diff options
Diffstat (limited to 'old/52952-8.txt')
| -rw-r--r-- | old/52952-8.txt | 7145 |
1 files changed, 0 insertions, 7145 deletions
diff --git a/old/52952-8.txt b/old/52952-8.txt deleted file mode 100644 index 941b3aa..0000000 --- a/old/52952-8.txt +++ /dev/null @@ -1,7145 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Die Ratten, by Gerhart Hauptmann - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Die Ratten - Berliner Tragikomödie - -Author: Gerhart Hauptmann - -Release Date: September 1, 2016 [EBook #52952] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RATTEN *** - - - - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive. - - - - - - - - - - Die - Ratten - - - Berliner Tragikomödie - - von - Gerhart Hauptmann - - - - - S. Fischer / Verlag - Berlin - 1911 - - - - - Siebente Auflage. - - Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten. - Den Bühnen und Vereinen gegenüber Manuskript. - Copyright 1911 S. Fischer, Verlag, Berlin. - - - - - Personen: - - - Harro Hassenreuter, ehemaliger Theaterdirektor - Seine Frau - Walburga, seine Tochter - Pastor Spitta - Erich Spitta, Kandidat der Theologie, sein Sohn - Alice Rütterbusch, Schauspielerin - Nathanael Jettel, Hofschauspieler - Käferstein, Schüler Hassenreuters - Dr. Kegel, Schüler Hassenreuters - John, Maurerpolier - Frau John - Bruno Mechelke, ihr Bruder - Pauline Piperkarcka, Dienstmädchen - Frau Sidonie Knobbe - Selma, ihre Tochter - Quaquaro, Hausmeister - Frau Kielbacke - Schutzmann Schierke - Zwei Säuglinge - - - - - Erster Akt - - - Im Dachgeschoß einer ehemaligen Kavalleriekaserne zu Berlin. Ein - fensterloses Zimmer, das sein Licht von einer brennenden Lampe - erhält, die von der Mitte der Decke über einen runden Tisch - herunterhängt. In die Hinterwand mündet ein gerader Gang, der den - Raum mit der Entreetür verbindet: einer eisenbeschlagenen Tür mit - einer primitiven Schelle, die der Eintritt Begehrende von außen - durch einen Drahtzug in Bewegung setzt. Eine Tür in der Wand links - schließt ein Nebengemach ab. An der Wand rechts führt eine Treppe - auf den Dachboden. - - Auf diesem Dachboden, sowie in den sichtbaren Räumlichkeiten, hat - der _Ex-Theaterdirektor Harro Hassenreuter_ seinen Theaterfundus - untergebracht. - - Man kann, bei dem ungewissen Licht, in Zweifel sein, ob man sich in - der Rüstkammer eines alten Schlosses, in einem Antiquitätenmagazin - oder bei einem Maskenverleiher befindet. - - Zu beiden Seiten des Ganges sind auf Ständern Helme und - Brustharnische Pappenheimscher Kürassiere aufgestellt, ebenso in je - einer Reihe an der rechten und linken Wand des vorderen Raums. Die - Dachbodentreppe steht zwischen zwei Geharnischten. Die Decke darüber - schließt die übliche Bodenklappe ab. - - Ein Stehpult ist vorn links an die Wand gerückt. Tinte, Federn, alte - Geschäftsbücher und ein Kontorbock, sowie einige Stühle mit hohen - Lehnen um den runden Mitteltisch lassen erkennen, daß der Raum zu - Bureauzwecken dienen muß. Wasserflasche mit Gläsern auf dem Tisch - und einige Photographien über dem Stehpult. Die Photographien zeigen - Direktor Hassenreuter als Karl Moor, sowie in verschiedenen anderen - Rollen. - - Einer der Pappenheimschen Kürassiere trägt einen ungeheuren - Lorbeerkranz um den Nacken gehängt, mit einer Schleife, deren Enden - in goldenen Lettern die Worte tragen: »Unserem genialen Direktor - Hassenreuter! Die dankbaren Mitglieder.« Eine Serie mächtiger, roter - Schleifen trägt nur die Aufschrift: »Dem genialen Karl Moor ... Dem - unvergleichlichen, unvergeßlichen Karl Moor ... usw. usw. - - Der Raum ist nach Möglichkeit zu Magazinzwecken ausgenutzt. Wo - irgend angängig, hängen an Kleiderhaken deutsche, spanische und - englische Kostümstücke aus verschiedenen Jahrhunderten. Man sieht - schwedische Reiterstiefel, spanische Degen und deutsche Flamberge. - - Die Tür links hat die Aufschrift: »Bibliothek.« - - Das ganze Gemach zeigt eine malerische Unordnung. Alte Scharteken - und Waffen, Pokale, Becher usw. liegen umher. - - Es ist eines Sonntags, Ende Mai. - - * * * * * - - Frau John, über Mitte der Dreißig hinaus, und das blutjunge - Dienstmädchen Piperkarcka sitzen am Mitteltisch. Die John, den - Oberkörper weit über den Tisch gelehnt, redet lebhaft auf das - Dienstmädchen ein. Die Piperkarcka, dienstmädchenhaft aufgedonnert, - mit Jackett, Hut und Schirm, sitzt aufrecht. Ihr hübsches, rundes - Lärvchen ist verweint. Ihre Gestalt zeigt Spuren noch nicht - vollendeter Mutterschaft. Sie malt mit der Schirmspitze auf der - Diele. - - Frau John - -Na ja doch! Freilich! Ick sag't ja, Pauline. - - Die Piperkarcka - -Nu ja. Ick will nu also Schlachtensee oder Halensee. Muß jehn un muß -nachsehn, ob ick ihm treffe! -- - - Sie trocknet ihre Tränen und will sich erheben. - - Frau John - verhindert die Piperkarcka am Aufstehen. - -Pauline! Um Jottes Willen, bloß det nich! Det nich, um keenen Preis von -de Welt. Det macht Skandal, kost Jeld und bringt nischt. Wat woll'n Se -woll, und wo Se noch in den Zustande sind! dem schlechten Halunken noch -weiter nachlofen!? - - Die Piperkarcka - -Denn soll meine Wirtin heute soll warten umsonst verjeblich auf mir. Ick -spring im Landwehrkanal und versaufe. - - Frau John - -Pauline! Warum denn? warum denn, Pauline? Jeben Se Obacht, heren Se -jetzt bloß um Jotteswillen 'n janz'n eenziges ... bloß ma 'n janzen -kleenen Ochenblick uf mir, und passen Se dadruf uf, wat ick Ihn -vorstelle! Det wissen Se doch, ick hab et Ihn doch bei de Normaluhr, wo -ick an Alexanderplatz aus de Marchthalle bin jekomm, jleich anjesehn und -hab et Ihn uf'n Kopp druf jesacht. Wat hab ick jesacht? Jeld, hab ick -Ihn uf'n Kopp druf jefragt, jeld, kleenet Aas, er will nischt von -wissen! -- Det jeht hier vielen, det jeht hier allen, det jeht hier -vielen Millionen Mächens so! Und denn hab ick jesacht ... wat hab ick -jesacht? komm, hab ick jesacht, ick will dir helfen. - - Die Piperkarcka - -Zu Hause darf ick mir nu janz natürlich nich blicken lassen, wie ick -verändert bin. Mutter schreit doch auf's ersten Blick! Vater haut mir -Kopf an die Wand und schmeißt mir Straße. Jeld hab ick nu ebenfalls och -weiter nu weiter keens nich! als wie Stücker zwei Joldstücke, was ick -mich Jackettfutter einjenäht. Hätte mich, schlechter Mensch nich Mark -nich Pfennig übrig gelassen. - - Frau John - -Freilein, mein Mann ist Mauerpolier. Freilein: wenn Se bloß wollten -Obacht jebn ... jebn Se doch um Jotteswillen Obacht, wat ick Ihn for -Vorschläge unterbreiten tu. Freilein, denn is doch uns beede jeholfen. -Ihn is jeholfen und so desselbijen jleichen och mir. Außerden is Pauln, -wat mein Mann is, jeholfen, wo sterbensjerne een Kindeken will, weil det -uns doch unser eenziget, unser Adelbertchen, an de Bräune jestorben is. -Ihr Kind hat et jut wie'n eechnet Kind. Denn kenn Se jehn Ihrem Schatz -wieder ufsuchen, kenn wieder in'n Dienst, kenn wieder bei Ihre Eltern -jehn, det Kind hat et jut und keen Mensch uf die janze Welt nich braucht -wat von wissen. - - Die Piperkarcka - -I jrade! Ick stürze mir Landwehrkanal! -- (sie steht auf.) -- Ick -schreibe Zettel, ick lasse Zettel in mein Jackett zurück: du hast mit -deine verfluchte Schlechtigkeit deine Pauline im Wasser jetrieben! dann -setze vollen Namen Alois Theophil Brunner, Instrumentenmacher zu. Denn -soll er sehn, wie er mit sein Mord auf Jewissen man meinswegen fertig -wird. - - Frau John - -Warten Se, Freilein, ick muß erst ufschließen. - - Frau John stellt sich, als wolle sie die Piperkarcka - hinausbegleiten. - - Noch bevor beide Frauen den Gang erreichen, tritt Bruno Mechelke - langsam forschend aus der Tür links und bleibt stehen. Bruno - Mechelke ist eher klein, als groß, hat einen kurzen Stiernacken und - athletische Schultern. Niedrige, weichende Stirn, bürstenförmiges - Haar, kleiner runder Schädel, brutales Gesicht mit eingerissenem und - vernarbtem linken Nasenflügel. Die Haltung des etwa neunzehnjährigen - Menschen ist vornübergebeugt. Große, plumpe Hände hängen an langen, - muskulösen Armen. Die Pupillen seiner Augen sind schwarz, klein und - stechend. Er bastelt an einer Mausefalle herum. - - Bruno - pfeift seiner Schwester wie einem Hunde. - - Frau John - -Ick komme jleich, Bruno. Wat wiste denn? - - Bruno - scheinbar in die Falle vertieft. - -Ick denke, ick soll hier Fallen ufstellen. - - Frau John - -Haste dem Speck denn rinjemacht? -- (zur Piperkarcka) -- 'T is bloß mein -Bruder. Erschrecken sich nicht, Freilein. - - Bruno - wie vorher. - -Ick ha heute dem Kaisa Wilhem jesehn, Jette. Ick war mit de Wachparade -jejang. - - Frau John - zur Piperkarcka, die durch Brunos Erscheinung angstvoll gebannt - ist. - -Et is bloß mein Bruder, bleiben Se man. -- (zu Bruno) -- Junge, wie -siehst du bloß wieder aus? Det Freilein muß sich ja von dich Angst -kriejen. - - Bruno - wie vorher. Ohne aufzublicken. - -Schuberle buberle, ick bin 'n Jespenst. - - Frau John - -Mach uf'n Boden und stell deine Mausefallen. - - Bruno - wie vorher. Tritt langsam an den Tisch. - -Jawoll, det is och man wieder so'n Jeschäft zum Vahungern. Wenn ick mit -Streichhölzer handeln du, denn ha ick wahrhaftig mehr Pinke von. - - Die Piperkarcka - -Atje, Frau John. - - Frau John - wütend auf den Bruder los. - -Wiste woll jehn und wist mir in Frieden lassen. - - Bruno - geduckt. - -Hab dir man nich. Ick jeh ja schonn. - - Er zieht sich folgsam wieder in das anstoßende Zimmer zurück, dessen - Tür Frau John resolut hinter ihm schließt. - - Die Piperkarcka - -Den mecht ick Tierjarten Jrunewald nich bejejnen. Bei Nacht nich und -nich ma bei Dage nich. - - Frau John - -Jnade Jott, wo ick Brunon hetze und der ma hinter een hinter is. - - Die Piperkarcka - -Atje. Hier jefällt mir nich. Wenn mich wieder sprechen wollen, lieber -Bank bei Wasserkunst Kreuzberg, Frau John. - - Frau John - -Pauline, ick ha Brunon mit Sorje un Kummer Tag un Nacht jroßjebracht. -Ihr Kindeken hat et noch zwanzigmal besser. Also Pauline, wenn et -jeboren is, nehm ick det Kind un, bei meine in Jott vastorbene Eltern, -wo ick an Totensonntag immer noch und keen Mensch mich zurückhält nach -Rüdersdorf jeh und Lichter uf beede Jräber ansteche: det kleene Wurm -soll et madich jut habn, wie et besser keen jeborener Prinz und keene -jeborene Prinzessin haben tut. - - Die Piperkarcka - -Ick jeh, mit meine letzten Pfennig kaufen mir Vitriol -- trefft wen -trefft! -- un jießen dem Weibsbild, wo mit ihm jeht -- trefft wen -trefft! ... mitten in Jesicht! trefft wen trefft! brennt ihm janze -verfluchte hübsche Visage kaput! Mir jleich! Brennt ihm Bart kaput! -Brennt ihm Augen kaput! wenn er mit andres Frauenzimmer jeht. Trefft wen -trefft! Hat mir betrogen! zu Jrunde jerichtet! hat mir Jeld jeraubt! hat -mich Ehre jeraubt! hat mich verfluchtiger Hund verführt, verlassen, -belogen, betrogen, in Elend jestoßen! Trefft wen trefft! Soll blind -sein! Nase soll wegjefressen sein! soll jar nich mehr überhaupt auf Erde -sein! - - Frau John - -Freilein Pauline, bei meine ewige Seligkeit, von Stund an, wo det kleene -Wurm erstma uf de Welt is ... von den Augenblick an! ... det soll et -haben, als wenn et, ick weeß nich wo! in Samt und Seide jeboren wär. -Bloß jutes Zutrauen! und, det Se »ja« sachen! -- Ick habe mir allens -ausjedacht. Et jeht zu machen, Pauline, et jeht, et jeht sach ick Ihn! -Und weder 'n Dokter, noch Polizei, noch Ihre Wirtin merkt wat von. -- -Und denn kriegen Se erst ma hundertunddreiundzwanzig Mark, wat ick mir -von det Reinmachen hier beim Direkter Hassenreuter abjespart habe, -ausjezahlt. - - Die Piperkarcka - -Denn lieber bei die Jeburt erwürgen! verkaufen nich! - - Frau John - -Wer redet denn von verkofen, Pauline? - - Die Piperkarcka - -Wat hab ick Oktober vorijen Jahr bis heutijen Tag for Himmelsangst -ausjestanden. Bräutijam steßt mir fort! Mietsfrau steßt mir fort. -Schlafbodenstelle is mich jekindigt. Wat du ick denn, daß man mir so -verachtet und von die Leute verflucht un ausstoßen muß? - - Frau John - -Det sach ick ja, det kommt, weil der Deibel unsern Herrn Christus -Heiland noch immer ieber is. - - Ohne bemerkt zu werden ist, bastelnd wie vorher, Bruno geräuschlos - wiederum in die Tür getreten. - - Bruno - sagt in eigentümlicher Weise, scharf, aber wie nebenbei. - -Lampen! - - Die Piperkarcka - -Der Mensch erschrickt mir. Lassen mir fort. - - Frau John - geht heftig auf Bruno los. - -Willst du woll jehn wo de hinjeherst! Ick ha dir jesacht, ick wer' dir -rufen. - - Bruno - wie vorher. - -Na Jette, ick ha doch bloß Lampen jesacht. - - Frau John - -Biste verrickt? Wat heest denn det: Lampen? -- - - Bruno - -Na, klinkt et denn nich an de Einjangstir? - - Frau John - erschrickt, horcht, hält die Piperkarcka zurück, die im Begriff - ist, davon zu gehen. - -Pst, Freilein! Halt! Warten Se man noch 'n Ogenblick. - - Bruno schnitzelt weiter. Die beiden Frauen horchen. - - Frau John - leise, angstvoll, zu Bruno. - -Ick her nischt. - - Bruno - -Du ollet vatrockentes Kichenspinde, denn schaff da man bessare Lauscha -an. - - Frau John - -Det wär in det janze Vierteljahr det erstema, det der Direkter kommt, -wenn Sonntag is. - - Bruno - -Wenn der Theatafritze kommt, kann a mir meinswejen jleich angaschieren. - - Frau John - heftig. - -Quatsch nich! - - Bruno - grinsend zur Piperkarcka. - -Jlobens et, Freilein, ick ha bei Zirkus Schumann 'n dummen Aujust sein -Esel dreimal rum die Manesche jebracht. Det mach ick allens! Ick wer' -mir woll furchten. - - Die Piperkarcka - scheint die phantastische Sonderbarkeit der Umgebung erst jetzt - zu bemerken, erschrocken, stark beunruhigt. - -Josef Maria, wo bin ick denn? - - Frau John - -Wer kann denn det sind? - - Bruno - -Da Direkta nich, Jette. Det is eha 'ne Tülle, wo elejante Trittlinge -hat. - - Frau John - -Freilein, jehn Se man zwee Minuten, sein so jut, hier uf 'n Oberboden. -'S kommt eener, kann sind, der bloß wat wissen will. - - In ihrer zunehmenden Angst tut die Piperkarcka das Verlangte. Sie - klettert über die Treppe auf den Oberboden, dessen Klappe geöffnet - ist. Frau John hat sich so gestellt, daß im Notfalle die Piperkarcka - gegen die Entreetür gedeckt ist. Die Piperkarcka verschwindet. Frau - John und Bruno bleiben allein. - - Bruno - -Wat wiste denn mit die barmherzige Schwester? - - Frau John - -Det jeht dir nischt an, verstehste mich. - - Bruno - -Ick frage ja man, weil det de vor det Mächen so ängstlich 'ne Wand -machen dust. Sonst is et mich doch wahaftig Pomade. - - Frau John - -Det soll dir och immer Pomade sind. - - Bruno - -Danke Komma, denn kann ick woll abtippeln. - - Frau John - -Lump, weest du woll, wat du mir schuldig bist? - - Bruno - pomadig. - -Wat regste dir denn uf? Wo stoß ick dir denn? Wat wiste? Ick muß jetzt -zu meine Braut. Mir schläfert. Vorichte Nacht hab ick unter Sträucher in -Tierjarten platt jemacht. Und juterletzt is Kohlmarcht bei mich. -- (Er -kehrt seine Hosentaschen um.) -- Foljedessen muß ick jehn 'n Stück Brod -verdienen. - - Frau John - -Hier jeblieben! -- und nich von de Stelle! -- oder du krist und wenn det -de jaulst wie 'n kleener Hund, kriste nimmermehr wenn't bloß 'n Pfennich -is, krist de von mich! Bruno, du jehst uf schlechte Weche. - - Bruno - -Ick wer' woll immer jejen de janze Welt ... noch wat! ... wer' ick der -Potsdammer sind. Soll ick etwa nich jehn, wo ick scheen bei Hulda'n zu -leben kriege? -- (Er zieht eine schmutzige Brieftasche.) -- Nich ma 'n -dreckigen Pfandschein ha ick mehr in de Plattmullje drin. Wat wiste von -mich, un denn laß mir abschrenken. - - Frau John - -Von dir? Wat ick will? For wat wärst du woll nitze? Du bist zu nischt -weiter nitze, als det eene Schwester, wo nich richtig in Koppe is, mit -so'n Lump un Tagedieb Mitleid hat. - - Bruno - -Kann sind, det de in Koppe manchmal nich richtig bist. - - Frau John - -Unser Vater hat oft zu mich jesacht, wo du schonn mit fünf, sechs Jahre -alt schlechte Dinge jetrieben hast, det mit dir in Leben keen Staat -weiter nich zu machen is un det ick dir sollte lofen lassen. Un mein -Mann, wo richtig un orntlich is ... vor so'n juten Mann: du darfst dir -nich blicken lassen. - - Bruno - -Jewiß doch, det weeß ick ja allens, Jette! Aber so eenfach schiebt sich -det nu eemal nu eben nich. Wat wiste? Ick weeß, ick bin mit 'n Ast uf'n -Puckel, wenn det'n och det'n keener sieht, un nich in Zangzuzih uf de -Welt jekomm. Ick muß sehn un mir mit mein Ast mang mang helfen. Na jut -so! wat wiste? von wechen de Ratten brauchst du mir nich. Du wist bloß -wat mit die Dohle vertussen. - - Frau John - die Faust drohend unter Brunos Nase. - -Verrat du een eenziget kleenet Sterbenswort: denn mach ick dir kalt. -Denn bist du 'ne Leiche! - - Bruno - -Na weeßte, vastehste, ick mache mir dinne. -- (Er steigt die Treppe -hinauf.) -- Womeglich komm ick, mir nischt dir nischt, noch ma in -Schokoladenkasten rin. -- - - Er verschwindet durch die Bodenklappe. Frau John löscht eilig die - Lampe und tappt sich zur Bibliothekstür. Sie geht in die Bibliothek, - schließt aber die Tür hinter sich nicht ganz. - - Die Geräusche eines verrosteten Schlosses und Schlüssels, der darin - umgedreht wurde, sind vernehmlich gewesen. Ein leichter Schritt - kommt nun den Gang herauf. Vorübergehend war der Berliner - Straßenlärm, auch Kindergeschrei aus den Hausfluren vernehmlich - geworben. Leierkastenmusik vom Hof herauf. - - Mit scheuen Bewegungen erscheint Walburga Hassenreuter. Das Mädchen - ist noch nicht sechzehn Jahre alt und sieht hübsch und unschuldig - aus. Sonnenschirm, fußfreies helles Sommerkleidchen. - - Walburga - stutzt, horcht, sagt dann ängstlich. - -Papa! -- Ist schon jemand hier oben? -- Papa! Papa! -- (Sie horcht lange -gespannt und sagt dann): -- Es riecht ja hier so nach Petroleum! -- (Sie -findet Streichhölzer, entzündet eines davon, will die Lampe anstecken -und verbrennt sich an dem noch heißen Zylinder.) -- Au! -- Donnerwetter, -wer ist denn hier? -- - - Sie hat aufgeschrien und will fortlaufen. - - Frau John erscheint wieder. - - Frau John - -I, Freilein Walburga, wer wird denn jleich Lärm machen! Sein Se man -friedlich! Det bin ja bloß ick. - - Walburga - -Gott, hab ich aber einen ganz entsetzlichen Schreck bekommen, Frau John. - - Frau John - -Weshalb denn, Freilein? Wat suchen Se denn heit an Sonntag hier? - - Walburga - Hand auf dem Herzen. - -Mir steht noch immer das Herz ganz still, Frau John. - - Frau John - -Wat hat's denn, Freilein Walburga? Wer ängstigt Se denn? Sie missen det -doch von Ihren Herrn Vater wissen, det ick Sonntag und Wochentag hier -oben mang die Kisten und Kasten zu tun habe, mit Staub abbürsten und -Motten auskloppen. In drei, vier Wochen, wenn ick jlicklich mit die -zwölf- oder achtzehnhundert Theaterlumpen eemal 'rum bin und fertig bin, -fängt et doch immer wieder von frischen an. - - Walburga - -Ich hab' mich erschrocken, weil sich der Lampenzylinder noch ganz heiß -anfaßte, Frau John. - - Frau John - -Nu ja, de Lampe hat ebent jebrannt un ick hab se vor eene halbe Minute -ausjepustet. -- (Sie hebt den Zylinder ab.) -- Mir brennt et nich! Ick -hab harte Hände! -- (Sie zündet das Docht auf.) -- Na, nu wird Licht! Nu -hab ick se wieder anjestochen. Wat is nu Jefährliches los? Ick sehe -nischt. - - Walburga - -Hu, Sie sehen ja aus wie ein Geist, Frau John. - - Frau John - -Wie soll ick aussehn? - - Walburga - -Das ist, wenn man so aus der prallen Sonne ins Finstere kommt ... in -diese muffigen Kammern hinein, da ist man wie von Gespenstern umgeben. - - Frau John - -Na, kleenet Jespenst, weshalb kommen Se denn? -- Sind Se alleene oder is -noch jemand? -- Kommt am Ende Papa noch nach? - - Walburga - -Nein! Papa ist heute zu einer wichtigen Audienz nach Potsdam hinaus. - - Frau John - -Und wat suchen denn also Sie nu woll hier? - - Walburga - -Ich? Ich bin einfach spazieren gewesen. - - Frau John - -Na, denn sehn Se man wieder, det Se fortkomm. In Papa'n seine -Rumpelkammer scheint keene Pfingstsonne nich. - - Walburga - -Sie sollten auch, so grau wie Sie aussehen, mal lieber 'raus an die -Sonne gehn. - - Frau John - -I, Sonne is bloß for feine Leite! Wenn ick man alle Tache meine paar -Pfund Staub und Dreck uf de Lunge krieje. -- Jeh man, Kindken, ick muß -an de Arbeet! -- mehr brauch ick nich: ick lebe von Müllstob und -Mottenpulver. -- - - Sie hustet. - - Walburga - ängstlich. - -Sie brauchen Papa nicht sagen, daß ich hier oben gewesen bin. - - Frau John - -Ick? Ick habe woll sonst nischt besseret zu tun. - - Walburga - scheinbar leichthin. - -Und sollte Herr Spitta nach mir fragen ... - - Frau John - -Wer? - - Walburga - -Der junge Herr, der bei uns im Hause Privatstunde gibt ... - - Frau John - -Na, und? - - Walburga - -Sind Sie so freundlich und sagen Sie ihm, daß ich hier gewesen aber -gleich wieder gegangen bin. - - Frau John - -Also Herrn Spitta soll ick et sagen, Papa'n nich? - - Walburga - unwillkürlich. - -Um Gottes willen nicht, liebste Frau John. - - Frau John - -Na wacht du, wacht! Jib du bloß man Obacht. Manch eene hat ausjesehn, -wie du, und is aus die Jejend jekomm wie du, wo nachher in de -Drajonerstraße in Rinnsteen oder jar in de Barnimstraße hinter -schwedsche Jardinen zujrunde jejangen is. - - Walburga - -Sie werden doch damit nicht sagen wollen, Frau John, oder glauben -wollen, daß in meiner Beziehung zu Herrn Spitta etwas Unerlaubtes oder -Ungehöriges ist? - - Frau John - in höchstem Schreck. - -Mund zu! -- Et hat jemand dem Schlüssel im Schloß jestochen. - - Walburga - -Auslöschen! - - Frau John - bläst schnell die Lampe aus. - - Walburga - -Papa! - - Frau John - --- Freilein, ruf uf'n Oberboden. - - Sie und Walburga verschwinden über die Treppe durch den - Bodenverschlag, der verschlossen wird. - - Zwei Herren, der Direktor Harro Hassenreuter und der Hofschauspieler - Nathanael Jettel, erscheinen durch die Flurtür im Gange. Der - Direktor ist mittelgroß, glattrasiert, fünfzig Jahre alt. Er pflegt - große Schritte zu nehmen und bekundet ein lebhaftes Temperament. - Sein Gesichtsschnitt ist edel, das Auge von kühnem Ausdruck. Sein - Betragen ist laut. Sein Wesen überhaupt durchaus feurig. Er trägt - einen hellen Sommerüberzieher, den Zylinder nach hinten gerückt und - übrigens Frackanzug und Lackschuhe. Der leger geöffnete Paletot - enthüllt eine mit Ordensternen überdeckte Brust. -- Hofschauspieler - Jettel trägt unter dem leichtesten Sommerüberzieher einen weißen - Flanellanzug. Er hat einen Strohhut nebst elegantem Stock in der - linken Hand, gelbe Schuhe an den Füßen. Er ist ebenfalls - glattrasiert und über die fünfzig alt. - - Direktor Hassenreuter - ruft. - -John! -- Frau John! -- Ja, das sind nun hier meine Katakomben, lieber -Jettel! _Sic transit gloria mundi!_ Hier hab ich nun alles, _mutatis -mutandis_, untergebracht, was von meiner ganzen Theaterherrlichkeit -übrig geblieben ist: alte Scharteken! alte Lappen und Lumpen! -- John! -John! Sie ist hier gewesen, denn der Lampenzylinder ist heiß! -- (Er -zündet mit einem Streichholz die Lampe an.) -- _Fiat lux pereat mundus!_ -So! Jetzt können Sie mein Motten-, Ratten- und Flohparadies bei Lichte -besehen. - - Nathanael Jettel - -Haben Sie also meine Karte bekommen, bester Direktor? - - Direktor Hassenreuter - -Frau John! -- Ich werde mal sehn, ob sie auf dem Boden ist. -- (Er -steigt sehr gewandt die Treppe hinauf und rüttelt an der Bodenklappe.) --- Verschlossen! Den Schlüssel hat die Kanaille natürlich am -Schürzenband. -- (Er pocht wütend mit der Faust gegen die Klappe.) -- -John! John! - - Nathanael Jettel - etwas ungeduldig. - -Direktor, geht es nicht ohne die John? - - Direktor Hassenreuter - -Was? Glauben Sie, daß ich Ihnen den miserablen Lappen, den Sie gerade da -für Ihr Gastspiel brauchen, aus meinen dreihundert Kisten und Kasten, -ohne die John, im Frack und mit sämtlichen Orden, so wie ich vom Prinzen -komme, selber heraussuchen kann. - - Nathanael Jettel - -Erlauben Sie mal! In Lappen absolviere ich meine Gastreisen nicht. - - Direktor Hassenreuter - -Mensch, spielen Sie doch in Unterhosen! meinethalben! Mich stört das -nicht! Nur vergessen Sie nicht, wer vor Ihnen steht. Deshalb, wenn der -Hofschauspieler Jettel -- na wenn schon! -- gnädigst zu pfeifen geruhen, -springt der Direktor Harro Hassenreuter noch lange nicht. _Sapristi!_ -wenn irgendein Komödiant einen schäbigen Turban oder zwei alte -Transtiefel braucht, muß sich ein _pater familias_, ein Familienvater -den einzigen Sonntagnachmittag unter den Seinen abknapsen? Soll -womöglich wie 'n Tackel auf allen Vieren in alle Bodenwinkel hinein? -Nein, Freundchen, da müßt Ihr Euch andere aussuchen. - - Nathanael Jettel - sehr ruhig. - -Könnten Sie mir nicht sagen, Direktor, wer Ihnen in Gottes Namen auf die -Krawatte getreten hat? - - Direktor Hassenreuter - -Mein Junge, ich habe noch vor kaum einer Stunde die Beine unterm Tisch -eines Prinzen gehabt: _post hoc, ergo propter hoc!_ -- Ich setze mich -Ihretwegen in einen verfluchten Omnibus und kutsche in diese verfluchte -Gegend ... wenn Sie meine Gefälligkeit nicht zu würdigen wissen: scheren -Sie sich! - - Nathanael Jettel - -Sie haben mich auf vier Uhr hierher bestellt. Sie haben mich eine volle -geschlagene Stunde in dieser entsetzlichen Mietskaserne, auf diesem -lieblichen Korridore unter dem Kinderpöbel warten lassen ... Ich habe -gewartet, Ihnen nicht den geringsten Vorwurf gemacht! und jetzt sind Sie -geschmackvoll genug, mich als eine Art Spucknapf zu betrachten ... - - Direktor Hassenreuter - -Mein Junge ... - - Nathanael Jettel - -In's Teufels Namen, der bin ich nicht! Eher mache ich Sie zu meinem -Hanswurst und lasse Sie für sechs Groschen Purzelbaum schießen! - - Er nimmt entrüstet Hut und Stock und geht. - - Direktor Hassenreuter - stutzt, bricht dann in ein tolles Gelächter aus und schreit - hinter Jettel her: - -Machen Sie sich nicht lächerlich! -- Und übrigens bin ich kein -Maskenverleiher. - - Man hört die Flurtür ins Schloß knallen. - - Direktor Hassenreuter - zieht die Uhr. - --- Rindvieh verdammtes! -- Schafskopf verfluchter! -- Ein Segen, daß das -Rindvieh, verdammte, gegangen ist! - - Er steckt die Uhr ein, zieht sie gleich darauf wiederum und lauscht. - Hierauf geht er unruhig hin und her, bleibt stehen, blickt in den - Zylinderhut, dessen Inneres einen Spiegel enthält, und kämmt sich - sorgfältig. Er tritt an den Mitteltisch und öffnet einige von den - Briefschaften, die dort gehäuft liegen. Dazu singt er trällernd: - - »O Straßburg, o Straßburg, - du wunderschöne Stadt.