aber die Last der Trauben kann sie später umbeugen -und brechen. Dieses Anheften muß aber durchaus noch vor der Blüthenzeit -geschehen, denn während derselben darf man nicht in den Ruthen -herumstören, weil man sonst den Blüthenstaub abstreift. Auch kann, wenn -die nun immer länger werdenden Ruthen nicht angebunden sind, Sturm und -Wetter dieses Abstreifen verursachen, oder die schwebenden Ruthen -zerbrechen. Bei diesem Heften muß aber mit den noch jungen und fetten -Ruthen sehr vorsichtig umgegangen werden, damit man sie nicht abbricht. -Deßhalb dürfen sie auch nicht etwa dicht an das Spalier oder an die -alten Aeste des Stockes angebunden werden, wie man das beim ersten -Anbinden im Frühjahre thut; es ist auch dieses dichte Anbinden sehr oft -wegen der Fettigkeit und Weichheit der Ruthen nicht möglich und noch -weniger nöthig. Man faßt mit dem Baste eine Stange des Spaliers, oder -einen Ast des alten Holzes, oder einen nahe liegenden Schenkel oder eine -Rebe, und zugleich auch die Ruthe dicht unter der ersten Traube, und -zieht dieselbe nun so weit heran, als es sich thun läßt. Dadurch -geschieht es, daß die Ruthen nun in längere oder kürzere Henkel zu -hangen kommen, wodurch sich dann der ganze Stock nach der Außenseite hin -verbreitet und Ruthen und Trauben mehr Raum bekommen; denn es braucht -durchaus nicht Alles dicht an das Spalier angeschnürt zu seyn. Meine -Stöcke kommen durch dieses Henkeln oft ¼, sogar ½ Elle weit und noch -weiter vom Spaliere und der Mauer ab, und hängen doch nicht abwärts, -sondern stehen und sehen so glatt, als ob sie mit der Zannscheere -beschnitten worden wären. Das dritte Heften erfolgt nach der -Blüthenzeit, wo man Alles, was abwärts hängt, ebenfalls wieder so -anhenkelt, und sollten späterhin wieder Ruthen mit ihren nun länger -gewordenen Spitzen abwärts hängen, so muß man zum vierten Male heften, -was aber selten und nur bei wenigen, nämlich bei den langen Zugruthen -nöthig ist. Jetzt kann man auch, wie schon gesagt, die abermals abwärts -hängenden Spitzen abbrechen oder der Haltbarkeit wegen um einen nahe -liegenden festen Gegenstand winden; denn sie können nun nichts weiter -nützen. In den kürzlich vergangenen Jahren habe ich den Versuch gemacht, -mir das dritte und vierte Heften ohne Nachtheil für den Stock ganz zu -ersparen, und er ist gelungen. Ich fand nämlich bei genauer Beobachtung, -daß einige Wochen nach der Blüthenzeit alle Ruthen ohne Ausnahme ihre -gehörige zum Herbste beim Beschneiden nöthige Länge erreicht hatten, -folglich alles nun noch wachsende Holz überflüßig sey. Jetzt fing ich -an, alle hervorkommenden Spitzen aller Ruthen, sogar die der Zugruthen, -wegzubrechen, und mit allen in der Folgezeit wieder hervorkommenden -Spitzen eben so zu verfahren, und fand, daß diese Behandlungsweise weder -den Trauben noch den Ruthen Schaden brachte. Ich hatte im Herbste beim -Beschneiden nur einen sehr geringen Nachtheil davon, nämlich den, daß -ich keine, oder wenigstens nur sehr wenig Schnittlinge machen konnte: -denn ich fand größtentheils nur so viel junges Holz, als ich brauchte, -und konnte einen Schnittling nur da erlangen, wo wegen zu vieler Ruthen -einige weggeschnitten werden mußten. Das von den stehenbleibenden Ruthen -weggenommene Holz war zu Schnittlingen größtentheils zu kurz. Seitdem -habe ich jedes Jahr wieder so verfahren, und da ich abermals keinen -Nachtheil gespürt habe, werde ich es auch ferner thun, und rathe einem -Jeden, eben so zu handeln. Nur das zu frühe Verbrechen, nämlich vor und -in der Blüthenzeit, kann ich nie und nirgends anrathen. - - - - -27. - -Das natürliche Anheften vermittelst der Gabeln. - - -Manche Ruthen heften sich auch selbst an, vermittelst der Gabeln; so -nennt man die an den Ruthen und beiden Trauben hin und wieder -hervortreibenden Ranken, die sich an den Enden in zwei Theile theilen -und sich um das Spalier und Alles, was sie erreichen können, herumwinden -und sehr fest werden. Das Erscheinen der ersten Gabel an einer Ruthe ist -gewöhnlich ein Zeichen, daß nun keine Traube weiter kommt. Einige -meinen, man müsse diese Gabeln abbrechen, denn sie raubten dem Stocke -die Kraft. Dieß ist ein Irrthum, denn man raubt ja auch dadurch den -Ruthen ein herrliches Befestigungsmittel, welches ihnen die Natur sehr -weislich verliehen hat. Denn kein Band kann fester werden, als dieses -Anklammern der Gabeln. Man muß aber dieses Heften oder Anhalten nicht -zuerst den Gabeln überlassen, (denn Wind und Wetter treibt oft die -Ruthen aus der gehörigen Lage, und sie heften sich alsdann