summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/old/53013-0.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to 'old/53013-0.txt')
-rw-r--r--old/53013-0.txt2540
1 files changed, 0 insertions, 2540 deletions
diff --git a/old/53013-0.txt b/old/53013-0.txt
deleted file mode 100644
index 94e8ddd..0000000
--- a/old/53013-0.txt
+++ /dev/null
@@ -1,2540 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Anweisung zum Weinbau an Gebäuden, Mauern,
-Lauben und Bäumen, by Johann Gottfried Bornemann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
-to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
-
-Title: Anweisung zum Weinbau an Gebäuden, Mauern, Lauben und Bäumen
- Herausgegeben zu Ermunterung der Kinder zu edler Thätigkeit
-
-Author: Johann Gottfried Bornemann
-
-Release Date: September 8, 2016 [EBook #53013]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANWEISUNG ZUM WEINBAU AN ***
-
-
-
-
-Produced by Thomas Westhoff, Harry Lamé and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-transcription was produced from images generously made
-available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State
-Library.)
-
-
-
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- =Text= entspricht Fettdruck, ~Text~ gesperrter Text, _Text_ antiqua
- Text.
-
- Einige klare Fehler in Rechtschreibung, Interpunktion usw. sind
- stillschweigend korrigiert worden.
-
-
-
-
- Anweisung
- zum
- Weinbau
-
- an
-
- Gebäuden, Mauern, Lauben
- und Bäumen.
-
-
- Von
- J. G. Bornemann.
-
- Leipzig, 1841,
- Carl Heinrich Reclam.
-
-
-
-
- Anweisung
- zum
- Weinbau
-
- an
-
- Gebäuden, Mauern, Lauben
- und Bäumen,
-
- als eine sehr leichte, angenehme und nützliche Beschäftigung
- für Erwachsene sowohl, als
- auch für Kinder.
-
- Herausgegeben
- zur Ermunterung der Kinder
- zu
- edler Thätigkeit
- von
-
- Johann Gottfried Bornemann,
- Schullehrer in Döbern bei Bitterfeld.
-
- Zweite verbesserte und vermehrte Auflage.
-
- Leipzig, 1841,
- bei Carl Heinrich Reclam.
-
-
- Kommt, ihr Kinder, lernet nun,
- Was recht Nützliches zu thun!
- Statt unnützer Tändeleien,
- Laßt den Weinbau euch erfreuen!
- Das ist ein Geschäft für euch.
- Drum ergreift die Reben gleich!
- Legt sie schicklich in die Erde,
- Damit es ein Stöckchen werde.
- Werdet ihr’s zwei Jahre pflegen,
- Bringt’s im dritten euch schon Segen.
- Das wird eine Freude seyn,
- Wenn ihr sagen könnt: „der Wein,
- Der dort an dem Hause pranget,
- Hat durch mich die Höh’ erlanget.”
- Seht, wie kahl stehn die Gebäude!
- Macht euch doch die edle Freude,
- Sie mit diesem schönen Grün
- Hurtig ringsum zu umzieh’n!
- Und wie werden süße Beeren
- Euch wohlschmecken, kräftig nähren!
- Eh’ ihr werdet Junggesellen,
- Müssen alle leere Stellen,
- Wo ja sonst nichts kann gedeih’n,
- Von euch grün bepflanzet seyn.
- Und ihr Mädchen merkt es euch!
- Eh’ ihr seyd dem Weinstock gleich,
- Müssen eure zarten Händchen
- Viele, viele tausend Bändchen
- An den Wein gebunden haben,
- Wenn euch sollen Trauben laben.
- Jeder der nur pflanzen kann,
- Fange gleich den Weinbau an.
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Wir leben jetzt in einer Zeit, wo alles, was die Landwirthschaft
-betrifft, beachtet und verbessert wird. Ich glaube aber, mit Recht
-behaupten zu können, daß man besonders in unserer Gegend Eins bei weitem
-noch nicht so beachtet hat, als es geschehen könnte und sollte. Dieß
-Eine ist der Weinbau. Man scheint, ihn für ein Geschäft zu halten, das
-bloß in wärmeren Gegenden mit großen Nutzen betrieben werden kann und
-betrachtet dieses herrliche Product bloß als ein entbehrliches
-Naschwerk, ohne zu bedenken, das es ein vortreffliches Sättigungs- und
-Stärkungs-Mittel ist, und bei reichlicherer Anpflanzung auch wohl ein
-nicht ganz unbedeutendes Erwerbsmittel werden könnte. Obschon hin und
-wieder an passenden Orten Weinstöcke sich befinden, so giebt es doch
-noch viele tausend leere und zu sonst weiter nichts brauchbare Stellen,
-wo die herrlichsten Weinstöcke gedeihen würden. Und selbst unter denen,
-die wir haben, giebt es viele, die man aus Unkunde vernachlässigt, so
-daß sie bei weitem den Nutzen nicht bringen, den sie bringen würden,
-wenn man sie richtig behandelte; welche Behandlung man sich gewöhnlich
-weit mühsamer, schwieriger und kostspieliger vorstellt, als sie wirklich
-ist. Ich selbst bin früher einer von denen gewesen, der seine zwei
-Weinstöcke aus Unkunde vierzehn Jahre lang vernachlässigte. Nachdem ich
-aber vor nunmehro 8 bis 9 Jahren die herrlichen Eigenschaften dieses
-vortrefflichen Gewächses kennen gelernt, und diese zwei Stöcke in kurzer
-Zeit bis auf viele Hunderte vermehrt habe, gehöre ich unter diejenigen,
-die sich der Früchte ihres Fleißes erfreuen können. Denn die Zahl meiner
-Weintrauben geht nun schon seit einigen Jahren alle Jahre weit in die
-Tausende, und meine Kinder, die jetzt diese herrlichen Früchte genießen
-können, so viel sie nur wollen, belachen es immer noch, daß sie sich
-früher mit großer Freude in die einzelnen Beeren der vernachlässigten
-Stöcke getheilt haben. Deshalb muß ich auch frei gestehen, daß mich nun
-jeder Ort, wo Wein stehen könnte, und jeder aus Unkunde vernachlässigte
-Stock, der oft bloß durch die Hand eines Kindes angepflanzt und richtig
-behandelt werden könnte, von Herzen dauert, zumal wenn ich noch in
-Erwägung bringe, welch’ ein herrliches Schutzmittel gegen Regen und
-Sonnenhitze dieses vortreffliche Gewächs den Gebäuden ist. Denn die
-Wände meines Schulhauses, die sonst bei Regenwetter von Nässe trieften,
-berührt jetzt kein Tropfen mehr, und die Stuben, in welchen man es
-früher im Sommer vor Hitze kaum aushalten konnte, sind jetzt kühlen
-Lauben ähnlich geworden, durch deren Fenster sich überall die
-Weintrauben hereindrängen. Mehrere in und außer meinem Wohnorte haben
-mich nun gebeten, ihnen auch Weinstöcke anpflanzen und nach meiner Art
-in Stand bringen zu helfen. Weil ich aber diese Bitte wegen Mangel an
-Zeit nur sehr wenigen erfüllen kann, und deshalb schon oft ein
-Undienstfertiger genannt worden bin: so habe ich mich entschlossen,
-meine aufgeschriebenen, durch Erfahrung und aus Büchern erlangten
-Kenntnisse in dieser Sache, durch den Druck bekannt zu machen, um
-dadurch Jeden in Stand zu setzen, nach meiner Art zu verfahren. Es sind
-zwar schon mehrere, diesen Gegenstand betreffende, aber nur zu große und
-deßhalb theure Anweisungen vorhanden. Ich habe in meiner gegenwärtigen
-Anweisung auf Kürze und Billigkeit Rücksicht genommen, und hege die
-frohe Hoffnung, vielleicht dem Einen und dem Andern, der diese theuren
-Anweisungen nicht kaufen kann, und auch dem, der sie kaufen kann oder
-vielleicht schon hat, aber gern auch noch die Meinung Anderer zur
-Vermehrung seiner Kenntnisse hört, durch diese kleine Schrift einen
-Dienst zu erweisen. Möge der Herr der Natur, von dem ja aller Segen
-kommt, auch dieses geringe Unternehmen für recht viele segensreich
-machen, und es zu einem Mittel gebrauchen, durch welches der Gewerbfleiß
-auch in unserer Gegend in dieser Hinsicht erhöht, und so manche leere
-Stelle zum Wohle des Landes angebaut wird; dann fühlt sich hinlänglich
-belohnt
-
- Geschrieben
- im Sommer des Jahres 1835.
-
- der Verfasser.
-
-
-
-
-Vorrede zur zweiten Auflage.
-
-
-Obgleich mein Büchlein bei einigen Wenigen Widerspruch fand, so war doch
-die Zahl derer, die mir ihren gütigen Beifall schenkten, weit größer,
-und daher kommt es denn nun, daß mir die Freude zu Theil geworden ist,
-die erste Auflage binnen vier Jahren vergriffen und eine zweite in’s
-Leben treten zu sehen. Wenn man es nun Herrn ~Kecht~ in Berlin nicht
-verargt, oder für Stolz auslegt, daß er in der Vorrede zur fünften
-Auflage seines Buches über den Weinbau, mehrere Empfehlungen seines
-Werkes hat abdrucken lassen, so wird man es ja auch mir nicht verargen,
-oder für Stolz auslegen, wenn ich mich gedrungen fühle, in gegenwärtiger
-Vorrede zur zweiten Auflage meines Büchleins, allen denen meinen
-schuldigen Dank öffentlich abzustatten, die mein geringes Bemühen gnädig
-und gütig anerkannt, und durch öffentliche Empfehlungen die Verbreitung
-desselben befördert haben. Demüthigen Dank also erstens Dem, der mir und
-meiner geringen Arbeit den Weg bahnte, und sie mit seinem göttlichen
-Segen krönte. -- Für’s zweite spreche ich hier meinen unterthänigsten
-Dank ~Einer Hochlöblichen Königl. Preuß. Regierung zu Merseburg~ aus,
-die im 63sten Stücke des öffentlichen Anzeigers, vom Jahre 1836, unter
-Nr. 850, durch eine allergnädigste Empfehlung den Absatz meines
-Büchleins ungemein beförderte. Jene Empfehlung lautet wörtlich also:
-
- „Der Schullehrer in Döbern, Ephorie Delitzsch, ~Johann Gottfried
- Bornemann~, hat eine Schrift herausgegeben: Anweisung zum Weinbau, an
- Gebäuden, Mauern, Lauben und Bäumen u. s. w. 62 Seiten in Octav,
- welche bei ~L. Meyner~ in Delitzsch gedruckt, und dort sowohl als bei
- dem Verfasser für fünf Silbergroschen zu haben ist. Nach dem Urtheile
- Sachverständiger, ist diese Schrift sehr wohlgelungen und verdient
- empfohlen zu werden.”
-
- ~Merseburg~, den 9. August 1836.
-
-In der deshalb an Sr. Hochehrwürden, den sel. verstorbenen Herrn
-Superintendent _Dr._ ~Rudel~ in Delitzsch ergangenen schriftlichen
-Erklärung heißt es:
-
- „Die von Ew. Hochehrwürden unterm 2ten vorigen Monats eingereichte
- Schrift des Schullehrers ~Bornemann~ in Döbern: Anweisung zum Weinbau,
- haben wir von einem Sachverständigen prüfen lassen, und dieser hat sie
- dem Inhalte nach, richtig und zweckmäßig abgefaßt befunden, und kann
- eine Anzeige derselben in den öffentlichen Anzeiger aufgenommen
- werden.”
-
- ~Merseburg~, den 9. August 1836.
-
- Königl. Regierung, Abtheilung für das
- Kirchen- und Schulwesen.
-
-Unterthänigsten Dank daher meinen Hohen Vorgesetzten, die mein geringes
-Bemühen so gnädig anerkannten. -- Dank allen den Edlen und Guten in der
-Nähe und Ferne, die mich und mein Büchlein so liebevoll aufnahmen, und
-sich die Verbreitung desselben angelegen seyn ließen. -- Dank den
-Thätigen, die meinen Winken und Vorschlägen treulich folgten, und
-unaufgefordert erklärten, das was sie nach Anleitung meines Büchleins
-versuchten, auch in der That bewährt und richtig befunden zu haben. Dank
-besonders noch den aufrichtigen Freunden, die mich auf das noch Fehlende
-aufmerksam machten, und mich dadurch in den Stand setzten, es in dieser
-zweiten Auflage nachfolgen zu lassen. Einiges werde ich im Eingange
-erwähnen, und das Uebrige dem Büchlein selbst, da, wo es hingehört,
-einverleiben.
-
-Zum Schlusse dieser Vorrede bitte ich die Freunde der Wahrheit und
-Aufrichtigkeit herzlich, mir jeden vielleicht auch in dieser zweiten
-Auflage vorkommenden Irrthum bestens anzuzeigen. Ich werde diese mir
-dadurch erzeigte Gefälligkeit mit dem größten Danke erkennen.
-
-Möchte doch der Wunsch des Verfassers, durch diese kleine Schrift den
-Trieb zum Weinbaue in allen, ja auch schon in den Kindern zu wecken und
-zu stärken, im reichen Maaße erfüllt, und jede bis jetzt noch leere und
-doch für den Weinbau nutzbare Stelle zum Wohle der Menschheit und zur
-Verschönerung des Landes angebaut werden.
-
-Möge der Geber alles Guten auch dieser zweiten Auflage seinen Segen zu
-Theil werden lassen, damit sie recht Vielen noch faßlicher und
-nützlicher werde, als die erste es war. Und wenn dann erfüllt ist, was
-im vorstehenden Gedichte steht:
-
- „Es müssen alle leere Stellen
- „Wo ja sonst nichts kann gedeih’n
- „Von Euch grün bepflanzet seyn,
-
-dann wird sich für seine darauf gewendete Mühe hinlänglich belohnt
-fühlen
-
- Geschrieben
- im Sommer des Jahres
- 1840.
-
- der
- Verfasser.
-
-
-
-
-Inhalt:
-
-
- Seite
- 1. Zum Weinbau schickliche Oerter 1
- 2. Anpflanzung der Schnittlinge 2
- 3. Zeit der Anpflanzung von Schnittlingen 3
- 4. Art des Legens der Schnittlinge 3
- 5. Raum der Schnittlinge 5
- 6. Vom Begießen und Düngen des Weinstockes 6
- 7. Das Setzen der Schnittlinge mit dem Pfahl-Eisen 10
- 8. Vom Begießen und erstem Beschneiden der Schnittlinge 11
- 9. Vom Anpflanzen der Wurzlinge 12
- 10. Vom ersten Beschneiden der Wurzlinge 15
- 11. Vom Zudecken der Schnittlinge, Wurzlinge und aller anderer
- Weinstöcke überhaupt 16
- 12. Vom Aufdecken der Weinstöcke im Frühjahre 18
- 13. Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Sommer 19
- 14. Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Herbste 21
- 15. Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Sommer 23
- 16. Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Herbste 25
- 17. Vom Verbrechen oder Kappen 26
- 18. Natürliche Ursachen des Nachtheils vom allzufrühen Verbrechen 28
- 19. Nutzen des Nichtverbrechens oder Kappens 31
- 20. Regelmäßiges Verlängern der Weinstöcke 33
- 21. Umzäunung der Weinstöcke 34
- 22. Vom Untersetzen der Weinstöcke 36
- 23. Vom Verjüngen der alten Weinstöcke 37
- 24. Vom ersten Anbinden oder Heften im Frühjahre 41
- 25. Von den Reserve-Augen und ihren Ruthen 43
- 26. Vom zweiten, dritten und vierten Anbinden oder Heften 43
- 27. Das natürliche Anheften vermittelst der Gabeln 46
- 28. Von der richtigen Lage der Ruthen 47
- 29. Von der richtigen Lage der Trauben 48
- 30. Vom Abbrechen der Blätter zum Gebrauche 50
- 31. Einrichtungen zur Erleichterung des mühsam scheinenden
- Begießens 52
- 32. Reinigung des Weingartens 54
- 33. Das Erretten einiger Ruthen und Trauben vom Verderben im
- Frühjahre 56
- 34. Vom Anpflanzen der Weinstöcke im Freien oder an Bäumen 57
- 35. Schutzmittel gegen die späten Fröste im Mai und Juni 58
- 36. Behandlung der im Winter erfrornen Stöcke 60
- 37. Vom Senken oder Vermehren der Stocke 62
- 38. Vom Verpflanzen der Senker 65
-
-
-
-
-Eingang.
-
-
-Der ersten Auflage meines Büchleins fehlte es vorzüglich an einer
-vorausgehenden kurzen Uebersicht und Benennung der einzelnen Theile des
-Weinstocks. Sie folgen also hiermit:
-
-Für das zunächst vom Stamme des Weinstocks ausgehende alte Holz, was man
-beim Baume Zacken oder Ast nennt, habe ich in keinem Buche eine fest
-angenommene richtige Benennung gefunden. In gegenwärtiger Anweisung ist
-es mit dem Namen: „Zweig von altem Holze” oder „Ast” bezeichnet. (=§. 9=
-und =23=.) Mir scheint es aber jetzt, als ob man diese Theile des
-Stockes mit Recht „Arme” oder auch „Kanal, Saftkanal” nennen könnte. Ich
-übergebe diese Benennung den geneigten Lesern zur Prüfung. Denn, wenn
-man den an diesen Aesten stehenden Theilen die Namen „Zapfen und
-Schenkel” gab, weil sie mit denselben einige Aehnlichkeit haben, so kann
-man ja eben so gut auch diese Aeste, die durchaus nicht mit den Reben
-verwechselt werden dürfen, „Arme” nennen, denn sie sind ja ebenfalls
-denselben ähnlich. Auf diese Weise wären demnach die Haupt- und
-Neben-Theile eines Weinstockes in der gehörigen Ordnung folgende:
-
- 1) Die Wurzeln, =§. 9=. An diesen befindet sich
-
- 2) Der Stamm oder Stock, =§. 37=. An demselben sind
-
- 3) Die Aeste, oder richtiger gesagt, die Arme, =§. 23=. Daran stehen
-
- 4) _a._, die Zapfen, _b._, die Schenkel, _c._, die Reben, =§. 14=. An
- diesen dreien sind
-
- 5) _a._, die Augen, _b._, die im Frühjahre aus denselben kommenden
- Fruchtruthen und _c._, die Zugruthen, =§. 28=. An den Frucht- und
- Zugruthen befinden sich
-
- 6) _a._, die Blätter, =§. 30=. _b._, die Trauben, =§. 33=. _c._, die
- Gabeln, =§. 27=, und _d._, die Seitenruthen oder der Geitz, =§. 13=.