« - - Abermals sieht er nach der Uhr. Plötzlich geht die Türschelle über - seinem Kopf. - - Direktor Hassenreuter - -Auf die Minute! Was doch die Dinger, wenn es drauf ankommt, pünktlich -sind! - - Er eilt und öffnet die Flurtür, jemand laut und fröhlich begrüßend. - Die Trompetentöne seiner Stimme werden bald von glöckchenartigem - Lachen einer weiblichen akkompagniert. Sehr bald erscheint der - Direktor wieder, von einer eleganten jungen Dame begleitet, Alice - Rütterbusch. - - Direktor Hassenreuter - -Alice! Kleine Alice! Komm erst mal näher, kleine Alice! Komm mal ans -Licht! Ich muß doch sehen, ob du noch dieselbe kleine, schockscharmante, -tolle Alice aus den besten Tagen meiner reichsländischen -Direktionsperiode bist!? Mädel, ich hab' dich ja gehen gelehrt! ich hab -deine ersten Schritte gegängelt ... das Sprechen! Du sagtest ja immer -Cheef statt Chef! Ha ha ha! Hoffentlich hast du das nicht vergessen. - - Alice Rütterbusch - -Schaun's Direktor, Sie glauben doch net, daß i undankbar bin? - - Direktor Hassenreuter - nimmt ihr den Schleier ab. - -Mädel, du bist ja noch jünger geworden! - - Alice Rütterbusch - hochrot, beglückt. - -Da müßt einer auch gehörig daher lügen, wenn einer behaupten wollt, daß -du dich zum Nachteil verändert hast. Aber weißt, arg finster hast's bei -dir oben und a bissel -- Harro, wenns d' mechst a Fenster aufmachen! -- -so a bissel a schwere Luft. - - Direktor Hassenreuter - -Pillycock saß auf Pillycocks Berg! - - »Doch Mäus' und Ratten und solch Getier - Aß Thoms sieben Jahr lang für und für.« - -Im Ernst, ich hab' finstere und schwere Zeiten durchgemacht! Du wirst ja -schließlich, trotzdem ich dir lieber nichts geschrieben habe, liebe -Alice, davon unterrichtet sein. - - Alice Rütterbusch - -Das war aber net grad, weißt, sehr freindschaftlich, daß d' mir auf alle -die sauberen und langen Brief kein Wörtel geantwort' hast. - - Direktor Hassenreuter - -Wozu, ha ha ha, einem kleinen Mädchen antworten, wenn man genug mit sich -selber zu tun hat und in keiner Beziehung was nützen kann? Sessa! _E -nihilo nihil fit!_ Das heißt auf Deutsch: aus nichts kann nichts werden! -Motten und Staub! Staub und Motten! ha ha ha! Das ist alles, was ich von -meiner deutschen Kulturarbeit an der westlichen Grenze geerntet habe. - - Alice Rütterbusch - -Du hast also den Fundus net an den Direktor Kurz abgetreten. - - Direktor Hassenreuter - -»O Straßburg, o Straßburg, du wunderschöne Stadt.« Nein, meine Kleine, -ich habe den Fundus nicht in Straßburg gelassen! Dieser ehemalige -Kellner, Kneipwirt und Pächter von anrüchigen Tanzlokalen, der mein -Nachfolger wurde ... dieser Kretin, dieser _bête imbécil_, wollte den -Fundus nicht! -- Sessa, den Fundus hab' ich nicht dort gelassen: dafür -aber vierzigtausend Mark sauerverdientes Geld, von Gastspielreisen aus -meiner Mimenzeit! außerdem fünfzigtausend Mark zugebrachtes Vermögen -meiner braven Frau. Sessa! -- Übrigens, daß ich den Fundus behielt, war -ein Glück für mich. -- Da! -- Ha ha ha! Diese Kerle hier ... -- (er -berührt einige der Geharnischten) -- du kennst sie doch? ... - - Alice Rütterbusch - -I kenn' doch meine Pappenheimer. - - Direktor Hassenreuter - -Nun also: diese Pappenheimschen Kerle hier, und was drum und dran -baumelt, haben den alten Lumpensammler und Maskenverleiher Harro -Eberhard Hassenreuter nach seiner Hedschra tatsächlich über Wasser -gehalten! -- Aber reden wir lieber von heiteren Dingen: ich habe mit -Vergnügen aus der Zeitung ersehen, daß du von Exzellenz für Berlin -engagiert werden wirst. - - Alice Rütterbusch - -I mach mir nix draus! I möcht lieber bei dir spielen, und das mußt mir -versprechen, wanns du wieder eine Direktion ibernehmen tust ... das -versprichst mir, daß i augenblickli kontraktbrüchig werden kann! -- (Der -Direktor bricht in Lachen aus.) -- I hab mi drei Jahre lang gnua auf die -Provinzschmieren rumgeärgert. Berlin mag i net! und a Hoftheater schon -lang net. Jessas die Leit! das Komödiespielen! -- Weißt, i g'hör zum -Fundus, i hab immer bloß daher g'hört! -- - - Sie nimmt unter den Pappenheimern Aufstellung. - - Direktor Hassenreuter - -Ha ha ha ha! Also komm, du getreuer Pappenheimer. - - Er öffnet die Arme weit, sie fliegt hinein, und beide begrüßen - einander mit einigen lange anhaltenden Küssen. - - Alice Rütterbusch - -Geh Harro, jetzt sagst mir: was macht deine Frau? - - Direktor Hassenreuter - -Therese geht's gut, außer daß sie trotz Kummer und Sorgen von Tag zu Tag -dicker wird. -- Mädel, Mädel, wie du duftest! -- (Er drückt sie an -sich.) -- Weißt du auch, daß du teufelsmäßig gefährlich bist? - - Alice Rütterbusch - -Meinst, daß i blöd bin? Freili bin i gefährlich. - - Direktor Hassenreuter - -Sakra! - - Alice Rütterbusch - -Meinst, i sollt mir in der schönen Gegend, drei Stiegen hoch, unter an -muffigen Dach, mit dir a Rendezvous geben, wann ich net wißt, daß das -für uns zwei, ans wie's andere, gefährlich is. Ibrigens hab' i ja, Gott -sei Dank, weil i halt immer a Glück haben muß, wann i schon amal auf -Schleichwegen geh, auf der Treppen den Nathanael Jettel troffen, bin dem -Herrn Hofschauspieler bei ei'm Haar direkt in die Arme g'rannt. Wird -schon sorgen, daß das nicht unter uns bleibt, daß i di b'sucht hab. - - Direktor Hassenreuter - -Ich muß das Datum verschrieben haben: der Mensch behauptet, ha ha ha, -ich hätte ihn ganz ausdrücklich für heut nachmittag herbestellt. - - Alice Rütterbusch - -Das war aber net etwa die einzige Bassermannsche Gestalt, der i auf die -sechs Treppenabsätz begegnet bin, und was mir die lieben kleinen -Kinderln, die auf die Stufen rumkugeln, nachgeschrien haben, das is -dermaßen unparlamentarisch, das is von solche Kröten, noch net drei Käs' -hoch sind, schon die allergrößte Gemeinheit, die mir noch vorkommen is. - - Direktor Hassenreuter - lacht, wird dann ernst. - -Ja, siehst du: daran gewöhnt man sich: was so hier in diesem alten -Kasten mit schmutzigen Unterröcken die Treppe fegt und überhaupt -schleicht, kriecht, ächzt, seufzt, schwitzt, schreit, flucht, lallt, -hämmert, hobelt, stichelt, stiehlt, treppauf treppab allerhand dunkle -Gewerbe treibt, was hier an lichtscheuem Volke nistet, Zither klimpert, -Harmonika spielt -- was hier an Not, Hunger, Elend existiert und an -lasterhaftem Lebenswandel geleistet wird, das ist auf keine Kuhhaut zu -schreiben. Und dein alter Direktor, _last not least_, rennt, ächzt, -seufzt, schwitzt, schreit und flucht, ha ha ha, wie der Berliner sagt, -immer mitten mang mit. Ha ha ha, Mädel, mir ist es recht dreckig -gegangen. - - Alice Rütterbusch - -Weißt ibrigens, wen i, wie i grad auf den Bahnhof Zoologischer Garten -zusteuer, troffen hab? Den alten guten Fürst Statthalter hab i troffen. -Und sixt, unverfroren wie i amal bin, bin i zwanzig Minuten lang neben -ihm hergschwenkt und hab ihn in an langen Diskurs verwickelt und, auf -Ehre, Harro, wie ich dir sag, so is es buchstäblich tatsächlich -g'schegn. Auf'n Reitweg is plötzlich Majestät mit großer Suite -vorübergritten. I denk, i versink! Und hat übers ganze Gesicht gelacht -und Durchlaucht so mit dem Finger gedroht. Aber g'freit hab i mi, das -kannst mir glauben. Aber jetzt kommt d'Hauptsach. Jetzt paß auf. -- Ob i -mi freun tät, hat mi Durchlaucht plötzli g'fragt, und ob i wieder nach -Straßburg mecht, wann der Direkter Hassenreuter das Theater tät wieder -übernehmen. Na weißt: beinah hab i an Sprung getan! - - Direktor Hassenreuter - Er wirft seinen Überzieher ab und steht in seinen Orden da. - -Du hast wahrscheinlich bemerken müssen, daß die kleine Durchlaucht -vorzüglich gefrühstückt hat. Sessa! Wir haben zusammen gefrühstückt. Wir -haben ein exquisites kleines Herrenfrühstück beim Prinzen Ruprecht -draußen in Potsdam gehabt. Ich leugne nicht, daß sich vielleicht eine -Wendung zum Guten im miserablen Geschicke deines Freundes vorbereitet. - - Alice Rütterbusch - -Liebster, wie a Staatsmann, wie a Gesandter, siehst du ja aus. - - Direktor Hassenreuter - -Ah, du kennst diese Brust voll hoher und höchster Orden noch nicht!? -Klärchen und Egmont! Hier magst du dich satt trinken! -- - - Neue Umarmung. - -_Carpe diem!_ genieße den Tag! Sekt, kleine Naive, steht allerdings auf -dem jetzigen Repertoire deines alten Direktors, Erweckers und Freundes -nicht! -- (Er öffnet eine Truhe und entnimmt ihr eine Flasche Wein.) -- -Aber dieser Stiftswein ist auch nicht von Pappe! -- (Er zieht den -Korken. Die Türschelle geht.) -- Was? -- Pst! -- Wer hat denn die -ungeheure Dreistigkeit, am Sonntag nachmittag hier anzuklingeln? -- (Es -klingelt stärker.) -- Kleine, zieh dich doch mal in die Bibliothek -zurück. -- (Alice eilt in die Bibliothek ab. Es klingelt wieder.) -- -Donnerwetter noch mal, der Kerl ist ja irrsinnig. -- (Er eilt nach der -Tür.) -- Gedulden Sie sich oder scheren Sie sich! -- (Man hört ihn die -Tür öffnen.) -- Wer? Wie? »Ich bin's, Fräulein Walburga?« Was? Fräulein -Walburga bin ich nicht. Ich bin nicht die Tochter! Ich bin der Vater! -Ach, Sie sind's, Herr Spitta! Gehorsamer Diener, ich bin der Vater! Ich -bin der Vater! Was wünschen Sie denn? - - Im Gange erscheint wiederum der Direktor, geleitet von Erich Spitta, - einem einundzwanzigjährigen jungen Menschen, der Brille und Zwicker - trägt und übrigens scharfe und nicht unbedeutende Züge hat. Spitta - gilt als Kandidat der Theologie und ist entsprechend gekleidet. Er - hält sich nicht gerade, und seiner Körperentwicklung ist die - Studierstube und mangelhafte Ernährung anzumerken. - - Direktor Hassenreuter - -Wollten Sie meiner Tochter Walburga hier auf dem Speicher Privatstunde -geben? - - Spitta - -Ich fuhr im Pferdebahnwagen vorüber und glaubte wirklich, ich hätte -Fräulein Walburga unten durch das Portal in's Haus eilen sehen. - - Direktor Hassenreuter - -Gar keine Ahnung, mein lieber Spitta. Meine Tochter Walburga ist -augenblicklich mit ihrer Mutter in der englischen Kirche, ich glaube, zu -einem liturgischen Gottesdienst. - - Spitta - -Dann verzeihen Sie vielmals, wenn ich gestört habe. Ich nahm mir die -Freiheit, heraufzukommen, weil ich mir sagte: eine Begleitung in dieser -Gegend, vielleicht auf dem Rückwege nach dem Westen, wäre Fräulein -Walburga am Ende nicht unangenehm. - - Direktor Hassenreuter - -Wohl, wohl, aber sie ist nicht hier, bester Spitta. Ich bedauere sehr. -Ich selber bin nur zufällig hier: der Post wegen! und ich habe auch -leider andere dringende Sachen vor. -- Wünschen Sie sonst was, mein -guter Spitta? - - Spitta putzt seinen Kneifer und gibt Zeichen von Verlegenheit. - - Spitta - -Man gewöhnt sich nicht gleich an die Dunkelheit. - - Direktor Hassenreuter - -Sie benötigen vielleicht Ihr Stundengeld. Schade: ich habe leider die -Gewohnheit, nur mit einem Notpfennig in der Westentasche auf die Straße -zu gehn. Ich muß Sie schon bitten, sich zu gedulden, bis ich wieder in -meiner Wohnung bin. - - Spitta - -Hat durchaus keine Eile, Herr Direktor. - - Direktor Hassenreuter - -Ja, das sagen Sie so: aber ich bin ein gehetztes Wild, guter Spitta ... - - Spitta - -Und doch möchte ich, da ich dieses Zusammentreffen wirklich als eine Art -höherer Fügung ansehen muß, um eine Minute Ihrer kostbaren Zeit bitten. -Dürfte ich, kurz, eine Frage tun? - - Direktor Hassenreuter - mit den Augen auf der Uhr, die er gezogen hat. - -Genau eine Minute. Die Uhr in der Hand, bester Spitta. - - Spitta - -Frage und Antwort wird, denk' ich, kaum von so langer Dauer sein. - - Direktor Hassenreuter - -Also los! - - Spitta - -Habe ich wohl Talent zum Schauspieler? - - Direktor Hassenreuter - -Um Gottes willen, Mensch, sind Sie denn irrsinnig? -- Verzeihen Sie, -bester Herr Kandidat, wenn ich in einem solchen Fall bis zur -Unhöflichkeit außer dem Häuschen bin. Es heißt zwar _natura non facit -saltus_, aber Sie haben da einen unnatürlichen Sprung gemacht. Da muß -ich mal erst zu Atem kommen. Und nun Schluß davon! Denn glauben Sie mir, -wenn wir beide jetzt über diese Frage zu diskutieren anfangen, so würden -wir in drei bis vier Wochen, sagen wir Jahren, darüber noch nicht zum -Schluß gekommen sein. - -Sie sind doch Theologe, mein Bester, und stammen aus einem Pastorhaus: -wie kommen Sie denn auf solche Gedanken? wo Sie doch Konnexionen haben -und Ihnen die Wege zu einer behaglichen Existenz geebnet sind. - - Spitta - -Ja, das ist eine lange innere Geschichte, eine lange Geschichte schwerer -innerer Kämpfe, Herr Direktor, die allerdings bis zu dieser Stunde nur -mir bekannt und also absolutes Geheimnis gewesen sind. Da hat mich das -Glück in Ihr Haus geführt und von diesem Augenblick an fühlte ich, wie -ich dem wahren Ziel meines Lebens näher und näher kam. - - Direktor Hassenreuter - mit peinlicher Ungeduld. - -Das ehrt mich. Das ehrt mich und meine Familie! -- (Er legt ihm die -Hände auf die Schulter.) -- Dennoch muß ich Ihnen jetzt die ganz -inständige Bitte vortragen, von der Erörterung dieser Angelegenheit im -Augenblicke abzusehen. Meine Geschäfte sind unaufschieblich. - - Spitta - -Dann möchte ich nur noch so viel hinzusetzen, damit Sie wissen, daß ich -absolut fest entschlossen bin. - - Direktor Hassenreuter - -Aber mein lieber Herr Kandidat: wer hat Ihnen denn diese Raupen in den -Kopf gesetzt? Ich habe mich über Sie gefreut. Habe Sie schon im Geist -Ihres friedlichen Pfarrhauses wegen beneidet. Gewissen literarischen -Ambitionen, die einem hier in der Großstadt anfliegen, habe ich keinen -Wert beigelegt. Das ist nur so nebenbei und verliert sich zweifellos -wieder bei ihm, dachte ich mir! -- Mensch, und nun wollen Sie Komödiant -werden? Kurz: Gnade Gott, wenn ich Ihr Vater wär! Ich würde Sie bei -Wasser und Brot einsperren und Sie nicht eher herauslassen, als bis -Ihnen jede Erinnerung an diese Torheit entschwunden wäre. _Dixi!_ und -nun adieu, guter Spitta. - - Spitta - -Einsperren oder irgendeine andere Gewaltmaßregel würde bei mir durchaus -nichts helfen, fürcht ich. - - Direktor Hassenreuter - -Aber Mensch: Sie wollen Schauspieler werden? Mit Ihrer schiefen Haltung, -mit Ihrer Brille und vor allem mit Ihrem heiseren und scharfen Organ -geht das doch nicht. - - Spitta - -Wenn es im Leben solche Käuze gibt, wie ich, warum soll es -nicht auch auf der Bühne solche Käuze geben? Und ich bin der -Ansicht, ein wohlklingendes Organ, womöglich verbunden mit der -Schiller-Goethisch-Weimarischen Schule der Unnatur, ist eher schädlich, -als förderlich. Die Frage ist nur: würden Sie mich, wie ich nun einmal -bin, als Schüler annehmen? - - Direktor Hassenreuter - zieht hastig seinen Sommerpaletot über. - -Nein! denn erstens ist meine Schule auch nur eine Schule -Schillerisch-Goethisch-Weimarischer Unnatur! Zweitens könnte ich es vor -Ihrem Herrn Vater nicht verantworten! Und drittens zanken wir uns so -schon genug, jedesmal nach den Privatstunden, die Sie in meinem Hause -geben, beim Abendbrot. Das würde dann bis zur Prügelei ausarten. Und nun -Spitta: ich muß auf die Pferdebahn. - - Spitta - -Mein Vater ist bereits informiert. Ich habe ihm in einem zwölf Seiten -langen Brief Punkt für Punkt die Geschichte meiner inneren Wandlung -eröffnet ... - - Direktor Hassenreuter - -Sicherlich wird der alte Herr äußerst davon geschmeichelt sein! Mensch -und nun kommen Sie mit mir, ich werde sonst wahnsinnig. - - Der Direktor zieht Spitta gewaltsam mit sich fort und hinaus. Man - hört die Tür ins Schloß fallen. - - Es wird still bis auf das ununterbrochene Rauschen Berlins, das nun - lauter hervortritt. Nun wird die Bodenklappe geöffnet und Walburga - Hassenreuter steigt in wahnsinniger Hast, gefolgt von Frau John, die - Treppe herunter. - - Frau John - flüsternd, heftig. - -Wat is denn? Et is doch jar nischt jeschehn. - - Walburga - -Frau John, ich schreie! Ich muß gleich losschreien! -- Um Gottes willen, -ich kann gar nicht an mich halten, Frau John. - - Frau John - -Taschentuch mang die Zähne, Mächen! -- Et is ja jar nischt! Wat haste -dir denn? - - Walburga - zähneklappernd, ihr Röcheln gewaltsam bezwingend. - -Ich bin ja des Todes ... ich bin ja des Todes erschrocken, Frau John! - - Frau John - -Wenn ick man wißte, for wat du erschrocken bist? - - Walburga - -Haben Sie nicht diesen schrecklichen Menschen gesehn? - - Frau John - -Wat is denn da schrecklich? Det is doch mein Bruder! wo mich manchmal -bei Papans seine Sachen auskloppen helfen dut. - - Walburga - -Und das Mädchen, was mit dem Rücken am Schornstein sitzt und wimmert. - - Frau John - -Det is deine Mutter nich anders jejangen, eh det du zur Welt jekommen -bist. - - Walburga - -Ich bin hin. Ich bin tot, wenn Papa wiederkommt. - - Frau John - -Na denn sieh, det de fortkommst, und fackel nich lange. - - Frau John begleitet die entsetzte Walburga den Gang hinunter und - läßt sie hinaus. Dann kommt sie wieder. - - Frau John - -Det Mächen weeß, Jott sei Dank, von hellichten Dache nischt. - - Sie nimmt die entkorkte Weinflasche, gießt einen der Römer voll und - nimmt ihn mit auf den Boden, wo sie verschwindet. Kaum ist das - Zimmer leer, so erscheint der Direktor wieder. - - Direktor Hassenreuter - noch an der Tür, singend. - -»Komm herab, o Madonna Theresa!« -- (Er ruft.) -- Alice! -- (Noch immer -an der Tür.) -- Komm mal! Hilf mir mal die eiserne Stange mit dem -doppelten Schloß vor die Tür legen. -- Alice! -- (Er kommt nach vorn.) --- Wer jetzt noch unsere Sonntagsruhe zu stören wagt: _anathema sit!_ -- -Heda! Kobold! Wo steckst du, Alice? -- (Er wird auf die Weinflasche -aufmerksam und hebt sie in die Höhe.) -- Was? -- Halb leer? -- -Schlingel! -- (Man hört eine hübsche weibliche Singstimme hinter der -Bibliothekstür sich in Koloraturen ergehen.) -- Ha ha ha ha! Himmel! sie -hat sich schon einen Schwips angetrunken. - - - - - Zweiter Akt - - - Die Wohnung der Frau John im zweiten Stock des gleichen Hauses, in - dessen Dachgeschoß der Fundus des Direktors Hassenreuter - untergebracht ist: ein weitläufiges, ziemlich hohes, graugetünchtes - Zimmer, das seine frühere Bestimmung als Kasernenraum verrät. Die - Hinterwand enthält eine zweiflügelige Tür nach dem Flur. Über ihr - ist eine Schelle angebracht, die von außen an einem Draht gezogen - werden kann. Rechts von der Tür beginnt eine etwas mehr als - mannshohe Tapetenwand, die geradlinig nach vorn geht, hier einen - rechten Winkel macht und wiederum geradlinig mit der rechten - Seitenwand verbunden ist. So ist eine Art von Verschlag abgeteilt, - über den einige Schrankgesimse hervorragen, und der das Schlafzimmer - der Familie ist. - - Tritt man durch die Flurtüre ein, so hat man zur Linken ein Sofa, - überzogen mit Wachsleinwand. Es ist mit der Rücklehne an die - Tapetenwand geschoben. Diese ist über dem Sofa mit kleinen - Familienbildchen geschmückt. Maurerpolier John als Soldat, John und - Frau als Brautpaar usw. Vor dem Sofa steht ein ovaler Tisch, mit - einer verblichenen Baumwolldecke. Man muß von der Tür aus an Tisch - und Sofa vorübergehen, um den Zugang zum Schlafraum zu erreichen. - Dieser ist mit dem Sofa an einer Wand und mit einem Vorhang aus - buntem Kattun verschlossen. - - An der nach vorn gekehrten Schmalwand des Verschlages steht ein - freundlich ausgestatteter Küchenschrank. Rechts davon, an der - wirklichen Wand, der Herd. Wie denn der hier verfügbare kleine Raum - vornehmlich zu Küchen- und Wirtschaftszwecken dienen muß. - - Ein etwa auf dem Sofa Sitzender blickt gerade gegen die linke - Zimmerwand und zu den beiden großen Fenstern hinaus. Am vorderen - Fenster ist ein saubergehobeltes Brett als eine Art Arbeitstisch - angebracht. Hier liegen zusammengerollte Kartons (Baupläne), Pausen, - Zollstock, Zirkel, Winkelmaß usw. Am hinteren Fenster ein - Fenstertritt, darauf ein Stuhl und ein Tischchen mit Gläsern. Die - Fenster haben keine Gardinen, sind aber einige Fuß hoch mit buntem - Kattun bespannt. - - Das ganze Gelaß, dessen dürftige Einrichtung ein alter Lehnstuhl aus - Rohr und eine Anzahl von Holzstühlen vervollständigt, macht übrigens - einen sauberen und gepflegten Eindruck, wie man es bei kinderlosen - Ehepaaren des öfteren trifft. - - Es ist gegen fünf Uhr am Nachmittag, Ende Mai. Die warme Sonne - scheint durch die Fenster. - - Maurerpolier John, ein vierzigjähriger, bärtiger, gutmütig - aussehender Mann, steht behaglich am vorderen Fenstertisch und macht - sich Notizen aus den Bauplänen. - - Frau John sitzt mit einer Näharbeit auf dem Fenstertritt des anderen - Fensters. Sie ist sehr bleich, hat etwas Weiches und Leidendes an - sich, zugleich aber einen Ausdruck tiefer Zufriedenheit, der nur - zuweilen von einem flüchtigen Blick der Unruhe und der lauernden - Angst unterbrochen wird. An ihrer Seite steht ein Kinderwagen - (sauber, neu und nett), darin ein Säugling gebettet ist. - - John - bescheiden. - -Mutter, wie wär det, wenn ick det Fenster 'n Ritzen ufmachen däte und -ick machte mir dann 'n bißken de Pipe an? - - Frau John - -Mußte denn rauchen? sonst laß et man lieber. - - John - -I, ick muß ja nich, Mutter! Ick mechte bloß jern! Aber laß man! 'N -Priem, Mutter, tut et am Ende in selbijenjleichen och. - - Er präpariert sich mit behaglicher Umständlichkeit einen neuen - Priem. - - Frau John - nach einigem Stillschweigen. - -Wat? Du mußt noch ma hin uft Standesamt? - - John - -Det hat er jesacht, det ick noch ma hin müßte und janz jenau anjeben ... -det ick det müßte janz jenau anjeben Ort und Stunde, wo det Kindchen -jeboren is. - - Frau John - Nadel am Mund. - -Warum haste denn det nich anjejeben? - - John - -Weeß ick et denn? Ick weeß et doch nich. - - Frau John - -Det weeßte nich? - - John - -Bin ick dabei jewesen? - - Frau John - -Na, wenn de mir hier in meine Berliner Wohnung sitzen läßt und lichst -det janze jeschlagene Jahr in Altona, kommst hechstens ma monatlich mir -besuchen: wat wiste denn wissen, wat in deine Behausung vorjehn dut. - - John - -Wo soll ick nich jehn, wo der Meester de mehrschte Arbeet hat? Ick jeh -dorthin, wo ick schen verdiene. - - Frau John - -Ick ha et dir doch in Briefe jeschrieben, det unser Jungeken hier in de -Wohnung jeboren is. - - John - -Det weeß ick. Det hab ick ihm och jesacht! Det is doch janz natierlich, -hab ick jesacht, det et in meine Wohnung jeboren is. Da hat er jesacht: -det is jar nich natierlich! Na denn, sach ick, mag et meinswegen uf'n -Oberboden bei de Ratten und Mäuse jewesen sind! So kreppte ick mir, weil -er doch sachte, det et womeglich jar nich sollte in meine eijene Wohnung -sind jewesen. Denn schrie er: wat sind det for Redensarten! Wat? sag -ick: ick bin for Lohn un Brot! for Redensarten Herr Standesbeamter bin -ick nich! un nu sollte ick Tag und Stunde anjeben ... - - Frau John - -Ick hab et dir doch sojar jenau uf'n Zettel jeschrieben, Paul. - - John - -Wenn eener jekreppt is, denn is er verjeßlich. Ick jloobe, wenn er mir -hätte jefracht: sind Sie Paul John, der Mauerpolier? ick hätte -jeantwort: ick weeß et nich. Na, nu war ick doch 'n bißken verjnügt -jewesen un hatte mit Fritzen eenen jekippt! denn war noch Schubert und -Schindlerkarl zujekomm! denn hieß et: ick muß nun 'ne Lage jeben, weil -ick doch Vater jeworden bin! -- Na! un die Brieder wollten mir och nich -loslassen un warteten unten an de Tür von't Standesamt. Un nu dachte -ick, det se unten stehen! und wo er mir frachte an welchen Dache det -meine Frau entbunden is, denn wußte ick nischt un mußte laut loslachen. - - Frau John - -Häste man nachher jetrunken, Paul, un häste vorher besorcht, wat netig -is. - - John - -Det sachste so? Aber wenn du uf deine ollen Dache noch so 'ne Zicken -machst! denn wa ick verjnügt! denn freut ick mir, Mutter. - - Frau John - -Nu jehste und sachst bein Standesamt, det dein Kindeken an -fünfundzwanzigsten Mai von deine Ehefrau in deine Wohnung jeboren is. - - John - -War et denn nich an sechsundzwanzigsten? Ick ha nämlich schlankweg dem -sechsundzwanzigsten Mai jesacht! denn hieß et, weil er doch merkte, det -ick an Ende nich so janz sicher war: stimmt's denn is jut! sonst komm Se -wieder. - - Frau John - -I, denn laß et man wie et is. - - Die Tür wird geöffnet und Selma Knobbe schiebt einen elenden - Kinderwagen herein, der im traurigsten Gegensatz zu dem der Frau - John steht, darin liegt, in jämmerlichsten Lumpen, ebenfalls ein - Säugling. - - Frau John - -Nee nee Selma, mit det kranke Kind bei uns in de Stube rieber, det jing -woll vordem, nu jeht det nich. - - Selma - -Et keucht so ville mit sein Husten. Drieben bei uns wird zu ville -jeroocht, Frau John. - - Frau John - -Ick ha dir jesacht, Selma, du kannst immer komm, ma Milch un ma Brot -holen. Aber wo hier mein Adelbertchen womechlich mit Auszehrung oder -derjleichen anfliejen dut, laß du det arme Wurm drieben bei seine feine -Mama drieben. - - Selma - weinerlich. - -Mutter is jestern und heut nich zu Hause jekomm. Ick kann nachts nich -schlafen mit det Kind. Helfjottchen quarrt de janze Nacht iber. Ick muß -doch ma schlafen. Ick spring zum Fenster 'raus, oder ick laß -Helfjottchen mitten uf de Straße und nehme Reißaus, det mir keen -Polizist nich mehr finden kann. - - John - betrachtet das fremde Kind. - -Sieht bese aus! Mutter nimm dich ma mit det Häufchen Unglick 'n bißken -an. - - Frau John - resolut, drängt Selma mit dem Kinderwagen hinaus. - -Marsch, fort aus der Stube. Det jeht nich, Paul. Wer Eegnet hat, kann -sich mit Fremde nich abjeben. Soll de Knobben sehn, wo se bleiben dut. -Wat anders is Selma! Du kannst immer rieber komm. Du kannst dir hier och -hernach 'n bißken uf's Ohr lechen. - - Selma mit dem Kinderwagen ab. Frau John verschließt die Tür hinter - ihr. - - John - -Hast dir doch frieher mit die Knobbeschen Rotznäsen immer bekümmert! - - Frau John - -Det vastehste nich. Det sich Adelbertchen womechlich mit schlimme Ochen -un Krämpfe von een andret anstecken dut. - - John - -Det mag sind. Bloß nenn ihm nich Adelbertchen, Mutter. Det dut nich jut, -'n Kind 'n selbichten Namen zu jeben, wie een andret, det mit acht -Dache, unjedoft, mit Dot abjejang'n is. Det laß man! davon ha' ick -Manschetten, Mutter. - - Es wird an die Tür geklopft. John will öffnen. - - Frau John - -Wat denn? - - John - -Na, Jette, 't will eener rin. - - Frau John - dreht hastig den Schlüssel herum. - -Ick wer' mir woll, wo ick marode bin, von alle Welt ieberlofen lassen. --- (Sie horcht und ruft dann): -- Ick kann nich ufmachen: wat wollen Se -denn? - - Eine Frauenstimme - aber tief und männlich. - -Ich bin Frau Direktor Hassenreuter. - - Frau John - überrascht. - -Ach Jott nee! -- (Sie öffnet die Tür.) -- Nehm Se 't nich iebel, Frau -Direkter! Ick ha ja nich ma jewußt, wer 't is. - - Frau Direktor Hassenreuter ist nun, gefolgt von Walburga, - eingetreten. Sie ist eine kolossale, asthmatische Dame, älter als - fünfzig. Walburga ist ein wenig unscheinbarer gekleidet als im - ersten Akt. Sie trägt ein ziemlich umfangreiches Paket. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Guten Tag, Frau John! Ich wollte doch nun -- obgleich mir das -Treppensteigen schwer wird ... wollte doch nun mal sehen, wie's nach dem -frohen Ereignis ... ja ... Ereignis mit Ihnen beschaffen ist. - - Frau John - -Et jeht mir, Jott sei Dank, wieder so hallweche, Frau Direkter. - - Frau Direktor Hassenreuter - --- Das ist doch wahrscheinlich Ihr Mann, Frau John? Das muß man sagen -... muß man sagen -- daß Ihre liebe Frau -- sich in der langen Wartezeit -niemals beklagt und immer ... immer fröhlich und guter Dinge -- ihre -Arbeit oben bei meinem Mann im Theatermagazin verrichtet hat. - - John - -Det is och. Se hat ihr mächtig jefreit, Frau Direkter. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Nun, da wird man wohl auch ... da wird Ihre Frau wohl die Freude haben --- Sie öfters ... öfters als wie bisher -- zu Hause zu sehn. - - Frau John - -Ick ha'n juten Mann, Frau Direkter, wo sorjen dut und solide is. Und -deshalb, weil Paul auswärts uf Arbeet jeht, denn hat er mir längst nich -sitzen lassen. Aber for so 'n Mann, wo 'n Bruder schon 'n Jungen von -zwölf in de Unteroffiziersschule hat ... det is och keen Leben, ohne -Kinder! denn kricht er Jedanken! denn macht er in Hamburg schenet Jeld! -denn is alle Dache Jelejenheet, un denn will er fort nach Amerika -auswandern. - - John - -I, Jette, det war ja man bloß so 'n Jedanke. - - Frau John - -Sehn Se, det is mit uns kleene Leite ... det is 'n sauer verdientes -Durchkommen, wo unsereens hat, aber jedennoch ... -- (Sie fährt John -schnell mit der Hand durchs Haar.) -- Wenn och eener mehr is un Sorchen -mehr sin -- sehn Se, det Wasser läuft ihm de Backen runter! -- denn -freut er sich. - - John - -Det is, wir haben schon vor drei Jahre 'n Jungchen jehabt, und det is -mit acht Dache einjejang. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Das hat mir mein Mann ... mein Mann bereits ... hat mir mein Mann -bereits gesagt -- wie sehr Sie sich -- um den Sohn gegrämt haben. Sie -wissen ja ... wissen ja, wie mein braver Mann -- Aug' und Herz ... Herz -und Auge für alles hat. Und wenn es sich gar ... gar um Leute handelt -- -die um ihn sind und ihm Dienste leisten -- da ist alles Gute ... und -Schlimme ... alles Gute und Schlimme ... was ihnen zustößt ... zustößt, -so, als wär' es ihm selbst passiert. - - Frau John - klopft John auf die Schulter. - -Ick seh ihm noch, wie er mit det kleene Kindersärgiken uf beede Knie -dazumal in Kinderleichenwachen jesessen hat. Det durfte d'r Dotenjräber -nich anrihren. - - John - wischt sich Wasser aus den Augen. - -Det war och so. Det jing och nich. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Denken Sie ... denken Sie, heute mittag bei Tisch -- mußten wir ... -mußten wir plötzlich Wein trinken. Wein! wo Leitungswasser in den -letzten Jahren ... Karaffen mit Leitungswasser -- unser einziges ... -einziges Getränk bei Tische ist. Liebe Kinder, sagte mein Mann. -- Er -ist, wie Sie wissen, elf oder zwölf Tage in den Elsaß verreist gewesen! -... Also ich trinke, sagte mein Mann, auf meine gute, brave Frau John, -weil ... rief er mit seiner schönen Stimme! ... weil sie ein sichtbares -Zeichen dafür ist, daß unserem Herrgott ... Herrgott der Schrei eines -Mutterherzens nicht gleichgültig ist. -- Und da haben wir auf Sie -angestoßen! -- So! -- und nun bringe ich ... bringe ich Ihnen hier im -ganz besonderen ... ganz besonderen Auftrage meines Mannes einen -sogenannten Soxhlet-Kinder-Milchapparat. -- Walburga, du magst den -Kessel mal auspacken. - - Direktor Hassenreuter tritt ohne Umstände durch die nur angelehnte - Flurtür herein. Er trägt Zylinder, Sommerpaletot, Handschuhe, - spanisches Rohr mit Silbergriff, im ganzen die etwas abgeschabte - Garnitur des Wochentags. Er spricht hastig und fast ohne Pausen. - - Direktor Hassenreuter - sich den Schweiß von der Stirn wischend. - -Heiß! Berlin macht heiß, meine Herrschaften! In Petersburg ist die -Cholera! Sie haben meinen Schülern Spitta und Käferstein gegenüber -geklagt, daß Ihr Kindchen nicht zunehmen will, Frau John. Eigentlich ist -es ja ein Verfallssymptom unserer Zeit, daß die meisten Mütter ihre -Kinder selber zu nähren nicht mehr fähig oder nicht willens sind. Sie -haben schon einmal einen Jungen am Brechdurchfall eingebüßt, Mutter -John. Hilft alles nichts: wir müssen hier deutsch reden! Damit Sie nun -diesmal nicht wieder Pech haben und nicht etwa gar in die Scheren von -allerlei alten Basen fallen, deren gute Ratschläge meistens für -Säuglinge tödlich sind, hat Ihnen meine Frau auf meine Veranlassung -diesen Milchkochapparat mitgebracht. Ich habe damit meine ganze kleine -Gesellschaft, auch die Walburga, großgezogen ... Sapristi! da sieht man -ja auch mal wieder den Herrn John! Bravo! der Kaiser braucht Soldaten! -und Sie hatten einen Stammhalter nötig, Herr John! Gratuliere Ihnen von -ganzem Herzen. - - Er schüttelt John kräftig die Hand. - - Frau Direktor Hassenreuter - am Kinderwagen. - -Wieviel ... wieviel hat es gewogen bei der Geburt? - - Frau John - -Et hat jenau acht Pfund und zehn Jramm jewogen. - - Direktor Hassenreuter - jovial, laut und lärmig. - -Ha ha ha, strammes Produkt! Acht Pfund zehn Gramm frisches -deutschnationales Menschenfleisch. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Die Augen! das Näschen! der ganze Vater! -- Das Kerlchen ist Ihnen -wirklich ... wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten, Herr John. - - Direktor Hassenreuter - -Sie werden den Bengel doch hoffentlich in die Gemeinschaft der -christlichen Kirche aufnehmen lassen. - - Frau John - glücklich und gewichtig. - -Det wird richtig in de Parochialkirche, richtig am Taufstein, richtig -von Jeistlichen wird et jetauft. - - Direktor Hassenreuter - -Sessa! Und welche sind seine Taufnamen? - - Frau John - -Det hat natierlich, wie Männer nu eemal sind, 'n langet Jerede -abjesetzt. Ick dachte »Bruno«! Det will er nich. - - Direktor Hassenreuter - -Aber Bruno ist doch kein übler Name. - - John - -Det mag immer sind, det Bruno weiter keen iebler Name is. Da will ick -mir weiter drieber nich ausdricken. - - Frau John - -Wat sachste nich, det ick 'n Bruder habe, wo Bruno heest und wo zwölf -Jahre jinger is: und jeht manchmal 'n bißken uf leichte Weche. Det is -bloß de Verführung! Der Junge is jut! Det jloobste nich! - - John - bekommt einen roten Kopf. - -Jette ... Du weeßt, wat det mit Brunon for 'n Kreuz jewesen is! -- Wat -wiste?! Soll unser Jungeken so 'n Patron krichen? -- Et is 'n Patron! -Aber eener, ick kann et nich ändern ... eener, wo unter polizeiliche -Ufsicht is. - - Direktor Hassenreuter - lachend. - -Um's Himmels willen, dann suchen Sie ihm einen anderen Patron! - - John - -Jott soll mir bewahren ... ick ha mir bei Brunon anjenommen, in de -Maschinschlosserei Stellung verschafft, nischt davon jehat, als Ärjer un -Schande! Jott soll bewahren, det er womeglich kommt un mein Jungeken -anfassen dut! -- (Er krampft die Faust.) -- denn Jette ... denn kennt -ick nich for mir jut sachen. - - Frau John - -Immerzu doch, Paul. Bruno kommt ja nich! -- So viel kann ick dir aber -jewißlich sachen, det mein Bruder mich in die schweren Stunden redlich -beiseite jewesen is. - - John - -Warum haste mir nich lassen kommen, Jette? - - Frau John - -So 'n Mann, wo Angst hat, mocht ick nich. - - Direktor Hassenreuter - -Sind Sie nicht Bismarckverehrer, John? - - John - kratzt sich hinter den Ohren. - -Det kann ick nu so jenau nich sachen: aber, wat meine Jenossen in't -Mauerjewerbe sind, die sind et nich. - - Direktor Hassenreuter - -Dann habt Ihr kein deutsches Herz im Leibe! Ich habe meinen ältesten -Sohn, der bei der Kaiserlichen Marine ist, Otto genannt! Und glauben Sie -mir, -- (er weist auf das Kindchen) -- diese neue künftige Generation -wird wissen, was sie dem Schmiede der deutschen Einheit, dem gewaltigen -Heros, schuldig ist. -- (Er nimmt den Blechkessel des Milchapparates, -den Walburga ausgepackt hat, in die Hände und hebt ihn hoch.) -- Also, -die ganze Geschichte mit diesem Milchapparat ist kinderleicht: das ganze -Gestell mit sämtlichen Flaschen -- jede Flasche zunächst ein Drittel mit -Milch und zwei Drittel mit Wasser gefüllt! -- wird in diesen Kessel mit -kochendem Wasser gestellt. Auf diese Weise, wenn man das Wasser im -Kessel anderthalb Stunde lang auf dem Siedegrade hält, wird der Inhalt -der Flaschen keimfrei gemacht: die Chemiker nennen das sterilisieren. - - John - -Jette, bei de Frau Mauermeester ihre Milch, womit sie die Zwillinge -ufziehen dut, wird et och sterilililililisiert. - - Die Schüler des Direktors Hassenreuter, Käferstein und Dr. Kegel, - zwei junge Leute im Alter zwischen zwanzig und fünfundzwanzig, haben - angeklopft und die Tür geöffnet. - - Direktor Hassenreuter - der seine Schüler bemerkt hat. - -Geduld, meine Herren, ich komme gleich. Ich arbeite hier einstweilen -noch im Fache der Säuglingsernährung und Kinderfürsorge. - - Käferstein - ausgesprochener Kopf, große Nase, bleich, ernster Gesichtsausdruck, - bartlos, ein immer schalkhafter Zug um den Mund. Mit - Grabesstimme, weich, zurückhaltend. - -Wir sind nämlich die drei Könige aus dem Morgenlande. - - Direktor Hassenreuter - der noch immer den Milchkochapparat hoch in den Händen hält. - -Was sind Sie? - - Käferstein - wie vorher. - -Wir wollen das Kindelein grüßen. - - Direktor Hassenreuter - -Ha ha ha ha! Wenn Sie schon Könige aus dem Morgenlande sind, meine -Herren, dann fehlt doch, soweit ich sehn kann, der dritte. - - Käferstein - -Der dritte ist unser neuer Mitschüler auf dem Felde dramaturgischer -Tätigkeit, Kandidat der Theologie Erich Spitta, der durch einen -gesellschaftspsychologischen Zwischenfall einstweilen noch Ecke Blumen- -und Wallnertheaterstraße festgehalten ist. - - Dr. Kegel - -Wir machten uns eiligst aus dem Staube. - - Direktor Hassenreuter - -Sehen Sie, es steht ein Stern über Ihrem Hause, Frau John! -- Aber sagen -Sie mal, hat sich etwa unser braver Kurpfuscher Spitta wieder mal -öffentlich an die Heilung sogenannter sozialer Schäden gemacht? Ha ha ha -ha! _Semper idem!_ das ist ja ein wahres Kreuz mit dem Menschen. - - Käferstein - -Es war ein Auflauf, und da hat er wohl, wie es scheint, in der -Volksmenge eine Freundin wieder erkannt. - - Direktor Hassenreuter - -Meiner unmaßgeblichen Meinung nach würde der junge Spitta viel besser -zum Sanitätsgehilfen oder zum Heilsarmeeoffizier geeignet sein. Aber so -ist es: der Mensch wird Schauspieler. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Der Lehrer der Kinder, Herr Spitta, wird Schauspieler? - - Direktor Hassenreuter - -Wenn du erlaubst, Mama, hat er mir die Eröffnung gemacht. -- Aber nun, -wenn Sie Weihrauch und Myrrhen bringen, packen Sie aus, lieber -Käferstein. Sie sehen, Ihr Direktor ist vielseitig. Bald verhelfe ich -meinen Schülern, die ihr nach dem Inhalt der Brüste der Musen durstig -seid, zu geistiger Nahrung, _nutrimentum spiritus!_ bald ... - - Käferstein - klappert mit einer Sparkasse. - -Nun, ich stelle also das Ding, es ist eine feuersichere Sparkasse, hier -neben die Equipage des jungen Herrn Maurerpolier, mit dem Wunsche, daß -er es mindestens mal bis zum Regierungsbaumeister bringen möge. - - John - hat Schnapsgläschen auf den Tisch gestellt, nimmt und entkorkt - eine unangebrochene Likörflasche. - -Na, nu muß ick det Danziger Joldwasser ufmachen. - - Direktor Hassenreuter - -Wer da hat, Sie sehen, dem wird gegeben, Frau John. - - John - während er eingießt. - -Det is nich jesacht, det for Mauerpolier John sein Kind nich jesorcht -wäre, meine Herrn! Aber ick rechen et mir an, meine Herrn. -- (Frau -Direktor und Walburga ausgenommen, ergreifen alle die Gläser.) -- -Wohlsein! -- Mutter, nu komm, wir wolln och ma anstoßen. - - Es geschieht, sie trinken. - - Direktor Hassenreuter - im Ton der Rüge. - -Mama, du mußt selbstverständlich mittrinken. - - John - nachdem er getrunken hat, aufgeräumt. - -Ick jeh nu och nich mehr nach Hamburg hin. D'r Meester mag ma 'n andern -hinschicken. Ick zerjle mir schonn mit 'n Meester deswechen drei Dache -rum. Ick muß mir nu wieder jleich mein Hut nehmen, hat mir wieder ma -jejen sechs uf's Büro bestellt! Wenn er nich will, denn laßt er't -bleiben: det jeht nich, det 'n Familienvater immer un ewich wech von -seine Familie is. Ick ha 'n Kollegen ... et kost mir een Wort, da wer' -ick, wo se de Fundamente lechen, bei't neue Reichstagsjebäude -einjestellt. Zwölf Jahre bin ick bei meinen Meester! Et kann ja och ma -wo anders sind. - - Direktor Hassenreuter - klopft John ebenfalls auf die Schulter. - -Sessa! ganz Ihrer Ansicht, Herr Maurerpolier. Unser Familienleben ist -eine Sache, die man uns mit Geld und guten Worten nicht abkaufen kann. - - Kandidat Erich Spitta tritt ein. Sein Hut ist beschmutzt, sein Anzug - trägt Schmutzflecken. Er ist ohne Schlips. Er sieht bleich und - erregt aus und säubert mit dem Taschentuch seine Hände. - - Spitta - -Verzeihung. Könnte ich mich bei Ihnen mal eben 'n bißchen säubern, Frau -John? - - Direktor Hassenreuter - -Ha ha ha! Um Gottes willen, was haben Sie denn angebahnt, guter Spitta? - - Spitta - -Ich habe nur eine Dame nach Hause begleitet, Herr Direktor, weiter -nichts. - - Direktor Hassenreuter - der an einem allgemeinen Lachausbruch ob der Worte Spittas - teilgenommen hat. - -Na hören Sie mal an! Und da setzen Sie noch hinzu: weiter nichts? Und -verkünden es offen vor allen Leuten? - - Spitta - verblüfft. - -Wieso nicht? Es handelte sich um eine gutgekleidete Dame, die ich hier -im Hause auf der Treppe schon öfters gesehen hatte, und die leider auf -der Straße verunglückt ist. - - Direktor Hassenreuter - -Ach, was Sie sagen: erzählen Sie mal, bester Spitta. Augenscheinlich hat -die Dame Ihnen Flecke auf den Anzug und Schrammen auf die Hände gemacht. - - Spitta - -Ach nein. Das war wohl höchstens der Janhagel. Die Dame erlitt einen -Anfall. Ein Schutzmann griff sie dabei so ungeschickt, daß sie auf den -Straßendamm, und zwar dicht vor einem Paar Omnibuspferde niederfiel. Ich -konnte das absolut nicht mit ansehen, obgleich der Samariterdienst auf -der Straße im allgemeinen, wie ich zugebe, unter der Würde -gutgekleideter Leute ist. - - Frau John schiebt den Kinderwagen hinter den Verschlag und kommt - wieder mit einem Waschbecken voll Wasser, das sie auf einen Stuhl - setzt. - - Direktor Hassenreuter - -Gehörte die Dame vielleicht jener internationalen guten Gesellschaft an, -die man je nachdem nur reglementiert oder auch kaserniert. - - Spitta - -Das war mir in diesem Falle ebenso gleichgültig, wie ich sagen muß, Herr -Direktor, wie dem Omnibusgaul, der seinen linken Vorderhuf geschlagene -fünf, sechs oder acht Minuten lang, um die Frau nicht zu treten, die -unter ihm lag, in der Schwebe gehalten hat. -- (Spitta erhält eine -Lachsalve zur Antwort.) -- Sie lachen! Für mich ist das Verhalten des -Gauls nicht lächerlich. Ich konnte ganz gut verstehen, daß einige Leute -ihm Bravo zuriefen, Beifall klatschten, andre eine Bäckerei stürmten und -Semmeln herausholten, womit sie ihn fütterten. - - Frau John - fanatisch. - -I, hätt' er man feste zujetreten! -- (Die Bemerkung der John löst wieder -allgemeines Gelächter aus.) -- Und ieberhaupt, wat die Knobben is: die -jehört öffentlich uf 'n Schandarmenmarkt, öffentlich uf de Bank -jeschnallt und jehörig mit Riemen durchjefuchtelt! Stockhiebe det det -Blut man so spritzt. - - Spitta - -Ich habe mir niemals eingebildet, daß das sogenannte Mittelalter eine -überwundene Sache ist. Es ist noch nicht lange her. Man hat eine Witwe -Mayer noch im Jahre achtzehnhundertundsiebenunddreißig hier in Berlin, -auf dem Hausvogteiplatz, von untenherauf geradebrecht. -- (Er zieht -Scherben einer Brille hervor.) -- Übrigens muß ich sofort zum Optiker. - - John - zu Spitta. - -Entschuldijen Se man. Se haben die feine Dame doch hier am Flur -jejenieber rinjebracht? Na ja! Det hat Mutter ja jleich jemerkt, det det -keen andrer Mensch wie de Knobben jewesen is, wo bekannt for is, det se -Mädel mit zwölf uf de Jasse schickt, selber fortbleibt, trinkt und -allerhand Kundschaft hat, um Kinder nich kümmert und wo berauscht is und -ufwachen dut, allens mit Fäuste und Schirme durchprijelt. - - Direktor Hassenreuter - sich raffend und besinnend. - -Allons, meine Herren, wir müssen zum Unterricht. Es fehlt uns schon eine -Viertelstunde. Meine Zeit ist gemessen. Unser Stundenschluß muß leider -heute ganz pünktlich sein. Komm Mama. Auf Wiedersehn, meine -Herrschaften. - - Der Direktor gibt seiner Frau den Arm und geht, gefolgt von - Käferstein, und Dr. Kegel ab. Auch John nimmt seinen Kalabreser. - - John - zu seiner Frau. - -Adje, ick muß och zum Meester hin. - - Auch John geht. - - Spitta - -Könnten Sie mir mal einen Schlips leihen? - - Frau John - -Ick will mal sehn, wat sich bei Paul in de Schublade vorfinden duht. -- -(Sie öffnet den Tischschub und verfärbt sich.) -- Jesus! -- (Sie nimmt -ein durch ein buntes Band zusammengehaltenes Büschelchen Kinderhaar aus -der Schublade.) -- Da hab ick ja 'n Büschelschen Haar jefunden, wo mein -Jungeken, wo mein Adelbertchen schon in Sarch mit Vaters Papierschere -abjeschnitten is. -- (Tiefe, kummervolle Traurigkeit zieht plötzlich -über ihr Gesicht, das sich aber ebenso plötzlich wieder aufhellt.) -- Un -nu liecht et doch wieder in Kinderwagen! -- (Sie geht mit eigentümlicher -Fröhlichkeit, das Haarbüschel in der Hand, den jungen Leuten vorweisend, -zur Tür des Verschlages, wo der Kinderwagen, zwei Drittel sichtbar, sich -befindet. Dort angelangt, hält sie das Haarbüschel an das -Kinderköpfchen.) -- Na nu kommt mal, kommt mal! -- (Sie winkt mit -seltsamer Heimlichkeit Walburga und Spitta, die auch neben sie an den -Kinderwagen treten.) -- Seht mal det Häarchen und det! --? ob det nich -detselbiche ... ob det nich janz und jänzlich een und datselbiche -Häarchen is. - - Spitta - -Richtig! Bis auf die kleinste Nuance, Frau John. - - Frau John - -Jut so! jut so! mehr wollt ick nich! - - Sie, mit dem Kinde, verschwindet hinter dem Verschlag. - - Walburga - -Findest du nicht, Erich, daß das Betragen der John eigentümlich ist? - - Spitta - faßt Walburgas Hände und küßt sie scheu und inbrünstig. - -Ich weiß nicht, weiß nicht -- ... oder ich zähle heut nicht mit, weil -ich alles von vornherein subjektiv düster gefärbt sehe. Hast du den -Brief bekommen? - - Walburga - -Jawohl. Aber ich konnte nicht herausfinden, warum du so lange nicht bei -uns gewesen bist. - - Spitta - -Verzeih, Walburga, ich konnte nicht kommen. - - Walburga - -Warum nicht? - - Spitta - -Weil ich innerlich zu zerrissen bin. - - Walburga - -Du willst Schauspieler werden? Ist's wahr? Du willst umsatteln? - - Spitta - -Was schließlich noch mal aus mir wird, steht bei Gott! Nur niemals ein -Pastor! niemals ein Landpfarrer! - - Walburga - -Du, ich habe mir lassen die Karten legen. - - Spitta - -Das ist Unsinn, Walburga. Das sollst du nicht. - - Walburga - -Ich schwöre dir, Erich, es ist kein Unsinn. Sie hat mir gesagt, ich -hätte einen heimlichen Bräutigam, und der sei Schauspieler. Natürlich -hab' ich sie ausgelacht und gleich darauf sagt Mama, du wirst -Schauspieler. - - Spitta - -Tatsächlich? - - Walburga - -Tatsächlich! Und dann hat mir die Kartenlegerin noch gesagt, wir würden -durch einen Besuch viel Not haben. - - Spitta - -Mein Vater kommt nach Berlin, Walburga, und das ist allerdings wahr, daß -uns der alte Herr etwas zu schaffen machen wird. -- Vater weiß das -nicht, aber ich bin mit ihm innerlich längst zerfallen, auch ohne diese -Briefe, die mir hier in der Tasche brennen und mit denen er meine -Beichte beantwortet hat. - - Walburga - -Über unserm verunglückten Rendezvous hat wirklich ein böser, neidischer, -giftiger Stern geschwebt. Wie habe ich meinen Papa bewundert! Aber seit -jenem Sonntag werde ich aller Augenblick rot für ihn, und so sehr ich -mir Mühe gebe, ich kann ihm seitdem nicht mehr gerade und frei ins Auge -sehn. - - Spitta - -Hast du mit deinem Papa auch Differenzen gehabt? - - Walburga - -Ach, wenn es bloß das wäre! Ich war stolz auf Papa! Und jetzt muß ich -zittern, wenn du es wüßtest, ob du uns überhaupt noch achten kannst. - - Spitta - -Ich und verachten! Ich wüßte nicht, was mir weniger zukäme, gutes Kind. -Sieh mal: ich will mit Offenheit gleich mal vorangehn. Eine sechs Jahr -ältere Schwester von mir war Erzieherin, und zwar in einem adligen -Hause. Da ist etwas passiert ... und als sie im Elternhaus Zuflucht -suchte, stieß mein christlicher Vater sie vor die Tür. Er dachte wohl: -Jesus hätte nicht anders gehandelt! Da ist meine Schwester allmählich -gesunken, und nächstens werden wir beide mal nach dem kleinen -sogenannten Selbstmörderfriedhof bei Schildhorn gehn, wo sie schließlich -gelandet ist. - - Walburga - umarmt Spitta. - -Armer Erich, davon hast du ja nie ein Wort gesagt. - - Spitta - -Das ist eben nun anders: ich spreche davon. Ich werde auch hier mit Papa -davon sprechen und wenn es darüber zum Bruche kommt. -- Du wunderst dich -immer, wenn ich erregt werde, und wenn ich mich manchmal nicht halten -kann, wo ich sehe, wie irgendein armer Schlucker mit Füßen gestoßen -wird, oder wenn der Mob etwa eine arme Dirne mißhandelt. Ich habe dann -manchmal Halluzinationen und glaube am hellichten Tage Gespenster, ja -meine leibhaftige Schwester wiederzusehn. - - Pauline Piperkarcka, ebenso wie früher gekleidet, tritt ein. Ihr - Gesichtchen erscheint bleicher und hübscher geworden. - - Die Piperkarcka - -Jun Morchen. - - Frau John - hinter dem Verschlage. - -Wer ist denn da? - - Die Piperkarcka - -Pauline, Frau John. - - Frau John - -Pauline? -- Ick kenne keene Pauline. - - Die Piperkarcka - -Pauline Piperkarcka, Frau John. - - Frau John - -Wer? -- Denn wachten Se man 'ne Minute, Pauline. - - Walburga - -Adieu, Frau John. - - Frau John - erscheint vor dem Verschlage, schließt sorgfältig den Vorhang - hinter sich. - -Jawoll! Ick ha mit det Freilein wat zu verabreden. Seht ma, det ihr -'naus uf de Straße kommt. - - Spitta und Walburga schnell ab. Frau John schließt die Tür hinter - beiden. - - Frau John - -Sie sind et, Pauline? Wat wollen Se denn? - - Die Piperkarcka - -Wat werde wollen? Et hat mir herjetrieben. Habe nich länger warten -können. Muß sehn, wie steht. - - Frau John - -Wat denn? Wat soll denn stehn, Pauline? - - Die Piperkarcka - mit etwas schlechtem Gewissen. - -Na, ob jesund is, ob jut in Stand. - - Frau John - -Wat soll denn jesund? wat soll denn in Stande sind? - - Die Piperkarcka - -Dat sollen woll wissen von janz alleine. - - Frau John - -Wat soll ick denn von alleene wissen? - - Die Piperkarcka - -Ob Kind auch nich zujestoßen is. - - Frau John - -Wat for'n Kind? un wat zujestoßen? Reden Se deitsch! Se blubbern ja man -keen eenziget richtiget deitsches Wort aus de Fresse raus. - - Die Piperkarcka - -Wenn ick nur sagen, was wahr is, Frau John. - - Frau John - -Na wat denn? - - Die Piperkarcka - -Mein Kind ... - - Frau John - haut ihr eine gewaltige Backpfeife. - -... Det sache nochmal, un denn kriste so lange den Schuh um de Ohren, -bis et dir vorkommt, det du 'ne Mutter von Drillinge bist. Nu raus! Un -nu laß dir nich wieder blicken! - - Die Piperkarcka - will fort. Rüttelt an der Tür, die aber verschlossen ist. - -Hat mir jeschlagen, zu Hilfe, zu Hilfe! Brauche mir nich jefallen zu -lassen! -- (weinend) -- Aufmachen! Hat mir mißhandelt, Frau John! - - Frau John - vollkommen umgewandelt, umarmt Pauline, sie so zurückhaltend. - -Pauline, um Jottet willen, Pauline! Ick weeß nich, wat in mir jefahren -hat! Sein Se man jut, ick leiste ja Abbitte! Wat soll ick tun? Pauline, -soll ick fußfällig uf de Knie, Pauline, Pauline! Abbitte tun? - - Die Piperkarcka - -Was haben mir ins Jesicht jeschlagen? Ick jehe zu Wache und zeigen an, -det mir hier ins Jesicht jeschlagen hat. Ick zeigen an, ick gehen zu -Wache. - - Frau John - hält ihr Gesicht hin. - -Da! hauste mir wieder in't Jesicht! denn is et jut! denn is er -verjlichen. - - Die Piperkarcka - -Ick jehe zu Wache ... - - Frau John - -Denn is et verjlichen. Ick sache, Mächen, denn is et, Mächen, sag ick, -akkurat mit de Wage verjlichen! Wat wiste nu, Mächen? Nu jeradezu. - - Die Piperkarcka - -Wat soll mich nützen, wenn Backe jeschwollen is. - - Frau John - haut sich selbst ein Backenstreich. - -Da! Meine Backe is och jeschwollen. Mächen, hau zu, und jeniere dir -nich. -- Un denn komm, denn raus, watte uf 'n Herzen hast. Ick will -mittlerweile ... ick koche inzwischen for Sie und for mir, Freilein -Pauline, 'n rechten juten Bohnenkaffee, Jott weeß et, und keene -Zichorientunke. - - Die Piperkarcka - weicher. - -Warum sin denn auf einmal so niederträchtig und jrob zu mich armes -Mächen, Frau John? - - Frau John - -Det is et! det mecht ick alleene wissen! Komm Se, Pauline, setzen sich. -So! Scheenecken sag ick! Setzen sich! Scheen, det Se mich ma besuchen -komm! Wat ha ick von meine Mutter deswechen schon for Schmisse jekricht, -ick bin doch aus Brickenberch jebürtig! weil ick mir manchmal ja nich -jekannt habe. Die hat mehr wie eemal zu mich jesacht: Mädel paß uf: du -machst dir ma unglücklich. Det kann och sin, det se recht haben dut. Wie -jeht's, Pauline, wat machen Se denn? - - Die Piperkarcka - legt Scheine und Silbergeld, die Handvoll, ohne zu zählen, auf - den Tisch. - -Hier is det Jeld: ick brauchen ihm nicht. - - Frau John - -Ick weeß doch von keenen Jelde, Pauline. - - Die Piperkarcka - -Oh, werden woll janz jut wissen von Jeld! Et hat mir jebrannt. Et war -mich wie Schlange unter Kopfkissen ... - - Frau John - -I wo denn ...? - - Die Piperkarcka - -Is vorjekrochen, wo ick müde bin einjeschlafen. Hat mir jepeinigt, hat -mir umringt! hat mir jequetscht, wo ick habe laut aufjeschrien und meine -Wirtin hat mir jefunden, wo ick fast abjestorben, längelang auf Diele -jelegen bin. - - Frau John - -Lassen Se det man jut sind, Pauline! -- Trinken Se erst ma 'n kleenen -Schnaps! -- (Sie gießt ihr Kognak ein.) -- Un dann essen Se erst ma 'n -Happen-Pappen: mein Mann hat jestern Jeburtstag jehat. - - Sie holt einen Streußelkuchen, von dem sie Streifen schneidet. - - Die Piperkarcka - -I wo denn, ick mag nich essen, Frau John. - - Frau John - -Det stärkt, det dut jut, det mussen Se essen! Aber ick muß mir doch -freuen, Pauline, det Se doch wieder mit Ihre jute Natur bei Ihre Kräfte -jekommen sin. - - Die Piperkarcka - -Nu will ick et aber mal sehn, Frau John. - - Frau John - -Wat denn, Pauline? Wat woll'n Se denn sehn? - - Die Piperkarcka - -Hätt' ick laufen jekonnt, wär' ick früher jekomm. Das will jetzt sehn, -warum jekommen bin. - - Frau John, deren fast kriechende Freundlichkeiten von angstvoll - bebenden Lippen gekommen sind, erbleicht auf eine unheilverkündende - Weise und schweigt. Sie geht nach dem Küchenschrank, reißt die - Kaffeemühle heraus und schüttet heftig Kaffeebohnen hinein. Sie - setzt sich, quetscht die Kaffeemühle energisch zwischen die Knie, - faßt die Kurbel und starrt mit einem verzehrenden Ausdruck - namenlosen Hasses zur Piperkarcka hinüber. - - Frau John - -So? -- Ach! -- Wat wißte sehen? -- Wat wißte nu jetzt uf eemal sehn? -- -Det, det wat te hast mit deine zwee Hände erwürchen jewollt. - - Die Piperkarcka - -Ick? -- - - Frau John - -Wißte noch liechen? Ick werde dir anzeigen. - - Die Piperkarcka - -Nu haben mir aber jenug jequält und bis auf't Blut jemartert, Frau John. -Mir nachjestellt! mir Schritt und Tritt nich Ruhe jelassen. Bis haben -Kind auf Oberboden auf Haufen alter Lumpen zu Welt jebracht. Mich -Hoffnung jemacht, mich schlechten Spitzbubenjungen Angst jemacht. Mich -Karten jelegt von wegen mein Bräutigam un weiterjehetzt, bis bin wie -verrückt jeworden. - - Frau John - -Det bist du och noch! Jawoll: du bist janz und jar verrückt! Wat, ick -hab dir jequält? Wat hab ick? Ick habe dir aus 'n Rinnstein jelesen! Ick -hab dir jeholt bei Schneejestöber, bei de Normaluhr, wo de hast mit -verzweifelte Ochen -- un wie de hast ausjesehen! -- hintern -Lanternanzünder herjestarrt. Jawoll: denn ha ick dir nachjestellt, det -dir der Schutzmann, det dir der jrüne Wagen, det dir der Deibel nich hat -holen jekonnt! Ick habe dir keene Ruhe jelassen, ick ha dir jemartert, -bis det de nich sollst mit dein Kind unterm Herzen in't