da an, wo es -sich nicht schickt), sondern man muß das erste Anbinden der Ruthen -selbst besorgen, damit sie in die richtige Lage kommen, und das -Anklammern der Gabeln für sie nachher ein zweites richtiges und noch -stärkeres Befestigungsmittel wird. - - - - -28. - -Von der richtigen Lage der Ruthen. - - -Die richtige Lage der Ruthen ist folgende: Die an jedem Schenkel und -jeder Rebe sich befindenden untern, gewöhnlich schwächern und kürzern -Fruchtruthen leitet man durch das Anbinden einwärts nach der Mauer zu; -die obern längeren und stärkeren Zugruthen aber zieht man, so viel es -sich thun läßt, nach außen, damit sie gutes Licht und Sonne bekommen und -gehörig reifen können. Denn fehlt es diesen Zugruthen an Luft, Licht und -Sonnenwärme, so bleiben sie blaß und weich, verholzen nicht, und man -kann sie zum Herbste nicht gebrauchen, sondern muß sie, so weit sie grün -sind, wegschneiden. Denn die Reife, die sie nach dem Abfallen der -Blätter und den Winter über noch bekommen sollen, ist nicht von -Bedeutung. Und dieses Erziehen der Zugruthen ist eine Hauptsache beim -Weinbau. Es ist die Aussaat für das nächste Jahr. Zieht man im ersten -Jahre keine Zugruthen, so hat man im nächsten Jahre keine Trauben zu -erwarten. Ich habe Weinstöcke gesehen, die viele Trauben hatten, recht -schön angebunden und ganz glatt verbrochen waren, aber nicht eine -einzige Zugruthe hatten. Solche Stöcke lassen sich im Herbste schlecht -beschneiden; man findet an ihnen lauter kurze und schwache Ruthen, und -man muß lauter Zapfen und kurze Schenkel schneiden. Reben werden gar -nicht, und sie bringen natürlich im nächsten Jahre nicht die Trauben, -die sie gebracht haben würden, wenn man ihnen die gehörigen Zugruthen -gelassen hätte. Am Ende fangen sie gar an, zu kränkeln und gehen ein, -weil sie durch das beständige starke und besonders zu frühzeitige -Verbrechen in ihrem Wachsthume zu sehr gestört worden sind. - - - - -29. - -Von der richtigen Lage der Trauben. - - -Den kürzeren Fruchtruthen mit ihren Trauben schadet es nicht, wenn sie -hinter die Zugruthe und deren Blätter kommen. Die kurze Ruthe reift doch -wohl, und die Trauben gedeihen hinter den Blättern im Schatten weit -besser und reifen eher, als wenn sie zu viel Sonne haben. Alle der Sonne -zu sehr ausgesetzte Trauben bleiben hart und reifen viel später. Die -Spitzen der kurzen Ruthen nehme ich, wie schon gesagt, gewöhnlich dann, -wenn die Trauben anfangen, schwer zu werden, und winde sie um eine -Stange des Spaliers herum, oder wo es sich sonst thun läßt. Denn eine -solche Ruthe treibt nun schon von selbst nicht mehr, die Kraft bleibt -unten in den Trauben, und durch das Umwinden und Befestigen der Spitzen -bekommt die Ruthe mit ihren Trauben einen sehr guten Halt. Ist aber die -Ruthe mit ihren Trauben schon durch das Heften gehörig befestigt, so -kann man auch jetzt, wie ich nun durch Erfahrung gefunden habe, die -Spitzen ohne Nachtheil für Ruthen und Trauben wegbrechen. Bei dieser -Behandlungsweise, daß ich nämlich vor der Blüthenzeit gar nichts, und -nach derselben nicht zu zeitig verbreche, und die Stöcke auch sehr dicht -stehen, kommt es freilich dahin, daß in den Sommer-Monaten meine -Weinspaliere dicht belaubt sind, viel Ruthen und wenig Trauben zeigen. -Aber was von Ruthen vorn seyn und reifen soll, ist doch vorn, und die -hinter den Blättern steckenden Trauben befinden sich da einstweilen sehr -gut. Man muß nur beim Heften nicht Alles zu eng zusammenschnüren, -sondern lange Henkel machen, damit Raum in dem Dickicht ist. Kommt es -nun gegen den Herbst, die Zeit der Reife, so wirft der Stock seine -größte Kraft schon von Natur auf die Trauben und läßt die Blätter -fahren; einige fallen ganz ab, die meisten bleiben zwar, verlieren aber -ihre Fettigkeit, fangen an, zu welken, fallen und beugen sich zusammen. -Nun bekommen die hinter denselben versteckt gewesenen Trauben so viel -Licht und Wärme, als sie zu ihrer Reife bedürfen. Aber doch nicht so -viel, daß die allzu große Hitze die Beeren verhärten könnte. Wer aber -Alles zu sehr und besonders zu zeitig verbricht und entblättert, dem -hängen um diese Zeit alle Trauben frei in der größten Sonnenhitze. Auf -fettem Boden stehende Stöcke entblättern sich zwar nicht so sehr; ist -aber nur gut gehenkelt und nicht etwa geschnürt, so kann dennoch Alles -gehörig wachsen und reifen. Sollten dieselben gar zu dicht werden, so -kann man durch ein schärferes Abbrechen der Spitzen beim dritten und -vierten Heften etwas Luft machen. Oder, wie schon gesagt worden ist, das -dritte und vierte Heften ganz unterlassen, und alle hervorkommende -Spitzen wegbrechen. Denn ich wiederhole es nochmals: Wo Raum genug ist, -kann man ohne Nachtheil alles wachsen lassen; wo dieser aber mangelt, da -kann man auch hinwiederum ohne Nachtheil alles verbrechen. Nur nicht vor -und in der Blüthenzeit und nicht zu schnell nach derselben. - - - - -30. - -Vom Abbrechen der Blätter zum Gebrauche. - - -Aus dem bisher Gesagten gehet nun auch hervor, daß an einem nach meiner -Art richtig beschnittenen Weinstocke nicht ein Blatt übrig ist. Was soll -man aber thun, wenn man Weinblätter verlangt, oder deren selbst bedarf? --- Von den Zugruthen darf man sie nicht nehmen. An jedem Blatte steht -ein Auge, dieses wird von seinem Blatte geschützt, auch wird durch -dieses Blatt demselben Nahrung zugeführt; denn alles auf dem Blatte -stehen bleibende Thau- und Regenwasser dringt größtentheils durch die in -dem Blatte und dessen Stiele befindlichen kleinen Oeffnungen bis in das -Auge hinein und erquickt und stärkt dasselbe. Nimmt man ihnen nun dieses -Blatt, so zerstört man den Befruchtungs-Kanal, und es wird in seinem -Wachsthume gehindert; und geschieht dieß gleich unten an den Zugruthen, -wo sie die Trauben haben, so beraubt man zugleich auch den Trauben die -Schutz- und Nahrungsmittel. Von den übrigen kürzern Fruchtruthen darf -man sie nun ebenfalls nicht nehmen, denn sie sind auch hier die -Beschützer und Ernährer der daran befindlichen Augen und Trauben. Es -giebt aber oft außer den Zug- und Fruchtruthen noch einige unfruchtbare -Ruthen, die keine Trauben bekommen haben, und zu den Zugruthen zu -schwach sind. Auch kommen oft unten am Stocke oder etwas weiter hinauf -aus dem alten Holze Ruthen heraus, die weder Trauben haben, noch zu -Zugruthen taugen, und allenfalls im Herbste beim Beschneiden einen -Zapfen geben können. Man nennt sie bekanntlich Wasserruthen. Von diesen -beiden, den oben genannten unfruchtbaren und den Wasserruthen, kann man -Blätter nehmen, wenn man welche gebraucht. Hier thut es nicht viel -Schaden, besonders an den obern Enden, die ja ohnedieß im Herbste -weggeschnitten werden. An den obern Enden könnte man allenfalls auch von -den Zug- und Fruchtruthen Blätter wegnehmen, aber nicht eher, als nach -dem dritten und vierten Heften, wo man auch die ganze Spitze wegbrechen -kann. Vor und während der Blüthenzeit aber ist nirgends ein Blatt übrig; -es macht ohnedem das Abbrechen eines solchen fetten Blattes eine Wunde, -die im zeitigen Frühlinge sogar blutet. Braucht man aber die Blätter -nicht nothwendig, so lasse man auch die für entbehrlich erklärten -stehen. Es ist große Thorheit, solche oder wohl gar ganze Ruthen für das -Vieh abzubrechen, ohne vorher überlegt zu haben, ob sie auch wirklich -überflüssig waren oder nicht, und ob es also Nutzen oder Schaden bringen -konnte. Denn, ich wiederhole es nochmals, hat man im Herbste nach meiner -Art richtig beschnitten, so kann man, wo Raum genug ist, vom Frühjahre -an bis zum Herbste, alles daran ungestört und ohne Nachtheil wachsen -lassen. Es kann schon, dem Schnitte gemäß, nicht mehr wachsen, als -nöthig ist. Ich weiß dieß aus mehrjähriger Erfahrung, und freue mich, -diese Entdeckung gemacht zu haben, denn sie überhebt mich der wirklich -schwierigen Arbeit des frühzeitigen Verbrechens, wobei man sich nicht -genug in Acht nehmen kann, daß man den jungen fetten Ruthen und zarten -Träubchen nicht Schaden thut. Dieser Schaden kann aber beim Verbrechen -zur Zeit des dritten und vierten Heftens, spät nach der Blüthenzeit -nicht geschehen. Jetzt können die abgebrochenen überflüssigen Spitzen -zum Futter für’s Vieh benutzt werden. - - - - -31. - -Einrichtungen zur Erleichterung des mühsam scheinenden Begießens. - - -Ich erwähne diesen Gegenstand nochmals, um zu zeigen, welch’ eine -wesentliche Arbeit dieß beim Weinbau ist. Ich habe es in dem vergangenen -trockenen Sommer an einem Spaliere absichtlich unterlassen, um dessen -Nutzbarkeit nochmals zu erproben, und sie zeigt sich nun mehr, als zu -deutlich. Dieß Spalier hat magere Träubchen, die wohl schwerlich zur -Reife gelangen werden. Die begossenen Spaliere aber prangen mit fettem -Wuchs und schönen Trauben, die eine zeitige Reife versprechen. Damit nun -aber auch das Begießen gehörig nützen kann, so muß man die Vertiefung -und die Dämmchen unten am Spaliere bei den Wurzeln immer in gutem Stande -erhalten. Thut man dieß nicht, so darf man sich nicht wundern, wenn auch -bei fleißigem Begießen die Weinstöcke nicht gedeihen. So ging es einem -meiner