- Die aus dem alten Holze des Stockes und aus seinen Armen kommenden
- Ruthen nennt man
-
- 7) Wasserruthen, =§. 30=. Und die dicht neben manchen Augen noch
- stehenden Augen, heißen:
-
- 8) Reserve-Augen, =§. 25=.
-
-
-
-
-1.
-
-Zum Weinbau schickliche Oerter.
-
-
-Wenn man Weinstöcke an einem Gebäude oder an einer Wand anpflanzen will,
-so muß man die Morgen- oder Mittags-Seite dazu wählen. In warmen Sommern
-und Herbsten gedeihen sie auch auf der Abend-Seite; bei sehr günstiger
-Witterung sogar auch auf der Nacht-Seite, zumal wenn man den Stock mit
-seinen Wurzeln auf die Morgen-Seite setzt, und die Reben nachher um die
-Ecken des Gebäudes herum auf die Nacht-Seite zieht. Bringt man aber die
-Wurzeln auf die Nacht-Seite, so ist’s gut, wenn man den Erdboden, wo die
-Wurzeln liegen, oben 2 Finger breit mit Pferdemist oder Sand bedeckt;
-beides hält die Kälte ab und vermehrt die Wärme des Bodens; und darauf
-kommt es beim Weine vorzüglich an, daß der Boden, wo die Wurzeln liegen,
-recht erwärmt wird; es fördert sein Wachsthum und bringt ihn zeitig zur
-Reife, obschon der obere Theil des Stockes nicht so viel Sonne hat. Auch
-muß man beim Setzen der Stöcke auf der Nacht-Seite die Erde, womit die
-Wurzeln bedeckt werden, reichlich mit Sand vermischen, und den obern
-Theil des Bodens so einrichten, daß nicht zu viel Wasser darauf stehen
-bleibt. Es läßt sich aber leicht denken, daß die Nacht-Seite eines
-solchen Gebäudes auch ganz frei seyn muß, und daß sowohl in der Nähe
-als auch selbst in weiterer Entfernung kein Baum oder sonst ein anderer
-Gegenstand stehen darf, welche den früh und Abends dahin fallenden
-Sonnenstrahlen den Zugang verhindern, und den Weinstöcken Licht und
-Wärme entziehen würden, die dieselben hier noch weniger als auf der
-Morgen-, Mittags- und Abend-Seite entbehren können. Jedoch muß man von
-den, auf der Nacht-Seite stehenden Stöcken nie den großen Nutzen
-erwarten, welchen man sich von den auf den andern Seiten stehenden
-Stöcken versprechen kann.
-
-
-
-
-2.
-
-Anpflanzung der Schnittlinge.
-
-
-Kann man keine Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, bekommen, so nimmt
-man Schnittlinge, d. h. die im Herbste beim Beschneiden vom Stocke
-abgeschnittenen überflüssigen Ruthen, schneidet davon die schwachen
-Spitzen oben ab, so daß der Schnittling ohngefähr eine Elle lang bleibt.
-Sollte die Ruthe mehr, als eine Elle gutes starkes Holz haben, so kann
-man aus derselben zwei und mehr Schnittlinge machen. Es können diese
-Schnittlinge auch 5 bis 6 Viertel Elle lang seyn; länger aber nicht,
-weil sonst das Einlegen in die Erde unbequem ist, und viel Raum
-erfordert. Auch können sie kürzer seyn, als eine Elle. Ich habe welche
-gelegt, die nur zwei Augen hatten, wovon das eine in die Erde kam und
-die Wurzeln trieb, das andere über der Erde stand, aus welchem die Ruthe
-emporschoß. Je kürzer sie aber sind, desto sparsamer wachsen sie.
-
-
-
-
-3.
-
-Zeit der Anpflanzung von Schnittlingen.
-
-
-Diese Schnittlinge kann man nun gleich im Herbste, sobald sie vom Stocke
-abgeschnitten sind, in die Erde bringen, dahin, wo der aus denselben
-entstehende Stock künftig seinen Platz haben soll. Sie können aber auch
-an einem kühlen, feuchten Orte, z. B. im Grase, mit etwas Gras, Heu oder
-Stroh bedeckt, mehrere Wochen lang aufbewahrt, und dann von Zeit zu Zeit
-gesteckt werden. Man kann sie auch bis zum Frühjahre aufbewahren, und
-dann an Ort und Stelle legen. Dann müssen sie aber in ein Bund zusammen
-gebunden, eine halbe Elle tief in die Erde gelegt und ganz mit Erde
-bedeckt werden. Im Frühjahre muß man sie aber zeitig heraus nehmen und
-verpflanzen, ehe die Augen anfangen zu treiben, sonst kann man dieselben
-leicht verletzen, und sie erleiden auch durch das Herausnehmen und
-Weiterpflanzen eine nachtheilige Störung im Wachsthume. Deßhalb ist es
-am Besten, sie gleich im Herbste einzeln an Ort und Stelle zu bringen.
-Manche rathen an, diese Schnittlinge erst 8 bis 14 Tage in laues Wasser
-zu werfen, ehe man sie pflanzt. Ich habe das mit einigen gethan, mit
-andern nicht, und es wuchs die eine Art so gut, wie die andere.
-
-
-
-
-4.
-
-Art des Legens der Schnittlinge.
-
-
-Zum Legen der Schnittlinge mache man eine Grube oder einen Graben längs
-des Gebäudes, eine halbe Elle breit und eben so tief, in der Richtung,
-daß nachher das vom Dache herabfließende Regen-Wasser gerade auf die
-Grube fällt. In diese Grube lege man nun die Schnittlinge, und beuge das
-obere Ende aufwärts, daß es mit einem Auge aus der Erde hervorragt, wenn
-die Grube zugeschüttet ist, und die obere Spitze des Schnittlings nach
-dem Gebäude schräg hin zeigt. Man muß die empor gebogene Spitze mit
-einem in die Erde gesteckten Häkchen oder einer Gabel befestigen, damit
-sie ihre Richtung behält. Das zweite Auge muß so zu stehen kommen, daß
-beim Zuschütten der Grube einen bis zwei Finger breit Erde darauf zu
-liegen kommt. Sollte das obere Auge zu Schaden kommen, so schafft man
-die wenige Erde vom zweiten hinweg, daß dieses die Ruthe treiben kann.
-Bleibt aber das obere Auge unverletzt, so läßt man das zweite in der
-Erde, damit es die Wurzel vermehren hilft; denn alle in der Erde
-liegende Augen treiben Wurzeln. Sollte das zweite Auge aus der Erde
-emportreiben, so kann man es wachsen lassen; man bekommt alsdann zwei
-Ruthen an diesem Stocke. Ich lasse es aber gewöhnlich nicht zu, sondern
-beuge es sanft um und bedecke es mit Erde, daß es unter- oder seit-wärts
-gehen und Wurzeln treiben muß; die eine Ruthe wird alsdann kräftiger.
-Nur muß man sie wohl in Acht nehmen; denn wird sie abgebrochen, so ist
-leicht der Stock verloren, da sie nur selten noch einmal und nie so
-stark wieder treibt. In dieser Hinsicht wäre es freilich besser, zwei
-Ruthen zu lassen. Wenn dann die eine verloren ginge, so bliebe doch noch
-die andere. Man thut dieß aber bei Schnittlingen nicht gern, weil sie
-noch zu wenig Kraft zur Ernährung zweier Ruthen haben. Man verwahrt
-lieber die eine Ruthe so, daß sie nicht beschädigt werden kann.
-
-
-
-
-5.
-
-Raum der Schnittlinge.
-
-
-Eine Spanne weit von der empor gebogenen Spitze des ersten Schnittlings
-kann nun schon wieder der zweite eingelegt werden, dessen oberes Ende
-man wieder eben so umbeugt, und mit einem Haken befestigt, und eine
-Spanne von diesem der dritte, und so fort der vierte, fünfte u. s. w.,
-bis der ganze Graben der Länge nach voll ist. Auf diese Weise kommen die
-Stöcke eine bis zwei Ellen weit zu stehen. -- Ich weiß wohl, daß Manche
-sagen, dieß sey zu enge, ein Weinstock brauche einen Raum von 8 Ellen.
-Allein es können 10 Jahre vergehen, ehe er diesen Raum gebraucht, und
-während dieser Zeit wird dann ein großer Theil des Spaliers kahl; da
-hingegen nach meiner Art zu pflanzen gleich in den ersten zwei Jahren
-das ganze Spalier grün wird, und im dritten und in den folgenden Jahren
-überall Trauben hat. Auch lassen sich die dicht stehenden Stöcke, wenn
-sie größer werden, so behandeln, daß sie alle am Spaliere Raum haben.
-
-Ich lasse nämlich von den vielen Stöcken gleich vom Anfange an den einen
-höher gehen, als den andern. Auf welche Art ich dieß bewirke, werde ich
-in der Folge zeigen. Freilich dürfte diese Behandlungsweise nur an hohen
-Spalieren, bei übersetzten Gebäuden anwendbar seyn; an niederen nicht
-so gut; an solchen müßte man sie allerdings etwas weiter auseinander
-pflanzen. Da nun die Weinstöcke, gleich allen anderen Bäumen, von Jahr
-zu Jahr höher gehen, so daß das alte kahle Holz unten immer länger wird
-und die Ruthen immer weiter hinauf kommen, so geschieht es, daß bei
-Stöcken, welche zu weit auseinander stehen, unten am Spaliere bloß
-kahles, blätterloses Holz zu sehen ist. Ich bedecke dieses jedesmal mit
-den niedrig stehenden Ruthen der kurz gehaltenen Stöcke, von denen der
-eine länger ist, als der andere, und so geschieht es, daß mein Spalier
-von unten bis oben grün aussieht und Trauben trägt, wodurch natürlich
-die Anzahl derselben bedeutend vermehrt wird. -- Man macht zwar auch den
-Einwurf, es hätten diese dichtstehenden Stöcke mit ihren Wurzeln in der
-Erde nicht Raum und Frucht genug. Allein meine dichtstehenden Stöcke
-tragen eine Menge Trauben, wie man sie selten an einem Stocke findet,
-und müssen daher Raum und Frucht genug haben. Sollten sie ja nach
-Verlauf mehrerer Jahre wegen ihrer Größe nicht mehr Raum genug haben, so
-ist’s ja auch noch Zeit, einige wieder heraus zu nehmen und weiter zu
-verpflanzen.
-
-
-
-
-6.
-
-Vom Begießen und Düngen des Weinstockes.
-
-
-Man muß nur gleich beim Legen der Weinstöcke dafür sorgen, daß solche
-Frucht haben können. Deßhalb mache ich den Graben zum Einlegen nicht
-ganz dicht au das Gebäude, sondern ½, auch ¾ Elle weit davon ab, so daß
-die Traufe mitten auf den Graben, und also auf die Stelle fallen muß, wo
-die Wurzeln liegen. Beim Zuschütten des Grabens mache ich nach dem
-Gebäude zu auf die frei gelassene halbe Elle festen Bodens ein schräges
-Dämmchen, welches das Wasser vom Gebäude ableitet und auf die Wurzeln
-führt. Auf diese Weise bleibt es an der Wand immer trocken, und wird
-wenigstens nicht so naß, daß es dem Gebäude schaden könnte. In dieses
-schräge Dämmchen beuge ich nun gleich beim Legen die Spitzen der
-Schnittlinge, so daß die Stöcke dicht am Gebäude zu stehen scheinen und
-an demselben in die Höhe gehen können. -- Auf der andern Seite der Grube
-mache ich gleich beim Zuschütten ein eben so schräges Dämmchen, daß aber
-natürlich seine hohe Seite nach Außen haben muß, und so entsteht auf der
-eine halbe Elle breiten Grube eine Vertiefung, in welcher das
-Regenwasser und alle andere Flüssigkeiten, die man zur Beförderung des
-Wachsthums dahin gießt, stehen bleiben und auf die Wurzeln eindringen
-müssen. Es ist sehr gut, wenn diese Vertiefung um das ganze Gebäude
-herum wagerecht ist; denn auf diese Weise bekommen alle Stöcke gleiche
-Frucht. Nur von den Seiten des Gebäudes nach den Giebeln zu mache ich
-die Vertiefung etwas schräg, damit die sonst an den Seiten sich
-vermehrende Traufe nach den Giebeln fließt, wo gewöhnlich, besonders am
-Morgengiebel, weniger Regen hinkommt. Sollte bei anhaltendem Regen des
-Wassers in der Vertiefung zu viel werden, so darf man nur in das
-Dämmchen an der Außenseite eine kleine Oeffnung machen, um es abfließen
-zu lassen. Stehen aber die Stöcke auf trockenem sandigen Boden und ist
-kein Teich oder sonstiger Wasserbehälter in der Nähe, aus welchem sie
-Frucht ziehen können, so bekommen sie auch nicht leicht zu viel Nässe.
--- Ich habe in trockenen Sommern einem Weinspaliere von 24 Ellen Länge
-jeden Mittwoch und jeden Sonnabend 100 Eimer Wasser gegeben;
-vorausgesetzt, das solches auf trockenem, sandigen Boden stand. Auf
-feuchten Boden dürfte natürlich nicht so viel nöthig sein. Bei Stöcken
-auf solchem Boden bedurfte ich noch nicht der Hälfte Wasser, und dennoch
-wurden die Trauben eben so gut, als jene. Es kommt auch viel auf das
-Alter des Stockes an. Ein solcher, der seine Wurzeln schon in der Länge
-und Tiefe weit ausgebreitet hat, gedeihet oft mit seinen Ruthen und
-Trauben auch auf sandigem Boden, ohne begossen zu werden. Wenn der Stock
-an den Spitzen der Ruthen welk wird, nicht mehr treibt, und sogar die
-Trauben anfangen zu welken, dann ist’s hohe Zeit, ihn zu begießen;
-besser aber ist’s, man läßt es so weit nicht kommen. Es war dieß bei
-meinen Stöcken einige Mal der Fall; ich begoß, und sah binnen 24
-Stunden, daß die schon ganz hingewelkten Trauben alle wieder frisch
-wurden. Unterläßt man nun das Gießen nie, so erleidet der Stock keine
-Störung, und die Trauben kommen zeitig zur Reife. Folgen häufige Regen,
-so ist natürlich das Gießen nicht nöthig. -- Am liebsten begieße ich mit
-dem von der Sonne erwärmten Teich- oder Pfützenwasser, besonders
-solchem, welches recht schlammig ist; denn dadurch erhalten die Stöcke
-zugleich eine herrliche Düngung; keinen andern Dünger, als solches
-Schlammwasser gebe ich meinen Stöcken, und sie gedeihen dabei
-vortrefflich. Mistjauche halte ich für zu scharf. Auch Waschwasser,
-welches mit Lauge vermischt ist, taugt nichts; wohl aber das Wasser, in
-welchem die Wäsche gespühlt worden ist, das zwar Seife, doch keine zu
-starke Lauge enthält. In Ermangelung solchen Wassers habe ich aber auch
-bei großer Trockenheit meine Stöcke mit kaltem Brunnenwasser begossen,
-um zu sehen, ob es ihnen schaden würde; habe aber keinen Nachtheil
-gefunden. Doch ist ihnen jenes dienlicher, als dieses. Beim öfteren
-Begießen geschieht es nun, daß die Grube verschlämmt, und nicht mehr die
-gehörige wagerechte Richtung behält; diese muß man dann immer wieder
-herzustellen suchen. Weil nun in der Grube zwar die Wurzeln des Stockes
-liegen, er selbst aber nicht aus derselben hervorragt, sondern in das
-Dämmchen an der Wand geleitet ist, so läßt sich dieses auch mit einer
-Schippe ganz bequem machen; denn so breit ist gewöhnlich an meinen
-Weinspalieren die Grube, daß ich mit einer solchen darin hinfahren kann,
-so daß sie einem glatten Fußsteige ähnlich sieht, auf welchem man sehr
-bequem um das Spalier herumgehen kann. Was aus der Grube geräumt wird,
-werfe ich auf das Dämmchen an der Mauer; dadurch wird es in gutem Stande
-erhalten und die in demselben liegenden Thauwurzeln bekommen zugleich
-eine herrliche Düngung, denn es ist ja größtentheils hineingespühlter
-Schlamm. Häuft sich derselbe zu sehr an, so verstärke ich damit auch
-das Dämmchen an der Außenseite. Außerdem aber bediene ich mich zur
-Verstärkung desselben anderer Erde, wenn es nöthig seyn sollte.
-
-
-
-
-7.
-
-Das Setzen der Schnittlinge mit dem Pfahl-Eisen.
-
-
-Die oben erwähnten Schnittlinge können auch noch auf eine andere Art
-gesteckt werden. Wenn man nämlich einen Ort hat, wo man nicht gern einen
-solchen Graben machen will und kann, und der Boden an sich schon nicht
-zu fest ist, so nimmt man einen Pfahl oder ein Pfahl-Eisen, stößt damit
-ein Loch senkrecht so tief, als der Schnittling lang ist, stellt alsdann
-denselben hinein, doch so, daß das obere Auge heraussteht und das andere
-einen bis zwei Finger breit tief in die Erde kommt. Sind es mehrere
-Schnittlinge, die ein längeres Spalier bilden sollen, so kann man auch
-den Löchern gleich mit dem Pfahle oder Pfahl-Eisen oben eine schräge
-Richtung, nach dem innern Dämmchen zu, geben, um nachher beim Setzen das
-obere Ende des Schnittlings eben dieser Richtung fähig zu machen. Auch
-hier versteht sich das Anheften mit einem Häkchen von selbst. Nun nimmt
-man gute klare Erde, und reibt dieselbe langsam zwischen beiden Händen
-über dem Loche, bis dasselbe mit Erde angefüllt ist. Ein Andrücken
-derselben ist hier nicht nöthig, könnte sogar den sämmtlich aufwärts
-stehenden Augen schädlich werden; es wird dieselbe durch das nachherige
-Begießen von selbst fest, und man muß, wenn es mit der Zeit oben an Erde
-fehlen sollte, etwas nachfüllen. Die auf diese Art gepflanzten Stöcke
-halten bei trockener Witterung lange aus, da ihre unteren Wurzeln tief
-in die feuchte Erde hinunter treiben. Bei ganz hartem festen Boden
-dürfte jedoch diese Art der Anpflanzung nicht anwendbar seyn. Daß auch
-hier des Begießens wegen oben an den Stöcken eine mit Dämmchen umgebene
-Vertiefung bleiben muß, versteht sich von selbst. Ich kann diese Art der
-Anpflanzung um so mehr empfehlen, da ich sie mehrere Jahre lang erprobt
-und gut befunden habe.
