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-The Project Gutenberg EBook of Geyer und das Obererzgebirge in Sage und
-Geschichte, by Max Grohmann and Hermann Lungwitz
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
-
-
-Title: Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte
-
-Author: Max Grohmann
- Hermann Lungwitz
-
-Release Date: August 28, 2016 [EBook #52916]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEYER UND DAS OBERERZGEBIRGE ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net (This file was produced from images
-generously made available by SLUB: Sächsische
-Landesbibliothek - Staats - und Universitätsbibliothek
-Dresden at http://www.slub-dresden.de )
-
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- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt.
-
- Im Original in Fraktur gesetzter Text ist ~so ausgezeichnet~.
-
- Im Original gesperrter Text ist +so ausgezeichnet+.
-
- Im Original fetter Text ist =so ausgezeichnet=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des
- Buches.
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-
-
-Geyer und das Obererzgebirge
-
-
-
-
- Das Obererzgebirge.
-
- Heimatkundliche Geschichtsbilder
-
- für
-
- Haus und Schule
-
- von
-
- Max Grohmann,
-
- Schuldirektor.
-
- Zweite veränderte und erweiterte Auflage.
-
- Annaberg 1900.
-
- Graser'sche Buchhandlung (Richard Liesche).
- Verlag.
-
-[Illustration: Geyer]
-
-
-
-
- Geyer.
-
- Heimatkundliche Geschichtsbilder
-
- für
-
- Haus und Schule
-
- von
-
- H. Lungwitz,
-
- Oberlehrer.
-
- Geyer.
-
- Buchhandlung von Otto Stopp.
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis.
-
-
-Geyer:
-
-
- 1. Gründung und Wappen der Stadt Geyer.
-
- 2. Die große Glocke in Geyer.
-
- 3. Hieronymus Lotter.
-
- 4. Geyer während des 30jährigen Krieges.
-
- 5. Salzburger Emigranten ziehen durch Geyer.
-
- 6. Evan Evans, der erste Baumwollspinner Sachsens.
-
- 7. Die Binge auf dem Geyersberge bei Geyer.
-
- 8. Das Steinkreuz auf dem Ziegelsberg in Geyer.
-
- 9. Sage:
- Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt.
-
- 10. Kurzer Abriß der Geschichte des Rittergutes Geyersberg.
-
-
-Das Obererzgebirge:
-
- Erster Abschnitt: Die Landschaft des Obererzgebirges.
-
- Zweiter Abschnitt: Das Volkstum des Obererzgebirges.
-
- Dritter Abschnitt: Die Besiedelung des Obererzgebirges.
-
- Vierter Abschnitt: Die Kriegszeiten des Obererzgebirges.
-
- Fünfter Abschnitt: Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges.
-
-Ausführliches Inhaltsverzeichnis befindet sich am Schlusse des Buches.
-
-
-
-
-1. Gründung und Wappen der Stadt Geyer.
-
-
-Zweifellos ist die alte Bergstadt Geyer nach den Geiern benannt worden,
-jenen Raubvögeln, die früher in dem waldreichen Erzgebirge häufig
-nisteten. Die Sage schreibt ihnen die Veranlassung zur Gründung der
-Stadt zu. Sie berichtet:
-
- »Einst hatten Geier dem Hühnerhofe des Rittergutes Tannenberg
- argen Schaden zugefügt. Da bestieg der geschädigte Edelmann
- sein Jagdroß, um den Raubvögeln nachzuspüren. Das Gestrüpp der
- bewaldeten Höhe hinderte ihn am weiteren Vordringen; er band
- daher sein Pferd an einen Baum, schritt zu Fuß weiter und fand
- den Horst der Geier auf, zerstörte das Nest und erlegte auch
- die alten Vögel. Als er zu seinem Rosse zurückkam, hatte es mit
- seinen Hufen Zinnstein entblößt. Der Edelmann steckte einige
- Erzstücke zu sich, zeigte sie Kundigen, und auf deren Anraten
- schlug man an dieser Fundstelle ein. So wurde der Geyersberg
- fündig. Es geschah dies zu Anfang des 14. Jahrhunderts.«
-
-So entstand das Bergwerk im Geyersberge, dessen Größe wir noch erkennen
-und bewundern, wenn wir am Rande der gewaltigen Binge stehen, welche
-durch den Einsturz dieses Bergwerkes entstanden ist.
-
-Die Bergleute siedelten sich im Thale des Geyerbaches am Fuße des
-Berges an, und immer mehr zogen herzu. Es bildete sich nach und nach
-eine Stadt. Diese wurde Geyer genannt, weil Geier die Entdeckung des
-Erzes und somit die Gründung der Stadt veranlaßt hatten.
-
-Eine andere Überlieferung sagt, im Neste der Geier seien Zinngraupen
-gewesen, das habe die Bergleute angeregt, in der Nähe zu schürfen, und
-so seien die Erzschätze entdeckt worden.
-
-So verdankt die Stadt Geyer der Sage nach Gründung und Namen den
-Geiern. Der Name der Stadt ließe sich jedoch auch erklären, wenn jene
-Gründungssagen nicht auf Wahrheit beruhten. Manche Stadt ist nach einem
-nahen Berge benannt worden, man denke an Scheibenberg oder Schneeberg.
-Geyer liegt an einem Berge, der früher mit undurchdringlichem
-Waldgestrüpp und Felsblöcken bedeckt war, sodaß er einen Zufluchtsort
-für die Geier bot und darum wohl schon in ältester Zeit »der
-Geyersberg« genannt wurde. Geyer kann demnach den Namen auch von dem
-nahen Geyersberge erhalten haben.
-
-Da nun die Stadt Geyer ihren Namen, wenn nicht sogar ihre Entstehung,
-den Geiern verdankt, führt sie diese Vögel auch in ihrem Wappen. Drei
-Geierköpfe sind darauf zu sehen. Leider wissen wir nicht genau, wie
-das Stadtwappen von Geyer ursprünglich aussah. In der Handschrift von
-+Tschran+ (1775 beendet) heißt es:
-
- »Was das Wappen der Stadt anlanget, so ist darüber kein
- Document ausfindig zu machen. Am Rathause befindet sich das
- Stadtwappen, nach alter Bildhauer- und Wappenart in Stein
- gehauen, welches 3 Geyersköpfe in einem besonderen Schilde
- hat, darüber ein offener Helm mit 3 Spriegeln, und darauf ein
- Geyer befindlich, unter demselben aber die Jahreszahl 1496 in
- Mönchsschrift stehet.«
-
-Das hier geschilderte Wappen ist noch erhalten, freilich arg
-beschädigt. Der Verfasser dieses Abschnittes giebt auf der Bildertafel
-die Zeichnung davon. Er hat darauf die fehlenden Teile ergänzt, soweit
-sich ihre einstige Gestalt aus den Resten erkennen ließ. Es fehlten das
-oberste Stück des Wappens mit dem Kopfe des Geiers auf dem Helme, sowie
-fast alle Verzierungen um Helm und Schild. Gut erhalten ist der Stein
-mit der Jahreszahl: ~Anno dm (= domini) MCCCCXCVI~.
-
-Im Jahre 1496, zur Zeit der Gründung Annabergs, hat demnach Geyer
-schon ein großes Rathaus besessen. Dasselbe ist aber 1844 durch ein
-neues ersetzt worden, wobei das Wappen entfernt wurde. Es steht zu
-erwarten, daß dieses nächstens wieder vervollständigt und an einen ihm
-gebührenden Platz gebracht wird. Noch ist zu erkennen, daß das Wappen
-vergoldet war und blauen Grund hatte.
-
-+Tschran+ berichtet weiter, daß in der Hauptkirche über dem Ratschore
-ein hölzernes Wappen in verändertem Aussehen angebracht gewesen
-sei. Leider konnten wir dieses nicht ausfindig machen. Es wird
-folgendermaßen beschrieben:
-
- »Im Schilde siehet man einen viereckigten Thurm im blauen
- Felde, mit offnem Thore, daran ein Schild mit 3 Geyersköpfen
- hängt. Der Helm darüber ist offen, mit einer goldnen Crone, und
- oben darauf ein Rittelgeyer befindlich.«
-
-Auch das größere und kleinere Stadtsiegel, sowie das Bergamtsiegel
-werden geschildert. Aus ersterem hat sich fast ohne Veränderung
-das heutige Stadtwappen entwickelt. (Siehe die Bildertafel!) Die
-Farben sind folgendermaßen angegeben: Der Turm im blauen Felde ist
-rötlich. Auf jeder Seite stehen sieben goldene Sterne. Das Dach ist
-schieferfarben und trägt zwei goldene Knöpfe mit Fähnlein. Der Schild
-ist silbern und zeigt drei Geierköpfe in ihrer natürlichen Farbe.
-
-Das Wappen von Geyer ist außerdem noch auf dem sogenannten
-Dreilagensteine zu finden. Dieser ist ein uralter Grenzstein. Auf
-ihm sieht man das Wappen von Geyer, das des Abtes von Grünhain und
-dasjenige der Herren von Schönburg. Das Wappen von Geyer besteht darauf
-nur aus drei Geierköpfen.
-
- Albert Major.
-
-
-2. Die große Glocke in Geyer.
-
-Schon in früher Morgenstunde nach der Nacht, in welcher Kunz von
-Kaufungen die Prinzen geraubt hatte, begann die allgemeine Verfolgung
-der Räuber. Da erklang auch vom Turm der Niklaskirche zu Geyer die
-große Glocke, laut das geschehene Unheil kündend. Die Glocke zersprang.
-Urban, der Neffe von Georg Schmidt, welcher zu dieser Zeit in Geyer
-anwesend war, teilte bei seiner Rückkehr seinem Oheim das Ereignis mit.
-
- »Im Walde dort wert Cunz ertapt,
- Da wollt he Beeren naschen«
-
-berichtet der uralte Berg-Reihen weiter. Der Kurfürst aber ließ später
-aus Dankbarkeit gegen Gott für die glückliche Errettung seiner Söhne
-auf seine Kosten die große Glocke in Geyer umgießen. Ungefähr in dieser
-Weise wird in der landläufigen Art bei der Erzählung des Prinzenraubes
-der Geyerschen Glocke gedacht.
-
-Zunächst muß festgestellt werden, daß weder die Nikolaikirche, noch die
-bald nach dem Prinzenraub umgegossene Glocke zur Zeit noch vorhanden
-sind. Die große Nikolaikirche, welche östlich von der Stadt, links
-von der Ehrenfriedersdorferstraße -- die Pflugschar durchschneidet
-jetzt das Land -- stand, wird bereits 1491 urkundlich als nicht mehr
-vorhanden bezeichnet, wahrscheinlich war sie durch Brand zerstört
-worden. Bezüglich des Glockengusses fehlen allerdings gleichzeitige
-Nachrichten; auch ist in dem bekannten Manifest, welches der Kurfürst
-am Jakobitage (26. Juli) 1455 erließ, vom Glockenläuten nicht die Rede.
-Peter Albinus ist der älteste bekannte Chronist, der den Prinzenraub
-ausführlich erzählt, und er sagt in seiner Neuen Meißnischen Chronik
-(1580): »Es haben sich die Hofleute nicht gesäumet, sondern von Stund
-an in alle Gegenden geschickt und sind zum Teil selbst ausgeritten,
-den Sturmschlag in allen Städten und Dörfern angehen lassen, daß also
-das ganze Land rege wurde.« Albinus, als geborner Schneeberger, kannte
-die Gebräuche des Erzgebirges; er wird wohl nicht ohne Grund vom
-Sturmläuten berichtet haben.
-
-Das wichtigste Zeugnis giebt uns der um die Geschichtsforschung in
-Geyer so hochverdiente Pastor Blüher, der der Prinzenglocke eine
-besondere Aufmerksamkeit gewidmet hat und der den Umguß der Glocke auf
-Kosten des Kurfürsten für wahr hält. Nach demselben waren auf der einen
-Seite der Glocke die Bildnisse der beiden jungen Fürsten angebracht,
-auf der andern Seite sah man Kunz auf der Erde liegend und das Pferd am
-Zügel haltend, daneben den Fürsten Albrecht und den Köhler. Oben um die
-Glocke stand der Vers:
-
- ~Filios Curt abripiebat Saxonis: Ergo
- Redditionem hoc aes Christiparae memorat.~
-
-und unten:
-
- ~Aufugiente Ducum plagiario rupta, sed Almi
- Ensiferi sumtu sum reparata Patris.
- A. MCCCCLVI.~
-
-Blüher hat beide Distichen in folgender Übersetzung wiedergegeben:
-
- Kurt entführte die fürstlichen Prinzen, die himmlische Jungfrau --
- Diese Glocke bezeugt's -- gab sie uns gnädig zurück.
- Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich,
- Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.
-
-Im Jahre 1580 besichtigte Herzog Albrecht die Prinzenglocke. Sie wurde
-nach der Zerstörung der St. Niklaskirche im Turme der Lorenzkirche
-aufgehängt. Die Freude über die schöne Glocke ist nicht von langer
-Dauer gewesen, schon 1535 ist sie abermals zersprungen. Der Umguß der
-neuen großen Glocke hat im Jahre 1539 stattgefunden, ob mit Beisteuer
-Heinrichs des Frommen, wie vermutet wird, ist nicht erwiesen, er
-geschah jedoch unzweifelhaft in der berühmten Hilligerschen Gießhütte
-in Freiberg. Die große Glocke ist 1,60 ~m~ hoch, ihr Durchmesser
-beträgt 1,80 ~m~, ihr Ton gilt allgemein als ausgezeichnet. In dem
-breiten Laubwerkfries, das sie umgiebt, sind kleine Medaillons
-angebracht, die Karl V., Ferdinand I. nebst Gemahlinnen etc.
-darstellen. Vorzüglich gelungen ist das Rundbildnis Heinrichs des
-Frommen, wovon wir auf der Bildertafel eine Abbildung bringen. Außerdem
-ist noch der Bibelspruch Johannes 3: Also hat Gott die Welt etc. und
-die Jahreszahl 1539 auf der Glocke angebracht. Die Angaben über die
-Schwere der Glocke sind schwankend, ein Glockengießer versicherte
-mir, daß sie über 100 Zentner wiegen müsse. Sei dem, wie ihm wolle,
-die Geyersche Gemeinde hängt mit großer Liebe an ihrer Glocke. Dies
-zeigte sich besonders im Jahre 1839, als die dreihundertjährige
-Geburtstagsfeier derselben feierlich begangen wurde. Und noch heute
-ruft der eherne Mund der großen Prinzenglocke die Gemeinde zum
-Gotteshause und begleitet mit ihrem Schwunge des Lebens wechselvolle
-Stunden!
-
- Hermann Lungwitz.
-
-
-3. Hieronymus Lotter.
-
-Von den Bildern, welche die Brüstung der Empore der St. Annenkirche in
-Annaberg zieren, trug das 28. Bild, Kains Brudermord darstellend, die
-Inschrift der Stifter »Michael Lotter und Barbara, dessen Ehefrau«.
-Dies waren die Eltern des berühmten kurfürstlichen Baumeisters
-Hieronymus Lotter. Michael Lotter war mit seiner Familie 1509 von
-Nürnberg nach dem rasch emporblühenden Annaberg eingewandert und hatte
-es hier durch seine Rührigkeit zu Ansehen und Wohlstand gebracht, sodaß
-ihm seine Mitbürger das Amt eines Bürgermeisters übertrugen. Sein Sohn
-Hieronymus hatte sich dem Baufach gewidmet und Leipzig als Schauplatz
-seiner Thätigkeit gewählt. Hier baute er das Kornhaus auf dem Brühl,
-das Badstubenhaus am Ranstädter Thor, erhöhte den Nikolaikirchturm
-und versah ihn mit einer Wächterwohnung, brach das alte Rathaus ab
-und vollendete den Neubau bis zur Bewohnbarkeit innerhalb 9 Monaten.
-Fremde Kaufleute, die zur Ostermesse den Anfang des Neubaues mit
-angesehen hatten, waren, als sie zur Michaelismesse wiederkehrten, »mit
-Verwunderung über so unverhofften Fortgang fast erstarret«. Kurfürst
-Moritz übertrug dem Baumeister Lotter, die Pleißenburg als Schloß
-und Festungsbau neu herzustellen. Sein Nachfolger, Kurfürst Vater
-August, ehrte seinen Baumeister auch dadurch, daß er, so oft er in
-Leipzig allein oder in Begleitung seiner Gemahlin erschien, in Lotters
-Behausung abstieg. Die Leipziger Bürger wählten den hervorragenden
-Baumeister zu ihrem Bürgermeister.
-
-Mit dem Jahre 1560 finden wir Hieronymus Lotter in der Bergstadt
-Geyer. Er kaufte den Preußerhof, einen mit »Gerichten über Hals und
-Hand« versehenen Freihof. Der Freihof stand an der Stelle, an welcher
-sich die frühere Bürgerschule, die jetzige Posamentenfabrik des
-Herrn Hermann Dietzsch, befindet. Später erwarb Lotter das Rittergut
-Geyersberg mit etlichen nahestehenden Bürgerhäusern, die er zum Teil
-abtrug, als er sein Wohnhaus von Grund aus neu aufführte. Dieses
-Wohnhaus steht heute noch und befindet sich im Besitz des Herrn C. M.
-Schürer. Überhaupt begann mit Lotter in Geyer ein neues Leben. Durch
-seine Kunstfertigkeit zur Baulust angeregt, ließ der Rat die beiden
-damals vorhandenen Brauhäuser und den Rathausturm neu herstellen, den
-Wachtturm mit einer Türmerwohnung und mit Glocken versehen. Letztere
-waren besonders dazu bestimmt, die Bergleute nach achtstündiger Schicht
-zum Gebet und zur Arbeit zu rufen. Lotter unterhielt allein 300
-Bergleute; denn er besaß den größten Teil des Geyerschen Zinnbergbaues
-nebst 8 Pochwerken, die teils in der Stadt, teils am Greifenbache lagen.
-
-Wie in Leipzig, so war auch auf dem Lotterhofe, so hieß das Rittergut
-von nun an, der Kurfürst nebst Gemahlin, so oft sie im Gebirge weilten,
-Lotters Gast. Hier im kleinen Schreibstüblein suchte Kurfürst August
-seinen Baumeister zu bestimmen, ihm auf dem Schellenberge ein Schloß,
-die spätere Augustusburg, zu erbauen. Als ob Lotter geahnt hätte, wie
-viel Beschwerlichkeit, Kümmernis und Undank gerade dieser Bau ihm
-einbringen werde, ging er anfangs nicht auf den Plan ein, sondern schob
-sein hohes Alter -- er stand damals in seinem 69. Lebensjahre -- vor.
-Erst durch die Kurfürstin ließ Lotter sich bestimmen, ihrem Herrn und
-Gemahl die Bitte nicht abzuschlagen.
-
-Lotter hat den größten und schwierigsten Bau seines Lebens nicht
-vollendet. Es wurde ihm die schmerzliche Demütigung, daß man den Bau
-kurz vor seiner Vollendung dem Grafen Rochus von Linar übertrug.
-Dem ungeduldigen und äußerst sparsamen Kurfürsten ging der Bau zu
-langsam und verschlang zu große Summen. Dazu mag noch gekommen sein,
-daß Neider dem Kurfürsten ins Ohr flüsterten, Lotter bereichere
-sich an den Baugeldern, während es doch Thatsache ist, daß er von
-der kurfürstlichen Kasse 15000 Gulden zu fordern hatte, die ihm nie
-ausgezahlt worden sind, und ferner Thatsache ist, daß der reiche
-Leipziger Bürgermeister und Bauherr wenige Jahre nach der Vollendung
-der Augustusburg ein armer Mann war.
-
-Tiefgekränkt zog sich Lotter auf seinen Geyersbergischen Hof zurück.
-Aber auch hier erwartete ihn wenig Freude. Die bergmännischen
-Unternehmungen waren mißglückt, die Seinigen drängten ihn um Herausgabe
-des Erbes, kurz, der 82jährige Greis sah nur trübe Tage. Am 24. Juli
-1580 legte er sein müdes Haupt für immer zur Ruhe. Auf dem Altarplatz
-der St. Lorenzkirche zu Geyer ist Lotter begraben worden.
-
-Und heute!
-
-Eine der schönsten Straßen Geyers führt nach dem kurfürstlichen
-Baumeister den Namen: Hieronymus Lotter-Straße. Am 8. Oktober 1893
-brachte der Verein der Leipziger Architekten an Lotters Sterbehause,
-das ist das von ihm erbaute Wohnhaus des Rittergutes, eine Gedenktafel
-an, welche folgende Inschrift trägt:
-
- In diesem Hause starb
- Leipzigs großer Baumeister
- Hieronymus Lotter
- im 83. Lebensjahre 1580.
- Dem alten Meister
- zu seinem Gedächtnis
- Leipzigs Architekten 1893.
-
- Hermann Lungwitz.
-
-
-4. Geyer während des dreißigjährigen Krieges.
-
-Mit dem Jahre 1632 begann der dreißigjährige Krieg auch seine
-Schrecknisse in unser sächsisches Erzgebirge zu verbreiten. Während
-die kurfürstlichen Truppen in der Lausitz und in Schlesien standen,
-sandte der kaiserliche Feldherr Wallenstein den General Holk mit
-seinen raub- und blutgierigen Banden über Eger und Neudeck ab, um das
-sächsische Land für die Verbindung seines Fürsten mit den Schweden
-zu strafen. Alles auf das Wildeste verheerend, breiteten sie sich
-im August des Jahres 1632 von Schneeberg durch den sogenannten
-Grund kommend auch in der Umgegend von Annaberg aus. Das Geyersche
-Rittergut wurde in dieser Zeit zweimal ausgeplündert und alles Vieh
-hinweggetrieben; drei Jahre lang, nämlich bis zum Jahre 1635, mußte es
-in wüstem Zustande und die Felder unbestellt bleiben. Ludwig Lotter,
-der damalige Besitzer des Gutes und Enkel des großen kurfürstlichen
-Baumeisters und Bürgermeisters zu Leipzig, Hieronymus Lotter, ward --
-wie späterhin seine Erben in ihrem Belehnungsgesuch vom 31. August 1649
-dem Kurfürsten klagen -- auf seinem Rittergute öfter »mit unerhörten
-Schlägen traktiert, mit Stricken um Kopf und Hals gelegt gerädelt und
-so henkermäßig gepeinigt, daß sein Leben mehr als einmal nur an einem
-Faden hing«.
-
-Fehlen auch leider die genaueren Zeitangaben jener Erlebnisse, so hat
-man doch besondere Nachrichten über die Schicksale der Stadt in diesen
-schrecklichen Zeiten, welche zur Aufhellung und Bestätigung des obigen
-mitgeteilt zu werden verdienen.
-
-Als General Holk im August 1632, um sich den Paß nach Böhmen zu
-erhalten, Schwarzenberg durch den Hauptmann Ullersdorf mit seinen
-Kroaten hatte besetzen lassen, schickte sie dieser in der Umgegend weit
-und breit zu Kriegsforderungen, Brandschatzungen und Plünderungen aus.
-Die Orte, welche das geforderte Geld nicht brachten oder aus Armut
-nicht bringen konnten, ließ er pfänden, Vieh und Menschen wegführen,
-jenes wurde wieder verhandelt oder nach Böhmen getrieben, die
-gefangenen Personen aber bis zur Erlangung eines stattlichen Lösegeldes
-behalten. So verfuhr man zu Hermannsdorf, Thum, Ehrenfriedersdorf
-u. s. w., so auch zu Geyer. Hier fielen die Kroaten am 23. August
-1633 ein, brandschatzten und plünderten noch überdies, wobei sie
-große Grausamkeiten verübten. Ein zweiundachtzigjähriger Greis, der
-Zehntner Elias Hammann, mußte viel Schläge und Martern erdulden; der
-Viertelsmeister Puzscher ward vor seiner Hausthüre erschossen. Ein
-gleicher Überfall erfolgte am 25. November. Bereits war die Stadt bei
-den Durchmärschen total ausplündert und die Bewohner zu entfliehen
-genötigt worden, sodaß Geyer fast wüste stand und nichts liefern
-konnte. Doch hatte Hauptmann Ullersdorf durch seinen Schreiber Samuel
-Metzler ausgekundschaftet, wenn die Entflohenen in ihre Wohnungen
-zurückkehrten. So ließ er am 25. November früh 7 Uhr eine Abteilung
-Kroaten in Geyer einfallen und 3 Personen gefänglich wegführen, den
-Stadtrichter Georg Klauß, den Pfarrer Johann Andrä (einen Flüchtling
-aus Kaden) und einen schottischen Bergherrn Paul Northofen, ließ sie
-nach Schwarzenberg bringen, um für erstere beide 1000 Thaler Lösegeld
-zu erpressen, letzteren aber, weil er auf einen über Kroaten gesetzten
-Leutnant geschossen haben sollte, mit einem schmählichen Tod bedrohen.
-Der Pfarrer löste sich mit Geld und Geschmeide von 400 Thaler an
-Wert, die beiden anderen wurden gerettet durch sächsische Truppen,
-die unter Oberst von Taube über Chemnitz anrückten, in Verbindung mit
-dem in Zwickau liegenden Bosenschen Regimente das Schwarzenberger
-Schloß eroberten und die Besatzung nebst ihrem Kommandanten Ullersdorf
-gefangen nahmen. Dies geschah am 4. Dezember 1633.
-
-Die Taubeschen und Bosenschen Regimenter besetzten nun auch die hiesige
-Umgegend, in Annaberg blieben bis August 1634 4 Kompanien Reiter unter
-Oberst Bodenhausen. Doch dauerten die feindlichen Streifzüge von
-Böhmen aus fort, und endlich, nach dem Sieg bei Nördlingen über die
-Schweden, erhielten die Kaiserlichen völlig die Oberhand in unserm
-Gebirge, während die sächsischen Truppen sich auf Zschopau zurückziehen
-mußten. Namentlich wiederholte der kaiserliche Oberstleutnant Schütz
-von Schützky seinen schon im Mai versuchten Einfall am 28. September,
-wobei er Annaberg und Umgebung mit unbarmherzigen Brandschatzungen
-und Plünderungen heimsuchte, bis er, den Hauptmann Kurt Reinicke von
-Kallenberg mit 30 Reitern zurücklassend, den 14. Oktober nach Zwickau
-abzog. Dieser Hauptmann ließ Geyer von der angedrohten Plünderung mit
-230 Thaler loskaufen und nachher dennoch plündern. Am 27. Oktober
-erfolgte der Durchmarsch des kaiserlichen Obersten Schönickel, der, mit
-5000 Mann auf seinem Rückzuge von Zwickau über Annaberg nach Böhmen
-begriffen, in Geyer den Stadtrichter wegführen ließ und erst freigab,
-als die Stadt ihn mit 37 Thaler eingelöst hatte. Diese letztere
-Nachricht fand sich in einer hiesigen Gemeinderechnung; wie viel Not
-und Jammer aber dabei verbreitet worden, läßt sich vermuten, wenn man
-weiß, daß Schönickel, obwohl Chemnitzer von Geburt, doch fern von aller
-Schonung gegen sein Vaterland war und durch Viehraub, Plünderung,
-Sengen und Brennen (namentlich bei Zwickau, wo man eines Tages 15
-Schadenfeuer zugleich sah) Furcht und Schrecken verbreitete.
-
-Die heißersehnte Ruhe von solchem Ungemach trat für unser Gebirge und
-das ganze Land erst ein, als der Kurfürst am 24. Juni 1635 Friede mit
-dem Kaiser schloß und sich somit von den Schweden trennte.
-
-Über die Zeit vom 24. August 1632 bis 25. Juni 1635 bemerkt erwähnte
-Gemeinderechnung: »An Kontribution, Brandschatzung u. s. w. habe Geyer
-2973 Thaler 4 Neugroschen 6 Pfennige aufbringen müssen, außer 200 Stück
-Rindvieh, das kleine ungerechnet, 24 Pferde, 4 Gebräude Bier, die
-zunichte gemacht worden.« Zwei Männer und eine Frau seien niedergemacht
-worden, und wie viele verwundet oder des Ihrigen beraubt worden, sei
-gar nicht zu ermessen.
-
-Neue Drangsale brachte das Jahr 1639, als die Schweden unter General
-Baner das Erzgebirge heimsuchten, um mit unmenschlicher Grausamkeit
-Rache an den Bewohnern für des Kurfürsten Verbindung mit dem Kaiser zu
-nehmen. Aber auch die kaiserlichen Scharen, die bald als Verfolgende,
-bald als Verfolgte erschienen, verfuhren nicht viel milder. Damals
-erlangte Geyer wenigstens bei den schwedischen Truppen Schonung durch
-den hiesigen Pfarrer Hollenhagen, der denselben, wenn sie einbrechen
-wollten, entgegen zu reiten pflegte und mit seiner Fürbitte für
-die Gemeinde um so leichter Gehör fand, da er früher schwedischer
-Feldprediger gewesen war. Bei Annäherung der Kaiserlichen verbarg er
-sich mit der Gemeinde im Walde. Nach einer andern Geschichtsquelle
-wird erzählt, daß dann die Frauen aus Furcht vor dem Feinde auf Bäumen
-Platz genommen hätten und hier Zäckchen u. s. w. gefertigt hätten. Ein
-Zeichen, daß auch schon zur Zeit des dreißigjährigen Krieges die Frauen
-von Geyer durch Handarbeit zum Erlangen des täglichen Brotes beitrugen.
-
-Als die Kaiserlichen von der Saale her durch das Erzgebirge gegen
-die in Schlesien vordringenden Schweden zogen und die Durchzüge seit
-Anfang des Februars 4 Monate lang dauerten, waren die Einwohner
-(wie ein Zeitgenosse, der Scheibenberger Pfarrer Lehmann, in seiner
-Kriegschronik erzählt) genötigt, von Haus und Hof zu fliehen, wenn
-sie nicht den übertriebenen Forderungen genügen wollten oder konnten,
-nämlich sich von Plünderung loskaufen, Salvegarde lösen, Proviant
-liefern, Wege bessern, Vorspann leisten u. s. w. Bei ihrer Rückkehr
-fanden die Geflüchteten dann gewöhnlich ihre Häuser niedergebrannt
-oder ausgeplündert, die Mobilien zerschlagen, die Kirchen erbrochen
-und für Stallung der Pferde benutzt, die Feldfrüchte teils abgeweidet,
-teils abgemäht und weggebracht. Menschen und Vieh, wo sich dergleichen
-treffen ließ, ward mit fortgenommen, ganze Dörfer wurden wüste, so
-Jahnsbach, Schönfeld, Tannenberg.
-
-Auch Geyer muß damals einen erbarmungswerten Anblick gewährt haben,
-sagt ~P.~ Blüher in seinen Aufzeichnungen, und fährt derselbe in seiner
-Beschreibung der Stadt, allerdings vor den Bränden in den Jahren 1854,
-1862 und 1863 fort:
-
-Wer vom alten Schießhausplatz aus über die Schützenhofgasse herab durch
-die Badergasse an der Marktschmiede vorüber bis zum Bergamtshaus ging,
-der sah zur Linken und vom Bergamtshause bis zur Tannenberger Grenze
-zu seiner Rechten eine fast ununterbrochene Reihe in Asche liegender
-Häuser und außerdem waren 8 Brandstätten in der Zinngasse, in der
-Gegend, in welcher sich der große, freie Platz der ersten aufsteigenden
-Straße gegenüber sich befindet. Noch im Jahre 1661 zählte man 118
-Brandstätten und nur 83 bewohnte Häuser.
-
-Der Friedensschluß, welcher den dreißigjährigen, unerhörten Trübsalen
-ein Ziel setzte, erfolgte am 14. Oktober 1648 zu Osnabrück. Ganz
-Deutschland erlangte dadurch die heißersehnte Ruhe. Das Friedensfest
-wurde zwischen Kaiserlichen und Schweden im großen Saale des Rathauses
-zu Nürnberg gefeiert. Während die Abgesandten in der hochgewölbten,
-glänzend erleuchteten Halle ein Fest abhielten, waren für die Armen der
-Stadt zwei Ochsen geschlachtet und viel Brot ausgeteilt worden, und aus
-einem Löwenrachen lief sechs Stunden lang weißer und roter Wein herab.
-Aus einem größeren Löwenrachen waren dreißig Jahre lang im ganzen
-deutschen Reich Blut und Thränen geflossen!
-
- Hermann Lungwitz.
-
-
-5. Salzburger Emigranten ziehen durch Geyer.
-
-Als im Jahre 1732 der Erzbischof von Salzburg, Leopold Anton, Graf
-von Firmian, die religiöse Unduldsamkeit bis auf das Äußerste trieb,
-wanderten 30000 friedfertige, arbeitsame Protestanten aus und fanden
-in dem Lande des Königs Friedrich Wilhelm I. von Preußen gastliche
-Aufnahme. Auf verschiedenen Wegen zogen die Emigranten ihrer neuen
-Heimat zu, und so geschah es auch, daß ein Trupp Emigranten seinen
-Weg durch Geyer nahm. Anfangs wollte der Kommissar Balzig die
-Vertriebenen nicht durch unsere Stadt führen, da dieselbe sich zu
-dieser Zeit infolge des Niederganges des Bergbaues in mißlichen
-Verhältnissen befand. Doch, berichtet eine im Besitz des königlich
-sächsischen Altertumsvereins befindliche Handschrift, gab sich
-der damalige Geyersche Stadtrichter Neubert selbst die Mühe, am
-5. August 1732 nach Zwönitz zu schicken, wo die Vertriebenen ihr
-Nachtlager hätten und sich den Durchzug von ihnen auszubitten. Als
-die Bürger Geyers dieses hörten, wurden sie ungemein erfreut, daß
-sie das Glück genießen sollten, den Salzburgern Gutes zu erweisen.
-Sie machten sich daraufhin für den kommenden Tag bereit, dieselben
-mit möglicher Liebe aufzunehmen. Die Schule, der Prediger, der ganze
-Rat und die Bürgerschaft gingen ihnen entgegen und empfingen sie mit
-einer Rede. Sie führten die Vertriebenen bei vollem Geläute in die
-Stadt, wobei dieselben bewegliche Lieder sangen und auf dem Markte
-Betstunde hielten; verlesen wurde Jerem. Kap. 51, welches von Babels
-Zerstörung handelt. Nach der Beendigung des Gottesdienstes verschwanden
-gleichsam die Emigranten, denn die Einwohner nahmen sie in der größten
-Geschwindigkeit mit sich, daß man auch für Geld keinen mehr bekommen
-konnte. Der Priester der Stadt war ein wenig abgetreten, um einen
-kranken Salzburger mit Trost aufzurichten. Er hätte gewiß leer ausgehen
-müssen, wenn sich nicht der Kommissar über ihn erbarmet und ihm zu
-zwei Personen geholfen hätte. Nach eingenommenem Mittagsmahle fing man
-wieder an, mit der großen und weitberühmten Glocke zu läuten. Darauf
-versammelten sich unsere Emigranten und man führte sie ebenso aus
-der Stadt, wie man sie eingeholet hatte. Die Abschiedsrede gründete
-sich auf Offenbarung St. Johannis 2, 10. Dies alles schrieb man in
-die Kirchenmatricul, damit es zum ewigen Andenken beibehalten würde.
-Sonntags darauf sammelte man auch hier die Kollekte, welche man in
-Sachsen für die Salzburger zusammengelegt hatte, sie betrug 19 Thaler
-7 Groschen; vorher war keine Kollekte so reichlich, so lange Geyer
-gestanden hat. Die Emigranten zogen von hier aus nach Wolkenstein
-weiter.
-
- Hermann Lungwitz.
-
-
-6. Evan Evans, der erste Baumwollspinner Sachsens.
-
-Unter den Prunkgeräten aus den früheren herzoglichen Schlössern, welche
-im Museum zu Braunschweig aufbewahrt werden, findet sich auch ein
-schmuckloses Spinnrad, das von Georg Jürgens, einem Braunschweiger,
-gefertigt sein soll, der zur Zeit Luthers das Spinnrad erfand und
-damit die seit Jahrtausenden zum Spinnen dienende Spindel außer
-Gebrauch setzte. Geyer hätte ebenfalls Ursache, eine Maschinenspindel
-im Rathaus aufzuhängen, denn Evan Evans, ein Geyerscher Bürger, war
-es, der das Spinnrad durch das Einführen des Maschinenspinnens
-in Sachsen verdrängte. Die Maschinenspinnerei ist eine englische
-Erfindung. Man schreibt sie gewöhnlich Richard Arkwright zu; doch haben
-spätere Nachforschungen ergeben, daß er wohl ein großer Verbesserer,
-aber nicht der Urerfinder des Maschinenspinnens gewesen ist. In
-Sachsen waren in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts
-kleine Handmaschinen von 10 bis 20 Spulen zum Spinnen der Baumwolle
-in Gebrauch. Gegen Ende desselben führte Karl Friedrich Bernhard
-das englische Spinnereisystem in Sachsen ein. Seine Maschinen waren
-Mulemaschinen; sie wurden in einem dazu errichteten Gebäude in Harthau
-bei Chemnitz durch einen Engländer, Namens Watson, aufgestellt. Da
-er aber als bloßer Maschinenbauer die Maschinen nicht in Gang zu
-bringen wußte, namentlich, wird erzählt, die Trommelschnur nicht
-aufzuziehen verstand, so wurde ein englischer Spinner, Evan Evans,
-aus England herübergerufen, der auch alsbald auf den Maschinen
-Garn spann. Der Vater des sächsischen Maschinenspinnens, besonders
-der Baumwollspinnerei, ist Evan Evans. Er ist 1765 in New-Wales in
-England geboren und kam im März 1802 auf erhaltene Veranlassung aus
-Manchester nach Sachsen. Nachdem er sich in Harthau als Spinnmeister
-bewährt hatte, ging er nach Dittersdorf, um sich mit Maschinenbauen
-zu beschäftigen. Mit dem Jahre 1809 siedelte er nach Geyer über und
-legte drei Jahre später den Grund zu seiner eigenen großen Fabrik
-im benachbarten Siebenhöfen. Evans zeichnete sich als Erfinder auf
-dem Gebiete des Maschinenspinnens aus und wurde auch als solcher
-wiederholt von der sächsischen Regierung ausgezeichnet. Er fertigte
-die Maschinen für eine Menge neu entstehender Fabriken in Erfenschlag,
-Wolkenburg, Wegefahrt, Mühlau, Lugau, Plaue, Schlettau etc., auch für
-viele kleinere Werkstätten im Erzgebirge und im Vogtland, sowie in und
-um Chemnitz. Evan Evans ist am 9. Dezember 1844 in einem Alter von 79
-Jahren gestorben und liegt auf dem Friedhofe bei der Hauptkirche in
-Geyer begraben. Die Saat aber, die der von groß und klein hochgeachtete
-Bürger von Geyer gesät hat, grünt und blüht heute noch fort, denn am
-Geyersbach, der der Zschopau zufließt, hat er seine erste Spinnerei
-gegründet und längs des Zschopauflusses haben sich die größten
-Spinnereien des Sachsenlandes angesiedelt.
-
- Hermann Lungwitz.
-
-
-7. Die Binge auf dem Geyersberge bei Geyer.
-
-Einst hätten, so erzählt die Sage, Geier dem Hühnerhof des Rittergutes
-Tannenberg argen Schaden zugefügt. Da bestieg der geschädigte Edelmann
-sein Jagdroß, um den Raubvögeln nachzuspüren. Das Gestrüpp auf der
-bewaldeten Höhe hinderte ihn am weiteren Vordringen, er band daher
-sein Pferd an einen Baum, schritt zu Fuß weiter und fand den Horst der
-Rittelgeier auf, er zerstörte denselben, ebenso gelang es ihm, die
-alten Vögel zu erlegen. Als er zu seinem Roß zurückkam, hatte es mit
-seinen Hufen Zwitter und Zinngraupen entblößt. Der Edelmann steckte
-das Erz zu sich, zeigte es Kundigen und auf deren Anraten schlug man
-auf derselben Stelle ein. So wurde der Geyersberg fündig. Es geschah
-dies nach Tschrans Vermutung zu Anfange des 14. Jahrhunderts. Die
-Ansiedelung aber, welche sich wegen der schon früher aufgefundenen
-reichen Silber- und Kupfererze in dem Thale gebildet hatte, bekam nach
-den Raubvögeln den Namen Geyer, und noch heute führt diese Stadt drei
-Geierköpfe im Wappen.
-
-Die Ausbeute des Geyersberges scheint eine sehr reiche gewesen zu
-sein, sind doch aus den Gruben nach einer vom Bergamt zu Freiberg
-gemachten Zusammenstellung von der Auffindung bis zum Jahre 1845 (die
-Ausbeute nach diesem Jahre ist ohne Belang) im ganzen rund 72600
-Zentner Zinn gefördert worden, die einen Wert von 7 bis 8 Millionen
-Mark darstellen. Das Werk im Geyersberg wurde Zwitterstockwerk
-genannt. Unter Zwitter verstand der Bergmann den Zinnstein, ein dem
-Gneise verwandtes oder mit ihm durch Übergänge verknüpftes Gestein,
-hauptsächlich aus eisenschüssigen Quarzen, mit Chlorit, Arsenkies
-und Zinnstein gemengt. Der Zinnstein in Gängen wurde zuweilen, wie
-Charpentier berichtet, so reich befunden, daß drei Zentner Zinnerz zwei
-Zentner Zinn beim Schmelzen gaben. Mit dem Bergbau im Geyersberg ist
-die Geschichte der Stadt auf das Innigste verknüpft, kein Wunder, daß
-auch die Sage die Erwerbsquelle umrankt wie der Epheu das verfallene
-Bergschloß. Es berichtet eine alte Handschrift, auf dem Geyersberge
-hätte sich ein Paar Raben aufgehalten, welche durch ihren hohen oder
-niederen Flug Anzeichen von einer bevorstehenden Veränderung gaben,
-bestünde dieselbe entweder in der kommenden teuren Zeit oder auch in
-einem Unfalle, welcher dem Bergmann im Schoße der Erde zustieße. Das
-Rabenpaar habe nie ein anderes neben sich geduldet, selbst die eigenen
-Jungen habe es, sobald der Hafer begann, gegen den Schuß hin gelb
-zu werden, mit Schnabelhieben davongetrieben. Ob sie auch im Herbst
-1704 ein Anzeichen gaben, darüber schweigt die erwähnte Handschrift,
-wohl aber geschah es, »daß eine große Wand oder Tagklippe niederging,
-durch welchen Bergfall viel Holz verstürzet und die Häuser im Geyer
-erschüttert worden, wie von einem Erdbeben«. Es mag eine furchtbare
-Erschütterung gewesen sein, als die möglicherweise mit nicht allzu
-großer Vorsicht angelegten Höhlen in sich zusammenbrachen, wodurch der
-große Tagebruch, die Binge, entstand. Schon nach der ersten Senkung
-muß die entstandene Vertiefung eine mächtige gewesen sein; denn als
-im Herbste 1773 der Kurfürst und spätere König Friedrich August sein
-durch die große Hungersnot heimgesuchtes Gebirge besuchte und auch am
-7. September nach Geyer kam, zeigte man demselben den Geyersberg »und
-bezeugte Ihro Churfürstliche Durchlaucht nicht undeutlich Höchstdero
-Wohlgefallen an dessen grauen Altertume und Seltenheit«. Leider hatte
-es mit dem einen Zusammenbruch nicht sein Bewenden, denn der Hauptbruch
-erfolgte am 11. Mai 1803. Während die Grubenarbeiter bei dem Bruch
-von 1704 durch vorherige Anzeichen in den Gruben gewarnt und daher
-geflohen waren, wurden 1803 die beiden Bergleute Christian Gottlieb
-Schramm und Johann Gotthilf Zimmermann, welche nach der Senkung
-das Werk untersuchen wollten, ob weiterer Broterwerb möglich sei,
-verschüttet. Ihre Leichen ruhen noch jetzt im Schoße der Binge. In dem
-am Neujahrstage 1804 ausgetragenen Zettel klagt der Kirchner Hofmann:
-
- Zum neuen Jahr sei neues Glück,
- Mein Geyer, dir beschieden;
- Vergiß das alte Mißgeschick --
- Nur Stückwerk ist's hienieden!
-
- Der Geyersberg erzeugte zwar
- Uns bittre Thränen-Tage,
- Und Teurung blieb im alten Jahr
- Der Armen stete Klage.
-
- Ja Kirche, Schule, Rat und Euch,
- Geliebte Bürger, schütze
- Der gute Gott, er segne Euch
- Und sei der Knappschaft Stütze.
-
-Obwohl der Betrieb des Bergbaues im Stockwerk vorläufig infolge
-weiterer Brüche eingestellt werden mußte, nahm man ihn später, wenn
-auch in geringerem Maße, wieder auf, bis mit dem Jahre 1855 das letzte
-Zinnschmelzen stattfand. Die Förderkosten belaufen sich zu hoch im
-Vergleich zum Preis des Zinnes, die reichen Gruben des Auslandes gaben
-zu große Ausbeute.
-
-Etwas Unheimliches über den Geyersberg berichtet M. Metzler in seinen
-Totennachrichten von 1692. Da heißt es: Den 24. Novembris starb Gregor
-Schneider, ein Kärner, welchem ein Spectrum am Geyersberge unter die
-Augen gespeiet, daß ihm das ganze Angesicht verbrannt und das eine Auge
-durch die Nasen ausgeschworen ist.
-
-Heutzutage fürchtet man kein Gespenst mehr am Geyersberge; die Binge
-ist vielmehr ein von nah und fern gern besuchter Ausflugspunkt in
-unserem Erzgebirge. Nachdem der Wanderer sich an der köstlichen
-Fernsicht geweidet hat, schaut er in die grausige Tiefe; das Werk,
-welches fleißige Hände im Laufe von Jahrhunderten schufen, ist
-zusammengestürzt. Da sieht man noch Spuren von früheren Förder- und
-Abbaugängen, von Strecken etc. Die große Binge ist 70 ~m~ tief, gegen
-200 ~m~ lang und 160 ~m~ breit. Aus der Ferne gesehen, gleicht sie
-einem gewaltigen Krater, das dunkle Gestein ähnelt den Lavablöcken.
-
-
-8. Das Steinkreuz auf dem Ziegelsberg in Geyer.
-
-An Weichbildsgemarkungen, an Kreuzwegen, an Stadtthoren, vor
-Kirchthüren, auf Gemeindeplätzen, an Ackerrainen, auf früheren
-Richtstätten etc. findet man im Sachsenlande hier und da Steinkreuze
-errichtet, deren Zweck im allgemeinen war, die Aufmerksamkeit der
-Zeitgenossen und die Erinnerung der Nachkommen festzuhalten. Kreuze
-stellte man in alten Zeiten auf Märkten, wo sonst Gericht gehalten
-wurde, auf zum Zeichen, daß ein jeder hier vor Unrecht und Gewalt
-gesichert sei und in Frieden wandeln könne, und zur Versicherung des
-königlichen Willens hing man in den Städten, welchen Weich- oder
-Stadtfriede gegeben war, des Königs Handschuh daran. Doch nicht allein
-auf der Stelle, wo der Markt oder Gerichtsplatz war, errichtete man
-derartige Kreuze, man setzte sie auch, soweit der Gerichtsbezirk
-des Ortes sich erstreckte; daraus entstanden die unter dem Namen
-Weichbilder bekannten Grenzsteine. Findet man jedoch an solchen Orten
-Kreuze, die auf nichts, was zum Amte der weltlichen Obrigkeit gehört,
-Beziehungen haben, jedoch außerhalb der gewöhnlichen Begräbnisstätten
-stehen, so sind sie zum Andenken oder zur Förderung der Seelenruhe
-gemordeter Personen von schuldigen, obgleich nicht vorsätzlichen
-Totschlägern, die ihre That dadurch mit verbüßen mußten, errichtet
-worden. Wenn ein Totschlag aus Zorn, Trunkenheit oder auf andere
-unvorsätzliche Weise erfolgt war, so schloß in alter Zeit der Mörder
-einen gerichtlichen Vergleich mit der Familie des Ermordeten ab, worin
-er derselben eine Summe Geldes zu entrichten gelobte, wogegen er das
-Versprechen erhielt, daß er wegen seiner That keine Verfolgung oder
-Rache zu fürchten haben solle. Oft mußte sich außerdem der Mörder noch
-zu einer kirchlichen Bußübung oder zur Errichtung eines Kreuzsteines
-verpflichten.
-
-Nach Blühers Aufzeichnungen ist in Geyer ein solcher Fall vorgekommen.
-Im Jahre 1530 ward nämlich am Montag nach Michaelis von Balzer Bach
-in Gemeinschaft von seinen Geschwistern und nächsten Verwandten
-Bestimmung über 50 Gulden sogenanntes Blutgeld getroffen, welches sie
-zur Sühne ihres vor 15 Jahren ermordeten Bruders erhalten hatten. Ob
-von diesem Gelde auch ein Sühnekreuz errichtet oder ob es vollständig
-dem »Gestifte unserer lieben Frau« zugewendet wurde, läßt sich aus
-der beregten Quelle nicht ersehen. Ein Steinkreuz stand früher an der
-alten Zolltafel, wie sich wohl die ältesten Bewohner der Stadt Geyer
-erinnern können. Die Zolltafel war an der Ehrenfriedersdorfer Straße
-aufgestellt, da, wo jetzt rechts der Weg nach der Binge abbiegt.
-
-Ein Sühnekreuz mag aber das im Sommer 1890 zufällig aufgefundene
-Steinkreuz auf der Verlängerung des Ziegelsberges sein. Wie kommt
-aber das Richtschwert hinzu, dessen Umrisse ganz deutlich auf der
-einen Seite des granitnen Kreuzes zu sehen sind? Auf der bekannten
-Dillichschen Federzeichnung der Stadt Geyer findet sich der Galgen
-zwar an dem Fußsteige, wo das Kreuz aufgefunden wurde, doch etwas
-weiter hinauf nach dem Schlegelswald zu. Da jedoch von einer Bebauung
-mit Häusern auf dem Ziegelsberg auf erwähnter Zeichnung noch keine
-Andeutung vorhanden ist, da ferner das Steinkreuz in einer vom
-Silberbergbau herrührenden Halde aufgefunden wurde, so schließt dies
-durchaus nicht aus, daß an der Fundstelle in Geyers frühester Zeit
-der Richtplatz zu suchen sei, und daß derselbe nur erst infolge des
-Bergbaues und der Bebauung des Ziegelsberges weiter dem Walde zu
-angelegt worden ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand vielmehr das
-Kreuz auf der alten Richtstätte; das darauf gemeißelte Richtschwert
-deutete an, daß der Mörder eigentlich an dieser Stelle sein Grab
-habe finden müssen; denn bekanntlich wurden in früheren Zeiten die
-Gerichteten an Ort und Stelle verscharrt.
-
-Der hiesige Verschönerungsverein hat unter der Leitung des Herrn
-Kaufmann Max Päßler das alte Steinkreuz wieder aufrichten und im
-Grunde befestigen lassen. Es ist dies wohl das einzige in unserer
-Amtshauptmannschaft, wenigstens führt ~Dr.~ R. Steche in seiner
-»Beschreibenden Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des
-Königreichs Sachsen«, viertes Heft, keins auf, während in anderen
-Amtshauptmannschaften verschiedene erwähnt werden und 1885 bei
-Ausgabe des Heftes noch das Geyersche nicht bloßgelegt war. Der
-Verschönerungsverein fühlt sich übrigens den beiden Herren Gustav
-Morgenstern und Karl Einenkel zum Dank verpflichtet, da ersterer
-das Kreuz, welches auf seinem Grund und Boden gefunden wurde,
-bereitwilligst dem Verein übergab und letzterer die Aufstellung auf
-seinem Eigentume gestattete.
-
-Ein ähnliches Kreuz liegt umgestürzt und vergessen am Fußwege, welcher
-von der Ehrenfriedersdorfer Hauptstraße links von der Großschen
-Wirtschaft im Grunde des Greifenbaches abzweigt, einige hundert
-Schritte oberhalb des Röhrgrabens. Der rührige Verschönerungsverein
-unserer Nachbarstadt wird hoffentlich dieses Denkmal aus vergangenen
-Tagen vor Überackerung und Einsinken schützen.
-
- Hermann Lungwitz.
-
-
-9. Sage.
-
-Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt.
-
-Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer
-Ratssaale bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem
-der Reigen geendet, den Heimweg über den Greifenstein an. Als sie in
-die Nähe der alten Felsen kamen, schien es ihnen, als ob dieselben in
-einem besonderen Lichte erglänzten. Ein Spielmann machte den Vorschlag,
-zu Ehren des Greifensteins eine muntere Weise zu blasen. Wie gesagt,
-so gethan. Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine
-des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen, sie meinten, der letzte
-heftige Gewitterregen habe sie ausgewaschen. Ohne Säumen hoben sie
-die Stufen auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und
-Kinder am andern Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst
-einer Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten
-sie zum Schmelzmeister. Der erkannte sie als reines Silber und lohnte
-die Frauen reichlich. Nutzen hingegen habe die reiche Spende des
-Greifensteins den Stadtpfeifern nicht gebracht, es sei alles wieder
-durch die Musikantenkehle geflossen.
-
- Hermann Lungwitz.
-
-
-10. Kurzer Abriß der Geschichte des Rittergutes Geyersberg.
-
-Bereits mit dem Jahre 1510 erscheint im Erbbuch der Stadt Geyer das
-Besitztum Kaspar Thieles als ein ansehnliches Gut aufgeführt. Nachdem
-das Gut im Jahre 1535 in den Besitz +Christoph Schnees+ übergegangen
-war, ließ es derselbe mit Genehmigung des Herzogs Heinrich zu einem
-Ritterlehen oder sogenannten Freihof erheben, um es dadurch der
-Stadtobrigkeit zu entziehen. Überhaupt scheint Schnee infolge seines
-hochfahrenden und willkürlichen Wesens zu dem Stadtrat von Geyer in
-sehr gespanntem Verhältnis gestanden zu haben, was aus den vielen
-Streitigkeiten hervorgeht. Nach dem im Jahre 1556 erfolgten Tode
-Schnees gestalteten sich die Verhältnisse des Freihofs »aufm Geyer«
-insofern ungünstig, als der nunmehrige Besitzer desselben, +Heinrich
-von Etzdorf+, als Amtmann von Koburg genötigt war, einen Verwalter,
-Lorenz von Wolnitz, auf dem Gute einzusetzen, der so wenig Aufsicht
-führte, daß der Rat in einem Schreiben vom Jahre 1564 über die durch
-unvorsichtige Gebaren der Gutsinsassen verursachte Feuersgefahr sich
-beschwerte und zugleich das Gemeindekapital von 247 fl. kündigte.
-Darauf sahen sich Schnees Erben nach einem Käufer um, den sie im Jahre
-1565 in dem kurfürstlichen Landbaumeister Hieronymus Lotter fanden.
-Unter Lotters Verwaltung erreichte nicht nur das Rittergut seine
-Blütezeit, sondern es begann überhaupt in Geyer ein neues Leben, da
-Lotter den größten Teil des Geyerschen Zinnbergbaues besaß, den er
-schwunghaft betrieb. Von ihm erhielt das Gut den Namen »Geyersbergscher
-Hof« oder »Rittergut Geyersberg«, wie er es auch durch kurfürstlichen
-Lehnbrief vom Jahre 1569 erlangte, daß dasselbe auch auf die weibliche
-Linie forterben durfte. Doch trotz aller Erfolge sollte er gegen
-Ende seines Lebend noch in eine recht traurige Lage geraten, da er
-bei seinem Landesfürsten in Ungnade fiel und durch unglückliche
-Unternehmungen sein ganzes Vermögen verlor. Nach vierjährigem Elende
-starb er 1580 und hinterließ seinen 3 Söhnen ein zerrüttetes Erbe. Sie
-verkauften das Gut nach achtjährigem Besitze an ihren Hauptgläubiger
-+Philipp Bruck+, und dieser überließ es bereits 1590 für 1300 fl.
-an +Paul Tanner+ und dessen Schwägerin +Anna Buchner+, die bereits
-vorher den Zinnhandel und Bergbau um Geyer in ihre Hände gebracht
-hatten. Da aber seit dem Jahre 1599, in welchem der letzte Sohn Lotters
-gestorben war, die Enkel des alten Lotter wieder Erbansprüche auf das
-großväterliche Gut erhoben, so kam es zu einem recht langwierigen
-Streit zwischen ihnen und den Tannerschen und Buchnerschen Erben,
-woraus der häufige Wechsel der Besitzer des Geyersberges erklärlich
-wird. Es folgten nämlich auf die Anna Buchner im Jahre 1615 zunächst
-deren Erben bis 1617, dann Paul Tanner auf Neunhof, von welchem es im
-Jahre 1619 der Hauptmann und Bergrat +Samson von Hohenwald+ in Preßnitz
-kaufte. Letzterer suchte besonders durch Bierbrauerei und Holzverkauf
-Nutzen aus dem Rittergute zu ziehen, obwohl er die Kaufsumme für
-das Gut nie erlegte, sondern nur ein Angeld von 600 fl. an Tanner
-entrichtet hatte. Inzwischen wußten die Enkel des alten Lotter durch
-kurfürstlichen Bescheid den Kauf des genannten Hohenwald rückgängig
-zu machen und verglichen sich bald darauf mit den Tannerschen und
-Buchnerschen Erben, sodaß das Rittergut samt Zinnbergwerk im Jahre 1627
-in den Besitz +Ludwig Lotters+ gegen Zahlung von 5000 fl. überging.
-Alle Bemühungen des neuen Besitzers um Hebung des arg vernachlässigten
-Gutes waren erfolglos in der Schreckenszeit des 30jährigen Krieges;
-denn zweimal wurde der Geyersberg geplündert, sodaß er 3 Jahre lang
-im wüsten Zustande blieb. Lotter selbst wurde öfter von den Feinden
-mißhandelt und gepeinigt. Als er kurz nach dem Friedensschlusse aus
-dem Leben schied, hatte der Besitz des Gutes so wenig Verlockendes für
-seine Erben, daß das Gut bereits 1652 an einen böhmischen Exulanten,
-+Edeslaw von Stampach+, verkauft wurde, der bereits das benachbarte
-Rittergut Tannenberg besaß. Er erlebte ruhigere Zeiten bis zu seinem
-Tode im Jahre 1666. Seine beiden Töchter verkaufen schon 1669 das
-väterliche Erbe an den Obersten +Heinrich von Bünau+ für 1000 Mfl.,
-welchem aber nur eine zehnmonatliche Verwaltung desselben beschieden
-war. Auch seine Erben, 2 Töchter, dachten bald wieder an Veräußerung
-des Gutes und verkauften es 1678 für 1200 Mfl. an den böhmischen
-Exulanten und damaligen Besitzer des Rittergutes Tannenberg, +Felix
-Friedrich Hruschka+ von Briexen. Auch dieser konnte in 26jähriger
-Bewirtschaftung das Gut nicht heben, sondern hinterließ es bei seinem
-Tode 1704 in ganz verfallenem und trostlosem Zustande, sodaß seine 4
-Töchter das Kaufgebot des Georg Erasmus +von Hartitzsch+ in Lichtenberg
-bei Freiberg gern annahmen. Da aber das Gut mit großen Schulden
-belastet und in schwere Händel mit dem Stadtrat verflochten war, wurde
-von den Gläubigern und vom Rate Einspruch gegen den Kauf erhoben. So
-geschah es, daß Erasmus von Hartitzsch 1709 starb, ohne überhaupt in
-den Besitz des Geyersbergs gelangt zu sein. Erst der nächste Kauf
-des Oberstleutnants +von Haß+ wurde rechtskräftig. Haß, »ein Ordnung
-und Frieden liebender Mann«, vermochte den Stadtrat zur Ausfertigung
-einer Urkunde über Gerechtsame und Grenzen des Rittergutes, in welcher
-als Zubehör desselben genannt werden: ein Brauhaus, ein Malzhaus,
-die 2 Türme der Kirchhofmauer und ein überbautes Erbbegräbnis mit
-Kirchenchor. Trotz eines Testamentes entstanden nach dem Tode des
-alten Haß 1736 Streitigkeiten unter den Erbberechtigten, wobei sich
-gelegentlich der Erörterungen über die eigentümlichen Verhältnisse des
-Gutes ergab, daß es seit 1602 auf Bitten der +Anna Buchner+ in ein
-Erbgut -- doch mit Vorbehalt der Lehensfolge -- verwandelt, demnach
-unter dem Namen eines Erblehngutes fortgeführt worden sei. Das Gut
-ward nunmehr 1744 einem Erben des letzten Besitzers, dem Hauptmann
-+von Reitzenstein+, verlehnt. Unter seiner Verwaltung steigerte sich
-der Wert desselben dergestalt, daß er es im Jahre 1754 für 3700
-Thaler an +Julius Heinrich von Schütz+ auf Thum, Hauptmann der Ämter
-Stollberg, Wolkenstein, Lauterstein und Frauenstein, verkaufen konnte.
-Bald aber begannen die Leiden und Drangsale des 7jährigen Krieges,
-während dessen Stadt und Rittergut Geyer durch Einquartierung und
-Kontributionen stark litten. Amtshauptmann von Schütz starb in der
-Zeit, da der Notstand seine höchste Stufe erreicht hatte, Anfang
-des Jahres 1763. Seine Witwe verkaufte das Gut für 3400 Thaler an
-den Oberstleutnant +Friedrich Theodor von Peterkowsky+. Der neue
-Besitzer hatte noch unter den schweren Folgen des Krieges zu leiden,
-welche durch die Teurung und Hungersnot der Jahre 1771 und 1772 noch
-verschlimmert wurden. Als er 1781 starb, hinterließ er seinen Erben
-das Gut mit einer schweren Schuldenlast. Mit Mühe behaupteten sich
-die Erben 6 Jahre im Besitz, worauf Konkurs ausbrach. Bei der hierauf
-folgenden öffentlichen Versteigerung wurde es dem Posamentiermeister
-und Handelsmann +Johann Georg Thierfelder+ aus Thum für 3520 Thaler
-zugesprochen. Er hätte es am liebsten bald wieder veräußert, wenn
-sich ein Käufer gefunden hätte. So aber bewirtschaftete er es bis zu
-seinem im Jahre 1813 erfolgten Tode. Erbin war seine einzige Tochter
-+Frau Schulz+, welche wieder schwerere Zeiten erlebte, infolge deren
-sie Teile ihres Grundstückes an den Tannenberger Rittergutsbesitzer,
-Kaufmann +Hänel+ in Annaberg, verkaufte. Unter ihrem Sohne und
-Nachfolger +Friedrich August Schulz+ gingen die mit dem Lehngute von
-jeher verbundenen Ober- und Niedergerichte auf den Staat über; ebenso
-machte sich das neue Grundsteuersystem bei dem Geyerschen Rittergute
-geltend. Schulz verkaufte das Gut 1859 an +Karl Heinrich Zimmermann+
-für 6420 Thaler. Derselbe nahm mit größter Energie die Verbesserung des
-Gutes in Angriff, ließ die Gebäude neu herstellen und errichtete eine
-Brauerei. Nachdem Herr Zimmermann das Gut eine lange Reihe von Jahren
-vorzüglich bewirtschaftet hatte, wurde es im Jahre 1891 an Herrn Hugo
-Diendorf zu einem Preis von 77000 Mark verkauft. Herr Zimmermann ist am
-6. Dezember 1891 gestorben. Herr Diendorf veräußerte die Grundstücke,
-und die Gebäude gingen am 8. September 1894 an Herrn Karl Wilhelm
-Moritz Schürer über. Der genannte Herr verwendete die Nebengebäude
-zur Errichtung einer Holzwarenfabrik, bekannt unter der Firma: Erste
-Sächsische Waschbretterfabrik C. M. Schürer. Die Brauerei hatte bereits
-vorher Herr Franz Naumann erworben. Noch schaut das im wesentlichen
-unverändert gebliebene Wohnhaus des Hieronymus Lotter auf die alte
-Bergstadt Geyer herab.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Das Obererzgebirge.
-
-
-
-
-Erster Abschnitt.
-
-Die Landschaft des Obererzgebirges.
-
-
-1. Unera Hamet.
-
- Wenn anr ins Gebörg rauf kimmt
- Dort aus n Niedrland,
- Do möcht r alles ah su sah,
- Wie sinst in Bichrn stahnd.
-
- Do sölln da altn Hammerschmied
- In gedn Nast rim stih
- Un Klipplmad mit Klipplsöck
- När eitl hutzn gih.
-
- A Wammes un da Pudelmitz
- Un ah da Ladrhus,
- Dos sölln da ganzn Leit noch trong,
- Geleich, öb kla, öb gruß.
-
- Do söll, wenn ah schuh Summer is,
- Dr Schnee zemstrim noch lieng,
- Da Kuhlnbrenner patznweis
- In dickn Wald rim krieng.
-
- Na, na, ihr Leit, su is fei net,
- Es is viel anrsch wurn,
- Es wärd in darer itzing Zeit
- Ka setts als Zeig geburn.
-
- Gebliem sei när da altn Barg,
- Es Wassr un dr Wind,
- Da Menschn sei was Anrsch wurn,
- Dos waß gedwedig Kind.
-
- Gebliem is ah da alta Sproch
- Noch bun a feins paar Leit,
- Sa schnadln odr egal dra
- In darer itzing Zeit.
-
- Gebliem is ah dr viela Rehng
- Un is halt egal reg,
- Is gu wos lus in Annebarg,
- Do hot's ah Niederschlög.
-
- Gebliem is odr ah noch wos
- In unrn wing Geblit,
- Un söll ah bleim wie unra Barg:
- A orndlich guts Gemit!
-
- Röder-Johanngeorgenstadt.
-
-
-2. Das Lied vom Erzgebirge.
-
-Weise: Gott sei mit dir, mein Sachsenland.
-
- Macht uns die Sorge still und matt
- Auf harter Lebensbahn,
- Sind wir des Kohlendunstes satt,
- Dann zieh'n wir flugs bergan:
- Hinauf, wo reine Lüfte weh'n,
- Im blauen Duft die fernen Gipfel steh'n,
- Hinauf, hinauf ins Bergrevier!
-
- O Greifenstein, o Morgenleit',
- Ihr locket mit Gewalt!
- O Auersberg im grünen Kleid,
- Du hoher Spiegelwald,
- Des Sonnenwirbels mächt'ger Thron:
- Ihr gebt dem Steiger schönsten Lohn;
- Seid uns gegrüßt vieltausendmal!
-
- Aus dunklen Forsten, treu gepflegt,
- Rinnt froh der reine Quell,
- Der Kuckuck ruft, der Finke schlägt,
- Die Amsel jubelt hell.
- Wie beut dem Aug' ein lieblich Bild
- Am steilen Hang das edle Wild.
- Wie schön bist du, o Erzgebirg'!
-
- Mit Felsenboden mutig ringt,
- Nicht achtend Sturm und Eis,
- Bis er zur kargen Frucht ihn zwingt,
- Des Erzgebirgers Fleiß.
- Dein zahlreich Volk auf magerm Land,
- Wie rührt es froh und flink die Hand:
- Glückauf, Glückauf, du wackerer Stamm!
-
- Orangen wachsen dir nicht wild,
- Auch Myrte schwer gedeiht,
- Dafür belebet dein Gefild
- Lust und Zufriedenheit.
- Und wird auch rar dein glänzend Erz:
- Du machst gesund ein jeglich Herz:
- Behüt dich Gott, du fröhlich Land!
-
- T. S.
-
-
-3. Die Bedeutung des Erzgebirges für das Vaterland.
-
-Das Erzgebirge ist seinem Hauptteile nach ein Kammgebirge.
-Untergegangen sind die Erinnerungen an die Wenden, bis auf einige
-Ortsnamen in ihrer Sprache. Auch sind im Aberglauben noch schwache
-Spuren des kleinen, schwarzhaarigen, fremdsprechenden Volkes, das im
-verschwiegenen Waldthale dem wenig freigebigen Boden mühsam Nahrung
-abrang, sich in selbstgewebte grobe Leinen kleidete und vielleicht mit
-dem behaarten Fell des bekämpften und erlegten Waldtieres gegen das
-rauhfeuchte Klima des Miriquidiwaldes schützte.
-
-Germanen bewohnten das Gebirge erst vom 14. Jahrhundert an. Im 15.
-Jahrhundert werden Neustädtel, Schlema, Grünhain außer wendisch
-benannten Orten schon erwähnt. Da nur wenige zum Kamme vordrangen,
-blieb das wilde Waldgebirge eine Scheidewand zwischen den Wohnplätzen
-der Slaven in Böhmen und derer in Sachsen. Die Scheidewand erleichterte
-die Erhaltung und Einführung des Deutschtums und damit einer höheren
-Entwicklungsstufe.
-
-Diese schützende Rolle spielte das Gebirge auch im Hussitenkriege. Die
-Gebirgsmauer hinderte die Unternehmungen der Hussiten sehr, indem sie
-von einem eigentlichen Besitzergreifen des Landes abgehalten wurden.
-
-Als im 30jährigen Kriege Sachsen Kriegsschauplatz wurde, da hinderte
-das Gebirge den österreichischen Kaiser, das für ihn als Wiege der
-Reformation wichtige Land zu behaupten und unmittelbar Einfluß zu
-gewinnen.
-
-Wie in geschichtlicher, so ist auch in natürlicher Beziehung das
-Gebirge wichtig für Sachsen. Noch heute finden wir stattliche Wälder.
-Der Wald aber ist der Vermittler zwischen Luft und Erde. Den rasenden
-Lauf der Stürme weiß der Wald zu besänftigen, die gefahrdrohende
-Gewitterelektrizität leitet er ab, das Wasser lenkt er in die Tiefe,
-aus der es in dem Seitenthale als Quelle hervorbricht, die Fluren
-des Landmanns tränkt er, dem Müller treibt er die Mühle und günstige
-Gelegenheit zur Ansiedlung bietet er allen denen, die der Wasserkraft
-bedürfen. Solche Ansiedlungen bergen die Thäler der Mulde, der
-Zschopau, der Sehma, der Chemnitz. Im Sommer dient das Gebirge als
-die Sparbüchse, die bei Wassermangel noch die Not lindern kann. Außer
-dem Wasser spendet das Gebirge auch dem Lande Holz, das als Brenn-
-und Bauholz verwertet wird. Zu erwähnen sind besonders die auf den
-Holzreichtum sich stützenden bodenständigen Gewerbe, so früher die
-Glasfabrikation, jetzt die Holzschleiferei und Spielwarenfabrikation.
-Auch die Eisenindustrie, die früher im Gebirge blühte, war auf den
-Holzreichtum zurückzuführen. Das Erlöschen derselben folgte auf die
-Verteuerung des Holzes. Wichtig sind auch die Torflager.
-
-Aber auch im Innern birgt das Erzgebirge Schätze fürs Land. Im
-steinernen Gebirgskörper schlummerten Silberadern. Die Reichtümer
-verhalfen den Landesfürsten zur Hebung der Macht und des Einflusses
-unseres Landes. Es entstanden neue Bergorte, die vielfach für die
-Entwicklung des Landes auch in geistiger Beziehung wichtig geworden
-sind: wie Freiberg, Annaberg und andere Städte.
-
-Mit dem Erzbergbau in Verbindung stehen die Blaufarbenwerke, die von
-bedeutendem Einfluß auf Handelsbeziehungen zum Auslande wurden. Ihren
-eigentlichen Ursprung haben die großartigen chemischen Fabriken in den
-Glashütten gehabt, die der Holzreichtum des Gebirges in Begleitung der
-Bergwerke entstehen ließ. 1822 erfand in Schneeberg ~Dr.~ +Geitner+ die
-Bereitung des wichtigen Argentans oder Neusilbers. Eine Grube bei +Aue+
-lieferte +Böttcher+ den Stoff zu seinen Versuchen, deren Ergebnis die
-Porzellanerzeugung in Sachsen wurde.
-
-Da die Bergleute Freunde des Bergmannssohnes Luther waren, so steht
-auch mit dem Bergbau in Verbindung die Einwanderung Vertriebener aus
-katholischen Ländern. Die Einwanderer brachten Gewerbefleiß und neue
-Beschäftigungsarten ins Gebirge. Selbst nach dem Erliegen des Bergbaues
-finden wir noch die Bodenbeschaffenheit wesentlich. Die dichte
-Bevölkerungszahl im Bergbaugebiete erleichterte das Entstehen der
-Hausindustrie, wie der Spitzenklöppelei und der Posamentenfabrikation.
-
-Erst in neuerer Zeit sind die Kohlen, die am Fuße des Erzgebirges
-reichlich vorhanden sind, von so weittragender Bedeutung geworden. Im
-Zeitalter der Dampfkraft sind Kohle und Eisen Träger und Stützen der
-Industrie.
-
-Aus alledem geht hervor, daß unser heimisches Gebirge bedeutenden
-Einfluß auf die Entwicklung unseres gesamten Vaterlandes geübt hat.
-
- Nach ~Dr.~ Jacobi.
-
-
-4. Das Obererzgebirge.
-
-Das Erzgebirge zerfällt in das westliche, mittlere und östliche
-Erzgebirge. Das mittlere liegt zwischen Schwarzwasser und Freiberger
-Mulde. Elster und Gottleuba begrenzen das ganze Gebirge im Westen und
-Osten.
-
-In der Richtung von Süd nach Nord unterscheidet man das +Obere+ und das
-+Niedere Erzgebirge+; jenes reicht von dem zusammenhängenden Kamme,
-der eine durchschnittliche Höhe von 800 m hat, etwa bis Falkenstein,
-Schneeberg, Thum, Wolkenstein, Frauenstein und Schmiedeberg; dieses
-von den genannten Orten bis in die Gegend von Zwickau, Lichtenstein,
-Chemnitz, Frankenberg, Hainichen, Nossen, Tharandt. Im mittleren Teile
-des Erzgebirges kommt der jähe Absturz nach Süden und die sanfte
-Abdachung nach Norden am meisten zur Geltung.
-
-Das Gebirge besteht aus Urgebirgsarten: Thon- und Glimmerschiefer,
-Gneis und Granit. Gneis herrscht im Osten vor und reicht bis weit ins
-mittlere Erzgebirge nach Schlettau, Wolkenstein, Schellenberg. Der
-Gneis ist die wahre Erzmutter. Um Eibenstock herrscht der Granit.
-Besonders bemerkenswert sind die Basaltberge des Obererzgebirges:
-Pöhlberg, Bärenstein, Scheibenberg.
-
-Aus Urgebirge bestehen: Keilberg (1238 m), Fichtelberg (1213 m), der
-Spitzberg bei Gottesgab (1107 m), der Auersberg bei Wildenthal (1021
-m), der Kupferhügel bei Kupferberg (906 m), der Schneckenstein bei
-Gottesgab (874 m), die Morgenleite bei Schwarzenberg (808 m), der
-Greifenstein bei Geyer (731 m).
-
-Die Basaltberge sind: der Haßberg bei Preßnitz (991 m), der
-Bärenstein bei Weipert (898 m), der Pöhlberg bei Annaberg (832 m),
-der Scheibenberg bei gleichnamiger Stadt (805 m), letztere drei in
-Grabhügelform.
-
-Bei Eibenstock, Schwarzenberg und Crottendorf befinden sich große
-Staatsforsten. Fichtenwald herrscht vor, doch finden sich bei
-Marienberg und Steinbach auch zusammenhängende Buchenbestände.
-
-Die wichtigsten Flußthäler des Obererzgebirges sind: das
-Schwarzwasserthal, das Zschopauthal, das Flöhathal, das Sehmathal. Das
-wildeste ist das der schwarzen Pockau.
-
-Im Obererzgebirge sind folgende meteorologische Stationen zu merken:
-Annaberg, Oberwiesenthal, Reitzenhain. Dem Obererzgebirge ist bisher
-die Cholera fern geblieben. Bei Gottesgab und Oberwiesenthal erntet man
-nur Hafer und Kartoffeln.
-
-Bei der Urbarmachung des Gebirges verfuhr man nach dem Grundsatze: »Wo
-der Pflug kann gehn, soll der Wald nicht stehn.« Am Kamme des Gebirges
-beträgt die Bevölkerungsdichtigkeit 90--95 auf den Quadratkilometer, am
-Abhange 145--155.
-
-Wie anderwärts, so hat sich auch im Obererzgebirge jede Industrie
-in bestimmten Bezirken festgesetzt, demgemäß giebt es bestimmte
-Industriebezirke. Holzschleifereien, Sägemühlen, Baumwoll-, Woll- und
-Flachsspinnereien, also alles Fabriken, welche Wasserkraft brauchen,
-finden sich in den Thälern der Sehma, der Pöhla, der Preßnitz, der
-Zschopau, der Flöha.
-
-Bei Eibenstock und Schwarzenberg finden sich +Hohöfen+ mit Gießereien,
-Hammer- und Walzwerken verbunden. Zinnhütten bestehen im Marienberger
-Gebiete, Blaufarbenwerke zu Oberschlema, Niederpfannenstiel und
-Zschorlau.
-
-Der +Posamentierbezirk+ umfaßt die Ortschaften Annaberg, Buchholz,
-Schlettau, Scheibenberg, Geyer, Ehrenfriedersdorf, Wolkenstein.
-
-Der Spitzenklöppelbezirk erstreckt sich von Marienberg über
-Drehbach und Zwönitz bis Schneeberg und Eibenstock, und von da über
-Johanngeorgenstadt, Wiesenthal und Kupferberg bis Reitzenhain und
-Pobershau.
-
-Eibenstock ist obererzgebirgischer Mittelpunkt des Näh- und
-Stickereibezirkes.
-
-Noch sind einzelne Orte mit besonderen Erzeugnissen zu erwähnen:
-Annaberg, Buchholz, Scheibenberg fertigen Schnürleiber; Annaberg
-und Buchholz Sargverzierungen; Buchholz besondere Kartonagen;
-Johanngeorgenstadt Handschuhe; Karlsfeld Schwarzwälder Uhren. Annaberg
-liefert auch Leonische Waren, das sind unechte Gold- und Silbertressen.