Bekannten. Ich besah seine Stöcke, und fand sie auf einer festen -Erhöhung von Erde stehend, von der jeder Tropfen Wasser augenblicklich -wieder ablaufen mußte. Das hieß nun, Wasser auf eine umgekehrte Schüssel -gießen und sich dabei wundern, daß es nicht eindringen will; oder dem -Durstigen den Trank über den Kopf gießen, und es sich befremden lassen, -daß er dabei noch immer über Durst klagt. Ich machte nun am Stocke unten -die gehörige Vertiefung nebst den zwei Dämmchen, vermehrte die Stöcke -durch das Verjüngen einiger niedern Aeste und ließ die Vertiefung alle 8 -Tage voll Wasser gießen. In Zeit von 4 Wochen hatten die Ruthen 2 Ellen -hoch getrieben, und jetzt, nach Verlauf von 5 Jahren, bekleiden diese -Stöcke den ganzen Giebel des Hauses und bringen Trauben im Ueberfluß. -Deßhalb muß auch ein Weinstock, wie schon gesagt, eine bis zwei Ellen -breit vom Spaliere ab gehörig umzäunt seyn, damit kein Vieh hinzugehen -und die Vertiefung nebst den Dämmchen verderben kann. Um sich des -mühsamen Hintragens des Wassers bis an das Spalier zu erleichtern, suche -man sich einige hölzerne Wasserrinnen zu verschaffen, die von einem -Brunnen oder einem nahen Wasserbehälter bis an das Spalier reichen. Dann -ist das Begießen, zumal bei einer Pumpe, ein Geschäft für ein Kind, das -auf diese Art binnen einer Stunde einige hundert Eimer Wasser -hinschaffen kann, und die geringen Kosten der Rinnen bringt eine einzige -Traubenlese wieder ein. Freilich muß aber auch, wie gesagt, die -Vertiefung gehörig wagerecht seyn, damit ein Stock so viel bekommt, wie -der andere. - - - - -32. - -Reinigung des Weingartens. - - -So nenne ich den eine bis zwei Ellen breiten Raum von der Mauer bis an -die Umzäunung. Diese Stelle muß immer rein gehalten und nichts weiter -darauf gepflanzt werden. Es darf deßhalb dieses Weingärtchen nicht -zugleich den Blumen-, Petersilien- und Pflanzengarten mit ausmachen. -Auch muß man darinnen kein Gras oder Unkraut aufkommen lassen. Wo dieß -geschieht, oder wo wohl gar dicht an den Stöcken Hühner, Hunde und -Katzen ihr Faulbettchen aufschlagen, und die Weiber diesen Ort zu einer -Niederlage von Bouteillen, Aeschen, Schüsseln, alten Töpfen und dergl. -gebrauchen, auch wohl den Herbst und Winter über Kraut und Rüben -daselbst aufbewahren, da kann freilich der Weinstock nicht gut -gedeihen. - -„Welche Mühe und Arbeit machen Sie sich mit Ihren Weinstöcken!” sagte -oft der Eine oder der Andere zu mir. „Der und Jener dort thut gar nichts -an seinen Stöcken, und hat eben so viel, wohl noch mehr Trauben, als -Sie.” Dieß kann der Fall seyn; denn das weiß ich auch, daß alte, tief -eingewurzelte Stöcke auf gutem Boden oft einige Jahre lang ohne -regelmäßige Behandlung dennoch gedeihen und Früchte tragen können. Man -lasse das aber so fortgehen, so werden nach mehreren Jahren diese Stöcke -einer wild verwachsenen Dornenhecke gleichen, wie ich einen solchen -gesehen und oben schon beschrieben habe. Kommt nun ein kalter Winter, in -welchem glücklicherweise das ganze Dornengestrüppe bis auf die Wurzeln -erfriert, so daß er rein abgeschnitten also untersetzt werden muß, und -folglich nun wieder einige Jahre ohne regelmäßige Behandlung gut treiben -und viele Trauben bringen kann: dann wird der unwissende Besitzer seinen -Irrthum nicht gewahr, sieht es nicht ein, daß ihm die Natur zu Hülfe -gekommen ist, welche seinen verwilderten, der gänzlichen Unfruchtbarkeit -sich nahenden Weinstock durch den Frost untersetzt hat, was an ihm hätte -geschehen müssen, wenn er nicht erfroren wäre und noch länger hätte -Trauben bringen sollen. Denn wenn solche Stöcke, an denen gar nichts -gethan wird, nicht einmal erfrieren, so sehen sie am Ende sehr elend aus -und haben unten eine Menge altes, kahles, verwachsenes Holz und oben an -der Spitze des Daches einige Ruthen mit Trauben. Stünde ein solcher -Stock an einem Kirchthurme, er würde bald, wenn ihn kein Frost -untersetzte, mit seinen Ruthen und Trauben die Fahne erreichen und vor -Diebstahl ziemlich gesichert seyn. - - - - -33. - -Das Erretten einiger Ruthen und Trauben vom Verderben im Frühjahre. - - -Wenn im Frühjahre die Augen aufbrechen und die Ruthen anfangen zu -treiben, so trifft es sich oft, daß einige stark und fett treibende -Ruthen mit den Spitzen an eine Stange des Spaliers, an altes Holz oder -an die Mauer anstoßen, sich umbeugen und abbrechen. Da hat man nun -fleißig nachzusehen, und wo man dieses bemerkt, den fetten Wuchs sanft -abwärts zu beugen; wenn er dieß aber vielleicht nicht aushalten könnte, -so muß man den Schenkel