-
-
-
-
-8.
-
-Vom Begießen und ersten Beschneiden der Schnittlinge.
-
-
-Eine Hauptsache ist nun, daß solche Schnittlinge, sie mögen auf diese
-oder jene Art gepflanzt worden seyn, besonders im ersten Sommer,
-immerwährend feucht gehalten werden; alsdann treiben die mehresten schon
-im ersten Jahre eine Ruthe von 1 bis 2 Ellen. Unterläßt man das
-Begießen, oder fährt damit nicht regelmäßig fort, so daß sie bald zu
-naß, bald wieder zu trocken stehen, so wird, besonders wenn wenig Regen
-fallen sollte, selten einer davon fortkommen. Wer, wegen Mangel an Zeit,
-nicht oft genug nach seinen Schnittlingen sehen kann, thut wohl, wenn er
-die an denselben angebrachte Vertiefung zwischen den Dämmchen mit
-strohigem Kuhmiste, in welchem jedoch wenig Koth hängen darf, anfüllt;
-unter demselben halt sich natürlich die Feuchtigkeit länger. Es kann
-derselbe den ganzen Sommer durch liegen bleiben, und immer wieder darauf
-gegossen werden. Nur muß man vorher erst untersuchen, ob der Boden
-darunter trocken und also das Begießen nöthig ist. Denn oft ist der
-obere Theil des Mistes trocken und der untere ist immer noch feucht. Man
-kann diese Befeuchtungs-Methode überhaupt auch bei allen
-frischgepflanzten Weinstöcken anwenden. Die Ruthe nun, welche die
-Schnittlinge im ersten Sommer getrieben haben, muß im nächsten Herbste
-bis auf 2, höchstens 3 Augen weggeschnitten werden, und das über
-derselben stehende alte Holz wird ebenfalls glatt und dicht über der
-Ruthe weggeschnitten. Sollte man einem Schnittlinge zwei Ruthen gelassen
-haben, so wird die schwächere, wenn sie zu schwach ist, ganz
-weggeschnitten; im anderen Falle kann man ihr ein Auge lassen, mehr aber
-nicht.
-
-
-
-
-9.
-
-Vom Anpflanzen der Wurzlinge.
-
-
-Wenn man Wurzlinge, d. h. Stöcke mit Wurzeln, pflanzen will, so wähle
-man solche, die nicht zu langes, altes Holz haben, sonst hat man
-unbequemes Stecken, indem dasselbe bis auf eine Viertel-Elle in die Erde
-gelegt werden muß; die Stöcke kommen außerdem nicht gut fort, und wenn
-es auch geschähe, so wachsen sie sparsam, und haben ~mit~ demselben ein
-schlechtes Ansehen, sind auch in wenigen Jahren über das Spalier
-hinausgewachsen. Die beste Zeit zur Anpflanzung derselben ist, wie bei
-den Schnittlingen, der Herbst; doch kann es auch im Frühjahre
-geschehen, aber nur zeitig, ehe die Augen anfangen zu schwellen. Ist die
-Erde nicht gefroren, so kann man den ganzen Winter über pflanzen. Das an
-den Wurzlingen befindliche junge Holz, die Ruthe, muß bis auf 2,
-höchstens 3 Augen, und zwar 2 bis 3 Finger breit über dem dritten Auge,
-weggeschnitten werden. Sind mehr Ruthen daran, so werden diese ganz
-dicht am alten Holze weggeschnitten; der Stock hat sonst mehr zu
-treiben, als er Kraft besitzt, weil er im ersten Jahre mit dem Anwurzeln
-zu thun hat. Auch die zu langen Wurzeln muß man abkürzen, und
-beschädigte bis an den Schaden wegschneiden. Sollte der Wurzling mehrere
-Zweige von altem Holze haben, so zieht man sie auseinander, so daß sie
-ohngefähr eine bis anderthalb Elle weit von einander zu stehen kommen.
-Auf diese Weise werden aus einem Stocke zwei bis drei, oft noch mehr,
-wenn genug kurze und lange Zweige daran sind, daß sie in gehöriger Weite
-von einander entfernt werden können, und diese Stöcke hängen dann in der
-Erde an einer gemeinschaftlichen Wurzel, welche sich aber noch dadurch
-vermehrt, daß alles in der Erde liegende alte Holz Wurzeln treibt,
-wodurch schon im ersten Sommer jeder Stock seine eigenen Wurzeln
-bekommt. Man kann auch, wenn der Wurzling zu langes altes Holz haben
-sollte, dasselbe so weit wegschneiden, daß es nur eine Viertel-Elle aus
-der Erde hervorragt. Auch dieses alte Holz, ohne eine Ruthe mit Augen,
-schlägt aus, wiewohl etwas später. Ich habe sogar den unteren Theil des
-Senkers, an dem ich einige Wurzeln ließ, gesteckt, und mit dem Ende, wo
-ich den Senker vom Stocke abgeschnitten hatte, aus der Erde hervorgehen
-lassen, also den Stock verkehrt gesteckt, und die auf diese Art
-gepflanzten Stöcke wuchsen eben so gut, als die anderen. Die Grube zu
-den Wurzlingen wird eben so gemacht, wie bei den Schnittlingen. Sollten
-die Wurzeln groß seyn, so muß dieselbe natürlich etwas breiter werden,
-wenn nämlich diese so gewachsen und so stark sind, daß man sie nicht gut
-in der Grube lang hin ziehen kann. Dieß kann leicht der Fall werden,
-wenn der Wurzling mehrere Zweige an der Stelle hat, wo die Haupt-Wurzel
-hin zu liegen kommt. Die Wurzeln macht man mit den Händen recht
-sorgfältig aus einander, und drückt die zuerst darauf geworfene wenige
-klare Erde etwas mit der Hand und den ausgebreiteten Fingern an sie an,
-nicht aber mit dem Fuße fest getreten; dieß verwandelt diese lockere
-weiche Erde leicht in einen, den zarten Wurzeln schädlichen Kloß. Die
-übrige, zur Ausfüllung der Grube nöthige Erde braucht gar nicht fest
-getreten zu werden, sie senkt sich mit der Zeit von selbst. Auch bei
-diesen Wurzlingen muß beim Zuschütten der Grube ebenso verfahren werden,
-wie bei den Schnittlingen. Es muß nämlich oben auf der Grube eben eine
-solche Vertiefung bleiben, damit das Wasser stehen bleiben kann. Und
-auch diese müssen, sowie die Schnittlinge, im ersten Sommer immer feucht
-gehalten, doch nicht zu häufig begossen werden. Auch müssen sie, gleich
-jenen, mit den aus der Erde hervorragenden Enden in das an der Mauer
-gemachte Dämmchen geleitet seyn, damit sie beim Reinigen der Vertiefung
-kein Hinderniß verursachen. Alle auf diese Art gepflanzten und
-gepflegten Stöcke wachsen gewiß. Mir ist von mehreren Hunderten, die ich
-bereits pflanzte, auch nicht ein Einziger eingegangen. Nur Einer fing
-einst an zu kränkeln und nicht ~ein~ Auge kam zum Aufbrechen. Ich ließ
-ihm Zeit bis nach Pfingsten, begoß fleißig, aber er kam nicht. Nun nahm
-ich denselben wieder heraus, und fand, daß solcher durch zu vieles
-Begießen gelitten hatte, denn seine Wurzeln standen gleichsam im
-Schlamme. Ich schüttelte die nasse Erde von den Wurzeln ab, räumte die
-Schlamm-Erde aus der Grube heraus und setzte denselben wieder in lockere
-bloß frische Erde ein. Nach 3 Tagen schwollen die Augen, und er trieb
-noch in denselben Sommer schöne kräftige Ruthen. -- Dieß möge Jedermann
-zur Belehrung dienen.
-
-
-
-
-10.
-
-Vom ersten Beschneiden der Wurzlinge.
-
-
-Die an diesen Wurzlingen im ersten Sommer gewachsenen Ruthen müssen im
-nächsten Herbste, die schwächsten dicht am Stocke, die stärkeren bis auf
-1, die noch stärkeren bis auf 2, und die stärksten bis auf 3 Augen
-weggeschnitten werden. Dieß ist durchaus nöthig; denn läßt man alles im
-ersten Sommer gewachsene Holz stehen, so treiben im nächsten Jahre alle
-daran befindliche Augen nur schwache Ruthen, weil die noch zu geringe
-Kraft des Stockes sich zu sehr vertheilt; derselbe würde dann in kurzer
-Zeit einem Dornenbüschchen ähnlich sehen, nie Trauben bringen und wohl
-gar erkranken und eingehen. Schneidet man aber das überflüssige Holz auf
-die hier beschriebene Weise ab, so geht im nächsten Jahre die ganze
-Kraft des Stockes in die wenigen Augen, und treibt einige schöne, starke
-Ruthen.
-
-
-
-
-11.
-
-Vom Zudecken der Schnittlinge, Wurzlinge und aller anderer Weinstöcke
-überhaupt.
-
-
-Die im Herbste gepflanzten Schnittlinge, Wurzlinge und alle andere
-Weinstöcke müssen nun, ehe der Winter kommt, zugedeckt werden, damit sie
-nicht erfrieren. Es geschieht dieß zwar nicht jeden Winter; wenn die
-Kälte nicht zu heftig wird, so halten sie aus. Da man dieß aber nicht
-vorher wissen kann, so ist es besser, man unterzieht sich der kleinen
-Mühe; und wenn auch die ~Wurzeln~, wie bekannt, nicht erfrieren, so
-würden doch dadurch die Stöcke um 3 Jahre zurückgesetzt werden. -- Bei
-den Schnittlingen ist das Zudecken sehr leicht. Man stecke um jeden
-Schnittling einige Stückchen Holz die etwas höher sind, als der
-Schnittling selbst, so daß um ihn herum gleichsam ein kleiner Zaun, etwa
-eine Spanne im Durchmesser, entsteht. Diesen Raum fülle man mit
-trockenem Laube, Heu oder klarem Stroh aus, und der Schnittling wird
-nicht erfrieren, wenn es auch noch so kalt würde. Den Wurzling, wenn er
-zu hoch seyn sollte, beuge man auf die Erde, befestige ihn mit einem
-Haken an dieselbe, und umstecke und bedecke ihn eben so. Das
-Niederbeugen und Umstecken muß gleich beim Beschneiden geschehen, weil
-man da noch in die Erde kann und der Stock sich gut beugen läßt; das
-Zudecken aber wird dann erst nöthig, wenn es anfängt, zu frieren. Denn
-so lange es nicht friert, ist es für jeden Weinstock besser, wenn er
-unbedeckt liegt. Ich lege deßhalb alle meine Stöcke im Herbste, nachdem
-sie beschnitten und vielleicht von einem Regen durchnäßt worden sind,
-zwar auf die Erde nieder, decke sie aber erst dann zu, wenn es zu
-frieren anfängt. Zum Bedecken nehme ich auch hier nur die oben genannten
-Gegenstände. Mit Mist darf man durchaus nicht zudecken; derselbe
-verursacht zu viel Wärme, durch welche Fäulniß entsteht; und von Erde,
-welche von Vielen für die beste Decke gehalten wird, werden die Stöcke
-unansehnlich; auch verfaulen bei gelinden Wintern leicht mehrere Augen,
-und die Mäuse können ungehindert den Stöcken großen Schaden zufügen,
-weil man nicht so leicht nach denselben sehen und die Mäuse vertreiben
-kann. Die Erfahrung hat mich gelehrt, daß die Weinstöcke nur einer ganz
-leichten Decke bedürfen, um nicht zu erfrieren. Früher bediente ich mich
-des schlechten unbrauchbaren Heues zu denselben. In Ermangelung dessen
-nahm ich im vergangenen Winter langes Roggenstroh, mit welchem es sich
-noch bequemer machte. Man setzt es mit den Sturzen auf die Erde, lehnt
-die in die Höhe stehenden Aehren an die Mauer und schiebt sie unter die
-erste oder zweite Stange des Spaliers. Sollte es ein langes Spalier
-seyn, so muß man eine Querstange anzubringen suchen, damit es von einem
-etwanigen Sturmwinde nicht mit fortgeführt werden kann. Der von der
-Traufe herabfallende Regen gleitet recht gut daran hernieder in die
-Gußrinne zwischen den Dämmchen, giebt den Wurzeln die Winterfrucht und
-der Stock selbst bleibt unter dem Strohe trocken; denn dadurch, daß
-solches schräg steht, können bei warmen Wintertagen die Sonnenstrahlen
-recht gut wirken; auch kann die Luft das unter dem geraden Strohe hohle
-Weinlager recht durchstreichen, welches beides die Fäulniß verhindert
-und den Mäusen die Gelegenheit entzieht, ihre Winternester darin zu
-bauen. Ueberdieß hat mich auch noch die Erfahrung gelehrt, daß das
-Stroh, wie an andern Gewächsen, also auch hier, gleichsam ein
-Frostableiter ist. Drei Finger breit Stroh ist zu den Decken
-hinreichend. Wo wegen Mangel an Raum das Herunterlegen und Zudecken mit
-Stroh nicht möglich ist, muß man sich freilich blos des Umwindens mit
-Stroh bedienen, das aber mühsamer ist. Wo das Zudecken mit Stroh
-unbequemer ist als mit Erde, da möchte ich lieber Sand für Erde
-anrathen. Ich habe es versucht, und solchen besser befunden als Erde.
-Die Stöcke halten sich darunter trockner und reinlicher, und ein
-Verfaulen der Augen ist dabei nicht so leicht zu befürchten.
-
-
-
-
-12.
-
-Vom Aufdecken der Weinstöcke im Frühjahre.
-
-
-Im Frühjahre decke man dieselben nicht zu zeitig auf; späte Fröste
-können leicht den schon aufgeschwollenen und im Aufbrechen stehenden
-Augen schaden. Man lasse aber auch die Decke nicht zu lange liegen,
-sonst bringt die dadurch entstehende Wärme die Augen eher zum Treiben,
-als es ihrer Natur nach geschehen kann, und man ist beim Anbinden nicht
-im Stande, die weichen Triebe alle vor Verletzung zu bewahren. Auch sind
-dieselben nun nicht an die natürliche Luft gewöhnt, und können daher
-leicht durch Frost Schaden leiden. Wären diese Nachtheile nicht zu
-befürchten, so würde ich rathen, die Decke lange darauf liegen zu
-lassen, solche nach und nach zu verschwächern, und endlich ganz
-wegzunehmen. -- Durch das Stroh wirkt am Tage die warme Frühjahrs-Sonne,
-und des Nachts schützt dasselbe die Stöcke vor den kalten
-Frühlingslüften. Die Augen kommen dadurch zeitiger zum Treiben und die
-Trauben erscheinen früher. Freilich würde man sich dann beim Anbinden
-sehr in Acht nehmen müssen; auch dürfte diese Behandlungsweise bei
-großen, holzreichen Stöcken nicht so gut anwendbar seyn, als bei
-kleineren.
-
-
-
-
-13.
-
-Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Sommer.
-
-
-Alle Ruthen, die im zweiten Sommer an den Schnitt- und Wurzlingen
-gewachsen sind, läßt man ungestört treiben, heftet und henkelt sie
-gehörig an, daß sie bei Sturm und Regen oder durch ihre eigene Schwere
-nicht abbrechen können; kneipt aber nicht wie Einige zu thun pflegen,
-die an den Blättern heraustreibenden Seitenruthen, den sogenannten
-Geiz, ab, sondern schneidet dieselben erst im Herbste beim Beschneiden
-dicht weg, doch so, daß man das dabei stehende Auge nicht verletzt.
-Einige meinen zwar, diese Seitenruthen raubten der Hauptruthe die Kraft;
-dieß ist aber nicht der Fall, sondern sie führen derselben vielmehr
-Nahrung zu und schützen und nähren besonders das Auge, an welchem sie
-stehen. Sollten an diesen jungen Stöcken außer den aus den Augen
-treibenden Ruthen auch noch mehrere aus dem alten Holze kommen, was bei
-gut bewurzelten Stöcken und auf gutem Boden wohl manchmal der Fall seyn
-könnte, so daß ihrer zu viel würden; so kann man wohl dem
-allerschwächsten die Spitze nehmen, die stärkern aber lasse man gehen.
-Sie rauben den Hauptruthen nicht zu viel Kraft, sondern bleiben von
-selbst zurück, und im Herbste lassen sie sich oft, wie ich in der Folge
-zeigen werde, zur Vergrößerung des Stockes gut benutzen, besonders wenn
-derselbe gleich von unten an erweitert werden soll. Durch das richtige
-Beschneiden im ersten Herbste sind die Stöcke schon in einen solchen
-Zustand versetzt, daß sie nicht leicht mehr Ruthen treiben, als sie
-ernähren können. Einige Schnitt- und Wurzlinge jedoch, die mir im
-zweiten Sommer zu lange und schwache Ruthen und Seitenruthen trieben,
-brachten mich auf den Gedanken, einen Versuch zu machen, ob man sie
-nicht durch Abkneipen der Spitzen zwingen könnte, sich unten mehr zu
-verstärken. Ich nahm nun von den Ruthen so viel weg, daß sie bloß noch
-von einer halben bis höchstens zu einer Elle lang blieben, und die
-Seitenruthen drei bis vier Blätter behielten, und der Erfolg entsprach
-ganz meiner Erwartung. Die Ruthen wurden stärker und kräftiger und die
-Seitenruthen nahmen nun nicht so viel Raum weg.