-Wiesenthal fertigt Stecknadeln; Schönheide allerlei Bürsten, Pinsel und
-Kardätschen; Lauter, Beierfeld, Bernsbach, Grünhain stellen Blechwaren,
-besonders Blechlöffel, her; Zöblitz hat seine Serpentindrechselei;
-Bernsbach seine Feuerschwamm- und Bockau seine Medizinbereitung.
-
-
-5. Ehemaliges Landschaftsbild des Obererzgebirges.
-
-Das +Obererzgebirge+ war nach +Lehmann+ ehedem allenthalben mit
-dicken Wäldern bedeckt, mit Felsen und Bergen angefüllt, nach denen
-ihre Namen haben: Rauen-, Harten-, Wolken-, Lauter-, Bären-, Katzen-,
-Frauen-, Greifenstein, Pöhl-, Schwarzen-, Scheiben-, Keil-, Schotten-,
-Zechenberg u. s. w. Ferner waren unzählige Moräste, Sümpfe, Moosräume,
-Bruchwerke und Weiher in Räumen und Wäldern um und unter Platten,
-Gottesgab, Johanngeorgenstadt, um Scheibenberg, Grünhain, Elterlein,
-Schlettau, Geyer, Buchholz, Zöblitz, Lengefeld, Kühnhaide, bis die
-Wälder abgetrieben, die Waldpässe gebrückt, die Wildberge nach ihren
-Flügeln und Rundungen abgezogen, Floß- und andere Teiche angelegt
-und durch Röschen und Stolln die Wasser abgezapft wurden. An diese
-Beschaffenheit erinnern die Namen Moosraum, Rote Pfütze, Sauschwemme,
-Thörichter See, Filzsumpf.
-
-Wilde Katzen, Marder, Wiesel, Fischottern, Iltisse, Bären, Hirsche,
-Wölfe, Wildschweine und Raubvögel bevölkerten die Gegend. Daher
-kommen vor im Crottendorfer Revier die Namen: Vogelleite, Hirsch- und
-Auerhahnpfalz, Sau- und Bärenfang, Lachsbach, Tier- und Saugarten; im
-Grünhainer aber: Bärenacker, Fuchs- und Wolfstein; im Lauterschen:
-Wolfslager, Dachslöcher, Hirschstein, Habichtsbüchel, Bärenstallung,
-Wolfsgarten, Rabenberg.
-
-Nach den schauerlichen Wäldern und Gründen sind benannt: Teufelsgrund,
-Drachenleite, Teufelsstein u. a.
-
-Nach feindlichen Einfällen und Kämpfen sind genannt: Streitknochen,
-Kriegwald, Hundsmarder, Haderwinkel.
-
-+Lehmann+ berichtet von den erzgebirgischen Wäldern: »Da hörte man
-nichts als der Raben Rappen, der Bären Brummen, der Wölfe Heulen, der
-Hirsche Börlen, der Füchse Bellen, der Auerhähne Pfalzen, der Ottern
-Zischen, der Frösche Quaken und Racken; das machte einen Reisenden
-so lustig, als hätte er Fliegenschwämme und Krähen gefressen. Das
-waren damals die Lauten, Zithern, Violen, Posaunen, Trompeten,
-Zinken, Flöten, Schalmeien, Schuarien, Baßgeigen, Clavicimbeln,
-Trommeln, Heerpauken, Sackpfeifen, Orgeln, Glocken und musikalische
-Waldinstrumente, welche unter dem Sausen der Winde, Grollen der Donner,
-Gebrülle der Bestien, Geschnatter der Enten, Geächze der Hohlkrähe,
-Uhuhen der Eulen, Schnarren der Schnarrer, Geschrei und Geschwirre der
-Buchfinken, der Quäker, der Zippen, der Schneppen und anderen Gevögels
-eine gräßliche Harmonie gegeben.«
-
-Johann +Salianus+ verwundert sich in einem dem Rate 1507 gewidmeten
-Gedichte, daß die Stadt Annaberg innerhalb 10 Jahren in dieser Wildnis
-mit Mauern, Wällen und Gräben, mit herrlichen Häusern, mit verständigen
-Ratsverwandten und bürgerlichen Rechten versehen und von einer so
-volkreichen Gemeinde bewohnt werde. Diese Stadt sei auf einem wilden,
-unfruchtbaren Boden, in Bergen und unter rauhem Himmel angelegt, da
-vormals Herzog Georg unter lauter rohem Wald viel hundert Stück Bären,
-Hirsche, Wölfe und andere wilde Tiere gejagt und niemand vermeint, daß
-daselbst eine Stadt sollte angelegt werden.
-
-Unsere Berge sind nach Lehmanns Benennung Warten, Wetterpropheten,
-Zufluchtsorte, Jagdhausstellen, Grenzscheiden, Bollwerke,
-Wasserständer, Futterkästen, Schatzkästen, Lustplätze, Denkpfeiler
-Gottes!
-
-
-6. Erzgebirgische Jagden.
-
-
-~a.~ Eine Jagd im Erzgebirge im Jahre 1 nach Christo.
-
-Über die +Urzeit+ unseres Gebirges mag uns folgendes +Märchen+ eines
-Naturforschers ein Bild entrollen. Das heutige Erzgebirge, etwa in
-der Gegend von Olbernhau, bildete ehemals einen großen Sumpf und See,
-in welchem die Bewohner auf Pfählen ihre Wohnungen errichtet hatten.
-In ihren Pfahlbauten übten die Männer das Töpfergewerbe aus, die
-Frauen fertigten Webstoffe an. Tauschhandel trieb man mit wandernden
-Phöniziern, die von dem Erzgebirge Zinn holten, dagegen Bernstein und
-Feuerstein aus dem Norden, sowie aus Griechenland Bronze, gefertigt
-aus Zinn und dem von Cypern kommenden Kupfer, brachten. Die Kleidung
-der Urbewohner war sonderbar genug; so bestanden die Beinlinge oder
-Hosen aus Birkenrinde. Wichtig waren die Waffen; sie bestanden aus
-Bogen von Taxus oder Eibenbaumholz und aus Pfeilen mit Spitzen von
-Knochen, Feuerstein, Bronze oder Eisen. Gewaltige Wurfspieße bildeten
-im Vereine mit diesen Waffen die Ausrüstung zur Jagd, bei welcher große
-Brakenhunde die Begleiter waren, während kläffende Nachkommen der
-Schakale zu Hause Wache hielten. Die Jagdbeute bestand in gewaltigen
-Tieren des Waldes: Elentieren oder Elch, Urochsen oder Wiesen- und
-Auerochsen; auch der grimme Schalch oder Riesenhirsch fand sich
-neben Bären und Wölfen in den ausgedehnten Waldungen vor. Hatte der
-Ansiedler Beute gemacht, so grub er die Rune, die er selbst auf seinem
-Körper hatte, in das erlegte Stück Wild und kennzeichnete es als
-sein Eigentum; dann nahm der kühne Jäger Leber und Herz, sowie den
-Herzknochen, welcher sich zwischen den Herzkammern befindet, mit nach
-Hause, wo er von seinen Angehörigen festlich empfangen wurde. Auch
-die Nachbarn fanden sich ein und es entwickelte sich das Gelage nach
-der Jagd, bei welchem mächtige Braten und eine Unmenge von Bier, Met
-oder Birkenschnaps vertilgt und dem alten Laster der Germanen, dem
-Würfelspiele, gefrönt wurde. Bei dieser Gelegenheit verspielte man oft
-Haus und Hof, Weib und Kind, sowie die Tiere und andere Habseligkeiten.
-Aber nicht zu ernst war der Verlust zu nehmen; denn am andern Morgen
-war alles wieder vergessen.
-
- Nach Prof. ~Dr.~ Marshall.
-
-
-~b.~ Kurfürstliche Jagden im oberen Erzgebirge.
-
-Unser +oberes Erzgebirge+ hat von jeher als +ergiebiges Jagdgebiet+
-gegolten. Freilich ist es seit den Jahren 1831 und namentlich seit 1849
-anders geworden, denn auch bei uns gehört es nun zu den Seltenheiten,
-einen Hirsch im Freien beobachten zu können, dieses stattliche Tier,
-den Stolz der Wälder und die Krone der Jagd. Die Kurfürsten von
-Sachsen waren seit den Tagen des landwirtlichen August Freunde der
-Jagd. Namentlich war Kurfürst Johann Georg I., welcher von 1611--1656
-regierte, einer der gewaltigsten Jäger seiner Zeit. In der Königlichen
-öffentlichen Bibliothek zu Dresden befindet sich ein Verzeichnis in
-altsächsischer, schöner Schriftart, als ein stattlicher Band in grünem
-Samt gebunden mit prächtig gravierten goldenen Beschlägen, Ecken und
-Schließen versehen, es ist dies das Jagdbuch des Kurfürsten Johann
-Georg I. Nach demselben hat der Kurfürst in der Zeit von 1611--1653
-u. a. 15228 Hirsche, 29196 Eber, 203 Bären, 1543 Wölfe, 200 Luchse,
-11811 Hasen und 18957 Füchse erlegt. Der Kurfürst hatte sich in einem
-der Giebel des Residenzschlosses zu Dresden ein besonderes Zimmer
-eingerichtet, welches das Paradies genannt wurde. Die Wände waren mit
-Waldgegenden bemalt, dabei die Felsen der Bastei, auf denen Gemsen
-zu sehen waren. In der Mitte waren zwei die Decke stützende Säulen
-als Bäume mit ledernen Blättern geschmückt. Hier trieb der Kurfürst
-anatomische Studien an dem erlegten Wild. Schon die Vorgänger von
-Johann Georg hielten sich wegen der Jagd in unserem Gebirge auf,
-getreulich hat es Christian Lehmann in seinem Historischen Schauplatz
-berichtet. Herzog Heinrich fing in einer Stallung, also in einem
-umfriedigten Raum, in +Wolkenstein+ am 14. September 1516 nicht weniger
-als 43 Stück Wild, was zu jener Zeit als ein wahres Wunder angestaunt
-wurde. Das Wild kam zum Kindtaufsschmaus, den der glückliche Waidmann
-seinem Töchterlein, der Prinzessin Sibylle, in Freiberg ausrichtete.
-1542 jagte Herzog Moritz im Gebirge und fing in +Grumbach+ drei
-»schreckliche« Bären. Wegen der Nutzbarkeit an Fleisch, Fett und Haut
-und wegen der mit seiner Erlegung verbundenen Gefahr gehörte die
-Bärenjagd zur wichtigsten Jagdart. Übrigens berichtet ein Augenzeuge
-weiter, daß Herzog Moritz außer den Bären in einer Stunde 7 Hirsche
-geschossen habe, er sei grün gekleidet gewesen, habe einen englischen
-Hund bei sich gehabt und seine Gemahlin habe mit 14 Frauenspersonen
-neben ihm gestanden. Nach der Bärenhetze ließ er den Bauern ein Faß
-Bier und den Bergleuten zwei Faß geben, weil sie das Beste gethan
-hatten. Die Lust an der Jagd führte auch den Kurfürsten Vater August
-in unser Gebirge, er scheint sich hauptsächlich in +Crottendorf+
-aufgehalten zu haben, da der Chronist sagt: »~Anno~ 1567 kam er
-(Kurfürst August) zu Crottendorf an, lag daselbst in Hackebeils Mühle,
-bejagte die Wälder, schoß auch eine Stallung ab zu Crottendorf auf
-David Georgens Feld, ließ das Wild da auswirken.« Als Friedrich
-Wilhelm, Fürst zu Weimar, zehn Jahre lang Administrator in Kursachsen
-war, ließ er alles Wild im Gebirge, jung und alt, wegschießen, sodaß
-viele Jahre hindurch die Landleute zum Schutz ihrer Felder keiner
-Wildzäune mehr bedurften. Das sah der alte Jägermeister von Rabenstein
-nicht gern, denn er rief seinen Jägern zu: »Treibt fort, wenn gleich
-etliche Stücke auf die Seite springen, denn die jungen Herren müssen
-auch etwas behalten.« Herzog Johann Georg jagte im Jahre 1609 im
-Gebirge und hielt sich auf dem Fichtelberg auf, da kam ein grausam
-Wetter, daß auch der Donner in eine Tanne schlug, da zog der Herzog
-den Hut ab und sagte: »Gott ist ein Herr!« Den Tag hernach gastierte
-ihn Junker Rüdiger auf Sachsenfeld, und da ihn Nikol Klinger, Rüdigers
-Schwähervater, fußfällig empfing, sagte er mit Darreichung der Hand:
-»Alter, stehet auf!« Im Jahre 1609 im August lag dieser Herzog nieder
-auf dem Hirschpfalz in der Hauerwiesen hinter dem Fichtelberg, da mußte
-der Pfarrer aus +Wiesenthal+ am 19. August eine Wald- und Jagdpredigt
-thun. ~Anno~ 1613 lag der Kurfürst Johann Georg acht Tage lang in
-+Crottendorf+, fischte und jagte nur in den Vorbüschen und schoß bei
-der Richterin Bretmühle ab, obgleich die Pest im Dorfe grassierte.
-Im Jahre 1625 kam der Kurfürst Johann Georg mit seiner Gemahlin, den
-jungen Prinzen und Fräulein am 11. Mai in +Annaberg+ an und schoß
-den 7. Juni den Vogel ab. Der jungen Herrschaft wurde auch eine
-Vogelstange zur Lust in Wiesenbad aufgerichtet, woselbst sie den Vogel
-den 12. Juni abschossen. Der Kurfürst hielt auch ein Abschießen bei
-+Annaberg+ im Hüttengrunde zwischen der Stadt und Frohnau, darunter
-war ein so großer und starker Hirsch, daß er unter 2300 Tieren, die in
-unterschiedlichen Stallungen auf dem Gebirge waren abgeschossen worden,
-das allerschwerste gewesen ist.
-
-Im August desselben Jahres und, wie es scheint, noch auf derselben
-Jagdreise begriffen, wurde dem Kurfürsten und seiner Gemahlin angesagt,
-daß der Hammerherr Heinrich von Elterlein auf dem Löwenthal so schöne
-Fische in seinem Teiche und sonderlich große Forellen hätte, die er
-lange gemästet habe. Da ließ der Kurfürst mit seiner Familie sich
-anmelden, daß er dem Fischzug beiwohnen und denselben sehen wolle.
-Um 10 Uhr früh kam der Kurfürst selbst mit seinem Jägermeister und
-anderen Hofoffizieren und bestellte die Mahlzeit, mittlerweile wurde
-der Teich gefischt; von dem Fischzug bekam der Kurfürst 3 Mandel der
-schönsten Forellen, darunter war eine, die 8 Pfund wog. Es wurden die
-Fische in Gegenwart des Fürsten von Darmstadt, der um ein Fräulein aus
-dem kurfürstlichen Hause freite, gesotten und zu +Crottendorf+ auf die
-Tafel getragen, darüber sich alle verwundert haben. In des Hammerherren
-Stube wurde auf zwei Tafeln gespeist unter grünen Birken, doch war
-der Fehler begangen worden, ehe sie sich zu Tische setzten, hatte man
-zwar Kannen und Gießbecken aufgesetzt, aber kein Wasser drein gethan.
-Da nun der Jägermeister dem Kurfürsten Wasser aufgießen wollte, war
-keins drinnen, da gab es ein gutes Gelächter. Der Kurfürst zeigte sich
-fröhlich, ritt spät von dannen, dankte mit der Hand, auch der Wirtin,
-die in der Küche geschäftig war. »Ei,« sagte er, »habt Ihr nicht eine
-räucherige Küche, doch die Küchen sind nicht anders. Gute Nacht!« Den
-23. August hielt der Kurfürst ein Abschießen bei +Neudorf+, und es war
-kurzweilig dabei, denn die +Crottendorfer+ hatten einen Bauern auf
-die Wache gestellt, damit er aufmerke, wenn der Kurfürst aufsäße und
-wieder nach Crottendorf wolle. Der Kurfürst allein und zu Fuß traf den
-Bauern auf einem Hügel sitzend an; letzterer aß ein Stück Brot und der
-Kurfürst setzte sich zu ihm. »Hast Du den Kurfürsten schon gesehen?«
-fragte er ihn. »Nein, ich soll aufsehen, wenn er wird auf sein.«
-»Wer, denkst denn Du, wer ich bin?« Der Bauer sieht ihn an, ohne den
-Hut zu ziehen und ohne eine Reverenz zu machen und spricht endlich:
-»Ich sehe wohl, daß Ihr ein Herr seid, Ihr habt doch Stiefel an.«
-Während des weiteren Gespräches kommen die Jäger hinzu und verwundern
-sich. Der Kurfürst aber lacht und spricht: »Einen solchen tölpischen
-Fichtelberger habe ich im Gebirge noch nicht gesehen«, und läßt ihm
-venedische Seife geben, d. i. ergänzt der Chronist, die Haare ein
-wenig zausen. Von Crottendorf schickte der Kurfürst zwei Waldhüter mit
-drei Wildtauben nach +Annaberg+ und verehrte dem Superintendenten,
-dem Kapellenprediger und dem Hospitalpfarrer jedem eine. Als er in
-+Steinbach+ 300 Stück Wild abgeschossen und auch ein Abschießen in
-+Mauersberg+ gehalten hatte, kam er von Crottendorf nach +Schlettau+
-und fischte daselbst zwei Teiche. Hier ereignete sich's, daß der Bäcker
-Auersbach auf dem Teichdamm einen Fußfall vor dem Kurfürsten that
-und um Verzeihung seinen Herrn anflehete. Er hatte nämlich an seinem
-Krautzaun ein Stück Wild am Fuß in einer Schlinge gefangen. Kurfürst:
-Was wolltest Du damit machen? Bäcker: Ach, gnädigster Kurfürst und
-Herr, ich wollte dem Stück Wild nichts am Leben thun, sondern nur ein
-paar Schläge geben, weil es mir das Kraut abgefressen hatte. Kurfürst:
-Ja, Dir sollte man Schläge geben. Wenn ich Deines grauen Kopfes nicht
-scheute, wollte ich Dir weisen, wie Du mein Vieh hegen solltest, laß
-ich doch Dein Vieh auf meinem Grund und Boden gehen und zürne nicht
-darum, gehe und hüte Dich.
-
-Am 9. August 1628 hielt der Kurfürst ein Abschießen zwischen
-+Steinbach+ und +Grumbach+, er erlegte dabei 570 Stück Wild. Er ließ
-auch den Herrn Peter Versmann, Pfarrer zu Arnsfeld, vor sich predigen,
-und da ihm seine Gaben wohl gefielen, versorgte er nicht allein sein
-Haus mit Wildbret, sondern er befahl auch seinen Leibärzten, sie
-sollten den armen Mann, weil er wassersüchtig war, doch heilen. Die
-Ärzte versuchten ihr Heil, trieben zwar das Wasser heraus, aber der
-Pfarrer fiel in die Schwindsucht, woran er starb. »Gesegne euch Gott,
-ihr Hölzer, ich sehe euch nicht wieder,« waren die Abschiedsworte des
-Kurfürsten an sein erzgebirgisches Jagdgebiet.
-
-Die Fanfaren der kurfürstlichen Jäger sind in unserem Erzgebirge schon
-seit langer Zeit verstummt, der Reichtum an Wild ist verschwunden,
-dennoch ist die Poesie in unseren Wäldern nicht ganz dahin, denn noch
-hört man, wenn auch vereinzelt, in unseren Staatsforsten auf dem Kamme
-des Gebirges den Schrei des Hirsches und noch lacht in hoher Krone der
-Auerhahn!
-
- Nach Lungwitz.
-
-
-~c.~ Jagdfronden der Obererzgebirger.
-
-Eine große Last waren die Jagddienste, welche die Unterthanen zu
-leisten hatten. Im Amte +Crottendorf+ hatten von 302 Mann die eine
-Hälfte die Seile in die Wildhecken einzubinden, wieder aufzuheben
-und vor den Seilen aufs Wild zu warten; die andere Hälfte hatte
-die Netze, Tücher und Seile aufzuhängen und zu trocknen, sowie das
-Jagdzeug auf die Wolfsjagd zu fahren. Zu den Netzfuhren mußten
-auch die Hammermeister Vorspann leisten und erhielten dann von den
-dienstpflichtigen Dorfschaften für 4 Pferde 16 Groschen, für 2 Pferde
-8 Groschen. Außerdem hatten die Dorfschaften noch die Wildbretfuhren,
-die Abfuhr des erlegten Wildes, zu leisten, die Hammermeister, zwei
-Jäger mit Jägerburschen, Hundebuben und Hunden, nach Gelegenheit der
-angestellten Jagden mit Herberge und Mahl zu versorgen. Zu einer
-im Jahre 1564 beabsichtigten kurfürstlichen Jagd im Erzgebirge
-wurden erfordert: im Amte +Lauenstein+ 6 Wagen und 268 Mann, im
-Amte +Altenberg+ 36 Wagen und 352 Mann, im Amte +Dippoldiswalde+ 17
-Geschirre ohne Lohn, 13 für 12 Groschen täglich und 64 Mann, im Amte
-+Stollberg+ 77 Geschirre und 293 Mann, im ganzen also 155 Geschirre und
-1277 Mann zu Fuß. Im Amte +Lauterstein+ waren 700 Mann zu Jagddiensten
-verpflichtet. Von den Dorfschaften des Amtes +Augustusburg+ mußten im
-Jahre 1585 Dorfschellenberg, Grünberg und Marbach zu den Netz- und
-Zeugfuhren jede zwei Wagen stellen. Genügte das nicht, so mußten die
-482 Anspanner der anderen Amts-Dorfschaften helfen und erhielten dann
-für jeden Wagen täglich 1 Gulden. Die Gemeinden zu Krummhennersdorf,
-Dorfschellenberg, Euba, welche die Wolfsnetze und das im Amte
-gepirschte Wildbret auf die Augustusburg oder nach Zschopau fuhren,
-erhielten für jeden Schlitten 5 Groschen, eine Kanne Bier und ein
-Hofbrot. Die Richter zu Flöha, Gornau, Metzdorf mußten jeder einen
-Wagen stellen, die Anspanner von Hennersdorf im Winter für das Wild
-Heu in die Mörbitz und hinter das Schloß fahren und jährlich zweimal
-hinter dem Schlosse die Hirschlecken schlagen und erneuern, den Lehm
-dazu schlagen und erneuern. Sie erhielten täglich ein Hofbrot. Alle
-Einwohner des Amtes mußten zur Wolfsjagd als Läufer dienen, bei jeder
-dritten Reihe die Häusler, doch waren 100 Mann aus verschiedenen
-Dorfschaften ganz befreit.
-
-Zur Erleichterung dieser Beschwerden, zur Verschonung der armen
-Unterthanen und Ersparung großer Kosten errichtete der Kurfürst 1560 in
-allen Kreisen Jagdzeughäuser, in welchen das für den betreffenden Kreis
-notwendige Jagdzeug verwahrt und wodurch die Nachführung desselben
-auf zu große Entfernungen vermieden wurde. Andere Erleichterungen
-suchten sich manche Gemeinden selbst zu verschaffen. So erboten sich
-die Untertanen des Amtes +Grünhain+, wenn ihnen die Fronen bei der
-Wolfsjagd erlassen würden, 100 Mann jährlich 5 Wochen lang zur Räumung
-der Wege im Amte +Schwarzenberg+ auf eigene Kosten zu stellen und zu
-unterhalten. Auch die Erhaltung der Jagdhunde führte Belästigungen mit
-sich. Während der Zeit, in welcher die Hunde zur Jagd nicht gebraucht
-wurden, ließ der +Kurfürst August+ sie in die Ämter zur unentgeltlichen
-Verpflegung verteilen.
-
- Nach Schlegel.
-
-
-~d.~ Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden Tieren in Dresden.
-
-Im Jahre 1662 hielt +Christian Ernst, Markgraf zu Brandenburg+, mit
-+Erdmute Sophia, Kurfürstl. Prinzessin zu Sachsen+, in +Dresden+
-Hochzeit, bei welcher der damalige Kurprinz +Johann Georg+ III. und
-nachmalige Kurfürst einen Jägeraufzug ausführte.
-
-Vor dem Oberhofjägermeister schritten drei Waidmänner mit Leithunden.
-Nachher kamen dreißig, je drei und drei, Oberförster, Forstburschen,
-Wildmeister, Hof- und Landjäger. Zwei Riesen traten in Gestalt wilder
-Männer auf. Ihnen zunächst folgten auf einem Festwagen, der einen
-künstlichen Berg darstellte, gleich einem Walde mit Tieren und Vögeln
-geziert, vier Personen mit Schalmeien. Seine prinzliche Durchlaucht
-ritt in Dianengestalt auf einem weißen Hirsche. Nymphen schritten an
-Lakeien statt vorauf, nebenher und hintennach. Dreißig nun folgende
-Jäger trugen Schweineisen und Birschbüchsen. Drei Personen waren als
-Löwenwärter in grüner Tracht und zwei Pfeifer wie Wilde gekleidet. Auf
-ihrem Wagen befanden sich fünf junge Bären. Es folgte ein Kasten mit
-zwei Tigertieren, je ein Käfig mit einem Löwen, einer Löwin, einem
-weißen Bären. Jägerburschen führten englische Hunde. Vier Oberförster
-begleiteten den größten, den brandenburgischen versinnbildlichenden
-Bären. Hernach führte man +Herzog Moritzens+ Bären. Auch die wilden
-Schweine fehlten nicht. Luchse, Wölfe und Füchse, Hasen, wilde
-Kaninchen und Eichhörnchen, Fischottern, Wildkatzen, Marder und Hamster
-zogen alle an den Augen der Schaulustigen vorüber. Auf Birschwagen
-waren Hirsche geladen, der Wendewagen mit Hasen und Füchsen behangen.
-Im ganzen Zuge befanden sich 265 Personen und 139 Pferde.
-
- Nach Chr. Lehmann.
-
-
-~e.~ Wildschützen.
-
-Die +Wildschützen+ haben nach Lehmann »auf dem Gebirge«, besonders auf
-den hohen Wäldern um und hinter dem Fichtelberge großen Schaden verübt.
-Sie haben das Wild haufenweise weggeschossen, die Häute in Böhmen
-verkauft und sind so sicher gewesen, daß sie des Nachts bei den Köhlern
-im Kohlkram gelegen, gesotten und gebraten, ihnen ihr Brot mit Gewalt
-genommen haben und ihnen mit dem Tode drohten, wenn sie Verrat üben
-würden.
-
-Die Strafen waren hart. Zur Zeit des Herzogs Moritz band man einen
-Wilderer auf einen lebendigen Hirsch und jagte das Tier in die Wildnis,
-sodaß er jämmerlich ausstehen mußte. Das geschah, weil vorherige
-Strafdrohungen nichts genützt hatten.
-
-Als 1559 die Wälder mit der Herrschaft Crottendorf an Kursachsen kamen,
-wurde Wolf Windreuter zum Oberförster nach Crottendorf gesetzt, der
-1566 einen Wildzaun um die Grenzen bauen ließ, worüber man ein Jahr
-brauchte und außer der Fron 1000 Thaler aufwendete. 1570 bis 1578
-mußten kurfürstliche Trabanten die Wäldner bei ihren Umgängen um den
-Grenzzaun begleiten, um den Wildschützen gewachsen zu sein. Für jeden
-erschossenen Wilddieb erhielten sie 30, 40 bis 80 Thaler. Erschossene
-hing man an den ersten besten Baum auf und nagelte über das Haupt ein
-Hirschgeweih.
-
-
-7. Eishöhlen im Erzgebirge.
-
-Als Eishöhlen im Erzgebirge sind bekannt: der Garische Stollen, die
-Ritterhöhle und die Stülpnerhöhle bei Ehrenfriedersdorf, die Binge
-bei Geyer und die »Alte Thiele« bei Buchholz im sächsischen, die
-Schneebinge bei Platten im böhmischen Erzgebirge. Diese Eishöhlen sind
-natürliche oder künstliche Hohlräume im Felsgestein, welche das ganze
-Jahr hindurch oder wenigstens während eines größeren Teiles desselben
-Eis enthalten, das sich in ihnen selbst gebildet hat. Die Stülpnerhöhle
-und die Ritterhöhle sind statische oder eigentliche Eishöhlen, auch
-Sackhöhlen genannt, indem sie, nach hinten zu sich senkend, am unteren
-Ende abgeschlossen sind, so daß die von außen eindringende kalte Luft
-nach der Tiefe sinkt und dort die Eisbildung bewirkt; beim Eintritt
-der wärmeren Jahreszeit aber hält sich durch das Schmelzen des Eises
-die Temperatur lange Zeit in der Nähe des Nullpunktes, der Eisvorrat
-geht daher nur ganz langsam seinem Ende entgegen. Der Garische Stollen
-gehört zu den dynamischen Eishöhlen oder den Windröhren, bei denen
-ein Spaltensystem, das vom Hintergrunde aus den Berg durchzieht, eine
-unterirdische Verbindung mit höher gelegenen Stollen ermöglicht,
-was zur Folge hat, daß sofort eine Luftströmung entsteht, wenn die
-Temperatur innerhalb und außerhalb der Höhle verschieden ist, und
-dadurch das Innere im Winter abgekühlt, im Sommer nur allmählich
-erwärmt wird, das Eis also lange erhalten bleibt. In den Windröhren
-herrscht meist ein starker Luftzug, während es in den Sackhöhlen
-im Sommer vollkommen windstill ist. Die »Alte Thiele« stellt sich
-als Übergang von den Sackhöhlen zu den Windröhren dar, indem sie
-nach ihrer ganzen Anlage zu den ersteren gerechnet werden muß, aber
-durch ihre hintere Kammer, welche die Verbindung mit anderen Gängen
-herstellt, sich dem Charakter der letzteren nähert. Alle die genannten
-Eishöhlen des Erzgebirges verdanken ihren Ursprung dem Bergbau; denn
-sie befinden sich in Einsenkungen, welche durch den Zusammenbruch
-vom Bergbau geschaffener unterirdischer Hohlräume entstanden sind.
-Bis in den Mai und Juni hinein findet sich in ihnen Eis vor, in der
-Schneebinge bei Platten, der eisreichsten dieser Höhlen, noch länger.
-Dort wurde am 21. Juli 1894 die Tiefe des den Boden bedeckenden Firns
-auf 1,5 bis 3,00 Meter bestimmt. Schon lange ist die Schneebinge wegen
-ihres Eisreichtums im Sommer bekannt. In eisarmen Zeiten wird von ihr
-Eis nach Karlsbad geführt; im Jahre 1863 soll sogar nach Leipzig zum
-Turnfest Eis aus der Binge versendet worden sein. Gegenwärtig ist sie
-an eine Bierbrauerei in Platten verpachtet.
-
- Nach Fitzner.
-
-
-8. Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder.
-
-Im Zusammenhange mit den reichen Erzgängen des Obererzgebirges, welche
-Quarz, Hornstein, Jaspis, Chalcedon, Amethyst, Eisen- und Manganerze
-enthalten, stehen eine Anzahl von Mineralquellen. Solche Gänge, die
-als Quellengänge bezeichnet werden, sind die Wege, auf denen die
-verschiedenen mineralischen Wässer unserer Gegend aus der Tiefe
-hervorquellen.
-
-
-1.
-
-Im freundlichen Zschopauthale bricht in einer Meereshöhe von 434
-Meter aus dem Gneisgebiete auf dem Ausstriche eines fast eine Meile
-verfolgbaren Quarz- und Hornsteinganges, der häufig Amethyst führt,
-eine Mineralquelle hervor, die zur Gründung des gutbesuchten Ortes
-+Wiesenbad+ bei Annaberg führte. Das Wasser befindet sich in einem
-großen, einige Meter tiefen, überbauten Behälter und zeichnet sich
-durch außerordentliche Klarheit aus. Die fast fortwährend aufsteigenden
-Kohlensäureblasen vermögen beinahe den Eindruck hervorzurufen, als ob
-das Wasser siede. Es ist vollständig geruchlos. Die Quelle gehört zu
-den warmen alkalischerdigen Säuerlingen und hat eine Wärme von 21,75°
-C. Sie hat einen angenehmen, frischen Geschmack. In ihrer Wirkung
-entspricht die Quelle dem Warmbade bei Wolkenstein und Warmbrunnen
-in Schlesien. Überraschend sind die Wirkungen dieses Wassers bei
-skrophulösen Krankheiten, besonders wenn mit dem Baden eine Milchkur
-verbunden wird. Die Quelle wird besonders gegen Nervenschwäche,
-Gicht, Rheumatismus, Lähmungen und Hautkrankheiten empfohlen. Der
-alte berühmte Scheibenberger Geschichtsschreiber Christian Lehmann
-erzählt in seinem 1699 erschienenen »Schauplatz des Obererzgebirges« 70
-Krankheiten auf, gegen die das Wasser helfen sollte. Die Entdeckung des
-Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne herschreiben, der seine
-ungesunden Schenkel in dem Wasser in der sogenannten Rosenaue gewaschen
-hat und dann heil geworden ist.
-
-Hans +Friedrich+, ein reicher Fundgrübner und Bergherr aus Geyer,
-der das Dorf Wiesa besaß, faßte 1501 das Wasser in einem Kasten,
-ließ ein Badehaus erbauen und dasselbe durch ein Röhrwerk mit dem
-Quell verbinden. Er soll auch neben dem Bade ein Kirchlein zu Ehren
-des heiligen Jobs oder Hiobs, des Helfers der Kranken und Schwachen,
-errichtet haben, das vom Meißner Bischofe 1505 geweiht und vom Fürsten
-Georg reich begabt wurde. Ein Meßpriester mußte den Badegästen, ehe
-sie ins Bad gingen, eine Messe lesen. Im Jahre 1602 ließ sich die
-Kurfürstin +Sophie+ ein eignes Haus bauen, wahrscheinlich an Stelle der
-Kapelle, und man nannte darauf das Bad Sophienbad. Im Jahre 1699 aber
-finden wir auch die Bezeichnung Wiesenbad oder St. Jobsbad.
-
-
-2.
-
-In einem Nebenthale des Zschopauthales, eine halbe Stunde von der
-Stadt Wolkenstein entfernt, 458 Meter über dem Meeresspiegel liegt
-ebenfalls in den Gneisformationen sehr geschützt +Warmbad Wolkenstein+.
-Die Quelle ist die wärmste Sachsens mit einer Wärme von 31 °C. Man
-nimmt an, daß sie auf dem im zweiglimmerigen Gneise aufsetzenden
-Eisensteingange »Neugeboren Kindlein« ihren Ursprung habe und bei
-dessen Abbau zufällig entdeckt worden sei. Sie bricht aus Drusen eines
-Erzganges hervor. Nach einer älteren Zeichnung soll sich daselbst
-ein Silbergang mit zwei Eisensteingängen kreuzen. Die ziemlich tief
-liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefaßt und dadurch gegen
-Zufluß von »wilden Wässern« geschützt worden. Mittels eines Hebewerkes
-wird das Wasser nach dem Badehause geleitet, von wo es nach weiterer
-Erwärmung in die einzelnen Zellen abfließt. Die Quelle spendet in
-jeder Minute 150 Liter warmen Wassers. Das Wasser ist ebenfalls den
-Säuerlingen zuzuzählen und hat große Ähnlichkeit mit dem Wiesenbader,
-wie mit den berühmten Warmquellen von Wildbad in Württemberg, Gastein
-und Pfeffers. Seine Wirkungen entsprechen dem Wiesenbader. Die Quelle
-war schon im 14. Jahrhundert als heilkräftig bekannt. Es fanden starke
-Wallfahrten nach dem Bade statt.
-
-
-3.
-
-Das Bad +Ottenstein+ bei Schwarzenberg liegt in einer Meereshöhe von
-424 Meter im Glimmerschieferthale des Schwarzwassers. Die Anstalt ist
-nach Nordosten und Nordwesten durch hohe Felsmassen gegen kalte Winde
-geschützt. Die Quelle ist ein kaltes, an Kohlensäure nicht sehr reiches
-Eisenwasser mit mittlerem Eisengehalte, das in Form von Trink- und
-Badekuren Anwendung findet. Erfolgreich wurde das Bad bei Blutarmut,
-Reißen, Nervenkrankheiten, Lähmungen, Magen- und Lungenkrankheiten
-gebraucht.
-
-
-4.
-
-Außer diesen genannten Bädern gedenken wir noch derjenigen
-Mineralquellen unserer Gegend, die ehemals zu Bädern benutzt wurden.
-Manche erfreute sich sogar eines gewissen Rufes.
-
-In +Niederzwönitz+ entspringen 580 Meter über dem Meere auf einer von
-Fichten- und Kiefernwald umschlossenen Wiese nebeneinander 3 Quellen,
-denen der Volksmund die Namen der »Gute Brunnen«, der »Krätzbrunnen«
-und der »Augenbrunnen« gegeben hat. Die Wirkungen des Guten Brunnen
-wurden bereits 1498 oder 1501 erkannt. 1608 wurde dieser Quell, nachdem
-er in Vergessenheit gekommen, wieder gereinigt. Den Krätzbrunnen
-entdeckte man 1646 und die Wirkungen des Augenbrunnens kamen 1717
-zur Anerkennung. In der Nähe des »Guten Brunnens« soll ehemals eine
-der heiligen Anna geweihte Kapelle gestanden haben, weshalb man ihn
-auch »Annenbrunnen«, später aber »Tannenbrunnen« oder »Zu den drei
-Tannen« nannte. Man sagt, Kenner hätten versichert, daß die Kanne
-dieses Wassers einen Dukaten wert sei, wenn man das wilde Wasser davon
-scheiden könnte.
-
-Das +Marienberger+ Bad hatte die Quelle »Frischer Brunnen«, die 1553
-bekannt wurde. In der Nähe des Zschopauer Thores in Marienberg giebt
-es heute noch einen »Frischen Quell«, dessen Wasser jedoch nur als
-Trinkwasser benutzt wird.
-
-Das Bad +Raschau+ wurde 1808 eingerichtet. Nach ihm führt noch
-ein Gasthaus in Raschau seinen Namen. Auch in der Nähe von
-+Ehrenfriedersdorf+ giebt es einen Mineralquell, der bald als Stahl-,
-bald als Sauerbrunnen bezeichnet wird. Im Jahre 1646 wurde in Grumbach
-bei Jöhstadt am Walde nahe dem »Thumshirn-Brunnen« ein Heilbrunnen
-entdeckt, dessen Wasser zu warmen Bädern gebraucht ward. Nach ihm war
-eine Zeit lang großer Zulauf aus Meißen und Böhmen. Es wurden bei
-ihm selbst Betstunden abgehalten. Auch in Neudorf und Crottendorf
-hat man aus einer nicht mehr vorhandenen Quelle zur Kur getrunken.
-Zwei eisenhaltige Quellen sollen vom Fichtelberge in den Zechengrund
-abfließen.
-
-+Mathesius+ sagt über die Gesundbrunnen und warmen Bäder des
-Erzgebirges: »Unser Herr Gott ist ein weiser Hausvater. Weil er denn
-weiß, daß arme Bergleute in Gruben und Hütten viel böses Wetter,
-koblichten Stank, kalte Dämpfe, feuchten Brodel und giftigen Rauch in
-sich ziehen, pflegt er neben die Bergwerke gemeiniglich eine eigene
-Apotheke anzurichten, damit die Bergleute eine Bergarznei hätten wider
-die Lähme und verschleimte Lunge, erkältete Mägen und verlähmte Glieder
-und was der Bergsucht und Beschwerungen mehr sind.«
-
- Nach Köhler u. a.
-
-
-9. Fischreichtum erzgebirgischer Flüsse.
-
-Die Flüsse und Bäche Sachsens enthielten zu der Zeit, wo Petrus
-+Albinus+ aus +Schneeberg+ seine 1590 erschienene »Meißnische Land-
-und Bergchronik« schrieb, noch einen +Fischreichtum+, wie derselbe
-trotz unserer künstlichen Fischzucht und Fischereigesetze bei den
-durch Fabrikanlagen verunreinigten Gewässern, ihren Uferbauten und
-Regulierungen, den Entwaldungen unserer Berge und anderen schädigenden
-Einflüssen mehr, wohl kaum wieder erzielt werden dürfte.
-
-Man fing in der Elbe bis zu 2 Zentner schwere Störe, und zwar galt als
-die beste Fangzeit die Zeit der Rosenblüte; ebenso fehlten auch die
-Welse nicht, die um Johannis am besten waren, »darnach,« so meldet
-Albinus, »verbargen sie sich in die Felsen, darinnen verhielten sie
-sich, bis sie die »Eglen«, d. h. wahrscheinlich die gemeinen Fischegel,
-stachen, hernach machten sie sich wieder heraus«. Brassen und selbst
-die noch jetzt aus der Ostsee in die Oder kommenden Zährten, ferner
-Barben, Hechte, Aale, Aalraupen, Lampreten und Neunaugen, sowie Lachse
-bevölkerten damals unsere Gewässer; in der Mulde fing man Barben bis zu
-10 bis 15 Pfund, Lachse bis zu 18 Pfund, und zuweilen wurden 18pfündige
-Hechte gefangen. Erwähnt wird dabei, daß man 1544 in der Ill bei
-Straßburg einen Hecht von 26 Pfund und in dem Filzteiche bei Schneeberg
-einen so großen fing, daß derselbe nicht Raum in einem Bierfasse
-hatte. Dazu kamen noch in den Bächen zahlreiche Forellen, Steinbeißer
-und Schmerlen, Gründlinge und Kaulbarsche vor, so daß die Fische vor
-300 Jahren einen nicht unwesentlichen Teil der Ernährung, selbst des
-ärmeren Volkes bilden konnten. Mit besonderer Vorliebe verweilt daher
-auch Albinus bei diesem Kapitel seiner Landeschronik, und er begnügt
-sich nicht, dabei nur die Namen der einzelnen Fische zu nennen, sondern
-durch verschiedene beigefügte Bemerkungen über Laichzeit, Nahrungswert,
-Schmackhaftigkeit und anderes mehr weiß er für seinen Gegenstand ein
-noch größeres Interesse zu erregen. So meint er, daß der Hecht von
-etlichen für den besten Fisch gehalten werde, doch scheint er der
-Forelle, von welcher eine schwarzgefleckte Art aus dem Schwarzwasser
-bei +Schwarzenberg+ und aus Bächen um +Crottendorf+ und +Annaberg+
-angeführt wird, den Vorzug zu geben, indem er sie den gesündesten und
-nahrhaftesten Fisch nennt, den man sogar in Wasserkästen groß ziehen
-könne, so daß er darin 4- und 5pfündig werde. Von dem Salm oder Lachs
-wird die Meinung damaliger Ärzte mitgeteilt, nach welcher dieser Fisch
-»stärkerer und gröberer Nahrung sei und gesalzen dem Magen schädlich
-sein solle«.
-
-Im 16. Jahrhundert »sind die Bäche im Gebirge so fischreich gewesen,
-daß die Köhler und Holzhauer, wenn sie sich bei Sommerzeit in Bächen
-gebadet, sie die Waldforellen mit Händen gefangen haben. Nachdem aber
-das Seifen aufgekommen war und Erze gewaschen wurden, sind die Bäche
-verdorben, daß die Fische nicht mehr drinnen aufkommen mochten.«
-
-
-10. Die Kartoffeln im Erzgebirge.
-
-Bereits zu Anfange des 18. Jahrhunderts finden wir die Erdäpfel auch im
-Erzgebirge. In unserer Gegend sind dieselben zuerst in +Crottendorf+
-angepflanzt worden. Bewohner dieses Dorfes brachten in den Jahren 1712
-oder 1713 von +Stützengrün+ und +Bärenwalde+ Samenkartoffeln dahin.
-Bereits in den dreißiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts
-wurde eine gewaltige Menge dieses Gewächses daselbst erbaut. In dem
-benachbarten +Schlettau+ hat dann der Anbau der Kartoffeln zunächst
-Anklang gefunden, da dieses Städtchen bereits in jener Zeit einen nicht
-unbedeutenden Feldbau betrieb. Besondere Verdienste um die dortige
-Heimischwerdung derselben erwarb sich der +Amtshauptmann Alexander
-Christian von Beulwitz+, der daselbst 1715 bis 1725 wohnte und von
-dem ihm gehörigen +Erlbach+ im Vogtlande den erforderlichen Samen
-einführte. Von +Schlettau+ ging der Anbau über nach +Elterlein+,
-+Grünhain+, +Zwönitz+ und deren Nachbarschaft. Eine Teuerung, die im
-Jahre 1719 das Obergebirge drückte, wurde die Veranlassung zu immer
-ausgedehnterem Anbau. Der damalige +Superintendent+ zu +Annaberg+,
-~Dr.~ +Andreas Kunad+, forderte sogar in dem genannten Jahre in einer
-Predigt auf, die Kartoffeln häufig zu bauen, »welches auch soviel
-ausgerichtet, daß man sich allhier mit mehrerem Ernste der Sache
-beflissen«. Namentlich im zweiten Viertel des vorigen Jahrhunderts
-wurden die Kartoffelfelder immer zahlreicher auch um +Annaberg+. Der
-Ertrag war ein sehr reichlicher, indem man zehn- bis fünfzehnfältig
-erntete.
-
-So war bereits vor der Mitte des vorigen Jahrhunderts der Anbau
-der Erdäpfel im Obergebirge ein verbreiteter, und die gebirgischen
-Kartoffeln galten schon damals als durch Geschmack und Größe
-ausgezeichnet. Sie verdrängten von den Fluren und aus dem Haushalte
-mehr und mehr die Erbsen, Linsen und andere trockene Gemüse. Der Preis
-war nach dem damaligen Geldwerte ein mittlerer. Der Scheffel kostete
-von den geringeren Sorten 8, 9 und 10, von den besseren 16, 18 und 20
-gute Groschen.
-
-Schon damals, um 1740, baute man verschiedene Sorten, von denen
-namentlich drei angeführt und beschrieben werden. Die sogenannten
-+Jobsäpfel+, die ihren Namen davon hatten, daß sie bereits zu Jakobi,
-25. Juli, reif wurden; sie galten für die beste Sorte. Sie haben
-ziemlich große Knollen, eine dünne, gelbe Schale und in der Mitte eine
-kleine Höhlung mit ein wenig Feuchtigkeit. Die +andere+ Sorte ist
-kleiner, gleichfalls mit gelber Schale versehen, worüber sich noch ein
-dünnes Häutchen befindet. Auch diese werden als mild und schmackhaft
-bezeichnet. Die +dritte+ Sorte hat eine rötliche Haut und eine etwas
-eckige Form, von Geschmack sind sie streng und unangenehm, sodaß sie
-lediglich als Viehfutter benutzt werden.
-
-Ebenso allmählich wie die Verbreitung der Kartoffeln geschah, ebenso
-brach sich nur nach und nach der mannigfache Nutzen und Gebrauch
-derselben Bahn. Man baute sie zunächst mehr zur Mästung und zur
-Mehlbereitung. Das daraus gewonnene Mehl mischte man unter das
-Brotmehl und erlangte dadurch ein billigeres Gebäck. Man verwendete
-es als Stärke oder zu dem damals vielgebrauchten Puder. Das grün
-abgeschnittene Kraut gab man den Kühen zu fressen, und die Butter bekam
-dadurch, wie gesagt wird, einen guten Geschmack; getrocknet wurde
-es im Winter in die Schafe gefüttert. Zeitig benutzte man natürlich
-auch die besseren Sorten als Nahrungsmittel für die Menschen; aber es
-ging ziemlich langsam, ehe man entweder durch eigenen Scharfsinn oder
-durch Nachahmung fremder, namentlich bei den Engländern und Holländern
-angewendeter Zubereitungsarten anfing, die Kartoffel zu braten und zu
-rösten, mit Eiern zu vermischen und Klöße, Kuchen und »Strützel« daraus
-zu backen, sowie Branntwein daraus zu brennen.
-
- Nach ~Dr.~ Spieß.
-
-
-11. Reihenfolge der Städte Sachsens bezüglich ihrer Lage über der
-Ostsee.
-
-Es sind gelegen: Riesa 108 ~m~, Meißen 110 ~m~, Leipzig 111 ~m~,
-Dresden 113,4 ~m~, Pirna 116 ~m~, Strehla 118 ~m~, Wurzen 120 ~m~,
-Großenhain und Wehlen 123 ~m~, Markranstädt und Schandau 125 ~m~,
-Königstein 127 ~m~, Oschatz 129 ~m~, Grimma und Taucha 130 ~m~, Zwenkau
-und Trebsen 131 ~m~, Rötha 132 ~m~, Pegau 133 ~m~, Naunhof 134 ~m~,
-Groitzsch 137 ~m~, Nerchau 138 ~m~, Borna 142 ~m~, Regis 144 ~m~,
-Mügeln 147 ~m~, Brandis, Dahlen und Radeburg 150 ~m~, Colditz 155 ~m~,
-Frohburg 162 ~m~, Rochlitz 166 ~m~, Döbeln 170 ~m~, Königsbrück 171
-~m~, Lommatzsch 173 ~m~, Lausigk 175 ~m~, Dohna 177 ~m~, Lunzenau 179
-~m~, Waldheim 186 ~m~, Mutzschen 189 ~m~, Weißenberg 198 ~m~, Roßwein
-205 ~m~, Kamenz 206 ~m~, Ostritz 207 ~m~, Tharandt 215 ~m~, Leisnig und
-Elster 218 ~m~, Bautzen 220 ~m~, Geithain 229 ~m~, Penig und Kohren 231
-~m~, Bernstadt 234 ~m~, Crimmitschau 236 ~m~, Radeberg 242 ~m~, Zittau
-und Meerane 246 ~m~, Nossen 256 ~m~, Waldenburg 257 ~m~, Geringswalde
-259 ~m~, Mittweida und Hartha 260 ~m~, Frankenberg 262 ~m~, Glauchau
-264 ~m~, Wilsdruff 265 ~m~, Zwickau und Schirgiswalde 267 ~m~, Löbau
-268 ~m~, Pulsnitz 270 ~m~, Sebnitz 274 ~m~, Elsterberg 277 ~m~, Werdau
-280 ~m~, Bischofswerda 290 ~m~, Berggießhübel 292 ~m~, Burgstädt 298
-~m~, Mylau 302 ~m~, Chemnitz und Hainichen 304 ~m~, Hohnstein 308 ~m~,
-Rabenau 311 ~m~, Lichtenstein 315 ~m~, Callnberg 318 ~m~, Siebenlehn
-und Neusalza 326 ~m~, Glashütte 330 ~m~, Neustadt und Liebstadt 333
-~m~, Zschopau und Gottleuba 338 ~m~, Aue 348 ~m~, Dippoldiswalde,
-Ernstthal und Hartenstein 350 ~m~, Plauen und Wildenfels 352 ~m~,
-Stolpen 360 ~m~, Kirchberg 363 ~m~, Limbach 371 ~m~, Hohenstein 374
-~m~, Oederan und Netzschkau 380 ~m~, Reichenbach 390 ~m~, Freiberg
-401 ~m~, Oelsnitz und Lengenfeld 404 ~m~, Lößnitz 422 ~m~, Stollberg
-423 ~m~, Pausa 446 ~m~, Auerbach 450 ~m~, Neustädtel 468 ~m~, Brand,
-Schneeberg und Wolkenstein 470 ~m~, Treuen und Schwarzenberg 471 ~m~,
-Lengefeld 481 ~m~, Adorf 482 ~m~, Mühltroff 483 ~m~, Bärenstein 490
-~m~, Markneukirchen 500 ~m~, Thum und Schellenberg 505 ~m~, Zwönitz 520
-~m~, Lauenstein 526 ~m~, Ehrenfriedersdorf 533 ~m~, Buchholz 557 ~m~,
-Schlettau 564 ~m~, Falkenstein 567 ~m~, Geising 590 ~m~, Geyer 592 ~m~,
-Zöblitz 600 ~m~, Annaberg 602 ~m~, Marienberg und Elterlein 610 ~m~,
-Grünhain 630 ~m~, Eibenstock 643 ~m~, Frauenstein 650 ~m~, Scheibenberg
-669 ~m~, Sayda 677 ~m~, Schöneck 735 ~m~, Johanngeorgenstadt 750
-~m~, Altenberg 751 ~m~, Jöhstadt 789 ~m~, Unterwiesenthal 868 ~m~,
-Oberwiesenthal 913 ~m~. Daraus geht hervor, daß 40 Städte zwischen
-100 und 200 ~m~, 33 zwischen 200 und 300, 27 zwischen 300 und 400, 17
-zwischen 400 und 500, 11 zwischen 500 und 600, 9 zwischen 600 und 700,
-4 zwischen 700 und 800, 1 zwischen 800 und 900 und 1 zwischen 900 und
-1000 ~m~ gelegen sind. Chemnitz liegt z. B. 196 ~m~ höher als die am
-tiefsten gelegene Stadt (Riesa) und 609 ~m~ tiefer als die am höchsten
-gelegene Stadt (Oberwiesenthal). Bautzen ist zweimal, Glashütte dagegen
-dreimal so hoch als Meißen gelegen. Neustadt und Liebstadt sind dreimal
-so hoch als Leipzig gelegen. Aue ist dreimal so hoch als Pirna gelegen.
-Stolpen ist dreimal so hoch als Wurzen gelegen. Zittau und Meerane sind
-zweimal so hoch als Großenhain und Wehlen gelegen. Markneukirchen ist
-viermal so hoch als Markranstädt und Schandau gelegen. Crimmitschau
-ist zweimal und Geising fünfmal so hoch als Strehla gelegen. Mittweida
-und Hartha sind zweimal, Reichenbach ist dreimal, Zwönitz viermal und
-Frauenstein fünfmal so hoch als Grimma und Taucha gelegen. Frankenberg
-ist zweimal so hoch als Zwenkau und Trebsen gelegen. Glauchau ist
-zweimal so hoch als Röda gelegen. Löbau ist zweimal so hoch als Naunhof
-gelegen. Sebnitz ist zweimal so hoch als Groitzsch gelegen. Zöblitz ist
-viermal und Johanngeorgenstadt ist fünfmal so hoch als Brandis, Dahlen
-und Radeburg gelegen. Dippoldiswalde, Ernstthal und Hartenstein sind
-zweimal so hoch als Lausigk gelegen. Falkenstein ist dreimal so hoch
-als Mutzschen gelegen. Neustädtel ist zweimal so hoch als Bernstadt
-und Zwönitz zweimal so hoch als Mittweida und Hartha gelegen. Von den
-höchstgelegenen Städten nimmt Oberwiesenthal die 1., Unterwiesenthal
-die 2., Jöhstadt die 3., Scheibenberg die 8., Elterlein die 12.,
-Annaberg die 13., Geyer die 15., Schlettau die 18. und Buchholz die 19.
-Stelle ein.
-
-
-12. De Stähd in'n Öber-Ärzgebärg.
-
-Weise: Kimmt ä Bugerl u. s. w.
-
- In'n Gebärg hot's viel Stähdeln,
- Gruß' un kleene, gor fei.
- Ich will dir'sche auffädeln;
- Guck när sälberst ä nei!
-
- Aus der Zwick' thun se regieren
- Us un's Vugtland derzu;
- In der Ah' giehn se spazieren,
- Wenn se nischt hamm ze thu?
-
- Ach Herr, Jehstadt is gruslig,
- Thum un Geyer wuhl meh;
- Wiesenthal macht een'n duslig,
- Wenn mer stieht uf der Heh'.
-
- In Eimstock, do gibbt's Läben,
- In Kanngorngstadt härt's auf;
- Aber Neistähdl thut sich heben,
- Schniebärg is net neidsch drauf.
-
- Annebärg leit huch uben,
- Buchhuls glei nebenbei;
- Besser luhnt, als sinst Gruben,
- Pusementiererei.
-
- Schwarzenbärg is rumanisch,
- Wulkensteen is es ooch;
- Schlett' un Grienhahn is kumpanisch,
- Elterlein hot e Loch.
-
- Scheibenbärg hot en Hiegel,
- Där'n nischt eibringe thut;
- In Marienbärg kriegste Schniegel;
- Säller Zehbels hot's gut.
-
- Altenbärg häßt siwirisch,
- Doch 's is gor net su toll;
- Schmiedebärg wärd nu riehrisch;
- Sayd' un Frauensteen -- pascholl.
-
- Kumm när 'rauf, 's is net iebel;
- Alleng wird hie geärbt't;
- Freilich hot's ville Hiedel;
- Doch kah mer lähm, bis mer stärbt.
-
- H. in F.
-
-
-
-
-Zweiter Abschnitt.
-
-Das Volkstum des Obererzgebirgers.
-
-
-13. Die Mundart des Obererzgebirgers.
-
-Die erzgebirgische Mundart, die als ein ostfränkisch-obersächsischer
-Mischdialekt bezeichnet wird, kann als eine einheitliche Mundart
-aufgefaßt werden, da sie gewisse gemeinsame Züge hat, die nur ihr eigen
-sind und durch die sie sich von allen Nachbarmundarten wesentlich
-und bemerkbar unterscheidet. Aber innerhalb der Mundart sind die
-Verschiedenheiten und Abweichungen, die besondern Eigentümlichkeiten
-und unterscheidenden Merkmale so zahlreich und augenfällig, daß man
-gut und gerne eine ziemliche Anzahl von Untermundarten unterscheiden
-könnte. Ein tiefgreifender Unterschied macht sich zunächst geltend
-zwischen der Sprechweise des östlichen Gebirges, wo die ostfränkischen
-Bestandteile noch vorherrschen, und dem Westen, wo sie seltener und
-meist verschliffen sind; fast ebenso bedeutend ist der Unterschied
-zwischen dem oberen Gebirge und dem mittleren Höhenlande, wo ein
-allmähliches Verblassen und Verwischen der weiter oben schärfer
-hervortretenden Züge der Eigenart stattfindet. Aber auch sonst sind die
-Unterschiede, die Besonderheiten häufig. Jede Gegend, jedes Thal, ja
-jede Stadt hat ihre Eigentümlichkeiten, die als solche empfunden werden
-und die Quelle gegenseitiger Hänseleien zu sein pflegen.
-
-Wir wollen betrachten, »wies Vulk redt«, und das redet anders in Kamms
-(Chemnitz), als in Edern (Oederan), anders in Griehah (Grünhain), als
-in Zwehnz (Zwönitz).
-
-Der Erzgebirger, besonders der Obererzgebirger, hat eine Vorliebe für
-dumpfe Vokale und harte Konsonanten. So werden au, ä, eu und ei zu aa
-(a), z. B. Fraa, Baar, Fraad, Staan; -- ei, eu und ö zu ä, z. B. lächt,
-lächt'n, schännsta; -- e zu a, z. B. har; -- a zu oo, z. B. Soog'; --
-o zu uu (u), z. B. Luus. So wird aus j: g, z. B. gän'r (jener), Gahr,
-Gung, Gag'r (Jäger); -- aus g: k, z. B. genunk, Bark (Berg), Kelick
-(Glück): -- aus h: k, z. B. Fluk (Floh).
-
-Fälle von Lauterzeugungen, insbesondere Vokalerzeugungen zwischen
-gewissen Konsonanten, sind nicht selten, so beispielsweise: Gelut =
-Glut, geleich = gleich, Gelanz = Glanz, Gelaaben = Glauben, Galied'r =
-Glieder, ferner: d'rkannt = erkannt, ahamm = heim, noochert = nachher,
-weiter: Rumpes = Rumpf, Kupes = Kopf, ähnlich: Millich = Milch, Lärig
-= Lerche, endlich: Taafet = Taufe, Garmerich = Jahrmarkt (vergl. in
-Thüringen Almerich = Altenburg).
-
-Weit häufiger aber sind die Ausstoßungen von Vokalen, die
-Verschleifungen von Silben und Wörtern. Gewöhnlich ist der Vokal in
-den unbetonten Vorsilben ge, ver u. s. w. kaum hörbar, z. B. g'triem =
-getrieben. Manche Vorsilben verschwinden ganz, wie: 'rei = herein, 'ro
-= heran, 'nunger = hinunter. Die unbetonten Endsilben werden entweder
-ganz abgestoßen oder verschmelzen mit der Stammsilbe, z. B. bleim
-= bleiben, proom = proben, uhm = oben, Laam = Leben, Oomd = Abend,
-gaehmt = geebnet, wink = wenig, Kuhng = Kuchen, gebung = gebogen,
-Seng = Segen, Kerng = Kirchen, aang = eigen, fluung = fluchen,
-werng = würgen, v'rlaang = verleugnen, d'rwang = deswegen, Toong =
-Tagen, hiesing = hiesigen, Kann'r = Kantor, Rutkaat = Rotkehlchen,
-geha = gehauen, laen = legen, wer = würde, wurn = geworden. Die
-Verkleinerungsendung lein erscheint in der Form: la (le). Für die
-Adjektiv-Endung ig wird manchmal et gebraucht, z. B. schaaket =
-scheckig, baanet = beinig. -- Aber nicht allein unbetonte Silben werden
-abgestoßen und verschliffen, sondern auch solche mit einem Nebentone,
-z. B. Nupr = Nachbar, schawern = scharwerken, Handschch = Handschuh,
-Echerla = Eichhörnchen, Gahlich'n und Gahl'chen = gelbe Hühnchen, arb'n
-= arbeiten, nong = nachher. Auch kurze Wörter werden mit einander
-verschmolzen, z. B. wemmer = wenn wir, gimm'r = geh'n wir, vunna =
-von ihm, hottene = hat er ihn, nu'ch = nun sich, ing = ich ihnen,
-Bornkinnel = gebornes Kindlein, gippt'r = giebt ihrer, allezamm = alle
-zusammen, immadim = um und um, ka'sn = kann es ihnen, guttegor = ganz
-und gar, epps'n = ob sie ihn, würrerch = würde er sich.
-
-Aus der Wortbeugung mögen nur die besondern Steigerungen serner von
-sehr (= mehr) und ehnder von ehe, die eigentümlichen Zeitformen: huhl
-für hielt, fuhl für fiel, fuhng für fing, gehatten für gehabt und
-maanet für meinte erwähnt werden.
-
-Die Sprache des Erzgebirgers weist noch manche Eigentümlichkeit auf.
-So mischt er seiner Rede gern selbstgeschmiedete Wörter bei und
-verunstaltet fremde aufs grausamste. Aus Larifari macht er »Larefar«,
-das Korsett wird zu einem »Kartschetl«, das Porzellan zu »Porzelih«,
-eine Guirlande zur »Gorlande«. Etwas ganz Neues ist »nieglnoglnei«,
-wem man den Standpunkt klar machen will, den »laxenirt« man, und ein
-ungezogener Junge wird nicht bei den Haaren, sondern »bun (beim) Wisch«
-genommen. Während der Bauer des Niederlandes den ganzen Tag im Hofe
-und Felde »scharwerkt«, »schabrt« der erzgebirgische; er heimst nicht
-ein so viel als möglich, sondern er »schobert«, geht auch nicht zum
-Nachbar auf Besuch, sondern »hutzn«. Ein lediger »Puß« (Bursche) macht
-im Erzgebirge zwar keinen Lärm, aber großen »Teebes« oder »Teebs«.
-Als Verkleinerungssilbe braucht der Erzgebirger statt chen und lein
-»la« (»Kihla« = Kühchen, »Seila« = Schweinchen); außerdem ist er ein
-Freund der Flickwörter »fei« und »eppr«. Auch die Namen pflegt er zu
-verunstalten. Aus einem Ludwig macht er einen »Lud« oder »Wig« und
-Gottlob, -fried, -lieb verkürzt er zu »Lub«, »Fried« und »Lieb«. Ebenso
-sind im Erzgebirge die Spitznamen mehr denn anderswo daheim. Jeder im
-Dorfe weiß z. B., wo der »Mahlhenner« wohnt, während ihm der mit Mehl
-handelnde Heinrich so und so unbekannt ist. Auch fügt man den Taufnamen
-gern dem Familiennamen bei. Man macht aus dem Gottlob Schulze einen
-»Schulzenlob«, und sein Sohn Eduard wird zum »Schulzenlobward«, ja
-selbst ein »Hansenfritzenkarlfried« ist keine so seltene Erscheinung.
-Es bedingt schon einiges Nachdenken, um z. B. aus »Mahlhennerwigs Puß«
-den Sohn von Mehlheinrichs Sohn Ludwig und aus »Fuchsdavidkordel« die
-Tochter Konkordia des Gutsbesitzers David so und so, der zufällig
-fuchsfarbige Pferde liebt, herauszufinden.
-
- Nach ~Dr.~ Oertel u. a.
-
-
-14. Arzgebergsche Sprichwörtr.
-
-('n Baur Hansgörg sei Lieblingsredn.)
-
- 's hot jedr, sei ar, wos ar sei, es hot a jedr Stand,
- Ob im Gebörg, im Vugtland uhm, un ob im Niedrland,
- Sei eigne Red, sei eigne Sproch, sei eigne Lieblingssprich. --
- Wos Hansgörg denkt un wie ar schpricht, dos mächt derzahln heit
- iech. --
-
- Dr Hansgörg is net arm, net reich, 's is a gemachtr Maa,
- Ar guckt siech's 's Laam (wär jedr su!) su racht gemietlich a:
- Drim labt ar gut un reichlich a. »Dä wos mer spart am Mund,«
- (Dos is sei Red, schpricht mer dervu,) »dos kimmt ner für de Hund!«
-
- Kimmt mittigs vun dar Arb't ar rei zer Arntezeit vum Fald,
- Do warn de Pfahre ausgeschärrt un's Futtr hiegestallt.
- »Karline,« schpricht ar zu sei Fraa, »heit wor de Arbet schwer;
- Schaff's Assen rei, miech hungerts heit, su daß iech's haußen här!«
-
- Ja, 's Assen, dos is su sei Sach! Do ka ar wos vertrag'n.
- »Ach hätt« (su schpricht ar, wenn's 'ne schmeckt) »dr Buckel a en
- Mag'n!«
- Doch gibbts net viel und a nischt guts, denkt ar: »De bist betrug'n,
- Hansgörg, se ham dr wiedr mol a Halmel dorch's Maul gezug'n.«
-
- Im Abziehlich[1] do gieht ar noch, wie sist de Leit sei gang:
- In Laderhus'n, Bliemelwest, im Ruck miet Schößeln lang.
- »Miet setten neimodschen Gekrahm, do bleibt mer ner hibsch farn;
- Zög iech dos ah, iech säß dodrin, wie dr Fluk[2] in der Lotarn.«
-
- Dos Stodtvulk (na dos wißt'r schu!) dos ka ar net dersahn:
- »Weil dos de Fliegn niesen härt un a de Mickn gahn!«[3]
- Wenn su a Harrchen aus dr Stodt im Dorfe rimstulziert,
- Do denkt ar: »Du host ah noch nich en Maikafer bolwiert!«
-
- Nischt ka 'n mehr in de Wulle breng, als wenn zer Summrszeit
- De Stodtleit miet ihrn Rimgelaaf tutschlahn[4] de schiene Zeit;
- Un frögt su aner nach'n Wag, -- ar sogts, -- dä die sei schlimm!
- Doch denkt ar: »Su a Faullenzer, dar laaft meitog nischt im!«
-
- Noch en Maa kenn'ch, miet dan dr Görg nischt mehr mag ham za thu;
- Dos is dr neie Harr Schandarm! ('s is wagn dr Sunntigsruh!)
- Wenn ieber dan ward hargezug'n, do hilft ar orndlich miet;
- 's is aner (dos is seine Red) »su vun dr siemten Bitt«.
-
- Ze Mittig sitzen Gung un Maad am Tisch in langer Reih;
- Un zählt sei Fraa de Orgelpfeif'n, mächt angst ihr warn derbei;
- Doch Hansgörg schpricht: »Ner net verzogt, ner fruh sein im
- Gemiet, --
- Wenn unser Harrgott 's Hasl gibbt, gibbt ar ah 's Grasl miet!«
-
- De Liesel, wos sei ältste is (se ward nu achtzah Gahr),
- Die is derpicht (mer sullt's net glaam) uffs Hochzichmachen gar;
- Dr Hansgörg schpricht: Do gibbts noch nischt; kriegst Manner noch
- wieviel, --
- A jedes Tippel kriegt sei Starz, a jede Barn[5] ihrn Stiel! --
-
- Su kännt iech viel noch niedrschreim aus Hansgörgs Lexikun,
- Doch mark iech schuh, 's ward eich zeviel, ihr habt schu sott
- dervun!
- 's is lauter ungehubelts Zeig, -- ja, ja, 's is doch racht schlimm,
- Wenn aner net is gut beschlohn su unn'r de Nose[6] rim!
-
- Th. Krausch.
-
- [1] In der Kleidung.
-
- [2] Floh.
-
- [3] gähnen.
-
- [4] totschlagen.
-
- [5] Birnen.
-
- [6] Nase.
-
-
-15. Der Volkscharakter der Erzgebirger.
-
-Der Erzgebirger ist höflich, gefällig und äußerst genügsam. Gern steht
-er dem Fremden Rede, und im Zwiegespräche sucht er unaufgefordert das
-Beste zur Unterhaltung beizutragen. Von seiner Genügsamkeit zeugen die
-einfache Wohnung und die noch einfachere Kost. Dazu kommt Frohsinn,
-eine ungemeine Verträglichkeit und große Liebe zur Reinlichkeit.
-Im Erzgebirge wird eifrig gesungen und noch eifriger musiziert.
-Klostergrab und Breitenbrunn, Kupferberg und Gottesgab, vor allem
-aber Preßnitz senden Scharen von Musikern hinaus in die Welt. Während
-es anderwärts oft nicht gut thut, wenn zwei Familien in demselben
-Hause wohnen, so hausen im Erzgebirge oft drei bis vier Familien in
-einer Stube, ohne daß man viel von unfriedfertigen Auftritten hört;
-sicherlich ein Beweis, daß die Bewohner sanft und schmiegsam sind.
-Der Sinn für Reinlichkeit tritt dem Fremden ungesucht entgegen. Die
-Gebäude gefallen meist schon durch ihren gut erhaltenen Bewurf und
-Anstrich, und das Innere der Häuser und Hütten erfreut noch mehr durch
-die daselbst herrschende Sauberkeit. Die Zimmerwände sind reinlich
-getüncht, die Dielen weiß gescheuert, die Haus- und Küchengeräte
-blank geputzt! Und wenn der Maßstab Liebigs richtig ist, daß man
-die Kultur von Volksgruppen nach dem von ihnen verbrauchten Quantum
-Seife beurteilen könne, so wird den Erzgebirgern eine bevorzugte
-Stellung einzuräumen sein; denn nirgends wird wohl mehr als bei ihnen
-gewaschen und gescheuert. In der That macht auch der geringe Mann im
-Erzgebirge eher den Eindruck eines verarmten Gebildeten, denn eines
-armen Natursohnes. Fragt man den Erzgebirger selbst, was er für die
-wesentlichste Eigenschaft seiner Landsleute halte, so wird man sicher
-zur Antwort bekommen: »Die Gemütlichkeit!« Ein vieldeutiges Wort,
-worunter man aber im allgemeinen das Streben zu verstehen hat, sich und
-anderen das Leben angenehm zu machen. Im Gebirge wird eben aufmerksam
-beachtet, nicht nur was man sagt und was man thut. Gewandte Personen
-gelten als »manierlich« und erhalten leicht Beifall; eckige Naturen
-werden mit zweifelhaftem Auge, Störenfriede mit Widerwillen betrachtet.
-Durch die genannte »Gemütlichkeit« wird allerdings die Geselligkeit
-erhöht und ein angenehmer Ton im gegenseitigen Umgang geschaffen, doch
-auch die Thatkraft und der Trieb zur Selbsterhaltung abgeschwächt.
-
-Ganz besonders vor dem Niederländer zeichnet sich der Erzgebirger durch
-seine Vorliebe für Tanzvergnügen aus; selbst in den kleinsten Dörfern
-trifft man oft mehrere, ziemlich groß angelegte Tanzsäle an. Diese
-Tanzlust ist vielleicht die Folge sowohl der zum Sitzen zwingenden
-Hausindustrie, als auch der Grundlosigkeit der im Winter verschneiten,
-im Frühjahr und Herbst aber aufgeweichten Wege; der Tanz bietet dann
-oft allein Gelegenheit zu der nötigen Bewegung.
-
-An den alten Resten verschwindenden Volkstums und Volksglaubens hängt
-der Erzgebirger mit wunderbarer Festigkeit; Sagen und Mären, die sonst
-verschwunden sind, haben sich hier erhalten.
-
-In den erzgebirgischen Familien ist die Überlieferung noch lebendig.
-Die alte Ahne im Lehnstuhle, die nicht mehr klöppeln kann, weil ihre
-Finger zittern, erzählt den Kleinen die Wundersagen und die besonderen
-Geschichten des Thals und des Dorfs, und die bleiben lebendig in den
-Herzen und Köpfen und werden von den altgewordenen Hörern weiter
-vererbt.
-
-Hier oben ist noch manches lebendig, das anderwärts schon lange tot
-ist und mit Moder bedeckt. Hier leben in den langen Winterabenden die
-Gestalten der altdeutschen Sagen wieder auf, und leuchtenden Auges
-lauschen die Kleinen den Mären von dem reichen Silberherrn, den der
-Satan geholt, von dem Bergmann, der die Silberstufen gefunden hat, von
-dem grauen Männchen in Schneeberg und dem Schwarzkünstler zu Geyer.
-Die erzgebirgische Tracht ist zwar fast ganz verschwunden, -- nur
-vereinzelt sieht man noch den roten Brustlatz mit blanken Knöpfen,
-öfter noch die schwarzledernen Hosen und den Sammetbartel, -- aber
-mit ihr nicht die eigenartige Sitte des Gebirges. Besonders mächtig
-ist noch die christliche Sitte. Was im Niederlande schon als überlebt
-beiseite geworfen ist, ist in den Bergen noch lebendig. Die christliche
-Sitte ist aber nicht nur Äußerlichkeit, sie ist auch ein Ausdruck des
-christlichen Sinns des Erzgebirges, der sich nicht nur in seinem Thun
-und Treiben, nicht nur in seinem Verhältnisse zur Kirche, sondern
-auch in seinen Sprichwörtern und seinen sprichwörtlichen Redensarten
-kundgiebt. Gemeinsam mit dem Vogtländer ist ihm die sinnige Feier des
-Weihnachtsfestes. Was bei jenem die Krippe, ist bei ihm das Bethlehem,
-eine Darstellung des Weihnachtswunders, oft vom Vater geschnitzt,
-oft auch in den Familien forterbend, um das sich die Familie zum
-Feste sammelt. Die Stelle des Lichterbaumes wird, besonders in den
-Bergwerksgegenden, durch einen Bergmann vertreten, der ein Licht hält,
-oder auch durch einen großen Leuchter.
-
- Nach Prof. Berlet und Prof. ~Dr.~ Oertel.
-
-
-16. Die obererzgebirgische Kirmes.
-
-Kahl stehen die Bäume, öde die Felder, der Herbst ist eingezogen und
-mischt sich bereits mit den Anfängen des Winters. Da naht das Hauptfest
-des Landmanns, die Kirmes. Es setzt schon lange voraus Herzen und
-Hände in Bewegung. Alle wollen am Feste geschmückt erscheinen. Die
-Kinder erbitten von den Eltern, dort ein neues Paar Hosen, hier eine
-neue Jacke. Auch die jungen Leute machen bei dem Dorfschneider ihre
-Bestellungen, der kaum allen Aufträgen genügen kann, und die Botenfrau
-muß den jungen Mädchen bunte, seidene Bänder und andere Schmucksachen
-häufiger als sonst aus der Stadt mitbringen. Auch die Hausfrau hat
-ihre Pläne für das nahende Fest. Lange vorher hat sie schon den Rahm
-gesammelt, um genug Butter zum Kuchenbacken zu haben, und bereitet
-nun Käse, läßt Rosinen, Mandeln, Zucker, Hefen u. s. w. holen, auf
-daß nichts fehle. Die Kuchen sind bereit und wandern zum Bäcker,
-um nach einigen Stunden, fertig und noch rauchend, unter dem Jubel
-der Kinder ihren Einzug wieder in das Haus zu halten. -- Aber noch
-andere Opfer sind nötig. Ein Schwein soll geschlachtet, Sauleed oder
-Krumbeh, Schlachtfest gehalten werden. Der Fleischer ist bestellt,
-der Schlachtzettel besorgt, Gewürz, Wasser und Brennholz sind schon
-am Abend vorher herbeigeschafft. Der späte Herbsttag bricht an, schon
-knistert das Feuer unter dem Wurstkessel: da klingelt die Thüre und
-herein tritt der Fleischer, Brust und Beine bedeckt die weiße, frisch
-gemandelte Schürze. Der breite Ledergürtel unter derselben ist mit
-Perlen oder Silberplättchen verziert, und an der Seite hängt ein Köcher
-mit Messer, Gabel und Wetzstahl. Er verrichtet sein Werk und bald ruht
-das tote Schwein in dem bereitstehenden Troge. Mit Hilfe des heißen
-Wassers und des Schabeisens sind die Borsten entfernt, das Schwein wird
-geteilt und Stücken Fleisch in den brodelnden Kessel geworfen. Endlich
-ertönt der Ruf: »Das Wurstfleisch ist fertig« und alles eilt herbei,
-um an dem leckern Genuß sich zu laben. Das Schwertelfleisch wird an
-die Hausgenossen und Nachbarn verschickt. Nun folgt das Bereiten und
-Kochen der Würste, das Einsalzen des aufzuhebenden Fleisches, ein
-tüchtiges Bratstück ist zur Kirmes ausgesucht und der Abend schließt
-mit dem Verzehren der Wurstsuppe und frischer Wurst, als eine Art
-Vorfeier des immer näher rückenden Festes. Die ärmeren Nachbarn holen
-sich die Wurstbrühe. Nun wird auch das ganze Haus gerüstet, überall
-wäscht und kehrt, scheuert und putzt man. Der Kirmessonntag ist da.