oder die Rebe, woran er sich befindet, -losschneiden, und so anbinden, daß die Ruthe frei wachsen kann. Auf -diese Weise habe ich oft ein Schock Trauben gerettet, die sonst verloren -gegangen wären. Denn kaum ist die Ruthe einen Zoll lang, so zeigt sich -auch schon die erste Traube und bald auch die zweite, ehe noch die -Blätter sich gehörig entfaltet haben. Läßt man nun die Ruthen in ihrem -Entstehen verderben, so verderben damit auch zugleich die Trauben. -Werden die Ruthen länger und entfalten sich die zarten Blätter, so steht -gewöhnlich die erste Traube am dritten, vierten oder fünften Blatte, je -nachdem die Art ist. Am nächsten Blatte kommt die zweite Traube zum -Vorschein, ein, auch zwei Blätter über dieser die dritte, und bei -manchen Sorten in derselben Entfernung auch die vierte. Mehr habe ich -aber noch an keiner gesehen. Meine weißen und gelben Sorten sind von der -Art, die blauen aber haben nicht an jeder Ruthe zwei, vielmehr an -einigen sogar nur eine Traube. Dagegen sind aber ihre Trauben -größtenteils eine Viertel-, oft beinahe eine halbe Elle lang, haben am -obern Ende viele kleine Nebentrauben, und die Beeren sind von der Größe -einer Herzkirsche. - - - - -34. - -Vom Anpflanzen der Weinstöcke im Freien oder an Bäumen. - - -Wenn man Weinstöcke ins Freie oder an Bäumen, Lauben, Pyramiden und -dergl. anpflanzen will, so werden sie eben so behandelt, wie bisher -beschrieben worden ist. Sie gedeihen daselbst auch eben so gut, als an -Gebäuden und Mauern, nur daß die Trauben später reifen und die Fröste im -Mai ihnen leicht schaden können, weil sie dem Luftzuge mehr ausgesetzt -sind. Hohe Bäume, mit langen, kahlen, weit ausgebreiteten Aesten, sind -natürlich hierzu am besten. Niedere hingegen, mit vielen buschichten -Zweigen, sind gar nicht dazu tauglich. Sie rauben den Stöcken zu viel -Sonne und ihre Ruthen haben keinen Raum unter den dicht belaubten -Zweigen des Baumes. Ueberhaupt thut man wohl, besonders wenn die Wurzeln -des Baumes etwas hoch liegen, wenn man den Stock nicht zu dicht an -denselben, sondern eine bis zwei Ellen weit davon entfernt steckt, und -einen langen Ast oder eine Rebe in der Erde hin in einer schmalen Rinne -bis an den Baum leitet. Befestigen kann man die Ruthen des Stockes hier -leicht, wenn man in einer Entfernung von einer halben Elle starke -Bastbänder um den Stamm des Baumes bindet, und an dieselben nun mit -schwächern Bändern die Ruthen befestigt. Steht er ganz im Freien, so muß -man ihn mit in die Erde geschlagenen Pfählen und daran befestigten -Querstangen befestigen. Eine Weinlaube muß etwas hoch und -pyramidenähnlich gebauet seyn, oder von zwei Seiten ein recht steiles -Dach oder Sparrwerk haben. Will man die Trauben eines im Freien -stehenden langen Weinspalieres zeitig zur Reife bringen, so muß man -hinter dasselbe auf der Nachtseite starke lange Pfähle setzen, und an -dieselben vermittelst einiger Haken von starkem Drahte eine aus starkem -Papiere oder schwacher Pappe gemachte schwarzgefirnißte Hängewand -befestigen. Es läßt sich dieselbe, wenn sie gut aufbewahrt wird, viele -Jahre lang gebrauchen. - - - - -35. - -Schutzmittel gegen die späten Fröste im Mai und Juni. - - -Gegen diese Feinde des Weinstocks, nämlich die späten Fröste im Mai, -(Pancratius und Servatius &c.), giebt es freilich wenige ganz sichere -Schutzmittel. Weil man eines Theils nicht gewiß weiß, wann ein solcher -Frost kommen wird, und wenn man es auch wüßte, die schon mit Ruthen und -Trauben besetzten Stöcke nicht herunterlegen und zudecken kann, ohne -sie bedeutend zu beschädigen. Das beste Mittel wäre freilich, den Abend -vorher, an welchem man aus der kühlen Abendluft oder andern Kennzeichen -einen solchen Frost vermuthet, die Spaliere mit einer Decke von grober -Leinwand, welche auf der, dem Stock zugekehrten Seite mit Löschpapier -überzogen wäre, zu bedecken. Diese Decke müßte dann mit Nägeln und -Henkeln behutsam an das Gebäude angeheftet werden. Freilich wäre dieß -sowohl kostspielig, als mühsam, besonders bei großen Spalieren; jedoch -wäre dieses Schutzmittel gegen den Frost um diese Zeit schon -hinreichend. Bei wenigen, besonders niedrigen Stöcken dürfte beides, -Aufwand und Mühe, nicht so bedeutend, der Nutzen aber groß seyn; denn -man verliert durch einen solchen Frost nicht allein die Trauben für dieß -Jahr, sondern bekommt auch schwache Ruthen, die im folgenden Herbste -bloß zu Zapfen und kurzen Schenkeln geschnitten werden können, und also -im folgenden Jahre entweder gar keine oder nur sehr wenige, magere -Trauben