-
-
-
-
-14.
-
-Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im zweiten Herbste.
-
-
-Ganz schwachen Wuchs schneidet man dicht am Stocke weg; Stummel dürfen
-nicht stehen bleiben, sie vertrocknen mit der Zeit und machen den Stock
-unansehnlich. Bei glatt weggeschnittenen aber verwächset die Wunde.
-Etwas stärkere Ruthen schneidet man weg bis auf 1 Auge, noch stärkere
-bis auf 2 und 3 Augen. Man nennt dieß Zapfen. Die allerstärksten Ruthen
-werden nicht länger, als eine Viertel-, höchstens eine halbe Elle lang
-gelassen, und diese nennt man Schenkel, wenn nämlich die Augen so dicht
-stehen, daß auf der angegebenen Länge sich mehr als 3 Augen befinden.
-Bei Ruthen, wo die Augen weitläuftig stehen, müßte man sich allerdings
-nach denselben richten, und ihrer 4, 5 bis 6 stehen lassen, obschon
-dadurch der Schenkel nun länger würde, als eine Viertel- oder eine halbe
-Elle. Es müßte eine sehr gute, starke und kräftige Ruthe seyn, wenn man
-sie im zweiten Jahre schon eine bis anderthalb Elle lang lassen sollte,
-so daß sich an ihr mehr, als 6 Augen befänden; denn diese nennt man
-nicht mehr Schenkel, sondern Reben, und solche Reben läßt man gewöhnlich
-erst im dritten Jahre stehen. Es ist ein Hauptfehler, wenn man in dem
-zweiten Jahre die Ruthen zu lang läßt, oder wohl gar nicht abschneidet.
-Der Stock bekommt dann im nächsten Jahre eine Menge schwachen Wuchs, den
-er nicht gehörig ernähren kann, und Trauben bringt er selten. Da
-hingegen die kurzen Schenkel in dem folgenden dritten Jahre schon
-Trauben bringen. Auch wird der Stock durch das Nichtbeschneiden in
-wenigen Jahren zu schnell hoch und behält unten schwaches Holz, da er
-hingegen beim Kurz-Beschneiden sich nach und nach gleich von unten an
-verstärkt, kräftige Wurzeln treibt, und mit den Jahren erst seine
-gehörige kraftvolle Höhe und Stärke erreicht. Es ist sehr wohlgethan,
-wenn man auch die Stöcke auf diese Art erzieht, die eigentlich später
-ihre größere Ausbreitung am zweiten Stockwerke des Gebäudes erhalten
-sollen, weil, z. B. in Städten, am ersten Stockwerke, wegen der Fenster,
-kein Raum dazu vorhanden ist. Sie erhalten dadurch einige niedere Zweige
-oder Aeste, mit denen man ja auch hier den Raum unter und neben den
-Fenstern bekleiden kann. Zum Schlusse dieses Kapitels muß ich nochmals
-ausführlich wiederholen, was schon im 9. §. kürzlich gesagt worden ist.
-Alle Schnitte am jungen Holze müssen 3 bis 4 Finger, wohl oft eine Hand
-breit über dem Auge geschehen. Dieses Holz über dem Auge vertrocknet im
-nächsten Sommer und wird im folgenden Herbste dicht über der aus diesem
-Auge entstandenen Ruthe weggeschnitten. Schneidet man aber zu dicht über
-dem Auge, so vertrocknet dasselbe leicht, und die aus demselben zu
-erwartende Ruthe mit den Trauben ist verloren.
-
-
-
-
-15.
-
-Behandlung der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Sommer.
-
-
-Im dritten Sommer treiben nun die Zapfen und Schenkel schöne kräftige
-Ruthen, die Schenkel an denselben auch zugleich Trauben. Die Zapfen
-bringen gewöhnlich hier, sowie auch an älteren und größeren Stöcken,
-keine Trauben, sondern treiben bloß gute Ruthen. Es müßte ein sehr
-kräftiger, auf sehr gutem Boden stehender Stock seyn, wenn er auch an
-den Zapfen Trauben haben sollte. Bei einigen von meinen, auf solchem
-Boden stehenden Stöcken ist dieß schon oft geschehen. Bisweilen kann
-sich’s aber auch zutragen, daß ein Zapfen den Erwartungen nicht
-entspricht, sondern statt einer starken, eine schwache Ruthe treibt,
-wohl gar schlecht wächst oder vertrocknet. Geschieht dieß, so wird er im
-nächsten Herbste entweder glatt weg, oder wieder zum Zapfen geschnitten.
-Ich habe Fälle erlebt, daß aus dem wieder zum Zapfen geschnittenen
-Zapfen erst im nächsten Jahre die kräftigere Ruthe kam. Auch muß ich zur
-Belehrung Anderer hier noch eine Erfahrung anführen, die ich einst an
-einem Stocke gemacht habe. Es trieb derselbe im ersten Sommer sehr
-schwache Ruthen, obschon es ein Wurzling war. Ich schnitt zwei derselben
-zu Zapfen, die dritte ganz weg; sie trieben im 2ten Jahre wieder
-schwache Ruthen, die zu keinem Schenkel zu gebrauchen waren. Ich schnitt
-alle bis auf zwei weg, aus denen ich wieder Zapfen machte. Im 3ten Jahre
-wurde eine Ruthe so stark daß sie im Herbste einen leidlichen Schenkel
-gab, die übrigen wurden wieder nur Zapfen. Aber alle zeigten im 4ten
-Jahre schwachen Wuchs, und gaben keine Trauben. Ich schnitt nochmals
-Alles zu Zapfen. Im 5ten Jahre trieb der Weinstock die schönsten Ruthen,
-aus welchen ich im Herbste Zapfen, Schenkel und Reben machen konnte, die
-das folgende 6ste Jahr Trauben brachten. Jetzt ist es ein kräftiger
-Stock, der viel Trauben trägt, aber noch nicht höher, als etwas über 2
-Ellen, weil er bei dieser Behandlungsweise nur allmählig steigen, aber
-sich desto besser bewurzeln konnte. Hätte ich ihn nach den gewöhnlichen
-Regeln schneller in die Höhe wachsen lassen, so würde er wahrscheinlich
-am Ende eingegangen seyn. Die Ursache seines langsamen Vorrückens war
-Schwäche der Wurzeln und ein unfruchtbarer Boden, der sich nicht gut
-verbessern ließ. Nachdem aber dieselben durch das immerwährende scharfe
-Beschneiden sich verlängert und verstärkt hatten, und also ihre Nahrung
-nun weiter herholen konnten, war er in den Stand gesetzt, Früchte zu
-tragen. Dieß Beispiel zur Belehrung für denjenigen, dem es vielleicht
-einmal eben so ergehen könnte. -- An den in diesem Sommer wachsenden
-Ruthen wird nun ebenfalls, wie im vorigen Sommer, weiter nichts gethan,
-als daß sie gehörig angeheftet werden, damit sie Sturm und Regen oder
-die eigene Schwere nicht niederbeugen und zerbrechen können. Sollten
-aber auch hier wieder einige zu schwachen und langen Wuchs machen, so
-kann man sie ebenfalls nach der zu Ende des =13. §.= gegebenen Regel
-behandeln.
-
-
-
-
-16.
-
-Vom Beschneiden der Schnitt- und Wurzlinge im dritten Herbste.
-
-
-Im nächsten Herbste wird nun ebenfalls wieder so beschnitten, wie im
-vorigen. Alle schwachen Ruthen schneidet man dicht am Stocke ganz weg,
-die stärkeren bis auf 1, 2 oder 3 Augen zu Zapfen; die noch stärkeren
-bis auf ¼, ½ oder ¾ Elle zu Schenkeln, die allerstärksten hingegen, von
-1 Elle an, bis auf 5, 6, 7 Viertel, höchstens bis auf 2 Ellen lang zu
-Reben. Länger darf keine Rebe seyn. Wenn es auch die allerschönste,
-stärkste und kräftigste Ruthe wäre, so darf doch nicht mehr, als
-höchstens 2 Ellen lang davon stehen bleiben. Was daraus wird, wenn man
-sie länger, oder vielleicht gar so lang läßt, als sie gewachsen sind,
-weiß ich aus Erfahrung. Die untersten Augen bleiben ganz weg, die
-folgenden treiben schwache Rüthchen ohne Trauben, und die noch höheren
-schwache Ruthen mit kleinen, magern Träubchen. Erst dann, je weiter es
-nach oben kommt, sieht man starke Ruthen mit schönen Trauben, und man
-hat den Nachtheil, daß der Stock in wenigen Jahren langes, altes, kahles
-Holz hat, eine unförmliche Höhe erreicht, und an den Spalieren keinen
-Platz findet. Schneidet man sie aber nach der hier vorgeschriebenen Art,
-so treibt jedes Auge eine Ruthe, und jede derselben bringt eine, zwei
-bis drei, auch vier Trauben, je nachdem die Art ist. Zwar sind auch hier
-gewöhnlich die untersten Ruthen mit ihren Trauben etwas magerer als die
-obersten; aber es ist doch keine fruchtlos. Es giebt indeß einige
-Weinsorten, die hiervon eine Ausnahme machen, und auch an langen Reben
-von unten an bis oben aus starke Ruthen mit Trauben bringen. Solche
-lassen eine Ausnahme zu und man kann dieselben länger machen.
-
-
-
-
-17.
-
-Vom Verbrechen oder Kappen.
-
-
-Einige lehren nun, man solle alle diese Ruthen, sobald die letzte Traube
-da sey, zwei Blätter weit über dieser Traube, verbrechen oder abkneipen,
-(kappen, nach dem gewöhnlichen Winzer- oder Gärtner-Ausdruck). Nur
-~eine~ davon, welche man zur Zugruthe für das nächste Jahr brauchen und
-deshalb im Herbste aus derselben eine Rebe machen wollte, solle man
-wachsen lassen, und zwar an jedem Zapfen, jedem Schenkel und jeder Rebe
-die unterste. Im Herbste solle man dann, dicht an dieser Zugruthe, alles
-über derselben stehende Holz mit den verbrochenen und nun von Trauben
-entledigten Fruchtruthen wegschneiden. Durch das Verbrechen der obern
-Ruthen ginge nun die Kraft in die Trauben und in die unterste Ruthe, und
-diese würde um desto stärker. Allerdings wäre dieß sehr gut, wenn es so
-ginge. Bei einigen Weinsorten kann dieß auch der Fall seyn, und wo es so
-ist, da rathe ich, auch so zu verfahren. Allein ich habe es an meinen
-und andern Stöcken versucht, und es ging nicht so; ich fand vielmehr,
-daß der Weinstock, sowie fast alle andere Gewächse seine Kraft nach oben
-wirft, und da die stärksten Ruthen und Trauben treibt. Ich verbrach die
-obern starken Ruthen alle und ließ nur die unterste schwächste Ruthe zur
-Zugruthe unverbrochen, in der Hoffnung, es sollte, wie man mir ja gesagt
-und versichert hatte, nun die Kraft zurück in die unterste Ruthe gehen;
-allein es geschah nicht, sie blieb schwach und die obersten verbrochenen
-fingen immer wieder an, an den Spitzen neue Ruthen anzusetzen und zu
-treiben. Ich brach nach der gegebenen Regel auch diese wieder weg, um
-so, wie man mir gelehrt hatte, den Stock gleichsam zu zwingen, seine
-Kraft nach unten zu werfen; aber es geschah nicht, die unterste blieb
-schwach, und die obern fingen durch das beständige Stören im Wachsthume
-sogar an, zu kränkeln. Im nächsten Herbste empfand ich erst den großen
-Nachtheil, der aus dieser Behandlungsweise entstanden war. Ich hatte gar
-keine Zugruthe, aus der ich eine kräftige Rebe hätte machen können. Die
-unterste, dazu bestimmte, war zu schwach, und die obersten waren zu kurz
-und durch das beständige Stören erkrankt, so daß mir nichts übrig blieb,
-als elende Zapfen und ganz kurze Schenkel. Auch habe ich eben nicht
-bemerkt, daß durch das Verbrechen die Trauben kräftiger geworden wären.
-Es blieb vielmehr bei den nun einmal angeschaffenen Eigenschaften dieses
-Gewächses; unten schwächere Ruthen mit kleineren Trauben, und nach oben
-zu immer stärkere Ruthen mit immer größern Trauben. Ich entschloß mich
-daher, in den folgenden Jahren auch gar nichts zu verbrechen, und habe
-gefunden, daß dieß weit besser ist, und daß man auch dadurch des
-wirklich langweiligen und mühsamen Geschäfts des Verbrechens überhoben
-wird. Ich that nun weiter nichts, als daß ich die treibenden Ruthen von
-Zeit zu Zeit anheftete, damit sie nicht von Sturm und Regen umgebrochen
-werden konnten. Nun bemerkte ich, daß an jedem Zapfen, Schenkel und
-jeder Rebe allemal die untersten Ruthen die schwächsten waren und
-blieben, die höhern stärker wurden und die obersten am stärksten waren.
-So erhielten auf diese Weise der Zapfen eine, der Schenkel zwei und die
-Rebe drei starke Ruthen an seinem obern Ende. Die Trauben waren eben so
-gut, wie im vorigen Jahre, wo ich verbrochen hatte, und zwar richteten
-sie sich nach der Ruthe; je stärker diese war, desto größer waren auch
-die Trauben. Die obersten starken, langen, unverbrochenen Ruthen hatten
-die schönsten Trauben. Es war also durch das Forttreiben der Ruthen
-keine Kraft verloren gegangen. Wenn der Stock richtig beschnitten worden
-ist, und er in trockenen Sommern gehörig begossen wird, so treibt er
-schöne lange Ruthen und nährt auch seine vielen Trauben.
-
-
-
-
-18.
-
-Natürliche Ursachen des Nachtheils vom allzufrühen Verbrechen.
-
-
-Daß das allzufrühe Verbrechen Schaden bringt, ist nach meinen wiederholt
-gemachten Beobachtungen und Erfahrungen unverkennbar. Denn Schaden muß
-es thun, weil man ja der Natur dadurch geradezu entgegen arbeitet. Es
-zeigt sich an dem starken, fetten, flüchtigen Wuchse, den der Weinstock
-im Frühlinge macht, ganz deutlich, daß es ihm jetzt vorzüglich darum zu
-thun ist, seinen Kindern, (den Trauben), die er nebenbei mit erzeugt,
-eine dauerhafte, feste Wohnung, (haltbare Ruthen), zu erbauen. Das
-langsame Vorrücken und Verstärken der Trauben in dieser Zeit ist ein
-klarer Beweis, daß der Stock sich jetzt weniger um sie, mehr aber um die
-Ruthen bemüht. Ist die Zeit der Blüthe vorüber, so bemerkt man ein
-schnelles Wachsthum der Trauben und ein langsames Treiben der Ruthen.
-Bei meinem blauen Weine hört der Trieb der Fruchtruthen um diese Zeit
-gänzlich auf; nur die Zugruthen treiben langsam fort. Das Haus ist nun
-fertig; jetzt bemüht er sich um Erziehung der Kinder, die es bewohnen
-sollen. Breche ich nun den zarten, fetten Wuchs gleich nach dem
-Erscheinen der letzten Traube zwei Blätter weit über derselben weg, so
-hindere ich den Stock gewaltsam in seinem Wirken und zwinge ihn, etwas
-anderes zu thun, als er jetzt thun will. Davon zeugen auch die kräftigen
-Triebe, die immer wieder aus den verbrochenen Ruthen empor schießen. Der
-Stock streitet gegen seinen Verderber. Des Nachtheils noch nicht einmal
-zu gedenken, daß man sich dadurch mancher Traube beraubt. Ich habe
-solche Spätlingskinder oft genug an meinen Weinstöcken gesehen, die ich
-im vorigen Jahre durch allzu frühes Verbrechen in der Erzeugung erstickt
-hatte. Soll es nun einmal verbrochen seyn, so kann ich dasselbe nicht
-eher anrathen, als einige Wochen nach der Blüthenzeit, wenn die Beeren
-bereits schon die Größe einer Erbse erlangt haben, und man ganz gewiß
-ist, daß nun keine Traube weiter kommt; auch nicht etwa dicht über den
-Trauben, sondern bloß an den äußersten Spitzen der Ruthen, die im
-Herbste beim Beschneiden einmal weggeschnitten werden müssen, so daß die
-Ruthe ohngefähr so lang bleibt, als ich sie im nächsten Herbste zu
-brauchen gedenke. Ich winde diese Spitzen zuweilen, zur Befestigung der
-Ruthen, um das Spalier oder um das alte Holz des Stockes. Jetzt werde
-ich auch nicht so viel zu verbrechen finden, denn die meisten Ruthen
-haben schon im Wachsthume nachgelassen. Nur die Zugruthen, die gar nicht
-verbrochen werden dürfen, schießen fort. Eine um diese Zeit verbrochene
-Ruthe wird auch selten wieder einen neuen Trieb an der Spitze ansetzen,
-Beweis genug, daß ihr Wachsthum zu Ende ist, es müßte denn ein Stock auf
-gar zu fetten Boden stehen. An diesem kann man dann mit dem Verbrechen
-etwas strenger verfahren; aber ebenfalls nur an den äußersten Spitzen.
-Solche zu zeitig verbrochene Ruthen fangen auch oft an, zu kränkeln, und
-sterben nebst ihren Trauben bald ab oder bleiben wenigstens elend. Man
-will den Stock zwingen, seine Kraft in die Trauben zu werfen; er will
-aber das jetzt noch nicht. Man lasse ihm deßhalb seinen Willen; er wird
-allein schon thun, was man erzwingen will, wenn seine Zeit gekommen seyn
-wird. Man verbricht ja die Ruthen auch an den Bäumen nicht, und sie
-ernähren doch beides, ihre Früchte und Ruthen. -- Dieß ist meine, auf
-Erfahrung gegründete Ansicht in dieser Sache. Wer mich eines Bessern
-belehren kann, dem will ich für seinen Unterricht danken und seiner
-Belehrung folgen.
-
-
-
-
-19.