Wasser jehn. -- -(Äfft ihr nach.) -- Ick jeh im Landwehrkanal, Mutter John! Ick erwürche -det Kind! Ick ersteche det Wurm mit meine Hutnadel! Ick jeh, ick lauf, -wo der Lump von Vater sitzen un Zither spielen dut, mitten in't Lokal, -und schmeiß ihn det tote Kind vor die Fiße. Det haße jesacht, so haste -jesprochen, so jing et den lieben langen Dach, un manchmal de halbe -Nacht noch dazu, bis ick dir hab hier ins Bette jebracht un so lange -jestreichelt, det de bist endlich einjeschlafen un bist mittags um -zwölf, wie die Glocken von alle Kirchen jeläut't haben, an andern Dache -erst wieder ufjewacht. Jawoll, so ha ick dir angst jemacht, wieder -Hoffnung jemacht, so ha ick dir keene Ruhe jelassen! Haste det allens -verjessen! wat? - - Die Piperkarcka - -Aber et is doch mein Kind, Mutter John ... - - Frau John - schreit. - -Denn hol et dir aus'n Landwehrkanale! - - Sie springt auf, läuft umher und nimmt bald diesen, bald jenen - Gegenstand in die Hand, um ihn sogleich wieder wegzuwerfen. - - Die Piperkarcka - -Soll ick mein Kind nich ma sehen dürfen? - - Frau John - -Spring in't Wasser un such et! denn haste et! Weeß Jott, ick halte dir -nu weiter nich. - - Die Piperkarcka - -Jut! Mejen mich schlajen, mejen mir prügeln, mejen mir schmeißen -Wasserflasche an Kopp: eh' nich weiß wo Kind is, eh' nich haben mit -Augen jesehn, bringen mich keiner und niemand von Stelle fort. - - Frau John - einlenkend. - -Pauline, ick ha et in Flege jejeben! - - Die Piperkarcka - -Lieche! Ick hör et doch schmatzen, wo et janz jenau hintern Vorhang is! --- (Das Kind hinter dem Tapetenverschlag beginnt zu schreien. Die -Piperkarcka eilt auf den Vorhang zu, dabei nicht ohne falsche Note, ein -wenig pathetisch weinerlich rufend): -- Weine nicht, armes, armes -Jungchen, jutes Mutterchen kommen schon! - - Frau John - fast von Sinnen, ist vor den Eingang gesprungen, den sie der - Piperkarcka verstellt. - - Die Piperkarcka - ohnmächtig wimmernd, mit geballten Fäusten. - -Soll mir jetzt zu mein Kinde reinlassen. - - Frau John - furchtbar verändert. - -Sieh mir ma an, Mächen! Mächen, sieh mir ma in't Jesicht! -- Jlobst du, -det mit eene, die aussieht wie ich ... det mit mir noch zu spaßen is? -- -(Die Piperkarcka hat wimmernd Platz genommen.) -- Setz dir! flenne! -wimmere! bis dir, ick weß nich wat ... jammere, bis det dir die Jurjel -verschwollen is! det, wenn de hier rin willst -- denn bist du tot oder -ick bin tot -- un denn is och det Jungchen nich mehr am Leben! - - Die Piperkarcka - erhebt sich entschlossen. - -Denn jeben acht, was jeschehen, Frau John. - - Frau John - wiederum einlenkend. - -Pauline, die Sache is zwischen uns richtig un abjemacht. Wat wollen Se -sich mit det Kindchen behängen, wo jetzt mein Kindeken und in beste -Hände jeborjen is? Wat wollen Se denn mit det Kindeken ufstellen? Jehn -Se zu Ihren Breitijan! da sollen Se woll mit den Besseres zu tun haben -als Kinderjeschrei, Kindersorchen und Kimmernis. - - Die Piperkarcka - -Erst recht! Nu jerade! Nu muß er mir heiraten! -- Haben alle ... hat -Frau Kielbacke, als ick mir mussen haben behandeln lassen, zu mich -jesacht. Soll nich nachjeben! Muß mir heiraten. Auch Standesbeamte gab -mich Rat. Hat jesacht, janz wütend, als ick haben erzählt, wohin -jekrochen un habe Kind auf Dachboden Welt jebracht ... schreit janz -wütend: ick muß nich nachlassen. Hat jesacht: arme jeschundene Kreatur -zu mich, Tasche jejriffen, Taler zwei Jroschen Jeld jeschenkt. Jut! -lasse mir weiter nich ein, Frau John. Adje! Bin bloß jekommen, sowieso, -daß morjen nachmittag fünf zu Hause sind. Warum? weil morjen -einjesetzter Pfleger von Jemeinde nachsehn kommt. Ick werde mir weiter -hier noch rumärgern. - - Frau John - starr, entgeistert. - -Wat? du hast et jemeld uf't Standesamt? - - Die Piperkarcka - -Etwa nich? Ick soll woll Jefängnis komm? - - Frau John - -Wat hast du jemeldet beim Standesbeamten? - - Die Piperkarcka - -Sonst janischt, als det mit Knaben niederjekommen bin. Ick hab mir -jeschämt, o Jott! bin über un über rot jeworden! Mir is, ick sink jleich -in de Erde rin. - - Frau John - -So! -- Wenn de dir so jeschämt hast, Mächen, warum haste's denn aber -anjezeigt? - - Die Piperkarcka - -Weil mich meine Wirtin und och Frau Kielbacke, wo mich hinjeführt hat, -mich partout nich Ruhe jejeben. - - Frau John - -So! -- Denn wissen se't also uf't Standesamt? - - Die Piperkarcka - -Na ja, det mussen se wissen, Frau John. - - Frau John - -... Aber ha ick dir dat nich einjeschärft ...? ... - - Die Piperkarcka - -Det muß man melden! Soll ick denn abjeführt Untersuchung und Plötzensee -gesteckt? - - Frau John - -Ick ha doch jesacht: ick jeh et anmelden. - - Die Piperkarcka - -Habe jleich bei Standesbeamte jefracht. Is keene jekommen hat anjemeldt. - - Frau John - -Un wat haste nu also anjejeben? - - Die Piperkarcka - -Daß Aloisius Theophil heißen soll un daß bei Sie, Frau John, in Pflege -is. - - Frau John - -Un morjen will eener nachsehn komm? - - Die Piperkarcka - -Det is een Herr von de Vormundschaft. Was is denn weiter? Nun sin doch -ruhig un sin vernünftig. Haben mich wirklich vorher Schrecken in alle -Jlieder jejagt. - - Frau John - abwesend. - -Nu freilich: det is nu nich mehr zu ändern. Det is ja nu och in -Jottesnamen nu jroß weiter nischt. - - Die Piperkarcka - -Gelt, un kann nu mein Kindchen auch sehn, Frau John. - - Frau John - -Heute nich! Morjen, morjen, Pauline. - - Die Piperkarcka - -Warum nich heut? - - Frau John - -Weil det det Beschreien nich jut dut, Pauline! Also morjen, um Uhre -fünfen nachmittag? - - Die Piperkarcka - -Steht jeschrieben, sagt mir Wirtin, daß Herr von die Stadt, Uhren fünfen -morjen nachsehn kommt. - - Frau John - indem sie die Piperkarcka hinausschiebt und selbst mit hinausgeht, - im Tone der Abwesenheit. - -Jut so. Laß er man kommen, Mächen. - - Frau John ist einen Augenblick auf den Flur hinausgetreten und kommt - ohne die Piperkarcka wieder herein. Sie ist seltsam verändert und - geistesabwesend. Sie tut einige hastige Schritte gegen die - Verschlagstür, steht jedoch plötzlich wieder still mit einem - Gesichtsausdruck vergeblichen Nachsinnens. Dieses Grübeln - unterbricht sie, heftig gegen das Fenster zu eilend. Hier wendet sie - sich und wieder erscheint der hilflose Ausdruck schwerer - Bewußtlosigkeit. Langsam, wie eine Nachtwandlerin, tritt sie an den - Tisch und läßt sich daran nieder, das Kinn in die Hand stützend. Nun - erscheint Selma Knobbe in der Tür. - - Selma - -Mutter schläft, Frau John. Ick ha solchen Hunger. Kann ick 'n Happen -Brot kriejen? - - Frau John erhebt sich mechanisch und schneidet ein Stück von einem - Laib Brot, wie unter dem Einfluß einer Suggestion. - - Selma - der die Verfassung der Frau auffällt. - -Ick bin's! -- Wat is denn? -- Schneiden sich man bloß nich etwa mit -Brotmesser. - - Frau John - mit trockenem Röcheln, das sie mehr und mehr überwältigt, indem - sie Brot und Brotmesser willenlos auf den Tisch gleiten läßt. - -Angst! -- Sorje! -- Da wißt Ihr nischt von! - - Sie zittert und sucht einen Halt, um nicht umzusinken. - - - - - Dritter Akt - - - Alles wie im ersten Akt. Die Lampe brennt. Auf dem Gange schwaches - Ampellicht. - - Direktor Hassenreuter gibt seinen drei Schülern, Spitta, Dr. Kegel - und Käferstein, dramatischen Unterricht. Er selbst sitzt am Tisch, - öffnet fortgesetzt Briefe und schlägt skandierend mit dem Falzbein - auf den Tisch. Vorn stehen auf der einen Seite Kegel und Käferstein, - auf der anderen Spitta einander als beide Chöre der Braut von - Messina gegenüber. Ihre Füße befinden sich innerhalb eines Schemas - aufgestellt, das mit Kreide auf den Fußboden gezeichnet ist und - diesen in die vierundsechzig Felder des Schachbretts einteilt. Auf - dem Kontorbock am Stehpult sitzt Walburga, in ein großes Kontobuch - eintragend. Im Hintergrund, wartend, steht der Vizewirt oder - Hausmeister Quaquaro, ein vierzigjähriger, vierschrötiger Mensch, - der Inhaber eines wandernden Zirkus und, als Athlet, Hauptmitglied - desselben sein könnte. Seine Sprache ist tenorhaft guttural. Er - trägt Schlafschuhe. Die Beinkleider durch einen gestickten Gürtel - gehalten. Ein offenes Hemd, nicht unsauber, ein leichtes Jackett und - die Mütze in der Hand. - - Dr. Kegel und Käferstein - mit gewaltiger Pathetik. - - »Dich begrüß ich in Ehrfurcht, - Prangende Halle, - Dich, meiner Herrscher - Fürstliche Wiege, - Säulengetragenes herrliches Dach. - Tief in der Scheide« ... - - Direktor Hassenreuter - schreit wütend. - -Pause! Punkt! Punkt! Pause! Punkt! Sie drehen doch keinen Leierkasten! -Der Chor aus der Braut von Messina ist doch kein Leierkastenstück! »Dich -begrüß ich in Ehrfurcht« nochmal von Anfang an, meine Herren! »Dich -begrüß ich in Ehrfurcht, prangende Halle!« Etwa so, meine Herren! »Tief -in der Scheide ruhe das Schwert.« Punktum! »Herrliches Dach« wollt' ich -sagen: punktum! Meinethalben fahren Sie fort. - - Dr. Kegel und Käferstein - - »Tief in der Scheide - Ruhe das Schwert, - Vor den Toren gefesselt - Liege des Streits schlangenhaarigtes Scheusal. - Denn ... - - Direktor Hassenreuter - wie vorher. - -Halt! Wissen Sie nicht, was ein Punkt bedeutet, meine Herren? Haben Sie -denn keine Elementarkenntnisse? »Schlangenhaarigtes Scheusal.« Punkt! -Denken Sie sich einen Pfahl eingerammt: halt! Punkt! Alles ist -totenstille! als wenn Sie gar nicht mehr in der Welt wären, Käferstein! -Und dann raus mit der Posaunenstimme aus der Brust! Halt! Um Gottes -willen nicht lispeln! -- »Denn ...« weiter! los! - - Dr. Kegel und Käferstein - - »Denn des gastlichen Hauses - Unverletzliche Schwelle - Hütet der Eid, der Erinnyen Sohn ...« - - Direktor Hassenreuter - springt auf, brüllt, läuft umher. - -Eid, Eid, Eid, Eid!! Halt! Wissen Sie nicht, was ein Eid ist, -Käferstein? »Hütet der Eid!! -- der Erinnyen Sohn.« Der Eid ist der -Erinnyen Sohn, Dr. Kegel! Stimme heben! Tot! Das Publikum, bis zum -letzten Logenschließer, ist eine einzige Gänsehaut! Schauer durchrieselt -alle Gebeine! Passen Sie auf: »Denn des Hauses Schwelle hütet der Eid!!! --- der Erinnyen Sohn, der furchtbarste unter den Göttern der Hölle!« -- --- Nicht wiederholen, weiter im Text! Sie können sich aber jedenfalls -merken, daß ein Eid und ein Münchner Bierrettich zwei verschiedene Dinge -sind. - - Spitta - deklamiert. - - »Zürnend ergrimmt mir das Herz im Busen ...« - - Direktor Hassenreuter - -Halt! -- (Er läuft zu Spitta und biegt an seinen Armen und Beinen herum, -um eine gewünschte tragische Pose zu erzielen.) -- Erstlich fehlt die -statuarische Haltung, mein lieber Spitta. Die Würde einer tragischen -Person ist bei Ihnen auf keine Weise ausgedrückt. Dann sind Sie nicht, -wie ich ausdrücklich verlangt habe, von Feld I D mit dem rechten Fuß auf -II C getreten! Endlich wartet Herr Quaquaro: unterbrechen wir einen -Augenblick! -- (Er wendet sich an Quaquaro.) -- So, jetzt steh' ich zu -Diensten, Herr Vizewirt! das heißt, ich habe Sie bitten lassen, weil mir -leider, wie sich bei der Inventur herausstellt, mehrere Kisten mit -Kostümen abhanden gekommen, mit andern Worten gestohlen sind. Bevor ich -nun meine Anzeige mache, wozu ich natürlich entschlossen bin, wollte ich -erst mal Ihren Rat hören. Um so mehr, da sich auch sonst noch etwas, wie -soll ich sagen, eine sonderbare Bescherung, statt der verlornen -Kleiderkisten, in einem Winkel des Bodens angefunden hat: ein Fund, um -Virchow zu benachrichtigen. Erstlich ein blaukariertes Plumeau, wahrhaft -prähistorisch, und eine unaussprechliche Scherbe, deren Bestimmung im -ganzen harmlos, aber ebenfalls unaussprechlich ist. - - Quaquaro - -Herr Direkter, ick kann ja ma oben steigen. - - Direktor Hassenreuter - -Tun Sie das. Sie finden oben Frau John, die durch den Fund eigentlich -noch mehr wie ich selbst beunruhigt ist. Diese drei Herren, die meine -Schüler sind, lassen es sich partout nicht ausreden, daß da oben etwas -wie eine Mordgeschichte vorgefallen ist. Aber bitte: wir wollen keinen -Skandal schlagen. - - Käferstein - -Wenn bei meiner Mutter in Schneidemühl im Laden irgend etwas abhanden -kam, hieß es immer, das hätten die Ratten gefressen. Und wirklich, was -man in diesem Hause von Ratten und Mäusen sieht -- auf der Treppe hätt' -ich beinahe eine totgetreten! -- warum sollten Kisten und -Theatergarderobe, Seide schmeckt süß! nicht ebenfalls von ihnen vertilgt -worden sein? - - Direktor Hassenreuter - -Geschenkt, geschenkt! Alle weiteren Schnittwarenladen-Phantasien, ha ha -ha ha! sind Ihnen geschenkt, bester Käferstein. Es fehlt nur noch, daß -Sie uns Ihre Gespenstergeschichten nochmals auftischen, vom -Kavalleristen Sorgenfrei, der sich nach Ihrer Behauptung seinerzeit, als -das Haus noch Reiterkaserne war, mit Sporen und Schleppsäbel auf meinem -Boden erhangen hat. Und daß Sie den noch in Verdacht nehmen. - - Käferstein - -Sie können den Nagel noch sehn, Herr Direktor. - - Quaquaro - -Det wird in janzen Hause rum erzählt von den Soldat, namens Sorjenfrei, -der sich irgendwo hier oben in Dachstuhl mit 'ne Schlinge jeendigt hat. - - Käferstein - -Die Tischlersfrau auf dem Hof und eine Mäntelnäherin aus dem zweiten -Stock haben ihn wiederholt bei hellichtem Tage aus dem Dachfenster -nicken und militärisch stramm heruntergrüßen gesehn. - - Quaquaro - -Een Unteroffizier hat dem Soldaten Sorjenfrei ja woll eene Dunstkiepe -jenannt und 'n aus Feez eene 'rinjelangt. Det hat sich der Dämlack zu -Herzen jenomm. - - Direktor Hassenreuter - -Ha ha ha! Militärmißhandlungen und Geistergeschichten! Diese Verquickung -ist originell, aber zur Sache gehört sie nicht. Ich nehme an, der -Diebstahl oder was sonst in Frage kommt, ist während jener elf oder -zwölf Tage vor sich gegangen, als ich in Geschäften im Elsaß gewesen -bin. Also sehen Sie sich die Geschichte mal an und, bitte, Sie werden -mir nachher Bescheid sagen! - - Der Direktor wendet sich seinen Schülern zu. Quaquaro steigt über - die Bodentreppe und verschwindet in der Bodenluke. - - Direktor Hassenreuter - -Allright, bester Spitta: schießen Sie los. - - Spitta - rezitiert nur sinngemäß und ohne Pathos. - - »Zürnend ergrimmt mir das Herz im Busen, - Zu dem Kampf ist die Faust geballt, - Denn ich sehe das Haupt der Medusen, - Meines Feindes verhaßte Gestalt. - Kaum gebiet' ich dem kochenden Blute - Gönn' ich ihm die Ehre des Worts? - Oder gehorch' ich dem zürnenden Mute? - Aber mich schreckt die Eumenide, - Die Beschirmerin dieses Orts, - Und der waltende Gottesfriede.« - - Direktor Hassenreuter - hat sich niedergelassen und lauscht, den Kopf in die Hand - gestützt, voll Ergebenheit. Erst einige Sekunden, nachdem Spitta - geendet hat, blickt er wie zu sich kommend auf. - -Sind Sie fertig, Spitta?! -- Ich danke sehr! -- - -Sehen Sie, lieber Spitta, ich bin nun Ihnen gegenüber wieder mal in die -allerverzwickteste Lage geraten: entweder, ich sage Ihnen frech ins -Gesicht, daß ich Ihre Vortragsart schön finde -- und dann habe ich mich -der allerniederträchtigsten Lüge schuldig gemacht! oder ich sage, ich -finde sie scheußlich, und dann haben wir wieder den schönsten Krach. - - Spitta - erbleichend. - -Ja, alles Gestelzte, alles Rhetorische liegt mir nicht. Deshalb bin ich -ja von der Theologie abgesprungen, weil mir der Predigerton zuwider ist. - - Direktor Hassenreuter - -Da wollen Sie wohl die tragischen Chöre wie der Gerichtsschreiber ein -Gerichtsprotokoll oder wie der Kellner die Speisekarte herunterhaspeln? - - Spitta - -Ich liebe überhaupt den ganzen sonoren Bombast der Braut von Messina -nicht. - - Direktor Hassenreuter - -Sagen Sie das nochmal, lieber Spitta. - - Spitta - -Es ist nicht zu ändern, Herr Direktor: unsre Begriffe von dramatischer -Kunst divergieren in mancher Beziehung total. - - Direktor Hassenreuter - -Mensch, Ihr Gesicht in diesem Augenblick ist ja geradezu ein Monogramm -des Größenwahns und der Dreistigkeit. Pardon! aber jetzt sind Sie mein -Schüler und nicht mehr mein Hauslehrer! Ich! und Sie!? Sie blutiger -Anfänger! Sie und Schiller! Friedrich Schiller! Ich habe Ihnen schon -zehnmal gesagt, daß Ihr pueriles bißchen Kunstanschauung nichts weiter -als eine Paraphrase des Willens zum Blödsinn ist. - - Spitta - -Das müßte mir erst bewiesen werden. - - Direktor Hassenreuter - -Sie beweisen es selbst, wenn Sie den Mund auftun! -- Sie leugnen die -Kunst des Sprechens, das Organ, und wollen die Kunst des organlosen -Quäkens dafür einsetzen! Sie leugnen die Handlung im Drama und -behaupten, daß sie ein wertloses Akzidenz, eine Sache für Gründlinge -ist. Sie negieren die poetische Gerechtigkeit, Schuld und Sühne, die Sie -als pöbelhafte Erfindung bezeichnen: eine Tatsache, wodurch die -sittliche Weltordnung durch Euer Hochwohlgeboren gelehrten und -verkehrten Verstand aufgehoben ist. Von den Höhen der Menschheit wissen -Sie nichts. Sie haben neulich behauptet, daß unter Umständen ein Barbier -oder eine Reinmachefrau aus der Mulackstraße ebensogut ein Objekt der -Tragödie sein könnte als Lady Macbeth und König Lear. - - Spitta - bleich, putzt seine Brille. - -Vor der Kunst wie vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, Herr -Direktor. - - Direktor Hassenreuter - -So? Ach!? Wo haben Sie diesen hübschen Gemeinplatz her? - - Spitta - unbeirrt. - -Dieser Satz ist mir zur zweiten Natur geworden. Ich befinde mich dabei -vielleicht mit Schiller und Gustav Freytag, aber keinesfalls mit Lessing -und Diderot im Gegensatz. Ich habe die letzten zwei Semester mit dem -Studium dieser wahrhaft großen Dramaturgen zugebracht, und der gestelzte -französische Pseudoklassizismus bleibt mir durch sie endgültig -totgeschlagen, sowohl in der Dichtkunst als in den grenzenlos läppischen -späteren Goetheschen Schauspielervorschriften, die durch und durch -mumifizierter Unsinn sind. - - Direktor Hassenreuter - -So! - - Spitta - -Und wenn sich das deutsche Theater erholen will, so muß es auf den -jungen Schiller, den jungen Goethe des Götz und immer wieder auf -Gotthold Ephraim Lessing zurückgreifen: dort stehen Sätze, die der Fülle -der Kunst und dem Reichtum des Lebens angepaßt, die der Natur gewachsen -sind. - - Direktor Hassenreuter - -Walburga! Ich glaube, Herr Spitta verwechselt mich. Herr Spitta, Sie -wollen Privatstunden halten. Bitte, zieh dich doch mit Herrn Spitta zur -Privatstunde in die Bibliothek zurück! -- Wenn die menschliche Arroganz -und besonders die der jungen Leute kristallisiert werden könnte, die -Menschheit würde darunter wie eine Ameise unter den Granitmassen eines -Urgebirges begraben sein. - - Spitta - -Ich würde dadurch aber nicht widerlegt werden. - - Direktor Hassenreuter - -Mensch! Ich habe nicht nur zwei Semester königliche Bibliothek hinter -mir, sondern ich bin ein ergrauter Praktiker und ich sage Ihnen, daß der -Goethesche Schauspielerkatechismus A und O meiner künstlerischen -Überzeugung ist. Paßt Ihnen das nicht, so suchen Sie sich einen anderen -Lehrmeister. - - Spitta - unbeirrt. - -Goethe setzte sich mit seinen senilen Schauspielerregeln, meiner Ansicht -nach, zu sich selbst und zu seiner eigenen Natur in kleinlichsten -Gegensatz. Und was soll man sagen, wenn er dekretiert: jede spielende -Person, gleichviel welchen Charakter sie darstellen soll -- wörtlich! -- -müsse etwas Menschenfresserartiges in der Physiognomie zeigen -- -wörtlich! -- wodurch man sogleich an ein hohes Trauerspiel erinnert -werde. -- - - Käferstein und Kegel versuchen Menschenfresserphysiognomien. - - Direktor Hassenreuter - -Ziehen Sie doch das Notizbuch, mein guter Spitta, und schreiben Sie, -bitte, hinein, daß Direktor Hassenreuter ein Esel ist! Schiller ein -Esel! Goethe ein Esel! natürlich auch Aristoteles -- (er fängt plötzlich -wie toll zu lachen an) -- und, ha ha ha! ein gewisser Spitta ein -Nachtwächter! - - Spitta - -Es freut mich, Herr Direktor, daß Sie doch wenigstens wieder bei guter -Laune sind. - - Direktor Hassenreuter - -Nein, Teufel, ich bin bei sehr schlechter Laune! Sie sind ein Symptom. -Also nehmen Sie sich nicht etwa wichtig! -- Sie sind eine Ratte! aber -diese Ratten fangen auf dem Gebiete der Politik -- Rattenplage! -- unser -herrliches neues geeinigtes Deutsches Reich zu unterminieren an. Sie -betrügen uns um den Lohn unserer Mühe! und im Garten der deutschen Kunst --- Rattenplage! -- fressen sie die Wurzeln des Baumes des Idealismus ab: -sie wollen die Krone durchaus in den Dreck reißen. -- In den Staub, in -den Staub, in den Staub mit euch! - - Käferstein und Dr. Kegel wollen ernst bleiben, brechen indessen bald - in lautes Gelächter aus, in das der Direktor hineingerissen wird. - Walburga macht große Augen. Spitta behält seinen Ernst. - - Nun steigt Frau John über die Leiter vom Boden herunter, nach - einiger Zeit folgt ihr Quaquaro, der Vizewirt. - - Direktor Hassenreuter - bemerkt Frau John, weist heftig mit beiden Armen auf sie, wie - wenn er eine Entdeckung gemacht hätte. - -Da kommt Ihre tragische Muse, Spitta. - - Frau John - die sich unter dem Gelächter des Direktors, Kegels und - Käfersteins genähert hat, verdutzt. - -Wat ha ick denn an mir, Herr Direkter? - - Direktor Hassenreuter - -Alles Gute und Schöne, beste Frau John! Danken Sie Gott, wenn Ihr -stilles, eingezogenes, friedliches Leben Sie zur tragischen Heldin -ungeeignet macht. -- Aber sagen Sie, haben Sie etwa Gespenster gesehen? - - Frau John - mit unnatürlicher Blässe. - -I, weshalb denn nu det? - - Direktor Hassenreuter - -Etwa gar wieder den famosen Soldaten Sorgenfrei, der dort oben als -Deserteur ins bessere Jenseits seine Militärkarriere beschlossen hat? - - Frau John - -I, wenn't 'n lebendicher Mensch wär, det kennte sind: vor tote Jeister -furcht ick mir nich. - - Direktor Hassenreuter - -Na, wie war's, Herr Quaquaro, unter den Bleidächern? - - Quaquaro - der einen schwedischen Reiterstiefel mitbringt. - -Ick habe mir allens jut umjesehen un bin zur Iberzeijung jekomm, det -mindestens obdachloses Jesindel oben, durch wat for'n Zujang weeß ick -noch nich, jenächtigt hat. Un denn hab ick det hier in Stiefel jefunden. --- - - Er zieht aus dem Reiterstiefel ein Kinderfläschchen mit - Gummipfropfen, halb mit Milch gefüllt. - - Frau John - -Det erklärt sich: ick ha oben zu'n rechten jesehn und ha Adelbertchen -bei mich jehat. -- Ick bin an die janze Jeschichte unschuldig! - - Direktor Hassenreuter - -Das Gegenteil hat wohl auch niemand behauptet, Frau John. - - Frau John - -Wo Adelbertchen zur Welt kam ... wo Adelbertchen jestorben war ... der -soll ma komm und soll mir sachen, wat eene richtiche Mutter is ... aber -nu muß ick fort, Herr Direkter ... Nu kann ick zweer Tage och drei nich -oben komm. Atje! ick muß ma bißken mit Adelbertchen bei meine Schwächern -zeichen uf Sommerfrische. -- - - Sie trottet durch die Flurtür ab. - - Direktor Hassenreuter - -Was hat sie da durcheinander gefaselt? - - Quaquaro - -Schon wo se det erste Kindeken hatte, nu jar nachdem, wie et jestorben -is, wa eene Schraube los bei die John. Seit se nu jar det Zweete hat, -wackeln zweee. Hinjejen, deswechen, rechnen kann se. Die hat manchen -juten Jroschen bei schene Prozente uf Fänder ausjeborcht. - - Direktor Hassenreuter - -Was soll ich nun als Bestohlener tun? - - Quaquaro - -Det kommt druf an, wo Verdacht hin is. - - Direktor Hassenreuter - -In diesem Hause? -- Sagen Sie selbst, Herr Quaquaro ... - - Quaquaro - -Det is ja nu wahr, aber et is nu doch och so weit, det nächstens bißken -jesäubert wird. De Witwe Knobbe mit ihren Anhang wird rausjeschmissen! -Und denn is eene Blase uf Flijel B, wo Schutzmann Schierke mir hat -jesacht, det sich schwere Jungen mang mang befinden: wo de Polizei -nächstens ausheben wird. - - Direktor Hassenreuter - -Irgendwo hier im Hause ist doch ein Gesangverein. Ich höre wenigstens -manchmal wirklich hübsche Männerstimmen »Deutschland, Deutschland über -alles«, »Wer hat dich, du schöner Wald«, »In einem kühlen Grunde« und -dergleichen absingen. - - Quaquaro - -Det sind se! det sind se! die singen so jut wie de blaue Zwiebel! det -sind se, jewiß! Wo man singt, da laß dir jeruhig nieder, heeßt et zwar, -aber det wollt ick keenen raten ... Ick wage mir och man mit mein Prinz, -wat meine Bulldogge is, mang die feine Jesellschaft rin. Immer -anzeichen, anzeichen, Herr Direkter. - - Quaquaro geht ab. - - Direktor Hassenreuter - -Sein Auge blitzt Kaution. Sein Wort heischt Preußisch-Kurant. Seine -Faust bedeutet Kündigung. Wer um Ultimo nicht von ihm träumt, kann von -Glück sagen. Wer von ihm träumt, der brüllt nach Hilfe. Ein -scheußlicher, schmalziger Kerl! aber ohne ihn bekämen die Pächter dieser -Staatsbaracke die Miete nicht, und der Militärfiskus könnte die Pacht in -den Rauchfang schreiben. -- (Die Türschelle geht.) -- Das ist Fräulein -Alice Rütterbusch! die junge Naive, die ich leider bei dem Hangen und -Bangen auf die Entscheidung der Straßburger Stadtväter mir noch immer -kontraktlich nicht sichern kann. Nach meiner Ernennung, zu der Gott mir -helfe, wird ihr Engagement meine erste direktoriale Handlung sein. -- -Walburga und Spitta, marsch auf den Oberboden. Zählt die sechs Kisten -durch, wo der Vermerk Journalisten steht, daß wir im geeigneten -Augenblick mit der Inventur fertig sind. -- (Zu Käferstein und Dr. -Kegel) -- Sie mögen derweil in die Bibliothek treten. - - Er geht, um die Flurtür zu öffnen. - - Walburga und Spitta verschwinden eilig und sehr bereitwillig auf den - Oberboden. Käferstein und Kegel gehen in die Bibliothek. - - Direktor Hassenreuter - im Hintergrund. - -Bitte, kommen Sie nur herein, meine Gnädige! Pardon! Bitte sehr um -Pardon, mein Herr! Ich erwartete eine Dame ... ich erwartete eine junge -Dame ... Aber bitte, treten Sie doch herein. - - Der Direktor kommt mit Pastor Spitta wieder nach vorn. Pastor - Spitta, sechzig Jahre alt, ist ein etwas verbauerter kleiner - Landpfarrer. Man könnte ihn ebensogut für einen Feldmesser oder - kleinen Gutsbesitzer nehmen. Er ist von kräftiger Erscheinung, - kurznackig, wohlgenährt und hat ein etwas zusammengequetschtes, - breites Luthergesicht. Er trägt Schlapphut, Brille, Stock, einen - Lodenmantel überm Arm; ungeschlachte Stiefel und die Verfassung - seiner übrigen Kleidung zeigt, daß sie an Wetter und Wind schon seit - lange gewöhnt sind. - - Pastor Spitta - -Wissen Sie, wer ich bin, Herr Direktor? - - Direktor Hassenreuter - -Nicht durchaus bestimmt, aber ... - - Pastor Spitta - -Wagen Sie's nur daraufhin, Herr Direktor: nennen Sie mich bis auf -weiteres Pastor Spitta aus Schwoiz in der Uckermark, dessen Sohn Erich -Spitta, jawohl, in Ihrer Familie als Hauslehrer oder so ähnlich, tätig -gewesen ist. Erich Spitta: das ist mein Sohn. Das sag' ich mit schwerer -Bekümmernis. - - Direktor Hassenreuter - -Zunächst freue ich mich, Sie begrüßen zu können. Ich möchte Sie aber im -gleichen Atem bitten, Herr Pastor, des bewußten Seitensprunges wegen, -den Ihr Sohn Erich sich leistet, nicht allzu bekümmert, nicht allzu -besorgt zu sein. - - Pastor Spitta - -O ich bin sehr besorgt. Ich bin sehr bekümmert! -- (Er sieht sich mit -großem Interesse, auf einem Stuhl sitzend, in dem seltsamen Raume um.) --- Es ist schwer zu sagen, äußerst schwer begreiflich zu machen, bis zu -welchem hohen Grade ich bekümmert bin. Aber verzeihen