bringen. Denn obschon die erfrornen Stöcke bald wieder -ausschlagen, so haben sie doch kein rechtes Gedeihen, und man thut wohl, -wenn man vor dem Herbste nichts daran thut, sondern das Erfrorne nach -und nach von selbst abfallen und abwelken läßt. Einige rathen auch, am -Abend vorher, wenn man einen solchen Frost vermuthet, Fässer und Wannen -mit kaltem Brunnenwasser dicht unten an das Weinspalier zu setzen; es -soll den Frost von demselben ab- und an sich ziehen; noch besser soll es -seyn, wenn man Strohseile oben an das Spalier bindet, mir den untern -Enden in die Wassergefäße legt, und daselbst mit darauf gelegten Steinen -befestiget. Am mühsamsten wäre wohl das Räuchern, d. h. mit einem Becken -voll glühender und dampfender Kohlen die ganze Nacht am Spaliere hin und -her gehen, was man zuweilen in Weinbergen zu thun pflegt. - - - - -36. - -Behandlung der im Winter erfrornen Stöcke. - - -Vor den Winterfrösten kann man die Stöcke, wie gesagt, am besten durch -das Niederlegen und Zudecken schützen, oder, wenn kein Raum dazu -vorhanden ist, durch das Verbinden und Umwinden mit Stroh, oder Behängen -des Spaliers mit solchen Nadel- und Laubholzsträuchen, die im Winter -Laub und Nadeln nicht verlieren. Es ist immer besser, diese kleine Mühe -nicht zu scheuen, als den Stock erfrieren zu lassen. Er schlägt zwar im -nächsten Jahre wieder aus, wird aber erst nach Verlauf von 3 bis 4 -Jahren wieder das, was er gewesen ist. Manche schneiden, wenn der Stock -erfroren ist, gleich im Frühjahre alles erfrorne Holz bis auf die Erde -weg. Dieses Verfahren ist nicht ganz gut; denn der Stock verblutet sich -durch die daraus entstandenen vielen und großen Wunden zu sehr. Ich -würde in dieser Lage um diese Zeit nur das obere schwache Holz -wegnehmen, von welchem wegen gänzlicher Erstorbenheit keine Verblutung -zu befürchten ist. Denn im Frühjahre muß überhaupt, besonders an -gesunden Stöcken, gar nicht geschnitten werden. Besser ist es auch den -erfrornen Stock erst wieder ausschlagen zu lassen, und das übrige alte, -starke, erfrorne Holz erst dann abzuschneiden, wenn er nicht mehr -blutet; nämlich zu Johanni. Freilich muß man sich dann in Acht nehmen, -daß man bei diesem schwierigen Geschäfte den jungen, fetten Wuchs nicht -verdirbt. Hat man aber das meiste schwache Holz schon im Frühjahre -weggenommen, so macht es sich leichter. Es muß auch das zu Johanni -abgeschnittene alte, erfrorne Holz nicht gleich weggenommen werden, -sondern man läßt es, wenn es fest hängt, und die jungen, daran -geklammerten Ruthen sich nicht gut davon lösen, hinter und unter -demselben stehen bis zum Herbste. Von den jungen Wasserruthen eines -solchen Stockes, deren gewöhnlich sehr viele sind, und welche in diesem -Jahre selten Trauben haben, schneidet man nun im nächsten Herbste die -schwächsten ganz weg, die stärkeren zu Zapfen, die noch stärkeren zu -Schenkeln, und die stärksten zu Reben. Sie dürfen aber auch hier nicht -länger seyn, als schon gesagt worden ist. Man verdirbt den ganzen Stock -auch hier gleich in seinem neuen Entstehen wieder, wenn man sich durch -die freilich schönen, langen Ruthen, die ein solcher Stock treibt, -verleiten läßt, mehr davon stehen zu lassen, als nöthig ist. Es müßte -denn eine Sorte seyn, die auch an langen Reben von unten an bis oben -hinauf gute Ruthen und Trauben brächte; da könnte man allerdings von der -Regel eine kleine Ausnahme machen. Im folgenden Jahre bringen nun solche -Stöcke wieder reichliche und gute Trauben. - - - - -37. - -Vom Senken oder Vermehren der Stöcke. - - -Das Senken, als ein Vermehrungsmittel der Weinstöcke und Verlängerung -des Spaliers verdient nun noch einer besondern Erwähnung. Hat man schon -einen Weinstock von guter Art an einem Gebäude oder sonst wo stehen, und -rechts und links neben demselben noch Raum zu mehreren, so nimmt man von -beiden Seiten längere und kürzere Aeste, oder lange Ruthen, die dicht an -der Erde unten, oder wenigstens nicht weit davon aus dem Stocke -gewachsen sind, herunter, und macht eine eine halbe Elle tiefe aber -etwas breitere Grube längs des Spaliers auf beiden Seiten desselben. In -diese legt man die eben genannten kürzeren und längeren Aeste so, daß -sie sich in der Grube nicht berühren, damit ein jeder für sich Raum -behalte, seine Wurzeln zu treiben, und läßt die äußersten Enden -derselben, an welchem aber nur Zapfen sich befinden dürfen, eine -Viertel-Elle lang aus der Erde hervorragen. Sie können auch ganz bis an -die Zapfen in die Erde kommen, so daß sich blos 2 bis 3 Augen zeigen. -Diese bilden