-Beim Aufgange der Sonne weckt das Blasen eines Chorals vom Thurme
-durch die Dorfmusikanten die schlummernden Bewohner. Bald sind alle
-in der Wohnstube beim Kaffeetisch versammelt. Die gute Kaffeekanne
-dampft in der Mitte der Tassen und daneben locken Teller mit Türmen von
-Kuchenstücken. Man thut dem ersehnten Gebäck die möglichste Ehre an,
-und Teller und Kanne sind schnell geleert. Der heutige Gottesdienst
-wird nur spärlich besucht, denn erst am morgenden Tage, am Montag,
-ist der eigentliche Kirchweihtag. Ist er endlich angebrochen und rufen
-die Glocken zur Kirche, so eilen die festlich geschmückten Landleute
-in einzelnen Trupps von allen Seiten nach der lieben Ortskirche,
-deren Weihtag ja heute gefeiert wird. Heute darf die Kirchenmusik
-nicht fehlen. Wieder ertönt Glockenklang und heraus strömt die Menge,
-jeder seiner Wohnung zu. -- Welche Freude giebt es bei der Heimkunft.
-Der Vetter aus der benachbarten Stadt, die Frau Gevatterin aus
-einem entfernten Dorfe und andere geladene Gäste sind eingetroffen.
-Endlich ist der Tisch gedeckt. Auf dem Tischtuch von selbsterbautem
-Flachs prangen Schweine- und Hühnerbraten, daneben die beliebten
-Kartoffelklöße und Sauerkraut, weißes Brot und Bier, vielleicht auch
-eine Flasche Wein. Alles setzt sich. Auch der zitternde Großvater im
-silberweißen Haar rückt seinen altertümlichen Lehnstuhl heran und von
-seinem wirtlichen Sohne gebeten, nimmt er das Sammtkäppchen von dem
-ehrwürdigen Haupte in die gefalteten Hände und spricht das Tischgebet.
-Jeder läßt sich die guten Gerichte wohlschmecken, deren Schluß mächtige
-Kuchenteller bilden. Nach Tische machen die Männer einen Gang ins
-Freie, die Kinder haben ebenfalls draußen ihre Lust, wo auf Wegen und
-Stegen ein fröhliches Leben herrscht. Nur die Frauen bleiben sitzen
-und erzählen sich bei Kuchen und Kaffee die neuesten Geschichten. Die
-rückkehrenden Männer gesellen sich auch zu ihnen und unter Gespräch
-und Genuß vergeht die erste Hälfte des Nachmittags. Später geht man
-wohl in die Schenke, wo der Tanz der jüngeren Leute bereits um 3 Uhr
-begonnen hat. Dort setzt man sich zum Glase Bier, man spielt einen
-Skat, auch Schafkopf oder schaut der unermüdlichen Jugend zu. Um 7 Uhr
-geht man zum Abendessen nach Hause, das von der Hausmutter festlich
-zugerüstet ist. Alt und jung nimmt Platz, die Teller werden gefüllt und
-bald ist alles in reger Arbeit. Ist die Rosinensuppe gegessen, folgt
-Schweinefleisch mit Zwiebelbrühe, oder Schinken mit Sauerkraut, dann
-Karpfen mit Krautsalat, zuletzt wieder Kuchen. An Bier, Branntwein,
-selbst an Wein ist kein Mangel. Nach aufgehobener Tafel bleibt man noch
-eine Weile beisammen sitzen oder man wandert wieder zur Schenke, wo
-nun auch die Verheirateten am Tanz sich beteiligen, bald einen Walzer,
-bald einen Rutscher, einen Dreher u. s. w. verlangend. Spät wird die
-Kirmeslust beschlossen und mit Kuchenpäckchen beladen ziehen die Gäste
-dankend heim. -- Dienstag bildet noch eine Art Nachfeier, bis endlich
-an der Mittwoch Haus und Arbeit allmählich wieder in das ruhigere Gleis
-einlenken. -- Am nächsten Sonntag verhallen in der Klein-Kirmes die
-letzten Klänge und Freuden des Festes: nur die Erinnerung tröstet noch
-und die Hoffnung, daß nächstes Jahr wieder Kirmes ist.
-
- Nach Spieß.
-
-
-17. Weihnachten im Obererzgebirge.
-
-Unter allen Festen des Jahres nimmt im Gebirge unstreitig das
-Weihnachtsfest die erste Stelle ein. Bereits einige Tage vor dem
-heiligen Abend reinigt die Hausfrau mit ihren Töchtern das ganze
-Haus, putzt Fenster und Gefäße und fegt die Stube. Auf die Dielen der
-Wohnstube streut sie Stroh, welches auch, so lange die Zwölfnächte
-dauern, liegen bleibt. Der heilige Abend gilt schon als halber
-Feiertag. Erwachsene und Kinder haben ihr Sonntagskleid angelegt.
-Aus der Kammer oder aus dem Keller werden die am Andreasabend
-gebrochenen Reiser geholt, sie haben in der kurzen Zeit Schößlinge
-getrieben. Kaum ist die Sonne zur Rüste gegangen, so vereinigen sich
-die Familienglieder zum frohen Mahl, denn heute giebt es »Neunerlei«.
-Die sonst so sparsame Hausfrau hat den Ihrigen Klöße, Bratwurst
-und Linsen, Sauerkraut, Heidelbeeren und sonstige erzgebirgische
-Feiertagsspeisen, sodaß sie neun Gerichte bilden, aufgetischt. Nach
-dem Essen bestreut der Hausvater einige Brotschnitten mit Salz und
-Nußkernen und giebt sie dem Vieh im Stalle, auch dieses soll wissen,
-daß heute Weihnachten ist. Auch die Obstbäume im Garten beschenkt
-er am Christabend, indem er sie mit einem Strohseile umwindet, aus
-Dankbarkeit tragen sie im kommenden Jahre besser. Brot und Salz bleibt
-im Tischtuche eingeschlagen auf dem Speisetisch während der Nacht
-liegen, denn nur dann geht das ganze Jahr hindurch der Segen nicht
-aus. Viele verbringen die Christnacht wachend, um, wie sie sagen, die
-Metten nicht zu verschlafen. Das junge Volk vertreibt sich die Zeit
-durch allerhand Kurzweil. In ein mit Wasser gefülltes Gefäß gießen
-die Mädchen durch einen Erbschlüssel flüssiges Blei, aus der Form
-des plötzlich erstarrten Tropfens suchen sie die Beschäftigung des
-zukünftigen Bräutigams zu erraten. Drei Silberpfennige läßt man in
-einer mit Wasser gefüllten Schüssel schwimmen, nähern sie sich, so
-findet noch im Laufe des Jahres Hochzeit statt, wozu der Pfarrer,
-welchen der dritte Pfennig darstellt, seinen Segen giebt. Ein
-Auseinanderschwimmen bedeutet die Lösung der angeknüpften Liebschaft.
-Die Zwölfzahl, nach den zwölf Monaten, ist bedeutungsvoll bei all
-diesen abergläubischen Gebräuchen. Zwölf Schüsseln stellt man auf den
-Tisch, worin in der einen ein Brautkranz, in der andern ein Totenkranz,
-in der dritten ein Gevattersträußchen u. s. w. liegt, in die vorletzte
-aber hat man helles und in die letzte trübes Wasser gegossen. Mit
-verbundenen Augen nahet sich die fragende Person; je nach dem Wasser,
-wonach dieselbe greift, wird das Jahr trüb oder heiter für sie
-sein, wehe, wenn sie nach der Schüssel mit dem Totenkranze die Hand
-ausstreckte! Zwölf Häufchen Salz formt der Landmann in der Christnacht
-und stellt sie in Zwiebelschalen; nach der Feuchtigkeit, welche sie in
-der Nacht angezogen haben, läßt sich bestimmen, welcher Monat trocken
-oder feucht sein wird. Sind mehrere Töchter im Hause, so nimmt eine
-nach der andern einen Schuh und wirft ihn nach der Thür; zeigt er mit
-der Spitze nach dem Ausgange, so verläßt das Mädchen im Laufe des
-kommenden Jahres das väterliche Haus.
-
-Man achte auf die durch das Kochen des Wassers im Ofentopf entstandene
-Musik, sie prophezeit das kommende Jahr. Um Mitternacht aber,
-so lange die Turmuhr die zwölfte Stunde verkündet, spendet das
-Brunnenrohr draußen im Hofe lautren Wein! Verschiedene Mitglieder
-der Kantoreibrüderschaft steigen nach Mitternacht die steilen Stufen
-im alten Wachtturme bis zur Türmerwohnung empor und singen da
-Weihnachtslieder. Durch die offenen Fenster schallt der Choral: »Vom
-Himmel hoch, da komm' ich her etc.« in die schweigende Winternacht
-hinaus. Noch ist das Licht der Sterne nicht erblichen, da rufen die
-Kirchenglocken zur Christmette. Reich und arm, groß und klein geht zum
-Gotteshaus, wohl das ganze Jahr hindurch sieht dasselbe selten eine so
-zahlreiche Menge Andächtiger, als an diesem Morgen. Vom Chore herab
-ertönt das alte lateinische Weihnachtslied, das in der Übersetzung
-lautet:
-
- Den die Hirten lobten sehre,
- und die Engel noch viel mehre,
- fürcht euch fürbaß nimmermehre,
- euch ist geboren der König der Ehre.
-
- Zu dem Kön'ge kam'n geritten,
- Gold, Weihrauch, Myrrhen brachten sie mite,
- sie fielen nieder auf ihre Knie,
- gelobt seist du, Herr, allhie!
-
- Freut euch alle mit Maria
- in des Himmels Hierarchia,
- da die Engel singen alle,
- In dem höchsten Thron mit Schalle.
-
- Lobet alle Leut' zugleiche
- Gottes Sohn vom Himmelreiche,
- uns zu Trost ist er geboren,
- Lob und Ehr' sei Gott dem Herrn!
-
-Auch die Weissagung aus dem Propheten Jesaias, welche im 9. Kapitel
-steht und mit den Worten anhebt: »Das Volk, so im Finstern wandelt,
-sieht ein großes Licht etc.« wird gesungen. Ein jeder Kirchgänger hat
-sein eigenes Mettenlicht mitgebracht, der Lichtstumpf wird später
-daheim heilig aufbewahrt, denn zündet man denselben während eines
-Gewitters an, so schlägt der Blitz nicht ein, so behauptet wenigstens
-der Aberglaube. Die letzten Klänge der Orgel sind kaum verklungen,
-so eilt schon die frohe Kinderschar den elterlichen Wohnungen zu, in
-ihrer Abwesenheit hat ja das Christkind seine Gaben ausgebreitet.
-Der Leuchter, welcher auch in der ärmsten Hütte nicht fehlt, ist
-angezündet, die Pyramide dreht sich, der »Berg« strahlt im hellsten
-Kerzenlicht. Der Berg ist ein in der Stubenecke terrassenförmig
-aufgebauter Paradiesgarten mit Hirsch und Jäger, mit Stall und Krippe,
-mit Engel und Stern, kurz mit allem, was der Vater in den langen
-Winterabenden für seine Lieblinge zusammenbaute. Heller jedoch als die
-Lichtlein strahlen die Augen der beglückten Kleinen.
-
-Die Christnacht ist die erste Nacht der Zwölfnächte. Da muß man
-auf die Träume achten, da sie in Erfüllung gehen. Die Zwölfnächte
-werden im Erzgebirge auch wohl Innert- oder Internächte genannt, also
-Zwischennächte, da sie zwischen dem heiligen Abend vor der Christnacht
-und demjenigen vom Hohenneujahrstage liegen.
-
-In Geyer knüpft sich an den Mettenbesuch folgende Sage: Ein altes
-Mütterchen, welches von Kindheit an gewöhnt war, die Christmetten zu
-besuchen, legte sich nicht schlafen, damit sie den Ruf der Glocken
-nicht überhöre. Die Wanduhr war stehen geblieben, da schien es ihr, als
-riefen die Glocken zur Kirche. Rasch macht sie sich zum Kirchgange auf,
-die großen Bogenfenster der Kirche waren auch schon hell erleuchtet.
-Wie früher hatte ein jeder Kirchgänger sein Mettenlicht angezündet, die
-Weissagung wurde gesungen, so auch das ~Quem pastores~. Nur däuchte
-es ihr, als ob die Andächtigen bleicher als sonst aussähen und als
-sie näher hinschaute, waren es lauter Verstorbene. Eine Nachbarin
-zupfte sie am Kleid und wisperte ihr ins Ohr: »Gevatterin, Ihr seid
-zu früh und deshalb in die Totenmetten gekommen, dort seht Ihr die
-Schattenbilder derer, die in dem kommenden Jahre die unseren werden.
-Damit Ihr nicht auch dazu kommt, so werft beim Verlassen der Kirche
-Euern Mantel ab.« Erschreckt verließ das Mütterchen die Kirche, that
-aber, wie ihr die Gevatterin geheißen. Am andern Morgen fanden die
-Kirchgänger auf jedem Grabe des Friedhofes, welcher die Kirche umgiebt,
-ein Stückchen von dem Mantel, den die alte Frau beim Besuch der
-Totenmetten getragen hatte.
-
- Nach Spieß.
-
-
-18. Die Weihnachtsspiele im Obererzgebirge.
-
-Weihnachtsspiele gab es noch in den beiden ersten Jahrzehnten unseres
-Jahrhunderts im Erzgebirge und in dessen Nähe allenthalben, vorzüglich
-aber waren sie da heimisch, wo Bergbau getrieben wird, und Bergleute
-waren auch meist die Darsteller. Es gab zwei verschiedene Arten von
-Christspielen, die Engelschar und die Königschar. Eigentlich hießen
-so die Gesellschaften, welche sich gebildet hatten, um die Geburt
-Christi darzustellen, aber man bezeichnete die Spiele selbst auch mit
-diesem Namen. Die Engelschar bildeten zwei Engel in weißen Kleidern,
-mit Flügeln und hohen goldpapiernen Kronen; dann der heilige Christ
-selbst, der hier seltsamer Weise in Mannesgestalt auftritt, während die
-Geschichte von seiner Geburt aufgeführt wird, der Bischof Martin und
-der heilige Nikolaus, statt dessen an andern Orten Petrus auftrat,
-welche ebenfalls in langen, weißen Gewändern gingen und Kronen trugen,
-während Christus das Zepter, Martin eine Rute, Nikolaus einen grünen
-Zweig, Petrus einen großen, gelben Schlüssel in der Hand hielt; ferner
-Josef, Maria, der Wirt, zwei Hirten und der Knecht Ruprecht. Diese
-zogen von Haus zu Haus. Der heilige Christ fragte nach dem Fleiß und
-der Folgsamkeit der Kinder, Martin mußte sie im Katechismus prüfen
-und Gebete aufsagen lassen, Ruprecht schreckte die Ungehorsamen durch
-seine Drohungen, der heilige Christ aber beschenkte die Artigen; dann
-wurden die Geburt Christi im Stalle zu Bethlehem, die Verkündigung
-an die Hirten auf dem Felde und die Anbetung der Hirten im Stalle
-dargestellt und an passenden Stellen Weihnachtslieder gesungen; zuletzt
-verabschiedete sich Christus und die ganze Schar mit einer Ermahnung an
-die Kinder.
-
-Diese Art der Weihnachtsspiele ist wahrscheinlich die älteste. Als
-unsere Vorfahren noch Heiden waren, so glaubten sie, daß in den zwölf
-Nächten nach dem heidnischen Feste der Wintersonnenwende die Götter
-sichtbar auf Erden herumzögen, und viele der noch heute üblichen
-Weihnachtsgebräuche deuten noch auf diesen Glauben hin; selbst die zu
-Weihnachten und zum neuen Jahre in manchen Gegenden vorgeschriebenen
-Speisen sollen ursprünglich Opfermahlzeiten gewesen sein. Es ist
-leicht möglich, daß in dieser Zeit die heidnischen Priester als Götter
-verkleidet umherzogen, um das Volk oder wenigstens die Kinder in
-Ehrfurcht vor den Göttern zu erhalten. Als aber die Deutschen Christen
-wurden, behielt man die alte Sitte bei, nur traten an die Stelle der
-alten Götter Christus, Maria und andere heilige Personen; nur der
-Ruprecht, dessen Name »der Ruhmesprächtige« bedeutet und der eigentlich
-der Gott Thor der alten Deutschen gewesen sein soll, der Gott des
-Donners, blieb noch bei der Schar, aber nicht als Gott, sondern als
-schreckende Knechtsgestalt, wie wir ja wissen, daß die Geistlichen,
-da sie die Furcht vor den alten Göttern nicht ausrotten konnten, sie
-wenigstens als böse oder finstere Mächte darstellten. Bemerkenswert ist
-auch der Umstand, daß die Engelschar, wie die Leute sich ausdrücken,
-»das Recht zu gehen«, d. h. herumzuziehen, vom ersten Advent bis zum
-Neujahr oder Hohenneujahr hatte; vom Hohenneujahr bis zur Lichtmeß
-hielt dann die Königschar ihre Umzüge. Diese bestand aus zwei Engeln,
-Josef, Maria, dem Wirt, zwei oder drei Hirten, den drei Weisen
-oder Königen aus dem Morgenlande, Herodes, seinem Diener und einem
-Schriftgelehrten und führte die ganze Geschichte von der Geburt Christi
-bis zum Kindermord in Bethlehem auf, und zwar in der Regel nicht von
-Haus zu Haus ziehend, sondern in einem größeren Zimmer oder Saal, wo
-die Zuschauer sich vorher versammelt hatten. An einigen Orten kennt man
-die Engelschar gar nicht, man nennt dann die Spieler auch nicht die
-Königschar, sondern die Heiligenchristspieler.
-
-Das Obererzgebirge war früher der eigentliche Mittelpunkt der
-Weihnachtsspiele. In Annaberg gab es selbst eine Gesellschaft, meist
-aber kamen die Gesellschaften der umliegenden Ortschaften, die in der
-Stadt ihre Christspiele aufführten. In der Umgegend von Annaberg giebt
-es fast keinen Ort, der nicht früher seine Engel- oder Königschar oder
-beide zugleich hatte. Noch in den 50er Jahren bestand eine Königschar
-in Frohnau. 1838 wurde dieselbe das letzte Mal in Wiesa aufgeführt. In
-+Hermannsdorf+ hat die Engelschar am Anfange dieses Jahrhunderts ihr
-letzte Weihnachtsspiel aufgeführt. 1850 spielte man in Königswalde das
-letzte Mal. In +Raschau+ gab es noch 1850 das Dreikönigsspiel; ebenso
-in Grünhain und Crottendorf. In Geyer spielte die Engelschar etwa 1810
-zum letzten Male. In Grumbach spielte man noch 1836--40. In den 40er
-Jahren bestand die Bärensteiner Engelschar noch. Die allerjüngste
-Aufführung der Engelschar geschah 1857 in Mildenau. -- In neuester Zeit
-sind mehrfach Weihnachtsspiele veröffentlicht und mit Erfolg aufgeführt
-worden.
-
- Nach Mosen.
-
-
-19. Erzgebirgische Heilige Christfahrt aus der Zeit des 30jährigen
-Krieges.
-
-Die älteste Form des erzgebirgischen Weihnachtsspieles waren die
-einfachen Hirtenspiele, welche die Verkündigung der Geburt Christi
-auf dem Felde und die Anbetung des Christkindes durch die Hirten
-behandelten. Hierzu kamen dann die »Heilige Christfahrten« und die
-»Drei Königsspiele«. Aus der Verbindung der »Heiligen Christfahrt« mit
-dem altüblichen Hirtenspiele ging die »Engelschar«, aus der Verbindung
-des »Drei Königsspiels« mit demselben die »Königsschar« hervor. Während
-»Engelscharen« und »Königsschar« vielfach erhalten sind, finden sich
-»Heilige Christfahrten« nur selten.
-
-
-Eine Komödia, welche am heiligen Weihnachtsabend die Lengenfelder
-Jugend aufführt.
-
-1631
-
-+Personen+:
-
- Gabriel.
- Der Heiland.
- Nikolaus.
- Raphael.
- Uriel.
- Michael.
-
-+Der Engel Gabriel.+
-
- Fried, Freud und ewig Seligkeit
- Sei euch allen von Gott bereit,
- Auch ein glückselig neues Jahr
- Geb euch Gott und immerdar!
- Weil heut zu dieser Abendzeit
- Die ganze werte Christenheit
- Sich freuen thut des heil'gen Christ,
- Der jetzt gar noch vorhanden ist,
- Insonderheit die Kinderlein
- An diesem Abend die frömmsten sein,
- Indem sie nach den schönen Gaben
- Ein herzliches Verlangen haben,
- So hat mich das Christkindelein
- Jetzt selbst zu euch gesandt herein,
- Daß ich euch seine Gegenwart
- Anzeigen soll zu dieser Fahrt,
- Und ihm bereite seinen Thron,
- Darauf sich setz der Gottessohn.
- Darum, ihr lieben Kinderlein,
- Seid still, merkt auf und lernet fein
- Alles, was euch der heil'ge Christ
- Befehlen wird zu dieser Frist.
-
- Hierauf klopft ein anderer Engel oder auch statt des Engels ein
- Bauer draußen an die Thür und spricht:
-
- Glück denen, die darinnen sein,
- Macht auf, macht auf und laßt uns ein!
-
- Dann tritt der Heiland ein, dem der Engel Michael vorangeht.
-
-+Der Heiland.+
-
- Eine kurze Zeit verlaufen ist,
- Daß ich, genannt der heil'ge Christ,
- Mein' treuen Diener in alle Land
- Nicolaum hab' ausgesandt,
- Daß er zum Gebet und Frömmigkeit
- Die kindlich Jugend mach bereit.
- Weil aber die Zeit vorhanden ist,
- In welcher beschert der heil'ge Christ,
- So bin ich selber kommen rein,
- Zu sehen, ob die Kinderlein
- Gelebt han nach mein' Gebot,
- Ob sie auch treulich gefürchtet Gott,
- Ob sie auch meinen Namen geehrt
- Und fleißig Gottes Wort gehört,
- Ob sie Vater und Mutter fein
- Gehorcht und gehorsam gewest sein.
- Darum, ihr Eltern, so saget an,
- Wie sich die Kinder gehalten han.
-
- Beklagen sich die Eltern über ihre Kinder, so spricht der
- Heiland:
-
- Der Eltern kläglicher Bericht
- Erfreut mich itzund wahrlich nicht.
- Darum ich billig Ursach hab,
- Diesen Kindern durchaus keine Gab
- Zu geben. Drum nehmt, ihr Diener mein,
- Die Gaben, so ihr bracht herein.
- Ich weiß noch frömmer Kinderlein,
- Da woll'n wir jetzund kehren ein
- Und ihnen geben die schönen Gaben,
- Die sie gar wohl verdienet haben.
-
- Beklagen sie sich aber nicht, so hebt Uriel an zu klagen:
-
- Ja, lieben Eltern, es wäre fein,
- Wenn eure lieben Kinderlein
- Sich so verhielten, wie ihr bericht,
- Mein Mund aber ein andres spricht.
- Als ich und der vor wenig Tagen
- Vor diesem Haus vorüber zogen,
- War ein groß Geschrei und großer Saus
- Von euern Kindern in euerm Haus.
- Sie schrien und blökten so schrecklich,
- Daß wir beide entsetzten sich.
- Solchs ich nun nicht verschweigen kann,
- Sondern dem heil'gen Christ zeigen an.
-
-+Darauf der Heiland+:
-
- Meines Knechts kläglicher Bericht
- Erfreut mich itzund wahrlich nicht
- u. s. w. (wie oben).
-
- Nikolaus tritt für die Kinder ein und spricht:
-
- O frommer Christe, Gottes Sohn,
- Der armen Kindlein doch verschon.
- Siehe doch, wie ihre Äugelein
- Und Mündlein auf dich gerichtet sein.
- Ach sieh, wie stehen sie so traurig,
- Ach sollt es nicht erbarmen dich,
- Bist du doch sonst gütig und milde,
- Freundlich und rechter Lieb ein Bilde,
- Insonderheit den Kindelein
- Pflegst du hold und gewogen sein,
- Sie sein unverständig und klein,
- Wissen noch nicht, was recht mag sein.
- Drum laß dein Zorn bald vergehen
- Und bleib allhier bei ihnen stehen.
- Thu anhören die Kinderlein!
- Vielleicht sie frömmer werden sein.
-
-+Der Heiland.+
-
- Nikolaus, du treuer Knecht,
- Du erinnerst mich jetzund recht,
- Drum geh jetzt hin und stell vor dich
- Die Kinderlein fein ordentlich.
-
-+Nikolaus.+
-
- Das der heil'ge Christ befohl'n allzeit
- Treulich zu thun bin ich bereit.
- Darum, ihr lieben Kinderlein,
- Stellt euch hier in die Ordnung fein
- Und thut hersagen, was ihr habt
- Gelernt nach meinem Mandat.
-
-+Der Heiland.+
-
- Für mich dürft ihr euch fürchten nicht,
- Euch guts zu thun bin ich verpflicht.
- Mein Nam' ist Gott, mein Thun ist gut,
- Mein Feind ist der, so Schaden thut.
- Ich hab mit mir viel schöner Gaben
- Für Mägdlein und für junge Knaben,
- Welche ich denen thu geben,
- Die schön und hübsch können beten.
- Drum kommt, ihr lieben Kinderlein,
- Heran zu mir und betet fein!
-
- Nachdem die Kinder ihre Gebete hergesagt, spricht der Heiland:
-
- Das gefällt mir aus der Maßen wohl,
- Drum ich euch billig lohnen soll.
- Wohlan, Nikolaus, Diener mein,
- Teil aus die Gaben den Kinderlein!
-
-+Nikolaus.+
-
- Es soll geschehen, drum nehmet jetzt
- Die Gaben, die der heil'ge Christ
- Jetzt geben thut euch Kinderlein,
- Dieweil ihr noch könnt beten fein.
-
-+Der Heiland.+
-
- Ihr Kinderlein, nehmt so vor gut
- Und habt damit ein' guten Mut.
- Wenn ihr hinfort werd't frömmer sein,
- So will ich thun den Dienern mein
- Befehl'n, daß sie euch viel mehr
- Gaben heut diese Nacht bescher'n.
- Ich will euch auch geben allzeit
- Langes Leben und gute Gesundheit.
- Desgleichen all mein Engelein
- Soll'n euer Hüter und Wächter sein.
- Wohlauf, ihr Diener, allzumal
- Singt und lobt Gott mit Freudenschall.
-
- Dann singt man ein Lied und Michael sagt zum Schluß:
-
- Hiermit von hinnen scheiden wir
- Und wünsche, daß mögt erleben ihr
- In Fried und guter Gesundheit
- Das künftig Jahr und allezeit.
- Darzu auch denn der Engel Schar
- Wünscht ein glückselig neues Jahr.
- Ihr Kindlein habt ein gute Nacht,
- Was ihr gehört, fleißig betracht.
- Der Segen Gottes sei mit euch,
- Zu teil werd euch das Himmelreich.
- Guter Fried sei stets in dem Haus
- Allen, die gehen ein und aus!
-
- Nach den Kirchl. Mitteilungen aus Zwickau und Umgegend.
-
-
-20. Erzgebirgische Weihnachtslieder.
-
-
-~a.~ Dr Weihnachts-Heiligohmd.
-
- Heit is dr Heil'ge Ohmd! Ihr Maad,
- Kommt rei! mr gießn Blei!
- Rick', laaf geschwind zor Hanne-Christ:
- Se soll bei Zeitn rei!
-
- Mr hoom ne Lächter a'gebrannt!
- Satt nauf, ihr Maad! die Pracht!
- Do drihm bei eich is a racht fei:
- Ihr hatt ä Sau geschlacht!
-
- Iech ho mr ah ä Licht gekaaft
- Fer zwee-ä-zwanzig Pfeng.
- Gih, Hanne, hul' ä Tippl rei:
- Mei Lächter is ze eng!
-
- Kaar! zind ä Weihrauchkerzl a',
- Doß 's nooch Weihnachten riecht!
- Und stell's neer off dos Scherbel hie,
- Dos unnern Uf'n liegt!
-
- Lott'! dortn off der Hühnersteig,
- Do liegt menn Lob sei Blei:
- Na, rafl neer net su dort rim,
- Sist werd dr Krienerts schei!
-
- Denn 's Mannvolk hot sei Fraad an wos,
- Sei's ah an wos neer will:
- Mei Voter hot's an Vuglstelln,
- Dr Kaar, dar hot's an Spiel.
-
- Iech gieß fei erscht! ... Wann krieg iech dä?
- Satt har! ... enn Zwacknschmied! ...
- De Kaarlin' lacht: -- die denkt gewieß,
- Iech meen ihrn Richter-Fried!
-
- Mr hoom ah sachzn Butterstolln
- Su lank wie de Ufnbank:
- Ihr Maad, do werd gefrassn warn!
- Mr warn noch alle krank!
-
- Mr hoom ah Neinerleer gekocht!
- Ah Worscht mit Sauerkraut!
- Mei Mutter hot sich o'geplogt,
- Die ale gute Haut!
-
- Rick'! brock de Sammlmillich ei!
- Nasch ober net drvu!
- Ihr Gunge, werft känn Respl ro'
- In's Heilig-Ohm'nd-Struh!
-
- War giht dä iber'n Schwammetopp?!
- Nu Henner! ruhst de net?
- Nu wart neer: wenn dr Voter kimmt,
- Mußt warlich glei ze Bett!
-
- Nä horcht neer mol in Uf'ntopp
- Dos Rumpln und dos Geing!
- Na, weil es neer net winsln thut!
- -- Denn sist bedätt's noch Leing.
-
- Ne Heiling Ohmd im Mitternacht,
- Do läfft statt Wasser Wei.
- Wenn iech mich neer net färchtn thät,
- Iech hult' enn Topp voll rei.
-
- Denn drihm an Nachbersch Wassertrug,
- Do stiht ä grußer Ma',
- Und war net rachte Tatzn hot,
- Dann läßt er gar net na'!
-
- Lob'! hul' drweil benn Hanne-Lieb
- Ne Votr ä Kannl Bier!
- Und wenn de kimmst, do singe mr:
- »Ich freue mich in dir --«.
-
- Ihr Kinner, gitt in's Bett nu nauf:
- Dr Seeger zeigt schu Ees.
- Epp mir Weihnachtn widr erlaam? ...
- -- wie Gott will, su gescheh's!
-
-
-~b.~ Ä annersch Weihnachtslied.
-
-('n Hannerl sei Liedl.)
-
- Schwenzelenz! heit bie iech fruh!
- 's wor mr lange Zeit net su!
- Will heit Teewes machn!
- Kinner, iech ho Gald wie Hei,
- 's känne lächt zwee Tholer sei:
- Ja, drim ka' iech lachn!
-
- Satt dos Heiligohmd-Licht a'!
- 's sei fei ruthe Bliemle dra'
- Und ä klaans Gesprichl!
- Ho zwee Grosch drfür bezohlt,
- Salwer 's su schie a'gemolt
- Wie ä Taffet-Tichl!
-
- Fix! ne Krunelächter ro',
- Dann iech zammgebitzlt ho
- Und vergoldt su machtig!
- Satt die golding Engele!
- Zwischen Sträuchle wackeln se!
- A! dos sieht su prachtig! --
-
- Su! nu is er a'gezündt:
- Ei wie schie dr Lächter brinnt!
- 's kloppt mrsch Harz vor Fraadn!
- Ach, die Schwarzbeer-Sträuchle sei,
- A'gesah bei Licht, su fei!
- Thunne racht schie klaadn!
-
- Söll de ganze Sach wos taang,
- Müssmr ah ä Pfeifl raang:
- Drim will iech aans stoppn!
- Do -- dr Kopp von Porzelie:
- Is dar epper net racht schie?
- Muß ne erscht auskloppn.
-
- Noochert will iech hutzn gih.
- Heit beschert ne Kinnern schie!
- 's is ju heit Bornkinnl!
- Komme ah de Maadle nooch!
- Bie dann Grethn gut mei Tog:
- 's is ä lus's Gesinnl!
-
- Bie ä led'ger Boss und ho
- Nooch enn Schatz ball dort, ball do
- Schu gestrabt von Harzn: --
- Ober dos is wunnerlich!
- Kaane thut, als will se mich!
- -- na, iech ka's vrschmarzn! --
-
- Gute Nacht drweil, ihr Leit!
- Weckt miech morng ze rachter Zeit!
- Morng giht's in de Mettn!
- Wemmer su de halbe Nacht
- Hot fei lustig zugebracht,
- Kreicht mr in de Bettn.
-
-
-21. Michel's Erzählung vom Annaberger Vogelschießen.
-
- Doletzt wor iech in Annebarg,
- (Gevatter, losst Eich grißn!)
- Do ho iech's Maul weit aufgesperrt:
- Do war ä Vuglschießn!
- Wos mr fer Zeich in Stedn macht! ...
- Ze Schanden ho iech miech gelacht.
-
- Frih Morngs, wie de Sonn aufgieng,
- Do fieng ah a' dr Rummel:
- Zwee Grenadierer ranntn rim
- Off'n Gassn mit dr Trummel;
- Die schlu'ng ganz drbarmlich drauf
- Und wecktn do de Herr'n auf.
-
- Nu mochtn welche drunner sei,
- Die's gar verschlofn hattn:
- Drim pumpertn se nochmol nei,
- Und dos off all'n Gassn.
- Nooch liefn d'Herrn in's Rothaus nei;
- Kä Fraa war oder net drbei.
-
- Do brachtn se enn Ma' gefihrt
- (Dacht', 's wär ä armer Sinder --),
- Dann hattn se schie ausgeziert,
- Glaabt mir'sch, ihr Harznskinder!
- Ne ganzn Rock mit Blach behängt! ...
- Möcht wissn, war setts Zeich drdenkt! --
-
- Nu liefn alle Leit drzu
- Und freetn sich net wenig.
- Dar Ma' sooch schwarz und gar net fruh:
- Se sahtn, 's wär dr »König«!
- Iech wollt eich schwörn bei meiner Seel:
- Dar Kienig hält sist Knöppln feel.
-
- Dann fihrtn se de Gassn nauf
- Mit Pfeifn und mit Trummeln
- Un alt und gung lief ah vurauf ...
- Dos war ä Lärm un Tummeln!
- Ä Ma' ä Stangl hot imwundn
- Und ene Schärz schie na'gebundn.
-
- Und vornewack do gieng ä Ma',
- Dar trug enn hölzern Vugl;
- Off'n Schießhaus trof mr noch enn a':
- Dar sooch eich erscht racht nubel!
- Dar war, su wahr dr Himmel labt,
- Mit Gold un Silber ganz beklabt!
-
- Iech meent': se würn dann Vugl wuhl
- Dann gnading Kienig schenken;
- Da wür ne noochert in de Kerch
- Neihänge zon A'denkn ...
- Do oder wur eich gar nischt draus:
- Se spießt'ne off ne Stang uhm naus.
-
- Nu dacht' iech oder ganz gewieß:
- Neer deshalb wär'sch geschah,
- Doß alle Leit racht u'schennirt
- Dann Vugl könntn sah.
- Denn weil dos Dink viel Arwett kust,
- Sääch jeder dodra seine Lust.
-
- Doch -- denkt eich neer dos Kinnerspiel:
- Se hattn gruße Bügel!
- Do schnelltn se gar grasslich viel
- Nauf kläne, gruße Prügel!
- Korzrim: es wurn Kopp, Flügel, Schwanz
- In ener Stund gottgar zmoranzt!
-
- Nu sogt mr neer! ... die tolle Walt! ...
- Ä setts Dink ze zerschmeißn! ...
- -- Ä Voter, dar off Ordning hält,
- Läßt Kinnern nischt zerreißn:
- De Altn wolln gescheidter sei?! ...
- Und schmeißn gar mit Prügeln drei?! ...
-
- Nu sooch iech eich zon Stadt-Thur raus
- Viel gruße Weibsn kumme.
- Iech dacht: »Wenn die dann Vugl sah ...
- Do warn se tichtig brumme!«
- Zerbricht mol Unner-eens enn Topp,
- Do zankt de Fraa: »Du Duselkopp!«
-
- Doch käne, käne saht ä Wort!
- Se hattn neer Vergnieng! ...
- War eich ä Stick von Vugl hatt,
- Dar gieng und ließ sich's wieng.
- De Weibsn schossn mit enn Ding
- Von Eisn, dos an Schnür'l hing.
-
- Aus ener Bud do bliesn raus
- Ä dutznd Mussegantn;
- Grod-rüber stahnd ä Leimet-Haus
- Fer Kienigs A'verwandtn.
- Do gienge gar viel Weiber nei: --
- Sölln Die dä alle seine sei? ...
-
- De Aa'ng hattn nu genunk,
- Doch net es Maul, dr Moong;
- Denn alles, wos mr ooß und trunk,
- Hatt' schrackich aufgeschloong!
- Von Frassn gob's de schwere Meng,
- ... Neer fahlet'n mr aam de Pfeng!
-
- Wos wetter sich noch zugetroong? ...
- Wess net! -- mir wursch ze lang!
- Miech that dr Dorscht und Hunger ploong,
- Drim bie iech ball gegang.
- Dos wußt iech nu: -- Trotz teiern Brud
- Hot's doch in Annebarg kä Nut!
-
- J. G. Grund.
-
-
-22. Dos arzgebergische Mädl.
-
- Iech bi a gebergsch Mädl,
- Bi frumm un bi ah gut
- Und dreh zun Klippeln mei Fädl,
- :/: So arm iech bi, ho iech doch Muth. :/:
-
- Ho Ardeppln of men Tischl,
- Ka Schminkel Buttr drbei
- Un bi gesund wie a Fischl
- :/: Un trog ah kän Dokt'r wos ei. :/:
-
- Un ka iech net huchgelehrt redn
- Su wie's in Kerngbuch stieht,
- Su ka ich doch singe un batn
- :/: Un ah monch gebergsch Lied. :/:
-
- S' Karschettl, es Tichl, es Schärzl
- Is olles neiwaschn un schie',
- De schwäbischn Aermln an Leiwl,
- :/: Die ho iech gemanglt heit frieh. :/:
-
- N' Sunntig do thu iech mich putzn,
- No her iech de Predig mit oh,
- Nooch gieh iech zun Schwasterle hutzn,
- :/: Do sanne mer enannr när ah. :/:
-
- Wenn ohm'sd nooch häm werd gange,
- Sieht Schatzl mich sehnetlich oh,
- Un frogt mich: he host ke Verlange,
- :/: He, Schatzel, he brauchste kän Mo? :/:
-
- Wos latschte, wos patzschte mer wiedr,
- Mach mir ner kän Meerettig noh,
- De brauchst mich doch net erst ze froong,
- De sist marsch an Aange schieh oh.
-
-
-23. Erzgebirger beim ersten sächsischen Volkstrachtenfest.
-
-An dem Festzuge des ersten sächsischen Volkstrachtenfestes am 5. Juli
-1896 in Dresden haben auch die Erzgebirger sich beteiligt und manche
-ihnen noch eigentümliche Tracht aufgewiesen. Die erste Abteilung
-des erzgebirgischen Zuges bildeten die Bergleute, und zwar zunächst
-die Farbenwerk- und Hüttenleute mit Zimmerlingen und Maurern mit
-Musikkorps, sodann die Gruppe aus den Blaufarbwerken in Oberschlema und
-Pfannenstiel. Der Gruppe aus dem Kupferhammer »Grünthal« folgte die
-Gruppe der Kohlenbergleute. Dem Bergmannszug schlossen sich noch Bauern
-und Hausierer aus dem Erzgebirge an. Hierzu gehörten Löffelhändler aus
-Beyerfeld, Spielwarenhändler aus Grünhainichen und Kastenleute aus
-Jöhstadt. Den Schluß des Zuges bildete ein vollständig ausgerüsteter
-erzgebirgischer Lastwagen, der vom Fuhrwerksbesitzer Israel in Löbtau
-gestellt wurde.
-
-
-24. Der Streittag.
-
-Streiten ist an sich keine löbliche Eigenschaft, und am allerwenigsten
-scheint ein sittlicher Grund vorzuliegen, die Erinnerung an einen
-Streit in einem alljährlich wiederkehrenden, festlich begangenen Tage
-festzuhalten und auf die kommenden Geschlechter zu vererben. Und doch
-haben unsere biederen sächsischen Bergleute dies Ungeheuerliche fertig
-gebracht und sie feiern alljährlich ihren »Streittag« als einziges
-und höchstes Bergfest, im Schneeberger Bergrevier und auch wohl in
-anderen am Tage Maria Magdalena, den 22. Juli. Die Grundlage dieses
-Festes bildet das gewiß begreifliche Verlangen der geplagten Bergleute,
-wenigstens an einem Tage im Jahre von ihrer saueren Arbeit »tief
-unter der Erd'« ausruhen zu dürfen. Denn im Dienste der Sicherheit
-und Regelmäßigkeit des Betriebes giebt es bekanntlich im Bergbau
-keine eigentliche »Sonntagsruhe«, sondern unablässig arbeitet im
-Schachte das sogenannte »Kunstgezeug« weiter, wie das von dem auf der
-Halde stehenden Zechenhäuschen erklingende Bergglöckchen mit seinem
-regelmäßigen »Kling« anzeigt. Zur Bedienung des »Kunstgezeugs« aber,
-das den gesamten für den Grubenbau unentbehrlichen Maschinenbetrieb
-zur Entfernung bez. Nutzbarmachung der Grubengewässer, der Förderung
-des Gesteins, Beförderung der Belegschaft, d. h. der Mannschaften,
-u. s. w. zu ordnen hat, sind Menschenkräfte unentbehrlich, und
-würde einmal plötzlich das Bergglöckchen sein eintöniges »Kling«
-nicht vernehmen lassen, so wäre die bange Furcht, daß die finsteren
-Mächte des Abgrundes wieder einmal ihr unheimliches Zerstörungswerk
-begonnen haben, leider nur allzusehr begründet. Da haben nun vor
-Zeiten -- urkundlich läßt sich das Datum nicht genau feststellen
--- die Bergleute sich jenen Tag »erstritten«, um frei von den
-Sorgen ihres schweren Berufs einmal sich und ihren Familien ganz
-angehören zu können. Damit soll nicht gesagt sein, daß an diesem
-Tage der Bergwerksbetrieb gänzlich eingestellt sei, das ist eben
-nach unseren obigen Darlegungen undenkbar. Aber die nur irgendwie
-abkömmlichen Mannschaften feiern an diesem Tage, und wer sonst, um
-seinen Verdienst zu erhöhen, neben der Nacht- noch eine Tagschicht
-verfuhr -- jede annähernd 10 Stunden umfassend -- der verzichtet
-heute gewiß auf letztere und jede anderweite Nebenbeschäftigung
-(Holzschnitzerei, Musikmachen, Garten- und Feldbau u. a.). Daß man
-aber den Tag als höchstes Fest begeht, zeigt auch die Paradeuniform,
-die heute selbst den einfachsten Ganghäuer schmückt. Die schönste
-Zierde des Festes aber, will uns bedünken, und zugleich ein rührendes
-Ueberbleibsel aus der oft zu Unrecht verspotteten »guten, alten Zeit«
-bildet die feierliche Kirchenparade der Belegschaft des Reviers mit
-nachfolgendem Festgottesdienst in der Hauptkirche. Die Bergleute waren
-es bekanntlich, deren unverfälschter frommer Sinn frühzeitig die
-Irrlehren der römischen Kirche erkannte und sich dem evangelischen
-Glauben zuwandte. Noch heute erinnert ein mit einem Bibelbuch und
-einem Kelche (aus Eisen) geschmückter gewaltiger Granitwürfel inmitten
-des Schneeberger Grubenreviers auf dem »hohen Gebirge« an die
-Knappschaftskapelle zu »St. Anna«, in der schon im Jahre der Uebergabe
-der Augsburger Konfession (1530) evangelisch gepredigt wurde.
-
-Die Kirchenparade der Bergleute am 22. Juli gestaltet sich besonders in
-der ehrwürdigen Bergstadt Schneeberg zu einem hervorragend merkwürdigen
-und glänzenden Schauspiele. Nicht nur, daß sich die Bergleute in ihrer
-altertümlichen Tracht hier auch in größerer Anzahl beteiligen -- jetzt
-etwa 500 Mann, vor 20 Jahren mochten es über 800 gewesen sein --,
-sondern auch des gewaltigen Gotteshauses wegen, wohin sich der Zug
-zur Festfeier bewegt. Die Schneeberger Hauptkirche, auf dem höchsten
-Gipfel des Berges gelegen, welcher der Stadt ihren Namen gab, ist,
-aus dem Ertrage der Gruben erbaut, schon in ihrem gewaltigen Umfange
-ein Zeugnis frommen Bergmannssinnes und dem Bergheiligen St. Wolfgang
-geweiht. Weit und licht, ohne beengende Emporen, an deren Stelle ein
-in drittel Höhe um das ganze Gotteshaus herumlaufender Prozessionsgang
-tritt -- der Bau wurde im Jahre 1516 katholisch begonnen, im Jahre
-1540 aber vollendet und die Kirche evangelisch eingeweiht --, gehört
-das Gotteshaus, das entsprechend seiner spätgotischen Bauart vor
-nicht zu langer Zeit innerlich prächtig erneuert ward, zu Sachsens
-größten Kirchen, dem nicht einmal die St. Annakirche in Annaberg
-trotz ihrer gewaltigen Größe gleichkommt. Die ehernen Zungen des
-harmonischen Geläutes (~G-dur~), darunter Sachsens größte Glocke,
-die weit über 100 Zentner schwere »Donnerglocke«, begrüßen die in
-festlichem Zuge Nahenden. Eine besondere Gruppe, die wegen ihrer
-kleidsamen und eigenartigen Tracht stets ungeteilteste Aufmerksamkeit
-erregt, sind die Blaufarbenarbeiter. Ihre blinkend weißen, faltigen
-Blusenhemden, geschmückt mit den nötigen Rang- und Arbeitsabzeichen,
-stehen seltsam mit den schwarzen, grün gesäumten Paradeuniformen
-der übrigen Bergleute, deren Lederzeug (Berg- und Knieleder) heute
-blankgeputzt ist. Altertümlich nimmt sich bei allen auch der
-federgeschmückte Tschacko aus, während die bergmännischen Werkzeuge
--- Hammer, Schlägel, Fäustel, Spitzhacke etc. -- dem Ganzen ein etwas
-militärisches Gepräge verleihen. Weniger soldatisch mutet uns die
-eigenartige Gangart der Bergleute an, die ihnen offenbar infolge ihrer
-Berufsarbeit zur andern Natur geworden ist: wir meinen das Vorbeugen
-der Knie bei jedem Schritt. Der Volkswitz nennt daher den uralten
-Marsch, nach dessen getragenen Klängen der Einzug erfolgt, nicht übel
-den »Kniebiegel«. Im Gotteshause gebührt der Berggemeinde an diesem
-Tage der unbedingte Vorrang, ja, in früheren Jahren mußten ihr sogar
-die sogenannten »gelösten« Kirchenstühle aufgeschlossen und freigegeben
-werden. Als Zeugnis für die festliche Bedeutung des Tages mag endlich
-noch der Hinweis dienen, daß, wie an hohen Festen, auch der jeweilige
-Oberpfarrer und Superintendent die »Bergpredigt« zu halten hat. Nach
-beendetem Festgottesdienst zerstreut sich die Berggemeinde, die sich
-übrigens nur aus den männlichen Familiengliedern zusammensetzt, soweit
-diese beim Bergbau beschäftigt sind, in alle vier Winde.
-
-Leider hat selbst unter den einst ihrer Frömmigkeit wegen bekannten
-Bergleuten die Vergnügungssucht weit mehr Platz gegriffen, als bei der
-einfachen Lebensführung, zu der die meisten dieser Familien genötigt
-sind, erwartet werden dürfte und ihnen gut ist. Das junge Volk begiebt
-sich zu Spiel und Tanz bei Bier und Branntwein und nur wenige der
-Bergleute von altem Schrot und Korn ziehen es vor, daheim bei Weib
-und Kind zu feiern und beim Klange der immer mehr in Vergessenheit
-geratenden, teilweise recht anmutigen Bergmannslieder, die höchstens
-noch um Weihnachten allgemeiner gehört werden, oder im harmlosen
-Gespräch über des liebgewonnenen Standes Würde und Bürde die schönere
-Vergangenheit zu neuem Leben zu erwecken. Einige suchen wohl auch die
-benachbarten schattigen Wälder auf, um die gerade ihnen so überaus
-nötige ozonreiche, würzige Luft zu genießen. Denn im allgemeinen ist
-der Bergmann wie der Erzgebirger ein Stubenhocker, der beim geringsten
-Luftzug zu erkranken fürchtet und daher äußerst selten, und auch dann
-nur mit wohlverwahrtem Hals und Kopf, das Freie aufsucht, wobei ihn
-manchmal selbst im Hochsommer ein Bedauern überkommen mag, daß nicht
-auch hier, wie daheim, ein lustiges Feuer im Ofen prasselt. Gleichwohl
-bildet der »Streittag« als einziges wirkliches Bergfest einen der
-seltenen Lichtblicke im Leben des anspruchslosen schwarzen Völkchens
-droben, und wenn es an demselben mit sprichwörtlicher Zähigkeit
-festhält, so begreifen und billigen wir das nicht bloß vom materiellen,
-sondern weit mehr vom idealen Standpunkte aus. Denn gerade in dieser
-Zeit der Ernüchterung und des platten Materialismus ist es mehr denn je
-geboten, die spärlichen Reste von Poesie und idealem Sinn, die unser
-Volks- und Berufsleben noch aufweist, sorgsam zu hüten und zu bewahren.
-Ein solcher Hauch von Poesie verklärte auch dereinst das harte
-Bergmannsleben, und wer nur ein einziges Mal Anackers leider jetzt
-so selten gewordenen »Bergmannsgruß«, der, wie Verfasser sich wohl
-entsinnt, früher selbst in den Schulbüchern zu finden war, mit seiner
-mächtig ergreifenden »Steiger-Arie«, seinen zarten Familienszenen u.
-s. w. gehört hat, der wird auch verstehen, warum der echte und rechte
-Bergmann selbst heute noch mit Begeisterung an seinem schweren Berufe
-hängt; es ist etwas von dem Himmelssegen, den auch dieser Beruf in sich
-trägt, wenn anders nur die, welche ihm angehören, sich aus der Tiefe
-nach oben zu erheben wissen. Und das bedeutet auch der alte sinnige
-Bergmannsgruß: »Glück auf!«
-
- Nach dem Wochenblatte.
-
-
-
-
-Dritter Abschnitt.
-
-Die Besiedelung des Obererzgebirges.
-
-
-25. Die Besiedelung des Erzgebirges.
-
-
-~a.~ Die Besiedelung des Erzgebirges in vorwettinischer Zeit.
-
-Im 4. Jahrhundert rückten die +slawischen Stämme+ von Osten her vor.
-Zwischen 454 und 495 drangen die Tschechen in Böhmen ein. Ungefähr zu
-gleicher Zeit kamen aus der Weichsel- und Odergegend die Milczener,
-Lutizier, Obotriten und Sorben bis in die später sächsischen, mecklen-
-und brandenburgischen Länder. Von diesen rückten die Sorben oder
-Serben, deren Name sie ganz besonders als ackerbautreibendes Volk
-bezeichnet, in das spätere Meißnische und, da 531 von den Franken und
-Sachsen das mächtige Reich der Thüringer vernichtet wurde, westwärts
-bis zur Saale vor. Die +Sorben+ waren demnach die unmittelbar
-nördlichen Nachbarn des alten Miriquidi. Sie gründeten sehr bald in den
-fruchtbaren Niederungen und Thälern Orte und bebauten das Land. Aber
-noch wurde dieses Volk von der Ansiedelung auf den rauhen, unwirtlichen
-Waldhöhen abgeschreckt, bis endlich nach den langen Vernichtungskämpfen
-der mächtigen deutschen Kaiser im 9. Jahrhundert, denen die Erbauung
-der Burg Meißen folgte, und ganz besonders, als unter +Otto I.+
-die Grafen Hermann Billung und Gero glücklich die letzte Erhebung
-an der niederen Elbe und in den Lausitzen niederschlagen, die Macht
-der Slaven völlig gebrochen war. Der Zinspflichtigkeit zu entgehen,
-festhaltend an dem Glauben ihrer Väter, erfüllt mit tiefem Haß
-gegen die christliche Geistlichkeit, welche von ihren Einkünften
-an Getreide und Vieh, Leinwand, Honig und Wachs den zehnten Teil
-forderte, zogen sich nun nach den für ihr Volk unglücklichen Kämpfen
-zahlreiche sorbische Familien in das unfreundliche und von wilden
-Tieren bevölkerte, aber ihnen doch Freiheit und Sicherheit gegen ihre
-Besieger verheißende Erzgebirge zurück. So wurden bereits gegen Ende
-des 10. Jahrhunderts von diesen slawischen Einwanderern daselbst
-einzelne feste Niederlassungen gegründet. Immer höher stiegen sie,
-vorzugsweise wohl in den Thälern und so dem Laufe der Gewässer
-entgegen, auf der nordwestlichen Senkung des Gebirges bis ungefähr
-zur Linie Eibenstock-Schlettau-Zöblitz-Sayda auf. Erst vom 12.
-Jahrhundert an, da das Gebirge durch die Entdeckung reicher Silbererze
-zum Erzgebirge wurde, drangen auch die +Deutschen+ zahlreicher vor,
-gründeten Städte und Dörfer. Das germanische Element verschlang sehr
-bald die slavischen Reste, wo sich dieselben bis dahin noch in einiger
-Selbständigkeit erhalten hatten. Wohl erhielt sich noch, wenigstens
-am Fuße des eigentlichen Gebirges, ihre Sprache; denn im Jahre 1327
-wurde der Gebrauch derselben bei den Zwickauer Gerichten und in
-Meißen sogar erst 1424 verboten; jedoch auch in den höher gelegenen
-slavischen Ansiedelungen wird die Muttersprache nach Berührung mit den
-später vorgedrungenen Deutschen nicht sobald erloschen sein, da viele
-slavische Wörter, die selbst in der Gegenwart nicht verschwunden sind,
-von den Deutschen festgehalten wurden.
-
-
- Nach ~Dr.~ Köhler.
-
-
-~b.~ Die Besiedelung des oberen Erzgebirges in wettinischer Zeit.
-
-
-1. Die wilde Ecke.
-
-Vor über 400 Jahren, bis zum Jahre 1496, wo man +Annaberg+ gründete,
-war die Stelle, an der jetzt die Stadt steht, nichts denn dicker,
-finsterer Wald voll Steinblöcke und Felsen, überragt gleich einer Warte
-von dem Pöhlberge. In den dichten Wäldern hauste mancherlei unzähliges
-Getier. Des Nachts erklang das gellende Geschrei des Uhus und am Tage
-krächzten Raubvögel und Unglück verkündende Raben massig in der Luft
-und horsteten auf den hohen Fichten. Der Bär brummte, der Wolf heulte
-und die Wildkatze schlich nach Beute. Der Fuchs und der Dachs führten
-ihre Baue auf und auch das Wildschwein grunzte in den geringen grünen
-Eichenwaldungen. Scheuen Blickes und eilenden Fußes umgingen die
-bewaffneten Bewohner der benachbarten Häuerdorfer die »wilde Ecke«,
-um nicht eine Beute der Raubtiere zu werden. Da die Gegend noch wenig
-angebaut war, so mußte man die Nahrungsmittel weit herholen. Die »wilde
-Ecke« führte darum auch noch den Namen »Hungerloch«.
-
-Noch heute erinnert uns manches an die ehemalige Wildheit. Von Süden
-grüßt uns der Bärenstein, im Norden liegen rechts vom Sehmaflusse die
-Wolfshöhle und links der Sauwald. Auch die Fuchsgasse mag mit genannt
-werden.
-
- »Sehr wild und felsicht war's in diesen Wald-Sudöden;
- Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind;
- Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten;
- Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.«
-
- Nach Arnold und M. Chr. Lehmann.
-
-
-2. Entstehung der Orte in Annabergs Umgegend.
-
-Die Ansiedelungen im oberen Erzgebirge sind von sehr verschiedenem
-Alter. Es läßt sich die Zeit der Gründung der einzelnen Städte und
-Dörfer nur annähernd bestimmen. Im allgemeinen gilt, daß die Bebauung
-für das Gebirge später eintrat, als für das Niederland und der Bergbau
-auch in ältester Zeit Anlaß gab, die sonst gemiedene Wald- und
-Berggegend zur Wohnstätte zu wählen. Aus der Benennung, welche man den
-Ansiedelungen gab, läßt sich schließen, daß z. B. die Städte des oberen
-Gebirges: +Lößnitz+, +Zwönitz+, +Zöblitz+, +Schlettau+ bereits während
-der Zeit der Sorben-Wenden, also vor dem 10. Jahrhundert gegründet
-worden sind.
-
-Um das Jahr 1173 wurde das Kloster +Zelle+ bei Aue durch Mönche
-aus dem Kloster zu Zelle bei Freiberg gegründet. -- Vorher, im 11.
-Jahrhundert, mögen zum Schutz und Trutz die Burgen +Wolkenstein+ und
-+Schwarzenberg+ mit den sich anschließenden Stadtgründungen entstanden
-sein. +Elterlein+ scheint seine Entstehung dem Bergbaue auf Eisen im
-12. Jahrhundert zu verdanken.
-
-Unter Markgraf +Heinrich dem Erlauchten+, vielleicht auch früher,
-entstand westlich von Elterlein die Ansiedelung von +Grünhain+.
-Daselbst stiftete, wahrscheinlich 1238, +Meinherr II.+, Graf zu
-Hartenstein und Burggraf zu Meißen, das Kloster Grünhain und stattete
-dasselbe 1240 mit zehn Dörfern der Umgegend aus. Später kamen teils
-durch Kauf, teils durch Schenkung noch andere Besitzungen hinzu, sodaß
-eine große Anzahl Städte und Dörfer dem Kloster gehörten und sein
-Gebiet im 15. Jahrhundert sich bis unterhalb Zwickau und einige Meilen
-nach Böhmen hinein erstreckte. -- Außer dem Kloster Grünhain gehört dem
-13. Jahrhundert noch die Entstehung der Stadt +Ehrenfriedersdorf+, d.
-i. Herrenfriedersdorf, um 1240 an.
-
-Das Städtchen +Geyer+ ist um 1395 infolge der reichen Anbrüche auf
-Zinn, Silber und Kupfer von Ehrenfriedersdorf aus angelegt worden. --
-Bald nach der Ansiedelung in Geyer soll zu Anfang des 15. Jahrhunderts
-ebenfalls infolge des Bergbaues die benachbarte Stadt +Thum+ entstanden
-sein.
-
-Die um Annaberg gelegenen Dörfer +Frohnau+, +Kleinrückerswalde+,
-+Geyersdorf+ u. a. sind früheren Ursprungs als Annaberg und Buchholz.
-
-
-3. Entstehung Annabergs und anderer Bergstädte des Obererzgebirges.
-
-In dem bei der Teilung 1485 von +Albert+ gewählten Meißnerlande war
-nach dem Tode dieses Fürsten im Jahre 1500 sein Sohn +Georg der
-Bärtige+ (1500--1539) gefolgt. Dieser war der eigentliche Gründer von
-Annaberg, da sein Vater zu jener Zeit als »des Kaisers gewaltiger
-Marschall und Bannermeister« Krieg mit den Niederländern führte und
-seinem Sohne während seiner Abwesenheit die Regierung des Meißnerlandes
-übertragen hatte. Als Georg 1500 zur selbständigen Regierung gelangte,
-bewies er der durch ihn gegründeten Stadt vor allen seine Gunst und
-Zuneigung und besuchte die reiche Bergstadt mehrmals von Dresden aus.
-Er spendete bedeutende Beihilfen zum Bau der schönen Annenkirche
-(1499--1525), ließ das Franziskaner-Kloster (1502--1512) erbauen und
-begnadigte die Stadt mit vielen Rechten und Freiheiten.
-
-Bald nach der Gründung der beiden sächsischen Städte +Annaberg+ und
-+Buchholz+ entdeckte man auch Silber auf der böhmischen Seite des
-Erzgebirges. Im Jahre 1516 ward +Joachimsthal+ in Böhmen gegründet und
-1520 zur freien Bergstadt erhoben. Gewöhnlich nimmt man an, daß die
-dort vom Jahre 1519 an geprägten Münzen abgekürzt »Thaler« genannt
-worden seien und dadurch dieser Name für jede Münze von gleichem Werte
-in Gebrauch kam, was aber von Sachkundigen bezweifelt wird. Man leitet
-richtiger den Münznamen von ~talentum~ ab.
-
-Was die Gründung anderer Städte des Obererzgebirges infolge reicher
-Erzanbrüche betrifft, so merke man noch: Im Jahre 1517 wurden
-+Gottesgab+, +Eibenstock+ und +Jöhstadt+, eigentlich Josephsstadt,
-gegründet, 1521 +Marienberg+, 1522 +Scheibenberg+, 1526 +Wiesenthal+,
-1532 +Platten+.
-
-Das Gebiet, wo die Städte Gottesgab und Platten damals erbaut wurden,
-gehörte 1459--1547 durch den Vertrag zu Eger zur Mark Meißen, fiel aber
-infolge des Wittenberger Vertrages an Böhmen zurück.
-
-+Jenesius+ sagt in seiner Geschichte Annabergs: »Die Bergstädte
-haben ihren Namen nicht von ohngefähr, sondern aus reifem Nachdenken
-bekommen. Meine Vaterstadt ist anfangs +Schreckenberg+ genannt worden.
-Aber es wurde kurz hernach, auf Ansuchen des Herzogs Georg und der
-Bürgerschaft durch den Kaiser Maximilian I. bewilligt, daß dieselbe
-+Sankt Annaberg+ heißen sollte. Die böhmischen Grafen von Schlick
-nahmen von der Benennung dieser Stadt Veranlassung, die von ihnen
-erbaute Stadt nach dem Ehemanne der Anna +Joachimsthal+ zu nennen. Dies
-bewog ferner den sächsischen Fürsten Heinrich den Frommen, den Bruder
-Georgs, daß er der von ihm gegründeten Stadt den Namen +Marienberg+
-beilegte und den Flecken, welcher an der äußersten Grenze des Meißener
-Landes in waldiger Gegend liegt, +Jöhstadt+, d. i. Josephsstadt,
-benannte. Es gefiel also den Herren dieser Länder, die Städte nach
-denen zu benennen, die die Voreltern des Heilandes nach dem Fleische
-waren, damit die Einwohner zur Verkündigung der Wohlthaten Christi
-entzündet würden und sich ihnen mit Seele und Leib, mit Hab' und Gut
-weihten.«
-
-
-4. Jüngere Gründungen im Obererzgebirge.
-
-Der Bergbau in Buchholz war durch einen furchtbaren Wolkenbruch am 21.
-Juli 1565 fast ganz vernichtet worden, und im Jahre 1568 hatte die
-Pest Annaberg und die Umgegend verheert. Auf Anregung des +Kurfürsten
-August+ ward damals überall im Lande nach neuen Schätzen des Erdbodens
-geforscht. So wurde 1546 der Serpentin bei +Zöblitz+ entdeckt. In den
-Kalkbrüchen von +Crottendorf+ fand man 1575 abbauwürdige Marmorlager.
-Der daselbst gebrochene Marmor ist bis auf die Gegenwart herab vielfach
-zu Bauwerken und Kunstgegenständen verwendet worden. Seit einigen
-Jahren hat jedoch die Ausbeute an Marmor aufgehört und es wird nur Kalk
-gefunden.
-
- Nach Schulrat ~Dr.~ Spieß.
-
-
-26. Die Urbarmachung des Gebirges.
-
-Das wilde Gebirge ist auf mannigfaltige Weise urbar gemacht worden.
-Es geschah durch Räumung und Abziehung der Wälder, Anlegung geraumer
-Wege und Pässe, Brückung und Austrocknung der Moräste, Ausbrennung der
-Heiden, Ebnung der struppichten und wilden Beerhübel. Auch geschah
-es durch Ausrottung der Stockräume, Ablesung der Steine und mühsame
-Wegschaffung der Wacken, womit die Berge und Felder überhäuft waren.
-Das ist besonders bei so vielen mitten im wilden Walde angelegten
-und erbauten Dörfern, Flecken und Städten geschehen. Ferner trug der
-Bergbau zur Urbarmachung bei, indem dadurch vermöge der Bergfreiheit
-viele hunderttausend Stämme und Schragen Holz weggetrieben und verbaut
-wurden. Die Hammerwerke, welche durch ihre Holzbauer und Kohlenbrenner
-die allergrößten Wälder sehr gelichtet haben, hatten auch daran Teil.
-
-Bis tief in das 13. Jahrhundert hinein, dann wieder zu Ende des 15. und
-Anfang des 16. Jahrhunderts, stellenweise selbst bis in die neueste
-Zeit ist das Ausroden des Waldes, um Ackerland und auch Wiesenland
-für neue Ansiedelungen zu gewinnen, im umfangreichsten Maße betrieben
-worden. Jahrhunderte lang bildete der Wald den unerschöpflich
-erscheinenden Vorrat, durch dessen Niederschlagen man Raum für Feld,
-Holz für Bauten, Bergwerks- und Hüttenanlagen, Geld für Zinsen und
-Steuern u. s. w. erlangen konnte, ohne an die Wiederaufforstung kahl
-geschlagener Höhenzüge und Abhänge denken zu müssen. Der Wald war
-die unerschöpfliche Geldquelle für den fortschreitenden Anbau. Erst
-Jahrhunderte später, nachdem das Land durch die länger als ein halbes
-Jahrtausend fortgesetzte Urbarmachung und Zerstörung des Waldgebietes
-seine gegenwärtige Oberflächengestalt und Bedeckung gewonnen hat, ist
-man zu der Überzeugung gekommen, der Waldvernichtung nicht bloß Einhalt
-thun zu müssen, sondern auch das Waldgebiet durch Neuanpflanzung
-erhalten und vergrößern zu sollen.
-
-Mit dem Vordringen des deutschen Stammes in das Gebiet der Slaven
-und in das Gebiet des waldbedeckten Gebirges beginnt erst die
-geschichtliche Zeit diesem Landes. Wenn auch die Vorgänge, besonders
-auf dem letzteren, vielfach unbekannt geblieben oder verschleiert
-und entstellt auf die Nachwelt gekommen sind, lassen sich doch die
-allgemeinen Grundzüge dieser Entwickelung noch erkennen.
-
- Nach ~M.~ Lehmann und Süßmilch.
-
-
-27. Die obererzgebirgischen Ortsnamen.
-
-Bei der anzutretenden Wanderung durch das Gebiet der Ortsnamen des
-Obererzgebirges halten wir zuerst eine Umschau über die +Berge+. Die
-Namen derselben tragen fast durchgehends deutsches Gepräge und sind
-nach den verschiedensten Gesichtspunkten gegeben. Auf die Gestalt
-weisen hin: Spitzberg, Ochsenkopf, Hut- und Kanzelberg, Hirnschädel;
-auf das Klima oder die Unfruchtbarkeit einzelner Höhen: Kaltes Feld,
-Kalter Muff, Kahler Berg, Kahle Höhe und Thürmrich, d. i. Dürrer Berg
-(bei Frauenstein); nach den Pflanzen, die auf ihnen wuchsen oder
-noch wachsen, sind benannt: Buch-, Eichel-, Ahorn-, Kiefern- und
-Fichtelberg; nach den Tieren, die häufig dort angetroffen wurden:
-Bären-, Wiesel- und Wolfsstein, Krahstein, d. i. Krähenstein und
-Adlerstein; nach Erzen: der Kupferhübel und der Eisenberg. Einzelne,
-wie der Kapellenberg, der Hofberg, der Zechenberg verdanken ihren Namen
-bestimmten auf ihnen errichteten Gebäuden, andere, wie Andreasberg,
-Gastberg, Geringsberg, Richterberg dem Besitzer der Fluren, auf denen
-sie lagen. Einer ausdrücklichen Erwähnung verdient noch der Name der
-bei Schwarzenberg sich erhebenden Morgenleite. Der zweite Teil dieses
-Worten ist das ahd. ~hlita~, mhd. ~lite~, in Norwegen noch in der Form
-~Lid~ bekannt. Derselbe bezeichnet eine Berglehne oder einen Abhang
-und kommt in dieser Bedeutung im Erzgebirge außerordentlich häufig
-vor. Man unterscheidet die Süd- und Nordseite eines Berges als Sommer-
-und Winterleite: den ersteren Namen tragen in Annaberg zwei an der
-Sommerseite eines Abhanges angelegte Gassen, den letzteren ein Teil
-des Geyerschen Waldes; an der unteren Preßnitz heißt ein Abhang die
-Hirschleite; in der Nähe von Dorfchemnitz bei Sayda finden sich Buch-
-und Thonleite, bei Oederan die Hammerleite. In der sächsischen Holz-
-und Forstordnung von 1560 werden aufgeführt: Habichts-, Pech-, Grase-,
-Brand- und Trachenleite, und bei Elterlein heißt ein Dorf, in welchem
-sich früher eine Bergwäsche befand, Waschleite. Von dem in vielen
-unserer Bergnamen hervortretenden Grundworte Hübel, wie bei Lerchen-,
-Zeisig- und Hahnenhübel, begegnet uns in oberdeutschen Gegenden in
-Orts- und Bergnamen die umgestellte Form Bühel, ahd. ~puhil~. In
-unserem Gebirge ist der Ausdruck unbekannt. Es ist durchaus nicht
-unwahrscheinlich, daß der ehrwürdige Annaberger Geschichtsschreiber
-Jenisius auf dem richtigen Wege ist, wenn er Pöhlberg auf jenes Bühel
-zurückführt, aus welchem dann Pihl und Pehl als entstellte Formen
-hervorgegangen sein würden.
-
-Zwei bekannte Bergnamen, Auersberg und Rammelsberg, haben insofern noch
-eine besondere Bedeutung, als sie auf die Frage nach der Besiedelung
-unseres Gebirges führen. Wie die in andere Erdteile Ausgewanderten ihre
-neuen Ansiedelungen mit Vorliebe nach heimatlichen Orten benennen,
-so haben auch die durch Krieg und Hungersnot leidenden Harzer
-Bergleute, die einst massenhaft in die silberhegenden Berge unseres
-Vaterlandes einwanderten, Namen aus ihrer alten Heimat auf Wohnsitze
-und Örtlichkeiten übertragen. Noch heute finden sich im Harze nicht
-nur die erwähnten beiden Bergnamen, sondern auch zahlreiche Ortsnamen
-des Gebirges wie Hohenstein, Kirchberg, Stollberg und der bekannte
-Name Quedlinburg, den einmal unser Elterlein geführt haben soll. Ein
-anderer heute noch im Harze vorkommender Bergname, der Eibenberg, läßt
-es kaum zweifelhaft erscheinen, daß auch die Stadt Eibenstock als eine
-Niederlassung jener Harzer Bergleute zu gelten habe und daß der Name
-derselben wie der jenes Eibenberges auf die in Norddeutschland und auch
-im Harze heimische Eibe oder den Taxusbaum zurückzuführen sei.
-
-Wir steigen von den Höhen herab und wenden uns nach den +Waldungen+ und
-+Fluren+. Wir beschränken uns namentlich auf Hervorhebung einiger aus
-älterer Zeit überlieferter, jetzt unverständlich gewordener Benennungen
-von Waldbezirken. Dahin gehören vor allem die mit »Struth« bezeichneten
-Waldungen bei Bernsbach, Flöha und Plaue, sowie die obere und niedere
-Struth im Westen von Langenau bei Freiberg. In diesem Ausdrucke lebt
-noch ein altes deutsches Wort für Wald, Buschwerk oder Dickicht,
-das heute nur noch in Hessen gebräuchliche, mhd. die ~strut~ oder
-~struot~, fort. Der von Chemnitzer Geschichtsschreibern aufgeführte
-Name Bramenwald, der heutige Zeisigwald bei Chemnitz, erklärt sich aus
-dem ahd. der ~prâmo~ und die ~prâmà~, d. h. Dornstrauch, Dorngebüsch,
-insbesondere Brombeerstrauch. Daß der bei Zöblitz wie bei Satzung
-vorkommende Name Kriegwald in Beziehung steht zu den in diesen Wäldern
-ausgefochtenen Kämpfen im Hussitenkriege, daran ist wohl um so weniger
-zu zweifeln, als man dort noch im 17. Jahrhundert aufgeschichtete
-Haufen von Totengebeinen und Waffen gefunden hat. Nicht an den Krieg,
-wohl aber an die um Grenze und Rainung geführten Rechtsstreitigkeiten
-einzelner Personen oder ganzer Gemeinden mag die in verschiedenen
-Gegenden erscheinende Bezeichnung Streitwald erinnern. Die meisten
-dieser Wald- und Flurbezeichnungen lehnen sich wiederum an +Tiernamen+
-an: von diesen Bildungen seien nur die in Lehmanns »Schauplatz«
-angeführten erwähnt: Aus den Lautersteinschen Wäldern: der Drachenwald,
-Rabenberg, die Dachslöcher; auf dem Crottendorfer Oberforstgebiete:
-die Vogelleite, Hirsch- und Auerhahnpfalz, der Säu- und Bärenfang,
-Tier- und Saugarten; im Grünhainer Gebiete: der Bärenacker, Fuchs-
-und Wolfsstein; auf dem Lauterschen: das Wolfslager, der Hirschstein,
-Habichtshübel, die Bärenstallung, der Wolfsgarten, Rabenberg, die
-Drachenleite, Bärenlage und Sauwiese.
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-Von den Höhen steigen wir herab in die +Thäler+ und gelangen so zu den
-+Flüssen+. Bei ihnen ist die Namengebung ausgegangen vom Laufe und der
-Gestalt derselben, der Farbe des Wassers, den anstehenden Pflanzen,
-der Umgebung und zuweilen wohl auch von anliegenden Ortschaften. Die
-Namen der größeren Flüsse Elbe, Elster und Mulde lassen ohne weiteres
-ihren deutschen Ursprung erkennen. Auch die kleineren Gebirgsbäche wie
-das Schwarzwasser, der Saubach, Rauschenbach, Sandbach, Schindelbach,
-Goldkrönlebach, die zwei letzteren bei Großrückerswalde und Pobershau,
-und andere sind von den Deutschen benannt worden. Für eine größere
-Anzahl unserer Gebirgswässer läßt sich dagegen eine Ableitung aus dem
-Deutschen nicht gewinnen. Aus der slawischen oder sorbenwendischen
-Zeit stammen denn auch die zahlreichen slawischen Orts- und Flußnamen
-unseres Gebirges. Der Name der Zschopau, nach welchem auch die Stadt
-genannt ist, wird zurückgeführt auf slawisch ~Sapawa~ = die Reißende,
-Zischende, Tosende; gleiche Bedeutung hat das tschechische ~bistry~,
-von welchem die in Urkunden als ~flumen Bistrice~, später ~Wistricz~
-aufgeführte Weißeritz den Namen hat; nach der Buche, slawisch ~buky~,
-tschechisch ~buk~ ist die Bockau, nach der Birke, slawisch ~briza~ oder
-~brschiza~ die Preßnitz, nach dem Biber, slawisch ~bibra~, tschechisch
-~bobr~ die Bobritzsch, nach dem Wildschwein, slawisch ~svisnija~
-die Zwönitz benannt. Die Chemnitz, urkundlich ~flumen Caminizi~,
-heißt Steinbach, nach dem slawischen ~Kameni~ = Stein, und Lößnitz,
-urkundlich ~Lessenitz~ aus slawisch ~lêsu~, tschechisch ~les~ = der
-Wald oder Busch, bedeutet der Waldbach.
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-Unsere Wanderung in den Flußthälern auf- und abwärts und über die
-Scheiden der Wasserläufe führt uns weiter zu den verschiedenen
-+Ortschaften+, den freundlichen Städten und Städtchen und den
-friedlichen, sauberen Dörfern unseres Gebirges.
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-Das Dorf Drebach bei Wolkenstein erscheint urkundlich als ~Träte-~,
-~Tretebach~, ~Dratbach~. Der erste Teil diesem Namens, ~Drat~ oder
-~Träte~, ist ein gutes deutsches Wort, ahd. ~drâti~, mhd. ~draete~ mit
-der Bedeutung schnell, rasch. Dasselbe bezog sich auf den raschen
-Lauf des durch den Ort eilenden Baches. Aber da es längst schon dem
-Sprachbewußtsein entschwunden ist, suchte man sich den Namen Trätebach
-durch Anlehnung an das geläufige Zeitwort drehen verständlich zu machen
-und bildete mit Unterdrückung des inlautenden t Drehbach. Daß der
-Volksgeist oft mit recht kühnen Deutungen bei der Hand ist, beweist
-eine Mitteilung über das Städtchen Geyer, wonach dasselbe seinen Namen
-vom Teufel haben soll, der auf einem Spaziergange beim Anblick der
-unwirtlichen Gegend ausgerufen habe: »Pfui Geyer!«
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-Noch 1402 heißt der Ort Cappel bei Chemnitz zu der Capelln, das heißt
-zu der zur Nikolaikirche gehörigen Kapelle. Die Namen Altenberg,
-Breitenbrunn, Weißenborn heißen dementsprechend ursprünglich zu dem
-alten Berge, dem breiten Brunnen, dem weißen Born. Gleiche Bedeutung
-haben Neundorf, Naundorf, Neudorf, nämlich zu dem neuen Dorfe.
-Siebenhöfen heißt eigentlich zu den sieben Höfen und ist benannt nach
-den sieben Wirtschaftsgebäuden, aus welchen der zwischen Tannenberg und
-Geyer liegende Ort anfangs bestand. Bei Lengefeld zeigt nur noch die
-urkundliche Form Langenfeld die eigentliche Bedeutung.