Sie eine Frage, -Verehrtester: ich war im Zeughaus. -- (Er berührt mit dem Stock einen -der Pappenheimschen Kürassiere.) -- Was sind das für Rüstungen? - - Direktor Hassenreuter - -Das sind Pappenheimsche Kürassiere. - - Pastor Spitta - -Ah ah, ich stellte mir Schiller ganz anders vor! -- (Sich sammelnd.) -- -O dieses Berlin! Es verwirrt mich ganz! Sie sehen in mir einen Mann, -Herr Direktor, der nicht nur bekümmert, nicht nur durch dieses Sodom -Berlin im Innersten aufgewühlt, sondern geradezu durch die Tat seines -Sohnes gebrochen ist. - - Direktor Hassenreuter - -Eine Tat? Welche Tat? - - Pastor Spitta - -Das fragen Sie noch? Der Sohn eines redlichen Mannes und ... und ... -Schauspieler. - - Direktor Hassenreuter - gereckt, mit Haltung. - -Mein Herr, ich billige den Entschluß Ihres Sohnes nicht. Aber ich -selbst, der ich, _hony soit qui mal y pense_, der Sohn eines redlichen -Mannes und selber, will ich hoffen, ein Mann von Ehre bin, ich, wie ich -hier stehe, ich war selbst Schauspieler und habe noch vor kaum sechs -Wochen bei einem Lutherfestspiel in Merseburg .... ich bin -Kulturkämpfer! nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspieler -meinen Fuß auf die weltbedeutenden Bretter gestellt. In bezug auf -bürgerliche Ehre und vom Standpunkt der allgemeinen Ehrenhaftigkeit -dürfte also, nach meinen Begriffen wenigstens, der Entschluß Ihres Herrn -Sohnes nicht zu beanstanden sein. Aber es ist ein schwerer Beruf, und -man muß auch außerdem dazu sehr viel Talent haben. Auch geb' ich zu: für -schwache Charaktere ist es ein Beruf, der besonders gefährlich ist. Und -schließlich habe ich selbst die ungeheure Mühsal meines Standes so bis -auf die Nagelprobe kennen gelernt, daß ich jeden davor behüten möchte. -Deshalb gebe ich meinen Töchtern Ohrfeigen, sobald auch nur der leiseste -Gedanke zur Bühne zu gehen sich geltend macht, und eh' ich sie an einen -Mimen verheiratete, würde ich jeder von ihnen einen Stein um den Hals -hängen und sie ertränken im Meer, wo es am tiefsten ist. - - Pastor Spitta - -Ich wollte niemand zu nahe treten. Ich gebe auch zu, ich habe als -schlichter Landpfarrer von alledem keine Vorstellung. Aber denken Sie -sich einen Vater an, eben einen solchen armen Landpfarrer, der seine -Pfennige mühsam zusammenkratzt, um seinem Sohne das Studium zu -ermöglichen. Denken Sie, daß dieser Sohn kurz vor seinem Examen steht -und daß Vater und Mutter -- ich hab eine kranke Frau zu Haus! -- mit -Schmerzen oder mit Sehnsucht, wie Sie wollen, auf den Augenblick warten, -jawohl, wo er in irgendeiner Pfarre seiner Bestimmung von der Kanzel die -Probepredigt halten wird. Und nun kommt dieser Brief! der Junge ist -wahnsinnig. -- - - Die Erregung des Pastors ist nicht gerade gespielt, aber beherrscht. - Das Zittern, womit er nach seinem Briefe in die Brusttasche greift - und ihn dem Direktor hinhält, ist nicht ganz überzeugend. - - Direktor Hassenreuter - -Junge Leute suchen. Allzusehr dürfen wir uns nicht wundern, wenn eine -Krise im Leben eines jungen Mannes zuweilen nicht zu vermeiden ist. - - Pastor Spitta - -Nun, diese Krise war zu vermeiden. Sie werden aus diesem Briefe unschwer -erkennen, wer verantwortlich für den verderblichen Umschwung in der -Seele eines so jungen, braven und immer durchaus gehorsamen Menschen zu -machen ist. Ich hätte ihn nie sollen nach Berlin schicken. Jawohl: die -sogenannte wissenschaftliche Theologie, die mit allen heidnischen -Philosophen liebäugelt, und die uns den lieben Herrgott in Rauch, den -Herrn und Heiland in Luft verwandeln will, die mache ich für den -schweren Fehltritt meines Kindes verantwortlich. Und nun kommen dazu die -anderen Verführungen: Herr Direktor, ich habe Dinge gesehen, wovon zu -sprechen mir ganz unmöglich ist! Hier habe ich Zettel in allen Taschen: -Elite-Ball! Fesche Damenbedienung! und so fort. Ich gehe halb ein Uhr -nachts ganz ruhig durch die Passage zwischen Linden und Friedrichstraße, -schmeißt sich ein scheußlicher Kerl an mich an, halbwüchsig und fragt -mit einer schmierigen, scheuen Dreistigkeit: ob der Herr vielleicht -etwas Pikantes will? Und nun diese Schaufenster, wo neben den Bildern -der hohen und Allerhöchsten Herrschaften nackte Schauspielerinnen, -Tänzerinnen, kurz die anstößigsten Nuditäten zu sehen sind! Und dann -dieser Korso, dieser Korso! wo die geschminkte, aufgedonnerte Sünde die -Bürgersfrau vom Bürgersteig auf die Straße drängt! Das ist einfach -Weltuntergang, Herr Direktor! - - Direktor Hassenreuter - -Ach Herr Pastor, die Welt! die geht nicht unter! nicht wegen der -Nuditäten und ebensowenig der heimlichen Sünde wegen, die Nachts durch -die Straßen schleicht. Sie wird mich und wahrscheinlich das ganz skurile -Menschheitsintermezzo noch überleben. - - Pastor Spitta - -Was diese jungen Leute vom rechten Wege ablenkt, ist das böse Beispiel, -ist die Gelegenheit. - - Direktor Hassenreuter - -Mit Erlaubnis, Herr Pastor: ich habe eigentlich eine Neigung zum -Leichtsinn in Ihrem Sohne niemals bemerkt. Er hat einen Zug zur -Literatur, und er ist nicht der erste Pastorensohn -- Lessing, Herder -_etcetera_, der in den Weg der Literatur und Poeterei eingebogen ist. -Möglicherweise hat er schon Stücke im Schubfach liegen. Allerdings muß -ich sagen: die Ansichten, die Ihr Herr Sohn auch auf dem Felde der -Literatur vertritt, sind selbst für mich mitunter beängstigend. - - Pastor Spitta - -Das ist ja furchtbar! das ist ja entsetzlich! und geht über meine -schlimmsten Befürchtungen weit hinaus. Und so sind mir die Augen denn -aufgegangen. -- Mein Herr, ich habe acht Kinder gehabt, von denen Erich -unsre schönste Hoffnung, seine nächstälteste Schwester unsre schwerste -Prüfung von Gott bedeutete und die nun, dem Anschein nach, beide von der -gleichen verruchten Stadt als Opfer gefordert worden sind. Das Mädchen -war früh entwickelt, war schön! -- doch -- Jetzt muß ich zu etwas -anderem kommen. -- Ich bin seit drei Tagen in Berlin und habe Erich noch -nicht gesehen. Als ich ihn heute aufsuchen wollte, war er in seiner -Wohnung nicht anwesend. Ich habe eine Weile gewartet und mich natürlich -dabei in seiner Behausung umgesehen. Nun: betrachten Sie dieses Bild, -Herr Direktor! - - Er hat eine kleine Photographie, indem er Erichs Brief zurücklegt, - aus der Brieftasche genommen und hält sie dem Direktor unter die - Augen. - - Direktor Hassenreuter - nimmt und betrachtet das Bild, bald wie ein Kurzsichtiger, bald - wie ein Weitsichtiger, stutzt. - -Wieso? - - Pastor Spitta - -An dem albernen Lärvchen liegt weiter nichts. Aber lesen Sie bitte die -Unterschrift. - - Direktor Hassenreuter - -Wo? - - Pastor Spitta - liest. - -»Ihrem einzigen Liebsten, seine Walburga.« - - Direktor Hassenreuter - -Erlauben Sie mal! -- Was heißt das, Herr Pastor? - - Pastor Spitta - -Irgendein Nähmädchen heißt das! Wenn nicht gar irgendeine obskure -Kellnerin! - - Direktor Hassenreuter - sehr bleich. - -Hm. -- (Steckt das Bild ein.) -- Ich werde das Bild behalten, Herr -Pastor. - - Pastor Spitta - -In solchem Schmutz wälzt sich dieser Sohn. Und nun denken Sie sich in -meine Lage: mit welchen Gefühlen, mit welcher Stirn soll ich künftig vor -meiner Gemeinde auf der Kanzel stehn ......? - - Direktor Hassenreuter - -Donnerwetter, was geht mich das an, Herr Pastor! Was habe ich mit Ihrem -Sprengel, mit Ihren verlorenen Söhnen und Töchtern und dergleichen zu -tun? (Er zieht wieder die Photographie.) -- Und übrigens, was dieses -kernige, tüchtige Mädchen betrifft, »Kellnerin und dergleichen«, so -irren Sie sich! Weiter sage ich nichts! Alles weitere wird sich finden, -Herr Pastor. Adieu. - - Pastor Spitta - -Ich gestehe frei, ich begreife Sie nicht. Wahrscheinlich ist das der -Ton, der in Ihren Kreisen der übliche ist. Ich gehe und werde Sie nicht -mehr belästigen. Aber ich habe als Vater das Recht vor Gott, Sie, Herr -Direktor, zu verpflichten: verweigern Sie künftig, oder ich werde Mittel -und Wege zu finden wissen, meinem verblendeten Sohne diesen sogenannten -dramatischen Unterricht! - - Direktor Hassenreuter - -Nicht nur das, Herr Pastor: sondern ich werde ihm ganz direkt den Stuhl -vor die Tür setzen. - - Er geleitet den Pastor hinaus, schlägt die Tür zu und kommt ohne ihn - wieder. - - Direktor Hassenreuter - schleudert die Arme in die Luft. - -Hier kann man nur sagen: Neandertaler! -- (Er stürmt die Bodentreppe -hinauf.) -- Spitta, Walburga, kommt mal herab. - - Walburga und Spitta kommen. - - Direktor Hassenreuter - zu Walburga, die ihn fragend ansieht. - -Geh auf deinen Kontorbock. Setz dich auf deinen humoristischen -Körperteil! -- Na, und Sie, lieber Spitta, was wollen Sie noch? - - Spitta - -Sie hatten gerufen, Herr Direktor. - - Direktor Hassenreuter - -Gut. Sehen Sie mir ins Angesicht! - - Spitta - -Bitte. - - Er tut es. - - Direktor Hassenreuter - -Ihr macht einen dumm! Aber mich sollt ihr nicht dumm machen! Still! -- -Kein Wort! Ich hätte mich von Ihnen eines anderen versehen, als eines so -exemplarischen Beweises von Undankbarkeit! -- Still! -- Im übrigen war -ein Herr hier! er fürchtet sich! Vorwärts! Gehen Sie ihm nach! -- -Begleiten Sie ihn auf die Straße hinunter. Suchen Sie ihm begreiflich zu -machen, daß ich nicht Euer Schuhputzer bin. - - Spitta - zuckt die Achseln, nimmt seinen Hut, geht ab. - - Direktor Hassenreuter - schreitet energisch auf Walburga zu und zieht sie am Ohr. - -Und du meine Liebe, du bekommst Ohrfeigen, wenn du mit diesem Schlingel -von verkrachtem Theologen noch jemals ohne meine Erlaubnis zwei Worte -sprichst. - - Walburga - -Au au, Papa. - - Direktor Hassenreuter - -Dieser Wicht, der mit Vorliebe schafsdumme Gesichter macht, als ob er -kein Wässerchen trüben könnte, und dem ich den Zutritt in mein Haus zu -eröffnen so unvorsichtig war, ist leider ein Mensch, hinter dessen Maske -die unverschämteste Frechheit lauert. Ich und mein Haus, wir dienen dem -Geiste der Wohlanständigkeit. Willst du den Schild unserer Ehre -beflecken, etwa wie die Schwester von diesem Burschen, die zur Schande -ihrer Eltern, wie es scheint, in Gasse und Gosse geendigt ist? - - Walburga - -Über Erich bin ich nicht deiner Ansicht, Papa. - - Direktor Hassenreuter - -Was?! Nun jedenfalls kennst du meine Ansicht! und weißt, einen Appell -gegen meine Ansichten gibt es nicht! Du gibst ihm den Laufpaß oder -siehst selber zu, wo du außerhalb deines Elternhauses mit deinem ehr- -und pflichtvergessenen lockeren Lebenswandel durchkommen wirst! Dann -fort mit dir! von solchen Töchtern mag ich nichts wissen! - - Walburga - bleich, finster. - -Du sagst ja immer Papa, du hast dir deinen Weg auch ohne deine Eltern -selbständig suchen müssen. - - Direktor Hassenreuter - -Du bist kein Mann. - - Walburga - -Gewiß nicht. Aber denke doch mal an Alice Rütterbusch. - - Vater und Tochter sehen einander fest in die Augen. - - Direktor Hassenreuter - -Wieso? -- Bist du heiß? was? oder bist du irrsinnig? -- (Er lenkt ab, -merklich aus dem Konzept und pocht an die Bibliothek.) -- Wo blieben wir -stehen? Setzen Sie ein. - - Kegel und Käferstein erscheinen. - - Kegel, Käferstein - deklamieren. - - »Weisere Fassung - ziemet dem Alter. - Ich, der Vernünftige - grüße zuerst.« - - Geführt von Spitta erscheint die Piperkarcka, straßenmäßig - gekleidet, und Frau Kielbacke, die einen Säugling im Steckkissen - trägt. - - Direktor Hassenreuter - -Was wollen Sie? Mit was für Weibsleuten überlaufen Sie mich? - - Spitta - -Es ist nicht meine Schuld, Herr Direktor, die Frauen wollten zu Ihnen -hinein. - - Frau Kielbacke - -Nee. Wir wollen man bloß Frau Mauerpolier John sprechen. - - Die Piperkarcka - -Ist doch immer bei Sie hier oben, Frau John?! - - Direktor Hassenreuter - -Ja! Aber ich fange an zu bedauern, daß das so ist, und wünschte -jedenfalls, daß sie ihre privaten Empfänge nicht hier bei mir, sondern -unten bei sich erledigt. Sonst richte ich nächstens vor der Tür -Selbstschüsse oder Fußangeln ein. -- Wo fehlt's Ihnen eigentlich, bester -Spitta? Sie müssen jetzt schon die Gnade haben und diese Damen nach -unten zurechtweisen. - - Die Piperkarcka - -Unten in ihre Wohnung war nich zu finden, Frau John. - - Direktor Hassenreuter - -Hier oben bei uns ist sie auch nicht zu finden. - - Frau Kielbacke - -Det junge Freilein hat nämlich ihr Söhneken bei die Frau Mauerpolier -John in Flege jehat. - - Direktor Hassenreuter - -Freut mich! Ohne Umstände los! Retten Sie mich, Käferstein. - - Frau Kielbacke - -Nun is 'n Herr von de Stadt als wie vormundschaftswechen, nachsehn -jekomm: wie't steht mit det Kind und det jut versorcht und in Stande is. -Und denn is er, denn sind wir bei Frau John mitsamt den Herrn sind wir -rinjejang. Denn stand det Kind und 'n Zettel bei, det Frau John hier -oben uf Arbeet is. - - Direktor Hassenreuter - -Wo ist das Kind in Pflege gewesen? - - Frau Kielbacke - -Bei de Frau Mauerpolier John. - - Direktor Hassenreuter - ungeduldig. - -Das ist vollkommen blödsinnig! Das ist unrichtig! -- Hätten Sie doch -lieber den alten humorvollen Herrn begleitet, dem ich Sie nachgesendet -habe, Spitta, statt mir diese Damen hier auf den Hals zu ziehn. - - Spitta - -Ich suchte den Herrn, aber er war schon verschwunden. - - Direktor Hassenreuter - -Die Damen scheinen mir nicht zu trauen. Sagen Sie ihnen doch, meine -Herren, daß Frau John kein Kind in Pflege hat, und daß sie also -bezüglich des Namens im Irrtum sind. - - Käferstein - -Ich soll Ihnen sagen, meine Damen, daß Sie wahrscheinlich bezüglich des -Namens im Irrtum sind. - - Die Piperkarcka - heftig, verweint. - -Hat Kindchen in Flege! Hat mein Kindchen in Flege jehabt. Is Herr von -die Stadt jekommen, hat jesacht, daß Kindchen in schlechte Hände, -verwahrlost is. Hat mich mein Kindeken zujrunde jerichtet. - - Direktor Hassenreuter - -Sie müssen unbedingt, meine Damen, bezüglich des Namens der Frau, von -der Sie reden, im Irrtum sein. Frau Maurerpolier John hat kein Kind in -Pflege. - - Die Piperkarcka - -Hat mein Kindchen in Klauen jehabt, hat verhungern lassen, zujrunde -jerichtet! Will sehn Frau John. Will auf Kopf draufsagen! Soll mich -jesund machen kleinet Kind! Muß vor Jericht! Herr hat jesacht, mussen -jehn an Jerichtstelle anzeichen. - - Direktor Hassenreuter - -Ich bitte Sie, sich nicht aufzuregen. Tatsache ist: Sie irren sich! Wie -kommen Sie nur auf den Gedanken, meine Damen, daß Frau John ein Kindchen -in Pflege hat? - - Die Piperkarcka - -Weil ick ihr selbst überjeben habe. - - Direktor Hassenreuter - -Frau John hat aber doch ihr eigenes Kind, mit dem sie, wie mir jetzt -einfällt, auf Besuch zu der Schwester ihres Gatten zu gehen -beabsichtigte. - - Die Piperkarcka - -Hat kein Kind. Janz und jar nich, Frau John. Ick jeh unten auf -Polizeibureau. Hat jelogen, betrogen. Hat kein Kind. Hat mich mein -Aloischen zujrunde jerichtet. - - Direktor Hassenreuter - -Bei Gott, meine Damen, Sie irren sich. - - Die Piperkarcka - -Glaubt mich kein Mensch, daß ich Kindchen jehabt habe. Hat mich mein -Bräutijam Brief jeschrieben, daß nich wahr is, daß schlechtes, -verlogenes Frauenzimmer bin. -- (Sie berührt das Tragbettchen.) -- Is -mein! will nachweisen vor Jericht! Will schwören bei heilige Mutter -Jottes. - - Direktor Hassenreuter - -Decken Sie doch mal auf, das Kind. -- (Es geschieht. Direktor -Hassenreuter betrachtet den Säugling aufmerksam.) -- Hm! Die Sache wird -sich bald aufklären, sicherlich! -- Erstens ... ich kenne Frau John! -- -hätte Frau John diesen Säugling in Pflege gehabt, er könnte ganz -unmöglich so aussehn! ganz einfach, weil Frau John, soweit Kinder in -Frage kommen, das Herz auf dem rechten Flecke hat. - - Die Piperkarcka - -Will sprechen Frau John. Weiter sagen nichts. Brauche mir nicht vor alle -Welt aufdecken. Alles will haarklein vor Jericht will aussagen, Tag, -Stunde, auch janz jenau Ort, wo jeboren is! Jlauben mir: sollten wohl -Augen aufreißen. - - Direktor Hassenreuter - -Sie meinen also, mein Fräulein, wenn ich Sie recht verstehe, die Frau -John besitze kein eigenes Kind, und das, was dafür gegolten hat, wäre -das Ihre. - - Die Piperkarcka - -Schlag Blitz mich nieder, wenn nich so is. - - Direktor Hassenreuter - -Und dies hier sei eben das strittige Kind? Gott möge Sie diesmal nicht -beim Wort nehmen! -- Nämlich, wie Sie mich sehen, ich bin der Direktor -Hassenreuter, und ich habe persönlich das Kind meiner Aufwartefrau, der -Frau John, drei- oder viermal in Händen gehabt. Ich hab' es sogar auf -der Wage gewogen. Es wiegt über acht Pfund. Dieses arme Wurm hier dürfte -noch nicht zwei Kilo wiegen. Auf Grund dieses Umstandes versichere ich -Ihnen, dies hier ist in der Tat nicht das Kind der Frau John. Es mag -richtig sein, daß es das Ihre ist. Ich könnte das schlechterdings nicht -bezweifeln. Das Kind der Frau John aber kenne ich und bin sicher, daß es -mit diesem durchaus nicht identisch ist. - - Frau Kielbacke - respektvoll. - -Nee nee, det muß wahr sind: et is nich identisch. - - Die Piperkarcka - -Det Kindken is janz jenug identisch, wenn och bißchen schlecht jenährt -und schwächlich is. Det is janz richtig hier mit det Kind! Will Eid -schwören, daß richtig identisch is. - - Direktor Hassenreuter - -Ich bin sprachlos. -- (Zu den Schülern.) -- Unser Unterricht steht heute -unter einem feindlichen Stern, werte Jünglinge! Ich weiß nicht wieso, -aber der Irrtum der Damen beschäftigt mich. -- (Zu den Frauen.) -- Sie -werden sich in der Tür geirrt haben. - - Frau Kielbacke - -Ick ha selbst mit det Freilein und mit den Herrn von die Vormundschaft -det Kindeken aus die Stube mit Schild Frau Mauerpolier John uf'n -Hausflur jeholt. Frau John war nich da und Mauerpolier John ist in -Altona abwesend. - - Schutzmann Schierke kommt, behäbig und gemütlich. - - Direktor Hassenreuter - -Ah, da ist ja Herr Schierke! Was wünschen Sie denn? - - Schierke - -Herr Direkter, ick habe erfahren, det zwee Frauensleute hier oben -jeflichtet sind. - - Direktor Hassenreuter - -Zwei Frauen sind hier. Aber wieso denn geflüchtet? - - Frau Kielbacke - -Wir sind nich jeflichtet. - - Direktor Hassenreuter - -Sie fragten nach meiner Aufwärterin. - - Schierke - -Erlauben Se, det ich se och mal wat frache. - - Direktor Hassenreuter - -Bitte. - - Die Piperkarcka - -Laß er man frachen. Deswechen kann ruhig sind. - - Schierke - zur Frau Kielbacke. - -Wie heißen Sie? - - Frau Kielbacke - -Ick bin Frau Kielbacke. - - Schierke - -Woll von det Landeskindererziehungsheim. Wo wohnen Sie? - - Frau Kielbacke - -In de Linienstraße neun. - - Schierke - -Ist das Ihr Kind, was Sie bei sich haben? - - Frau Kielbacke - -Det is Freilein von Piperkarcka ihr Kind. - - Schierke - zur Piperkarcka. - -Ihr Name? - - Die Piperkarcka - -Paula von Piperkarcka aus Skorzenin. - - Schierke - -Die Frau will behaupten, das wäre Ihr Kind. Wollen Sie das also auch -behaupten? - - Die Piperkarcka - -Herr Schutzmann, ick muß erjebenst um Schutz bitten, weil hier -unrechtmäßigerweise verdächtigt bin. Is Herr von die Stadt mit mich hier -jewesen. Haben mein Kind aus Stube Frau John, wo in Flege jewesen, -rausjeholt ... - - Schierke - mit durchbohrendem Blick. - -Et kann och die Tire jejenüber bei de Restaurateurswitwe Knobbe jewesen -sind. Wer weeß, wat Sie mit det Kindeken vorhaben, wovon Sie abjesandt -und bestochen sind. 'N jutes Jewissen haben Se nich. Jenommen un denn -hier rufjeschlichen, weil det die rechtmäßige Mutter, Witwe Knobbe, wo -bestohlen is, Treppen und Jänge absuchen, und weil schräg jejenüber -Polizeiwache is. - - Die Piperkarcka - -Is mich janz jleichgiltig Polizeiwache, bin ... - - Direktor Hassenreuter - -Sie sind widerlegt, meine beste Person! Wollen Sie denn das gar nicht -begreifen? Sie sagen, unsere John hätte kein Kind. Sie sagen, wollen Sie -bitte gefälligst aufpassen, Sie hätten Ihr Kind, das angeblich für das -von Frau John gegolten habe, aus Frau Johns Zimmer herausgeholt! Nun -also: wir alle hier kennen Frau Johns Kind und das, was Sie da haben, -ist ein anderes! Verstanden?! Was Sie behaupten also, kann, nach Adam -Riese unter gar keinen Umständen zutreffend sein! -- Übrigens wär mir's -jetzt lieb, Herr Schierke, Sie nehmen die Damen mit sich fort, und ich -könnte hier meinen Unterricht fortsetzen. - - Schierke - -Ja, denn kommen wir bloß mang die Knobben mit ihren Anhang rin. Nämlich -das Kind ist jestohlen worden. - - Die Piperkarcka - -Aber nich von mich. Is jeraubt von Frau John. - - Schierke - -Schon jut! -- (Unbeirrt zum Direktor.) -- Und es soll ja, wie't heeßt, -von Vaters Seite, blaublütig sind. Die Knobbe meent ja, et is 'n -Komplott von Feinde, weil man ihr die Rente un womeglich -Kadettenerziehung in 'ne jewisse Jejend nich jennen dut. -- (Es wird mit -Fäusten an die Tür geschlagen.) -- Det is de Knobbe. Da is se schonn. - - Direktor Hassenreuter - -Herr Schierke, Sie sind mir verantwortlich: dringen die Leute bei mir -ein und erleide ich eine Schädigung, so wende ich mich an den -Polizeipräsidenten: ich bin mit Herrn Maddei gut bekannt. Keine Furcht, -liebe Kinder, ihr seid meine Kronzeugen. - - Schierke - an der Tür. - -Draußen jeblieben! Hier rin kommen Se nich. - - Ein kleiner Janhagel heult auf. - - Die Piperkarcka - -Soll schreien, was will, bloß mein Kindchen nich nah kommen. - - Direktor Hassenreuter - -Es ist besser so. Treten Sie einstweilen hier in die Bibliothek hinein. --- (Er bringt die Piperkarcka, die Kielbacke und das Kind in die -Bibliothek.) -- Und jetzt, Herr Schierke, wollen wir meinethalben diese -Megäre da draußen herein lassen. - - Schierke - der die Tür ein wenig öffnet. - -So! Aber bloß de Knobben! Komm Se mal rin. - - Frau Sidonie Knobbe erscheint. Sie ist eine hohe, abgezehrte - Erscheinung mit stark ramponierter modischer Sommertoilette. Ihr - Gesicht trägt die Stigmata der Straße, zeugt aber übrigens nicht von - schlechter Abkunft. Ihre Allüren sind merkwürdig damenhaft. Sie - redet mit Affektation, ihre Augen deuten auf Alkohol und Morphium. - - Frau Knobbe - indem sie hereingesegelt kommt. - -Es ist keine Ursache zur Besorgnis, Herr Direktor. Vorwiegend sind es -kleine Jungens und kleine Mädchen, da ich kinderlieb bin, wie Sie -wissen, die mit mir gekommen sind. Verzeihen Sie gütigst, wenn ich hier -eindringe. Eines der Kinder sagte mir, es hätten sich zwei Frauen mit -meinem Söhnchen zu Ihnen heraufgeschlichen. Ich suche mein Söhnchen, -genannt Helfgott Gundofried, da es tatsächlich aus meiner Wohnung -verschwunden ist. Ich möchte Sie aber nicht inkommodieren. - - Schierke - -Darum wollt' ick och janz jehorsamst bitten, verstehn Se mich. - - Frau Knobbe - diese Worte mit hochmütiger Kopfbewegung übergehend. - -Ich habe unten im Hof zu meinem Leidwesen einen gewissen Lärm erregt. -Man überblickt von da aus die Fenster, und ich habe mich bei den Leuten -erkundigt, bei der armen Zigarrenarbeiterin im zweiten Stock, bei der -kleinen schwindsüchtigen Näherin am Fenster im dritten Stock, ob meine -Selma mit meinem Söhnchen etwa bei ihnen ist. Es liegt mir fern, Skandal -zu erregen. -- Sie müssen wissen, Herr Direktor -- ich weiß sehr wohl, -daß ich hier unter den Augen eines Mannes von Bedeutung, ja, eines -berühmten Mannes bin! -- Sie müssen wissen, ich bin, was Helfgott -Gundofried angeht, gezwungen, auf meiner Hut zu sein! -- (Mit -schwankender Stimme, das Taschentuch zuweilen an die Augen führend.) -- -Ich bin eine arme, vom Schicksal verfolgte Frau, mein Herr, die gesunken -ist und die bessere Tage gesehen hat. Aber ich will Sie damit nicht -langweilen. Ich werde verfolgt! man will mir die letzte Hoffnung nun -auch rauben. - - Schierke - -Sagen Se kurz, wat Se wünschen. Sputen Se sich. - - Frau Knobbe - wie vorher. - -Nicht genug: man hat mich veranlaßt, hat mich gezwungen, meinen -ehrlichen Namen abzulegen. Ich habe dann in Paris gelebt und schließlich -einen brutalen Menschen geheiratet, den Pächter von einem süddeutschen -Schützenhaus, weil ich den blöden Gedanken hatte, in meinen -Angelegenheiten dadurch gebessert zu sein. O diese Schurken von Männern, -Herr Direktor!! - - Schierke - -Det fihrt zu weit. Menagieren Se sich. - - Frau Knobbe - -Es freut mich, daß ich Gelegenheit finde, endlich mal wieder einem Manne -von Bildung und Geist in die Augen zu sehn. Mein Herr, ich könnte Ihnen -eine Geschichte vortragen ... im Volksmund heiße ich hier die »Gräfin«, -und Gott ist mein Zeuge, in meiner frühen Jugend war ich nicht weit -entfernt davon! Eine Zeitlang war ich auch Schauspielerin! Wie sagte -ich: eine Geschichte vortragen aus meinem Leben, aus meiner -Vergangenheit, die den Vorzug hat, nicht erfunden zu sein. - - Schierke - -Na wer weeß och. - - Frau Knobbe - mit Emphase. - -Mein Elend ist nicht erfunden. Trotzdem es erfunden klingt, wenn ich -sage, wie ich eines Nachts im tiefsten Abgrunde meiner Schande einen -Vetter, einen Jugendgespielen, der jetzt Garderittmeister ist, nachts -auf der Straße traf. Er lebt oberirdisch, ich unterirdisch, seit mich -mein adelstolzer Herr Vater verstieß, nachdem ich als junges Ding einen -Fall getan hatte. O Sie ahnen nicht, welcher Stumpfsinn, welche Roheit, -welche Gemeinheit in meinen Kreisen üblich ist. Ich bin ein zertretener -Wurm, Herr Direktor, und doch, dorthin, nach diesem glänzenden Elend, -sehne ich mich nicht eine Sekunde zurück. - - Schierke - -Nun woll'n wir jefälligst zur Sache kommen. - - Direktor Hassenreuter - -Bitte, Herr Schierke, mich interessiert das! unterbrechen Sie zunächst -mal die Dame nicht -- (zur Knobbe) -- Sie hatten von Ihrem Vetter -gesprochen. Sagten Sie nicht, daß er Garderittmeister ist? - - Frau Knobbe - -Er war in Zivil. Er ist Garderittmeister. Er erkannte mich, und wir -feierten schmerzlich selige Stunden alter Erinnerung. In seiner -Begleitung befand sich -- ich nenne den Namen nicht! -- ein blutjunger -Leutnant. Kerlchen wie Milch und Blut, aber zart und schwermütig. Herr -Direktor, ich habe die Scham verlernt! man hat mich neulich sogar aus -einer Kirche herausgewiesen: warum soll eine so zertretene, entehrte, -verlassene, mehrmals vorbestrafte Person vor Ihnen nicht offen bekennen, -daß er der Vater meines Helfgott Gundofried geworden ist. - - Direktor Hassenreuter - -Des Kindes, das Ihnen entwendet wurde? - - Frau Knobbe - -Wie die Leute sagen. Es kann ja sein! ich selbst, obgleich meine Feinde -mächtig sind und jedwedes Mittel in der Hand haben, ich bin noch nicht -ganz überzeugt davon. Vielleicht ist es aber doch ein Komplott, von den -Eltern des Vaters angezettelt, Menschen, die, Sie würden erstaunen, -Träger eines der ältesten und berühmtesten Namens und Geschlechtes sind. -Adieu! Herr Direktor, was Sie auch von mir hören sollten, denken Sie -nicht, mein besseres Fühlen ist in dem Sumpfe total erstickt, in den ich -mich stürzen muß. Ich brauche den Sumpf, wo ich gleich und gleich mit -dem Abschaum der Menschheit bin. Da, hier -- (sie weist ihren nackten -Arm vor) -- vergessen! Betäubung! Ich verschaffe es mir mittels Chloral, -mittels Morphium! Ich finde es in den menschlichen Abgründen. Warum -nicht? wem bin ich verantwortlich? Einst wurde meine geliebte Mama -meinetwegen von meinem Vater heruntergemacht! Die Bonne bekam -meinetwegen Krampfanfälle! Mademoiselle und eine englische Miß rissen -sich, weil jede behauptete, daß ich