nun neue Stöcke; die kürzeren zunächst beim Hauptstocke, -die längeren weiter davon entfernt. Theilt sich der herabgenommene Ast -nach seinem Ende zu nach und nach in mehrere Aeste, so ist es desto -besser; man kann alsdann aus diesen Seiten-Aesten oder auch Ruthen -mehrere Stöcke machen, dadurch, daß man einen jeden mit seinem äußersten -Ende und den daran befindlichen Zapfen da aus der Erde hervorragen -läßt, wohin er reicht. Doch dürfen diese Senker nicht dichter, als eine -Elle neben einander zu stehen kommen. Sollten etwa im nächsten Jahre -zwischen den eine Elle weit stehenden Senkern noch Ruthen aus der Erde -hervor schießen, so muß man diese wegbrechen, sonst entstehen der Stöcke -zu viele. Denn noch dichter, als eine Elle, darf man sie nicht aufkommen -lassen. Man kann dazu auch junge, aus dem alten Holze unten getriebene -Wasserruthen benutzen. Diese dürfen aber nur mit 2, höchstens 3 Augen -aus der Erde hervorstehen; es ist, wie bekannt, auch eins schon -hinreichend, wenn es vor dem Verderben hinlänglich gesichert werden -kann. Dieß ist es, was man Senken nennt, und man kann dasselbe auch im -Frühjahre noch vornehmen; besser ist es aber auch hier im Herbste, und -zwar gleich nach dem Beschneiden, oder den Winter über, wenn Frost und -Schnee nicht daran hindern. Solche Senker treiben im ersten Sommer schon -sehr starke Ruthen, oft sogar Trauben und können im nächsten Herbste, -wenn sie auf der Stelle stehen sollen, die schwächern zu Zapfen, die -stärkern zu ½- bis ¾elligen Schenkeln, auch wohl zu Reben von einer Elle -lang geschnitten werden. Im zweiten Sommer bringen sie schon mehrere -schöne Trauben. Ich habe auf diese Weise von einem einzigen Stocke ein -Spalier von 14 Ellen lang angelegt, welches mir nun seit 7 Jahren alle -Jahr eine große Menge Trauben geliefert hat. Es ist nicht nöthig, diese -Senker im folgenden oder einem der nächsten Herbste vom Stocke -abzuschneiden, besonders wenn sie sich ganz unten an demselben -befinden, und von da aus gleich mit Erde so überdeckt sind, daß man das -Senken gar nicht bemerkt. Ein anderes ist es, wenn sie höher am Stocke -stehen. Da würde man allerdings wohlthun, sie in einem der nächsten -Herbste abzuschneiden; denn sie bilden sonst unförmliche Bogen. Oft -treiben diese Wasserruthen; soll nun der Senker am Stocke bleiben, so -muß man solche gleich bei ihrem Entstehen verbrechen, oder gleich ganz -vernichten, denn sie können nichts nützen, weil der Bogen im Herbste -weggeschnitten wird, und rauben also dem Stocke und dem Senker nur die -Nahrung. Doch habe ich auch einmal, theils um Erfahrung zu machen, -theils noch leeren Raum am Spaliers auszufüllen, das Gegentheil -versucht, und es gelang. Ich ließ nämlich die an einem Bogen treibenden -drei Wasserruthen stehen, und düngte und begoß den Senker und den -Hauptstock den ganzen Sommer durch mit Schlammwasser, habe aber nicht -bemerkt, daß eins von allen dreien Schaden gelitten hätte. Der Senker -trieb gut und hatte sogar Trauben, die sehr schön wurden. An den Ruthen -und Trauben des Hauptstockes mangelte nichts, und die drei am Bogen -befindlichen Ruthen wurden so kräftig, daß ich im nächsten Herbste die -schwächere zu einem Zapfen, die stärkere zu einem halbelligen Schenkel, -und die stärkste zu einer Rebe von einer Elle schneiden konnte. Jetzt -schnitt ich nun den Bogen nicht am Hauptstocke, sondern am andern Ende -über der letzten Ruthe ab, bog den noch übrigen am Senker hängenden -Theil des alten Holzes in die Erde, um dadurch dessen Wurzeln noch zu -vermehren. Den Bogen selbst aber bog ich nun wieder in die Höhe nach dem -Hauptstocke zu. Er bildete jetzt wieder einen niedrig stehenden Ast, -diente zur untern Bekleidung einer noch kahlen Stelle, und brachte im -nächsten Jahre schöne Trauben. Auf gutem Boden und bei recht guter -Abwartung kann ich dieses Verfahren anrathen; unter andern Umständen -möchte es wohl mißlingen. - - - - -38. - -Vom Verpflanzen der Senker. - - -Sollen nun die Senker nicht am Hauptstocke bleiben, sondern im nächsten -Herbste weiter verpflanzt werden, was allerdings im Herbste geschehen -muß, weil sonst, wenn man es im Frühjahre thun wollte, der Hauptstock -und Senker an der bedeutenden, beim Abschneiden verursachten Wunde sich -verbluten würde, so kann man die an den Bogen wachsenden Ruthen stehen -lassen und sehr gut benutzen. Sollten sie auch auf magerm Boden nebst -den Ruthen des Senkers gerade nicht so lang und kräftig werden, so sind -sie ja im nächsten Herbste doch einmal bloß zu Zapfen bestimmt. Um diese -Zeit schneidet