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-Nun ist noch auf die äußeren Gründe einzugehen, von welchen sich
-die einstigen Ansiedler bei der Benennung ihrer +Wohnplätze+ haben
-leiten lassen. Als natürlichster Ausgangspunkt erscheint zunächst die
-+Bodenerhebung+, das heißt, ob ein Ort auf oder an dem Berge, im Thale
-oder in der Ebene angelegt wurde. Zahlreich sind die Zusammensetzungen,
-wie die Städtenamen: Schneeberg, Schwarzenberg, Freiberg, und die
-Dorfnamen: Grünthal, Blauenthal, Rothenthal. Auf die Höhenlage weisen
-hin: Steinhübel, Berggießhübel, Scharfenstein, Wolkenstein. Höhen-
-und Thallage zugleich deuten an Ober- und Unterwiesenthal. Nach der
-Bodenbeschaffenheit ist benannt der Ort Sand bei Freiberg. Auch die
-beiden Dörfer Grießbach bei Wolkenstein und Schneeberg haben ihren
-Namen von dem Sande erhalten, den die hier fließenden Bäche an ihren
-Ufern absetzen; denn der Ausdruck Grieß (mhd. ~griez~) bedeutet den
-Sand am Ufer oder Grunde des Wassers. Bei den mit Haide gebildeten
-Namen müssen wir an Orte denken, die im Heidelande gegründet wurden.
-Kühnhaide oder ~Kienhain~ heißt eigentlich Fichtenheide.
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-Namengebend dient auch der +Wald+. Bildungen wie in Königswalde,
-Fürstenwalde u. a. lassen sich schon seit dem 8. Jahrhundert
-nachweisen. Ein Wäldchen nennen wir jetzt Hain; früher bedeutete das
-aus ~hagan~ zusammengezogene Wort einen Dornbusch. Hierher gehören
-Namen wie Grünhain, Altenhain, Pfaffenhain. Eine weitere Gruppe lehnt
-sich an +Tier-+ und +Pflanzennamen+ an. Dem Worte Gablenz liegt zu
-Grunde das Wort ~jablu~, der Apfelbaum, Geyer stammt von ~jawor~, der
-Ahorn, Gelenau von ~jeleni~, der Hirsch. Zahlreiche Orte verdanken
-dem Wasser ihre Namen. Flußnamen kehren als Ortsnamen wieder: Sehma,
-Pöhla, Preßnitz. Dorfschaften wie Krumbach, Steinbach, Lauterbach sind
-nach dem Laufe oder der besondern Eigentümlichkeit des sie berührenden
-Gewässers benannt. Benennung wie Furth bei Chemnitz weisen auf
-Übergangsstellen über die Gewässer hin.
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-Auch auf Personennamen sind Ortsnamen zurückzuführen. So ist es
-bei den vier Städten, die nach der heiligen Familie genannt sind:
-Annaberg, Marienberg, Jöhstadt, Joachimsthal; Johanngeorgenstadt,
-Ober- und Niederneuschönberg sind in Anknüpfung an Johann Georg
-I. und Caspar von Schönberg auf Pfaffroda benannt. Ohne weiteres
-verständlich sind: Hermannsdorf, Erdmannsdorf. Cunersdorf weist auf
-~Cunradisdorf~ und dies auf einen Konrad. Leukersdorf bei Zwönitz
-wird noch 1306 ~Leutgersdorf~ genannt. Leutger ist der alte Namen
-~Liutger~. Seifersdorf bei Dippoldiswalde, 1312 ~Syvirdisdorf~, führt
-auf Siegfried, Röhrsdorf bei Chemnitz, urkundlich ~Rudigersdorf~
-auf Rüdiger, Hilbersdorf, um 1290 ~Hillebrandisdorf~ auf Hildebrand
-und Dittersbach bei Frankenberg, ehemals ~Dyterychsbach~, auf den
-vielberühmten Namen Dietrich. Die letzten fünf Namen finden sich
-sämtlich in Volksepos der Nibelungen; ihnen ließe sich leicht eine
-Reihe anderer erzgebirgischer Ortsnamen anfügen, in denen uns
-Personennamen aus der ältesten Zeit unserer deutschen Geschichte
-entgegentreten.
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- Nach Prof. ~Dr.~ Göpfert.
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-28. Die Dörfer.
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-~a.~ Slawische Dörfer.
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-Das slawische oder sorbenwendische Dorf, für dessen Anlage noch
-zahlreiche Beispiele nördlich vom Erzgebirgsfuße zu finden sind, bildet
-ein geschlossenes Ganze und bestätigt schon in seiner äußeren Form und
-seinem Grundrisse die Verbindung des Gemeindewesens. Die vorwiegende
-Form, gewissermaßen die Urgestalt des altslawischen Dorfes, ist die
-+Kreisform+. Die sämtlichen Höfe desselben liegen aneinandergeschlossen
-in einem Kreise, und nur ein Eingang führt in das Innere des Dorfes;
-während die äußere Umfassung von Hecken oder Lehmwänden gewissermaßen
-die erste Verteidigungslinie bildet. In der Mitte des Dorfes liegt
-in der Regel ein Teich. Ein von Linden umfaßter Platz bildet die
-Stätte der Gemeindeversammlungen und Beratungen. Häufig ist eine
-kleine Kapelle neben demselben; während die Kirche in der Reihe der
-Höfe liegt. Man kann für diese Dorfform noch zahlreiche Beispiele
-sorbenwendischen Ursprungs auf dem unteren Rande und am Fuße des
-Erzgebirgsabhanges nachweisen, häufig selbst da, wo die ursprüngliche
-Form durch das Anwachsen des Ortes schon bedeutend verändert ist. Auf
-dem eigentlichen Gebirgsabhange kommen sie über 250 ~m~ Meereshöhe
-nicht mehr vor.
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-Als oberster Grundsatz allen Besitzes galt, daß die ganze Feldmark
-des Dorfes an Äckern, Wiesen, Weiden, Waldung, Umland und Wüstungen,
-Bächen, Teichen u. s. w. der Gemeinde als Gesamtbesitz angehörte
-und daß der einzelne Hofbesitzer nur als Mitglied der Gemeinde
-gewissermaßen den Nießbrauch eines entsprechenden Teiles des
-Gesamtbesitzes hatte.
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- Nach M. v. Süßmilch.
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-~b.~ Deutsche Dörfer.
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-Anders als bei dem slawischen war es bei der Anlage der deutschen
-Dörfer im Waldgebiete. Hier wurde das Gesamtgebiet des anzulegenden
-Dorfes in so viele Teile geteilt, als Höfe gegründet werden sollten,
-und der dieser Zahl entsprechende Raum in so viele geschlossene
-aneinander stoßende Hufen zerlegt, als die Dorfgemeinde Höfe
-zählen sollte. Daher bildeten die mit dem Gehöfte besetzten Hufe
-ein geschlossenes Ganze. Garten, Feld, Wiese, Wald reihten sich im
-Zusammenhange aneinander, wenn auch die Reihenfolge dieser Teile des
-Ganzen in den einzelnen Fällen eine verschiedene war.
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-In der Regel wurden die einzelnen Höfe innerhalb der Gemeindeflur
-+längs des Hauptweges+ mit entsprechendem Abstande aneinander gereiht.
-Da die Niederlassung vorwiegend in breiteren Thalmulden erfolgte, so
-wurde auf jeder Seite des Wasserlaufes in entsprechender Höhe über
-der Thalsohle ein Hauptweg geführt, längs dessen die Höfe erbaut
-wurden. Bei dieser Art von Ansiedelungen in den Thälern, wie sie im
-Erzgebirge die vorwiegende ist, lagen innerhalb der Waldungen, welche
-die verschiedene Thalgebiete trennenden Höhenrückenzüge bedeckten, die
-Grenzlinien zwischen den in gleicher oder ähnlicher Weise angeordneten
-Nachbargemeinden.
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-Ein jeder der Höfe lag in seinem ein unzertrenntes Ganze bildenden
-Besitz. In der mehr oder weniger breiten Sohle der Thäler waren die
-Wiesen, weiter oben auf dem Abhange und dessen weniger steiler Fläche
-das Ackerfeld und auf dem Rande zwischen beiden der Hof mit seinen
-Gebäuden und dem Garten. Weiter aufwärts lagen die Hutungen und oben
-auf der Höhe der Wald.
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-Diese Art der Hufenteilung ist die im Erzgebirge bei seiner Besiedelung
-vorwiegende gewesen. Weniger gebräuchlich, aber doch auch vorkommend,
-ist die z. B. in Thüringen vorherrschende, mit der slawischen oder
-sorbenwendischen Hufeneinteilung im Grundgedanken übereinstimmende
-Hufengattung, bei welcher die Hufe aus einer großen Anzahl einzelner
-Ackerstücke besteht, welche durch die Feldflur der Dorfgemeinde
-verstreut liegen. Das gesamte Pflugland wird in eine Anzahl von
-Vierecken dergestalt geteilt, daß der Boden eines jeden dieser Vierecke
-von möglichst gleicher Beschaffenheit ist. Nun wird ein jedes dieser
-Vierecke in so viele Streifen oder Gewende zerlegt, als die Flur Hufen
-oder Höfe zählt, sodaß eine Hufe wie die andere aus ganz gleichen
-Teilen zusammengesetzt ist.
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-Die Wiesen werden auch bei dieser Hufengattung besonders verteilt. In
-der Regel erhielt eine jede Hufe Wiesenanteile in den drei schon im
-frühesten Mittelalter unterschiedenen Wiesenlagen, und zwar Thal- oder
-Bewässerungswiesen, Wiesen an den Hängen oder Thalhängen und Berg- oder
-Höhenwiesen. Jede aus dieser Hufengattung bestehende Dorfflur bildet
-ebenfalls ein geschlossenes Ganzes; die Hufe ist sogar vollständig
-abgeschlossen, wie bei der ersten Hufengattung: denn jedes neugerodete
-Stück Land liegt außerhalb der Hufe. Daher kommen neben der Hufe häufig
-noch einzelne Äcker vor, besonders dann, wenn der Wald ursprünglich
-geschlossenes Gemeindeeigentum war. -- Die zu dieser Hufengattung
-gehörigen Hoferaithen liegen stets zu einem geschlossenen Dorfe
-vereinigt beisammen.
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-Für die große Mehrzahl aller Dörfer im Erzgebirge, wenigstens soweit
-sie mit Ackerbau und Viehzucht in Verbindung stehen oder wenigstens in
-Verbindung gestanden haben, kann man die Ansiedelung der Dorfgemeinde
-im ganzen als die Regel annehmen. Dies schließt jedoch nicht aus, daß
-eine kleine Ansiedelung durch Zuzug einer geschlossenen Menge neuer
-Ansiedler mit einem Male oder durch allmählichen Zuwachs nach und nach
-im Laufe der Jahrhunderte wesentlich vergrößert worden ist.
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- Nach M. v. Süßmilch.
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-~c.~ Reste der sorbischwendischen Sprache.
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-Noch heuzutage sind auf dem Abhange des Erzgebirges mancherlei Wörter
-und Bezeichnungen inmitten einer vollkommen deutsch erscheinenden
-Bevölkerung gebräuchlich, welche auf sorbenwendischen Ursprung
-zurückweisen. In der bergmännischen Sprache begegnen wir den Wörtern
-»Halde« für eine Aufschüttung von Gesteinen, was auf ~halda~ =
-der Weiler führt; »Perl«, der Breithammer, auf ~perlik~; »Kaue«,
-das Stollenhaus, auf ~kavna~ = die Hütte; »Tscherper«, das Messer
-der Bergleute, auf ~serp~ = die Sichel; »Nusche«, das schlechte
-Messer (auch Kutternusche), auf ~nuz~ = das Messerchen; »Schragen«,
-Holzschragen, ein bestimmtes Maß Holz auf ~srak~ = das Gestell (zum
-Messen des Holzes); »Bähnert«, ein runder Korb, auf ~bane~ = der
-Flechtkorb. Unter anderen Benennungen deuten »Latschen«, schlechte
-oder geringe Schuhe, auf ~hlacice~ = Strümpfe; »Hütsche« auf ~hecna~ =
-die niedere Bank; »Hurkel« auf ~hurka~ = der Hügel, Buckel; »Zieche«
-auf ~cicha~ = der Bettüberzug. Ferner »Schlottig« auf ~slota~ =
-Lumpengesindel; »Klike«, die Gesellschaft, auf ~klika~ = das Gespann,
-Joch; »Schmant« auf ~smanta~ = Schmutz; ferner weist »Wischka« auf
-~miska~ = der Eber; »Kunzen« auf ~cunce~ = das männliche Spanferkel.
-An Orts- und Richtungsbezeichnungen und dergl. kann man aufführen:
-»Nische« von ~nize~ = schrägüber; »lätsch« von ~lezny~ = falsch;
-»quatsch« von ~kvaz~ = das Gekrächze; »pritsch« von ~pric~ = fort;
-dergleichen an Zeitwörtern »hätscheln« von ~hejckám~ = auf dem Arme
-schaukeln; »bischen«, das Kind auf dem Arme tragen und einsingen, von
-~pisenka~ = das Lied; »dahlen« von ~dal~ = weitläufig (sprechen);
-»tatschen« von ~tacim~ = im Kreise drehen (mit seiner Rede); »pesteln«
-von ~pestam~ = vorsorgen, pflegen; »pitzeln« von ~piclam~ = mit
-stumpfem Messer schneiden; »anfuzen«, jemand grob anreden, von ~fucim~
-= sausen; »balzen« von ~palcivy~ = hitzig sein; »Husche« von ~husa~
-(Hus) = Gans; »Kaluppe« oder Schaluppe (schlechte Hütte) von ~chalupa~
-= Hütte; »paddeln« von ~padlám~ = in der Erde wühlen; »pomäle«
-(behaglich, bequem) von ~pomalu~ = langsam; »ketscheln« von ~kecam~ =
-spritzen, sudeln, besudeln u. a.
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- Nach ~Dr.~ Göpfert u. M. v. Süßmilch.
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-29. Einzelansiedelungen im Obererzgebirge.
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-Der Einzelansiedler hatte vollständig freie Hand, sich anzubauen,
-wo es ihm gefiel. Da gab es bis in die neueste Zeit Einzelhäuser im
-Walde und Einzelgehöfte vor dem Walde und an dessen Rande, ungerechnet
-die zahlreichen Mühlen, welche einsam an den Wasserläufen und in den
-prächtigsten Thalstrecken entlang verstreut liegen. Die verschiedenen
-Häusergruppen auf dem Gebirgszuge zwischen Freiberg und Brand, die
-Höfe von Drachenwald und Neusorge, die Gehöfte und Häusergruppen
-»Auf dem Gebirge« bei Marienberg, die verschiedenen Vorwerke bei
-Ehrenfriedersdorf und Geyer, sowie im Nordosten von Annaberg und
-im Norden von Buchholz, die Höfe am Bärenstein, die Vorwerke bei
-Oberwiesenthal, die Berghäuser bei Unterwiesenthal, die Tellerhäuser
-bei Oberwiesenthal, die verschiedenen Vorwerke bei Schwarzenberg,
-Brünnlaß am Gleesberge, die Sonnenwirbelhäuser, die Unruhe, die
-Spitzberghäuser, die Försterhäuser und andere geben sämtlich Beispiele
-für die Einzelansiedelungen, sei es als Jäger, Wilddieb, Kohlenbrenner,
-Bergmann, Viehzüchter und Ackerbauer.
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- Nach M. v. Süßmilch.
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-30. Die Bauart des Erzgebirgshauses.
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-Das für das Erzgebirge eigentümliche Wohnhaus ist das Blockhaus. Das
-ursprüngliche Blockhaus ist allerdings nur noch in mäßiger Anzahl zu
-finden, da bei allen neuen Bauten die gesteigerten Holzpreise, sowie
-staatliche und örtliche Bauvorschriften die Errichtung von wirklichen
-Blockhäusern verbieten. Das Blockhaus, wie man es in der ursprünglichen
-Bauweise an einzelnen Stellen noch vortrefflich erhalten findet, und
-zwar für eine Familie, ist die Grundform für alle Hausbauten auf dem
-Gebirge.
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-Auf einem Viereck von großen Steinen in Trockenmauer, seltener in Lehm-
-oder Kalkbau, steht das aus zweikantig beschlagenen, auf den beiden
-übrigen Seiten nur geschälten Balken errichtete Haus. Die Balken liegen
-wagerecht; ihre Enden sind über einander geschnitten und ragen etwa
-eine Hand breit vor. Die Balken waren 30 bis 35 ~cm~ starke Bohlen, und
-man fügte dieselben zwischen stehende Säulen von 30 ~cm~ Stärke. Für
-Thüre und Fenster sind entsprechende Öffnungen gelassen. Die inneren
-Zwischenwände sind ebenfalls Blockwände. Nur zur Aufnahme der Esse und
-Abgrenzung einer kleinen, schwarzberußten Sommerküche ist Mauerwerk
-von mehr oder weniger hart gebrannten Ziegeln aufgeführt. Die Fugen
-zwischen den Balken sind mit Moos, Erde oder Lehm ausgestopft und das
-Innere ist mit Kalkfarbe gestrichen, bei wohlhäbigeren Bauten aber mit
-Holzverkleidung bedeckt. Die Stuben- und Kammerdecke ist mit Brettern
-zwischen den Balken verschlagen; die Fenster sind mit Läden versehen.
-Die Holzverkleidungen sind meist in Felder geteilt; aber eigentliche
-Holzschnitzereien sind nirgends zu treffen. Zunächst der kleinen
-Hausflur befindet sich eine ungefähr 5 ~m~ im Gevierte haltende Stube,
-an dieser eine Kammer. In der Stube steht ein großer Kachelofen, in der
-kleinen Küche ein Herd. Das zweiseitige, mit Schindeln gedeckte Dach
-bildet ein gleichseitiges Dreieck über den niederen Außenwänden. Die
-über das Dach wenig aufragende Esse ist von Lehmsteinen oder Ziegeln
-gebaut, mit einer Holzverkleidung umfaßt und mit einem Wetter- und
-Schneedache überdeckt. Zu dem Dachboden führt eine offene Stiege. Dem
-Verlaufe der Ansiedelung entsprechend, liegen die Häuser vereinzelt,
-mitten im Lande, am Wege oder in Gruppen über oder nebeneinander, am
-Abhange oder auf dem Bergvorsprunge.
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- Nach M. v. Süßmilch.
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-31. Der erzgebirgische Kirchenbau.
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-Die Grundrisse der erzgebirgischen Kirchen verraten eine gemeinsame
-Kunstanschauung. Die zu Annaberg besteht aus drei Schiffen, von welchen
-das mittlere nur wenig breiter ist als die äußeren. Gegen Osten sind
-drei aus dem Achteck gebildete Chorbauten angeordnet. Der Bau bildet im
-übrigen ein Rechteck, welches etwa doppelt so lang als breit ist.
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-Die Kirche zu Pirna entspricht der Annaberger fast völlig. In dieser
-Planbildung sehen wir die ältere Schule jener Gegend; denn die Pirnaer
-Kirche entstand seit 1504. Ihr Meister dürfte jener +Peter von Pirna+
-sein, von dem wir wissen, daß er vor +Jakob von Schweinfurt+ in
-Annaberg baute.
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-Diese Grundrißform war keine neue. Ihre Wahl war vielleicht durch
-Jerusalem beeinflußt; dort stand die Abtei St. Anna, die im 12.
-Jahrhunderte von den Kreuzfahrern über der Gruft der Großmutter Christi
-errichtet worden war. Auch sie zeigt jene Form und war eine jener
-Heilstätten, die damals kein Wallfahrer unberührt ließ. Schwerlich ist
-aber die Annenkirche in Jerusalem allein maßgebend gewesen. Das Vorbild
-der Teynkirche zu Prag und verwandter Bauten wirkte jedenfalls mit.
-Das dortige Chor findet sich schon 1388 an der Moritzkirche zu Halle
-wiederholt.
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-Aber zwischen allen diesen Bauten und dem Annaberger besteht ein sehr
-einschneidender Unterschied. Dort sind die Umfassungsmauern zwischen
-die inneren Endungen der Strebepfeiler gestellt, sodaß diese nach
-außen die Wandfläche gliedern; hier ist die Außenwand völlig glatt
-gebildet, sind die Streben ganz nach innen gezogen. Ursprünglich
-war die Hallenkirche geplant. Die folgenden Meister gingen erst
-zur Emporenkirche über, wie in der Wolfgangskirche zu Schneeberg
-und der Kirche zu Laun. Der Emporenumgang über den eingebauten
-Kapellen erstreckte sich in Brüx nun auch über das Chor. Die reiche,
-bildnerische Ausschmückung der Emporenbrüstungen, die feine Gliederung
-der Pfeiler, die die Decke zu einem ganzen zusammenfassende Bildung
-der sich durchdringenden Kurvenrippen, die Stellung der Kanzel -- alles
-dies giebt solchen Kirchen im hohen Grade den Eindruck des Saalartigen,
-des Gemeindebaues, der Predigtkirche, soweit dies bei gotischen
-Formen überhaupt erreichbar ist. Ähnlich ist die Schneeberger Kirche
-gestaltet. Schon hielt man hier nicht mehr für nötig, dem Mittelschiffe
-einen chorartigen Abschluß zu geben. Der Altar steht frei vor der
-ringsumlaufenden, den Eindruck des Raumes künstlerisch beherrschenden
-Empore. Diese Form war entlehnt von der Marienkirche zu Zwickau, welche
-1465--1475 erbaut wurde.
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-In der Kirche zu Oederan aber, wie in jenen zu Penig und Geithain
-und sämtlichen kleineren Orten des Erzgebirges, ließ man auch die
-Pfeiler als Dachstützen fort und schuf lediglich den von den Emporen
-umgebenen Saal, an den das Chor als etwas Selbständiges sich anlegt.
-Am entschiedensten und merkwürdigsten zeigt sich die neue Richtung an
-der Kirche zu Joachimsthal, die erst nach dem Beginne der lutherischen
-Reformation angelegt wurde. Die böhmische Bergstadt ist in vielen
-Beziehungen eine Tochter Annabergs. Die ganze Anlage der Kirche ist
-sehr nüchtern. Sie ist durchaus protestantisch, durchaus zweckmäßig,
-durchaus im bewußten Gegensatze zu der Altarkirche des alten Glaubens
-errichtet, sodaß hier dem Katholizismus ernste Schwierigkeiten
-erwuchsen, als er den Bau für seinen Gottesdienst einrichten ließ.
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-War also das Aufgeben der malerisch reizvollen Grundrißformen der
-Gotik zu Gunsten einer möglichst klaren, einheitlichen Raumgestaltung
-ein Werk des Bestrebens, Predigt- und Gemeindekirchen zu schaffen, so
-zeigt sich dies auch in der Pfeilerbildung. Die Pfeiler wurden nun
-fast notwendige Übel. Man bildete sie deshalb so einfach als möglich
-und suchte einen Stolz darin, die Zahl der Stützen unter den Gewölben
-thunlichst zu beschränken. In Schneeberg ist die sehr nüchterne Führung
-der Gewölblinien in allen drei Schiffen dieselbe; in Laun tritt eine
-Eigentümlichkeit der Spätzeit der Gotik auf, nämlich die, daß die
-Rippennetze aus Bogen gebildet sind, eine Erscheinung, die sich in
-Brüx, am Hauptchor in Pirna, am Chor der Stadtkirche zu Lommatzsch
-und an der Annaberger Kirche wiederholt. Diese Formen finden sich
-auch wieder am Wradislavsaale des Schlosses auf dem Hradschin und
-in dem erst durch +Jakob von Schweinfurt+ errichteten Wappensaale
-der Albrechtsburg in Meißen. -- Von besonderer Wichtigkeit ist, zu
-sehen, wie die Baumeister sich den Emporen gegenüber verhielten. Man
-errichtete neben den Pfeilern des Mittelschiffes der alten Kirche
-die neuen, schwächeren Pfeiler, spannte die Gewölbe ein und konnte
-dann die alte Kirche aus dem Innern der neuen entfernen. So geschah
-es in Annaberg. In Annaberg entwickelte sich der Emporenbau nur
-schrittweise; der älteste Teil ist die »Musika«, die Orgelempore. In
-der Marienberger Kirche (1558--1564 erbaut) liegt die Sakristei hinter
-der Empore, welche den ganzen Bau umzieht. Das Chor als solches ist
-ganz aus dem Plane gestrichen. In der Bergkirche zu Annaberg ruhen die
-Emporen auf Säulen und ziehen sich ringsum. Jemehr die Strebepfeiler
-nach innen rückten, desto ungegliederter wurde das Äußere. In Laun,
-Freiberg, Schneeberg, Oederan, Buchholz erscheinen die Streben als
-mehr oder minder schwache Wandstreifen. In Brüx und Annaberg sind die
-Umfassungswände ebenso glatt wie an den meisten Schloßkapellen. Die Art
-der Gotik ist umgewendet.
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-Während an dem Dome zu Köln, wie an den großen französischen Kirchen
-eine gewaltige Zahl von Nebenkapellen, Strebepfeilern und Bogen,
-Fialen, Brüstungen und Wimpergen sich äußerlich zeigt, die ein
-schmales, schlank aufsteigendes Mittelschiff als eigentlichen Hauptraum
-der Kirche umrahmen, erscheint hier ein äußerlich schmuckloser, ganz
-nach innen gekehrter Hallenbau; während dort das Ganze in seinen
-zahlreichen Teilen, seinen verschiedenen Schiffen und Kapellen dem
-Wesen der Heiligen-, Klerikerkirche entspricht, ist hier der Predigtbau
-bei allem Bauaufwande doch in seiner zweckdienlichen Einfachheit
-ausgebildet, ein durchaus neues, zwar aus der Gotik entwickeltes, aber
-keineswegs mehr mittelalterliches Werk geschaffen.
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-Licht! lautet eine Grundforderung der erzgebirgischen Bauten. Die
-Meister der erzgebirgischen Predigtkirche fanden auch statt der
-Abteilung des Baues in verschieden heilige Teile eine einheitliche
-Form durch unbefangene Ausgestaltung der Forderungen des neuen
-Gottesdienstes.
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- Nach Gurlitt.
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-32. Die Wappen der Erzgebirgsstädte.
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-Es ist lehrreich, die Städtewappen des Erzgebirges zu vergleichen.
-Dieselben trennen sich in zwei große Gruppen: in die Wappen der Städte,
-welche vor 1500 bestanden, und in die der Städte, welche nach 1500
-gegründet wurden. Diese letzteren sind alles Bergstädte, wie auch ihre
-Bergmannswappen bezeugen.
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-Der größte Teil der alten Städte führt eine Stadtmauer mit Thor und
-Türmen als Beleg ihrer Wehrhaftigkeit im Wappen. Diese Städte sind
-sämtlich im 13. Jahrhundert, jedenfalls zu Anfang desselben, wo nicht
-schon früher, am Ausgang des 12. Jahrhunderts, gegründet worden. So
-haben Colditz, Leisnig, Döbeln, die drei alten Städte vor dem Fuße
-des Erzgebirges, eine Mauer mit offenem Thor, Döbeln sogar drei, und
-drei Türme. Colditz hat über dem mittelsten Turme einen Schild mit dem
-Meißener Löwen, Leisnig vor dem Thore den Wappenschild der Burggrafen
-von Leisnig. Freiberg führt eine Mauer mit Thor und drei Türmen,
-vor dem Thore den Schild mit dem Meißener Löwen; Lößnitz eine Mauer
-mit drei Türmen, vor deren mittelsten den Schild der Burggrafen von
-Meißen; Elterlein eine Mauer mit Thor und zwei Türmen, rechts oben an
-der Mauer den Schild der Burggrafen von Meißen mit dem Andreaskreuz,
-links oben den Schild der Grafen von Schönburg mit seinen zwei roten
-Schrägstreifen. Wolkenstein führt eine Mauer mit offenem Thor und drei
-Türmen, auf dem rechten bläst der Wächter ins Horn. Später hat man
-das Wappen durch zwei zwischen die Türme gesetzte Schilderhäuschen
-verunziert. Frankenberg hat eine Mauer mit Thor und zwei Türmen,
-zwischen denen eine Jungfrau mit Kranz steht. Kirchberg, sowie Zschopau
-hat eine Mauer mit Thor und drei Türmen; Chemnitz ebenfalls, an dem
-mittelsten Turme jedoch den Schild mit dem Reichsadler. Öderan hat eine
-Mauer mit Thor und zwei Türmen, zwischen denen sich ein Wagenrad als
-Wahrzeichen der Heerstraße befindet. Die uralte Stadt Sayda hat nur den
-Schönburgschen Löwen.
-
-Die Ansiedelung im Waldgebiete bezeugen die Wappen von Geringswalde
-oder Gerungiswalde, eine Tanne, an welcher sich ein Eber reibt, von
-Grünhain mit drei Tannen, vor welchen ein Auerhahn steht. Hainichen
-führt zwei umgeschlagene Tannen, auf dem einen Zweige sitzt ein
-Vogel. Nossen hat drei große Bäume, zwischen denen ein Turm steht.
-Dippoldiswalde zeigt zwei gekreuzte Eichen und das Brustbild eines
-Mannes mit Bart. Zöblitz führt einen Bärenkopf in goldenem Schilde.
-
-Die Wappen von Dohna und Frauenstein haben keine geschichtlichen
-Beziehungen; ebensowenig das am Rathause von Geyer 1496 angebrachte
-Stadtwappen mit den drei Geiersköpfen.
-
-Ein uraltes, redendes Bergmannswappen führt Eibenstock, nämlich Rechen
-und Radehaue als Wahrzeichen des Zinnseifens.
-
-Die Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Bergstädte
-Altenberg, Schneeberg, Aue, Annaberg, Buchholz, Sebastiansberg,
-Marienberg, Scheibenberg, Oberwiesenthal, Sonneberg, Kupferberg,
-Gottesgab, Platten, Jöhstadt, sowie das weit später gegründete
-Johanngeorgenstadt führen sämtlich Bergmannswappen mit Schlägel
-und Eisen, Hacken, Hauen, Keilen u. a. mit Heiligen- oder anderen
-Schmuckbildern oder ohne solche.
-
- Nach M. v. Süßmilch.
-
-
-33. Uralte Verkehrswege im Erzgebirge.
-
-Die ersten Pfadmacher in den unwirtlichen, waldigen Schluchten und
-Bergen unseres Gebirges sind jene großen Säugetiere gewesen, welche
-in alter Zeit zahlreich unsere Gegenden durchstreiften. Die ersten,
-die Wege herstellten, sind slavische Ansiedler gewesen. Es entstanden
-eine Reihe von Burgen und Grenzfestungen, welche teils zum Schutz
-der Straßen dienten, teils aber wohl auch allerlei Raubgesindel
-Unterschlupf gewährten. So hören wir schon aus dem Jahre 968 von der
-Burg Schellenberg, weiter von Rauenstein, Nieder- und Oberlauterstein,
-Purschenstein, Sayda, Scharfenstein, Wolkenstein, Tannenberg, Stein,
-Hartenstein, Schlettau, Schwarzenberg. Ums Jahr 923 wird bereits die
-Burg Wildeck erwähnt, von deren Vorhandensein heute noch der Berchfrit,
-der einen wesentlichen Bestandteil des Schlosses in Zschopau bildet,
-Zeugnis ablegt. Ebenso soll bei Rittersgrün und Rübenau eine Burg
-gestanden haben. Rauenstein wird zuerst urkundlich 1289 erwähnt,
-Niederlauterstein 1315, während Sayda und Purschenstein im Jahre
-1240 aus böhmischem in sächsischen Besitz kamen und Scharfenstein,
-Wolkenstein und Schlettau im 12. Jahrhundert entstanden sein dürften.
-Von der Burg Tannenberg, von der nur noch der bekannte alte viereckige
-Turm übrig geblieben ist, wird in zeitgenössischen Quellen nichts
-erwähnt. Alle diese Burgen lagen in der Nähe der großen Straßen, welche
-am Gebirge entlang oder über dasselbe führten. Da ist zunächst die
-alte Frankenstraße, welche vom Vogtlande durch das niedere Erzgebirge
-nach Osten ging und von Plauen aus Reichenbach, Zwickau, Lichtenstein,
-Chemnitz, Flöha und Freiberg berührte. Hier teilte sich die Straße,
-indem die obere über Wilsdruff, die untere über Bobritzsch nach Dresden
-führte. Parallel zu ihr hatte schon frühzeitig eine große Handelsstraße
-im Egerthale Bedeutung, welche von Eger über Falkenau, Karlsbad, Kaden,
-Komotau, Brüx nach Aussig lief. In die ersterwähnte Frankenstraße
-mündeten von Norden mehrere Straßenzüge ein. So kreuzten dieselbe
-in Plauen und Zwickau Straßen von Leipzig, welch letztere sich über
-Kloster Grünhain, das ja früh schon mit Zwickau in enger Verbindung
-stand, Elterlein, Schlettau nach Böhmen zog. Eine dritte Straße von
-Leipzig fand in Chemnitz Anschluß an die Frankenstraße, welche von hier
-aus nach dem Egerthale weiterführte. Ob diese Straße Karl der Große
-bei seinem Zug nach Böhmen im Jahre 805 und Heinrich II. im Jahre 1004
-benutzte, ist nicht genau festzustellen, aber nicht ausgeschlossen.
-Die Straße ist in ihrem Vorhandensein bis Zschopau urkundlich
-festgestellt, wie sie weiter verlief, ist nicht genau bekannt. Andere
-Straßen führten von Zöblitz über Rübenau nach Görkau, von Marienberg
-über Reitzenhain, Bastelberg (Sebastiansberg) nach Komotau, von
-Zschopau über Mildenau, Jöhstadt nach Preßnitz. Auch Kühberg war schon
-frühzeitig ein wichtiger Straßenpunkt. Alle diese Straßen dienten nicht
-nur friedlichen Zwecken, oft sind Kriegsheere auf ihnen hin gezogen
-und haben sich plündernd in die nächsten Marken ergossen. Ferner
-wird Wolkenstein als an einer Straße nach Preßnitz liegend erwähnt,
-welche vielleicht von Wolkenstein nach Chemnitz über Erfenschlag ging.
-Christian Lehmann gedenkt auch eines Weges nach Satzung. Von der
-Frankenstraße zweigte in Oederan die sogenannte alte Salzstraße nach
-Süden ab, welche Freiberg und Sayda berührte und in Brüx Anschluß an
-die nordböhmische Handelsstraße fand. Sayda war schon 1210 eine Zoll-
-und Gerichtsstätte und das nahe gelegene Schloß Purschenstein findet
-schon 1213 Erwähnung. Eine andere Straße ging schon in alter Zeit von
-Freiberg über Frauenstein nach Teplitz. Freilich waren dies alles nicht
-Straßen im heutigen Sinne, sie folgten meist weder den Höhenzügen, noch
-den Thälern, sondern gingen bergauf, bergab, wie gerade das Gebiet
-es ergab. Infolgedessen waren die Wege sehr beschwerlich, und die
-Gefahren, die sie an sich boten, wurden noch durch die Unsicherheit
-vermehrt, die durch allerlei Räuber und Buschklepper entstand. So blieb
-es bis in das 15. Jahrhundert. Allmählich wurden die Straßen besser,
-sie wurden vermessen und ordentlich in Stand gehalten, bis aus ihnen
-die prächtigen Kunststraßen wurden, deren wir uns heute erfreuen.
-
- Nach ~Dr.~ Simon.
-
-
-34. Die Pässe des Erzgebirges.
-
-Die größeren Städte und Verkehrsmittelpunkte am Fuße des höheren
-Erzgebirges verdanken ihre Entstehung nicht den Verkehrsstraßen. Es
-haben vielmehr die Städte, die ursprünglich Mittelpunkte der Kultur
-fruchtbarer Landstriche oder ergiebiger Bergbaugebiete waren, mit
-der Zeit bewirkt, daß sich aus der Fülle möglicher Straßen bestimmte
-Gruppen ausschieden.
-
-Über den Kamm des Erzgebirges bestanden schon sehr früh verschiedene
-Übergangspunkte. So bestand ein wichtiger Gebirgsübergang des Passes
-von Dohna am Mückenberge. Der Name des »Langenbrückeberges« bei
-Häselich scheint darauf hinzuweisen, daß sumpfige Strecken durch
-Knüppeldämme wegsam gemacht waren. Die Pirnaer Straße kreuzte das
-Gottleubathal und erreichte Nollendorf. Die Straßen bestanden, bevor
-Dresden 1455 das Niederlagsrecht für die nach Böhmen gehenden Güter
-erhalten hatte. Freiberg ist ebenfalls jünger als die Gebirgsübergänge
-im Quellgebiete der östlichen Mulde und Flöha. Der Verkehr zog sich
-hier über den Paß von Sayda. Diese auf dem hohen Gebirge gelegene
-Stadt mußte als ein Ruhepunkt und wahrscheinlich auch als ehemalige
-Grenz- und Zollstätte einzig durch die Straße nach Böhmen an Bedeutung
-gewinnen. Übergangspunkte von Chemnitzer Straßen waren die Pässe von
-Reitzenhain und Preßnitz. Es gab noch eine Anzahl Straßen, in der sich
-die Chemnitzer Straße fächerartig spaltete.
-
-Während im östlichen Gebirge auf böhmischer Seite die Stadt Teplitz
-einen Teil der Straßen auf sich lenkte, fehlte nach Westen ein solcher
-Mittelpunkt. So überschritten die von Chemnitz kommenden und nach
-Prag Reisenden die Eger an einem andern Punkte als die, welche das
-restliche Böhmen besuchten. Die Prager Straße lief über Reitzenhain
-und überschritt bei Saaz oder Bostelberg die Eger, der westliche Paß
-dagegen, der von Preßnitz, führte auf Kaaden.
-
-Das westliche Erzgebirge haben immer nachbarliche Beziehungen mit
-Böhmen verbunden. Wenn auch infolge der Silberfunde von Annaberg,
-Joachimsthal, Schneeberg und Marienberg und dem Anwachsen der Einwohner
-neue Straßen entstanden, so hat sich die Zahl der eigentlichen Pässe
-nicht vermehrt, da der Abfluß des Silbers nach Norden in die Münze
-des Landesherrn stattfand und so der Austausch der Waren auch dorthin
-wies. Jedoch hat es weder vor noch nach der Blütezeit des Bergbaues
-ganz an Verkehrsstraßen über das Gebirge gefehlt. So führte eine
-solche von Zwickau über Eibenstock, Wildenthal, Sauersack, Frühbuß
-und Schönlind. Eine Ablenkung von dieser Richtung von Wildenthal über
-Johanngeorgenstadt, Platten und Bäringen nach Karlsbad ist erst durch
-Aufblühen Johanngeorgenstadts veranlaßt worden.
-
-Von Zwickau führte außerdem eine Straße über Lindenau, Zschorlau,
-Bockau und Konradswiese nach Schwarzenberg und spaltete sich hier
-in zwei Linien, deren eine über Bermsgrün, Crandorf, Breitenbrunn,
-Wittigsthal, Platten und Bäringen sich nach Karlsbad wandte, die
-andere dagegen den Paß aufsuchte, der dem Chemnitzer Straßenzuge
-angehörte, also die Ortschaften Grünstädtel, Raschau, Crottendorf,
-Cranzahl, Pleil, Preßnitz berührte. Karlsbad als Endpunkt der Zwickauer
-Straßenzüge kommt erst seit dem Aufblühen der Stadt nach 1347 in
-Betracht, vorher dürften Elbogen oder Falkenau die Straßenausgänge
-beherrscht haben.
-
-Die Pässe des Erzgebirges werden nur in Einzelheiten durch das Gelände
-bestimmt. Die Flußthäler werden im Gebirge sorgfältig vermieden. Die
-Eisenbahnen dringen meist bis zum Kamme in den Thälern vor. Die alten
-Straßen teilen sich auf dem Kamme gewöhnlich in mehrere Züge. Sie sind
-vom Verkehr zäh festgehalten worden.
-
- Nach Prof. ~Dr.~ Schurtz.
-
-
-35. Die Verkehrswege.
-
-
-~a.~ Die obererzgebirgischen Eisenbahnen.
-
-Ihrer Eröffnungszeit nach durchziehen das Obererzgebirge zur
-Zeit folgende Eisenbahnlinien: seit 1858 Zwickau-Schwarzenberg,
-1859 Niederschlema-Schneeberg, 1866 Chemnitz-Annaberg, 1872
-Annaberg-Weipert, 1875 Flöha-Reitzenhain mit Pockau-Olbernhau,
-Chemnitz-Aue-Adorf, 1883 Schwarzenberg-Johanngeorgenstadt, 1886
-Wilischthal-Ehrenfriedersdorf, Thum-Herold, 1888 Schönfeld-Geyer,
-1889 Buchholz-Schwarzenberg mit Zweigbahn nach Obercrottendorf und
-Oberrittersgrün, Zwönitz-Stollberg, 1892 Wolkenstein-Jöhstadt, 1897
-Wilzschhaus-Carlsfeld, Mulda-Sayda, Cranzahl-Oberwiesenthal. -- Auf
-böhmischer Seite sind folgende Linien zu merken: 1872 Komotau-Weipert,
-1875 Krima-Reitzenhain, 1899 Johanngeorgenstadt-Neudeck.
-
-Die Eisenbahnlinie
-Zwickau-Glauchau-Chemnitz-Flöha-Freiberg-Hainsberg-Dresden ist
-die Hauptlinie, an welche sich fast sämtliche erzgebirgische
-Eisenbahnlinien anschließen.
-
-Längs des Südfußes des Gebirges führt die Linie Tellnitz-Ossegg-Komotau
-und Komotau-Karlsbad-Falkenau hin.
-
-
-~b.~ Die alten Postsäulen.
-
-Wenn in der alten guten Zeit jemand eine größere Reise unternahm, so
-machte er wohl sein Testament, versammelte seine Familie um sich und
-nahm rührend Abschied. Dann vertraute er sich dem Postillon an, der
-ihm die anstrengende Fahrt durch die lustigen Weisen seinem Hornes
-etwas angenehmer machte. An größeren Haltestellen besichtigten die
-Reisenden die in der Nähe der Postmeisterei aufgestellten +Postsäulen+,
-welche in Stein geschriebene Auskunft erteilten. Sie waren Spitzsäulen,
-auf deren Seiten die Orte der Poststraße samt Entfernungszahl in
-Meilen eingetragen waren. Viele solcher Säulen sind unter +August dem
-Starken+ errichtet worden. Sie trugen das kurfürstlich sächsische und
-königlich polnische Wappen. Manchenorts trifft man noch diese Reste
-einer guten alten Zeit, über welche die Gegenwart mit Unrecht bei ihren
-Verkehrserleichterungen lächelt.
-
-Diese Säulen sind gewissermaßen Denkmale für die frühere Bedeutung der
-Orte als Verkehrshauptpunkte.
-
- Nach dem Glückauf.
-
-
-36. Die Bevölkerung des Obererzgebirges sonst und jetzt.
-
-Die Einwohnerzahl erzgebirgischer Städte vor 100 Jahren unter Beifügung
-der Ergebnisse der letzten Volkszählung im Jahre 1859 zeigt folgende
-Zusammenstellung:
-
-Es zählten im Jahre
-
- 1796 1895
-
- Einwohner Wohnhäuser Einwohner
-
- Annaberg 4500 600 15025
- Buchholz 1400 180 7989
- Ehrenfriedersdorf 1000 200 5123
- Eibenstock 2000 300 7216
- Elterlein 900 150 2105
- Geyer 1300 250 5764
- Grünhain 900 250 1813
- Jöhstadt 1300 200 2358
- Johanngeorgenstadt 3000 380 5313
- Lengefeld 1600 280 3431
- Marienberg 3000 600 6574
- Oberwiesenthal 1200 200 2031
- Scheibenberg 800 130 2567
- Schlettau 800 100 3175
- Schneeberg 4400 600 8284
- Schwarzenberg 1300 162 3738
- Stollberg 1600 400 7028
- Thum 1000 130 4134
- Wolkenstein 1200 200 2099
- Zöblitz 800 110 2386
- Zschopau 3700 550 6962
- Zwickau 5000 900 50391
- Zwönitz 1200 200 2925
-
-Wie schnell die Bevölkerungszahl unserer sächsischen Städte gewachsen
-ist, dürften folgende Ergebnisse der +Volkszählung aus dem Jahre
-1830+ darthun. Vor 70 Jahren hatte Dresden 63000 Einwohner; Freiberg
-10000; Chemnitz 16500; Zschopau 5000: Annaberg 4500; Buchholz 2000;
-Ehrenfriedersdorf 2000; Elterlein 1750; Geyer 2650; Grünhain 1500;
-Jöhstadt 1500; Johanngeorgenstadt 3000; Lengefeld 1200; Marienberg
-3000; Oberwiesenthal 1800; Scheibenberg 1400; Schlettau 1180;
-Schwarzenberg 1800; Thum 1150; Wolkenstein 1600; Zöblitz 1150; Leipzig
-40000; Schneeberg 6200; Zwickau 5500; Zwönitz 1600; Plauen 6600;
-Oelsnitz 3200 etc.
-
-Die Ergebnisse der +letzten Volkszählungen+ sind nach erfolgter
-Zusammenstellung in Sachsen für die Stadtgemeinden bis zu 5000
-Einwohnern folgende:
-
- 1895 1890
-
- Leipzig 399969 293525
- Dresden 336440 276085
- Chemnitz 161018 138955
- Plauen 55197 47008
- Zwickau 50391 44202
- Freiberg 29282 28954
- Zittau 28133 25394
- Glauchau 24885 23404
- Reichenbach 24411 21498
- Bautzen 23668 21517
- Crimmitschau 23554 19975
- Meerane 23003 22429
- Meißen 18828 17874
- Werdau 17356 16256
- Döbeln 15763 13890
- Wurzen 15674 14627
- Pirna 15672 13848
- Annaberg 15025 14959
- Mittweida 13451 11299
- Großenhain 12024 11946
- Frankenberg 11915 11369
- Riesa 11768 9389
- Oelsnitz 11557 9427
- Limbach 11429 11832
- Radeberg 10295 8739
- Oschatz 10012 9382
- Waldheim 9935 9215
- Grimma 9803 8935
- Löbau 8694 7522
- Aue 8415 6007
- Schneeberg 8284 8212
- Borna 8251 7485
- Sebnitz 8199 7956
- Auerbach 8133 7481
- Hainichen 8066 8258
- Roßwein 8062 7602
- Falkenstein 8004 7068
- Buchholz 7989 7812
- Kirchberg 7910 7729
- Leisnig 7761 7946
- Kamenz 7694 7748
- Netzschkau 7538 6585
- Hohenstein 7534 7549
- Mylau 7379 6354
- Markneukirchen 7270 6652
- Eibenstock 7216 7166
- Stollberg 7028 6937
- Zschopau 6962 7441
- Rochlitz 6847 6186
- Treuen 6784 6472
- Penig 6582 6560
- Marienberg 6574 6301
- Lichtenstein 6468 5837
- Burgstädt 6458 6693
- Bischofswerda 5969 5512
- Lößnitz 5902 5887
- Markranstädt 5879 4991
- Geyer 5764 5302
- Oederan 5516 5665
- Groitzsch 5451 5390
- Lengenfeld 5139 5213
- Ehrenfriedersdorf 5123 4599
- Colditz 5121 4681
- Johanngeorgenstadt 5113 5124
- Pegau 5084 5286
-
-
-
-
-Vierter Abschnitt.
-
-Die Kriegszeiten des Obererzgebirges.
-
-
-37. Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das Erzgebirge.
-
-Von 999 bis 1002 regierte in Böhmen Herzog +Boleslaw III.+, Rothaar.
-Dieser gab bei Antritt seiner Regierung Befehl, seine Brüder Jaromir
-und Udalrich zu töten. Sie flohen hilfesuchend zu Kaiser Heinrich
-II. Die Schwäche des Böhmenherzogs erkannte auch der Polenherzog
-Boleslaw Chrobri, der, nachdem er früher schon Schlesien, Mähren und
-die Slowakei erobert hatte, in Böhmen einrückte, Boleslaw entthronte
-und seinen jüngsten Bruder zum Herzoge machte. Das war ein Tyrann
-und Trunkenbold; er starb 1003. Nach ihm nötigte der Polenherzog den
-Böhmen Rothaar wieder auf, welcher nun an seinen Feinden Rache nehmen
-wollte. Am 10. Februar 1003 lud er die Vornehmsten des Reiches zu einer
-Hoffestlichkeit ein, bei welcher er die Nichtsahnenden niedermetzeln
-ließ. Das Volk rief den Polenherzog, der gern kam, Rothaar gefangen
-nahm und ihn mit glühenden Blechen blenden ließ. Er starb in Polen in
-der Gefangenschaft. Der Polenherzog kümmerte sich nicht um die Brüder
-des Entthronten und dachte, ein großes Reich gegründet zu haben durch
-die Vereinigung Polens und Böhmens.
-
-Da er nicht dem Kaiser huldigte, brach sofort der Reichskrieg gegen
-Polen aus.
-
-Kaiser +Heinrich+, auch von den vertriebenen Prinzen gedrängt, ließ für
-die Mitte August 1004 in Sachsen, Thüringen und Franken den Heerbann
-nach Merseburg ausschreiben. Man glaubte, er werde in Polen einfallen,
-er wandte sich aber plötzlich nach Süden und brach auf gänzlich
-unbekanntem Wege über das Erzgebirge in Böhmen ein.
-
-Als man Boleslaw Chrobri bei einem Gastmahl nach Prag die Nachricht
-brachte, sagte er in anbetracht der bekannten Wildheit, Unwegsamkeit
-und der Sümpfe des Erzgebirges: »Ja, wenn sie Frösche wären, könnten
-sie wohl da hereinkommen, so aber nicht.«
-
-Heinrich II. aber stand plötzlich vor Saaz, dessen polnische Besatzung
-er mit Hilfe der Saazer selbst leicht bezwang. Er rückte gegen Prag
-vor, das rasch erstürmt wurde. Jaromir ward auf Böhmens Thron erhoben.
-Der kühne Zug Heinrichs über das Erzgebirge bleibt eine denkwürdige
-geschichtliche That.
-
-Man nimmt an, daß der Kriegszug über Chemnitz, Zschopau, Zöblitz,
-Göttersdorf, Görkau stattgefunden haben müsse.
-
-Chemnitz war eine kaiserliche Stadt, wo auch wie auf der Burg
-Schellenberg kaiserliche Beamte und Vögte waren. Von dort aus trat
-der Kaiser, der mit kundigen Führern versehen war, seinen für
-damalige Zeit unerhörten Marsch durch die dichtesten Waldungen an,
-rückte über Zschopau gegen Zöblitz, einen kleinen, von den Sorben
-angelegten Weiler, vor. Von dort aus mögen einzelne Kühne bis zum
-Kamme vorgedrungen sein, bis wohin Jäger wohl schon einen Pfad
-nach Böhmen gebahnt hatten. Von solchen Führern unterstützt, muß
-der kühne Kriegszug von Zöblitz über Beerhübel, Göttersdorf, einen
-unzweifelhaft alten heidnischen Opferplatz, durchs »tiefe Thal« nach
-Görkau stattgefunden haben. Da Kaiser Heinrich von einer Seite in
-Böhmen einfallen wollte, wo noch nie zuvor ein Überfall geschehen war,
-so mußte er vorher sorgfältige Erkundigungen einziehen, wo der Zug
-durch den fast endlosen Wald am sichersten zu ermöglichen sein mochte.
-Selbstverständlich mußte ihm von seinen Beamten in der kaiserlichen
-Stadt Chemnitz, sowie dem Burgvogte von Schellenberg dieser Weg gegen
-Böhmen genannt worden sein.
-
-Dieser Kriegszug war es, der Böhmen für die Dauer mit dem angrenzenden
-Meißenerlande in Verbindung brachte, wodurch die alte bekannte Meißener
-Straße entstand, die von Meißen über Natschung nach Böhmen, über den
-Beerhübel nach Göttersdorf, durchs »tiefe Thal« nach Görkau und von da
-über Buschenpelz nach Prag führte. Dieser Straßenzug verlor wieder an
-Bedeutung nach Eröffnung der Straße über Reitzenhain und Sebastiansberg.
-
- Nach Fischer.
-
-
-38. Raubritterunwesen im Obererzgebirge.
-
-Ein sächsischer Ritter, Dietrich von Vitzthum, beherbergte auf dem
-uralten Schlosse zu Frauenstein eine Rotte von Raubgesindel und
-würdigte sich zum Räuberhauptmann herab, indem er mit seinen Leuten,
-größtenteils aus böhmischem Auswurf bestehend, am hellen Tage auf
-Raub und Mord ausging und die ganze Gegend bis unter Freiberg, sowie
-die Ortschaften, welche unter dem Kloster Altenzella standen, wie z.
-B. Erbisdorf, Nossen u. s. w., unsicher machte. Da die Klagen über
-den verwegenen Raubritter bis zum Kurfürsten von Sachsen drangen, so
-sendete dieser, damals Friedrich der Sanftmütige, einen Truppenteil
-nach Frauenstein. Die Räuber verteidigten sich tapfer; allein die
-Soldaten belagerten das Schloß und erstürmten es nach blutigem Kampfe.
-Das Raubschloß ging in Feuer auf und wurde zerstört bis auf zwei Türme,
-die zum Teil heute noch stehen. Dietrich von Vitzthum wurde auf dem
-Schloßhofe nach Urtel und Recht mit dem Schwert hingerichtet, die noch
-lebenden Räuber aber wurden an den Bäumen des Waldes aufgehenkt. Dies
-geschah im Dezember 1438. Die adelige Familie von Vitzthum warf aber
-seit jener Zeit einen unvertilgbaren Haß auf den Kurfürsten, der später
-eine Veranlassung zu dem verheerenden Bruderkrieg wurde.
-
- Nach Müller.
-
-
-39. Der obererzgebirgische Schauplatz des Prinzenraubes.
-
-
-~a.~ Altes Volkslied.
-
- Wir wollen ein Liedel heben an,
- Was sich hat angespunnen,
- Wie's in dem Meißnerlande gar schlecht war bestallt,
- Als sein jungen Fürsten geschah groß Gewalt
- Durch den Kunzen von Kaufungen, ja Kaufungen.
-
- Der Adler hat uf den Fels gebaut
- Ein schönes Nest mit Jungen,
- Und wie er einst war geflogen aus,
- Holete ein Geier die jungen Vögel raus,
- Drauf wards Nest leer gefungen, ja gefungen.
-
- Wo der Geier uf dem Dache sitzt,
- Da trugen die Küchlein selten;
- Es wären mein weele ein seltsam Narrenspiel,
- Welcher Fürst sein Räten getrauet soviel,
- Muß oft der Herrschaft entgelten, ja entgelten.
-
- Altenburg, du bist zwar eine feine Stadt,
- Dich thät er mit Untreu meinen,
- Da in dir waren all Hofleut rauschend voll,
- Kam Kunze mit Leitern und Buben toll
- Und holte die Fürsten so kleine, ja so kleine.
-
- Was blies Dich, Kunz, für Unlust an,
- Da Du ins Schloß mir steigest,
- Und stiehlst die zarten Herren raus
- Als der Kurfürst aber war nicht zu Haus',
- Die zarten Fürstenzweige, ja Fürstenzweige.
-
- Es war wohl als ein Wunderding,
- Wie sich das Land beweget,
- Was uf allen Straßen warn für Leut,
- Die den Räubern nachfolgeten in Zeit,
- Alles wibbelt, kribbelt, sich bereget, ja bereget.
-
- Im Walde dort ward Kunz ertappt,
- Da wollt he Beeren naschen,
- Were he in der Hast sacken fortgeritten,
- Das ihm die Köhler nit geleppischt hätten,
- Hett he sie kunt verpaschen, ja verpaschen.
-
- Aber sie wurden ihm wieder abgejagt
- Und Kunz mit seinen Gesellen
- Uf Grünhain in unsers Herrn Abt Gewalt
- Gebracht und darnoch auch uf Zwickau gestalt,
- Und mußten sich lan prellen, ja lan prellen.
-
- Davon fiel ab gar mancher Kopf,
- Und keiner, der gefangen,
- Kam aus der Haft ganzbeinigt davon;
- Schwert, Rad, Zangen und Strick, die waren ihr Lohn,
- Man sah die Rümper hangen, ja hangen.
-
- So geht's, wer wider die Obrigkeit
- Sich unbesonnen empöret;
- Wer es nicht meint, der schau an Kunzen,
- Sein Kopf thu zu Freiberg noch herußen schwungen,
- Und jedermann davon lehret, ja lehret.
-
- Gott thu der frommen Kurfürsten alls Guts
- Und laß die jungen Herren
- In keines Feindes Hand mehr also komm,
- Geb auch der Frau Kurfürstin viel fromm,
- Das sie sich in Ruhe vermehren, ja vermehren.
-
- Herder, Stimmen der Völker.
-
-
-~b.~ Der Fürstenberg bei Grünhain.
-
-
-1. Wie der Berg den Namen erhält.
-
-Der jetzige +Fürstenberg+ trug vor dem Prinzenraube 1455 den Namen
-+Schmiedewald+, welcher von den Geyerschen Schmieden herrührt, die das
-Holz darauf kauften und zu Kohlen brennen ließen. In Geyer war als
-einer alten Bergstadt das Schmiedehandwerk zahlreich und wohlhabend. Am
-Fürstenberge befanden sich Bergwerksgruben, so rechts von der Quelle
-die Fürstenberger Fundgrube, die auch Eisenstein baute, links von der
-Quelle Himmlisch Heer, der Frischglückstolln, der Mohrenstolln. Auf der
-Spitze der Berge befand sich ein Marmorbruch, dessen Marmor zu Kalk
-gebrannt wurde.
-
-Auf dem Schmiedewalde hauste der Köhler +Georg Schmidt+, als +Kunz von
-Kaufungen+ mit dem geraubten Prinzen +Albrecht+ nahe der böhmischen
-Grenze bei Schwarzenberg sich sicher fühlte und im Walde rastete.
-Am Brunnen trank der Prinz. +Georg Schmidt+ gelang es, denselben zu
-befreien und mit seinen Gehilfen die Räuber gefangen zu nehmen und nach
-Grünhain ins Kloster zu bringen, wo der Abt +Liborius+ das weitere
-besorgte. Seit diesem Ereignisse am Schmiedewalde führt der Berg den
-Namen Fürstenberg.
-
-
-2. Herzog Albrecht besucht seinen Befreiungsort.
-
-1480 besuchte Herzog Albrecht den Berg, um selbst an dem Orte seiner
-Errettung der Vorsehung zu danken. Zu jener Zeit lebten zu +Elterlein+
-noch Urban Schmidt, sowie die Köhler Wiland und Fischer. Ersterer
-war es, der als Köhlerbursche am Tage der Befreiung des Prinzen mit
-Lebensmitteln aus Geyer kam und den alten Schmidt mit der Ursache
-des Glockenstürmens bekannt machte; letztere halfen den Ritter Kunz
-mit überwältigen. Diese drei Männer mußten Herzog Albrecht nach dem
-Fürstenberge führen, um ihm daselbst den Ort seiner Befreiung zu
-zeigen. Albrecht beschenkte seine schwarzen Führer reichlich, kam auch
-nach Geyer und sah die zersprungene Glocke an.
-
-
-~c.~ Wie das jetzige Brunnendenkmal geweiht wird.
-
-Am 8. Juli des Jahres 1822 fand auf dem Fürstenberge zwischen
-+Grünhain+ und +Raschau+ eine merkwürdige Feier der hier am 8. Juli
-1455 erfolgten Rettung des von Kunz von Kaufungen entführten Prinzen
-Albrecht statt.
-
-An der Feierlichkeit der Weihe des errichteten Denkmals zur Erinnerung
-an die schöne That des Köhlers Schmidt nahm die ganze Umgegend teil.
-Die Schwarzenberger Bürgergarde marschierte schon vormittags 10 Uhr
-auf den Platz. Mehr als 10000 Menschen drängten sich um die Pyramide
-herum, erkletterten Bäume, erstiegen die Dächer der erbauten Buden.
-Die Schützen von Crottendorf stellten sich auf dem Brunnenplatze
-auf. Diesen folgten 230 Bergleute mit Fahnen und Bergmusik. Um 1 Uhr
-donnerten Kanonen durch das Waldthal. Schon vorher waren Zwickauer
-und Schneeberger Offiziere angekommen. Wie am 8. Juli des Jahres 1455
-in der Umgegend die Sturmglocken ertönten, um alles zur Rettung der
-Prinzen aufzubieten, so ertönten jetzt die Glocken der benachbarten
-Orte zum Dank- und Freudenfeste der Rettung für Erhaltung des
-Fürstenhauses.
-
-Die Feier begann mit einem Weihelied und schloß mit einem solchen.
-Die Predigt hielt Superintendent ~Dr.~ Lommatzsch aus Annaberg. Die
-Sachsenhymne schloß die Feier.
-
-Das Denkmal hat die Gestalt einer Pyramide, die auf einem Sockel von
-in Jaspis übergehenden braunrotem Thoneisenstein steht. Das Denkmal
-ist aus Granit in 13 Stufen und bei Schwarzenberg gehauen. Das Ganze
-umschließt an der Hinterseite eine steinerne Mauer, an der sich
-Ruhebänke befinden und die in der Mitte das Denkmal mit dem in dessen
-Sockel entspringenden Fürstenbrunnen einfaßt.
-
-
-~d.~ Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen.
-
-Zur Beaufsichtigung des Denkmals und der dasselbe umgebenden Waldungen
-errichtete man am Fürstenbrunnen für einen Köhler eine Hütte. Dazu
-hatte auch König Friedrich August II. samt seiner Gemahlin beigetragen.
-Am 27. September 1838 erfolgte die Hebung des Köhlerhauses. Die
-Bergmusikanten der benachbarten Grube »Gottesgeschick« hatten sich
-eingefunden. Pastor Richter aus Grünhain hielt die Rede. Schon
-am 1. November konnte es bezogen werden. Auch erhielt der Ort
-Schankerlaubnis. Die Vollendung des Baues erfolgte 1839.
-
-
-~e.~ König Friedrich August II. und seine Gemahlin am Fürstenbrunnen.
-
-Der Fürstenbrunnen erhielt noch vor Vollendung des Köhlerhauses
-landesherrlichen Besuch. Nachdem König Friedrich August II. samt seiner
-Gemahlin am 10. September 1838 in Annaberg übernachtet hatte, kam der
-König am 11. September über Schlettau, Scheibenberg, Elterlein, Zwönitz
-nach Grünhain mit Gefolge geritten, geruhte daselbst den Klostergarten
-in Augenschein zu nehmen, wo noch das Gefängnis, Fuchsturm genannt, zu
-sehen war, in dem Kunz von Kaufungen vom Abte Liborius festgehalten
-wurde, und ritt sodann nach »Gottesgeschick«, um daselbst höchstdero
-Frau Gemahlin, die von Scheibenberg kam und das Bergwerk besichtigt
-hatte, abzuholen, um gemeinsam nach dem Fürstenbrunnen zu fahren. Hier
-hatten sich zum Empfange die Schuljugend und der Frauenverein samt
-einer großen Menschenmenge versammelt. Die hohen Herrschaften geleitete
-der Amtshauptmann des Bezirks, Domherr Freiherr von Biedermann auf
-Niederforchheim. 12 Grünhainer Mädchen streuten Blumen. Die Bergleute
-brachten am Brunnen ein »Glückauf!« Einer von sieben Köhlern sprach ein
-Gedicht. Zwei Mädchen reichten dem Könige einen Teller mit Waldbeeren
-und der Königin einen Becher mit Wasser. In einer geschmückten
-Bude speisten die hohen Herrschaften. Unter Hochrufen setzte das
-Herrscherpaar die weitere Reise über Schwarzenberg nach Schneeberg fort.
-
-
-~f.~ Sagen und Geschichten zum Prinzenraube.
-
-
-1. Die große Glocke in Geyer.
-
-Von der großen Glocke in dem alten Bergstädtchen Geyer, welche früher
-in einem uralten viereckigen Turme an der Kirche hing, erzählt die
-Sage, sie sei auf dem Geyersberge, an dessen Fuße die Stadt liegt,
-durch eine Sau mehrere Ellen tief aus der Erde herausgewühlt und von
-den Bürgern, welche sich dieses Fundes freuten, aufgehängt worden. Sie
-soll aber nicht eher einen reinen und vollen Klang gegeben haben, als
-bis ein Priester sie zu ihrer heiligen Bestimmung geweiht hatte.
-
-Mit dem Reformationsfeste 1885 wurden es 350 Jahre, daß die jetzige
-Glocke der protestantischen Gemeinde zu Geyer ihre eherne Stimme
-geliehen hat. Sie trägt ein vortrefflich geschnittenes Rundbildnis des
-+Herzogs Heinrich des Frommen+. Ihr erstes, majestätisches Geläute hat
-sicher dem anwesenden Herzog Heinrich als Beförderer der evangelischen
-Wahrheit und dem Feste der vollendeten Reformation in Geyer zugleich
-gegolten. Die große Glocke hält 1,80 ~m~ im Durchmesser und ist 1,60
-~m~ hoch. Sie stammt höchst wahrscheinlich aus der Hilligerschen
-Gießhütte zu Freiberg. Sie trägt die ausgezeichnet geschnittene
-Umschrift:
-
- »Also hot got dy welt geliebt, daß ehr seinen einigen son gab
- uf das alle dy an yn glauben nicht verloren werden sondern
- haben das ewige leben. Johann am III.
-
- MDXXXIX.«
-
-Das Metall zum Guß der Glocke, die nach der Schätzung von
-Sachverständigen gegen 63, nach dem Volksmunde aber 100 Zentner wiegt,
-lieferte seinerzeit die berühmte Prinzenglocke, welche vom Kurfürsten
-wegen des erfolgreichen Sturmläutens beim bekannten Prinzenraube der
-Stadt geschenkt wurde. Auf dieser Glocke waren die Bildnisse der beiden
-jungen Fürsten angebracht; auf der andern Seite sah man Kunz auf der
-Erde liegend und das Pferd haltend, daneben den Fürsten Albrecht
-und den Köhler. In der freieren Blüherschen Übersetzung lauten die
-Glockenverse:
-
- 1. »Kurt entführte die fürstlichen Prinzen; die himmlische Jungfrau --
- Diese Glocke bezeugt's -- gab sie uns gnädig zurück.
-
- 2. Ob des fliehenden Räubers der Prinzen laut stürmend zersprang ich,
- Doch aus fürstlichem Schatz ward ich wieder verjüngt.«
-
-Im Jahre 1480 besichtigte +Herzog Albrecht+ die Glocke, die leider 1535
-sprang. Wahrscheinlich auf Kosten des +Herzogs Heinrich+ des Frommen
-ist die jetzige Glocke umgegossen worden.
-
- Nach dem Annaberger Wochenblatte.
-
-
-2. Der Fürstenbrunn bei Raschau.
-
-Zwischen den Gebirgsstädtchen Schwarzenberg, Elterlein und Grünhain,
-unweit der Dörfer Waschleite und Haide, bei der Dudels- oder
-Oswaldkirche, liegt der geschichtlich merkwürdige +Fürstenbrunn+ am
-Fürstenberge, der so genannt ist, weil in dessen Gegend die Befreiung
-des Prinzen +Albert+ aus den Händen des Ritters Kunz von Kaufungen
-am 8. Juli 1455 stattgefunden haben soll. Zur Erinnerung an diese
-Begebenheit wurde am 8. Juli 1822 über dem sogenannten Fürstenbrunnen,
-einer Waldquelle, ein Granitobelisk mit eiserner Inschriften-Tafel
-errichtet. Auf dieser steht geschrieben:
-
- Fürstenbrunn.
- Hier wurde Prinz Albert, Ahnherr des Kgl. S. Fürstenhauses,
- am 8. Juli 1455
- durch den Köhler Georg Schmidt, hernach
- Triller genannt, aus Kunzens von
- Kaufungen Räuberhand befreit.
-
- Angebracht, den 8. Juli 1822.
-
-In einer Nische des Fußgestelles ergießt sich über Kristalldrusen der
-genannte Brunnen. Im Jahre 1838 wurde hier zum Schutze des Denkmals
-eine Wohnung für eine Bergmannsfamilie erbaut. Jetzt ladet ein
-Wirtshaus den Wanderer zur Ruhe ein.
-
- Nach Elfried von Taura.
-
-
-3. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei Neudorf an der Sehma.
-
-Neudorfs oberes Ende stößt an den Kretscham, welchen Namen der tiefere
-Teil des angrenzenden Ortes +Rothensehma+ führt. Im engsten Sinne
-ist der Kretscham ein Gasthof mit Freigut, einer Mühle und vielen
-Vorrechten, auch zum Teil sehr altertümlicher Bauart. Nach einer
-Volkssage soll hier und nicht am Fürstenberge bei Grünhain des +Prinzen
-Alberts+ Errettung aus den Händen Kunzens von Kaufungen 1455 geschehen
-sein. Noch zeigt man im Westen, diesseits eines alten Marmorbruches,
-den Fürstenbrunnen und im Süden die Stätte des Kohlkrams, wo der mutige
-Köhler Schmidt, der Triller genannt, sich aufhielt, welcher später die
-Erlaubnis erhielt, hier an der böhmischen Straße den Kretscham oder
-Gasthof anzulegen.
-
- Nach Herm. Grimm.
-
-
-4. Die Prinzenkleider in der Kirche zu Ebersdorf.
-
-Nachdem die beiden sächsischen Prinzen Ernst und Albert ihrem Räuber,
-dem Ritter Kunz von Kaufungen, durch Gottes Hilfe glücklich entronnen
-waren, machte der ganze Hof eine Wallfahrt nach der Ebersdorfer Kirche
-bei Chemnitz, und der Kurfürst ließ daselbst die Kleider der beiden
-jungen Herrlein, so sie bei ihrer Entführung angehabt, wie auch des
-Köhlers Schmidt, der sie errettet hatte, Kittel und Kappe aufhängen.
-Bei den Kleidern wurden folgende Verse angeschrieben:
-
- Kunz Kaufung, der viel wilde Mann,
- Im Meißnerland ist kommen an,
- Wohl auf das Schloß zu Altenborg,
- Sehr frech und kühn ohn' alle Sorg',
- Dem Fürsten allda seine Kind
- Entführt hat listig und geschwind,
- Der Kleider noch sie hängen seht,
- Ein jeder der fürüber geht,
- Die dazumal bald nach der That,
- Der Vater hergehänget hat.
-
-Die gegenwärtig in der Pfarre zu Ebersdorf aufbewahrten Kleider der
-Prinzen Ernst und Albert sind nur getreue Nachbildungen.
-
- Nach ~Dr.~ Köhlers Sagenbuch.
-
-
-40. Die Hussitenkämpfe im Erzgebirge unter Friedrich dem Streitbaren.
-
-
-~a.~ Der Ausbruch des Krieges.
-
-Der Kampf gegen die Hussiten, dessen Last +Kaiser Sigismund+ auf
-+Kurfürst Friedrich+ hauptsächlich abgewälzt hatte, begann nicht
-glücklich. 1425 erlitten die Meißner unter großen Verlusten eine
-Niederlage, sodaß »das Geschrei kam, wie die Hussiten willens wären,
-ins Meißner Land einzufallen. Darüber erhub sich ein großer Schrecken.
-Allenthalben wurde man rege, besserte Thore und Mauern aus, baute
-Schläge und Brustwehren.«
-
-Die zweite große Niederlage des Kurfürsten bei +Außig+ 1426 vermehrte
-die allgemeinen Besorgnisse. Nach der von Kurfürst Friedrich
-aufgegebenen Belagerung von +Mieß+, wo auf dem Rückzuge an zehntausend
-Mann erschlagen worden sein sollen, drangen 1429 die Hussiten über
-das Gebirge in das Meißner Land. ~M.~ +Chr. Lehmann+ berichtet, die
-Hussiten seien durch den Komotauer Paß und den Kriegwald nach Zöblitz
-und durch den Satzunger Paß und den Kriegwald an die Preßnitz gekommen.
-Sie haben Lößnitz angegriffen; ob aber dieses der hussitischen
-Tyrannei sich erwehrt, habe er nicht erfahren. Dagegen seien ringsum
-die Dörfer verwüstet worden. Stadt und Kloster Grünhain, Klösterlein,
-Aue, Schwarzenberg am Peler Passe sei ganz eingeäschert, seine drei
-Ellen dicke Stadtmauer abgebrochen, Crottendorf ganz ausgeplündert,
-Kraxdorf zerstört und als Neudorf wieder aufgebaut, Zwönitz verwüstet,
-Burgstädtel, Elterlein, Schlettau, Sehma, Cranzahl, die Waldhäuser am
-Bärensteine, in der Gegend des späteren Annaberg einige Dörfer, von
-der Schmalzgrube an bis Preßnitz 26 Hammerhütten zerstört, Flecken und
-Dörfer ringsum verwüstet, alles mit Brand, Zerstörung, Raub und Mord
-heimgesucht worden. Nur Zschopau und Scharfenstein haben sie nicht viel
-anhaben können.
-
- Nach Chr. Lehmann.
-
-
-~b.~ Schrecknisse im Obererzgebirge während des Krieges.
-
-1. Die Schrecknisse, welche die Züge der Hussiten mit sich brachten,
-leben noch vielfach in unserer Gegend in der Überlieferung fort, und
-die Sage hat manches dichtend hinzugefügt. So hat man die Begebenheiten
-in der Schlacht bei Außig auch in die Gegend von Preßnitz verlegt.
-
-Im Osten von +Jöhstadt+ verbreitet sich über steiles und hohes Gebirge
-zwischen dem Schwarzwasser und der Preßnitz der Kriegwald, dessen Name
-nicht ohne Wahrscheinlichkeit auf ein den Hussiten geliefertes, doch
-für Sachsen unglücklich ausgefallenes Treffen bezogen wird. Man hat
-ganze Haufen von Totengebeinen gefunden, die mit Moos so verwachsen
-waren, daß sie gleichsam wie Stücke alter Mauern erschienen. Ferner
-fand man daselbst viele Hufeisen, Pfeilspitzen, Hacken u. s. w. Das
-»rote Wässerchen« an der böhmischen Landstraße wurde nach der Volkssage
-von dem Blute benannt, das in jener Schlacht darin floß.
-
-Wie die Hussiten sich Meister im Felde sahen, rüsteten sie sich
-1426, um die entfremdeten Städte wieder zu erobern. Die Kurfürstin
-von Sachsen ließ, inzwischen ihr Gemahl, der Kurfürst Friedrich, in
-Ungarn war, bei Freiberg ein großes Heer sammeln, und als dasselbe
-über den Wald kam, fand man bei dem Dorfe Preslitz (Preßnitz) den
-Feind wohlgerüstet ihrer warten. Die Böhmen deckten sich mit ihren
-Schilden und hatten ihr Lager mit einer Burg von 500 Wagen mit Ketten
-umschlossen, führten auch lange Haken, mit denen sie die Reiter von
-den Pferden zogen. Wiewohl nun die Sächsischen sie tapfer angriffen,
-ihnen die Schilde mit Hellebarden vom Leibe zogen und lange fochten,
-mußten sie doch endlich, von der Hitze noch mehr ermüdet und vom
-Staube geblendet, die Flucht ergreifen. Der Graf von Gleichen und
-sein Leutnant, der Graf von Thun, wurden mit 9000 Mann erschlagen,
-darunter noch 12 Grafen, 4 Freiherren, viel Ritter und Edle, 21 derer
-von Köckeritz und einer von Schönborn mit 5 Söhnen, da der sechste
-daheim in der Wiege lag. Konrad von Einsiedel ward gefangen, kam in die
-Türkei, ward nach 30 Jahren vor Belgrad wieder gefunden und daheim von
-den Seinen fast nicht wieder erkannt. Es ward nachmals eine Kapelle
-gebaut an einem Bächlein, das mit dem Blute der Erschlagenen soll
-geflossen sein.
-
-2. An die schreckliche Zeit der Hussiten erinnert uns auch die
-Erzählung von dem +Mönchsgesichte an der Schlettauer Kirche+. Der
-Pater Benno rettete vor dem mit Unheil drohenden Zuge der Hussiten ein
-silbernes Kruzifix, das noch allein auf dem Altar stehen geblieben war,
-indem er es um Mitternacht in die Kirchmauer vergrub; denn Altäre,
-Bilder und ander heilig Gerät zerstörten die Horden. Am andern Morgen
-wurde der Pater von den wilden Ketzern erschlagen. Dies träumte einem
-Priester, welcher die Stelle dem Küster offenbarte, der aber Diebstahl
-verübte und nun zur Strafe in der Mauer zu sehen ist. In einer
-Mauernische der Elterleiner Kirche steht ein Kästchen, welches drei
-Hussitenpfeile enthält.
-
-3. Ebenso erinnern an die Züge der Hussiten das +Kreuz und der Kelch+
-in der Mitte der etwa 60 ~m~ hohen, steilen Felsenwand, welche sich
-an der Zschopau erhebt und das Schloß +Wolkenstein+ trägt. Die beiden
-Wahrzeichen sind in Stein gehauen und sollen nach dem Volksmunde daran
-erinnern, daß im Jahre 1428 die Hussiten einen katholischen Priester
-töteten. Sie bedrohten ihn mit dem Tode. Er wollte aber gleichwohl
-seinen Glauben nicht abschwören. Da schleppten sie ihn an den Rand der
-steilen Felswand und stießen ihn dort hinab, von wo er in die Zschopau
-zerschmettert stürzte.