-
-Nutzen des Nichtverbrechens oder Kappens.
-
-
-In den letztern Jahren nun, in welchen ich meine Weinstöcke gar nicht,
-oder doch nur wenig und spät verbrochen habe, hatte ich im Herbste gutes
-Beschneiden, denn es fehlte mir nicht an Ruthen, aus denen sich etwas
-Gutes machen ließ. Nun schnitt ich, wie ich schon mehrmals gesagt habe,
-an jedem Zapfen, Schenkel und jeder Rebe die untersten schwachen Ruthen
-ganz weg, die folgenden machte ich zu Zapfen, die nächsten zu Schenkeln,
-und die obersten zu Reben. Und so haben meine Stöcke immer schöne und
-starke Reben, denn die stärksten Ruthen werden dazu benutzt. Auf diese
-Weise erhält gewöhnlich jeder Zapfen eine Rebe von der Ruthe des
-obersten Auges; denn die beiden untern Augen, wenn er deren drei gehabt
-hat, haben gewöhnlich schwachen Wuchs, welcher ganz weggeschnitten wird.
-Es trifft auch zuweilen, daß ein Zapfen lauter schwachen Wuchs hat. Dann
-schneidet man solchen entweder wieder zu Zapfen, oder man schneidet, wie
-schon einmal gesagt worden ist, den ganzen Zapfen mit allen seinen
-schwachen Ruthen weg. An den Schenkeln finde ich nun nach meiner
-Behandlungsweise unten einige schwache Ruthen. Diese schneide ich ganz
-weg, die folgende stärkere giebt einen Zapfen, die nächste einen
-Schenkel von einer Viertel-Elle, die folgende einen von einer halben
-Elle und darüber, und die oberste oder die beiden obersten geben eine
-oder zwei Reben von einer Elle und darüber, so daß ein solcher Schenkel
-nun, wenn er von mittler Länge ist, nach dem Beschneiden einen Zapfen,
-zwei Schenkel von verschiedener Länge und zwei Reben, ebenfalls von
-verschiedener Länge hat. An der Rebe habe ich nun die meisten Ruthen.
-Die untersten schwächsten werden ebenfalls ganz weggeschnitten. Aus den
-nächsten mache ich ein, auch zwei Zapfen; aus den folgenden einen, zwei
-bis drei Schenkel, und aus den obersten stärksten, deren gewöhnlich drei
-sind, drei Reben, alle von verschiedener Länge. Denn das muß ich
-überhaupt bemerken, daß nicht alle Zapfen, Schenkel und Reben gleiche
-Länge haben dürfen. Darum habe ich auch gleich im Anfange gesagt, ein
-Zapfen kann ein, zwei, auch drei Augen haben, die Schenkel können ¼, ½,
-¾ Elle lang seyn, und die Reben können aus einer Länge von einer Elle,
-5, 6, 7 Viertel- bis 2 Ellen bestehen. Je nachdem die Ruthe stark oder
-schwach ist, macht man auch Zapfen, Schenkel und Reben lang oder kurz.
-Zuweilen trifft es sich auch, daß an einem Schenkel oder einer Rebe die
-oberste, oder zwei der obersten Ruthen verkrüppeln und schwächer
-bleiben, als die unter ihnen stehenden; ja durch das Treiben mehrerer
-kleinen Seiten- und Wasserruthen des dabei stehenden alten Holzes
-gleichsam zu einem Strauche werden. Ist dieß der Fall, so schneidet man
-das obere alte Holz mit seinen verkrüppelten, schwache Ruthen ganz weg
-und bestimmt die unter ihm stehenden zu Reben, Schenkeln oder Zapfen,
-wozu sie, vermöge ihrer Stärke am tauglichsten sind. Und sollte einmal,
-was auch geschehen kann, an einem Schenkel oder einer Rebe Alles
-verkrüppeln, so wird er im Herbste ganz weggeschnitten. Dasselbe kann
-und muß auch geschehen, wenn der Stock mit den Jahren des Holzes zu viel
-bekommen sollte. Man schneidet dann natürlich die schlechtesten weg.
-Davon wird aber in einem der nächsten Kapitel beim Untersetzen ein
-Mehreres gesagt werden.
-
-
-
-
-20.
-
-Regelmäßiges Verlängern der Weinstöcke.
-
-
-Aus dem bisher Gesagten wird nun Jeder leicht einsehen können, daß nach
-meiner Behandlungsweise die Stöcke von Jahr zu Jahr regelmäßig höher
-steigen. Es hat demnach ein nach meiner Art gepflanzter Weinstock im
-ersten Herbste, wenn er gesteckt wird, eine Höhe von ¼ bis ½ Elle. Im
-zweiten Herbste, nach dem erstmaligen Beschneiden, ist er kaum einige
-Zoll länger, weil der Wuchs des ersten Jahres bei dem ersten Beschneiden
-jedesmal zu Zapfen geschnitten wird. Im dritten Herbste, nach dem
-zweiten Beschneiden, ist er ohngefähr 1 Elle hoch. Im vierten Herbste,
-nach dem dritten Beschneiden, hat er eine Länge von 2 Ellen und so kommt
-er in jedem folgenden Jahre allemal um 2 Ellen höher. Hierbei richte ich
-es nun gleich in den erstern Jahren und jedem folgenden beim Beschneiden
-so ein, daß von meinen dichtstehenden Stöcken immer einer früher in die
-Höhe kommen muß, als der andere. Dieß geschieht dadurch, daß ich die
-Zapfen, Schenkel und Reben an dem einen immer etwas länger mache, als an
-dem andern. Auf diese Weise bekomme ich jedes Jahr in der Tiefe, Mitte
-und Höhe junges Holz, mit dem ich das alte bedecken kann. Und deßhalb
-sieht mein ganzes Spalier von unten an bis oben grün aus, und trägt von
-der Erde bis in die äußerste Spitze hinauf Trauben.
-
-
-
-
-21.
-
-Umzäunung der Weinstöcke.
-
-
-Freilich müssen solche Stöcke aber auch gegen Vieh und andere Feinde
-durch eine Umzäunung geschützt seyn, und diese wird sich wohl an den
-meisten Orten anbringen lassen, da sie nicht breiter, als höchstens 2
-Ellen zu seyn braucht, so daß man darinnen gehen kann. Sollte nicht so
-viel Raum vorhanden seyn, so ist eine Elle breit hinreichend. Man muß
-aber die Umzäunung alsdann so einrichten, daß sie, gleich den
-Thorflügeln aufgemacht werden kann, wenn es an dem Stocke etwas zu thun
-giebt. Diese Art dürfte auch in Städten anwendbar seyn, denn ich kann
-nicht einsehen, warum man nicht auch hier den Weinstock gleich von der
-Erde an sollte benutzen können. Welch’ ein schöner, breiter und oft auch
-hoher Raum ist da nicht oft von der Erde an bis an die untersten
-Fenster, und selbst zwischen denselben giebt es oft sehr breite Stellen,
-an welchen man Reben in die Höhe ziehen könnte, die dann mit ihren
-Ruthen und Trauben dem Bewohner durch die Fenster begrüßen, den Zimmern
-in heißen Sommertagen eine wohlthätige Kühlung gewähren, zur Zeit der
-Blüthe einen erquickenden Geruch verbreiten, und zur Zeit der
-Traubenreife bei geöffneten Fenstern freundlich zum Genusse einladen
-dürften. Einige, denen ich diesen Vorschlag einstens machte, äußerten
-zwar die Bedenklichkeit, es würde der Wein an diesen niedern Stellen
-wohl vor räuberischen Thieren, schwerlich aber vor diebischen
-Menschenhänden zu schützen seyn. Mit dieser Furcht suchte man mich
-freilich auch zu erfüllen, als ich meine, mitten in dem Dorfe stehende
-Schulwohnung mit Weinstöcken umpflanzte; aber ich muß es den Bewohnern
-meines Ortes öffentlich zum Ruhme nachsagen, sie haben mir nichts
-entwendet. In Städten aber, wo Fenster bei Fenster und Tag und Nacht
-weit mehr reges Leben auf den Gassen ist, als auf dem Lande, dürfte ja
-der Dieb wohl noch viel weniger Gelegenheit haben. Laßt uns nur Alle
-jeden schicklichen Ort mit Weinstöcken bepflanzen und jede müßige Stunde
-dazu benutzen, so wird Niemand mehr nöthig haben, zu stehlen; denn Jeder
-hat dann selbst genug für sich und -- den Dürftigen, die keine
-Gelegenheit zur Anpflanzung haben, wird man gern eine Traube mittheilen.
-Es ist in der That Unrecht, daß man die schönen hohen Wohnungen,
-Scheunen und Stallgebäude in den Städten und auf dem Lande nicht
-überall, wo es irgend geht, mit diesem herrlichen Grün bekleidet.
-Freilich macht der Anfang eine kleine Mühe und in der Folge alle Jahr
-ein wenig Arbeit; allein, wer diese scheuet, den möchte man wohl an das
-allbekannte Sprüchlein erinnern: Wer nicht will arbeiten, (am
-Weinstocke), der soll auch nicht essen (von den Trauben).
-
-
-
-
-22.
-
-Vom Untersetzen der Weinstöcke.
-
-
-Hierbei kommt es darauf an, wie hoch man wegen der Höhe des Spaliers die
-Stöcke ziehen kann und will. Hat der zuerst emporkommende Stock die Höhe
-des Spaliers erreicht, so daß man im nächsten Jahre dessen über das
-Spalier hinausgehende Reben nicht mehr anheften könnte, so muß er nun
-untersetzt oder abgeschnitten werden. Abschneiden kann man ihn gleich
-unten, etwa eine Viertel-Elle über der Erde. Auch dieses alte Holz ohne
-Augen schlägt wieder aus. Man nennt diese Ruthen, sowie überhaupt alle
-Ruthen, die aus dem alten Holze kommen, Wasserruthen. Ich thue das aber
-beim Untersetzen gewöhnlich nicht, sondern gehe an jedem Zweige oder
-Aste des Stockes von der Erde an in die Höhe, bis dahin, wo ein jeder
-Zweig oder Ast junges Holz, d. h. eine Ruthe, hat. Gerade über dieser
-Ruthe schneide ich weg und die Ruthe selbst schneide ich zum Zapfen. So
-behält der untersetzte Stock mehrere Zweige oder Aeste von verschiedener
-Länge; diese treiben im nächsten Sommer schöne, starke Ruthen, haben
-aber selten Trauben, weil der Stock in diesem Jahre zu sehr mit neuem
-Wuchse beschäftigt ist. Im folgenden Jahre bringen sie jedoch der
-Trauben viele. Ein so untersetzter Stock dient nun wieder zur untern
-oder mittlern Bekleidung des Spaliers, je nachdem er länger oder kürzer
-gemacht worden ist. Ist an einer Stelle zur niedrigsten Bekleidung
-keiner mehr vorhanden, so muß man in dieser Gegend Einen auf vorhin
-beschriebene Art eine Viertel-Elle über der Erde wegschneiden. Während
-dessen kommt wieder ein anderer in die Höhe, bei dem dann wieder in
-einem andern Jahre das Untersetzen nöthig ist. Und so habe ich fast
-jedes Jahr Stöcke zu untersetzen. Auf diese Weise fehlt es nun meinem
-Spaliere an keinem Orte, und in keinem Jahre weder an Reben, noch
-Trauben. Auch glaube ich, es nun so deutlich dargelegt zu haben, daß
-mich ein Jeder wird verstehen können. Da man beim Beschneiden, wenn es
-ordentlich werden soll, viel gegen den Daumen schneiden muß, so ist es
-nöthig, denselben durch einen Ueberzug von starkem, festen Leder zu
-schützen. Auch ist ein spitziges Messer beim Beschneiden das beste, weil
-man damit bequem in alle Winkel kann.
-
-
-
-
-23.
-
-Vom Verjüngen der Weinstöcke.
-
-
-Man kann die alten Stöcke auch noch auf eine andere Weise verkürzen,
-nämlich durch das Verjüngen oder Jungmachen. Dazu gehört aber, wie sich
-gleich zeigen wird, mehr Raum und Mühe. Man nimmt nämlich das alte,
-lange Holz vom Spaliere herunter, legt es von demselben ab- oder
-seitwärts in einen oder einige dazu gemachte, eine halbe Elle tiefe und
-breite Graben, beugt es in einiger Entfernung wieder um, nach dem
-Spaliere zu, so daß das ganze alte Holz in die Erde kommt, und nur die
-äußersten Enden, mit dem zu einem Zapfen geschnittenen jungen Holze am
-Spaliere wieder aus derselben hervorragen. Auf diese Weise werden aber
-oft aus einem Stocke sehr viele; so viel er nämlich Zweige oder Aeste
-hat. Man müßte denn einige, für die kein Raum vorhanden wäre,
-abschneiden. Bei weniger Raum ist natürlich das Untersetzen besser, als
-das Verjüngen. Ich habe dasselbe bei einigen meiner Bekannten, die mich
-baten, ihre in Unordnung gerathenen Weinstöcke in Augenschein zu nehmen,
-an einem ganzen am Giebel eines Hauses angebrachten Spaliere anwenden
-müssen. Zum Verjüngen war hier nicht der geringste Raum. Die Stöcke
-selbst aber hatten eine solche Menge altes, langes Holz mit schwachen
-Ruthen, daß dieselben von der Erde an bis in die äußerste Spitze des
-Hauses einer durch und durch verwachsenen dicken Dornenhecke glichen, an
-welchem von unten an bis an den Bodenraum gar kein junger Wuchs mehr zu
-finden war. Ich legte Hand an das Werk, und als ich fertig war, reichten
-sämmtliche Stöcke kaum bis an das Fenster, was höchstens eine Elle hoch
-war. Und im nächsten Sommer trieben diese alten kraftvollen Stöcke so
-viel schöne starke Wasserruthen, sogar mit Trauben, (was in diesem Jahre
-eigentlich noch nicht zu erwarten war, aber durch die starke Kraft der
-Stöcke bewirkt wurde,) daß mehrere verbrochen werden mußten, weil sie
-nicht alle Raum hatten. Im nächsten Herbste wurde wieder gehörig
-beschnitten, nämlich Zapfen, Schenkel und Reben nicht länger gelassen,
-als ich es schon angegeben habe. Im darauf folgenden Jahre ging die
-Zahl der Trauben weit in die Hunderte, und nach Verlauf von 4 Jahren, in
-die Tausende.
-
-So verfährt man mit alten, in Unordnung gerathenen Stöcken durch das
-Untersetzen, wenn das Verjüngen wegen Mangels an Raum nicht möglich ist.
-Durch das Verjüngen aber kann man sich, wenn Raum genug vorhanden ist,
-auch noch andere Vortheile verschaffen. Man kann nämlich von einigen
-alten langen Zweigen oder Aesten ein Gegenspalier anlegen, das man so
-weit vom Hauptspaliere entfernen kann, als die Aeste des Stockes lang
-sind. Auch kann man dadurch ferner eine Menge Stöcke erzeugen; diese
-stehen aber nicht in gleicher Linie, sondern zerstreut durch einander,
-und bilden gleichsam einen Weinberg. Dieß geschieht nämlich, wenn man
-jeden vom Hauptstocke abgenommenen Zweig oder Ast, so lang er ist, in
-die Erde legt, und nur das äußerste Ende desselben mit dem daran
-befindlichen Zapfen hervorragen läßt. Auch ist das Verjüngen sehr
-anwendbar, wenn ein Gebäude, woran Weinstöcke stehen, vergrößert werden
-soll. Man braucht nämlich dann solche nicht heraus zu nehmen und weiter
-zu pflanzen; wenn nur sonst die Erweiterung des Gebäudes nicht länger
-ist, als die Zweige oder Aeste der Stöcke sind, sondern man legt sie so
-lang in die Erde, daß sie an der Außenseite der neu aufzuführenden Mauer
-wieder hervorragen. Man kann sie auch dadurch noch verlängern, daß man
-die oberen Ruthen recht lang läßt, und nur die äußerste schwache Spitze
-wegnimmt. Von diesen lang gelassenen und nachher mit in die Erde
-gelegten Ruthen brauchen nur ein, zwei oder drei Augen hervorzustehen;
-sie bilden dann wieder einen neuen Stock. Dadurch kommt nun die
-Hauptwurzel des Stockes mit denjenigen, welche in Zukunft an den in die
-Erde gelegten Zweigen oder Aesten entstehen, unter das Gebäude, und
-haben, wenn es eine Stube ist, ein sehr warmes, und ist es ein Stall,
-ein sehr fruchtbares Lager, und die Wurzeln, die der Stock außerhalb der
-Mauer treibt, bekommen ihr Lager wieder in der am Gebäude hin unter der
-Traufe zum Begießen befindlichen Vertiefung. -- Alle durchs Verjüngen
-erniedrigten Stöcke haben einen vorzüglichen starken Trieb, wegen der
-vielen zerstreut liegenden Wurzeln, die aus allen Richtungen dem Stocke
-Frucht zuführen. Das Untersetzen muß wegen des Verblutens durchaus im
-Herbste geschehen. Das Verjüngen aber kann außerdem auch im Frühjahre,
-ja sogar mitten im Sommer, wenn die Menge der Ruthen nicht daran
-hindert, vorgenommen werden. Wenn Umstände es im Sommer nöthig machen
-sollten, so müßte man die Ruthen, welche ihr Lager in der Erde bekommen
-würden, zu Zapfen schneiden, und nur die äußerste oder zwei derselben,
-jedoch unverbrochen, aus der Erde hervorgehen lassen. Wäre der Stock
-nicht zu weit zu leiten, so daß nur sein unteres altes, kahles Holz in
-die Erde käme, so kann man alle daran befindliche Ruthen mit ihren
-Trauben unverändert lassen. Sie gedeihen an der neuen Stelle eben so
-gut, oft noch besser, indem der Stock, obgleich er neue Wurzeln treibt,
-doch durch das Einlegen zugleich auch neue Nahrung bekommt. Ich fand
-einst bei einem Bekannten zu Johannis einen alten, im Grase hin und her
-liegenden Stock. Ich ließ das Gras abhauen, dann den Boden umgraben,
-legte das alte Holz in die Erde und ließ nur die Spitzen der schwachen
-elenden Ruthen an der Wand hin aus der Erde hervorragen. Es sah aus wie
-eine Reihe zarter Nelkensenker. Binnen vier Wochen waren sie gegen 3
-Ellen lang, und jetzt, nach Verlauf von ohngefähr sechs Jahren, ist es
-ein Spalier, an welchem jährlich 2 bis 3000 Trauben hängen. Auf diese
-Weise kann man also auch verdorbene Weinstöcke wieder in Ordnung
-bringen.