man nun den Bogen, woran der Senker hängt, dicht am -Hauptstocke weg, damit die dadurch an demselben entstehende bedeutende -Wunde gut verwachsen kann, nimmt ihn aus der Erde, und hat nun einen -Senker, der an beiden Enden Ruthen und in der Mitte Wurzeln hat. Die -Ruthen werden dann an beiden Enden, die stärkeren zu Zapfen, die -schwächeren aber ganz weggeschnitten. Es dürfen aber von den stärkeren -nur 2, höchstens 3 bleiben, im Fall er mehr getrieben haben sollte. Mann -kann dieses Beschneiden auch vornehmen, ehe man den Senker aus der Erde -nimmt; es geht sich dann besser damit um. In der Mitte, wo die Wurzeln -sind, schneidet man nun so durch, daß jeder Theil Wurzeln behält, und so -hat man zwei Senker oder Wurzlinge. Man kann das Ganze aber auch -beisammen lassen und beide Enden mit ihren Zapfen an dem Orte, wohin sie -verpflanzt sind, aus der Erde hervorgehen lassen; so giebt dieß zwei -Stöcke, die in der Erde gemeinschaftliche Wurzeln haben. Ich habe aber -auch solche Bogen mit Wurzeln abgeschnitten und gesteckt, ob sie schon -keine Zapfen mit Augen hatten und sie trieben im ersten Sommer aus dem -alten Holze schöne Wasserruthen. Hieraus geht hervor, daß man auch alte -Stöcke mit ihren mehrsten Wurzeln herausgraben und weiter pflanzen kann, -ob man gleich dabei alles Holz bis auf eine Viertel- oder halbe Elle -wegschneiden muß. Sie treiben auch ohne Augen wieder Ruthen und wachsen -fort, wenn man sie nur im ersten Sommer gehörig abwartet. Unnöthiger -Weise muß man aber keine Senker machen; denn vieles und öfteres Senken -ist dem Hauptstocke nicht zuträglich, sondern beraubt ihn nach und nach -seiner natürlichen Kraft. Ist man aber in der Lage, daß man gern viele -Senker für sich und Andere haben will und muß, so thut man besser, wenn -man sich von allen den Sorten, von denen man senken will, einen Stock an -einem Ort, besonders pflanzt, wo ringsumher viel Raum ist, und von -diesem Stocke jeden Herbst die meisten Ruthen zu Senkern einlegt. Der -Stock, wenn er nicht zu kraftlos ist und guten Boden hat, pflegt seine -Senker und treibt auch dabei wieder Wasserruthen, die im folgenden -Herbste zu Senkern benutzt werden können. Ich habe einen solchen Stock -mehrere Jahre dazu benutzt, und deshalb bloß den Mutterstock genannt. Er -ist bei alledem aber so kraftvoll, daß er nicht allein fette Ruthen -treibt, sondern an demselben sogar auch Trauben bringt. Freilich ist es -ein 15jähriger kräftiger Stock, welcher auf gutem Boden steht. - - * * * * * - -Dieß, lieber Leser, sind nun meine im Weinbau gesammelten, und auf -Erfahrung gegründeten Beobachtungen. Habe ich dem Einen und dem Andern -damit genützt, so soll es mich sehr erfreuen. Kann mich irgend Einer auf -einen Irrthum aufmerksam machen, der ja bei allem menschlichen Thun so -häufig vorkommt, so will ich es mit Dank annehmen und der bessern -Belehrung gern Beifall geben. Und sollten sachkundige Männer auch die -zweite Auflage dieser kleinen Schrift als eine wirklich verbesserte, und -wegen ihrer Brauchbarkeit empfehlungswerth anerkennen, so wird mir dieß -ein mächtiger Antrieb zu herzlich demüthigen Danke und neuer stärkerer -Thätigkeit seyn. - - -Druck von ~Joh. Friedr. Glück~ in Leipzig. - - - - -Bei dem Verleger dieses Buches sind noch folgende empfehlenswerthe -Bücher erschienen: - - - ~Die Aufsicht des Geistlichen über die Volksschule~, nach den - Grundsätzen des deutschen Schulrechtes. Ein Beitrag zur - Pastoralklugheit von K. ~Kirsch~, Diaconus und ersten Mädchenlehrer zu - Königsbrück. gr. 8. 30½ Bogen. 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Dem Landmann wie dem Bürger, -namentlich der heranwachsenden Jugend sollten die erhebendsten -Thatsachen, die edeln Züge der sächsischen Fürsten und Helden in -einfacher dichterischer Behandlung zur Belebung des volksthümlichen -Geistes dargestellt werden. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Anweisung zum Weinbau an Gebäuden - Mauern, Lauben und Bäumen, by Johann Gottfried Bornemann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANWEISUNG ZUM WEINBAU AN *** - -***** This file should be named 53013-0.txt or 53013-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/3/0/1/53013/ - -Produced by Thomas Westhoff, Harry Lamé and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This -transcription was produced from images generously made -available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State -Library.) - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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