-
-4. Als im Sommer 1427 ein starker Haufe Hussiten über +Olbernhau+
-und +Sayda+ durch das Gebirge herunter nach +Oederan+ zog, galt es
-besonders dem Ottomar von Schönberg, welcher den Hussiten aus der
-Gefangenschaft entwichen war und nun in seinem Schlosse Reinsberg
-wohnte. Täglich wurde jetzt dieses Schloß drei Wochen lang von den
-Hussiten gestürmt. Da rettete den geängstigten Schönberg sein Knappe
-durch einen unterirdischen Gang, der sich in einem Busche vor dem
-Schlosse öffnete. Diese Stelle soll noch heute mit einem Denksteine,
-auf dem ein Kreuz eingehauen ist, bezeichnet sein. Ein bereit
-gehaltenes Roß trug den Ritter in der dunklen Nacht durch den Forst auf
-die nahe Straße nach Freiberg. Hier setzten ihm die wachsamen Hussiten
-nach, und hart vor Freiberg hatten sie den fast zum Tode Gehetzten
-beinahe eingeholt. Der Turmwächter auf dem Meißner Thore gewahrte in
-der Morgendämmerung diese Menschenjagd. Er öffnete dem nahenden Ritter,
-welcher ihm sein weißes Tuch entgegenschwang, einen Thorflügel, den er
-vor den heransprengenden Hussiten schnell wieder zuschlug. Innerhalb
-des Thores aber verließen den Ritter die Kräfte. Auf der Meißner Gasse
-stürzte er mit dem Pferde und wurde tot in das nächste Haus getragen.
-Auch diese Stelle ward mit einem Steine, den man später an die
-Stadtmauer gelehnt hat, zum traurigen Andenken bezeichnet.
-
-5. 1429 zog +Prokopius+ mit 300 der edelsten Hussiten aus der Lausitz
-nach Basel zu einem Friedensversuche. Unangefochten zog dabei der
-Furchtbare, vor dem die Kinder auf der Gasse davonliefen, über
-Dresden und Freiberg durch Oederan. Einer von seinem Gefolge, Bodowin
-von Horomirz wird er genannt, kam zwei Tage nachher ganz allein
-durch Oederan. Da wurde er sogleich von den Oederanern ergriffen,
-hinaus an das Weichbild an der Nossener Straße geschleppt, lebendig
-gespießt und ihm ein silberner Helm oben auf den Pfahl genagelt, an
-dem der Unglückliche verblutete. Weithin schimmerte in der Sonne diese
-Silberkappe, an der sich niemand zu vergreifen wagte. Erst zur Zeit
-der Reformation verschwand sie zugleich mit dem daneben errichteten
-Heiligenbilde.
-
-6. Zur Zeit der Hussitenkriege zogen die Scharen des gefürchteten
-+Ziska+, nachdem sie die Stadt Komotau in Asche gelegt hatten,
-auch auf die Stadt +Görkau+ und das Schloß +Rotenhaus+ los, um
-unter den dortigen katholischen Bewohnern ebenfalls mit Blut und
-Mord aufzuräumen. Es war am Schutzengelfeste, als sie durch einen
-äußerst dichten Nebel auf ihrem Zuge dahin aufgehalten wurden und
-sich erst dann wieder in Bewegung setzten, als sie ein aus der Ferne
-herschallendes Hahnengeschrei vernahmen, welchem sie irre führte. Sie
-gelangten in die Gegend östlich von der Stadt und kehrten nicht zurück.
-Zur Erinnerung an diese wunderbare Errettung ließen die Bewohner von
-Görkau ein Kreuz anfertigen und auf dem Friedhofe aufstellen. Jetzt
-steht es an der Straße von Udwitz nach Görkau und bei ihm eine Linde.
-
-7. Auf dem Schlosse +Hartenberg+ lebte im Hussitenkriege eine
-schöne, achtzehnjährige Jungfrau. Der mutterlosen Waise entriß auch
-das Schwert eines wütenden Hussiten den Vater. Der noch vorhandene
-Anverwandte, Jodok von Pichlberg, war eifriger Kelchdiener und wollte
-sie, als sie ihn um Schutz anflehte, zum Übertritt bewegen. Sie
-wollte die Lehren ihrer Mutter nicht abschwören und vertraute Gott,
-dem Beschützer ihres Glaubens. Sie versah die Burg mit Lebensmitteln,
-ließ Mauern, Streittürme und Befestigungen ausbessern und Schießpulver
-herbeischaffen. -- In einer finstern Nacht rötete sich der Himmel
-von mächtigen Feuersäulen, die aus den benachbarten, von den
-Hussiten in Brand gesteckten Dörfern emporstiegen. Bald begehrte ein
-Hussitenschwarm mit drohend grimmigen Worten Einlaß und Übergabe. Auf
-die Verweigerung aber schrien hundert Stimmen schimpfend nach Sturm,
-Pfeilen und Pechkränzen. Zdenka von Hartenberg ließ die Feuerschlünde
-donnern; Steinregen fiel auf die Stürmenden; heißes Pech troff auf
-sie herab. Da wiederholter Sturm nichts nützte, sollte die Burg
-ausgehungert werden. Bald trat Nahrungsmangel ein; denn das verzagte
-Landvolk, welches eine gegen die Wasserseite ausgesteckte Notfahne
-herbeirufen sollte, hatte die Gegend verlassen. In höchster Not ging
-die Jungfrau in die Burgkapelle und stärkte sich im Gebete. Das letzte
-Rehviertel wurde vors Thor geworfen, und durch Hornrufe wurden die
-Belagerer ins Schloß gelockt. Man wollte bei freiem Abzuge die Burg
-ergeben. Als die Brücke niederrasselte, zogen sechzehn alte, bleiche
-Männer mit der alten Wärterin ab, und der Hussitenführer stürzte herein
-mit seinen Horden. An einer Halle blieben sie stehen; denn in einem
-Gemache stand Zdenka in bräutlichem Schmucke mit lodernder Fackel neben
-einem Pulverfasse. Sie wollte die Burg in die Luft sprengen, um nicht
-den Feinden in die Hände zu fallen. Da wälzte sich ein brausendes
-Getöse gegen die Burg heran. Ein Haufen bewaffneten Landvolkes eilte
-zum Entsatze herbei und überwältigte die Feinde. Gott dankend, sank
-Zdenka auf die Knie.
-
-8. In einem Gange des ehemaligen Benediktinerklosters zu Chemnitz
-befand sich ein hölzernes +Christusbild+ mit einem krummen oder
-schiefen Munde. Da nun die Hussiten in das Kloster einfielen und alles
-darin verwüsteten, soll einer von ihnen das Bild verspottet haben. Von
-Stund' an hatte derselbe nun einen solchen Mund und ist stumm geworden.
-
- Nach Chr. Lehmann, ~Dr.~ Spieß, ~Dr.~ Köhler.
-
-
-~c.~ Wüste Marken im Obererzgebirge aus der Zeit der Hussitenkriege.
-
-1. Mancher Ort ist durch die Hussiten zerstört worden, und nur noch
-wüste Marken erinnern an sein einstiges Vorhandensein. Wo jetzt das
-Dorf +Waschleite+ bei +Schwarzenberg+ liegt, hat ehedem das Dorf
-Gleßberg am Fuße des Gleßberges oder des Schatzensteines gestanden.
-Es erstreckte sich am oberen Teile des Oswaldbaches hin. Die Hussiten
-haben es zerstört. Auf einem Teile der Gleßberger Fluren entstand das
-jetzige Dorf Waschleite. Seinen Ursprung und Namen hat es von den
-Erzwäschereien genommen, welche der reiche Hammerherr Kaspar Klinger
-1500 nebst einer Schmelzhütte am Oswaldbache anlegte.
-
-2. Vor der Gründung von +Neudorf+ an der Sehma, das mitten im Walde
-aus Holzarbeiter-, Köhler- und Flößerhütten entstand, soll in seiner
-Nähe nach Crottendorf zu ein Dorf mit Namen Kraxdorf oder Kraftsdorf
-gestanden haben, wovon früher, und zwar auf dem westlich im Walde
-gelegenen Morgenberge, noch Mauerreste, alte Schlösser und Schlüssel
-gefunden wurden.
-
-In einem kleinen Thale, welches Neudorf oberhalb der Kirche von West
-nach Ost durchschneidet, hat man beim Wegräumen von Teichdämmen auf
-dem Grunde derselben berußte Steine gefunden, die ihre Schwärze sehr
-wahrscheinlich einst von einem Feuerherde erhalten hatten.
-
-3. Unweit der Stadt Zöblitz, an den Ufern der Pockau, liegen die
-Ruinen der alten Burgen +Ober-+ und +Niederlauterstein+. Die Burg
-Oberlauterstein, welche eine Viertelstunde westlich von Zöblitz
-über dem rechten Pockauufer auf einer felsigen Bergecke liegt,
-wurde im Jahre 1430 von den Hussiten, die eben von der Verwüstung
-der Schneeberger Bergwerke herkamen, geschleift. Das Schloß
-Niederlauterstein, das nur einige Minuten unterhalb davon am linken
-Pockauufer liegt, erhielt sich über 20 Jahre länger. Vieles erzählt man
-sich von den früheren Besitzern desselben, den Herren von Berbisdorf,
-deren einer 1520 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise
-sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf, ein gebrechlicher Greis
-von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentode zu retten, wollte man ihn, in
-Tücher gewickelt, zu einem Fenster herablassen; allein die in Eile
-nicht festgeknüpften Knoten lösten sich und der unglückliche Alte wurde
-an den Felsen zerschmettert. 1559 kaufte +Kurfürst August+ das Schloß
-von Kaspar von Berbisdorf und bestimmte es zum Sitze eines Amtes. Im
-dreißigjährigen Kriege wurde es zerstört.
-
-4. Sachsens »Kirchengallerie« erzählt, daß man in der Gegend von
-+Johnsgrün+ öfters alte Schlüssel gefunden hat. Man schließt daraus,
-daß die Gegend von Johnsgrün vor der Zeit des Hussitenkrieges stark
-bevölkert gewesen sei.
-
-5. Bei +Augustusburg+ giebt es wüste Marken, die auch an Hussitengreuel
-erinnern. Zwischen Hennersdorf und Dorf Schellenberg verbreitet sich
-der von Augustusburg bis in die Nähe von Waldkirchen reichende, große
-+Mörbitzwald+, welcher von einem darin gestandenen Dorfe seinen Namen
-haben soll. -- Der zwischen Borstendorf, Eppendorf, Lippersdorf,
-Reifland in der dortigen Gegend gelegene Staatswald +Röthenbach+
-enthält eine Wüstung und einen Bach gleichen Namens, an welchem das im
-Hussitenkriege verschwundene, nach Borstendorf gepfarrt gewesene Dorf
-Röthenbach lag. -- In dem im Staatsforste zwischen Euba, Bernsdorf und
-Flöha gelegenen »+Strutwald+« soll auch vor dem Hussitenkriege ein Dorf
-gestanden haben. Man hat dort beim Nachgraben Überreste von Häusern und
-selbst von Gassen, sowie Brunnen und andere Spuren gefunden.
-
-6. Da wo Wüstenbrand bei Hohenstein-Ernstthal liegt, hat das Dorf
-+Gecksdorf+ der Sage nach gelegen, welches auch im Hussitenkriege
-zerstört worden sein soll.
-
-7. Der Sage nach ist der Anbau von +Mittel-+ mit +Ober-+ und
-+Niedersayda+ in der Zeit des Hussitenkrieges unter Ziska und Prokopius
-zwischen 1419 und 1435 geschehen, da viele der bedrängten Hussiten
-auswanderten und sich in den waldigen Gegenden des Erzgebirges
-anbauten. Noch in diesem Jahrhunderte lebten in Obersayda zwei
-Familien, die Seyfertsche und Zimmermannsche, deren Vorfahren zu den
-Ausgewanderten gehörten. Das wäre also ein seltenes Beispiel, wonach
-auch die Hussiten einen Ort errichteten, anstatt zu zerstören.
-
- Nach ~Dr.~ Herzog, ~Dr.~ Köhler u. a.
-
-
-41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege.
-
-
-~a.~ Die Kriegsereignisse.
-
-Den Bauern drückten am Ende des Mittelalters allerhand Lasten
-weltlicher wie geistlicher Herren. Er hatte Frondienste, Zehnten,
-Zinsen und Abgaben aller Art zu leisten. Luther sagt: »Wenn der
-Acker eines Bauern so viel Thaler wie Ähren trüge, es würde nur die
-Ansprüche der Herren vergrößern.« Die Reformation sollte ihnen auch
-ihre Menschenrechte vor die Seele führen. Mannigfache Flugschriften
-erschienen, und bald entstand unter den Bauern eine Bewegung, die man
-den +Bauernkrieg+ nannte. In 12 Artikeln waren die Forderungen der
-Bauern zusammengefaßt.
-
-An der allgemeinen Bewegung nahm auch das Sachsenland und unser
-Obererzgebirge teil. Durch sein tyrannisches Wesen hatte sich besonders
-Ernst von Schönburg hervorgethan, der damals im oberen Erzgebirge
-ausgedehnte Besitzungen hatte. Ließ er doch zwei Annaberger Bürgern,
-die in seinem Gebiete Fischdiebstahl begangen hatten, die Augen
-ausstechen.
-
-Wolf Göftel aus Buchholz und Andreas Ziehner, beides Bergknappen in
-Marienberg, machten den vogtländischen Aufrührern zu Waldkirchen
-bei Reichenbach die Artikel. Wir sehen, daß auch die Bergleute mit
-fortgerissen wurden von der Bewegung. Größere Ansammlungen von Bauern
-entstanden zunächst in Zwickau und Stollberg. Daher ist der Amtmann von
-Annaberg und Schellenberg, Anton von Kospoth, der in letzterem Orte
-seinen Wohnsitz hatte, bald in Annaberg, bald in Chemnitz, um Ruhe zu
-stiften. Er gab dem Herzog Georg den Rat, die Schätze der Annenkirche
-auf Schellenberg zu verwahren. Die Stadt aber blieb still und erklärte,
-zum Herzoge zu halten. An Annaberg erging von diesem das Ersuchen,
-sich dem Herzoge zum Kriegsdienste zu stellen. Feldhauptmann Utz von
-Solgau aus Annaberg sollte das Werbegeschäft besorgen. In Thum, Geyer
-und Ehrenfriedersdorf, auch in Joachimsthal forderten Maueranschläge
-zum Kriegsdienste auf. Kospoth schrieb über die Annaberger wegen ihrer
-Weigerung: »Es sei ein teuflisch Volk unter die Annaberger gekommen.«
-
-Nachdem die aufrührerischen Bauern von Schneeberg, Aue, Schwarzenberg
-und Zwönitz, von Raschau, Steinberg, Kühnheide und anderen Orten
-Zuzug erhalten hatten, wandten sie sich gegen Klösterlein und Aue,
-tranken dem Probst das Bier weg, führten 16 Stück Vieh und sämtliches
-Getreide davon. Dann wandten sie sich gegen das Kloster Grünhain. Der
-Abt schickte eiligst zum Bergvogte Matthis Busch nach Buchholz um
-Hilfe. Dieser ritt mit wenigen nach Grünhain, wo er gegen 700 Bauern
-die Bewachung des Klosters übernahm. Abt und Mönche wandten sich nach
-Annaberg. Als das Kloster dem Richter und den Schöffen zu Grünhain zur
-Verwahrung gegeben war, wurde es bald eine Beute der Aufrührer, die
-es plünderten. Von Grünhain wandten sich die Haufen nach Schlettau,
-bemächtigten sich der Stadt und des Schlosses. Ein anderer Haufe zog
-nach Raschau und zerstörte die Kirche.
-
-Herzog Heinrich verließ nach solchen Ereignissen Wolkenstein und
-siedelte nach Freiberg über.
-
-Als in Annaberg Bergvogt Hans Rühling die Bergleute nach ihren Plänen
-fragte, erfuhr er, daß sie mit Leib und Leben für den Herzog einstehen
-wollten. Bürgerwachen an den Thoren hielten Zuzug fern.
-
-In Joachimsthal hatten sich die Leute der Grafen von Schlick in
-gefahrdrohender Weise erhoben, das Schloß eingenommen und geplündert.
-Da vermittelte der Rat von Annaberg mit Glück durch Abgesandte zwischen
-den Streitenden.
-
-Wolf Göftel und Andreas Ziehner waren immer unterwegs, um aufzuregen.
-Sie machten den erzgebirgischen Bauern die Artikel und verpflichteten
-sie, indem sie jeden eine Hand aufheben ließen, zum Zeichen, daß er bei
-ihnen stehen wolle.
-
-Den Geyerschen versprach Göftel mit den Bauern Hilfe. Das Bestreben der
-Führer ging dahin, den Edelleuten ihre Sitze zu stürmen, den Fürsten
-ins Land zu fallen, die Obrigkeit zu vertreiben, Wildbret und anderes
-frei zu haben, die Klöster zu stürmen. Wenn sie in Grünhain, Marienberg
-und Wolkenstein Glück gehabt hätten, wollten sie nach Chemnitz und
-Kloster Zelle.
-
-Zuerst fiel ihnen die Pfarre zu Mildenau zum Opfer. Die Mildenauer
-teilten den Königswaldern mit, daß die Pfarre leer stehe, da der
-Pfarrer geflohen sei; da zog der unternehmungslustige Richter
-Rebentisch mit einer Anzahl Gesellen Sonntag, den 14. Mai, nach
-Mildenau. Er kehrte um, aber die übrigen drangen in die Pfarre ein,
-plünderten und zerschlugen alles und tranken dem Pfarrer das Bier aus.
-Kospoth war auf diese Nachricht sofort mit 12 Pferden aufgebrochen. Bei
-seinem Erscheinen verliefen sich die Aufrührer, sodaß er nur einige von
-ihnen gefangen nehmen konnte. Weidenbach, der Wolkensteiner Amtmann,
-dem sie übergeben wurden, ließ sie frei. Da wurden die Marienberger
-nötig und überfielen die Rückerswalder Pfarre. Die Mildenauer zogen
-nach Schönbrunn. Sie nahmen die Pfarre ein und trieben allerlei Unfug.
-Lukas Merten aus Wolkenstein machte Butter in der Pfarre; dessen Sohn
-schlachtete eine Kuh und kochte auch sogleich das Fleisch; Eulner
-aus Neundorf zerschlug mit dem Berghammer ein Kruzifix und warf es
-ins Wasser; Petzold aus Neundorf hieb dem Johannisbilde, das in der
-Schönbrunner Pfarre hing, den Kopf ab, hing es an den Füßen auf und
-trug es im warmen Bade umher zur Freude des Wirtes.
-
-In Geyer unterblieb die Erstürmung der Pfarre, da es zum Ausgleich kam.
-Die Drehbacher wollten sich gegen ihre Herren, die von Stangen auf
-Drehbach, erheben. Gegen 400 Mann zogen vor das Schloß und verlangten
-Freisprechung. Rudtloff von Stangen aber, ein furchtloser Mann,
-erklärte, würden sie ihm und seiner Mutter etwas nehmen, so würde er
-sie in Haus und Hof verbrennen. Da zogen sie ab.
-
-In Zöblitz suchten zwei Häuer aus Marienberg Unruhe zu stiften. Sie
-fanden Anhang. Die Aufständischen hatten vor, die Zöblitzer Pfarre zu
-plündern, die aber geschützt wurde. Um diese Zeit ward auch die Pfarre
-zu Lauterbach geplündert.
-
-Am 17. Mai ließen die Gemeinden, die Herzog Heinrich unterthan waren,
-als Schönbrunn, Neundorf, Wiesa, Drehbach, Venusberg, damals Feuchberg
-genannt, und Hilbersdorf ihre Beschwerden durch den Wolkensteiner
-Amtmann Balthasar von Weidenbach an den Herzog gelangen.
-
-Erfüllt wurden die Forderungen der Bauern nicht. Nach der Niederlage
-bei Frankenhausen zerstreuten sich die Unruhestifter. Viele flohen,
-um harter Strafe zu entgehen, die auch nicht ausblieb. Herzog Georg
-erschien bald im Erzgebirge. Am härtesten verfuhr Ernst von Schönberg
-gegen die Aufständischen. Milde war Kurfürst Johann.
-
-In Annaberg wurden vom Herzog Georg viele ausgewiesen oder in
-Gefangenschaft gesetzt. Andere mußten die Mauern um Annaberg bauen
-helfen. Herzog Heinrich ließ die Richter zu Mildenau, Arnsfeld und
-Schönbrunn köpfen. Die Geringswalder und Rückerswalder wurden gespießt,
-viele verloren ihre Güter.
-
-Wolf Göftel, der Hauptführer im Erzgebirge, war entflohen. Ernst von
-Schönburg schrieb an Herzog Georg, er habe dem Pfarrer zu Penitz die
-Ohren abschneiden lassen. Zu Hartenstein ließ er einen henken und
-fünf köpfen. In Elterlein büßten ebenfalls sieben die Köpfe ein, fünf
-ließ er in der Scheibe einziehen, einen bei Rotensehma spießen und
-viele andere an Geld und Freiheit strafen. Das war das Ergebnis der
-bäuerlichen Bewegung.
-
- Nach ~Dr.~ Wolf.
-
-
-~b.~ Die 12 Artikel der Bauern.
-
-Eine allgemeine Gährung hatte sich der Gemüter bemächtigt.
-Wanderprediger und Flugschriften trugen die Gedanken in das Volk
-hinaus. Auf der einen Seite war lästig der Druck der Kirche und des
-verderbten Pfaffenwesens, auf der anderen der Druck der weltlichen
-Herren und die Vorrechte der Städte. Man darf sich nicht wundern,
-wenn die Bewegung nächst der religiösen auch bald eine politische und
-soziale Färbung annahm.
-
-Die »zwölf Artikel« der Bauern geben ein Bild ihrer Forderungen.
-»Die Gemeinde soll das Recht haben, den Prediger zu wählen und zu
-entsetzen ... Der Prediger soll das reine Evangelium lehren ... Der
-große Zehnte vom Getreide soll dem Pfarrer zum Unterhalte dienen; der
-kleine Zehnte von den übrigen ländlichen Erzeugnissen und das Ehegeld
-soll abgeschafft sein ... Sie wollen nicht unfrei sein, nicht Hörige,
-Lite, Lassen, sondern freie Männer ... Die Frondienste sollen aufhören
-und mit ihnen die Belastung der Güter und die Hutungsrechte ...
-Gemeindeäcker, Wiesen und Forsten sollen an die Gemeinden zurückgegeben
-werden ... Jagd und Fischerei frei sein.« Allen auf die 12 Artikel
-gegründeten Forderungen war das Örtliche und Persönliche in reichem
-Maße beigemischt.
-
-Das Thun und Treiben der Bauern stand in vollem Widerspruche zu
-ihren Erklärungen von Gehorsam, Gesetzlichkeit und Willigkeit, sich
-eines besseren belehren zu lassen. Lärmen, Toben, Saufen, Fressen,
-Unbotmäßigkeit, Plündern, Rauben, Verwüsten, Sengen und Brennen: das
-waren ihre Heldenthaten.
-
-
-~c.~ Anzeichen für den Bauernkrieg.
-
-+Lehmann+ erzählt von einem Sturme, der für Abergläubische als
-Anzeichen des Bauernkrieges galt. Ein Anzeichen war es, als am 15.
-Februar 1525 des Nachts das mit Riegeln, Ketten und Schlössern stark
-verwahrte Schloßthor in Joachimsthal von einem fast unnatürlich
-gewaltsamen Winde aufgestoßen und geöffnet wurde. Es wurde so getrennt,
-daß das Hinterteil des mittleren Riegels samt dem starken Thornagel und
-der eisernen Feder geborsten und das Vorlegeschloß samt dem Kloben,
-der das Thor mit einer starken eisernen Kette über dem Thorriegel
-geschränkt, eine Stube weit davon auf dem Schloßplatze verschlossen
-gelegen. Dieser ungemeine Sturm hat den damaligen Bauernkrieg nach sich
-gezogen.
-
-
-42. Das Obererzgebirge im Schmalkaldischen Kriege.
-
-
-~a.~ Der Kriegsschauplatz im Obererzgebirge.
-
-Als der +Schmalkaldische Bund+ siegreich gegen +Kaiser Karl V.+ zog,
-fiel +Herzog Moritz+ in das Kurfürstentum Sachsen ein. Da trennte
-sich am 23. November 1546 +Kurfürst Johann Friedrich+ von seinen
-Bundesgenossen, um sein eigenes Land wiederzuerobern. Nachdem er
-Leipzig vom 9. bis 27. Januar 1547 vergeblich belagert hatte, zog er
-mit seinem Hauptheere in die Gegend von Borna und Altenburg. Von da
-aus entsendete er einzelne Truppenabteilungen gegen die von +Moritz+
-besetzten Landesteile und Städte, sowohl des herzoglichen als aus
-kurfürstlichen Gebietes. Es gewannen Mitte Mai seine Heerhaufen die
-Bergstädte +Annaberg+, +Marienberg+ und einige andere Orte dieser
-Gegend und drangen bis +Joachimsthal+ vor.
-
-In dem Schmalkaldischen Kriege scheint die Stadt +Geyer+ durch ihre
-Doppelstellung zu dem albertinischen und ernestinischen Hause, die
-auch in betreff des Bergbaues Schwierigkeiten machte, wenigstens auf
-kurze Zeit in eine gefährliche Lage gekommen zu sein. Der Kurfürst
-+Johann Friedrich+ war im Anfang März 1547 mit seinem Heere gegen
-Rochlitz aufgebrochen und hatte hier den Markgrafen +Albrecht von
-Brandenburg-Kulmbach+, damals des Herzogs Moritz Verbündeten, in
-einem Treffen geschlagen. Während +Moritz+ und +August+ auf Dresden
-zurückgingen, wandte sich der Kurfürst gegen das erzgebirgische
-Oberland und nahm hier eine Stadt nach der andern, ohne aber seine
-glücklichen Erfolge thatkräftig genug auszubeuten. In dieser für
-das albertinische Haus gefahrvollen Zeit schrieb am 29. März
-+Katharina+, die Witwe des Herzogs Heinrich, die sich gleichfalls nach
-Dresden geflüchtet hatte, an ihre erzgebirgischen Städte +Geyer+,
-+Ehrenfriedersdorf+, +Wolkenstein+ und warnte dieselben ernstlich, daß
-sie sich nicht wider ihre Landesherren +Moritz+ und +August+ durch den
-Kurfürsten +Johann Friedrich+ gebrauchen lassen sollten, von dessen
-Kriegsvolk sie vor etlichen Tagen überzogen worden seien.
-
- Nach ~Dr.~ Spieß und ~Dr.~ Falke.
-
-
-~b.~ Kriegsdrangsale in Zwickau.
-
-Daß sich dieser Krieg, dessen Fäden beim Ausbruch in der Hauptsache
-nach Süddeutschland führten, im weiteren Verlaufe nach Sachsen spielen
-und dort zur Entscheidung kommen würde, hatte wohl niemand, die
-beteiligten Führer nicht ausgenommen, geahnt. Auch unser Erzgebirge
-mußte manche Sturzwelle desselben über sich ergehen sehen. Ganz
-besonders hatte die Stadt Zwickau zu leiden. Diese galt in der
-damaligen Zeit für eine ziemlich bedeutende Festung und wurde als
-Schlüssel zum Vogtland und zur böhmischen Grenze angesehen. Ihre Bürger
-waren gut kurfürstlich gesinnt. Ferdinand von Böhmen, der Bruder
-des Kaisers, sollte zunächst die böhmischen Lehen des Kurfürsten
-Johann Friedrich einnehmen und dann dem kaiserlichen Bundesgenossen
-Herzog Moritz von Sachsen bei der Einnahme Zwickaus Hilfe leisten.
-Die Zwickauer hatten schon im Sommer ihre Stadt gerüstet; durch den
-kurfürstlichen Obristen Thumshirn waren Adelige, Bürger und Bauern
-der Gegend gemustert worden. Die großen Geschütze der Stadt wurden
-auf dem Anger vor der Stadtmauer versucht. Der Kurfürst schickte den
-Zwickauern 1000 Scheffel Korn zur Versorgung für eine voraussichtliche
-Belagerung. Die Besatzung bestand aus 7 Fähnlein Knechten, die sich
-aus einem Fähnlein wirklichem Kriegsvolk und 6 Fähnlein Bauern
-zusammensetzten. Die wohlgerüsteten Bürger sahen kampfesmutig der
-Gefahr entgegen. Herzog Johann Wilhelm, der Sohn des Kurfürsten, wurde
-um Hilfe angegangen, leider vergeblich. Er tröstete die Bittenden in
-einem Schreiben mit den Worten, Gott werde den boshaften Anschlägen
-wehren. Unterdessen zeigten sich die ersten Feinde im Erzgebirge.
-Die Bergwerke von Platten und Gottesgab wurden durch wilde Horden
-böhmischen Kriegsvolkes heimgesucht. Am 23. Oktober 1546 tauchten dort
-die gefürchteten und berüchtigten Husaren, vom Volke Hussern genannt,
-auf. Schrecken ging ihrem Erscheinen voraus, Schrecken verbreiteten sie
-allenthalben, wo sie sich zeigten. Es waren aber zumeist kroatische,
-walachische und polnische Grenzer. Leicht und ungerüstet saßen sie zu
-Roß, nur mit Spieß und Tartsche, einem kleinen Schilde, bewaffnet.
-Dem deutschen Landsknechte war nach Schilderungen der damaligen Zeit
-dieses wüste Raubgesindel in seinen viehischen Gelüsten über. Wie
-mögen die armen Gebirgler unter solchen Barbaren gelitten haben! Von
-diesen aus dem Gebirge anrückenden Truppen Ferdinands erging die
-erste Aufforderung an die Zwickauer, sich zu ergeben, wurde aber
-abgewiesen. Da nahte Herzog Moritz. Er hatte Dresden mit nur wenigen
-Reitern verlassen und eilte nach Annaberg. Dorthin rief er seine 9
-Fähnlein Fußvolk, die während des Sommers in Chemnitz Quartier genommen
-hatten. Auf dem Zuge nach Lößnitz verstärkten sich diese so, daß
-Moritz vor Zwickau mit 12 Fähnlein Knechten und 600 Reitern ankam.
-Dort gedachte er sich mit den Böhmen zu vereinigen, die über Eger in
-das Vogtland eingefallen waren und dort unterdessen greulich hausten.
-Am 2. November ließ Moritz die Zwickauer zur Ergebung auffordern. Die
-Besatzung befand sich in verzweifelter Lage. Bei Adorf waren bereits
-sechs Stück der Stadt Zwickau gehörige Büchsen unter dem Hauptmann
-Erhard Zölchner verloren gegangen. Moritz stand wohlgerüstet vor den
-Thoren, und die Böhmen und Hussern rückten aus dem Vogtlande an. Der
-Kurfürst schickte Trostbriefe, aber die ersehnte Hilfe blieb aus.
-Dennoch dachten die Bürger nicht an Unterwerfung. Die Stadt wurde gegen
-ihren Willen durch die Befehlshaber Dolzig und Planitz übergeben. Am
-6. November überreichte eine Abordnung von Ratsherren die Schlüssel
-der Stadt an Moritz, am 8. leisteten ihm die Bürger auf dem Kaufhause
-die Zwangshuldigung. Die Bauern verließen die Stadt, die kurfürstliche
-Besatzung erhielt dem Vertrage gemäß freien Abzug, sie rückte mit
-fliegenden Fahnen nach Wittenberg.
-
-Moritz zog am andern Tage über Altenburg in nördlicher Richtung weiter,
-auf seinem Zuge die Zwangshuldigung der Werdauer und Crimmitschauer
-empfangend. Für die Bergstädte trat nun in gewissem Sinne Ruhe ein,
-abgesehen von den Reibungen, die fortgesetzt zwischen der evangelischen
-Bevölkerung und der katholischen Besatzung stattfanden; die Städte des
-Herzogs Moritz machten hierin keine Ausnahme, weil der Herzog allgemein
-als Judas an der guten lutherischen Sache angesehen wurde.
-
-Unterdessen war der Kurfürst aus Süddeutschland über Naumburg, Jena,
-Weimar, Langensalza und Halle gekommen und hatte im Sturme seine
-verlorenen Städte wiedergenommen. Moritz geriet in Not. Seine einzige
-Hoffnung beruhte auf den festen Punkten Leipzig, Dresden, Freiberg und
-Zwickau, welche er noch in den Händen hatte. Aber von Zwickau trafen
-täglich Nachrichten ein, wie der gemeine Mann gegen die Besatzung »ganz
-seltsam und aufwägig« sei und durchaus dem alten Herrn anhinge. Der
-Annaberger Stadthauptmann schickte einige hundert Knechte für Moritz
-nach Zwickau, die Zwickauer weigerten sich, diese einzulassen. Der
-Stadtoberst Wolf von Ende sandte eine Klage über die andere an Moritz,
-bis dieser selbst in der Nacht zum 15. Januar 1547 über Freiberg und
-Chemnitz in Zwickau ankam.
-
-Er besichtigte die Befestigungen, legte noch ein Fähnlein Hakenschützen
-und ein Geschwader Reiter in die Stadt und zwang die Bürger, ihm und
-dem Böhmenkönig noch einmal zu huldigen. Da traf die Nachricht ein,
-der Kurfürst, welcher 21 Tage vor Leipzig gelegen hatte, wolle in das
-Gebirge rücken. In seiner Bedrängnis befahl Moritz, das Landvolk solle
-sich in Dresden, Annaberg und Freiberg in seiner besten Wehr sammeln
-und für einen Monat Versorgung mitbringen. Die Gebirgler waren zumeist
-durch die Geistlichen gegen Moritz gestimmt und stellten sich nur in
-geringer Zahl. Anfang Februar waren 5 Fähnlein böhmischer Knechte nach
-Freiberg gekommen, um nach kurzer Rast weiterzuziehen, blieben aber
-liegen, weil sie ihren Sold, den die Offiziere in Dresden verspielt
-hatten, nicht bekamen. Natürlich mußten darunter die Freiberger bitter
-leiden. Zwischen den Berghäuern und Soldknechten kam es dort zu
-Thätlichkeiten, die selten unblutig abliefen. Als wenige Wochen darauf
-die Freiberger Besatzung gemustert wurde, waren nicht weniger als 150
-Knechte entlaufen.
-
-Schrecklich war es während dieser Zeit den Zwickauern ergangen. Dort
-war der Markgraf Albrecht von Brandenburg-Culmbach zur Sicherung
-der von den Bürgern bedrohten Besatzung eingerückt. Als er aber
-am 31. Januar nach Chemnitz beordert wurde, ließ er ohne weiteres
-die Bürger aus der Stadt ausweisen. Nur die zur Arbeit nötigen
-wurden zurückbehalten. Die Bürgerschaft zog an diesem Tage unter
-entsetzlichem Jammer der Weiber und Kinder bei großer Kälte aus der
-Heimat in die Nachbarstadt Schneeberg. In Zwickau wurde zum Zeichen des
-Kriegsregiments auf dem Markte der Galgen aufgerichtet. Die Vorstädte
-und 18 Dörfer der Umgegend legte die Besatzung in Asche. Die Plünderung
-war allgemein. Als Gegenstück, angeblich aus Rache gegen den Zwickauer
-Befehlshaber Wolf von Ende, Besitzer von Rochsburg, ließ der Kurfürst
-Rochsburg verbrennen und die Höfe von Kriebstein ausbrennen. Furchtbar
-litt das arme Sachsenland unter dem Vetternkriege, der sich immer
-mehr zu Ungunsten des Herzogs neigte. Dieser zog sich deshalb nach
-Freiberg zurück, um im Falle einer Niederlage Dresden oder Böhmen
-nahe zu sein. Ja, selbst in Freiberg fühlte er sich nicht sicher; er
-lebte in beständiger Furcht, daß ihm die Wege nach Böhmen versperrt
-werden könnten. Am 8. März wurde Chemnitz durch eine kurfürstliche
-Abteilung zur Übergabe aufgefordert, die Chemnitzer gaben gar keine
-Antwort und blieben vorläufig unbehelligt. Im Erzgebirge aber wurde
-der kurfürstliche Obrist Thumshirn, welcher von einem Streifzuge aus
-Franken her anrückte, mit offenen Armen aufgenommen.
-
-Die Annaberger empfingen ihn mit Freude, die Wolkensteiner und
-Marienberger ergaben sich auf bloße Aufforderung. Die Ratsherren
-dieser Städte waren zwar gegen sofortige Ergebung, allein das Volk,
-das Moritz als Verräter ansah, riß die Gewalt an sich. Oederan und
-Zschopau wurden am 27. und 28. März durch Thumshirn nach Annaberg zur
-Huldigung befohlen. Auch Joachimsthal nahm dieser ein und veranlaßte
-dadurch den Aufstand in Böhmen gegen Kaiser und König, der dort schon
-lange gärte. Wäre Thumshirn in der eingeschlagenen Richtung weiter
-vorgerückt, so hätte er Ferdinand und Moritz, die mit ihren Truppen
-von Freiberg über Lauenstein nach Teplitz und Brüx zogen, um sich in
-Eger mit dem Kaiser zu vereinigen, den Weg abschneiden können. Moritz
-selbst war als letzter aus Freiberg am 24. März abgezogen, um den
-üblen Eindruck seines fluchtartigen Aufbruchs zu verwischen. Sein Zug
-ging über Frauenstein, Sayda und Klostergrab nach Brüx. Thumshirn
-aber benutzte seinen Vorteil nicht, sondern plünderte das herzogliche
-Schloß zu Marienberg und zog weiter brandschatzend durch das sächsische
-Erzgebirge. Am 3. April fiel Chemnitz, am 8. Freiberg und das Amt
-Schellenberg bei Chemnitz.
-
-Trotz dieser Erfolge zog sich das Verderben dunkel und drohend über
-die Kurfürstlichen zusammen. Lange hatte der Kaiser gezögert, ob
-er sich um seiner Krankheit willen pflegen oder ins Feld ziehen
-solle. Da verbreitete sich plötzlich die Nachricht, daß der Zug nach
-Sachsen beschlossen sei. In Eger war noch in Gegenwart des Kaisers
-das Osterfest feierlich begangen worden. Am 10. April rückte Herzog
-Moritz, dem das ganze kaiserliche Heer folgte, mit einem Vortrab
-im Vogtlande ein. Am 16. April unternahm der Obrist Kruda mit 800
-Reitern, einigem Fußvolk und Geschütz einen Ausfall von Zwickau nach
-Schneeberg, das sich nach kurzer Gegenwehr ergab, worauf der Obrist das
-Ratskollegium und die höheren Bergbeamten mit fortschleppte und erst
-nach Erlegung einer Summe von 500 Gulden wieder losgab. Am 16. April
-war der Kaiser selbst in Werdau. Das nachbarliche Zwickau vermied er
-absichtlich, weil dort eine fürchterliche Seuche wütete. -- Der weitere
-Verlauf des schmalkaldischen Krieges bis zu dem Unglückstage auf der
-Lochauer Haide bei Mühlberg an der Elbe ist allenthalben bekannt. Als
-die aufrührerischen Böhmen von der Niederlage des Kurfürsten hörten,
-unterwarfen sie sich kläglich und ließen Thumshirn mit seinen 4000
-Fußknechten und 600 Reitern im Erzgebirge im Stich. Moritz beeilte
-sich nun, diesem Rest der kurfürstlichen Truppen die Erzgebirgspässe
-zu verlegen. Es gelang ihm nicht. Thumshirn brach durch und vereinigte
-sich mit des Kaisers Feinden. Bald ertönten die Friedensglocken auch
-im Erzgebirge, aber der ersehnte Frieden mochte nicht kommen. Lange
-noch raubten und plünderten die unbezahlten Söldnerscharen im armen,
-unglücklichen Lande.
-
-
-~c.~ Drangsale in Schneeberg.
-
-Obgleich nun am 24. April schon der Kurfürst Johann Friedrich auf
-der Lochauer Haide Schlacht und Kurhut verloren hatte, so schwärmten
-doch noch später kurfürstliche Truppen unter dem bekannten Obersten
-von Thumshirn hier im Gebirge umher. Es war, wie es scheint, die
-Kunde von des Kurfürsten Mißgeschick sogar da noch nicht bis hierher
-gedrungen, als an einem schönen Frühlingstag, Sonntag Jubilate am 1.
-Mai um 10 Uhr vormittags, eine stattliche Reiterschar von Zwickau
-her durch die Zwickauer Gasse nach der sogenannten Fürstengasse, dem
-heutigen Fürstenplatz in Schneeberg, hereingetrabt kam. Es waren
-vornehme Kavaliere, unter ihnen ein Kaspar von Stadion, also wohl ein
-Württemberger. Die Schneeberger aber, die etwa bei der Hand waren, um
-die glänzenden Reiter anzustaunen, mögen thatsächlich wohl Mund und
-Nase aufgesperrt haben, denn von den lauten Reden, die die Herren
-wechselten, als sie sich vor Wenzel Gassauers Gasthof -- dem späteren
-Fürstenhaus, einem Gebäude, das wechselvolle Schicksale gehabt --
-von den Rossen schwangen, haben die Zuschauer wenig verstanden, da
-hauptsächlich Spanier und Italiener sich darunter befanden. Vielleicht
-ist einer von den Bergleuten, die in der Umgegend wohnten, dann
-später den Leuten des Thumshirn in die Hände gelaufen, oder es hat
-ein treuer Anhänger des Kurfürsten -- und das scheint bei der damals
-in den Bergstädten vorhandenen Gesinnung gegenüber den katholischen
-Hilfstruppen des Herzogs Moritz wahrscheinlicher -- Botschaft hinüber
-in die Annaberger Gegend, wo die kurfürstlichen Völker streiften,
-gesendet. Fast möchte man der Zeit nach freilich glauben, daß diese
-schon nach unserer Gegend her unterwegs waren, denn gerade als die
-28 kaiserlichen Offiziere unter fröhlichem Scherzen und Lachen beim
-stattlichen Mahle waren, »etwan nach Mittags um 1 Uhr« heißt es in
-der Chronik, da kam ein starker Haufe der Thumshirnschen Reiter
-zum Hartensteiner Thor herein. Sie mögen wohl durch Nebengassen
-heranschleichend das Haus umstellt haben, einen Warner für die
-Schmausenden hat es aber nicht gegeben, denn urplötzlich brach das
-Verhängnis über sie herein. Kaum hatten sie Zeit, nach der Wehr zu
-eilen, ein fürchterliches Getöse entstand. Die Überraschten und vom
-Wein vielleicht schon etwas Bemeisterten vermochten nichts gegen die
-Übermacht. Ob sie sich auch tapfer zur Wehr setzten, einige auch die
-Thür gewannen und die Treppe hinab mit wuchtigen Hieben sich Bahn
-brachen, die Gegner waren zu stark, hier und da brach einer blutend
-zusammen, zwölf wurden ihrer niedergemacht und einer, der sich auf die
-Oberstube des Nebenhauses gerettet, dort zum Fenster heruntergestürzt;
-die übrigen gaben sich gefangen.
-
- Nach ~Dr.~ Jakobi.
-
-
-43. Der Dreißigjährige Krieg im oberen Erzgebirge.
-
-
-~a.~ Kurfürst Johann Georgs I. Verteidigungswerk.
-
-Schon im Jahre 1613, als die in Böhmen ausgebrochenen
-Religionsstreitigkeiten und Unruhen immer bedenklicher wurden,
-errichtete +Kurfürst Johann Georg I.+ von Sachsen für sein ganzes Land,
-um dasselbe möglichst wehr- und kriegsfähig zu machen, ein sogenanntes
-+Verteidigungswerk+, d. h. eine Art von Land- und Bürgerwehr, wozu
-durch besondere Ausmusterungen die kriegstüchtigen Männer aus den
-Städten und Dörfern ausgehoben und in besondere Haufen gebracht wurden.
-
-So bestand das +Freiberger+ Verteidigungswerk aus der Mannschaft,
-die nicht allein aus der Stadt und dem Amtsbezirke, sondern auch aus
-dem +Wolkensteiner+, +Grünhainer+ und +Tharandter+ Amte genommen war
-und zusammen 520 Mann ausmachte. Diese Mannschaften mußten von den
-betreffenden Städten mit den nötigen Waffen und den vorgeschriebenen
-Ausrüstungsstücken, nämlich grauen Röcken mit roten Aufschlägen, roten
-Tuchstrümpfen und schwarzen Hüten versehen werden. Zum Unterhalte
-dieser Verteidiger wurde im ganzen Lande eine Steuer ausgeschrieben,
-wozu jede Stadt nach Verhältnis beizutragen hatte. Die +Marienberger+
-Stadtgeschichte berichtet, daß von diesem Orte allein im Jahre 1631
-nicht weniger als 513 Gld 9 Gr 2 Pf Angeld und 43 Scheffel 9½ Metze
-Hafer an das Amt +Augustusburg+ abgegeben werden mußten. Im genannten
-Jahre, wo die Kriegsunruhen die sächsischen Grenzen bereits aufs
-schlimmste bedrohten, wurden von den erwähnten Verteidigern viele an
-die sächsisch-böhmische Grenze geschickt, um da in Gemeinschaft mit
-den gebirgischen Bewohnern alle Pässe zu verhauen oder wenigstens zu
-bewachen und das Eindringen von feindlichen Streifhorden aus Böhmen zu
-verhindern.
-
- Nach Donat-Holzhaus.
-
-
-~b.~ Wie in Böhmen der Krieg ausbricht.
-
-Kaum hatten sich die unglücklichen Bürger +Annabergs+ von den Schäden
-des großen Brandes 1604 notdürftig erholt, da hatten sie um die
-gerettete Habe wegen des in Böhmen 1618 ausgebrochenen Dreißigjährigen
-Krieges zu fürchten. Von 1622 an suchten verschiedene böhmische
-Protestanten in Annabergs Mauern eine Freistatt ihres bedrückten und
-verfolgten Glaubens. Dieser Zuzug steigerte sich wesentlich 1625--26.
-Namentlich viele Edelleute waren es, die sich hier niederließen. Zu
-ihnen gehörte +Sidonie von Hassenstein+. Das gewöhnliche Volk bezog die
-Dörfer oder gründete neue Ansiedelungen. So ließen sich in damaliger
-Zeit eine Anzahl Flüchtiger in +Cranzahl+, +Bärenstein+, +Stahlberg+
-und anderen Orten nieder. Aus einem Dorfe bei Elbogen hinter Karlsbad
-flüchtete ein vertriebener Bauer, Barthel Leibelt, in die +Cranzahler+
-Richterschmiede. Bei dem glaubensfrischen Steiger Christian Päßler in
-+Stahlberg+, der an seiner Kirche sein Paradies gehabt hat, ließen
-sich sehr viele nieder und bauten sich an. Wie groß die Glaubenstreue
-gewesen ist, ersieht man daraus, daß Georg Wagner, Richter am
-+Weipert+, 1643 als Apostata oder Abtrünniger erwähnt ist. Insbesondere
-mußten auch die Geistlichen, in +Joachimsthal+ sogar 3, katholischen
-Priestern und Mönchen weichen. Der Weiperter Pfarrer vermochte sich
-bis 1625 zu halten. Als er da der Macht wich, zog er nach +Cranzahl+.
-Seine Gemeinde ging mit ihm hier zur Kirche. Erwähnt sei noch, daß
-1620 Michael Mahn und Joachim Petzelt von +Cranzahl+ in Böhmen von
-Kriegsleuten angegriffen und ums Leben gebracht worden sind. Ihnen
-wurden wenigstens in Cranzahl Leichenreden gehalten.
-
- Nach ~P.~ Schultze und Finck.
-
-
-~c.~ Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück naht.
-
-Im Jahre 1629 wurde am 6. März zu Annaberg das +Restitutionsedikt+,
-das die Herausgabe sämtlicher Kirchengüter forderte, veröffentlicht.
-Bis zum Jahre 1629 hatte man im Erzgebirge von dem großen Kriege
-in den deutschen Landen nur wenig bemerkt. Einige Durchmärsche
-der Kaiserlichen über das Gebirge brachten nur vorübergehende
-Unzuträglichkeiten. 1630 feierte man in allen protestantischen Kirchen
-das Jubeljahr der Übergabe des +Augsburgischen Bekenntnisses+. Die
-entscheidende Wendung brachte das Jahr 1631, nach +Gustav Adolfs+
-Sieg bei +Breitenfeld+ am 7. September. Kurfürst +Johann Georg I.+
-ließ nun Truppen werben. Die Erzgebirgspässe wurden besetzt. Der alte
-+Slavenpaß+, der über +Weipert+ und +Komotau+ in das Egerthal führt,
-bildete nun in dem wechselvollen Kriege eine viel benutzte Heerstraße.
-»Das gute Gebirge mußte alle Parteien von Freund und Feind erdulden,
-sie speisen, auslösen, fördern und hausen lassen.«
-
-+Meltzer+ erzählt in seiner Stadtgeschichte Schneebergs von
-Wunderzeichen am Himmel, welche den Krieg anzeigten. Am 25. Januar oder
-Pauli Bekehrungstage 1630 hat man überall im Gebirge ein Feuer- und
-Wunderzeichen am Himmel gesehen, als wenn unterschiedene Kriegstruppen
-miteinander im Gefechte wären. Dergleichen hat man gehöret, als
-wenn Musketen losgingen, zur Begrüßung geschossen würde. Dies haben
-unzählige Personen mit Verwunderung und Schrecken beobachtet, aber
-auch mit seiner Bedeutung in erfolgten feindlichen Einfällen und
-Kriegsbewegungen erkannt.
-
- Nach Meltzer u. a.
-
-
-~d.~ Wie wichtige Obererzgebirgspässe besetzt werden.
-
-Drei Hauptpässe, erzählt +Chr. Lehmann+ in seinem »Schauplatze«,
-gehen über dieses Gebirge nach Böhmen, nämlich der +Rittersgrüner+,
-+Preßnitzer+ und +Reitzenhainer+. Der +Rittersgrüner+ liegt in einer
-festen Enge, daß man den ganzen Grund mit einer Schanze sperren konnte,
-und hat Holck viel Mühe und Beschwerden gekostet, ehe er durch das
-enge und morastige Waldgebirge hat brechen können. Der Preßnitzer geht
-über +Kühberg+, +Paßberg+ und ist ein gut Stück gebrücket. Die 10
-Minuten langen Schanzen am +Blechhammer+ sind noch jetzt zu erkennen.
-Der +Reitzenhainer+ geht über +Stollberg+, +Zschopau+ und +Marienberg+
-hin, liegt mitten im Walde eine halbe Meile von +Paßberg+ und hat der
-reisenden Leute halber einen Gasthof.
-
-Durch diese Pässe haben die Gebirger im Dreißigjährigen Kriege großen
-Schaden erlitten. Diese Waldpässe wurden im Jahre 1631 im September
-weit und breit verhauen, viel tausend Bäume gefället, daß sie meist
-mannshoch übereinander lagen, weder Roß noch Wagen durch konnten
-und Korn, Malz und Mehl, alles herübergetragen oder geschleppt und
-kümmerlich durchgezogen werden mußte.
-
-Vor dem +Reitzenhainer Paß+ war eine böhmische Schanze und ein
-Vorratshaus von Böhmen besetzt, welche der sächsische +Oberst Taube+
-mit 1500 Mann zerstörte. An dem +Preßnitzer Paß+ hatte man zwei
-Schanzen angelegt. Die eine war nahe an +Weipert+ am Grenzwasser beim
-Gasthofe. Man hatte den Hof und das Haus mit hohen Pfählen verschanzt,
-Schießlöcher durch die Ställe gemacht und den hohlen Weg zum Laufgraben
-gebraucht. Das Wachhaus war mit Pfählen hoch verschanzt und darüber
-eine kleine viereckige Schanze. Diesen Paß besetzte der auf +Preßnitz+
-liegende +Hauptmann Krebs+ mit 50 Musketieren, setzte die nächsten
-Dörfer umher in Kriegskosten, gab Schutzwachen aus nach +Crottendorf+,
-+Sehma+, +Cranzahl+.
-
-Ehe diese Pässe verhauen wurden, mußten die Gebirger vier Wochen lang
-in großer Anzahl davorliegen. Die +Wolkensteiner+ bewachten den Paß
-von +Reitzenhain+ und +Kriegwald+, die +Annaberger+ und +Grünhainer+
-den +Preßnitzer+, das Amt +Schwarzenberg+ den Paß bei +Wiesenthal+ und
-+Rittersgrün+.
-
-Vor alters hatte man von +Freiberg+ die Pässe von +Frauenstein+,
-+Reitzenhain+, +Preßnitz+. Durch diese sehr wilden und engen Pässe ist
-man nach +Halle+, +Leipzig+ und dem +Harze+ gefahren und zwar nicht
-ohne große Mühe und Gefahr wegen des Morastes, des tiefen Schnees und
-der Räuber. Sie sind aber auf viertel, halbe und dreiviertel Meilen
-gebessert und gebrücket, auch darum mit Zöllen und Geleitgeldern
-beleget worden. Überdies findet man auch richtige Wege zur Jägerei und
-Anführung der Zeugwagen. Bei +Joachimsthal+ ließ +General Holck+ einen
-neuen Weg durch Aufhauung des Waldes räumen.
-
-Ein Lichtungsweg oder Paß berührte also auch die +Bärensteiner+ und
-+Weiperter+ Flur. Eine Fortsetzung der Handelsstraße von Prag nach
-+Laun+, +Saaz+, +Kralup+ und +Kaden+ darstellend, zog er sich durch
-+Reischdorf+ nach +Preßnitz+, wo ein Schloß mit drei Türmen stand,
-von einem Wassergraben umgeben und geschützt durch eine Zugbrücke.
-Von dieser mutmaßlichen Zollstätte führte der Paß nach +Pleil+ und
-+Sorgenthal+, dem +Weißen Hirsch+ und durch die nördliche Spitze
-+Weiperts+ nach dem +Blechhammer+ herunter. Hier überschritt er
-den Grenzbach, die Pöhla, und ging über +Kühberg+ und +Zollhaus
-Berghäusel+ nach +Cranzahl+ herein, von hier aber auf der »alten
-Schlettauer Straße« nach +Schlettau+ und weiter nach +Elterlein+,
-+Zwönitz+, +Stollberg+, +Leipzig+ und +Halle+, woher die Böhmen
-das unentbehrliche Salz holten, das ihr Kesselland nicht besitzt.
-Noch heute sind an vielen Stellen die tief und breit in Felsboden
-ausgefahrenen Hohlwege sichtbar, wie am +Blechhammer+, in +Kühberg+,
-vor dem Erbgerichte und auf der »alten Straße« nach Schlettau, das
-übrigens noch im Jahre 1807 zur Wiederherstellung der Grenzbrücke am
-Blechhammer 72 M beitragen mußte.
-
- Nach Chr. Lehmann und ~P.~ Schultze.
-
-
-~e.~ Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg.
-
-Am 16. September 1631 wurden 1500 Mann kaiserliches Fußvolk, das
-bei Leipzig nach der Schlacht bei +Breitenfeld+, am 7. September,
-sich ergeben hatte und nun freien Abzug nach Böhmen erhielt, durch
-sächsische Reiterei und Infanterie bis +Reitzenhain+ geführt, bei
-welcher Gelegenheit die Stadt Marienberg die genannten Truppenteile
-aufzunehmen hatte und derselben ein Kostenaufwand von 425 Gld 20 Gr
-erwuchs.
-
-Sehr verhängnisvoll sollte das Jahr 1632 für +Marienberg+ werden. Dies
-erfuhr die Stadt schon, als am 4. Mai die +Fürsten von Anhalt+ und der
-von Altenburg auf dem Durchmarsche nach Böhmen mit zwei Regimentern
-einrückten und einige Wochen später der sächsische +Oberst Vitzthum
-von Eckstädt+ mit einem Reiterregimente die Stadt als Musterungsplatz
-wählte. in beiden Fällen hatte dieselbe für Verpflegung u. a. 825 Thlr
-5 Gr, sowie später noch 1435 Gld 9 Gr 8 Pf zu zahlen.
-
- Nach Donat-Holzhaus.
-
-
-~f.~ Wallensteins Truppen kommen.
-
-In großen Schrecken sollte das Obererzgebirge versetzt werden, als
-+Wallenstein+ seine dem Laster ergebenen und aus allerlei Volk
-zusammengelesenen Truppen nach Sachsen führte. Der +General Holck+,
-Wallensteins Oberstfeldmarschall, ein Protestant aus Dänemark, sowie
-der +Kroatenoberst Corbitz+ führten ihre Banden über +Altenberg+,
-+Schneeberg+ und +Annaberg+ durch unser Gebirge, wodurch dieses aufs
-höchste geängstigt ward. Am 10. August 1632 rückte der Vortrab des
-Holckschen Heeres unter +Oberst Isaak von Brandenstein+ vor +Annaberg+,
-wo nicht nur 2000 Thaler Brandschatzung gezahlt werden mußten,
-sondern auch, trotz des gegebenen Ehrenwortes, die Stadt vor aller
-Unbill zu schonen, in schrecklichster Weise geplündert und alles Vieh
-weggetrieben wurde.
-
-Nach dieser Heldenthat ging es weiter, und mitten in der Nacht kam die
-Bande vor +Marienberg+ an. Ein kaiserlicher Trompeter sprengte vor
-das verschlossene Annaberger Thor und begehrte im Namen des Kaisers
-Öffnung und Übergabe der Stadt. Der +Bürgermeister Franke+ bat um einen
-Tag Bedenkzeit; der Trompeter ritt zurück und nach einer in großer
-Angst durchwachten Nacht öffnete man das Thor und -- nirgends war
-ein feindlicher Soldat mehr zu erblicken. Die Gefahr war für diesmal
-abgewendet; aber die Angst stieg wieder aufs höchste, als man vernahm,
-daß der grausame +General Holck+ selbst bereits in +Schneeberg+
-angekommen sei und sein Heer dort nicht nur alles geplündert
-und zerstört, sondern auch Fliehende und Flehende unbarmherzig
-niedergeschossen, viele Bürger getötet oder bis auf den Tod gequält, ja
-den Stadtrichter vor der Thür seines Hauses und einen 90jährigen Greis,
-den früheren +Bürgermeister von Schlackenwerth+, niedergemetzelt hatte.
-
-Von +Eger+ kommend, drang 1632, Mitte August, der +General Holck+ mit
-seinen Scharen über +Elbogen+, +Neudeck+ nach +Eibenstock+ und von da
-gegen +Schneeberg+ vor. Gar übel haben die Kroaten überall gehaust.
-+Schwarzenberg+, +Schneeberg+, +Lößnitz+, +Grünhain+, +Elterlein+,
-+Geyer+ wurden geplündert und niedergebrannt. Schreckliche Zeiten waren
-gekommen. Das liebe Getreide wurde zertreten, viele hundert Stück Vieh
-wurden geraubt, von den Marketendern teuer verkauft, Brot und Bier
-wurde durch dieselben abgeführt und dadurch Hunger, Brotmangel, Zagen
-und Wehklagen verursacht.
-
- Nach Donat-Holzhaus u. a.
-
-
-~g.~ Oberst Preuß vor Marienberg.
-
-Am 21. August rückte +Oberst Preuß+ vor +Marienberg+, nachdem ihm
-+Holck+, in Rücksicht darauf, daß die Stadt noch vom großen Brande her
-zum Teil in Schutt lag, einige Schonung anempfohlen hatte. Am genannten
-Tage früh 10 Uhr reitet ein Trompeter vor das verschlossene Thor und
-verlangt, daß man öffne. Niemand hört ihn und erbittert reitet er zum
-Heerhaufen zurück. Als auch auf eine erneute Aufforderung keine Antwort
-erfolgte, ward Sturm geblasen, das Thor gesprengt, und vorsichtig
-rückte man auf den großen, weiten Markt vor. Zwei volle Stunden läßt
-der Oberst, der einen Hinterhalt vermutet, seine ungeduldigen Soldaten
-hier stehen. Ringsum herrscht aber die Stille des Kirchhofs -- kein
-Mensch zeigt sich! Da wird das Rathaus gewaltsam geöffnet; aber auch
-hier ist kein Mensch zu finden. Selbst der Rat hatte den Mut verloren
-und mit zuerst die Flucht ergriffen; alle Einwohner waren samt den
-Geistlichen in den Wald geflohen und nur einige Arme und Kranke
-zurückgeblieben. Der Ratsdiener aber und einige Bürger wurden noch in
-der Nähe der Stadt ergriffen und von den Kroaten niedergeschossen.
-
-Als die Bande sah, daß die Stadt aus Furcht vor der Gefahr preisgegeben
-worden war, begann sofort die Plünderung, welche zehn volle Tage
-hindurch fortgesetzt wurde. Mit einem unglaublichen Spürsinne wußten
-die Soldaten in Kellern und Bergschächten, wohin man das Beste der Habe
-vergraben und verborgen hatte, diese aufzufinden. Auf dem Rathause fand
-man so viel Gold- und Silberzeug, daß damit allein die Stadt hätte von
-der Plünderung befreit werden können, wenn der zweite Bürgermeister,
-+Adam Genser+, nicht ganz und gar den Kopf verloren gehabt hätte. Als
-derselbe sich nach einigen Tagen wieder aus dem +Reitzenhainer Walde+
-hervor in die Stadt wagte, nahmen ihn die Kroaten gefangen und ließen
-ihn nicht eher los, bis die Kämmerei 100 Thaler für ihn bezahlt hatte.
-
-Hunger und Elend nahmen unter den unglücklichen Bewohnern überhand,
-welche neun Tage in Höhlen und Klüften der Wälder gelebt hatten,
-weshalb sich eine Anzahl mutiger Bürger entschloß, beim +Oberst Preuß+
-um sichere Rückkehr in die Stadt zu bitten. Die Erlaubnis ward gegeben
-und sogar eine Abteilung zur Deckung des traurigen Einzugs beordert,
-und so kehrten am 30. August sämtliche Bewohner zurück, fanden aber
-bald genug zu ihrem größten Schrecken, daß ihre so sicher geglaubte
-Habe geraubt war. Der Stadtgeschichtsschreiber berichtet hierüber:
-»38 Fähnlein Fußvolk sind auf dem Markte, als der Marsch wieder
-fortgegangen, gestanden; die Reiterei ist aber bei der Stadt vorüber
-nach +Freiberg+ zu marschiert; es ist weder Brot noch einiger Trunk in
-der Stadt zu bekommen gewesen, und hat nach diesem Unglücke ein Brot
--- sonst einen Groschen -- 5 Groschen und eine Kanne Bier 3 Groschen
-gegolten.« Auch wird noch weiter hinzugefügt: »Es sind auch 325
-Personen an der Soldatenkrankheit gestorben, welche die kaiserlichen
-Völker für Ausplünderung der armen Stadt als Trinkgeld hinterlassen.
-Unter den Verstorbenen waren auch die Stadtschreiber Joachim Frank und
-Josephus Collmann, sowie der Stadtrichter Heinrich von der Feldt.«
-Übrigens lagen noch bis zum 25. September Soldaten in der Stadt, wo
-sie bis auf 15 Mann, welche als Schutzgarde zurückgeblieben, abzogen.
-Ehe aber der Aufbruch geschah, sollte zuvor einer, der einen Mönch
-erschlagen, stranguliert werden, »hatte sich aber, als ein seltsamer
-Abenteurer, vom Galgen wieder losgemacht«.
-
- Nach Donat-Holzhaus.
-
-
-~h.~ Wie die Kaiserlichen nach der Lützner Niederlage im Gebirge hausen.
-
-Früher ward in der gewölbten Sakristei der +Zwickauer Marienkirche+ ein
-in Gold gefaßtes Stücklein vom Kreuze Christi verwahrt, welches der
-Hauptmann Martin +Römer+ im Jahre 1479 der Kapelle geschenkt hatte.
-An dieses Kreuz heftete sich der Fluch: »Wer ein Stücklein von diesem
-Holze mit Gewalt nehmen wird, der sei verflucht und das heilige Kreuz
-bringe ihn um.« Nun hat +Herzog von Friedland+ oder +Wallenstein+ am 1.
-September 1632 dieses Kleinod durch seine Vettern +Graf Maximilian von
-Wallenstein+ und +Graf Paul von Lichtenstein+ abholen und dem Kaiser
-eigenmächtig im Namen der Stadt +Zwickau+ anbieten lassen. Nachdem
-dies am 14. September geschehen, hat +Wallenstein+ am 6. November die
-große +Schlacht bei Lützen+ verloren und seit dieser Zeit kein Glück
-mehr gehabt, also daß er schließlich zu +Eger+ umgekommen ist. Auch die
-beiden Grafen sind eines unnatürlichen Todes gestorben. So erzählt die
-Sage. In der +Lützner Schlacht+ hat auch auf Seite der Kaiserlichen
-+Herzog Franz von Sachsen-Lauenburg+ mit gekämpft. Es ist derselbe,
-welcher die +Kapelle+ auf dem +Kupferhügel+ in Böhmen gründete.
-Er weihte sie der Maria. Man hat jeden Freitag zur Zeit der Blüte
-des dortigen Bergbaues Gottesdienst darin gehalten. Später verfiel
-sie und ward erst 1821 wieder hergestellt. Der Gründer, +Franz von
-Sachsen-Lauenburg+, ist derjenige, welchem der Tod des Schwedenkönigs
-+Gustav Adolf+ in der Schlacht bei +Lützen+ zugeschrieben wird. Die
-kaiserliche Besatzung vor +Leipzig+ fiel den Schweden in die Hände,
-wurde entwaffnet und von schwedischen Reitern auf dem +Weiperter Paß+
-nach Böhmen geführt. Kaum war die schwedische Bedeckung fort, so fielen
-die in die Wälder geflüchteten Bauern am +Kühberge+ über Wagen und
-Rosse her und hieben die Begleitung der Rosse nieder.
-
-Der Rückzug der Kaiserlichen nach der Schlacht bei +Lützen+ verbreitete
-von neuem Schrecken, Elend und Not. Die Kaiserlichen trieben alles
-Vieh, was sie überhaupt noch in den Ställen fanden, mit fort. Als
-einigermaßen wieder Ruhe wurde, kamen die geflüchteten Landesbewohner
-aus den Bergschluchten und Wäldern wieder hervor. Kaum elendes
-Kleienbrot und Salz konnten sie auftreiben, als der Landmann wieder
-zum Pfluge griff. -- Sogar +Bernhard von Weimar+ ließ +Wolkenstein+,
-+Lauterstein+, +Augustusburg+, sowie die +Bergstädte+ brandschatzen.
-Am 16. Dezember rückte er vor +Zwickau+, beschoß die sich lebhaft
-verteidigende, von Kaiserlichen besetzte Stadt und legte mit dem Feuer
-von acht halben Kanonen die Stadtmauer am Rößleinturme nieder, sodaß
-die Kaiserlichen mit fliegenden Fahnen, Kugeln im Munde, brennender
-Lunte und viel Vorratswagen abzogen.
-
-Im nächsten Jahre 1633 kam +Holck+ wieder ins Gebirge. 16000
-Kaiserliche zogen über den +Weiperter+ Paß nach Böhmen. Zwei Jahre lang
-blieb derselbe besetzt. Alles wurde zu nichte gemacht. In +Schneeberg+
-raubt er den Altar, heilige Geräte, Meßgewänder, vernichtete die Bilder
-von Luther und Melanchthon. +Aue+ wurde niedergebrannt, +Lößnitz+
-geplündert und ausgeraubt. Dazumal ist auch das Getreide im Felde an
-vielen Orten niedergetreten worden. Wochenlang brachten die Bewohner
-der Orte in den Wäldern zu.
-
-Später befreite der sächsische +Oberst von Taube+ das Land von den
-Kaiserlichen. Aber die eigene verwilderte Soldatenhorde hauste nicht
-minder schrecklich. Es waren sächsische Dragoner, welche die Thore
-von +Marienberg+ stürmten und die Stadt, wie später auch +Annaberg+,
-plünderten.
-
- Nach ~Dr.~ Köhler, M. v. Süßmilch u. a.
-
-
-~i.~ Wie die Bauern die Kaiserlichen vertreiben.
-
-Als im Jahre 1632 die Kaiserlichen die Ausgänge der Pässe von
-+Preßnitz+ und +Reitzenhain+ besetzt hielten, thaten sich die Bauern
-zusammen, vertrieben die Kaiserlichen aus den Schanzen und lauerten
-ihnen auf, wenn sie mit Beute durchs Gebirge zogen. Der Anführer der
-Bauern war der +Amtsschösser+ von +Grünhain+, +Friedrich Türck+. Als
-nun von allen Seiten Klagen über die Bauern beim +General Gallas+,
-welcher um Freiberg lag, einliefen, schickte dieser wiederholt Boten
-an +Türck+ mit Warnungen und Drohungen und verlangte Kriegskosten.
-+Friedrich Türck+ wollte davon nichts wissen und ließ den Kaiserlichen
-entbieten, er wollte ihnen Pestilenz, Pulver und Blei und alle
-katholischen Steine aus dem Kloster Grünhain auf die Köpfe geben.
-Dies konnte nicht ungestraft bleiben. +Gallas+ entsandte 2000 Pferde
-mit 20 Standarten unter dem +Obersten Kehreuß+ gegen die Bauern
-ins Gebirge. Am 7. November kamen sie auch durch +Kühnhaide+. Von
-+Friedrich Türck+ wird gerühmt, »er habe seine Bauern dermaßen
-begeistert und abgerichtet, daß sie frisch vorm Feinde standen, keine
-Gefahr scheuten und sich trefflich wehrten, sonderlich, wenn er dabei
-war und ihnen zusprach«. -- Es drängt sich die Vermutung auf, daß die
-»+Türckenheide+« bei Kühnhaide ihren Namen von jenem Bauernführer
-erhalten hat.
-
-Auch in andern Gegenden wehrten sich die Bauern erfolgreich. Das
-berichtet die Erzählung von den sechs Brüdern bei +Geyer+. Als
-nämlich in demselben Jahre, 1632, kaiserliche Truppen von der Burg
-+Scharfenstein+ die ganze Umgegend durchstreiften und plünderten,
-war es einem Trupp herzhafter Burschen aus +Elterlein+ und +Zwönitz+
-gelungen, in der Nähe von +Scharfenstein+ sechs Österreicher, welche im
-dichten Walde schliefen, zu überfallen und gefangen zu nehmen. Was nun
-mit den Gefangenen zu beginnen sei, darüber entstand bei den Siegern
-heftiger Streit. Die von +Elterlein+ meinten, daß es das beste sei, sie
-sämtlich totzuschlagen. Die von +Zwönitz+ wollten nichts davon wissen
-und brachten es dahin, daß man beschloß, sie zum Heere zu bringen.
-Sie zogen fort. Als sie in die Nähe von +Geyer+ kamen, erhob sich der
-Streit von neuem, und weil die +Elterleiner+ mit Gewalt drohten, so
-wurden die Zwönitzer voll Ärger und schieden von ihnen, die Gefangenen
-ihrem Schicksale überlassend. Dieses war ein trauriges. Denn kaum waren
-die +Zwönitzer+ im Walde verschwunden, so fielen die mordlustigen
-Elterleiner über die wehrlosen Opfer ihrer Wut her und ermordeten fünf
-Österreicher auf die grausamste Weise, den sechsten aber warfen sie
-in ein tiefes Loch, in welchem ihn die Vorübergehenden noch am andern
-Tage jammern hörten. Zum Gedächtnisse dieser Greuelthat heißt jene
-Stelle der Wiesen bei Geyer noch jetzt »+Sechs Brüder+«, ohne daß man
-bestimmen kann, ob wirklich die sechs unglücklichen Österreicher Brüder
-gewesen sind.
-
-Die unmenschliche Behandlung, welche die friedlichen Bewohner von
-Freund und Feind zu erdulden hatten, brachte es so weit, daß eben jeder
-Soldat, gleichviel, welcher Seite er angehörte, als Feind betrachtet
-wurde. Daher herrschte zwischen den Bürgern und den Söldnerhorden
-ein fortwährender Kriegszustand. Die Soldaten brannten, plünderten,
-mordeten und schändeten; die Bewohner wehrten sich ihrer Haut und
-wagten nicht selten auch den Angriff. Versprengte Soldaten wurden
-unerbittlich niedergehauen. So lockten die Bauern von +Dorf-Chemnitz+
-nach der Leipziger Schlacht sechs hungrige Soldaten und ein
-Soldatenweib in den Wald, erschlugen sie und raubten alles, selbst
-die Kleider. Als die Leichen verscharrt werden sollten, findet man
-einen Halbtoten und macht ihn noch vollends nieder. Der +Jahnmartin+
-am +Kühberge+ klagte oft, seine Hände röchen so nach Menschenfleisch;
-denn er hatte viel Soldaten helfen erschlagen. 1641 erschlugen die
-gebirgischen Bauern bei +Unterwiesenthal+ 9 Flüchtige von dem Heere
-+Baners+, entkleideten sie und bedeckten sie mit Reisig: davon hat sich
-einer wieder ermuntert und ist halbnackt nach Wiesenthal gekommen.
-
- Nach Chr. Lehmann und ~Dr.~ Pöschel.
-
-
-~k.~ Das Kriegsjahr 1634.
-
-Alle Schrecken des Kriegen kehrten im Jahre 1634 wieder. Namentlich
-wütete zu jener Zeit der kaiserliche +Oberstleutnant Schutz von
-Schutzky+ in unserem Gebirge, setzte unter anderm +Sayda+ in Flammen,
-brandschatzte +Annaberg+ mit 1200 Thalern und rückte auch vor die
-Stadt +Marienberg+. Hierüber berichtet die Stadtgeschichte: »Den 29.
-September rückte ein kaiserlicher Oberstleutnant Hans Heinrich von und
-zu Schutz zu Roß um 2 Uhr nachmittags vor die Stadt; solchem ging der
-Rat entgegen und bat für die arme Stadt, da sich's denn etwas besser
-angelassen als im ersten Einfall; er kam mit etlichen Pferden in die
-Stadt und nahm sein Quartier bei Georg Löven. Da er nun eingelassen
-worden war, begehrte er von der Stadt für die Plünderung und als
-Lösegeld 6000 Thaler; es blieb auf der Geistlichen und des Rats Bitten
-bei 1000 Thaler. Ingleichen wurden dem Oberst 65 Thaler Tafelgeld und
-dem Regimentsquartiermeister 35 Thaler verehrt. Das Lösegeld wurde
-halb, nämlich 500 Thaler, den folgenden Morgen ausgezahlt, die anderen
-500 Thaler sollten innerhalb 14 Tagen abgestattet werden. Obgleich aber
-der Rat wegen dieser 500 Thaler einen Schuldschein von sich ausstellte,
-haben sie doch um mehrerer Versicherung den ältesten Ratsherrn Michael
-Seeliger mitgenommen. Bei diesem ankommenden Volke entstand auch am
-Michaelistage abends 7 Uhr eine von den Soldaten angelegte Feuersbrunst
-vor dem Annaberger Thore und verderbte in solcher ein Haus und eine
-Scheune und ward ein großes Geschrei in der Stadt, weil es sehr
-nahe an der Stadtmauer war.« Die letzte Abzahlung der obengenannten
-Brandschatzungssumme leistete die Stadt am 31. Oktober durch den
-Bürgermeister Augustin Eckstein, und mußte dieselbe, da alle Geldmittel
-erschöpft waren, zum größten Teile in Naturallieferungen, worunter auch
-Heringe und Stockfische aufgeführt werden, geschehen.
-
-In die bedenklichste Lage sollte die Stadt geraten, als im Oktober
-1634 der österreichische +Major Beck+ den bisher verhauen gewesenen
-+Paß bei Reitzenhain+ in einer Nacht öffnen ließ, sodaß nun diese
-Heerstraße von hin- und herziehenden Heereshaufen wimmelte und es auch
-zuweilen zu Gefechten zwischen sächsischen und kaiserlichen Truppen
-kam. So entstand etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt, auf
-den +Lautaer+ und +Hilmersdorfer Höhen+, ein Treffen, später auch an
-dem ganz nahen +Kaiserteiche+, wobei +Marienberg+ in die größte Gefahr
-geriet. Täglich mit Brand und Plünderung bedroht und von Kroaten und
-Spaniern umringt, sollte es immer und immer wieder für die in der Nähe
-lagernden Truppen Lebensmittel schaffen. Es war der Mangel so groß, daß
-der Rat das Brot von Haus zu Haus in einzelnen Stücken zusammentragen
-ließ und es manche Eltern im Augenblicke, wo sie es essen wollten, den
-hungernden Ihrigen entreißen mußten. Aus jenen trüben Tagen erzählt
-der Geschichtsschreiber: »Es haben sich die Kroaten und spanischen
-Regimenter vor die Stadt am Walde geleget, da denn die Offiziere auf
-den Tag hereinkamen und mußten gespeiset werden, dem Volke aber alle
-Tage 2 Faß Bier, Fleisch und Brot und wöchentlich jedem Regimente
-20 Thaler Kriegskosten, welche 12 Tage gewährt, wobei das +Götzsche
-Regiment+ noch dazukommt, welches gleichsam seine Verpflegung hat haben
-müssen. Der +Kroatenoberst Joh. Tischler+ hat die Einquartierung in der
-Stadt haben sollen, weil aber keine Möglichkeit, vornehmlich auch wegen
-des sächsischen Volkes, welches in +Zschopau+ gelegen, da dann groß
-Unglück der Stadt hätte entstehen sollen. So hat der Oberst +Tischler+
-200 Thaler und 6 Paar Stiefel für die Einquartierung begehrt, ist
-aber bei dem halben Teile verblieben, und ist damals große Not wegen
-des lieben Brotes gewesen; denn man hat weder aus noch ein können
-und vielmals die Ratspersonen und Bürger das Brot von Haus zu Haus
-stückweis von Bürgern einbringen und korbweise nausschicken müssen.
-Dieses aber alles mußte man dulden, daß die Stadt nicht in Brand
-gestecket wurde.«
-
- Nach Donat-Holzhaus.
-
-
-~l.~ Zschopau wird niedergebrannt.
-
-Am 21. November 1634 war es, als die Bewohner +Marienbergs+ zu ihrem
-größten Schrecken mitten in der Nacht den Himmel hoch gerötet sahen.