-
-
-
-
-24.
-
-Vom ersten Anbinden oder Heften im Frühlinge.
-
-
-Eine Hauptsache beim Weinbau ist nun ferner das Anbinden oder Heften im
-Frühjahre. Am besten ist hierzu der Bast von Linden oder Rüstern.
-Bindfaden und andere ihm ähnliche Bänder taugen nicht dazu, weil sie
-Einschnitte in das Holz machen. Ich habe in Ermangelung des Linden- und
-Rüstern-Bastes, es auch mit dem weidenen und fichtenen versucht, und es
-gelang vortrefflich. Ich schälte nämlich meine im Winter gehauenen
-weidenen 3 Ellen langen Brennholzstücke und einige zum Bauen bestimmte
-Fichten ab. Dieß gab Streifen mitunter von einer Hand breit und noch
-breitere. Von diesen ließ ich die obere graue Schale mit einem Messer
-abstreifen, alsdann ließen sich die den breiten Lederriemen ähnlich
-sehenden Stücke in mehrere lange schwache Faden reißen. Dieß macht man,
-wenn man es gleich verbrauchen will. Ist dieß nicht der Fall, so läßt
-man diese breiten Streifen, um sie vor dem Verstocken zu sichern,
-trocknen. Sie werden hierdurch freilich so hart, daß sie oft bei der
-geringsten Berührung brechen; allein man darf sie nur eine Stunde vor
-ihrem Gebrauche in das Wasser werfen, so werden sie wieder so
-geschmeidig, als ob sie eben vom Baume geschält wären. Freilich muß man
-sie während der Arbeit in einem Gefäße mit Wasser liegen haben, und nur
-immer so viel heraus nehmen, als man für die erste Viertel-Stunde
-gebraucht. Sobald der Wein damit angebunden ist, wird der Bast freilich
-wieder trocken, aber er reißt nicht mehr. Auf diese Weise hat man also
-nicht nöthig, des Bastes wegen grünende und wachsende Bäume zu
-beschädigen. Beim Anbinden selbst nun muß man die Aeste des Stockes mit
-ihren Zapfen, Schenkeln und Reben so weit auseinander bringen, als es
-nur immer möglich ist. Das alte Holz der Aeste kann zwar dicht neben und
-über einander liegen; die Schenkel und Reben selbst aber dürfen nicht
-dichter zusammen kommen, als eine Viertel-Elle. Hat man Raum genug, so
-kann man sie auch noch weiter von einander bringen. Sowohl das junge,
-als das alte Holz muß nicht durchaus gerade in die Höhe gezogen werden,
-sondern beides kann seitwärts schräge zu liegen kommen, je nachdem es
-sich schickt. Fangen später die Augen an zu treiben, so hat jede Ruthe
-gehörigen Raum und Sonne.
-
-
-
-
-25.
-
-Von den Reserve-Augen und ihren Ruthen.
-
-
-Bisweilen trifft es sich auch, daß zwei Ruthen an einer Stelle
-entstehen, besonders bei starken, auf gutem Boden stehenden Stöcken. Es
-befindet sich nämlich hinter jedem Auge noch eins, oft zwei; man nennt
-sie Reserve-Augen. Diese Reserve-Augen fangen gewöhnlich im Frühjahre
-mit den Haupt-Augen zugleich an, zu treiben. Sind nun die Stöcke noch
-jung und schwach und haben magern Boden, so bleibt endlich das
-Reserve-Auge sitzen. Haben aber, wie gesagt, die Stöcke Kraft und guten
-Boden, so treiben diese Reserve-Augen mit den Haupt-Augen zugleich fort,
-und auch diese aus den Reserve-Augen entstandenen Reserve-Ruthen bringen
-ihre Trauben. Ich habe einmal in einem guten Weinjahre an den meisten
-Hauptruthen drei und an den Reserve-Ruthen zwei, und also fünf Trauben
-auf einer Stelle gehabt. An einigen Stöcken hatten sogar die Hauptruthen
-4 und die Reserve-Ruthen 3 Trauben.
-
-
-
-
-26.
-
-Vom zweiten, dritten und vierten Anbinden oder Heften.
-
-
-Wenn nun die Ruthen länger werden, so muß man sie anheften, damit sie
-sich nicht umbeugen und von Wind- und Regenstürmen abgebrochen werden.
-Es ist auch dieses Anheften um der Trauben willen nöthig, weil dieselben
-sonst, wenn sie zu groß und schwer werden, mit der Ruthe zugleich
-abbrechen können. Daher muß man auch die untern Fruchtruthen anbinden,
-ob sie gleich gewöhnlich nicht so lang werden, als die obern Zugruthen,
-welche oft mehrere Male angebunden werden müssen. Denn zwar nicht die
-Last der Länge, wohl aber die Last der Trauben kann sie später umbeugen
-und brechen. Dieses Anheften muß aber durchaus noch vor der Blüthenzeit
-geschehen, denn während derselben darf man nicht in den Ruthen
-herumstören, weil man sonst den Blüthenstaub abstreift. Auch kann, wenn
-die nun immer länger werdenden Ruthen nicht angebunden sind, Sturm und
-Wetter dieses Abstreifen verursachen, oder die schwebenden Ruthen
-zerbrechen. Bei diesem Heften muß aber mit den noch jungen und fetten
-Ruthen sehr vorsichtig umgegangen werden, damit man sie nicht abbricht.
-Deßhalb dürfen sie auch nicht etwa dicht an das Spalier oder an die
-alten Aeste des Stockes angebunden werden, wie man das beim ersten
-Anbinden im Frühjahre thut; es ist auch dieses dichte Anbinden sehr oft
-wegen der Fettigkeit und Weichheit der Ruthen nicht möglich und noch
-weniger nöthig. Man faßt mit dem Baste eine Stange des Spaliers, oder
-einen Ast des alten Holzes, oder einen nahe liegenden Schenkel oder eine
-Rebe, und zugleich auch die Ruthe dicht unter der ersten Traube, und
-zieht dieselbe nun so weit heran, als es sich thun läßt. Dadurch
-geschieht es, daß die Ruthen nun in längere oder kürzere Henkel zu
-hangen kommen, wodurch sich dann der ganze Stock nach der Außenseite hin
-verbreitet und Ruthen und Trauben mehr Raum bekommen; denn es braucht
-durchaus nicht Alles dicht an das Spalier angeschnürt zu seyn. Meine
-Stöcke kommen durch dieses Henkeln oft ¼, sogar ½ Elle weit und noch
-weiter vom Spaliere und der Mauer ab, und hängen doch nicht abwärts,
-sondern stehen und sehen so glatt, als ob sie mit der Zannscheere
-beschnitten worden wären. Das dritte Heften erfolgt nach der
-Blüthenzeit, wo man Alles, was abwärts hängt, ebenfalls wieder so
-anhenkelt, und sollten späterhin wieder Ruthen mit ihren nun länger
-gewordenen Spitzen abwärts hängen, so muß man zum vierten Male heften,
-was aber selten und nur bei wenigen, nämlich bei den langen Zugruthen
-nöthig ist. Jetzt kann man auch, wie schon gesagt, die abermals abwärts
-hängenden Spitzen abbrechen oder der Haltbarkeit wegen um einen nahe
-liegenden festen Gegenstand winden; denn sie können nun nichts weiter
-nützen. In den kürzlich vergangenen Jahren habe ich den Versuch gemacht,
-mir das dritte und vierte Heften ohne Nachtheil für den Stock ganz zu
-ersparen, und er ist gelungen. Ich fand nämlich bei genauer Beobachtung,
-daß einige Wochen nach der Blüthenzeit alle Ruthen ohne Ausnahme ihre
-gehörige zum Herbste beim Beschneiden nöthige Länge erreicht hatten,
-folglich alles nun noch wachsende Holz überflüßig sey. Jetzt fing ich
-an, alle hervorkommenden Spitzen aller Ruthen, sogar die der Zugruthen,
-wegzubrechen, und mit allen in der Folgezeit wieder hervorkommenden
-Spitzen eben so zu verfahren, und fand, daß diese Behandlungsweise weder
-den Trauben noch den Ruthen Schaden brachte. Ich hatte im Herbste beim
-Beschneiden nur einen sehr geringen Nachtheil davon, nämlich den, daß
-ich keine, oder wenigstens nur sehr wenig Schnittlinge machen konnte:
-denn ich fand größtentheils nur so viel junges Holz, als ich brauchte,
-und konnte einen Schnittling nur da erlangen, wo wegen zu vieler Ruthen
-einige weggeschnitten werden mußten. Das von den stehenbleibenden Ruthen
-weggenommene Holz war zu Schnittlingen größtentheils zu kurz. Seitdem
-habe ich jedes Jahr wieder so verfahren, und da ich abermals keinen
-Nachtheil gespürt habe, werde ich es auch ferner thun, und rathe einem
-Jeden, eben so zu handeln. Nur das zu frühe Verbrechen, nämlich vor und
-in der Blüthenzeit, kann ich nie und nirgends anrathen.
-
-
-
-
-27.
-
-Das natürliche Anheften vermittelst der Gabeln.
-
-
-Manche Ruthen heften sich auch selbst an, vermittelst der Gabeln; so
-nennt man die an den Ruthen und beiden Trauben hin und wieder
-hervortreibenden Ranken, die sich an den Enden in zwei Theile theilen
-und sich um das Spalier und Alles, was sie erreichen können, herumwinden
-und sehr fest werden. Das Erscheinen der ersten Gabel an einer Ruthe ist
-gewöhnlich ein Zeichen, daß nun keine Traube weiter kommt. Einige
-meinen, man müsse diese Gabeln abbrechen, denn sie raubten dem Stocke
-die Kraft. Dieß ist ein Irrthum, denn man raubt ja auch dadurch den
-Ruthen ein herrliches Befestigungsmittel, welches ihnen die Natur sehr
-weislich verliehen hat. Denn kein Band kann fester werden, als dieses
-Anklammern der Gabeln. Man muß aber dieses Heften oder Anhalten nicht
-zuerst den Gabeln überlassen, (denn Wind und Wetter treibt oft die
-Ruthen aus der gehörigen Lage, und sie heften sich alsdann da an, wo es
-sich nicht schickt), sondern man muß das erste Anbinden der Ruthen
-selbst besorgen, damit sie in die richtige Lage kommen, und das
-Anklammern der Gabeln für sie nachher ein zweites richtiges und noch
-stärkeres Befestigungsmittel wird.
-
-
-
-
-28.
-
-Von der richtigen Lage der Ruthen.
-
-
-Die richtige Lage der Ruthen ist folgende: Die an jedem Schenkel und
-jeder Rebe sich befindenden untern, gewöhnlich schwächern und kürzern
-Fruchtruthen leitet man durch das Anbinden einwärts nach der Mauer zu;
-die obern längeren und stärkeren Zugruthen aber zieht man, so viel es
-sich thun läßt, nach außen, damit sie gutes Licht und Sonne bekommen und
-gehörig reifen können. Denn fehlt es diesen Zugruthen an Luft, Licht und
-Sonnenwärme, so bleiben sie blaß und weich, verholzen nicht, und man
-kann sie zum Herbste nicht gebrauchen, sondern muß sie, so weit sie grün
-sind, wegschneiden. Denn die Reife, die sie nach dem Abfallen der
-Blätter und den Winter über noch bekommen sollen, ist nicht von
-Bedeutung. Und dieses Erziehen der Zugruthen ist eine Hauptsache beim
-Weinbau. Es ist die Aussaat für das nächste Jahr. Zieht man im ersten
-Jahre keine Zugruthen, so hat man im nächsten Jahre keine Trauben zu
-erwarten. Ich habe Weinstöcke gesehen, die viele Trauben hatten, recht
-schön angebunden und ganz glatt verbrochen waren, aber nicht eine
-einzige Zugruthe hatten. Solche Stöcke lassen sich im Herbste schlecht
-beschneiden; man findet an ihnen lauter kurze und schwache Ruthen, und
-man muß lauter Zapfen und kurze Schenkel schneiden. Reben werden gar
-nicht, und sie bringen natürlich im nächsten Jahre nicht die Trauben,
-die sie gebracht haben würden, wenn man ihnen die gehörigen Zugruthen
-gelassen hätte. Am Ende fangen sie gar an, zu kränkeln und gehen ein,
-weil sie durch das beständige starke und besonders zu frühzeitige
-Verbrechen in ihrem Wachsthume zu sehr gestört worden sind.
-
-
-
-
-29.
-
-Von der richtigen Lage der Trauben.
-
-
-Den kürzeren Fruchtruthen mit ihren Trauben schadet es nicht, wenn sie
-hinter die Zugruthe und deren Blätter kommen. Die kurze Ruthe reift doch
-wohl, und die Trauben gedeihen hinter den Blättern im Schatten weit
-besser und reifen eher, als wenn sie zu viel Sonne haben. Alle der Sonne
-zu sehr ausgesetzte Trauben bleiben hart und reifen viel später. Die
-Spitzen der kurzen Ruthen nehme ich, wie schon gesagt, gewöhnlich dann,
-wenn die Trauben anfangen, schwer zu werden, und winde sie um eine
-Stange des Spaliers herum, oder wo es sich sonst thun läßt. Denn eine
-solche Ruthe treibt nun schon von selbst nicht mehr, die Kraft bleibt
-unten in den Trauben, und durch das Umwinden und Befestigen der Spitzen
-bekommt die Ruthe mit ihren Trauben einen sehr guten Halt. Ist aber die
-Ruthe mit ihren Trauben schon durch das Heften gehörig befestigt, so
-kann man auch jetzt, wie ich nun durch Erfahrung gefunden habe, die
-Spitzen ohne Nachtheil für Ruthen und Trauben wegbrechen. Bei dieser
-Behandlungsweise, daß ich nämlich vor der Blüthenzeit gar nichts, und
-nach derselben nicht zu zeitig verbreche, und die Stöcke auch sehr dicht
-stehen, kommt es freilich dahin, daß in den Sommer-Monaten meine
-Weinspaliere dicht belaubt sind, viel Ruthen und wenig Trauben zeigen.
-Aber was von Ruthen vorn seyn und reifen soll, ist doch vorn, und die
-hinter den Blättern steckenden Trauben befinden sich da einstweilen sehr
-gut. Man muß nur beim Heften nicht Alles zu eng zusammenschnüren,
-sondern lange Henkel machen, damit Raum in dem Dickicht ist. Kommt es
-nun gegen den Herbst, die Zeit der Reife, so wirft der Stock seine
-größte Kraft schon von Natur auf die Trauben und läßt die Blätter
-fahren; einige fallen ganz ab, die meisten bleiben zwar, verlieren aber
-ihre Fettigkeit, fangen an, zu welken, fallen und beugen sich zusammen.
-Nun bekommen die hinter denselben versteckt gewesenen Trauben so viel
-Licht und Wärme, als sie zu ihrer Reife bedürfen. Aber doch nicht so
-viel, daß die allzu große Hitze die Beeren verhärten könnte. Wer aber
-Alles zu sehr und besonders zu zeitig verbricht und entblättert, dem
-hängen um diese Zeit alle Trauben frei in der größten Sonnenhitze. Auf
-fettem Boden stehende Stöcke entblättern sich zwar nicht so sehr; ist
-aber nur gut gehenkelt und nicht etwa geschnürt, so kann dennoch Alles
-gehörig wachsen und reifen. Sollten dieselben gar zu dicht werden, so
-kann man durch ein schärferes Abbrechen der Spitzen beim dritten und
-vierten Heften etwas Luft machen. Oder, wie schon gesagt worden ist, das
-dritte und vierte Heften ganz unterlassen, und alle hervorkommende
-Spitzen wegbrechen. Denn ich wiederhole es nochmals: Wo Raum genug ist,
-kann man ohne Nachtheil alles wachsen lassen; wo dieser aber mangelt, da
-kann man auch hinwiederum ohne Nachtheil alles verbrechen. Nur nicht vor
-und in der Blüthenzeit und nicht zu schnell nach derselben.
-
-
-
-
-30.
-
-Vom Abbrechen der Blätter zum Gebrauche.
-
-
-Aus dem bisher Gesagten gehet nun auch hervor, daß an einem nach meiner
-Art richtig beschnittenen Weinstocke nicht ein Blatt übrig ist. Was soll
-man aber thun, wenn man Weinblätter verlangt, oder deren selbst bedarf?