sie mehr liebte, in der Wut -gegenseitig die Chignons vom Kopf. Jetzt ... - - Schierke - -Sage ick Ihnen, jetzt hören Se uf: wir kenn hier Leute nich Freiheit -berauben. -- (Er öffnet die Bibliothekstür.) -- Jetzt sagen Se, ob det -hier Ihr Kindeken is. - - Zuerst tritt die Piperkarcka mit haßerfüllten Augen, Frau Knobbe - anstarrend, aus der Tür. Die Kielbacke mit dem Kinde folgt. Schierke - nimmt das Tuch von dem Kindchen. - - Die Piperkarcka - -Was wollen von mich? Was kommen mir nachsetzen? Bin ick Zijeuner? Sollen -wohl Kinder stehlen in Häuser jehn? Was? Sind nich gescheit! Werden mich -schön hüten! Hab' selber für mich und mein Kind kaum Essen jenug! Wer -'rumjehn, wer fremde Kinder auflesen und jroß füttern, wo eijnes mir -schon jenug Kummer und Ärjer macht. - - Frau Knobbe - glotzt, sieht sich fragend und hilfesuchend um. Holt dann - schnell ein Flakon aus der Tasche und gießt den Inhalt auf ihr - Schnupftuch. Das Schnupftuch führt sie dann an Mund und Nase und - saugt den Duft des Parfüms, um nicht ohnmächtig zu werden. - Hierauf glotzt sie wie vorher. - - Direktor Hassenreuter - -Ja warum sprechen Sie nicht, Frau Knobbe? Das Mädchen behauptet, daß sie -selbst und nicht Sie, Frau Knobbe, Mutter des kleinen Kindes ist. - - Frau Knobbe - erhebt den Schirm, um damit zu schlagen. Man fällt ihr in den - Arm. - - Schierke - -Det jibt's nich! Det is hier nich Kindererziehung! Det machen Se, wenn -Se unter sich in de Kinderstube alleene sind! -- Die Hauptsache bleibt, -wen jehert hier det Kind? -- Und nu ... und jetzt ... Frau verwitwete -Knobbe, ieberlechen Se sich, det Se hier reenste Wahrheit sachen! So! Is -et Ihret? oder 'n fremdet Kind? - - Frau Knobbe - bricht los. - -Ich schwöre bei der heiligen Mutter Gottes, bei Jesus Christus, Vater, -Sohn und heiliger Geist, daß ich Mutter von diesem Kinde bin. - - Die Piperkarcka - -Und ick schwöre bei heilije Mutter Jottes ... - - Direktor Hassenreuter - -Halt, Fräulein, retten Sie Ihre Seele! -- Es mag meinethalben ein Fall -von den allerverwickeltsten Umständen sein! Sie schwören dabei -vielleicht vollständig gutgläubig, aber Sie werden mir das gewiß -zugeben: jede von Ihnen könnte zwar die Mutter von Zwillingen sein -- -ein Kind mit zwei Müttern ist nicht zu denken! - - Walburga - die unverwandt und starr, gleich Frau Knobbe, aus der Nähe das - Kind betrachtet. - -Papa! Papa! So sieh doch mal erst das Kind. - - Frau Kielbacke - weinerlich, entsetzt. - -Ja, det Kindeken stirbt schon jlob ick, seit ick hier drin im Zimmer -jewesen bin. - - Schierke - -Wat? - - Direktor Hassenreuter - -Wie? -- (Er tritt energisch näher und betrachtet einige Zeit ebenfalls -das Kind.) -- Das Kindchen ist tot! Das ist ohne Frage! -- Hier ist ohne -Zweifel einer gewesen, unsichtbar, der über das unbeteiligte arme, -kleine Streitobjekt ein wahrhaft salomonisches Urteil gesprochen hat. - - Die Piperkarcka - versteht nicht. - -Wat jiebt denn? - - Schierke - -Ruhe! -- Komm Sie mit. - - Frau Knobbe scheint die Sprache verloren zu haben. Sie steckt ihr - Taschentuch in den Mund. Tief in ihrer Brust röchelt es. Schierke, - die Kielbacke mit dem toten Kinde, gefolgt von Frau Knobbe und der - Piperkarcka ab. Man hört Gemurmel auf dem Flur. - - Der Direktor kommt wieder, nachdem er hinter den Abgehenden die Tür - verschlossen hat. - - Direktor Hassenreuter - -_Sic eunt fata hominum._ Erfinden Sie so was mal, guter Spitta. - - - - - Vierter Akt - - - Die Wohnung des Maurerpoliers John, wie im zweiten Akt. Es ist früh - gegen acht Uhr Sonntags. - - Maurerpolier John befindet sich unsichtbar hinter dem Verschlage. - Man kann aus seinem Planschen und Prusten entnehmen, daß er bei der - Morgenwäsche ist. Quaquaro ist eben eingetreten und hat die Klinke - der Flurtür in der Hand. - - Quaquaro - -Sache ma, is deine Frau zu Hause, Paul? - - John - hinterm Verschlag. - -Noch nich, Emil. Meine Frau is mit den Jungen bei meine verheirate -Schwester in Hangelsberg. Will aber heut morchen noch wiederkomm. -- -(John erscheint, sich abtrocknend, in der Tür des Verschlages.) Schen -juten Morchen, Emil. - - Quaquaro - -Morchen, Paul. - - John - -Na wat jibt et Neies? Ick bin vor 'ne halbe Stunde erst von de Bahn aus -Hamburch jekomm. - - Quaquaro - -Ick sah dir ins Haus jehn un Treppe rufsteichen. - - John - aufgeräumt. - -Na ja, Emil, du bist eben so 'n richticher Zerberus. - - Quaquaro - -Sache ma, Paul: wie lange is deine Frau mit det Kleene in Hangelsberg? - - John - -I, det muß so um die acht Dache so rum sind, Emil. Wiste wat von ehr? -Miete hat se doch woll richtich abjeführt. Ibrigens kann ick jleich -kindigen, Emil. Denn et is nu so weit: wir ziehn an erschten Oktober. -Ick ha Muttern nu endlich breit jekricht, det wir aus det olle wacklige -Staatsjebäude raus und in 'ne beßre Jejend ziehn. - - Quaquaro - -Nach Altona wiste nu nich mehr zurick? - - John - -Nee! bleibe in Lande und nähre dir redlich! Ick jeh nich mehr auswärts! -Nich in die Hand! -- Schon erstlich: immer uf Schlafstelle rumdricken! -und denn och: jinger wird eener nich! De Mächens wolln och all nich mehr -recht mehr so anbeißen ... Nee nee, et is jut so, det ma det ewiche -Wanderleben zu Ende is. - - Quaquaro - -Deine Frau hat et jut anjeschlachen, Paul. - - John - gut gelaunt. - -Na, junge Ehe, wo ebent erst Kindchen jekomm is!? Ick ha zum Meester -jesacht: ick bin jung verheirat! Denn hat er jefracht, ob meine erschte -Frau jestorben is? O konträr! Janz in't Jejenteil, hab' ick jeantwort: -die is so lebendig und quietschfidel, die hat sojar noch 'ne -quietschfidelen kleenen Berliner zujekricht! -- Wie ick heute Morchen, -Berlin--Hamburg--Stendal--Ültzen zum letztenmal uf'n Lehrter Bahnhof mit -mein janzes Zeug aus de vierte Klasse jestiegen bin, hab' ick 'n lieben -Jott, der Deibel hol mir! so alt wie ick bin, mit een Seufzer jedankt. -Er wird ihm wohl bei den Lärm uf'n Lehrter nich jehert haben. - - Quaquaro - -Haste jehert, Paul, det drieben de Knobbe ihr Jüngstes och wieder mit -Dot abjejang is? - - John - -Nee! Wie soll ick da von wat jehert haben. Aber wenn et dot is, denn is -et doch jut, Emil. Als ick det Wurm vor acht Dache jesehn habe, wo -Krämpfe hatte und Selma jekomm is und ick und Mutter haben ihm noch'n -Löffel Zuckerwasser injejossen, da war et doch schon reichlich reif -for't Himmelreich. - - Quaquaro - -Sache ma, haste denn von die Umstände jar nich jehert, wie und wo det -Kindchen zu Dode jekomm is? - - John - -Nee! -- (Er zieht eine lange Tabakspfeife hinter dem Sofa hervor.) -- -Wart ma! ick brenne mir erst ma 'ne Pipe an. Nee! wo soll ick da von wat -jehert haben. - - Quaquaro - -Ick verwunder mir aber doch, det deine Frau dir nischt von jeschrieben -hat. - - John - -I, mit Jette und mit die Knobbekinder is det, seit det mir 'n eegnet -Kind haben, bei Muttern uf eema wie abjeschnappt. - - Quaquaro - lauernd. - -Deine Frau wollte ja doch immer brennend jerne 'n Sohn haben. - - John - -Na det is och! Meenste woll etwa, ick nich? For wat rackert eens denn? -For wat schind ick mir denn? Det is doch wat anders, wenn 'n scheenet -rundet Stück Jeld for'n eijnen Sohn oder for Schwesterkinder ufjespart -bleiben dut. - - Quaquaro - -Weeste denn nich, det 'n fremdet Mächen jekomm is, Paul, und hat -behauptet, det det Kind von de Knobbe jar nich ihr eechnet, sondern det -Kind von det fremde Mächen jewesen is? - - John - -Nanu? De Knobben und Kinderstehlen? Wenn't Mutter wär! aber de Knobben -doch nich. Sach ma, Emil, wat is denn det for 'ne Jeschichte. - - Quaquaro - -Na, nu, d'r eene sagt so, d'r andre sagt so. De Knobben sagt, det von -een Komplott mit Detektivs aus jewisse Kreise det kleene Balch -nachjestellt worden is. Un det is nu ja och richtig janz festjestellt: -et war det Kind von de Knobben jewesen! -- Kannst du mich irgendeenen -Wink jeben, wo de letzten Dache dein Schwager is? - - John - -Meenste dem Schlachtermeester in Hangelsberg? - - Quaquaro - -I nee, durchaus nich wat der Mann von deine Schwester, sondern von deine -Frau der Bruder is. - - John - -Da meenst du Brunon? - - Quaquaro - -Jewiß doch. - - John - -Na, noch wat, da kimmere ick mir noch wat eher drum, ob de Hunde noch -immer bei Prellsteine jehn. Von Brunon will ick weiter nischt wissen. - - Quaquaro - -Her mich ma zu, Paul. Ärjer dir nich. Nämlich uf Polizeistelle is -bekannt, det Bruno mit det polnische Mächen, wo uf det Kindeken Anspruch -machen wollte, jleich neulich hier vor de Haustür und dann och an eene -jewisse Stelle von de Uferstraße, wo de Jerber de Felle wegschwimmen, -jemeinsam jesichtet is. Nu is det Mächen janz jänzlich verschwunden. -Weiter wat Näheres weeß ick nu freilich nich! Bloß det se von Polizei -wechen det Mächen suchen. - - John - stellt entschlossen die lange Pfeife weg, die er sich angesteckt - hatte. - -Ick weeß nich, ick ha keen Justo heut morchen! -- Ick weeß nich, wat in -mir jefahren hat, ick war so verjnügt wie'n Eckensteher. Uf eemal is -mich so kodderig zumut, det ick an liebsten jleich wieder nach Hamburg -mechte un jar nischt weiter heren und sehn! -- Wat kommst de denn mir, -Emil, mit so 'ne Jeschichten? - - Quaquaro - -Ick wollte dir man bloß bißken ufklären, wat inzwischen, wo ja du un -wohl ja och deine Frau auswärts jewesen is, in deine Behausung jeschehn -is. - - John - -In meine Behausung? - - Quaquaro - -Det is ja! Jawoll! Selma hatte ja, heeßt et, det Knobbesche Jungchen in -Kinderwachen hier rieberjeschoben, wo et det fremde Frauenzimmer mit -ihre Begleitung aus deine Wohnung jenommen und wechjetragen hat. Oben -bei de Kammedienspieler is se ja dann noch jlicklich jestellt worden. - - John - -Wat is se? - - Quaquaro - -Und da haben sich och de Knobbe un det fremde Mächen ieber det dote Kind -bei de Haare jekricht. - - John - -Wenn ick man wißte, wat mir det soll, Emil, wo doch alle Ochenblicke -hier mit Frauenzimmer een Jewürge is. Laß se man kampeln! Mir is det -jleichjiltig! Nämlich, Emil, wenn da nich sonst wat dahinter is!? - - Quaquaro - -Deshalb komm ick ja, Paul! Et is wat dahinter! Det Mächen hat nämlich -mehrmals vor Zeuchen ausjesacht: erstlich, det Wurm von de Knobbe, det -wär ihr Kind und det hätt' se ausdricklich bei deine Frau, Paul, in de -Flege jejeben. - - John - stutzt, lacht befreit. - -Der pickt et! der is woll ma nich janz unwohl jeworden! - - Erich Spitta kommt. - - Spitta - -Guten Morgen, Herr John. - - John - -Juten Morchen, Herr Spitta. -- (Zu Quaquaro, der noch in der geöffneten -Tür steht.) -- 'S jut, Emil! Ick wer mir wissen zu richten nach. - - Quaquaro ab. - - John - fährt fort. - -Nu sehn Se ma so 'n Männeken, Herr Spitta! Mit een Fuß steht er in't -Jefängnis, mit 'n andern is er Liebkind beim Bezirkskommissar uf't -Polizeibüro! un denn jeht er bei ehrliche Leute rumschnüffeln. - - Spitta - -Hat Fräulein Walburga Hassenreuter nach mir gefragt, Herr John? - - John - -Bis jetzt noch nich. Nee, det ick nich wißte! -- (Er öffnet die -Flurtür.) -- Selma! -- Entschuldjen Se mir ma 'n Ojenblick. -- Selma! -- -Ick muß ma det Mächen wat aushorchen. - - Selma Knobbe kommt. - - Selma - noch in der Tür. - -Wat is? - - John - -Mach ma de Tir zu, komm ma 'n bißken 'rin! Un nu sach mal, Mächen, wat -det hier in de Stube mit dein kleenet verstorbenet Briderchen und mit -det fremde Weibsbild jewesen is. - - Selma - die, mit merkbar schlechtem Gewissen, lauernd näher getreten ist, - jetzt sehr wortgewandt. - -Ick hatte den Kinderwachen hier rieber jeschoben. Ihre Frau war nicht da -und da dacht ick, det hier drieben, wo doch det Briderken sowieso krank -war und immer schrie, det hier drieben bei Sie mehr Ruhe is. Nu kam een -Herr un kam eene Dame un noch 'ne Frau kam uf eemal hier rin. Und denn -ha'm se det Kindeken hier aus 'n Wachen raus, frische Wäsche jewickelt -un mit fortjenomm. - - John - -Und denn hat die Dame jesacht, et wär ihr Kind und se hätt' et bei -Muttern, als wie det meine Olle is, hätt' se's, sagt se, in Flege -jejeben? - - Selma - lügt. - -I, jar keene Ahnung, da wißt ick wat von. - - John - schlägt auf den Tisch. - -Na zum Kreuzdonnerwetter, det wär ja och bledsinnig. - - Spitta - -Erlauben Sie mal, das hat sie gesagt: wenn nämlich von dem Vorfall -zwischen den beiden Frauen oben bei Direktor Hassenreuter die Rede ist. - - John - -Det haben Se mit anjesehn, Herr Spitta, wo de Knobben und de andere um -det Würmchen jezerjelt hat? - - Spitta - -Allerdings. Das hab' ich mit angesehn. - - Selma - -Weiter kann ick nischt sachen, und wenn mir och Schutzmann Schierke und -meinswechen der lange Polizeileitnam janzem zwee Stunden und länger -verhören dut. Ick weeß eben nischt. Ick kann eben nischt sachen. - - John - -'N Polizeileitnam hat dir ausjefracht? - - Selma - knutscht. - -Se wollen doch Maman in Kasten bringen, weil et Leute anjezeicht un -jelogen haben, det unser Kindeken vahungert is. - - John - -Ach! so! -- Na Selma, jeh, laß ma 'n Kaffee durchlofen. - - Selma begibt sich an den Herd, wo sie den Kaffee für John - zubereitet. John selbst geht an den Arbeitstisch, nimmt den Zirkel - und zieht dann mit der Schiene einige Linien. - - Spitta - mit Überwindung. - -Eigentlich hoffte ich Ihre Frau hier zu treffen, Herr John. Mir hat -jemand gesagt, Ihre Frau hätte gegen Sicherheit mitunter kleine Beträge -an Studenten geliehen. Ich bin nämlich in Verlegenheit. - - John - -Det mag sind. Aber det is Mutterns Sache, Herr Spitta. - - Spitta - -Ganz offen gesagt, wenn ich bis heute abend kein Geld schaffe, werden -meine paar Bücher und Habseligkeiten von meiner Zimmerwirtin mit -Beschlag belegt und man setzt mich eigentlich auf die Straße. - - John - -Ick denke Ihr Vater ist Paster, Herr Spitta. - - Spitta - -Das ist er. Aber gerade deshalb, und weil ich selber nicht Pastor werden -mag, habe ich gestern abend einen furchtbaren Krach mit meinem Vater -gehabt. Ich werde von ihm keinen Pfennig mehr annehmen. - - John - arbeitend. - -Det jeschieht Vatern recht, wenn ick verhungern tu oder 'n Hals breche. - - Spitta - -Ein Mensch wie ich, wird nicht verhungern, Herr John. Geh ich aber -zugrunde, so ist mir's auch gleichgültig. - - John - -Det jlobt eener nich, wat unter euch Studenten for ausjehungerte arme -Ludersch sind. Aber keener will wat Reelles anfassen. -- (Ferner Donner. -John blickt durchs Fenster.) -- Heute wird schwule. Et donnert schon. - - Spitta - -Von mir dürfen Sie das nicht sagen, Herr John, daß ich etwas Reelles -nicht anfassen möchte: Stunden geben! für Geschäfte Adressen schreiben! -Ich habe das alles schon durchgemacht und damit, wie mit manchem anderen -Versuch, nicht nur Tage sondern auch Nächte um die Ohren geschlagen. -Dabei hab' ich gebüffelt und Bücher gewälzt. - - John - -Mensch, jeh nach Hamburg und laß dir als Maurer instellen! Wie ick so -alt war wie Sie, ha ick in Altona in Akkord schon bis zwelf Mark täglich -verdient. - - Spitta - -Das mag sein. Aber ich bin Geistesarbeiter. - - John - -Det kennt man. - - Spitta - -So?! Mir scheint nicht, daß Sie das kennen, Herr John. Vergessen Sie -aber bitte nicht: Ihre Herrn Bebel und Liebknecht sind auch -Geistesarbeiter. - - John - -Na jut! Denn komm Se! denn wollen wir man wenigstens frühstücken. Allens -sieht sich janz andersch an, wenn det eener 'n Happenpappen jefrühstückt -hat. Se haben woll noch nich jefrühstückt, Herr Spitta? - - Spitta - -Nein, offen gestanden, heute noch nicht. - - John - -Na denn machen Se man det Se wat Warmes in Leib kriechen. - - Spitta - -Das hat Zeit. - - John - -I nee, Se sehen sehr vakatert aus. Und ick ha och die Nacht uf de Bahn -jelejen. -- (Zu Selma, die ein Leinwandsäckchen mit Semmeln hereingeholt -hat.) -- Bring ma schnell noch 'ne Tasse ran. - - Er hat breit auf dem Sofa Platz genommen, tunkt Semmel ein und - trinkt Kaffee. - - Spitta - der noch nicht Platz nimmt. - -Eine Sommernacht bringt man doch lieber im Freien zu, wenn man im -übrigen doch nicht schlafen kann. Und ich habe nicht eine Minute -geschlafen. - - John - -Dem wollt ick ma sehn, der in Dalles is und jut schlafen kann! Wer in -Dalles is, hat och in Freien de meeste Jesellschaft. -- (Er vergißt -plötzlich zu kauen.) -- Komm ma her, Selma, sache nochma janz jenau, wie -det mit det fremde Mächen und det fremde Kind, det se hier aus de Stube -jeholt hat, jewesen is. - - Selma - -Ick weeß nich, det frächt mich 'n jeder, frächt mir Mama jetzt 'n lieben -langen Dach! ob ick Brunon Mechelke jesehn habe! ob ick wissen soll, wer -oben uf'n Boden bei de Kammedienspieler Kleider jestohlen hat! Wenn det -so fortjeht ... - - John - energisch. - -Mächen, wat haste nich Lärm jeschlagen, wie der Herr und det Freilein -dir dein Brüderken aus'n Wachen jenommen hat? - - Selma - -Jeschieht ihm ja nischt, dacht ick! krist ma reene Wäsche. - - John - faßt Selma beim Handgelenk. - -Na nu komm ma mit, wollen ma rieber bei deine Mutter jehn. - - John mit Selma an der Hand ab. - - Sobald John verschwunden ist, fällt Spitta über das Frühstück her. - Bald darauf erscheint Walburga. Sie ist in großer Eile und sehr - aufgeregt. - - Walburga - -Bist du allein? - - Spitta - -Augenblicklich ja. Guten Morgen, Walburga. - - Walburga - -Komm ich zu spät? Ich habe mich ja nur mit der allergrößten Schlauheit, -mit der allergrößten Entschlossenheit, mit der allergrößten -Rücksichtslosigkeit, komme was wolle, von Hause losgemacht. Meine -jüngere Schwester hat mir die Tür vertreten. Das Dienstmädchen! Ich -sagte aber zu Mama, wenn sie mich nicht durch das Entree hinausließen, -so möchten sie nur die Fenster vergittern: sonst würde ich drei Stock -hoch durchs Fenster direkt auf die Straße gehn. Ich fliege. Ich bin mehr -tot wie lebendig. Aber ich bin zum letzten bereit. Wie war es mit deinem -Vater, Erich? - - Spitta - -Wir sind auseinander. Er meinte, ich würde Treber fressen wie weiland -der verlorene Sohn, und ich möchte mir ja nicht einfallen lassen, als -Luftspringer oder Kunstreiter, wie er sich auszudrücken beliebt, jemals -wieder die Schwelle des Vaterhauses betreten zu wollen. Für Gesindel -öffne sich seine Haustür nicht. Ich werd's verwinden! Nur meine arme -gute Mutter bedaure ich. -- Du kannst dir nicht denken, mit welchem -abgrundtiefen Haß ein solcher Mann gegen alles und alles, was mit dem -Theater zusammenhängt, geladen ist! Der schrecklichste Fluch ist ihm -nicht stark genug. Ein Schauspieler ist in seinen Augen von vornherein -der allerverächtlichste, schlechteste Lumpenhund, der sich denken läßt. - - Walburga - -Ich habe auch nun herausgekriegt, wie Papa dahintergekommen ist. - - Spitta - -Mein Vater hat ihm dein Bild gegeben. - - Walburga - -Erich, Erich, wenn du wüßtest, mit welchen schrecklichen, mit welchen -grauenvollen Ausdrücken mich Papa in der Wut überschüttet hat, und ich -mußte zu allem stillschweigen. Ich hätte ihm etwas sagen können, das -hätte ihn vielleicht mit seinen Tiraden von hoher Moral stumm und -hilflos vor mir gemacht. Beinahe wollt' ich es auch: doch ich schämte -mich so entsetzlich für ihn! Meine Zunge versagte! Ich konnte nicht, -Erich! Mama mußte schließlich dazwischentreten. Er hat mich geschlagen. -Er hat mich acht oder neun Stunden lang in den finsteren Alkoven -eingesperrt, um meinen Trotz zu brechen, wie er sagt, Erich. Nun, das -gelingt ihm nicht, Erich! Er bricht ihn nicht. - - Spitta - nimmt Walburga in den Arm. - -Du Brave! du Tapfere! Siehst du, jetzt weiß ich erst, was ich an dir -besitze! weiß ich erst, was für ein Schatz du eigentlich bist. -- (heiß) --- Und wie schön du aussiehst, Walburga. - - Walburga - -Nicht! Nicht! -- Ich vertraue dir, Erich, weiter ist es doch nichts. - - Spitta - -Und du sollst dich nicht täuschen, süße Walburga. Sieh mal, ein Mensch -wie ich, in dem es gärt und der was Besonderes, Dunkles, Großes will, -was er einstweilen noch nicht recht deutlich machen kann, hat mit -zwanzig Jahren die ganze Welt gegen sich und ist aller Welt lästig und -lächerlich. Aber glaub' mir: einst wird das anders werden. In uns liegen -die Keime. Der Boden lockert sich schon! Wir sind, wenn auch noch -unterirdisch, die künftige Ernte! Wir sind die Zukunft! Die Zeit muß -kommen, da wird die ganze weite, schöne Welt unser sein. - - Walburga - -Sprich weiter, Erich, das ist mir so wohltätig. - - Spitta - -Walburga, ich habe gestern abend meinem Vater auch von der Leber weg die -Anklage des Verbrechens an meiner Schwester ins Gesicht geschleudert. -Das hat den Bruch unheilbar gemacht. Er sagte verstockt: von einer -Tochter, wie der von mir geschilderten, wisse er nichts. Sie existiere -in seiner Seele nicht und, wie es den Anschein habe, werde auch bald -sein Sohn dort nicht mehr existieren. O diese Christen! O diese Diener -des guten Hirten, der das verlorene Schaf doppelt zärtlich in seine Arme -nahm! O du lieber Heiland, wie sind deine Worte verkehrt, deine ewigen -Lehren in ihr Gegenteil umgefälscht worden. Aber als ich heut nacht bei -Donnerrollen und Wetterleuchten auf einer Bank im Tiergarten saß und -gewisse Berliner Hyänen um mich herumschlichen, da fühlte ich die -ruhelose und zertretene Seele meiner Schwester neben mir. Wie oft mag -sie selbst im Leben Nächte hindurch obdachlos auf solchen Bänken und -vielleicht auf derselben Tiergartenbank gesessen haben, um in ihrer -Verlassenheit, Ausgestoßenheit und Entwürdigung darüber nachzudenken, -wie triefend von Menschenliebe, triefend von Christentum zweitausend -Jahre nach Christi Geburt diese allerchristlichste Welt sich -manifestiert. Aber was sie auch dachte, ich denke so: Die arme Dirne, -die Sünderin, die vor neunundneunzig Gerechten geht, die von dem Drucke -der Sünde der Welt belastet ist, die arme Aussätzige und ihre -fürchterliche Anklage soll in meinem Inneren lebendig sein! Und alles -Elend, allen Jammer der Gemißhandelten und Entrechteten werfen wir mit -in die Flamme hinein! Und so soll die Schwester leben, Walburga, und -soll Herrlicheres wirken vor Gott durch das Ethos, das meine Seele -beflügelt, als die ganze kalte, herzlos böse Moralpfafferei der Welt -nicht vermag. - - Walburga - -Du warst die Nacht im Tiergarten, Erich? Deshalb sind deine Finger noch -so eiskalt, und du siehst so entsetzlich müde aus. Erich, du mußt mein -Portemonnaie nehmen! Erich! nein bitte, du mußt! Ich versichere dich! -Was mein ist, ist dein! Sonst liebst du mich nicht, Erich! Erich, du -darbst! Wenn du meine paar Groschen nicht nimmst, verweigere ich zu -Hause jede Nahrung! bei Gott, ich tu's! bis du vernünftig wirst. - - Spitta - würgt Tränen hinunter. Muß sich setzen. - -Ich bin nur nervös. Ich bin abgespannt. - - Walburga - steckt ihr Portemonnaie in seine Hosentasche. - -Nun sieh mal, Erich, deshalb habe ich dich eigentlich hier zu Frau John -bestellt. Zu allem Unglück bekomme ich gestern noch hier diese -gerichtliche Vorladung. - - Spitta - betrachtet ein Schriftstück, das sie ihm gereicht hat. - -Du? Und weshalb denn das, sag' mal, Walburga. - - Walburga - -Ich bin mir sicher, daß es mit den gestohlenen Sachen auf dem Oberboden -zusammenhängt. Aber es macht mich furchtbar unruhig. Wenn Papa das -erfährt ... ja, was tu ich dann? - - Frau John, das Kind auf dem Arm, straßenmäßig angezogen, sehr - gehetzt, sehr verstaubt, kommt herein. - - Frau John - erschrocken, mißtrauisch, halblaut. - -Nu? Wat wollt ihr hier? Is Paul schon zu Hause? Ick war eben ma 'n -bißken mit det Kindken uf de Jasse jejangn. - - Sie trägt das Kind hinter den Verschlag. - - Walburga - -Bitte, Erich, sprich doch mal über meine Vorladung mit Frau John. - - Frau John - -Paul is ja zu Hause, da liejen ja seine Sachen. - - Spitta - -Fräulein Hassenreuter wollte Sie gern mal sprechen. Sie hat nämlich, -wahrscheinlich wegen der gestohlenen Sachen, Sie wissen ja, auf dem -Oberboden, eine gerichtliche Vorladung. - - Frau John - tritt aus dem Verschlage. - -Wat? Eene Vorladung ham Sie jekricht, Freulein Walburga? Na, denn nehm -sich in Obacht! Ick spaße nich! un phantasieren Se womeglich von -schwarzen Mann. - - Spitta - -Was Sie da sagen, Frau John, ist unverständlich. - - Frau John - zur häuslichen Beschäftigung übergehend. - -Habt ihr jehert, det draußen in eene Laubenkolonie vor't Hallesche Tor -der Blitz heute morchen Mann, Frau und 'n Mächen von sieben unter eene -hohe Pappel erschlagen hat? - - Spitta - -Nein, Frau John. - - Frau John - -Et pladdert schon wieder. - - Man hört, wie ein Regenschauer niedergeht. - - Walburga - ängstlich. - -Komm Erich, wir wollen trotzdem ins Freie gehn. - - Frau John - lauter und lauter werdend. - -Und wissen Se wat: ick habe die Frau kurz vorher noch jesprochen, wo -nachher von Blitze erschlachen is. Die hat jesacht -- nu hern Se ma zu, -Herr Spitta .... een dotet Kindeken, det man in Kinderwachen legt und -raus in die warme Sonne rickt -- det muß aber Sommersonne und -Mittagssonne sind, Herr Spitta! -- det zieht Atem! det schreit! det is -wieder lebendig! -- Det jloben Se nich? wat? det ha ick mit meine Ochen -jesehn. - - Sie geht in eigentümlicher Weise im Kreise herum, ohne scheinbar - mehr etwas von der Gegenwart der beiden jungen Leute zu wissen. - - Walburga - -Du, die John ist unheimlich, komm! - - Frau John - noch lauter. - -Det jloben Se nich, det det wieder lebendig is? Denn kann Mutter kommen -und nehmen. Denn muß et jleich Brust kriejen. - - Spitta - -Adieu, Frau John. - - Frau John - noch lauter. - - Bringt, seltsam aufgeregt, die beiden jungen Leute bis zur Tür. - -Sie jloben det nich! Det is aber heilig so, Herr Spitta. - - Spitta und Walburga ab. - - Frau John - hält die Tür in der Hand, ruft noch auf den Flur hinaus. - -Wer det nich jlobt, der weeß von det janze Jeheimnis, wo ick entdeckt -habe, nischt. - - Maurerpolier John steht in der Tür und tritt gleich darauf ein. - - John - -I, da bist du ja, Mutter! Schen willkomm! Von wat for'n Jeheimnis -sprichst du denn? - - Frau John - wie aufwachend, faßt sich an den Kopf. - -Ick? -- Ha ick denn von 'n Jeheimnis jesprochen? - - John - -Na ick denke doch, wenn ick nich schwerherig bin. Biste nu 'n Jeist oder -bistes wirklich? - - Frau John - befremdet, ängstlich. - -Woso soll ick 'n Jeist sind? - - John - schlägt seine Frau gutmütig auf den Rücken. - -Jette, beiß mir man nich. Ick freu mir ja reichlich deswechen, det de nu -wieder mit dein Patenjeschenk bei mich bist! -- (Er geht hinter den -Verschlag.) -- Et sieht aber 'n bißken miserich aus, Jette. - - Frau John - -Et vertrug de Milch nich. Det kommt, weil draußen uf'n Lande de Kühe -schon jrienet Futter kriejen. Hier von de vereinichte Molkerei ha ick -wieder welche, wo trocken jefüttert is. - - John - erscheint wieder. - -Ick sag's ja, was biste erst mit det Kind uf de Bahn und raus aus de -Stadt jeturnt! Ick spreche, die Stadt is an allerjesindsten. - - Frau John - -Nu bleib ick och wieder zu Hause, Paul. - - John - -In Altona, Jette, is och nu allet in't reene jebracht. Jejen Mittag -treff' ick mit Karln zusamm, und denn will er mir sachen, wenn ick beim -neuen Meester antreten kann! -- Hör ma: ick ha och wat mitjebracht. - - Er schüttelt eine kleine Kinderklapper, die er aus der Hosentasche - nimmt. - - Frau John - -Wat denn? - - John - -Det Leben wird in de Kinderstube, weil et doch in Berlin manchma immer -'n bißken zu stille is! -- Horch