-+Zschopau+ stand in Flammen, dessen Besatzung von 4 Regimentern
-kaiserlicher Truppen unter dem +Obersten Colloredo+ überfallen worden
-war. Sie richteten in der Stadt, welche mit Menschen überfüllt war,
-da sich außer den Soldaten und Bürgern auch die Landleute darin
-aufhielten, ein schreckliches Blutbad an. +Hering+ schildert das
-Ereignis in folgender Weise: »Die Schlafenden schreckten plötzlich
-durch den Ruf der Kriegstrompeten empor. Zschopau ist umringt; Frauen,
-Kinder, Greise flüchten in die Keller; die Männer stürzen sich mit
-hinaus und alle Schrecken der Schlacht erhöhen sich durch die dichte,
-nur durch die tötenden Blitze der gelösten Gewehre erleuchtete
-Finsternis. Es rast die Schlacht -- es wütet der Tod in allen Gassen;
-es häufen sich Leichen von gefallenen Soldaten, Bürgern und Bauern,
-und jetzt schlagen die Flammen empor -- rechts und links und fern und
-nah steht die Stadt in Feuer. Dem Tode in den Flammen entfliehend,
-stürzen die Versteckten hervor und suchen sich zu retten. Aber ach, wie
-viele hatten dem Schutze der Keller sich lieber vertrauen wollen als
-der würgenden Schlacht und waren hier erstickt. Außer den im Kampfe
-Gefallenen zählte man am Morgen nach dieser schaudervollen Nacht 90
-Leichen von Erstickten.
-
-In Angst und Mitleid schloß sich in jener Nacht auch in +Marienberg+
-kein Auge zum Schlummer. -- Da brauste nach Mitternacht das
-rückkehrende Heer heran; alles wollte, nach Brot schreiend, in die
-Stadt stürzen. +Oberst Colloredo+ aber ließ die Thore besetzen und
-nur die Offiziere hinein, sodaß die schreckensreiche Nacht für
-die Stadt ebenso glücklich endete, als sie über die Nachbarstadt
-unbeschreibliches Elend und Unheil gebracht hatte.«
-
- Nach Hering-Holzhaus.
-
-
-~m.~ Die Sachsen in Marienberg.
-
-Auch der Anfang des Jahres 1635 war für die Stadt noch trübe genug,
-und zwar kam diesmal die Bedrängnis nicht von feindlicher Seite,
-sondern von sächsischen Truppen her. Am 2. Januar ritt der sächsische
-+Oberstleutnant Unger+ mit 300 Dragonern vor die Stadt, wo die Thore
-Tag und Nacht verschlossen gehalten wurden. Er begehrte Einlaß. Man
-fürchtete sich aber vor den Sachsen ebenso, wie vor den Kaiserlichen,
-und der Rat zögerte, ob er öffnen lassen sollte oder nicht. Da
-verbreitete sich plötzlich allgemeiner Schrecken; denn krachend
-ertönten die Schläge der Hämmer und Äxte, womit das Freiberger Thor
-aufgehauen wurde. Gleich einem feindlichen Heere strömten die Krieger
-herein. Von den zwei Mann, welche der Rat von der kaiserlichen
-Besatzung in +Reitzenhain+ als Schutzwache erhalten hatte, war nichts
-zu sehen. Man suchte nach ihnen, und der eine hatte sich in einen
-Gasthof geflüchtet, während der andere glücklich nach +Reitzenhain+
-entkommen war. Derjenige, welcher sich versteckt hatte, wurde von
-einem Dragoner bemerkt, herunter geholt und auf den Markt vor den
-Oberstleutnant gebracht; die Ratsherren baten für ihn, aber vergebens.
-»Hund, knie nieder!« war die Antwort auf die inständigen Bitten, und
-der Arme wurde sofort erschossen. Die Soldaten quartierten sich selbst
-ein, und ist es nach den Worten des Geschichtsschreibers »zuletzt übel
-hergegangen, indem sie geplündert; alle Pferde, so auch sind bei den
-feindlichen Einfällen erhalten worden, haben sie mitgenommen, so haben
-die Bürger damals ihren Schaden über 1700 Thlr angegeben, welches
-nichts Geringes gewesen und die Stadt für die erschossene Schutzwache
-auf große Bitte noch 28 Thlr bezahlen müssen, ohne, was sonsten an
-Verheerung und anderem aufgegangen ist.«
-
- Nach Donat-Holzhaus.
-
-
-~n.~ Wie die Schweden ins Gebirge kommen.
-
-
-1. Der Beginn der Schwedengreuel.
-
-Kurfürst +Johann Georg I.+ hatte am 30. Mai 1635 den +Prager Frieden+
-geschlossen. Aber dieser Friede hatte die größten Drangsale für
-Kursachsen im Gefolge. Verödung, Hungersnot und Pest waren schon da.
-Nun brachte die gesteigerte Verwilderung und vor allem die Rachsucht
-gegen die verlassenen Bundesgenossen die fürchterlichsten Greuel.
-Hatten vorher nur die Kaiserlichen im Lande gehaust, so wurden von nun
-an auch die Schweden zu Feinden und übertrumpften die Kaiserlichen an
-Ingrimm und Wut.
-
-Raub und Erpressungen bezeichneten ihren Weg. Städte und Dörfer wurden
-verheert und niedergebrannt, Wohnungen und Eigentum zerstört. Keine
-Kirche und Schule, kein Hospital, keine milde Stiftung wird verschont,
-und die Bewohner werden aufs grausamste gequält, gemartert und
-getötet. Die Verstorbenen in den Gräbern haben keine Ruhe vor ihnen.
-Die Kruzifixe an den Wegen werden mutwillig zerhauen und verstümmelt.
-Das Land war bis aufs Mark ausgesaugt. +Baner+ marschierte nach den
-Bergstädten. Vor +Annaberg+ nahmen die Schweden allenthalben die besten
-Pferde weg, ließen sich mit Kleidung, Schuhen, Stiefeln, Sätteln,
-Hufeisen, Nägeln versehen.
-
-Am südlichen Ende des zwischen +Chemnitz+ und +Schellenberg+ gelegenen
-Dorfes +Euba+ erhebt sich eine kleine Anhöhe. Auf dieser befindet sich
-eine einfache, hölzerne Säule, welche der Eigentümer der Anhöhe zu
-erhalten hat. Man hält sie für einen ehemaligen Galgen, an dem eine
-Abteilung Schweden, welche da ihrem Feinde gegenübergestanden hat,
-einen gefangenen Spion aufgehängt haben soll.
-
-
-2. Die Schweden werden aus Marienberg vertrieben.
-
-Den 26. Februar 1639 nahte das schwedische Unheil auch der Stadt
-Marienberg; denn der Geschichtsschreiber teilt folgendes mit: »Ein
-schwedischer Fähnrich kam mit seinen Reitern und begehrte alsobald die
-schwedischen 2000 Rthlr, so ihnen vor zwei Jahren sein Rest geblieben,
-davon uns aber nichts wissend. Ist schwer hergegangen und hat der halbe
-Teil an Geld, Pferden, Speisen, Schuhen, Stiefeln und Tuchen an 500
-Rthlr zusammengelaufen, und 500 Rthlr alsdann Rest geblieben, haben's
-aber doch bezahlen müssen, daher auch Stücke verpfändet worden, so den
-Vermächtnissen und dem Armenkasten zuständig, weil sonst kein ander
-Mittel gewesen.«
-
-Im Februar 1639 floh alles, was fliehen konnte, in die Städte
-+Freiberg+, +Annaberg+ und +Marienberg+; die Landgeistlichen schafften
-ihre Frauen und Kinder wenigstens dahin in Sicherheit, um bei
-wirklicher Gefahr schneller mit dem Reste der Kirchenkinder in die
-Wälder flüchten zu können. Die Nähe der großen Waldungen ist damals für
-das Gebirge die Rettung aus tausend Todesgefahren gewesen. Vom Februar
-an streiften bereits schwedische Banden überall im Gebirge umher, und
-es wurde damals auch von nur drei schwedischen Reitern das Schloß
-+Lauterstein+ angezündet und in Asche gelegt.
-
-Am 12. April, es war Karfreitag, kamen etwa 500 solcher schwedischer
-Brandstifter, nachdem sie +Zöblitz+ geplündert und angezündet,
-sowie dessen Bewohner in jeder Weise mißhandelt hatten, auch
-nach +Marienberg+. Es heißt hierüber: »Dieselbigen kamen vor das
-Annabergische Thor, wollen dasselbe aufhauen, gaben auch Feuer
-darauf. Da man sie aber mit Gottes Hilfe durch hinausgeworfene Steine
-abgetrieben, mußten sie weichen. Sie zündeten aber das Schießhaus an
-und die Hilligersche Scheune, da denn die Bürgerschaft in sehr großer
-Gefahr war.« Am ersten Osterfeiertage kehrten die Erbitterten in noch
-größerer Anzahl zurück, aber ein gleicher Steinhagel lehrte ihre
-verwundeten Köpfe, daß die Bürger hier fest wie ihre Steine wären.
-Einige Tage darauf wurde erneuter Sturm dadurch glücklich abgewehrt,
-daß die Bürger anstatt der Steine -- Brot hinauswarfen.
-
-Glücklich sollte das fast täglich in Angst und Schrecken gesetzte
-Marienberg am 10. August desselben Jahres wegkommen, als der
-schwedische Oberst +Holck+ mit 250 Reitern und 200 Infanteristen Einlaß
-in die Stadt verlangte. Zagend öffnete man die Thore, und drohend
-ziehen die Schweden ein. Es fehlte Brot und Bier so ganz in der armen
-Stadt, und diese wilden Gäste verlangten doch so viel und drohten,
-die Stadt aufs äußerste zu quälen. Sie verteilen sich bereits in die
-Häuser, wo Jungfrauen und Kinder sich verkrochen haben und angst- und
-hungerbleich der Bürger die Räuber empfängt, die unter gräßlichen
-Verwünschungen Geld, Brot und Bier und was nicht alles, fordern. Da --
-ruft plötzlich die Trompete; die Soldaten stürzen auf den Markt vor;
-dieser füllt sich mit sächsischen Dragonern; ein wütendes Gemetzel
-beginnt; die Schweden ergeben sich; einzelne entfliehen; der Oberst mit
-mehreren Offizieren und Frauen wird gefangen genommen, und es werden
-gegen 6000 Rthlr Wert erbeutet. Der sächsische Oberst +Stritzky+ hatte
-der Stadt Rettung gebracht.
-
- Nach Donat-Holzhaus.
-
-
-3. Das Schreckensjahr 1639.
-
-Das schrecklichste Jahr war das Jahr 1639.
-
-Sobald die Schweden +Zwickau+ und +Chemnitz+ genommen hatten, teilte
-+Baner+ wie das ganze Land, also auch den Obererzgebirgischen Kreis
-unter seine Obersten und Regimenter. Das Amt +Schwarzenberg+ und Amt
-+Grünhain+ kamen unter +Oberst Leßle+. Da war kein Amt, Stadt, Flecken,
-Dorf oder Schloß im Gebirge, das nicht geplündert oder gebrandschatzt
-wurde, von +Marienberg+ an im Gebirge hinunter bis an die +Flöha+ und
-+Olbernhau+, ja gar nach Böhmen hinein.
-
-Den 25. Februar kamen zwei Unteroffiziere vom +Leßlischen Regiment+.
-Einer, +Barthel Moth+, kam ins Amt +Schwarzenberg+, der teilte
-Sicherheitswachen aus. Das waren unberittene Reiter, die die Gemeinden
-mußten verpflegen und versehen mit Pferden und Roßzeug, Stiefeln,
-Kleidern, Röcken, Mänteln. Es wurde das ganze Amt gebrandschatzt um
-6000 Thaler.
-
-Der +Leutnant Peter Kupfer+ legte sich aufs Schloß in +Schlettau+ und
-plünderte das Amt +Grünhain+ und was hineingehörte um 5000 Thaler,
-auch +Schlettau+, auf welches allein 1250 Thaler kamen, nahm viel
-an Geschmeide und auch den silbernen Schützenvogel, mitsamt den
-Schulden 80 Thaler wert. Das Vieh mußten die +Schlettauer+ samt den
-+Scheibenbergern+ nach +Schwarzenberg+ treiben. Das Volk war arm,
-konnte nichts erwerben; daher konnten die Richter die Kriegssteuer
-nicht eintreiben und zur rechten Zeit abstatten.
-
-Der Richter +Hans Schwaner+ zu +Walthersdorf+ war nicht zu finden,
-als die Boten +Kupfers+ erschienen. Da wurde der Ort zum großen Teile
-niedergebrannt. Nichtsdestoweniger mußte das Dörflein seinen Teil
-abstatten, alle Wochen 14 Thaler und Nahrungsmittel ohne Gnade geben.
-
-Das Städtchen +Scheibenberg+ wollte der oben erwähnte Barthel Moth
-wegbrennen lassen; doch es wurde durch Bitten und Versprechungen der
-Bürger abgewendet. -- Es fehlte wenig, daß das ganze Amt +Wolkenstein+
-von dem +Obersten Höcking+, der in +Annaberg+ auf Vorwache lag,
-vernichtet worden wäre, weil dessen Vetter unterwegs von einer Rotte
-loser Burschen erschlagen worden war. Das kurfürstliche Vorwerk und die
-Schäferei zu +Geringswalde+, sowie der Försterhof zu +Hilmersdorf+,
-die +Heinzebank+ genannt, waren bereits in Asche gelegt, da griff man
-einen der Burschen auf, einen der harmlosesten, der nur das Pferd des
-Ermordeten gehalten, prügelte ihn solange, bis er 21 Thaler und alle
-seine Sachen, die er im Felde versteckt hatte, herausgab, und lieferte
-ihn an den erzürnten Obersten ab. Dieser ließ ihn am 25. März vor dem
-Thore vom Henker enthaupten und seinen Kopf aufs Rad legen. Das Haupt
-eines +Buckauers+, der sich eines ähnlichen Vergehens schuldig gemacht
-haben sollte, wurde zur Warnung für andere vor dem Thore auf eine
-Stange gesteckt. Auch in +Wiesa+ war ein Soldat erschlagen worden;
-da ließ der Oberst +Höcking+ die Edelfrau, der das Dorf gehörte, in
-Annaberg einsperren, bis sie den Getöteten teuer bezahlte.
-
-Aus dem gleichen Grunde wurden in +Königswalde+ elf Güter samt
-dem Gerichte angezündet. Auch wurden im Dorfe +Olbernhau+ an der
-Flöha Kirche, Pfarre, Schule, Försterhof und viele Bauernhäuser
-niedergebrannt.
-
-Nachdem +Baner+ im April die vereinigten Kaiserlichen und Kursachsen
-bei +Chemnitz+ geschlagen, wobei fast das ganze sächsische Heer
-aufgerieben worden war, gingen die Drangsale im Gebirge aufs neue an.
-In +Annaberg+ lag ein schwedischer +Leutnant+, +Christian Zastro+, ein
-Pommerischer von Adel, mit einer Sicherheitswache. Derselbe konnte es
-nicht hindern, daß eine Abteilung Schweden am Palmsonntage einfiel
-und vor ihrem Abzuge am nächsten Tage 3000 Thaler verpraßte. Als er
-acht Tage später, am dritten Ostertage, den 16. April, 250 Mann vom
-+Regimente Königsmark+, welche durch das Wolkensteiner Thor einfallen
-wollten, nicht in die Stadt einließ, zündeten sie +Veit Wolfens+
-Vorwerk an, schossen dessen Sohn, sowie den eines anderen Bürgers,
-+Kaspar Enderlein+, die zum Löschen herbeieilten, nieder und stifteten
-noch sonst viel Unglück.
-
-+Zöblitz+ war am Gründonnerstage ganz ausgeplündert worden, und am
-Karfreitage brannten es gar 500 Reiter weg. Da wurde auch von +Baners+
-Scharen das Schloß +Niederlauterstein+ bei Zöblitz an der Pockau von
-drei schwedischen Reitern in Brand gesteckt und von seinen Bewohnern
-verlassen.
-
-Vor +Marienberg+ erschien ein Trupp nach dem andern und begehrte
-Einlaß, sodaß die Sicherheitswachen kaum Steine genug hatten, um
-die Zudringlichen zurückzutreiben. Friedens halber mußte man ihnen
-Brot und Bier hinausschicken. +Lößnitz+ und +Aue+ wurden wiederholt
-geplündert. Am 19. April wurden die +Leßlischen Offiziere+ samt
-den Sicherheitswachen abgefordert. Die Durchzüge der schwedischen
-Regimenter nach Böhmen und ihre Kämpfe dauerten bis August. Den 23.
-Mai wurden vier Regimenter unter den +Obersten+ und dem +Herzoge von
-Holstein+ in +Annaberg+ untergebracht, die es so arg gemacht als auf
-dem Lande, also daß mancher arme Landmann im Gebirge nicht einen Löffel
-wiedergefunden, und viele feine Bürger mußten nach dem lieben Brot
-gehen, weil es sehr teuer war und doch nichts zu erwerben war.
-
-+Baner+ ließ nach dem ausgesogenen Böhmen Vorräte aus Sachsen
-herbeischaffen. Ein solcher Vorratszug war unter starker Bedeckung
-am 19. August abends um 5 Uhr von +Chemnitz+ aus in +Marienberg+
-eingetroffen. Da erschien plötzlich der kurfürstliche Befehlshaber von
-Freiberg, +Florian Stritzky+, mit vier Kompanien Dragonern und einer
-starken Reiterabteilung aus +Dresden+, drang durch drei Thore in die
-Stadt ein und fiel über die vom langen Marsche ermüdeten Schweden her.
-
-Ein Major und acht Soldaten wurden erschossen, der gefürchtete +Oberst
-Höcking+, vier Oberstleutnants, sieben Rittmeister, vier Hauptleute,
-zwei Reiterfähnriche, zwei Fähnriche, viele Unteroffiziere und
-Mannschaften gefangen genommen und samt ihrem Vorrate, ihren Weibern
-und Sachen nach +Freiberg+ abgeführt. Auch der +Leutnant Zastro+ mit
-seinem eigenen Schatze und 20000 Thalern Kriegskosten, die er für
-seinen +Obersten Leßli+ eingetrieben hatte, befand sich unter den
-Gefangenen. Viele Bürger von +Annaberg+, welche sich dem Obersten
-Höcking angeschlossen hatten, um in dem schwedischen Lager ihre Waren
-zu verhandeln, kamen bei dieser Gelegenheit ebenfalls um das Ihrige. Es
-wurde ihnen alles als schwedische Beute mit abgenommen.
-
-Seit +Gustav Adolfs+ Tode völlig im Kriege verwildert, brachen die
-Schweden 1639 über das Erzgebirge in Böhmen ein und warfen Feuer
-in jeden Ort, sodaß das +Egerland+ vom Gebirge aus einem riesigen
-Flammenmeere glich. Vor den Unholden waren die Bewohner des Gebirges
-wieder in die Wälder geflüchtet. Auf dem +Bärensteine+ war ein Wächter
-bei einer hohen Stange. Nahte von irgend einer Seite ein Feind, so
-warf er seine Stange um. Das war das verabredete Zeichen, auf das sich
-alle ins Dickicht warfen. 1640 wurden die Schweden wieder nach Sachsen
-getrieben. Sie deckten den Rückzug für ihre Geschütze und ihre Beute
-in den Pässen auf dem Gebirgskamme. Auf diesem Rückzuge wohnte +Baner+
-in Annaberg. Schon im nächsten Jahre erschien er wieder, verfolgt von
-den Sachsen. Wie durch ein Wunder entkam er auf Eilmärschen. Sein
-verschanztes Lager hielt die Kaiserlichen lange auf. Endlich steckte er
-es in Brand und vernichtete seine 500 Vorratswagen. Nachzügler zündeten
-+Hassenstein+, +Preßnitz+, den +Weiperter+ Grund an. 1643 gingen 600
-Reiter +Torstensons+ durch die Pässe nach +Kaden+. 1644 waren Pässe und
-Schanzen in den Händen der Kaiserlichen. Im Herbste stand +Torstenson+
-davor und erzwang im Januar 1645 den Durchbruch nach Böhmen.
-
-+Christian Lehmann+ erzählt, daß die Befreiung +Freibergs+ von den
-Schweden zu Neujahr 1643 in +Elterlein+ einem Mädchen, das sich vor den
-schwedischen Einfällen sehr geängstigt hat, im Traume sei geoffenbaret
-worden. Sie hat im Traume gesehen, daß zwar +Torstenson+ die Stadt an
-einer Kette hatte; aber es kam ein vornehmer Reiter mit einem bloßen
-Schwerte geritten, der hieb die Kette mit einem Streiche entzwei, daß
-der Torstenson mit der halben Kette zurückfiel. Darüber sind seine
-Soldaten erschrocken und ausgerissen.
-
-Nach sieben Wochen ging der Traum in Erfüllung, und der Feind mußte
-abziehen.
-
-Die Greuel nahmen im Gebirge erst ein Ende, als 1645 der Kurfürst mit
-den Schweden den Waffenstillstand zu +Kötzschenbroda+ schloß.
-
- Nach Chr. Lehmann, ~Dr.~ Pöschel und ~P.~ Schultze.
-
-
-4. Kriegsgreuel in Cranzahl.
-
-Im Herbste 1640 mußte eine Beerdigung bis Sonntag Estomihi, also
-Ende Februar, 1641 verschoben werden. Als am 18. Januar 1640 Georg
-Ottens 84jährige Witwe begraben wurde, lief, nachdem die Einleitung
-der Predigt vorüber war und soeben zur Erklärung geschritten werden
-sollte, die Nachricht ein, es seien +Banersche+ Reiter mit etlichem
-Vieh in der Nähe. Alle eilen aus der Kirche. Man bringt schnell den
-Leichnam ins Ruhekämmerlein. Die Predigt ist nachher am Sonntage
-Estomihi gehalten worden. Am 24. Januar ist ein 74jähriger Greis von
-Cranzahl von den Soldaten des +Schwedengenerals Königsmarck+, die
-hier, in Crottendorf, Neudorf, Weipert, der Sehma und diesem Gebirge
-herum drei Tage und Nächte in Quartier gelegen, im Walde ertappt und
-so mißhandelt worden, daß er am 30. desselben Monats starb und am 1.
-Februar in des Pfarrers Abwesenheit, der sich verborgen halten mußte,
-zugleich mit noch einem 78jährigen Manne mit Sang und Klang beerdigt
-ward. Beiden ist am Sonntage Invocavit die Predigt gehalten worden.
-Den 28. Februar fielen gegen Sonnenuntergang etliche +Banersche+
-Reiter so plötzlich ein, daß die meisten es nicht gewahr wurden, bis
-schon das Pfarrvieh auf den Platz bei der Brücke getrieben war. Daher
-war niemand entwichen und weder Kuh noch Pferd, noch Samengetreide in
-Wälder geborgen. Als nun diese Reiter fast alle Ställe geplündert,
-kamen sie auch zu +Kaspar Schmiedel+, der sich seine zwei Pferde und
-Kühe nicht nehmen lassen wollte, aber von ihnen mit einem Hammer so auf
-den Arm geschlagen wurde, daß er ihn wenig mehr würde haben gebrauchen
-können; sie hätten ihn auch erschossen, wenn das Gewehr nicht versagt
-hätte. Als nun diese Horden das Vieh zusammengeraubt hatten, trieben
-sie es nach Preßnitz zu. Um es auszulösen, liefen viele bis nach
-Preßnitz nach. Da aber die Reiter weiterziehen und die Nacht anbricht,
-bleiben sie dort. Nur Kaspar Schmiedel und Jakob Gruner laufen bis
-nach Brunnersdorf. Da haben sich aber etliche böhmische Bauern in einem
-Verstecke zusammengerottet und schießen auf die Reiter. Ein Trupp eilt
-auf die Seite, zu erspähen, woher die Schüsse fallen, und wird unserer
-Ortskinder gewahr. Sie eilen auf sie zu und fragen, wo sie das Rohr
-hätten? Als sie sich aber entschuldigen, sie hätten nicht geschossen,
-sondern wollten das Vieh von ihnen einlösen, glaubten es die Reiter
-nicht, und flugs schießt einer auf Schmiedel, der, ins Herz getroffen,
-tot niedersinkt. Auf Gruner aber, den Sohn des 1634 erschossenen Martin
-Gruner, schoß ein zweiter Reiter, fehlte ihn jedoch; aber der Reiter
-stieg vom Pferde, schlug ihn auf den rechten Arm, daß derselbe fast
-herunter war, und stach ihn dermaßen in die Seite, daß er auch starb.
-Sie blieben am Wege liegen. Geschehen war's nachts zwischen 12 und
-1 Uhr. Am Morgen, einem Sonnabende, wurden sie von den in Preßnitz
-Zurückgebliebenen gefunden, auf einen Schlitten aufgebahrt und am
-Sonntag Reminiscere früh nach Hause gebracht. Welch Reminiscere!
-Montag, den 2. März, hat man sie christlich und ehrlich vor überaus
-großem Zudrange Einheimischer und Auswärtiger mit Predigt bestattet.
-Schmiedel war 33, Gruner 30 Jahre alt.
-
- Nach ~P.~ Schultze.
-
-
-~o.~ Wie General Wrangel nach Schlettau kommt.
-
-Am 23. Februar 1646 lief der Waffenstillstand zwischen Kursachsen und
-den Schweden zu Ende. Da kam +General Wrangel+ mit 20 Regimentern über
-den Preßnitzer Paß und hatte das Hauptlager in +Schlettau+ bezogen. Der
-linke Flügel lag im Felde und im Grunde bei den Teichen. Da standen
-viele Oberste zu Roß und Fuß bei einem frischen Brünnlein, zogen ihre
-silbernen und vergoldeten Becher heraus, schöpften Wasser, löschten
-den Durst auf das Annaberger Bier. Sie lobten dabei das gute, gesunde
-Wasser viel höher als Bier. Der Brunnen heißt der süße Kühl- und
-Löschbrunnen.
-
-An der Straße, die von Schlettau nach Scheibenberg führt, stand früher
-ein altes, stark verwittertes Steinkreuz. Dasselbe soll die Stelle
-bezeichnen, an welcher im Dreißigjährigen Kriege ein schwedischer
-Offizier begraben wurde.
-
- Nach ~Dr.~ Köhler.
-
-
-~p.~ Wie die Bewohner des Gebirges als Flüchtlinge leben.
-
-Im Jahre 1620 waren 250 Menschen in einem Stollen am Wolfssteine bei
-+Cranzahl+ verborgen. Die Wohnungen, die man während des Krieges in den
-Wäldern aufschlug, konnten nur ganz dürftige sein und boten daher wenig
-Schutz gegen die Witterung. Häufig benutzte man auch gleich natürliche
-Tannenzelte, wie man sie von ästereichen oder ineinander verwachsenen
-Bäumen gebildet fand. Wenn nun ein Sturmwind kam mit Sausen und Brausen
-und mächtige Stämme rings um die Geflüchteten zu Boden geschlagen
-wurden, da mußten die Flüchtigen jeden Augenblick darauf gefaßt sein,
-von den stürzenden Bäumen zerschmettert zu werden. Am 14. Oktober
-1630 wütete ein furchtbarer Sturm. Da erwies der gütige Gott seinen
-allgewaltigen Schutz an flüchtigen Gebirgern. 21 Personen hatten ihre
-Hütten unter eine dicke Tanne gebaut. Sie fielen unter dem Heulen
-des Sturmes auf ihre Knie und beteten. Um 9 Uhr warf der Wind eine
-zweiklafterige Tanne auf ihr Obdach. Diese blieb aber eine Elle hoch
-über ihrer Hütte am Baume lehnen, und die andächtigen Flüchtlinge kamen
-alle mit dem Leben davon.
-
-Das Elend der in die Wälder Geflüchteten war, wenn größere feindliche
-Scharen ihren Aufenthalt ausgespürt hatten, überaus schrecklich. Im
-Walde wurden Betstunden und Predigten von den Priestern gehalten,
-auf Baumstümpfen die unter so traurigen Umständen geborenen Kinder
-getauft; sogar Eheschließungen fanden statt. 1639 ist am 8. April im
-Walde bei +Cranzahl+, wo sich auch Wölfe und Bären so mehrten, daß sie
-in Rudeln von 10 bis 20 den Soldaten nachliefen, um die Überreste vom
-geschlachteten Vieh zu verschlingen, in dieser rauhen Jahreszeit ein
-Kind getauft worden. Ähnliches wird auch von andern Gegenden berichtet.
-Als die Bewohner von +Rabenau+ in die nahen Waldungen flüchteten,
-hielten sie auch Gottesdienste im Freien ab. Es heißt der Felsen, von
-dem herab die Pfarrer predigten, noch jetzt der +Predigtstuhl+ oder
-die Kanzel. Im Gebirge hörte alle Gerechtigkeit, Andacht auf, und
-aller Gottesdienst verfiel. In +Scheibenberg+ ist in 10 Wochen keine
-Beichte gewesen. Auch sind wenig Predigten verrichtet worden wegen der
-Unsicherheit vor den Feinden. Alles Volk hatte sich verlaufen.
-
-Ebenso wurde für die leiblichen Bedürfnisse gesorgt, so gut es ging.
-Wie als Taufsteine, so mußten die Baumstöcke auch als Verkaufstische
-für Fleischer und Brotträger dienen. Der Markt mit den Nahrungsmitteln
-fand also im Walde statt.
-
-Der Scheibenberger Pfarrer +Chr. Lehmann+ erzählt sehr eingehend von
-den Drangsalen des Krieges. Er sagt unter anderem: »Ich habe mit meinen
-Augen gesehen, daß im Jahre 1640, da die Schweden die +Gottesgaber
-Wälder+ plünderten, einem vermögenden Handelsmanne nachjagten. Der ist
-in einen stehenden, hohlen Baum gekrochen. Sein Weib hat die Öffnung
-mit Moos artig verdeckt, damit er sicher bliebe. Mein Priesterrock
-ist sechs Wochen lang in einem hohlen Baume gesteckt. Um +Steinbach+
-und +Wolkenstein+ wachsen viele Eschen, daraus Lanzenschäfte zur
-Kriegsrüstung acht und mehr Ellen lang gemacht wurden. Im Jahre 1633
-fand der kaiserliche +Oberst Brandstein+ in +Preßnitz+ viel gesottenes
-Harz. Er ließ daraus viel Pechkränze machen und damit den +Annabergern+
-alle ihre Güter am +Bärensteine+ wegbrennen.«
-
-Eine halbe Meile über +Satzungen+ an einem wilden, mit Kiefern
-bewachsenen rauhen Ort ist ins Gevierte 30 Schritt breit und lang ein
-Pfuhl mit rotem Moos bewachsen. Niemand soll sich früher gern allein an
-diesen Ort gewagt haben. Im dreißigjährigen Kriege sind aber die Leute
-auch dorthin geflohen, um sicher vor den Feinden zu sein. Doch haben
-sie daselbst von den Gespenstern des Sees manche Anfechtung erdulden
-müssen.
-
- Nach Chr. Lehmann.
-
-
-~q.~ Wie die Landwirtschaft darniederliegt.
-
-Während des Dreißigjährigen Krieges unterblieb das Bestellen der Felder
-oft gänzlich. Man warf den Samen gleich auf die Stoppeln aus und mußte
-ihn dort aus Furcht vor umherstreifenden feindlichen Abteilungen oft
-vier bis fünf Wochen lang uneingeeggt liegen lassen. Höchstens wagte
-man sich bei Nacht einmal an die Arbeit; dann spannten sich Männer und
-Weiber an die Eggen. Mit dem Vieh lagen sie am Tage im Walde. Häufig
-aber ersparten ihnen das Eggen, freilich auch das Einernten, die wilden
-Schweine, welche nachts in Haufen kamen und den Samen »aufleckten«.
-Zum Schutze gegen sie wurden die Zäune anderthalb Ellen hoch, fest und
-dicht gemacht; aber es half doch nichts. Brachen die Tiere einmal im
-Herbste in einen Acker ein, so verdarben sie in einer einzigen Nacht
-ein großes Stück.
-
- Nach Chr. Lehmann.
-
-
-~r.~ Die letzte Schlacht auf sächsischem Gebiete.
-
-Für Sachsen endigte im allgemeinen 1645 mit dem +Waffenstillstande+
-zu +Kötzschenbroda+ die persönliche Gefahr der Einwohner, sowie Raub
-und Brand. Dagegen sah das sächsische Hochland noch an mehreren Orten
-die früheren Greuel erneuert, indem die Schweden, die in Böhmen
-hausten, die Flüchtlinge oft bis nach Sachsen verfolgten. +Annaberg+,
-das mit seiner Umgebung seit 1632 fort und fort alljährlich teils von
-kaiserlichen, teils von schwedischen Heerhaufen vielfach gelitten,
-hatte in dieser ganzen Zeit des Waffenstillstandes eine sächsische
-Besatzung. Eine Abteilung derselben traf am 15. Januar 1648 auf eine
-kaiserliche Streifhorde bei dem Städtchen +Thum+, wo sofort ein
-hitziges Reitergefecht entstand, weil man vergeblich die Kaiserlichen
-für Schweden hielt. Die Leichen der Gefallenen blieben längere Zeit
-liegen und davon heißt noch heute der Wiesengrund zwischen Thum und
-Herold »+Das Elend+«. Dies war der letzte Kampf des Dreißigjährigen
-Krieges auf sächsischem Boden. Zum Andenken daran hat man an der Straße
-von +Thum+ nach +Ehrenfriedersdorf+ im Jahre 1848 eine Spitzsäule mit
-Inschrift errichtet.
-
- Nach ~Dr.~ Spieß.
-
-
-~s.~ Wie es nach dem Kriege im Gebirge aussah.
-
-Wie es am Ende des Krieges in Sachsen und fast in jedem Orte
-desselben aussah, schildert ein Zeitgenosse jenes Elends in folgender
-ergreifenden Weise: »Ihr wisset, wie über Euch fliegende Drachen,
-zerreißende Bären und Löwen gekommen sind, die Eure Städte ausgebrannt,
-Eure Ernten, Ochsen und Schafe vor Euren Augen verzehrt, viele Tausende
-Bürger und Bauern zu Tode gemartert und so barbarisch gehaust haben,
-daß aller Menschen Sinne es nicht begreifen können. Wie jämmerlich
-stehen Eure Städte und Flecken; da liegen sie verbrannt, zerstört, daß
-weder Dach, Gesperr, Thüren oder Fenster zu sehen sind. Man wandert
-oft zehn Meilen und sieht nicht einen Menschen, nicht ein Vieh, nicht
-einen Sperling. In allen Dörfern sind die Häuser voller Leichname,
-Mann, Weib, Kinder, Gesinde, Pferde, Schweine, Kühe und Ochsen, neben
-und unter einander von Pest und Hunger erwürgt, voller Maden und Würmer
-und von Wölfen, Hunden und Krähen zerfressen, weil niemand ist, der
-sie begraben hat. Ihr wisset, wie Lebendige sich unter einander in
-Kellern und Winkeln zerrissen, totgeschlagen und gegessen haben; daß
-Eltern ihre toten Kinder, und Kinder ihre toten Eltern gegessen, daß
-viele um einen toten Hund oder eine Katze gebettelt und das Aas aus den
-Schindergruben genommen und verzehret haben.«
-
-Zehn Jahre nach Beendigung des Krieges schrieb der Rat der Stadt
-+Buchholz+: »Dieses offene Städtlein ist bei dem verderblichen
-Kriegswesen durch vielfältige Einfälle, Ausplünderung, Durchzüge,
-Einquartierung, hohe und schwere Kriegskosten und Auflagen gänzlich
-verderbt und ruiniert worden, also, daß öfters in keinem Hause ein
-Schloß, Band, Fenster, Ofen und anderer Hausrat gelassen, sondern alles
-weggenommen, eingeschlagen und verbrannt, ja auch eine große Anzahl
-Häuser und öffentliche Gebäude ganz und gar verwüstet und eingerissen
-worden, sodaß sie noch jetzt öde und wüste liegen.«
-
-Auch sind im Dreißigjährigen Kriege im Erzgebirge manche Orte von Grund
-aus zerstört worden und als +wüste Marken+ liegen geblieben. Westlich
-vom Morgenberge bei +Neudorf+ an der Sehma kamen die Waldarbeiter
-nach einem Orte im Walde, wo früher ein Dorf mit Namen +Eibendorf+
-gestanden hat, das in jener Zeit zerstört worden sein soll. Ein nach
-+Frankenstein+ gepfarrtes Dorf +Ailitz+ soll vor dem Kriege zwischen
-Frankenstein, Memmendorf und Hartha gestanden haben. Ebenso bezeichnet
-man unterhalb Wingendorf eine Stelle am Kemnitzbache als diejenige,
-wo das Dorf +Kuhren+ zerstört worden ist. Zwischen dem Städtchen
-+Bärenstein+ und den Dörfern +Falkenhain+ und +Jahnsbach+ lag einst das
-Dorf +Greifenbach+. Ebenso liegt zwischen Bärenstein und Börnichen die
-Wüstung des Dorfes +Elend+.
-
-Nach dem Dreißigjährigen Kriege trieben sich in den Wäldern, wie
-anderwärts so auch in +Scharfenstein+ Räuber und Wildschützen umher,
-welche entlassene Söldlinge waren, denen das wüste Leben nun Gewohnheit
-war. Ein +Herr von Einsiedel+, welchem Scharfenstein gehörte, beschloß,
-den Wildschützen mit aller Macht nachzugehen, um sein Gebiet von
-ihnen zu säubern. Es gelang ihm endlich, zwei derselben gefangen zu
-nehmen. Es gab damals noch eine furchtbare Strafe für die auf der That
-ertappten Wilddiebe: das Hirschreiten. Der Schloßherr hatte einen
-starken, lebenden Hirsch einfangen lassen. Die Diebe sollten auf ihn
-gebunden werden. Das war einem zehnfachen Tode gleich zu achten. Man
-hatte Beispiele, daß nach Tagen und Wochen die geängstigten Tiere
-ihre schreckliche Last zerfleischt und doch noch lebend mit sich
-herumschleppten. Die Missethäter flehten da inständig um Gnade. Die
-soll ihnen gewährt worden sein, weil sie versprochen haben, in drei
-Tagen und Nächten einen Stollen durch die Felsenrippe am Fuße des
-Schloßberges zu treiben, damit das Zschopauwasser mit viel Fall eine
-Mühle treiben könne.
-
- Nach Holzhaus, ~Dr.~ Spieß und ~Dr.~ Köhler.
-
-
-44. Im Nordischen Kriege.
-
-Die Kriege und Durchmärsche, die in den ersten Jahrzehnten des 18.
-Jahrhunderts verheerend über das Kurfürstentum Sachsen gingen,
-erstreckten auch auf die Stadt +Geyer+ ihre niederschlagenden
-Wirkungen, wovon sich vereinzelte Nachrichten auch in den Akten
-erhalten haben. Zum Jahre 1701 bringt +Meltzer+ die Nachricht, daß
-ansteckende Krankheiten durch dänische Soldaten nach +Annaberg+ wie
-auch +Geyer+ getragen seien. Im Jahre 1706 wurde eine Kompanie Schweden
-nach +Geyer+ gelegt, deren Feldprediger am Freitage und Sonntage in der
-Hospitalkirche und am Weihnachtsfeste der Schweden in der Hauptkirche
-predigte. Ein schwedischer Fähnrich, +Israel Hall+, wurde im Jahre 1707
-in der Halle dieser Kirche begraben.
-
-Am 23. Mai 1707 hielten die Büchsenschützen zu +Geyer+ zu den
-gewöhnlichen Übungen ihren Auszug, wobei auch ein schwedischer
-Feldwebel, +N. Topf+, Sohn des in Buchholz einquartierten Leutnants,
-mit schoß und das Unglück hatte, einen unvorsichtigen Knaben zu
-treffen. Vor Schrecken fiel er in Ohnmacht; doch zeigte sich die
-Verwundung als nicht tödlich, da die Kugel durch den hohlen Leib
-gegangen war. Am 23. August desselben Jahres zogen die Schweden
-wieder ab. Am 30. August bat der Rat in einer besonderen Bittschrift
-um Wiedererstattung der von den Schweden aus der Geleitskasse
-mitgenommenen 13 fl 16 Gr oder um einen Nachlaß an dem Geleits- und
-Gerichtspachtgeld, wurde aber mit solchem Ansuchen gänzlich ab und
-zur Ruhe verwiesen. Da der Rat aber in seinen Bitten nicht nachließ,
-erhielt er im Jahre 1709 die Erlaubnis, diese Summe, die er beschwören
-mußte, bei der Bezahlung des Pachtgeldes in Anrechnung zu bringen.
-
-Von +Tannenberg+ wird aus jener Zeit berichtet, daß am 27. November
-1706 an 25 schwedische Soldaten mit einem Leutnant, einem Feldwebel
-und einem Fahnenjunker einquartiert wurden. Dieselben haben alle Tage
-zweimal Betstunden gehabt. Zu Weihnachten und am neuen Jahre 1707 haben
-schwedische Feldprediger in der Tannenberger Kirche Predigt gehalten.
-Nach Lichtmeß, den 4. Februar, 1707 hat sich ein schwedischer Student
-in derselben Kirche als künftiger Feldprediger hören lassen. Es haben
-zu dieser Zeit auf einmal ȟber die 400 Schweden und mehr in der
-kleinen Kirche« Gottesdienst gehabt. »Das schwedische Volk ist von hier
-aus dem Lande wieder weggekommen am 23. August 1707.«
-
-Außer den genannten Orten +Annaberg+, +Geyer+ und +Tannenberg+ hatten
-auch +Schneeberg+, +Wolkenstein+, +Marienberg+ und andere Städte des
-Gebirges ebenfalls schwedische Besatzung. Bis zum Sommer 1707 blieben
-die Schweden im Lande. Trotz des +Altranstädter+ Friedens vom 24.
-September 1706 ruhte die Hand des Schwedenkönigs, +Karls XII.+, schwer
-auf Sachsen. Die Schweden lagen in allen Städten. Sie hielten zwar
-strenge Manneszucht, mußten aber von den hart gedrückten Einwohnern
-beköstigt und gekleidet werden.
-
-Die gesamten Kosten dieser schwedischen Besatzungen in Sachsen werden
-auf 23 Millionen Thaler berechnet, und lange seufzten unsere Vorfahren
-über diese neue »Schwedenangst«. Endlich im August 1707 verließen
-die Schweden neugekleidet und wohlgenährt Sachsen, um gegen +Peter
-den Großen+ von Rußland zu ziehen. Dort wurden sie im Jahre 1709 bei
-+Pultawa+ geschlagen. Der größte Teil fiel, ein anderer wurde nach
-+Sibirien+ geschickt und sehnte sich vergebens nach den Fleischtöpfen
-Sachsens und den warmen Öfen des Erzgebirges zurück. Sie konnten
-recht deutlich die Unwahrheit der Bezeichnung des Erzgebirges als
-»sächsisches Sibirien« an sich erleben.
-
-Die Schweden waren im September 1706 in einer Stärke von 19000 Mann
-nicht im besten Zustande nach Sachsen gekommen. Viele Sachsen, auch
-Erzgebirger, wurden dem schwedischen Heere einverleibt, sodaß das
-schwedische Heer 32000 Mann stark, neugekleidet und wohlgerüstet, das
-Land verließ.
-
- Nach ~Dr.~ Falke, Zippert, ~Dr.~ Spieß.
-
-
-45. Das Obererzgebirge im Siebenjährigen Kriege.
-
-
-1. Beginn des Krieges 1756.
-
-Zehn Jahre des tiefsten Friedens waren seit dem zweiten Schlesischen
-Kriege vergangen. Da brach plötzlich der König von Preußen 1756 auf
-drei Punkten in Sachsen ein. Österreich und Rußland hatten ein Schutz-
-und Trutzbündnis gegen Preußen geschlossen und sich alle Mühe gegeben,
-den König von Polen und König von Sachsen mit in dies Bündnis zu
-ziehen. +August+ weigerte sich, demselben beizutreten. Friedrich legte
-die Unterhandlungen, die ihm durch den bestochenen Vaterlandsverräter
-Menzel bekannt geworden waren, für eine Verschwörung zu seinem
-Untergange aus und begann sofort den Krieg.
-
-+Torgau+ wurde auf Befehl des preußischen Königs befestigt und daselbst
-eine preußische Behörde eingesetzt, an welche alle Einkünfte aus den
-besetzten sächsischen Landesteilen abgeliefert werden mußten.
-
-
-2. Die Preußen im Erzgebirge.
-
-Die Preußen waren bereits im September 1756 bis +Chemnitz+ vorgerückt
-und begannen von da aus Anforderungen zu machen und Lieferungen
-auszuschreiben im ganzen Gebirge, daß den Ortschaften, denen noch kein
-feindlicher Krieger zu Gesicht gekommen war, das Dasein feindlicher
-Soldaten mehr als zu sehr fühlbar wurde. Für sich durften übrigens
-die Preußen nicht wirtschaften, sondern mußten ausgezeichnet gute
-Manneszucht halten.
-
-
-3. Die ersten Lieferungen.
-
-Die erste Lieferung, welche nach dem Einrücken der Preußen in
-+Chemnitz+ im ganzen Erzgebirge ausgeschrieben wurde, bestand darin,
-daß jede Hufe im Gebirge täglich liefern mußte: 6 Pfund Brot, 3
-Pfund Fleisch, 3 Kannen Bier, 12 Pfund Hafer, 13 Pfund Heu, 3 Metzen
-Häckerling und 20 Pfund Stroh. Es wurden bald Lieferanten angestellt,
-ein Hauptlieferant und ein Aufkäufer für das Gebirge verordnet.
-Anfänglich wurde zwar alles bezahlt, aber im Monate Oktober mußte
-alles unentgeltlich in das zu +Freiberg+ für die Preußen errichtete
-Vorratslager abgeliefert werden.
-
-
-4. Aushebungen im Erzgebirge.
-
-Die 16000 Mann Sachsen, welche unter die preußischen Regimenter
-gesteckt worden waren, entliefen scharenweise dem aufgedrungenen,
-widernatürlichen Joche. Da gab der preußische König Befehl, daß die
-sächsischen Landstände 10000 Rekruten für das Heer schaffen sollten.
-Am 23. November rückten 100 preußische Husaren nach +Schneeberg+ ins
-Winterquartier. Am 25. desselben Monats wurden in aller Stille alle
-ledigen Männer von 18 bis 30 Jahren aufgeschrieben und am 30. November
-nachts aus den Betten geholt und zur Aushebung abgeführt. Man kaufte
-in Städten und in Dörfern, man fing sich gegenseitig die Leute weg.
-Es entstanden tausenderlei Beschwerden und Feindschaften. Wenn aber
-ein Ort mit seinen Rekruten in Rest blieb, so drangen Abteilungen
-preußischer Krieger ein und griffen schonungslos auf, wen sie tauglich
-fanden, nicht achtend, ob er Familienvater oder durch seine bürgerliche
-Stellung vom Soldatendienste frei sei. Um das häufige Ausreißen zu
-verhindern, erging aus dem zu +Torgau+ errichteten Kriegs-Direktorium
-der Befehl, daß kein Sachse, welcher vom Regiment gewichen sei, in
-seiner Heimat geduldet, sondern an den nächsten preußischen Truppenteil
-abgeliefert werden solle. Wer einen solchen Flüchtigen verberge
-oder ihm zur Flucht behilflich sei, sollte selbst als ein Ausreißer
-behandelt werden. Dagegen sollten alle, welche sich freiwillig wieder
-stellten, Begnadigung erhalten.
-
-Ungestört vom Feinde blieb von der 146157 Mann starken preußischen
-Armee der größte Teil während des Winters in Sachsen stehen. Wenn wir
-hören, daß zu ihrer Erhaltung monatlich 911080 Thaler nötig waren, so
-kann man sich denken, welche Kosten unserem Vaterlande entstanden.
-
-Vorzüglich konnte es nicht fehlen, daß Lebensmittel aller Art im
-Preise stiegen, besonders im Erzgebirge, da aus Böhmen nichts heraus
-durfte. Als die preußischen Husaren im November in +Schneeberg+ zum
-Winteraufenthalt einrückten, kostete ein Brot bereits 4 Groschen.
-
-
-5. Nach der Schlacht bei Kolin 1757.
-
-1757 im Frühlinge begann das preußische Heer zum Teil durch das
-Erzgebirge in Böhmen einzubrechen. Kleinere Abteilungen blieben zur
-Eintreibung der Lieferungen zurück. Allein nach der Schlacht von
-+Kolin+ verfolgten die Österreicher ihre fliehenden Gegner nach
-Sachsen. Das Gebirge bekam nun plötzlich auch einzelne Heeresteile
-seiner Freunde und Beschützer zu Gesicht, die aber wie die eigentlichen
-Feinde schalteten und walteten. Bei den Preußen war lobenswerte
-Manneszucht. Bei den Österreichern ging das aber anders. Da waren
-die Husaren, Kroaten und Panduren noch ganz so wie in den Zeiten des
-Dreißigjährigen Krieges. Rauben und Plündern bei Freund und Feind blieb
-diesen immer die Hauptsache.
-
-Doch im August bemächtigte sich Friedrich wieder des Gebirges. In
-+Schneeberg+ verordnete er am 2. Januar, daß sich die sächsischen
-Stände am 14. Januar in Leipzig einfinden sollten bei 1000 Dukaten
-Strafe, wer nicht erscheine. Das Ergebnis war: Sachsen mußte sofort
-6000 Rekruten, 600 Artillerieknechte, 1200 Pferde schaffen und
-Kriegskosten bezahlen. Auf den erzgebirgischen Kreis kam davon: 286875
-Thaler 17 Groschen, 800 Rekruten, 67 Artillerieknechte und 150 Pferde,
-was an den +Feldmarschall von Keith+ nach +Chemnitz+ abgeliefert werden
-mußte. Als die Rekruteneinführung begann, nahmen die Preußen nur die
-tüchtigsten Leute und Männer von ansehnlicher Größe.
-
-
-6. Nach der Niederlage bei Hochkirch.
-
-Nach der Niederlage bei +Hochkirch+ 1758 drangen die Österreicher und
-die Reichsarmee zugleich in Sachsen ein. Ende November beherrschte
-es aber doch wieder Friedrich. Am 20. November wurde ein Befehl
-erlassen, daß 800 Wagen vom +erzgebirgischen Kreis+ nach +Chemnitz+
-für die Preußen geliefert werden sollten. Oft trafen auch von beiden
-Seiten Befehle zum Liefern zugleich ein. Wenn mit unsäglicher Mühe die
-Gemeinden das Verlangte zusammengewürgt hatten und es an den bestimmten
-Ort abliefern wollten, da überkam sie gar oftmals unterwegs der Gegner
-von dem, für den die Lieferung bestimmt war, und nahm alles als gute
-Beute oder ließ sich vielleicht durch ein ziemliches Lösegeld abfinden.
-
-
-7. Die Auer Schlacht 1759.
-
-Preußen, Österreicher und das Reichsheer belästigten auch 1759 unsere
-Gegend. Friedrichs Bruder, +Heinrich+, lag in Sachsen. Dies erzeugte
-eine Reihe von Durchzügen, die den armen Gebirgern namentlich große
-Beschwerung brachten, da der österreichische +General Daun+ mit 30000
-Mann durch das Gebirge von Böhmen aus in Sachsen einzubrechen drohte.
-Am 1. Mai mußte der erzgebirgische Kreis 300 Wagen nach Chemnitz und
-Zwickau stellen, auf jedem Wagen 12 Säcke.
-
-Am Sonntage Exaudi, den 27. Mai, stießen Österreicher und Preußen
-aufeinander. Der preußische +Oberst von Wolfersdorf+ trieb die
-Österreicher, Husaren und Kroaten, unter +Generalmajor von Brentano+,
-aus +Aue+ heraus. Den Kaiserlichen mußten die Lebensmittel auf
-Schiebkarren nachgefahren werden, weil die wenigen noch vorhandenen
-Wagen zum Fortschaffen der Verwundeten verwendet werden mußten. Das ist
-die sogenannte +Auer Schlacht+.
-
-
-8. Die Jahre 1760 und 1761.
-
-Auch das Jahr 1760 brachte dem Gebirge eine Menge Drangsale. Die
-Neigung des Volkes war für die an Manneszucht gewöhnten Preußen. Zu
-Anfange des Jahres 1761 waren die Kaiserlichen von den Preußen ganz
-aus dem Erzgebirge bis an die böhmische Grenze zurückgedrängt. Die
-Preußen stellten jetzt viel ärgere Forderungen als früher. +Zwickau+
-mußte 18000, +Annaberg+ 16000, +Schneeberg+ 16600, +Aue+ 3000 Thaler
-Brandschatzung geben. Einquartierungen und alle anderen Steuern und
-Abgaben waren noch außerdem zu leisten. Die Preußen verfuhren mit
-einer Strenge, wie man sie nicht von ihnen gewohnt war. Mord und Brand
-waren sofort die Losung, wenn das Geforderte nicht geschafft werden
-konnte. Im Mai kamen die Kaiserlichen wieder, die sich als Retter
-geehrt wissen wollten.
-
-
-9. Das Ende des Krieges.
-
-Im Juli 1762 hatten aber die Preußen unter dem +General Kleist+ schon
-wieder bei +Zwickau+ ein Lager aufgeschlagen. Die Kaiserlichen zogen
-sich zurück, ohne den Angriff abzuwarten.
-
-Die Kriege zwischen Österreich und Preußen drückten mit
-Einquartierungen und Kosten schwer auch auf +Geyer+ und schlugen die
-Nahrung der Stadt vollends nieder. In einer Urkunde von 1762 bekannte
-der Stadtrichter Christian Porges mit den Ratsherren, Viertelsmeistern
-und einem Bürgerausschusse, daß die Gemeinde, um die von den Preußen
-auferlegte Brandschatzung von 6000 Thalern, die in 3 Teilen von 8 zu 8
-Tagen gezahlt werden sollte, aufzubringen, von Hofrat Karl Friedrich
-Trier, Oberhofgerichtsassessor in Leipzig, 6000 Thaler aufgenommen
-habe, unter der Bedingung, daß die anderen 3000 Thaler durch jährliche
-Lieferung von 100 Schragen Holz, jeder Schragen drei Ellen hoch und
-neun Ellen breit, an das Geyersche Vitriol- und Schwefelwerk vom Jahre
-1763 an verzinst und abgezahlt werden sollten. Schon im folgenden
-Jahre fand eine neue Anleihe statt. Ein Eintrag vom 15. Januar 1763
-berichtet, daß die Preußen binnen wenigen Tagen wieder eine Summe von
-6265 Thalern verlangt hätten; um dieses Geld aufzubringen, hätten
-sich die Bürger insgesamt verbindlich gemacht, alle bei währenden
-Kriegsdrangsalen erborgten und zu erborgenden Gelder samt Zinsen
-künftig aus eigenen Mitteln und Vermögen wieder zu bezahlen, insoweit
-solches nicht durch Holz, Stöcke und Kohlen geschehen könnte. Dieser
-öffentlichen Verpflichtung der gesamten Bürgerschaft folgte, um der
-gedrohten Ausplünderung zu entgehen, am 19. Januar 1763 das Bekenntnis
-einer neuen Anleihe von 2000 Thalern bei Hofrat Trier mit 112 Thaler
-Zinsen, die durch Lieferung von Stöcken an das Vitriolwerk bezahlt
-werden sollten. Dieser Urkunde folgte am 3. Februar das Bekenntnis
-der Gemeinde über eine Gesamtschuld von 10000 Thaler bei Hofrat
-Trier mit dem Versprechen, die kurfürstliche Anerkennung binnen ¾
-Jahr bei Personalarrest zu beschaffen. Die letzten 2000 Thaler waren
-infolge einer dritten Kriegsforderung von 3480 Thaler unter denselben
-Bedingungen aufgenommen worden.
-
-Im Juli 1762 ist ein preußischer Truppenteil unter +Generalleutnant von
-Seydlitz+, gegen 7000 Mann Kavallerie, Infanterie und Husaren, teils
-durch +Tannenberg+ durchmarschiert, teils haben sie auf den Feldern
-gerastet. Das ganze Kriegsvolk marschierte durch den Pfarrhof und hat
-der damalige Geistliche 3 Schock Korn, ein Fuder Heu und 1½ Schragen
-Holz eingebüßt. Vom 28. Dezember 1762 bis zum 2. Februar 1763 hat eine
-Eskadron schwarzer Husaren unter +Rittmeister Franz v. Sorini+ in
-+Tannenberg+ und in +Dörfel+ gelegen. Auch haben zu dieser Zeit zwölf
-Husaren in Tannenberg das heilige Abendmahl genommen. Von einem Husaren
-ist sogar ein Altartuch der Kirche verehrt worden.
-
-Am 24. November 1762 schloß +Friedrich II.+ mit den Österreichern
-einen Waffenstillstand, worauf ein Teil des Obergebirges in der Gewalt
-der Kaiserlichen blieb. Am Fastnachtstage, den 15. Februar 1763, kam
-endlich der ersehnte Frieden zu +Hubertusburg+ zustande. Auch in
-unserer Gegend hatte man Veranlassung, Gott in besonderer kirchlicher
-Feier zu danken.
-
- Nach Karl Lehmann, Zippert und ~Dr.~ Falke.
-
-
-10. Ein Beispiel der Vaterlandsliebe aus dem Siebenjährigen Kriege.
-
-Es war in einer stürmischen Nacht in der Zeit des Siebenjährigen
-Krieges, als in einem Hirtenhause zwischen Pichelberg und Thein
-bei Bleistadt Vater und Sohn vor einem Kienfeuer sitzend in einem
-lauten Gespräch begriffen waren. Dieses war besonders für letzteren
-unterhaltend, denn oft ließ der fünfzehnjährige Michel seine Hände,
-welche sich mit Kieferspäneschnitzen beschäftigten, sinken und
-hörte lange Zeit mit gespanntester Aufmerksamkeit auf das, was sein
-Vater, ein alter, verdienter Soldat, von seinen Feldzügen gegen den
-hartnäckigsten Feind +Maria Theresias+ mit großem Eifer und gewisser
-Lebendigkeit zu erzählen wußte. Besonders heute war sein Mund
-gesprächiger als je; denn eine österreichische Truppenabteilung, bei
-deren Anblick sich des Alten Erinnerungen neu belebten und gestalteten,
-war seit wenigen Stunden an der Hütte vorbeimarschiert und lagerte
-sich für die Nacht eine kurze Strecke davon. Immer und immer wieder
-wurde Michel zu bewundernden Ausrufen hingerissen, und es wäre ihm am
-liebsten gewesen, wenn er gleich als Soldat mit Säbel und Gewehr hätte
-Bekanntschaft machen können.
-
-»Aufgemacht!« schrie da plötzlich eine rauhe Stimme und begleitete
-den Befehl mit einem Kolbenschlage, der das Fenster zertrümmert in
-die Stube warf. »Heraus mit Euch, oder das Feuer wird schnelle Beine
-machen!«
-
-Auf seinem Stelzfuß hinausgehumpelt, sah sich der alte Soldat einem
-Haufen preußischen Fußvolkes gegenüber, dessen Anführer von ihm zu
-erfahren wünschte, wenn die kaiserliche Truppe hier vorbeigezogen, wie
-stark sie sei und wo dieselbe liege. Der Alte erwiderte, daß er dieses
-alles nicht wisse, und weder Versprechungen, noch harte Drohungen und
-arge Mißhandlungen, welche Michel zum Widerstande bewogen, konnten den
-braven Mann veranlassen, zum Verräter zu werden, sodaß die Preußen
-diesen verschlossenen Leuten gegenüber einen anderen Weg einschlugen,
-um zum Ziele zu gelangen.
-
-Zwei Mann mußten den alten Hirten bewachen, während Michel gezwungen
-wurde, den Weg zu zeigen. Man warf um seinen Leib einen Strick, dessen
-Ende der Befehlshaber selber in die Hand nahm, wobei er drohend und
-nachdrücklich sagte: »Du, Bursche, gehst links zwei Schritte neben
-mir und wirst weder husten, noch scharf auftreten. Zwei Mann mit
-gezogenen Säbeln gehen vier Schritte voraus, ebensoviele hinten und
-an den Seiten, die Mannschaft folgt sechs Schritte entfernt nach. Du
-führst uns den nächsten Weg zu dem Lager der Österreicher, und wenn
-irgend ein Wort meiner Befehle übertreten wird, so werden Dich meine
-Leute augenblicklich niederstoßen.« Der arme bedauernswerte Michel
-leistete anfangs mit stürmischem Herzpochen, was man von ihm verlangte;
-allmählich wurde er aber ruhiger, dachte nach und machte endlich den
-Versuch, die verhaßten Preußen irrezuführen, um die Soldaten seiner
-Kaiserin zu retten. Die Absicht wurde aber von dem Offizier bald
-gemerkt; denn dieser zog ihn an sich und zischelte dem Burschen ins
-Ohr: »Wenn wir in einer halben Stunde die Österreicher nicht haben,
-stirbst Du eines martervollen Todes.« Nun wußte Michel keinen Ausweg
-mehr und entschlossen bog er links in einen Hohlweg ein, der gerade
-auf das Lager der kaiserlichen Truppen führte. Die schwarze Nacht, die
-unheimliche Stille, das raubtierartige Gebaren seiner schlagfertigen
-Begleiter hatten etwas Fürchterliches, was im Vereine mit den heute
-von seinem Vater erzählten Kriegserlebnissen seine Thatkraft zeitigte
-und den kühn gefaßten Entschluß zur Reife brachte. Plötzlich entdeckten
-die Vordermänner eine Schildwache, welche, als sie den Werdaruf geben
-wollte, lautlos zu Boden sank. Die Kaiserlichen mußten in der Nähe
-sein, weshalb der Führer sich wendete und ein leises Zeichen zum
-Stillstande gab. Diesen Augenblick benutzte der Bursche, sprang wie ein
-Luchs auf den Befehlshaber und, ihn am Halse fest umschlingend, schrie
-er aus allen Leibeskräften: »Auf! auf! die Preußen! Holla! die Feinde!«
-Der Heldenmütige blutete schon aus vielen Wunden, bevor der Todesstoß
-auf ewig seinen Mund verstummen machte, dessen Rufe die kaiserliche
-Mannschaft rettete und ihr über die durch den unverhofften Verrat
-betäubten Preußen einen leichten Sieg verschaffte.
-
- Nach Joh. Böhm.
-
-
-46. Die Freiheitskriege.
-
-Das Banner der sächsischen Freiwilligen.
-
-
-1. Der Aufruf.
-
-Unter dem Namen »+Das Banner der Freiwilligen+« sollte dem gebildeten
-Teile des sächsischen Volkes, wie in Preußen durch die Jägerkorps,
-Gelegenheit gegeben werden, seine Teilnahme an dem großen Werke der
-Befreiung Deutschlands werkthätig an den Tag zu legen. Der Ausschuß des
-+Erzgebirgischen Kreises+ zur Landesbewaffnung erließ deshalb folgenden
-Aufruf:
-
-»Das Vaterland erhebt sich zum heiligen Kampfe für Ehre, Recht und eine
-bessere Zeit, die mutig erzwungen werden muß. Wem noch ein deutsches
-Herz im Busen schlägt und wer den kräftigen, mutvollen Geist der
-Sachsen treu bewahrt hat im Drange der Ereignisse, der hört mit lauter
-Freude den Ruf der Ehre und des Vaterlandes. Schon strömen von allen
-Seiten mutige Jünglinge und Männer in die Reihen der Freiwilligen, und
-bald erhebt sich der Sachsen Banner in dichten Haufen der Edlen, Blut
-und Leben dem heiligen Kampfe weihend.
-
-Biedere Bewohner des Erzgebirges! -- stets brav und treu der Ehre und
-dem Vaterlande -- eilt, den ersten Preis des mutigen Sinnes für die
-gerechte Sache zu gewinnen. Sorgt, daß der alte Ruhm des Biedersinns
-und der Vaterlandsliebe nicht unserem Kreise entrissen werde! Wer
-von Euch könnte es ertragen, einst sagen zu hören, daß die Söhne des
-Gebirges schmachvoll zurückgeblieben seien im großen Kampfe für die
-gute Sache? Was Ihr jetzt thut für diese, wie Ihr jetzt Euch zeigt vor
-den Augen der Völker, das entscheidet für Jahrhunderte hinaus über Eure
-Ehre, das Glück Eurer Enkel, den Ruhm unseres Kreises!
-
-Und Ihr werdet -- wir verbürgen das mit Stolz im voraus -- kräftig und
-mutvoll Euch zeigen, werdet tapfere Beschützer des Rechts und willige
-Förderer der guten Sache sein; Ihr werdet ruhmvoll kämpfen oder, wenn
-die Umstände Euch diese Ehre versagen, eifrigst sorgen, daß das große
-Werk des Volkes durch jedes Hilfsmittel, durch willige Opfer, That,
-Kraft und warme Teilnahme mächtig gefördert und erleichtert werde.
-
-Wir werden deshalb in den nächsten Tagen näher zu Euch reden. Um
-indes im voraus dem edlen Drange derer, die bereits freiwillige
-Beiträge zur Ausrüstung der unbemittelten Landesverteidiger bei uns
-gemeldet haben und noch melden wollen, zu begegnen, haben wir eine
-Kreiskasse zur Aufnahme solcher Beiträge bestimmt und ein offenes
-Buch anlegen lassen, worin der Name und der Beitrag jedes edelmütigen
-Vaterlandsfreundes, der auf diese ehrenvolle Weise seinen Eifer für die
-gute Sache an den Tag legt, eingetragen wird. Diese schöne Liste soll
-öffentlich bekannt gemacht werden, damit das Vaterland die Förderer
-seiner Ehre und seiner Wohlfahrt kennen lerne. Diese Beiträge können
-hier unmittelbar oder durch die Bezirksämter gemeldet werden.
-
- Ausschuß des Erzgebirgischen Kreises zur Landes-Bewaffnung.«
-
-
-2. Die Einrichtung des Banners.
-
-Das sächsische Banner sollte aus 5 Schwadronen Reiterei, 2 Regimentern
-Jäger, 1 Kompanie Sappeurs und aus einem verhältnismäßigen
-Artilleriekorps bestehen. Die Mitglieder des Banners erhielten den
-Rang eines Gefreiten, Befreiung von körperlicher Züchtigung und wurden
-mit »Sie« angeredet. Wer aus bürgerlichem Dienste in das Banner trat,
-behielt sein Amt und die Einkünfte desselben. Nach Beendigung des
-Krieges konnte jedes Banner in seine vorigen Verhältnisse zurücktreten.
-Jeder, der den Feldzug mitgemacht hatte, sollte bei seiner Beförderung
-im Dienste berücksichtigt werden. Die Freiwilligen des Banners mußten
-sich selbst kleiden, beritten machen und womöglich auch bewaffnen.
-Anfang Dezember war die Anzahl der Freiwilligen bereits auf 1500
-gestiegen. Die angesehensten Männer traten in die Reihen der Gemeinen.
-Einer der ersten Freiwilligen war der Professor +Krug+ in Leipzig,
-der das Jahr zuvor Rektor Magnifikus gewesen war. Ebenso folgte der
-Professor ~Dr.~ +Tzschirner+ in Leipzig als Feldprobst.
-
-Aus +Schwarzenberg+ und dem Hammerwerke +Erla+ traten 17 junge Männer
-zum Banner.
-
-Aller Orten und Enden wurden zahllose Scharen von Rekruten geübt, um
-geschickt zu werden, an der feierlichst verkündigten und versprochenen
-Freiheit des deutschen Vaterlandes mit aller Macht kämpfen und arbeiten
-zu helfen. Das Erzgebirge blieb nicht zurück. Mehrere Abteilungen
-Landwehr bildeten sich auf den Bergen und in den Thälern desselben.
-Auch das Banner erhielt manchen Gebirger in seinen stattlichen
-Reihen. Das erste Bataillon des Banners empfing sogar eine Fahne von
-+Schneeberg+.
-
- Nach Karl Lehmann.
-
-
-47. Die Pest im Erzgebirge.
-
-
-1. Wie die Pest in Annaberg auftritt.
-
-Zu den Drangsalen durch den Feind gesellten sich die Verheerungen,
-welche die Pest über das ganze obere Gebirge brachte. Sie wütete
-besonders im August und September 1633 in +Annaberg+, +Marienberg+,
-+Zöblitz+, +Altenberg+, +Zwickau+ und Umgegend. +Annaberg+ hatte
-eine Menge der wegen Kriegsdrangsale flüchtigen Landleute nur eben
-aufgenommen, als fast gleichzeitig die Pest ihren grauenhaften Einzug
-hielt und in kürzester Zeit die meisten unglücklichen Flüchtlinge
-tötete. Ebenso wurden viele Bewohner der Stadt selbst von der Seuche
-erfaßt. Im August gab es in 140 Häusern Pestkranke. Es sind deshalb
-manchen Sonntag 385 Abendmahlsgäste in der Kirche gewesen, um noch
-Trost vor dem nahenden Tode zu suchen. Auch die meisten Schüler der
-Lateinschule wurden dahingerafft, daß nur wenige, wie schon 1521,
-übrig blieben. +General Holck+ starb auch 1633 zu +Adorf+ an der Pest.
-Die an der ansteckenden Krankheit Verstorbenen, deren Särge man nicht
-durch die Gottesackerkirche trug, schaffte man durch das von der
-Geyersdorfer Straße unmittelbar hineinführende Thor. Es erhielt davon
-den Namen »+Pestthor+«.
-
- Nach Arnold u. a.
-
-
-2. Wie die Krankheit sich zeigt.
-
-Die Krankheit besteht in einem durch Ansteckungsfähigkeit schnell
-fortschreitenden Fieber, welches meist entzündlicher Natur ist und
-einen nervösen und fauligen Zustand erzeugt, heftige Entzündung der
-Drüsen, besonders in den Weichen, sowie den Blutschwären ähnliche
-Beulen bildet, die äußerst schmerzhafte, bald in Brand übergehende
-und entzündete Geschwülste in den häutigen und fleischigen Teilen des
-Körpers verursachen. Sie tötete in den allermeisten Fällen oft schon in
-wenigen Stunden, zuweilen aber auch erst nach einigen Tagen, manchmal
-noch später. Sie ist wohl nie in ihrer das Leben und die Gesundheit
-zerstörenden Wirkung von einer anderen Seuche übertroffen worden. Das
-hauptsächlichste Mittel zur Verbreitung ist unstreitig das Pestgift,
-welches durch die Krankheit selbst erzeugt wird und sich besonders
-durch unmittelbare Berührung mitteilt.
-
- Nach ~Dr.~ Köhler.
-
-
-3. Wie schon 1568 kein Geistlicher zu den Pestkranken gehen will.
-
-Während früher unter allen erzgebirgischen Städten einzig +Schneeberg+
-gänzlich von der Pest verschont blieb, wurde namentlich +Annaberg+
-1568 furchtbar verheert. Das am 17. Juli desselben Jahres daselbst
-beobachtete Erdbeben sah man als die Ursache der Krankheit an. Kein
-Haus blieb damals verschont, und was sich heute noch, so berichtet
-der Geschichtsschreiber, gesund begrüßte, war morgen schon eine
-Beute der Pest. Vergeblich verlangten die Sterbenden nach Tröstung
-durch das heilige Abendmahl, da die dasigen Geistlichen nicht zu den
-Verpesteten gehen durften. Es erschien daher die Anstellung eines
-besonderen Pestgeistlichen nötig. Aber niemand fand sich, der den
-todbringenden Seelsorgerdienst übernehmen wollte. Damals irrte ein
-geächteter sächsischer Geistlicher seit 5 Jahren unstät und flüchtig
-in den böhmischen Grenzorten umher, +Wolfgang Uhle+, ein Bürgerssohn
-aus +Elterlein+, welcher am 10. Juli 1563 als Pfarrer zu +Clausnitz+
-in wildem Jähzorne den dortigen Dorfrichter Georg Biber mit einem
-Hammer erschlagen hatte. Dem Vollzuge des über ihn ausgesprochenen
-Todesurteils hatte er sich durch schnelle Flucht nach Böhmen entzogen,
-wo er die Bedrängnis der Stadt +Annaberg+ erfuhr. Alsbald ließ er
-dem Rate sagen, daß er sein ferneres Leben gern dem Troste und
-Beistande der Pestkranken opfern wolle, wenn ihm Begnadigung gewährt
-werde. +Kurfürst August+ begnadigte ihn hierauf auch wirklich unter
-der Bedingung, daß er seines Berufes als Pestprediger treu warte.
-Der Geächtete kehrte nun frei ins Vaterland zurück, begab sich nach
-+Annaberg+, wo bereits 2228 Personen an der Pest verstorben waren,
-setzte sich mutig der größten Gefahr aus, blieb aber wunderbarerweise
-von der schrecklichen Krankheit unberührt. Als die Pest erloschen war,
-wurde Uhle als für immer Begnadigter zum Pastor in +Breitenbrunn+
-ernannt, wo er bis 1594 in Segen wirkte und im gedachten Jahre mitten
-in der Ausübung seines Amtes am Altar von einem Schlagflusse getroffen
-ward, sodaß er nach den Worten des Geschichtsschreibers so schnell zu
-Boden sank, wie 30 Jahre zuvor der Unglückliche, den er erschlagen
-hatte.
-
- Nach ~Dr.~ Köhler.
-
-
-4. Wie man an Pestmacher glaubt.
-
-Da man sich über die Ursache der todbringenden Pestkrankheit nicht
-klar war, so vermutete man, die Totengräber wendeten Zaubermittel an,
-um nur recht viel Leichen zu haben, damit ihre Einnahme sich mehre.
-Sonderbare Sachen werden uns aus den Pestzeiten erzählt.
-
-Im Jahre 1680 wurde zu +Geyer+ der Totengräber wegen Zauberei auf dem
-Gottesacker verhaftet und gefänglich eingezogen. Man hatte ihn auf
-den Markt gehen und aus einer Schachtel etwas ausstreuen sehen. Als
-nun hernach allerhand Merkmale gesucht wurden, ihn seiner Bosheit zu
-überweisen, fand man unter anderm, daß er sein eigenes Weib wieder
-ausgegraben, ihr Augen, Nase und Zunge ausgeschnitten und die Teile
-zu Pulver verbrannt hatte, welches er also auf die Gasse gestreut.
-Er wurde deswegen mit dem Staupenschlag bestraft und ewig des Landes
-verwiesen.
-
-Zu +Wolkenstein+ hat im Jahre 1614 ein Totengräber einer Pestleiche
-den Kopf im Grabe abgestoßen, diesen in seiner Stube an einer Schnur
-in Teufelsnamen aufgehängt. Darin hat er Hefen, Bier und Blut von
-Verstorbenen, ebenso Milch vermischt, warm gemacht und gegessen.
-Soviel nun Tropfen aus dem schwitzenden Hirnschädel gefallen, so viele
-Pestleichen hat er selbigen Tag gehabt. Dieser Pestzauberer hatte auch
-zweierlei Pulver, ein gutes wider die Pest und ein ansteckendes, so er
-aus einer Pestdrüse gemacht. Um solcher schrecklichen Übelthaten willen
-ist er verbrannt worden.
-
-Im Jahre 1620 regierte die Pest zu +Gottesgab+, davon der Ort halb
-ausstarb. Der Totengräber kam in Verdacht, er habe die Seuche mit bösen
-Mitteln verursacht. +Hans Leonhard+, ein verwegener Mühlknecht, der
-eben aus dem Kriege gekommen, wagte sich hinein in des Totengräbers
-Häuslein und fand einen Totenkopf über dem Ofen hängen. Darüber hat
-er sich erbost und den Totengräber samt seinem Weibe krumm und lahm
-gehauen. Er holt Feuer und brennt das Spital gar weg. Aus dem sind zwar
-die tödlich Geschlagenen gekrochen. Aber dennoch sind sie an ihren
-Wunden gestorben.
-
-Im Jahre 1630 hatte eine gewisse Pittelin zu +Abertham+, einem früher
-durch seinen Käse berühmten Dorfe, die Pest durch Zaubermittel
-vermehren helfen. Wie sie in der Marter bekannte, hat sie eine Bürste
-neben eine Leiche ins Grab geworfen, welche dann auf ihren Rat wieder
-herausgenommen werden mußte, denn sonst würde nach ihrer Aussage ganz
-Abertham aussterben. Schon 263 Personen waren gestorben. Es hat sich
-mit der Bürste auch also befunden und wurde diese Pestzauberin am 18.
-November in +Joachimsthal+ an einem Pfahl mit dem Strange erwürgt, die
-Tochter von 13 Jahren enthauptet, beide Körper verbrannt und der Sohn
-des Landes verwiesen.
-
- Nach ~Dr.~ Gräße.
-
-
-5. Die letzte Pest im Erzgebirge.
-
-+Pestopfer+ waren an Zahl 1582 in Großrückerswalde 51, 1585 in
-Schwarzenberg 54, 1586 in Geyersdorf 86, in Kleinrückerswalde 61,
-1607 in Aue 73, in Wiesenthal 50, in Joachimsthal 204, 1613 in Wiesa
-133, 1625 in Zöblitz 323, 1626 in Gottesgab 178, in Breitenbrunn 81,
-in Schwarzenberg 205, 1633 in Joachimsthal 800, in Breitenbrunn 145,
-in Marienberg 117, 1634 in Wiesa 145, 1636 in Gottesgab 107, 1637 in
-Schwarzenberg 262, in Bernsgrün 52, in Lengefeld 80, 1639 in Gottesgab
-114, in Fernrückerswalde 205, in Cranzahl von 1582 bis 1640 auf 200.
-
-1679 wütete in Wien die Pest. Von da aus verbreitete sie sich auch nach
-Prag und schritt dann über die Grenze nach Sachsen.