--- Von den Zugruthen darf man sie nicht nehmen. An jedem Blatte steht
-ein Auge, dieses wird von seinem Blatte geschützt, auch wird durch
-dieses Blatt demselben Nahrung zugeführt; denn alles auf dem Blatte
-stehen bleibende Thau- und Regenwasser dringt größtentheils durch die in
-dem Blatte und dessen Stiele befindlichen kleinen Oeffnungen bis in das
-Auge hinein und erquickt und stärkt dasselbe. Nimmt man ihnen nun dieses
-Blatt, so zerstört man den Befruchtungs-Kanal, und es wird in seinem
-Wachsthume gehindert; und geschieht dieß gleich unten an den Zugruthen,
-wo sie die Trauben haben, so beraubt man zugleich auch den Trauben die
-Schutz- und Nahrungsmittel. Von den übrigen kürzern Fruchtruthen darf
-man sie nun ebenfalls nicht nehmen, denn sie sind auch hier die
-Beschützer und Ernährer der daran befindlichen Augen und Trauben. Es
-giebt aber oft außer den Zug- und Fruchtruthen noch einige unfruchtbare
-Ruthen, die keine Trauben bekommen haben, und zu den Zugruthen zu
-schwach sind. Auch kommen oft unten am Stocke oder etwas weiter hinauf
-aus dem alten Holze Ruthen heraus, die weder Trauben haben, noch zu
-Zugruthen taugen, und allenfalls im Herbste beim Beschneiden einen
-Zapfen geben können. Man nennt sie bekanntlich Wasserruthen. Von diesen
-beiden, den oben genannten unfruchtbaren und den Wasserruthen, kann man
-Blätter nehmen, wenn man welche gebraucht. Hier thut es nicht viel
-Schaden, besonders an den obern Enden, die ja ohnedieß im Herbste
-weggeschnitten werden. An den obern Enden könnte man allenfalls auch von
-den Zug- und Fruchtruthen Blätter wegnehmen, aber nicht eher, als nach
-dem dritten und vierten Heften, wo man auch die ganze Spitze wegbrechen
-kann. Vor und während der Blüthenzeit aber ist nirgends ein Blatt übrig;
-es macht ohnedem das Abbrechen eines solchen fetten Blattes eine Wunde,
-die im zeitigen Frühlinge sogar blutet. Braucht man aber die Blätter
-nicht nothwendig, so lasse man auch die für entbehrlich erklärten
-stehen. Es ist große Thorheit, solche oder wohl gar ganze Ruthen für das
-Vieh abzubrechen, ohne vorher überlegt zu haben, ob sie auch wirklich
-überflüssig waren oder nicht, und ob es also Nutzen oder Schaden bringen
-konnte. Denn, ich wiederhole es nochmals, hat man im Herbste nach meiner
-Art richtig beschnitten, so kann man, wo Raum genug ist, vom Frühjahre
-an bis zum Herbste, alles daran ungestört und ohne Nachtheil wachsen
-lassen. Es kann schon, dem Schnitte gemäß, nicht mehr wachsen, als
-nöthig ist. Ich weiß dieß aus mehrjähriger Erfahrung, und freue mich,
-diese Entdeckung gemacht zu haben, denn sie überhebt mich der wirklich
-schwierigen Arbeit des frühzeitigen Verbrechens, wobei man sich nicht
-genug in Acht nehmen kann, daß man den jungen fetten Ruthen und zarten
-Träubchen nicht Schaden thut. Dieser Schaden kann aber beim Verbrechen
-zur Zeit des dritten und vierten Heftens, spät nach der Blüthenzeit
-nicht geschehen. Jetzt können die abgebrochenen überflüssigen Spitzen
-zum Futter für’s Vieh benutzt werden.
-
-
-
-
-31.
-
-Einrichtungen zur Erleichterung des mühsam scheinenden Begießens.
-
-
-Ich erwähne diesen Gegenstand nochmals, um zu zeigen, welch’ eine
-wesentliche Arbeit dieß beim Weinbau ist. Ich habe es in dem vergangenen
-trockenen Sommer an einem Spaliere absichtlich unterlassen, um dessen
-Nutzbarkeit nochmals zu erproben, und sie zeigt sich nun mehr, als zu
-deutlich. Dieß Spalier hat magere Träubchen, die wohl schwerlich zur
-Reife gelangen werden. Die begossenen Spaliere aber prangen mit fettem
-Wuchs und schönen Trauben, die eine zeitige Reife versprechen. Damit nun
-aber auch das Begießen gehörig nützen kann, so muß man die Vertiefung
-und die Dämmchen unten am Spaliere bei den Wurzeln immer in gutem Stande
-erhalten. Thut man dieß nicht, so darf man sich nicht wundern, wenn auch
-bei fleißigem Begießen die Weinstöcke nicht gedeihen. So ging es einem
-meiner Bekannten. Ich besah seine Stöcke, und fand sie auf einer festen
-Erhöhung von Erde stehend, von der jeder Tropfen Wasser augenblicklich
-wieder ablaufen mußte. Das hieß nun, Wasser auf eine umgekehrte Schüssel
-gießen und sich dabei wundern, daß es nicht eindringen will; oder dem
-Durstigen den Trank über den Kopf gießen, und es sich befremden lassen,
-daß er dabei noch immer über Durst klagt. Ich machte nun am Stocke unten
-die gehörige Vertiefung nebst den zwei Dämmchen, vermehrte die Stöcke
-durch das Verjüngen einiger niedern Aeste und ließ die Vertiefung alle 8
-Tage voll Wasser gießen. In Zeit von 4 Wochen hatten die Ruthen 2 Ellen
-hoch getrieben, und jetzt, nach Verlauf von 5 Jahren, bekleiden diese
-Stöcke den ganzen Giebel des Hauses und bringen Trauben im Ueberfluß.
-Deßhalb muß auch ein Weinstock, wie schon gesagt, eine bis zwei Ellen
-breit vom Spaliere ab gehörig umzäunt seyn, damit kein Vieh hinzugehen
-und die Vertiefung nebst den Dämmchen verderben kann. Um sich des
-mühsamen Hintragens des Wassers bis an das Spalier zu erleichtern, suche
-man sich einige hölzerne Wasserrinnen zu verschaffen, die von einem
-Brunnen oder einem nahen Wasserbehälter bis an das Spalier reichen. Dann
-ist das Begießen, zumal bei einer Pumpe, ein Geschäft für ein Kind, das
-auf diese Art binnen einer Stunde einige hundert Eimer Wasser
-hinschaffen kann, und die geringen Kosten der Rinnen bringt eine einzige
-Traubenlese wieder ein. Freilich muß aber auch, wie gesagt, die
-Vertiefung gehörig wagerecht seyn, damit ein Stock so viel bekommt, wie
-der andere.
-
-
-
-
-32.
-
-Reinigung des Weingartens.
-
-
-So nenne ich den eine bis zwei Ellen breiten Raum von der Mauer bis an
-die Umzäunung. Diese Stelle muß immer rein gehalten und nichts weiter
-darauf gepflanzt werden. Es darf deßhalb dieses Weingärtchen nicht
-zugleich den Blumen-, Petersilien- und Pflanzengarten mit ausmachen.
-Auch muß man darinnen kein Gras oder Unkraut aufkommen lassen. Wo dieß
-geschieht, oder wo wohl gar dicht an den Stöcken Hühner, Hunde und
-Katzen ihr Faulbettchen aufschlagen, und die Weiber diesen Ort zu einer
-Niederlage von Bouteillen, Aeschen, Schüsseln, alten Töpfen und dergl.
-gebrauchen, auch wohl den Herbst und Winter über Kraut und Rüben
-daselbst aufbewahren, da kann freilich der Weinstock nicht gut
-gedeihen.
-
-„Welche Mühe und Arbeit machen Sie sich mit Ihren Weinstöcken!” sagte
-oft der Eine oder der Andere zu mir. „Der und Jener dort thut gar nichts
-an seinen Stöcken, und hat eben so viel, wohl noch mehr Trauben, als
-Sie.” Dieß kann der Fall seyn; denn das weiß ich auch, daß alte, tief
-eingewurzelte Stöcke auf gutem Boden oft einige Jahre lang ohne
-regelmäßige Behandlung dennoch gedeihen und Früchte tragen können. Man
-lasse das aber so fortgehen, so werden nach mehreren Jahren diese Stöcke
-einer wild verwachsenen Dornenhecke gleichen, wie ich einen solchen
-gesehen und oben schon beschrieben habe. Kommt nun ein kalter Winter, in
-welchem glücklicherweise das ganze Dornengestrüppe bis auf die Wurzeln
-erfriert, so daß er rein abgeschnitten also untersetzt werden muß, und
-folglich nun wieder einige Jahre ohne regelmäßige Behandlung gut treiben
-und viele Trauben bringen kann: dann wird der unwissende Besitzer seinen
-Irrthum nicht gewahr, sieht es nicht ein, daß ihm die Natur zu Hülfe
-gekommen ist, welche seinen verwilderten, der gänzlichen Unfruchtbarkeit
-sich nahenden Weinstock durch den Frost untersetzt hat, was an ihm hätte
-geschehen müssen, wenn er nicht erfroren wäre und noch länger hätte
-Trauben bringen sollen. Denn wenn solche Stöcke, an denen gar nichts
-gethan wird, nicht einmal erfrieren, so sehen sie am Ende sehr elend aus
-und haben unten eine Menge altes, kahles, verwachsenes Holz und oben an
-der Spitze des Daches einige Ruthen mit Trauben. Stünde ein solcher
-Stock an einem Kirchthurme, er würde bald, wenn ihn kein Frost
-untersetzte, mit seinen Ruthen und Trauben die Fahne erreichen und vor
-Diebstahl ziemlich gesichert seyn.
-
-
-
-
-33.
-
-Das Erretten einiger Ruthen und Trauben vom Verderben im Frühjahre.
-
-
-Wenn im Frühjahre die Augen aufbrechen und die Ruthen anfangen zu
-treiben, so trifft es sich oft, daß einige stark und fett treibende
-Ruthen mit den Spitzen an eine Stange des Spaliers, an altes Holz oder
-an die Mauer anstoßen, sich umbeugen und abbrechen. Da hat man nun
-fleißig nachzusehen, und wo man dieses bemerkt, den fetten Wuchs sanft
-abwärts zu beugen; wenn er dieß aber vielleicht nicht aushalten könnte,
-so muß man den Schenkel oder die Rebe, woran er sich befindet,
-losschneiden, und so anbinden, daß die Ruthe frei wachsen kann. Auf
-diese Weise habe ich oft ein Schock Trauben gerettet, die sonst verloren
-gegangen wären. Denn kaum ist die Ruthe einen Zoll lang, so zeigt sich
-auch schon die erste Traube und bald auch die zweite, ehe noch die
-Blätter sich gehörig entfaltet haben. Läßt man nun die Ruthen in ihrem
-Entstehen verderben, so verderben damit auch zugleich die Trauben.
-Werden die Ruthen länger und entfalten sich die zarten Blätter, so steht
-gewöhnlich die erste Traube am dritten, vierten oder fünften Blatte, je
-nachdem die Art ist. Am nächsten Blatte kommt die zweite Traube zum
-Vorschein, ein, auch zwei Blätter über dieser die dritte, und bei
-manchen Sorten in derselben Entfernung auch die vierte. Mehr habe ich
-aber noch an keiner gesehen. Meine weißen und gelben Sorten sind von der
-Art, die blauen aber haben nicht an jeder Ruthe zwei, vielmehr an
-einigen sogar nur eine Traube. Dagegen sind aber ihre Trauben
-größtenteils eine Viertel-, oft beinahe eine halbe Elle lang, haben am
-obern Ende viele kleine Nebentrauben, und die Beeren sind von der Größe
-einer Herzkirsche.
-
-
-
-
-34.
-
-Vom Anpflanzen der Weinstöcke im Freien oder an Bäumen.
-
-
-Wenn man Weinstöcke ins Freie oder an Bäumen, Lauben, Pyramiden und
-dergl. anpflanzen will, so werden sie eben so behandelt, wie bisher
-beschrieben worden ist. Sie gedeihen daselbst auch eben so gut, als an
-Gebäuden und Mauern, nur daß die Trauben später reifen und die Fröste im
-Mai ihnen leicht schaden können, weil sie dem Luftzuge mehr ausgesetzt
-sind. Hohe Bäume, mit langen, kahlen, weit ausgebreiteten Aesten, sind
-natürlich hierzu am besten. Niedere hingegen, mit vielen buschichten
-Zweigen, sind gar nicht dazu tauglich. Sie rauben den Stöcken zu viel
-Sonne und ihre Ruthen haben keinen Raum unter den dicht belaubten
-Zweigen des Baumes. Ueberhaupt thut man wohl, besonders wenn die Wurzeln
-des Baumes etwas hoch liegen, wenn man den Stock nicht zu dicht an
-denselben, sondern eine bis zwei Ellen weit davon entfernt steckt, und
-einen langen Ast oder eine Rebe in der Erde hin in einer schmalen Rinne
-bis an den Baum leitet. Befestigen kann man die Ruthen des Stockes hier
-leicht, wenn man in einer Entfernung von einer halben Elle starke
-Bastbänder um den Stamm des Baumes bindet, und an dieselben nun mit
-schwächern Bändern die Ruthen befestigt. Steht er ganz im Freien, so muß
-man ihn mit in die Erde geschlagenen Pfählen und daran befestigten
-Querstangen befestigen. Eine Weinlaube muß etwas hoch und
-pyramidenähnlich gebauet seyn, oder von zwei Seiten ein recht steiles
-Dach oder Sparrwerk haben. Will man die Trauben eines im Freien
-stehenden langen Weinspalieres zeitig zur Reife bringen, so muß man
-hinter dasselbe auf der Nachtseite starke lange Pfähle setzen, und an
-dieselben vermittelst einiger Haken von starkem Drahte eine aus starkem
-Papiere oder schwacher Pappe gemachte schwarzgefirnißte Hängewand
-befestigen. Es läßt sich dieselbe, wenn sie gut aufbewahrt wird, viele
-Jahre lang gebrauchen.
-
-
-
-
-35.
-
-Schutzmittel gegen die späten Fröste im Mai und Juni.
-
-
-Gegen diese Feinde des Weinstocks, nämlich die späten Fröste im Mai,
-(Pancratius und Servatius &c.), giebt es freilich wenige ganz sichere
-Schutzmittel. Weil man eines Theils nicht gewiß weiß, wann ein solcher
-Frost kommen wird, und wenn man es auch wüßte, die schon mit Ruthen und
-Trauben besetzten Stöcke nicht herunterlegen und zudecken kann, ohne
-sie bedeutend zu beschädigen. Das beste Mittel wäre freilich, den Abend
-vorher, an welchem man aus der kühlen Abendluft oder andern Kennzeichen
-einen solchen Frost vermuthet, die Spaliere mit einer Decke von grober
-Leinwand, welche auf der, dem Stock zugekehrten Seite mit Löschpapier
-überzogen wäre, zu bedecken. Diese Decke müßte dann mit Nägeln und
-Henkeln behutsam an das Gebäude angeheftet werden. Freilich wäre dieß
-sowohl kostspielig, als mühsam, besonders bei großen Spalieren; jedoch
-wäre dieses Schutzmittel gegen den Frost um diese Zeit schon
-hinreichend. Bei wenigen, besonders niedrigen Stöcken dürfte beides,
-Aufwand und Mühe, nicht so bedeutend, der Nutzen aber groß seyn; denn
-man verliert durch einen solchen Frost nicht allein die Trauben für dieß
-Jahr, sondern bekommt auch schwache Ruthen, die im folgenden Herbste
-bloß zu Zapfen und kurzen Schenkeln geschnitten werden können, und also
-im folgenden Jahre entweder gar keine oder nur sehr wenige, magere
-Trauben bringen. Denn obschon die erfrornen Stöcke bald wieder
-ausschlagen, so haben sie doch kein rechtes Gedeihen, und man thut wohl,
-wenn man vor dem Herbste nichts daran thut, sondern das Erfrorne nach
-und nach von selbst abfallen und abwelken läßt. Einige rathen auch, am
-Abend vorher, wenn man einen solchen Frost vermuthet, Fässer und Wannen
-mit kaltem Brunnenwasser dicht unten an das Weinspalier zu setzen; es
-soll den Frost von demselben ab- und an sich ziehen; noch besser soll es
-seyn, wenn man Strohseile oben an das Spalier bindet, mir den untern
-Enden in die Wassergefäße legt, und daselbst mit darauf gelegten Steinen
-befestiget. Am mühsamsten wäre wohl das Räuchern, d. h. mit einem Becken
-voll glühender und dampfender Kohlen die ganze Nacht am Spaliere hin und
-her gehen, was man zuweilen in Weinbergen zu thun pflegt.
-
-
-
-
-36.
-
-Behandlung der im Winter erfrornen Stöcke.
-
-
-Vor den Winterfrösten kann man die Stöcke, wie gesagt, am besten durch
-das Niederlegen und Zudecken schützen, oder, wenn kein Raum dazu
-vorhanden ist, durch das Verbinden und Umwinden mit Stroh, oder Behängen
-des Spaliers mit solchen Nadel- und Laubholzsträuchen, die im Winter
-Laub und Nadeln nicht verlieren. Es ist immer besser, diese kleine Mühe
-nicht zu scheuen, als den Stock erfrieren zu lassen. Er schlägt zwar im
-nächsten Jahre wieder aus, wird aber erst nach Verlauf von 3 bis 4
-Jahren wieder das, was er gewesen ist. Manche schneiden, wenn der Stock
-erfroren ist, gleich im Frühjahre alles erfrorne Holz bis auf die Erde
-weg. Dieses Verfahren ist nicht ganz gut; denn der Stock verblutet sich
-durch die daraus entstandenen vielen und großen Wunden zu sehr. Ich
-würde in dieser Lage um diese Zeit nur das obere schwache Holz
-wegnehmen, von welchem wegen gänzlicher Erstorbenheit keine Verblutung
-zu befürchten ist. Denn im Frühjahre muß überhaupt, besonders an
-gesunden Stöcken, gar nicht geschnitten werden. Besser ist es auch den
-erfrornen Stock erst wieder ausschlagen zu lassen, und das übrige alte,
-starke, erfrorne Holz erst dann abzuschneiden, wenn er nicht mehr
-blutet; nämlich zu Johanni. Freilich muß man sich dann in Acht nehmen,
-daß man bei diesem schwierigen Geschäfte den jungen, fetten Wuchs nicht
-verdirbt. Hat man aber das meiste schwache Holz schon im Frühjahre
-weggenommen, so macht es sich leichter. Es muß auch das zu Johanni
-abgeschnittene alte, erfrorne Holz nicht gleich weggenommen werden,
-sondern man läßt es, wenn es fest hängt, und die jungen, daran
-geklammerten Ruthen sich nicht gut davon lösen, hinter und unter
-demselben stehen bis zum Herbste. Von den jungen Wasserruthen eines
-solchen Stockes, deren gewöhnlich sehr viele sind, und welche in diesem
-Jahre selten Trauben haben, schneidet man nun im nächsten Herbste die
-schwächsten ganz weg, die stärkeren zu Zapfen, die noch stärkeren zu
-Schenkeln, und die stärksten zu Reben. Sie dürfen aber auch hier nicht
-länger seyn, als schon gesagt worden ist. Man verdirbt den ganzen Stock
-auch hier gleich in seinem neuen Entstehen wieder, wenn man sich durch
-die freilich schönen, langen Ruthen, die ein solcher Stock treibt,
-verleiten läßt, mehr davon stehen zu lassen, als nöthig ist. Es müßte
-denn eine Sorte seyn, die auch an langen Reben von unten an bis oben
-hinauf gute Ruthen und Trauben brächte; da könnte man allerdings von der
-Regel eine kleine Ausnahme machen. Im folgenden Jahre bringen nun solche
-Stöcke wieder reichliche und gute Trauben.