ma, wie't kräht. -- (Man hört das -Kindchen allerlei vergnügte Geräusche machen.) -- Nee Mutter, wenn so 'n -Kindeken kräht, dafor jeb ick Amerika. - - Frau John - -Haste schonn jemand jesprochen, Paul? - - John - -Nee! -- Ick ha hechstens heut morchen Quaquaron jesprochen. - - Frau John - scheu, gespannt. - -Nu? und? - - John - -I, laß man, jar nischt, et war weiter nischt. - - Frau John - wie vorher. - -Wat hat er jesacht? - - John - -Wat soll er jesacht haben? -- Na, wenn de schon keene Ruhe jeben dust -- -wat soll det nitzen an Sonntag morchen? -- er hat mir ma wieder nach -Brunon jefracht. - - Frau John - hastig, bleich. - -Wat soll denn Bruno wieder jemacht haben? - - John - -Jar nischt! -- Hier, komm und trink 'n Schluck Kaffee, Jette, und ärjer -dir nich! -- Wat kannst de dafür, wenn eener so 'n sauberet Brüderken -hat? -- Wat brauchen wir uns um andre bekimmern? - - Frau John - -Det mecht ick wissen, wat so 'ne olle dußliche Dromlade, wo 'n janzen -Tag spionieren dut, immer von Brunon zu quasseln hat. - - John - -Jette, mit Brunon laß mir in Frieden! -- -- -- Sieh ma ... i wat denn? -... lieber nich! ... Aber wenn ick da wieder wat sollte von sachen: det -soll mir nich wundern, wo mit Bruno ma jelejentlich in Jefängnishof, -haste nich jesehn! ma'n schnellet Ende is. -- (Frau John läßt sich am -Tisch nieder, wird grau im Gesicht, stützt sich auf beide Ellenbogen und -atmet schwer.) -- Vielleicht och nich! nimm et dir man nich jleich so zu -Herzen! -- -- Wat macht denn de Schwester? - - Frau John - -Ick weeß et nich. - - John - -Na ick denke, de bist bei se draußen jewesen. - - Frau John - sieht ihn geistesabwesend an. - -Wo bin ick jewesen? - - John - -Siehste woll, Jette, det is mit euch Weiber! de schudderst ja! bein Arzt -und bein Doktor wiste nich hinjehn! womeglich det de noch nachträglich -zum Liechen kommst. Det is wenn eens die Natur vernachlässigt. - - Frau John - fällt ihrem Mann um den Hals. - -Paul, du wist mir verlassen! Jott in Himmel, Paul, sach et! sach et -bloß, tu mir nich hinters Licht fihren! Sach et! Fihr mir nich hinters -Licht. - - John - -Wat is mit dich heute los, Henerjette? - - Frau John - plötzlich verändert. - -Hör man nich druf, Paul, wat ick so herschwatze. Ick ha wieder die Nacht -keene Ruhe jehat! Und denn war ick früh uf, und denn is et nich anders, -als wie det ick 'n bißken von Kräfte bin. - - John - -Denn leg dir man lang und ruh dir 'n bißken. -- (Frau John wirft sich -lang auf das Sofa und starrt gegen die Decke.) -- Kannst dir dann och ma -'n bißken kämmen, Jette! -- -- Uf de Bahn war et wohl sehr staubig -jewesen, det de so ieber und ieber mit Sand injepulvert bist? -- -- -- -(Frau John antwortet nicht, sie starrt gegen die Decke.) -- Ick muß ma -det Bengelchen 'n bißken an't Licht holen. - - Er begibt sich hinter den Verschlag. - - Frau John - -Wie lange sind wir verheirat, Paul? - - John - Die Kinderklapper geht hinterm Verschlag, dann: - -Det war achtzehnhundertundzweeundsiebzig, jleich wie ick bin aus'n -Kriege jekomm. - - Frau John - -Nich, denn kamst de zu Vater hin? -- und denn hast de in Positur -jestanden? -- und denn hast de't eiserne Kreuz an de linke Brust jehat. - - John - erscheint, das Kind im Steckkissen auf dem Arme, die Kinderklapper - schwingend. Er sagt lustig: - -Jawoll! det ha ick och heute noch, Mutter! Und wenn de't sehn willst, -denn stech ick's mir an. - - Frau John - noch immer lang ausgestreckt. - -Und denn kamst de zu mich, und denn hast de jesacht: ick sollte nich -immer so fleißig ... nich immer so hin und her, treppuf, treppab ... ick -sollte ma 'n bißken pomadich sind. - - John - -Det sach ick so jut och heute noch, Jette. - - Frau John - -Und denn haste mir mit dein Schnurrbart jekitzelt und hast mir links -hinter't Ohr jeküßt! -- Und denn ... - - John - -Denn sind wir wohl einig jeworden? -- - - Frau John - -Denn ha ick jelacht und ha mir nach und nach, apee apee von oben bis -unten in alle Uniformknöppe abjespiejelt. Und da ha ick noch anders -ausjesehn! -- Und denn haste jesacht ... - - John - -I Mutter, de kannst dir wahrhaftig sehn lassen, det jlobt eener nich, -wat du for'n Jedächtnis hast. - - Frau John - -Und denn haste jesacht: wenn ick nu bald 'n Jungen krieje, der soll och -ma »mit Jott für Kenig und Vaterland« und »Wacht am Rhein« hinter de -Fahne her zu Felde ziehn. - - John - singt, über das Kindchen, zur Klapper. - - »Er blickt hinauf in Himmels Aun - wo Heldenväter niederschaun: - zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein!« ... - -Nu ha ick so'n Kerlchen, und nu bin ick wahrhaftig jar nich so wilde -druf, det ick ihm mechte womeglich als Kanonenfutter in Krieg schicken. - - Er geht mit dem Kindchen in den Verschlag. - - Frau John - wie vorher. - -Paulicken, Paulicken, det allens is hundert Jahre her! - - John - kommt, ohne das Kind, wieder aus dem Verschlag. - -Janz so lange woll doch nich, Jette. - - Frau John - -Sach ma, wie wär det? du nähmst mir mit und jingst mit mich und mein -Kindeken jingst du fort nach Amerika? - - John - -Na nu her ma, Jette: wat is mit dich? Wat is det? Bin ick denn hier von -Jespenster umjeben? Du weeßt, det ick uf'n Bau, und wenn de Arbeeter mit -Klamotten ibereinander her sind, ieberhaupt mir nich ufrege und, wat se -mir nennen, Paul is immer jemitlich, bin! Aber nu: wat is det? De Sonne -scheint! et is hellichter Tag! ick weeß nich: sehen kann ick et nich! -Det kichert, det wispert, det kommt jeschlichen! und wenn ick nach -jreife, denn is et nischt. Nu will ick ma wissen, wat an die Jeschichte -mit det fremde Mächen hier in de Stube Wahret is. - - Frau John - -Paul, du hast jehert, det Freilein is ieberhaupt jar nich mehr -wiederjekomm. Da draus kannst de sehn ... - - John - -Det sachst de zu mich mit blaue Lippen und machst Augen, wie wennste -jerädert bist. - - Frau John - verändert. - -Jawoll! Wat läßte mir jahrelang alleene, Paul? wo ick in mein Käfiche -sitzen muß und keen Mensch nich is, mir ma auszusprechen. Manch liebet -Mal hab' ick hier jesessen und jefracht, warum det ick immer rackern du? -warum det mir abdarbe, Jroschens mühsam zusammenscharre, dein Verdienst -jut anleche und wie ick uf jede Art wat zuzuverdien mir abjrübeln du. -Warum denn? Det soll allens for fremde Leite sind? Paul, du hast mir -zujrunde jerichtet! - - Sie legt den Kopf auf den Tisch und bricht in Schluchzen aus. - - In diesem Augenblick ist, katzenartig leise, Bruno Mechelke - eingetreten. Er hat seine Sonntagskluft an, hat Flieder an der Mütze - und einen großen Fliederzweig in der Hand. John trommelt ans Fenster - und bemerkt ihn nicht. - - Frau John - hat Bruno wie eine Geistererscheinung nach und nach ins Auge - gefaßt. - -Bruno, bist du's? - - Bruno - der blitzschnell den Maurerpolier erkannt hat, leise. - -Na jewiß doch, Jette. - - Frau John - -Wo kommst de denn her? Wat wiste denn? - - Bruno - -Na, ick habe de Nacht durchjescherbelt, Jette. Det siehste doch, det ick -bei jute Laune bin. - - John - hat Bruno bis jetzt unverwandt angesehen, wobei eine gefährliche - Blässe sein Gesicht überzogen hat. Jetzt geht er langsam zu einem - kleinen Schrank und zieht einen alten Kommißrevolver hervor, den - er ladet. Dies wird von Frau John nicht beobachtet. - -Du! -- Hör ma! -- Nu will ick dir ma wat sachen! -- Wat, wat de -vielleicht verjessen hast -- det de weiter nu keene Ausrede hast, wenn -ick det Dinges hier uf dir abdricke! -- Du Lump! Unter Menschen jeherst -du nich! Ick ha dir jesacht, det ick dir niederknalle, det war vorichten -Herbst, wo du mich jemals wieder uf meine Schwelle unter de Auchen -trittst -- Nu jeh! sonst kracht et! -- Hast de verstanden? - - Bruno - -Vor deine Musspritze furcht ick mir nich. - - Frau John - die bemerkt, daß John, seiner selbst nicht mächtig, den Revolver - langsam gegen Bruno erhebt. - -Denn mach mir dot, Paul! Et is mein Bruder! - - Sie ist John in den Arm gefallen, so daß sein Revolver gegen sie - gerichtet ist. - - John - sieht sie lange an, scheint zu erwachen, wird anderen Sinnes. - -Jut! -- (Er legt den Revolver wieder sorgfältig in das Schränkchen.) -- -Hast och recht, Jette! -- Pfui Deibel, Jette, det dein Name och in de -Fresse von so 'n Schubiack is! -- Jut! -- Det Pulver wär och zu schade! --- Det Dinges hat Blut von zwee franzesche Reiter jekost! Zwee Helden! --- Nu soll et am Ende Dreck saufen. - - Bruno - -Det kann immer sind, det Dreck ... in dein Schädel ist! Und wenn du nich -jerade, det de bei meine Schwester uf Schlafstelle wärscht, denn hätt' -ick dir woll ma wat Luft jemacht, Rotzjunge, det de häst vierzehn Dache -'t Loofen jekricht. - - John - gewaltsam ruhig. - -Sach noch ma, Jette, det det dein Bruder is. - - Frau John - -Paul, jeh man, ick wer' ihm schon wieder fortschaffen! Det weeßt de -doch, det ick et nu ma doch nich ändern kann, det Bruno von mich der -Bruder is. - - John - -Na, denn bin ick hier iebrig, denn schnäbelt euch man. -- (Er ist fertig -gekleidet und schickt sich zum Gehen an. Dicht bei Bruno steht er -still.) -- Schuft! du hast deinem Vater im Jrabe jeärgert! Deine -Schwester hätte dir sollen hinterm Zaune in Jraben verhungern lassen, -statt jroßjezogen, und det eenen Lumpenkanaille mehr uf de Erde is. In -eene halbe Stunde komm ick zurück! aber nich alleene! Ick komm mit'n -Wachmeester! - - John geht durch die Flurtür ab, seinen Kalabreser aufstülpend. - - Bruno wendet sich, sowie John hinaus ist, und spuckt ihm nach, gegen - die Eingangstür. - - Bruno - -Wenn ick dir ma in de Wuhlheide hätte. - - Frau John - -Woso kommste nu, Bruno? Sache, wat is! - - Bruno - -Pinke mußte mich jeben, sonst jeh ick verschütt, Jette. - - Frau John - verschließt und verriegelt die Flurtür. - -Wacht ma, ick schließe die Diere zu! -- Nanu, wat is? -- Wo kommste her? -Wo biste jewesen? - - Bruno - -Jetanzt ha ick, Jette, de halbe Nacht, und denn wa' ick 'n bißken jejen -Morchenjrauen in't Jrüne jejang. - - Frau John - -Hat dir Quaquaro sehn reinkomm, Bruno? Denn nimm dir in Obacht, det de -nich in de Falle sitzt. - - Bruno - -I Jott bewahre. Ick bin ieber'n Hof, denn bei mein Freind durch'n -Knochenkeller und hernach ieber'n Oberboden rinjekomm. - - Frau John - -Na? Und wat is nu jewesen, Bruno? - - Bruno - -Wuddel nich, Jette. Jieb Reisejeld! Ick jeh verschütt, oder ick muß -abtippeln. - - Frau John - -Und wat haste nu mit det Mächen jemacht? - - Bruno - -I, et hat Rat jejeben, Jette! - - Frau John - -Wat heeßt det? - - Bruno - -Ick ha ihr soweit wenigstens bißken jefiege jemacht. - - Frau John - -Und det se nich wiederkommt is nu sicher! - - Bruno - -Jawoll! Det se nu nochma kommt, jlob ick nich! Aber det wa keen leichtet -Stick Arbeet, Jette. Du hast mich mit deine verdammte Pillenkrajerei -- -ick ha Durscht, Jette, jieb mich zu saufen, Jette! ... hast du mir -kochend heeß jemacht. - - Er trinkt eine Wasserflasche leer. - - Frau John - -Se haben dir vor de Diere jesehn mit det Mächen. - - Bruno - -Ick ha mir mit Artur verabred, Jette. Von mich wollt se nischt wissen. -Denn is Artur in feine Kluft anjetänzelt jekomm und hat ihr och richtig -verschleppt in Bolljongeller. Det hat se jejlobt, uf dem Leim is se -jekrochen, det ihr Breitjam dort warten tut! - - Er trällert und tänzelt krampfhaft. - - Unser janzet Leben lang - von det eene Ristorang - in det andre Ristorang - - Frau John - -Na und denn? - - Bruno - -Denn wollt se fort, weil Adolf jesacht hat, det ihr Breitjam jejangen -is! Denn ha ick wollen ihr noch 'n Stickchen bejleiten, Artur und Adolf -sind mitjejang. Denn sind wir bei Kalinich in de Hinterstube injefallen, -und denn is se ja och von den vielen Nippen an Groch und Schnäpse molum -jeworn. Und denn hat se in'n Bullenwinkel bei eene jenächtigt, wo Arturn -seine Jeliebte is. Den nächsten Dach sind wir immer zwee drei Jungs -hinterher jewesen, nich losjelassen, immer von frischen Quinten jemacht, -und in de Schublade is et ja nu och lustig zujejang. - - Die Kirchenglocken des Sonntagmorgens beginnen zu läuten. - - Bruno - fährt fort. - -Aber 't Jeld is futsch. Ick brauche Märker und Pfenniche, Jette. - - Frau John - kramt nach Geld. - -Wieviel mußte haben? - - Bruno - lauscht den Glocken. - -Wat denn? - - Frau John - -Jeld! - - Bruno - -Der olle Verkümmler unten in Knochenkeller meent, det ick an liebsten -muß ieber de russische Jrenze jehn! -- Her ma, Jette, de Jlocken läuten. - - Frau John - -Weshalb mußte denn ieber de Jrenze jehn? - - Bruno - -Nimm ma 'n nasses Handtuch, Jette, un du och 'n bißken Essig druf. Ick -weeß nich, wat mich det Nasenbluten janze Nacht schon jeärjert hat. - - Er drückt sein Taschentuch an die Nase. - - Frau John - holt ein Handtuch, atmet krampfhaft. - -Wer hat dir an Handjelenk so 'ne Striemen jekratzt, Bruno? - - Bruno - lauscht den Glocken. - -Heute morchen halb viere hätt' se det Jlockenläuten noch heren jekonnt. - - Frau John - -O Jesus, mein Heiland, det is ja nich wahr! det kann ja nich -menschenmeglich sein! Det ha ick dir nich jeheeßen, Bruno! Bruno! ick -muß mir setzen, Bruno. -- (Sie tut es.) -- Det hat ja Vater noch uf'n -Sterbebette zu mich vorausjesacht. - - Bruno - -Mit Brunon is nich zu spaßen, Jette. Wenn de zu Minnan hinjehst, denn -sache, det ick ma och uf sowat vastehe und det mit Karln und Fritzen det -Jehänsel 'n Ende hat. - - Frau John - -Bruno, wenn se dir aber festsetzen. - - Bruno - -Na jut, denn mache ick Bammelmann, und denn ha'm se uf Charité wieder ma -wat zum Sezieren. - - Frau John - gibt ihm Geld. - -Det is ja nich wahr! Wat hast du jetan, Bruno? - - Bruno - -Du bist 'ne olle vadrehte Person, Jette. -- (Er faßt sie nicht ohne -Gemütsanwandlung.) -- Ihr sagt immer, det ick zu jar nischt nitze bin, -aber wenn't jar nich mehr jeht, denn braucht ihr mir, Jette. - - Frau John - -Na und wie denn? Haste den Mächen jedroht, det se soll nich mehr blicken -lassen? -- Det haste jesollt, Bruno. Haste det nich? - - Bruno - -De halbe Nacht hab' ick mit ihr jetanzt. Nu sind wir uf de Straße -jejang. Denn war 'n Herr mitjekomm, vastehste! Und wie det ick jesacht -habe, det ick von meinswechen mit die Dame 'n Hihnchen zu pflicken habe -und 'n Schneiderring aus de Bucksen jezogen, hat er natierlich Reißaus -jenomm. -- Nu ha ick zu ihr jesacht: ängsten sich nich, Freilein! wo -jutwillig sind und wo keen Lärm schlachen, und nie nich mehr bei meine -Schwester nachfrachen nach ihr Kind, soll allet janz jitlich in juten -vereinigt sind! und denn is se mit mich jejondelt 'n Sticksken. - - Frau John - -Na und? - - Bruno - -Na und? -- Und da wollte se nich! -- Und da fuhr se mit eemal nach meine -Jurjel, det ick denke ... wie 'n Beller, der toll jeworden is! und hat -noch Saft in de Knochen jehabt ... det ick jleich denke, det ick soll -alle werden! Na, und da ... da war ick nu och 'n bißken frisch -- und -denn war et -- denn war et halt so jekomm. - - Frau John - in Grauen versunken. - -Um welche Zeit war et? - - Bruno - -So 'rum zwischen vier und drei. Der Mond hat 'n jroßen Hof jehat. Uf'n -Zimmerplatz hinter de Planken is een Luder von Hund immer rufjesprung -und anjeschlagen. Denn dreppelte et und denn is 'n Jewitter -niederjejang. - - Frau John - verändert, gefaßt. - -'S jut! Nu jeh! Die verdient et nich besser. - - Bruno - -Atje! Na nu sehn wa uns ville Jahre nich. - - Frau John - -Wo wiste denn hin? - - Bruno - -Erst muß ick ma Stunde zweee längelang uf'n Ricken liechen. Ick och! Ick -jeh zu Fritzen, wo eene Kammer in't olle Polizeijefängnis jejenieber de -Fischerbrücke zu Miete hat. Dort bin ick sicher. Wo Ufstoß is, kannste -mich Nachrich zukomm lassen. - - Frau John - -Wiste det Kindeken nochma ankieken? - - Bruno - zittert. - -Nee. - - Frau John - -Warum nich? - - Bruno - -Nee Jette, in diesen Leben nich! Atje Jette! -- Wacht ma Jette: hier is -noch 'n Hufeisen! -- (Er legt ein Hufeisen auf den Tisch.) -- Det ha ick -jefunden! Det bringt Glick! Ick brauche ihm nich. - - Bruno Mechelke, katzenartig, wie er gekommen, ab. Frau John blickt - mit entsetzt aufgerissenen Augen nach der Stelle, wo er verschwunden - ist, wankt dann einige Schritte zurück, preßt die wie zum Gebet - verkrampften Hände gegen den Mund und sinkt in sich zusammen, immer - mit dem vergeblichen Versuch, Gebetsworte gegen den Himmel zu - richten. - - Frau John - -Ick bin keen Merder! ick bin keen Merder! det wollt ick nich! - - - - - Fünfter Akt - - - Zimmer bei Johns. Frau John liegt schlafend auf dem Sofa. Walburga - und Spitta treten vom Flur her ein. Man vernimmt von der Straße - herauf laute Militärmusik. - - Spitta - -Es ist niemand hier. - - Walburga - -Frau John! Doch Erich! Hier liegt ja Frau John. - - Spitta - mit Walburga an das Sofa tretend. - -Schläft sie? Wahrhaftig. Das begreife einer, wie man bei diesem Lärm -schlafen kann. -- - - Die Militärmusik ist verklungen. - - Walburga - -Ach Erich, pst! diese Frau ist mir grausenvoll. Verstehst du denn -übrigens, weshalb unten am Eingang Polizeiposten stehn und weshalb sie -uns nicht auf die Straße lassen? Ich hab' eine solche furchtbare Angst, -daß man womöglich arretiert wird und mit zur Wache muß. - - Spitta - -Aber gar keine Idee! Du siehst ja Gespenster, Walburga. - - Walburga - -Als der Mann in Zivil auf dich zutrat und uns anblickte und du ihn -fragtest, wer er sei und er seine Legitimationsmarke aus der Tasche -nahm, wahrhaftig, da fing sich Treppe und Flur auf einmal um mich im -Kreise zu drehen an. - - Spitta - -Sie suchen einen Verbrecher, Walburga. Das ist eben eine sogenannte -Razzia, eine Art Kesseltreiben auf Menschen, wie die Kriminalpolizei sie -zuweilen veranstalten muß. - - Walburga - -Und außerdem kannst du mir glauben, Erich, ich habe Papa'ns Stimme -gehört, der laut mit jemand geredet hat. - - Spitta - -Du bist nervös. Du kannst dich getäuscht haben. - - Walburga - die John spricht im Schlaf, Walburga erschrickt. - -Horch mal, die John. - - Spitta - -Große Schweißtropfen stehen ihr auf der Stirn. Komm mal, sieh mal das -alte rostige Hufeisen, das sie mit beiden Händen umklammert hat. - - Walburga - horcht und erschrickt wieder. - -Papa! - - Spitta - -Ich verstehe dich nicht. Laß ihn doch kommen, Walburga. Die Hauptsache -ist, daß man weiß, was man will und daß man ein reines Gewissen hat. Ich -bin bereit. Ich ersehne die Aussprache. - - Es wird laut an die Tür geklopft. - - Spitta - fest. - -Herein! - - Frau Direktor Hassenreuter erscheint, mehr als sonst außer Atem. - Über ihr Gesicht geht ein Ausdruck der Befreiung, als sie ihrer - Tochter ansichtig wird. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Gott sei gelobt! Da seid ihr ja, Kinder. -- (Walburga fliegt zitternd in -ihre Arme.) -- Mädel, wie du deine alte Mutter geängstet hast! -- - - Längeres Atmen und Stillschweigen. - - Walburga - -Verzeih, Mama: ich konnte nicht anders. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Nein! Solche Briefe mit solchen Gedanken schreibt man an eine Mutter -nicht. Besonders an eine Mutter wie mich nicht, Walburga! Hast du -Seelensnöte, so weißt du auch, daß du mich noch immer mit Rat und Tat -dir zur Seite hast. Ich bin kein Unmensch und auch früher mal jung -gewesen. Aber ins Wasser springen ... ins Wasser springen und so -dergleichen, mit solchen Drohungen spielt man nicht. Ich habe doch -hoffentlich recht, Herr Spitta. Und nun auf der Stelle ... wie seht ihr -denn aus? -- auf der Stelle kommt mit mir beide nach Hause mit! -- Was -hat denn Frau John? - - Walburga - -Ja hilf uns! steh uns bei! nimm uns mit, Mama! Ich bin so froh, daß du -da bist. Ich hab' plötzlich eine so lähmende Angst gehabt. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Also kommt, das wäre noch schöner, daß man sich von Ihnen, Herr Spitta, -und diesem Kinde solcher verzweifelter Torheiten zu gewärtigen hat. Man -hat Mut in Ihren Jahren! Man verfällt nicht auf Ausflüchte, wenn alles -nicht gleich nach dem Schnürchen geht, bei denen man nur -- man lebt ja -nur einmal! -- zu verlieren und nichts zu gewinnen hat. - - Spitta - -O ich habe Mut! Ich denke auch nicht daran, etwa als Lebensmüder feige -zu endigen! außer wenn mir Walburga verweigert wird. Dann freilich ist -mein Entschluß gefaßt! Daß ich vorläufig arm bin und meine Suppe hie und -da in der Volksküche essen muß, untergräbt meinen Glauben an mich und -eine bessere Zukunft nicht. Auch Walburga ist sicherlich überzeugt, es -muß ein Tag kommen, der uns für alle trüben und schweren Stunden -entschädigt. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Das Leben ist lang. Und ihr seid heut noch Kinder. Es ist vielleicht -nicht so schlimm, wenn ein Student oder Kandidat in der Volksküche essen -muß. Für Walburga als Ehefrau wäre das ärger. Und ich möchte doch für -euch beide hoffen, daß da erst etwas vorher wie ein eigner Herd mit dem -nötigen Holz und der nötigen Kohle und so weiter geschaffen wird. Im -übrigen habe ich bei Papa eine Art Waffenstillstand für euch ausgewirkt. -Es war nicht leicht und wäre vielleicht unmöglich gewesen, wenn nicht -die Morgenpost seine definitive Ernennung und Wahl zum Direktor in -Straßburg gebracht hätte. - - Walburga - freudig. - -Mama! ach Mama! das ist ja ein Sonnenblick. - - Frau John - hat sich mit einem Ruck emporgerichtet. - -Bruno! - - Frau Direktor Hassenreuter - entschuldigend. - -Wir haben Sie aufgeweckt, Frau John. - - Frau John - -Is Bruno wech? - - Frau Direktor Hassenreuter - -Wer? Welcher Bruno? - - Frau John - -Na Bruno! Kenn Se denn Brunon nich? - - Frau Direktor Hassenreuter - -Richtig, so heißt ja Ihr jüngerer Bruder. - - Frau John - -Ha ick jeschlafen? - - Spitta - -Fest! Aber Sie haben eben im Schlaf laut aufgeschrien, Frau John. - - Frau John - -Ham Se jesehn, Herr Spitta, wo Jungs in Hof ... ham Se jesehn, wo Jungs -in Hof Adelbertchen sein Jräbken jesteenicht ham? Aber ick war zwischen, -wat? und ha rechts und links jar nich schlecht Maulschellen ausjeteilt. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Demnach haben Sie also von Ihrem ersten verstorbenen Kindchen geträumt, -Frau John? - - Frau John - -Nee nee, det war wahr, ick ha nich jetraumt, Frau Direktor. Und denn -jing ick mit Adelbertchen, jing ick bein Standesbeamten hin. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Aber wenn Adelbertchen nicht mehr am Leben ist ... wie können Sie denn -... - - Frau John - -I, wenn een Kindchen meinswechen jeboren is, denn is et jedennoch noch -in de Mutter, und wenn es meinswechen jestorben is, denn is et immer -noch in de Mutter. Ham Se den Hund jehert hintern Plankenzaun? Der Mond -hat'n jroßen Hof jehat! Bruno, du jehst uf schlechte Weche. - - Frau Direktor Hassenreuter - rüttelt Frau John. - -Wachen Sie auf, gute Frau! Frau John! Frau John! Sie sind krank! Ihr -Mann soll mit Ihnen zum Arzte gehen. - - Frau John - -Bruno, du jehst uf schlechte Weche. -- (Die Glocken beginnen wieder zu -läuten.) -- Sind det de Jlocken? -- - - Frau Direktor Hassenreuter - -Der Gottesdienst ist zu Ende, Frau John. - - Frau John - erwacht völlig, starrt um sich. - -Warum wach ick denn uf? Warum habt ihr mir denn in Schlaf nich mit de -Axt iebern Kopp jehaut? -- -- -- -- -- -- Wat ha ick jesacht? Pst! Bloß -zu niemand een Sterbenswort, Frau Direktor. -- - - Sie ist aufgesprungen und ordnet ihr Haar mit vielen Haarnadeln. - - Der Direktor erscheint durch die Flurtür. - - Direktor Hassenreuter - stutzt beim Anblick der Seinigen. - -Sieh da, sieh da Timotheus, die Kraniche des Ibikus! -- Sagten Sie -nicht, es wohne hier ganz in der Nähe ein Spediteur, Frau John? -- (zu -Walburga.) -- Jawohl, mein Kind: während du in deinem jugendlichen -Leichtsinn auf dein Vergnügen und wieder auf dein Vergnügen denkst, ist -dein Papa schon wieder drei Stunden lang in Geschäften herumgelaufen. -- -(zu Spitta.) -- Sie würden es nicht so eilig haben, junger Mann, eine -Familie zu begründen, wenn Sie auch nur die geringste Ahnung davon -hätten, wie schwer es ist, es durchzusetzen, von Tag zu Tag mit Weib und -Kind wenigstens nicht ohne das elende und verschimmelte bißchen -täglichen Brotes dazustehn. Möge das Schicksal jeden davor bewahren, -sich eines Tages mittellos in die Suburra Berlins geschleudert zu -finden, um mit andern Verzweifelten, Brust an Brust, in unterirdischen -Löchern und Röhren, um das nackte Leben für sich und die Seinen zu -ringen. Gratuliert mir! In acht Tagen sind wir in Straßburg. -- (Frau -Direktor, Walburga und Spitta drücken ihm die Hand.) -- Alles übrige -findet sich. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Papa, du hast wirklich für uns, und zwar ohne dir etwas zu vergeben, die -Jahre einen heroischen Kampf gekämpft. - - Direktor Hassenreuter - -Wie bei Schiffbruch, wenn der Kampf um die Balken im Wasser beginnt. -Meine edlen Kostüme, gemacht, um die Träume der Dichter zu -veranschaulichen, in welchen Lasterhöhlen, auf welchen schwitzenden -Leibern haben sie nicht, _odi profanum vulgus!_ damit nur der Groschen -Leihgebühr im Kasten klang, ihre Nächte zugebracht. Sessa! Wenden wir -uns zu heiteren Bildern. Der Rollwagen, alias Thespiskarren ist schon -angeschirrt, um den Transport unsrer Penaten in hoffentlich glücklichere -Gefilde zu bewerkstelligen. -- (plötzlich zu Spitta.) -- Und daß ihr -beide nicht etwa aus sogenannter Verzweiflung irreparable Dummheiten -macht, darauf verlang ich Ihr Ehrenwort, werter Herr Spitta. Zur -Kompensation verspreche ich Ihnen jeder wirklich vernünftigen Äußerung -Ihrerseits gegenüber nicht taub zu sein. -- Im übrigen komme ich zu Frau -John: erstlich weil Schutzleute in den Eingängen niemanden auf die -Straße lassen, ferner, weil ich gerne von Ihnen wissen will, weshalb ein -Mann wie ich, gerade in diesem Augenblick, wo seine Wimpel wieder -flattern, Gegenstand einer niederträchtigen Zeitungskampagne geworden -ist. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Lieber Harro, Frau John versteht dich nicht. - - Direktor Hassenreuter - -Dann wollen wir also _ab ovo_ anfangen. Hier habe ich Briefe, -- (er -zeigt einen Stoß Briefschaften) -- eins, zwei, drei, fünf, zirka ein -Dutzend Stück! Darin wird mir in boshafter Weise von Unbekannten zu -einem Ereignis gratuliert, das angeblich oben auf meinem Magazinboden -vor sich gegangen ist. Ich würde die Sache nicht beachten, wenn nicht -gleichzeitig diese Lokalnotiz, wonach in der Bodenkammer eines -Maskenverleihers, _sic!