-
-Am 24. Oktober 1679 wurde ein »Fast-, Bet- und Bußtag um
-pestilenzialischer Krankheiten« feierlich begangen. Furchtbar trat
-der Würgengel im Erzgebirge auf. In Freiberg sollen 1200 Menschen
-dahingestorben sein.
-
-1680 zeigte sich der erste Pestfall in +Marienberg+, ihm folgten
-554 Personen. In Wolkenstein fielen der Krankheit viele zum Opfer.
-Annaberg, Schneeberg und Chemnitz wurden abgesperrt. In +Annaberg+
-ließ man einen Spitzenhändler, welcher aus einem angesteckten Orte
-kam, durch den Steckenknecht oder Gerichtsdiener gleich nach seinem
-Eintritte aus der Stadt bringen. So erging es einem andern, der bald
-auf freiem Felde hilflos niederfiel und verstarb. In der Stadt trat
-Brotmangel ein. Die Bürger +Lahl+ und +Scheuereck+ setzten das eigene
-Leben daran, ihre Leidensgenossen durch den gefahrvollen Ankauf von
-Lebensmitteln vom Hungertode zu erretten. ~Dr.~ Macasius besuchte
-ohne Scheu die Kranken und starb bald selbst. In Marienberg starben
-beide Geistliche. In Rauenstein starben sieben Abendmahlsgäste. Bei
-Reifland nahmen die Geängstigten das Abendmahl unter freiem Himmel. An
-der Stelle errichtete man einen Denkstein zur Erinnerung an das letzte
-Pestjahr in Sachsen.
-
- Nach Lehmann und B. Schlegel.
-
-
-48. Die Teuerung und Hungersnot im Erzgebirge in den Jahren 1771 und
-1772.
-
-Auch bei dem besten Ertrage der Felder unseres Erzgebirges ist derselbe
-nie zur Ernährung der dichten Bevölkerung hinreichend. Wir sind bei dem
-Getreideeinkauf auf die Niederungen angewiesen, mit deren Bewohnern
-wir gegen unsere Industrieerzeugnisse Brot eintauschen. Jetzt umspannt
-das Eisenbahnnetz den ganzen Erdteil, aus den entferntesten Gegenden
-kann mit Leichtigkeit Getreide herbeigebracht werden. Wie war es
-aber früher, als es noch keine Bahnen gab, die Straßen noch nicht im
-besten Zustande waren und oft der verschneite Hohlweg den Verkehr
-auf Tage, ja auf Wochen hinaus hemmte? Auch in den Zeiten vor den
-Eisenbahnen mußte das Getreide drunten im Niederlande gekauft oder
-aus den gesegneten Gefilden des nahen Böhmerlandes herbeigeschafft
-werden. Der Haupthandelsplatz war die Stadt Zwickau, hierher brachte
-der Altenburger Bauer sein Korn, der Müller und Bäcker aus dem Gebirge
-kaufte da ein. Wenn aber auch in den Niederungen Mißernte eingetreten
-war, wenn Böhmen die Grenzen sperrte und kein Getreide hereinließ, dann
-pochte die drückende Sorge um das tägliche Brot an die Pforten der
-Wohnungen der sonst so frohgesinnten Gebirgsbewohner, dann trat wohl
-eine Hungersnot ein, wie sie die Altvordern in den Jahren 1771 und 1772
-erlebt haben.
-
-Schon im Frühjahre 1770, als ein später Schneefall den Wintersaaten
-großen Schaden zufügte und darauf anhaltendes Regenwetter folgte,
-begann eine allgemeine Besorgnis um die Zukunft sich der Gemüter zu
-bemächtigen; sie bestätigte sich in den seit Johannis von Woche zu
-Woche steigenden Getreidepreisen und in einer Mißernte, die sich
-nicht bloß über das Erzgebirge, nicht bloß über Sachsen, sondern
-über die fruchtreichsten Gegenden Deutschlands erstreckte. War die
-Bedrängnis schon groß, welche dadurch für die dichte Bevölkerung
-unseres Obererzgebirges herbeigeführt wurde, so mußte sie sich zur
-höchsten Not steigern, als im nächsten Jahre der späte Schneefall
-und die regnerische Witterung sich wiederholte. Die Felder boten den
-düstersten Anblick, sie waren von den Eigentümern entweder mit selbst
-erbautem geringen oder teuer erkauftem Samen möglichst dünn bestreut,
-oder aus Mangel an solchem gar nicht besät, und die Kartoffelsaat
-war hier und da von den Armen wieder aufgewühlt. So ließ sich das
-Schlimmste befürchten, eine nochmalige Mißernte. Und sie trat ein! --
-trat zu einer Zeit ein, als auch die anderen Nahrungsquellen bei der
-herrschenden Gewerblosigkeit versiegten und alle Zufuhren aus Sachsens
-Kornkammern, aus Böhmen und Altenburg gehemmt waren. Da entrollte
-sich endlich vollständig das Bild der furchtbarsten Hungersnot, die
-je erlebt worden war. Man sah ganze Scharen von Bettlern umherziehen,
-darunter Greise, die von ihren Angehörigen nicht mehr ernährt, fremde
-Unterstützung suchen mußten, Jünglinge, die, sonst kräftig und blühend,
-jetzt halb verschmachtet, mehr durch ihren Anblick, als durch Worte
-sich Mitleid erflehten; Männer, die nach Verkauf des letzten, was sie
-hatten, selbst ihrer Werkzeuge, an den Bettelstab gebracht waren,
-viele, die bisher in Wohlstand gelebt, jetzt mit bitteren Thränen
-anderer Milde ansprechen mußten. -- Man sah Scharen von Kindern, die,
-von Eltern hilflos gelassen, Brot aus reicheren Händen zur Stillung
-ihres Hungers zu erlangen suchten. Die Zahl der Bettler war so groß,
-daß, wie z. B. Pastor Oesfeld aus Lößnitz versichert, an einem Tage oft
-mehr als 400 vor den Thüren die Mildthätigkeit in Anspruch nahmen.
-
-Der Kornpreis war vom Frühjahr 1770 bis dahin 1772 von 1 Thlr 4 Ggr
-auf 14 Thlr gestiegen. Wie vielen Familien mochte es da unmöglich
-geworden sein, das tägliche Brot zu kaufen. So nahm man seine Zuflucht
-selbst zu den unnatürlichsten Nahrungsmitteln: die gröbsten Kleien,
-unreife Waldbeeren, gekochtes Gras, zerriebene Baumrinde als Mehl und
-dergleichen mehr mußte zur Stillung des peinigenden Hungers dienen.
-
-Die unausbleiblichen Folgen waren bösartige, ansteckende Fieber,
-die allenthalben die Opfer des Todes im Jahre 1772 ins Unglaubliche
-vermehrten. In +Annaberg+ zählte man deren im erwähnten Jahre 490,
-während nur 89 Kinder geboren wurden. Auf der Scheerbank starb im
-Februar innerhalb vierzehn Tagen ein Haus, welches von 9 Personen
-bewohnt war, ganz aus. Nach einer Angabe des +Geyerschen+ Rates
-hatte man am 19. Mai schon 192 Leichen, darunter 50 Hausbesitzer. In
-+Ehrenfriedersdorf+ konnte man keine Bretter mehr auffinden zu Särgen
-für die Verstorbenen. Im Quartalbuch der Fleischer in derselben Stadt
-heißt es vom Jahre 1773: »Das ehrsame Handwerk ist so in Verfall
-gekommen, daß keiner imstande gewesen ist, etwas zu schlachten. Das
-liebe Brot mußte mit Einteilung gegessen werden. Es sind in diesem
-Jahre 585 Personen gestorben.« Die meisten Bewohner waren vom Hunger
-völlig abgemattet. Manche sanken auf offener Straße um und blieben tot.
-Wie es in solcher Zeit um die Ernährung und Pflege der Kinder im Hause
-und ihrer Sittlichkeit außer demselben stand, kann man leicht vermuten.
-
-Das 49. Stück des Dresdner gelehrten Anzeigers vom Jahre 1772 schreibt:
-Hier ist ein Auszug aus einem Briefe eines sicheren Mannes, der am
-4. September die Gegend nach +Johanngeorgenstadt+ zu durchreist hat:
-Ich habe das Elend in +Breitenbrunn+, +Rittersgrün+, +Wiesenthal+,
-+Crottendorf+, +Pöhla+, +Wildenthal+, +Eibenstock+ und +Neudorf+
-gesehen. Nie wünsche ich mir und keinem andern, einen so traurigen
-Anblick wieder zu erleben. Schon auf der Reise fand ich nicht wenige
-unbesäet gebliebene, zum Teil schon zur Aussaat aufgerissene Felder:
-auf diesen nichts als etwas Gras, das kaum zur Hutweide nutzen kann.
-Auf den Wiesen noch vieles Heu, das nicht hatte eingebracht werden
-können und nun verderben mußte, weil das Zugvieh und die erforderlichen
-Kosten gemangelt hatten, oder wo der Hauswirt krank oder gar gestorben
-war und ein Haus voll hilfloser Waisen hinterlassen hatte; die
-Feldfrüchte, die nur in wenig Roggen, meist in Hafer bestunden,
-gar dünn und noch hin und wieder grün wie Gras, und bei den schon
-einfallenden kalten Nächten nicht viel Hoffnung zu ihrer Reife. Die
-im Vergleich mit anderen Jahren wenig eingelegten Erdäpfel waren
-schon großenteils ausgegraben und halb unreif verzehrt; die noch in
-der Erde liegenden der Dieberei ausgesetzt, und auf allen Fall nur
-ein Vorrat auf einige Wochen. Das innere Elend der Orte wage ich
-mich gar nicht zu schildern. Traurig war es von vielen sogenannten
-Halb- und Viertelgutsbesitzern zu hören, daß sie nicht eine Hand voll
-Samen ausgesät hätten, daß ihr Rindvieh größtenteils verstoßen und
-die wenigen Pferde aus Mangel an Futter gefallen wären; noch viel
-trauriger, die meisten Einwohner nicht so notdürftig bekleidet, daß
-sie ihre Blöße bedecken konnten, ihre Wohnungen von allem Hausgerät,
-ihr Lager von Betten leer zu sehen. Kleider, Wäsche, Betten, Haus-
-und Handwerksgeräte hatten die meisten, so viele die eisernen Töpfe
-und bleiernen Röhren aus den Öfen, die Schlösser von den Thüren und
-ihre Äxte verstoßen und um ein Geringes verkaufen müssen, viele haben
-sogar die Fenster, die Ziegelsteine von den Feueressen etc. aus Not
-verkauft. Viele Häuser, die ausgestorben waren, sind von ihren Nachbarn
-eingerissen und das Holz verbrannt worden, um ihr und ihrer Kinder
-Leben auf einige Tage zu fristen. Handwerker und Gewerbetreibende
-hatten keinen Verdienst. Zu der schweren Arbeit in Eisenhämmern und
-Holzschlägen, welche sonst den Mannspersonen ihren Verdienst schaffen,
-jedoch jetzt auch liegen, sind sehr viele zu entkräftet. Oft müssen
-sie von der Arbeit wieder abgehen, oft davon hinweggetragen werden;
-ja einige sind tot dabei liegen geblieben. Ich habe Männer in ihren
-besten Jahren gesehen, die nicht im stande waren, das ihnen geschenkte
-Holz im Walde zu hauen und herein zu holen. Der Winter setzt die
-Männer außer allen Verdienst. Der Lohn bei den Fabriken, für welche
-die Weibspersonen und Kinder arbeiten, reicht nicht zu, das Brot der
-arbeitenden Person zu bezahlen, geschweige ganze Familien zu ernähren,
-Kranke zu erquicken, Kleider, Betten, Hausgeräte anzuschaffen. Ja, ich
-habe Klöpplerinnen gefunden, die der Hunger dumm und blind gemacht
-hatte; andere, die wegen zurückgebliebener Mattigkeit und blöden
-Gesichts wie die Kinder, wieder mit kleinen Zäckchen und schmalen
-Borten zu arbeiten anfangen mußten. Ich erstaunte über die Gelassenheit
-der vielen Elenden, die mir allenthalben entgegenkamen, aber selbst
-zu Kummer und Klagen schon zu empfindungslos, zum Teil auch schon
-sorglos für sich und die Ihrigen waren, weil sie, wie mir einige
-selbst sagten, sich auf den bevorstehenden Winter weder zu raten noch
-zu helfen wußten. Viele haben sich schon des Lebens begeben. Die
-Krankheiten hatten auch wieder sehr überhand genommen, vornehmlich
-durch den Genuß unreifer Erdfrüchte und durch die Erkältung wegen
-Mangels hinlänglicher Bedeckung am Tage sowohl, als besonders des
-Nachts. Die meisten Genesenden können sich wegen der schweren Kost
-nicht wieder erholen. -- Mit Nahrungsmitteln, die im Niederlande zu dem
-notdürftigsten Unterhalte gehören, kann man hier Sterbende retten. Doch
-habe ich in Breitenbrunn etliche vor Hunger schon halb Verschmachtete
-gesehen, die keine Gabe mehr retten, sondern ihnen den Tod nur weniger
-peinlich machen konnte. Viele wissen über keine Krankheit noch Schmerz
-zu klagen, aber geschwollen, keuchend, ganz verschmachtet taumeln sie
-umher, vermutlich sind ihre Eingeweide zusammengeschrumpft. -- Nur erst
-vor vierzehn Tagen hatte man in der Gegend von Eibenstock zwei Kinder,
-die in den Wald gegangen waren, um sogenannte Schwarzbeeren zu holen,
-auf der Straße aus Mattigkeit umgefallen und tot gefunden. Die fremden
-Almosen nehmen ab und die Kollekten jedes Ortes sind, wenn gleich
-diejenigen, die noch wohlhabend heißen, über ihr Vermögen thun, doch
-ein weniges für so viele Arme, die sich täglich vermehren. Mancher, der
-noch vor etlichen Monaten Almosen gab, bittet jetzt um Almosen, und
-dadurch wächst die Zahl der Armen, so viel auch hinwegsterben, doch
-immer wieder so sehr, daß die an sich beträchtlichen Gnadengeschenke
-nur kleine Gaben werden. 150 Scheffel Korn mußten jüngst unter 12800
-Arme verteilt werden.
-
-Ferner teilt die erwähnte Zeitung später mehr mit: Bei einem Bereisen
-einiger Dorfschaften im Monat März fand ein gebirgischer Medikus zu
-+Rittersgrün+ in einem Hause den Wirt mit seiner Frau und sechs Kindern
-in äußerster Armut, das siebente, eine Tochter von neunzehn Jahren, die
-für sich und die übrigen noch Brot verdienen konnte, war vor etlichen
-Wochen gestorben, eine Tochter von sechzehn Jahren lag seit einigen
-Tagen vor Hunger, ein Kind von neun Jahren an Hitze und Geschwulst,
-eins von sieben Jahren an der Auszehrung darnieder. Von zwei Broten,
-die der Hausvater in einer Woche noch verdienen konnte, und etwas Milch
-von seiner Kuh mußten sie alle leben. Seine Kinder zu retten hatte er
-diese Kuh verkaufen wollen, aber nirgends einen Käufer gefunden. In
-einem andern Hause waren drei Genesene, aber der Hunger warf sie aufs
-neue nieder. Ein Hausgenosse war vor zwei Tagen verhungert, lag aber
-noch in dem Bette, in dem er gestorben war, weil Witwe und Kinder, alle
-ganz unbedeckt, nichts zum Sarge auftreiben konnten. Nicht weit davon
-lag der Wirt vom Hause abgemattet auf dem Boden, ohne etwas klagen zu
-können. Dessen Bruder mit seiner Frau nebst sechs Kindern waren seit
-sechs Wochen eins nach dem andern verhungert. -- In +Crottendorf+ fand
-man einen Hausgenossen, dem in der Nacht vorher ein Kind verhungert
-war, und zwei Kinder nebst der Mutter lagen verschmachtet dem Tode
-nahe. Aus eben diesem Hause war ein Knabe betteln ausgegangen, aber
-abends nicht heimgekommen. Tags darauf, da man das Haus öffnete, lag er
-tot vor der Thüre, ohne Geld, ohne Brot etc.
-
-Der Notschrei, welcher vom Gebirge her erklang, fand im ganzen
-Sachsenlande und darüber hinaus Widerhall, durch Spenden suchte man
-die Not zu lindern. Seit dem 12. Januar 1771 bis zu Ende 1773 sind
-allein aus dem Leipziger privil. Intelligenz Comtoir 25726 Thlr 6
-Gr 9 Pfg bares Geld, 300 Scheffel Getreide, 37 Zentner Reis, auch
-viele Bücher und Kleidungsstücke an eingegangenen Wohlthaten in unser
-Gebirge zu verzeichnen. Bereits im Januar 1772 bekam der Stadtrat zu
-+Annaberg+ 100 Thaler von einem unbekannten Wohlthäter in Leipzig,
-wovon 644 Brote, jedes zu 3 Pfund an 399 Familien oder an 1052 Personen
-verteilt wurden. Chemnitz, Ehrenfriedersdorf, Eibenstock, Geyer,
-Johanngeorgenstadt und Schneeberg werden als die Schauplätze des
-größten Elends damaliger Zeit genannt.
-
-Die immer hoffnungsreicher hervortretende Ernte des Jahres 1773
-richtete endlich die fast bis zur Verzweiflung niedergebeugten
-Gebirgsbewohner wieder auf und half durch ihre gesegneten Gaben die
-letzte Not überwinden. Der Scheffel Korn, welcher 1772 mit 14 bis 15
-Thalern bezahlt wurde, galt 1773 nur 4 Thaler und Anfang des Jahres
-1777 nur 2 Thaler. Die Kartoffeln kosteten während der Hungerjahre
-der Scheffel 2 Thaler 18 Groschen, am Anfang des Jahres 1774 nur 6
-bis 8 Groschen. In einigen Städten ließ man Gedenkmünzen schlagen,
-auf welchen die Getreidepreise in den Zeiten der großen Teuerung
-verzeichnet stehen. Das +Annaberger Museum erzgebirgischer Altertümer+
-besitzt deren mehrere, eine solche Bleimedaille aus dem Jahre 1772
-zeigt z. B. auf der Vorderseite: Sachsens Denckmahl 1771. 1772. große
-Theurung, schlechte Nahrung. Die Rückseite besagt: im Gebürge galt
-1 Sch: Korn 13 Th: 1 Sch: Weitze 14 Th: 1 Sch: Gerste 9 Th: 1 Sch:
-Haber 6 Th: 1 Pfd. Butter 8 gr. 1 Pfd. Brodt 2 gr. In Geyer ward am
-16. August 1773 mit dem Erntedankfest das ausgeschriebene allgemeine
-Dankfest für Rettung aus der großen Drangsal verbunden. Mit welcher
-Rührung und Inbrunst mögen die Geretteten daran teilgenommen haben!
-
-Im September des Jahres 1773 bereiste der damalige Kurfürst und spätere
-König Friedrich August I. nebst Gemahlin und Gefolge das Gebirge,
-überall reiche Mittel und infolge seiner Teilnahme Trost spendend.
-
-Von Marienberg ging am 1. September die Reise zu Pferde über
-Ehrenfriedersdorf, Geyer, Zwönitz, Lößnitz, Schlema nach Schneeberg und
-von da an demselben Tage wieder zurück nach Marienberg. Am 2. September
-war der hohe Herr in Annaberg. Dort wäre er beinahe verunglückt, weil
-das Pferd vor den Schüssen scheute, die man am Pöhlberge ertönen ließ,
-als er die Pöhlbergstraße aufwärts ritt.
-
- Nach Lungwitz.
-
-
-
-
-Fünfter Abschnitt.
-
-Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges.
-
-
-49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei.
-
-
-~a.~ Die Entstehung des Gewerbes.
-
-Der Name +Köhler+ gehört so recht dem Erzgebirge an, wo das
-Kohlenbrennen seit Jahrhunderten für zahlreiche Bewohner einen
-Erwerbszweig bildete, der noch in der Gegenwart, freilich bedeutend
-sparsamer, in den oberen Waldbezirken, bei Zöblitz, Hirschenstand,
-Carlsfeld und Morgenröte, bei Göttersdorf in Böhmen und anderwärts
-angetroffen wird.
-
-In der Geschichte und in den Sagen treten wiederholt Köhler auf.
-Der Köhler Georg Schmidt befreite am Fürstenberge bei Schwarzenberg
-den Prinzen Albert aus den Händen des Kunz von Kaufungen; ein
-Köhler soll im Jahre 1458 im Walde beim Abräumen seines Meilers
-ausgeschmolzenes Zinn gefunden haben, was Veranlassung zur Gründung
-der Bergstadt Altenberg gab. Köhler haben sich nach der Sage zur
-Zeit der Hussitenkriege im Walde, da wo jetzt +Crandorf+ liegt,
-ihren Kohlenkram, d. h. Hütten aufgebaut, weshalb man den daselbst
-entstandenen Ort zuerst Kram- und später +Crandorf+ genannt habe.
-
-Als im Gebirge an zahlreichen Orten Eisenhütten entstanden, brannte
-man auch überall in deren Nähe das Holz zu Kohlen, da diese
-zum Ausschmelzen der Erze nötig waren. In der 1697 erneuerten
-kurfürstlichen Holzordnung von 1560 wurde aber bestimmt, daß die
-Köhler das Holz nicht mehr selbst schlagen lassen durften und das
-Kohlenbrennen nur noch vom 25. März bis 16. Oktober zu gestatten sei.
-
-In früherer Zeit wurden die Kohlen da und dort auch in muldenförmigen,
-ungefähr einen Meter tiefen Gruben gebrannt, in welche man Reisig
-und Holzabgänge warf, diese dann anzündete und mit Erde bedeckte.
-Man erhielt auf diese Weise die sogenannten Grubenkohlen. Das
-gebräuchlichste Verfahren bestand aber, wie noch jetzt, im Verkohlen
-aufgebauter Meiler. Die größeren Kohlen wurden zur Verwendung für die
-Zerrennfeuer, durch welche das Schmelzen des Eisens, um es weicher und
-geschmeidiger zu machen, wiederholt ward, mit Dreschflegeln in kleinere
-Stücke zerschlagen.
-
-Es wird den Köhlern das Verdienst zugeschrieben, den Wald nach
-und nach urbar gemacht und das Dorf +Ansprung+, welches im 16.
-Jahrhundert +Aschberg+ hieß, gegründet zu haben. Es haben aber gewiß
-auch die +Aschebrenner+ ihren Anteil an der Besiedelung der Gegend;
-der Name dürfte auf das frühere Äschern, d. h. Aschebrennen zu
-Pottaschebereitung, zurückzuführen sein.
-
-Ehemalige Meilerstätten trifft man noch häufig im Gebirge an; manche
-derselben stammen jedenfalls aus sehr alter Zeit. In der Mitte einer
-Meilerstätte ward eine Stange eingeschlagen. Unten hin legte man
-trockenes »Zünderholz«, dann wurden Stöcke rundum aufgeschichtet;
-obenauf legte man schräg Scheitholz, sodaß das Ganze wie ein gewölbter
-Backofen erschien. Die Eindeckung erfolgte mit Fichtenreisig, Erde und
-Rasen. Der Köhler hat mittels der Zündlöcher für Gleichmäßigkeit im
-Brande zu sorgen. Mit dem Schürbaum stößt er Löcher in die Decke, um
-nachzufüllen. 10 Tage dauert die Arbeit. Einfach ist die Köhlerhütte in
-seiner Nähe.
-
- Nach ~Dr.~ Köhler.
-
-
-~b.~ Eine Köhlerwohnung in alter Zeit.
-
-Umkränzt von riesigen Fichten rauchten und dampften kegelförmig
-gebildete Meiler, und an die gewaltigen Baumstämme lehnten sich
-niedrige, kunst- und schmucklos von eigner Hand erbaute Lehmhütten, vor
-den brausenden Waldstürmen der Höhe Schutz suchend, an.
-
-Höchst einfach, nach unseren Begriffen mehr als ärmlich, sah es in
-diesen Hütten aus. Von Dielen erblickte man keine Spur, nur in der
-Mitte erhob sich ein Tisch von ungehobelten Brettern auf vier in die
-Erde eingeschlagenen Pfählen, umgeben von einigen gleichartigen Bänken
-und Holzschemeln.
-
-In einer Ecke stand der Ofen, wenn man eine Vertiefung im steinigen
-Boden, von einigen Mauersteinen umgeben, so nennen will, in welchem
-fast beständig ein helles Feuer brannte, bei dem die einfachen Gerichte
-gekocht oder gebraten wurden. Einige rußige Töpfe und unförmliche
-Tiegel, sowie hölzerne Teller und Löffel waren das einzige Haus- und
-Küchengeräte. Schlösser an den Thüren wären unnötig gewesen; denn
-wer sollte aus jenen Lehmhütten in finsterer Nacht etwas Erhebliches
-stehlen? -- Unter dem Dache standen die Betten, unter welchen man sich
-kunstlose Lagerstätten von Waldmoos, Heu oder Stroh auf rohen Dielen
-zu denken hat. Eine Esse hielt man ebenfalls für überflüssig, denn der
-Rauch fand durch die verschiedenen Ritze in der Thür und in den Wänden
-einen ganz gemütlichen Ausweg. Die Stelle der Fenster ersetzten einige
-viereckige Löcher in der Wand, durch die der goldene Sonnenstrahl die
-inneren Herrlichkeiten erleuchtete und welche bei stürmischem Schnee-
-und Regenwetter mit einem Brette verschlossen wurden.
-
- Nach Müller.
-
-
-~c.~ Das Harzen in früherer Zeit.
-
-Lehmann berichtet: »Es heißt insgemein der ganze böhmische gegen
-Meißen zu an der Zschopau und an dem Schwarzwasser bis über den
-Wiesenthalischen Fichtelberg Harz- oder Schwarzwald, davon jährlich
-1000 Zentner Pech abgeharzt wurden.« Besonders die Crottendorfer
-harzten viel und zogen handelnd in die Fremde und blieben oft Jahre
-aus. Das Harzen erpachteten die Schwarzenberger im 16. Jahrhundert
-von den Tettaus. 1648 wurde das Zinspech in Geld verwandelt. Die
-Pechgewerken hatten 80 fl Zins abzustatten. Vor alters mußte der
-fünfzehnte Zentner Zinspech ins kurfürstliche Amt geliefert werden.
-1666 waren die Hölzer so verhauen und verkohlt, daß man kaum zwei
-Zentner Pech herstellen konnte.
-
-Die Rinden der Bäume wurden mit dem Harzeisen der Länge nach
-aufgerissen. Im folgenden Jahre wurde das ausgetriebene Harz
-abgeschabt. In der Pechhütte ward es in Kesseln gesotten und dann in
-Formen gegossen.
-
-
-50. Der ehemalige Zinnbergbau.
-
-Gegenwärtig beobachtet man noch an manchen Orten unseres
-Obererzgebirges +Raithalden+, das sind Anhäufungen tauben
-Trümmergesteins, das nach dem Zinnseifen oder Auswaschen des Zinnerzes
-übrig geblieben ist. Diese Halden sind durchwühlt worden. Durch
-Zuführung von Wasser wurde aus ihnen nicht nur das Zinnerz, sondern
-auch die Feinerde ausgeschieden. Nach Mathesius in Joachimsthal
-führte der Zinnwäscher Wasser in zinnhaltige Gebiete und stach eine
-torfähnliche Masse. Grobe Stoffe und Steine warf man mit der Gabel
-heraus. Der gute Stein setzte sich dann zu Boden. Man reiniget ihn,
-um dann das Zinn zu gewinnen. Diese Seifen befanden sich besonders in
-flachen Thalmulden. Außer Zinnstein fand man auch Topas, Opal, Beryll,
-letzten besonders im Denitzgrunde bei Eibenstock. Auch Goldkörner fand
-man, so 1733 am Auersberge eins von 13 Aß Gewicht, das in demselben
-Jahre dem Kurfürsten bei der Huldigung in Freiberg überreicht wurde.
-
-Sehr zahlreich waren die Seifenwerke im Gebiete von Schneeberg und
-Eibenstock. Zahlreich waren auch im 17. und 18. Jahrhundert die Seifen
-in der Umgegend des Dorfes Bockau. Da hat man in jedem Thälchen
-nach Zinnerzen gesucht. Das geschah im ganzen Gebirge bis nach
-Johanngeorgenstadt hinauf.
-
-Besonders bemerkenswert sind die Seifen bei Geyer und Umgebung, die zu
-den ältesten gehören. Der jetzt durch seine Spielwaren weit bekannte
-Ort Seiffen verdankt seine Entstehung auch dem Zinnbergbau.
-
- Nach ~Dr.~ Köhler.
-
-
-51. Der ehemalige Silberbergbau.
-
-
-~a.~ Altes Berglied.
-
-+Ein Bergmann:+
-
- Wenn der Schacht erst eingesenket,
- Fahrt und Sprossen wohlverwahrt,
- Seil und Kübel eingehenket,
- Ist des edlen Bergmanns Art,
- Daß er mit Schlegel und Eisen
- Mag seine Kunst erweisen!
-
-+Der volle Chor:+
-
- Daß er mit Schlägel und Eisen
- Mag seine Kunst erweisen!
- Hurra! -- Glückauf!
-
-+Ein Bergmann:+
-
- Wenn das Glöcklein drei thut läuten,
- So heißt's: Bergmann, steh' auf mit Freuden,
- Es heißt: Bergmann, geh' auf die Zech,
- Dann wirst du wohl finden
- Steiger, Häuer und die Knecht!
-
-+Chor:+
-
- Steiger, Häuer und die Knecht!
- Hurra! -- Glückauf!
-
-+Ein Bergmann:+
-
- Zünd' ich an mein Grubenlicht,
- So heißt's: Bergmann, fahr an die Schicht,
- Fahr ein die Schächtlein tief und lang,
- Dann wirst du wohl finden
- Einen schönen Silbergang.
-
-+Chor:+
-
- Einen schönen Silbergang.
- Hurra! -- Glückauf!
-
-+Ein Bergmann:+
-
- Und als ich kam vor meinen Ort,
- Da saßen die lieben Engelein und wachten dort.
- Sie thun mich recht lehren und weisen,
- Wo ich soll ansetzen mit meinem Eisen.
- Schlag ich darauf mit allem Fleiß,
- Daß von mir abdringt der Schweiß,
- So bin ich doch derhalben nicht
- Verzaget, dieweil ich schönes Silber sah,
- Das Herzlein darauf thät lachen.
-
-+Chor:+
-
- Das Herzlein darauf thät lachen.
- Hurra! -- Glückauf!
-
-+Ein Bergmann:+
-
- Wenn die Schicht verfahren ist,
- Ruf' ich zu dir, Herr Jesu Christ,
- Befehl' Leib' und Seel' in deine Hände.
- Du wirst mich wohl führen
- In das himmlische Zelt.
-
-+Chor:+
-
- Du wirst mich wohl führen
- In das himmlische Zelt.
-
-+Chor:+
-
- Du wirst mich wohl führen
- In das himmlische Zelt.
- Hurra! -- Glückauf!
-
-
-~b.~ Die Namen der Zechen.
-
-Was die Namen der Zechen nach ihrer Entstehung und Bedeutung
-anlangt, so ist zu merken, nur die wenigsten knüpfen an die
-ursprüngliche Benennung des Ortes an, wo sie entstanden, oder an
-bestimmte Eigentümlichkeiten der Zeche selbst und der bei ihrer
-Eröffnung maßgebenden Umstände. Die meisten erklären sich aus dem
-dem Bergmannsstande namentlich in früheren Jahrhunderten vor anderen
-eigenen +frommen Glauben+ an die göttliche Allmacht, zum Teil auch
-aus seinem Aberglauben. Frommer Glaube war maßgebend bei den überaus
-zahlreichen Benennungen der Gruben nach Heiligen und anderem, der
-Aberglaube in Namen wie Wilder Mann, Wilde Frau, Einhorn, Löwe, Wolf,
-Rabe, Molch, Hase, Goldner Esel. Riesen und Einhörnern schrieb man die
-Kraft zu, gewisse »Bergsäfte«, namentlich das Quecksilber, zu edlem
-Erze zu verdichten. Der Molch sollte seinen Winterschlaf in der Nähe
-geheimer Schätze halten. Wolf und Rabe galten als »weisende« Tiere.
-Der Hase schien als fruchtbarstes Tier von guter Vorbedeutung zu sein.
-Im Goldnen Esel hat man wohl gar eine Erinnerung an das Märchen vom
-»Eselein, streck' dich« zu erblicken.
-
- Nach ~Dr.~ Bachmann.
-
-
-~c.~ Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde.
-
-Bekannt und gut beglaubigt ist die Überlieferung, daß im 12.
-Jahrhundert in unserem Sachsen zunächst der +Freiberger+ Bergbau durch
-den Zuzug +Goslaer+ Bergleute aus dem +Harz+ begründet worden sei. Nach
-seinen ursprünglichen Bewohnern, sächsischen Bergleuten aus dem Harz,
-heißt heute noch ein Teil von Freiberg die »Sächsstadt«. Es steht fest,
-daß umgekehrt im 16. Jahrhunderte Bewohner unseres Landes, Bergleute
-aus dem +Obererzgebirge+ und namentlich aus dem westlichen Teile
-desselben, der Gegend von +Freiberg+, +Annaberg+ und +Schneeberg+,
-nach dem Oberharz gezogen sind und dort Anlaß zur Gründung namentlich
-der Bergstädte +Andreasberg+, +Clausthal+, +Zellerfeld+, +Wildemann+,
-+Lautenthal+ und +Altenau+ gegeben haben. Zwar war schon im 13.
-Jahrhundert, von Goslar aus dahin verpflanzt, auch auf dem Oberharz
-um das Kloster Celle her der Bergbau in Blüte gekommen, aber dieser
-verfiel bald wieder, wie das Kloster selbst, bis bald kaum noch
-eine Spur davon in dem wieder verödenden Lande sich zeigte. Erst im
-Zeitalter der Reformation lockten reiche Silberanbrüche in der Gegend
-des heutigen Andreasberg und anderswo eine bergbaulustige Bevölkerung
-wieder herbei, nur konnte diese nicht aus der Nähe kommen, nicht aus
-+Goslar+, das vielmehr selbst des Zuzuges bedurfte und zudem mit den
-im Oberharz gebietenden Fürsten verfehdet war, und nicht aus dem
-+Mansfeldischen+, sondern man mußte sie anderswo suchen. Daß man sich
-zu diesem Zweck nach dem Erzgebirge gewendet, daß von dort her die
-ohnedies stets wanderlustigen und auf jedes »neue Geschrei« hin leicht
-beweglichen Bergknappen zugeströmt seien, das wird, soweit es nicht
-urkundlich bezeugt ist, durch folgendes bewiesen.
-
-Zunächst handelte es sich bei der Errichtung des neuen Bergwerks auf
-dem Oberharz um +Stollenbau+, auf welchen sich damals eigentlich nur
-»Meißnische Bergleute« aus dem oberen Gebirge, die deshalb auch in
-aller Welt gesucht waren, verstanden. Die Chroniken von Freiberg,
-Schneeberg, Annaberg etc. wissen zu erzählen, wie Bergleute aus
-diesen Gegenden nach allen Teilen Europas gekommen seien und dorthin
-ihr Bergrecht mitgebracht hätten, ja selbst in +Calcutta+, im fernen
-Indien, finden wir solche und kaum 40 Jahre nach der Entdeckung
-Amerikas im Dienste der +Welser+ auf dem fernen +San Domingo+. Die
-Sendung einzelner hervorragender Bergverständiger, Bergmeister etc.
-aus dem Erzgebirge nach dem Harz wird ausdrücklich bezeugt, und es
-versteht sich ganz von selbst, daß diese nicht allein kamen, sondern
-zur Ausführung der ihnen übertragenen Arbeiten Bergleute in größerer
-Zahl mit sich führten. Diese ließen dann wieder, wie es heute noch
-Sitte der Auswanderer ist, dafern es ihnen anders in der neuen Heimat
-gefiel und daselbst wohlging, ihre Angehörigen und Freunde nachkommen,
-und so entstand in dem Jahrhundert von 1520--1620 etwa eine größere
-Kolonie von aus dem Meißnischen eingewanderten Bewohnern und damit
-eine +Sprachinsel mit oberdeutscher Mundart+ mitten in dem sonst
-niederdeutsch sprechenden Gebiet. Diese oberdeutsche Mundart aber ist
-die des Erzgebirges, und zwar des westlichen Teiles desselben, und das
-ist der Hauptbeweis für die Herkunft der ursprünglichen Bewohner jener
-Harzstädte aus unserem Erzgebirge.
-
-Es ist zu bemerken, daß die Ähnlichkeit des Oberharzischen und
-Obererzgebirgischen in der That ganz außerordentlich groß und
-gemeinsame Abstammung unabweisbar ist.
-
-Ferner ist bemerkenswert das überaus häufige Vorkommen derselben
-+Grubennamen+ im Oberharz und Erzgebirge und daß mindestens die große
-Hälfte der im Oberharz vorkommenden Namen den älteren Bergwerken des
-Erzgebirges entnommen ist. Da es sich bei der Namengebung namentlich
-auch um solche von guter Vorbedeutung handelte, so sind Namen besondere
-häufig, die als Benennungen solcher Zechen, welche im Erzgebirge
-reiche Ausbeute gebracht hatten, bekannt waren, wie z. B. der Name der
-stolzesten Schneeberger Zeche, »St. Georg«, deren ausgebrachtes Silber
-auf 40 Tonnen Goldes, d. i. 4000000 Thaler, geschätzt wurde, auch im
-Harz vorkommt, ebenso die »St. Anna«, die in Schneeberg schon 1478
-gewaltig »schüttete« und 1528 von allen Gruben die größte Ausbeute gab.
-
- Nach ~Dr.~ Bochmann.
-
-
-~d.~ Die bergmännischen Werkzeuge und sonstige Einrichtungen in
-früherer Zeit.
-
-Im Jahre 1497 findet man schon Spuren von den Kunstgezeugen in
-der Schneeberger Gegend. 1504 bestand ebenda der erste bekannte
-Pferdegöpel. 1512 führte Sigismund von Maltitz auf Dippoldiswalde die
-+nassen Pochwerke+ zuerst daselbst ein. Seit 1529 waren gedruckte
-Ausbeutebogen, seit 1533 sind Anschnittzettel statt der Kerbhölzer
-üblich. 1550 wurden die Stangenkünste eingeführt, 1551 die Bergquartale
-statt der vorherigen Drittale, mit Ausschluß des Obergebirges, wo
-man schon seit 1477 nach Quartalen rechnete. Im Jahre 1555 wurde das
-Rohschmelzen erfunden; in die Jahre 1540 bis 1560 fällt die Aufkunft
-der Blaufarbenwerke. Im Jahre 1561 nahm die Stollnmaurung ihren
-Anfang, 1567 die Grubenmaurung durch den Bergmeister Martin Plauer in
-Freiberg. Vom Jahre 1578 schreibt sich die Anordnung des Gebets auf
-den Gruben her. 1613 wurde das Sprengen mit Pulver eingeführt. Seit
-1649 stiftete man Quartal-Bergpredigten. In den Jahren 1710--1717 wurde
-die General-Schmelz-Administration eingeführt. Mit dem Bergbohren
-machte damals man die ersten bekannten Versuche. 1731 schaffte man
-beim Rechnungswesen die Meißnischen Gülden ab. 1765 ist die Freiberger
-Bergakademie gegründet worden. Im Jahre 1768 ward das Tragen der
-Berguniform verordnet und 1788 die Entführung der Amalgamation
-versucht.
-
-Der erzgebirgische Bergstaat zerfiel am Anfange unsern Jahrhunderts
-in das Oberbergamt und in das Oberhüttenamt zu Freiberg. Unter
-ersterem standen die Oberzehntner- und Austeilämter in Freiberg
-und im Obergebirge, wo wir finden die Bergämter Annaberg, Geyer,
-Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt mit Schwarzenberg und Eibenstock,
-Marienberg, Scheibenberg mit Oberwiesenthal.
-
-Außer den Steigern giebt es: Kunstarbeiter, Ganghäuer, Helfersknechte,
-Zimmerlinge, Doppelhäuer, Lehrhäuer, Siebsetzer, Treibeleute,
-Haspelmeister, Nachtpocher, Gruben-, Wasch- und Scheidejungen. Eine
-Schicht umfaßt 4, 6 oder 8 Stunden. Im Annaberger Bergamte gab es 5
-Schichten die Woche, weil Sonnabend frei war.
-
-Die Häuerglocke forderte zum Anfange auf. Seit 1595 wurde im Hut-
-oder Zechenhause vor Beginn Betstunde gehalten. Im Huthause wohnt der
-Steiger, der das Werkzeug bewahrt.
-
-Ist ein Arbeiter alt oder krank, so heißt er bergfertig. Die
-Büchsenpfennige fließen in die Knappschaftskasse.
-
-Ehemals gab es in jedem Bergamte einen verpflichteten Rutengänger. Für
-die Bergleute sind auch Getreidemagazine angelegt worden. Sie sind frei
-von allen Abgaben.
-
-Schon der Bergknabe vom 6. Jahre an kennt und übt den Fleiß als eine
-der ersten Tugenden, und dadurch wird sie dem Bergmanne gleichsam zur
-andern Natur. Die Poch- und Scheidejungen müssen bei Karbatschenstrafe
-oder Vogelbolzen täglich ihre bestimmte Zahl Körbe voll Erz pochen,
-ja sogar die Feiertage in den Wochentagen nach und nach mit
-einbringen. Sie treiben einander häufig durch Wetten an. Wer z. B.
-zum Johannisfeste am ersten mit der bestimmten Arbeit fertig ist oder
-Schicht hat, heißt +König+ oder +Staatslümmel+ und wird, mit Blumen
-oder Kränzen behangen, unter dem Vorantragen einer roten Fahne mit
-Ehrenbezeigungen nach Hause geführt. Den aber, der zuletzt Schicht hat,
-nennt man den +faulen Lümmel+ und begleitet ihn, ihn mit diesem Namen
-neckend, nach seiner Wohnung.
-
-Ein Schacht ist eine viereckige Öffnung, die senkrecht in die Erde
-führt. Dahinein führen Fahrten oder Leitern. Die Absätze zum Ruhen
-heißen Böhnen. Das Innere ist ausgezimmert oder ausgemauert. Die Stolln
-führen wagerecht ins Gebirge und dienen zum Wasserabfluß, zur Zuführung
-frischer Luft und Abfuhr des Erzes auf Hunden.
-
-Gänge nennt der Bergmann nach ihrem Gehalte edel oder taub, mächtig
-oder leer.
-
-Fäustel, Schlägel, Bohrer sind Werkzeuge des Bergmanns. Das
-Zutagefördern geschieht mit dem Haspel, an dem durch einen an dem Seile
-hängenden Kübel die Erze emporgewunden werden. Tiefe Gruben brauchen
-den Göpel, welchen Pferde oder Wasser treiben. Das Wasser heben die
-»Künste« empor, deren Pumpen durch Räder getrieben werden.
-
-Bergbauanteilscheine heißen Kuxe.
-
-Im Berggebiete war das Holz ein wichtiges Bedürfnis. Das Auszimmern der
-Schächte und Stolln, der Wasser- und Maschinenbau, die Schmelzöfen,
-Schmiedehammer, Siedewerke, Pechhütten und dergleichen verschlangen
-viel Holz. Schon im Anfange des 15. Jahrhunderts merkte man das. Der
-Bergbau, das damalige weit stärkere Brauwesen, die häufigen Brände
-nagten um die Wette an dem Kern der Waldungen. Hierdurch wurden die
-ersten Flößen aus holzreichen in holzärmere Gegenden veranlaßt.
-
-Steinkohlen benutzte man erst in der Mitte des 16., Torf im Anfange des
-17. Jahrhunderts.
-
-Der erste sächsische Fürst, der vom Bergsegen den besten Gebrauch
-machte, war der Kurfürst August. Er ließ herrliche Schlösser bauen,
-kaufte große Güter an, richtete nützliche Anstalten ein, rief Künstler
-und Handwerker ins Land und sorgte bei alledem noch für seinen Schatz.
-Unter ihm erhielt das Bergwesen weit bessere Einrichtung, und er ist
-als der eigentliche +Gesetzgeber+ des Bergwesens zu betrachten.
-
-
-~e.~ Die Verbreitung des obererzgebirgischen Bergbaues.
-
-
-1. In seiner Blütezeit.
-
-Erwiesenermaßen ist der +Freiberger Bergbau+ der älteste unseres
-Landes, und zwar fällt die Entdeckung der Freiberger Erzgänge in
-die Zeit zwischen 1162 und 1170. Die Sage von dem Goslarer Fuhrmann
-weist auf Bergleute aus dem Harze hin, von wo auch eine Einwanderung
-bergbaukundiger Sachsen in unser Erzgebirge in den Jahren 1167 und 1181
-im Zusammenhang mit den Kämpfen zwischen +Heinrich dem Löwen+ und den
-niedersächsischen Fürsten und Städten erfolgte. Um diese Zeit regierte
-+Otto der Reiche+ in Sachsen. Die beginnende Ausbreitung des Bergbaues
-tritt im ganzen in Wechselbeziehung zu der fortschreitenden Besiedelung
-unserer Gegend, das heißt, entweder begann man da, wo deutsche
-Niederlassungen auf dem Waldgebirge entstanden, nach Erz zu graben oder
-der Erzsucher schweifte mit seiner Wünschelrute durch die Bergwildnis,
-und da, wo er Erzgänge erschloß, entstanden neue Niederlassungen.
-
-Im 13. Jahrhunderte finden wir die +Herren von Waldenburg+ bereits
-im Besitze von Silberbergwerken zu +Wolkenstein+ und von Zinn- und
-Silbergruben auf dem Sauberge bei +Ehrenfriedersdorf+. Mit dem Tode
-+Heinrichs des Erlauchten+, 1288, schließt die erste Glanzzeit des
-Freiberger Bergbaues. Dann kommt die Zeit, in welcher die Menschen
-in den Schoß der Erde eindringen müssen. Der beschwerliche Schacht-
-und Stollenbau ward nun erforderlich. Aus den Jahren 1335 und 1339
-stammen dann die ersten Nachrichten über den Bergbau in dem unter die
-+Burggrafen von Meißen+ gehörigen Gerichte +Frauenstein+, sowie in dem
-zur Grafschaft +Hartenstein+ gehörigen Gebiete des Klosters +Grünhain+.
-
-Im 15. Jahrhunderte kam neues Leben in den Bergbaubetrieb durch das
-Fündigwerden der mächtigen Erzgänge auf dem +Schneeberg+. Damit beginnt
-die zweite Blütezeit des erzgebirgischen Bergbaues. 1606 wurde eine
-neue Bergordnung von den Landesherren erlassen.
-
-Im Gebiete der +Herren von Waldenburg+ fand ein lebhafter
-Bergbaubetrieb um das Jahr 1407 bei +Wolkenstein+, +Ehrenfriedersdorf+,
-+Thum+, +Geyer+ und +Zschopau+ statt. Als 1470 bei +Schneeberg+
-das Hauptsilberlager erschlossen wurde, da verließ der Bauer Acker
-und Pflug, der Handwerker Werkstatt und Heimatsort; alles strömte
-hinauf nach dem Schneeberg, um dort das erträumte Glück zu erjagen.
-Einzelnen gelang es; Hunderte kehrten als Bettler, getäuscht und
-verspottet, nach Hause zurück. Am Schneeberg sanken die uralten
-Fichten- und Eichen-, Buchen- und Ahornwälder unter der Köhleraxt
-dahin; sie alle verschwanden in den gierigen Schloten zahlloser
-Schmelzhütten. Am Anfange des nächsten Jahrzehntes begann ein +Herr
-von Schönburg-Glauchau+ in +Beierfeld bei Schwarzenberg+ nach Silber
-zu graben und den schon früher betriebenen Bergbau am Galgenberge
-bei +Elterlein+ fortzusetzen. Im Jahre 1484 sehen wir weiter ein
-Bergwerk, die »Mönchsgrube« bei +Wüstenschletta+, später +Marienberg+,
-in Betrieb, während ein Jahr später eine ältere, am +Eisenberg bei
-Geyer+ gelegene Fundgrube wieder aufgethan wird. Schließlich werden
-in derselben Zeit noch die Orte +Breitenbrunn+, +Breitenbach+, +Ober-
-und Niederjugel+ in Urkunden erwähnt. Nicht minder zahlreich sind
-endlich aber die Zeugnisse von einem lebhaften Bergbaubetriebe zu
-+Ehrenfriedersdorf+, +Wolkenstein+, +Grünhain+ u. a.
-
-Aber alle die genannten Bergwerke erlangten nicht die Bedeutung, wie
-der gleichfalls inzwischen erschlossene +Annaberger Bergbau+. Am
-Pöhlberge ist schon 1442 auf +St. Briccius+ Silber gefunden worden.
-Die erste sichere Nachricht stammt aus dem Jahre 1483. Der eigentliche
-Annaberger Bergbau aber knüpft sich ja an den +Schreckenberg+. Erst
-vom 31. Juli 1492 hat sich eine Urkunde erhalten, in der den Gewerken
-am Schreckenberge eine Münzfreiheit auf 6 Jahre gewährt wird. Die
-entstehende Ansiedelung erhielt unterm 28. Oktober 1497 Stadt- und
-Bergrecht und am 22. März 1501 den Namen St. Annaberg. Es entstanden
-alsbald zahlreiche Zechen; allein in den Jahren 1496--1499 waren es 51;
-in der Zeit von 1496--1530 sind nicht weniger als 380 Zechen in Betrieb
-gewesen. Neben dem Schreckenberge werden aber auch schon 1497 Bergwerke
-zu +Buchholz+ genannt.
-
-Der +Eisenbergbau+ blühte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts,
-namentlich im Gebiete des Klosters +Grünhain+, sodaß sich der Abt
-dieses Klosters einen eigenen Bergmeister hielt und zu +Elterlein+
-und +Waschleite+ seine Eisenhämmer besaß. Schließlich mag zum 15.
-Jahrhundert auch noch des beginnenden Kohlenbaues gedacht werden,
-insofern, als das schon genannte Kloster +Grünhain+ um die Mitte
-dieses Jahrhunderts im Gemeindewald zu +Bockwa+ bei Zwickau ein
-+Kohlenbergwerk+ besaß, von dem es den Kohlenzehnten erhob.
-
-Das darauffolgende, das 16. Jahrhundert, war der Entwickelung
-des erzgebirgischen Bergbaues im allgemeinen günstig, indem die
-Landesfürsten, wie +Herzog Georg der Bärtige+, +Heinrich der
-Fromme+ und +Moritz+ in den zuständigen Gebieten, nachmals aber
-+Kurfürst August I.+, der große Volkswirt des 16. Jahrhunderts, im
-ganzen Lande dem Bergbau eine vorzügliche Pflege angedeihen ließen.
-1515 wird das Bergstädtchen +Brand+ gegründet, 1517 +Gottesgab+,
-+Eibenstock+, +Jöhstadt+, 1521 +Marienberg+; gleichzeitig wird
-+Schlettau+ zur Bergstadt erhoben. 1522 ist +Scheibenberg+ gegründet,
-1526 +Wiesenthal+, 1532 +Platten+. 1534 werden wir durch eine
-landesherrliche Bergordnung mit dem Bergbau zu +Schwarzenberg+,
-+Gottesgab+ und dem Zinnbau zu +Platten+ bekannt gemacht; während
-in den Jahren 1515--1537 nach einem Annaberger Silberbuche zu
-+Annaberg+ 86, +Marienberg+ 17, +Elterlein+ 4, +Wiesenthal+ 2 und zu
-+Scheibenberg+ 8 Zechen in Erzlieferung waren. Gleichzeitig deutet
-eine Urkunde vom Jahre 1538 auf den auch zu +Olbernhau+ betriebenen
-Bergbau. In den 50er Jahren finden sich dann Zechen zu +Lauterstein+,
-zu +Drehbach+, zu +Scharfenstein+ und 1556 der Zinnbau zu +Eibenstock+
-erwähnt. 1578 erfahren wir etwas vom Bergbau zu +Wildenau+, +Dörfel+
-und +Jugel+. Seit 1573 wird dann die Stahlfabrikation erwähnt, und 1561
-schon begegnen wir zahlreichen Eisen- und Blechhämmern, namentlich in
-der +Schwarzenberger+ und +Eibenstocker+ Gegend. Seit 1561 finden wir
-die Torfstecherei im oberen Erzgebirge erwähnt. In der zweiten Hälfte
-des 16. Jahrhunderts wurden die +Marmorbrüche+ bei +Crottendorf+, 1583
-die +Serpentinsteinbrüche+ zu +Zöblitz+ begonnen. Auch hatte man im
-Jahre 1577 noch den Versuch gemacht, zu +Wolkenstein+ ein +Salzwerk+
-anzulegen, ohne damit jedoch einen Erfolg zu erzielen.
-
-Im nächsten Jahrhunderte vernichtete der Dreißigjährige Krieg den
-Bergbau im Obererzgebirge fast ganz.
-
- Nach W. Zöller.
-
-
-2. In späteren Jahrhunderten.
-
-Anfang des 19. Jahrhunderts zählte man auf dem Erzgebirge etwa 700
-Gruben mit gegen 12000 Bergleuten, während 50000 Menschen vom Bergbau
-lebten.
-
-Der Erzgebirgische Bergstaat bestand 1815 aus dem Oberbergamt und dem
-Oberhüttenamt zu Freiberg.
-
-Unter dem Oberbergamt standen die beiden Oberzehntner- und
-Austeilerämter in Freiberg und im Obergebirge, die Bergakademie
-und die Bergämter Altenberg mit Berggießhübel und Glashütte,
-Annaberg, Freiberg, Geyer mit Ehrenfriedersdorf, Johanngeorgenstadt
-mit Schwarzenberg und Eibenstock, Marienberg, Scheibenberg mit
-Oberwiesenthal und Hohenstein, Neugeysing, Bärenstein, Seiffen.
-
-Unter dem Oberhüttenamte standen alle Schmelzhütten und das Halsbrücker
-Amalgamirwerk. Dagegen waren die Saigerhütte Grünthal, das doppelte
-Blaufarbenwerk in Oberschlema, die Blaufarben-Kommunfaktorei in
-Schneeberg, das Pfannenstieler, Zschopauthaler und Schindlersche
-Blaufarbenwerk unmittelbar unter dem Geheimen Finanz-Kollegium.
-
-Unter der Verwaltung des Oberberghauptmanns Freiherr von Herder, 1821
-Berghauptmann, 1826 Oberberghauptmann, entwickelte sich auf Grund der
-alten Verfassung und eines edlen Standesgeistes ein außerordentlich
-reges bergmännisches Leben. Neue Maschinen wurden in Anwendung
-gebracht, das Schmelzwesen bedeutend verbessert, besonders seit der
-Einführung der Koaks im Hüttenwesen 1820, und das Ausbringen bedeutend
-erhöht, wenn es auch noch nicht den Umfang der neuesten Zeit erreichte.
-
-Im Freiberger Revier baute man auf Silber und Blei, im Altenberger auf
-Zinn und Eisen, im Glashütter auf Silber und Vitriol, schwefelsaure
-Metallsalze, im Marienberger auf Silber, etwas Arsenik und Zinn, in
-Geyer und Ehrenfriedersdorf auf Zinn, Vitriol und Arsenik, in Annaberg
-auf Silber und Kobalt, im Scheibenberger Revier, welches jedoch in
-dieser Zeit schon einging, auf Silber, Kobalt, Eisen, Arsenik, im
-Johanngeorgenstädter auf Silber, Eisen, Zinn, Vitriol, Schwefel, und im
-Schneeberger auf Silber, Kobalt, Wismut, Eisen, Vitriol, Schwefel und
-Arsenik.
-
- Nach Süßmilch.
-
-
-52. Die erzgebirgische Eisenindustrie.
-
-
-~a.~ Die Eisenhämmer.
-
-Die Hammerschmiede gehörten in früherer Zeit zu den Besonderheiten
-des Erzgebirges. Heute noch ist der Beiname »Hammer« bei manchem Orte
-gang und gäbe. Die »Hämmer« schmiedeten das Eisen nicht nur, wenn es
-heiß, sondern auch, wo es zu Hause war; sie waren bodenwüchsig, diese
-Eisenhämmer. St. Johann am Rotenberge bei Schwarzenberg, Irrgang an der
-böhmischen Grenze, Rehhübel und Henneberger Zug bei Johanngeorgenstadt,
-Vier Gesellen und Altermann beim Auersberge, Urbanus, Spitzleite bei
-Eibenstock, Schwalbener Zug und Roter Kamm bei Schneeberg, das sind die
-mächtigsten Eisenerzgangzüge, auf denen die Gewinnung jahrhundertelang
-bergmännisch betrieben wurde. Vielfach sind diese Gänge zu Tage
-ausgegangen: Frühzeitig hat man schon das Erz verwertet. Es ist
-wahrscheinlich, daß der Aufschwung der Eisenhüttenwerke im 16. und 17.
-Jahrhundert zu suchen ist. Im 16. Jahrhundert entstanden Muldenhammer,
-Unter- und Oberblauenthal, Wildenthal, Breitenbach, die Hämmer von
-Pöhla und Raschau. Im 17. Jahrhundert sind gegründet Carlsfeld und
-Wittigsthal. Vom Jahre 1660 stammt ferner die »Hammerordnung« Kurfürst
-Johann Georgs II. für die Blechhämmer in den Ämtern Schwarzenberg,
-Wolkenstein und Lauterstein. 1775 sind im Bezirke des Kreisamtes
-Schwarzenberg allein 18 Eisenhämmer, ohne die Waffen- und Drahthämmer,
-im Gange gewesen. Heutzutage sind von den alten Eisenhämmern
-noch Pöhla, Obermittweida, Erlahammer, Morgenröte, Rautenkranz,
-Schönheiderhammer als Eisengießereien vorhanden. Der Hohofenbetrieb hat
-ganz und gar aufgehört.
-
-Es muß in der Zeit der Blüte dieser Eisenhämmer ein gar reges Leben
-in den Gebirgsthälern gewesen sein. Da dampften die Hohöfen, die
-Gebläse pfauchten, und hell erklang der Schall der mit der Hand
-geschwungenen Hämmer zwischen den vereinzelteren dumpfen Schlägen
-des großen Hammers, den Wasserkraft in Hub setzte. In den niederen
-schwarzen Hütten rührten sie sich emsig, die rußigen Gestalten der
-Hammerschmiede, die um die Frischfeuer, die Ambosse und Gießstätten
-herum thätig waren. Sie bildeten eine echte und gerechte Zunft.
-Manche der ersten von ihnen im wilden Waldgebirge werden stellenweise
-ihr bißchen Eisenstein selbst erst gegraben haben, um es dann zu
-verschmelzen. Meist hatten sie jedoch nur sogenannte »Zerrennfeuer«
-und »Blauöfen«. Erstere sind Gebläseöfen gewesen, in denen nur Eisen
-geschmolzen werden konnte, auch in letzteren konnte nur Harteisen
-geschmolzen werden, doch sind die Blauöfen gewissermaßen als Vorstufe
-der Hohöfen anzusehen. Ende des 16. Jahrhunderts scheinen die ersten
-Hohöfen gebaut worden zu sein. Hammerschmiede hießen die Gesellen
-dieser Hammermeister. Mitte des 18. Jahrhunderts stellte man schon
-eiserne Kessel, Öfen, Ofentöpfe und dergleichen Gußwerke her. Im 17.
-Jahrhundert, im Jahre 1683, hat man zu Carlsfeld ein Eisenschmiedewerk
-angerichtet. Auch ein Pfannenschmiedewerk erstand. Die Hauptsache war
-aber die Herstellung der Bleche. An die Blechhämmer schlossen sich die
-zahlreichen Löffelschmiedereien an. Von diesem Gewerbe hat sich noch
-ein bedeutender Rest erhalten.
-
- Nach ~Dr.~ Jacobi.
-
-
-~b.~ In einer obererzgebirgischen Eisenhütte vor 50 Jahren.
-
-Jedes Hammerwerk hat wenigstens einen Leiter, welcher ein technisch
-gebildeter Mann sein muß, und einen Schichtmeister, dem das
-Rechnungswesen anvertraut ist, während ersterem die technische
-Leitung des Werkes obliegt. Zu dem Hohofen, in welchem der Eisenstein
-geschmolzen wird, gehören 1 Steinpocher, 2 Aufgeber, 2 Hohöfner und 1
-Schlacken- oder Wascheisenpocher. Ehe der Hohofen angeht, wird durch
-den Leiter der untere Teil des Hohofens eingebaut, was man Zustellen
-nennt; früher besorgte dies der Hohofenmeister. Bei einem Stabhammer
-oder Frischfeuer, in welchem das rohe, durch den Hohofen gewonnene
-Eisen ausgeschmiedet wird, arbeiten der Meister oder Frischer, der
-Vorschmied, der Einschmelzer und ein Junge; zuweilen bei französischen
-Feuern noch ein Fröner, welcher Vorschmiedsstelle dann mit versehen
-muß. Die Arbeit der Hammerschmiede ist und bleibt wohl eine der
-schwersten und schweißvollsten. Der Aufgeber muß in die Mündung des
-Hohofens, wo die Flamme hoch in die Höhe schlägt, Kohlen und Eisenstein
-schütten. Der Arbeiter in dem Frischfeuer steht neben dem Feuer, wo
-das Roheisen gefrischt und geschmolzen wird, und muß das glühende
-Eisen, mehrere Zentner schwer, herausnehmen, auf dem Amboß teilen und
-die Teile ausschmieden. Während des Schmelzprozesses verdient ein
-Hohöfner wöchentlich 3 Thaler, ein Aufgeber und Steinpocher 2 Thaler.
-Der Meister erhält rohes Eisen und Kohlen und muß dafür eine bestimmte
-Anzahl Stabeisen liefern. Hat er Überschuß, so ist der Gewinn sein,
-allein er darf den Überschuß nur an den Hammerherrn verkaufen. Liefert
-der Frischer nicht so viel Eisen, als er sich verbindlich gemacht hat
-zu liefern, so muß er das Fehlende bezahlen. Seinen Arbeitslohn erhält
-er nach dem Gewichte des ausgebrachten Stabeisens. In dem Zainhammer
-wird das Arbeitslohn nach der Wage bezahlt, d. h. je mehr Wagen Eisen
-die Arbeiter auszainen, desto mehr erhalten sie. Sie können ebensoviel
-verdienen, als die Arbeiter beim Frischfeuer oder Stabhammer. Da die
-Hammerschmiede während ihrer Arbeit einer großen Hitze ausgesetzt sind,
-so ist ihre Kleidung sehr einfach. Sie gehen meist nur im blauen Hemde
-und in leichten Hosen, welche ein langes Schurzfell festhält; früher
-gingen sie meist nur im bloßen Hemde, weil der glühende Sinter, der
-während der Arbeit herumspringt und mithin dem Arbeiter sehr oft auf
-den Leib gerät, leichter auf die Erde fällt, wenn er das Schurzfell
-lüftet. Das Rohschmelzen im Hohofen, das Toben der Hämmer, das Heulen
-und Pfeifen der Gebläse und dabei das pausenweise Aufschlagen der
-Gichtflamme, welches zur Nachtzeit dem Wetterleuchten ähnlich ist, die
-von Kohlenstaub geschwärzten Arbeiter mit starken, ausdrucksvollen
-Gesichtszügen, Zähnen wie Elfenbein, das Innere der Hände mit
-hufartiger Rinde, an welche sich die krummen, wenig gelenkigen Finger
-anschließen, kann uns das Gemälde des Dichters versinnlichen, wenn
-er von der Werkstätte des Vulkans und seiner Cyclopen schreibt.
-Ein königlicher Hammer-Inspektor führt die Aufsicht über sämtliche
-sächsischen Hammerwerke, geht den Werksbesitzern mit Rat an die Hand,
-nimmt etwaige Beschwerden entgegen und sieht die Betriebstabellen ein.
-
-Das Eisen, welches sich in 12stündiger Schicht im Hohofen angesammelt
-hat, fließt einem Feuerstrom gleich in einen trogartigen Sandgraben,
-welches Ablaufen, »Abstechen« heißt. Diese Masse erstarrt sehr bald und
-heißt eine »Ganz«, weil es eine ganze rohe Eisenmasse ist. Eine solche
-Ganz wiegt 3 bis 4 Zentner. Diese Gänze, sowie überhaupt das Roheisen,
-werden, wie erwähnt, verfrischt. Das Walzen der Stäbe geschieht, um
-aus den gefrischten, höchstens nur unter dem »Stirnhammer« etwas
-vorgeschmiedeten Eisenmassen die Stäbe herzustellen, oder um die schon
-unter dem »Aufwerfhammer« weiter ausgestreckten Kolben oder dicken
-Stöcke zu verfeinern. Im ersten Falle wendet man erst Präparierwalzen
-und nachher das eigentliche Stabwalzwerk an, im zweiten Falle
-gebraucht man letzteres allein. Die dünnsten Stäbe werden oft durch
-eine das Auswalzen an Schnelligkeit noch übertreffende Verfahrungsart
-dargestellt, indem man 3 bis 5 Zoll breite und 30 bis 40 Fuß lange
-gewalzte Schienen nach ihrer ganzen Länge in Streifen zerschneidet.
-Hierzu bedient man sich des Eisenspaltwerkes, der Schneidewalzen.
-
- Nach Elfried v. Taura.
-
-
-~c.~ Die Blechlöffelfabrikation.
-
-Man darf nicht glauben, als würde der Löffel mit einem Male vollendet;
-es gehen da eine Masse Arbeiten voraus, ehe er als solcher verkauft
-werden kann. Zunächst bezieht die Fabrik das Eisen für alle Gattungen
-von Löffeln von den Hammerwerken, wo es unter dem Namen Löffeleisen
-in Stäbe geschmiedet und nach der Wage verkauft wird. Der Fabrikant
-liefert dasselbe nach dem Gewichte an die Plattenschmiede, welche
-zerstreut in nahen und entfernt liegenden Ortschaften wohnen; diese
-verfertigen daraus die Platten, d. h. die ebenen, plattausgehenden
-Eisenstücke, die noch keine Vertiefung haben. Zwei solche
-Plattenschmiede können täglich gegen 24 und aus einer Wage etwa 36
-Dutzend Platten schmieden, die sie an den Fabrikanten wieder nach dem
-Gewichte abliefern. Nun kommen die Platten wieder in die Hände der
-zerstreut wohnenden Löffelmacher, welche sie austeufen, wozu sie einen
-Amboß, worauf die stählernen Modelle oder Formen befestigt und nach
-verschiedenen Größen und Gestalten eingelassen sind, und verschiedene
-Teufhämmer haben. Dann bringt man sie wieder zur Ablieferung. Täglich
-kann ein Löffelmacher 25 Dutzend abteufen. Endlich werden die Löffel
-ins Zinnhaus abgegeben, da verzinnt, dann mit Kleie gescheuert,
-sortiert und so vollendet aufs Lager und in den Handel gebracht.
-
- Nach Elfried v. Taura.
-
-
-53. Die Blaufarbenwerke.
-
-
-~a.~ Besuch eines alten Blaufarbenwerkes.
-
-Elfried von Taura schildert den Besuch eines Blaufarbenwerkes zu
-seiner Zeit wie folgt. Bei den Gesamt-Blaufarbenwerken, dem Schlemaer
-und beiden gewerkschaftlichen zu Pfannenstiel und dem Schindlerschen
-zwischen Aue und Schwarzenberg, ist die Einrichtung getroffen gewesen,
-daß kein Werk seine gefertigten Farben für sich verkaufte, sondern
-solche in das gemeinschaftliche Lager nach Leipzig und Schneeberg
-lieferte. Diese Bestimmung der gleichen Absendung der Farben besorgte
-der in Schneeberg wohnende Kommunfaktor. Die Ablieferung geschieht
-demnach von allen Werken zu gleichen Teilen, sodaß das Ganze als ein
-⁵/₅ betrachtet wird, wovon das königliche als Doppelwerk ⅖ und das
-Gesamt Privatwerk ⅗ abliefert. Die Werke haben das Recht, daß alle
-Kobalte, die im Lande gefunden werden, an sie verkauft werden müssen,
-und darum kommen in jedem Quartal Berg- und Blaufarbenwerk-Offizianten,
-zu welchen letztern die Faktore und Farbenmeister gehören, nach
-Schneeberg, um die Kobalte chemisch zu untersuchen und nach dem
-ausgefallenen Werte den Gruben die Kobalte zu bezahlen. Alle
-Kobalterze werden geröstet, gepocht, kalziniert und mit andern
-Materialien verschmolzen, um die blauen Farben zu bereiten. Jedes
-Farbenwerk hat seine nötigen Schürer oder Schmelzer, Gemengmacher,
-Kalzinierer, Waschstübner, Farbereiber, Oxydmacher u. s. w., die alle
-den gemeinschaftlichen Namen Farbearbeiter oder Farbebursche führen.
-Ihre Erzeugnisse sind Smalte, Safflor, Zaffers, Ultramarin. Zum
-Schmelzen des Kobaltglases dient ein besonders eingerichteter Ofen,
-in welchen Häfen aus festem, gutem Thon hineingebracht, in welche das
-Gemenge eingelegt wird, um dies eben darin zu Glas zu verschmelzen.
-Das Kobaltoxyd giebt mit Säure Salze, welche rot gefärbt sind.
-Die zur Herstellung der Farben nötigen Hauptmaterialien sind: die
-Kobalterze, Pottasche, Quarz, Arseniksäure als Zuschlag. Die Kobalterze
-sind entweder schon oxydiert oder müssen oxydiert werden. Dieselben
-werden zuvörderst gesaigert und dann geröstet, was in besondern
-Öfen geschieht; das geröstete Erz wird gesiebt und so zur weiteren
-Verarbeitung aufbewahrt. Der Quarz wird »gebrannt« und dann »gepocht«.
-Das Gemenge wird im Schmelzofen geschmolzen, was gewöhnlich 8 Stunden
-dauert. Ist die Masse flüssig, so schöpft man das Glas mit eisernen
-Löffeln und bringt es in einen daneben stehenden Trog mit Wasser zum
-»Abschrecken«. Unter dem Glase befindet sich im Schmelzhafen die
-leichter flüssige »Speise«, welche nicht »abgeschreckt«, sondern in
-eisernen Eingüssen, in Form von Schüsseln, hart an dem Ofen eingesenkt,
-aufgesammelt wird. Die abgeschreckten blanken Gläser werden aus dem
-Troge genommen und unter Pochstempeln gepocht, dann gesiebt, auf Mühlen
-mit Wasser vermahlen. Der so gewonnene Schlamm kommt in ein Waschfaß,
-wo die Abscheidung der Farben durch Niederschlagen erfolgt. Die über
-dem Niederschlage stehende Flüssigkeit wird in die »Eschelfässer«
-abgezapft, in denen man den »Eschel« gewinnt. Die gewonnene Farbe
-sowohl als der Eschel werden wiederholt von den Waschstübnern
-verwaschen, bis alles rein ist. Das trübe Wasser, vom Verwaschen der
-Eschel bläulichgrau aussehend, setzt zuletzt den schlechtesten Eschel
-in den »Sumpf« ab, d. i. »Sumpfeschel«, der den Glasgemengen wieder
-beigesetzt wird. Die Farben und Eschel werden getrocknet, sowohl in den
-geheizten Trockenstuben als auch von der Luft in Trockenhäusern, dann
-zerrieben und gesiebt.
-
-Jedes Werk wird verwaltet vom Faktor, dem bei dem königlichen Werke
-noch ein Chemiker, bei dem Privatwerke zu Pfannenstiel noch ein
-technischer Faktor (zugleich mit für das Schindlersche Werk) beigegeben
-ist. Die Farbenbereitung leiten die Blaufarbenmeister. Sämtliche
-Blaufarbenwerker müssen beim Läuten des Hüttenglöckleins punkt 5 Uhr
-im Werke eintreffen: zuerst wird gebetet und gesungen, um 6 Uhr ist
-alles in voller Thätigkeit. Abends um 6 Uhr, nachdem wieder gebetet und
-gesungen worden, wird Schicht gemacht. Die Arbeiter haben bei Paraden
-ihre besondere Tracht, bestehend in einem weißen Leinwandbergkittel
-mit blauem Steh- und Hängekragen, weißen Leinwandhosen, blauem Schurz,
-schwarzem Schachthut, den die Sachsenkokarde ziert. Die Offizianten
-haben nach ihrem Range ganz die Uniform wie die Bergoffizianten. Ihr
-Gruß ist »Glück auf«, ihre Zeichen sind Krücke und Kratze. -- Jeder
-Arbeiter beginnt seine Laufbahn als Taglöhner. Zeigt er sich als
-Taglöhner brav und brauchbar, so wird er »wirklicher Arbeiter« und darf
-nun als Auszeichnung die weiße Schürze bei der Arbeit tragen.
-
-
-~b.~ Sage von der Erfindung der Blaufarbenbereitung.
-
-Als im 16. Jahrhundert der Bergsegen des Obererzgebirges jährlich
-sich verminderte und überall ein Wehgeschrei über den Silberräuber,
-so oder Kobold nannte man das taube Erz, welches das Silberausbringen
-erschwerte, sich erhob, da kam Christoph Schürer, eines Apothekers Sohn
-aus Westfalen, landesflüchtig seines evangelischen Glaubens wegen, nach
-Schneeberg, wo er, als ein in der Chemie und Naturlehre wohlerfahrener
-junger Mann, bald eine Anstellung bei den Hütten fand. Schon wenige
-Tage nach seiner Ankunft gewann er die Liebe Annas, der Tochter des
-Hüttenmeisters Rauh, und bald auch durch sein einnehmendes Betragen
-das Jawort ihres Vaters, sodaß die Hochzeit auf das nächste Bergfest
-bestimmt wurde. Ehe aber das Bergfest kam, drohte Schürers Unstern
-alle seine Hoffnungen zu vernichten. Nämlich in seiner Forschgier war
-er auf den Gedanken geraten, den vielverrufenen Kobold, den verhaßten
-Silberräuber, durch chemische Zubereitungen zu etwas Nützlichem
-umzugestalten. Er machte demnach insgeheim in einer Schmelzhütte in
-Oberschlema vielfache Versuche, und trieb es damit oft die ganze Nacht
-hindurch, so eifrig, daß er bald in den Verdacht der Alchymisterei und
-Schwarzkünstelei geriet. Als daher aus Platten in Böhmen, wo er sich
-bei seinem früheren Aufenthalte daselbst durch seinen Glauben Feinde
-und durch seine Kenntnisse und sein Ansehen Neider gemacht hatte,
-mehrfache Klagen einliefen, daß er ein Zauberer, Dieb und Glaspartierer
-gewesen sei und man seine Auslieferung forderte, gebot der
-Bürgermeister, ihn zu verhaften. Eben war Schürer in der Schmelzhütte
-mit seinen Versuchen beschäftigt, da kam der Fron, ihn festzunehmen,
-fand aber die äußere Thür verschlossen und meldete es dem Bergmeister.
-Diesen, sowie den Hüttenmeister Rauh und einige Geschworne trieb
-jetzt die Neugier, mitzugehen. Die Thür wurde aufgesprengt, und mit
-freudefunkelnden Augen trat der gesuchte Verbrecher den Eintretenden
-entgegen. Aber wie staunte er, als der Fron ihn griff und ihn einen
-Zauberer, Dieb und Partierer schalt! »Männer,« rief er, schnell sich
-fassend, mit fester Stimme, »Männer, prüfet, ehe Ihr entscheidet!
-Meint Ihr, ich treibe bösen Unfug hier mit schwarzer Kunst, so tretet
-her! Seht, dies wollte ich gewinnen und, Gott sei Dank, endlich ist's
-gelungen! Ich meine, es soll dem Lande von großem Nutzen sein!« Somit
-reichte er ihnen eine Mulde voll feinen, schönblauen Staubmehles hin.
-Die Bergherren staunten und begehrten zu wissen, wie und woraus er
-solche schöne Farbe bereitet habe. Schürer zeigte ihnen alles willig
-und reinigte sich so von dem Verdachte, daß er ein Schwarzkünstler sei.
-Auch machte es dem Bergmeister so große Freude, daß derselbe versprach,
-alles zu thun, um Schürers Unschuld gegen die Anklagen der Böhmen zu
-erweisen. Dies gelang auch dem wackern Manne bald, und Schürer erhielt
-nun seine Freiheit wieder und kam durch die Erfindung der schönen
-blauen Farbe, die man anfangs nur blaues Wunder nannte, zu großen
-Ehren, und als das Bergfest gekommen war, wurde er des Hüttenmeisters
-glücklicher Eidam!
-
-
-54. Torfstecherei im Erzgebirge.
-
-Neben dem Filzteiche befindet sich eine beträchtliche Torfstecherei.
-Man hat schon ums Jahr 1708 im obern Erzgebirge Versuche mit Torfgraben
-gemacht, z. B. am Kranichsee bei Carlsfeld, bei Scheibenberg und
-Schneeberg. Aber kein Mensch wollte Torf kaufen, denn man hatte des
-Holzes genug; und so blieb es bei dem Versuche, der im Jahre 1756 fast
-ebenso erfolglos wiederholt wurde. Man gab da für 1000 Torfziegel zu
-stechen 10½ Groschen und verkaufte solche zu 21 Groschen. Aber die
-Macht des Vorurteils war so groß, daß man den Torf nicht einmal umsonst
-haben wollte, sodaß viele hunderttausend Stück Ziegel verdarben und
-zerfielen. Erst seit dem Jahre 1789 wurde auf wiederholte Anordnung des
-Finanzkollegiums die Torfstecherei am Filzteiche ordentlich in Gang
-gebracht, und im Jahre 1790 wurden auch Trockenhäuser und Kohlenschauer
-angelegt. Ein einziger Arbeiter konnte täglich über 1000 Stück stechen;
-sogar Kinder verdienten dabei ihr Brot, denn man bediente sich ihrer
-zum Zählen und Aufschlichten der Ziegel. Der Torf, ein aus Wurzeln
-bestehender Filz, ist schwarzbraun. Die Ziegel wurden in den 4 großen
-Trockenhäusern gedörrt und dann nach Schneeberg ins Torfmagazin
-geschafft. Man verkohlte deren viele Hunderttausende in Meilern zu
-36000 Stück. Im Jahre 1795 wurden 1000 Stück zu 8 Groschen verkauft.
--- Nicht weit vom Filzteiche ist auf Johannisgrüner Revier im Jahre
-1791 eine zweite Torfstecherei angelegt worden. Die Torffeuerung ist in
-Sachsen schon seit dem Jahre 1560 bekannt.
-
- Nach Schumann.
-
-
-55. Die Auer Porzellanerde.
-
-Bei Aue wurde noch am Anfange dieses Jahrhunderts in der +Fundgrube
-des Weißen St. Andreas+ weiße Thonerde bergwerksmäßig gewonnen und
-zur Verfertigung des Meißener Porzellans verwendet. Es fuhren außer
-dem Steiger täglich 32 Bergleute an. Die Erde oder das »Weiße Zeug«
-wurde getrocknet, von wilden Arten oder Beimischungen geschieden,
-und fässerweise wurden aller 14 Tage gegen 120 Zentner durch zwei
-verpflichtete Fuhrleute nach Meißen geschafft. Die Fässer waren
-umschnürt und wohlversiegelt. Die Erde durfte nicht außer Lande
-geschafft werden, ja auf der Zeche selbst bekam man sie kaum zu
-sehen. In die Gruben, Trocken- und Vorratshäuser durfte niemand ohne
-Erlaubnis. In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Ausfuhr des
-weißen Thons der Auer Gegend anfänglich bei großer Geldstrafe und
-im Jahre 1745 sogar beim Strange verboten. Im 7jährigen Kriege ließ
-Friedrich der Große mehrere Wagen voll Auer Erde nach Berlin schaffen,
-um sie untersuchen zu lassen, damit er in seinen Ländern nach ähnlicher
-graben lasse. Es entstand auch daraufhin die Berliner Porzellanfabrik.
-
- Nach Schumann.
-
-
-56. Die Spitzenklöppelei im Erzgebirge.
-
-
-~a.~ Barbara Uttmann.
-
- O rauhes Erzgebirge, von Sturm und Frost gewiegt,
- Wohl klagt die Armut, weinend an deine Brust geschmiegt.
- Doch reich wie du im Innern an stufigblankem Erz,
- Schmückt dich auch, gottergeben, manch treues Menschenherz.
-
- Doch all dein Seelenreichtum und all dein Herzenswert
- In einer Frauenblume ward wunderhold verklärt.
- Sie stieg aus deinen Gründen als tröstend mildes Licht,
- Das um den Herd des Elends das Band der Liebe flicht.
-
- Das Band der Menschenliebe: denn sieh, da Nächte lang
- Sie still in Mitleidsthränen nach Kraft von oben rang,
- Gott bittend, sie zu lehren ein Werk, das fromm und frei,
- Die fleiß'ge Hand belohnend, der Armut Labung sei.
-
- Sie, als sie stand früh morgens im kalten Kämmerlein,
- Durch winterliche Scheiben umhaucht von Frührotschein,
- Ihr dämmerdunkles Sinnen ward plötzlich auch zum Tag:
- »Ich hab's, ich hab's gefunden, wenn Gott mir helfen mag!
-
- Du blumiges Gewebe an dir, lieb Fensterlein,
- Du bist der Hauch des Engels, der mir will gnädig sein!
- Lehr' mich, gefrorner Odem, nachahmen dein Gewand --
- Gewonnen sei den Bergen die Kunst vom Niederland!«
-
- Und emsig, fromm und freudig regt Hand und Nadel sich.
- Vergeblich mancher Anfang, umsonst wohl mancher Stich!
- Doch endlich, fest und sicher, gelingt's dem treuen Fleiß.
- Es ranken sich zu Blumen die Spitzen fein und weiß!
-
- Und aus den Hütten jubelnd herbei kommt klein und groß.
- Welch emsig Müh'n und Schaffen rings um der Mutter Schoß!
- Herdflammen knistern fröhlich, die Müh lohnt fern und nah:
- Das kam vom Segenswirken der edlen Barbara!
-
- Zu Annaberg, im Kirchhof, leis' rauscht der Lindenbaum,
- In schlanken Wipfeln flüstert's, wie sel'ger Geister Traum.
- Treu dankbar netzt den Hügel der Armut Thränentau
- Und preist des Erzgebirges verklärte Engelsfrau!
-
- Richard v. Meerheimb.
-
-
-~b.~ Das Spitzenklöppeln im Obererzgebirge.
-
-Aus früherer Zeit wird uns über das Spitzenklöppeln im Erzgebirge
-folgendes Bild von +Berthold Sigismund+ entworfen:
-
-Im Obererzgebirge sieht man fast hinter jedem Hüttenfenster
-eifrige Klöpplerinnen. In der schönen Jahreszeit trifft man ganze
-Gesellschaften von klöppelnden Frauen, Mädchen und Kindern im Freien.
-Im Winter kommen die Klöppelmädchen abends zusammen und arbeiten
-gemeinschaftlich, wie anderwärts die Spinnerinnen. Die Haltung der
-Klöpplerinnen ist allerdings nicht sonderlich anmutig, indem sie beim
-Arbeiten den Oberkörper, ähnlich wie beim Schreiben, etwas vorbeugen.
-Die gewandten Bewegungen der Hände aber lassen sich ebenso schwer
-darstellen, wie der flüchtige Tanz der Finger des Klavierspielers.
-Die Handhabung der Nadeln beim Stricken ist nichts im Vergleiche zum
-Gebrauche der Klöppel beim Spitzenanfertigen. Die Verwunderung über die
-Kunstfertigkeit der Klöppelhände wird noch gesteigert, wenn man das
-äußerst schlichte Werkzeug sieht, dessen die Klöpplerin sich bedient.
-Sie sitzt vor einem walzenförmigen, einen Fuß langen, mit Kattun
-umhüllten Polster, dem sogenannten Klöppelsack oder Klöppelkissen,
-das mit einer großen Anzahl von Stecknadeln gespickt ist. Der
-Klöppel selbst ist ein 10 ~cm~ langes, zur Form eines Trommelstockes
-gedrechseltes Holzstück, über welches das »Tütle«, eine dünne hölzerne
-Hülse von 4 cm Länge, gesteckt ist, damit der um den Klöppel gewickelte
-Faden nicht beschmutzt wird. Einen solchen Klöppel mit Tütle kauft man
-um einige Pfennige. Das Köpfchen ziert eine Perle. Jede Klöpplerin
-sucht ihren Stolz in einer bunten Mannigfaltigkeit der letzteren. Zu
-schmalen Spitzen gehören 2--4, zu breiten wohl 100 Paare. Um die Mitte
-des Kissens ist ein Streifen starken Papiers, auf welchen das Muster
-durch Nadelstiche vorgezeichnet ist, der sogenannte Klöppelbrief,
-geschlungen. Zunächst werden soviele Fäden, als das Muster erfordert,
-auf ebensoviele Klöppel aufgewunden, die freien Enden in einen Knoten
-geschürzt und auf dem Kissen befestigt. Dann beginnt das Klöppeln,
-welches im wesentlichen nicht anders ist, als eine kunstvolle Art zu
-flechten. Die Arbeiterin faßt mit den Fingerspitzen bald der rechten,
-bald der linken Hand mehrere Klöppel, wickelt durch gewandte Drehung
-derselben etwas Faden ab und kreuzt die Fäden durch einen »Schlag« zu
-einer Art Knoten. Die so gebildeten Maschen werden zeitweilig durch
-bunte, glasköpfige Stecknadeln an dem Klöppelbriefe festgehalten.
-Rasch beseitigt nun die Hand diejenigen Klöppelpaare, welche eben
-gebraucht wurden und bis auf weiteres entbehrlich sind, dadurch,
-daß sie dieselben mit einer großen Aufstecknadel seitlich am Kissen
-feststeckt. Dann nimmt sie mit bewunderungswürdiger Sicherheit aus der
-Menge der Klöppel, die alle gleich aussehen und nicht an Nummern oder
-sonstigen Zeichen kenntlich sind, andere Paare heraus, um damit weiter
-zu arbeiten. -- Es ist begreiflich, daß die Fertigkeit, mit welcher die
-Klöpplerin für jede Nadel den rechten Klöppel findet und benutzt, nur
-durch Übung von frühester Jugend an errungen werden kann, weshalb auch
-Kinder schon im vierten und fünften Lebensjahre zu klöppeln anfangen.
-Auch sorgen für Erlernung der erzgebirgischen Kunst außer den Familien
-mehrere vom Staate unterstützte Klöppelschulen.
-
- Nach Berthold Sigismund.
-
-
-~c.~ Die Namen der Spitzenmuster.
-
- Erbsgrund, Batzen, Wickelkind,
- Töpfe, worin Blumen sind,
- Rohrstuhl, Mücken, Steingeränder,
- Wanzen und auch Schlangenbänder,
- Auch Pantoffeln, Hirschgeweih,
- Quärche, Schwanzbirn, Stickerei,
- Hummeln, türkisch zahm gemacht,
- Schneeball gar in schwarzer Pracht,
- Himmelswägel, Stiefelknecht,
- Maul vom Frosch -- ist auch nicht schlecht --,
- Katzenbuckel, Kuchenschieber,
- Wässerle, bald hell, bald trüber,
- Hacke, um das Kraut zu reißen,
- Kirchenfenster und Hufeisen
- Derart nennen, die da schwitzen
- An den Klöppeln, ihre Spitzen.
-
- Nach ~Dr.~ Otto Krause.
-
-
-~d.~ Maria im Erzgebirge.
-
-Ein armes Mädchen mußte durch Klöppeln für sich und die alte Mutter
-das kärgliche tägliche Brot erwerben. Da wurde ihm einst von der
-reichen Edelfrau, der Besitzerin ausgedehnter Güter und ihrer Herrin,
-der Auftrag erteilt, für sie in einer bestimmten kurzen Frist ein
-reiches Spitzenkleid zu fertigen. Wenn die arme Klöpplerin ihre Aufgabe
-pünktlich und zur Zufriedenheit ihrer Herrin löste, sollte ihr reicher
-Lohn werden; beim Gegenteile erwartet sie dagegen Spott und bitterer
-Hohn. Die arme Klöpplerin saß Tag und Nacht bei ihrer Arbeit. Doch
-als die sechste Nacht kam, da konnte sie sich nicht mehr des Schlafes
-erwehren, und sie wankte todmüde an das Bett der Mutter hin. Aber
-wunderbare Träume zogen jetzt wie ein Frühlingshauch durch ihre Seele.
-Die ärmliche Stube erglühte in rosenrotem Schein, und leise trat eine
-holde Frau ein mit einer goldenen Krone auf dem Haupte. Es war die
-Himmelskönigin Maria. Dieselbe setzte sich an das Klöppelkissen, und
-die Klöppel flogen so zauberhaft, wie es dem Mädchen nie gelungen
-war, sodaß vor Anbruch des Tages das reichste Spitzenkleid vollendet
-dalag. Als das also träumende Mädchen aus dem Schlafe erwachte, stand
-bereits die Sonne hoch am Himmel. In Wirklichkeit aber, wie der Traum
-es gezeigt hatte, war das Spitzenkleid fertig und die Klöpplerin trug
-es frohen Mutes hinauf zum Schlosse. Da freute sich die stolze Herrin
-und belohnte die Arbeit so reichlich, wie nie zuvor. In dem Kleide
-jedoch war Gottes Segen eingewoben, welcher in der Folge nicht nur der
-strengen Edelfrau, sondern auch der armen Klöpplerin zu teil wurde.
-
- Nach Bowitsch und ~Dr.~ Köhler.
-
-
-~e.~ Die jetzigen Klöppelschulen.
-
-In der Kreishauptmannschaft Zwickau bestehen 27 vom Staate
-beaufsichtigte und unterstützte Spitzenklöppelschulen. Die Orte, in
-denen sich die Schulen befinden, sind: Albernau, Aue, Bermsgrün,
-Breitenbrunn, Crandorf, Elterlein, Grünhain, Hammerunterwiesenthal,
-Haßlau (I und II), Hundshübel, Jöhstadt, Neustädtel, Oberwiesenthal,
-Planitz (I und II), Pöhla, Rittersgrün (I, II und III), Rothenkirchen,
-Schlema, Schneeberg, Schwarzenberg, Unterwiesenthal, Wilkau (Abteilung
-~A~ und ~B~) und Zschorlau. Diese Schulen wurden im Jahre 1896 von
-1303 Schülerinnen besucht. Der gesamte Arbeitsverdienst betrug
-30177 M 48 Pf, durchschnittlich 23 M 16 Pf. Die gesamten Einnahmen
-beliefen sich auf 22718 M 36 Pf und die Ausgaben auf 20717 M 51 Pf.
-Als Staatsbeihilfen wurden 15580 M gewährt. Das Gesamtsparguthaben
-der Klöppelschülerinnen bestand am Schlusse des Jahres 1896 in
-29935 M 45 Pf. In der Kreishauptmannschaft Dresden besteht nur eine
-Spitzenklöppelschule, nämlich in Brand bei Freiberg. Außerdem besteht
-in Schneeberg die Königl. Spitzenklöppelmusterschule.
-
-
-57. Der ehemalige Hausierhandel im Erzgebirge.
-
-Zahlreiche Erzgebirger früherer Zeit wanderten in jedem Jahre
-monatelang gleich Zugvögeln in die Fremde, um dann wieder zur
-heimischen Scholle zurückzukehren, die ihnen als das schönste
-Erdenfleckchen erschien und darum über alles teuer war.
-
-Die im Anschlusse an den erzgebirgischen Bergbau auf Eisen und andere
-Metalle betriebenen Gewerbe erzeugten eine mannigfaltige Menge von
-Gegenständen. Zahlreiche Bewohner fanden nicht nur unmittelbar beim
-Eisenbergbau, sondern auch in den Hammerwerken, Walz- und Drahtwerken,
-sowie bei der weiteren Bearbeitung des Eisens und Stahls zu Löffeln,
-Nägeln, Nadeln, Schneidewerkzeugen Beschäftigung und Brot. Neben
-den Waren aus verzinntem Blech wurden auch solche aus Schwarzblech
-gefertigt. Im Raschauer Grunde war die Nagelfabrikation ein
-Jahrhunderte alter Erwerbszweig.
-
-Alle die genannten Erzeugnisse der Handarbeit unserer Erzgebirger
-wurden nun von zahlreichen Personen im Kleinhandel vertrieben. So
-bildete sich ein Wanderleben, das lange Zeit eine Eigentümlichkeit
-vieler Bewohner des Erzgebirges gewesen ist. Schon 1628 besuchten die
-+Bockauer+ mit hölzernen und blechernen Waren die Jahrmärkte viele
-Meilen weit. Im 17. Jahrhunderte führten die Händler auch Eisenwaren
-mit sich.
-
-Die mit Blechwaren hausierenden +Schönheider+ nannte man
-»Röhrenschieber«. Mit ihnen waren es auch +Bärenwalder+, +Bernsbacher+
-und +Beierfelder+, welche auf Schiebkarren oder kleinen selbstgezogenen
-Wagen die schwarzen Blech- und Eisenwaren von Ort zu Ort fuhren und so
-lange von ihrem Dorfe fortblieben, bis sie alles verkauft hatten.
-
-Neben den Haarnadeln und anderen in das Nadlergewerbe einschlagenden,
-aus Stahl gefertigten Gegenständen lieferte Oberwiesenthal vor etwa
-100 Jahren besonders auch Stecknadeln, zu denen der Messingdraht aus
-Rodewisch bezogen wurde.
-
-Unter den von erzgebirgischen Hausierern geführten Waren sind auch
-Farben aus den obererzgebirgischen Blaufarbenwerken gewesen.
-
-Als Landreisende können wir die Bergfertigen, alten oder kranken
-Bergleute bezeichnen, welche mit Nachbildungen von Berg- und Pochwerken
-umherzogen, um sie bei Jahrmärkten auf den Straßen, in Wirtsstuben oder
-in den Schulen zu zeigen und zu erklären.
-
-Als der Bergbau erlag, wandte man sich vielfach anderer Beschäftigung
-zu. Zunächst bot der Wald mit seinem billigen Holze dazu Gelegenheit.
-Aus kleinen Anfängen entstand die Holzwarenindustrie. »Seiffner
-Waren« nannte man die Schachteln, Nadelbüchsen, Knöpfe, Spindeln und
-dergleichen. Im Vogtlande nicht nur, auch im Erzgebirge und besonders
-im Amte Schwarzenberg fanden viele Bewohner durch Pechsieden und
-Rußbrennen Beschäftigung und Verdienst.
-
-Die Rußbuttenmänner zogen Handel treibend im Lande umher. 1501 erhielt
-Wilhelm von Tettau durch den Kurfürsten Friedrich den Weisen die
-Belehnung über die Pechwälder der Herrschaft Schwarzenberg. In der
-Neuzeit ist das Pechsieden untersagt.
-
-Wie die Rußbuttenmänner, so sind auch die Bernsbacher, Beierfelder,
-Neuhausener, Oberwiesenthaler und Wolkensteiner Händler mit
-Feuerschwamm verschwunden. Der aus Buchenschwämmen bereitete
-Feuerschwamm wurde nicht nur auf Messen und Jahrmärkten, sondern auch
-im Hausierhandel verkauft.
-
-In +Lauter+ bildet noch gegenwärtig die Korbflechterei einen
-hervorragenden Erwerbszweig. Nicht nur aus Weidenruten, auch aus
-Holzspänen und Wurzeln verfertigt man Körbe.
-
-Besonders zahlreich waren die mit allerhand Arzneien, Ölen
-umherziehenden Händler. Ihre Absatzgebiete waren außer den sächsischen
-Erblanden die Ober- und Niederlausitz, Thüringen, Bayern, Mecklenburg,
-Polen, Schwaben, Schweden, selbst die Türkei. Ausgedehnt war besonders
-der Handel mit Schneeberger Schnupftabak. Der Hauptort seiner
-Herstellung war Bockau. Aus heilkräftigen Kräutern wurden allerhand
-Arzneien von den »Laboranten« hergestellt. 1782 waren in Bockau 20
-»Laboratorien« im Gange. Noch 1799 beschäftigten sich 41 Personen mit
-Herstellung von Arzneien oder dem Wurzel- und Kräuterhandel. Der Handel
-blühte besonders am Anfange unseres Jahrhunderts in Bockau, Eibenstock,
-Sosa, Jöhstadt, Jugel, Neudorf, Crottendorf, Johanngeorgenstadt,
-Hundshübel, Lauter, Schneeberg.
-
-Von dem Boden und seinen Erzeugnissen unabhängig entstanden die
-Spitzenklöppelei, Posamenten- und Bürstenfabrikation. Auch diese
-Erwerbszweige waren auf die Hausierer angewiesen, welche die Waren an
-den Mann brachten.
-
-Viele Hunderte zogen noch am Anfange unseres Jahrhunderts fast den
-größten Teil des Jahres mit Blechwaren, blauer Farbe, Schwefel, mit
-Spielzeug, Bändern und Spitzen, mit Schneeberger Schnupftabak, Pillen
-und Pflastern, Schönheider Pinseln und Bürsten umher. Aber zum Winter
-kehrten sie heim, wie die Strichvögel, und verzehrten, umnebelt von
-Dünsten des vaterländischen Bodens, von Hütten und Hohofendampf, und
-oft in verschneiter Heimat den sauer erworbenen Verdienst mit Weib und
-Kind.
-
- Nach ~Dr.~ Köhler und Engelhardt.
-
-
-58. Die erste Baumwollspinnerei Sachsens.
-
-Die Zeiten, in welchen die Hausfrau mit ihren Töchtern und Mägden
-während der langen Winterabende am Spinnrade saß und spann,
-sind vorüber; nur dem Namen nach hat sich das Andenken daran in
-verschiedenen Gegenden erhalten. »Sie geht zu Rocken,« sagt man wohl
-noch heutzutage im Gebirge, wenn die Nachbarin die andere besucht;
-indes hier ist an Stelle des Spinnrades und des Rockens oder der
-Kunkel das »Böckel« getreten, worauf die »schwarze Arbeit«, welche zum
-Verzieren der Frauenkleider dient, aufgerollt wird. In den Dörfern
-des oberen Vogtlandes wird noch immer fleißig Leinengarn gesponnen,
-von den ländlichen Webern gewebt und gebleicht, zu Leib-, Tisch- und
-Bettwäsche, sowie indigoblau gefärbt, zu Schürzen und Taschentüchern
-verwendet. Das in den altdeutschen Einrichtungen unseres Jahrzehntes
-aufgestellte Spinnrad ist bloß ein stilvolles Zierstück. Das Spinnen
-der Baumwolle dagegen besorgen die großen Spinnereien, die sich überall
-in unserem Gebirge, wo irgend eine genügende Wasserkraft vorhanden war,
-angesiedelt haben. Und doch sind noch nicht hundert Jahre verstrichen,
-seitdem es überhaupt in Sachsen Spinnereien giebt!
-
-Die Erfindung der Maschinenspinnerei ist bekanntlich eine englische;
-man schreibt sie gewöhnlich Richard Arkwright zu. Doch haben spätere
-Nachforschungen ergeben, daß Arkwright wohl ein großer Verbesserer,
-aber nicht der Erfinder der Spinnerei gewesen ist. Schon im Jahre
-1730 spann Wyatt in Litchfield einen Baumwollfaden ohne Hilfe der
-Finger; doch hatte sein Versuch keine weiteren Folgen. Im Königreiche
-Sachsen waren in den 80er und 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts
-kleine Handmaschinen zum Spinnen der Baumwolle in Gebrauch. Gegen
-Ende des Jahrhunderts führte Karl Friedrich Bernhard das englische
-Spinnereisystem in Sachsen ein. Seine Maschinen waren Mulemaschinen;
-sie wurden in einem dazu errichteten Gebäude in Harthau bei Chemnitz
-durch einen Engländer, Namens Watson, aufgestellt. Da Watson als
-bloßer Maschinenbauer die Maschinen nicht in Gang zu bringen wußte,
-namentlich, so wird erzählt, die Trommelschnur nicht aufzuziehen
-verstand, wurde im März des Jahres 1802 der englische Spinner Evan
-Evans herübergezogen, der auch alsbald auf den Maschinen Garn spann.
-K. F. Bernhard hatte sich im Jahre 1801 mit seinem Bruder Ludwig
-vereinigt, und sie führten die Firma: Gebrüder Bernhard.
-
-Evan Evans war 1765 in Llangeblidt in Caernavonshire in Nord-Wales,
-Großbritannien, geboren und kam aus Manchester 1802 im März als
-Werkmeister nach Harthau. Bei Gebrüder Bernhard, denen das Verdienst
-des Unternehmens gebührt, spann er auf neu von ihm hergestellten
-Maschinen die ersten Mulgarne, erfand hier die so weit verbreitete
-Spindelschleifmaschine, ehe eine dergleichen in England vorhanden
-war, erhielt auch dafür von der sächsischen Staatsregierung außer 400
-Thalern Prämie eine Verdienstmedaille. Er war zugleich der Lehrer der
-ersten Spinner in Sachsen. Im Jahre 1806 fing er an, zu Dittersdorf
-selbständig sich mit Maschinenbauen zu beschäftigen, wählte aber 1809
-Geyer zur Fortsetzung seiner zu immer höherer Anerkennung gelangenden
-Arbeiten. Evan Evans fertigte die Maschinen für eine Menge neu
-entstehender Fabriken in Erfenschlag, Wolkenburg, Wegefahrt, Mühlau,
-Lugau, Plaue, Schlettau u. a., auch für viele kleinere Unternehmungen
-im Erzgebirge und im Vogtlande, sowie in und um Chemnitz. Im Jahre 1810
-brachte er die selbsterfundene, später vielfach nachgeahmte Maschine
-zum Cylinderreifeln am Wasser in Gang, während man sich damals selbst
-in England noch der Handarbeit dazu bediente. Zwei Jahre später legte
-Evans den Grund zu seiner eigenen Fabrik in Siebenhöfen. 1823 brachte
-er die erste sächsische Spulmaschine (Flyer) nach eigener Erfindung
-in Gang und empfing dafür von der Regierung eine Belohnung von 500
-Thalern. Ebenso erfand er eine andere Spulmaschine zum Abwickeln des
-Garns, deren Nachahmungen weit verbreitet waren. Auf der Dresdener
-Ausstellung von sächsischen Gewerbeerzeugnissen erhielt der rührige
-Spinnmeister und Fabrikbesitzer die Große silberne Medaille auf ein
-Bündel von baumwollenem, rohem, zweidrähtigem Zwirn. Der amtliche
-Bericht meldet darüber, daß die ausgezeichnete Beschaffenheit des
-Fadens, sowohl hinsichtlich der Gleichmäßigkeit, als auch der
-Haltbarkeit alles zu übertreffen scheine, was bisher in dieser Art in
-Sachsen geleistet worden sei. Evan Evans ist in einem Alter von 79
-Jahren am 9. Dezember 1844 gestorben und auf dem Friedhofe neben der
-Hauptkirche zu Geyer beerdigt worden.
-
-Der Ruhm der Evansschen Spinnerei lebte unter Eli Evans, einem Sohne
-des Gründers, lange Zeit fort. 1845 erhielt die Spinnerei auf der
-Dresdener Ausstellung die goldene Medaille für die zweidrähtigen Zwirne
-(~Lacedreath~) Nr. 70 bis Nr. 120. Sie erschienen nicht nur an sich
-vollkommen, sondern auch in dieser Vollkommenheit und in Darstellung
-der höheren Nummern in ganz Deutschland als einzig in ihrer Art, und
-auch die Preise stellten sich verhältnismäßig billig. Eli Evans war
-Mitglied der sächsischen Kammer und des deutschen Parlaments.
-
-Evan Evans war im Kreise seiner Bekannten geschätzt und verehrt als ein
-Mann von seltener Redlichkeit und Hoheit der Gesinnung, bewährt unter
-allen Wechseln der Zeit. Pastor Blüher hat in der »Leipziger Zeitung«
-zur Errichtung eines +Denkmals+ für Evan Evans aufgefordert. Dasselbe
-sollte an der Stelle, wo der um Sachsen hochverdiente Mann seinen
-letzten Schlummer schläft, in Geyer, errichtet werden, wo er sich
-durch Thätigkeit seines rastlosen Geistes die Mittel zur Begründung
-der eigenen Fabrik in dem angrenzenden Siebenhöfen erworben, in Geyer,
-welches ihm immer als seine zweite Heimat galt, und wo er sich neben
-Gattin und Enkeln seine Ruhestätte gewählt hatte.
-
-Die erwerbslosen Jahre ließen den Vorschlag Blühers nicht zur Reife
-gedeihen. Der gesammelte Betrag wurde zu einer +Evansstiftung+ an den
-technischen Staatslehranstalten in Chemnitz verwendet. Die Saat, die
-Evans gestreut, grünt und blüht noch heute im Erzgebirge und im ganzen
-Königreiche Sachsen fort. Zwar ist in dem mächtigen, von dorischen
-Halbsäulen flankierten Baue in Siebenhöfen jetzt eine Pappenfabrik und
-Prägeanstalt untergebracht, aber es haben sich doch an den Ufern der
-Zschopau und ihrer Zuflüsse, zu denen auch der Geyersche Stadtbach zu
-rechnen ist, der kurz unterhalb der »Evansschen« Fabrik einmündet, die
-größten und bedeutendsten Spinnereien des Sachsenlandes angesiedelt.
-
-Zu den beiden Faktoren, Steinkohle und Eisen, welche die Welt regieren,
-ist als dritter die Baumwolle hinzugekommen. Der dünne, baumwollene
-Faden bildet eine starke Kette von Erdteil zu Erdteil, von Volk zu
-Volk, von Werkstatt zu Werkstatt. Tausend fleißige Hände müssen sich
-regen, ehe die Baumwolle verarbeitet zu dem Pflanzer und Erbauer
-derselben zurückkehrt. Ein Neger z. B. arbeitet in einer Plantage
-Brasiliens. Die gewonnene Baumwolle wird dem Händler eingeliefert,
-wandert über den Ozean und kommt in eine erzgebirgische Spinnerei.
-Als gesponnenes Garn geht sie nach Thum, wird hier gewirkt, und eine
-Chemnitzer Weltfirma schickt sie über das Weltmeer zurück nach Amerika,
-und hier gelangt sie schließlich als Strumpf wieder in die Hände
-desjenigen Negers, welcher sie seiner Zeit als Wolle in der Kapsel von
-der Staude pflückte.
-
- Nach Lungwitz.
-
-
-59. Die gegenwärtigen Industriezweige im oberen Erzgebirge.
-
-Im 16. Jahrhunderte verpflanzten ausgewanderte Schweizer die Musselin-
-und Schleierweberei nach dem Vogtlande und dem daranliegenden
-Erzgebirge. Nach den Drangsalen des Dreißigjährigen Krieges vermehrte
-sich die Bevölkerung hier eher wieder, als in anderen, weit besser
-gelegenen Landschaften. Wesentlich trug dazu die Einwanderung von
-böhmischen Protestanten bei, welche, ihres Glaubens wegen aus der
-Heimat vertrieben, sich in den verödeten erzgebirgischen Orten
-ansiedelten und neuen Unternehmungsgeist und neue Arbeitskraft
-mitbrachten. Während in anderen Bezirken damals manches zerstörte
-Dorf als Wüstung liegen blieb, entstand im Erzgebirge sogar eine neue
-Stadt, Johanngeorgenstadt; denn dieses ist nur wenige Jahre nach
-dem Westfälischen Friedensschlusse, im Jahre 1654, von böhmischen
-Vertriebenen angelegt worden.
-
-Doch half auch zur Hebung des Gebirges, daß in den nächsten Jahrzehnten
-neue Erwerbszweige aufkamen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde
-Chemnitz und Umgegend der Sitz einer bedeutenden Baumwoll-Industrie,
-der sich später die Wollindustrie anschloß. Der damalige Faden war
-Handgespinst, und es mußten Tausende von Leuten sich rühren, um
-den Bedarf an Garn zu decken. Später fertigte man den Faden auf
-Handmaschinen, von denen jede 10--30 Spulen zählte. Noch zu Anfange
-unseres Jahrhunderts gab es 18000 Menschen, welche auf solche Art
-Baumwolle spannen. -- Zu der Spinnerei gesellte sich die Weberei und
-Strumpfwirkerei. Vor dem Dreißigjährigen Kriege hatte in Chemnitz
-außer der Leinweberei die von Niederländern eingebürgerte Tuchmacherei
-geblüht. Nunmehr wandte man sich mit Erfolg der Baumwollweberei zu und
-fertigte anfangs 1717 Barchent und dann 1725 Musseline und Kattune und
-allerlei bunte Waren. Fünfzig Jahre nach dem Betreten der neuen Bahn
-mögen in und um Chemnitz 2000 Handstühle in Thätigkeit gewesen sein.
-Die Strumpfwirkerei war in Chemnitz schon 1728 eingeführt worden. Sie
-gewann aber erst große Bedeutung, als es dem Kaufmann Esche in Limbach
-1776 gelungen war, mit Hilfe zweier geschickter Arbeiter den von dem
-Engländer Lee erfundenen Strumpfwirkerstuhl nachzubauen.
-
-Auch das erzgebirgische Frauengewerbe erhielt im Laufe des 18.
-Jahrhunderts eine Zugabe. Die aus Bialystock gebürtige +Klara
-Angermann+, welche sich mit dem Förster Nollain in Eibenstock
-vermählte, hatte in einem polnischen Kloster das Tambourieren oder
-Sticken mit einer Häkelnadel gelernt und verpflanzte es 1775 nach
-Eibenstock.
-
-Rechnet man zu dem allen, daß der Bergbau durch die 1765 in Freiberg
-errichtete Bergakademie zur Wissenschaft erhoben wurde und man nun
-im stande war, einen größeren »Teufen« abzubauen und minder edle
-Erze zu verhütten, so wird man begreifen, daß schon im verflossenen
-Jahrhunderte das Erzgebirge ein Hauptindustriegebiet für Sachsen, ja
-für ganz Deutschland wurde. Dabei ist jedoch anzuerkennen, daß die
-Großindustrie erst seit Anwendung der Maschinen und der Einführung des
-fabrikmäßigen kaufmännischen Betriebes entstanden ist. Der Gebrauch der
-Spinnmaschine, die 1775 durch +Richard Arkwright+ in England verbessert
-wurde, die Anwendung des Jacquard- und des Kraft- oder mechanischen
-Webstuhles wirkten entscheidend. Trotzdem daß die Handspinnmaschinen in
-die Rumpelkammer verwiesen, das Weberschifflein der Hand des Arbeiters
-entzogen und der gewöhnliche Strumpfwirkerstuhl auf gewisse Arbeiten
-beschränkt wurde, so wuchs die Erzeugung von Waren doch ungemein und
-wurden überhaupt viel mehr Leute beschäftigt denn früher.
-
-Auch bei der Klöppelei und Stickerei traten Maschinen auf, so die
-1809 von Heathcoat in Nottingham erfundene und rasch vervollkommnete
-Bobbinetmaschine, welche einfache Spitzen sehr billig herstellt, und
-ferner die von den Schweizern aufgebrachte Stickmaschine, welche
-200--500 Nadeln durch einen Hebeldruck in Bewegung setzt und darum
-nicht zu verwickelte Muster um einen geringen Preis liefert. Beide
-Maschinen machten der Frauenarbeit gefährlichen Wettbewerb, drückten
-die Löhne herab und drohten, der weiblichen Hand, welche früher das
-Spinnrad und neuerdings durch die Strick- und Nähmaschine fast das
-Strick- und Nähzeug verloren hat, auch den Klöppel und die Sticknadel
-zu entwinden. Aber durch den Übergang zu künstlicheren Mustern und die
-Verbindung von Maschinen- und Handarbeit ist es ihr dennoch gelungen,
-sich neben und mit den Maschinen zu behaupten.
-
-Im Sehmathale herrscht die Posamentenerzeugung als Hausindustrie und
-zieht sich in starkbevölkerten Dörfern über Annaberg und Buchholz
-bis zu dem Fichtelberge hinauf, an dessen Fuße die vier Städtlein
-Wiesenthal liegen. Die Mannigfaltigkeit der Posamentenerzeugung läßt
-sich nur andeuten; alles, was Kleiderbesatz und Garnitur heißt,
-Ornamente, Knopf, Borte, Franse, Quaste, Schnur, wird gewirkt und
-geschlungen, gedreht und genäht. Geht das Geschäft flott, wie
-1844--1849, in den 60er Jahren, auch in den ersten 70er Jahren
-noch, dann sind Tausende von Posamentierstühlen, Hunderte von
-Mühlstühlen und Chenillemaschinen im Gange. Im Jahre 1863 hat ein
-Annaberger Geschäft für 600000 Mark umgesetzt. Die Jahresausfuhr
-nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika, welches ein Konsulat
-in Annaberg unterhält, beträgt ungefähr 5½ Mill. Mark. Annaberg hat
-über 100, Buchholz 30 Posamenten- und Spitzenhandlungen, Buchholz
-100 Posamentenfabrikanten und Verleger. In Annaberg wohnen über
-600, in Buchholz über 450 Posamentierer. In beiden Städten giebt es
-zusammen 20 Schnurenfabriken. Besonders merkwürdige Erzeugnisse sind
-Gold- und Silberspitzen in Annaberg und Kleinrückerswalde, sowie
-gedrehte und geklöppelte Theater- und Uniformschnüre. Je nach der
-herrschenden Mode werden fast auf dem ganzen Gebirge durch Frauen-
-und Kinderhände Zwirn-, Woll- und Seidenspitzen geklöppelt. Der
-Verdienst der Klöpplerinnen ist sehr gering, dennoch mögen manchmal
-im Annaberg-Buchholzer Arbeitsbezirke 20000 Klöppelkissen in
-Thätigkeit gewesen sein. Neue Geschäftszweige, welche bei gänzlichen
-Modeveränderungen und umfänglichen Geschäftsstockungen allgemeine
-Notstände nicht mehr aufkommen lassen, sind beispielsweise in
-Buchholz durch 8 Kartonnagenfabriken und 6 Prägeanstalten vertreten.
-Da werden Pappkartons, von den einfachsten Apothekerschächtelchen
-bis zu den feinsten Bonbonnieren und Ostereiern, mit kostbaren
-Stickereien und Gemälden, Holzkästen, von den billigsten Sparbüchsen
-und Federkästchen bis zu den schönsten Schreibschatullen, Zigarren-
-und Nähkästen hergestellt. Die Prägeanstalten liefern aus Gold- und
-Silberpapier Sargverzierungen, welche das letzte Haus der Sterblichen
-mit Randschmuck und sinnigen Bildern und Inschriften bedecken und in
-teueren Formen besonders in Österreich, Ungarn, Spanien und Südamerika
-beliebt sind, und fertigen aus Silber- und Papierkanevas tausenderlei
-Unterlagen zu Stickereien, von den Buch- und Lesezeichen an bis zu
-Lampen-Tellern und -Schirmen, Papierlaternen, Puppenstubenmöbeln und
-dergleichen. Sie bringen »papierne Zinnsoldaten«, unter dem Christbaume
-aufzustellende »Krippen«, »Christgeburten«, Jagden u. a. in den
-Handel. Holzbildhauerwerkstätten liefern Schrankgesimse und Leisten,
-Sargfüße und Flaschenpfropfen und dergleichen. -- Andere Geschäfte
-versenden Kränze von Moos und trockenen Blumen, andere wieder Sträuße,
-Borten und Kartons, Papier-Manschetten und -Spitzen. Auf eigenartigen
-Stühlen werden Perlengewebe, Sessel, Kissen, Ofenschirme und Fußbänke
-angefertigt, ein Ersatz kostspieliger Stickereien.
-
-In der ganzen Umgegend von Annaberg und Buchholz ist denn auch
-die Landwirtschaft von untergeordneter, die Industrie von weit
-überwiegender Bedeutung. Ja, bezeichnend genug für die späte und doch
-so schnelle Entwickelung des Obererzgebirges ist es, daß man auf der
-alten Poststraße, ohne mehr als zwei Dörfer zu berühren, zwölf Städte
-besuchen kann: Annaberg, Buchholz, Schlettau, Scheibenberg, Elterlein,
-Zwönitz, Geyer, Thum, Ehrenfriedersdorf (Stadt), Wolkenstein,
-Marienberg, Zöblitz.
-
- Nach Prof. Berlet und ~Dr.~ Manke.
-
-
-60. Ehrentafel berühmter Obererzgebirger.
-
-Das obere Erzgebirge ist die Heimat oder der längere Aufenthaltsort
-einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten gewesen, die für die
-Kulturentwickelung unseres engeren und weiteren Vaterlandes nicht
-ohne Bedeutung geblieben sind. Zu ihnen gehören +Barbara Uttmann+,
-die das Spitzenklöppeln 1561 in +Annaberg+ bekannt machte, und +Klara
-Angermann+, welche in +Eibenstock+ 1775 das Tambourieren einführte.
-1589 schon hat +Georg Einenkel+, angeblich aus +Dünkelsbühl+ in
-Schwaben, das Posamentiergewerbe in +Buchholz+ eingeführt. 1776
-gelang es dem Kaufmann +Esche+ in +Limbach+, den Strumpfwirkerstuhl
-den Engländern nachzubauen. In der Nähe von +Geyer+ errichtete 1812
-in +Siebenhöfen+ der um die sächsische +Baumwollenspinnerei+ sehr
-verdiente +Evan Evans+ die erste Baumwollenspinnerei in Sachsen.
-
-Aber außerdem giebt es noch eine Anzahl bekannter Männer des
-Obererzgebirges, die auf Kunst und Wissenschaft, auf das ganze
-Geistesleben des sächsischen Volkes nicht ohne Einfluß geblieben
-sind. Wir gedenken des 1492 geborenen Rechenmeisters +Adam Ries+ aus
-+Staffelstein+, der seine Rechenwerke in Annaberg als Bergbeamter
-schuf. Ferner haben wir den berühmten Rektor der Annaberger
-Lateinschule, +Johannes Rivius+, der 1552 in Meißen starb, zu nennen.
-In +Grünhain+ wurde 1586 +Johann Hermann Schein+ geboren, der Dichter
-des Liedes: »Mach's mit mir, Herr, nach deiner Güt'.« 1619 ist der
-Dichter des Liedes: »Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort
-anzuhören«, +Tobias Clausnitz+, in +Thum+ geboren worden. 1726 wurde
-zu +Annaberg+ der berühmte Kinderfreund +Felix Weiße+ geboren. 1674
-stellte in +Annaberg+ auf der Münzgasse in dem ihm vom Kurfürsten
-+Johann Georg II.+ überlassenen Münzgewölbe der Chemiker +Kunkel+, als
-einer der allerersten, +Phosphor+ her.
-
-Zu den erwähnten fügen wir hier noch die Namen eines +Mykonius+,
-+Sarcerius+, +Pufendorf+, +Gottfried Arnold+, +Kramer+ und +Duflos+.
-
-
-1. Mykonius, ein Geschichtsschreiber der Reformation.
-
-+Friedrich Mykonius+, eigentlich Mekum genannt, gehört zu der Reihe
-der deutschen Kirchenreformatoren. Am 24. Dezember 1491 ist er zu
-+Lichtenfels+ in Oberfranken geboren. Er gehört zu den bekanntesten
-Schülern der Annaberger Lateinschule und ist als solcher schon berühmt
-geworden durch sein bekanntes Gespräch mit Tetzel. 1510 trat er ins
-Annaberger Franziskanerkloster ein, später in das zu Weimar. Er
-gehört zu den ersten und eifrigsten Anhängern Luthers. 1524 ward er
-evangelischer Pfarrer in Gotha. Am 2. Juli desselben Jahres predigte er
-in Buchholz unter großem Andrange. Am 4. Mai 1539 hielt er in Annaberg
-die erste evangelische Predigt. Als Superintendent von Gotha wirkte
-er für die Einführung der Reformation in Thüringen, sowie in Leipzig,
-wohin er 1539 berufen ward. Er nahm am Marburger Religionsgespräche
-1529, an dem Schmalkaldner Tage 1537 und auch am Hagenauer
-Religionsgespräche 1540 teil. Gestorben ist er 1546. Seine Geschichte
-der Reformation erschien erst 1715 zu Gotha.
-
- Nach Ledderhose.
-
-
-2. Sarcerius, der Reformator Nassaus.
-
-Am 28. November 1501 wurde in +Annaberg+ einem schlichten Bergmanne
-Namens +Scheurer+ ein Sohn geboren; das war der ehedem berühmte
-+Erasmus Sarcerius+, wie sein Name lateinisch lautet. Der junge
-Sarcerius besuchte die Lateinschulen Annabergs und Freibergs. In
-Leipzig und Wittenberg studierte er Philosophie und Theologie.
-Er gehört zu den eifrigsten Anhängern Luthers und seines
-Reformationswerkes. Mehreren Schulen hat später Sarcerius entweder
-als Konrektor oder Rektor vorgestanden; es waren Schulen in Rostock,
-Lübeck, Dillenburg, Wien und Graz. In Österreich hielt er sich nicht
-dauernd auf, weil er wegen seines Glaubens Anfeindungen ausgesetzt war.
-Er kehrte nach Lübeck zurück, wo seit 1531 die Reformation eingeführt
-worden war. Der Graf +Wilhelm der Reiche von Nassau+ berief ihn
-in sein Land als Oberpfarrer, weil er die Reformation einzuführen
-gedachte. Sarcerius wirkte in Nassau erfolgreich zu diesem Zwecke. Da
-er sich aber dem 1548 von Kaiser +Karl V.+ aufgestellten »Interim«
-nicht fügte, ging er, seines Amtes entsetzt, nach Annaberg. 1549 ward
-er Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche, 1554 Pfarrer in Eisleben und
-1559 Superintendent in Magdeburg. Am 28. November 1559 starb er. Er hat
-zahlreiche Schriften hinterlassen.
-
- Nach ~Dr.~ Röselmüller.
-
-
-3. Pufendorf, ein Mitbegründer der Wissenschaft des Natur- und
-Völkerrechtes.
-
-Freiherr +Samuel von Pufendorf+, einer der Gründer der Wissenschaft
-des Natur- und Völkerrechtes, ist am 8. Januar 1632 zu +Dorfchemnitz+
-geboren. Er besuchte die Fürstenschule zu Grimma, widmete sich dann in
-Leipzig und Jena dem Studium der Rechte und wurde 1658 Hofmeister im
-Hause des schwedischen Gesandten +Coyet+ in Kopenhagen. Die Schrift
-»Elemente der allgemeinen Rechtswissenschaft«, welche 1660 in Haag
-erschien, bewirkte 1661 seine Berufung zum Professor des Natur- und
-Völkerrechts an die Universität +Heidelberg+. Doch schon 1670 folgte
-Pufendorf einem Rufe an die neue schwedische Universität +Lund+. Durch
-weitere Schriften erhob er das Naturrecht zu einer selbständigen
-Wissenschaft. Für das Verhältnis des Staates zur Kirche schuf er die
-von allen gegenwärtigen Staaten angenommene Theorie des Kollegialismus.
-1686 wurde er nach +Stockholm+ berufen und zum Staatssekretär,
-königlichen Hofrat und Historiographen ernannt. 1688 begab er sich nach
-+Berlin+, wo er von dem Kurfürsten +Friedrich Wilhelm+ von Brandenburg
-als Historiograph und Kammergerichtsbeisitzer angestellt und 1690
-zum Geheimrat ernannt wurde. König +Karl XI.+ von Schweden erhob ihn
-1694 in den Freiherrnstand. Er starb am 26. Oktober 1694 in +Berlin+.
-Pufendorfs älterer Bruder, +Esaias Pufendorf+, starb am 26. Oktober
-1689 als dänischer Gesandter in Regensburg. Derselbe hat mehrere
-theologische und historische Schriften veröffentlicht.
-
- Nach Meyers Lexikon.
-
-
-4. Gottfried Arnold, der Kirchen- und Ketzerhistoriker.
-
-Der lutherische Theologe +Gottfried Arnold+ ist am 5. September 1666
-zu +Annaberg+ geboren. Seine Studien machte er in +Wittenberg+. Im
-Jahre 1697 ward er Professor der Geschichte in +Gießen+. Sein Verkehr
-mit +Spener+ in Dresden regte ihn pietistisch an. In Frankfurt und
-Quedlinburg kam er durch persönliche Verbindungen zu einem mystischen
-Separatismus. Er enthielt sich des Kirchenbesuches und verschmähte
-das heilige Abendmahl. 1698 legte er seine Professur nieder. Später,
-1700, hat er sich verheiratet. Da er seine Ansichten geändert hatte,
-wurde er Hofprediger der verwitweten +Herzogin von Sachsen-Eisenach+
-in +Allstedt+. 1714 starb er in +Perleberg+ als Prediger, nachdem er
-seit 1707 dort gelebt hatte. Vorher wirkte er seit 1704 als Prediger in
-+Werben+. Von Arnold rühren mehrere mystische Schriften her. Geistliche
-Lieder hat er auch gedichtet. Sein Hauptwerk aber ist die ihrer Zeit
-schon durch die Darstellung Aufsehen erregende »Unparteiische Kirchen-
-und Ketzerhistorie«, worin er der Ketzerei ein Streben nach wahrem
-Christentume zuschrieb und ihre Berechtigung durch die Mängel und die
-Ausbreitung der Kirche nachwies.
-
- Nach ~Dr.~ Röselmüller.
-
-
-5. Kramer, der Kirchenliederdichter.
-
-Der berühmte Kanzelredner und Kirchenliederdichter +Johannes Andreas
-Kramer+ wurde 1723 in +Jöhstadt+ geboren. Er wurde 1748 Prediger zu
-Krollwitz bei Magdeburg. 1750 schon treffen wir ihn als Oberhofprediger
-in +Quedlinburg+. Seit 1754 ist er deutscher Hofprediger in
-+Kopenhagen+ und seit 1765 zugleich Professor der Theologie ebenda
-gewesen. +Lübeck+ berief ihn 1771 zum Superintendenten. Dann ward er
-1774 erster Professor der Theologie in Kiel. Hier wurde er 1784 zum
-Universitätskanzler und Rektor ernannt. Am 12. Juni 1788 starb er in
-Kiel. -- Er stiftete ein homiletisches Institut und ist der Gründer
-des ersten Schullehrerseminars für +Schleswig-Holstein+ geworden. Auch
-gab er den Herzogtümern einen verbesserten Katechismus und ein neues
-Gesangbuch. Am bekanntesten sind unter seinen Werken seine »Sämtlichen
-Gedichte« und seine »Hinterlassenen Gedichte«, woraus viele Lieder in
-die Gesangbücher übergegangen sind.
-
- Nach Meyers Lexikon.
-
-
-6. Duflos, der Vater der Pharmazie.
-
-Im Jahre 1889 starb zu +Annaberg+ der Geheime Rat Professor ~Dr.~
-Adolf Ferdinand +Duflos+, Ritter u. s. w. Er stammt aus +Artenay+
-bei Orleans in Frankreich und ist am 2. Februar 1802 daselbst
-geboren. In den Napoleonischen Kriegen kam er mit seinem Vater nach
-+Torgau+. Er fand ein Unterkommen bei dem dortigen Rektor Benedict,
-welcher später die Waise bei seiner Übersiedelung als Rektor der
-Lateinschule nach +Annaberg+ mit sich nahm. +Duflos+ trat als Lehrling
-in die Annaberger Apotheke ein. Als einst, den 27. Februar 1817,
-Apotheker Hertel einen Vortrag über die Beleuchtung durch Gaslicht
-aus Steinkohlen nebst einigen erläuternden physikalischen Versuchen
-in der Museumsgesellschaft zu Annaberg hielt, bereitete der damalige
-Apothekerlehrling +Duflos+ das Gas dazu. Niemand mochte ahnen, zu
-welcher Bedeutung der 15jährige noch in ganz Deutschland gelangen
-würde. Er gilt in ganz Deutschland als »Vater der Pharmazie« und ist
-Verfasser vieler hochgeschätzter chemischer Werke. Seit 1866 lebte
-er in stiller Zurückgezogenheit in Annaberg. Sein Grab wird zu den
-berühmtesten des schönen Friedhofes gezählt werden. Er liegt im
-Brodengeyerschen Schwibbogen.
-
- Nach Fr. Brodengeyer und Ruhsam.
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Inhaltsverzeichnis.
-
-
- Das Obererzgebirge.
-
-
- Erster Abschnitt.
-
- Seite
-
- =Die Landschaft des Obererzgebirges= 1
-
- 1. Unera Hamet 1
-
- 2. Das Lied vom Erzgebirge 1
-
- 3. Die Bedeutung des Erzgebirges für das Vaterland 2
-
- 4. Das Obererzgebirge 3
-
- 5. Ehemaliges Landschaftsbild des Obererzgebirges 4
-
- 6. Erzgebirgische Jagden 5
-
- ~a.~ Eine Jagd im Erzgebirge im Jahre 1 nach
- Christo 5
-
- ~b.~ Kurfürstliche Jagden im oberen Erzgebirge 6
-
- ~e.~ Jagdfronden der Obererzgebirger 8
-
- ~d.~ Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden
- Tieren in Dresden 9
-
- ~e.~ Die Wildschützen 10
-
- 7. Eishöhlen im Erzgebirge 10
-
- 8. Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder 11
-
- 9. Fischreichtum erzgebirgischer Flüsse 13
-
- 10. Die Kartoffeln im Erzgebirge 14
-
- 11. Reihenfolge der Städte Sachsens bezüglich ihrer
- Lage über der Ostsee 15
-
- 12. De Stähd in'n Öber-Ärzgebärg 16
-
-
- Zweiter Abschnitt.
-
- =Das Volkstum des Obererzgebirgers= 17
-
- 13. Die Mundart des Obererzgebirgers 17
-
- 14. Arzgebergsche Sprichwörter 18
-
- 15. Der Volkscharakter der Erzgebirger 19
-
- 16. Die obererzgebirgische Kirmes 21
-
- 17. Weihnachten im Obererzgebirge 22
-
- 18. Die Weihnachtsspiele im Obererzgebirge 24
-
- 19. Erzgebirgische Heilige Christfahrt aus der Zeit
- des 30jährigen Krieges 26
-
- 20. Erzgebirgische Weihnachtslieder 27
-
- ~a.~ Dr Weihnachts-Heiligohmd 27
-
- ~b.~ Ä annersch Weihnachtslied 28
-
- 21. Michels Erzählung vom Annaberger Vogelschießen 29
-
- 22. Dos arzgebergische Mädl 29
-
- 23. Erzgebirger beim ersten sächsischen
- Volkstrachtenfest 30
-
- 24. Der Streittag 30
-
-
- Dritter Abschnitt.
-
- =Die Besiedelung des Obererzgebirges= 33
-
- 25. Die Besiedelung des Erzgebirges 33
-
- ~a.~ Die Besiedelung des Erzgebirges in
- vorwettinischer Zeit 33
-
- ~b.~ Die Besiedelung des oberen Erzgebirges in
- wettinischer Zeit 34
-
- 1. Die wilde Ecke 34
-
- 2. Entstehung der Orte in Annabergs
- Umgegend 34
-
- 3. Entstehung Annabergs und anderer
- Bergstädte des Obererzgebirges 35
-
- 4. Jüngere Gründungen im Obererzgebirge 36
-
- 26. Die Urbarmachung des Gebirges 36
-
- 27. Die obererzgebirgischen Ortsnamen 36
-
- 28. Die Dörfer 40
-
- ~a.~ Slawische Dörfer 40
-
- ~b.~ Deutsche Dörfer 40
-
- ~c.~ Reste der sorbischwendischen Sprache 41
-
- 29. Einzelansiedelungen im Obererzgebirge 42
-
- 30. Die Bauart des Erzgebirgshauses 42
-
- 31. Der erzgebirgische Kirchenbau 43
-
- 32. Die Wappen der Erzgebirgsstädte 45
-
- 33. Uralte Verkehrswege im Erzgebirge 46
-
- 34. Die Pässe des Erzgebirges 47
-
- 35. Die Verkehrswege 48
-
- ~a.~ Die obererzgebirgischen Eisenbahnen 48
-
- ~b.~ Die alten Postsäulen 49
-
- 36. Die Bevölkerung des Obererzgebirges sonst und
- jetzt 49
-
-
- Vierter Abschnitt.
-
- =Die Kriegszeiten des Obererzgebirges= 51
-
- 37. Der Kriegszug Kaiser Heinrichs II. über das
- Erzgebirge 51
-
- 38. Raubritterunwesen im Obererzgebirge 52
-
- 39. Der obererzgebirgische Schauplatz des
- Prinzenraubes 52
-
- ~a.~ Altes Volkslied 52
-
- ~b.~ Der Fürstenberg bei Grünhain 53
-
- 1. Wie der Berg den Namen erhält 53
-
- 2. Herzog Albrecht besucht seinen
- Befreiungsort 53
-
- ~c.~ Wie das jetzige Brunnendenkmal geweiht wird 54
-
- ~d.~ Das Köhlerhaus am Fürstenbrunnen 54
-
- ~e.~ König Friedrich August II. und seine
- Gemahlin am Fürstenbrunnen 54
-
- ~f.~ Sagen und Geschichten zum Prinzenraube 55
-
- 1. Die große Glocke in Geyer 55
-
- 2. Der Fürstenbrunn bei Raschau 55
-
- 3. Der Kretscham und Fürstenbrunnen bei
- Neudorf a. d. Sehma 56
-
- 4. Die Prinzenkleider in der Kirche zu
- Ebersdorf 56
-
- 40. Die Hussitenkämpfe im Erzgebirge unter
- Friedrich dem Streitbaren 57
-
- ~a.~ Der Ausbruch des Krieges 57
-
- ~b.~ Schrecknisse im Obererzgebirge während
- des Krieges 57
-
- ~c.~ Wüste Marken im Obererzgebirge aus der
- Zeit der Hussitenkriege 60
-
- 41. Das Obererzgebirge im Bauernkriege 61
-
- ~a.~ Die Kriegsereignisse 61
-
- ~b.~ Die 12 Artikel der Bauern 63
-
- ~c.~ Anzeichen für den Bauernkrieg 63
-
- 42. Das Obererzgebirge im Schmalkaldischen Kriege 64
-
- ~a.~ Der Kriegsschauplatz im Obererzgebirge 64
-
- ~b.~ Kriegsdrangsale in Zwickau 64
-
- ~c.~ Drangsale in Schneeberg 67
-
- 43. Der Dreißigjährige Krieg im oberen Erzgebirge 68
-
- ~a.~ Kurfürst Johann Georgs I.
- Verteidigungswerk 68
-
- ~b.~ Wie in Böhmen der Krieg ausbricht 69
-
- ~c.~ Wie dem Obererzgebirge das Kriegsunglück
- naht 69
-
- ~d.~ Wie wichtige Obererzgebirgspässe
- besetzt werden 70
-
- ~e.~ Die ersten Kriegsdrangsale in Marienberg 71
-
- ~f.~ Wallensteins Truppen kommen 71
-
- ~g.~ Oberst Preuß vor Marienberg 72
-
- ~h.~ Wie die Kaiserlichen nach der Lützner
- Niederlage im Gebirge hausen 73
-
- ~i.~ Wie Bauern die Kaiserlichen vertreiben 74
-
- ~k.~ Das Kriegsjahr 1634 75
-
- ~l.~ Zschopau wird niedergebrannt 76
-
- ~m.~ Die Sachsen in Marienberg 77
-
- ~n.~ Wie die Schweden ins Gebirge kommen 77
-
- 1. Der Beginn der Schwedengreuel 77
-
- 2. Die Schweden werden aus Marienberg
- vertrieben 78
-
- 3. Das Schreckensjahr 1639 79
-
- 4. Kriegsgreuel in Cranzahl 81
-
- ~o.~ Wie General Wrangel nach Schlettau kommt 82
-
- ~p.~ Wie die Bewohner des Gebirges als
- Flüchtlinge leben 82
-
- ~q.~ Wie die Landwirtschaft darniederliegt 83
-
- ~r.~ Die letzte Schlacht auf
- sächsischem Gebiete 84
-
- ~s.~ Wie es nach dem Kriege im Gebirge aussah 84
-
- 44. Im nordischen Kriege 85
-
- 45. Das Obererzgebirge im Siebenjährigen Kriege 86
-
- 1. Beginn des Krieges 86
-
- 2. Die Preußen im Erzgebirge 86
-
- 3. Die ersten Lieferungen 87
-
- 4. Aushebungen im Erzgebirge 87
-
- 5. Nach der Schlacht bei Kolin 1757 87
-
- 6. Nach der Niederlage bei Hochkirch 88
-
- 7. Die Auer Schlacht 1759 88
-
- 8. Die Jahre 1760 und 1761 88
-
- 9. Das Ende des Kriege 89
-
- 10. Ein Beispiel der Vaterlandsliebe aus dem
- Siebenjährigen Kriege 90
-
- 46. Die Freiheitskriege 91
-
- Das Banner der sächsischen Freiwilligen 91
-
- 1. Der Aufruf 91
-
- 2. Die Einrichtung des Banners 92
-
- 47. Die Pest im Erzgebirge 92
-
- 1. Wie die Pest in Annaberg auftritt 92
-
- 2. Wie die Krankheit sich zeigt 93
-
- 3. Wie schon 1568 kein Geistlicher mehr zu
- den Pestkranken gehen will 93
-
- 4. Wie man an Pestmacher glaubt 93
-
- 5. Die letzte Pest im Erzgebirge 94
-
- 48. Die Teuerung und Hungersnot im Erzgebirge
- 1771 und 1772 95
-
-
- Fünfter Abschnitt.
-
- =Das Wirtschaftsleben des Obererzgebirges= 100
-
- 49. Die obererzgebirgische Kohlenbrennerei 100
-
- ~a.~ Die Entstehung des Gewerbes 100
-
- ~b.~ Eine Köhlerwohnung in alter Zeit 101
-
- ~c.~ Das Harzen in früherer Zeit 101
-
- 50. Der ehemalige Zinnbergbau 101
-
- 51. Der ehemalige Silberbergbau 102
-
- ~a.~ Altes Berglied 102
-
- ~b.~ Die Namen der Zechen 103
-
- ~c.~ Obererzgebirgische Bergleute in der Fremde 103
-
- ~d.~ Die bergmännischen Werkzeuge etc.
- in früherer Zeit 104
-
- ~e.~ Die Verbreitung des obererzgebirgischen
- Bergbaues 106
-
- 1. In seiner Blütezeit 106
-
- 2. In späteren Jahrhunderten 108
-
- 52. Die erzgebirgische Eisenindustrie 108
-
- ~a.~ Die Eisenhämmer 108
-
- ~b.~ In einer obererzgebirgischen Eisenhütte
- vor 50 Jahren 109
-
- ~c.~ Die Blechlöffelfabrikation 110
-
- 53. Die Blaufarbenwerke 111
-
- ~a.~ Besuch eines alten Blaufarbenwerkes 111
-
- ~b.~ Sage von der Erfindung der
- Blaufarbenbereitung 112
-
- 54. Torfstecherei im Erzgebirge 113
-
- 55. Die Auer Porzellanerde 114
-
- 56. Die Spitzenklöppelei im Erzgebirge 114
-
- ~a.~ Barbara Uttmann 114
-
- ~b.~ Das Spitzenklöppeln im Obererzgebirge 115
-
- ~c.~ Die Namen der Spitzenmuster 115
-
- ~d.~ Maria im Erzgebirge 116
-
- ~e.~ Die jetzigen Klöppelschulen 116
-
- 57. Der ehemalige Hausierhandel im Erzgebirge 116
-
- 58. Die erste Baumwollspinnerei Sachsens 118
-
- 59. Die gegenwärtigen Industriezweige im oberen
- Erzgebirge 120
-
- 60. Ehrentafel berühmter Obererzgebirger:
- 1. Mykonius 2. Sarcerius. 3. Pufendorf.
- 4. Gottfried Arnold. 5. Kramer. 6. Duflos 122
-
-
-Druck von +C. G. Roßberg+ in Frankenberg i. Sa.
-
-
-
-
-Verlags-Verzeichnis
-
-der Graser'schen Buchhandlung (Richard Liesche) in Annaberg.
-
-
-I. Das Erzgebirge betreffend:
-
- =Das Erzgebirge.= Gemeinverständliche wissenschaftliche Aufsätze.
- Herausgegeben vom Erzgebirgs-Zweigverein Chemnitz. Band I M. 1,50:
-
- Die Namen des Erzgebirges. Von Professor ~Dr.~ S. +Ruge+.
-
- Über die Entstehung des Erzgebirges. Von ~Dr.~ T. +Sterzel+.
-
- Die räumliche Ausbreitung des erzgebirgischen Bergbaues im
- Mittelalter. Von W. +Zöllner+.
-
- Die Spielwaren-Industrie des Erzgebirges. Von H. +Gebauer+.
-
- Das Klima des Erzgebirges. Von ~Dr.~ H. +Hoppe+.
-
- Ein botanischer Frühlingsspaziergang von Chemnitz nach
- Lichtenwalde. Von ~Dr.~ E. R. +Zimmermann+.
-
- -- Band II M. 1,50:
-
- Erzgebirgisches Volks- und Wirtschaftsleben im 16. Jahrhundert.
- Von ~Dr.~ H. +Jacobi+.
-
- Flurnamen aus dem Erzgebirge. 1. und 2. Teil. Von E. +Weinhold+.
-
- Ausflug von Chemnitz nach Wildenthal und dem Kranichsee.
- Von Prof. ~Dr.~ +Zimmermann+.
-
- Thum während des dreißigjährigen Krieges. Von Paul +Schneider+.
-
- -- Band III. 1. Die Unruhen im Erzgebirge während des Bauernkrieges.
- Von ~Dr.~ +Paul Uhle+. M. --,50.
-
- =Album vom Obererzgebirge.= Visit M. 1,20.
-
- =Album des historischen Festzugs zum Jubiläum der Stadt Annaberg.
- 1896.= M. 1,50.
-
- =Annaberger Bergmannsmarsch.= Nach alten Weisen gesetzt von
- E. +Stahl+
-
- für Pianoforte oder Zither je M. --,60,
- für Hornmusik M. 1,20.
- für Orchester oder Harmonikamusik. je M. 1,80,
- für Kavalleriemusik M. 1,--.
-
- =Aus dem Zwönitzthale.= Herausgegeben vom Erzgebirgszweigverein
- Zwönitz, 1895/96. M. 1,--.
-
- +Bartusch+, P., Seminar-Oberlehrer, =Die Annaberger Lateinschule
- im 16. Jahrhundert=. Ein schulgeschichtliches Kulturbild. 1897.
- M. 2,50.
-
- +Berlet+, B., Professor, =Wegweiser durch das sächs.-böhm.
- Erzgebirge=. 1900. 9. von E. Prasse und ~Dr.~ Köhler
- bearbeitete Auflage, geb. M. 2,--.
-
- +Böthig+, B., =Hymnus auf Annaberg=, für Pianoforte M. 1,--.
-
- +Carl Crüwell+, =Das Stadttheater zu Annaberg=. Ein Gedenkblatt
- zum Tage der vierhunderjährigen Jubelfeier der Gründung der
- Stadt Annaberg. 1896. Komm.-Verlag. M. 2,--.
-
- +Ficker+, B., =Annaberg vom Jahre 1843--68=. (M. 2,50) für M. 1,25.
-
- +Finck+, =Barbara Uttmann, die Begründerin der Spitzen-Industrie
- im Erzgebirge=. M. --,50.
-
- =Führer durch Eibenstock, Wildenthal, Carlsfeld, Rautenkranz,
- Morgenröthe und Umgebungen.= Mit Karte, Panorama vom Auersberg
- und Bildern. M. --,50.
-
- +Frisch+, ~Dr. phil.~, =Die Flora des Pöhlberggebietes=. M. 1,50.
-
- =Gedichte und Geschichten in erzgebirgischer Mundart.=
- 4 elegante Leinwandbände je 2,50 und 5 Hefte je --,70
- geheftet, --,80 kart.
-
- Die Sammlung erzgebirg. Gedichte und Geschichten spiegelt
- mit ihrem innig-sinnigen, ernstheiteren, herzerfreuenden
- Inhalt getreu den Sinn des Erzgebirgers wieder. Die Bändchen
- bieten Ernst und Scherz in bunter Reihe; voll tiefen Gemütes
- und oft zwerchfellerschütternden Humors sind sie eine
- kräftige, kerngesunde Kost und von Heft zu Heft finden sie
- erfreulicherweise immer mehr Anklang und Teilnahme bei den
- Freunden und Bewohnern unseres Erzgebirges.
-
- +Göpfert+, ~Dr.~, E., Prof., =Über den Unterricht in der
- Heimatkunde=. M. --,90.
-
- -- =Der Greifenstein zu Ehrenfriedersdorf und seine Sagen.=
- M. --,40.
-
- +Grohmann, Max+, =Das Obererzgebirge und seine Städte in Sage
- und Geschichte=. 2. erweiterte Auflage. 1900. ~a~) Gesamt-Ausgabe.
- ~b~) In Sonder-Ausgaben für jede Stadt einzeln.
-
- -- =Die St. Annenkirche als Mittelpunkt kirchlicher Kunst und
- religiösen Lebens in Annaberg.= M. --,50.
-
- +Herrig+, Seminar-Oberlehrer, =Geognostisch-geologische Beschreibung
- von Annaberg und Umgegend=. Kommissions-Verlag, M. 1,--.
-
- A. +Israel+ und J. +Ruhsam+, =Schlüssel zum Bestimmen der in der
- Umgegend von Annaberg-Buchholz wildwachsenden Pflanzen=. M. 2,80.
-
- Separat-Abdruck daraus: =Abbildungen der Pflanzen=. M. --,50.
-
- +Krauß+, P., =Touristenkarte vom Zentral-Erzgebirge.= 1 : 75000.
- M. --,90, aufgez. auf Lwd. M. 1,80.
-
- +Lindner+, =Wanderungen durch die interessantesten Gegenden
- des sächsischen Obererzgebirges.= Mit 12 Lithographien.
- 1848. M. 2,40.
-
- +Lungwitz+, H., =Altes und Neues über Karl Stülpner,
- den Raubschützen des Obererzgebirges=. Komm.-Verlag.
- M. --,75.
-
- -- =Geschichte des Rittersgutes Tannenberg bei Geyer.= 1897.
- M. 1,--.
-
- +Metzner, Osk.+, =Das Erzgebirge und seine Bedeutung für die
- Kulturentwicklung Sachsens=. M. --,40.
-
- +Metzners+ =Führer durch das gesamte Vogtland=. 4. Auflage.
- Gesamtausgabe M. 2,50.
-
- -- 1. Teil: +Plauen und die vogtländische Schweiz+,
- mit 25 Illustrationen, einer Karte und Stadtplan.
- 4. Auflage. M. --,50.
-
- -- 2. Teil: +Das Saalethal und das untere Elsterthal+,
- mit Illustrationen und einer Wegekarte.
- 4. Auflage. M. 1,20.
-
- -- 3. Teil: +Das obere Vogtland und die Übergangstouren
- nach dem Erzgebirge.+ Mit Illustrationen,
- einer Wegekarte, Rundsicht vom Friedrich-Auguststein
- u. s. w. M. 1,20.
-
- =Mitteilungen des Vereins für Geschichte von Annaberg und Umgeg.=
- Komm.-Verlag. Jahrbuch 1--6, je M. --,80 bis 1,50.
-
- +Peschel+, C., Pfarrer in Buchholz, =Aarzgebergsches Wiengliedl=
- für 4-stimmigen Männerchor oder Quartett.
- Partitur und Stimmen M. 1,60.
-
- =Prinzenraub, der sächsische=, nebst einer Beschreibung des Denkmals
- am Fürstenberge bei Grünhain. M. --,80.
-
- =Rückblicke auf Annabergs und seiner Umgebungen Vorzeit.=
- Hauptquellenwerk der Geschichte Annabergs und des
- Obererzgebirges. M. 2,--.
-
- =Rundsicht= vom Fichtelberg und Keilberg M. --,30, vom Auersberg
- M. --,30, vom Pöhlberg bei Annaberg M. --,30.
-
- +Schwerdtner+, E., Schulrat, =Vierter Bericht über das Königl.
- Lehrer-Seminar zu Annaberg. 1889--1896.= Komm.-Verlag, M. 2,50.
-
- +Siegel+, E., =Zur Geschichte des Posamentier-Gewerbes, besonders
- der erzgebirg. Posamentier-Industrie=. Geh. M. 2,50, geb. M. 3,--.
-
- +Siegert+, Hans, =A bieser Traam.= Schwank in erzgebirgischer
- Mundart. M. --,60.
-
- +Straumer+, F., Prof., =Allerlei aus dem Erzgebirge=. Bilder und
- Geschichten. Zwei Bände, geh. je M. 1,50, geb. M. 2,--.
-
- +Süßmilch-Hörnig+, M. v., Oberst z. D., =Das Erzgebirge in Vorzeit,
- Vergangenheit und Gegenwart=. Geh. M. 4,50, geb. M. 6,--.
-
- Dem von Süßmilch'schen Werke ist von den wissenschaftlichen
- wie politischen Zeitungen, von den besten Kennern
- unseres Gebirgslandes, von den Leitern des sächsischen
- Schulwesens glänzende Anerkennung zu teil geworden. Das
- Hohe Kultusministerium von Sachsen hat den Volks- und
- Schulbibliotheken, das Hohe Kriegsministerium den Truppenteilen
- und Militärbibliotheken der Königl. Sächs. Armee das Werk zur
- Anschaffung warm empfohlen.
-
- =Volkslieder aus dem Erzgebirge.= Gesammelt von ~Dr.~ A. Müller.
- M. 1,--.
-
- =Wanderungen durch das obere Zschopauthal (Crottendorf und
- Umgegend).= Komm.-Verlag, M. --,50.
-
- +Wildenhahn+, J., Prof., ~Dr.~, =Vortrag über Felix Weise
- aus Annaberg=. M. --,60.
-
- +Zabel+, H. P., =Chronik von Zöblitz=. Geh. M. 4,--.
-
- -- =Geschichte der Serpentinstein-Industrie von Zöblitz.=
- Geh. M. --,80.
-
- +Ziehnert+, W., =Sachsens Volkssagen. Balladen, Romanzen und
- Legenden=. 5. Aufl. Geh. M. 3,--, geb. M. 4,--.
-
- +Zimmermann+, K. E., =Aus Annabergs Vergangenheit=. M. --,60.
-
-
-II. Verschiedenes:
-
- +Bothe+, Prof., ~Dr.~, =Sammlung von Rechenaufgaben für höhere
- Schulen=. 3. Auflage. 3 Hefte, je M. 1,-- bis M. 1,50.
-
- +Damm+, O., =Schopenhauers Ethik im Verhältnis zu seiner
- Erkenntnislehre=. M. 2,--.
-
- +Hahnemann+, B., =Praxis des Zeichen-Unterrichts=. M. 1,80.
-
- +Hartmann+, B., Direktor, ~Dr.~, =Das volkstümliche deutsche
- Kinderlied=. M. 1,--.
-
- =Jahresberichte des Annaberg-Buchholzer Vereins für Naturkunde.=
- Komm.-Verlag. 9 Hefte, je M. 1,25 bis M. 2,40.
-
- +Israel+, A., Schulrat, =Erfahrungen auf Alpenreisen=. M. --,60.
-
- +Israel+, G. A., Seminardirektor, =Einführung in das Gesangbuch
- für die evang.-luth. Landeskirche Sachsens=. M. 1,--.
-
- +Kaden+, Edmund, =Aus Höhen und Tiefen=. Gedichte. M. 1,75.
-
- +Krug+, J., =Rechnung mit gemeinen Brüchen=. M. --,80.
-
- +Lubrich+, Fritz, =Psalm 21=. Für gemischten Chor. Partitur und
- Stimmen, M. 1,60.
-
- =Naturgeschichtliche Tafeln für Schule und Haus.= 1) Eßbare Pilze,
- M. --,90. 2) Giftige Pilze, M. 1,20. 3) Die wichtigsten
- Schmetterlinge, M. 1,20. Großfolio-Wandtafeln in 10farbigem
- Buntdruck.
-
- =Mixtur, Musikalische=. M. --,50.
-
- +Röselmüller+, A. W., ~Dr.~, =Gottfried Arnold als
- Kirchenhistoriker, Mystiker und geistl. Liederdichter=.
- Komm.-Verlag, M. 1,--.
-
- -- =Das Leben und Wirken des Erasmus Sarcerius.= Komm.-Verlag,
- M. 1,--.
-
- =Sammlung christlicher Festspiele.=
-
- 1. +Mosen+, =Christi Geburt=. In 7 Handlungen. 3. Auflage.
- M. --,60. Das beliebteste Weihnachtsspiel des Erzgebirges.
-
- 2. +Schultze+, Pastor, =Joseph=. Biblisches Festspiel in
- 5 Abteilungen und 17 Bildern. M. --,70.
-
- 3. -- =Ruth=. Biblisches Festspiel. M. --,70.
-
- 4. -- =Absalom=. Trauerspiel. M. --,90.
-
- 5. +Wächter+, Archidiakonus, Annaberg, =Paulus in Ephesus=.
- Ein biblisches Drama. M. --,60.
-
- 6. -- =Elis Söhne=. Biblisches Schauspiel. M --,70.
-
- +Schreyer+, W., Schulrat, =Entwurf zu Stoff- und Stundenplänen
- für die einfachen Volks- und allgemeinen Fortbildungsschulen,
- sowie eine Schulordnung=. M. 2,--.
-
- +Stiehler+, Kgl. Bezirksarzt, ~Dr.~, =Zur Schulgesundheitspflege=.
- M. --,25.
-
- +Stößner+, Prof., ~Dr.~, =Elemente der Geographie in Karten und
- Text=. 15. Auflage, geh. M. 1,50, geb. M. 2,--.
-
- +Vogel+, F. W., =Fibel für den vereinigten heimatkundlichen
- Anschauungs-, Sprech-, Schreib- und Leseunterricht=. M. --,60.
-
- -- =Die Forderungen der Gegenwart an die Volksschulfibel.= M. --,50.
-
- +Voigt+, G., ~Dr.~, =Friedrich Rückerts Gedankenlyrik=. M. 1,--.
-
- +Zeißig+, E., =Zur Reform des Geometrieunterrichts in der
- Volksschule=. M. --,60.
-
- +Zienert+, G., =Hochzeit beim Wastl-Wirth=. Schwank, M. 1,50,
- Klavierauszug, M. 3,--.
-
- -- =Im Wastlwirthshäusl=. Schwank, M. 1,50, Klavierauszug, M. 3,--.
-
-
-Eine Anzahl kleiner Hefte und älterer Schriften ist nicht mit
-aufgenommen.
-
-Die Verlagsbuchhandlung sieht Angeboten neuer Manuskripte gern entgegen.
-
-Graser'sche Buchhandlung (Richard Liesche) Verlag.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Offensichtliche Satzfehler wurden stillschweigend korrigiert.
- Unterschiedliche Schreibweisen wurden beibehalten.
-
- Korrekturen (das korrigierte Wort ist in {} eingeschlossen):
-
- S. 64: 1625 → 1525
- am 15. Februar {1525} des Nachts
-
- S. 81: Trauung → Beerdigung
- mußte eine {Beerdigung} bis Sonntag Estomihi
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Geyer und das Obererzgebirge in Sage
-und Geschichte, by Max Grohmann and Hermann Lungwitz
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEYER UND DAS OBERERZGEBIRGE ***
-
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-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
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-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
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-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
-
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
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-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
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-To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
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-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
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-concept of a library of electronic works that could be freely shared
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