-
-
-
-
-37.
-
-Vom Senken oder Vermehren der Stöcke.
-
-
-Das Senken, als ein Vermehrungsmittel der Weinstöcke und Verlängerung
-des Spaliers verdient nun noch einer besondern Erwähnung. Hat man schon
-einen Weinstock von guter Art an einem Gebäude oder sonst wo stehen, und
-rechts und links neben demselben noch Raum zu mehreren, so nimmt man von
-beiden Seiten längere und kürzere Aeste, oder lange Ruthen, die dicht an
-der Erde unten, oder wenigstens nicht weit davon aus dem Stocke
-gewachsen sind, herunter, und macht eine eine halbe Elle tiefe aber
-etwas breitere Grube längs des Spaliers auf beiden Seiten desselben. In
-diese legt man die eben genannten kürzeren und längeren Aeste so, daß
-sie sich in der Grube nicht berühren, damit ein jeder für sich Raum
-behalte, seine Wurzeln zu treiben, und läßt die äußersten Enden
-derselben, an welchem aber nur Zapfen sich befinden dürfen, eine
-Viertel-Elle lang aus der Erde hervorragen. Sie können auch ganz bis an
-die Zapfen in die Erde kommen, so daß sich blos 2 bis 3 Augen zeigen.
-Diese bilden nun neue Stöcke; die kürzeren zunächst beim Hauptstocke,
-die längeren weiter davon entfernt. Theilt sich der herabgenommene Ast
-nach seinem Ende zu nach und nach in mehrere Aeste, so ist es desto
-besser; man kann alsdann aus diesen Seiten-Aesten oder auch Ruthen
-mehrere Stöcke machen, dadurch, daß man einen jeden mit seinem äußersten
-Ende und den daran befindlichen Zapfen da aus der Erde hervorragen
-läßt, wohin er reicht. Doch dürfen diese Senker nicht dichter, als eine
-Elle neben einander zu stehen kommen. Sollten etwa im nächsten Jahre
-zwischen den eine Elle weit stehenden Senkern noch Ruthen aus der Erde
-hervor schießen, so muß man diese wegbrechen, sonst entstehen der Stöcke
-zu viele. Denn noch dichter, als eine Elle, darf man sie nicht aufkommen
-lassen. Man kann dazu auch junge, aus dem alten Holze unten getriebene
-Wasserruthen benutzen. Diese dürfen aber nur mit 2, höchstens 3 Augen
-aus der Erde hervorstehen; es ist, wie bekannt, auch eins schon
-hinreichend, wenn es vor dem Verderben hinlänglich gesichert werden
-kann. Dieß ist es, was man Senken nennt, und man kann dasselbe auch im
-Frühjahre noch vornehmen; besser ist es aber auch hier im Herbste, und
-zwar gleich nach dem Beschneiden, oder den Winter über, wenn Frost und
-Schnee nicht daran hindern. Solche Senker treiben im ersten Sommer schon
-sehr starke Ruthen, oft sogar Trauben und können im nächsten Herbste,
-wenn sie auf der Stelle stehen sollen, die schwächern zu Zapfen, die
-stärkern zu ½- bis ¾elligen Schenkeln, auch wohl zu Reben von einer Elle
-lang geschnitten werden. Im zweiten Sommer bringen sie schon mehrere
-schöne Trauben. Ich habe auf diese Weise von einem einzigen Stocke ein
-Spalier von 14 Ellen lang angelegt, welches mir nun seit 7 Jahren alle
-Jahr eine große Menge Trauben geliefert hat. Es ist nicht nöthig, diese
-Senker im folgenden oder einem der nächsten Herbste vom Stocke
-abzuschneiden, besonders wenn sie sich ganz unten an demselben
-befinden, und von da aus gleich mit Erde so überdeckt sind, daß man das
-Senken gar nicht bemerkt. Ein anderes ist es, wenn sie höher am Stocke
-stehen. Da würde man allerdings wohlthun, sie in einem der nächsten
-Herbste abzuschneiden; denn sie bilden sonst unförmliche Bogen. Oft
-treiben diese Wasserruthen; soll nun der Senker am Stocke bleiben, so
-muß man solche gleich bei ihrem Entstehen verbrechen, oder gleich ganz
-vernichten, denn sie können nichts nützen, weil der Bogen im Herbste
-weggeschnitten wird, und rauben also dem Stocke und dem Senker nur die
-Nahrung. Doch habe ich auch einmal, theils um Erfahrung zu machen,
-theils noch leeren Raum am Spaliers auszufüllen, das Gegentheil
-versucht, und es gelang. Ich ließ nämlich die an einem Bogen treibenden
-drei Wasserruthen stehen, und düngte und begoß den Senker und den
-Hauptstock den ganzen Sommer durch mit Schlammwasser, habe aber nicht
-bemerkt, daß eins von allen dreien Schaden gelitten hätte. Der Senker
-trieb gut und hatte sogar Trauben, die sehr schön wurden. An den Ruthen
-und Trauben des Hauptstockes mangelte nichts, und die drei am Bogen
-befindlichen Ruthen wurden so kräftig, daß ich im nächsten Herbste die
-schwächere zu einem Zapfen, die stärkere zu einem halbelligen Schenkel,
-und die stärkste zu einer Rebe von einer Elle schneiden konnte. Jetzt
-schnitt ich nun den Bogen nicht am Hauptstocke, sondern am andern Ende
-über der letzten Ruthe ab, bog den noch übrigen am Senker hängenden
-Theil des alten Holzes in die Erde, um dadurch dessen Wurzeln noch zu
-vermehren. Den Bogen selbst aber bog ich nun wieder in die Höhe nach dem
-Hauptstocke zu. Er bildete jetzt wieder einen niedrig stehenden Ast,
-diente zur untern Bekleidung einer noch kahlen Stelle, und brachte im
-nächsten Jahre schöne Trauben. Auf gutem Boden und bei recht guter
-Abwartung kann ich dieses Verfahren anrathen; unter andern Umständen
-möchte es wohl mißlingen.
-
-
-
-
-38.
-
-Vom Verpflanzen der Senker.
-
-
-Sollen nun die Senker nicht am Hauptstocke bleiben, sondern im nächsten
-Herbste weiter verpflanzt werden, was allerdings im Herbste geschehen
-muß, weil sonst, wenn man es im Frühjahre thun wollte, der Hauptstock
-und Senker an der bedeutenden, beim Abschneiden verursachten Wunde sich
-verbluten würde, so kann man die an den Bogen wachsenden Ruthen stehen
-lassen und sehr gut benutzen. Sollten sie auch auf magerm Boden nebst
-den Ruthen des Senkers gerade nicht so lang und kräftig werden, so sind
-sie ja im nächsten Herbste doch einmal bloß zu Zapfen bestimmt. Um diese
-Zeit schneidet man nun den Bogen, woran der Senker hängt, dicht am
-Hauptstocke weg, damit die dadurch an demselben entstehende bedeutende
-Wunde gut verwachsen kann, nimmt ihn aus der Erde, und hat nun einen
-Senker, der an beiden Enden Ruthen und in der Mitte Wurzeln hat. Die
-Ruthen werden dann an beiden Enden, die stärkeren zu Zapfen, die
-schwächeren aber ganz weggeschnitten. Es dürfen aber von den stärkeren
-nur 2, höchstens 3 bleiben, im Fall er mehr getrieben haben sollte. Mann
-kann dieses Beschneiden auch vornehmen, ehe man den Senker aus der Erde
-nimmt; es geht sich dann besser damit um. In der Mitte, wo die Wurzeln
-sind, schneidet man nun so durch, daß jeder Theil Wurzeln behält, und so
-hat man zwei Senker oder Wurzlinge. Man kann das Ganze aber auch
-beisammen lassen und beide Enden mit ihren Zapfen an dem Orte, wohin sie
-verpflanzt sind, aus der Erde hervorgehen lassen; so giebt dieß zwei
-Stöcke, die in der Erde gemeinschaftliche Wurzeln haben. Ich habe aber
-auch solche Bogen mit Wurzeln abgeschnitten und gesteckt, ob sie schon
-keine Zapfen mit Augen hatten und sie trieben im ersten Sommer aus dem
-alten Holze schöne Wasserruthen. Hieraus geht hervor, daß man auch alte
-Stöcke mit ihren mehrsten Wurzeln herausgraben und weiter pflanzen kann,
-ob man gleich dabei alles Holz bis auf eine Viertel- oder halbe Elle
-wegschneiden muß. Sie treiben auch ohne Augen wieder Ruthen und wachsen
-fort, wenn man sie nur im ersten Sommer gehörig abwartet. Unnöthiger
-Weise muß man aber keine Senker machen; denn vieles und öfteres Senken
-ist dem Hauptstocke nicht zuträglich, sondern beraubt ihn nach und nach
-seiner natürlichen Kraft. Ist man aber in der Lage, daß man gern viele
-Senker für sich und Andere haben will und muß, so thut man besser, wenn
-man sich von allen den Sorten, von denen man senken will, einen Stock an
-einem Ort, besonders pflanzt, wo ringsumher viel Raum ist, und von
-diesem Stocke jeden Herbst die meisten Ruthen zu Senkern einlegt. Der
-Stock, wenn er nicht zu kraftlos ist und guten Boden hat, pflegt seine
-Senker und treibt auch dabei wieder Wasserruthen, die im folgenden
-Herbste zu Senkern benutzt werden können. Ich habe einen solchen Stock
-mehrere Jahre dazu benutzt, und deshalb bloß den Mutterstock genannt. Er
-ist bei alledem aber so kraftvoll, daß er nicht allein fette Ruthen
-treibt, sondern an demselben sogar auch Trauben bringt. Freilich ist es
-ein 15jähriger kräftiger Stock, welcher auf gutem Boden steht.
-
- * * * * *
-
-Dieß, lieber Leser, sind nun meine im Weinbau gesammelten, und auf
-Erfahrung gegründeten Beobachtungen. Habe ich dem Einen und dem Andern
-damit genützt, so soll es mich sehr erfreuen. Kann mich irgend Einer auf
-einen Irrthum aufmerksam machen, der ja bei allem menschlichen Thun so
-häufig vorkommt, so will ich es mit Dank annehmen und der bessern
-Belehrung gern Beifall geben. Und sollten sachkundige Männer auch die
-zweite Auflage dieser kleinen Schrift als eine wirklich verbesserte, und
-wegen ihrer Brauchbarkeit empfehlungswerth anerkennen, so wird mir dieß
-ein mächtiger Antrieb zu herzlich demüthigen Danke und neuer stärkerer
-Thätigkeit seyn.
-
-
-Druck von ~Joh. Friedr. Glück~ in Leipzig.
-
-
-
-
-Bei dem Verleger dieses Buches sind noch folgende empfehlenswerthe
-Bücher erschienen:
-
-
- ~Die Aufsicht des Geistlichen über die Volksschule~, nach den
- Grundsätzen des deutschen Schulrechtes. Ein Beitrag zur
- Pastoralklugheit von K. ~Kirsch~, Diaconus und ersten Mädchenlehrer zu
- Königsbrück. gr. 8. 30½ Bogen. Preis 2 Thaler.
-
-Die Aufsicht über die Volksschule, dieser höchst wichtige Theil der
-geistlichen Amtsführung, wird in den Lehrbüchern der Pastoralklugheit
-meistens nur sehr oberflächlich behandelt; desto willkommner muß jedem
-Schulinspector ein Buch sein, welches, wie das oben angekündigte, sich
-über ~alle Gegenstände der Schulaufsicht~ verbreitet. Die Brauchbarkeit
-des Werkes wird dadurch erhöht, daß es auf ~die Gesetzgebung aller
-deutschen Länder~ Rücksicht nimmt.
-
-Als ein Anhang zu diesem Buche ist von demselben Verfasser erschienen:
-
- „Entwurf eines Unterichtsplanes für Volksschulen”
- gr. 8. 11 Bogen. Preis ⅔ Thlr.
- und verdient besonders auch von Schullehrern benutzt zu werden.
-
- * * * * *
-
- ~Predigtbuch~ auf alle Sonn- und Festtage des Kirchenjahres von _Dr._
- ~A. L. G. Krehl~, Universitätsprediger und der prakt. Theologie
- ordentlicher Professor zu Leipzig. 2 Bände. ~Zweite~ durch viele neue
- Predigten vermehrte und verbesserte Auflage. 88 Bogen in gr. 8. Preis
- 3½ Thaler.
-
-Der Verf. übergiebt dem größern Publikum in dieser vollständigen das
-ganze Kirchenjahr umfassenden Predigtsammlung ein Erbauungsbuch, in
-welcher alle Hauptlehren der christl. Wahrheit deutlich entwickelt, in
-die engste Beziehung zur Gegenwart gesetzt, und wo es nöthig schien,
-vertheidigend behandelt sind. Die Darstellung verbindet Klarheit mit
-Würde und Kraft.
-
- * * * * *
-
- ~Sachsens große Erinnerungen.~ Ein Kreis von Gedichten von ~Bruno
- Lindner~. 13 Bogen in 8. geheft. Preis 1 Thaler.
-
-Es war die Absicht des Verfassers bei dieser Sammlung von Gedichten,
-seinem sächsischen Volke die reiche Geschichte des Vaterlandes in
-einzelnen Bildern vor’s Auge zu führen. Dem Landmann wie dem Bürger,
-namentlich der heranwachsenden Jugend sollten die erhebendsten
-Thatsachen, die edeln Züge der sächsischen Fürsten und Helden in
-einfacher dichterischer Behandlung zur Belebung des volksthümlichen
-Geistes dargestellt werden.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Anweisung zum Weinbau an Gebäuden
- Mauern, Lauben und Bäumen, by Johann Gottfried Bornemann
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ANWEISUNG ZUM WEINBAU AN ***
-
-***** This file should be named 53013-0.txt or 53013-0.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/5/3/0/1/53013/
-
-Produced by Thomas Westhoff, Harry Lamé and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This
-transcription was produced from images generously made
-available by Bayerische Staatsbibliothek / Bavarian State
-Library.)
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions will
-be renamed.
-
-Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright
-law means that no one owns a United States copyright in these works,
-so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United
-States without permission and without paying copyright
-royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part
-of this license, apply to copying and distributing Project
-Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm
-concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark,
-and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive
-specific permission. If you do not charge anything for copies of this
-eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook
-for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports,
-performances and research. They may be modified and printed and given
-away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks
-not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the
-trademark license, especially commercial redistribution.
-
-START: FULL LICENSE
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full
-Project Gutenberg-tm License available with this file or online at
-www.gutenberg.org/license.
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project
-Gutenberg-tm electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or
-destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your
-possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a
-Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound
-by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the
-person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph
-1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
-agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm
-electronic works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the
-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
-works in the collection are in the public domain in the United
-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
-claim a right to prevent you from copying, distributing, performing,
-displaying or creating derivative works based on the work as long as
-all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope
-that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting
-free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm
-works in compliance with the terms of this agreement for keeping the
-Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily
-comply with the terms of this agreement by keeping this work in the
-same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when
-you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are
-in a constant state of change. If you are outside the United States,
-check the laws of your country in addition to the terms of this
-agreement before downloading, copying, displaying, performing,
-distributing or creating derivative works based on this work or any
-other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no
-representations concerning the copyright status of any work in any
-country outside the United States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other
-immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear
-prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work
-on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the
-phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed,
-performed, viewed, copied or distributed:
-
- This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
- most other parts of the world at no cost and with almost no
- restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it
- under the terms of the Project Gutenberg License included with this
- eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the
- United States, you'll have to check the laws of the country where you
- are located before using this ebook.
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is
-derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not
-contain a notice indicating that it is posted with permission of the
-copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in
-the United States without paying any fees or charges. If you are
-redistributing or providing access to a work with the phrase "Project
-Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply
-either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or
-obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm
-trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any
-additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms
-will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works
-posted with the permission of the copyright holder found at the
-beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including
-any word processing or hypertext form. However, if you provide access
-to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format
-other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official
-version posted on the official Project Gutenberg-tm web site
-(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense
-to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means
-of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain
-Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the
-full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works
-provided that
-
-* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed
- to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has
- agreed to donate royalties under this paragraph to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid
- within 60 days following each date on which you prepare (or are
- legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty
- payments should be clearly marked as such and sent to the Project
- Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in
- Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg
- Literary Archive Foundation."
-
-* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or destroy all
- copies of the works possessed in a physical medium and discontinue
- all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm
- works.
-
-* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of
- any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days of
- receipt of the work.
-
-* You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project
-Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than
-are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing
-from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The
-Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm
-trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-works not protected by U.S. copyright law in creating the Project
-Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm
-electronic works, and the medium on which they may be stored, may
-contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate
-or corrupt data, transcription errors, a copyright or other
-intellectual property infringement, a defective or damaged disk or
-other medium, a computer virus, or computer codes that damage or
-cannot be read by your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium
-with your written explanation. The person or entity that provided you
-with the defective work may elect to provide a replacement copy in
-lieu of a refund. If you received the work electronically, the person
-or entity providing it to you may choose to give you a second
-opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If
-the second copy is also defective, you may demand a refund in writing
-without further opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO
-OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT
-LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of
-damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement
-violates the law of the state applicable to this agreement, the
-agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or
-limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or
-unenforceability of any provision of this agreement shall not void the
-remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in
-accordance with this agreement, and any volunteers associated with the
-production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm
-electronic works, harmless from all liability, costs and expenses,
-including legal fees, that arise directly or indirectly from any of
-the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this
-or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or
-additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any
-Defect you cause.
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
-www.gutenberg.org
-
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the
-mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its
-volunteers and employees are scattered throughout numerous
-locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
-Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
-date contact information can be found at the Foundation's web site and
-official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
-
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular
-state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search
-facility: www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-