_ ... eines Maskenverleihers in der Vorstadt ein -neugeborenes Kindchen gefunden worden ist! ... Ich sage, wenn diese -Lokalnotiz mich nicht stutzig machte. Zweifellos handelt sich's hier um -eine Verwechselung. Dennoch mag ich die Sache nicht auf mir sitzen -lassen. Besonders da dieser Lümmel von einem Reporter von dem Herrn -Maskenverleiher auch noch als einem verkrachten Schmierendirektor -spricht. Lies Mama: Adebar beim Maskenverleiher. Der Kerl bekommt -Ohrfeigen! Heut abend soll meine Ernennung in Straßburg durch die -Zeitungen gehn und gleichzeitig werde ich _urbi et orbi_ als -humoristischer Bissen ausgeliefert. Als ob man nicht wüßte, daß von -allen Flüchen der Fluch der Lächerlichkeit der schlimmste ist. - - Frau John - -An Hauseingang stehn Schutzleute, Herr Direktor? - - Direktor Hassenreuter - -Ja! Und zwar so, daß sogar das Kinderbegräbnis der Witfrau Knobbe ins -Stocken gekommen ist. Man läßt sogar den kleinen Sarg mit dem greulichen -Kerl von der Pietät, der ihn trägt, nicht in den Wagen hinaus. - - Frau John - -Wat wär' denn det for'n Kinderbejängnis? - - Direktor Hassenreuter - -Wissen Sie das nicht? Das Söhnchen der Knobbe, das auf eine mysteriöse -Weise von zwei fremden Weibsbildern zu mir heraufgebracht wurde und -förmlich unter meinen Augen, wahrscheinlich an Entkräftung gestorben -ist. A propos ... - - Frau John - -Det Kind von de Knobbe is jestorben? - - Direktor Hassenreuter - -A propos, Frau John, wollt' ich sagen, Sie sollten doch eigentlich -wissen, wie die Sache mit den beiden übergeschnappten Frauenspersonen, -die sich des Kindchens bemächtigt hatten, schließlich verlaufen ist? - - Frau John - -Nu sachen Se, is det nich Jottes Finger, det se womöglich nich -Adelbertchen erwischt haben und det nich mein Adelbertchen mit Dot -abjejang is? - - Direktor Hassenreuter - -Wieso? Diese Logik verstehe ich nicht. Dagegen habe ich mich schon -gefragt, ob nicht die wirren Reden des polnischen Mädchens, der -Kleiderdiebstahl auf meinem Boden und das Milchfläschchen, das Quaquaro -im Stiefel herunterbrachte, irgendwie mit der Zeitungsnotiz -zusammenzubringen sind. - - Frau John - -Da mang, Herr Direkter, is jar keen Zusammenhang. Haben Se Pauln jesehn, -Herr Direkter? - - Direktor Hassenreuter - -Paul? Ach so: Ihren Mann! jawohl! und zwar, wenn ich recht gesehen habe, -im Gespräch mit dem fetten Kriminalinspektor Puppe, der wegen des -Diebstahls auch schon mal bei mir gewesen ist. - - Maurerpolier John tritt ein. - - John - -Na Jette, ha ick nu recht? Det is schnell jekomm. - - Frau John - -Wat denn? - - John - -Soll ick mich tausend Marcht verdien, wo mit Anschläche von -Polizeipräsidium an de Litfaßsäulen als Belohnung for Denungsiation is -bekannt jejeben? - - Frau John - -Woso denn? - - John - -Weeßte denn nich, det det janze Manöver mit Schutzleute und -Jeheimpolizisten Brunos wechen in Jange is? - - Frau John - -Wie denn? Wo denn? Wat denn? Warum denn in Jange? - - John - -Det Kinderbejängnis is sistiert und zwee Burschen von de Leidtrajenden, -wat richtig dufte Kunden sind, festjenomm! jawoll! Det is nu so weit, -Herr Direktor! Ick bin nu'n Mann, wo mit eene Frau verkuppelt is, wo een -Bruder hat, wo hinterher sind, mit Rejierungsräte und Mordkommission, -weil er draußen, nich weit von de Spree unter een Fliederstrauch eene -hat umjebracht. - - Direktor Hassenreuter - -Aber werter Herr John: das mag Gott verhüten. - - Frau John - -Det is jelochen! Mein Bruder tut so wat nich. - - John - -I, det is det Neieste, Jette. Herr Direkter, ick ha neilich schonn -jesacht, wat det for'ne Sorte Bruder is. -- (Er bemerkt und nimmt einen -Fliederstrauch vom Tisch.) -- Sehen Se ma det hier! Det Unjeheuer is -hier jewesen. Wo wiederkommt, bin ick der erschte, wo ihm, Hände und -Füße jebunden, an der Jerechtigkeet ausliefern dut. - - Er sucht den Raum ab. - - Frau John - -Mach du Rotznäsen wat weeß von Jerechtigkeet. Jerechtigkeet is noch nich -ma oben in Himmel. Keen Mensch nich war hier! Und det bisken Flieder ha -ick von Hangelsberg mitjebracht, wo'n jroßer Strauch hinter'n Hause bei -deine Schwester is. - - John - -Du warst ja jar nich bei meine Schwester, Jette. Det hat mich Quaquaro -ja ebent jesacht! det ham se uf Polizei ja festjestellt. Se ham dir -jesehn bei de Spree in de Anlachen ... - - Frau John - -Lieche! - - John - -Und och in de Laubenkolonie wo du in 'ne Laube jenächtigt hast. - - Frau John - -Wat? Kommst du in dein eechnet Haus allens kurz und kleen demolieren? - - John - -Jut so! recht so! det so weit jekommen is. Nu is det mit uns weiter keen -Verstecken! Det ha ick allens vorausjewußt. - - Direktor Hassenreuter - mit Spannung. - -Hat sich das polnische Mädchen wieder gezeigt, das neulich wie eine -Löwin um das Knobbesche Kindchen gestritten hat? - - John - -Eben det is et. Det ham se heut morchen dot jefunden. Und det sach ick -so hin, ohne det mir de Zunge in Maule absterben dut: det Mächen hat -Bruno Mechelke ums Leben jebracht. - - Direktor Hassenreuter - schnell. - -Dann ist es wohl seine Geliebte gewesen. - - John - -Fragen Se Muttern! Det weeß ick nich! Det war meine Angst, deshalb bin -ick schonn lieber jar nich zu Hause jekomm, det mein eechnet Weib mit -so'ne Jesellschaft behaftet is und hat keene Kraft nich abzuschütteln. - - Direktor Hassenreuter - -Kommt Kinder! - - John - -Warum denn? Immer bleiben Se man. - - Frau John - -De brauchst nich jehn und Fenster ufreißen und alle Welt uf de Jasse -schrein! Det is schlimm jenug, wenn uns Schicksal mit so'n Unjlück -jetroffen hat. Plärr! aber dann siehste mir bald nich mehr wieder. - - John - -Jerade! Nu jerade! Ick rufe wer't wissen will von de Jasse, von Flur, -dem Tischler vom Hof, de Jungs, de Mächens, wo in de Konfirmationsstunde -jehn, die ruf ick rin und erzähle, wie weit eene Frau mit ihre -Affenliebe zu ihren Lump von Bruder jekommen is. - - Direktor Hassenreuter - -Diese hübsche junge Person, die das Kind beanspruchte, ist heute -tatsächlich tot, Herr John? - - John - -Kann sind, det se hibsch is, ick weeß et nich, ob se hibsch oder häßlich -jewesen is. Aber det se in Schauhaus liecht, det is sicher. - - Frau John - -Ick weeß et, wat se jewesen is! Een schlechtet jemeinet Weibstick is et -jewesen! Wo mit Kerle hat abjejeben und von een Tiroler, der nischt hat -von wissen jewollt, hat Kind jehat! Det hat se an liebsten in -Mutterleibe schon umjebracht. Denn is se 't holen jekomm mit de -Kielbacke, wo als Engelmachersche schon ma anderthalb Jahre Plötzensee -abjesessen hat. Ob se mit Brunon och wat jehabt hat, wo soll ick det -wissen? Kann sind, kann och nich sind! Und wat soll mir det allens -ieberhaupt anjehn, wat Bruno meinswechen verbrochen hat. - - Direktor Hassenreuter - -Also haben Sie doch das Mädchen gekannt, Frau John. - - Frau John - -Woso? ick ha jar nich jekannt, Herr Direkter! Ick sache bloß, wat'n -jeder, wie'n jeder von det Mächen jeäußert hat. - - Direktor Hassenreuter - -Sie sind eine ehrenhafte Frau, Sie ein ehrenhafter Mann, Herr John. Die -Sache mit Ihrem mißratenen Schwager und Bruder ist schließlich etwas, -was meinethalben eine furchtbare Tatsache ist, aber Ihr Familienleben -doch im Grunde nicht ernstlich erschüttert ... aber bleiben Sie ehrlich -... - - John - -Nich in de Hand! In so'ne Nähe, bei solchet Jesindel bleib ick nich. -- -(Er schlägt mit der Faust auf den Tisch, klopft an die Wände, stampft -auf den Fußboden.) -- Horchen Se ma, wie det knackt, wie Putz hinter de -Tapete runterjeschoddert kommt! Allens is hier morsch! Allens faulet -Holz! Allens unterminiert, von Unjeziefer, von Ratten und Mäuse -zerfressen! -- (Er wippt auf der Diele.) -- Allens schwankt! Allens kann -jeden Ojenblick bis in Keller durchbrechen. -- (Er öffnet die Tür.) -- -Selma! Selma! -- Hier mach ick mir fort, eh' det allens een Schutthaufen -drunter und drieber zusammenbricht. - - Frau John - -Wat wißte mit Selma? - - John - -Selma nimmt det Kind und ick reise mit Selman und det Kind und bringe -mein Kind zu meine Schwester. - - Frau John - -Denn soßte Bescheid kriechen! Versuch det man! - - John - -Soll mein Kind in so'ne Umjebung jroßwachsen, womeglich det ma wie Bruno -ieber Dächer jehetzt und det och ma womeglich in Zuchthaus endet? - - Frau John - schreit ihn an. - -Det is jar nich dein Kind! Vastehste mich? - - John - -So? Det wolln wir ma sehn, ob een rechtlicher Mann nich Herr sollte sind -ieber sein eechnet Kind, wo Mutter nich bei Verstande is und in de Hände -von Mordjesindel. Det will ick ma sehn, wer in Rechte is un wer stärker -is! Selma! - - Frau John - -Ick schrei! ick reiße det Fenster uf! Frau Direkter, se wollen eene -Mutter ihr Kind rauben! Det is mein Recht, det ick Mutter von mein -Kindeken bin! Det is doch mein Recht? Ha ick nich recht, Frau Direkter? -Se umzingeln mir! Se wollen mir mein Recht versetzen! Soll mir det nich -jeheren, wat ick vor Wegwurf ufjelesen, wo vor Tod in Lumpen jelechen -hat und wo ick ha mihsam erscht missen reiben und kneten, bis bisken -Atem jeholt und langsam lebendig geworden is? Wo ick nich war, det wäre -schonn vor drei Wochen längst in de Erde verscharrt jewesen. - - Direktor Hassenreuter - -Herr John, zwischen Eheleuten den Schiedsmann spielen ist meine Sache im -allgemeinen nicht. Dazu ist dies Geschäft zu undankbar und man macht -dabei meistens böse Erfahrungen. Sie sollten aber in Ihrem zweifellos -mit Recht verwundeten Ehrgefühl sich nicht zu Übereilungen hinreißen -lassen. Denn schließlich ist doch Ihre Frau für die Tat ihres Bruders -nicht verantwortlich. Lassen Sie ihr das Kind! Machen Sie nicht das -Unglück schlimmer durch eine überflüssige Härte, die Ihre Frau aufs -empfindlichste kränken muß. - - Frau John - -Paul, det Kind is aus meinen Leibe jeschnitten! Det Kind is mit meinen -Blute erkoft. Nich jenug, alle Welt is hinter mich her und will et mich -abjagen! Nu kommst och du noch und machst et nich anders, det is der -Dank! als wenn det ick ringsum von hungrige Welfe umjeben bin. Mir -kannste dot machen! mein Kindeken soßte nich anfassen. - - John - -Ick komme zu Hause, Herr Direkter! Ick bin heut morchen erst mit mein -ganzes Zeug quietschverjnügt von de Bahn jekomm! Hamburg, Altona, allens -abjebrochen. Wenn och Verdienst jeringer is, dachte ick, wißt lieber bei -deine Familie sind! Bißken Kind uf'n Arm nehmen! Bißken Kind uf'n Knie -nehmen! Det war unjefähr so meine Inbildung ... - - Frau John - -Paul! Hier Paul! -- (Sie tritt ihm ganz nahe.) -- Reiß mir det Herz -aus'n Leibe! -- - - Sie starrt ihn lange an, dann läuft sie in den Verschlag, wo man sie - laut weinen hört. - - Selma kommt vom Flur. Sie trägt Trauerkleidung und einen kleinen - Grabkranz in der Hand. - - Selma - -Wat soll ick? Se ham mir jeruft, Herr John. - - John - -Zieh dir an, Selma. Frach deine Mutter, ob det de kannst mit mir jehn zu -meine Schwester nach Hangelsberg. Kannst dir'n Jroschen Jeld bei -verdienen. Nimmst mein Kindeken uf'n Arm und bejleitest mir. - - Selma - -Nee! det Kind faß ick nu nich mehr an, Herr John. - - John - -Woso nich? - - Selma - -Nee, ick furcht mir, Herr John. Ick ha so'ne Angst, so hat mir Mama und -Polizeileutnam anjeschrien. - - Frau John - erscheint. - -I, weshalb ham se dir anjeschrien? - - Selma - heult los. - -Schutzmann Schierke hat mich sojar eene runterjehaut. - - Frau John - -I, dem wer' ick nochma ... det soll der nochma versuchen. - - Selma - -Wat soll ick denn wissen, warum mich det polsche Mächen hat mein -Brüderken wegjenomm. Hätt ick jewußt, det mein Brüderken sterben soll, -ick hätt' ihr ja lieber an Hals jesprung. Nu steht Jundofriedchen in -Särjiken uf de Treppe. Ick jlobe, Mama hat Krämpfe jekricht und liecht -bei Quaquaron hinten in Alkoven. Mir wolln se in Firsorche schaffen, -Frau John. -- - - Sie flennt. - - Frau John - -Denn freu' dir! Schlimmer kann et nich komm, als et bei dich zu Hause -is. - - Selma - -Ick komm vor Jericht! womeglich wer' Moabit jeschafft. - - Frau John - -Woso det? - - Selma - -Weil ick soll haben det Kindeken, wat det polsche Freilein jeboren hat, -von Oberboden runter bei Sie, Frau John, in de Wohnung jetrachen. - - Direktor Hassenreuter - -Also ist tatsächlich oben ein Kindchen geboren worden? - - Selma - -Jewiß. - - Direktor Hassenreuter - -Auf welchem Boden? - - Selma - -Na, bei de Kamedienspieler doch! Wat jeht det mich an? Wat soll ick von -wissen? Ick kann bloß sachen ... - - Frau John - -Nu mach det de fortkommst! Selma, du hast'n reenet Jewissen! Wat de -Leute quasseln, kimmert dir nich. - - Selma - -Ick will ja och nischt verraten, Frau John. - - John - packt Selma, die fortlaufen will, und hält sie fest. - -Et wird nich jejang! et wird herjekomm! -- Wahrheet! Ick verrate nischt, -hast du jesacht: det ham Se doch och jehert, Frau Direkter? Hat Herr -Spitta und hat det Freilein jehert! -- Wahrheet! -- Bevor ick nich weeß, -wat mit Bruno und seine Jeliebte is und wo ihr womeglich det Kindchen -habt wechjeschafft, det is mich ejal, kommst du nich von de Stelle! - - Frau John - -Paul, ick schwere vor Jott, wechjeschafft ha ick et nich. - - John - -Na, und? ... Raus wat du weeßt, Mächen! Det ha ick schon lange jemerkt, -det zwischen dich und meine Frau een jeheimet Jestecke is. Det Zwinkern -und Anplinkern is jetzt verjebliche Mihe. Is det Kind tot oder lebt et -noch? - - Selma - -Nee, det Kind is lebendich, Herr John. - - Direktor Hassenreuter - -Was du unter deine Schürze oder sonstwie hier hast heruntergebracht? - - John - -Wenn et dot is, denn rechne druf, denn wirst du wie Bruno een Kopp -kürzer jemacht. - - Selma - -Ick sach't ja: det Kindeken is lebendich. - - Direktor Hassenreuter - -Ich denke, du hast gar kein Kind vom Boden heruntergebracht? - - John - -Und von die janze Jeschichte, Mutter, wißt du nischt wissen? -- (Frau -John sieht ihn starr an, Selma blickt hilflos und verwirrt auf Frau -John.) -- Mutter, du hast det Kindchen von Brunon und die polsche Person -beiseite jeschafft und denn wo se jekomm is, haste det Würmiken von de -Knobbe unterjeschoben. - - Walburga - sehr bleich, mit Überwindung. - -Sagen Sie mal, Frau John, was ist denn an jenem Tage geschehen, wo ich -dummerweise, als Papa kam, mit Ihnen auf den Boden geflüchtet bin? Ich -will dir das später erklären, Papa. Damals habe ich, wie mir nach und -nach deutlich geworden ist, das polnische Mädchen und zwar erst mit Frau -John und dann mit ihrem Bruder zusammengesehn. - - Direktor Hassenreuter - -Du, Walburga? - - Walburga - -Ja, Papa. Bei dir war damals Alice Rütterbusch und ich hatte mich mit -Erich verabredet, der dann auch, aber ohne mich zu treffen, denn ich -blieb versteckt, zu dir gekommen ist. - - Direktor Hassenreuter - -Ich kann mich dessen nicht mehr erinnern. - - Frau Direktor Hassenreuter - zum Direktor. - -Das Mädel hat um dieser Sache willen, Papa, wirklich schon schlaflose -Nächte gehabt. - - Direktor Hassenreuter - -Wenn Ihnen an dem Rate eines ehemaligen Juristen, der durchs -Referendarexamen gepurzelt und dann erst zur Kunst abgesprungen ist ... -wenn Ihnen an dem Rat eines solchen Mannes irgendwie etwas liegt, so -lassen Sie sich jetzt sagen, Frau John, daß in Ihrem Fall ganz -rücksichtslose Offenheit die beste Verteidigung ist. - - John - -Jette, wo habt ihr dem Kindeken hinjeschafft? Kriminalinspektor hat mich -jesacht, det fällt mir jetzt in, det se nach det Kind von de dote Person -suchen. Jette, um Jottet Himmelswillen! mag sind wat will, bloß det du -dir nich in Verdacht kommen dust, det du um Folchen von Liederlichkeit -von dein Bruder womeglich aus de Welt zu schaffen, dir an det Neujeborne -vergriffen hast. - - Frau John - lacht. - -Ick? und mir an Adelbertchen vergreifen, Paul. - - John - -Hier redet keener von Adelbertchen -- (zu Selma) -- Ick dreh dir den -Hals um oder du sachst, wo det Kleene von Brunon und det polsche Mächen --- uf de Stelle! -- jeblieben is. - - Selma - -Et is doch bei Sie in Verschlage, Herr John. - - John - -Wo is et, Jette? - - Frau John - -Det sach ick nich. -- - - Das Kind beginnt zu schreien. - - John - zu Selma. - -Wahrheet! oder ick iberliefer dir uf de Polizei, vastehst de! siehste -dem Strick! an Hände und Fieße zusammenjebunden. - - Selma - in höchster Angst, unwillkürlich. - -Et schreit doch! Se kenn doch det Kindeken janz jut, Herr John. - - John - -Ick? -- - - Er sieht verständnislos erst Selma, dann den Direktor an. Ihn - durchblitzt eine Ahnung, als er seine Frau ins Auge faßt. Er glaubt - zu begreifen und gerät ins Wanken. - - Frau John - -Laß dir von so'ne niederträchtiche Lieche nich umjarnen, Paul. Det is -allens von ihre feine Mutter aus Rache bloß mit det Mächen anjestellt! -Paul, wat dust du mir denn so ankieken? - - Selma - -Det is Jemeenheet, det Se mich nu och noch wolln schlecht machen, Mutter -John. Dann wer' ick mir hieten, noch Blatt vorn Mund nehmen. Wissen janz -jut, det ick ha det Kindchen von det Freilein runterjetragen und ha bei -Ihn hier in frisch jemachte Bettchen jelegt. Det kann ick beschwören! -det will ick beeidigen! - - Frau John - -Lieche! Du sagst, det mein Kind nich mein Kindeken is? - - Selma - -Sie haben iberhaupt jar keen Kind nich jehat, Frau John. - - Frau John - umklammert Johns Knie. - -Det is ja nich wahr. - - John - -Laß mich in Ruh! beschmutze mir nich, Henerjette. - - Frau John - -Paul, ick konnte nich anders, ick mußte det tun. Ick war selber -betrochen, denn hat ick dir in Brief nach Hamburg Bescheed jesacht. Denn -warste vajnügt, und denn mocht ick nich mehr zurick und denn dacht ick, -et muß sind! Et kann och uf andere Weise sind, und denn ... - - John - unheimlich ruhig. - -Laß mir man iberlechen, Jette. -- (Er geht an eine Kommode, zieht -einen Schub auf und schleudert allerlei Kinderwäsche und -Kinderkleidungsstücke, die er daraus nimmt, mitten in die Stube.) -- -Versteht eener det, wat se Woche um Woche, Monat um Monat, janze Tage -und halbe Nächte lang mit blutige Finger jestichelt hat? - - Frau John - sammelt in wahnsinniger Hast die Wäsche und Kleidungsstücke auf - und versteckt sie sorgfältig im Tischschub oder wo sonst. - -Paul det nich! Allens kannste dun! aber reiß mich nich Fetzen von -nackten Leibe! - - John - hält inne, faßt sich an die Stirn, sinkt auf einen Stuhl. - -Wenn det wahr is, Mutter, da schäm ick mir ja in Abjrund rin. -- - - Er kriecht in sich zusammen, legt die Arme über den Kopf und - verbirgt sein Gesicht. Es tritt eine Stille ein. - - Direktor Hassenreuter - -Wie konnten Sie sich nur auf einen solchen Weg des Irrtums und des -Betruges drängen lassen, Frau John? Sie haben sich ja verstrickt auf das -allerfurchtbarste! Kommt Kinder! Wir können hier leider nichts weiter -tun. - - John - steht auf. - -Nehm Se mir man mit, Herr Direkter. - - Frau John - -Jeh! immer jeh! ick brauche dir nich! - - John - wendet sich, kalt. - -Also det Kind haste dich beschafft und wie Mutter hat wieder haben -jewollt, hast se lassen von Brunon umbringen? - - Frau John - -Du bist nich mein Mann! Wat soll det heeßen? Du bist von de Polizei -jekoft! Du hast Jeld jekricht, mir an't Messer zu liefern! Jeh Paul! du -bist jar keen Mensch! Du bist eener wo Jift in de Ochen, und Hauer wie -Welfe hat! Immer pfeif, det se kommen und det se mir festnehmen! Immer -zu doch! Nu seh' ick dir, wie det du bist! Ick verachte dir bis zun -Jüngsten Dache. - - Frau John will durch die Tür davonlaufen. Da erscheinen Schutzmann - Schierke und Quaquaro. - - Schierke - -Halt! Aus die Stube raus kommt keener nich. - - John - -Immer komm rin, Emil! Herr Schutzmann, immer komm Se ruhig rin. Et is -allens in Ordnung! Allens is richtich. - - Quaquaro - -Reg dir nich uf, Paul, dir betrifft et ja nich. - - John - mit aufsteigendem Jähzorn. - -Hast du jelacht, Emil? - - Quaquaro - -I, Menschenskind! Herr Schierke soll bloß det Kleene per Droschke in't -Waisenhaus wechschaffen. - - Schierke - -Jawoll. So is et. Wo steckt det Kind? - - John - -Soll ick wissen, wo jedet ausgestoppte Balch von Lumpenspeicher, womit -olle Hexen mit Besen Fets treiben, an Ende hinjekomm is? Paßt ma uf -Schornstein uf, det se nich oben rausfliechen. - - Frau John - -Paul!! -- Nu soll et nich leben! Nu jerade! Nu och nich! Nu brauch et -nich leben! Nu muß et mit mich mit unter de Erde komm. - - Frau John war blitzschnell hinter den Verschlag gelaufen. Sie kommt - mit dem Kinde wieder und will mit ihm zur Tür hinaus. Der Direktor - und Spitta werfen sich der Verzweifelten entgegen, in der Absicht, - das Kind zu retten. - - Direktor Hassenreuter - -Halt! Hier greife ich ein! Hier bin ich zuständig! Wem das Knäblein hier -auch immer gehören mag -- um so schlimmer, wenn seine Mutter ermordet -ist! -- es ist in meinem Fundus geboren! Vorwärts, Spitta! Kämpfen Sie, -Spitta! Hier sind Ihre Eigenschaften am Platz! Vorwärts! Vorsicht! So! -Bravo! Als wär' es das Jesuskind! Bravo! Sie selber sind frei, Frau -John! Wir halten Sie nicht. Sie brauchen uns nur das Jungchen hier -lassen. - - Frau John stürzt hinaus. - - Schierke - -Hier jeblieben! - - Frau Direktor Hassenreuter - -Die Frau ist verzweifelt! Aufhalten! Festhalten! - - John - plötzlich verändert. - -Jebt uf Muttern acht! Mutter! Ufhalten! Festhalten! -- Mutter! Mutter! - - Selma, Schierke und John eilen Frau John nach. Spitta, der Direktor, - Frau Direktor und Walburga sind um das Kind bemüht, das auf den - Tisch gebettet wird. - - Direktor Hassenreuter - der das Kind sorgfältig auf den Tisch bettet. - -Meinethalben mag diese entsetzliche Frau doch verzweifelt sein! Deshalb -braucht sie das Kind nicht zugrunde richten. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Aber liebster Papa, das merkt man doch, daß diese Frau ihre Liebe, -närrisch bis zum Wahnsinn, gerade an diesen Säugling geheftet hat. -Unbedachtsame harte Worte, Papa, können die unglückselige Person in den -Tod treiben. - - Direktor Hassenreuter - -Harte Worte habe ich nicht gebraucht, Mama. - - Spitta - -Mir sagt ein ganz bestimmtes Gefühl: erst jetzt hat das Kind seine -Mutter verloren. - - Quaquaro - -Det stimmt. Vater is nich, will nischt von wissen, hat jestern in de -Hasenheide mit eene Karussellbesitzerswitwe Hochzeit jemacht! Mutter war -liederlich! Und bei de Kielbacken, wo Kinder in Fleje hat, sterben von's -Dutzend mehrschtens zehn. Nu is et so weit: det jeht jetzt och zujrunde. - - Direktor Hassenreuter - -Sofern es nämlich bei dem Vater dort oben, der alles sieht, nicht anders -beschlossen ist. - - Quaquaro - -Meen Se Pauln? den Mauerpolier! Nu nicht mehr! dem kenn' ick! wo der -uf'n Ehrenpunkt kitzlich is. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Wie das Kindchen da liegt! es ist unbegreiflich. Feine Leinwand! Spitzen -sogar! Schmuck und frisch wie ein Püppchen. Es wendet sich einem das -Herz um, zu denken, wie es so plötzlich zu einer von aller Welt -verlassenen Waise geworden ist. - - Spitta - -Wäre ich Richter in Israel ... - - Direktor Hassenreuter - -Sie würden der John ein Denkmal setzen! Mag sein, daß in diesen -verkrochenen Kämpfen und Schicksalen manches heroisch und manches -verborgen Verdienstliche ist. Aber Kohlhaas von Kohlhaasenbrück konnte -da mit seinem Gerechtigkeitswahnsinn auch nicht durchkommen. Treiben wir -praktisches Christentum! Vielleicht können wir uns des Kindchens -annehmen. - - Quaquaro - -Lassen Se da bloß de Finger von! - - Direktor Hassenreuter - -Warum? - - Quaquaro - -Außer det Se Jeld wollen los werden und uf de Quengeleien und -Scherereien mit de Armenverwaltung, mit Polizei und Jericht womechlich -happich sind. - - Direktor Hassenreuter - -Dazu hätte ich allerdings keine Zeit übrig. - - Spitta - -Finden Sie nicht, daß hier ein wahrhaft tragisches Verhängnis wirksam -gewesen ist? - - Direktor Hassenreuter - -Die Tragik ist nicht an Stände gebunden. Ich habe Ihnen das stets -gesagt. - - Selma, atemlos, öffnet die Flurtür. - - Selma - -Herr John, Herr John, Herr Mauerpolier. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Herr John ist nicht hier. Was willst du denn, Selma? - - Selma - -Herr John. Se solln uf de Straße kommn. - - Direktor Hassenreuter - -Nur Ruhe, Ruhe. Was gibt's denn, Selma? - - Selma - atemlos. - -Ihre Frau ... Ihre Frau ... Janze Straße steht voll ... Omnibus, -Pferdebahnwagen is jar keen Durchkommen ... Arme ausjestreckt ... Ihre -Frau liecht lang uf Jesichte unten. - - Frau Direktor Hassenreuter - -Was ist denn geschehen? - - Selma - -Herrjott, Herrjott in Himmel, Mutter John hat sich umjebracht. - - - Ende. - - - - - Gerhart Hauptmanns Gesammelte Werke in sechs Bänden - - - 1. Bd.: Soziale Dramen: Einleitung / Vor Sonnenaufgang / Die Weber / - Der Biberpelz / Der rote Hahn. - - 2. Bd.: Soziale Dramen und Prosa: Fuhrmann Henschel / Rose Bernd / - Bahnwärter Thiel / Der Apostel. - - 3. Bd.: Familiendramen: Das Friedensfest / Einsame Menschen / - Kollege Crampton / Michael Kramer. - - 4. Bd.: Märchendramen: Hanneles Himmelfahrt / Die versunkene Glocke - / Der arme Heinrich. - - 5. Bd.: Historische Dramen: Florian Geyer. - - 6. Bd.: Märchendramen und Fragmentarisches: Elga / Schluck und Jau / - Und Pippa tanzt / Helios / Das Hirtenlied. - - In einer alten Frakturschrift auf bestem Papier sorgfältig - gedruckt. Titel und Einband von E. R. Weiß. Preis geheftet 24 - Mark, in Halbpergament gebunden 30 Mark, in Ganzpergament - gebunden 36 Mark. - - - - - Gerhart Hauptmanns Werke in Einzelausgaben - - - Vor Sonnenaufgang. Soziales Drama. 13. Auflage. - Das Friedensfest. Bühnendichtung. 7. Auflage. - Einsame Menschen. Drama. 24. Auflage. - De Waber. Schauspiel. (Originalausgabe.) 2. Auflage. - Die Weber. Schauspiel. (Übertragung.) 40. Auflage. - Kollege Crampton. Komödie. 8. Auflage. - Bahnwärter Thiel -- Der Apostel. Novellistische Studien. 8. Auflage. - Der Biberpelz. Eine Diebskomödie. 14. Auflage. - Hanneles Himmelfahrt. Eine Traumdichtung. 20. Auflage. - Florian Geyer. 9. Auflage. - Die versunkene Glocke. Ein deutsches Märchendrama. 75. Auflage. - Fuhrmann Henschel. Schauspiel. (Originalausg.) 16. Aufl. - Fuhrmann Henschel. Schauspiel. (Übertragung.) 16. Aufl. - Schluck und Jau. Spiel zu Scherz und Schimpf. 10. Auflage. - Michael Kramer. Drama. 10. Auflage. - Der rote Hahn. Tragikomödie. 8. Auflage. - Der arme Heinrich. Eine deutsche Sage. 23. Auflage. - Rose Bernd. Schauspiel. 16. Auflage. - Elga. 7. Auflage. - Und Pippa tanzt! Ein Glashüttenmärchen. 10. Auflage. - Die Jungfern vom Bischofsberg. Lustspiel. 4. Auflage. - Kaiser Karls Geisel. Ein Legendenspiel. 6. Auflage. - Griselda. 6. Auflage. - Griechischer Frühling. 7. Auflage. - Der Narr in Christo Emanuel Quint. Roman. 18. Aufl. - - - Druck der Spamerschen - Buchdruckerei in Leipzig - - - - -Anmerkungen zur Transkription - - -Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend -beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier -aufgeführt (vorher/nachher): - - [S. 110]: - ... skurile Menscheitsintermezzo noch überleben. ... - ... skurile Menschheitsintermezzo noch überleben. ... - - [S. 154]: - ... würgt Tränen hinuter. Muß sich setzen. ... - ... würgt Tränen hinunter. Muß sich setzen. ... - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Die Ratten, by Gerhart Hauptmann - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RATTEN *** - -***** This file should be named 52952-8.txt or 52952-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/9/5/52952/ - -Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online -Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This -file was produced from images generously made available -by The Internet Archive. - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country outside the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you'll have to check the laws of the country where you - are located before using this ebook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm web site -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and The -Project Gutenberg Trademark LLC, the owner of the Project Gutenberg-tm -trademark. Contact the Foundation as set forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - |
